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Full text of "Der abenteuerliche Simplicissimus und andere Schriften"

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BIBLIOTHEK 



LITTERARISGHE.\ VEREIKS 



W STUTTGART. 



• • • • 
« • « • • 



LXV 



eXDXDCKT ACF 



STUTTGART. 



DES LITTEBABIBCBEK VEBEIXB. 



1862. 



PROTECTOR 
DES LITTER ARISCHEN VEREINS IN STUTTGART 

SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 



VERWALTUNG: 

Präsident: 
Dr A. V. Keller, ordentlicher professor an der k. nnivereität in Tübingen. 

Kassier: 
Dr Zech, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 

F u e 8 , sortimex^liucUbiiiäer - m Tübingen. 



*•.••• • • • • • • ■ *. .'■ ••'-•■• • . , • 



• • • • • • 

• ' • • • • • 



GESiÖJiSC^AFtSAO^^ 

Dr Böhmer, stadtbibliothekar in Frankfurt a. M. 

G. freiherr v. Cotta, k. bayerischer kämmerer in Stuttgart. 

Hofrath dr Grimm, mitglied der k. akademie in Berlin. 

W. Freiherr vom Holtz, obersthofmeister Ihrer Majestät der Königin 

in Stuttgart. 
Dr G. V. Karajan, vicepräsident der k. akademie in Wien. 
Dr E. V. K ausler, vicedirector des k. haus- und Staatsarchivs in 

Stuttgart 
Dr Klüpfel, bibliothekar an der k. Universität in Tübingen. 
Dr 0. V. Klump p, director der k. privatbibliothek in Stuttgart. 
Dr Maurer, ordentlicher professor an der k. Universität in Mfinohen. 
Dr Menzel in Stuttgart 

Dr Pauli, ordentlicher profisaMr aa der k. nnivanitlt in TttbingeiL 
Dr Wackernagel, ordentlicher professor an dttvmverritltinBtatL 



26134S 



DER ABEK'l'KUMJCHE 



SIMPLICISSiMüS 



DD tSBSa SdlDm 



HAUS JAKOB CEMSTOFH VON GRIMlULSHAnSEN. 



ADELBEBT VON KELLER. 



TIEKFEB BAIID. 



STUTTGART. 

QIDBOOKT ACT KOSTBK DEB LITTBBAUlOmai miDM 
MCH ■UOHLOH DM ADMOSDHia TOM OOTOBW UBi- 




itMos TOI t. y. nrin 't> 




n. «■ 



ZWWTKH IHK"- 



jCEIUFJ'i»» 



111.1. «•'"■'" 




«.«. 



ERLADTERDIIG DESZ KÜPFFEBS DKD KÜBTZE» INHALT 
DIESES GASTZEH TRACTiTLEINS. 

Die HttUFe, bo du gUubtt vom Teufel her m swingen, 
Scheint iwu, sie komm dir wol, i«t aber so bewand, 
Dafl aifl je mehr and mehr dich fa& mit Sflndea-Band, 
F«n schnell, gewiA nnd fett dich in die HBIi su bringen. 



1 Eritntening] XH [X «SO. H S, 84». K 3, 8tt] ErkUnuig. 
Xa koant. 5 bO] XH tet. S an] XH rabringea. 

Drflm maroke d\ete Lahr, bivor, vor sllen Dingen; 
Tnra der Sirene nicht, de iat mit Uit bedeckt, 
Dnd unter Ihrem Balg, Iat Aagst nnd Koth renteokt, 
BegUabet dn ihr so vid, so bUtn In der Bebliage. 



t 



A UND FfiETHErrEK, SO DEBSEM TKACTilt^lN 

VEBLIEHEN. 

DI& WeroUein hata nfbowaUea von Grotim toi nrar 
sichtbaren und also aadi Aller-UDäberwindlicluteB Groß-Kdnig 
<r Welt-grouen nnd allorroIctreichMtBn Landschaft fiele^ lite^^ 
rinnen die Weiber, wie Lnclanu bezen^l, gintae KM» voU 
ir legen nnd Schockweise i^res gleichen Mensch«! darinß 
I, daß es nemlich kanffen darff, wer Lusl, Lieb und Geld 
. hat, Es sey gleich Gelehrt oder Ungelehrt, Reich oder Arm, 
oO oder Klein-Hans, Geistlich oder Welllich, Weib oder Mann, 
rrisch oder Gescheid, Ledig oder Verheurath, Bübgen oder 
Igdgen. Es inags auch ein jede auß erstgomeldtan Personen le- 
ioa, die es in Händen Cdoch mit diesem Vorbehsll, so fem er an- 
ders anch lesen kan), es wQrde ihm dann tod einem sonderbaren 
hohen Gewalt erosUich verbotton, der solches aoD reohtmissigen 
Ursachen zu tbnn befugt und solch sein angelegt Verbott in hand- 
haben, Btarck genug sey. Es ist auch gegönael nnd zugelassen, 
daß es ein jeder, nach seiner allerbesten Gelegenheit, zu Zeiten 
hinweg legen und solches nach eigenem freyen Willen wieder in 
• die HAnde nemmen mag, so oSl ihms Selbsten beliebt nnd die Zeit 
lUgibl, Also daß gar keiner gezwungen seyn solle, solches über 
einmal oder auf einen Sitz auflzolesen, Es geschehe gleich alleio, 
die Zeil zu passiren oder die Lehren daraoß zu erfischen, die der 
Autor heimlich hinein verborgen. Dahingegen ist anch einem je- 
ft den Possessore dieses Tractätleins ohngewebret, daß ers, wann 

1 (t J] PrivUegla] XH [X 440. H 3, B46. K 3, S3S tUU 846] PririlBgia 
und herrliche. 3 aflEDweiien] XH mDAiQweiaen. K MUinwaüen. 6 8«leti[- 
tite] XHK Sclenitide. 10 ElelD-(f g]UMii] HK Klein-Hu« odor Kanta. 
II Verheurath] H V«rtbeiiratb. IS hohsn] XH hohem. 19 logen (f üjj nnd. 
tO m&f[] XH möge. 35 Pauesiore] XH PomdhoiI. 



0,4 MS 

er M «ImmI ucht gemag oder sonsl eüi kurts Gedichtass ImI, 
iwejy drej, Tier, ja wol gar siebeaieliea aial durcUesen aad gar 
deB Nachlas aatem Kopff legea darf, wie Alexander Maga« aei- 
aeo HoicniBi; doch «1 dieser Bescheidenheit, daß die Reformirle 

5 ihren Lobwasser, die Evangelische ihren Habermann und die Ca- 
tholische ihren Thomam de Kempis darüber nichl vergessen. So 
darf auch ein jeder, ob er schon bey seinem Eyd so behaupten 
Teraejat, daß er weder dem Momo noch Zoiio verwandt» diß 
Traditlein tadeln, benrtheilen, verachten, verkleinern, giossiren, 

to corrigiren und durch die allerschirffste Hechel sieben, wann ers 
gleich weder verstehet noch besser machen kan. Hii^rzu kompt 
auch noch dieses Bene, daß ein jeder Kerl, er sey auch so ernst- 
haSk und gravitätisch als er immer wolle, dieses Wercklein, wann 
es gleich in grünem Atlas oder Purporfarbem Sammet eingebun- 

15 den, mit einem güldenen Schnitt außgesiert und wie ein liebes 
Gebetbüchlein mit silbernen Schlössen verwahrt wire, ohnver- 
hindert und ohne Einrede allermanniglichs, auch ohne VerleUiung 
beydes seiner eygenen reputation und seines sarten Gewissens, 
so bald er nur müd drüber worden, kähnlich in das Wasser, in 

to das Feuer oder wol gar in deß Pilati heimliche Cantzley werffen 
oder, wann er je Haußhaltisch damit verfahren will, einem Wel- 
schen Würtz-Krimer umb ein Bixel voll Schnupfltaback vertau- 
schen mag, wann nur der Bucbverkaufier seine ehrliche Bezahlung 
davor empfangen hat, ohne daß ihn jemand solcher scharffen pro- 

t5 Cedur wegen vor einen Wunderseltzamen Würmischen Phantasten 
halten oder darvor außschreyen solte. Doch bleibt ihnen auch 
frey gestellt, vor sothaner ernstlichen Verfahrung solches einem 
andern zur Danck - verdienung entweder zu scheuchen oder auff 
nimmer wieder geben zu lehnen, über diß alles gibt mächtig- 

30 gedachter grosse König Selenitide allen und jeden, die mit Papier, 
und was daraulT gehört, umbgehen, durchgehends diese vollkom- 
mene Macht, freyen Willen, willkürlichen Gewalt und erlangtes 
Recht, diß Tractatlein in Teutscher Sprach aller Orten und Enden 



3 Nach[YiT]te8. Kopff [X 441] legen. 1 1 Hienu [7 t] kompt. 12 die- 
ses] XH dieses Nota. 14 PurpurfarbemJ H Purpnrfiurben. 16 ohnrerhfn- 
[U 2, 347. K 2, 347jdert. 20 werf[Y rjjfen. 30 gtlx Tyjdaohttr. 88 Trao- 
Ut[X 442]leiD. in] fehlt XH. 



, feil zu haben, zu verkanffen, zu venlechen und 

■nimi und zu ihrem allerbesten Nutzen za verwenden, 

<ICI es ihnen beliebt, doch mit diesem außtrucklichen 

TOrbehall, daß ein solcher Nachtnicker geständig 

MCIl defiwegen gnugsame Bürgschaft leisten wolle, was mas- 

er li^ piDtz kein Gewissen mache, wieder das Gesetz der 

r zu bandeln, sondern dnrch den Nachtnick sich befleisse, 

em Nflbe&Menschen , vornemlich aber dem ersten Verleger 

j Brot Diebifcker Weia tmw Maol biaweg nt steUen, diwaJM 

r nit niehten dieselbig« veratanden werden, welche «fMM 

rieh xn thnn befleisM«, was ehrlicben Lenten genemt, neh 

it die jenige, so diG Traclätel Bub dem Uochtentacheo in mm 

9re Sprach übersetzen und also Anülandischen NaÜOBen >■■ 

(I in einer unleutschen Sprach tracken lasien möchte«, allei 

der Privilegien in Original, mit angetroheter Straff^ daß der 

mächtig-gedachte grosse König Seleoitilonini den VoIhv- 

m aeinea gantzen Reichs anarlige and rerwerfliche GdmrleB, 

che wir Wechaelbilg oder lUntkdpf an nennen pflege«, wie 

dieaem Jnpiter seine Harpye, übern Hals cn «Micken ent- 

oaaen, allea laut mehr-angeregter OriginaUa. So geben nnter 

enhindiger Unter -Schrififl deA ofFtmafalig eraeUlra groaaea 

iga, de dato in der Uanpt- tud Residenti-Statt InTiafbilia, den 

Honatatag Inaadibe, Anno poit nihil 00000. 

Nnüander Res Selenitide. 
Ct. SO 

Renonioa Secretar. 



6 fich [f Tiij] gmnti. 8 mtaa] fahlt XH. 16 OrigiBal, (t Ix] nU. 
1* H*rp;ie] H Harpüm) Obar. ' SO OriginAlIa} H Origtnalleii. 



B. 4 



VORREDE XS DEN GENEIGTEN LESER. 

CReicbwie der Simplicianische Autor in den Ersles Theil sei- 
nes wnmferbarlichen Vogel-Nests nichts änderst gesncht, als die 
Menschen zn erinnern, daß sie jederzeit in allem ihrem Thnn und 

5 Lassen, Handel und Wandel die Göttliche Gegenwart vor Angen 
haben mid solche kein Aogenblick ohnbetrachtet oder außer Acht 
lassen sollen. Also will er sie in diesem Zweyten vor der Kund- und 
GeneinsdiaA mit dem bösen Geist getreulich warnen, in welche, 
ja gar in eine armselige Yerbündnus mit ihme und also in die 

10 Ewige Yerdamnus mancher gar leichtlich und ohnvermerckt, ehe 
ers Selbsten vermeynt oder ihm einbilden mag, geraihen könne, 
nicht nur, wann er Selbsten vorwitzige und verbottene Künste 
braucht oder dergleichen zu lernen sucht, sondern auch, wann er 
bey seinen Dienern und Dienerinnen, den so genannten weisen 

16 Hinnem und Weibern, oder Oie mit ihrem rechten Namen sn 
nennen) Teufelsbannem, Segensprechern, alten Hexen und Gabe^ 
Reuterinnen Hülff und Rath suchet, mit denenselben nur anbgehet 
oder die geringste Vertraulichkeit mit ihnen pflegt Was nun be- 
meldter Autor in gedachtem Ersten Theil seines angeregten Vogei- 

to Nests zu thun vermeynt, das hat vor ihm und zwar mehr, als vor 
2000 Jahren, der weise Mann gethan , nemlich die Mensohen su 
lehren, wie sie sich gar leichtlich vor Sünden hüten könles, wann 
er mit kurtzen Worten sagt: In allen deinen Wercken gedenoki- 
deiner letzten Ding, so wirstu Ewiglich nicht sündigen. 

s5 Aber mehr -besagter unser Autor unterstehet solclie^ vie 

kürtzer und krafftiger zu thun, dann umb wie viel mutr wini «k^ 
Mensch das freventlich sündigen unterlassen, wann er W6ii> iinr 

1 [f X. X 443. H 2, 848. K 2, 348] Vorrede. i> DioiiWJ li bioii: ^> aukmiI 
XH Augen SU. 14 genann[Y ig]ten. 21 Maiui] XUAUiiu Misii- Hi miö 
krafiUger] feUt XH. wie [X 444] visL 



Mlenckt, daß ihm allenthalben die unfehlbare Gegenwart deß je- 
Bi' "iBywohnet und 2usii;hel, der ibn künlTtig umb sein Thua 
■■ ien eygentlich strufTen »der belohnen wird? Wunn sieh 

j isch Gcheuel, in eines andern Menschen beygein, der gleich- 
nur seines gleichen, auch ein Sünder und vielleicht viel Goll- 
r, als er, ist, ein schandliche Lasler-That zu begehen, wie 
1 mehr wird er dergleichen oder auch wol die geringste Sünde 
tbun unterlassen, so er that, was ihn das Vogel -Nest lehret, 
nlich diß, daß er gedencke, was massen ihui der AUerheiUgste, 
lie Sünde hasset, der Aller-Gerechtesto, so weder das Gute 
dohnt noch das Böse ungestrufTl last, der Aüeruiächtigst«, des- 
Hand und GÖttItchüm Gewalt niemand entrinnen kan, überall 
liauet? Dieser Aator hat zwar in dieser ernstlichen Sach sei- 
hnlichun lustigen Stylum gebraucht und viel läcberlicbe 
B mit eingebracht, wie er in deß Abentheuerlicheu Sim- 
BBimi Lebens-Beschreibung auch gethan, su daß anter 17 Le- 
1 kaum einer ist, der da findet, was er ihn unterrichten will, 
idern die muhrisle glauben, er hab ihnen seine SchriOten nor 
' Zeilverkürtzung verfertigt, aber das last er sich nicht irren, 
dnerhin im angefangenen Glaiß furtzufahren. Verständige Leut, 
en es gedeyet, wt^rden den Kern schon zu finden und ihnen zd 
z zu machen wissen. Man weiß wul, wie ungern die Patienten 
bittere^ obglnch heylsame Pillolen verschluckflii, dihiigegen 
■S«r die abergilldte oder Terauckerte leicht za siofa nehmen. Deß- 
M wegea hat er aach den vorsichtigen Aertzten nachgeöhmt und 
■ainer straffenden Schrifften scharpffe Bitterkeit dergesUU ver- 
■•■set, daß sie etliche unboUrte bey nahe vor keine heybane 
I Artuey, sondern vielmebr vor ongesnnd Scfaleckwerck gemeaeen. 
Dnangesehen nun eines solchen auch der Satnmiilen und Maat- 
M hanokolischen Köpffe Schmälerey und Hißgunst, die allei aosser 
ihrem eygenen gemächt vor Saibaderey halten and anßschreyea 
wollen, ist er bey seiner vorigen Art geblieben, die anbehulsame 
Menschen Canch mit Exempeln) unter dem Schein kurtzweiliger 
Geschichte vor dem jenigen treulich zu warnen, was sie, wie go- 
M meldt, gar leicht vom höchsten Gut absondern, hingegen in deß 

8 lieh (t sül ^«- 10Gate[H3,S49.Ea,349]iintMlcilui(. SO GluA [^ lüj] 
foitiofabreD. 35 DKchgcShmt] H a*ohgw>hmt. S9 8«tiuiiiit«i) [X MfiJ aad- 



1,4 mt 

leidigca Tevbb Gewalt und, wann der liebe GoU inß sonder- 
buer BuvAertiigkeit nicht hilBt, ohn Zweifel in die ewige Ver- 
daBBOOB bringen mag, worxa er varaehmlich bewogen worden, 
alj er geiehen, wie nnzeblbir viele sich in jetzig«! elenden, viel- 
B leicht letMeo Zeiten mit allerhand liederlichen KAnaten schleppen, 
obne daß sich der ein oder ander Mensch ein Gewissen darunib 
PMcbe noch mercke, daß er allbereit dem Höllischen Schlund be- 
ginne im Rachen sa stecken. Sonslen würe dieses biilich das ze- 
headeThei] oder Bach deßAbenlheaerlichenSiniplicissimi Lebens- 

1« Befchreibong, wann nemlich die Conrage vor das siebende, der 
Spring ins Feld vor das achte nnd das erste part deß wunder- 
barlichen Vogel-Nests vor das neandte Bach genommen wärde, 
sinlenahl alles von diesen Simplicianischen Schrifften aneinander 
hingt und weder der gentze Simplicissimus noch eines auß den 

u obengemeldten letzten Tractdilein allein ohne solche Zusammen- 
ffigong genugsam verstanden werden mag. So zur freundlichen 
Nadirichl der Autor hieaut vermelden wollen nnd den Leier alles 
Wohlergehen herizlich wünschet. 



1 «^[f xlr)d«Tl»rar. B lehende] Wir Bohen bfantiu, dafl DMb d«( Ter- 
tmbon nnprilngllaher ftbdoht In der T^T^ling der werks di« Conrage dem 
Springinsfeld Torangehsn loUts, ond du scheint »llerdiDga ■WBokmftßiger. 
Die Mmmelanigsben »ber XHK biben alle die oiogekebrte ordnniig, and da 
dieie nDD die herkömmliche gevi'Drdi'n iat, moobta iofa nioht davon abweichen. 
Wir lernen am dteitr angäbe dei aaton aneh, daß ea nrsprflnglioh nioht in 
■einer abaloht lag, die I, 1003 ff. ibgedraokten eontinuationen nnd den dent- 
•oben Ifiobel hier in du oomplex der un^ioianlioben «ehriAao au&aaehman. 
10 die} XHK der Sptlngioifeld vor das tiebende, die Conrage vor da* aehte. 



REGISTER DER CAPITEL 

Dm 1 CapiteL 

Wftrckniig deß Gella, berdei wann man < 
1 TnioMigt wird. 

D«8 S Capitel. 



Du 8 CapUel, 
Wm tot des Terloknien Sohtti eingeliaKkt worden. 

Das 4 Capitel. 

• Gar ein enutliche Leffsley, xwu lAier zwo. 

Das « Capitel. 
Der Uniiclitbare liehet du Fondamenl eines GebiM, daranff 
&m Htner geMlit werden lolten. 

Oaa 6 Cj^iitel. 

• Wart! wieder Wnrtt und der Magd «in Tiimdk-GelL 

Das 7 Capitel, 
Wie man den vernaschten Weibern ein Abscheaen vom 
Wildbret nucht 

Das S C^ttel. 
w Sönsllich Vor-Gebän, damit einem kein Erembder Stier in 
Stall steigt noch der Gncknck Eyer ins Nest legL 



1 (t xt} Bceiatsr] XB [X 446. H 2, 860. K 1, BÖO) Inhalt dv C^itol dei 
Andern ThsUa, vom Vogal-Neit. 3 WOicktuig] H Dia Wflrcknng. 10 «wu] 
K S, «u. mwo] ZBX iwey. 




n, 4 Mt 

Das 9 CapiteK 

ÜB Borea-Bnb betrengt den «0(16111 ind der msohnldigit 
nnß du Bad «ußtrigea. 

Das 10 CapiteL 
6 RAis in die Leipiiger HichaeliMeQ nad tob dannen pich 

AMSlerdin. 

Das 11 Capitel. 
Was iatB sich ann zu versehen? Kompt Krieg oder bleibu 
Friedf 

■0 Das 18 C^iitel. 

Du begla Hittel vor die Sjieg»-Liaffe wird genickt nad ge- 
faadea, du schlimmste alwr erwehleL 

Das 13 Capitel, 
Wu die Juden vom Propheten Eliu halten and von ihrem 
IS känffdg verhoffenden Meisiu glauben. 

Das 14 Capit«]. 
Der Prophet Eliu iuet xn Gast und der Eagd Driel verkfbi- 
det deß Jfidi«chen Hessie Ankanfft; so gewtehea nach sout 
grosse Wnnderxeichen. 

n Das Id Capitel. 

Moschiach wird vom Eliu angezettelt, von der Esther h&- 
gew^Mt Bod endlich von dem grossen Gd>&if mr eine kleine ilt- ' 
cberikdie MaaA gdMren. 

Das 16 Capitel, 
>& Wie sich baßnas verhielte und was geslaltea er aaA seiaea 

schweren Aafechtangen erlöst wurde. 

Das 17 CapiteL 
Wer dieses Capitels Inhalt wissen wm, wa^ es entwedei 
selbst lesen oder ihm lesen lass«^ es sey drän, daß ihms rinn 
M sonst oxehle. 

*0 tl*^Ot. tl bthw [X «47] 



a, 4 

Du 18 CaprtH. 

Bia goldener Vachxag mit eaem böHieraai Angd, 
te-e OuDtoi mehr. 

0m19 



DuMCapitd, 
Wie et weitan tot, bey ^id ml te- Bockiett ähKiC 

Du »1 Capitel, 
Wm der Tenwflffelle tonen b 



Wie es feraen er^ei; asd wm uft dieaeril CMdM ik 

Du WCapUd, 
Wie der Peldzsg aegieq: md abUeff. 

» Du M CapHd, 

Wie der dnide Tropf auß seiaeoi ji— Briirbna Tartiad w- 
IM and «rieder n redit gelHW^ wimleiL 

Dm 8d Capitel, 
Wu ei ejgentlich mit den Feittgkeitea tey. 

> Das 86 C^lteL 

Contlnuatiw roriger Hateri ond aadare dirglalalw fl iifci 
Rwhr. 

Das S7 Capitel. 
Heim-Ritt «ampt den BefiAluß dieees TraclMleini. 

I0[HS,SÖ1. KS,U1] Dm. 




■,^l. 



DAS ERSTE CAPITEL. 

WflRfanig daß Odts, Iwydes wann nun desBco vM bentct 
and Tflrinsligt wird, 

DBn GriMÜgfen üts bey übe dminfiglidi daa krttien n Iw- 
• MBf waui er flm gleich den knnfltigm SdmflrtMn eJnUIden km, 
daa ar ihiiiil verantcht nd den er elwun nch hMievor bereit! 
vmfttaäuL, Wibb er gleich Leot nehet, welche Miae Biiriiche 
Gdierden, Mine Ueckeade Zihn, leiii knumes Hnl and mntze- 
Hohte Hue, m er in ntchen gefcbiStigen Jacfcra dantellet, 

M tampH der Ungednlt Ober wiiie eygene Hiol, m er pitt letBem Ge- 
aekMt Todi^ipelt, beliehen I Aber wu raichlf, daß diese Jenen 
■afilachen? Bs nucht, daß diese Anfihöner aaeh nicht adbat 
giiadig MTB, dann m würden rie ihr Gupött woi nnterw^^en laa- 
SOB. Der, ao ein Ding nicht vemcht, wie wolle er wiaaen kdo- 

u BMI, wie e« achnickt? Er mag wol etwas rathen, ist aber nock 
fem von Wiasen; wie jener Baurenbob, der die Güte des Sebnepf- 
fett-Drecks Aber alle andere delicate Geriehter erhflbete; nicht 
swar, dafi er aelbrt darron gessen, sondern weil sein GrofiTatter 
eh i— a ls erteUel, sdn Drihae hilte vor alten dergleichen, anff 

w weine Sewehi gestrigen aad in Batter gebaAea* tob seine« 
Jonaken aiit Last essen sehen nnd loben höreo. 

Aber hier isls ein anden. Ich will nach dem AltfrlBcfclsckaB 
Sprachwort sagea: wer hangt, der langt. 

Knner kaa gbnben, wie Stachelhafl% and Heobeltlhn- 

B mtssig^weh einen das schrepffen anff den ScUeabeioen kitielt, so 
fem ers nicht selbst erhkren. 

1 [j 1] Dm. S iriid] XHK wird. Kemlloh: 
Bau BDd Behang 
BBmc Staad. 
' t Tamsaoht IZ 448] a»L It w [7 S] wflrdas. SO gabaaba] B (•- 

Uokra. 

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g«»e«rfl, vk (ic«(e «• ail, «• Mdil gv Te^diwfaa, iacfc «•- 
•iK«i ««rb()tt«Mii K*Nla> «dh. fdigcr Effn- : 
WM» licbr^rtclicr Hirlm! O aktere Bilff Md 

W rtctiwi« irtKtuiK »cbkOetm ah4mB triMk* k«BaM% wmb bb k 
irl4«(rwcrli|f«n B«i;eK'H'»'=n ^"^ S«t«u gelocb, tot mimb Apo- 
■Udi mri V«r«precliunif {(«^«tiiier Bilfe ngeniU, vm Byji— 
Kkwertjelkhen AnriM:falonKi:i> {IdchH« gmAtigt vd ito» mb A- 
tun Ort4!n her §0 wu) Bni[eküni nad geladort, ilf ail ScUrph >■- 

M KMp'rt'ul werden, von iler r<;cbtM Bahn ■bxalratt«! O heilige 
Vvr»ori[ *() ([rtriiiiKr Vjittvr, welche wu eleade ISalemy otb ihm 
untvi»nnd« Minile Layen auff dietem geOkriichea Wcy lolcte- 
(iKKlall vor /milxir-Kuiiiil-^ri, vor AbgöUerey und ibo TOr der See- 
len Untergaag and ewigem Verderben zo behdten and nsserer 

H owlgen Verdimnui vorzukommen, hingegen iber uni, ihren Ehr- 
würdigen Beruff gürnSß, in den Schoß Abrehs zu liefern, nch 10 
trBUayferlgit bemflbell maiien einmal, gerechter Temonfft na^ 
m lohlleßan, diQ der Jenig, fo HOlff and Znflucht beym Feind 
Ootlei und aelnen Abgesandten «ücbt, ob er sie gleich nicht findet, 

H bernaob wedur der HQIff Gottea und seiner Heiligen mehr werth 
•eye. Daß aber der liebreiche Gott bißweiien dem einen und in- 
dorn OüfaUunon durch aeino Vitterliche Gate dannoch wieder auff- 
hlim und Ihn in aeino Gnade nimpl, darvor iat allein seiner Gmnd- 
laaen Uarmhertslgkeit tu dancken. 



4tl|T>l"0">' iloii[IIS,8fi3. K!,8&3)ii«ni. 11 SB(XU9]iTeMii. 15 wia] 
II tll». T *te iloh wlo. In] XU dlo. 19 angeapont] H ugsaporaet. 81 g«- 
iNunr (t 4) VItUr. 



n. 4, 1. 5iS 

Aller, lldwr, bedenok doch, wis der taoseRdligUge Ertefeind 
beydes deß Bimmlischen Heers and Menschlichen Geschlechts vor- 
nimbt, wiDn er siehet, daß wir diesen unsem gelreuen Tfillem 
sa'gebornm folgen, ihn sampt seinen Propheten verachten und 
B sidi allein anff Gott verlassen I Schau doch seine Schalckheil an I 
Er IBst durch seine verdaininliche Künstler außgeben, daß einige 
▼on eben den jenigen Geistlichen, so ihrer Kunst am allerbefitig- 
sten widerstanden, gleichsam als hfiUen sie solche mit Eysen 
und Fener außrollen wollen, zu ihnen geloffen und sich ohne 

10 Scheu ihrer Hulffe bedienet, nmb uns arme Ignoranten dahin zu 
pemudiren, daß wir dencken und in nnserer blinden Einfalt sagen 
sollen: Hohol haben das unsere andfichtige, allein Gott ergebene 
Vitter gelhan. Wer wolle uns dann in argem aufTnehmen, wann 
wir ihnen folgen? Ists ihnen recht, so ists uns billich; dann wo 

»der Abbt die Wflrffel aufflegt, da ist dem Convent erlaubt zu 
spielen. 

Und zwar was ist gemeiners, bekandters und anß der Er- 
fahrung gewissers, als daß alle die jenige Menschen, so in Was- 
sersnoth und Gefahr deß Ersauffens gerathen, das nächste, so sie 

M erlangen mögen, zu HüICF ergreilFen, und solte es gleich eine 
sdiarpffe Domhecke oder nur ein schwaches zerbrechliches Glas 
seyn, solches auch so fest fassen und im Leben und sterben so 
slarck halten, daß mans ihnen auch nach dem Tod, sofern sie an- 
ders demselben Würger im Wasser bestehen und überwinden mfis- 

ts sen, mit Hübe widerumb anß den Händen zu bringen hat. 

Aber deßwegen bilde dir daniinb nicht ein, viel weniger 
glasbe es, wie ich ehemal NCrriscber Weise gethan, daß die Geist- 
liche in ihren Nöthen der Schwartzkünstler Hülffe suchen, dann 
sie Bind viel zu beilig und zu verständig darzu. Es würde einer 

w sein hundert-Thaler Pferd, wenn es ihm gleich von tausend Hexen 
geritten worden war, ehe hundert- tausendmal verrecken lassen 
und lieher die gantze Zeit seines Lebens zu Fuß gehen, als daß 
er nur einen Segensprecher auch nur mit dem geringsten Wunck 
nmb Hülff anspreche. Also auch in allen endern Fällen, Ja wann 

3 dieaeo [f 6] aDsem. sieb] H ans. S mit] X mit [X 460J Ejicn. 
B mit Schwerd. 13 auffoeluiieD, (H 2, S&3. K 2, S63) wann. 30 es [7 6) 
gleicb. ST die] H die reobleohftffeDcn Geistlioben. S4 Also — Pllleo) 
fohlt XH. 

SlmpUctalaiiu. IL uu 



%^JL 







ihr V4 

>? 8# MHp ick twtM 

iehireif e irai wjüwi emr Ukcrfafi 

ftfieriM iM Wef 4er werimmlkhem WoBisie sbo lirKig 

fc *ü# l y di6 ich gMrtc wwitgüiy «rfT dgwggBf n ■«— Ycr- 

i# JcrkM fortfrawlcni Mi aico dfer Stricke aickt 
wcfriger Umch etArttmen kante, die aidi nr ewiges Ti 
siekefi raleaf e«, dcM ick lekle wie der reick Mmm Lm^ M, 
kitte kk §0 Cpn getSriweSt ^ wir >^ Mdi hillkk wie er 
Mefkeiif 

m Aek was waren aber dieeelbe eytele Wollnalkarkeiiea» üe 
fermeyntUek nnd doch §o acknell aerginglicfce Fwiaa» üe 
Tborbellen io falacber Ergötzwigent die Erfiilnngen HMiaa' nir- 
riiehen Begierden und dergleichen gegen den schweren Sergen n 
achitaen, damit ihr mich mehr als Henckermiaaiger weiae ao Tags, 

n ao Naohta grausamlich geqnilet? nicht allein euch ib erhalten, 
aondern auch zu vermehren, damit ich nicht durch eve Sckmile- 
rong oder gintalichen Verlost und min zugleich nnd» mein groß 
Ansehen, Bhr nnd repntation, nmb mein herrlich aanflFl Leben nnd 
andere den Menschlichen Sinnen angenehme und erwänachte Ding 

M himci die ich allein auß euch so überflässig an genieaaen mir dn- 
bildete und mit euch zu verlieren besorgte. 

Aber ich muß noch einmal aagen: ihr verflachte Reich- 
thumbl 

Mit diesem allem wara euch noch lang nicht genug. Ba war 

8 [y 7] AUo. 6 in] H an. 8 |X 461] 0. 11 den] fehlt XH. 15 fort- 
wandornj XH fortwandorte. 90 eytelo [y 8] Wolluitbtrkeiteii. 24 Tagi, 
IH 'i, 854. K 9, 864] so. 



n, 4, 1. «IS 

bißher Dar Kinderspiel nnd mir ein angenehmes süsses Giffl g^e- 
wesen, vermitlelsl dessen ihr mich mit meinern daniahligen gaten 
CoDtenUment auf einem luslig- scheinenden Weg unrermerckt 
richtig gegen der Verdamnus zuführet, den ich zwar jetzt, da mir 
i die Augen geöffnet seyn, umb der untermischten Bilteriieit willen 
mit geaander Vernunfil nicht lustig nennen kan. Zuletzt aber wol- 
let ihr mir, verrätherische Reichthümber, den Hertzstoß mit 
gewaltsamer Tyranney und höchster Harter beybringen; dann 
siehe, nachdem die Leyrerin ihren Diebsfang glücklich gethan und 

10 mein Schatz ausgeflogen war, hätten billich mit meinem Reichseyn 
auch die jenige Übel aulThören sollen, mit denen ihr die Uenschen 
peinig die euch besitzen. Aber ach, de liesset ihr mich erst al- 
terdinga die Höllische Qual seihst empfinden. Ja ich gestehe mehr 
als gern, daß es damahl umb mich uuii meiner Seelen Ueyl knapp 

it gestanden nnd sehr nahe geschehen gewest wire, so fem mich die 
fiarmherHigkeit deß Höctistea durch seinen guten Engel nicht er- 
halten, 80 gar ein kurtzer Schritt war zwischen mir nnd der gäntz- 
lieben Verzweifflung; dann gleich wie mich zuvor die Sorg gefret- 
let, das Heinige zu verwahren und zu vermehren, also schmirzta 

10 micbs jetzt umb so viel desto mehr, weil es Pritsch und keine Hoff- 
nung da war, solches wieder zu bekomiiien. 

Ich hatte nirgends keine Ruhe mehr, keine kam mir in mein 
Gemäth and kein Schlaff in meine Augen, In Summa ich war von 
aussen nnd innen dnrchgehends beschaffen gleich als einer, der 

» in eine Jungfer verliebt ist und an Erhaltung der Gegen-Lieb ver- 
xweifelL kh kan euch meine damahlige Unsinnigkeil sonst keiner 
andern Tborheil besser vergleichen, als eben deren, darinn die 
Nftrrisch- verliebte versuncken, dann ich lieffe, rennet und thiU 
manchen unnützen Trab. Ich gieng mit dem Saul nach Endor und 

SU schickt mit dem Ochosias nach Bkron. Keinen Teuffttlsbanner 
liesse ich nnhesucfat, keinen Hexenmeister ungefragt; aber alles 
vergeblich: da wolle kein zusprechen der Verwandten bey mir 
hafiten, kein Trost der Geistlichen mehr helffcn noch ihr ernstliche 
Vermahn- und Abwarnungen etwas verfangen. Nichts bessers 

tb konte ich, als seuffizen; nnd was mich noch am allermeisten 

4 rich{T 9]Üg. ' EeiobiLüinlier, [X iit'2] den. 1» scbniirxte |-[ 10] 
mich*. SS kein — bolffea] feUt XH. ihr] XU ibrt. 



n, 4, 1. 

imirzte, war tliß, daß sich hixile hiuleti, wdche ich doch mein 

l;« nicht belr<drfft, Kondcrn ihtivn vldmehr alles guts erwiesen, 

■ich nip-n Liniflücka Treuten und daß sie mich so nidergesclila- 

" »I mttligt herein gehen sahen ; dann ich wurde am Leib 

Veratand untüchtig und stuoiiiir, von KrälTten schwacb, 

B bleich, von Humeur melancholisch und mit einem Wort 

'dingf HO elend, wiü die erst obeogedachte Unglückselig-Ver- 

ite ZD seyn pflegen. 

Ach, ich grosser Narrl was iial) ich doch nur gedacht? Ich 

:0 ja noch wol so viel im Vermögen, wanns gleich kein haar 

noch NO viel (inld und Sillter war, als ich verlohren, benebens 

"^nh darzu bey Jodurmiin einun guten Credit, geschweige meiner 

henlichen PreundschalTt, die mich nicht verlassen; so daß ich 

heaaer, als noch viel nicht können, nicht allein mit Ehren 

ngen, sunder auch widcrumb ein stattliches erringen und 

in mägen. Aber was hallTs? Meine Thorheil muste auffs 

Bte klimmen, damit ich ja mit Schmcrtzen erffihre, was mir die 

il ohne das ansahen, iiemÜch daß ich wider alle Vernunfft und 

,ulikelt das Gelt mehr als tiott geliebt. 



1 Unh 11. a >, ÜB. K >, 866)te. 4 Laib [Z 468] magw. « bletoli] 
X ilatoh. 11 war] XB wir. IT w[t ISjrabTB. tB gehabt] XHK galiebt 

Uab nloht mehr Gold, al« (lolt, et bringot groM«n Sobadan, 
Walt-Oald-tnabt, elde Ehr, dia lind da« Tenffali Nets, 
Darloü er nni beitriokt, daA wir die Seal beladen, 
Und ringen aehi dtmaob glelab wlraoi gTOaas Boblti, 
Ihr Luat, lat alne Laat, Ihr WArdaa, aohweTa Btbdati, 
Wer daran elob «nlaohatt, dar hudalt klng und waia, 
Aob daU wir Uanaeban doeh, einmal ao witalg wOrda^ 
Und kabrtan tnabr anff Oott, ala Oold, die Borg und Flaift. 




■,4, iL 



»IV 



DAS ZWEITE CAPI1EU 
»Mit *« fa^wwi. 

ficMM mtmt m Jmbmt mi 

tfßltim idk wr PMWft M< ■ 4tr <llab»»thnn TV»wiffc«t, «k 

s^bit abn «c«ca dea BMle 4afi Aj^wÜ nKe^ n «««•■ 

tl— fTliB, des kk n aickit tcv« Ttar m 4er SIM lig«a 

1Mb. di «MM räcr, 4er «ich ab* hJuiMitni sehe«, mm4 

^■IM■UMH^ ab Ab imerikke Gotah, «e «it 4er Uwei^ 
»fafaa »iBitifiifciiil; gewätfUdi «berat n mmmtm picft, m 
Ute er atee Zwoffel «CKUoMea, kk w«re aaff 4ea Wtf be- 
, aaff CUaCRScbe Gatbnf «ücli irg t a fc m etaea 
Aber es gioag GOlt Lob viel W— er «b; dMa 
B Ort, da kb BeJaea entea Trat e ft ea g , de« 
ennit vaniBdil GMÜcbar Gaadea 
ffliiljJh-. di kh MBlkb betrachlet, w» um dk K«Hg*-Ci«- 
Bc^, TtfpMea, Narassea, Byaciatea aad ö der e M— ea-ZwflJea 
Orar kUm« Zierde gtal^kb beraaU wara«, dk daßwtfva abar 
dnafe tödt gar verdorbea, toaden ia Tcrakberter Hoffaaac 
B gaati tmk im Erdrekb lig«a, aaff de« kiaKfaa FrUlin; üil 
arer fewähalkbea Tracbt wwdenBb laff das aeae prtcbtif ta 



Da Narr! sagte ich daaiabls la air aelbsl, waaa da keine 

Venmnfll hast, wie ein verstiadiger Meafch babea soll, und wann 

i dtrs an Weiebeit and Wissenscfaalh naafelt, so lerne doch hier an 

diesen stammen Gewächsen, wer weiß, wie dich Gott wiadenunb 



1 ^ub«nn) XHK Zaubern«. 

Du TeutFeli Liiberair, nnd Hof-Fub waiil aieli hiar, 
Dma Bild det ZMibenn, hmui hflw Bioh dMfÜt. 
7 ancb [Z tbt] daauhk. U wkre [B I, Ue. K I, IM] «bC 
It IS] »o*. 



ZQ 5eg;nen beschlossen, als der dir noch kein GlAck rerssgl hat? 

hastu doch noch den Samen, das ist die Millel und Gelegenheit, 

illeicb wie diese Blumen -Zwiebeln die Art ihres Wachslhumhs in 

iden, grössere Reich ihumb und Schätze zu pllantzen and ein- 

idten, als du verloren. 

Kurtz Rcsagt, mein Trost, Aofl^nung und guter Vorsalz wurde 
iog so mächtig, gewaltig und groß, daß ich mir einbildete, 
LI wäre jetzt erst auß einem Blinden zu einem Gesehenden, auß 
eiuem Cyclops zu einem Argo worden. Derowegen schalte ich 
lieh selbst, anil) daß ich wegen meines Verlusts so närrisch ge- 
an, mir selbst das Leben bey nahe mehr als halber abgefretlet 
d, was das allera bscheu liebste ist, wider dag außtrückliche Ge- 
Golles und Trommer Christen Gebühr mich bey den Siebträhem, 
tEgrabern und Teuffelgbannern umb HülfT und Ralh beworben 
, Ja ich setzte mir schon vor, wie ich solch übersehen büs- 
and, wann ich einmal wieder reich würde, mich bessern wolte. 
EJumma Summarum ich gerielhc plötzlich in einen solchen ver- 
ntigten Stand, als ich in einem halben Jahr nicht gewesen und in 
einen solchen die Tag meines Lebens wieder einsmals zu kommen, 
10 mir vor ein paar Stunden nicht einbilden dörfTen. L'nd damshi 
prießte ich die Zeit glückselig, in deren ich etwan vor ein ein- 
zige Blumen-Zwiebel ein dutzet Thaler verspendirt, als welche 
mich jetzunder irj meiner höchsten Trübsal auff einen Weg zu trot- 
ten veranlaßt, auff welchen mich weder derGeisl- noch Welllichen 
» Fnnnde Znaprechen nicht bringen mögen. 

Nach diesem bedachte ich, wits ich than and wie ich meine 
Hündet installen wolle, damit ich wieder recht grün wärde. Uad 
in solchen Gedancken wurde ich gewahr, wie anlficfatig mein bi&- 
bero gehabtes Antigen mich zu allen Gesobifften, ' so die presperi- 
w Ut erfordert, gemacht und was ich sedier demselben Terabsaarat 
hatte. Derohalben setzt ich mir vor, hinfQrder anders xn hansen 
und alles wieder doppell einzubringen, was ich bißher verlieder- 
licbt, gieng auch in solchen Gedancken eben so frÖUch wieder auß 
dem Garten, als bekümmerl und zerschlagen ich zavor hinein 



6 Trost, (t 14] Hoffnnng. 14 und [X 455) R«tli. 19 einen] H einem. 
81 prieDte) XH pteÜt. SS Thaler [^ 15] rerapandirt. SO Nf«T-(H 1, 857. 

K3, S67]dert 



n, 4, 9. 619 

gugeii war, amb 00 balden nach Hauß zu gehen, zu dem Meinigen 
so aehen und an dem, was ich mir vorgesetzt, einen guten An- 
tukg la machen. 

Aber, aberl wie eytel und nichtig, wie lär, mangelhafftig 
«nd hinflttchtig macht unsere Unbeständigkeit die einmal richtig 
Terabfaßte Concepta und Anschlag I Sie ists, die gemeiniglich 
verursacht, daß wir die in unserm gantzen Leben verlangte Güter, 
nach denen wir in allem unsern Handel und Wandel gestrebet, 
nicht allein hie zeitlich vielmals nicht erlangen, sondern auch das 
Ewige, ob wir gleich zum öfiTtern in die Hand gespyen und die 
Axt dapffer angesetzt, den Sündenbaum in uns außzureuten, ach, 
das Ewige verlieren. 

Lieber, was wolte aber mein Vorsatz vor einen Bestand ge- 
habt haben und mir vor gute Früchten zubringen können, der nur 
aoff Widergewinnung Gelts und Guts, mit nichten aber auß Liebe 
zu Gott auff Besserung meines Lebens gegründet war ? Doch kan 
ich eines theils der Unbestfindigkeit Lob auch nicht verhalten, als 
welche offt auß betrübten fröliche Leut macht, welches ich da- 
mahl an mir selbst erfahren, als ich gleichsam wie verzweifelt in 
den Garten gieng, hingegen aber vermittelst ihrer gegenwärtigen 
würckung wieder wolgemuth herauß kam, geschweige, daß sie 
gleichsam als eine Göttliche Krafft und Tugend oiRmals auch auß 
armen Verachten Reiche und ansehenliche Leut macht, die Nide- 
rige erhöhet und die Hoffärtige stürtzet. 

Ich kan aber nicht eygentlich sagen, ob sie mir vor dißmal 
mit ihrer Veränderung schädlich oder nutzlich gewesen, dann 
siehe, so bald ich zu der Garten-Thür herauß getretten, fände ich 
einen Stein deß Anstosses, den mir weiß nicht was vor ein Geist 
in Weg gesetzt, daran sich mein damahliger oben erzehlter Vor- 
satz wieder zertrümmerte, nemlich ein altes, magers, buckelts 
Manuel mit kleinen Augen, einem kleinen spitzigen eingebogenen 

* 

4 nichtig] Anspielung auf ein kirchenlied von Mioliael Frank, geb. 1609 
in Schlensiogen in Sachsen, bäcker in Koburg, später lehrer an der Stadt- 
schule daselbst, gestorben 1667. Das lied beginnt in allen 18 Strophen: Aoh 
wie nichtig, ach wie flüchtig. S. gosangbuch für die evangelische kirche in 
Württemberg. Stuttgart 1 842. N. 688. 5 richtig [f 16] verabfiaßte. 18 [X 466] 
Lieber. 14 nur] yXHK nie. 22 Göttliche [f 17] Krafft 28 den] y daniL 
29 in] XH im« 




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rnäkkf «rtVATM er, koi w«l MfB, m fcra ■■ div iHr 

M4«r» vcrtimm »hI rolgm iriD, doch am Settr gwAeMaahwl, 
wunn, Mylber die Oiebin Dum b««loUea, i 

M KOdk finiiAndeneii Rett tfeß Terloniea GelU g 
«idffrthiiha Stund Sptnier-Wegi weit tob Umwb n Wald *er- 
lN>rc*n liiK«; nnd wann ich «ölte, $ej er bereit nil mr dorlhä 
m ({nhoii, ufflb d«M«Uien einznboies, weile« (Ane da« aqetio die 
beNtlmbUi 'ImH vorhinden wire, dcMelben baUitirt a werde«, 

M Wttlchn In bilde verilreicben nnd känBüg nimaierBehr M beqaen 
fallnn wttrdu, daß man aocb nur den geringste* Heller darvon er- 
höhen hftntü. 

War War trühor, all ich? dann weil mir diA Hännleiiif ehe 
loh Ihn aml) olwai gefragt, die pure Warheit gesagt, hielte ich 



a lmj>(>rilrllab«in| II Importlrllohti. 8 [j IB] Wh. 10 weniger [B 9, B58. 
K tl, anal WurtWMhilung. IS bfttte, (X 467] and. Ift SeaStHii] ZH 
VeurrtiM. 30 aiideriballiE if 19] Stund. 



n, 4, I. 681 

duTor, daß er mir ancb jetzt nicht Ifl^n wOrda Ich war in mei- 
nem Sinn bereib wiederumb ebenso reich, ■!■ ich zuvor gewesen, 
und WDSte vor Freuden nicht, oh ich auff dem KopfToder auff den 
Fassen stflnde, welches mich viel fertiger machte, mit ihm gegen 
B den Wald zu gehen, als eine geile Dini zum tantzen seyn mag. 
Doch erbäte ich ihn zuror, daß er mich ein wenig in die Statt 
nach Hanß gehen llesse, meinem lieben Weib meine Abwesenheit 
zu verkündigen, damit sie sich meinetwegen nicht bekdmmeni 
solle; dann weil ihr mein miertrlglicher Kammer tielund war, be- 

10 aorgte ich, wann sie mich manglete, würde sie schliessen, ich 
hiUe mir selbst Leyds angetban und sie würde derohalben auch in 
einen Brunnen springen; welchen Hingang er mir inAnglidi gar 
nicht erlanben wolle, endlich aber mit dieser außtrücklichen pro- 
tealation ungern gönnete, daß er kein Schuld daran haben weite, 

u wann ich die beale Zeit, darinn mein Schatz wieder zu bekommen 
wire, verstreichen lassen würde, mit Versidiernng, je llnger ich 
venögerte, je weniger würde mir darvos wiedemmb zu tbeii 
werden. Also gieng ich hin, beschirmte mein Weib nad ver- 
tröstete sie meiner beiden Widerkunfft, ohne daß ich ihr in der 

M Eyl f^'fU wohin oder was ich verrichten oder wie faahl ich wie- 
der JLOmmen wolle. Hernach kehrte ich wieder so gedachtem 
Miaael, der indessen bey meinem Garten anff mich gewartet. 



9 ihr [7 10] mein. U wSide] H dlrftc 1! n] H er [X 4bi\ mir daoo. 
ilc] Vgl. tbail 1, ill, IS. K 1, Mi. Grimma würt«rl>Deb 1, I.^ft9. 
a ftbMhiad tegata. !t gcwutei] XBK gewütet. 

[H !, IM. K I, S59] Sebma hier, die TenffeU-Lock, wie er [K et] Kcacbifftig ley , 

Um dnreli die Erden -Sclilts- den Himmeli-BeliAU soravbeD, 

Et kommt ihm trdUcb wohl, o0t die UeUncholey, 

Er MtMt BriDc Kniur, und Tücke, aar auf Bchnrabea, 

Bü daS er nni betiiep. und io die Klnpe bricht, 

O Em-Fantaatcnj die lo der Tenffel macht. 

Folg ihme ja nicht Dach, trän GtiU, laft Geltiea Sorgen. 

Der heute dich erhilt, hat aaeb fVr dich noch Uoigcti. 



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UMf. »MIß -iliiii. MMcfti i^Miii PIAfh. ^ lii- 
>«lMf' 4M.^i: «Mh: «r. ifllNatliiHitor aaWmmtU 
^..iMiIhMNi» wifj IrtT: iMf "Wide? :mi «lelsi -AiffSh. ateiijiji ^««c Ae 
>f Ulf «mMtiwlMU . tw«MiK imnu. Ukr.ljUi mmr Ol««]! »LfAUi^ 
Ulli' ltllf^«nfMnlllIlüAllpppllI. tifikJnIdA;. «>» aab «.««rinau, «lü okviie 
'Uli? fvti*. 'Ki«piiiii«ofii» Ibmisaii voll ofcgtmwldnift nw ru cil ev 

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V' ilMM:* vnii «Uf«rMNiilri«4tlifmiin.1<d«|prMtiin^ (ifilrrAvmt. »r^lHiwa 
iHii«i m, Himli«!* liMu wfii.^itilMt Mit «inrtM*!! p«fnBeti!t Hfifti , Mdt: 
«•Ulf «iiiil4«ri 11« mHI'< niisiaiTfU(kiiHi!«>«iuiillMNt«i. dir Miitti van et- 



V 7H flu. ^ «-.ml*! : ICBi' w.srHt^ 

Ali*" *■ T«*rlf«j w<w«- t p*h . 



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funi'ki'ii M' luiiini^- 




^teb IMi war, dafldrrit 
T von einer nackoadn 
T^^ darch die Mihier auff einet g»- 
*^^^^^i^vaem S«gd in Händen abgeUdM 
^^r^^!r««rU hing^fiihrL 
■^^^^^ *!r Kwl tfint'ii indi-ni Ring, Iral ntÜHr 
«ich nnen anilern Geist, welches er 
dMjaaigeKMindaay, lo m 





0t»' 



)t dar ei bey licii trflge, — icttbw ti 
mmtm dikereit fai eüua AneyahedTeD «ww- 
.ilBBiaNt dn^OT) "Uwo ""■<> TertohrBee hü 
g der beschworae Geut, 
r Ankufft eygeatUek fiadfli 
, die Mwt niBBiud, ■!■ 
■ Umkb, «ignireB, mu tibet doreh mömi 
«uff dnfl wir lolciwn ohnTeUber ■■- 
l,ff|iHM> dtrOia bagleiteR ud dei Weg w«iiM tenes 



I «Ukete der Geilt den fahreDden SchOlM- ■■ch uß 
"m**'**' n**> VertraBliehkeilt daß duch dMn dieiaf SUck 
UlrdMJMiig dnreb ein WaOübUd ««tfreBbdel worden, als die 
r Weiae beatoUan. 
I Machte der Tabrende Scbdler den gemachten Ring 
b anß, ala er mvor dem Geiit wiedemmb abgedanckt oder 
Bn ftotgeaohaffi halte. So bald selbigs geschehen , ombgabe m( 
«B groeaer hanffen Wdiffe, welche uns anSnglicb von hisder- 
wlrlf balbMonweit ambacblosaeD hielten, gleich ala wie die Tärc- 
ben ihre Scfaladit- Ordnungen n machen pflegen, endlich aber 
M nni achter gsr nmringlen biß auff eine Lucken, deren wir immer- 
hin zngiengen, weilen aie die WolB* oder Geister in der Wölff Ge- 
atait uns dieselbige zu solchem Ende an ihrer Uinbzircknng offen 
gelaasen, biß wir zaletxt zu dem Ameyshaoffen kamen und die 
lUTor angedeute Feoerflamm auff demaelben lustig flackern sahen. 
u Daseibit setzten wir sich nider, woranff die gedachte FlamB 



8 geflflgal[T S6]1«d. 4 lUhoDd] X itehao. 10 sich [11 3, S<1. K 3, Ml] 
bflge. 18 AmsythMiffan [X 481] der. 10 b)uen[Y ISJden. 



n. 4, S. 5S5 

■0 Md verbMciie. Der Alte aber sagte m mir: wol, mein BerrI 
hier igt der Ort, wo er entweder «eines Schatzes und verlornen 
Gelts oder deß Mittels, sich unsichtbar zu machen, theilhalflig 
werdra kan. Er erwöhie nar bald eins luß beeden, ehe die 
I Gldcka-Stnnd vollends verstreicht, das ein oder das ander zu er- 
iMhenl 

Ich dachte bey und sagte zu mir selber: nach der erschiene- 
nea Schlangen suBT Schrauben gestelltem Bericht ist« mißlich, ob 
da deinen verlornen Schatz wieder bekommest oder nichL Wer 
" weiß, ob ihn seyther vielleicht nicht jemand gesehen und außge- 
nonmen? Zu dem weistu selbst wol, wie eine grosse Menge Tba- 
ler noff offenem Marck darvon anter das Voick verworffen worden. 
Wer weiß demnach, wie gering der noch vorhandene Rest, so 
hier verbolzen ligen soll, seyn möchte, ob er auch noch su ver- 
■■lOglicb, dal^ er vor die Kunst, sich unsichtbar zu machen, za 
srwehien sey, Welche rare Kunst ich verlangst zu können, ohne 
das offl gewünscht? 

