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Full text of "Denkschriften"
















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DENKSCHRIFTEN 



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KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE. 



EINUNDZWANZIGSTER BAND. 




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WIEN, 1872. 



IN CO MM ISS ION BEI KARL GEROLD'S SOHN 

BUCHHÄNDLER DEK KAIS. AKADEMIK.1)KJ! WISSKNSCIIAFTEN. 



INHALT. 



Erste Abtheilung. 

Abhandlungen von ]\[itgliedern der Akademie. 

Seite 

Miklosich: Die slavischen Elemente im Magyarischen 1 

— Die slavischen Ortsnamen aus A])pellativen. I. . 75 

Pfizmaier : Gedichte au«? ^m: Sammlung der zehntausend Blätter 107 

Miklosich: Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's. I. . . 197 

Zweite Abtheilung. 

Abhandlungen von Nicht-Mitgliedern. 

Sr/mlte: Die Glosse zum Decret Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten 

Ausgaben 1 



Erste Abtheilung. 



Abhandluno'en von Mitorliederii der Akademie. 



SLAVISCHEN ELEMlÄlM MAGYARISCHEN. 

VON 

D« FRANZ MIKLOSICH, 

WIRKLICHEM MITGUEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



VORGELEGT IN DEK SITZUNG AM 18. .UNNER 1871. 



Ui'bersicilt des liilialtes. 

1. Bedeutung der die Fremdwörter betreffenden Forscliung-en. II. Gescliielite der die slavischen Elemente im Magyariselien 
betreffenden Untersuchungen. III. Zweck der vorliegenden .Vbliandlung. IV. Heschräiikung der Abhandlung auf die ans dem 
Slavischen entlehnten magyarischen Wöi-ter mit Ausschluss der slavischen Suffixe und anderer uKiglicherweise auf das Slavische 
zmückführbarer Erscheinungen. V. Aufnahme der von den Slaveu selbst aus anderen Sprachen entlehnten Wörter. VI. Ent- 
lehnungen anderer Hnnischeu Sprachen. VII. Entstellung entlehnter Wörter. VIII. Aus welcher der slavischen Spraclu'U die 
slavischen Best;uidtheile des Magyarischen stammen. IX. Verschiedenheit zwisclien der slavischen und magyarischen Form. Laut- 
gesetze: a) Consonantischer Anlaut, b) Viicalharmonie. c) Trochaeischer Tonfall, d) a geht in ä, o in a über, e) Tonloses i fällt 
aus. f) Auslautendes y fällt ab. g) Ij geht in j über, h) Auslautendes d fällt ab. i) v fällt aus. k) Auslautendes h fällt ab. 
ll s geht in cz über, m) c geht vor e in es über. X. Ergebnisse für die Lautlehre des Altslovenischeu. XI. Veihältniss de.-! 
Nationalbewusstseins zu den Fremdwörtern. XII. Ueberaiclit der slavischen Hi'sta'udtheile des Älagyarischen na<;h sachlichen 
Kategorien. XIII. 'N'erzeichniss der im Magyarischen vertretenen slavischen Wörter. XIV. Magyarisches Register zu diesem 

Verzeichnisse. XV. Quellen. 



I. Die Forschungen, welche die Scheidung des Stammvermögens einer ' Sprache von 
deren spätem, auf l'lntlehnung beruhenden Erwerbungen zum Gegenstande liaben, werden 
im Interesse sowohl des Sprach- als der Geschichtsforschers angestellt: sie gcwillireu 
jenem über die entlehnende wie über die Sprache, aus der entlehnt worden, Aufschlü.sse, 
welche auf anderen Wegen nicht zu gewinnen sind; sie beleliren den IlLstorikor über 
Zeiten, die durch keine andere Quelle erhellt werden, über ( Jegenstän(U', von denen die 
Urkimden uiclits melden. Selbst für die Naturgeschichte haben die Lehnwörter eine 
nicht zu unterschätzende Bedeutung. 

Der Sprachforscher muss diese Siclitung des Sprachschatzes unternommen haben, 
bevor er daran geht, den Wortvorrath auf die nicht weiter analysirbaren 1-^lemente der 
Sprache, auf die ^^'urzeln zurückzuführen; er wird in Fragen der Lautlehre nicht selten 
mit Nutzen jene P'ormen ins Auge fassen, welche das Wort in einer anderen Sprache 
angenommen hat: indem er die durch die Lautgesetze der entlehnenden Sprache bedingten 
Veränderungen in. Abzug bringt, gevirinnt er, bei der relativen Starrheit entleljuter ^^ (jrter. 
jene Form, die das Wort zur Zeit seiner Aufnalime in die fremde Sprache liatte. 

Der Historiker wird einen nicht geringen Thcil der culturgeschichtlichen Daten aus 
Forschungen iilicr (He Lehnwr.rtcr schöpfen, da ja Worte und Sachen meist ungetrennt 
von Volk zu Volk wandern. So z. B. kann die Frage, ob staatliche KInrIchtungen bei 

Denksvhriflcn d.T [iliil -liist. (1. .\1.\. Bd. ^ 



2 Franz Miklosicii. 

den slavisclien Völkern autoclithon entstanden oder entlehnt worden sind, und, weini 
letzteres, woher sie stammen, bei dem Schweigen der Geschichte über diesen wichtigen 
Pmict, nur durch eine Prüfung der diese Einrichtungen bezeichnenden Worte gelöst 
werden. Der Träger der Staatsgewalt wird bei den Slaven vornehmlicli durch ktn^zL, 
krulb und cesarb neben cart bezeiclinet. Was lehrt nun die Betrachtung dieser Worte? 
k'bn(^zb, ktnc^gt ist gotli. *kuniggs, ahd. kiming, and. konungr, also ein deutsches Wort, 
das nicht blos bei allen slavisclien Völkern, sondern auch bei den Litauern und Letten 
und sogar bei den Finnen und ihren Verwandten, den Ehsten, Lappen u. s. w. Eingang 
gefunden hat, das demnach bei allen germanischen, slavisclien und den meisten finnischen 
Völkern bekannt, daher eines der verbreitetsten Wörter ist; ki-alb, aus dem Slavisclieii 
ebensowenig erklärbar als IcBnez, ist, wie schon Dobrovsky gelelirt hat, der zu einem 
Appellativum erweiterte Name des gewaltigen Karl des Grossen, nicht, wie W. Thomsen 
lo8 vermuthet, identisch mit and. karl, ahd. cliaral in der Bedeutung „paterfamilias'' ; 
es findet sich nur bei jenen slavisclien Völkern, denen staatliclie Einrichtungen durch 
Vermittelung der Deutschen zugefülirt wurden. Bulgaren und Russen ist kralb unbekannt 
geblieben, cesarb, wofür später carb, ist das mittelgriechiselie xaijap und liat zunächst 
nur bei jenen Slaven Eingang gefunden, denen jene Einrichtungen von ilen Griechen 
zugeführt wurden, bei den Bulgaren und Russen. Der Staat, wie alle Cultur im Gegen- 
satz zur Sitte in Europa importirt, ist demnach bei den slavischen Völkern theils deutschen, 
theils griechischen Ursprungs. Die eine Obei'herrschaft bezeichnenden einheimischen 
Benennungen wurden aufgegeben, als der Unterschied zwischen dem indigenen, blos 
patriarchalischen Regiment und der eigentlichen staatlichen Regierung sicli fühlbar maclite 
und zur Annahme eines die Sache streng bezeichnenden, jedes Schwanken ausschliessenden 
Namens drängte. Von diesen einheimischen Namen bezeichnen die mit vlad zusammen- 
hängenden Worte wohl eigentlich nur den Besitzer von Grund und Boden, während 
vojevoda, wie das genau entsprechende Herzog, nur den Anführer im Kriege bedeutet; 
zupan-B ist eigentlich das Haupt des Stammes und des von ihm bewohnten Landes: zupa, 
es war, mit dem Adjectiv veliki verbunden, der Titel des serbischen Stefan Nemanja 
und seines vSohnes, wurde jedoch durch kralj verdrängt, als der letztere, wie im Jalu-e 
1000 Steplian von Ungarn, vom Papst die Krone erhielt: (Sava) prosi (papu), jako da 
posbljetb jemu blagoslovenije otb svetyju apostolu i otb togo saniogo blagoslovenyj venbcb, 
jako da venbcajetb brata svojego na kraljevbstvo po prbvomu otbcbstvu kraljevbstva iJib 
(richtiger vielleiclit po prbvomu kraljevbstvu otbcbstva ihb propter antiquum regiuni nomen 
patriae eoruni, wobei an Diocletia gedacht wird) — i prinesenb bystb blagoslovenyj venbcB 
vb otbcbstvo jego — i pomaza jego duhonib svetyinib na kraljevbstvo, jako zvati se jemu 
samodrbzavbnomu gospodinu kirb Stefanu kralju. Zivot svetoga Simeuna i svetoga Save. 
Napisao Domentijan. Na svijet izdao Dj. Daniele. U Biogradu. 18G5. 24li, 247. Und 
um einen anderen bestrittenen Punct zu erwälmen, wo sassen jene Slaven, deren Sprache 
seit einem Jahrtausend die Kirchensprache der slavisch liturgirenden Völker der 
orientalischen imd occidentalischen Kirche ist? Die Geschichte beantwortet diese Frage 
dahin, jene Slaven hätten in Pannonien gewolmt; lateinische, griechische und slavische 
Quellen weisen die Behauptung, die slavische Kirchenspi-ache "sei von Bulgarien aus- 
gegangen, mit Entschiedenheit zurück. Und die .Geschichte findet einen bei der Zald 
und Verlässlichkeit der Quellen zwar -entbehrlichen, jedoch nicht . unwillkommenen 
Bundesgenossen an einer Anzahl von christliche Begrifi'e bezeichnenden \\ öi-tern 



Die slavisciien Elemente im Magyarischen. ,'} 

(ItMitsclien Ursprungs, deren Vorkommen bei den von bairischen Missionaren zuerst 
zum Christentlium bekehrten Slovenen Pannoniens natürlich ist, bei den Slovenen Bul- 
gariens geradezu unerklärbar wäre. Oder sind nicht alle jVnstrengungen, Würtei- wi(; 
goveti ahd. gavihjan, popii ahd. phafo, posti> ahd. l'asta, sreda ahd. mittawecha, si(,bota 
ahd. sambaz-tag anders als aus dem Deutschen zu erklären, gescheitert? Wenn man den 
deutschen Ursprung von sreda, Mittwoch, deswegen in Abrede stellt, weil er aucli in 
Bulgarien imd in liussland — Russen haben die sereda, serada den Litauern überliefert — 
gebraucht wird, so hat man nicht bedacht, dass die Kirchensprache aus l'annonien nach 
J>ulgarien und von da nach Russland gewandert ist: der Russe ^ der dt^n ^littwoch sreda 
nennt, ei'kennt hiemit den pannonischen Ursprung der Kirchensprache an. 

Die \Vichtigkeit der Lehnwörter für die Naturgeschiclite, namentlich hinslchtlicli dei' 
allmäligen Verbreitung der Cultiu'ptlanzen und Hausthiere, zeigt ein Blick in das von 
seltener Vereinigung von Sprach- und Sachkenntniss zeugende Buch V. Hehn's über 
diesen Gegenstand. 

II. Die Nachweisung der slavischen Wörter im Magyarischen hat schon mehr als 
einmal gelehrte Männer beschäftigt. Der erste, der sich diese Aufgabe stellte, wai' der 
in der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahi-hunderts gefeierte ungrische Staatsmann 
Faustus Vei'antius, eigentlich Vrancic, aus Sebenico in Dalmatien, f KilT, welcher in 
seinem 151)5 in Venedig gedruckten, 1834 zu Pressburg von Josephus Thewrewk de Ponor 
abermals herausgegebenen Dictionarium qidnque nobilissimarum Eiu'opae linguarum, 
latinae, italicae, germanicae, dalmaticae et ungaricae ein ziemlich umfangreiches Vor- 
zeichniss von solchen Wörtern zusanmienstellte. Des Verfehlten ist zum Verwumlern 
wenig: beteg und betegseg, bir und birsag, jilis und eles, hud und hitväny, krusva und 
körtvely und sogar lip (lept) und szep u. s. w. Auf Verantius folgte Samuel (lyarmathi 
in seinem Werke : Aflinitas linguae hungaricae cum lingids fennicae originis grammaticc; 
dcmonstrata. Gottingae IT!)!), der .''»Uli — Hd-t die von den ^lagyaren aus den slavischen 
Sprachen entlehnten Wörter in ziemlicii uidvritischer Weise zusammenstellt. Sein Nach- 
folger war Stephan Leschka, f 181S, in dem nach seinem Tode herausgegebenen Fllenchus 
vocabulorum europaeorum cumprimis slavicorum magyarici usus. Budae. 1S25, (dn 
Werk, dessen Brauchbarkeit nicht in Abrede gestellt werden kann. Die jüngste Arbeit 
über diesen (legenstand ist Magyaricae linguae lexicon critico-etymologicum. Studio et 
opera Gregorii Dankovszky. Posonii. ISüH — 1H;5(), in welcliem der Versucli gemaclit 
wird, in dem magyarisciien Sprachschatze das Kigenthündiche von dem Kutlehnten zu 
scheiden und die Ileimatli jedes entlehnten Woi'tes naclizuweisen, ein Vt'rsuch, der mir 
unzureichenden Mitteln gewagt als gescheitert anzusehen ist, wenn aucli der Forscher 
Juanchen Wink verwertlien kann. Das Resultat seiner Untersuchung spriclit der Verfasser 
in folgender Weise aus: ,Summa summarum. Magyarica primitiva iMi2; slavica 18!l8; 
graeea 701; graeco-slavica 188; ergo graeca 88i); latina i3.'U; germanica 288; italiea 2(>8; 
gallica 25; hebraica 4; itaque 3706 primitiva vocabula peregrina, atque adeo' magyarica 
primitiva ad peregrina heie se habent ut !)(>2 ad 3701). Summa tam nuigyarieorum <piani 
peregrinorüm primitivorum 4('>()S.' 

III. Dei- Zweck meiner Abhandlung ist natürlicli, den Gegenstantl derselben richtiger 
und vollstäniligcr darzustellen, als von meinen Vorgängern gesehehcn ist. Bei der 
Schwierigkeit, der. Untersuchung hiu icli ihu-uuf' gefasst, dass icli den iducn zu weit, den 
anderen hingegen ulilit weit genug gegangen hin. Das Verzeichniss enthält Maiu-lic<. 



N 



4 ' Franz MiKtosicH. 

dessen slavisclien Ursprung ich ausdrücklicli in Abrede stellen zu müssen glaubte, weil 
von Anderen die entgegengesetzte Ansicht ausgcsproclien wurde. Bei anderen Wörtern 
liabe ich ausdrücklich bekannt, dass mir deren Ui'prung dunkel ist. In sehr vielen 
Fällen endlich habe ich auf die abweichenden Ansichten Anderer hingewiesen, namentlich 
auf die Ausführungen A. Boilers in dem 17. und 19. Bande der Sitzungsberichte, Wenn 
ich micli durcli Bollei''s Darstellung nicht bestimmen Hess, meine Ansicht aufzugeben, so 
hat dies seinen (Jrund unter Anderem darin, dass ich nur die Zweige der finnischen 
Sprachfamilie als mit dem Magyarischen verwandt ansehe, nämlich finnisch, tscheremissisch, 
ehstnisch, lappisch, mordwinisch, ostjakisch, wogulisch, syrjanisch, und die übrigen 
Glieder der sogenannten ural-altaischen (turanischen) Sprachfamilie, das Samojedische, 
Tatarisclie, Mongolische und Tungusische, von dieser Verwandtschaft ausschliesse. 
A^ . Thomsen, Ueber den Einfluss der germanisclien Sprachen auf die finnisch-lappischen. 
Während ich mich zu den Residtaten der Untersuchungen Boilers meist ablehnend ver- 
halte, glaube ich die Forschungen von J. Budenz in den Nyelvtudomanyi közlemenyek 
als einen wahren Fortschritt auf dem Wege zur Erkenntniss des Verhältnisses des 
Magyarisclien zu den anderen finnischen Sprachen bcgrüssen zu sollen. Es ist im 
Interesse der Wissenschaft nur zu beklagen, dass die Untersuchungen von Budenz so 
wie der übrigen Sprachforscher in Ungarn, wie Hunfalvi's, Fabian's, über einen für die 
Sprachwissenschaft und die I']thnographie so wichtigen Gegenstantl in einem so wenig 
bekannten Idiom geschrieben sind. Schwerlich finden die genannten (belehrten in ihrem 
Vateidande für ihre Arbeiten mitfoi-schende Genossen, ohne deren Widerspruch oder Zu- 
stimmung es keine lohnende schriftstellei-ische Wirksamkeit gibt. 

IV. Ich habe micli in dieser Abhandlung auf die Nachweisung der aus dem Slavischen 
entlehnten Wörter des Magyarischen beschränkt: ich habe die slavischen Suifixe wie nok, 
eigentlich B>n-ik:B; ocz, ov-bcb: vadocz, eine Art Unkraut, von vad wild; 6ka, ovska; vadoka, 
Holzapfel, von vad wild, ebenso übergangen, wie die Untersuchung, ob niclit syntaktiscJie 
Ei'sclieinungen aus dem Slavischen zu erklären seien, wie etwa der Ausdruck des futiu-um 
mittelst fog, der im Slavischen in der Anwendung des imeti, noch mehr aber des j^ti, nac^ti 
ein Seitenstück findet, jedoch nicht daraus zu erklären ist, wenn wirklich dem ^lagyarisclien 
diese Bezeichnung des futurum erst seit dem K). Jahrhundert bekannt ist. Ueber die durch 
den Titel der Abhandlung gezogenen Grenzen liinausgegangen bin ich, indem ich eine 
Anzahl von Ausdrücken aufnalmi. die, der lieutigen Spraclie unbekannt, in Urkunilen und 
anderen historischen Quellen in lateinischer Foi-m vorkommen, wie dusbnikt, pristava> u. s. w. 

V. In das Verzeichniss habe icli niclit nur die ursprünglich slavischen, sondern auch 
jene Wörter aufgenommen, welclie, von den Slaven aus andern Sprachen entlehnt, aus 
ilem Slavischen den Weg ins Magyarische gefunden liaben. In manchen Fällen kann 
allerdings darüber gestritten werden, ob z. B. ein deutsclics W'ort von den JMagyarcn 
unmittelbar aus dem Deutschen oder aus ilem Slavischen entlehnt worden ist; in 
vielen wird die Entlehnung aus dem Slavischen durcli die nlich slavischen Lautgesetzen 
geänderte Form des \\'ortes nachgewiesen: man vergl. dbska, pogaca, popt u. s. w. 

VI. Bei manchen Wörtern habe ich die für dieselben (TCgenstände aus anderen 
Sprachen entlehnten Ausdrücke anderer Sprachen des finnischen Sprachkreises angeführt, 
weil jes mir nicht imwichtig erschien, nachzuweisen, dass andere von den Ungern seit 
vielen .lahrhunderten getrennte finnische Stämme zur Bezeichnung derselben Begriffe 
gleichfalls zu l'^ntlehnungen ilire Zuflucht genommen haben, und weil ich möglichen. 



DlK SliAVIälHiiN ElEMKNTK IM MaGYAIIISCHEN. T) 

von (leroleiclien Ausdrücken hergeholten l%iu\ven(lungen gegen die Jlirhtigkeit ineinei- 
Ansichten vorbeugen w^ollte: so könnte man der Ansicht, rozs sei aus dem Shivischen 
entlehnt, das finnische ruis entgegenhalten, das jedoch gleichfalls entlehnt ist entweder 
aus dem anoj-d. rugr oder, was viel wahrscheinliclier ist, aus dem lit. rugis. Thomsen 1(57. 

VII. Die entlehnten Wörter scheiden sich in zwei Kategorien, indem bei einigen 
die entlehnende Sprache an der Form des Wortes blos jene Veränderungen eintreten 
lässt, die ihre Lautgesetze fordern, andere dagegen in diesen Verändenmgen weiter 
gehen. Bäba, baj, belezna neben bilizna aus baba, boj, l)llzna gehören zur ersten Kate- 
gorie; während belend, gerizd neben gerezd, ordosics aus Idemb, griz, otrocic in die 
zweite Reihe zu setzen und als Entstellungen anzuseilen sind. Die Entlehnungen der 
zweiten Art treten aus der Reihe der gesetzmässigen Ersciieinungen heraus; sie sintl, wenig- 
stens vorläufig, als Werke des auch in der Sprachbildung nicht unthätigen Zufalls anzusehen. 

VIII. Schwierig ist die Frage, aus welcher von den slavischen Sprachen die slavi- 
schen Bestandtheile des Magyarischen stammen. Wenn man von dem iin allgemeinen 
gewiss richtigen Satze ausgeht, dass die Wörter mit den Sachen entlehnt werden, dass 
demnach das entlehnende und das darleihende Volk in unmittelbarer Berührung gestan- 
den haben müssen, so wird man für die erste Zeit nach der Niederlassimg der Magyaren 
in ihrer heutigen Heimath zunächst an die Slovenen denken, und zwar vor allem an 
die westlichen, die sich nach dem Untergang ihres (Jemeinwesens mit den Magyaren 
amalgamirt haben und in denselben zum aller grössten Theile aufgegangen sind, ein 
Umstand, der nach dem Zeugnisse der (jeschichte vorzüglicii die Aufnahme von Fremd- 
wörtern fördert, wobei nicht zu übersehen ist, dass die seit längerer Zeit duirli l)airische 
Missionäre und durch Cyrilhis und Methodlus zum Christentluim bekelirten und durch 
die Berührung mit den Deutschen einigermassen civilisirten Slovenen den auf dei- tiefsten 
Stufe der Cultur stehenden Magyaren in der Tliat etwas zu bieten hatten. Man wird 
weniger die südöstlichen (bulgarischen) Slovenen herbeizielien, die, einen eigenen, von 
der unteren Donau über Belgrad hinaus reichenden Staat bildend, in keinem Falle ein 
inniges Verhältniss mit den iVIagyarcn eingiengen. Ob die Bewohner des östlichen Theiles 
des mährischen Reiches dem slovenischen oder dem cechischen Stamme angeliörtcn, ist 
eine Streitfrage, für deren Lösung zu Gunsten des ersteren melir als ein (iruntl spricht. 
Die slovenischen Bestandtheile des Magyarischen sind dadurch kenntlich, dass in (U>n- 
selben a und (j durch mit Resonanteii schliessende Silben, e durch e und st, zd meist 
durch st, zsd ersetzt werden. Aus dem Serbischen haben in jener fniheu Zeit l-jit- 
lehnungen nicjit stattgefunden, weil die SeH)en erst sj):lter nach der Venh-ängung <ler 
bulgarischen Slovenen unmittelbare Na»hl)ai-n (h>r Magyaren geworden sin<l. Eben so 
wenig kommen die Kleinrussen in Betracht. In spätei'er Zeit liat allerdings Aufnalime 
von cechisciien, i-espective slovakischeu, sei-bisclien und kbunrussischen Wörtern statt- 
gefunden. Wenn in dieser Abliandlung einigemal polnisclie und russische \\ örter mit 
magyarischen zusammengestellt werden, so gehe icli daltel von der Ansicht aus, dass 
diese Wörter ehedem auch jenen slavisclien Stämmen l)ekannt waren, die mit den 
Magyaren in unmittelbarem Verkehr standen oder stehen. 

IX. Die Verschiedenheit zwischen der slavischen u)id der magyarischen Form der 
vom Magyarischen aus dem Slavischen entlelinteii Wörter berulit meist auf den Laut- 
gesetzen der magyarisclien Spraclie. Von diesen sind die wulitlgsten das Gesetz des 
consonantischen Anlautes und das der Voralhannonie. 



n Franz Miklosich. 

a. Nach dem Gesetz des consonantisclien Anlautes kann kein echt magyarisches Wort 
mit mehr als einem Consonanten anlauten. Diesem im Organismus der finnischen Sprachen 
üLerliaupt begründeten Gesetze fügen sich auch die aus anderen Sprachen aufgenom- 
menen Wörter. Die doppelte Consonanz im Anlaute wird beseitigt 1. dm-ch Einschaltung 
von Vocalen. Welcher Vocal eingeschaltet wird, hängt meist von dem folgenden Vocale 
ab. a: balaton blatBno; baraczk breskva; banlt bratii-, bardzda brazda; gixlagonya glo- 
ginja-, ganaj gnoj; garäd gradt ; garat grot; kaläka klaka; kalapacs klepar-, kaläsz klasi,-, 
kaloda klada; karabö krabij; malata mlato-, malom mlin; palast plastfc; szalad slad; 
tarata trata; varadics vi-atic; varsa vrsa-, haricska hrecka; kalit kletb; parittya praca. 
e: belezna blizna; berekenye brekinja; beretva britva-, cserep crepT>; cseresnye cre«nja-, 
gelyva gliva-, gereben grebenb; gereblye grablje; gerenda gr§da-, gerezd grozd ; gerezna 
kri^zno; gerlicze grtlica; kelepeze klepLca; kerecset kreceti>-, kereszt Icr^st-B-, peleh plth-B; 
szekernye skorne; szelemen slem§; szelendek * sledtniki, ; terem trem-B; vereb vrabij; 
veregy vredT>; zselep 2lebt. i: giliszta glista; hirip hrib-, kilih klej-, pilis plesfc; ziliz 
sliz. o: bolha blT,ha; bolond blad-B; borda br^do; borona brana; csorda creda; csoroszlya 
*creslo; dolog dl^g-B; dorong drag-b-, dorosba dru^ba-, gonosz gnusf, grabt goromba; 
korong krag-B; molaka neben belaka mlaka; morva neben murva nu-va; poloska plostka; 
porond prad-B-, porosz prus ; rozsda rtzda-, toromba neben otromba traba; torongy tradi,. 
ö: görbe gr^bf, görög g-rtk-B; göröncser gri^nbcarb; hörcsök chrcek; szömörcsök smrcek; 
szömörke smreka; szövetnek *svetBnik'B. u: durboncza drbanice. 

2. Durch Vorsetzung eines Vocals. a: asztag stog-B; asztal stolt. e: esztena stena; 
eszterha streha. i: ispan zupani,; istap stap; izlot zJoty. o: oszlop stl-bp-B; otromba trtiba. 
ü: ösztöke styk. u: udvar dvor; ugräl grati. Befremdend ist die Vorsetzung des o in 

oi'osz rus. 

8. Durch Versetzung des an zweiter Stelle stehenden Consonanten an die dritte: 
bard brady ; gargya gradja; karuly, vielleicht für karguly, aus kragulj ; kolbäsz klobasa; 
kulcs kljucB-, parlag prelog; pelyva pleva- pelisz neben penesz plesnB; szalma slama- 
szikla Skala; szalka skala-, szilva sliva; szolga sluga-, ähnlich ist szivalicza aus slivovica; 
man beachte szikra iskra. 

4. Durch Entfernung des ersten oder des zweiten Consonanten: a. csipke scipek; 
csuka scuka ; däb vdeb •, galicz skalice ; gänicza zganec ; katulya skatula ; kopacz skopBCB ; 
kurczina *skvarcina-, tarka strakat-, tengelicz steglec ; tertinyäk strtinjak; tokläsz stoklas; 
virelya svirelB-, abweichend ist ecset scet. b. szabad svobodB •, szent sv^t-B; szeklicze 
svgtlice; tarhö tvaroh : ähnlich scheinen tiszt, tiszta und tisztesfii aus cBstB, cist-B und 
cistec d. i. tsBstB, tsistt und tsistec entstanden zu sein, wogegen allerdings der Umstand 
eingewandt werden kann, dass sonst es d. i. c, ts ein auch dein xMagy. geläufiger Wort- 
anlaut ist-, haraszt lautet asl. hvrastt. r und v gehen in i und u über in tilo trlo ; tilos 
trlo; und in szulak svlak ; tür tvor. Die Ausnahmen von diesem Gesetze bei slavischen 
Lehnwörtern sind wenig zahlreich : brenza brynza •, di-äga drag-B ; dränicza dranica ; dratva 
dratev; druzsa druz, grädics neben garädics *gradic; granic granica; klecska kle(5e; krä- 
nicz kranjec; pletyka plefka •, prauda pravda; pribeg prebego, ; pr6sza proso ; prücsök 
cvrcek; szkoregely skvorec ; szträzsa straza. Ungeachtet der Abneigung vor doppelter 
Consonanz im Anlaut der Wörter findet man neben prücsök auch ptrücsök und sogar 
in einem einheimischen Wort trüsz neben ptrüsz sternutatlo; trüsszeut, tüsszent neben 
ptrüsszent und trprüsszent sternutai-e, eine Erscheinung, die den Satz bestätigt, dass. 



Die slavischen Elkmekte im Magyah 



ISCllKN. 



wenn Völker gewisse Schwierigkeiten der Aussprache überwinden, sie ihi-en Spraeh- 
organen nicht selten ohne Noth harte Aufgaben stellen. Thomson 25. 

b. Nach dem Gesetze der Vocalharmonie folgen dem Iiarten Vocal (a, o, n) des Thema 
harte Vocale der Suffixe, ebenso dem weichen Vocal (e, ö, ü) des Thema weiche Vocal c 
der Suffixe, während die mittleren Vocale (e, i) sich mit den Vocalen aus den beiden 
anderen Classen vertragen können, jedoch mehr zu den weichen hinneigen. Auch diesem 
(xesetze müssen die entlehnten Wörter gerecht werden. Aus dem Gesagten folgt, dass 
das Gesetz vom Thema aus, d. i. progressiv wirkt, und bei den echt magyarischen 
Wörtern findet man nur die progressive, d. h. vom \^ oi'taufange ausgehende Beein- 
flussung des Vocalismus, während in entlehnten Wörtern sich auch eine -regressive geltend 
macht, die vom Wortende ausgeht. Progressiv: azsag ozeg ; kazal kozel; kopja kopije; 
mostoha masteha; päsztor pastyrs; pecs6t peßatb; zseller zelar. Auch das i weicht einem 
harten Vocale, wenn die erste Silbe einen solchen enthält: gabona gobino; galagonya 
gloginja; kabala kobyla; kaböcza kobylica; nyoszolya nosilo; uzsonna u^ina-, im entlehn- 
ten Suffix -nok -bnilcB: asztalnok stoltnik'b; bajnok bojnik; udvarnok dvoj'bnik'B u. s. w. 
doch findet man pazsit pa2iti> und pizsitnik pazitnik. Regressiv: csaläd celjatlb; csäszär 
cesarB; csata ßeta; csorda creda; csoroszlya *^reslo-, ebed obedi.; eczet ocBt'B-, epleny 
oplen; jegenye jagnjed; nyavalya nevolja; parna perina; pohär pehar; vacsora vecerja; 
zsana zena; zsobrak zebrAk; eben so sustäk sestäk. Auch hier weicht i einem harten 
Vocal: goboncza gibanica; malaszt milost; ebenso suska siska. Doch szita sito; szittyo 
sitije. In diesen Fällen ist die Aenderung durch den Vocal bewirkt worden, den schon 
die slavische Form bietet: in anderen Wörtern tritt erst in dci' magyarischen Form der 
maassgebende Vocal auf, indem bei der Aufnahme des Wortes dessen harter Auslaut a, in 
der Regel nach gewissen Consonanten, durch den weichen Auslaut e ersetzt wird: cseresnye 
cresnja: csese casa; derecze dcravica; gergericze gagrica; jercze jarica; szömörke smreka; 
rekettye neben rakottya rakita; szemöcze neben szamöcza samonica. Ausnahmen von 
dem Gesetze dei* Vocalharmonie, vornehmlich in regressiver Richtung, sind nicht selten: 
beläka neben moläka mlaka; belezna blizna; beretva neben borotva britva; debella 
debela; esztena stenaj eszterha streha; eszterenga straga; gelyva neben golyva gliva; 
gerenda greda; gerezna krtzno; lezsäk lezäk; meszär mesar; pelyva neben polyva pleva; 
pesztonka pcstounka-, resta reseto; szecska neben szacska secka; szerda, szereda sreda; 
voder vodör. Eigenthümlich sind kereb korabt; vereb *vrabb und gerezd grozd. 

c. Die finnischen Sprachen haben eine unverkennbare Vorliebe für den trochaoischen 
Tonfall; sie fügen aus diesem Grunde fremden einsilbigen Wörtern einen Vocal hinzu: 
finn. 7-aati, nhd. Rath. Dieser Neio'uno- folgte ehedem sicher auch das iMag-yarische und 
nachweislich waren in alter Zeit viele jetzt einsilbige Wörter zweisilbig und noch jetzt 
findet man neben bek, ip, öcs — beke, i]ia, öcse, obgleich schon im eilften Jahrhundert 
der Auslaut anfing sich zu vei'liereii. Kcllgicn li. Riedl .")(). Daraiil' beruht die An- 
fügung eines a, e an mehrere, vielleicht schon fn'ili entlehnte, einsilbige slavische Wörter: 
bika bylct; buja buj ; görbe gr:bbT. •, koma kuim>; uema nemi.-, päva pavTi; puszta pustT.; 
püzsa puz; tompa tapi>; tis'za tis; viza vyz. Dieses a tritt j(>doch aucli in einigen zwei- 
silbigen Wörtern ein: ontora, ontra atori,; garäzda gorazdT>; pesztercze pestfec; dutka 
dudek; ritka redük-B; vizsla vy2el. 

d. Im Allgemeinen geht das a slavischer Wörter im JMagyarisehen in a, o hingegen in 
a über: mAk makii; n'ik rakT>: yAlna skalina: (hioeoen: al)]ak (d)h)k : abrak obrolcB; akal 



Q Franz Miklosich. 

okol; akna okno; baj boj-, garat grot; iga igo-, kakas kokoJb; kas kosB-, pap popf, paraszt 
prost-B-, rab rob-b-, raj roj; zab zob; daher auch: apät opat-, kaläcs kolacb; lapät lopata; 
szakäcs sokacb. Ausblutendes a wird durch a ersetzt, was darauf beruht, dass in den 
fimdschen Sprachen überhaupt der Auslaut der Wörter tonlos ist und ,fast wie ein blosser 
Naclihall der ersten und Hauptsilbe des Stammes tönt'. Kellgren 5. hala livala; kaläka 
klaka; kasa kasa-, kasza kosa; laza loza. Für a tritt in manclien Wörtern nach gewissen 
Consonanten das weiche e ein: cseresnye rresnja-, csese casa; gergericze gagrica; gerlicze 
grilica; jercze jarica; keszölcze kyselica-, m6rcze merica; szemöcze neben szamöcza 
sanionica; man beachte köszmete *kosmata; szömörke smreka. Selten tritt für auslautendes 
a das lange 6 ein: szajko sojka. 

e) Unbetontes i fällt in vielen Wörtern aus: apacza opatica; berbencze berbenyca; 
derecze aus derevcze, d^ravica; gäcs *galic-, gälna skalina; ganc *ganic-, goboncza gibanica; 
jercze jarica; kab6cza aus kabolcza kobylica-, kancza konice; kapcza kopytce; kapta 
kopyto; keszölcze kyselice; löcza lavica; mälna raalina; mercze merica-, mot6la aus mo- 
tovla motovilo; muharcza mucharica; nätha nadilux; palcza palica-, parna perina; pasz- 
koncza poskonnice, pincze pivnica; piöcza aus piavcza pijavica-, polcz polica; pozna aus 
*pavuzina, pavuz; szamöcza aus szamoncza samonica ; szekercze *sekyrica; szucza sulica; 

licza ulica. 

f) AI tslo venisches y fällt im Auslaute ab: bärd brady; murok *mri,ky; retek *retky; 

tök tyky. 

0-) Ij verflüchtigt sich zu j: bojär boljart; bubujicska *bobul)icka; pojcäna poljana; 
doch imolya iniela. Vor Consonanten fällt 1 liäufig aus: kaböcza aus kabolcza kobylica; 
keszöcze neben keszölcze kyselica; kopoto neben kopoltyö klepeto; szopöka sopilka; 
szucza sulica; ücza ulica; zurm6ka 2molka. Die mit der Auswerfung des 1 verbundene 
Verlängerung des Vocals, die wohl auch bei szucza anzunehmen ist, weiset auf den 
Uebergang des 1 in einen Vocal und es ist mit dieser Verlängerung jene zusammen- 
zustellen, welche bei der Auswerfung des v eintritt. 

h) Auslautendes d fällt manchmal ab: jegenye jagnjed; medve medvedb; rasza rasad; 
ros r-bzdb; es bleibt in näszäd nasaditi; porond porod'b; ebenso in belend blent und 
gerizd griz, wo es angefügt worden, und in riid ruda; d geht in gy d. i. dj über: gagy 
god; meregy, veregy vred-b; porongy, poronty neben porond porod'b; torongy tradi; 
ebenso im einheimischen szeled neben szilig und sziligy, im Inlaut ragyiva radivb. In t 
ist d übergegangen in pajot pajed'. 

i) v fällt nicht selten aus 1. vor Consonanten: berena brtvbno; boröka borovka; 
csöka cavka; dabronika dubrovnik'b; daröcz deravbCb; derecze aus derevcze döravica; 
galamböcz *golabovbcb; 16cza aus lavcza lavica; lö'cs levda, levc; mericöcze mrkevca; 
motöla motovilo; oläh aus ovläh vlah-b; pakrocz pokrovbcb; palöcz *plavbCb; pik6 pivko; 
piöka pijavka; pöräz povraz; rona ravbni,; szipöka sipovka; ugröcz igravbcb oder gravbCb. 
Dem 6cz aus avbcb ähnlich ist öcz aus ojec: abajdöcz obadvojec. Abweichend ist 
polovnyäk polovnjak. Aus auslautendem av, ov entsteht 6: akö okov; patk6 podkov; 
posztö postavb; zsido zidov und in den auf slavi, auslautenden Eigennamen: Szaniszlo 
Stanislav: im dreizehnten Jahrhundert Vingyoszlov V^steslavt Ritus 2o.-). liu entsteht 
aus liv. 2. Audi zwisclien Vocalen fällt v aus: paizs paveza; pank neben pök: jenes aus 
pavak-b oder paalc-b, dieses aus pavuk oder pauk, indem au in o übergeht, wie in 16cza 
aus lavcza lavica; puzna aus *pavuzina, pavuz; tär tovar; tarnok tovarbnik'b; tärs tovaris; 



Die slavischen Elemente im Maoyakisciien. 9 

vajda vojevoda ; zävar neben zär ans zavor. Man merke noch csere crüVB ; puzdarek, 
wie es scheint , aus pozdravek ; targoncza *tragovnica ; aus olovo entsteht olom ; aus 
zaszlona zäszlö ; dem pula liegt povijalo zu Grunde. 

k. Auslautendes h fällt ab: lapu lopuli ; rdro raroh; turö neben taroh, tarhö tvaroh. 

1. s wird in einigen niclit zahlreichen Fällen in cz verwanilelt. Vor k: baraczk breskva; 
taraczk *tresk'B ; toroczk''"ti'usk; ferner in czinege, ein sinika für sinica voraussetzend; czirok 
sirek; ebenso kaczor kosor; koncz kasTi. 

m. c geht vor e meist in es über : csäszär cesars 5 csep ccp ; csev cevB ; so auch cser cen,. 

X. Die vorliegende Arbeit wurde "in der Absicht unternommen zu erfoi'schen, ob uiul 
welche Aufschlüsse sich aus dem Magyarischen hinsichtlich der slavischen, namentlich 
altslovenischen Lautlehre gewinnen lassen. Da es nun in dieser Hinsicht namentlich auf 
die nasalen Vocale ^ und §, auf e und auf die Consonantengruppen st und zd ankommt, 
so will ich hier die diese Laute betreffenden Ergebnisse meiner Studien zusammenstellen, 
imd bemerke, dass mein Lexicon palaeoslovenico-gi'aeco-latlnum die Belege für die Rich- 
tigkeit der Formen bietet, soweit sie nicht hier gebracht werden. Ein 8tern bezeichnet 
die erschlossenen altslovenischen Foi'inen. 

a. Dem altslovenischen sl entsprechen im j\Lxgyarisclien mit m oder n schliessende 
Silben; der V'ocal ist regelmässig a, o oder u: *agorB ängor; ''^atori. ontora; ''^atT.k'b ontok; 
blad'B boloml ; *cabrB csombor; daga donga; dnigt dorong ; gaba gomba ; golabt galamb ; 
grab:& goromba; '''kadrB (kadrjavi>) kondor; kakolt konkoly; kapona kompona; käst 
koncz ; ^'kortj.tt koront ; krag'B korong ; Itika lanka ; lasta läncsa ; nuika munka ; obracb 
abroncs; paak pank; poraciti parancsol; pnj.d'B porond; *prag'i) porong; i-abiti rombol; 
sabota szombat; siisedt szomszed ; *slaka szalonka; *straga eszterenga ; tapt tompa; tnxba 
otromba; tradt torongy. Aus kollancs und nsl. klos (klosc) für klesc darf auf ein asl. 
■'"klastb geschlossen werden. Neben korong findet man kereng, neben abi-oncs abrincs. 
Gamba ist slovak. gamba, gemba, das aus dem Pol. stammt : g§ba. Die hier verzeichneten 
Wörter sind entweder aus dem Altslovenischen oder aber aus dem Neuslovenischen in 
jener Periode entlehnt, wo dieses noch nasale Vocale hatte. Dagegen sind nödit und 
rocska in jener Zeit ins Magyarische aufgenommen worden, wo a bei-eits in ö über- 
gegangen war : *nöditi, rocka, asl. ntiditi, racbka. Die Wöi-ter, in denen asl. jj, — u, a gegen- 
über steht, stammen aus anderen slavischen Sprachen : djj-ga duga ; *dfibravbnik'B dabronika ; 
gaba guba galla ; *gjizvica, nsl. goz güzs ; kc\deli>, nsl. kozelj guzsaly ; '^katü kuczik ; 
mq,ka müka, wobei ü auffällt; skt^p-B, nsl. skopec kupecz, u. s. w. Ilieher gehört auch lukma 
nsl. lokno, kroat.-sl. lukno. 

c. Dem altslovenischen (^! entsprechen im Magyarischen mit m odei- n schliessende 
Silben; der Vocal ist regelmässig e oder i: gr§da gerenda; *grQdelb gorendely; l^sta 
lencse; m§ta menta; p^t'bk'b pentek; '''pot^gt pating; rgd'B rend; sv^t'b szent; str^sta 
szerencse; *sttQgt szatying. Man füge hinzu die einigermassen befi'emdcnden Wörter 
'''l^hij lengyel; *s^bri> szimbora und *mecb mancs. Wie die des m oder n entbehrenden 
Formen bei a sind auch hier zu beurtheilen kngzb kenez; *kol?da koleda; *rQzatI rezs; 
vitQzb vitez; pidja entspricht dem cech. pidi, das asl. p^db lautet. 

e. Dem altslovenischen e entspricht im Magyarischen e: beseda beszed; belCgii 
belyeg; *blc'n'5 belend; *cOp'ii csep; cevb cs6v; crep-b cserep; dcdt d6d; *deza dezsa; 
izbcgT. izb6g; IC-pii lep; *lcsa 16szka; mchü meh; *mCricza mercze; mcriti mer; "^mOzga 
mezga; num'B nema; ntmbcb nemet; obcdi. ebed; ocelb aczel; pcn^zb penz; pKsnb penesz; 

Denkschriften der phil.-hist. Cl. XIX. Bd. '2 



10 Franz MiKto^CH. 

prebeg'B pribeg; *reca recze; repa repa; sasedi, szomszed; srenii, szerem; *svetenik:B 
szövetnek; testo teszta; vredt meregy; *2lel)'B zselep ; e wird nicht selten durch das ihm 
lautlich verwandte i ersetzt: klej kilih; klott kalit; plesL pilis; rediiki. ritka; siezt zillz; 
telega taliga; vetrilo vitorla. In manchen Fällen findet man i neben e: vred-B meregy, 
merigy; *zleb'B zselep, zsilip. Abweichungen finden vorzüglich dann statt, wenn das Wort 
im Magyarischen mehr Silben hat als im Slavischen: bregi, bereg; cresnja cseresnye; 
slemQ szelemen; sreda szereda neben szerda; stena esztena; streha eszterha; trcmoj terem. 
Der Grund dieser Abweichungen ist vielleicht in dem auf der ersten Silbe ruhenden Ton 
zu suchen; dasselbe möchte in medve medvedt, medencze *medenica, virelya svirelb der 
Fall sein, a für e beruht auf dem Gesetze der Vocalharmonie : cesars csaszär; olej olaj; 
*prelog'b parlag. Als Entstellungen sind anzusehen belica bölicze; cr&da csorda; pleva 
pelyva, polyva; *smreka szömörke; ^Hreski, taraczk; vOdro veder, vödör u. s. w. Dass 
diese Wörter aus dem Slovenischen entlehnt worden sind, ist zweifellos, da die übrigen 
slavischen Sprachen den Laut e nicht kennen. Zugleicli ist es klar, dass zur Zeit, als die 
Entlehnung geschah, das asl. t wie e lautete ; über diese Zeit kann freilicli gestritten werden. 

»t zd. Dem altslovenischen st und zd entsprechen im Magyarischen st, zsd : mastoha 
mostoha; pestb pest; plastb palast; — r-Bzda rozsda Rost. Dagegen lasta lancsa; l§sta 
lencse; s'srQSta szerencse; rt^db ros; fcrners basta bAtya; kasta, serb. kuca kütya ; prasta, 
serb. pra6a parittya; — me2da, serb. medja megye neben mesgye; rozdije rasgya; rtzda 
ragya Mehlthau. 

XL Ein gefeierter Staatsmann soll den Ausspruch gethan haben: Grosse Völker 
entlehnen nicht, und seit jeher betrachtet jedes Volk seine Cultur in Ursprung und Fort- 
entwickelung als sein alleiniges Werk und sieht in der Nachweisung dessen, was in ihr 
erborgt ist, einen Angriflf auf seine Nationalehre, und bei dem innigen Zusammenluxnge 
zwischen den Worten und den Sachen ist es begreiflicli, dass auch das Bestreben, im 
Sprachschatze das Entlehnte auszuscheiden, mit missgünstigen Augen angesehen wird. 
Und doch wird kein Kenner der Entwicklung der Menschheit daran zweifeln, dass unsere 
gesammte Civilisation, verschieden von der nationalen Sitte, die trtiher das Thier im 
Menschen zügelte, vom Christenthum bis zu den alltäglichen Bei£uemlichkeiten des Lebens 
die Frucht der Arbeit vieler Völker ist, die sich allerdings nicht in gleich hervorragen- 
der Weise daran betheiligt haben. Die falsche Ansiclit von Nationalehre hat in neuerer 
Zeit bei mehreren osteuropäischen Völkern einen wahren Kreuzzug gegen die Fremd- 
wörter hervorgerufen, man ist bemüht, die Fremdwörter, diese lauten Zeugnisse der Ab- 
hängigkeit jedes einzelnen Volkes von der mitlebenden und der dahingegangenen Mensch- 
heit, durch einheimische Fabrikate zu verdrängen, die es jedoch selten weiter als zu 
einem Scheinleben in selten oder gar nie gelesenen Küchern bringen, indem die wahre 
Sprache sie bei Seite liegen lässt und in dieser Haltung verharren wird, bis man zu dem 
in Europa noch unversuchten Mittel des Kaisers Kienlung seine Zuflucht nimmt, der in 
dem 1771 veröft entlichten Mandschu -Wörterbuch 5000 einheimische Ausdrücke an die 
Stelle der bis dahin gebräuchlichen chinesischen setzen Hess und jeden mit körperlicher 
Züchtigung bedrohte, der sich in (ieschäften nicht der neuen Wörter bediente. Fls ist 
erfreulich zu sehen, dass schon vor fünfzig Jahren Revay in dieser Hinsicht vernünftigen 
Grundsätzen huldigte : 

Bene monent Debreczinenses, sagt derselbe 89— itl, in Magna sua grammatica, quod 
tantam adoptaverimus vocum peregrinarura copiam, ac nostra proinde lingua asiatica 



Die slavischen Elementk jm Magyakischen. 11 

paucis cüustL't priinigeniis vocibus, oii de causa nos piulore sutfuiuli nun. oportere, iiuciii- 
admodum et Romanis et Anglis et Gallis et Germanis ceterisque pudorl non est ncque 
esse potest, sermonem patriiini tot peregrinis vocibus refertum habere: hoc cnini pudere 
nobis inepte oft'uso earum certe rerum nos puderet, de ipiibus nos potius gloriari deceret. 
lino-uam enim nostram esse vetustissimam procul dubio prima ilhi natorum hominimi 
aetate simplici ortam, quando nullac adhuc erant artes, nulluni commercium, nulla nova 
inventa; et gentem aliquando nostram eo t'uisse statu, in quo sola sibi abunde sutfecerit, 
inuiumis rerum multarum desidcrio vitam degere potuerit, aliarum gentium auxilio ad 
domesticam beatitatem non eguerit. atque ita sane multo praestabilius est, morem maio- 
rum nostrorum et porro se(|ui, accomodatisque iam ad usum nostrum vocibus peregrinis 
datam civitatem promto gratoque animo concedere, quam voces inhcetas, non ad intlolem 
linguae etifictas ingrato nisu obtrudere. commendo ego et illud Studium, ut vetustorum 
reliquiis sollicite evohitis voces, quae incuria et socordia nostra iam magnam parte]n 
iK)s fugiunt, diligentius erutas postliminio restituamus, divitias in iis nostras, quae certe 
eopiosae sunt, et genuinas cumprimis patrii sermonis virtutes illecebrasque omnes penitius 
pernoscamus. haruni luce ac multiplici varietate ilhi «pumtacunque adoptatai-um vocum 
nubes nobis paulo iniquius exaggerata utique et domestici soni imitatione ab originibus 
suis iam multuin mutata plane hungarica reddita tota feliciter evanescet. sermo certe 
noster asiatica sua energia compendiorumque concinnitate et variorum sonorum iam 
mollitie iam gravitate futurus est perpetuo singularis et dignus aliarum gentium admi- 

ratione. 

XII. Die aus dem Slavischen entlehnten Wörter der magyarischen Sprache erscheinen 
hier zur Erleichtenaig der Uebersicht nach sachlichen Kategorien in Rubriken gebracht; 
die Uebersicht macht auf absolute Vollständigkeit keinen Anspruch, da, um nicht die 
Zahl der Rubriken allzusehr zu vermehren, nicht weniges bei Seite gelassen wurde. 
Aus demselben Grunde ist unter die einzelnen Rubriken auch manches gestellt worden, 
was mit dem durch die Aufschrift bezeichneten Gegenstande nur mittelbar zusammenhängt. 

Kirchliches: Personen, Sachen, Zeiten, Verrichtungen, Aberglaube, 
Sünden, keresztyen der Christ: hristijanint; pogäny der Heide: poganini,; pap der 
Priester: pop'L; piispök der Bischof: biskup; apät der Abt: opat; apdcza die Nonne: 
opatica; barat der Mönch: bratT,; deak der Diacon, Lateiner : dijak; koma der Gevatter: 
kumt; oltär der Altar: oHtarb; kereszt das Kreuz: knsfh; koronka der Rosenkranz: 
korona die Krone; korosma das Pathengeschenk : krizma; karacson Weihnachten: kraöun; 
ordosics' napja unschuldige Kinder (2S. December) : otrocici ; die Wochentage: szereda, 
szerda Mittwoch: sreda; csötörtök Donnerstag: cetyrtt/Blct ; pentek Freitag: pf^fblct; 
szombat Sonnabend: sabota; gagy der Schmaus: god ein Festtag; ferner keresztel 
taufen: kr-Bstiti ; bermäl firmen: bermati; szent heilig: svQtT.; alamizsna das Almosen: 
alraozna; babona der Aberglaube: babuni ; bäj der Zauber: *baj; varilzs die Zauberei: 
vrazati; mätoha das Gespenst: mätoha; bälväny der Götze: bal^Evant; kui-va die Hure: 
kurva; paräzna Hurer, Hure: praznik; pokol die Hölle: phkli.. 

Staatliches: Recht, Rechtsverhältnisse, Abgaben, der Fürst und 
sein Hof, Beamte, Schergen, Strafen, prauda ein bestimmtes Recht, nach wel- 
chem Processe entschieden werden: pravbda; tokma der Vertrag: ttk'bm'b; zälog das 
Pfand: zalogt; megye die Gränze, das Gebiet: mezda; gränicz die Gränze: granica; 
zseller der Inwohner: 2eljar; rab der Sclave, Gefangene: robt ; robot der Frohndienst: 



\2 Fkanz Miklosich. 

robota; kaldka ist magy. die unentgeltliche Aushilfe bei dringenden Arbeiten, während 
nsl. tlaka jetzt Frohndienst bedeutet; dusinik der der Kirche legierte Leibeigene: du8b- 
niki>; *dezsma der Zehend : dezma; lukma eine Abgabe von Wein und Getreide an die 
Geistlichkeit: lokno ; koleda die Collectur: koleda; kamat die Zinsen: kaniata; szabad 
frei, erlaubt: svobodb; csäszar der Kaiser: cesarL; Idräly der König: kralj ; udvar der 
Hof: dvort; udvarnok der Hof beamte : dvorBnilfB; asztalnok, tälnok, der Truchsess : 
stolBnilcB; pohärnok der Mundschenk: peharnik; komornok der Kammerherr : komornik; 
tärnok der Schatzmeister : tovarBnikt ; bojar der Bojar : boljari, ; ban der Ban : ban ; 
vajda der Statthalter: vojevoda; ispän der Gespan: zupan-B; kenez : knez; pristaldus in 
lat. Urkunden für apparitor: pristavt; gornyik apparitor: *gorbnik'B; tiszt das Amt: 
cBstB; izbeg der flüchtige Sklave: *izbeg'B; pribeg der Ueberläufer: prebegt; martalöz 
dei- Räuber: martolos; poroszlö der Scherge: piaisati; porkolab der Kerkermeister: por- 
kolab ; serha der Scherge : serha ; deres die Schlagbank : deres ; kaloda der Schandklotz : 
klada; tömlöcz der Kerker: tBmBnica. 

Münzen und Maasse. izlot der Gulden: zloty; poltra anderthalb Kreuzer, ein 
halber Groschen: pol-B vttora ; petak der Siebener: petak; sustäk der Sechser: sestäk; 
penz Geld: pen§zB; pint die Mass: pint; ak6 der Eimer: okov; polovnyak eine Art 
Maass: polovnjak; tertinyäk eine Art Maass: strtinjak; veder der Eimer: vedro; oszmäk 
eine Art Maass: osmak; köböl der Scheffel: ki-btli.; csötör der Viertelmetzen: cetvritB; 
mercze der Scheffel: merica, mlrca; korecz ein Sechstel Scheffel: korBcb. Man füge 
hinzu kompona Waagschale, Waage: kapona und mer messen: mei'iti. 

Krieg, Krieger, Kriegsrüstung, Lager, Wache, Fahne, baj der Kampf : 
boj; csata die Schlacht: ceta; harcz das Gefecht: harc; bajnok der Kämpfer: bojnik; 
vitez der Held: vit§zB; huszär der Husar: gusarB; tdbornok der Generalquartiermeister: 
*tabornik; vojnikio in einer lat. Urkunde: vojnik; sisak der Helm: sis, sisak; paizs der 
Schild: paveza; tarcsa der kleine Schild : tarca; kopja der Spiess : kopije; szucza Lanze: 
sulica; szablya der Säbel: sablja; lancsa die Lanze : lasta ; parittya die Schleuder: praca; 
puska die Flinte: puska; kard der Säbel: korda; taraczk das Feldstück, der Böller: 
*tresk'B; puzdra der Köcher : püzdro ; tinnye die Pallisade : *tynije; sätor das Zelt: Sator; 
tabor das Lager, die Armee : tabor ; szträzsa die Wache : stra2a ; zäszlö die Fahne : zaslona. 

Das Thierreich. kabala die Stute: kobyla kancza die Stute: konice; paripa das 
Reitpferd: parip; bika der Stier: byk^; bival der Büffel: byvol-B; szamar der Esel: somar; 
mongolicza das dicke Schwein: mangulac; bänlny das Lamm: baran; bölicze das weisse 
Schaf: belica; jerke das Mutterlamm: jarka; czäp der Bock: cap ; marha das Vieh: 
mrha ; agar der Windhund : ogar ; szelendek der Spürhund : *sledBnik'b ; vizsla der Spür- 
hvmd: vyzel; macska die Katze: macka; kaczer der Kater: kocour; kan der Eber: kan; 
medve der Bär: medvgdB; kakas der Hahn: kokosb; jercze die Henne: jarica; pipe das 
Huhn: pipe; pise das Hühnchen: pisce; kappan der Kapaun: kopun; käcsa die Ente: 
kace; käcser der Enterich: kacer; recze die Ente: *reca; hörcsök der Hamster: chrcek; 
patkany die Ratte: podgana; peleh der ßilch: pMis; szoboly der Zobel: sobol; vidra 
die Fischotter: vydra; päva der Pfau: pavt; bibicz der Kiebitz: bibic; csiz der Zeisig: 
ciz; cs6ka die Dohle: cavka; csuvik, kuvik der Todtenvogel: cuvik, kuvik; czinege die 
Meise: sinica; däb der Wiedehopf: vdeb; dutka der Wiedehopf: dudek; eszträg der 
Storch: strtk's; galamb die Taube: golabt; gerlicze die Turteltaube: grtlica; kaba eine 
Art Habicht: koba; kdnya der Taubenfalke: käng; karuly der Sperber: kraguly; kerecset 



I 



Die slavischen Elementk im Magyarischen. ^ 13 

eine Art Falke: Icrecet'B; pinty der Fink: pgnkava; pipis die l'ieplon-he: pipis; pizsitnik 
die Haubenlerche: pazitnik; rar6 der Entenstosser: raroh; szajkö der Nussliälier: sojka; 
szalonka die ^Valdschnepi'e: *sl{ika; szdrcsa das schwarze Blasshuhn: sarka; szarka die 
Elster: sraka; szkvoregely der Staar: skvorec; tengelicz der Stieglitz : stcglec; vereb der 
Sperling: vrabij; zsolna der gelbgriine Specht: zolna; csik der Schlanunbeisser: cik; 
csuka der Hecht: scuka; gadocz der Weichfisch; *gadovbcb; gürgicse der Gründling: 
grgec; harcsa der "Wels: hrce; Ijäsz der Dickfisch: *jas; kärasz die Karausche: karas; 
kecsege der Stör: keciga; laszos der Laclis: losos; lepeny der Asch: lipeh; mdrna <1er 
Barbe: mrena; menyhal die Aalrutte: men; piszträng die Forelle: pstrag; sörög eine 
Art Stör, Schürgel: sevrjuga; viza der Hausen: vyz; riba der Fiscli: ryba; räk der 
Krebs: raki»; niuska die Kellerfilege: inuska; pank die Spinne: paiiki>; bollia der Floh: 
bltha; poloska die Wanze: plosfka; baböcs der Kellerwurm: babucka; kabocza die Cicade: 
kobylica; prücsök die Grille; cvrcak; gergericze der Kornwurm: gagrica; zsuzsok der 
Kornwurm: '■'zuzbk'b; vaszka die Vespe: voska; kollancs die Milbe: klesc; kopicz die 
Milbe: *kopica; kukacz die Made: kukac; moly die Motte: molb; pondr6 die Made: 
ponrav; csere: cserebogär der Maikäfer: crt.vb; giliszta der Spul-, Regenwurm: glista; 
pi6ka, piöcza der Blutegel: pijavka, pijavica; püzsa die Schnecke: puz; habarnicza der 
Armpolyp: habarnice; ikra der ßogen: ikra; poloszna das Nestei: polog, polozak; viaszk 
das Wachs: vosk, vojsk; zsomancz der Eidotter: zumanac; raj der Bienenschwai-m: roj; 
porond die Brut: porodü; kopoltyö, kopöto die Krebsscheere: klepeto; otromba der Rüssel : 
traba; racsa das Netz zum Krebsfang: raca; kovakol gackern: kväkati; metely die 
Egello-ankheit : metilj; barlang das Lager des Wildes: br'blog'B; csorda die Heerde: creda. 
Das Pflanzenreich, rozs der Roggen: r2; liajdina, haricska, pogänyka, tatarka 
der Buchweizen : hajdina, hrecka, *poganka, tatarka ; kukuincza der Mais : kukurica ; zab 
der Hafer: zob ; bor in borköles der Fench : büi-s; prosza der Hirse: proso ; czirok der 
Moorhii'se : sirek; mohar, muhar der Fench setaria germanica: muliar; allgemein gabona 
das Geti-eide : gobino ; ferner abajdöcz Mischkorn : obadvojec ; repa die Rübe : repa ; 
koszmacska, kozmacska tökerepa : kosmat'B ; merkö'cze, murok die Möhre : mrkevca, mrkev ; 
czekla der gemeine Mangold : cekla ; retek der Rettig : retkev ; dinnye die Melone : dynja ; 
ugorka die Gurke: ugorek; tok der KUrbiss : tyky; lencse die Linse: l^sta; bab die 
Bohne : boba> ; paszuly die Fasole : pasulj ; mdk der Mohn : makO) ; komlo der Hopfen : 
hmelb ; len der Flachs : Ibn^b ; paszkoncza der Hanf cannabis mas : poskonnice ; szeklicze 
der Saflor : svetlice ; szilva die Pflaume: sliva; baraczk der Pfirsich: breskva; cseresnye 
die Kirsche: cresnja; visnye die Weichsel: visnja; naspolya die ]\Iispel: nesplja; bero- 
kenye die Arlesbcere: brekinja; gesztenye die Kastanie: kostanb; mälna die Himbeere: 
malina ; köszmete die Stachelbeere : kosmatka ; szamöcza die J'jrdbeere : samonica ; gomba 
der Pilz: gaba; gelyva der Pilz: gliva; hirip der Pilz : hrib ; kozak eine Art Schwamm: 
kozak ; pecserke der Champignon: pecirka; szömörcsök die iMaurache : smrrek; czcr die 
Zerreiche: cer'b; topoly die Silberpappel: topol"; jävor tU'r Ahoi-n: javor; jegenyc die 
Espe: jagnjed; szömörke die Lärche, nach anderen Sumach : smrcka; rakottya die Bach- 
weide: rakita ; tizsa die labe: tis; bozza der Holländer : *bT>zi>; boröka der Wachholder: 
*borovka; abruta die Aberraute: *abrota, abrotica; atraczöl der Wegerich : jatrocel ; bares 
der Bärenkhui: barszcz ; belend das Bilsenkraut: *blcni>; berveng das Sinngrün: l)arvinek; 
borostyan (l(>r Epheu : brstan; boroszlt'ui der Seidelbast: brslen; bubujicska Rübenkörbel : 
bobulicka; csipke der Hagedorn: scipek; csombor dieSatiirei: *('abn.; t-somor der giftige 



]_^ Franz Miklosich. 

Hahnenfuss: cemer'&Gift; csorbaka der Hasenkolil : scorbak; csormoly derKuhweizen: cermel; 
dabronika melissa: dübravnik; der^cze die Baehbimge: dfravica; galagonya der Hagedorn: 
o-loginja; galamböcz der Tavibenkropf: *golabovbci.; galna das Lungenkraiit: skalina; iglieze 
der Hauhechel : iglica; kalincza der Kachholder: kalina; kapor der Dill: kopr'B; kapotnyak 
die Haselwurz: kopytnik; konkoly der Lolch: kakolb; kömeny der Kümmel: kumin; laboda 
der stinkende Gänsefuss: loboda; lapii die Klette : lopuh; lednek die Walderbse : lednik; 
macsonya die Kardendistel: mäcoüa; nienta die Münze: m^ta; midiarcza, muharcz gra- 
men asjjerum: mucharica; natragulya atropa mandragoras: natragulja Tollkirsclie ; palka 
das Zipergras : palka; papriid das Farrenkraut: paprad; perje das Queckengras : '''pyrije; 
pesztercze iler Andorn: pestfec; pipacs der Feldmohn: pipac; putnok das Poleikraut: 
putnik; rogosz das ßietgras: rogoz ; rozsnok die Roggentrespe: re2nik; ruta die Raute: 
ruta; sÄs das Rietgras : säs ; szalya der Salbei: slavulja; szittyo die Binse: sitije; szuläk 
die gemeine Waldrebe: svlak; taraczk die Quecke: *trusk, truskavec; tisztesfü das Glied- 
la-aut: cistec; toklasz die Trespe: stoklas; turbolya das Körbelkraut: tfebule; varadics 
der Rainfai'n: vratic; venyike die Weinrebe: vinika; ziliz der Eibisch: siezt; moh das 
Moos : m'Bh'B ; penesz, pilisz der Schimmel : plesnb ; guba, suska der Gallapfel : guba, 
siska ; imolya die Mistel : imela ; 16p der Vogelleim : lep ; gyantär das Bergharz : jantarB 
succinum. Diesen Wörtern können wegen ihres sachlichen Zusammenhanges folgende 
hinzugefügt werden : naalata die Traber, das Malz : mläto ; szalad das Malz : slad ; bei 
der Splint : *bel, bei ; mezga der Baumsaft : mezga ; gerezd die Traube : grozd ; korpa 
die Kleien: krupa; pelyva die Spreu: pleva; pozdorja die Age: pozdert ; galy der Ast: 
*golb ; czima der Schoss : cima ; kalasz die Aehre : klas'B ; pönye der Stamm : pen ; kocsan 
der Stengel : kocen ; gacsaly der Stengel : koscäl ; koloncz dei- Knoten am Halm : kolence ; 
csetina die Nadel (am Baum): cetina; liicfa das Kienholz, Fichte: lue; klecska dürres 
Holz: klece; rasgya das Reisig: ro2dije; morva das Heu-, Strohkehricht: mrva; szalma 
das Stroli: slama; burjän das Unkraut: buren; aszat das Unkraut: osi>t:&; pazsit der 
Rasen: pa?,itB; haraszt das Buschwerk: hrastt; laza der gelichtete Wald: loza; lug der 
Hain: lug; kita der Bündel: kita; ragya der Mehlthau: riizda; rdsza die Pflanze: rasad. 

Min er alr ei eil. aczel der Stalil : ocelb; olom das Blei: olovo ; szomjjor der Schwefel: 
sumpor ; gälicz der Vitriol : skalice ; szikla der Fels : skäla ; porond der Sand : pradt ? 
akna der Schacht: okno; rozsda der Rost: rtzda; nädol stählen: naditi. 

Die Land wir th s chaft in allen ihren Zweigen; das Feld und seine 
Beschaffenheit, iga, jarom das doch: igo, jarbm's; zabola das Gebiss: zubadlo ; patkö 
das Hufeisen: podkova; kolya der Wagen: kola; kocsi der Wagen: kocija; taliga der 
Karren : telega ; szäny der Sclditten sani ; targoncza der Schubkarren : *tragovnica ; tarag- 
lya die IVage : traglje; locs die Leichse : levc, levca; ej)leny der Querbalken über dem 
Schlitten: oplen; rokoncza die Auflialtgabel : rukunica; kalamaz die Wagenschmiere: 
kolomaz; gereblye der Rechen: grablje ; Ösztöke die Pflugschar: styk; lemes die Pflug- 
schar: lemesb; kabala, ekekabala die Gabel am Pfluge: kobyla; pating der Riemen, 
womit der hintere Theil des Pfluges an den vorderen gebunden wird : *pOt§gi> ; csoroszlya 
das Vorschneidemesser am Pfluge : *creslo ; gerendely der Balken am Pfluge : *gr§delb ; 
borona die Egge: brana: asztag die Triste: stogib ; petrencze das Heuliäufel : petrenec; 
kazal der Heuhaufen: kozel ; guzsaly der Spinnrocken: ku^el; tih» die Hanf breche: trlo; 
gereben der Hechel: grebenb; pereszlen der Spinnwirtel: preslen; mocsola die Flachs-, 
Hanfröste : mocilo ; päszma der Strähn : pasmo ; csep der Dreschflegel : cep ; rezsnyicze 



Die slavischen Elemente im Magyakischen. If) 

die Handmülile : zerna; leszka das Brett zum Dörren von Obst: lesa: kaczor das Garten- 
messer: kosor; kasza die Sense: kosa; voder das Getass des Mähers für den Wetzstein: 
vodur; szita das Sieb: sito; resta der Reuter: i-eseto; szuszek die Getreidekammer: süsek; 
abrak das Futter: obrok-B; szena das Heu: seno; szecska der Häckerling: secka; jaszol 
die Krippe: jasli; paraszt der Bauer: proste; ptisztor der Hirt: pastyrb; bojtär der Schäfer: 
bajta ; tanya der Aufenthaltsort der Hirten : stanje ; tilos der geschlossene Ort, wo das 
Vieh weidet: trlo; eszterenga der Melkstall: *straga; ösztön der Triebel : osthnT»; garäd 
der Zaun: gradT>; ganaj der Mist: gnoj; güzs das Wiedenband: *guz; lesza die Stange: 
lesa; pozna die Stange: pavuz; bot der Stock: bat; dorong die Stange: dragt; pälcza 
der Stock: palica; berena das Brett: briivbno; porong dei- Stab: '^priigi»; istap der Stab: 
stap; deszka das Brett: d'bska; dränicza der Balken: dranica; gerenda der Balken: gr^da; 
donga die Haube: daga; rüd die Stange: ruda; aszag Späne: osek; lanka der Obstgarten : 
laka; banäzda die Furche: brazda; ugar der Brachacker: ugar; puszta das wüste Land: 
pust-b; parlag das Braclifeld: prcdog; tarata verlassen: trata; pogony das Revier: '^pogon'b; 
kup, kupacz der Erdhaufen: kupt; garmada der Haufen: gramada; gat der Damm: gat; 
ärok der Graben: jarek; pojana das Rodeland : poljana; läz die Waldlichtung : laz; topli- 
czäs feucht: toplice; moldka die Lache: ndaka; debre die Höhlung: dbbrb; iszap der 
Schlamm: is-bp^B; halom der Hügel: hl-bni-b; mocstlr der Sumpf: mocar; morotva der Sumpf: 
mrtva ; patak der Bach: potolcb; vt'ma eben: i-avuiT). 

Das Handwerk, der Handel, die Wcn-kzeuge, die Mater iul ien. göröncser 
der Töpfer: gr:bnbcarb; kädär der Büttner: kadär; kollär der Wagner: kolar; koväcs der 
Schmied: kovacb; kupecz der Händler: kupec; meszar der Fleischer: mesar; molnar der 
Müller: mlinar; takäcs der Weber: ttkacb; mester der JMeister: mester; kulcs der Schlüssel: 
Idjucb; lakat das Vorhängeschluss : lokot; ztlvär, zär das Schloss: zavor; retesz der Riegel: 
fetez; bärd das Beil: brady; bodak das Stechmesser: bodak; beretva das Rasirmesser: 
britva; bicsak das Taschenmesser: bricb; kusztora das Taschenmesser: kustara; szekercze 
das Beil: *sckyrica; topor die Breitaxt: topor; kopacs der Grabmeissel: kopAc; villa die 
Gabel: vila; csäklya der Hacken: caklja; läncz die Kette: lanec; csipn die Zange: scipcy ; 
malom die Mühle: mlin; garat der Mühlkasten: grot; ecset die Bürste: scet; azsag der 
Ofenbesen: ozeg; pamat der Ofenwisch: *pomet; pamacs der Pinsel: pomociti; borda 
der Weberkamm : brdo ; osztovdt der Weberstuhl : stativa ; csäkAny Stockhammer : cekan-b ; 
kalapäcs der Hanmicr : klepac ; mozsär der Mörser : mozar ; vihnye die Schmiede : vyheii ; 
csäva die Gärberlauge: scava; lüg die Lauge: lug; kelepcze die Falle : klepbca; paslicza 
die Mausfalle: past; kalit der Kätig: kletb; szak das Wurfnetz: sak; varsa die Reusse: 
vrsa; cscreny das Schleppnetz: ceren; apacsin das Ruder: oi)a('ina; tanya der Ort zum 
Fischfange: tona; kilih der Kleister: klrj; täi- das Magazin: tovar-b; vdlyog der Walker : 
valek; liu der Trichter: liv ; csap der Zapfen: cep ; abroncs der Reif: obracb; eszterga 
die Drehbank: struga; kompona die Wage: kapona ; korong die Töpferscheibe: k r;i g-b ; 
korcsolya die Schrotleiter: krcula; lapät die Seluxufel : lopata; drutva der Pechdruht: 
dratev; csev die Spuhle: ccvb; mot(da dei- Hasjiel : motovilo; mäz die Glasur: maz; 
pecset die Petschaft: pecatb; munka die Arbeit: inaka. 

Schifffahrt, csolnak der Kahn : chmt; kereb das Fahrschiff: koral)b; kormäny das 
Steuerruder: krT>ma; ladik der Kahn: *]a(lijka; näszäd das ScIiitV: iiusadi»: vitorla das 
Segel: vctrilo ; zdtony Sandbank: zätoii. 



Kl Franz Miklosich. 

(Tebäude, Wohnung, ihr Bau, ihre Einrichtung, ablak das Fenster: o blök; 
akol der Stall: okol; asztal der Tisch: stolii; bänya das Bad: banja; cserge der Kotzen: 
cerga ; duhna österr. die Tuchet : duchna ; esztena die Schäferhütte : stena ; eszterha das 
Hausdach: streha; garädics die Treppe: *gradid; gärgya der Zaun: gradja; hiska das 
Weingartenhaus; hizka; kaliba die Hütte: koliba; karäm der Ivramladen : kram; katlan 
der Waschherd: kotblt ; kemeny der Schornstein: komin; kerevet das Ruhebett: krevet; 
konyha die Küche: kuhnja; kamora die Kammer: komora; kotecz die Hütte: kotbcb; 
kuczik der Ofenwinkel: *kütik; kütya die Hütte: kuca; lazsnak die Decke: *lo2bnik'&; 
löcza die Bank: lavica; nyoszolya das Bett, die Bettstatt: nosilo ; oszlop die Säule: stl'bp'B; 
päd der Boden: podt; padmaly der Damm um den Hausgrund: podmol; pajta die Scheune: 
pojata; pala-öcz der Kotzen: pokrovtcb; palota der Palast: polata; paplan die Decke: 
poplun; pärkäny das Gesims: parkan; pärna das Kissen: perina; pest der Ofen: pestb; 
pincze der Keller: pivnica; pitvar das Vorzimmer: pritvort; polcz das Gestell: polica; 
ponyva die Flache: ponjava; rag die Tragstange am Dache: rog-b; rostely das Gitter: rostelj ; 
szelcreny der Schrein : skrinija ; szelemen der Dachstuhl : slcm§ ; szin die Laube : senb ; 
szoba die Stube: soba; szobor die Stütze: stobor; szövetnek der Leuchter: *svetbnik'B; 
terem der Saal: trem^b; toromba der Giebel des Daches: traba; torony der Thurm : turen; 
tükör der Spiegel: tyla-b; ücza die Gasse: ulica; välyog der Kothziegel: välek; vänkos 
das Kissen: vanjkus; verö'cze die kleine Gittcrthür: dvbrbca; värda die Citadelle: vardt. 
Man füge hinzu kan<5t der Docht: knot; kosolya die Wiege: kosela; abrosz das Tisch- 
tuch: obrust; szelencze die Salzbüchse: solnica; tanyer der Teller: tanjir. 

Kleiderstoffe, Putz, Kopfbedeckung, Fussb ekleidung. csapka, sapka 
die Mütze: capka; csepesz die Haube: cepec; csoha eine Art Bauernkleid: coha; daröcz 
die Sackleinwand : *deravbcb ; gatya die Unterhosen : gace ; gerezna das Grauwerk : kr-bzno ; 
guba ein zottiges Obeiddeid : guba ; gunya eine Art Bauernkleid : gunja ; harisnya der 
Strumpf: harusna; iriia das Weissleder: irha; käpa die Kappe: kapa; kapcza die Socke: 
kopytce; kapocs die Schnalle: kopca; kozsok der Pelz: kozidi; kucma die Pelzmütze: 
kucbma; kuklya die Kappe: kukla; nadrag die Beinkleider: nadragy; paläst der Mantel: 
plastb; päntlika Band: pantlika; szatying das Schnürband: '^stteg-b; pärta der Kopfputz 
der Mädchen: parta; perem das (Tcbräme: *prem; poszto das Tuch: postavb; rasa der 
E.asch: rasa; ruha das Kleid: ruho; salank die Tuchleiste: slak; suba das Winterkleid: 
suba ; szekernye die Stiefel : skornö ; szokmäny eine Art zottiges Kleid : sukman ; szoknya 
der Weiberrock: suknja; täska die Tasche: taska; zubony das ßöckchen: zubun. Man 
füge hinzu pelenka die Windel: pelena; pdla die Windel: povijalo; kapta der Leisten: 
kopyto ; belezna der Fehlwurf (im Gewebe): blizna; ontok der Einschlag (des Webers): 
*{iti>k'b. 

Farben, barna braun: brna; riska röthlich: ryska; ros röthlich: rtzdb; tarka 
bunt : strakat. 

Speise und Trank, beles eine Art Kuchen: *bSles; brenza der Brinsenkäse: 
brynza; eczet der Essig: ocbtt; galuska der Kloss : *galuska; gänicza das Breiknödelchen: 
2ganec; goboncza eine Art Mehlspeise: gibanica; gomolya Käse in Kugelform: gomolja; 
kaläcs der Kuchen: kolacb; käposzta das Kraut: kapusta; käsa der Brei: kasa; keszölcze 
die saure Suppe : kyselice ; kiszil das Pflaumen-, Apfelmuss : kisel ; kocsonya die Gallerte : 
kocenina; kolbäsz die Wurst: klobasa; koväsz der Sauerteig: kvas'b; kurezina die Speck- 
griebe: *skvarcina; lepeny der Kuchen: lepeh; lev die Suppe: *levb; morväny eine Art 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. ' 17 

Kuchen: mrvän; olaj das Oel: olej ; pecsenye der Braten: pecenje; pite eine Art Back- 
werk: pita; pompös eine Art Baclcwerk: pampoucli; podluslca ein Gericht aus Kohl- 
schnitten: podJuzka; pogacsa der Kuchen: pogara; poleka die Suppe: polevka; prosza, 
pröha Kukuruzkuchen: proso, proha; puliszka Kukuruzbrei: poliska; szalados eine Art 
Backwerk : slad ; szalonna der Speck : slanina ; tarho der Quarg : tvaroli ; tarhonya der 
geriebene Teig: trhang; teszta der Teig : testo; zäkla der unausgebackene Teig im Brode : 
zäkal; zsurmoka ein Stück Teig: 2molka. — Pälinlca der Branntwein : palenka; pikö das 
Bier : pivko ; szivalicza der Zwetschkenbranntwein : slivovica ; szurutyka die geronnene 
Milch: syrovatka; vatka der ungeklärte Branntwein: vodka; vinkö geringer Wein: vino ; 
zsendicze das Käsewasser : zincice. — Ebed das Mittagmahl : obedi ; uzsonna das Vesper- 
brod: uzina; vacsora das Nachtmahl: vecerja. — Par<4,zsol rösten: pra2iti. 

Geschirr, Behältnisse. cs6se die Schale: casa; kobak der Becher: kubek; ko- 
picz das Stängelgläschen: kupica; pohar der Becher: peliar; csobän der Krug: cbami; 
csobolyö das Lägel: cobola; korso der Krug: la-Bcagii; kupa das Trinkgescliirr: kupa; 
palaszk die Flasche: ploskva; szomak die Feldflasche: smoläk; konder die Kanne: kon- 
dOrb; cserpäk das Schöpfgefäss: . cripati; cutora das hölzerne Trinkgeschirr: cutora; 
katulya die Schachtel: skatula; berbencze die Büchse: berbeny<:a; koroglya die Büchse: 
krugla; medencze das Becken: *mc'denica; kas der Korb: kosb; kosär der Korb: kosar; 
kasornya der Stall von Flechtwerk: *kosarina; karabo der Korb: krabij; käd der Bottich: 
kadb; dezsa das Schaif: dOza; bödöny das Tönnchen: *bT3dtnb; bocska der Ständer: 
becka; zsajtär das Melkgeschirr : Hektar; galeta die Milchgelte: galeta; mälha das Bündel: 
nuxlha; eserep der Scherben: cr^p-s. 

Gastmahl, Musik, Spiel, lakoma das Gastmahl: lakomi.; radina der Taufschmaus: 
rodiny; puzdarek der Geburtssclimaus : pozdravek; korcsma die Schenke: krtcbma; do- 
romb das Brummeisen: drombla; duda der Dudelsack: duda; gajdol dudeln: gajdati; 
virelya die Hirtenflöte: svirelt; szopöka das Mundstück: sopilka; szipoka die Rohrpfeife: 
sipovka; man es der Ball : *mecb; düska der Kauftrunk : düsek; koczka der Würfel : kocka; 
ugr6cz der Harlekin: igravbcb; zsertelöd scherzen: 2art. Man füge hinzu pipa die Ta- 
backspfeife : pipa. 

Familie, Geselligkeit, ded der Grossvater: dC-dij; bäba die Grossmutter: baba; 
zsana das alte Mütterchen: zena; b;itya der ältere Bruder: *basta; nene die ältere Schwester: 
neni; unoka der Enkel: unukT>; mostoha die Stiefmutter: masteha; dajka die Amme: 
dojka; pesztonka das Kindsmädchen: pöstounka; mätka die Geliebte: matka ; macza die 
(icliebte: maca; dorosba der Brautfühi-cr : druzba; bardt der F'reund : brati>; tdrs der 
Genosse: tovaris; druzsa der Namensvetter: drui?; csaMd die Familie: celjadb. 

Die Menschen und ihre Beschäftigungen, kulcsär der Beschliesser : kljucarb; 
szolga der Diener: sluga; szakäcs der Koch: sokacb; tolmd-cs der Dolmetsch: tlT)macb; 
komorna die Kammerjungfer: komoi'nä; szomszed der Naclibar: sasedT>. 

Der Leib und seine Theile. barkc) der Backenbart: brk ; kulyak die Faust: ku- 
lak-b; csecs die weibliche Brust: cec; derek der Rumpf: *(h-rk7>: potroh der Unterleib: 
potroli-b; ikra die Wade: iki-a; mozga das Knochenmark: mozg: meli die Gebärmutter: 
mOhij ; nädra die Gebärmutter: njadro; picsa vulva: picka. 

Kranklieiton und Gebrechen des L eibes und der Seele. gelyva,gusa der Kropf : 
gliva, gusa; görbe buckelig: gri>bi>; görcs der Krampf: *grT.rb; rAs'/A die Anschwellung 
der Milz: nerast; paj6t der fressende Wurm: pajcd; n;itlia der Sclinupfen: nadiha: meregy 

Denkschiifleii der phil.-liist. Cl. XIX. Bd. 3 



18 * Feanz Miklosich. 

die Pestbeule: vredt; tälyog das Geschwür: talog; torongy die Feigwarze: tr&dt; tür 
das Geschwür: tvor; harak der Schleim: hrakati; szaparnicza die Rotzlo-anklieit : sopel; 
zaha das Sodbrennen: zhaha; gubäs aussätzig: guba; kopacz der Eunuch: skopbCB; ko- 
moly verstümmelt: komol; suta der Hörner beraubt: sut; debella das dickleibige Frauen- 
zimmer: debel^B; dajna ein Frauenzimmer mit grossen Brüsten: dojnä; pidja der Zwerg: 
pidi in pidi muzik; guMcs kahl: gol'B; pilis die Kahlheit: plest; selyp lispelnd: seplav ; 
n^ma stumm: nemt. — Bolond närrisch: blad'B; buja üppig, geil: buj; goromba roh: 
griibij; lezsäk der Faulenzer: lezäk; kupecz karg: skup ; zsobrdk der Knauser: zebrdk; 
tompa stumpf: tapi>; päkosz naschhaft: pakost; patvar der Hader: potvori); garäzda der 
Stänker: gorazd'B; zädor der Stänker: ^zadort; pletyka der Klatsch: plefka; vädol ver- 
läumden: vada; gonosz schlecht: gnusi>; hiba der Fehler: chyba; gancs der Fehler: 
*ganic; nyavalya die Krankheit: nevolja. 

Ethnographisches und Geographisches: Namen von Völkern, Ländern, 
Flüssen, n^met der Deutsche: nemtcB; szäsz der Sachse: sasint; porosz neben burkus 
der Preusse: prus; koront Kärnten: *kor^t'b; lo-dnicz der Krainer: kranjec; horvät der 
Ivroat: hrvat; bosnyäk der Bosnier: bosnjak; räcz der ßaitze, Serbe: rasBskb; bolgdr der 
Bulgar: bl'Bgarin'B; morva Mähren : morava: cseh der Ceche, Böhme: cseh; lengyel der Pole: 
*l^hi.; rusznytik der Kleinrusse in Ungern und Galizien: rusi'ulk; görög der Grieche: 
gr:&ki> ; orbonds der Albanier, Ärnaute: arbanas; olasz der Italiener und olah der Walach, 
Rumune: vlahij; orosz der Russe: rusini>; moszka der Russe: moskva; kozdr der Chazar: 
kozarint; pahicz der Paloze: *plavbCB, jdoIovbcb; zsidö der Jude: zidov; szerecsen der 
Sarazene: sracini^; balaton der Plattensee: *blatBno oder *blatBna; szer^m Sirmien: srem'B; 
gacs Galizien: *galic; duna die Donau: dunaj. 

XIII. Verzeichniss der aus dem Slavischen entlehnten Wörter. 

1. abrota*: abrotica, eigentlich demin. nsl. — abruta, abrut s. artemisia abrotanum 
Aberraute. Fremdw. 73. 

2. almozna nsl. — alamizsna s. eleemosyna. Fremdw. 74: zs spricht für Entlehnung 
aus dem Slav. 

3. arbanas serb. — orbonäs s. epirota Kreszn. 

4. ^gorB '''asl., ogor nsl., ugor serb., w§gorz pol. — ängor s. anguilla Gyarm. 331, 
das im AVörterbuch der Akademie fehlt-, ängolna, ingolna sind auf lat. anguilla wie 
käpolna auf capella zurückzuführen und nicht auf *4gorina. Ehstn. anger ist wol lit. 
ungurls. 

5. ^tor-B''' asl., otor nsl., utor serb., outor cech., wtitor pol. — ontora, ontra s. Kimme 
d. i. Kerbe in den Dauben zum Einsetzen des Bodens, atori besteht aus der Präposition 
fi d. i. va, v^B und tor:B von der Wiu-zel tr: treti, bedeutet demnach etwa incisura. 

6. q,t'£k'B asl., votek nsl., vait:bk bulg., outek cech., w£itek pol. — ontok s. Einschlag 
beim Weben. 

7. baba anus, obstetrix asl., nsl., serb. etc. — bäba s. anus, obstetrix. Mordw. babä 
obstetrix. Rum. babi.. Alb. babe. Ngriech. ßaßd. Mhd. bäbe. Ein weit verbreitetes Wort. 

8. babrati cecli., babrac pol. — babräl vb. contaminare. 

9. babucka, babuska neben babura nsl. Gutsmann. — baböcs s. oniscus asellus Keller- 
wurm Dank. bab-nagys4gü bogar' neme Kreszn., nach anderen Stechfliege. 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. 1 Sj 

10. babuni: so heissen asl. ilie ketzerischen Bogomilen, deren Name zur Bezeich- 
nung des Aberglaubens angewandt wird: babona, bobona, pobona cech, Leschka 19, 
pobonfk cech. Jungmann, zabobony russ., zabobon pol. — babona s. Aberglauben, Hexe- 
rei, Possen. 

11. baj,* bajati fabulari, incantare asl. — büj s. magia, fascinatio; bä.jossäg s. magia 
Verant.; bäjol vb. incantare, incantatione sanare. Boiler, Sitzungsber. 17. 318; 19. 2fi2, 
vergleicht tiirk. bägh ligare, incantare. 

12. bajta casa nsl.; bojtär für honelnik opilio inferior slovak. — bojtär s. opilio 
Schäfer, opilionis famulus Mfirton. Fremdw. 7Ü. Safafik, stai-. 380, hält bojtär für getisch. 

13. bal'Bvan'B columna, statua asl., balvan trabs nsl., bolvan-E idolum i-uss., baiwan 
massa, moles pol., balvonas idolum lit. — bälväny s. sculptile, colossus, idolum. Rum. 
bolovan glomus lapideus. Das Wort ist schwerlich ursprünglich slavisch. 

14. ban kroat., serb. ; bulg. nur im Liede. — ban s. banus. Aus bojan (ßocdvor bei 
Constantinus Porphyrogenitus) hat sich ban ([XTcdvoc bei Cinnamus) entwickelt, die Ver- 
änderung ging ilaher zwischen der Mitte des zehnten und der zweiten Hälfte des zwölften 
Jahrhunderts vor sich. Aus der geringen Verbreitung ergibt sich mir der nicht slavische 
Ursprung des Wortes : Safafik, Das serbische Schriftthum I. 155, sagt: „Vom avarischen 
bajan ßa'iavö:, im Persischen ebenfalls bajan Herzog." 

15. banja balneum asl., serb.; bäne cech. — bänya s. balneum, metalli fodina. Mordw. 
banä Badstube. ßum. bae aus bahi, balneum, metalli fodina. Alb. bähe. Boller, Sitzungs- 
ber. IG. 263, vergleicht mandzu fenijeme fondre la mine. 

Ki. baran ovis, agnus slovak., pol.-, bei-an cech.; baronas lit. — bdrany s. agnus, 
aries. Mordw. boran Hammel, kazä boran Ziegenbock. Boller, Sitzungsber. 19. 263. ver- 
gleicht mongol. chorighan; finn. lammas ist goth. lamb. Thomsen 148. 

17. barvlnek ('ech., barwinek pol., pavenka Flora croat. — berveng, berveny, bör- 
veny s. vinca pervinca Sinngrün; szalakfii, vad venyike Täjszötä-r. Fremdw. 77. 

18. basta pater bulg., batjo, bati, bacjo, bajo frater natu maior bulg., batja pater 
russ., bado klruss., cech. bafa. — bätya s. frater natu maior, bei Verant. frater, patruus, 
avunculus, bei Molndr bdtyäm mein Oheim. Rum. bacjü, b-Bcuk-B, bade frater natu maior. 
Alb. bätse und bastine. Basta ist wahrscheinlich kein slav., sondern ein eigentlich bulg. 
Wort: slav. basta lässt sich aus batja, magy. batya hingegen aus slav. basta nicht erklären. 
Vergl. ostj. pada, mordw. bafä u. s. w. Nyelvtud. közlem. VI. 445, welche Worte aus 
dem Russ. entlehnt sein mögen, 

19. bat nsl., serb., bulg. — bot s. baculum. Rum. bttOj. Ein dunkles Wort. 

20. becka <lolium Fass cech., btcva asl., bacva serb., becva cech. — bocska s. cadus 
Ständer. i\Ior(lw. botskä. Rum. boskt. 

21. berbenyca Fässchen klruss. — berbencze, börböncze s. pyxis Büchse. Rum. ber- 
binct. Der Ursprung dieses Wortes ist dunkel. 

22. beseda verbum, colloquium asl., beseda verbum nsl., besedovac sa slovak. Sembera, 
Dialekt. 79. — beszed s. sermu; beszel vb. loqui. Alb. bescdüem. 

23. bei: bßl cech. — bei s. alburnum Splint Dank. 

24. beles: bgles eine Art Kuchen slovak. — beles s. placenta ex albissima farina 
triticea. ' 

25. belegt asl., biljeg, bilig serb. — belyeg, billyeg, bllyog, billog s. signum, bei 
Verant. bilig stigma. Boller, Sitzungsberichte 19. 265, vergl. türk. bilki. 



2Q • . FbANZ MiKLOSICH. 

*• * 

2G. belica das Ei nsl., bjelica die weisse als Apposition serb, — bölicze s. Szekely 
szö, ein weisses Schaf Täjszotii'. Man füge hinzu beleczk s. xiva nitida, 

27. bermati nsl. — berm^ vb. confirmare.^ Fremdw. 77. 

28. bibic, bibek- slovak. Leschka; gibec- gavia Beloft. kroat.-nsl. — bibicz, bebicz 
neben libecz, libocz, libucz s. gavia vulgaris, tringa .vanellus Kiebitz. ' Der Name ist 
vom Rufe des Vogels entlehnt. Rum. libuc, 

29. blag-B: blagoj für chudoj, durnoj dial.-russ.-, bJahy schlecht pol., blazen stultus 
thung.-nsl. — . balga a. stultus. 

30. blatBnö* oder blattnä*, daher Kocblt blatBnbskoi asl. — balaton s. lacus Bala- 
tinus Platensee. Derselbe See hiess im neunten Jahrhundert Pellissa (Pleso). Von dem 
See '(Blato) erhielt- Kocel's Burg den slavischen Namen Blatbno* oder Blatbna* und den 
deutschen Moseburch: castrum Hezilonis, noviter Moseburch vocatum, wofür die Annalen 
von Fulda urbs paludarum bieten. Kopitar, Glagolita Clozianus LXXIII. a. LXXV. b. 
LXXVII. b. Rum. balt-B. 

31. bl^dt error asl. — bolond s. stultus närrisch. Man füge hinzu belendes a. luxu- 
riosus. R. E. 3. 274. belendesseg s. libido. Revai 1. 289. Die Verwendung eines Sub- 
stantivs als Adjectiv findet auch sonst statt: vergl. strtba und klruss.: maju mu^a bJuda 
in einem Volkslied. Mit asl. blad-B hängt auch rum. bolundai'icB datura stramonium, welche 
Pflanze auch turbarie Arch. 188. heisst, zusammen: man vergl. auch bolony atropa belladonna. 

32. blem* asl., blen neben bunica Flora croat., bleu, blin cech., bielun pol., belena 
russ. — belend, bei Gyarm. 347. bilin, bilind hyoscyamus niger Bilsenkraut. Hinsichtlich 
des angefügten d vergl. man galand Schnürband mit galone, forspont mit Vorspann u. s. w. 

33. blizna cicatrix cech. — belezna, bilizna s. gäncs a väszonban Fehlwurf im Weben. 
Leschka 30. leitet belezna von cech. vylezu exscendo. Dank, vom pol. bielizna ab. 

34. bltgarin bulg. — bolgiir- s. bulgarus. 

35. bl-Bha asl., bolha nsl., buha serb. — bolha- s. pulex Floh. 

36. bobulicka demin. von bobula bacca slovak. — bubolyicska s. Kolb. 74. bobujicska 
chaerophyllum bulbosum Rübenkörbel. Fehlt im Wörterbuch der Akademie. 

37. bob-B asl., bob nsl., serb. — bab s. faba vulgaris Bohne. Rum. bob. Griechen 
und Römern bekannt stammt die Bohne von dem südwestlichen Ufer des kaspischen 



Meeres. Unger 1. 27. 



38. bodac bos petulcus serb. — boddcs s. tinö, apröd marha T;ijsz6tdr-, junger Ochs. 

39. bodäk cech. — bodak s. culter punctorius Stechmesser Dank. 

40. bodnär slovak., bednäf cech. — bodnär s. Büttner. Rum. butnarjü, butarju. Fremd. 

41. boj pugna asl., nsl., serb. — baj s. pugna, difficultas, molestia Kampf, Mühe. 
Rum. baj ist unmittelbar aus dem Magy. entlehnt, wie a für o zeigt. Andere vergleichen 
baj molestia, difficultas mit finn. vaiva u. s. w. Nyelvtud. közlem. VI. 448 : dagegen 
Thomsen 180. Das klruss. baj Plage (Ungern) ist aus dem Magy. entlehnt. 

42. bojnik serb. — bajnok s. pugnator Kämpfer; bojnyik s. Räuber Bloch. Rum. 
bojnik, 

43. büljari, boljarini, asl. — bojar s. Roman nemesür, nobilis gradus inferioris Dank, 
bojer, boer s. bojarus Kreszn. Rum. boerjii. Alb. buMr. 

44. borovka vaccdnium myrtillus; borovica iuniperus Flora croat.; borowka Heidel- 
beere pol.; borovicka Wachholderbeere slovak.; borüvka pinus cech, — boröka s, iuniperus 
communis Wachholder. 



Die 8LAVISCHEN Elemente im Magyarischen. 21 

< j» 

45. borsc klruss., barszcs acanthiis eine Art saure Suppe pol., brsf .heracleum 
spliondyliuiu ('•ecli. — bares s. acantlius BärenJvlaii. ßuinr-bors ins acidum. 

46. bosnjak serb. — bosnyak s. bosnensis Kreszn.; bosuya s. Bosnia Kreszn. 

47. bozur'B croeusasL; bo^iir paeonia officinalis serb., Flora eroat.; bozjur bulg. — 
bazsarözsa für bazsar-rözsa s. -paeoniä, officinalis Pfingstrose Djtnk. Alb. bo2iür. Die 
Nebenform rozsabazsäl scheint für die Zusammengeliöi'igkeit mit bazsalikonj basilicum 
zu sprechen. 

48. bradyasl. ; brada cech. — bdrd s. culter incisorius quo maxime laniones utuntur, 
ascia Beil. Die Media d spricht für Entlehnung aus dem Slavischen. Rum. bard-B, dessen 
magyar. Ursprung die Stellung des r zu verrathen scheint, Hung.-nsl. barda stammt 
aus dem Magy. 

49. brana nsl., serb. — borona, borna, im Täjszötdr berena, s. occa Egge; borontll 
vb. occare eggen. 

50. brät'S asl. — barat, in der Leichenrede brat, s. amiciis, monachus Freund, Mönch. 
Das aus dem Magy. zurückentlehnte barat bedeutet im Osten des nsl. Sprachgebietes 
Mönch. Mordw. brat frater. 

51. brazda asl., nsl., serb. — banlzda, borozda, brazda s. sulcus Furche. Rum. brazdoj. 

52. brekinja sorbusserb.; brekyiia, brak slovak. ; bfek cech. Crataegus torminalis Elsen- 
beerenbaum. — berekenye, berkenye s. sorbus domestica Ariesbeere: berkene, berkenyefa. 
Kanitz 10. Dasselbe bedeutet barköcza, das auf *brekovica beruht; nach anderen hat 
das A\ort die Bedeutung Crataegus torminalis: barkoucha, barcholchafa. Kanitz 10. 

53. breskva nsl., serb. — baraczk, baraszk s. persica Pfirsich. Fremdw. 79. 

54. breg-B collis, littus asl.; breg nsl. — bereg s. littus, pal\is. Man vergl. den Orts- 
namen magy. beregh, slovak. brehi, klruss. berehy bei Lipszky; jedoch auch mordw. 
beräk, befak Ufer. Jilh. brek, bregu. 

55. bricB asl., bric bulg. noYacula. — bicsak s. Taschenmesser; bicska, bicskia s. 
culter sutorius Schusterkneif Dank. Rum. bricjü, bricag. Das slovak. biciik ist so wie 
das klruss. bicak (Ungern) aus dem Magy. zurückentlehnt. Türk. bytsäk. Vergl. furl. 
britula coltello che si chiude nel -manico. 

5(i. britva asl., nsl., serb. — beretva, borotva s. novacula Schennesser. 

57. brk Knebelbart serb. — barko s. Backenbart. 

58. brna fuscus; bama bos subfuscus ßech, : slovak. %)rany für vrany niger gehört nicht 
hieher. — barna a. fuscus braun. Rum. btrnac. 

59. brslen evonymus Spindclbaum cech., brsljan hedera serb. — boroszlan s. dapline 
mezereum Seidelbast. Rum. boroslan hedera. Ngriech.- [xiüpoujXtävr^, uo^ic. 

(>0. brstan neben brsljan und brstran serb., bfectan cech. hedeia. — borostyan s. 
hedera helix Eplieu. Rum. brosten samb\icus. 

III. brynza rech., brindza slovak., bryndza pol. — brenza, bronza, bi-ondza s. caseus 
bresnensis Kreszn. Rum. briinzib. In deutschen Mundarten Ungerns Brinse gekneteter 
Schafkäse. Diefenbach vcrmutlict deutschen Ursprung und mittelbaren Zusammenliang 
mit Biest Colostrum, engl, beesting neben bresting und ungrisch-deutsch Brieserkäs, Käse 
von frischgegohrener Schafmilch. 

62. br'Bdo clivus asl.; brdo pecten textorius nsl., serb. — borda s. pecten textorius 
"Weberkamin. Man vergl. b(^'rcz s. Gebirge Marton; clivus, iugum niontis, pecten textorius 
mit cech. brdce, dcmin. von brdo; brdcc bedeutet ausserdem wie magy. bordicza s. kis 



22 Franz Miklosich. 

borda Iielciaria macliinula Zugriemenliolz, das Holz, an welches der Zugriemeii gebun- 
den wird, das vorstehende Holz im Joche. Rum. b-Brgle scapus textorius. 

63. br^logt asl. ; brlog nsl., serb. — barlang s. lustrum ferae Lager des Wildes; 
specus Höhle. Alb. borA.6k. 

64. br-BV^no trabs asl. — berena s. Brett, bei Märton erldärt durch deszka, kerit^s. 
Rum. bxrnTj. Nach Anderen, wohl unrichtig, Egge. 

65. buj insipidus asl.; bujen fortis bulg.; bujan praeceps serb.; bujny üppig wach- 
send, wild cech. — buja a. luxm-ians üppig, salaxgeil; bujnyik s. homo stupidus Täjszötär. 
Rum. buek ferus, petulans, lascivus. 

66. buky asl. — buk, bik s. fagus: ü und i sprechen für Entlehnung aus dem 
Deutschen: Buche neben Buche. 

67. buren bulg., burjan'b herbae genus russ., burian Rade slovak. Sembera, Dialekt. 
77. — burjän s. lierbae inutiles Unkraut. Rum. burujan. 

6S. bylfB asl.; bik nsl., bulg.; bik, bika serb.; bika hung.-kroat. ; byka slovak. 
Sembera, Dialekt. 72. — bika s. taurus Stier. Mordw. bykä, bukä. Mrum. biku: klruss. 
bika (Ungern) u. s. w. ist aus dem Magy. entlehnt. 

69. byvoli) asl.; bivol nsl., serb. — bival s. bubalus Büffel. Rum. bivol. Alb. büal. 
Vergl. klruss. bajvof. 

70. btd-BnB* asl.: bedenj nsl.; badanj serb., hung.-kroat. — bödöny, bodony, bodon, 
döböny s. labrum Tönnchen; bodonka. Vergl. nsl. debanca Weinkrug und slovak. dbenka 
Milchrührfass. 

71. hTiT-h asl.; ber nsl., cech., pol.; bar eine Art Hirse kroat. serb. — bor in borköles, 
bormohar s. panicum germanicum Fench: köles ist magy. und bedeutet milium. Vergl. 
muhar. 

72. b-BZt* asl.; b'Bz, b^Bza, b-Bzdovint l^ulg-; l»ez, bezeg nsl.; baz serb.; bozB russ. — 
bozza, bodza, im Tdjszötiir borza, s. sambucus nigra Hollunder. Rum. boz. Ngriech. 
ßo6Ctov. 

73. cäp slovak.; cap pol., klruss. — czäp s. hircus Bock. Rum. cap. Mrum. capu. 
Alb. cap, skjap. Ein dunkles Wort. 

74. cec nsl. für asl. sis-b, wie cecati für stsati. — csecs s. mamma die weibliche 
Brust. Rum. cicB. Vergl. nhd. Zitze. Nyelvtud. közlem. 2. 47.'). 

75. cer-B terebinthus asl.; cer cerrus serb. — cser s. cerrus ; cserje s. dumetum: eher, 
cserfa quercus austriaca. Kanitz 6. 

76. cep nsl. — csep s. tribula Dreschflegel. 

77. cesarB asl.; cesar nsl.; daraus car serb. — csäszär s. Imperator Kaiser. Hung.- 
nsl. casar ist aus dem Magy. entlehnt. 

78. cevi asl.; c6v nsl. — csev, cs^ve, csiv, csö s. fistula textoria Spule. Rum. cevt. 
Vergl. Sitzungsberichte 19. 268. 

79. cima Keim nsl. — czima s. der junge Schoss von Kohl Dank. Rum. kimt. 
Fremdw. 81. 

80. cuca neben kiica vulva nsl. — czucza s. amasia Geliebte (gemeiner Ausdruck). 
Alb. tsüts(j puella. Vergl. puca mit rum. puc^B vulva. 

81. cundra Lumpen cech. — czondra, czondora s. femina lacera; czondora zerlumpt. 
Vergl. rum. candur'B Splitter. 

82. caklja serb., klruss. — csflklya s. harpago Haken. 



I 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. , 23 

83. capiti alapam infligere slovak. — csap vb. zu Boden werfen, schlagen. Vergl. 
finn. tappa occidere, mactare. NyelvtuJ. közlem. VI. 43(j. 

84. capka recli. ; czapka pol. ; sapka russ. — csapka neben sapka, sipka, sipak s. 
Mütze, ßuni. .saplci,, «IpkTj; klruss. .sipka (Ungern). Vergl. csapicza Gyarm. 330. 

85. casa asl., serb. — csuso, csesze s. patera Schale. Rum. cesk'B, caSk-B, ctsk-B: klruss. 
rejsa (Ungern) stammt aus dem jMagy. 

8(!. catrna serb. — csatorna s. Cisterne. Fremd. 

87. cavka serb., slovak.; kavka nsl. ; cavka kroat.-nsl. — csöka s. corvus monedula 
Dohle. Mordw. tsavka. Kroat.-nsl. cöka Belost, stammt aus dem Magy. 

88. c^brt* asl.; czjibr, ctibr pol.; cubar Flora croat. ; Mbr, cibr cech.; eobrt, ca- 
bers, ceberi, russ. — csombor s. satureia hortensis Saturei; mentha pulegium; csombord 
wird im Tiijszötär durch borsfü erklärt. Csombor scheint ein aslov. scj^bri, aus 9-6|X|3po; 
vorauszusetzen. 

89. cban'B, rvan'B asl.; dzban serb.; rMn cech. — csobsln, csobäny, csobäncz s. ur- 
ceus Lägel. Rum. zbankt ventosa. 

90. cech rech. — cseh s. bohemus. 

91. cekan-B Meissel asl.; cakan Hammerbeil nsl.; czekan Streitkolben pol. — csjlbiny 
s. Reuthaue, Stockliammer. Fremdw. 82. 

92. celjadB asl. — csahld s. familia Familie; cseled famulus Dienstbote; bei Pariz 
Pdpai findet man noch csaläd, cseled familia. 

93. cemer'B venenum asl.; cemer ira nsl.; venenum, ira, furor hung.-nsL; cemerika 
ei-na veratrum nigrum nsl.; cemer nausea; cemerica helleborus slovak.; cemerika 
helleborus serb., veratrum Flora croat. — csemer, csömör s. nausea Ekel; eine Krank- 
heit; csomor, csomorika s. ranunculus sceleratus, giftiger Hahnenfuss. 

94. cep nsl. — csap s. epistomium Zapfen. Rum. cep. Fremdw. 82. 

95. cepBCB* asl.; cepac serb.; cepec cech. — csepesz s. Haube. Rum. ceps'B. Vergl. 
capka. 

9G. ceren: cefen cech.; cerenac retis genus serb. — csereny s. verriciilum Schleppnetz. 

97. cerga Zigeunerzelt serb.; cergib Teppich bulg. — cserge s. gausapc Kotzen. Tür- 
kisch. Vergl. Slav. Elemente im Alb. 17. 

98. cermel slovak. — csörmölye, csormoly, csormolya s. melampyrum ai-vense Kuh- 
weizen. Rum. curmojak Arch. 195. 

99. ceta cohors asl., serb. — csata s. pugna Schlacht. Rum. cefB, cat-n. Alb. ts^te. 
Ngi'iech. z^zzdrA'ji. Hung.-nsl. cata ist magy. 

100. cetina Nadel (an Nadelbäumen) serb.; cetina cech. Sembera, Dialekt. 53. — cse- 
tina s. fcnyöfa-ujuhis v. lijnyi vastagsiigü fenyövesszö Täjszotär; junger Tannenzweig. 
Rum. cetina. iuniperus commimis. 

101. cetvr'Bt'Bk'B asl.; cetrtek nsl. — csotörtök s. dies iovis; 

102. cetvri>tB asl.; cetvrt serb. — csötör, cseter s. quadrans ein Viertel; modius Scheffel; 
csötört, cseteit s. Durchmesser. Rum. cesvi.rtt, sfert cjuarta pars pecudis mactatae. 

103. cik cech.; cikov serb. — csik s. cobitis fossilis Schlammbeisser. 

104. ciniti ordinäre asl. ; facere nsl., serb. — csinäl vb. facere machen. Vergl. Sitzungs- 
berichte 17. 230. 

105. öixn, ordo asl. — csin s. factum, forma Dank. Rum. ein ordo. Vergl. Sitzungs- 
berichte 17. 324. und läpp, ein Schmuck. Nyelvtud. közlem. VI. 435. 



24 / ■, Feanz Miklosich. 

106. cistec Name mehrerer Pflanzen, unter anderen sideritis scordioides cech.; eistac 
stachys, ocist sideritis. Flora croat.; czysciec stachys pol. — tisztesfii s. sideritis liirsuta 

Gliedkraut. 

107. eiste asl. — tiszta a. purus rein. Schon von Verantius zusammengestellt. Lappisch 

raines ist anord. hreinn. Thomsen 164. 

108. ciz, eizi'k oech. — csi'z, csizike s. fringilla spinus Zeisig. Fremdw. 83. 

109. cl'BiMb asl.; coln, demin. colnek nsl.; cun serb. — csolnak, csunak s. cymbaKahn. 
Deutsch dialekt. Tschinakl. Rum. ein. 

110. cobola, rbola slovak. — csobolyo, csoborl6 s, urceus Lägel. Vergl. cban-B. 

111. coha eine Art Mantel nsl.; Tuch serb. — csoha, csuha s. Bauernkleid. Ngriech. 
•z^ü'/jJ.. Fremdw. 82. 

112. creda asl., nsl. — csorda s. grex Heerde; csordäs, cserdäs s. Kuhhirt Tajsz6tar. 
Serb. corda ist aus dem Magy. zurückentlehnt. Mordw. stadä Heerde ist russ. stado. Rum, 

cirad'B. 

113. crept asl., nsl. — cser^p s. testa Scherben; tegula Ziegel; irdenes Gresclürr; 
cserepes s. Uten Tajszötär. Rum. h^rb. Alb. tserep. 

114. creslo* asl.; cereslo slovak.; ceffslo cech. (in Mälu-en). — csoroszlya s. culter 
praecisorius aratri Vorschneidemesser am Pfluge. 

115. cresnja asl., nsl. — cseresnye s. prunus avium Kirsche. Rum. ciras^, cires. 
Fremdw. 82. 

116. crTbpati haurire, cripalo haustrum asl.; cerpak slovak. Sembera, Dialekt. 67, — 
cserpa s. Schüpfgefäss fornisbol meritö edeny Kreszn.; cserpak s. Trinkgeschirr für ko- 
bttk, kupa Tajszötar. 

117. cr'BVB asl.; crv nsl. — csere: cserebogär, cserebüly s, bruchus Maikäfer. Man 
beachte cservbogär Gyarm. 331, 

118. cudo asl., nsl., serb. — csuda, csoda s. miraculum Wunder. Rum. cudat mirus. 

Alb. tsudij. 

119. cutura serb.; cutora slovak. — csutora s. hölzernes Trinkgefäss. Fremdw. 83. 

120. cuvik, kuvik cech,; kukuvika noctua Mikalja serb. — csuvik, kuvik s. ulula Todten- 

vogel. Rum. covikt. 

121. cvrcak serb.; cvrcok slovak. — trücsök, prücsök, ptrücsök s. gryllus Grille. 
Schon Verantius stellt crcak mit prücsök zusammen, 

122. CBbrB asl,; ceber nsL; cber, dzber, 2b er cech. Man vergl. lit. kibirras Eimer. — 
csöbör, cseber s. medimnus Zuber; lat. chybrio: cum duabus chybrionibus cerevisiae Ritus 
262; döbörke, deberke s. scaiDhium ist mit cech. dzber, 2b er zu vergleichen. Rum. cubtr. 
Fremdw. 83. 

123. CBStB asl.; cast nsl., serb. — tiszt s. Amt, Officier. Rum. cinste mit Anlehnung 
an c^stb; rum. tist Beamter, Officier stammt aus dem Magy. 

124. d^ga iris asl. ; duga Daube, Regenbogen serb, — donga neben duga s. asserculus 
doliaris Daube. Rum. doag-s. Ngriech. vcö-j-a. Fremdw. 83. 

12o. debell, crassus asl. — debella s. femina corpulenta nagy magas lednyröl mon- 
datik Ki-eszn. 

126. degotB russ.; dehet cech. — deget, dohot, dohat neben degenyek, dögönyeg s. 
Theer, Erdpech, Wagenschmiere, Mordw. smalä Theer. Finn. terva Theer ist anord. tjara. 
Thomsen 175. 



Die slavischen Elemestk im Magyarischen. 21') 

127. deravica: deravec hypericum perforatum cecli. ; dCravice veronica beccabunga 
slovak. Leschka ; dziurawiec hypericum fz. millcpertuis pol. — derecze s. veronica becca- 
bunga Baclibunge Arch. 207. 

128. deraviCB*: derati lacerare serb. — daröcz s. Sackleinwand. Serb. doroc eine Art 
Mantel ist aus dem Magy. entlehnt. In Ortsnamen entspricht magy. daröcz slovak. dravce 
Lipszky. 

129. deres Menschenschinder nsl. ; Schlagbank nsl., slovak. — deres s. Schlagbank. 

130. dezma nsl., serb., slovak. — dezsma s. Zehend. Fremdw, 83. 

131. ded-B asl. ; ded nsl. — dcd m. avus, nach anderen des Grossvaters Vater; dMös 
s. Urgrossvater atavus Tiijszötfir; deduk s. Urgrossmutter atavia Tajszötilr ; dedapa s. avus; 
dedanya s. avia. 

132. dezansl.; di'ze cech.; dizva hung.-kroat. — dezsa s. scaphium Schaft". Fremdw. 84. 

133. dijaki diaconus asl. ; dijacld latinus nsl. — didk, deak s. a. latinus. ßum. diak. 
Fremdw. 84. 

134. dltgi debitum asl.; dlbgb debitum, res serb.; dugovanje debitum serb.; res 
nsl. — dol ug s. res Sache. 

13."). dojka nsl. — dajka s. Amme. Rum. dojk^b, dajkt. 

13(>. dojnä lac praebens cecli. — dajna s. femina mammosa Leschka, Dank, l'emina 
obesa testes, tenyeres, talpas asszony Kreszn. 

137. drag-B asl.; drag nsl., serb. — drdga a. carus. Rum. drag. Finn. tyyris carus ist 
anord. dyrr. Tliomsen 17G. 

138. dranica planche grossiere qu'on a faite en fendant un arbre pol.; di-anica 
raptura slovak. — dranicza s. durvabb, vastagabb es szelesebb fasindely Tajszötär. 

13!). dratev, dratva cech. — dratva, dratyva s. Pechdraht. Rum. drot. Fremdw. 85. 

140. dr^g'B asl.; drug nsl. — dorong, durung s. pertica Stange. Serb. durunga ist 
magy. durung. 

141. drbanice fecli. ; drbafiica slovak. — durboncza s. fricatio Reibung. 

142. drek*: dnk truncus cecli. ; drek slovak. — der^k s. truncus Rumpf: man ver- 
gleiche dei-ek ember mit rech, dh'cny, slovak. drycny, clovßk. Das wenig verbreitete slav. 
Wort lässt sich aus dem magy. derek nicht ableiten : dericno fortiter bei Frangipan 
ist magy. 

143. drob cech. — darab s. frustum Stück; dereb R. E. 3. 27(5; diribdarab Stück- 
werk. Rum. drob. Alb. dromtsa plui-. 

144. drombla, drunda, drmla slovak. Fremd. — doromb s. Bruimueisen. Rum. di"Bmbt. 
14"). druz ni. f. socius, socia cech. — druzsa, bei Kreszn., im Wörterbuch der Aka- 
demie und im Tii jszotiir drusza, s. Namensvetter. Mordw. druff Freimd. 

14(J. druzba roch., slovak. — dorosba, im Wörterbuch der Akademie dorosba und 
drusba, im T;ijsz(')tiii- druzsba, s. Brautführer. 

147. dübravnik"': iloubravnfk melissa cech.; dubrovnikij teucrium russ. — dabronika 
s. mellttis melissophyllum Arch. 19(). Fehlt im Wörterbuch der Akademie. Rum. dobroniks 
neben dumbravnik. Cech. dobronika ist magy. 

145. duda fistula serb.; dudy Dudelsack cech. — duda s. Dudelsack. Vergl. Fremdw. 8.'i. 
14!>. dudek, dud ("ecli. — dutka s. upupa epops Wiedehopf. Vergl. vdeb. 

150. duhna cecli., slovak.; zdolnja dunja Unterbett hung.-kroat. — duhna, dunha, 
donha s. culciti-a plumea Federbett. 

Denkscliriftcn der phil.-hist. fl. XIX. Bd. . 4 



2g Fkanz Miklosich. 



151. dunaj serb., cech. — duna s. Danubius. Alb. dimavu. 

152. dusak: na jedan dusak serb.; düsek: douskem auf einen Zug cecli. — duska s. 
liaustus votivus; duskät iszik uno haustu bibit; duska Kauftrunk Täjszötär. 

153. dusBülk-B*: dusni'k cecli.: Wlacli dal lest Doleass zemu bogu i ssvatemu Scepanu 
sse dvema dussnicoma Bogucea a 8sedleav Erb. Reg. 53. Ten dusnik 81). Tlien dusnik 
cum terra sua 177. Dem oech. dusnik entsi^richt lat. animator, proanimatus, das von einigen 
durch servus, von anderen durch animal erklärt wird: triginta aninuitores eorumque x^o- 
steritatem, tres animatores cum terra. Urkunde vom Jahre 91)3. Nach Jirecek 2. 35. sind 
dusni'ci im böhmischen Recht Familien, denen ein Grundstück mit der Verpflichtung über- 
geben wurde, einer bestimmten Kirche gewisse genau festgesetzte Dienste zu leisten, 
wobei die Kirche, welcher das Grundstück nach dem Aussterben der Familie zufallen 
sollte, der eigentliche P]igenthümer war. — dusnok, dusnak: dusinicus findet sich öfters 
in ungrischen Urkunden: quod earum cognatus dimissum a patre suo dusinicum apud 
sc detineret Ritus 223. quod cum sint dusinici a genere eins, scilicet Johan manumissi, 
contra ipsum tarnen superbiant. illi autem responderunt, se dusinicos quidem esse a prae- 
fato Johan cum terra sua dimissos etc. 240. quendam servum suum, nomine Urug, con- 
stituit dusinicum exequialem, quam ipsum tarn omnem eius haereditatem virilem, ita ut 
singulis annis apud ecclesiam de Beseneu celebrarent exequias cum duabus missis, una 
ove, triginta panibus, imo ansere et una gallina et duabus chybrionibus cerevisiae etc. 
262. Die von ungrischen Rechtshistorikern gegebenen Erklärungen des Wortes dusinicus 
lauten: Dusinicus servus est ecclesiae testamento datus, qui sacra emortualia pro remedio 
aninuxc demortui domini quotannis celebrari curabat, eoque nomine esculenta atque pocu- 
lenta sacerdotibus die emortuali offerre obligabatur vel pecuniam etiam. M. Belius, Ritus 
240. Servus ecclesiarum vel monasteriorum et lite etiam eos, qui dusheniczi id est alicui 
ecclesiae pro animae requie ab aliquo ad plures abeunte testamento voeabantur. A. F. 
KoHar. 2. 39. Hungari, dum manumissos exequiales nullibi proprio nostro vernacukique 
t6rl(5k, verum nomine a Sclavinis accepto dussenikos vocant, notatum alias hominum 
nostro rum incuriam idiomatis sui totidem argumentis confirmant. G. Bartal 1. 299. Mit 
dussnik-B ist zunächst zu vergleichen serb. zaduzbina, cech. zädusi fromme Stiftung, eig. 
je^c za dusa dano jestü und das ngriech. >^i>yi%ö^ eleemosyna in animae levamentum data 
Duc. Die Ortsnamen serb. dusbnici, cech. dusnici plur. sind auf die hier erörterte Be- 
deutung des Wortes zurückzuführen: dagegen gehört das dem dusevBnikb gleichbedeutende 
dusbnikb natürlich nicht hieher. Daniele, Rjecnik 1. 320. Es gibt auch einen magy. Orts- 
namen dusnok, dusnak Lipszky. 

154. dvort asl.; dvor nsl., serb. — udvar s. aula; udvarol vb. servire: serb. dvoriti; 
udvaroncz s. aulicus. Hieher gehört auch mldor-ispän Palatin, etwa na dvore ^upant: 
die Ableitung des nädor von nagy ür ist aus lautlichen und aus Gründen der Bedeutung 
zurückzuweisen. 

155. dvorBnikt comes palatii in Urkunden der Walachei; duornich curialis, Diplom 
bei Lucius. — udvarnok s. aulicus, ministerialis ; udvornici Endl. 128. 664. 665. classis 
ministerialium regis eeclesiarumque, vulgo udvarnokorum nomine in legibus diplomati- 
busque cognita G. Bartal 1. 161. vergl. 229. 265. udvarnieales sunt aulae ministri et ei 
suppcditantes aliquid Molnär. Rum. dvornik, vornik iudex curiae. 

156. dvBrB asl. — verö'cze s, ostiolum kleine Gitterthür. Die Stadt Veröcze heisst 
slav. Verovitica. 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. - 27 

157. dynja asl. ; dinja nsl., serb. — clinnye s. cucumis melo Melone. 

158. d'Bhi.'^' asl.; dali halitus Stulli; dulia Geruch hung.-kroat. — doh s. odor, foetor. 
Vei'gl. diili s. anhelitus Dank. Rum. duli spiritus ist asl. duhi>. Vergl. finn. tunlcka 
dumpfiger (Jerucli. Nyelvtud. közlem. VI. 420. 

159. d'BSka asl.; deska nsl. — deszka, deczka, doszka s. asser Brett. Fremdw. 8G. 
IGO. dtbrB asl., dejbfi (richtiger dybfi) cech. für srazne lidolicko Sembera, Dialekt. 24. — 

debre, debro s. Graben, Wasserriss; erklärt durch Höhlung, godür, mely vizmosäs Täjszötdr. 

Kjl. frcka slovak. — fi-icska s. Nasenstüber. 

I(i2. gace serb., ga.sti asl., gace nsl. — gatya s. Unterhosen. Vergl. finn. kaatio, vog. 
kas. Nyelvtud. küzlem. VI. 393. 

1(>3. gadovBCB*: gadi. serpcns asl., hadovec colubrina Schlangenliraut cech. — 
gädöcz s. gadus AYeichfisch. Der Fiscii hat seinen slavisch-magyarischen Namen von 
seiner Aehnlichkeit mit der Schlange. Man vergl. jedoch auch lat. gadus. 

I(i4. gagrica serb. curculio Stulli; ein Wurm, der ungegerbte Häute zernagt Vuk. — 
gergericze, gei'gelicze s. curcidio Kornwurm Kreszn. Tajszotar. Gcrgericze beruht auf 
der Form *grgi'ica. lium. g'Brg'sric'b curculio. 

1()5. gajdati''', gadljati den Dudelsack spielen von gajde, gadlje serb. — ■ gajdol vb. 
dudeln. Fremdw. 89. 

Hin. galeta slovak., giletka neben diJetka klruss, — galeta s. Milchgelte; geleta 
Gyai-m. 347. Rum. g'Blet'b. Fremdw. 90. 

1()7. galic'^': halicz l^ol., hai'yc klruss. — gacs: gäcsoi-szag Galizien. Man vergl. den 
magy. Ortsnamen gacs, slovak. halic Lipszky. 

KIS. galuska''': haluska, halecka slovak. — galuska, haluska s. Kloss, Knödel. Rum. 
gtluslcT}. 

I(i9. ganic''': hanic Tadler cech., haiiic, hanec slovak. — gdncs s. mendnm, defectus 
Fehler Kroszn.; gäncsol vb. tadeln. Klruss. ganc Fehler, namentlich eines l'ferdes, ist magy. 

170. gat septum, canalis serb. — gät s. septum Damm; im Tiljszötar erkläi-t durcli 
lesza, söveny. Vergl. Sitzungsberichte 19. 279. 

171. gaziti nsl., serb. — gäz s. vadum; gazol vb. vadare waten; gilzh') s. Furt. Vergl. 
Sitzungsberichte 19. 280. 

172. g£j.ba asl. — gomba s. fungus Schwamm, Pilz. 

173. g^ba pol., woraus slovak. gemba, ganiba neben huba Maul und gamby Lippen; 
gemba, gymba cech. Sembera, Dialekt. 59. — gamba s. Wurstmaul, bei Dank, gemb Maul. 

174. gibanica nsl., serb. — goboncza s. eine Art Mehlspeise mit Rüben und Topfen: 
repaval, turoval stb. belett dupla laska, a' melly egesz kereksegeben megsüttetik Täj- 
szotdr. Scheint von gomböcza verschieden. 

175. glista nsl., serb. — giliszta, geleszta s. lumbricus Regenwurm; Spulwui-m; AVurm. 
17(i. gliva fungus, struma serb.; liliva tuber, fungus slovak. — gelyva, golyva s. 

Struma Krojif: lllchenschwiiniiu; im Tajszotar; gelyva bikftlkon teremni szokott gomba 
und gejva aus gelyva: giva-gomba, laska-gomba. 

177. gloginja fructus crataegi; glog Crataegus serb. — galagonya, gelegenye, gala- 
ginye s. ci'utaegus oxyacantha Hagedorn; golgonya. Kanitz 10. 

178. gnoj asl., nsl., serb. — ganaj, ganej s. fimus Mist, Dünger. 

179. gnus'b sordes, scelus asl.; gnus macula, abominatio hung.-nsl. ^— gonosz s. malum; 
a. malignus. 

4* 



28 - Fkanz Miklosich. 

180. gobino fruges, ubertas asl. — gabona s. frumentuiu Getreide; dialektiscli ßoggen 
Tajszötär. 

181. god dies festus nsL; gody ,russ. dial.; gody pol.; liod, liody cech.; hod slovak. 
— gagy s. epulae Sclimaus. Auslautendes d geht auch sonst in gy über. 

182. gol^bB asl.; gelob nsl.; golub serb. — galamb s. columba. Mit dem ein asl. 
golabica voraussetzenden galambieza s. agaricus piperatus vergl. man cech. holubice 
eine Art Scliwamm und holubinka agaricus oxyacanthus; galambocz s. verbena offici- 
nalis Taubenkropf Dank, beruht auf einem slav. *golabovbCb. 

183. golic avicula deplumis serb. — golicz s. rhincops Wasserscherer. 

184. gol'B nudus asl.; gol nsl. — gulacs a. calvus, glaber Leschka; depilis, calvus 
Dank., der guL^cs von guliti serb. pellem detrahere ableitet. Rum. gol nudus: pre cej 
goli Sil i T.mbi-'Bk'bm Clemens 279; golas nudus. 

185. golB*: gol arbor caesa nsl.; hül baculus cech. — galy neben gaj s. ramus 
Zweig; frondes Aeste. Leschka vergleicht cech. haluz. 

186. gomolja aruss.; homole cech. — gomolya s. gleba casei, meta lactis Kreszn.; 
gomolya, homolya, homolyka s. süsser Käse in Kugelform. Vergl. gomoly s. rotunditas, 
nodus, tubei' Kreszn. 

187. gorazd'B peritus, astutus, ursprünglich, wenn die Zusammenstellung mit goth. 
ga und razda loquela richtig ist, etwa disertus, loquax; horazditi murren cech. Sembera, 
I)ialekt. 33, — garäzda a. iurgiosus; s. homo iurgiosus; garäzna neben garäzda Tajszötär; 
garazda neben grazda Kreszn.; garäzd iurgium Molnär. Leschka leitet garäzda, gräzd 
s. lis von groziti minari ab. Der Ursprung des Wortes ist dunkel. Vergl. mgriech. 

188. gorBnikt* — gornyik s. tisztseg szolgaja, gornyik adparitor, vulgo gornico. 
Les. 240. gornik, erdöpäsztor, hatärjäro, zsitär Gyarm. 310. Das, wie es scheint, in 
Siebenbürgen gebräuchliche magy. Wort fehlt in den Wörterbüchern. Das slav. Wort 
kommt in keiner passenden Bedeutung vor: man vergl. jedoch etwa cech. hornik Berg- 
mann. Rum. gornik Les. 240. Iszer. 

189. gospodB asl.; gospod nsl.; hospoda dominus cech. — gazda s. herus Hausherr. 
Die Zusammenstellung ist zweifelhaft. Serb. gazda ist magy. 

190. grablje pecten foenarius nsl., serb.; hrable dial. cech. Sembera, Dialekt. 53. — ■ 
gereblye, gerabla, gräblya s. Rechen. Vergl. mereglye s, Getreidegabel Dank. 677. 
Mordw. grablä. Rum. grebli. 

191. gradic* — garädics, grädics s. Treppe. Slavisch jetzt unnachweisbar. Fremd. 
Ivlruss. garadycy (Ungern) stammt aus dem Magy. 

192. gradja sepes serb.; graja nsl. — g;irgya s. septum, margo, materia ad sepiendum 
destinata; bei Leschka ganigygya. Rum. gi-tde Zaunruthe. 

193. grad'B hortus, urbs asl. — garad s. sepes, arx. Rum. gard sepes. Läpp, gardde 
sepes ist anord. gardhi\ Thomsen 141. 

194. gramada asl. — garmdda s. acervus Haufen. Rum. grtmadi. 

195. granica asl. — gninicz s. Gränze. Das magy. Wort scheint unmittelbar aus dem 
Deutschen entlehnt: Graniz. Rum. granicb. 

196. gr^b-B rudis asl.; grob asper, rudis nsl. — goromba a. crassus dick; rudis roh. 

197. greb*: grebl'a, grobla klruss. — gereb, gereb s. agger littoralis, littus Ufer 
Kreszn. collis Hügel. 



Die slavisciien Elemente im Magyarischen. 29 

198. grebenB pecten asL; greben pecten, scopulus serb. — gereben neben luiliel s. 
pecten Kamm, Hechel. Vergl. rum. liebelt. Magy. gerincz s. ßücken, ßückgrat vergl 
man mit nsl. greben spina dorsi. 

199. grezen: grez lutum Habd. nsl. — gai-flzna, ganlznäs a. kotliig Gyarm. 311.335. 

200. gr^da asL; greda nsl. serb. — gerenda, gerend s. trabs, tignum Balken Kreszn. 
Kum. grind'B. Ngriech. ypsvta, ypsVTid. 

201. gr^deLb*: gredelj nsl.; gredel bura Belost, kroat.-nsl.; gredalj himg.-kroat. — 
gerendely, göröndüly, görondii s. bura Balken am Pfluge. Rum. grlndej. Fremdw. 91. 
Demnach wäre, bemerkt Diefenbach, Zeitschrift für vergl. Sprachforschung, das deutsche 
Grindel, Grendel slav. Lehnwort oder hätte doch sein im Slav. erhaltenes Primitiv (gr^da) 
verloren. 

202. grgec perca fluviatilis serb. — görgicse neben dörgicse s. Gründling. Ein dunkles 
Wort: die Zusammenstellung ist zweifelliaft. 

203. griz pabulum indigestum, eig. das Angenagte serb. — gerizd, gerezd s. durch 
Nagen, etwa am Apfel, entstandene Furche Dank. 

204. grot nsl., serb.; nsl. auch grod (grodü) v mlinu posoda, v ktero se zito vsipa, 
da potem po koritcu na kamen pada. — garat neben garad s. Gosse in der Mühle. Vergl. 
alid. grant, krant. 

205. grozdi asL; grozd nsl., serb. — gerezd s. racemus Traube. 

20G. gv-hhi, dorsum asL; grba serb. — görbe, görbicze s. gibbus; a. gibbosus. IMordw. 
korbyn Buckel. Boller, Sitzungsber. 17. 338. vergleiclit niongol. chorboicho Gekrümmt- 
sein der Haare beim Pelzwerk; Budenz, Nyelvtud. közlem. VI. 394. finn. käyrä; ehstn. 
köver u. s. w. Rum. gsrbov. Alb. gerbe. 

207. gr-BCB'*: grc serb.; krc nsl., slovak. — görcs, göcs s. spasmus Krampf ; ausserdem 
nodus, tuber Knorren, wofür slovak. grc. Rum. kürcej, sgürcjü spasmus, cartilago. Alb. 
kertsitune Podag-ra. 

208. gi^Bk-B asL; grk nsl., serb. — görög s. a. graecus. 

209. gr-Bliea asl.; grlica, grla nsl., serb. — gerlicze, gelicze, gilicze neben gerle, 
gile s. turtur Turteltaube. 

210. gr'&ni.carB asl. — gorüncser, gerencsör, gölöncser s. figvdus Töpfer. 

211. guba ludix kroat., serb. — guba s. gausape zottiges Oberklcid. Fremdw. 91. 

212. guba lepra, gubav leprosus serb. — gubäs a. leprosus Verant. Vergl. guba für 
penesz Schimmel Tajszötdr. 

213. guba fungus arborum StuUi serb. — guba, gubacs, gubics s. galla Gallapfel 
Dank. Man boaclitc die Verschiedenheit der Bedeutung. Verffl. ffaba. 

214. gunja nsl., serb.; hüna*: houng cech. — gunya, gunyjicz s. Kotze, zottiges 
Bauernkleid; hünya s. rauhe Decke, Teppich. Ngriech. yoOva. Fremdw. 91. 

215. gusarB, gur&sari, praedo serb. — huszar s. Husar. Rum. kursarjü Seeräuber; 
husarjü Husar. Vergl. magy. hajdü Hajduk, Trabant mit serb. rum. liajduk Räuber und 
rum. riizboj Krieg; rtzbojnik s. Kriegsmann a. kriegerisch mit asl. razboj liomicidium; 
razbojnikx homicida, praedo. Fremdw. 93. Nicht von hüsz-fir viginti-pretiuni. 

21G. gusa Struma serb.; gus-B collum bulg. — gusa s. struma Kropf Täjszötar; guzsa 
Kreszn. Rum. gusa,. Alb. güse. Fremdw. !tl. Vergl. lit. gusis Brustknochen am Huhne. 

217. guz: guzva serb.; go2, goza nsl.; houz, houzcv, liouzva cech. — güzs s. AViede; 
guzsba s. für üstfa Tajszötär; gusba s. für üst-tai-to fa a' tüz felett Täjszötar; güzsadt 



g,Q Franz Miklosich. 

für meggörbült Tajsz(5tär. Rum. günz funis e libro ist nah gazb*: gfizvica; vergl. rum. 
vi,ndzü Biegsamkeit; vindzos, vtnzos biegsam; kuzb^B ein gebogenes Stück Holz, woran 
der Kessel gehängt wird, also gleich magy. gusba. 

218. habarnica cancer ruricola cech. — habarnicza neben habarcz s. polypus Arm- 
polyp. Polypus heisst serb. lo-oat.-nsl. hobotnica. 

219. hajdina nsL; ajda kroat. ; eljdovan serb. — hajdina s. polygonum fagopyrum 
Buchweizen Fremd w. 91. Vergl. hrecka, poganka, tatarka. Diese aus den nordwestlichen 
Theilen des chinesischen Reiches stammende Frucht drang unter Vermittelung der Ta- 
taren und Griechen im 16. Jahrhundert nach Europa. Unger 1. 14. 

220. harc kroat., cech., pol.; garcovats tummeln (ein Pferd) russ. — harcz s. pugna 
Schlacht. Rum. harc. Fremdw. 92. Vergl. fz. harceler reizen, zwacken. 

221. harusna aus haras d. i. Rasch verfertigter Strumpf Leschka slovak. — harisnya 
s. Strumpf Fremdw. 74. 

222. hizka, demin. von hiza nsL; asl. hyz'B. — liiskit s. preshäz a szölöben Wein- 
gartenhaus Tajszötär. Fremdw. 93. 

223. hl'&m'B asl.; holm nsl. — halom s. collis Hügel. Rum. li-blm. 

224. hmelB asl. — komlö s. humulus lupulus Hopfen. Mordw. komlä, finn. liumala, 
ehstn. humal, wogul. kumlah. Rum. hemej. Ngriech. ymixeli. Hehn 349. Thomsen 136. Bei 
der Annahme der Entstehung des komlö, komlä aus dem Slav. macht k für h Schwierig- 
keit: man vergl. indessen magy. kar mit chorus Riedl 67. Klruss. komiovka (Ungern) 
stammt aus dem Magy. 

225. hmozditi cech.; zmozdziti conquassare hung.-nsl. — mozdit vb. tundere stossen ; 

movere bewegen. 

226. hrakati screare asl.; hrtka bulg. — harak s. Schleim. Rum. hork-Besk. 

227. hrce slovak. für cech. sum. — harcsa s. silurus glanus, silurus mallus Wels, Barbe. 
Klruss. harca (Ungern) ist magy. 

228. hrecka klruss.: vergl. gryka Heidekorn, Gricke Mrong. pol.; grikkai. lit. — 
haricska s. polygonum fagopyrum Buchweizen. Rum. hriskt, hirisk'B. Fremdw. 91. Vergl. 
hajdina, poganka, tatarka. E Graecia et Asia in Germaniam (et Russiam et Poloniam) 
venit Hehn 378. 

229. hrib*: hrib cech. — liirip s. boletus luteus Pilz; hiriba für varganya boletus crassus 
Champignon Tajszötar; hirip-gomba boletus ferruginosus Kreszn. Rum. hrib-B, hiriba. 

230. hrvat kroat., serb. — liorviU s. Kroat. In der Form horvat vom Nsl. zurück- 
entlehnt. 

231. hvala laus, gratiarum actio asl. — hala s. gratiae Dank. Rum. falt laus, superbia. 
Vergl. Sitzimgsberichte 19. 284. 

232. livrasto quercus, sarmentum asl. ; hrast quercus nsl. — haraszt s. quercetum Eich- 
wald; dumetum Busch; horozth, harast, hrast quercus. Kanitz 7. Rum. hrest dumetum. 

233. chechtati cech.; hohotati nsl. — hahota s. cachinnus lautes Gelächter. Rum. hohot, 
horhot. 

234. chrcek slovak. ; hrdak serb. — hörcsök s. mus montanus Hamster ; mus montanus, 
meles, taxus Kreszn.; lioncsok-türäs neben hörcsük-tüi'ds s. Maulwurf TäjszötAr. Rum. htrcog 
Hamster. Vergl. klruss. herÖ (Ungern). 

235. chyba cech. dialekt. damnum; klruss. chyba Fehler. — hiba s. mendum Fehler 



Die slavischen Elementk im Magyarischen. 31 

236. igla: jelila cecli. — igle s. regilops Leschka. Fehlt im Wörterbuch der Akademie. 

237. iglica geranium Flora croat. ; scandix pol.; ihlica, ihlie slovak. ; jehlice cech. 
— iglicze s. ononis spinosa Hauhechel Dank. 

238. igo asl. — iga s. iugum Joch. Vergl. jartm^B. Finn. jukko ist goth. juk. Thomsen 137. 

239. igrati asl. — ugräl vb. salire hüpfen. 

240. igravec neben igrc Spielmann nsl.; igrb scenicus asl. — ugröcz s. Harlequin, 
eig. Springer. 

241. ikra asl. — ikra s. ova piscium, cancrorum Itogen. Mordw. ila-a. Ehstn. igr. ßum. 
ikre. Alb. ikra. 

242. ikra slovak. — ikra: Idb-ikra s. Wade. Damit hängt nach Leschka iker Zwilling 
zusammen, wie, ist mir dunkel. 

243. imela asl., serb. •, imela, melj Flora, croat. ; jmeli cech. ; omelo slovak. — imolya 
s. viscum Mistel Dank. Andere erklären imolya durch hinar Seegras ; szitty6 Binse etc. 

244. irha nsl. — irha s. aluta Weissleder, ßum. erh:&. 

245. Iskra asl., nsl., serb. — szikra s. scintilla, das auf skra zurückzuführen ist, welches 
im Pol. voi'kommt : vei'gl. zgra russ. dial. 

246. ist-Bba Zelt asl.; izba nsl., serb.; izba, jizba cech.; soba serb. — szoba s. Stube. 
Dieses über ganz Europa in der Bedeutung Ofen, Zimmer verbreitete Wort stammt aus 
dem Deutschen, ßum. sobt Ofen. Alb. isbe. Fremdw. 93. 126. Auch finn. tupa ist ger- 
manisch und gehört hieher: anord. stofa. Thomsen 178. 

247. is'Bp'B* : isiipsno syrtis asl. — iszap s. lutum lentum in littore vel fundo aquarum, 
syrtis Kreszn.; coenum Schlamm. 

248. izbeg'B exitus asl. — izbeg : izbeg s. servus fugitivus Decr. s. Ladislai III. 2 ; 
wzbeg Endl. 342 ; uzbek s. facinoi'osi ad aliquot dies inviolabiles Molnar. Vergl. den 
magy. Ortsnamen izbeg, üzbeg Lipszky. 

249. jagnjed, jagnjeda populus serb.; Jahnada populus alba slovak. — jegenye s. po- 
pulus tremula Espe; bei Ivanitz 6. 11. pinus abies, ulmus. 

25ü. jantart russ. aus dem lit. jentäras, gentäras, gintaras. — gyantär, gyanta s. ele- 
ctrum Bernstein Dank. ; nach anderen Harz, Bergharz. Wie dieses lit. Wort zu den Magyaren 
gerathen ist, lässt sich kaum bestimmen. In der slavischen Kirchensprache wird fjXexrpov 
duri'h pradib cistyj reiner Sand übersetzt. 

2r)l. jarek nsl.; jArek slovak.; jarak serb. — drok s. fossa Grraben. Vergl. rimi. erugt 
^\ assergrabcn. Fremdw. 94 : jaruga. 

252. jarica gallina novella slovak. — jercze, gercze, ercze s. gallina novellaHuhn; 
Henne, Weibchen (bei Vögeln). 

2.'');'). jarka rech. — jerke s. agna Lamm. Ehstn. jär Schafbock. 

254. jarBint asl.; jarem nsl. — jdrom s. iugum. Vergl. igo. 

255. jas''': jes cyprinus cephalus Jäse cech.; jaz cyprinus ieses pol. — jäsz, j4sz ke- 
szeg s. cyprinus leuciscus Dickfisch. 

256. jasim alanus aruss. — jdsz s. barbarus, hostis, philistaeus, sagittarius Kreszn. 
Zeuss, die Deutschen und ihre Nachbarstämme 703. Vergl. die magy. Ortsnamen j4sz- 
Lipszky. 

257. jasli asl.; jasle nsl. — jdszol, jaszlö s. praesepe Krippe, ßum. jasle, esle. 



32 Franz Miklosich. 

258. jatrocel*: jitrocel plantago cecli. — atracz61 s. ancliusa Augenzier, nach Dank, 
plantago. Rum. otr^Bcel borrago officinalis •, atracel cynoglossum officinale Arcli. 188. 

259. javor platanus nsl. — jdvor neben jubar, iliar s. acer Ahorn. Juhar, ihar wird 
mit finn. vahtera, ehstn. vahter, vaher u. s. w. zusammengestellt. Budenz, Nyelvtud. 
közlem. VI. 409. 

2(50. kabät cech. — kabat s. toga Rock. Fremdw. 9G. 

261. käca eig. Katherina ; kdce Ente slov. ; kacka klruss. ; kaczka pol. — kacsa, käcsa 
s. anas Ente. Vergl. macka. 

262. kacer cech.; kacer slovak. ; kaczor pol. — kacser, gäeser s. Enterich. 

263. kadär slovak. — k4ddr s. vietor Büttner. Vergl. kadb.. 

264. kadB asl. •, kad nsl. — kAd s. cadus Bottich. Rum. kad:B. Alb. kade. Fremdw. 94. 

265. kajati vituperare nsl. — kajal vb. increpare schelten. Rum. k-Besk doleo. 

266. kalina vibiirnum ßech. ; ligustum vulgare serb.; kalinovina viburnum Flora 
croat. — kalincza s. teucrium chamaepitys Par. - Pcäpai, aiuga, teucrium • chamaepitys 
Kreszn. ; viburnum opolus Bachholder Dank. ' 

267. kamata serb. — kamat s. Zinsen. Fremdw. 95. 

268. kan slovak.; kanec cech. — kan s. verres Eber; mas Männchen. Budenz vergleicht 
Nyelvtud. közlem. VI. 384. ehstn. kunt. 

269. kanja: kane cech.; kanja klruss.; kanjuh Belost, kroat.-nsl. — kdnya s. falco 
milvus Hühnergeier. Rum. ka-B, ga-s milvus. Vergl. Sitzungsberichte 19. 291. 

270. kapa asl., nsL, serb. — käpa s. cappa Kappe; kilpäs a. cucullatus. Hieher gehört 
auch köpöny, kfipeny, köpenyeg s. Mantel. Fremdw. 96. 

271. kapusta ßech.; kombost Speise von gekochtem Sauerkraut; kupus Kohl serb. 
— käposzta, kiipiszta s. brassica Kraut. Mordw. kapstä. Ehstn. kapusta. Fremdw. 96. ' 

272. karas cech. — karasz s. cyprinus carassius Karausche. Mordw. karasä. Fremdw. 96. 

273. kasati cech. — kaszolod vb. se succingere sich aufschürzen. 

274. kasa nsl., serb. — käsa s. puls Brei; caementum Malter. Rum. ris-kast. 

275. katrc, katrce cech., slovak. — katröcz, ketrecz s. tugurium Hütte ; katrocz, ketrecz 
s. Hühnersteige. 

276. kq;drB*: kadrjavt asl.; kondrovanje vlas torti crines hung.-nsl. — kondor, kündör, 
göndör neben fodor, bodor, a. crispus kraus; bei Gyarm. 316, kondor, kudor. Mordw. 
kudrä Haarlocke. Man vergl. kender s. cannabis Hanf mit pol. k§dzior Locke und rum. 
kaer pensum lini. 

277. k^kolB asl., kokolj nsl. — konkoly s. lolium Lolch. Vergl. ngriech. xöxxaXtv. 

278. k^pona statera asl. — kompona s. libra Wage, Wageschale. Rum. kump^n-B. 

279. k^si. asl. — koncz s. fi-ustum Stück; kuszäl vb. in frusta redigere beruht auf 
cech. kus. 

280. kdäkati cech. — kodäcs s. Gegacker; koddcsol vb. gackern. 

281. keciga nsl., serb.: vergl. keca nsl. und ciga serb. — köcsöge, kecsege s. acci- 
penser ruthenus Stör. Rum. ktcugt, cigt. Ke scheint gegen den slavischen Ursprung des 
Wortes zu sprechen. 

282. klada asl., nsl., serb. — kaloda s. numella, cippus infamis Schandklotz. 

283. klampär slovak. Dank. — kolompär s. Klempner. Fremd. 

284. klas-B asl., klas nsl., serb. — kalasz s. arista Aelire. 

285. klece Krummholz cech. — klecska s.: kletska sicca ligna Endl. 425. 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. 33 

286. klep cecli. — kelep s. das Klappern, die Klapper. 

287. klepac Hammer, Mauerschwalbe cecli.; klopac Hammer slovak. — kalapäcs s. 
malleiis Hammer; sitta eiiropaea. 

288. klepati cecli. — kalapäl vb. hammeni. 

289. klepeto chela cecli. — kopötö, kopoltyü, kopoltyu s. Krebsschere. 

290. kleptca asl., klepec avicapa cech. — kelepcze s. tendicula Falle; Ratsche. 

291. klesc nsl. — kolläncs s. acarus ricinus Milbe. Aus dem bei Linde angeführten nsl. 
klos und dem magy. kolläncs ergibt sich eine alte P"'orm klasc, asl. klastb. 

192. klej asl., nsl.; klij (klih) cech. Sembera, Dialekt. (iO. — kilih s. Kleister Gyarm. 
348. Fehlt im AVürterbuch der Akademie. Fremdw. 98. 

293. klett, kletBka asl.; klet cella nsl.; kletka cavea nsl. — kalit, kalitka s. cavea 
Käfig. Mordw. kletka. 

294. klinec cuneus : demin von klin cech. — kölöncz s. clavus parvus ligneus kleiner 
Holznagel Dank. Mordw. klin Keil. Man vergl. klincs, kilincs s. Riegel Gyarm. 314., 
kelincs, kil-incs, gllincs s. Klinke. Rum. klone. Clemens 104. 

• 295. kljucarB asl. — kulcsar s. clavicularius Beschliesser. Rum. klußarjü. 
296^ kljucB asl., kljuc nsl., serb. — kulcs s. clavis Schlüssel. Alb. kl'uts. Vergl. 
Sitzungsberichte 17. 345. 393. 

297. kl-Bbasa asl.; klobasa nsl. — kolbdsz s. farcimen Wurst. 

298. knez nsl., serb.; ktn^gt, Icbn^zb asl. — kenez, kinez, knez: olahus probationem 
faciat- per knczos Gäl, Vizsgälödäs etc. Alb. knez. Fremdw. 98. Die Ableitungen des 
"Wortes k:Bn§zb, k^n^gt aus einem slav. Etymon sind misslungen. Finn. kuningas ist wie 
slav. kin^zb deutschen Ursprungs. Thomsen 145. 

299. knjiga asl. — könyv s. Buch. Mordw. kniga: aus derselben Sprache wird 
Nyelvtud. küzlem. VI. 390. kohov für papiros Papier angeführt. 

300. knot cech., pol. ; knot Lunte klruss. (Ungern), gnit Docht (Galizien) ; knott russ. 
dial. Fremd. — kanöt, kanöcz s. Docht. 

301. koba corvus cech.; kobiec Lerchenfalk pol. — kaba s. species accipitrum Kreszn. 

302. kobyla asl.; kobila nsl., serb. — kabala s. equa Stute Verant. Kreszn. kabala-l6 
idem Leschka; kabala, rosz ven kancza Täjszötär; eke-kabala feretrum aratri die Traggabel 
am Pfluge. Rum. kobil^B feretrum aratri neben dabil-b equus strigosus. 

303. kobylica: kobilica nsl.; kobylka pol.; kobilka slovak.; konjic cicada hung.- 
croat. .— kaböcza s. cicada Cicade. Vergl. ßech. konik Heupferd, Heuschrecke. 

304. kocour cech. — kaczer s. catus Kater. Fremdw. 101. 

305. kocan serb. ; kocen nsl. — kocsdn, kocsdny, kocsony s. caulis ; kacsany s. Stylus, 
petiolus, cauliculus Kreszn.; koczon s. Krautstengel fejes kdposzta' vastag szara Täjszötär. 
Rum. kocen caulis. Alb. kotsän. 

30(). kocenina cech.; koconyna klruss. (Ungern). — kocsonya s. ins coagulatum Gallerte. 

307. kocija nsl. — kocsi s. Kutsche. Alb. kutsij. Fremdw. 99. 

308. kocevece quis vult plus (dare) serb. — k6tyavetye s. auctio, subliastatio, venditio 
sub hasta. Ab Illyriis videtur milii arrepta esse ex ipso huiusmodi auctionis actu clamoso 
et interrogatione multum repetita ko o6e vede. Revai 89. 

309. kokosB gallina agl.; kokos nsl., serb. — ^ kakas s. gallus Hahn. Rum. kokos gallus. 
Alb. kokos. Finn. kana ist goth. hana. Thomsen 140. Finn. kukko wohl anord. kokr. 145. 
Ehstn. kikas russ. Klruss. kokos gallus (Ungern) ist aus dem Magy. entlehnt. 

Denkschrifteu der phil.-hist. Cl. XIX. Bd. 5 



34 



Franz Miklosich. 



310. kola asL, nsL, serb. — . kölya s. Wagen, Sänfte. 

311. kolacB asL; kolaß nsL, serb. — kaläcs s. circulus Molnär; placenta Kuchen. 
Mordw. kolatsä. Elistn. kalats. ßum. kolak circulus, arcus, striblita. Alb. kulats. Fui-l. colaz 
ciambella. 

312. kolar nsL, serb. — kollär s. Wagner. 

318. koleda nsL; koldüvati mendicare hung.-nsl. — koleda s. collecta CoUectur; ko- 
leddl vb. sammeln, betteln. Vergl. koldüs Bettler, das mit russ. koldunt Zauberer nichts 
zu tliun liat; kelengye s. Neujahrsgeschenk. Rum. kolindt Weihnachtslied. 

314. kolence serb. — koloncz s. geniculum Knoten am Halme. 

315. koliba asL, serb.; goliba nsL — kaliba, kolyiba, galiba s. Hirtenhütte. Rum. 
kolibi.. Fremd w. 99. 

316. kolomaz serb. — kalamäz, kalamasz, kulimdz s. axungia Wagenschmiere. Klruss. 

kulimaz (Ungern) ist magy. 

317. komen locus nsl. — kemeny s. Schornstein. Rum. kamin. Fremdw. 99. 

318. komol: komoly cech. — komoly a. mutilus verstümmelt. 

319. komora nsl., serb. — kamora, kamara s. Kammer. Rum. ktmart. Fremdw. 99. 

320. komornä cech. — komorna s. Kammerjungfer. 

321. komornik cecli. — komornok neben komornik, komornyik s. Kammerdiener. 

322. konder-B aserb., kondijer, kondir serb. — konder, kongyer s. Kanne. Fremdw. 
100. Wohl aus v.rjYr^rirjirjy congiarium. 

323. konica: konice cech. — kancza s. equa Stute. 

324. kontusB aserb. ; kuntos serb., russ. dial. ; kanduse Sech. Sembera, Dialekt. 32. — 
kantuSj köntös s. Oberkleid. Fremdw. 100. 

325. kopäc fossor, ligo cech. — kopacs s. der gräbt, Grabmeissel; kopacs s. Karst; 
kapäs s. Hauer. Klruss. kopas (Ungern) ist magy. 

326. kopati nsl., serb. — kapäl vb. hauen, graben, scharren; kapa s. ligo Karst; 
Graben. 

327. kopca nsl., serb. — kapocs, kapcs s. fibula Schnalle. Alb. köpse. Fremdw. 100. 

328. kopica* slavisch jetzt unnachweisbar. — kopicz s. für kollancs acarus Milbe 
Tajsz6t4r. Ngriech. -x^ÖTzizCnc, wohl für %6:riT;Ca, xoiCti^^^a für xoutrCt^a tinea Leake 325. 
Alb. kopitse-a neben köpesg-a tinea Camarda 1. 312. 337. 

329. kopije asL; kopia slovak. — kopja s. hasta Lanze. Rum. kopi'B cultur anceps, 
womit magy. kappany verglichen werden kann. 

330. kopitnjak, konjsko kopito Flora croat.; kopitnjak serb.; kopytnik cech.; kopitnik 
anthyllis vulneraria nsl. — kopotnyak s. asarum europaeum Haselwurz. 

331. kopr-B asl. — kapor s. anethum graveolens Dill. Alb. köper. 

332. kopun nsl., serb. — kappan s. capo Kapaun. Fremdw. 100. 

333. kopytce cech.; kopitko socculus slovak.; kopitca Verant. serb. — kapcza s. Socke, 
Fussfetzen. 

334. kopyto asl.; kopito nsl., serb. — kapta s. crepida, modulus Leisten. Rum. kopitt. 

335. korab Schiff serb. ; korablb asl. — kereb, ker6p s. Ueberfuhrplätte. Rum. korabis. 
Vei'gl. krabij. 

336. kor^tB*: horutanint carantanus Nestor 3; korotanec, korosec Habd. — koront, 
korontar s. Carinthia Dank. 



Die SLA7ISCHEN Elemente im Magtakischen. 35 

337. korda nsL; korda, corda serb.; kord klruss., pol. — kard s. Säbel; nemet kard 
Degen. Alb. k6rde. Fremd w. 100. 

338. koruna, lanma corona; krunica rosarium Mikalja serb. — koronka s. Diadem; 
Rosenkranz (Tyarm. 359. Bulg. krunice. Vinga. Fremdw. 102. 

339. koryto Trog oecli. ; korito nsl., serb.; xoupuTa ngriecli. ; korite alb. ; — koritto s. 
Käse Tajszötär. Der Käse ist vielleicht nach der Form so benannt. 

340. korBCB asl.; korec nsl., eech. — korecz s. ein Sechstel Scheffel Gyarm. 349. 
Fremdw. 100. 

341. kosa asl., nsl., serb. — kasza s. falx Sense; kaszäl vb. mähen. Rum. koasib. Alb. 
kose. Ngriech. xoaaca, /.oaaiC«- Vergl. Sitzungsberichte 19. 240. Klruss. kosas Mäher 
(Ungern) ist magy. kaszäs, kosaJov magy. kaszälö. 

842. kosa coma asl., serb. — kosz s. Grind, eig. capilli hisj)idi. Rum. kosicB crines 
pexi. Alb. kosg Haarzopf. Gyai-m. 336. bietet neben kosz, koszmo in der Bedeutung la- 
nugo, hirsutia. Budenz, Nyelvtud. közlem. VI. 389. vergleicht ehstn. käsna. 

343. kosmatka Rauhbeere cech. ; eragrostis Flora croat. ; kosmaca, kosmato grozdjice 
Stachelbeere nsL; kosmatek jede rauhe Beere pol. — köszmete, pöszmete s. zöld egres 
Tajszötdr; pöszm6te s. Stachelbeere; hieher gehört auch pöszmete s. Rauhheit, Stock- 
rüben. Vergl. auch koszmacska Tajszötär. 

344. kosor culter secandis vepribus serb.; koser Gartenmesser croat.-nsl. Belost.— 
kaczor s. Gartenmesser; kaczar s. görbe kertesz-kes Täjszötär; koczor s. metszö' kes culter 
Tiijszötär; koszor, kaczor Gyarm. 315. Rum. kosor Gartenmesser. Tatar, kusur culter 
curvus hortulani Gyarm. 223. ist wohl auch slav. 

345. kostant asl.; kostanj nsl. — gesztenye s. castanea vesca Kastanie. Fremdw. 100. 
Aus Kleinasien, Armenien, Persien stammend ist die Kastanie von Griechenland und 
Italien bis in unsere Gegenden vorgedrungen Unger 1. 24. 

346. kostka Beinchen, Würfel cech.; kostka alea Verant. neben kocka serb. — koczka 
s. alea Würfel. 

347. kosar nassae genus; kosara stabulum vimineum serb. — kosär s. corbis Korb. 
Alb. kosarik'e. 

348. kosara serb.; kosarja russ. — kasornya, kosornya s. stabulum vimineum Stall 
von Flechtwerk. 

349. koscäl slovak.; kosüil cech. — gacsiüy s. scapus Stengel. 

350. kosela Korb, russ.-dial. — kosolya s. mezei bölcsö' ländliche Wiege. Slovak. 
bielcov ist magy. bölcsö. 

351. kosB asl.; kos nsl., serb. — kas s. corbis Korb. Rum. kos. Alb. kos. 

352. kotlina cech.; kottl'b asl. — katlan s. Waschherd. Ehstn. katel Kessel. Finn. 
kattila ist gotli. katils. Thomscn 142. Rum. kotlon Waschlierd. Das Verhältniss des magy. 
und des ruui. Wortes zum slav. ist mir nicht klar. Fremdw. 101. 

353. kotBCB cella, mansiuncula asl.; kotec Valjavec 270. nsl. — kotecz, kotyecz s. 
tugurium Hütte Gyarm. 74. Rum. kotec, kocin-B. Alb. kotets. Fremdw. 101. 