Sagte derowegen zum fahrenden Schüler: Gelt und Got hab 
ich noch mehr, will derowegen mich deß verlobrnen und hier 
▼erborgenen allerdings verzeihen und begeben und selbiges unter 
die jenige Schätze gerechnet haben, die sonst auch hin and wider 
TertxR^en ligen. Wers find, mag es, so viel ich daran habe und 
Recht darxa zo haben vermeynen möchte, meinetwegen and mit 
üMiiiein Willen als sein Eygenthnmb behalten; doch mit dieser 
Anßgeicheidenbeit, eo fem ich das Kleinod erhalte, worinil ich 
mich ntiirichtbar machen kan; als welches ich vor meinen verlobr- 
nen Schatz annehmen will 

Daraoff setzten wir sich beyde zu dem Ameyehanffen, darvon 
ier fahrend SchtÜer eine Hand voll nam und mich fragte, ob ich 
ihn sehe. Ich antwortet: Ja. 

Er aber ergriffe eine andere Hand voll, nachdem er die vorige 
re^g'elegt, and fragte midi wieder, wie zuvor, ob ich ihn noch 
idie, rerfnlire «och so lang solcher Gestalten, biß er eioe.Hand 



2 bier [f 27] üt. 4 ddt] j mir. 10 aoDgafX 4621ii( 
j SBJdingm. 21 geiechuet [H i, S6E. K 2, 36!| haben. 3& AnBgaachei- 
enbeit] Orimm uitiert ün wöiterbaeb 1 , 874 diene etetle. ohn« Jodooh dis 




gg^ oimr nuM, waofl *tr nul mir redet, edar amk am 

^ al» idi da» SefiUchel mbMule; deeo ivuk idi der^tei- 

» tfen venaürcltt, m helle u:k ^Mcb ites r Uew i- n, er ib 

^ MkUe «ok itanh laa mi« XiUel i w iicfcliw r ^e- 



n, unt) iluc (Uadaiui milttta i 



■ ■» ikM !■— fefcm koate, bile ich atkam eim «utv 
>M* w Tiet rfiigiBr, aU whmbu iht, ich weiß nickt 



' flirtnlwJi fnbinm wir die WOrekum luiiMs Seka^tf- 
■eUan» oll, 6mm der bkRead äcküJer erwm& ohnackwor, wm 

* U argwohnte. Damab iftb er mir selbst Unack , nich der Ge- 
wißheit lu vernehem lud ia nir durch die öSlere ittgenacheiii- 
Mm Brfaknuig einen festen Glanben n setien. Und was solfikei 
(MriA naekte, war dtfi, daß ick daa Naßtöckleia nlbat oicU 

^Sakes, dasselbe aber woi greiffes konle, wann ichs irgends hin 

* von mir legte. 



»(f 29\äaT. \i dtr jX 4«i31 AiMTieo. 21 meiaen i^ 30] S 
4 ■«bau, lU 1, iHa. K. i, 363) d 



n. 4, 8. BAT 

Als idi nun solcher Gestalt meiner Sachen gewiß worden, 

lirase nii<A der fahrend Schüler vod sich, nichl wissend, ob er in 

^rselben Glücks -Stand, wie er sie nannte, etwas von mein<'m 

SdiaU, darüber ich jedem Finder völligen Gewalt und genügsames 

sBygeDthnnibs- Recht geben, erhalten habe oder nicht. 

8 er {t 31] ■!& ü niobt] XHK nioht. 

Hier wird mit Laibi- und Beeleo-QTKhr, 

Du Togel-Nut nan Offenbu, 

So liebt die Welt Terborgne Ding, 

Wer [HK Wornaob aie) naeb ile «loDet, traobi and rollt, 

Wmhu »neb die h6U« gelten «alt, 

Und drBber Mi die Seele gieng, 

[X 464] Gleich dem, der fQr du Vogul-Nnl, 

Bn gtuB-venneiDteoi Sehatc TerlSit. 



S» M^^^ 



da;» VI£BT£ cahitkl. 




MeMUMl lufl gtaabes oder ilw selhrt 
51'ltf n iumI wanderiiciw Griltoa oad AotcUii^ OHlerwcgp hiüB, 

» da ich hefMwart» gteBg, «äff wie TieierieT Weifea oad hi wie 
f ieleriev Orteii ich oür ntNaiich meioe Uonchlheffkeit ai 9 
che« wolle. Dm wer ich schoa leil laeuea Gedaackea 
rar Web Penöhalich ia dea ConfereetzeB mi gjAömmm Unler- 
nideay der eMen uad aadem Coapegaie der ailerronehBila 

1« Headeli- Herren ued horchte za, wae sie der theitahrhelt mi 
der eis und «ndera Wahren halber vor hattea, mab 
za NaU za laediea aad, weil ich mich nichl der geriagrte 
dea KaaBealea uaaerf Laada za seya bedaachi, meine Segel nach 
ihreai Wiad aalkaepaaaea, damil ich wieder reicher wirdb, all 

ift ich zavor geweaea. Eben solcher Ursachea halber kaai ich 
alleia aach in den SCatt-Rath unserer Reipment8-4ierrea, 
geaellele mich aach so gar za den geheimen Staada-4}oBiiliia oad 
Bathschiigen grußmachliger Polentalen, omb daaelbsk za meiaeBi 
Vortheil za vernehmen, waa vom Frieden oder Krieg geachloaaaa^ 

M uad wie sich diesem nach die HandelachaAen, die AbacUag- und 
Sieigeniag der Wahrea beyiiolBg anlaaaen würden. 

In solchen Gedancken schetzt ich mich so Glfickseiig aad 
meine küniftige prosperilill so vortreffich, daß ich mir selbal 
nicht glauben kondte, daß ich unsichtbar sey, wordnrch ich se 

SS GlAckselig und reich zu werden vermeynte. loh gedachte ofl: 
wie? Wann dirs aber vielleicht dieser Schwartskunstler gnmarhl 

2 LetfeleyJ ilK Loffeley, 3. war äcbier zwey. zwo{ XHK zwey. 

Dm Vogel -NMi deu biür tflnieUt, 
Waa Ihmo zimiicii wuhlgetlUlt. 

VI gahnglf 32|9te. Jl e^teigeruugj H ^tcigsrungeu. 23 niir (U 2, 364. 
H 2» 3<M] MibsL 24 unsichtbar {X 465| aey. 



n, 4, 4. BIB 

bitte, wie xveen Mihler einem einfilligen Schöps beim Boccatio 
gethan, die ihn auch mit einem schweren Sack voll Stein beladen 
überredet, er §ey unsichtbar, büS ihn sein Weib darQbor hoDIloh 
willkominen g:eheissen. Derowegen legte ich mein Naßlüchvl »ITl 
s TOn mir, die Gewißheit meiner UnBichtharkeit eygentlicher zu 
haben, biß ich endlich gewahr wvrde, daß mich nicht alieln die 
Wald-Tügelein nicht scheneten, die ich unterwega antriff, son- 
dern, da ich in die Statt kam, such die Leut beydei bekandio und 
nobekandte mich weder grüßten noch, wie ich sonst gewohnet 

10 war, den Hat vor mir abzogen; geschweige, daß ein Bettler ein 
Albnosen von mir gefordert; Woranß ich dann genngsam versi- 
chert worden, daß mich warhafftig niemand sehe. 

Derobalben gieng ich gar getrost zam allerersten in mein 
eygen Hanß, zn Torderisl zu sehen, wie mein Geaind in meiner 

15 AbwcMBbeH hinaete. Hein Weibgen fände ich meinem Beduncken 
nach wdt betrübter, als ich si« mein Leblag je geaehen, mawea 
rie ohie unterlaß einen Senfftzen nach dem andern gehen lieaae, 
darMJl ein jeder ohnschwer die Grösse ihres Anliegens abnehmen 
koalCL Und weil ich mir nichts anders dnbilden konte, ala daß sie 

to sich ohi Zweiffei beydes nmb mein bißberiges Antigen bekflmnerte 
and nch amb man Abwesenheit so ingstigte, ab name uk sol- 
ches vor ein gewisses und nnfehlbares Zeichen ihrer zu nir tra- 
geaden hartzUcfc« Uebe an, welches mich aidit wenig erfreut«, 
ja 4erm«wa er^ncfcte, daß ich vermeyate, ich bitte niumebr 

ts geaagsaae Ergötcang darch das, was in meinem Naßtüchel ver- 
kaSpn wa-, v«r «ein veilorea Gell ea^rbagea; ud wann mir 
gleicfc cäaer dimaU noch so vid, als ich verlohrea , dirvor getwn 
w<rilea, H hüte iete dorh nii miart vertaasckL Gleich wie michs 
nun tnUkh kiAirite, daß mieh mein W^eib ao hoch liebte, «l»u 

M hatte kh hiainia a»ck ein grasaes Mitlcidoa mit ihrer hezeuKeii- 
den Hertaeas- Aaest, die sie aaß soicher liebe von meiii«lwt^«ii 
mit Uagadah ped^dea mäste, so daß ich mich slierdinKb t«r ilir 
bitte aekea lanaen, berdet aie aa tröstea uad ai« mil meiuer (xc- 



I BoDsaliifl IfeuuiMUUL i. t. u^ fnäahiitit] ^. 47 ji, v' • 
. i ^rflfonj - priMML XE piuno.. l^i Unat} H lu.^ I 

■i4 



genwarl, die sie so hertzliub wünschte, zu erfreuen, dafern ich 
änderst nicht auch also unsichtbar mein Haußgesind umb ihr Ver- 
halten außnemmen wollen. 

Zu diesem Ende schliech ich überall im Hanß herumber und 
1 fände, daß ein jedes sein Geschafne so getreulich verrichtete, als 
es bißhero zu ihttn gewöhnet. Ich paßte wol drey Stund biß ge- 
gen dem Abend in meinem Gaden beym Gelt- Kasten, wohinein 
man die tägliche Losung zu thun pDegle, uinb zu sehen, ob meine 
Gaden-Diener, deren ich drey unterschiedliche halte, der Untreu 

iD nicht mit mir spielten, ob sie im verkaulTen genau, im Gelt ein- 
nehmen vorsichtig und selbiges bey einem Heller an sein gehöriges 
Ort zu Ihun lleissig waren, konte aber das geringste nicht spüren, 
so mich zum Unwillen bewegen sollen, dann ich fände sie, wie 
ich sie zu haben wünschte. 

Also laurete ich auch in der Küchen , wie es dort her gieng, 
wol als im Keller, fände aber an beyden Orten nichts sonder- 
lichs vorgehen , das mir grossen Schaden hätte verursachen mö- 
gen, ausser daß die Beschliesserin so wol ihr als der Köchin PortK- 
kändel auß meinem köstlichen Neckerwein füllete Cnachdem sie zs- 

10 vor einen zimlichen Dauben-Zug dsrauß gethan) und hernach das 
Faß wiederumb aus dem Tischwein voll machte, welches mich 
zwar nicht groß verdrösse, weil es mir an meinem Vermögen kei- 
aen sonderlichen grossen Schaden thun kondte, ob ea gleich meinen 
Neckerwein, wann man ihn vielmahl so heimsuchte, an seiner treff- 

» liehen Güte etwas verringerte. Die Köchin aber sähe ich mit ei- 
ner Hand, man kau wol erachten, an was vor ein Ort, de* Flöhea 
nachfahren und also etliche gefangen nehmen C^on denen üe tM^ 
len das Land anß ihrem Bann verwiese , theils aber gar hinrich- 
tete] und hernach mit nngewäschenen UBnden die so rohe ab ge- 

M kochte Speisen hemmb sndelen. Was hab ich aber die Träpfin S(4- 
ches zu verdencken gehabt? Es war halt in der Hits deß Angitmo- 
nata, in welcher dißUnzieferjedermBn Cgeschweige deß Weiblichen 
Geschlechts) plaget Zu dem sagen die Weiber: W&nt ma^t feiiL 



1 EQ [Y S5) ntreaeii. 4 htrnmbsr) H faenunb. 9 Oftdeii-[H 3, 86&. 
K 3, S65]DiGnGr. 16 Orten] feUt XH. 18 iex [j S6] EOohin. S8 fainiioh- 
[X 46T)tete. 80 iiidelen] XH andelta. B dleiu, wm hMt« ieh »b«r di« gut« 
Tiapffiu. Bl liftlt] XH halt ioh In. 81 Unriefer] XH UagMivflte. 



0,4,4. 



Wer aia Ding nicht (rsifi. 
Dem mkohU auoh nicht heiß. 

Nichts desto weniger fienge mich mehr an zu kotzern als zn 
ngern, als ich ihr jagen and morden sähe niid wie sie mit denen 
oh blutigen Nfigeln beydea in die Würtz- und Saltzbüchs grieffe, 
1 Speisen geschmacluam zu machen. 

Von dar scblieche ich wieder su meiner Liebsten, welche ich 
ihrem Cablnet in einem viel jämmerlichem Zustand Tande, als 
t erste mal; dann sie weynet, daß eine Thräne die ander rührte, 
d Ton denselbigen hatte sie ihr Fazinet durch stätigs abwischen 
raassen angefüllt, daß man es aoßringen mögen. Ich hatte ein 
glaubliches Mitleiden mit ihren zarten Leibferben Wangen, daß 
) omb meiner Abwesenheit willen mit solchen Schmertzens-Zlh- 
■ Aberschwent werden solten; dann in Warheil, wann sie mein 
ig«nwart gewnst haben solte, so würde sie ihres Hertzens An- 
:en wol nicht heranß gelassen noch so öffentlich an Tag gelegt 

iMML 

Znletzt sagte sie mit einem schweren Seufftzen: Amor, du 
immiger TyrannI Ist dann kein ander Uittel noch Artzney zu 
finden, deiner unerträglichen Grausamkeit enlAbrigl zu seyn? 
I seye dann, daß ich die geliebte Person selbst in Armen habe, 
t werde ich etwas unterstehen müssen, das mich Gott niemahl 
iheissen. 

Ich gedachte: nun ists hohe Zeil, daß du dich dieser betrübten 
«bn dermaleins geschwind erbarmest, dich ihr zu Trost offen- 
hreat, ihren Schmertzen wendest, sie vor gintzlichar Verzwei- 
Uuig errettest und sie mit deiner ihr höchst erTreulichen Gegen- 
irt erqoickest 

Ich hätte aach gleich mein Naßtuchel von mir geworffen, 
imil sie mich sehen köndten, so fern ich nicht gedacht hätte, es 
ire noch Zeit genug , wann sie das Messer oder einen Strick in 
B Hand nehme, ihr das Leben zu ktlrtzen; massen alsdann, wann 
) an den Bind-Riemen käme, die unversehene Erlösang in ihrer 



3 nicht [y ST] weiß. IS aoAringenJXaiuwTingen. Hanfiwinden. ISiehwe- 
1 If 88} Senmfleo. SS dann, [H 2, 366. K 2, 366] daß. SO von] X T«r. 
dMuil [X 468] aie. küodlen] XU kOnte. 

34* 



U, 4, 4 

iusserslen Noth ihre alsdaniiige Freud mir desto mehr vervietral- 
tigon würde. 

Indossen halte sich die Zeit deß Nacht-Imbs eingestellt, der 

üh r ((vdockt, mein Gesind nähert sich darzu und mein Weil) 

\ugvn und Wangen, schiene auch viel fröllcher, als ich 

u Bu^Diram, daU sie in bälde so werden würde; sie wolte aber 

»chwol nicht essen, dann sie dcß Kummers so voll, daß sie 

yder (lOtt erhanna nicht mochte. 

!>» ich nun an meines Weihs Veränderung mit Freuden abge- 

la u>innii-n und darauß geurlheilet hatte, daß sie sich vor dißmal 

Beinutwu^en nicht hencken und also unvonnötbün seyn würde, 

■■inb ihr den Strick abzuschneiden, ihro vor meine Person immer- 

uulTtuwurton und ihren selbst -Mord zu verhüten, Siehe so 

ich mir vor, moincm Gesind aulTsupassen und zu sehen, was 

iwisobon dor Nacht- Mahlzeit und dem SchlalTengehen beginnen 

lrd«i dann ich muU bekennen, daß ich in solchen Sachen zim~ 

Dil Artcwöhniscb bin, und Lieher, wer weite es gegen solchen 

irt>ul«n nidit seyn, so dvn Pflug oder das Ruder unserer Nahrung 

hbrtiii, dl« «Inon durch Treu und Fleiß in bälde reich machen 

Hior Im <i«):eHlheil, wann sie HaußköplTe seyn, durch hinschlu- 

Jvritiv FHhrliis.>iigktMl , Faulheit und Untrou geschwind fertig ma- 

•lii'ii kOulon Inii autTs schwürtzen? 

DorolMlbeB wirlel icb ihnen allen aaß biß anffdie Besdiiieße- 
rtlt, W fttmeiniglich alle vier und zwanizig Stand biß amb eylff 
M U)ir In die Nacht la schaffen hatte , biß sie alle ihre Scbuldi^eitea 
vwrkhtst nnd eins und anders aoff den künfftigeb Tag Terordnel; 
dinn sie war gar fleissig, die letale im Bell und die erste am Mor- 
|«n fhUie vrieder darsuß and derohalben das wachende Ang-aei- 
BW Hanßhaltung oder der Angelstern, darnach sich das übrige 
M Oesind richten muste. Ihr wnrde aber nmb deßwegm so viel ver- 
trant, weil sie meines Weibs Baas, in dem sie derselben <dinge- 
fiUtrlich im zwey- oder dreyunddreyssigsten Grad verwandt. UmI 
eben dahero war mir vonnöthen, auff die jenige, von deren gleich- 
sam alles Heyl meiner AuiFnebmang gelegen, am genauesten Acb- 

linir]?tinr. 3 dofl Nacht-lY 39)Inib8] XH der Naoht-MabliBit. S Diobt] 
XH nichts. 17 bin] II biD and wsr. 20 im [f 40] QegenthaiL 3a derohal- 
ben [X 469] du. 30 umb] felilt XU. 34 Hef) [H3,8e7. K2,S6T) imdmaiBn. 



n, 4, 4. ftSS 

MBgiagelMB; dann ich gedtrbte: wann diese wachtbare Martha 
mai ^eschifftige Unter-Regeotin meines Hausra getreu ist, so muß 
aUea ibrig Hanßgesind zu deiner prosperiUI cooperiren. 

Sie kielte sich, wie icfas gern sah», und dihero gönnetf ich 
s ikrs «ich redlich, daß sie meinen Neckerwein so hertzlich gt>f;riis- 
sel Nackdeni sie aber schlaffen geben wolle und ich ihr nai-h- 
a^liecke (oiassen ich hiebevor geargwohnet^ daß mein mittlerer 
GadcB- Diener den Narren au ihr gefressen, Zumahl«n ich auch 
■icht ghoben konte, daß so ein seltene Schönheit, wie sie mit 

,0 ämer begabt war, ohne BulschalH, das ist ohne Auffwnrter und 
ejge«fl Anfechtung leben konle]), Siehe t da stund orttermeldter 
Bein Gaden- Diener , den ich wegen seiner guten Gestall und Phi- 
liogWMie, in Hoffnung, etwas rechtschaffenes auß ihm lu haben, 
avß dem Bettel anffgenommen, vnlerwegs and paßte ihr auff. Er 

IS 8>^*ff *^^ "■^''1 weiß, wie die Geister in den Häusern lu er- 
acheinea pflegen, too denen man sagt, wann sie gehen, daß es 
bedeute, die Higd würden dicke Bünch kriegen, sondern er war 
bekleidet und auffgeputzl, als halle er an einem lieben Peyertac 
in der Statt heromb stutzen wollen. Über das war er mit auinirni 

M Deg<M an der Seiten armirt und hatte seine llirschlederne Winlcr- 
OceaiioiiHindschnch an, eben als wann er mit einem Uuullaulmi 
alsobald in einen Zwey - Kampff bitte tretlen wullvn. Idi kwidl«- 
mir nicht einbilden, was dieser Auffzug und seiuu vermutliliclu- 
Aoßfahrt so hey Nacht bedeuten möchte; doch bildet icb mir um, 

„ er Möchte irgends entweder mit einer GtisellDclialTt zn uiiicin 
Schmauß oder tv einem Holderstock gehen wollen , wurtK<y mnr 
Seckel das beste thun müite, weil er von sich sullmt nichts voi 
mochte md auch ohne seine säubert' Kleidunireu sonst nichtü vm 
mir Eo Lohn faatt«. Aber ehe ich mich, suint^ iuleulion zu nnrrin- 

„ den, mit fernerer Nachsinnung liemühHii durlltv, inuiv ihn niunt 
Baal Beschliesterin, wo er so spat hingedHvhli', ainleniHl sii' wuM. 
daß sie da« Hau« beschlossen und er darauü nicht kummon konii . 

I ick: '-<]; E^edkcbi«. !f inuR[ XII miih kiMiaiiu luiii-u Holt all«« n.'. •' 
3 piint^-iTi-.b- XH PriuiiLTitü: nu:. li Uuiui-Lti •>)■«■ ) XII UsiicK- nri.r Nri. 
Dien':'; ■■ uuflptnomniti); J. •muciKiuiiiin.. !>■ pii»)ci:u,tT*2|»i«ii. t< mi-l" 
IX (T<> uüuL. i>- >*utituauh -'CiiniiJi lafaliXü. HoMentOi-li ) ni—i. - 

Uan du wm: linier iiuxicuuii); Btil «teUeii iD Üalten Narrrfo'Mil »li 

31 biagtiatki»] XB liii«adttehtt. fi bclr 4>1«(ih1'H-'-< 



n, 4, 4. 

er müste dann einen Diebg-Schlässel haben, lolches tu ftffiien, lo 
sie aber nimmermehr hofiTen wolle. 

Zu dir, zu dir, du meines Lebens Anfenlhalt, slehel mein 
Sinn, Gemfith und auch der Entschluß, antworlel er, entweder 
t das Leben oder den Tod zu empfangen. 

Ey behüt Goltl was redet ihr? sagte daraulT meine Be- 

schliesserin; wie redet ihr so wercklich? Gott hat euch das Leben 

geben , das werde ich euch nicht nehmen. Gehet darvor in euer 

Bett und lasset die Thorheil unterwegenl oder ich schwere euch, 

1« werdet ihr euch unterstehen, mich nur im geringsten »nznrdhreri, 

daß ich ein solch Lermen-Geschrey anfangen werde, daß ihr die 

Hand überm KopfT darüber zusammen schlagen sollet. DörfTl ihr 

ch einbilden, meines Herrn Vettern Hauß in seiner Baasen Per- 

1 m sdMndeo, der euch doch mit so vielen GoUbaten ftberachflt- 

? Idi »chobae eurer ala seines Dieners, den er liebet; ich wolle 

ist Inirtz tn weg«n brin^n, daß er ench widemmb tot Stnt 

eilen hinweg jagte, dahingegen ench die ContinaatioB eoTM wol- 

rerhaitens bey ihm zu grossem Glück and Bhrm bringen nag. 

Daramb fahret sinnig and bedenckt kurts, was ihr diatl 

M Der Tenffel hol mich mit Leib and Seett Cbehflt Gott mich nid 

den lieben Leserf) so fem ich werde winen, antwortet er, dafi 

Ich eurer Lieb nicht theilhaflTtig werden solle, wann ich mir nicht 

alsobalden, sehet dal Cmithin seinen Degen beym Geftß fassende) 

diß kalte Bysen so gleich in mein vor Liebesflanme alledingt ver- 

H xehrtes Hertz Rtosse und damit euch zugleich eures allergetreue- 

sten Liebhabers, wie meinen Leib seines Lebens beraube I 

Daranff zöge er seinen grausamen Proscbgicker, seinen Btit- 
durstigen Degen woll ich sagen, von Leder, den ich billlch gran- 
sam nenne , weil er seines eygenen Herrn Lebens nicht verschoh- 
u nen wolle, und stellete sich damit in eine postor, wie Sani etwan 
gestanden seyn mag, als er in setn eygen Schwerd fiele. Da ich 
nun dran stehen, die Beschliesserin aber weiters reden wolle, die- 
sen erbärmlichen Selbst -Hord zu verhindern, da gab mein Weib 
mit ihrem Glöckletn ein Zeichen, welches bedeutet, daß die Be- 



9 die) XH di«s«. II Leraiet]-Qe[H !, 868. K 3, 8e8]Bahraj'. 17 jagta, 
{7 44] dahiofegen. t4 gloioh [X4T1] in. aUediogB] XH alleidiogs. 38 tod] 
XH fom. BO eine] H ein. 88 arblrmli[Y46]ohaii. 



n. 4,4 



535 



schHeifeiTii abobalden ra ihr kommen solle. Sie g^orsamte 
scbnell, ich aber folgte ihr allgemach schleichend hernach, beyde 
den verliebten Narren in seiner Anfechtong yerlassende, er möchte 
sich gleidi iimbbringen oder nicht 



4 nieht] XH nicht 

Wie die Ueb eo Hasen -KOpffig, 

OftmaUt anoh eo Maer-t6pfflg, 

Wae ein treues Hausgesinden [H Hanfigesind]. 

Und wie manoher so Termessen, 

Dem die Liebe bat besessen, 

Beyd^s sich Torgestellt hier flnd*t 

Merck das gnt, das bOse lasse, 

Dieses ist die Tugend -Strasse. 



D, 4. 5. 




DAS Fl'.VITE CAPITKL. 

Der tJosicbtbare siebet das Ftmdament eioes Gdtins, dv- 

auff ifam Hörner gesebtt werden sollen. 

Die Beschliesserin gieng so meüiem Weib in ihr CabiDel und 

• kk ichranble mich nacfa ihr hiaein. Ihr gab dieser ein verscUosseii 
Brieffgen, inil Befehl, solches Morgea frühe mil sampl dem Tag 
Uvea Vetter Apotheckcr n tningca ud n venMtaea, wob de 

ia SchreOmi beHdite Wahren dtbolea loUe. % lahB bay- 

iIm Scirabea nd des BrfeU ikrer Sctal^kät bmA gokr- 

iNilick «iff, ven^rte tbw damt, w gkidi fortsaUrea, wefi- 

rt'flgen main Weib sie soldief m thnn kieiw. Aber ne w«|art 

nclif vmd ngte; UntzU^e Frtu Bus, rie vergebe Hir, inan 

kh ikr jetnöder lutortfainig zi fiolgea, wege« Beobwfcl— g sei- 

wr Ehr, Bedenckens habe; dnna onser FnU Cw> hietee ■ein mM- 

■ hr Gadendifloer;) hat mir alkrent miler wegi, ab ioli acUafta 

gehee mdte, Torgewartet und mir mit seltmaaiw bebohaag, sich 

selbst onnbringen, wann ich ihm nicht folgte, solche Saohea m- 

genuühet, die weder mir aoch ihme so TOlibriDgea saslehe*. kh 

gto at aach, daß onser Hmt Gott der Fran Baas in Sinn gehen habe, 

• Hir hidwr an leiten, ich wüste sonst nicht, was vielleicht ror ete 
ÜBglüdi geschehen wäre. 

Hein vorwitzig Weib wolte daranffhin den gantiea Verlsnff 

wdMitlich wissen, den ihr «och die Beschliesserin gants oÜM- 

hertaig enehlte. Sie hingegen antwortet daranff: es ist nicht ehn, 

B daß kein Mensch glauben kan, wie jännerlich einea die liebe 



t MltMl] XH aoltan. 

Weibor U»t, di« &bolie wur, 

WeUt hiarinn, (ich SotnieD klar. 
4 [B 2, 369. K 2, 369] Die. & dieMr) H dieM. 6 bUbe {X 473] n 
S nach [f 46] geborMiottch. 16 mu] f niohL 10 Miau) XH Uatan. 




n, 4, S. 58T 

peinigt, der es lelbst noch nicht erfahren; aber gleichwol lolle 
der tose Lecker beuer tn fich hallen und in einem Hauß, wo- 
hinein er saß Bannhertzigkeit anfgenommen worden, gegen einer 
Bauen solchei so freventtich zn nnteritehcn, sich busiur bcdunr- 

B ken. Ich mnß bekennen , liebs Bäsgen, daß ich aach biß auiT dim 
Tod verliebt bin und solchen Liebes-Schmerlzen bey diuior Ab- 
wesenheit meines Hanns bey nahe nicht zu ertragen weiß. 

Hit Endung dieser Wort Senge sie darauf aburmahl an zu 
weynen, daß es, wo nicht der Beschliegserin Hertz, doch einen 

10 harten Stein erweichen mögen, sich der Verliebten zu orbarrnttn. 

Indessen sähe ich das Concept deß Schreibens an den Apothecbur 

avff meines Weibs Tische ligen. Das lautet von Wort zu Wort alMi ; 

Vielgeehrter, in Gebfihr von Hertzen geliebter Herr Vetter Hie. 

Derselbe weiß ohne mein ferners Erinnern, in was vor einer 

it jiBBerlichen metancholey mein allerliebster Haußwirth, seyt wir 
Diiser Gelt verloren, dahin lebt, welches mich als seine zum »ller- 
nichslen Verwandte, ja als seines Leibs ailergetreaesle Rippe der- 
mMuea schmirzct, daß icbs in die Länge nicht zu ertragen ge- 
Inae; weßwegen ich dann anstatt deß Schlaffs mich mit Nachiin- 

!• nugca seyther geqnälel, ob keine expedienj zu findea, dieaeni 
seaiem Ll>el abzohelffen; da mir dann eiogerailen, es wOrde das 
beste Mütel seyn, wann mir der Herr Vetler neben einem gnlen 
Marapaa ein paar daixet Macronen, etwas toi Cithnat «ad an- 
den dergleicheo Hertzstärckenden Dingen znricblete and selbig« 

u mil ao beschaffesen kriffligea Sachen vermischte, die aicht allein 
die ickädlkhe melancholische Feuchtigkeiten zertheiha uad das 
verdcfMe Geblüt reinigen, sondern eine nalürlicbe Be g ierd e er- 
wecken , wie mich daan der Herr Vetter wol verstcbea wird, leb 
weite ihme abdaan solches CoaTect, so er (AmmIm Bebe«, bey- 

M bringen mi darch Freandlichkeil erstUcb sciae icrsUeacte G"^ 
dancken von seinem verlohmen Geh aaff Hcb nid abo fir^eriicbat 
iboe Wiedtr si recbter Veranft briagn, daß er tmM *wd iwvb, 
wie biebevvr, äch wiederwab atf fämm Haadd kfle «ad deß 



cfm'HIpir-. Kl. r:'. IIkL 



D, 4, 5. 

Vertohrnen allgemacb vergesse. Doch wird deß Herrn Vettern 
Ralh, dem ich diß Orts nicht saß Händen gehen, sondern seiner 
dexteritäl vertrauen werde, am besten seyn. Uns da mit aller- 
seyta et c. 
i Alldieweilen ich dieses gelesen , sagte die Beschliesserin xa 
meinem Weib , umb sie zu trösten : Ach Frau Baas , was hat sie 
vor ITrsach za weynen? kan sie dann ihres Eheliebsten diese hein- 
tige Nacht nicht entbehren? 

Was? sagte mein Weib daraufF, diese eintzige Nacht? Glaub 

iD mir sicherlich, daß er mich allbereit langer als in vier Wochen 
kaum angerührt hat! Er ligt ein ganlze Nacht und kan nichts aoders, 
als umb sein verlcren Gelt seuHtzen , worauf ich abnehmen mu&, 
daß er solches lieber hat als mich. Er kramet sich ab und schwä- 
chet seine Natur dermassen, daß er sich ins känfTlig vor einen 

1» Mann zu bestehen, gantz untüchtig macht. Was meynestu wol, 
liebs ßäßgen, was vor eine Freud ich armes Weib bey einem sol- 
chen höltzemen Herget habe ? 

Die Beschliesserin antwortet: ich weiß der Frau Baasen als 
eine, die noch nichts von Mannen weiß, hierauff zwar nichts zu 

to widersprechen; allein dunckt mich, der Herr Vetter sey ein sol- 
cher rechtschafTener , ansebenlicher und freundlicher Herr, daß, 
wann mir so einer beschehrt wäre, ich keinen andern in der gant- 
HB Welt düTTor eutanscben, geschweige wdnachen wolte. 

Ja« lietw Bißgen, sagte darauff mein Weib, ich habe ehe- 

M B^en, wie ich noch in deinem Stand war, ebenraisaig vermey- 
net, wie dn. Aber da war mein Mann ein anderer Kerl, als jetit 
bamaht liebte er mlcb über alle SchaU der gantzen Welt, jeW 
aber aeufflzet er nur nach seinem verlohmen Gelt, das doch diait 
nicht wieder zn btingen ist, und Hat sein Weib ein gnt Jahr haben. 

M Umb den Fritzen'bekümmer dich nur nicht und lasse dirs ein Fabel 
leyn, wann er sagt, er wolle sich selbst nmbbringen, so fera da 
dich nicht nach seinen Begierden accommodirestl Es ist deß rech- 
ten Krauts und gar nichts neues, wann sich die lose Vögel so itel- 
len, uns arme blöde und einffillige Weibsbilder erstlich zn einer 



11 ■o[Z4T4]den. 13 kitmet] H {rrimet. 16 Baum] XH BaH« 
all [7 fiO] eine. ST gantien] fohlt XH. 84 etofaltiK« [U I, STl] Welbcbfl- 
K 3, STl]d«i. 



I n, 4. ». 

Zweck bequem genug gemacht, berichWl sio ihr auch, was masscm 

sie nun e lange Zeil bero in einen Studiosum verliebt gewesen, 

welcher vergangene Woch den Grndum eines Doctors der He- 

lommen (ö mirum, wie war mir damuhl umbs HcrU!), 

sie auch nimmermehr au& ihrem Gcmiith schlagen könle, 

n solle sie gleich sein Angedenckcn mit sich ins Grab hinundcr 

ihmen. Thal ihr auch daraufT mit bitten, weynen und seuIHzen 

aglaubliche Verbeissungeii, wann sie reinen Mund von dieser 

ihrer Liebe hallen und ihr verhailTlicli seyn wulte, daß sie deß 

in geliebten Doctors genicssen könle. 

Ich niiiQ bekennen, daß die Beschliesserin lang anstünde, ehe 

sie sich hierzu gebrauchen zu lassen, resolviren konte, biß sie 

endlich beydes durch Flehen und Verbeissungen gewonnen ward 

■■td sich überreden Hesse, zu versprechen, ihr in diesem Geschah 

Ifährig und getreu zu seyn. Darauff sagte sie ihr, daß sie in 

sm Schreiben an den Apotbocker ettich Confect bestellet, so sie 

riorgen dem Doctor, weil e» sein NaB«i-Ta; wire, ibertwingea 

Bwl ihn damit in ikrem Nrnnen anbinden solte; Rsch selte sie Hor- 

ge« MIm ein pur feisler Genffer Ctppannen sbnehmn nnd naß 

w dm einen eine Tnrte mit Boeenwasser , kleinen RoHnea waA ■»■ 

danr Speeerej dorcb die Kikkin ma<^n, de« and«« aber Mm 

■nd Inatea lasim. Hemicb schriebe ne ein kleinei Brieffjfoa M- 

genden Inhalts an den Dodor; 

Hochgeehrter Herr Doctor , von gantiem Uertien notdi höher 
M geliebter Prenndl 

Die stetige Anmabnung meiner Hoffnung, so ich an dessni fac- 
hen Verstand ond VortrolDichkcit gefasi, seiner berähmten Brbb- 
renbeit in derüedicin künfftig zn geniessen, hat mich erinnert, daß 
der henlige Tag seinem liebreichen Namen gewidmet, an weliAoi 
M Tigen je ein Freund dem andern mit einer Gab seine Frenndsdiafft 
an bezeugen nnd ihm noch viel solcher Tig glücklich zn erleben, 
kertzlich anzuwünschea pfieget; Welche Gewohnheit ich auch 
nach dessen Herilen observiren nnd solches als meine Schtüdig- 
keit hiemit von Gmnd meines Hertsens verrichten wollen, mit 



4 dunahl] XH dkmalen. 6 Angedencken] XH Andenken, sieh] fefalt R 
.7 nnd [X 476] BeiiBieD. 11 [H 2, 373. K 2, 872] Ich. 16 Schmben [j M] 
an. 24 guUem] XH ganUaD. 33 Ueriteo [j 5A] otwerriruL 



D, 4, 5. 541 

dienstlicher Bitt, beykommende CoIIation mit soIcIiüiii Gomüth mi- 
ZBoeiuBen, wie es tob einem geschickt wird, und also von mel« 
■iHwcfe n n gewessen. Ob niui gleioh nein Bbewirth nloht m 
H«aft^tBd flrir defihdber nieht gabOhren wiU, frembde Mannsbil* 
ft der Ja nebio Behansang einxaltden, so «rlMert Jedooh meine 
jalrige indiiiKMnlion eine solobe Cw, h deren ieh meines von 
fleirlMa gelieblen Herrn Doctors HaiiT and Mitlei niobi in enibe- 
res getrane; derowegen aniTs allerfreundlichst bittend, er wolle 
belidien, sich nach der Abend - Demmerung ohnschwer su mir xu 
10 Terflig«, in Erwartung dessen erfrenlichen Anknnflfk bestindig 
▼erbleibeBd 

Heines von Halsen geliebten Herrn 

Getreu Ergebene 

DMm den 25 Aog. et c. 

Ob SM gleieh In dieaeai Schreiben meh gailee Wd» nicht 
mdiahriich goMldel, an welchem Ort sie dar Schnfc eyfenllieh 
traeide, na hille jedoch dar Itector, so feni ihm andern das Schrei- 
bes nkanmwa wire, leidtt s alches faasen haniaa» er wfra dann 

oder gv ein Harr and hain Daaiar gaa^asaa* Maah 

BaachBaasmar daasaa legte sie sieb aaeh an dar 

aad iastndrte sie fanaeft , wie sie sieh M ar gen bey 

ihrer Aahansaia m Terhskea hüte, aad lani BeschbA nahaM$ sie 

adbige ni Arm, tradda sie nad sagte: Morgen «ab diese 2eit 

» ho(b ioh/«^ anders BMsia Maaa aicfat hsan haaipC, den DocUir 





1 aowfUiehdirden 



ich 

aaaahlafen 

die gnatae Ihcht, wie ich 

Cdacfa daA haiafiasehray 

Glal 
gar aalihradien , aaiaiören 

4 ÜMufcirT «TTidK. 16 D»t7 aSjetor. IW kimtmi] JOB kamieD. 
21 n (H 2, 37ä. K i, VZB} 



II, 4, 5. 

und auslöschen möchte. Und solches war mir auch vonnölheo, 
dann ich hatle es mit einem jongen Liebwürdigen Doctor ond mit 
dem allerargtisligslen and schlauesten Weib auff dem gantzen 
Erdboden za thun, bey denen es Kunst braucht, beyde zu be- 



1 vannOth«», [f 67] itMn. 9 LtebwArdigen] X UUhwUr^gta. * leM- 
gsD] XH b«tr(lgeD. 

[X 478) Bchan, wu die galla Last vanietit, ' ^ 

Wann WeiW lo der PlrwlM atiobt, 

DcD aie gedlmpffst haben wöUeii, 

Man bnuohet aUa IA»% und BSnok, 

Uan maobt den Ulnncrn fklMbe Sobwlaek, 

Und weil etob Engel-tefn m itellvn, 

FItt eolobeD Loten Lampen -Zeug, 

Dw lieben lUnnerl batet eaeb, 

Und glaubt niobt alloD Woibw-Bsdon, 

D«nokt, wie e« aUbier dlMe catyn, 

DaA deren gleiobsn mshTsr aejn, 

Die Argnt-Angen, wohl von nStben, 

Doeb laTnd anob gegen lia nlcbt atolts, 

Und liagt baj Ibnen wie dn Helta, 

Dan«kt, daft die Kltalam geine Naaeben, 

Teraagt ibr Ibnen H>lohe Fend {H Prand], 

So deDokt, dafl ibr gef&hret iejd. 

Wann aie anf Bernde T6ga] baBOhen. 




«*», m «c«te ick iH atf , H» k i 



■ liirll a, da ■* w M 
Wi» ikM iiM Ml Belr^ »«ek a liliigiliii, m 
Mdl Ae IMtm, ücmernttm kewdMa «ck i u ig <jUil , i 



e TOT Ha, 
■ Berte H Uibe hebt, WMl 



Dm er<te, dM er thil, war dift, daß er SMeai BasOgeaM 
fflbot, aetee Gegenwart z« verliölea. Beraaek lieaw a Miieh 
mal Barzapaa zaricbtea, dea aeia Weib bcateOea wtrde. BiO- 
qiid, Macronen, NOmberger LeUuMhen aad doli Dii^ hatte er 
* ohne Au genug im Vorrath. Doch sachte er Beisen Weib eil 
daixal Macronea zo Gerallen, ihr toXAa im Kaaff an Terehren, £e 
er Ireflich mit Fley-Zucker Termiscbte, bo ihren hitzigen Nierea 
zur KQhlnng taugen folte. Es mnste alles in der Apotheck arbei- 
len, damit Ja mein Weibgen nicht Terhinderl würde, diu mit einea 



4 Ehe) X ebr. oha |-[ &8) aie. ö mant«] XH pnUto. SO mein [f 60. 
X 400) Wrib. 31 •nch |K 2, 3TS] die |EI 2, 875] UdMO. 
33 »oltej H loltcD. 



II, 4, 6. I 

■n es 1 BT beschliesscn werde, damit sie deßwegen sosser 
ifahr s 

braclite er siu zu mir in die oliere Stub. 
kBii wol urachlen, wie das gute Meiiscb erschrocken sey, 
mich so uuverseliens vor ihr stehen und zugleich den Apo- 
:Kcr die bcydo Schreiben in Händen halten sähe. Dieser warff 
lige auiTden Tisch und saglu: sehet, Mensch, da habt ihr euren 
rrn; mit dem mächt ilirs außmachen. Ich bab jetzt ander« 
thun. 
Gieng darmit zur Stub hinauß, schlösse die Thür binder ihm 
1 unil steckt den Schlüssel in Sack. 

Ich weiß nicht, wer im Anfang unter uns beyden mit dem 

dem am mehristen zu EchafTen gehabt, Sie mit mir, mich nmb 

yhung zu bitten, oder ich mit ihr, sie zu trösten. Nachdem 

er wieder ein wenig zu ihr selbst kommen war, stellte ich 

beydes meines Weibs und ihr eygen Verbrechen vor Augen 

d hielte ihr vor, daß jenes den Tod, das ihrig aber auiTs wenigst 

) Außsteupung verdienet hätte; doch konte ich beyden, wann 

I die Würckung der Liebe bedencken wolte, leicht verzeyhen. 

\g ihr ilaraiifT einen gantsun Last-Wagen voll vor, was massen 

sie, die Bescbiiesserin, schon vor langer Zeit hero inbrünstig 

liebt und dannoch meine LiehesSchmertzeii verborgen und mei- 

■em Weib zu Ehren Lieb und Treu mit unleidenlicher Gedult ge- 

toagen hAlte. So ich ihr aber nunmehr die Hand im Sack erwiscU 

m und vor Augen sehe, daß sie solche meine Treu mit Untreu be- 

lohnea und mir auß dem Geschirr schlagen wolte, so wäre ichTW- 

koffentlich nicht zu verdeocken, wann ich auch meinen BegiordM 

den Zaum lassen und mein Weib mit ihrer Uüntx beuhlea wAr4e. 

Ich näherte mich avcb darauff zu ihr mit solchen liebreitseBdM 

■• Geberden, wie es die Beschaffenheit meiner damaligen Gelegedeil 

erfordert, und reitzle sie mit grossen Verheissungen dermuaea, 

daß ich sie nemlicb künfftig vor ailea andern Weibsbildern in der 

ganUen Welt eintzig vor meine Allerliebste halten und sie meinen 

grossen Vermögen nach mit der Zeil wol versorgen wolte, biß sie 

n endlich das küssen annam und zu mir sagte: ich sehe wol, daß 



6 lagleich It 63] dcD. 8 mScbl] XU mSget, SO Lsg] XU log. II fie, 
[X 46!] di«. 23 Ehreo [•; 64) Lieb. 



luch rctsscn wolle, Wcrrkstülll^ machen möchte, Vnlfirliesse aocli 

darnelien gar nicht, mit metner Bcschliesserin noch ein paar mabl 

zu widerholcD, was ich mit ihr angerangen; und als sie mit wcy- 

nden Augen mir ihr Sorg entdeckte, sie möchte vielleicht hier- 

inter die Zahl der Müller kommen, gab ich ihr diesen Balh 

III irost, sie sulte alsdann uusern Fritzen, wenn sie es mcrckle, 

ly Zeilen zum Vatter einkommen lassen. 

Indessen halte der Apotliechcr sein Marzapan verrerligt; das 
gaben wir der Beschliesseriii mil und unlcrrichtetcn sie, wie sie 
10 mein Weib überreden solle, sie halte so lan^ draulT warten müs- 
sen, umb der Frauen solches zu zeigen, dann der Apolhecker ge- 
sagt, so fern ihr diß, daran or eben gemacht, nicht beliebig, so 
kö'nic er ihr wegen anderer GeschälTten vor sinckender Nacht kein 
Inders verfertigen. Wir gaben ihr auch das Schreiben widerumb 
erschlossen an den Monsieur Docieur Louis mit nach Hauß, damit 
^e, wann etwas die Fran darnaoli frag^te, nicht wie BdUat mi der 
SoaRM bestünde. Und eis wir rermeynten, sie wire kMua ä 
■einen Hatß angelangt, siehe, da kam sie widerunb, dM AMg 
Gonfeet sack abzabolen. Ob ich nnn gleich ungeiweilelt tw- 
it aaeyntfl^ ich bitte die Beschlieaserin dorcb meine Premdlichköt 
■nd iBflehenKche promessen gewonnen, daß sie mir tren seyn 
nflsta, M schenckte ich ihr doch mm Überfloß nnd anch vor ibr 
Krintzlein ein halb datzet Ducaten, damit sie eygentlicfa mit dem, 
mi mein Weib ihr aoETgeben würde, dem Doctor zn bringen, n 
M BU kommen und mich vor alles übrige sorgen lassen solle. Sie 
versprachs und hielts auch, messen sie unlängst hernach mit einem 
schweren Korb voll Naschwerck und einer Flischen voll von mei- 
nem Necker- Wein beladen eu deß Apolheckers biadem Gulen- 
Tbür, die wir ihr zu solchem Ende offen gelassen, angehauen kam. 
a» Also gieng alles nach meinem Wunsch, wie dann anch mein Weib 
die vor sie zum Geschenck mil Pley-Zucker verfertigte Hacronea 
daheim behalten hatte, als welche wir durch hin nnd wider Zer- 
bröcklung zu solchem Ende schadbafR und also zn einer ansehen- 
liehen Verehrung unscheinbar gemacht. 

4 entdeckfT 67|ts. 8 Mantpin] XH Uanepan. 15 T«ncU{iu«D] 
f«blt XH. Louigl XH Lo<rU. 16 »ie, [X 484) wann. 21 ui«e-[H I, 378. 
K 2, a76]beu{-: GSjliclie. 34 gemacht] XH gemacht. 




n, 4, & 



Sehui wi« d«r Hud to Bbd tLnt, 
Wda Weib nicbt hat Bit ihm vor gat, 
Fht (B FaSi) er aiek einn Undaa-Ha^ 
Dramb h«b feia eiaa daa andn lieb^ 
DaA man aiiuiKlei siebt b«tiitb. 
Der Teaffd i«t ein ■ebUver DieK 
Er nitit uns offt dorcfa Bckelkei^ 
b BSad, ud ewig« RSHcB-Lcid. 



II, 4, 7. 



DAS SIEBENTJE CAPITBL. 

Wie mm deo W«ibeni vom Wüdbret ein Absdnneo 
DMdrt 

VNterdessen nun meine Begcbliesserin aaß gewesen, haltai 

■ iA and der Apotbecker im Namea deß Herrn Doctors ngchfolgendi 

'ieder-Aalwort-Schreiben an mein Weibgen Terferügt, welcbei 

■r Apotbecker, weil »einem Weib sein HandscbriffI und Pett- 

hsA nnbekandt, geschrieben und auff recbUchaETen gnt Balerisch 

I Seiden nmbwickeU und mit einem ganti vergülden Sigill be- 

ciüossen hatte, woraaff wir sieb lastig sampt meiner nenea Bai' 

gchafft znsaramen setzten, die Cspannen-Darten sanpt dem Ge- 

Imtenen und dem Confecl zu Faden schlugen and anff einmi 

gldoklichen Krebsgang meines Weibs Doctorlichen Liebe die Flisch 

mil Necker-Wein hertilich trackten. Das Schreiben aber Iir- 

it tel also: 

Edelste, Viel Ehr nnd Tugendreiche, 

Hochgeehrteste Frau et c. 

Hit wu für schuldigster Ehrerbietung und respect ich dero 

Holdseliges BrieOlein empfangen, hat zwar Widerbringerin diß 

M gesehen. Es wird ihr aber unmüglich seyn, meiner höchstgeebr- 

teslen Fräsen zu beschreiben, mit was für einer innerlichen 

Hertzens-Freude ich mich begnadet und überschüttet befunden, als 

ich auß demselben vernommen, daß meine Wenigkeit für ihren 

Diener und Leib -Medicam auffgenommen zu werden gewürdigt 

M worden, ob sie gleich gesehen, wie inbrünstig und andächtig ich 

1 ly 69] Dm. Ctpitel] XHK Cttpitel. 

Der Haren-Weiber, Duiok und Lohn 
Trügt hier die E&afm>Dns-Frau darron, 
AI« noblvotdienten Spott und Hohn. 
3 [X 4B6] WiCL 14 lautet] XH lautete. 16 (f ^0. U 3, 379. K 7, 319] 
Edebt«. 



• - 



n, 4, 7. üö 

beydes, dero allerliebstes BrieBgen und auch in soActNsr Mi^t: 

Hertzens-Verzuckang das Ringlein gekübL Icii werde «b«r ktvi 

Ton zu meiner auff die beslinibte Zeit ohnrehlbaren AiikttiiUi ftci;. 

sten Mündliche relation than and verhoffenlUcli mttiner Uimä^uj 
5 ehrtistcn Frauen zugleich im Werck erweisen, wie l#enMiwiUr: 

und geflisscn ich sey, deroselben Geliorsauilich auliAUMaii- 

Allein wird dieselbe ihrem hohen Verstand nach «ijihsmc-i., •• . 

argwöhnig die jetzige Welt und wie ferlit; neidiger L«uU9 |ftll*ti • 

Zungen seyen, der Unschuld selbst mit Verksumbduii;! iiitn^ / 
10 schohnen. Damit wir nun bevüerseil« dilifallh autiher «tu* i vj< i.. 

yerbleiben mögen, so bitte meine Hucligeehrlisle 1 i«iu muu& .. 

dienstlichste, sie wolle belieben zu verfügen, üaL iH;>ui;. .. 

meiner Ankunflt und Wiederheimkehruiig nirKeuüb koiu ^«> 

vorhanden sey, massen anderer üeslalt ich b^eutikt^iio l**. 
15 würde, mich bey Nacht einzustellen, ziimahleM aucü oiu«*. u«. 

Gewißheit meiner Kunst solches wol entleeren kan, ü» ui^... 

ohne Ruhm zu melden, nur auß Fühlung delj PiiUeb iiium /. 

den, zu urtheilen und gehörige Mittel darauü zu verbtn.u.i . 

als sonst mancher, der viel uub der Färb und anut-iii «.ii..i 
»ojadiciren muß. Schließlich wünsche ich üci ucüi... 

schnellere Eylfertigkeit vor dißmal, als iiiru geHoiiiu. . 

gegen meiner Höchstgeehrtisten Frauen cicbu» cum.!. 

dero milde Anbindung zu bedancken unü ^üj^k^h 

men Dienst -Bezeugungen mich wieüvi «u^u 
ii ich bin 

Meiner Höchstgeehrtisten Fr^uir. 