354. kovacB asl.; kovac nsl., serb. — kovdcs, käcs s. Faber ferrarius Schmied. Mordw. 
kuznets aus dem russ.: kuznec^B. Rum. kovacjü neben koval. Alb. koväts. 

355. kozak boletus luteus etc. cech.; kozak pol. — kozak s. eine Art Schwamm Täj- 
szötär 138. 

5* 



36 Franz MiKLOSiCH. 

356. kozarin-B aruss. -^ kozär s. cliazarus Kreszn. 

357. kozel, kozelc, kozolc Harpfe nsl.; kozel acervus foeni vel straminis slovak., 
kozel Gestelle von hölzernen Pflöcken, Balken, Dachsparren cech.; ähnlich kozly russ. 
Vergl. cozles tumuli vulgo mogili dicti. Bronevski, Russia 1576. pag. 257. und rum. 
k-Bprior : kozel bezeichnet demnach eig. nur das Holzwerk der Triste. — kazal s. acervus 
foeni Schober, Heuhaufen; racz asztag und gabona-rakäs Ttljsz6tär. Vergl. kaszal, kaszaj 
s. Haufen Tfijszötdr. 

358. kozub Feuerherd in der Stube slovak.; kozub Büchse von Baumrinde, Bettel- 
sack pol.; kuzovB Korb, Körbchen russ.; kozulj Rindenkörbchen nsl. — kazup s. mit 
zwei Handhaben versehener Korb Kreszn. Gyarm. 358. 

359. kozuh nsl., serb. — kozsok s. Pelz Tajszotar. Rum. kozok. Ehstn. kazukas. 
Ngriech. xoCcixa. 

360. kozusnik: kozisnik cech. — zösnik s. Kürschner Gyarm. 349. 

361. krabij fiscella e vimine plexa asl.; lo-abulja nsl. — karabö, garabö, garaboly s. 
corbis Korb. A^ergl. korab. Fremd w. 101. 

362. kracün slovak.; kracun bulg.; korocunt mors, russ.; festum nativitatis domini 
aruss.; kerecunj vecerü vigilia eius festi klruss. — kardcson, karäcsony s. festum natale 
Christi. Rum. kr^bcun. Man hat auf [in]carnatio[n] hingewiesen. Finn. joulu ist anord. j6l. 
Thomsen 137. 

363. kragulj nsl , serb. — karuly, karoly, karvoly s. falco nisus Sperber. Rum. korojü 
aus dem Magy. Vergl. Sitzungsberichte 19. 292. 

364. kraj asl., nsl., serb. — karaj, karej, kare s. margo Rand. Mordw. krai Gränze. 

365. kralj nsl., serb. — kirÄly s. König; kirälyka s. auricapella Goldhähnlein. Rum. 
krajü. Alb. kral'. Ngriech. %pdXT;c.. „Der Name des Königs Karl wird in einer alten 
Legende kralB geschrieben." Safavik, Das serbische Schriftthum 1. 159. 

366. kräm cech.; kram hung.-nsl. Fremd. — karAm s. Kramladen. 

367. kranjec nsl. — Icranicz s. Kärtner für Krainer nach einer häufig vorkommenden 
Verwechslung. 

368. kr^g-B asl.; Ivrog nsl. — korong s. rota figulina Töpferscheibe; kereng vb. verti 
sich drehen. Man vergleicht finn. kieri- Nyelvtud. közlem. VI. 386. 

369. krcula slovak.; krcalo serb. — korcsolya, kujcsorja s. Schrotleiter, Schlittschuh 
Rum. korcie Schrotleiter; k^rcee eiserner Ring, eiserne Kette. Vergl. ehstn. karts Leiter. 

370. krecet-B russ. — kerecset, kerecsen s. falco gyrfalco eine Art Falken ; kerecsen 
s. falco rapax. Wörterbuch der Akademiie. 

371. krevet serb. — kerevet s. Ruhebett. Ehstn. krawat Bett, Bettgestelle. Alb. krevet. 
Fremdw. 102. 

372. kricava* von lu-icati nsl. : vergl. bliscava hung.-^nsl. — gercsäva s. Zank Tdj- 
szötär. Vergl. karicsa s. Zungendrescher. 

373. krizma chrisma nsl.; Ia-y2ma ein Stück Leinwand, das die Taufpathen dem 
Täufling geben klruss.; dasselbe heisst hrizmanik nsl. — korosma, kolosma s. Pathen- 
geschenk. Fremdw. 102. 

374. krugla hydria nsl.; poculi genus aserb.; Icrhla cech. — koroglya s. Büchse. 
Fremdw. 102. ■ 

375. krukla grallae nsl. — kuruglya s. Ofenkrücke. Fremdw. 102. 



Die blavisohen Elemente im Magyarischen. 37 

37(i. krupa Graupen (Hagel) serb. ; kriipa klruss., pol.; krbupa Graupen cedi. — korpa 
s. furfur Kleie; egy korpAnyl su krupina soli russ. Gyarm. 31 (i. Elistn. krup Graupen. 
Rum. krupi Grütze. 

377. kruziti cingereHtulli serb. — kuruzsl6 orbiculatim faciens. Gyarm. 316. lium. 
krug circulus. 

378. kr^cag'B asL; krcah slovak. — korsu s. urceus Krug. Serb. korsov stammt aus 
dem Magy. Alb. gerts;ik. 

3 7 it. kriiCBina asl. ; krrma nsl.. serb. — korcsma, koresoma s. caupona Schenke. Rum. 
kTSrcunit. 

380. krtma asl. — kormäny s. gubernaculum Steuerruder. Rum. k^rm-B. Serb. kor- 
manos ist magy. 

381. kr'BStijan'B asl. ; krstjan nsl. — keresztyen, kereszteny Christ. 

382. krtstiti asl. ; krstiti nsl. — keresztel vb. taufen. 

383. kr'BSt'B asl. ; krst serb. — kei-eszt s. Kreuz. Mordw. kfos. Läpp, ruossa ist anord. 
kross. Thomsen 1G7. Vergl. rimi. kirstinku dreizackige Gabel der Fiscliei'. 

384. krtzno asl. ; la-zno nsl. — gerezna s. Grauwerk. Fremdw. 103. 

385. kubek pol. — kobak s. Becher. Vergl. kupa. 

38(j. kuctma aserb. ; kucma hung.-kroat., klruss. — kucsma s. Mütze. 

387. kuca serb. — kütya s. tugiu-ium Hütte. 

38s. kuhnja nsl. — kolmya Verant. Molnär; konyha s. coquina Küche. Rum. kohnii. 
Fremdw. 103. 

38!l. kukec vermis Belost, kroat.-nsl. — kukacz s. Made, Milbe; meztelen es gyürüs 
testü hernyo, lereg, pondr6. 

390. kukla cech., slovak. — kuklya, csuklya s. cucullus Kappe. Fremdw. 103. 

391. kukurica slovak.; kukuryca pol., wohl aus dem klruss. ; kukuruz serb. — kuku- 
ricza, kukoricza s. zea mais Mais. Rum. kukuruz. Fremd. Diese aus Central-Amerika 
stammende Frucht liat sich in Europa seit dem 17. Jahrhundert mehr ausgebreitet. Unger 
1. 12. Zu den Slaven kam sie aus der Türkei. 

392. kulak Kopfstoss mit den Knebeln pol.; kulakfj Faust russ. — kulyak s. pugnus 
Faust. Ehstn. kulak Faustschlag. 

393. kumin, kum, komin nsl. — kömeny s. cuminum Kümmel. Fremdw. 98, 

394. kumi asl.; kum nsl., serb. — koma s. compater Gevatter; commater Pathin; 
homo iocosus Spassmacher. Ehstn. kumm. Fremdw. 98. 

.")!•.'"). kupa nsl., serb. — kupa s. hölzernes Trinkgeschirr. Vergl. kupak s. Blüthen- 
kclch. Rum. kupT>. Fremdw. 103. 

39(>. kupee nsl. — kupecz s. Händler, Mäkler. 

397. kupiea nsl. — küpücze, kopöcze, k6picz s. Stängelgläschen. Vei'gl. kupa. 

395. kup'B asl.; kup nsl.; kupec demiii. — kup s. acervus Haufen ; kupacz s. acervus 
Haufen; collis Hügel. Rum. kiipicB cumulus. Man vergl. jedoch auch kopica Schober nsl. 
kopice Haufen (Heu), kopec Erdluxufen cech. und rum. k^picii kleiner Scliober. 

399. kurva asl., nsl., serb. — kiu-va, kura s. Hure. Rum. kurvB. Alb. kurve. Ngriech. 
xo'jpßa. Finn. huora ist anord. liöra. Thomsen 13(5. 

400. kus serb. — kusza a. stimipfscliwänzig. 

401. kustura serb. — kusztora s. Taschenmesser; lamina cultri usu detrita. Rum. 
kusturt. 



38 Franz Miklosich. 

402. kut serb.; kout cech. ; küfik slovak. — kuczik, kuczkö, kuszkö s. Winkel, Ofen- 
winkel. 

403. kutati eriiere cech., slovak. — - kutat vb. fodere, quaerere ausgraben, durchsiiclien. 
Man vergleicht finn. koke-, kojetta-, koetta- Budenz, Nyelvtud. közleni. VI. 393. 

404. kuzel cech. ; kuzil' klru.ss. ; kiizel, küJel slovak. — guzsaly neben rokka s. colus 
Spinnrocken. Finn. rukki ist aschw^ed. rokker. Thonisen 1G7. 

405. kväkati cech. — r koväkol vb. crocitare. Alb. kväcke. 

40(i. kvar nsL, serb.'^kär s. damnum Schaden. Ein nur dem nsL, serb. und kroat. 
bekanntes, vielleicht unslaviscbes Wort. Vergl. Sitzungsberichte 19. 292. Budenz vergleicht 
Nyelvtud. közlem. VI. 384. läpp, korde- nocere. Während aus kvar die Form kiir abgeleitet 
werden kann, lässt sich kvar aus kar nicht erklären, und dies macht den Ursprung des 
Wortes aus dem Magy. zweifelliaft. 

407. kvas-B, asl. ; kvas nsl., serb. — koväsz s. Sauerteig. Mordw. kvas Dünnbier. 

408. kysel: kisel slovak. — kiszil s. Pflaumen-, Apfelmuss. Ehstn. kissel saurer 
Mehlbrei. 

409. kyselica : kiselica slovak.; kyselice cech. ; kiselica juha ugrska Belost. kroat.-nsL; 
rumex acetosa, ius acidum serb.; rumex acetosa nsl. — keszölcze, koszöcze s. iusculum 
acidum sauere Suppe, ßum. kiselict. 

410. kyta cech.; kita nsl., serb., slovak. u. s. w. — kita s. fasciculus Büschel; kita 
kender manipulus cannabis. Budenz Nyelvtud. közlem. VI. 388. vergleicht tscherem. kelda. 

411. k-Bblt asl.; kebel nsl.; kabao sei'b. — köböl s. Scheflel, Kübel. Fremdw. 104. 

412. k^kt asl.; kecka nsl.; kika cirrus kroat. - nsl. — kicseg, kücsög s. suggestus 
comae Haarschmuck Dank. 

413. ladljka*: ladij asl.; ladja nsl., serb.- — ladik s. navicula Kahn. Alb. hig-e. 

414. lakora'B avidus asl.- — lakoma s. Gastmahl; lakmär s. Schmaus Täjszötar; nach 
anderen ist lakmär s. Scliwelger. Rum. lakom avidus; l'skomie voracitas. Alb. lakemij. 

415. lanec nsl. — Isincz s. Kette, ßum. lanc, l^ncug. 

416. lavica: lavier bulg.; lavice, Mvka, lava cech. — löcza s. scamnum Bank. ßum. 
lavic^B. Finn. lawa ist russ. lava oder vielmehr lett. läva. 

417. laz Gereut nsl.; silva caesa, ager novalis serb. — läz s. erklärt durcb fensik 
und durch gyer erdö Waldlichtung. Budenz, Nyelvtud. közlem. VI. 308. Vergl. die magy. 
Ortsnamen läz. ßum. laz ager exstirpatus. Alb. las, läzi. Fremdw. 104. Zeitschrift für 
vergl. Sprachforschung 11. 289. 

418. l^ka asl.; lüka slovak. — lanka s. pometum; vizek melletti liget, berek, bozötos, 
nddas hely. Wörterbuch der Akademie. Vergl. die magy. Ortsnamen lonka. Rum. lunk'B 
pratum. 

419. l^sta asl. — lancsa, ländzsa s. hasta, lancea Lanze, ßum. lance. Das klruss. 
Janca in Nordungern stammt aus dem Magy. Fremdw. 104. 

420. lednik cech.; ladnlk slovak.: vergl. asl. ]§d-ina. — lednek, lendek s. vicia 
Walderbse; orobus. 

421. lehmocech. — lulima adv.cubando liegend, müssig Dank. Vergl, lomha s. Faulenzer. 

422. lemesB aratrum asl.; lemes Pflugeisen serb. — lemes, lemez s. Pflugschar. 

423. lepen Kuchen slav.; lepina, lepinja eine Art Brod serb. — lepeny s. Kuchen. 
Rum. lipijü. 

424. lezäk cech., slovak. — lezsäk s. Faulenzer. 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. . 39 

425. lep-B asl.; lep nsl.; lep slovak. — lep s. viscum Vogelleim. 
42G. lesa craticula nsl.; lisa, liska Darrhürde cech. — leszka s, DarrhUrde. Vergl. 
lesza crates vlminea Fleclitwerk; pertica Stange, ßum. lest Flechte, Darrliürde. 

427. levB*: vergl. polcvka, polivka iusculum cech. — lev s. iusculum Suppe. 

428. l^hi.* asl.; Ijach'B aruss.; leh türk. Die Bewohner eines Theiles von Mähren 
und Schlesien heissen Lacli, plur. Lasi Sembera, Dialekt. 50. — lengyel s. Pole. ßum. 
leh, les. Alb. lahi. Mit Lujsjar und Austrvindor bezeichnet Snorri Heimskr. 3. 55. die 
östlichsten AVenden, die lechischen und russischen Zeuss ()8. 

42'J. l^sta asl.; leca nsl.: in Kärnten vanca d. i. lanca Letop. matice slov. 1869. 
75. — lencse s. ervum lens Linse. Alb. letse. Klruss. Jenca (Ungern) ist magy. Im nörd- 
lichen Kaukasus und in Südrussland einheimisch war die Linse schon den Griechen und 
Römern bekannt. Unger 1. 29. 

430. lievc, levca slovak.; l'ovc klruss. (Ungern) 5 — löcs s. Leichse; vom deutschen 
Leichse stammt cecli. lisne, liseii, slovak. lusha und pol. lusnia. Rum. leuki). 

431. lipen, lipen, lipan, lipan cech.; lipan nsl. — lepeny s. thymallus Asch. Rum. 
lipan, lipen. 

432. liv Mikalja serb.; lev slovak. — liu neben lejü, lejo, leliö s. infundibulum Trichter. 

433. loboda, lebeda nsl.; loboda serb., slovak.; Joboda klruss. — laboda s. cheno- 
podium vulvaria stinkender Gänsefuss. Rum. lobodt. Ngi'iech. Xo'jßoöid. 

434. lokno eine Abgabe von Getreide an den Geistlichen und Lehrer nsl.; lukno 
croat.-slüv.; lukno serb. ein Getreidemaass. Danic. rjecnik 2. 24; lukno cech. ein Honig- 
niaass Jirecek 1. 39. — liikma s. eine Abgabe von Wein und Getreide an die Geist- 
lichkeit papi bor- 6s gabona-fizetes Tajszotär. 

435. lokot nsl. — lakat s. Vorhängeschloss. Rum. laktt. Ngriech. /vOaxsiov. Finn. 
lukko sera ist anord. loka. Thomsen 151. Fi-emdw. 10(). 

4o(). loksa higanum slovak.; Joksyny eine Art Maccaroni klruss. — laksa, laska s. 
Nudel. Klruss. Jaski (Ungern) ist magy. 

437. lom cech., slovak.; klruss. Jom (Ungern). — lom s. fractura Bruch. 

438. lomoziti cech. — lomoz vb. untereinander werten. Vergl. rum. moloz Schutt. 

439. lopata asl., nsl., serb. — lapät s. pala Schaufel; lapoczka, lapiczka s. spathula 
Schaufelchen; scapula Schulterblatt vergl. man mit cech. lopatice Schaufelchen und 
mit lopatka Schulterblatt. Rum. lopatü. Alb. l'opdte. 

440. lopuh nsl., serb.; lopuch slovak. — lapu s. lappa Klette. Fremdw. lOG. 

441. losos cech. — lazacz, laszos, loszos s. salmo salar Salm. 

442. loza silva nsl., hung.-croat. — laza s. silva rarior gelichteter Hain Dank. Rum. 
lozt Ranke. 

443. lozbnik'B* asl.: lo2e lectus asl., cech. — lazsnak, lasnak s. tegumentum, stra- 
gulum Lesclika; culcitra, lodix Verant.; pollis liirsuta Dank.; lodix Kotze Kreszn. Alb. 
losnik (loznik) toga. 

444. lue lux, taeda nsl.; louc taeda cech.; lue slovak. — lüczfa s. Kienliolz, Fichte: 
cz für c ist unrcgelmässig. 

445. lug serb. — lug s. lucus Hain Dank. Mordw. luga Wiese. 

446. lug nsl., serb. — lüg s. lixivium Lauge. Fremdw, 107. 

447. l&ni. asl.; len, lan nsl. — len s. limim Flaclis. Fromdw. 107. Finn. liina ist 
anord. lln. Thomsen 150. 



40 



Franz Miklosich. 



448. macka nsL, serb. — macska s. Katze; macskafü Katzenmünze heisst rum. 
kttusnikt; vasmacska s. Anker vergl. man mit nsl. macka in derselben Bedeutung. Rum. m-bcs 
f. Katze, mtc, mtcok, m-Btok, motok m. Kater. Alb. mats. Der slav. Name der Katze macka 
neben maca ist wie deutsch Mieze auf den Namen Marie maca zurückzuführen. Serb. 
maea Marie ist magy. macza amasia. Fremdw. 107. Tliiernamen aus Personennamen 
sind nicht selten: ital. micio; cech. macek (Matthias) Kater, Bär-, pol. maciek Kater; 
magy. maczko Name für einen Bären, Esel, Füllen; russ. vaska (Basilius), miska (Michael) 
Katze; magy. gäborka (Gabriel) Goldamsel. Man beachte, dass deutsch dem Bock Her- 
mann, dem J]sel Martin, der männlichen Katze Hinze, dem Bären Petz, Koseform für 
Bernhard, gerufen wird. Wackernagel, Germania IV. 152. 

449. mäcona onopordum acanthus slovak. — mäcsonya, mäcsolya, macsonya s. 
Kardendistel, weisse Wegdistel. 

450. mak-B asL; mak nsl., serb. — mak s. papaver Mohn. Mordw. mak, maka. 
Rum. mak. Ngriech. [Adzi«;. 

451. malha crumena nsl. — malha s. Bündel, Mantelsack. Fremdw. 108. 

452. malina nsl. — malna s. bacca idaea Himbeere. Rum. mi.lin ist prunus padus ; 
mtlin'B fructus pruni padi. 

453. mangulac eine Art Mastschwein serb. — mongolicza s.: köver mint a' mon- 
golicza Kreszn. 

454. martolos mango nsl.; martoloz serb. — martaloz, martalöcz s. Räuber, Sklaven- 
händler. Fremdw. 109. 

455. masteha asL; maciha nsl.; maceha serb. — mostoha s. noverca Stiefmutter; 
mostoha anya noverca; mostoha atya vitricus; mostoha fiü privignus Verant. Vergl. rum. 
mastert Stiefmutter mit fracij t^BJ masteri deine Stiefbrüder Clemens 86. 

456. matka mater cech. — mdtka s. Geliebte, Braut. Vergl. lit. mote, gen. moters 
Weib, Eheweib: dagegen mote, motina, moce Mutter. Rum. matki. Weisel, Mutterstock. 

457. mätoha Gespenst, eig. das beirrende: jeze m^tetb clovgka slovak.: asl. *m(jtoga. 
— mätoha s. Gespenst Täjszötdr. Vergl. rum. m'Bt^bhul'b, mohoand-B und mog^BndecB. 

458. maz Kleister, Töpferthon cech. — mäz s. Glasur. 

459. mazati asl., nsl., serb. — mäzol vb. schmieren. 

460. mazna verzärtelte Weibsperson, mazny weich slovak.; mazno schmeichelhaft, 
maziti hätscheln serb. — mazna a. verzärtelt Täjszötdr. 

461. m^ka cruciatus asl. — munka, müka s. labor Arbeit; opus Werk. Rum. munkt; 
istr.-rum. muncit part. praet. pass. 

462. medvedB asl.; medved nsl. — medve s. Bär. 

463. man ("•ech., slovak.; menjek nsl., croat.-nsl. — niHjny hals, gadus Iota Aalraupe. 

464. mesar nsl., serb.; masar dialekt. cech. — meszär, meszäros s. lanio Fleischer. 

465. mester nsl., serb. — mester s. Meister. Fremdw. 108. 

466. metilj distoma Egelwurm serb.; metyls ephemera horaria russ.; motylice gryllus 
verrucivorus Schafegel cech. — metely s. morbus ovium intercus Kreszn. Egel, Egel- 
schnecke, Egelkrankheit. 

467. mezda asl.; meja nsl.; medja serb. — mesgye, megye s. limes Gränze; districtus 
Gebiet; värmegye. Alb. mege. Mordw. meza Gränze. 

468. medenica*: medenica nsl.; midenica Verant. serb. — medencze, melencze s. pelvis 
Becken. Rum. medelnicerjü qui principi aquam ad lavandas manus infundit. 



Die si.AviscHEN Elemente im Magyarischen. 41 

4G9. meh-B uter asl. •, m^cli dialekt. rech. — meh s. uter, iiterus, matrix Gebärmutter 
Ivreszn. Dank. Vergl. rum. foale follis, uter, stomachus, venter. Finn. maJia venter ist anord. 
magi. Thomsen 1.53. Furl. meg otre di pelle per metter vino o per conservar farina. 

470. merica, merca nsl. — mercze s. modius 8cliett'cl. ßum. mercs, mirct. 

471. meriti asl., nsl. — mer vb. metiri messen; mertek s. mensura Maass. Alb. mere. 
Mordw. merä Maass. Hung.-nsl. kroat.-nsl. mertuk, bei Dometijan mertikb, ngriech. |Xcf-wöv, 
nicht von einem griech. |JLSp~txöv statt (J-Spoc, ist aus dem Magy. entlehnt. Finn. mitta 
mensura ist anord. met. Thomsen 15(5. 

472. mezga Baumsaft nsl.; miza, mizha succus arborum, alburnum cech.; mizga 
slovak. ; mlazga Bast slovak. Sembera, Dialekt. 74. — mezga s. Harz; mezge s. dulcedo 
arborum Baumsaft ; alburnum. Rum. m'Bzg'B succus, alburnum. 

47o. m^CB''': mecak Mikalja serb. ; mjaci. russ. ; miß cech. — mancs s. Ball, Wurzel- 
ball, hölzerner Ball Täjszötar; laptafa gyökerböl Kreszn. Rum. mince. 

474. m^ta asl. — menta s. mentha Münze. Rum. mintü. 

475. milostB asl.; milost nsl., serb. — malaszt, ehedem miloszt Endl. 745, s. gratia 
Gnade. 

476. mlaka nsl.; terra aquosa serb. — molaka Täjszötflr; belaka s. Lache Dank. 
Vergl. rimi. mlastin'B palus. 

477. mläto Traber cech. — malata s. Traber; far tostum Malz. Rum. m'&latT.. Finn. 
mallas, gen. maltaan, ist anord. malt. Thomsen 153. 

478. mlin nsl., serb.; mlyn cech. — malom, molna, mona, moln, mön s. mola Mühle. 
Finn. mylly ist anord. mylna. Thomsen 157. 

479. mlinar nsl., serb.; malinar Verant. serb.; mlynar cech. — molmir s. molitor 
Müller. 

480. mocar udor serb., slovak.; mocvar Belost, kroat.-nsl.; mocorka slovak. Sembera, 
Dialekt. (iO. — macsär, mocsur s. Sumpf. Rum. mocirlt. Alb. matsäl. 

481. mocek liquor cech., slovak. — • mocsok s. macula Schmutzfleck. 

482. mocilo locus fluminis ad macerandum linum serb. ; mocidlo slovak. — mocsola, 
mocsolya s. Hanf-, Flachsröste. 

483. molB asl. ; molj nsl. — moly s. tinea Motte. Mordw. mol. Rum. moli'B. Alb. 
molitse. Ngriech. [j.o}izCct. 

484. morava Moravia asl., cech. — morva s. moravus. Rum. morva. 

485. moskva Mosqua russ. — moszka s. russus. • 
48((. motovilo serb. — motula, matöla s. Haspel. 

487. motrcha cech. — utatring, motring s. Wirre, Verwickelung; Strähne. 

488. mozg'B asl.; mozg nsl., slovak. — mozga s. Knochenmark Täjszötar. 

489. mozar nsl.; mozär slovak. — mozsiir s. Mörser. Rum. mozerjü. Fremdw. 111. 

490. mrena cyprinus barbatus serb., slovak. — marna s. Bai'be. Rum. mren-B. Fremdw. 111. 

491. mrha nsl. — nmrha s. pecus Vieh; merx Waare Verant.; grcx, bona, morx 
Ivreszn. Rum. nuiift, nuirvi,. Fremdw. 112. Vergl. blago Vieh hung.-kroat. ; dobytbkb 
Vieh aserb. 

492. mrkev nsl., slovak. — murok s. daucus carotta gelbe Rübe ; merköcze s. Tttj- 
szötar ents]»i-ichr nsl. mrkevca. Rum. morkov, murkoj, murok. Fremdw. 112. 

493. mrmlati, mrmrati cech. — mormol vb. murren. 

Deiikächriften der phU.-hist. Cl. XXI. Bd. 6 



42 Franz Miklosich. 

494. mrtev todt nsl. — niorotva s. laeus, palus Kreszn.; morotväny s. Sumpf, Morast. 
Vergl. holtviz stehendes, eig. todtes Wasser. 

495. mrva micula serb., slovak. — morva, murva s. foeni vel straminis recrementa 
Heu- und Strohkehricht. Dieselbe Bedeutung kommt folgenden Wörtern zu: murha, mur- 
gya, murugya, murugy, murnya. 

496. mrvän slovak. — morvany, moi'van s. eine Art Kuchen. 

497. muhar panieum miliaceum serb.: umuhar neben bar setaria italica Flora croat; ; 
muchar neben musec alopecurus slovak.; muhic nsl. — muhar, mohar s. panieum Fench ; 
gramen asperum. Rum. mohor Mochert; davon mohortt scharlachroth. Die Getreideart 
ist ostindischer Abkunft. Unger 1. 18. Vergl. b^rt und muharica. 

498. muharica gramen asperum Lesohka slovak.; muhai'ika panieum viride serb. — 
muharcza s. Solanum vescarium, gramen asperum Dank.; muharcz halicaeabum Kreszn. 
Vergl. muhar. 

499. muska: vinmi muska eeeli. — muska s. culex vinarius Ivellerfliege Leschka. In 
der gleichen Bedeutung findet man muslicza, muszlicza, muslincza, muszlincza. Rum. 
muslict. Alb. niusitse. 

500. ni'Bh'B asL; meh, mah nsl. — moh, muha s. muscus Moos; lanugo. 

501. nadiha nsl.; nätcha slovak. — natha s. Schnupfen. Vergl. rum. neduh suffocatio. 

502. naditi stählen; nado Stahl serb. — nadol vb. stählen. 

503. nadragy asl. — nadrag s. Beinkleider. Rum. nadrad^i calig-arum genus. Klruss. 
nadragi (Ungern) ist magy. 

504. nasad'B cymba asl. — naszad s. navis Schiff. 

505. natragulja arum, pes vituli kroat.-nsl. Belost. — natragulya, nadragulya s. atropa 
mandragoras der Alraun, eine betäubende Pflanze Dank. ; nadragulya s. helleborus albus 
Kolb. 106. bolonditö merges fü; bolondito gyök§r Tfijszötfir. nadragulya s. Tollkirsche. 
Fremd. Aus mandragora. 

506. naditi, nuditi asl. — nödit vb. antreiben. 

507. neni nennt der jüngere Bruder den älteren, bulg.; nano Vater slovak. — neue 
s. soror maior natu; neuem soror, amita. Rum. nant soror maior natu. Alb. ivAne mater. 
Vergl. alb. nann-B, ntnu-B mater; vogul. uin nagynene. Nyelvtud. közlem. VI. 439. 

508. nerast lienis tumor Belost, kroat.-nsl. — raszt s. lepdagadcis Anschwellung der 
Milz Tajszötar ; tympanites Trommelsucht. Rum. rast. 

509. nesplja nsl. -^ naspolya, nespolya fa Verant. neben lasponya s. mespilus ger- 
manica Mispel, Nespel. Fremdw^. 113. 

510. nevolja calamitas nsl., serb. — nyavalya, nevolya s. morbus Krankheit; cala- 
mitas Verant. Rum. nevoe, anevoe. Alb. nevöje. 

511. nem'B asl.; nem nsl. — nema a. stumm. Alb. nemets. Mordw. iiemoi. 

512. nemtCB asl.; nemee nsl. — nemet s. Deutscher. Rum. ngmc. Alb. nemts. Ngriech. 
V£|xrC7]C. nembcb und nemet mit den Nemetern in Verbindung zu bringen Ist aus sach- 
lichen Gründen nicht möglich. Zeuss 217. Bei der Gleichstellung von nömet und nenibcb 
macht allerdings t für cb Schwierigkeit. 

513. njadro, jadro sinus asl. — iifldrä neben madra s. matrix Gebärmutter. 

514. nosilo lectica asl. — noszolya, nyoszolya, nyoszolyö s. Bett, Bettstatt; sponda, 
stragulum Kreszn. Klruss. nosoTa (Ungern) ist magy. 



DiK SLAV;SCHEN ELEMENTE IM MaGYARISCHEN. 43 

f)ir). obadvojec slovak. — abajdocz s. farrago Misohkorn (serb. sii-rzica) ; abajducz 
kapuszta craiiibe Molnar; abajnacz, abanajcz büza rozszsal vegyitve Tiijsz<5tai'; abaj s. in 
derselben Bedeutung beruht auf oboje. 

516, obariti aus obvariti nsl., serb. — abarol vb. abbrühen, lium. opT>resk stützt sicli 
auf serb. opariti. 

AlT. obedt asl.; obed nsl. — ebed s. prandium Mittagniahl. 

Aiy. oblok nsl., serb., slovak. — ablak s. Fenster; ablakos a. gläsern Tiljszotcir. ßuni. 
nblok. Klruss. oboiok Fenster und obJokos (ilaser (Ungern) stammen aus dem Magy. 

Tiiy. obrazt forma asl.; obraz (nresicht nsl., serb. — abraz vb. abbilden; abrazat s. 
(Besicht; man beachte äbra s. forma, ßum. obraz facies. 

Ö20. obr^CL asl., obröc nsl. — abroncs, abrincs s. circulus doliaris Fassreif. 

521. obrok'B Stipendium asl.; obrok portio cech., serb.; portio, pabulum pol. - — abrak 
s. pabulum Futter, I'ferdefutter; arpa kasa etek Tajszötar. Rum. obrok. 

522. obrust sudarium asl.; ubrusar, ubrassarus mensae praefeetus, zwei Diplome 
1083 bei Safafik 15(j. — abrosz s. mappa Tischtucli. 

523. ocelB asl.; ocel nsl., recli.; ocal serb. — aczel s. chalybs Stahl, ßum. oci>l. 
Fremd w. 114. 

524. ocBt'B asl.; ocet nsl. — eczet s. acetimi Essig. Rum. ocet, octt. Fremdw. 114. 

525. odr-b Bett, eig. Gerüst asl.; odr, vodr füi- patro Vorscheune, Gerüst in der Scheune, 
cech. Sembera, Dialekt. 18. — odor s. der TJieil der Scheune, wo die Frucht aufbewahrt 
wird: odor, odti p. o. csü'r-odor, hova berakjäk a gabonät Tajszötar; udor, csürben levö 
gabonas hely T.ijszotar. Vergl. cech. odry das Gerüst in der Scheune. 

52(j. ogar canis venatici genus serb. — agar s. Windlumd. Rum. ogar. Nserb. hogor 
Jagdhund. 

527. okno Fenster nsl.; Schacht serb. — akna s. apertura dolii Spundloch; Schacht; 
bei Gyarm. 117. fenestra seu oriHcium, puteus salis fodinae. Rum. okn'B, ognt Dachfenster, 
Salzgrube. Ngriech. oxva foramen dolii, salis fodina. 

528. okol suile nsl. — akal s. caula, stabulum Stall. Rum. okol. 

529. okov situla cech.; okov Beschläge serb. — ako s. vas aquarium Eimer. Serb. 
akov und mm. aktu sind aus dem Magy. entlehnt. 

530. olej asl. — olaj s. Geld. P^remdw. 114. 

531. olovo asl., nsl. — oloni s. Blei: m für v ist befremdend. 

532. ol-Btart asl.; oltar nsl. — oltär s. Altar. Rum. oltarjü. Fremdw. 114. 

533. opacina Kehrruder cech. — apacsin s. Ruder Tiijsz(')t;ir; apacsö s. Netzstange. 
Slovak. opacov bei Leschka ist aus dem Magy. zuruckentlehnt. 

534. opad: opasti nsl., cech. — apad vb. decrescere fallen. 

535. opat nsl. — apat s. Abt. Fremdw. 114. 

53(i. opatica nsl., serb. — apacza s. Nonne. Fremdw. 114. 

537. oplen nsl., cecli.; oplenci luuig.-kroat. — epleny, im Tcijsz(')tiir epreny, cmplenv, 
s. Querbalken über dem Schlitten. 

538. osek cecli. — aszag s. segmentum, ramentum abgehauene Stücke Holz, Holz- 
späne. 

530. osmak serb. — oszmtlk s. eine Art Maass Kelemen 1()8. 

54(1. ostriga nsl.; ostriga kroat.-nsl. IJelost. — osztriga s. Austei-. Rum. strige, stride. 
Ngriech. zzf^iui. Fremdw. 115. 

6* 



44 Franz Miklosich. 

541. ostBü'B asl.; osten slovak. — ösztön, ösztöny s. Stimulus, bucentrus Triebel. 
Alb. Osten. 

542. osBt'B asl.; osat, oset Carduus nsl. — aszat s. herbae inutiles Unkraut. 

543. otrocic infans nsl. — ordosics: ordosics' napja s. für aprö szentek napja sancti 
Innocentes (2H. December) Tfysz<5tiir. Dieser Tag heisst nsl. bei Gutsmann nedol2nih 
otrocicev den, der unschuldigen Kindlein Tag, bei den Slovenen in Ungern drobna deca, 
bei den Kroaten in Ungern und bei den Serben mladenci, bei den Slovaken den mla- 
diatok sbor. 175. u. s. w.; nsl. auch pametva, tepe^ni dan. 

544. ozeg nsl., serb.; ozeh slovak. — azsag, asag s. Ofenbesen, Ofenstange. Rum. ozog. 

545. pa^lcB asl. — pank, pök s. aranea Spinne. Rum. paing, paendzin. 

546. pahalj floccus Stulli serb. — pehely, pelyh, pölyh, pejk s. floccus Flocke; 
pluma tenuis Flaumfeder; lanugo Milchhaar. Vergl. pyh. 

547. pajed r-ech. — pajot s. phagedaena der fressende Wurm. 

548. pakost Verkehrtheit cech. — psikosz, päkosztos a. naschhaft. 

549. pälati cech.; paJaty klruss. — pall vb. worfeln. 

550. pälenka cech. von paliti brennen: vergl. klruss. horiJka, rum. horelki). — pä- 
linka s. Brandwein. Rum. p^blinkt. Nsl. pälinka und klruss. paienka (Ungern) sind aus 
dem Magy. entlehnt. 

551. palica asl., nsl.; palice- cech. — pdlcza s. baculum, fustis Stock. Rum. palics. 

552. pälka Kölbchen, Keulchen cech.; typham, Kolbe, significat, quae scirpo inna- 
scitur, qui germanice Binse, sed etiam Zipergras nominatur Leschka slovak. — palka s. 
Zipergras Leschka. 

553. pampüch, pampüsek Leschka slovak. — pompös s. eine Art Krapfen, kleines 
Brod, bei Dank, cupediae. 

554. pantlika slovak.; pantljika serb. — pdntlika s. Band. Ngriech. xavtXvjxa. 
Fremd w. 116. 

555. paprad slovak.; kaprad cech. — - papnid, paprägy, papräg s. filix mas Farren- 
kraut. 

556. paprika serb., slovak. — paprika s. capsicum annuum türkischer Pfeffer. Rum. 
pipark'B. Fremdw. 121. 

557. para asl., nsl., serb. — pära s. vapor Dampf. 

558. parip nsl., serb. — paripa s. Reitpferd. Slovak. pai'ipa und rum. parip-b sind 
aus dem Magy. entlehnt. Fremdw. 116. Man vergl. TraptirTCOC, Itztzoq mit paraveredus, 
veredus. 

559. parkän Zaun; prkno Brett cech. — pärkäny s. Gesims, Rand. Rum. ptrkan 
Rand. Fremdw. 116. 

560. parta nsl. Fremd. — pärta s. Kopfputz der Mäd'chen. Aserb. parta limbus 
Rum. beart'b. 

561. pasmo nsl., serb. — päszma s. Strähne. Rum. pazms. 

562. past cech. — paslicza s. Mausfalle Ttijszötdr. 

563. pastyrt asl.; pastir nsl., serb. — pasztor s. Hirt. Bei gleicher Leichtigkeit 
päsztor von pastor und von pastyri, abzuleiten glaube ich die Aufnahme aus dem Munde 
des Volkes der aus Büchern vorziehen zu sollen. 

564. pasulj serb. ; pasula slovak. — paszuly neben fuszujka aus fuszulyka s. pha- 
seolus Fasole. Fremdw. 77. Rum. fusoj (fussoi) Arch. 198. Alb. pasi'd. 



Die slavischkn Elemente im Magyarischen. 45 

565. pavöza cech., slovak. — paizs s. Schild. Rum. pavbz'S. Nsl. paiz stammt aus 
dem Magy. Fremdw. -117. Ngriecli. icaßs-Ci^^-. 

566. pavuz, pauz Wiesbaum cecli. ; pavuz slovak. — pozna, pozona s. pertica Stange. 
P6zna ist wohl auf *pauzina zurückzuführen, das sich als pauzyna im Klrusg. (Ungern) 
in der Bedeutung Stange findet; serb. pauznica. 

567. pavB asl. ; pav nsl., serb. — p;iva s. Pfau. Fremdw. 117. 

508. pazder'B, pozdert asl. — pozdorja s. Schabe, Age. Ilum. pozd'Br:5e. 

569. pazitnik cech. — pizsitnik s. alauda cristata Haubenlerche. 

570. pazitB herba, pratum asl.; pazif gramen, caespes, campus graminosus slovak. — 
piilzsit, pazsint, past s. Hasen. Rum. pa2iste caespes Psalt.-jass. 

571. pecatB asl.; pecat nsl., serb. — pecset, pöcsöt s. sigillum Petschaft, ßum. pecet, 
pecöte. 

572. pecenje assatio serb. — pecsenye s. caro assa Braten. Rum. peclij. 

573. pecirka, peöiirka cech.; pecurka serb. agaricus campesti'is. — pecserke, cseperke, 
csiperke, csüpörke, csuporka gomba s. agaricus campestris Champignon. Vergl. penczunlk 
Tajszötar 138. Rum. cuperk-b Feldschwamm: dagegen picorki, picojki, magy. pityöka, 
puczöka helianthus tuberosus. 

574. pehar nsl., serb.; pohar slovak. — pohär s. poculum Becher. Rum. p-&har. 
Alb. pehiir. Fremdw. 117. Finn. pikari ist anord. bikarr. Thomsen 162. 

575. peharnik serb. — poharnok s. Mundschenk. Rum. piharnik. 

576. pelena asl.; plena, plenka cech. — pelenka s. fascia Windel. Rum. pelenci 
plur. Alb. pelene. 

577. penj nsl.; peii cech., slovak. — pönye s. truncus, stipes Stamm, Stock eines 
Baumes Dank. 

578. perina serb., slovak. — pärna s, culcita plumea Flaumdecke, üsterr. Tuchet. 
Rum. perinii. 

579. pestfec tuber lignarius esculentus, lycopordum cech. — pesztercze, peszörcze 
s. marrubium Andorn; peszercz s. lycopus Wolfsfuss Lesclika; vizi pesztercze s. lycopus 
europaeus Archiv 195; peszteriez-gomba für bükfa gomba Tajszotär. peszercze s. der 
grosse essbare Holzschwamm. 

580. pestB asl. — pest s. Ofen Täjszötär. Hieher gehört auch der Name der Stadt 
Pest. Kopitar, Kleinere Schriften 1. 153. Bulgaricos olim Slavos ad Budäm Pesthinumque 
usque habitasse non soll Anonymo Belae regis notario credimus, sed ipsi Pesthini voca- 
bulo, quod certo certius non alius cuiuscunque demum slavicac, sed plane et unice et 
in specie bulgaricae est dialecti (eine Meinung, die ich nicht theile) Glag.-cloz. XII. 
Ngriech. Tziz^a. 

581. petak Fünfer serb. — petäk s. Siebenkreuzerstück. Rum. petak, petalcB id.; 
pintok ein Viertel Groschen. Furl. petizza moneta di cinque grossi. 

582. petrenec slovak. — petrencze s. kleiner Heuschober. 

583. pen^zB asl.; penez nsl. — penz s. pecunia Geld. Rum. pinztrit domus mone- 
taria. Alb. ])cnez. Fremdw. 117. 

584. pestun'B asl.; pestunka slovak.; pgstounka cech. — pesztonka s. Kindsmädchen. 

585. penkava cech.; pinka, pinkavka, penkava slovak. — pinty, pintyoke, pincz s. 
Finke. P für f spricht für p]ntlehnung des ursprünglich deutschen AVortes aus dem 
Slav. Fremdw. 117. 



46 Franz Miklosich. 

586. p^ttkT. asl.; petek nsl. — pentek s. Freitag. Mordw. pätnitsa. 

587. picka nsl.: vergl. öech. pikati mingere. — picsa s. vulva. Bei Gyarm. 170. 
picsa, pics, pit vulva mammaliiim. 

588. pidi: pldimuz spannelanger Mensch, Zwerg cecli. — pidja, puja-ember s. nanus, 
pumilio Gyarm. 351. 

589. pijavica asl.; pijavica, pijavka nsl. — piöcza, piöka s. hirudo Blutegel. 

590. pint nsl.; pinta cech.; pint, pinta slovak. — pint s. eine Mass. Fremdw. 118. 

591. pipa nsl.; pipa cech. Fremd. — pipa s. Tabakspfeife. Rum. pip-B. 

592. pipac slovak. — pipacs s. papaver rhoeas Feldmohn. 

593. pipe cech. — pipe s. junges Huhn, Gänschen. Fremdw. 118. 

594. pipis Leschka, pipiska slovak. — pipis, pipiske s. alauda trivialis Pieplerche 

Leschka. 

595. pis serb. — pisa s. Urin Täjszötar. Rum. pis mingo. 
59li. pisce nsl. — pise, piselle, pislen s. Hühnchen Dank. 

597. pita serb. — pite s. eine Art Backwerk. Fremdw. 118. 

598. pivko cech., slovak. — piko s. cerevisiola Dank. Mordw. piwa Bier. Alb. piva. 
Ngriech. TCißa. 

599. pivBnica asl.; pivnica nsl., serb., dialekt. cech. — pincze s. Keller. Rum. 

pivnic:B, pimnicT5. 

600. plastB asl.; plasc nsl. — palast s. pallium Mantel. 

601. plavBCB*: polovBCb aruss. — pal6cz s. Paloz: Paloczok sunt Hungari in comitatu 
Honthensi pj-opria dialecto hungarica utentes Kreszn. 

602. pleso in (Jrtsnamen: pleso Teuchen in Kärnten nsl.; See, Sümpf cech.; rive 
basse et etendue russ.; pleso stagnum, vortex, vorago slovak. — pejszo, ehedem, wie 
behauptet wird, pelszo und pleszo, s. Leschka 168. lacus Peisonis Neusiedlersee, auch 
Fertü genannt. Ehedem führte diesen Namen der Plattensee, nicht der später entstan- 
dene Neusiedlersee. Der Plattensee wird von Plinius lacus Peiso, von Aur. Victor lacus 
Pelso, von Jornandes lacus Pelsodis, im Mittelalter lacus Pelissa genannt: das frühe 
Vorkommen dieses Namens in Pannonien wird Zweifel an dessen Slavicität erregen. 
Man vergleiche Plessowsee bei Potsdam. Der Name Pelso, sagt Zeuss 245, ist wol aus 
dem Munde der umwohnenden Pannonier oder Kelten, vielleicht ein Wort mit dem 
slavischen pleso See. Safarik sagt: Ciste praslovanske, v horach Taträch, v Moravg, 
Slezku i na Rusi zname pleso. 2. 19. Vergl. blatBno. 

603. pletka slovak.; pletka cech. — pletyka s. Gerede, Klatsch. 

604. plesnB asl.; plösen nsl. — penesz s. Schimmel; pillsz, pilisznye Täjszötar. 

605. plesB asl. — pilis s. Calvities Kahlheit. Rum. plese Calvities; ples, plesug, 
plesuv calviis. 

606. pleva asl.; pleva gluma nsl. — polyva, pelyva s. Spreu. Rum. plevB. 

607. ploskvaasl. — palaszk, palaczk s. Flasche. Rum. plosk'B, palasks. Serb. palacka 
eine Art Patrontasche ist magy. Fremdw. 118. 

608. plostka, plostice cech.; plosfka, plosfica slovak. — poloska, poloczka s. cimex 
Wanze; palaczka Täjszötär; palaczfereg neben csimaz. Die cech. Benennung stammt von 
plosk flach. Rum. plosnicB. 

609. pl'Bh'B asl.; polh nsl.; pich cech.; puh serb. — peleh, pölyeh, pele, pole, pelye, 
polyü s. glis Ratte. 



Die SI.AVISCHEN ElKMENTK im MAOYARIsnilKN. 47 

lilO. podgana nsl.; potkan für ngmeckä mys cecli., slovak. — patkdny >*. mus rattus 
Ratte. Nach Verant. sorex. Ngriecli. novrat, woraus das dem podgana entsprechende venet. 
]>antegana und fuid. pantiana i-atto. sorcio grande, das demnach mit Unreclit für shxvisch 
gelullten wird. Fremdw. 118. 

(ill. podkova nsl.; podkov, podkova slovak. — patko s. solea ferrea Hufeisen. Iluni. 
podkoavt. Alb. paktüa. Furl. podcova. 

612. podluzka luxcli der Länge geschnittenes Stück: ki'ajac melon w podJuzki pol. — 
podluska s. segnientum Schnitte; ein Gericht aus Kohlsehnitten Dank, a' ki idtetett 
käposzta torzsänak gyönge hajtäsaiböl keszültt etek Kreszn. 

613. podmol cecli.; podmola slovak. — padmaly s. der Damm um den Hausgrund ; 
ausgeholtes Ufer; Wölbung; pandal s. Uferhöle; pandal, pandallö s. declivitas aggeris 
Tajszotär. 

614. podt tabulatum asl. — päd s. Hausboden, Boden, Bank. Hieher gehört magy. 
padläs s. Boden mit slovak. podläz Diele und magy. padlo s. pavimentvuu. 

(ilf). pogaca nsl., serb. — pogäcsa s. Kuchen, ßum. pogace plur. Alb. pogatse. 
Fremdw. lls. 

616. poganka*: pohanka Oech., slovak. — poganyka, pohanka s. polygonum fago- 
pyrum Buchweizen. Vergl. hajdina, hrecka, tatarka. 

617. pogont*: vergl. cecli. hon iugerum; honbiste, slovak. honbisko Revier. — 
pagony s. Revier; Gränzlinie. Rum. pogon mensura quaedam agrorum. 

(')18. pojata domus asl.; horreum nsl.; palearium Verant. serb.; pajta Scheune slovak. 
- — pajta s. horreum Scheune; Hütte. Rum. poett bubile. 

619. pokrovBCB operculum asl.; pokrovac serb.; ])okrovec slovak. — pakr6c'/, 
pokrocz s. Kotze. Rum. prokovicb. Alb. pokröve. Ngriech. TiopitößT.. 

^^20. polata asl. — palota s. palatium Palast. Fremdw. 119. 

621. polevka, polivka cech., slovak. — poleka s. iusculum Suppe. Gyarm. 039. 351. 

622. polica nsl.. serb., slovak. — polcz, pocz s, Gestell, Rum. policii. Alb. politsc'. 
Ngriech. TCÖÄitCa. 

<>23, poliska Staubmehl nsl. — pulyiszka, pulyicska s. Staubmelil Dank.; pulyiszku 
s. farina fagopyri cum caseo frixa Kreszn.; puliszka s. Kukuruzbrei; puliczka s, Brei. 
Kukuruzbrei, Die Bedeutungen gehen theilweise auseinander, die Zusammenstellung ist 
daher nicht durchaus sicher, 

624. poljana campus asl,; polana campus inter silvas slovak. — pojäna, pojän s. 
für irtovany Rodeland und tisztäs Lichtung (iyarm. 323. Rum. pojant Wiese im \\'alde. 

625. polog. polozak serb. — polozsna, polozsnak, porozsnyak, porosnyak s. Nestei. 

626. polovnjak ein Maass von fünf p]imern nsl,; eine Art Getreidemaass serb. — 
polovnyäk s. mensurae genus Kelemen 16S. 

627. polT) vttora imus dimidiatusque asl. — poltra, poltura, putura s, ein halber 
(iroschen. SKivak. turäk für polturäk. Rum. pt)tor. potor'B. 

628. pomet Ufenkehrwisch bulg.; pomett Kehricht asl. — pemet, pemete s. Ofeu- 
kelu-wisch; pamat s. fascis, fasciculus Bündel Kreszn.; pemetfü marrubium vulgare. Mordw. 
pomalä Besen für russ, pomelo, 

629. pomociti benetzen nsl, — pamacs, pemecs s. Pinsel; pamacsol vb. anstreichen. 
V(M-gl. porariti. 

6.")(). ponjava lintcum asl,, nsl. — ponyva s. Wagendeckc, l'Iache, 



^Q Fka^'z Miklosich. 

fi31. ponost exprobratio asl. — panasz s. querela, Klage; panaszol vb.,queri klagen. 
Rum. ponos nomen infame; ponoslu querela. 

G32. ponrav, pondrav Engerling cech.; crv, koji se kod mrsavijeh konja pod repom 
nalazi serb.; pandrav slovak. — pondro neben kvikacz s. ]\Iade. 

633. poplon hung.-croat.; poplun nsl.; poplon slovak. — paplan s. Decke. Ruin, 
poplon, plapomt Bettdecke. Fremdw. 119. Slovak. paplon ist magy. 

G34. pop-B asl.; pop nsl., serb. — pap s. Priester. Mordw. pop. Rum. popt. 
Fremdw. 119. 

635. por^eiti concredere asl.; commendare Monum.-fris. — parancs s. mandatum 
Befehl; parancsol vb. befehlen. Rum. porunki, s.; porunöesk vb. Alb. porsit. Vergl. 

pomociti. 

636. porkolab exactor liung.-nsl. — porkolab s. castellanus Burgvogt; Kerkermeister. 
Rum. p-Brkalab Amtmann, Kerkermeister. Vergl. morkolab s. Markgraf. Fremdw. 119. 

637. porodi, asl.; porod nsl., serb., slovak. — porond, porongy, poronty s. progenies 
Brut; porongy für szolgcäcska Täjszötär; poronty für fattyu Täjszötär; porongy s. perdix 

ivmior Kreszn. 

638. poskon neben konoplja cannabis Flora croat.; poskonL cannabis sativa konoplja 
mu^eskago roda; poskonnik-B eupatorium cannabinum russ.; poskonnice der männliche 
Hanf cech.; dagegen pJoskunka, pfoskonne konopie der weibliche Hanf pol. — pasz- 
koncza neben patkoncza s. nach einigen cannabis mas, nach anderen cannabis femella; 
paszkoncza-kender für virägos kender Täjsztjtar; poczkom, poczok s. Fimmel Gyarm. 322. 
Hieher gehört paszkoncza a. in der Bedeutung unfruchtbar, kinderlos und poszka a. in 
der Bedeutung unzeitig Täjszötär; ebenso paszkoncza a. detortus, corruptus Kreszn. 
Leschka hat neben paszkoncza, patkoncza auch die Form paköcza s. eupatorium canna- 
binum. Die Vermengung von männlichem und weiblichem Hanf, Fimmel und Mäschel 
(femella, masculus), hat ihren Grund darin, dass der männliche Hanf als der kürzere 
und schwächere in der Vorstellung des Volkes als der weibliche erscheint und umgekehrt. 
Helm 121. 

639. postavB tela asl.; postav linteum serb.; postav pannus slovak. Sembera, Dialekt. 
79; klruss. (Ungern). — posztö s. pannus Tuch. Rum. postav. 

640. pot^gi*: potgh Knieriemen cech.; pof ah slovak.; pociag lori genus pol.; potjagT, 
russ. — pating s. der Riemen, womit der hintere Theil des Pfluges an den vorderen 
gebunden wird; Achselriemen. Rum. pottng. Vergl. stt^gt. 

641. potka slovak. — patok s. Nasenstüber. 

642. potokt asl.; potok nsl., serb. — patak s. Bach. Furl. patoc rivo. 

643. potroeht russ. — potroh s. abdomen Unterleib. 

644. potvori. calumnia asl. — patvar s. calumnia; discordia Hader. 

645. povedati asl. — povedäl vb. für beszel reden und für terecsel plaudern 
Gyarm. 322. 

646. povljalo instita hung.-nsl.; povijadlo cech., slovak. — p6la, pölya s. fascia 
Windel. Langes o scheint gegen die Zusammenstellung mit cech. pola zu sprechen, 
dessen Bedeutung: Leinwandbreite, Rockschoss pol. poia Schoss, gleichfalls nicht ent- 
spricht, mit dem allerdings rum. poal'B limbus und poale plur. indusium inferius iden- 
tisch ist. 

647. povrazt asl.; povraz nsl., serb., slovak. — pöräz neben p6re s. restis Strick, 



Die sLAviscHEN Elemente im Magyarischen. 49 

(i48. pozdravek convivium Leschka slovak., woher pozdravkati zutrinken, zdi'avkati. 
^— puzdarek, puzdrek s, Geburtssclimaus. 

649. praca serb.; praSta asl. — parlttya s. funda Sclileuder. Man beachte die Form 
paristsa Gyarm. 323. ßum. praSti'5. 

()50. pravBda asl.; pravda nsl. — prauda: eos discutiens ad praudam per pristal- 
dum. Ritus 24G, über welche Stelle Bei folgendes bemerkt: iudicium ad praudam idem 
videtur fuisse quod iudicium privatum, in quo iudex causas litigantium simpliciter sine 
uUo iudiciario ordine et sine testibus ad solam actoris reique tidem interpositam discutiebat 
272; dagegen heisst nach KoUar 1. 98. misit eos ad pravdam Varailinum so viel als 
ad ius sive iudicium l'erri candentls, welcher Ansicht sich Bartal 1. 152, anschliesst. 

Göl. praznik fornicator; praznovati fornicari la*oat.-nsl., hung.-nsl. — paräzna, pnizna 
s. Hurer, Hure; a; hurerisch. Aul' asl. prazbn^B vacuus, otiosus zurückzuführen. 

()r)2. praziti asl., nsl., slovak. — paräzs s. favilla Loderasche; paräzs neben parezsa 
und prezsa s. Tajszötär ; parazsol vb. rösten. Man vergl. pergel vb. rösten; pörzsel, 
perzsel sengen und pilrgol dünsten. Rum. pr-bd^esk röste; p-brzol Brand; pi-rgtluesk 
pregle. Alb. persis. 

G5o. pr^di) Damm asl.; prod sandiges Ufer nsl.; prud Sandbank serb.. slovak. — 
porond, porong s. arena, sabulum Sand. Rum. prund. 

(;ö4. pr^.g'B * asl.: prouh vibex cech.; stria, radius slovak. — porong s. Stange 
Tajszötär. 

655. preslen nsl., slovak. ; pfeslen cech. ; prz§slik pol. — pereszlen s. verticillus Wirtel. 
Rum. priznel, pristnel, pristin. 

()5G. prebegt transfuga asl. — pribeg, pribek s. transfuga Uebcrläufer; latro 
Räuber; a. grausam. Tribus pribech , qui ex Turcia ad regiam maiestatem fugerant 
Engel 1. 51. Rum. pribeg vagus; priveg Ausreisser. 

657. prelog Abacker nsl.; prijelog serb.; pnloh Brachfeld cech.; preloh slovak. — 
parlag, parrag, pallag, parag s. Brachfeld. Serb. parlog vinea neglecta und klruss. 
paiag (Ungern) Lehde stammen aus dem Magy. 

658. prem: prem cech. — perem, prem s. Saum, Gebräme. Rum. }>rim. Aus dem 
Deutschen : Briime. 

659. pristav servus villicus serb.; pristavb findet sich aserb. in der Bedeutung des 
in imgrischen Quellen häufig vorkommenden pristaldus Danic.-rjec. 2. 439. Pristav 
camerarius im Statut von Poljica. — pristaldus regis Endl. 339. 378. iudicis pristaldi 
3()4. horum (protonotariorum, olim pristaldorum) muneris erat acta iudiciaria in monu- 
menta referre, exai'are litteras adiucatorias, denique executiones quas vocant peragere. 
prlstaldos legcs priscae appellant vocabulo, uti apparet, ex slavico vel. (jiiod volunt alii, 
ex hungarico idiomate adscito : est enim pöröst-oldo hoc est litigantes dissolvens, unde 
latina terminatione pristaldus enatum. durabat haec iuris dicundi ratio ad Caroli I. tem- 
pora, qui, uti auctor est St. Verboczius, processum iudiciorum, e Gallis acceptum in 
Hungariam induxerit. Notitia Hungariae novae. III. 103. pristaldus olim executor 
iudiciorum nobilium ^lolndr. pristalduin arbitrum fuisse inter litigantes et quum 
regis tum iudicum dynastarumque ministrum e legibus paret Bei, Appai'atus ad histo- 
riam Hungariae 191. pristaldus fuit apparitor vel regis vel ]ialatini vel comitis castri 
vel alius cuiusplam iudicis, qui partibus litigantibus adiunctus vel etiam sine liis ad 
locum finicrulae causae missus bona fide id dabat operam , ut sententia iudicis integre 

Denkschriften der plul.-hi»t. CI. XXI. Bd. 7 



gQ Feanz Miklosich. 

legitimeque finiretur. KoUar 2. 58. Rum. pristav apparitor Amtsdiener, d ist am Ende 
angetreten wie in belend aus blen'B*, forspont aus Vorspann, krispant aus Grünspan, 
puspand, daher pristav, pristavd, pristald. Vergl. gortnikt. 

660. pritvorrs porticus asl.; pritvor ziv. 52. (55. serb. — pitvar s. Vorzimmer, Küche. 
Slovak. pitvor ist aus dem Magy. entlehnt. Rum. pridvor, pridvar. 

661. proso milium asl., nsl.; proso, proha milium; proha panis dulcioris genus serb. ; 
prohulja milium Flora croat. — prösza s. milium Hirse Dank.; prösza, proha s. Kuku- 
ruzkuchen; poröcza s. eine Art Kuchen Tajszötär. Die Bedeutung: Hirse und Kuchen 
ist befremdend. Der Hirse stammt aus Indien und war den Griechen und Römern seit 
Julius Caesar bekannt. Unger 1. 12. 

662. prostt Simplex, rudis asl.; prost nsl., serb. — paraszt a. bäuerisch; s. Bauer. 
Rum. prost a. simplex; s. rusticus. 

663. prus cech., pol. — porosz, prusz s. Preusse. Daneben findet man magy. bur- 
kus, rum. burkus, das eine Entstellung von Brandenburg zu sein scheint. 

664. prusati tolutim incedere serb.: prusbCb gradarius asl. : prusac serb. — poroszl6 
s. apparitor, lictor, stator Verant.; poroszka s. equus tolutarius; poroszkäl vb. traben. 
Trabant it. trabante vom deutschen traben. 

665. pukati cech., slovak. — pukkan, pukkad vb. lo-achen, knallen, bersten. 

666. puljka*: pujkt bulg.^ pujka serb.; puka slov.-kroat. Belost.; pulka, pujka 
klruss. (Ungern). — pulyka, pöka s. gallina indica Truthenne. Rum. pujkü. Fremd. 

667. pustB asl. — puszta a. wüst; s. Wüste; pusztit vb. verwüsten. Rum. pusfrb 
Wüste. F\irl. pustot terreno incolto. Finn. autia desertus ist goth. auths (Stamm authja). 
Thomsen 132. 

668. puska nsl., serb. — puska s. Flinte. Rum. pusk-B. Alb. püske. Fremdw. 120. 

669. putnik, poputnlk Wegerich slovak. — putnok, putnokfü s. mentha pulegium 
Poleikraut. 

()70. püzdro slovak. ; pouzdro theca cech. — puzdra s. Köcher. 

671. puz serb.; polz, pu2 nsl. — püzsa s. Schnecke. Alb. puzmu2. 

672. pyh*: pih halitus nsl.; puch Flaum cech. — pih s. halitus Hauch; pluma tenuis 
Flaum; puha a. mollis flaumig. Rum. pih'B Flaumfeder. Vergl. pahalj. Andere denken 
an finn. puhkaa- anhelare. Nyelvtud. közlem. VI. 444. 

673. pyr favilla; pyfiti se erubescere cech.; popuriti torrere serb. — pir s. Röthe; 
pirit vb. röthen. 

674. pyreni cech.; pyrina slovak. — pernye s. favilla Loderasche. 

675. pyrije*: pyro asl.; pir serb.; pirika agropyrum und pirevina glyceria Flora 
croat.; pirjovec spelta nsl. — perje, pörje s. triticum repens Queckengras; kutya-perje s. 
agropyrum repens Arch. 180. Rum. pir. 

676. pBklt asl.; pekel nsl. — pokol, ehedem pukal Rev. 1. 86. Endl. 745, s. Hölle. 
Mordw. ad aus dem Russ. ad'B. Vergl. rum. ptkl-B nebula, vapor. 

677. pLsärB aserb. ; psaf caniductor cech. — peczer s Hundehüter. Rum. pecer. 

678. pBStrt bunt asl.; pbstragt*: pstrag salmo fario pol.; pastrva serb. — pisz- 
träng s. salmo fario Forelle. Rum. pestric, -bmpistrit bunt ; pestrav Forelle. Ngriech. irsarpcißa. 

679.'raca*: racica Netz zum Krebsfange; Netzhaut bei den Schweinen nsl.; racilo 
serb. — räcsa s. Netz zum Krebsfange. Vergl. racsa, racs s. Flechtwerk Dank, und klruss. 
(Ungern) rac Gitter, Rost. 



Die slavischen Elemente jm Magyarischen. 51 

680. radivB aus einer russ.-slov. Quelle. — ragyiva a. gnavus, solers; ausserdem 
amoenus Kreszn. Alb. radit. 

681. rakita nsl., serb. — rakottya, rekettye, rakitla, rakotla s. salix viminalis Bacli- 
weide ; rakata, rakatya, reketya salix latifolia aquatica Kanitz 8 ; rekethyefa vimeii 1 1 . 
Rum. rBkit'B. 

682. rak'B asl.; rak nsL, serb. — räk s. Ivrebs. Mordw. rakä. Rum. rak. 

683. raroh cech., slovak. — räro s. falco haliaeetus, falco cyanopus Entenstosser. 

684. rasad serb.: vergl. j)resad Pflanzen liung. - kroat. und slovak. priesada. — 
räszä s. Pflanze (zum Versetzen). Rum. rtsad Pflanze; ris-sdesk pflanze, verpflanze. 

685. rasBskB*: ra.sbkt rassicus aserb., woher lat. Rascia neben Racia, welches letz- 
tere bei Philippe de Maizieres Rad 22. 282. vorkommt. — rac s. Serbe. Mit rasskt 
(von RasB, wo lieutzutage Novi Pazar ist) fasste man das serbische Binnenland zusam- 
men im Gegensatze zum Küstenland, daher kralb vsehb rasbkyhb zemlb i pomorBskyhb rex 
omnium terrarum rassicarum et maritimarum. 

G86. ras nsl.; rasa serb. — rasa s. Rasch. Fremd w. 121. 

687. raYBü-B asl.; raven nsl. — runa s. Ebene. Vergl. r6na s. Fusssteig TdjszötAr. 

688. r^biti asl. — rombol vb. zerstören, zu Grunde richten. Alb. rembüem. 

689. r^cBka asl.; rOcka nsl. — rocska s. Gelte, Melkgefäss. Slovak. rocka ist wohl 
aus dem Magy. entlehnt. 

690. reseto asl., nsl., serb. — resta, rosta s. Reuter. 

691. retez cech.; refaz slovak. — retesz s. Riegel; catena R. E. 3, 341. Rum. retez, 
Fremdw. 122. 

692. retkev, retkva nsl. — retek s. raphanus sativus Gartenrettig. Fremdw. 122. 

693. reznik bromus secalinus cech. aus rBzb — rozsnok s. Roggentrespe. Vergl. r-b^b. 

694. reca: reca, raca nsl.; raca serb. — recze, rucza neben guca und kacsa s. Ente. 
Rum. racB. Alb. rose Sitzungsberichte 19. 302. 

695. red-BkB asl.; redek nsl.; rijedak serb. — i-itka, retka a. selten, schütter. 

696. repa asl., nsl. — repa s. brassica rapa weisse Rübe. Mordw. räps. Mit dem 
demin. repica nsl., fepice cech., repica slovak. hängt magy. repcze s. sinapis arvensis 
zusammen. Rum. rapicB. Alb. repe. Fremdw. 122. 

697. r^dB asl.; red nsl., serb. — rend s, Ordnung. Rum. rBnd. Alb. rend. 

698. r^zati: rezati nsl. — res s. üfi'nung im Zaun. Hieher gehört rum. rBnd^esk 
blecke die Zähne. 

699. robota, rabota nsl. — rabota s. opera Täjszötär ; rabot, robot s. Frohndienst. 
Mordw. robota Arbeit. Rum. robotB. Furl. rabotta prestazione di lavoro senza paga- 
mento. Mhd. robäte. 

700. rob-B asl.; rob serb. — rab s. servus; rabszolga id. Rum. rob. Alb. rob. 

701. rodiny Geburtstag cecli. — radina, rodina s. convivium puerperarum Tauf- 
schmaus. 

702. rogozB papyrus asl.; rogoz typha hitifolia Rietgras serb. — rogosz s. carex 
pseudocyperus. Rum. rogoz. Alb. rogös. Ngriech. fayaC^^v. 

703. rog'B asl.; rog nsl., serb. — i-ag s. Hörn, Tragstange am Dache Dank. 

704. roj asl., nsl., serb. — raj s. Bienenschwarm. Rum. roj. 

705. rostelj nsl. — rostely s. Rost, Gitter. Fremdw. 123. 

706. roza nsl. — rözsa s. Rose. Fremdw. 123. 

7* 



52 Franz Miklosich. 

707. rozdije palmites, sarmenta asL; ro^dzje nsl.; rö2dzje neben röscja klruss.: colle- 
ctivum von rozga. — rösgye, rasgya s. virgae, sarmenta Reisig Dank. 

708. rud Deichselstange serb. — rud s. Stange, Deichsel, ßum. rudi Stange. Der 
Zusammenstellung des serb. ruda mit ahd. ruota steht d für t entgegen. 

709. ruha asl. — ruha s. Kleid. Rum. ruf-B. Ngriech. poö/ov. Fremdw. 123. 

710. rukunica Handhabe, Griff; i-ukunice die Deichselstange eines einspännigen 
Wagens serb. — rakoncza s. Auf haltgabel , Spreitze; rokoncza s. Gyarm. 81; rokincza 
s. Täjszötär. 

711. rusin's aruss. — orosz s. Russe. 

712. rusnäk slovak. — rusznyak s. der Kleinrusse Ungerns und Galiziens. 

713. ruta nsl., serb. — ruta s. Raute. Rum. rutt. Fremdw. 123. 

714. ryba asl.; riba nsl., serb. — riba s. apro ■ halacska Fischchen Tajszotar; riba- 
hal Kreszn. 

715. ryska Goldfuchs cech. ; riska rothhaarige Person slovak. — riska a. röthlich. 
Vergl. slovak. rysavka eine rothe Kuh. Rum. ryskov eine Art Pilz, Ritsche Iszer. 
Slovak. ridzec ; pol. i-ydz (asl. * ry2di>) Ritzke, Reisske. Wurzel : r'bd rubere. 

716. rxzda rubigo, aerugo Rost; i-ubigo Rost, Honigthau, Mehlthau asl. Im Serb. 
Fluch: rdja ga popala! ist rdja wohl als Mehlthau zu fassen. — rozsda s. Rost, slovak, 
hrdza ; ragya s. Mehlthau, slovak. ridza. Der Mehlthau röthet das grüne Blatt, daher die 
Benennung : r-b^da aus ri>d-ja. 

717. r^zdB, ryzdb asl. — ros a. rufus Kreszn. 

718. r^ZL: rz, hr2 nsl.; re2, gen. r2i cech. — rozs s. secale Roggen; rozsanya s. 
Mutterkorn. Mordw. roz Roggen. Finn. ruis , genit. rukiin, ist entweder anord. rugr 
oder wahrscheinlicher lit. rugis. Thomsen 167. Der Roggen, zwischen den Alpen und dem 
schwarzen Meere einheimisch (Unger 1. 9), mag mit dem Namen von den Deutschen zu 
den Slaven gewandert sein. Vergl. re2nik. 

719. sablja asl., nsl., serb. — szablya s. Säbel. Rum. sabi'B. Alb. säble. 
Fremdw. 123. 

720. sak cech., slovak. — szäk s. rete iaculum Wurfnetz. Rum. sak. Fremdw. 123. 

721. samonica rothe Heidelbeere Jane2. nsl. — szamöcza, szimöcza, szimolcza s. 
fragraria Kreszn.; szamöcza s. erdei eper Täjszötär; szemö'cze s. eperfaj Täjszötär. Die 
Verschiedenheit der Bedeutungen befremdet; n fällt auch sonst aus: Domonkos neben 
Domokos Dominicus. 

722. sani nsl., serb. — szäny, szän, szänka s. Schlitten. Rum. sani'B. Alb. säje. 
Ngriech. advta. Vergl. Sitzungsberichte 19. 306. Finn. akkio, läpp, akio traha lappo- 
nica, ist anord.' ekja. Thomsen 129. 

723. sarka eine Art Wildente serb. — szärcsa , särcsa s. fulica atra das schwarze 
Blasshuhn; smilax sarsaparilla Sarsaparille. Rum. saree in beiden Bedeutungen. 

724. sasinB aserb. — szä,sz s. Sachse. Rum. sas. 

725. s^bota asl.; sobota nsl. — szombat s. Samstag. Rum. simbttt, stbiitt. 
Fremdw. 124. 

726. s^sed-B asl.; sosed nsl. — szomszed s. Nachbar. Mordw. sused. 

727. secka slovak.; sjecka serb.; sicka hung.-kroat. — szecska, szacska s. Häcker- 
ling. Rum. scckt. 



DiK SLAVISCHEN ELEMENTE IM MaüYAEISCIIEN. 53 

728. sevTJuga accipenser stellatus russ. — söreg s. sturio secundus, aecipenser 
stellatus Sehörgel Kreszn.; söröge s. accipenser serratus Gyarm. 329. Turkmenisch süirük. 

729. sekyrica*: sekyra asl. — szekercze neben szakucza s. parva seciiris Beil. 

730. seno asl., nsl. — szena s. Heu. Läpp, avje ist goth. havi. Tliomsen 131. Alb. 
säne. Ngriech. ciavöv. 

731. senB asl.; sin cecli., slovak. — szin s. atrium Laube. 

732. s^brt*: sjabr:B socius aruss. — szimbora, czimbora s. Spiessgesell. Rum. 
si.mbrt Gemeinschaft; simbrie Sold. Fremdw. 125. Lit. sebras socius ist aus dem 
Russ. entlehnt. Aus dem Lit. stammt wol finn. sebre consortium Gyarm. 93. Man vergl. 
russ. sabra Nachbar. 

733. sinica nsl. — czinige, czinege, czinke s. parus Meise. Vergl. rum. ciglan, 
ciglen. 

734. sipovka Rohrpfeife russ. — szipöka s. Saugrüssel; nach Dank, auch Rohrpfeife. 
Vergl. szipka s. Lockpfeife, Mundstück und szip s. Saugrüssel. 

735. sirek sorgum vvdgare nsl.; sirak kroat. ; sirak, sijerak eine Art Hirse serb.; 
sirak sorgum Flora kroat. — czirok, czir-köles s. holcus sorgum Mohrhirse. Fremdw. 125. 
Die Frucht kam zu Plinius' Zeit nach Europa, im 13. Jahi'hundert nach Italien und zu 
Anfang des 1(3. Jahrhunderts nach Frankreich und ist jetzt durch das ganae südliche 
Europa verbreitet. Ungar 1. 13. Vergl. bi>i't. 

736. sitije*: sit; sitovje Habd. nsl. — szittyö s. iuncus Binse. 

737. sito nsl., serb. — szita s. Sieb. Rum. sit'B, sT>t'&. Alb. site. Ngriech. atta. 

738. skadarka serb. — kadarka s. eine Art Traube. 

739. Skala nsl. — szAlka s. Splitter, Gräte. Klruss. salka (Ungern) Gräte ist magy. 

740. Skala cech. ; skala slovak. , hung.-kroat. — szikla s. Fels ; kö szikla cautes 
Verant. Ngriech. ayaKa. 

741. skaliee Galizenstein cech. — gälicz s. Vitriol. 

742. Skalina slovak. für cech. kozi routa. — gälna, gdlna-fü s. pulmonaria Lungen- 
kraut; helleborus foetidus, consoligo. 

743. skoba asl., cech. — eszkdba, iszkäba s. fibula Klammer. Rum. skoab'B. 

744. skocek Springer cech., slovak.; skocka Grashüpfer slovak.; skoczek Gi-aspferd 
pol. — szökcsö, szöcskü s. Grashüpfer; szökcser s. Springkäfer mezei trücsök. Vergl. 
jedoch finn. sääske, sääkse culex pipiens Nyelvtud. közlem. VI. 426. 

745. skopBCB asl.; skopec slovak. — kopacz s. Eunuch (Jyarm. 342. Rum. skopesk 
eviro. Alb. skupit. 

746. skorne, skorng cech.; skornja serb. Verant.; skorha slovak. — szekernye s. Stiefel. 

747. skrlnija asl.; skrina slovak. — szekr^ny s. Schrein. Rum. sikrijü aus dem 
Magy. Alb. skrihe. Fremdw. 126. 

748. skupae avarus serb.; skupec slovak. — kupecz a. karg Gyarm. 327. Rum. 
skump avarus, carus beruht auf asl. sksipt. 

749. skvorec, skvorec nsl. — szkvoi-egely, seregely s. sturnus Staar Gyarm. 341. 

750. slad cech., slovak. — szalad s. hordeum madefactum, quod germen emittit 
Malz; szalados s. eine Art Backwerk Täjsz6tär. Mordw. solat. Rum. slad. 

751. slama asl., nsl., serb. — szalma, sz6ma s. Stroh. Ngriech. ad/.o[xa. 

752. slanina nsl., serb.; slahina slovak. — szalonna, szalanna, szalanna s. Speck. 
Rum. sltnini). Ngriech. aXavwa. 



54 Franz Miklosich. 

753. slavulja Verant. serb. — szalya, sälya, zsstlya s. salvia Salbei. Fremdw. 12G. 

754. sl^ka*: sJomka pol.-, sluka croat.-nsl., cech., slovak.; sljuka serb. — szalonka, 
szaldnka, szolanka s. scolopax rusticola Waldschnepfe. 

755. sledBnik-B*: slidnik Spürhund cech.; cum canibus, qui dicuntur szlednijczi pol. 
— szelendek, szelindek s. canis sagax Spürhund; nach anderen Fleischerhund, Bullen- 

beisser. 

75G. slem^ trabs asl.-, sleme, im Osten slemen, Dachfirst nsl.-, slemä, slemeh (vrchni 
präh nade dvefmi) slovak. Sembera, Dialekt. 74. — szelemen s. Balken, Dachstuhl. 
Man beachte das n im Auslaute. 

757. sliva asl. — szilva s. prunus domestica Pflaume. 

758. slivovica nsl. — szivalicza, szilva-pälinka s. Pflaumenbrandwein. Furl. sliva- 

vizza. 

759. sliz, siez cech.; siez slovak.; slez-b asl., nsl. — ziliz s. Eibisch. 

760. sluga asl., nsl., serb. — szolga s. Diener. Rum. slug-B. 

761. smoläk ausgepichtes Trinkgeschirr cech. — szomak s. Feldflasche, nach Dank, 
ausgepichtes Trinkgeschirr. 

762. smrcek neben smrh slovak.; smrcak serb. — szömörcsök s. phallus esculentus 
Morchel; szemörcsök-galuska s. etel' neme Tajszötär. 

763. smreka nsl.; smrk cech.; smrek, smerek pinus larix slovak. ; smrok pinus Flora 
croat.; smraka Fichte hung.-croat. — szömörke, szömörcze s. Sumach; szömörcze s. festek- 
fa Tajszötär, nach Dank, larix; zemerze, zemerek pinus picea Kanitz 5. 

764. sobol cech., slovak., pol.; sobolb russ. Unslavisch. — szoboly, szobol, czoboly 
s. mustela cibellina Zobel. Rum. sobol Maulwurf. 

765. sojka nsl., serb., slovak. — szajkö, szölka s. corvus glandarius, graculus Nusshäher. 

766. sokacB asl.; sokac nsl., klruss. (Ungern.) — szakäcs s. Koch. Rum. sokac. 

767. solnica Salzbüchse slovak. — szelencze s. Büchse, Dose, bei Dank. Salzbüchse. 
Rum. solnici. Salzbüchse. Vergl. szelencze, szelenczefa gemeiner Flieder, auch orgonafa, 
slovak. orgovän d. i. Orgelbaum genannt; jergovan syringa vulgaris serb. Man denke 
an das österr. Becherholer. 

768. somar Esel slovak., klruss. (Ungern); soumar Saumross, Packesel cech. — 
szamdr s. Esel. Fremdw. 124. 

769. sopel Rotz cech., slovak.; soplivice Rotzkrankheit cech. — szaparnicza, szopor- 
nicza s. Rotzkrankheit; szopelnyicza, szopornyicza Gyarm. 343. 353. Die magy. Worte 
sind auf * sopelbnica zurückzuführen. 

770. sopilka eine Art Flöte serb.; sopivka, in Ungern sypovka klruss. ; sopka fistula 
croat. — szopöka, szipöka, szipka s. Mundstück. 

771. sopläk slovak. — szopolyka s. Rotzbube. 

772. sopun nsl. — szappan s. Seife. Mordw. sapyn. Rum. s-Bpon. Fremdw. 123. Finn. 
saipio, saipua ist anord. sÄpa. Thomsen 168. 

773. sor-b Mist russ. — szar s. Kehricht, auch merda. Vergl. tscheremiss. sor. Nyelvtud. 
közlem. VI. 422. 

774. spor'B über asl.; spor serb.; spori slovak. — szapora s. Vermehrung; a. frucht- 
bar; szapora beszed multiloquium Ivreszn.; szaporicza d. i. szapora beszedü Schnatterer 
Tdjszötär; szapornicza d. i. a' szöt 's beszedet hamar elhadarö Schnatterer Tajszötär; 
szapora fü verbena officinalis entspricht serb. spor, sporis achillea millefolia, slovak. 



Die slävischen Elemente im Magyarischen. ß/S 

sporik, sporis verbena; croat. sporis Flora croat.; vergl. pol. spor, sporysz Mutterkorn. 
Rum. spornik ausgiebig-, sporis verbena officinalis. 

775. spurjance, spurjanin ein uneheliches Kind serb. in Ragusa. Fremdw. — sze- 
prencze s. Findelkind. 

77G. sracin-B asl. — szerecsen s. Sarazene. 

777. srakansL; svraka serb.; straka cech., slovak. — szarka s. pica Elster. Rum. sark'B. 

77,S. sreda asL, nsl. — szerda, szereda s. Mittwoch. 

77i). srem-B asl. — szerem: szeremseg s. Sirmien. 

780. stanje habitatio Stulli serb.; stäni slovak. — tanya s. Aufenthaltsort, besonders 
der Hirten. Klruss. tanja Herberge (Ungern) ist niagy. 

7S1. stativa, statva einer der zwei aufrechtstehenden Balken, in denen der Weber- 
baum liegt serb. — osztovät, osztoväta s. Weberstuhl; eszteväta d. i. az egesz szovöszek 
Täjsz6tä.r; weiter gehende Entstellungen des slävischen Wortes sind eszvdta und szoväta: 
das erstere bezeichnet den Brustbaum am Weberstuhle. 

782. steglec: stehlec cech.; stehlik slovak.; strglinec croat., nsl. — tenglicz, tengelicz, 
töklincze s. fringilla carduelis Stieglitz. Rum. stiglic, steglicB, tengtlici). Fremdw. 130. 

783. stena asl., nsl. — esztena, isztina s. tugurium opilionis Schäferhütte; septum 
ovile. Mordw. stenä Wand. 

784. stl'Bpt asl.; stolp nsl.; stlp slovak. — oszlop s. Säule, Stütze. Rum. sttlpib. 
Vergl. russ. ostolop'B, oslopina Stange, Hebebaum. 

785. stobor im plur. und als Collectivum stoborje aula serb.; steber columna nsl.; 
sobor fulcrum croat.-nsl. — szobor s. columna lignea, statua; für kep, oszlop Tdjszötär. 
Vergl. rum. stobor Brunnendeckel. 

781). stogt asl.; stog nsl., serb. — asztag s. Fehmen, Triste, Schober. Rum. stog. 
Finn. saatto acervus foeni in prato ist anord. s4ta. Thomson 1()7. 

787. stoklas bromus secalinus nsl., cech., slovak.; stoklasa herbae genus serb. — 
tüklasz s. bromus Ti-espe. 

788. stol'B asl.; stol nsl. — asztal s. Tisch. Serb. astal ist aus dem Magy. entlehnt. 
Alb. stol. Finn. pöytä mensa ist goth. biuds. Thomson l(i3. 

789. stoltnik'B asl. — asztalnok s. dapifer Truchsess. Gleichbedeutend ist talnok. 
Rum. stolnik. 

790. strakat cech., slovak.; sorokatyj klruss. von cech. straka, klruss. soroka corvus 
pica. — tarka a. bunt; tai'itarka a. igen tarka sehr bunt Täjsz6t;lr. Rum. fLrkiit. Ivlruss. 
tai-kastyj, tarkatyj stammt aus dem Magy. Vergl. ostj. täray^ szürke grau Nyelvtud. 
küzlem. VI. 412. 

791. straza asl., nsl., serb. — sztrdzsa, sträzsa, isträzsa, bei Verant. iszträzsa, s. 
A\'uche. Rum. sti-aze f. Alb. stniXe. 

792. str^ga''': struga serb.; strunga slovak. — eszterenga s. claustrum ovilis Kreszn., 
locus mulctus Par.-Päpai ; Melkstall Dank; esztrenga: fejö helye a' juholuiak; esztena 
kosär Tstjszötär; esztrengdl vb. Täjszötdr. Rum. strungi. Melkstall. Gyarm. 352. keimt 
auch magy. sztrunga s. in der Bedeutung Weinpresse. Das Wort ist wahrscheinlich alb. Ui-- 
sjirungs: strunge Abtheilung des Pferches, wo die Ziegen gemolken werden, welches 
^^ ort mit strengüem (lat. stringere) pressen zusammenhängt. Das Wort scheint aus doni 
A Ib. in das Rum. und aus diesem in die anderen SpracJien gedrungen zu sein. 



56 



Franz Miklosich, 



793. streha asl., nsl. — eszterha, eszterja, esztergya s. Schirmdaeh neben szerha s. 
Hausdach. Rum. stresin^B Scliutzdacli. Alb. strehe. Ngriech. öatps/a. Läpp, roppe tectum 
ist anord. hr6f. Thomsen 16fi. 

794. strugT. Drechselmesser von strugati neben strtgati asl. — eszterga s. Dreh- 
bank; esztergilr s. tornus, tornum Molnär; esztergcir, esztergaly s. Drehbank. Rum. strug, 
strung Drehbank; strugarjü Drechsler. Alb. struk Hobel. 

795. str-Bkt asl. — eszträg, eszteräg s. Storch. Rum. stirk. 

796. styk: stik, stik slovak. — eszteke, ö.sztöke s. Pflugschar; im Tfljsz6tär erklärt 
durch eke resze. Bei ösztöke s. Stachel ist eine Vermengung mit ösztön eingetreten: 
an strek-B, streka ist nicht zu denken. 

797. sukman pol. — szokmäny, szukmany s. zottiges Kleid. Mordw. suman. Rum. 
suman. Klruss. sukman in Ungern, sonst sukmana. 

798. suknja nsl., serb. — szoknya s. Weiberrock. Rum. siikn-B, sugn-b. Ngriech. 
arjoxrjyla. Klruss. soknja (Ungern) ist magy. 

799. sulica asl., nsl. — szucza s. lancea, hasta Kreszn. Nach ücza aus ulica erwartet 
man szücza. Rum. sul:& subula; sulicB iaculum. 

800. sumpor serb. — szompor s. Schwefel. Fremdw. 128. 

801. süsek: sousek cech. — szuszek s. Getreidekammer. Vergl. rum. sus:&jü. 

802. sveklt asl.; cvelda nsl. — czekla s. beta vulgaris Zwickel, Zickel, Mangold. 
Rum. sfekli,. Fremdw. 128. Schon die Griechen bauten den Mangold als Gemüse Unger 
1. 44. 

803. svetBnik-b* asl.; svithik, svicnik Sembera, Dialekt. 60. slovak. — szövötnek s. 
Fackel, nach Dank. Leuchter. Vergl. mordw. svets Kerze, Licht und rum. svesnik Leuchter. 

804. svetlice cech. — szeklice s. cartamus tinctorius Saflor. 

805. sv^ti, asl; svet nsl., serb. — szent a. heilig. Rum. sfint, sfent. Die Lappen 
entlehnen den Ausdruck filr heilig, ajlegas, aus dem anord. Thomsen 129. 

806. svirelB fistula asl.; svirala serb. — virelya, furelya, furulya s. Hirtenflöte 
Gyarm. 327. 

807. svlak convolvulus Flora croat; svlak, slak convolvulus cech.; slak Ackerwinde 
nsl.; slak Glockenblume hung.-croat. — szuMk s. clematis vitalba gemeine Waldrebe; 
nagy fuMk neben nagy szuläk fil convolvulus sepium Zaun winde Lesic. 155; fulak con- 
volvulus arvensis Arch. 187; iszalag, juszalag s. Solanum dulcamara klettender Nacht- 
schatten Dank.; szulok s. lenicera caprifolium Geissblatt Dank. 

808. svobodB liber asl. — szabad a. über frei; licitus erlaubt. Im ehstn. vabadus 
Freiheit ist das anlautende s, wie in wewel aus Schwefel, abgefallen. Vergl. magy. 
oskola, iskola schola mit ehstn. köl. Mordw. vola Freiheit vom russ. volja. Rum. slobod 
liber, licitus. 

809. syrovätka cech.; servatka slovak. — szurutyka s. vert alutt-tej Täjszötdr. 

810. stmetB asl.; smet nsl. — szemet, szemet s. Kehricht. 

811. str^sta asL; sreca nsl. — szerencse s. Glück. Rum. str-Bnste. 

812. sit^gt*: sT,t§gniiti stringere asl.; sfah in der Bedeutung Naht slovak. — sza- 
tying s. Schnürband; nach Täjsz6tär feher pantlika, kötolek. Vergl. pot?gt. 

813. saraglje serb.; szaragi, szeregi pol.; sereglja klruss. (Ungern). — saräglya, 
sräglya, saragya, sereglye s. Schi-agen. Rum. siregl-B. Fremdw. 



Die sLAViscHEN Elemente im Magyarischen. 57 

814. sa§ carex serb.; säsi scirpus mähr.-cech.; sasf sparganium erectum neben «Ichor 
scirpus slovak. — säs s. carex Rietgras. Vergl. votj. sas Riedgras. Nyclvtud. közleni. 
Yl. 431. Die slav. Wörter beruhen auf einem Thema sah. Votj. sas mag aus dem Slav. 
entlehnt sein, obgleich sasB im Russ. nicht nachweisbar ist. 

815. sator neben cador serb. — sator s. Zelt. Rum. satri,, setrt. Fremdw. 128. 

816. scava: stava serb.; scäva succus slovak. — csava s. lixivium coriariorum, quo 
corium macei'ant Gärberlohe. 

817. scavi*: scav slovak.; stavB rumex asl.; stav Flora croat.; szczaw pol. — 
cscvicze s. savanyü viz Sauerwasser. Die Zusammenstellung ist nur unter der Voraus- 
setzung richtig, dass stavi, den Begriff „sauer" bezeichnet. Rum. stegie neben stcve und 
stegie rumex. 

818. §cet: scef slovak.; stet cech. — ecset s. Bürste, Borstwisch, Pinsel. 

819. scipati nsl.; scipati slovak. — csi'p vb. zwicken. Hieher gehört csipö s. Zange. 
Mordw. scip Lichtscheere. Russ. scipcy. Vergl. läpp, cipco digitis torquere. Nyelvtud. 
közlem. VI. 435. 

820. scipek nsl.; stipi.k'B asl.; sipek cech., slovak; sipka, cipka slovak.; sipak Rose 
hung.-croat. — csipke s. Hagedorn; chypke rosa canina Kanitz 10. 

821. scorbäk, scerbak slovak. Leschka; sterbäk cech. — csorbaka s. lactuca leporina 
Hasenkohl. 

822. scrba nsl. — csorba s. lacuna Scharte; a. schartig. Rum. stirbini) s. ; stirb a. 

823. scuka nsl., slovak. ; stuka serb. — csuka s. Hecht. Mordw. cuka. Rum, stuk-B, 
stjuk-B, stijuki. Ngriech. aro6xa. 

824. seplav (•ecli., slovak; seplati slovak.; sepeljatB russ. — selyp, selp a. blaesus 
lispelnd. Rum. sepelesk lisple. Vergl. läpp, solba. Nyclvtud. közlem. VI. 432. 

825. serha cech., slovak. Fremd. — serha s. Scherge; sarha s. Scharfrichter. 
82(i. sestäk cech., slovak. — sustdk s. Sechskreuzerstück. 

827. setati nsl., serb.; s§tati s§ in anderer Bedeutung asl. — sitAt vb. ambulare 
spazieren; seta s. Spaziergang. Alb. .setft. 

828. sis Verant. serb.; sisak nsl.; szyszak pol. — sisak s. Helm. Fremdw. 129. 

829. siska nsl., slovak.; szyszka Tannenzapfen pol. — suska s. Gallapfel. 

830. skatula serb., slovak.; skatla nsl. — katulya s. Schachtel. Fremdw. 129. 

831. skrabati cech., slovak. — krabsäl vb. kritzeln. 

832. skvarek cech., slovak., (hiraus skvarcina* — kurczina s. Speckgriebe: vergl. 
zsikora s. tcperto Speckgriebe. 

833. slak cech. Fremd. — salank s. Leiste, Randstreif am Tuche. 

834. stap, bei Verant. scap serb.; aserb. stapi.. Fremd. — istap s. scipio Stab 
Rum. stab. 

835. strtinjak nsl. — tertinyak s. eine Art Mass. Keleinen l(i8. 

836. suba serb., slovak.; szuba pol.; cuba cech. — suba, subicza s. ungrischcr 
Bauernpelz. Fremdw. 131. 

837. suskäc slovak. — suskäs s. Flüsterer Dank. 

838. susnäk slovak. — susnya s. Rotzbube, eig. Schnüffler Dank. 

839. sut scrl)., slovak., kli'uss. — suta, ,csuta a. hörnerlos. Rum. sut, cut. 

840. tabor nsl., serb. — tabor s. Lager, Armee; täbornok s. Generalquartiermeister. 
Rum. tabijrij Lager, Armee, Ki'ieg. Fremdw. 131. 



DenksihrifU'U ikr i.bil.-hist. Cl. XXI. Bd. 



5 g Fkanz Miklosich. 

841. talog sedimeiitum Niederschlag, Bodensatz serb.; tälov Eiter cech., slovak. — 
tälyog, tälyok, tdjag s. Geschwür, Abfluss. 

842. tanjir croat.; tanur serb.; taner, taiiir slovak. — tänyer s. Teller. Fremdw. 131. 

843. tarca nsl.; tareza i^ol. — tarcsa s. kleiner Schild. Eremdw. 131. 

844. taska cech., slovak. — taska s. Tasche. Eum. task'B. Fremdw. 131. Finn. tasku 
ist anord. taska. Thomsen 174. 

845. tatarka cech. — tatdrka s. polygonum fagopyrum, richtiger vielleicht tataricum. 
Rum. tttark-B. Vergl. hajdina, hrecka, poganka und deutsch Taterkorn, Tatelkorn. 

846. t^pt asl.; top nsl. — tompa a. hebes stumpf, blöde. Rum. tBmp. 

847. telega asl.; tolige plur. nsl.; teljiga, taljiga serb. — talyiga, taliga, toliga s. 
Karren; talicska s. Tdjszöttir. Ngriech. zrjjj.ysj.. 

848. testo asl, , nsl. — teszta s. Teig. Finn. taikina ist goth. daigs. Thomsen 174. 

849. tisa Flora croat.; tis cech.; tis, tisa slovak. — tisza: tisza fa taxus Eibe. 
Rum. tis:5. 

850. tlaka Frohndienst nsl., serb.; tl-bki. Avechselseitige Ausliilfsarbeit bulg.; toloka 
russ.; talka das Gastmal nach vollendeter Arbeit, an deren Vollführung viele geholfen 
haben, die man mit Geld nicht abfinden kann lit. — kalaka s. auxilium spontaneum 
Kreszn. ebedert vagy vacsoracrt többek ältal vegzendö munka T;ijszötar. Freiwillige 
Hilfe, die man seinen Nachbarn in der Noth bei der Feldarbeit oder beim Spinnen 
leistet. Rum. klakib. Das rum. Wort scheint unmittelbar aus dem Magy. entlehnt. 

851. tl-BinacB*: tolmac nsl.; tlumac slovak. — tolmdcs s. Dolmetsch. Rum. tBlmacjü. 
Mhd. tolmetze. Ob auch tanäcs, tanäcsnok Rath, woraus tanac hung.-slov., hung.-croat., 
hieher gehört, weiss ich nicht: in R. E. 274. findet man tanalcs. 

852. töne: tüne Vertiefung im Flusse; tüne velikych ryb mofskych Meerfischfang 
cech. — tanya s. locus piscaturae Kreszn. Vergl. mlat. tunna, tunnai-ia Duc. 

853. toplice plur. warmes Wasser, Warmbad nsl. — topliczäs a. uliginosus feucht 
Par.-P4pai, Marton. 

854. topol' slovak.; topol Flora croat.; topol, gen. topole cech. — topoly s. populus 
alba Silberpappel. 

855. topor nsl., slovak.; porisce Valjavec 265. kroat.-nsl. ; porisecko Hackenstiel 
slovak. Sbor. 24. — topor s. Breitaxt. Rum. topor. Fremdw. 132. 

856. tovaris nsl., slovak. — tärs s. socius Genosse. Rum. tovaroS. Fremdw. 133. 
Vergl. Sitzungsberichte 19. 310. 

857. tovart merx, onus asl.; tovar merx slovak.; onus, asinus serb. — tär s. Magazini 
tär-szeker currus, quo commeatus Convehuntur Ritus 199. nota. Serb. tarna kuca aera- 
rium bei Verant. ist aus dem jMagy. entlehnt. Türk. tovar Hausvieh. Fremdw. 133. Vergl. 
Sitzungsberichte 19. 310. 

858. tovartniki.* erhalten in tavornicus, tavernicus. — tdrnok s. tavornicus, taver- 
nicus für camerarius Schatzmeister. 

859. traglje nsl.; tralje hung.-croat., serb. — taraglya s. feretrum Trage. Fremd. 

860. tragovnica*: slovak. tragac. — targancza s. Schubkarren Dank.; torboncza 
Dank. Täjszötär; targoncza Gyarm. 158. 354. turboncza. Rum. tereboäncB Clemens 25. 
tiriboancB. Vergl. magy. tolöka s. Schubkarren mit cech. traky plur. Schiebbock. 

861. trata Grasplatz, Viehtrieb nsl. — taräta a. verlassen; s. nicht umzäunter Hof 
Täjszoti'ir. Fremdw. 133. 



I 



Die sLAViäCHEN Elementk im Magyarischen. 59 

862. tr^ba tuba, fistula asl. ; traba Dachrinne, Schnauze pol.; truba tuba, tubus, 
proboscis slovak. — toromba s. Giebel des Daches; otromba s. Elephantenrüssel Dank. 
Alb. trümbe. Fremd. 

863. tr^d'B morbus quidam asl.; trad eine Art Aussatz pol.; trud moeror aninii 
slovak. — torongy s. therioma (d. i. bösartiges Geschwür), nehez nyavalya Molnär; Condy- 
loma Feigwarze Dank. ; csupa rongyböl ällo szegeny ember Tiijszütär. Rum. tr^nd Ver- 
härtung, Schwiele, Faulenzer. 

864. trebulja*: tfebule cech. ; trebulka slovak.; trebelje Sumpf kreuzwurz Janez. 
nsL; trbulja oenanthe, dagegen krabilica chaerophyllum Flora croat. ; trzel)ida, trybula, 
trebulka pol. — turbulya, turbolya s. scandix chaerophyllum, chaerophyllum sativum 
Körbelkraut. Fremd. 

865. trein'B turris asl. ; trem odlmven subdiale nsl.; trijem ziv. 52. 65. serb. — 
terem s. Saal Dank. Alb. trem. Fremdw. 133. 

866. tresk fulmen, eig. wohl fragor nsl.; tresk slovak. — taraczk s. Feldstück, 
Böller, ßum. tresk Böller. 

867. trh onus: od trha ne mre skorom hoditi. Valjavec 243. nsl. — terh, tereli 
neben teher s. Last. 

868. trhane Zwicknudel Leschka ; trhance ovak. Vergl. serb. trganci. — tarhonya 
s. geriebener Teig Dank, szäraz teszta Tajszotär. Slovak. tarhona ist magy. 

869. trlo, ti'dlo, trlica das obere Holz bei der Hanfbreche cech. — tilo s. Hanf- 
breche, nach Tajszötar kendert töro 's pozdojöl tisztftu faesz köz. 

870. trlo der Ort, wo im Winter das Vieh gehalten wird serb. — tilos s. ein 
geschlossener Platz, avo das Vieh weidet, ßum. t'hvl'L caterva. 

871. trnac porticus, aula hung.-nsl.; viridarium, pomarium, arbustum, arboretum 
kroat.-slov. Belost.: trnac ist vielleicht eine Enstellmig von tinac: trnAc, tynec, dum na 
sloupech Sembera, Dialekt. 74. slovak. — tornacz s. Häuschen im Garten Par.-Papai; Obst- 
garten Dank. 

872. trusk : truskavec hippuris cech., slov . — taraczk s. perjenek neme szöllö'ben 
Tajsz(jtt1r Quecke. 

873. turen nsl. — torony s. Thurm. Fremdw. 132. 

874. tüz, deminut. tüzek slovak. — tiizok s. otis tarda Ti-appe. 

87Ö. tvaroh rech., slovak. — tanjli Molnär; tarh(5, tarha, tarli, turu s. Quarg, geron- 
nene Milch. 

871"). tvor nsl. — tür s. ulcus saniosum; auch Satteldruck, Vej'gl. Sitzungsberichte 
1!». 312. 

877. tykrB asl. — tiker, tükör, tyükür s. Spiegel. Finn. peili ist anord. spegill. 
Thomsen 162. 

878. tyky asl.; tikev nsl., slovak. — töks. cucui-bita. Mordw. tikla. Rum. titvi,, 
tidvt. 

879. tyn'B murus ; tinj Planke nsl.: tin (med satorom tini) saeptum Zriiiy; tin Scheide- 
wand serb.; tin saepes slovak. — tinnye s. Pallisade. Das magy. Wort entspricht einem 
asl. *tynije. Fremdw. 133. 

880. ttkact*: takaß serb.; tkilc slovak. — takäcs s. Weber. Rum. tokacjü. Alb. kats. 

881. t'hk'hxn'h aequalis; tükme^b pactum asl. — tokma, tukma s. Vertrag; tokmäl vb. 
einen \ ertrag scidiessen. Rum. tokma aeque: tokmesk paciscor; tokmelt, tokmali) pactum. 



60 Franz Miklosicii. 

882. tBniBnica asl.; temnica nsl. — tömlöcz, ehedem timnucze R^v. 1. 86. Endl. 
748. Kerker. Mhd. tymenitze. 

883. ugar serb.; ühor cech., slovak. — ugar s. Bracliacker. Rum. ogor. Alb. ugär. 

884. ugorek nsl. ; ugorka Verant. serb. — ugorka, uborka, umorka, buborka s. 
cucumis Gurke. Ehstn. agurk, kurk. Fremdw. 134. 

885. ulica asl., nsl., serb., slovak. — ücza s. Gasse. Rum. ulicB. Manche denken an 
üt via. Alb. uKtse. 

886. ur'B bulg. — ür s. dominus. Ur^B findet sieb nur im bulg. Bellum Troianum 
aus der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts und ist entweder eig. bulgarisch oder aus 
dem Magy. entlehnt. 

887. uzina serb.; juzina nsl. — uzsonna, ozsonna s. Vesperbrod, Jause. Rum. uzin'B, 
udzint, ozin'B, odzin^B. Klruss. ozona (Ungern) stammt aus dem Magy. 

888. vada calumnia asl. — väd s. Anklage; vädol vb. calumniari Verant., anklagen. 
Rum. v&desk indico. Vergl. Sitzungsberichte 19. 313. 

889. välek slovak. — "^i'dyog s. Kothziegel. Vergl. valek. 

890. valek nsl.; Viüek slovak. — välyog s. sodröfa, mellyel mängolnak vagy t^sztät 
nyüjtanak T;iJ.sz(5tdr. Vergl. välek. 

891. vanjkus nsl.; vdnkus slovak. — vankos s. Kissen. Fremdw. 134. 

892. vapa stagnum asl.; vapa Pfütze klruss. (Ungern). — väpa s. lacuna, planities 
depressior Kresz. ; Hölung, Grube, Pfütze, niederer Ort, wo Wasser stehen bleibt. 

893. vardi custodia bulg. — värda s. Citadelle. Fremdw. 13.5. Finn. vartia custos 
ist goth. vardja. Thomsen 182. Magy. vär arx, väros urbs wird mit finn. vuore mons 
zusammengestellt Nyelvtud. közlem. VI. 468. 

894. vdeb nsl. — dab, dib s. Wiedehopf. 

895. vecerja asl., nsl. — vacsora s. Abendessen. 

896. vecernja, vecernje sacra pomeridiana serb.; vecerna slovak. — vecsernye, 
veternye s. vesperae Par.-Päpai; Vesperzeit; veternye vesperae, missa nocturna Kreszn. ; 
vecsernye s. Nachmittag Täjszötär. Rum. vecerni-B officium vespertinum. 

897. vecer-B asl. — vacsora-csillag s. Abendstern Tajszötar. 

898. vedro asl., nsl.; vedro dial. cech. — veder, vödör s. hydria Eimer. Mordw. 
vederka. Rum. vedrt, vadr:&, vidire. Alb. vedre. Ngriech. ßs^pov. 

899. vetrilo asl.; veternica hung.-nsl. — vitorla s. Segel, Wetterfahne. Rum. vetril'B. 

900. vibr-B asl.; viher, vihar, vih6r nsl.; vichor slovak. — vihar, viher neben viheder, 
vihetor s. Sturmwind Tdjszotsir. Rum. vifor, vivor. 

901. vila, meist plur. vile nsl. — villa, vella s. Gabel. Alb. filüske. 

902. vinika wilde Rebe nsl.: vergl. vinjaga wilde Rebe nsl., Traube asl. — vcnyike, 
venyeke, venyige, venyege s. vitis vinifera Rebe; fehör v6nicz clematis vitalba Archiv 
186. In der Bedeutung boräg, szäraz szölö vesszö sarmentum Tdjszötdr 324. 382. erinnert 
venyige an nsl. venik Laubbauschen. 

903. vino asl., nsl., serb. — vinkö s. geringer Wein Tajszotär. Vergl. mordw. vinä 
Brandwein, finn. viina Wein, Brandwein. Thomsen 184. 

904. visnja nsl., serb. — visnye neben medgy s. prunus cerasus Weichsel Täjszötär. 
Mordw. visnof ka Kirschbaum. Rum. visn-B , visin-B. Alb. vlsj§. Ngriech. ßbr^vov. 
Fremdw. 136. 



Die slavischen Elemente im Magyakisciien. 61 

905. vitez nsl.; vitijzB asl.; vifaz slovak. — vitez s. Held; a. tapfer. Rum. vitez. 
Fremdw. 13(i. Die Ansicht, vitf^zb sei derjenige, der Kenntniss der Gesetze besitzt und 
bewahrt, ist unrichtig. 

906. vitlo*: vitliti circumagi Stulli serb. — vitUx s. vimen. E. E. 3. 3(i(i. Leschka. 
surculus. 

907. vlah italus asl.; valachus serb. — oldh s. valachus; oUsz s. italus. FremdAv. 13(;. 

908. voder das Wassergefäss, worin der Mähder den Wetzstein mit sich trägt um 
ihn nass zu erhalten, AVetzkiste nsl.; vodijer serb. — vodcr s. tokmany kleine Scheide; 
ollyaten fa vagy szaru-kupa, mellyben a' kaszdsok a' kaszaküvet tartjdk. 

909. vodka cech., slovak. — vodka, vadka, vatka s. ungeklärter Brandwein Gyarm. 
171; vatka, vatyka pälinka' alja Tajszotär. Mordw. ist votka neben vinä Brandwein, 
das wie ehstn. wotka russ. Ursprungs ist. llum. otk-b Vorlauf beim Brandwein. 

910. vojevoda bellidux asl.: ßosß65a bei den Byzantinern in Bezug auf die Magyaren. 
— vajda, oliedeiu vajvoda Bartal 1. 237, s. dux; vajvoda, vajda s. prorex in Valachia, 
Moldavia, Transilvania Molntir. Rum. voevod, vojvod, vod'B. Alb. vojvode. Ngriech. ßosßöoa. 
Finn. lierttua dux ist anord. hertogi. Thomsen 135. 

911. vojnikt miles asl. — vojuikio: ut adversus Maximilianum equites circiter mille 
offerret, praeter hos autem vojnikiones (milites) gravissimis expensis in bonis suis ad 
defensioncni j-egni et ecclesiae suae conservaret. Bartal 3. 275. Rum. vojnik. 

912. voska demin. : vosa, osa cech. — vaszka s. vespa. 

913. voski asl.: vojsk nsl.; vosak serb. — viaszk, viasz s. Wachs. 

914. vrabij asl.; vrabelj, vrabec nsl. — vereb s. Sperling. Rum. vrabi-B. Alb. 
vrabets. Ehstn. warblane ist wohl lett. zvirbulis. 

915. vratic nsl.; vrafic slovak.; vrAtic, vratyc cech.; wrotycz pol.; vratic' (richtig 
wolil vratir), vratika Flora croat. — varadics s. tanacetum vulgare Rainfarn. Rum. 
feretsch xVrch. 205. 

91(;. vrazati asl.; vraz incantator liung.-croat. — vanizsol vb. incantare zaubern; 
varäzs s. Zauberei ; varäzslö neben vnlzslö s. Zauberer. Rum. vraz-B, vradzt Zauberei ; 
vridzesk zaubere. Vergl. Sitzungsberichte 17. 385. 

917. vred-B, vulnus asl.; vred slovak. — meregy, miregy, mirigy, merigy s. Pest- 
beule Dank., bei Verant. pustula, bei Molndr apostema. 

918. vrsa serb., slovak. — varsa neben verse, vörse, vörzse, vörsök s. nassa Reusse. 
Rum. viirsü. 

919. vydra asl.; vidra nsl., serb., slovak. — vidra s. lutra Otter. Rum. vidrT.. 
Ngriech. ßtooa. 

920. vyhen, vyhng Esse, Schmiede c-ecli. ; viheii, vihna slovak. — vihnye, vinnye s. 
Schmiede. 

921. vyz, vyza cech.; viza nsl., slovak. — viza s. accipenser huso Hausen. 

922. vyzel ('•ecli.; vizla slovak. — vizsla, visla s. canis sagax Spürliund. Rum. VislT>. 

923. VBnuki. asl. — imoka, onoka s. Enkel. Mordw. unyk. 

924. zador-B*: zadorica iui-gium serb. — zädor s. Stänker. 

925. zäkal panis lardum rech., slovak.; zakai pol. — zakla, zdkläs s. Schlief, unaus- 
gebackener Teig im Brote. 

92G. zalogi. asl. — zalag, zalog s. Pfand; dlog Täjszötär. Rum. ztlog. Yergl. 
zaslona. 



g2 Feanz Miklosich. 

927. zanovett*: zanovijet serb. — zanot s. cytisus Greissklee. 

.928. zaslona Vorhang cech. ; zäslon, zäslona slovak. — zaszl6 s. Fahne; äszlo 
Tiljszötdr. Vergi. zalog'B. 

929. zäton Sandbank slovak.; zaton Insel nsl. ; Hafen Zriny; vergl. cech. vyton, 
vytoii Holzschwemme — zatony s. Sandbank, Untiefe. 

930. zavor Verant. serb., slovak.; zdvora cech. — zävcär, zar s. repagulum ßiegel; 
fazar aus zävar Tajszötär. ßum. z-bvor ßiegel; zar Schloss. Man vergleicht ostj. to/r- 
Nyelvtud. közlem. VI. 437. 

931. z^br'B*: zabt dens asl. — zsebre s. szajfajäs a' gyermekeknel eine Mund- 
krankheit bei Kindern T4jsz6tar. Eum. zo^mbre plur. Mundfäule. 

932. zhäha, z4ha slovak.; izgaga russ.: es soll, auch im Nsl. als zgaga vorkommen. — 
zaha s. pyrosis Sodbrennen. 

933. zloty pol. — izlot s. Gulden Gyarm. 362. Eum. zlat aurum. Serb. zolota eine 
ßechnungsmünze, ngriech. ^rjXrjzrj, stammen unmittelbar aus dem Tili-k, 

934. zob serb., hung.-croat. — zab s. avena sativa Haber, ßum. ov:bs. Karel. kakra 
ist anord. hafri. Thomsen 138. Die eigentliche europäische Brodfrucht, als deren spe- 
cielles Vaterland das Donaugebiet angesehen wird (Unger 1. 7.), hat ihren serb.-magy. 
Namen von ihrer Verwendung als Pferdefutter. 

935. zubadlo slovak. — zäbola, zabla, zablo s. frenum, lupatum Gebiss. ßum. 

936. zubun cech., serb.; zobunnsl. ; zobuncac himg.-croat. — zubbon , zubony, 
zobony s. subucula ßöckchen. ßum. zibun. Fremdw. 138. 

937. zalB sepulcrum asl. — zsellye s. tumba Kreszn.; zsellye neben sellye s. 
Bahre Dank. 

938. zart pol., slovak. — zsertelod vb. scherzen. Fremdw. 137. 

939. zebräk mendicus cech.; dzebrati serb. — zsobrak, zsubräk, zsibrak s. homo 
sordidus Knauser. 

940. zehtar nsl. ; zahtarka mulctra croat.-nsl. ; zochtar für hrotek wold in der Bedeu- 
tung Gosse in der Mühle Sembera, Dialect. 72. — zsejtär, zsajtar, zseter, zsotär, sajtär, 
setär s. miüctra, orca, vas ligneum conservando butyro Melkkübel. Ahd. sehtari, kämt. 
Sechter, gottsch. Schechtar. 

941. zeljar nsl. — zseller, zsellyer s. Kleinhäusler, Inwolmer. ßum. zelerjü aus dem 
Magy. Fremdw. 137. 

942. zena mulier asl., nsl., serb. — zsana s. vetula altes Mütterchen; zs6mbes 
asszony Tajszötär; zsindr s. Weibernarr. 

943. zera*: zeravt candens; zerat^ski) carbones asl. — zsarat, zsarätnok, zsarätnag s. 
Loderasche, ßum. zar, zeratek. Ngriech. C^'^-p'^-, C'ip'^-- 

944. zerna plur. n. cech.; 2arnov slovak. — ■ rezsnyicze s. Handmühle Gyarm. 326. 
ßum. resnicB. Auf ein demin. 2ernice zurückzuführen. 

945. zganec nsl.; zganci hung.-croat., serb. — gAnicza, gäncza und sogar gränicza 
s. Breiknödelchen; gränicza wird im Tajszötär durch izsgäncz, mamaliga, puliczka er- 
klärt. Ung.-nsl. ganica und slovak. ganec sind magy. Ursprungs. 

946. zidov nsl. — zsidö s. Jude. ßum. zidov. 

947. zincice, eig. das durch die Mnka (härene Lappen) durchgeseihte cech. — zsinczicza, 
zsendicze s. caseus secundarius Käsewasser, Molke Kreszn. ßum. ^inticB Molke ; zintuelh 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. 



63 



aus dem Käse gepresste fette Molke. Klruss. zentyca (Ungern), 2yntyca (Galizien); 
pol. zyntyca. 

948. zinka härener Lappen, Strick, besonders von Rossliaar cecli. — zsineg s. 
Bindfaden. 

94S). zir Mast nsl. ; zir cecli., slovak.-, zirt pinguedo russ. — zsir s. Fett, Sclimalz; 
zsirka, kisütött szalonna-szelet Täjszötär. Rum. zir pascuum Buclieicliel. 

950. zleb nsl.; zleb, zlab slovak. — zselep-, zsilip s. Kanal; zsilib Gy.arm. 326; 
seleb Kreszn. Rum. zilip. 

951. zmolka, zmolek cecli.; zmolka slovak. — zsurmuka neben morsoka s. IVustum 
massae fai-inaceae; zsurmol vb. digitis massam farinaceam vei'sare ist cecli. zmoliti. 
Yergl. rum. ztmurkij schlechte Suppe. 

952. zolna galbula nsl.; 21na slovak. — zsolna s. picus apiaster Grünspecht. 

953. zoltar luing.-slov. — zsoltär s. Psalm. 

954. zumanac, zumance serb. — zsomancz s. Eidotter Verant. 

955. zupanrb C^'jTrdvoc zupanus, jupanus, ursprünglich das Haupt dei- zupa d. i. des 
Stammes und des von ihm bewohnten Gebietes (zupa familia bei Lucic, "/o\oa regio im 
AsL, provincia im Statut von Poljica) und, bei der ursprünglichen Übereinstimmung der 
staatlichen und kirchlichen Eintlieilung des Landes, in Dalm. parochia, womit rum. popor 
Pfan-kinder und poporan Pfai-rkind verglichen werden kann, später magistratus über- 
haupt. Lexicon palaeoslovenicum 201; sopan in der Urkunde Thassilos 777. — ispän s. 
qui in uno districtu seu comitatu iurigdictionem exercet, comes seu iudex parocliialis dicitur 
Ritus 270. nota; quaestor, curialis comes, vicarius domini Kreszn.; zupa(n), dvornik 
villicus Verant.; praefectus Gespan; ispän, ispäny s. Rentmeister; foispany s. Ober- 
gespan. Rum. zup-Bne Herr (vir) Klemens 28. Sei-b, ispan Aufseher der Arbeiter ist magy. 
Ursprungs. Aus ispan entstand lat. hispanus : capitaneo.s ipsorum (Hunnorum) lingua his- 
panos vocatos extitisse et exinde et Hispaniam nomen accepisse tradunt. Thworocz 1. 
cap. 15. Vergl. mezda. H. Jirecek 1. 33; 2. 99. 

95(i. zuzBk'B''': zizak serb. — zsuzsok, zsizsik, zsizsek, zsüzsük, zsisku, sisku s. cur- 
culio Kornwurm. Wurzel ist zug in der Bedeutung summen, daher ui-.sprünglich ein 
summendes Thier: mit derselben Wurzel hängt vielleicht rum. ziganie insectuni zusam- 
men, obwohl auch zivini, insectum bedeutet. 



abaj 515. 
abajdocz 515. 
abajnacz 515. 
abanajcz 515. 
abärol 516. 
ablak 518. 
ablakos 518. 
äbra 519. 
abrak 521, 



XIV. 

äbniz 519. 
äbräzat 519. 
abrincs 520. 
abi-oncs 520. 
abrosz 522. 
abruta 1. 
acz61 523. 
agär 526. 
akal 528. 



Magyarisches Register. 

akna 527, 
akö 529, ■ 
alamizsna 2. 
älog 926. 
ängolna 4. 
ängor 4. 
apacsin 533. 
apacsö 533, 
apäcza 536, 



apad 534. 
apät 535. 
ärok 251, 
asag 544. 
aszag 538. 
aszat 542. 
äszlö 928. 
asztag 786. 
asztal 788. 



64 



Franz Miklosich. 



asztalnok 789. 
atraczel 258. 
azsag 544. 
b.ab 37. 
bäba 7. 
baböcs 9. 
babona 10. 
babräl 8. 
bai 41. 
bäj 11. 
bajnok'%2. 
balaton 30. 
balga 29. 
balväny 13. 
ban 14. 
biinya 15. 
baraczk 53. 
baräny 16. 
baraszk 53. 
barAt 50. 
banizda 51. 
bares 45. 
bärd 48. 
barkö 57. 
barkdcza 52. 
barlang 63. 
barna 38. 
batya 18. 
bazsarözsa 47. 
bebicz 28. 
bei 23. 
belaka 476. 
belend 32. 
belendess6g 31. 
beles 24. 
belezna 33. 
belyeg 25. 
berbeneze 21. 
berez 62. 
bereg 54. 
berekenye 52. 
berena 64. 
beretva 56. 
berkenye 52. 
b er mal 27. 



b erveng 17. 
berveny 17. 
beszed 22. 
bibicz 28. 
biesak 55. 
bieska 55. 
bicskia 55. 
bik 66. 
bika 68. 
büin 32.. 
bilind 32. 
bilizna 33. 
billog 25. 
billyeg 25. 
bilyog 25. 
bival 69. 
bobujieska 36. 
bocska 20. 
bodacs 3S. 
bodak 39. 
bodmir 40, 
bodon 70. 
bodony 70. 
bodza 72. 
bojdr 43. 
bojfeir 12. 
bolgär 34. 
bolha 35. 
bolond 31. 
bor: bor kölös 71. 
borda 62. 
bordieza 62. 
borna 49. 
boröka 44. 
borona 49. 
borostyän 60. 
boroszlän 59. 
borotva 56. 
borozda 51. 
borsika 44. 
borza 72. 
bosnyak 46. 
bot 19. 
bozza 72. 
bödöny 70. 



bölicze 26. 
börböncze 21. 
börveny 17. 
brazda 51. 
brenza 61. 
brindza 61. 
brondza 61. 
bronza 61. 
buboi'ka 884. 
buja 65. 
bujnyik 65. 
burjan 67. 
burkus 663. 
buk 66. 
csäkäny 91. 
esäklya 82. 
csalad 92. 
csap 94. 
csap 83. 
esapieza 84. 
csapka 84. 
csaszar 77. 
csata 99. 
csatorna 86. 
csava 816. 
eseber 122. 
csecs 74. 
cseli 90. 
cseled 92. 
csemer 93. 
csep 76. 
cseperke 573. 
csepesz 95. 
cser 75. 
csere 117. 
csereny 96. 
cserep 113. 
CS er ep es 113. 
cseresnye 115. 
cserge 97. 
cserpa 116. 
cserpak 116. 
cs6se 85. 
cs^sze 85. 
csetina 100. 



csev 78. 
eseve 78. 
csevicze 817. 
csik 103. 
csin 105. 
csinal 104. 
csip 819. 
csiperke 573. 
csipke 820. 
csipö 819. 
csiv 78. 
csiz 108. 
csizike 108. 
csobän 89. 
csobäncz 89. 
csobdny 89. 
csobolyö 110. 
csoborlö 110. 
csoda 118. 
csoha 111. 
csöka 87. 
csolnak 109. 
csombor 88. 
esombord 88. 
*csomor 93. 
esomorika 93. 
csorba 822. 
csorbaka 821. 
esorda 112. 
csormoly 98. 
csormolya 98. 
csoroszlya 114. 
csö 78. 
csöbör 122. 
csöniör 93. 
esüpörke 573. 
csönnölye 98. 
csötör 102. 
csötörtök 101. 
csuda 118. 
csuha 111. 
csuka 823. 
csuklya 390. 
csuporka 573.' 
esuta 839. 



Die SLA vischen Elemente im Magyarischen. 



65 



csiitora 119. 
csuvik 120. 
czäp 73. 
ezekla 802. 
czima 79. 
czimbora 732. 
czinege 733. 
czinige 733. 
czinke 733. 
L'zir: czir köles 735. 
czirok 735. 
czoboly 764. 
czondor 81. 
czondora 81. 
czondra 81. 
czucza 80. 
däb 894. 
dabronika 147. 
dajka 135. 
dajna 136. 
darab 143. 
daröcz 128. 
dedk 133. 
debella 125. 
deberke 122. 
debre 160. 
debro 160. 
deczka 159. 
ded 131. 
dedanya 131. 
dedapa 131. 
ded ÖS 131. 
dediik 131. 
degenyek 126. 
deget 126. 
dereb 143. 
derecze 127. 
der6k 142. 
deres 129. 
deszka 159. 
dözsa 132. 
dezsma 130. 
didk 133. 
dib 894. 
diiihye 157. 



dirlbdarab 143. 
doh 158. 
dohat 126. 
dohot 126. 
dolog 134. 
donga 124. 
donha 150. 
doromb 144. 
dorong 140. 
dorosba 146. 
doszka 159. 
döbörke 122. 
dögönyeg 126. 
dörgicse 202. 
dräga 137. 
dränicza 138. 
dratva 139. 
dratyva 139. 
drusba 146. 
drusza 145. 
druzsa 145. 
druzsba 146. 
duda 148. 
duga 124. 
duhna 150. 
duna 151. 
dunha 150. 
durboncza 141. 
durung 140. 
düska 152. 
dusnok 153. 
dutka 149. 
eböd 517. 
ecset 818. 
eczet 524. 
ekekabala 302. 
empleny 537. 
epleny 537. 
epreny 537. 
ercze 252. 
eszkäba 743. 
eszteke 796. 
esztena 783. 
eszteräg 795. 
eszterenga 792. 



eszterga 794. 
esztergtlly- 794. 
esztergdr 794. 
esztergya 793. 
eszterha 793. 
eszterja 793. 
eszteväta 781. 
esztrdg 795. 
esztrenga 792. 
eszvata 781, 
faz4r 930. 
fricska 161. 
fuläk 807. 
furelya 806. 
furulya 806. 
fuszujka 564. 
gabona 180. 
gdcs-orszäg 167. 
gacsäly 349. 
gäcser 262. 
gadöcz 163. 
gagy 181. 
gaj 185. 
gajdol 165. 
galaginye 177. 
galagonya 177. 
galamb 182. 
galambicza 182. 
galamb(5cz 182. 
galeta 166. 
galiba 315. 
gdlicz 741. 
gälna 742. 
galuska 168. 
galy 185. 
gamba 173. 
ganaj 178. 
gäncs 169. 
gdncsol 169. 
gäncza 945. 
gan6j 178. 
gänicza 945. 
garabö 361. 
garaboly 361. 
garad 204. 



Denluchriften der phü.-hist. Cl. XXI. Bd. 



gardd 193. 
garddics 191. 
garagygya 192. 
garat 204. 
gardzd 187. 
gardzda 187. 
gardzna 187. 
garazna 199. 
gariiznds 199. 
gdrgya 192. 
garmäda 194. 
gät 170. 
gatya 162. 
gäz 171. 
gazda 189. 
gdzlo 171. 
gdzol 171. 
gejva 176. 
gelegenye 177. 
geleszta 175. 
gelicze 209. 
gelyva 176. 
gemb 173. 
geräbla 190. 
gercsdva 372. 
gercze 252. 
gereb 197. 
gereben 198. 
gereblye 190. 
gerencser 210. 
gerend 200. 
gerenda 200. 
gerendely 201. 
gerezd 205. 
gerezd 203. 
gerezna 384. 
gergelicze 164. 
■gergericze 164. 
gerizd 203. 
gerle 209. 
gerlicze 209. 
gesztenye 345. 
gilicze 209. 
gilincs 294. 
giliszta 175. 

9 



66 



Peanz Miklosich. 



goboncza 174. 
g6licz 183. 
golyva 176. 
gomba 172. 
gomoly 186. 
gomolya 186. 
gonosz 179. 
gornik 188. 
gornyik 188. 
goromba 196. 
göcs 207. 
göndör 276. 
görbe 206. 
görbicze 206. 
görcs 207. 
görgicse 202. 
görög 208. 
göröncser 210. 
göröndöly 201. 
göröndtt 201. 
gräblya 190. 
gradics 191. 
gränicz 195. 
gränicza 945. 
gräzda 187. 
guba 211. 
guba 213. 
güba 212. 
gubacs 213. 
gubäs 212. 
gubics 213. 
gulacs 184. 
günya 214. 
gunyacz 214. 
gusa 216. 
gusba 217. 
güzs 217. 
guzsa 216. 
guzsaly 408. 
guzsba 217. 
gyanta 250. 
gyantär 250. 
habarcz 218. 
habarnicza 218. 
hahota 233. 



hajdina 219. 
häla 231. 
halom 223. 
lialuska 168. 
hardk 226. 
haraszt 232. 
liarcsa 227. 
barcz 220. 
haricska 228. 
harisnya 221. 
biba 235. 
hiriba 229. 
hirip 229. 
Mska 222. 
bomolya 186. 
bomolyka 186. 
honcsok 234. 
borvdt 230. 
hörcsök 234. 
hünya 214. 
buszär 215. 
iga 238. 
igle 236. 
iglicze 237. 
ikra 241. 
ikra 242. 
imola 243. 
imolya 243. 
ingolna 4. 
irha 244. 
ispän 955. 
istap 834. 
isträzsa 791. 
iszalag 807. 
iszap 247. 
iszkäba 743. 
isztina 783. 
iszträzsa 791. 
izbeg 248. 
izlot 933. 
izsgdncz 945. 
järom 254. 
jäsz 255. 
jäsz 256. 
jäszl6 257. 



jäszol 257. 
jdvor 259. 
jegenye 249. 
jercze 252. 
jerke 253. 
juszalag 807. 
kaba 301. 
kabala 302. 
kabdt 260. 
kaböcza 303. 
käcs 354. 
kacsa 261. 
kdcsa 261. 
kdcser 262. 
kaczar 344. 
kaczer 304. 
kaczor 344. 
kdd 264. 
kädär 263. 
kadarka 738. 
kajäl 265. 
kakas 309. 
kaläcs 311. 
kaUka 850. 
kalaniäsz 316. 
kalaniäz 316. 
kalapäcs 287. 
kalapäl 288. 
kal4sz 284. 
kaliba 315. 
kalfncza 266. 
kalit 293. 
kalitka 293. 
kaloda 282. 
kaniara 319. 
kamat 267. 
kamora 319. 
kan 268. 
kancza 323. 
kanöt 300. 
kantus 324. 
känya 269. 
kapa 326. 
kdpa 270. 
kapacs 325. 



kapdl 326. 
kapäs 325. 
kapcs 327. 
kapcza 333. 
käpiszta 271. 
kapocs 327. 
kapor 331. 
käposzta 271. 
kappan 332. 
kapta 334. 
kär 406. 
karabö 361. 
karäcson 362. 
karäcsony 362. 
karaj 364. 
karäm 366. 
k.-irdsz 272. 
kard 337. 
kare 364. 
karej 364. 
karoly 363, 
karuly 363. 
karvoly 363. 
kas 351. 
käsa 274. 
kasornya 348. 
kasza 341. 
kaszaj 357. 
kaszal 357. 
kaszäl 341. 
kdszolod 273. 
katlan 352. 
katrocz 275. 
katröcz 275. 
katulya 830. 
kazal 357. 
kazup 358. 
kecsege 281. 
kelengye 313. 
kelep 286. 
kelepcze 290. 
kelincs 294. 
kemeny 317. 
kender 276. 
kenez 298. 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. 



67 



kereb 335. 
kerecsen 370. 
kerecset 370. 
kereng 3()8. 
kerep 335. 
kereszt 383. 
keresztel 382. 
keresztyen 381. 
kcrevet 371. 
keszöcze 409. 
keszölcze 409. 
ketrecz 275. 
kicseg 412. 
kilili 292. 
kilincs 294. 
kinez 298. 
kiraly 365. 
kiralyka 365. 
kiszil 408. 
kita 410. 
klecska 285. 
klincs 294. 
knez 298. 
kobak 385. 
kocsiin 305. 
kocsäny 305. 
kocsi 307. 
kocsony 305. 
kousonya 306. 
koczka 346. 
koczon 305. 
koczor 344. 
koiiiics 280. 
kolmya 388. 
kolbasz 297. 
koleda 313. 
koledal 313. 
kollAncs 291. 
kullär 312. 
kolompär 283. 
koloncz 314. 
kolosma 373. 
kölya 310. 
kolyiba 315. 
koma 394. 



komlö 224. 
komoly 318. 
komorna 320. 
komornok 321. 
kompona 278. 
koncz 279. 
kontier 322. 
kondor 276. 
kongyer 322. 
konkoly 277. 
konyha 388. 
kopäcs 325. 
kopacz 745. 
kopicz 328. 
köpicz 397. 
kopja 329. 
kopoltyö 289. 
kopoltyü 289. 
kopotnyak 330. 
kopoto 289. 
korcsma 379. 
korcsolya 369. 
korcsoma 379. 
korecz 340. 
koritto 339. 
kormdny 380. 
koroglya 374. 
korong 368. 
koronka 338. 
koront 336. 
korosma 373. 
korpa 376. 
korsö 378. 
kosär 347. 
kosolya 350. 
kosornya 348. 
kosz 342. 
koszmacska 343. 
koszmo 342. 
koszor 344. 
kotecz 353. 
kötyavetye 308. 
kotyocz 353. 
koväcs 354. 
kovdkol 405. 



kovÄsz 407. 
kozdk 355. 
kozär 356. 
kozsök 359. 
köböl 411. 
köcsöge 281. 
kölöncz 294. 
kümeny 393. 
köndör 276. 
köntös 324. 
könyv 299. 
köpeny 270. 
köpenyeg 270. 
köpöcze 397. 
köpüny 270. 
köpücze 397. 
köszinete 343. 
krabsdl 831. 
kränicz 367. 
kucsma 386. 
kuczik 402. 
kuczkö 402. 
kujcsorja 369. 
kukacz 389. 
kuklya 390. 
kukorieza 391. 
kukuricza 391. 
kulcs 296. 
kulcsär 295. 
kulimäz 316. 
kulyak 392. 
kup 398. 
kupa 395. 
kupacz 398. 
kupak 395. 
kupecz 396. 
kupecz 748. 
kurczina 832. 
kuruglya 375. 
kuruzslö 377. 
kiirva 399. 
kusza 400. 
kuszäl 279. 
kuszkö 402. 
kusztora 401. 



kutat 403. 
kütya 387. 
kuvik 120. 
kücsög 402. 
läb-ikra 242. 
laboda 433. 
ladik 413. 
lakat 435. 
lakmär 414. 
lakoma 414. 
laksa 436. 
Mncsa 419. 
Idncz 415. 
ländzsa 419. 
lanka 418. 
lapät 439. 
lapiczka 439. 
lapoczka 439. 
lapu 440. 
lasnak 443. 
laszos 441. 
Hz 417. 
laza 442. 
lazacz 441. 
lazsnak 443. 
lednek 420. 
I6h6 432. 
lejö 432. 
lejü 432. 
lemes 422. 
lemez 422. 
len 447. 
lencse 429. 
lendek 420. 
lengyel 428. 
lep 425. 
lepeny 423. 
lepeny 431. 
lesza 426. 
16szka 426. 
I6v 427. 
lezsäk 424. 
libecz 28. 
libocz 28. 
libucz 28. 



68 



Franz Miklosich. 



Hu 432. 
löcza 416. 
lom 437. 
lomha 421. 
lomoz 438. 
loszos 441. 
löcs 430. 
lüczfa 444. 
lug 445. 
lüg 446. 
luhma 421. 
lukma 434. 
macsdr 480. 
macska 448. 
macsolya 449. 
macsonya 449. 
mäcsonya 449. 
mddra 513. 
mdk 450. 
malaszt 475. 
maldta 477. 
mälha 451. 
mälna 452. 
malom 478. 
mancs 473. 
marlia 491. 
niärna 490. 
martalöcz 454. 
martal6z 454. 
mätka 456. 
mätoha 457. 
matöla 486. 
matring 487. 
mdz 458. 
mazna 460. 
mazol 459. 
medencze 468. 
medve 462. 
megye 467. 
meh 469. 
melencze 468. 
menta 474. 
menyhal 463. 
mer 471. 
mercze 470. 



mereglye 190. 
meregy 917. 
merigy 917. 
merkücze 492. 
niertek 471. 
mesgye 467. 
mester 465. 
meszär 464. 
meszäros 464. 
metely 466. 
mezga 472. 
miloszt 475. 
miregy 917. 
mirigy 917. 
mocsär 480. 
mocsok 481. 
mocsola 482. 
mocsolya 482. 
moh 500. 
moliar 497. 
moläka 476. 
moln 478. 
molna 478. 
molndr 479. 
moly 483. 
mön 478. 
möna 478. 
mongolicza 453. 
morkoläb 636. 
mormol 493. 
morotva 494. 
morsöka 951. 
morva 484. 
morva 495. 
morvän 496. 
morväny 496. 
mostoha 455. 
moszka 485. 
motöla 486. 
motring 487. 
mozdit 225. 
mozga 488. 
mozsdr 489. 
muha 500. 
muhar 497. 



mukarcz 498. 
muLarcza 498. 
müka 461. 
niunka 461. 
murgya 495. 
murha 495. 
murnya 495. 
murok 492. 
murugy 495. 
murugya 495. 
murva 495. 
muska 499. 
muslicza 499. 
muslincza 499. 
niuszlicza 499. 
muszlincza 499. 
nddol 502. 
n4dor-ispän 154. 
nädra 513. 
nadräg 503. 
nadragulya 505. 
naspolya 509. 
näszäd 504. 
nätha 501. 
natragulya 505. 
nema 511. 
nemet 512. 
nene 507. 
nevolya 510. 
nödit 506. 
noszolya 514. 
nyavalya 510. 
nyoszolya 514. 
nyoszolyö 514. 
odor 525. 
oläh 907. 
olaj 530. 
ol4sz 907. 
olom 531. 
oltär 532. 
onoka 923. 
ontok 6. 
ontora 5. 
ontra 5. 
orbonäs 3. 



ordoslcs 543. 
orosz 711. 
oszlop 784. 
oszmäk 539. 
osztovät 781. 
osztoväta 781. 
osztriga 540. 
otromba 862. 
ozsonna 887. 
Ösztöke 796. 
ösztön 541. 
ösztöny 541. 
päd 614. 
padMs 614. 
padl6 614. 
padmaly 613. 
pagony 617. 
paizs 565. 
pajüt 547. 
pajta 618. 
paköcza 638. 
pdkosz 548. 
päkosztos 548. 
pakröcz 619. 
palaczk 607. 
palaczka 608. 
palast 600. 
palaszk 607. 
pdlcza 551. 
pälinka 550. 
palka 552. 
pall 549. 
pallag 657. 
palöcz 601. 
palota 620. 
pamacs 629. 
pamacsol 629. 
pamat 628. 
panasz 631. 
panaszol 631. 
pandal 613. 
pandallö 613. 
pank 545. 
päntlika 554. 
pap 634. 



Die slavischen Elemente im Magyarischen. 



69 



paplan 633. 
papräd 555. 
papräg 555. 
paprägy 555. 
paprika 556. 
pära 557. 
parag 657. 
parancs 635. 
parancsol 635. 
paraszt 662. 
pardzna 651. 
paräzs 652. 
parÄzsol 652. 
parezsa 652. 
pargol 652. 
paripa 558. 
paristsa 649. 
parittya 649. 
pärkäny 559. 
parlag 657. 
pä,rna 578. 
parrag 657. 
parta 560. 
paslicza 562. 
ptist 570. 
paszkoncza 638. 
p;lszma 561. 
pasztor 563. 
paszuly 564. 
patak 642. 
pating 640. 
patkäny 610. 
patkö 611. 
patkoncza 638. 
patok 641. 
patvar 644. 
pava 5(57. 
päzsint 570. 
päzsit 570. 
pccsenye 572. 
pccserke 573. 
pecset 571, 
pecz6r 677. 
pehely 546. 
pejh 546. 



pejszo 602. 
pele 609. 
peleh 609. 
pelenka 576. 
pelye 609. 
pelyh 546 
pelyva 606. 
pemecs 629. 
pemet 628. 
pemete 628. 
penczuräk 573. 
penesz 604. 
pentek 586. 
penz 583. 
perem 658. 
pereszlen 655. 
pergel 652. 
perje 675. 
pernye 674. 
perzsel 652. 
pest 580. 
peszercz 579. 
peszercze 579. 
peszercze 579. 
pesztercze 579. 
pesztericz 579. 
pesztonka 584. 
petdk 581. 
petrencze 582. 
pics 587. 
picsa 587. 
pidja 588. 
pih t;72. 
pik6 598. 
pilis 605. 
pincz 585. 
pincze 599. 
pint 590. 
pinty 585. 
pintyuke 585. 
pi6cza 589. 
pi6ka 589. 
pipa 591. 
pipacs 592. 
pipe 593. 



pipis 594. 
pipiska 594. 
pir 673. 
pirit 673. 
pisa 595. 
pise 596. 
piselle 596. 
pislen 596. 
pisztrdng 678. 
pit 587. 
pite 597. 
pitvar 660. 
pizsitnik 569. 
pletyka 603. 
p6cz 622. 
poczkom 638. 
poczok 638. 
podluska 612. 
pogäcsa 615. 
pogänyka 616. 
pohdnka 616. 
pohär 574. 
poliärnok 575. 
pojän 624. 
pojdna 624. 
p6k 545. 
pokol 676. 
pokröcz 619. 
pöla 646. 
polcz 622. 
poleka 621. 
poloczka 608. 
poloska 608. 
polovnydk 626. 
polozsna 625. 
polozsnak 625. 
poltra 627. 
poltura 627. 
pölya 646. 
polyiszka 623. 
polyva 606. 
pompös 553. 
pondrö 632. 
ponyva 630. 
p6rä,z 647. 



porkoläb 636. 
poröcza 661. 
porond 637. 
porond 653. 
porong 653. 
porong 654. 
porongy 637. 
poronty 637. 
porosnyak 625. 
porosz 663. 
poroszka 664. 
poroszkdl 664. 
poroszlö 664. 
porozsnyak 625. 
poszka 638. 
posztö 639. 
potroh 643. 
p6tura 627. 
povedäl 645. 
pozdorja 568. 
p6zna 566. 
pözona 566. 
pöcset 571. 
pole 609. 
pölyeli 609. 
pölyh 546. 
pülyü 609. 
pünye 577. 
pörje 675. 
pörzsel 652. 
pöszmete 343. 
prauda 650. 
präzna 651. 
prem 658. 
prezsa 652. 
pribeg 656. 
pribek 656. 
pristaldiis 659. 
proha 661. 
prösza 661. 
prusz 663. 
prücsök 121. 
ptrücsük 121. 
puha 672. 
puja ember 588. 



70 



Franz Miklosich 



pukal 676. 
pukkad 665. 
pukkan 665. 
puliczka 623. 
puliszka 623. 
pulyicska 623. 
pulyka 666. 
puska 668. 
puszta 667. 
pusztit 667. 
putnok 669. 
puzdarek 648. 
puzdra 670. 
puzdrek 648. 
püzsa 671. 
rab 700. 
rabot 699. 
rabota 699. 
rdcs 679. 
rAcsa 679. 
rÄcz 685. 
radina 701. 
rag 703. 

ragya 716. 

ragyiva 680. 

raj 704. 

rdk 682. 

rakitla 681. 

rakoncza 710. 

rakotla 681. 

rakottya 681. 

rärö 683. 

rÄsa 686. 

rasgya 707. 

rdszd 684. 

räszt 508. 

recze 694. 

rekettye 681. 

rend 697. 

repa 696. 

repcze 696. 

res 698, 

resta 690. 

retek 692. 

retesz 691. 



retka 695. 
rezsnyicze 944. 
riba 714. 
riska 715. 
ritka 695. 
rocska 689. 
rodina 701. 
rogosz 702. 
rokincza 710. 
rokoncza 710. 
ronibol 688. 
röna 687. 
ros 717. 
rosta 690. 
ro8t6ly 715. 
rozs 718. 

rözsa 706. 

rozsanya 718. 

rozsda 71fi. 

rozsnok 693. 

rösgye 707. 

rucza 694. 

rüd 708. 

ruha 709. 

rusznyäk 712. 

ruta 713. 

sajtär 940. 

salank 833. 

sälya 753. 

sapka 84. 

saräglya 813. 

saragya 813. 

särcsa 723. 

säs 814. 

sätor 815. 

seleb 950. 

sellye 937. 

selp 824. 

selyp 824. 
seregely 749. 
sereglye 813. 
serha 825. 
seta 827. 
set4l 827. 
s6tär 940. 



sipak 84. 
sipka 84. 
sisak 828. 
sisku 956. 
söreg 728. 
söröge 728. 
sniglya 813. 
sträzsa 791. 
suba 836. 
subicza 836. 
suska 829. 
suskds 837. 
susnya 838. 
sustdk 826. 
suta 839. 
szabad 808. 
szablya 719. 
szacska 727. 
szajkö 765. 
szak 767. 
szäk 720. 
szakdcs 766. 
szaköcza 729. 
szalad 750. 
szalados 750. 

szalanka 754. 

szalanna 752. 

szalänna 752. 

szalka 739. 

szalma 751. 

szalonka 754. 

szalonna 752. 

szalya 753. 

szamär 768. 

szamocza 721. 

szdn 722. 

szdnka 722. 

szany 722. 

szaparnicza 769. 

szapora 774. 

szaporicza 774. 

szapornicza 774. 

szappan 772. 

szar 773. 

szärcsa 723. 



szarka 777. 
szäsz 724. 
szatying 812. 
szecska 727. 
szekercze 729. 
szekernye 746. 
szeklicze 804. 
szekreny 747. 
szelemen 756. 
szelencze 767. 
szel(indek 755. 
szelindek 755. 
szemet 810. 
szemet 810. 
szeniücze 721. 

szemörcsök 762. 

szena 730. 

szent 805. 

szerda 778. 

szerecsen 776. 

szereda 778. 

szeremsög 779. 

szerencse 811. 

szikla 740. 

szikra 245. 

szilva 757. 

szimbora 732. 

szimöcza 721. 

szimolcza 721. 

szin 731. 

szip 734. 

szipka 734. 

szipöka 734. 

szita 737. 

szittyo 736. 

szivalicza 758. 

szkvoregely 749. 

szoba 246. 

szobol 764. 

szoboly 764. 

szobor 785. 

szolondny 797. 

szoknya 798. 

szolänka 754. 

szolga 760. 



Die slavischen Elkmente im Magyarischen. 



71 



szölka 765. 
sz6ma 751. 
szomak 761. 
szombat 725. 
szompor 800. 
szoniszed 726. 
szopelnyicza 769. 
szopoka 770. 
szopolyka 771. 
szopornicza 769. 
szopornyicza 769. 
szovä,ta 781. 
szöcske 744. 
szökcser 744. 
szükcsü 744. 
szömörcsök 762. 
szöniörcze 763. 
szömörke 763. 
szüvetnek 803. 
sztrazsa 791. 
szucza 799. 
szukmäny 797. 
sziildk 807. 
szulok 807. 
szurutyka 809. 
szuszek 801. 
täbor 840. 
tabornok 840. 
tdjag 841. 
takÄcs 880. 
taliga 847. 
ttllnok 789. 
talyiga 847. 
tiilyog 841. 
tälyok 841. 
taiiya 780. 
tanya 852. 
tanyer 842. 
tiir 857. 
taraczk 866. 
taraczk 872. 
taraglya 859. 
taräta 861. 
tärcsa 843. 
targancza 860. 



targoncza 860. 
tarh 875. 
tarha 875. 
tarli6 875. 
tarhonya 868. 
taritarka 790. 
tarka 790. 
tdrnok 858. 
taröh 875. 
tärs 856. 
tdska 844. 
tatärka 845. 
teher 867. 
tengelicz 782. 
tenglicz 782. 
tereh 867. 
terem 865. 
terh 867. 
tertinyäk 835. 
teszta 848. 
tiker 877. 
til6 869. 
tilos 870. 
timnucze 882. 
tinnye 879. 
tisza 849. 
tiszt 123. 
tiszta 107. 
tisztes 106. 
tokldsz 787. 
tokma 881. 
tokmäl 881. ■ 
toliga 847. 
tolmtics 851. 
tompa 846. 
topliczäs 853. 
topoly 8.54. 
topor 855. 
torboncza 860. 
turnäcz 871. 
toromba 862. 
torongy 863. 
torony 873. 
tök 878. 
tüklincze 782. 



tömlöcz 882. 
trücsök 121. 
tukma 881. 
tür 876. 
turbolya 864. 
turboncza 860. 
turbulya 864. 
tur6 875. 
tüzok 874. 
tükör 877. 
tyükör 877. 
uborka 884. 
ücza 885. 
udor 525. 
udvar 154. 
udvarnok 155. 
ugar 883. 
ugorka 884. 
ugräl 239. 
ugröcz 240. 
umorka 884. 
unoka 923. 
ür 886. 
uzbeg 248. 
uzsonna 887. 
vacsora 895. 
vacsora 897. 
v4d 888. 
vadka 909. 
vajda 910. 
vajvoda 910. 
vcälyog 889. 
vdlyog 890. 
vänkos 891. 
v4pa 892. 
varadics 915. 
varäzs 916. 
varäzslö 916. 
varäzsol 916. 
värda 893. 
vdrmegye 467. 
varsa 918. 
vasmacska 448. 
vaszka 912. 
vatka 909. 



vecsernye 896. 
veder 898. 
vella 901. 
venicz 902. 
venyege 902. 
venyeke 902. 
venyige 902. 
venyike 902. 
vereb 914. 
verocze 156. 
veternye 896. 
viasz 913. 
viaszk 913. 
vidra 919. 
vihar 900. 
viheder 900. 
viher 900. 
vihetör 900. 
vihnye 920. 
Villa 901. 
vinkö 903. 
vinnye 920. 
virelya 806. 
visla 922. 
visnye 904. 
vitez 905. 
vitla 906. 
vitorla 899. 
viza 921. 
vizsla 922. 
voder 908. 
vodka 909. 
vojnikio 911. 
vüdör 898. 
vrazslö 916. 
zab 934. 
zabla 935. 
zabl6 935. 
zabola 935. 
zddor 924. 
zalia 932. 
zäkla 925. 
zdklds 925. 
zalüg 926. 
zdlag 926. 



72 



Franz Miklosich. 



zanöt 927. 
zdr 930. 
zäszlö 928. 
zdtony 929. 
zävär 930. 
zilfz 759. 
zobony 936. 
zösnik 360. 
zsajtär 940. 
zsdlya 753. 
zsana 942. 
zsardt 943. 



zsarätnag 943. 
zsarätnok 943. 
zsebre 931. 
zsejtär 940. 
zselep 950. 
zsell6r 941. 
zsellye 937. 
zsellye 937. 
zsendicze 947. 
zsertelöd 938. 
zs6ter 940. 
zsibräk 939. 



zsidö 946. 
zsikora 832. 
zsilib 950. 
zsilip 950. 
zsinär 942. 
zsinczicza 947. 
zsineg 948. 
zsir 949. 
zsirka 949. 
zsizsek 956. 
zsizsik 956. 
zsisku 956. 



zsobräk 939. 
zsolna 952. 
zsoltär 953. 
zsomancz 954. 
zsotär 940. 
zsubräk 939. 
zsurmöka 951. 
zsurmol 951. 
zsuzsok 956. 
zsüzsük 956. 
zubbon 936. 
zubony 936. 



XV. Quellen. 

Ahlquist, A., Versucb einer Mokscha-Mordwimschen Grammatik nebst Texten und 
Wörterverzeichniss. St. Petersburg 1861. 

Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde. Hermannstadt 1848. III. 
Alphabetarische Zusammenstellung der sächsischen, ungarischen, walachischen und deut- 
schen Trivialnamen in Siebenbürgen wild wachsender oder allgemein cultivirter Pflanzen. 
177—208. 

Bartal de BeleMza, Gr., Commentariorum ad historiam status iurisque publici Hun- 
gariae medii aevi libri XV. Posonii 1847. 

Budenz, J., Über Miklosich, Lexicon palaeoslovenico-latinum: Nyelvtudomänyi 
közlemenyek 1862. I. 306. Über Miklosich, Die slavischen Elemente im ßumunischen. 
1864. II. 468. Über Miklosich, Die Fremdwörter in den slavischen Sprachen. 1868. VI. 
299. A magyar es finn-ugor nyelvekbeli szöegyezesek VI. 374 — 478. 

Castren, M. A., Ethnologische Vorlesungen über die altaischen Völker. St. Peters- 
burg. Reisen IV. 1857. 

Dankovsky, Greg., Magyaricae linguae lexicon critico-etymologicum. Posonii 1833. 
Endlicher, St. L., Herum hungaricarum monumenta Arpadiana. Sangalli 1849. 

Engel, J. Chr. von, Geschichte des ungrischen Reichs und seiner Nebenländer. 
Halle 1797. 

Flora croatica von J. C. Schlosser und L. Farkas Vukotinoviö. Zagrabiae 1869. 

Fremdwörter. Fr. Miklosich, Die Fremdwörter in den slavischen Sprachen. Denk- 
schriften der histor.-philos. Classe. XV. 



Die sl avischen Elemente im Magyarischen. 73 

Gyarmathi, Sam., affinitas llnguae hungaricae cum Unguis fennicae originis gram- 
matice demonstrata. Gottingae 1799. 

Jirecek, H., Das Recht in Böhmen und Mähren. Prag 1866. 

Kanitz, A., Versuch einer Geschichte der ungarischen Botanik. Halle 1865. Enthält 
3 — 12 die wenigen aus älterer Zeit erhaltenen magyarischen Pflanzennamen. 

Kelemen, E., Institutiones iuris hungarici privati. Editiu secunda. Budae 1818. 

Kolbani, P., Ungarische Giftpflanzen. Pressburg 1791. 

Kollar, A. F., Historiae iurisque publici regni Hungariae amoenitates. Vindo- 
bonae 1783. 

Kresznerics, Fer., Magyar Szötär. Budän ISol. 1832. 

Lesthka, St., Elenchus vocabulorum europaeorum cumprimis shxvicorum magyarici 
usus. Budae 1825. 

Lesicon i-umänescu-lätinescu-ungurescu-nemtescu. Budae 1825. 

Märton, J. v., Ungrisch-deutsches und deutsch-ungrisches Lexicon. Wien 1810. 1811. 

Matzenauer, A., Cizi slova ve slovanskych fecech. V Brne 1870. 

Molnär, A., Dictionarium latino-ungaricum. Noribergae 1604. 

Pariz Päpai, Fr., Dictionarium latino-hungaricum. Tyrnaviae 1762. 

Regi Magyar Nyelv-P^mlekek. Budän 1838. 1842. 

Renvall, G., Lexicon linguae finnicae. Aboae 1826. 

R6vay, I. N., xVntiquitates literaturae hungaricae. Vol. I. Pestini 1803. 

Ritus explorandae veritatis seu iudicium ferri candentis, quo in dirimendis conti'o- 
versiis gens hungara olim utebatur. Editio post Claudiopolitanam a. MDL secunda uber- 
rimis notis illustrata: Adparatus ad historiam Hungariae sive collectio miscella monu- 
mentorum ineditorum partim, partim editorum, sed fugientium. Conquisivit, in decades 
partitus est et praefationibus atque notis illustravit M.- Bei. Posonii 1735. L 187 — 278. 
Das Denkmal stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert. 

Sbornik slovenskych narodnich piesni, povesti etc. I. Vo Viedni 1870. 

Sembera, A. V., Zäkladove dialektologie ßeskoslovenske. Ve Vidni 1864. 

Täjszötär, Magyar, kiudta a" magyar tud6s tärsasag. Budän 1838. 

Thomsen, W., Über den Einfluss der germanischen Sprachen auf die finniscli- 
hippischeu. Halle 1870. 



ünger, Fr., Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der ( Julturgeschiclite. 1. 11. Wien. 
. Aus den Sitzungsberichten der mathem.-naturw. Classe. Band XXlIl. XX1\ . 

Denkschriften der phil.-hist. Cl. XXI Bd. 10 



74 



Fkänz Miklosich. Dik slavischen Elemente im Magyarischen. 



Verantius (Vrancic), Faustus, Dictionarium quinque nobilissimarum Europae lingua- 
rum, latinae, italicae, germanicae, dalmatiae et ungaricae. Venetiis. Apud Nicolaum 
Morettum. 1595. Mit dem cecliisclien und polnischen vermehrt unter dem Titel: Dictiona- 
rium Septem linguarum IßOß von P. Loderecker in Prag herausgegeben. Dictionarium 
pentaglottum. ßecudi curavit Josephus Thewrewk de Ponor. Posonii 1834. 

Wiedemann, F. J., Esthnisch-deutsches Wörterbuch. St. Petersburg 1869. 

Zahourek, L, Über die Fremdwörter im Magyarischen. Prag 1856. Vergl. Magyar 
nyelv^szet. Szerkeszti Hunfalvi Pdl. Pesten. 1857. II. 418 — 434. ßecension von Fabian 
Istvän. 



DIE 



SLAVISCHEN ORTSNAMEN AUS APPELLATIVE N. l 



VON 



FRANZ MIKLOSICH, 

WIKKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



VORGELEGT IN DER SITZUNG AU 10. JÄNNER 1872. 



Einleitung. 

Die Ortsnamen beruhen entweder auf Eigennamen, die Personen bezeichnen, oder 
auf Appellativen, Die aus Personennamen entspringenden Ortsnamen sind Gegenstand 
meiner im XIV. Bande 1 — 74 dieser Denkschriften veröffentlichten Abhandlung; die 
aus Appellativen hervorgehenden sollen in der vorliegenden Schrift in der Art erörtert 
werden, dass im ersten Theile einige die slavischen Ortsnamen aus Appellativen betref- 
fende allgemeine Sätze dargelegt, im zweiten hingegen die vorzüglichsten den Ortsnamen 
zu Grunde liegenden Themen mit einer genügenden Anzahl von daraus abgeleiteten 
Namen aufgefülirt werden. Der zweite Theil soll nicht nur die allgemeinen Sätze des 
ersten Theiles begründen, sondern auch den Älitforschern ein umfangreiches und gesichtetes 
Material zur genaueren Prüfung dieses in mehr als einer Hinsicht wichtigen Theiles des 
Sprachschatzes bieten. 

Was mich zunächst bestimmt hat die Ortsnamen zum Gegenstande einer Unter- 
suchung zu machen, war der Gewinn, den ich davon für Grammatik und Lexikon erwarteti'. 
Ich bekenne indessen, dass dabei die Beobachtung mitbestimmend war, dass nicht leicht 
anderswo die willkürlichsten Deutungen so an der Tagesordnung sind wie auf dem 
Gebiete der Ortsnamen ; während manche, deren vermeintlicher Patriotisnuis ihr kritisches 
Urtheil weit hinter sich lässt, mit Hilfe von slavisch gedeuteten. Ortsnamen die ehema- 
lis-en Wohnsitze slavischer Völker weit über die Gränzen des Gebietes ausdehnen, das 
sie nach dem Zeugnisse der Geschichte inne hatten, legen andere den erweislich slavi- 
schen Ortsnamen Bedeutimgen unter, gegen die sich jede besonnene Forschung sträubt. 
Ich will hier einige Erklärungen von Ortsnamen aus älterer und neuerer Zeit anfiUircn, 
die die Zeitgemässheit einer derartigen Untersuchung darthun sollen, indem daraus ersiclit- 
licli wird, dass man bei gutem Willen ohne viel Scharfsinn nach der bisherigen Methode 
alles, selbst Meka und Medina slavisch erklären kann, wie schon Safarik bemerkt : , Jazyk 
slovansky tak jest bohaty a tak ohebny, zasadis-li se o to üporne a zäpalcivö, z ktereho- 
koli jmena na svCtg, tfebas zidovsk^ho anebo mexikanskeho, pferusovilnim üstrojnych jel)0 
zivlüv, natahoviinim a prekrucovanim , slovem mucenim, pfedce naposledy v2dy ncjake 
slovanske zvuky vynutls ; ale ostoji-li to s pravdou, tof je ovsem jinä otäzka.' Spisy 2. 417. 



10* 



76 



Feanz Miklosich 



Es gibt in nicht slavischen Ländern Orte, die bei slavischen Völkern mit offenbar 
slavischen Namen bezeichnet werden, woraus .man folgert, dass der Ort ehedem von 
Slaven müsse bewohnt gewesen sein. Die Folgerung wäre richtig, wenn der fragliche 
Name ursprünglich wäre; sie wird als unriclitig zurückzuweisen sein, sobald es sich 
"zeigt, dass de* Name auf slavischem Boden durch Umdeutung eines fremden entstanden 
ist. Venedig hiess bei den Serben ehedem benetbci; bi>netbkb, bbnetBci; heutzutage mleci, 
gen. mletaka; bei den Slovenen bei^etld-, bei, den Cechen benätky, ein Name, der in 
Böhmen, Mähren und unter den Slovaken oft vorkommt und den Jungmann für ein 
Appellativum hält und durch ^alekä, sjtojici vystoupM voda na zpüsob jezer', Lagunen, 
stagna erldärt, worin ihm S'embera, Zäpadni Slovane 196, beistimmt, indem er versichert, 
benätky sei ein ,jmeaio _appellativni eiste ceske' und bedeute ,nizinu u vody ci misto mo- 
cälovite i take vodu vystouplou'.- Diese Bedeutung glaubt man durch die Lage aller 
benätky -genannten" Orte b'eweisen zu können, ein Beweis, den ich nicht als erbracht 
anzusehen vermag. Darauf gestützt behauptet man, die alten Veneti seien ebenso Slaven 
gewesen wie die Gründer von Verona, das offenbar aus beroun entstanden ^ei. Andere 
jedoch meinen, benätky sei ein slavischer Ortsname, der mit Lagunen und Sümpfen 
nichts zu thun hat, sondern von dem mit dem Stamme ben zusammenhängenden Per- 
sonennamen benata (ben§ta) abzuleiten ist, und benetbki oder einen ähnlichen Namen 
hätten die Cechen durch Veränderung in das ihnen geläufige benätky sich mundgerecht 
gemacht, so wie der Deutsche Milano zu Meilan und dann zu Mailand umgedeutet hat. 
Vergl. meine Abhandlung: Die Bildung der slavischen Personennamen 14. Ähnlich ver- 
hält es sich mit dem Namen des Flusses Oder, Odra (amnis ditissimus sclavanicae regionis), 
indem es wahrscheinlich ist, dass sich die Slaven den dem oüiaSpoc zu Grunde liegenden 
Namen durch Veränderung in das slavische Odra mundgerecht gemacht haben, ein Name, 
welcher auch sonst als Flussname vorkommt: mrtva odra in Kroatien, Agramer Comitat. 
Sembera schliesst 127 aus odra auf den slavischen Ursj)rung von oüta^poc und meint 
XIV. mit seiner Schi'ift der bisherigen Verwirrung und Ungewissheit in der Urgeschichte 
der slavischen und illyrischen Länder glücklich ein Ende gemacht zu haben. Es sei 
mir gestattet, noch einige fremde, häufig für slavisch gehaltene Ortsnamen anzuführen: 
draSb, als Appellativum vepres, ist Dyrrhachium; duvno, das man von duhovno ableitend 
durch ,audaces, magnanimos procreans', und, indem man es mit dunuti zusammenstellt, 
durch ,ubi impetuose dominantur venti' erklärt, ist Delminium, daher der alte Name 
dlbmbno ; logatec, das mian von lag-B abzuleiten versucht wäre, ist Longaticum ; seri> ist 
Serrae ; sredbct Sardica; strumica STpuixcov; vid Utus u. s. w., lauter fremde Namen, 
denen die Slaven, einem -allen Völkern ebenso gemeinsamen als natürlichen Zuge folgend, 
ein mehr oder weniger slavisches Gepräge aufgedrückt haben, diirch das sich der Forscher 
nicht täuschen lassen darf. Man denke an drenopolje neben endrenopolje und odrinb für 
Adrianopolis, kalipolje, nikopolje, ti'ipolje u. s. w. Bevor man daher Ortsnamen slavisch 
deutet, muss, unabhängig von slavisch deutbaren Ortsnamen, festgestellt sein, dass das 
betreffende Land von Slaven bewohnt war. Die Geschichte muss vor Allem ihr Urtheil 
abgegeben haben, da ja in den meisten Ländern, um die es sich handelt, Völker arischen 
Stammes gewohnt haben, Völker, deren Sprachen mit der slavischen sich aus denselben 
Wurzeln aufbauen. 

Den Namen der in Galizien zwischen dem Prut und dem Dniestr gelegenen Land- 
schaft pol. pokucie, aus dem klruss. pokute," leitet Stupnicki 2. von pokutowac', büssen, 



Die slavischen Ort.snamen aus Appellativek. i. 77 

ab, indem er behauptet, dass die Römer Verbamite in die heutige Moldau, Walachei 
und in die Gegend von KoJomyja geschickt hätten: ,ci wi(^c pokutowali w tym kraju.' 
Die wahre Ableitung ist die von dem in' Ortsnamen liäufig vorkommenden katt, klruss. 
kut, Winkel. ' ■ . , 

Das allerdings dunkle cecli. krumlov, .deutsch Krummau, wird von Stransk}'- in der 
Respublica Bohemorum, Cas. 1834. 403, von "mleti ker abgeleitet: ktere se pr}' v tamojsi 
zätoCine vltavske v gas dfenice z husta cpou. Derselbe meint, Litomerice, deutsch Leit- 
meriz, das auf "den Personennamen Ijutomerib zurückzuführen ist und den nach den Nach- 
kommen des Ijutomer'B benannten Ort bezeichnet,. habt> seinen Nansen od vykriknuti mly- 
narova, jak mu mefice lito, jenz byla do Labe- pädia, ibid. ' 

Klruss. zvynyhorod in Galizien soll ehedem d}^vhorod, divhorod geheissen haben, 
als Aufenthaltsort heidnischer Jungfrauen, die wie die Vestalinnen Roms das ewige 
Feuer unterhielten: dyvhorod, divhorod po prycyni budto b)' mistnösf ta byla.2yJyscem 
jazyijeskych div v rodi vestafok, uderXujuScych vii^nyj ohon. Nauk. Bbor. 187(/. 3!): 
der Name ist dunkel; der erste Theil desselben hängt wol mit zvbu (zvBneti) sonare 
zusammen, wie swini in swinislawa, das Kosegarten 1040, man möchte fast glkuben, 
scherzend durch Schweineruhm erklärt. 

Nsl. morav^e, das mit morava Rasen zusammenhängt, soll von einer Göttiri des 
Todes seinen Namen erhalten haben : SlovCnci so videli globoko, krog in krog s Crnim 
lesovjem obraslo dolino, zdelo se Jim je kot prebivalisSe boginje smrti, in zato so jej 
rekli Moravska, in vasi, ko so jo ondi postavili, Moravße. Trdina, Zgodovina 28. 

Velesovo , dessen wahre Form nicht ganz sicher gestellt ist, daher auch nicht mit 
Sicherheit gedeutet werden kann, soll nach dem Hirtengotte Yolos-B, Yeles'B benamit 
worden sein: Slovenci so prisli do majhenih goric, na kterih je zlasti ovcja pasa obilno 
rasla, in tako so kraj in tudi vas, ki so jo zidali, po bogu Velesovo imenovali. ibid. 

Kopitar, Glagolita Clozianus LXX, schliesst aus dem Vorkommen des Ortsnamens 
Moravee in Krain, na moravßem, deutsch der Moräutscher Boden, dass die Bewohner 
dieser Gegend Mährer gewesen seien; plane amplum territorium Moravorum, was ganz 
unriclitig ist; mit demselben Rechte müsste man die zahllosen pol Jana als polnische 
Colonien ansehen. Dass die 850 erbaute Stadt Pribina's Moseburch Morava genannt 
worden sei, ist nicht wahrscheinlich gemacht worden. 

Den Namen der Stadt Friesach in Kärnten brachte man ehedem mit der Stadt 
Virunum in Zusammenhang, indem man aus virunum virumsach und daraus Friesach 
entstehen Hess. Andere dachten an friesische Einwanderer, denen Avieder jene entgegen- 
traten, die die Ableitung von ,frisc]i' vorzogen, dabei an frische Quellen denkend. Zu- 
letzt dachte man an das slavische visaka, d. i. visoka (vysoka) hoch, \ind nalim folgende 
Metamorphosen an: visaka — visakah — vrisah — Friesach. F. L. Ilohenauer, Die Stadt 
Friesach. Klagenfurt 1847. 7. Also vier Erklärungen, die eine so falsch, wie die andere. 
Richtig ist die Deutung aus brC-za, die Birke. Die Stadt heisst noch jetzt bei den Slo- 
venen Kärtens Breze betulac, in Friesach v brezach. eig. in betulis : die Verwandlung 
des slav. b in das deutsche f so wie die des S in i kommt auch sonst vor. 

Wenn B. Dudik, Mährens allgemeine Geschichte I. 377, den Ortsnamen Certoryje 
bei Olmüz dahin erklärt, derselbe bezeichne den Ort, wo die Schreiber der Runen ßrüty 
wohnti'n, so wird es wol jcderman schwer ihm hierin beizupflichten und ein ,Gewerk' 
heidnischer Runenschreiber anzunehmen: mir scheint vielmehr, dass unter 2ri>toryja 



7 8 Franz Miklosich. 

Maulwurfshaufen zu verstehen sind, indem krt und ert beide Maulwurf bedeuten dürften, 
da krt von crtati kaum getrennt werden kann. 

Dass der Ortsname doloplazy als der von Bergleuten bewohnte Ort zu deuten sei, 
möchte sich auf die Erklärung des AVortes als ,die hinunterkriechenden' stützen, die mir 
so wenig einleuchtet, dass ich lieber meine Unwissenheit bekennen will. • 

Von bilany, das nach Dudik den Ort bedeutet, wo' Leinwandbleicher wohnten, ist 
nur soviel sicher, dass es die Bewohner des Ortes, der von bel'B den Namen hat, bezeichnet; 
von der Leinwand ist darin nichts zu entdecken. Im Allgemeinen ist zu bemerken, 
dass, solange wir auf die Sprache beschränkt sind, nichts weiter behauptet werden kann, 
als dass der Ortsname und das entsprechende Appellativum und daher auch die durch 
beide bezeichneten Sachen irgendwie zusammenhangen: die genauere Bestimmung des 
Zusammenhanges könnte sich nur aus historischen Quellen ergeben. Wenn daher der 
klruss. Ortsname Javocne von Javka abgeleitet und behauptet wird, zwischen dem Orte 
JavoCne und l'avka habe zur Zeit der Fixierung dieses Ortsnamens irgend ein Zusammen- 
hang bestanden, so lässt sich dagegen, vorausgesetzt, dass der Ortsname sich unverändert 
erhalten hat, nichts gegründetes einwenden: wenn man aber mit Nauk. Sborn. 1870. 77. 
den Zusammenhang dahin genauer . bestimmt, an dem Orte hätten Sümpfe und Bäche 
das Legen von Javky behufs des Überganges nothwendig gemacht, dl'a perechodu 
pokJadaiy lavky, so hat man bereits zu phantasieren angefangen. 

Die Insel, auf welcher Potsdam liegt, einst Theil des Landes Stoderania (Ztoderania) 
oder Hevellon, Heveldun, wird in der Urkunde von 993 insula chotiemuizles genannt. 
Cybulski 3. spricht sich nun über diesen chotiemuizl d. i. hoteuiysl-B in folgender Weise 
aus: ,Ich stelle hier mit aller Entschiedenheit zum ersten Male den Namen eines von 
der Greschichte nicht gekannten und genannten Volkshäuptlings oder Fürsten Chotimysl 
auf, und schliesse aus dem Übergange seines Namens auf die betreffende Landschaft, 
dass er dieselbe bei der Einnalime des ganzen Gebietes, das den Namen Stodorania 
bekommen, als seinen persönlichen Antheil in Besitz erhielt, mithin nicht nur als der 
erste Beherrscher der Insel, sondern höchst Avahrscheinlich als Wojwode, d. i. als Heerführer 
der in diese Gegend um 600, nach Abzug der Reste der Vandalen und Sueven, 
einwandernden Stodoraner anzusehen sei.' Richtig ist, dass hotemyslt ein wie 2ech. 
chotebor gebildeter slavischer Personenname ist, und aus der angeführten Urkunde ergibt 
sich, dass die Insel nach diesem Namen benannt wurde: alle Folgerungen aus diesen 
beiden Daten sind jedoch unerwiesene und unerweisbare Behauptungen, die auf dem 
irrigen Satze beruhen, als ob die Personen, nach denen Orte benannt wurden, eine 
hervorragende Stellung eingenommen haben müssten. Ein anderer Ortsnamenforscher, Gas. 
1834. 404, meint, die Slaven seien bestrebt gewesen, das Andenken an ihre verdienst- 
vollen Landsleute und ausgezeichneten JMänner durch Ortsnamen zu verewigen (osadnim 
jmenem zvecniti se usilovali). 

Safafik, Starozitnosti 2. 471, beruft sich zum Beweise, dass die pannonischen Slaven 
öechischen Stammes gewesen seien, auf einige auf ic auslautende Personennamen, auf 
das angebliche Einschiebsel des d in dem Gaunamen dudlebi, endlich auf den Namen 
des Neusiedlersees zur Zeit der Einwanderung der Magyaren, der nach Katancsich 
1. 301. mutno gelautet hat, nicht etwa cyrillisch matbno, noch auch karantanisch motno. 
Den Beweis jedoch, dass Mutenum, Itiner. Ant. 233. 2GG, wirklich den Neusiedlersee 
bezeichnet, und dass es mit der aslov. AVurzel m?t und dem Adjectiv matBu-B zusammen- 



Die slavischen Ortsnamen aus Appellativen, i. 79 

V 

hängt, hat weder Katancsich noch Safafik geführt. Derselbe ist, Staro2itnosti §. 28. 14. 
§. 44. 6, nicht abgeneigt Stodor, das in Krain am Fusse des Triglav (Stoder), in Steier- 
mark (Stoder, 8toderalpe, Stoderwald) und in Oberüsterreich (Vorder- und Hinterstoderl, 
an der Havel (Stoderania, quae Hevellim dicitur) und auf Rügen (Ztudor) sich findet, 
mit einem Gotte stod, von dem auch der Name des Festes stodo, stado abzuleiten sei, 
dessen Vorkommen bei den Slaven jedocli melir als zweifelhaft ist, weini auch im suz- 
dalischen stod Gott bedeuten sollte, in Zusammenhano- zu brino-en, während Lelewel, Völker 
im Slavenlande vor der Gründung Polens, Posen. 185o, meint, dass, wenn der Name 
Stodorani mit stodo, stado eine Verwandtschaft hat, damit einfach das Volk selbst stodor, 
das ist ,eine grosse Volksheerde' genannt wird. Es ist dies einer von den ausserordent- 
Heli zahlreichen Ortsnamen, hinsichtlich deren der besonnene Forscher lieber seine 
Unwissenheit eingestehen als zu unei'weisbaren Behauptungen oder zu phantastisclien 
Deutungen seine Zuflucht nehmen wird. 

Von der Ansicht ausgehend, dass auch bei der Erklärung der Ortsnamen sich die Ver- 
gleichung der slavischen Sprachen mit einander als nützlich erweisen werde, habe ich, soweit 
mii- verlässliche und olme grossen Zeitverlust benutzbare Quellen zu Gebote standen, die 
Ortsnamen aller slavischen Länder berücksichtigt. Der Mangel verlässlicher Quellen 
nöthigte mich von den bulgarischen Ortsnamen fast ganz abzusehen, und das gar zu 
sehr zerstreute Material für die Tojiographie des von den Grossrussen bewohnten Tlieiles 
Russlands erlaubte mir von den grossrussischen Ortsnamen nur ziemlicli wenig aufzu- 
nehmen. 

Ich habe mich nicht blos auf die eigentlich so genannten Orte bescln-änkt, sondern 
auch Berge, namentlich jedocli die von den Orten schwer trennbaren Bäche und Flüsse 
in den Kreis meiner Untersuchung gezogen. 

Wo es sicli um alphabetische Anordnung handelt, habe ich die vorhandenen oder 
erschlossenen altslovenischen Formen angewandt; dasselbe ist der Raumersparniss wegen 
einigemal auch sonst geschehen, um niclit die Formen der verscliiedenen slavischen 
Sprachen anführen zu müssen. 

Die von mir behandelten Ortsnamen haben i'egelmässig die ihnen gegenwärtig 
zukommende Form; die älteren Formen habe ich angeführt, so oft sie mit Sicherheit 
aufgestellt werden konnten. Ich glaube nicht, dass dadurch, dass in den meisten Fällen 
von den jetzigen Formen ausgegangen worden ist, der Sicherheit der Erklärung Abbruch 
geschehen sei, indem Vergleichungen dartliun, dass sich die slavischen Ortsnamen im 
Laufe von Jalirlunulerten nur selten verändert haben. Der Grund dieser Unverändei'- 
lichkeit ist darin zu suchen, dass die meisten slavischen Ortsnamen einfach, inicomponirt 
sind, und in der geringen AVirkung des Accentes. Anders ist es bei den deutschen 
Ortsnamen, die regelmässig componirt sind luid auf deren Form der Accent eine so 
gewaltige "Wirkung ausübt, dass vulfis zu If, Is, fs, 1, f geschwächt wird: Melverode 
aus Meinolvesrode, Gundelshcim aus Gundolfesheim, Rudolstadt aus Rudolfesstat, Alsleben 
aus Adalolfesleiba, ja dass vulfis ganz verloren geht: Altstätten aus Altolvesteti. Förstern. 1.56. 

Gern hätte ich von den germanisirten slavischen Ortsnamen eine grössere Anzald 
erklärt, als geschehen ist; allein in sehr vielen Fällen ist die Erklärung höchst unsicher, 
vorzüglich gilt diess von jenen Namen, die uns nur in der heutigen deutschen Form bekanni 
sind. Wer würde in Pilten (auf der Pilten in Olmüz) und in Zarten (in den Zarten, gleich- 
falls in Olmüz) belidla und zährobi vermuthen? Man kennt jedoch glücklicherweise bei 



80 Feanz Miklosich. 

beiden Wörtern die Stufen, durch welche sie hindurchgegangen sind: belidla: 1450 of 
der bielidl; 154(5 auf der belitten; 1564 auf der Piliten; jetzt auf der Pilfeii; ztlhrobi: 
1417 in einer lateinischen Urkunde zahrobia; 1456 in einer deutschen Urkunde ,in der 
czoraden'; 1564 ,in der zoheretten'; 1584 ,in czarethen'; jetzt in den Zarten.- Sembera, 
Zäpadni Slovane 373. Wie wenig die deutschen Formen genügen, um die ihnen zu 
Grunde liegenden slavischen Formen zu erschliessen, ergibt sich aus der Vergleichung der 
nachfolgenden, deutschen und slavischen, speciell cechischen Ortsnamen, deren Zusammen- 
gehörigkeit feststeht: Blauendorf bludovice, ßogenau bohuhov, Wussieben bohuslav, 
Böhmen bohyne, DUrrmaul di'maly, Qualen chvalov, Quon chbany, Quickau kvitkov, 
Ellbogen milbohov, Mlatz mladotice, Niesenbahn neznabohy, Hbtzenplotz osoblaha, Pöm- 
merle povrly, Schaab psov, Rothmühl radimef, ßothwurst ratibof, Schmeisdorf smichov, 
Soborten sobedruhy, Oberklee sobechleby, Zwetbau svatobor, Aussee üsov, Frauschille 
vrahozily, Schemel vsemily, Filzlaus velislav u. s. w. Sembera 139. 373. 374. 

Der erste Theil der Abhandlung betrachtet I. die den slavischen Ortsnamen zu Grunde 
liegenden Vorstellungen; II. die Form der slavischen Ortsnamen; ,111. das Verhältniss der 
slavischen Ortsnamen zu den daraus entstandenen anderer Völker; IV. den Ertrag der 
Ortsnamenforschung für die Grammatik. 



Erstes Capitel. 
Die den slavischen Ortsnamen zu Grunde liegenden Vorstellungen. 

Die den slavischen Ortsnamen zu Grunde liegenden Vorstellungen sind: I. Boden. 
IL Wasser. III. Pflanzen. IV. Thiere. V. Farben. VI. Umzäunung und Haus. VII. Be- 
schäftigung. VIII. Werkzeuge. IX. Völkernamen. X. Politische Einrichtungen. 

I. Per Boden, dessen Gestaltung, die Stoffe, aus denen er wesentlich besteht, 
bestimmte Beschaffenheiten desselben, seine Eigenschaft als wüst oder angebaut, alles 
dies liegt zahlreichen Ortsnamen zu Grimde. Der allgemeinste Ausdruck für Berg ist 
gora, das jedoch neben dieser Bedeutung, dem litauischen gire gleich, im serbisclien 
auch die ,Wald' hat; daneben findet sich mit der Bedeutung ,Berg' ein halb verschollenes 
Wort: del-B; serb. kosa wird als eine Art Berge erklärt; planina ist die Alpe. Ebenso 
zahlreich sind in Ortsnamen die Vorstellungen Hügel, Haufen: bregt, dessen älteste 
Bedeutung Ufer war und das im nsl. hie und da gora fast verdrängt hat; brijdo; glava, 
eigentlich Kopf, Haupt; nsl. gric; grub's, hli>mt; nsl. hrib; kopa, kupa, mogyla neben 
dem daraus entstandenen gomyla; nsl. reber, das dem deutschen Leiten, ahd. hllta, ent- 
spricht; hrebla agger; vriht imd das als Appellati vum seltene r'ht'h bedeuten Gipfel, 
Spitze. Daran schliesst sich vysokt hoch an mit seinem Gegensatze niz-BlcB. Die Vor- 
stellung steil strömt liegt vielen Ortsnamen zu Grunde: selten ist cech. üboc f. Abhang. 
Der Kamm des Gebii-ges heisst grebenb. In diese ßeihe von Motiven der Ortsnamen 
gehören auch rogt Hörn, nost und nozdrb Nase, Förstem. 47, vielleicht auch noga Fuss. 
Der Gegensatz des Berges ist in nicht minder zahlreiclien Ortsnamen vertreten. Der 
allgemeinste Ausdruck für Bodensenkung ist dol'B Thal mit jj,dolb, podolije, prodolb, 
dolina und razdolije; dieselbe Vorstellung bezeichnen draga, dbbrb, cech ouval. Ein 
engeres Thal wird durch 2relo, gri)lo, eigentlich Kehle, Butt. 41, sixteska Engpass und 



Die slavisc'hen Ortsnamen aus Appellativen, i. 81 

durch das aus dem griechischen aufgenommene klisura bezeichnet; von geringer Breite und 
durch die Thätigkeit von Menschen hervorgebracht sind prekopt, rovB und prerovB, zarovi,; 
desgleichen s'Bp'B und zas'Bp^B. Eine ringsum von Bergen umschlossene Bodensenkung 
ist ein Kessel kotlt. Föi'stem. 52, dem koryto, eigentlich Trog, in Ortsnamen nahe zu 
stehen scheint; polog^ bezeichnet geradezu ein Kesselthal. Eine solche Bodensenkung 
von geringem Umfange ist eine Grube jama, prokop'B, propasts; sei-b. rupa; hieher gehört 
wol auch pregynja. Nur in dei' Richtung unterscheiden sich davon die Höhlen pestb, 
j)estera, dujilja und das entlehnte spila OTtr^Xatov. Diese Dinge sind weit oder eng, sirokü 
oder tesbn-B. Der Mangel der Erliöhung oder Senkung bewirkt die Ebene: ravBmi eben 
und ploslcB flach. Forsten!. G2. Den Winden ausgesetzte Orte werden nach vetri) benannt. 
Der von aller Verschiedenheit der Gestalt des Bodens abstrahierende, nur die Ausdehnung 
bezeichnende Begriff wird durch strana ausgedrückt; noch allgemeiner ist mesto Ort, in 
manchen Sprachen germanisierend Stadt; ferners durch kraj, das eigentlich, wie das 
deutsche Ort, Rand margo bezeichnet, der durch kontcb^Ende noch bestimmter ausge- 
drückt wird, Förstern. 73, neben dem auch sreda die Mitte hier seine Stelle finden möge. 
Hieher gehören auch ^gli) und kati), die wie Ecke und Winkel angewandt werden. 
Förstem. 71 ; klini) Keil ist vielleicht mit hobot'B Schwanz ebenfalls hieher zu ziehen. 
Eine durch die Thätigkeit des Menschen bewirkte Veränderung des Bodens stellen auch 
die Wege dar: cesta, stbza mit raspiitije Kreuzweg; plaz ist cech. ein schlfipfriger Weg. 
Von den Stofien tritt am häufigsten auf kamenb Stein; fast ebenso häufig krement Kiesel; 
ferner pes'Bk:B Sand; gri2b Kiessand, welches fremd ist; glina Lehm; die Ausdrücke für 
Fels bradlo, krtsb, opoka, skala; mramor-B Marmor, brus'B und osla Schleifstein; zr-Enj 
Müldstein, vapbno und klalcB Kalk; ferners Metalle krusbcb: ruda, eigentlich das rothe, 
wol Erz; srebro Silber, zlato Gold, 2elözo Eisen, sera Schwefel, solb Salz und slan 
salzig; man füge hinzu aglb Kohle, pskl-B und smola Pech; endlich led-b Eis und stbklo 
Glas; ploca Platte. Man vgl. griech. djiaQoOc, /.pö^tov tts^iov. Woran die Eigenschaft 
bei der Ortsnamengebung haftet, ist nur in jenen Ortsnamen erkennbar, in denen 
mit dem die Eigenschaft bezeichnenden Worte der Name des Trägers derselben ver- 
bunden erscheint: mala gora, krivoglavci. Dieser Fall bildet im deutschen die Regel, im 
slavischen die Ausnahme. Die hieher gehörenden Wörter sind velikt gross, debel-B dick, 
tl'Bst'B, wol in gleicher Bedeutung; ferner malt klein, krapt, das gleichfalls klein bedeutet, 
huds gering. Eine andere Reihe von Eigenschaftswörtern bezeichnet die Form: kriv:B 
krumm, kratii gewunden, obl-B und okragl'B rund, ostri» spitzig, sirokii breit, dl'Bg'B lang, 
glabok'B tief: hieher ziehe ich auch krag-b, okol-b und razvor:B Ivreis, während ohodi. 
auch einer andern Deutung fähig ist; kahl ist gol-B und lys-B; wobei auch plg§b Kahl- 
heit zu erwähnen ist; Jüisti. rein ist in der Volksepik Epitheton baumloser Flächen: cisto 
polje; suht dürr und mokrs nass finden sich häufig. Desgleichen pustt wüste, cech. 
plan}'-; ähnlich das nur von Thieren gebräuchliche jalov^b unfruchtbar: das Gegentheil 
scheint durch dobr'B ausgedrückt zu werden. Häufig sind auch die auf den Vorstellun- 
gen ,warm' und ,kalt' beruhenden Ortsnamen: topl-b und mn.zl'b, student und zima. Von 
fliessendem Wasser hergenommen scheinen bystr'B hell, lauter und mj^tbn'B trübe, ferners 
die mit br-bzT. schnell und Ijut'B, wol in gleicher Bedeutung, so wie die mit glas-B Geräusch, 
zvizd-b und zvbneti zusammenhangenden Namen; die Vorstellung von geräusclilos dahin- 
rtiessendem Wasser liegt vielleiclit dem tiho. ruhig, still und dem glüht, eigentlich taub, 
zu Grunde. Mit Wasser möchte auch slant salzig und kyselt sauer zusammenzustellen 

Denkechriftfii Jer phil.-histor. LI. XXI. Bd. 11 



82 



FkANZ MlKIiOSICH. 



soin. Neu und alt, novB und star-B, sind von häufiger Anwendung. Durch slept, eigentlich 
blind, wird wol Dunkelheit ausgedrückt, was bei tbma offenbar der Fall ist. Zweifelhaft 
sind namentlich mladT., wol in der Bedeutung zart, weich, tynsd-B hart und gnil-B 
faulend. Jüngern Ursprunges sind die sentimentaler Naturbetrachtung verdächtigen mit 
lep'B schon, krasa Schönheit zusammenhangenden Ortsnamen. Ob ein Ort den Sonnen- 
strahlen ausgesetzt ist oder im Schatten liegt, wird nicht selten ausgedrückt, jenes meist 
durch prisoije, dieses durch osoj und sentca: nsl. sencni graben Schienzengraben Kämt., 
koprivna proti solncu Koprein Sonnseite und koprivna v osojah Koprein Schattseite 
Kämt., senci (vielleicht sincni) kraj Schattenberg Kämt., Lasach Schattseite und Sonn- 
seite Kämt, und sonst häufig in Kämt.; Lassing Schattseite und Sonnseite Steierm. Wo 
gepflanzt oder gesäet werden soll, da muss vorlier der Boden von wildem Holzwuchse befreit 
we]-den. Dies geschieht durch Ausreuten und Verbrennen. Auf diesen Thätigkeiten 
beruhen mehrere Ortsnamen : kr^Bcb Rodung, eigentlich Stamm stipes, und trebiti reinigen, 
in den Ortsnamen wol ,roden' sind die allgemeinen Ausdrücke dafür ; porab-B mit prerabi, 
und proraba, pas&ka und proseka beziehen sich, wie deutsch Hau und Schlag, Fürstem. 
79, auf das Aushauen, während alles was mit goreti (pogoreti, progoreti, s-Bgoreti), zesti 
(pozega), 2arB (pozari,), und mit paliti (opaliti, stpaliti, palezt) zusammenhängt, ähnlich 
dem deutschen Brand und Seng, Förstem. 79, das Ausbrennen voraussetzt; fremd ist rot, 
ahd. riuti, bair. reut, und wahrscheinlich auch lazü, ungeachtet seiner Verbreitung durch 
fast alle slavischen Länder. Die durch Roden erzeugte Waldlichtung wird durch mit 
svetloi licht zusammenhangende Ausdrücke bezeichnet. Der bebaute Boden ist ralija, 
njiva, lani) und polje, poljana: hieher zu ziehen sind wol auch opolje und orava. Der 
unbebaute Platz heisst celina oder l^dina. Was dem Graswuchs überlassen wird, heisst 
drsn-B Rasen, cech. oupor Rasenplatz; trata, das aus dem deutschen stammt, paXitb, seno- 
2§tb, traviinik-B und livada, das aus dem griechischen entlehnt ist; pastva luid iir-h 
bezeichnen die Weide, ebenso wie cech. oulehle Hutweide; hieher ziehe ich auch blana. 
Ebenso pustt und fech. plan;f. Das Brachfeld wird bezeichnet dur^ lom-B, Sech, ouloh; 
prCdog-B ist der Abacker. Specielle hier in Betracht kommende Ausdrücke sind: gruda 
Scholle, jutro Morgen Landes, Förstem. 10,5, so wie pogont, zagon-B, ujazd-B, zajazdT>. 

IL Das allgemeine Wort für Wasser wird nicht selten allein, meist jedoch entweder 
in der Composition oder in Verbindung mit Adjectiven angewandt. Häufiger findet man 
die Vorstellung Quelle : izvors, vrelo und vrutbkb, asl. vielleicht vratbkt, von vreti bullire 
und scatere; klokot-B, grohot^B und sopot-B, das wie das ahd. klinga, klingo die Quelle 
als rauschend, sprudelnd, studenbCb, das sie als kalt, frisch bezeichnet; krynica, das 
ebenso wie stublb seiner wahren Bedeutung nach dunkel ist; und klad^zb neben klade- 
nbcb, das wol aus dem deutschen entlehnt ist; endlich iiblb, bulg. Vbblb, das mit aind. 
ambh-as, amb-u Wasser zusammenhängt, und me2a, das von mbz (mzeti stillare) stammt, 
nicht etwa mit bair. Mies für Moos identisch ist. Mit Wasser hangen die Begriffe ,nass' 
und ,feucht' zusammen : mokrt, surov^, zid-bk-B. Das fiiessende Wasser heisst potolcB und 
reka; prcval-B, cech. prival, bezeichnet den Giessbach; bystra, bystrica enthält die Vor- 
stellung des klaren, lauteren, schnell dahinfliessenden Wassers: vgl. Lauterbach. Endlich 
sind das deutsche Seife Bergwasser, und jari-ki., wol ein Wassergraben, zu erwähnen; 
der Ort, wo zwei fiiessende Wasser sich vereinigen, heisst s-bstaniiki} oder si>toka; wo 
sie auseinandergehen, rastolcB; wo sich ein solches unter der Erde verliert, ponikva oder 
ponor-B, vielleicht auch nora. Die in der Sprache nicht leicht auseinander zu haltenden, 



Die slavischen Oktsnamen aus Appellativen, i. i 83 

saclilicli so verschiedenen Begriffe lacus und palus, See und Sumpf, die in den Orts- 
namen eine so bedeutende Rolle spielen, werden bezeichnet durch jezero, blato, pleso, 
lükva, laka, das oft dem deutschen Au in der Bedeutung eines bewässei'ten Wiesengrundes 
entspricht, luza, slatina, mlaka, mocvar, bara und bagno. Hier mögen auch die ,Küth' 
ausdrückenden Worte erwähnt werden, deren Gebrauch in Ortsnamen sehr häufig ist: 
brtnije, gleb-B, gr^zb, ilt, kal-B, klanbcb, das ausserdem auch einen Engpass bezeichnet, 
miitt, timeno. Der regelmässige Lauf des Flusses oder Baches ist tok-B, vielleicht auch 
struga und slap'B, das in einigen Gegenden einen Wasserfall bezeichnet; virij ist der 
Wirbel; kljucb wol eine Biegung des Flusses; vielleicht aucli lakT.tb. Das als Appella- 
tivum unnachweisbare pretokt ist vielleicht mit cech. prütok Durchfluss von gleicher 
Bedeutung. Die Seichtigkei.t des fliessenden oder stehenden Wassers wird durch melt 
oder durch plit-bk^b ausgedrückt: brod:5 ist die Furt. Die technischen Verwendungsarten 
des Wassers haben ihre besonderen, in Ortsnamen nicht selten vorkommenden Namen: 
mocilo Flachsröste, rybbnilcb Fischteich; pojilo Tränke, banja Bad und, wegen des darin 
befindliehen Wassers, Bergwerk; dunkel ist seiner Bedeutung nacli das in Ortsnamen 
liäufige stava, gßava; ropa ist klruss. Salzwasser. StlT^pi. bezeichnet ini cecli. als slup eine 
Vorrichtung zum Fischfange im Flusse, ebenso raka und pol. tonia. Mit dem Wasser 
zusammenhangende Vorrichtungen sind auch prevozi. Überfuhr neben provoz-b und 
mosfb Briicke; ebenso mlyn-b Mühle; russ. volok^s und perevoloka ist die Strecke zwischen 
zwei schiffbaren Flüssen, über welche die Fahrzeuge geschleppt oder Waaren verfahren 
wurden. Die Insel hat nach Verschiedenheit der Sprachen verschiedene Namen: ogtrov:b, 
otok-b, zatokt. vyspa; vielleicht gehört hieher auch presi^pa; pr^id-b, eigentlicli Sand und 
sandiges Ufer, dient auch zur Bezeichnung der Insel und nimmt pol. die Beda^itung 
Strömung an. Die Mündung endlich heisst ustije, ahd. mund, gamundi. AVehr und Damm 
werden auf verschiedene Art bezeichnet: gatb, jazt, das als jez sei'b. auch Canal bedeutet; 
stavb, das pol. staw auch Teich heisst; zleb-b ist der Canal. 

III. Häufig sind die von drevo Baum abgeleiteten Ortsnamen; viel häufiger jedoch 
diejenigen, die eine Vereinigung von Bäumen und Sträuchern, die Vorstellung von A\ ald, 
Hain, Gebüsch und ähnliches enthalten: borSt d. i. Forst; creti., tlas nach Jarnik eine 
sumpfige Waldung bedeutet; dabrava, gaj, gr-bm-b, gvozdb, hosta; hvrastt, in alter Zeit 
Gebüsch, Eeisig, heutzutage nsl. als hrast Eiche; k-brb Gebüsch; lag-B, les-b; mezda, das 
nicht nur die Gränze, und dies ist die eigentliche Bedeutung, sondern auch nsl. Unter- 
wald bezeichnet, und dadurch ein Seitenstück zu dem deutschen marka bildet, in welchem 
sicli gleichfalls beide Bedeutungen verbinden. Förstem. 0.5. IUI; suma. Man füge hinzu 
sad-b Garten. Häufiger als die Obstbäume dienen zur Ortsnamengebung die Bäume 
und Sträucher des Waldes : bort Kiefer, Kieferwald, womit deutsch Tanne und der Tann 
vergliclien werden kann : bresfb Ulme, breza Birke, brinje Wachholder, buky Buche, bbzi, 
Holunder, cer'b Zerreiche, Cesvina serb. eine Art Eiche, russ. als Jesmina ilex Steineiclie, 
padubT,; fremlia prunus padus Traubenkirsche; dabi, Eiche, auch Baum; glogi> Crataegus 
Weissdorn; grab'b carpinus betulus Hainbuche; hvoja Kiefer, Fichte, Tanne; ilbm-B Ulme; 
iva Salix alba weisse Weide, Felber; jablam& m. serb. populus pyramidalis Pyramiden- 
pappel; jagnedb Pappel; jasent Esche; javor-b Aliorn; jela Tanne; kalina ligustrum Ilain- 
weiile: kleni, Ahorn; lipa Linde; olbha Erle; osa, osika Espe; rakyta salix caprea Salil- 
weide: skrobott clematis vitalba Waldrebe; smoky Feige; smrdljika serb. eine Art Baum: 
vgl. pol. smiodynia primus padus; smri.k'B pinus Kiefer: sosna Fichte, Tanne; svib, sviba 



84 



Franz Miklosich. 



neben svid, svida cornus. Hartriegel; tisi, taxus Eibe; topola Silberpappel; tvhn-b Dorn; 
tristb ßplir; v^z'B Ulme; vrtba Weide, Seltener sind die Obstbäume in den Ortsnamen 
vertreten: fresnja Kirsche; dren-B Kornelkirsche ; hrusa Birne; jablanb, jabltko Apfelbaum; 
kostanj Kastanie; orebt Nuss; oskorusa sorbus aucuparia. und domestica die gemeine 
und die Garten-Eberesche; sliva Pflaume; visnja Weichsel und allgemein vostije Obst. 
Möge sich hier vino Wein, Weinrebe anschliessen. Auch die Getreidearten finden in 
den Ortsnamen Anwendung: pbseniea Weizen; rtXb Roggen; siri, sorgum vulgare Moor- 
hirse; ovbs-b Hafer; man füge hinzu m^kyna Kleie und pol. jagly Hirsegrütze: so findet man 
auch trava Gras; seno Heu; otava Grummet und slama Stroh. Auch andere nutzbare 
Pflanzen sind nicht selten: bobt Bohne; dynja Melone; grah-b Erbse; lostika Lattich; 
luki, Zwiebel; niak-b Mohn; retki,vB ßettich; repa ßübe; ebenso jagoda Erdbeere; k^pina, 
ostruga rubus fruticosus Brombeerstrauch; malina Himbeerstrauch; giiba und grib-b 
Pilz; hmOl.b Hopfen und brostb rubia tinctorum Krapp; konoplje Hanf. Man merke 
ausserdem bri.slen'b Epheu; cemerb cicuta Wasserschierling; kopriva Brennessel; kopri, 
Dill; kostrcva Rade; kakolb Schwarzkümmel ; leska Haselnuss; lopuhi, Klette; metlika 
Beifuss ; ■ praprot-b Farnkraut; cech. fericha Gartenkresse; rogoz:b, sasb Riedgras; ruj Per- 
rückenstrauch; siti, Binse; vrest erica Haide; ebenso dracb, draßa Dorns.trauch und mthi, 
Moos. Spärlich sind die Blumen vertreten: bosilije Basilienkraut; bo2uri Päonie; kovilije 
Pfriemengras ; stip-bk-b Rose. Mit den hier genannten Begriffen hangen auch zusammen deg-btb 
Birkentheer, Harz; imela und lepB Vogelleim; r§sa iulus Kätzchen (am Nussbaum); siba 
Ruthe; loza Rebschoss ; kyta Zweig; lubi, Rinde; lyko Bast; korenb Wurzel; pbub Stamm; 
parez-b der untere Theil des Stammes; zdar gespaltenes Holz. Von der Dichtheit der 
Pflanzen haben wol die mit c^^sfb und g^sti, zusammenhangenden Ortsnamen ihren 
Ursprung. Man vgl. griech. r/iYstpouaa, rr/ßphwc, ßattat, oova^, 3rivax.0)v, 5p6[i.o? (durch den 
Accent von 5pu[JLÖ(; unterschieden), 5pu[iata, 5puot)aaa, iXaxsia, %ap6at, xspaaoO::, -^tpdvsia, 
%&rjjjt|JLO(ov, [iapaO(ov, olvoü;, oiyi'fozn, ttct'joüc, Tzivjoöaa, irXatavwTO'JC, -Jioi-rjsaja, icp'.vo?, 
TiZBlia., TrrsXcöv. zo^oüc, asXivoOc, citooöc, awjtöv, GyoiwöQ, cpaxoöaaa, 'ffffOÖQ; (pfj-faia u. s. w. 
IV. Das Thierreich ist in den Ortsnamen aller slavisclien Länder reich 'vertreten. 
Ich führe vor allem die Hausthiere an: die allgemeine Bezeiclmung dafür ist skoti; für 
Rind govedo; der Stier heisst bykt, der Ochs volt, die Kuh krava; das Kalb tel?. 
Nicht selten ist konb das Pferd und kobyla die Stute : ein altes Wort für Stute ist svre- 
pica, eigentlich die brünstige, . das im älteren polnisch ^wierzepa, preuss. sweriapis, lautet. 
Ovbca uml bararn, das Schaf und der Schafbock; koza, und kozl-b die Ziege und der 
Ziegenbock; svinija das Schwein. Kokot^b, kur-b und petelin-b der Hahn; g£isb die Gans; 
ogari, der Windhund ; maf ka die Katze. Auf die Hausthiere lasse ich die wilden Thiere 
folgen: der allgemeine Ausdruck dafür ist zverb; ihr Lager heisst bri,logij. In den Orts- 
namen finden wir den Büffel und den Eber, byvol-b und veprb, vertreten. Interessant 
sind in den Ortsnamen, die in den weitesten Ka-eisen verbreiteten Spuren der nun 
entweder ganz ausgestorbenen oder dem völligen Aussterben nahen Thiere, wie des Auers 
und des Wiesents, turi, und zs^hvb: vgl. Förstemann's Bemerkungen 145 über ür und 
wisunt, sowie über elah und scelaho. Häufig sind der Hirsch und die Hinde, jelenb und 
kosuta, ebenso das Reh srtna; losb cervus alces Elenthier findet sich sogar in Dalmatien 
und Herzegovina, wenn, wie ich glaube, losica und losnica damit zusammenhangen. Häufig 
sind der Fuchs, Bär und Wolf, list, medvedb und vl-bk-b. Man findet auch den Hasen 
zaj^cb; den Marder kuna; pli-hi die Billiclimaus und den Igel jezb: das Lager dieser 



Die slavischen Ortsnamen aus ArrELLATiVEN. i. 85 

Thiere sclieint durch, jazvina, jazbina ausgedrückt zu werden, obgleich dieses Wort unmittel- 
bar mit jazvbcb Dachs zusammenhängt. Man füge liinzu die Otter vydra lind den Biber bbbrt, 
welches letztere Thier in früherer Zeit in der Wirthschaft der osteuropäisclien Völker eine 
grusse Eolle gespielt hat, die. dessen häufiges Vorkommen in Ortsnamen genügend erklärt. 
Vgl. Förstern. 145. Daran reihen sich der Maulwurf kr'bt'b, mit dem ich das ganz anders 
gedeutete criitoryja in Verbindung bringe. Auch eine grosse Anzahl von Vögelti ist 
in den Ortsnamen nachweisbar: selten finden wir den allgemeinen Ausdruck dafür, pT,tica; 
häufiger die speciellen Bezeichnungen; von häufiger Anwendung sind vor allem die 
llaubvögel: jastr(,^bb, kanja, kraguj, orbli,; nsl. postojna Steinadler; sapt, sokolj., was 
mit dem ehemaligen Waldreichthum zusammenhängt. Die andern in Ortsnamen nach- 
weisbaren Vögel sind gogolb Quakerente, golfibb Taube, jer<}bb Eebhuhn, kavbka Dahle, 
kos-b Amsel, lebedb Schwan, sova Nachteule, strtk-b Storch, svraka Elster, vrabij Sper- 
lln>'-, vran-b Habe, vyri, Uhu, 2egZulja Kuckuck, 2eravb Ivranich. Jaje, das Ei, bezeichnet 
wol nur die Form von Bergen. Dass die Bienenzucht ehedem von viel grösserer Bedeu- 
tung war als heutzutage, erhellt daraus, dass es 965 im Gau Lusizi Honigzehnten und 
vollständig organisierte Gemeinden von Zeidlern und abgegränzte Bienenhaiden unter 
Ältesten und einßm ,Bienrichter' Schuppan (Zupan-b) gab. Neues Lausitz. Magazin 185<). 
vol. XXX. 245. An die Biene bi>ccla lassen sich noch folgende in den Ortsnamen ver- 
tretene Ausdrücke anreihen: britb Bienenbeute, stebbnik-b Bienenkeller, uHjanikii Bienen- 
stand und medij Honig. Der allgemeine Ausdruck für* Fisch ryba ist häufig in Orts- 
namen, seltener sind die speciellen Ausdrücke: jesetrt Stör, karas'b Karausche, krapt 
Karpfe, pbstrag"b Forelle, vyz-b Hausen. Ich füge daran rak-b Krebs, piskorb Schlamm- 
beisser, pijavica Egel und zaba Frosch, der in den Ortsnamen bei den Slaven eine 
häufigere Anwendung gefunden hat als bei den Deutschen. Von den andern Thieren 
merke man kaCa und zmij Schlange, vevera Eichhörnchen, mysB Maus, §takorb Ratte, 
gustei-i Eidechse, pr^gt Heuschrecke, mravij Ameise und komari, Mücke. Man vgl. die 
griechischen Ol-tsnamen: fY^vsta, aiyoüaaa, apitrwv opo?, eXa'fovvYjao;, ispdxcov vt^goc, yöpavsta, 
Xdyo'jao!., o'fioOjaa, aopoOc, äytvoO; neben syjvo;, [jlooüc u. s. w. 

V. Von den Farben ist die weisse bel'b von sehr häufiger Anwendung: sie tritt 
auch als stehendes Epitheton in der Volksepik am^häufigsten auf. Daneben findet man 
ZrbWh schwarz, ßrtven-b und crimbn^b, i'i.d(^§tb roth, zeleni) grün; ferner modrt blau, 
mrtk-b dunkel, plavij weiss, das jedoch von gleichlautenden Themen schwer zu scheiden 
ist; Xl-bti. gelb; endlich pisani, und gan> bunt; gari. sclieint schwarz zu bedeuten. 

VI. Orte haben oft ihre Namen vom Einhegen oder Umzäunen der (Jrulidstücke. 
Hieher gehört vor allem seiner ursprünglichen Bedeutung nach gradi>, das jedoch in 
den Ortsnamen meist die Bedeutung eines befestigten Ortes liaben dürfte. Die Umzäu- 
nung bezeichnen gromaca, kotari), obora, ograda, zagrada, ploti, oplott, stobor:b, wol 
auch obrovT>; tyn-b, das, aus dem Deutschen entlehnt, dadurcli interessant ist, dass es 
nicht auf der uns erhaltenen .hochdeutschen Form zun berulit, indem es im Anlaut ein 
t darbietet. Förstem. 81 ; stena ist Wand, Mauer. Denselben Begriff, wol in der Verstär- 
kung zur Befestigung bezeichnen wahrscheinlich die mit der Praeposition o, obi zusam- 
mengesetzten Ausdrücke obodü, obrabü, okopT>, osek-b, ostrogt; ebenso vielleicht post-ka, 
zakopT, und zarab-b, und die entlehnten ^Vörter sanbcb, val-b und turen. Zum Aufenthalte 
von Menschen dienen dvorT> Hof, hrauiTj Haus, ka§ta Zelt, Haus; pojata, dessen Bedeutung 
allerdings mannigfaltig ist; staja, stant; zamijkt, germanisierend Schloss, 'castellum ; ferner 



86 



Franz Miklosich. 



die entlehnten Wörter bajta; buda Bude, liuta Hütte, chata; katunt Sennhütte-, koliba 
und chalupa-, kosteli, aus dem lat. castellum, in einigen Sprachen Kirche; polaSa und 
das magy. saLas. Theile der Wohnung sind isttba Zimmer, aus dem deutschen 
stubä. Förstem. 88; stltba Stiege-, komora Kammer; veza Vorhaus-, protesi. scheint mit 
pol. przecios Unterlage eines hölzernen Gebäudes zusammenzuhängen. Der allgemeine 
Ausdruck für Wohnung ist das selten vorkommende bydlo, das an asch. bodl villa erinnert; 
die mit der ,sitzen' bedeutenden W\u-zel sed zusammenhangenden AVörter drücken eine Ver- 
einio-ung menschlicher Wohnungen aus: selo, das auch Zelt und Acker bezeichnet und 
wie'^seli'gte, gleich den analogen deutschen Ortsnamen, Förstem. 105, die Vorstellung des 
sich Niederlassens und des Ansässigseins in sich fasst; osada; endlich vbSL. Dem i\.uf- 
enthalte der Hausthiere dienen hleva,, kosara, tori, trilo, ahd. pferrich, sweiga. Förstem. 
83. An diese Ausdrücke schliessen sich an dvbrb, vrata und brania, bräna Thür und 
Thor, praga. Schwelle, br:bvbno, gr§da, klada, strabs, slemc?, soha, rasoha, sekt; proboj 
Pfosten und podi.. Speciellen Zwecken dienen gumbno Tenne, saseki, Cisterne, Mehlkasten, 
stodola Scheune, zri,ny, eigentlich Mühlstein, Handmülile; ferner pristava Meierhof, pivb- 
nica Keller untl kricbma Schenke; stapa Stampfe, Walke, fuzine und hamr. Ebenso 
stra2a und vigla Warte. Förstem. 91. Dem Gottesdienste dienen crtky, kostelü, kapela. 
Das Kloster heisst, nach Verschiedenheit der Kirchen, kloster aus Kloster claustrum und 
monastyrb [iovaarr^ptov, deutsch Kloster und Münster. Man füge hinzu die entlehnten 
"Wörter kri2b und krtst:b Kreuz. Auf üuinen weisen podr-btt und razdrtti,. 

VII. Eine nicht geringe Anzahl von Orten haben ihre Namen von den Beschäf- 
tigungen ihrer Bewolmer erhalten. Diese Ortsnamen dürften wenigstens zum Theile auf den 
Verpflichtungen der Dorfbewohner gegen Klöster und andere Grundherrn beruhen. In einer 
Urkunde K. Vratislavs vom Jahre 1088 finden sich folgende Ministeriales des Klosters 
Vysehrad angeführt: pistor, scutellarius, piscator, figulus, cocus, vinitor, ministeriales qui 
vulgariter di'cuntur rudnici, tornarius, ministeriales qui dicuntur pomici (d. i. pomyjci 
ablutores vestium), campanarius, picaril qui dicuntur pkelnici, suinarih terra cum por- 
cario qui slavice dicitur suinar, caliciarii qui slavice dicuntur casnici (d. i. ßasbnici), 
plaustrifices, ferrarius cum liliis qui solvunt ferramenta quater in anno, faber, caldarius, 
sutor, custos, cerevisiarius. Codex diplomaticus Moraviae. Olomucii. 1836. I. 179. In emem 
ungrischen Kloster finden wir jobagyones equestres, udvornici, coci, equestres servientes, 
pelliparii, tornatores, tavernici, praecones, pistores, sutores, qui parant marcium, alias 
braxatores dicti (richtig mulsi coctores), fabri, carpentarii, stratores, jobagyones liberi, 
agazones, curriferi, buckari, vinitores, pulsatores, pastores ovium, libertini, piscatores, 
subulci, venatores. A. F. Kollar, Historiae iurisque publici regni Hungariae amoenitates 
2. 166. Bei Kosegarten 1. 30. werden angeführt pistores, coci, agazones, lagenarii, 
carpentarii, hospites, milites. — Btdnarb Bötticher klruss. pol.; b^bSvarb ßech.; cajnarb 
Korbflechter nsl.: vgl. ahd. zeinarin. Förstem. 197; grMbgars Töpfer nsl. serb. u. s.w.; 
hritbnikb, etwa Aufseher der Windhunde Cech.; iglarb Nadler aserb.; kladarb kroat ; 
kladorab^b serb. klruss. cech.; kolarb W' agner kroat. serb.; kolodej Wagner 2ech. pol.; konjarb 
Pferdeknecht serb. poln.; konjuhi, Pferdeknecht serb. cech. poln.; kobylbnik-b cech.; 
kobyljuh^b klruss.; kovacb Schmied nsl. serb. cech. u. s. w.; kovalb pol.; kovarb öech.; 
kozarb Ziegenhirt nsl. kroat,; kuharb Koch ßech.; kuznbCb Schmied russ.; lonbüarb Töpfer 
kroat. serb.; IbvbCb Jäger serb. klruss.; Ibnarb, etwa der den Lein pflegt cech.; magert 
Koch kroat. serb. klruss.; magjupbcb Bäcker serb.; medarb kroat.; mlynarb Müller nsl. 



Die slavischen Ortsnamen aus AppEi.iiA-riVKN. i. 87 

kroat. 2ecli.; mytars Zöllner, Mautner pol.; ovbßarb Schäfer serb. russ. eecli.; ptidarB, 
etwa Weingartenhüter serb.; pekarb Bäcker pol.; porbtarb Pförtner serb.; pbsarb Hunde- 
wärter kroat. eech. pol. u. s. w.; rataj, ratarb Ackersmann kroat. cecli. serb.; resetarb 
ßeitermachcr kroat. pol.; rudarb, rudbnikii Bei-gmann serb. cech.; rybakt, rybarb, rybistb, 
rybitvB Fischer nsl. kroat. serb. cech. pol.; sedlarb Sattler kroat. serb.; skomrah-B Gaukler 
klruss.; sokolbnik-B Falkner serb. klruss.; stadbnik Hirt pol.; stelmach Wagner pol.; 
strclbCB Schütze nsl. kroat. klruss. pol.; strtgarb nsl. kroat. cech.; stbkljarb Glaser serb. 
klruss. cech.; svlnijarb Schweinehirt kroat. serb. cech. pol.; Seflar Schäfer nsl. pol.; 
stitarb Schildmacher kroat. serb. cech.; stitbuilcb pol.; sbvbcb Schuster; sevcyky klruss.; 
tenetbnikt, etwa Jäger klruss.; tesarb Zimmermann klruss.; t-bkalbcb Weber kroat.; vinarb 
Winzer nsl. ki'oat. serb. f^^ecli. pol.; vinbnikxi klruss.; vozbnik'b Fuhrmann pol.; vratarb 
Thorliüter serb.; zlatarb kroat. serb.; zlatbnikt klruss.; ^rtnosekt Mülilsteinhauer ?ech. 
Man füge hinzu agljarb Cech.; aglbnilcb pol.; brodbuilcb serb.; br'Btbnik'b klruss. cech. 
pol.; bbbrovbnik-b klruss. (^ech. pol.; b-brclbnikt cech.; crTikvarb kroat.; degttarb cech.; 
drSvwiik-b Cech.; gov(jzdarb serb,; kopijarb serb.; kricbmarb serb.; kurbnik-B klruss.; lagarb 
nsl.; lesbulk-B klruss.; medonos-B cech.; m^kynarb kroat.; m^sarb serb.; mostarb kroat.; 
Ijopelbnik-B pol.; p-BticarB serl).; rakarbserb.; skotbrnkt pol. ; smrekarb kroat.; staparb kroat.; 
strutarb, wahrscheinlich balulus serb.; studenbcarb kroat. ; ovostarica kroat. ; zajecarb serb.; 
zelczbniki nsl. Mit den angeführten Namen vergleiche man ahd. mutarun Zöllner; huotarn 
AVächter; chuopharen Küfer; sciltarun scutarii; goldarun Goldarbeiter; frumarun Diener; 
satalarun Sattler; winzurn Winzer. Förstem. 197. 

VIII. In manchen Ortsnamen kommen Benennungen von AVerkzeugen und Waffen 
vor, deren Beziehung zu Orten mir dunkel ist: kladivo Hammer; kyj Keule; lopata 
Scliaufel; plug-ij Pflug; preslopt, das vielleicht mit russ. slopecb, pol. si'opiec (st(jpice 
albo sJopce) eine Art Falle, die slovak. schlopec heissen soll, zusammenhängt; ratiSte 
Lanze; sekyra Axt; strela Pfeil; Stit-B Schild; teneto Netz; topor'B Axt. 

IX. Die Völkernaraen in den Ortsnamen haben historische Bedeutung; ich führe 
sie hier nach den einzelnen slavischen Völkern an. Nsl. iigrinX) hungarus, zweifelhaft; 
brank der Franke (brankovci); hrvat, nemski rot; sloven gradec Windischgräz; slovenska 
vas Windischdorf. Kroat. ugrin; bosnjaci; cice; hrvat; madjari; nemci; sasi Sachsen. 
Serb. ugrin; bosnjak; cigan; hrvat; kumani; kumanja glava; madzari; pecenoge 
die Petsclienegen ; rumska; sasinB; crBkva sasa Sachsenkirchen; srpci; vla§ka. Klruss. 
uhryn; cech; jatvjah; kozak; lach; Jytvyn; peceüizyn; poJövci; pomoj'jany; prusy; rusyn; 
saska; sasy; tatary; varjaz; vofochy. Russ. Ijachi; varjag. Cech. uhcr; cech; charvat; 
litvin; n^mce; sasov; srby Syrb; srbskä, (slovanskä) kamcnice Windisch-Kamnitz. Pol. 
w^gier; cygan; czechy; jadwi^g; lach; niemce Nimpt^ch; ruskie; slazaki. Oserb. nemcy 
I)ürgenhausen. 

X. Eine geringe Zahl von Namen hängt mit politischen Einriclitungen zusammen: 
zupa, entsprechend dem deutschen Gau, das gleichfalls in Ortsnamen vorkommt; Ibgota, 
posada, volja mit Immunitäten ausgestattete Dörfer, womit deutsch Freiheit verglichen 
werden kann. Förstem. 104; videm, aus dem Deutschen, einer Kirclie gehöriges Grund- 
stück; tlaka Frohne; klruss. podym§cyna Rauchfangsabgabe; serb. panadjur, trBgt Markt; 
granica und me2da Gränze; svobodb frei; kmetb, vielleiclit lat. comes (comit-). nacli den 
Stämmen von sehr verschiedener Bedeutung; kn(jzB Fürst u. 5. \t.- vojevodä Heerführer; 
valpot, aus dem ahd. walpoto missus dominicus; und endlich dusBnikXi animator, worüber 



88 



Franz Miklosich. 



meine Abhandlung: Die slavischen Elemente im Magyarischen 26. nachgesehen werden 
kann. Die Benennung von Orten nach Wochentagen hängt wahrscheinlich mit der Abhal- 
tung von Wochenmärkten zusammen: cetvr'Bttk'B dies iovis: nsl. podcetrtek Windisch- 
Landsberg; kroat. cetvrtkovac, slovak. cetvrtek, magy. csötörtök. pc^t-sk-B dies veneris: 
nsl. petkovec. sabota dies sabbati: nsl. sobota Sobath; sobota, magy. Murai-Szombat, 
deutsch Uisnitz. sreda dies mercurii : nsl. podsreda Hürberg. Auch die Magyaren 
benennen Orte nach Wochentagen: csötörtök Donnerstag; ket Dienstag; pentek Freitag; 
szereda Mittwoch: Szerdahely; szombat Samstag; vasdr Sonntag. Am zahlreichsten sind 
die Mittwochsorte, neunzehn in Ungern, sechs in Siebenbürgen. Die Sitte scheint ursprüng- 
lich slovenisch zu sein; von den Magyaren kam sie zu den Rumunen. R. Roesler, Die 
Anfänge des walachischen Fürstenthums 33. 



Zdsveites Oapitel. 

Die Form der slayischen Ortsnameu. 

In diesem Capitel handle ich ab I. Numerus. II. Casus. III. Genus. IV. Nominale 
oder zusammengesetzte Adjectivform. V. Bildung der Ortsnamen a) durch Ableitung. 
Suffixe 1. 'S. 2. j-B. 3. ije. 4. ija. 5. 'bki, und Bkt. fi. Lko. 7. Bka. 8. ik-B. 9. aks. 10. jak^B. 
11. qgs. 12. iha und uha. 13. Bsk-B. 14. istB. 15. isko. IG. iste. 17. bcb. 18. Bce. 19. Bca. 
20. ica. 21. aj. aja. oj. uja. 22. icB. 23. acB. aca. 24. ezB. e2a. ?zb. uzb. 25. e§B. i§B. osb. 
uIb. usa. 26. arB. 27. at-B. 28. Bn-B. 29. BnB. 30. anB. 31. enib. 32. in-B. 33. ina. 34. janin-B. 
35. ynb. ynja. 36. ovs. 37. ava. b) durch Composition. I. Abhängigkeitscomposita. II. Deter- 
minative composita: a) das erste Glied ist ein Adjectiv; ß) das erste Glied ist eine 
Präposition. 1. mezdu. 2. na. 3. nads. 4. ob^B, o. 5. po. 6. pod-B. 7. pred-B. 8. preko. 9. raz-B, 
10. sji. 11. srede. 12. u. 13. vr-Blit. 14. vbz-b. 15. za. VI. Accent. 

I. Numerus. Die Ortsnamen stehen theils im Sing., theils im Plur. Der Plur. findet 
sich regelmässig bei den durch janin-B gebildeten, eigentlich Bewohner bezeichnenden 
Ortsnamen, ferner bei den von den Beschäftigungen und den Völkernamen hergenomme- 
nen. Nsl. döb, döbe und dobje collect. Kroat. ugrini, resetari. Pol. konary, piekary, 
rzeszotary u. s. w. 

II. Casus. Es ist bekannt, dass die meisten slavischen Sprachen auch im masculi- 
num entweder bei allen Substantiven oder nur bei bestimmten Classen derselben, nament- 
lich bei den Unbelebtes oder Unpersönliches bezeichnenden den plural nominativ durch 
den plural accusativ ersetzen. In einigen Sprachen geschieht dies bei den Völkernamen, 
wenn diese zur Bezeichnung der Länder angewandt werden. Vergleichende Grammatik 
3. 375. Daher cech. Vlachy, eigentlich plur. acc, Italia und vlasi, vlaSi, eigentlich plur. 
nom., Itali; pol. wJochy Italia und wJosi Itali. Diese Ersetzung des plur. nom. durcli 
den plur. acc. ist nicht sehr alt, indem sich in den älteren Denkmälern noch die wahren 
Nominativformen finden. Vergl. die Ortsnamen pol. wagielnicy, bobrownicy, zJotnicy. 
Klruss. olsany ist ein wahrer plur. acc.;' horo2ane ist nicht etwa der asl., nach der 
consonantischen Declination gebildete plur. nom. grazdane, sondern minder richtige 
Schreibung für horozany. So sind auch cech. sedlcany, becvary, svinary, sklare und 
novosedly zu beurtheilen; nicht anders pol. debiany, bednary, bednarze. Mit diesen 



Die slavischen Ortsnamen aus Appellativen, i. 89 

Bildungen, welche man im Cechischen und Polnischen fälschlich als feminina auffasst, 
hängen die Deminutivformen auf ka zusammen: klruss. bilanka, berezanka, hvOzdjanka-, 
denn es ist wahrscheinlicli, dass jenen scheinbaren weiblichen Pluralformen aucli die 
Singidarformen horozana, msana, olsana ihr Dasein verdanken. Dai'nach beurtheile ich auch 
die Deminutivformen Sech, dolanky, hajänky, hrazanky, becvarky und pol. brze2anka. Anders 
zu erkläi-en sind nsl. brode, hribljane, lorae, mlinare , nemske rute, Xeleznike; kroat. 
lucane, vrbovljane; serb. dubljane, glozane. In allen diesen Ortsnamen ist der plur. acc. 
nur missbräuchlich eingetreten, weil in der gewöhnlichen ßede der wahre nom. der Orts- 
namen ziemlich selten vorkommt und weil nsl., kroat. und serb. den wahren plur. nom. in 
vielen Ortsnamen bewahren: kroat. grabostani, meljani, vrhovljani; serb. selbcani, toplicani. 
Daran ist nicht zu denken, dass aserb. zaborane dem asl. plur. nom. auf ane gleich sei. 

Der Auslaut ach jener deutschen Ortsnamen, die aus dem Slovenischen stammen, 
hat einen verschiedenen Ursprung. Am lehrreichsten ist jenes ach, welches einem asl. 
jalrt statt des gewölmlichen janeht aus Substantiven auf janinü entspricht. Diese nicht 
auf Zusammenziehung, sondern auf einer besondern Pluralbildung beruhenden Formen 
sind nachweisbar im aruss. und im aserb.: poljahi, bei Nestor, komorahB Danic. 1. 4ü(). 
neben dem Dativ dubrovbcamb für poljanehoj, komorjanehb und dubrovLcanemB. Vergl. 
Grammatik 3. 173. Dass auch im nsl. älterer Zeit diese Bildung im plur. Local vor- 
handen war, lehren die germanisierten Ortsnamen: belani für btljani, Vellach aus beljahs 
für beljanehs aus beljaninii. blacane, blaöe Fiatschach für asl. blastahs aus blastanini. 
borljani, borovljani, borovlje Förlach. (brancani) brance Frantschach. (cerkovljani) cSrklje 
Zii'klach. (dobi-jani) dobrje Döbriach, ein asl. dfibrjah^ aus dabrjanin^ voraussetzend, 
(drevljani) drevlje Dreulach, bei Nestor drevljach'B. (gacani) gace Gatschach. (glinjani) 
glinje Gleinacli. gorjani, gorje Güriach. (gradcani) gradce Gratschach, (humcani) humOe 
Gumtschach. (hrascani) hraäce Kratschach. (jamljani) jamlje Amlach. (javorjani) javorje 
Afriach. klerani, kleöe Kletschach. krajani Krajach. locani, loce Latschach. (Ia2ani) laze 
Vassach. le§ani, lese Lesach. liplje (liple) Leiplach. melani für meljani Mellach. policane 
für poljicane aus poljice, dem in. von polje, Pöltschach. (porecani) porece Pörtschach. replje, 
(reple) Replach. (trnovljani) trnovlje Terlach. visprijani, visprije Weispriach: asl. vysprb. 
Das nur deutsch nachweisbare ßietschach setzt reöane, recah-b voraus. Es ist niclit 
unwahrscheinlich, dass in blace, gace, glinje u. s. w. auslautendes e für a steht, da noch 
jetzt in Unterkrain ve2e, du§e, volje für ve2a, du§a, volja gesprochen wird. 

In andern Fällen ist ach nicht auf diesem Umwege entstanden, sondern immittel- 
bar aus dem Thema: blate für blata Flattach aus blateht. borovje AVoroujacli. breze 
Friesach aus brezah'b. dole Döllach neben Doliech aus doleh-B. gaje Gajach aus galht. 
kotice Kötschach. kozje Kosiach. lazi Lazach. lOke Lokach. ladine (l^diny) Ladinach. 
Iu2e Lausach. osoje Ossiach. na polje Nampolach. dobro polje Dobridach. ravne liaunach. 
rove Roach, Rorach. vrovca (vrclbca) Weruzacli. vesele Vesirlach: vergl. na vselih Frölacli. 
ziri Sairacli. 

In einigen Fällen endlich scheint die Endung aeh in der Vorliebe des Deutschen 
für diesen Ausgang bei Ortsnamen ihren (irund zu liaben , welche Vorliebe im Norden 
sich dem a zuwendet; daher in Kärnten und Krain: berieevo Förtschacli. brezje Bresiacli. 
morire Mürtscluxcli . olsje Olsacli. vresje Heidach: vres Heidekraut, visoko Waisach. 
Dagegen in der Lausitz Bocka bukov. Drehna dronov. Gosda gozd. Luga iuh u. s. w., 
obwol man aucli in Kärnten die deutschen Ortsnamen Brucka, Fareha, Pirka findet. 

Denkschriften der phil.-liist. Cl. XXI. Bd. 12 



90 



Franz Miklosich. 



Im Cecliischen liat sick für ach die ältere Endung as erhalten; dieselbe Endung äs 
scheint ehedem im Nsl. vorhanden gewesen zu sein. Vergl. Grammatik 3. 374. Auf dieses 
as ist wol der Auslaut as, es mancher germanisierten Ortsnamen zurückzuführen : cech. 
tufany Turas aus turas ; zahra2any Saras aus zahrazäs ; borovany Forbes aus borovds ; 
milovany Milbes ausmiloväs; svojanov Svoyes aus svojäs von svojane. Man vergl. vrskmany 
Wurzmes; zahofany, zahofi Sehries und javory Ohrnes. Dem nsl. naklo steht deutsch 
Naklas gegenüber: man beachte Pletrias bei Valvasor 1. 176, jetzt pleterje Pleteriach 
und pudlas Pudlach Kämt., wol aus podoljane, podolje; endlich skale, deutsch Skallis 
Steierm. 

Der Gebrauch des slavischen Locals in den deutschen Ortsnamen hat für das Nsl. 
seinen Grund darin, dass auf die Frage, wie ein Ort heisse, meist mit dem Local ge- 
antwortet wird: Temu kraju se pravi v Selcach, v Gorjah, v Mosnah u. s. w., daher deutsch 
Selzach, Görjach, Möschnach u. s. w., daher auch cirminah (crtmbnjahi.), dem der deutsche 
Dativ Rottenmannum 1048 gegenübersteht; ocroglach (okraglah:b) 1249. Man füge hinzu 
Cech. cächy Achen, entstanden aus zachen u. s. w. Auf demselben Grunde beruhen auf 
der Peutingerschen Tafel die Ortsnamen in Alpe Julia, Longatico, Nauporto, Gabromagi 
u. s. w. und die Plural Dative Franken, Sachsen, Schwaben. Endlich gehört hieher 
Stambul elc, rr;v tcö).^; nezero, nizvoro sind aus £V und jezero, izvor entstanden; Pott, 
Personennamen 385, erklärt navarin aus sv und javorina. 

III. Genus. Adjectiva haben als Ortsnamen in den meisten Fällen das Genus femi- 
ninum, seltener das neutrum, am seltensten das masculinum. a) Nsl. bela. bistra Bach. 
2rna. Serb. bobova. cesta. vrbovska. Cech. blatna. (-ermnd. hajskä u. s. w. b) Nsl. bMo. 
Öech. borovno. mokrsko. Pol. baAsko. c) Serb. novyj. Klruss. bilsk. hJynsk. Juck. ßuss. 
kuzneck^B. Pol. bielsk. Hier muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass Substantiva 
neutra im Plural manchmal die Endungen des femininum annehmen. Nsl. blate (blato). 
Cech. blaty. blatecky. humny. mocidly. zelizy. Diese Erscheinung ist in dialektischen 
Eigenthümlichkeiten gegründet. 

IV. Nominale und zusammengesetzte Adjectivform. Die Adjectiva nehmen 
bald die nominale, bald die zusammengesetzte Form an. Klruss. hlynsk. Juck; biJoje, 
biJe. dubrovoje. javorovskoje. Russ. kuzneck:&; belaja. berezovaja. dolgaja. Cech. bilsko. 
borovno. lipovsko; bile. bilske. borova. Pol. baiisko. Oserb. BeJa, gen. beJeje. 

V. Bildung der Ortsnamen a) durch Ableitung. 

1. Das Suffix t tritt in Ortsnamen auch ausserhalb der Composition als secundäres 
Suffix auf, was sonst ausser zlat:B aureus von zlato aurum vielleicht nicht der Fall ist. 
Bopp 988. Die durcli i, gebildeten \Yörter sind Adjectiva, meist Feminina, und folgen 
regelmässig der zusammengesetzten Declination: di^b^B, dtibo, daba aus djibi>-'L, dabt-o, 
d^bt-a und daraus dabyj, d^boje, dabaja. Vergl. griech. alyr;, olvr^ u. s. w. Petters, 
Beiträge 2. 393. NsL zaspo, minder richtig zasp, gen. zaspega (zas:&p:5). serb. duba (d^bi)). 
klruss. duba. javora (javori.). cech. brnä (brno). dubä. u jabloneho Gabel. Jungmann, 
jedlä ( jedla). kobyhi, kobyle (kobyla). lük^ (laka). leska (leska). lipä gen. z lipe, später z 
lipeho (lipa). rokyta (rokyta). tisä (tisoj). Im slovak. tunl lüka (uri pratum) und in stani 
turä (v starej turej) hat turä deutlich adjectivische Geltung, pol. d^by, gen. d§bego ; d^ba 
Bach. Hieher ziehe icli auch nied^wiada aus medvedb-'b. oserb. duby, dubo, gen. duboho. 
kupa, gen. kupeje Schmal, 13. leska, gen. leskeje. lipa, gen. lipeje. ruda, gen. rudeje. Aus 
den Genetiven karheneje und rudeje sind die Nominative karhenej, rudej entstanden; ebenso ist 



Die slavischen Ortsnamen aus Appellativen, i. 91 

lipoj zu erklären, nserb. dube, gen. dubego. javora, gen. javoreje. l'eska, gen. Teskeje. 
lipe, gen. lipego. Vergl. moksoj aus moksoje. 

2. Das Suffix JT) bildet einige Ortsnamen, die ui-sprünglicli Adjectiva possessiva zu 
sein scheinen. Mehrere hier angefühj-te Formen sind dunkel, nsl. jastroble für jastroblje 
(jastrob). Vergl. trebea in trebca vas (trcbbcb). trnovee (trBnovbCB). vrabce (vrabbcb). 
kroat. moravce. trepea für trebca. vrance (vranbCb). serb. bukovße (bukovbCb). bukovßa. 
crn2a (cr^nbcb). drenbea. grbavca. jelenca. trebbCa. trnovce. trnovca. vinca. klruss. hnyKe. 
ivl'a. kobyl'a. kryvejc. kryvea. Jypja (jiol. lipie). lutJ^a. medvizje. medveza. pJavca. roz- 
horee. sti-ilcje. tel'ace. terepca: vergl. terebovl'a. zastavce. zubrja. zubrai^e (zabr^t-). ßech. 
nemce. nedvez. nedvezi. sokolCe slovak. pol. jastrzebia. ruszcza. siercza. trzepcza. turza. 
Mit den angeführten Formen mögen folgende verglichen werden: nsl. volce (vlibCij). 
kroat. hrasca. serb. guSterice. krivelj. zidbCa. klruss. büohorsce. biJokernyße. 

."). Das Ruffix ije bildet Collectiva, tritt daher regelmässig an substantivische, selten 
an adjectivische Themen, t, vor ije geht häufig in ov über, welches, als Bestandtheil des 
Suffixes angesehen, auch bei auf a auslautenden Themen dem ije vortritt, nsl. borje und 
borovje, borovlje (bort), brezje (breza). bukovje (bukt), bzovje (bbzT>). ccrje (cei-t). 
dobje (dabt). griblje (gribt). groblje (grobt). gruSovje neben grusovlje (gruSa). hrastje 
und hrastovlje (hvrastt). kladje (klada). lipje (lipa). oresje und orehovlje (oreht). replje 
(repa). snozece (senoz^tb). slivje (sliva). smereCje (smereka). vrbicje (vrbica). vrhovje, 
vrhovlje (vrtliT.). 2abje (2aba). Ebenso susje (suht). kroat. bobovje (bobt). bezje. celje 
(btCela). dolje (dolt). hrastje und hrasde. Ijesce (leska). liplje. rakovje (rakt). sviblje 
(svibt). virje (viri,). srakovlje (svraka). serb. brusje (brüst), bucije (bukt), grmovlje 
(grtmt). lestije alt, IjeSte (leska). ravbnije (ravbnt). klruss. pnuvje (pbnb). cech. brezi. 
buci. bukovi. bzi. doubi (dabt). javorl (javort). kozi (koza). krovi (kti'b). turi (turt). 
veveri (vevera). zubf-i (zabrt). 2ernovi (zrtny). pol. brzescie (brestt). brzezie. bukowie. 
leszcze (leska). wydrze (vydra). 

4. Das Suffix ija ist selten: nsl. trebija. serb. prosecija. klruss. poJomyja (polomt). 

T). Das Suffix tkt und biet tritt an Substantiva und Adjectiva: im ersteren Falle 
ist seine Function die Bildung von Deniinutiva; im letzteren Falle hat man die Wahl 
zwischen der Bildung von Demrnutiva und der Substantivierung der Adjectiva. Von den 
folgenden Suffixen bko und bka ist dieses nur durch das Genus unterschieden. I. kroat. 
borki. drenak. serb. borblcb. klruss. berestok. bere^ok (bregt). brodok. dubky. XoJobok. 
cech. borek. brodek. doubek. dubcek. javornißek. mlynecek. rybniCek. t^nec^ek. vepfek. 
?.libek, zlabek. ppl. boi-eczek. dabki. ostrowek. tarnowek. zakrzowek. oserb. b6rek. nserb. 
jazork Jehserigk, jazoj-y dagegen Gross-Jäser. II. kroat. crnek. klruss. hlubocok. 

n. Das Suffix bko tritt an Substantiva und an Adjectiva: im ersteigen Falle ist seine 
Function die Bildung von Deminutiva; im letzteren Falle hat man auch hier die Wahl 
zwischen der Bildung von Deminutiva und der Substantivierung der Adjectiva. I. nsl. 
gradiSko (gradisce). cech. blatecky aus blatbce mit Veränderung des Genus. hradiStko 
(liradlstc). javoficko (javorije, javorijce). jezirko. korytko. mestecko (mestbce). sedlecko 
(sedlo, sedlbce). sedliStky für sedliSte male. t^'niSfko. zdhoricko (zagorije, zagorijce). 
pol. piekie-HvO. sioJko (siolo). II. klruss. duberiko. kryverike. porudenko (porudno). 

7. Das Suffix bka tritt an Substantiva und an Adjectiva: iin ersteren Falle ist seine 
Function die Bildung von Deminutiva; im letzteren Falle hat man hier ebenfalls die 
A\ahl zwischen der Bildung von Deminutiva und der Substantivierung der Adjectiva. 

12* 



92 Feanz Miklosich. 

I. klruss. bukovynka. bzjanka von einem vmnachweisbaren bzjana. dubravka. jabJonka. 
Jukavka. sad2avka. ßecli. brezka. borovka. brezinka. bukovinka. doubravka. bystriC-ka. 
veelnicka. dubovka. doubravißka. hlohovißky. jablünka. molielka. reßißka. studenka. tepli- 
i5ka. vrbka. pol. brzezinka. lipinka. kamionka. vergl. woliczka, krzemionka. oserb. dubravka. 
lipinky Leipchen, dagegen lipiny Lippen, nserb. dluzanki. goranki Gorencken. javorka 
Klein Jauer, dagegen javora Jauer. kamenki Kaminchen. II. nsl. gabrovka (gabrova). 
ilovka. kroat. jelovka. topolovke. klruss. biJka. borovka. berestovka. berezövka. dubrovka 
(dubrova aus dabr^s). doJzka (doJha). hrabovka. kryvka. Jypövka. iozovka. Jozovatka. 
rudenka (rudna). turövka. vyso?ka. vysenka, russ. dubenka (dubna). kuznecovka (kuzne- 
cova). Ijachovka. cech. borovka. bukovka. dubenky. dubovka. klenovka. pol. debovka. 
oserb. bukovka. 

8. Das Suffix ik-B tritt an Substantiva und an Adjectiva. Seine Function ist im 
ersteren Falle bei den Naiuen von Bäumen, vielleicht bei den Namen von Pflanzen über- 
haupt, die der Bildung von Collectiva; bei den Namen anderer Gegenstände vielleicht 
die der Bildung von Deminutiva. I. nsl. klenik, klenovik. kroat. borik, borovik. brestik. 
brezik. bukvik. dubovik. jasenik. lipik. serb. bobovik. brestovik. bukovik. bzovik. dubo- 
vikb. jablanovikb. jelovikb. jelbSevikb. leskovikb. lozovik. slivovikb. vrbbovikb. russ. 
berezovik-b. Sech, bfezovik. bzlk. bzovik slovak. chnielik. jesenik; doch auch hlinik. 

II. klruss. bobryk. zubryk. ?ech. hamrik. kostelik. vorlik. pol. wroblik. Man füge 
hinzu klruss. olchov^yk (olchovec). orichovi^yk (orichovec). orjavcyk. osti-ovcyk (ostrovec). 
pol'anSyk. rakovü^yk. verbövcyk. c e eh. slovak. hrabovcik. pol. wiäniowczyk und bemerke, 
dass im serb. topolik neben topoljak Pappelwald vorkommt. 

Die Function des Suffixes ik-h ist bei den Adjectiven die zu substantivieren. Die 
Themen sind gebildet durch bni,, eni,, en-B, li, -B u. s. w. nsl. blatnik, brebrovnik. jel- 
sevnik. motnik (mafrb). trstenik (tristen-b) ; vergl. vrhnika. kroat. brusnik. cerovnik. 
ilovik. jezevik. ledenik. golik. susik ; vergl. pustike. serb. bresnik (brestt). drvnik. 
kupinbnikb. klenovbnikb. topolivbnikb. sarenik. drevenikb. trbstenikb. toplikb; vergl. zelenika. 
klruss. 2uravnyky. zal'isCyky. russ. elovatik'B. (-ech. blatnik. borovnik. bukovnik. beznik. 
javornik. lipnik. melnlk. okrouhlik. svetlik. 

0. Das Suffix ak-b tritt an Adjectiva. Seine Function ist die zu substantivieren, nsl. 
borovak. govejek für govejak (gov(?2db). jastrobljek für jastrobljak (jastreblb). kacjak (kacji). 
medvejek für medvejak (medveXdb). ribjek für ribjak (ribij). srnjak. sracak. zabjak. kroat. 
dolnjaki (dolbnb). golubinjak (golubinb). gornjaci (gorbub). jelenjak. kobiljak. kravljak. med- 
vedjak. orljak. sovjak. vucjak und vu?ak. vranjak. zabjak und 2abljak. serb. byvoljakb. 
sovljak. srednjak. turjake. vl&cijakb, vucjak und vuCak. volujak. 

10. Das Suffix jak-b tritt an Adjectiva und an Substantiva. Im ersteren Falle ist 
seine Function die zu substantivieren. Die Sclieidung zwischen alcb und jakij ist in 
vielen Fällen unsicher. I. nsl. kozlov§cak (kozlovbskT>). trnovfak für trnovs?ak. kroat. 
bukovgcak. dubravscak. gomelScak. gorscaki. grabr.scak. ilovcak für ilovscak. jelenscak. 
kozinscak. lipovscak. orehovcak. selscak. vrhovc^ak. Ebenso koritnjak. lipovjak. okrugljak. 
osojnjak und osojnik. skrobutnjak. slivnjak. vodenjak. vidrnjak. serb. debeljak. nieljak. 
zmijnjak. klruss. dubnaky. IL kroat. kamenjak. korenjak. 

11. Das Suffix ^g-B findet sich nur in wenig zahlreichen Spuren. Yergl. klruss. 
bidnaha, brocTaha, sermjaha Osad. 188. klruss. bereznahy. Jypnahy. stofpjahy; vergl. 
senahovka. russ. lipjagi. 



Die slwisciien Ortsnamen aus Appellativen, i. 93 

Die Suffixe iha und iclia treten an Substantiva und an Adjectiva. T. russ. losicha. 
2uravlicha. serb. toplicba. russ. grjaznucba. 2eltucba. 11. klruss. medueba. 

13. Bas Suffix Bskt biklet Adjectiva aus Substantiva und aus Adjectira. nsl. 
bebsko. kroat. goricki (gorica). sredieko (sredica). streleeko. volovska. serb. banjska. 
bukovska. vrbovska. klruss. bilsk. bukovsko. dolsko. bJynsk. javorövskoje. Juck (It^ka). 
lypsko. lacko (l§bT>). sorocko (svraka). vysocko. cecb. biLsko. bilske. blansko. blanske. 
borovsko. dubsko. dubecko. dvorecko. horensko. liorecko. bHbsko. jistebsko. blinske. 
mostecke, kamenicka. louckd. lipovsko. mokrsko. volovskti slovak. vranovsko. pol. bansko. 
bielsk. bJocko. czerwensk. dabsko. laiisk. iacko (bvka). obrzycko (reka). sniolsko. oserb. 
glinsk. iazk. Jomsk. lusk (luza). nserb. debsk (dbbrb). tarnojsk für tr-BnovEski.. 

14. Das Suffix iStL bildet meist Deminutiva. ng*l. dolir. dobric Berg, gradie. studen- 
cici (studenbCb). trzic Neumarktel. kroat. ceric. cerovici. dabrie (dbbrb). grabriö. gradi6i. 
svibic. turnic'. serb. dobric. golubic. grabovic. gricic. ratic (rT>t'b). turic!'. vlasic. vrbiö. 
klruss. hrabyc. lirybovycy. jastrubycy. pJotyc. russ. dubrovic;i. 2uraviöi. 

15. Das Suffix isko tritt meist an Substantiva und hat als ursprüngliche Bedeutung 
die Augmentation, selten Humiliation: klruss. bahnysko, derevysko, konysko Osad. 188. 
cech. hubisko, ocisko neben kravisko schlechte Kuh. Dobrovsk^' Lehrgeb. 41. Institutt. 
305. pol. chJopisko, kobiecisko, miescisko. MaJecki 214. Vergl. das Suffix iste. klruss. 
dvorysko. liorodysko. humnyska. hutysko. chmeJyska. kamenysko. lutovyska. makovysko. 
mJynyska. mostyska. rozyska. strilcyska. torhovyska. tyiiatyska. voJocyska. zmyjevyska. 
zornyska. cecli. dvorisko. hradisko. repisko. sedlisko. skalisko slovak. straXisko. pol. 
grochowiska. izbiska. karczmiska. koscielisko. Jaziska. miynczysko. mokrzyska. opalenisko. 
stawisko. trzebowisko. targowisko. Man füge hinzu grodzisk und chlewisk. 

l(i. Das Suffix iste wird meist an Substantiva gefügt und hat wie isko, aus dem es 
hervorgegangen, als ursprüngliche Bedeutung die Augmentation, daher klruss. bahnysko 
und bahnysce, chJopcysko und chJopcysee, ohnysko luid ohnysce gleichbedeutend sind. 
Osad. 192. Aus der Augmentation mag sich die in den Ortsnamen geltende Bedeutung 
des Ortes entwickelt haben: asl. aziliste carcer. klruss. sidalysce. cech. 2itniste. pol. 
mrowisko. Vergl. das Suffix isko. nsl. cerkvise: §e für sce. gradisfe. grobiSe. hlevise. kalisce. 
mlinse für mlinisce. r2isce. stanise. stra2isce. tenetise. trzise. Kirovse. kroat. bobovisce. drenis^e. 
dvorisce. gajisre, grahoviste. jezerisce. ku6is(^'e. kri2isce. mlinisce. rovisd-e. subotiste. sta- 
niste. taborisce. trgovisce. turnisce. 2irovisce. serb. gnilista. gumniste. rastlste (livrasfb). 
kaliSte. katuniSte. kosarista. makovi§te. mlaciste. mostiste. reciste. rudniciSte. rujiste. sjenista. 
klruss. horodysre. kutySce. korytysce. kropyvysce. potocysce. i^ornysce. cech. uhliste. 
brevni§te. dvoriste. hlinovistc. hrachovi§te mit dem plur. hrachovisfata. chmellste. chrä- 
miste. jemniste. jiloviste. kaliste. kainiste slovak. kameniste slovak. konopiste. kosteliste. 
luciste. lni§te und lenoviSte. mlyniste. mostiste. mraviste. oboriste. plotiste. stanoviste. 
straXistc. sedliste, trebiste. t)''niste. poln. grodziszcze. po2arzyscze. Pol. Appellativa 
auf iszcze sind aus dem klruss. entlehnt: rzeczyszcze, uroczyszcze. IMalecki 214. nserb. 
fepisca. 

17. Das Suffix bcb tritt an Substantiva und an Adjectiva. Im ersteren Falle demi- 
nuiert. im letzteren substantiviert es i-cgelmässig. In einigen Fallen bezeichnet BCb ib'u 
Bewohner des durch das Thema bezeichneten Ortes. 1. nsl. brezce. krivoglavce. kroat. 
borcec. brodac. dolec. drencec. gradcac. kriXevcec. ponorac. Man merke jezerac. l'lur. 
dubravci. golobrdci. gajci. jelence. podgajci. podgorci. vinogradci. serb. borbcb. golu- 



g^ Franz Miklosich. 

"bbCB. ThtbGh. tr2ac. Plur. resavci. srbbavbci. klruss. berezec;. chorosteö. Plur. uherce. bilavci. 
hrebeiici. kutci. krasnoselci. Jypei. mezyhurci. podbörci. pödberezci. podOlci. poliörei. 
seredpolci. tarnavci. zaboiotti.. zabolotovci. russ. plur. novogorodci. putivlbci. rostovci 
incolae urbis Novgorod-b. Putivlb. RostovT&. cecb. brodec. diibec. dvorec. hvozdec. koste- 
lec. lipec. lomec. mlynec. podolec. vepi-ec. pol. w^grzec. cisiec. oserb. dubc. nserb. 
bageric (bagno). IL nsl. bezgovec. crnec. lipovec. ojstrc. 2eravlnec. Plur. trnovci. kroat. 
belec. bobovec. borkovec. brezovee. brdovec. bistrac. korenitec. modrovec. nemcevec. 
zdena^. Plur. borovci. brezovci. drenovci. graboYci. krizevci. vranovci. vrbovci. vrhovci. 
serb. ugljarevac. bobovbCb. borkovac. creSnjevbCb. golubovac. kyjevbcb. loznac. volujac. 
zverinac. Plur. borovci. lipovci. virovci. klruss. berestovec. bystre6. kryved. Jabove^. 
lypovee. rozsochovatec'. voJovec. zvirynec. Plur. dubovdi. dubkövci. horochövei. jasenOvc'i. 
Jypuvci. mJynovci. olchovei. suchOvöi. verchövci. cech. borovec. bystf-ec. bzenec. tresno- 
vec. dubenec. lipenec. modrec. mokrec. rohatec. sokolovec. zelenec. zverinec. pol. debo- 
wie.c. Jysiec. mielee. oserb. bukovc. nserb. bukojc. 

18. bce bildet Derainutiva aus Substantiva generis neutrius. kroat. seoce, sedelce 
(sedlo sedes, vicus). serb. blatbce. drevbce. korytbca. kovioce. vratbca. klruss. koJodence 
(koJodno). selce. siK-a. cech. blatce. drevcice (aus drevbce). mestce. mocidlce, mocidlice. 
sedlce. selce slovak. pol. lÄejsce (mestbce). siedlce. nserb. drejce, richtig wol dfejce 
(drevbce) Drewitz. jazorce. ' 

19. bca bildet Deminutiva aus Substantiva feminini generis. auf b. kroat. pecca. 
cech. vesce. pol. solca. 

20. I^s Suffix ica tritt an Substantiva und an Adjectiva: im ersteren Falle bildet 
es Deminutiva, im letzteren substantiviert es. I. nsl. bistricica. dobravica. goricica. kroat. 
brezice. . drazica (draga). glavnicica. hrusvica (hrusva). jelvica. toplicica. serb. banjica. 
e^esvinica. ribicica Bach, ica tritt auch an Substantiva masc. : dvorica. izvorica. klruss. 
korovyca. voi'yca. cech. doubravice. doubravgice (doubravka). hlohovcice (hlohovka). 
j^bllcynice. feßice. vrbice. pol. cerekwica. cirkwica. dabrowica. nserb. cerkvica. II. nsl. 
belica. blatnica. borovnica. brankovnica (von den Franken), brestovica. breznica. brezovica. 
bukovsica (bukovbsk-b). bistrica. crmosnica Bach, dobovica. gabrov§ica. globocica. glogovica. 
kos'tanjevica. lipovsica. lomscica (lombskt). motnica. ostrica. ostrovicawol durch Verwandlung 
des Tb in ov aus ostrt. plesivica. polhovica. poljanscica Bach, toplica. vransica. vidrnica. bulg. 
koprivstica. kroat. blatnica. bobovica. brezovica. bzenica. ßremusnica. dobrica. glogovnica. 
gradcenica. javorscica. svidnica. trnovitica (adj. -^tr^novifb). serb. b&ljevbstica Bach, bresnica 
(brest'b). brezovica. bistrica. crbnica. dubbstica. dubbnica. glbbocica. glogostica für glogov- 
stica Bach, jelasnica. kobylbstica Bach, lesbnica. Ijutovica. modrica. mrtvica Bach, rtenica. 
sitbnica. stublenica. susica. trbnovbstica. trbstivbnica. vlbcevbstica Bach, vysocica. zagumb- 
stica. klruss. borovyca. bystryca. . bystrovyöa. bobrovyöa. bzovyöa. cernyöa. doizyca. 
hräbövnyca. milnyca. tepJyci. scavnyci. tysovyöa. cech. blatnice. borovnice. brtnice. bystrice. 
vcelnice. dubovice. dubnice. mutenice. teplice. pol. borownica. 

21. Die Suffixe aj, aja, oj und iija sind selten. I. kroat. krivaj, russ. berezaj. kroat. 
brzaja. krivaja. suhaja. serb. krupaja. II. pol. boroj. III. serb. voluja. Vergl. wruss. 
bobrujsk und serb. volujak. 

22. Das Suffix icb tritt an Substantiva und an Adjectiva. serb. golicb. klruss. 
niodryc. cech. holic slovak. t?ebic. pol. wi^nicz. 



Die slavischen Oktsnamen aus Appellativen, i. 95 

23. Das Suffix acb, aca wird an Substantiva und an Adjectiva gefugt, nsl. dobrac 
Berg, kroat. brestaca. jasenovaca. kozjaca. krupaca. kruiskovaC-a. lipar. lipovaca. Ijutaca. 
podgorac'. stupovaca. sibac. Man merke debeljaOa. serb. b.urai.'. dobraca. krivaca. moraca. 
paklenjaca Bach, rogaca. sovac. ^rvnjovaca. klruss. lo^ac. rozsocliae. sumjac. zaderevac. 

24. Die Suffixe ezL, eza; §2&; uzl sind selten. I. nsl. grade2. trebez. kroat. gole2a. 
trebe2. II. klruss. verbiz aus verbjaz. pol. werbi^X. III. klruss. jaliJuz (jagfa). Vergl. 
cecli. kfemy2, kfemze. 

25. Dasselbe gilt von den Suffixen esb, isb, ost, usb, usa. I. kroat. gole§i. kostresi. 
rüdes, serb. ruekynesb. cecli. dfeves. tfebes. II. serb. toplisb. pol. kalisz. III. serb. 
belosb. IV. kroat. blatusa. vrataru§a. serb. crbnuSb. golus. gorusa Bach, konjusa. koza- 
rusa Bach. smoluSa Bach, klruss. koi^usa. 

2G. Das Suffix arb scheint den Bewohner bezeichnende Worte zu bilden, kroat. 
dolari. ponikvari. serb. medjare. zvizdar. Vergl. zabari. 

27. Das Suffix att bildet Adjectiva. serb. grb-movata. klruss. bahnovate. l'iskovate. 
Jomovatoje. mochnate. rozsochate. 

28. Das Suffix bnij bildet Adjectiva. nsl. cirloio. "kroat. brezno. dubno. serb. 
brezbna. brocno. seona. klruss. uhelna. bukövna. cerkovna. oceretna. vapenne. russ. 
borovna. dubna. cech. borovno. brezno. brodecno. brocno.- bukovno. debrno. blatna. 
vOelnä. dubnä. tremesna. chmelistna. lestnd. mutna. pol. borowna. trzemeszno. 

29. Dasselbe gilt vom Suffix biib." nsl. repnje. svibenj und sviben. kroat. brotnja. 
serb. jagadnje. klruss. bolotria. eeremosna. javorna. jemelna. krapyvi'ia. ryben. terebeA. 
russ. ivnja. cech. husiia. nserb. gribovna. 

30. Das Suffix anb tritt sowol an Substantiva als auch an Adjectiva. kroat? javoranj. 
serb. krupanj. lozanj. mutanj. ostruzanj. rtanj und rtan Berg, vodanj. vrbanj. klruss. 
berezan. 

31. Das Suffix en'b bildet Adjectiva. kroat. trsten Teich, trsteno. serb. pesbcana. 
klruss. kremjana. Vergl. asl. kamenii. c^ch. hlinenä. 

32. Das Suffix in-b bildet ursprünglich Adjectiva. klruss. liorosyn. kozyn. Jebedyn: 
Jypyn. lo^atyn. rohatyn. smofyn. soiyna. zuravyn. cech. banin. Iiolubiii. koziii. zajecin. 
pol. gasino. gogolin. goJabino. Jaczyn. zabino. 

33. Das Suffix ina tritt an Substantiva und an Adjectiva. I. nsl. krtina. kroat. 
brezine. bebrina. bezovina. drazina (draga). drencina (drenek). krcevine. lazine. vrhovina. 
serb. borina. grabovina. krajlna. lucinu. stubline. trnicina. klruss. berezyna. bucpm. 
liscyna. izna für ina: novyczyzna (noviki)). stavcyzna (stav'bk'b). cech. blatina. borovina. 
bfeziny. bucina. bukovina. dubina. dubicina. habrina. lestina. pol. brzezina. m^cina. 
oserb. bukojna für bukovina. nserb. hugliny. IL kroat. konj.scina. plemen§cina. slobostina. 
klruss. kalynovscyna. kozelscyna. voÜoscyna. cech. pustina. pol. luoi'awszczyzna. 

.■)4. Das Suffix janini., das im Plural ini» abwirft, b(?zeichn<3t den Bewohner des 
durch das Thema ausgedrückten Ortes und dient im Plural, selten im Singular, als 
Ortsname. Vergl. lit. cnas: u2upenai, elg. die jenseit des F'lusses Wohnenden; platupenai 
die am breiten Flusse Wohnenden; tarpupenai die zwischen Flüssen Wohnenden; trakenai 
Trakehnen, die auf einer durch Ausbrennen urbar gemachten Heidefläehe — trakas — Woli- 
nenden. nsl. creSnjani. hribljane. lipljene für lipljane. kroat. borovljani. borovcani. brestane. 
brezovljane. brusane. brdjani. bukovcani. cerovljani. dubrovi^ani. doljani. dolCani. glavicani. 
gredjani. uncani (hl-binbcane). hrascani. jancani wol für jamicani. ki'aljeviianl. kri2ovljane. 



96 Feanz Miklosich. 

luCane. Ijestani. lipovljani, lipovöani. meljani. sredjani. trnjane. vrbovljane. vrliovljani. 
— crkovljan. creean. dubravcan. gorican. hrastovljan. kri2ovljan. vrliovljan. serb. ugljane. 
bosnjaiii. dubljane.glozane, gorjani, hrastani. krbstböani. labljane. lestani. novoseljane. ortljani. 
selbcani. studenbcanl. toplicani. zaborane. klruss. bere2any. berestjany. bystx'yßany. dublany. 
dobrjany. doJynrany. derevnany. MyAany. horozane. kaJuzany. olsany. potoßany. reöycany. 
stavcany, verbjany. russ. alt. kurjane, kyjane, pinjane, smolnjane von kurbsk'B, kyjevb u. s. w. 
ßech. borovany. borCany. braiiany. bfezany. brestany. brozany, bucany. bukovany. bystfany. 
bzany. diibany. dubßany. dubnany. dubovany. doubravany. doubravißauy. dob?any. dolany. 
habrovany. hajany. holany. hofany. hrazany, hradeany. hradistany. hrobicany, liumiiany. 
livozdany. chlumßany. jivany. kleiiany. kozlany. loukovany. lesany. lipany. lipnany. olsany. 
olsovany. sedlcany. vrsany. pol. bielany. brzezany. brze^ciany. d^biany, podolany. 

35. Das Suffix ynb, ynja scheint Adjectiva zu bilden, serb. dobrinja. klruss. uhryA. 
boryAa. hoJyn. lioryn. medyna. ostryna. zabyri. pol. grudynia. nserb. boryA. mysyri. 

36. Das Suffix ov& bildet Adjectiva. nsl. brezovo. cerovo. hru§evo, trnovo, gen, 
trnovega. kroat. borovo. johovo. tihovo. serb. bobrova. brezova. dracevo. klruss. berezöv. 
bukov. ceremchov. ceresnov. kozova. lypovoje. russ. berezovt. dubovoe. dubrovo. Cecli. 
bfezovä, bobrovä. bzove. drinov. jedlovä. okrouhlov. tisovä. vepfikov. visnove. zernov^. 
pol. borow. borkow. bobrowa. trze^niow. makow. oserb. bukov. nserb. df-onov. mocliov. 

37. Audi das Suffix aya ■ scheint ursprünglich adjectivi^ch zu sein. nsl. trnava. 
kroat. josava. serb. crbnave. krasava. resava. tbmava. vrbava. klruss. nichava. tarnava. 
2yrava. russ. bobrava. vergl. lomavaja. cech. belava. bobrava Bach, dobrava. chrastava. 
ilava slovak. jitrava. kalava slovak. jelsava slovak. Ostrava, svatava. trnava. vlkava. zele- 
nava. pol. brzezawa. Jakawa. rudawa. stobrawa Bach, javä findet sich im kroat. orljava. 
serb. trnjava. klruss. starjava. cech. sazava. 

b) durch Compositio n. 

I. Abhängigkeitscomposita. Die Glieder stehen im Genetivverhältnisse, kroat. 
glibodol (coeni, coenosa vallis). vinodol. vodostaj. vranodol. serb. bobodol. vukodo. 
klruss. ßortoryja (talpae fossio). hrycovol'a (Gregorii ager). kobyJovoloky. tarnoruda. 
cech. borohrädek. gertoryje. feporyje. pol. czartoryja. kurozweki. zlotoryja. 

II. Determinative Composita a) das erste Glied ist ein Adjectiv oder Numerale, 
nsl. strmoreber. suhodol. kroat.. belobreg. crnolazi. lepoglava. novoselja. pustodol. troje- 
glava. trolokve. serb. biograd. brzovode. dobrodo. dobrodoli. dobroselica. golövrbhb. 
knezpolje. krivodol. mrkodo. ostrozub. sarkamen, vysegradb. klruss. biJoberehy. byiohora. 
bilhorod. bifozerje. ßornoriky. ßervonohorod. doJholuka. dobrokut. dobrovody. hnylovody. 
holohory. holohorky. knazol'uka. krasnopoJe. kryvoJuka. rydoduby. starohorodi suchodoJ. 
suchoriSe. suchostav. suchovola. toJstoJuh. vyshorod. (Sech, ßernodub. ßei'nodol. dlouho- 
dvory. hornohrad. chudlaz. chudolazy. knezpole. krasnoves. novohrad. novosedly, sucho- 
dol. suchdol. vysehrad. pol. biafobor. bialoJ^ka. czarnolas. dJugoi^ka. Icrzyworzeka. 
nowostaw. ostrorog. 

Oft tritt das Adjectiv in syntaktische Verbindung mit dem Substantiv. Nsl. bukova 
Iraga. bukov hrib. cerov log. ßrni vrh. dolga vas. kne2ja lipa. kobilja glava. kozji 
hrbet. nemSki rot. smolena vas. zajÖja vas. 2abja lu2a. kroat. bele breze. crni dabar. 
debeli lug. golo brdo. hudi bitek. hudi konec. kozalj vrh. serb. cerovyj rttb. ßrbvena 
poljana. debeli jasen. golii hlbmi, kumanja glava. Uta stena. modryj melb. mratinja crtkbvb. 
mutna reka. vranija, vranja stena. klruss. iysa hora. perunovyj dub. ture pole, vysokyj 







Die slavisi.'hen Ortsnamen aus Appellativen, i. 9'J 

Jii. 2ecli. e-erveiiy potok. dubov dil. kavri liora. moravc vcs. nove sidlo. popüv ke?. 
siipi hora. svatä liora. pol. czarny Jek. trzcäniowy dab. diugo siedJo. sokola dabrowa. 
wilcza gora. oserb. sokula hora. nserb. carny gozd. 
ß) Das erste Glied ist eine Präposition. 

1. mezdu. nsl. medvode. kroat. mcdjudraXjo (draga). klruss.'mezybr^dy. me2ybrod. 
meXyhört'i. mezyriiSe. ßecli. mezibori. niezihori. mezilesf. mezilesice. mezilui^i. mezipotoei. 
mezirie^i. pol. mi^dzyborz. mi§dzylesie. mi(jdzyle§. 

2. na. kroat. nabrdje. klruss. nahörjanka. cecli. nabzi. nadvoff. nilkri. 

3. nadt. pol. nadbory. 

4. obt, o. nsl. obrez. odobjc. serb. ogorje. obrüSani (vrth'B). pol. objezierze. 

5. po. nsl. pobrze(breg'B). kroat. poröß. sei'b.poreeB. klruss. pobereze. podöKi. poliore-i. 
pokut'e. poJomyja. cecli. podol. podoli. podolec. poliora. polom f. poMß. pol. pogorzany. 

G. podT.. nsl. podborst. podbi-eg. podbrezovec. podbukovjc. podreber. kroat. pod- 
brdje. podbukovjc. podgaj. podgora. podgorac. podgrie. serb. podgorae. podgorani. 
podbstenije. podvrska. klruss. podbörci. podberezci. podhaje. pOdluijcyky. podhorci. 
podlisky. Pech, podbor. podbori. podbrdi. podhäji. podliora. podhrad. podhradi. podluliy.. 
podskali. pol. podborze. podborz. podgorze. podgorzyno. podteze. podlas. podlesie. 

7. prCds. cech. predmosti. 

S. preko. serb. preiconozi. prekorjecani. 

9. razt. klruss. rozdoJ. rozhoree. eech. rozdrazi. 

10. sü, sa. nsl. sodrazava. sovodenj, sovodje. 

11. si-ede. klruss. seredpolei. ßech. stredolesi. 

12. u. ßech. oudoli. oususi. 

1,3. vriihu. nsl. vrhkrka. vrhpee. kroat. vrhpee. serb. vriditlabL. Vergl. vysesava. 
klruss. vrchobuz. eech. vi-clilabi. 

14. VBzTi. serb. uzdolje. cecli. zlior. 

15. za. nsl. zaborst. zabreznik. zabrda. zabrdje. zabrdce. zabvdcovje. isahomec. zakriz. 
zavolsje. zarecje. zastene. zavodnja. kroat. zabika. zamlace. serb. zabla6e. zablaö. zabla- 
tbkB. zabrega. zabrezje. zabrdje. zabrdica. zaglavak. zagora. zagorje. zagorica. zagoricaue. 
zagradb. zagvozd. zahlbnib. zaslivlje. klruss. zaboJotovka. zabolotovci. zäbolotci. zaborje. 
zabereze. zabrod. zadubrovci. zadilsko. zadvörje. zahörje. zaliorby. zahvofdje. zaozerje. 
zaiuh. zaJuz. zaJucjc. zal'isci. zaliscyky. zamostje. zamost. zarika. zastavje. zastavSe. Sech, 
zäbor. zaborov. zabreh.' zabrusany. zdbrdi. zadub. zadil slovak. zadoli. zAho?-i. zdhoricko. 
zahorany. zachlumi. zAkupy. ziüesi. ziiluzi. zäniezi. zalsi. zapribori. pol. zabJoto. zaborze. 
zagorze. zagrodzie. zaclieimna. zakosciele. zakrzowek. zai'Qzc. zalas. zalcszany. zaskale. 
oserb. zamosty. 

VI. Accent. Im Griechischen scheiden sicli Appcllativa von den Nomina propria 
manchmal dadurch, dass das Proprium den Accent von den letzten Sylben auf eine der 
vorliorgehenden zurückzieht oder aucli umgekeln-t dadnnih, dass es ihn von einer der 
vorhergehenden .Sylben auf die letzte nickt: vV.aio; und Xxaloc; atz6 und Aitc'j: JStOYSv'»]? 
und liv(STr,c, — 3(oCö|XcVoc und X(oCo(i.cv6? u. s. w. Pott, Zeitschrift der deutschen morgenl. 
Gesellschaft 24. 111. In (len slavischen Sprachen ist mii- uui- ein Fall bekannt, wo diese 
Unterscheidung eintritt: serb. jasenovac bezeirlmct den Esehenstab, Stab aus Eschenholz, 
"Während jasenovac doi- Name einer Stadt ist. 

Denkschriften ii(>r phil.-hist. Cl. XXI. Bd. 1,3 



■gg Franz Miklosich. 

Drittes Oapitel. 
Das Verhältniss der slavischeu Ortsuamen zu den darauf beruheiideu anderer Völker. 

a) Deutsch. Von diesen Völkern sind die Deutsehen dadurch wichtig, dass sie in manchen 
Ländern mit Shiven vermengt leben, nocli wichtiger aber dadurch, dass in einem nicht unbe- 
deutenden Theile von Deutscliland die Orte im weiteren Sinne des Wortes von den Slaven 
ihre Namen erhalten haben, die nun im Munde der Deutschen nicht selten Formen dar- 
bieten, in denen das ursprüngliche Wort schwer zu erkennen ist oder gar nicht mehr 
erkannt werden kann. Dabei finden folgende Verschiedenheiten statt: 1. Der slavische 
Ortsname wird in das Deutsche mit jenen Veränderungen aufgenoninien, welche die 
Lautlehre des Deutschen fordert. 2. Der slavische Ortsname wird in das Deutsche in 
einer dem Deutschen bedeutungsvollen Form aufgenommen. 3. Der slavische Ortsname 
wird übersetzt. 4. In manchen Fällen findet zwischen dem slavi sehen und dem deutschen 
Ortsnamen kein Zusammenhang statt. 5. Demselben slavischen Ortsnamen stehen lieut- 
zutage verschiedene deutsche Namensformen gegenüber. G. Manche deutsche Foi'men 
setzen ein mit einem anderen Suffix gebildetes Wort voraus, als der jetzige slavische 
Name zeigt, b) Magyarisch, c) Italienisch, d) Griechisch, e) Türkisch. 

a) D e u t s c h. 

Der slavische Name wird in das Deutsche mit jenen Veränderungen aufgenommen, 
welche die Lautlehre des Deutschen fordert. Es ist nicht meine Absicht, die Veränderun- 
gen, welchen die slavischen Namen bei ihrer Aufnahme ins Deutsche unterliegen, voll- 
ständig zu behandeln-, ich will nur zwei Erscheinungen besprechen, nämlich die Art 
und Weise des Ei'satzes a) des b und ß) des s. 

a) Dem Slavischen mangelt der Laut f, und wird in entlehnten Wörtern durch b 
ersetzt-, dagegen tritt in entlehnten slavischen AVörtern an die Stelle des slavischen b 
deutsch f, seltener und, wie es scheint, nur in späterer Zeit w: blace Faak mit Unter- 
drückung des in u übergehenden 1 Kämt., borce Förk Kämt., breg Frög Kämt., breznica 
Friesnitz, bystrica Feistritz neben blace Watschig Kämt., breznica Wriesnitz Kämt., 
bystra Wistra Kämt.; w findet sich namentlich nördlich von der Donau: bystrica Weistritz 
Schles. Buttni. 117, Weissen tz; daselbst findet man in einigen Fällen das b bewahrt: 
bj'aski Brieske nserb., brezna Erosa oserb., bystra Birste, Berste nserb., welchen letzteren 
Namen Buttm. ICH von ber amarantus blitum ableitet. 

ß) Slavisch s geht im Deutschen häufig in z über: suha Zauchen Kämt., sedlo 
für selo Zedl Kämt., slan Zlan Kämt., sopot Zoppothof Kämt. Dasselbe findet man in 
Appellativen Zlak d. i. slak Windling, Zmolken d. i. smilka ßottenkraut dialektisch in 
Kärnten Jarnik 197. 199. sk geht im Norden in zig über: Dolzig aus dJusko (dl'BZBsko), 
Glinzig aus glinsk, giinsko, glinska, (laussig aus Imska, Kölzig aus kolsk, Leipzig, 
ehedem Leipzg, aus lipsk-, Patzig aus pesikib pol. piasek. Manchmal gelit s vor 1 in 
seh über: Schlau aus slan(^, Schlanitzen aus slanica, Schlattin aus slatina, das jedoch auch 
mit Abwerfung des s Latein lautet. Im Inlaut erhält sicli jedoch meist s: vusoka 
Weissak. 

NsL bela Vellach, in einer Urkunde von 990 velach, vielleicht eine Verbindung 
des slav. bela und des deutschen ach, ahd. aha, Avährend Vellach füi- belani (beljani) 
wahrscheinlich der plur. loc. belah-B (beljahi>) ist. blate füi- blata Flattach; blatnica 



Die slavischen Ortsnamen aus Appellativen, i. 99 

Flattnitz; blacani, wovon ein plur. loc. blacac^h, und daraus eine Neubildving blaee, liegt 
Flatschacli (Kärnten, Lungau) und wol aucli Watschig zu (Ti-undc, ebenso Faak: in den 
beiden letzten Formen ist 1 ausgefallen. Man beachte k für c. borovnica Franzdorf, 
borovljani, wovon ein plui-. loc. borovljahi. und daraus borovlje: Förolach, Förlach. 
breze Fresach, Friesach, Frescn: die beiden ersten Formen entsprechen dem plur. loc. 
brezah-B; aus dem collectivum brezje ist Bresiach entstanden, brde für brda Werda und 
Wurdach (bridcht); brdce Ferk, worin k für c. buce für bucje Fautsch. b y s t r a Wistra ; 
bystrica Feistritz, cerklje Zirklach, dobrje Döbriach, Dobriach. dole Döllach, Dellach; 
dolic Dolitsch; crezdol Schresthal; zadole Sadolach, »Sallach. draga: sodrazava Zedross. 
poddravlje Federlach. gajoGajach. glinje Gleinach; glinico üleinitz. gorjani, wovon 
ein plur. loc. gorjah-B, Göriach (Kärnten, Göriachwinkel Lungau). gorica Görz, Goritzen- 
doi-f, Hörzendorf; gorißane (goricah-B) Görtschacli •, nagorice Aggoritsch, Aggorltschach. 
gradec Grades, Gradenegg; gradce (gradtcane, gradBcahü, gradbce) Gratschach; gradise 
Gradisch, g o zd i C Hostitsch ; gozdnice Gösnitz. h o 1 m Kulm ; hum Kuhnborg; hol inec Kolmitz ; 
homcc Kumitz; humce (hltnibcane, hl'bmBcahi), hl-Bmce) Gumtschach; zahomec Achomitz: 
vergl. Achalm vielleicht aus zahhimoi. hrastovica Krastowitz; hrasce (hraStane, hrastah-B, 
hraste) Ivratschach. horvace Krobatsch. janilje Amlacli.- j avorjo Afriach; javornik 
Jauerburg; javorce Auerling. jazbina Jaswein. jesenice Assling. kneziöe Knaasweg. 
koprivna Koprein. kostrivnica Kostrcinitz. krajani Krajach. Vergl. spodnji kraj Unter- 
aigen. krasnica Krassnitz. laze Laase; lazi Lasach; laznica Lassnitz; Lassnitzgraben 
im Lungau. log Lag; luzi Lang mit Bewahrung des Nasals: lagü. loka Laak, Lack; 
luko Lokach; locani, löge Latschach. lesjo Lesach; Lessiachwinkel im Lungau, lesnik 
Liesing. ladine Lieding: asl. l^diny. lipnica Leibnitz mit h für p vor n: vergl. Pott, 
Personennamen 38y. lubno Laiifen. luze Lausach; luznice Lussnitz. mala gora Malgern. 
mötnik Möttnig. melani (meljane, meljahij) Mellach. mekine Minkendorf, medgorjc 
Magern, Mieger. niocilo für mocila Matschiedel, das auf mocidlo hinweist, moglice 
für mogylice Möchling; gomilica Gamlitz. mokrije Mökriacli. morava Mrauen; raoravöc 
Moräutsch. naklo Naklas. na plazu Naplas. olsje Olsach. osojc Ossiach: vergl. osojnica 
Sattnitz. ovsise für ovsise Auschische. pecani Peckau; v pecah Pöckau. plesa Plieschen. 
podgorje Podgier: vergl. medgorjc Mioger. podpece Pulpitsch; podpeco Unterpotzon. 
policane (poljicahij von poljice, dominut. von polje) Poltschach. podpoljc Poppichl. 
poljana Pollain; poljane Pölland. ponikle für ponikve Ponk. ])orece (poreßane, pore- 
cahs) Pörtschach. pozarnica Pusarnitz. prekop Krekap, Kregab. pustrica Pustritz. 
Vergl. Pustei'thal , das in einer Urkunde von 973 pustrussa, später pustris heisst. 
reka Rieg. rov (roveli'B) Rowech. ruda Rüden, ribno Reifen; ribnica Roifnitz. rdeCi 
kal Erdetschkal, Rothcnkal. rtic Artitscli. rzno Irschcn. sedlicc Zedlitzdorf; sele für 
sola Zell; selce Selzach; selnica Zollnitz; selcane neben selce Seltschacli, ehedem sedel- 
sach, woraus sicli ein slov. sodlBcah-B von sedlBcane ergibt, senica Zienitz. (slan) Zlan; 
slanica Schlanitzen. slap Zlapp. slivnica .Schleinitz, ehedem scliunitz. (smola) Zmuln, 
Zmöln. (sopot) Zoppothof. (struga) Strau. suha Zauchon. svinica Zweinitz. Scavnica 
Stainz. travna Ti-aundorf; travnice Trabenig. trcbno Treffen; trebovlje Trifall; treblice 
Tretling. trnja ves Terndorf; trnovlje Terlach. tinje Tainach. votrovo Fedraun. vinica 
Weinitz; zgornje vinare Obernarracli füi- Oberwinarrach. viSprl jaui, vi§pnjo Weispi'iach; 
Weisspriachwinkel im Lungau; AVi-inshorg in Kärnten hiess ohedcMi wizbriach. zabrdce 

13' 



100 Franz Miklosich. 

Afritz, wofür von Andern kobrca angegeben "wird, zagorje Sagor; zagorica Sagritz, 
zaspo Asp. zabnica Saifnitz. ziri Sairach. 

Cech. babi most Bomst Sembera 139. blatce ßlatzen. branany Prolin, bfezany 
Pressern. bfezina Briesen, Friese; bfezno Priesen; brezno Bries slovak.; breznice Priss- 
nitz. brloli Berlau, Bierloch. brtnice Pirnitz. bystrice Wistritz, Wistersitz, Wisternitz, 
Feistritz, bobrova Bobrau. bzenec Bisenz. ti-emesne Zemsclien; tfemisko Tscliimiscliel. 
doubice Daubitz. dechtäf e Deelitern. dolany Delilau. dvorce Würzen, debrno Döberle. 
hlinsko Linz, zhorec Hiirz. liradiste ßatscli; hradec Grätz. cliraStany Groscbum, 
Kroscliaii. clirbice Körbitz. eliribska Kreibitz. clivojno male Klein-Hahn. jablonnä 
Gablenz; jablonec Gablonz. javory Ohren, Mohren, javori Gaberle; javornik Jaberlich; 
javorska Jobern. jemnice Ganmitz. jeseri Gössen, Gesseln, Gessing; jesenice Jechnitz. 
kladruby Ivjadraii, Kladern. knezpole Kniespol. krivec Krips, krty Gerten, kyjov 
Khaa. laz Loosen; laznlky Lasnik; lazany Loosan. lipenec Lippenz. lomnice Lobnik, 
Lanz. lysä Leissen. Ihota Elhotten, Welhota, AVellhotten, Wellhütten, AVelhüta, Malten; 
Ihotsko Hutzke. Iniste Elnischt. melnik Melk, nil^nec Lenzel; nilynce Linz, Leinitz; 
mlyniste Leinisch, morava Mohrau. mseno Wemschen. naklov Nagles. obora, vobora 
Wobern. olesnä Ulischen; olcsnice Ols; olsovec Olspitz; oleska OMisch. ofechove 
Urhan. vorlicka Erlitzgebirge. podbofany Podersam. podmoli Baumöl Sembera 373. 
pfiseßna Prissnitz. pfivlaky Pröhlig. rokytna ßotigl Sembera 374. rohozec Kust. 
rtyne Hertin. soutesky Zautig. souvlastni Saufliiss. skalany Gallein, slane Schlan. 
slatina Schlattin, Latein; slatinice Zladnig. smficno, mficno Wemritsch. strelne Strahl, 
stupno Stau]3en. souSice Oschitz; susany Zusclia. svetle Zwiedlern. trnovany Thurn. 
trnavka Türnau. tufany Turas, tyn Tein; t5'nec Teinitz, Tenzel. oujezd Augiesel. 
ousti Austi, Aussig, vrbka Ferbka; vrbno Würben, vydri Widern, vyhne AViehen. 
vysoke AYessig; vysokä Wisset, zahrazany Saras. zlatniky Schladnig. zddr Saar, 
zernovnik Schirnik. Die im Deutschen auf ay auslautenden Namen beruhen auf dem 
sing. loc. fem. der zusammengesetzten Declination: Tschistay, Millay, ßokitay, Skupay, 
Suchay, Wrannay. Petters, Archiv 354. 

Pol. dabrawa Dombrau, Dammer. glina Gleinau. gora Guhrau; gorka Gorkau, 
Gurkau; gorzyce Gurwitz. grodziec Grätz, (Tröditzberg. cheJmiec Kolbnitz. Jaka 
Lanken. makow Mackau. moczydlica Mönch Motschelnitz. niemce Nimptsch. slup 
Schlupp. i^widnica Schweidnitz. szczytniki Scheitnig. wierzbica Wirbitz. zlotnicy 
Zlattnig. 

Oserb. beJa hora Beigern. bJocany Plötzen, börek Burk, Burg, brezow Blösau; 
brezyna Brösa; bfeznik, brezynka Briesing; brezki Brieske; brezecy Briesnitz. brusy 
Brauske. bukov Bucka, Bocka. cornov Zschorna, Zschorne, Zschornau. dubrava Dubrau; 
dubravka Dubrauke. duby, duboho und dubo, duboho Dauben, Tauben; dubc Daubitz. 
delany (doli)) ])öhlen, Dehlen. dfenov Drähna, Drehna. huska Gaussig. Iilina Gleine. 
liora Guhra; horka Gurig; hörki Horke. hrod^is6o Gröditz. khofm, khoJmc Kollm. 
khojnica Kunitz. khr6st Kroste, Krostau. jiloc]y Eulowitz. jabJonc Gablenz, jamno 
Jahmeii. jatfoB Jetscheba. javora Jauer; javornik Jauei-nik. jelca (aus jedlica) Jidlitz; 
jedlov Gödlau. jemjelica Jämlitz. jezov Jesau. jitk (juti'o) Eutrich. kamena und kamenej, 
gen. kameneje Kamenau; kamenc Kamenz; kamenca Kcmnitz; karnenica Chemnitz, 
kozafcy Kaseritz. kozlov Kosel, Kasslau. krusvica Kruschwitz, Krausehe, kupa 
Kaupe. kislica, Kiselk, Geisslitz. l'az Lohsa ; l'azk Laske. Juh Luga. Teska Lieske. 



Diu SLAVISCHEN OkTSNAMKN AUS Avi'ELLATlVKN. I. 101 

lipa, gen. Hpeje Leipe; Hpoj, gen. lipuje Leipe; lipiny Lippen; lipinky Leipchen, 
Leibchen. Jomsk Lomsk. lusk (Juza) Lauske. nivica Niewitz, volsina Olsa; vole§nica 
Ölsa. vopalen, vopalena Oppeln. votrov (ostrov^B) Ostro. rakojdy RakeL rovno 
Rauno. zai'er, zaryc Saritscli. ruda und rudej, gen. rudeje ßauden. supov Suppo. 
sOenica, Scenca Steinitz. svonca, svidnica Scliweidnltz. disov, disova, gen. 6isoveje 
Zeissliolz; cisk Zeisig, tfebin Terbendorf. vujezd Uliyst-, vujezk Wuischke. verbno 
W-erben. vysoka Weissig. zaliof Sagar. zubornica Saubernitz. 

Nserb. luigliny Ögeln. bobov Babe. boryri Baliren. bfaze plur. Briesen; bfa- 
zina Briesen; bfazki Brieske. bukovka Bückchen. bezkov (bbz-ß) Beskov. cerkvica 
Zerkwitz. carny g'ozd Zscliornegosde. dubrava Dubrau; dubravka Uubrauke. dube, 
gen. dubego Duben; dubliee Teuplitz; dubojce Daubendorf. dlugi phir. Dluge; dJusk 
Dolzig. dubryn m. Döbern. dfonov Drehnow. dfovk Drebkau. debsk (dbbrb) Debrik. 
gogoluv Gaglow. göra Golire; gorka Giirkau; gorki Gülirigk; gofanki Gorenchen; 
gorov Guhrow. gozd Gosda. grabice Grabitz; grabkov Grabkow. grochov Groche. 
cliomc, chane (lil-bmbcb) Gollmitz. climerov Sclimellwitz. vil'ov (ilT>) Eulo. jamice 
Jämlitz; janino Jamno ; jamnice Jamnitz. javora, gen. javoreje Gross-Jauer; javorka 
Klein-Jauer. jelence Gelhiitz. jemelnica .Jemlitz. jasen Jessen; vergL jaserna Jessen 
und jaseni f. Jessern. jazory Gross-Jäser; jazork Jehserigk. kaiiienki Kaminclien. kotlov 
Katlow. küzi'ov Kasel; kozle, gen. kozlego KaseL ksusvica Krausnik. kfe plur. Sakrow. 
Jaz Laso; Jazk Läske, Leske. l'ukov Luckau; hdiajca Luckaitz. leska, gen. leskeje 
Lieske. Teda phir. Lelide; l'eziny Laschen, lipe, gen. lipego Leipe; lipna, gen. lipneje 
Leipe. miozc phir. ]\i]ode. niochov Machow. mokre Mokro; moksoja, gen. moksoje 
Mokru. mrocna Bretschen. niysyn Mischen, nivica Niewitz. voISynka Elsnig. vorlice 
Hörlitz. vütsov Ostro, Oster. paprotna Paprot. psüug Preilag. f episca plur. Reppist. 
rogov Ragüw. rudna Reuden. sedJo Zeddel. soje aus sovjc Saue, scenc, cenc Steinitz. 
Stobrice Stöbritz, tsavnica Tranitz. tfebejce Trebendorf. torgov Torgau. tarnojsk 
Tornitz. ierchovnaAVerclie. vusoka, husoka^\'eissack. vaskaWeske. zelezna Seilessen, 
zarnov serski Wendiscli-Soi'no; bavorski zarnov Deutsch-Sorno. 

2. Der slavische Name Avird in einer dem Deutsclien bedeutungsvollen Form aul'- 
genommen. 

Nsl. gabre, habre Haber, Häberberg: gaber Weissbuclie. golnik Gallenfels: golT> 
nackt, wol baumlos, ojster vrli Osterberg für Schärfenberg, podhom (pod-bhl-bmi.) 
Buchluilm, Buchheim für Unterbergen, sele für sela Zell, skocidol Gottesthal, zgornje 
vinare Obernarrach. vratna vas Rattendorf, visprijane Weinsberg und Weisbriach. 

Cech. blatno Platten, borek Burg, brloh Bierloch, doubravice Tauberwitz, dra- 
liomysl Dreiamscheln: eigentlich der Ort des dragomysl-b. drmaly Dürrmaul, habry 
Habern; habrina Habern. liomoly Hummeln, lioi-a Hörn. Iiradisfany Radelstein. 
Iii-dlovka Herrlich, chvojno male Klein-Ilalin. jilove Eulau. jal)lmine Gabel, kravarc 
Grabern. Ihota Mehlhüttel, Mahlliütten. Öhlluitten. morava Mohrau. neznabohy Niesen- 
balin : neznaboli qui deum non novit Heide, oploty Oblat. podhofi Podliorn für Unter- 
bergen, ratibor Rothwurst: eigentlich der Ort des ratiborx,. rokytnice Rottigel, roky- 
cany Rockzalni. rozpouti Rossboden, eigentlich der Ort, wo sidi Wege trennen, 
.-ilatina, slatenice Latein, sucholirdli Ziu-kcrliandl. eigentlich etwa siccae angustiae. 
trsti. trti. \ve trti "Wetterstein, oublislavice Auslanl". clgcndicli der Ort. wo die Nach- 



102 Franz Miklosich. 

kommen des ubislavt wohnen, visnove AVischenau. vrbice Fürwitz, vysoßany Wische- 
zalm, eigentlich die Bewohner von vysokä. 

Pol. grabowno Graben. jiJow Eulau. jemielnica Himmelwitz. oJobok Mühlbock. 
Mosbach III. 

Oserb. jiJocy Eulowitz. niza ves Niesendorf. strozisöo Strohschütz, 8trohschitz, 
eigentlich die Warte, zahon Sauhahn Schmaler 4:' knezi zahon das herrschaftliche 
Feldstück. 

Nserb. dubojce Daubendorf, dobry vot§ov Doberstroh, eigentlich die gute Insel. 

3. Der slavische Ortsname wird übersetzt. Die Übersetzung ist nicht selten unrichtig. 

Nsl. bela peß Weissenfeis. borovlje Farchern; borovniße Fahrendorf aus Föhren- 
dorf, breg ßaln, ßandorf, Hart; brezce Raan. bröza Pirk; brezova reber Birkenleiten; 
brezevje, Hollern, Holdern steht wol für be^evje, bzovje von bbz'B. brdo Egg, Eggen, 
bukovje Buchholz, dann Buchbrunn; bukova draga Buchberg, cirkno Kirchbach, 
ßesnice Kerschdorf, Kerstetten, crnelo mit crBniBn^B zusammenzustellen Rotenbühel. 
grno Schwai'zenbach. döbrava Hart, Forst, dobje Aich, Aichberg, Aichholz, Aichwald; 
odobje Pernaich; dubja« meja Aichleiten. dolga brv Langsteg, dole Thölern. dvorce 
Höflein, globodol Tiefentlial. gorica Büchel; gorice Büchlern; gorifane Pichlern, 
gumno Stadelhofen, Stallhofen. gojzd Wald, hmelnik Hopfenbach, hrib Bühel, Berg, 
hrusica Birnbaum, hudo Bösendorf; luidi kraj Bösenort; hudi vrh Bösenberg. hrast 
Hart, ivnica Eibiswald. jama Gruben; jamnica Leimgrube, jelena vas Hirisgruben. 
jezero Seeland; na jezeri Wörth. kamna gorica Steinbühel, köt Winkel, kneza Gra- 
fenbach, kobilni dol Merchenthal. korito Trögern. kovaca vas Schmieddorf, kozjak 
Gaisberg. krizka reber Kreuzberg. krCanje Greutschach d. i. das Gereute, kurja vas 
Hühnerdorf, lacni breg Hungerrain, laze Gehag, Reuter, Gereuth. log Auen; loga ves 
Augsdorf, lüka Moos, lepi dob Schönaich. 1 esko vi ca Haselbach, lipa Lind, mackova 
vas Katzendorf, mlaka Moos, malni Mühlen; mlinai-e Müllnern, moöirje Messern, Moos- 
wald, mokronog Nassenfuss. moste Brücklein; na mostißu Brücld. nemSke rute Deutschrut. 
njiva knez ja Grafenacker, navselih aus nova sela Neusass. olsje Erlach, otok Wörth. 
ovöjak Schöflein. pisek Sand; pesßenik Sandberg, planina Alpen, Alben, polsnik 
Billichberg; polhov gradec Billichgräz. podhosta Untergehag. polje Felldorf aus Feld- 
dorf, potok Bach, prapro^e, prapraße Farrendorf; poprace Fahrendorf. pusava Einöde, 
pekel Hölldorf für Pechdorf, ravne Ebenfcld. reber Leiten, ribici Fischern, ribnik 
Fischbach, rdeßi kal Rothenkal : nur rdeßi ist übersetzt, sedlo Sattl, eigentlich Ansie- 
delung, senßni kraj Schattenberg, skalovje Koflern. sloven gradec Windischgräz ; 
slovenska vas Windischdorf, smole Kranabet, Kranabetich; smolena vas Pechdorf, smrec- 
njak Feuchtbühel d. i. Fichtenbühel, srebrngß Silberdorf, sredgora Mittenwald; srcdnji 
log i\Iittelbreth : ital. bretto sterile, stari grad Altenhausen, strelac Schützendorf; 
stroöja (strelöja) ves Schützendorf, studeno Kaltenfeld, Brunnsee; studenec Brunn, 
Brünndl. suha Dornbach (für Dürrnbach) ; susica Dirnbach; suhvrh Dürrngupf. svetli 
potok Lichtenbach. svinc Eberstein, siro koset Breitensaat, skofi dvor Pischldorf aus 
Bischofsdorf, tolsti vrh Fettengupf, Grosseneg. travnik Grasberg, trziß Neumarktel. 
trnje Dorn, turjak Auersberg. trdnja ves Hörtendorf für Hartendorf. valpcja vas 
Amtsmannsdorf; vabÖa ves aus valpöja ves Waltendorf aus Waltbotendorf, vo gl je Winklern, 
vögle Kohldorf, vinje Weinthal; vinare Weinzerl. viSnje Weichsel, volßje Wolfsbach; 
ovcja (für voli^ja) ves Wolfsbach, vranja pec Rabenberg, vrata Thörl ; vratno Thörl. 



Die slavis(jhen Ortsnamen aus Appellativen, i. lt)b 

vresje Heidacli. vrba Feibern, Velden. vrh Gupf; vrhpolje Oberfeld, visoka Höhe 
vesca Dörfl. zagorje Hinterberg, zagozdac Unterwaldl, eigentlich Hintorwald, zelt-zno 
Eisendorf. zeleznike Eisnern. 

Klruss. opoka, opaka Felsendorf. 

Cech. bela: mala bela Kleinweisel-, belidlo Bleiche, breziny ßirkigt; br-ezovd 
liirkicht. certtiv dül Geiersgraben, worin der Geier an die Stelle des Teufels tritt, 
doubl Aicha; dubi Eichwald-, dubicina Eicht, hlina Lam: hli'na bilä Weissleim-, hllno- 
viste Leimgruben, hobzi (für hvozdi) stare Althart. hruSky Birnbaum, jablonec Ogfol- 
derhaid für Apfalterhaid. jalove dvory Galdenhof: gald für gelt, jestfebi Habstein 
für Habichtstein, ja vor y Ohrnes; javorna Ohorn für Ahorn, jedlova. Tanndorf, jitru- 
nice Gereuthern, kladeruby Holzhauer. kne2pole Herzogsdorf, knisec Körnsalz, 
kyje Keule. Ia2iste für laziSte Neuwiesen, louka Wiese; lücka Wieschen slovak. lednice 
Eisgrub, lesnä AValddorf slovak. lomek Haidl. lou2e: cerne louze Schwarzpfütz. Ihota 
Stift, Neustift, novoplaii Neurode, novosady Neudörfcl. novosedly Neusattel, eigentlich 
neue Ansiedelung, obora Thiergarten. osykov Aspendorf. ostre Neuland, ovcsne 
Haberies, peklo Höll, eigentlich Pech, plsecnä Schreibersdorf, eigentllcli Sanddorf. 
ruda Eisenberg; rudkov" Erzberg, sädek Baumgarten, sasov Sachsenthal, stare sedlo 
Altsattel, eigentlich alte Ansiedelung, sidlo: nove sidlo Ncusiedl. stredolesi Mittel- 
wald. srbska vysoka Hochsichel; srbska nlzskd Niedersicliel, eigentlicli Anhöhe, Niede- 
rung der Serben. veseH Fröhlichsdorf. veveri Aychorns d. i. Eicldiörnchen. vinaf-e 
Weinern. viSne Weixeln. vrbny Fellern. vyhne Eisenbach. 

Oserb. beÜa Weisswasser, borsc: maJa borsc Kleinförstchen; sciva borsc Kronförst- 
chen für Krummförstchen. bfeza Birke, bukoj na Buchwalde, hatk Teicha. hola Heide, 
jama Grube, jezor Dorf See. kij Keule, Kenia, üuka: nova Juka Neuwiese. Aemcy 
Hörgen- (d. i. Thüringen-) hausen, pisany mJyn Scheckmühle, sokuhi liora Falkenberg. 

ströza Wartha. 

Nserb. bruzov Birkenberge, brody i'fürten für Furten, dvory Dürrhofen: dürr 

scheint aus dvor entstanden, kamenna Steinkirchen, novas d. i. nova vas Kitzneudort. 

pfavoz Fähre, Fehro. rogov Horno. «Jona borsc Salzcnforst. suchy gozd Hürrwalde; 

suchy kamen Hörstein. 

4. In manchen Fällen findet zwischen dem slävischen und dem deutschen Ortsnamen 

kein Zusammenhang statt. 

Nsl. draga Suchen, letzteres aus suht. jama Luegg. na sedle Sattendorf, wol für 

Satteldorf, indem sedlo als Sattel aufgefasst wird, podsreda Hörberg, soteska Einöd. 

srdis^e Polstrau. strmnica Krainberg. trg Feldkirchcn. turje Neuhaus, turjaiici 

Siebeneichen, zalog Breitenau. zavrh Bärentluil. 

Nserb. bukuvinka Peltzendui-f. dluzanki Sto.ssdorf. grodk Spremberg aus spre- 

wenberc. grozisco Sonnenwalde, chudovina Mittenwalde. komorov Senftcnlierg. zakrejc 

Wadelsdorf. fieva Zauche. rogozna Wilmersdorf. 

f). Demselben slävischen Ortsnamen stellen heutzuge vci-schicdenc deutsche gegenüber. 
Ober- und nserb. Bichi, Bele, Behle, Behlo, Below, Bielo, l'.ililo: Uela. Zs.hirne, 

Tschirnau, Tzschorno, Zschorne, Zscherna: corna, carna. Drenow, Drelino,Drehne, Drehnau. 

Drelma: df-onov. Gline, Gleine, (ileina, Glein: hliny, güny. Gorke, Gurke, Gurkau. 

(xuhrig, (TÖriek: horka, gorka. (Jröditsch, Grödisch, Grötsch: grodXisco. Kammena, 

Kamminau: kamenna. Lohs, Lohse, Lohsa, Lahse, Laaso, Laasow: Jaz. Läsko, Lä.skow, 



104 ■ ' Franz Miklosich. 

Läske: lazk. Mokro, Mukro, Mockerau, Muckerau: mokre. Piesko, Pieske, Pieskau: pesk. 
Pinnow, Pinne, Pinno: pnov. Sala-ow, Sakro, Sackerau: zaki-ov. Sidow, Seidau, Sayda, 
Seidl: zydov. Vergl. Broniscli, DieAkrisie in den Bildungen lausitzisclier Ortsnamen. Neues 
Lausitzisches Magazin. 185G. 258 — 277. 

6. blanche deutsche Formen setzen ein mit einem anderen Suffix gebildetes Wort 
voraus, als der jetzige slavische Name zeigt. 

Pol. gorzyce Grurwitz. 

Oserb. bukovc Bocka. corna Tchornitz. jasenka Jessnitz. 

Nserb. ksusvica Krausnik. te kfe Zakrow. tarnojsk aus trtnovLski) Tornitz. bukojc 
aus bukovBcb entspricht dem deutschen Klein-Buckau. 

b) Magyarisch. 

Die Verschiedenheit zwischen der slavischen und der magyarischen Foi-m der Orts- 
namen beruht wesentlich auf dem im Magyarischen geltenden Gesetze des consonantischen 
Anlautes und der Vocalharmonie. Vergl. meine Abhandlung: Die slavischen Elemente 
im Magyariscljen Seite 5 des Separatabdruckes. 1. Man vergleiche balaton und *blatbno; 
bai-adna und bradno; beregh undbrehy; berezna und brezna; berzencze und breznica, 
berzevicze und brezovica; sreda und szerda-hely •, borosznok und brusnik; doch findet 
man brogyiin und brodany. 2. Auslautendes ov geht in 6 über, ovec in öcz: bacskt), backov; 
bobrö, bobrov; banöcz, banovce; belejöcz, belejovce;. bobrocz, bobrovce-, ebenso pelsocz, 
plesivec. 3. In manchen Fällen sind weitere Veränderungen eingetreten: dobrona, dobra 
niva; talabor, klruss. terebl'a. 4. Das eine Wort ist die Übersetzung des andern: hoszü 
ret, dluhä lüka; vämosfalu m;yto. 5. Die magyarische Form ist für die slavische bestim- 
mend: lip(5cz, lipöc für lipovec. (i. Die magyai'ische Form beruht auf einer anderen als 
der jetzt geltenden slavischen Form: bagonya, bohunica. Einige magyarische Formen 
sind für Slavisten nicht ohne Interesse: bagonya und beregh für bohunica und brehy 
bieten g dar, wo heute das Slovakische ein h bietet; longh für luzany setzt einen nasalen 
Vocal voraus : lagt. 

e) Italienisch. 

Die Veränderungen, welche die nicht sehr zahlreichen slavischen Ortsnamen im 
Italienischen erleiden, mögen aus dem Nachfolgenden ersehen werden. 

1. Nsl. hum Colmo. korito Coritis furl. kozljak Cosliaco. lOgi Longh. loka Lonche. 
sedla Sedula. stolbica Stolvizza. zavodnja Savogna. Vergl. Srednji log Mittelbreth: ital. 
bretto bedeutet unfruchtbar. 

2. Serb. privlaka Brevilacqua. tribunj Trebocconi. 

3. Nsl. crni vrh Montefosco. travnik Prato di Resia. serb. mlini Molini. tisno Cannosa. 

4. Nsl. lokva Coi'gnale. serb. zupa Breno. 

Slaven — Slovenen — bewohnen noch gegenwärtig, mit denen von Göi-z geographisch 
zusammenhangend, einen schmalen Gränzsaum Friauls , der im Norden bis zum Monte 
Canin reicht. In sehr alter Zeit — denn seit dem Jahre 1000 werden nacli dem Zeug- 
nisse der Kenner der Geschichte Friauls Slaven in diesem Lande nicht erwähnt — 
reichten sie bis an die Westgränze der Provinz Udine, wie aus einigen Oi'tsnamen her- 
vorgeht. So findet man östlich vom Tagliamento Lestizza, Sclaunico und S. M. di Sclau- 
nico, Pasiano Schiavonesco, Belgrado, Glaunico, Gorizzo, Lonca, Gorizizza, Gradisca, ßuda, 
Zellina und westlich vom genannten Flusse, südlich von Spilimbergo, Gradisca, südlich 
von Sacile Schiavoi. In Mortegliano, westlich von Palmanova, heisst noch heutzutage ein 



Die slavischen Oktssamen aus Appellativen, i. 105 

Dorfviertel Borgo degli Schiavi , und die Bewohner desselben führen zumeist slavische 
Familiennamen und haben slavisclie Gesichtszüge. In Cordenons in der Nälie von Por- 
denone fiUiren die Strassen die Namen Romans, Sclavons, Javornik, welche Conte Pietro 
di Maniago in den Noten zu seinem Gedichte 11 Friuli (Udine. 1797. Alvisopoli 1810.) 
auf folgende Weise erklärt: ,Siccome le trappe imperiall erano costituite la maggior 
parte di elementi Slavi, vale a dire di soldati Illirici, Croati, Carintiani, Stiriani ecc, 
cosi e naturale, che i luoghi foi-tificati tramutatisi poscia in villaggi siano stati dai sol- 
dati difensori intitolati coi nomi sovradetti , clio odorano di slavismo.' 

d) Griechisch. 

Alan vergleiche die nachfolgenden Ortsnamen: blato valta, das jedoch eher albanisch 
ist. Slavische Elemente im Neugriechischen 11. bor-B vorika; cerova tserova; crbnica 
tsernitsa; dli,ga delga; dßbrb dlvri; dbbrbca divritsa; glogova glogova; granica granitsa; 
grebent greveno; vielleicht grtmovBcane germoutsani ; kamenica kamenitsa; kostanica 
kastanitsa-, kopanica kopanitsa; kravari kravari; krivicane kryvitsani; kunina kunina; 
lagt longos; laka longa; l§dina lendina; nivica nivitsa; poljana poliana-, poljane poliani. 

e) T ü r k i s c h. 

Was die von den Türken aufgenommenen slavischen Ortsnamen anlangt, so sind 
dieselben zahlreich; da jedoch die slavische Form derselben in vielen Fällen nicht fest 
steht, so kann ich in eine genauere Darlegung der an denselben eingetretenen Verände- 
rungen nicht eingehen; als die wichtigsten dürften sich jedoch erweisen a) die Ersetzung 
des ica durch id2a und des ac (asl. LCb) durch d2a: dubica dubidscha, dupnica dupin- 
dscha, gorica koridsche, kostajnica kostanidscha, kostanica kostendsche, ostrovica ostro- 
vidscha, podgorica poschgoridscha; bregovac berkofdscha, kragujevac karagiofdscha, 
leskovac leskofdscha, lovac lofdscha, pozarevac deutsch Passarowiz posorofdscha; ähnlich 
jajec jaidscha; b) die Lösung der doppelten Consonanz im Anlaute durch Einschaltung 
von Vocalen: kljuß kulutsch, prespa persepe, prilip prilipa, prizren perserin; anders 
zvornik izvornik. Auslautendes o geht in a über: novo brdo nova berda. 



Viertes Capitel. 
Ertrag der Ortsiianieiiforscliiiiig für die («raminatik. 

Die Resultate der Ortsnamenforschung kommen zu Gute der Lautlehre, der Stamm- 
bildungslehre, der Formenlehre und dem Lexikon. Hier soll nur das angegeben werden, 
was sicli auf die Laut- und Formenlehre bezieht: der Gewinn, den die Stammbildungs- 
lehre zieht, ergibt sich aus dem zweiten Capitel dieser Abhandlung, während sich die 
lexikalische Ausbeute aus dem zweiten Thoile der Abliandlung ergeben wird. 

a) Lautlehre. 

1. Dass X, und a im Slovenischen nasal gelautet haben, wird jetzt allgemein anei-- 
kannt; dennoch ist es von Interesse, diese Lehre auch durch tWo in fremden Sprachen 
unverändert gebliebenen slavischen Ortsnamen bestätigt zu sehen : dabra» finden wir in 
dombra (Kleindombra Kämt.) ; dombra, dumbrava im Kreuzer Comitat bei Lipszky. 
Beachtung verdient, dass dem slovak. dubove magy. dombo entspricht; dagegen ist rum. 
dombrava ügocs; rum. dumbravany, magy. dombrovany; rum. dumbravica, magy. dom- 

rienkächriften ior pbil.-liist. Cl. XXL Bd. 14 



106 Franz Miklosich. Die slavischen Oetskamen aus Aitellativen. i. 

brovicza Biliar unmittelbar aus dem Rum. zu erklären. lagB oder laka in Lonsnich 
Neugart. 1. 25. d. i. Itizbnik'b oder ItiCbniki). Wenn dem klruss. luzany magy. longli 
gegenübersteht , so ist dies vielleicht durch die Annahme zu erklären , dass der Ort 
ehedem von einem anderen slavischen Volksstamme bewohnt war. Das jetzt slov. unnach- 
weisbare dreka lautet im ital. drenchia Venet. 

b) Allgemein nimmt man an, dass das Slovenische die Verbindung dl durch Aus- 
stossung des d vermieden habe. Genauere Betrachtung des NsL, namentlich in der im 
Westen des Sprachgebietes gesprochenen Varietät zeigt die Unrichtigkeit dieser Ansicht; 
denn da findet man jedel für jel ; desgleichen das Suffix dlo für lo : kresadlo, motovidlo, 
§idlo Janez. 17. Dieselbe Verbindung bewahren einigemal die deutschen Formen slavi- 
scher Ortsnamen: Matschiedel mocile Kämt.; Jedlonig Steierm., das mit jela, ehedem 
jedla, zusammenhängt; Zedl, Zedlach, Zedlich in Kämt, setzen sedlo, jetzt selo, voraus. 
Das hat Safafik, Staro2itnosti §. 41, der für die Nationalität der pannonischen Slaven die 
Form dudlebi (doudlebi) als entscheidend ansieht, übersehen, der auch darin irrt, dass 
er d als ein Einschiebsel — pfisuvka — ansieht, da ja nicht nur im Suffix dlo, sondern 
auch sonst nur von einem Ausfalle des d die Rede sein kann. Der eben so weit ver- 
breitete als räthselhafte Name lautet kroat. dulibe, dulebska: vergl. ad tudleipin Grenz- 
regulierung 27; (jech. doudleby; doudleblch Teindles; düdleby und düdlebci ; klruss. 
dufyby. Vergl. tittleibe Dronke 79. ahd. totleiba Förstern. 107. 

c) In nsl. Ortsnamen wii-d häufig f durch k ersetzt : blace Faak, borce Förk, male- 
stiCe Mallestig wol fiu- Mallestik, pecani Peckau, peCe Pöckau, veCna ves Wakendorf. 
Heutzutage findet man umgekehrt ü- für k: eita, svetnici für kita, svetniki Janez. 19. 

d) Man hat die Ansicht ausgesprochen, dass Ersetzung des älteren g durch h ziemlich 
jung sei, .und hat diese Lelire durch die deutschen Formen slavischer Ortsnamen zu 
stützen gesucht. Nun ist allerdings richtig, dass dem oserb. h manchmal deutsch g ent- 
spricht: huska Gaussig, hlina Gleine, hörka Gurig, hrod^isco Gröditz, Juh Luga; es ist 
jedoch dabei auch zu beachten, nicht nur, dass hörki Horka gegenübersteht, sondern 
auch, dass deutsch g auch dem j entspricht: jabioAc Gablenz, jedJov Godlau. Mir scheint 
h für altes g im oserb., ungeachtet das nserb. g bietet, uralt; dieselbe Ansicht hege ich 
hinsichtlich des (;ech. g sowie in Betreff des cecli. ?, das nach anderen vor dem 13. Jahr- 
hundert noch nicht existiert hat. 

Dagegen zeigen die Ortsnamen, dass zur Zeit der Entstehung der deutschen Formen 
V zwischen o und i noch nicht ausgefallen war: brodkojce, jenkecy Brodkowitz, Jänko- 
witz, ungeachtet des nserb. Jukajca Lukaitz. 

IL Formenlehre. 

1. Einige auf jt auslautende Nomina werden decliniert wie Nomina auf 'b: cech. 
beßvary, ov£ary, svinary neben hrnßife, svinare; pol. bednary neben bednarze, konary, 
piekary, rzeszotary. Man vergleiche mit diesen Formen asl. plur. instr. svetitely sup. 
179. 29; Cech. plur. gen. pratel, acc. prätely, instr. pfätely; pol. plur. nom. przyjacioJy, 
gen. przyjacioJ, dat. przyjacioJom, instr. przyjacioJami, loc. przyjacioJach. Vergl. Gram- 
matik 3. §. 12. 708. 804, welche Nomina — sv^titelb und prijatelb — gleichfalls ihre 
Casus regelmässig von einem Thema auf jt bilden. 

2. Über ah^B, aso» für aneht ist bereits oben gesprochen worden. 



GEDICHTE 

AUS DER 

SAJOILÜNG DER ZEHNTAUSEND BLÄTTER, 

VON 

DK A. PFIZMAIER, 

WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 18. OCTOBER IS71. 



Ajie zuerst im achten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung unter dem Titel ^ ^ ^ 
Man-jed-siu ' , Sammlung der zehntausend Blätter bekannt gewordenen altjapanischen(Tedichte 
sind, da das im Anfange des achten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung verfasstegß ^ ~^ 
Furib-koto-humi , Geschichte der alten Begebenheiten' schon in der damals gebräuchlichen, 
minder obsoleten Sprache geschrieben ist, als die ältesten grösseren japanischen Sprachdenk- 
mäler zu betracliten. Das oben genannte Werk, früher in Wien nicht vorhanden, wurde nebst 
vielen andern sehr werthvollen Büchern durch die k. k. ostasiatische Expedition für die 
k. k. Hofbibliothek erworben, und durch die besondere Güte weiland Sr. Excellenz des 
FreiheiTn von Münch-Bellinghausen ward es dem Verfasser dieser Abhandlung möglich, 
wenigstens die ersten Bände des Werkes, noch vor dessen Aufstellung, einer genauen 
Durchsicht zu unterziehen. 

Das hier Gebotene ist ein vorläufiger Beitrag zur Kenntniss der ältesten japanischen 
Sprache, Ausdruckweise und Schreibart. Das Werk selbst, aus 31 Bänden bestehend, 
enthält merkwürdiger Weise nicht eine einzige Note zu dem in spraclilicher Hinsiclit 
einer Erklärung oft sehr bedürftigen Texte der Gedichte , sondern nur hin und wieder 
einige Worte über die zu dem betreffenden Gedichte Veranlassung gebenden Umstände. 
Die Bearbeitung musste daher mit andei-en , von dem Verfasser schon früher zu Stande 
gebrachten Hilfsmitteln vorgenommen werden. Die in den ersten drei Bänden enthaltenen 
Gedichte sind indessen von der Art, dass ungefähr die Hälfte der in ihnen vorkommenden 
Wörter unverständlich blieb und dalier die Stücke nicht übersetzt werden konnten. Jedoch 
befindet sich unter den neuerworbenen Büchern Aas^,^ "^ Furv-koto-no fdsi .^Aia L<i\tcr 
zu den alten Wörtern', mit dessen Hilfe eine vollständige Erklärung vielleicht möglich 
ist. In Anbetracht, dass dieses Werk erst in etwas späterer Zeit zugänglich sein dürfte, 
wurde einstweilen eine Anzahl Gedichte aus dem vierten Bande, in welchem obsolete 
Ausdrücke seltener zu werden anfangen, ausgewählt. 



' So die gewöhnliche Lesung mit chinesi.-.hen Lauten. Es sollte aber richtiger mit japanischen Lauten 
Jorodzu-no fa-no alsume gelesen werden. 



■[Qg Pfizmaiek. 

Unter den citirten Gedichten sind einige von nicht ganz unbeträchtlichem Umfange. 
Die grosse Mehrzahl jedoch ist von der Form des Gedichtes der einunddreissig "Wörter 
und, was den Umfang betrifft, nur mit Epigrammen oder Distichen zu vergleichen. Die 
einzelnen Abschnitte enthalten häufig eine Sylbe mehr, wobei es wahrscheinlich ist, dass 
der Vocal einer der überzähligen Sylben in der Aussprache elidirt wird. Diese Gedichte, aus 
einer.Zeit stammend, wo die heutige japanische Sylbenschrift noch nicht erfunden war, beste- 
hen- durchwegs aus chinesischen Zeichen. Diese Zeichen , in verschiedener Abwechslung 
vorkommend, entsprechen theils den japanischen Sylben, theils ist es Bilderschrift, die 
entweder den japanischen Laut und den Sinn zugleich oder blos den japanischen Laut 
ausdrückt, z. B. |^ tsii, japanische Sylbe, ^ aki, ,Herbst', || kamv, ,Aente', zur 
Bezeichnung der Tartikeln lia-mu. Nicht selten geschieht es, dass ein und dasselbe Zeichen 
einmal zur Darlegung des Sinnes, ein anderes Mal zu der des Lautes gebraucht wird. 
So Q kuni, in der Bedeutung , Reich', oder auch die Sylben ku-ni , wie in dem Worte 
arnnaku-ni ,indem nicht ist', ausdrückend. In dem Buche ist übrigens, mit Ausnahme der 
Ueberschriften, die von Späteren festgestellte Aussprache in Kata-kana angegeben. 

Da sämmtliche Gedichte in reinem Jamdto verfasst sind imd in ihnen durchaus keine 
chinesischen Ausdrücke vorkommen, so war anzunehmen, dass auch die vorgesetzten 
Ueberschriften durchaus japanisch gelesen werden müssen. Dieses dürfte jedoch nicht 
ohne Ausnahme gelten. Bei den Namen der Zeiti-äume wenigstens ist dies gewiss, es müsste 
denn die alte Aussprache verloren gegangen und später durch die chinesische ersetzt 
worden sein. ' Bei einigen Aemtern wie bei ^ -f^ da-zai, ^ |^ ^ dai-na-gon war der 
Verfasser gezwungen, die chinesische Aussprache beizubehalten, da eine japanische 
Uebersetzung nicht leicht möglich war und zu Missverständnissen Anlass gegeben hätte. 
Das Uebrige wurde sorgfältig durch reines Jamäto ausgedrückt und dürfte kaum einen 
wesentlichen Fehler enthalten. 

Eine Eigenthümlichkeit ist, dass die erwähnten Kaiser nicht mit ihrem Tempel- 
namen, sondern mit dem Namen ihrer Wohnsitze angeführt werden. Die zugänglichen 
Annalen (das Nippon uki dal itsi-ran) zählen jedoch diese Wohnsitze oder Paläste nicht 
auf. Das früheste in den hier mitgetheilten Gedichten gesetzte geschichtliche Datum 
ist übrigens das erste Jahr des Zeitraumes Zin-ki (724 n. Chr.). 

Was japanische Textesstellen betrifft, so konnten dieselben sonst nur unvollkommen, 
mit bedeutenden graphischen Abänderungen, jedenfalls immer mit äusserster Beschränkung 
des Umfanges und ganz unverhältnissmässiger Mühe wiedergegeben werden. Dass der 
Wortlaut dieser in ihrer Gesammtheit umfangreichen Gediclite genau so, wie ihn die 
japanische Ausgabe bietet, mit verhältnissmässig geringer Mühe hergestellt wurde, ist 
einzig durch die bereitwillig zugestandene Benützung der im Auftrage der kön. nieder- 
ländischen ßegierung unter Leitung des Herrn Prof. Dr. J. J. Hoffmann angefertigten 
chinesischen Typen möglich geworden. Diese ausgezeichnete, die gebräuchlichsten 
chinesischen Schriftzeichen — gegen 7000 an der Zahl — in zierlicher und correcter 
Form enthaltende Sammlung ist auch insoferne von hohem Werth, als die Zeichen, nach 
Classen und Strichen geordnet, zum Behufe der Drucklegung nicht schwer aufzufinden 
sind und mit japanischer Sylbenschrift sich verbinden lassen. Der Verfasser rechnet 
es sich zur besonderen Ehre, der kön. niederländischen ßegierung für die hierdurch 



' Beispielsweise der Zeitraum Ä -^ siü-teö, der auch mit der Aussprache aka-mi-tori bezeichnet wird. 



Gedichte aus der Sammlunu der zehntausend Blätter. lO'J ■ 



lierbeigetulirte Erhöhung des wissenschaftlichen Werthes seiner Arbeiten im dieser Stelle 
seinen wärmsten Dank ausdrücken zu dürfen. 

Eine weitere wesentliche Förderung erfuhren seit einem Jalire sowohl diese als auch alle 
anderen Arbeiten des Verfassers durch die k. k. Universitäts-l>uchdi-uckerei des Herrn 
Adolf Holzhausen in Wien, durch deren Thätigkeit die Typen herbeigeschafft und 
der oft schwierige Satz in möglichst kui-zer Zeit vollendet wurde. 



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Woka-moto-no sumera-mikoto-no oivu-mi-vta ßto-kasira narabi-ni mizikaki uta. 
Ein Gedicht des Kaisers Woka-moto. Anbei ein kurzes Lied. 

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Kami-jo-jorl | are-tsugi-kure-ba \ ßto sawa-nl \ kuni-ni-u-a mitsi-te \ adzi-imira-no \ iza-to- 
wa juke-do \ waga kofuru \ kimi-ni si-arane-ba | ßru-tca fi-no \ kururu made \ jorv-ica jo-no \ 
(ikuru kmami | omofi-tsütsit \ i-mo ne-gate-ni-to \ akasi-tsiiraku-mo \ nagaki konu jo-u-ö. 

Da sie seit dem Götteralter | fortgesetzt entstanden, | ist von Menschen in Menge 
das Reich erfüllt. | In Adzi-mura | hin und wieder sie geh'n, | doch da der, den ich liebe, | 
der Gebieter nicht vorhanden, | da am Tage, bis zur Zeit, ] wo der Abend dunkelt, | in 
der Nacht bis zur Gränze ] des Anbruchs des Tages, | indess es mir unmöglich zu schlafen^ | 
erreiche ich den Morgen — | o diese lange Nacht! 

Are-tsugi-kuru, entstehend, fortgesetzt kommen. Arurit ,entstehen', das Passivum von 
am, vorhanden sein. 

Iza-to-ica, hin und wieder. 

Kofuru, ,was man liebt', das Passivum von ku, lieben. 

In si-aru, ,vorhanden sein', ist s/, das an der Bedeutung nichts ändert, die ^^ urzel 
von suru, thun. Es wird in Versen immer mit dem folgenden <i zusammengezogen, und 
zählt daher als keine Sylbe. 

I-mo ne-gate, ,nicht schlafen können', wii-d sonst durch i-ne-gate ausgedrückt. Hier 
Einschaltung der Partikel mo. I-mo ne-gate-ni-to, so, dass man nicht schlafen kann. 