Andren uu 

Wie michs nun Zeil seyn tiMuciu'. . 
3: schliesserin mit ihrem laren kurii, u-.i : 
bell wieder heim, scbenckle iiii muli« iiu. 
nem Weib zu zeigen und bic ^u ui 
solche zur Verehrung Hnzuiiviiiiti;. « 
nehen gesagt hätte, daß er ük. ü^ 



I i-^ro] folilt ▼. . » 
i.>.rl f«:hlt XII. j;. ••. 



li" 



[••■ 



itl 



il. 



ines NsmensTtig ni«me1 rfcrgestalt erfreut worden; dsmnib wire 

-jch billich, daß sie mit einem ehrlichen ßottcn-Luhn begtbt 

würde. Ich unterrichtet sie auch noch vieles anders Dings, so sie 

meinem Weib von deß Doclurs Begierde noch ihr vorligen solle, 

i Itum, daß sie bey Leib dahin trachte, daß zu meiner Ankunflfl kein 

Liecht vorhanden wäre, und sagt ihr auch, wie sie sich alsdann 

im übrigen, auch wann ich wieder hinweg wolle, verhalten solle. 

In dem sie nun von mir scheiden wolle, fiele ihr erst ein, dttß ihr 

mein Weib einen Ring gegeben, solchen dem Doctor neben den 

id lualien zu Abcrlierern, den sie mir damit zustellte. Das war 

.1 ein Rubin von ohngeTulir 6 Rcichslhaler werlli und ich halte 

II gern meiner neuen BulschafTl gelassen, so Fern mir nicht gleich 

j Siaa kommen, mwiicm Weib ein prave Naü damit zu macben, 

Ichen Antchlag ich «och meinem neaen Schfitzg^en der Be- 

Jiefserin rerlraiiete, utnb mich dimil gegen ihr zu enbcbuMi- 

.1, mit welchem sie besser zu frieden schiene, als hitte Ich ihr 

sn Ring selbst gelassen. 

Denselben Nachmitlag war diß mein Arbeit, daß ich mich 
ersUich barbieren Hesse, damit ich dem Doctor, der gsr Jangfran- 
ta Knechtisch außsahe, wo nicht gäntzlich bey Tag, doch in der Nackt 
amb den Schnabel berumb etwas gleichen möchte. Zweylens bt- 
warbe ich mich durch deß Apolheckers Leut heimlich umb ein 
Doctor-Talar, in demselbigen meinem Weib anstatt des Doctors 
auffzowarten. Drittens musle mir der Apothecker ein unschäd- 
K lichs Porgier-Träncklein zurichten, dessen ich zwar weniger von- 
ndlhen, als der Gerade einer Krücken. Vierdtens überredet ich 
ihn, daß er aulT meinen Kosten in seinem Hause eine Mahlzeit enff 
den folgenden Tag anstellen und beydes den Doctor als mich und 
mein Weib darzu zu Gast laden solle. Zu solchem Ende coneipirte 
10 ich ihm folgendes Brieffel an den Doctor, welches der Apolhecker 
hernach abschriebe und ihm sampt dem Ring, den ihm mein Weib 
zuschicken wollen (sintemal ich ihm denselben hierzu verehrte) 
also gleich zusendete. 

Wol-Edler, Hochgelehrter Herr Doctor! 
» In Betrachtung, daß je und allweg die Apothecker denen 



I Nfimcii»] XlINatncnB-Tags. 6 tracbte, [X 467] daß. T wsnn [^ 73] ick 
17 selbst] XH aclbttuD. 22 Apo[Y '«Jllieckera. 30 Brieifcl] XH Bricfacin. 



n, 4, 7. 

iden V rog^ti machen. Br lasse es nar immer so gesche- 

ken. mx r Ring einmal prettesU'nirl, den Doclor anzubinden. 

bl ser nnd mir viel angenphiner, der Vetler bekomme 

I paar Recipe in seine Apolheck, als daß ich ein 

darvor erhalten, vreldies ohn Zweiffel geschehen 

lOn er ihm von inetnes Weibs Harnten zukommen wäre. 

ber mein Weib ihren Anschlag desto sicherer und getroster 

I ;n mächte, stellte ich einen Kerl an, der amb ein geringes 

tif^-Gelt in mein Hnuß gieng nnd sie überredet, er hätte mich 

drey Meil von dar, angetroffen, allwo ich ihm befohlen, ihro 

•■ twegen ein gute Zeit za wünschen und zu sagen, sie solle 

cb meinelhalber nicht bekfimmerti, daß ich verwichene Nacht 

cht nach Hauß kommen, es wären mir GeschäSle vorgefallen, 

elcher willen ich vor Morgen noch nicht heim kommen 

Alf lick inu der Abend genähert, tog ich nKineaend^nlea' 
ctor-Taltr in and baute mich nft beste; nnd gleich wie Uk 
jidi aaßwendig mit Zibeih nnd itlerhand kfiBäichen Baltam ber 
■trieb, daß ich röche, ala wann die halb Apotheck mit mir nai^' 
Airte, also nam ich hingegen anch obgedaehtes Pnrgier-Trisek- 
jein ein, nnb diesen guten Gemcb meinem Weib za Ehren nnd 
Wolgerillen in den allerirgsten Gestanck zd verwandeln. 

Also anßstafflrt kam ich vor mein Hanß und fände znr be- 
ftirabten Zeit nicht allein die Tbür offen, sondern auch mein ver- 
t» liebles Herlzgen ohne Liecht, wie ichs begehrte, darhinder stehen. 
Sie hiesse mich frenndlich willkommen scyn, wie leicht zn erach" 
len, und trocktu mir damit die Hand in solcher Haß, daß anch 
ein Schaf bSlte mercken können, von was von einer Kranchbeil 
iie curirl seyn wolle. Ich war behend, anff diese stamme Sprach 
s« zn antworten, und wir verstunden einander so wol, daß wir 
gleichsam ehender zum kflssen als zu den Worten kamen. Kurts 
wir machten sonst wenig Complimenlen mit einander, sondern sie 
führet mich in eine Kammer, die sie hierzu in der nidere zuge- 



1 «0 {% 4S9] KMchefaen. 6 erballea] H erhiüU. 6 wire) fehlt H. 
wlre. [t TT] Damit. 18 BalBim |U2,3e!. KS,S8i] butrich. !3 [y 78] Alto. 
26 leicht] H leichllich. 2S Schaf] Vgl. tb. 1. ß SIÜ. AltdeutacliB gedicIlM 
4, 8, 3. wu Ton] XH was vor. 33 iug«nch[X 490]teL 



r- 



II, 4, 7. 555 

richtet hatte, damit meine Excellentz keine Stege im finatern atei- 
gea dorSle. Daaelbst halff sie mich aoßziehen nnd bediente mich 
beaaer, ala ich mein Lebtag von ihr hoffen oder ihr immermehr 
zomuthen dörffen. 
5 Man kan wol gedencken, daß wir gleich daraaff mit einander 

ina Bett gangen seyn. Ich hatte mich zwar denselben Tag zimlich 
abgearbeitet, aber dannoch waren noch so viel Krifften vorhan- 
den, daß ich meinen Garten begrasen konte; nicht weiß ich, 
aeynd sie durch meines Weibs extraordinär! Freundlichkeit oder 

10 durch den herrlichen Geruch deß Zibets und Balsams geslarckt 
worden oder hat mir vielleicht der Apothecker ein wenig Satyrion 
unter die Purgation vermischt, welches mir aber der Maußkupll 
niemahl gestehen wollen. 

Aber meines Weibs Freud wäret leyder kurtz, dann nach 

15 dieser Bewohnung fieng das eingenommene Träncklein in meinem 
Bauch an zu rumplen, ich aber warff mich im Bett herumb unc: 
stellet mich, als wann ich vor unleidenlichem Schmerlzen sU^ruf 
mfiste. Ich beklagte mein Unglück und bejammerte irisoniienitri . 
daß mich eben solches jetzt zur Unzeit betroffen, in weitiin i 

20 Freud und Ergölzung zu haben verhofft, und in dem icli un'.i. > 
hin und wieder warff, mich bald streckte und baid wicut - 
nmb wie ein Wurm krümte, unterliesse sie nicht, micii uiit i u: - - 
nen und Seufftzen auffs holdseligste zu trösten. Ich kan nucik u 
glauben, daß von einer barnihertzigen Seelen mUieiucnuwi 

25 Wörter ersonnen und so beweglich vorgebracht wejuei. ilu..: 
als mein Weib damals vorbrachte. Ich aber conliuuirftt: uit;;.: 
genommene Weise mit Weheklagen und WinUein, ua. un j^ 
recht zeitig wurde und ihren Außgang mit (#ewtti» uüjtrtt^:.. 
Da wüste ich mich in einer geschwinde so artnui jLu h^^^.- 

90 krümmen und herumb zu lencken, daß iiir levnt^ u: . 
Angesicht kam. Alsdann truckte ich uiü tu-ftuir 
stumme loß und wüste in wärender SaUe w^i^ «ttfciii^- ■. 
richten und zu wenden, daß ihr weder üiufea;-^- «-•: — 



2 dorffte] X dörffte. H dürflc . 
14 wäret] H wärete. 15 BewoLULi; 
holdseligste. 27 Wintzeln] XH V^il-... 
Ih ADge[X 491] sieht 



II' 



II, 4, 7. 

uch unb :1t bliebe. Aber damit höret drumb meine Klag 

ch ni , sondern nachdem ich noch ein paar mal Feuer 

t wischte ich auß dem Bett und Geng an, wieder 

EU lanienliren, und sagte ihr unverholen, sie wäre 

cherische Hur und ohne ZwcifTel auch eine Zauberin, 

.. umbs Leben zu bringen herein geladen, nam sie auch 

n bcy der Carlhausen und dölTelt ihr das Angesicht jämmcr- 

■nit Fausten, biß mich selbst bedunckte, es wäre nun einmal 

■■e. Sie aber litte solches alles mit Gedult ohn einiges Ge- 

f, ohne daß sie biüweilen sagte : ach ich armes unglück- 

1 Weib! 

Solle ich sie aber sonst mit einer zehenfach verdienten Ohr- 
^en bcgrüsl haben, so würde sie gewißlich einen solchen Ler- 
I angefangen haben, daß man sie noch auIT diese Slonil davon 
ummen hören, 
nach diesem Spaß warfT ich meine Kleider wieder an und 
gieng hin, wo ich herkommen war, nemlich zu meinem Vetter 
Apotheckcr, dem ich vor lachen meine Verrichtung schier nicht 
erzehlen konte. Die Beschliesserin bat mir nachgehcnds crzeblt, 
wie beschissen und mit Schlägen übel zugerichtet sie nach mei- 
nem Abschied ihre Frau gefunden, auch was gestalten sie sich von 
dem Unflat mit kaltem Wasser wieder gesäubert und Artzney- Mittel 
gebraucht, damit man ihr die empfangene Streich im Angesicht m dM 
Minen Mählern nicht ansehen solte. Ich redte mit dem Apotbecker 
■t ab, daß er mich und mein Weib auS* den Hittag mit einer GnteiAe 
xnm Imbs abholen lassen solle, dann ich sorgte, sie möchte mk. 
schämen, so wol gezeichnet sich unter den Leuten anff der GaB- 
sehen zu lassen; nam damit meinen Abschied ond gieng, wie ich 
begehrt hatte, ohne Liecbt und Gleid vor Tag auß dem Hanß, dt> 
M mit ich mein Naßtächel sampt der Unsichtbarkeit ohne jemands 
Beobachtung mit mir nehmen könte. 

6 gela^T Bljdet]. 24 Apolbecker [j 62] ab. 26 mm] XH edt HfthlKiL 
81 künle) XH könte. 

[X 492] Wie dieser N>ECh-KaU hier gcichelien, 
Soll's dien solchen Huren gehen, 
So licsseo sics vielleichtcD atehcn. 



n, 4, 8. 557 



DAS ÄCHTE CAPITEL. 

[flDsdich VorgebSu zu Verhatung, daß dir kein frembder 
tier in Stall steigt noch der Guckuck Eyer ins Nest legt 

DAraoff verfugte ich mich bey Oeffnung der Pforten zur Statt 
inauß in meinen Garten, mehr mein Naßtüchlein im Garten-Häuß- 
)in verwahrlich auiTzuheben und also die Unsichtbarkeit abzu- 
»gen, als daß ich sonst etwas darin zu verrichten gehabt hätte, 
her ungefähr umb neun Uhr gieng ich wieder nach Hauß und 
ind mein Weib noch auff ihre überstandene herbe Nacht im Bett 
Dr Ruhe pflegen. Ich verwundert mich mit Bekreutzung, als ich 
e so schön zugerichtet sähe, und fragte sie, was ich besser als 
e selbst wüste, wordurch sie nemlich doch in so kurtzer Zeit 
leiner Abwesenheit so jammerlich verstellt worden wäre. 

Ach allerliebstes Hertz, antwortet das verlogen Raben -Aas, 
^h wolte gestern etwas von weissen Gerathe auff unserer obern 
dhne auiThencken, und als ich zu solchem End eine Leiter an- 
iellte, glitscht solche unden auß, also daß ich mit ihr übern 
aaffen und endlich gar die Stegen hinunter gefallen, welches mich 
dy nahe das Leben gekostet. 

Ich fieng gewaltig an zu kollern und sagte: worzu halte ich 
) ein HauiTcn Mägd im Hauß, wann ihr alles selbst thun wollet? 
iTie verdienen sie Kost und Lohn? Ich hatt ein guten Lust und 
ßhme einen Brugel und lernete sie, ein andermal besser ihrer 
rauen an die Hand gehen. 

Sonderlich stellte ich mich gar letz über die Beschliesserin, 
Is deren billich vor andern angestanden wäre, ihrer Frau Basen 

4c 

1 Das — Capitel] fehlt HK. 3 legt] XH legt. 

[H 2, 384. K 2, 384] Listig und löblich, doch dannoch erlogen, 
Wird der genäschigen Geilheit Torbogen. 
9 über[Y 83]8tandene. 10 Bekreutzung] XH Bekreatzigang. 16 von] 
H vom. 23 an [X 493] dermal. 26 vor] X von. 



n, 4, 8. 559 

■ nehmen Kerl en za thun kriegte, wann er sich durch mein Weib 
B nu künfftig vielleicht wieder reitzen lassen würde, mir Hdmer 
■w HÜFzusetzen. Und also fuhren wir nach der Apotheck und stiegen 
m im Hof vorm Garten ab, worinnen in dessen lustigem Sommer- 
E« Hiiiß der Imbs gehalten werden solle. 

li Indessen nun der junge Doctor C^on dessen Gegenwart und 

p daß er mitspeisen solte, mein Weib das geringste nicht wüste) 
££ die Apotheck visitirte, so doch nur pro forma angestellt worden, 
B q^ftlzierte ich mit meinem Hertzgen im Garten herumb und zeigte 
-.M ihr die raritaten und wunderbarliche Gewächse, die sich darinnen 
^ hefanden. Ich ehrete sie allerdings, wie eine Göttin, and cares- 
^ arte, als wann ich erst hatte wollen anfangen mit ihr zu lefDen, 
_ brachte sie auch damit auif so einen guten Laun, daß es schiene, 
^ ab wann sie der verwichenen Nacht allerdings vergessen oder ob 
_ wCre ihr in derselben kein Schabernack widerfahren. 

Wie nun der Tisch gedeckt, der Wein ins Kühl- Wasser ge- 
setzt und nicht allein das Tischtuch, sondern auch der Boden deß 
Garten-Hauses zu mehrerm Wollust mit allerhand so schönen als 
wolriechenden Blumen überstreuet und mit Rosen- Wasser überall 
geapritzt und angefeuchtet worden, man auch allbereit anfienge, 
die Speisen aufzutragen , Siehe da kam der Herr Doctor mit dem 
Apotheckcr auch herein getretten, worvon sich mein Weib beydes 
ifli Angesicht und Geberdcn dergestalt entfärbte und veränderte, 
daß ich leicht darauß abnehmen konte, wie grausam ihr wütiger 
' Zorn in ihrem Gcmüth rumorte. Ich aber lielTe seiner Excellentz 
aliobalden entgegen und macht einen ganlzen HaufTen Frantzösi- 
acher Compliaienten, was massen ich mich nemlich deß unver- 
hofften Glücks freuele, welches mir so unversehens die Ehr gön- 
' nete, mit ihm bekand zu werden; nöthigt auch mein Weib, so 
'0 durch freundlichs Zusprechen, als sonsten durch hohe Beschwer- 
vng, daß sie hingieng C<iber allerdings wie eine hierzu gebannete 
Schlang oder Natter) mit der Handgebung seine Excellenz zu be- 
willkommnen, wiewol ich glaube, daß sie ihm lieber ins Angesicht 
gespyen hätte. Der Apothecker aber übereylete uns mit nötigung 
ü zum nidersitzen und brachte also mein Weib zum Doctor an Tisch, 



17 allein [y 87] das. 28 Giacki [X 495] freuete. 30 Betchwerung, 
[H 2, 386. K 2, 38G] daß. 33 bewillkommen. [y 88] Wiewol. 



t sie licli besiimcn konte, daß sie wie nW Nsdcln sHzm 
wOrde. 

n«ii*i I diranff setzte es bey ihr erscliröckliche Minen, 

t I ein Höllische fun und blitzte mit den Augen, als 

I te Feuer dimaß speyen wollen. Sie ruckte mit dem 

; wieder, als wann sie Wespen drian gehabt, sie trille 
>ellor herumb und wieder hintimb, wie Hans Warst seinen 
So woltti ihr auch Messer, Gübet und Löffel niemal nach ih- 
rem Silin recht ligen, sie Hesse das Maul hangen wie ein Lait- 
10 Hund, kein Wort kam herauß und weder Speiß noch Tranck hin- 
ein. Anfänglich schiene sie wie ein stumm und aulTs letzte gar 
wie ein geschnitzelt Bild. Beides ich, der Apotlieckcr und der 
Doctor sprachen ihr zu und vermahnten sie zum Essen, Trincken 
nnd lästig zu scyn, aber vergeblich, und dahero nahm ich Ursach, 
e selbst bey dem Herrn Düctor zu entschuldigen, in dem ich sagte: 
lein hochgeehrter Herr Doctor halte ihr etwas zu gut! sie hat 
gester in meiner Abwesenheit aulT einen Balcken steigen und et- 
was von weissem Zeug oben im Hauß auffliencken wollen, und als 
ihr die Leiter entgangen, ist sie die Siege hinunder gefallen, mas- 
iD sen mans ihr im Angesicht noch wol ansiehet, so daß es heut 
schlechte Freud bey ihr wird setzen. Und was mich am mehristen 
bekümmert, ist diß, daß ich sorge, sie möchte vielleicht etwas 
im Leibe zerknirscht haben, daran sie ein Weit zu kauen Iiaben 
möchte. Wann dcrowegen der Herr Doctor vielleicht ein gewiß 
ii Mittel wüste, dardurch der besorgenden künlTtigen Gefahr, so 
noch hierauß entstehen möchte, vorzukommen wäre, so bitte 
dienstlich, mir umb die Gebühr solches zu communiciren. 

DaraulT nuntc der Doctur unterschiedliche Materialia, so dien- 
lich wfircn, das gerunnen Blut zu zerlheilen, sagte ihr auch gar 
31] offenherlzig, wie sie das ein und ander gebrauchen solte. Sie 
eher würdigte ihn hingegen keines Anblicks, sondern gedachte 
vielleicht wie deß Goldschmilds Jung, weßwegcn sie ohn ZweifTel 
der Doctor bey sich selbst vor ein grob und nnhöfllchs Weib oder 
wol gar vor ein NSrrin halten müssen. 
si Nachdem wir nun ungefähr bey einer Stand lang also da ge- 



lt g«[T S9]itBr. 26 mochte [X 496] vonukommen. 34 ein] XH ein. 

oi(TSO]DBr. 



n, 4, 8. 961 

lessen, hiesse der Apothecker sein Gesind, item di-ß Doclors Fa- 
mnlnm nnd meine Beschliesscrin, die ihrer Frauen aufTwartet, auch 
bin zum Essen ^ehen. Ich aber wolte nicht ^schehen lassen, daß 
die Beschliesseriii vor dißmal hingienff, sondern befahl ihro bey 
jer Frauen zn bleiben. Sie waren aber kanm dahin ^ngcn, als 
leß Apotheckers Jung wieder daher geloffen kam und scfarye: 
ler Herr soll hinauß kommen 1 es ist ein Ralhs-Herr da, der mit 
lern Herrn in Eyl etwas sprechen will. 

Darauff gieng der Apothecker fort, aber der Jung kam gleich 
vieder zurück und sagte: nicht mein*Herr, sondern dieser Herr 
^damit auff mich deutend;) soll herauß kommen. 

Derowcgen stunde ich auff und brumelte, daß ich nicht so 
riel Zeit haben solle, mit ehrlichen Leuten ein Stück Brot in Ruhe 
n essen. Ich liefTe aber nicht zn weit, sondern stunde mit dem 
ipolhecker binder eia Gegilter, da ich alles sehen und hören 
(onle, was mein Weib nun endlich mit ihrem gellebten Doctor be- 
ginnen wolte. 

Diese war damahl von Zorn gantz eingenommen nnd besessen, 
rie hatte nichts als scharpfTe Gall im Maul, giiTtige Straten in den 
iogen, ein grimmige Wuth im Hertzen, Feuer und Flammen in 
faren Backen und ihr gantz Angesicht sähe auß, gleich als ob die 
ÜÖllische Geister sich dort einlogirt hätten. Der Doctor, so zu- 
^or die geringste Kundschaft zu ihr nicht gehabt, wolle ihr, nach- 
lem ich hinweg war, freundlich zusprechen. Aber so bald hatte 
>r das Hau! nicht auffgethan, da Gele sie ihm in die Rede und 
lagte: du allerundanckbarste Beslia, du garstige unDfitige Sau, 
vie darfTstu dich erkühnen, nur ein Wort mit mir zu reden? Du 
'erschissener Lotlerbub und Teuffels-Cloac I kans auch wol mäg- 
ich seyn, daß du Dreck- Wangst dich deines begangenen Scfael- 
nenslücks nicht schämest? wie kans immer seyn, daß du garstig 
icheiß-Hauß dich nicht gescbeuet hast, deinen slinckenden Dreck- 
!ack und Auffenthaltang alles Unßats in meine Gegenwart zu brin- 
;en? Ich schwere dir Sau-Rüssel, wann ich diß Orts nicht 
ichohnete und nicht was anders besorgte, daß ich dir diß Hesser 



T der [li 2, 367. K 2, 387] Uerr. 10 dicecr] XH der. 18 Ton) XH vom. 
;ij)ti [f 91] «ingenommen. 2& UidI [X 497] nicbt. !9 Ureck-Wuig»] 
CH Dreck - W»D»1. 34 ich [7 92] dir. 




FTftbCT M besUrtzl, i*G er ekM i 
.ji k'lolz. Aber itmit er mtk wchl Zeil UOe, öA n crMea 

Mi äbrr die emtftmafote LsMlkUnl la kbgen, bm ich wkder 
I dra Apuiccker kÜMm Hd s^e aria Weib an, die rar Zora 

i»cli lillerL Ick rtHlle mrk, als ob kb ait Verwimdenng Mch 
«r ikm AaWcfc mKWe. Md s»pt: Ack S<:hatz, wie jdKl 
r nAf Bria Berts, ww M emck wklerbbrea? Ack D akl to 
tu, warn OMk vidlöcfat dn lan^ nura übrl bekoBpt, so siekrl 
mur •!■ wcnic »ff oad en|tit£>er«t roch eis UGgca ia 

SieaatwovM: ick «aß kekflwWB, diß Hir aiekt iil, wtedcH 
Pbfen an Ovteiiag. 

Lud in dem sie «Im darrw kidle, kk ghäblc, de wir w- 

M piSlirk, siehe da wBrde tie alaabaU gials ki aa tk , ait fc tig i t w, 

der Apalheckcr wulie sie mk ker Magd ■Bterwdlt wiedar hiia 

Mkrea Isneo, welcbes dana ebea das j«>^ war, so ick itmmU 

wiascht, sacht nad Tande. 

Sie war ksan hinweg, als Bir der Doctor klagte, wie grak 
» Hid ■BTCTaalwartlick sie iba mit dea aUersckiadKchsten Wortoi 
Toa der Welt ange&kren and beschimpIR kitte. Da mäste ick miek 
ma wieder arilicb in den Possen sckickea. 

Ach) sagte ick, nna weiß ick, waramb sie diese g a M aa 
Makiseit so still da gesessen. Der Zostaad ist leyder wieder ■ 
•• ikr, »il welchem sie ror ein paar Jakren behafflet gewesen. Ack 
was kab ich elender Mann doch rar eia Fread mit ihr bey ihm 
grossen Gut nnd Gelt zu hoffen ? Mein bockgeehrter Ben* Docter, 
bitte ich, wolle ihr nicht allein solches zu gat halten, sondern aadi 
mit mir armen Mann ein Christlicfas Hilleiden tragen ! Es dber^ 



11 ooebl tehh XII. t[tten] H lillerte. SO irurde [r 93) ar 
|H i, 888. K 2, 3B8] ihrer. 95 «ilenchlodUchlleD fX 498] Worl«li 
XH wolle. ST Poisen] XU FM*en in. 




DAS XFAXTK CAPITEL. 

-Bob belrengt den andern und der Unschuldig 
Irigt das Bad anß. 

ES kan kein Mensch glauben, was vor eine sonderbare Kloe- 

• beit md Vorlrefllicbkeit ich mir selbst taschriebe, als ich sähe, 

dafi kk diesen Act so wot gesptelel und dem Doctor mein Weib, 

mä aem Weib aber den Doctor erleidet and beyde zu künffli^ea 

Vnaa-Sri«g je eins dem andern verdächtig and ondäcblig ge- 

cht Bod mich soweit vor der Hömer-Trägerey versichert haU& 

MT ick N^rr sähe nicht, was ich billicher halte sehen nad Dei^ 

Hger beobachten sollen, nemblicb daß ich indessen selbst m ei- 

■ea Ekebrecher, zu einem Betrüger und Verleumbder, In Snoima 

n eiaeiB solchen Gesellen worden, der ohne die Gnad Gottes, 

ohne Baß und Penilentz und ohne Geniessung der anergründlichen 

I» Barmhertzigkeit Gotles nimmermehr kein Theil an dessen Reich 

kaben wflrde. Ich erTreute mich vielaiehr, daß nein Tsrloren GeM 

«nb die Unsicktberkeil vertaascht worden, dorcb die ich meiaai 

Weib 10 artlich kinder die Brieff kommen nnd der Hanreyst^aft 

enlninnen war, and wann mir gleich damahl jemand eine gaalH 

M Tonne Golds vor mein Nastüchel hätte geben wollen, worinn diese 

Kanat Stack, so hätte er sie doch nicht von mir gekriegt, so katta 

sie mir das Hertz eingenommen, nnd solte gleich beydes Beiae 

xeitlick nnd ewige Wolfarth darüber zu scheitern gangen seyn. 

In solcher Betöberung und Niderlag meiner rechten Vernuaffl 

1 [t 96] Du. 3 «nß) IHK auß. 

Hier nlrd tarn Tnnckgeld der «rhucht, 

Der nar Bnß I.ieb ein bißgen naecht, 

Dramb laß man lieber bleiben, 

Sich also anzukleibcD. 
4 [H 2, 391. K 2. 391] ES. 12 Verleunibder, (X 500] In. 15 Seicli 
[T 97] hAben. 19 eine] 5 ein. 



II, 4, 9. 567 

und Siebenzehen Sinnen lag mir nichts mehrers an, als daß ich, 
wann ich mein Naßtüchel bey mir trug , allezeit unsichtbar seyn 
miste and daß ich mich nicht konte sehen lassen, wann ich wolt, 
ich bitte es dann von mir gelegt Ich sonne der Sach hin and her 

s nach and gedachte: Vielleicht hats auch damit eine Eygenschaflft, 
wie mit deß Gyge Ring, mit welchem er Gyges, je nachdem er 
ihn trehete, sich unsichtbar machen oder sich sehen lassen konte, 
wann er wolte. 

Was ich mir nun hiervon einbildete, das wan auch, wiewol 

» ichs lang nicht erGnden konte, ob ich gleich allerhand Proben da- 
mil anstellte, biß ich zuletzt ungefähr darhinder kam. Indessen 
hielte ich mein Naßtüchel immer in meinem Garten -llaußlein ver- 
wahrt, weil ich das Hertz nicht hatte, solches so unsichtbarer- 
Weise in mein Hauß zu tragen, dann ich sorgte, wann ichs heim 

s träge and mich niemand ins Hauß würde sehen gehen , ich aber 
gleichwol mich hernach sehen Hesse, so würde mir mein Weib 
vnd Gesind nichts guts zutrauen. Derowegen wann ich unsichtbar 
seyn wolte, muste ich erst in meinen Garten gehen und, wann ich 
mich wiederumb wolte sehen lassen, abermal meine Unsichtbarkeit 

dort ablegen, welches mich eine grosse Ungelegenheit zu seyn 
bedanckte, deren ich gern entübrigt gewest wäre. 

Interim vertrauete mir mein Jungfer Beschliesserin, ob gleich 
über zehen oder zwölflTTage noch nicht verflossen, seyt ich mit 
meinem Weib in der Apolheck zu Gast gössen , daß sie befinde, 
wurde sich nach dreyen viertel Jahren mit Hinden und Füssen 
, was wir damahl vor Confect bestellt, und bat mich mit 
weynenden Augen, ich wolte ihr mit getreuem Ralh beystehen, 
damit weder ich noch sie zu schänden würden. Ich antwortet ihr, 
wir hatten aufT den Fritzen hin gehandelt; wann sie ihn zum Yat- 

ter haben wolte, so wäre der Sach bald geholffen, wie ich dann 
auch weder ihr noch mir einen andern Rath zu geben wüste. Und 
also beredet ich sie gar leicht, daß sie in meinen Vorschlag ver- 
willigt und besagten Fritzen seinen hitzigen Begierden nach in das 
Garn laulTen lassen und solches zu solchem Ende je ehender je 



»> Gyge] XI! Gygis. 7 iinsichtliar [v 08] maclieii. 22 [X bOl] Interim. 
24 Apoibcck [y 99) zu. »ic (U 2, Jy2. K J, 3t»2J btrlande. 33 kewigtep' 
vXIlK besa;ricfii. 



II, 4, 9. 

besser auffspannen wolle. Allein war sie nit dieser Sorg gar bock 
beKüiiimerl , er möchte vielleicht mercken, dafl ihm der Räumen 
allliDrcil abgehoben wäre. Aber sie liesse eich gleich mit deß Ap<^ 
theckors Geschicklichkeil trösten, welcher sie auU oieio Begehren, 
da sie die Occasion angehen und dem Fritzen bestehen wolle, der- 
massen ins Feld aulJmondirte, daß der gute Tropff keinen Vor- 
fechler schmücken konle, und solle er gleich den Geruch eines 
Adlers gehabt haben. 

Derselbe gieng ilamabi hcrumb und ließ alle Merckzeicben 
10 eines Verliebten von sieh stbeintn, so daß ihn die Bcschliessenn 
gar lA'cht nur mit einem Wnnck lencken luid hinbringen konte, 
wohin sie wolle. Kurtz gesagt, sie bestimhte ihm eine Nacht, it 
welcher sie sich mit ihm xu paren versprach, mir aber verschwieg 
■ie es auch nicht, damit sie Bach ehrliche Lenl bey der BDchxeil 
hWcn. 

Wie Bon dieselbe Nacht vorhanden, Iranck ich mir einen hal- 
ben Ramch an, damit mein Frilx desto kühner angehen solle, wina 
er gedachte, ich lege jetzt im Wein biß über die Ohren begradmi; 
aber ich rersdilieff' darumb die rechte Zeit nicht, sondern ik Mit- 
M lemachl vorhanden, gehub ich mich gar übel im Bell, bey nahe 
wie es nein Doctor oder vielmehr ich selbst in seinem Maa« 
genadit, und weckte damit mein Weih auß dem SchlaCT, deren 
ich klagte, daß mich die Natur auff das Secrel zu gehen trünge. 
DJeweil dann nun ein Gemurmel unter meinem Haußgesind entstan- 
u den, ob bitten sie nun bey einer karlzen Zeit hero ein Gespeuck 
im Haaß vermerckt Cnicht weiß ich, haben sie mich gehört, wann 
ich so Ansichtbar herumb vagirle, oder den Fritzen, wann er Ȋ- 
ner Bulschnfft nachgeschlichen]), pls bat ich mein Weib, sie wolte 
doch mit mir gehen , damit ich mich nicht förchtete. Sie war des- 
n aen gar willig, in dem sie vielleicht sorgte, ich möchte ihr sonst 
ins Bett legen. Sie zündet ihren Waxslock beym Nacht-Liechlan 
and wir beyde warfiTen unsere Schlaff- Beltz umb uns, die man 
anzuthun pflegt, wann man entweder kranck ist oder doch sonst 
nicht lang auß dem Bett bleiben will, und also wanderten wir mit 
t» einander der Heimlichkeit zu durch einen langen Gang, aufT wel- 

I gar] fehlt XH. 6 der [v 100] gute. 21 Duclor, [X 502] «der. 23 du 
(T lOlj Secret. 25 üfspeuck] XH Gcspcn.!. 




n, 4, 9. 569 

lem wir bey deD Fritzen Schlaff-Kammer voröber geben miulen. 
I faulen wir die ThOr Ang^elweit oiTen sieben und sein Bett noch 
mlz und nnzerbrocben. 

Polx Fickramenl, sagte ich, jetzt sehet, Fnau, was vor ein 
Bist in nnserm Hauß gehet Das ist schon gehaoseL Ich schätze, 
inn wirs beym Liecht besehen, so werden wir befinden, daß 
ir entweder dorcb Abtragung an unserer Nahrung Schaden lei- 
!n oder eine von unsern Mägden wird wie der Mon zunebmen. 
h will einmal wissen, wo heinl mein Fritz steckt. 

Nam daraulT meinen Haupt- Schlüssel und öffnete damit der 
idem beyden GadenDiener Schlaffkammer; die fand ich an ihrem 
ibfihrendcn Ort. Hernach liesse ich mein Weib zweyer Uägd 
immern visiliren, allwo sie ebenmässig die Sach recht bestellt 
nd. Also war ihrer Baasen der Begchliesserin Kaminer noch 
irig, deren Beschaffenheit ich kurlzumb auch sehen wulte, wur- 
ler mein Weih hertzlich erschrack, ohn ZweilTel darumb, dalj 
9 TOn deß Fritzen Liebe gegen ihrer Baas Beschliesiterin wusU'. 
i dessen Importunitut sie ihr seilisti'n geklagt, hingegen aber n 
rer damahligen cygenen Angelegenheit und Liebs-Veiwiirun, 
cbtfi anders, als so beschaffene Hülff und Trost von ihr tsinpU:- 
in hatte, die sie, die Beschlicsscrin selbst, vivlmebr aii|;eleuf 
8 dem Fritzen seine Nachstellungen verwehret. Derowcg>;ii f.- 
tgerle sie deren Auffschlicssung und suchte AulJllucbl um. i>- - 
iß sie sagte: ich werde nimmermehr glauben, dalJ hmsih'. i^^ 
leichtfertig seyn und sich in etwas übersehen werU'. , u» 
ihrer Ehr und uns an unserer Nahrung nachtbeili|t kv*i- •" ' 

Ich aber antwortet: Baas hin Baas der, uivuutuü UHtr:.. 
tu wol, pflegt das Boß hinweg zu reiten. Isi kr, t»K-. ^ 
seynd wir desto härter verbunden, ihre Elir lu uiirKii. £ — 
obachten. 

Mit diesem Gezänck, welches beyderMsiU tu. -.<-,. 

m Ijösen Gewissen überzeugten Hertnen n«u..-r - 

eins das ander zu betrügen und sich M.-iii«. *<:: ^- 



1 b-v ;K'i,303] J.:ß. SuLlan-[ll 1: 
riMi^X ly.']btui:hcn. ö Muii, ,\li . 
i03j'.'.i:,i;ß«i. ao bcecbifTviit. ; :'\ 




Sie « MtTMt m, AcAb tbm ■ 

»ar de äe, 

oUdte 

MiHFriba^w«id4ala iii«cr fciibJlii. iJaWe t 
h gwtett. MM Wc» UM ibi ke; 4ca Bwn na Bei k^ 





ficfale W«t krf&r, key ■* «ad »CMca Wob po^iM n cfWte 

b Ht aaBÖlhif alle For—lii zm encUra, rid weaigcr, wu wir 
fta TOrpreAglea ; gieMig isU, waaa am dai Ead ma Lied weiA, 
wddKi diecea lakatt haue, dsß er llgrgea fribe na PEnnr 

» fcbea, die SpoMiüi Tenichlai Ussea aid BscbgekcMb dW Bt&- 
fc« offeBäich ZBT Kirckea fshren solle, vwait daui so wol mem 
Weib, als der Fritz and die Bescbliesserin gar wol, ick aber im 
allerbesten zafrieden war, aoangesdwn ick Mick aaderst stellle 
■ul hock Bod tkener schwär, waaa ich der Beschliesserin nickt 

M fckokate, dieweil sie meinem Weib so nahe verwandt wäre, w 
wolle ick sie so nicht bey Ehren bleiben lassen , sondern Morgen 
alle beyde mit Spott and Schand zum Hanß kinanß jsgea. 

Hierauff gietig ich mit meinem Weib wieder zu Bett, welche 



2 Lifbfer] Xe LiebgPD. 3 im Belle] fehli U. 4 doppeJlcn [7 104] 
Adler. 1 1 geaeigur] H geneigt. 1 4 LnckcD-Vecbesicrcr, jll Z, 394. E J, 3i*] 
der. 2U alUr-eibirmlichitej U aller« lümlichsMii. 21 Wurt [X 504] h«- 



Umkä^u 



' Hit «iUi iu<Ji) f »r «tMtiilM «Ip mub» dorne« Sockst 

I 4 M'^i'ki« |4*|rl MM^iMMkM flai mmm beste* ■ 
Mj •«> \»U dvb I« rfi-t^i l'illMt 4» MM Ccfabr n besorfa. 
iiliili'fl. ilfliuilt44w«lafe»r«iMW«|HfihN«r»chlc Km*- 



I Ni yMMW »fr ftr Wiltor m «e Und, so ^ 

< ! in>li lltk4)IPIlWB«'L»dM HlHdHM Iwale, milÄcte- 

( " i,i<i't> ri| iii>'tiiin. If'h «Iv«^ kalli.' diBMkl nuincn rräo» 

.1 I. h-i l'n*|fMt<iirti<-(l, M-f(rb»r dMmhl melirftnUioiL« K- 

Mh liii*tiiii<t, (1itl\ Ml tili- VAtfi*! hfHohlbK^ und inr mit don H»- 

\iill ili'K fwiilfim hlflWdfffli^ii , wHrIm «llttin mcli d«na 

DiiIrollilK, tt*n |i4i fnetn N«plVAi*hi>l und wa» dsrtnn war. at> 

* nnit> iill'O M'tih Tltn n\t^\ MnirAhtm Miif.. 

^Itttln \\iA\i' M\l-h AU- Ml (fenAhort, (Uhnn ich meiner fc- 

tittAint'd hit\W\ hl Ai* lfAlTHe{ffi>T Mtr)m«)i1M<t[. räisDii munc. te 

KHUk nii'In NnAWr'^ct (pTn tntltrMtrtmmi-n , wnsU- «ber nickt 

\S(ii tti'l«, ilitnh Annti \f'hs btv mit NUl'. fto WHT ich ansid 

» W»» Wiiltii |i'(i Bliw mit Jcm«ml Iwbfm hmdlon könne», wsm 




li. 4. !■ 

»ich nicitt selien künto' Ich uuerüu' 
TOssL-n Bsllüu, Jsiiiil JH iulIiI'. vun av 
ml also auch viellt;ichl üu> ri-cnu' Mu. 
erloruii werUrii niikhU'. Iij. uurlin i 
•all k-icht ^esl«hk-ii nürui. »in.it i^l.i 
onk- man iliri nii-hl siriici.. ui'-.i v-,- 
alU; eint! Sattel - Tum ).. »iitm;. i ,. 
Üvgh- Gi'll ühi-r LaiKi zu lum>.... >. 
bnik'lM'liairi iiai'ljrut&i.'i-.-. l'u.'-.-.., . i 
iarU'ii. uiiil> riL-li(.-ii uhuiti. ^iui". < 
luiiii'ii-Zwk-lii-lii nutii iiK'ii: .\u..,i. ..' 
:b intrin Weih litri.'Ut'l. uui.' »m. .-"..l^ 
leiiivii l'uUmi freu Uli l'Ii um. i,:.yi....- 

<;r»;>riiL'iK'it. Su tjul<j kh hui. >.<! 

a ü(.:.U- idi ilk'>eiL.i: ^aU•■.- lur .. . 

iitiv!: lUiT ■.TL-llIi.-;. , Hau. I'.... ... . 

.e Mii-üiT. lia» [irulnii'. k.. •.:.,■ ... 
er 5atrieu Arl und ^\uiiikui^ .-... . 
err. >«i^st:ll MiDgi'ii. nL' iiiiti. .u, , .. 
(iti.:.uiiirf Süttol-TiJMi, i..-; >.,:■ . 
I. tr-. \..j,-iLl ui.U l..l«li,. ..'..- 



iclj . 



> .ViL. 



: I. icfliriKl. 

;vT ihn i-'-v 



l II, 4, 10. 

ich mir auß dem NaßtCcfapI rormirt hatte, tlarinn verwehrt bej 
mir tri^. 

Eltea (lamahl, als Ich in meinem (jarten-Häußlein mit ErkDn- 
HDg erst angeregter Art meines NaÜlüciileiiis geschäfftigr war, 
rete ich in dem zunächst neben mir gelegenem Garten , welcher 
em Tornehmen und reichen Herrn von der Feiier zustünde, em 
nbsbild mit weynen und seufftzen ihr Unglück beklagen. Sie 
■r etwas zu weit von mir und redet ihre Klag-Wort so heimlich, 
daß ich sie nicht verstehen konte, und der Tlatz, allwo sie lamen- 
Ijrte, lag just hinder einer Johanuis- Träubel Hecke, daß ich sie 
>ch nicht sehen muchte. Weil ich aher gleichwol gern gewüst 
ittc, beydes wer sie gewesen nnd was ihr angelegen wäre, ab 
n ich mein NaCtüchel zu mir und schliech hin zu ihr in Garleo. 
le, da war es der jenigen Frauen Jungfrau Baas und Kost- 
gerin, deren Ehe- Herrn dieser Garten zuständig. Ich wnste 
Bt za ertlnnea, nmb was änderst sie «oust bekämmen seyn 
kdnie, als daß sie vielleicht verliebt seyn mfisle; dana wedern 
Beichlbnmbj Jagend, Schönheit noch andern StScken, so eintr 
jungen Damen vom Glück in dieser Zeitlichkeit verliehea werdea 
M Bögen, gieng ihr das geringste nicht ab. Sie gebrauchte Cwievsl 
•ie sich stattlich hielte]) jährlich nicht die halbe Eiokänfften zn ihraa 
ITnterhall von ihren Gütern nnd GeßUen, die ihro bereits vorT 
oder 8 Jahren von ihren verstorbenen Eltern hinderlassen worden. 
Allem änsserlichen Ansehen nach lebte sie in einem vergnügten 
»Stand, daß schwerlich jemand hätte errathen können, was vor 
einen bessern sie ihr hätte wünschen sollen, und hatte über dal 
nicht nur ein halb dntzet rechtscbaiTener und wol-qualificirter 
Anffwarter, deren jeder ihre Liebe zo erwerben verhofflen, massn 
sich bcy so reich nnd schönem Frauen - Zimmer beydes Wittwer 
M und Junge Gesellen eben so häuiBg finden lassen, als Wespen und 
Hucken bey einem fetten Honig-Hafen. Zu dem halte sie die 
Wahl unter so vielen, obgleich der Geringste unter allen so be- 
schaffen gewesen, daß sie ihn vor ein Ehe-Gemahl zu nehmen, 
ihr gar kein schwer Gewissen machen dörffen. 



ö gelegensai) H golegencn, 6 reicben (X 507] Herrn. 12 wer [y ill] 
■ic. 28 er[Y llSJwcrbcn. yerhoffte] H verhoä^en. S2 ob[II 2, 397. KS.BST]- 



11. 4. 1 

Ii'li lialiß tnk'ti kaum uii ncti un uebi:-. 
mcn wvilcrs autllaustern nullt.', iii» hk iu e 
Frau Bnas huckon salic. di'- inr t.-iiciiitiii>^. 
Diesu halte ihn- llirndt' in niiuii'»-!' l"'>' m»-' . 
sie Relbsl diu Klnir tuiiri-lt-. uikj i^ui»- um. ju, 
dastißun Kus(.'iiiiHii<r si> i-ii'rr iin. i.<ii.' iii<ii< :•-. 
kuulu. du£> Sil.- duri'ii Aiiii:><-[i ii;ii<i.-i'.<> u... ^ 

uud Hill SL'UuiK-iii .MiLiciiK'ii u; j...:..... . 

jene noch riimici' lurt, iiai.< niiii!.. vh.l i..,c. .-. 
Boßfarbfii Whhüi'Ii eiiiiiiiiK.ii hin..- . i>i., 
Irüuklicho Worl haltt iuiiliL'i. id.-> ... »o.. 
merckeii ^i-west «bic. m.« o».. ,-.- -. 

Pamphiluiii beklaL'k' ■ uf>>t:i. in, - 

mehr Treu und GlaubL-n tunvti^^ . „. 
Hieritirt. 

lluhü, Cc'Uai'iil iuti. ueniL>.i>. 

brach irelitteii 

\Ya» ieli tredai'liii:. uu» kt<ij. t. 
noch »ul ein iiiehrerb. i(eijiii..i 
auf fiuk'lii.- Arlieil hÜjitLiioii i:^ uc 
wurde dL'Saeltiiüvii aum tin;. 
aicii eiiibJIdt-t. ihr JuiijiiJitu i'... 
licliers sdiiielleii, alswto ä. ... 

aolj^etruckk-ii Wurieii sil 

mehr nur inil we)iit'ii nkn.; . . 

geredt-lj rurkle i^ie uui 

der SU Ei'hiHerizl« ii »<...... 

trappen ihrttr Anluiiiiu;.. 
Lauft ihrer SeullUt-i. u ■ 
hemmen konli-. 

Was ist d<i>. Ju..^.- 
was vor einem Zusinti'. . 
mermehr Miizutrili' . 
ith dip Irsarlj i.ii:-.: 



n, 4, 10. 

ainb nelcLer willen euch kärlxUch cllich mal so übel worden. 
Geglehet mir die Sach nar bald nod s»g\ mir, wer der Vatler isl, 
damit wir b«Y Zeilen Ratb Ecbsffeo und euch vor künffliger Schind 
bewahren! Verbölet mir als eorer herten Freundla in der Well nnr 
nicht das ^ringste! dann gleich wie man zu geschehenen Sacfaea 
^s beste reden soll, also werde ich auch hJerbey thnn, was enrff 
■ächsten Anrenvandtin zu ihun gebnhrl, als die beydes an earcr 
' oder Schaud Theil haben maß. 
Die gute allzubarmhertzig oder za leichtgianbig gewesene 

* Jungfrau beolele bierauB' noch eine gale Weil hernach, ehe sie 
sich zu reden erholen honte; endlich aber sagte sie: mein Hoch- 
geehrte Frau Baas hat mich zwar niemahlen geheissen, was ich 
begangen, hingegen aber auch nicht vor dem jenigen gewamel, 
was mir begegnet, sondern vielmehr verhängt nnd zugelassen, 
» daß durch allzugrosse Preybeit und Gemetnmachung mit ihren 
Kostgängern Stroh und Feuer zusammen kommen, dardurcb icli 
armes, jutiges und unversländigs Ding leichllich in die Ehrverzeh- 
rende Flamme meines Verderbens geralhen. Der eben so dapITere 
nnd ansehenliche, als leichtfertig und Ehrvergessene Cavaliei 

t« Monsieur N. ists, der mich durch Vorgebung unerträglicher Liebe 
und Versprechung Ewig-wäreuder Treu betrogen und, nachdem 
«r mit grausamen Schwüren mir die Ehe zugesagt, mich meineB 
Jungfräulichen Krantzleins beraubt und mir also das, so Ich voA 
ihme empfangen, gleichsam eingelogen hat. Als er neulich s«> 

ts schnell von hinnen verräiste, schwur er mir hoch und tbeuer, d»D 
es darumb geschehe, umb unsere Eheliche copulirung zu bescbliw 
nigen; aber beut empfuhe ich ein Schreiben von ihm, darinnen ^9i 
mir notißcirl, daß seine Hoch-Adelige FreundschafTt, deren «ii«=i 
dieser Zeit Fürsten verwand, nimmermehr zugeben wolle, dsß ■« 

»u mich eheliche, und solle ich gleich noch so reich seyn, wie * 
dann jetzt genölhigl werde, ein Fräulein auß einem hohen Gi"^ 
liehen llauß zu hcyralhen, deren gewaltige Anverwandle er n^" 
vor den Kojff slossen dörffte, welches aber ohn Zweiffei mit GeE« 
seines Lebens und Verlust seiner ansehcnlicben Lehen gescik^^-- 

35 würde, wann er eine Person von niderer Geburt ihrer M«»-'" 

4 Welt [X 609) nur. 10 ehe [H i, 398. K 2, 396} lie. 12 Bau f"*" 
hat. 2e Iloch-|T ll6jAdelicbe. 35 Mumen] XH Marne. 



Jarvon sagen oJlt mir Burrücki-n wollen, so weiß ich, daß er 
B«lbst v»r mich schweren , <>inen solchen Anbringer als den ärg- 
sten Verleumbder vcrful^on und ibn die Logen vor die Warheil 
(furcli einen WiderrulT zu bekennen zwingen würde. 

Ich maß ofn selbst lachen, wann ich daran gedencke, wie 

trtijch mir der Belrug ahgangen und wie mitleidenlich sich mein 

in geslellel, als ich mich die erste Nacht bey ihm im Bett so 

el gehube. Und also, liebs Bi&gen, müsl ihrs nur auch aachen, 

dtim ich sehe hierzu einMl keia ander HitteL Idt wifl eatk n 

M mäaa md enrer Hntler SeeL Terwillibten Schwester nach N. 
whicken, bey welcher ihr euch heimlich aufhalten könt, biß ihr 
eurer Leiba-Bürde entladen seyn und wiederumben eine lebhafte 
Färb bekommen haben werdet Sie wird das Kind acbon versor- 
fsn helfen. Alsdann kÖDl ihr wieder zn mir hieher koouaen nu! 

1» bgends mit einem aiiß earen Auffwartem einen ehrlichen Heyratk 
Ireffen, dem wir alsdann, gleich wie ich meinem Haan gethaa, 
schon das Aug verkleiben wollen. 

Die jnnge Dame höret diesem Discnrs mit solcher Andacht 
so, daß ihr das weyneo allerdings darron vergieng. Sie bedanckte 

M sieb deß gegebenen guten Raihs gegen ihrer Fran Basen nnd 
versfffach demselbigen getrenlicb Folg zn leisten. Ich aber be- 
trachtete die viellatlige Beirflgereyen deß arglistigen Weiber^ 
Voicks mit Verwunderung, die ich so wol von meinem eygeilbn 
Weib und ihrer Beschiiesserin , als dieser so ansehenlichen Fraoea 

M Kraft meiner Unsichtbarkeit in so knrizer Zeit wahrgenommen. 
Ich gedachte aber gar nicht daran, auch mich selbst zu straffes 
und zu bedenckcn, wann kein leichtfertiger Bub wäre, daß als- 
dann auch keine Ilaren seyn würden; Sondern ich setzte mich Tor, 
mich der Gemuinschafn aller Weiber hinfort zu enlschlagen und, 

so damit ich ein Zeil lang von der meinigen seye, nicht allein ehislens 
nach Leipzig in die MichacliMeß, sondern auch von dorten eine 
Zeit lang gar nach Amsterdam zu räisen, allwo ich ohne das be- 
kand war, indem ich daselbsten vom neundien biß in das siebea- 
zehende Jahr meines Alters aufferzogen worden und den Anfang', 



8 gohu[T USJbe. 12 teyn] H seyd, und wiedernmb. 34 Frauen [t 'M) 
Kraffi. -iS Aach] fühli XH. mich] XII mir. 30 Zeil] H Zeitlang nur tob dtr 
[U 3, 400. K 2, 400] mcinigcn. 31 eine [X M3] Zeillang. 



■r 



DAS KI.FTE CAPITEI.. 

Wts ist rieh nuD ZD versehen? kompl Krieg oder bleibt 

der Fried? 