Kiml scheint hier wirklich ,Gebieter', nicht etwa ,(iebieterin' zu bedeuten. Audi in 
einem unten stehenden Gedichte, in welchem der König von Nuka-da sich nach dem 
Kaiser von A-umi sehnt, wird kimi in einer ähnlichen üezieliung gebi-aucht. 

Die Worte ,da am Tage bis zur Zeit, wo der Abend dunkelt, in der Nacht bis zur 
Gränze des Anbruchs des Tages' bezielicn sich noch auf ,der Gebieter nicht vorhanden'. 



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^ Kajesi-uta. Das Gedicht der Entgegnung. 



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Jama-no fa-ni \ adzi-mura saivagi \ ßtktt nare-do \ ware-wa sa-fusi e \ kimi-ni si-arane-ha. 

An der Gränze des Berges, | in Adzi-miira | geht man erregt. | Ich bin ein umher- 
taumelnder Strom, 1 da der Gebieter nicht vorhanden. 

Sa-fusu, soviel als fan-fnku oder uisi-kajesu ,taumelnd'. Die Richtigkeit der Erklärung 
,ein taumelnder Strom' ist übrigens nicht gewiss. 



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^-Mwii dzi-no I to-ko-no jama narn | i-za-ja-gaioa | ke^no goro-goro-wa | koi-tsiitsu-mo 
aramib. 

An dem in den Käfiggebirge j des Weges von A-umi | strömenden Flusse I-za-ja, [ 
dass die Luft mit rollendem Tone tönt, | es wird sein, dass er liebet. 

' Zu den obigen drei Gedichten wird bemerkt, dass die Paläste Take-tsi-woka-moto 
und das spätere Woka-moto zwei verschiedene Geschlechtsalter und Kaiser gewesen. 
Man wisse nicht, aus welchem Grunde hier blos ,Kaiser Woka-moto' gesagt werde. 



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Nuka-da-no owo-kimi a-uml-no s/nnera-mikoto-wo orao jorneru- uta fito-kasira. 
Ein Gedicht des Königs von Nuka-da, in welchem er sich nach dem 
Kaiser von A-umi sehnt. 



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Kimi matsu-to \ ivaga koi-tcore-ba \ ivaga ja-do-no \ sudure ugokasi \ aki-no kaze fiiku. 
Den Gebieter zu erwarten, | indess ich liebend weile, | weht der meiner Nacht- 
herberge I Thürmatte bewegende | herbstliche Wind. 



Gedichte aus dek Sammlunu deu Zehntausend Blätter. 111 

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Kagami-no oivo-kimi mimime-no jomeru vta fito-kasira. 
Ein Grediclit der Königstochter von Kagaml. 

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Kaze-wo dani \ kofum-tm tomosi \ kaze-wo dani \ komn-to si-mata-ba \ ika-ga nagekamti. 
Den Wind allein | dass man liebt, ist ein Gebrechen. | Wenn man den Wind allein | 
erwartet, dass er komme, | wie wird man seufzen. 
Tomosi stellt für tobosi, IMangel haben. 
Komu, soviel als kon, das Futurum von kiiru, kommen. 
Si-niatsu, erwarten, mit dem vorgesetzten Hilfszeitworte si. 



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Fu-ki-no to-zi uta futa-kasira. 

Zwei Gedichte der To-zi von Fu-ki. 

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Ma-no-no ura-no \ jo-do-no tsügi-basi \ kokoro-ju-mo | omofu-ja imo-ga \ ime-ni si rnijuru. 
Die fortgesetzte Brücke | des Wirbels der Bucht von Ma-no | ist im Herzen über- 
zeugt, j und die jüngere Schwester, die sich wohl sehnt, | wird im Traume gesehen. 
Kokoro-ju, soviel als kokoro-ß, überzeugt sein. 

Ime scheint für jume ,Traum' zu stehen, ist aber sonst nicht vorgekommen. 
Die To-zi war eine Angestellte, welche die Lebensmittel des Kaisers besorgte. 



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Kaiva-kann-no \ itsu-mo-no fana-no | itsu-mo itsu-mo \ ki-mase icaga se-ko | toki imkame- 

ja - mo. 

An des Flusses Ufer | die Blüthen der Pflanze ,Wann?' | wann, o wann | kommen 
sie? Mein älterer Bruder, | die Zeit wird ihn trennen. 

Se-ko, der Sohn, der ältere Bruder, so viel als das einfache obsolete se, der ältere 
Bruder. 

Waku, soviel als rcakuru, trennen. 



Ta-he-no imi-ki-no itsi-ko da-zai-ni makaseru toki-no uta jo-kasira. 

Vier Gedichte Imi-ki-no Itsi-ko's, als er mit der Stelle eines 
grossen Vorgesetzten betraut wurde. 









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Koromo-de-ni 1 tori-to toko-fori \ naku ko-ni-mo \ masareru 'ware-ioo | oki-te ika-ga semu. 

Bei dem Aermel des Kleides | erfassend, an den ewigen Graben | mich, der ich ein 

weinendes Kind | noch übertreffe, | hinstellen, wie wird man es thun? 



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Oki-te ika-ba | imo koi-mu ka-mo \ siki-taje-no \ kuro-kaml siki-te | nagaki kono jo-ivo. 
Hinstellend wenn ich gehe, | wird die jüngere Schwester doch lieben ! | Das von Brei- 
tung wundervolle | schwarze Haupthaar breitend — ] o diese lange Nacht! 
Iku, soviel als juku, gehen. 
In siki-taje stellt taje für taje-naru, wundervoll. 



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Wagimo-ko-ivo \ ai-sirasc-kemu \ ßto-tvo koso \ koi-no masare-ha \ 7iramesi-7ni-omoje. 



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Gedichte aus dee Sammlunu der Zehntausend Blätter. 113 

Meine jüngere Schwester | wcrd' ich bekannt gemacht haben. | Der Menschen nur, 
da die Liebe überwiegt, | mag ich mit Unwillen gedenken, 
Wagimo stellt für icafia 'nno, meine jüngere Schwester. 



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Asa-fi kage \ niwojeru jama-ni \ teru tstiki-no \ akazu-ga kiml-ioo \ jama-kosi-ni oki-te. 
In der Morgensonne Strahlen ] hat man den Gebieter, | dessen der auf dem duften- 
den Berge 1 leuchtende Mond nicht satt wird, | in Jama-kosi hingestellt. 



Kaki-moto-no asomi ßto-rna-ro-no uta jo-kasira. 

Vier Gedichte Asomi Fi t"o-ma- ro's von Kaki-moto. 

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Mi-kuma-no-no \ ura-no fnma-jnfu \ momo-je naru \ kokoro-wa omoje-do | tdda-ni mca- 
nn-ka-mo. 

An der Bucht von Mi-kuma-no | die Baumwolle des Meerufers | hundertfach entsteht. 
Denkt auch das Herz an sie, | sie kommt gerade nicht entgegen. 

,Die Baumwolle des Meerufers' ist der Name einer Pflanze. 



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Inisije-ni | ari-kemu fitu-mo \ naga goiu-ka \ imo-ni koi-tsiitsu \ ine-gate-ni kemu. 
In der alten Zeit | waren die Menschen, die es wohl gab, | auch so wie ich. | Indess 
sie die jüngere Schwester liebten, | konnten sie wohl nicht schlafen. 



Ilcnksobriften der phil.-hist. Cl. XXI. BJ. 'S 



114 







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Ima-nomi-no \ icaza-ni-wa arazu \ inisije-no \ fito-zo masari-te \ ne-ni saje naki-si. 
"Wie es jetzt nur ist, | war es nicht gewesen. | Die in dem Alterthum | lebenden 
Menschen noch mehr | mit lauter Stimme beständig weinten sie. 



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Momo-je-ni-mo \ ki-tcojobe-ka-mo-to \ omoje-ka-yno \ kimi-ga tsukai-no | mire-do akazaramn. 
Zu Hundertfachem | wenn ich auch kommen möge, es erreiche | und daran denke, | der 
Abgesandte des Gebieters, ] obgleich er sieht, wird nicht gesättigt sein. 



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Moto-i majumi-kosi i-se-no kuni-ni juku toki-ni me-tco tomete jomeru itta fito-kasira. 



Ein Gedicht Moto-1 Majumi-k o si's, als 
begab und die Gattin z u r ü c k 1 i e s s. 



er sich in das Reich Ise 






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Kami-kaze-no | i-se-no farna-ur/i | icori-fusete | tabi-ne-ja suranm \ arakl fama-he-ni. 
Die dem Götterwinde | gehörenden Uferbinsen von I-se ] brechend und legend, | werde 
icli auf der Reise übernachten 1 an der wüsten Uferseite. 



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Kaki-moto-no asomi fito-raa-ru-no uta mi-kasira. 

Drei Gedichte Asomi Fito-ma-ro's von Kaki-moto. 



Gedichte aus dkr Sammlunu dkr Zehntavsend Blätter. 115 



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Woto-me-ra-qa \ sode-furu jama-no \ midzu-kaki-no \ fisasl-ki jo-jori \ omoi-ki ware-ica. 
Seit der langen Zeit | der Wassermauer | des den Aermel der jungen Mädchen 
schüttelnden Berges | in Gedanken war ich. 

,Der ärmelschüttelnde Berg' heisscn Berge in Jamato und Tsuzi-mu. 



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Natsvr-no juku \ wo-sika-no tsuno-no \ tsuka-no ma-mo \ imo-ga kokoro-ivo loasurete omoje-ja. 

Eine kurze Spanne Zeit, | wie der Raum zwischen dem Greweihe des | auf den 
Sommerfeldern wandelnden kleinen Hirschboeks, | mag ich auf der Jüngern Schwester 
Herz I vergessen und ihrer dann gedenken. 



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Tama-kinu-no \ sai sai sklzmni \ ije-no imo-ni \ mono 'ncazv kito \ omoi-kane-tsn-mo. 
Das Perlenkleid | in Indigo schnell versinkt es. ] Ohne der jüngeren Schwester dos 
Hauses | etwas zu sagen, kam ich, | und es war unmöglich, zu denken. 

Sai ist soviel als sa-ai ,Indigo', wobei die verstärkende Partikel .?" vorgesetzt ist. 



KaM-moto-no asomi fito-ma-ro-no me-no fito-kasira. 

Ein Gedicht der Gattin Asomi Fito-ma-ro's von Kaki-moto. 



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Kimi-ga ije-ni \ luare sumi saka-no \ ije-dzi-wo-mo | ware-wa wasure-zi \ inotsi sinazu-iva. 
In dem Hause des Gebieters, | den Weg des Hauses | der Bergtreppe, wo ich wohne, I 
ihn vergess' ich nicht, | so lange das Leben nicht erstorben. 



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Ä-be-no utome-no uta futa-kasira. 

Zwei Gedichte des Mädchens von A-be. 



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Ima-sara-ni \ nani-wo-ha omowamu \ utsi-nahiki \ kokoro-ica kimi-ni \ jori-ni-si mono-mt. 
Jetzt wieder | was werde ich denken? | Sich herabneigend, | das Herz an den 
Gebieter 1 o wie es sich lehnt! 



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Wacja se-ko-wa | mono na-ovwi-su \ koto s?-nra-ha \ fi-ni-momidzu-ni-mo \ warenaranak>i-vi. 
Mein älterer Bruder, | mögest du an nichts denken. | Wenn etwas sich ereignet, | da 
zu Feuer oder zu Wasser 1 werd' ich nicht. 



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Suru-ga-no ta-ivaja-me-no nta fito-kasira. 

Ein Gedicht des zarthändigen Mädchens von 8uru-ga. 



Gkdk'hte aus dek Samsilunu dek Zehntausend Blätter. 



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Siki-tajc-iKi I iiu(knr(i-wv kukurn | nuiiüdu-iü-zo | aki-ne-wo si-keru | kol-no sif/cki-iii. 
Das von Breitung wundervolle | Kissen schnürend, | schlafe ich in Thränen | einen 
vorübergehenden Schlaf | durch das Mannigfache des Liebens. 



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Mi-kata-no aiina-vil-nu vta fito-kasira. 

Ein Gedicht Suna-mi's von J\li-kata. 






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Kurumu-(h-7io \ tcaku ku-joi-jori \ hiio-mo ivarc-mu \ itakv koi-si na \ afu josi-wo nami. 
Der Aermel des Kleides \ trennt, seit dieser Nacht | achten die jüngere Schwester und 
ich die Uebereinstimmung, | dass wir überaus liebten, für nichts. 



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Tan-pi-iKi iiut-bitü kasa-iiKi-rti tsiikii-si-iin kini'i-]c kiuhirit tnkl-)u jomern uta ßto-kaxira. 
N((ral)i-ni mizikaki uta. 

K in Gedicht K a s a - m a - r ei "s . d e 8 w a h r e n iM e n s c li c n \- o n T a n-p i v e i- f a s s t 
/u der Zeit, als er in d a s Re i c h T s ii k u - s i h i n a h r e i s t e. Anbei ein kurzes 
Ged iclit: 



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Ma-uto-me-no \ kusi-ge-ni nosum \ kagami nasu \ mi-tsu-no fama-he-ni \ sa-ni tsurafn | ßmo 
foki-sakezu \ ivagimo-ko-ni \ koi-tsutstt i-ha \ ake-gure-no \ asa-giri komori \ naku tntsu-no | naki 
nomi-zo naku \ loaga kofuru \ tsi-je-no fito-je-mo \ nagusamuru \ kokoro-mo ari-ja-to \ ije-no 
atari \ waga tatsi-mire-ha \ awo-fata-no \ kadzuim-ki-jama-ni \ tana-bikeru \ sira-kumo kakure | 
ama-sakaru | fina-no kuni-he-ni \ tada mukafu | awa-dzi-ioo stigi-te | atva-sima-wo \ sokai-ni mi- 
tmtsu I asa-naki-ni \ kago-no oto-jobi \ jufu-naki-ni \ kadzi-no oto-si-tsütsu \ nami-no uje-tco | i- 
jaki-saku-kumi \ iioa-no ma-wo \ i-juki-motoicori \ ina-hi-dzuma \ ura-mi-ivo sugi-te | tori-zi- 
laono I natsu sai-juke-ha \ ije-no sima \ ara-iso-no uje-ni \ utsi-nabiki \ sisi-ni oi-taru \ na-nori- 
üo-ka-na | taga-mo iino-ni \ tsugezu ki-ni-kemu. 

Das einem auf das Ivaninikästchen | der Tochter des wahren Menschen | geladenen 
Spiegel 1 ähnliche Meerufer, das man sieht, | das hieran wirklich geheftete | Band löset 
und trennt sich nicht. | Meine jüngere Schwester | liebend, wenn ich weile, | da in der 
Morgendämm'rung ; Morgennebel verborgen, j mit den sich erhebenden ! Lauten des Weinens 
nur wein' ich. | Ob von dem Einfachen des Tausendfachen, | das ich liebe, | das Herz 
wohl getröstet? | Zu der Gegend des Hauses | indess ich den Blick erhebe, | da auf Ka- 
dzura-ki, | dem Berge der grünen Fahnen, | birgt die herabgeneigte | weisse Wolke sich. | 
Zu dem von dem Himmel sich trennenden 1 schlichten Reiche wend' ich mich. 1 Awa-dzi 



Gedichte aus dek Samsiluno dek Zehntausend Blatteu. 



119 



überschreitend, | die Insel Awa, | nach rückwärts gekehrt, | indess ich sehe, | da als 
Morgengesang | ruft der Schiffer Stimme, | als Abendgesang | Avährend der Ton des Rudei-s 
ertönt, | über die Wellen | geh' ich vorwärts zugleich, | zwischen den Felsen | geh' ich 
auf und ab. | Der Reissonnc Gattin ] übersetzt das Sieb der Bucht, | die Vögel und das 
^Yild, I wenn sie im Sommer sicli nui- entfernen, | da über das wüste Ufer | der Insel des 
Hauses | neig' ich mich. | Das Wild hab' ich verfolgt, | sage dieses nicht. 1 Der jüngeren 
Schwester von der Schuld | nichts meldend, bin ich gekommen. 

Ma-iitü, soviel als vta-bito ,ein wahrer Mensch', hier statt , Diener- gesetzt. 

N^as2( ,vollenden' bezeichnet auch die Aehnlichkeit. 

Su-ni, auf solche Weise. 

Tsur^b, soviel als tstiri-b, zugleich anhaken, 

I-juki ist so viel als j>il-i. gehen. Jnkl-saku scheint für jnku-saki .vorwärts gehen' 



gesetzt zu sein. 



Mutoicorii. soviel als niudoru, zurückgehen. 

Ina-bi-dzvma. der Blitz, wörtlich: die Gattin der Sonne der Ileispflanze. 
das gewöhnliche hta-dzuma ,die Gattin der Reispflanze' und ina-hikari .das 
Reispflanze'. 

Tori-zi scheint für tori-zisi , Vögel und Wild' zu stehen. 

Sai-jnkv steht für saje-jnku, nichts tlnui als weggehen. 



Soviel als 
Licht der 



^ ^ Kajesi-uta. 

Das entgegnende Gedicht. 



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Siro-taje-no \ sode tuki-kajett \ kajcri-kontu | fodo-wo kazojete | juki-tc ko-uta-si-u-o. 
Den von Weisse wunderbaren \ Aermel lösend und wechselnd, | werde ich zurück- 
kommen. I Ich zähle die Tage — | o ich gehe und komme! 



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kuni-je mi-juki-si toki fagi-iiia-no ma-ro usi-no me-)t(i junicni iita fifo-kasira. 
edieht der Gattin des (Crossen Ma-ro von Tagi-ma. <las .sie verfasste, 
aiser das Reich I-se besuchte. 



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120 Pfizmaier. 

Waga se-ko-wa \ idzutsi jukii-ruinu \ oki-tsu mono \ kalmre-no jama-ioo \ keö-ka kojuramu. 
Mein älterer Bruder, | wohin wird er gehen? | Das Wesen an dem Hafen | wird den 
versteckten Berg | heute wohl überschreiten. 



Kusa-no otome-no uta ßto-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens von Kusa. 



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Aki-7io ta-no \ fo-da-no kari-ha-ga \ ka jori-awa-ha \ soko-mo-ka fito-no | ware-wo kofo- 
nasamu. 

Wenn auf den herbstlichen Feldern | von des Aehrenfeldes gemähten Blättern ] der 
Duft sich vereinigt, | werden wohl auch die Menschen dort | mich unterscheiden. 

Koto-nasu, zu etwas Verschiedenem machen, unterscheiden. 



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Si-gi-no mi-ko-no mi-uta ßto-kasira. 

Ein Gedicht des Kaisersohnes von Si-gi. 



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Owo-bara-no \ kono itsti-siba-no ] itsU' sika-fo \ woga omofu imo-ni | ko-joi ajerii ka-mo. 
Dieses Itsu-siba | in Owo-bara, | wann ist es gewiss? | Mit der jtingeren Schwester, 
an die ich denke, | treffe ich zusammen diese Nacht! 



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A-he-no otome-no ibta ßto-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens von A-be. 



Gedichte aus dee Sammlung deb Zehntausend Blätter. 121 



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Waga se-ko-ga \ ki-sern koromo-no | fari-me otsi-zu \ iri-ni-kerasi-na \ icaga kokoro saje. 
An dem Kleide, in das | mein älterer Bruder sich kleidet, | geht der genähte Saum 
nicht auf. | "Was ich eingelegt, | ist nichts als mein Herz. 



Naka^mi asomi-no adzuma-^hito a-be-no musume-ni fodokosu iita fito-kasira. 
Ein Gedicht des Dieners der Mitte Adzuma-bito von Asomi an das 
Mädchen von A-be. 



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Fitori nete \ taje-ni-si fimo-ico | jujusimi-to \ semu su-he slrani | ne-nomi si-zo naku. 
Allein schlafend, | indess das Ende des zerrissenen Bandes | mir zuwider, | und nicht 
wissend, was ich thun soll, ] wein' ich nur mit lauter Stimme. 



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A-be-no otome-no kotbru uta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens von A-be als Antwort. 

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Waga mutarn | mi-tsu ai-nl joi'crn \ i/u mofni-te | tsukc-tf masi-monü-icv | hna-zo knjasi-ki. 
Die von mir gehaltenen, ] auf drei Verbindungen sich stützenden [ Seidenfäden, 
durch sie | das Gift nahebringend — • | o das jetzt reuevolle! 



Dpnkschrift.-n dor phil.-hist. C'l. XXI. Bd. 16 





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Pfizmaiee. 



Dai-na-gon kanete owo-ihisa-no kimi oico-tomo-no kimi-no uta fito-kasira. 
Ein Gedicht des Dai-na-gon, zugleich grossen Heerführers, des 
Eeichsministers von Owo-tomo. 



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Saka-ki-ni-mo \ te-wa furn-to in-ico \ ntsutaje-ni \ fito-tsuma-to ije-ba \ furenu mono-ka-mo. 
Das Anlegen der Hand | an die heiligen Bäume, wie es heisst, | zeigt man an. ] Bei 
Gattinen der Menschen, wie es heisst, | ist da kein Anlegen? 



Isi-gawa-no otome-no uta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens von Isi-gawa. 






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Kasu-ga-no-no \ jama-he-no mitsi-wo \ josori-naku \ kajoi-si kimi-ga \ mijenu goro-ka-mo. 

Der auf dem Wege der Bergseite | des Feldes von Kasu-ga | ohne Furcht | verkehrt 
hat, der Gebieter, ] die Zeit ist, wo er nicht erscheint! 

Josori-naku scheint für osori-naku oder osore-naku ,ohne Furcht' zu stehen. Minder 
wahrscheinlich ist es, dass es gleichsam jusuri-naku ,ohne Bewegung' heissen soll. 



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Owo-tomo-no otome-no uta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens von Owo-tomo. 



Gedichte aus dek Sammlung dek Zehntausend Blättek. . . 1,23 

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Ama-satmri \ tsune suru kiml-ica \ ßsa-kata-no \ jofii-be-no amc-ni \ kori-ni-kemu-ka-mo. 
Der eine Regenscliutzwehr | gewöhnlich bildende Gebieter | wird dui-ch den lange 
währenden, festen | Regen der gestrigen Nacht | wohl gewarnt worden sein! 

J6-be scheint ursi^rünglich mit jo-be ,die Nachtzeit' gleichbedeutend zu sein.' 



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Notsi-no ßio-no ojeru unazi-uta fito-kasira. 

Dasselbe Gedicht, von späteren Menschen nachträglich verfasst. 

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Fisa-kata-no \ ame-mo furami-ka \ aina-tsutsnrni \ kimi-ni tagul-te \ kono fi kurasamu. 
Wo der lange währende, feste \ Regen wohl nicht fällt, | der Regendamm, | zu dem 
Gebieter als Zweiter gesellt, | wird diesen Tag bis zur Nacht verbringen! 



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Fudzi-'wara-no ame-ga sita-no usi idsuri-makaserarete mi-ja-ko-ni agarn toki fi-tatsi-no 
otome fodokosH nta fito-kasira. 

Ein G edicht des Mädchens von Fi-tatsi an den zu der gesammten Welt 
gehörenden Grossen von Fudzi-wara, als dieser versetzt wurde und, mit 
einem Amte betraut, in die Hauptstadt reiste. 

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Niwa-ni tatsu \ asa-te kari-fosi \ siki-sinobu I adzuma icotome-tvo \ uasure-tamafu-im. 



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124 



Pfizmaier. 



Das in dem Vorhofe stehende, | die Hand des Hanfes schneidende und trocknende, 
ausgedehnt liebende | Mädchen von Adzuma I wollest du nicht vergessen. 



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Kei-sioku-no dai-fu fudzi-wara-no dai-fu oivo-tomo-no musume-ni tamawaru xda mi-kasira. 
Drei Gedichte des Grossen des Amtes der Hauptstadt, des Grossen von 
Fudzi-wara an das Mädchen von Owo-tomo. 



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Woto-me-ra-(]a \ tama-kusi-ge naru \ tama-gusi-no \ medzurasi-keniu-mo \ imo-ni aivazit, 
are~ba. 

:,.. Der in der jungen Mädchen | Kammkästchen der Perlen befindliche | Edelstein- 
kamm I mochte auch kostbar sein, | als es geschah , dass ich mit der Schwester nicht 
zusammentraf. 






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Joku wataru | ßto-iva tosi-ni-mo | ari-tefu-mo \ itsu-no mamu-zo-mo | waga koi-ni-keru. 
Dass es wohl ergeht | dem Menschen, in einem Jahre | ereignet es sich, sagt man. 
Binnen welcher Zeit auch | ist es gekommen, dass ich liebe? 



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Ätsu-husuma I nago-jaka sita-nl \ fusere-domo \ imo-to si-nene-ba \ fada si-samusi-mo. 

Die dichte Decke, | die leichte , unter ihr | obgleicli ich liege, | da ich bei der 
Schwester nicht schlafe, | ist meine Haut auch kalt. 



Gedichte aus der Sammlung der zehntausend Blätter, 125 

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.Owo-tomo-no otome-no jamato-uta jo-kaslra. 
Vier Jamato-Grediclite des Mädchens von Owo-tomo. 



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Sawo-kawa-no \ sazare fnmi-watari | nx-ha-tama-no \ ko7na-7io knrn jo-iva |. tosi-ni-mo 
aranu-ka. 

Des Flusses Sawo | Kiesel tretend und übersetzend, | ist des schwarzen Pferdes | dpr 
Feldflügeledelsteine kommende Nacht | nicht auch ein Jalir? 

Nu-ha-tama ,der Edelstein der Feldflügel', ein schwarzer Edelstein, wird hier in der 
Zeichenschrift durch ,der Edelstein der Nachtschilde' ausgedrückt. 



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Tsi-dori nakii | saica-no kaica-se-no | sazare nami | jamu tokl-mo nasl \ waga kofuraku-ni . 
Der Brachvogel sino-t! 1 Die kleinen Wellen 1 der Stromschnelle des Flusses Sawo | 



stehen still zu keiner Zeit, | wie ich es liebe. 



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Komu-to iü-mo | ^'cme^ /(^A/ ar/i-iro | kozi-fo iü-tco | komu-to-tca matazi | kuzl-to in mono-ico. 

Man sagt, dass man kommen wird, | es ist die Zeit, wo man niclit kommt. | Man 
sagt, dass man nicht kommt, | man wird kommen, und man oi-wartet es nicht. | sagen, 
da^s man nicht kommt! 



126 



Pfizmaier. 






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Tsi-dori naku \ sa-ico-no kawa-do-no \ se-wofiromi \ utsi-fasi watasu \ nagaku-to omoje-ha. 

Der Brachvogel singt! ] Die die Stromschnelle des Flussthores | des Sawo erwei- 
ternde, I geschlagene Brücke übersetz' ich, | indem ich dieses für lang halte. 

Das eben genannte Mädchen ist die Tochter des Reichsministers, des grossen Dai- 
na-gon von Sa-wo. Sie war an den zu der ersten Rangstufe gehörenden Kaisersohn 
von Fo-dzumi vermalt und ward ausschliesslich begünstigt. Nach dem Tode des Kaiser- 
sohnes freite um sie der Grosse Ma-ro von Fudzi-wara als Mädchen. Das Haus dieses 
Mädchens befindet sich in der Strasse Saka-kami. Nebst ihrem Geschlechtsnamen führt 
sie noch den Ehrennamen: das Mädchen von Saka-kami. 



Alata oico-tomo-no saka-kami-no otome-no uta fito-kasira. 

Noch ein Gedicht des Mädchens von Owo-tomo und Saka-lcami. 






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Sa-iüo-kaiva-no \ kisi-no tsukasa-no \ siha na-kari-so \ ari-tsutsu-mo \ faru si-kitara-ha \ ta- 
tsl-kakuriL-ka-ni. 

Der Vorgesetzte des Ufers | des Flusses Sawo | schneide kein Brennholz. | Während 
es so ist, I wenn man prunkend • angekommen,- ] verbirgt man sich auf der Stelle! 

Dieses Gedicht enthält sechs Abschnitte an der Stelle der gewöhnlichen fünf. 



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Sumeru-vnkoto-no una-kaini-7io fime-owo-kimi-ni tammoaru mi-uta fito-kasira. 
Ein Gedicht des Kaisers an die Königin von Una-kami. 



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Gedichte aus der Sammlung der zehntausend Blätter. 127 

Aka-koma-no \ kojuru nma-ori-no \ sime jui-si \ imo-ga kokoro-wa \ ntagai-amo nasi. 
Das einer Pferdehürde, | die das rothe Füllen | überspringt, älmliche festgeschnürte 
Herz der jüngeren Schwester | ist von Argwohn frei. 



Una-kami-ico ßme-owo-kimi-ni täte matsuri-si jamato-uta fito-kcmra. 

Ein dargereichtes Jamato-Gedicht der Königin von Una-kami. 



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Adzusa-jumi \ tsuma-hiku jo-do-no \ toivoto-ni-mo \ kimi-ga mi-juki-ioo \ kikmvasi-josi-mo. 

Der Bogen von Hartriegel | mit dem fernen Tone | des Wasserwirbels des Spannens 
bringt den Besuch des Gebieters | gut auch zu Ohren. 

Tsuma-hiku^ sonst auch tsume-biku, mit den Nägeln der Hand ziehen, wie einen Bogen 
oder die Saiten eines Musikwerkzeuges. 

Toicoto steht für towo-oto^ der ferne Laut. 

Kiknivasu^ das Causativum von kikü ,hören', das seinerseits soviel als kikö. 



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Oifo-tonio-no ne-na ma-ro ne-ne-no nta fiitu-kasira. 

Zwei Gedichte Ne-na-maro Ne-ne's von Owo-tomo. 

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Utsi-fi-sasu I mi-ja-ni jukti, ko-ico \ ma-kanasi-mi \ tomure-ba kurusi | jare-ba su-be-nasi. 
Der auf die Sonne zeigende | Palast, das Kind, das zu ihm geht, | bedaure icli 
wii-klich. I Wenn es bleibt, hat es Mühsal. | Wird es entlassen, hat es kein Geschäft. 






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12S Pfizmaier. 

Nani-wa kata \ skvo-ß-no na-gori \ aku made-ni \ fito-no miru ko-wo \ icare si-tomosi-mo. 
An Naniwa's Seite | das Zurückbleiben der Ebbe | währt bis zum Ueberdruss. | Das 
Kind, das die Menschen sehen, | mangelt auch mir. 

Knta siivo-fi ,die Ebbe der Gegend' steht für shco-fi-kata, die Gegend der Ebbe. 



Aki-no own-kimi-no uta fito-kasira narabi-nl mizikaki ata. 

Ein Gedicht des Königs von Aki. Anbei ein kurzes Gedicht. 

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Towo-tmma-no \ koko-ni arane-ba \ tama-hoko-no \ mitsi-wo ta-toicomi \ omofu sora \ jasu- 
karanaku-ni \ nageku sora \ jasu-karanu mono-wo \ mi-sora juku \ kumo-ni-mo kamo-na \ takaku 
tobu I tori-ni-mo kamo-na \ asu juki-te \ imo-ni koto-toi \ tvaga tame-ni \ imo-mo koto-naku \ imo- 
ga tarne \ ivare-mo koto-naku. \ ima-mo miru gotoku 1 tagui-te-mo ka-na. 

Da die ferne Gattin | sich nicht hier befindet, | b-in ich von der Edelsteinlanze | 
"Wegen fern. | Der sehnende Himmel, | da er nicht ruhig ist, | der klagende Himmel, | 
möge er nicht ruhig sein. | Die an dem Wasserhimmel wandelnde | "Wolke möcht' ich 
werden. | Der hochfliegende | Vogel möcht' ich werden. ] Am Morgen fortziehend, ] spreche 
ich mit der Schwester. | Um meinetwillen | hat die Schwester keine Sache. | Um der 
Schwester willen | hab' ich auch keine Sache. | "Wie ich jetzt sehe, | möchte ich mich 
gesellen als Zweiter! 

Tama-boko ,die Edelsteinlanze' ist offenbar der Gegenstand, der in der japanischen 
Sage durch ame-no nu-boko ,die Korallenlanze des Himmels' bezeichnet wird. 

In ta-toicomi , entfernt sein' scheint ta für te ,Hand' zu stehen. 

Koto-toi, durch Worte fragen, "Worte sprechen. 

Tagü, sich gesellen, besonders als Zweiter. Davon abgeleitet tagui, das Hinzu- 
gesellte, die nämliche Art. 



Gedichte aus der Sammlunc; deu zehntausend Bi,ätter. 129 



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Das entgegnende Gediclit. 



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Siki-taje-no \ ta-maknra makazu \ fedato nki-te \ tosi-zo fe-ni-kerio \ awarui ontoi-im. 

Das von Breitung wundervolle | Handkissen nicht zusammenrollend, | und ' es geson- 
dert niederlegend, | verbringe icli die Jahre | in Gedanken an die NichtVereinigung. 

Der obengenannte König von Aki vermalte sich mit dem zarthändigen Mädchen 
von Ja-kami in Ina-ba und liebte sie mit der grössten Leidenschaft. Um die Zeit verfügte 
ein Erlass des Kaisers die Trennung, weil der König sich des Verbrechens der Unehr- 
erbietigkeit gegen den Kaiser schuldig gemacht hatte. Der König zog sich in seinen 
Heimatsort zurück und verfertigte jenes Gedieht, durch welches er seinem Schmerze 
Ausdruck gab. 



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Kado-be-no otco-khni-no koi-vfo fito-kasira. 

Ein Liebesgedicht des Königs von Kado-be. 

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Wü->i-)ii) i(iiii-no j siwo-fi-no kata-no \ kata-omoi-ni \ omoi-ka jukamn \ mitsi-no naga-te-ioo. 

Mit der einseitigen Sehnsucht | der Salzei'de der Ebbe | des Meeres von AVou ] sehn' 
ich mich! Ich werde fortzieh'n ■ — | o die ewig lange Hand des Weges! 

Wo-ii ist die Provinz Wö-sin oder Mutsu. 

Kata^ eigentlich ,die Seite'. In der Zeichensciirift <lie Salzerde. 

Der oben genannte König von Ka(Ki-be vermalte sich zur Zeit als er zum Statt- 
halter von Idzumo ernannt wurde, mit einen Mädchen von Be-utsi. Es währte nicht 
lange Zeit, als er sich von ihr trennte und hin und wieder zog. Nach Monaten empfand 
er wieder Liebe zu ihr. Er verfasste dieses Gedicht und schickte es ihr. 



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Tti kc-la-nu Jiine-vuu-khui-nu iinii-kl-tio uuu-kimi-ni lubii iita >im-k(isira. 

Sechs Gedichte der Königin von Take-ta an den König von Ima-ki. 

Denkschriften der phil-hist. LI. XXI. R<l. 1'^ 



130 



Pfizmaier. 



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iiofo Ä;(/oA:» | itaku-mo iwazi | y?Vo-/i c/«»/ ] kimi-i si-naku-ica \ Itakl kizu-zo-mo. 
Die Sache ist klar, | und man sagt es durchaus nicht. | Einen Tag nur, | dass der 
Grebieter weint, | hier, ist auch eine schmerzliche Wunde. 



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Fito-koto-ico I sigemi-kotsl-taml \ aimzari-kl \ kokora-naru goto \ omofu-na ivaga-se. 
Die Worte der Menschen | mannichfach aussprechend und voll Schmerz | traf ich 
nicht zusammen. | Wie es in dem Herzen ist, ] denke nicht, dass es ist, mein Bruder. 
Kotsi scheint für koto-si ,Worte hervorbringen' zu stehen. 
Tami steht für itami, schmerzen. 



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Waga se-ko si- | togemu-to iwa-ha \ fito-koto-tva | 5/^eA:?6 ari-to-mo | ic^eie mcamasi-wo. 
Wenn mein Bruder | sagt, er werde nachfolgen, | sind die Sachen der Menschen 
mannichfach, daher | tritt er hinaus — o er wird zusammentreffen! 



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Gedichte aus dek Sammlung der zehntausend Blattek. 131 

Waga sc-ko-ni | mata-b(t aicazl-ka-to | umujc-ha-ka \ kc-S'i-iio trnkare-no \ sii-Jx- na-kari- 
tsnrn . 

Als ich daclite, | wenn ich auf meinen Bruder | warte, treffe ich wohl nicht zusam- 
men, I ist des heutigen Morgens eigene | Beschäftigung nicht gewesen. 



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Küito jv-ni-ica I fito-koto sicjemi \ komii jo-ui-mo \ uwaniii iracjo sr-ku | hna iiarazn-to-hin. 
In dieser Welt | sind ilie Sachen der Menschen mannichfach. | In der künftigen 
Welt I ist mein Bruder, den ich treffen werde, | weil es jetzt niclit ist. 



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Tokü-to-u-a-m | kajui-si kinti-gu \ f.s/ikai kuzn | lni(i-wa awazl-to \ tajiitai-nu-rasi. 

Der immerwährend | vei-kehrende Abgesandte | des Gebieters kommt nicht. | Da er 
jetzt nicht eintrifl't, | ist es, als ob er zögerte. 



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(Jtro-toiito-tKi ,si(kt(-))(' ii//-Jiiri-i)(i lila ßto-kasira. 

VAn Gedicht 8uku-ne Mi-jori's von Owo-tonio. 



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Waga khni-wa \ wake-icu-ha siiic-to | omoje-ka-mo \ afii-jo aicann jo | futa jukii^naramu. 

Mein Gebieter | mag in einer Sache sterben, | ist mein Gedanke! | In der Nacht, 
wo wir zusamniontroffen. in der Naclit. wo wir nicht zusannncntreften. | worden wir beide 
verschwinden. 



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1^2 Pfizmaier. 

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jSfi-iki-no ßme-owo-kimi-no da-zal owo-tomu-no k/mi-ni tabu uta ßita-kasira. 
Zwei Gedichte der Königin von Ni-iki an den grossen Vorgesetzten, den 
ßeichsniinister von Owo-tomo. 

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Ama kumo-no \ fedate-no ki warne \ toioo-kc-to-mo \ kokoro si-juke-ba \ kofuru monn-ka-mo. 
Die Gripfelung der Abgeschlossenheit j der Himmelswolke, | fern wie sie ist, | in- 
dess das Herz hinzieht, | sie ist es, die man liebt! 



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Inisi'-je-no j ßto-no nomaserv | kibi-no sake \ jamoica-ba sv-be-na | nuki-su tamaumnm. 

Die. Menschen des Alterthums, | wenn sie von dem Roggenwein, | den sie tranken, 
leidend waren, | so war man bereit, ein lediges | Zugbett von Bambus zu verleihen. 

Jamofol auch jamafu ,erlo-anken'. Davon abgeleitet jamai, Krankheit. 

*SV, soviel als su-no ko oder take-sK^ ein Bett aus Bambus oder Brettern. Nuki-su^ 
ein solches Bett zum Ziehen. 

Da-zai-no sotsu owo-tomo-no kib dal-ni tcai-fi-agata-no mori-kib-ni tttsuri-te mln-bu-kw-ni 
makaseru toki tabu uta fito-kasira. 

Ein Gedicht des grossen Vorgesetzten und Anführers, des Reichsministers 
von Owo-tomo an den grossen Zugesellten, Statthalter des Districtes Tan-fi 
und Reichsgehilfen, als dieser versetzt und mit der Stelle eines Reichsgehi.lfen 
der Abtheilung des Volkes bekleidet wurde. 



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Gedichte aus der Sammlunu dek zehntausend Blätter. 133 

Kiml-aa tarne \ kami-si matsl-zake \ jasu-no no-ni \ ßtori-ja iiniaaiim | tomo-nasl-ni-site . 
Den Wartewein, den ich ] des Gebieters willen gekocht, | auf dem Felde der Ruhe 
werde ich ihn wohl allein trinken, | da der Gefährte nicht vorhanden. 



Kamo-no fime-owo-khni-no ' oico-to)no-no suku-ne ■mi-jorl-ni tabu uta fito-kasira. 

Ein Gedicht der Königin von Kamo an Suku-ne Mi-jori von Owo-tomo. 



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Tsukii^si-ßme | mada-mo kozaro-ha | arakazime | ara-biirv. kimi-wo \ miru-ga kana^i'-sa. 
Da das Schiff von Tsuku-si | noch nicht gekommen, | hab' ich vorläufig | den Kum- 
mer, einen grausamen | Gebieter zu sehen. 



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To-si-no suku-ne m,idzu-wo kajoi tsaku-sl-jori vii-Ja-ko-iü nobori-te uml-no iiittai-nl joiaerx, 
Uta futa-kasira. 

Zwei Gedichte Suku-ne's von To-si, die er auf dem Meere verfertigte, als 
er zu Wasser von Tsuku-si nach Mijako reiste. 

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Owo-fnne-wo \ kogi-no susnmi-nl \ itra-tii f/irc | kajera-ba kajere | bno-ni jori-te-toa. 
Indess das grosse Schiff | man vorwärts i'udert, | stosse es gegen die Felsen. | Schlägt 
es um, so schlage es um, | wenn es der Schwester willen ist. 



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Tsi-faja-huru \ kami-no jusiro-nl | icuga kuke-si | nasa-icd tabaramv \ imn-iii awanaku-ni . 



1 34 Pfizmaier. 

Die Seidenstoffe, die ich | vor dem Altare des tausend Felsen sprengenden | Gottes 
aufgehängt, [ werde ich verschenken, | da ich mit der Schwester nicht zusammentreffe. 

Das gewöhnliche tsi-fa-ja huru ,tausend Schwertklingen schüttelnd' wird hier durch 
tsi-wa jahvrv^ so viel als tsi-iwa-jaburu ,tausend Felsen sprengend' ausgedrückt. Man 
liest es aucli tsi-faja-furu. , tausendmaliges schnelles Schütteln'. 

Tabar?! steht für tamaru. verleihen. 



Da-zui dai-ken otvo-touut-no suku-nc nitinw-jo-vo koi-iita jo-kasira. 

Vier Liebesgedichte des grossen Vorgesetzten, des grossen Beaufsich- 
tigers Suku-ne Momo-jo von Owo-tomo. 

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Koto-Wio nahi \ ari-ko-si mono-wo \ oi-nnmi-ni | kakarii koi-ni-vio \ icare-iva ajem-ka-mo. 
Ohne Geschäft | Dingen, die entstanden und kamen, | im Begriffe nachzujagen, | bin 
ich in solche Liebe | auch versunken! 
Oi-nami steht für oi-namn. 



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Koi-sinanm \ notsi-wa vani scmii \ ik(^n fi-no \ tarne koso hno-iru | mi-maku fori-sure. 
Aus Liebe gestorben | wenn ich sein werde, was werd' ich thun? | Um der Tage, 
wo ich lebte, | willen möchte ich die Schwester | nur vorübergehend sehen. 



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Omowanu-wo \ omqfu-to hva-ba \ oico-no narn \ mi-kasa-no mori-no \ kami si-siru-rami. 



Gedichte aus dek Sammlunu dek zehntausend Blätter. 1 o5 

Wenn ich saire, dass ich denke, 1 was ich nicht denke, 1 wird es sein, dass der 
Gott I des in Owo-no befindlichen | Wahles der drei Hüte es weiss. 
Sirn-rami steht für slru-ramu. 



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Itoma-naki \ fito-no maju-ne-wu \ itadzurd-ni \ kakasime-tsutsu-mo | aivanu imo-ka-mo. 
Die Wurzel der Augenbrauen | der nicht Zeit habenden Menschen | eitler Weise 
indess man kratzen lässt, ist auch | die nicht zusammentreffende Schwester! 



Oifo-mo1o-no saka-kami-no otome-no uta fiita-kasira. 

Zwei Gedichte des Mädchens von Owo-moto Saka-kami. 



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Knro-kami-ni \ siro-kaini inazlrl \ oi-tare-do \ kakaru koi-ni-wa \ imada aioanaku-n't. 
Mit schwarzem Haupthaar | ist weisses Hau]3thaar gemengt, | und ich bin gealtert. 
Doch in eine solche Liebe 1 war ich noch nicht versunken. 



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Jama-suge-no \ nU-naranu-koto- iro | icura-ni jorl | iicara-sl kinii-ica \ tare-to-ka nuranm. 
Dass das Riedgras des Gebirges | keine Fruclit trägt, | passt auf inicli. | Der Gebieter, 
den ich meine, | mit wem wohl wii-d er übernachten? 



136 



Pfizmaier. 



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Ka-mo-no ßnw-otvo-klmi-no uta ßto-kasira. 
Ein Gediclit der Königin von Kamo. 






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Oico-tomo-no \ mi-tsu-to-ica iwazi \ aka-ne-i^asi 
Owo-tomo I sagt nicht, dass er es gesehen, 



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tercru tstiki-jo-ni \ tada-ni ajere-to-mo. 
indess er in der Nacht des auf Aka-ne- 



sasi 1 scheinenden Mondes j geraden Weges zusammengetroffen. 



Tsukasa-hito nado ta-mnkeru kio fsiku-zen kuni-no asi-ki-no tahi-ja-ije-ni jomeru nta jo- 

kasira. 

Vier Gedichte der Obrigkeiten und anderer begleitender Reichsminister, 
vorgetragen in dem Posthause von Asi-ki in dem Reiche Tsiku-zen. 






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Mi-saki-wa-no \ ara-iso-ni josuru \ i-ico-je nami | tatsi-te-mo ite-mo \ ivaga omojern kimi. 

Die gegen das wüste Ufer | des Randes der drei Vorgebirge | dringenden fünfhun- 
dertfachen Wellen, | bald erheben sie sich, bald weilen sie — | Unser Gebieter, an den 
wir denken 1 



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Ara-fito-vo \ koromo sonm-to m \ murasaki-no \ kokoro-ni slmi-te \omofoji(ru-ka-mo. 
Von der man sagt, dass sie das Kleid | des neuen Menschen färbt, ] die Purpurfarbe, 
sie färbt in dem Herzen — | o es wird dessen gedacht! 



Gedichte aus dek Sammlung der Zehntausend Blattek. 137 

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Jamafo-hf-ni j kimi-iio tat.m fi-no \ tsika-karc-ha \ no-ni tatsv dka-mo \ nf/oki-ff-zo »ak»} 
Da der Tag, an dem der Gebieter | an der Seite von Jamato sich erhebt, | nahe 
kommt. I regt sich auch der auf dem Felde | sich erhebende Hirsch und brüllt. 

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Tsuki-Jo josi \ kawa-icoto kijo-v' \ izn koko-ui \ jxku-mu totnarn-mi) \ asobi-fe jvkmim. 
Die Mondnacht ist glücklich, | die Töne des Flusses sind klar. | \\^3hlan, liierher | 
bald wandelnd, bald stillstehend, | werden wir lustwandelnd zieh'n. 

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Da-zai-no mts oiro-tomo-no kin iiii-ja-kit-jc nnbori-fe votsi-ni sia-ini iikdi-sc/ ktn-)ti tnh/i iifa 
futa-kasira. 

Zwei Gedichte des Sia-mi jMan-sei an den Anführer, den grossen Vorge- 
setzten, den ßeichsminister von Owo-tomo, als dieser in die Hauptstadt gereist 
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Ma-sn-kdiiiimi \ iiii-nknim k/iii/-)ii | (ik>ircte-ja \ asifa juf'/i-hr-ui ' sahi-ts/ifsii /ninnrni. 
Die wahren zehn Spiegel, i dem sich niclit satt sehen<len Gebietei- | dargereicht, 
werden | am .Morgen und am Abend | rostend verbleiben. 



' Diese Verse werden in der Ausgabe (wahrscheinlich aus Verseheu) nur mit chinesisciien Zouheu wiedprgeseben. 
Der Verfasser dieser Abhandlunij hat hier die ihm richtig scheinende japanische .ausspräche hinzugesetzt. 

DenVs.-lriftPn der [.hil.-liist. CL XXI. Bd. ' ■'^ 



138 



Pfizuaiee. 









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Nu-ba-iama-no \ kuro-kami knicari \ sirarjefc-vw \ ifaki koi-ni-ica \ afu toki ari-keri. 
Das wie der Feldflügel-Edelstein | schwarze Haupthaar hat sich verändert | und ist 
weiss geworden. | Es geschah zur Zeit, als | schmerzvolle Liebe mich befiel. 



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Dai-na-gon ouo-tomo-nu kiv jamato-nta futa-kasira. 

Zwei Jamato-Gedichte des Dainagon, des ßeichsministers von Owo-tomo. 



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Koko-ni ari-fe \ tsuku-si-ja itsu-ko \ sira-kumo-no \ tanabiku jama-no \ kata-ni-si aru-rasi. 
Indess sie hier sich befindet, | die irgendwoher aus Tsuku-si | kommende weisse 
Wolke, I es ist, als ob sie zur Seite | des Berges, wo sie treibt, sich befände. 



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Kusa-ka-jt-no \ iri-je-ni asai-ii \ asi-tatsu-no \ ana-tatsu-tatsu-si \ tomo-nasi-ni site. 
Der an der Bucht des Flusses | von Kusa-ka Nahrung suchende | Storch des Schilf- 
rohrs I ist schmerzlich abgeschnitten, | da er keine Gefährten hat. 

Tatsn-tatsu-si^ im Zustande des Abgeschnittenseins befindlich. Von iatsu^ abschneiden. 



Ou-u-tüino-no saka-kami-no ijc-nu ouv-otome owo-tovw-no suku-ne ije-motsi-ni mukuje-okureru 

Uta jo-kasira. 

Vier Gedichte des grossen Mädchens des Hauses Saka-kamI von Owo-tomo 
als Entgegnung an Suku-ne Ije-motsi von Owo-tomo. 



Gedichte aus der Sammlunc per ZEHNTAtisEN-n Blatter. 



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Iki-tc are-ha \ mi-mahi-ini) sirazu \ nani-sika-mo \ sinaiti/i-J)) itno-tn \j>nin'-)>i mije-tstiru. 
Die als icli lebte, | man nielit mehr sah, nicht kannte, | auf welche Weise ] werde 
ich sterben? Als Schwester | bin ich im Traume erscliienen. 





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Masura-wo-mo \ kaku koi-keru-ivo \ ta-iüoja-me-no \ kofurv kokoro-ni \ vnrabe-rame-ja-mo. 
Der starke Mann, | wie er so geliebt hat! | Das zarthändige Weib | wird in Leiden- 



schaft der Liebe | ihm wohl auch gleich konmienl 









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n-jasuku | omoje-ka-mo | wa^a omofu ßto-no | koto-nw tsuqe-konn. 
rlanzt sich fort, wie ruhig | ist sie in Gedanken! I Von dem 



Tsuki-kusa-no | utsuroi- 
Die Mondblume | pflf 
Menschen, an den ich denke, | kommt auch keine j\ieldung. 






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Kasu-ga-jama j asa-tatsu knuio-no inu-ß-nakic < mi-maku-no fnsi-ki kimi-ni-mo aru-ka-mo. 

Die auf dem Berge Kasu-ga | am Morgen sich erhebende Wolke, | indess kein Tag. 
wo sie nicht weilt, | einen Gebieter, der den Wunsch hat, ] niclit melir zu sehen, gibt 
es auch! 



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j^^() Pfjzmaier. 

Owo-tomo-no saka-kami-no otome-no ula ßto-kasira. 

Ein GedicJit des Mädchens von Saka-kami in Owo-tonio. 

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Wo man austreten und fortgehen wird, | o eine Zeit wird es geben! | In Besonderheit 
hat man den Gatten geliebt — | man kann sich erheben und gehen! 



Kasa-nc otome otco-tomo-no suku-ne ije-motsi-ni tabu uta fata-jo-kasira. 

Vier und zwanzig Gedichte des Mädchens von Kasa an Suku-ne Ije-motsi 



von Uwo-tomo. 



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Waga kafa-vii \ mi-tsutsu sinobase \ ara-tama-no \ tosi-no ico nagaku \ ware-mo omowamu. 
Meine Gestalt | hab' ich geseh'n, ich verheimliche es. i So lange als die Schnur | dei- 
Jahre der rohen Perlen | dauert, werd' ich daran denken. 



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Slru-torl-no \ fo-ba-jama matsu-no \ matsi-tsutsu-zo \ waga koi-wataru \ kono tsuki-goro-ioo. 

Die dem weissen Vogel gehörende | Fichte des Berges Toba | hat gewartet. | Ich 
verbringe in Liebe | den Zeitraum dieses Mondes. 



Gedichte aus der Sammlung der Zehntavsend Bi.attek. 141 






Koromo-de-Wü \ utsi-ica-no sato-ni \ aru tcare-ico | sirade-zu ßto-ica \ rnate-do komi-keru. 
Mich, die ich den Aermel | des Kleides in der Gasse | des runden Fächers | hatte, 
kannte er nicht, und der Mensch, | obgleicli ich wartete, ist nicht gekommen. 



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Ara-tama-7to \ tosi-no fe-juke-ha \ ima siha-to | kome-jo waga se-ko \ tcaga nn-dzukii. su~na. 

Da der rohen Edelsteine | Jahre vorübergehen, | mögest du jetzt häufig | dich 
bekümmern ! Mein älterer Bruder, | gib mir meinen Namen nicht. 

Siba-to scheint für das gewöhnliche siha-siba ,häufig' zu stehen. 

Komu hat sonst die Bedeutung , eintreten'. Hier hat das Zeichen der Wörterschrift 
die Bedeutung ,sich anstrengen, sich um etwas kümmei-n'. 



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Waga omoi-wo | ßfo-ni sirasu-ja \ tama-kusi-ge \ ßraki-ake-tsu-to | jtime-ni-si mijuru. 
Meine Gedanken | gebe ich kund den Mensehen! | Dass ich das Kammkästchen von 
Edelstein ] breitete und öffnete, | wurde im Traume gesehen. 



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Kuraki jo-ni \ naku-naru iatsu-no \ josi-ni nomi \ kiki-tsutsu-ka aramu \ afu-to fanasi-ni. 
Der in finsterer Nacht | klappernde Storch | wird ausserhalb blos | es gehört haben, 
als ich sagte, dass ich zusammentreffe. 






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Kiml-ni koi \ ito-mo su-he-nami | nara-jama-no \ ko-matsu-ga sita-ni \ tatsi-nageku-ka-mo. 
Bei der Liebe zu dem Gebieter | bin ich ganz von Geschäften frei. | Unter den 
kleinen Ficliten | des Berges von Nara ] steh' ich und seufze! 



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Waga ja-do-no \ jufu-kage-kusa-no | sira-tsußi-no \ kemi-ka-ni moto-na \ omofojuru-ka-mo. 
Bei meinem Wohnsitze | auf der Pflanze des Abendschattens | der weisse Thau, | 
warum er eigentlicli schmilzt, | es wird hieran gedacht! 









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Waga inotsi-no \ mata-kemu kagiri \ icasure-me-ja \ ija-fi-ni geni-wa \ omoi-masti-to-mo. 
Die Grenze, an der mein Leben | vollendet sein wird, werd' ich vergessen! ] An die 
übermässigen Tage oifenbar | denk' ich dabei noch mehr. 
Matasi steht für )naftast\ ganz, vollständig. 



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Gedichte aus der Sammlunü der zehntahsenu Blätter. , 143 

Ja-wu-ka juku \ Jama-no masago-mo \ waga koi-ni \ ani masaranu-ja \ oki-tsu. sima mori. 
Hundert Tage vergehen, j der Sand des Meerufers, j wie sollt' er meine Liebe | nicht 
übertreffen. | der Wächter der Insel an der Bucht? 












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Der hohlen Grillen, der Menschen | Augen vielfach indess ich sehe, | zu dem in dei- 
steinernen Brücke | Zwischenraum nahen Gebieter | setz' icli liebend hiniiber! 



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Koi-ni-mo-zo | fito-ica sini-snra | mlna-se-gaioa \ sita-ni icare jasu \ tsuki-ni fi-ni geni. 
Von Liebe auch | sterben die Mensclien. | An des Flusses Mina-se | unterem Laufe 
zehr' ich ab | durch Monde, durch Tage wahrlicli. 
Jasu steht für juseru^ abzein-en. 






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A.ta-kiri-no \ fono-ni ai-mi-si \ fito juje-ni \ inotsi sinu-hcku | koi-wafca-a-kd-mo. 
Mit dem ich in des Morgennebels | Düsterheit zusammentreffe, | des Menschen wegen 
kann das Leben erstez-ben — 1 ich setze liebend liiniiber! 



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Auf den zu dem Ufer des | Meeres von Ise mit rollendem* Ton | sich ^ drängenden 
Wellen | setz' ich zu dem ehrwürdigen Menschen | liebend hinüber! " ^ 



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Kokoro-ni-mo \ ware-ioa nmoKazu \ jama-kavm-mo \ fedataranaku-ni \ kaku koi-mu-to-wa. 

In dem Gemüthe | denk' ich auch nicht nach. | Indem Berg und Fluss | von einander 
nicht geschieden, | auf diese Weise werd' ich lieben. 



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Wenn der Abend entschwunden, | gedenk' ich noch mehr, | da die Weise des 
Öjorechens ; des Menschen, den ich gesehen, | im Bilde mir vorschwebt. 



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Omoi-ni-.si I sini-m7'u viouo-ni \ oramasf-ha \ tsi-tahi-zo v-are-tra \ sini-kajeramasi. 

Wenn einen Sterbenden, | an den ich dachte, | es geben wird, | werde tausendmal 
ich I dagegen sterben. 

Aramasc-ha ,wenn es geben wird', eine ganz neue Verbalform, ist offenbar von dem 
Futurum aramasi ,es wird geben' abgeleitet. 



Gedichte aus der Sammlung der zehntausend Blätter. 145 



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Tsurugi tatsi \ mi-ni tori-sofu-to | jiinu-ni ini-tsu \ nanl-no satosi-so-nw \ khiä-ni awamu 

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Dass ich Schwert und Degen | nahm und mich damit behängte, | hab' ich geträumt, j 
Was ist hier wunderbar? Dieses ist, | weil icli den Gebieter sehen werde. 



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Ame-tsutsi-no \ kami-mo kototcari- \ nahi-ica koso \ waga omofu kimi-ni \ aimzu sini-seme. 
Wenn des Himmels und der Erde | Götter der Ordnung ] baar sind, dann, an den 
ich nur | denke, mit dem Gebieter | zusammentreff' ich nicht, ich werde sterben. 



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Ware-mo omoßt | fito-mo icasuru-na \ owo-na-wa-ni \ ura-ßiku kaze-no \ jamu toki na-kare. 
Ich auch gedenke, | ein Anderer auch vergesse nicht. | Der in dem grossen Nawa 
an der Bucht wehende Wind, | es sei keine Zeit, wo er aufhört. 



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Mina fito-ivo \ ne-jo-to-no kane-ica \ utsu-nare-do \ kimi-ivo si-omoje-ba \ ine-gate-ni-ka-mo. 

DonkB.hriften dir phil.-hist. Cl. XXI. Bd. 19 



14(5 



Pfizmaiee^ 



Die alle Menschen | schlafen heisst, die Glocke, | obgleich man sie schlägt, | da ich 
an den Gebieter denke, | ist es mir unmöglich, zu schlafen! 



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Ai-omowanu \ ßto-ivo omofu-ica \ oico-tera-no j kaki-no siri-je-ni \ mika-dzuku-ga goto. 
An den Menschen, | der an mich nicht denkt, sich sehnen, | ist so viel als hinter 
der Mauer j des grossen Tempels | die Stlrne an den Boden schlagen. 









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Kokoro-ni-mo \ ware-wa omowazu | mata sdra-ni \ loaga furu-sata-ni \ kajeri-komu-to-wa. 
In dem Gemüthe | denk' ich nicht daran. \ Es ist auch, weil ich wieder | in meine 
alte Gasse I werde zurückkommen. 



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Tsikaku are-ba | mine-doruo aru-ao \ ija-touv-ni | kimi-ga i-masi-na-ha \ ari-te-mo tajezi. 
Wenn man nahe ist, | obgleich man es nicht sieht, ist man da. \ Wenn zu fern | der 
Gebieter weilt, | ist er da und man erträgt es nicht. 



Gedicute aus der Sämmluno pek zehntausend Blätter, 147 

Jama-kutsi-no ßme-kimi-uo otco-tunto-ito .mku-ne ijc-motsi-ni tabu uta It.vi-kasira. 
Fünf Gedichte der Königin von Jama-kutsi an Sukii-ne Ije-motsi von Owo- 
tomo. 

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Mono-omoßc-to \ fito-ni rnise-zi-to\ nama-si-i-ni \ tsime-nt omojeri \ ari-zo kane-tsuru. 
Dass ich an etwas denke, | um es den Menschen nicht zu zeigen, | wurde gezwungen | 
immer gedacht — | Das Bestehen war unmöglich. 



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Ai-oiiiotranu | fito-icu-ja iiii>to-na \ siro-taje-no \ sode ßjtsu made-ni | ne-'no7/iJ-si naku-mo. 

Der an mich nicht denkt, | o der Mensch! Bis ich den eigenen | wunderbar weissen 
Aermel | einweiche, wein' ich mit lauter Stimme. 

Fits/i steht, wie aus der beigesetzten Zeichenschrift hci-voi-geht, für Jitasn^ einweichen. 



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Waqa se-ko-iva \ ai-ovioiraza-to-iuo \ siki-taje-no | khni-ga iitakura-ica \ jume-ni vijje kosv. 
Da mein älterer Bruder | meiner nicht gedenkt, j wird das von Breitung wunderbare | 
Kopfkissen des Gebieters | im Traume nur gesehen. 



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2^g . Pfizmaiek. 



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Tsurugi tatsi \ na-no osi-heku-mo \ ivare-iva nasi \ himi-ni awazu-ta \ tosi-no fe-nure-ba. 
Von Schwert und Degen | der Name ist bedauerlich sehr. | Ich besitze sie nicht, 
weil ich den Gebieter nicht gesehen, | als das Jahr vorüber gegangen. 



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Asi'be-jori \ mitsi-kurn sitco-no \ ija-masi-ni \ omofu-ka kimi-ga \ icasnre-kane-tsuru. 
Der mit dem Uebermasse | der von Asi-be | voll herankommenden Salzfluth | wohl 
gedenkt, der Gebieter | konnte nicht vergessen. 



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Owo-kami-no otome owo-moto-no suku-ne ije-motsi-ni tabu nta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens von Owo-kami an Suku-ne Ije-motsi von Owo-tomo. 



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Sa-jo-naka-ni \ tomo johu tsi-dori \ mono-omofu-to \ wabi-taru toki-ni \ naki-tsutsu moto-na. 
Der mitten in der Nacht | den Gefährten rufende Brachvogel, | zur Zeit, wo er 
sehnlich | angerufen hatte, | sang er, ohne zu besitzen. 



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Owo-tomo-no saka-kami-no otome-no urami-uta fito-kasira narabi-nl mizikaki via. 
Ein Gedicht des Unmuthes des Mädchens von Owo-tomo-no Saka-kami. 
Anbei ein kurzes Gedicht. 



Gedichte aus der Sammlung der zehntausend Blätter. 



149 



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Osi-teru-ja \ nani-wa-no sucjc-no | ne-mo koru-ni \ kuai-ga kiki-si-wo \ tosif'ukaku j naqaku 
si ije-ha \ ma-so-kagami \ toki-si kokoro-wo \ jurusi-te si \ sono fi-no kiu-ami \ nami-no muta \ 
nahiku tama-mo-no \ to-ni kuhi-vi \ kokoro-ur/ motazu \ owo-fiine-no \ tanomeru toki-ni \ tsi-fa- 
jabiini 1 kami-jd kare-namu \ utsu-semi-no \ßto-ka imu-ramu | kajoi-se-si \ kimi-mo ki-masazu 
tama-dzusa-no \ tsukai-mo mijczu | nari-mire-ba \ ito-mo su-he na-mi \ mi-ha-tarnn-no \ jorn-ira 
sugara-ni \ akara fiku fi-nio \ knruru made \ nageke-domo \ sirusi-wo nasi mi | umoje-domo \ ta- 
dzukl-wo siruni \ ta-ivoja-me-to \ iwaku-vio siriihi | ta-ioaraica-no \ ne-nomi naku-tsutsn | tatsi- 
tomari \ khni-ga tsukai-wo \ matsi-ja kane-tomi. 



150 



Pfizmaikk. 



Das Riedgras des auf der Fluth | glänzenden Nani-wa, | als es das freundliche \ 
Erhören des Gebieters | von Jahren tief | und langewährend nannte, | gab es dem die 
wahren zehn Spiegel | schleifenden Herzen | die Erlaubniss. | In der Gipfelung des 
Tages I ist das Hornblatt der Edelsteine, | zu dem die Wellen in Gemeinschaft | sich 
neigen, jedenfalls | des Wunsches nicht theilhaftig. [ Zur Zeit, als auf das grosse Schiff { man 
sich verlässt, | wird der die tausend Felsen sprengende | Gott sich trennen. | Die Menschen 
der hohlen Grillen wohl | werden es meiden. | Da der in Verkehr getretene | Gebieter 
nicht kommt, | der Edelsteintafel | Abgesandter auch | unsichtbar geworden, | ist gar 
nichts zu thun. | In der Feldfliigel-Edelsteine | nächtlichen Weile, | bis zu des die 
Helle I herbeiziehenden Tages Dunkeln | obgleich ich klage, | seh' ich kein Zeichen. | 
Obgleich ich sinne, | weiss ich kein Mittel. | Ein zarthändiges Weib, | wie man sagt 
und bezeichnet, | als Kind der Hand, | mit lauter Stimme nur weinend, | geh' ich und 
komme nicht weiter. | Den Abgesandten des Gebieters | zu erwarten, wird nicht möglich 

sein. 

Muta gemeinschaftlich', ein Wort unbekannten Ursprungs, das auch in einem anderen 
Werke vorgekommen. 

Karuru sich trennen, weggehen. In demselben Sinne und mit demselben Schrift- 
zeichen findet sich auch sakaru. 

Nasi mi^ ein sonst unbekannter Ausdruck, dessen muthmassliche Bedeutung: sehen, 
dass etwas nicht da ist. 

Sirani ist die Wurzel von siranu^ nicht wissen. 

Siruku^ ein ungewöhnlicher Ausdruck, der entweder ,bewusst' oder , gekennzeichnet' 

bedeutet. 

In fa-wa7'aica, einem übrigens noch nicht vorgekommenen Worte, ist in dem Buche 
das Katakana-Zeichen für ta ,Hand' weggelassen worden, ebenso das Jf? in dem das erste 
Wort dieses Gedichtes bildenden osl-teru-ja. 



Das Gedicht der Entgegnung. 



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Fazwte-jori \ nagaku i-/-f.s>if.s/t \ tanomezu-wa \ kakaru omoi-ni \ atcamasi mono-kn. 
Vom Anbeginn | nannte ich es lang, j Wenn ich mich nicht hieran halte, | bei 
solchem Denken | werde ich wohl zusammentreffen. 



Gediciitk aus der Sammlunu der zehntausend Blättek. 151 

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Ike-be-no oico-kimi-no saka-mori-ni jomerii uta ßto-kasirn. 

Ein Gedicht des Königs von Ike-be, das er bei einem P'este sang. 

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Matsu-no fa-ni | tsuki-^ca jutsur -no \ momidzi-fa-no \ sugi-nn-ja kiwti-fia j mcann jo owoku. 
Zu den Blättern der Fichten | ist der Mond übersiedelt. | Die Blätter des Ahorns 
haben der Nächte, | wo der nicht hinüberziehende | Gebieter nicht zusammentraf, viele. 
J/ifsi/r>i steht für iifsaru^ übersiedeln. 



Sumera-mikoto-no saka-udo-nu ßme-kimi-wo omöte jomerv mi-iito ßfo-kasira. 

Ein Gedicht des Kaisers, in welchem er sich nach der Königin von Saka-udo 
sehnt. 

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Mitsi-ni ai-te | cmi-se-si kara-ni \ furu juki-no \ kcna-hn ki'wi-ka-ni \ kofu tefit iragimo. 

Den du auf dem Wege getroffen, | indess du lächeltest, | der fallende Schnee, | wenn 
er geschmolzen ist, so ist wohl geschmolzen | meine Schwester, von der es heisst, dass 
sie liebt. 

Kena-ba steht für kijt-na-bu^ wenn gesclnnolzen ist. Ebenso kenn für kijc-im^ es ist 
geschmolzen. 



Ja-jo-no ßme-kimi-no m-'i'a -iii.ikoU)-ni tnt<'-)naisiirii uui Jüti-ka^lra. 
Ein Gedicht der Königin von Ja-Jo au den Jvaiscr. 



J52 Pfizmaier. 



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Kimi'ui jori \ koto-no sigeki-wo \ furti-sato-no \ asu-ka-no kawa-ni \ misogi-si-ni jukti. 
In Bezug auf den Gebieter ] d.as Mannichfache der Worte, | ich gebe, es in dem 
Flusse I von Asu-ka, j meiner Heimath zu waschen. 

Das Ende dieses Gedichtes lautet auch folgendermassen: 

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Tatsu-ta koje | mi-tsu-no fama-he-ni \ misogi-si-ni juku. 

Tatsu-ta überschreitend, ] gehe ich, es an dem Meerufer | der drei Ueberfahrten zu 
waschen. 



Jn-bara-no owo-kimi otome-ni tabu uta ßita-kasira. 

Zwei Gedichte des Königs von Ju-bara an ein Mädchen. 



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Uuaje-naki \ mono-ka-mo ßto-ica \ kaku-hakari \ toicoki ije-dzi-wo \ kajesit-to omoje-ba. 
Ohne Bande | ein Wesen! der Mensch, ] dass man auf einem dergestalt | weiten 
Wege des Hauses | ihn zurückkehren lässt, wenn ich bedenke. 

Uwaje scheint für juuaje^ der Wurzel von juicajeru ,binden' zu stehen. 



Gedichte aus der Sammluno der zehntausend Blätter, 153 



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Me-ni-wa mite | te-ni-ica torarenu \ tsuki-no tdsi-iui \ katsura-no gotoki \ imo-wo ika-ni semu. 

Die dem in dem Monde | befindlichen Zimmtbaume, | den man mit den Augen 

sieht, I der mit den Händen nicht erfasst wird, gleiche | Schwester, wie straf ich sie? 



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(Jtome-no tabu-wo mukü nta fiita-kasira. 

Zwei Gedichte des Mädchens als Erwiederung. 



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Ikn-so-haku \ (ymoi-keme-ka-mo \ siki-taje-no \ maktira kata-sari \ jume-ni mije-ko-si. 
Wie vieles | werde ich ersehnt haben! | Das von Breitung wunderbare | Kopfkissen 
entschwand auf einer Seite. | p]s wurde im Traume gesehen und kam. 



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Ije-ni-site \ viire-do akanu-tvo \ kusa-makura \ tabi-ni-mo tsuma-do \ aru-ga tomosi-sa. 
Obgleich man in dem Hause | sielit, ist man niclit satt. | Dass man auf der Heise des 
Kopfkissens | der Pflanzen mit der (Tuttin aiicli | sicli l)ofiH(l(>t, ist die iM-mangelung. 



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Ju-bara-iio oivo-kimi-no niata Udm itia J'tita-kdsivd. 
Noch zwei Gedichte des Königs von Ju-bara. 



Donkscliriften .1it pliil.-hist. (1. XXI, B.l. 20 



154 







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Kusa-makura \ tahi-ni-wa imo-rva \ itare-domo \ fako-no utsi-naru \ tama-to koso omoje. 
Auf der Reise des Kopfkissens | der Pflanzen zu der Schwester | obgieicli icli gelangt 
bin, I denk' ich sie mir nur als die in dem Kästchen 1 befindliche Perle. 



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Waga kinu-wo \ kata-nii-ni madasu \ siki-taje-no \ makura karasazu \ maki-te sa-ne-7hase. 

Meine Kleider | als Erinnerung reich' ich, | Von dem wunderbar gebreiteten | Kopf- 
kissen trenn ich mich nicht, — | ich roll' es zusammen und schlafe. 

Madasu^ überschicken, darreichen. Ein Wort von ungewisser Ableitung. 

Karasu^ sich einer Sache begeben. Das Causativum des oben vorgekommenen kaniru^ 
sich trennen. 



Otome-no mata tabu-tvo mukü uta ßto-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens als nochmalige Erwiederung, 



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Waga se-ko-ga \ kata-mi-no koromo \ tsuma-doi-n \ loaga mi-wa sake-zi \ koto-towazu-to-mo. 
Meines älteren Bruders | zur Erinnerung übersendetes Kleid, | bei der Brautwerbung 
von meinem Leibe trennt es sich nicht — | Mögest du nicht fragen. 



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Ju-bara-no owo-kimi mata-no tabu uta ßto-kasira. 

Noch ein übersandtes Gedicht des Königs von Ju-bara. 



Gedichte aus dee Sammlung der zehntausend Blätter. 



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Tada fito-jo \ fe-date-si kara-ni \ ara-tama-no \ tsuki-ga fe-nuru-to \ oiiwfojuru-ka-mo. 
Gerade eine Nacht | wahrend ich getrennt bin, | denk' ich im Herzen, | dass von 
rohen Edelsteinen | ein Monat vergangen. 



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Otome-no mata tahu-ico mukü uta ßto-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens als nochmalige Erwiederung. 



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Waga se-ko-ga | A;rtÄ;M kofure koso j nu-ba-tama-no | jume-ni mije-tsutsu \ inerarezu kere. 
Dass mein älterer Bruder | also liebt, ward nur | in der FeldflUgel-Edelsteine | Traume 
gesehen. | Es wurde wohl nicht geschlafen. 



Ju-hara-no owo-kimi-no mata-no tabu-uta ßto-kasira. 

Noch ein übersandtes Gedicht des Königs von Ju-bara. 






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Fasi-ke-ja si | ma-tsikakl satp-ico | A^w/io i-)ii-ja | koi-tsiitsu iroromn \ isuki-mo ß'naku-vi. 
In schnellem Laufe | die nahe Gasse | liebend, indess sie weilt, | die Wolke wird 
verbleiben, | indem der Monat nicht vergeht. 

Fasi-ke scheint für fasc-k'i ,einherjageiHl kommen' zu stehen. 



Otome-no mata tdbu-ico mukü jamato-uta fito-kasira. 



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X56 Pfizmaiek. 

Ein Jamato-Gredicht des Mädchens als nochmalige Erwiederung. 

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Taju-to ije-ba | wabi-si-mi-semu-to \ jaki-tatsi-no \ fe-t'su kano koto-iva | josi-ja ivaga kimi. 

Wenn man es entschieden sagt, | bin ich elend, um zu strafen | das brennende 
Messer | ging vorüber, diese Sache, | gut ist sie, mein Gebieter. 



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Ki-i-no otome-no urami-no uta mi-kasira. 

Drei Gedichte des Unmuthes des Mädchens von Ki-i. 



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Jo-no naka-no \ ivotome-ni si ara-ha \ waga wataru | ana-se-no kawa-too | ivatari-kane-me-ja. 

Wenn ich ein in dieser Welt | lebendes Mädchen bin, | werd' ich den Fluss der 
schmerzlichen Stromschnellen, | den ich durchsetze, | nicht übersetzen können! 



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Ima-wa ware-wa \ wabi-zo sini-kern \ iki-no loo-ni | omoi-si kimi-wo | jurusaku omoje-ba. 

Gegenwärtig | bin ich elend, bin gestorben, | wenn an dem Fadenende des Lebens | 
nach dem Gebieter, der mein Denken, | frei ich mich sehne. 



Gedichtk aus der Sahmlung der zehntausend Blätter. 157 



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Siro-taje-no \ sode toakaru-heki | ß-tvo tsika-mi | kokoro-ni musebi \ ne-nomi si nagaru. 
Den Tag nahe sehend, | wo ich von dem wunderbar weissen | Aermel mich trennen 
soll, I zieht in dem Herzen das Schluchzen | nur lauten Tones umher. 



Oico-tomo-no suku-ne mi-jori-no icakarete sara-ni nageku uta fito-kasira. 
Ein Gedicht Suku-ne Mi-jori's von Owo-tomo, in welchem er nach der Tren- 
nung sich wieder beklagt. 

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Wagimo-ko-ica | foko-jo-no kimi-ni | srimi-kerasi \ mukasi mi-si-jori | u-akaje-masi-ni-keri. 
Meine jüngere Schwester | hat in des ewigen Geschlechtsalters | Reiche gewohnt, j 
Seit ich sie einst gesehen, | hat sie sich getrennt. 



Oico-tomo saka-kami-no otome-no uta fiita-kasira. 

Zwei Gedichte des Mädchens von Owo-tomo Saka-kami. 



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Fisa-kata-no \ ama-no tsiijn sirao | oki-ni-keri \ ije-ni am ßto-rao | luntsi-koi-mi-ramu. 
Der lange währende feste | Himmel hat Thau und Reif | niedergelegt. | Der in dem 
Hause befindliche Mensch, | es wird geschehen, dass er wartend geliebt hat. 



158 



Pfizmaiek. 



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Tama-mori-ni \ tama-tva sadzukete \ katsu-gatsu-mo \ makura-to ware-wa \ izafidari oiemu. 
Dem Edelsteinbewalirer | die Perlen übergebend, | werde vorläufig | mit dem Kopf- 
kissen ich i wolilan! zu zweien schlafen. 



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Ätsu-mi-no owo-kimi-no uta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Königs von Atsu-mi. 

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Asa-ni fi-ni | iro-dzitku jama-no \ sira-kumo-no \ omoi-sugu-beki \ kimi-ni aranaku-ni. 
Des am Morgen in der Sonne | sich färbenden Berges | weisse Wolke | ist der 
Gebieter nicht, zu dem | die Gedanken ziehen können. 



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Kasu-ga-no otvo-khni-no vta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Königs von Kasu-ga. 



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Asi-hiki-no \ jama tatsi-bana-no \ iro-ni idete \ katarai-tsugi-te \ afu-koto-mo aramu. 
Des Berges Asi-biki | Citronenbäume, | indem sie in die Farbe gehen | und fortgesetzt 
mit einander sprechen, | wird das Zusanimentreften sein. 



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Ju-hara-no owo-kimi-no uta fito-kasira. 

Ein Gedicht des Königs von Ju-bara. 



Gedichte aus der Sammluni; der zehntausend Blätter. . 159 

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Tsuki-jo-mi-no \ fikari-ni ki-mase \ asi-hiki-no \ jama-tvo fedatete \ toico-kavanaku-ni. 
Der Mondgott | kommt im Glänze. | Von Asi-biki's | Bergen abgeschieden, | ist er 
nicht fern. 

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Jamato-nta fito-kasira. Jornern-iva ihitkasi. 

Ein Jamato-Gedicht von einem unbekannten Verfasser. 

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Tsuki-jo-mi-no fikari-ica kijoku | terase-domo \ mafofu kokoro-tva \ tajezu omofoju. 
Des Mondgottes | Licht, wie rein ] es auch leuchtet, | das verirrte Herz | hat unauf- 
hörlich zu denken. 



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Owo-tomo-no sukn-ne mi-josi-no tvakare-ivo kanasimu uta ßto-kasira. 

Ein Gedicht Suku-ne Mi-josi's von Owo-tomo, in welchem er die Trennung 



beklagt. 



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Tereni fi-ioo \ jami-ni mi-nasl-te \ nahi namida \ koromo nurasi-tsn \ fosu fifo nasi-ni. 
Die glänzende Sonne | in Finsterniss erblicken machend, | haben die Thränen, die 
ich weine, | das Kleid befeuchtet, | weil Niemand, der sie trocknet. 



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Tan-ha-no otvo-otome-no uta mi-kasira. 

Drei Gedichte des grossen Mädchens von Tan-ba. 



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Kamo-tori-no \ asohu kono ike-ni \ ko-^io fa otsi-te \ ukahcru kokoro \ waga omowaku-ni. 
Wo der Vogel, die Aente | sich vergnügt, an diesem Teiche | fallen die Blätter der 
Bäume I und schwimmen, im Herzen | gedenk' icli dessen niclit. 



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Uma-saka-wo \ mi-wa-no fafuri-ka \ hcafii sugi-te \ fure-si tsiinü-ka \ kbni-id ai-gataki. 
Dass ich den süssen AVein | bei der Anrufung der drei Räder | an die betende 
Cypressenhand | stiess, bei diesem Verbrechen | ist den Gebieter sehen, unmöglich. 



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Kaki-fo nasu \fito-koto kiki-te \ waga se-ko-ga \ kokoro fajidai \ aimnu kono koro. 
Wie er das Wort der den Kornähren | der Mauer gleichen Menschen hört, | ist 
meines älteren Bruders I Herz unentschlossen, 1 zu dieser Zeit, wo er nicht zusammentrifft. 



Bu-zen-kuni-no otome o-o-jake-no musume-no uta ßto-kasira. 

Ein Gedicht des Mädchens des Reiches Bu-zen, der Tochter von 0-o-jake. 





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Gedu'htk aus der Sammlung deu zehntausend Blätter. 161 

Jtifu-jami-ica \ mitsi tatsii-tatsu-si \ tsiiki matsi-te \jukamu waga se-ko | sono ma-ni-mo miviu. 
In dem Abenddunkel | ist der \N'eg abgeschnitten. | Der auf den Mond wartet | und 
kommen wird, meinen älteren Bruder | werd' ich inzwischen auch sehen. 



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Kami-no mija-no sei-toku iiü-ko taka-wara-no i-ni ide-masu toki tatsn-fa-jama-no sim-hito- 
tvo mite kanasimi-te jomern mi-v,fa. 

Ein Gedicht des Kaisersohnes Sei-toku von dem oberen Palaste, das er 
verfasste, als er auf dem Auszuge nach dem Brunnen von Taka-wara die 
Todten des Berges Tatsu-ta sah und sie bedauerte. 

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Ije-nara-ha \ imo-ga te makamu \ kusa-makura \ tahi-nl fusi-taru \ kono tahito asi. 
Wenn sie in dem Hause wären, ] der Schwester Hand würde sie umfassen, ] die auf 
des Pflanzenkissens | Reise sich niedergelegt, | ach diese wandernden Menschen! 
Tahito steht für tabi-bito, ein Reisender. 
Asi, eine Interjection wie jasi in ana-ni jasi. 



(Jico-fsK-uo mi-ko sinurii toki iicim-vo iki'-ito saka-ni namida-guuii-tv jointrn mi-uta. 
Ein Gedicht des Kaisersohnes von Owo-tsu, das er verfasste, als er zur 
Zeit seines Todes auf dem Damme des Teiches von Iware Thränen vergoss. 



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Momo-tsutafu \ itcare-no ih-ni \ vakn kanio-wo \ kefu nomi mite-Ja \ hniio kakure-namn. 
An dem hundertfach überlieferten | Teiche von Iware | die singende Aente, | indess 
Ich sie- heute nur sehe, 1 werd' ich mich in den Wolken verbergen. 



' Die liior mitgothoilten Gedichto stumraon zum Tlicil aus einer etwas frühcron Zeit als die obigen. Die Zeit- 
räumi- und Jahre sind bei den Ueberschrifton gewölinlich angegeben. 

nenkBLlirifti-n der phiL-hir<t. Ol. XXI. Bd. 



21 



162 Pfizmaiee, 

Das Obige ereignete sioli zu den Zeiten des Palastes von Fudzi-wara' im Winter, 
im zehnten Monate des ersten Jahres des Zeitraumes Siü-teo (686 n. Chr). 



Kawatsi-no owo-kimi hu-zen-no kuni-nu kagami-jama-ni fbmuraruru toki ta-motsi-no ßme- 
oioo-kimi-no jomeru uta mi-kasira. 

Drei Gedichte der Königin von Ta-motsi, verfasst zur Zeit, als der König 
von Kawatsi auf dem Berge der Spiegel in dem Reiche Bu-zen begraben wurde. 



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Owo-kimi-no | mutsu tama aje-ja \ tojo-kuni-no \ kagami-no jama-ioo \ mija-to sadanmnt. 
Des grossen Gebieters | freundlicher Geist treffe zusammen! | In dem üppigen 
Reiche | den Berg der Spiegel | bestimmt er zum Palaste. 

Mutsu, freundlich, liegt dem Worte mutsu-ma-sihi ,freundlich' zu Grunde. 
Tojo-kuni ,das üppige, Ueberfluss habende Reich' ist das Reich Bu-zen. 



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Tojo-kuni-no \ kagami-7io jama-no \ iwa-to täte- \ kakure-ni-kerasi \ mate-do ki-masazu. 
In dem üppigen Reiche, | in des Berges der Spiegel \ Felsenthür auf der Stelle 
hat er sich verborgen. | Obgleich ich warte, kommt er nicht. 



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' Der Palast von Fudzi-wara ist die Kaiserin Si-tö. Der Kaisersohn von Owo-tsu ist der Sohn des Kaisers 
Ten-bu. Er wurde in dem oben genannten Jahre wegen Empörung getödtet. 



Gedichte aus dek Sammiainc; deh zehntausend Blätter. 



163 



Iwa-to warn | ta-tsikara-no kana \ te-wo jowaki \ wotome-ni si-are-ba \ su-he-no siranaku. 
Die die Felsenthür sprengende | Stärke der Hand, o liätt' ich sie auch! | Da ein 
schwachhändiges | Weib ich bin, | weiss ich nicht, was zu thun. 



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Iioa-ta-no uivu-kvmi ivoioaru foki ni-fn jomeru nta ßto-kasira. Narahi-ni mizikaki uta. 
Ein Gedicht, verfasst von Ni-fu zur Zeit, als der König von Iwa-ta starb. 
Anbei ein kurzes Gedicht. 

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264 Pfizmaiee. 

Najiir^take-no \ towo jorii mi-ko \ sa-mo tsurafu \ icaga owo-kimi-uia \ komori-ku-no \ fatsu- 
se-no jama-7\i \ kami-sabi-ni \ itsuki imasu-^ta \ tama-dzusa-no \ fito-zo i-i-tsuru \ ojo dzure-ka | 
wacja kiki-tsuru \ maga koto-ka \ icaga kiki-ts2irn-ino | ame-tsidsi-ni \ kujasi-ki koto-no \ jo-no 
naka-no | kujasi-ki koto-iva \ ama-kumo-no \ sokuje-no kiwami \ ame-tsutsi-no \ itareru made-ni \ 
tsi(.-e-tsuki-mo \ tsukazu-mo jitki-te \ jufu kc.-tol \ isi-ura motsi-te \ waga jado-ni | mi-moro-wo 
tatete \ makura-^he-ni \ iivai-be-wo \ su-e taka-tama-wo \ ma-naku nuki-fare | jnju ta-suki-ka \ 
fina-ni kakete | ame-ni aru | sasara-no ivo-no-no | nana-mi suge \ te-ni tori-motsi-te | fisa-kata- 
no I ama-nu katcara-ni | ide-tatsi-fe | mi-sogi-tc masi-wo \ taka-jama-no \ iica-fo-no uje-ni \ 
i-masi-tsurii kamo. 

Zu dem des jungen Bambus" | zehn stützende Kaisersöhne | also sich gesellen, | unsei- 
grosser Gebieter, j dass er in Komori-ku, | auf dem Berge Fatsu-se | in göttlicher Ruhe | 
verehrend weilt, | haben des Edelstein-Hartriegels | Menschen gesagt. | Dass es wohl ein 
Hinterlassenes, | hab' ich gehört. | Dass es unrechte Worte, | hab' ich auch gehört. | In 
dem Himmel und auf der Erde | sind unter den traurigen Dingen | mitten in der Wßlt 
die traurigen Dinge | der Himmelswolken 1 rettende Gipfelung. | Der Himmel und die Erde, 
bis zu ihnen gelangt wird, | olme den Stab | einzusetzen, weiter gehend | am Abend nach 
der Deutung fragt er. | Durch die Wahrsagung aus Steinen | in unseren Wohnsitz | das 
erhabene Alles stellend | auf den Scheitel | das Opfergefäss | stellt er, des Bambus 
Edelsteine | ohne Zwischenraum eingefädelt lässt er nieder. | Das Tragband von Baum- 
seide wohl I an die Küchlein hängend, | des in dem Himmel befindlichen | kleinen Feldes 
der Bambusbürste | Riedgras des siebenfachen Sehens | mit der Hand ergreifend, | zu 
des dauernden, festen | Himmels Flussebenen | hinaustretend, ] den Leib waschend nachdem 
er geweilt, | hat er über des hohen Berges | Felsenwänden | den Wohnsitz genommen! 

Naju-take steht für najo-take, junger Bambus. 

Tsurafu, steht für tsuri-o^ sich Jemandem anschliessen. 

Tama-dziosa, die Abkürzung von tama-adzusa, der Hartriegel der Edelsteine, ein Baum. 

OJodznre scheint für judzuri ,Hinterlassenes' zu stehen, wofern es nicht so viel als 
oto-dzure, Nachricht. 

Maga^ Unheil, Unrecht. Abgekürzt aus magaru^ krumm sein. 

Sokuje so viel als sukuje, Rettung. 
! Ke-foi, das Fragen durch die Deutung. 

Makura-he^ die Seite des Scheitels. 

Iwai-he^ ein Opfergefäss. 



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Das entgegnende Gedicht 


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Gedichte aus der SAMMUWci der zkhntausend Ri.ätter. 



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Saka-koto-no \ maga koto-to kamo | taka-jama-no | iwa-fo-no uje-ni \ kimi-ga fftsi-to.ru. 
Widersetzliche 'Rede | ist unrechte Rede! | Ueber des hohen Berges | Felsenwänden 
hat sich | der Gebieter niedergelegt. 



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Iso-no kami \ furu-no Javia )iiirii | svgl-mura-no \ omoi-sugu-bekl \ kimi-ni aranaku-ni. 
Des in Isu-no kami | auf dem Berge des Zitterns stehenden | Cypressenwaldes 
(iebieter, zu dem die Gedanken zieh'n \ mögen, ist nicht vurhanden. 



ünazi-nca-ta-no oico-kinii wowaru-no toki jaina-kuma-no oico-kimi kanasimi-te jomeru uta 
ßto-kasira. 

Ein (iedicht des Königs von Jama-kiima, das er in seiner Trauer verfasste, 
als derselbe König von Iwa-ta starb. 



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Tsiino satca fii j iwa-mura-no mitsi-wo \ asakarezic | jorl-keuin fito-no \ omoi-tsutsti \ kajoi- 
kemasi-tca | fototogisn \ naku sa-tsnki-ni-ica \ ajame-kusa \ fana-tatsi-hana-wo | tama-ni nuki 
kadzura-nl semu-to \ naga-dzuki-no \ si-gnre-no toki-tva | momidzi-ba-ivo \ wori-te kazasu-to \ fafu 
kuzu-no I ija towo-nagaku | jorodzu jo-ni | tajezi-to omoi-te \ kajoi-kemu \ kimi-wo-ba asu-jori \ 
joso-ni-ka-inu mimn. 



jgß Pfizmaier. 

Der den über den Horndamm | führenden Weg der Steinhaufen, | am Morgen sich 
nicht trennend, | gegangen sein wird , der Mensch | gedankenvoll | im Durchschreiten, 
wo der Kukuk | singt, im fünften Monat | die Magenwurz, ] die Blüthen der Pomeranzen | 
als Perlen eingefädelt, | dass er zu falschem Haar sie machen wird, | in dem langen 
Monat, I zu der Regenschauer Zeit, | dass er des Ahorns Blätter [ bricht und sich beschattet, | 
dass der kriechende Flachs, | überaus fern und lange während, | in zehntausend Altern ] 
nicht unterbrochen wird, indess er denkt, | wird er durchgeschritten sein. | Den Gebieter 
von dem morgenden Tage an | wird man ausserhalb wohl selien. 

Fu, die Abkürzung von fnru^ vorübergehen. 

Asakarezu^ die Zusammenziehung von asa-sakarezu^ am Morgen sich nicht trennen. 

Naga-dzuki, der lange Monat, der neiuite Monat des Jahres. 

Das obige Gredicht ist nacli Einigen von Kaki-moto-no Asomi-bito Maro verfasst worden. 



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Zwei entgegnende Gedichte. 



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Komori-ku-no \ fatsu-se tootome-ga \ te-ni makeru ] tama-im midarete \ ari-to iivazi-ja-mo. 
Dass in Kumori-ku ] des Mädchens von Fatsu-se | um die Hand gewundene | Edel- 
steine in Unordnung | sich befinden, sagt man ja nicht! 



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Kawa-kaze-no \ samuki fatsti-sc-ivo \ nageki tsutsu \ kimi-ga aru kuni \ aru ßto-mo qje-ja. 

Wo der FUisswind | kältet, Fatsu-se | hat man beklagt. | Das Reich, wo der Gebieter 
wohnt, I ob manche Menschen sich dort begegnen? 

Nach Einigen sind die zwei obigen Gedichte von dem Könige von Jama-kuma, der 
dem Könige von Isi-ta folgte, nach dem Tode der Kaisertochter von Ki-i verfasst worden. 



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Kaki-moto-no asonti-bito maro kagu-jama-no sl-kabane-wo mite kanasimi-te jomeru uta 
fito-kasira,. ' ' 



Gedichte aus der SAMMLum; der zehntausend Blätter. 



167 



Ein Gedicht, verfasst von Asomi-bito Maro von Kaki-moto, als er die 
Todten des Berges Kagu sah und sie bedauerte. 



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Kiisa-makura \ tabi-no ja-dori-ni | tcaja tsuma-ka \ kuni wasure-tarn, | ye matanaku-ni. 
In dem Nachtlager der ßeiso | des Pflanzenkissens | wer ist die Gattin wohl? | Von 
dem ßeiche vergessen , | das Haus auf sie wartet nicht. 



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Ta-ku-no firo-inaro siimnt toki icosakn-he-no tar>ij maro-jomeru nta ßto-kasira. 
Ein Gedicht, welches Taru-maro von Wosaka-be zur Zeit des Todes 
Firo-maro's von Ta-ku verfasste. 





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Momo taranu \ ja-so s/oni saka-ni \ ta-nmke-se-ba | sugi-jukii fito-ni \ kedasi awanm kamo. 
An der hundertfach ungenügenden | Bergtreppe der achtzig Winkel | wenn ich dar- 
reiche, I zu dem dahingegangenen Menschen | werd' ich midi nämlich gesellen! 



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Piäzi-kata-tio tootome-ivo fatsu-se-no jama-ni fi-fbmuru toki-ni kaki-moto-no asü)in-hito laaro 
jomeru nta fito-kasira. 

Ein Gedicht Asomi-bito Maro's von Kaki-moto, verfasst zur. Zeit, als man 
den Leichnam des Mädchens von J'idzi-kata auf dem Berge von Fatsu-se 
verbrannte. 



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168 Pfizmaieb. 

Komori-ku-no \fatsu-se-no jama-no \ Janm-vo fa-ni | izajofu kmno-wa \ imo-nl-ka-mo aramu. 

Die in Komori-ku | an der Bergscheide j des Berges Fatsu-se | hin und wieder 
ziehende Wolke | wird die Schwester wohl sein. 



Ohore-sini-taru idzmno-iio wotome-ico josi-no-ni fi-fbmvrn toki-ni kaki-vioto-no asomi-hito 
raaro jomerit uta futa-kaslra. 

Zwei Gedichte Asomi-l)ito Maro's, verfasst zur Zeit, als man die Leichname 
der ertrunkenen Mädchen von Idzumo in Josi-no verbrannte. 



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Jama-no fa-ni \ idzumo-no ko-ra-ica \ kiri nare-ja \ josi-inMw jama-no | mine-ni tanahiku. 

An der Bergscheide | die Kinder von Idzumo, | mögen sie Nebel sein? | Auf den 
Berggipfeln | von Josi-no bi-eiten sie sich. 



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Ja-himo tatsu | idzumo-no ko-ra-ga \ knro-kami-wa \ josi-no-no kaiva-no \ oki-ni nadzusafu. 

Die acht Wolken steigen! | Der Kinder von Idzumo | schwarzes Haupthaar I ist mit 
des Flusses von Josi-no | Bucht innig vertraut. 



Katsu-sika-no ma-ma-no wotome-no faka-ni sitgiru toki jama-be-no siiku-ne aka-bito jotueru 
Uta fito-kasira.Narabi-ni mizikaki uta. 

Ein Gedicht >Sukune Aka-bito's von Jama-be, das er verfasste, als er an 
dem Grabe des Mädchens von Ma-ma in Katsu-sika vorüberging. Anbei ein 
kurzes Gedicht. 



Gedichte aus dek Sammlung dek zehntausend Blättek. 169 

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Inisi-je-ni \ ari-kemu fito-no \ sidzu-fata-no \ obi toki-kajete | fuse-ja täte \ tsiima-toi-.ti- 
kemu I katsH-dka-no | ma-ma-no te-ko-na-ga \ okl-tsu ki-ico | koko-to~7va kike-do \ makt-no fa- 
ja I sigeku aru-ranui, \ matsu-ga ne-ja \ towoku-ßsasi-ki | koto noml-mo \ na-nomi-mo icare-iüa 
wasurarenaku-ni. 

In alter Zeit | wird es gewesen sein, dass die Menschen | der niedrigen Fahne 
Gürtel lösend und wechselnd, ] um die Gattin freiten. ] Wenn man hört, dass der dem 
Schoosskinde ! von Ma-ma in Katsu-sika | gehörende Stirg der Bucht | hier sich befindet, | 
werden die Blätter der Eibe wohl | in Fülle entfaltet sein. | Die wie Wurzeln der Fichte 
wolil I fernen und lange währenden | Worte nur, | der Name nur, von mir | werden sie 
nicht vergessen. 



^ ^ Kajesi Uta. 

Das entgegnende Gedicht. 





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Ware-nio mi-tsu \fito-ni-mo tsiigemu j katsu-sika-no \ ma-ma-no te-ko-na-ga \ oki-tsu ki-dokoro. 

Ich liabe gesehen | und werde den Mensclien sagen | den Ort der dem Schoosskinde 
von ^la-nui in Katsu-sika j gehörenden Feste der Bucht. 



Deakschriften der phU.-hint. U. XXI. Bd. 



1^0 Pfizmaiee. 



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Katsu-sika-no \ ma-ma-no iri-je-ni \ utsi-nabiku \ tama-mo kari-kemu \ te-ko-na si-zo umofu. 

An der Buclit von Ma-n\a | in Katsu-sika, j wer das niederliängendo | Edelsteinhoni- 
blatt geschnitten haben wird? | Ich glaube, es ist das Schoosskind. 



Wa-do si-nen sin-kai kawa-he-no mija-hito fime-sima-nu matsn-hara-no hi-zin-no si-kahana- 
wo mite kanasimi-te jmneru uta jo-kasira. 

Vier Gedichte der Bewohnerin des Palastes von Kawa-be, die sie verfasste, 
als sie im vierten Jahre des Zeitraumes Wa-do, Jahr Sin-kai (711 n. Chr.), den 
Leichnam der Schönen von Matsu-bara in Fime-sima sah und sie bedauerte. 






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Kasa-faja-no \ mi-wo-no ttra-wa-no | sira-tsutsuzi \ mire-domo sabi-zi | naki-hito omoje-ha. 

Von dem Glänze des Mondhofes | die Bucht der Wassersti-asse, | an ihr die weisse 
Berggranate, | obgleich ich sehe, bin ich nicht heiter, | wenn ich an die Todte denke. 

Der Sclduss dieses Gedichtes lautet auch: 



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Mire-ha kanasi-mo \ naki-hito omofu-ni. 

Wenn ich sehe, bin ich auch traurig, | indess ich an die Todte denke. 



Gedichte aus der Sammlung der zehntausend Blätter. 171 



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Afidzu-midzusi | kume-no waka-ko-ga \ i-Jure-kemu \ iso-no kma-ne-no \ kare-maku ivosi-nio. 
Auf die das jugendlich frische, ] zarte Kind in der Gesellschaft | gestossen sein 
der Pflanzen Wurzeln an dem Ufer ] sind vertrocknet, es ist schmerzlich. 



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Fito-koto-no | «^'^e/ti ytcmo ^o?-o | tama nara-ha \ te-ni maki motsi-te \ koi-zu aramasi-wo. 

Von denen bei den Menschen | mancherlei verlautet, um diese Zeit | Edelsteine wenn 

es gibt, I indein ich, um die Hand windend sie erfasse, | o wie ich sie nicht lieben werde! 



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Imo-mo loare-mo \ kijome-si kawa-uo \ kmoa-gisi-no \ imo-ga kuju-beki \ kokoro-ioa inotazi. 

Den die Schwester und ich | gereinigt haben, des Flusses \ Flussufer | trägt keinen 
Gedanken, den | die Schwester bereuen könnte. 

Zu den obigen vier Gedichten wird bemerkt: 

Das Obige ist nach der , Darlegung dei- Jahre' an seinen Ort gestellt worden. Der 
Name derjenigen, welche die Gedichte auf den Leichnam des Mädchens verfasste, ist 
oben bereits angegeben. Aber die Worte der Gedichte widersprechen einander, und es 
ist schwer, das Richtige von dem Unrichtigen zu unterscheiden. Sic stellen somit durch 
eine Reihe von Jahren in dieser Ordnung. 

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Zin-ki. go-nen.bo-iiin (la-zai-)w -lofs oico-tomn-no kaiiii hoi-sl fitm-hito-in) oiDoi-tc /(»nerti uta 
iiii-kasira. 

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172 



Pfizmüer. 



Drei Gedichte des ersten grossen Vorgesetzten, des ßeichsministers von 
Owo-tomo, verfasst im fünften Jahre des Zeitraumes Zin-ki, Jahr B6-sin (728 n. 
Chr.), als er sich nach den von ihm gellebten alten Bekannten sehnte. 

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Utsukusi-ki \ fito-no maki-fe si \ siki-taje-no \ tvaga ta-makura-wo \ maku fito arame-ja. 

Von dem der schöne ] Mensch der Wickelnde ist, | von Breitung wundervoll | mein 
Handkissen, | wird ein Mensch sein, der es wickelt? 

Zu diesem Gedichte wird bemerkt: 

Pas obige Gedicht verfertigte er, als seit seiner Abreise einige Decaden vergangen 
waren. 



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Kajeru-beki \ toki-ni-wa, nari-nu \ mijako-nite \ taga fa-moto-im-ka \ ivaga inaku7'a semu. 
Wo ich zurückkehren soll, | die Zeit ist gekommen. | In Mijako ] wessen Aermel 
wohl I werde ich zum Polster machen? 



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Mijako-nar'it \ are-taru rje-ni | fitori ne-ha \ tabi-ni masari-te \ kurusi-karu-hesi. 

In Mijako, | in dem wüsten Hause | wenn allein ich übernachte, | mag ich lieber 
auf der Reise | Ungemach leiden. 

Hierzu wird bemerkt: 

Die obigen zwei Gedichte wurden verfertigt, als er im Begriffe war, sich Mijako 
zu nähern. 



Gedichte AUS DER Sammlung der zehntausend Blätter. 173 

Zin-ki roku-nen ki-si sa-dai-zin naga-ja-no oico-kinü mi-makarasimete-no notsi kura-fasi- 
he-no fime-owo-kimi jomeru Uta fito-kasira. 

Ein Gedicht der Königin von Kiira-fasi-be, das sie im sechsten Jahre 
des Zeitraumes Zin-ki, Jahr Ki-si (729 n. Chr.), nach dem Tode des grossen 
Dieners der Linken, des Königs von Naga-ja, verfasste.' 



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Sumerogi-no \ mi-koto kasikomi \ oico-ara-k't-no | toki-ni-wa aranc-do \ kunio-kakure-mam. 
Des grossen Kaisers ] höchsten Befelil fürchtend, | obgleich der grossen wüsten 
Feste I Zeit nicht war, hat er | in den Wolken sich verborgen. 



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Kasiwa-de-be-no owo-kimi-wo kanasimu uta fito-kasira . 

Ein Gedicht, in welchem der König von Kasiwa-de-be bedauert wird. 

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Jo-no naka-wa \ munasi-ki mono-to \ aramu-to-zo ] kono teru tsuki-wa \ mitsi-kake-si-keru. 
Diese Welt ] wird als leere Sache | vorhanden sein, darum | ist dieser leuchtende 
Mond, I nachdem er voll war, geschwunden. 



Der Verfasser des obigen Gedichtes ist nicht bekannt. 



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Ten-fei gevr-nen ki-si setsn-no kani-no famu-tcmii si-sio fase-be-no tatstt-maro icanaki-s/)itn'n 
toki fan-guan (nco-moto-no suk/i-ue mi-naka jomeru tita fito-kasira. Narahi-ni mizikaki nta. 

Ein Gedicht der Obrigkeit der Siegel Suku-ne Mi-naka von Owo-tomo, 
das or verfasste, als im ersten Jahre des Zeitraumes Ten-fei, Jahr Ki-si (729 n. 
Chr.), Tatsu-maro von Fasc-be, der Vermerker von Fau-ton in dem Reiche 
Setsu, sich erhängte. Anbei ein kurzes Gedicht. 



Der Könis; von Naga-ja, der sich empört liattc, tödteto in dorn genannten Jahre die Seinigen und sich selbst. 



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Ama-kumo-no \ muka-fusu kuni-no | mono-no ßi-fo | iware-si fito-wa \ sumero-gi-nn | Ä:ami- 
720 mi-kado-ni \ to-wa-ni tatsi-matsi \ utsi-wa-ni tsukaje \ tama-kadzura \ ija towo-nagaka \ oja- 
no na-mo tsiigi | jukib mono-to \ fawa tsitsi-ni \ tsuma-ni ko-domo-ni \ katarai-te \ tatsi-ni-si 



Gedichte aus der Sammlung der zehntausend Blätter. 



175 



f-juri I taratsi^ne-no \ fawa-no mi-koto-ica \ lu-ai-he-wo | maje-ni sit-e-oki-te \ fito-te-ni-wa \ jufii 
t(Ji^i-inotsi-te \ fito-te-ni-ica \ javiato foso-nuno \ niatsurofu-ico j ma-saki-ktt mase-do \ ame-tsutsi- 
110 I kami-ni. koi-nomi \ ika-naramu \ tosi-no tsnki-fi-ka \ tsutsuzi-bana \ niicojerio kimi-ga | fiku 
ainl-no \ nadzusai-komu-to | tafsi-tc i-te 1 viatsi-keimi fifo-ira 1 otvo-kimi-no \ mi-koto kasi-komi 1 
osi-teru-ja j nani-ica-no kuni-ni , ara-tama-no | toslfuru made-ni j siro-taje-no \ koromo kawakazu 1 
asa-jufu-ni \ ari-tsuru kimi-wa \ ika-sama-ni \ omoi-masi-te-ka | utsu-seini-no \ osiki kono jo-ioo \ 
tsuju simo-no \ oki-fe juki-kemit \ toki-ni arazu-site. 

Der ein Kriegsmann des | gegenüber zu Boden liegenden Reiches | der Himmels- 
wolken I genannt wurde, der Mensch, i an des grossen Kaisers | göttlichem erhabenem 
Thore, I vor dem äusseren Theile stand er imd wartete, | in dem inneren Theile diente 
er. I Wie Edelsteinflachs | immer mehr in die Ferne und Länge | des Vaters Namen 
setzte er fort. | Als ein Scheidender | mit Vater und Mutter, | mit der Gattin und den 
Kindern | sich besprechend, | wo er sich aufgemacht, seit dem Tage j die Wurzel der 
herablassenden Milch, | die Mutter, die Geehrte | das Opfergefäss | indess sie vor sich 
hinstellt, | mit der einen Hand | die Baumseide ergreifend, | mit der anderen Hand | das 
dünne Tuch von Jamato j bietet sie. Obgleich j sie sehr gesegnet ist, | zu des Himmels 
und der Erde | Göttern betet sie: | Künftig was für ein | Monat und Tag des Jahres 
ist es , wo der Berggranate | Duften . des Gebietes | ziehendes Netz ] innig vertraut 
kommen wird? | Die stehend und weilend | gewartet haben werden, die Menschen, | des 
grossen Gebieters | hohen Befehl ehren sie. | In dem Reiche des erdrückend | glänzenden 
Nani-wa, | der rohen Edelsteine | Jahr, bis es vergeht, | das von Breitung wundervolle 
Kleid trocknet nicht. | Der am Morgen und am Abend | gewesen, der Gebieter, | wie 
beschaffen j war sein Denken wohl, | indess es, wo die hohle Grille, | diese traurige 
Welt I der Thau und der Reiffrost j verlassend entschwunden sein wird, | die Zeit nicht war? 

Ma-saki-ku^ sehr segenreich, als Adverbium. 

Nonm^ beten. 

Flku-mni ,ein ziehendes Netz' statt fiki-ami, ein Netz zum Ziehen. 



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Das entgegnende Gedicht. 



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Kinofv kosü \ kimi-ua <i)-i-s/-ka \ omotvazu-ni | fama-matsu-no iijt-ni \ kumo-tu fcuuibik". 

Gestern erst | ist der Gebieter wohl gewesen. | Olmo (hxs.s 7Tian es (hichte, | über des 
Ufers Fichten | treibt er mit den Wolken. 



176 Pfizmaier. 

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Itsu-si-ka-to \ matsuramu Imo-ni \ tama-dzusa-no \ koto-tani tsugezu \ inuru kimi-kamo. 
Die zu welcher Zeit wohl | opfern wird, der Schwester | sagt des Edelstein- 
Hartriegels I Sache nur nicht | der scheidende Gebieter! 



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Ten-fei ni-nen kb-go fuju ziA-ni guatsa da-zai-no sotsu owo-tomo-no kio mijako-ni mukete 
mitsi-ni noboru toki jomerii uta nm-kasira. 

Fünf Gedichte des ersten grossen Vorgesetzten, des Reichsgehilfen von 
Owo-tomo, die er verfasste, als er im zweiten Jahre des Zeitraumes Ten-fei, 
Jahr Kö-go (730 n. Chr.) sich auf den Weg nach Mijako machte. 



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Wagimo-ko-ga \ mi-si tomo-no ura-no | niuro-no ki-wa | toko-jo-ni are-do | mi-si fito-zo na kl. 
Den meine jüngere Schwester | geseh'n, in Tomo-no ura | des inneren Hauses Baum, I 
ist er auch in dem Keiche der ew'gen Alter, | der Mensch, der ihn sah, ist todt. 



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Tomo-no ura-no | iso-no muro-no ki \ mimu goto-ni | ai-mi-si imo-wa | wasurareme-ja-no. 
An Tomo-no ura's | Ufer des inneren Hauses Baum, | so oft ich ihn sehen werde, i 
wird die Schwester, die ich gesehen, | auch vergessen werden? 



Gedichtk AUS DER Sammlung DER ZEHNTA.USKND Blätter. 177 



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Iso-no uje-ni | ne-fafn muru-no ki \ mi-si ßto-wu | ika-narl-to totva-ba \ katari-tsugenm-ka. 

Auf der Uferhöhe | von Wurzeln kriechend des inneren Hauses Baum, | den Menschen, 
der ihn gesehen, | wie es ihm geht, wenn ieli ihn frage, | wird er im Gespräche es sagen? 

Hiei'zu wird bemerkt: 

Die obigen drei Gedichte wurden an dem Tage verfertigt, als der Verfasser durch 
Tomo-no ura reiste. 



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Imo-to ko-si I mirm-me-no mki-ico \ kajerv sa-ni \ fitori-site viire-ha \ nmnkla kumasi-mo. 
Zu dem ich mit der Schwester gekommen, | das Vorgebirge von Minu-me, | auf der 
Rückkehr dergestalt | als ifh allein es sah, | wollten die Thränen rollen. 



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Juhi sa-ni-ioa \ futari wmja m'i-sl \ kono s(ilvi-ivo \ ßtori sugure-ha \ kokoro kanasi-mo. 

Im Wandeln dergestalt | das beide wir gesehen, | dieses Vorgebirge, | da ich allein 
an ihm vorüberziehe, | ist das Herz auch voll Trauer. 

Hierzu wird bemerkt: 

Die obigen zwei Gedirlitc vcrfasste er an dem Tage, als er an dem Vorgebirge von 
i\ünu-me vorüberzog. 



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Furu-sato-no ije-ni kajeri-iri-te sunatcatsl jomerii uta inl-kasira. 

Drei (icdichte, die er verfasste, als er zu dem Hause seiner Heimat zurück- 
kehrte und daselbst eintrat. 

Denkschrifton der phil.-hiBt. Cl. XXL Bd. "23 



178 Pfizmaieb. 



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Flto-mo naki | munasi-ki ije-ica \ kusa-makura \ tahi-ni masari-te \ kurusi-kari-keri. 
Das von Menschen nicht bewohnte, | leere Haus — | auf des Pflanzenkissens | ßeise 
lieber | hab' ich Ungemach ertragen. 






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Lito-to Site I futari tsukibri-si \ iccu/a-jama-ica | ko takaku sigeku \ nari-ni-keru-kamo. 
Das die Schwester und ich, | wir beide erbaut, | das Bethaus des Berges, | die Bäume 
daselbst wie hoch und blätterreich | sind sie geworden! 



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Wagimo-ko-ga \ u-e-si ume-no ki | )»7>?( goto-ni \ kokoro nuise-tsutsu \ namida si-^nagaru. 
Die meine jüngere Schwester | gepflanzt hat, die Pflaumenbäume, | so oft ich sie 
sehe, I voll Herzeleid schluchz' ich und | die Thränen rinnen. 



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Ten-fei san-nen sin-mi aki sitsi guatsu dai-na-gun owu-tomo-no kio ini-makari-si toki 
jomeru uta mu-kasira. 

Sechs Gedichte, verfasst zur Zeit, als im dritten Jahre des Zeitraumes 
Ten-fei, Jahr Sin-mi (731 n. Chr.), im Herbste, im siebenten Monate der Dai-na-gon, 
der Reichsminister von Owo-tomo starb. 



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Gedichte aus dek Sammlung dee zehntausend Blätter. 179 

Josi-e-ja si- | sakaje-si khni-no \ i-masi-se-ba \ kiriofu-mo kefu-mo \ ware-wo mesamasi-wo. 
Der so lieblich | in der Blüthe stand, der Gebieter, | wenn er hier weilte, | gestern 
auch, heute auch | würd' er niicli gerufen haben! 



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Kaku si-niiini | ari-kerii muno-wo | fagi-no fana \ saki-te ari-ja-tu | toi-si khni-u-a-mo. 
Auf diese Weise nur | o war' er gewesen! | Des ^Yeiderichs Blüthen | haben sie sich 
geöffnet? | Der Gebieter auch, der dieses gefragt hat. 



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Khni-ni koi | ito-mo sib-he-nami \ asi-tatsu-no | nt-nomi nakamru \ asa-joi-vi-sitc. 
Den Gebieter lieb' ich, j Schmerzliches wird zu thun sein, j Von Seite des Eohrstorches 
mit lauter Stimme nur wird geweint | am Morgen und in der Nacht. 



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Towo-nagaku | tsukajenm mono-to \ omojeri-si \ kimi si-masane-ha | tamasi-i-nio nasi. 
Der gedacht hat, | dass er in langer Ferne | die Dienste widmen wij-d. ] dei' Gebieter, 
da er hier nicht weilt, | ist die Seele auch nicht vorhanden. 



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Pfizmaier. 



Midori-kü-no | fai-damo toworl \ asa-joi-ni \ ne-ni-zo icancniakii | kimi nasi-ni-site. 

Wie ein kleines Kind, | das auf dem Boden kriecht, | am Morgen und in der Nacht 
mit lauter Stimme wein' ich, | weil der Gebieter nicht am Leben. 



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Mire-do akanu \ i-mase-si kimi-ga | moinidzi-ha-no \ uts^iri-i-juke-ba | kanasl-ku-mo aru-ka. 

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An dem man sich nicht satt gesehen, | der Gebieter, der hier geweilt! | die Blätter 

des Ahorns, | da sie sich entfärben und schwinden, | sind sie da auch traurig? 



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Sitsi-ne)i lootsu-kai owo-tomo-no saka-kami-no wotome sioku-zi-guan ivowari-nuru-wo itami- 
te jomeru uta fito-kasira. Narahi-ni mizikaki via. 

Ein Gedicht des Mädchens von Owo-tomo-no Saka-kami, verfasst im 
siebenten Jahre desselben Zeitraumes, Jahr Wotsu-kai (735 n. Chr.), worin sie 
den Tod des Zugetheilten (des Reiches Siraki) ßi-guan beklagt. Anbei ein 
kurzes Gedicht. 



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Taku-dzuitu-nu \ .siraki-no kani-ni \ ßto-kvtu-icv \ josi-to kikarete ( toi-sagnrit \ ja-kara fara- 
kara \ naki kimi-ni \ watari-kl-niasi-te \ sum.erogi-no \ siki-masu kuni-ni | utsi-ß-sasu | mijako 
.simimi-ni \ safo ijc-ira | smva-ni are-domo \ ika-mvia-ni \ omoi-keme-kamo \ tsure-mo naki \ sa- 
wo-no jama-he-ni \ naku ko nasu \ sital-ki-masi-te \ siki-taje-no \ ije-wo-mo tsukuri \ ara-tama- 
uü I fosi-no ivo na(jakn | sumai-tsufsu \ i-masi-si mono-wo \ ikeru fito \ sinu-to iü koto-ni \ ma- 
nukaremi \ 7nono-ni si-are-ba \ tanomerl-si \ ßto-no koto-goto | kusa-iaakura \ tahi-ni arn-ma-ni 
sawo-kawa-ivo j asa-kawa ivatari \ kasu-ka no-ivu \ sokai-ni mi-tsutsu \ asi-hiki-no | jama-be-wo 
sasi-te \ jufu-jami-to | kakure-masi-rmre \ iwamu su-be \ sem?i stt-he sirani \ tatsi-tomari \ tada 
fitori-site \ siro-taja-no \ koromo-de fosazu \ nageki-tsutsu | icaga naku namida \ nrl-ma-jama \ 
kurno i-fanabiki | ame-ni ßiri-kl-ja. 

Wo lies Flaclisbaums Hürner, | in Siraki's lleiche, | dass die Saciie der MenseJien 
glücklich sei, indess gehört ward, | die fragenden und suchenden | Verwandten, die 
Brüder | zu dem Lande des Todes | setzten über und kamen. | Das der hohe Kaiser | 
breitet, in dem Reiche, | nach der inneren Sonhe zeigend, | in dem Manniehfachen 
.Mijako's | (Jassen und Häuser | in Menge obgleich es gibt, ] auf welche Weise | werd' 
ich daran gedacht haben! | Ohne Begleiter, | an die Seite des Berges Sawo | wie ein 
weinendes Kind | mich sehnend als ich kam, | das von Breitung wundervolle | Haus auch 
baut' ich. | Bis zum Fadenende des Jahres ] der rohen Edelsteine lang | wohnt' ich 
dort. I Dass den , der hier geweilt, | die lebenden Menschen | gestorben nannten, bei 
diesem Worte | einen nicht Entkommenden | da es gab, | auf die ich mich verlassen, 
die Menschen insgesammt 1 auf des Pflanzenkissens 1 ßeise während sie sich befanden, | 



182 



Pfizuaieb. 



den Fluss von Sawo, j den Murgenfluss übersetzt' ich, | das Feld von Kasu-ka | mich 
zurückwendend sah ich. ] Auf Asi-biki's ] Bergseite mit dem Finger zeigend, ] in dem 
Abenddunkel | mocht' ich mich verbergen, j Was ich sagen soll, | was ich thun ^ soll, 
weiss ich nicht. | Auf und absclireitend, | ganz allein indess ich bin, | des von Breitung 
wundervollen | Kleides Aermel trocknet nicht. ] Unter Klagen | die Thränen, die ich 
weine, | in des Berges von Ari-ma | Wolkentreiben | sind sie gefallen als Regen? 



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Das entgegnende Gedicht. 





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Todome-jenu \ inotsi-ni si-are-ha \ siki-taje-no \ ije-iro-ha idete \ bmo kakure-ni-ki. 
Das nicht zurückzuhalten, | ein Leben, da es war, | ist aus dem von Breitung 
wundervollen | Hause er gegangen | und hat sich in den ^Yolken verborgen. 



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Zm-itsi-nen ki-hu natsu rokii-guatsu owo-tomo-no .^nkii-iic Ijc-nintsi naki ornoi-mono-wu 
kanasimi-te jomeru uta ßto-kasira. 

FAn Gredicht 8uku-ne Ije-motsi's von Owo-tomo, verfasst im eilften Jahre 
des obigen Zeitraumes, Jahr Ki-bo (739 n. Chr.), im Sommer, im sechsten 
Monate, als er die todte Nebengemalin betrauerte. 

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Ima-jori-ioa \ aki-kaze samuku \ fuki-namu-wo \ ika-de-ka ßUm \ nagaki jo-wo nemu. 
Von jetzt an, | wenn der Herbstwind kalt j wehen wird ach! | wie werd' ich allein 
die lange Nacht verbringen? 



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Ototo oim-tonto-no suku-ne fumu-viotsi simawatsi jamato-nto ßto-kasira. 

Ein japanisches Gredicht seines Bruders Suku-ne Funui-motsi von Owo-tomo. 



Gedichte aus dek Sammlung per zehntausenh Blätter. 183 



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Naffaki jo-icu | ßturi-ja nemu-to \ kimi-ga ije-ba \ sugi-ni-si fito-no \ omofojitraku-ni 
Dass er die lange Nacht | allein wohl verbringen wird, | der Gebieter, da er es 
sagt, I von dem Menschen, dor hinüber gegangen, | wird hieran gedacht. 



Mata ije-iaotsi isi-datami-no nje-ni nade-si-ko-nn fana-wo mite jomem uta fito-kasira. 
Noch ein Gedicht Ije-motsi's, das er verfasste, als er über den Briinnen- 
steinen Nel kenblüthen sah. 

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Aki sara-ba \ mi-tsutsa omoje-do | imo-ga u-e-si \ ja-do-no nade-si-ko | saki-ni-keni, kamo. 
Wenn der Herbst vergeht, | seh' ich es, ich denke wohl, | doch die von der Schwester 
geprianzten | Nelken vor dem Hause, | o wie sind sie erblüht! 



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Tsui-tntsi-ico ntstiri-tc notsi aki-kaze-ico kanasimi-nageki-te ije-inotsi-no jomeru i/fa ßio- 
kasira. 

Ein Gedicht Ije-motsi's, das er verfasste, nachdem er den Neumond 
verbracht und worin er den Herbstwind beseufzt. 

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Utsu-semi-no \ jo-ica tsiine-nasi-to | sine mono-wo | aki-kaze samuku \ sinobi-tsKru-knmo. 
Dass der hohlen Grillen | Zeitalter ohne Dauer, | vor dem Menschen, der dieses 
weiss, I der Ilerbstwind in seiner Kälte | hat sich verborgen! 



184 



Pfizmüer. 



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Mata ije-motsi-no jomeru uta fito-kasira. Narahi-ni mizikaki ata. 
Nach ein Gedicht Ije-motsi's. Anbei ein kurzes (Tcdicht. 

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Waga ja-do-ni | fana-zo saki-taru \ so-tvo mire-do \ kokoro-mo jukazu \ josi-e-ja si \ imo- 
ga ari-se-ha \ mi-kamo nasu | futari narabi-i \ ta-wori-te-mo \ mise-masi-mono-wo \ utsu-semi-no 
kari-no mi nare-ha \ foke-simo-no \ kije-jakv-ga gotoku | asi-hiki-no \ jama-tsi-wo sasi-te \ iri-fi. 
nasu I kakure-ni-si-ka-ba \ soko omoi-ni | mune koso itame \ i-i-mo kanc \ na-dzuke-mo sirazii 
ato-mo naki \ jo-no naka-ni are-ba \ semu su-be-mo nasi. 

Vor meinem Hause | sind die Blumen erblüht. | Obgleich ich dieses sehe, | das Hei'z 
zieht zu ihnen nicht. | Wie lieblich sie sind! | Wenn die Schwester wäre, | den Wasser- 
änten gleich, | beide neben einander weilten wir. | Mit der Hand sie brechend, | o könnt' 
ich sie doch zeigen! | Als der hohlen Grillen | geborgter Leib vorhanden war, | da wie 
der gelöste ßeiffrost | schmelzend vergeht, | nach Asi-biki's | Bergwege mit dem Finger 
zeigend, ] gleich der untergelienden Sonne | als sie sich verbarg, | da in tiefem Sinnen j 
die Brust nur schmerzte, | es auszusprechen, nicht fähig, | den Namen zu geben, nicht 
wusst' ich. I Als in der spurlosen | Welt sie sich befand, | hatt' ich nichts, das zu thun war. 

Mi-kamo steht für midzti-kamo, Wasseränte. 



Gedichte aus üer Sammlunc; der zehntausend Blätteh. 185 



^ ^ Kajesi-uta. 




Das entgegnende Gedicht. 




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Toki-ica simo \ itsu-mo nmiiui-n-o j A-t-Aün.» //«Äv/ ] i-jnku wagiino-ka \ mklori-ko-wo oki-tc. 

Um die Zeit Reiffrost \ wird es immer geben, ach! | Im Herzen sclimerzvoll | die 
wegzieht, ist es meine Schwester, ] das junge Kind indess sie niederlegt? 






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/Je^e j'/ZiV' I ////V.sv' siramasc-ha \ kanete-jori \ iriio-icn tndoinenni \ seki-nio okaviasi-iro. 

Wo sie hinausgegangen, | den Weg wenn ich wüsste, | im voraus | einen die Schwester 
aufhaltenden | Schlagbaum würd' icli setzen! 



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Imo-fja mi-si \ ja-do-ni fana saht \ foki-wn fi'-nn | ivacia naku namida j amudn ßnahi-vi. 

Von der Schwester gesehen, | vor dem Hause das Aufblühen der Blumen | ist um 
die Zeit vorüber, | indess die Thränen, die icli weine, | noch nicht getrocknet. 

Amada stellt für imada, noch nicht. 



Deiiksclirirtan der pliil -hUl. Cl. XXI. Ud. -* 



1 8 ß Pfizmaiee. 

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Kanasimi-no wo Imada jnsumazu sitr .■mrn-nl joment. ida itsit-kastra. 

Fünf weitere Gedichte, die er verfasste, als sein Kummer noch nicht 



beschwichtigt war. 






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Kahl si-nomi \ ari-keru niüno-ico | Inio-mo icare-mo \ tsi-tose-no gotoku | tanomi-tari-keru. 
Auf diese Weise nur 1 o wenn es doch o-ewesen wäre! 1 Die Schwester und ich, 1 wie 



auf tausend Jahre 1 bauten wir voll Zuversicht. 



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Ije-sakari | i-masu wagimo-wu \ tudome-kcDit \ Jama kakure-tsure \ tamasi-i-mo nasi. 

Die von dem Hause getrennt j weilt, meine Schwester | kann ich nicht aufhalten. 
In den Bergen mag sie sich versteckt haben, | und auch die Seele ist nicht vorhanden. 



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-Jo-no naka-no \ tsune kaku nomi-to | katsu -nre-do \ itamu kokoro-tca \ sinohi-kane-tsu-mo . 

Dass es in der Welt ] das Gewöhnliche so nur ist, | überdiess wusst' ich, jedoch | das 
leidvolle Herz | könnt' es nicht ertragen. 



Gedichte aus der Sammlung her zEHNTAusENn Blätter. 



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t^awo-jaiua-ui | tanabiku kasniui j /y(/;v; (/ulo-iii ; iino-tru iiuinl-idete | nakann fi-ica nasi. 

Auf dem Berge Sawo | den wallenden Wolkendunst | so oft ich sehe, | fällt. niir die 
Scliwester ein, | und kein Tag ist, an dem ich niclit weine. 



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Mukasikoso \ joso-ni-mo iiii-sl-ka \ ivcu/iinu-ku-ija | oki-tsii ki-to (nnuje-ha \ fasi-ki sawo-jäma. 

Die ich eli'mals nur | äusserlich wohl gesehen. | meiner jüngeren Schwester | Sarg 
an der Bucht ist es, wenn ich denlce, | ist es der sorgliclie Hei-g Sawo. 



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. Zifi-ruku neu kb-sirt farii iii-(//iaf.^/i (tn->«'ki-no tiri-kc riii-)iinkari-.v' tokl ntsi-no tonerl-bito 
moo-tomo-na svhi-w ije-mofftl junicrv via wn-kasivii. 

Sechs Gedichte des Hausgenossen des Inneren 8uku-ne von Owo-tomo, 
die er verfasste, als in dem sechzehnten Jahre des obigen Zeitraumes, Jahr 



Ko-sin (744 n. (^hr. 
An-seki starb. 



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Kakentaku-iiio \ aja-nl kasikosi \ iiüdiiiakii-mo \ iwawasi-ki-kamo \ waga kimi-no \ mi-ko- 
nu viikuto-nu | Jorodza jo-ni \ niesi-tamawaiiiasl \ owo-jamato j kuni-no mijako-ioa \ ntsi-nabiki \ 
faru mri-nure-ba \ jama-he-ni-iüa \ fana saki-wo seri \ kaioa-se-ni-iva \ aju ko-sa-fnsiri \ ija-fi 
geni \ sakajitrib toki-ni \ saka-koto-no \ maga-koto-to-kamo \ siro-taje-ni \ toneri josoi-te \ loacMika- 
jama | mi-kosi tate-site \ ßm-kata-no \ ame sirare-mire \ kohi-marohi \ fidzutsi nake-domo \ semv 
sa-be-ino nasi. 

Mit dem Umhängen zu Ende, | in Damast ehrwürdig, | mit dem Reden zu Ende, 
wie feierlich! | Unser Gebieter, | der Kaisersohn, der hohe, | dm-ch zehntausend Alter 
wird er anbefehlen, j Mijako in dem Reiche | des grossen Jamato | neigt sich zur Seite. [ 
Als der Frühling entschwunden, | an des Berges Seite | gingen die Blumen in die 
Blüthe, I in des Flusses Schnelle | machte der AVeissiisch S^Drünge. | Zur Zeit, als der 
übermässige Tag | wirklich prangte, ] o das widerstrebende Wort, | und dabei das 
unglückliche Wort! | Weiss wundervoll | der Hausgenosse schmückt sich, | auf dem 
unmerklichen Berge | indem man die hohe Sänfte aufstellt, | möge der dauernde, feste 
Himmel gelenkt werden. | Mich umwälzend | in dem Schlamme obgleich ich weine, | hab' 
ich nichts, das sich thun lässt. 

Iwawasi-ki, feierlich, festlich. Von iwb ,ein Fest feiern' abgeleitet. 

Kobl steht für korobi^ sich wälzen. 

Fidzutsi steht füi- ßdzi-utsi, in dem Schlamm. 



^ ^ Kajesi-uta. 

Die entgegnenden Gedichte. 



Gedichte ai-.s der Sammlung deb zehntausend Blattei;. 



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Waqa mco-kiiiü \ ame sirarotin-to \ uniaicane-ha | oho-ni-zv rni-keru \ icadznka soma-jnma. 

Unser grossoi- Gebieter, | indem er nicht dachte, | dass er den llinnnel Jenken 
wei-de, I ist, was er dunkel gesehen, | der vmnierkliche Berg Soma. 

Obo-ni steht t'iir oboro-ui, dunkel, undeutlich. 



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Asi-biki-yto | jainu saje fe?v'-/e | .v«Ava fand-im 

Auf Asi-biki"s | Berge nur 

sehwinden, | so unser grosser Gebieter! 



Auf Asi-biki"s | Berge nur leuclitend | die aufblühenden Blumen, 



tsiri-juku c/utoki | icaf/a mvu-kuai-kahiu. 

wie sie zerfallen 



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Kakemaku-mo \ aja-ni kasikosi \ tvaga khni-no \ mi-ko-no mikoto-no \ mono-no fu-no \ Ju- 
so tomo-no ivo-wo \ mesi-atsame \ isajoi-tamai j asa-kari-ni \ sisi fumi-okosi \ jufii-kari-ni \ tori 
fund-tatete \ uwo mi-uma-no \ kutsl osaje-tornc _\ mi-kokoro-n-o \ misc-akirame-si \ ihi-me-dzi- 
jama \ ko-datsi-no sisi-ni \ saku fana-mo \ utsuroi-ni-keri | jo-no naka-tca | kakti norid narnsi | 
masv,ra-u-o-no \ kokuro furi-okosi \ tsurugi tatst \ kosi-ni tori-fcuji \ adziisa-jnnii \ jufji tori-oi-tc 
ame-tsutsi-to \ ija toivo-naga-ni \ jorodzu jo-ni \ kuku si-mo kana-io \ tanomeri-si \ mi-ko-no mi- 
kado-no \ sa-hqje nasu \ saurigu toneri-iva \ siro-taje-ni | koromo tori-kite \ tsune-varl-si \ omni 
furumai \ ija-ß-geni \ kcmarafu inire-ha \ kanaslme-si-kamo. 

Mit dem Umhängen zu Ende, | in Streifen ist er elunvürdig. | Unser Gebieter, j der 
Kaisersolin, der hohe, | unter den Kriegsmännern | die Männer der achtzig Gefährten j 
ruft er zusammen. | Hin und wieder gehend, | auf der ' Morgenjagd | das Wild erweckt 
er durch Tritte. | Auf der Ahendjagd | die Yögel durcli Tritte stellend, | des grossen 
kaiserlichen Pferdes | Mund drückt er nieder und hält es an. | Wo den hohen Willen 
er u-ezeifft und bekundet hat, | auf dem Berue Iku-me-dzi, | in dem Mannichfachen dei- 
Baumreihen | die erblühenden Blumen | haben sich entfärbt. | Mitten in der Welt | ist 
es so nur der Brauch. | Des tapferen Mannes I Herz im Schwünge hebend, | den Degen 
und das lange Schwert | um die Lenden gürtend, | den Bogen von Hartriegel, | den 
Köcher auf den ßücken nehmend, | dass er mit Himmel und Erde | überaus in die 
Ferne und Länge, | durch zelmtausend Alter | so thun möge, | er, der dieses wünscht, 1 
an des Kaisersohnes erhabenem Thore | der den Fliegen gleich | aufgeregte Hausgenosse, 
indess es weiss wunderbar, | das Kleid nehmend und es anziehend, | das immer gewesen, | 
das Lachen und das Fest | an dem übermässigen Tage wirklich | abwechseln wenn ich 
sehe, j macht es mich traurig! 

Narasi steht für naraivasi, Gewohnheit, Sitte. 

Emai steht für emi-ai, gegenseitig lachen. 

Kawarafu, die Zusammenziehung von kawari-afu, unter einander wechseln. 



Gedichte aus der Sammlunu dek zehntausend Blätter. 



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Die entgegnenden Gedichte. 



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Fast-ki-kantn | rnt-ko-no mikitto-nii | ari-kajoi- \ mi-si ikurne-dzi-no | mitsi-ica are-ni-keri. 

U bedauerlich! | Die der Kaisersohn, der liohe | auf dem Durchzuge | gesehen, Ikume- 
dzi's I Wege sind öde geworden. 

Fasi-ki ist die Abkürzung von omoicasl-ki, lieblich, auch bedauerlicdi. 



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(Jicu-toiiio-no I /m-?*/ o jugi ubi-te | jorodzu jo-ni \ tanomi-si kokoro | idzukn-ni-ka josrmn. 

In Owo-tomo's | Namen den Kücher indess ich trage, j das auf zehntausend Alter 
geiioft't hat, das Herz, | wo wird es Stütze finden? 



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Sini-tarii taniua-ico kunasiinl-te faku-j'a-si-no asomi jumeru nia ßfo-kaslra. Narabi-ni 
mizikaki uta. 

VAn Gedicht Asomi's von Taka-fasi, in welchem er die todte Gattin 
betrauert. Anbei ein kurzes Gedicht. 



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Siro-taje-no \ sode sasi-kujete \ iiabiki ne-si \ ivaga kuro-kaiui-no \ ma-slra-ga-ni | nari- 
knoamari-te | atara-jo^. | tomo-ni aramu-to \ tama-no wo-no \ tajezi-ja . imo-to \ musubi-te .«? | 
koto-iva fatasazu | omoje^'i-si | kokoro-wa togezn \ siro-taje-no | ta-moto-wo wakare | ul-kib/'ni 
si I ije-wo-mo idete \ midori ko-no | naku-ivo-mo oki-fe | asa-kiri-no \ fono-mekasi-tsiitsu \ jama- 
siro-no | saciara-vo jama-no | jama-no fa-tco \ juki-sugi-nure-ba \ iwamu su-be \ semu su-be si- 
rani \ wagimo-ko-to | sa-ne-si tsuma-ja-ni | asita-ni-ica | ide-tatsi-sinobi | jnju-be-ni^wa \ iri-l 
nagehi-ja j waÄ:/ fasanm \ ko-no nakasime-ba \ ivonoko simo-no | oi-ml idaki-mi | asa-tori-no | 
ne-nomi naki-tsntsii | kofwe-domo \ sirusi-wo nami-to \ kofo toivaiw. | mono-ni-tca are-do \ ira- 
gimo-ko-ga \ iri-vi-si jama-ivo \ josu-ga-to-zo omofu. 

Den wunderbar weissen | Aermel indem ich wechselte, ] mit dem hingeneigt ich 
geschlafen, I mein schwarzes Haupthaar | zu echt weissem Haar, | nachdem am Ende es 
geworden, | in der neuen Welt | weil ich zugleich sein werde, | der Edelsteinschnur 
Ununterbrochenes mit der Schwester | indess ich knüpfe , | vollend' ich diese Sache 
nicht, I das, was ich mir dachte, | die Absicht erreich' ich nicht. | Von dem wunderbar 
weissen \ Aermel mich trennend, | hielt ich ihn für finnig. | Aus dem Hause auch gehend, 
auf des jungen Kindes ] Weinen nicht achtet' ich, und | der Morgennebel | glänzte mit 
trübem Licht. | In Jama-siro, | an der Bergscheide | des Berges von Sagara | wenn ich vor- 
übergegangen, I was ich sagen soll, | was ich thun soll, weiss icli nicht. | AVo ich mit 



Gedichte aus ukr Sammlung der zehntausend Bi.ätteu. 193 

meiner Schwester | übernachtet, in der (rattin Hause, ] am IViihen Morgen | ausgertistet, 
mich verberg' icli, | zur Abendzeit | eingetreten, klag' ich! | Das die Seite umschliessende | 
Kind, wenn es weint, | der mänidiclie JMener | trägt es, liält es in den Armen, j Der 
Alorü'envuael, I mit hinter Stimme nur klagt. 1 Obgleich ich liebe, 1 hab' ich kein Zeichen. 1 
Obgleich es eine Sache ist, | bei der man mit AVorten nicht fragt, | halt' ich den Berg, | 
in den meine Schwester | getreten, füi- ein iMittel. 



Das entgegnende Gedicht. 



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Utsu-semi-rio \ jo-no koto-ni are-hu \joso-ni mi-si \ jama-wu-jn ivia-wa \ josn-fia-to omoicmim. 

Da es eine Sache der Welt | der liohlen (Trillen ist, | werd' ich den Berg wohl, | den 
icli von aussen gesehen, | jetzt für ein Mittel halten. 

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Asa-lori-110 I iic-iioiiti-Ja nakamit \ wuqiiito-ku-iu \ ivta-viafd sara-uj | ufu josii-wo uaiai. 

Der Morgenvogel | wird mit lauter Stimme wohl singen. | Meiner Schwester | jetzt 
noch einmal ] zu begegnen, hab' icli kein Mittel. 

Der VcT-fasser der obigen Gediclite ist ein Mann von ilcm Geschlechte Ason aus 
Taka-fasi. Sein Name und Jünglingsname ist niclit bekannt. Es wird nur gesagt, dass 
er ein Truchse'fes gewesen. 



Ueber die äusseren Lebensverhältnisse, eigentlich die amtlii-lie Laufbahn zweier 
häufig vorkommender Verfasser von Gedichten werden folgende kurze Angaben gemacht: 

Der Dai-na-gon (der grosse Rath), der zu der nachfolgenden zweiten Rangstufe 
gehörende Owo-tomo-no Suku-no Tabi-bito war der älteste Sohn des Dai-na-gon An-maro. 

Denksrhriften dor phil.-hUt. Cl. XXI. Bd. -ü 



^04 PnZMAIEK. 

Am dritten Tage des dritten Monates des zweiten Jahres des Zeitraumes Jö-rö (718 
n. Chr.) wurde er mit der Stelle eines Tsiü-na-gon (mittleren Rathes) betraut. Er folgte 
nicht auf den San-gi (den Leiter der Angelegenheiten des Palastes). 

Am siebenten Tage des ersten Monates des dritten Jahres desselben Zeitraumes 
(719 n. Chr.) wurde er in den unteren Theil der richtigen vierten Rangstufe eingereiht. 
Am siebenten Tage des ersten Monates des fünften Jahres desselben Zeitraumes 
(721 n. Chr.) wurde er in die nachfolgende dritte Rangstufe eingereiht. 

In den Tagen des zweiten Monates des ersten Jahres des Zeitraumes Zin-ki (724 
n. Chr.) wurde er in die richtige dritte Rangstufe eingereiht. 

Am ersten Tao-e des zehnten IMonates des zweiten Jahres des Zeitraumes Ten-fei 
(730 n. Chr.) wurde er mit der Stelle des Dai-na-gon betraut. 

Am siebenten Tage des ersten Monates des dritten Jahres desselben Zeitraumes 
(731 n. Chr.) wurde er in die zweite Rangstufe eingereiht. 

Am ersten Tage des siebenten Monates desselben Jahres starb er, nachdem er zwei 
Jahre das Amt des Dai-na-gon bekleidet. 

Der Tsiu-na-gon (mittlere Rath), der zu der nachfolgenden dritten Rangstufe 
gehörende Owo-tonio-no Suku-ne Ije-motsi war der Enkel des Dai-na-gon, des mit der 
nachfolgenden zweiten Rangstufe beschenkten An-maro, der Sohn des Dai-na-gon, des 
zu der nachfolgenden zweiten Rangstufe gehörenden Tabi-bito. 

Im ersten Monate des siebenten Jahres des Zeitraumes Ten-fei (735 n. Chr.) wurde 
er in den unteren Theil der nachfolgenden fünften Rangstufe eingereiht. 

Im dritten ^Monate des achtzehnten Jahres desselben Zeitraumes (746 n. Chr.) wurde 
er mit der Stelle eines grossen Zugetheilten der Abtheilung des Kriegswesens betraut. 
Im sechsten Monate des zweiten Jahres des Zeitraumes Ten-fei-fo-zi (758 n. Chr.) 
wurde er mit der Stelle eines Statthalters von Ina-ba betraut. 

In den Tagen des dritten Monates des sechsten Jahres desselben Zeitraumes (7(i2 
n. Chr.) wurde er mit der Stelle eines grossen Zugetheilten der Abtheilung des Volkes 
betraut. 

In den Tagen des ersten Monates des achten Jahres desselben Zeitraumes (764 n. 
Clir.) wurde er mit der. Stelle eines Statthalters von Satsu-ma betraut. 

In den Tagen des achten Monates des ersten Jahres des Zeitraumes Zin-go-kei-un 
(767 n. Chr.) wurde er mit der Stelle eines kleinen Zugetheilten des grossen Vorgesetzten 
betraut. 

In den Tagen des neunten Monates desselben Jahres wurde er mit der Stelle emes 
Sa-tsiü-ben (mittleren Vorsitzenden der Linken) und zugleich mit derjenigen eines grossen 
Zugetheilten des Naka-tsukasa (Vorstehers der Mitte) betraut. 

In den Tagen des zehnten Monates des ersten Jahres des Zeitraumes F6-ki (770 n. 
Chr.) wurde er in den unteren Theil der richtigen fünften Rangstufe eingereiht. 



Geihchte aus dkr Sammlunu dkr zehntausend Blätter. 195 

In den Tagen des eilftcn Monates des zweiten Jahres desselben Zeitraumes (771 n. 
l'lir.) wurde er in den unteren Theil der nachfolgenden vierten Rangstufe eingereiht. 

In den Tagen des zweiten Monates des dritten Jahres desselben Zeitraumes (772 n. 
Chr.) erhielt er zugleich die Stelle eines gewichtigen grossen Zugetheilten der Abtheilung 
der Muster. 

In den Tagen des dritten Monates des fünften Jahres desselben Zeitraumes (774 n, 
Chr.) wurde er mit der Stelle eines Stattlialters von Sagami betraut. In den Tagen des 
neunten Monates desselben Jahres erhielt er zugleich die Stelle eines Grossen der 
Hauptstadt der Linken und eines höchsten leitenden Statthalters. 

In den Tagen des eilften Monates des sechsten Jahres desselben Zeitraumes (775 n. 
Chr.) wurde er mit der Stelle eines Aufsehers des Thores der Leibwache betraut. 

In den Taa-en des dritten Monates des siebenten Jahres desselben Zeitraumes (776 
n. Chr.) wurde er mit der Stelle eines Statthalters von Ise betraut. 

In den Tasen des ersten Monates des achten Jahres desselben Zeitraumes (777 n. 
Chr.) wui-de er in den oberen Theil der nachfolgenden vierten Rangstufe eingereiht. _ 

An dem siebzehnten Tage des ersten Monates des neunten Jahres desselben Zeit- 
i-aumes (77S n. Chr.) wurde er in den unteren Theil der richtigen vierten Rangstufe 
eingereiht. 

An dem ersten Tage des zweiten Monates des eilften Jahres desselben Zeitraumes 
(7S0 n. Chr.) wurde er mit der Stelle eines San-gi (Leiters der Angelegenheiten des 
Palastes) betraut. An dem neunten Tage desselben Monates erhielt er zugleich die Stelle 
eines U-dai-ben (grossen Vorsitzenden der Rechten). 

An dem fünfzehnten Tage des vierten Monates des ersten Jahres des Zeitraumes 
Ten-wO (7S1 n. Chr.) wurde er in den oberen Theil der richtigen vierten Rangstufe 
eingereiiit. An dem vierzehnten Tage desselben Monates erhielt er zugleich die Stelle 
eines Grossen des Friihlingspalastes (des Palastes des zur Nachfolge bestimmten Kaiser- 
sohnes). An dem vierten Tage des fünften Monates desselben Jahres wurde er mit der 
Stelle eines grossen Vorsitzenden der Linken betraut und blieb ein Grosser wie früher. 
All dem ersten Tage des achten Monates desselben Jahres wurde ei- wieder mit der 
Stelle eines San-gi (Leiters der Angelegenheiten des Palastes) betraut und blieb zugleich 
ein Grosser wie früher. An dem dreizehnten Tage des eilften Monates desselben Jahres 
wurde er in die nachfolgende dritte Rangstufe eingereiht. 

In dem ersten Monate, an einem Schalttage des ersten Jahres des Zeitraumes Jen- 
reki (7S2 u. CJu-.) wurde er der Geschäfte willen in Anklagestand versetzt und wurde 
ihm das Amt und die Rangstufe entzogen. Am eilften Tage des fünften Monates desselben 
Jahres erhielt er dabei die Stelle eines Grossen des Frühlingspalastes. An einem Tage 
des sechsten Monates desselben Jahres erliielt er zugleich die Stelle eines untersuchenden 
Gesandten für die Provinz Mutsu. 

An dem dreizehnten Tage des siebenten Monates des zweiten Jahres desselben 
Zeitraumes (783 n. Chr.) wurde er mit der Stelle eines TsiÜ-na-gon - (mittleren Rathes) 
betraut und blieb ein Grosser des Frühlingspalastes wie früher. 



19(3 



Pfizmäieb- Gedichte aus der Sammlung dek zehxtausekü Blätter, 



Im zweiten Monate des dritten Jahres desselben Zeitraumes (784 n. Chr.) erhielt 
er zugleich die Stelle eines das Abschnittsrohr haltenden, gegen den Osten Eroberungs- 
züge machenden Heerführers. 

An einem Tage des achten Monates des vierten Jahres desselben Zeitraumes (785 
n. Chr.) starb er. 



Verbesserungen. 



S. 118 Z. 10 statt ^ lies ^ 

„ 123 „ 11 V. u. statt ^ lies ^ 

„ 127 „ IG T. u. statt ne-ne-no lies suku-ne-no. 

_ 127 _ 1 5 V. u. statt Ne-ne's lies 8uku-ne's. 



ÜBER DIE 

MÜNDARTEN UND DIE WANDERUNGEN 

DGB 

ZIGEUNER EUROPAS. L 



► 



VON 

D« FRANZ MIKLOSICH, 

WIRKL. MITGLIEDE DER KAIS. AKADEMIE DEK WISSENSCHAFTEN. 



VOEGELEGT IN DER SITZUNG AM 21. FEBRUAR 1872. 



Die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's bilden den Inhalt dreier 
Abhandlungen. In der ersten werden die slavischen Bestandtheile der in Europa ge- 
sprochenen Zigeunermundarten nachgewiesen ; in der zweiten Beiträge zur Grammatik und 
zum Lexikon der Zigeuneridiome geliefert, während in der dritten auf Grund einer Analyse 
dieser Idiome der Versuch gemacht wird, die europäische Urheimat der in allen Theilen 
Europa's lebenden Zigeuner festzustellen und, wo möglich, den Weg nachzuweisen, auf 
dem sie in ihre jetzigen Wohnsitze gelangt sind. 



Die slavischen Elemente in den Mundarten der Zig-euner. 

Die Sammlung enthält nicht nur die ursprünglich slavischen, sondern aucli die von den 
slavischen Völkern aus andern Sprachen entlehnten Wörter, über welche meine im XV. Bande 
dieser Denkschriften veröffentlichte Abhandlung: ,Die Fremdwörter in den slavischen 
Sprachen' Auskunft gibt; sie enthält ferner sowol die unmittelbar als aucli die mittel- 
bar aus dem slavischen Wortschatze stammenden, namentlich die in das Rumunische und 
Magyarische aufgenommenen Ausdrücke, welche in meinen gleichfalls in diesen Denk- 
schriften, Band XII. und XXI, erschienenen Abhandlungen über die slavischen Elemente 
in den genannten Sprachen vcM-zeichnet sind; sie umfasst endlich jene ^Vörter d(>r Zigeu- 
nersprachen, die man für slavisch zu lialtt-ii leielit verführt werden kann und von denen 
ein Theil wirklich für slavisch gelialten worden ist. Da ich nach Vollständigkeit gestrebt 
habe, so habe ich alle in den Vocabularien und Texten vorkommenden ^\■örte^ auf- 
genommen. Die überall nacligewiesenen Quellen machen (his liäufige oder seltene oder 
gar vereinzelte Vorkommen eines Wortes ersichtlich. l)ic Ordnung, in welcher die 

l>..r.k8LUritt.-h .liT iiliil.-liist. (,'1. XXI. Bii. '^^ 



198 Franz MiKLOSicH. 

Wörter aufgeführt erscheinen, ist bestimmt durch die altslovenische Form der slavischen 
Wörter: die niclit wirklich vorkommenden, sondern blos erschlossenen Formen sind durch- 
ein Sternchen ausgezeichnet. 

1. Ad:5 inferi. 

ad-B riiss. — ado Hölle Böhtl. 7. 

2. ale.* 

ale 2ech. — ale verum Pott, Zeitschr. 3. 329. 

3. arbuz-B. * 

arbuz'B klruss. russ. •, pol. karbuz, harbuz, garbuz, arbuz; tüi'k. qarpüz aus pers. 
kharbuzeh Fremdw. 75. — herhnzo m. Melone Wrat. 91. hrhnzo i\lündlich; hcrbuzo (her- 
hiizho) Grellmann. Pott 2. 175. therbuzos für herhuzos Cucurbita Narb. Unmittelbar aus dem 
pol.; Pasp. 122 bietet kherbuzö, karpüz; bei den Zigeunern in Asien lautet das Wort kherbize. 

4. a b o r t k "b. * 

uborok-b aruss.; cech. übor, üborek-, pol. webor, weborek aus ahd. einbar Eimer 
Fremdw. 75. — emhorka Pott 1. 99. Unmittelbar aus dem pol. 

5. ^da hamus. 

w^da, demin. w^dka pol. — ventka Angelruthe Pott 1. 99; 2. 78. Unmittelbar aus dem 
pol.; ondica (ondiga) hame9on Vaill. Dagegen beruht butica [buttitscha) Bisch., ^:»?i^tca (jmti- 
tscha)^ wenn es hieher gehört, auf kroat. vudica. Vergl. auch tiza [tizza) Angelruthe W^rat. 119. 

6. baba anus. 

baba nsl. kroat. serb. u. s. w. — bdba, bdbo f. avia Sed. Pa.sp. 42. 119. 154. baba 
vieille Vaill. baborica (babontscha) demin. ibidem; baba Vocabul. Bulg. baba in der 
Bedeutung pater ist vielleicht entlehnt Fremdw. 7G und stammt aus derselben Quelle 
wie zig. bdbo pater Asiat. Pasp. 119. 

7. bale.* 

bale mucus serb. — bale bave, ecume Vaill. 

8. balega.* 

balega limus serb. — baliga fiente, fange Vaill. 

9. banja balneum. 

banja labrum nsl.; serb. banja u. s. w. — banja (Ijagnia) balneum Pasp. 42. 154. 
banjakoro {bagniakord). Ein mit diesem Wort verwandtes banjo {banjid) wird mit pol. 
bania grosser bauchichter Ki'ug, Kürbiss zusammengestellt. Pott 2. 176. banja balneum 
stammt aus dem bulg. 

10. barani vervex. 

baran ovis, agnus slovak. pol. — baranjl m. Lamm Vocabul. 

11. barna. * 

barna bos subfuscus ßech. — barnavo adj. braun Vocabul. 

12. b arva. * 

barva klruss.; pol. barwa u. s. w. — barva f. Farbe Wrat. 81. Aus dem cech. oder pol. 

13. basnb fabula. 

basen bulg. — bazna conte Vaill. basno 58. bezne contes 88. 

14. basta. * 

basta pater bulg. Fremdw. 5. Slavische Elemente im Magy. 1 9. — baclka Väterchen Müller 
183: das zig. Woi't scheint unmittelbar aus dem Magy. zu stammen, wobei ty durch c ersetzt wird, 
wogegen jedoch bato, batu m. father. padre der span. Zigeuner Borr. eingewendet werden kann. 



Über die Mund arten und die Wanderungen der Zigeuner Europa-s. i. 199 

15. bazant-B. * 

ba2ant cech. pol. — bazantos m. Fasan Wrat. 81. 
IG. bezdtna abyssus. 

bezna jama kroat. — bezna tenebres; bezne nuage; bezno tenebreux Vaill. ma lisz 
amen andro bezna ne nos inducas in tcntationem GreUm. 316. Aus rumun. beznt. 

17. beda vis. 

beda (ach beda skutka melio); bida Notli cecb.; pol. bieda. — bjeda: bjuda tmncnr/e! weh 
euch! Pott 1. 3 IG. bjida Gefalir 2. 483. bida affliction, chagrin; bidalo aftlige; bidao 
j'afflige Vaill. 

18. belü albus. 

belyj russ. u. s. w. — belo m. bela f. weiss Böhtl. 9. hjalo (biäld): bjalo gib weisses 
Getreide, Weizen Liebich 128. 

19. blato palus. 

blato nsl. serb.; cech. bl4to — blata lutum Alter 105. Pott 1. 110. Weder pol. 
noch russ. 

20. blavatT,.* 

biawat centaurea cyanus; bJawy bla-ssblau pol. — blarddo adj., blavitke adj. blau 
Wrat. 123. blaicädo blau; blawädi Pflaume Liebich 128. 129. Das pol. bJawy ist das 
deutsche blau, mhd. blä, gen. blawes. Vergl. blavanö blau skand. Sundt. 

21. blaznt error. 

blazen stultus nsl. — Vei-gl. blagcn flasque; blego, bleko niais Vaill. 

22. bladiti errare. 

bJadzi6 irre gehen pol. — blundzevava (blundschevava) Pott 1. 728. bladziskirau-a 
eirare Narb. 

23. blesko.* 

blesk-B cech.; pol. blask. — bleskos m. Blitz Wrat. 82. Aus dem cech. 

24. bljud'L patina. 

blis ecuelle Vaill. ßumun. blld. 

25. bobi. faba. 

bob nsl. serb. u. s. w. — bob pois, fcve, haricot; bobi grain, graine Vaill. bopt m. 
Pasp. 46. 182; bobes plur. Borr. und bubis habas bei den span. Zigeunern Campuz.; bobi, 
babi pea bei den engl. Harriot 552. bobo m. Wrat. 124. bobo m. Kukuruz, Hülsenfrüchte 
Vocabul. bobolia plur. demln. Pasp. 183. bobbus in Liefland Pott 1. 105. Vergl. 2. 40G. 

26. bogynji dea. 

boginje plur. serb. neben krastc und ospice variolae. — boginja (bogina) Pocken 
Puch. 36. Blattern Vocabul. bogina Wrat. 83. Pott 2. 396. Räthselhaft : Verwandtschaft 
mit deutsch Pocken ist nicht anzunehmen; ist es ein Euphemismus? Man beachte ngriech. 
süXoYia Segnung neben s'JÄoytd Blattern. Vergl. bottingo Blattern Licbich 229. 

27. borovica.* 

borovicka Wachholderbeere slovak. Slavische Elemente im Magy. 30. — borovicka f. 
Branntwein Vocabul., eigentlich Wachholderbranntwein. 

28. bo2istb.* 

bozic nsl.; serb. boziö festum nativitatis Christi, eigentlich demin. von bogT,, dalier 
etwa Gottes Sohn. — bozit m. Feiertag Wrat. 83. Rotw. bozica (boshitza) Weihnacliten 
Pott 1. 101; 2. 429. bosciuzzu Liebich 12i). Christus heisst dem Zigeuner tarno dcvel der 



200 



Fkanz Miklosich. 



- hroniskirawa man tueri, richtig tueor 
Vergl. irinel he writes Boirow, The 



junge Gott, oder dihio devel der kleine Gott, im Gegensatz von imro devel, der alte 
Gott 35. 132. 188. 208. Vergl. vazita f. Weihnachten Vocabul. 
. 29. brana.* 

hrana nsl., serb.; Cech. brana; russ. borona; pol. brona Egge. — hrona occa Alter 
166. Pott 1. 110. 

30. braniti defendere. 
braniti nsl., serb.; cech. brdniti; pol. bronic. - 

me Narb. braninel verb, wehren Wrat. 83. 165. 
Zincali 264. von magy. ir und vieles der Art. 

31. brazda sulcus. 

brazda nsl., serb. — braza raie, sillon Vaill. 

32. breg'B ripa. 

breg nsL; serb. brijeg ripa, collis. — preÄ-o Ufer, Rand, Damm; baro preko grosses 
Ufer, Yerschanzung Pott 1. 71; 2. 416. Daneben deutsch bergos m. Berg \\ rat. 82. berga 
(eapra) Böhtl. 265. 

33. brtstL. * 

borsi^/B russ. — o bors le horche, potage aigre Vaill. 

34. br'Bvbno trabs. 

brvno, bruno nsl.; serb. brvno; 6ech. brevno. — bnino m. Baum Wrat. 83. 

35. budovati.* 

budowa6 pol. Fremdw. — hudyskirawa exstruere Narb. 

36. bujno audacter. 

bujny üppig, übermüthig pol.; ßech. bujn^^ u. s. w. — bujno adj. stolz, hochmüthig, 
prächtig Pott 2. 407. buno stolz bei den skand. Zigeunern Sundt. Bugge Beiträge 1. 149. 

37. buniste.* 

buniste, bunjiste Auskehricht serb.: vergl. bunina Dünger. — bimista m. fiente, 
excrements des animaux Pasp. 190. ßindviehdünger Wrat. 83. Mit den serb. Wörtern 
hängt zusammen ngriech. ßouvcd bouse, das seinerseits an ^oovö^ Hügel, Haufen erinnert. 
Das zig. Wort stammt wol unmittelbar aus dem serb.: an das romanische Suffix ista 
Diez 2. 363. ist nicht zu denken. 

38. burja procella. 

burja nsl.; serb. bura u. s. w. Fremdw. 80. — bürosh procella Alter 81. 

39. byk'b taurus. 

bik nsl. serb.; cech. b^-k, das bejk lautet. — bcjkos (beiko.i) Puch. 81. aus dem 
ßech. bika Stier Milndlich. 

40. bi>cLva.* 

bacva nsl. serb.; bulg. btSvB dolium. — b(jfca {buftcha) pressoir Kelter: das durch 
Umstellung von c und v entstellte Wort bedeutet auch fouloir Walkholz Pasp. 42. 183. 
Hieher gehört auch becka {betschka) Pott 1. 99. böcka (B9MKa) cadus Alter 174. Pott 1. 
110: ßech. becka, pol. beczka. 

41. btda>nB.* 

bedenj nsl.; serb. badanj. — Vergl. budalka f. tinette (Gelte, Ständer) Pasp. 42. 189. 

42. bikli,.* 

b-Bkel Wassereimer bulg. Cank. 157. btklicB f. eine platte hölzerne Flasche ibid. — 
bükla f. flacon Pasp. 189. 



Über die Mundarten und die Wanderungen deu Zigeuner Europa'S. i. ^01 

43. canbk'B.* 

eaiik, cank, demin. cancek Gebiss am Zaum cecla. — canjcckos (ranSckos) m. Gebiss 

l'uch. 22. 

44. cedula.* 

cedule Zettel cech.; lat. schedula Fremd w. — ccdla f. Wrat. 84. cMida Müller 193. 
4.5. celt integer. 

cel nsl.; serb. cijel u. s. w. — celo adj. ganz AVrat. 132. celo (zelo) Pott 2. 20(5. 
celo (zelo) Liebich 168. celo (tschelo) Pott 2. 491. eile Müller 175. 193. cilo Vocabul. 

46. cepenT. rigidus. 

capen solide, fort, dur Vaill. 

47. cesarb imperator. 

cesar nsl. serb. u. s. w. Fremd w. 9. Sluvisclie Elemente im Magy. 22: csäszär. — 
cthäri Kaiser Müller 173. Das zig. Wort ist unmittelbar aus dem Magy. entlehnt; 
niric Bess. 

48. cevb fistula. 

cSv nsl. Slavische Elemente im Magy. 22: csev, cseve. — civa f. Eöhre A^ocabul. 

49. cipelisb.* 

cipelis nsl.; serb. cipela Fremdw. 9. — cipejusa f. Schuh Yocabul. Magy. czipello 
Frauenschuh ; czipö Mannsschuh. 

50. gad-B.* 

ßadt Dunst russ. — Vergl. sdcy Nebel Bess. aus *cadBci. 

51. cakati exspectare. 

?akati nsl.; serb. cech. Cekati; pol. czckac u. s. w. — dzakerav^ dzakervav (dschuke- 
ruf, dschakkcrvaf) warten, hoffen Pott 1. 433. Richtig wol cakcrav. 

52. Cara.* 

(5ara Schale russ.; pol. cara. — mro m. Schüssel; cärori f. demin. Puch. 37. czaro 
catinus Narb. tscharo Napf Pott 2. 198. tschäro Liebich 163. Das Vorkommen des Wortes 
bei den türkischen und ungrischen Zigeunei-n: caru (tcliarn) m. assiettc Pasp. 531. curoro 
(r/iawro) cup lumg. Bright LXXXIV. caro Schüssel Mündlich, caro m. Vocabul., spricht 
gegen die Entlehnung aus dem russ. 

53. carovati incantare. 

czarowaö pol. — covarava (czowaraiva) praestigiari Narb. 

54. cast hora. 

gas nsl. u. s. w. — casos m. Zeit Puch. 55. Pott 1. 105. tsaszosz hora Grellm. 316. 
cas heure Vaill. 74. sdsu Bess. sasür heure; sasornik montre Vaill. 79. 

55. catorü. ■* 

Cator^ tabernaculum Fremdw. 56. — cater (czater) tabernaculum Narb. namiot prze- 
noäny 37. safra tente; satrar tenticr Vaill. Riimun. 53. 

56. cehi) cechus. 

cech 2ech. — cehiko adj. böhmisch Vocabul. 

57. ßekanb malleus. 

cokanos marteau Pasp. 124. neben kutüla bei den Nom. für sivri der Sed. 

58. celo frons, frontis. 

{•elom-B bitb supplicare russ. — coloui d. i. bbju Böhtl. 17. 

59. cepbcb.* 



202 Franz Miklosich. 

Cepac serb.; cecli. cepec. Slavische Elemente im Magy. 23: csepecz. — cepka f. 
Haube Yocabul. 

60. ßerga.* 

Cerga Zigeunerzelt serb.; bulg. ßerg'B Teppich. — cerga f. (tcherga) tente Pasp. 43. 
534. cerha Puch. 37. cerka {zerha) Tucli Liebieh 168. Das in das ngriecli. und alb. auf- 
genommene Wort ist vielleicht türk. Ursprungs. Man merke auch cerha f. Pflaster Pucli. 37. 
Wrat. 84. Pott 2. 255. 

61. cesati pectere. 

cesati nsl. serb. u. s. w. — cesao je demange; ces demangeaison Vaill. 

62. Cesni.k'B.* 

Sesnek nsl. — cesnjako m. Knoblauch Vocabul. 

63. ceta cohors. 

ßeta serb. — ceti coetus Narb. cata troupe, multitude Vaill. 

64. cetati lungere. 

cetino assembler; cetino in der Bedeutung , lesen' ist wohl asl. cbta, cisti. 

65. Cetvr'bt'skt dies iovis. 

ctvrtek cecli. — ctvrtkos m. Wrat. 87. 

66. cin'B ordo. 

^'nvh Rang, Würde russ.; rum. ein ordo. — ein honneur Vaill. 35. ein cZao j'honore 69. 
cino, cinel [ehino, chineV) a person of official rank Borrow. 

67. cislo numerus. 

ßislo nsl. — cisla quote-part Vaill. 

68. Coha.* 

(joha eine Art Mantel nsl.; serb. Tuch; ngriech. rCoya Fremdw. 82. — • cocha f. Weiber- 
rock Wrat. 87. tschoclia Bisch, cokka [fjokka) Frauenkleid skand. Sundt. neben dem viel- 
leicht unrichtigen cocha vestis Narb. eoclia Wrat. 85: vergl. jedoch cerha und cerha Pott 
2. 178; Liebicli 159 bietet soclia Frauenkleid, choho broad cloth, chaho coat bei den 
Zio-eunern in England Harriot 541. chockwan coat Bryant; chojt, chojinda d. i. eohi, 
cohtnda f. petticoat. saya, enaguas Borrow. 

69. gorba.* 

corba nsl. serb. Fremdw. 10. — sorba soupe Vaill. 

70. creda grex. 

creda nsl. Slavische Elemente im Magy. 24: csorda, csordäs. — corda f. Heerde; 
cordosi m. Schweinehirt Müller 174. Vocabul. Vergl. krtdi.. 

71. crep'5 testa. 

ßrep nsl. — eiripos m. Scherben Puch. 22. Pott 2. 200. cerpo m. Scherben Müller 187. 
Vocabul. clrlpos stammt unmittelbar aus dem magy. cserep. Slavische Elemente im 
Magy. 24. 

72. cresnja cerasus. 

cresnja nsl. u. s. w. Fremdw. 10. — ciras cerise Vaill. 

73. örevij calceus. 

ßrevelj nsl.; bulg. carvulb sandal madc of skin, worn by shepherds and peasants 
Morse. CBrvuli; pol. trzewik. — cervitU m. [tchervüU) sandale Pasp. 535. aus dem bulg.; 
trivika Schuh Böhtl. 20. aus dem pol. Vergl. noch ceride nippes, hai-des Vaill. cirach 
Schuh Wrat. m. 85. cirach f. 86, das von cirach f. Puch. 37. ngriech. xCf*fiO'j/ta nicht zu trennen 



Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa'S. i. 208 

ist Pott 2. 256, Über xC=pßo6Xta und zCt[j'ß'Jo\iayrii habe ich in den slavischen Elemen- 
ten im Ngriech. 30 gehandelt und bemerke hier, dass ich die in den Studien von 
G. Curtius 4. 295. versuchte Ableitung von xapßartv^ nicht für richtig halte. Daselbst wird 
aus Deville angeführt xaspßouXs sandale grossiere qui s'attache avec des bandes de cuir; 
en Chalcidique xaspßouXov; en Crete Ocpßck. 

74. cudo miraculum. 

cudo nsl, serb. u. s. w. — cud etonnement; cudat etonnant Vaill. 

75. cuma. * 

Suma serb.; bulg. cjum-B u. s. w.; rumun. cumi,; magy. csuma Fremdw. 83. — 
cttma {tcküma) f. peste Pasp. 43. 554, 

76. Cutura. * 

Cutara, cutura eine hölzerne Flasche nsl.; bulg. cuturs u. s. w. Fremdw. 11: türk. 
cOtra. — Vergl. katurni, kuturni f. gourde, calebasse Pasp. 274. 

77. cuvik'B,* 

6uvlk, kuvik cech.; magy. csuvik, kuvik; rum. covik-B. — cuvika f. luile Wrat. 129. 
tsrhurikka Bisch. Pott 2. 190. 

78. cu2db alienus. 

cu2ij fremd russ. — cuzo Böhtl. 9. IG. Vergl. cosiio (zosnu) fremd Pott 2. 25G. 

79. ob so quid. 

CO cech. — CO quid Pott, Ztschr. 3. 334. 

80. dalbub longinquus. 

dalbnij russ. — ddlnjo Böhtl. 16. 

81. darnio. * 

darmo gratis cech. pol. — dariuu umsonst Pott 1. 324 aus Zippel. 

82. darovati donare. 

darowac pol. — dariskiraua concedere Narb. 

83. dfib^b quercus, arbor. 

dab, gen. d(,ibu Eiche pol.; cech. dub. — denthos quercus Alter 131. Pott 2. 314. 
dchibjjcu (/],3MuBiuo) Eiche Böhtl. 264, 

84. dimij?,* 

dimije f. plur, lange und weite Hosen von leichtem gefärbten Zeug serb, — dimi, 
dimis m. f. pantalon Pasp. 209. dimi f. plur. Pantalonhosen AVrat. 88; Ascoll 10. ver- 
gleicht dümän, tümän bei Meninski, Paspati griech. ot[JLt-ov. 

85. dira scissura, davon dirbka. * 

dziura aus dziora, das ein asl. dera voraussetzt, Loch pol.; cech. dira. — dzirka 
foramen Alter 118. 

86. divij ferus. 

divji nsl. u. s. w. — divjo {dimo) adj. wild, toll Liebich 132. Bisch. Pott 2. 313, 
wo auch dziko (dschikko) aus pol, dziki angeführt wird; divjidcr Comparativ wilder Pott 
1. 209. 

87. diviti se mirari. 

diviti se serb. cech. — pes divinel se divi wundert sich Puch. 71. 

88. divb miraculum. 

dziw pol.; cech. div. — dztvü miraculum Alter 125. Pott 2. 258. Aus dem pol. 

89. dl-bgi. longus. 



204 Feanz Miklosich. 

diio- serb.; pol. dJugi. — rf?///o aclj. lang Piich. 39. Vocabul. duges adv. Wrat. 142. dugipen 
m. Länge. Puch. 39. dlugö longitudo (für longus) Alter 117. Pott 2. 307. o diigo drom 
der lange Weg JMüller 189. 

90. do ad Adverb, Praefix, Praeposition. 

do in allen slavischen Sprachen. — te dorostes (la ^opocTac) erlangen Bölitl. 2G7. 
Vergl. dofradaica pellere Narb. 

91. dojka.* 

dojka nsl. Slavisclie Elemente im Magy. 25: dajka. — dajka £. Amme Vocabul. 

92. doH fovea. 

dol Thal nsl.; cecli dül, pol. doJ. — Vergl. cmdro doligos im Thale Wrat. 79. 

93. dosyta ad satietatem, satis. 

dosta nsl. serb. u. s. w. — dosta genug Pott 2. 308. dusta Müller 192. dosto adj. 
genügend Vocabul. Das Wort findet sicli bei den span., skand. und engl. Zigeunern: 
dosta enough. basta Borrow; doäa (doschfa) genug skand. Sundt. Bugge, Beiträge 1. 149 
dasta plenty, enough Harriot 552. 

94. dragi. carus. 

drag bulg. serb. u. s. w. — mange drago mir ist lieb Heuf. 51. 

95. drobi,. * 

drob intestina serb. — droh tripes Vaill. Rumun. drob fragmentum. 

96. dromt, drum^B via. 

drum serb. bulg. Fremdw. 85. — drom m. chemin Pasp. 38. Müller 156. Böhtl. 21. 
drom, troni Wrat. 121. trom Liebich 162. drom in Süditalien Ascoli 131. huro drom 
Strasse 81. drom,, podrum Pott 2. 318. dnin Weg bei den span. Zigeunern 2. 468. In Asien 
pathün Pasp. 120. pathon 417. 

97. dr'bz'B audax. 

dirdzo (dlrjo) tcmeraire, audacieux; dlrdzie [dirjie) temerite, audace Vaill. 

98. duh:& spiritus. ^ 
duh nsl. bulg. serb. u. s. w, — ddkhos, di'Mio m. air Pasp. 219. hicho m. Hauch 

Wrat. 114. Luft 143. doko spiritus Alter 70. tucho Hauch, Athem Liebich 166. m tacho 
LunP-e Bisch. Pott 2. 306. Vere-l. dussö l'ouverture du soufflet Pasp. 44; nadtiso Finster- 
niss, eig. niclit licht, vergl. man mit russ. ducliB, dem zig. fand entspricht Belg. 

99. duma.* 

dum'B verbum; duma locpii bulg.; russ. duma cogitatio, consilium; dumatb cogitare; 
pol. duma cogitatio ; dumac cogitare Fremdw. 85. — diivia raison, parole; dumao je rai- 
sonne Vuill. duma f. Sprache Puch. 39. Wrat. 88. duma Gedanken Böhtl. 16. dumiskir-' 
djom (/^yMHCKup;^eM) ich habe durchgedacht Böhtl. 16. Pott 2. 314. Die böhmischen Zigeuner 
gebrauchen das Wort in der bulg., die russischen in der polnischen und russischen Be- 
deutung. Den böhmischen schliessen sich die rumunischen und ungrischen an: me dav 
duma ungrika, sirbicka, romanes ich spreche ungriscli, serbiscli, zigeunerisch Mündlich, 
me dao duma je parle Vaill. 51. Das Wort ist in die Sprache der rumunischen, ungri- 
schen und mähriscli-böhmischen Zigeuner aus dem bulgarischen aufgenommen worden. 

100. dybati clam ire. 

dybac schleichen pol. — dibao je tatonne Vaill. 

101. ela.* 

ela bulg. serb. Fremdw. 86. — ela viens Sed. Pasp. 120. 



Über die Mundarten und die Wanderungen der ZiiiEUNER Eukopa-s. i. 205 

102. form an.* 

forman cech. aus dem Deutschen. — formanos m. Fuhrmann "Wrat. 89. 

103. friSky.* 

frisky rofh. aus dem Deutschen. — frlsko frisch Pott 1. 99. 

104. gajda.* 

gajd-B bulg.; serb. gajde, gadlje Fremdw. 89. — ^«/f^« (gaida) cornemuse Pasp. 238. 

105. g-aluSbka. * 

haluSka Kloss aus 3Icld cecli.; haluzka Podol. — • haluski Nudeln Pott, Ztsclii'. 
3. 329. 

106. gavran'B corvus. 

drvani gärvani zlz, xöpa/ca^: drvani gurvani kamuvel fo kher ta maison sera aneantie 
Pasp. 143. 

107. gazda. * 

gazda pat'erfamilias Ilauswirth nsl. serb. klruss. slovak. pol. Fremdw. 89. — gtidzo 
m. Hauswirth Puch. 39. 79. Bauer, Bote Wrat. 90. AVirth. 121. Bauer Vocabul. gadco 
Bauer Böhtl. 20. 2G3. gadce (ra/i,w3) plur. Russen, auch Deutsche Bühtl. 20. gadzo Unger 
.Mfüler 179. gadzesko adj. bäuerisch AVrat. 121. Alle Bedeutungen von gadzo erklären 
sich aus der von gazda im Magy. und in den slavischen Sprachen, und wenn der Zigeu- 
ner in Deutschland den Deutschen, in Ungern den Unger, in ßussland den Russen gadM 
nennt, so bezeichnet er damit nattlrlich die sociale Stellung, nicht die Nationalität. Pott 
1. 43-, 2. 129. 131: gadzo ist der Nichtzigeuner, wie Vocabul. Liebich 135 das Wort erklärt. 
1 )a jedoch das Wort gadzö (gadjö) m. in der Bedeutung etranger Pasp. 2B5. gadzuno adj. etran- 
ger Pasp. 120. auch bei den asiatischen Zigeunern bekannt ist, so erweist sich diese 
Zusammenstellung schon dadurch als unrichtig, gazda Gebieter Müller 174. 

1U8. gazului.* 

hazuka l^iges Kleid, Kutte cech. Fremdw. — hazika Rock; hazicka demin. Pucli. 
VJI. 41. Jiazika Männerrock Wrat. 91. Pott 2. 176. 

109.' gazdati.*~ 

hdzeti iterativum von huditi: hoditi se k necemu sich in etwas finden cech. — 
hadzind verb. finden Wrat. 130. hadzlnäwa, hadsclänäwa Liebich 197. 

110. gasfb densus. 

gust nsl.; bulg. g-Bs aus giist; serb. gust u. s. w. — gosto adj. epais, dense Pasp. 248. 

111. gasb anser. 

güslcB bulg. — gansa oie; gansak jar Vaill. Rumun. giiUslcB. 

112. glad-blcs laevis. 

gladek nsl.; bulg. gladtk u. s. w. — glatko adj. glatt Pott 1. 99. 

113. gledeti spectare. 

hledL'ti, hledim rech. u. s. w. — hUdinel verb. spähen, anschauen, auskundschaften 
Wrat. 9L 120. Aus dem Cech. Dagegen stützt sich g/i'iiderl f. neben spiglos (richtig wol 
spiglos) Spiegel Wrat. 156. auf das Pol. Yci-gleiclie oglcdalo. 

114. gliva.* 

gliva fungus, Struma serb.: daraus magy. gelyva, golyva Eichenschwamm, Kropf. 
Slavische Elemente im Magy. 27. — (jdjva {geVva) f. Kropf Puch. 39. gcdva AVrat. 90. 
Vocabul. geljvdlo (gdvdlo) adj. kropfig I'ucli. 39. Unmittelbar aus th'in Magy. 

Denkschriften ,\cr phil.-hist. Cl. XXI. Bd. -'' 



206 Fean'z Miklosich. 

115. gnoj pus, stcrcus. 

gnoj Eiter, Dünger nsl. biilg. serb. — fjnojos, gnojo Mist Pott 1. 107. fjonnj, Jionoj 
(gonöi, konoi) furnier Sed. Pasp. 120. 247. 290. üpr o gdnejo auf dem Dünger Müller 174: 
dieses stammt unmittelbar aus dem Magy. Slavische Elemente im Alagy. 27: ganaj, 
ganej. Bei den Zigeunern in Asien ist das Wort unbekannt. 

116. godbn'B placens. 

goden nsl. in der mit godij tempus zusammenhangenden Bedeutung maturus; ßecli. 
liodn<' aptus, dignus. ■ — Jiojno (lioino) adj. vortrefflicli, tugendhaft, schön, manierlich, 
anständio-, fleissig Pott 2. 174, 539. Liebich 140. hoyno virtus Narb. o lioino manusch der 
Tuoendhafte Pott 1. 308. Verwandt ist auch gözo decorum: klruss. hozyj; russ. gozij 
pulcher; cech. hesk)^ 

117. golabb columba. 

golöb nsl.; cech. holub; pol. goJab u. s. w. — holubos m. Taube Wrat. 91. Jiolubi 
Pott, Ztschr. 3. 330. gulubu Bess. golubka Müller 164. golumbo m. Bölitl. 20. golumbosb 
Alter 164. kohnnhis Narb. gälambo Müller 182. Slavische Elejnente im Magy. 28. 

118. gol'B nudus. 

gol nsl. u. s. w. — gol nu, chenu, vide; goUsaro je vide Yaill. 

119. gortlcb amarus, im Comparativ gorij peior. 

gorek nsl.-, bulg. gorko weh; serb. gorak und grk u. s. w. — gorko adj. bitter, 
schlecht Wrat. 90. gorko mechant — bei den Zigeunern in Asien unbekannt — Pasp. 246.. 
gorklbe, gorkipe mechancete 127. 247. kirko Böhtl. 19. Mrko neben dem wol falschen dlrko 
Vrat. 123. kirko bitter Liebich 142. kirko amarus Narb. kirki, das Femin. zu kirko, 
bedeutet nach. Böhtl. 262. auth Senf, womit asl. gorjuha und nsl. horsica, horsiCen, eig. 
die bittere, zu vergleichen ist; Pott 2. 109. kennt kerki Branntwein aus Heis.ter; krko 
adj. bitter Puch. 42. krko Wrat. 95. 123. kerko amer Pasp. 283. kerkipe amertume ibid. 
kerko Vocabul. u. s. w. gehen auf grk zurück. Pott 2. 109. 

120. gospo2da domlna. 

gospoja serb. — fliear sina göspoßna efta pirja kolomplrja gestern waren der Haus- 
frau sieben Töpfe Erdäpfel Müller 203. 

121. gostb hospes. 

gost nsl. serb.; bulg. gos aus gost; cech. host. — hostos m. Gast AYrat. 91. 

122. gotov-B paratus. 

o-otov nsl. u. s. w. — Vergl. gata pret; gati preparation Yaill. gatisar prepare 
imperat. 54. 71. / 

123. gov^darL bubulcus. 

govedar bulg. serb. — govcddr m. bouvier Pasp. 45. 249. 

124. grabiti rapere. 

grabiti nsl. serb. u. s. w. — graba häte; grahno dillgent; grabisaro je hate Vaill. 
de grab tot 56. Rumun. 

125. gradi) grando. 

grad'ß Hagel ru.ss. — gradvsi, Alter 83. Pott 1. 104. 

126. grabt faba. 

grab Erbse nsl.; serb. grab Erbse, Fasole; bulg. grab Ei'bse. — grdhos m. pois 
Pasp. 249. graho Mündlich. VergL chrichil Erbse Puch. 70. hrihil Wrat. 91. Pott 2. 167. 
hii-Jnjf pisum Narb. /ii)-il skand. Sundt. 



Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa'S. i. 207 

127. gra2db stabulum, 
grasd 6curie Vaill. 

128. gri^btB imperitus, malus. 

grob nsl.; russ. grubyj. — cjrdbo adj. crassus xVlter 215. 

129. greblja.* 

o-reblja: grebljica rutabulum nsl. — grehla lierse Vaill. Rumun, greblt pecten foe- 

narius. 

130. grelii> peccatum. 

greh nsl.; serb. grijeh; bulg. greh u. s. w. — grecho m. Frevel Wrat. 121. Liebich 138. 
grecos Sünde, Tadel; crejete plur. sins. peeados bei den span. Zigeunern Borr. Pott 1. IG«!; 
2. 144; ebenso bei den skand. grikka Bugge, Beiträge 1. 149. me grecherava ich mühe 
mich, ich trauere Pott 1. 425. Damit vergl. man hinsichtlich der Bedeutung: ,trauern' 
(•ech. po hfichu leider formula dolendi. gresimrdem j'ai fait erreur Vaill. 58. 

131. gr^da trabs. 

greda nsl. serb. — grinde os pubis Vaill. Rumun. grindt trabs. 

132. grobi fovea, sepulcrum. 

grob nsl. bulg. serb.; cech. hrob u. s. w. — hrohos Grab Puch. 53. grob/m t'osse, 
fosse Vaill. Vergl. gotcr Grellmann; kobr tumulus Narb. 

133. gromt tönitru. 

grom nsl. serb. — grummos tonitru Narb. 

134. grosb.* 

gros nsl. serb. u. s. w. Fremdw. 19: magy. garas. — gcrasis m. Grosclien Puch. 39. 
qcrasis für gcrasis Wrat. 90. Unmittelbar aus dem Magy. Pott 1. 52. 

135. groziti minari. 

o-roziti nsl. serb.; cech. hroziti. — hrozhud verb. drohen Wrat. 91. 

136. gruda gleba. 

gruda nsl. u. s. w. — grvdja f. Scholle Vocabul. 

137. grikljant. * 

grkljan serb. — gurkljdnko Schlund Bisch, giiiyankos Schlund Pott 2, 96. Vergl. grttanb. 

138. gr-blo guttur. 

grlo nsl.; bulg. gr-blo guttur; serb. grlo guttur, vox; Cech. hrdlo u. s. w. — krln 
m. Stimme Puch. 42. krlo Wrat. 95. kyrlu guttur Alter 28. kirla gula Narb. k/irld clamoi- 
Alter 55. kurlö m. cou, gorge Pasp. 44. 299. garlu Hals. Aus Süditalien Ascoli 129. kar/o 
throat bei den Zigeunern in England Ilarriot 556. qiierlo neck, throat. pescuezo Borr. 
bei denen in Spanien, gerrlo Gurgel Bisch. Pott 2. 96. Vergl. gurhi riviere und gar/ati 
plongeon Vaill. Iterlü tibia Vaill. 

139. gr-bmeti tonare. 

grmeti nsl.; bulg. gr-bmi es donnert; cech. hrmeti u. s. w. — hcrmlnal (richtig Iieri/i/uci) 
es donnert Pucli. 40. hrmlnd \\'rat. 91. hrmisagos m. Wetter Puch. 40. Imnisagos (richtig 
hrmlsagos) Donnerwetter Wrat. 91. hrmisagos {Y\(A\t\g hrmisagos) 126; /r?<n?</ tonnerre Pasp. 
300. ist bulg. grijmi. 

140. gr'bnil'b fornax. 
Vergl. gornn Heerd Bess. 

141. griitaiib guttur, 

grtanec nsl. — grijano Gurgel Mündlich; gerkanji f. Vocabul. Vergl. grikljaiib. 



208 Franz Miklosich. 

142. guljaka. * 

guljaka Faulenzer russ. — guljäka Bölitl. 7. 

143. gunibno area, horreum. 

giimno nsl.; rech, liumno. — huDina f. Tenne Pucli. 40. plur. Tenne, Sclieuer AYrat. 91. 

144. guSa. '•' 

gusb Unterkinn bulg.; serb. gusa guttur, iugulum, struma. — (jusa {guhscha) Bisch. 
Pott 1. 110; 2. 132. ünriclitig sind wohl guza {guja) goltre; giiji gesier; gujo goltreux 
Yaill. 

145. gvozdt, gvozdij clavus. 

gozdij bulg.-, pol. gwo^di^, gozd^ u. s. w. — gvozdosb clavus Alter 177. gozdzis 
(goschdschis) Pott 1. 106. 

146. gyzdavb*; gyzdavo adv. süperbe. 

gizdav nsl. serb. — gizdavo adj. stolz; gizdavipe m. Stolz Vocabul. Vergl. gisevo adj, 
(vielleicht £üv gizcvo) stolz Wrat. 90. gireso adj. hochmüthig; glveses adv. Wrat. 137. glzevo, 
givezos {glsewo, giiceso) stolz Liebich 137. gistvo cirildo der stolze Vogel, Pfau Wrat. 148, 

147. g-Bdelib. * 

gidel m-h je es kitzelt mich bulg. — ghJao je chatouille Vaill. 

148. hasen. * 

hasen Nutzen nsl.; serb. hasna Nutzen; hasnovit nützlich Fremdw. 20: magy. haszon. 
— hasno adj. tauglich Puch. 40. Wrat. 91, Jiasno ni. Nutzen Vocabul. 

149. hatB,* hutB.* 

chut Appetit ßech. — chuta Puch. 55. 

150. hodbnik^. * 

chodnik Steig, Fusssteig cech. — cliodnikos m. Fusssteig Wrat. ' 84. 

151. holeva.* 

choleva Stiefelschaft pol.; oserb. kholova, im plur. Beinkleider; nserb. chol'ovy. — 
chvlova Hose Puch. 41. cholova, choluha f. Wrat. 84. holav m. Beinkleid Vocabul. and i 
Jtölav in die Hosen Müller 168. cholib Hose; choUbja Hosen Liebich 130. holef breeches 
huno-. Bright LXXXII. holoicai engl. ibid. holaves stockings bei den engl. Zigeunern Har- 
riot 554. cholove (xojiobs) plur. Böhtl. 15. 20. kolUva Strümpfe skand. Sundt. chollob Bisch. 
holoh Jambe de pantalon Yaill. olibias stockings. medias Borr. choleu feminalia Narb, cholo- 
vcngero Hosenmacher Puch, 41, cJiolovengero Wrat. 84, Pott 2, 169, 

152. hotb.* 

choc obgleich pol. — choc {chodsch) obgleich Pott 1. 315. 

153. huliti blasphemare. 

huliti serb.; bulg. huli. — huU diffamation; hulo diffamateur; hulisaro je diffame 

Vaill. 

154. hvala laus. 

falt bulg. — fala ostentation; falailo vaniteux Vaill. Rumun. 51. 

155. hybiti.* 

chybiti fehlen cech. — chihtiul verb, Puch. 67. 

156. iskra scintilla. 

iskra nsl, serb, u, s, w, Slavische Elemente im Magy. 31: szikra. — .s/Ä:ra f. Funke 
Vocabul. Unmittelbar aus dem Magy. 



Über die Mundaktisn und die Wanderungen der Zigeunee Europa'S. i. 20t) 

157. isterjati.-* 

isterjatB aufwenden, vertliun russ. — shrjal verloren Bölitl. 15. 

158. ist'iiba, izba tentoriuin. 

izba nsl. serb. pul. u. s. w. ; cecli. jizba Fremd \\r. 21. — hha eaniera Narb. ii^ha 
Danil. 10(1. isha cbambre Vaül. Stube Tott 2. G5. izma [isma) Gemach Bisch. Liebich 
201. hisp Stube bei den skand. Zigeunern Sundt. Bugge, Beiträge 1. 149. Hieher gehört 
auch das unmittelbar aus dem Magy. entlehnte suba Stube Müller 153. Slavische Elemente 
im Magy. iU. 

159. izbcgü exitus. 

izbeg: izbeg servus fugitivus magy. Slavische Elemente im Magy. 31. — nshek m. 
delaisse, vagabond Pasp. 566. 

160. izvor-b fons. 

izvor bulg. serb. — isvor source Vaill. izvöm Quelle Bess. ßumun. 23. 

161. izt ex. 

iz nsl. serb. u. s. w. — Das Praefix iz-b findet sich in: te ismtes (iiciiiyTHc) austrocknen 
Böhtl. 25. 267. te istasdv (xe HCTaeaB) zerknittern Bohtl. 263, 

162. jad^ venenum. 

jed Cech. — jedos Gift Pucli. 56. 

163. jartki.. * 

-- jarek nsl.; serb. jarak. Slavische Elemente im Magy. 31: drok — arko m. Graben 
Vocabul. 

164. jasli praesepe. 

jasli serb.-, bulg. jesli. — asUa creche, mangeoire Pasp. 42. 145. neben pakhni f. 
ngriech. TZtf-yyirjV, tfarvcov 400. 

165. jas-B. * 

jas splendor serb. StuU. — Vcrgl. jas clarte, eclat; _y«so clair, eclatant Vaill. 

166. jazditi vehi. 

Czditb russ. — te izdlnes (t3 iisflimäc) fahren Böhtl. 262. 

167. jazT,.* 

jaz canalis serb. — jaz etang Vaill. Rumun. 53. jezatitra (e3aT^pa) Damm Bess. 
^'ergl. jczysor cynorü (e3Hm<jp'B iitmop^) Teich Bess. 

168. jedva vix. 

jedva bulg. serb. — eve (ewe) kaum Bisch. Pott 1. 317. 

169. jele nb cervus. 

jelen nsl. serb. cech. u. s. w. — jelenos m. neben dem magy. sarvo, servo Hirsch 
^Vl•at. 136. gehnos AVrat. 90. sarwo, serivo Liebich 159. 210. 

170. jesli aus jestb li num. 

jesli, das man mit je2eli zusammenstellt pul. — esli conj. ob (in Fragen) Wrat. 89, 

171. jeste adhuc. 

esJ^e russ. — esce Böhtl. 15, 

172. jezero lacus, 

jezero nsl. bulg. serb. u. s. w. — sero Alter 99. serös Pott 1. 106; 2. 239, sero See 
Liebich 159. scero Bisch. Der Zusammenhang ist zweifelhaft, da auch Alter se7'o hat, 
nicht zeiv. 



210 TrANZ MlKLOSICH. 

173. jezero. * 

jezero tausend nsl. Fremdw. 22: magy. ezer. — ezero, jezeris neben jesero, isero AVrat. 
92. 159. ezero Müller 172. ezeiH Vocabul. izero (isero, isero) Liebicli 141. ekezeros Grellm, 

174. kabat-B. * 

kabat ßock cech, Slaviscbe Elemente im Magy. 32. — kabdto tunica Pott, Ztschr. 332. 

175. kadt cadus. 

kad nsl. serb. u. s. w. Slaviscke Elemente im Magy. 32 : kdd. — kado Bottich 
Müller IGO. 

176. kahna.* 

kaclma anas, eigentlich Catharina cech.; pol. kachna bedeutet nur Catharina. — 
kahni, gahni f., wofür man kaclini erwartet, Henne AVrat. 136. kahnia plur. Geflügel 132. 
kahni Alter 161. kanjhi Vocabul. kachni u. s. w. Pott 2. 91. kachün Liebich 141. karjno 
poulet, poule Vaill. kakni volaille 67. canl hen. gallina Borr. Gegen diese Zusammen- 
stellung spricht ausser der Verschiedenheit der Bedeutung der Umstand, dass das AVort 
auch bei den türkischen Zigeunern vorkommt: kaghni, ka'ini f. poule Pasp. 257, 

177. kamata. * 

kamata usura serb. kroat. aruss. Fremdw. 23. — homata usure Vaill. ßumun. kanitt-B. 

178. karbacb.* 

korbac nsl. serb.; russ. karbacb Fremdw. 28: magy. korbdes. — korhäco Peitsche 
BiJhtl. 2G2. 

179. katun-B castra. 

katun regio pastoria serb. Fremdw. 25. türk. qutluln habitatio; alb. katunt pagus, 
regio. — katitna f. tente propre aux nomades Pasp. 273. 

180. IvEikolb nigella. 

kokolj nsl. Slavische Elemente im Magy. 32: konkoly. — konknva f. Kornrade 
Vocabul. Unmittelbar aus dem Magy. 

181. kapati lavare. 

k^pa6 pol. — the kompisskirau man lavare se, eig. me lavare Narb. 

182. kepenjek. * 

kepenjek, kepenek nsl.; bulg. kepenek Fremdw. 24: magy. küpenyeg; türk. köpenek, 
alles auf cappa zurückzuführen. — kepenjegos [kepcnegos) m. Mantel Puch. 42. Wrat. 93. 
kejyenjego A^ocabul. Das kurd. kapenek ist wol türk. Pott 2. 100. 

183. kitTj, kitosB cete. 

kit-B. russ. Fremdw. 26. x'^to?. — kltrosi, cetus Alter 198. 

184. kleca.* 

Ideck'B Pflöckchen bulg. Cank. 176. ■ — kleca (Id&cha) f. epine dorsale Pasp. 289. 

185. klepacL. * 

klepac Hammer cech. Slavische Elemente im Magy. 33: kalapacs. — kalapäca Hammer 
Müller 156. Unmittelbar aus dem Magy. 

186. kl est a forceps. 

klesti plur. Zange bulg. Cank. 176. — klasta [kldshfa) f. les grandes pinces des 
forgerons nomades, le ksildri, sildvi ^oXdßtov (bei Müller 156. und Vocabul. süaha\ sulavi, 
silahi) des autres Pasp. 289. kleste pince, pincettes A'aill. Rumun. 25. klacas (clachas) 
scissors span. Bright LXXXV. 



Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Eukopa'S. i. 211 

187. kliiibcb.* 

klinec cuneus cech. Slavisclic Elemente im Magy. 33: különcz, kilincs. — kliuro 
m. Nagel Vocabul. klinci plur. Müller 1G2. 172. U'mcanica f. Nagelzwicker Vocabul. 

188. kljiicb clavis. 

kljue nsl. serb.; biilg. kljue und klie. — klucos (Idntc/ios) m. clef ?asp. 289. klici 
(clic/ti) llave bei den span. Zigeunern Campuz. dicM key. llave Borr.; dagegen klaci (clachi) 
nach Bright LXXXY; kksin bei den engl. Zigeunern ibid.; kineo (Idncho, kineo) bei den 
ungrisclien LXXIX. LXXXV; kidco m. Vocabul. gUc (f/litsch) Schloss; klis)w cadenas 
Yaill. klaco loquet, verrou Vaill. Pott 2. 122. filifschin; erio f/litschm Dietrich Bisch. Die 
ungrischen Zigeuner kennen auch das griccli. klidin f. Schloss, Hängeschloss Vocabul. 

189. kljuse equus, asinus, iumentum. 

kljuse; klisati galoppieren nsl.; serb. kljuse; cech. klus Trab; klusati traben. — klisel 
(kl/ssel) verb. reiten AVrat. 94. klisdo beritten 122. glisdr [rjlisdf) ich reite u. s. w. Pott 2. 
122. klisäwa ich reite Liebich 142. rjUsto ßeiter Bisch. Vergl. kll reiten; klihen Kitt 
skand. Sundt. 

190. kobza.* 

kobza ein musikalisches Instrument klruss. — kobza mandoline Vaill. 81. 

191. kocka.* 

kocka Erdhügel russ. — kocklca demin. Bölitl. 16. 
~" 192. kokosB gallina. 

koko§ nsl. serb.; bulg. kukoslcb. — koska poulailler Vaill. Rumun. 25, 

193. kolebati agitare. 

kolebati, kolibati wiegen cech. — koUhinel verb. wiegen (ein Kind) AVrat. 94. 

194. koli quando indef. 

koli russ. — koli Alter 2Gß. koli? wann? Bühtl. 12. koli — koli bald — bald, bisweilen 17. 

195. koliba, kolibt tugurium. 

koliba, goliba nsl.; bulg. kolibi,; serb. koliba Fi-emdw. 27: xaXoß'/]. — koliba f. 
Hütte Puch. 42. kohjha cabane Pasp. 42. 290. kuliba 49. (jalra hameau Vaill. Rumun. 
kolib-B. 

19ß. kolo rota. 

kolo nsl. serb.; bulg. kololo. — kol cercle, tour, rouleau; kolis en rond, circulaire 
Vaill. 

197. komora. * 

komora nsl. serb. u. s. w. Fremdw. 27. — cvmorra f. luill, chamber. sala Borr. 
Pott 2. 105. 

198. koDiOjka communio. 

komki. bulg. Frcniilw. 28: lat. communicare. — knnka f. communion Pasp. 290. 

199. kopanja mensura quaedam. 

kopanja Trog nsl.; serb. kopanja scutula. — kopdna f. äuge Pasp. 42. 49. 291. 
kdpaxengoro qui fait ou vcnd des auges ibid. kopdni f. Ti'og Vocabul. Das "Wort ist nur 
bei den europäischen Zigeunern und unter diesen nur bei den 8cd. bekannt 121. 

200. kopati fodere. 

kopati nsl. serb. cech. u. s. w. — kopinel verb. graben "NVrat. 134. kdpälinde sie 
haben gegraben Müller 192. Dieses stammt unmittelbar aus dem Magy. Slavische Ele- 
nxente im Magy. 34 : kapäl. 



212 



Fkanz Miklosich. 



201. kopca.* 

kopca fibula nsl.; serb. kopca, kovca u. s. w. Fremd w. 28: ahd. kafsa. — Vergl. 
kocak f. Knopf; kocaköri demin. Puch. 42. Pott 2. 131. kc>tjak Mündlich. 

202. kora cortex. 

kora serb. russ.; bulg. kor:B ii. s. w. — kora neben horka und cilka cortex Alter 135. 

203. korablB navis. 

korablB russ. — korabijo Böhtl. 7. 

204. korenb radix. 

koren nsl. bulg. serb. u. s. w. — korin, korlm f. racine Pasp. 291. 

205. kosa falx. 

kosa nsl. serb.- bulg. kos-B u. s. w. — k6sa neben kösa (kosha) f. Sed. faux Pasp. 121. 
294. kasadji f. Sense Vocabul. kasalinel verb. mälien ibid. Slavisclie Elemente im Magy. 35: 
kasza, kasz4l. köasy Sense Bess. Rumun. koas-L. Die Zigeuner in A sien kennen das Wort 
nicht Pasp. 121. 

206. kosara caula vimlnea. 

koSar nassae genus serb. Slavische Elemente im Magy. 35: kosär corbis. — kosari 
f. Korb Vocabul. 

207. kosb cophinus. 

kos nsl. serb. bulo-. u. s. w. — kosa corbeille Vaill. Rumun. 26. 

208. kosbnica corbis. 

koSnica Bienenkorb serb.; bulg. kosnicB Korb u. s. w. — gocnica (gotsrhniza) und 
gocnica {gotsclmitscha) Korb Bisch. Pott 2. 93. gottschnizza Liebich 138. cornkha f. basket. 
espuerta Barr. Zu kosB gehört auch kösnika {koshnika) f. panier Pasp. 42. 294. La plupart 
des Tchinghianes de la haute Bulgarie se servent constamment de ce mot 294. 

209. kovacB faber. 

kovac nsl. serb. bulg. — kovac (kovafsch) forgeron de lioumariie bei Bat. 201. bn-ak 
forgeron Vaill. Rumun. 25. 

210. kovalB.* 

kowal pol. — kovalus Schmied Pott 1. 106. 

211. kovylb.* 

kovylB Pfriemengras russ. — kovifjo Böhtl. 7. 

212. koza pellis. 

ko2a nsl. serb.; bulg. kozB. — koza (koja) pelure, ecosse, richtig wol cosse Vaill. 
köazy Rinde Bess. Rumun. koa2e. 

213. kozuh-B.* 

kozuh nsl. serb.; bulg. kozjuh. — kozok(kojok) pelisse; kozokero fourreurVaill. Runuin. ku/.ok. 

214. krabijca fiscella. 

Vergl. nsl. krabulja. — khrdhisa (klirdbisha) boite Nom. Pasp. 122, wofür Sed. ladi- 
nica [ladimtcha) ibid. In Asien sind beide Wörter unbekannt, khrdhisa (khrdbisha) ist 
nach Pasp. 274. ,un fort coffre en fer, qui contient leurs ferrailles'. 

215. krajnB extremus. 

krajnij russ. • — krdjnjo adj. Böhtl. 9. 

216. kralB rex. 

kralj nsl. serb.; bulg. kral u. s. w. Fremdw. 29. — krdlos m. König Wrat. 95. krali'^ 
Narb. krdlis m. roi Pasp. 296. krdli Böhtl. 262. crallis m. king. rey Borr. kralis loi-d 



Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Eüropa's. t. '2\'6 

or Chief bei den span. Zigeunern Pott 1. 105. kralis bei den engl. Zigeunern Harriot 550. 
crellis king Bryant. krali, kräh, krajo skand. Sundt. kräh Liebich 199. kraJili Bisch, krd- 
lica f. Königinn Wrat. 95. kralfca f. {kralücha) reine Pasp. 296. cralltsa bei den span. 
Zigeunern queen. rcyna Korr. Pott 1. 123. Unmittelbar aus dem Magy.: Afr«// m. Müller 
190. kiralistero adj. königlich Vocabul. Slawische Elemente im Magy. 36: kiraly koröljii, 
Bess. kralis ist unmittelbar aus dem Griech. entlehnt. 

217. krapi. * 

krap nsl. serb.; pol. karp; russ. karp-B u. s. w. Fremdw. 29: lat. carpio. — karpos 
m. Karpfen Wrat. 139. charpos 84. 

218. krastavica.* 

krastavic^b Gurke bulg. ; serb, krastavica, krastavac. — qrastavica Böhtl, 263. kastra- 
vica {kastravitchd) concombre Pasp. 270. krestavlce Mündlich. Die Frucht wird so genannt 
nach der rauhen Oberfläche. 

219. krasEn-B formosus. 

krasnyj schön, roth russ. — kräsno adj. Böhtl. 9. 

220. krava vacca. 

la-owa pol. — kromma Kuh skand. Sundt.: daneben besteht jedoch auch krämni, 
welches an gurnviu^ gurinmn Pasp. denken lässt. 

221. kr£!,g"B circulus. 

krog nsl.; serb. krug; russ. la'ugi. - — kriigonz neben jangustri orbis Alter 73. Pott 2. 128. 

222. kr^titi torquere. 

ki-^cic pol. — krencikerav (krentschikeraf) drehen Pott 1. 97. 432. 

223. kremenb silex. 

kremen nsl. u. s. w. — kremenja Kiesel Bess. 

224. krepi)k'B validus. 

krepkij russ. — krepko adj. stark Böhtl. 15. 

225. krivbcb.* 

la-ivac, krivi vjetar serb . — krivec bise, vent du nord Vaill. snkrivec beau froid 39. Rumun. 26. 

226. krumple.* 

krumple cech. — krumplici plur. Erdäpfel Pott, Ztschr. 3. 334. Vergl. kölompirja 
plur. Müller 203. kohmpire Mündlich. 

227. krusbka pirum. 

kruska serb. — krüski f. Birne Vocabul. 

228. kryga.* 

kryga Eis russ.-dial. — kryga Belg. 

229. kriidbma potus inebrians, caupona. . 

krßma nsl. serb. öech. u. s. w. — krcma f. "VVirthshaus Puch. 42. Pott 2. 117. kcrcima 
(kerf.schinnna). Liebich 142. köcma f. Müller 155. 201. kocma Pott, Ztschi-. 3. 333. kircima Münd- 
lich, kiceiua (kichcma) alehouse bei den engl. Zigeunern Plarriot 537. kirehimo inn Bryant. 
gertschciuiha Schenke Bisch . cachimani £. brandyshop , tavern. aguardienteria, taberna 
BoiT. krismas taverne, cabaret Vaill., richtig krisma 78. 83. Rumun. 27. 

230. kriBCbmarb.* 

krcmar AVirth nsl. serb.; Cech. krcmä?. — gercomari (gertschomari)] gcrcomarica {ger- 
tsckomarttza) Wirtliinn Bisch. Pott 1. 101. 103; 2. 117. keranaro {kertsrhnaro) Wirth; ker- 
cemarica (kertschmiarizza) AVirthinn Liebich 142. ko&niarosi Müller 155. 

PfnliBchriftfiii .1er iiliil.-hiat. Tl. XXI. Bd. 28 



214 Franz Miklosich. 

231. kr-Bdi,.* 

krd grex serb. — kircl bände, troupe Vaill. Rumun. 26. Vergl. öreda. 

232. krtmiti alere. 

krmiti nsl. serb.; bulg. krünii. — the karmiskirau alere Narb. 

233. krtpa pannus. 

krpa nsl. serb.; bulg. krtp-B Fleck u. s. w. — kirpa f. torchon, chiffon Pasp. 187. 
Urpa, kirpa linge, cMffon; kirpi ravaudage; kirpas raocommodeur, savetler, ravaudeur; 
kirpisaro je ravaude Vaill. Rumun. 27. 

234. kr-bst-B Christus, crux. 

krst baptisma nsl.; krst crux; bulg. krts aus krtst crux u. s. w. Premdw. 30. — kerestos 
na. Klreuz Puch. 42. Christus, Crucifix Wrat. 93. keresto m. Kreuz Vocabul. Unmittelbar 
aus dem Magy. kereszt. Vergl. Slavische Elemente im Magy. 37. 

23.5. kr-Btaca. * 

krtaßa nsl. — kartacis m. Bürste Wrat. 93. 

236. kuhnja. * 

kuhnja nsl. Slavische Elemente im Magy. 37. — könjha Küche Müller 187. Unmit- 
telbar aus dem Magy. 

237. kukurica.* 

kukurica slovak. Slavische Elemente im Magy. 37. — kukurica türkischer Weizen 
Pott, Ztschr. 3. 333. 

238. kula.* 

kule, koule cech. Fremdw. 31. — kulja (kuVa) Kugel Puch. 54. 

239. kulat-B.* 

kulaty ßecli. — kuldto rund Wrat. 95. 

240. kurnjak-B.* 

kurnjak gallinarium serb. — kurnja (hmiia) f. perchoir Pasp. 300. Vergl. ngriech. 

%oupvid.C(o jucher. 

241. kuropatva. * 

kuroptva cech.; pol. kuropatwa; russ. kuropatka u. s. w. — korotva f. Rebhuhn Wrat. 94, 

242. kur'B gallus. 

kur, kura nsl. — kurkos dindon Pasp. 299. kurkan dinde Vaill. ngriech. iioopxac coq 

d'Inde Rumun. kurk'B 27. 

243. kurtva meretrix. 

kurva nsl. serb. u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 97. — na kitrvini ledza, 
serb. na kurvina ledja in dorsum meretricis Müller 202. 

244. kylavB.* 

kilav herniosus nsl. serb. Fremdw. 32. — kilav faible, debile; kilavo affaiblir Vaill. 
Rumun. kilav varus, debilis. 

245. lani anno superiore. 

lani nsl. serb. u. s. w. — Idrii voriges Jahr. Vocabul. lani Müller 204. 

246. lanbcb. * 

lanec Kette nsl. — lancos m. Kette Puch. 43. lancickos demin. Puch. 43. lanci f. 
Vocabul. Vergl. magy. Mncz. Pott 2. 336. 

247. laty.* 

laty russ. — Idtosb neben harmi lorica, thorax Alter 183. 



Über DIE MuKD ARTEN UND DIE Wanderungen DER Zigeuner EuROPA'S. I. 215 

248. lavbka.* 

lavka Bank, Bude russ. — lavka Bude Böhtl. 9. 

249. lag!) nemus, palus. 

lug-b pratum russ. ■ — lugosh Altei' 139. 

250. l^ka palus. 

Daraus rum. lunk'B pratum. — lunka f. Rasen Wrat. 9(1. Wiese, Au, Gras Bisch. 
Pott 2. 337. lunkacjav (lunkatschiaf) mähen ibid. 

251. lebedb cygnus. 

lebed bulg.; russ. lebedb u. s. w. — Uhedy Schwan, ßuniun. lebedt. 

252. ledva.* 

ledva vix cech. — Icdva adv. kaum Puch. 72. Vergl. jedva. 

253. leteti volare. 

leteti cech. — letinel neben ßigevel verb. fliegen Wrat. 130. 

254. lekO) medicina. 

lijek serb. — leak remede Vaill. Eumun. lek 28. 

255. lenoh-b. * 

lenoch cech. — lenochos m. Faulenzer Puch. 67. 

25 (i. lent piger. 

len nsl. u. s. w. — Uno adj. träge, nachlässig Vocabul. 

257. lepi) viscum. 

lepi kleben bulg. — lipi colle Vaill. Rumun. 29. 

258. levbca.* 

lijevca Stemmleiste serb. Slavische Elemente im Magy. 39. — Icoka soutien des roues 
qui Unit l'essieu aux ridelles Vaill. Rumun. leuk-b. 

259. l(jdvija lumbi, dorsum. 

ledja plur. dorsum serb. — na kürvini ledza in dorsum meretricis Müller 202. 

260. lice facies. 

lice nsl. serb.; russ. lico u. s. w. — licosz facies Alter 17. litscho Gesicht skand. Sundt., 
Bugge, Beiträge 1. 149. 

261. lisi. vulpes. 

liska ßech. — liska f. Fuchs Wrat. 96. 

262. livada pratum. 

livada serb.; bulg. livad-B Fremdw. 34: XißdStov. • — lirado, livardö m. prairie Pasp. 

338. Vergl. lavadjd {lavadiu) f. espece d'herbe 332. Das zig. ist unmittelbar aus dem 
griech. entlehnt, wie der Auslaut o zeigt. 

263. Ijubiti amare. 

libiti amare; libiti se placere 6ech. — Das reflexive Uhinol hat dieselbe Bedeutung 
wie im cech.: mri rdni pes mange oie libinel mein W^eib gefällt mir nicht Wrat. 71. 

264. Ijuby amor; Ijuby dejati scortari, adulterum esse. 

Ijubav amor nsl. serb. u. s. w. — Vergl. lubni f. Hure Puch. 43. Inbni, lumni Hure 
Müller 189. luhnjöre demin. 200. lubnia plur. In Süditalien Ascoli 138. Inbni, lumni, nubli, 
ruhli f. prostitu6e Pasp. 342. lubmi (jivbhh) Böhtl. 267. Mmi f. feile Dirne Vocabul. lubni 
skand. Sundt. ■lohvi meretrix; hbar prostibulator Narb. luhlin Bisch. Pott 2. 334. Ascoli 
56. liMhäro wollüstig Müller 199. hbmkdnu m. Hurenjäger Vocabul.; ludni whore bei 
den engl. Zigeunern Harriot 557. lub lubricite, d6sir, luxure; lubas lubrique, luxurieux; 

•28* 



216 Franz Miklosich. 

hibpana adultere Valll. lumi, limnia, lumiaca f. harlot. ramera Borr. lubekirdaspes ehebrechen ■ 
Danil. 109. jov lubjirdjas pes er hat sich verhurt Pott 1. 441. Die Zusammenstellung 
macht das Suffix ni zweifelhaft: man beachte lubeioäwa treibe Unzucht Liebich 144. 
Luhni ist den Zigeunern in Asien unbekannt: in der Türkei gebrauchen es sowol die 
Sed. als auch die Nom. Pasp. 122. 

26.5. ljut'5 acerbus: o Ijute vam-B! vae vobis! 

lito: lito mi ho er dauert mich; lititi se impers. für lito \>fi\ cech. — Uto adv. leid 
Wrat. 96.. litind verb. bedauern ibid. 

266. loksa.* 

loksa laganum slovak.; klruss. Joksyna eine Art Maccaroni. Slavische Elemente im 
Magy. 39. — loldi Nudeln Puch. 43. m. Wrat. 96. Pott 2. 329. 

267. lopata pala. 

lopatt bulg. — lopat pelle Vaill. Eumun. 28. 

268. loza palmes. 

lozi. vitis bulg. — loz bourgeon, surgeon Vaill. Rumun. 28. 

269. lo^e lectus. 

loXe Bett, Ehebett; dobrego Jo2a dzieci Kinder ehelicher Geburt pol. — lodzjevava 
(lotschjevava) ich werde geboren; lodzjemen (lodschjemen) natus puer; lodzevava (lotschevava) 
ich gebäre Pott 1. 429; 2. 332. focowe (.aoiOBä) Niederkunft Böhtl. 267. -/bae parere Narb. 

270. lula.* 

lula serb.; auch in Podolien bekannt. — Ijuljava Pfeife zum Rauchen Mündlich. 

Ijidjäoä Bess. 

271. luna luna. 

luna Feuerschein pol. — lana radius Alter 78. Pott 2. 336. 

272. lyko..* 

lyko cech.; pol. Jyko Bast u. s. w. — lika (likka) Bast, Borke Pott 2. 329. 

273. lyto* lyta.* 

l^tko, lejtko gech. — ; lejtkos {leitkos) m. Wade AVrat. 96. 

274. Ibgtk'B levis. 

lek bulg.; serb. lak; nsl. lehek u. s. w. — loko adj. leicht Puch. 43. loko adj. lang- 
sam Vocabul. lokuro adj. recht langsam ibid. hko levis Narb. lokö, lotö Alter 214. loko 
leger Pasp. 339. lokeder comparat. ibid. lokes adv. Pott 1. 212. leicht, gelassen, still 
Wrat. 96. 1.57. lökes Liebich 144. polokes adv. langsam Puch. 71. Wrat. 46. 105. durch 
Umstellung pököUs allmälig, still Liebich 152. loköre adv. langsam Müller 159. 169. po 
loköros ganz sachte Puch. 46. loko peu, doucement; lokoro un peu, tout doucement Vaill. 
loki-i. der leichte Gulden Wrat. 96. lökin Bisch. Pott 1. 52. lokke Thaler skand. Sundt. 
lakö levis Alter 214. Pott 2. 328. lotchö leicht Belg. Es ist wohl unrichtig, das Wort mit 
aind. laghu in unmittelbaren Zusammenhang zu bringen. 

275. Ibneni. lineus. 

Ibnjani, russ.; klruss. l'Aanka leinenes Kleid. — Ijdnjka Kaftan Belg. 

276. li.stbn'B facilis. 

.lesen bulg.; serb. lastan. — lesno adj. wolfeil Vocabul. 

277. macuga.* 

maöuga fustis serb.; pol. maczuga Fremdw. 35. — macuka massue Vaill. Rumun. 

mtöulcB. 



Über die Münd arten und die Wanderungen der Zioeunkr Europa-s. i. -^l ' 

278. macbka.* 

maSka nsl. serb. Über den Ursprung des Wortes siebe Slaviscbe Elemente im Magy. 40. 
— macka f. Katze Pucb. 43. catus Alter 155. Vocabul. mdtchka Sed. I'asp. 122. 351). 
madschka Liebicb 214. matschka Biscb. machico, machican m. cat. gato i5orj-ow. macikö, 
macikauß, macikai f. {machico, machicani, machicai) bei den span. Zigeunern Campuz. machka, 
matschkai bei den engl. Harriot 543. Brigbt LXXXIII. matchian Bryant. macköri demin. 
Pucb. 43. mackäkero adj. ibid. maschkan skand. Sundt. Vergl. mürcka f. {iiinrtchka) cbatte 
Pasp. 42. 375, was eine blosse Entstellung von maßka zu sein scheint: nmrcka (nmrzka) 
bietet aucb Liebicb 147. Pott 2. 438. 3£j/ca (Mblija) Katze Böbtl. 2GG. muca Mündlich. 
mi/ca Belg. Bess. ist rumun. m-BC-B , hängt daher mit maßka zusammen, macka ist in 
der Türkei nur den sesshaften Zigeunern bekannt. 

279. majka. * 

majka serb. bulg. — nianka nourrice Vaill. 

280. majmun-b.* 

majmun Affe serb. u. s. w. Fremdw. 35. — Vergl. momica Bess. 

281. mak-b papaver. 

mak nsl. serb. bulg. u. s. w. — mäko m. Mohn Wrat. 96. mako Bisch. Vocabul. Pott 1. 107 ; 
2. 434. Ztschr. 3. 327. mäko Müller 189. mako hat bei Vaill. die Bedeutung sureau. 

282. maslica oliva. 

maslin^B bulg. — maklica {maklitcha) f. olive Pasp. 345 : k für s kann ich allerdings . 
nicht erklären, da sonst sl nicht gemieden wird. 

283. matka.* 

Vergl. serb. matica apum regina, medius alveus fluminis. — matka reine d'abeilles, 
lit de riviere Vaill. Eumun. 29. 

284. madrt sapiens. 

m'bd'Brmodestus, sapiens bulg. — »ia^drofierVaill. Rumun. mindru artig, reinlich, stolz 31. 
Den Übergang von der asl. Bedeutung zu der Bedeutung : stolz vermittelt : der sich weise dünkt. 

285. maka cruciatus. 

muka Labor serb. Slayische Elemente im Magy. 40. — muuka Werk work Bright XC. 
Unmittelbar aus dem Magy. 
28G. medvedb ursus. 
nedvgd cech. — nedvjedos {nedvSdos) m. Bär Puch. G3. medvo m. Vocabul. Aus dem Magy. 

287. metla.* 

metla Besen nsl. serb.; bulg. metlt u. s. w. — metla f. balai Sed. Pasp. 122. 363. 
Nur bei den sesshaften Zigeunern in Gebrauch. 

288. mezda terminus. 

meMin-b intervallum bulg.; russ. meXa. — mlza Alter 167. 

289. medb aes. 

med nsl.; bulg. med; cech. med u. s. w. — mjedos [müdos) m. vijeda {nieda) f. Kupfer 
Wrat. 98. 142. Dasselbe Metall heisst sonst charkom, hartas aus grieeh. y.d/.xwjj.a, xaXxtdc 
Pott 1. 168. harkiim Kupfer Mündlich; galbeno harkmi ist gelbes Kupfer, Messing Mündlich. 

290. merica.* 

merica, merca nsl.; cech. mefice Motzen. — merica (inGritscha) Achtel (Maass) Bisch. 
Scheffel; merica {inericha) bushol. fanega bei den span. Zigeunern Borrow. Pott 2. 452. 
merica (meritscha)^ mericka {jnerizzka) Scheffel Liebich 146. 



218 Franz Miklosich. 

291. mesalt.* 

mesal essuie-main bulg. — mesäli f. essuie-main Pasp. 362. i niesel la table Vaill. 
70. 74. mesalin (messalin) f. Tischtuch Wrat. 160. meselin {messelin) 98. meselin (messelin) 
Tischtuch Liebich 146. mesali Tisch Mündlich, mensdlle, ahnensälle table, mesa Borrow. 
Pott 2. 448. pala i mese apres le diner Vaill. 72. Vergl. alb. mesdle Tischtuch, Gastmahl. 
Albanische Forschungen 2. 41. Das romanische Wort ist durch die Albanier oder die 
Rumunen in das bulg. gerathen: von wem es die Zigeuner entlehnt haben, muss dahin 
gestellt bleiben. Vergl. misali, mischelli table bei den engl. Zigeunern Harriot 556. 
Bright LXXXIV. missali table Bryant 392. 

292. mesina. * 

mje§ina pellis serb. — mesiii cuire bei den asiatischen Zigeunern, während die euro- 
päischen itiortf haben Pasp. 123. Das einzige slavische Wort, das nach Asien gedrungen: 
vermittelt wurde es durch die Griechen: [xsaivt peau de mouton. Slavische Elemente im 
Neugriech. 21. 

293. m?ßi,.* 

mißek Ball demin. gech.; russ. mjac-B. — Vergl. macik f. Knödel Puch. 43. Pott 2. 437. 

294. m^sbnica. * 

masnice cech. — masnica f. Fleischbank Vocabul. 

295. milovati misereri. 

milüi sirmadevi! misericorde! Vaill. 59. Der Zusammenhang mit milovati, miluj^ 
ist unzweifelhaft, die grammatische Qualität des Ausdruckes jedoch mir dunkel. 

296. misirbka.* 

misirlcB f. dinde, eigentlich aus Ägypten stammend bulg.-, ngriech. [xiatptotWT]. — 
misirka f. dinde Pasp. 365. 

297. mladi. teuer. 

mlad iuvenis serb. bulg. u. s. w. — mlado niais, imböcUle Vaill. 

298. mlat'B malleus. 

miot, mJotek, gen. mfotka pol. — mlotko Hammer Pott 2. 248. 

299. mlin-b.* 

mlin nsl. serb. u. s. w. — mliuo m. Mühle; mlinoskero m. Müller Vocabul. 

300. ml-bnij fulgur, fulmen. 

molnija Blitz russ. — malnosh fulgur Alter 84. Pott 2. 456. malunö m. lightning. rehim- 
pago Borrow. 

301. moßiti madefacere. 

moCilo locus fluminis ad macerandum linum serb. — gerav mocio {gerraf motschia) 
gerben Bisch. Pott 2. 113: eigentlich vielleicht facio xö moöilo. 

302. moctka.* 

moöka Saft cecli. — mocka f. Tabaksaft Vocabul. modscha für moca Tabaksaft mit 
Tabakasche Liebich. 

303. mogyla tumulus. 

mogil-b coUis bulg. — Vergl. inogur mamelon Vaill. 

304. moliti precari. 

moliti nsl. serb. u. s. w. — molinel verb. beten Vocabul. molinav bitten Müller 119. 
som molina we pray-, dievla molina to pray god hung. Bright LXXXIX. te molisares e raySs 
que tu pries le magnat Pasp. 54. 454. 



Übee die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's. i, 219 

305. more.* 

more und bre aus mre eine Anrede, etwa he du! serb. — more mein Lieber Puch. 65. 
Pott 1. 47: Bruder, Camerad Puch. 44. Wrat. 98. 124. Dieses auf der ganzen Haemus- 
halbinsel verbreitete Wort ist vielleicht ursprünglich zig., mit dem pronomen possessi- 
vum der prima sing, zusammenhangend, etwa: du mein Lieber! 

306. morje mare. 

more bulo-. serb.; cech. mo?e-, pol. morze. — mörosb neben baro panb mare Alter 91). 
geljas {qel'as) pro moros er gieng auf das Meer Puch. 54. Daneben mdra f. Pasp. 42. 353. 
AVrat. 97. indrja Bess. Vergl. Ascoli 11, der bei mara eher an ital. mare deidcen 
möchte. 

307. moskva.* 

moskva Moskau russ. — mosk6t\ moskövis m. Russe Pasp. 368. 

308. most'b pons. 

most-B Brücke; mostitb pflastern russ. — mostosh pavimentum Alter 194. mosto Böhtl. 7. 
most Fussboden Bisch. 

309. mo2etb potest. 

mo2e vielleicht pol. — modze (modsche) vielleicht Pott 2. 439. 

BUK mraz^s frigus, glacies. 

mraz nsl. serb.; cech. mrdz. — mrazos, ')urazo {nirasos, mraso) Frost Pott 1. 107. mrazola 
(mrasohla) 1. 428. morazo (inohraso) Eis Bisch, u. s. w. moräza (moräsa) Eiszacke Bisch. 
Pott 2. 453. morezo [moreso) Eiszapfen; umräzo [umräso) Eis Liebich 147. 192; bei den 
skand. Zigeunern h^aza frieren wie ßech. brabenec für mravenec Bugge, Beiträge 1. 149. 
Sundt. me mraz^ijorn (m9 MpasHÖM) ich bin erfroren Böhtl. 16. 

311. mr'Bcina cadaver. 

mrcina nsl. serb. — Vergl. moi^tzin, mortln Leder Liebich; mortschin Balg, Fell Bisch. 
gerraf mortschinas tele abbalgen Bisch, o niortid les peaux Pasp. 40. Das Wort ist arme- 
nisch : morki Haut Bess. imd mm^ci Rinde Belg. mürdi la peaii Vaill. 

312. mri^ha.* 

mrha Vieh nsl., daraus magy. marha Vieh, Waare. Slavische Elemente im Magy. 41, 
— marlia f. Waare, Ding Puch. 44. Pott 2. 451. Vocabul. 

313. musiti.* 

musiti müssen ßech. Aus dem Deutschen. Fremdw. 40. — musinav ich muss Puch. 31. 

314. mysliti cogitare. 

mysliti Cech. — misUnel verb. denken Puch. 66. 

315. myss mus. 

mi§ f. nsl.; serb. mig m.; bulg. miskü f. — misa f. Maus Puch. 62. 69. misdsi, 
Alter 156. wohl statt inisos Pott 2. 458. miäica (mischizza) Mäusinn 1. 101. Vergl. nrnssö 
Sed. nmshk Asiat, Pasp. 122. niushö rat 44. nmssö, mussös. mn-shö m. souris 375. misdkos, 
musdkos {jnishdkos, mmhdkos) Nom. 122. 365. 

316. mTjhi, muscus. 

meh nsl.; cech. mech u. s. w. — mechos Moos Puch. 55. 

317. m'bSel'B turpis quacstus. 

Nur asl. nachweisbar. — selao je trompe Vaill. Rumun. 'BnSel fraudare. 

318. na ecce: na ti dari mnozi Vita S. Methodii 5. 

na nsl. serb. u. s. w. rumun. na. — na da hast du Puch. 44. 



220 Feanz Miklosich. 

319. nae^lbiiikt princeps. 
naßalBnik'B russ. — necälniku Bess. 

320. nadeXda spes. 

nadeXbt bulg. — nedezde, mdezde {nedejde, nedejde) esp6rance Vaill. 60. 61. nadez- 
djdü ich hoffe Bess. 

321. naduha.* 

nadiha nsl. Slavische Elemente im Magy. 42 : ndtha Schnupfen. — Vergl. nedus trans- 
spiration; sam nedüs'lo je suis en transpiration Vaill. 53, vielleicht nedusalo. 

322. naj: naj vQste plurimum. 

naj nsl. serb. u. s. w. — naj sildledcr der kälteste; iiaj feder der beste Puch. 12. 
Pott 1. 208. naj bäreder adj. der grösste; iiej (d. i. naj) hareder adv. Wrat. 100. Die 
rumunischen Zigeuner verwenden statt naj das rumun. maj: maj baro plus grand; maj 
loko moins Vaill. 38. 39; die ungrischen neben naj das magy. leg: leg i^hdreder, leg sud- 
reder neben naj phäreder, naj sudreder Bornem. 102. 

323. narod^s genus. 

ndrod Volk, Nation gech. — ndrodos m. Freund Puch. 44. 99. ndrody Freunde 66. 
narodoskeri Freundinn 61. narodoskeri 62. närodoskina 44. Eigentlich etwa popularis 
Pott 2. 323. 

324. navStiviti invisere cech. 

Nur ßech. vorhanden. — nastivinel verb. besuchen Wrat. 122. 

325. nebo caelum. 

nebo nsl. serb. u. s. w. — nebos m. Himmel, Wolke Wrat. 100. o nsbo Müller 201. 
nebo m. Wolke, Himmel Vocabul. pe nebo Pott 2. 318. njebos (niebos) Wrat. 136. Das 
letztere wol aus dem Poln. 

326. nego: ne2e quam. 

nego serb. — neg: man ehi feder odoj neg adaj mir ist lieber dort als 
hier Pott 1. 209. Alan merke, dass zig. die Negationspartikel na allein für quam 
steht: fedidir daf palal, na andry dosch te vaf wörtlich: besser ich gehe nach, nicht 
(als) dass ich zu Schaden komme, ibid. Vergl. die Negation in den slavischen 
Sprachen 11. 

327. nehaj.* 

neka serb., eigentlich sine. — hod vie nek avav dass ich komme (serb. neka dodjem) 
Müller 184. nek sentelin weihe 183. nek lasse Vocabul. 

328. neprijatelt inimicus. 

nepfitel cech. — nepritelos m. Feind Wrat. 100. 

329. nev§ra.* 

nevjera, nevera perfida serb. — weiJe/'a Untreue Müller 202. nevero moja ganz serb. ibid. 

330. nevinbuTj innocens. 

nevinen öech. — nevino adj. unschuldig Wrat. 100. 

331. nemi> mutus. 

nem nsl.; nijem serb. — ne-niavo adj. stumm Vocabul. 

332. nembcb germanus. 

nemec öech. — njemcos (niemcos) Deutscher Wrat. 100. njamco Mündlich, nimcko, 
niinsko, nlnco adj. deutsch Vocabul. 



Übee die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa'S. i. ■ 221 

333. nißBto nihil. 

nista niSto serb.; bulg. niSto. — nista nichts Müller IßO. 204. nista, ninMa, nist Vocabul. 
nüt (nisht) Ascoli 148. vergl. niskn rien Vaill. 39. 

334. nilcBto nemo. 

niko serb. — niko Niemand Müller 158. 193. Vocabul. 

33.5. nogütb ungtiis. 

nogotb russ. — nogti neben nai Alter 38. 

336. novina novale. 

noviny ßeeli. — novinos m. Zeitung Wrat. 100. 

337. nozdrb nares. 

nozdrja russ. — nozdrosz nares Alter 19. 

338. obed-B prandium. 

obed nsl.; serb. objed u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 43: ebed. — o ebedo 
M^hl Müller 187. 

339. oblok-B.* 

oblok nsl. serb. slovak. Slavische Elemente im Magy. 43: ablak. — hloko window 
hung. Bright LXXXIV. hloki f. Vocabul. and i blök! in das Fenster Müller 179. iiz i 
blökt 18(j. blököri demin. 185. 

340. obrazt forma. 

obraz Cech. — vobrazos m. Bild Wrat. 116. vobrdzos 123. 

341. obuvalo.* 

obuvati asl. serb. u. s. w. — obiale linge de pieds Vaill. 

342. o\>'h Praefix und Praepos. 

ob-B russ. u. s. w. — obrödi/ gerichtliche Untersuchung obbick-b: vergl. te rodes (t3 
po^äc) untersuchen Böhtl. 267. truliit obdzau circumvehi Narb. te obkeres (la OBKapac) anzei- 
gen Böhtl. 262. 

343. ocvirblcB. * 

ocvirki plui-. nsl. — ch'ki f. zerlassener Speck Vocabul. 

344. odejalo araictus. 

ogjalc (pgiale, oghiale) couverture Vaill. 

345. odrt lectus. 

odri plur. Gerüst; serb. odar Bettgestell, Bett; bulg. od'Br Bett; cech. odr, vodr 
Pfahl, Gestell, Gerüst. — o vödro Bett Mtdler 164. {n)ndr Bett. Aus Süditalien Ascoli 
131. 139. radra f Bett Vocabul. vodros lectus u. s. w. Pott 1. 105; 2. 78. ■•■ndros, vadras, 
badras, bei den engl. Zigeunern Bright LXXXV. Harriot 538. 542. voodrous bed Bryant. 
t'odror für vodros hung. ibid. 

346. ogl^dalo. * 

ogledalo bulg. serb. — gledälo neben dikliardö m. verre, miroir Pasp. 120. 245. 
glcdaln m. Spiegel Vocabul. gledelo ibid. 

347. okno fenestra. 

okno, vokno ßech. — vochni f. Fenster Wrat. 130. Pott 2. 77. icoc/ini, icochnin Liebich 
167. 196. irochnin Bisch, angal e vochnosi vor die Fensterchen Wrat.-Märch. 87. 

348. okovB.* 

okov situla gech. Slavische Elemente im Magy. 43: ak6, ak6s. — trianda dkösne 
dreissig Eimer Müller 176. Unmittelbar aus dem Magy. 

Denkschriften der phiL-hist. Cl. XXI. Bd. 29 



222 



Fkanz Miklosich. 



I 



349. olej oleum. 

olej Sech. — olejis Öhl Puch. 79. olaji f. Vocabul. 

350. olovina sicera von ol'B, gen. olu. 

oloA;dna Traber russ.-dial.; runi. olovint, oltvinx Bier. — lovina f. Bier Pucli. 43. 
Vocabul. Liebicb. Bisch, lovino eine Art Bier Bölitl. 26. lovinka f. demin. Puch. 43. lovines- 
kero m. Brauer ibid. Pott 2. 335. hwina cerevisia Narb., der es für lit. hält; lovinengero 
Brauer Vocabul. levina beer; levenangro brewer bei den engl. Zigeunern Harriot 539. 
540. lavanah beer Bryant. livi biere Vaill. Rumun. 33. 

351. ol^btarB altare. 

oltar nsl. serb. bulg. u. s. w. Fremdw. 42. — valduri (loalduri) Altar Pott 1. 106; 
2. 82. 

352. omett.* 

ßumun. orsrhi 33. — omet neige Vaill. 

353. opad: opasti.* 

opad: opasti nsl. Slavische Elemente im Magy. 43: apad. — apadinel verb. einsinken 
Vocabul. 

354. opekuni.. * 

opiekun pol. — opiekunos curator Narb. 116. 

355. opova^iti.*' 

opovilziti se sich erkühnen cech. — opovazinel verb. wagen Wrat. 100. 

356. oroslant.* 

oroslanj nsl. Fremdw. 43: magy. oroszlän. — öroslänji Löwe Müller 193. orosldno 
m. Vocabul. oroslana (oroschlana) Bisch. Danil. 104. ' 

357. oslaviti.* 

oslaviti berühmt machen gech. — oslavinel Puch. 54. 

358. ostrt acutus. 

ostr^-^ cech. — ostros m. Schärfe Wrat. 100. 

359. osbli. asinus. 

osel ßech. — oslos Pott 1. 284. Wrat. 89. hat dafür eslos. 

360. ot-B ab Praefix und Praepos. 

od serb.; russ. ot'B u. s. w. — te otkeres (t9 OTKap'ac) umkehren Böhtl. 262. te otkhes 
(t3 OTKxac) abfüttern 263. otkienieivawa requiescere Narb. 

361. ottd-bhn^ti, otidyhati respirare. 

odehnoti, odihati nsl. — Vergl. odiisas hanri re-pose-toi un peu; ti odiisas reposons- 
nous; ti jas odisa:ivas allons nous reposer Vaill. 66. 83. 87. Rumun. odihnesk quietem 
tribuo; mt odihnesk quiesco. 

362. pa^ki. aranea. 

pavok, pajok nsl. Slavische Elemente im Magy. 44: pank, p6k. — piöko m. Spinne 
Vocabul. Aus dem Magy. 

363. pahati.* 

pachatb pflügen russ. — paoÄisHrcfzi arare Alter 239. Pott 1. 439. 

364. palbCb pollex. 

palecB Finger russ. — pälcosz neben kucüo, gudco, gusto digitus Alter 36. palso {pall- 
scho) Daumen, Zehe Bisch, j^^l^o (paltscho) Zehe Bisch, palco pouce Vaill. 



I 



Übee die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa-s. i, ■^^^ 

365. para vapor. 

para nsl. serb.; biilg. part; russ, par^B. — parosb vapor Alter 111. 

366. pastyrb pastor. 

pastir nsl. serb. Slavisclie Elemente im Magy. 44: päsztor. — ^Xi^itor/; /»a.sfo?-/s/c' sing, 
dat. Müller 175. 

367. paun'b pavo. 

paun bulg. scrb. — patm paon Vaill. Rumun. p'Bun 35. 

368. pap'B umbilicus. 

pupak serb. u. s. w. — pujjo m. Nabel Müller 195. j^^^i'Po Vocabul. pupa f. ibid. 

369. pecatb sigillum. 

pecat nsl. serb. u. s. w. Slavisclie Elemente im Magy. 45: pecset. — peceto m. Siegel; 
pecetelinel verb. siegeln Vocabul. 

370. peharb.* 

pebar poculum nsl. ki-oat. u. s. w. Fremdw. 45 : ahd. pehliar. — hechari verre Kog. 46. 

371. pekarb pistor. 

pekaf cecli. — pekaris m. Bäcker Wrat. 121. 

372. pelena fascia. 

pl6na, * woraus plenica. — plana f. bände, sangle Pasp. 440. 

373. pero penna. 

pero nsL; cech. pero; pol. pioro. — e pora die Federn Pott 1. 284. pur Feder Lie- 
bich 152. pm- Mündlich, pon, Jon Alter 158. pora pluma Narb. pon Bess. Die Zusam- 
menstelhmg mit dem pol. pioro wird durch den Umstand beseitigt, dass das Wort bei 
den ungrischen und den englischen Zigeunern vorkommt: por pen, feather Bright 
LXXXIV. 

374. perfaCb.* 

perecb Pfeffer russ. — perco (nepijo) Bühtl. 15. 

375. perbnica. "'^ 

pernica culcita aus Gundulic Stulli serb. — pernica f. Bett Puch. 45. Wrat. 103. 
Federbett Wrat. 129. Polster 149. pernica, pernica [pernizza, pernüscha) Federbett Liebich 
151. pernijca pulvinus Narb. pyrnyca Kissen, Bettzeug ßöhtl. 22. 265. pernica [pernitscha) 
Kissen Pott 2. 357. pernici Federdecke Müller 167. pernici f. Vocabul. 

376. pe§tb fornax. 

pe6 serb. — petja Ofen Müller 154. petja f. Vocabul. 

377. pena spuma. 

pena nsl.; serb. pjena; bulg. pen'b u. s. w. — pena Welle Puch. 45. Pott 1. 110; 
2. 362. Die Verschiedenheit der Bedeutung macht die Zusammenstellung zweifelhaft. 

378. pt'sajkoj sabulum. 

piasek pol. — pjasko [piasko) Sand Pott 2. 89. 

379. pe§b adj. pedes. 

pe§ adv. nsl. bulg.; serb. pje§e adv.; cech. pes. — peso adj. zu Fuss Puch. 45. adv. 
Wrat. 103. 131. Wrat.-Märcli. 86. 

380. p^ta calx. 

pata cecli. — pafuna f. Ferse Puch. 45. pata, patuna f. Fusssohle Wrat. 131. pata f. 
Ferse Vocabul. Hier liegt vielleicht ein L-rthum vor: patuna ist ngr. ratoOva Fusssohle 
Pott 2. 348. Ferse heisst nach Liebich 143. kur nach Pasp. 285. kfur, kur u. s. 



w. 

•29* 



224 



Franz Miklosich. 



381. pihati.* 

pihati* kann als Iterativum von pth aufgefasst werden, von dem pbsenica triticum 
abgeleitet wird. Man kann demnacli geneigt sein pichälo m. Mühle Wrat. 104. und i^isalo 
Puck. 46. pisillo Wrat. 105. pisaleskero m. Müller Puch. 46. von jenem pihati* abzuleiten: 
da jedoch der Zigeuner, seltene Fälle abgerechnet, nur fertige Worte aufnimmt, so ist es 
zweifelhaft, ob 2)ichdlo mit pihati zusammenhängt. Pott 2. 366. Vergl. aind, pis zer- 
quetschen, zerstampfen, mahlen, malmen Fick 124. mit pisdva {pishdva) moudre Pasp. 84. 
pisdao j'ecrase, je broie; ^j/sAa< sable, poussiere Vaill. 

382. pijavica hirudo. 

pijavica nsl. serb.-, bulg. pijevict u. s. w. — pivavica (j^ivavitscha) f. sangsue Pasp. 
42. 439. i pivitzka Pott 1. 102. 

383. pilina.* 

piliny plur. ßech. — piUnos m. Sägespäne Wrat. 104. 

384. pipa.* 

pipa nsl. u. s. w. — ^j?^a Pfeife Vocabul. Magy. pipa. 

385. pivbnica cella vinaria. 

pivnica nsl. u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 76: pincze. — pinca Keller Müller 
176. 188. Vocabul. Aus dem Magy. 

386. plastb pallium. 

plast serb. — plaMa (plahschta) Weibermantel Bisch. Pott 2. 368. plaschda Mantel 
Bisch. blascMa für plasia Mantel Liebich 128. pelashta cloak, plasia mantle bei den engl. 
Zigeunern Harriot 543. Bright LXXXII. Nergl. 'plachia Betttuch Bisch, blachda i\\v plachia 
jedes grosse Tuch ibid. und p)lasto m. Leinwand. Vocabul. Pott 2. 367. 

387. platiti solvere. 

platiti serb.; bulg. plati u. s. w. — pfasUrawa solvere Narb., vielleicht iWv piaci- 
skirawa. 

388. plaviti facere ut fluat, natet. 

plaviti schwemmen; plaviti se schiffen cech. — plavinel verb. schwimmen Puch. 75. 
Wrat. 155. neben plimevel Wrat. 155. aus dem griech. Pott 2. 361. 

389. plavb navis. 

plav linter serb. — Vergl. plava radeau Vaill. 

390. plem§. 

plemja Geschlecht russ. u. s. w. — plemjo BöhtL 7. 

391. plugT>.* 

plug nsl. serb. u. s. w. — plucjo Pflug Bisch, plügu, sdsiri plugösku Pflugeisen Bess. 

392. pluta.* 

plut, pluto, pluta Kork, eig. das Schwimmende; plutati schwimmen serb. — pluta 
radeau; plutao je flotte; pluiim flotte Vaill. 

393. po Adverb, Praeposition und Praefix. 

po mit dem Positiv drückt namentlich im bulg. den Comparativ aus: po bogat ditior; 
po wird auch mit dem Comparativ verbunden, in welchem Falle der Comparativ 
zweimal ausgedrückt erscheint. Demselben Zwecke dient po in der Sprache der 
Zigeuner: po lacö (latchö) meilleur Pasp. 66. 440. ^jo angle plus en avant Pasp. 137. po 
kalö schwärzer adj.; po kales adv.; jm kaloder schwärzer Ascoli 100. o po laceder 
(latcheder) optimus Pasp. 66. Mit den Cardinalia verbunden drückt po die Distribution 



225 

ÜBEE DIE Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Eueopa'S. i. 

aus: po pansch Pott 1. 227. Als Praefix tritt jx> auf in j^obisteraf ich. vergesse Pott 1. 435: 
histermca^ hisseräica ich vergesse Liebicli 128. pohisterda perf. Müller 202. pobisterel 
Vocabul. hlstrdva Pasp. 181. bistriom j'oublie VailL; pi^^xi gib Alter 244. 

394. podkova.* 

podkova nsl. Slavische Elemente im Magy. 47: patkö. — pdtkoUnel beschlagen 
Müller 156. patkovinel Wrat.-Märch. 91. Unmittelbar aus dem Magy. patola f. Hufeisen 
Vocabul. ist jedoch griech. TzizaXo^. 

395. podrum^B. * 

podrum cella vinaria serb. Fremdw. 46. — kirchimo podrum inn Bryant. 

396. podvorije.* 

podvorbe russ. — podvüra aula, cors Alter 170. 

397. pod'b tabulatum. 

pod nsl. Slavische Elemente im Magy. 47: päd. — pod m. Hausboden Vocabul. pod 
pont Vaill. Rumun. pod 37. pödib po paj Brücke Bess. Vergl. preopod?is second story of 
a house bei den engl. Zigeunern Harriot 555. Pott 1. 105. 

398. pokoint quietis. 

pokojny ruhig, friedlich cech. — pokono adj. ruhig, friedfertig Wrat. 131. 151. 157. 
pokono adv. 105. pjokoni f. Friede 131. p)okonopen m. Stille 151. 157. phokinjovel, j^hokina- 
vel verb. ruhen 151. pliokinarel ausruhen 120. peske pchoklnjon sobe odpociiite Puch. 68. 
pokojno (^pukoino) zufrieden Pott 1. 191. pökönö still, ruhig Liebich 152. 

399. pol je Campus. 

pole ßech. — andro poly in die Felder Puch. 75. p>al o poly in Feldern 73. 

400. pomen'B memoria. 

pomen'B bulg. — pomdna Opfer Bess. Rumun. pomSnt, 

401. ponedelbniki. dies lunae. 

pondelek cech. — pondjelkos, phondjelkos ( — dielkos) Wrat. 104. 145. 

402. pouosi) exprobratio. 

ponositi serb. Slavische Elemente im Magy. 78: panasz querela; panaszol queri. — 
pdnaskodind'a perf. beklagte sich Müller 156: magy. panaszkodik. Mit der ursprüngli- 
chen Bedeutung abgetragen ponos use Vaill. Rumun. 38. 

403. ponbcoha. ^' 

poAczocha Strumpf pol.; ßech. punöocha. Aus dem Deutschen. — pancocha [pan- 
tschocha) Pott 2. 348. 

404. popela>, pepel-B cinis. 

popel cech. — popelos m. Asche, Staub Wrat. 105. 

405. poraciti commendare. 

porociti nsl. Slavische Elemente im Magy. 48: parancs, parancsol. — parancolinel 
verb. befehlen Vocabul. 

406. pori,.* 

por, pori luk serb.; nsl. por u. s. w. Fremdw. 47. — purum oignon Pasp. 123. Niu- 
in J{iuropa bekannt. 

407. posibati.^ 

posibatt russ.: das praefixierte Verbum findet sich in den Wörtei'büchern nicht. — 
e strachon coroi^es posibditb (a CTpaxopn Hopopäc iioiuHBiüiTb) Furcht dui'chzuckt den Armen 
Böhtl. 16. poSibaitb russ. conjugiert. 



226 Franz Miklosich. 

408. potolcb rivus. 

potoknsl.serb.u, s.w. Slavische Elemente im Magy. 78: patak. — pdtako Bach Müller 173. 

409. povidlo.* 

povidlo eingesottener Obstsaft, insbesondere Zwetscbkenmuss 6ech. — Vergl. hihlo 
m. Brei, Muss Wrat. 82. 

410. povije. * 

povije zwischen den Augenbrauen serb. — povbja (noBbü) Alter 21. povja (powja) 
Augenbrauen Bisch, j^ovä sourcils Pasp. 70. pchuvhjä Belg. Der Zusammenhang wird zwei- 
felhaft durch bind, bhaun, plur. bhauen sourcil Garcin de Tassi, Rudiments 10: die 
aspirierte media geht, wirklich oder nur scheinbar, in die aspirierte tenuis über. 

411. pozd^ sero. 

pozde gech. — pozdes, richtig wol pozdes, adv. spät Wrat. 105, 

412. prägt limen. 

präg nsl. serb. u. s. w.; russ. porogB. — prdgu Bess. Rumun. präg. 

413. praht pulvis. 

prah nsl. serb. bulg. u. s. w. — pirdhos m. cendres Sed. Pasp. 123. 445. prüho m. 
Staub Müller 202. Vocabul. Bei den span. Zigeunern pracos Pott 1. lOG. und praco 
Pasp. 3G. Quelquefois on entend chez quelques Tchinghianes sedentaires la forme plur. 
praehimata, imitee du plur. grec moderne 445. prdchosb arena Alter 102. Pott 2. 3G1 
prochos Sand Liebich 153. aus dem pol. Vergl. harraio Sand Bryant. Prahos kennen 
die asiatischen Zigeuner nicht. 

414. prapor:b vexillum. 

prapur etendard Vaill. Rumun. 39. 

415. pre Praefix. 

Allen slavischen Sprachen gemein: russ. pere. — perejac (nepeai) aufhören. Böhtl. 25. 
Es ist eine Nachbildung des russ. perestatB, wobei (ac acav) esse, habitare, manere dem 
statB als gleichbedeutend angesehen wird: ac! bleib! halt! Liebich 125. pereUs (nepejiac) 
verstehen drückt etwa das deutsche begreifen aus, indem k (lav) nehmen ausdrückt. 
Als Adverb findet sich pre vor Adjectiven und Adverbien in der Bedeutung des lat. 
prae: pre, p>ra tres Vaill. 39. prehüt trop 59. prelaso bien bon 55. pramisto, premisto 
Vaill. 56. 68. 

416. predB s§. * 

pred se, pfedce vor sich, weiter, dennoch cech.; slovak. preca. — prera adv. den- 
noch Puch. 73. 

417. preko per Praepos. 

prek nsl.; serb. preko. — preko Praepos. durch, vor; prekoic adv. vorgestern Vocabul. 
priku ves durch den Wald Müller 185. prtku Adverb hinüber ibid. 

418. pretitl minari. 

prititi für pretiti nsl. — pretervava (prettervava) drohen Pott 1. 437. prettervaf, perf. 
pretterdum 2. 360. pretterwätoa Liebich 153. 

419. pre2d&nb anterior. 
preXnij russ. — preznjo Böhtl. 9. 

420. pri Praefix und Praeposition. 

In allen slavischen Sprachen. — te priskirdes (t3 npHCKHpflac) hinzufügen, bezahlen 
Böhtl. 22. 264. 



Über die Mxjnd arten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's. i. 227 

421. prijatelb amicus. 

prijatelj nsl. serb. u. s. w. — Vergl. prii ami; priesk amical Vaill. 

422. prijati favere. 

prÄti aus prijati, preji cech. — przejinel gönnen Wrat. 163. prseind 134. prscjnel lOG. 

423. prikloniti inclinare. 

• priklonitB russ. — prikloniti anlehnen; pinklonju ich werde anlehnen Böhtl. IG. 

424. pritvor'B porticus. 

pritvor serb. Serbische Elemente im Magy. 50: pitvar Vorzimmer, Küche. — pitara 
f. Küche Vücabul. 

425. prittca parabola, causa. 

prickati se rixari nsl. — j3r2ca dömSle, proces Vaill. Rumun. 39. 
42Li. prizadumati.* 

prizadumatb sja russ. — prizadumavsi in Gedanken Böhtl. 17. Es ist das russ. Par- 
ticipium praet. act. I. 

427. pro Praefix und Praepos. 

In allen slavischen Sprachen. — prokcJwlybe (npoKxojiHBiJ) Verlust Böhtl. 263. Vergl. 
kelävü spiele, daher eig. das Verspielte: vergl. russ. proigratb. 

428. prositi rogare. 

prositi bitten nsl. u. s. w. — priserav [prisseraf) beten Bisch. Pott 2. 360. prisevdjas 
hatte gebetet Wrat.-Märch. 100. priserpa [prisserpa) Gebet Bisch. 

4 '2 9. prostiti remittere. 

prostiti ignoscere serb. — prostinel verb. verzeihen Vocabul. proserav (prosseraf) ver- 
zeihen, erlauben Bisch. Pott 1. 437; 2. 360. der, allerdings zweifelnd, pol. przepuSciö 
heranzieht. Bodapröstja Opfer Bess. ist asl. bog-B da prostitb deus remittat. 

430. prost'B simplex. 

prost nsl. serb. u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 50: paraszt bäuerisch, Bauer. 
— prösto m. Bauer Müller 166. tu coro pröstoje du armer Bauer 171. pröstiko bäuerisch 
166. 171. 

431. pustynji desertum. 

pustina slovak. — pustinja (^piistina) Einöde Puch. bh. pustiü Bess. pvsta: aven jekhe 
häre pustäte sie kamen (kommen) zu einer grossen Pusta Müller 171: vergl. magy. puszta 
Slavische Elemente im Magy. 50. 

432. puska.* 

puska nsl. serb.; bulg. puSkt u. s. w. rum. puskT>. JVemdw. 48: ahd. buhsa. — 
piiska sclopetus Narb. puski [puslikl) f. fusil Pasp. 452. jnisko m. Büchse Vocabul. bn-sc/ika 
Bisch, pusca musket. escopeta bei den span. Zigeunern Borrow. Pott 2, 365. püski plur. 
Gewehre Miiller 159. 

433. pyhati. 

pihati, pisem blasen nsl. — Mit diesem Worte hat Ascoli 56 pisnf m. Blasebalg 
Puch. 46. Mündlich. ^jis(5!? (pishöt) m. soufllet Pasp. 123. 439. pistit Müller 156. 172. 
jrisot m. Vocabul. pisotora bei dem Blasebalge Pott, Ztschr. 334. zusammengestellt: icli 
bezweifle die Zusammengehörigkeit aus dem bei pihati angegebenen Grunde, pisot ist 
allerdings in Asien unbekannt Pasp. 123: auch in Europa gilt daneben khko Müller 195. 

434. pyr'B. * 

p^fiti se erubescere ßech. Slavische Elemente im Magy. 50. — pirosni roth Müller 173. 



99« Franz Miklosich. 

435. pBklt pix, infernus. 

pekel nsl. ii. s. w. Slavische Elemente im Magy. 50 : pokol. — poklo m. Hölle Vocabul. 
Vergl. loikla brume Vaill. Rumun. 41. 

436. pbnB. * 

pent russ. u. s. w. — pnjush truncii^s Alter 132. 

437. ptpi'b piper. 

papar serb. ; bulg. piper; cech. pepr u. s. w. Fremdw. 49 : irnrspt. — pdpros m. Pfeffer Pucli. 
45. Wrat. 101. peperi f. Wrat. 103. 148. piperi m. Pasp. 435. peperi Liebicli 151. Pott 2. 351. 

438. pBsati scribere. 

pisati nsl. serb. u. s. w. — pisinel verb. sclireiben Vocabul. Müller 205. 

439. raditi.* 

radzi6 pol. — fhe radzison^au suadere Narb. 

440. radi. lubens. 

rado adv. serb.; cech. rad. — rado gerne: jek romni rddo kerelas ein Weib arbeitete 
gerne Pucb. 62. Mit radt verwandt ist asl. radostb laetitia, cecb. radost gaudium: radostja 
(radosta) Freude Puch. 54, neben dem man frejda (freida) findet Wrat. 131. Hieber gehört 
radysoicas wol für radysoimu gaudere Narb. 

441. raj.* 

raj Paradies russ. u. s. w. ■— rdjo Böhtl. 7. rry paradis Vaill. Rumun. 42. 

442. rak'B Cancer. 

rak ßech. — inlkos m. Krebs Wrat. 107. rako m. Vocabul. rak öcrevisse Vaill. raco 
m. crab. cangrejo Borrow. neben karavdi Mündlich, und karahin m., karodin m. Vocabul. 

443. rana vulnus. 

rana nsl. serb. u. s. w. — rana f. Wunde Vocabul. r'aiia blessure Vaill. Rumun. 42. 
ranasy Wunde Bess. rynisdjlem ich verwunde Bess. 

444. rano mane. 

rano serb. bulg. — rdno matin S6d. Pasp. 124. de bonne heure 455. Rdno ist nur 
in Europa bekannt. 

445. ravLn-b planus. 

rovn^ cech. — rovnonis adv. gerade aus Wrat 108. Ganz russisch ist rovnjaju sja 
ich gleiche Böhtl. 17. 

446. razboj latrocinium. 

rozboj nsl. u. s. vf. — ryzböju Krieg Bess. Rumun. rtzboju. 

447. raz'B Praefix. 

raz, roz nach Verschiedenheit der Sprachen. — te rozUs (t9 po3Ji9c) theilen Böhtl. 
267. aus russ. roz-b und zig. le sumere, daher dem russ. roznjatb entsprechend, te rozgenes 
(t3 po3r9H9c) auseinander gehen Böhtl. 263; Vergl. rozmenkiap dissolutio Narb. Die rumun. 
Zio-euner haben das rumun. Praefix des aufgenommen: despandel pe il öte son ceinturon 
Vaill. 81. 

448. rebro costa. 

2ebro pol. — dzewro costa Narb. 

449. reka dico. 

fku, reknu cech. — raker {rakker) sprich Pott 1. 436. rakir sprich Bisch, rakkeräwa, 
rakkeriväica ich rede Liebich 154. Die Formen vrakerdva parier Pasp. 86. 579. vakerel 
verb. sprechen Müller 165. 204. Vocabul. zeigen die Unrichtigkeit dieser Zusammenstellung. 



Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Eukopa's. i, ^'^"' 

450. reseto cribrum. 

reseto serb.; bulg. resetu, rtsetu. — reseto {i'esheto) blutoir Sed. Pasp. 124. 460. Nur 
bei den sesshiiften Zigeunern in Europa. Vergl. rakto bluteau, tamis Yaill. 

451. i-etezb. * 

fetez catena i^ech.; oserb. fecaz u. s. w. rumuu. retCz pessulu« Frenidw. 50. — 
Vergl. fotavi [rzehtaioy) Schlossketten Pott 2. 25. 538. 

452. reoa. ^ 

reca, raca Ente nsl.; serb. raca Fremdw. 49; rumun. racb; magy. recze. — reca 
f. Ente Vocabul. raca canard Vaill. raca Belg. Bess. recd (_retsd) f. Wrat. 107: die 
Schreibung liisst vermuthen , dass Wrat. das Wort niclit selbst gehört, sondern einer 
schriftlichen Quelle entlehnt hat; Puch. 50. hat dafür huubali; Danil. 104. scheint gleicli- 
falls das Wort nicht gehört zu haben: rece {reize), recori {retszori); Alter 163. bietet ^^Vec« 
(d. i. i reca) und reczori; Bright engl. LXXXIII. heretzi (d. i. he retzi)-^ bei Pott 2. 271. 
findet man ausser anderen Formen reca [retscha)\ Liebich 155. endlich liat recka (retsrhka), 
reca (refza). 

453. repa rapa. 

repa nsl. u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 51: repa. — rcjMi f.. rijii f. Rübe 
Vocabul. 

454. robi> servus. 

rob bulg. serb. u, s. w, — rob esclave; rohhn je patiente Vaill. Rumun. 42. 

455. rod-b partus. 

rod nsl. u. s. w. — röady Frucht Bess. rumun. rod. 

456. rogacb.* 

rogaci russ. — rogdco Ofengabel Böhtl. 2(57. 



457. rogat'B comutus. 

rohat cech. — rohato gehörnt, eckig Wrat. 107. 

458. rogozi) papyrus; rogozina tapes. 

rogoz carex nsl. serb. u. s. w. — rogozna (rogojna) paillasson; rogoz (rogoj) joue falsch 
für Jone Vaill. Rumun. 42. • 

459. rogi. cornu. 

rog^b russ. — rogosb Alter 151. 

460. rovt fovea. 

rovii russ. — rnrosh fossa Alter 120. 

461. roXa.* 

ruza serb.; bulg. ruzb u. s. w. Fremdw. 51; rumun. ruzi. — rüza Müller 162: 
ruza (ruzha) Kog. 40. ruz Aus Süditalien Ascoli 139. Pott 2. 280. ruzo, ruz (rnzho, riizh) 
fiower bei den engl. Zigouiuu-n llarriot 546. rogeo, roseo flower Bryant. 

462. rudai'b. * 

rndar und arrar hcisst in Sielienhüro-en der Ziffeuner, der (JoldwäscluTci mübt; 
rudar orpailleur; rud metal Vaill. 

463. ryknati rugire. 

ryknutb russ. — rgknet Geschrei Boss, i-umun. rtknesk. 

464. rylü, rylbcb ligo. 

rylec pol. — o herlcc (herktz) beelie \'alll. 73. nuiiun. In.rlec sarculum. 

DoiikscUrifteu der phil.-hiet. Cl. XXI. Ba. ^^O 



230 



Franz Miklosich. 



465. ryubsk'B*: asl. riii'L Rhenus. 

rynsk5^ rlieiniscli, der rheinische Guhien cech. — rinch>s m. (lulden Puch. 47. rinckos 
Wrat. 107. rimtskos 134. Pott 2. 276. 

466. rysB pardalis. 

ris lynx nsl. serb. u. s. w. — ris bete fauve Vaill. liumun. ris pardalis 43. 

467. ryst.* 

rysav rufus Cech. — ri/syca bonibycinum serioum, eig. röthlicher Stoif Narb. 

468. ryzdb rufus. 

rnskas vernieil Vaill. Rumun. 43. 

469. r'&zda rubigo. 

rdjav malus serb. — erdavo adj. schlecht Vocabul. k odi erdavi phen zu jener schlechten 
Schwester Müller 189, irdevo hers ein schlechtes Jahr 204. erdiavo manuslt a wicked man 
hung. Bright XC'I. crdavCmf adv. Bornem. 118. 

470. rtzb. * 

rz nsl.; ßech. rez; russ. rozb, gen. rzi P'remdw. 51. — rozo [rozlto) Danil. 103. vozo 
( richtio- rolo) neben giv (ghr) Alter 141, wie in den slavischen Sprachen rt^b neben 2ito 
für secale Pott 2. 280. rozfio {rosfjo) seigle Vaill. jarzo Roggen, Mehl Bülitl. 25. o roziko 
Roggen Bornem. 89. Vergl. mgoJiUo: ror/o Mio (secale est) rye hung. Bright LXXXIV. 

471. sablja ensis. 

sablja nsl. serb.; bulg. sabiJT,, sabb u. s. w. Fremdw. 51. — mvio m. Säbel Wrat. 109. 

472. samT. ipse. 

samt russ. — jov sdmo Böhtl. 10. 

473. sapun-B. * 

sapun serb. bulg. alb. Fremdw. 52: ngriech. aaTCOÖvc, runum. sipon, magy. szappan. 
— sajwnis m. Seife Puch. 47. sapimf m. savon Sed. Pasp. 124. 472. sapui 472. .sdjjüvo 
Müller 169. sapimi f. Vocabul. sapani f. ibid. Die Urheimat der Sache und des weitvei-- 
breiteten Wortes ist Europa Pott 2. 236. 

474. saraj.* 

saraj Schuppen russ. Fremdw. — mrdju Böhtl. 7. 

475. sasinT>. ■•' 

sasinb, sasb aserb.; fech. pol. rummi. sas u. s. w. Fremdw. 52. — saso.s m. Deut- 
scher Puch. 47. sasickos demin. ibid. sasitka adv. ibid. sasitkcs adv. Wrat. 108. mskinja 
{m><kina) Soldatenmetze Puch. 47. Pott 2. 241. mso (.w.«o) Sachse, Deutscher Liebicli 
157. 234. 

476. sabota dies sabbati. 

sobota cech. — mhota f. Samstag AVrat. 109. Vocabul. 

477. sakij surculus. 

sok nsl.; russ. sukt; cech. suk; pol. sek. — senkosh ramus Alter 137; .v/fAw, demin. 
.mkickos steht bei Puch. 11. ohne Angabe der Bedeutung. Pott 2. 239. 

478. sejati serere. 

sC'jatb russ. — siiskirdn serere Alter 238, 

479. sekavica. ■" 

Von sekati. — sekavica f. Nagelzwicker Vocabul. 

480. seme. 

semja Samen russ. u. s. w. — semjo (ciMe) Böhtl. 7. 



Über die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa-s. i. 

481. serib. 

sin atrium cecli.; mag-y. szin. — sma (sihna) Küche Bisuli. Pott 2. 238. Vergl. prltvuri,. 

482. sfjgi.:* s^zbiib orgyia. 

sah Cech. — sdkos m. Klafter Wrat. 108. 

483. sila vis. 

sila nsl. serb. u. s. w. — .sila Gewalt Pott 2. 240. si/cl verb. händigen Wrat. 121. 
silerel verb. zwingen-, sildo bezwungen 109. sildiru, sileräiva zwinge; sildo, silerdo besiegt-, 
silcipenn, silepenn Zwang Liebich 159. silerava zwinge Wrat.-Märch. 99. silkirvava {ss>/lkir- 
vava) ich zwinge Pott 1. 442. sila f. strength. fuerza neben sisla; posildti adv. compulsi- 
vely, by ibrce. por fuerza; silno adj. strong. fuerte Borrow. vergl. nasUiom cai pnrdioin 
hut I have suffered and toiled mucli Borrow, Gripsies 264. 

484. sinb liyacinthinus, lividus. 

sinij blau russ. — fiinjo m. sinja f. Böhtl. 9. 

485. sirak-b pauper. 

sirak bulg. serb. — mrar pauvre Vaill. Rumun. s-bi-ak 44. 

486. situ. ^'^ 

sito nsl. bulg. serb. pol.; cech. sito (sejto) u. s. w. lit. setas. — -^ita {sihfo) Sieb bei 
den Zigeunern in Liefland Pott 1. 110. sif.a tamis Vaill. Rumun. 44. 

487. sivb cinereus. 

siv nsl. bulg. serb. cech. u. s. w. — sivo adj. grau AVrat. 109. sucv Liebich 159. 
SI/2CO Narb. 116. pe sywone fjresti/ auf grauem Pferde 115. 

488. skolbka ostreum. 

skojk-b concha bulg.; serb. skoljka. — .sko/ka Muscliel Bess. rumun. skojki,. 

489. skornja.* 

skor7iJi nsL; cech. skorne, skorne. — skomje (skorne) f. Stiefel Pucli. 48. durnla 
Wrat.-Märch. 91. skorni f. Wrat. 111. skornja f. 109. schkornia Bisch. Pott 2. 233. skorni. 
plur. skornia Liebich 159. szkornia ocrea Narb. skorvi für skarni bei den finn. Zigeunern 
Bugge, Beiträge 1. 147. skoni für sknnu boots^bei den engl. Bright LXXXII. conies plur. 
für scoimes buskins. botines Borrow Pott 2. 127. 

490. skriptka. * 

skrzypki Greige pol.; klruss. skrypka. — Ä/t-n>^AY<crincrin, violon: .s'A-n/>fÄ;«rrnusicien Vaill. 

491. skr-Ezfatati stridere. 

skirsao je gi-ince; skirSni grincement Vaill. Rumun. sktrsnesk 45. 

492. skvrT>navs sordidus. 

skvrn serb. — ski/rndr schmutzig Bcss. Rumun. ski.rm.. 

493. sliva.* 

sliva nsl.; serb. sljiva; cech. sliva. — -s/rm f. Pflaume .Müller ISl. sUva Borneni. 89. 
slivi f. Vocubul. slivdkero ibid. sliriko kdst Pflaumenbaum ibid. silava f. Zwctsclike Wrat. 
109. 168. ()bst 109. 147. rilava, thüdva ibid. thilava Zwetschke, Obst Puch. 49. Vergl. 
Pott 2. 108. Das zig.' si/ara u. s. w. sclioint unmittelbar aus dem magy. entlehnt: s/.ilva 
Slavische Elemente im Magy. 54. 

494. sluga servus. 

sluga nsl. serb.; bulg. slug'b u. s. w. - s/nga f. Magd \'ocabul. Vergl. //// /lonias sluf/a- 
dhis 1 was serving Borrow, (lipsies 264. shujadis Soldat Vocal)ul. I'ng. slnzinel w&rh. dienen 
Voeabul. schluqinel to sorve Jiiing. liright XC. srhlufiinunn T liavc doserved liung. ibid. 

SO' 



232 



Franz Miklosich. 



495. sluzi) squama. 

Vergl. solzb Schuppe Bess. riimun. solz. 

496. smijati s§ ridere. 

smej'B s'B bulg. — ■wiiao je souris Vaill. 

497. smoky fieus. 

smokiii'B bulg. — mokin ßgue Vaill. ßumun. smokin 4.5. 

498. smola bitumen. 

smola nsl. u. s. w. — zmoäly Pech ßess. rumun. smoal'B. 

499. smi-tkati.* 

smrkati schnauzen oech. — smrkadel verb. Wrat. 109. 

500. soha vallus. 

socha Hakenpflug i-uss. — sncha Altei' l(i5. 

501. sova noctua. 

sova nsl. serb. oech. u. s. w. — sova (i ssova) Eule Pott 2. 190. 

502. sreda dies mercurii. 

streda ßech. — stredonc m. Mittwoch Wi-at. 110. stredone 145. srida i. Vocabul. neben 
maskerdimo dives der mittlere Tag .145. Liebieh 222. maskardives Wrar. 97. 

503. sr-Bbint. * 

srbin serbus serb. — sirhicko adj. serbisch; me dav duma sirhicka. ich spreche serbisch. 
Vergl. serro adj. slovakisch; serviko m. Slovak eher ist wohl sevvo subst., serviko adj. 
Vocabul. 

504. srtnbcb* öopxdScov daiuula. 

srnec cech. — srnroa m. Reli Wrat. 110. 

505. stajnja. * 

stajne* stajefi rech.-, pol. stajnia. — stuiija {stania) t". neben stala Stall Wrat. 110. 
steinia Stall Liebich 160. Tanja (tanya) tente Kog. Pott 2. 285. ist wohl magy. tanya 
Aufenthaltsort, besonders der Hirten, das slav. stanje ist. Slavische Elemente im Magy. 55. 

506. stan'B hospitium. 

stan habitatio nsl. serb. u. s. w. — stano locus bei den span. Zigeunern Borrow 
Pott 2. 468. Mit serb. stanac saxum immotum vergl. man stanu bloc, pierre, röche; 
stanco massif, solide; stanka, masse, röche Vaill. Rumiui. stan, stünku saxum 46. 

507. starostL senectus. 

Starost Alter, Sorge serb. cech. — ■■^tarostja {starosta) Sorge Puch. 79. 

508. stavilo statera. 

Auf dieser Form beruht — slavila obstacle Vaill.: die Bedeutung erklärt sich aus 
asl. staviti statuere, impedire. llumun. stavilfi latus lecti exterius 46. 

509. stapiti incedere. 

stupiti nsl.; serb. stupiti u. s. w. — stapiar (^sfapp/af) schreiten Bisch. Pott 2. 245. 
Der Zusammenhang ist zweifelliaft. 

510. stiipbnica. * 

stupnice Seitenbalken der Stiege c-ecli. — cepnica {tschepnitscha) Leiter Pott 2. 187. 
530. Die Zusammenstellung ist unsicher. Es scheint eine Verwechslung mit subenica vor- 
zuliegen, was zu vergleichen ist. 

511. stliipi} columna. 

stolp nsl. u. s. w. — ■•^tilp poteau Vaill. Runum. st'blp 46. 



233 ' 

Über die Mundarten und die W\ndebungen der Zigeuner Eckopa'S. i. 

512. stoboi"b. '^ 

stobor nsl. Slavische Elemente im Magy. 55: szobor. — mbov m. Pfahl Vocabul. 

513. stogt acervus. 

stog Getreide-, Heuschober serb. u. s. w.; rumiin. stog; magy. asztag. — utafjus Rcliobor 
rick bei den engl. Zigeunern Harriot 553. ist wohl das engl, stack Pott 2. 246. 

514. stolt thronus, sella. 

stol nsl. u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 55: asztal Tisch. — Molo Tisch 
Müller 193. Vergl. jekhc ostoleha mit einem Tische 184. 

515. strahi terror. 

strachü russ.; strach Cech. pol. — sfrnr/inrf demin. Furclit Böhtl. l(i. 

516. strana regio. 

storona, storonka russ. — storönka (_)rt Böhtl. 16. 

517. strgha tectum. 

streclia cech. — strecha Dach Puch. 55. neben tacha Wrat. 125. strnki auvent «-ou- 
vert Vaill. / straki auvent 78. Rumun. 47. 

518. strtkij ciconia. 

strtk bulg. u. s. w. — k7(kostyrk Storch Bess. rumun. sttrk. 

519. stBklo vitrum. 

steklo nsl.; bulg. st'sklo; kroat. caklo; serb. staklo, stklo, sklo, caklo, cklo u. s. w. 
Fremdw. 56. rumun. stikl-B. — raklo m. Glas Puch. 37. Vocabul. cdklo Wrat. 84. steklo m. 
Glas Vocabul. neben glaza (glasa) f. Wrat. 90. und 7mlin Liebich 204. loahlin bottle engl. 
Bright LXXXV. aus dem ngriech. uaXt. stegla f. vitre, miroir Pasp. 43. 484. caklüno adj, 
Puch. 37. caklengero m. Glaser ibid. caklengeri f. ibid. cakle' cyathos Pott, Ztsclir. 3. 333. coklo 
(tscheklo) Glas Grellm. 223. Pott 2. 69. 

520. stbza semita, stbgna platea. 

steza nsl.; nsl. stegna Triebweg. — stiga f. Fusssteig Wrat. IK». sfika Pfad Bisch. 
sfigga rue Kog. 44. Die Zusammenstellung ist trotz stignati sehr zweifelhaft und das 
Wort wohl deutsch Pott 2. 246. 

521. sumbneti dubitare. 

sumnjati dubitare serb.; nsl. sum, uninja suspicio; sumniti se u. s. w. — svmevel 
vei'b. eifersüchtig werden; sumepen m. Eifersucht Wrat. 110. 

522. sur-b.* 

sur nsl. bulg. sei'b. — swo adj. grau \Vrat. 110. snro Liebich 161. 

523. svet'b lumen, mundus. 

svet nsl.; serb. svijet; bulg. svet; cech. svct. — sveto m. Weit Wrat. 165. Vocabul. 
sveto Wrat. 112. scJncetto Liebich 158; zioeto coelum Alter 2. ist wohl auch sveto zu lesen. 
sveti (sneti) f. world, people. mundo, jente bei den span. Zigeunern Borrow. Pott 2. 233. 464. 
opiekunos sarf -v-ctoskc opiekim ludu Narb. ll(i. sueste Welt, Volk Borrow. 

524. svet'b sanctus. 

svet nsl. serb. bulg.; pol. Äwiaty; lit. sventas. — svendo adj. heilig Wrat. 112. 135. 
fromm 131. schicendo heilig, katholisch Liebich 153. sveiidojvn Frömmigkeit Wrat. 131. sijje- 
tindjas [svetindas) svetil Puch. 55. svevdo (sc/ncendo) katholisch; sroido dires Feiertag Pott 
2. 233. Obgleich svendas dem lit. aulTalloml nahe steht, glaube ich doch, dass e« auf 
pol. ^wiaty beruht: s ist durch 5 ersetzt und «vjj^' wie sonst, in VQ, ven übergegangen. 
Dass nach n die tcnuis in die media übergelit, ist in der Lautlehre des Zig. begründet. 



2^4 Feanz Miklosich. 

m-enkos festus (dies) Narb. Unmittelbar aus dem Magy. stammt szenta^ szinton Grellm. 
316. sento adj. heilig; senteUn: nek se'ntelln weihe Müller 183. sentno heilig Bornem. 119. 
Slavische Elemente im Magy. 56: szent. 

525. svinbCB. * 

svinec nsL; russ. svinecB; lit. svinas. — svinci Blei Belg. Pott 2. 248. 

526. svoboda libertas. 

svoboda cech.; nsl. sloboda. — sloboda Freiheit Puch. 75. slobodno adj. frei Vocabul. 

527. sYrtdl-B terebra. 

svrdao serb.; nsl. sveder. — sfredel vrille Vaill, Rumun. sfredel 44. Hieher gehört 
auch ßadero Mündlich. 

528. syrovb crudus; syrB humidus. 

syr-B humidus russ.; klruss. in Podolien surovyj jiumidus; cech. ist syrov und syr 
roh. — si/rövu neben kindn humidus Alter 213. Pott 2. 239. 

529. siibjida s§ eveniam. 

sbilo se je serb. — -ihinda succes Vaill. Vergl. Eumun. 16. 

530. s'Bbor^ conventus. 

zbor bulg.; serb. zbor, sabor; zboriti loqui, confabulari: daher ngr. C'^l^^-'p^Cto 
Slavische Elemente im Ngriech. 17. — zböros (sböros) m., zbora f. (sbora) discours, lan- 
gage Pasp. 476. zborizava (sborizava) parier ibid. zborhdas (sborizdas) o cor (tchor) les 
voleurs crierent 52. 

531. sojdravB, zdravB sanus. 

zdorovB russ. — zdor(W gesund Böhtl. 17. 

532. s-Bljubiti se adamari. 

slibiti cech. — sliUnel verb. versprechen Wrat. Iü9. slibindel 163. Sljnbnos {szlubnos) 
Narb. 115. ist pol. ^lubiny Verlobung. 

533. s^matbn'B. * 

smutny cech.; pol. smutny u. s. w. — snmtno adj. traurig Wrat. 109. 

534. stm(^tena.* 

smetana cech.; pol. ^mietana u. s. w.; woher rum. sm-Bnttn'B und deutsch Schmand, 
Schmetten. — smentdna {schmengtäna) Rahm Bisch. Pott 2. 233. smindana (schmindäna) 
Liebich 230. smentinu crgme Kog. 39. smentin creme Vaill. neben tefelos^Yr&t. 153. Während 
das rumun. Wort sni-ButBrn, Rumun. 48. sowie deutsch Schmand auf s'Bm^sti rühren hin- 
weist, lassen cech. pol. u. s. w. an sibmesti abschöpfen denken. 

535. s'Bni.. 

sonja Siebenschläfer russ. — sonja Böhtl. 7. 

536. si>pot'Bkati. * 

spotkac, potkac begegnen pol. — spotkiskirava: spodkiskirde sie begegneten Narb. 116. 

537. siprij, suprb: saprb adversarius. 

mperil pc, mandi il se fache contre moi Vaill. 55. superaosas tu te serais d6range 70. 
Vergl. Rumun. 48. 

538. sislabiti.* 

ses/abmel verb. ermatten: chera, sero seslabmde die Füsse, der Kopf wurden matt 
Puch. 68. 

539. sxtaXiti si gravari. 

stiziti sc cech. — stezinel verb. sich beschweren Wrat. 122. 



Über die Munkarten unp die Wanderungen der Zigeuner Euroi'A'S. i. 235 

540. stvadu contentio. 

svada nsl. u. s. w. — sfada dispute Vaill. ol sfmjin pc ils sc disputent 55. Rumun. 
sfadt 47. 

541. sairant crocus. 

Safran cccli. — safranus m. Safran \\'rat. 151. safranos lOH. 

542. sar-B.* 

sar^B Kugel russ. — sarosi, globus Alter 74. 

543. sestart vasoulum. 

sistar tinette Vaill. Rumun. §ustarju inulctra 53. 

544. setriti.* 

setriti aufmerken, schonen cecli. — setrshiel verb. schonen Wrat. 111. 154. 

545. silo subula. 

§idlo cech. — sidlos m. Schusterahle Wrat. 111. siv/os IIS. 

546. siptkij rosa. 

gipek cech. — sipkos Hagedorn Puch. 77. 

547. si.sakt.* 

Sisak' nsl. Slavische Elemente im Magy. 57: sisak Helm. — s/'sako m. Mütze Voeabul. 

548. skola.* 

Skola 2ech. — skola f. Schule ^Vrat. 111. 

549. steka.* 

Sreka, äCoka Wange russ. — soka genae Alter 2(i. Pott 2. 229. 

550. subenica. * 

szubienica Galgen pol.; cech. sibenice. — sebnica (scftehniza) Galgen; cebenica (tsche- 
henizza) rotw. Pott 2. 231. sehnica {schehnttzn) Leiter, Galgen Liebich 157. tschepnitscha 
Leiter Bisch. Vergl. stapbnica. Für Leiter bietet Liebich 160. sterovica {steröwüza). 

551. sum'B sonus. 

§umt Geräusch russ. — snmiskirna strepitus, richtig: sie machen Geräuscli Alter 56. 
Pott 1. 343. Vergl. clmmas Geräusch, Getöse 2. 205. 

552. taga afflictio. 

tuga serb. — / tuga Mühe Pott 1. 15U. Ixtri thiuja gross Elend 2. 307. te tugovav 
{tugovaf) trauern 1. 425. 

553. tel(j vitulus. 

tele nsl. bulg. serb.; pol. ciel§, gen. ciel^cia. — tchntos m. Kalb Piicli. 49. feien-, 
fickos demin. ibid. tolenciko adj. ibid. cdcmtti (fsr/ir/anfo) Pott 2. 2S(;. 

554. temelb fundamentum. 

temelj kroat. Fremdw. : griech. f^cjisÄiov. — fhuP fondement N'aill. ()2. 

555. teska. * 

teska Namensvetter russ. — tjoska (lecKa) IJöhtl. 7. 

556. tCnja.* 

tenja nsl.; rech, steh, stln. — tina Scliatteu I'ucli. 54. tiiiix Wrat. 113. 

557. tihü tranquillus. 

tichij ruhig, leise russ. — tichesh adv. lente Alter 224. 

558. tikri) speculum. 

Slavische Elemente im Magy. 59: tiker, tidcOr, ryükör. — (;V/to (^V/,vo) mirror luing. 
Bright LXXXJV. 



236 



Fkanz Miklosich. 



559. tirani. * 

tiran'B Tyrann russ. Fremdw. — tirdno Böhtl. 7. 

560. to id. 

to in allen slavischen S^a rächen. — to oclova phendjas dieses sprach er Puch. 66. fo 
avel to b^vä das pflegt zu sein 67, 

561. tocilo tor ciliar. 

tocilj, tocio Schleifstein; toßiti schenken und wetzen, eig. gehen und fliessen machen, 
drehen serb. — tocila Schleifstein Bess. 

562. tojaga baculum. 

tojag^ bulg.; serb. tojaga. — tojag verge, masse Vaill. ßumun. 49. 

563. topori> ascia. 

toj)or nsl. russ.; bulg. toporisk'B Handhabe. — tover m. Beil Puch. 49. tover, tovfl 
ni. hache Pasp. 516. tover (xoBap) Beil Böhtl. 20. tower securis Narb. toven securis Alter 
175. toverh Bess. tovröro deniin. Puch. 49. toher Pott 2. 284. o tover Born. 89. toher axe 
engl. Bright LXXXV. Das zig. ist nicht aus dem slav. Wort entstanden: beide scheinen 
vielmehr aus derselben Quelle entlehnt. 

564. trajati durare. 

traja bulg.; serb. trajati. — tray vie, train de vie; trao je vis; traisaru je traine, 
mene la vie Vaill. traimos vie -60. may misto ti merao de Mt traisaivo bibakhtah mieux 
vaut mourir que de vivre si malheureux ibid. Rumun. 49. 

565. traba tuba. 

trambika bulg.; pol. traba u. s. w. — tromhur tuba Närb. 

566. treba negotium. 

trebati opus esse serb. — trehola: so manye trebohla was mir zukommt Pott 1. 98. 
308. 316. 317; 2. 291. na trebbava ich darf nicht 2, 484. trebal il faut Vaill. 48. traba 
affaire 53. 56. saile ma traba j'ai eu aflaire 52. 

567. trem^b turris. 

trem (trem odkriven subdiale) nsl., bulg. trem; serb. trijem; klruss. terem; pol. trzem 
Fremdw. 61: TSpcfxvov. — tremo (tremmo) m. Vorzimmer Wrat. 164. o tremmo Flur, Vor- 
haus Pott 2. 291. tremmo, dremmo Liebich 133. 207. dr4mmo Hauserden Bisch, tremos 
atrium Narb. 

568. tresk-B fulmen. 

tresk fulmen nsl.; bulg. tresk u. s. w. — trasna foudre, tonnerre Vaill. Rumun. 49. 

569. tr^s'Bka. '"^ 

treski kaltes Fieber bulg. — treska f. fievre intermittente Pasp. 518. Man vergl. 
trisava (trissäva)^ ebenso trasinel verb. schütteln Vocabul. ich zittere, bebe mit serb. tresti 
se, tresem se tremo. 

570. truna. * 

truna, trumna pol. — tnina f. Sarg Wx'at. 152. Bisch. Pott 2. 291. 

571. trupt truncus. 

trup nsl. serb. pol.; cech. ti-oup. — trupos m. Leib, Leben Puch. 49. 61. Körper 
AVrat. 141, corpus Narb. triipo Körper Böhtl. 264. Fratze 31. trüpo Liebich 162. trupo 
Bisch, trupo Born. 89. truppo Körper bei den skand. Zigeunern Bugge, Beiträge 1. 
149. trupesMro adj, Wrat, 141. trupeskeri f. Camisol 139. trtqjeskro Biäch. troiiponY ulciinius. 
drupos, trüpo body. cuerpo Borrow. trupo span. Bright LXXX. trupos engl. ibid. Pott 2. 291. 



ÜBER DIK MüNPARTKN lINr> DIK WaNDKUÜNGEN DER ZlGEUNER EtTROPA'S. I. 237 

572. trtpeti pati. 

trpeti, trpim cecli. — trpinel verb. leiden Wrat. 114. 127. 

573. turbni).* 

turen nsl. Fremdw. 60. Slavisclie Elemente im Magy. 59: torony. — toriijo m. Tluirm 
Vocabul. törno Bisch, tnrno m. Castle, castillo Borrow. turnu Thiirm Bess. 

574. tysasta mille. 

tisic cech. — tisicos tausend Puch. 13. tisico Pott, Ztsclir. 3. 327. 

575. fblcBnit aequalis; fsk-bmo solum. 

takmen kroat. — tokma precisement Vaill. Rumun. 50. 

576. tbma tenebrae. 

tema nsl. u. s. w. — temlica (temlizza) Finsterniss Pott 1. 101, von dem nicht ent- 
lehnten zig. tamlo finster durch das slav. Suffix ica abgeleitet. 

577. u Praepos. und Praefix. 

uiti evadere asl. u. s. w. — ugejom (yraew) ich würde weggehen Bühtl. 15. 

578. udt membrum. 

oud cech. — udi, udy Glieder Puch. 67. 

579. ugorbk-b.* 

uo-orek cucumis nsl. — hoborka Gurke Wrat. 82. bohorka neben boborki f. Vocabul. 
Puch. 50. aus Grellm. Kog. 39. Pott 2. 406. Aus dem Magy. Slavische f]lemente im 
Magy. 60. Fremdw. 52. 

580. ulica platea. 

ulica nsl. serb. slovak. — ulica, olica f. (idicha, olfcha) street. calle bei den span. 
Zigeunern. Borrow Pott 2. 75; idika, imika rue; unikas ruelle Vaill. utca Gasse Müller 
178 stammt unmittelbar aus dem Magy. Slavische Elemente im Magy. 60. 

581. val-B.* 

val unda nsl. serb. — vdlu Welle Bess. ßumun. val. 

582. vart calx. 

var bulg. — var chaux Vaill. Rumun. var 16. 

583. vatra. * 

vatra ignis Fremdw. 63: alb. rumun. vatri. focus, fundus domus. — vatro f. Feuer- 
herd Puch 50. vatro m. Frauenhemd, verschrieben für Feuerherd Wrat. 115. Auslaut 
und Genus sind zweifelhaft Pott 2. 77. vatra foyer, demeure Vaill. ratrassi heissen in 
den Üonauländern die ansässigen ZigeuncM-. 

584. vaditi.* 

povOditi fuuio siccare, in anderen Gegenden vuditi nsl.; pol. powQd/.ii^-. — vendzjevava 
ich vertrockne siccor Pott 1. 425. ivendzoimo trocken; wennseno ni.as.'< gei-äuchert Fleisch 
aus Zippel Pott 2. 84. ist pol. w^dzono von w^dziö Fleisch räiicliei-n. 

585. veCerja coena. 

veferja nsl. u. s. w. Slavische Elemente im Magy. 60: vacsora. — vacura f. Nacht- 
mahl Vocabul. 

586. verbir. * 

verbif Werber Cech. — verbiris ni. Tänzer Puch. 50. verbirka f. ibid. Die Bedeu- 
tung Tänzer erklärt sich daraus, dass die Werbung mit Musik mid Tanz verbunden war. 
Man vergl. Lenau's Gedicht: Die Werbung 1. 281. 

Denkschriften der phil.-lliBt. Cl. XXI. Bd. 31 



238 Fbanz Miklosich. 

587. veriga catena. 

veriga, veruga nsl.; bulg. veriga. — heriga f. cliain. cadena Borrow. i tvering Kette 
Pott 1. 154; 2. 80. 

588. veseliti exliilarare. 

veseliti se nsl. u. s. w. — veselü pe il devient gai Vaill. 70. 

589. vedro urna. 

vedro nsl.; pol. wiadro u. s. w. — loedra situla Narb. Ein in viele Sprachen, das 
alb., rumun., magy., lit. aufgenommenes slav. Wort. 

590. velcB aevum. 

vgk nsl.; serb. vijek u. s. w. — veci (yecsi) Ewigkeit Grellm. 316. Rumun. :bn veßii 
veßilor in saecula saeculorum. 

591. v^nbcb sertum. 

venec cecli. — vjencos (viencos) m. Kranz Wrat. 115. 

592. vöstb nuntius. 

v@st nsl. — vesta nouvelle Vaill. o vesta la nouvelle 61. Eumun. veste 18. 

593. vesalo.* 

vjesala serb. — vesäli f. Galgen Wrat. 115. 

594. veverica sciurus. 

veverica nsl.; gecli. vevefi'ce. — veverica f. Eichliörnclien Wrat. 127. beverica 82. 
vevericka {weweritzka) Bisch. Pott 2. 80. weweritzka Liebich 181. heweritschka falsch Blut- 
egel Bisch. Urhirecha t/Ojvrx Pott 2. 431. berbirincha f. star-lizard. salamanquesa. The 
proper meaning is squirrel Borrow, der auch piriMcho m. lizard. la,gaTto •, piribicha f. damit 
in Verbindung bringt. 

595. v§ste. 

ve6 mehr serb. u, s. w. — {a)vekj mehr. Aus Süditalien Ascoli 134. 

596. vezati ligare; va2e funiculus. 

voze nsl.; bulg. vtze u. s. w. — vinclz (vinj) hart, Ken; vindzos (vinjos) souple Vaill. 
Eumun. vtndz flexibilitas; vtnd2os flexibilis 18. Vergl. Slav. Elemente im Magy. 29. 

597. vica. * 

vict bulg.; rum. vic5. Slavische Elemente im Ngriech. 12: ^izCa pdßSoc. — vica 
(vitcha) f. verge, sarment Pasp. 43. 576. Vergl. bisa Rohr Wrat. 82. Pott 2. 425. 

598. vignb. * 

vigna (vighna) foyer bulg. Pasp. 43.; nsl. vigenj Hütte zur Verfertigung von Nägeln; 
vizee; serb. viganj incus, officina fabri; gech. vyheii Esse, Schmiede; slovak, vyhen. 
Fremdw. 64. Slavische Elemente im Magy. 61. — vigna (vighna) f. la petite excavation 
oü les forgerons nomades allument les charbons Pasp. 43. 577. vignja f. Esse, Schmiede 
Müller 172. Vocabul. vignja Mündlich. Dieses Wort scheint den Weg aus dem Zig. in 
die slavischen Sprachen gefunden zu haben: dafür spricht die Unerklärbarkeit desselben 
aus dem Slav.; die Bedeutung, die es erklärbar macht, dass gerade dieses Wort aus dem 
Zig. aufgenommen ward; dazu kommt folgende mir von Prof. B. Bogisiö mitgetheilte Notiz: 
,A Canali (Konavli, südlich von Ragusa) c'e un villaggio, che si chiama Vignji, e nel 
villaggio vi sono piü fabbri che nei villaggi circonvicini. Vive nel popolo la tradizione, il 
villaggio esser stato fondato da Zingari. Seppure gli usi e costumi sono identici cogli 
altri Canalesi, c'e perö da osservare, che nessuna famiglia v'ha nome serbo colla solita 
desinenza in i6: le famiglie si chiamano Baulo, Brondzan, Kortizija, Capor, Caput.' 



Über die Mundarten und die Wandebungen der Zigeuner Eueopa'S. i. 239 

599. vilir'b tiirbo. 

vilier nsl.; russ. vichrb, vichorB. — vychrosh turbo. Alter 80. 

600. vi na culpa. 

vina rech.' pol. wina. — Vergl. savoro san vina ihr alle seid schuldig L*uch. öS. 

601. vinika. ■" 

vinika wilde ßebe nsl. — vinika Gerte Bohtl. 2()6. 

602. vinograd-b vinea. 

winograd vinea pol.; russ. vinogradi, vitis vinifera. — vinogrodosh neben mok uva 

Alter 143. 

603. visnja. * 

visnja nsl. serb.; bulg. visnb. — visna cerise Vaill. Rumun. visnt, visini, 17. 

604. vizgij. * 

vizg^B das Wimmern; viz2atb wimmern russ. — vidzao (vijan) bruissement für bruii-e 

Vaill. 

605. vlahii vlachus. 

vlahB romanus, vlachus, pastor aserb. Fremdw. 64. — vldkhos m. vlakMna f. vala- 
que Pasp. 115. 578. lakhmka f. 327. vlakh tchinghiane tchinghianes de la Valachie 578. 
Les tcbinghianes nomades appellent les sedentaires Idkhos 13. olasko walachisch ^Müller 
126 ist aus dem Magy. entlehnt. Slavische Elemente im Magy. 61. 

606. via kl,.* 

vlak retis genus serb. — olahi, Netz Bess. vlakt ist von vlk (vlesti) trahere abzu- 
leiten. Damit hängt wahrscheinlich auch rumun. olak Vorspann zusammen. 

607. vHna lana. 

vina ßech. — vlnos m. Wolle Wrat. 115. 

608. vojevoda bellidux. 

vojvoda nsl. u. s. w. — vojvödas (yoivodas) m. chef des voleurs Pasp. 578. vojdo m. 
Richter der Zigeuner Vocabul. Vergl. Slavische Elemente im Ngriech. 12: ßocjSöoa:. 

609. volja voluntas. 

volja nsl. serb.; bulg. volb. — voje, olya voluntas Grellm. 316. Pott 2. 82. mjo m. 
Stimmung Müller 195. Vocabul. 

610. voziti vchere. 

vozitb russ. — voziskirdti, falsch vosizkirdu, vehere Alter 236. 

611. vo?.da.* 

vodja in vodjica habena serb.; pol. wodza. — vodja (vdda) f. Zügel Puch. 50. vodla, 
voda Wrat. 168. voida f. Halfter 135. woida Lenkseil, Halfter, Riemen Liebich 167. 206. 
232. rudjengtro (vodeiigerd) m. Riemer Puch. 50. 

612. vrana cornix. 

vrana nsl. serb.; cech. vräna. — vrani eornices Pott, Zeitschr. 3. 328. 

613. vra2bba magia. 

vra^ba {vrajha) sabbat, wcd in der Bedeutung Hexentanz; vraz {vraj) sortilege Vaill. 
Vergl. Rumun. 17. 18. 

614. vrein§ tempus. 

vrt'ine nsl.; serb. vrijcme. — vreme temps Vaill. 64. Rumun. vreme 18. 

615. vr-bhii cacumen. 
Vergl. rir.wa tourniquet Vaill. 



240 • Franz Miklosich. 

* 

61 (i. vriiteti vertere; vvbtezh Cochlea. 

vj-Bteg Cochlea bulg. — vh-tao tourner; virte^ (virtej) tovirbillon. Vergl. rumun. vtrte2 
Wagenwinde; vtrted?. trochlea, obex 18. 
(jl7. "vBnukt nepos. 
vnuk ßech. — niukos m. Enkel Wrat. 100. 

618. v^Btorbnik-B dies martis. 

outerek cech. — outerkos m. Dienstag Wrat. 100. 

619. vy Praefix. 

vy russ. 2ech. pol. — vt/cingiräv by sollte ich streichen (peitschen); vijcinc/irdjä bylo 
er hat ihn durcligeprügelt Böhtl. 15. te vycungdrdes (t3 BHHVHrdpflBc) ausspeien 24. ivycUawa 
evehi Narb. wydzardau eiicere Narb. vyUs (bmji9c) herausnehmen Böhtl. 25. vysykaves 
(BWCbiKaBBc) anzeigen Böhtl. 21: vergl. sykaves (cHKaBsc) zeigen 264. 

620. vydra lutra. 

vidra nsl. serb.; russ. vydra u. s. w. — vidra loutre und marmote Vaill. Rumun. 

vidrt 18. 

621. vyka. * 

vika clamor nsl.; serb. vikati, vicem u. s. w. — tüka Geschrei Puch 50. f. Wrat. 115. 
inka clamor Pott, Ztschr. 3. 330. vicinel verb. schreien Puch. 50. 55. Vocabul. vlcindja 
er hat gekreischt, gejammert Müller 179. 193. vikizava, vikizdava verb. crier Pasp. 577. 

622. vym§.* 

vime nsl. serb.; russ. vymja. — imjo (iiMte) Euter Böhtl. 18. 

623. vtstaga lorum. 

stuXka aus vstuXka dem. Band, Seidenband cech. — stuska f. Taffetband Puch. 48. 

Band Wrat. 111. 

624. vEsalcB quilibet. 

svaki serb. — svdko, sdko jeder Wrat. 112. 138. sdko jeder Müller 173. Vocabul. 
sekono tout Vaill. 60. sdkovar jedesmal Müller 188. szekovar, szekovari semper Grellm. 316. 
sakodij täglich Vocabul. sakojako verschiedenes Müller 184. jedweder Vocabul. Vergl. 
hakko jeder Bisch. Lieb. 

625. za Adverb, Praeposition und Praefix. 

zabyti oblivisci. — Dem gewissermassen nachgebildet ist te zabistyres (t9 aaÖHCTBipa c) 
vergessen; te zabistyrdes 265. Te zachacies {t9 saxaiHac) anbrennen Böhtl. 263. te zakades (t9 
saKa^äc) zabiratB zusammenraffen Böhtl. 262. zamarawa zabiö occidere Narb. zapchandaioa 
claudere Narb., eig. zav^zati zubinden. 

626. zabaviti offendere, eig. wol aufhalten. 

zabawi6 aufhalten; bawi6 si? sich aufhalten pol. — zabawisowa morari Narb. 

627. zabltidBn^B erroris. 

zäbludn^^ Sech. — zahlitdno verirrt Böhtl. 16. 

628. zarja, zorja splendor. 

zarja, zorja nsl. u. s. w. — zara aurore; zara {sara) aube, blancheur; zior point du 
jour Vaill. Rumun. zarB splendor 23. 

(>29. zbyt neben wzbyt nimis pol., entsprechend einem asl. izbytt* in izbyt-BlcB reliquiae. 

zehid, {sebut lohn zu viel Salz) Pott 1. 304. zebdtl (sebdti) Übergewicht Bisch. Das 
Wort ist dunkel: but ist zig. b?it multum. 



Über DiK Mundakten t'Ni) die Wandkrunukn i>er Zickuner Europa's. i. 241 

630. zeleni) viridis. 

zelen nsl. serb. bulg. u. s. w. — zeleno adj. grün Pucli. .')(). Vocabul. ko zeleno ku 
demhyco (ko 33JI3H0 ko ;i;4mbm.iio) an die grüne Eiche Böhtl. l(i. zeljumm, viriditas Alter 
130. zedvn in zcdnu stadji a gi-een liat Borrow, Gypsies 264. und in zedno adj. grünA'oeabul. 
ist magy. zöld. senello Pott 2. 254. sennelo Liebich 158. ist durch Umstelhing von zeleno 
entstanden; zelin grün Bess. zol'nn vert; zolimos verdure Vaill. 
»631. zmij draco. 

zmaj nsl. serb. — zmeo dragon, cerf-volant Vaill. Rumun. zmeii 23. 

632. zobL avena. 

zob serb. — dzoi- orge Pasp. 227. Habei- PucJi. n'J. 70. Wi'at. «H. deor Böhtl. 
267. dzoti Alter 142. diouitko adj. Pott 1. 100. dzoh (dschoh) 2. 214. dsrhöb Liebich 2()(;. 
dzon avena neben zup hordeum Narb. jove Aus Süditalien ({erste Ascoli -131. Im Aus- 
laute wechseln auch sonst b und v: hob, bor Ofen Wrat. 147. gab, (jar Dorf 126. Das 
anlautende dz mag in dem ursprünglichen dz für z begründet sein. Diese Darstellung 
ist jedoch unrichtig: das auch in Asien als dzev {djev) Pasp. 120. bekannte Wort ist hindust. 
pers. Auf die Form ziob. Mündlich, mag serb. zob eingewirkt haben, aus dem zaho m. 
Vocabul. mittelbar stammt. Slavische Elemente im Magy. 62: zab. 

633. zr'Bcalo speculum. 

zrcalo nsL — zrekalo m. Spiegel VocabuL 

634. zubun-b. * 

zubun serb. Fremdw. i^iij: venet.-ital. zupon. rumun. z-sbun. — zuhuno tunica Münd- 
lich, huzitnis f. Camisol Wrat. 139. 

635. zverb fera. 

zverb russ. — zverosh animal Alter 147. 

636. zvezda Stella. 

zvezda nsl.; serb. zvijezda u. s. w. — zvezda Stern Müller 202. 

637. ZV OUT, tonus. 

zvon nsl. serb. u. s. w. — .svon bruit, son, clameur, nouvelle Vaill. Rumun. svon 23. 

<)38. zaba rana. 

zaba nsl. serb. u, s. w. — Samba f. P'roscli Puch. ii(J. \'ocabul. Narb. zampa f. gre- 
nouille Sed. Pasp. 43. 125. zdmba 591. dzambaWr&t 131. neben zaba 116. 131. dschumba, 
diamba Kog. 41. djanba Danil. 105. dschampa. Liebich 133. schampa Bisch, capmj Böhtl. 
266. zamböri demin. Puch. 67. iambicka 66. Pott 2. 233. NgriecL C^^IJ-^c« Slavische Elemente 
im Ngriech. K!. Alb. dzamhe Albanische Forscbungen 1. 37. Znntpa kennen die Zigeuner 
in Asien nicht Pasp. 125. Die Einschaltung des m ist befremilend. 

639. Zagy.* 

Xagievv Feuerschwamm pol. — dzagra (dschagira) Zunder IVitt 1. llo. 

640. zalostb zelus. 

2alost cech. — zalostja {zalosiia) f. Gram, Kummer, Leid. Khigc Wrat. 116. 134. 143. 

641. 2arij. * 

zar'B russ. — iarosh neben tatto, tatipi, aestus Alter 113. 

642. 2elezo ferrum. 

2elezo nsl. — zelezo Prisen Mündlich. 

643. 2ena mulier. 

2ena nsl. serb. u. s. w. — zena Gattin Müller 202. 



242 Franz Miklosich. 

644. 2ila vena. 

zila nsl. serb. cech. u. s. w. — zila Ader Pucli. 68. dzila (dsc/äla) Ader Pott 2. 58. 
zyla, zyle Sehne 2. -233. zÜa f. veine Pasp. 43. 593. Wohl verschrieben zeita f. AderWrat. 
116. Vergl. zilav (jilav) humide Yaill. Rumiin. zilav 22. 

645. 2ivica. * 

zywica pol. — dzevica (dschewiza) Harz Pott 1. 101. 

646. zivina.* 

zivina animal nsl. serb. — zivina bete fauve Vaill. Rumun. Xivini. 22. 

647. zlijt-B flavus. 

21ut cech.; pol. zolty; russ. zeitig. — dzilfo adj. gelb Wrat. 88. 133. dzeldo (dscheldo) 
Liebich 150. 201. sclielto Bisch. Ausland, zelta f. Böhtl. 9. zuto adj. stammt aus dem Serb. 
Vergl. dialo adj. Wrat. 133. Udo Vocabul. 

648. zr^BtvBnik'B altare. 

zertvennilcB russ. — zertveniku Altar Bess. 

649. zupani,. * 

2upan klruss. pol. Fremdw. (j6. — zupancocha tunica talaris Narb. 



NACHTRAG. 

bliskati t'ulgurare. 

blyskati Sech. u. s. w. — hljiskinla aus -nela es blitzt. Vocabul. Ung. 

butalbka. * 

butalka Rührfass bulg. — huddlka m. baratte Pasp. 189. 

45. cel'B integer. 

rdo Born. 105. 

ßapka. * 

czapka pol. u. s. w. Fremdw. 128. — capka Mütze Vocabul. Ung. 

ßavka.* 

ßavka serb. slovak. u. s. w. Slavijche Elemente im Magy. 23. — coka Dohle. Un- 
mittelbar aus dem Magy. 

dabo,.* * ■ 

, dach klruss. slovak. pol. Fremdw. 83. — daclio-'^ Vocabul. Ung. 

93. dosyta. 

doha genug Wrat.-Märch. 91. aus dosta, dossa, dosa, wie hi aus asti, assi, asi, si. 

98. duhij Spiritus. 

duco m. espiritu span. Mayo. Zweifelhaft ist dtiquende m. a spirit, ghost. duende 
BoiTOw. dela o dfikhos il fait du vent Pasp. 203. 

108. gazuka. * 

liasyka Tuch Ostgalizien. 



Tber die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Eueopa-s. i. 243 

109. ga2dati, 

hacl'as er fand "Wrat.-MärL'li. 86. 3. von hadzava, wofür sonst liadzinava gebraucht wird. 

gingav. * 

gingav nsl. serb.; klruss. djengJyvyj Fremdw. 89. aus magy. gyenge. — genr/avo 
adj. schwächlich. 

113. gl^deti spectare. 

gendales Spiegel Vocabul. Ung. 

gora mons. 

gora nsl. serb.; cech. hora, hüra. — hura Berg Vocabul. Ung. 

119. gorbk^B amarus. 

gorak, grk serb. — kherkho adj. bitter Born. 100. 

132. grobi. Vergl. goior bis Narb. ist zu sti-eichen. 

134. gro.sB.* 

grosi, garasi Groschen Born. 89. 

139. gr-Bmeti tonare. 

griminel, griminnel es donnert Born. 106. 107. herminra es wird donnern aus herminla 
für herminela Vocabul. Ung. 

hall?.* 

halir Heller ßech. — Vergl. jalleri j)l. Borrow. bei Pott 1. 89. 

151. holeva.* 

holev f. Hose Born. 88. holof Vocabul. Ung. 

161. izi> ex Praefix und Praepos. 

te iscines zeiTcissen Böhtl. 24. ispchagirava ich werde zerbrechen izlomaju 22. 

173. jezero.* 

tzaros tausend Vocabul. Ung. 

jug:& auster, meridies. 

jug nsl. serb.; ßech. jih, jih u. s. w. — jigo m. Mittag, Siid Born. 88. 

189. kljus(j equus, asinus, iumentum. 

kUstic soldier engl. Simson 296. Das Wort hängt mit tiglistö, praes. nglidva monter 
Pasp. 560, zusammen. 

199. kopanja mensura quaedam. 

kopanja m. Trog Born. 88. 

227. kru§Lka pirum. 

kriiska f. Born. 88. 

229.. krtöbma potus inebrians, caupona. \ 

korcma Vocabul. Ung. 

233. kr'Lpa pannus. - * 

ktrpa, ckirpd f. torchon, chift'on Pasp. 287. , 

234. kr-Bstt Christus, crux. 
kerstos Ivi'euz Vocabul. Ung. 
lacin."* 

lacin, lacin^', lacny wolfeil cech.; pol. iac'ny leicht, Müsse habend. Ein dunkles 
Wort. — lurno adj. wolfeil Born. 100. 
1 o m p a V "h. * 
lompav fremd aus dem deutschen Lump mit slav. Suffix. — lompavo adj. faul Born. 100. 



244 Franz Miklosich. '"' 

lubenica.''' 

lubenica Wassermelone serb, — luhunici 1". Kartoffel Born. 8-8. 

274. iBg'bk'b levis. 

poloke adv. langsam; polökeder langsamer Born. 118. 

278. macbka.* 

mecka [metchka) f. chatte Pasp. 618, vielleicht ein Druckfehler.. 

meriti metiri. 

meriti nsl.; serb. mjeriti u. s. w. . — merinel, mermä messen Born. 107. 

294. m(jsbnica.''' 

mesnica Fleischbank Born. 90, 

mlaka. * 

mlaka Lache nsL; serb. mlaka Wasserboden u. s. w. — mlaka Sumpf Vocabul. Ung. 

299. mlint. 

mlina m. Mühle Born. 98. 119. 

305. more. 

Mein heisst zig. maro, monro Vaill. 41. mmru, nvindo, mo Pasp. 69. Mo wird in 
Anreden gebraucht: so kerdan, mo? qu'as-tu fait, 6 mien? 365. mo, so sanniisän! 6 mienne! 
comme tu es deliee! 366. 

308. mostt pons. 

Vergl. mosto m. Truhe Born. 88. 98. mochto Puch. 44. 

318. na da hast du. 

na Pott 1. .316. 

327. nehaj.* 

nek pijd, pijel, pijas, pijev Born. 112. 

332. nembCB. 

ninco Born. 88. njemciko Gulden Vocabul. Ung. 

ni — ni neque — neque. 

me ni na ha ni pijd neque edo neque bibo; me. ni na khelä ni na besä neque salto 
neque sedeo Born. 119. Die türk. Zigeuner haben ne — ne: ne rakli ist ne sinid il n'y 
avait ni fiUe ni table Pasp. 388. Vergl. nikoj nusquam Born. 118. nikoda, nikda nunquam 
118. nikntar nirgend W^rat.-Märch. 90. 

339. obloki».* 

hloki Born. 87. ohlaka Vocabul. Ung. magy. ablak. 

340. obraz-B. 

obrazis Bild Vocabul. Ung. 

353. opad: opasti. 

apatinä magy. apadok Born. 106. dr apatinde kiapadtak 122. 

orbl'5 aquila. 

01'los Adler Vocabul. Ung. 

358. ostr-b. 

osfro scharf Vocabul. Ung. 

360. Ott Praefix und Praepos. 

otpchandes (oTnxaH/tac) öffnen Böhtl. 22. 

palenka cech. 

paljenka Branntwein Vocabul. Ung. magy. pälinka. 

/ 



Über die'Mundakten und die Wanderungen pek ZuiErNEK Eri;op,v's. i. 245 

palicii vii-gH, fustis. 

jta/ra Stock Vocabul. Ung. magy. palcza. 

parta nsl. Fremdw. 

parfri f. ribbon. cinta Borrow. l'ott 2. 845. magy. pärta Kopfputz; der Mädchen. 81av. 
Elemente! im Magy. 44. 

368. papTj. 

pepek pt)l. — pcmka Nabel l'ott 2. SöC. 

pleva palea. 

j>lrra (pk'tnca) Spreu l'ott 1. 296. Vergl. pleva herbe Pasp. 444. 

ploStka cimex ßech. 

phis in jidiplos punaise; jidi piice. jiduiKni pou Vaill. Vergl. dzur Laus l'uch. o!). 
Ilumun. plosnicb. 

;>3ll. po Adverb. Praeposition und Pi'aelix. 

In der Gradation: u po hareder le plus grand l'asp. 164. Jn der Distribution: jv) jck 
1!»1. pxi sei u perundo (jhrösa 167. po Je korro Born. 100. Vergl. Pasp. 440. In der BedeuT 
tung post: ^jo takhidra apres demain Pasp. 002. Als Praefix: popcjd (noiiaH) aus popeljd 
russ. popalt Böhtl. 26.'). potrodes ('noTpa;;9(' ) ein wenig jagen 20. 

3H7. pod-B. 

o pödo Boden Born. 88. 

podt Praeiix und Pi'aepos. 

podcines (nü/i;4iiHäc) russ. podrezatb ein wenig abschneiden Böhtl. 24. podmates (^o/^MaT^c) 
russ. podpivatb sich öfters betrinken 2o. 

polidfane meridies. 

pdlophino Nachmittag Boi-n. 118: piano ist slovak. poludni meridianus. 

410. povije.* 

Man beiiclite die verschiedene Bedeutung des mit vezda- superciliuni verwandten 
serb. und des zig. Wortes und füge zu den angeführten Avohl mit aind. bhrü zusammen- 
hangenden zig. Wörtern noch hinzu: pov sourcil Pasp. 444. und pchova Pucli. 46. 

pozorij. 

oech. pozor. — die) jwe tute pozoris gib acht auf dich Vocabul. Ung. 

415. pre Praefix. 

perepchdgirde (^epelIxä^llp;^^J sie liabt^ zerbrochen Böhtl. 18. 22. 

420. pri Praefix und Praeposition. 

ki jnd sukäre raklja hesel er sitzt bei schönen Mädchen Born. \)\). 

427. pro Praefix und Praeposition. 

procives (iipoiiiBac; vergiessen Böhtl. 24. pi'odcives (npoflyuuäc; für prodzives verleben 24. 
protadava icli werde fortjagen 20. Man beachte die Futurbedeutung des Praesens wie 
bei den perfectiven Verben im Slav. 

432. ])u5ka.* 

puskn Vocabul. Ung. 

skrilo. '•■ 

skrzydJ'o iml. — skridlos P'h'igel Vocabul. Ung. 

494. sluga. 

/ slnziua Magd Born. 8;i. 121. 

Deuksnliritteu ilpr pliil -hist. Tl. XXI. Bd. 3"^ 



246 



Fkanz Miklosich. 



514. stol-b. 

stolkos Stuhl Vocabul. Ung. 
stromi. * 

Strom cech. — stromos Baum Vocabul. Ung. 
(jl3. sveti. 

svito für orszäg Born. 
.syr'B. 

syr cech. — sir Quark Puch. 47. 
s'&klep'B. * 

sklep cech. — skljepa Gewölbe Vocabul. Ung. 
taj. 

taj klruss. — taj und Born. 119. 
577. u Praefix und Praeposition. 

aharyä es ist gut gerathen Böhtl. 2G2. ndascwes (yflamaßac) erdrücken 21. iipchandes 
(ynxaH;^9c) verstecken 22. 
ß05. vlaht vlachus. 
vlahiko m. Walach Born. 89. 
609. volja voluptas. 
volakero adj. lustig Born. 101. 

619. vy Praefix. 

vycines (blihuhbc) ausreissen Böhtl. 24. vycives (bi,ihiib3c) hinauswerfen 24. vydcas (BMfliac) 
aus vijdzas hinausgehen 24. vykines (bbikhebc) loskaufen 19. vymekes (ßbiMaKac) hinaus- 
lassen 23. 

620. vydra lutra. 

Vergl. vidrisko kiräli Müller 173. 174. 
v:b Praefix und Praeposition. 

vdcas (Baiac) aus vdzas hineingehen Böhtl. 24. vmakes (BMaK9c) einschmieren 23. 
vtrades (BTpa;^^c) hineinjagen 20. 

624. vbsak^B. 

sakovako auf alle Art Born. 105. sdkodi täglich Müller 173. 

625. za Adverb, Praefix und Praeposition. 

te zachaves (t9 gaxaBac) dazu essen Böhtl. 20. zalydcas (aaJiH^üj'iac) aus zalydzas hinaus- 
führen 26. zainakches (saiviaKxäc) beschmieren 23. 
zalogt frustum. 

zalog wenig Born. 105. zalogeder compar. ibid. 
647. il'ht'B flavus. 
zutö gelb Born. 101. Mdlo gelblich ibid. 

Nro. 23. ist blesk'L* l'iir blesko* zu lesen. Nro. 43. gecli. caük ist aus dem Deutschen entlehnt. Nr. 60. cerha Puch. 37 
soll für Pflaster Flachte (1. i. Plahe, Flache stehen, wie aus Seite 23 hervorgeht. Nro. 98. naduso vergl. Pott. 2. 310. Nr. 282. 
makli'ca ist vom zig. makK) durch das slavisclie Suftlx ica für ica abgeleitet. Nro. 308. mosto, mochto vergl. Pott 2. 437. 



Über die Mundarten und die Wandekungen dek Zigeuner Europa'S. i. 247 



ABKÜRZUNGEN. 



Bat. s. Literatui" Bataillard. 

Bess. Vücabular aus Bessarabien. 

Belg. Yocabular aus Belgorod in Russland. 

Bisch, s. Literatur: BisclioÖ'. 

Bölitl. s. Literatur: Bölitlingk. 

Born. s. Literatur: Bornemisza. 

Borr. s. Ijiteratiu-: Borrow, G., The Zineali. 

Camp uz. s. Literatur: Campuzano. 

Cank.: A. und I). Kyriak Cankof, Grammatik der bulgarisclien Sprache. Wien 1852. 

Dan iL s. Literatur: Danilowicz. 

Fremdw. Meine Abhandlung: Die Fremdwörter in den slavischen Sprachen. Denk- 
schriften XV. 

Heuf. s. Literatui-: Heutier. 

Kog. s. Literatur: Ivogälnitschan. 

Müller s. Literatur: Müller, Fr. 

Mündlich s. Literatur. 

Narb. s. Literatur: Narbutt. 

Nom. Aus. der Sprache der nicht sesshaften Zigeuner der Türkei. 

Pasp. s. Literatur: Paspati, A. G., fitudes. 

Puch. s. Literatur: Puchmayer. 

Rumun. Meine Abhandlung: Die slavischen Elemente im Ilumun. Denkschriften XIL 

Sed. Aus der Sprache der sesshaften Zigeuner der Türkei. 

Slavische Elemente im Magyarischen. Meine Abhandlung über diesen Gegen- 
stand. Denkschriften XIX. 

Yaill. s. Literatur: Vaillant, Grammaire, 

Vocabul. Vocabular aus Ungern. 

Vocabul. Ung. Vocabular aus der Gegend von Unghvär. 

Wrat. s. Literatur: Wratislaw, Versuch. 

Wrat.-Märchen s. Literatur: AVratislaw: Märchen. 



;i-j* 



248 Feanz Miklosich. 



LITERATUR. 

Das folgende Verzeifimiss enthält für iliejenigen, die sich nach mir mit der Zigeunerfrag-e beschäftigen werden, alle mir bekannt 

gewordenen Schriften nnd bedeutendere Artikel über Sprache, Geschichte, rechtliche und sociale Stelhmg der Zigeuner. Die Grundlage 

bot Pott's Verzeichniss. Was ich durch eigenen Gebrauch kennen gelernt habe, ist mit einem Sternchen bezeichnet. 

*Alter, F. C, Über die .samskerdamische Sprache, vulgo Sanskrit. Wien 1799. 
Pott 1. 19. Nach der Vorrede 111. stammt das Wörterverzeichniss grösstentheils (der 
zigeunerische Theil ausschliesslich) aus dem Petersburger vergleichenden Wörterbuch 
(Vocabularia). Alters Angaben sind nach dem Original berichtigt und ergänzt. 

*Anzeigen aus sämmtlichen k. k. Erbländern. V. VI. Wien 1775. 1776. V. Von 
dem heutigen Zustande, sonderbaren Sitten und Lebensart, wie auch von denen übrigen 
Eigenschaften und Umständen der Zigeuner in Ungarn 159. Zigeunerische Wörter 
nebst ihrer Bedeutung 94. 'Das Vaterunser zigeunerisch 95. 

*Ascoli, (t. J., Zigeunerisches. Halle 1865. 

*Bartalus, St., A czigany es viszonya zenenkhez. In: Budapesti szemle. Neue 
Folo-e. III. Band. 107—120. 290—309. IV. Band. 35—74. Pest 1865. 1866. 