DA iefc nach Amsterdam kam, war das Wort oder die Fra^: 

• WM nemf? ztiisclicn jedermsn SO gemein, daß es schiene, als 
wann die bochmrizende Herren Staaden der Vereinigten Nieder- 
landCB Ml^es den ihrigen zn einer Losung geben hallen. Ich 
«orgte «nKni'lich, als ichs allein von meinen alten Bebandlen so 
eomiaairlich zu mir reden hörele, sie möchten vielleicht Nacbricfat 
haben, daß ich mich so aulT eine seltene und wiedemmb ganlz nei 
gewordene Weise unsichtbar machen könte, dann es halte ntdi 
kau« einer hdssen Will kommen seyn, so kam er gleich mit dieser 
' Frag aaffgezogen, ohne daß er einmal gefragt hätte, irie ich lebte, 
wie arin gicng, was ich da zu verrichten, und dergleichen. Dem- 

it nach icha aber mit der Zeil, so Erfahrung bringt, beym Liecbl be- 
uhe, wnrdfl ich gewahr, daß es dammb geschähe, dieweil sie b^ 
sorgten, der Aller- Christlichste König möcht ihnen in die Haar 
geralfaen, als der da, wie sie es darvor ansahen, aocb ein rei- 
cher Kauffmann werden oder sie auffg wenigst der Landen md 

so Leu(, die sie als geraeine Krämer besessen, entsetzen nnd solche 
ihme als einem König, der zum regieren geboren, zueygnen wolte. 
Wie ich nun mercklc, wo diese Niderländer der Schuh truckei 
wolle, gab ich mich zwar als ein Hoch-Teulscher, den die Sack 
nichts angienge, umb etwas zu frieden, gedachte aber doch der fol- 

15 gerey nach und was endlich meinem Vatlerlsnd darauß cuwachseD 
möchte. 

3 Friedl XH Fried. 

Unnützcti Dingen nacbzagriebelQ, 

Macht nur den Kapfl' Toll Narren wibelo. 

» allein] TcbltXH. 13 au(1'gc[7 l22]zogta. er [X&13] einmal. 23 Hocb- 
TeDt[H 2, 401. K 2, 40IJ>cbGr. 



n, 4, 11. 561 

Indein ich mit diesen Gedanclien unibgieng, fragte ich mich 
selbst, obs wol Krieg würde oder nicht. Aber solche meine Frag 
zu beantworten, bedunukle ich mich viel zu gering und weniger 
■Is nichts; Dann diß gebührt den Propheten ond zwar nicht allen, 
» sondern allein denen , welchen es Gott (die Menschen za warnen} 
offenbaret Ich weiß nicht, hat mich die Angst oder der Fürwilz 
getriebun, ein solches künlTlige zu wissen, Ob gleich ich Narr 
ohne das wol WDStc, HalS ihm der Allerhöchste solches zu wissen 
sich allein Torbehaltcn. Ich hätte gern einen Jeremiam gefragt, 

10 aber da war kein Lebendiger oder einer seines gleichen vorhan- 
den, der mich cunteiittrL Su wüste ich avch von keiner Heydni- 
schen Sybiila, die mir hiervon mündliche Nachricht hSlIe geben 
mögen. Derowegen giengc ich zu d<!nen, welche vor uralten 
Zeiten hero Chaldscr genannt worden, und kauffte mir wol sie- 

19 ben dulzet Calender ihrer unterschiedlichen üiscipuleu oder Nach- 
folgeren, die selbige in Truck hatten lassen außgehen. Ich faiidf 
aber eben so viel wider einander hiulTende Vorsagungen, als i'ru- 
gnosticanten, eben so viel geschraubte Reden, als AuthureK, Ith 
will schier sagen: eben so viel Lügen, als Wahrsagungen (Itti- 

10 von. Gleichwo] quälete mich die curiusiläl noi'h imuivrbiii umi 
ich glaube, wann damals der fuhrende Schüler vorliandcii gcHcat'n 
wäre, der mir zur Unsichtbarkeil gcbiitlTen, daß ich ibm gtmi en 
dutzel neue Gülden -Tlialer gcgchcnrkt hätte, wann er mir inti uus 
Hirn mit noch mehren sokhnn nii^liligen Grillen erluguni^r \uif.> 

9S gungen erfüllt halle, ob mir glvicbwol bekand war, iJai:> A|«>ji' 
selbst vielnial gesagt zu denen, die ihn gefragl: 
Wiu bcmllhl ihr lulcli tiii4 viicli uuiUsimai / 
KilniTiis» iii iliucn int iiicln iu<:iii Kuuri- 

Diescs alles brachte mich dannoih niclil auß dvut ^|iii i. ,.< 
3'i vorwitzigen riianlaslen, geschweige, ilalj e« mitb y<<i «»:. m^...- 
Kranckheit curirl und lilierirl haben üullc, buiiticiu im .■'lon..' 
Tag und Nacht iiHub meiner VergiiUftunt;, nie tlic AIcIiukim« .. ua- n 
ihrem Lajiide, gleichsam als wann iili sollisl LoiKi uim Lmi, bci-p 
Ut ond Krön darüber in Gefahr üvl't VeilubK bli>.... uiuaM.ii. <ii' . 
::. wurde so blüd-hirnig darüber, iinii ciiir: , u--. i.u ^ itur hh< '< 

4 ■!- i'T 133J tiicLla. \b ul | X .1 . , ..i..,. .. .■'.' t;l- !■ 1 ■ 



I II, 4, 11. 

tigL'n so ernstltch laatTen und so eyferig fragen hören, micli ^r 
nol mit guti Gewissen und ohne Begehung einiger Todsünd in 
die Boll jptNarren schreiben mögen. 

n. .nein tosament genommen bey einer Matronen, die 

verlehnen pflegt. Das war eine Kammer sanipl einer 

t, dessen ich mich nicht schämen dörffW, wann ansehen- 

L.eut kamen, mich zu besuchen; und alsdann manglets mir 

r an AufTwarlern oder AulTwarterinnen, dann diese Alte halte 

scbier mehr Dienerinnen als Losamenter zu verlehnen und de&- 

ft wegen auch einen großen DberlaufF von allerliand Stands Manns- 

Peraonen, denen man nicht zugetraut, daß sie sich solcher Gestalt 

bedienen zu lassen benötigt. Dannenhero bekam ich in bälde obn 

meine alte Bekande noch viel unterschiedliche Leut in meine Kund- 

scliain, die mir bißweilen zusprachen und ich ihnen hinwiderumb. 

iGS aber geschähe gemeiniglich mit geringem Unkosten, dann 

Msen, Inincken und spielten nicht so starck, wie es in meinem 

I jmeth zu gehen pflegte, sondern kamen die mehristc mal nur 

auiT ein Preiff Taback und Trunck Bier zusammen. 

Auffeine Zeil war auch ein solche GesellschalTl bey einander, 
!D fünir Holländer, ein Hamburger, und ich war der siebend, und ob 
wir gleich, wie oben gemeldet, so starck nicht soffen, so zechten 
wir doch so viel, daß wir BierscheJIig darvon wurden, in welchem 
Stand man gemeiniglich olTenhertziger, als wann man Blind voll, 
and vertraulicber, als gantz nüchtern, zd reden pflegt Ali wir 
s nnn ein hngs und breits von der HandelschafTt geredet, dann wir 
waren allesampt KaalBeut, sagte einer: wir machen wol niuere 
Anschldg von den Kauffhändeln , wissen aber nicht, obs Friedea 
bleibt oder nicht, Als welche in Kriegszeiten ehender den Krebs- 
gang, als ihren erwünschten richtigen Lanff gewinnen. 
DarauiT antwortet ein anderer Holländer: wer wolte uns den 
Krieg ankünden? Wir stehen mit Hispania und Engelland in der 
So Sanct^ geschlossenen TripleAlliantz; Wir haben enDennemard 
einen getreuen und gleichsam verbundenen Nachbarn, ans anff 
alle widerige Ffill beyznstehen; der König in Schweden ist noch zn 



1 Brn«aich [r 125] lauffen. 6 a.niohealicbe [B 3, 403. K 2, 403) LeaL 
■ich) fehlt H. 15 Solches [X S15] aber. 16 ItuucIibd] H trancken. nei- 
E [y 126] Uefmctfa. 21 gemeldet) H gemeldete. 33 geiteuen [r 127} und. 



II, 4, IL 583 

jung, uns in Person würcklidi anzutasten, und die Ministri selbi- 
ger Krön werden sich bedencken, mit uns ein so schweres Werck, 
wie der Kricf Hl» auofehea, als welches sie hernach, wann es nicht 
Mch Wnneh «nfinckligei in Teranlworten, so ihr König das Alter 

s ariniigtj nMckreich isl nichl Hanns genng , tns n Abemieistem, 
daniMch genagsam bewnsl, wie langen Widerstand nnd mit was 
▼er Irelichen progressen unsere Vorfahren der michligen Krön 
Hispanien gethan, nnd xwar, welches am mehristen lu observiren, 
als selbige in ihrem allerbesten Flor gestanden, die unserige aber 

la vor Bettler gehalten worden. Über das haben wir eine unvergleich- 
liche See-Macht, die nimmermehr kein kluger Potentat verachten 
wird , and seynd mit Gelt 90 versehen , daß wir den Krieg beydes 
n Wasser aad Land eine lange Zeit continuiren mögen, also daß 
gnr nidit vemiathlich, daß wir sich eines Kriegs su vorsehen. 

IS Diß war deß einen Hollanders richtiger Schluß, aber der 

Ander sagte darauff: diß alles, was der Herr vorgebracht, kan 
aas gleichwol keines beständigen Friedens versichern. Die Triple- 
AUianti scheinet zwar hierzu genugsam zu seyn; aber erinnert ihr 
each auch, daß wir eines Theils mit einem mächtigen Monarchen, 

10 der mit uns ungleicher Religion, zumahlen ehebevor unserer Vinr- 
EUem natüriicher Herr gewesen, andern Theils aber mit den Bn- 
gellindem, der aller variablest und wanckelmaihigston Nation von 
der Welt, zu tbun haben? welche beyde mit unserm Wolstand und 
Gläckseligen Prosperität eyfem. Solle jene gewaltige Krön wol 

IS iLoinen Schmertzen und Widerwillen empfinden, sondern uns noch 
mit getreuer Wuigewogenheit zugethan verbleiben, wann sie daran 
gedenckt, daß wir auß ihrem Gehorsam geschritten, ihnen zu 
Wasser und Land und zwar nicht allein in Europa , sondern auch 
in Africa, in Ost- und West- Indien, ja gar biß in den dussersten 

so Enden der Welt so grossen und gleichsam unAberwindlichen Scha- 
den gelhan, den sie nimmermehr einbringen wird? Diese aber, 
ob sie gleich unsere Nachbarn und Reiigions- Verwandte, solle sie 
wol in die Länge ohne innerliches Grißgranimen gedulden kdnnen, 
daß wir gleich ihnen das Meer bcschiffen und geniessen und auff 



1 1 Seo-Macht, [X 516] die. 13 lange] fehlt U. 15 [7 12S] Diß. 16 An- 
[H 2, 403. K 2, 403]dcr. 26 init] II nicht. 80 En[7 129]dcn. 82 Bolto] 
XI [ tfoltcu. 



, U, 4, II. 

■selbigen '■■irch unsere See-Macht mehr, &ls sie svibsten, pro- 

B|tcriren, <' tn sie doch ehebevor allein der bÖi:hglv Herr lu 

Sf!vn si' bildet? Gebrüder, von einerlei Ellern auß einerley 

pflegen sich wegen der Irdischen Reiche und Für- 

.u cnlzweyen und endlich dergestalt tödtlich zn tct- 

offt keiner auß ihnen anderster, als mit deß sndcrn 

liem Untergang und Tod befriedigt werden kan. Solle sich 

solches nicht auch viel leichler zwischen Nachbarn wegen 

herrschung deß Meers zutragen können? Die Behauptung dcß 

V— uieyntlich Meinen und Deinen verursacht alle Krieg und dem- 

h ist unsere TripleAHiuntz so fest und sicher nirht, als uian wol 

(TL-denckL 

Also auch, sagte der Dritte, ist sich aulT Dennemarck so fest 

"iHit zu verlassen. Könige seynd Geringem ungern verbunden, 

-ir gleich derselben Krön einen noch grössern Rculer-Diensl 

und eine doppelte hochniögende Staadische Macht hätten. 

eden belrelTend, seynd die Könige keine Kinder, wann sie 

) lieh noch in der Wiegen ligcn, sondern im Gegeniheil ist selbige 

! ion ein Kriegerisch und im Krieg, auch da sie nur von Wcibs- 

10 Bildern regiert worden, ein Glückseligs Voick bißhero gewesen, 

dem die Dähnische IIüllT, so wir geleistet, ohne ZweiflTel als ein 

heimlicher Groll noch unverdaut im Kropf! liegt. 

Der vierille Holunder sagte, Franckreich sey nicht za Teracb- 
len, welches, wenn es die WalTen einmal ergreiffe, so langsui 
IS und kallsinnig nicht wider die Vereinigte Niderland kriegea wärdfl, 
wie ehemahlen Hispanien gcthan; Es hätte seine Macht beysas- 
nen, deme man nicht die Senn-Adern deß Kriegs, wie vor Zeilflft 
den Hispaniern in den Indien widerfahren, so leicht würde ab- 
bauen können; Ihr König wäre einer von den Großmülhigsteu, 
» dessen hoher Sinn auch die Herrschafn über die gantze Welt n 
erhallen, weder VemunDl noch Gelt noch Volck sparen w&rdei 
an welchen dreyen Dingen ihm mit nichten etwas gebrecbe. Daft 
man aber vermeynen wolle, weil die Vereinigle Niderlande sieb 



6 «1b(X51T] mit. 10 venncynllicb] U vermeiDlIichen. 13 [t130] Atw. 
IS Suadische] U Suatiache. 24 liDg[H 2, 404. K 2, 404]aaiD. 2b Nider- 
land| XH Niederlande. 27 Kcnn-Adctn] XU Seliu-Adern dca. 3& abbaooi 
'-laiJkSDiicii. 



n, 4, 11. 565 

nß dem Gebomm der Hispiinischen Könige eben damahl cnlhalff- 
tert, ils selbige Krön am mächti^ten gewesen, unsere Vorfahren 
hingegen aber nur vor Bettler gehalten worden, etu;n also wür- 
1«! sie anjetzo aach der Krön FrsnekreJch Iciclil widerstehen mö- 
len, bierinn würde man sich betrogen finden; dann daß damahls 
üe Vereinigte Niderland ihre Freyheil erhalten nnd bisher be- 
hanplel, seye mit nirhten ihrer darnnhligen schwachen Stärrk oder 
eygenen DapfTerkcit, sondern bcydcr Kronen Franckrcich und 
Bngelland assislentz zuzuschreiben, ohne welche die Staaten von 
Holland nimmermehr so weit hinanß hätten langen mögen. Ohn 
ley es nicht, es hätte zu selbiger Zeit geschienen, ob wolle sich 
die Krön Hispanien zur Beherrscherin der gantzen Welt machen, 
also daß sich billich zu verwundern, wie die Holländer einem so 
Bfroßmächtigen Gewalt nicht allein entgehen, sondern noch darzu 
denselbigen schwächen, Ja gar, so viel ihnen vonnüthen, übcr- 
irinden mögen; wann man aber bedencke, daß alle Potentaten, 
ilenen die grosse Spanische Macht verdächtig war, sich auch eben 
leßwcgen dem Hauß Oestcrreich widersetzet und demselben sonst 
öberall geAug zu tbun geben, so wird die Verwunderung bald 
fallen, die man nmb deßwegen haben möchte, daß Holland und 
die übrige Vereinigte Provintzcn Trey und groß worden. 

Der fünO^e Holländer antwortet liieraulT, es scy ihm, wie ihm 
wolle, diß seyen als alte dachen, die hielier weiters nicht gehöre— 
ten, als daß man beyläuIGg darauß abnchoicn könte, wie es mit 
Franckreich ergehen möchte, wann es sich unterstünde, die Ver- 
einigte Provinizen unter seine Krön zu bringen; so viel anselien- 
liche und zum Thuil gleichsam unüberwindliche Vestungen Hessen 
lieh nicht so bald, wie ein kalt AplTelinuß verschlucken, viel we- 
niger verlauen, oder so leicht belmupti<n, als erobern ; Über das 
seyen die Vereinigle Niderlund ein Solches Tuttes Bißlein, welclios 
die übrige Christliche PotenttUcn der Krön Franckrcich schwerlich 
gönnen und gedcyen, viel weniger gar zukommen lassen würden, 
in Erachtung, wann deren König ihre See-Macht und Gell-Mittel 
mit seinem gewaltigen Vermögen conjungiren solle und, wie sich 
ohne allen Zivciffel zu versehen, durbenehens sich der gewöbnli- 

ü finden; [X blB] daun. U niuhtl 11 liicln, (fuhr Ei fort) ci>. Vi "ir 
[Y 132] DuliciTBcberiu. 13 wird] ?«i:rd(;. 2B nicht [f 183] »u. 3C uhiit 
[II 2, -105. K 2, 4UÜJ ulluQ. 



II, 4, 11. 

cheo FraoUdsischcn Tmctiquen bediente, daO alsdann kein König, 
ja das 7f e Käiserthumb selbst ihm schwerlitli mehf bastand 

Beyn k ann er einen nach dem andern gleichfalls tuider- 

:5er Holländer seine Meynung rorgcLrachl, gab es die 

, daß nun der Ilainliurger reden solle. Der sagle: Unser 

war, ob es Frieden bleiben möi-hle oder niciiL DaraulT will 
. .«einem geringen Verstand nach antworten, daß sich Holland 
I 'entlieh eines Kriegs v(m Franckreicb zu versehen, dann worzv 
I sonst selbiger König so gewaltig armircn? Hispanien hat er 
ii«ereit genugsam berupOt und kan derselben Krön Gedull und 
üersehen ferner zu miljbrnuchcn keine prxlension unter einigem 
itext oder geringsten Schein der Billicbkcit mehr finden. An 
Si;hweilzer wird er sich dieser Zeit schwerlich reiben. Dos 
he Beich anzutasten, wird ihm nicht rallisam seyn. Schwe- 
. (dt sein Freund. Mit Dennemarck hat er nichts zu schaffen, 
er ist dann nun noch sonst ohne den Slaad der vereinigten Ni- 
derland vorhanden, wider welchen er seine Walfen wetzet? Als 
mit deren Gcsundlen er auch allbereits Disputen anfungl. Ich sorg, 
»ich sorg, und Golt gebe, daß meine Sorg vergeblich sey! ihr 
Holländer werdet ein blaues Aug darvon tragen müssen, so fem 
es anders noch so gnadig abgebet; dann ich sehe, daß ihr sieber 
lebt, gleichsam als wann sich der König in Franckrdch nur blAIV- 
lich vor dem Geschrey and scheinbaren Namen Eurer Hochmög^ 
IS heit entsetzte und encfa, weil ihr bißher onfiberwunden blieben, 
nicht einmal anwenden dürffte. Ihr selbst zweifelt »n der Triple- 
Alliantz, und wie bald ist auch solche durch ihn zu zerstören, 
wann er der Krön Hispanien wieder gebe, was er ihr bißber ent- 
wendet, und sie dardurch persuadirte, mit ihm die vereinigte Ni- 
M derland Schwägerlich zu Ibeiten? Über das sehe ich Caber lA 
bitte, vergebt mir, ihr Herren, wann ich hier die Warheit tag] 
euren grossen Hochmut, welcher von weitem scheinet, als trägt 
ihr gar kein Scheu, einem jeden gewaltigen Potentaten Geseti 
vorzuschreiben, welche Holfart die Fürsten kitzelt und gemeinig- 

1 aladuD [X 619] kein. 9 dann [y 134] worin. IT NidcrUndj XH Ni- 
4erlM)den. 19 allbereitB) XU sllbereitn lu disputin-ii. 26 nichl [j 135] eii- 
imL 33 Oeseti [X 520] votiusch reiben. 



11, 4, 11. 587 

lieh im Fall prophezeyeL Allein zweifelt mir nicht, nachdem das 
Kriega-Feaer bey ench auffgangen seyn wird, daß ihr beydes 
dorch eoer Gell und Klugheit den LauflT von dessen Flammen an- 
derwirta hinrichten werdet 

Das glaube ich auch, antwortet ich hieraoff; dann man kan 
sidi noch erinnern, wie manchen Feind die Hollandische Vorsich- 
tigkeit durch ihr Gelt dem Hauß Oesterreich ins Teutsche Reich 
fibem Hals geschickt, als Spanien noch hiebevor mit Holland Krieg 
fohrte, damit dasselbe anderwärts genug zu schaffen haben und 
alfo die Vereinigte Provintzen mit zusammengesetzter Macht nicht 
widernmb zum Gehorsam zwingen möchte. Zu dem sehe ich un- 
sere Nation zur Göttlichen Straffe allerdings zeitig seyn, als welche 
durch allerhand Sund und Laster, beydes von Alten und Jungen, 
TOD Klein und Groß, arm und reich nicht nur schlechthin einge- 
laden, sondern gleichsam mit Gewalt herzu gezwungen wird. Ich 
will nicht allein nichts sagen von Hoffart, Neid, Geitz et c. der 
alten und der grossen Statte, sondern will auch schweigen von 
der Üppigkeit und Gottlosen Leben unserer ungezogenen, unbän- 
digen, leichtfertigen und gailen Jugend auff den geringen Dörffern. 
Man gehe nur in deren eins, wo solche Bursch beym halben oder 
gantzen Rausch beysammen seyn , so wird man öffentlich solche 
Sachen sehen und hören, daß der Himmel darüber erschwartzen 
möchte, worauß ohnschwer zu errathen, zu was vor einer Gött- 
lichen Heimsuchung unsere Landskinder ihr Vatterland bequem 
und reiß* machen, deren ihr vielleicht den Anfang geben werdet 



1 sweifeh] XH xweifelte. 5 antwortet] H antworte. 8 fibern] H fibcrm. 
loch [y 13GJ biebcvor mit [H 2, 406. K 2, 406] Holland. 14 reich] X reiche 
liL U reichcD, nicht. 19 geringen] U geringem. 25 werdet] XÜ werdet. 

Die Schönheit [H Sicherheit] bringt Schand und Schaden. 
Doch ist die Welt meist mit beladen, 
Und will ihr selbst nicht lassen rathcn. 



II, 4, 12. 



DAS ZWÖLFTE lAl'ITlir.. 

Das beste MiUel vor die Kriegs-LSufle wird gesucht und 
gefunden, das sctilimsle aber wird erwöblet. 

NAchdem ein jeder darvor hielte, es würde einen Krieg zwi- 
5 selten Franckreiüh und Holland setzen, der sich endlich über ganlz 
Europam außlirciten dürlTle, schiede meine GesellüchafTt von wir 
and ich gedachte aulT Mittel und Weg, durch welche ich sicher 
dessen gefährlichen LäulTen entrinnen möchte. Ich hatte von 
einem alten Praclicanten gehört, daß sich umb diese zeit unsurs 

10 Seculi ein Krieg in Teutschland anheben und zuletzt in Frsnckreich 
enden, auch daf^ der Römische Kaiser dem AUer-Chrisllicbstcn 
König 6 barter Streich versetzen würde. Derowegen gedachte 
ich wül, sulcher Krieg würde auch das Römisch Reich und alsu 
auch mein Vatlerland tietrefTen, deswegen ich umb so viel desto 

IS Sorgsamer war und spintisirte, wie ich eine nanihalTte Summa 
Gelts in Goldsorten, das sich genau zusammen packen läsl, zur 
Zehrung zuwegen und sampt mir und den meinigen in die aller- 
beste Sicherheit bringen könte, so ich vermittelst meiner tJnsichl- 
barkeit auch wol ins Werck zu richten getraute, zu welchem Ende 

m ich ubnverweill meinen Anschlug auf einen reichen Purtugesischen 
Juden macht, der, wie man ins gemein durvor hielte, die Samina 
seines grossen Vermögens seihst nicht wüste. 

Ich machte mich unsichtüur und kum in sein Hauß, darinnen 
außzuspüren, wo diu beste Schiit^e lägen, dorlTle glcichwol aber 

« nicht se laut seyn, als wann ich darinn daheim gewest wäre, dt- 

1 [-r 138 statt I3T. X 521] Dm. 3 erviULIet] XHK crw&hlet. 
Aus Lieb vernarrt der Hertz nnd S'wn, 
Und wirfTts auf eine Jüdin hin. 
4 ein] HK nun ein. 8 I-iluffti.] IIK LHulTtcn. II Aller- Chris llichsten] 
X AllL-rCbrietlicIii:». 13 also] fehlt XII. 14 deß[ll 2, 40T]wcgca. 15 oam- 
Ufflo [t 13B] Summa. lü gefK 2, 4Ü7]uau. 24 lägen] XII t«geii. 



Ilf 4, 12. 389 

mil Bewe wnichlbare Gegeawarl nicht Termerckt vnd also mein 
Anschlag n Waaser werden möchte. Ehe ich noch mm HanA 
kam, hdret ich folfenden Anfang von einem Liedlein singen, wel- 
ches ich vor ein ohnfehlbares Omen hielte, daß der Krieg eygent- 
5 lieh Tor der Thir seyn muste, und dammb ward ich aoch desto 
gellissener, mich bey Zeiten in besacken. Das Lied hab 
a|so an: 

1. 

Der Simplex vnd der SpringinsFeld, 
10 Die Kerles haben bejd kein Gelt 

Und will ihn auch kein Wirth mehr borgen; 
Dnmb leben sie all bejd in Sorgen. 

S. 
Ihr Br&der, habt ein guten Muthl 
15 Eor Sache wird bald werden gat. 

Man spfihrt es an der Leute Leben, 
Daß es bald muß ein Krieg abgeben. 

Der nachfolgende Inhalt erzehlet allerhand Stands - Personen 
Gottloses Leben und machte endlich den Schloß, daß ohne Krieg, 

to PesI und Hunger die Well nicht wiederumb gebessert werden 
möchte, und ob gleich die Reimen von schlechter Kunst auff gut 
HansSacfasisch geschmidet, so war doch der Inhalt so Yernnnflt- 
massig, daß ich sie wie eine unfehlbare Prophezeyung zu Hertzen 
ziehen muste, wiewol ich sonst nicht so gar Abergläubisch zu seyn 

» pflege. 

Da ich nun hin und wieder im Hauß, so ich gar wol einen 
Pallast nennen kan, herumb schliech, fände ich dasselbe gespickt 
mit allem dem, was reiche Leut zu haben pflegen. Nur das baare 
Gelt konte ich nicht zu sehen bekommen, weil selbiges sampt vie- 

to len Klenodien in einem Gewölb auflfgehoben und von etlichen deß 
Schlossers starcken Hunden verwahrt war; und derowegen muste 
ich bedacht seyn, die Schlüssel darzu beym Kopff zu kriegen, zu 
welchem Ende ich alle Zimmer durchschneuckte und in deren 
einem ein Weibs-Bild ein Wehr-Gehenck mit Gold, Silber und 

15 Perlen sticken fände, über deren unvergleichlichen Schönheit ich 



2 werden [X 622] möchte. 9 [y 139] Der. 12 Drumb] X Danunb. 
all] XH alle. 29 sampt [y 140] vielen. 34 Weib8-[H 2, 408]Bild. 86 lob 
[K 2, 408] allerdings. 



I li, 4, 12. 

Ilerdings erslaunele, dann sie war so aulibündig' und unbeschreib- 
lich schön, daß ich mich nimmermehr überreden lassen oder glau- 
ben ki ein Mahler In der gantzen weilen Well eu finden sey, 
r er Bild mahlen könne. Ihre schwarUbrautie Augen 
)n dermassen mit Liebreitzcnden Blicken, daß sie genug- 
(^ewescn wären, die gantze Welt mit Ltebes-Flemmen zu enl- 
iden, so fern dieselbe nur so wol aulT die Augen der Maniu- 
der, gleich wie aulT die schöne Perlen-Arbeit ihrer Alabasternen 
Hände loß gangen wären; Dann gleich wie sie Selbsten über sol- 
10 eher ihrer außbündigen Arbeit oder vielmehr Künstlerey eine 
Freud und hcrlzlichs Wolgefullen hatte, also gab sie derselbigen, 
als einem Ding, das sie hertzlich liebte, gleichsam mit lächelndem 
igesicht manchen inniglichen Blick, welche so beschafTen waren, 
l ihre KräDTte in einem nun durch die Augen deren, so sie aulT- 
'angen, in das innerste der Hcrizcn tringen müssen, selbige mit 
he zu fesseln, und solten sie gleich von hartem Stal, ja gar 
n kaltem CrystaU und Diamant gewesen seyn. Als ich gleich im 
ersten Anblick, da sie eben in solcher Andacht gegen ihre Arbeit 
begriiTen und deswegen Stockstill sasse, wernam, wie künstlich 
1(1 und schön die Hochweise unter die liebliche Rosenfarb in ihrem 
ohne das überauß aulTs schönste gebildete Angesicht gemengt und 
außgelheilt war, zumalen sohe, daß ihre Lippen wie mit hoch Spa- 
nisch Leibfarb gemahlet hervor schienen, gedachte ich, das gantse 
Bild möchte irgends eines Kunstreichen Meisters bestes Kunstsldck 
M seyn, wie man dann dergleichen Bilder, in LebensGrösse von Wax 
bossirl und herrlich gekleidet, chemahlen in Tentscfalsod bemoib 
geführt und umb Gelt sehen lassen. Aber als sie sich wider be- 
wegte und zu sticken beguntc, war mir vor Verwandemng nidil 
änderst, als elwan dem Pygmalione gewesen seyn mag, da sebiem 
u schönen Jungfräulichen Bild, sd er gelbst auß Helffenbein nm 
fleißigsten verfertigt, von der Venere eine lebendige Seele einge- 
gossen worden. Ich stund gantz entzuckt oder in Warbeit, besser 
zu sagen, gantz vernarrt da und konte mich an dieser überinißi- 



2 k«ecii [X 533] oder. 4 scbwartzbranne] XH tchwftrtibrknneD. II heiii- 
[f I41]lich8. deraelbigen) XH dergelLen. 13 mRncben] XH manche ionig- 
liohe Blicke. 16 sie] X sicli. S1 gebildete] XH gebUdetm. 37 ■ehen [y Ul| 
iMsen. 29 Pygmalione] -jX Pygmalione. 




ri, 4, J2. 

gen SdiönliL'it weder snti sehen noch mich genugsam darüber ver- 
wundern. Nichts Jüdisches konle ich an ihr abnehmen, als etwas 
gar wenigs an ihrer wolTormirten Nase, welches ihr aber in mei- 
nen Augen mehr als eine Ireflliche Zierd laugte, als daß es \ot 

i ^ie Signatur einer Jüdischen Physiognomie gehalten halte werden 
sollen. Ihr Geschmuck in den Haaren, umb den Hals, ihre Ohr- 
gehenck, Ring und Armbänder waren von hohem Werth, ihre 
ranlolfel wie das Wehr-Gehenck, das sie stickte, und ihre Leibs- 
Bekleidung von solchem Zeug, dergleichen Privat- Personen nicht 

lü alle Tag zn tragen pflegen. Ihre Zucker-Ballen hatte sie hinlässig 
eJDgepriesen und dahero belustigt mich deren aufT- und niderstei- 
gen am allermeisten, wann sie athmet; und in dem ich solcher 
■nassen den Vorwitz meiner Augen contentirt, solTe ich mit den 
Stärcksten Zügen ganlz unvermerckt dos süsse GiiTt der Liebe und 

1% norde solches nicht chender gewahr, als biß ich weggehen wolte 
und doch das außbündige Bild Ley nahe nicht auß den Augen las- 
sen kante. 

Ich war bereits verehelicht und hatte mein Tage schon manche 
BulachafTt bedienet, welche GeschäKte dann gemeiniglich auß An- 

[> regung der Liebe gelrieben werden, niassen ich auch, dieweil ich 
also mit der Leim-Stange geloiren, genug mit derselben und ihren 
Passionibus zu schalTen gehabt; aber lauter Schcrtz und Kinder- 
spiel deuchte michs gewesen zu seyn gegen dem, was ich jelzun- 
der überstuude; dünn nachdunie ich diese Jüdische Jungfer ein- 

1= mal gesehen, hatte ich weilcr Tag noch Nacht keine Ruhe mehr, 
kein SchlafT kam mehr in meine Augen, alle lustige Gesellschaften, 
die ich doch mit Fleiß suchte, meinen Kummer zu vergessen, wa- 
ren mir zuwider, mein ganlzes Thuji war, mich mit Schmertzen zu 
speisen, mit schwermüthigen Gedancken zu schleppen, mit aller- 

D band Klagen eyteler Mühe, Verdruß, mancherley tieffen Nachsin- 
nungen and sonst mit tausenderley Phantastischen Thorheiten und 
närrischen Anschlägen, meiner Geliebten zu geniessen, mich ab- 
zuarbeiten. Sonst aber Hesse ich alle eheliche GeschäfTten und 



2 Jüdiäcbe« [X. bU] koate. 10 Ihre [^ M3j Znck er- Ballon. 11 da- 



[H2,40ä|hero belu|K 2, 409]stigt. 

XH moin. 2i ttberstandcl XH nn (erstünde. 

Il U4)nen. 32 genieuon] H genieaaeu, und. 



H Icli stbmete. 
S6 mehr] XH mir. 27 
83 obeliohej ?elirlicbe. 



II, 4, 12. 

ein g3n\zc Ilm<l(hi«Rii>; ein got Jahr habrD and gleich v'ie mir 

ienJarch Irf aai Vrrstond stanpff oni) tmtatislich ward, aUo 

■amen «i das Flebcti sampt den Krifflm meines Leibs >h, 

M «1$ wann icii die SchirimUncbt am Hals gefaabi hätte. 

V leb erst spat, was vor eine Desfhaffenbeit es umb eine 

lefflige Liebe habe, da tch docb aii cio Verebe)icht«r Vir- 

lotzliche Lebr iMitndilel haben solle, wtna er sagt: 

Viu BtüHi MJeat , nctia Tfan ■ 



M Das ist: 

Der W«is isn Du«, Tcan rnr Z«hU 

Wer drüber ■«hrrit, bat «enis Fradit. 
Dieser mein Zustand, welcher ligUcb ärger wnnle, wäre 
■war mebr als genugsam gewesen, mifh nach nnd n>di aaßzit- 
en und endlich gar dem Tod tiifftuopITtirn ; aber so gnädig 
t , wie es schiene, nicht abgeben. Die Begehaffenheil meines 
f emangnuß liesse sich viel grausamer an und die unöberwtndUche 
Verbinde müssen nnd Irrungen, mein Verlangen zu erfüllen, wa- 
ren so gewaltig, daij sie mir die endliche Verzweifelnng antrohe- 
n Icn, allermasscn ich snfienge mir sllgemacb selbst den Tod za 
wünschen, also daß ich wol mit jenem llaliäner klagwi konte: 

Che ti ipeuo m' Tdile chiamtr niOTte! 

IslTeotsch: 

■t O Kaebt, O Himmd, U««t, O Bcig nnd Thal, 

Wie oBi bort ibr moio Wootch, %a leiden Todtea-Qoall 

Ja ich liesse es bierbey noch nicht bleiben, aondem erpwl. 

den äusserstcn Wunsch der erbosten and Terxweirellen Bnlor, 

nemlich daß Himmel nnd Erden gar in einander falle, daaut ick 

Bo meines Jammers ein End sehen möchte, welchen Wnnscb Alpke- 

nns Perusinas in Italiänischer Sprach also geben: 

Pionao dal ciel con tetnpeatoaa fliri«, 
Folgori atdenit, chs ciaccnn ■ommergano. 

1 IlandthierDDg] X HanibieniDg. 2 bierdarch {X 5!5| W!(i. G Liebe] 
XU Lieb. 8 Bedeut] BK«cili>iil. 13 [^ 145| Dieser. SO allsemacfa) XH all- 
gemach den Tod selbst in. 21 konlel U töDDle. !! [H 1,410. E S, 410] 0. 
24 Ist] II If,t zu Teimcb ci<ian so tiel. 26 Todle(-(M] XH TodM-()ML 

27 crgriciT] XH ergriff. 3-J [^ 146[ PioDiD. 



11, 4, 12. :»!):j 

Cantalicius hat ihn also in die Luteinischtj Sprach uhcr- 
setzt: 

Totam terribili qnatiatur tnrbina ecelum 
Conetaqae diipereant corpora fuloiiDibof. 

ft Mag Teutsch huten : 

Himmd and Erd xagleicb falleD in einen IHufttm, 

DaA solcher Ungeftfimm kein Mcnicb nicht k5nri tniHnfftu. 

Zwar, daß meine Gelieble eine Jüdin war, gab mir die (je* 
ringste Anfechlnng ond Bekummemns; dann einem solch«:n dtt^ 

10 wiasen, das sich einmal entblödet, durch deß Teufels HüliT wii;fJ«:r 
za seinen Terlornen Gelt zo gelangen, gilts auch gleich, ob (\l*i 
Viehische Begierden an einem getaufften oder ungetaufTlen «tück 
neisch ToUbracht werden. Diß hingegen machte mir da« grotte 
Hertzdejd, daß ich woste, wie genau und voriicbtig di<; Juden 

ift ihre Wcibs-Bilder Torn Fall zu bewahren gewohnt seyn, und zvirar 
sonderlich die JongferschalTken. Zweytens war mirs auch nicht 
der gmagste Kamner, als an diesen Ort durch Gelt und Gabe«, 
welches soast überall darchtringt, alle Berg' ond Thal eben wa«;bt 
uid jeder Oriea rictorisirt, nichts außzorichteo, ünU^mnl ihr Vnt- 

ao ter den geaeiaen Rnff nach dessen so riei hinweg zu ¥fi;riltn 
halte «feae sowfertare Schniierang seiner murufjsprecbli'.iieii 
RekUhanh. ab kh aie^a Lebtag imstmm^m tm briiigea mir ein- 
bildcB dwSoL Z«n Dritten mtr »;rf ^ scharfer fiorn in Aü}^*r? . 
daß dM; iMev. Kr vo3 We^if^ »If Jba&^fe.l^^trr, uiife Ciiribi'.: 

15 g l ckfcHim Tia 3^iccr kuf»^ si: k^ «^/^^ .i:i«inj ceu ^«ui*;fi Aoi^- 
hans, der nia Bifrä G«<lef amlH:rii>?L'.>:f Vvlü. zu »rvn «fiiii^iiu'. . 
Qttd dmuakÜBS nAer iitr^n kiiuf i;r» M eWiS die g^nize U «.- > /. 
beherrftCbfA. ätifiL Ci'.ii: vk-. i«i«K7 ji .iif*:«; Sun: a:S liuij i <i;c.. 
nirea. Tiercnsiis «miiiVe flurf ikA'it v^ai^ graue fcUar uiiu ^ih^. 

10 faUeae fiaoiieii. laiL yJt u oieMsK Ori m^rö^ Ottr«;ii Cti|ii/i*:i «.w 
Csppienuu» ZBmbuimtfa ft;niv«t. weicuef Art i>eui«j i/eruui..»- 

VersctüagtiOMsti. iir;pij8UF*?i' iMriir^ey tanc Utgücii iic««-«:!» 

de« Fmoei aous: btsmt Jnuplna zc ü^usi:: ujiu zuttü ... ..^..>• 






I 11, 4, 12. 

Willib zu vorsichtig, keine Frau zu klug, kein Vorsatz zu steiiT, 
keine inlention zu fesl und keine conlinenlz zu standhaQlig seyn 
i">n, auch kein Felsen so hart und fest zu finden, der nicht durch 
stäligs Ansetzen bewegt werde, worwider weder Gewalt noch 
t, weder Fürsichtigkeit noch Weisheit, weder Geschwiadigkeit, 
nsl noch Goschicklichkeil etwas außzurichlen vermag. Je bes- 
t mir nun dieser Leute dexlerität tickand war, je mehren 
k -jümertzto niichs, daß ich mir dieselbe nicht zu Nutz zu machen 
WBSte. Fünlftcns sähe ich mich in einer Statt, darinnen mit Ge- 
rn walt nichts außzurichten, dieweil die Juden daselbsten unter dem 
allersicbersten Schulz wohnen; unil durch List etwas zu unter- 
stehen, deuchte mich unmüglich seyn, dieweil, wie oben gehört, 
Juden ihr Weiber-Voick so genau bewahren. Mich mit ihr be- 
nd zu machen und ihr als ein Serviteur auiTzuwarten, ob ich et- 
in heimlich und unvcrmcrckt den Bahner anbringen könte, be- 
suchte mich eben so spöttisch als gefährlich zu seyn. 

Ich glaube, daß der leidige Selhan die jenige Leute, so sich 
schon auß einer Sund in die ander zu wellzen gewohnet, mit den 
allergrössesten Anfuchtungen zu vorsuchen, viel mebrern Gewall 
1« habe, auch unverschämter dieselbige anfalle, als bey den jenigen, 
die sich nach äusscrstem Fleisses vor den Lastern gehütet; dann 
siehe, ohne Zweilfel uul^ dieses ErtzFeinds Eingeben kriegte ich 
die Gedanckcn, daß ich zu mir selber sagte: Wie war ihm, wann 
du dich beschneiden liessest? Massen solches zu Amsterdam nichts 
■B neues isL 

So bald empfand ich aber diesen Gedancken nicht, dtß idi 
nicht auch eben so bald seine greuliche Abschenlichkeit geHbsn 
hätte. 

Nein, sagte ich, dieser Einfall and Vorschlag ist vom Tenlel; 
sa du solst tausendmal lieber sterben, als Christum deinen Beylud 
verläugncn. i 

Hätte ich damahl meine VernunOl noch frisch und gesond ge- 
habt, so hätte ich auch leicht gedencken können und schliasieo 
sollen, daß die Liebe, die ich gegen der Jüdin hegte, auch aonat 
sft von niemand, als vom Teufel her ihren Ursprung haben könte, umb 



I EU] H so. 14 nud — ■uffxuwwten] feUt XH. II [•( 149] loh. IS An- 
fecbiiin^na] CehU XU. 34 gegen [X 5S8] dal. 86 Ui[t ICOJapnug. 




U. 4, 13. 096 

I nmb meia Christenthumb und «Uo nmb die ewige 
Seligkeit za bringen. Aber achl Ich liesse es bleiben ttnd ver- 
■eynet, genng und eine ritterliche Christentbat begangen zu ha- 
ben, dsß ich Christam nicht öffentlich verläognen wolte, da ich 

• mir doch hingegen gar kein Gewissen machte, der Jadin Bildnus 
in meineni Hertzen all Augenblick anzubeten und ihr viel lausend 
Liebei-Seaffizen za scbencken. 

Die eintzige Erquicknng meines Trostlosen und trübseligen 
Lebens war diese, .daß ich fast täglich unsichtbarer Weise hin- 

10 g^eng, meine Liebste zu sehen und meine Aagen in ihrem wunder- 
schönen Angesicht zu weyden. Aber was nenne ich diese Thor- 
beil eine Erquickung, die doch nichts anders, als Oel in mein 
Feuer war, worvon meine Lieheg-Flammen je länger je grösser 
worden? Also liebte ich ohne Hoffnung des Genusses und quälte 

la rnitüi mit Nachsionungen, obs nicht möglich seyn könte, meinem 
Elend auff den einen oder den andern Weg abzuhelffeo. Aber da 
war keine expedientz zu finden, ich hätte mich dann selbst henc- 
ken oder erträncken wollen, welches mir aber noch zur Zeit gar 
nicht annehmlich seyn wolle. Indessen erlernete ich deß Juden 

M ond aller seiner Haasgenossen Namen und machte mir alle Winckel 
im gantzen HauQ so hekand, als wann ich darinn geboren und cr- 
zogdi worden wäre. Ich fände auch den Ort, wo deß Juden Bear- 
achain, Silber-Geschirr and Klenodien lagen, welches in Warheit 
ein Mlcher Schatz war, dergleichen bey manchem Grafen in 

f» Tealsdi- und Welschen Landen nicht zu finden. Aber ich Iiesse 
■Ilei unverruckt, weil nicht deß Hauptreichen Eliezers Gold, Sil- 
ber und Edelgestein, sondern seine schöne Tochter Esther vor 
dil^mal der Schatz war, nach dem ich verlangte. 

Einsmals an einem Freytag Abends befand ich mich auch in 

M Eliezers Behausung nnd sähe zu, wie er EUezer als Haußvatter 
nach den gesprochenen Lobsagungen, die sie Haadila nennen 
Cwelcbes eine Abaonderung bedeutet, nemblich deß Sabbats von 
den andern unbeiligen Tagen), in seinem Damastenen, mit Martern 



I >l«o] X aU. 9 hiQlH !, 41S- K t. 4]S]gieDe. 14 liebte) H lebte. 
IT bitte l^ 161] mich. !0 aUer] XH alle. t* ein] X in iolcb«ii bcj mui- 
ehBm n. 1. w. H io Mlcher Uenfe ber muiobeni. S] Lob[X £2T lUtt &29J- 
MgDDCeti. S8 Tl«»] XHTaceo. llsr[7 ISSjtem. 



596 U, A, IS. 

dnrchfflttertem Schlaff- Beltx einen grossen AbergnUlan Becher 
voll Wein dordis gtntze Hanß vertröpfelte and jeweils dam 
sagte: der Prophet Elias, der Prophet Elias, der Prophet Hias 
komme bald zu uns mit dem Moschiach, Gottes und Davids Sohn I 
» der Prophet Elias et c. 

Welche Ceremonien mir Ursach und Gelegenheit gab, du 
jenig zu ersinnen, so mir hernach in meiner Liebe Vergiiflgaif 
geben. 



S geben] XH gab. 

Dar Liebes -Narren Liebes -Pein 
Pflegt also nnerbOrt la »tyn. 
Daß sie sich oflt bedeneken nicht. 
Wann sie der Narren Kitiel stiebt 



T 
i 



Gewalt noch sonst auff einigerley Weise elwns außzurichlen 
getraute und dcrowegcn mich entschlossen hatte, bey diesem 
Abergläubischen und deßwegen so albern Volck durch List und 
Betrug mein Hey! oder vielmehr mein Unheyl zu suchen, worzu 
G mir meine L'nsichlbarkeit wo! zu statten kommen würde, als hielte 
ich vor nolhwendig, mit diesem Kerl Kundschaflt zu machen, umb 
luden Glauben, Sitten und Händel von ihm gründlich ed er- 
;n, damit ich mein betrügliche Nelz und Stricke, darmit ich 
den Eiiezer umb seiner Tochter Keuschheit zu berücken gedachte, 
darnach richten und stellen könte. Ich lüde ihn dannoch freund- 
lich zu mir in mein Losament und gab vor, daß ich einen trefDi- 
chen Lust hätte, von ihm Hebräisch schreiben und lesen zu lernen, 
und gleich wie er besser, als lang Heu, zu laden wer, als war er 
mich gantz willig und unverdrossen, einem jeden nach Vermögen 
dienen. 
Ich konte in zweyen Tagen das Hebräisch Alef baiß peifflct 
und fuhr im übrigen so schnell in der Lernung Tort, daß sich mein 
Lehrmeister selbst drüber verwundert Wann wir aber coIlazt«n 
oder sonst müssig spatzierlen, so gab ich ihm Ursach, von der 

10 Juden Glauben, Andacht, HoiTiiung und Gebräuchen etwas zu sa- 
gen, welchen Sachen ich so fleissig nachkundigl, daß mich Eraß- 
mus im Scherlz fragte, ob ich dann auch ein Jud werden wolle. 
Ich will aber dem großgünstigen Leser, aufT daß ich seine Gedall 
nicht mißbrauche, hiervon weiters nichts crzehlen, als was ich 

M venneyne, das ihme zur Erläuterung meiner Histori diene. 

Von deß Eli« Person, sagte mir Eraßmus, glaubten der meh^ 
rentheil Juden, doch ohne fundamenl, sondern nur auß her-ererb- 
ler Sag ihrer Vor-Ellern, daß er allbereits zu Abrahams Zeilen im 
Leben und desselben treuer Diener und «llisler Knecht seiaet 

so Hauses gewesen, welcher Gen. 24 dem Isaac die Ribeccam, Be- 
thuels Tochter, auß Mcsopotamia zum Weib geholet; Item daß er 
umb die Zeil, als Sodoma und Gomorra noch gesLiiiden, denselbi- 
gen Ställen umb ihrer Gottlosigkeit willen viel Dampffs und Scbi- 
bemacks angelhan, und weilen auch die Sodomiten neben andern 



1 einigecloj'] XH einerley. außzarichten [-j 154] gelnulo. 10 l 
«och]7dcinnach. 19 iufi5[Y ia6]sig. 23 [tem [X E29] groBgÜDatigen. 34 n 
t 2, 414. K 2, 414] miCbriiuciic. 



■vor 

iiilcrt 

.'ii so 

.Uli und 

iiijit hal- 

" im Pa- 




,aM(£iiU. wie 

, ji Afcwfci» fflUiwi twmi, SuBh «Md dKügfankM Ge- 
ns bitas iiB «o» dlocB SUm mt ■gim, <ia& « iem 
I MW riill i— iiiJiirtiiiir ilir ■!■ tr 



ifc sineiii » lanfen Lebm. <te ädi biß an Ifia^taK Tilg v- 
laskea «rüde, tieg*U «Hrdea sevc; Er häla «tu giHtoc Zdl I 
der, ato br»fl in Egirploi pweseii, ihMen mit Traik wmA Sn- < 



riHr— ff^acT, ori ob er gfeidi n. AnAäb» Zflüta» ä Äea 

■rilpBk IVicat ins Nndiüa mzuda worden, so htfittfcer jU 

■fc inli l^fiiil awiBtmwriirii bav lUoi iüÜMkim I 

a n dar pnGunt Vdl, wifii liwiK b«Y < 

ii noilarMirsr bfisriliiiier all bemtel würde, iaa MHrt kncr 

>J3 ilen Jucün, er sev sudi na bt»Ug, ab ar nunur «nfti, m- 
»■Bhmrai liitTÜe-. über tbu buchötm ood scUraw «r 4» ÜdKhi 

V«lek ni wsuds aOu CaijöA ab^ n si 



Ak, wann sie ^£ A&Mudenna deß f 
^nannt, init Wem rniil ^wias«n C<n-enaaaien eiifcs, ab «cUcf 
»fci M angvnelnii sey, liafi er lin sulchc» RauG in «»en sonte- 
lafercB Scholz aehme und mit rmAem Segcs iktoASt^i M 
«wile w ihnes ancfa den Hoachiaci «kr 1 



la änraiaa se ehnat ibn höbst, als An i 

a Gatte», mul werden ilme zn Ehren oO rä gaabm Tiack ^ 
anwr LeAe speiaen md be^n b«stni mctn^ d»eh dnfi ät 
Am aüezeit ein läre Stell law«!, weä ain ghntai, «r itee alt- 
dau Mit zur Tafel imd eaae and trincke scis ThcS ^■äcUwer 
Veu mit fliesen armen Gästen. 

K Von dem Xosciiiacii and »einem Ampt, sagte aur CiaC— i. 



ein] X aiae. er 'j lio] liae. 



n, i, 13. «Ol 

glnbten die Juden, daß er allerdings ein Weltlicher KAoig seyn 
imd aie durch grosse Krafft and Göttliche Hdlffe suQ allra Orten 
der Well, in die sie zerstreaet, wonderbarlicher Weise msammen 
und wieder in das gelobte Land bringen würde, and damit misch- 

9 teo sie das jenige, so den Außerwehlten im Ewigen Leben ver- 
heissen, nnd deß Hoschiachs oder Hessite Regierung, daß es ih- 
nen, den Juden, hier zeitlich, wie in einem Irrdiachen Paradieß, 
widerfahren werde ; Gott werde, glauben sie festiglich, ihre Tode 
wieder aofferwecken, alle Feinde deß Volcks Israels «usrotten nnd 

1« Tertiigen, alle Plagen, Mühseligkeiten und Kranckheiten von ih- 
nen seinem Voick hinweg nehmen, ihnen auß Edelgesleinen den 
heiligen Tempel zu Jerusalem wieder bauen, auff Form nnd Weis, 
wie ihn der Prophet Ezechiel gesehen; alsdann werde das VoIck 
Israel regieren und herrschen über die gantze Welt, ihr Vermö- 

ift gen, Schatz und Reichthamb von einem Ende der Welt biß zum 
mdem, GOtt werde ihnen die angebohrene Lüsl, Neigung und 
AnreilzuRgen zur Sund und allem Bösen benehmen, ja selbst bey 
ihnen wohnen, daß sie ihn von Angesicht zs Angesicht sehen mö- 
gen; Gott würde ihnen ihre Lebens-Lfinge erstrecken, also daß 

M einer auß ihnen das Alter Adams oder Uathnsalems erreichen 
werde; und welcher auß ihnen im hundertsten Jahr seines Alters 
abtmckte, von dem würde man sagen, er sey frflhzeitig in seiner 
Kindheil gestorben; das gelobte Land, nachdem es zuvor von de- 
nen Unreinigkeiten, damit es die Heyden, Chrisicn und Hahume- 

u Ihaner befleckt, wiederumb durchs Feuer gereiniget sey , würde 
weit grösser anß einander sich strecken und tausendmal edler und 
fruchtbarer werden, als es jetzundcr sey, inmassen es hiebevor 
gewesen, als sich noch die 12 Stämme, die in so vielen hundert 
tausend Seelen bestanden, völlig darinn befunden nnd sich so 

H reichlich allda ernähret; ihr Hoschiach würde ewig regieren and 
bey Antretlung seines Reichs alle Juden zu Jerusalem zu Gast hal- 
ten, bey welcher Mahlzeit man den köstlichsten Wein, so im Pa- 



7 Paradies ] XH Paradeiß. 8 werde] H werde nnter einutder; Oott 
ircide, [H 3, 416] (glanben lie [K 2, 416] festiglicb. 13 K«te[T 161]hen. 
lö Beicbthamb] H Reicbtbumb werde BBjn von. IG und [X 683] AnnitBiingen. 
IT benebmeo] XU abnehmen. IB mbgen] H mögen. Ja, <r wflrd« ihuMi »nah. 
35 ny] U wordBn. 37 ali [^ ie3] m. 