*Bataillard, Paul, De l'apparation et de la dispersion des Bohemiens en Europe. 
Bibliotheque de l'Ecole des Chartes V. 438—475. 521—539. Paris 1843. 1844. Nouvelles 
recherches. Troisieme serie. Tome premier. 14 — 55. Paris 1849. 

*Bataillard, Paul, Les derniers travaiix relatifs aux Bohemiens dans l'P^urope Orien- 
tale, ßevue critique. Paris 1871. 191 — 217. 

*Baudrimont, A., Vocabulaire de la langue des Bohemiens habitant les pays 
basques fran9ais. Extrait des Actes de l'Academie Imperiale des Sciences, Belles-Lettres 
et Arts de Bordeaux. Bordeaux 1862. 

Bernard, H., Moeurs des Bohemiens de la Moldavie et de la Valachie. Paris 
1869. Vergl. Revue critique Paris 1870. 28. mai. 

Beschreibung des chursächs. allgemeinen Zucht-, Waisen- und Armenhauses zu 
Waldheim. Dresden und Leipzig 1726. Pott 1. 12. 

Beytrag zur rottwellischen Grammatik oder Wörterbuch von der Zigeunersprache. 
Frankfurt und Leipzig 1755. 

* Biester, Berlinische Monatsschrift. Berlin 1793. Band XXI. Februar 108 — 165. 
April 360—393. Pott 1. 17. 

* Bischoff, F., Deutsch-zigeunerisches Wörterbuch. Ilmenau 1827. Pott 1. 21. 
Blicher, Sten, Viborg Amt beskrevet. Kjöbenhavn 1839. 

*Böhtlingk, Otto, Über die Sprache der Zigeuner in Russland. Bulletin de la 
classe historico-philologique. St. Petersbourg 1853. X. 1. 261. 

Borck, Le baron de. Memoire historique sur le peuple nomade appel6 Bohemien. 
Oeuvres diverses. Paris 1802. 

*Bornemisza, J., A' czigany nyelv elemei in: Üjmagyar muzeum. Kiadjäk a' Magyar 
Academia több tagjai. Harmadik folyam. Pest 1853. Mäsodik kötet. 83 — 122. 

Borov, Cygane. Etnograficeska ocerka. In dem in Constantinopel erscheinenden 
bulgarischen Journal Citaliste 1870. Nro. 6. 



Über die Mundarten und die Wanderunuen der Zwkunek Europa'S. i. 249 

*Borrow, U., The Zincali; or, an accovint of the Gypsies of 8pain. With an origi- 
nal collection of their songs and poetry, and a oopioiis dictionary of their language. 
London 1841. Pott 1. 24. 

*r)orrow, G., The Zincali. An account of the Gypsies of Spain. New edition. 

London 18G1. 

*Bright, R., Travels from Vienna through Lower Hungary. P^dinbvirgh ISIS. 

LXV— XCIL 

Brückmann, Von den Zigeunern und ihrer Lebensart in Ungarn: Breslauer Samm- 
lung. XXXlll. Theil. Seite (li). 

*Bryant, J., Collection on tlie Zingara, or Gypsey language. Archaeologia. London 
178.5. VIL 387—395. Pott 1. Ki. 

*Bugge, S., Vermischtes aus der Sprache der Zigeuner. Beiträge zur vergleichenden 
Sprachforschung. I. 139 — 1.5.5. 

*Campuzano, ß., Origen, usos y costumbres de los Gitanos, y diccionario de su 
dialecto. II. edicion. Madrid 1S.51. 

*Caronni, F., Caronni in Dacia. Mie osservazioni locaii, nazionall, antiquarie sui 
Valacchi specialmente e Zingari Transilvani. Milano 1812. 

Cruzillo, E., Vocabulario del dialecto Gitano. Madrid 1844. 

*Cyganie w krolewstwie polskim. Im Dodatek zur Gazeta Lwowska ISöl. 14. 1.5. 

*Czacki, T., DzieJa. Pozimn 1844. 1845. 3 vol. O cyganach IIL 28.5—304. Ent- 
hält werthvolle Nachrichten über die Geschichte der Zigeimer in Polen. 

*Danilowicz, J., O cyganach wiadomo^c historyczna. Wilno 1824. 

* Diccionario del dialecto Gitano. Origen y costumbres de los Gitanos. Gontiene 
mas de 4500 voc^es. Por A. de C. Barcelona 1851. 

*l)iefenbach, L., Berliner Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik. Bei'lin 1842. 
3(;7— 396. Pott 1. 24. 

Dirks, J., Geschiedkundige ondersoekingen aangaande het verblijf der Heidens of 
Egyptiers in de Noordelijke Nederlanden. Utrecht 1850. 

Domeny de Rienzi, G., De l'origine des Tzengaris. Revue encyclopedique. Paris 
1832. Novembre 3G.5— 373. Pott 1. 22. 

Dorph, N. V., Rotvaelsk Lexicon. Viborg 1824. 

Dorph, N. V., De jydske Zigeunere og en rotvaelsk Ordbog. Kjöbcnhavn 1837. 
Recensiert von Henrichsen in Maanedskrift for Litei'atur Vol. XVIII. 1837. 

Dyrlund, Tater- og Natmandsfolk i Danmark betragtede med Hensyn til Samfunds- 
forholdene i det llele. Kjöbenhavn 1872. 

*Elvert, Chr. d'. Zur Geschichte der Zigeuner in Mähren und Schlesien, in: Schriften 
der historisch-statistischen Section der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft des Acker- 
baues, der Natur- und Landeskunde. Brunn 1859. Band XII. 110 — 144. Das Werk enthält 
eine sorgfältige Zusammenstellung der von der Regierung gegen die Zigeuner getroffe- 
nen Massregeln. 

Enyessei, G., Über Ursprung, Sprache und Schicksal der Zigeuner. Komorn 1798. 
Halle'sche Allgemeine Literaturzeitung 1801. Intelligenzblatt 1799. 

*Ii]tzel, A. v., Vagabondonthum und Wanderleben in Norwegen. Berlin 1870. Mit 
Benutzung von F^ilert Sundt's Werk. 



250 Fkanz Miklosich. 

Evangelium Lucae. Embeo e majaro Lucas. El evangelio segun S. Lucas traducido 
al romani 6 dialecto de los Gitanos de Espana (von G. Borrow.) 1837. Pott 1. 24. 

*Fändly, G., Historia compendiata gentis slavae Georgii Papanek. Tyrnaviae 1793. 
De postrema in Europa natione zingarica. 280 — 28G. 

Fant, Erich M., Dissertatio. Observationes liistoriam Zigeunerorum illustrantes. Upsala 
1791. 14 pagg. in 4. Wird auch untßr Kabenius angeführt. 

*Födisch, J. E., Böhmische Zigeuner. In: Mittheilungen des Vereines für Geschichte 
der Deutschen in Böhmen. IV. Jahrgang. Prag 186G. 202 — 209. 

*Fritsch, De Zigeunorum origine, vita et moribus. Jenae 1G60. 

*Gerando, A. de, La Ti'ansylvanie et ses habitants. Paris 1845. 2 vol. 1. 179 — 196. 

* Globus. Illustrirte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde. Hildburghausen IX. 
1865. Leben und Treiben der Zigeuner. 1. Auf dem Monte Sacro in ' Granada 46. 2. xVb- 
stammung und Sprache der Zigeuner. Von A. Boltz. 50. 3. Abstammung und Sprache 
der Zigeuner. Von A. Boltz. 75. XL 1867. Die Vorstadt Triana und die Zigeuner 132. 

* Gräberg de Hemsö, Doutes et conjectures sur les Bohemiens et leur premiere 
apparition en Europa. Academia di Toiino. 1813. 17 — 40. Der Verfasser sucht nachzu- 
weisen, dass die Zigeuner seit dem dreizehnten Jahrhundert in Europa sind. 

* Graf funder. Über die Sprache der Zigeuner. Erfurt 1835. Pott 1. 22. 

* Grellmann, H. M. G., Historischer Versuch über die Zigeuner. IL Aufl. Göttingen 
1787. Tott 1. 14. 

Grellmann, H. M. G., Über den Ursprung der Zigeuner. Schlötzer's Staatsanzeiger 
Heft XA'I. Seite 440. 

Grolman, F. L. A. v,, Wörterbuch der in Deutschland üblichen Spitzbubenspra- 
chen. Giessen 1822. I. Pott 1. 20. 

Hannikel oder die Käuber- und Mörderbande zu Sulz am Neckar. Tübingen 1787. 
Pott 1. 17. 

*Harriot, J, Staples, Observations on the oriental origin of the Romnichal, or 
tribe miscalled Gypsey and Bohemian. Transactions of the Royal Asiatic Society. London 
1830. n. 518—558. Pott 1. 21. 

Hasse, J. G., Zigeuner im Herodot. Königsberg 1803. Pott 1. 20. 

Heister, C. v., Ethnographische und geschichtliche Notizen über die Zigeuner. 
Königsberg 1842. Pott 1. 26. 

Hervas, Laur., Vocabolario poligloto. Cesena 1787. Pott 1. 13. 

*Heufler, L. ß. v., Zigeunerisches Wörterverzeichniss, 1850 einem Zigeuner in 
Hermannstadt abgefragt. Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft. Wien 1858. 
H. 50—52. 

*Hopf, C, Die Einwanderung der Zigeuner in Europa. Gotha 1870. 

Horky, Zur Geschichte der Zigeuner. In: Brünner Wochenblatt 1824 Nr. 6. 9. Von 
d'Elvert 130 angeführt. 

Hoyland, J., Historical survey of the customs cet. of the Gypseys. York 1816. 
Pott 1. 20. 

Irvine, On the similitude between the Gypsey and Hindoostani language. Trans- 
actions of the Literary Society of Bombay. 1819. Pott 1. 20. 

*Jimenez, D. A., Vocabulario del dialecto Jitano, con cerca de 3000 palabras. 
IL edicion. Sevilla 1853. 116 pagg. in 16. Die erste Ausgabe erschien 1846. 



Über die Mundarten und die Wandekungen der Ziheunek Eukopa's. i. 251 

* Jordan, De la Croze. Amsterdam 1741. Pott 1. 12. 

*Kindler, J. P., Interessante Mittheilungen über die Zigeuner. Nürnberg 1831. Pott 1.22. 

*Kogalnitsclian, M. de, Esquisse sur l'liistoii-e, les moeurs et la langue des Cigains. 
Berlin 1837. Pott 1. 23. 

*Kohl, J. (t., Reisen in Südrussland. Dresden und Leipzig 1841. 1. 100 — 102. 234. 
280. Pott 1. 24. 

*Leist, A., DieSprache der Zigeuner. Nach eigener Erforschung. Ausland 1864. 880 — 884. 

*Liebich, R., Die Zigeuner in ihrem Wesen und ihrer Sprache. Leipzig 18G3. 

Ludolplius, Job, Commentarius ad historiam aethiopicam. Francot'orti ad Moenum 
KiUl. Pott 1. (i. 

Magazin, Hannoversches, 1841. Nr. 40. ()3. G4. Pott 1. 24. • 

*Marsden, W., Observations on the language of the people commonly calied Gyp- 
seys. Archaeologia. London 1785. VII. 382—38(5. Pott 1. Kl. 

*Materialy dlja geografii i statistiki Rossii. Nachrichten über die Zigeuner ent- 
halten mehrere Bande dieses umfangreiclien Werkes. 

*Mayo, Francisco de 8ales, El Gitanismo. Historia, costumbres y dialecto de los 
Gitanos. Por Fr. de Sales Mayo. Con un epi'tome de gramatica Gitana, primer estudio 
lilolögico publicado hasta el dia, y un diccionarlo calö-castellano. Por Francisco Quindale. 
Novisima edicion. Madrid 1870. 7(5 und 7(> pagg. in K!. 

* Michel, Francisque, Le pays basque. Paris 1857. Les Boh6miens du pays basque. 
128— 14(J. 

Molnilr, Specimen linguae czingaricae. Debrecin 1798. Pott 1. 19. 

*Müller, Fr., Beiträge zur Kenntniss der Rom-Sprache in den Sitzungsberichten 
18(19. XLI. 149—206. 

Müller, J. V., Untersuchungen über die Herkunft der Zigeuner. Geschichte der 
schweizerischen Eidgenossenschaft. Leipzig 1806. III. 116. 

*Narbutt, Th., Rys historiczny ludu cyganskiego. Wilno 1830. Siownik j^zyka 
cyganskiego 152 — 169. 

*Newbold, The Gypsies of Egypt. The Journal of the Royal Asiatif Society of 
Great Britain and Irelaud. London 1856. Mit den Mittheilungen von II. S. Rickards 
über die Zigeuner Aegyptens, Syriens und Persiens. XVI. 285 — 312. 

*Ousely, W., Travels in various coimtries of the East, more particularly Persia. 
London 1823. Vol. III. 400—401. Pott 1. 21. 

* Paspati, A. G., Memoir on the language of the Gypsies, as now usod in the 
Turkish empire. Journal of tlie American Oriental Society. Newhaven 1862. VII. 143 — 270. 

* Paspati, A. G., Etudes sur les Tchinghianes ou Bohemiens de rp]mpire Ottoman. 
Constantinople 1870. Das vortreffliche Werk behandelt in erschöpfender Weise die Sprache 
der Zigeuner Rumeliens und theilt Wichtiges über die Sprache der Zigeuner Asiens mit. 

*Passa. .loubert de, Essai historiq\ie sur les Gitanos. Annales des Voyages. Paris 
1827. XXXllI. 289—362. 

Possart, F., Ausland 1836. 30. September. Vergl. auch Ausland 1833. 163. 337. 
342. 346. Pott 1. 23. 

*Pott, A. F., Die Zigeuner in Europa und Asien. Halle 1844. 1845. 2. Bände. 

'^Pott, A. F., Über die Sprache der Zigeuner in Syrien. Zeitschrift für die Wissen- 
schaft der Sprache. Berlin 184(i. 1. 175 — 186. 



252 Franz Miklosich. 

*Pott, A. F., Über die Zigeuner. Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesell- 
schaft. III. 321 — 335. Neueste Beiträge zur Kenntniss der Zigeuner und ihrer Sprache 
VII. 389—399. 

*Pottinger, H., Travels in Beloochistan and Sinde. London 181(!. Loorecs 152 — 154. 
Deutsch Weimar 1817. 229—232. Pott 1. 20. 

Predari, F., Origine e vicende dei Zingari, con documenti intorno le special! loro 
proprietä, fisiche e morali, la loro religione, i loro usi e costumi, le loro arti e le attuali loro 
condizioni politiche e civili in Asia, Africa ecc. con saggio di grammatica e di vocabu- 
lario deir arcano loro linguaggio. Milano 1841. Pott 1. 25. 

*Puchmayer, A. J., ßomäni (Jib, das ist: Grammatik und Wörterbuch der Zigeu- 
ner-Sprache nebst einigen Fabeln in derselben. Prag 1821. Der Verfasser, Pfarrer zu 
Radnitz in Böhmen, ist nicht nur durch seine von Pott I. 20. als vorzüglich anerkannte 
Schrift über die Sprache der Zigeuner, sondern auch durch sein , Lehrgebäude der russi- 
schen Sprache Prag 1820' und durch cechische Dichtungen i-ühmlich bekannt. Er starb 
am 29. September 1820. Wie sein Biogi-aph, Ad. Sedläcek, erzählt, pflegte er fähi- 
gere Zigeunerknaben einzeln zu sich zu locken , die Angaben der einen durch die 
anderer zu controliren, Mittheilungen, die sich als richtig erwiesen, zu belohnen, lügen- 
hafte zu bestrafen, und gelangte so in einem Zeitraum von zehn Wochen zu der möglich 
grössten Kenntniss der Zigeunersprache. 

Richardson, D., An account of the Bazeegurs. a sect communly called Nuts. Asiatic 
Researches. London 1803. VIL 451—479. Pott 1. 17. 

Roberts, S., The Gypsies. London 1836. 1842. Pott 1. 23. 

*Rösler, R., Zur Frage von dem ältesten Auftreten der Zigeuner in Europa. Aus- 
land 1872. 406. 

Rosenberg oder die im preussischen Staate entdeckte Zigeunerverschwüruug. Denk- 
würdigkeiten der preussischen Staaten. 1802 Juni. Pott 1. 19. 

Rüdiger, J. C. C, Neuester Zuwachs der Sprachkunde. Halle 1782 — 1793. Pott 1. 13. 

*Serwatowski, H., O cyganach w Galicyi. Przegliid poznanski. 1851. XIII. 412. 

*Setze«i, U. Jasper, Reisen durch Syrien, Palaestina, Phönicien, die Transjordan- 
Länder, Arabia Petraea und Unter-Ägypten. Berlin 1854. IL Wörterverzeichniss aus der 
Sprache der Zigeuner Syriens 184—189. Yergl. Pott 1. 20. 

*Simson, W., A history of the Gypsies with specimens of the Gypsey language. 
London 1865. 

Sloet, Bijdrage tot de geschiedenis der ,Heidenen' in Gelderland. Bijdrage tot de 
vaderl. geschied. 1847. V. 93. 

Sprengler, F. R., Dissertatio historico-iuridica de Cinganis sive Zigeunis. Lugduni 
Batavorum 1839. Pott 1. 24. 

Storch,Uber die Zigeuner im Königreich Preussen. Preuss. Provincialblätter 1833. X. 426. 

*Sundt, Eilert, Beretning am Fante- eller Landstrygerfolket i Norge. Christiauia 
1852. Andet Oplag. Mit vier Fortsetzungen 1859-. 1862. 1863. 1865. Das Hauptwerk 
entliält 364 — 392 einen Anhang : Ordfortegnelse til det norske og svenske Fantesprog. 

Tetzner, Th., Geschichte der Zigeuner. Weimar 1855. Pott 1. 22. 

Thomasius, Dissertatio philosophica de Zingaris. Lipsiae 1677. Deutsch 1748. 

Vaillant, J. A., Origines, langage et croyance des Romüni Zindromes et Zindcali. 
Revue de l'Orient IV. Paris 1844. 127. 



ÜBER DIE Mundarten und die Wanderungen der Ziqeuner Europa'S. i. 253 

*Vaillant, J. A., Les Romes. Histoire vraie des vrais ßohemiens. Paris 1857. Bis 
auf die Darstellung der gegenwärtigen Lage der Zigeuner in den Dunauturstentliiiniern 
unbrauchbar. 

*Vaillant, J. A., Granimaii-e, dialogues et vocabulaire de la langue des Bobemiens 
ou Cigains. Paris 1868. Die einzige Quelle für die Kenntniss der sehr wichtigen Mund- 
art der rumunischen Zigeuner. 

Vaterländische Blätter. Wien 1811. Beiträge zur Ethnographie Siebenbür- 
gens. 349. 359. 363. 377. 

* Vocabularia. Linguarum tutius urbis vocabularia comparativa. Pctropuli 17S(i. 
1789. I. IL 

Vulcanius, Bonaventura, De literi.s et lingua Getarum seu Gotlioruni. Lugduni 
Batavorum 1597. Pott 1. 3. 

*(Wratislaw, Graf von Mitrowie, Rudolf) Versuch einer Darstellung der Lebens- 
weise, Herkunft und Sprache der Zigeuner im Allgemeinen und der in Österreich leben- 
den Zigeuner insbesondere. Als Manuscript gedruckt, Prag 1868. 

*(WratIslaw, Graf von Miti-owic, Rudolf) Märchen. Herausgegeben von Fr. Müller 
in den Sitzungsberichten 1872. LXX. 85 — 100. 

*Zigeuner. Ein längerer Ai-tikel in J. H. Zedler's Universal-Lexicon. Band EXIL 
520 — 544. 

* Zigeuner. Über die Zigeuner des Baskenlandes. Annalen der Erdkunde. Berlin 
1831. IIL 492—494. 

Zigeuner. Können Zigeuner nicht aus dem preussischen Staate verbannt werden? 
Berlin 1791. 30 Seiten. Halle'sche Allgemeine Literaturzeitung 1795. I. 375. Deutsche 
Bibliothek CXV. 278. 

Zuev (3yeB'B), V., Reise von St. Petersburg nach Cherson. Deutsch. Dresden und 
Leipzig 1789. Das russische Original erschien St. Petersbui-g 1787. Pott 1. 15. Eine 
Abschrift des Vocabulars aus dem letzteren verdanke ich Herrn Akademiker A. Schief ner 
in Petersburg. 



Zweite Abtheilung*. 



Abhandlungen von Nicht -Mitgliedern der Akademie. 



DIE 



GLOSSE ZUM DECKET GRATIANS 

VON IHREN ANFÄNGEN 
BIS AUF DIE JÜNGSTEN AUSGABEN. 

VON 

D« JOH. FRIEDRICH R. VON SCHULTE, 

ORD. PHOFESSOR DES CANONISCHEN UND DEUTSCHEN RECHTS IN PRAG. 



VORGELEGT IN DER SITZUNG AM 18. JÄNNER 1872. 



Einleitung. 

stand der Sache. Aufgabe. 

Im §. 4. ist angegeben, in wiefern die Literatur bisher sich mit der Glosse zum 
Beeret befasst hat. Alles, was gedruckt ist, beschränkt sich auf Citate aus der Glosse, 
auf Anführung von Namen, auf die Hervorhebung der Bestandtheile der Glossatoren- 
arbeiten, somit auf Äusserliches, Bisher ist nicht einmal der Versuch gemacht worden, 
die Namen und Thätigkeit der Glossatoren erschöpfend festzustellen, den Charakter der 
Glosse aus dieser selbst zu entwickeln, das Verhältniss zu fixiren, worin die Arbeit von 
Johannes Teutonicus zu den Leistungen seiner Vorgänger steht, in wiefern Bartholomäus 
von Brescia gegenüber dem Apparate des Johannes als Reformator erscheine. Eine Fest- 
stellung auch nur irgend eines dieser Punkte aus Handschriften hat niclit stattgefunden. 
Gleich wenig hat man untersucht, in wiefern die Ausgaben die Glosse enthalten. Es ist 
rein zufällig gewesen, ob die eine oder die andere Ausgabe citirt wird. Somit bin ich 
nicht in der Lage, Vorarbeiten, abgesehen von zufälligen Notizen, benutzen zu können. 

Meine Aufgabe geht dahin: 1. Zu untersuchen, welche Personen als Glossatoren an- 
zuseilen sind, wann ihre Glosse gemacht ist, welchen Charakter sie hat, wie sie sich zur 
Glossa ordinaria verhält, welches ihre Methode ist. 2. Die Quellen, Methode, den Cha- 
rakter, Inhalt und die Entstehungszeit der Glossa ordinaria des Johannes Teutonicus 
festzustellen. 3. Die Thätigkeit des Bartholomäus genauer zu beschreiben. 4. Zu unter- 
suchen, in welchem Verhältnisse die Ausgaben zum Originale stehen. Die Untersuchung 
stützt sich auf solche Handschriften, welche für die in Betracht kommenden Punkte als 
massgebend anzusehen sind, sodann auf alle für die Glosse bedeutenden Ausgaben. 



Schriften, die öfter citirt werden. 

Jaffe, Regesta Pontificum Romanorum, Berol. 1851. 4. 

Maassen, Beiträge zur Gesch. der Jurist. Literatur des Mittelalters. Wien, 1807. (Sitz. 
Ber. d. hist.-phil. Cl. der kais. Akad. d. Wiss. Bd. XXIV. S. 4.) 
— Paucapalea. Wien, 1859 (das. XXXI. 449). 

Denkschriften üer phil.-hist. (Jl. X.XI. Bil. At.lmndl. von Nichtmitgliedern. a 



2 JoH. Friedrich R. von Schulte. 

Phillips, Kirchenrecht. Bd. 4. Regensb. 18r)l. 

Savigny, Gesch. des röm. Rechts im Mittelalter. 2. Aufl. Heidelb. 1834 ff. Bd. 3. 4. .5. 
Schulte, Zur Gresch. d. Lit. über das Decret Gratians. 1. 2. 3. Beitr. Wien, 1870. 
.— Beitr. zur Lit. über die Decret. Greg. IX. u. s. w. Wien, 1871. 

— Summa Deereti Lipsiensis. Wien, 1871. 

— Literaturgesch. der Compilationes antiquae. Wien, 1871. (Alle G in den Sitz.- 
Ber. der Wiener Akad.) 

— Lehrbuch des kath. Kirchenrechts. 2. Aufl. Giess. 1868. 

— Lehre von den Quellen des kath. Kirchenr. Giess., 1860. 
Theiner, Disquisitiones criticae. cet. Rom. 1836. 4. 



Erstes Capitel. 
Die Handschriften und Ausgaben. 

§• 1- 
Die benutzten Handschriften. 

Ich habe gegen 100 Handschriften des Uecrets mit Glossen theils oberflächlich theils 
genau in den verschiedensten Bibliotheken dui'chgesehen. Von allen haben gut acht 
Zehntel die Glossa ordinaria in der von Bartholomaeus Brixiensis überarbeiteten Gestalt. 
Bezüglich dieser genügt es, einige anzugeben, zumal die Ausgaben des 1.5. Jahrhunderts 
im Wesentlichen sich genau daran halten. Ein kleiner Theil enthält die Glosse des Johannes 
Teutonicus ohne die Zusätze von Bartholomaeus. Diese sind für die Untersuchung von 
Bedeutung. Ihnen dürfen jene beigesellt werden, die neben der Glosse des Joh. Teuto- 
nicus die Zusätze von Bartholomaeus als spätere Beifügungen haben. Für die Geschichte 
der Glosse von entscheidender Wichtigkeit sind zwei andei-e, im Ganzen selten' vor- 
kommende Kategorien. Die eine bilden jene Handschriften, welche nur spärliche Glossen 
haben, die andere jene, welche förmliche Apparate enthalten, sei es ganz verschieden 
von dem des Johannes Teutonicus, sei es mit diesem verbunden. 

Es ist nicht möglich, ohne eine irgend eingehende Kenntniss der Gestaltung der 
Glosse vor Johannes Teutonicus sich ein Bild ihrer allmäligen Entwicklung zu machen, 
und zugleich festzustellen, worin die Tliätigkeit dieses Glossators bestand. Ich habe zu 
dem Ende aus der Zahl der mir bekannten Handschriften jene ausgewählt, welche so 
ziemlich ein erschöpfendes Bild geben. Der Charakter der Arbeit selbst nöthigte mich, 
von diesen die massgebenden ausführlich zu behandeln, sowie verschiedene Glossen niit- 
zuthellen. Hierdurch wird hoffentlich der Zweck erreicht, wenngleich es nicht möglich ist, 
bei dem Stande der Handschriften — die Ausgaben nützen niclits für meinen Zweck — 



' Wie selten solche sind, zeigt mein Iter Gallicuiu, das unter 15 Handschriften in 9 Bibliotheken nur eine mit älteren 
Glossen angibt. Es ist überhaupt merkwürdig, dass sich in jenen französischen Provinzialbibliotheken so wenige Handschriften 
des Decrets vni-finden, schon mehr (21) der Decretalen Gregors IX. die Prager Univ.-Bibl. hat gar keine Handschr. 
des Decrets, in Bamberg habe ich ausser der genannten noch 2 mit der Gl. ord. durchgesehen, in der Leipziger Univ.-Bibl. 
mit der Gl. ord. zwei, mit der des Johann Teutonicus eine (nuni. 058), in der Leipz. Stadtbibl. eine mit der Gl. ord., in 
Hänels Bibl. eine mit Gl. aus Sichard. und Joh. Fav., eine mit wenigen alten Glossen (die Hdschr. gehört zu den inter- 
essantesten, der tract. de poen. ist später zugeschrieben, saec. XH), in Cassel eine mit Gl. ord., in Wolfenbiittel ausser 
der genannten noch eine, in Berlin ausser den zwei genannten noch fünf, u. s. w. 



I 



I 



DiK Glosse zum Deceet Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 3 

eine solche Klarheit in die Geschichte der Glosse zu bringen, wie mir dies vielleicht 

bezüglich der Glosse zu den Compilationes antiquae gelungen sein dürfte. Es liegt eben 

eine. Zeit von über 60 Jahren vor, aus der vielleicht kein Dutzend Handschriften mehr 

existirt. 

A. Innsbruclier (citirt I). 

Codex der Innsbrucker Universitätsbibliothek Nr. 90 membr. fol. sacc. XUI. Auf 
diesen gestützt hat Maassen Beiträge S. 10 ff. die Glosse des Cardinalis beschrieben, 
auch das. S. G4 ff. über einen ,Anhang zum Decret' Nachricht gegeben; er setzt 
Hin saec. XIII. oder XIV. Betrachtet man die Schrift sehr genau und die offenbar später 
geschriebene Glosse, so scheint die Entstehung im XIII. unzweifelhaft. Er enthält 277 
Blätter. 

I. Die ersten D'/g Blätter füllt das in meinem 3. ,Beitrag' Seite 4 beschriebene Bre- 
viarium zum Decrete ,In prima parte agitur de justitia', fol. 271'' — 273 ein zweites ,De 
jure scripto et non scripto et quod cuique proponatur' anfangend; auf lO*" bis 271'' erste 
Spalte steht das Decret. Von demselben fehlen: c. lU. (von dem Worte an ceterorum- 
que Rom. eccl.) C.ii. q. 5. bis dict. Grat, ad c. 6. zum Worte Sed obii [mit citur 
beginnt fol. 97''] C.iii. q. 1., sodann c. 1. vom Worte sectantem C.iii. q. 4. bis 
dict. Grat, ad c. ult. 4. zum Worte dierum interstitio C.v. q. 2; jedoch ist c. 14. 
vom Wox'te [evijdenter ostenderis C.iii. q. 9. bis c. 2. zum Worte sec. univ. syn. 
C.iv. q. 1. als fol. 102 eingeschaltet. 

Maassen hat bereits die 10. Paleae des Textes angegeben; am Rande mit der 
Bezeichnung pa-le-a sind nur zugeschrieben c. 17. C.ii. q. 5., dann fol. 207" zum Schlüsse 
der Causa XXIX die in c. 1. x. de conjugio servorum IV. 9. aus c. 1. ibid. Comp. I. 
aufgenommene Decretale ,Adrianus papa Eberharde Salzeb. archiepiscopo. Dignum 
est et a rationis tramite'. Diese steht nicht im Anhange, wohl aber führt sie an Simon 
de Bisiniano (mein erster Beitr. S. 29) an derselben Stelle. Der Text ist mit dicker 
sehr schwarzer Dinte, abwechselnd mit rothen und blauen Initialen (zwei grosse zu 
C. I. und II. prine. sind ausgeschnitten worden), die Glosse sehr zierlich und leserlich 
geschrieben, 

II. Gegenüber späteren Handschriften ist die Glosse im Ganzen wenig zahlreich. 
Dem Inhalte nach besteht sie meist in Verweisungen auf Stellen des Decrets Burchards 
(sehr häufig), der Institutionen, Pandecten, des Codex, der Authentiken. Citirt werden 
die Capitel des Decrets gewöhnlich mit dem Anfangswörte, nicht ganz selten aber auch 
mit der Zahl; ebenso werden einige Pandectenfragmente mit der Ziffer angeführt, das 
Pandectenzeiclien nimmt die Gestalt des bekannten verscJilungenen F an.' Neben diesen 
Quellencitaten finden sich oft ganz kurze Verweisungen auf die Bibel, Eine zweite Classe 
der Glossen bilden die Brocarda im alten Sinne kurzer Rechtsregeln (v. Savigny, Gesch. 
III. S. r)<i7 ,ff,) z. B. gleich in D. I.: Quod in ludlius bonis est, id occupanti conceditur. 
Mutuatui- quantitas, commodatur species (eine Anzahl hat Maassen, Beiti-. S. l.">. Note 4. 
angeführt). Weiter stehen am Rande durchweg mit einer farbigen Initiale versehene Rubriken, 
welche, nicht mit denen der Capitel zusammenfallend, den Text zerlegen, z. B. D. 63. 
Electionis decreto necessarium esse subscriptionem. Summi pontificis ordinationem pecu- 
niae intei'ventu processisse. Canonicam poenam precibus posse remitti. Causa I.: Symo- 
niacum ipso iure excommunieatum esse. Canon datae sententiae. Neminem retinere posse 
quotl vendidit. Symoniam committi quocunque tempore pecunia accipitui". Non per gratiam 



^ JoH. Friedrich R. von Schulte. 

sed per inquisitionem clericos debere ordinari. Siclum XX. obolorum pondus habere. 
Divinatlonem nunquam in bonam partem accipi. Verba dei mala intentione dicta recta 
sunt. Mancbe fallen mit den Brocardica zusammen; ich scheide sie aber, weil letztere 
nicht ausgezeichnet sind und den Satz durchweg in indicativischer Form geben, die Rubriken 
offenbar nur den Inhalt anzeigen wollen. Endlich stehen Ergänzungen bez. wörtliche 
Stellen aus Vätern, insbesondere Augustinus, am Rande, auch sonstige Citate, z. B, zu 

c. 7. C.vi. q. 1.: 

,In silvam nee ligna feres nee in equora pisces, 
Fornacem nee flare velis, jubar addere soli.' 
III. Die Verfasser der Glossen betreffend, so gehören sie an: 

1. Cardinalis. Die erste desselben steht zum dict. cap. 1. C.xiii. q. 1. verbo 
filiis levi: ,hodie qd' m iure divino quia ministro consuetudinario quasi me dele- 
gante ei solvatur in cuius parochia est functus. C In Pars I. und III. steht keine 
einzige, die meisten von C.xxvii. an (ausgenommen den tract. de poenitentia) und 
zur Causa XVI. Ich habe 189 Randglossen gezählt, von denen die meisten sehr kurz, 
manche aber sehr ausführlich sind. Da über die Glosse des Cardinalis und ihr Alter 
von Maassen a. a. O. näher gehandelt ist, so hebe ich nur hervor, was Maassen nicht hat. 

2. einem D. nämlich nur zu c. 4. D. 5: 

,ecce tempus ablactionis de quo sanctus david. dJ- 
Wer dieser D. sei, lasse ich vorläufig dahingestellt sein. Vergl. meinen 3. Beitrag 

Seite 52. 

3. einem P., die einzige zu c. 2. C.i. q. 2.: 

,quia videlicet pauperibus tam infidelibus quam fidelibus alimenta procura- 
bant sed incompetenter idem proponet. Solius enim paupertatis intuitu id 
agebant, quod littera sequens sonat. p.' 

4. einem R. Diese Glossen sollen besonders zusammengestellt werden. 

5. zu c. 5. C.xxxiv. q. I. et IL 

,Hinc collige, quod si quis ante impletam usucapionem vel praescriptionem 
rem cognoverit alienam omnino etiam post impletam usucapionem vel prae- 
scriptionem secundum canones debeat restituere , quia eam praescribendu 
peccavit, secus si nunquam cognovit alienam, antequam praescriberet. secun- 
dum Jo.' 
Damit ist Johannes Faventinus gemeint. 

Alle diese Glossen haben mit der anonymen dieselbe alte Schrift. Eine verschiedene 
tragen ein paar mit S. signirte, z. B. zu c. 1. D.ii. 

,populus tam nobilium quam ignobilium, plebs ignobilium. S.' 
Mit Ausnahme dieser signirten Glossen, deren ausser der Glosse des Cardinalis 115 
oder 15 sind, ist die grosse Masse der Glossen anonym. Sie sind sehr alt, wie folgende 
Momente beweisen: 

a) Das Citiren der Capitel nach Zahlen. Vergl. meinen 1. Beitrag Seite 19. 

b) Der Charakter der meisten Glossen als blosser Citate, die Beifügung der Bro- 
cardica, Rubriken, der Citate aus Burchard, der Bibel, der Ergänzung von Väterstellen. 

c) Die Glossen sind abgeschrieben aus einem Codex, worin sie einem sehr alten 
Texte beigeschrieben waren, wie die geringe Zahl der Paleae beweist und auch der 
Umstand, dass c. 1 X. de coni. serv. als Palea zugeschrieben ist, welches in keiner 



l 



I 



Die Glosse zum Decret Geatians von ihren Anfänoen bis auf die jüngsten Ausgaben. 5 

Ausgabe als Palea erscheint. Sollte niclit dieser Zusatz von einem Besitzer in der Salz- 
burger Diöcese gemacht sein? Vergl. meinen 3. Beitrag Seite 35. 

d) es wird nur eine einzige nachgratianische Decretale in der Glosse citirt 
(worauf bereits Maassen aufmerksam gemacht hat), nemlich zu c. 3. C.i. q. 1.: 

,licet tarnen ecclesiis decurionum [lege decimarum] iura a laicis male detenta 
redimere et pignori accipere fructibus in sortem non computatis, ut in con- 
cilio turonensi.' 
d. h. c. 2. Concil. Turon. a. 1163 in c. 1. X. de usuris V. 19. Der Anhang des 
Codex hat das Capitel auch. 

e) Die Benutzung vorgratianischer Sammlungen, worüber Maassen bereits Mitthei- 
lung gemacht hat. 

Zu diesen Gründen tritt noch als ein wichtiger Umstand hinzu, dass die ältesten 
Arbeiten dem Glossator vorlagen und er sich vielfach daran hielt. Dies ist der Fall mit 
Paucapalea, wie folgende Stellen beweisen. 

Summa Paucapalea e 
I n n s b r u c k e r Codex. ^^^^.j^ ^^^^^ 2220 der Wiener Hof bibl. 

D.vi. Crapula est immoderatus gulae D.vi. Crapula est immoderata vora- 

appetitus dictus sie crapula quasi cruda epula citas quasi cruda epula, cuius cruditate 

quia immoderato usu ciborum gravatur cor gravatur cor et stomachus indigestus effi- 

et stomachus et indigestio sequitur. citur. 

D.xi. Tripharia verba dicuntur, quae D.xi. Tripharia verba dicuntur, quia 

quasi eadem tertio repetuntur in secretis quasi eadem tertio repetuntur, ut in secre- 

scil. hostiam puram, h. sanctam, h. imma- tis: hostiam puram, h. sanctam, h. immacu- 

culatam, rationabilem. Hie ordo nee in ve- latam et tertium descriptam, ratam, ra- 

tere nee in novo testamento reperitur, sed a tionabilem. Hie ordo nee in v. nee in n. t., 

sanctis patribus usualiter traditus Romanae ut dictum, est praefixus, sed a s. p. u. 

sedis avictoritate corroboratus, a cuius con- est traditus et a Romana ecclesia maxime 

suetudine nulli sine discretione iustitiae cori'oboratus celebratus; a cuius c. s. d. i, 

recedere licet. nulli 1. recedere. 

c. ult. D.xxx. infra xxvi q. ult. c. 17. D.xxx. Sed huic toto aliud ca- 

Sacerdos contra. Sed hoc de presbyteris vel pitulum in xxxi. causa quaestione vii. con- 

clericis, ibi de laicis intelligitur. Vel illud trarium invenitur, quod sie incipit Sacerdos 

generale, istud speciale, vel illud vetus hoc etc. Solutio. Hie de p. et c, ibi vero d. 1. 

novum. loquitur. Vel i. g. i. sp., v. i. v. h. noviim. 

c. 1. D.xcvi. . . seil, quod defunctum D.xcvi . . . Nam co defiineto uxor eins 

maritum sie semper amavit, ut unum et mirae magnitudinis sepulchrum eonstruxit 

mirae magnitudinis et pulchritudinis ex- in tantum, ut usque hodie omnia monumenta 

struxerit sepulchrum in tantum, ut usque pretiosa ex nomine eins mausolea nuncu- 

hodie omnia sepulohra pretiosa ex nomine pentur. 
eius mausolea nuncupentur. 

c. 23. C.xxiii. q. 8. 'Xenodochium est c. 23. C. 23. q. 8. Xen. est locus ven., 

locus venerabilis , ubi paupercs peregrini in quo peregrini suseipiuntur, a quo loco 

suscipiuntur, a quo loco xenones vocantur. habitatores illius loci xenones vocantur. 

Patronotropliium est locus venerabilis, ubi Orphanotropliium est locus ven., in quo pa- 

infantcs aluntur. Orphanotropliium est locus rcntibus orbati pueri pascuntur. Gerontlio- 



g JoH. Fbiebkich R. von Schultk. 

Tenerabilis, ubi piieri parentibus orbati pas- chomium est locus, in quo pauperes et 

cuntur. Geronthochomium est locus venera- propter senectutem solam infirmi homines 

bilis, in quo pauperes et propter senectutem curantur. 
solam infirmi homines curantur. 

c. 6. C.xxiv. q. 2. Diptychae svmt co- 
lumnae, ubi imagines patrum in suo cata- Wörtlicli gleichlautend, 

logo ponuntur. 

ad. c. 16. C.xxv. q. 2. Annotatio di- ad c. 16. C.xxv. q. 2. Scriptum anno- 

citur scriptum, quod Imperator proprio animo tatio dicitur, quia Imperator proprio motu 

de aliquo negotio facit nemine rogante; de aliquo negotio facit nemine rogante; 

pragmatica sanctio dicitur scriptura illius pragmatica sanctio dicitur s. i. c. q. i. c. 

causae, quae in consistorio principis venti- p. prius est v., d. i. s. r.; p. e. c. d. 
lata deinde in scriptis redacta; pragmatica 
enim causa dicitur. 

c. 5. C.xxvii. q. 1. Exhomoloyson vel ibid. Kxhomoloysis graeco vocabulo 

exhomologision graece latine interpretatur dicitur, quia latine confessio dicitur. Cuius 

confessio laudis; exhomoloyson autem pec- nominis duplex significatio est: aut enim 

cato dolentis et postulantis misericordiam in laude intelligitur confessio, sicut est: 

confessio. confiteor tibi d. p. c. et t., aut dum quis- 

que confitetur peccata sua et ab eo accipit 
indulgentiam, cuius indeficiens est materia 

Zahlreiche andere Stellen, die besonders Definitionen und Worterklärungen betreffen, 
stützen sich auf Paucapalea. Wie sich in diesen und anderen Stellen zeigt, gibt die Glosse 
häufig den Sinn in kürzerer Form. Dies, ferner der kurze Hinweis auf die betreffende 
Schrift der Bibel zu Stellen, wozu Paucapalea eine historia ausführt (vergl. Maassen 
Paucapalea Seite 45), die auf Paucapalea's Glossen zurückgeführte Methode (vergl. das 
von Maassen Pauc. Seite 40 aus der Summa Parisiensis: ,concordantias atque con- 
trarietates notavit in margine sie: infra, supra, tali causa vel distinctione' angeführte 
Citat) vom ersten Capitel an stets mit infra oder supra auf die bereits vorhergehenden 
oder erst nachfolgenden Capitel zu verweisen; der Umstand, dass vielfach die Glossen 
zu Stücken spärlich sind, welche in Paucapalea's Summa ausführlicher behandelt werden 
imd umgekehrt ; die Nichterwähnung irgend eines anderen Decretisten ; die offenbare Ur- 
sprünglichkeit der Glossen imd deren mit den ältesten Legisten übereinstimmende Methode, 
besonders auch hinsichtlich der Brocardica-, alle diese Momente berechtigen zu der Ver- 
muthung, dass vielleicht viele Glossen von Paucapalea selbst herrühren. 

Neben diesem liegt bei vielen Glossen ein unmittelbarer Zusammenhang mit Ste- 
phan von Tournay vor, was einige Beispiele darthun mögen. 

Stephan! Summa 
Innsbruck er Handschrift. ^^^^^j^ (^^^_ Berolin. ms. lat. in 4. Nr. 193). 

c. 9. D.ix. Canonis appellatio alias late ibid. Appellatio canonis alias lata patet 

patet complectens omnem divinam scriptu- complectens omnem div. script., alias solum 

ram, alias solum vetus et novum testamen- v. et n. t., alias statuta pontificum et con- 

tum, alias statuta romanorum pontificum et ciliorum. 
generalium conciliorum. 



Die Glossk zum Decket Gbatians von ihren Anfängen bis auf üie jOnüsten Ausgaben. 7 

c. ii. D.xii. ,Infra de cons. di.Iü. Sab- ibid. ,Invenitur contra de consecrat. 

bato contra. Sed ibi Romanis suadetur, qui- d. III. Sabbato. Ibi consuetudo Romanorum 
bus de consuetudine jam est sabbato jeju- recitatur et suadetur, quae omnes in hoc 
nare; hie vero dicit Aug. ; hoc necessarium non coercet; hie dicitur quod aliis licet.' 
non fore.' 

D.xvii. §. hinc etiam. ,. . Ibi enim ibid. , Ibi enim dicitur, quod Sym. papa 

dicitur, quod Symmachus papa ante exspo- ante exspoliatus prius restitutus est, ut po- 
liatus prius restitutus est, ut postea accu- stea accusantibus responderet, quod hie 
santium propositionibus responderet; sed ibi tacetur. Unde necesse est contra vel 
forte de alio Symmacho agitur, vel de eodem ibi de alio Sym. vel eodem, sed in alio 
Symmacho in alio aliud factum intelligitur casu.' 
ex humilitatis utique dispensatione.' 

D.xviii. c. 3. ,Simultas dicitur privatum ibid. ,Simultas est odium latens.' 

odium' [später zugesetzt: latens et inve- 
teratum]. 

c. 4. ibid. ,Haec litera est correcta idus ibid. ,Quem enim dicimus octobrem 

octubris in xv die octubris, qui seil, mensis graeci dicunt hyperberon, vel hyperberitum 
dictus apud graecos hyperberiteos inveni- mensem, decimus immo quintus cet.' 
tur X""'-' 

c. 25. C. I. q. ult. ,Supra di. xix. Se- ibid. ,Illud autem contrarium, quod si- 

cundum contra. Sed illud cum auctore suo gnificatur supra di. xix. secundum, nullum 
generaliter reprobatur, istud in ecclesia esto, quia illud cum auctore suo reproba- 
catholica confirmatur.' tur. 

IV. Die Glosse hebt folgendermassen an: ,Materia sunt canones, Intentio G. est, 
ipsos canones in quampluribus locis vage passimque disperses in concordi dispositione 
componere et eorum contrarietates cum interiectis distinctionibus ad concordiam revocare. 
Partivit autem opus hoc in tres partes. In prima de ministeriis, in secunda de negotiis 
ecclesiasticis, tertia de sacramentis pertractans. Tractaturus ergo de jure canonico al- 
tius quasi rete ducto expandit iter operi sumens initium sui operis a iure naturali ems 
divisiones et subdivisiones assignans. 

§. lus naturale est quaedam vis humanae creaturae naturaliter insita ad bonum facien- 
dum cavendumque malum. 

§. lus naturale generali us acceptum est quod natura omnia animalia docuit, ut in 
instit. legitur ti. de ju. na. ge. et ci. 

§. lus' vero naturale in tribus consistit seil, in necessariis, in impossibilibus et me- 
diis, i. e. in mandatis, in interdictis et demonstrationibus. Mandat enim quod prosit, in- 
terdicit quod laedit, demonstrat quod convenit, ut omnia sint communia omnium, etiam 
sit una et inconcussa libertas, in quibus derogatum est sibi, in aliis non. 

§. Unde et Moyses ante legem datam loquens ad Ihetrum socrum suum dixit, se 
ostendere populo praecepta dei et leges eius, hoc intelligens de lege iiaturali, cum non- 
dum alia lex esset.' 

Einige Glossen theilc icli noch mit zur Kennzeichnung der Methode und für die 
spätere Arbeit. 



' Steht genau so im Cod. Treviren-iis. 



'8 JoH. Friedrich K. von Schulte. 

c, de Syrac. 13. D.xxviii. ,Universa episcopatus tempore ab episcopo acquisita 
dominio ecclesiae sociari: infra di. LXI. Ca., in aut. coli. I. quo opor. oportere. 
Sed hoc corrigitur in coli. viii. de sanctissimis e. §. Clericos . . . Solutio.' Miiltum 
interest, utrum ex rebus ecclesiae, an ex suis acquisierit in suo episcopatu. Si de suis, 
quidquid voluerit inde facere non vetetur ut infra xii. q. III. c. I. patenter osten- 
ditur. Si vero de rebus ecclesiae, nihil ad heredes transmittet, ut infra XII. q. IUI. 
Sacerdotis. Sed et si post mortem eius inordinatum remansit, ecclesia, cui ministravit, 
sibi in perpetuum vendicabit. Hoc autem ita verum est, si non relinquit heredes de 
cognatione sua. Ceterum qui supersunt illi primum admittentur, ut infra xii. q. v. c. 
ult. Si autem yconomus ecclesiae de suis in usus necessarios ecclesiasticarum rerum 
erogaverit, vel e converso, debita compensatio adhibebitur, ut, quod alter alterius occa- 
sione probatum [s] fuerit expendisse in utilitatem ecclesiae ab ecclesia recipiat et e con- 
verso, ut infra xii q. III. Quicunque.' 

c. Nullus missam 5. D. 32. ,IIic est canon dandae sententiae, sed antequam pro- 
cedat sententia ex dato canone non est cavendum ab huiusmodi , quia quousque ab 
ecclesia toleretur praetextu criminis eorum officium subterfugere non licet, ut infra 
III. q. VII. §. ult.' 

c. Quaesitum 4. C.i. q. 3. ,Sed hie monasteria non monachorum coenobia, sed 
quaelibet canonicorum minoris ecclesiae intelliguntur, in qua significatione apud gallos 
monasteria occupantur, in quorum provincia hoc concilium factum esse non dubitatur.' 

c. Eufemium 7. C.ii. q. 3. ,Ubi gelasius et Stephanus hoc dicant, non invenio.' 

c, 23. C.i. q. I. ,alias iudices.' 

c. 13. Cxi. q. i. v. legibus auferatur. §. Istud ex lege non est, nisi forte quis 
dicat, hoc dictum fuisse occasione illius auten. coli. I. de heredi. et falci. §. primum.' 

c. 42. C.xii. q. 2. ,Ecclesiae Bononiensis episcopus defunctus erat. Interea ante- 
quam alius substitueretur, clerici eiusdem ecclesiae mansum quendam Scannabico vendi- 
derunt, ex cuius diligentia ager supra priorem aestimationem in fructibus profecit, aut 
ex cuius negligentia parum sicut prius vel minus lucrum affert. Substituitur tandem 
episcopus alius, qui recta consideratione pensabit, utrum Scannabicus mansum illum me- 
lioraverit. Tunc enim episcopus pretium restituet ei. Si vero illi agro meliorationem non 
dedit, ab eo pretium repetere non poterit. Hoc est casus huius decreti Si qua' cet. 

•Zu dict. Grat, ad c. 10. C.xxxvi. q. 2. ,Salva magistri reverentia non potest dici 
ex priore capitulo, quod ipse inde coUigit. Nam in eo casu loquitur capitulum, cum 
raptor solus in vitio fuit. Nullius itaque momenti est haec solutio, nisi quia est addendi 
occasio et frequentis capituli continuatio •, alioquin contrarium esset hoc paragraphum 
priori et sequenti paragrapho.' 

c. 40. §. 1. D.i. de consecr. ,Ecclesia Mediolanensis habet ueglonistas^, quae 
faciunt ista. Vocat autem veglonistas, quae ecclesiasticam suppellectilem lavant, lacera- 
tam recensuunt, oblatam in usum sacrificii praeparant.' 

c. 10. D.xxiii. ,Sed hodie in Gallicana ecclesia generaliter obtinet, ut diebus 
solemnibus et diaconus dalmatica et subdiaconus tunica utatur.' 

Zu c. 12. C.xiii. q. 2. ist am Rande zugeschrieben: 



1 Von hier ab wörtlich auch ohne Signatur im Cod. Prag, mit alter Schrift. 

2 Ducange hat nur das Wort Veglones für Mailand. 



Die Glosse zum Decket GräTians von ihken Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 9 

,UrbanLis II. Gottefredo Magolanensi episcopo. Mortuorum, qui in monasteriis 
sepeliri de[sicle]rant, aut omnino iuxta praedecessoris nostri Leonis decretum partem 
eleemosynarum mediam aut iuxta dispositionem nostram in Lateranensi concilio pro- 
mulgatam partem tertiam parocliialibus ecclesiis statuimus relinquendam. 

Idem cidem. Capellanos quoque monacliorum sicut reliquos parochiae tuae clericos 
debitam tibi obedientiam persolvere volumus.' 

Diese Decretalen werden vyeder in einer der älteren Sammlungen, soviel mir bekannt 
ist, erwähnt, noch bei Jaff e Regesta Pontificum verzeichnet. Auf eine Decretale Urbans III. 
über diesen Gegenstand weist hin die von Clemens III. in c. \). x. de sepulturis iii. 28., 
wozu Richter auf das etwas ganz Anderes enthaltende c. 7. ibid. verweist. Urban II. 
hat (Jaff6 num. 4250) am 9. Jan. 1097 ein Concil im Lateran abgehalten. An der 
Echtlieit ist nicht zu zweifeln, da ein Brief Urban's II. an denselben Bischof Godfried 
vom 14. Dec. 1088 bei Jaffe num. 402G erwähnt wird. Der Zusatz hat dieselbe Schrift 
mit dem Texte, so dass er unzweifelhaft bereits in demjenigen Codex stand, dessen 
Abschrift vorliegt. Da diese Decretalen durch die folgenden über denselben Gegenstand 
von xVlexander III. antiquirt worden sind (vergl. c. 4. x. 1. c), so lässt sicli mit Fug 
annehmen, dass der erste Codex, von dem wir hier eine, sei es erste oder fernere Copie 
haben, in die Zeit Alexander's III. zurückreicht. 

Aus Allem dürfte hervorgehen, dass die anonyme Glosse über die sechziger Jahre 
des 12, Jahrhunderts kaum, jedenfalls nicht viel hinaufreicht, mithin unbedingt die 
älteste Form der Glossen ausweist. 

B. Münchener I. 

Codex der Münchener Hofbibliothek Cod. lat. 4505 (Ben. 5.), fol., saec. xii. 
auf xiii. 

I. Voran geht das Summarium ,In prima parte agitur de justicia naturali et posi- 
tiva' (mein 3. Beitr. S. 4 fg.), welches in Pars ii. den einzelnen Causae vorgestellt ist. 

Die Handschrift hat trotz ihres hohen Alters eine Anzahl von Paleae, nämlich 
folgende sechsundfünfzig: c. 4. D. 5. mit 3 zusammenhangend, c. i. 2. D. 6., c. 5. 
D. 25., c. 7. D. 27. zusammenliang., c. 5. D. 31 Zusammenhang., c. 2. 17. D. 32., c. 5. 
(J. 7. D. 35., c. (i. D. 37., c. 13. 14. 15." D. 38., c. 6. 7. D. 42., c. 7. 8. 9. D. 44., 
c. 13. 23. 24. D. 50., c. 2. D. 56., c. 31. 32. D. 63., c. 4, D. 68 quoniam — habent, 
c. 21. D. 81., c. 11. 12. 13. 1). 88., c. 2. D. 91., c. 12. 13. 14. D. 96., c. 3. 7. D. 100; 
c. 6. C.i. q. 4., c. 8. 9. C.ii. q. 1., c. 17. C.ii. q. 6., in c. 3. C.vi. q. 4. ein 
anderes: ,Cod. 1. IX. t. de probationibus. Accusatio quae' cet., c. 31. C.xii. q. 2., 
c. 2. 3. 4, 5. C.xvi. q. 2., c. 3. C.xvi. (]. 7.. c. 5. C.xx. (£. 1., c. 23. C.xxii. qu. 5 
nur das Summarium, c. 1. 2. 3. C.xxiii. q. 8., c. 38. C.xxvii. (|. 1., c. 6. C.xxx. q. 3. 
(üb auch c. 22. D.iv. de cons. ist fraglich, da dieses Stück fehlt). Daraus ergibt sich, 
dass keine)' der bei den übrigen benutzten Texte vorlag. 

II. Die Glosse — wofern man von einer solchen reden kann — bietet die primi- 
tivste Gestalt dar. Sie hat keine einzige signirte Stelle, besteht überhaupt durchweg 
nur aus einer ganz kuj'zen Inhaltsangabe, die vielfach den Charakter von Brocardica 
annimmt, aus Verweisungen auf das Decret, Citaten aus dem römischen Rechte in grosser 
Zahl, sodann aus Buj-chard, einzelnen Vätern, aus kurzen Worterklärungen und wenigen 
sachlichen. Die meisten hat geradeso der Innsbrucker Codex. Ziemlich alle sachlichen 

Denk.-chril'ten iler phil.-hist. Cl. XXI. Bd. Abliandl. von Nichtmitgliedern. b 



10 JoH. Friedrich E. von Schulte. 

Bemerkungen sind aus der Summe Paucapalea's entnommen, oder stimmen mit ihr über- 
ein. Dies und der Umstand, dass die Capitel des Decrets unendlich oft mit Ziffern 
angeführt werden, keine nachgratianische Decretale eitirt wird, berechtigt zur Annahme, 
das Original habe die älteste Form der Glosse enthalten, vielleicht die von 

Paucapalea. 

C. Wolfenbüttler (W). 

Codex der Bibliothek zu Wolfenbüttel, Heimst. 33. foL, 268 Blätter, saec. xiii. 
incipientis. 

1. Derselbe enthält einen für die ältere Zeit reichen Apparat, bestehend aus Citaten, 
Verweisungen, Brocarda, Distinctionen und auch vielfachen Erörterungen. Im Einzelnen 
enthält er Glossen von : 

1. C ardin alis mit der Sigle c, z. B. 

c. 111. C.i. q. 1. V. nihil:. ,Qui consenserunt hereticis. c' 

dict. ad c. 40. Cxi. q. 1. v. sacerdotes : ,i. e. sacerdotes abbates fieri. ut de Sui 
praeposito fiat appositio et e converso. c' 

C.xxii. q. 1. pr. ,Nota quidam dicunt seil, cardinalis [ist ausgeschrieben] quod 
decimae ratione personae tantum sunt persolvendae ; quod seil, verum 3sse potest, quando 
parochiae non erant distinctae; alii quod tantum ratione praediorum. Sed medium tenuere 
beati, solvuntur enim quandoque ratione praediorum, quae in territorio ecclesiae colun- 
tur ut infra c. xvi. q. i. si quis laicus, aliquando ratione personae, ut de negotiis, ut 
ar. c. xvi. q. i. questi.' 

Von den unten mitgetheilten Glossen des Cardinalis hat die Handschrift keine, wohl 
aber noch einige andere. 

2. Johannes Faventinus. Es wird bei den unten mitgetheilten Stellen bemerkt 
werden, ob sie sich vorfinden. Ausser diesen gehören ihm noch eine Anzahl anderer 
an, über die bald genauer gehandelt wird. Neben B. und Bar. ist die Sigle Jo. die 
häufigste bei den überhaupt signirten Glossen. 

3. Gandulphus. Aus den unten folgenden Anführungen ergibt sich, dass Glossen 
von ihm sowohl einzeln vollinhaltlich aufgenommen wurden, als auch bei der Abfassung 
anderer vorlagen. Uebrigens sind ausser den unten citirten noch andere vorhanden. Darf 
man, wozu wir befugt sind, daraus, dass für einzelne Glossen durch andere Handschriften 
die Autorschaft von Gandulphus erwiesen ist, einen Schluss ziehen, so gehören ihm auch 
überhaupt verschiedene nichtsignirte an. Welche lässt sich freilich nur zufällig fest- 
stellen. 

4. Bazianus. Der Codex enthält eine Menge von Glossen, die mit B. b., eine grosse 
Zahl, die mit Bar. gezeichnet sind. Da von den mit b. signirten einzelne in anderen 
Handschriften mit bar. signirt sind, unterliegt keinem Zweifel, dass diese demselben 
Glossator angehören und zwar, wie unten gezeigt wird, dem Bazianus. 

5. Eine Anzahl von Glossen tragen die Siglen P., erwähnt werden M. und Simon, 
auch findet sich R. und S. ein paarmal, wie die folgenden Glossen und die unter P. 
mitgetheilten zeigen. 

Bei den älteren Glossen ist Paucapalea benutzt worden, indem eine ziemliche 
Anzahl von Stellen seiner Summe entlehnt ist, z. B. die beim Innsbrucker Codex 
angeführten drei ersten und die fünfte. Es ist aber sehr leicht möglich, dass dieser 
Innsbrucker Codex mit dem unsrigen eine gemeinsame Quelle hat, da manche Stellen 



Die Glosse zum Decket Gbatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 11 

(z. B. das dort mitgetheilte Beispiel zu c. 42. C.xii. q. 2.) sich in beiden vorfinden. 
I)ass manche Stelle mit ßufin und Stephan stimmt, kann nach der Aufnahme von Glossen 
des Johannes Faventinus ohnehin nicht überraschen. 

II. Extravaganten werden im Ganzen wenige citirt. Beispiele: 

zu c. 7. [die Palea c. 3. fehlt] C. I. q. 2. ,ar. In extra, de praebendis, episcopus.' 
Diese Stelle von Alex. 111. (c. 4. x. de praeb. iii. 5.) steht in der appendix Conc. Lateran, 
u. s. w., aber auch schon in den Anhängen zum Decrete Gratians (Maassen Beitr. 

S. 64 fg.). 

c. 31. C.ii. q. 6. [Ulpianus ist dem Abschreiber zu einem Alpianus p. geworden]: 
,in extra, de appell. super eo;' in der App. Conc. Lat. 

dict. Grat, ad c. 41. C.xvi. q. 1. Eine lange Distinction, beginnend ,Incidentem 
quaestionem hie movet magister in hoc §. seil, an monachi debeant decimas recipere 
et an teneantur eas dare? Et quidem cum non ministrant populo decimas recipere non 
debent' u. s. w. citirt die vielerlei Decretalen Alexanders III, über die Novalzehnten u. s. w. 

c. 44. ibid. ,extra. Alex. III. cum ad officium, ad petitionem.' 

c. 2. C. 21. q. 5. ,Ar. quod non licet appellare ab ecclesiastico judice ad saecula- 
rem, sicut nee e converso ut ar. in exti-a. Alex. III. cum sacrosancta.' 

Auf die in später zugeschriebenen Glossen braucht keine Rücksicht genommen zu 
werden. Es ist wohl unzweifelhaft, dass die Quelle dieser Decretalen die Appendix 
Concilii Lateran, oder eine der anderen vor die Comp. I. fallenden Sammlungen ist. 

Von vorgratianischen Quellen wird oft citirt Burchard, das magnum corpus 
canonum zu c. 9. C. 27. q. 1. (es ist die erste von Maassen Beitr. S. 53. mitgetheilte 
Glosse des Cardinalis.) 

III. Von interessanten Glossen mögen folgende einen Platz finden. 

c. 9. D. 19. ,Ecclesia Romana dicitur quandoque collectio iustorum, aliquando papa 
cum suis cardinalibus.' 

c. 18. C.vii. q. 1. dict. §. 3. ,Johe's Flavätinus [Joh. Fav.] et Simon distin- 
guunt, si aliquis ecclesiam suam dimittat causa ambitionis eam repetere non potest, si 
causa levitatis potest . . .' 

c. 9. C.xxiv. q. 1. V. errasse. ,Supra di xix. anathasius [lege athanasius] 
contra ar. Solutio: auctor huius capituli fuit antipapa anathasii. vel apostolica ecclesia 
non dicitur tantum papa, sed papa et cardinales. Vel dicitm- ecclesia Christi congregatio 
fidelium ut de cons. di I. ecclesia; quare ecclesia nunquam in universo corpore suo 
en-at, licet quandoque in aliqua persona erret. 

Argumentum, quod non dicatur ab ecclesia factum, quod ab ipsa universitate non 
fit, ut di xxi. §. decretis; sed licet papa erraverit, qui et per haeresim iudicari potest, 
ut di XL. si papa, non tarnen ecclesia Romana sive apostolica errat, quae catholicorum 
collectio intelligitur, ut de cons. di i. ecclesia, id est ea, quae utiquc nulla esse non 
potest, ut infra eadem pudenda [c. 33. ibid.], praesertim cum in evangelio Christus 
oraverit dicens ,ego pro te oravi petre ut non deficiat fides tua' ut di xxi. §. 1. In 
Petro quippe significatur ecclesia, ut supra eadem quaestione quicunque. De Christo 
autem ait propheta ,voluntate labiorum i. e. verborum eius non fraudasti eum' cet. 

c. si papa di. xl. ,Nota quod pro haeresi tunc demum potest papa condemnari a 

subditis, cum erorem vult pertinaciter defendere, ut infra xxiv. q. 3. dixit apo- 

stolus.' 

b* 



12 



JoH. Friedrich E. von Schulte. 



Zu 46. C.xxvii. q. 2. wird citirt: ,Alex. videtur dicere in libro tertio de illis, 
quod, si quis liabuerit esse cum sponsa de futuro tenetur eam ducere' cet. Vergl. beim 
folgenden Cod. Monacens. das zu derselben Glosse Gesagte. 

Einige Glossen haben die Sigle ß. et S., einige S. 

Von civilrechtlicben Quellen wird ausser den unzähligen Citaten des römischen 
Rechts mehrmals die Lombarda angeführt. 

Eine grosse Zahl der Distinctionen in der von mir (im 1. Beitrage z. Gesch. der 
Lit. des Decr. Seite 52 ff.) mitgetheilten Art aus Sichardus findet sich vor. 

IV. Der Text, welchen die Handschrift vor Augen hatte, war ein sehr alter; denn 
sie hat von allen Paleae, die Richter"^ und BickelP anfuhren in der Zahl von 162 
nur folgende achtzehn: c. 5. D. 25., c. 7. D. 27^ mit dem vorhergehenden zusammen- 
hangend, c. 17. D. 32., c. 47. D. 50., c. 2. D. 56., c. 31. 32^ D. 63., die in c. 4. D. 
68 (aber nur quoniam — habent), c. 12.^ D. 96., c. 6.^ C. I. q. 4., in c. 3. C.x. q. 2., 
c. 47. Cxi. q. 1., c. 3. C.xvi. q. 7., c. 42. C.xvii. q. 4. zusammenhangend mit dem 
vorhergehenden, c. 10. C.xx. q. 1. (aber als cap. 5.), statt c. 23. C.xxii q. 5. ein 
anderes anfangend : ,Item Jeronimus in libro de natura rerum. Tribus modus iuramenta 
contracta sunt' cet., c. 5. C.xxiii. q. 5., in c. 2. C.xxxii. q. 7. — 

Im Hinblicke auf alle diese Umstände unterliegt keinem Zweifel, dass wir in dieser 
Handschrift einen vor Hugucciö, der nicht ein einzigesmal erwähnt wird, aber nach 
1179 fallenden Apparat haben. Wer denselben gemacht habe, lässt sich nicht sagen. 

D"; Münchener II. (M). 

Codex der Münchener Hofbibliothek, Cod. lat. 10,244 (Pal. M. 244), foL, saec. 
xiii., 206 Bl. (hört auf in c. 21. D.iv. de cons.). 

I. Derselbe bietet zunächst einen sehr alten Text, da nur folgende neunzehn 
Paleae vorkommen: c. 5. D. 25., c. 47. D. 50., c. 2. D. 56., c. 31. 32. D. 63., in c. 4. 
D. 68 nur quoniam — habent, c. 12. D. 96., c. 6. C.i. q. 4., c. 8. 9. C.ii. q. 1., in 
c. 3. C.x. q. 2. (fehlt aber quod — permittimus), c. 47. Cxi. q. 1., c. 3. C.xvi. 
q. 7., c. 42. C.xvii. q. 4. zusammenhängend mit dem vorhergehenden, c. 10. (aber 
als 5.) Cxx. q. 1., statt c. 23. C.xxii. q. 5. ,Jeron. in libro de natura rerum. Tribus 
modis iuramenta contracta sunt' cet., c. 5. C.xxiii. q. 5., in c. 2. C.xxxii. q. 7., in c. 11. 
C.xxxvi. q. 2. Ob die letzte (c. 22. D.iv. de cons.) lässt sich natürlich nicht sagen. So 
steht also diese Handschrift der Wolfenbüttler sehr nahe. 

Die Handschrift hat gar keine wie immer geartete Glosse zu Causa xxxiii. q. 3. 
4. 5., sodann zu Pars iii. de cons. von D. IL an. Zu allen übrigen Theilen findet sich 
ein sehr reichhaltiger Appai-at vor. 

II. Der Apparat selbst enthält Glossen von: 1. Johannes Faventinus. Siehe die 
von ihm anzuführenden Stellen und die spätere Ausführung. 2. Cardinalis. Auch dieses 
zeigen die späteren Mittheilungen. 3. b. B. und Bar. bar. Siehe die weitere Ausführung. 
4. mit N., 5. mit G. (Gandulfus), 6. mit a. (Albertus), 7. mit ste. (Stephanus), 8. mit d., 
9. mit p. (Petrus) gezeichnete Glossen. 



' Im Corpus juris canonici. 

2 De Paleis, qnae in Gratiani Decreto inveniuntur. Marburg, 1827. 

3 Wird auch von Hugucciö comraentirt. Das aucli von diesem commeutirte c. 8. C.ii. q. 1. fehlt. Dies und das FeliU'u 
von c. 2. C.vi. q. 5., in c. 1. C.vii. q. 1. der Worte atque id — veuiat, der Worte absque — coniugat in c. 11. daselbst 
■c. 15. C.xx. q. 1., welche B ick eil als Paleae hat, ist von Bedeutung. 



I 



I 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 13 

Am Ende von ein paar Glossen, z. B. fol. 171, steht pp. Vergl. meinen di-itten 
Beitrag S. 42. Über diese Glossatoren bez. Glossen wird in den späteren Erörterungen 
die erforderliche Auskmift gegeben werden. Ausser den unten mitgetheilten oder erwähn- 
ten Glossen ist es der Mühe werth, noch folgende gleicli hier zu geben. 

Mit der Sigle f. stehen verschiedene, z. B. zu c. Jus nat. D.i. ,Id est jus divinum, 
Quod in lege et in evangelio continetur, vel dicitur hominis ratio cet. bis motu naturae f.' 
zu c. Est autem lex. hon. D.iv. ,Sic solvit gratianus, quod leges abrogant mores 
utentium in contrarium u. s. w. f.' — Mit der Sigle Jo. fa. Citate zu c. 2. C.xii. q. 4. 
zu c. Filiis vel nepotibus q. ult C.xvi. ,Sensus est, ut patronus non laedat eccle- 
siam etiani odicam mpartem oblationis, quod nihil; et sie legatur litera: q. 1. u. n. o. 
sua. s. etc. aut i. et non assu. ut repetatur non a superiori vel aliquam i. e. sal. mensae 
i. e. oblationis assumat. dico ipsa innocens operatio patronorum. f.' 

Diese Sigle kann auf keinen andren Glossator als (Joh.) Faventinus gehen. 
Bisweilen kommen mehrere Siglen zu einer Glosse vor, nämlich: 
c. y. §. 2. V. quid inj. D. 47. ,Non congrue opponit, non enim sufficit abstinere a 
malo. m. f. b.' 

c. 1. D. 69. V. licentia. ,Similiter solet quaeri, si sacerdos daret huiusmodi ordines, 
si starent? Dicimus quod non, sed de mandato papae bene, sed episcopi non. g. b.' 

c. G. D. 74. ,Hoc c. inducitur, quod ad mimori. quis cogi non debet descendere 
n. §. quod'falsum est, immo quod invitum possit ordinari m. g.' 

C..27. §. 1. V. abominabiles C.i. q. 1. ,infra xiv. q. 5. scriptum est, supra D.xc. 
c. 2. Quocumque modo fuerint illicitae secundum G., distinguunt autem secundmn Johan- 
nem, ut infra xiv. q. 5.' 

c. 7. C.xxx. q. 2. V. lUud. ,Scil. filiam commatris posse ducere uxorem, si ergo non est 
difinitum secundum interdictum a canone praesumitur esse licitum. a. Supra xxxviii. [lege xxvii.] 
q. 1. iam deo si enim ar. xxvii. q. 7. lex divinae. Sententia ergo est, ut, si uxor tua sus- 
cepit filium alicuius fönte et tu [non] cognoveris uxorem tuam, postea mortua uxore tua et 
mortuo marito illius mulieris bene poteris eam ducere. Si vero cognoveris uxorem tuam non 
poteris magister. Rol.' dicit quod si rectius maternitas interveniat, non potes; uxor tua sus- 
cepit filium alicuius mulieris mortua uxore tua et viro illius, non poteris eam ducere nee 
distinguit, cognoveris uxorem tuam nee ne. Sed si commaternitas indirecta vel emergens 
intervenerit, potes eam ducere, verbi gratia haereticus suscepit filium Lotharii regis quam 
habuit Lotharius rex non de Teberga, sed ex alia mortua matrr illius puori, bene potest 
haereticus ducere Tebergam mortuo Lothario. Magister Ruflnus dicit, quod bene potest 
habere duas commatres, verbi gratia Lucretia suscepit filium Maximitiae et adhuc non con- 
traxerat matrimonium cum aliqua illarum, utramque poteris ducere ; si vero iam contraxerat, 
non poteris, quia commaternitas transivitate mediante uxore, cumquaunacaroeffectusfuerat.' 
c. 11. V. tres D.L. ,nic dicitur prout debet fieri. f. R. et de rigore in contrariis 
de dispensatione et ad cautelam ut in de Syracus.' 

Am Ende von q. ult. C.xxvii. steht in Cod. Mon. Wolf, folgende Glosse: 
,Alexander videtur dicere in libro tertio de Ulis quod si quis habuerunt esse 
cum sponsa de futui-o, tenetur eam ducere, quia in hoc videtur consensisse, ita quod si 
duxerit aliam, tenetur redire ad primam cet.' 

Dass die in Comp. i. c. 4. de spons. iv. 1. [c. 3. x. iv. ö.J stellende Decretale 
gemeint ist, liegt auf der Hand. Wie kommt aber die Glosse zu dem liber tertius. 



14 



JoH. Feiedrich R. von Schulte. 



An die Compilatio tertia ist nicht zu denken, weil die Decretale nicht darin steht und 
nicht von Innocenz III. ist. In der Comp, prima steht sie im 4. Buche. Ein Schreib- 
fehler ist, da das Wort ausgeschrieben ist, auch nicht anzunehmen. Dagegen spricht 
auch die Übereinstimmung von zwei Handschriften und der Umstand, dass, wenn der Glossator 
die Comp. I. vor Augen gehabt hätte, er nicht fehl gehen konnte. In keiner der bekann- 
ten Sammlungen vor der Comp. I. steht sie in einem 3. Buche. Es bleibt also nichts 
übrig, als anzunehmen, sie werde aus dem 3. Buche seiner ßegesten citirt. Im wei- 
tern Verlaufe der Stelle wird die Frage erörtert, welche Bedingungen zulässig sind, 

und heisst es : 

,puta, si dixit ,accipio te in meum, si pater meus voluerit', tunc non erit 
matrimonium, nisi de voluntate patris, ut in decretali Urbani, quod sine eo' 
[lege: q. super eo]. 

Dies ist die in c. 5. X. de cond. appos. iv. 4. enthaltene Decretale Urban's III. 
Daraus folgt, dass diese Glosse nicht vor 1185 gemacht sein kann. In der Glossa ord. 
thut Joh. Teutonicus diese ganze Frage zum c. 50. C. 27. q. 2. ganz kurz ab. Man 
könnte noch meinen, es sei an die von Alexander III. selbst in seiner Summe (vergl. 
meinen 1. Beitr. S. 18.) erwähnten Sententiae gedacht. Dies ist aber unwahrschein- 
lich, weil kein Werk genannt ist und das Citat von Decretalen nach den Regesten ganz 
herkömmlich und unverfänglich war, 

c. 4. C.xxx. q. 3. V. Urbanus: ,Istum praecessit Paschalis. ar. et C.iii. salva- 
tor [muss heissen: C.i. q. iii. salvator d. h. c. 8. C.i. q. 3. Dieses Urban IL 
zugehörige cap. 8. folgt in der That auf das c. 7, das ,Paschalis Papa' überschrieben, 
aber apocryph ist] et in extra., licet praeter [die in c. 3. x. iv. 4. aufgenommene 
Decretale Alexanders III.] quod verum d' post [Verum post beginnt die in c. 2. x. 
iii. 32, enthaltene Fortsetzung dieser Decretale. Beide Codd. haben einen corrumpirten 
Text]. Sed frequens c. atribuitur Paschali secundo, qui secundum cronica successit Urbano.' 

Eine Anzahl von Stellen, die zum Theil schon aus dem Innsbrucker Codex angeführt 
wurden, sind aus Paucapalea und Rufinus entnommen. Einige andere Glossen mögen 
noch Platz finden. 

c. Quoniam idem 8. D. X. ,Ar. quod Imperator potestatem gladii sui non habeat 
a summo pontifice, sed unctionem, cum demum sint reges, quae a nullo nisi a sacerdote 
haberi potest exemplo David, et Saul, qui a Samuel uncti sunt. Liquet omnem principem 
regnorum a iudice ecclesiae confirmatum esse executionem consequi ; actus tamen diversi 
sunt, ut hie dicitur.' 

c. Accedens 10. D.L. ,Ar. quod degradatus non retineat ordinem, ut etiam non 
Sit sacerdos non clericus : ar. d. liv. ex antiquis regulis, ar. xv. q. ult. siquis 
presbyter. Et hoc dicunt maxime ultramontani. Alii dicunt in contrarium, quod, ex 
quo aliquis clericus est vel sacerdos, licet degradetur, tamen retinet ordinem, et est sacerdos 
vel -clericus, sed non retinet privilegium et executionem sui ordinis, et hoc privat, cum 
ilicitur hie expresbyter et hoc notat int. la. co. etc. ar. I. q. 1. quod quidam.' 

c. Consideret 53. ibid. v. aliquando haec sententia. ,Scil. si dicatur, quod non 
errent et non dicant contra claves. Haec sent. seil, qua dicuntur aliqua solvi in terra 
et in coelo, falsa est, et ita non est domini quia aut dictum non est aut verum est. 
Verte in coniunctam destruendo antecedens manente consequenti Q. si domini est, vera 
est, sed est domini, ergo vera est.' 



Die Glosse zum Decket Gratians von iuken Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 15 

c. Adrianus papa 2. D.lxiii. v. innodant. ,Ad hoc successores obligare non 
potuit, cum maiori liceat tantum de minoribus iudicare: ar. di. inferior, denique; et 
Romanus pontifex pro sola haeresi congrue iudicetur, ut d. xl. si papa.' 

Ar. papaiii in successorem posse ferre sententiam anathematis: ar. infra eadem tibi 
domine, et C.xii. q. 2. non liceat. Sed par pari imperare, par parem ligare non 
potest; ut si papa verberaret aliquem clericum, non incideret in canonem latae senten- 
tiae. Praeterea potestas et interpretatio canonis semper relinquitur tacite vel expresse 
successori. Vel si in contrarium statuat, non incidet in canonem latae sententiae et ideo 
dicendum, quia rursum successorem sententiam anathematis ferre non potest' cet. 

c. In synodo ibid. v. patricius: ,Ar. ecclesiam posse concedere gladium sanguinis, 
licet per se agitare illum non debeat; non enim ei licet agitare iudicium sanguinis, sed 
saepe per alios possumus, quod non per nos, et dicendum, quod papa nudam habet 
potestatem istam, et non eius executionem, et eam nudam concedit, sed ex ea concessa 
alicui statim ei conceditur executio, quae ex ea pendet.' 

ad c. 6, D. 96. v. idem m. d. et h. homo Chr. Jes. ,Hinc aperte habetur, quod 
utraque potestas, seil, apostolica ac imperialis instituta sit a deo. Unde videtur, quod 
neutra pendeat ex altera, et quod Imperator gladium non habeat ab apostolico. Quod 
verum est. Distinctae enim sunt potestates. Unde in huius rei figura dictum est: ,ecce 
duo gladii hie' Sed quod dicitur, quod accepit ab eo potestatem gladii, intelligendum, 
id est confirmationem; et hinc habetur, quod, sicut apostolicus in imperialibus major est 
imperatore, sie Imperator in temporalibus major est eo. Sed aliter st aliter papa sie est 
major, ut possit cum ligare, condemnare in spiritualibus, sed non ille papam in tempo- 
ralibus: ar. infra e. duo, sie illud intelligatur infra ii. q. 7. §. Item cum balaam, ut 
infra cum david. Si ergo papa auferret alicui capam vel castrum et offenderet in huius 
modi temporalibus aliquem, posset conveniri ab illo coram imperatore, non posset eum 
excipere et dicere: qui me judicat, dominus est. Tarnen apud concilium de hujusmodi 
re potest deponi quaerimonia; si tarnen satisfacere voluit, a nemine rogetur. Quod autem 
Gregorius dicit infra ii. q. 7. nosset, non dicit ex coactione, sed ex humilitate et 
dispensatione.' 

dict. ad. c. 24. Cxi. q. 3. §. 3. v. voc. anath. ,Nihil dicit hie io. ego enim 
puto non nominative, sed ipso iure anathematizatum, ideoque, si publicum est, graviter 
peccat, qui ei communicat, non autem est excommunicatus, ut xxiv. q. 1. Acatius, 
post denuntiationem vero nominative excommunicatus intelligitur, immo et ante, ut d. 
xxiii. c. 1. Quid enim plus faeit ad hoc, epistola episcopi ut infra e. q. debent, quam 
constitutio papae ut xvii. q. 4. si quis suadente? Ideoque qui illi coimnunicat, excom- 
municatus est-, nee mirum, quia in primo casu fit injuria juri soli, in secundo tam 
juri quam ejus ministro. Jo," 

ibid. v. ingr. eccl. alienum. ,Non est verum, quod m. videtur hie dicere seil, 
quod talis non sit notatus per sententiam. Est enim canon ille si quis suad. datae 
sententiae et inde est, quod, quicunque incidit in illum, est excommunicatus nominatim 
et per sententiam. Et si est notorium, etiam ante denuntiationem debemus abstinere ab 
eo. Fit tamen denuntiatio non ut magis excommunicatus sit, sed propter excusationem, 
seil, ne quis postea se velit excusare quicumque enim in errorem semel damnatum incidit, 



' Auf diese Glosse bezielit sich offeubar die Urdiu;iri;i zu v. ab iugrcssu ibid. 



16 



JoH. Fbiedeich E. von Schulte. 



eius damnatione se ipsum involvit, ar. xxiv. q. 1. Acatius. Non ergo est verum, quia 
[eine Lücke] videtur dicere, seil, quod talis sit separatus a communione sacramentorum, et 
non a consortio fidelium." 

c. 70. C.xii. q. 2. ,. ..In sua forma ei detur seeundum quosdam, dandum est 
secundum Jo. Non enim est compensatione peccandum: ar. di. xxiv. quod ait et xxxii. 
q. 8. c. 1. secundum Gra. unde consentiremur ut j. xxiv. q. 3. §. item ab aliquo; 
ar. contra ij.' si hoc est ratio quare vasa conflantur seil, ne in manus saecularium veniant, 
ergo si qua venduntur ecclesiae, ne veniant in usus nephanos. 

Höchst interessant ist gl. zu c. quo ausu 26. C.xxiii. q. 8. v, nulluni omnino: 
Hoc de illis tantum episcopis intelligitur, qui levitica tantum sunt portione contenti; 
ceteri namque de regalibus et aliis possessionibus suis senioribus servire tenentur ut hie 
et liii. di. sancitum est. Hoc quoque consuetudo approbat, quae est optima legum 
interpres. io.' In der Gl. ord. steht sie auch mit loan. aber ,tenentur, ut extra de 
cen. cap. sancitum est. Dies [c. 1. X. de cens. III. 39.] mit sacitum anfangende 
Capitel steht als Palea in c. 25. derselben Causa nicht in diesem Codex, aber in vielen 
und in den meisten Ausgaben, ist dann aus Burch., Ivo in die Collectio Lips. und Coli. i. 
übergegangen. Joh. Fav. hat nicht an dasselbe gedacht, sondern an Dist. liii., welche 
Bestimmungen über die NichtOrdination von Beamten hat, mithin inhaltlich neben 
dem c. quo ausu bezogen werden konnte. Joh. Teut. hat also nur das Citat ge- 
ändert. 

c. 19. C.xiii. q. 2. v. his tantum ,i. e. qui talem vitam egerunt, ut si post mortem 
huius fierent prodessent vel quorum vita non contradiceret ut ista si fiant non debeant 
eis prodesse. vg.' Diese Sigle kann auf Huguccio gehen, sie ist ganz vereinzelt. 

ni. Es bleiben, um das Alter und die Bedeutung des Apparates zu bestimmen, noch 
einige Fragen übrig. Maassen Beitr. Seite 27, Note 1. führt zum Belege dafür, dass 
Joh. Fav. Glossen geschrieben, unsern Codex an und sagt: 

,Cod. lat. Monac. 10244 (Pal. M. 244). Die am häufigsten vorkommenden Siglen 
der Glossen sind Jo. und Bar., einmal Bartolo. Die Glossen mit Jo., welche die bei 
weitem zahlreichsten sind, hielt ich anfangs ausschliesslich für Glossen des Joh. Teut., 
da mehrere- Male dieselbe Glosse wörtlich in der Gl. ord. vorkommt und sich in einer 
Glosse zu C.ix. q. 3. eine der anders woher bekannten des Joh. Fav. gerade entgegen- 
gesetzte Ansicht findet. Die oben citirte Stelle zeigt aber, dass sie nicht dem ersteren 
allein gehören. Die Siglen Bar. und Bartolo passen auf Niemand anders, als auf Bar- 
tholomaeus Brixiensis. Unter den von mir verglichenen Glossen mit diesen Siglen 
habe ich aber keine in der Gl. ord. wiedergefunden, was nicht befremden darf, da nach 
der eigenen Erklärung dieses Bearbeiters derselben auf seine Rechnung nur einige Hin- 
zufügungen kommen. In den Glossen wird unter andern auch der cantor Parisiensis 
angeführt. Dies kann nur der Zeitgenosse des Steph. Torn. Petrus cantor (Hist. litter. 
de la France T. ix.) sein, der demnach, wie die Weise der Anführung dies nicht zwei- 
felhaft lässt, auch Glossen oder einen selbstständigen Commentar zum Decret geschrieben 
hat. Von Glossatoren des römischen Rechts werden genannt: Bulgarus, Martinus, 
Placentinus und Johannes Bassianus (Jo. 6. einmal magister Johannes d' Cre- 
mona).' 



Diese Glosse geliört weder Joh. Fav. noch Joh. Teut. an, hat aber der Ord. offenbar vorgeschwebt. 



Die Glosse zum Decket Gkatiäns von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgäben. 17 

Unter den ziemlich zahlreichen mit Jo. gezeichneten Glossen befinden sich 

a) viele, die nicht in der Glossa ordinaria stehen, z. B. zu: 

c. 3. D. XII., — c. 9. D. XXX. V. memorias, — c. 4. C.i. q. 3., — 
c. 8. ibid. (die Gl. ord. hat sie aber vor Augen), — c. 1. C.ii. q. 1., — c. 3. 
e.V. q. 2., — c. 3. C.vii. q. 1., — c. 1. C.ix. q. 3., — c. 2. C.x. q. 2. §. 
Item sibi invicem, — c. 36. Cxi. q. 3., — c. 99. ibid., — c. 15. C.xiv. 
q_ 5,^ — pr. q. 1. C.xv., — c. 5. C.xxiii., q. 1., — c. 18. C.xxvii. q. 1., 

zu V. professi c. 40. ibid. Die in der Gl. ord. stehende mit Joan. 

signirte fehlt im Cod.; — c. 1. C.xxvii. q 2., — c. 10. C.xxviii. q. 1., 
— zu c. 6. C.xxxii. q. 1., — c 6. C.xxxiii. q. 2., — princ. q. 9. 
C.xxxv. 

b) eine geringe Zahl, welche auch sich vorfinden in der Glossa ordinaria und 
zwar ebenfalls hier mit Joan. signirt, z. B. : 

gl. et quis dubitat zu v. durior c. IG. C.i. q. 1. Auch tler nichtsignirte 
Zusatz steht dabei. 

o-l. hinc arg. quod qui ignor. zu c. 108. ibid. ohne den Zusatz der 
Gl. ord. 

gl. zu V. ex usu 124 ib. Sie fängt aber im Codex an: ,i. e. non consuescat 
vel ex usu seil, praeterito, quod ratione praescriptionis angarias sacerdotibus 
non imponant. Cum' cet. und geht bis ,possidere. Jo.' Der auch mit Jo. 
gezeichnete Zusatz der Gl. ord. und der folgende mit B. fehlt, so dass unzwei- 
felhaft die erste Glosse Joh. Fav. gehört. 

gl. assisteriam zu c. 30. C.xxvii. q. 1. ohne den Zusatz der Gl. ord., der 
gewiss Joh. Teut. angehört. 
Ist schon durch diese und durch die später unter Johannes Faventinus selbst 
angeführten Citate, sowie dvu-ch die bereits vorher gemachten Mittheilungen ziemlich 
sicher, dass die mit Jo. signirten Glossen entweder Jo. Fav. oder dem älteren Johannes 
Hispanus angehören, so verdient der Gegenstand gleichwohl noch eine genauere Er- 
örterung. 

Mit Jo. signirt hat der Codex verschiedene, in. der Glossa ordinaria ohne Sigle 
vorfindliche, z. B.: 

1. Gl. Nihil enim zu v. perditio c. 103. C.i. q. 1. 

2. verändert gl. zu v. agri 27. Cxi. (j. 1. 

3. Gl. zu V. intercedere 1. C.xiv. q. (i. 

4. Gl. zu V. in monasticam 32. C.xvi. q. 1. Statt des ,et hoc bene distinguitur 
extra de renunc. post translationem' der Gl. ord. steht aber im Codex nach der 
Sio-le Jo: ,male dicit. Immo ibi dicitur, quod de suo jure non poterit etc.' 

5. c. 19. C.xvii. q. 4. ,Si quis suad. diab.' steht die Glosse: ,No. hoc c. esse datae 
sententiae et corrigit omnia praedicta capitula, quae videntur esse dandae in eos, qui 
mo. vi. inde et impete(?) Octo casus excipiuntur ab Alex. III., in quibus non tenetur 
omnino vel saltem non teneatur se praesentare apostolico, quamvis in clericum injecerit 
manus, ut x\.lex. III. sicut dignum. §. Ex hoc verbo intelligitur canonem istum datae 
sententiae esse et neminem presbyterorum per generalem sententiam Hgatum solvere 
posse. Jo.' Die Glossa ordinaria hat dies nicht, aber den Satz selbst, dass der canon 
latae sententiae sei mit der Sigle Joan., die hier Joh. Teut. angehört. 

Denkschriften der phil.-hist. C'l. ISI. Bd. Abhandl. von Nichtmitgliedertt. c 



18 " JoH. Friedrich E. von Schulte. 

G. gl. ad V. concubitus 4. C.xxvii. q. 1. In der Handschrift fehlt nur das letzte 
Citat, steht aber nach Jo. noch der Zusatz: ,Solemnitatis additio his vel illis poenam 
aggravat.' 

Es beschränkt sich die Benutzung von Glossen in der Glossa ordinaria nicht auf 
diese Fälle, sondern zeigt sich auch noch für manche andere, sowohl nichtsignirte als 
signirte. 

In einer nicht signirten Glossa zu c. 36. Cxi. q. 3. wird auch wie in der Ordinaria 
Petrus Hispanus citirt; diese hat die Ord. vor Augen gehabt. 

Die gl. laesae maj. zu c. 5. C.xv. q. 3. hat eine mit Jo. signirte des Codex vor 
Augen gehabt. 

Zu c. 1. C.xii. q. 5. steht folgende zu ut si hoc: jCrgo legatario possidente, quae 
possedit episcopus, ubi dubitatur, an eius fuerint an ecclesiae, onus probationis incumbit 
ecclesiae Jo.' Die Gl. ord. hat diese offenbar vor Augen gehabt. 

Ohne Signatur im Codex und in der Glossa ordinaria ohne Signatur bez. mit anderer 
Signatur stehen z. B.: 

G. hinc argue und argum. non solum und quia Mediolanenses zu c. 104. 
C. I. q. 1. 

etiam zu v. luminaribus 106. ib. aber ohne Hug. und mit anderem Citate. 

gl. quod ad zu c. 2. C.ix. q. 3. 

gl. arg. quod conversi zu c. 40. C.xxvii. q. 1. aber ausführlicher. 

Fasse ich die Argumente zusammen: 1. dass, wie sich zeigen wird (§. 5.), Johannes 
Faventinus keine Decretalen Alexander's III. citirt, eine solche aber in einer mit Jo. 
signirten Glossa citirt wird; 2. dass von einer Bekanntschaft mit der Compil. i. absolut 
keine Spur in dem ganzen Apparate vorliegt, dies aber geradezu die Möglichkeit aus- 
schliesst, er rühre von Joh. Teutonicus her; 3. dass Joh. Teut. fremde Glossen in 
der verschiedensten Art benutzt und aufnimmt (§. 16.); 4. dass verschiedene Glossen 
mit der Sigle Jo. unzweifelhaft als Joh. Fav. angehörig erwiesen sind; 5. dass es 
unerklärlich wäre, wie Jemand in einen Apparat, der nur alte Glossen hat und auf 
Rolandus, ßufinus, Cardinalis, Petrus u. s. w. ruhet, Glossen von Joh. Teutonicus 
hätte aufnehmen sollen, ohne gerade solche aufzunehmen, die Neues enthielten; 6. dass 
der ganze Apparat von einer Hand geschrieben und von den zahlreichen Joh. Teut. 
unzweifelhaft angehörigen Glossen gar keine hat; 7. dass in der Glossa ordinaria alle 
Glossen von Joh. Teut. stehen (ich rede natürlich von guten Handschriften und Aus- 
gaben), von den vielen im Codex mit Jo. signirten aber nur wenige ganz aufgenommen 
sind, von denen einige selbst in der Glossa ordinaria Joh. Fav. zugeschrieben werden, 
während andere ohne Sigle aufgenommen oder auch blos benutzt worden sind; 8. dass 
Joh. Teut. die Siglen verändert hat; 9. der Widerspruch einer Glosse mit einer Ansicht 
von Joh. Fav., wie ihn Maassen ohne die Stelle zu nennen behauptet, auch nichts 
bewiese, da ein solcher ganz gut vorkommen könnte : so darf ich als Resultat annehmen, 
dass die mit (Johannes) Jo. signirten Glossen Johannes Faventinus angehören, keine 
aber dem Johannes Teutonicus, dass jedoch auch einzelne Joh. Hispanus gehören 
können. Es ist dies jedoch im Hinblicke auf die allgemeine Bekanntschaft mit Joh. 
Fav., dessen constante Sigle Jo. ist, unwahrscheinlich. Dass aber in einzelnen Glossen 
Zusätze gemacht sind , ist möglich ; im Hinblicke auf das stete Vorkommen solcher 
brauchen wir uns darüber nicht zu verwundern. 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 19 

Die zweite Schwierigkeit bieten die Glossen mit Bar. bar. B. b. loh hebe von 
solchen hervor: 

a) Mit B. zu : 

c. 4. D.xi., 10. D.xxxii., c. 14. ibid., c. 2. C.iii. q. 4. v. rel'u tandus, c. 2. 
C.xii. q. 3., c. 14. C.xiii. q. 2., c. 1. C.xxvi. q. 7. v. obligati.; c. 53. D.i. 
de cons. voce alteram: ,Quid si tertio vel deinceps celebravit corpus Christi 
ut primo conficiat sed ut credimus in pernitiem suam. §. Hoc nun prohibetur, 
quare permissum intelligitur-, arg. xxviii. q. 1. iam nunc, et d. ii. relatum. 
An autem permittatur his profunctis missam facere vel de die non exprimitur; 
sed quare hoc non liceat sicut et id quod in capitulo dicitur cum ecclesiae con- 
suetudo sie teneat et in omni missa pro defunctis oratio fiat, ut dist. eadem 
visum. b.' 

b) Zu c. 36. V. necessitatem patientibus C.vii. q. 1. ist eine lediglich die 
Construction explicirende gezeichnet bartolo. 

c) Mit Bar. zu: 

c. 9. D.xvi., V. 1. D.xxiii., c. 5. D.xlvii. v, quia persona, c. 14. D.lvli., 
c. 1. D.lxxxi. V. ad praeposituram, c. 21. C.i. q. 1., c. 23. q. 7. ibid. (die 
Gl. ord. kann sie vor Augen gehabt haben), c. 2. C.v. q. 2., c. 67. C.xii. q. 2., 
c. 24. C.xiii. q. 2., c. 2. -C.xix. q. 2.-, c. 22. C.xxiii. q. 4., c. 23. ibid. C.ii. q. ;">., 
ibid.; c. 28. D.i. de cons. ,Quid est quod dicit reaedificetur? an fabrica 
destruenda est? Dicitur ergo reaedificari propter rasorum parietum superficiem, 
quae in formam pristinam restauratur, bar.' 
Keine einzige von diesen Glossen steht in der Glossa ordinaria. 
In der Gl. ord. ist mit bar. signirt die auch im Codex mit bar. signirte zu: 

c. 8. V. contradices D.lxxiv. (im Cod. Prag, daneben la.) 
In der Gl. ord. ist mit Baz. signirt die im Codex mit bar. signirte 

zu dict. ad c. 10. C.xxiv. q. 1. v. effectum. 
Von den im Cod. mit bar. signirten hat die Glosta ordinaria: 

zu c. 8. D. 79. V. null um die Hälfte ohne 8 igle. 
Gl. zu dict. ad c. 28. C.xiii. (|. 2. ,Mortui qui dei contemplatione fruuntur quicquid 
a viventibus agitur ut sciunt [lege: sciunt, ut] enim ait Gregorius, ,qui intus omnipo- 
tentis Dei claritatem vident, nullo modo credendum est, quia sit foris aliquid, quid [lege: 
quod] ignorent.' Qui vero poenis cruciantur in inferno vel igne purgatorlo, nesciunt nisi 
quatcnus a deo scire permittuiitur, ut sequenti cap. facundum [lege: fatendum] dicitur. 
bar.' Diese hat offenbar der Gl. ord. vorgeschwebt. 

So apodictisch Maassen meint, alle mit Bar. Bartolo. gezeichneten Glossen gehörten 
dem Bartholomaeus Brixiensis an, ebenso gewiss darf ich behaupten, dass ihm 
keine einzige angehört, sondern alle Bazianus. I>cr Beweis für diese Sätze liegt 
in Folgendem: 1. in dem §. 11. geführten Beweise, dass Bar. Sigle für Bazianus ist; 
2. Darin, dass auch eine mit bar. im Codex signirte Glosse in der Gl. ordinaria die 
Sigle baz. liat; 3. darin, dass Bartholomaeus Brixiensis nach eigener Angabe nur, wie 
§. 18. ausführt, des Johannes Teutonicus Apparat ergänzt u. s. w., von einer früheren 
Glossirung durch denselben aber keine Spur vorliegt, eine nach dem Apparate gemachte 
vollends sinnlos wäre ; 4. darin, dass, während Barth. Brix., wie §. 18. zeigt, gerade im 
Umsetzen der Decretalencitate aus den älteren Compilationen auf die zu der Gregoria- 



§0 - JöH. Friedrich R. von Schulte. 

nischen Sammlung passenden und im Zufügen von Decretalencitaten aus den Decretalen 
Gregor's IX. seine Haupttliätigkeit findet, keine einzige der zalilreichen Glossen mit bar. 
aucli nur die leiseste Kenntniss der Compilationes antiquae, geschweige der Decretalen 
Gregor's IX. verräth. Ja abgesehen von Citaten aus Decretalen Alexanders III. kommt 
in den Glossen mit bar. überhaupt gar kein Decretalencitat vor, obwohl dazu massen- 
haft Gelegenheit, und wenn die Glossen zu einer Zeit, wo bereits jene Sammlungen 
existirten, gemacht worden wären, eine zwingende Veranlassung vorlag, wenn die Glossen 
anders das geltende Recht lehren wollten, was unzweifelhaft ist. 6. Endlich beweist es 
der folgende Punkt: In den Glossen, welche ohne Sigle sind, kommen sehr viele Citate 
von Decretalen vor. Alle diese beziehen sich aber, mit Ausschluss von Urban III. (siehe 
die mitgetheilte zu q. ult. i. f. C.xxvii.), auf Alexander III. In der Regel heisst es, 
,ut Alex. III. in extrav.' cet., bisweilen aber auch blos extr., z. B. cum Rom. eccl. und 
dergl. Kein Citat hat den seit der Compilatio i. ausschliesslich festgehaltenen Charak- 
ter des Citirens nach Titeln, und, seitdem die Comp. iii. bez. ii. existirte, mit dem 
Zusätze i. ii. iii., lib. I., u. dergl. Decretalen Alexander's III. werden massenhaft citirt; 
ich darf mich der Angabe enthalten, da Jeder sofort solche findet. So ziemlich alle bei 
Simon de Bisiniano (vergl. meinen 1. Beitr. z. Lit. des Decr.) vorkommenden und 
andere finden Platz (z. B. si quis parochus zu c. 5. C.xxxii. q. 1., die mit solchem 
Anfange in keiner Sammlung vorkommt). Auch die Citate von Hadrian IV. u. s. w. 
kommen vor. 

Alle diese Gründe berechtigen uns, die Abfassung des Apparates in die Zeit Ur- 
ban's III. oder unmittelbar darnach zu setzen. Ob die eine Glosse mit vg Huguccio 
angehört, lasse ich dahingestellt; sie würde auch nicht entscheiden. Darf man schon aus 
den erörterten Gründen den Apparat in die 80ger Jahre des XII. Jahrhunderts setzen: 
so wird diese Annahme noch durch mehrere Gründe unterstützt, nämlich: 

1. Dadurch, dass die Capitel des Decrets unendlich oft mit der Zahl anstatt mit 
den Anfangsworten citirt werden, wovon man sich so ziemlich auf jeder Seite über- 
zeugen kann. Das findet sich aber nur im XII. Jahrhundert und hat sich mit der Auf- 
nahme der Paleae in ungleicher Zahl allmälig ganz verloren, bis die gedruckten Ausgaben 
wieder dazu führten. 

2. Die Aufnahme einer grossen Zahl von Distinctionen aus Sichardus. 

3. Die Menge der Citate aus Burchard, die später als Paleae in's Decret und zum 
Theil in die Comp. I. Eingang gefunden haben. Seit dieses stattgefunden, fiel das Citiren 
nach Burchard fort. 

IV. Der Apparat selbst erscheint an sich als bedeutend und ist vor Johannes 
Teutonicus der bedeutendste. Dass er von letzterem in grossem Maasse benutzt wurde, 
ergibt schon das Gesagte und lässt sich durch die einfachste Vergleichung fest- 
stellen. 

Über den Verfasser wage ich keine Vermuthung aufzustellen, da die wenigen 
Anhaltspunkte (Angaben in der Glossa ordinaria u. dergl.) kein sicheres Resultat gebo- 
ten haben. Johannes Hispanus, der nach Joh, Andreae eine lectura zum Decret 
schrieb, könnte noch am ersten in Betracht kommen. Dass er nach Andreae keine 
Decretale citirt haben soll, thut nichts, weil derselbe in solchen Angaben überhaupt 
- nicht genau ist. Auch höbe sich durch diese Annahme eine Schwierigkeit, die in dem 
Widerspruche mit Meinungen von Joh. Fav. liegt. Doch es ist nur Vermuthung. 



Die Glosse zum Decket Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgäben. • 21 

Da die Citate aus dem römischen Rechte und seiner Literatur zur Aufhellung nicht 

beitragen, übergehe ich sie. 

E. Triei-er (T.)- 

Codex der Stadtbibliothek zu Trier Nr. 906, fol. max., mbr, s. xiii. ineuntis. 
I. Voran geht die 8 Blätter füllende Einleitung: ,In prima parte agitur de ju- 
stitia naturali et positiva tarn constituta (j^uani inconstituta que cui preponatur?' Das 
Decret beginnt: ,Incipit concordia discordantium canonum.' Die Initiale H. bildet 
eine schöne Miniature, getheilt: im oberen Theile steht ein Bischof, im unteren ein 
König, eine Papierrolle geht von des oberen linken in des unteren rechte Hand; der 
Bischof hält die rechte Hand mit den 2 ersten Fingern in die Höhe. Das Bild deutet 
offenbar die Verbindung des sacerdotium und Imperium im Rechte an. Die Glosse 
beginnt: ,Concordia discordantium canonum iuxta determinationem gratiani epis- 
copi, quae in duas partes principaliter est divisa. Prima pars constat centum et una distin- 
ctione, licet xlviii.' incompetens videatur; secunda vero in causis xxxvi., ubi notandum 
est, nonnulla esse in utilia capitula atque ita digesta, ut diversis causis visum est expe- 
dire, quaeque decretum alibi reperies integro supplere hie seu continuare non videas 
tanquam scriptoris vitio contigisset. Similiter cum alias etiam graecorum conciliorum 
translationem inveneris eam sufficere tibi credens, de qua huic operi sumpta sunt con- 
gruentia capitula miscere et variare translationum seriem non praesumas.' 

Daneben steht am oberen Rande die mit Jo. gezeichnete Einleitung: Ordinaturus 
magister gratianus decreta ipsa altius ingreditur a divisione iuris, quod in duo dividit, 
primo in ius videlicet naturale et consuetudinis, inde multiplices supponit divisiones, 
quarum singulis exequitur dictiones. 

Die Handschrift enthält einen so reichen Apparat, als wenige, nämlich den ziemlich 
vollständigen des Johannes Faventinus, nicht minder den von Johannes Teutonicus, da- 
neben die Zusätze von Bartholomaeus Brixiensis, ältere Glossen, Additiones u. s. w. Es 
ist daher der Codex für die Geschichte der Glosse sehr interessant. Die Schrift der 
Glossen ist eine ganz verschiedene. Die älteste, dem Anfange des XIH. Jahrhunderts 
angehörige, umfasst, abgesehen von den nicht signirten Distinctionen, welche zum 
Theile wörtlich aus Sichardus entlehnt sind, und abgesehen von kurzen, blosse Citate 
aus dem römischen Rechte und dem Decrete enthaltenden Parallelstellen, — jene Glossen, 
die signirt sind mit Jo. C. st Bar. bar. p. z. N. G. Ro. Ste. Von einer zweiten ist 
geschrieben diejenige Glosse, welche mit Jo. gezeichnet ist und sich herausstellt als die 
des Joh. Teutonicus. Ihre Schrift gehört der 'späteren Zeit des XIII. Jahrhunderts 
an, ist dick und fett; die Sigle fehlt sehr häufig. Am Ende dieser mit Jo. gezeichneten 
oder ihm zugehörigen, wenn auch nicht gezeichneten Glossen finden sich dieselben später 
zugeschriebenen Zusätze, welche regelmässig in der Glossa ordinaria stehen und dem 
Barth. Brix. angehören, gezeichnet mit b' oder auchbarth. Andere Glossen sind noch viel 
später zugeschrieben, im XIV. Jahrb., und entnommen der Summe von Huguccio, 
gezeichnet h., den Decretalenapparaten, gezeichnet bh., p , p. salin., aber auch älteren 
Apparaten mit den Siglen c, car., Barthol., Jof., bar., Job. Auf dem letzten Blatte der 
Einleitung ist am oberen Rande zugeschrieben links die Einleitung der Glosse von 
Johannes Faventinus: ,De jure canonico tractaturus' bis .sie ergo viso rubro 

1 Ist wohl Schreibfehler für Ixxiii. Vorgl. meinen i. Ui-itr. 8eitc41; die Notiz der Suninui I'arisicusis gewinnt dadurch 
bedeutend an Gewicht. 



22 JoH. Friedrich R. von Schulte. 

veniamus ad nigrum. Jof.' mit jüngerer Schrift und offenbar nicht von einem Schrei- 
ber von Profession und ohne Linien, rechts in derselben Weise die des Bartholomaeus 
Brix. ,Quoniam novis supervenientibus causis' u. s. w. 

Die Glossen des Joh. Fav. kommen vorzüglich in Pars. I. vor, was sich wohl dar- 
aus erklärt, dass seine Summa für diese weniger ausführlich ist als für die zweite. 

11. An Paleae hat der Codex: 1) c. 2. D.vi. aber als zusammengehörig mit dem 
vorhergehenden. Am Rande: ,Sed pens. palea est usque ad c. s. non est. nee legitur.' 
2) c. 5. D.xxv. ü) c. 7. D.xxvii. als Theil von c. 6., später zugeschrieben palea est. 
4) c. 5. D.xxxi mit derselben späteren Bezeichnung. 5) c. 2. D.xxxii. Von alter Hand 
palea. 6) c. 17. ibid. 7—9) c. 5 — 7. D.xxxv., von späterer Hand palea. 10) c. 6. 
D.xlvi. Dies hat nur die Summa Paris, als Palea bezeichnet. Mein 2. Beitr. Seite 41. 
11) c. 13. D.L. spät palea zugeschrieben. 12) c. 2. D.lvi. 13. 14) c. 31. 32. D.lxiii. 
15) in c. 4. D.lxviii. von haec — figuram (der Rest im Texte) am Rande zugeschrie- 
ben mit der Bemerkung, dass es in einigen fehle. 16) c. 2. D.lxxviii. 17) c. 11. D.lxxxviii. 
als palea bezeichnet. 18—20) c. 12-14. D.xcvi. als palea bez. c. 21—22) c. 3. 7. D. C. 
als palea bez. 23) c. 6. C.i. q. 4. 24—26) c. 17. 29. C.ii. q. 6. 27) c. 20. C.ii. q. 6. 
blos bis sent. sua. Der Rest fehlt. 28) c. 2. C.vi. q. 5. aber als c. 4. qu. 4. 29) c. 31. 
C.xii. q. 2. Darüber palea est secundum quosdam. 30) c. 3. C.xvi. q. 7. 26) c. 42. 
C.xvii. q. 4. darüber vacat. 31) c. 10. C.xx. q. 1. aber unmittelbar nach c. 4. 

Mit Rücksicht auf die abweichenden Angaben von Bickell und Richter, dann die 
schon bei Huguccio und im Innsbrucker Codex vorkommenden bemerke ich noch: 
es fehlt in c. 1. C.vi. q. 1. atque — veniat, in c. 11. ibid. absque — conjungit, 
c. 15. C.xx. q. 1., in c. 2. C.xxii. q. 7, manente in se — viro. 

In Causa xi. q. 1. steht nach c. 46, dessen Anfang hier lautet: ,Clericus adversus 
clericum habens negotia' noch folgendes Capitel: 

,Item Greg. Constantianae augustae post multa alia. 

Et si episcoporum mihi commissorum causae apud piissimos dominos — nullo modo 
cessabo.' Daneben ein Strich mit vacat. 

Nach Theiners Index (in den Disquis. crit.) steht es Anselm. Luc. vi. 194. 

Zu Causa xxxiii. q. 3. sind von alter Hand nur sehr spärliche Glossen geschrie- 
bon, von denen viele bar., einige nicht gezeichnet sind; letztere dürften Joh. Fav. an- 
gehören. 

Neben c. 1. Omnes D.v. de consecr. ist später am Rande zugesetzt: v. di. secun- 
dum quosdam. 

Das Exemplar ist defect, es fehlt der Text von quia ergo im dict. Grat, ad c. 2. 
C.xxxv. q. 9. bis zum Worte subreptionibus (einschl.) c. 7. D.i. de consecrat. 

Auf der 1. Seite unten steht die Bemerkung von einer Hand des XIV. Jahrhunderts: 
,Robertus habuit post sextam peciam et brito socius eins; alias autem pecias 
precedentes ego correxi. Givardus post recepit xvi. peciam.' 

F. Prager (P-). 

Codex des böhmischen Museums in Prag signirt I. B. L saec. XIIL, früher dem 

Kloster Saczka [,Jste liber est Monasterii sancti Appollinaris in Saczka Canonicorum 

Regularium' ist einigemalen z. B. auf dem 4. und 5. letzten Blatte und C.xvi. q. 1. 

c. 56 ff. unten am Rande von einer Hand des 15. Jahrh. geschrieben], dann dem Grafen 



I 



Die Glosse zum Dbceet Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 23 

Kolowrat-Krakowsky [,Ex libliqtheca arcis Brzeznicensis' auf dem Vorsetzblatte mit dessen 
Wappen] gehörig, von welch' letzterem er dem Museum geschenkt wurde. Vergl. meine 
Prager Handschr. Num. vili., über die Paleae in demselben meine Lelire von den 
Quellen S. 327 Note 3. 

I. Voran steht das Summarium ,ln prima parte agitur' cet (mein 3. Beitrag Seite 4.) 
zur Pars prima; das zur Pars secunda steht getheilt vor den einzelnen Causae. Auf der 
zweiten Seite beginnt die Handschrift : 

,Prologus declarat magistri Gratiani processum usque ad xv. di. inclusive.' 

,Tractaturus Gratianus de jure canonico primo inclpit secundum naturam seil, a 
jure naturali, quod antiquius et dignius est; cepit enim ab ipsa rationali creatura ut 
instit. de juris divis. §. singulorum. Assignat ergo multas differentias juris natura- 
lis ad alia jura usque ad xv. di., in qua aggreditur principale propositum de jure 
canonico originem eins assignans. la.' Diese P]inleitung ist aucli ohne Sigle in die Glossa 
ordinaria übergegangen. 

Die Vorrede von ßartholomaeus ,QuonIam novis' etc. ist auf der 3. Seite zu- 
geschrieben worden. 

Am Ende steht ein Anhang, ganz verschieden vom Innsbrucker, der defect ist; 
ausser der Seite, auf welcher der Text des Decrets endigt, ist nur noch ein Blatt vor- 
handen, das am Deckel angeklebt war. Die lesbaren Stücke sind: 

Ex conc. apud Verm. Siqua mulier. 

Ex conc. Aurel. cap. 1. Qui sine odii meditatione. 

Eugenius IIL Conrado vicario et univei'so Romano clero. Super eo quod e rapto- 
ribus — privetur. Data Signe tertio non. Octubris. 

Leo epc. s. s. d. omnibus fidelibus in Christo per totam Italiam. Relatum est — 
subiaceat. Data Romae mense Apr. die xx. ind. xv. (c. 2. x. de sepult. iii. 28.). 

Honorius urbis Romae epc. omnibus oriental. eccles. Inhaerentes vestigiis — annui- 
mus. (c. 2. X. de jur. cal. ii. 7.). 

Ex conc. Meld. De ilHs vero qui infra parochiam sunt et de loco ad locum. 

Ex conc. Tribur. Secundo concilio adlatum est 

Eugenius . . . Literae v. felicit. benigne recepimus, in quibus . . 

II. Obwohl die Handschrift für den Text keinen Vergleich mit manchen anderen, 
z. B. dem Innsbrucker, aushält, ist sie sehr interessant wegen der Glosse, indem sie 
fast eine Geschichte derselben bietet und wie wenige die allmälige P^rgänzung der 
Glossen zeigt. Zugleich liefert sie hierdurch unzweifelhaft den Beweis eines steten Ge- 
brauches, wofür auch die starke Abnutzung Zeugniss ablegt. Die Glossen gehören den 
Schriftzügen nach sehr verschiedenen Händen und der Zeit vom XIII. bis in die Mitte 
des XV. Jahrhunderts an. Die ältesten Citate, Rubriken und kurze Glossen darbietend, 
sind im Ganzen die anonymen des Innsbrucker Codex. Nach diesen wurde der 
Apparat des Laurentius, gleichzeitig der des Johannes Teutonicus zugeschrieben. 
Neben diesen linden sich ältere Glossen und Zusätze aus neueren "NVei-ken bis auf Ho- 
stiensis und Guido de Baysio, mit dessen Bezeichnung arch. (auch G., einmal Gui.) 
eine grosse Menge von Zusätzen versehen siml. Wenige haben die Sigle des Cardinalis C, 
z. B. mehrere in D.xii., zu c. Unum orarium D. 2.').; c. C. D. 41., auch zum tract. 
de poen.; einige haben R. (z. B. c. 18- C. U. q. 1.), einige S., manche die Sigle des 
Johannes Faventinus Jo. d' f. oder Jof., sehr viele h. (Huguccio), Jo. (Joh. Teut.), b. (Bartho- 



24 JoH. Feiedkich E. von Schulte. 

lomaeiis Brixiensis), in der Pars III. einige p., pe., eine zu c. 30. C.xvi. q. 1. pe. de. 
sal'., einige c. 33. und 59. C.xvi. .C| 1. ber. ys. 

III. Für die Bestimmung einzelner Glossen ist die Handschrift dadurch von Wich- 
tigkeit, dass manche Siglen zwar erst später, aber mit Sorgfalt nachgetragen sind. Solches 
ist insbesondere mit den Zusätzen und der Sigle des Bartholemaeiis, ebenso des Laurentius, 
Huguccio u. s. w. geschehen. Dass hierbei mit Genauigkeit vorgegangen worden ist, 
folgt aus mehreren Gründen: 1) Es treffen meistens die Siglen mit jenen zusammen, 
welche die Handschriften mit der Glossa ordinaria und darauf gestützt regelmässig die 
Ausgaben haben. 2) Bisweilen steht b., wo die Ausgaben und viele Handschriften mit 
der Glossa ordinaria diese Sigle auslassen, obwohl augenscheinlich der Zusatz Bartholo- 
maeus angehört, z. B. gl. decimas zu c. 7. C.xvi. q. 7. 3) Die Ergänzungen bekunden 
eine sehr vollständige Kenntniss der Literatur und geben wiederholt mit grosser Genauig- 
keit an, welche Schriftsteller der Meinung beipflichten oder nicht. 

Am Ende der Glosse zu et finxit ,Quaedam' c. 6. D. 27. steht: ,Idem Jo., b. et 
pe. de san., sed Vin. contra x. de spons. tua.' Die Glosse interdicimus zu c. 12. 
C.xvi. q. 7. hat in den gewöhnlichen Handschi iften und Ausgaben am Ende keine Sigle, 
in unserem Codex aber den Zusatz: 

,Idem hie Jo. d' f. et phy. in decret. quisquis, sed die contra, prouti notant 
Jo., Vinc, Go., In.', Host, et Ber.' 

Zu c. 41. C.xvii. q. 4. v. extra parietes steht folgende Glosse: 

,supra c. sicut antiquitus contra. Sed ibi de ecclesiis extra ambitimi mu- 
rorum vel castellorum, hie vero in castro sita erat, lau., hu. et Jof., arch.' 

Zu c. 10. C.xxxii. q. 1. lautet in der Glosse revertitur der Zusatz des Bartholo- 
maeus, der als Einschaltung in den Text später geschrieben ist: 

,quando poena committatur vel quando pui-getur notatur in distinctionibus 
doniini mei hugol. b.' 

Es ist um so wichtiger, dass wir den vollen Namen Hugolinus finden, da die mei- 
sten blos die Sigle h. haben, was Sarti (vergl. mein Lehrbuch 2. Aufl. S. 58. Note 9.) 
veranlasst, Huguccio als Lehrer des Bartholomaeus anzimehmen. Unendlich oft werden 
auch an das Ende von Glossen mehrere Siglen gesetzt, um die Übereinstimmimg anzu- 
deuten. 

Aus diesen Gründen halte ich mich für berechtigt, der Handschrift für die Bestim- 
mung der Verfasser Werth beizulegen. Da hierbei von Wichtigkeit ist, die Siglen zu 
bestimmen, sei noch bemerkt: 

1. Die Sigle des Barth, ist stets b. 

2. Die des Huguccio stets h. 

3. Joh. Teut. wird stets mit Jo. citirt. 

4. Laurentius mit 1., la., lau., bisweilen darüber später rentius geschrieben. Dass 
diese drei Siglen Laurentius angehören, ergibt der zuletzt erwähnte Zusatz, sowie der 
Umstand, dass oft blos 1. oder la. steht, wo die gewöhnlichen Handschriften und Aus- 
gaben Laur. haben. 

5. Joh. Fav. Seine Glossen haben constant die schon angegebenen unzweifelhaften 
Siglen Jo. d' f. oder Jof. 

6. Dass die mit G. bezeichneten späteren Zusätze aus Guido de Baysio sind, folgt 
aus der Übereinstimmung mit dessen Rosarium und einzelnen Gitaten, z. B. gl. hinc. 



Die Glosse zum Decket (tratians von ihken Anfangen ms auf hie jüngsten Auscjahen 25 

etiam zu (,-. 17. 1>. 46. nach (lein Zusätze des Bartli.: ,b. de liis in dis. et all. uti in 
summa. Gr.' 

7. Mit ber. ys., b'.ys. sind signirt die Gl. non est dubiuni yai v. ?>">. und <]üod 
si amplius zu c. 59. C.xvi. q. 1. der Urdinaria. 

lY. Ein genaues Studium der Glosse, die Vergleichung mit Handschriften und Aus- 
gaben der Glossa ordinaria, führt zu dem Resultate, dass die Handschrift den Apparat 
des Laurentius nebst dem des Johannes Teutonicus enthält. Es ist aber im Hinblicke 
darauf, dass unendlich viele Stellen mit la. signirt sind, welche in der Glossa ord. ge- 
wöhnlich keine Sigle haben, anzunehmen, füi- die nicht signirten Glossen sei die Autor- 
scliaft von Johannes Teutonicus anzunelimen. Jedoch soll damit nicht gesagt sein, dass 
einzelne Glossen trotz einer Sigle nicht dennoch einem anderen beigelegt werden können 
auf (Trund älterer Handsclij-iften. 

Interessant ist, dass manche casus später zugeschrieben sind, z. B. zu c. 22. C. 23. 
(|. 4. einer, der zwar denselben Gegenstand mit dem dei- Ordinaria hat, aber ganz ver- 
schieden ist und Stephanus, Bonacosa erwähnt. 

Als Muster der Genauigkeit diene nocli die Gl. debeat zu c. 21. C. 27. q. 2. Sie 
ist ganz wie in der Ordinaria, h. aber scheint ausradirt und Jo. zugeschrieben zu sein, 
darauf der Zusatz: ,haec glossa non est h., quia contrarium h. asserit in summa.' 

Gl. presbyteri in fine zu c. 1. C. 30. q. 1., welche in der Ordinaria keine Sigle 
hat, trägt die Siglen: ,Jof., h., lau.' 

Zu c. 2. D. 89. V. eligant steht folgende Glosse: ,auctoritate huius canonis. sufficit 
enim semel a lege concedi, ut ff. de conditio, instit. Quae sub condit. §. ult., nee 
praemissa anmionitione. eo enim ipso quod episcopus negligit ex lapsu temporis trans- 
fertur potestas ad clerum: extra IH. de conc. praeben., licet. In bernardo fuit et 
e. [est] in ala. [Alano] de supp. negl. prael. Argum. contra: extra III. de con. 
praeb., quoniam diversitatem. Sed huic est contrarium IX. q. 3. cum scimus, sed 
ibi solvi, et ff. de commo. et peri. 1. 1. §. licet, lau.' Das aus der Comp. III. citirte 
cap. licet ist cap. 7. de conc. praeb. III. 8. (welches ex parte Asten, in der Ausgabe 
anfängt, aber ganz unzweifelhaft gemeint ist), dieses steht nun auch in der That als 
c. 2. de suppl. neglig. prael. in der Collection des Alanus. Vergl. meine Abhandl. 
,Die Compilationen Gilberts und Alanus' Wien 1870 Seite 82. 

Laurentius hat, wie der Codex darthut, einen Apparat zu allen Theilen des Decrets 
gemacht, worin er nur die Compilationes antiquae bis zur dritten einschliesslich citirt. 

Gr. Bamberger (B.). 

Codex der Bamberger königl. Bibliothek, signirt P. I. Ki. fol., membr., saec. XIII. 

Derselbe enthält die Glosse des Johannes Teutonicus, deren einzelne in die Or- 
dinaria übergegangene Stellen regelmässig keine Sigle haben. Ausserdem hat er zahl- 
reiche von anderer Hand geschriebene des Johannes Faventinus, welche mit Jo. 
signirt sind, llücksichtlich andci-er .larin enthaltenen Glossen wird dies bei einzelnen 

bemerkt werden. 

H. Berliner I. (Berol.). 

Codex der kön. Staatsbibliothek zu Berlin ms. lat. fol. Num. 1., sehr schön ge- 
schrieben und bezüglich der Initialen u. s, w. ausgeführt, saec. XIII. ex XI\ . inc. 
Voran die Einleitung ,In prima parte agitur' 7. Bl. und 1 Sp. füllend, am Schlüsse 

ppnkschriften der phil.-hist. Cl. XXL BJ. Abhandl. von Nichtraitgliedern. " 



26 



JoH. Fkiedkich K. von Schulte. 



auf 2 Blättern, welche ursprünglicli nicht dazu gehörten, ein anderes Summarium ,l)e 
jure scripto et nun scripto.' Derselbe enthält, abgesehen von ganz späten wenigen 
Zusätzen die reine Glossa ordinarla. 

1. Berliner II. 
Handschrift derselben Bibl. Cod. ms. lut. fol. 2. s. XIV. ine, sehr klein und zier- 
lich geschrieben. Auf den 11 ersten Blättern das Summarium ,ln prima parte.' Enthält 
die Glossa ordinaria, jedocli sind später viele Zusätze gemacht Avorden, wie sie aus 
anderen schon angedeutet sind. 

§• 2. 
Die benutzten Ausgabeu. ' 

I. Zunächst ist selbstverständlich, ihiss nur die Ausgaben mit der Glosse über- 
haupt in Betracht kommen. Deren gibt es eine kolossale Menge, da allein Hain' neun- 
unddreissig aus dem IT), dahrliundert aufzählt. Von diesen luibe ich die meisten durch- 
o-esehen und eine Anzahl als Repräsentanten genauer vei'glichen und namhaft gemacht. 
Sie alle stimmen im AVesentlichen darin überein, dass sie die Glosse in der Bearbeitung 
des Bartholomäus geben: im Einzelnen, insbesondei-e in den Siglen' weichen sie ab, wie 
sich zeigen wird. Da aber schon hieraus folgt, dass keiner Ausgabe eine alte d. h. 
über 1234 hinabreichende Handschrift zu Gi-unde liegt, und da auch keine glossirte 
Ausgabe seit 1500 sich auf alte Handschriften stützt: so ist unzweifelhaft, dass wedei- 
die Geschichte noch die genaue Beschaft'enlieit dei- Glosse vor Bartholomäus aus den 
Ausgaben beschrieben wei-den kann. Jede gute Handschrift des Decrets aus dem XIll. 
oder XIV. Jahrhundert erfüllt diesen Zweck besser. Die ältesten Ausgaben kommen 
überhaupt für die Geschichte und Gestalt der (tIossc nur deshalb in Betracht, weil sie 
unmittelbar auf einei- Handschi-ift fussen. Spätere Ausgaben eines und desselben Verlags 
fussen regelmässig auf den früheren. Es ist sogar höchst wahrscheinlich, dass alle Aus- 
gaben seit 1500 bezüglich der Glosse sicli auf Incunabel-Drucke stützen-, wenigstens 
habe ich trotz wiederholter Vergleiclumg mich nicht übei-zeugen können, dass vor der 
offiziellen römischen von 1582 eine luindsclu-iftliche Text}'evision stattgefunden habe. 
Ist dies nun auch bei dieser der Fall gewesen, so kommt das für mich hier nicht in 
Betracht, well der Text des Decrets nicht das Entscheidende ist. Für die Zeit nach 1500 
sind die Ausgaben von Bedeutung, weil die (ilusse d. h. der Apparat eine ganz andere 
Gestalt annimmt diu-ch eine Anzahl von Zusätzen, welche später genau zu besprechen 
sind. Um festzustellen, in welcher diese zuerst stehen, musste ich verschiedene Ausgaben 
genau beschreiben. Wenn daraus zugleich jene Zugaben h^rvoi-gehen, welche nicht zur 
Glosse gehören, so wird dies nicht schaden. Da sich herausstellt, dass die einmal ge- 
machten Zusätze stehend wurden, so konnte ich mich l'ür die Folgezeit auf wenige 
beschränken, zimuil die noch spät im IC. und 17. Jahrhundei-t genuichten Zusätze, 
Rubriken, Citate u. drgl. nichts zu thun haben mit der Glosse selbst. 

IL Die benutzten Atisgaben, chronologisch geordnet, sind (unter Angabe de.]- Signa- 
turen der betretfenden Bibliotheken, aus denen ich sie entlelint habe): 



1 Zu den hier besprocheueu Ausgaben kommen noch die de.s §. 22. 

^ Rppertorium liibliojjraphifum Vol. I. P. II. (Stuttg. et Par, 1827. 8"), Nuni. 7881— T'.ilH. 



Die Glosse zum Decket Gka'I'uns von ihhen Anfängen bis auf die .iOnusten Ai^soaben. 27 

1. Strassbiirg- vom J. 1471. per Henricum Eggesteyn (Hain ii. 7883. Frager 
Univ. 39. A. 1.). 

2. Main/, v. J. 1472. I'etrus .s(;lioiffer de gernsheiin (Hain 7885. Pergamentexem- 



ler Prao-er Univ. 39. A. 2.). 



"ö 



plar 

3. Strassburg 1472. per Heni-. Eggesteyn (H. 7884. l'rager Univ. in 2 Bänden, 
erster bis C.xv. q. 8. e. 3 bis culparum einschl., zweiter bis zu Ende. 39 A. 4.). 

4. Basel 1476. per Bernhardum Ricliel (Hain 7888. Prager Univ. 39. A. 16.). 

5. Venedig 1477. impensa Nicolai Jenson Gallici (Hain 7890. Prager Univ. 39. 

A. 2rv, fol. 31.") und 322 sind geschrieben). 

6. Rom 1478. per Udalricum Gallum alias Barbatuni (Hain 7891. Prager Univ. 

39. A. 19). 

7. Nürnberg 1483 impensis Antonii Koburger (Hain 7899. Prager Univ. 40. C. 24.). 

8. Venedig 1496 per Baptistam de Tortis. (Hain 7915. Prager Univ. 43. A. 4.). 
Vorauf das Summarium mit der Ueberschrift bei Hain und dem Anfange: ,Liber 

decretorum distinctus est in tres partes, (^uarum prima vocatur distinctiones' u. s. w. 
Auf Bl. 3 beginnt der Text; es hat nicht, wie Hain angibt: a ij sondern a iiij. 

9. Basel 1500 in 8" per mag. Johanncm Amerbach et Johannem froben de Hammel- 
burg (Hain 7918. Prager Univ. 43. F. 28.). 

Vorher die nach der Reihenfolge der Theile gemachte ,x\.nnotatio titulorum et ca- 
pitulorum decreti.' 

10. Von 1505. Paris. Ich benutzte das Exemplar der Münchener Universitäts- 
Bibliothek, früher Coli. So. Jesu Ingoist. a. 1578, dann der Acad. Land, signirt Jus can. 
573, fol. Auf der ersten Seite: Decreti huius plenissimum argumentum. [Darunter 
die folgenden 19 Zeilen in 2 Col. a 10 und 9] Bellule premitur arbor consangui- 
nitatis et affinitatis. Extant Casus literales sub convenienti situatione. Reperiuntur 
hie Divisiones domini Are hi diaconi. Tabula praegnans pro glosularum medul- 
lis in marginibus positis. Hinc concordantie Biblie caractere textuali impresse. Omnium 
canonum congregatio sub indice iidelissimo. Lucida Carmina totam breviter ma- 
teriam complectentia. Decretum abbreviatum enigmata compendiose resolvens. Utilis 
insuper libellus .[ui Margarita decreti. »Seorsum concilia sunt hie diversis ex locis 
coadunata. Rus pari nitidum qui decretum volet istud: Eloquii plenum sacri profitebitur 
esse. Mendas extersit Berthodi cura discrti: Bardi ([uas alii pressores imposuere. 
Obscuri nihil hie (torvis nisi legeris hirquis) Lector adinvenies: lucem spectando mican- 
teni. Tortida fumigeri pressor loca vitet averni. Istic si notulas vis suspectare priores, 
l^nsulti geminum pressoris nomen habebis. Darauf das Wappen und darunter den Namen 

B. Rembolt. Ad lectores Tetrasticon de veritate operis et commendatione Im- 
pressoris. 

Quod nusquam in pulcliro divini corpore iuris 

Feda sedet memhi: aut libricus error obest^ Contulit hoc solers Bertlioldi dextra 

.sagacis 

Que bene pontiticium nobile pressit opus. Dann Registum chartaiiini . . . 

Auf der 2. Seite des I.Blattes ein Holzschnitt, darunter Johannis chappuis tumul- 
tuarium carraen in 20 Versen über die Vorzüglichkeit des Decrets, anfangend Gratia 
cui nomen pi-ebet ditetissimiis auetor cet. 



28 



JoH. Feiedrich R. von Schulte. 



Am Ende der 1. Seite von Fo. cccclix. 

In nomine Sancte et individue trinitatis Tripartitum 
Decreti aurei opus insigne atque laudabile fideliter (ut le- 
ctio ipsa indicabit) elimatiim: Multis admodum aptis et 
utilibus adiunctis: finem accepit in alma Parisiensi aclia 
demia, expensis et opera Udalrici gering, et magistri Ber- 
tlioldi Rembolt sociorum. In sole am-eo vici Sorbonici 
commorantium. Anno salutis Millesimo quin gentesimo quin- 
to, die vero quarta Januarii. 
Auf der 2. Seite ein Brief ,Johannes Chappviis inter juris utriusque studiosos 
rainimus: solerti viro Bertlioldo ßembolt: qui pro virili sua nunquam bene de arte 
impressoria mereri desistit: prosperitatem.' Datirt XII. Kai. augustas , der inlialtlicli 
wertlilos ist. 

Darauf (oben ohne fol.) das Decret abbrev. ,Liber decreti distinctus est in tres' 
cet., dann per metra ,Primo legat quisque divinum jus liominisque; — materia xxxvi. 
causarum, — capitula decreti per ordinem alphabeti, — Concilia decreti cum canonibus 
universis sub eis contentis, — Materie singulares que in variis decreti glosis disperse 
gunt, — darauf mit neuer Paginirung Margarita decreti seu tabula Martiniana edita 
per fratrem Martinum ordinis p-aedicatorum domini pape penitentiarium et cappellanum 
,Interalia quae ad tidelium' cet. mit dem Ilepertorium verborum que in Margarita decreti 
continentur. 

Interessant ist dies Exemplar dadurch, dass eine Anzahl von Glossen von den frü- 
heren Besitzern, unzweifelhaft den Ingoist. Jesuiten, z. B. fol. 24'' 28'' 29'' 35" 36^' durch 
Überstreichen mit weisser Farbe unlesbar gemacht, andere Stellen z. B. fol. 148''""''", 
242, 244, 245, 386, mit Dinte ausgestrichen sind. Der Canon Si Papa ist verschont 
geblieben sammt seiner Glosse. 

Die Divisiones haben die Siglen Jo. de f., Jo. d' f., Johan def., Joä. fan., 
Jo. de fan., Joan de f. 

Auch die Additiones der späteren Ausgaben haben diese, in manchen nach hugo: 
Joa. de f., die Kandverweisungen gehen auf die Bibel; ebenso hat sie manche Zusätze 
mit Archidia. gezeichnet. 

11. V^on 1500. 21. Octob. Paris. 

Auf dem Titelblatte: Decreti huius plenissimum argumentum: 1) Cons. et äff. 
arbor cet. 2) Hie divisiones domini Archidiaconi reperiuntur. 3) Adduntur biblie 
capita caractere textuali impressa. 4) Pregnans tabula pro glosarum meduUis in margme 
positis. 5) Perfecta canonum congregatio sub indice fidelissimo'. 6) Uaria carmina totam 
breviter materiam complectentia. 7) Inest decr. abbrev. enigmata succincte resolvens. 
8) Seorsum concilia sunt hie diversis ex locis coadunata. 
Istic si notulas vis suspectare priores 
Correctoris habes docti cognomen apertum. 
Das Buchhändlerwappen mit T. K. und Thielman Kerver. Decretum aureum domini 
Gratiani cum suo apparatu. Am Ende des Textes fo. Dlxxxü. ,. . . . finem accepit in 
alma Parisiensi achademia expensis et opera Johanis parui et Thielmani keruer 
bibliopolarum Parisiensium. In vico divi Jacobi seiunctis hospitiis commorantium. Et 
Johannis cabillier mercatoris benemeriti lugduni moram trahentis. Anno salutis mille- 






l 



Die Glosse zum Dkcret Gratians von ihken Anfängen ms auf die jüngsten Ausgaben. 29 

simo quingentesimo sexto die xxi. octobris. Darauf Brief von Johannes Chappuis an 
Thielman, darauf die oben aufgezählten .Stücke, welche sämmtlich bereits in der älteren 
Lyoner sub. num. 12 stehen. Die tabula Mart. fehlt. In Quart. Ich habe benutzt das 
der kais. Hofbibliothek zu Wien gehörige Exemplar (xxv. L. IL). Von den Decretalen 
Gregor's IX ist die Ausgabe von 1505. sexto Kai. Sept. aus derselben Officin, 4" mit 
denselben Typen. 

12. Von 1506. 12. März. Lyon. Das Titelblatt lautet: Decretum Gratiani cum multis 
noviter additis. videlicet Arbore consanguinitatis et affinitatis: casibus literalibus: divi- 
sionibus. d. Archidyaconi: medullis glosarum in marginibus positis cum earum tabula: 
concordantiis biblie caractere textuali impressis : cum tabula omnium canonum et con- 
ciliorum cum carminibus totam materiam decreti continentibus cum decreto abbreviato. 
Insuper et cum margarita decreti.' Vignette mit Francois Fradin. §. Index canonum 
omnium nunquam (ut lectio ipsa indicabit) aptiore contextus fuit artificio. quippe qui 
nunc in promptu (eiectis superfluis) petitos offoret. quos antea longo quesitos labore: vix 
tandem exhibebat. Rückseite ein Holzschnitt enth. Moses, Pi'opheten, Evangelisten, Väter 
u. s. w. fol. 424. ,In nomine s. et ind. trin. Tripartitum decreti aurei opus insigne atque 
laudabile feliciter (ut lectio ipsa indicabit) elimatum. Multis admodum aptis et utilibus 
adiunctis finem accepit in Inclyta Lugduni urbe. Per Magistrum Nicolaum de Beniv 
dictis. Anno salutis: Millesimo quingentesimo sexto: die vero xii. Martii.' 

Angehängt: 1) das zu num. 8. erwähnte Inhaltsverzeichniss. 2) ein metrisches ,Primo 
legat quisque divinum jus hominisque.' 3) Materia xxxvi causarum. 4) Alphab. Ver- 
zeichnis s aller canones. 5) Verz. der canones nach den alphab. geordneten Concilien. 
(j) Verz. der Materien- der Glosse ,Aaron sacrificavit hircum.' 7) Tabula Martini f. ord. 
praed. mit Repertorium dazu. 

13. Basel 1512. Decretum Gratiani Glossis domini Johannis theutonici prepositi 
alberstatensis : et annotationibus Bartholomei bri-xiensis. Divisionibus Archidiaconi. 
Casibus a Bene. compositis per Bar. brixi. correctis et pro clariore intellectu plu- 
ribus in locis extensis. Concordia ad bibliam. Tabula nuirginalium glossularum. omnium 
canonum et conciliorum. Margarita Decreti. Additione in margine litterarum: quo minus- 
culi chai-acteres lineis intercepti: citius legenti appareant.' Rückseite: ,Beatus Rhenanus 
lectori salutem . . . MDXIL' Vorher die num. 12. sub. 1 — 4 aufgef. Stücke, derselbe 
Holzschnitt . . . JoJiannes Amorbachi,' Jo. Peter et Joannes frobenius Hammelbur- 
gensis cives Basilienses, communi impensa Basilee excuderunt: Mense maio. An. 5I].D.xii. 
Julio II. pontifice Maximo: et Maximiliano Augusto regnantil)us. Angeliängt: Die Stücke 
G, 5, 7 von num. 12. 

14. Corpus juris canonici ... Pa rs prima. Lugduni. Sum}it. Joannis Antonii 
Huguetan, et Guillielmi Barbier. MDCLXXL' fol. Vorher: Bulle Greg. XIII. Die Stücke 
1 — 4, l>. Einleitung . . Angehängt: Canones poenitentiales. Canones (84) Apostolorum. 
Tabula JNtartiniana. 

Schon der äussere Zusammenhang lehrt, dass Venedig 14;i('> und Basel 1500 bei der 
Ausgabe von Paris 1500 vorlagen, dass die Zusätze u. s. w. der letzteren stehend wur- 
den. Die Ausgabe Lyon 150fi und Paris 1506 ist offenbar nur ein Abdruck der von 
Paris 1505. Zugleich ist für die Leistungsfähigkeit der Druckerei ein interessanter Bei- 
trag gegeben, da die Pariser am 4. Januar 1505, die Lyoner am 12. März 1501; fertig 
wurde. 



QQ. JoH. Friedrich R. von Schulte. 

Zweites Capitel. 

Die Glosse vor Johannes Teutonicus. 

A. Allgemeiner Entwicklungsgang der Glosse/ 

§. 3. 
1. Gestalt und Charakter. 

I. Die Gestalt der Glossen. 

Wie die alten Handschriften darthun und sich aus verschiedenen theils im Folgen- 
den theils anderwärts stehenden Beisiaielen ergibt,' variiren Glossen, welche dieselbe 
Sigle tragen, dem Inhalte nach unter einander. Es kann das, wie bei den Glossen der 
Civilisten,-' sofern nicht blosse Schreibfehler oder Auslassungen vorliegen, zunächst Folge 
einer Umarbeitung sein, welche der Verfasser selbst vornahm.' 

In einem solchen Falle hatte der eine Abschreiber einen Codex mit der älteren, 
der andere einen mit der jüngeren Form vor sich. Aber die Verschiedenheit kann auch 
von einer <lurch Dritte vorgenommenen Umarbeitung herrühren, bei der man die alte 
Sio-le Hess. Hieraus erklärt sich am Einfachsten, dass in vielen Glossen neuere Gesetze 
citirt werden, welche dem Verfasser nicht bekannt sein konnten. Man fand den Zusatz, 
welcher das neue Quellencitat gab, nicht bedeutend genug, wenn das Gesetz blos das- 
selbe sagte, mithin der Vollständigkeit halber beigefügt wurde, um ihn als eigenen 
hervorzuheben. Es wird sich unten zeigen, dass Bartholomäus systematisch also verfuhr 
mit den Citaten der Decretalen des Johannes Teutonicus, welche dadurch fast sämmtlich 
anders lauten, als sie bei Johannes lauten konnten. Manche Schriftsteller haben aber 
ihr Eigenthum gewahrt, wie z. B. Bartholomäus, auch Tancred. Aus der Verschieden- 
heit der Glossen mit derselben Sigle lässt sich also ^keineswegs auf einen Irrthum oder 
auf unrichtige Bezeichnung schliessen. 

Es kommt weiter vor, dass im Wesentlichen dem Inhalte, nach gleiche Glossen in 
der einen Handschrift diese, in einer anderen eine andere Sigle führen. Auch dies 
erklärt sich zum Theil aus einer Umarbeitung, welche den Verfasser vielleicht gerade 
behufs der Unterscheidung von der älteren bestimmen mochte, seine Sigle beizusetzen. 
Bisweilen ist es aber gewiss Folge der Aneignung fremder Glossen, was sich um so 

' Da sich die Quellenbearbeitung des Decrets erst ausbildete, als die der römischen Rechtsquellen bereits eine festere Form 
angenommen, da beide in demselben Orte entstanden, in Bologna, da beide von 1150 ab neben einander hergingen, so lässt 
sich die Gleichheit der Bearbeitung begreifen. Es darf deshall) auch auf die für die äussere Methode eingehende Darstellung 
verwiesen werden in: C. F. v. Savigny Geschichte des Römischen Rechts im Mittelalter, 2. Aufl. Heidelberg 183-t bis 1851, 
7 Bde.; III. S. 537 bis 574. Es handelt sich hier nur um die geschriebene Glosse, deshalb braucht auf die Lehr- 
methode überhaupt nicht näher eingegangen zu werden. , Zur Erklärung der Ausdrücke sei nur' hinzugefügt: Legere 
bedeutet regelmässig: den Text erklären in der Vorle.sung, lectura eine mündliche Texterklärung. Summa ist eine allge- 
meine Übersicht des Inhalts eines engereu Abschnittes der Quelle (z. B. einer Distinction, Quästion). Theile der Erklärung 
selbst waren: a) Ablesen des Wortlautes der Stelle littera, b) Aufstellen des Casus, c) Angabe der Parallelstellen und 
Lösung der zwischen verschiedenen bestehenden Widersprüche, Solutio contrariorum. d) Aufstellung der sich aus dem 
Inhalte ergebenden Regeln allgemeiner Natur, Brocarda. e) Erörterung von Rechtsfällen Quaestiones, zu deren Ent- 
scheidung die Stelle die Mittel bot. 

■■' Vergl. z. B. den §.11. und in meiner Literaturgesch. d. Comp. ant. Seite 42 fg. 

3 Savigny IIL S. 559. 

4 Tancred gibt gerade als Grund an, weshalb er den Apparat zur Comp. III. mache, nachdem er die 1. und II. glossirt 
habe, dass die Scholaren aus seinem Exemplar sich Auszüge gemacht hätten. Siehe die Stelle in meiner Literaturgesch. 
Seite 7.3 fg. 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf hie jüngsten Ausgaben. Hl 

leichter erklärt, als man in diesem Punkte damals niclit sehr heikel war. Es bedarf 
dafür nur eines Hinweises auf Johannes P'aventinus, der aus Rufins und .Ste})lians Summe 
die seinige machte, gleichwohl uiclit an seinem Ansehen gelitten hat. 

Entgegengesetzt finden sicli viele Glossen,' welche mehrere Siglen liaben. Dies rührt 
wohl entweder daher, dass bisweilen mehrei'e Schriftsteller unabhängig von einandei- 
dieselbe Erklärung gegeben hatten, die späteren aber dies durch die Cumulirung der 
Siglen feststellten. Oder es mag seinen Grund in einem Beitritte zu der Ansicht eines 
anderen haben. Oder noch häufiger beniht es auf der Verbindung von Glossen ver- 
schiedener Verfasser,- wodurch entweder die Theile einer Glosse verschiedene Siglen 
erhielten oder am ICnde mehrere neben einander zu stehen kamen. Durch diese in den 
Apparaten stehend gewordene Mode wird es oft schwer, ja stellenweise geradezu unmöglich, 
den ursprünglichen Verfasser festzustellen.. 

Nicht selten findet sich, dass eine und dieselbe Glosse iu der einen Handschrift 
eine Sigle hat, in der anderen nicht.'' Der einfachste h^rklärungsgrund hierfür ist wohl 
der, dass anfänglich der Verfasser sich kaum veranlasst finden konnte, in den in seinem 
eigenen Exemplare zugeschriebenen von ihm gemachten Glossen seine Sigle beizusetzen. 
"Wenn aber andere dieselben Glossen abschrieben oder abschreiben Hessen und selbst 
Glossen machten, lag es nahe, wofern sie nicht eines Plagiats verdächtig'' erscheinen 
wollten, den fremden Glossen die Siglen beizusetzen. Hieraus erklärt sich denn, da im 
Allgemeinen die Glossen als füi- die Öffentlichkeit bestimmt angesehen wurden,' dass 
die Handschriften bereits in sehr alter Zeit Glossen verschiedener Verfasser erhielten. 
Es wird das um so ersichtlicher, als die Scholaren u)i zweifelhaft die Plandschrift des 
Lehrers einzusehen Gelegenheit fanden, daraus aber sich Glossen notb-ten und verbi-ei- 
teten.'' War aber eine Glosse anfänglich nicht signirt, kannte der Erwerber der Hand- 
schrift den Autor nicht, so konnte, weil die Schreibe)- von Profession eine derartige 
Kenntniss überhaupt nicht besassen, dieselbe fortwährend ohne jede Sigle abgeschrieben 
werden. Es gibt in der That — aus jeder Handschrift karui man sich davon überzeugen — 
Hunderte von Glossen, die gar keine Sigle luxben. Man darf wohl annehmen, dass unter 
diesen vielfach die ältesten sind.' So kommt es, dass man mit Sicherheit von einzelnen 
Glossatoren keine Glosse nacliweisen kann, obwohl feststeht, dass sie welche gemacht 
haben." 

l\. Charakter der (Tlossen. 

Für das Decret ist ausser Zweifel, dass zu den ältesten Arten der Glossen die An- 
gaben der Parallelstellen, und die Worterklärungen gehören. Denn dies wird 

' Vcri'l. /,. H. nbeii iu §. 1. U. II. und Kpisi)ielp in meiner Liteiiituigesch. der Comp. ant. S. SO. 

2 Die,s gibt Taucred aii.sdriicklicli in der Selilussstelle seine,>< Apparats zur Cnnip. Jlt. au. Sielie dieaollie iu meiner hit.-Ge.scli. 

d. Comp. ant. Seite 74. 
' Beispiele findet man im Folgenden zur Geniige, desgleichen in nuiuer eit. Lit.-<ieseli. 
J Das hebt Tanered ausdrücklich in der eit. Stelle hervor. 
• Den Bewei.s bei Saviguy III. S. 559. 
'■ Tanered in der cit. Stelle gibt als Grund an, we.slj.-iUi er den Apparat zur Comp. III. gcinacl.t li.ibe, das? die Scholaren 

aus seinem Buche gezogen liätteu ,<|Uaedam', was ,audieudo atrpie legendo in lilun nno uolavi' und .pro apparatii illtid 

mihi iutitulaveruut'. 
'' Der Grund Hegt iu dem nuni. II. Gesagten. 
« Paucapalea hat unzweifelhaft Glossen gemacht, wie die von Maasseu l'au<:ipah>a S. 10. /.uer.^t puhlizirten .Stellen 

beweisen, aber mir i.^t keine Glosse vorgekommen, deren Sigle mit SiehiM-heit auf iliii passt. ila p. ant verschiedene 

gehen kaiui. 



32 



JoH. Friedrich R. von Schulte. 



für Paucapalea, den Schüler Gratian's und ältesten Glossaten ausdrücklich bezeugt, und 
zwar zuerst von Rufinus, welcher zu c. 5. ü. I. (Cod. Götting.) sagt: ,dumtaxat i. e. 
tantummodo, vel, ut Paucapalea glosat: dumtaxat i. e. dum constet.' Kann nun auch 
diese Stelle noch Zweifel machen, weil die Paucapalea zugeschriebene Glosse sich auch 
in dessen Summa findet, so ist das unmöglich bei der ersten und ausgeschlossen bei der 
zweiten nicht ebenso in der Summa vorfindlichen Bemerkung, der in die 60ger oder 70ger 
Jahre des XII. Jahrhunderts fallenden Summa Parisien sis:' (Einleit.): 

,Distinctiones apposuit in prima parte et ultima pauca palea, et concor- 
dantias atque contrarietates notavit in margine sie: infra, supra tali 
causa vel distinctione.' 
und zu c. 4. D.xi. verbo ,vincat rationem aut legem': 

,Haec est vera litera, sed quia pauca palea glosavit ratio nem i. e. vetus 

testamentum ius testamentum, jus naturale et legem i. e. scriptam in quibus- 

dam libris est- hoc insef tum.' 

Dass in der That die ältesten Handschriften meist nur Gitate aus dem Decrete selbst, 

die Angabe der übereinstimmenden und abweichenden Stellen, die versuchte Auflösung 

der Widersprüche (solutiones) und kurze Worterklärungen haben, ergibt sich aus dem, 

was über den Innsbrucker, Münchener Codex Nr. 4505 u. s. w. gesagt wurde. Auch der 

angeführte Codex von Hänel hat nur solche Parallelstellen. Fast keines dieser Citate 

trägt in den ältesten Handschriften eine Sigle. Viele sind bis auf die stehenden Apparate 

in der alten Gestalt geblieben, wie z. B. der Wolfenbüttler, Trierei-, Münchener II. Codex 

zeigen. Die meisten aber wurden in die ausführlicheren Erklärungen aufgenommen. 

Sicherlich haben diese Citate, wie die ältesten Handschriften beweisen, sich nicht auf 

das Decret beschränkt, sondern einmal den Kreis der kirchlichen Quellen überhaupt 

berücksichtigt, sodann ihn überschritten. 

In ersterer Beziehung finden wir Citate aus der Bibel, aus Burchard, aus den 
Yätern von Anfang an,^ ebenso die Nachtragung der von Gratian übersehenen und der 
nach ihm erlassenen Decretalen. Die Citate aus Burchard, Augustin u. s. w. finden 
sich in den Plandschriften in grosser Menge bis zu dem Momente vor, wo die Reception 
der Paleae im Texte des Decrets sich nach und nach vollzogen hatte.' Fand ein Glossa- 
tor in seinem Texte die Stelle, so musste er sie entweder als Palea bezeichnen' oder 
commentiren. Seit dem Ausgange des XII. Jahrhunderts werden auch diese Citate sel- 
tener als selbstständige und vielmehr in den Text der Erklärungen aufgenommen. Ähn- 
lich verhält es sich mit den Decretalencitaten. Die als Paleae aufgenommenen werden 
commentirt; seit der Aufnahme in die Compilatio prima und schon vorher in die allbe- 
kannten Sammlungen (Appendix Concilii Lateranensis u. s. w.) bilden sie einen Gegen- 
stand' der Berücksichtigung in den Erklärungen selbst. 



' Mein 2. Beitrag S. 38. die beiden Stellen und über die Tliätigkeit Paucapalea's als Glossator bei Maassen a. a. O. 
Die Stellen sind auch abgedruckt in meinem 2. Beitr. S. 28 oben und 29. 

2 Da die Paleae unzweifelhaft, wie Maassen a. a. O. erwiesen hat, auf Paucapalea zurückführen (er braucht natürlich 
nicht alle selbst zugesetzt zu haben, die späteren sind mit dem einmal hergebrachten Namen belegt), diese aber ursprüng- 
lich nichts sind, als am Rande zugeschriebene Parallelstellen, so ist das im Text Gesagte schon dadurch erwiesen. 

■> Alle einzelnen Paleae unserer heutigen Ausgaben hat weder Johannes Teutonicus noch Bartholomaens Brixiensis. 
Vergl. §. 16. IV. 

* Wie das im Prager und anderen Codices oft geschieht, ebenso in den Summen. Das interessanteste Beispiel ist die 
Summa Parisiensis, welche mit grosser Genauigkeit die Paleae angibt. Mein 2. Beitr. S. 40 ff. 



Die Glossk zum Decket GitATUNi^ von ihhes Anfängen bis auf hie jüngsten Ausgaben. 33 

In zweiter Hinsicht sind es die römischen ßechtsquellen und aiieli andere welt- 
liche Gesetze, insbesondere die lex Lombarda, welche angezogen werden. Gerade die 
alten Handscliriften sind reicli ilaran. Nach und nacli werden sie den Erklärungen ein- 
verleibt. 

Viel spärlicher sind in den alten Handschriften die Angaben von Varianten. Dass 
übrigens solche aus der frühesten Zeit herrühren, beweist indirect das Berücksichtigen 
in den ältesten Summen von Paucapalea, Rufin, Stephan u. s. w. 

Als zweites Stadium der eigentlichen Glossirung darf man jenes bezeichnen, wo die 
Glossen zunächst ilie Darlegung der inneren Structur des Textes (Litera) und die Wort- 
erklärung mit einander verbinden, daneben die Citate und die Lösungen der Wider- 
sprüche hergehen lassen. Aber schon ziemlich früh nahm die Glosse des Decrets einen 
viel ausffebildeteren Charakter an, was seinen Grund in einer anderen Seite der cano- 
nistischen Jurisprudenz hatte. 

Man darf sagen, dass das Decret vom ersten Momente an eine so rege Bearbeitung 
gefunden hat, als sie kaum, jedenfalls nicht in erliöheterem Maasse, dem römischen Hechte 
zu Theil wurde. Vor 1190, also in den Zeitraum von 40 Jahren fallen die zum Theile 
sehr ausfülirlichen Summen von Paucapalea, Rolandus' (Alexander HI.), Rufinus," Stephan 
von Tournay, Johannes von Faenza,^ Simon von Bisignano (gemacht vor dem März 1179),* 
Sichard von Cremona (zwischen 1179 und 1181),'^ daneben die von mir" beschriebenen 
ebenfalls ausfiihrlichen anonymen Summa Coloniensis, Summa Parisiensis, Bambergensis, 
eine sehr ausführliche Summa Lipsiensis.' Hierzu kommt ein bedeutendes Material, wel- 
ches in den Casus, Quaestiones, Tractatus enthalten ist.** Diese und andere Werke, 
nebst den Schriften über das römische Recht, boten für die Interpretation enorme Hülfs- 
mittel. So bildete sich die Glosse bereits ziemlich früh um zu Erläuterungen, welche 
nicht melir blos die eine oder andere Stelle berücksichtigten, sondern schon ziemlich 
fortlaufend ganze Partien, z. B. mit am frühesten Causa XXVII sqq. (das Eherecht), 
Causa XVI. u. a. erklärten, bis sie im Beginne des XIII. Jahrhunderts zum Apparatus" 
wurde, d. h. zu einem fast durchgehenden Commentar. Diese Apparate haben verschie- 
dene Bestandtheile. Sie behalten manche alte Citate bei, nicht minder viele kurze Wort- 
erklärimgen, ebenso Angaben über Lesarten. Dazu kommt als durchlaufender Bestand- 
theil eine Menge von Distinctionen. Während aber diese, als deren Schöpfer im Grossen 
man Sichard'" ansehen kann, in den alten Handschriften schon früh am Rande mit den 



' über ihn mein 1. Beitr. S. 5 fl'. 

- Seine Summe ist ein sehr umfangreiches Werk, welches einen dicken Oetavband t'iillen würde. Da die bislier bekannten 
Handscliriften [die Götttinger Cod. jur. ms. 159 kl. fol., mbr. s. XIII. 80 Blätter zu 2 Col. k 40 Zeilen geht nur bis 
c. 2. D. 89. diese habe ich abgeschrieben; die Mainzer 52 fol. mbr. s. XIII. enthält a,uf 37 Bl. fol. nur die Pars I., die 
Bamberger P. I. 11. mbr. 4. (die ich abgeschrieben) endigt mit Ciusa XXIIl. und umfasst die ganz klein geschriebenen 
fol. 147 — 162. Trojes 605 geht nur bis C'.xxi. q. 1.] siimmtlich unviiUständig sind, so ist der Mühe wcith, hervorzulieben, 
dass er das ganze Decret bearbeitet hat. Dies zeigt ilie aucli in der Ordinaria stellende Glosse relictam zu C.xxx q. 4. 
jirinc., welche im Cod. Prag, die Siglen h. la. trägt. 

3 Über ihn meine Rechtshandschr. Seite 578 ff. 

* Mein 1. Beitrag .S. 25 fg. 
'•> Mein 1. Beitrag S. 46. 

<■ Im 2. und 3. Beitr. zur Gesch. d. Lit. des Decrets. 

' Meine Abhandl. ,Die Summa Decreti Lipsiensis' u. s. w. Wien 1871. 

* Siehe meinen 3. Beitrag. 

3 Dieses Ausdrucks bedient sich die angeführte Stelle von Tancred, und zwar iiiclit blos, wie .Savigny meint (III. S. 566 

Note b.), im Gegensatze zu Vorlesungen, sondern offenbar auch in dem Sinne, welchen ic)i hier beschreibe. 
'" In meinem 1. Beitrag Seite 62 ff. sind einige abgedruckt in der Form, welche sie bei ihm haben. 
Denkschriften iler pliil.-hiet. Cl. XXI. Bd. Abhandl. von Nichtmitgliedern. e 



34 -ToH. Friephrih R. von Schulte. 