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MM ^MÄWtÄ» W000 WHf Wft&W&tf Wim fff •• •■^f MBM SVM^ , 

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WWftfHMf Mfib Mumgtr ««rteMel, AiA iie fMli nrÜrW«; hI 
M m^ "wM MfH Rttl fImM MfeM iMlir fcH««, iaam kkVmitr Emt 
Mrf <f*M fffl4 t*lll «n MwiMH BmmI (edeflckM et & GM tau 
(HWIW Htrwfl imi4«r1rirffn, ther ioth raUelwii Tnwl, iKeirea dcr- 



1 lif I r«hll M. T OMAhlMblj If a<M«blMliUUngetwnn'. 

H *Mit«-f1«M, hub*. Iii •iiirk«lialM] II Hffbebalten. 11 Bar] XH Csr. O«- 

ll mitttUtt». 1* RWi] XII SIHio, IH dM««n|HdMMttfa«rdMii. IS ^ 

IIHbli |Jt Hl) WflHbMt. SO (II i.ill. K 1, 4IT) D*. 31 •olob«] XH wl- 

4i II WtbKj hhll XII. » b*b(Tl«<]lab. 81Uir]XHil<^ 



■.^ n. MS 

Grtklns na GM atamM v4 «riHU H iii«. arri ntm •> 
nC MHMS MVt MCh^ MD nt jrtmwT MMT smi twjptM 
nmkt m Dvikr. ma 1$ Ck^ h m W irt*», kkca, dhr* tm Iwi- 
MM TMM «Wfcr WitJer-BriaiM>f te pfinfdr W«ft mtM (*- 
■cMal «M. HF* Ihm« «ie ÜHiai n cäMn ■»■<(>!■>>«> TraM 
dieaaa, wm Eabs « Biri ie& <0 C^ mMm. alhi« ii»4wj^ 
tagt WM dor Pnqilwt dn^lM tmi «wif»a Ukn nrawywM, ia 
4ie Zeit ikre* kiaini|«i Mctrir Rcftnwiif lefMk »«m «r mmKcIi 
■pricht: Ib dea Lud wird ma fort aiekt mtkt vm SiMdM Mnm 
■odi TOB VenrAstauiy ad Verekmf li d«)«ni MarcklM^ mmfitn 
4m Hfljl wird deiM Mavrcn Haktbrn tmi deöw FartN wird du 
Lob erÄUeR, die Soan wird niaiier deß Taft «rWiBe« wottt dw 
Mm kickten, dum der HEn* wird dein Bwifrs Ueckt nd dvJn 
GOtl deine Herrliekknl leyn, deine Sonne wiid nickt nwkr Mter» 
feken and düa Hon wird nickt ■bnekntn, dun in HBRR wird 
dein Ewiges Lischt Kjn and deine Kliftafr werden mQ sejn, dein 
Volck werden eytel Gerechte seyn und werden du Luid ewifUch 
eiakiben, ib die Zweig meiner PllRntnng nnd ein Wwtk nwi- 
BSr Rinde in meinem PreiQ. Der kIMnnt loll in tnuenden wer- 
den nnd der JOngst tn einem sehr mirkügen Volrk. Ick d«r HBRR 
werd di& eylichst ttin sa leiner Zeil; Dt veralehen •)•, der 
kleinwt anß den Juden werde n ikrM Ment« ZeilM n 
▼idem Volck werden , nnd wollen indenen die verblende 
LflDt nicht «eben, daß diue Weiangung an den Jflngem nnd Apoa- 
teln deß HErm Christi in kartier Zeit nnd gleichsam in höchster Byl 
erfflllet worden, da nenlich deren joder in suhr weniger Zeit durch 
•eine Lehr und I*redigt in einer grossen QirisÜIchan Gemein, in 
einer anuhlbaren Menge vieler iOOOOO Christglanblger Menschen 
worden, massen der Apostel Petms aHein tn dar Pflngilen bey 
3000 Seelen bekehrt. Sie verstehen aber dlue letitere Wort 
Cwelche anff Hebrjisch also lauten: OonI Adonai Booltto Ochy- 
sche, das ist: das will ich, spricht der HBrr, machen in einer 



7 Emim] X Bliw. 11 Verebrang) ZH Verhannf. 13 wird [y KA) 
dBiDo. M Hon] XH HoDd. Llaeht [X 684] md, ifl Mm) XH Mona. 
34 TsrblDiide] XH verbloiidte. 16 ApMtdn] XH Ap«Ml«ltB. 96 Bjl [y ISS) 
«rftiUat. 38 OotDeln, (H 1, dlS. K S, <I8) an. 



n, 4, 18. ' 

evlenden Z ' dahin, es werde Gott unversehens und in hödula 

I auff der Post ihren Hessiam senden und sie ia J« 

nie in ein Irrdiscb Paradelß setzen, und diese wt- 

t len sie weil höber, als ihren güldenen Affen, wd 

inbilden, diese Verheissang und IVeissagung seye sock 

;riüllet, müsse derowcgen noch nolhwendig and zwar bey 

BB Moschiachs Ankonffl erfüllt werden. 

Alle diese Lugenden und Fabelpossen faste ich so wol ht meiii 

ffgen, als wann meiner Seelen Heyl daran gelegen gewut 

'äre, und ich glaube, wann ich den Catechisronm noch zu leraei 

habt halte, daß ich solchen nicht so bald und so fleissig begrit- 

), als diese Narrenpossen. Zwar sagte mir Eraßmos wol lAit 

■I mehr, als ich hier erzehle, welches ich darumb zarück iisa^ 

•hl allein dem Leser nicht beschwerlich zu seyn, soadem iBCt 

veü es zu meiner HistoM eben nichts besonders taugt Du 

mige aber, so ich erzehlet, halte ich, müsse der Lesur wissen, 

mit er meine Geschichte und wie ich mir das ein und ander n 

Iz gemacht, aach warumb ich eins geUian und das ander gdM- 

1, recht ausdrücklich versieben möge. 

Zum Beschluß dieses Capilels noch diß, das mich unter läiet 

irrischen Sachen am atler-Närrichsten zu seyn dünckt, daß die 

Juden glauben, der grosse Ertz-Engel Michael werde, wann ihf 

Ucssias kompt, dreymal in ein groß Hörn blasen, aulT das erste 

Blasen werde der Messias, Davids Sohn, sampt dem Propheten 

•■Btia erscheinen und sich den Kindern Israel ollenbahren, alle Jn- 



I e^rlAiden] XU ol«nd«ii. 6 Ln^endeö] TortUilieli entstellt au Legw- 
i«n. 9 nainer] XB einet. 10 icb [t 167) den. 11 nnd — fleiisig) fehlt XB. 
II loli |X »&) hier. 15 nichts] XH niobL !3 Hom] HaipiUi, W. Waektf- 
Ufalt dautaefar* luiebuch 1^ TS, 1 : 

Dui aonlt dei mntiebiiito 
Hil £li«M pAgu 
«.a.w. |4,T«^SS: 

6A dai bimiliicm hörn 

Kihiatit wirdit, 

Eati «ili du ■ in den siod erhent. 

Der dir anoDUMi mmI, 

Denne hAiit •ih Giit imo 

HeijA meicU. 



■ jn der gtntzen Welt wOrden die Stimm deß Honu hören und 
kennen, daß GOtt sein Volck heimgesncht und die vollkommene' 
Uanng voriianden soy, auff die Christen und andere Völcker 
irde alsdann Schrecken, Elend, Jammer und Kraockheit fallen, 
lauen wärden die Jaden ihre Lenden frölicb gürten, sich auff 
) Bein machen und mit Elia und dem Hoschiach mit grossen 
nden nach Jemsalem marchiren; Auff das ander Blasen, wel- 
M ein sehr langer Thon seyn wörde, werden sich alle Grflber 

JranBalem öffnen, da werde GOlt alle Todle wieder lebradig 
tAen, aach werde Messias der Sohn David nnd Elias der Pro- 
jtt den frommen and armen Messias Ben Joseph, welcher zu 
in unter dem Thor bey den Krancken und Außsätxigen sich 
ffgeballen und in einem Treffen der Israeliten nmbkommen, 
eder vom Tod erwecken, da würden alle König der Völcker 
B Joden, so noch unter ihnen wohnen, aaff ihre eygene Ach- 
Ib and hangende WSgen nehmen und sie vollends nach Jera- 
lem bringen; Und wann der Engel Michael znm dritten mal ge- 
mo, 80 würde GOtt die Israeliten, so über dem Bach Gasan, 
chlach und Chobar, auch in den Stätten Juda wohnen, berauG 
kren, die ohne Zahl mit den übrigen Kindern Mose in das Pa- 
Mß gehen würden, und wann die 10 Stämme der Israeliter 
fWehen, werde die Woicken-Säul der Ehren und Majestät Got- 

■ aie nmbgeben, ja GOtt selbst werde vor ihnen hergehen, vor, 
ider und neben ihnen würde lauter Feuer nnd Flamm seyn nnd 
Irde den Christen nnd andern Völckern anff Erden nichts übrig 
lassen werden, davon sie sich erhalten möchten, daß sie Ibben 
nten. 

Ich gedachte, glauben so viel 1000 Jnden diese albertllen 
n ihrem künfftigen Messia und haben sich ebemalen ihrer so 
}| in Greta oder Candia seinetwegen mit den Köpffen in die 
Intel gewickelt und von einem Felsen ins Heer gestflrtzt, So 
rst du noch wol einen eintzigen anß ihnen überreden können, 
ß er mich auff Gesundheit ihres künfftigen Hessia bey seiner 
ichter schlaffen last. 



1 Hortii[Yl68]bSreD. IS einem [H 3,419. KS,419] Treffan. 16 »nff 
nehmen] feUt H. IT bringen; [y 16«] Uod. 18 den [X U«] BmL 
Flunm] H FUmmen. 83 u [t 170] midL »4 Uat] ZH llit. 




n, 4, 14. 



DAS VIERZEHNTE t'APITEl.. 
Elias isset zq Gast und der Engel Uriel verkflndet den 
Jfidiadien Hessiam, gescfaehen anch sonst grosse Wnnder^ 
zeicben. 
» ICfa lerneto obengedachte Wort Esai» am Ende seines 60 Cip. 

Oeni Adonai Bocitto Ochyscbe, aoff welche die Jaden endlich ihren 
gfintzen Trost setsen, mit Hebräischen Bachslaben so schön und 
zierlich nachmahlen, daß es die beyde Schreiber Salomonis, die 
Söhn Sisae, Elthoreph ond Ahi Ja selbst nicht verbessern bitten 

10 können. Hernach bekam ich etliche BUtter lart JongferaPerga- 
ment, das färbte ich roth, gelb, bleu und grün und richtet es xu, 
daß es ganlz durchsichtig wie ein Glas wurde, also daß man nicht 
erkennen konte, was es vor ein Hateri, ob es Hörn oder Hauß- 
blaien, Pergament oder eine Talchart gewesen, worvon die Hos- 

16 cowiller ihre Fenster machen. Diß Himmlisch Papier schnitte ich 
zu kleinen Slficklein bey etlich hunderten nnd schriebe obige He- 
bräische Wort auff, deren jedes mit güldenen Buchstaben, und als 
ich mir auch eine Alb C'st ein lang weiß Kleid , so die Catholische 
Priester bey ihrem Gottesdienst brauchen;) auß Schneeweissem Hol- 

M ländischen Leinwad und einen Leib-Rock darilber, gleichsam wie 
ein Leviten-Bock, auß einem vielfarbigen güldenen Stück machen 
lassen, zumablen mich nicht allein vom Eral^o genugsam Infor- 
mirt zu seyn befände, deß jenigen, so mir su wissen vonnöthen, 
sondern auch meinen Anschlag, wie ich die Saoh angehen wolte, 

3 Metiiam] Die geBchioht« von dei Jaden MbmI« Ixhaiidall Mhon Baal 
FoIe und ein Bpftterar meiatenBiigar. Vgl. meine futnMhtiplsl« ■• IlSB. DUli- 
leae s. 3!0. Wanderzeiohen] XH Wnnderaeicben. 
Von gloiohen Lügen Fabel werek 
Auch ferner die [H diß] C»pitel merok. 
B zieilich [X 637] neobnukhlen. 9 Bllboreph] H Ellhoreph [HS, 410] 
nndAhiM. 11 ich [K 2,420) rotb. 14 ge[i 171]wMBn. 14 wol(«l H toi- 
her echou gomacbt batte,) nnd bliewe. 




tOB U, 4, 14. 

Heiiihriit uhä lisuiiiokkth \iuiit , d« liesie ich nir zwef ndV-KoIr 
Hb emubder Kielten und itUtsukt vermittelt desseDngeB alle bom 
iitTkLlinciieitt Zftitlfcib durrli tun £erbrocfaeDes Fenster-Glas ■ db 
Jlldtnl-^l-llul uiid iMki riieu nu einein Tag, anff welches siete 
1» yiüdt4»t:ii ABc^ii Lr« ii d6 i-ii}t mit fr(»lidier Stiauae böraa li 
Hu wkft ii'r Auanv^Ui, BUS VM» MV reüped^ aiit was vor Ti 
drruu^ uua akU;^ ii.biri) Hrru.t'iti'-Frt'Bd über diese Zettel 

£iJk'.k<ri ikk&ft^st k.>::? ui:u> »^»kr^BKia. v«lb akaa sake 

ib VW ^rirv*'ci; i,'.>.:>.\. ^iL",Ji &xr ^ '^fcsei, »arm 
«Ab ^;/xa Z^a«.«j. .>w>aix«j:;«'>:iT'utr .»s^r jrv ▼ 
al* «uui eot ,?o«f c^ikt ^y^-r^ftc Liakr ^ BiastiB z^ättt 
iha IrviKli «dbLÖ:«:. auta ^la t^ier ii-nte oft&e aämm 
vor, dji> war« -^»a z^wtf«« xusiiTSi^^re 

IS daß üünoitebi .zu Ji^xkKr.^n Ei^iai «au ^^n 
und biage^eu .li ?»^•^^cu;iÄ.:< Lrunea .9 ^tioipiea 
Mo&cbiacb, d«r ZwcJfeüxrc; ik«>;rrit vor -ier Tbür wäre. 
M>lte. Ich scbiitväii: -z'^iKüt Ts£e Hica eiaaaüer nuKstbanr Wä 
ia ualerscb&eAÜicbrr Jiü?a Hioäcr aemiab and «abe ait V, 

M derungf na» jie»c ZtiiK. >:-ai ^i^ereiaai/iäciieB. aibera iiad 
bifcodeleo Voick \or eine Fr>saä loä 2t:wii«« HoShmisr e 
wie ^ic (ieiirHejzcL <j^2:c;t;*cii udü Feyenä^.ica Wol- Leben aa- 
s4t;llt«;n liJiü ^üciic y-^.K.ier Zeiici lud «Jer Post lo Poin. in ItaüaB. 
ia Teulstbiaaü . d j^r im Amm mr trülichen Bottscba A ihrer se- 

n wissen Erlosuuj^ ichicAieü. 

Es hai>t;u iie miüJ-.üLjfe Juiiert un Braue q, dab sie biiiweitaa 
vor den Propaeien Eiiaüi ciiicn Tiscu in ;nren Häusern dednii 
deustfibeu m.t ciri]^>j4ÄacDeu driiicd Leuten besetzen« die \o 
Stell über vur i^eüatöten I'rtipueien Eijani frev und iedii; 1 

M festig lieb giauiivud» idu er L'ey >uiL'Uer <iasterey, wttrwui unsidh 
bar, ^^e^cii'.veirLu' ^c\ . idu ^'f disddiin üuca selbst üut esse uad 
trincke et c. S^jicbe» uoeten nun tiio Juueo nach diesen auss*^ 
streuten Zetteln viel mehr als zuvor, weil sie i^iauben, Elias würde 



i iJt5c:;1.5 3'.E - *:hiir*.<;üj :' ::1: XH. " :r /_ i~2jspcc:. Ib Ende 
[X 5ä6j habcL. :? '.iiciiC :-:..:a. _■ -v-v-: 'XH ^^r. K wiv, imi '▼ 1T3] 
▼«rbleDdeceo. in 7.-. li ^^'.. ^^^ . v^ii g>;.:ach:. 2\f t;>.üacütäD; U ^edAchtem. 



I), 4, 14. 608 

TW oder diM^ mit dem Messia erscheinen. Sinlemsl mir nan der 
PaO so wo] gerathen and ich eben in Eliezers Hauß war, meine 
Angen in der Esther boldseligem Angesicht zu weyden, als er 
eine solche Hahlzeitt angestellt, da wagte ichs und setzte mich an 
» dflß Elite Stell za Tisch , hiebe auch gleich andern Gasten so dapf- 
fer dranff, daß Jeder Anwesende, auch Eliezer selbst, der damals 
Persöhnlich vorm Tisch aufTwartete, sehen konte, was massen die 
SpeUen auß den Schüsseln auET meinen Teller wanderten und sich 
▼on demselben nach ond nach verluhren, wie mein porlion Brod 
1« abnim and sich die Becher leerten , welches alles mit höchster 
Verwunderung beobachtet und mit noch grösserer Freud und Zu- 
biedenheit deß Eliezers an- und aotTgenommen wurde, also, daß 
er Mir nicht nur gemeinen Frantz- und Teutschen, sondern gar 
von Spanischen und Canari-Wein einschencken thäL 
II Da mir nun dieses auch solcher Gestalt gelungen, wurde ich 
■0 treisl nnd kühn, daß ich mich auch in anderer reichen Juden 
Hituem nicht allein bey solchen Elite-Gastereyen, sondern auch 
gar bey den Besclineydungen an deß Elise statt einstellete, welches 
grotse und zuvor gleichsam unerhörte Wunder bald bey allen Ju- 
li den daselbsten und anderwärts in der Nühc erschollen, also daß 
icfa wol gedencken konte, es wäre nunmehr Zeit, zum vorhaben- 
den Werck selbst zu schreiten und meinen Anschlag unverlangt 
roUends ins Werck zu setzen. 

Ich liesse mir ein Instrument durch den Dreyer verfertigen, 
H allerdings wie eine Haber -Gaiß, damit die Junge Knaben kurtz- 
weilen, nur daß der Stil oder Fuß hol war, wie eine PfeiflTe, und 
an atatt deß viereckigten ßrumel- Lochs in der Seiten hatte ich 
oben ein rundes Locli, das ich euff- und zuschrauben konte; die- 
ses füllete ich inwendig mit Baumwoll, angefeuchtet mit dem aller- 
« köstlichsten Indianischen Balsam und Liquidambar und dick unter- 
mischt mit Bisam, Ambra, Zibelb und den aller- kosibarlichslen 
Aromatis von Blumen, Kräutern, Wurtzeln, Gummi und Früchten, 
also, wann ich das Loch auBT dem Haupt auffschraubte und unden 
zum Fuß hinein und dergestalt derdurch bliesse, daß ich in einem 



2 meine |y 1^4] Angen. 18 londernj H aonderD auch. 15 [X 539] Da. 
IT aolclieii] X aolaben. 18 eintlellete, [j 175] ««lebet. S! uiiTcrUiigt] 
H nDverlaogt. 



610 D, 4, 14. 

Augenblick ein jedei Zimmer mit den cDeriieblichfteB Gereeh, 
den ein Menich je geschmäckt, erfaRen konnte. Diesen Biim- 
Knopff nam ich sampt meiner Unsiditbarkeil zu mir, nncbdeai ick 
xuyor mich in meine Alb und gülden Stack gekleidet, ait einer 

5 Goldgelben krausen Baracke von 100 Thalem Werth und elwm 
grünen Krantz mit Klenodien oben darauff oder darumb aaßgeserl, 
auch im Angesicht mit bequemen Farben bemahlet hatte, and gieag 
also gebutzt gegen Abend in Eliezers Behausung. Ja ich Terateckle 
mich so gar in seine Schlaff-Kammer, die er vielleicht wegen Ter- 

10 hoffender Ankunffl Eli« und deß Hessis mit Tapezereyen und 
köstlichen Umbhängen umb seine Bettstatt auffs scheinbarlichste 
gezieret und mit einem die giintze Nacht durchgehend brennen- 
dem Wachs -Liecht versehen hatte, mit höchstem VerlangeD er- 
wartend, biß er schlaffen gangen und im ersten Schlaff begrüta 

15 seyn würde. 

Als ich nun solche erwünschte Zeit erlebt, tratte ich nchl- 
barlicher Weise in meinem ungewöhnlichen Habit, in meiner finemb- 
den seltzamen Gestalt und entlehnten Schönheit hervor, ileUte 
mich vor Eliezers Bett und weckte ihn gar sauberlich naß dem 

10 Schlaff. 

Dein Hertz, sagte ich, Eliezer, erschrecke nicht and im 
Gemüth lasse von aller unnöthigen Forcht entfernet seyn I dann 
siehe ich bin der Engel Uriel, der vor dem Angesicht deß HBrm 
stehet, vom König der Könige und seinem Propheten Elias, dem 

tft du all dein Leben lang in der Forcht des HErrn gedienet hast, ab- 
geordnet, dir die aller -frölichste Bottschaffl von Erlösung defi 
Außerwehlten Voicks Israels zu bringen , wornach das Hauß Ja- 
cobs schon so lange Zeit geseufftzet, dann du bist der Zweig auß 
der Wurtzel Jesse entsprossen, herstammend auß Jnda, von des- 



1 Au [y 176] genblick. 6 außge[H 2, 422. K 2, 422] wert. 8 gtgm 
Abend) fohlt II. Ja] fehlt XH. 12 mit [X 540] einem. 16 [y 177] Ab. 
28 Uriol] Das gleiche motiv hat Boccaccio im Decameron 4, 2: Frate Alberto 
dk a vcdorc a iina donna che Tagnolo Gabriello h di Ici innamorato, in forma 
dcl (lualc pii'i volto si giace con Ici u. s. w. Über andere bearbeitungen 8. Lieb- 
rnchti Dtiiilop n. 282. 489. Dazu gehört noch die novclle von Verroechio U 
falio Rnrafln«' in drr Uaccolta di noYcUe diBatachi. Londra, Tj. 1, 109 ff. S6 dir] 
Yll und. 



n. 4, 14. 611 

«> GflbIQt gebohren werden soll der Moschiach, der heilige Erlö- 
■er und Widerbringer seines Volcks auß der Zerslreaung io das 
gelobte Land, worinn Milch nnd Honig flensl. 

Als ich hieraulT ein wenig pausirte, Eliezer aber sich ein 

s wenig erkobert und den SchlafT anß den Augen gewischt hatte, 

sagte er: dem Herrn ist zwar alles möglich, aber wie wird diß 

geschehen können? dann meine Sara alt und zum Kinderzeugen 

andächtig worden ist. 

leb antwortet: es ist deß HBrrn Will nnd von ihm also geord- 

M net, daß nicht von dir und von deiner Sara, sondern von deiner 
Toditer Esther Messias geboren und von ihr vom Propheten Elias 
empTangen werden soll. Siehe, Gott hat sie deßwegen so mit Tu- 
genden, Frommkeit und seltener Schönheit begabt, daß sie wür- 
dig leye, eine Gemahlin eines so grossen heiligen und wunder- 

iB barlichen Propheten nnd zugleich auch eine Mutter eures so lang 
erwarteten Moschiachs zu seyn. Elias hat den Samen Davids zum 
Moschiach seyt desselben Königs Lebzeiten im Paradeiß bißher 
Terwahret, solchen deiner Tochter Esther den dritten Tag dieses 
«off beint eingestandenen Monats Elul Cist der September) beyzu- 

a» bringen, auff welchen Tag er sich seiner Gewohnheit nach un- 
deklbarlioh in ihrer Schlaffkammer einfinden nnd das Werck ver- 
riebten wird, womach das Hauß Jacobs schon so viel hundert 
Jihr verlangt; und dtß ists, das geschrieben stehet, Elias werde 
TOT dem Moschiach erscheinen. Derowegen sehe dahin und sey 

H bedacht, daß sich deine Tochter gegen ihm willig einstelle! du 
•elbst aber wirst ihn die Zeit über, so lang er sich bey ihr aulT- 
baJten wird, zu tractirn wissen, wie einem so heiligen Propheten 
gebübrt, in aller Haß du ihn auch bereits unter den Armen viel- 
nal tractirt liasL Hiervon wirstu diese Belohn- und Ergötzung 

w haben , daß du gleich nach deß Messise deines Enckletns Geburt 
gleich dem Phcenix oder Adler verjüngert, nachmahlen ohne tlan- 
gel und Kranckheil im gelobten Land das Neunhundert und Dreis- 
sigste Jahr weil äberleben, vom Moschiach zu einem grossen Für- 
sten deß Volcks gemacht werden und aller deiner und deß Volcks 



I hoilige] XB heiligen. 4 hierfr ITSJauff. T dani]]7da. U eine Qe- 
naUin] flifalt XH. ib Mch] foUt XH. 10 DaTidi [X 541] inai. 19 Gewohn- 
heit [t 179] n*ch. 22 worpl 3, ilS. K 3, «SSJuRob. 34 Valab'\ UUN-X^. 



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6ticj*r r^iriMnii*n .nii : n^inii »'irr nnr::r^st:s. :rj 

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« A >.iititia * t : :. • Irr aü nrii-r i t*r jint=es ▼•*it 

^ .ua i.:. f . ':;«-r i;»-.uu :»tr*?'. '.naniier linraicuL. M 

IIa A.<p^ain-4 .i/:i />-»'-:« .£ •-r'ai^fir^n uiii "^n i-jft le^ruiis aft 

-« ^fTa.0t m ,/ rAT. . lA :3r -r: :r:i*^:r* :niL :-^^r r-Hcnsam imae mIs 

^'•ti-.if'r.'.ir-M:*«^ ..■.'*r'w -':*>r. cr^: ^i —m^»*?! iac.^i:S üinces. iilfs*- 

^bMn«^ !* '.*r. ■' :t.-:"r- •. .-r jir'^'rti ^~ • ' -i' -r iv£»i zsu S- 

mu\ \ii*rt t'ifi ft<Thr-r-: ii» /.n «■ ««i^n. iir :L-r ini^vone»: leü lEm 
H«r. ljiifa#: i".7'^n h-.m E'.if:7.f:r iiir.Ti nemen !''>ma f imüer anil 



■I I / I HO) l&llf.V.rr. 



«. 



1 4 Tartirriil 
««lY lailtranUcL 
4fl4i HkQT&UtT. 









J '.in X .j4:'- 



Tsr...-.t il Hunj;»»Tsnotii . iIs- 

•fciui aH. n H :. 424. 




n, 4, 14. ei! 

gaatnn lämmer, daß der anne Schelm vor Freuden vennejiile, e 
wire schon halber im Paradeiß. Und diO war das rechte Sigill, <i 
ntine Torgebrachle Lögen vor eine Wahrheit bestültigte, dann gleicl 
wie Eliexer etwan gehöret und gelesen haben mag, daß die böS' 
» Geister nach ihrer Erscheinnng einen garstigen Höllischen Gestand 
binder sich lassen, also glaubte er gewiß ond feBliglich, daß hin- 
gegen die gute Engel mit Hinderlassung eines Paradisischen Ge- 
mchs abscheiden, und derowegen könle ich kein böser Engel ode 
blscbe Erscheinnng, sondern ich müste ein guter GeiBi seyn, al 

» deaaen Verkündigung ancb so wol mit denen neulich gefundene! 
Zetteln in ihrer Synagog übereinslimmete. Es ist nicht außzuspre' 
cheOf was er diesem nach vor eine innigliche Hertzena-Frend be 
Mngte, und zwar warurob das nicht? Er sähe sich einen Groß 
▼alter deß Hessiat und nach demselben war er in seiner Einbildun 

la schon der gröste Fürst in der Welt, er war eines lausend-Jährige 
Allers versichert worden, welches er, wie in einem Schlauraffen 
Land, ohne alle Mühseligkeit zu beleben vermeynte, und nat 
devuetben komme er ohne das und zwar ohn allen Anstoß ur 
nicht wie eine Kühe ins Maußloch, sicherlich gar ins Paradei. 

M Er konte nicht warten, biß es Tag wurde, seiner Tochter diei 
frdlicbe Zeitung zu erkundigen, sie muste es noch dieselbe Nac 
wifiMi, was der Engel Uriel Chatte schier gesagt: ihr Liebbabei 
der Herr Urian) mil ihm geredet Sie nam ancb die angenehn 
BoUscbaBl mil höchsten Freuden an und liesse ihr deren Wai 

M heit durch den lieblichen Geruch besUttigen, den sie in ihres Va 
leren Scblafikammer schmäckle, ich ihr aber umb noch viel mel 
r«n Terdoppelte. 

1 «rme [7 182] Schtlm. 5 Geituick] Vgt Zelter fll>et die ooinpo»iü 
de« fürsten BadiiTill eq Güibei Fatut (Briefweehiel swUcheo GOtbe ond 2 
ter 9, 328): Ich fud ea gemBfi, dkß Faiut dnrch den Abgmng dea UephU 
piMle* wie darch eioeD elektriicben t<chlftg nicht bloft erwuhte, Mindem 
weckt irfirde. Die Fagotts haben, durch einen tiefen karwnToD die Sache 
■Ilgemeioen Beluatigmig nalfirliob gemacht, d«A nnr der Oerooh fehlte. C 
eben in GCthe« Faust: Ee iil sg »ch»Ql, BO dumpfig hie. " gate] 11 ^ 
ParadiBiBcben] XH ParadeisiBcheD. 1 1 iBtJ tvhU X. nicht [X &«31 auaii; 
eben. IT belaber] IH leben. Die Änderung iat unnöthig. Grimmelrt 
gebraacht beleben auch sonst = rerlebeo. Vgl. Grimint w&rUrbucli « 
1, 1440. Sodana SpringinafBld c 4. K 2. 18. beleben [f 1BS1 ««kb 
10 Er] H ich. II erkundigen] XB rerkfindiseiL 




n, 4, t4. 615 

verpaaturt und gewaffnet, daß, wann gleich damahlen eis fixtra- 
ordinari GöUlicher Gnadeastral zu ihrer Brleuchlang anff ne loß 
gangen wSre, solcher dannoch nicht oder doch gar schwerlich an 
ihnen hStte haflten mögen. Ich habe die jenige £rger and schlim- 
■ler gemacht, auff deren Bekehraitg ich billicher bedacht hAtte 
Myn sollen. 

Wehe aber dem Menschen, durch welchen Aergemnß komptl 
^ricbt der Erlöser, und solches alles habe ich gethan zu einem 
Maea Ende, nemlich unib eines schnöden kurizen WoUnsts willen, 
der die Seele von Gott abscheidet und in den ewigen Tod, in die 
ewige Verdamnas setzet Was aber das allerärgste, ist diß, daß 
Iah hierdurch das allerböchgtt) Gut, meinen getreuen Gott belei- 
digt, mich darmit vor seinen Feind erklär! and del^ Ewigen Le- 
bona verlnstigt gemacht, meine arme Seele anff ein neues graa- 
■anlich getödet ond mich viel näher auff die lincke Hand , anlT die 
Sflita deß Teufels und seines Anhangs begeben, als ich zuvor ge- 
wesen. wie ein irren wir elende Menschen, wann wir uns 
■dbst Fucbsschwäntzen, unsere schwere Fäll leicht mache», solche 
«M geringe Gebrechen, ja wol gar vor keine Sflnd halten, indes- 
«M aber nicht gewahr werden, daß wir uns selbst betragen und 
li aolcher onserer eygenen Liebkosung und Verblendung ganlz 
■aTcmerckt im abscbenlichsten Schlamm der allergransamalea La- 
■Isr in der Höllen Abgrund versincken. 



e Myn 1-r 166] mUmi. 16 tuff] B inr linoken Hftnd. IS MU [X MS] 
Um. 31 ejrgeDeii] fahlt B. 




6(4 n, 4; it. 

Hier bedencke mm ein jeituet: 
Gemütti, in was vor eine Seelen- 
Begierden geleitet oder, besser 
richtigen Weg zur ewigen unfe' 
i Satbanas geführl, als welch 
ich dfls ersle ma) ditjrh .' i-/K||NTK t'AIMTKI.. 
bedienet, einen gros,- .' „ „ ,. ■ »^ .1 n 

^ ^. ' Elias gezelletr. von der Esther aaü- 

irenabl, massen er ^' "? _ 

geleister Dienste .^ **"' ''«'' g-'^^^«" ß"««^" ""^ 
,0 mon, dessen ^^ McberUche Maaß geboren. 

nmb wessf /^ oboMehller musen den Elieaer und seine ToiAVa 

und alle- ^^.^^ ,„^1, ^^bsl daraoff spiut und freute, daß den 

"* ^^Ä^EIuI der Elias erscheinen oder vielmebr mein Ver- 

' ißi^jB^g*^''^^ gesälligt werden solle, wolle ich gleicbwol 

" ^^^(raiiän, sondern besorgte mich vor Jüdischer List und 

1"^ ^ ,f^lci<^ht nicht recht glauben und trauen, sondern, wann icb 
I ,f^ ,grb*i>ende Arbeit beginnen wolle, mich elwan auffopffera 
I j!!^"- "^""owegcn schliche ich den Tag zuvor in Eliezers Be- 
I ^^"S bemmber, zu sehen, wie sie sich anliessen, ob sie den 
I »mIP'8'''' ^''"^ "'" Broul-Bett oder eine Toden-Grub bereiteten, 
Igai Tande, daß diß elende Volck betrogen seyn wolle, anff dtl3 
fSrlBH^t würde die Weissagung deß Munds der Wahrheit, wtm 
I fT »pricht beym Evangelisicn Johanne Cap. 5 : Ich bin komiueit b 
meines Vatters Namen und ihr habt mich nicht angenommen. So 
(■In anderer kommen in seinem eygenen Namen , den werdet ihr 
I annehmen. 
Und weh dem, der in seiner Verslockung also, wie die ver- 
' blenilte Juden, ohne Milthetlung erleuchtender Gnadenblick von 

Golt verlassen wird, daß er ohne Bekehrung'in seiner L'nbußfer- 
ligkeit verharre! Wer solle immermehr vermeynen, daß gelehrte 
H Rabtner sich fiberreden lienen , dem H. Prophet«! Elie tut- 
trauen, daß er Unkenschbeit pflegen und durch SOad und Gvli 
aiißflllige Laster den verfaeissenen Heyland, dem d« njloliit GOTT 
die höchste Heiligkeil zalraaen, erzengen werde I Aber Miete 



^ 



1 [f 167. H a, 436. K 3, 436] Du. 6 iBlbrt] B feaL 7 Elnl] H E 
16 die) XH dlMD. dre [j 188) WeUMWvng. 19 Nft[X M61nMii. 11 
H der alfo. «Im] fehlt H. 



n, 4, 15. «17 

''ur anir die zeilliche Wolfarlli und was dem neiseh wol 

-eD, die kdonen ihnen ancb keinen andern als fleiscb- 

?inbilden. Sie haben allbereit bey 19 falacber Het- 

* gehabt und werden ins kflnStig nit aniniören in 

jnil Verstossung noch mehrem ihres gleichen zu 

j sie nach und nach entweder abgehen oder sich hie, da 

> der ein und ander einzelig bekehret, also daß im kAnSUgen 

jMett Tag deß HErrn wenig mehr von ihrer grossen Menge, die 

il nnzehlbar gewest, übrig seyn werden, massen allein nnlem 

r Aelio Hadriano vom Jahr 131 biß Anno 137 nach Christi 

t offib ihres Verführers Barchochet» willen Cwelches einen 

ni-Sohn heissßl) viel hundert tausend Jaden, Weiber und Kin- 

r ubkommen. Rabba Bereschits Bahba fol. 74 schreibet, es 

jtm damals allein in der Stadt Bethera, so sie bitter nennen, 

1 hundert tausend Menschen drauff gangen. Darumb sprach 

PiM» Joda Echa Bahtbi fol. 71 , Man soll diesen Menschen hinfort 

MilU mehr Barlucbba, ein SternKind, sondern Barkostba, du ist 

iill Lflgen-Kind nennen, wie solches Chrisltan Gerson von Reck- 

ImkniiiH. ein gebobmer Jud und gelauffter Widergebomer Christ, 

iLrior Widerlegung deß Jüdischen Talmuds Üb. 2, Cap. 9 eraeblet, 

1^1 W KOch vieler solcher falschen JudenMessias gedencluL 

-Aber hiervon ferners zu reden, will ich vor dißnal andern 
4hlriMwn nnd allein meine Hislori erzehlen, welche deß Inhalts 
llft, iM& Eliezer seiner Tochter Esther Scblaffkammer nicht allein 
ab Boltwerck, Sosseln, Küssen und andern Zierden dermassen 
als wann ein Königlicher Prinlz dort hfilte logiren 
■, sondern er rersahe auch seine Küche mit den allerdelica- 
m SpeiseB and an allerhand Confecl befände sich ein Uberflol^ 
it ja Elias wol tractirt and verpflegt werden und also sein 6e- 
m Hit seinem deito grösserm Contenlement verrichtet werden 



6 BVmilf ie9]beit. 11 Oe[H 2, «27. K i, 437JbntU 16 BabtU] 
iUUhi. 18 Oenon] Chrirtian Genon, von jadwcheii eitern 1569 io Beek- 
a im erutiR Cfiln geboren, lebte in Frankfurt un M«in, wmri dnrch 
Luban Bettem tutunent bekehrt, in HUbentmdt KetAoft, •tndierte 
It tbeologie, wkrd diusonoi, spUei pfsirer toi dem Bergt bei Becn- 
hng in flbatwtbam Anhalt, ertrank 1617. Sein Talmud jndaioun irt m Qoft- 
Ih IM7 gtOtmkt. 30 JOdiMbeD [t 190] Talmud*. » h[X M714«a. 




U, 4, 15. 

Ich hatte mir ein rauhes llaarigs Kleid sampl einem ledwBea 
Gürtel zugerichtet, damit inline Esther, wann sie mich in solch« 
Beschaffenheit fühlete, desto weniger an deß Elie Person zu iwei- 
feln hätte, und als ich deß Eliezers, seines Weibs und seiner 
• Tochter bereilfertige Gutwilligkeit, nicht weniger such geseheo, 
wie fleissig sie die ganize Zeit über, seit sie die BottscIialTl von 
Engel Uriel empfangen, an der Tochter gesclimückl, geschminckl 
und aulTgebutzl, zog ich solchen Elianischen Habit an, nam mei- 
nen Bisam-KnopIT mit mir, loachle mich unsiclitbar und Ttiiide nri^ 

» auir die veranlaßte Zeit in der Esther Zimmer, worinri ich meine 
Gegenwart gleich durch den gewöhnlichen Geruch, den bevdet 
Tuchler, Vatter und Mutter schon zuvor in Eliezers SchlafTkainnei 
geschmäcki, und durch ein sanlTtes Geräusch zu erkennen gab, 
darauir Valter und Mutter sampt der Esther Dienerin abwichen 

is und uns allein Hessen. Sie war nur in ein zartes lleuibd und ia 
einen Damastenen SchlafT-Beltz, durchaus mit Mardern gefüdert, 
angekleidet, ihre Arm und der Hals waren mit ZahlPerlen ge- 
ziert und der KopIT allerdings gezöpIT) und auffgebendelt , ine 
bey den Juden -Bräuten der Brauch ist. Der Tisch war mit aller- 

» band Confecl überstellt, darbey auch grosse ühergüldle Pocal nül 
Canari und Spanischem Wein gefüllt, nicht mangleten, das Bett 
aber war mit Seidenen Uuibhängen, mit einer mit Gold und Perlee 
gestickten Seidenen Decke, mit dum aller -gelindesten Gefäder 
und, was Leinen seyn solte, mit dem allerzartesten HoUandischea 

u Leinwad an Küssen und teylachen dcrmassen kostbarlich aus^ 
rüstet und geziert, daß es gut und Majestätisch genug gewest 
wäre, wann gleich der Türckische Kaiser oder der Persisok 
Schach selbst seinen Sitz und Tummelplatz darauff hatte h^n 
Bollen. 

10 Weil ich dann nun mit der Sprach so arüich Jodeln od 
parlaren konle, daß du selbst, wann du mich reden hören, eilM 
LäufTer - Botten seinen Spieß entzwey geschworen hättest, idi 
wäre ein Portugiesischer, aber zu Amsterdam geborner Jod ge- 



1 mir)Tniu-. ö gesell 19I]ben. 10 auff] X aach in veranlafita. BmcI 
^ sn reranlutar Zeit 16 gefUdcrt] XH gerattert. 31 rauig[T I92]lel«D. BW 

[B 2, 438] tbet. 12 UmhttD[K 2, 438)gea. 23 mit (X 548j dem. 36 SolsK*) 
X Schach Seti. II Sctuioh ScTi. Sl pkrluoo] XH pkiJieieo. 



B, 4, 15. «19 

wem, SMie, m Ihit ich das Haut ge^n der Bsihar aoff C'^er 
doch machte iehs nicht lo lant, daß mans vor der Thür bilte bdren 
Bid TflHtehen kSnnen) and log ihr lo einen Hauff» gaU daher 
Cwim niM anders die Lägen gal heiuen iärBie), daß ihr dai 
• Berts im Leib vor Freuden auffhupffle. Nemlich brachte ich ihr 
antlicb einen Groß anß dem Paradeiß von allen Patriarchen und 
Propheten deß Alten Testaments mit vieler Gläckwflnschung neben 
der BolticbaffI vom König der Well Cdann also pflegen die Jnden 
Gott m nennen, wann sie am allerandichtigsten seyn, ob gleich 
la wir Otrislen nach dem Exempel unsers Erlösers den bösen Geist 
einen Fürsten dieser Welt titulieren) dalS sie den Moschiach von 
■ir enpbngen nnd gebären solle, dessen sich das gantze Himm- 
liMte Heer erfreute; worbey ein jedes Gottselig GemQth betrach- 
ten kan, wie gar ani^elassen, Gottlos- nnd leichtfertiger Weise 
ti die jenige, so einmal angefangen in dem wüsten Unrath und 
Schlamm der SQnden fortzuwstten, mit dem Himmel selbst und 
seinen heiligen Einwohnern zu schertzen pflegen , worbey solche 
Gotts-vergessene gleichwol die Grösse und Abschenlichkeit ihrer 
begehenden Sfind ohn Zweifel anlS Verblendung des bösen Feinds 
tt duaecb weder mercken, achten noch betrachten. Heine Esther 
mm alles viel beltsndter nnd vor wsrhaStiger an, als ebemalen 
ihre Tor -Eltern die Wahrheit, so ihnen die Propheten oder das 
H. BvingeliBm, m ihnen Christus selttsi und seine Apostel ver- 
kdadigeL Sie sagte: vollbringe an mir, was dir der HErr befoh- 
» len hat I 

Und danchte sich schon in ihrem Sinn neben ihrem känfftigen 
8(An KU Jerusalem eine großmächtige Kaiserin Ober die gantse 
Welt zo seyn. 

Es beichtet einsmals ein Welscher unter andern auch diese 
M Formilia: Bin ich auch auff das Kürbe mit die Leyrere lustig 
gesin! 

Was mehr? fragte der Beichtvatter. 

Hah ich auch mit ihm anff das Hew der ganlze Nacht geachlaff. 

Was Weilers? fragte der BeichtvaUer femers. 



6 N«m[T 193)liDb. 20 Esther {f 194. X 649] ntm. Sl ehemalu] fahlt XH. 
3S iMlobtel] H beiohMte. SO «nchj fohlt XH. SB Uuu] XH Ihr »* *«>' 
un? {H I, 439. K 1, 41»] fragt«. 




MS , mir utlehe wol verÜMan «ier w»l gv TfrtgyJia k 
AU ich midi m* die Naekl darch g,iw|.iiii lAfcn 
ich rfcr Erther za verachBca, ^ es Ta^ i 



Kl* 



M wn£g dcBseUKs Tag bey etficbea BetchneiJigea geg e a iirt^ 
wya Btüste, ich wörde mich aber auf ilea Abead irieJer hey Ar 
cnuldlra, erlabt« niich danaff «il elwaa Coofect Rad eiaea IViKh 
SpaaiKhea Weia , schiede bey ereypieader Gelegeaheit aiit Uia- 
derlaanag deß gewöhaUchea galea Gerachs voo dannen, dahöa 

ai aafizasdüaffen. Solches triebe ich ellkh Tag and Nächte aach >- 
eiotader, biß ick deti Hadels mäd, sati and äberdräss^^ da 
gale Esther aber, wie dnrck »olcl>e Geschafft za geschehea flup, 
geschickt war, and demnach wir den letiten ilorgea Ton eiaaaiff 
•chiedeit , hindertiesse eines deei andern einen höstlichen Ring sar 

» Gedachtnns. 

Nach diesem dnnckte sich Esther wahrhafTlig keine Sav sefii 
und nicht allein sie, sondern aacb ihre Eltern prangten mit deai 
Heyl, das ihnen wiederfafaren. Als aber das Gerüchte \ou ihn* 
HltittBen Scbwäogerang onler den Jaden ersdioUen, hinllM ät , 



I dn] XB die. 6 Scbif] Altd. lu. 1. 145. iUtdentMli« g«diebta 4, %i'- 
^ Wu die iwei nä ditce. 

Du gib ieli eocb itt rtUn. 
Iftgeiu gnamattthealeanr 2, 277: 
Aber iraz li Uten. 

Du niöht CID rnSncb rAUa. ^ 

wir [f 19&] weiten. 1 1 lolchc*) H et. 31 idi [X ibO] tat. tt f 
'T ISejgeMhiekL 26 ticbl H sich di«. 8mi) H S«u n. 



n, 4, IS. 681 

M nrir vor den Chriften heimlich, damit ihrer Frodit tmd ge- 
samter Jadiscber Zacbt, welche ins knnffUg, wie sie glaabten, du 
Gkristenthnrnb xeratören würde, keine Ungelegenbeil inwachaen 
oder vielleicht ein Herodianisch Stäcklein gespielt werden könte; 

• sie selbst aber freuten sich unter einander höchltcb, giorierten mit 
ihmn Glanben, wünschten einander Glück anff die RÜs ins ge- 
lobte Land, luden einander zu Gast, sandten einander Geschenck 
md ehrten die Esther so hoch als eine Göttin. Der getanffle Eraß- 
■u bekam von seinem alten vertraalen Bekandten asch Wind bier- 

iB TOB} welches ihn in seinem angenommeneD Christenthomb fast 
wiaebehnätbig machte, worvon ich aber in nächstfolgendem C«- 
jiM redea werde. 

Je mehr sich nnn der Jaden Jnbel mehrete, je niber nickte 
di« Zeit heriwy, daQ Esther ihnen ihren Heyland gebären und also 

1* ihre Freud gantz voUkommra machen solle. Bißher war ihrer wie 
«ner Fürstin gepOegt worden, jettl hatte man wie «uff eine Kö- 
nigliche Kindbett zugerichtet, massen nicht nur allein die «-bhme 
Juden-Weiber, so mehr darbey gewesen, sondern auch die atler- 
Tomehmste nnd reichste Jaden der Statt nnd die allergelehrteste 

M Habbiner der Synagog sich zu ihrer NiderkonSt einbnden, ihren 
neugdmmen Erlöser, den sie in Mutterleib schon angebetet, aoch 
jetio bey der ersten Athemscbnappnng zu küssen und ihn mit 
herrlichen Pnesenten zu verehren. Ich hatte die TröpBn über- 
redet, sie wurde allerdings ohne Schmertzen gebären, aber siebe, 

V da es jelzo an dem war, fienge sie an zu wiotzeln, wie andere 
Weiber, und als sie ihrer Bürde entbunden worden, fände sich 
(aeb Adonay! welches leyder das allercchlimmste vor die Juden 
wir) an statt deß Hessic nur ein Töchterlein. 

Da kriegten die Anwesende erst lange Nasen nnd henckten die 

M Schnäbel allerdings biß auff ien Boden. Noch dennoch waren die 
Allergelehrteste unter ibn^i so närrisch, so blind und so verpicht 
auff deß Messie AnknnOl, daß sie mit nichten glauben kanten, was 
sie mit ihren eygenen Augen sahen, sondern sie sagten nnd fiber- 



10 aii[7l9;]geDomnieQcii. UgcUrea, [H>,480. K 1,430] omd. ISfBBtz] 
feUl XH. le eine] H ein KSniKÜchea. 24 »le [X S51] wSrd«. S5 Hndera 
[7 I»B] Wüber. » AnwoMade] H Abwwante. SO BetalW] XH 8c*>ft- 



m,4. 




ÜfjUa dttdnA ptobiilCy gleichwie 



4 diefel XH die. 6 Wer] H wv dock. 7 lUnficfc] 
f dreTsehendeB [7 199] Jahr. 12 al ftUt XH. 19 Utte] XH klttB^ 

Seluui die fdiSDe HeOigkeit, wer will eis Propfaeten 

Welch ein Thoiheit hier hcgeh*t die renwoBt» 

[X 652] Also pflegt ee oAemals noch hier maE die {H der] Weh mgehcB, 

Den Metfi« ^dachte die,) wurd sie anff die Weit gehlhiCB, 

Da et aber kam am Tag , was et endlich würde leyn, 

Mn«te man zn ipott nnd Sehand, ron den [? dem] Herrn [K Haren] ^wj^U^ hOnii 

Daa ihr der Prophet eingab, daA es ein Schlitz -Glhelein, 

O ihr Narren! werdet klag, der Meesiaa ist schon koomen, 

Tomme Jaden, dencket nicht, daft es eine Menschen -Saeh, 

Habt ihr von dem 8öhnlein nicht, der üarien, lingst Temommen, 

Branchet doch recht die Vemanffc, denckt den Dingen hesser nach, 

Sonst geschiehet each gar recht, so zam Spott betrogen werden, 

Der Messias kommt nicht mehr, bifi za dem Gerieht anff Erden. 

HK Doch ist aaeh dieses leichtfertig und gottlos gehandelt, daA eiaMensflk 
so sioher and rerwegen sejn soPe, solcher VerfOhrnngen sieh su antenteh«t 
im doch ein Christ sejn and heissen will, deren Fats-Naiten et aooh hart 
M Tage sehr riil abgiebet, and [and Tielleicht fehlt K] fieUttoht lun dtna wi> 



n, < 15. OS 



In, die also sejn snd lieiss«« wollen, dies« EneUang, (ob et aneh toho« nur 
•ia Gedieht wl^e^ hierber geteuet ist. nmb dannit la w«is^n, -wie rucbloe 
imd tboffeDhaffUg es doch aussehe. 

H% (sprieht wol mancher) den Schelmen Juden schadet es nicht, wann 
man sie gleich wacker anffziehet und fär Karren hlUt, die Diebe sind ohne 
den loa genug, und lachen uns Christen auch nach der Dauer ans. Aber 
■OB, irret euch nicht meine Lieben. Und ein solcher Narr, wird dercinsteu 
•oboa sehen, in wem er gestochen, und wessen er gespottet. 8ich Tor einen 
Abgasandten Gottes auszugeben, umb blosser Leichtfertigkeit und geiler Lust 
wagen, (wie hier dieser Erti-Vogcr.i welch eine Boßheit ist dieses? Doch 
giebet es so freTclhaffic Gemüther noch ab, die solches nicht achten, sondern 
Immer so hin zu ihren Narren-Posscu und Fatz-Gesp6tte sich Gottes Worts 
und deft Namens Gottes auff gut gcrath wohl bedienen. Ja sie meinen ofit 
nicht, daß sie auff eine andere Weise können lustig seyn , .vann man nicht 
GOTTES Namen, und sein heiliges Wort darbcy mißbrauche, und dieses soll 
alsdann eine ehrliche oder Christliche Ergetslichkcit hcissen. Vollgcsoffenc 
Limmel, d&rffen offt wol in ihrer grüsten Füllerey, aus heller Gurgel hor- 
Tor, so ein Wolffs-Geheul anheben, und singen: Ein Wohlgefallen GOTT an 
uns hat, ja an solchen Säuen dttrfft sichs der Müh rerlohnen. Oder es muß 
sich der herrliche Danuk- und Trost-Psalm Davids, der HERR ist mein ge- 
treuer Hirt, Ton ihnen auff den Bier-BAnckon abpoitschen und herumb k((- 
bem [H 2, 4S%] lansen, ab [K*2, 43 2] sonderlich die schönen Wort: und schone- 
keat Toll ein meiner Scel! Ach der .-Andacht, ach duß Mißbrauchs, also 
machen es diese Galgenstricke, nomlioh der mit dorn Vogel -Nest, und so- 
genannte Erasmus hier auch, welche denen andern sum Exempol ihrer Thor- 
heit Torgestellet, so die herrlichsten Propheten-Sprüche, yerkehret und ver- 
ketsert auf sich und seine Person applicirtc, die doch der H. Geist, so weit 
änderst gemeinet und verstanden hatte. Wann dermaleinst, von einem Jeden 
unnützen Wort solle Rechenscbafft gegeben werden. Ach GOtt! was wollen 
alsdann solche Späh-Vögcl sagen und antworten, oder womit wollen sie sich 
doch wohl entschuldigen? vor dem strengen Richterbänoklein Gottes. 

Wollet ihr sagen: HErr! wir habens nicht gcwust. Das andere Gebot 
lautet: Du sult den Namen deß liurrn deines Gottes nicht vorgeblich führen. 

Sprecht ihr: Es ist ein Posse und wohlgemeinte Kurtsweil gewesen, um 
die Ungläubigen in ihrem Irrthum auszulachen, und sie darduroh desto ehen- 
der auf rechten Wuge zu bringen. Ach solche Politio, und soheinliohe Auß- 
flüchten, darmit ihr euch offt vor der Welt durchlüget, taugen für das Bcharf- 
sehende, und Hertzcns-prüfende Ricliter-Aug deß Höchsten nicht. Dann er 
wird euch fiirlegcn^ seine klaren Wort: Wer der geringsten eines ftrgert, dem 
w&re bässer, daß ihm ein Mühlstein an seinem Hals hienge, etc. Nu ärgert 
man ja mit solchen Narrenpossen viel Leuthe, und gedenoket oflt wohl man- 
ches Religion- widriges, oder Ungläubiges, es sey gleich ein Jud oder TÜrok, 
eto. Ach wie gehen die Leutbe so spöttUoh und mißbräuohlieh, mit den 
Worten ihres GOttes, aus ihren heiligsten Sohrifften nmV Wer wollte dooh 



634 n, 4, 15. 



ihre ReUgion lieben oder viel darauf halten: Da« heiat geliert ood ni 
geb&ssert, und wehe dem, der ein solche Aergemüß begehet. Welches doek 
die sonst Terstockten Juden, in ihrem Glauben und heutiger Bliadheit nieht 
thun. Sie unterstehen sich kaum nur das Jahr etliche mal, sa besonden 
Zeiten, und an ihren höchsten Festen den hochheiligen Namen Gottes TTTT 
[K rsir»^] Jehova, nur mit aller innbrünstiger Andacht außzusprechoD, an deassn 
statt, sie sonsten insgemein, wo sie es finden, lesen oder aufieprechen, das Wort 
Adonai (das so viel als Herr, hoist) gebrauchen, augesohweigen, daß sie es 
erst, vergeblich zu GcspOtt, Mißbrauch, oder unnfitzen Dingen solten aa- 
wenden. Aber wir Christen, ach wie offt, wie Millionen offt fehlen und ima 
wir bierinnen? Und dannoch unterstehet man sich die Juden %n spötteh, 
aofkusieben und außzulachcn. O der Splitter- Richter, der Mückenslngert 
Die da ihre Balcken nicht sehen, [H 2, 433. K 2,433] und gantze Camele 
Terschlingen, (daß ich mit der Schrifit rede.) 

Einen Juden ärgern, ist ärger als einen Christen ärgern. Manchen gehet 
nur das Maul auf, so muß es gleichsam aus grosser Verwunderung oder An- 
dacht geschwind heissen: Ach JESUS, oder Ach HErr Jedi! die Tcrzwuntne 
Wäsohlein sprechen gar: Ach Jemini! und verstehen doch den hochheiligen 
Namen JEsu darunter. Mancher Prallhanns, fähret mit hundert tausend Plits, 
Stern, Qallehen voll Sakermenten heraus, welches eines ron den allerheilig- 
tten Wercken QOttes unter uns Christen, solle es gleich offt in einer Inmpeo 
Sach, die da nicht zween Pfenning antreffe, soyn, darbey m<m gleichwohl 
noch grosse Ehre und Authorität habfn will, welcher wohl verdiente, dsft 
man ihm die Lästerzunge aus seinem Frevel-Rachen heraus riesse, und qib 
das Maul schlüge. Bey den Juden, wurden die Gotteslästerer hiebevor ge- 
steiniget; Solte man unter uns Christen, alle Gotteslästerer steinigen, ich 
wo würde man Steine genug in der halben Welt, absonderlich in Teutschland 
und unter den vermointcn basten Christen finden, selbige zu tod zu werffen. 

Solche Ergcmüssen nun haben die Juden unter sich nicht, daß sie ihren 
Gott, ihren vermeinten Gott, und seinen heiligen Namen, und dessen hohe 
Werckc, also lästerlich beschimpffen selten. 

Zwar werden ihrer viel gedencken, der Schreiber dessen, wohnet gewiß 
unter den diebischen Juden, oder hat ein Recommendations Geld von ihnen, 
daß er sich ihrer also annimmet, aber mit uichten, die jenigen sind irrig, 
und gar übel daran, welche solches ihnen einbilden. Es ist erst kürtzlich, 
fast in dem nächsten Paragrapho zurück, gedacht worden, daß es höchst- 
sündlich sey, einen Juden ärgern, angesehen, sie ohne diß ein verstecktet 
Volck, welche auf bösen Wegen gehen. Und sollen wir sie darum eben nicht 
für Narren halten, sondern an ihrem Elend klüger werden, und gedencken! 
ach du armseliges und Uofi'nung loses Volck, daß dich GOTT doch bekehre! 
und du dein Heil bedenckon möchtest! 

Endlichen so heisset es auch, doch: das Heil kommt von Juden, and 
müssen wir sie dahero nicht gar für Hunde achten, weil sie doch auch Men- 
•eheDi ob aie gleich für unsern Augen freilich wohl offi ein hündiaohes Leben 



n, 4, 15. 625 



lOhren, so gut doch der ßpmch, und ist nocli nicht aaßgckratzet: Wer Men- 
schen Blat Tergeust etc. Darob sich ihre viele kein Gewissen nicht einmal 
sa machen gedencken. Kan sie Qott leiden und dalten, so kSnnen wir sie 
«ich [H 2, 434. K 2, 434] leiden nnd dalten, daß er sie Iftst leben, und unter 
m» leben, wer weiß warum er es thut, und mit ihnen Terh&nget hat, damit 
sie sich desto ehender bekehren, oder Tielleicht, desto weniger Entschul- 
digimg dermaleinst haben möchten. Daß sie es nicht gewust, weil sie in 
dem Liecht selbst gewandelt, von dem Liecht den Schein gehabt, und doch 
das Wesen nicht ergreiffen wollen. Wer wolte oder solte sich dann gerne 
solcher Blindheit theilhaffUg, und mit ihnen gleichsam verdammt, oder ein 
sehweres Gewissen machen. Weil es auf solche Weise doch darbey bleibet 
wie oben gedacht: Daß einen Juden ftrgem, sey &rger, als einen Christen 
ftfgsfn. 

Man lasse die armen Blindlinge uuTeraohtet, sie sind ohne deme Teracht 
geoQgf weil sie sich selbst veracht gemacht haben, was will taian derer lang 
▼iel spotten, welche ohne dem zum Spott der Welt von GOTT Verstössen, 
und uns au einem Spiegel vorgestellet sind, als die da selbst das Heil ver- 
worffen, so aus ihnen entsprossen. Irren sie, so lasset uns vielmehr betrübt 
aeyn, und mit ihrem Elend ein hertzliches Mitleiden haben. 

Das stehet Christen an, und nicht so Narren-Possen, 
Weil jenes uns gebührt, und dieses nicht geziemt, 
Man siebet alsobald, wie thOrigt der verschossen, 
So sich so loser Ding, und Schelmenstücklein rühmt, 
Fürwahr, es ist kein Ehr, die Leuthe zu betriegen, 
Ein Hauffen schwätzen für, zu glauben dis und das, 
Man muß nicht also frech, auf GOTT zum Possen lügen, 
Ein Narr redt in dem Tag, und schwätzet weiß nicht was. 
Ein jeder thu, und wart das sein, 
Und stell die albern Possen ein. 



Slmpliclsslmoi. II. ^^ 



n, 4, 16. 

Ibflt^n, ncnilicb, daß Esther, Eüezprs eines reichen Jaden Tocli- 
H.r, mit dem Mesitii schviangcr gienge, WL-Ichen sie soß göltli- 
cbem Bofulcli von einem Himmlischen Geist empfang^en. Über das 
erzL^hlte er mir noch einen eantzen HsnfTen Lügen von grossen 
ft Wundern, die Elias in kurizer Zeit gewürckt haben solte, welche 
ich zwar nicht alle gestilTtcl, sondern die Juden zu den nteinigen 
erdiuhli'l, und zuletzt henckle er daran, daß ihn allein diese g&- 
•chwftn(;erlü Esther neulich von der Ost-Indianischen Räise abge- 
hallen, umb zu sehen, üb deß Messiie Gebort aach so wunderbar- 
10 lieh zugidien würde, wie dessen Empfängnos. 

Dil kirnte ich nun leicht gedcncken, mit was yor Versuchun- 

in der gute Eraßmus angefochten wurde. Dannoch getraute ich 

11 nicht alles zu olTunbahren, durch was Mittel ich selbst über 

ir Esther gewesen, umb ihne dardurch von seinem Adligen zu 

tlüdigcn, unlerlicsso aber nichts desto weniger gantz nicht, die 

h mit einem hühnischon Gelächter anzuliüren und aufTzunebmen, 

1 Versicherung, daß abermal hinder dieser Messiasschaflt, wie 

;hnn »fTlera geschehen, ein Betrug und vergebliche Hoffnung 

stöckle, so er als ein wolfundirler Christ und belesener vcrständi- 

10 ger Mann von selbsten leichtlicb erachten konte. Ja ich liesse mich 

gegen ihmo in Ernst und Schcrtz so weit herauß, daß er als ein 

fohlauer venchlagener Kopff der Sach weiters nachgedachte «ad 

«ndlich sagte, wann es mOglicb seyn könle, daß der klage Elieier 

■nd leine so wol yerwahrte Tochter, deren Keuschheit von ihrer 

s» Mutter mit Lux-Augen verwacht wurde, betrogen werden köanen, 

M könle er solchen Betrug keinem andern Menschen zatranen, ab 

eben dem jenigen, der den Juden ins gesampt den ersten Posfea 

nit den außgablasenen Zetteln gespielt. 

Ich gedachte : wett, Fritz I da hasts erratben. 
M Und weil ich solches abermal mit einem grossen Gelächter»- 
hörete, setzte ich ihn noch in eine» grössern Zweifel, in welcbrai 
ioh ihn auch stecken liesse, biß die Esther an statt deß Messie nor 
eine Schlitcgabel zur Welt brachte. Damit erreichte zwar Eraßmi 
Anleclitung ihre EndschaOt, mit denen er bißhero der Religion 



fi Rllü] XII all. 11 [X 556] Dft. IB Er.ß[7 204]miii. IS nicht) 
XH nodi. 19 lU] X fnts. S9 l^ 205J Ich. 32 ateckeii [H 2, 437, K i, 4STJ 



II, 4, 1& 629 

halber geqoalet worden, hingegen aber vermehrt sich bey ihm der 
Argwohn je länger je mehr, daß ich in dieser Sach ohnfehlbar in- 
teressirt seyn müste. AulT was Weis solches aber geschehen kön- 
nen, vermochte er, wie gescheid er auch war, von ihm Selbsten 

5 nicht zu ersinnen, weil er gar nichts von meiner Unsiuhlbarkeit 
wüste und auch an so nichts gedachte. 

Unterdessen hatte ich ihn gar in meine Dienste genommen 
nnd ihn mit überhäuITter Verehr- oder Schenckungen dermassen 
eingenommen, daß ich seine grosse Treu in der HandelschafR, 

10 worinn ich ihn dann brauchte, taglich spurte und so weit kam, daß 
ich ein Schloß auff ihn bauen dörfTen, massen er mir auch die in- 
nerste Heimlichkeiten seines Hertzens und die heimlichste Angele- 
genheiten seines Gewissens besser zu vertrauen anfieng, als man- 
cher seinem Beichtvatter, unter andern aber vornemlich auch diß, 

19 daß er schier der Juden Heynung Beifall gebe, welche sie von der 
Esther Tochter hätten, daß nehmlich vielleicht Gott, daß sie Mann- 
lichs Geschlechts und der Messias sey, unter der Gestalt, als wann 
das Kind ein Mägdlein wäre, vor den Christen verberge, biß es 
zu seinen Jahren komme und verrichten konte, worzu es geboren 

so worden. Ich muste, wie leicht zu gedencken, der armen Einfalt 
deß sonst schlauen Eraßmi hertzlich lachen, und weilen er, was ich 
ihme der Zettel halber vertrauet gehabt, heimlich gehalten, zuma- 
len auch sonst viel Proben gethan, die einen versicherten, daß ihm 
viel grössere Heimlichkeiten kühnlich zu vertrauen wären, siehe so 

S5 resolvirte ich mich, ihme den gantzen Handel zu offenbaren, wie 
ich dann auch thät und ihm sagte, er solte sicherlich glauben, daß 
ich selbst deß geschlitzten Messi» Vatter wäre; wie ich aber darzu 
kommen oder durch was vorVortheil und Betrug ich so wol die Est- 
her, als ihre Eltern, überlistet, darumb bäte icli, wolte er Eraßmus 

so sich nicht bekümmern, welches ich ihm auch zu sagen, noch zur 
Zeit bedenckens trüge; es solte ihm aber mit der Zeit unverbor- 
gen bleiben. 

mirum ! sagte hierauff Eraßmus, ich hätte nimmermehr ge- 
glaubt, daß ein Christ, ein Christ, sage ich, der durch den heili- 

S5 gen Tauff zum Ewigen Leben wiedergeboren und zu der Himmli- 

8 Sclienckangen [X55C] dcrma^scn. 12 heimlichste 1^206] Angelcgt-n- 
heitcti. 15 gebe] XH gäbe. 2b die [7 207J EfiUier. 




hnn Frend durch das allerkösllichste Blat Christ so Ihener er- 
Rau(T\ worden, sich mil einer Jüdin Termischen solte, als welche 
Ton den Christen in gemein nicht vor nel besser, als Hunde, ge- 
hetzt und von ihnen auch Csie werden dann durch den Ueil.Tauff 
waschen und der Christenheit einverleiht) Hunde genannt wer- 
1. Ich hahe mir sagen lassen, daß an einigen unteutschen Or- 
Sewinsichtige Juden etlichen gailen Huren-Hengslen auß den 
sten Cii^h mach mich schier der Schand theilhalTlig, daß Ichs 
s ein nunmehr gctaulTtcr Christ sage; aber wer kan vor leicht- 
tige Leut, wann sie unsere Mitbrfider seyn?) JuiJenDirnen zu- 
a i«rülirt, als wären solches gemeine Weiber auß Christlichem Ge- 
V »chlecht gewest, und hernacli damit glorirl, daß sie solche Sünder 
j Meisterlich QbervorUieUt und mit ihres Geblicks, die sie Händin 
holten , betrogen, sagende, wann sie Hunde und nicht so wol 
nschen als die Christen wären, so würde ja ein Christ, wann er 
De Jädia bescblieffe, leicht mercken können, dtß er mit k^ 
m Henicben, sondern mit einer Hündin la thon; er könne dein- 
cb nicht glanben Cbenckt er weiter daran) , daß ich so Geww- 
nloß und leichtfertig gewesen sey, ein $o grobe SOad, die vor 
Mcbwister-Kind mit der Sodomiterey xn ballen, eb begehen. 
Hier traff mir zwar Eraßrona daa lebendig nnd räbret mir dta 
Gewissen dermassen, daß ich gewaltig in mich selber gieng und 
in Sinn an die Brust schlug, vomemlicb, daß ich diesen neuen 
(Fristen geärgert and vor begangener Sünde die Grösse derselben 
a nicht besser erwogen nnd betrachtet hatte, sondern erst von einen 
gewesten Juden lernen muste. Aber ich entschuldigte mich gegen 
ikme dermit, daß mich die unerträgliche Liehe gleichsam verblen- 
det und darzu gezwungen. Hingegen sagte mir Eraßmus, daß ich 
eine Creatur, die in ihrem gegenwärtigem Stand der ewigen Se- 
» ligkeit so wenig, als ein unvernünffHg Vieh, fähig, höher als Gott 
geliebt, eine kurlzo schnöde Wollust der ewigen Himmlischen 
Freude vorgezogen und mich damit der ewigen Verdamnus werth 
gemacht hätte, die mir auch wiederfahren würde, wann keine 
rechtschaiTene Büß folgte; ein rechtschalTener Christ solle wider 
si sothane Laster auß allen KräiTten streiten, umh seinen Schöpffer 

6 habe] XH hab. einigen [X hbl] uDteutEcben [H 2, 438. K 2, 438] Or- 
ten. 10 eu[t 208jecrübrl. 27 darmit, [f lOS) daß. 



n, 4, 16. 631 

ht xtt erzürnen, der ihme auch seinen Beystand hierzu verspro- 
m, damit er den Sieg erhalten und ihne hernach der gerechte 
npff-Meister nach der Überwindung desto herrlicher krönen 

Diese kurtze, doch scharpffe Predigt gieng mir, wie oben 
neldt, trefflich zu Hertzen; aber gleich wie einer nicht aulT ein- 
I gähling zum Schelmen wird, sondern gleichsam nach und nach 
ffelweis darzu gelangt, also bekehret sich auch selten einsmals 
* Sunder, sonderlich ein solcher, der allbereits vorlängst, wie 
war, in allen Lastern ersoffen, von gantzem Hertzen, es seye 
m, daß ihne ein absonderlicher Gnaden - Glantz von Gott er- 
chte. Ich verbliebe halt, der ich war, und legte alle Schuld 
r die Liebe, wie andere unsinnige Phantasten mehr zu thun 
)gen, die ihre Begierden oder vielmehr sich selbst zu übcrwin- 
1, keinen rechten Ernst und Fleiß anlegen. 

5 [X 558] Diese. 8 Btaffelweis [f 210] darzu. 15 anlegen] XH an- 
III. 

[H 2, 439. K 2, 439] Ein Thor wend offt ein Ursach für, 

Die ihn zu dem und dem gehraoht, 

Doch hat es offtmals solche zier. 

Daß jederman darüber lacht, 

Hier soll die Liebe schuld dran seyn, 

Daß dieser solch ein Sund begieng. 

Der Jud treibt ihn ins Gewissen ein, 

Daß es zuregen sich anfieng, 

O ein gar kaitos Christen thura, 

Wer so ist, kehr bey Zeiten um. 




>» *, t1. 



DAH SIKBZKH.%TK TAPITKI^ 

Wer dMfM Capif^ loluk wissen wiE, bbG eatweder 

MAft IcMM oder Umi lesen lassen, es sej dann, daß Aai 

eäer sonst erzeUe. 

* Vmh dieie Zeit i«ii|; ich an aackz^men, beydes wie kfe 

■•ein'-, Eatker mA obmt Töcfaleficia a«lj Etiezera Baaij akd Ge- 
walt bfioge«, «Is andt, wie ich «ie zwe; versorg^ii nöcble. U 
J a rt te, aie 4eM golea EnCtmo aiffubüdea, «Umit bejde nick 
A im GcKhIeeht hfinrathpo soltm, nnd gedtcht ralT MHld, 
r€lt wHdie ich ein RamhalTl stäck Gelt in die Hand krie^ea 
IMUe, wefeheff ich ihm mitgaben wolle, dal^ es ihm ein solcfa 
Arde, welche zn ingen vielen gantz abgeschmackt ud rawider 
frflei{[l zu leyn, Krieirtilem nnd gern spff sich za nehmen, ihne be- 
w^f^en folle, rfsnn Lieber, wie »chwer müste wol jetziger Zeit m 
li Ding in der Wi^ll leyn, weichet das holde Gotd nicht überwägelt 
UM wii*to zwar wol, daß die Esther mit einer solchen seltenen 
und rinTeri;lekhlif:h<rn Schönheit begabt war, daß noch wol rei- 
chere und qualtficirlere Kerl als Eraßmns gewesen, sich vor ein 
gri)f^ GlAck, ja vor die bödisle Gluckseligkeit selbst geschätzt häl- 
fi ten, wann sie ihrer zum Ehegatten theilhafTtig werden sollen; aber 
wann ich hingegen auch meinen jungen halb-Jüdischen Moscbiachs- 
Uttlg neben ihr betrachtet, von welchem sonst kein Mensch als ich 
wuite, auß was viir einem Gt^ist oder Fleisch er gezimmert wor- 
den (ohne was ich dem Kraßmo darvon gesagt) und daß glvich- 

I Wor| Xl[ Von an tcncliied liehen qd tagend Erzeblnngen. 
Uanchcrlcy Laster hier werden ortelilt, 
Uiu tnnn nur Geld za erblichen offt weblt, 
Darilurcb wird Oowision uod Seele geqnftlt, 
DoA man deß wegcs zum Himmel verfehlt. 

lIMb. H damit Irin] boydc. 9 Ge[X Sa9]soblecht. 24 gleich- 
IX .Illlnul. 



n, 4, 17. 633 

wol Kdb und Knb mit eininder an Usnn gebracht werden Bustea, 
so war Bir ahoschwer za ermessen, mit was vor einer affieetion 
utd beständigen künffUgen Treu beyde in einem solchen Stand nn- 
genoramen werden möchten, darinn sie unxerlrennlicb leben sol- 
len, so fem nicht nach alles mit Gelt, wie mit einer güldenen 
Metten Tersorgl und vn-bunden würde, über das war ich so leicht- 
fertig and Gottlos noch nicht, üa& ich mein eygen Geschöpff, mein 
eygen Fleisch und Blut, dessen ich besser versichert war, als 
nnacber frommer Ehemann, ohnwol versorgt in Wind schlagen 
md DBler den Joden lassen sollen; derowegen hiesse es bey mir: 
•Chane nor, wo dn Gelt bekommst! 

Ich wolte das, was ich in Händen hatte nnd id meiner Han- 
delsdiaffl branchte, nicht schmälern, der gemeinen Art nach aller 
asersätllicben Geitzbälse, welche, je mehr sie haben, je mehr sie 
begehren and nicht ehender genug haben, als bilj ihnen die Hölli- 
sche Flammen 17 Stadien hoch Aber den Köpffen zusammen schla- 
gen. So war ich auch viel zu faul oder bedunckte mich viel xa 
herris«^, vermittelst meiner Uiisi<^hlbarkeit hier und dort, nach 
und nach Pfondweis so viel zusammen zn Stelen, biß ich zu Cent- 
nera gelangt, meinen wilden Zweig sampt dem frembden Jüdi- 
schen Stamm eine Hillion mitzugeben. Daruiub verabfabte ich an- 
dere neue Anschläge, die mir aber bekommen, wie die Folge mei- 
•er Bislori erzefalen wird. 

Ich hatte mich nach und nach mit allerhand Leuten bekandt 
gemadil nnd gälte mir allerdings gleich, ob ich mit Armen oder 
Beichen, mit Ehrlichen, DapfTern oder mit Heyllosen nichtswürdi- 
gen lienschen meine Zeit hinbrachL Was etwas rechlschalTnes 
war, die tractirte ich mit allerhand dienlicher begegnung, wie es 
ihr Stand und homor erfordert, ihr affection zu gewinnen, und der 
DürDtigen Freundschain verband ich mir durch meine Freygetttg' 
keit mit geringer Uühe, jene zwar, sie endlich zu berücken und 
80 viel möglich um das ihrig zu bringen, diese aber, dauiil ich autf 
alle Fälle gelreue Diener an ihnen haben niücble. So hatU: ich 
auch Bursch, mit denen ich Lusls halber Gesellschafit kielte and 



1 muMoii] H niÜEten. & uiclit [H S. 440. K i. *40| auch. 17icli[XfitW| 
auch. beduDckte [f Klüj mich, äti ineiiiunl yuiciuuu. :il iar«bfiil^)c| Xlt vii - 
foitc. K Terfattc. 2B dicj fvhlt U. 32 diu«:] U dioMir. 34 nll [vll4] Aciioi. 




meine Zeil vertriebe. Unter solchen war einer, Aer sicli n&ter sl- 
len gegen mir am vertraulichsten anliesse und gleichsam alle in- 
nerste Gcheimnussen seines Mertzens «ußschültcle, welchen icb 
darumb mit nichlen weder unter meine beste noch getreoeste 
b Freunde zu rechnen weiß, wann ers gleich gut mit mir gemeynot 
hätte, weil mich seine FreundschalTt aufl* einen Weg geführt, dsr- 
auff das Ende meines Lebens das schröcklicbsle Exenipel einer 
aller- erbärniliclislen Tragcedi vorstellen können. Daß es aber 
besser gerathen, als ich nimmermehr umb Gott verdienet, so daß 

10 ich endlich zur Erkandtnus meiner selbst gedyen, welches kein ge- 
ringer Anfang eu einem guten End ist, das hab ich nicht dessen 
FreundschaiTl und mir beygebrachten Künsten, sondern allein der 
Güte Gottes zu dancken. 

Das erste Stückel, das er mich lehrte, war, Büchsen -Pulver 

u zuzurichten, welches im schiessen gar keinen Knall, sondern nur 
einen geringen Laut von sich gibt, das zu haben, heimlichen 
Strauch-Mördern und Wildbrät-Dieben anständiger, als ehrlichen 
Leuten, die aber hingegen auch, wann sie erdappi werden, desto 
härter zu straffen. Das ander war gleichfalls ein Buchsen-Pulver, 

M mit dem man Vögel schiessen konle, die zwar nicht darvon beschä- 
digt, gleichwol aber so durmlich wurden, daß man sie als toi 
auffheben und hernach, wann sie wieder zu sich selbst kamen, le- 
bendig halle. Drittens lehret er mich, etwas unter Sebieß-Pulver 
mischen, das würckt an den Menschen eben das, was jenes an den 

15 Vögeln verrichtet, also wann man jemand mit einer Büchsen 04ier 
Pistolen, so da mit solchem Pulver, jedoch ohne Kugeln geladen, 
vor den KopIT scheust, daß ein solcher, der dieser Gestalt ge- 
schossen worden, anderthalbe oder gar zwo Stund vor tod ligeo 
bleibt, unangesehen er vom Schuß im geringsten nicht weiter ver- 

so letzt wird. Diß letztere war mir zwar so wol als das erste nichts 
nutz, ich hatte dann mein Kurlzweil mit den Menschen wie nil des 
Vögeln haben oder einen barmhertzigen Strassen-Ranber abgeben 
und die Leute nur so lang tod wissen wollen, biß icb sie geplün- 
dert und mich mit dem Raub darvon genacht Nichts desto weoi- 



4 weder] Tehlc XH. 10 gedycD) XH gedercn. 14 BacbBeD-[X 5G1] 
Pulver. 15 Bur] H nun (II 2, 441. K 3, 441] eiocn. IT Sbanoh-MQrdeiB 
315] UDd. 32 ftulTbcbcu] XII HUffbcbete. 83 tud [t S16] wiMcn. 



n, 4, 17. 635 

gcrAcfciA&dockBdBVanntx, ddl kks köun ndd», diu 
flbCB fieaer mn, der aück «Mponle, difi pnelidiaa aantreUn, 
^rf ncn üireratoad kwlle es vor mcfats büses, weil wöA aller 
Acf Pilrer ZuMlai^ utörlirh za seya bedonckt^ ob es ^etrh 
4mM ABC wir, ia der jenigm Knast nit der ZeA la rxcellin, so 
■■■ die Schwutie «eiiaet, die oidllcb dee »UerridligsteB Weg 
m^ Teafei nfibrcL 

Dmb Bidideai nieia Lehrmeister meinen Vorwiti merckte 
^Ki sehe, daß ich begierig war, noch mehrers tu lemi», legte 
tr mir andere Lectionen Tor und kam von dea nalürlicben la den 
■aaatirlicben Künsten. Er und einer ron seinen Camcnden n«- 
Mea mich einsmals mit ihnen an ein einsames Ort, einen aaff Jang- 
far-Fcrgament mit FledermänßBlat in fremder nnverstandlicher 
Spradi beachriebenen Zettel, der onter den linken Arm gebnodcn 
tot Bucble, an einer Kitx, die wir mit uns trugen, lu probiren, 
■■d als ich Selbsten meine Flindt, die sonst so fix vrar, daß ich 
mifck kähnlich daraalF la verlassen, scharpff geladen und auff die 
aagabnndene Kalz mit dem Zettel unter ihrem lincken Tordem Fuß 
schiessen wolle, siehe da versagt mir dieselbe, obgleich das Pulfer 
aaff der Zindpfan hinweg brandle. Nachgehends schlug ich wie- 
der bey zehen malen an, aber mein gnle BQx thät mir den Dienst 
nicht, anch nur einen einzigen Funcken Feuer lu geben, ob ich 
gleich den Stein etlich mal verwechselte und jedes mal frisch Zind- 
EniBt anlTröhrte, worüber ich endlich so närrisch wurde, daß ick 
sie amb einen Baum zu stücken schmeissen wolle, dessen meinüs ' 
Lehrmeisters Camerad lachte, mich einhalten und nuch einmal an- 
schlagen hiesse, mit vermelden, daß er mir per Spaß das Bohr 
iDgetbao oder den Schuß verbannet gehabt. Darauff schoß ich die 
Katz, daß ihr die Bippen im Leib krachten, ob wol ihr kein Haar 
vom Beltz, geschweige das Fei), verschrt worde. 

Wer war begieriger als ich, auch diese xwey schöne Künste 
zu können? Ich verhiessu den zweyen Compagnionen darumb zu 
geben beydes, was ich halte und noch nicht vermochte, die aber 



2 uisporete] XII atispornctc. 10 den] fcbll XU. 11 Damen] XH ii"""'- 
12 ibiicn] U Bich. 13 r«[X 66S]g«meiiU 16 Mlb[T SlTjBten. W v.ir 
»uchscitc] XH verwecluolt. 24 auffrübrte] XU auffraiirlc. ioli [H i,^^'-- 
K 2, 4*2] endlich. 3S daramb [7 318] eu. 



darcHufi lädü 
, tmiim Hudi bvler ankwut, so wol fiecc ili 
Boek ir«l Mdere rortrcflUdie SAek Idirrs woltm. Uimuff Fülulc 

idi tiB tmm FrÜHtiick nnd sie such InnMcb ia ihr Losameal, h 

• Ite irir ew fcsdtritrbm Back zct^tea, woriniiM) zagl«icli w lid 
Mttrlkbe oad ibenuUtrlicfce Kille nffgi^teirbnpl wtres, dtß 
•iner, der sie alle gelerat md |[c^ hätte, in bäldc beym Voick 
licli berönt Macken onii dm XaaMa eiacs ErU-Zaaberen er- 
langen mögen. Da fände sid^ wie man sich auf unterschiedli- 

la che Hasier fecl machca uad andern Are Festigkeit hingegen aoS- 
Ifadn solte, Wie man die Weit^bilder tat Lieb rergaucklen 
möge, wie man da« WiJdlirel stellen, grosse Fenersbrünsle, diQ 
aiu ertöscben, bannen, nch nnsicIiUMr vnd Renler ins Feld mi- 
eben und soi^t viel handerterief Soeben mehr za wegen brio- 

u gen könle. Sie Hessen mick gleick die Prob von ellichen Stücken 
aeben, in dem sie einem Uanen nur einen Strobalmen saoipl 
einem Zettel von Jungfer -Pergamenl mit einem Faden, dm eäe 
Jungfer an einem Sambslag Abends gesponnen, an Hals bcncklen, 
welches bernarb schiene, als trüg er einen grossen Baickea. Sie 

M hatten eine Wurixel, welche, nur an allerband Schloß gehalten, 
dieselbe gleich auSsprengle. Solche gefiele mir so wol, weil fie 
sich meines Bednnckcns IreOlich 2u meiner UnsJchtbarkeit schickte, 
dab ich nicht ahliesse, bis ich sie von ihnen überkam. Hemacb 
zeigten sie mir noch viel nnterschiedliche Künste mehr, wie man 

n nemlich alle Tag drey gewisse Scbüß haben köntc, wie man Ku- 
geln gicssen solle, die Blut haben müslen und alle Festigkeiten 
aufTihüten, wie man verborgene Schätz finden und graben, item 
wie man Glück im Spielen haben müste. Endlich fanden sich auch 
Künste, Fisch und Vögel mit Hunden zu fangen, mehr einen Thi- 

M Icr KU haben, welcher, so ofTt man denselben ausgebe, so nfTl 
komme er einem wieder in Beutel, nicht weniger eine Ducst, 
welche, über Nacht untern Hut gelegt, deren noch neun zu sich 
bekomme, so mich an deß Furtunati Glück - Säckel gemahnete, 



2 diese — woll fehlt XH. 12 Jm] H da« [X 663] Wildbret Ollen. gio»e 
FeDerabtimato. 16 einem) U eiucn. Sirubalnien [y 219] Munpt. 19 ttügl 
Xtl trüge. 21 gtficlc] Xii gefiel. 32 wclcbej X widor. H wieder. 38 de» 

Ir I2ü| Fuituuali. 




«.4«. 



I a^dnov ak «M •»- 



I sdfal WdHr aalta kWa. h Sm» 



I« 



Xk ailckn KiMte* taMM kaka^ 
afari Taafidi, «ad aickt flotiM Oifcia, 
Der Bio lehnackt, hat Fakr datro^ 



DAS ACHTZEHNTE CAPITEL. 

Ein güldenor Fiscbzug mit einem höltzernen Angel, aocji 
anderer Quinten. 
Die so genannte Spreng- oder Spring-Wurlzel, welche ich 

G von beyden oben gedachten Cnmpanen verehrl krieg-le, sähe sehr 
bolzecht auß; darumb nenne ich sie hier auch einen hölttenieii 
Angel, zwar einen Angel, weil ich vermillelat ihrer bey 10000 Do- 
caten erfischte. Das gieng also zu. 

Nachdem ich dieselbe hatte, probtrle ich ihre Würckung bey 

10 nahe an allen Thüren und Schlössen, die mir vorkamen, und wo 
ich sie an dergleichen Ding hielte, sprang alles aufT, so daß sie 
mir niemal, wie neulich meine gute FHnt gethan, versagte. Weil 
ich mich dann neben meiner ünsichlbarkeit mit dieser Wurtzel zur 
Diebcrey so wol versehen befände, gedachte ich mirfi auch za 

li Nuls zu machen, vornehmlich umb willen ich Gelt zusammen n 
rappen ohne das im Sinn halle, umb meine Eslher und ihr Kinil 
damit zu versorgen. Werne hat aber billicher die Esther außzu- 
stenren gebührt, als ihrem leiblichen Vetter? Er halte doch sonst 
nach Jüdischem Brauch die milde Hand aufflhun müssen, wann 

iD gleich ich nicht gewesen und er sie sonst seiner grossen Reich- 
Ihumb gemäß hatte verheuratben wollen, welches ohn Zweiffei 
geschehen wäre, wann ich dem Judenbuben, den sie zum Bräuti- 
gam kriegen sollen, nicht vorkommen und ihm das deiicate Fleisch 
auß den Zuhnen gezogen. AulT solche gerechte Sach, die ich 

I [X 564] Das. 3 QaiDt(<n] XHK Quinteii. 
Noch temait eiiia ICnoBt- Manier, 
Die DicUr Tom TcuQ'el, ala Gott herrühr, 
Dencltt und meldt diß Capitel hier, 
DaG man sich golla schun Tür. 
6 hier] XH aucfa bicrciucD u. s. IT. 9 [^ 3^1] N'ochdem. 10 ScUoHn] 
SIT BclilÜHäecn. IC raj>[>!ruj XII ritpson. 19 Brauch] H Gobraacli. 23 t 
kommen] II vctkommcii. 



hotte, TerfS^rte ich auch mit einem Zwergsack ansichtharer Weise 
■I Eliezers Behsasnng mid spurte alle Winekel aaß> za sehen, wo 
das gülden Floß, ich Termeyne, der Kern seiner Reichthumh an 
Baarschaflt verborgen ligen mochte. Und die Wahrheit zu beken- 
so moste ich mich ▼erwandern über den stattlichen Überfluß, 
er nicht allein an kostbar liehen Haoßrath und Mobilien, sun- 
anch an allerhand Kanffmanns-Waaren im Vorrath hatte, dann 
ick öffnete unterschiedliche Gewölber^ bißweilen bey Tag, biß* 
wcflen bey Nacht, je nachdem es sich sdiickte and im stillen ver- 
Wrgenlich hergehen mochte, and liesse kein einzige Kammer 
insitirt. Za letzt kam ich in das allerinnerste Gewölb, worinn 
rechte Kaatzen sassen, die ich sachte. Da war nicht allein 
Menge Ton schönem Silber-Geschirr and gemüntzten grossen 
fObemen Sorten Torhanden, so daß ich mich darüber entsetzte 
md gleichsam erstannet, sondern es lagen anch Stücke Massen 
4ort Ton zagegoßenem Silber wie Ziegelstein, daß ich mir end- 
lich einbildet, es mästen alle Portugesische Juden in der ganizen 
Statt ihren Reichthumb dorthin in Verwahrung gethan haben. Es 
atonden eyserne Kisten Ton so schwerem Gewicht daselbsten auff 
einander, daß ich keine Ton der andern heben konte, und als 
ich die oberste KralTt meiner Wurtzel aufTgesprengl, fände ich sie 
so gesteckt voller Ducaten, als ein abgestrichener Sester voller 
Frucht seyn mag, den jetzt der Yerkäuffer dem KauOer in Sack 
fchütten last. Ich bildete mir zwar ein, es möchten vielleicht dit* 
anderste Kisten mit Edelgesteinen, Perlen, Klenodien und andern 
nUerkostbarlichsten Sachen angefüllt seyn, in dem wir der Deckel 
so reich war; aber weil ich ihnen vor dißmal beyzukommen vor 
nnmüglich hielte, behalffe ich mich mit dem, was ich vor Augen 
aahe, und füUcte meinen Zwergsack so voU Ducaten, als hinein 
giengen und ich zu tragen getraute. Hernach bescbloss«? icli alle> 
wieder so nett und genau, wie ichs gefunden, also daß man nidi. 
sehen konte, wer da gewesen, es sey dann Sach, daß jemantl lin 
Ducaten-Kisten geöffnet hätte. 

Darauif begab ich mich mit meiner Beut eben tio unsichtln^ 



1 verfugte [y 222] ich. Zwergsack [U L',4441 uubichio»rci. 2 EfK 0,44411? 
zers. Winekel [X 565] auß. 16 zuj^f^oficiirin Xli sunmmoii fff^i»«»«rn' i" 
17 Por[Y 223]tage8i3clie. 19 daHtlbalci»! tUii; Xli. 1(4 It««4. X r.rtr,] t)n>in<V 



der in mein Csbinct, als ich dim vorigren Tag dranß gingen mt, 
und gestehe unverholen, daß ich mein Tag so schwer nicht getra- 
gen «Is damals, waromb mir zwar Eliezer wenig Danck gesagt 
haben (olte, wann er gleich gewiisl hätte, daß ich mich nnr doig 

a und allein darumb so bemühet, seine Tnchler za Tersorgen. 

Nachdem ich nun diese ansehenlichc Summa Dacaten, die 
sehr nahe anderlhalbe Centner an Gewicht hielten, in Sicherheit 
gebracht, sludirle ich auch drauff, wie ich die Leede Personen, 
umb deren willen ich so viel Gelt verzwackt, auß Eliezers Haufi 

10 and Gewall kriegen möchte, doch zwar, daß es mit der Esther 
Willen und guter Zufriedenheit geschehe, welches zu wegen zn brin- 
gen, wie ichs damals darvor hielte, eben so viel Kunst und Ge- 
schicklichkeit, als Mühe und Arbeit erforderte. Was aber Eraß- 
mnm anbelangt, mit dem ich die Jüdin verkappten wolle, nachdf;iu 

i& sie sich zuvor zur Christlichen Religion verstanden habe, gedachte 
ich nicht, daß es viel Kappenruckens brauchen würde, weil Esther 
ihre vortreffliche Schönheit und ich so ein ansehentich schön Gelt 
hatte, das ihn anlocken könte, deren eins allein starck genag 
gewesen wäre, ihn zu persuadircn, beyde Augen, geschweige nur 

» eins, zuzuthun. Aber höret, wie es gieng, so werdet ihr sehen, 
daß ich näher bey dem war, was ich suchte, als ich mir immer- 
mehr einbilden können. 

Ich war oflt nicht daheim, wann Eraßmas vermeynle, iA 
sässe in meinem Cabinet; hingegen sasse ich oft bey ihn in Hm- 

» mer, wann er mich selbst hatte sehen hinweg gehen; dann soff aolcha 
Weis konte ich sein Handel und Wandel, sein Thon and Lasseo sehe« 
und darauß vernehmen, was mit ihm vmhgieng, was er im SchBd 
führte, ob er treu oder untren wäre et c. Einsmals vermeynte er mtA, 
ich wäre nach meiner Schnabelweyd irgendhin spatzirt, als eüie iKe 

•0 Schachtel, eine Jüdin wolte ich sagen, zu ihm kam, nnd demnach 
sie ihn aufT ein ungemeine, mehr Christliche als Jüdische Gewon- 
heit grusle, zumalen auch sonst ein grosse Lieb nnd Vertraolich- 
keit zwischen ihnen heyden zu seyn schiene, geriethe ich in die 
Gedancken, sie möchte vielleicht eine Creatur seyn, deren Braß- 



1 draaßj XII darauG. 10 der [II 2, 115. K 3, 145] Bstlier. 16 ich 

[y 3!^] niclit. 21 iDimcniichrl XII iuimerhiii. 31 Cbristli[X 56;]<:be. 32 V«^ 
trauUclikcit [^ 226) zivisdjtii. 



U, 4, 18. 641 

■108 zusteckte und mir abtrug, ohnangesehen ich niemal derglei- 
chen etwas an ihm yermerckt. Man sagt: wer nicht trauet, dem 
ist nicht am tränen. 

Ich lasse gelten, daß es wahr sey, und ich hatte auch die 

5 geringste Ursach nicht, einig Mißtrauen in Eraßmum zu setzen; 
aber gieichwol sagt man hingegen, wol trauen reite das Pferd hin- 
weg. Derowegen spitzte ich die Ohren, umb so yiel desto scharf- 
fer zu Yemehmen, was diese beyde vor GeschäflFte mit einander 
abzuhandlen haben möchten. 

Lo Woher, mein traute Josanna? sagte Eraßmus zu ihr; was 

bedeuts, daß ich euch wieder einmal sehe? Ich vermeyne, ihr 
seyet in hundert Jahren nicht mehr bey mir gewesen. 

Mein Freund, antwortet Josanna, ich kam ehemahlen zu euch, 
der Hoffnung, dahin zu vermitteln, daß die Liebwerthe Esther das 

15 Jadenthumb verlassende als euer Ehe-Gemahlin mit mir und euch 
in Ost -Indien schiffen solte; so komme ich aber jetzunder, euch 
allerdings das Wiederspiel zu verkündigen ; dann sehet Wunder, 
sie ist nicht allein vom Elia mit dem Messias schwanger worden« 
sondern hat ihn auch schon würcklich geboren und zwar in Geslult 

Eo riner Tochter, damit, wann die Christen seine Ankunfft viellciclit 
erbhren und ihme als einem Zerstörer ihrer Kaiserthumb und ko- 
nigreiche in seiner zarten und unschuldigen Jugend nach dem Le- 
ben stellen sollen, ghe er Wunderwercke verrichten und das gi ossi« 
Werck, darzu er in diese Welt kommen, vollführen künto, mc i\\ 

16 ihrem Wahn betrogen werden und ihn als ein Weiblich BiUl iK*\ 
Leben lassen möchten. Sobald sie vermerckte, daß sie vom 1\«*- 
nig der Welt zu deß Messi» Mutter erwehlet und vom Elias !•• 
sucht und geschwängert worden, dorffte ich nicht mehr vur iir 
Angesicht kommen, ihr von euch, wie zuvor gesciiehciu cim^ 

so Wort oder Bottschafft zu vermelden. Ich konlc dainals üir l : 
sach nicht ersinnen, warumb sie sich eintfmuls m> \iToi> i^uNlt- m 
beydes euch und die Christliche Reli(;:ion so gahlint* «eraciiu-;. i 
sie doch euch über alle Ding und den CiiristliciKMi Giaui»ni ut- 
mehr, als das Jüdische Gesetz, gelehrt und ^(oIicl;, m« ii..4« mi; muh 



17 Wie/; "227]dcrs]>itl. 1^Wcöbi«>; It.Niti-. .■ KL>Li|irtiiciir {H ' ''■ 

K 2, 4;:. :l. 31 so [X b^\*^\ H»olv -^ . .-:■ LUnallii'iim. !' « « ' ^»»i 

und] iLlh XU. 

Simpli'-:-, •■ • li ' 



II, 4, 18. 

re Eltern und deren grosse ncirlithumh verlnssen nnd mit euch 
■jiß ans Ende diT Welt in die verdrießliche Fremde ziehen wol- 
len, wie sie mir dniin kurlz zuvor, che sie schwanger wordeo, die 
Versicherung gellian, dfiß sie schon einen zimiichen grossen Wertli 
ü von koslharlichen Julielen zusammen gepackt und damit zu encli 
zu gehen beschlossen, wann sie nur eigentlich eine gute Gelegen- 
heit halten könte, aulT einer Flutte sanipt euch ihres Vattem nacb- 
forsühen in ferne Länder zu entrinnen. Was itaths nun, lieber 
Efȧme? die HulTnung, sie zu erhullen, ist allbereil verloren, vnA 

tu wann ilire Leibes -Frucht der wahre Messias seyn soltc, daran 
dann die »llergelehrtestc Juden gar nicht zweilTeln, sondern sampt 
denen vornehnisle Cuchams in Poln, zu Stampul und Jerusalem danor 
halten, daß er sich im dreyzchenden Jahr seines Allers in ein Maoos- 
Bild verändern und alsdann das grosse Werck der Erlösung Israels 

16 angehen werde, wann soleheni, mein liebster Ernßme, in Warheil 
nun also wäre, so thalen wir tliöricht, wann wir das erwühlte 
Voick Gottes vertiessen und sich seines Heyls, das nun so nahe 
bey der Thür ist, nicht thcillialTlig machten. 

llierHulT antwortet Eraßnius: was die Liehwürdige Esther an- 

10 belangt, habe ich mir nieniahlun einbilden noch festiglicb glauben 
können, daß der wiewol gütige Himmel mich mit einer solchen 
Übcr-Irrdisclien Schönheit würdigen noch das wiewol blinde Glück 
meinen schlechten Stand und geringes Herkommen mit einer sol- 
chen reichen Tochter begaben werde; ich habe sllzeil gesorgt, 

n es werde meine Verhängnus ein widerwärtiges Qoe einmischen, . 
daß mir die versicherte HoGTnung, die mir sowol von der Estbw 
selbst, als von euch eingesteckt worden, widenimh zu schinden 
machen würde; und derowegen wird mir zu rathen seyn, was ge- 
schehen, mir nicht gar zu tieS* zu Hertzen zu ziehen. Der Verlost 

so deß jenigen, was niemalen mein gewesen, ist leicht zu ver- 
schmertzen. Hab ich grdssers geholTl, als mir gebührt and mir 
der Himmel zu geben niemal beschlossen, so hab ich eine Thorheit 
begangen, deren ich jetzund selbst mehr zu lachen, als mich nmb 
der Esther Verlust zu bekümmern Ursach habe, angesehen ich ge- 



I grosse] XII groMen. 1 4 der [^ 229] ErlüauDg. !8 dergwegen [X 569] 
wird. 29 zu [II 2, 447] ti<;ir[K 2, 447] zu. 30 Icichl [t S^O] za. S3 nmb] 
feblt XH. 



II, 4, 18. 643 

Stehen maß, daß es schwer fällt, sich dessen beraubt za sehen, 
das einer würcklich in Besitz za kriegen vermeynt gehabt Betref- 
fend aber ihre Leibesfracht, umb deren willen ihr in earem Vor- 
satz, eine Christin zu werden, wancken wollet, weil ihr beredet 
s werdet, es seye der Moschiach, da muß ich mich warhafTlig 
über eure Blindheit zum allerhöchsten verwundem. Und nun ists 
allbereit kein Wunder mehr, daß sich das Jüdische Volck so viel- 
mahl von unterschiedlichen Betrügern, die sich vor den Moschiach 
aaßgeben, verführen lassen, wann sie auch glauben können, daß 

10 ein Mägdlein in der Wiegen der Messias seyn soll Wisset ihr 
dann selbst nicht, daß die Weibsbilder bey euch nicht in das Hei- 
ligthumb, ja noch heutigs Tags nicht in die Synagogen konmieii 
dörffen, so daß es scheinet, ob wären sie als ein undüchtigs Ge- 
schlecht vom Gottesdienst gar außgeschlossen? wie solte dann ein 

15 Weibsbild gar der Moschiach werden können? Aber einem soIcIumi 
Volck geschiehet recht und ist auch kein Wunder, wann es t*ii< 
Weibsbild vor seinen Ueyland erkennet, weil es ehemal an G(»Ui.'> 
statt güldene Kälber geehret Glaubt mir, liebe Josannu, üul)» in 
eures Moschiachs Vattern kenne, welcher auß Liebe, die t'i /c- 

20 Esther getragen, sich vor den Propheten Eliam außgeben uini r- 
zu Lohn ihrer Leichtgläubigkeit, die junge Tochter unueliciH 
Und solte gleich geschehen, daß diese Frucht, wann bie Aiauno: 
in ein 3Iannsbild verändert würde, so wäre solches gur niciii!» n* 
also auch kein Wunder, viel weniger ein Messias dclj^vc^« • 

25 hoffen. Darumb, liebe Josanna, rathe ich euch, ilir woiici (rir> 
Torlängst gehabten Vorsatz ins Werck richten unu mrui iüm 
auff die Esther warten, wann sie so fesliglicli ifiauin, üiin 
Tochter der Messias sey. Habt ihr sie und ihre Keiciiiumiiu i- 
zu Hülff, darauff ihr ehemal euren Trust njet^etzi, m> Hrt'.i<. . 

30 doch Gott den Allmächtigen, wann ihr euch tiuicu ucn li*-.. i 
zu ihm bekehret, zum Zuflucht haben, dci eueji uuuii AiiUiuit;ii' 
verlassen wird. 

Josanna höret diß gar kaitsium^j in., ^u liü.j n.t .. « •^. ht • 
konte. wie venvirret und Zweilclnallii;; .-ml n^ nii-.:.. vcniu. ^^ 

05 Sie vtTrriochte auch nicht zu giaui>*' u: .« ^..i umK*r>w 



t?i 






n, 4, 18. 

diu Esther g^escbwängcrt haben solle, weil sie wusle, wie genau 
sie unter ihrer Bitern Aufsicht vor der Gemeinschfiirt aller Maons- 
Bilder l>t;wshrel würde. Endlich sagte sie zu Eraßmo, sie wolle 
sich noch weiters, was sie Omn oder lassen solle, bedenckcn, gien^ 

auff ihres Wegs und verhiesse dem Eraßmo, ihm in bälde wider 

cusprecben. 



■l Aufraiclit] Sil Anglicht. 3 Er^mo, [H 2,44B. K 3,448] «in. 
MUlH'cchtii]] XU iDsprechea. 

So BQCliet durch Betrug und Tack, 

On mancher Hen«c1i »ein leiUicIi* {H KeiUidi] OlOoli, 

Er Boehl and ündet e. iwsr wohl, 

Doch läßt er, was er •neben soll, 

I>A* Ewige, das nStbig wfir, 

Verlaslcl, uud Tcrlftcset er. 



D, 4, 19. «45 



DAS XEUXZEHXTE CAPITEL. 