Punkten und Strichen, welche förmliche Figuren bilden, beigesetzt werden, nehmen sie 
später den Charakter unförmlicher Texterörterungen an. Eine wichtige Rolle spielen 
bald die inhaltlichen Darstellungen , sei es der einzelnen Stelle oder des Abschnittes, 
die Summen, welche offenbar aus den Vorträgen in die Handschriften neben den Text 
gewandert sind.' Auch enthalten sie Darlegungen der Casus, zu denen insbesondere 
für das Decret auch wohl kurze Hervorhebungen des im Texte angedeuteten Vorfalles 
der Bibel kommen, Historiae.' 

Von selbst mussten sich von vornhinein verschiedene Ansichten bilden. Wir finden 
daher bei den allerältesten Glossatoren bereits Controversen und verscliiedene Ansich- 
ten erwähnt."' ])iese Mittheilungen nahmen früh den Charakter an, dass ebenso in den 
Glossen, wie es in den Summen geschah, die Meinungen der Schriftsteller angegeben 
wurden. Man blieb niclit bei den Glossen stehen, sondern nahm auoli Rücksicht auf die 
selbstständigen Werke, die Summae in diesem Sinne u. s. w., sowie auf die Vorlesungen.' 
Auf diese Art wurde die Glosse nach und nach zu einem auf den küi-zesten Aus- 
druck gebrachten, den Text begleitenden Commentar. Zu den Verweisungen auf 
Parallelstellen traten dalier nuthwendig auch Verweisungen auf frühere Erörterungen."* 
Mit der Anführung fremder Meimmgen verband sich naturgemäss dei-on Kritik. Während 
nun die ältesten Glossen blos die Lösung der widerstreitenden Quellenstellen geben, 
liefern die Schriftsteller bereits am Ende des XII. Jahrhunderts vollständige Deductionen, 
kritische P'ehden unter Herbeiziehung aller Quellenstellen und mit Angabe der Schrift- 
steller.'^ Von diesem Augenblicke an war es nicht mehr schwer, über das ganze Decret 
aus den Glossen der Verschiedenen eine einheitliche, einen Apparatus, zu machen. Dieser 
unterschied sich im Ganzen zuletzt kaum mehr von einer Summe, woi'aus sich aucli 
erklärt, dass man seit dem XIII. Jahi-hundert selbst die Apparate ohne den Text, mlt- 
Idn geradezu als selbstständige Werke abschrieb.' 

§• 4. 
3. Übersicht der Glossatoren des Decrets und ihrer Arbeiten." 

I. Irgend welche zuverlässige Nachrichten aus dem Xll. oder XIII. Jahrhundert 
über die Personen der meisten Glossatoren und ihre Wirksamkeit, abgesehen von den 
Namen und den Titeln Ihrer Werke, bezw. der blossen Angabe, dass sie Glossen gemacht, 
besitzen wir nicht. Wir sind mithin iedigllcli darauf angewiesen, aus den voi'handenen 



o 



' Der Ausdruck Summa für die fortlaufende Erklärung ist sehr alt, aber doch nicht der ursiirüngliche. 

- Welche Bewandtnis» es aber mit den Casus, Divisiones, Histoiiae unserer Aiisgaben hat, wird im §. 19. besprochen werden. 

■' Paucapalea zu c. 3. C.ii. q. 3., C. 32. q. 7. spricht bereits von quidam, die anders verstehen, ebenso Rufinus au 

Stelleu, wo er weder Paucapalea noch ßolandus meinen kann. 
"* Stellen, wo solche erwähnt werden, sind nicht selten. Siehe unten §. 20. 

^ Ein solches Beispiel bietet die oben §.1. F. abgedruckte Glosse von Laurentius zu c. "2. D. 89 
•> Es ist unnöthig, Belege anzuführen, da solche bereits im §. 1 stehen, zahlreiche aber bei fast jedem Glossator folgen 

werden. 

Bemerkt sei noch, dass umgekelirt auch in die Summen Glossen mit vollem Wortlaute und der Sigle aufgenommen 

wurden, wie meine Abhandlung ,Die Summa Lipsiensis' zeigt. 
' Die Lectura des Petrus de Sampsone, Guilelmus Naso (meine Abhandlung ,Zur Gesch. d. Lit. der Decretalen 

Greg. IX.' u. s. w. Wien 1871, Seite (f., 32 ff.) ist nichts als eine Zusammenstellung dieser Art; der Bamberger Codex 

P. II. 11. saec. XIV. enthält den App.ir.at des Barth. Brix. ohne den Text. Für die späteren Arbeiten braucht dies gar 

nicht hervorgehoben zu werden. 
* Auf das Leben der Glossatoren als solches gehe ich hier nicht ein, wo mein Zweck nur darin liegt, den Charakter 

der Glosse als einer schriftstellerischen Leistung zu untersuchen, mithin die Personen als Schriftsteller 

in Betracht kommen. Was trotzdem an biographischen Notizen mitgetheilt wird ii. drgl., bedarf keiner Rechtfertigung. 



Dm Glosse zum Deckk'i' (ii.-atlans von ihren Anfängek iiis ai-f die jOnusten Ausgahen. 35 

Handschriften u. s. w. uns zu inlbrmireii. Wilhelm Dururitis' zählt eine Reihe vun 
Namen auf, welche Johannes Andrea" berichtigt. Nach letztei'cm haben Rufinus, 
Sylvester, Johannes Hispanus ,lecturas super decretum' gemacht, ebenso Johannes 
von Faenza, Hugo (Huguccio) eine Summe; Melendus und l'etrus Hispanus sclielnt 
er Glossen zuzuschreiben; von Bazianus gebe es viele Glossen, ebenso von Gandul- 
phus: einzelne Glossen citirtcu L*etrus Manducator und Cardinalis. Auf diese gar 
mageren Notizen und wenige Citate von Glossen reducirt sich seine Zusammenstellung. 
Diplovataccius'' gibt für das Leben einzelner das Zuverlässigste. Das Werk von Joh. 
Ficliard* bietet für die hier behandelte Zeit so gut wie nichts, ebenso Marcus Mantua 
Benavidius,' mehr gibt Guido Pa)izirolus,'' am meisten Maurus Sarti.' Aber so 
zuverlässig auch insbesondere des Letzteren Darstellungen, wo sie auf Urkunden beruhen, 
sind, tragen sie gleichwohl zur Aufhellung wenig bei. Denn einmal liegt allen, ein- 
schliesslich Sarti, gerade die innere Entwicklung der Literatur fern; sodann hat augen- 
sclieinlich keiner tiber ein grosses .Material von Handschriften verfügt, mindestens das- 
selbe keiner genauen Durchsicht unterzogen. Was sie über die Glosse mittheilen, besckränkt 
sich auf die bekannten allgemeinen Notizen. 

IL Was vun neueren Schriftstellern hinsichtlich dieses Zweiges der Literatur geschrie- 
ben ist, geht, wenn man von ganz wenigen Einzelheiten absieht,'' kaum hinaus über 
biographische Notizen, oder die Namen, oder die Angabe, X. hat das Decret glossirt 
u. dtrl. m." I5ei diesem absoluten Mangel an allen Vorarbeiten und bei dem Stande 
der Handscin-iften muss ich darauf verzichten, eine erschöpfende, ja auch nur in allen 
Punkten unbedingt genaue Darstellung zu geben, vielmehr der Combination vielfach 
einen Spielraum gönnen. Da aber der xVnfang gemacht werden muss, da ich flu- alle 
I 'unkte meine Gründe und Belege angebe, darf ich mich durch diesen meiner xVrbeit noth- 
wendig anklebenden Mangel der Vollständigkeit nicht abschrecken lassen. 

IIL Als ältester Glossator ist, wie bereits gesagt wurde, Paucapalea anzusehen. 
Ihm dürften viele, vielleicht die Mehrzahl derjenigen Citate angehören, welche in alten 
Handschriften stehen. Dafür spricht 1) die mitgetheilte Notiz der Summa Parisiensis 

' Speculum jiidiciale, inooemiuin §. l'uriu. 

2 Additio ad spec. Giül. Diiiantis 1. c. 

^ Über ilm (geb. 1468, gest. 1541) und seine WeiUc Savigny III. S. 40 ff. leli habe benutzt die aus Savigny's Nachlasse 

in die lierlinei- Bilil. gekommene Abschrift der Handscln-. zu Bologna, sowie die bei Sarti abgedruckten Biograjjhien. 
' Vitae receutior. .Iiiri.sc-ons. cet. Patavii 1565 (in meiuem Exemplar .-ils Anhang zu ranzirolns, pag. 397 sqi|.) Vergl. Savigny III. 

S. 48. ff. 
5 Hinter der cit. Ausg. von Panz. (als Anhang zu Richard) pag. 435 sqq. Savigny III. S. ül fg. 
« De claris legum interpretibus libri IV. Pauzirolus war geb. 1523 zu Reggio, gest. 1599 zu Padua. Savigny III. S. 54 fl'. 

Ich habe die Ausg. Lips. 1721. 4. 
■ Geb. 1709, gest. 1760. Sein Werk ist: De claris Archigymnasii Bononiensis Professoribus a .Saecnlo XI. usque ad Saec. XIV. 

Tom! I. Pars I. Bon. 1769 (herausg. von Maurus Kattorini), Pars II. ibid. 1772. fol. (vom selben edirt). Savigny III. 

S. 62 ff. Die sonstigen bibliograph. Werke von l'antuzzi n. A. bei Savigny. Die Werke über die scriptores eccles. von 

Ceillier, Cavc etc. helfen auch wenig. 
^ Dahin gehören die Angaben von Maassen, Beitrüge S. 10 ff. über den Cardinalis, einzelne Bemerkungen desselben 

über Handschriften (Innsbrucker). Die Arbeiten desselben über verschiedene Snmniac in den .Beiträgen' und ,Paucapalea' 

berühren meinen Gegenstand nur indirect. 
9 Phillips, Kirchenrecht Bd. 4. S. 164 ff. gibt über die Glosse nichts als aus Savigny eine kurze Erklärung der Worte, 

einige Namen, Notizen über Summae. Was bisher an Notizen e.xistirte, ist so ziemlich am ausgiebigsten benutzt worden 

in meinem Lehrbuche des Kirchcnr. 2. Autl. 

Savigny geht auf das cauonische Keeht als solches gar nicht ein. So tüchtig seine Geschichte für einzelne Cano- 

nisten ist, die in das Civilrecht einschlagen, kommt sie doch, abgesehen etwa v.>n Barfholomaeus Brix , für diesen Zweig 

gar nicht in Betracht. 



3ß JoH. Fkiei)M(.;h R. von Schulte. 

(§. 3, II.), 2) der Charakter seiner Summe, worin die Parallelstellen sein- zurücktreten, 
was auf die Vermutliung führen darf, er habe sie dem Texte beigefügt, 3) die fast 
gleichmässige Wiederholung der Citate ohne Siglen in den ältesten Handschriften, 4) sein 
Ansehen überhaupt, das zu der Einverleibung der von ilnn am Rande zugeschriebenen 
Stellen in den Text führte. Nicht minder rühren von ihm eine grosse Zahl von Wort- 
erklärungen her. Das wird bewiesen 1) durch deren Vorfinden in der Summe, 2) durch 
das ziemlich gleichmässige Vorkommen in den meisten Glossen und Summen. Ja, wenn 
man den Charakter seiner Sunnne in's Auge fasst,' wird man zu der Annahme geleitet, 
dieselbe enthalte eine Zusammenfassung der in der Lectura gegebenen Summae und 
Historiae mit den am Rande des Textes zugeschriebenen Wortconstructionen, Worterklä- 
rungen, etymologischen Erklärungen u. s. w. Ich glaube daher Paucapalea als den 
Schöpfer der Glosse und seine Glosse als erste Grundlage derselben ansehen zu dürfen. 
Ihm zunächst tritt als sicherer Glossator auf Johannes Faventinus.- Dass er Glossen 
gemacht hat, wissen wir mit Gewissheit. Handschriftlich besitzen wir solche in einej- 
Anzahl alter Codices. Deren Reichhaltigkeit einerseits, ihr Charakter, der auf gründliche 
Sacherklärung geht, der Umstand, dass ihnen eine förmliche Einleitung vorausgeht, zwingt 
uns zur Annahme, dass seine Glosse, wenn auch nicht im späteren Sinne, so doch in 
gewisser Beziehung einen förmlichen xVpparat zum Decret bildete, jedoch ohne wesent- 
liche Verarbeitung fremder Glossen. Diese Annahme wird unterstützt durch den Umstand, 
dass wir vielfach seine Glossen erwähnt linden,-' dass viele Glossen sich in verschiedenen 
Handschriften finden, einzelne aber in einzelnen Handschriften allein. Er liat mithin 
eine hervorragende Bedeutung für die Glosse. Verstärkt wird diese dadurch, dass seine 
Glosse geradezu gemacht ist, um die Lücken seiner Summe auszufüllen und nach dieser. 
Johannes steht somit als Glossator hoch, nicht als Verfasser der Summe; denn letztere 
ist lediglich eine Compilation. Er darf ahs Begründer oder doch als einer der ersten 
Gründer der Methode, ausführliche Glossen zu machen, angesehen werden. Ob die zwi- 
schen Paucapalea und Johannes fallenden berühmten Rolandus, Rufinus und Stephan 
von Tournay Glossen gearbeitet haben, ist nicht leicht zu sagen. Was ersteren betrifft, 
so könnte eine später (§. 13, sub 10.) mitzutheilende Glosse auf ihn passen. Auch Hesse 
der Charakter seines W^erkes, welches fast nie über eine blosse Inhaltsangabe hinaus- 
geht, auf eine Glossirung um so ehei- schliessen. Gleichwohl zweifle ich, dass er glossirt 
habe. Er ist am 7. Sept. 1159 Papst geworden, erscheint seit 21. Nov. 1150 bis 13. Dec. 
1150 als Card. diac. SS. Cosmae et Damiani, vom 30. März 1151 bis 10. April 1153 als 
presb. Card. tit. S. Marci, vom 16. Mai 1153 bis IG. Juni 1153 als cancellarius unter 
Eugen m., dann vom 12. Dec. 1154 bis 28. Sept. 1157 und 30. Dec. 1157 bis 17. Aug. 
1159 als cancellarius unter Hadrian TV.^ Aus diesen Daten ist evident, dass er zu 
Bologna nicht mehr lehren konnte, seit über das Decret dort liberhaupt gelelirt wurde. 
Ganz unwahrscheinlich ist aber, dass er Glossen gemacht haben sollte, ohne Lehrer zu 
sein, während sicli die Abfassung einer Summe leicht erklärt, zumal gerade dem Kanzler 



' fiie gibt im Ganzen, .sieb an die dicta Gratiaui haltend, eine Übersicht des Inhalts, eine Zusammenstellung der im Decret 
anbezogenen Geschichten der Bibel, Definitionen von juristischen Ausdrücken und von einzelnen Worten, etymologische 
Erklärungen, Erläuterungen der Wortcon.struction, Auflösung von Widersprüchen. 

2 Für alle ihn betreffenden Punkte enthält der ihm gewidmete §. 5. die Belege. 

3 Und zwar deshalb als ein bekanntes Ding, weil z. B. Huguccio öfter vielfach .loh. Kavent, citirt, das Citat aber nicht 
auf die Summe, sondern nur auf die Glosse passt. 

■• ,Taffe, Regcsta Pontif. pag. 016, 659. 



Die Glosse zum Deceet Gratians von iiiuen Anfängen ms auf hie jüngsten Ausgabkn. 37 

eine unmittelbare Verarbeitung des Decrets wünschenswertli sein musste. Hierzu tritt, dass 
alle Citate, welclie mir bisher mit Berufung auf ihn vorgekommen sind,' auf seine Stroma 
passen, und dass er nie mit Ro. sondern constant mit ßol. oder dem vollen Namen citirt 
wird. Rufinus hat meines Eraehtens Glossen gemaclit und gehören ihm wohl an die 
unten §. G. folgenden. Meine Gründe sind: 1) die 8igle R. passt, wie §. 6. bewiesen 
wird,- auf ihn; 2) der Inhalt einiger ihm unzweifelhaft beizulegender Glossen ist nicht 
aus der Summa zu entnehmen; 3) die Aufnahme der Glossen in Handschriften, welche 
gerade die älteste Form der Glosse haben. Was Stephan von Tournay betrifft, so 
bezweifle ich, dass er Glossen gemacht hat, 1) weil ich ihn als eigentlichen Glossator 
nirgends bei den Alten erwälint finde, 2) Aveil wir von seiner Lehrthätigkeit in Bologna 
nichts wissen. 

An Johann von Faenza reihet sich an oder steht nel)en ihm gleichzeitig der Glossa- 
tor Cardinalis. Aus §. 7, zusammengehalten mit dem in §. 1. J. Gesagten, ergibt sieh, 
dass dieser Glossator Pars I. imd II. (einschliesslich den tract. de poenit.) des Decrets 
in ihrem ganzen Umfange glossirt hat und zwar in einem Maasse, das uns ermächtigt, 
ihm einen föi-mlichen Apparat in gleichem Sinne wie Johann von Faenza zuzusehreiben. 
Aus der Abwesenheit von Citaten nachgratianischer Decretalen lässt sich' im Plinblicke auf 
den Charakter seiner Glossen schliessen, dass seine Thätigkeit als Glossatoi- in die ersten 
Regierungsjahre P. Alexander's III. fällt, mithin in die 60er Jahre des XII. Jahrhunderts. 

Ob Simon von Bisignano auch als Glossator thätig gewesen, ist schwer festzu- 
stellen. Die Glossen mit S. im §. 13. sub 9 können auf ihn passen, aber weitere Anhalts- 
punkte habe ich nicht, finde aber auch keinen entgegenstehenden Grund;' Dagegen 
scheint mir Sichard von Cremona kaimi den Glossatoren beigezählt werden zu können, 
1. weil die Methode seiner Summe gar nicht dazu passt; denn diese gibt nur den Inhalt, 
keine Erldärung der einzelnen Capitel; 2. weil er nirgends als Glossator angeführt wird; 
3. weil die in den Handschriften stehenden Distinctionen immittelbar aus der Summe 
entnommen sind. Die Sigle S. kann auf ihn auch gehen, ebensogut auf Silvester, der 
untei- den Glossatoren genannt wird, bezüglich dessen ich aber keine weiteren Anhalts- 
punkte habe. Ob ferner von den unten §. 13 mitgetheilten Glossen die mit Ro. auf 
Rodoicus Modici-Passus,' die mit N. auf Guilelmus Naso gehen, wem die Sigle d. 
und sunt, st, ste. angehöre, vermag ich nicht zu sagen. Es ist imnütz, blosse Vermuthun- 
gen aufzustellen. Was sich allenfalls sagen lässt, ist bei den einzelnen Glossen selbst 
erwähnt worden. 

IV. Auf festem Boden stehen wir hinsichtlich Albertus, an dessen Thätigkeit als 
Glossator nach den Angaben alter Handsciiriften und Glossen, nach der Erwähnung von 
Huguccio und auch von Durantis und Johannes Andreae" kein Zweifel bleibt. Aus 
Huguccio ist zugleich erwiesen, dass Albertus der spätere I'apst Gregor VIIL, fndier 
Albertus Beneventanus ist. P> war^ vom 1.5. (_)ct. 11F)U ab card. presb. tit. S. Lau- 



' Vergl. meinen 3. Beitrag Seite 23 ff., wd verschiedene derartige Citate stehen, die auch den l'oli^enden Punkt bcgriinilen. 
- Joh. Ändreac 1. c. klagt, dass R. ohne Voral auf Kichardus, Rufinus, Rodoicus gclien könne und man de-shall) nirht 

wisse, wer gemeint sei. Ricliard* kommt für uns niclit in Betracht. 
■' Seine umfassende Quellenkenntniss, kritische Methode u. s. w., welche mein 1. JJeitrag Seite 21 IV. zeigt, sprechen dafür. 

Die Erwähnung in Glossen des W(ilffnl>nttler Codex ist kein Beweis, weil sie auf die Summe geht. 
* Über diesen und die folgenden überhaupt die Cit.ite in meinem Lehrbuche S if) ff. •').'). Anni. 40. 
^ Die Angaben sind unten §. 8. zusammengestellt und orweison die Behauptungen des Textes. 
ö .Jaffe, Regesta Pont. pag. GIH sq., 8.35, R.!."). 



3g " JoH. Friedrich R. von Schulte. 

rentii in Lucina, v. 22. Febi-. 1178 bis 22. Juli ll.Sl Cancellarius unter Alexander III., 
(lesgieiehen Cancellarius unter Lucius III. vom 28. Sept. 1181 bis 7. Mai 1184 und vom 
15. März 1186 bis 13. Oct. 1187 unter Urban III., endlich selbst Papst vom 21. Oct. 
bis 17. Dec. 1187. In welche Zeit seine Glossen fallen, ist schwer zu sagen, da sich 
aus dem Inlialte nichts folgei-n lässt. Jedenfalls dürften sie nicht über die 60er Jahre 
hinaufgehen. Sind sie auch nicht so zahlreich, als die des Cardinalis und Johannes Fav., 
so berücksichtigen sie doch alle Theile des Decrets, bekunden hingegen, nach dem mir 
Vorliegenden, keine hervorragende Thätigkeit. 

Fiine sehr selbstständige Stellung nimmt ein die sich auf das ganze Decret erstreckende 
und unzweifelhaft reichlialtige Glosse von Gandulplius, welche spätestens in die 80ger 
Jahre des XII. Jahrhunderts, höchst wahrscheinlich aber, weil gar keine nachgratiani- 
schen Decretalen citirt werden, früher fällt.' Wir müssen ihn unter allen Umständen den 
bedeutenderen älteren Glossatoren beizählen. 

M elend US- nimmt ganz unstreitig unter den Glossatoren eine nicht unbedeutende 
Stellung ein, weil er verliältnissmässig häufig citirt wird. Da jedoch die Handschriften 
nur äusserst spärlich Glossen mit seiner Sigle enthalten, es aber schwer ist, aus der 
grossen Zahl der nichtsignirten die ihm etwa gehörigen zu eruiren, da ebenso alle 
festen Anhaltspunkte fehlen, um die Zeit seiner Wirksamkeit genauer zu bestimmen, als 
dass sie vor Huguccio fällt, so muss ich mich mit diesen Andeutungen begnügen. 

Von hervorragender Bedeutung-' ist Bazianus. Seine, in die 80ger Jahre des XII. 
Jahrhunderts fallende (ilosse erstreckt sich über alle Theile des Decrets, ist in der 
Ordinaria stark benutzt und auch anderweitig vielfach citirt. Wir dürfen nach den 
Handschriften und aus den eben hervorgehobenen Gründen unbedingt annehmen, dass 
er einen wesentlich selbstständigen Apparat zum Decrete gemacht hat, welcher in die 
80er Jahre des XII. Jahrhunderts fällt 

Zw«i Glossatoren des XII. Jahrhunderts sind noch an dieser Stelle zu nennen.* Ein 
Petrus wi]-d nicht blos bei Schriftstellern, sondern auch in der Glosse des Johannes 
Teutonicus und in Handschriften als Glossator genannt. Seine Glossen (§. 12) zeichnen 
sich durch eine gewisse Kürze aus. Es gibt einen älteren Petrus, über den wir keine 
genaueren Notizen haben. Ihm gehören wohl unzweifelhaft die blos mit P. signirten 
an, die in einzelnen Handschriften, wie §. 1 ausweist, sehr reichhaltig sich vorfinden. 
Seine Thätigkeit fällt ins Ende des XII. Jahrhunderts. Aber auch Petrus Hispanus" 
hat nach Auskunft der Glosse von Johannes Teutonicus und nach der Angabe von Hand- 
schriften Glossen gemacht, welche dem Ende des XII. oder dem Anfange des XIII. Jahr- 
hunderts angehören dürften. Endlich wird Johannes Hispanus — damit kann nur 
der ältere gemeint sein — genannt. Es ist mir nicht vergönnt, aus den bereits im §. 1 
mehrfach hervorgehobenen Gründen festzustellen, welche Glossen ihm angehören; ebenso 
wenig lässt sich Genaueres über seine Thätigkeit aus anderweitigen Notizen entnehmen. 

' über ihn gibt §. 9. die genauere Erörterung. 

2 Vergl. unten §. 10. und die Citate im~ Wo If enbii ttler Codex. 

' Im §. 11. sind alle Punkte des Näheren erörtert. 

* In der Glossa ordinaria (wie auch Jo. Andreae 1. c. bemerkt) zu e. 1. D. 30.,. c. 14. D. 86., pr. D. I. de poen., c. 7. 
C. 33. q. 4. ist Petrus Manducator angeführt. Alle diese Stellen können ein rein theologisches Werk vor Augen 
haben. Deshalb, und weil weder von seinem Lehren des cauonischen Rechts zu Bologna noch sonstwo, noch von einer 
Surnma desselben etwas bekannt ist, halte ich für überflüssig, darauf weitere Rücksicht zu nehmen. 

5 Meine Literaturgesch. d. Comp. ant. S. 56. Daselbst S. .58, 42 ff. verschiedene Glossen, die stets pe. ys. citiren, daneben 
p., eine, worin ])e. ys. den anderen p. anführt (S. 44.). 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihrkn Ankänoen ms auf die jüngsten Aishmien. _ 89 

V. Wie die Mittlieiluiigen des §. 1 zeigen und ein JUirk in jede glossirte Hand- 
sehrift und in glossirte Ausgaben lehrt, gibt es eine grosse JNIenge gai- nielit signirter 
Glossen. Viele davon bin ieli im Stande als dem einen oder anderen (lenannten ange- 
höriff auf Grund meiner umfassenden Notizen aus Handscliriften naelizuweisen, viele aber 
bleiben übrig, bei denen dies nieht geht. Dass einzelne derselben bald den genannten 
Glossatoren zugesehrieben werden dürfen, bakl anderen, deren blosser Name uns aufbe- 
wahrt ist, bald endlieh Glossatoren, welehe wii' nicht einmal dem Namen nach kefnien, 
ist wohl nieht zu bezweifeln und kann bei der Art der Handschriften gar nicht auf- 
fallen. Bei diesem Stande der Sache muss ich mich dai-auf beschränken, die eine oder 
andere Glosse aus Handschriften mitzutheilen bezw. festzustellen, dass solche in dei- 
Oi-dinaria benutzt sind, weil dadurch der Umfang des von dieser benutzten Matei'iales 
und die Selbstständigkeit oder Abhängigkeit zur Anschauung kommt. 

VI. Überbliekt man dieses Material und erwägt, dass, obgleich die eine oder andere 
Glosse auf Vorgänger Rücksicht nahm, im (Ti-ossen jeder Glossator selbstständig die ihm 
gut seheinenden Erklärungen zusetzte, dass es aber vom Zufall abhing, ob eine Hand- 
schrift von dem A. oder B. überhaupt Glossen hatte und wie viele: so begreift man 
vollkommen die Verschiedenheit unserer älteren Handschriften und das Bedürfniss, wel- 
ches man nach einer Verarbeitung empfinden musste. Aber in der Glosse hatte man 
nur die Quintessenz einer bestimmten Art der literarischen Thätigkelt, neben Ihr gab 
es eine grosse Menge' von Summen u. s. w. Es war nun zuerst nicht die Glosse, wel- 
che eine solche verarbeitende Thätigkeit fand, sondern die Literatur der Summen u. s. w. 
Diese hat Huguccio in seiner Summe zu einem einheitlichen Ganzen verarbeitet, ohne 
dass ihm aber damit die volle Selbstständigkeit und eigene Forschung abgesprochen 
werden soll." Dadurch war eine Berücksichtigung der älteren Literatui- auch in der 
Glosse noch mehr erleichtei't. Aber es lag im Allgemeinen fernerhin keine Bürgschaft 
mehr vor, ob diese Benutzung eine unmittelbare war, oder ob man das Material Huguccio 
entlehnt hatte. Kaum lange nacli Huguccio fällt die Glosse des Laurentius Hispanus,' 
über die §. 14 eingeheiader handeln wird. Sie hatte einem vollständigen Apparate 
bedeutend vorgearbeitet. Ihn machte dann .Johannes Teutonirus. 

VII. Da von allen Glossenarbeiten voi' Johannes Teutonicus blos handscliriftliche 
grössere oder geringere Reste existiren, so bleibt nichts übrig als Mittheilung einzelner, 
wenn man überhaupt ein Bild derselben haben will. Auch ist nui- dadurch die Beur- 
theilung ihres Verhältnisses zur ( )rdinaria möglich. Im Folgenden sollen nun sowohl 
die Glossen der bekannten Glossatoren, dann auch einzelne unbekannter besonders bespro- 
chen werden, damit sodann auf dieser (Ti-undlage die Glosse Aet^ Johainu='s Teutonicus eine 
möglichst eingehende Darstellung rinden kömie. 

' Was von der Liteivitnr über das Dpcret gedruckt, ja .-uk'Ii mir genau lieUauul war. war bis vur i-inuni Dcceuniuni uu-lil 
der Rede vvertli. Kigentlich ist .iiisser der Glosse und gerade den unbedeutenderen Sehriften nichts gednickt. Erst 
Maasaen hat auf Paucapalea, Kolandus, Joli. Fav., Rutimis, Cardinalis, die Summa Paris, hingewiesen bez. nebst Hnguceio 
ausführlicher über einzelne gehandelt. Ich habe in den citirten Abhandlungen die Summen von Rolandus, Simon de Bisi- 
niano, Sichardiis, die Summa Culoniensis, die Summa Parisiensis, zwei anonyme, früher die des .loh. Fav., die Summa 
Lipsiensis ausluhrlicli erörtert, t'ber Huguccio e.xistirt nicht einmal eine genaue Krörterung. Alle diese Werke neb.st den 
meisten der zahlreichen in meinem 3 Heitrag angeführten sonstigen Arbeiten sind ungedruckt. Wer keine handseliriftlichcn 
Studien gemacht h;it, kennt von der Literatur des lannnisclien Rechts aus der interessautostcn, der Zeit dir liiMun;,', irar 
nichts, oder nur vom Hörensagen. 

2 Maassen, Beitr. S. 35 ff. hat weniger ülver Inhalt, Charakti-r und Bedeutung derselben als üb. r ihi.- 'riicile und die l'.iil- 
stehungszeit gehandelt. 

' Kr schrieb auch einen Appar.at zur (Umpil. I. Meine I. it. -Gesch. d. l'omp. ant. S. ."lO. 



^Q JoH. Feiedrich R. von Schulte. 

B. Die einzelnen Glosaatoren und ihre Glossen/ 

§. 5. 
1. Johannes Faventimis. 

I. Einzelne Glossen. 

1. Seine Glosse beginnt also : 

De jure canonico tractaturus Gratianus legum ecclessiasticarum confusam dissonan- 
tiam in luculentam erigere consonantiam intendit in hoc opere, quod ex ipsa rubrica 
apparet, dum sie dicit: Incipit concordantia dissonantium canonum; quam solam ad omnia, 
quae in hoc corpore continentur, sufficere ei visum est. Etsi et in libro extravagantium 
et in libris legalibus secundum mutationem materiarum singulae varientur rubricae, hie 
tarnen non sie, sed earum mutationes per distinctiones distinguit et per quaestiones 
ex themate elicitas, istam rubricam ad omnia inferius posita credens sufficere, cum in 
distinctionibus sive in causis haec sola sit sua intentio, canonum dissonantiam ad concordiam 
revocare. Mirabile tamen est, quod saltim tres rubricas in hoc corpore non posuerit, 
cum materia canonum triplex sit: ministeriorum videlicet discretio ut in distinctionibus, 
negotiorum decisio ut in causis, sacramentorum eruditio, ut in tractatu de consecratione, 
ut dixi in praefatione,^ Sed quare hoc fecerit, ex praedictis aperte. In his Omnibus 
enim ad hoc solum nititur, ut canones discordantes revocet ad concordiam. Sic ergo 
viso rubro veniamus ad nigrum. Jo f. — Cod. T. 

2. Ordinaturus magister Gratianus decreta ipsa altius ingreditur a divisione juris, 
quod in duo dividit, prinio in ius videl. naturale et consuetudinis, inde multiplices sup- 
ponit divisiones, quarum singulas exequitur dictiones.'' — Cod. T. 

3. Jus naturale in tribus consistit, seil, in necessariis, inpossibilibus et mediis i. e. 
in mandatis, interdictis et demonstrationibus. Mandat enim quod probat, interdicit, quod 
laedit, demonstrat, quod convenit, ut omnia sLnt communia omnium etiam summa incon- 
cussa libertas.* — Cod. T. 

4. ad. V. repulsio c. 7. D.i.: Hie etiam de repulsione violentiae agitur cum pro- 
pulsatione injuriae. Sed legistae, cum generalius accipiant jus naturale, communitative 
ascribant illud omnibus animalibus, nosque specialius, ut attribuatur solis hominibus, 
ideoque, cum sciant, talem violentiae et injuriae propulsationem brutis animalibus, quae 
injuriam pati non possunt, non esse communem, non dicunt, eam de jure naturali debere 
esse, sed gentium. Jo. — Cod. Trevir. und Bamb. 

5. Ad c. 12. D.i. 

Adultorum vel furiosorum, his proprie datur curator, procurator vero ab his dominis 
constituitur; is namque procurator dicitur, qui negotia domini mandantis procurat. Jo. 
— Cod. T., B. 

6. c. 2. §. quintum D.xv. 

Hinc praesumitur praelatos generali sententia ligatis communicare non posse nee aliis 
communicandi eis auctoritatem praestare, cum eos absolvere non possunt •, talibus enim com- 



' Es ist bei dieser und allen folgenden jedesmal zugesetzt, in welchen Handschriften sich die Glosse vorfindet, bezw. woraus 
sie mitgetheilt wird. Die Handschriften sind nach den §. 1. beigesetzten Buchstaben citirt. 

2 Dies steht denn auch richtig in der Vorrede der Summe von Joh. Fav. Meine Rechtshandschr. S. 585. 

3 Dass diese Joh. Fav. angehöre, zeigt äusserlich die Schrift der Handschrift, innerlich die Übereinstimmung mit der Ein- 
leitung der .Summe. 

* Für die Autorschaft des .J. F. derselbe Grund. Wörtlich im Cod. J. anonym. 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 41 

municantes eadem damnatio involvit ut iniVa xxiv. (j. 1. c. 1. et 2. et 'S. Nee eos luulti- 
tudo excusat ut iiifra di. xciii. Miiatus. Jo. — Cod. T., W. Mon. 

Ar. (jiiod nullu8 de capitulo factum vel constitutum capituli valeat infii-mare; ar. 
supra di. viii. quae contra mores et ar. intVa di. xix. in canonici« et ar. contra in tVa 
di. xciii. miratus.' — Cod. T., B. 

7. c. Nulli ;"). iJ.xix. Canon iste secundum plurimorum sententiam dandae senten- 
tiae est non datae, quod colligitur ex verbo illo fiat et ex illo prostratus et praeser- 
tim ex illo abjiciendus. Datae enim sententiae secundum illos esse non potest, cum 
Jiuiusmodi sequeretur inconveniens, (|uod omnes mortaliter peccantes jani liuius canonis 
sententia ligati essent tanquam sacrorum canonum transgressores et secundum lianc inter- 
pretationem hine possumus argumentari contra eanones similia verba continentes, quod 
ideo dandae sententiae esse dicantur. Canon iste datae sententiae et non dandae dici 
potest. Quod patet ex eo, quod dicitur pi-ustratus, iam damnatus. Nee illud incon- 
veniens timendum est, quod omnes mortaliter peccantes, cum eo ipso eanones transgre- 
diantur, huius sententia astrieti sunt; transgredi enim dicitur quis non observando, quan- 
doque reprobando. Qui igitur eanones non observant, dummodo contemtus absit, iiuius 
canonis sententia non ligantur; (|ui vero eos j-eprobat coratemnendo hoc canone ligatur. 
Hoc quoque habetur ex eo quod dicitur infra di. prox. c. 1. in fine, seil, qui non reci- 
pere convineitur etc. Hüne etiam canonem de contemtoribus loqui manifestum est 
praesertim cum ad confundendos canonum eontemtores inducatur. Jo." — Cod. Trevir., \V. 

8. zu c. Inferior 4. D.xxi. v. potiorem abs. ,Hoc utique perpetuum est, licet aliud 
casus induoat, puta cum superior spontaneus inferioris arbitrio se supponit ut infra xi. 
q. 1. pervenit. Si elericus. Et hoc tantum in causa civil!, nam in eriminali ordinario- 
rum judieum non declinatur examen per arbitrium vel quando inferioris obtinet vicem 
ut infra di. xciii. praecipimus. Yel cum superior haeresim incurrit. Hoc enim casu 
etiam papam ab inferioribus suis accusari et eondemnari posset, ut infra di. xl. Si papa. 
Jo." — Cod. Trevir., Bamb., Wolf., Mon. 

'J. c. 1. Ü.xxiii. , Canon iste datae sententiae est, quod patet ex eo, quod dicitm* 
separatus abiiciaturet ex eo, quod excommunicationis formam sibi habet insertam. 
Jo." — Cod. Trevir., Bamberg., Wolf., Mon. 

11 1. e. 2. D.xxiv. ,Ar. ex hac partieula disjunctiva vel clericum testimonio populi 
electum ab episcopo reprobari non posse, si de clerici vita et moribus nihil est, quod 
contra canonica veniat instituta. Jo.'^ — Cod. T., B.; W. ohne die Sigle. 

11. c. 6. D.xxvii.*^ ,Non fictione operis sed intentionis. Veraeiter enim voto et habitu 
sanctimonialis fuit, sed intentionis firmitatem se habere semper finxit. Sola itaque simili- 



Dies Stück und das vorhergeheiule sind im Cod. Trev. diiieli einen Strich als zusammengehürig bezeichnet; in demselben 

zur D.w. noch andere vor ihm. 

Iluguceio hat diese Glosse vor Augen gehabt — die Summe von Joh. l'av. schweigt — und theihveise abgeschrieben, 

.luch ihre Ansicht adoptirt, ohne Joh. zn nennen. 

Xicht in der Summa enthalten. Im Cod. Mon. steht oben folgende Glosse: ,E.k hoc cap. tres colliguntur regulae. Prima 

est: inferior superiorem solvere non potest vel ligare; et hoc habet exceptiouem in tribus casibus in glossa Johannis 

notatis. Secunda est' cet. Auf dem unteren Rande steht die Glosse des Joh. selbst. 
■• In der Summe nicht. In Wolf, noch .andere zu D. 23. 
' In der Summe nicht. 
■ Huguccio ad h. 1. .Secundum istum intellectum di.\it Joh.'s in glossa sua finxit: non fictione operis sed intentionis.' 

Auf diese Glosse bezieht sich auch die Glosse zu v: finxit 6. D. 27. In den Ilandschr. des Apparats von Joh. Tent. 

(z. B. P.) und alten Ausg. (z. B. M. 1471) steht richtig das Citat in indirecter Rede ,et uota secundum quod fin M. blos 
Denkschriften der phil.-hist. Cl. XXI. E.l. AbhamU. von Nichtmitgliedern. , f 



An JoH- Fkiedkich E. von Schulte. 

tudo intentionis non irritat simulatum cum subsit veritas operationis ut liic et j. I. q. I. 
sicut ficti Jo.' — Cod. Bamb., Trev., Wolf., Mon. 

12. ad c. 2. D. 28. ,Cum ordinandus interrogatur de continentia si perfectionis amore 
confitetur se velle continere, non ordinator licentiam nubendi ab apostolo concessam ei 
aut'ert, sed ipse meliori proposito niavult abliorrere licentiam. De eo autem quaeritm-, 
qui expresse non promiserit, an possit nubere, et dicimus, quod non; liodie enim conti- 
nentia sie in illis tribus ordinibus est annexa, ut qui unum accipit reliquum accepisse 
videatur ut supra prox. dist. diaconus et infra c. iii. et die Lxxxiv. cum m prae- 
terito. Item quaeritur an sancti patres statuente concilio, ne quis uxorem ducat in illis 
gradibus, poterunt me cogere ad conservandam continentiam, si eam in susceptione ordi- 
num non promittam expresse. Et id eos non posse, sed dum statuerunt canones prolii- 
bentes copulam in illis gradibus quos recepit occidentalis ecclesia, eo ipso videtur quis 
vovisse cum aliquem ordinum eorum acceperit, in quo seit, sibi non debere vel licere 
nubere. Jo.' — Cod. Wolf. 

13. c. nuUus 5. D.xxxii. v. indubitanter: ,per sententiam in eum ordine judicia- 
rio latam a praelato suo. Etsi enim alias crimen sit publicum reputatur tamen occultum, 
quousque ordine judiciario fuerit publicatum, sicut et judex, quamvis crimen aliter noverit, 
inscius tamen reputabitur quousque testibus reus convincatur legitimis ut infra xi. q. in. 
quamvis et c. eorum qui, vel secundum Jo. canon iste sententiam suspensionis inducat 
et ille infra di. 81. si qui presb. Jste quoque datae sententiae est et non dandae, quod 
patet ex eo, quod dicitur infra proximum c. praecipimus et omnino contradicimus 
ut missam non cantet etc. Niliilominus et ille datae sententiae esse convincitur ex 
verbo illo interdicimus etc. Constans est ergo, neminem eins missam audire debere, 
qui seit, indubitanter concubinam habere, qui palam sibi aliquam copulaverit ut infra 
prox. c, cum tempore ipso jure ob omni sacerdotalis officii executione sit suspensus, 
quippe cum nee ab episcopo suspensi debeat officium audiri. Nee sibi obloquitvu' Nicol. 
infra xv. c. ult., cum ibi loquatur de his, qui in occulta fornicatione sunt depreliensi 
vel sola concubinatus infamia respersi, liic vero de bis, qui publice ducunt concubinas. 
Nee obstat, quod dicitur ab Urbano: canon iste propter causam datus, cum eadem causa 
urgente necesse est, ut eadem proliibitio perseveret. Jo.' — Cod. T., B. M. 

14. c. 4. nunquam D.Lvi. ,hinc argue adulterorum filios vitriusque Status integritatem 
habere, seil, naturalis et civilis, c\im nullus non imitantium vilitate pollutus efficiatur 
vel fuscus. Jo." — Cod. Trev., Wolf., Mon. (ohne Sigle). 

15. Dict. c. 22. D.L. ,Regulare est, ut leges is solus interpretari valet, qui potest 
eas condere, ut C. de legibus et constit. 1. I., uti solus apostolicus et condere et dispen- 
sare canones valet, cum solus plenitudinem potestatis habeat, ut infra ii. q. vi. decreto, 
qui se seit, j. viii. q. ult. in omnibus c. Et hoc est generale, multoties tamen episcopi 
dispensare canones possunt, puta omnes fere canones poenitentiales. q. s. satisfactionem 
inungunt, mitigare possunt quicunque clavem solvendi habent, ut j. xxvi. Q. ult. hoc sit, 
j. de poen. di. I. mensuram. Canones vero poenitentiales, qui suspensionem vel deponere 
vel similem poenam irrogant et cetera canonum statuta in his solis casibus episcopi 



et D. q.] faventinus distinxerit est fictio' u. s. w., während spätere die directe haben, so dass es als ein wörtliclies 
erscheint, was es nicht ist. Auch Joh. Andr. erwähnt diese Stelle. 
' So nicht in der Summe. Es liefert diese Glosse den Beweis, , dass Joh. Fav. das tanta est vis 6. qui fil. sint leg 
Comp. I. von Alex. III. nicht kannte. 



Die Glosse zum Decket Geatians von ihren Anfängen bis auf hie jüngsten Ausgaben. 43 

dispensare possunt, in quibus canones hoc specialiter eis indulgent, ut in hoc et in sup- 
possitis c. appai-et et c. presbyteros, de his, hl qui al. j. di. lxxxü. presbyter, 
j. i. Q. V. j. xxvii. Q. i. si qua virgo. virginem., j. xxxv. q. vi. ab isto, j. xvi. 
q. vii. considerandum, j. iii. Q. vi. quia ea, j. ii. q. v. qua de causa, presbyter., 
J. xiv. q. ii. quamquam, j. ix. q. ii. lugdu. j. di. xci. c. ult., j. xii. q. ii. si qua de 

re Item in aliis aliis potest canones alienationem rei ecclesiasticae inhibentes ut 

C. e. q. e. terrulas, si quos, quicunque, ecclesiasticis, et in aliis quampluribus 
eapitulis in eadem causa positis, j. de cons. di. i. omnes basil. et xxxiii. q. iii. di. v. 
i'alsas et xxxvi. C. penult., j. xxxiii. q. ii. interfectores. Je' — Cod. T. 

Einige andere Glossen von Johannes Faventinus habe ich an einem anderen 
Orte mitgetlieilt.' 

II. Durch Berufung dieser Glosse auf die unzweifelhaft Johannes angehörige Summe 
als die eigene, durch die Citate der Summa des Codex Halensis sowie durch die Anfüh- 
rung Huguccio's bezüglich solcher Stellen, die nicht in der Summa von Johannes stehen, 
sowie durch Huguccio's ausdrückliche Erwähnung von Glossen des Joluxnnes ist seine 
Tliätigkeit als Glossator im eigentlichen Sinne festgestellt. Fraglich bleibt, welche Arbeit 
zuerst gemacht wurde, die Summe oder die Glosse. Dass die Summe nicht vor 1171 
fertig gewesen, folgt aus dem darin vorfindlichen Fornudar von 1171.^ Da aber Sichar- 
dus den Johannes citirt, des ersteren Summe zwischen 1179 und 1181 gemacht ist,'^ so 
folgt, dass Johannes' Summe in die siebziger Jahre fällt. Aber man kann die Zeit noch 
genauer bestimmen. Die Summe Simons de Bisiniano fällt vor den März 1179,* folg- 
lich fallen auch alle von Simon citirten Decretalen Alexander 's III. vor diese Zeit. Da 
uun Johannes keine einzige Decretale Alexander's III. citirt, da geradezu aus einigen 
Stellen seine Unbekanntschaft mit solchen hervorgeht,-' da die Unbekanntschaft desselben 
mit wichtigen Decretalen in Berücksichtigung seiner Bedeutung undenkbar ist: so glaube 
ich annehmen zu dürfen, dass wir in dem Formular von 1171 das Jahr der Voll- 
endung haben, zumal die 62 Decretalen Alexander's III., welche Simon kennt, ganz 
unzweifelhaft sich auf eine Anzahl von Jahren vertheilen. Auch dürfte zugleich die 
Glossirung nicht viel später zu setzen sein. Möglich bliebe noch, dass die Summe nach 
der Glosse gemacht wäre und nur deshalb keine Decretalen von Alexander enthielte, 
weil Rufin und Stephan, aus deren Summen sie componirt ist, keine haben. Aber dass 
die Glosse nach der Summe gemacht ist, wird in der Einleitung direct gesagt. Oifen- 
bar liaben wir uns die Sache folgendermassen vorzustellen: Joliannes componirte zuerst 
seine Summe aus denen von Rufin und Stephan, fand aber, dass viele Punkte in beiden 
fehlten,- und ergänzte das Fehlende durch seine Glosse. Wälirend nun seine Summe ein 
unendlich geringes selbstständiges Verdienst hat, zeigt er sich in seiner Glosse als 
unabhängigen Juristen. Aus diesem Verhältnisse beider Werke erklärt sich auch, dass 
die Summe regelmässig über das Object der Glosse schweigt. Es leuchtet zugleich ein, 
dass wir für Citate bei den Älteren, wenn schlechtweg Joh. Fav. angefiihrt wird, erst 
durcli eine Vergleichung feststellen müssen, woher das Citat genommen sei. 



' Mein .3. Beitrag Seite 40 und 55 n.'ich einem Codex der Universitätsbibliotliek zu Halle. 

^ Meine Rechtsliandschriften Seite 579. 

3 Den Beweis gilit mein 1. Beitrag Seite 4(5 und 4'.l. 

* Bewiesen von mir im 1. Beitr. S. 26. 

^ Vergl. die obige num. 14. abgedruckte Glosse. 



AA JoH. FkIEDIUCII II. VON Sl-HULTE. 

III. In dem Apparate des Johannes Teutonicus wird Joli. Faventinus angefülirt: 

1. soviel ich durch Vergleichung festgestellt habe, in den Handschriften und Aus- 
gaben mit vollem Namen: zu princ. und c. 4. C.ix. (|. 1., dict. ad. c. 24. Cxi. q. 8. 

2. in einigen Ausgaben' mit der Verstellung Joh. Faber oder Fab., hingegen in 
Handschriften- und alten Ausgaben'' richtig Jo. Fa.: zu c. 14. D.xxxii., pr. von Causa IV., 

c. 2. C.viii. q. 4. 

8. in einigen Ausgaben' mit Jo. de Fant., in Handschriften-' und Ausgaben'' rich- 
tig Jo. Fav. in gl. perimant zum dict. grat. ad c. 97. C.i. q. 1. gl. suscepti ad c. 2. 
D.xiii.,' C.xvi. q. 2. princ. 

4. mit blossem Johannes, Jo. zu c. li). C.ii. q. 1., c 3. C.xiii. q. 2. gl. in morte", 
gl. non extantibus zu c. 9. C.xix. q. 3.," gl. relictam zu C.xxx. q. 4.'" princ. und gl. 
compatres zu c. 3. ibid. 

In Handschriften" und Ausgaben'^ kommen weiter Citate mit F.. f. vor, welche unzwei- 
felhaft auf unseren Glossator zu beziehen sind. 

Endlich sind in Handschriften noch manche Glossen mit des Johannes Namenszug 
signirt, welche in den Ausgaben ohne solche stehen. 

Über die in den Ausgaben seit 1500 stehenden vielen Stelleu mit der Sigle Jo. 
de Fant, werde icli unten §. 19. näher handeln. 

§• '- 
2. Ruflnus. ' ' 

1. c. 11. I).xi. ,Opponitur de Paulo, qui in Italia praedicavit. E,. Beatus Petrus et 
Paulus, licet personaliter diversi fuerint, tamen ratione instituendi et praedicandi quasi 
idem intelliguntur. Vel ideo Petrus non excludit Paulum, quia ipsi unum ecclesiae caput 
fuerunt, unde et in eodem adhuc sigillo pariter continentur.' — Cod. J. 

2. dict. ad c. 7. P.xvii. ,8ecundum quosdam est paragraphum, sed non secundum R.- 

— Cod. J. 

3. c. 2. D.xLÜi. ,Sicut dominus fecisse legitur cum phariseis illum tentantibus. R." 

— Cod. J. 



1 Z. B. Lugd. 1671. 

2 Z. B. P., W., M., T. 

3 Strassburg 1471. 
"1 Lugd. 1671. 

5 Cod. P., T. (io. fa.) 

« S. 1471, M. 1472, B. 1478, R. 1476, N. 1483. 

T Auch von .Job. Andieae erwähnt. — S. 1471 bat blos .1 <>., alle 4 anderen Jo. fa. Die folgende erwähnt Job. Andr. eln-n- 

falls. 
3 Im Cod. P. stand erst ,secundinn M.', das M. ist durclistrichen und am Kande gesetzt Jo. f. Die Ausgaben (.S, 1471) 

haben Jo. 
■» Im Cod. P. fehlt das Citat im Texte, am Rande zugeschrieben ,b. tamen et ,Iof. coutrarium dicnnt.' In .S. 1471 atcdit 

blos Jo. 
w Diese Stelle ist aus der Summa citirt. 

11 So ist im Cod. P. mit f. signirt die gl. consortia zu e. 55. D.i. de poen. 

12 gl. auctoritas zu c. 36. D.iv. de cons. in S. 1471, M. 1472, B. 1478, K. 1476, N. 1483. Cod. P. hat diese Glo.sse nicht. 
Obwohl die Mainzer und Baseler Ausgabe am Schlüsse Johannes (Teut.) haben, braucht wohl kein Zweifel an des p-aven- 
tiuus Sigle erhoben zu werden. 

13 Ob ihm auch die Glosse des Cod. J. : c. 23. C.i. q. 1. ,Divinatiu non diviuitus datur, sed per antipbrasim dicitur, qua.'fi 
quae per homines fiat daeinonibus impletos, sed gentilium ritus divinum credidit esse, (|Uod per qualemcunque spirituni 
profertnr. OR.', welche in seiner Summe nicht vorkommt, .angehört, bleibt dahingestellt. 



Die Glosse zum Decket Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten. Aüsgahen. 45 

4. c. 17. C'.vii. q. 1.' v. petisti. ,Priino petebat, (|uoil liceret sibi ordinäre eoadju- 
torem. Hoc de jure communi erat. Secimdo quod posset eligere aliquem, (|ui post mortem 
eins praesideret. Hoc vix obtinuit ex dispensatione. Tertio quod posset ilhuu consecrare 
in episcopuni. Hoe non obtinuit. R.' — Cod. T. 

5. Princ. C.x. q. 1. ,Ut omnium auctoritatum, quue de ecclesiarum suscipieudis por- 
tionibus loquuntur, involuta conti'arietas sopiatur, sciendum est, quod tempore primitivo de 
omni jure episoopalis eeclesiae dimidia pars episcopum contingebat, quia tum- nimis pau- 
per erat, ut hie dicitur Antiquos; parochianai-um ecclesiarum tertiam partem de omnibus 
habebat, ut infra xvi. q. 1. constitutum. Procedente vero tempore statutum est, ut de 
ipsis parocliiis oblationum duntaxat et decimarum tertiam haberet, ut hie habetur De 
his. Confirmatum quoque est, ut, quia infinita maior ecclesia habere ineiperet, ne ultra 
(juartam partem ipsius episcopalis eeclesiae pontifex usurparet, ut infra xii. q. ii. Vobis. 
Concesso. Quatuor. Novissime autem, cum sua episcopis plene sufficerent, sancitum 
est, ut illam parochiaruni tertiam in oblationibus minime tollerent, nisi reparandae eecle- 
siae onera subire vellent, ut e. C. q. HI. c. I. II. et III. R.' — Cod. J." 

6. c. 8. C.xxiv. q. 1.' , Duplex est genus piscandi, in rete seil, et hämo. Quo utro- 
(^ue piscatus est Petrus, sed posteriori tantum Petrus priori genere piscati sunt et alii 
discipuli. Primum genus piscandi inquisitionem denotat sapientiae et scientiae Chi'isti, 
quae tam Petro quam aliis convenit. Secundum genus ligandi et solvendi potestatem 
insinuat, quod soli Petro conceditur. Vel aliter: in primo genere piscandi signiiicatur 
ventilatio rationis fidei, in secunda causa depositionis eiusdem, quod utrumque soli Petro 
conceditur, iit supra III. q. VI. Quamvis et infra hac q. c. Quotiens. R.' — Cod. J. 

7. ('. 40. C.xxvii. q. 1. ,Secundum magistrum loquitur hie Aug. de simpliciter voven- 
tibus. sed potius videtur loqui de solemniter voventibus, i'um Apostoli auctoritatem inducat 
loquentis de viduis in epistola ad Timotheum, ubi de solemni voto loquitui- et cum tales 
adulteris peiores dicat. Sane simpliciter voventes non sunt peiores, quibus triennii poe- 
nitentia indicitur, ut supra di. xxvii. c. Si vir, adulteris vero septennis poenitentia 
imponitur. Quid ergo dicemus ad haec? Per alios seil. Augustino derogatum fuisse. R.' 
Quod quibusdam non placet.' — Cod. J. 

S. c. ('). C.xxxii. q. 2. v. a dulter. ,Hoc est fornicator. Species enim ponitur pro genere, 
ut XXX. q. 1. Si quis sacerdos. R.' (Vor R. steht C, das aber durchstrichen ist). — Cod. J. 

9. c. 3. C.xxxii. q. 4. ,Supra xv. q. 1. Inebriaverunt, supra di. xxxv. iSexto die, 
contra. Sed non dicitur hie, ([iiod iiliae Lotli omnino non peccaverint, sed eo minus 
peccaverunt, quod pro genere hunumo iustruendo hoc fecerunt. R.' — Cod. J. 

Im Apparate von Joh. Teut. wird Rutin angefulirt: 

1. gl. si quis zu c. 18. CiL q. 1.' 

2. princ. (|. 1. C.ix." 



' In Rufinus Summe, die zur ('.vii. eine /.u.samuicnliiiiijrciuU' Kinrteiuiip; liiklet, stellt der .Sinn, die Worte niüsseu einer 

besonderen Glosse angehören. 
- Diese Glosse ist wörtlich aus Rnlinus Summe (Cod. ü.im lierp;. P. I. 11.) excerpirt. Es liildet da.« alier auch den Bp\vei<i. 

dass R. auf Rufinus geht. 
• Die gl. ord. (von Joh. Teut.) hat ott'enh.ar diese Stelle vor Augen gehabt. Ob sie in Ruiinus" Summe inhaltlich »der gerade.«" 

steht, kann ich nicht sagen, iveil keine der mir bekannten Handschriften bis zur 24. (,'ausa reicht. 
■■ Die Sigle K. hat Cod. P. die Ansg.iben S. 1471, M. 147-2, B. 1478; R. 1476 hat Ro.. N. 1483 hat rn. In der Summe 

kommt die Stelle nicht vor. Dies liefert einen neuen Grund zur Annahme, dass Hufin glos.sirt hat. 

Von Joli. Andr. erwähnt; die Summe hat das in der Glosse Hervorgehobene, worauf sich auch die folgende be/ielit. 

.lob. Andr. eitirt auch die Stelle .5. 



•46 Jon. Friedeich R. von Schulte. 

3. gl. nisi probare c. 6. ibid. 

4. gl. ex lavacro c. 1. C.xxx. q. 1. 

5. princ. q. 4. C.xxx. 

6. gl. non praecipitur zu'dict. ad c. 44. D.iii. de poen. 

Eine Anzahl von Stellen der Glossa ordinaria sind nachweisbar so übereinstimmend 
mit Rufin's Summe, dass sie aus dieser oder aus der von Johannes Faventinus , in die 
sie übergegangen sind, hergenommen sein müssen. Es fragt sich, ob Rufin von Johannes 
Teutonicus unmittelbar benutzt wurde oder nicht. Ich halte das Erstere für gewiss, weil 
ßufin höchstens ein paarmal von Johannes Faventinus citirt wird und gerade nicht an 
Stellen, wo ihn die Ordinaria anführt,' und weil kaum anzunehmen ist, dass in jener 
Zeit Rufin einem Manne wie Johannes Teutonicus nicht bekannt gewesen wäre. Wohl 
aber scheint er mir über das Verhältniss beider nicht im Klaren gewesen zu sein, er 
setzt nämlich Johannes vor Rufinus. 

§• '. 

3. Cardinali«. - 
I. Einzelne Glossen. 

1. c. 1. 1). 6. ad V. legis. ,Hoc enim quod lege municipali pluribus datur, licet 
uni non sit datum, dummodo non sit denegatum, in omnibus competit: ff. ad munici- 
palem, magistratus. c' — Cod. P. 

2. c. ult. D.vii. ,nam ea, quae superflua sunt, quandoque non nocent: C. de test. 
et quem. t. a. 1. testam. et ff. de reg. jur., non solent. c' — P. 

3. c. 8. D.Lxi. V. ,Sed qui dicuntur novi magistri? Videtur quod illi qui adhuc unum 
annum non impleverunt: argum. ff. de public, et vectig. 1. interdum §. quotiens et 
ff. de vino et trit. leg. 1. vetus [fr. 10. Dig. xxxiii. 1.] c' — Cod. P. 

4. c. 15. D, 96. V. non tamen: ,qiK)modo Imperator possit in sacerdotes. C — Cod. T. 

5. Causa I. q. 1. c. 15. ,§. putative i. e. quae debet esse gratis. C — Cod. T. 

6. c. Judices eius 23. ibid. ,Hinc tibi opponitur: fac tibi amicos de mammona 
iniquitatis; sie exponimus i. e. de divitiis sollicitudine et laboribus acquisitis, vel qui- 
bus abstulisti restituas vel eorum parentibus vel illis mortuis sacerdotibus offeras; isti 
enim facti tibi amici orabunt pro te ad dominum. C — Cod. T. 

7. c. remissioneni 39. ib. ,sicuti si deus remittit ministerio illorum, qui intus sunt, 
ut esse videntur cum sanctis qui intus sunt cum deo. C — Cod. T. 

item ,tenueritis et judaeus vel gentilis vel foris i. e. ab homine foris existente. C — Cod. T. 

8. Dict. Grat, ad c. 97. §. 3. verbo effectu. ,et LÜi. officii. Haeretici quandoque 
baptizant complices et non accipiunt spiritum sanctum, quandoque innocentes et accipiunt 
s. s. C — Cod. T. 

9. Causa II. q. 7. c. 18. v. is qui accusatur. ,nisi puer sit C.[x.] annorum. quid 
si minores natu, num per contrarium intellectum poterit accusare, ut Gratianus mentitur 
in simili casu. C — Cod. T. 



' Meine Rechtshandschrifteu Seite 586. 

2 Im Cod. T. zu P. I. kommen nur zwei offenbar eliemals Interlinear-Glossen vor, in Pars III. keine, Pars II. ist voll von 
Glossen. Ausser den mitzutheilenden und den bei Maassen Beitrüge S. 20 ff. an 2. bis 6. Stelle abgedruckten enthält 
die Trier'sche Handschrift z. B. blos zu Causa 16 noch 10, zu C. 17 noch 2, C.xx. fünf, zu C.xxii. noch 10, zu xxiv. 
und 25 je 1., zu C. 27 noch 20, zu 28 noch 6, zu 30 noch 5, zu 31 noch 8, zu 32 noch 10 grössere oder kleinere, die 
ich zufällig gezählt habe. — Über den Innsbrucker Codex siehe oben §. 1. A. III. — In der Prager Handschrift 
sind die Glossen sehr spärlich, aber wieder dadurch interessant, dass sie Lücken ausfüllen. 



Die Glosse zum Decket Guatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 47' 

10. Zu c. 32. 1). 50. dict. Grat, eine im Cod. Mon. 

11. c. Decreto 11. C.ii. 4. (i. v. primatum: ,forte tunc temporis licitum erat inetro- 
politanis in synodo provinciali deponere episcopos, quod nunc non est. c' ('od. Mon. 

12. c. 29. C.i. q. 1. exercitii. ,et rci ipsi sacramenta gratiae quasi accipientes sint 
erroris participes. c' Cod. Mon. 

13. c. 37 ib. V. quales: ,i. e. tale sacrific-iuni qualis sacrificans. c' Cod. Mon. 

14. dict. ad c. 59. [c. (iO. l'alea fehlt] ibid. v. non posse: ,cum effectu gratiae. C' 
Cod. Mon. 

15. c. 70. ib. V. cum nee sanctil'icari. ,quoad illos qui qiiantmii ad se polluunt 
vel potest intelligi de liaeretico causam luibente in intentione; vel Cyprianus in aliis, 
sicut in baptismo, non distinguebat inter saeramentum et vim sacramenti. c' Cod. Mon. 
In derselben Causa noch diverse andere. 

16. c. 6. C.iii. q. 4. ,Anathematizantur alii ab episcopis, qui ab omnibus sunt vitandi, 
alii a statutis generalibus vel a sacerdote sine nomine, qui in veritate sunt infames et 
excommunicati et a sciente sunt vitandi animo, non corpore, seil, incendiarii et qui in 
clericos manus impias intulerunt et sacerdotes in crimine manifeste jacentes, licet non 
determinati. Vitandi sunt, si notorium est eorum crimen, et qui evitant laudandi sunt, 
non tarnen incidunt in excom. non evitantes nisi illi determinati fuerint anathematizati. 
ut faciant malum contemnant. alii excommunicati vel post appellationem vel a schisma- 
tico vel excommunicato occulte observent licet non sint excommunicati, quia s. merito 
ligandorum non scientiam pensat pastorum et de facto non de jure, propter reverentiam 
ecclesiasticae disciplinae absolvuntur. C — Cod. T. 

17. c. 1. C.x. q. 3. V. tertiam. ,aediliciis debitam. Hinc apparet, quod quarta non 
est ex cathedratico. C — Cod. T. 

18. c. 29. C.xii. q. 2. v. duplici: ,Hinc arg. habes contra illos, qui dicunt, decimas 
quasdam esse dändas intidtu personarum, quasdam intuitu praediorum, quia incongruum, 
eandem sententiam ecciesiae duplici jiu'c censere. Sed dantui- intuitu personarum, ut 
alias probabitur. C — Cod. T. 

19. c. 11. C.xiv. q. 4. v. repetunt. ,hodie usurae de juro repeti possunt condictione 
sine causa vel ex injusta causa tanquam civiliter tantuni debitae, non naturaliter, quan- 
doquidejQi de jure naturali indebitae sunt, quod est divinum jus. Ex injusta causa ideo 
quia sacras et divinas regulas non dedignantur sequi leges. C Von späterer Hand 
zugesetzt: ,secundum M. non est bona quia usurae non possunt possideri.' — Cod. T. J. 

20. c. 15. C.xiv. q. 5. v. si viam. ,scil. medici mercenarli, advocati jurlsconsulti. C 
ibid. V. largiuntur. ,sed non bene, si de iudice vel teste vcnali dicas. C — (Jod. ,J. 

21. c. 39. C. K). q. 1. V. aliud in dicto Gi'at. ,E converso debuit dare, sed idem 
est. Gratianus convertit praedicatum et subjectum. C — Cod. 'l\ -J. 

IG. c. 42. ibid. v. proventum. ,Assignat secundarln propter Incolatum, qui princi- 
paliter assignatur, quem etiam inquilini monacliorum praestant qui habitant in aliena 
dioecesi rationc incolatus tarn de propriis praediis quam de praedictis monacliorum quae 
colunt. C — V. loca. ,scil. aream inaedificatam. C — v. potestatem. ,cum habitator 
illius ecciesiae solvat decimas priori ecciesiae. C — v. irrita. ,quoad lioc non sinipli- 
citer. C — Cod. T. J. 

22. c. 45. ibid. v. definiens in dicto Grat. ,si per oblationes vel inquilinos monachi 
teneantur. C — Cod. T. 



^g JoH. Friedhr:h E. von Schulte. 

23. c. 46. ibid. v. coloni. ,Nota, c[uod nee agri nee possessiones tenentur ad decimas 
praestandas, sed tantum per locum. C — v. infantes. ,Ecce quod parochiam metimur 
non quoad obligationem agrorum, sed habitantium; nee immerito, paroeliia enim divisio 
ineolatus dicitur. C — Cod. T. J. 

24. e. 47. ib. ,Duae sunt rationes, (xuaruni Liuaeque suffieit, ut eleriei non praestent 
decimas-, vel ciuia non babent proprium ut eommuniter viventes, vel quia eis non mini- 
stratur; nam eleriei qui proprium babent et alii eis ministrant decimas praestare debent. 

C _'cod. T. J. 

25. e. 66. ibidem. ,Vectigalia sunt tributa praediorum sive mercium et ideo ad 
quaeeunque praedia vel merees perveniunt, ipsum praedium vel merees tenentui- ad vec- 
tigal praestandum. Sic decimae tributa sunt egentium animarum, et ideo quocunque tem- 
pore animae domitdlium transtulerint, illie dare deeimas debent, et sieut vectigalia pro 
praediis non pro personis praestantur ita e eonverso decimae pro personis non pro prae- 
diis vel negotiationibus aut venditionibus praestantur. Sieut enim dominus praedii eolono 
partiario praedium, ut partem, quota inter eos eonvenerit, reddat, sie deus bomini se 
ipsum libero arbitrio eolendum gratia comite, nisi eam repudiaverit, eommittit,' ut de 
Omnibus justis quaestibus decimas sibi ministris suis ad literam persolvat et allegorice 
sibi tantum ministris quidem pro ministerio, quo fidelium animae egent. Unde si quis 
lidelium se ad monasterium cum praediis suis transtulerit, quoniam alterius non eget 
ministerio, nee deeimam dare eompellitur, quia non pro praedio sed pro persona propter 
ministerium eius pendebat.' Si enim pro praedio debentur, possunt eonqueri saeer- 
dotes, si quis non eolat praedium suum, vel si per biennium solutae non fuerint, possunt 
auferre praedium, cum regula juris dicat: non soluto ecelesiae canone per biennium posse 
evelli a possessoribus praedium. Sed quia in deeimis utrumque factum est, constat, 
decimas pro personis non pro praediis pendi. Unde Aug. dieit super epistolam adHebraeos: 
deeimationis debitum ex peecato originali. Unde Christus non fuit decimatus, sed Levi 
et ceteri fuerunt, non earum decimata praedia. Ergo nee monacbi, quia tuo non egent 
ministerio; nee eorum praedia, quia de praediis non praestantur decimae, tenentur ad 
earum praestationem. Nee obloquitur, quod surgens nova infra territorium cappella ad 
illum, euius est territorium, pertinet, qvxia quod inaedifieatur, soll cedit, deemiae 
vero non ratione soli, sed personae, ut probatum est, praestantur. Quis nisi mente eaptus 
diceret, saeerdotem jus babere in negotiatione, quae fit apud Indos, a parocbiano suo 
ratione soli et non ratione personae? Non est autem dispar in negotio et militia et pisca- 
tione et praedio ratio praebendae deeimationis, sed eadem i. e. personae. C — Cod. T. J. 

26. e. 1. C. 16. q. 7. v. provideri. ,Improprie ita dicitur decimarum possessio, sieut 
monasterium in dominio eonstructoris. C.' — Cod. T. J. 

27. dict. Grat, ad e. 4. C. 17. q. 1. ,Eece Obligatorium votum; nam acceptio Habi- 
tus cum professione et cum benedietione est perfeetum votum, non ut fiat sed ut sit et 
impedit matrimonium. C — Cod. T. J. 

■ 1 Ein frappanteres Heispiel rein privatreclitlicher Auffassung lässt sich kaum .lenken, als: die freiwillige Verehrung Gottes 
und die Benutzuno' der göttlichen Gnade in Parallelen zu setzen mit dem vertragsmässigen Übereinkommen. 

2 Hieraus ist ersieltlich, dass die Aussprüche ganz moderner Gesetze (z. B. des Österreich, intereonfess. vom -25. Ma. 
1868 Art. 8), wonach kirchliche Abgaben von Grundstücken, wenn sie nicht als Reallast aus den öffentlichen Büchern 
erhellen, beim Übergange der Katholiken auf Andersgläubige diese nicht verpflichten, schon durch die Anschauungen 
tüchtiger Canonisten des XII. Jahrhunderts gerechtfertigt werden könnten. 

3 Zu C.xvi. q. 1. und C-xxii. q. 4. stehen in Cod. Mon. 450.Ö noch je zwei, zu c. ult. C.xxv. q. ult. eine, C.xxvni. q, 1. enie. 



Die Glosse zum DEritET Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jitnostkn Ausuahen. 49 

28. c. 11. C. 25. q. 1. v. praevarit-utor. ,quia crimen ariolandi coiniuittit apud 
deum, etsi non denuntietur. C Cod. T. — v. apud deum. ,non est excommunicatus 
apud homines i. e. homines non evitant eum, non tarnen minus exe. est, quia non minus 
est lolium, quamvis inter frumenta. C — Cod. T. J. 

29. c. .50. C. 27. q. 2. ,Non ergo primuni matrimonium ratum factum est coitiiV 8ed 
dicas non, sed benedietione. At Evaristus et Nicolaus dicunt, sine liae posse contrahi, 
ut infra proximum q. I. §. item illud. Dieit ratum solo affeetu. C — ('od. T. J. 

30. c. 3. C. 30. q. 4. v. compatres. ,Sicut unio duarum naturarum in Christo divinae 
seil, et luunanae efficit, ut sancta virgo esset non solum hominis, sed dei genitrix, et 
sicut sancta unio, quae fuit connubium inter Mariam et Joseph, efficit, ut uterque mente 
non carne esset parens, 'sic unio mariti et uxoris, quae fit per connubium, sive sequitur 
cognitio carnalis sive non, efficit, ut uno suscipente uterque suscepisse videatur.' Sed 
cum tertius mariti tantum filium suscepit, suae uxori spiritualem communicat paternitatem, 
non compatri, qui naturalem habet non spiritualem, licet spiritu compatri conjungatur. 
Multo minus ergo communicat uxori compatris sui, nee ipse maritus communicat uxoi'i 
suae paternitatem naturalem, quam habet, nee spiritualem (!). Inde est, quod tertius non 
est compater eius, cuius filium non suscepit. Unde licite iunguntur sive eognoscant se 
post vel ante sive non. Non enim ingeminatur sive generatur unio in utra(]ue cognitione. 
C — Cod. T. J. 

31. c. un C. 31. q. 3. v. triennii: ,ln corpore canonum est biennii. C.' 

32. C. 33. q. 1. princ. ,Secuhdum cardinalem naturalis frigiditas vel maleficium 
matrimonii separationem non operatur. Cui contrarium est . . . Magister Bar. dicebat, 
quod maleficium nullo modo separabat matrimonium, quia vix potest aliquis certificari, 
quando praecedat et subsequatur, vel quando sit perpetuum vel temporale, cum ab illis 
quae faciunt dissolvatur quandoque.' Cod. Wolf. 

II. In der Glossa ordinaria kommen folgende Citate aus Cardinalis vor. 

1. ad. dict. Grat, ad c. 23. C.vi. q. 1. Diese Stelle ist jedoch späterer Zusatz und 
rührt weder von Joh. Teut. noch Barth. Biix. her. ^ 

2. gl. hae vero ad c. 2. C.xxvii. q. 1. Sowol Handschriften (z. B. P.) als alle fünf 
angeführten alten und neueren Aussraben liaben den vollen Namen Cardinalis. Die Glosse 
gehört Joh. Teut. an.^ 

3. casus zu c. 16. C.xxvii. q. 2. Es ist ein späterer Zusatz. 

4. zu c. 4. C.xxx. q. 4. in einer Joh. Teut. angehörenden Glosse. ' 

5. C.xxxi. q. 1. princ. von Jo. Teut.' 

G. gl. nequibant zu c. 4. C.xxxiii. q. 1. aus der Glosse des Joh. Teut.'' 



' Mit dieser Logik müsste .•uicli die Affinität blos aus der Elie deducirt werden. 

2 Denn sie felilt in den von mir eingesehenen alten Handsuliriften, sowie in den fünf alten citirten Ausgaben. Dasselbe 

gilt für die unter 3) genannte. — Guido de Baysio erwähnt den Card. 7.ur ersten Stelle nicht, zur dritten .sagt er: ,in 

eadein gl. adde: qiiidam ut card. 
' Die Handsehr P. hat sie ohne Sigle, dass sie nicht von B. B. herrühre, folgt aus der Sclirift und Methode der Handschr. ; 

in der Ausgabe S. 1471 und N. 1483 ist sie ohne Sigle, in M. 1472 und B. 147ß hat sie b. 
' Sie ist ohne Sigle im Cod. P., hat in der Ausgabe S. 1471, M. 1472, B. 1476 keine, in N. 14S3 die Sigle Jo., in späteren 

auch .lo. de Fant. Der Name Cardiualis ist allenthalben ausgesehrieben. 
■'• Joh. Andr. gibt 1. c. diese und die folgende Glosse an; Cod. P. liat gleich allen fünf alten A\isgaben Jo. und hinter 

dem Zusätze b., die Ausgabe von 1671 oö'enbar als Druckfehler H. Die römische Ausg.ibo von 1478 hat für car. das 

keinen Sinn gebende hie. 
'■• Im Cod. P. steht die Sigle la; alle fünf alten Ausgaben hal)en keine Sigle. 
Doukschriften dev pitil.-liist. CI. XXI. Bd. Ahhandl. von Nichtmitglieilera. g 



50 JoH. Feiedeich R. von Schulte. 

III. Über die Autorschaft eines Glossators, welcher Cardinalis war, kann nach 
den übereinstimmenden Zeugnissen von Huguccio, der Glossa ordinaria, des Guido 
de Baysio und Joh. Andreae kein Zweifel obwalten. Wenn die von Maassen^ mit 
gewichtigen Gründen unterstützte Annahme richtig ist , es sei unter unserem Cardinalis 
der Cardinal Gratianus zu suchen, so fiele die Abfassung der Glossen nach 1178, wo 
derselbe Cardinal wurde. Hieraus würde sich allerdings auch erklären, weshalb dieser 
Glossator trotz seiner Bedeutung nicht von Simon de Bisiniano^ und Sicardus von 
Cremona^ erwähnt wird. Was mich an dieser Meinung zunächst irre macht, ist der 
Umstand, dass der Cardinalis, obwol sich ihm in den Glossen zur Causa xvi. und anderen 
Gelegenheit bot, gar keine Erwähnung macht von den zahlreichen gewiss kurz nach 
1179 in die Appendix Concilii Lateranensis übergegangenen Decretalen. Wie 
dem aber sei, die Glossen zeugen dafür, dass erstens der Cardinalis ein ganz auf 
eigenen Füssen stehender Canonist war, zweitens eine tüclitige civilistische Bildung 
hatte,* drittens die scharf ausgeprägte ßiclitung hatte, alle kirchlichen Rechtsver- 
hältnisse rein an der Hand privatrechtlicher römischer Grundsätze zu con- 
struiren. Wegen dieser letzteren Eigenschaft dürfen wir ihm in der inneren Entwick- 
lungsgeschichte des Kirchenrechts eine vorzügliche Stelle einräumen. Denn wird er auch 
unverhältnissmässig seltener citirt, als andere, so beweist das noch nicht eine geringe 
Benutzung oder einen geringen Einfluss. Die von mir benutzten Handschriften zeigen, 
dass sich seine Glossen über Pars I. und IL des Decrets erstreckten. Ihre grosse Fülle 
zu einzelnen Causae lässt wol darauf schliessen , dass viele nicht mehr erhalten sind, 
oder in anonymen Glossen oder in noch nicht genauer durchforschten Handschriften 
stecken. Die Methode jener Zeit, bald gar nicht den Autor anzuführen, bald unter dem 
quidam, alii u. drgl. zu verstecken, welche sich auch bei Huguccio in grossem Maass- 
stabe vorfindet, macht es unmöglich, den Einfluss einzelner xVutoren auf andere, ausser 
in seltenen Fällen, genau festzustellen. Haben wir nun hier in der Summa Lipsiensis, 
bei Huguccio, in dem Apparate von Joh. Teutonicus und selbst noch beim Archidiaconus 
den Beweis des Einflusses, so erlaubt gewiss die überaus grosse Zahl der noch als sicher 
nachweisbaren Glossen auf einen grösseren zu schliessen. Für diesen Schluss glaube ich 
noch geltend machen zu dürfen, dass des Cardinalis Glossen einen förmlichen 
blos aus eigenen Glossen gemachten Apparat gebildet haben. Wir haben unend- 
lich zahlreiche Worterklärungen, ferner Casus, wie gerade einige Citate der Glossa ordinaria 



* Beiträge Seite 19 t'g. 

- Dessen Summa, wie ich im 2. Beitrage S. 20. dargetliaii, vor dem März 11711 gemacht ist. 

ä Dessen Summa, wie ich ebendort S. 46. zeige, zwischen 5. April 1179 und 30. Aug. 1181 gemacht ist. 

* Diese hatte allerdings auch Card. Gratian, der Schüler von ßulgarus war. Siehe die bei Maassen S. 19. Note 2. 
abgedr. Stelle aus einem Briete Stephan's von Tournay an ihn. 

Ich möchte aus den Gründen des Textes glauben, dass, wenn Card. Gratian der Glossator ist, die Glossen vor 
1178 zur Zeit, als er in Bologna lehrte, gemacht, aber nachdem er Cardinal geworden, zur Vermeidung der Verwechse- 
lung mit G. bezeichnet worden sind. Wenn Maassen S. 17. Note diese Annahme damit ausschliessen will, dass Cardi- 
nalis nicht, wie Irnerius, erster Glossator des Decrets gewesen: so spricht ja der Name Gratianus dafür; denn so lange 
er lehrte, verwechselte Niemand ihn mit dem alten Gratian, wol aber konnte das später geschehen. Fallen aber die 
Glossen etwa in die siebziger Jahre oder in das Ende der sechziger, so erklärt sich manches. Übrigens ist über die 
Sigle G. in alten Handschriften auch noch manche Unklarheit. — Mir scheint endlich, dass es nicht angeht, anzunehmen, 
ein Lehrer habe nach Aufgeben des Lehramts erst zu glossiren begonnen. Angenommen, wie Maassen thut, er habe, 
nachdem er Cardinal geworden, das Glossiren fortgesetzt, so ist doch klar, dass dann seine früheren Glossen eine oder 
eine neue Sigle hätten bekommen müssen. Da selie ich nun nicht ein, weshalb dies niclit überhaupt hätte geschehen 
können. 



Die Glosse zum Dkcket Geatians von ihren Anfängen ws auf die jüngsten Ausgaben. 51 

zeigen, dann gewöhnliche Erklärungen mit Citaten, endlich auch höchst eingehende 
Erörterungen (Distinctiones). 

§. 8. 

4. Albertus. 
I. Einzelne Glossen. 

1. c. o. D.vi. ,Nemroth interpretatur transgressor vel profugus vel tyrannus et signi- 
ficat diabolum. AI.' Nach P. 

2. c. 8. D.x.' (Überschrift; der Codex liest ,Juliano') ,Iste Julianus erat quidam 
monachus primo et postea voluit simul esse imperator et patriarcha exemplo veteris testa- 
menti. AI.' Nach P. 

3. c. 5. D.xi. ,Vel sie: onus jejunii potest quis sibi assumere ut liic, lionorem vero 
ut ferendi pallium extra missam non potest ut ibi ut arg, de cons. di. IIl. c. 1. AI.' 
Nach P. 

4. c. 3. D.xxi. ,maculam mortalis peccatl. rugam duplicitatis seil, mortalis; nam 
de veniali intelligi non potest, cum nullus in hac vita posset esse sine veniali peccato, 
sed si talis auctontas retorqueatui- ad futuram vitam, planum est quod dicitur. Ibi enim 
ecclesia non habebit maculam peccati nee rugam venialis. AI.' Nach 1'. Im Cod. Mon. 
eine zu c. 1. I). 29. 

5. c. 30. D.xxx. ,ecclesiam i. e. fidelium congregationem vel ecclesiac fabricam: 
infra de cons. di I. nono. AI.' agat ibid. ,ut seil, presbyter eos seorsim regat sine 
consilio episcopi. AI.' — Cod. P. 

G. c. 33. C.xxiii. q. 4. v. communionis. ,alias criminationis i. e. propter crimen, 
vel sto a consortio criminationis i. e. a crimine abstractus brevi lacrimula cet., quasi 
non abstrahatur brevi lacrimula etc. AI.' ,i. e. mali exercentes bonos multis persecutio- 
nibus tolerantur. avert' i. e. separentur a consortio fidelium per sententiam judicis 
i. e. excommunicationeademta sicut est post trinam admonitionem. AI.' Nach P. 

7. c. 3. C.xvi. q. 3. ,Sicut i. e. quia tric. poss. tollit alien. dioec. non ita i. e. 
jus episcopale. al.'- 

8. c. 3(;. C.xvi. q. 1. ,Hic habes illa tria, quae impediunt promotionem seil, delicti 
generalitas ut l. di. miror, regularis persona, minor integritas ut Lv. di. nullus, in- 
sut'ficiens eruditio ut hie et xxxvi. di. illiteratos. AI.' Nach P. 

9. Inscr. zu c. 26. C.xviii. q. 2. ,Forte de ordinationc officialium dicitur ibi, quod 
est ab eis, hie (piud est episcopi, vel si insufficiens vel negligens fuerit. a.' Cod. Mon, 

Glossen mit dieser Sigle finden sicli in allen drei TlioIIen. aucli zum tractatus de 
pocnitentia in dem Cod. P. 

11, Glossen von Albertus werden citirt von Julianncs Faventinus,' in einer 
Summe des Cod, Halensis Ye 52., welcbe zwischen 1179 und 1187 fällt,' von Hu- 
guccio," 



' Die Gl. ord. kann diese Stelle vor Augen gehabt haljuii. 

2 Offenbar hat diese Glosse der Glossa ord. vor Augen geschwebt. Die Gl. ord. steht auch in Handschr. und in den Ansgaben. 

^ Siehe meine Rechtshand.'ichr. 8cite 58G fg. An dem Citat kann, da der Name vollständig steht, kein Zweifel sein. Maassen 

Beitr. S. .31. Note 5. hat die Sigle auch in dem Cod. Bamb, P. II. 27. gefunden, was ich bestätigen kann. 
* Mein 3. Beitr. Seite ."iO. Der Name ist (.alberto') ausgeschrieben. 
5 e. 29. C. 17 q. 4., c. 42. C. 16 <|. 1. In beiden Stellen (aligedr. bei Maassen Beitr. S. 18, ,laii;ii-li in meinem Lcliili. S. 4.5. 

Note 35; die Richtigkeit habe icli seitdem ge|iriifl) wird ausdriicklioh gesagt .dixit papa Grogoriiis VIII. antec|nam 

esset papa.' 

8* 



52 JoH. Friedrich R. von Rchuwe. 

§. 9. 
5. Gaudulphus. 
I. Einzelne Glossen. 

1. c. 32. D.L. V. ampl, caut. ,ita ex abundanti alicui imponitur poena videl. ut hie, 
eulpae purgatio ut j, xii. q. 5. hoc habet proprium [ist c. 1. D. 46.] cautelae exactio 
ut di. 28-, de syracus. G.' — Cod. Trev., Wolf.' 

2. c. 20. C.i. q. 1. V. perditione ,ita est haereticus secundum propositum G.' — 
Cod. Trev. 

3. c. 28. Fertur ib. v. in ipso. ,Non videtur esse verum, cum antequam ab apostolo 
condenmaretur multo ante per Eliseum in Giezi damnata fuisset, immo damnata est ante- 
quam in Giezi damnaretur, ex tunc seil, ex quo illud praeceptum est datum: observa 
diem sabbati i. e. requiem s. s., quae significatur per septenarium numerum, sicut sab- 
batum septennis dies est, ut non credat spiritum s. venalem. G.' — Cod. Mon., Wolf. 

4. c. 70. ibid. v. posse. ,sancti spiritus effectus sive res sacramenti non est apud 
illos seil, virtus sacr. G.' — Cod. Trev., Mon. 

5. dict. ad c. 124, nullus epc. gravamen C.i. q. 1. v. praebeat. ,quod symonia 
sit probatur quia sie vult, istum carere, ut alius quicunque sit habeat. G.' — Cod. Trev. 

6. c. 2. q. 2. quam pio mentis v. subsidii gratia. ,de consentiente et subscri- 
bente videtur loqui. G.' — Cod. Trev. 

7. c. tempus^ 23. C.xiii. q. 2. v. malis. ,qui tarnen damnantur, sed tamen juvantur, 
ut minus ad tempus puniantur. G.' — Cod. Trev., Wolf., Mon. (in diesem noch zwei 
andere dazu). 

8. c. 45. de decimis C.xvi. q. 1. ,nisi ex institutione concedantur cappellis et pri- 
vileffiatis monasteriis. G.' — Cod. Trev. 

9. c. 10. C.xxviii. q. 1. v. matris. ,adeo ut cogantur baptizari invito altero paren- 
tum et hoc cum sint infantes vel doli non capaces sec. G.' — Cod. T. 

10. ibid. ,Poteritne christianus aliam uxorem ducere altero in iudaismo remanente? 
non si cohabitare voluerit. c. Speciale est in iudaeis ; sive consentiat cohabitare sive non 
infidelis dimitti potest, et licebit iideli ducere uxorem. vel virum si mulier fuerit iniide- 
lis. g.' Cod. Wolf., Mon. 

11. c. 11. C.xxxii. q. 5. v. cum omnia p. d. s. v. n. p. p. r. i, e. non potest coro- 
nare pro incorruptione servata. accipe m. i. e. mutabilium rerum circuitum sequeris, 
mole far. i. e. per infinitas concupiscentias solveris. disc. v. t. i. e. hypocrisia non 
deteges. d. c. t. i. e. tuas malas ostendes. transi fluni, i. e. per fiumina i. e. per laben- 
tia huius saeculi transies. rev. i. t. i. e. apparebunt peccata tua. Unde dicitur: ponam te 
ante faciem tuam. ap. o. t. i. e. vitia tua. post th... i. e. post conjunctionem virtutum, 
quibus isti vincta fratrueli tuo Christo, qui fuerat de eadem gente, vel religione tecum. 
nud. et p. e. i. e. opera sua ponuntur ante faciem suam. sed. ada. s. i. e. sequetur hae- 
reticorum doctrinas. et p. t. i. e. depositus virtutibus, quae sunt in vase cordis. divar. 
i. e. metricando aperiet aditum vitiis male suggerentium, et u. a. v. p. i. e. polluetur 
peccatis in anima et corpore. G.' Cod. Trev. 

12. c. 1. C.xxxi. q. 1. ,Verum est, si fuit publicum c. vel nisi peracta poenitentia 
gravi, et, si duxit dirimetur; et hoc verum est, quando dedit fidem adulter, vel quando 

' Ähnlich in der Gl. ordinaria. 

2 Die Glossa ord. kann diese Stelle vor sich gehabt haben. 



Die Glosse zum Decrkt Gbatians von ihren Anfängen eis auf i>ie jüngsten Ausgaben. 5rJ 

machinatus est viro mortem, etiam hoc tenet ecclesia et nos. gan. lontradicit.' Cod. Mon., 
Wolf. 

13. c. 8. admonere C.xxxlii. q. 2. ,. . . supra xxviii. Q. I. ydolatria contra. Solutio: 
ibi loquitiir de ea, quae semel dimtaxat deliquerat et digne poeniteat, liic de ea, quae 
ampliiis quam semel. Vel illiid est perfectum consilium, hoc avitein de canonum rigore 
cum haec consuetudo consentit et eius auctoritate roboratur. Ga.' Cod. Trev. 

14. c. 21. D.ii. de consecr. ,Nota si aliquis sciret uxorem suam causa incontinentiae 
aceessuram ad adultei'ium nisi petenti uxori in ecclesia redderet debitum, bene posset 
vir uxori reddere debitum in ecclesia necpie propter talem coitum vel semen esset recon- 
secranda. G.'Cod. Trev. 

15. c. 3. D.ii. de cons. ,Hic solet quaeri, utrum illa duo seil, vinum et aqua videl. 
utrum aqua et vinum transeat in alter um i. e. in sanguinem tantum vel in aquam tan- 
tum. Et dicit Gand. quia non, sed vinum tantum in sanguinem et aqua in aquam i. e. in 
talem humoreni aquaticum. Sicuti enim in liumano iiii. liumores sunt sie in coi-pore Christi. 
Unde sie expone: haec tria sunt unum i. e. in uno Cliristo et haec tria sunt tria et 
transeunt in tria, quia vinum in sanguinem, aqua in aquam, panis est corpus. G.' Cod. 
Trev.i 

16. c. 5. D.iv. de cons. ,Potest quaeri, cum non minoris.sunt homines hodie inventi 
quam tunc fuei'unt, quare tunc salvabantur pueri in fide parentum et non modo? Ad 
quod dici potest, quia nee fides parentum salvabat aliquos. Quod autem in hoc capitulo 
lioc pro parvulis sola fides liic intelligendum pro parvulis sola hdes i. e. sacrilicium 
factum in fide parentum, sed sequitur in cap. pro majoribus virtus sacrificii et 
si cui detur idem esse de parviüis et adultis; sed haec est differentia, (piia pro parvulis 
fuit hoc sacrificium oblatum in tide parentum, pro adultis vero sacrificium oblatum in 
lide propria. G.' Cod. Trev. ^ Ibid. ,Mulieres quodam exteriori sacrificio luundabantui- et 
salvabantur; quod quäle fuissct, certum in auctore non reperitur sed tamen ci-edimus ad 
hoc fuisse destinatum. G.' Codex Wolf. 

17. c. 31. ibid. ,ar. (piod baptizatus est, quem sine intentione baptizandi baptizo. 
G.' — Cod. Trev.' 

18. c. 32. ibid.' ,arg. quod degradatus et exauctoratus remanet ordinatus, quia non 
itei-atur ordo in degradato sicut nee baptismus in baptizato. G.' - — (jod. Trev. In drei 
weiteren führt er dies gut aus. Im Cod. AVolf. heisst es: ,hinc collige sacramentum oi-di- 
nis inseparabile. Sicut et baptismus ; unde degradatus retinet ordinem. G.' 

19. c. 41. ibid. ,Aug. dixit super illum locum: quorum remis, p. r. e. etc., quia 
quidam crederent quod propter meritum bonorum dimitteretur peccatuin, dictum est 
primo: accipite s. s., ut ostendatur, quia solus deus peccata dimittit. G.' Cod. Trev. 



' Hier wird Gand. Glosse wöitlicli aiipeliilnt, deslialli konnte auch am Knile seiiiu Sigle stehen. Im Codex Wolf, stellt 
die nicht signirte Glosse: Quaerilur an vinum et aqua transeant in sanguinem tantum vel in ai|uani tantum. Non, sed 
vinum in sang, et a. in a. id est in t. h. a(i. Sicut c. in h. corpore IV. hum. s., sie. i. c. C'h. Unde s. e. Haec t. s. u. in 
uno Ch. et h. t. s. t. et tantum tria, quia v. i. s. et a. in a., panis in corpus convcrtitur.' Pas ist oH'enbar der Wortlaut 
von Gandulphus Glosse. 

2 Im Cod. Wolf, stellt eine nichtsignirte Glosse, aus der diese geflossen ist. Ähnlich lautet der Kingang der (Jl. ord., der 
übrigens nicht dem Barth. Bri.\. angehört, weil ihn weder die Handsclir., noch alten Ausgaben haben. Er dürfte vom 
.■Vrcliidiaconus zugesetzt sein. 

' Eine sehr freie Ansicht, die raotivirt, weshall) Gandulphus traditionell getailelt wird. 

* Ähnliches in der Gl, ord. von ,Joli, Teut. 



54 Jos. Friedrich E. von Schulte. 

20. ad c. 4. J).v. ,Secundum G. sl mulier exigit peccat, sed vir tenetur reddere, 
non peccat in reddendo.' — Cod. Wolf. 

21. c. 71. Cxi. q. 3.' ,Quomodo jurisconsultus rectum vendit consilium, cum non 
debeat dare nisi rectum consilium, et ita non magis pro illo, cui consulit, quam eius 
adversario? G. dicit, quod non magis ipse potest vendere consilium vel advocatus patro- 
cinium, quam iudex iudicium vel testis testimonium. Et hoc secundum leges accipitur. 
Sed nullus cogitur invitus de suo facere beneficium ar. x. q. 2. praecariae., cet. Cod. 
Wolf, Mon. 

22. c. 3. C.xv. q. 6. ,Si licitum iurasti, non te potest papa absolvere a periurio sed 
tantum ab infamia. G. Speciale est nee praestat liic canon generalem absolutionem sie 
iurantibus. Haec enim constitutio non trahitur ad posteros similiter coactos, nisi forte 
ubi iurasent, se daturos de rebus ecclesiae sicut hie. nee infamiam tales ineurrunt, licet 
reatum §. colli, impio. dicitur, ubi aliquid per coactionem juratur. G.' Cod. 
Wolf., Mon. 

Im Cod. Mon. auch eine zu c. 1. C. 18. q. 1; in Wolf, eine zu c. 47. C. IG. q. 1. 

23. c. 31. D.iy. de cons. v. approbandus. ,G. dicit, ita etiam baptismum conferri. 
Quid autem si invitor" quitl autem si dormienti? Dicit quoque quod et illis baptismus 
confertur. Numquid enim, si postea consentiant, illi sunt rebaptizandi? Certe non, sed 
nunquam consensus eos fecit baptizatos. Sed de hoc dubitatur magis, an sint cogendi 
permanere iideles. G. dicit ita: arg. di. xlv. de iudaeis. Item quaeritur, cum ficte acce- 
dit quis ad baptismum, si postea fictionem removet consentiendo, an dimittantur pec- 
cata illius? iiumquid enim actus ille prior, qui propter fictionem non valuit, ad dimit- 
tenda peccata efficitur efficax. propter consensum sequentem dicit G., non secundum 
remotionem fictioiiis abluit peccata in illo qui prius erat baptizatus.' 

Zu c. 54. D.i. de cons. im Cod. Wolf, und Mon. eine mit G. 

II. In der Glossa ordinaria und zwar in Joh. Teut. angehörigen Stellen wird Gan- 
dulphus angeführt : 

1. gl. secundum e. 8. D.xix. 

2. gl. opportuno zu c. 13. D.xxxi.'^ 

3. gl. zu c. 54. C.i. q. 1.^^ 

4. gl. et si in fornicat zu c. 2. C.i. q. 7. 

5. gl. zu c. 5. C.ii. q. (i. 

6. primatus zu c. 8. C.vii. q. 1. 

7. zu c. 71. Cxi. q. 3.* 

8. c. 41. C.xxvii. q. 1. 

9. c. 10. C.xxvii. q. 2. 

10. c. 39. ibidem. 

11. c. 3. C.xxx. q. 4. 

12. c. 2. C.xxxii. q. 1.'^ 

13. c. 13. C.xxxii. q. 2. 

' In der Glossa ord. citirt. 

- Auch von Joli. Andreae 1. c. erwälmt. 

3 Von Joli. Andr. 1. c. erwähnt. 

■• Die Ausgabe von 1671 hat den Druckfehler Cau., die Handschr. (z. B. P.) und Ausgabe (.S. 1471) haben G. — Joh. 

Andr. 1. c. erwähnt die Glosse. 
'■• Von Joh. Andr. 1. c. angeführt; derselbe nennt auch die zwei folgenden. 



Die Glosse zum Decket Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 55 

14. c. 2. C.xxxii. q. 7.' 

15. c. 44. D.iii. de poenit. 

16. c. 3. D.ii. de cons. 

17. e. 8H. ibidem. 

18. c. IG. D.iii. de cons. 
ly. c. 53. D.iv. de cons. 

Im Cod. T. sind mit G. gezeichnet verscliiedene in der Glossa ordinaria befindliche 
z. B. gl. convertimini zu c. 34. l).i. de poen., si Judas ad c. 1. D.iv. de poen. 

in. Aus dem Umstände, dass Stellen, welche in einigen Handscliriften G., in ande- 
ren Gan. Gand. Gandiilphus haben, durcli anderweitige Citate' als Gandulphus ange- 
hörig feststehen, folgt, dass seine Sigle variirt. Es ist aber daraus auch leicht möglich, 
dass sicli Gratianus, der sehr oft nur mit G. bezeichnet wird, eingesclilichen haben kann, 
wo Gandulphus stellen müsste." 

lY. Die zaldreichen Citate für alle Theile des Decrets in der (iflussa ordinaria, die 
vielen nicht in diese aufgenommenen oder in ihr benutzten Glossen in Handschriften bewei- 
sen, dass Gandulphus einen eigenen Apparat zum Decrete gemacht hat. 

V. Betrachtet man seine Glossen, so lässt sich eine eigenthümliche und bisweilen 
gegenüber dem Dogma selbst sehr freie Auffassung nicht leugnen. Liegt hierin einer- 
seits der Grund, weshalb JoliannT*^ Teutonicus so oft gegen ihn polemisirt,^ so lässt sich 
gleichwol nicht verkennen, dass er, wol zum Theil wegen seiner vielen Glossen und 
als einer der ältesten Lehrer des canonischen Rechts eine stete Berücksichtigung fand. 
.Solches wird bewiesen durch die Anführung bei Simon de Bisiniano,' in der Summa 
Lipsiensis," bei Huguccio, durch die Glossa ordinaria, sowie endlich dadurch, dass 
er selbst noch in der Glosse zum Liber sextus angeführt wird.' 

VI. Was die Zeit der Abfassung betrifft, so wäre entscheidend die Lesart des Cod. 
Bamb. P.ii. 27. von Johannes Faventinus Summe, wenn sie richtig wäre.*" Da aber 
andere (Cod. Klosterneub. Nr. ()55.) Gratianus haben, so halte ich dasselbe nicht für 
so feststehend, um daraus zu argumentiren. Gehört das in der Summe Simon's de Bisi- 
niano stehende Citat zum Texte, so wäre dadurch die Glossirung mit Sicherheit in die 
siebziger Jahre des XII. Jahrhunderts zu setzen. Jedenfalls aber fällt seine Glosse spä- 
testens in die achtziger Jahre, weil sie in der Summa Lipsiensis und bei Huguccio 

benutzt ist. 

§. 10. 

6. Meleiulns. 

Im Apparate von Joh. Teut. wird er mit vollem Namen Melendus angeführt: 
1. gl. secundum zu c. S. D. 19." 

' Hier haben die H.indschritten und Ausfi.ibpn liald G. (z. H. von KJTl) bald (ian diilph iis (z. H. ö. 1471, K 1478). 

- Von Huguccio, Johannes Andreae u. p. w. 

' So steht in der angeführten Gl. zn c. houorantur la. C 82. i\. 2., deren Aiitorseliatt auch .loh. Andr. bekundet, in Hand- 
schriften bald G. [Cod. P., darüber geschrieben andulphus], bald Gandulphus, in den 5 cit. alten Ausgaben G., in der 
Lugd. 1671 aber Grat. Da aber Gratian nichts dergleichen sagt, ist auch dadurch Gand. gefestigt. 

' Vergl. mein Lehrbuch Seite 4.3. Ich muss jedoch meine dort ausgesprochene Ansicht .nuf Grund der später gemachten 
eingehenderen Quellenstudien moditiziren. 

■' Mein 1. Ueitrag Seite 33. 

'> Meine Abhandl. Die Summa Lijisiensis S. s ff. 

" Gl. seminis ad c. un. de cousecr. eccl. in (>. III. :il., die ,üich .Joh. An<lr. am a. O. erwähnt. 

s Maassen Beitr. Seite 31. Note 4. Vergl. meine Kechtshandsehriften Seite 586. 

" Auch von .loh. Andreae (Ädditio ad Speculum Gull. Diirantis, proemium) angefühlt. 



56 -ToH. Friedrich ß. von Schulte. 

2. Gl. anathemate zu c. Engeltr. 12. C.fii. (j^. 4.' 

3. gl. ij^iiia utruuique zu 1. in sacram. D.ii. de consecr. 

Bald blos mit der unzweifelhaft auf ihn passenden Sigle M. in folgenden »Stellen: 

1. gl. et si in fornic. zu c. Si quis 2. C.i. q. 7. 

2. gl. in te zu c. 8i peccaverit 19. C.ii. q. 1. 

3. gl. quoties zu c. Omnes ep. 5. C.ii. q. G. 

4. gl. per duorum zu c. praes. 3. C.vii. q. 1. 

5. gl. cum ergo dict. Grat, ad c. miramur C.xxiv. q. 1. 
(j. gl. et in coelis c. legatur 2. C.xxiv. q. 2. 

7. gl. indulgentia zu c. interfectores 5. C.xxxiii. q. 2. 

Aus dem früher angeführten Grunde gehe ich auf ihn nicht näher ein. 

§• 11. 

7. Baziaiius. 
I. Einzelne Glossen desselben. 

1. c. 5. D.xLv." ,Cum nemo possit esse bonus invitus, ut C.xxiii. q. (5. vides, quo- 
modo quis invitus salvabitur, ut hie innuitur? Exponas ergo: non sunt inviti salvandi 
i. e. salvationis missio baptizandi. Vel dicuntur inviti salvari non quod ita sit sed quan- 
tum ad baptizantem, qui ea intentione cogebat, sicut et mali dicuntur sacra merita pol- 
luere, ut C.i. q. 1. quod quidam. Simile C.xxii. q. 2. primum, ubi ad sempiternam 
salutem nullus dicendus est opitulante mendacio. Bar.' — Cod. T., W. (aber blos B.). 

2. c. studeat sanct. tua 39. D.l.'^ ,Licet ex percussione cadens fracta cervice interiit 
si ad mortem percussus non est, non omnino deponitur, sed ad tempus suspendatur, sicut 
et placidius de abortu mulieris excusatur: infra di. e. quantum, quanquam occassionem 
dederit. Unde et dicit pro percussione; per quod patet, eum percussisse, sed quia non 
est ad mortem, non velut homicida judicatur. Quicquid dicatur, sie se habet sententia; 
sed an in lioc dispensatio fuerit, investiga. bar.' — Cod. T. 

Diese Glosse steht ohne Sigle im Cod. Wolf., lautet aber am Ende ,investigata, 
et puto quod fuerit, ut infra di. eadem his qui saepe.' 

3. c. 1. C.vi. q. 4.* ,Cum canones ubi est maior auctoritas, semper eundum esse et 
ad potioris sedis judicia omnes controversias dirigendas praecij)iant, ut di. xxvi. submit- 

' In einigen Ausgaben stellt Meldendus, ebenso bei der folg. stelle Meld. 

2 In dei- Glosaa ord. fehlt die hier gegebene Erklärung total. 

Hnguccio [nach Cod. Bamb. P. II. 28.]: ,sed nullus invitus potest esse bonus, ut xxiu. q. 0. vides, quando ergo 
invitus salvabitur. Sed sie intelligitur: non .sunt salvandi inviti i. e. ad suscipiendum sacramentum salvationis cogendi 
seil, baptismum vel non sunt inviti salv. i. e. salvationis sacrainento baptizardi, et est idem sensus. Vel huiusmodi : 
quia inviti coguntur baptizari, dicuntur inviti salvari, non quod ita sit, sed quantum ad opinioneni baptizantis vel cogentis 
eos ad baptismum, qui ea intentione cogit, quia credit eos sie salvari, sie et mali dicuntur sacra poUuere, quantum in 
ipsis est .... sie et aliquis credit, quod suo mendacio aliquis ducitur ad salutem . . . .' 

' Die Glosaa ord. referirt diese Meinung mit dem ausdrücklichen Anfange: ,Bart. intellexit.' Diese in der Glossa 
ordinaria stehende Glosse steht wörtlich so im Cod. Trevir. mit der Sigle Jo. und dem gleichen 
Anfange: ,bar. intellexit.' Die Schrift ist in beiden Glossen, der mit Jo. und der mit b'ar. gezeichneten, die älteste 
Schrift, welche die Glossen aufweisen. Im Cod. Bamb. P. I. 16. fehlt die Glosse. Huguccio hat dieselbe Meinung, aber 
eine eigentliche Übereinstimmung der Texte liegt nicht vor. Im Cod. P. steht richtig baz., in M. 1472 nur b., in S. 1471 
bar., in B. 1476 b, N. 1483 bar., Rom 1478 bar. 

■"Es unterliegt wol gar keinem Zweifel, dass die Glossa ordinaria ad v. ,advacati. Per papae re'scriptum' diese 
oben abgedruckte Stelle vor Augen hat. Jene Glossa ist gezeichnet Jo.; sie steht auch im Cod. Trevir. ohne Sigle, 
gleichwie die meisten Glossen des Joh. Teutonicus in Pars II. ohne solche sind, ist aber der Schrift nach zu nrtlieilen 
später zugeschrieben, als die mit b'ar. gezeichnete. Im Cod. Bamb. P. I. 16. ist die Gl, per papae res er. auch nicht 
signirt, aber von derselben Hand, ali die meisten Glossen des Joh. Teut. 



Die Glosse zum Decret Gkatians von fuuen Anfängen bis auf dik ji-ngstkn AfsGAUEN. 57 

titur et C.ii. q. G. 1. anteriorum, quomodo episcopis vicinis huiusniodi litigiu decidenda 
mandantur? numquid residebant ut delegati an ut arbitrati? an lieel)at alk-ui, parem 
judicem delegare, cui imperare non potest, ut di. 21. inferior, vel arbitrium in crimi- 
nali eausa eligere, quod non licet, ut C.iii. q. (I. non liceat. An non isti pariter cum 
prioribus judicabunt? An ipsi soli quasi de appellatione cognoscent? ut in fine cap. 
innuitur verbo unius provinciae? Item per quem vocabuntur, per priores Judices an 
per reum? Forte dicatur, eos electos a partibus cum consilio prioi-um quasi ordinarios 
residere, ut C.xvi. q. (3. c. 2., nee videtur inconveniens si ad judicandum vocentur, ut 
C.xviii. q. 2. nullus primas, ubi judicet. Vel dicatur, eos a Romano pontifice dele- 
gatos, qui et huic Constitution! auctoritatem impertivit, ut C.ii. q. G. si episcopus accu- 
satur. Alioquin nee constitutio ista valeret, ut di. xvii. c. 1, 2, nee sententia firmita- 
tem Laberet, ut C.iii. q. 6. accusatus quamvis [c. 5. u. 7.] b'ar.' — Cod. T. 

4. C.ii. q. 7. princ. ,Numquid secundum regulam evangelicam: ,si peccatur frater 
tuus' etc. non poterit laicus vel clericus crimen clerici vel laici ecclesiae denuntiare? 
Utique. Nomine enim fratris omnes fideles intelliguntur ut Cxi. q. iii. ad mensam et 
regula omnes fideles astringit, ut C.xxiv. q. 3, tam sacerdotes et Cxi. (|. 3. praeci- 
pue. Et liaec denuntiatio improprie dicitur accusatio, cum sine inscriptione fiat et tan- 
tum coram judice ecclesiastieo. Bar." — Cod. T. 

5. c. 14. Quamvis C.vii. q. l."* ,Attende ex hoc et cap. eiusdem quaestionis petisti 
[c. 17.], de beneficio vel ecclesia non vacante promissionem licite fieri; proliibetur autem 
hoc in synodo Romano sub Alexander III. c. nuUa ecclesiastiea, et decretalibus eins 
ea quae honestatis, eonsultationibus, quamvis simus. Argumentum est etiam C.xxxi. q. 1. 
relatum et decretalis Alex. III. quoniam sicut. b'ar.'' — Cod. T. 

(i. c. 2. e.V. q. 2.* V. a pace. ,8ciscitare, de qua pace vel communionc loqiiatur; si 
de sacramentorum communione dicatur, vacat, quia cum ingressu ecclesiae inliibita intel- 
ligitur ut C.xii. q. 2. de viro, et C.xxxii. q. 2. latorem, et cui prohibetur munus et 
manus ut di xLÜi. nulli. Si de communione fidelium, quid est, quod in augmentum poenae 
in fine ponitur? Potest autem intelligi de communione mensae et huiusmodi, ut a ceteris 

' Job. Teut. citirt in der Gl. quod vero zu diesem Cajiut (die geradeso in der Gl. ord. .steht) diese Stelle. In einer spä- 
teren Glosse gez. Bar. wird der Gegenstand für die Accusation noch ausgeführt. Die Ausgalien von 1671, N. 1483, B. 1476, 
R. 1478, S. 1471, M. 1472 haben sanimtlich baz. Joh. Andreae I. c. legt ausdrücklich ebenfalls Bazianus die , Summa 
quaest. vii. in sccuuda causa' liei. Es ist also unzweifelhaft, dass bar. auch Sigle für Bazianus ist. 

Taucred bezieht .sich in einer Glosse zu c. 3. de der. aegrot. Comp. I. auf eine Meinung von baz., welche die mit 
liar. signirte Glosse des Codex Trevir. zu c. 4. C.vii. q. 1. enthält. Vergl. meine Literaturgcsch. S. 54. 

2 In der Glossa ord. wird auf diesen Punkt gar keine Küoksicht genommen. Der Cod. Trevir. hat am unteren Kaude aus 
Sichardus das im 1. Beitrage Seite 55. abgedruckte Schema: ,Epispopus cedit,' aber noch etwas erweitert. 

Huguccio: ,Esse ex hoc c. et ea illo infra eadem petisti aperte colligitur, quod de beneficio vel ecclesia non 
vacaute licite fieri potest promissio. Sed prohibetur talis promissio in concilio liom. nuUa et in extra, ea quae 
honestatis, eonsultationibus, quamvis siiuus, quoniam sicut et di. Lxxxix. nullus.' Es liegt auf der Hand, 
dass H. diese Glosse benutzt hat. 

' Der Glossator des Cod. Mon. 10244 hat entweder diese Stelle vor sich gehallt, oder Bazianus seine Glo.sse. Es steht 
nämlich in dieser Handschrift folgende Glosse: ,ar. de beneficio vel ecclesia non vacante licite posse fieri promissionem: 
ar. iufra eadem quaest. petisti. Contra di. Lxxviiii c. II. ar. luntra in con. [cilio] ro.[mano] nulla ecclesiastiea. ar. 
contra infra extra, alex. III. ea quae honestatis, eonsultationibus, quamvis simus, quoniam sicut.' 

^ Die Gl. ord. liat entweder dies oder Hug. vor Augen. Im Cod. Trevir. steht mit jüngerer Schrift, als die mit b'ar. gezeich- 
nete Glosse, auch die der Gl. ord. ,Sed nonne' u. s. w. ohne Sigle, die ofl^enbar Joh. Teut. angehört. Im Cod. Bamb. 
cit. ist die Glosse sed nonne a>ich ohne Sigle, aber von der Hand, welche die des Jo. sclirieb. 

Hug. ,... non potest hoc intelligi do comnuinione et perceptione sacramentorum, quia tunc nulla esset additio poe- 
nae et hoc ideni diceret, quia eo ipso, quod ecclesia interdicitur alicui et officium in ecclesia intelligitnr ei inhiberi et 
perceptio sacramentorum . . . Item non potest intelligi [de] communione fidelium, quia de illa sequitur in fine. Sed dico, 
(juod hoc intelligitur de communione fratrum in mcnsa, in dormitorio et huiusmodi.' 
Denkschriften der pliil.-hist. Cl. XXI. M. Ahliundl. von Nichtmitgliedern. h 



5g Jon Friedbiuh ß. VON Schulte. 

remotus vivat, iit di. lxxxü. presbyter. Arg. et infra e. q. 4. cap. ult. in fine ar. b'ar.' 
— Cod. T. 

7. c. 36. Cxi. q. 3. v. intra anniim.' ,Intentivum respicientibus liquido constabit, 
eiusdem casus et tenoris esse hoc cap. cum sequenti. Asseritur enim in utroque, quod, 
si quis legitime citatus ad causam contumaciter venire noluerit, pro contumacia excom- 
municatur, in agendo principalem causam usque ad annum debet audiri ad instar eius, 
qui possessionem infra annum recuperat, ut in decretali Alex. III. dilecti ßlii, et ad instar 
eius, qui conditionem suam infra annum novo pontifici manifestare praecipitur, alias 
redigendus in Servituten!, ut C.xii. q. 2. longin qui täte. Quod autem in principio cap. 
dicitur convictis vel confessis interpretative intelligendum est. Jura enim contumaces 
convictos vel confessos interpretantur, ut C.iii. q. 9. decrevimus. Vel dicas, boc cap. 
de infamato loqui, qui licet se purgare non voluit, tamen excommunicatus pro purganda 
innocentia usque annum expurgatur. Et si alibi de quinquennio dici videatur: C.ii. q. 5. 
cap. ult. pro hoc casu facit, quod in cap. dicitur innocentiam suam asserere et pur- 
gare et de satisfactione vero contumaciae audiatur quandoque iuxta illud: ,quacunque 
hora conversus fuerit peccator et ingemuerit vita vivet et non morietur.' Si autem in 
casu assumistis proposito hoc cap. intelligatur est legum contrarium G. ad leg. Com. 
de fals., querela, et vacat solutio, qua dicitur, istud intelligendum, quando reus nee 
excommunicationis nee condemnalionis spernit sententiam. Si enim condemnationis sententiae 
paruit, quomodo lata est in eum excommunicationis sententia, cui parere debuit? Non est 
ergo inconveniens, si contumax elapso anno pro crimine condemnatur, ut C.xxiv. q. 3. de illi- 
cita, et infra annum vero condemnari de crimine non potest. Alioquin usque ad annum non 
expectaretur, ut hie dicitur, cum sententia [in] contumacem lata nee per appellationem 
retractaretur, ut praedicto cap. de illicita et C.xxix. q. 6. §. definitiva. b'ar.' — Cod. T. 

8. c. Alius 3. C.xv. q. 6. v. deposuit.^ ,Nonne rectius erat ei coadjutorem dare, ut 
C. 7. q. 1. quia frater, quam innocentem licet inutilem deponere, ut C. 7. q. 1. quam- 
vis? Sed forte non erat innocens, unde et in c. dicitur non tam pro suis iniquitatibus q. d. et 
pro suis iniquitatibus et quia inutilis erat. In historia etiam Francorum de eo dicitur, quod 
ütio torpcns cum mulieribus dissolute vivebat. An liceret papae comitem vel inferiorem quem- 
libet sine consensu principis in simili casu deponere, cum hoc ei liceat de principe? Annon 
Omnibus praeest et in omnes plenitudinem retinet potestatis? Non videtur, quod liceat, unde 
et metropolitanus potest de suis episcopis judicare, ut c. II. q. 7. metropolitanum non, 
tamen de corum clericis, ut C.ix. q. 3. conquestus. Bar.' — Cod. T. 



' In der Glossa ord. des Barth. Brix., welche ohne Sigle gerade so im Cod. Trevir. von späterer Hand als die obige 
steht, wird die eine Meinung: es rede das Capitel de clerico iui'araato, dem Petrus Hispanus zugeschrieben; vorher 
werden aber daselbst dafür quidam angegeben. Dass die 61. ord., welche anfängt ,id est post alia statuta' von 
Job. Teut. herrührt, könnte daraus gefolgert werden, dass das Citat im Cod. Trevir. lautet: ,quod tamen hie dicitur 
de anno videtur correctum extra III. de clericis non resi. ex tuae.' [Im Cod. Trevir, hat Jemand, der das Citat nicht 
mehr verstand, unter die drei Einer des III. je ein Punkt gemacht, wie das öfter geschehen ist.] In der Glossa ord. ist 
dies Citat gleich allen anderen auf die Decretalen Gregor's IX. umgeändert mid lautet schlechthin: , extra de der. resid. 
ex tuae.' Im Cod. Bamb. P. I. 16. ist die Glosse nicht signirt; sie kann also auch von Bartholomäus Brix. herrühren, 
ist aber nicht von jener Hand, die dessen Zusätze schrieb. 

Hnguccio hat einzelne Partien wörtlich gleichlautend, andere referirt er inhaUlich so mit ,alii dicunt' n. drgl., ins- 
liondere die über die Anwendung auf die clerici infamati. 

2 Die Glossa ord. ist bei diesem Cap. unendlich mager. Auch der Cod. Trevir. enth.ält keine andere Glosse von Job. 
Teut., ebensowenig Bamb. P. I. 16. 

Was Huguccio zu dieser Stelle ausführt, enthält so sehr Alles, dass entweder die obige Glosse ein Excerpt daraus 
sein, oder Hug. dieselbe erweitert haben muss. Letzteres ist unzweifelhaft. 



Die Glosse zum Decrkt Gkatians von ihhen Anfängen bis auf ihk jüngsten Ausgaüen. 59 

9. c. cunctis 41. C.xvi. q. 1. v. uticpic' Quid ergo de sacerdotibus scolasticis et 
aliis extraneis dicetur, qui sine licentia dioecesani episcopi vel speciali liuc ugunt? Sed 
determina: nisi ad hoc fuerint ab aliis invitati, in quo casu excusantur, ut ar. supra ix. q. 2. 
null US primas. B'ar.' — Cod. T. 

10. c. 81. Tres sunt. D.i. de poen. v. et oppriiuent.- ,Cum venalia et niinutu pee- 
cata in purgatorio consumantur, sie tarnen, ut is, qui purgatui-, sit salvus quasi per ignem, 
ut di. XXV. §. eriniinis, c. quilibet et c. qui in aliud, quomodo verum est, quod gra- 
vent et opprimant sicut unde aliquod grande peccatuni? Sed hoc ad contenitores vena- 
lium referatur, qui, dum ex eontemtu venialia committerc non formidant, aetcrnae dam- 
nationis merito maculantur secundum illud: ,vitasti grandia, cave, ne obi-uaris arena' i. e. 
contemtu arenae seil, venialis peccati et di. xxv. §. nunc. Nulluni peccatum est adeo 
veniale, quod non fiat criminale dum placet i. e. cuius placitum non sit ci'iminalc. Et 
ibidem ebrietas, si sit assidua i. e. contemtus ebriandi dicitur mortale peccatum. b'ar.' 
— Cod. Trev. 

11. zu c. 88. ib. hat der Codex ßamb. P. I. IG. die in der Glossa ord. stehende 
,Deus quem' genau so, ohne Sigle; im Cod. Trevir. steht sie gleichfalls ohne Sigle, 
ausserdem aber noch folgende, die, soweit sie mit der Ordinaria übereinstimmt, durch 
den Druck ausgezeichnet werden soll : 

,Deus enim, quem non fallit peccati qualitas neque peccantis affectus 
[Gl. ord. schiebt hier ein: ut 24. q. 3. cap. deus, quando. Im Cod. Wolf. äff. non autem 
de poenitente vel in poenitente promit sent.] veram de inpenitente [Gl. ord.: poe- 
nitente] sententiam promit. Sacerdos [Gl. ord.: ,sed presbyter, qui] autem, quia pro- 
positum mentemque alterius videre aut cognoscere non potest, talia confitentis 
verba judicans [Gl. ord.: judicatj qualia foris sonant, [Gl. ord. schiebt ein: unde] 
indignum frequenter absolvit ut C. 24. q. 3. deus cui, et C. 22. q. 5. humanae. 
Alioquin verum non esset [Gl. ord. dazu: quod hie dicitui'] cum apud deum nul- 
las pa.tiatur veniae moras peccatoris conversio, ut (■. 26. q. ß. liis (jui in tem- 
pore et supra di. eadem multiplex. Yel hoc ad temporalem poenam referatur; 
licet enim peccatum dimittatur, ne homo a percipienda [Gl. ord.: ab accipienda] 
vita impediatur aeterna, ut supra eadem di. sicut primi, nequaquam tamen pec- 
cato parcitur [Gl. ord.: non tamen si peccato parcitur, poena remittiturj, quia nulla- 
tenus sine vindicta laxatui-, sicut [Gl. ord.: sicut patet in David, ut supra c. d. c. si 
peccatum]. David post confessionem a propheta velut a sacerdote audivit: ,dominus trans- 
tulit peccatum tuum', et inde multis post cruciatibus afflictus reatum culpae, quam per- 
petraverat, solvit, ut supra eadem dist. si peccatum David. Baj-.' Dass aus dieser Glosse 
die Ordinaria geflossen ist, kann wohl keinem Zweifel unterliegen.'' 



' Uie Gl. ord. liicrzu scheint ganz B.-utli. Biix. anzug-ehnren, da weder Cod. Bamli. P. I. 16, noch Trevir. 906 eine 
mit Jo. signirte dazu hat, auch in lieidcn die Glossen, wie sie in der Ord. .stehen, von jüngerer Schrift sind. Das Decre- 
talencitat der Gl. ord. [ut extra de cleric. peregr. c. 3.], welches im Cod. IJamli. lautet: , extra de der. peregrin., 
tuae fraternitati,' im Trevir. ,extra III. [der spätere Besitzer hat wieder interpunktirt III. de clcr. peregr. c. ult.,' ist 
d:is cap. ultimum [2.] des Titels I. 16. der Comp. III. oder cap. 3. x. de der. peregr. I. 22. 
Ans Hnguccio ist dies nicht entnommen, obwohl dersellie den Sinn gibt. 

- Mir ist sehr wahrscheinlich, das die Glossa ord. anfangend ,illa multa' die obige vor Angen hatte. Jene ist in Trevir. 
und Bamb. nicht signirt, aber wol sicher von Joh. Teut. 

' Der Codex Trevir enthalt noch mehrere Dutzende von Glossen mit der Sigle bar., von denen keine in der Ordinaria 
als dem Bart ho loni iius Brix. gehörig liezeichnet ist, noch auch ihm nach seiner ganzen Methode beigelegt werden 
kann. 

h* 



60 JoH. Friedeich K. von Schulte. 

Ausser diesen enthalten verschiedene Handschriften noch Glossen, welche in die 
(Jrdinaria ohne Bazianus' Sigle aufgenommen wurden. So die gl. operatrix culpae zu 
c. 25. D.iii. de poen.^ 

II. In der glossa ordinaria wird Bazianus noch erwähnt: 

1. gl. audiat zu c. 5. D.xxxii.^ 

2. gl. pecunia tua zu c. 11. C.i. q. 1.^ 

3. gl. illi zu c. 43. ibid. 

4. gl. ad sacerdot. zxi c. 1. D.ii.* 

5. gl. qui crimen c. <j. C.vi. q. 1." 

6. gl. revertaris zu c. 41. C.vii. q. 1. 

7. arceri zu c. 42. Cxi. q. 3. 

8. fornicat zu c. 4. C.xv. q, 1. 

9. Dict. ad c. 10. C. 24. t|. 1. v. effectum. 

10. desponsatam zu c. 27. C.xxvii. q. 2.^ 

11. qui dormierit zu c. 30. ibid. 

12. nunquam c. 2. C.xxxii. q. 7.' 

13. virum zu D.i. de poen. in princ* 

14. conjugium zu c. 3. C.xxxiii. q. 5. 

15. confessi zu c. 4. C.xxxv. q. 6.'' 

16. domum zu c. 9. D.i. de consecrat. 

17. quia utrumque c. 1. D.ii. de cons. 

18. calix zu c. 2. ibid. 

19. zu e. 19. ibid. 

20. zwei zu c. 27. ibid. 

21. c. 46. ibid.»" 

22. c. 36. D.iv. de cons. 

23. gl. redeuntibus zu c. 41. ibid. 

24. zu c. 100. D.iv. ibid. 



1 Im Cod. T. hat sie erst die alte Sigle b'ar gehabt, später ist h. zugesetzt worden; im Cod. P. ist blos h. In allen t'iint' 
angeführten alten Ausgaben hat die Glosse am Ende b., Bartholomäus gehört sie entschieden nicht an. 

2 Im Cod. T. ,bas. tamen dicit,' P. ,Baz. bene dicit,' alle fünf Ausgaben haben baz., die Glosse als die von Jo. und den 
Schluss mit b. In anderen Ausgaben steht Barth., so in der von 1671. Da nun Joh. sich nicht auf Barth. Brix. berufen 
kann, da Barth. Brix. diese Glosse ergänzt, in der Baz. vorkommt, da Handschriften und die alten Ausgaben Baz. hatien: 
so ist Baz. unzweifelhaft gemeint. . 

s Im Cod. T. baz., P. bar.; die Ausgaben M. B. haben mit den meisten baz.; S., R. u. N. bazi. Auch Joh. Andreae 
1. c. erwähnt diese Glosse. 

* In den Handschriften und Ausgaben Baz., auch von Job. Andreae 1. c. erwähnt. 
5 In T., P. und den Ausgaben Baz. 

'' Auch von Joh. Andreae erwähnt. 

■> Erwähnt von Joh. Andreae, so dass die Autorschaft ausser Zweifel ist. Da aber einige Handschriften und Ausgaben 
(z. B. 1671, B. 1476) bar. haben, die meisten (z. B. S. 1471, M. 1472, R. 1478, N. 1483) baz., so ist die Sigle bar. als 
gleich mit baz. erbracht. Diese Stelle ist noch anderweit interessant. Einige Handschriften (z. B. P.) legen die Glosse 
bei la., die meisten Jo., von den fünf alten Ausgaben hat die älteste S. 1471 weder Joh., noch Barthol. Sigle, die vier 
anderen am Ende Jo., nach dem Citat B. (B. 1476 aber bar.). Die Sigle 6. geht auf Gandulphus, den R. 1478., 
S. 1471, N. 1483 mit vollem Namen anführen, wie auch Joh. Andreae ihn daraus anführt. 

* Diese und die in num. 14. 16. 21. erviähnt auch Joh. Andreae. 

^ Dies ist eine selbstständige Glosse von Bazianus. Da sie in den alten Handsciu-iften und in S. 1471, R. 1478, N. 1483 
fehlt, in M. 1472 und B. 1476 mit ,secundum baz.' gezeichnet ist, halte ich sie für einen späteren Zusatz nach Baz. 

'" In der ersten Gl. quid est daselbst haben M. und B. baz., die drei anderen alten Ausgaben b.. zur zweiten Stelle daselbst 
liaben sie blos b. 



DiK GiiOssK zi'M Decket Gkatians von ihren Anfängen kis auf die jüngsten Ausgaken. 61 

25. zu c. 117, ibidem. 

26. coiTuptio zu e. 140. ibidem.' 

Die Menge dieser Citate, welehe auf unbedingte Vollständigkeit keinen Anspruch 
machen, erklären sieh aus der Reichhaltigkeit der Glossen, wie sie alte Handschriften 
noch enthalten. 

III, Es entsteht nun die Frage: gehören die mit Bar. signirten Glossen Bartholo- 
mäus Brixiensis an oder nicht? wenn nicht, wer ist der Bar.? 

Bartholomäus von Brescia hat als Doctor zur Zeit Gregor's IX. seine quae- 
stiones dominicales gehalten." Diese fallen nach 1 234 , weil die Gi-egorianischen Decre- 
talen darin benutzt sind, folglich zwischen 1234 und 1241. 21. August (Todestag Gre- 
gors IX.). In der Glossa ordinaria citirt Bartholomäus die Quaestiones,'' Jedenfalls 
fällt darnacli die (jlossa ordinaria frühestens in das Ende der dreissiger Jahre. 

"Wenn nun die abgedruckten init Bar. bezeichneten Glossen dem Bartholomäus 
Brixiensis angehören, sind sie entweder vor oder nach der Vollendung des Apparatus 
gemacht Avorden. Letzteres ist unmöglich anzunehmen. Denn es ist gei-adezu unglaub- 
lich, dass Bartholomäus, nachdem er einen vollständigen Apparat überarbeitet hatte, von 
Neuem einzelne Stellen zu glossiren angefangen haben sollte. Auch Hesse sieh nicht 
begreifen, wie derselbe alsdann die spätere Rechtsentwicklung so vollständig hätte igno- 
riren können. AVie war es z. B. möglich, in der Stelle sub num. 1. das cap. majores 
3. X. de bapt, [Comp. III. c. 1. eod. tit.], bei num. (3. das cap. 11. ex tuae x. de der. 
non resid. III. 4. [Comp. III. c. 3. cod.], welches den Zeitraum von einem Jahre auf (i Monate 
herabmindert, — für num. 8. das cap. tuae fraternitati 3. x. de der, peregr. I. 22. [c. 2. ib. 
Comp, m.] zu ignoriren, da sie ja in der Glossa ordinaria citirt sind. Wenn sie 
vor den Apparat fielen, so wäre es in der That merkwürdig, dass Bartholomäus 
Brixiensis nicht seine theilweise xmifassen deren Glossen aufgenommen, soiulern sieh mit 
der Reproduction und Ei-gänzung fremder begnügt hätte. Es stimmt das mit seinem 
ganzen AYesen nicht, das vielmehr auf stete Hervorhebung der eigenen Leistungen ge- 
richtet ist. Sorgfältig hebt er in der Glosse jeden von ilnu lierrührenden Zusatz^ hervor; 
bei jeder Schrift, die er überarbeitet oder verdorben hat, wird seine Thätigkeit auseinander- 
iresetzt. Und nun sollte man hier auf einmal annehmen: entweder er habe seine eigenen 
Arbeiten ignorirt, obwol dieselben trefflich waren, oder er habe seine Thätigkeit nach 
Abfassung der Glosse darauf verwendet, zum Decrete noch (Tlossen zu Jiiaehen, welche 
für den von ilim doch gewiss gewollten und angenommenen Eall der Anerkennung seiner 
Glosse höchst überflüssig waren und Avahrscheinlich ignorirt Averden musstcn. 

Bartholomäus Brix. sagt in der Einleitung zu seinem Apparate: ,Quoniam novis 
supervenientibus eausis, novis est remediis sueeurrendum : idcireo ego Bartli. Brix. . . 
apparatum decretorum duxi in melius reformandum, non (h'tralieiidti aliriii. nee attri- 



I Da in Handschrit'teu {■/.. B. P.) diese Glosse felilt, in den Ausg.aben S. und N. keine .Siple, in >I. nnd H. .Sfciniduni I.. et I.. 
in R. l)los h. steht, halte ich mindestens die Siglen für einen späteren Zusatz. 

Andere Citate mit B. (z. B. gl. persona princ. qii. 1. C. 29, ad c. 30. D.iv. de cons.) gehen wol aueh auf ihn. 

- Vorrede: , ... ad honorem ... et ecclesiae Rom., cui praesidet Gregorius nonus . . .ego Barthol. Hrix. inter docto- 
res juris minimus' [Cod. Vindoli. 2071, 2159, Bamli. P. II. 23. gleichlautend]. Sie sind mit den veneriale.s in den- Hand- 
schriften regelmässig verbunden, letztere haben keine besondere Vorrede. Beide bilden ein Werk und werden auch schlcchtwej: 
als Quaestiones citirt. 

3 Dieser Punkt wird unten §. 20. ausführlich bewiesen werden. • 

' Siehe unten Cap. l. §. 18. 



Q2 Jon. Friedrich R. von Sl'hulte. 

buendo mihi glossas, quas non feci, sed supplendo defectum soluramodo , ubi 
coiTCCtio necessaria videbatur, vel propter subtractionem decretalium, et diminu- 
tioneiB earundem, vel propter jura, quac supervenerunt de novo. Interdum etiani 
solutiones interposui, quae praetermissae fuerant a Johanne?' Diese Worte ergeben doch 
deutlich: 

1. Die Verbesserung besteht in Ergänzung der Decretalencitate, welche ausgelassen 
oder ungenügend waren, sodann weiter in Ergänzung durch die Anführung der späteren 
Gesetze; bisweilen im Beifügen der solutiones. 

2. Zu vermuthen ist, dass die Glossen Barthol. nicht angehören, sondern von Johan- 
nes oder anderen herrühren. 

Dass er selbst glossirt habe, sagt er mit keinem Worte. Wie stellen sich nun 
zu der eigenen Erklärung desselben die zahlreichen mit bar. gezeichneten Glossen, von 
denen oben eilf mitgetheilt sind. Gerade das, was ihn bewog, den Apparat des 
Johannes zu reformiren, fehlt hier. Zu diesen Gründen kommen noch folgende, 
welche meines Erachtens die Möglichkeit ausschliessen, den Bartholomäus von Brescia 
für ihren Verfasser zu halten, nämlich: 

1. Die in der Anmerkung zu num. 2. angeführte Stelle der Glossa ordinaria, welche 
von Joh. Teutonicus herrührt und beweist, dass derselbe sie gekannt liabe. Es ist 
nun unzweifelhaft,' dass Joh. Teut. seinen Apparat vor dem zur Comp. IV. gemacht 
hat, ja auch vor dem Concil von 1215. Bartholomäus Brix. war Schüler von Tancred" 
Hugolinus, Laurentius Hispanvis, mit denen Johannes Teutonicus gleichzeitig in 
Bologna lehrte. Hieraus ergibt sich die volle Un Wahrscheinlichkeit , dass Johannes 
Glossen des Bartholomäus benutzt habe, ja, dass solche überhaupt vor seinem Apparate 
existirten. 

2. Die mit bar. signirten, oben mitgetheilten Glossen citiren nur — dasselbe trifft 
bei allen im Cod. Trevir. und Bamb. befindlichen zu, soweit nicht auch Zusätze von 
Bartholomäus Brix. mit Bar. citirt sind — Decretalen, welche in der Comp. I. stehen, 
niemals aber nach Titeln, sondern nur mit dem Namen des Papstes und dem Initium, 
gerade wie alle vor die Comp. I. fallenden Glossatoren regelmässig thun." Nach dem 
Erscheinen der Comp. III. und IL pflegte man nur mit dem Titel und Zusätze , extra 
I. II. III. oder liber I. II. III.,' nach dem Erscheinen der Comp. I. und vor dem der 
folgenden schon sehr bald nach dem Titel und mit dem Beisatze x. zu citiren. Hieraus 
glaube ich schliessen zu dürfen, dass die Glossen vor die Comp. 1. fallen, mindestens 
mit derselben gleichzeitig sind. 



' Siehe Cap. 3. §. 17. 

- In dem Zusätze zur Glosse liic lialies v. semel zu c. 3. C. 3. q. 3., die sowohl im Cod. Bamli. als Ti-evir. nur l)ig 
a iure die alte Schrift hat nnd mithin Joh. Teut. gehört, während der Zusatz im Cod. Trevir. als ,aditio' bezeichnet, 
hier und im Cod. Bamb. an anderer Stelle mit einem asteriscus steht, in Trevir. mit B., Bamb. mit bar. signirt ist. 
heisst es: ,h. dominus mens.' Dass dies Citat nur auf Hugolinus geht, zeigt Savigny V. S. 47 ff. (cf. mein Lehi- 
bneh S. 57 Note 6.). In der zum §. cum vero ad dict. Grat. ibid. steht im Cod. Trevir. ausgesehrieben: ,per Ugolinum 
dominum meum.' Daselbst Gl.' fideiussione hat die Ord. ,et ita semel Tancredus respondit in scliolis.' Die beiden 
genannten Codices weichen ab; die Zusätze haben nämlich: ,et ita semel respondi in scholis' Trevir., ,et ita semel fuit 
responsum in scholis' Bamb. 

3 Audi Huguccio citirt in derselben Weise. Dass er aber die Comp. I. kannte, geht nicht so sehr daraus hervor (Maassen 
Beitr. Seite 45 hebt auch dies Argument hervor), dass er die Stücke von zerrissenen Decretalen citirt, als daraus, dass er 
in die Comp. I. aufgenommene Stücke aus Burchard als Extravaganten citirt. Ich habe kein solches Beispiel in einer 
Glosse von Baz. gefunden. 



Die Gt.ossk zum Decket Gratians von ihren Anfängen bis äff hie jüngsten Ausgaben. 63 

3. Wie schon hervorgehoben wurde, wäre unbegreitiicli, dass nach 1210 ein Glossa- 
tor nicht die einschlägigen Decretalen der Compilatio II. und lil. citirt Jiätte, 

4. Die völlige xibwesenlieit der meisten Glossen in der Urdinaria liefert einen wei- 
teren Beleg. 

ö. Im Codex Trevir. ist genau unterschieden zwischen ilen Zusätzen des Ijartii. 
ßrix. und diesen Glossen. Jene sind entweder gar nicht oder mit b., b., B. bthol. be- 
zeichnet, falls sie niclit selbst sich mit ,ego Barthol, Brix.' einleiten; sie haben aus- 
nahmslos eine andere Schrift, so dass unzweifelhaft ist, dass sie aus Codices der Urdi- 
naria zugeschrieben Avurden. Die mit bar. signirten tragen die älteste Glossenschrift, 
stehen regelmässig an einer solchen Stelle, dass man sieht, sie sind zugeschrieben wor- 
den, als man noeii über den vollen Raum verfügen konnte; ihre Schrift und die jener 
(blossen, die zum Theil Job. Faventinus angehören und auch mit .)o. gezeichnet sind, 
ist identisch. 

Ich habe absichtlich wegen der Bedeutung und Menge solchei' Glossen und weil 
bislier über Bazianus ausser den Notizen von Johannes Andreae wenig bekannt war, 
ausführlich dargethan, dass die in Handscliriften, welche ältere Glossen als die Urdinaria 
haben, mit Bar. Bart. Bartli. gezeichneten nicht Bartholomäus Brixiensis angehören. 
Dass sie aber Bazianus angehören, ist bewiesen: 1. (birch das Zeugniss von Joh. 
Andreae für neun derselben, 2. durch die Autorität verschiedener Handschriften, 3. durch 
die der genannten fünf alten Ausgaben. Zugleicli ist festgestellt , dass die Sigle von 
Bazianus ist baz., bas., bazi., bar., bart., barth., b., so dass die blosse Sigie hier wie 
überhaupt öfter gar nicht entscheidet.' 

Bazianus^ starb am 25. Januar ll'J7, wai- geboren zu Bologna und daselbst Cano- 
nicus. Da Hui>-uccio'' in seiner Summe wiedei'holt Meinuno-en desselben anführt, mithin 
Bazianus' Glosse vor Huguccio's Sunnne fällt, welche nicht gut frülier, als in den ersten 
neunziger Jahren des 12. Jahrlumderts vollendet sein kann;^ da Bazianus, wie 
die Art seiner Citate ergibt, die Comp. 1. nielit gekannt hat; ' da in Bazianus' Glossen 
jüngere Deci'etalen, als von xilexander III. nicht vorkommen;'^ da die ältesten Glossa- 
toren der Comp. I. ihn l)ereits kennen:' so seheint imzweifelhaft Bazianus' Thätigkeit 
als Glossator in die achtziger Jahre» des XII. Jahrhunderts zu fallen. 



' Einen Zweifel boten vor Baitli. lirix. diese Siglcu niclit; eliensowonig nachher, weil sich unten zeifjcn wird, dass es keinem 
Zeitgenossen zweifelliaft sein konnte und anch jetzt eine leichte Sache ist, die Autorschaft des Harth. lirix. zu erkennen. 
Die Sigle bar. für Uazianus findet sich anch beim Arehidiaconus und zwar in ganz unzweideutigen Stellen, im Gegen- 
satze zu Barth, lirix. z. li. zu c. 3. C.iii. c|. 2. et ;i. v. testium examiuanda: , causam nuae in rebu.s et personis 
consistit seeundum bar. et b' b'. (Ausg. s. 1. et a. et typ. n. bei Hain 2713). 

Im Cod. Hai. Ye 52. [meine Äbhandl. Literaturgesch. der Comp. ant. Seite 32] stellt die Sigle bar., die nur auf 
üazjanus gehen kann. Vergl. die Seite 57. Anmerkung 1 citirte Stelle. 

-' Sarti I. pag. 292 sqq., der die Grabschrift mittlieilt und ein Urtheil desselben vom .1. ll'J4. Vorgl. auch v. Savigny 
lid. 4. Seite 291; Note h. 

' Dass er wie in der Grabschrift, so auch in llaudsclu'iften der Sunnna liasianus heisst, hebt Sarti hervor. Durantis 
kennt ihn nicht, was bereits .Toli. .Vndreac monirt; Dipl ovataccius (bei Sarti II. p. 255) ist über ihn gänzlich im 
Unklaren. 

' Ich muss an diesem Orte auf Maassen Beiträge Seite 42 ft'. verweisen, der die Kenntniss H. von der um 1189 oder 
1190 gemachten Compilatio prima aus der Summe nachweist. 

' Ich führe dies Argument nicht .als ein allein beweisendes an, weil mau sagen könnte: für Citate anderer bot sich keine 
Gelegenheit, folglich durch Erörterung aller Glossen dieser Einwand entkräftet werden müsste. 

''■ Man vergleiche nur, um sich davon sofort zu überzeugen, die Citate der oben nuni. 6. 8. mitgetheilten Stellen mit den 
correspondirenden von Huguccio. 

■ Meine Lit. Gesch. der Comp. ant. S. 43, 43. 



g^ JoH. Feiedeich K. von Schulte. 

Von seiner in der Grabsclirift hervorgeliobenen Tliätigkeit als Civilist ist so wenig 
bekannt, als von sonstigen canonistisclien Arbeiten desselben. 

§. 12. 
8. Petrus. 

1. c. Si quis irascitur C. lo. ij[. 1. v. putet: ,Infra xviii. q. 4. si quis contra. Sed 
ibi fuerat ingressus monasterium, hie non. Vel aliud est, cum ex calore iraeundiae, aliud 
ex animi deliberatione boc facit vel ad exhortationem. Augustini magistri detenninatio 
praeiudicat autentico. p.' Cod. Mon. 

2. pr. C.xv. q. 2. ,Ita quidam dabant episcopo huiusmodi niunera ut possent eccle- 
siasticum beneficium consequi: lioc probibetur et detestatur in c, ne fiat, quemadmodum 
iudicium saecularium pro impensis patrociniis, quantum seil, sit de re. in fine. p.' Cod. 
M o n. 

8. c. De filia 2(i. v. receperunt C.xxvii. q. 1. ,Ex boc volunt quidam, quod nee 
pater nee niater filio cxcommunicato, nee vir uxori excommunicatae tenetur eommunicare. 
infra de omnibus superioribus personis respectu inferiorum dicentium videtur S.xi. q. o. 
quoniam multos contra. Solutio: uxores viris et filii parentibus subditi sunt. p. Unde 
ab illis coerceri et corripi debent, ne in causam anatliematis incidant. Unde illorum 
eonsensus pari poena est pleetendus; seeus e converso. Vel dicatur: receperunt i. e. adeo 
dilexerit, quod moerore foveat, et secundum lioc non est contra quoniam. Sed quia saepe 
contingit, quod monasterium arguitur negligentiae, ideo in hoc capitulo praeeipitur, in 
districtius monasterium retrudi, negligentiae non arguitur, in suum retrudi debet, in quo 
casu capitula loquuntur. p.' Cod. Mon., Wolf. 

4. c. Idolatria 5. v. quia permisit C.xxviii. q. 1. , Infra xxxii. q. 7. apostolus, 
J.xxxii. q. 1. dixit contra. Sed quod ibi dicitur verum est, quando vir retinet meretri- 
cem; tunc enim patronus turpitudinis est ut C. eadeni q. eadem c. 1. p.' Cod. Mon., 
Wolf. 

5. pr. C.xxix. q. 1. ,Nisi talis sit qualitas, quae impossibilitatem coeundi contineat, 
ut si qua spadoni nubat credens illum potentem, p.' Cod. Mon., Wolf. 

ü. pr. V. origenarius C.xxxii. ,i. e. servi sobolem namque suam in potesiate habe- 
tur origenarius. p.' Cod. Mon. 

7. q. 1. c. 9. .i. e. ea virtus, quae crimen excindit, efficit innocentem. p.' Cod. 
Mon., Wolf. 

8. c. 9. C.xxvii. q. 1. v. tectae: ,id est, quae nondum conseeratae sunt, p.' Cod. 
Wolf., Mon. 

9. c. 9. cit. V. semper. ,i. e. quae votum perpetuae continentiae absque susceptione 
sacri velaminis fecerunt. p.' Cod. Mon. 

10. dict. princ. ad c. 45. C.xxvii. q. 2. v. baptisma: ,arg. infra de cons. d. iv. 
non dubito. Contra j. de cons. d. iv. baptismi vicem. contra si per fidem contempto 
baptismo peecata non remittuntur, ut ex illo cap. habetur, p.' Cod. Wolf. 

11. c. 7. §. 1. D.ii. de cons. v. botrus. ,Hic iteruni respondet quartae quaestioni, 
ubi innuitur, quod, sicut ipsi, qui botrum offerebant, solum vinum offerre videbantur, 
ita qui pannum intinctum lavabant, ipsam aquam solam offerebant; unde contra evange- 
licam formam offerentes non conficiebant quidem; si aqua vini saporem amiserit ex panno, 



Die Glosse zum Decket Gkatuns von ihren Anfängen bis auv die jüngsten Ausgaben. 65 

non tum est viniim, quia aliimde non vero ex vino taleni amisit saporem ideoqiic non 
consecrabltiir in sanguinem. p.' Cud. W. 

12. c. 2'J. D.i. de cons. ,Removet pravam et superstitiosam consuetudinem qiiorun- 
dam panem et vinum defuncto in sepiilcliro apponentiuni. Hot" enim est creatui-ae imolare 
et ergo idolatria. p.' Cod. Mon., Wolf. 

13. c. 44. ibid. ,Sed numquid conficiebantur utique nunc, aut <|uid? Et quidem iieri 
non debet contra honestam sacrorum canonuni auctoritatem, quam habemus infra c. prox. 
sed si fiat, seil, ut in vase ligneo aut vitreo quis conficiat corpus Christi, in communi 
erit ipse de tanta praesumptione arguendus. p.' Cod. Mon., Wolf. 

Zur selben Dist. noch vci'schiedene im Cod. Wolf, und eine in Mon. 

§. 13. 
Glossen nicht g c n a ii zu b e s t i ni m e n d e r Verfasser. 

9. S. 

1. C. 33. q. 1. pr. ,Videtur ergo, quod mulier teneatur reciperc viruni adulteruin 
post poenitentiam peractam. Contra supra xxxii. Q. i. c. de benedicto. Solutio. Hie etsi 
fornicationem committeret non poterat ab uxore dimitti, cum et ipsa fornicationem 
commiserit, quae vLro vivente alteri sc coniunxit. Unde cum par sit eorum conditio, non 
potest alter propter hoc dimittere alterum. Contra C. proxima Q.vi. cap. I. et in extra, 
significastl.' Vel mulier cogi debet ad continentiam, si post poenitentiam non vnlt recon- 
ciliari priori viro. Unde apostolus: ,aut reconcilietur viro, aut maneat innupta. *S'.' — 

Cod. T. 

2. c. 5. C. 33. q. 2. ,adulterarum. non quin tunc pcccaverit, sed <|uia invitus ut 
C. de adult., Gracchus. ^'.' — Cod. T. 

3. c. Ii. ibid. V. gladium. ,l)i.x. c. de capitulis contra. Sed hie de legibus, quae 
contradicunt canonibus agitur, ibi vero de illis, quae canonice consonant aequitati. Vel 
]iic de meris rebus ecclesiasticis, ibi de mixtis. Ä' — Cod. T. 

4. c. 2. C. 21. q. 5. v. imperialibus." , Petendo Cognitionen! publicorum iudiciorum; 
episcopale enim iudicium ab imperatore potest impetrare ut supra Cxi. (|. I. c. placuit. 
N.' — Cod. T, Im Cod. Wolf, ohne Signatur, aber der Schluss: ,ep. vero lud. licet 
clericis ab imperat. imp. ut supra xi. q. 1. placuit ut (j[uicunque.' 

5. c. 2. C. 23. q. 1. v. evang. ,a Johanne militibus quaerentibus consilium , ut 
supra di. Lxxxvi. c. in singulis. S.' — C'od. T. 

10. Ko. 

D.xx. princ. ,Videtur obviare quod dicitur in Causa ult. §. ult., quod non praeiudi- 
cat auctoritas concilii auctoritati Hieronyini circa articulum matrimonii contrahendi intei- 
raptorem et raptam peracta poenitentia. Cuni ergo scriptura Hieron. contraria invenitui- 
concilio vel epistolae decretali tria eonsideranda sunt: aequitas constitutionis, causa con- 
Ätituendi, consuetudo loci. Ut si Hieron. magis consonet aequitati vel causae constitu- 
tionis (puta necessitati vel utilitati sicut dicitur infra 1. q. 7. pluribus capitulis) vel con- 
suetudini ccclesiae, . standum est dicto Hieron. Inde est, quod, quia ecclcsiae consuetudo 



' Ist unzweifelhaft c. 4. de divortiia iv. 2(1. t'ompil. I. von Alexander III. 
- Käst wörtlich in der Glossa ordinaria v. Im per. aufgenommen. 
Pcnkschiiften Jer phil.-Uibt. Cl. XXI. Bd. Alihamll. von Nichtmitgliclern. 



ßQ .ToH. Friedrich K. von Schulte. 

est, ut raptor post peractam poenitentiam raptam possit ducere in uxorem, obtinet Hieron. 
Alias autem ex ordine et regulari jure in causis decldendis praejudicat auctoritas summi 
pontificis Augustino et Hieronymo et aliis doctoribus summi pontificatus apicem non 
adeptis. Ro.' Nacli Cod. T. Ohne Signatur in Wolf. 

11. N. 

1. c. 3. D.ii. de consecr. ,Azynia ergo non fermentatum summatur, in sacriücio enim 
convertimini, in coena domini non fermentatum sed azyma fuit; pascha namque erat, 
in quo nulli secundum legem licebat praeterquam de azyma edere. N.' — Cod. T. 

2. c. 96. D.ii. de consecr. , . . . . hie de histrione manifeste peccante, cui res etiam 
nostras donare immane vitium est non virtus, ut supra Di. 86. donare. N.' — Cod. T. 

3. c. 34. D.iv. de cons. v. mysticis. ,i. e. vocibus mystice significantibus passiones 
et aerumnas praesentis saeculi. N.' — Cod. T. 

4. c. 41. ibid. v. remissiones. ,Remittuntur peccata quandoque x^^^' auctoritatem, 
ut per deum, quandoque ut per meritum personae, quandoque per ministrum ut per bonos 
et malos ministros. N.' — Cod. T. 

5. c. Septuaginta 12. D. 16. v. lxx.: ,infra di. xxi. in novo, contra; sed saepe au- 
ctores gratias mysterii praetermittunt minorem, n.' Cod. Mon. 

6. dict. ad c. 7. C.ii. q. 3. v. Gelasii: ,ubi sit nescio. n.' Cod. Mon. 

7. dict. ad c. 41. C.ii. q. 7. §. 2. v. praeerant: ,dignitatem attribuit hoc verbum 
respectu sacerdotum, non iurisdictionem. §. hie mentitur Gratianus secundum [das ^^^5rt 
ist ausradirt], secundum n. benc dicit.' Cod. Mon. 

8. c. 36. Cxi. q. 3. v. intra. ,Supra e. Si quis episcopus [c. 6. ibid.] contra. Ibi 
enim dicitur, quod iiec in alia synodo audietur. Item in legibus innuitur, quia usque ad 
xxii. annos audietur: de falso iu. C. ad 1. Cor. de fal. 1. querelam. Sed dicendum, quod 
aliquando iste talis obedit utrique sententiae seil, damnationis, depositionis et excommu- 
nicationis, et nunc conceditur ei audientia usque ad xx. annos, in quo casu praedicta lex 
loquitur. Nihil dicit hie secundum n. si enim primae sententiae obedit, sententiae seil, 
depositionis quare excomnuuiicaretur, quare afflicto afflictio adderetur? Aliquando neutri 
obedit, quia non habet se pro deposito, nee pro excommunicato et tunc nee in alia 
synodo audietur. In quo casu praedicta c. eiusdem q. loquuntur. Aliquando alteri tantum 
et tunc usque ad anuuui audietur, in quo casu loquitur hoc c. Sed iste aut appellavit 
aut non-, si non app., statim post x dies sententia transivit in rem iudicatam, quo inse- 
quenti die non debet audiri nee debuit usque ad annum-, si appellavit usque ad bien- 
nium poterit audiri. Sed dicendum, quia non appellavit sed datur ei audientia non de 
principali causa, sed de falso secundum canones usque ad annum, sec. leges ad xx et 
ita leges per canones in hoc sibi contradicuut. Yel forte licet non appellaverit, noluit 
eanon idcirco ferro ei praeiudicium, quia, etsi appellasset, nihil sibi profecisset, quia 
contumax erat, et contumacis appellatio nulla est. Vel distinguit ut prius, quia hie paru- 
erit alteri et non utrique sententiae. Item aut fuit convictus aut confessus. Si convictus 
aut per veros testes aut per falsos, sive per falsa instrumenta vel per vera. Si per vei-os 
vel per vera, tunc sententia non debuit retractari; si per falsos vel falsa ergo sententia 
nulla fuit. Si confessus fuit aut sponte aut coacte; si sponte ergo non debet postea audiri 
contra se; si coacte tunc sententia nulla fuit, sed dicendum, quia fuit coaete confessus 
vel falsitate instru. convictus fuit, tamen lata sententia. Jo' Cod. Mon. Dass diese Glosse 
Joh. Fav. angehört, ist im Angesichte der von Joh. Teut. in der Glossa ord. imzweifelhaft. 



DrK Glosse zum Dkchkt Gratians von ihren Anfängen bis avv die jüngsten Ausgaben. 07 

12. ü. 

1. c. ult. C.ix. (j. 2. ,Ar. (|uod sequens ratihabitio episcopi legitiniat, qiiod ab initio 
illegitime factum est. d.' Cod. Mon.' 

2. c. 40. Genuit C.xxvii. (j. 2. ,Tria bona conjugii sunt in ipso matrimonio ali- 
quando secundum exigentiani, aliqiiando secundum exigentiam et actum, dicitur enim 
proles in matrimonio esse non quod semper ibi sit proles, sed natura et lex matrimonii 
hoc exigunt, ut cum alio non coeatur. Sacramentum est Christi et ecclesiae non quod ipsa 
commixtio sit sacramentum Christi et ecclesiae; secundum ({uod sunt, qui dicunt, quia 
interdum fornicaria est, sed ipsum, seil, matrimonium est sacramentum Christi et eccle- 
siae ratione commixtionis. Sunt autem quandoque haec tria bona actualiter in conjugio, 
puta quia nee cum alio coitur et proles suscipitur nee a se divertunt. Dicas ergo, quod inter 
Lariam et Joseph fuerunt bona conjugii, tria saltem secundum exigentiam. D.' — Cod. T. 

y.i. St. 

1. Zu dict. ad c. 21. C.vi. q. 1. v. verum hoc.^ ,Mirum est, quod Gratianus somni- 
avcrit in Ins verbis: quos coustat haereticos. Nam sie accipit, ut est et de facto et 
(piud ipsum factum sit haereticum, quare oportebit in tali causa testes induci? Sed hoc 
(luoque, i^i de facto dubitetur, non dubitatur, an ipsum sit haeresis vel non dubitetur, 
non erunt tales admittendi in causa contra accusatos, quod non nititur ratione. Sin autem 
sie accipit Gratianus verba illa, ut constet [in Mon. dazu de nomine facti sive de facto 
<lubitetur sive constet], non procedit, quod dicit religiosus in omnibus apparens. ft.' Cod. 
Trev., Mon. in Mon. nach appei-ens: ,sunt. qui dicit somniaverit potius ipse.' 

2. c. 1. C.xii. q, 1. V. res. ,Hoc verbum contra Grat, potius facere videtur. Si enim 
res habent et propria habere monstrantm-. Atqui diu sub doctrina tenentur res liabent, 
quae sub eorum custodia debent esse, qui hie referuntm-. Sed cum ad annos venerint 
discretionis et in eorum consenserint regulam, sub quorum disciplina docentur, continuo 
propria habere nequibunt. Sed mirum, (^uare dicat resultaverint, cum non potuisse 
con§ensisse videantur, et si nondum consensisse potuerint, quomodo resultarent? Sed de 
adultis, (jui iam consenserint, intelligitur, vel de parvulis, ex quo consenserint. ft.' — 
Cod. T. 

3. c. 23. ibid. ,Commune jus est, quod asseritur, cuiiis duritiam ut evitet episcopus, 
praemonetur, ut ccclesiam heredem faclat, ne revocetur, quod de ecclesia non in ecclesia 
consumsit. Vel legas literam aliam: ,(pii tilios aut nopotes non habens alium (juam 
ccclesiam relinquit heredem' etc. st.' — Cod. T. 

4. c. 73. C.xii. (j. 2. v. ccclesiam. ,Numquid potest Imc episcopus absque consensu 
vel clericoruni illiiis ecclesiae? Non videtur, cum ecclesia sua sine culpa privari non 
debeat, ut C. IK. ([. 7. invciitum. Dubitatur autem, de quibus rebus et usque ad quod 
tempus intelligatur, (juod in consequenti c. de li. etc. continetur. Et dicunt (piidam, quod 
de omnibus proventibus et perpetuo, quod bene potest episcopus, cuius intuitu plurima 
ecclesiae conquiruntur. Sed ho.c rai'O contingit. Unde melius dicitur, de omni proventu 
vel de pertinentibus ad mensam episcopi intelligendum ex tempore vitae suae tantum. 



' Im Cod. Wolf, ohne Sigle und entstellt: ,(Hio(l semel rat. lesitimat' eet. 

Steht ohne Sigle in der gl. ord. 
'' Hiiguccio erwähnt nur, das.s Einige Uratian tadeln und gibt sich Mühe, ihn zu verthoidigen. Ötephanus ist nicht 
gemeint, derselbe sagt nur: ,sed opponendo dicit non asserendo.' 

Für iMini. 2. u. S. lässt sich ans Iluguccio's und Stcphanus' Summen nichts lolgem. 



68 .TüH. Frieukich R. von Schulte. 

ut C.xvi. (|. 1. possessiones, cum praedecessor successorem obligare vel ecclesiam censua- 
lem post mortem suam non possit efficere, ut in decretali Alex. III. meminimus et 
neminem. Nam si cuilibet episcopo liceret, in perpetuum dare, posset episeopalis ecciesia 
facile pauperari. ft.' — Cod. T. 