Kuh und Kalb wird mit einander yerstellL 



ALs ich aoß dieser beyden Discoars genngsiDii verstindea, 
daß Esther in Eraßmam and dieser hinwiederumb in jene YerliebC, 

$ zoBiaien beyde deß WiOens gewesen, wann ich nicht mit meinem 
Sanier darzwischen kommen wire, mit einander sich trauen an 
lassen and folgends darchzogehen, zuvor aber dem Eliezer etwas 
aar Zehrang mitzunehmen, da begante mich za reuen, daß ich 
dem guten Eraßmo den Raum abgehoben, Durch meine Unzucht so 

10 wol der Esther, als der Josanns Bekehrung verhindert und Eraß- 
■um selbst nicht wenig geärgert, die Juden hingegen aber in ih- 
rem unsinnigen hoffen und harren gestärckt hatte; gedachte dero- 
wegen, gleich solches alles wieder einzubringen, wiewo! ich dem 
ehrlichen Eraßmo der Esther JungArauschafft nicht wieder resi»- 

15 tuiren konte, als vor welche er meine junge Tochter zu eygen hü- 
ben solte. Ich tratte unsichtbarer Weis mit auß dem Ziniiiier, al> 
Josanna hinweg gieng, kehret aber gleich sichtbarlicher Geslali 
wieder umb, kam zum Eraßmo und stellete mich allerdings, uls 
wann ich sonst irgends herkommen wäre und ob wäre mir Ju»aiiii.< 

f« unden im Hauß begegnet, fragende, was das vor ein Weil» ^t>^, >.> 
bey ihm gewesen, und was sie da zu verrichten gehabt. ErMbum 
war so ehrlich und offenhertzig, daß er mir niclil alU'in mtn 
gantzen Discurs erzehlte, sondern noch darzu sa^U*, diii» n ui 
Esther lange Zeit heimliche Lieb zusammen )(elr«)(«'n, viiittiti»' 

25 aber deßwegen niemal Mündlich besproclieii, viei H€iii|it*i «t*iuir 

4- 

2 Terstellt] XH Terstellt. 

Nicht eioe jede i'albcli« li*« . 
Beglanb man, dal* \i>i. lii.iu.r:. »• 
Wano nicht dii l'oig-l lui. i.>^; atumr^ 

4 LiLwiedcnimh] X liinvMcdiiinü . Jäi «ji «um.-. '. |''tif-i»i j\ 




hüllen, sondern Josanne wäre ihr Mercurias, zavor al>er von Ju- 

gLTii] au(r der Esther Iturmcisterin gewesen, welche sie nicht allein 

bUl' Frauen-ZiRimer-Artieit, als nähen, stricken, würcken, sticken 

und dergleichen, sondern auch Teutsch lesen und schreiben geler- 

el, in welcher Zeit ihnen Christliche Bücher unter die Hände 

minien, worauQ beyde einen solchen Lust zur Christlichen Reli- 

ion gescbupin, daß sie sich resolvirt, dieselbe anzunehmen und 

sich Isuffen zu lassen; es hätte ihnen aber an Leuten gemanglcl, 

die ihnen mit Ralh und Tbat an die Hand gangen, solches ihr heyl- 

iain Vorhaben ins Werck zn setzen, biß er Eraßmus selbst von 

den Juden zu den Christen getrctlen, da sie dann nicht allein das 

Tlz gefaril, ihm, was sie im Sinn hätten, zu vertrauen, sondern 

hätte auch die Esther auG sonderbarem guten Vertrauen, wel- 

;s sie zu ihme Eraßmo gefalJt, weil er selbst auch ein Christ 

rden, ihme durch die Josanna die Versicherung Ihun lassen, 

le zu heurathen, so fern er »uff Mittel und Weg bedacht wäre, 

daß sie heimlich mit einander ihrem Valter Cder anderer Gestalt 
durch sein vieles Gell, der sonst alles damit zu wegen bringen 
könte, ihr Vorhaben verhindern würde) sicherlich und zwar heim- 
n lieh entrinnen möchten, woraulTsie mit einander beschlossen, daß 
sie alle drey mit der nächsten Flott, so nacher Baltavia in Ost- 
iadien abseglen würde, durchgehen wollen, worzn sich dann die 
Esther jederzeit mit einem guten stück Gelt und vielen Klenodien zb 
Behuff solcher ihrer vorhabenden Räis gefast gehalten; Interim aber 
» habe ihm Elias das Brot oder vielmehr das köstlich stück Fleisch 
vorm Haut abgeschnitten und damit zugleich der Esther den Lust 
lor Christlichen Religion verderbt, als die sich nunmehr eine Hnt- 
ler deß Jüdischen Hessie und dannenhero gar groß zu seyn be- 
dancke; so seye ihm auch von einigen seinen alten Cameraden 
M gesagt worden, daß sie gleichsam wie eine Göttin in Ehren gebal- 
ten und ihr Kind bey nahe KÖniglidi verpflegt und aufferzogen 
werde, so daß er, sie zu bekommen oder daß sie sich noch bekeh- 
ren werde, keine HoITnung mehr zu machen. 

HieraulT Fragte ich ihn, ob er noch willens wäre, wann sich 
3i Esther bekehrte und ein gut stück Gelt zn ihrer Außsteurung vor- 



1 1 dann [^ 235) nicbt. 14 ta [X 57!] ihme. 27 ei 
bcdnockc] n bidoncktc. 33 daß] X da5 ei sie aidi. 



II, 4, 10. 047 

banden, sie und ihr Kind zu nehnion. Kr anlwortoi: i«*li IihIh* «iü 
mein Tage nicht gesehen, sintcmul sie jedürxeit vor den Mann«- 
Bildern wie die Kunstreiche Geniäld vorm Staul) und liiiueh lie- 
wahrt worden; wie kan ich dann eine Katz im Sack kaiiil'eny 

5 Zweytens müste ich sorgen, wann ich sie hätte, Aüh tjedachlnuM 
an ihren Eliam möchte mehr Flutz und Liehe in ihrem iiemulh ha- 
ben, als meine Person. Drittens möchte es vielleicht ein Hehierlit 
Geblüt in stehender Ehe setzen, wann man «ich heyder, oder nur 
einer Seits erinnert, daß ein anderer iWn erNte und hente Hluiiten 

10 gepflückt. Viertens wirds schwer fallifn, eini'N andern niiuii/.i'U 
gleich den seinigen zu warten. Fiiniriena wird miblirh ^U.-ht'ii, 
daß sich deß Jüdischen Messia; leihliche Mutter zum übhftleutJiumh 
verstehen werde; und schließlichen, wie wolte ich milmejn«'i liiüul 
und ihrer Leibesfrucht, daraulT sich nunmehr die llofruiint/ ih;r LtUt 

15 sungdeßgantzen Jüdischen Voickssteurel, Ann Xaebitti'tlunt^en hie: 
zers, dessen Gelt aller Orten mit Gewall durchtrinifl, entllieliin 
können? bedunckt mich demnach ((eräbriicb zu »eyn, hieraud he > 
so geschwind zu rcsolvlren, es ^cy dtinn Sach, düß ein K«;hi in« i» 
ler Kopfl* durch seine klusfe Krfindun;(en wir hulehi: KirlMlniMi 

» Verhinderunsen, die ich forchte, vor»irbiijr aui* tiKW W'rn /n i' • 

«i>se. C'ber das mM.hte irh moI wirken, wüi» «i4> »ui 

■küit«.', s*j dtT Eäther i\^ t'tutrr ;>litruiini;^i;ii Ju'iiii Ij' ■ > «i 
fc* ▼icl C€r5<»;nj zu i'tir*:r \{K'tiuhU:n*:r ^ku*:u wuni« . 

H-z'.Tl Er<£:m»r. 5»2V: i*:U h.tk'/'J*'**^ **'h Hjii liii iiui •• 

:i:* Prjni^-a »r/.w'/rirr.. cj «r-'^'sl imr m«: t;»' = .. »'■ 

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\ U, 4, 19. 

ch schon ein vorlreHliche Artuney, sinlemal ich die Such schnn 
dahin zu vermitllen weilS, deß Oie Esther nichts anders wissen 
niiuh glauben soll, als du seyest selbst der Elias gewesen, der 
Ihr die junge Tochter aulTgesaltell, so fern dn änderst das Kind 
üben wirst können, so dir umb meinetwillen zu thun muht 
hwer seyn wird. Was den dritten Puncten anbelangt, weil die 
ther dich selbst vor den Bauber ihrer JungfrauschafH halten 
ird, so wird das, was du in selbigem Puncten sorgest, Idcbt 
der schwer zu machen, bey dir stehen. Also auch ist es mit 
em vterdten Punct beschalTen, wann sie nemlich glaubet, das 
ind sey ihr und dein, du es aber umb meinetwillen liebesL 
iniriens wird auch bey solcher Bewandnus der Esther hofTärtige 
inbildung von selbst fallen, wann sie nemlich ohne allen Zwe»- 
icl darvor hält, daß sie an statt deß Eljie den Eraßmum in Ar- 
ien gehabt, der sie auch an statt einen Mannlichen Messias nur 
nit einer Tochter begabt, welches genugsam bezeugt, daß sie 
lelriigen worden; und solclier vorgelolTene Betrug wird sie vie- 
ler von neuem anfechten, das Judenlhumb zu verlassen und den 
^ Christlichen Glauben sampt ihrem EraOmo anzunehmen. Sechstens 
lasse mich sorgen, wie mit dem Eliezer zu handien sey, daß ao 
wol du und die Eslbur, dos Kind und Joganna in Sicherheit ge- 
bracht werden. Betrellend abitr deine Erag, wer ein stück Gelt 
und wie viel dessen zu der Esther Ehesteuer hergeben werde, 
Da wisse, daß ich derselbig Mann seyn will, dann gleich wia 
» dir Geburt, das Heyl ihrer Seligkeit zu beobachten und sie zun 
Christlichen Glauben zu bringen, dieweil sie sich auiT dich dilV* 
fiills verlassen und dir allein solches vertraut, damit es Werckstel- 
lig gemacht werde, also ligt mir hingegen ob, weil ich sie betro- 
gen und Üir das Kind zugerichtet, ihren Leib sampt der jungen 
so Frucht nach Möglichkeit mit Nahrung zu versorgen. Hättest dl 
aber gethan, mein lieber Eraßme, was du zu thun wärest schul- 
dig gewesen, worzu dich das gute Glück gelockt und die Christ- 
liche Religion verbunden, nemlich, wann du mit der Esther Be- 
kehrung geeylet und aulT die Göttliche Hülff und Vorsehung 



6 anbelangt, 1X574) «fil. 8 su wird] fclilt XU. 3 oder [t2391 achtrer, 
16 wclohes [K 2, löl] genugsam. IT bclrugcii (It 3, 451] wurden. 2f> dir 
TXIIK <1<e Gcbiirl. ßi-ligkcit {7 240| zM. 



OenHha 



«r «etoe Tm^ct ha 4er rtnmAm Fl Im lli i mU a^ 

Miiie TM*l«r, w«M«, vaM «e «lek* cä Miig*eem öl, 
li«f 4« iB 4cr Cinclai mi An» («Ukitm VaUera CemU 1 



•i« iMiflea mJ i« ier ChrütUdu« ftelijiaa MAiebea tm \ame», 

u BMker mag giäcb ättem EU«, der aber «or ilGmai EnRmwM heis- 
aet, dsnui «'«TiiullBifb seya oder nicbL Wm ngt ihr dann, liebe 
iomma'f iiirin ihr noch t« ol IwlTen, daO es »ich »drirkea mid das 
Jtigigna mit der 'Ivil in ein Büt>^'-n venrandelt wn-dc» solle? 
Ich müthle »vr-h wul wiMeD, wh tt-llitr darzn ngt, wann sie in 

M känlUig votrr Kind nirbt «Is einen Mefsiam zv Jrrssalcn ia M- 
disclii^ Tempel silzen, »indem nli eine Christin io der Christli- 
cbe» kifcfien ihr Anilaciil verrichten und dem wahren Vessis 
dienen kUk-k wird. Kh ralhe each, «eil ihr sehet, daß es ihit 
diesem euren tSutfias gcfdilel, ihr wollet nunmehr euren hiebeTor 

u Keraclcn Vuriatz wieder ergreiffen und mir je ehontler je besser in 
Aiioebmunf^ der Chriatlichen Religiun folgen, und wann mein« 
E*tlier, die nJL'hl vom Elia, sondern von mir diese Tochter ge- 
boren, gesehi^n haben wird, dslj sie in ihrer Närrischen Mcynung, 
den Menfiiam zu gebären, betrogen worden, und alsdann, gleich 

w will ich g'illiun, den heiligen TuulT ann<.'hmen and mich vor ihren 
Eliani zum Ehegemahl haben will, so mag sie innerhalb 24 Stunde« 
zu mir kommen. Inilessen bitte ich, gehet zu ihr, sagt ihr diese 
meine Meynung und bittet sie von meinetwegen, daß ich sie so 
arttich überliiitel und betrogen, nmb Verzeyhang, mit Vermeldong, 



i.igwiirlüil]lUJi.ri:.re»urtzi:l. 3 Und [X 57S] icli- 7 licstel^ 243]- 
:ii|Y '^44|roii. -M üLcrlUict [X &7T. 11 2, 453. K 3, 4ö9| mi. 



II, 4, 19. 651 

daß Bich die Liebe, die ich cu ihr gelragen, nicht warten lassen, 
biß sie ¥on selbst auß ihres Vattern Hause zu mir kommen. 

Endlich gab Eraßmus der Josanna eben den jenigen Ring, 
den mir Esther zum Gedächtnus geben, als ich die letzte Nacht 
bey ihr geschlafTen, Cdann zu solchem Ende hatte ich ihm densel- 
bigen zugestellt) mit Vermeidung, sie solte denselbigen der Esther 
bringen, dann bey diesem konte sie ey gentlich abnehmen, daß er 
der Tochter wahrer Vatter sey, und so er selbst Mundlich mit ihr 
zu reden käme, wolte er ihr zu besserem Wahrzeichen auch das 
Gesprach erzehlen, so zwischen ihr und dem vermuyntcn Elia 
vorgangen, als der Messias geschmidet worden. 

Josanna hatte sich schier zum Narren verwundert, als sie 
beydes das Kind und den Ring sähe und Eraßmum so reden höret, 
nam auch die BottschafTt zu verrichten gern aulTsich, und da sie 
in Eliezers Hause kam, war es eben an dem, daß die Juden die 
gute Esther wegen Verlust ihres Kinds getröstet und sie beredet 
hatten, Elias hätte es ohn allen ZweifTel zu sich in das Paradeiß ver- 
zackt, allwo CS unter den Engeln aufferzogen und mit Himmlischer 
Speise ernährt würde, biß es sein Aller erreicht und das Werck 
der Erlösung Israels und Wieder-Einsctzung in das Jüdische Land 
verrichten könte. Das muste nun von der Esther so wol als von 
allem Jüdischen Volck, so Nachricht von dieser wunderbariichen 
Entzückung kriegte , festiglich geglaubt scyn, sintemal man nicht 
spüren konte, daß einige Thür, einigs Fenster, einiger Laden 
oder einigs Schloß in oder am gantzen Hause geöfTnet worden. 
Als aber Josanna der Esther den Ring brachte und ihr erzehlte, 
was sie gehöret und gesehen, da verschwur sie den Jüdischen 
Glauben und schämte sich, daß sie sich so äffen und betrügen las* 
sen, da sie doch zuvor die Warheit der Christlichen Religion ge- 
nugsam auß den Büchern erkundigL Sie konte vor Ungedult der 
künfftigen Nacht kaum erwarten, in deren sie zu Eraßmo überzu- 
gehen entschlossen. Sie packte so heimlich, als es seyn konte, 
ihren Schatz von Gold und Klenodicn zusammen; damit stahl sio 
sich hinweg auß ihres Vattern Hause und kam mit der Josanna 
nach der Abend -Demmerung in mein Losament angestochen, da 

5 ihm fY 245] dcnsclbigcii. 10 Wcrck (y 24<»] der. 31 crwar- 
[X 578] teil. 




sie dana Eraßmus zu bewillkommcn and mit reden m unlerhslleii 
woste, wie ich ihn instruirt und die Sach erfurderl, so daß sie ihr 
nimiDennehr anders Irauoicn lassen, als wäre er der ang^emaslc 
Elias und ihrer Tuchter rechter Valter gewesen. 



I be«illkDml-[ 347]ibqd. 4 geweaen] XH geireBi 
Schkii dan Jüditchm Betrug, 
Eine kluga Cbciaten - Lug, 
Glciilhwotil docb docI Lebt genug, 
Uchters ireiset tÜMes Bach. 



DAS ZWANZIGSTE CAPITEL, 

Wie es weiters vor, in and nacb der Hochzeit ablief. 
ICh liesse Eraßmo zn, daß er sich gegen seiner känffUgen 
Frauen nicbl mehr als mein Diener, sondern als einer, der sein 
eigener Herr sey, anlassen solle; doch befahl ich ihm heimlicfa, 
was er thun and lassen müsse, nemlich ein eygen Zimmer vor die 
Eatber ond ihr Kind, darinnen sich aach Josanna behellTen moste, 
ZB dingen and sie darinn mit aller NothdurfTt za versehen und dann 
keimlich nach einem vertrauten Geistlichen zn sehen, der geschickt 
ley, beyde künftige Christinnen, was ihnen in der Christlichen 
Religion zu wissen noch abgieng, voUkommenlich zn unterrichten, 
folgends sie beyde in Gegenwart genügsamer Zeugen sampl dem 
Kind zu tauiTen und endlich ihn mit der Esther ehelich zu copuli- 
ren. Befohlen nnd gelhan war eins. Ich freute mich, daß ich aulf 
l^mal drey Jüdin zu Christinnen gemacht; aber weil solcher Weg 
nicht passirlich, sorge ich wol, ich möchte einen schlechten Lohn 
darron kriegen, und bedeuchte mich die Esther wol hundertmal 
■chöner zu seyn , als Jcmahlen, weßwegen ich dann hefftig ange- 
Tochten wurde, dem guten Eraßmo noch einen Dienst zu Ibun; 
■her wolte ich nicht gar ein Ertz-Schelm seyn, die angehende 
kflnlTtige Christen nicht eulT den Tod ärgern und alles wieder ver- 
derben, was ich zum guten Aullgang gerichtet, so muste ichs wol 
bleiben lassen. Ich glaub auch, daß ich allein dieser Enthaltung 
halber, die mich treulich mortificirl, wieder der Huld GOttes ge- 
würdigct worden und zur Bekehrung kommen. 

I [II 2, 454. K 2, 454] Dm. 2 ablieffj XH ablioff. 

Mit klugbalehrtcr Listigkeit, 
Eraßmus zu der Hochzeit schreie, 
BetliürC des Eliczcrs Fread. 

I I anterricbten, [y 248] Mgeadt. 14 ich [S. Q79] anff. 16 lorge] XH 
sorgte. 21 Christen] XH CbristiniieQ. wieder] y wieder Terdcrlteu wolte, 
WBB. XH wieder zu Terderben, wm. 23 Ich — kammeiil fehlt XH. 



r 



n. 4, 19. 



sie djiiii E 

«ttste, wie kh Ab iutndrt h4 «e SaA ecfgir 



EGm wmi Batr Tockler recbler VsBer gr 



! 




n, 4, 20. 



655 



"■"decken sein Bell so voll, daß mir vor Gestanck 

^f.n mögen. Und ob ich niicli gleich vor aei- 

)iU-, so vagirtü ich doch bin und wider 

<- im Haul^ hcrumber, als worinn ich 

'. mit gransamcm Gcbolder und 

' üri'n, diu ich aber nicht wie- 

1i meine Tochter abliolete. 

fse und endlich fein still 

^sig in BegreilT- und 

, die ihnen noch abgien- 

iiiid der Priester Hesse hierzu 

LihtschaiTenen Seelen-Eyfur nichts 

und Enirinio in bülde nolißcirle, sio 

-ii'ichlet gbnug, getiiulTl zu werden, aller- 

_ct feslivitat einige unserer besten Freunde ein- 

so wül bey der Heiligen TaulT als Copulalion zu 

iten und Zeugen haben musten. Esther und Josanna 

i vorige Namen, ohne daß sich jede noch ilarzu Maria 

1. Die junge Tochter aber wurde Eugenia genannt; 

h, waruinb selbiger Name der Esther beliebte. Dun 

liessen sich beyde angehende junge Eht-Icute durch 

Hand auch paren. Da muste ich nun mit SchmerlKen 

den, mit was vor einer Holdseligen Freundlichkeit 

ihrem Eraßinu begegnete, und fiel mir desto schwerer 

•r, solches zu erdulden, weil ich mir einbildete, allv 

larie Esther dem Eraßiiio bezeugende Liebreitzende 

nebniliche Freundlichkeilen llkäten billicher mir «i» 

BD, als die ich umb sie besser dann «r vcrdicucL Ja 

lieb zn glauben, wie sauer mich ankam, diesvr Hwili- 

en, die ich doch selber mit so groi^ser Hübe uud Ck- 

IlL Das aber glaube ich, wann es damit uucb uiclit 

neu gewest wäre, dalj ich solches auch niauttt-Tuiultf 

kommen lassen, dann ich fühlte viel tciuutirUUiiikeix 

;bes-Begierden gegen dieser Hariea tt)tl>ur, alt idi 



10. iadie[-rS52]>er. 19 d«G(X&SI] HcL W l^u-lf' :i,^.ifMi« 
tat. ilpoMt!i[y2b3]^äht. aUAm-V.l» UO'Vi-Ut^'aBii». 



JL 



656 n, 4, aa 

niemal empfunden, eke ich sie einigmil berikrt. Dotk ■Mto idi 
mich zwingen, mein onavAsprechlich Lexden, Qnil und Aeagiti- 
gang 80 gnl mfiglich Terbergen nnd, daß ich diefaa «drinai 
Yogel fliehen and einem andern ins Kifig gdaiseo, mSat fdbit & 

5 Schuld geben. Diese Hochzeit wnrde so heimlich gahnttm, daß 
es nicht alle Lenl im Hanß, geschweige Eliezer nnd die Jadai ge- 
wahr wurden. Nachdem aber selbige Torbey war, xehlele idi 
Eraßmo in Gegenwart seiner Marien Esther und Harien Joaana» 
die 10000 Ducaten baar dahin und verhilet ihnen gar nicht, daß 

10 solche auß Eliezers Schatz zu solchem Ende gestolen worden, wefl 
er schuldig seye, seine Tochter den habenden Reichthamben ge- 
mäß außzusteuren, so er aber nicht gethan haben würde, sofen 
er gewist haben solte, daß sie sich zur Christlichen Religion be- 
geben. Und weil gedachte Hochzeiterin auch ein zimliche Reidi- 

15 thumb Yon Goldstücken, Perlen und Jubelen mit sich auß ihrei 
Yattem Hause genommen, also daß beyde ein ansehenliches Ver- 
mögen zu Hauff brachten, zumalen ich über die 10000 nodi ein 
paar hundert Ducaten übrig hatte, die Eliezers gewesen. So 
schenckte ich selbige der Marien Josannen, weil ich darror hieUe, 

ao sie hätte solche mit ihrer Treu, und daß sie die meiste Unach ge- 
wesen, daß Mari» Esther zur Christlichen Religion kommen, gar 
wol verdienet, doch mit dem geding, daß sie beyde Eheleute nicht 
▼erlassen, sondern bey ihnen verbleiben solle, biß selbige sie an- 
derwärts versorgten. 

15 Damals erschölle in gantz Europa, daß der König in Franck- 

reich den Staad von Holland eygentlich bekriegen würde. Dero- 
wegen fertigte ich, was ich noch vor Wahren im Vorrath hatte, 
eylends hinweg und machte meine Sachen aller Orten richtig, worza 
mir Eraßmus, der umb alle deren Beschaffenheit wüste, getreulich 

so verliolffen war. Aber siehe, als wir hiermit kaum Feyerabend ge- 
macht hatten , kriegte ich von Hauß auß von meinem Vetter Apo- 
thecker Schreiben , daß mein Weib den Weg aller Welt gangea. 
mirum! wer war leydiger, als ich? Nicht zwar, daß mir meia 
Weib gestorben, sondern weil das Schreiben wol 3 Wochen unter- 



11 ReichthiimbcD [v 254] gemäß. 14 Hochzeiterin[X582] auch. 21 Ifaris] 
XH Maria. 28 Orten [7 255. II 2, 457} ricbHg. 89 wuate, [K S, 457] ge- 
treulich. 



n, 4, 2a 657 

wegs war Ugem blieben, dann wire mir dasselbige bay Zeilen 
emgeloffen, so hätte die Maria Esther den Eraßmum wol nimmer- 
mehr bekommen sollen. Aber was halfis? Es war geschehen, er 
hatte das Glück und damrab hat er aach die Braut heimgeführt 
5 Aber ich, war ich zuvor wegen meiner Liebe gegen der Maria 
Esther, die sich nicht allein von neuem schlechthin wieder ent- 
zündet, sondern verdoppelt hatte, wurmichl und schellig, siehe 
so wurde ich jetzonder gleichsam gantz unsinnig. Den EraQmum, 
welchen ich kurtz zuvor mit dem allerschönsten Weibsbild von 

10 der gantzen Welt versorgt und zu einem reichen Glückseligen 
Mann gemacht hatte , dem wünschte ich jetzunder den Tod in Ra- 
chen. Ich verfluchte zugleich sein Glück und mein Unglück und 
wurde zuletzt so wütend und unleydlich, daß schier kein Mensch 
mehr bey mir wohnen noch mit mir zu recht kommen konte. 

15 Endlich gab mir, ich weiß nicht wer, ich schätze aber wol, kein 
guter Geist, in Sinn, ich solte Eraßmum aulTopffern und mich der 
Marien Esther selbst widerumb theilhafitig machen. grausame 
Gottlosigkeit I Ich glaube auch, ich hatte es ohn allen Zweiffel 
endlich gewagt, wann nicht Gott die seinige behütet und mirs nicht 

so im Anfang solcher Versuchung ein abgeschmackts Fressen gcwest 
wire, die jenige zu ehelichen, die durch meine Anstalt von einem 
andern beschlaffen worden, welches eine Zeit lang meine er- 
schröckliche Grausamkeit hemmete, und der getreue Gott, welcher, 
wie gemeldt, die seinige behütet, öffnet indessen Eraßmo die 

25 Augen , daß er meine wütende Melancholey auß meinem immerhin 
Grißgrammenden Angesicht lesen und errathen konte , wo solches 
herkommen und was ich im Sinn haben möchte, weil ihm unver- 
borgen, daß mein Weib tod war, allermassen er einsmals mit sei- 
ner Maria Esther, ihrem Kind, der Josanna und allem seinem Ver- 

30 mögen bey Nacht durchgieng und mit einigen Leuten, die groß 
Gut nach Hamburg flöhnten, darvon segelte i welches ihm ohn 
Zweiffel GOtt durch seinen guten Engel eingeben. Von dannen ist 
er nach Dantzig und von dort auff Lübeck kommen; wohin aber 
weiters, hab ich seyther nicht erfahren können, und also wurde 



5 ich] fehlt U. 1 1 dem [y 256] wünschte, den] XH dem Tod [X 588] 
in. 27 Sinn [y 257] haben. 

Slmpliniaalmus. II. 42 



n, 4, 20. 



ich hinter ihm gelussen vor der Thür der ausserslcn Verzweif- 
felang. 



1 Vertwoiffelung] XH^eriweiffelang. 

Wu hilffls anff gutes (eyn bedacbt, 

WaiiD iDAn Hieb* cicbC >q NoUen macbt, 

\B 2, 45B. K 2, 458] Und iwOTmal mebrer SOna b^ahl; 

Viel bHMCT daß mani luien thit, 

Oott lehweigt ein Weil >n lotcber a«eb. 

Und strafft deat auhirffer dka bemacb. 

Demnach ao meide b5se Luat, 

Hein gnler Cbrial acbl naa du thuat. 

Daß dich nicht Obertraff ein Jttd, 

Der mehren Ejrffer weisen ibau 



II, 4, 21. 659 



DAS EINUNDZWANZIGSTE CAPITEL, 

Was der Verzweifelte femers begonnen. 

SO lang ich mit dem, was ich in den paar letztern Capiteln 
erzehlet, beschdfftigt war, kam ich nicht mehr zu meinen Künst- 
lern, von welchen ich die Spring- Wurtzel bekommen und andere 
Künste mehr gelernet hatte. Jetzund aber, als Eraßmos und sein 
Anhang fort, Maria Esther mir auß den Augen, meine Wahren, 
mit denen ich handelt, ander wartshin verschafft und mein gantzer 
Handel so weit richtig war, daß ich nichts sonderlichs mehr, als 
mit dem Mfissigang und dem Anligen, so ich wegen gedachter 
Esther erdulten muste, zu schaffen hatte, siehe da suchte ich oben- 
gemeldte Gesellschafll wiederumb. Unser Thun und Lassen war 
nichts änderst, als allerhand Künste zu probiren und unsern Spaß 
und ZeitVertreibung darinn zu suchen, benebens daß wir auch 
dem Fressen und Sauffen, Huren und Buben und sonst allerhand 
Leichtfertigkeiten oblagen, bey welchem wilden und wüsten Leben 
ich nicht allein der Liebe zu der Marien Esther, sondern auch mei- 
nes Haußlichen Wesens in meiner Heymeth, ja aller Ehrbarkeit 
and allerdings meiner selbst vergasse. 

Solches und bey nahe alles Unglück verursacht der Müssig- 
gang, zwar der Müssigang nicht vor sich Selbsten, sondern wann 
man eine heyllose Gesellschafit alsdann antrifft, wann beydes Leib 
und Gemüth nichts zu handthieren oder zu arbeiten hat, zuvorderist 
aber, so ein solcher müssiger Mensch vorhin fürwitzig, leicht- 



1 [X 584] Das. 2 begonnen] XH begonnen. 

Was die böß Gesellscbafft stifft, 
Wann man deren Kundscbafft trifft. 
Wird uaohdencklicb hier gemeldt, 
Und zur naobricht fürgestellt 

5 Spring- Wurtzel] H Spreng- Wurtzel. 7 Anhang [f 258] fort. 16 dem 
X den. sonst] H sonst noch. 23 und [y 259] Gemüth. 

42» 



660 H, 4, 21. 

fertig, jung und bey Mitteln ist, daß er omb sein Nahrang zo sor^ 
gen, nicht sonderlirh vonnöthen. Und gleich wie ein dürrer Zan- 
der das Feuer eher fängt, als ein nasser Schwamm, also neigt 
sich auch ein so heschaffener Mensch viel ehender zur Boßheit 
5 und seinem Untergang und Verderben, als einer, der mit Höhe, 
Sorg und Arbeit beladen. 

Ich hatte ohne das, was ich nach Hauß und anderwärts hin 
Übermacht, noch bey 2500 Reichsthaler baar Gelt, so ich beydes 
mit Schachern und Sielen zusammen gebracht; und weil mich be- 

10 duncken wolte, solches möchte, wie ich ein Leben führte, nicht 
weit hinauß langen, als fuhr ich dem Eliezer noch einmal in sein 
Gewölb, noch ein Parthey Ducaten zu holen. Aber die gute Kautzen 
waren außgeflogen, weil damals jederman das seinig, was ihm 
lieb war, hinweg flehete, so daß es schiene, ob weiten die Ein- 

i& wohner ihre sonst öberauß reiche Statt selbst arm machen, damit 
die Frantzosen desto weniger umb ihre unnöthige Mühe kriegen 
selten. Und denmach mirs an andern Orten, wo ich mausen weite, 
auch fehl schlug, so sähe ich mich gezwungen, mein gegenwär- 
tigs Leben zu quittiren und unter zweyen das eine zu erwehlen, 

te nemlich entweder wieder nach Hauß zu kehren , daselbst mich, 
noch ein Parthey Ducaten zu holen, zu Yerheurathen und meine 
Nahrung durch die Handehschaflft wie zuvor zu suchen oder einen 
Soldaten abzugeben. Diß letztere erwehlte ich folgender Ursach 
halber. 

t& Einsmals luden mich etliche , darunter der geringste gar wol 

vor eisen Erlz*Schwartz- Künstler passiren konte, auff ein lu- 
stiges Spectacul , so sie vermittelst ihrer Kunst zurichten und zo 
Vertreibung der Melancholie, deren ich noch immer ergeben war, 
aicli sehen lassen weiten, welches so beschaffen seyn würde, daß 

mmtm vergangenes, gegenwartiges und zukünffliges darbey sehen 
könte. Ich erschiene auff die bestimbte Zeit, und nachdem allen 
bey Lebens - Verlust stillschweigen aufferlegt worden, nam ich 



1 sein [U 2, 4o9] Nahrung sa Borgen. jX 585] nicht. 2 durrer [K 2, 4y}] 
Zander. 3 eberj II ehender. 15 ma[y 260jchcn. 20 entweder] ? entweder 
Bocb ein Partei Ducaten zu holen, wieder nach Haus zu kehren, daselbst mich 
au Terheiratbcn u. s. w. 28 Melancholia*] XH Melancholie. 32 Lebens-Ver- 
luat] H Lebeni-Yerlust ein. worden, [y 261] nam. 



n, 4, 21. 66i 

neben endern meinen verordneten Sitz ein. Das Zimmer, worinn 
wir uns berunden, war zwar nirht v»n sondcrlirlier Grösse, aber 
sobald der Principal, so diß Werefc angestellt, anflcng, in seinem 
▼or sich habenden Buch heimlich zu lesen , da Ihät sichs von ein- 
ander and schiene der allerschönstcn und lustigsten Landsi-haffI 
gleich, die in der ganlzun Welt seyn mag. Die Declie überzog 
sich mit Gewölck gleich dem iliitimcl und heitert sich hernach wi- 
derumb auß, daß man l'hiebuin so eygenlli'jh aufT seinem Wagen 
daher konte sehen fahren, als einen Mühlkarch in einem Dnrff. 
AolT Erden war alles so lustig anzusehen, als immer im Mayen. 
Da sähe man die allerlusligste Kelder, grüne Matten und Wälder, 
inmuthige Gärten voller fruchthahrer Baum von allerhand Gattun- 
gen, und was das aller- anmulhigsto schiene, war diß, daß man 
lugleich deren zeitig Obs und an andern Orten doch darzwiscben 
die BSume in voller Blut sehen konte. In dieser lustigen Ge- 
gend sähe man dio Menschen in ihren Goschäften herumb wi- 
meln, denen weder an Gesundheit noch etwas anders an ihrem 
Wolstand, viel oder wenig mangelt, so gar, daß auch die ärmste 
Bettler wegen dus reichen vorhandenen Uherflusses das liebe Brot 
zu verachten, vur keine Sund hielten. Man sahcLeut, die dem 
grossen Nmnen allein dienelen und ihm im Namen und von wegen 
aller Creatoren umb gegunwärtige rriedsame, ja ganize güldene Zeil 
dancktcn, ohnangesehen sie sulchen Gnadenreichen Suegen und 
Überfluß selbst nicht weiters gebraurhlen oder sich zu Nutz mach- 
ten, als was blößlicli die AuircnlhHllung ihrer Leiber erforderte, 
80 sie jedoch auch gesparsamlich genug thäleii. Diese waren aber 
lehr dünn gesüel. lilliclie auß ilinen hielten dttrvor, sie wären 
ausser dem, daß sie GOlt mit der Vernanin und seinem Kttenbitd 
geziert, nicht so gut, als das unvernünfnige Vieh, weil sie sündigen 
nnd Gott erzürnen könten, dus sich aber an den Thieren nicht 
fände. Hingegen sähe man ein unzuhlbarc Menge, die sich aul^ 
Henst-hen in Bestien verwandcllen, also diiß es uin Ansehen hatte, 
ob wäre wieder ein andere Circo enlstandcn.. 



2 >bur IX üüGI .^oLuld. 10 ai>| l'uLill Xll. im] fülilt X. 12 Itnimij XII 
Bttuiii. 11 niidoni [il Ü, 4iW\ OiIK i, 40ii]irn. 16 winidii, [t 262] dmeii. 
17 ■>■) Tclill II. 2i guul»-) Xll gallig -iC ibiliuii| XII LBItui. 3t fiiiidc) 
II fniido. 



II, 4, 21. 663 

besessenen, oder das Thier in der OfTenbahrung Johannis oder der 
höllische Schlund selbst hätte seinen Rachen wider GOtt auffge- 
ban, welche heyllose Bursch nur vor Schertz und Kinderspiel 
lalten, wann sie wünschen, hundert tausend Teufel sollen sie ho* 
en, in die Lüffie (ja in Nobis-Krug) hinweg fuhren und zu hun- 
lert lausend Stückern zerreissen. 

Aber wo komm ich hin? Ich wolte nur sagen, daß es in un- 
terem Gesicht unter den Menschen so voller Unmenschen herumb 
prabelt, daß man unter ihnen schier keine rechte Menschen mehr 
lehen konte, wann gleich Diogenes mit seiner Laternen daher 
[ommen wäre. Solchen Greuel sähe Ph»bus von der Höhe und 
ichrye überlaut, so daß seine Stimme sich schier dem Donner 
rergliche. 

Ach! sagte er, wie lang soll ich den Menschen noch zu ihrer 
Jaweisheit leuchten und ihre Boßheit in meinen Augen gedulden, 
lamil sie den Schöpffer lästern, der mir zwar befohlen, meinen 
Schein beydes guten und bösen mitzutheilen. 

Jupiter, welcher solches stracks höret und vielleicht ver- 
neynte, es möchte jemand seinen Strahl ergriffen haben, ihm ins 
landwerck zu stehen, erschiene alsobald auff einer liechten Wolc- 
wn und fragte, was da zu thun wäre. 

Ach gütiger Jove, antwortet Phcbus, siehestu dann nicht, wie 
ley nalie alle Menschen ihre richtige Wege, die sie gehen selten, 
rerlassen, und daß ich denselben noch darzu auff den Irrwegen, 
lie sie in ihrer Boßheit wandlen, leuchten und immerhin, von Osten 
liß ins Westen mit Anschauung allerhand unmenschlicher Greuel 
Dich quälen lassen muß? bedünckt dich unbillich seyn, daß ich 
Irfiber ftchtze und lamentire? Ich sage dir, es wäre kein Wun- 
ler, wann ich wie Phaeton etwan auß Unkündigkeit deß Dings, 
lassen er sich unterfangen, gethan, vorsetzlich solche Wege führe, 
lardurch die Landschafflen der gantzen Welt entzündet und ihre 
nwohner sampt den greulichen Laslern ihrer Boßheit vertilgt und 
ron dem Erdboden außgerottet würden. 

Jupiter antwortet hierauff, solche procedur wäre zu streng 



4 waasclicii] II wunschtoD. 8 voller] U voll. 16 sie] fühlt X. 17 Schein 
X 866J bcydcfl. 18 höret] XII hürute. 22 Ach gütiger] fehlt X. II Mein 
ieber. 32 LaHterii [X 589] ihrer. 31 [v 2G7. II 2, 4C2. K 2, 402] Juiiitcr. 



i 
t 

HDd widvr die Güte ieb g^rosseii Numiats, und wann er Apalla sirt 

dt-ri-n Buß e^'^enem Willen nnterfangvn würde, so wäre sie neb 

EtrsRltsr, der Sack müste änderst «bgeboLffc» und nivor utUr- 

suclit werden, auD was l'isacben und Bewegung die ■nartige 

» Mensdieo noch ärger würden; wuin »olcbe gefonden nnd mG 

dcnt Weg gerannt sey, bo würde alsdann wol wieder Bessenng 

ca holTen seyn and das srböne Gebäa der Well, mit welchem moth 

t»ts die Planeten selbst auITbüren nüslen, noch länger in seinen 

Flur sieben bl«it>eii künten. Darauff erregle er ein G^nlTles Don- 

■• Bern, die gesample Götter - Schaar dardtircli za Tersamnlen , neil 

MercariM täekl vnrfcwdw, Mwleni atf Er4e« am ^ t rn elnBi 

ticlwr grwMa Oemm Höfe« nit aU«rhn»d anids-Ge«cURflB h»- 

kümHert war. Ale ncn deren ansebenlicke Gegeamrt a adk üm, 

tr*g ihaea IfilM aUnn tot, was nölU^, 4ie eygcalBebs ftnd 

u M erkaaAgea, «^ wdc^o- wiUea oder wordarck d« McmgUkI 

CescUecfat w gar den Krebsgang ^eagc In de« saa dia Gdoor 

and Göttianen sich hierüber u berathsdUagea MifMigaa, kiB 

Mn'carias auch eylends aagestoc^eaf weh^ea Jnpilcr «■« 

acfctfpffea Verweiß gab und ihm den I ihai n Valcan^ Tonrari^ 

m der lioger dana eine gantxe viertel Stand tot ikme aich tiagtSkdBt 

hätten Doch weil Hercarias vor den acUaaeslea Vocatinai aaMr 

nllea Gottera g^nllen wird, wolle er ihn nicht gleich gar u die 

ScUnd-Gnib werffen oder anff den Esel setzen, softdem danil ir 

ifai in I^nn behielte md weil er ohne dal seine Propontion in & 

>» Götter nicht g^örel hatte, fragte & ihn, was doch die Ursacfc 

ae^ niicfcte, daß die lienschen den jen^^i Weg, welche ihaea 

dan ^wse Nsnen zu wandeln gezeigt, so gar verliessea nnd dtf 

Allen zareaaelen. Mercnrius antwortet oha allen Vorbedadt: 

BT Jove, wer wolte anders dran schnldig neyn, als das hddl 

NM ich weiß an besten and erfahre es oocb täglich, wM 

or na^faltige Krifflea hat, die Henschea auff vielerley 

K sa TerfuWea and ca verderben. 

lo diß höret, gab er Hercurio einen grämiscben 
: wie knns inmer möglich seyn, daß die beyde 



•ta) X HiiUL 4 BtwtgnBg] HB Beve^ngeo. 9 köotin] H küDDcn- 
{T)««)mi. S8mnt|X590]ironct. 2» Jure] U Jnpilcr. 30 U5- 




*.*,a 




IMIiiip»smar„ I 



■lilliitaiiiinBi Jlijton. S^rmh;, ittuIRlMMtMti HlbMittwJlu- 

iBpe wiMM ni illiiiii ■atti jpitwMb «mttiilhMjfBr .flie tCaUaragpawit- 
fa^, rfh dknrilifek, .Ifa ler ledlUE wrillaidr iImIk lontl •Har fiMfR «ainw 
MMdfa^, dfar mmlii tblb laUlT itÜMc .'fiUinti iliet\ idwi wfliwn «an- 
iÜMliwIiiiiiii wnr tUmnilltt odMUsn mivtl^ willnuRUi >enUedj0t «u 

fc UübkuIB;, •Üw tCMIt ibiMtfiiillG >nidlit ^llluin lin 
mUsitiiaudliiinKiiiilffiir,, Aint^, IBIb|^-„ (Ghmr,, ijn 
HBMoUni snsar iiiiir im (Latior,, mnl) -Hb lor «iilh «u «anniwaiuin 
■rtlamealnviuliipauntrtlliBidifrun iTuyiier ifoMbbran wdlle,, ilupl 
Hn Jhfplter ^lllkdliwsipoii ^niKT,, 'llif Slininian <tlur «urnitllidhan <Gill- 
taBMaci- iBDBtMHmnitini,. lUovun <flii1lullli0r iBMmnUiiuE lonrilidli ilior- 
tf^UBH^.ilU&QilJMll«!^ itkU)iiu»rilidh<tlii:<GaieUupltiiffi«dllMUin au 
Bw (Um jjanfftar (Qvfludtn umU ILaMem «bhdlklif! wHvorv, wotüIjuv 
iilfaJl^piUi)[Mllt«(ta^,tBrlldUc'tlwi0ninu<0qpir'ller<O«sve «upe- 
MIH, mil) \Toibaimn sie lUsn HoiHrfheiHiniäani «o «idl mri Alm- 
fa% i^f^Milit^, .Mfiasi^fec nnathwlllv,, «alU -«iriReluMn «wl 
^Htüll 'riarvmi wniümi; nnan wiMr,, 4rannllin-'G«fr)'«i wol sc^ 
■SdKjMe^iärilKffiy^iiiTidlhvsdhc'einlBeiii. liwl demiwch sicli 
l^ptaMK-«JMni«uitii^laiotiihDfatii(rio, (Mb wiifro, diu er^toicksam 
tf 4flHi Tfiknili '«riMlwn inifj in ■sniiiom Üteieh ^ofi fTMMctil, sich s<> 
i«l wiricr «eiiif -GaiUirfir Itachl, «te aeiiic Ltobliafr "H«'" den 
laMrcben, welduni si- wcpfln «niter Tt«ohbnaolMirt gweifrt fitiyt;. 
idi mffiMiuinleii. «ci üar< » flcbitmr-, oli wollen Me*ll«ii Gcwsllen 
or Weil üöMtat viirsdiToil.cn. AI« b«&hl Jnpüer 4*ein Marie , m 
alte der Ccri» Ün Cornii Cnpir (rteiohswn «io ein fuist ioieii-lur' 



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ein wenig bcschoeiden und außplfiodern, zu sehen, ob die Hell- 
sehen durch Hangel nnd Nolh zur ErKaniliius ilirer selbst and ibrei 
Gelirechen und also zu ihrer Besserung gebrauht werden möchlen, 
und zwar solle er solches bcy denen anfangen, wo er findes 
s würde, daß es am mehristen vonnöthen. 

gütiger Jove, schryeu hieraufT die rriedliebende Götter, 
W18 gibstu diesem Hrrnschelligen Wüterich vor einen GewallT 
Was wird er abermal in der Welt vor Jnmmer durch seine Grau- 
samkeit anstellen, welchem auch die aller-unschuidigste Uenscben 
10 nicht entrinnen mögen? 

Aber Jupiter Itesse sich diese Einred nicht irren, sondern 
sagte: das grosse Numen wird die seinige schon zu erhalten wis- 
sen, und wann gleich über den einen oder den andern etwas vaa 
dieser atlgcmeinen Heimsuchung verhängt und mancher Goltlie- 
bender Mensch gar deß Zeitlichen Lebens und Guts beraubt wird, 
so wird ihn dasselbige jedoch darvor hinwiderumb in seinem Himm- 
lischen Reich ergötzen. 

e JoTe] H Japiter. 13 NameD [y STS} wird. 16 BeiDcm] H dem. 17 «• 
gOtnD] X ergOUen (B ergStie» DDd ergOtaet werden). 

XH [H 2, 464. K 2, 464] Scbia, wu du Hflniggmiig, fOi Unfaerl kH nmvikm, 
Und laste doch mein Chriatl dich den niobt Dehmen ein, 
DeA dieh der Laster Woat, darinD nicht mQg bedeoLen, 
Und da Tor Gott ein (irent wBrd'st ansaaehen aejrn. 
Der groiae Jupiter, der hierdarch wird bedeutet, 
HOrt taglich Klagen an, fOr aeinen Kichteratabl, 
(XSgsj Dafi man »□ katt und lan, sich gnta in Ifana bereitet, 
Bergegen brQitet «ich, der Hellen Schwefel -Pfnl, 
Und ilellt eich grauaam groß, daß ao aein Reich aicb mehre, 
Drüm meid den Udaaiggang, die Wartael aolcher Notb, 
Wem noch iii ratfaen iat, wer hOren will der liöre. 
Wer 10 iu Laator lebt, iat schon wie aoitlich tod> 



n, 4^ 3aL M7 



DAS ZWERXDZWAXZIGSTE CAIMTEL, 

Ue es weiter gieng und was aoß diesem Gesichte iq lernen. 

GLeich wie die Bienen Honig and die Spinnen Giflt aoß den 
[amen sangen, also schöpfien auch die gute Menschen guts und 
e schlimme böses aoß den Büchern. Ein Bach kan so irger- 
A nicht seyn, es wird ein frommer Mensch etwas guts drauß 
men können, und ein Buch wird so Gottselig nicht seyn, darauß 
n Terkehrter Mensch nichts nehmen könte, das ihm vermeynt- 
sh zu Besteiffung seines verkehrten Sinns nicht dienlich wäre. 
3hen wir solches nicht an den Ketzern, welche zu Verthddigung 
res Irrsais auch die Göttliche Schrifft selbst mißbrauchen? Was 
i aber dißfalls vor eine Art mit den Büchern hat, die hat es auch 
it andern Dingen, als wann man Historien vornimpt oder Comoe- 
!en agiren siehet und dergleichen, und was man von solchen 
ichen sagen und darauß lernen kan, das kan man vielmehr auß 
sgeuwartigem unserm vorgegauckelten Spectacul. 

Die Compagnionen, welchen zu gefallen diß Gesichte zur 
urtzweil und Zeit- Vertreibung vorgestellt worden, schöpflrien die 
eiste Verwunderung und gröste Freud darauß, also. Sie sag- 
n, wie grossen Gewalt den Teufeln verhängt war, wann sie ihre 
lubcrer und Hexen im Lufft herumber und hin und wieder aufT 
e Berg und einsame Örter führten, dort Tantz und allerhand 
}aß und herrliche Pancket anstellten und hernach die Erd - Uc- 

2 lernen] Xil lernen. 

Stoße sich zeitlich nach [II an dieser] diese Geschieht, 
Wer noch dergleichen in Sünden verpicht, 
Folge nachfolgender Lehr nnd Bericht, 
Thue guts, liebe die Boßheit ja nicht. 

seines [7 273] verkehrten. IG Spectacul] XII SpocUcul sehen, hüren. 
rncn und lehren. 17 [X r)93] Die. 20 %vie| XII wii-. |II 2, 46». K 2, 4t>:.| 
oße. y großen Gewalls, war] 11 war. 22 Tantz] Xll TÄnU. 2:J heruacli 
274] die. 



8 11, 4, 22. 

wachse verderliten, wie si« sich hii' iind da an denen, von wdchoii 
sie sich beleidigt zu seyn vcrmeynien, mit Anlienckung schwerer 
Kranckheiten, tödlung und Beüaulicrung beydes der Kinder, deD 
Gesinds, deß Viehes und ihrer sellisl rächelen und ihnen des ihrig 
B durch aller Zauberische itlitlct und HüllTe der liösen Geisler ab> 
und sich selbst zubexten. Sio gedachten aber im wenigsten dann, 
was vor einen ersohröcklichetiLohn ihnen entweder noch in Aksn 
oder in jener Weil von dem allergercrhtesten Richter umb solche 
ihre Arbeit gegeben wurden siillc 

10 Mancher hingegen, wann er di& Gesichle sehen sollen, billu 

zu seiner Geistlichen AufTerbauung ohne Mühe hegreiffen mögen, 
wie durch die Volle und Genüge deß reichen Segen Gottes, der 
sich in den lieben Friedens-Zeilen überflüssig verspüren und so 
wol von den Menschen nach NolhdurfFl genicssen, als unnützlich 

IS verschwenden last, bey den Welt-Menschen den schädlichen Müs- 
siggang und mit ihm alle ubscheuliehc Lnsler und Üppigkeiten ge- 
boren werden, dargegen die Gottselige diese von andern gruß- 
geachtc Wollüsten und Ergetzlichhcitcn der Welt ganlz kaltsinnig 
vorbey passircn und sie kaum eiiiigüti Ansclmuens würdigen, ge- 

M schweige daß sie sich damit besudeln selten, wordurch jene den 
gerechten unil unaußbleiblichen Zorn Gottes ruilüen und erregen, 
daß ihnen zugleich Krieg, Hunger und Pest äfaem Hals koniBieti, 
dem galten wollüstigen Geblüt und gumpenlen Leib-Esel der schUf- 
ferigen Seel den Kitzel zu vertreiben, die Seele selbst aber n 

15 Beobachtung ihres Heyls aufTzumunlern oder zugleich beydes Leib 
und Seel hie zelllich und dort Ewig, wann keine Besserung foEg^ 
zu slralTen, diese aber als aufT dem Creutz- Weg der Trübsal Ja 
das Ewige Reich (ringen. 

Andere hallen auß unserm Spectacul umbständlich erlernen 

SD können, wie elend und armselig der Bauer sey, von welchem ich 
nicht weiß, wann er anders auch ein wenig hoffärtig ist ^wie dann 
diejenige, so reich und witzig zu seyn sich einbilden, auch ge- 
meiniglich zu seyn pflegen), ob ich ihn unter die Dlinde oder un- 



1 Gcii!nd»,den{ fohlt XII. b allur] XUK alle. ?»11erl»ind. 7 clneD) IIK 
riulii'ücklichcr. 15 deiij II der scliildliclie. 17 Cjall«clii;e [f 27.'>] diMO. 
LilIV.iLmuiitoi'n (X öOi] udur. *>» Hingen] H uindriiigcu. 32 so] U so dk 



II, 4, 22. 669 

Cer die Gesehende^ unter die Menschen oder Thier rechnen soll. 
Diese Tropffen habe ich ofit lamenliren und murren hören, wann 
der überflussige Segen deß Allerhöchsten, welchen sie den sauren 
Schweiß ihrer Arbeit nennen, ich vermeyne die Früchte, welche 
5 sie auß dem Erdboden erziehen, nicht nach ihrem Sinn und Wunsch 
übersilbert wird. Da begehen sie gantz unverschämt solche 
LfiufTe, darinn ihr Wein und Korn ein mehrers gelte, das Viehe 
und Schmaltz thcuer werde und so fortan; sie gedencken aber im 
geringsten nicht daran, wann ein Ey drey Batzen gelten solte, 

10 daß alsdann der Bauer in selbiger reßer keine Henne mehr hab, 
die ihm solche lege. Wann sie solche Narrische Midas-Wunschc 
than, so erinnern sie sich nicht, daß zuvor ein Seuche unter ihr 
Viehe kommen moste, eho das Fleisch theuer werde, wann die 
Früchte ausschlagen sollen, daß zuvor Miß-Jahr einrallen müssen, 

15 die wenig in ihre Scheuer geben, und in Summa wann eine Theu- 
rung aller Ding entstehen soll, ihre Wahren werth zu machen, daß 
zuvor ein Krieg sie überFaile, der sie alles dessen, was sie hoch 
an das Gelt zu bringen verhofft, fein sauberlich beraube. Kompt 
dann Mars und fangt an, in ihren Kasten, Scheuren, Ställen und 

10 Gutern zu lautern oder vielmehr zu verwüsten, so verfluchen sie 
beydes den Krieg und dessen Anfanger und dencken nicht mehr 
dran, daß sie solchen mit Worten gewünscht und mit Wercken 
verdienet haben. In solcher Vergeßlichkeit denckt er auch an 
keine Bekehrung, sondern verbleibt, der er vor war, biß er ent- 

15 weder drüber auß Mangel und Hunger stirbt oder sich gleichwol 
durch GOttes Gnad kümmerlich genug erhält, biß ihme die Frie- 
dens-Sonne wieder scheinet, da er alsdann sein Leben wieder an- 
fangt, wie ers zuvor verlassen. 