5. c. 11. C.xiv. q. 4.' ,Distributivmn est potius quam collectivum q. d. Perfecto 
habenti fidem quodlibet i. e. minimum de mundo est ei divitiae, i. e. est ei ac si totum 
mundum possideret. Infideli avaro hie collective accipitur q. d. infidelis avarus, etsi 
totum mundum possideret, obolum sibi non videretur habere, ft.' Cod. Trev. Ohne Sigle 
in Mon. 

6. c. 47. C.xvi. q. 1. ,Utrum jure singulari an communi ecclesiae et monasteria 
immunia sunt a praestatione decimarum? st. quid si privati praedium donatum monasterio 
redonetur privato vel vendatur? st. quid si per xl. annos ecciesia liabeat praedium et 
postea illud vendens privato velit de illo sibi decimas solvi? st. quid si novale factum 
a monachis vendatur privato? st.' — Cod. T. 

7. c. 49. C.xxvii. q. 2. ,fide consensus interveuiente. Vel forte pactione simplici 
interposita cum cxtunc aliquid juris sponsus in illa sponsus luibeat, cuius intuitu possit 
excusari, ut in xxxvi. q. 1. de puella et c. siquis virgineni. St.' — Cod. T. 

8. C.xxxii. q. 8. ,lnterdum jure liumano sponsalia de facto contrahuntur, matrimo- 
nium tarnen illegitime aut nullö modo, et hoc in tribus accidit casibus: tempore luctus, 
in aetate inipuberi, inter rectorem provinciae et subjectam jurisdictioni illius. Jure vero 
canonico in duobus casibus hoc admittitur: in dispari professione fidei, ut supra xxviii. q. 1. 
non oportet, si tamen uterque solutus sit, et in aetate impuberi, in qua contracta spon- 
salia in initiis adultae aetatis libere rescinduntur ut c. Alex. III. de illis qui intra 
annos. Nam tempore luctus ita rite contrahitur matrimonium sicut et sponsalia, ut c. 
Alex. III. in litteris et inter solutum et conjugatum sicut de praesenti ita et de futuro 
enormiter sponsalia contrahuntur ut C.xxxi. q. 1. relatum. Tempore vero jejunjx)rum 
alterum quidem est prohibitum, alterum vero nee improbatum nee approbatum. It.' — 

Cod. T. 

14. Sie. 

c. Cotradicimus 21. C. 35. q. 2 et 3. ,Jul. et Greg, intellexerunt de primo genere, 
sed illud Fabiano de secundo et hoc est de duobus personis afhnitate coniunetis seil, 
generis, cuius prohibitio diu-at usque in quartum gradum et quod quis quaereret exem- 
plum personarum secundi generis dicit, ut sunt uxores etc. ste.' Cod. Mon. 

§• 14. 
15. Dei' Apparat des Laiireiitius Hispauus. 

I. Laurentius hatte die Absicht, die Glosse vollständig zu bearbeiten. Dies ergibt 
sich aus seinen eigenen Worten,"^ ferner aus dem Vorkommen zahlreicher Glossen zu 



' Huguccio; ,si totus muudus ijuoad fidelein totus tenetur distributive, quoad intiiielem collective et est si totus muu- 
dus distributive i. e. quodllbet de mundo etiam vile vel minimum est divitiarum i. e. divitiae. fideli i. e. fidem vir- 
tutem habenti. q. vero minimum, quod possidet de rebus mundi, est ei ac si possideret totum mundum, sed infideli 
i. e. usurario non habenti fidem virtutem totus mundus collective. nee obolus est i. e. si totum mundum haberet non 
videretur etiam habere tantum, quod valeret obolum?' Dass Hug. diese Glosse oder diese umgekehrt jenen vor Augen 
gehabt hat, erscheint mir unzweifelhaft. 

■^ Den Beweis liefert die im §. 1. F. mitgetheilte Einleitung zu seinem Apparate, welche Johannes Teutonicus ohne Sigle 
in seinen Apparat aufgenommen hat. 






Die Glosse zum Decket Gkatians von iiiukn Anfängen ms auf dik jüngsten Ausgahkn, 69 

allen Theilen des Decrets. Obwohl mir keine Handschrift bekannt ist,' welche nur 
seinen Apparat i'ein und vollständig entliält, sind wir in der Lage darzuthun, dass der- 
selbe sehr umfangreich war, und zwar gestützt auf die (ilossa ordinaria selbst und auf 
Handschriften. 

1. Hie Glossa ordinaria selbst enthält noch eine grosse Zahl von Glossen, ilie in 
ihr des Laurentius Siglen: Lau. Laur. la. 1. tragen und gleichfalls in Handschriften 
dieselben Siglen haben. - 

2. Hie Glossa ordinaria entliält viele nichtsignirte Glossen, welche nacli dem Zeug- 
nisse von Handschriften ihm angehören.' 

3. Oft haben die Handschriften Laurentius, wo die Ordinaria andere Siglen hat;* 
umgekehrt kommt aber auch vor, dass die Ordinaria Laurentius hat, wo Handschriften 
andere Glossatoren nennen.' 

Neben Huguccio ist Laurentius derjenige Glossator, welchen die reine Glosse des 
Johannes Teutonicus am meisten nennt. Habei kommt natüidich zu bedenken, dass von 
Huguccio keine Glossen, sondern nur die Summe benutzt worden ist. 

IL Johannes Teutonicus hat den Apparat des Laurentius nicht in erschöpfender 
Weise benutzt. Dies wird dadur(di bewiesen, dass in der Ergänzung dei- Glosse nach 
Bartholomäus Brixiensis noch eine Menge von Additiones hinzukommen, die theils aus 
Laui-entius allein geflossen sind," theils aus ihm und Huguccio.' 

HL Aus den Glossen von Laurentius lässt sich entnehmen, dass seine Thätigkeit 
vorzüglich darauf gerichtet war, das in den drei ersten Compilationes antiquae 
enthaltene Decretalenmaterial zur Ergänzung, Modification und Verbesserung der 
Glosse zu verwerthen. Ausserdem zieht er das römische Recht in einem Umfange 
herbei, wie dies in den älteren Glossen bis auf ihn nicht der Fall ist. Diese Thätigkeit 
des Laurentius, insbesondere nach der zuerst hervorgehobenen- Richtung erklärt sich aus 
seiner Thätigkeit für die Bearbeitung der Compilationes antiquae." 

IV. Was die Zeit der Abfassung betrifft, so darf man wohl annehmen, dass sie 
nicht viel über 1210 hinaufreiche. Damit stimmt, dass Laurentiifs wohl zur Com- 
pilatio prima, nicht aber zur secunda und tertia einen förmlichen Apparat gemacht hat;" 
er konnte die verhältnissmässig wenig zahlreichen Citate aus den beiden letzteren leicht 
hinzufügen. 

' Ob solche überhaupt noch existiieii, ist Angesichts der früheren Darstelhuig selir zu Ijezweifehi. 

- Eg muss geniigen, einzelne anzugeben, da der blosse Einlilick sie findet. Z. B. zu c. 4. D. 19., c. 1. D. 25., c. 4. D. 33., 

c. 16. U. 35., gl. oportet zu c. 7. D. t>4., gl. -praesentium zu c. 2. D. 65., gl. declaratur zu c. 4. D. 75., zu c. 24. 26. 

D. 86., c. 3. D. 87, gl. ingenio zu c. 2. I >. 8s, gl. singula und rpiantuni liliet zu c. 1. D. 80. Eine grosse Zahl enthalt 

der tract. de poen. 
3 So hat z. B. der Prager Codex eine Masse von Glossen mit des Laurentius Sigle, die in der Ordinaria keine haben, 

z. B. gaudentis zu c. 1. D. 8, seio zu c. 4, in privatis und quae supra zu c. 5. D. 42, filius zu u. 1. D. 56, sponsus zu 

c. 6. D. 56, item zu princ. D. 59, Imolensem zu c. 12. D. 63, et plebs zu c. 27. D. 63; episcopus zu c. 3, mors zu 

c. 4, impletis zu c. 8. D. 65; qu,aeritur zu pr. D. 68, eeclesia [von item — 3 steht nicht in der Handschrift], fratres, 

genuit, per quas zu c. 6. D. 69 u. s. w. Massenhaft sind solche von c. 84. C'.i. q. 1. an, von c. 13. C. xxxii. q. 2., im 

Tract. de poen. 
* Zur gl. item laici zu princ. D. (jl., in donübus zu e. 2. 1). 69., in urdinc zu c. 2. I). 77 und anderwärts h.it Cod. Prag. 

Laur., die Ordinaria Jo. 
5 So z. B. hat Cod. Trevir. Laurentiu.s in gl. zu I). 18 pr. u. e. 5. ibid., wo die Ordinaria Jo. hat. 
» Regelmässig haben sie im Anfange additio, am Ende secundum Lau.; z. U. zu c. 4. D. 22, zu c. 29. u. 33. D. 26., 

c. 3. D. 31., 0. 25. D. 63 , c 21. D.i. de cons. u. s. w. 
' Z. B. zu pr. D. 12., zu c. 8. D. 38, D. 39 pr., c 1. D. 43, c. 30. D. 03. c. 17. C.xii. >|. 2 , c. 44., o. 87. D.ii. de cons. u. (i. 
s Darüber s. meine Literaturgesch. der Comp. ant. S. 50, 70, 81, 84. 
" Darüber meine angeführte Literaturgesch. S. 70, 81. 



70 



JoH. Feif:drich R. von Schulte. 



V. Die Art der Benutzung von Laurentius' Apparat durch Johannes Teutonicus ist, 
wie bereits die bisherige Darstellung ergibt, eine doppelte. Erstens hat er ihn benutzt 
in derselben Weise wie andere alte Glossen, nämlich durch Berücksichtigung und bezie- 
liungsweise Aufnahme der Erörterung in seinen Apparat. Da Johannes gleich den mei- 
sten Zeitgenossen nicht für nöthig fand, jedesmal anzugeben, wem er einen Gedanken 
entlehne, so erklärt sich das sehr seltene Vorkommen von Citaten aus Laurentius mit 
dessen Namen von selbst.' Zweitens — imd diese Art der Benutzung ist die liäufigste — 
hat Johannes zahlreiche Glossen von Laurentius unverändert aufgenommen mit dessen 
tSigle, oder höchstens ergänzt, wobei er dessen Sigle Hess. Wir dürfen nämlich sicher 
annehmen, dass die meisten Glossen von Laurentius, welche nicht als spätere Zusätze 
erscheinen, bereits der Glosse von Johannes angehören: a) weil sie in Handschriften, 
welche ursprünglich den reinen Apparat von Johannes hatten, wie in der Trierer, Bam- 
berger, Prager, zugeschrieben worden sind; b) weil sie auch in denjenigen alten Aus- 
gaben sich vorfinden, welche _die späteren Zusätze nicht enthalten; c) weil Bartholomäus 
keine derartigen Zusätze gemacht hat, diese Glossen aber in den Handschriften mit seinem 
Apparate ganz allgemein vorkommen.^ 



Drittes Capitel. 

Der Glossenapparat des Johannes Teutonicus. 

§. 15. 
1. Seiue (Quellen. 

Von den Canonisten nennt er: 

1. Summa des Huguccio. Die Benutzung derselben ist eine so eingehende, sie 
selbst und Huguccio's Ansichten werden so oft erwähnt, dass man sich fast auf jeder 
Seite der Glossa oi;d.inaria in Handschriften und Drucken davon überzeugen kann.^ Bald 
setzt er dessen Ansichten auseinander , bald polemisirt er dagegen, bald führt er ihn 
zur Bestärkung an. In diesen Glossen wird regelmässig nur H., Hugo, Huguitio, nicht 
dessen Wex-k genannt, während später solches, wie im 5. Capitel wird gezeigt werden, 
geschieht.^ Offenbar war eine nähere Bezeichnung nicht nöthig, weil Huguccio, selbst 
wenn er Glossen gemacht, in seine grosse Summe Alles aufgenommen hat, diese aber 
so allbekannt war, dass eine nähere Bezeichnung überflüssig erschien. Von H. geschieht 
aber nicht blos in Glossen Johannes' Erwähnung, sondern viele Glossen tragen in Hand- 
schriften und Ausgaben seine Sigle: h. hug. hugo." 



' Fälle, wo Johannes ihn anführt, gibt §. 15. 2. Auf diese Darstellung muss überhaupt verwiesen werden. 

2 Vergl. Capitel 4. §. 18. 

3 Wenige Stellen mögen erwähnt werden, welche un/.weifflliaft Job. Teut. angehören: gl. .secunduni c. .S. D.xix.; gl. 
Nathinei zu c. 1. D.xxi; gl. Martell. c. 7. ibid.; gl. stultus c. 4. D.xxii.; et jurgia c. 1. D.xxv.; officium c. 6. 
D.xx.xii. 

Viele Stelleu, welche aus Hug. entnommen bezw. nach der Summa gemacht sind, erwähnen ihn nicht, z. B. gl. pro- 

bantur zu c. 21. C.xii. q. 1. [vergl. meinen 3. Heitr. S. 55.]. 
* Indessen finden sich selbst in alten Handschriften Glossen mit Hinzufügnng der Quelle; z. 15. im Cod. T. gl. quam de 

inaeq. zu c. 1. D.xv., welche erst mit .Jo. gezeichnet ist, ,in summa. Hug.'; gl. 1. zii c. 12. D. 16. heisst es dort ,sec. hug. 

in summa' und so öftei-. 
5 Z. B. gl. monogamum zu c. 1. D.xxvi. im Cod. T., gl. qui tarnen zu c. 3. D.xxxiii. in T., zu c. 8. D. 38., culpabilis 

zu c. 48. D. 50., oberrantes zu c. 6. D. 93. Auch in Ausgaben stehen diese Siglen. 



Die Glosse zum Decket Geatians von ihuen Anfängen eis auf die jüngsten Ausgaben. 71 

Ohne alle Stellen verglichen zu haben, darf ich dooli .sagen, dass die Vergleichung 
zahlreicher die Yermuthung begründet, Johannes habe auch diese der Summe entnom- 
men. Natürlich ist möglich, dass auch selbstständige Glossen in Handschriften vor- 
kommen, die Johannes stehen Hess. Ich zweifle aber daran, weil jene Ilandscliriften, 
deren älteste Glossen vor die von Johannes fallen,' die mit h. gezeichneten als spätere 
Zusätze, oftenbar aus Johannes' Glosse haben. Auch lehi-t der Augenschein, dass diese 
Glossen meist kurze abgeschlossene Erklärungen oder Verweisungen enthalten, die, wie 
sie in der Summe stehen, keiner Veränderung bedurften. Johannes hat die »Sigle Hugo's 
beigefügt, um dessen Autorschaft zu constatiren. Manche Glossen tragen in Handsclirif- 
ten Huo-o's Siffle, während die Ausgaben und andere Handschriften dieselbe nicht luiben."'' 
Wer die Glosse eingehend studirt, dem muss sich die Beobaclitung aufdrängen, dass 
Johannes Huguccio's Summe fortwährend zur Hand Iiatte. Gleich wul hat er weder 
dadvu'ch seine Originalität eingebüsst,'' noch unterlässt er, auf die ältei'c Literatur selbst 
zurückzugehen. 

2. Laurentius. Entscheidend dafür ist, dass er in unzweifelhaften Stellen von 
Johannes angeführt wird mit vollem Namen.* Aber ebenso gewiss ist Laurentius gemeint, 
wo blos L, erwähnt wird,"^ da ein anderer Glossator des Decrets , dessen Sigle L. ist, 
nicht existirt, und die Handschriften sowie die ältesten auf Handschriften sich stützenden 
Ausgaben überhaupt wiederholt in derselben Stelle Lau. Laur. L. setzen, obgleich der- 
selbe Schriftsteller gemeint ist. Während verhältnissmässig wenige Stellen'' von Johannes 
Citate mit Laurentius' Namen enthalten, ist die Zahl der mit seiner Sigle versehenen 
selbstständigen Glossen eine überaus grosse.' Es ist bereits (§. 1 4) gezeigt worden, dass 
diese zum Apparate gehören. 

3. Bazianus. Derselbe wird mit Baz. in Handschriften und Ausgaben so oft in 
Glossen des Johannes angeführt, dass gar kein Zweifel obwalten kann. Dass er aber 
auch in anderen Glossen, in welchen seine Sigle nicht vorkommt, benutzt worden ist, 
und dass ihm auch Glossen angehören, Avelche die Sigle Bar. b'ar. Barth, liaben, ist 
bereits oben (§. 1. D.iii. und §. 11.) gezeigt worden. Zugleich ergibt die frühere Dar- 
stellung, dass die Glossen von Bazianus in ausgiebiger "Weise benutzt worden sind. 

4. Johannes Faventinus. Seine Benutzung ist einnuil durch die vielen directen 
Citate aus ihm festgestellt, die sich regelmässig auf die Summa beziehen. Es unterliegt 
aber keinem Zweifel, dass auch seine Glossen zu Rathe gezogen Avordeii sind, wie die 
obige Erörterung (§. 5.) durtlnit. 

5. Melendus. Da eine Sujnma von ihm, falls eine solche übei'haupt existirt, mir 
nicht bekannt ist, darf icli mich für dessen Benutzung auf das oben (§. 10.) Gesagte 
beziehen. 

' Vergleiche das oben Capitel 1. §. I. 10. F. Gesagte. 

- gl. sacrificia zu o. 87. C.i. q. 1. im CihI. Prag. 

' Er polemisirt gegen Huguccio : z. H. Gl. zu princ. D.XI., gl. civitatis zu v. l'.i. D. Ol., gl. ail «lict. Grat, post c. 35. 

D. «3. n. fi. 
* Z. B. gl. ni onas tcr iuin zu c. 17. t'.xxvii. q. 2. Diese Stelle ist in den Handscliriften und Aiisgaben mit Jo. gezeiclinot 

und als Glosse von Joh. noch durch eine Kinschaltnng des Barth. Brix. beglaubigt; gl regulani zu c. 14. C. 3,3. q. 2.; 

gl. conimisisse zu c. 2. C.xxxiv. q. 1. et 2.; gl. zu pr. C.xxxv. q. 7. 
5 Z. B. gl, quod autem zu pr. (|. 1. C.xxix.; gl. sodoniita zu c. 7. C.xxxii, q. 7. In diesen und den in der vorigen Note 

genannten Stellen wird gegen ihn polemisirt. 
<> Gewiss keine zwei Dutzend. 
' Oben §. 14. sind eine Menge angeführt worden. 



72 JoH. Friedrich R. von Schulte. 

G. Gandulpluis. Der Nachweis über die Benutzung seiner Glossen ist bereits ein- 
gehend (§. 9) geliefert worden. 

7. Cardinalis. A^ergl. oben §. 7. 

8. ßufinus. Oben §. 6. 

9. Petrus Hispanus. Oben §. 12. 

10. Petrus Manducator. Oben §. 4. num. IV. Anm. 25. 

Mit diesen Personen ist die Reihe jener Canonisten erschöpft, die in dem 
Apparate von Johannes namentlich aufgeführt werden. Keineswegs aber be- 
schränkte sich Johannes auf deren Benutzung, vielmehr schöpfte er auch aus anderen, 
wie nunmehr zu beweisen ist. 

11. Paucapalea. Die Benutzung seiner Summe ergibt sich aus den oben §. 1. 
A. III. aus dem Cod. J. mitgetheilten sieben ersten Stellen, welche in dessen Glossen 
aus Paucapalea entlehnt sind und im Apparate von Johannes theils wörtlich, theils 
in einer Art, wie der Vergleich zeigt, aufgenommen worden sind, dass eine Be- 
nutzung angenommen werden muss. Es lässt sich aber auch von einer ganzen 
Zahl von Glossen , insbesondere von Worterklärungen , ein Gleiches sagen. Mit Rück- 
sicht jedoch auf die gleichlautenden Glossen in alten Handschriften (oben §. 1. 
A. C.) kann die unmittelbare Benutzung nicht mit Sicherheit behauptet werden. 

12. Stephanus von Tournay. Unzweifelhaft sind die im §. 1. A. nach Cod. J. 
zu c. 11. D. 12., c. 3. D. IS. und c. 2.5. C.i. q. 7. mitgetheilten Stellen in der Gestalt 
des Cod. J. benutzt worden. Was jene Stellen betrifft, in denen der Apparat mit der 
Summe übereinkommt, so nehme ich Anstand, die Benutzung der letzteren für erwiesen 
zu erachten. Direct fi'ihrt er Stephan nicht an, was schon an und für sich bei seiner 
Methode Zweifel erregen muss. Noch mehr aber lege ich darauf Gewicht, dass die 
Summen von Johann von Faenza und Huguccio eine vollständige A^erarbeitung des 
Materials von Stephan enthielten; es war mithin kaum ein unmittelbares Zurückgreifen 
auf Stephan's Summe geboten. 

Von einer directen Benutzung oder auch nur unzweifelhaften Ivenntniss der 
Schriften von Rolandus, Simon de Bisiniano, Sichardus, sowie der in meinen 
drei Beiträgen behandelten anonymen Summen habe ich keine Spur entdeckt, da die 
wenigen mit denselben ähnlich lautenden Stellen aus Johannes Faventinus oder Huguccio 
geschöpft sein können. 

Von Civilisten werden im Apparate angeführt: 

1. Bulgarus.' 

2. Martinus." 

3. Johannes Bassianus.' 



' Zu Causa xvi. q, 3. pr. ,Est autem etfectus eius (sc. praescriptioiiis), ut acquiratui- tantum exceptio secundum Joauuem, 
non dominium, nisi utile, ut int'ra ead. o. quicunque, secundum B. et alios etiam directum dominium acquiritur, 
ut est expressum C. de bon. niater. auth. nisi et int'ra ead. c. inter meraoratos, ibi, Si aeternum do- 
minium. 

2 Zu gl. partis c. 2. C.iii. q. 7. Gl. defendi c. 1. C.v. q. 3. Gl. utiliter zu dict. Grat. c. 15. C.xvi. q. 3. ,Arg. pro 
Joan. et aliis, qui dicunt, quod per praescriptionem acquiritur dominium; secundum M. directe potest vendicare; 
quia secundum eum dominium acquiritur praescriptione, unde illud adverbiura utiliter non est de textu, vel, si est 
de textu, expone: utiliter id est indubitanter vel efficaciter.' Vielleicht auch gl. contra ius zu dict. Grat. c. 41. 
C.ii. q. 6. 

3 Verocl. die in den beiden vorhersrehenden Anm. eit. Stellen. 



Die Glosse zum Decket Gratians von ihren Anfängen bis auf die .iOngsten Ausoauen. 73 

4. Pillius.' 

5. Azo.- 

§• 16. 
•2. Charakter des Apparats. 

I. Im Allgemeinen^ hat Johannes das Streben, eine, soweit es der beschränkte 
Raum gestattet, fortlaufende, alle Punkte der Quelle erschöpfende Erörterung zu geben, 
in der offenbaren Absicht, die vielen älteren Glossen für das grosse Publikum entbehr- 
lich zu machen. Das Bedürfniss einer solchen Arbeit lag aus mehrfachen Gründen vor. 
In den Handschriften fanden sich, je nachdem der Abschreiber eine gute oder minder 
gute Handschrift benutzt hatte, die verschiedenartigsten Glossen vor. Es hing vom Zu- 
falle ab, ob der Text gleichmässig glossirt oder bald vollständig, bald unvollständig 
bearbeitet war. Manche Stellen hatten verschiedene Glossen, ohne dass die eine oder 
andere zur Erklärung wesentlich beitrug. Eine solche Fülle konnte eher als ein unnützer 
Ballast erscheinen, dessen Entfernung zu anderen Erörterungen den Raum frei machte. 
Viele Glossen waren antiquirt, weil theils das neuere, den Verfassern noch unbekannte, 
Recht eine Abänderung der Sätze des Deere ts enthielt, theils die allgemeine Rechtsan- 
schauung die ältere Ansicht aufgegeben hatte. Für die Zeit bis auf die Summe des 
Huguccio war in dieser eine so ziemlich vollständige Verarbeitung des gesammten älte- 
ren Materiales vorhanden. Wenn man also aus dieser das Wesentliche entnahm, wurde 
die ältere Literatur entbehrlich. Hieraus erklärt sich, dass Johannes durchgehends auf 
Huguccio's Summe fusst und nur seltener auf die Literatur vor ihm unmittelbar zurück- 
o-eht. Die Summe Huffuccio's liess sich im Ganzen nicht durch unmittelbare Aufnahme 
der regelmässig ausführlichen Exposition benutzen, sondern durch Excerpiren. Dabei 
brauchte man häufig an Stelle des Quellenapparates von Huguccio nur die eine oder 
andere neuere Stelle zu setzen. Manche Stelle, welche Huguccio selbst einfach in seine 
Summe aus älteren aufgenommen hatte, liess sich wiederholen. In diesen Fällen ergab 
sich ein Citat aus neueren Gesetzen zur Bestätigung oder Correction älterer Ansichten 
von selbst. Bis auf und seit Huguccio lag eine umfassende Gesetzgebung vor; viele 
Punkte des Decrets hatten sich geändert. Das Decret selbst war in den Hintergrund 
getreten; es hatte im Yerhältniss zu den Decretalen eine geringe Verarbeitung gefunden, 
was sich indessen auch aus der massenhaften Literatur von Huguccio und aus der \ oll- 
ständigkeit von dessen Summe erklärt. Auch lag die Hauptthätigkeit der Bearbeiter seit 
Huguccio, unter denen Laurentius hervorragt, auf der Benutzung und Verwerthung der 
Decretalen und des römischen Rechts. Was seit Huguccio geschrieben war, konnte 



' Gl. vel importune c. 3. C.i. q. 0. 

2 Gl. extra provinciam zu q. 6. princ. C'.iii. Es wird gehandelt über den Gorichtsstaiid und die Ausnaluneu von der 
Regel über das Verklagen coram suo judice und gesagt; ,Item in sc holaribus ut in constitutione Fri derlei C. ne 
fil. pro patre Authent. habita. De hoc iuvenies per Azo in summa' [spater zugesetzt in Cod. P. ,de ju. o. jud. Jo.']. 
In S. 1471 schliesst der Passus mit Frederici; in M. 1472 mit ,in summa,' ebenso in B. 14T(!; iu K. 1478, X. 1483 
mit ,habita'. Dass scholaris mit clericus gleichbedeutend ist, wo es sich um die Universitäten handelt und nicht 
an einen GeLstlichen im kirchenrechtlichen Sinne zu denken ist, hat Savigny III. S. 190 bewiesen. Die const. Frid. 1. 
V. 1158 (ad 1. 5. Cod. IV. 13.| gibt den Scholares das besondere Privileg des Gerichtsstandes , coram domino, vel maii- 
stro suo, vel ipsius civitatis episcopo.' 

ä Dieser Punkt lässt sich nach der Natur der Sache nicht an einzelnen Beispielen klar mrichen, sondern ergibt sich als 
Totaleindruck der Arbeit; er muss deshalb vom Leser der Glosse durch sorgfältiges Studium erkannt werden. Übrigens 
sind im Laufe der Darstellung so manche Punkte hervorgehoben worden, dass es nicht schwer ist, diesen Charakter zu 
erkennen. 
Denkschriften der phil.-hist. l'l. XXI. li.l. Abhan.l!. von Nichtinitgliodorn. "^ 



74 JoH. Friedrich R. von Schulte. 

bald ungeändert aufgenommen werden, bald brauchte man nur auszuscheiden oder 
zu ergänzen. 

II. Die Absicht von Johannes ist nicht gerichtet gewesen auf eine Arbeit, die 
gewissermassen eine Zusammenfassung der Glossenarbeiten bieten sollte. Er hat vielmehr 
die Absicht, eine praktische Arbeit zu machen, das Decret allgemein für den unmittel- 
baren Gebrauch in den Gerichten und Schulen zugänglicher zu machen. Es zeigt sich 
dies besonders in dei- xVufnahme einer Anzahl allgemeiner Erörterungen, in der Zusam- 
menstellung der gleichartigen Sätze und Punkte, in der Aufzählung der unter einen 
Satz gehörigen Fälle, der Ausnahmen u. s. w., kurz in der Methode: mit der Erklärung 
des Textes zugleich eine Darstellung des Rechts überhaupt zu verbinden. . 

Es wird nach dieser allgemeinen Skizzirung darauf ankommen, alle einzelnen Punkte 
liervorzuheben , welche geeignet sind, die Würdigung und richtige Auffassung seines 
Werkes zu ermöglichen. 

III. Durchgehends begnügt sich Johannes mit der kurzen Erörterung des Gegen- 
standes, ohne sich auf Controversen einzulassen. Indessen werden auch oft die IMeinun- 
gen Anderer angeführt und widerlegt, was namentlich gegenüber Huguccio geschieht.' 
In solchen Fällen sagt er oft ,Ego credo' oder ,Ego Johannes' u. dergl. Seine Polemik 
ist bisweilen eine eigenthümliche, indem er aus Gesetzen, welche einer jüngeren Zeit 
angehören, gegen Meinungen früherer Schriftsteller argumentirt." Ein hervortretender 
Zug ist die absolute Generalisirung der Rechtssätze. Während nämlich in den älteren 
Schriften' häufig Sätze des Particularrechts , namentlich die Besonderheiten der gallika- 
nischen Kirche u. s. w. erwähnt werden, tritt dies bei Johannes gänzlich zurück. Wohl 
wird von ihm die Lombarda wiederholt angezogen,* aber doch hauptsächlich nur, wenn 
die Stelle Veranlassung bot, oder um hervorzuheben, es sei nach dem römischen Rechte 
anders. Übrigens setzen alle diese Stellen keine wirkliche genügende Kenntniss der 
Lombarda voraus, weil sie sehr gut aus den älteren Schriften entnommen sein können.^ 
Interessant ist jedoch, dass er die Lombarda als das in der Lombardei geltende Recht 

auffasst.*^ 

IV. Für die Behandlung des Textes hat Johannes durchgehends die älteren Aus- 
führungen beibehalten oder ausgezogen, ohne dass er Neues bringt. Bis auf wenige 

1 Vergl. S. 71 Anm. 3. Die meisten Stellen der Ordinaria, welche früher bei den einzelnen Glossatoren citirt sind, bilden 
Belege. 

2 Z. B. gl. veritatem zu c. 97. C.i. q. 1., gl. ab ingressu zu dict. Grat, post c. 24. Cxi. q. 3. gegen Joh. Fav. Die 
letztere Glosse trägt in Handschriften (z. B. Cod. Trev.) des Joh. Sigle; die erstere gehört ihm auch an. 

3 Meine drei ,Beitr. zur Gesch. der Lit. über das Decret Gratian's' liefern zahlreiche Belege, die meisten die im 2. behan- 
delte Summa Parisiensis. 

J Z. ß. gl. legibus zu c. 8. C.ii. q. 3. [die daraus entnommen ist], gl. bannum zu c. 5,5. C.xvi. q. 1., gl. causa zu c. 14. 
C.x.xii. q. 5., gl. scriptum est zu c. 29. C.xxvii. q. 2., ,In Lombarda. Et ita est argumentum, quod leges induci possunt 
in causis matrimonialibus, nam et in accusatione etiam clericorum inducuntur: arg. 3. q. 9. c. dignnm.,' gl. secundum 
saecularem zu c. 7. C.xxix. q. 2., gl. deteriorem zu c. 15. C.xxxii. q. 5. ,Hoc verum est secundum legem Longobar- 
dorura et Theutonicorum, nam secundum legem ßomanorum secus.,' ähnlich gl. zu c. 6. C.xxxii. q. 2. 

Es erhellt aus diesen Stellen, dass er kirchliches und weltliches Recht neben einander auf kirchlichem Gebiete für 
anwendbar hält. Geradeso denkt er sich, übe der Papst und der Bischof ein und dasselbe Recht. Vergl. z.B. gl. trans- 
latus zu c. 3. C.xxi. q. 2. 

5 Vergl. Maassen in Bekker und Muther Jahrbuch II. S. 223 fl'. In meinen Beiträgen sind andere Stellen mitgetheilt 
worden. Zweifel könnte erregen die gl. secundum secularem zu c. 7. C. 29. q. 2., welche genau den Inhalt der Lom- 
barda vulgata Lib. II. Tit. 33 lex pen. et ultima angibt. Da aber diese Stelle, wie schon Maassen a. a. O. 'S. 224 
Anm. 13. sagt, wörtlich aus Huguccio entnommen ist, so beweist sie nicht. Man darf vielmehr annehmen, sie müsse auch 
dessen Sigle haben. Ob die anderen Stellen Joh. angehören, ist ebenfalls fraglich. 

6 Gl. zu c. 8. C.ii. q. 3. .Poena 40 solidorum, ut est in Lombardia; nam secundum legem Lombardam' etc. 



Die Glosse zum Decket Gbatians von ihken Anfangen üis auf d]e jüngsten Ausgaben. 75 

übergellt er die Paleae;' einige bezeichnet er als solche." Tragen manche Glossen dieser 
Art in den Ausgaben seine Sigle nicht, so kommt darauf wenig an, weil die Sigle 
häufig in Handschriften steht und weil verschiedene Stellen unverändert in die Glosse 
überffinp-en, also Johannes nicht als eigene zufallen. — Was die Recension des Tex- 
tes betrifft, so wiederholt er so ziemlich die überhaupt spärlichen Bemerkungen, welche 
er bei Huguccio und anderen fand, ohne selbstständige Forschung zu verrathen. 

Y. Für die Zergliederung des Stoffes die Angabe des Systems, soweit sich von 
einem solchen reden lässt , ist Johannes über das , was er schon in der Glosse des 
Johamies Faventinus, dann in den Summen besonders Huguccio's fand, nicht hinaus- 
gekommen. 

VI. Die Citate der älteren vor die Compilatio prima fallenden Glossen und Summen 
sowie derjenigen, welche zwischen die Comp. I. und 111. fallen, hat Johannes ungeän- 
dert und regelmässig zu ,extra I., II. III.' gemacht, wie man sich aus jeder älteren 
Handschrift bei einer beliebigen Stelle überzeugen kann. In den Ausgaben stehen sie 
natürlich in der Umformung des Bartholomäus. 

VII. Fasst man die gesammte Leistung von Johannes ins Auge, so darf man sagen: 
Sie weist im Ganzen keinen Fortschritt für die Durchbildung oder auch nur das bessere 
Verständniss des canonischen Rechts auf, weil Johannes, ohne der Selbstständigkeit ganz 
zu entbehren, im Wesentlichen nur compilatorisch verfährt. Auf der einen Seite hat sie 
allgemein zugänglich gemacht, was vordem nur mühevoll zu lernen war, sie hat aber 
zugleich dadurch von dem unmittelbaren Studium der älteren Literatur abgeführt, und 
hierdurch redlich beigetragen zu der handwerksmässigen Methode, welche bald aufkam, 
ohne jede Frische und Genialität das Gesetz blos aus dem Gesetze zu erklären. In den 
Geist des canonischen Rechts wird man viel eher durch die alten Glossatoren eingefühi-t. 
Auf die Bearbeitung hat entscheidenden Eintluss die seit Innocenz III. eintretende Anschau- 
ung, dass der Buchstabe des Gesetzes entscheidet, die Wissenschaft über die Auffassung 
des Gesetzes nur aus ihm selbst urtheilen kann. 

Fasst man aber den Apparat vom rein literarhistorischen Standpunkte ins Auge^ so 
bildet er eine epochemachende Leistung. Denn von jetzt ab concentrirt sich das Studium 
des Decrets auf und um die Glosse, die alte Literatur sinkt in Vergessenheit, oder wird 



• In den Handschriften habe ich Iseine Glossen von Johannes gefnnden zu folgenden Stellen, ebensowenig eine sichere 

Bezeichnung derselben als Paleae, nämlich zu: c. 2. D. 6; c. 2. D. 9; c. 1. D. 18; c. 16. D. 16; in c. 1. D. 19; c. 13. 

D. 23; c. 1. D. 24; e. 5. D. 25; c. 7. D. 27; c. 5. D. 31; c. 2. 3. C. D. 34; c. 5. 6. 7. D. 35; c. «. D. 37; c. 13. 14. 15. 

D. 38; c. 6. 7. D. 42; c. 7. 8. 9. D. 45. [im Cod. Pr.ag. steht zu c. 7: ,Hie habent quidam cap. nullus, quod est iufrn 

di. V. nullus. Jo.']; c. 13. 23. 24. 40. 41. 47. D. 50; c. 3. 0. 8. 16. 17. 18. D. 54; c. 14. D. Cl ; c. 31. ,S2. D. 63: c. 3. 

D. 64; c. 6. D. 75; c 2. D. 78; e. 21. 22. D. 81; c. 11. 12. 13. D. 88; e. 12. D. 95; c. 12. 13. 14. ü. 96; c. 3. 7. D. 

100. — Causa i. q. 2. c. 3., q. 4. c. 13., q. 7. c 3; ii. (j. 5. c. 14. 15. 17., q. 6. c. 2. 17. 23.. q. 7. c. 7; iii. q. 3. c. 4., 

q. 5. c. 14., q. 6. c. 6., q. 9. c. 7; iv. q. 2. et 3. c. 2; v. q. 6. c. 6; vi. q. 3. c. 5., q. 4. c. 4; viii. q. 1. c. 2; i.v. q. 1. 

c. 2. 3., q. 2. c. 2. 4. 5; x. q. 2. c 3. 5. 6; xi. q. 1. c. 2. 6. 7. 47., q. 3. c. 38. 45; xii. q. 2. c 31. 55; xiii. q. 2. c. 31. 

32; xiv. q. 5. c. 4. 5; xvi. q. 2. c. 2. 3. 4. 5., q. 7. c. 2. 3; xvii. q. 4. c. 2. 14. IG. 17. 24. 25. 26. 42; .vx. q. 1. c. 5. 

7. 10. 15; xxi. q. 3. c. 1; xxii. q. 2. c 17, q. 5. c. 19. 23: xxiii. q. 5. c. 5., q. 8. c. 1. 3; xxiv. q. 3. c. 22; xxvii. q. 1. 

c. 8. 38., q. 2. c. 4. 7. 8. 18. 51; xxx. q. 3. c. 6; xxxi. q. 1. c. G., q. 2. c. 2; xxxiv. <|. 1. et 2. c. 7: xxxv. q. G. c. 2., 

q. 10. c. 4. 5; in c. 11. C.xxxvi. q. 2. — c. 58. D.i. de cons., c. 22. D.iv. de cons. 
2 c. 1. D. 5, Anfang von c. 1. D. 9, c. 11. D. 16, c. 2. D. 32 (mit Verweisung auf den .spätc-ren <1rt). 

Commentirt werden von ihm ohne Erwähnung der Qualität als Paleae; c. 4. D. 5.; c. 6. C.i. q 4.; 

c. 8. 9. C.ii. q. 1.; c. 29. C.ii. q. 6.: c. 2. C.vi. q. 5.; c. 2. C.xxiii. q. 8.; in c. 2. C.xxxii. (). 7. von .manente' bis ,viro'. 
Zweifelhaft ist, ob er als Paleae erkannte: c. 02. D. 50., c. 4. D. C^ , in c. Ii. C.ii. q. 3., in c. 45 Cxi. q. 1., 

c. 25. C.xxiii. q. 8. 

Es sind in dieser Anmerkung und der vorhergehenden alle .Stücke angeführt worden, die Richter und Picke II 

als Paleae bezeichnen. 

k* 



7(5 JoH. Friedrich K. von Schölte. 

nur noch hervorgezogen, um die Glosse zu erweitern. Es ist von nun an nicht mehr 
eigentlich der Text, welcher entscheidet, sondern geradezu die Glosse. Sie wird studirt 
und ist den späteren Zeiten die Fundgrube der canonistischen Weisheit. 

§• 17. 
3. Entstehungszeit. ' 

Antonio Agostino" hat meines Wissens zuerst bemerkt, dass sich Johannes Teu- 
tonicus in seinem Apparate zur Compilatio quarta auf seine Glosse zum Decret 
beziehe. Dass Johannes im Apparate des Decrets Decretalen anführe, welche nicht in 
der Sammlung Gregor's IX. stehen, ist ebenfalls schon wiederholt früh bemerkt worden. ^ 
Den aus Beidem folgenden Schluss, dass Johannes' Apparat älter sei, als der von Accur- 
sius, sucht Savigny* mit Gründen zu bekämpfen, welche jedes Fundamentes entbehren. 
Eine positivere Angabe ist dann von Phillips'* gemacht worden, nach welcher der 
Apparat ,etwa in das Jahr 1212 gehört.' 

Erstens ist unzweifelhaft, dass der Apparat zum Decret vor dem zur Compilatio IV. 
gemacht worden ist. Im letzteren" sagt er zu c. bonae memoriae 2. de elect. I. 3. 
arcere. generale enim est, quod ad citationem, (£uae a iure reprobetur, non tenet venire 
citatus etiam ut alleget privilegium, ut notavi iii. q. ii. si episc. Jo.' — Zu c. 6. ibi- 
dem V. duplo maiorem: ,de hac materia plenius notavi Lxiii. di. c. ult. Jo.' Im Cod. 
Marb. steht es genau also.' — Zu c. 9. ibid. v. in loco: ,Unde quandoque invenimus 
absentes non esse vocandos, ut extra iii. de sent. et re ju. c. 2. et varie loquuntur jura 
de illa materia, prout notavi vii. q. 1. factus. Sed haec quaestio solvitur supra eod. 
c. 1. Jo.'** — Zu c. 4 de off. jud. del.: ,de hoc plenius notavi iii. q. 5. c. non.' — Zu 
c. un. de in integr. rest. sagt er: ,et in aliis casibus, quos notavi ii. q. 3. cum apud.' 

Zweitens. Johannes kennt in seinem Apparate noch nicht die Schlüsse des vierten 
Concils vom Lateran, das vom 11. bis 30. November 1215 gehalten wurde. Dies ergibt 
sich aus folgenden Stellen: 

Zum c. 7. C.ii. q. 1. verbo quia levioris steht die Glossa": ,Cum enim sit singu- 
laris successor, mala fides defuncti non nocet successori. Secus si esset universalis successor: 



' Ich habe diesen Punkt bereits in meiner Lit.-Gesch. der Comp. ant. Seite 85 f. behandelt. Da die Selbstständigkeit der 
vorliegenden Untersuchung ein blosses Verweisen ausschliesst, bitte ich Wiederholungen zu entschuldigen. Es schadet 
nicht, wenn ich andere Beispiele herbeiziehe. 

^ Praef. (Edit. Barcinone 1592. 4") zur Comp. IV. Sarti I. p. 326 wiederholt seine Worte. 

ä Sarti 1. c. nota b. 

i Bd. V. Seite 282. Ich habe .«chon in meinem Lehrb. Seite 54 Note 39 gegen Savigny die Priorität des Apparats zum 
Decret behauptet. 

5 Kirchenrecht IV. S. 180. Die Gründe für 1212 sind nicht concludent. Maassen in Jahrliuch des gem. deutsch. Rechts 
(Bekker u. Muther) Leipz. 1859. Bd. UI. S. 244. 

^ Die von mir benutzten Handschr. der Comp. IV. siehe a. a. O. 

In der gl. convocari zu c. 8. C.iii. q. 2. wird dies ausführlich erörtert. Deren Citate sind aber von Barth. Brix. 
umgeformt; in den alten Handschr. (Codd. Trev., Bamb., Prag.) hahen sie den alten Charakter; auch hat eine Ergän- 
zung stattgefunden, da cap. nonnulli de rescr. aus Comp. IV. citirt ist. Möglich bleibt freilich eine spätere Ergänzung 
durch Johannes selbst. 

■" Zu c. 36. D. 63. wird der Gegenstand in Glossen behandelt, die sämmtlich Johannes angehören. 

8 In gl. quae tunc zu c. 5. C.vii. q. 1. führt er dies aus. In der Glossa des Bartli. Brix. sind die Citate auf die Grego- 
rianische Sammlung umgeformt, die angeführten alten Handschriften haben sie nach den alten Compilationeu. 

' Diese ist sowohl in den Handschriften (Prag, Trier u. s. w.) als in den alten, ja allen Ausgaben mit Jo., der Zusatz mit 
B. gezeichnet. Dieser eine Aenderung angebende Zusatz beweist aber auch an sich, dass der vorhergehende Theil nicht 
von Barth, ist. 



Die Glosse zfm Deckkt Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 7.7 

C. de aeq. poss. 1. vitia et ff. de di. et temp. praes. 1. an vitium et 1. cum haeres. Purgatur 
ergo hoc vitium per successorem. Sic extra I. de fil. presb. c. ex transmissa [ist 
c. 8. i. 9. Compil. I.], unde dicit lex, quod non videor vi possidere, si recipiam posses- 
sionem ab eo, qui possidet, licet ille vitiose possideat, ut &. uti possidetis 1. si duo, et 
sicut extra 111. de restit. spul., cum ad sedem in fine [ist c. 5. ii. G. Compil. III. j, 
Jo.' Dazu der Zusatz: ,Hodie tarnen spoliatus potest convenire quemlibet possessorem 
condictione ex canone, ut extra de restit. spol. c. saepe contingit. Bart.' Dies cap. 
cum saepe ist can. 39. Conc. Lat. IV. vom J. 1215, das als c. 3. de rest. spol. II. 3. 
in der Compil. IV., als c. IS. de rest. spol. II. 13. in der Gregorianischen Sammlung 
steht. Dieselbe Nichtkenntniss der Bestimmung von 1215 zeigt die Glosse zu c. 15. 
C.xvi. q. 3. Absolut beweisend ist, dass Johannes die Constitution Innocenz 111. über 
die Beschränkung der Ehehindernisse der Verwandtschaft und Schwägerschaft nicht kennt, 
weshalb Bartholomäus auch hervorhebt (gl. zu (^. 2. et 3. princ. C. 35.), man brauche 
diese Partie gar nicht zu lesen. 

Drittens. Tancred hat bei Abfassung des Apparats zur Compilatio 111. den Appa- 
rat des Johannes zum Decret vor sich.' Tancred's Apparat ist spätestens 1226, ziemlich 
sicher im Jahre 1217 vollendet gewesen." Ihm ist die Comp. IV. nocli unbekannt, das 
Concil von 1215 bezeichnet er als ,proxime celebratum.' Honorius III. hat seine Samm- 
lung, die Compilatio V., im Jahre 1226 publizirt.' Die Comp. IV. war vorher im Ge- 
brauche, muss mithin bereits Jahre lang vorher gemacht sein, zumal sie nur Decretalen 
von Innocenz III. enthält, der am 16. oder 17. Juli 1217 starb. 

Es darf somit als sicher angenommen werden, dass Johannes' Apparat zum Decret 
vor dem 11. Nov. 1215 (Anfang des 4. Lateran. Concils) vollendet war. 



Viertes Capitel. 
Die Glossa ordinaria des Bartholomäus von Brescia. 

' §. 18. 
1. Zweck niid Charakter. 

I. Quoniam novis supervenientibus causis novis est remediis succurrendum, idcirco 
ego Bartholomaeus Brixiensis, confidens de magnificentia Creatoris, apparatum Decre- 

Ich habe in meiner Lit.-Gescli. der Comp. ant. S. 8(> we<;en der dort allgedruckten Glosse convoeari zu c. 8. 
C.iii. i{. 2., worin citirt wird: ,ut extra de rescr. nonnulli' angenommen, weil die? Citat auf [e. 5. de rescr. Comp. IV.] 
c. 37. Conc. Lat. IV. geht [c. 28. X. de rescr.], Johannes habe bei Abfassung des Apparats zum Decret das Concil vom 
Lateran berücksichtigt. Ich muss diese Ansicht zurücknehmen und jenem Citat die Beweiskraft bestreiten aus folgenden 
Gründen: 1. Da es feststeht, dass Johannes, als er die Comp. IV. glossirte, bereits das Decret glossirt hatte, wie die 
oben im Texte mitgetlieilten Citate beweisen; 2. da Tancred in dem Apparat zur Comp. III. bereits den zum Decrot 
kennt, und da Tancred's Apparat bald nach dem Concil vom Lateran gemacht ist (meine Lit.-Gesch. S. 88); 3. da die 
Citirart extra iii. und extra schlechtweg ohne Zusatz neben einander ganz abnorm und gegen die Gewohnheit ist, indem, 
wenn die Stelle bereits in der Comp. IV. gestanden hätte, er extra IV. gesagt liiitte, wenn das nicht der Fall war, wie 
das in anderen Fällen geschieht, etwa ,nova decret.ilis Innoc' oder ,ean. Later. Conc' und dergl. oder .extravagans 
Innoe.', weil extra schlechthin eine Sammlung voraussetzt; 4. da ein Niclrtberücksichtigen einer so wichtigen Constitution, 
wie die ilim unbekannte des c. 3. de rest. spcjl. II. 3. Comp. IV. und gleichzeitig das Kennen des nichts wichtiges 
neu bestimmenden caput nonnulli undenkbar ist: so liegt auf der Hand, dass das Citat ,extra nonnulli' von der- 
selben Person als Zusatz herrührt, welche das andere Citat , extra iii. de appell.' einfach in extra verändert hat. 
' Vergl. die in meiner Lit.-Gesch. S. 77 abgedruckte Glosse zu c. 4. v. contravenerint, de constitutionihus. 

2 Meine Literaturgeschichte S. 84. 

3 Meine Lehre von den Quellen des kath. Kirehenr. Ö. 330. Honorius starb .im 18. März 1227; er war erwählt am 18.. 
gekrönt am 24. Juli 1216. 



78 Joii- Friedrich K. von Schulte. 

torum duxi in melius reiormanduin , non detrahendo alicui , nee attribuendo mihi 
glossas, quas non feci; sed supplendo defectmn solummodo, ubi correctio necessaria 
videbatur, vel propter subtractionem decretalium, et diminutionem earundem, vel propter 
iura, quae supervenerant de novo. Interdum etiam solutiones interposui, quae prae- 
termissae fuerant a Joanne. Hoc feci ad honorem oninipotentis Dei, et Ecclesiae Ro- 
manae, et ad communem utilitatem oninium studentiiim in iure canonico. 

So lauten die von Bartliolomäus seiner Umarbeitung voraus geschickten Worte. Aus 
ihnen ergibt sich: 

1. Er sagt nicht, dass er selbst Glossen gemacht habe oder machen wolle. 

2. Seine Reformation besteht einmal in der Ergänzung, wenn entweder wegen Aus- 
lassung und geringer Beachtung der Decretalen oder wegen neu ei'lassener Decretalen 
eine Verbesserung nöthig sei, sodann in der Hinzufügung der von Johannes ausgelasse- 
nen Lösungen. 

3. Er hat die Glossen und ilire Siglen nicht verändert, insbesondere fremde Glossen 
sich nicht beigelegt. 

Nach diesem Vorworte, das genau zur Methode desselben Verfassers passt, in dem 
Eingange eines Werkes hervorzuheben, was er geleistet habe, sind wir anzunehmen 
berechtigt, es lasse sich durchweg feststellen, was Bartholomäus angehöre, mithin seine 
Thätigkeit für die Glosse vollständig beurtheilen. Wohl kann dies nicht aus den Aus- 
gaben geschehen, weil diese den Text ausnahmslos nicht rein geben. Aber aus den 
Handschriften sind wir dazu im Stande. Denn erstens entscheidet in den meisten Fällen 
die Sigle. Zweitens besitzen wir zahlreiche Handschriften aus der Zeit vor der späteren 
Ergänzung der Glosse, die uns die reine Glosse des Bartholomäus zeigen. Drittens gibt, 
wie sich zeigen wird, Bartholomäus in unendlich vielen Fällen seine Zuthat ausdrück- 
lich zu erkennen. Viertens lässt sich in zahllosen Fällen auf den ersten Blick ersehen, 
was ihm angehört, wenn eine Polemik vorliegt. Endlich fünftens gehören selbstredend 
die sich auf Decretalen nach Johannes stützenden Angaben ihm an, soweit diese De- 
cretalen nicht nach Bartholomäus fallen. 

Da wir aus den Worten der Einleitung entnehmen dürfen, dass er den Apparat als 
ein Ganzes ansieht, das er als solches nicht verändert hat, so ergibt sich für die Be- 
urtheilung der Glosse noch eine sehr wichtige Folgerung. Bartholomäus hat keine 
Glossen zugesetzt. Die nicht von Johannes herrührenden, aber auch diesem nicht zu- 
gehörigen Glossen sind mithin entweder bereits von Johannes seinem Apparate einver- 
leibt, oder sie sind nach Bartliolomäus in denselben eingefügt worden. Da wir nun aus 
den alten Handschriften so ziemlich in allen Fällen sehen können, ob eine bestimmte 
einzelne Glosse bereits vor Bartholomäus im Apparate, beziehungsweise in der vom 
letztern herrührenden Gestalt vorlag: so ist es möglich, auf diesem Wege zur vollen 
Klarheit zu gelangen. Was sich auf diese Art nicht feststellen lässt, ist sehr wenig. 

Im Folgenden soll nun des Bartholomäus Thätigkeit im Einzelnen unter Berufung 
auf die Glosse selbst geschildert werden. 

IL Bartholomäus' Reformation zeigt sich in folgenden Punkten.* 



' Wo ich in den Handschriften nnd Au.sgaben keine Abiveiclmngen vorgefunden habe, welche auf die Sache von Einfius.«! 
sein können, enthalte icli mich der besonderen Anführungen. Soweit ich einzelne Stellen näher beschreibe, geschieht es 
vorzüglich bei solchen, die für mehrere Punkte von Bedeutung sind oder an sich Interesse haben. 



Die Glosse zum Decket Ghatians von ihuen Anfängen bis ai'f die jüngsten Ausgaben. 79 

Erstens. Die Citate der Decretalen in dem Apparate des Johannes Teutonicus 
waren den Compilationes anti(]iiae angepasst, so dass es dort stets lieisst: ut extra 
i., ii., iii. z. B. de appellation. ii. s. w. Bartholomäus hat diese umgewandelt in 
Citate nach den (Tregorianiselien Decretalen, weshalb er schlechtweg extra (x) 
setzt. Jede Seite einer irgend beliebigen Ausgabe der Glosse und jede Handschrift mit 
alten Glossen des Decrets gibt dariiber Gewissheit. Einige Beispiele genügen. 

Causa III. (|. 3. c. 4. (Cod. Trevir.) ,IIic habes/ quod tantvmi semel danda est 
dilatio et sie est contra extra i. de testibus in causis, extra iii. de testibus significa- 
verunt, C. de judiciis auct. jubemus, iibi habes, (]uod ad testes inducendos tres 
dilationes sunt concedendae. Solutio: licet plures productiones - [non] possunt dari tarnen 
sub una dilatione possunt üeri mille productiones. Alii intelligunt, (juod de jure tres 
dari possunt dilationes ad testes producendos et dicunt hanc legem loqui de dilationibus 
(piae indulgentur a judice, sed auth. et decretales de dilationibus, quae conceduntur 
a jure. 

c. 1. D.i.' ,i. e. omnis lex, plui'ale pro singulari. 8i cnim demonstrares duas leges, 
unam divinam et aliam humanam, non potest vei'e dici: istae leges aut sunt divinae aut 
liumanae, et valet talis intei-pretatio in rescriptis quandoque, „cum ita scribitur: ,si ista 
Vera sunt', i. e. si hoc verum est et si illud verum est. Sic extra iii. de appell. signi- 
licavit in fine et extra iii. de praebendis cum iam dudum et extra i. de rescr. ex parte. 
Sic ini'ra ii. q. 1. in primis, ff. de condit. et dem. falsa, et ö\ de statu homin. sum- 
mam. Jo.' 

c. 5. D. L. V. per quod. ,Ar. (piod i'atione unius delicti imputantur omnia delicta, 
ijuae sequuntur ex illo, ut xv. q. 1. si quis insaniens, xxii. (j. 4. inter, ff', quod metus 
causa si mulier; argum. contra: extra ii. de spons. veniens. Jo.' ' 

Säimutliche Citate von Decretalen in der Glossa ordinai'ia des Bai'tholomäus passen 
auf Gregor's IX. Decretalen. 

Zweitens sind die Quellencitate durcJi die Angabe anderer von Johannes übergan- 
gener Decretalen und bisweilen aucJi durch andere Parallelstellen des Decrets ergänzt 
Avorden. Hunderte von Beispielen lassen sicJi dafür namhaft machen, es genügen wenige. 
In der gl. sie patricius ad c. 23. D.lxiii. setzt er mit seiner Signatur zu ,extra de 
eleet. sutiVaganeis', was in der Comp. ii. steht. Gl. sub excom. zu c. 4. ib. fügt er bei 
das Citat von c. 22. x. de appellat., um des Johannes Ansiclit zu stützen. In der gl. 
libelli zu c. (i. Ddxxxi. ergänzt er Citate aus dem ])ecrete. Gl. coerceant zu c. 7. 
D.xc. Gl. desideret zu c. S. D.xcii. 

Drittens werden Citate in den Text der Glossen des Johannes eingeschaltet und 
wird auf fnihere oder spätere Erörterungen verwiesen. Als Belege führe ich ausser den 
eben genannten Glossen D. 81, und 'JG. für den letzteren Funkt an; gl. necesse zu c. 38. 



' Im (Itii Ausgaben der Glossa ord. ist uocli ein Zusatz angehängt, am Ende mit Ii. gezeichnet Dieser, ausdrücklich als 
additio, von neuerer Hand ;reschrieljen, steht auch im Cod. Trevir., mit B. am Ende gezeichnet; aber vor Sed certe 
steht nicht Jo., so dass der ganze Znsatz von jure an (commuui hat der Codex nicht) B. nach ihm angehört. 

Im Cod. Prag, steht nach jure (communi fehlt) keine Sigle, dann aber von neuerer Hand ,Jo. Dominus Hugo- 
linus (ausgeschrieben) dominus mens — finnt. B.' wie in den Ausgaben, endlich nach dem Zeichen, welches auf liesen 
Znsatz verweist: ,vel dicas, quod le.K ista loquitur de dilatione exceptionis, ubi una dilatio debet dari. AI.' 

- Darüber im Cod. Prag. ,dila t ion e s'; non ist hier mit einem Verweisiingszpichen darüber gesetzt, 

^ Im Cod. Prag ohne Sigle. 

■■ Im Cod. Prag, ohne Sigle. 



80 -TOH. FlilEDKIOH II. VON Sl'HÜLTE. 

C.ii. q. 7.: ,et x. de test., c. testimonium ubi delinitur breviter. B.' Dies c. 54. x.ii. 
20. gehört Gregor IX. an; am Schlüsse daselbst: ,quid juris sit de ordinando, notavi 
supra 25. d. c. primum. B.' 

Viertens verweist er auf andere Schriften, Glossen u. s. w. Ich habe mehrere 
Dutzende von Stellen notirt, in denen er seine Quästionen citirt bald am Ende,' bald 
eingeschaltet im Texte, ^ bald in ,quaestionibus meis', bald schlechtweg ,in quae- 
stionibus' sagend. 

Häufige Verweisungen kommen vor auf Hugolinus, regelmässig mit dem Zusätze 
, dominus meus'.^ 

Häufig citirt er ferner Tancred, bisweilen so, dass sein Verhältniss als Schüler 
erhellt.* Alle derartige Citate beziehen sich auf die Apparate zu den Compilationes 
antiquae. 

In gl. tot scriptis c. S. D. 74. wird citirt: , In hoc conveniunt T. Hug. et Jac, 
quod puniri debet in expensis citatus ... et ita in publico conventu responderunt Jac. 
et H.' Dass er hier Hugolinus und Jacobus de Ardizone^ meint, kann nach der 
ganzen Stelle keinem Zweifel unterliegen, da weder an Huguccio noch an Jacobus 
de Albenga zu denken ist. Auch wird in dieser Einschaltung eine Ansicht angeführt, 
welche gegen die in der Joh- Teut. angehörenden Fortsetzung citirte Ansicht von 
Huguccio streitet. 

Andere Schriftsteller sind bereits genannt und werden noch im Folgenden erwähnt 
werden. 

Fünftens fügt er die neueren Decretalen hinzu, bald zur h]rgänzung der Citate, 
welche Johannes hat, mithin zur Bestärkung der von demselben aufgestellten Ansiclit,'' 



1 Z. B. zu c. ü. D. 03. ,Quid de hoc juris sit notavi [so lesen alte Haudsclir. z. 15. Cod. T. Meist stellt abgekürzt no.] in 
quaestionibus. B.' Ebenso zu c. 12. D. 32.. c. 8. D. 45., legitime zu c. 25. C.i. q. 7., zu c. 39. C.ii. q. 6. In dem Zu- 
sätze zur gl. quae acquis. c. 16. C.xviii. q. 2. sagt er: ,Sed haue q. plene notavi inter doniinieales quaestiones. 
Einige Ausgaben (z. B. Lugd. 1671) haben hier die corrupte Sigle Bern. 

2 Z. B. gl. de his c. 6. D. 50. gl. invitus zu c. 13. D. 5.5., obrepsit c. 3. D. 81., siguatis zu c. 3. U. 99. 

' Z. B. gl. quam semel dict. ad c. 4. C.iii. q. 3. ,domiriu3 Hugolinus dominus mens notavit super legem illam de 
feriis.' So lesen Handschr. (Prag. z. B.) und alte Ausg. (M. 1472 ,dom. meus dorn, hug.', gerade so Basel 1476), wäh- 
rend andere Ausgalien (S. 1471, N. 1483, Rom 1584, Lugd. 1671) blos h. haben. Zugleich fehlt nach jure in allen citir- 
ten Ausgaben die Sigle Jo. Die röm. 1478 liest gar ,b. dorn. mens'. Dass es Hngolinus heissen muss, ist unt'raglich. 
— Ibid V. cum vero. V. fidejussione ib. ,Dora. H. et alii doctores legum dicnnt'. c. 1 C. 3. q. 5. — c. 4. C.iii. 
q. 11. ,Ego Bartho. Brix. sie audivi ab Hugolino casum hunc.' tjbrigens fehlt der Zusatz in allen 5 cit. alten Aus- 
gaben. — Gl. revertitur zu c. 10. C. 32. q. 1. Im Cod. P. lautet das Einschiebsel richtig also: ,quaiido poena commit- 
tatur vel quando purgetur, uo. in di. domini niei hugol. b.'. In den Ausfallen steht durchweg h. und fehlt die Sigle 
b. Dass Hugolinus gemeint sein muss, wird unten gezeigt. Er ist auch gemeint c. 31. C.ii. q. 6.: ,H. tarnen dixit, ()Uod 
plures procuratores possunt simul agere, sicut notavit in d istinc tio nibus suis. B.'. 

* c. 8. D. 45. ,Tancredus tamen respondit'. c_ 3. D. 63.; c. 8. D. 74.; c. 8. D. 92.; pr. q. 4. C.ii.; die schon cit. Stellen 
zu dict. c. 4. (3.) C.iii. q. 4. ,et ita semel Tancr. respondit in scholis.'; gl. si quis C.iv. q. 3.; o. 6. C.x. q. 3.; c. 6. 
C.x. q. 3.; gl. negatio c. 66. C.xvi. q. 1. ,Tan. tamen et B. narrant contrarium per decret. illam extra eod. tit. de 
terris et per decr. extra de usu. c. quanto. quod coucedo.' Der Passus ist ein Einschiebsel von Barth., steht auch 
nicht im Texte des Joh. in den Handsch., die ihn rein haben (B. P. T.), sondern nur als späterer Zusatz. Er fehlt in 
den cit. Ausgaben von R. 1478, S. 1471 und N. 1483, steht aber ohne Sigle in M. 1472, B. 1476. Dass diese Zusätze 
Barthol. angehören, ergibt sich schon daraus, dass Johannes vor Tancred schrieb (§. 17). 

5 Vgl. v. Savigny V. S. 47 ff. und 82 ff. 

* Gl. civitatis c. 3. D. 24., wo er das c. 2. x. ue sede vacante iii. 9. von Honorius III. anführt. Zu c. 11. D. 32 führt 
er an C. ult. x. de temp. ord. von Gregor IX., zu c. 1. D. 63. c. 55 x. de elect. von demselben, zu c. 5. D. 63. 
das c. quisquis 43. x. de elect. vom Lateran. Concil von 1215; gl. tonsuratus zu c. 21. C'xxvii. q. 2. ,male 
dixit H., cum iteruni approbata sit in nova compilatione illa decretalis quidam. B.' [in c. 3. x. de convers. conjug. 
iii. 32,1. 



Die Glosse zum Decket Gbatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 81 

bald um dadurch dessen Ansicht zu widerlegen ' oder einzuschränken.- So verhalten 
sich die Zusätze unendlich oft polemisch und werden sehr vielfach eingeleitet mit der 
Phrase: .male dicit Jo.', ,sed certe quidquid dicat Jo., ego credo' und ähnlichen. Oder 
sie heben den damaligen Rechtszustand auf Grund der Gesetze ausdrücklicli liervor, 
deuten dies auch durch Wendungen als ,hodie vero sufficit' u. dgl. an.'' 

Ob die sich in Handschriften^ und Ausgaben'^ findenden Erwähnungen der pars 
(lecisa Bartholomäus angehören, muss ich daliin gestellt sein lassen, weil ich derglei- 
chen Zusätze bisher handschriftlich mit seiner Sigle nicht gefunden habe. Das Fehlen 
in den alten Ausgaben spriclit dagegen. 

Bisher sind jene Glossen bezw. Zusätze hervorgehoben worden, wodurch Bartliolo- 
mäus mehr die äussere, insbesondere quellenmässige Vollständigkeit und Correctheit der 
Glosse herbeizuführen suchte. Indessen Hess er seine Thätigkeit keineswegs dabei be- 
wenden, sondern suchte sowolü durch seine eigene Autorität dieselbe zu festigen, als 
auch überhaupt zu verbessern, zu vervollständigen und zu ergänzen, wie die folgende 
Erörterung zu zeigen hat. 

Sechstens 1)ekräftigt er die Ansicht von Johannes, ohne irgend neue Gründe bei- 
zubringen.* 

Siebentens sucht er zu verbessern durch häufige Polemik, indem er überhaupt 
die Ansichten von Johannes angreift, weil er sie nicht in der Quelle findet,' oder weil 
er sie zu eingeschränkt findet, während die Quelle eine Erweiterung fordere," oder in- 
dem er sich der von Johannes reprobirteu Ansicht anderer anschliesst," oder indem er 
dessen Ansicht, einschränkt auf einen engeren Kreis,'" oder aus selbstständigen Gründen." 

Achtens strebt er zu ergänzen durch Hervorheben der Ausnahmen,'^ welche er 
übergangen sieht, durch schärferes Betonen einzelner P'älle und Modificationen des in 



' D. 50. piiiic, wo das liereits cit. e. iilt. x de tcinii. ord. angeführt ist; c. 4. ib., wo c penult. x. de elect. von Gre- 
gor IX.; gl. sciscitant. 5. C.xv. q, 8., wo neben 2 iilteren c. ult. x. de cohab. der. von Gregor IX.; gl. primum zu 
c. 6. D. 25.: ,Sed certe hoc nou verum est, licet Joan. hoc dicat; nam pro occulto crimine nemo repellitur post poeni- 
tentiam iiisi in homicidio, ut dicit nova decret. extra de temp. ord. c. ult., quae declarat hoc totuni. B.' 

2 c. 6. D. 50., wo er c. 21. x. de accus, citirt, das in der (Joni]). IV. steht; C xv. q. 3. pr. beruft er sich auf das in der 
folg. Note cit. c. ult. x. de postul. 

5 Siehe die vorher angeführte Glosse zu c. fi. U. 25. Zu c. 10. C.xiv. q. 5. mit Citat von c. ult. x. de postulando i. 37. 
von Gregor IX. — C.xv. q. 8. pr. ,Sed haec materia est hodie determinata extra de teinp. ord. c. ult. B.' — C. 27. 
C.xxiii. q. 4. , Hodie recurretur super haec ad novellam B.' — Zu c. 21. C.xxxii. (;. 5. ist das schon erwähnte 
c. 54. X. de testib. von Gregor IX. citirt. 

* Unten §. 21. Anmerkung ö. 

5 Zu c. 8. C.ii. q. 3. gl. (in omnibus); c. 41. C.ii. q. 6 gl. defuucto in den Ausgaben Lyon 1554, röm. 1584, Lyoner 
lß71 u. a. in parte decisa fehlt in den alten Ausgaben bis einschl. der von löOO. 

ö Z. B. gl. sacrosanctis zu c. 1. D. 85. ,Ego credo, Joannera bene dicere. B.' Gl. post .secundnm c. 1. D. 100., wo 
er nur sagt, was Joh. schon gesagt h.atte; gl. secunda zu princ. (|. 2. C.xxix. ,et haec opinio bona mihi videtur. B.' 
mitten im Texte. 

■ Z. B. c. 1. D. 04., pr. D. 74., c. 9. ü. 74., c. 5. D. 78., gl. practul 2. D. 79., gl. ubi prius D 92. ,haec gl. non 
adai)t.itur ad textum. B.'; Gl. nemo c. 57. C.i. q. 1. sehr energisch; gl. nioliantur 99. C.i. q. 1., pr. C.iii. q. 1. 

^ gl. lectoris c. 1. D. 69., gl. denarium 5 D. 82, gl. praetermittit zu c. 3 .C.xxv. q. 2., gl. putaverint zu c. 16. 
C.ii. q. 6. 

9 Z. B. gl. sabbati zu c 4. D. 74. 

"1 Z. B. gl. pubertat. c. 3. D. 77., gl. saeculari zu c. 18. C.ii. q. 1., c. 1. C.ii. q. 6., c. 1. C.iii. q. 10. 

" Z. B. gl. saeculariter zu c. 8. D. 81., gl. ex usu 124. Ci. q. 1. 

'2 Z. B. in gl. eoruni c. 3. C.iv. q. 2 et 3. 
Denkschriften der pliil -hiat. CI. XXI Bd. AbhanJI. von Nichtmitgliedern. ' 



82 JoH. Friedrich K. von Schulte. 

der Glosse Gresagten,' dui'cli Zusammenfassen des Auseinandergesetzten," durch Aufstellen 
allgemeiner Sentenzen,^ ganz vorzüglicli aber, indem er sehr häufig die von Johannes 
nicht mitgetheilten solutiones beifügt.^ 

Der Ton der Darstellung und Polemik ist im Ganzen ziemlich derselbe. Sehr ver- 
einzelt zeigt sich die Möglichkeit eines Zweifels an der eigenen Ansicht;'' ein Witz wird 
eingeflochten,'' im Allgemeinen kehren die gleichen Wendungen wieder von: male dicit 
Jo.', ,sed quidquid dicat Jo., ego tarnen credo' u. s. w. Hundertmalen leitet er 
seine Zusätze mit ego Barth. Brix. ein.' 

Die bisher dargestellte Thätigkeit von Bartholomäus unterliegt keinem Bedenken, 
weil sie sowohl in seiner eigenen Vorrede zum Apparate angedeutet ist, als auch durch 
innere Gründe, durch die Handschriften und ältesten Ausgaben feststeht. Drei Punkte 
bleiben aber übrig, welche einer Untersuchung um so mehr bedürfen, als sie von Bar- 
tholomäus auch nicht einmal angedeutet werden, ich meine eine Anzahl selbstständi- 
ger, mit B. oder Barthol. gezeichneter Glossen, die Casus und die Divisiones. 

Die wenigen in den Ausgaben mit B. oder Barthol. gezeichneten selbstständigen, theils 
Wort-,* theils Sacherklärungen'' enthaltenden Glossen gehören ihm entschieden nicht an. 
Ich sehliesse dies daraus, dass er bei seinem Charakter diese Thätigkeit gewiss würde 
erwähnt haben, dass ich in keiner alten Handschrift diese und andere Glossen als spä- 
tere Zusätze gefunden habe, dass auch die Ausgaben des 15. Jahrh. sie ihm nicht bei- 
legen. Entweder gehören sie Johannes an, oder, falls die Sigle auf alten Handschrif- 
ten ruhet, Bazianus. 

§■ 19- 
2. Die Casus und Divisioues. 

I. Der zweite -Punkt betrifft die zahlreichen, in den Ausgaben seit'" der von 1505 
(oben §. 2. num. 10.) stehenden Casus, welche, mit dieser Inscription, regelmässig 
im Anfange der Glosse stehen und eine Darlegung des Falles geben, den das Capitel 
behandelt. Hierbei ist bald der sich aus dem Capitel selbst ergebende Fall auseinan- 
dergesetzt, bald ein fingirter angenommen worden, bald auch lediglich die Anknüpfung 



' Z. B. in gl. et jurare c. 33. D. 63., gl. cum in culpa 1. D. 68., gl. nam piobatur zu c. 2. D. 82., gl. sed filius 

c. 24. D. 87. 
- Zu c. 9. D. 87., gl. probare zu c. 108. C.i. q. 1., zu c. 2. C.iii. (|. 9., gl. audierunt zu c. 15. ibid., gl. absolv. c. 2. 

C.xv. q. 6. 
3 Neben Stellen in der vorhergeh. Note u. a. z. B. c. 25. C.i. q. 1. 
* Gl. iussissent c. 24. D. 63., c. 17. D. 81., c. 7. D. 88., gl. irruerit c. 8. D. 92., gl. possunt 1. C.i. q. 1., studet 

c. 2. ibid., furti zu c. 97. ibid., actiones zu c. 11. C.ü. q. 6., ut quidam c. 58. C.ii. q. 7., occurrerit zu c. 1. 

C.iv. q. 5. 
5 Gl. possideri princ. q. 1. D.xiv. ,Ego credo, salvo meliori consilio' u. s. w. 
s Zu c. 3. D. 81. ,Hic Jo. ligat arenas sine cemento et idem decies dicit. B.' Über diese Phrase vgl. mein Lehrbuch 

Seite 52. Note 23., S. 54. N. 35. Übrigens hatte er an Johannes selbst [dieser sagt z. B. gl. illud vero zu dict. Grat. 

post c. 24. C.xxxii. q. 7.: ,Quandoque bonus dormitat Homerus. Vagatur Grat, pro solutione illius capitis' etc.] und vielen 

Alteren Vorbilder. 
' Z. B. c. 57. D. 50., c. 4. D. 84., c. 4. C.iii. q. xi., c. 3. C.iv. q. 2. et 3., c. 1. C.xii. q. 4., c. 5. C.xiii. q. 2. Eine häutige 

Formel, die im citirten c. 3. C. 4. q. 2. ,Et quidquid hie dicatur per Ben. vel alios, ego Barth. Brix. hunc casum verum 

esse credo'. 
8 Z. B. gl, libelli zu c. 6. D. 81. 

^ Z. B. gl. superstes zu c. 9. D. 65., excommunicatione zu c. 101. C.i. q. 1., vel teste zu c. 24. Cxi. q. 3. 
1" In keiner einzigen Ausgabe vor dieser kommen sie vor; ich habe ausser den oben genannten neun Ausgaben 

bis 1500 noch nachgesehen in den Venetianer von 1474, 1480, 1487, 1499, der Baseler von 1493. 



Die Glosse zum Decket Güatiäns von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben^ 83 

an das Vorhergehende enthalten.' In diesen Casus wird unendlieh oft überhaupt nur 
eine Ansicht dargelegt, ohne jede Angabe einer anderen und ohne Nennung von Schrift- 
stellern;^ oft enthält der Casus in Wahrheit nichts als eine Angabe der Abschnitte des 
Capitels mit ihrem Inhalte.* Sehr häufig aber stellt der Casus die abweiclienden An- 
sichten über den Fall zusammen, oder beruft sich auf eine fremde Ansiclit, sei es um 
sie anzunehmen, sei es zu bekämpfen. In solchen Casus Ist es beinahe stets ßenencasa 
Senensis,* sodann Huguccio, welcher angeführt wird. In einer Anzahl dieser Casus 
tritt Bartholomäus als redend auf."' Diese Casus nehmen in den späteren Ausgaben einen 
grossen Raum ein. Es fragt sich nun: rühren sie von Bartholomäus in der Form, welche 
diese Ausgaben aufweisen, her? sind sie von ihm als Theile seinem Apparate ein- 
gefügt worden? 

Ich habe eine grosse Zahl von diesen Casus nach den oben §. 2 num. lü., 11., 12. 
angeführten Ausgaben verglichen mit den betreffenden Casus des Bartholomäus Brixien- 
sis nach mehreren der genannten Handschriften und folgenden Ausgaben: 

1. Casus Decretoruni Bart ho. Brixien . . . . Expliciunt casus decretorum Bartho- 
lomei Brixiens. 212 Bl. [bei Hain nicht angegeben. Prager Univ. 44. E. 38.] s. 1. a. 
et typ. n. 

2. Basel 1489 (Hain 2472. Prager Univ. 41. I). 21.). 

3. Casus decreti Bartholomei Brixien. in urbe Lugdun. per Claudium giboleti stu- 
diosissime impressi finiunt feliciter multaque lugubratione emendati. Anno salutis mil- 
lesimo quadringentesimo nonagesimo septimo. XV. die Julii (fehlt bei Hain. Prager 
Univ. 41. F. 31). 

Das Resultat dieser Untersuchung ist: abgesehen von verschiedenen Lesarten sind 
alle Casus der Ausgaben mit denen der Decretsausgaben gleichlautend; alle 



' Dies meiat im Eingänge der Glosse zu den dicta Gr.atiaui, z. B. zu c. 53. 65. 56. 61. C.xvi. q. 1. 

2 Z. B. c. 14. D. .S2., c. 13. D. 55., c. 14. D. 93. 

2 Z. B. c. 2. D. 46., c. 3. D. 47., c. 70. C.i q. 1. 

■* In der Ausg. Lugd. 1671 wird — ich glaube niclit zu irren — kein Mal in den Hunderten von Kallen Benencasa 
gesetzt, sondern meist Ben e ventanu.s, Beneventa, Beneven., Bene.. Bene, Ben., ja selbst Ben ed. und Bern, 
gesagt, obwohl stets nur Benencasa gemeint ist und gemeint sein kann. Dass Benencasa ein Werk schrieb, welches 
Casus decretorum heisst, und von Bartbol. Brix. überarbeitet wurde, ist bekannt: mein Lehrbuch S. 52. 58. 
[Handschriften von Benencasa: Bamberg P. II. 17. mbr. fol. saec. XIII. i'ol. 5 — 71. Leipzig Univ. 984. f. mbr. 3. 
XIV. f. 1 — 58. Angers Stadtbibliothek num. 381. mbr. fol. s. XIV] Die Überarbeitung von Barthol. fällt in dessen Stu- 
dentenjahre; sie hat das Original verdrängt, ist in vielen Handschriften [Prag Univ. 9. C. 1., Capitel J. XIV.; Tours 
Stadtbibliothek 597., Erlang. 160, 372; Wien Hofbibl. 2071, 2115, 2121, 2129 u. s. w.j vorhanden und öfter durch 
den Druck vervielfältigt worden. Ich habe bei genauester Vergleichung von Dutzenden von Stellen mit den angegebenen 
Variationen des Namens stets die Casus des Benencasa bezw. Barth. Brix. als Quelle gefunden. Ist dies schon allein 
beweisend, so entscheidet, dass ein Beneventanus gar nicht cxistirt, an Petrus Benev. gar nicht gedacht werden 
kann, Roffredus Benev. und dessen libelli de jure canonico (v. Savigny V. S. 199) aber nicht gemeint sind, 
weil diese Casus nicht in ihnen vorkommen. Wir haben corrumpirte Siglen vor uns, wie dies stehend in den späteren 
Ausgaben ist und wohl (siehe das über Baziamis Gesagte) vielfach auf Unkcnntniss beruhet. Casus mit Ben. sind z. B. 
zu c. 3. C.iv. q. 2., c. 1. C.vi. q. 5., c. 16. Cxi. q. 3., c. 8. C.xxiii. q. 5., c. 16. C.xxvii. q. 2., c. 4. C.xxviii. q. 1., mit 
Bene. zu e. 26. C.xviü. q. 2., c. 22. C.xxiii. q. 4., c. 6. C.xxviii. q. 1., mit Bene zu c. 27. C.xviii. q. 2., c. 6. Distinctio 
II. de poenit., mit Bern, zu c. 5. C.xiii. q. 2., c. 16. C.xxii. q. 1., mit Bened. zu c. 40. C.xvi. q. 7., c. 29. C.xxiii. q. 4. 
Stellen mit den anderen Bezeichnungen sind so häufig, dass es überflüssig ist zu citlren. 

Erwähnt sei noch, dass in einzelnen Casus (z. B. dem ersten zu c. 3. D. 83. in liUgil. 1671) auch B. steht, was wohl 
unzweifelhaft auch auf Benencasa geht. 

' Z. B. c. 8. D. 30. ,Beneventanus sie ponit. casum .... Ego Bartlio. Brix. aliter casum intelligo, sie ponens.' c. 57. 
\). 50. ,ita posuit Benevent, hunc casum . . . ideo ego Barth. Brix. cum H. intelligo hunc c.isum . . .' c. 4. D. 84, c. 2. 
C.i. q. 2., c. 41. C xxvii. q. 2. ,Moderni doctores totum hoc c. iutelligunt . . . Gandulplius et quidam alii intelligunt 
... Ego autem di ctus B. . . . et est iste casus H.' 

1* 



84 JoH. Friedeich R. von Schulte. 

Casus von Bartholomäus sind mit ganz unbedeutenden Abweic hungen ' in die 
spätem Ausgaben des Decrets übergegangen. 

II. Wie die erste, ebenso unbedingt muss die zweite Frage verneinend dahin be- 
antwortet werden, dass Bartholomäus diese Casus nicht als Bestandtheile seines 
Apparates eingefügt oder hat angesehen wissen wollen. Es folgt dies einmal 
daraus, dass er in der Vorrede zu den Casus: ,Quoniam suffragantibus antiquorum 
laboribus minores possunt interdum perspicacius intueri' lediglich anweist, bei 
der Vorlesung die Stelle anzudeuten, wohin er gehöre, mit den Worten: 

,Posito igitur casu, partes, ubi incipiant, legende literam assignabis; nee 
in positione casus dices, ubi prima pars incipiat vel secunda.' 

Zweitens hat laut der Vorrede Bartholomäus die Casus umgearbeitet als ,inter stu- 
dentes Bonon. minimus', die Glosse aber unzweifelhaft später gemacht. Hätte er die 
Casus als unmittelbaren Bestandtheil des Apparates angesehen, so konnte er sie in ihn 
aufnehmen, wenigstens hätte er sich in der Vorrede zum Apparate darüber erklären 
müssen. Drittens fehlen in den Handschriften des Decrets^ aus dem XIII. und XIV. 
Jahrhundert diese Casus, was undenkbar wäre, wenn sie als Bestandtheile der Glosse 
galten. Endlich hnde ich auch im Rosarium von Guido de Baysio weder eine derartige 
Andeutung, noch im Einzelnen auf die Casus als Theile der Glosse Bezug genommen. 
Es darf somit als feststehend angenommen werden, dass die Casus zuerst von dem 
Herausgeber der Ausgabe von 150.5 zugefügt worden sind. 

In den drei genannten Ausgaben der Casus decretorum steht ,a Beneventano 
conscriptos' ; in den Ausgaben sub num. 10. und 11. regelmässig Ben., die übrigen 
Formen fallen den spätem incorrecten Drucken zur Last. In den Handschriften ^ steht 
regelmässig ,a Benencasa conscriptos', so dass der Beneventanus auf Rechnung eines 
schlechten Abschreibers oder auf Unkenntniss des Herausgebers kommt. 

III. Als integrirender Bestandtheil der Casus und _^ebenfalls aus Barth. Brix. zuge- 
setzt erscheinen die bald in den Casus, bald als eigene Glossen vorkommenden Histo- 
riae, als deren Vater Paucapalea* dasteht. Nach ihm haben Damasus und Bartholo- 
mäus Brix. Sammlungen angelegt, bez. der letztere die des vorhergehenden über- 
arbeitet. •°' 

Vor. der citirten Ausgabe von 1505 kommen diese Historiae nicht vor, so dass 
kein Zweifel darüber entstehen kann, dass sie in jene zuerst übergingen. Da aber die 
in der Ausgabe von 1505 und den spätem Ausgaben enthaltenen Historiae nicht alle 
oder auch nur die meisten umfassen, sondern nur die in den Casus vorkommenden, so 
liegt die Sache ganz klar. 



• Ab und zu ist die Bemerkung der Casus: ,casns huius iiap.' (oder dergleichen; .planus est' ausgelassen worden. 
Darin weichen die Ausgaben noch ab, dass bisweilen die eine den Casus vor oder nach der .schon bei Joh. Teut. vor- 
fiudlichen Summa hat. Solehe Dinge sind aber gänzlich irrelevant, ebenso die schon im Titel der Ausgabe num. 11. an- 
gedeutete sehr seltene Erweiterung der Casus. 

2 Es kann mir selbstredend der Gedanke nicht kommen, s.immtliche Handschriften seien mir bekannt, ja es ist mir nicht 
in den Sinn gekommen, auch nur Eine Handschrift des XHI. oder XIV. Jahrh. zu diesem Zwecke capitelweise durchzu- 
gehen; ich habe aber manche Handschrift überhaupt also untersucht und in vielen hie und da für diesen Zweck nach- 
gesehen an massgebenden Stellen. 

ä Vgl. mein Lehrbuch S. 58. N. 11 z. B. der des Prager Domcapitels, Wiener Hofbibliothek num. •2129 mbr. fol. 5. 
XIV. incip. 

* Maassen Paucapalea S. 45. 

!> Meine Literaturgesch. der Comp. ant. Seite lOi. Benutzt habe ich für Barthol. auch den Codex der Wiener Hofbibl. 
2129 fol. membr. s. XIV. f. 101b — 109a., der seine Historiae enthält. 



Die Glos^se zum Decket Gkatuns von ihren Anfängen Bit; auf die jüngsten Ausgauen. 85 

IV. Grössere Schwierigkeit bietet auf den ersten Blick der Punkt hinsichtlich der 
Divisiones,' welche in Folgendem bestehen. Von der zweiten Distinction in Pars I. an- 
fangend wird in der Ausgabe Paris 1505 (Oben §. 2. 10.), mit der die spätere Pariser 
1506 (das. N. 11.) zusammentriift, desgleichen die von Lyon 150G, zu dem Anfangsworte 
vieler Distinctionen und Quästionen = eine Bemerkung gemacht, welche am Rande ausser- 
halb der Glosse mit Divisio bezeichnet ist; dieser Divisiones tragen sehr viele ^ die 
Sigle Jo. de fan., Joha. de fan., Johannes de fan., auch Jo. d'. f.* Ich habe diese 
mit Joh, de fan. gezeichneten Divisiones in keiner Handschrift des Decrets mit der 
Glossa ordinaria und in keiner Ausgabe vor der genannten von 1505 gefunden. Da- 
durch halte ich für erwiesen, dass sie 1. nicht von Bartholomäus zugesetzt und 
2. kein Bestandtheil der Glossa ordinaria sind. Da sie weiter in allen von mir 
verglichenen jüngeren Ausgaben bis auf die von 1671 in der Sache -^ wesentlich ganz 
gleich wiederkehren, so halte ich für erwiesen, dass sie 3. zuerst in die genannte 
Ausgabe aufgenommen und von daher in die späteren übergegangen sind. 

V. Ueber die Quelle, aus welcher die Ausgabe geschöpft hat, lässt schon deren 
Titelblatt (,divisiones domini Archidiaconi') keinen Zweifel. Eine ganz oberflächliche 
Vergleichung lehrt die Richtigkeit dieser Annahme. Vom Rosai-ium des (Guido de 
Baysio) Archidiaconus gibt Hain (2713 ff.) 2 Ausg. s. 1. a. et typ. n. an, von denen 
er die erste als in Strassburg gegen 1472 bei Joh. Mentelin erschienen annimmt, dann 
eine 3. Rom 1477, eine 4. Venedig 1480, eine 5. s. 1. 1481, eine 6. s. 1. 1490. Welche 
von diesen Ausgaben, oder — was kaum anzunehmen ist — welche Handschrift der 
Herausgeber des Decrets Paris 1505 zu Grunde gelegt hat, kann ich nicht sagen, da 
mir nicht alle Ausgaben zu Gebote stehen, ich aber auch aus den folgenden Gründen 
meine Zeit besser verwenden zu können glaube, als durch eine minutiöse Nachsuchung 
fiu- eine ohne diese Mühe lösbare Frage, zumal immerhin Willkür möglich bleibt, oder 
die Benutzung einer Handschrift, im letzteren Falle aber nur der Zufall helfen könnte 
wegen der grossen Zalil solcher Handschriften. Sicher ist, dass die blossen Siglen zur 



1 Phillips Kirclienieclit IV. S. 171 Ig. entscheidet sich t'iii' .J.ih. Faventiniis. Eingelicnder berührt Maassen Beitr. S. 2!) lg. 
diesen Punkt. Er bezieht die Siglen aus inneren Gründen auf Johannes de Deo, lässt aber die Möglichkeit offen, 
dass sie von Johannes Faventinus in dessen Glosse gemacht sein können. Maassen beschreibt S. 29 die Divisiones 
also: ,In den spateren gedruckten Ausgaben des Decrets mit der Gl. ord. findet sich zum Eingang der einzelnen Dist. 
und Quast, regelmässig in der Form einer Glosse mit der Sigle Jo. de fan. eine Anmerkung, welche die Dist. oder 
Quast, in mehrere Abschnitte eintheilt. Jeder dieser Abschnitte wird dann an der betrefJenden Stelle durch eine Glosse 
mit der gleichen Sigle hervorgehoben.' Meine Darstellung beweist, dass die Regelmässigkeit nicht weit her ist, dass 
M. oberflächlich verglichen und gerade dadurch sich die Möglichkeit einer entschiedenen Lösung abgeschnitten hat, auf 
die er wohl liei exacter Vergleichung gekommen wäre, falls er die Casus von Bartholomäus mit in Betracht 
gezogen hätte. 

2 Gar keine solclie Divisionen li.aben die Eingänge von Dist. 20, 35, 36, 39 (,Haec dist. brevis est et ideo non divi- 
ditur'), 41, 48, 49, 51 bis 53, 57 bis 60, 62, 72, 73, 77, 78, 85, 91, 98, 101, also dreiundzwanzig, ferner folgende 
Quästionen: C.i. q. 3. 6.; ii. 2.; iii. 1. 4. 6. [hier steht nach einer anderen Bemerkung ,Johännes de fantusia. et non di- 
viditur'.] 8. 10.; iv. 1. 5. 6.; v. 1. bis 5.; vi. 2. bis 5.; vii. 2.; viii. 2. bis 5.; ix. 1. 3.; xi. 2.; xii. 4.; xiv. 1. bis 4.; xv. 
2. bis 5. 8.; .xvi. 5. 4.; xvii. 3.; xviii. 1.; xix. 1. 2.; xxi. 1. 3. bis 5.: xxii. 3.; xxiii. 1. 2. 3. 6. 7.; xxvi. 1. 6.; x.xviii. 2. 
3.; xxix. 1.; xxx. 2.: xxxi 2. 3.; xxxii. 3. 6. 8.; xxxv. 2. bis 5. 7.; xxxvi. 1., also einundsiebzig. 

3 Ohne die Sigle Jo. de fan., überhaupt ohne Sigle sind die Eingänge von Dist. 5. bis 8., 10. 12. bis 19., 21. 22. 
23. 29. 30. 61., also neunzehn, die Quästionen in C.xxxiii. q. 3. D. 7. de poen., xxxv. 1. 7. 10., dann D.i. de consecr. 

* Durchgehends steht Jo. (Joha. Johänes) de fan., in D. 31. Jo. f., einigemalen Jo. d". f. 

;> Denn Abweichungen, die als Druck- oder Schreibfehler auftreten, oder dass z. B. die Ausg. 1671 regelmässig schreibt 

Joan. de Fant. u. dgl. können nicht in Betracht kommen; ebensowenig die Auslassungen oder Zusätze der Siglen in 

einzelnen Fällen. 



gg JoH. Feiedrioh R. von Schulte. 

Lösung der Frage kaum führen.' Jo. de f. ist die regelmässige^ Sigle des Archidia- 
conus für Joli. Faventinus, Jo. de für Johannes de Deo.^ 

In keinem der in Handschriften bez. Drucken zugänglichen Werke von Johannes 
de Deo kommt die Eintheilung vor, es bleibt also im Falle seiner Autorschaft nur die 
Vermuthung übrig, sie sei etwa in dem von ihm selbst erwähnten ,Apparatus de- 
cretorum' enthalten.* Über diese Vermuthung kann ich mich nicht weiter aussprechen, 
da mir bisher keine Handschrift dieses Werkes zu Gesichte gekommen ist. 

Zwei Wahrnehmungen will ich noch mittheilen. Die erste ist, dass regelmässig dort 
Casus von Bartholomäus stehen, wo keine Divisio steht; diese Beobachtung kann jeder 
leicht machen. Die zweite ist die, dass in Glossen von Johannes Faventinus sich sehr 
häufig Ausführungen der Art vorfinden, wie sie die Divisiones darbieten. Man kann sich 
davon aus Handschriften (z. B. der Prager) überzeugen. 

Somit bin ich nicht in der Lage, die Frage, aus welcher Quelle der Archidiaconus 
die Divisiones geschöpft hat, zu lösen. 

§. 20. 
:i. Die Zeit der Abfassuii}?. 

Zuerst muss eine Notiz als irrig dargethan werden, deren Richtigkeit eine mögliche 
feste Bestimmung ergäbe. In verschiedenen Ausgaben'^ und Handschriften" steht in der 
Glossa ordinaria als Zusatz von Bartholomäus zu c. 5. C.xxi. q. 1.: 

,et vidi per do. h. (hug.) talem procuratorem in concilio reprobari.' 



» Ohne mit Hunderten von Citaten zu kommen, will ich mir nur erlauben, folgende zu geben, deren Vergleichung mit deu 
früher gegebenen das Gesagte bestätigt. Ich lege zu Grunde die zuerst angef. Ausg. des Rosarium, dann die Lugduni. 
Apud Hugonem a Porta MDXLIX. Beide haben die Sigle: Jo de f. in Dist. 12. 13. 17. 21. II. pars. 22. 2.H. (.uich II. 
V. VI. VII. pars), 26. 28. (auch II. III. V.— VII. pars), 30. II. pars; Jof. dist. 28. VIII. pars; Jo. de in di.st. 11. 14. 2S, 
IV. pars. Causa ix. q. 2. und 3.; Jo. de deo in dist. 9.; p. in dist. 5. 19. 21.; Joff (Jof) in dist. 23. III. pars; Jo. 
dist. 3. 24. Die ü1)rigeu Siglen von Distinctio 1.— 30. weichen ab, ähnlich ist es überhaupt. Vergleicht man damit die 
Ausgaben des Decrets, so ist auf diese Weise keine Sicherheit zu gewinnen. 

2 Bewiesen wird dies durch die tjbereinstimmung zahlloser Citate mit der Summa. Aber er citirt auch Jo. fa. z. B. in der 
zuerst genannten Ausg. D. 23. c. illud 5. 

3 Maassen citirt dafür das bei Savigny iii. 503 gegebene Citat aus c. 6. C.xxiv. q. 3., welches Jo. de hat und durch 
die Stelle aus Job. de Deo's Zusatz zu Huguccio als Job. de Deo sicher gehörig erwiesen ist. Noch besser hatte er 
die Stelle selbst beim Archidiaconus nachgeschlagen, wo sie lautet: ,nec tot sunt constitutiones in corpore antenticorum, 
sed die, quod appellat hie constitutiones diversitates rubricarum, quia ut patet in aut.' frequenter in uua constitutione 
continentur plures rubricae secundum Jo. de f. Sed Jo. de dicit, quod sie dividebatur autenticura, antequam dividere- 
tur per coUationes et credit quod sit in aliqua illarum trium coUationum, quae non sunt in usu nostro; dicit tamen, se 
eas vidisse, nam in aliis non iuvenitur, licet quidam dicant, ut sequitur in glo. secundum Jo. de.' In dieser 
Stelle wird also zuerst Jo. de f. für Johannes Faventinus im Gegensatze zu Jo. de für Job. de Deo, zum Schlüsse aber 
für Job. Faventinus selbst Jo. de gebraucht, denn die Angabe der Glosse: ,ponitur autem lex ista in auth. de san- 
ctiss. Episc. §. Omnibus et supra II. q. 1. nemo episcopus' [nach Cod. Prag.] ist aus Job. Fav. Summe. Meine 
Rechtshandschr. Seite 592. Aus den Siglen der Ausgaben ist also nicht zu argumentiren. 

* Maassen Beitr. S. 30. Dies Werk denkt sich auch Phillips IV. S. 186 als einen Glossenapparat über ,das ganze De- 
cret'. In der Vorrede zu den Cavillationes nach der Haudschr. Bamberg P. ii. 23. [diese hat auch den von Savigny 
V. S. 473. aus einer Osnabrücker erwähnten Schluss] nennt er unter 13 früheren Schriften zuerst app. decr., zuletzt 
,liber quaestionum, quem nuper edidi'. Auch diese Handschr. ist datirt ,m. cc. xlvi. Indictione iüi. die vero ii. intrante 
Septembris'. Scheint hiernach der Apparatus decretorum eine Erstlingsarbeit zu sein, so könnte man Bedenken tra- 
gen, ihn als Quelle der Divisiones anzunehmen. Aber diese selbst sind an sich keine derartige Leistung, dass sie ein An- 
fänger nicht hätte machen können. 

5 Z. B. Strassb. 1472, Vened. 1477, 1496, Basel 1500, Rom 1584, Lyon 1671. 

« Z. B. Berlin Staatsbibl. Cod. ms. lat. fol. num. 2. 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 87 

Sarti' hat, ohne das Eichtige zu treffen, bereits hervorgehoben, dass consilio zu 
lesen sei. So lesen auch die älteren Handschriften^ und verschiedene Ausgaben,^ Da 
hug. oder h. hier wie in anderen Stellen Hugolinus bedeutet,"* dieser aber weder auf 
einem Concil war, noch mit Bartholomäus auf einem solchen, so ergibt sich die ganz 
einfache Lösung dahin: ich habe gesehen, dass Plugolinus einen solchen Procurator in 
einer Rechtssache, bei der er als Consiliarius fungirte, abwies. 

Bartholomäus verweist, wie (§. 18. ii.) gezeigt wurde, sehr oft auf seine Quaestiones. 
Diese hat er zur Zeit der Regierung Gregor's IX., und zwar, wie es in der Vorrede 
heisst, als ,inter doctores juris minimus' geschrieben. Sie fallen also vor den 21. Aug. 
1241. In dem Apparate, wie in den Quästionen werden Gregor's IX. Decretalen häufig 
citirt, und zwar auch solche, welche von Gregor IX. selbst herrühren; folglich ist die 
Zeit nach dem 5. Sept. 1234 (Tag der Bulle Rex pacificus)^ sicher. Nimmt man hin- 
zu, dass er seine Casus decretorum laut der Vori-ede als ,inter studentes Bonon. 
minimus" sclirieb, dass er in diesen die Gregorianischen Sammlungen nicht citirt," dass 
er letztere bisweilen als nova compilatio bezeichnet:' so kann man sagen, dass die 
Abfassung kaum vor das Ende der 30er oder den Anfang der 40er Jahre fallen dürfte. 
Aber ich glaube, dass sie niclit vor 124."ji fällt. Denn das Citat ad c. 27. C.xxiii. q. 4.: 

.Hodie recurretur super haec ad novellani" 
geht zu bestimmt auf die Decretalen Innocenz IV. de sent excom. und passt zu genau 
auf diese, als dass man das geringste Bedenken tragen könnte, daraus zu argumentiren." 
Dies dürfte aber auch als die äusserste Grenze anzunehmen sein, da sich ein Berück- 
sichtigen späterer Decretalen niclit nachweisen lässt. Ob Bartholomäus die Glosse des 
Accursius benutzt hat, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Wenn es zu c. 2. C.iii. q. 7. 
V. tutor heisst: 

,Unde glossatur ibi (nämlich ff. de ju. om. iu. 1. praetor), potest, id est 
debet, alioquin posset recusari,' 
so beweist das gerade, dass er sie nicht benutzt hat; mindestens kommt diese Bemer- 
kung in der mir vorliegenden Ausgabe nicht vor. Da Accursius bis in sein hohes 
Alter an der Glosse arbeitete, selbst die Gregorianischen Decretalen citirt und um 1260 
starb,'-* so halte ich die Benutzung zwar für möglich, aber kaum für wahrscheinlich. 

Es steht nun fest, dass das Corpus juris canonici durch Johannes Teutonicus längst 
einen stehenden Apparat hatte, bevor Accursius an den seinigen ging, dass aber der 
Apparat des Coj-pus juris canonici auch in der Gestalt, die ihm Bartholomäus gab, vor 
dem des Corpus juris civilis abgeschlossen war. 

' i. pag. 340. Er fülirt die Venet. Ausg. von 1472 und eine Handschr. der Minerva für consilio an, meint aber, dass Uar- 
thol. habe sagen wollen: er habe in einem consilinm oder responsum von Huguccio Solches gelesen, woran nicht 
zu denken ist. 

2 Z. B. Cod. Prag., Berol. mim. "2. 

3 Z. B. die Lugd. 1506. 

' Vgl. §. 18. II. Viertens. Huguccio nennt er überhaupt nicht dominus. Hugolinus steht im Cod. Prag, ganz 
deutlich. 

' Edit. Bullarii Tauriu. iii. ji. 485. ,ex regest. Vatic' ,dat. Spoleti Nonis Septembris pont. n. a. oetavo.' 

<> Das Citat: §. de his vero C.xvi. q. 1. .ijuid juris de hoc sit notatur in decretalibns in tl. de decimis- ist zu allge- 
mein, um auf die Gregorianische Sammlung bezogen zu werden, zumal in allen fünf Comp. ant. der Titel vorkommt. 

' In der bereits erwähnten gl. ad c. 21. C.xxvii. q. 2. 

* tTbrigens war novellae oder novellae Constitution es der für die Decretalen Innocenz' IV. gebrauchte technische 
Ausdruck. Meine Decretalen S. 7G2, 7G5 u. s. w. 

» v. Savigny V. .S. 276, 282 fg. 



88 Jon. Friedrich R. von Schulte. 



Fünftes Capitel. 
Die Erweiterung der Glosse seit Bartholomäus. 

§. 21. 
1. Guido de Baysio und andere Ergänzer. 

I. Meine Untersuchung geht nicht auf die Arbeiten über das Decret überhaupt, 
sondern auf die Glosse als solche. Somit kommen nur jene Schriftsteller in Betracht, 
welche entweder unmittelbar die Glosse selbst erweitert haben, oder deren Arbeiten als 
Quellen für spätere Ergänzungen der Glosse dienten. Soll aber für diese Untersuchung 
ein fester Boden gewonnen werden, so bleibt nichts übrig, als die Handschriften nach 
Bartholomäus und die Ausgaben mit der Glosse zu vergleichen mit dem Texte der un- 
zweifelhaft reinen Glosse des Bartholomäus. Für die Handschriften muss das Alter der 
Schrift entscheiden; für die Ausgaben ergibt sich aus dem früher (§§. 1. 19.) Gesagten eine 
Scheidung in die Ausgaben vor 1505 und die seither erschienenen. 

II. Im §. 1 wurde gezeigt, dass es Handschriften gibt, welche reichhaltige Glossen 
enthalten, die nur zum Theile in die Glosse des Johannes Teutonicus übergegangen 
sind, zum Theile dieser als Quelle gedient haben (§§. 5. S. 15.). Auch wurde gezeigt,' 
dass man nach Bartholomäus in den Handschriften Zusätze zur Glosse machte. Diese 
Zusätze enthalten: 

1. Casus. Solcher sind in Handschriften manche im 15. Jahrhundert zugeschrieben, 
welche mit den Casus des Bartholomäus und somit auch mit denen der Ausgabe von 
1505 übereinkommen.^ 

2. Glossen, Distinctionen, Solutionen u. s. w.' Manche tragen die Siglen Arch., sec. 
Arch., Gui. (beide auf Guido de Baysio, den Archidiaconus gehend), H. hug., p. pe., 
al., la. lau., Mainardus,* pe. de sal.', ber. ys., bar. (baz. vgl. §. 1. E. und §. 11.), 
host., Cy., Gof., Phil. u. s. w. 

3. Divisiones, die mit Jo. de Fant, gezeichnet sind (§. 19.), besonders im Trierer 
Codex. 

4. Ergänzungen "" von Citaten aus den späteren Decretalen und auch aus älteren so- 
wie aus dem Decrete. 



' Vgl. besonders die im §. 1 unter D. E. F. beschriebenen Handschriften. 

2 In der Trierer Handschr. ist z. B. der Casus zum Eingange von c. 1. D.xv. und zu c. 2. das. spät zugeschrieben worden. 

^ Am Ende der gl. quam semel zu c. 4. C. 3. q. 3. ist im Cod. Prag, zugeschrieben: ,vel dicas, quod lex ista loquitur 
de dilatione exceptlonis, ubi una dilatio debet dari. AI.' Am Schlüsse von Pars I. des Präger Codex ist von einer Hand 
des 15. Jahrh. zugeschrieben; Rem non novara etc. sec. Arch. (ist nach Job. Fav.); in demselben steht zu c. 41. C. 17. 
q. 4. V. extra parietes. Supra c. sicut antiquitus contra. Sed ibi de ecclesiis extra ambitum murorum vel castel- 
lorum, hie vero in Castro sita erat. lau. hu. et Jof. arch. Vgl. oben §. 1. F. Der Codex von Trier hat viele später zuge- 
schriebene von arch., Gof., Hug., Jo. de Fant, (divisiones), Cy., Laur., Sichardus, p. u. s. w. 

'' Z. B. im Codex von Innsbruck zu c. 2. C. 31. q. 1. 

'' So steht z B. im Cod. Trevir. zu c. 41. C.ii. q. 6. v. defuncto die Glosse: arg. contra extra de appeU. qua fronte; 
sed ibi debitum erat liquidum. Von späterer Hand ist nach fronte zugesetzt: in parte decisa, und über die letzten Worte 
geschrieben: nee hodie dicit hoc. In der Glosse der Ausgaben steht das Einschiebsel im Texte, was keinen Sinn hat, da 
man man sich auf die pars decisa nicht berufen kann. Auch im Cod. Prag, ist einzeln, z. B. zu c. 2. D. 89. zugeschrie- 
ben: in parte decisa. Zu diversitas factorum daselbst ist eine Glosse Accur. zugeschrieben, die in keiner Ausgabe steht. 
— Im Cod. Prag, ist am Ende von Causa 27. zugeschrieben: Beued. Ex div. const. apud cathedram. 



I 



Die Glossf y.vu Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaken. 89 

Es bedarf keines weiteren Nachweises dafür, dass die mit dem Namen von Canoni- 
sten, welche lediglich die Decretalen bearbeitet haben, gezeichneten Zusätze nicht von 
diesen als Zusätze zum Decrete herrühren, sondern aus deren Schriften genommen sind. 
Weil diese Canonisten selbst ftir das Decret nicht gearbeitet haben, brauclie icli auf sie 
hier nicht näher oinzugelien.' 

Alle späteren Zusätze dieser Art sind zum Theil aus Quellen geflossen, die vor 
Bartholomäus oder Johannes Teutonicus fallen, oder aus späteren. Die Ersteren waren 
als Quellen der Glossa ordinaria bereits Gegenstand der Untersuchung. Soweit sie nicht 
in diese übergegangen oder in ihr benutzt sind, gehören sie nicht zur Glosse in ihrer 
abu-eschlossenen Gestalt. Was ausserhalb dieser in Handschriften aus älteren Glossen 
steht und das späteren Quellen Angeliörige kommt mithin für die vorliegende Unter- 
suchung nur insofern in Betracht, als Ersteres erweislich von Späteren benutzt wurde 
und als es alla'emein in die Glosse aufgenommen worden ist. Ob dieses statt- 
gefunden habe, lässt sich lediglich aus den gedruckten Ausgaben beurtlieilen. Es ist 
somit zu untersuchen: 

1. Welclie Zusätze die gedruckten Ausgaben der Glosse aufweisen. 

2. Woher dieselben geschöpft sind, 
o. Wer sie gemacht hat. 

4. Wann sie allgemein der Glosse beigefügt worden sind.-' 

Bei dieser Feststellung <lürfen wir ausgehen von folgenden sicheren Grundsätzen: 

a) Die Glossa ordinaria des Bartholomäus galt fortan als die stehende Glosse. 
Während sie selbst die einzelnen Glossen zu einem Capitel nicht mit fortlaufenden Zif- 
fern versieht, überhaupt niclit zählt, ist dies sofort von Anderen geschehen. Es wurde 
allgemein Sitte, ohne dass man in den Handschriften (und Ausgaben) Ziffern beisetzte, 
die einzelnen Glossen zu zählen, von glossa prima, secunda u. s. w. des caput 1. etc. 
1). 1. etc. zu reden. Wo sich dieser Usus in einer Note findet, liegt ein unzwei- 
felhafter Zusatz vor. 

b) Die Glossa ordinaria des Bartholomäus ist 1246 als abgeschlossen anzunehmen. 
Was somit einem Buche oder Autor entlehnt ist, die erwiesenermassen jünger sind, ist 
Zusatz. 

c) Was zwar älter ist, aber sich aus Handschriften, insbesondere . aus Handschriften 
mit der reinen Glosse des Bartholomäus (Johannes) nicht als Theil der Glossa ordinaria 
nachweisen lässt, ist später aufgenommen worden. 

d) Alle Citate aus über das Jahr 124.5 hinaufreichenden Quellen tragen die Natur 
späterer Zusätze an sich. 

e) Die Casus, Divisiones und Historiae sind bereits (§. 19.) als Zusätze erwiesen, 
welche in der Ausgabe Paris 1505 zuerst vorkommen. Mit ihnen habe ich mich deshalb 
nicht mehr zu befassen. , 



1 Ich ilaif auf mein Lclnbueli und meine Abliandlungen über die Literaturgesch. der Comp, .int., meine ,]?eitr. zur Gesell, 
der Decretalen' verweisen. 

2 Da ich keine Vorarbeiten zu einer Ausgabe maclie, so verstellt sich von seihst, dass ich nicht jeden einzelnen Zusatz 
nachzuweisen, sondern blos Kategorien, die Merkmale der Zusätze, kurz alle jene Momente anzugeben habe, an denen 
mit Sicherheit die Natur der Znsätze erkannt werden kann. 

Denkschriften der phil.-hist. Cl. XXI. Bd. AbhandJ. Ton Nichtmitgliedern. '" 



■gQ Jon. FEIEUKIrH R. VON ScHiri;TE. 

111. In den gedruckten Ausgaben von 1471 bis 1500 einschliesslich' ist lediglich 
die Glossa ordinaria in dei- von Bartholomäus Brixiensis redigirten Gestalt abgedruckt 
worden." Was in den Ausgaben seit 1500 zu dieser hinzugetreten ist, findet sich zum 
Theile bereits in der Pariser Ausgabe von 1505, ist zum Theile aber erst später. 1505 
nahm man auf die Casus und Divisiones; seitdem bleiben sie stehend in den Ausgaben. 
Vor der römischen vom Jahre 1582 finden sich noch eine Anzahl von anderen Zusätzen 
in der Glosse, und zwar: 

1. Mit dem im Anfange stellenden Worte Additio und am Schlüsse Arch. Diese 
sind ausnahmslos genommen aus dem Rosarium des Archidiaconus, d. i. Guido de 
Baysio. Im Rosarium stellen sie stets zu dem betreffenden Capitel mit dem Vermerke: 
,in ea glossa . . . ad de' etc.^ 

2. Mit dem Worte Additio, am Ende aber bald die Sigle eines Glossators, bald 
keine. Auch diese sind mit wenigen Ausnahmen aus dem Werke Guido's genommen, 
das sie in derselben Weise auffülirt.^ Alle mit den Siglen H. Hu. Hiig., Lau. Laur., 
Pet., sec. H. u. s. w., kurz alle sich auf Schriftsteller vor (xuido stützenden sind aus dem 
Rosarium entlehnt, dagegen die wenigen mit Cy. (Cynus) nicht. ^ 

3. Zusätze von blossen Citaten." Auch diese finden sich, sobald sie mit Additio be- 
zeichnet sind, bei Guido. Aber zahlreiche ohne diesen Zusatz sind aus ihm, obwohl sie 
in der Glosse als deren Theile erscheinen. 

4. Glossen zu Worten oder Capiteln, zu denen die Ordinaria keine hatte, mit und 
ohne Siglen.' 

5. Übergänge, welche nicht zu der Kategorie der eigentlichen Divisiones gehören.* 
ß. Ergänzungen der Siglen bei Stellen der Glossa ordinaria.^ 

Die Zusätze unter 4. 5. 6, sind gleichfalls durchweg aus Guido entnommen. Man 
hat das Rosarium fortlaufend dergestalt benutzt, dass man häufig auch die unbedeutend- 
sten Zusätze aus ihm entnahm."' 



' Ich liebe nochmals hervor, dass ich meinen Ausspruch thue auf Grund der Vergleicliung der Ausgaben: Strassb. 1471, 
U72| Mainz 1472; Venedig 1474, 1477, 1480, 1487, 1496, 1499; Basel 1476, 1493, 1500; Rom 1478; Nürnberg 1493. 

2 Die Incorrectheiten kommen natürlich nicht in Betracht. Ich habe selbstredend nicht die ganze Glosse nach allen jenen 
14 Ausgaben mit Handschriften der Glossa ordinaria coUationirt, aber so viele Partien nach allen, dass ich kühn die Be- 
hauptung des Textes machen darf. Möglich bleibt, dass der eine oder andere Zusatz doch in der einen oder anderen 
Ansgalie vorkommt ; für wahrscheinlich halte ich dies nicht. 

' Es ist unnöthig, hierfür Heispiele zu geben, da sie .Jeder sofort findet. 

■• Z. B. die ,Additio. Et de hoc not.' etc. zu gl. legato dict. post c. 2 D.iii., welche in der römischen Ausg. v. 1582 und den 
spätem die Sigle Joan. hat, ist aus Guido, wo richtig am Ende steht Jo. de f ; die , Additio pravae cogitationis . . . Hu.' 
zu c. 1. D.vi. ist aus Arch., ebenso die zu c. 5. D.xi. ,scilicet . . . Hug.', und die daselbst ohne Sigle ,potest tarnen' etc., 
welche sich auf Arch. beruft; die zu pr. D.xii., welche Hu. oder Laur. oitirt; die ohne Sigle zu c. 3. das. ad idem etc. 
die zu c. 10. das. nee bona, au deren Schlüsse die röm. Ausg. richtig Hu., die Lyoner 1671 fälschlich Aug. hat; die 
nicht signirte zu c. 4. D.xvii. ,a d idem' etc.; die mit Hu. zu c. 1. D.xxi. ; die mit Pet. zu c. 7. ibid.; die mit Joan. 
de F. signirte zu c. 1. D.xxiii. nam duae; die mit Laur. zu c. 29. und mit Hu. und Laur. zu c. 33. ibid.; die mit Hu. 
et Lau. zu princ. D.xxiv.; die zwei mit Hug. zu c. 3. D.xxv. u. s. w. 

■^ Z. B. zu c. 6. D.xix. 

* Z. B. zu c. 4. D.xxii. .Additio. Et c. de summa trin. 1. inter ciaras. Lau.'; c. 5. D.xxiv. .additio. De hoc not. extra de 
offic. arch. c. ad hoc' 

^ Z. B. zu c. 3. D.i. mit dem Zusätze Arch., gl. orthodoxa mit des Job. Fav. Sigle zu c. 3. D.xvi., gl. stultus zu 
c. 4. D.xxii. mit dem Schlüsse sec. Pap. et Hug. zu c. 14. C.ii. q. 7. mit arch. 

ä Z. B. de hinc supra nach c. 6. Dxxiii. u a. m. 

' Z. B. zu gl. non oportet c. 5. D.xviii. Lau. Im Rosarium: ,in ea gl. in fine adde Lau.', zu c. 8. D.xix. gl. per colum- 
bam die Sigle Hug. 

'" Z. B. Am Schlüsse der gl. et minores zu princ. D.xxi. steht arch. Nun gehört aber Guido nichts an, als ,Quae8tio ve- 
nerialis est'. 



Die Glosse zcm Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 91 

IV. Guido de Baysio ist somit unzweifelhaft die eigentliche Quelle der Ergän- 
zungen. Sein Werk bot für diesen Zweck Alles. Er hat fortlaufenrl ausser den legikali- 
sclien Werken von Papias (Eleuientarium rudimentuin) und liuguccio (Voeabularium), 
den Schriften von Aristoteles (Pliilu.soplius, Pol.), Isidor, Petrus Comestor, Thomas, Vin- 
centius Bellovacensis, Petrus Lombardus, benutzt und citirt: die Summen von Johannes 
Faventinus, Huguccio,' üamasus, ferner Johannes de Deo,' Bertrandus, Laurentius, Petrus, 
Vincentius, Gofredus, Bernarilus Parmensis, Bonacosa, Innocentius IV., Bernardus Papien- 
sis, Tancredus, Guil. Naso, Hostiensis, von älteren Decretisten noch Gandulphus u. A. 

Man darf kidm behaupten, dass Guido's Werk für die Glosse vollends von dem 
Studium der ältesten (Glossatoren abgehalten hat. Denn weder die Correctores Ilomani, 
nocli die Commentatoren nach Guido, nocli die Pierausgeber des Decrets sind auf 
dieselben zurückgegangen. Sie lagen in ilen Bibliotheken verborgen bis auf die 
neueste Zeit. 

V, Zu den vielen aus Guido entnommenen Zusätzen finden sicii nocli verschiedene, 
ausser den mit Cy. signirten, welche dem Archidiaconus nicht angehören."' 

§. 22. 
2. Die Gestalt der Glosse iu den Ausgaben. 

I. Ich muss darauf verzichten, ein genügendes Bild der Glosse zu geben. Wer dies 
gewinnen will, muss dieselbe eingehend mindestens für einzelne Partien lesen. Meine 
Darstellung darf sich also darauf beschränken, zu schildern: 1. inwiefern die gedruckte 
Glosse mit der handschriftlich überlieferten übereinstimmt; 2. welche Verschiedenheiten 
die ('lassen der Ausgaben bilden; :>. was zur Glosse gehört, was nicht. Da alle diese 
einzelnen Punkte bereits besprochen sind, kann es sich hier recht eigentlich nur darum 
handeln, das an vei-schiedenen Stellen (jesagte einheitlich zusammenzufassen, 

IL Bereits friüier ist gezeigt worden, dass die Ausgaben von 1471 bis löOO sich 
von den spätem bedeutend unterscheiden, (obwohl alle Ausgaben bis auf die von 1500 
insofern unter einander abweichen, dass sich in den Siglen Verschiedenheiten finden,* 
haben sie gemeinsam, dass sie nur den Text der Glosse des Johannes Teutonieus (bez. 
Bartholomäus) geben. Aber gleichwohl stimmen sie mit den Handschriften nicht ganz 
überein. Die Verschiedenheiten zeigen sich besonders in folgenden Punkten: 

1. Die Ausgaben enthalten manche Glossen nicht, welche in Plandschriften dem 
Johannes Teutonieus zugeschrieben werden, und welche diesem nach der ganzen Art 
und Weise der P)ehandlung aucli angehören, oder von ihm aufgenommen wurden.* Dass 



' Diese beiden hat er in einei' <rrossartigeii Weise ausgeschrieben. 

2 Es lasst sich bei dem Mangel exacter Citate bezüglich des Namens der Schriften nicht feststellen, ob er auch die jetzt 
nicht mehr bekannten benutzt hat. 

3 Z. B. das Citat am Ende der gl. zu c. 6. C.xvi. cj. 7.: ,Facit c. 1. de jure patrun. lib. (!.', der Znsatz in gl. quisquis 
c. 19. CiL q. ß. nach .jubere. B.': ,c. sed quod potesf etc. 

* Deren sind zahlreiche früher hervorgehoben worden. Vgl. §§. 5. S., besonders II. 15. u. a. 

5 So hat z. B. Cod. Trevir. zu c. 24. Cxi. q. 3. also: ,Ergo eum puto non nominative sed ipso iure excommunicatum. ideo- 
que, si publicum est, graviter peccat qui ei communicat; ceterum uon est excom. ut infra 24. q. 2. sane quod, et hoc ante 
denominationem, qua quidem in talibus opus est ut infra 24 Acatius; post denominationem vero nominative exe. intelli- 
gitnr, ideoqne qui ei communicat exe. est; nee rairum, cum primo casu sit iniuria iuri soll, in secnndo tarn iuri quam 
eins ministro. Jo. Huic [von späterer Hand] glosae derogatum est per decr. de sent. exe. cum non ab homine I. ii., 
quia statim ex quo seit, eum esse excommunicatum, statim tenetur eum vitare, ut dicitnr in eadem decretali.' 



92 JoH. Feiedkich K. von Schulte. 

insbesondere Johannes viele Grlossen von Vorgängern wörtlich aufnahm, während man 
sich später begnügte, die mit seiner Sigle versehenen abzudrucken, ist unzweifelhaft. 

2. Die Siglen weichen ab. Bald ist eine Glosse ven Johannes gar nicht signirt, 
bald fehlt die Sigle nach dem Texte des Johannes, wenn Bartholomäus Einschaltungen 
macht, bald sind falsche Siglen gesetzt.' Aus den Ausgaben lässt sich daher mit Sicher- 
heit in vielen Fällen der Verfasser nicht feststellen. Welclien Nachtheil dies für die 
historische Seite hat, liegt auf der Hand. 

3. Viele nicht Johannes angehörige Glossen blieben ohne Siglen ; dadurch erschei- 
nen sie bei dem Verfahren der Ausgaben als solche des Johannes.^ 

4. Die Glosse ist viel magerer und unvollständiger als die vieler Handschriften, weil 
die älteren Glossen, worauf Johannes direct oder indirect Bezug nimmt, gänzlich fehlen.' 

ni. Die Ausgabe Lugd. 1554* behält theilweise die cursiv gedruckten Casus und 
die Divisiones der Ausgaben seit 1505, ergänzt aber die Glosse durch mancherlei, theils 
aus Guido de Baysio, theils anderwärtsher entlehnte Zusätze, jedoch nicht durch alle 
späteren.^ Ausser diesen Ergänzungen, welche in dem Texte der Glosse gedruckt 
erscheinen, bietet die Ausgabe von Dumoulin noch zweierlei Arten von Zusätzen, 
welche ausserhalb des Textes der Glosse am Rande gedruckt erscheinen.'' 



' Es bedürfte eines kolossalen Raumes, wollte ich für alle Tlieile des üecrets Beispiele gelten; icli begnüge mich daher 
mit wenigen. So fehlt z. B. die Sigle des Jo. in der röm. Ausg. von 1584 zur gl. periculosiss. und haec compens. 
c. 1. D.xiv., zu quou, de jure nat. priiic. u. Constant. c. 1. U.xv., zu zehn anderen zu c. 1. u. 2. ibid., zu gl. 
proprium c. 6. C. II. q. 5. [von ex abundauti bis auferendum gehört Joh. an, der Rest Barth,, dessen Sigle aueh fehlt], 
zu gl. quod vero princ. C.ü. q. 7. [die Worte quia bis per tuas gehören Barth, an]. Die Zahl der Fälle, wo Jo. aus- 
gelassen ist in dieser wie fast allen anderen Ausgaben, bildet die Regel. — Fälle, wo des Bartholomäus Sigle bei Ein- 
schaltungen oder am Ende fehlt, falsche Siglen stehen, sind in den §§. 16. 18. 11. u. a. mehrfach erwähnt worden. 

2 Vgl. Seite 90 Anm. 9 über derartige Ergänzungen. 

3 Wie reichlich diese im Cod. Trevir., Prag., Monac. II. stehen, lehrt §. 1. sub. D. E. F. 
* Ihr vollständiger Titel lautet: 

.Decretum Divi Gratiani universi iuris can. pontificias constit., et canonicas brevi compendio complectens, una cum 
glossis et thematibus prudentum, et doctorum sufi'ragio coniprobatis: resectis vero nothis, absurdis, ditficilibus iisdem- 
que inutilibus Hypotheseon ad rem minime pertinentium, ineptarumque Summarum, et Annotationum pseudographiis. 
Texta denique suae integritati reddito, et glossis receptis a vitio repurgatis. Opera et censura doctissimorura hominuui 
et prece, et precio conducta. Vanorura Über est scriptorum male levatus: Quo minus hie oneris, plus et honoris habet. 
Lugrtuni M.D.Liiii. Cum privilegio regis ' in 4". Voran gehen die herkömmlichen Beigaben. Besorgt ist sie von Carl 
Dumoulin. Sie ist die erste, welche die Capitel (mit der Bezeichnung can.; zählt, aber ohne den Paleä eine Ziffer 
zu geben. 

^ Um ein Urtheil zu ermöglichen bemerke ich Folgendes. Von den Seite 90 Anmerkung 4 ff. namhaft gemachten Zusätzen 
hat sie aufgenommen: aus Anm. 4. die an 3. 5. 6. 8. 11. 12. 13. 14. 15. Stelle genannten, aus Anm. 5. die Stelle, 
ans Anm. 6. die 2., aus Anm. 7. die 1. 2. 3., die Stelle der Anm. 8. und beide der Anm. 9; die Stelle der Amn. 10. 
hat sie richtig als Absatz; sie hat nicht die übrigen Stellen. Weiter aber hat sie die §. 21. III. sub 1. genannten 
eigentlichen Additiones. 

8 Die äussere Form der mei'steu Handschriften und Ausgaben ist folgende. 

Der Text des Decrets nimmt in je zwei Columnen bald in grösserer, bald in geringerer Höhe (je nachdem viele oder 
wenige Glossen zu demselben vorliegen) die Mitte der Seite ein. Je nach Bedürfniss füllt die Glosse den oberen und 
unteren und die beiden Seitenräuder, so dass in der Breite der Seite durchweg 4 Columnen, in der Höhe drei Abthei- 
lungen sich vorfinden. Während man nun in den Handschriften die Zusätze dort, wo man gerade Platz fand, unter 
Hinzufüguug von Verweisungszeichen im Texte (des Decrets bez. der Glosse) und vor dem Zusätze, einfügte, haben die 
Ausgaben dazu den leeren Raum links und rechts neben der Glosse benutzt. 

Die römische Ausgabe von 1682 (4) lässt auf der linken Blattseite rechts, auf der rechten links auf der ganzen Seite 
des Textes eine Linie gehen. Diese Linie begrenzt auf der linken Seite die Glosse rechts, so dass rechts (ausserhalb) 
neben der Linie Zusätze stehen, welche auch links neben die Glosse treten. Auf den rechten Blattseiten treten die 
Zusätze links (ausserhalb) neben die Glosse, rechts ebenso. Innerhalb des durch die Linie rechts oder links begrenzten 
Raumes treten neben den Text die sich auf den Text des Decrets beziehenden Citate (Nachweisung der Quellen, Parallel- 
stellen u. s. w.). Die den Text betreffenden Erörterungen, Notationes Correctorum, sind am Ende der Capita, 
Dicta gedruckt. Vgl. noch unten V. 



Die Glosse zum Decket Gkatians von iuken Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 93 

1. Die I'aratitla, Citate u. s. w., welche sich bereits (siehe die folg. luim. IV.) 
in anderen finden. 

2. Eine Menge von Bemerkungen, die sich auf den Text beziehen und meist kritisch- 
historischer Natur sind. Diese Zusätze haben den Zorn der für die Herstellung der 
römischen Ausgabe bestellten Congregation erregt; sie befahl «leren Vernichtung,' welclie 
auch in vielen Exemplaren ausgeführt wurde." Alle diese Zusätze werden im Texte 
und vor dem Zusatz durch ein rothes f angedeutet und haben am Schlüsse die Buch- 
staben C. M. (Carolus Molinaeus). Sie sind vielfach selir richtige Bemerkungen und 
hätten den römischen Correctoren viel eher die Veranlassung zu Studien bieten sollen, 
als zur Sclimäluing und unwissenschaftlichen Vernichtung.^ Die meisten Additionen 
haben gar keinen polemischen Zweck, sondern gehen auf die Kritik des Textes ; manche 
allerdings greifen ausgesprochener Massen das römische System an. An und für sich 
gehören diese Zusätze nicht zur Glosse, verdienen aber hier eine ßespi-echung, weil sie 
eine theoretische Beigabe sind, im weiteren Sinne also ein Apparat. 

IV. Der Zeit nach älter als die Ausgabe von Dumoulin ist die zuerst Paris 1547 
apud Car. Gaillard erschienene Ausgabe von Antonius Demochares, Mitglied der 
Sorbonne.* Diese Ausgabe hat Paratitla am Rande neben der Glosse zugefügt. Sie 
bestehen, ähnlich wie die bereits in den ältesten Handschriften vorfindlichen, aber viel 
ausführlicher, in der kurzen Inhaltsangabe des Decrets bezw. der Glosse, und können 
als äussere Hülfsmittel zur Auffindung des Inhalts angesehen werden. Diejenige 
Thätigkeit, welche Demochares auf den Text selbst verwendet hat, kommt hier nicht 



' Das erste Decret von F. Thom. Maiuique vom -Ji. Aug. 1572 (Tlieiuer Disiiuisitiones critieae pag. XV.) über flas 
Verfahren bei Aufnahme der Glosse schreibt vor, das.s bis zur ,accuratior et plenior repurgatio, subsequens procedat, 
JH.\ta quam ea sohl deleantur loca, quae errores perniciosos contiiiere animadvertimus una cum additionibus impii 
Caroli Molinaei.' Das zweite des F. Paulus Constabilis VIII. Id. Oct. 1573 (Theiner 1. c.) sagt: der Papst 
gestatte vorläufig, die alten E.xemplare des Decrets zu behalten, fügt dann hinzu: ,In additionibus tarnen impii Caroli 
Molinaei jubet Sanctissimus quae in hoc iudice uotata sunt omnino deleri, ita quod illi, qui post se.\ menses a die 
publicationis praesentium, textus iuris canonici, in quibus sint huiusmodi additiones non emendatos ut in sequenti indice 
notatur, tenuerint, censui-as Indicis liabentium libros prohibitos incurrant.' Phillips Kirchenr. IV. S. 192 Note 26 sagt: 
,Von den Rom. Correctoren wird er in Beziehung auf seine Additionen zur (ilosse nicht anders als inipius Car. Molinaeus 
o-enannt. S. Theiner Disquis. Praef. p. 15.' Worin diese Additionen bestehen, wird von Phillips nicht gesagt. Sie siud 
eigentlich gar keine Additionen zur Glosse, sondern stehen neben dieser am Rande. 

2 In dem vor mir liegenden E.xeniplare der Uais. Univ. Bihl. zu Prag, signirt XXIV. F. 89., das zuletzt dem aufgehobenen 
Convent der unbeschuhten Augustiner der Neustadt Prag gehörte, sind die Additionen mit einer Kreideniasse überklebt, die 
sich indessen ohne Verletzung entfernen lässt, was ich bei vielen Stellen gethan habe. 

3 Um ihren Charakter zu zeigen, theile ich einige mit. 

Zu c. 5. D.xi. V. Unde August, cet. ,Non extat inter opera Augustini, nee Stylus est Angustini, quare hoc cap. suli- 
dititium. C. M.' Zu c. 2. D.xv. verbo glossae destruere: ,Haec vera. Jo. Gerson in stract. de potest. eccl. Dixi in 
annot. ad Phi. Decium c. 1. de constit. C. M.' Zu v. 1. D.xvii. (pseudoisid.) v. quanto magis: ,Vide argutatiuneni 
similem supra XI. dist. c. ult. i. f. scilicet omnibus nervis molieban tur, ut miuisteriurn in regnum temporale 
c onv ert er ent. ('. M.' e. 1. D.xix. v. Papae cnius authoritate: ,0 deploranda supinitas: Dens enim testimonium 
hominis non aeciiiit. Joan. 5. Sic nuper argutabat Theologus Sorbonicus male reiiei decretales, qnia non invenitur, quod 
Papa apprubaverit fidem nostram catholicam nisi in illis. C. M.' Zu c. 7. D.xix. gl. Et super wiederholt er nur, was 
die Glosse sagt. Diese lautet: ,Et snper lianc petram. Per hanc dictiopem non credo dominum aliud demonstrasse, (|nam 
h.aec verba, quae Petrus respondit domino, cum dixit: Tu es Christus filius Dei vivi, qnia super illo articulo fidei fundnta 
est ccclesia : ergo super seipso fundavit Dens ecclesiam ' Dazu: ,Verba. Idest: hanc confessionem, et bene. Sed melius 
est super mc, quia petra Christus est teste Paulo. Petrus antem nomen adventitium, quasi Petrus. C. M.' Zu c. 2. D. •22. 
setzt er auseinander, weshalb die Stelle falsch sei; sie ist p se udoisidorisch. 
* Voraus geht ihr ein Dedicationsschreiben an den Erzbiscliof von Rheims, Carl Cardinal von l.othringen; über seine 
Ausgabe lässt er sich auch aus in einem Briefe an P. Gregor XIII. bei Theiner Disquisit. crit. App. prima p. 23 abgedruckt. 
Die Deraochares'sche Ausgabe erschien ferner ,Lugduni 1555 ad Salamandrae, apud Sennetonios Fratres' ohne den Namen 
von Demochares, mit diesem .Lutetiae Parisiorum a))ud Guil. Merlin 1561.' Fol. 



94 JoH- Friedrich K. von Schulte. 

weiter in Betracht. Alle glossirten späteren Ausgaben haben die Paratitla in der Form 
von Demochares beibehalten, so dass diese als stehende Erweiterung des theoretischen 
Apparates erscheinen. 

Von den späteren Ausgaben kommt ausser der bereits besprochenen von Dumoulin, 
nur die gleich zu besprechende römische in Betracht. Denn die auf den Text verwandte 
Arbeit berühi't meine Untersuchung nicht, hinsichtlich der Glosse ist aber der Text 
der römischen als stehender in allen glossirten Ausgaben beibehalten worden, deren 
jtingste bereits oben §. 2. sub 14. angeführt wurde. Mit der Erörterimg über die 
römische darf ich somit diese Abhandlung schliessen. 

V. Die officielle römische Ausgabe' von 1582 und ihre späteren Abdrücke^ befolgen 
hinsichtlich der Glosse nachstehende Regeln. 

1. Es sind beibehalten die seit 1505 aufgenommenen Casus, Divisiones, Historiae. 
Ob die Correctores geahnt haben, wie es sich damit verhalte, lässt sich bei dem 
Umstände, dass sie nirgends etwas darüber andeuten, fiiglich bezweifeln. 

2. Man behielt bei die Randzusätze der Glossen: die ältesten, bestellend in den 
Citaten aus der Bibel und sonstigen Quellen (§. I.A. ff.), die spärlichen Paratitla (§. 1. 
A. ff.), die späteren reichlichen Paratitla (vorher IV.), die reichen Zusätze von Citaten, 
sachlichen Bemerkungen, Mittheilungen dei- Meinungen Anderer, wie sie frühere Aus- 
gaben bereits hatten. (§. 21. Vorher num. III.) In Bezug auf diese ist das einzig 
Neue, was sich findet, die fortlaufende Numerirung der Zusätze auf jeder Seite. Numerirt 
sind jedoch nur die Zusätze, welche keine blossen Citate und Paratitla sind. 

3. Sachliche Erörterungen und Deductionen, welche sich auf den Text beziehen 
und zugleich die Glosse berücksichtigen. Sind dieselben von grösserem Umfange, so 
stehen sie unter dem Texte selbst mit cursiver Schrift.^ 

4. Zusätze zur Glosse,* welche die Verbesserungen von Ansichten der Glosse 
bezwecken, mithin darauf abzielen, den Gebrauch des Decrets für den Leser unschädlich 



1 Ich gehe an diesem Orte natürlich nur insoweit auf dieselbe ein, als die Glosse in Betracht kommt. Nur Weniges 
nebenbei. Ohne im Entferntesten in Abrede zu stellen, dass die Correctores Romani viel geleistet haben, kann ich dem 
überschwenglichen Lobe, das ihnen gespendet worden ist, nicht beistimmen. Wenn von 1566 bis 1580, während welcher 
Zeit zusammen füufuuddreissig Personen arbeiteten (vgl. Phillips IV. S. 195 ff.) nicht mehr geleistet wurde, als 
geschehen ist, so ist das nicht viel. Nach meiner Ansicht kann nur jener Text einer correcteu Ausgabe zu Grunde 
gelegt werden, den Gratian hatte, den auf Grund des Decrets die Schule kannte und befolgte. Nur soweit 
diese erweislich abwich, kann man abgehen. Will man aber den Original-Text nehmen, so rauss man erst diesen 
feststellen. Entscheidend bleiben also immer die ältesten Handschriften des Decrets. Im J. 1580 nicht einmal pseu- 
doisidorische Stücke als solche zu erkennen, beweist entweder eine kolossale Ignoranz oder absichtliche Täuschung, die 
man nie und nimmer entschuldigen darf mit den Worten von Phillips IV. S. 204. ,Man wird dies um so natürlicher 
tindeu, je mehr man sich von der fast durchgängigen Richtigkeit der in diesen Decretalen in Betreff der kirchlichen 
Verfassung ausgesprochenen Prineipien überzeugt.' 

- Icli benutze die Ausgaben : 

Decretum Gratiani emendatum et uotationibus illustratum una cum glossis, Gregorii XIII. Pont. Max. iussu editum. 
Romae. In Aedibus Populi. Romani. M.D.LXXXIIII 4". 

Mein Exemplar, das ich aus Böcking's Nachlasse gekauft habe, hat auf dem Titelblatte unten die Notiz: ,Collegi 
Societatis Jesu Aquisgrani Dono Clariss. D. Gerckardt Anno 1673.' 

^ Vgl. z. B. die Noten zum dict. Grat, post c. 7. D. xix. und zu c. 9. ibid., welche versuchen, die Ansicht Gratians und 
der Glosse, P. Anastasius habe erklärt: die von Acacius Geweihten könnten rite fungi acceptis ofliciis, zu widerlegen. 

* Sie sind theilvveise mit einem asteriscus versehen. Es heisst in der Vorr. (Ea de quibus lectorem principio visum est 
admonere, haec snnt) am Ende: ,Quod ad glossas pertinet, quae pios et catholicos auctores habuerunt; quae in illis 
errata paulo maioris ponderis pro humani ingenii infirmitate obrepserunt, ea in margiue sunt notata, et quid catholice 
sentiendum sit, ostensum est. Hae autem notae, quibus asteriscus affixus est, necessario posthac in 
Omnibus 1 m p r e s s i o n i b n s a p p n e n d a e e r u n t .' 



Die Glosse zum Decket Gratians von iiiuen Anfängen bis auf die jUnosten Ausgaben. 95 

zu machen. Bei diesen Zusätzen ist am Merkwürdigsten, dass sie die Falschheit von 
Ansichten, welche mit der Glosse die ganze Wissenschaft des Mittelalters unbedenklich 
annahm, meistens aus dogmatischen Canones des Concils von Trient beweisen. Neben 
dem Concil von Trient ist es Thomas von Aquino, Bonaventura und Turrecremata, 
auf deren Ansichten sich die Correctoren stützen. Kaum lässt sicli bezweifeln, dass 
diese Zusätze das Ihrige beigetragen haben, gegen die Ansichten der Glosse und älteren 
Literatur die neueren in der Wissenschaft des canonischen Rechts einzubürgern. Schon 
hierdurch, sodann durch das literar-historischc Interesse rechtfertigt sich die Mittheilung 
einiger Stellen als Probe der Methode. Eine solche ist aber auch deshalb geboten, 
weil auf diese Zusätze in neuerer Zeit ebenso wie auf die von der heutigen Theorie 
und Praxis auch in fundamentalen Dingen oft total abweichende Glosse fast gar keine 
Rücksicht genommen wird.^ Zu dict. post c. ß. D.xvii.'- ,Concilia proprie non dede- 
runt primatum Romanae ecclesiae sed expllcarunt datum a Domino.' Aber wo hat denn 
der Herr von der römischen Kirche auch nur gesprochen? - — Princ. D.xxi:'' ,Semper 
fuit sacer, licet olim quidam de hoc dubitaverint. Vide gl. in cap. a multis de aet. et 
quäl. ord. verbo solos, et B. Thomam 4. sent. dist. 24. art. prlmo, quaestione 3.' Diese 
Note enthält evident Unrichtiges.* Falsch ist das Citat der Glosse zu X.i. 14., die 
ganz die historisch-richtige Ansicht hat. Thomas lehrt, dass implicite die unteren 
ordihes im diaconatus enthalten waren. Ebensogut kann man also alle ordines minores 
als sacri von Anfang an irgend einmal bezeichnen. 

C. 18. D.xxiv. :"' ,Non est absurdum quoad ius positivum. Vide B. Thomam 4. 
dis. 2. q. 3.' Auf diesen Satz stützt sich bekanntlich die päpstliche Allmacht. Da alle 
Sätze positive sind, die man dafür erklärt, so macht der Papst die Schranke selbst." 

Die meisten Additionen haben den Zweck, das einzeln gar sehr vom späteren 
abweichende System der Glosse durch die correcte Theorie unschädlich zu machen. 
In dieser Richtung hebe ich hervor: die zu c. 2. 3. D.xxiii., c. 2. D.xxvi., dict. 
p. c. 6. D.xxxii., c. 39. 74. 97. 101. C.i. q. 1., c. 8. C.xv. q. 1., c. 7. C. XXVI. 
q. 6., c. 23. C.xxvii. q. 1., princ. und c. 5. 90 D.i. de poen., princ. imd c. 20. D, 
iii. de poen., princ. D.v. d. p., c. 2. D.vi. d. p., c. 1. 2. 4. 5. 7. 23. 25. 4G. 73. 
D.ii. de cons., c. 1. 31. 147. D.iv. de cons., c. 1. D.v. de consecratione. 

§. 23. 
3. Die Bedeutung der Glosse für die Geschichte des Rechts uud der Literatur. 

I. Man muss, wie aus der bisherigen Darstellung hinlänglich ersichtlich ist, wohl 
unterscheiden zwischen der Glosse überhaupt und der Glossa ordinaria. Was die Glosse 
im Allgemeinen betrifft, so ist ohne ihre Kenntniss eine wirkliche Kenntniss der Bildung 



' Zur äusseren Cli.'irakterisiruug (vgl. S. il2. Nota 6.) sei bemerkt, dass alle hier u'.iter I uud 2 aufgeführten Zusätze 

stellende Schrift ti.ilicn, die unter 4 besprocheneu liinwegeu eine durclisdiossene C'nisivschrift. 
' Die Glosse sagt: ,Sed die principaliter h.ibnit a Domino [seil, ecclesia Humana primatum], secnndario a conciliis.' 
' Die Gl. sagt V. subdiaconos: ,Non videtur verum dicere, (|uia tempore aposfolorum aliqui t'uerunt subdiaeoui, ut .35. dist. 
episcopus, quia ille est canon apostolorum. Sed die, quod subdiaconatus tunc fuit sed non fuit sacer ordo adhuc: 
extra de aetate et quäl., a multis.' 

* Selbst Phillips Kirchcnr. I. S. 298 (§. 35) steht mit ihr im Widerspruche. Er dürfte sie wohl übersehen haben. 

* Die Glosse sagt zum Worte fiat: ,Sic ergo Papa dispensat contra Apostolura' cet. 

* Vgl. mein Hucb ,die Stellung der Concilien, Päpste utul IJischöfe' u. s. w. Prag 1871. 



96 , JoH. Friedrich E. von Schulte. • 

des canonisclien Hechts und seiner Literatur von Gratian bis zum Anfange des 13. 
Jahrhunderts nicht möglich. Der Grund liegt darin, dass erstens eine Anzahl von 
Personen unzweifelhaft nur als Glossatoren thätig gewesen sind. Soll deshalb das 
Verdienst der Einzelnen festgestellt werden, so muss die Kenntniss der früheren 
Leistungen vorhanden sein. Das ist fiir jene Zeit vun so erforderlicher, als die Wissen- 
schaft sich in bestimmten Formen und in dem Gebrauche ziemlich gieichmässiger 
Deductionen bewegte, der Einzelne deshalb in der Yerwerthung fremder Gedanken 
weder eigentlich frei, noch auf der anderen Seite gebunden war, seine Quelle genau 
anzugeben. Die starke Benutzung der Glossen zeigt sich nicht etwa blos bei dem einen 
oder anderen Werke, sondern bei allen. Auch der grösste Canonist, der das Decret 
behandelt, Huguccio, hat so gut als Andere, fremde Glossen in seine Summa auf- 
genommen oder benutzt, wie das schon aus den obigen Mittheilungen ersichtlich ist. 
Neben dieser äusseren Wichtigkeit der Glosse kommt ,fhre innere Bedeutung in Betracht. 
Je tiefer Avir hinabgehen, desto uj'sprünglicher wird flie.Art der Behandlung und Auf- 
fassung des Rechts; in den Glossen ist die Theorie auf den kürzesten und klarsten 
Ausdruck gebracht worden. Sie bilden deshalb neben den selbstständiü-en Wei-ken' das 
imentbehrlichste Hulfsmittel, um die wirkliche Bildung eines Satzes \ron den Anfängen 
an kennen zu lernen. Die Glossa ordinaria genügt dazu nicht. Wie wichtig dies aber 
für die Geschichte des Ivirchenrechts ist, ergibt sich schon allein aus dem einzigen 
Umstände, dass die grösste Masse des eigentlichen rechtlichen Stoffes in der Zeit von 
Alexander III. . bis auf Innocenz III. ausgebildet ist. 

IL Aus dem Gesagten erhellt, dass für die wirklich erschöpfende wissenschaftliche 
Forschung das blosse Zurückgehen auf die Glosse des Johannes Teutonicus nicht aus- 
reicht, vielmehr die Glosse vom Anfang an bis auf den Genannten als ein Ganzes 
aufzufassen ist. Gleichwohl hat auch diese einen Werth selbstständiffer Art für die 

o 

Geschichte und Literatur des canonischen Rechts in äusserer und innerer Hinsicht. Nach 
der ersteren Seite hat man sich regelmässig darauf beschränkt; es ist eine Seltenheit, 
dass man auf ältere Glossen und Schriftsteller zurückging. Als aber Guido de Baysio 
sein Rosarium vollendet hatte, bildet die Glosse und dieses für das Recht des Decrets 
die ziemlich einzige Grundlage. Bis in unsere Zeit ist den Canonisten die Literatm-' 
des 12. Jahrhunderts über das Decret von da ab so gut als ein verschlossenes Buch 
gewesen.^ Da diese niir — die Ausnahmen sind nicht gross — handschriftlich existirt, 
wäre es sehr zu wünschen, wenn eine Ausgabe der wichtigsten älteren und eine wirk- 
lich correcte der Glossa ordinaria erschiene. Jedenfalls bietet so die Glosse des 
Johannes (Bartholomäus) einen Anfangspunkt für historische Darstellung einzelner 
Rechtssätze und Institute." Als solcher ist sie auch in einer anderen Beziehung zu 



' Diese bis auf das ErBcheinen der Compilatio prima sind zum grössten Theile in meinen 3 Beiträgen zur Geschichte ,der 
Literatur über das Decret Gratians' Wien 1870 (Sitz.-Ber. LXIII. S. 299, LXIV. S. 93, LXV. S. 21) und in meiner Abh. 
,die Summa Deoreti Lipsiensis' Wien 1871 (das. LXVIII. S. 37) besprochen worden. 

2 Wenn ich abstrahire vom Speculum juris canonici des Petrus Blesensis (mein Lehrb. S. 51), das zwar interessant ist, 
aber docli zur Erklärung des Decrets nichts beiträgt, darf Ich wohl fragen: wer hat ausser Maassen, welcher in seinen 
, Beiträgen' und ,Paucapalea' verschiedene Summen benutzt bezw. beschrieben hat, und BicUell, der einige Notizen hat, 
vor mir die Literatur des Decrets aus dem XIL Jahrhundert benutzt, beschrieben, gekannt? 

3 So hat Maassen in dem , Jahrb. des gem. deutsch. Rechtsi,j«ui.-ßßkker und Muther 11. für die Geschichte der Spolienklage 

die ältere Literatur benutzt. Aber auch dieser RjKlI^^Jä^atos&h'^usNilteren Glossen etc. noch eingehender erörtern. 

^ ^ ^'~^ ^ — ' — ■ — ^^ 1 ■ t 




Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgäbkt^. -.. 97 

gebrauchen, welche ihr den- inneren Werth gibt. Es darf im grossen Ganzen' gesagt 
werden, dass Johannes jene Ansicht in der Glosse vertritt, jene Glossen aufnimmt, 
welche die allgemeine oder doch vorwiegende Auifassung der Canonisten darbieten, 
dass wir deshalb in seiner Glosse im Ganzen die Summe der Ansichten und Ausleo^uniren 
seiner Zeit haben. Hierin liegt ein sachlicher Grund dafür, dass man sich sofort 
I ziemlich allgemein an sie liielt. Weil sie aber thatsächlich zu einem Ansehen ka,m, 

welches fast dem des Textes gleich stand,^ und weil die mechanische Weise seit dem 
14. Jahi'hundert es bequemer fand, die Glosse zu lesen, als den Text zu studiren, so 
bildet sie unstreitig für die Geschichte und Literatur des canonischen Rechts eine sehr 
wichtige Quelle. 



' Nicht im Einzelnen. Soll daher erschöptend vorgegangen werden, so muss die ältere Literatur in Betracht kommen. 
- Es i.st hier nicht der Ort, auf den Werth der Glosse für das geltende Recht einzugehen. Die Bedeutung der Glossatoren 
und Glosse des römischen Rechts hat aber auch auf die des canonischen eingewirkt. 






Denkschriflm tWr phil.-hi»t. Cl, XXI. Bd. Abhanill. von SichtraitglieUorii. 



98 JoH- Fribdkich K. von Schulte. 



INHALTS-YERZEICHNISS. 



Seite 

Einleitung. Stand der Sache. Aufgabe 1 

Erstes Capitel. 

Die Handschriften und Ausgaben. 

§. 1. Die benutzten Handschriften . 2 

Vorbemerkung. — A-. Innsbrucker S. 3 — B. Münchener I. (Cod. lat. 4505) S. 9 — C. Wolfen- 
büttler S. 10 — D. Müncheuer II. (Cod. lat. 10244) S. 12 — E. Trierer S. 21 — F. Prager S. 22 — 
G. Bamberger S. 25 — H. Berliner I. S. 25 —I. Berliner IL S. 26 — 

§. 2. Die benutzten Ausgaben 26 

Vorbemerkung. S. 1 — 0. Ausgaben von 1471 bis 1500 S. 27 — 10. Die Pariser vou 1505 S. 27 — 
11. Paris 1506 S. 28 — 12. Lyon 1506 S. 29 — 13. Basel 1512 S. 29 — 14. Lyon 1671 S. 29 — 

Zweites Capitel. 

Die Glosse vor Johannes Teutonieus. 

A. Allgemeiner Entwicklungsgang der Glosse. 

§. 3. 1. Gestalt und Charakter der Glossen 30 

§. 4. 2. Uebersicht der Glossatoren des Decrets und ihrer Arbeiten 34 

B. Die einzelnen Glossatoren und ihre Glossen. 

5. 1. Johannes Faventinus _ 40 

6. 2. Eufinus 44 

7. 3. Cardinalis 4:6 

§. 8. 4. Albertus 51 

9. 5. Gandulphus '^S 

10. 6. Melendus . 55 

11. 7. Bazianus 56 

12. 8. Petrus 64 

13. Glossen nicht genau zu bestimmender Verfasser. 9. S. 10. Eo. 11. N. 12. D. 13. St. 14. St 65 

14. 15. Der Apparat des Laurentius Hispanus 68 

Drittes Capitel. 

Der Glossenapparat des Johannes Teutonieus. 

15. 1. Seine üuellen ''0 

1. Summa des Huguccio. 2. Laurentius. 3. Bazianus. 4. Johannes Faventinus u. s. w. 



Die Glosse zum Decket Gkatians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten Ausgaben. 99 

Seite 

§. 16. 2. Charakter des Apparats 73 

Zweck. luhalt und Art. Textkritik. Stoffeintheilung. Citate. Werth des Apparats und Bedeutung. 
§. 17. 3. Entstehuugszeit 76 

Viertes Capitel. 

Die Glossa ordinaria des Bartholomäus von Breseia. 

§. 18. 1. Zweck und Charakter 77 

Vorrede. Absicht. Aenderuug der Citate. Ergänzungen. Einschaltungen. Benutzung neuerer Schriften. 
Neue Decretalen. Zusätze. Verbesserungen. 

§. 19. 2. Die Casus und Divisiones der Ausgaben 82 

§. 20. 3. Die Zeit der Abfassung ■ 8ß 

Fünftes Capitel. 

Die Erweiterung der Glosse seit Bartholomäus. 

§. 21. 1. Guido de Baysio und andere Ergänzer der Glosse 88 

§. 22. 2. Die Gestalt der Glosse in den Ausgaben 91 

S. 23. 3. Die Bedeutung der Glosse für die Geschichte des Hechts und der Literatur 95 



I 



DENKSCHRIFTEN 



KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLAS SE. 



ZWEIUNDZWANZIGSTER BAND. 






WIEN, 1873. 

IN COMMl«ÖION BEI KARL GEliÜLD'S SOHN 

BUClIUANDLliK DEK KAIS. AKADEMIE DEK WISSENSCHAFTEN. 



Druck von Adolf HolzUausen in Wien 

k. k. Uuivcisitäts-BucUdrucküiui. 



INHALT. 



Seite 

Conze: Römische Bildwerke einheimischen Fundorts in Oesterreich 1 

Mtklosich: Ueber die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's IL 21 

Mussofia: Beitrag zur Kunde der norditalienischen Mundarten im XV. Jahrhunderte 103 

Pfizmaier: Die poetischen Ausdrücke der japanischen Sprache 229 



RÖMISCHE BILDWERKE 

EINHEIMISCHEN FUNDORTS IN ÖSTEPvRElCH. 



IIERAUSGEÜEBEN VON 

ALEXANDER CONZE. 
I. HEFT. 



VOKÜELEGT IN DEK SITZUNG AM 15. MAI 1S72. 



Vorbericht. 



Die Provinzen Österreichs, welche einst zum römischen Reiclie gehörten , bewahren 
eine Menge von Überresten jener Vorzeit. Mich an dem Studium derselben zu betheili- 
gen, stand bei mii- gleich bei der Annahme eines Lehramtes für klassische Archaeologie 
an der Wiener Universität fest. Das hohe k. k. ^Ministerium für Cultus und Unterricht 
setzte mich schon im Jahre 18G'J in den Stand, hiermit zu beginnen. Icli bereiste damals 
zuerst Steiermark und sah sofort, wie viel nach mannigfachen verdienstvollen Bemühun- 
gen immer nocli zu thun sei. Es bildete sich rasch der Plan, diejenigen römischen Bild- 
werke einheimischen Fundortes in Österreich, welche bisher wissenscliaftliciier Benutzung 
nicht hinreichend zugänglich gemacht sind, in guten Zeichnungen oder anderen Auf- 
nahmen zu sammeln, herauszugeben und, soviel wie möglich, zu erklären. Die philosophisch- 
historische Classe der kais. Akademie der Wissenschaften ma(;hte es durch Beschluss 
vom 21. Juli 1S71 möglich, das Werk zu beginnen. Zuerst wurden in Steiermark etwa 
vierzig Sculpturüberreste gezeichnet. Inzwisclien besuchte ich wiederum mit Unterstützung 
des hohen Ministeriums namentlich Dalmatien und wurde hiei- auf Sculpturen aufmerk- 
sam gemacht, welche hinreichend wichtig erschienen, um sie mit Zurücksetzung alles 
übrigen mir bisher bekannt Gewordenen sofort herauszugeben. Sie bilden dieses erste 
lieft einer Publication, die ebenso heftweise fortgesetzt werden soll. Die Anordnung 
wird sich auch künftig an die Fundorte und, was meistens wenigstens nahezu damit 
zusammenfällt, an die xVufbewahrungsorte halten. Ein zweites und drittes Heft werden 
voraussichtlich auch noch aus den reichen Vori'äthen, welche Salona und das Museum 
zu Spalato bieten, schöpfen; die Überreste aus anderen Provinzen werden nachfolgen. 

Ich fasse ausschliesslich die Bildwerke ins Auge. An den römischen Inschriften 
< )sterreichs ist zumal in letzter lland durch Tli. Mommsen für das Corpus iiiscriptioimm 
latinarum, dessen neuesterschienener Band (V, 1. Berlin 1872) bereits einen Thcil der- 
selben enthält, die Hauptarbeit gethan, für den Epigraphiker ein Ausgangspunkt für 
das Weiterarbeiten gesichert. Wie mit den Schlacken, welche alter Bergbau liegen 

DoDksobrifton <ler pliil.-hibt. Cl. IXII. Itil. 1 



2 Alexander Conze 

liess, sich oft nocli gewinnbringende Ausbeutung vornehmen lässt, so darf der Archaeolog 
getrost, was der Epigraphiker liegen lassen musste, nachträglich aufsammeln, ohne zu 
fürchten, etwas Unnützes zu thun. Auch dafiü' wird die epigraphische Arbeit vielfach 
als Vorarbeit sich höchst förderlich erweisen und wiederum werden durch die Bildwerke 
die Zeugnisse der Inschriften in manchen Punkten erst völliger abgerundet werden-, 
möge auch an die Arbeit, welche die römischen Architecturreste Österreichs hie und da 
noch erwarten, bald Hand gelegt werden und damit die gesammte Denkmälerwelt von 
Ländern , die in der römischen Kaiserzeit eine hohe Wichtigkeit hatten , immer klarer 
uns vor Augen gestellt werden. 



Die drei Sarkophage, welche auf Tafel I — IV nach Photographien gestochen sind, 
wurden in Salona gefunden und zwar zwei (Taf. I — III), welche jetzt im Museum zu 
Spalato sich befinden, jedenfalls, der dritte (Taf. IV), welcher sich jetzt in Fiume im 
Besitze des Herrn von Ciotta befindet, vielleicht auch, an einer und derselben Stelle 
ausserhalb der nördlichen Ringmauer der alten Stadt, in etwa östlicher Richtung nicht 
weit von der Kapelle S. Doimo entfernt.^ 

Als ich im Frühjahre 1871 in Gesellschaft Di-. AV. Bodes Spalato besuchte, beglei- 
tete uns Gymnasialprofessor M. Glavinic aus Spalato, in dessen Hände der kais. Con- 
servator und Museumsdirector Dr. Fr. Lanza die Fürsorge für Museum und Alterthümer 
namentlich in den Zeiten seiner Abwesenheit von Spalato gelegt hatte, nach Salona und 
zeigte uns die längst bekannten, sowie einzelne neuerlich gefundene Alterthümer. Dabei 
kamen wir denn aucli an jene Stelle in der Nähe der Capelle S. Doimo, wo der grund- 
besitzende Bauer schon vor einigen Jahren, so hiess es, auf drei Marmor-Sarkophage mit 
Sculpturen gestossen war. Nur einer wurde damals bald ganz freigelegt. Eine Zeich- 
nung seiner Sculpturen glaubt Glavinic an Th. Mommsen geschickt zu haben; sie ist 
jetzt nicht mehr aufzufinden gewesen und leider wusste mir auch Niemand anzugeben, 
welche Darstelhmg dieser Sarkophag gehabt habe. Als wir den Ort besuchten, war 
dieser Sarkophag bereits gänzlich verschwunden, der Besitzer des Grundstücks inzwischen 
verstorben, weitere Auskunft über den Verbleib