Es ist hart geredt, wann Garzonius sagt, es scheine, ob wäre 

M der Bauer von Gott verflucht, aber dem sey wie ihm wolle, so muß 
er, wie oben erzehltes unser Gesichte anßweiset, wann ein Krieg 
entstehet, am allerersten und zum mehristen Haar lassen, worauß 
unwidersprechlich folgt, wann anders der Krieg ein Straff von Gott 



1 Gcsc[y 276]hende. 6 solche [H 2, 466. K 2, 466] Läuffe. 10 daß] 
H daß man. der Baaer] fehlt XH. 11 ihm] fehlt H. 16 macheD, [f 277] 
daß. 23 Vergeßlichkeit [X 595] denckt. 27 anfangt] XH anftngt. SO muß] 
XH muß. 32 am [f 278] allerersten. 



» n, 4, 23. 

ist, daß sie solcke nch imn aQenarätea ««rfieaet. Soickes wgi 
ans «ber frevenUich zu nrtlierlen nidl gHräbrm, daas wiAX mt 
4er Bann- wini dnrcli den Krieff feslnffl, sondeni die Aa&f^ 
der Kriege wrtsen •ach offbuil, wie Aesofä Haad aeä SHrt 

ft neisch veriiejirl, id deo er uch de« SckaUea ccfco^ptf oi^ 
s«B aiiidi«- zro5ser Herr, d«r den Kricf taBm^ sömt GmB 
4eB Hals ibsäcbt, die ihm xaror lä^ick eia (iMoi By kgL 

Es bitte ancli taaarlier asß aueni Gesteht ahaehaHS Ua- 
um, daß TiHe. wasa sie als Baarea and Barfrr roa Hart* dn 

II Li^ ihrer Sönd and Laster aiciit empfaneea, sie 
<Uescfli Kriees-Gotl als Soldaten ihre Strafe desto 
nehmen ond iiuooderiieil itie Htüraifceae aaartige Zart^ wckfta 
nktil den Anweisangen ihrer Elleni, soadera dca EdMel l^(cl, 
DBler weldker Bursch zwar keiae aaCgaiasscaar, TOTScMer wmi 

u Gottloser la seyn pSegen, läs ^>ea die Baarea-B^ea, dw TM 
Rolj fanlea an biß sie ir? ends eiatn Grabea fiiOea 
der einer Hiirkea oder in einem alten Baa *or 
Hunger Terschmacbten utH von i-ia Ba!>eii oder 
k >ea« fig aafeweadet aad g rir a sBa a wcrrii 

» Aa^ Md was ihrer Secka-Serl aabda^t, waaqgw ite H^li H 
lagea wisseo aasserhalb die grariiche GmääOm^^em mtt Mdi, 
aa wrichea bu zwar sparet, dsC sie Christlicher All fefca, aher 
•eiche, die ärger als Ueyden, iamassea sie nach aieht cäand 
wiesen oder verstehea, was sie fachen aad schwereau Cad tf 

1» eerad selbige, tob denea das Sprächwwt eabprvagea. Wer Ba»- 
rea verderbea will, nässe Baarea mitarhra. d ahäi g eg ea he^ 
aa d c rn, so sich gleichwol aach ta Krieg begeben Bässea, aaeh «■ 
weaig bessere Zucht und fanmaniläl sich beindeL 

Also hätten andere aoß «asem «orgesteBlea Gesichi mti 

m Speelacol aach andere Lehren, beides gnte nad böse, je wmAitm 
ein jeder gesioaet, begreiffen und verabfassen ^ti lieh rokhe m 
Nabe Bachen kontea. Mich anbelangend delectirta ich aück dtaät, 
als ich sähe, wie Mars der Cerere ihr Rom pläaderta wad nma 
Barsch einen kartzen SchmauQ daraaß zukommen liesse. Es war 



7 logt] XH gckgt. I,-. pücgcn, [7 'JT?! iJs. lö Gra[H 1, 46T. K I, «7> 
b«ii. 21 Gatui&aierun^'t.'U, \i{ UoitBilüslBniDgQB [X 594] ond. 31 Ter- 
[X280]«bfia9eQ. ■;: k m^\^] XH kunDon. 



11, 4, 22. 67i 

inch Zeil bey ihnen, dann theils lang auQ ihrem Säckel gezehret 
oder sich sonst schlecht genug mit dem Schmal -Hansen beholffen 
hatten ; So waren auch theils an etlichen Ortep so unwerth wor- 
den wie Gänb-Mist, so daß die Hände schier. an sie saichen mö- 
5 gen. Über das erforderte das feindliche Land von sich Selbsten, 
daß es von etlichen unartigen Köpflen gereinigt wurde, massen 
man nicht alles, was man gern wolte, in die Indien senden kan. 
Ich sähe mit hertzlichem Lust zu, wie diese dem Bauren und her- 
nach einander selbst lauseten, daß sie im gantzen Lande dominir- 

10 len und alles ihr war, was ihnen unter die Hände kam; und ehe 
ich wahr nam, wie elendig die mehriste dieser Leute endlich zu 
Grund giengen, gewönne ich ein solchen Lust, mich unter ihre 
Zonfil schreiben zu lassen, daß ich schier nicht warten konte , biß 
unsere Erscheinungen oder Vision ein End hatte. Dann man hö- 

is rete das jämmerliche achtzen und weheklagen der Sterbenden nicht 
vor dem Geschrey der noch lebenden immer fort würgenden noch 
vor dem Brummen des Geschützes, deß Schalls der Trommeln, 
Trompeten und Heerpaucken. Über das bedeckte der Nebel von 
so vielem verschossenen Pulfer die Abscbeulichkeit der Verwund- 

to ten und auff vielerley Art von einander geschossener Menschen 
sampt der Hlenge und Bach deß vergossenen Bluts; und was Hun- 
gers halber oder sonst auff andere tausendfaltige Arten starb und 
verdarb, das wurde ohne das von den Überlebenden nichts 
geachtet. 

£5 Da sähe ich, wie hingegen sich der grossen Herren Cassa 

leerten, die KammerGefall außbüeben und die Schatze außflogen. 
wie die Kaufileut erarniten und banquerotirten, die Handwercks- 
Leut das Miserere sangen und am Hunger- Tuch nagten und die 
Bauren aulT dem letzten Loch pfiefTen. Da war kein Hauß, das 

.HO nicht beulete, kein Geschlecht, das nicht Leyd trug, kein Gasse, 
die nicht jammerte, keine Statt, die nicht wehklagte, und kein 
Dorif, so das Elend nicht truckte. Da sähe man nirgends nichts 
lustigs, als unter den Soldaten, und sonst niemand einige Freud 
haben, als die Kriegs-Leut. Bey den übrigen allen, was nicht mit 

:.: kriegte, war lauter Seufflzen, Trauren und Weynen. Solches al- 



i^ (iKim XH d'iii. IS 6di-eibrii [r 28J zu. 1^ bo] fehlt XII. 2(i ein- 
;X r.9T aiidc!. 2.'> CabBa [H 2. 408. K 2, 40frJ leerten. 29 Hauß, [7 2821 da». 



n. 4, 22. 



L'sBO' SpeotM«] endifl eü^ als wir safaeit, -wie die Mcfc 
hin aiul widn' ia Lande muCfgtfimim md TrrfarBiuM^, die Verti^ 
• giai, Schlöfiser oad Ställe Uoqoiit, bdäpcrt, bcstärml, cäagOMM- 
■te«, beraubt »der gelirutdsckatxl und di« Inwolmer crcpreGl odv 
gar «erjaiet wnrdeo; duiD als es an dran war, daß mim aocfa mka 
uAU, MoS wie maackerle; Arien sdtxMmer arplöubdm and gm- 
SHBcr TmU die Soldalen mulikutnaieii, oeaüich üa Waaser, dn^ 
u FcBcr. ia der Erd nod in Lufft, siete da vencinrand bQm aal 
tM-fandea nir sicli widentmb alleia liey 
Ijmmcr. 

C gfpr«Ai] XB g«p-TuaL S Tüdc] B T«ata. 




IT, 4, SS. 



DAS DREIUNDZWANZIGSTE CAPITUI., 

Wie der Feldng angieng and ablief. 

NAchdein ich nun riel artlicher als in einem äemihid ge- 
hen, welcher maasen der Soldaten Dapfferkeit allea welchen und 
>torlh2nig seyn mflste, gieng ich nicht länger umb, la wehlen, 
H ich kflninig ihun und handthieren wolte, vomemlich w«il ich 
ag, atarck, gerad nnd geaand and nicht allein mit einer Eysen- 
tlen Hinl, wie der HQrnen Seyrrid ombgebeR war, aondern lacb 
lüeni, 80 mit der^elcheri versahen, die ihrige öffnen, mich In 
n ftassersten Geßbriichkeiten ttnsichlbar machen and hingegen, 
aan es vonnöthen, etliche HaafTen Reuter ina Feld stellen konte. 
^ü weiters? Ich wüste andern ihre Rohr Eoanbannen, dal^ kei- 
MT Bchiessen mochte, wann ichs nicht haben wolte, und war bin- 
sgen versichert, daß mirs beiner thun konte, and Aber diß 
MIen alle meine Kuglen genil^ treffen und Blut haben. Hil lol- 
wn Kflnsten aaastalBrt gedachte ich im Krieg keinem Helden 
dita nachzugeben, sondern viel mehren Hectorem und Achtllem, 
<len Hercolem selbst zu übertreffen and also mich den alten be- 
Ihmlen Heydnischen Halb-Gätleni gleich zu machon. Ich liesae 
ir schon träumen, wie alle Woch die Extra- und Ordlnarl-Zei- 
mgen mein Lob ausbreiteten und das Voick nahe nnd rem von 
mal nichts änderst, als von meinen Helden -Thaten, in sagen 
tid zn rflhmen wusle. In 14 Tagen auffk Idngst getraute loh we- 
en meiner unvergleichlichen Dapfferkeit allbereil ein Capttalo, In 
nem Honet hernach ein Obrister und, ehe gar ein viertel Jahr 
srumb gieng, ein grosser General zn seyn, der mit einer ointzi- 
en Compagnie den König in Franckreich und alle seine dapffere 
eneralen demüthigen, den Vereinigten Niderlindem dardarcb 

l[tie3}DM. 4 Dapfferkeit [X 698] ■Um. 8 Haut] fZ Haiid. 11 iM- 
u] X ■tUloi. 18 hingegen] H biogegen >neh. M daß} U ds8 4oek. Ifi und 
K4] Blnl. 17 Daelisa|:if !, 489. K l,4«9](dMi. 
._«-„. u. « 




«74 n, 4^ 2S. 

den Namen der tllenmüberwindlichsleB YokkerstkäKi 
mir selbst aber nnsig&che Beute nd Reichthimber »ad iber diB 
alles auch diese Ehr erobern und m wegen brii^eB wirde, dafi 
Bun mir an allen Krentz-Wegen aoff dem Land md mt den Eck- 

s Hiosem und Volckreichen Plitzen in den Slittea gewaüiga 
Trinmph- Bögen and Ehren -Sinlen aaftidite md 
Thaten sn ewiger Gedächtnns in Felsen vnd Mi 
der lieben posteritit hinderlasse. 

Weilen dann eben damahlen die Waffen deB 

1« sten Königs mit assistentz deß Königs in Engelland m Wi 
Land die Terlassene Holländer anwendeten «nd, in dea^ se sel- 
bige ouTersdens übereylet, mit trefflichen progressen fort gien- 
gen, bedaachte mich Zeil xa seyn, dem betrangten ¥olck C^ 
sannte kkg^ weil kh wm gar Tiel einbildeSe) mit meines DqAr- 

ift keil n Bnlff n kommen nnd ihm meinen Talor weit beaner, ab 
ein anderer Martin Scbenck, zu eriLennen n gebem. 

Za Pferd wcrite ich auch nicht einstellim, weil ick aeihigcs 
aichl ngleich mit nur nnsichthar machen konle, zmMhImi aack 
sonst an Faß besser zu agirea getraate, aad weQ idk mick aach 

at nickt ao stracks Tor einen gemeinen Kneckt ti 
wohe, die nicht jedesmahl befardert werden^ 
aea, ao gab ich mich n eioem Hanffea Freywiltiger, die eben so 
Tiel Tom Erie^ verstanden als ich. ob sie g-leich ni<^ so kanst- 
rddi waren, l'nter denselben warf ich mich herror, wie das 

m Böse in einer Waiinen. vnd wünschte sonst nichts mehr, als eine 
admrpffe Oocasion. lad demnach es hier nnd dort etliche Schar- 
matrd aetite^ crxeijrte ich ianter Coarare vaii l^ev Bahr rndv ab 
einen Lowen-Math. Ic^ sAtrüXt mi: bca Mas^aeiea-bfda, wie 
■aLdeaen, s%'> aai> einem Bial^Kohr rcscbossa «erdea. aad legte 

w lunipe^cr» mit des meiniirea manohet anff dif Erde, aad ob wir 
gleich schier )ed(sma: reu£t wnrdesL si> wie j;ä Mck ailseit der 






n, 4, 23. «75 

letal im weiefaen nnd brachte jederzeit etwas zum Wahraeichen 
■nd Zengniu meines Hertchafflen Soldaten-GumAts zur Beut mit 
Bir heim, so ich vermittelst meiner Unsichtbarkeil gar leicht thnn 
konle, ohne daß es jemand von Freund oder Feind bitte wahmeh- 
neo kdnnen. 

Ich gieng oRl allein hjnaaß aoff die Schnapphanerey zwischen 
der Feind Quartier, und wo ich wüste oder mnUimaßte, daß 
einige von ihnen vorbey passiren würden, da lanrete ich auff sie 
im verborgenen, und wann gleich 3, 4 oder gar 5 angestochen 
kamen, so gab ich doch Feaer drauST. Fiele dann einer, wie ge- 
■teiniglich geschähe, nnd die andern wolten viel Mist machen, ihm 
anffzuhelfTen, oder sonst znsehen, was da za thun wäre, so halle 
ieh geschwind wieder geladen nnd noch einen nidergelegt, und 
wann der Rest seines Wegs nicht bald fort rille, so machte ichs 
dem dritten und vierdten auch nicht besser. Wolten dann einige 
mich suchen nnd dem, der sie angegrifTen, weisen, daß sie Sol- 
daten wären, so vexierte ich sie viel ärger, weil sie mich nicht 
•eheo konten; und also opITürle ich vielmahl gantz allein ihrer et- 
liche auff. 

Diß Leben triebe ich und hänfTle mein habendes Gell schier 
liglich beydes mit recht- und unrechtmässigen Beuten, bis es 
■wischen beyderseits WafTen mehr ein grössere Occasion, als ein 
gemeines Gefecht setzte, worinn die Frantzosen den Sieg und das 
Feld behielten. Ich war mondirt mit einer langen Flint, einer Fa- 
Iron-Tascl), mit 5 dutzul Patrunen gespickt und mit einem scharpf- 
fen Sauzahl), ich wolle sagen: mil einem Säbel an der Seiton, der 
Haar schür und die ßadsuluenen so wol als Rüben von einander 
apielte, zumahlen auch alle Festigkeiten aufithät. Also versehen 
bedaachle ich mich der noihfeste und dapITersle Held xu leyn, der 
auff beeden Seiten im Feld sich befand. Ich fällete auch so man- 
chen Hann, SD viel Schuß, als ich thäl, ehe das rechte Treffen an- 
gieng, und weil ich mich in solchem Handel besonder gestellt 
(welches mir als einem Freywilligen zugelassen war;), damit die 

1 nndj fiihU H. biaclite] X betrachte. H brachte ich doch. 2 Soldaten- 
[fm]Qemau. 3 heim] U anheim. 8 nürdcD [XÖOO] da. IS ganli allein] 
feblt XH. ZO (7 28SJ Diß. 2B Tcnchen] H Teraehen alno bcdkCbte. S9 Doth- 
f»rt«1 ZH itothfBitMte. 30 m) foblt XH. 31 Manni XK Mann, der m. 9S die] 
X dfr. 



II, 4, 23. 

Wunder, die ich begierig, »on beyden Theilen desto klarer gese- 
hen werden möchten, siehe so hielte ich schier ganize Salven sufi 
and Ocng mit meinem Stahlhart gefrohrnen Leib hey nahe so viel 
Kuglen auir, als ich in meiner PalronTäsch Patronen hatte. Ja ich 
wurde allerdings so vermessen, unter deß Feinds gegen uns über 
lende Brigade zu laufTen, umb meinen Säbel mit Frantzösischcm 
tu färben. Weil ich aber vvol wusle, daß viel Hund deß Ha- 
i'odt, zumaliien die umbgekehrle Musqueten so unbescheiden 
^yn, daß sie keine Festigkeil respectirn, muste ichs wol bleiben 
iissen und mich mit dem Wunsch bebclITen, sie zertrennet zu se- 
in, umb nicht allein im AngrifT, sondern auch im Geträng und in 
Her Flucht der Feinde KüpIT zu spalten. 

Aber als es dem Feind Ernst wurde, suH uns loß zu geben 

ind den AngrilT zu thun (weswegen ich mich dann wieder in die 

iing unter die Fechtende begeben), siehe du kam ohngefähr 

in einzige Kugel aulT meinen lincken Schenckel angestochen, die 

W so wol meine Diebs-Haul C'th nenne sie billich eine Diebs- 

lut, dann wer ein solche trägt, wie ich damals thäl, der stilt 

andern redlichen Soldaten das Leben ab, nicht allein zwar wie ein 

Dieb, sondern auch wie ein Hcuchel- Mörder und Zauberer), als 

Mich Fletsch, Bein und Adern durchtrong. Da lag der Grof^mäch- 

tiga Goliath und emprand in der allergrösten Nolh, die er sein 

Ttge je überstandea, daß hinder dem Berg anch Leul w<^ßen and 

daß jeder seinen Mann findet, vruta er gleich der Göttin Tbeti* 

H Sohn und mit den besten Waffen versehen wire, die Yolcanos je 

geschnüdet 

Ich sage noch einmal: da lag der Großmächlige Goliath, der 
frefle Eysenbnsser, der so wenig darnach gebvgl, wann es Hu- 
qiietenKuglen hagelte, als wann es linde Schnee-Flocken gerisaelt 
» hitle, ehebevar er bedachte, daß ihm anch einige seine Festig- 
keit so wol auffUian könten, als ers andern machen konte, Ehe er 
sich erinnerte, daß er auch andern ihre Rohr so wenig würde sn- 
bannen mögen, als wenig ihme andere solches thnn and seinen 
Schuß stellen könten. 

I die] II s.-^ S meinem [7 3$9j SuIiUian. T dc£ {X 601] Uwu. 
13 [11 3.4:1. K j.4:ij .A.b«r. U weBv^cn] H dcftvegoi. 18 atUt} XH itielt. 
I« rmlliclicD n S?iij Soldaten, as MosqaMenKBgleD] XH Hinquaun Kag^ 
.11 k^nlon) XH kennen. 



n, 4, 38. 677 

Aber diß Übel wars nicht allein, das mich betraff, sondern es 
vrolten auch meine Segen, das Blut zu stillen, nichts helGTen, mas- 
sen ich in solcher Nolh, worinn kein Fetdscherer so gleich ver- 
banden, mein Naßtüchel zerrisse und in die Wunden stopfTete. 
Über das war ich in der Gefahr, von der Salve, die uns geschencki 
wurde, noch mehr solcher Butz- Bim zu empfahen und vielleicht 
eine, die mir gar das Leben außblasen möchte; und als die unse- 
rlge weder die Menge noch den hitzigen Anfall der Feinde nicht 
flberstehen mochten, sondern sieb trennten (wie man von ihnen 
SU sagen pflegt), durchgiengen und den Siegern mit Darbietung 
des Rückens den Plalz, worauff sie unglücklich gefochten und 
welchen sie zum Zeugnos ihres Unfalls mit Todten and Beschädig- 
ten überstreuet verliessen, Siehe da gteng allererst mein Schrec- 
ken, Forcht und Angst recht an, als ich nemlich sähe, wie die 
Uberwinder nicht allein den Flüchtigen nachsetzten, sondern auch 
die Beschädigte, auff der Wahlstatt ligende vollends anffopfferten 
and die Todle plünderten. In solcher Sussersten Noth, da ohn 
Zweiffel die Reyhe auch an mich kommen wäre, nahm ich endlich 
meine Zuflucht zu meiner Unsichlbarkeit, so daß ich diesen Unbarm- 
hertzigcn auß den Händen verschwände, gleichwol aber diese Art 
IQ entrinnen beym allertheuersten bezahlte. Dann nacfademe 
stracks darauff etliche starcke Esquadronen Reuter eben als wie 
dicke Woicken über die Wahlstatt und also auch Über mich in 
vollem Colap hinpassirten, kriegte ich von den Pferden, die mich 

, so wenig als die Menschen sahen, so manchen ungeheuren Ripp- 
stoß, daß ich gedachte, mein Gebein mflste in meiner eygenen 
Hanl wie in einem Mörser zerstossen und zermalmt werden. 

Als diß grausame Ungewilter vorüber war, lag ich dorten 
gantz ohnmächtig und krafflloß, gleich wie einer, der Geradbrecht 

I worden, und das zwar nicht unbillich, weilen, seyl deme mir die 
Kriegs-WaiTen in die Hände geralhen, ich so manch ehrlich Hut- 
ler-Kind durch Hülfl' meiner heyllosen Künste unsanRl schlafi'en 
gelegt. Ich kunte weder Arm noch Bein regen und bedunckte 
mich, es wären mir alle Glieder entzwey ohne die Zung, die 



2 helffen, [f 201] masBUD. 4 zerriBBe [X 603} und. 12 OiifaUa] H Ad- 
la. 19 Unaialit[Y !g2]b*rkeit, 23 Wolckon [K 2, 472] flbar. iind[H3,4I!] 
o. 34 Colsp) XH Ctlop. 27 MUnet] U USnel. 



n. 4, 33. 

war noch gangbar, mil deren ich alle die jenige veHliirlite and, h 
viel an mir war, dem Teafel übergab, die ich meine Künste gc- 
lernel und dardurch in Krieg za ziehen erkühnet und vcranUbl 
hatten. Ich konle mir wol einbilden, wann ich so aiuiditbar di 

& ligen verbliebe, daß ich endlich doch gantz Rath-, llülff- ind 

od sterben und verderben müsle. Derowegoi tiesse ich Diicli 

ur sehen, mit güntzlicher Entschlicssung, willig za sterben. 

. warfT auch das von mir weg, was mich biGher fest gemacht, 

unmit der jenig, so mich sehen würde und mir den Rest vollends 

geben wolle, seinen Willen desto leichter und unverhinderler an 

■ir TOllbnagen möchte. * 

Und demnach mir bißher, ahn Zweifel durch GötUkte Gnd, 
der Hoflt noch ganti and aBTersehrl geblinlMii, als hatte iA mA 
■•eh » •neu VenndR, mich ra kindermuea, wie iA feteM, 
ft mir die Leyrerip meia Gelt gettoie». DnniM' fUgl «■ hmta- 
Hbhn Bea and ian^^liches SeufRiea za der Gnwdlana Bu»- 
bartiigfceit deA AUerUcbilea, ober detsea iMgmfiligii GdlB aai 
daA ich oidit diender mil gerediter nod «ehr ab wohrardieiler 
Griffe beimgencht worden, ich mich seihst T um — dacle, sarnft 
■iaem steifen VorsetK, wun ich dißmal darr«« hamme« aato, 
itnm ich doch zweiffeite, mich xa biisaua omd awä L^ea la 
Gottes El|ren nnd anderer Meosdien Aofferbaoong also aaxart^ 
ba and bestindig za Rikren, daß nichts anders daraoß erscbei- 
aea solte, als eiae hertzliche Liebe zn GOtt oad mdaem Naek- 

% steo. Eine inniglicke Rea über meine begnageme Sünden and daß 
ick iha so oBl erzümet, und dann eia immerwäreade Daacks»- 
gnng, daß seine Güte dm verlokraea Soha widw bracht oad Sa 
eadlick in sein ReiiA xa aekmen, die Hofaaag gegeben. 



3 mir (X 603] »r. Sbo^. \-> »3) Üt- ick] XH mich. 4 widd - 
««(Uiebel feUi XU. 18 ^olTn^JicBicr {v 3»4) Straf«. M K<««b«) XH f*- 

Wai Boh hier Üna Ar Tonatt gnhit, 

Tkn« cia jedcf d« >bo s«)rfct, 

l«^ bfvioiMa £t ttaiÜrht Last. 

Hd» >ei> Hwn |H IIckH F«< lfi""il o^c^ 

KiteiCBX 



U, 4, 34. 



DAS VIERUNDZWANZIGSTK CAPITKI., 

Wie der elende Tropff auß Beinern jAmmerliohen Zueland 
erlöst und wieder zurecbt gebracht worden. 

ALs ich mitten in meinem erbürmlichen Elend und Jammer 

5 mit jetzt erzehllen Gedancken umbgieng, die mir ohn alJen Zwoif- 
fel mein guter Engel aoß einem sonderbaren Göttlichen Gnadvn- 
blick eingeben, sähe ich umb mich und wurde gewahr, daß 
keine oder doch sehr wenig würgende Soldaten mehr, sondern 
beydes Seelen- und Leib- Aertzt aulT der Walstatt, ich wolte sa- 

Mgen: ein Priester und etliche Feldscherer oder Barbierer vor- 
handen waren, davon jener die abscheidende Seelen der Sterben- 
den, diese aber die Wunden der beschädigten Leiber zu curiren 
■nd zu verbinden sich bearbeiteten. Ich erhub meine Stimme 
tehr kläglich gegen ihnen, insonderheit aber gegen dem Pater, 

uickreyende: Ach edler Christ! Ehrwürdiger Vatter! «rbarmet 
each metner und la5t mir durch eure Hülffe gedeyen, daO, gleich 
wie eaer Wol- Würden auß getreuem Seelen - Eyfer sich »atts 
letsrigfit dahin bemühen, damit die hinziehende an den seligen 
Ort gelangen möchten, daß mir auch durch eure Hüllf und Cuu- 

M peralion durch gegenwärtige Wand- Aertzte am Leib geboltfon 
werden möchl«. 

l'nd als er sich darauff zu mir nähert«, Hgt« ich zu ihm : ich 
Ua eiuer auD den Holländern, ob zwar kein geborner, die zu bu- 
sdiUzung ihres Vatlerlands sieb TreywiUig hieher iwgeben, und 

Ltitii-. Ir. ct'Uüf. itJi iiVTfAiv fiüudvrn, 
Wiiui »;, i.;'.b; woHei ^i^ tM:'i'- vwhiiidBn- 
Wk niaii »ili IfJUi^ unä (r^ihUioli curi^!. 

t iwB;-S!K..äenaLiJ0. 37 «ul-j feU: Xil. U gwieu'^i - i* Vfcxx»rt»ii 



660 n, 4, 24. 

habe, wie der Herr Pater Tor Augeo aiehel, 
Frevels und vermessenen Thorheit empfangen, nnb wiDen kh'wie- 
der die Siegliaffte Waffen deßAIIer-ChristticItflen Königs 
besonnener Weise und ohne allen Nothzwang 

s die Binde genommen. 1000 Reichtlhaler will ich 
Kloster, so euer Orden su erbauen vomeinnen wird, «ab dfe Wd- 
thalen, so ich von eurer Wolwürden empfahe, darrrhiraifn, as 
fem ich anders mit dem Leben darron koaone, »ad m mäer lOOO 
Reichsthater will ich vor meine ranzian, üc 

it der Wund-Aertzl erlegen und mein KoslGelt iber dtt 
sonderlich bezahlen. 

Ich kriegte gnidige Ohren und gntwilUge Fddschcrcr, oba 
Zweifel w^en so ansehenlicher promessen. Jeder Tkfl wolle 
der ersle seyn, die Geschille seines Beraii an mir n ibea. 

u Demnach ich wbtr noch frisch redete. znmaUcB £e Fddacherer 
den Paler versicherlen, daß es wt mir noch keine f rbrni flfiitr 
hüte, »unahlen ich mich in de£ Paten Sckuti ergeben, 
sehen es dessen Profession nicht war. Gebogene 
siehe so wurde ich auf 4 Piques gel^ und n de& rrirHiriwi 

at Bagage in Sicherheit getn^Ysu aQvo die Barbierer vi nDcin meine 
Wunden v^banden, sondon auch mejne blaue WUer, be3rde6 
welches mir die Pferde g^elretken und die Kngtäa gtsnchlages, ab 
ich noch fest geu e$ien. iihernu iti^en^aä^c^i und Trünck eingaben, 
das gemunen Blut xu zetänitcz WfC auiigufhhrfa, also dafi ich 

» besifiere Sack ubexLam uuc mt-urtTf W{.}thate& vtm dem Feind ge- 
BOSMv «b ich mein L^^tai: « ^ti:? umi GiC w^A die Franlzoscn 
rffdieset wem "ncZ pvholSvn^ cuL >;:! nJ: Fmics parüren konle. 
■fix Geil, äss^ ic^L W; mir tru£ ui^t trs: ötnL vicicen Tag 
V-t hatte. V (>k'*l»f!5 Tt iBUter L(»ub:fa f 'i> lifS&mdft. tbeDir ich 

M re*äw*:l> uraftr cjf Wouc-AfTw.; iiuL. vüi o«: PaVa* mrhts dar- 
v,ir »nriiiimi ^(öf^ jar nal u-^r uniicRnhti. t-iriiürfie, und die 
Kimft, mir^ imsiriiinui 7X n«iirli:n. . m. rnnminii Gewalt be- 
im Ju. 




.'Mi -eniu'Jis:.'! y ji*lU"- .*lir»ixiiiiM!?.. > tun f." i W*-^ i.il. IdUMüi Kl. 474] 




n, 4, S4 ABl 

' Über ein paar Tag hernach kam mein Paler in Utrecht so li- 
gen, eben als der Schmertz meiner Wanden am grösten war und 
ich anfieng, schwartz gerunnen nnd gestockt Blut autznwerffen 
wie Wamsl-Ermel. Und weil mein Pater deflwegen vermeynte, 
ich würde auGTiliehen, so vermahnet er mich zar Beicht, worzu ich 
umb so viel desto williger war, weil mich die Wund-Aertzl bere- 
deten, ich wäre mit einer falschen vergifflen Kngel geBchossen 
worden, die noch wol meinen ganlzen Schenckel entzünden and 
mich also wider ihr ersteres bessers vermuthen endlich auffopffern 
ddrOle. Ich war von Uerlzen geneigt, wie gemeldt, nicht nur we- 
gen Forcht deb Todes oder auß Sorg, daß ich sterben möchte, zu 
beichten, sondern vomehmlicb darumb, weil ich Dunnehr Hand- 
greifflich zo mercken hegunle, daß ich, seyl mir mein Gell auß- 
gemiiuet worden, gleichsam mil Leib and Seel in Gewall deß [ei- 
digen Teaffels gewesen, der meine seylher gehabte unlerscbied- 
Uehe Begierden Cvieileicht aach im Anfang) erregt, bewegt, 
gMlarckt und mir zu ihrer Erfüllung verholfTen gewesen, biß er 
mich wie an einer Ketten «uß einer Sund in die ander, ja durch 
den Abgrund und tiefTsten Sünden-Schlamm auGT den CampnmHar- 
tii, wie die Gaiß auff das Eyß, geschleppt, allwo ich seiner Hey- 
nung nach den Lohn meiner Thorheit empfahen und ihm als ein 
feiler Braten in seine Höllische Kuch auffgeopFTert werden sollen. 
Allein sorgte irb, ich würde dem guten Herrn Pater, wann ich ihm 
alle seine Ehebrecherische Huren-Hängstereyen, greuliche Ztu- 
bennifisige Tenffels-Künste und andere Schelmenstück und Diebs- 
griff erzehlen solle mit ihren Umbstlnden, daß ihm die Zeit zu 
lang werden und alle Gednit, an welcher die gute Ehrbare Beich- 
Vitler sonst gar keinen Mangel haben mosten, darüb«- außgehen 
würde. 

Aber ich fände mehr Langmüligkeit, als ich mir immermehr 
einbilden dörffen, und verspürte bey ihm eine sonderture Freud, 
die er hatte, umb willen ich von gelbsten die Grösse und Abscheu- 
lichkeil meiner Sonden, wie lieff ich gefallen und auif wu vor 



3 Blnt [X 606) ■oAtaweiffea. 4 Wkiiut-[T29e]EnDeL 9 iUo]UbitIil. 
19 C«n|Hl,47Ö.K3,47&]i.aiii. 21 nach {* 299] den. 28 All«in] XH alldn 
ich BOrytc M wfirde. 21 Uoren-IUngitnejBD] JEU unten -Hlogaterej. K dafr 
ihm] feblt XU. 29 «bdt] (eUt XIL » wiUen] H wrilw. 



I 

ne« gtfArfidMn Zirpig irii geteMcm, bCflMlf ttm^ta, tk a 

jlekh Micke Frmd vor mr verfcarf . Wm fol kk iter hmg to 

eter vi innm herschwetun, wie et m da* BeäcM t«ifn|T 

^MTMdir, daß er m ■■bcMkeUea len wvrde, ^f »- 

<, 4«GkkftB etwas darraa siea saO? CWr tehtkM 

Ml 4ea Leser «o viel Bener b« g— g tf Befikaitta m dMM 

rrlliilfirJTnn iithiTlra m iilfrahrfliigJahia fiirMl,^fiiii i» 

Mt wdI enbildea lun, was kh nd aeia Itiiiiy T— ilMiiMMtl 

der Beiclit lisdirl haben mödileB, . 

■ß der Beicfcl sckwäUea soll Aber lUfi ' 

»cht nad giaabc airs ctclierlkk, äJ> air, BacMea ich sakk 

ibgeieft nd die aksolirtüM cnpb^ca, so lekäl wardea, ib ak 

:k halte liegca awgea, wiewst mir nior so scWcr fcv»- 

«■, ib ak Bv eia gnmer Mihhli ia aaff *em Berbaa fe- 

Was iker aKfc der Beicht za wtaer Aalcrhaalkkkiil an ■> 
das will kk dsM graßfäaslifea Laav m 
iaer iiüBrhta oachrkhl enehlni. Es heahad 
j*tr daa girtaeWesaa UaifliiiMith ■ Üesna kamen Lolemchl, 
m ick darch fioMes iNriB3:)i^e Gnad iiod Brh«- 
■aaf rw dea zeit&ch- ^id a a lgaa Tad erksltea, tga den fe- 
ttaaea schwer« FiU wirAtnaa aa^ferichlet «sd nij den alW- 
iMbtea ScUawi aal ÜT iii i at f a l der afcfahiihiiaBilaha Lator, 
daiMsa ich hi& aher da Ohren versaKfcca ^eweaaa, aidana* 
sgnafca aad nrMbalfich ia den Stand der Gaadea Gottes ge- 
SBlst «arden, daß derowegcn kh salches die Tag aeäaes Lekaa 
au Jer draätig^ter Ducfcharheü gegea Gott aad aiiaiaTil^i 
Kagd hthfc iüijj f, 'ja wü AagenMick a^ Shaalea za Genta fi^ 
ren md dareh solche Eränentn; saapt Aanffaif de& GötAtkai 
» BeTstaads aiEk dahä bearbeiten and den ey l eri grt ea Fleiß sala- 
fca solle, daß ich aimnaniehr, wie ein gerrhwäal S ck w ei a ■ 
ttvna vorigen Moast za thiK pflegt, t^K vorigea weg der Gnad 
verfrdea «dar ge Ua g e n, sendura biß io' meä Ead m dea mann 



I b«Tla«ffigj XB boyttaffig solbR armmOe. 3 hffrpHOTJB L -fcwB to eB. 4 hoff] 
B tia&» ja. 9 <lM [7 äOOj llab. ä Mlbacl XH dahoro. 10 wina] B wiam er. 
1 1 ni»| nin «tah. Ib win] ftblt B. 19 abar] H fömemfick. 34 Gher 
[: Jülj dia. m krlH 1, «Td. E 2, ili]«3mda. 33 ia} B m. 



n, 4, 24. 683 

Kleid der Unschnld, M ich im H. Taaff empfan^n and jetzt wider 
durch die Büß in dem Blnl deß Lamms gewischen, beständig rer- 
harren und die wideramb erhaltene Gnad Gottes nimmermehr 
verachertzen möge. Die Barmhertzigkeit Gottes, lagle mein 
B Beichtvalter, seye zwar unergrflndlich tieff und Bodenloß, aber 
ginckwol würden die frefle SQnder, welche auß lauter Boßheit 
Mit ernsilichem Vorsalz tündigten, wie ich gethan, derselbigen 
nicht allweg Iheühafflig; was mir wiederfahren, wäre ein abaon- 
deriiche Gnad von Gott gewesen. 

10 Id die USll hinfth eh rennen, 

Ut fSrirabc lin ichleohtQ Knnit; 
Aber darauß in entriliDen, 
Dm ist alte UOh ninbinnit. 

Die Utrechter, welche schlechte Mägen hatten, unter dem 

li Atler-Christlichslen König zu wohnen, gleichwol aber durch den 
geschwinden LaufT seiner Sieghafilen Waffen übereylel und ge- 
zwungen worden, mit Leib und Gut in ihrer Statt und deß Uber- 
winders Gewall zu seyn, die waren gemeiniglich dahin bedacht, 
wie sie ihre Baarschafft, so viel als möglich, anderwerts heimlich 

M in Sicherheit bringen möchten, unter welchen meines Palers Hauß- 
wirlh auch einer war. Dieser, als er erfahren, daß ich einer, und 
zwar nicht der geringste von Heldenmässiger Dapfferkeit, wann 
man änderst die Toll-Kühnbeit eines verwegenen Scbwartz-KQRsl- 
lera , der sich aufT seine Künste verlassend. Blind drein gehet, 

u eine Dapfferkeit nennen dörflle, auß den Freywilligen gewesen, 
der sein Leben so unverdrossen vor das Vatterland gesetzt, faßte 
nicht allein ein sonderbare Vertraulichkeit gegen mir, sondern auch 
ein wonderbarltche alfection, Kralft deren er mir die beste Bissei 
zurichtete, die zu bekommen waren. Er besuchte und unterhielte 

M mich auch gar offt mit seiner freundlichen Conversation und ver- 
hölelo mir nicht, daß er nichts mehrers verlange, als seine Baar- 
schafft, davon er noch ellich lausend Thaler bey sich hätte, sonst 
irgendswo in Sicherheit zu wissen. Ein lausend zu Amsterdam, 
sagte er, wären ihm allbereit lieber, als zweytausend in Utrecht, 



1 H. (Z 603] Taulf. 4 müge] H mögen. 10 [f 303] bi. 13 uiderat] 
XH «DderO. H todon Toll-KUhnheit. 36 ao] fehlt XH. 38 «ffeCTSOSJetioii. 
39 unterhiBltfl] XH orhielte. 88 Siehwliftlt [X 600] n. t* all] U 4mib. 



M4 n, 4, M 

als worTM er ucki eine Stund veniclMii wire, äat m wtmEjpt^ 
Ükuwh sey. Solches Mm war en e m i mü b l e Seck ver wiAt fia* 
weil ick dai jeng, wis ich n Ansicrdm kette» gcrtt hcf air 
gehdH, Miiiea Pater die 1000 Reickflikeler wi w» itfc 

s venprodMii, daranß aifiuuriekten. Als kk 9m 
HeymBf sagte, war er frok, eiaeii Wexel aA mär 
hole mir 10 pro Cento aa geben, w orarf ick 
dortige Frenad gab, ü» das Mehug in 
Befelck, sokkes alles, ohne die Kleinodien 

A« war, nmnes Hanfi-Wirths Gerolfanichtigteai darana ch fc » nnd atk 
iber die AnQgab bescheinen an lassen. Und abo brachia ick aoi 
Gelt von Aasterdan m air nack Utreckt, welches skk snapl dm 
Lagio, so Bur nwin Hanßwirth gab, bey 3000 Beickattaiafn le- 




Dsrvon gab ick dea PMer m enem nenen P ua l m wm nr- 

1000 Rekksikaler, item ikaw ¥or aen iiiainy dnna kk 

war &m iroai Obristen gesckencfct worden^ 300 leiefcattnkr; Im 

Wd sckef ecn nnd denea» wekke auch adf 4 Rqnea getrnfa% pb 

ick aar Terekmng SOO Keiekstkalerf mehr Smen aMine WmhIm 

m an knyinn baydes vor ihr Xnh and Artreney lOOlekfcattakr, As& 

iMiim Diener« nmb willen er nur IfeisBig anllSfewartet; 30 Iciehf^ 

tkabr« Unser« Wirt wulte ich auch etwas Tor meme Kost ea^ 

ricklen^ aber der Paler wolte es nicht haben and d^ bnfi-Herr 

wolft» anck nichts annehmen« weil ich mnb Jefi Tatterianiis wffim 

m in dUS Ungiiick gerathen. Ja er ▼ersicherte mich, wmm sich der 

angWii tfTrfiq[a Status bereinigter Prjvintzen wieder andern and ich 

auch dafiwegen kdnAi^ anmelden sulte, daß er •Iran seyn woftb 

aur nicht allein omb meinen erültenen Schaden «f ine Ergntzmig. 

anch wegen meiner beztiigttfn Tn?u und erzeigter Dienste 

at andom anm Sxempel ein jnseheniicher nfcompens wider&hrai 

solle. Tod dieser mein Üanß-Wlrh hmi mch •iiCfails joil k«finen 

iUen geredet« dann bentigTC fa^ 'ebt kein ▼ jicfc anti^r der 

weiches die jenige. so ?icii umb ihrsn itaatl ▼»sriieiit 



Üa«ttmj H 'i«»vuUiiiiM:!iixj|^L*!). .. A.ii*i- ;0«}(;iio. .'.* B^nr — in>l :!Miii XH. 



n, 4, 24. 685 

aachen, nebea den Venetianern so danckbarltch und rabrnwür- 
lig bedencket, als eben die Holländer. Sie baben vor Jahren 
linen Schifl^-Capitain gebabl, welcbcr, ibm einen Weg dorch das 
{yß-Heer zu öIFnen, sich zwo grosse eyserne Seegen beyderseits 
in letn Schiff fest machen lassen und damil weit hinein in das ge- 
rohme Heer geseglet; und ob er gleich der Weite deß Wegg und 
lern gar zu dicken Byß nichts abgewinnen mögen, so hat er doch 
o viel gelhan, daß man sich drüber verwundern müssen. Als 
ber nachgebends die Holländer mit Portugall zu kriegen bekamen, 
rdches mit seiner Flott zu Gibraltar lag und die See zu seinem 
^oiiheil mit einer grossen eysemen Ketten gesperrt hatte, machte 
ieser Capilain seine Seegen an sein Schiff, seegelle damit die 
iette entzwey und war seinen Principalen damit eine Ursach zu 
mem herrlichen Steg. Und ob er gleich das Leben drüber ein- 
Aale, so waren nichts desto weniger die Holländer danckbar und 
iessen öffentlich anschlagen und verkünden, welcher diesem Ca- 
itain die kürtzte und schönste Grab-SchrifR machte, der soll 
00 fl. zur Verehrung haben. Darauff üblen sich viel Sinnreiche 
oetischfl KöpfT, worunter folgende zwo Zeilen bcydes den Preiß 
nd die 400 0. darvon trugen. 

Der dorcbi Wasser, durcbs Ejb und Bysen tcm sterben, 
Liigt bior begraben. Ließ vor Gibraltar das Leben. 

Es laut aber weit schöner im Nider-Teutschen, und wird man 
iwe Grab-SchrilTt in schwartzem Marmor mit güldenen fiuchsta- 
un zu Amsterdam in der Haupl-Kircben zu ewigem Gedichlnus 
in^hauen bnden. 

IS seegelte] U siLgele. 13 and {f 30ti) trsr. damit] H datdurch. SO die] 
hlt H. 2 I [K 2, 478. K 3, 478] Der. 26 finden] XH finden. 
Danck und OclUbdo soll man zahlen, 
Und damit ja nicbt eparsam seyn, 
Nitlita iit es, mit vcrspreclien prahlen, 
Und sieb undanckbar stellen ein, 
[X 611] Scbnu bicr dis Riibm-Exempel au. 
Das darum auch ist vörgestellet, 
Zu ahmen nach der Tugend- Bahn, 
Die Gott und Uenacben wohlgemlet. 



n, 4, 25. 



^ DAS FÜNFINDZWANZIGSTK CACITEL. 

. Was OS eygenüich mit den Festigkeiten sey. 

WEil iüh mir einbildete, ich lebte nunmehr in einer Z«it, itir< 
1 weisen deCi grausamen Kriegs sonst nirgends sii'herer lu 
I n scyn würde, als eben mitten unter den WalTen deß ADer- 
Christlirhslen Königs, denen sich alles unlerwartT, wo sie sich nur 
iwendelen. Siehe so bat irh meinen Paler, daß er mich bey lifh 
91 . woltc, biß ich mit guter Sicherheit wiederumb nich 

kl n kdnte. Ich Tande ihn hierzu mehr als willig, uns- 
er deswegen auch, daß er mich bey sich behalten dörifte, tnil 
der Generalität Consens aoßwärckte. Aber damit wars <iroinb 
noch nicht außgericht, sondern der Pater sagte mir, wann ich in 
seiner GesellschalTt leben wolte, so uiüste ich micb betleissigen, 
derjenig eu seyn, welcher ich zu werden ihm in der Bt-tcht ver- 
u sprechen, Ncmlich ein solcher Mensch, der nicht nor seine began- 
gene Sünden von Hcrtzen hereuele, sondern auch sich vor den 
Unffligen bäte und alles auß dem Weg ranne, daß ikne GOll wci- 
lars lu eradmen, anraitsen and Terföhren möchte; So viel ik» 
bedüncke, hätte ich der aller-grealichslen Abgötterey, mil deret 
M teil mehr als kein Heyd bebaETlel, aoch lang nicht vdifig- i 
welche da in den Teofelischen Künsten steckte, tut de 



l (t SOT] Dm. i x>r] XH atj. 

FMÜgkeit Ji« Tettffek EobM, 

Die T«nchcitiM Oottc« Gonct, 

Denen, »a «Ha tcIW liebon, 

Ist hier wag sie aaj? betdttieben. 

Uod gu deatlich füigeatallt, 

Als ein Scheu der Jangen WalL 
3 lebt«] a lab«. lü mitl ?inir. H Ton. II denenig) XH der faüp- 
17 httte [^ 3081 UDd. t:J lUer - gnoUahMen |S i, 4T9J AbgOnenj 

IH i. 4741 wit. 



n, 4, 25. 687 

geschleppt; Es verwundere ihn, daß ich nicht von mir selber die 
Augen auffihue und erst auff seine Ermahnung warte, daß ich nicht 
selbst bedachte, wer der jenig sey, den ich so oflt und so sehr 
verschmähet und beleidiget hatte, Nemlich GOtt meinen Schopffer, 
meinen allergütigsten Himmlischen Vatter, von welchem ich alles 
halle, was ich besasse, die Seel, den Leib, das Leben, leibliche 
Zierde, Stärck, Schönheit, gantze, gesunde und gerade Glieder, 
Yersland und Vernunfft, Nahrung und zeitlichs Gut, den, der mir 
unsäglich weit getreuer sey und mich mehr liebe, als meine leib- 
liche Eltern gethan mögen haben, der mich nicht taub, blind, lahm, 
slomm, unsinnig, außsalzig oder sonst Mißgeburtlich noch ein 
Kfd -Wurm oder unvernüninige Bestia oder unempGndliche Ding, 
sondern eine vernünfftige wolformirte Creatur zu seinem Ebenbild 
erschaffen, die der ewigen Seligkeit mit den Engeln fähig wäre, 
den, der mir auch das ewig Leben verheissen, welches er seinen 
Außerwehlten bereitet, und mir seinen heiligen Engel zu einem 
Lehrmeister, Diener, Huter und Beschirmer zugeordnet, den, der 
mich auch selber behütet und erst neulich vor dem Zeitlichen Tod 
und der ewigen Verdamnus mehr als Augenscheinlich und Hand- 
greifllich bewahret hatte, als mich der leidige Feind, in dessen 
Schulz ich mich begeben und den getreuen GOtt verlassen, auff die 
Fleisch-Banck liefern und bcydes umb das Zeitliche und Ewige 
Leben bringen wollen, in dem er mich so wol durch die Unsicht- 
barkeit als Festigkeit sicher und tollkühn gemacht. 

Gedencke, mein Sohn ! sagt der Pater weiters, wie manchen Men- 
schen vermuthlich der gerechte GOTT in so beschaffener Gelegen- 
heil sterben lassen, der ihn vielleicht nit so grob und so manchmal 
erzürnet! Wie mag sich doch, mein Kind, deines Hertzens Här- 
tigkeit der heissen Thranen enthalteiT, wann du erkennest, wie oflh 
und gröblich du deinen Schopffer mit deinen Sünden beleidigt hast, 
umb deren wegen er dich umb seiner Gerechtigkeit willen so offt 
verdammen mögen, solches aber gleichwol nicht gethan, sondern 
biß auff diese Stund Barmhertziglich auff deine Besserung gewar- 
tet, Ja dich zur Bekehrung lockt und auffs allerfreundlichste be- 
rufft, damit er dich selig machen und dir sein Heyl mittheilen 



1 ich [X 612J nicht. 11 außsätzig [y 809] oder. 26 sagt] XH sagte. 
26 bc[f dlOjschaffcncr. 32 verLX GlSJdammcu. 35 dich] H dich nur. 




E «dar JkR SMtqpkflttn «^ 

»«riir iDiOupe Von lians Imuhtc wetohe '«uiiar dw-CkririiiAB 
fivdi «slbA noBi) «an« sin -marm iuBü^ m Maagei\ atota vemK^tai 
odor «srikniaiaii Iiöoie. itncb. «apte idi, ww» Mir j n— wd «ai- 
«sn «unk, itafi ich mil Iltang silelur finab- e<rgnUl4tili wite 
0<xrr tändele, so imre inii lAi^iaii^ altat Boltsl. **w ab fewr- 



^ wie t- 311) *iA V ai^iteii Xti mUnta^wui Ir- Sii r i*Mi( gB-Enr 




D, 4. as. 689 

▼OD Utte, im Peaer ta werffen nnd die Tag ndaes Lebeu nickts 
Mekr dM^eidien id bnnchen. 

HiMVBff utwortet der Pater: meia Kind, du aoltest nrar kei- 
MT Bewdßthmnb begehren, sondern deinea BeiohUalten ejnnil- 
1 ligan Worten völligen Glauben nateUen, der da an Goltea itatt 
älit nd kein ander Geschafft Tor aich hat, alt deiner Seelen Se- 
li^ett so befardem. Ich will aber mit dir lelbst beweiten , daA 
da ao wol durch die Kunst der Unsichtberkeit, ab dich feat ra ma- 
•hen, andern ihre Rohr auobannen und der gleichen, nit den 

> Striaen deß bösen Feinds befangen und allerdinga in desaen Gewalt 
gewesen seyest, mit dir Sporen-Streicha in den Höllischen Schlund 
SB wendem, fo fem die Grandiose Gflte GOltes sieb deines elenden 
Stands nicht erbarmt, dich nicht bißher behütet nnd neulich durch 
dea empfangenen Schoß, den du nimmermehr vor kein UnglOck, 

■ Modern tot die gröste Gnad von Gott halten sollest, wiederamh 
SB sieh gelockt nnd dir Ursacb zu deiner selbst-Erkandnus gegor 
fcen bitte. Ich rede zwar jetzt nicht mit dir In der Beicht, doch 
tM es mit dir geredet seyn unter dem Sigiil der Verscbwigenheit, 
die sn der Beicht gehöret Du sagst, die Kunst, dich unaicbtbar 

> !■ machen, habest du nicht mit Fleiß gesucht, sondern sie sey 
dir gteichsam obngefShr zugestanden. Ich will dein Torgebra gel- 
tM lassen; aber, mein Kind, denckeslu nicht daran, daß du die 
■nleri, so du dann gebraochest, von einem Schwartz-Kfinstler, 
yta einem Apostel deß bösen Feinds, ja durch HQIff dcß Teufels 

> gMbft empfingen? Du sollest an den Früchten den Baum erkand 
MwBt wann da gleich nicht gewisl hSttest, daß dir durch deß 
Snthans Geschafft deine ehrbare so genannte Kunst, dich nnsicht- 
ber su machen, zukommen wäre. Dann dencke hinder sich, mein 
Sohn, so wirstu Ikden, daß dich deine Unsichtbarkeit in die aller- 

' greulichste Sund nnd Laster, die du dein Lebtag begangen, zu 
fallen reranlast und dir alle Gelegenheit darzn gegeben habe. Was 
bat der leidige Teufel weiters vor Hüho an dich zu wenden be- 
ddrSl, dich zu sich in sein Reich der Verdampten la ziehen, da 
er £ch mit der Unsichtbarkeit schon dermsssen angeseylet hatte, 



1 Diahti] XH Dicht. 7 befr SlSJfflrdera. 16 Goad [H t, 481] von 
[K3,481]airtt. SlKind, [TlMjdncksilii. S4 Hfllff [X«!»] daA. S1 Kurt) 
B KflnM. 

u 



«a ir, 4, 25. 

daß ilu von ilir scilisl gegen ^or Höllen zurennest? Es scheinet, 
als wann (Ininuhlg Her l<ösc Feind gern still ^fcslnnden wäre, Jirh 
Bis ein gewili Pranil rerners anzurechten , du aber hingegen, so 
schlccblhin vcrdainpt zu werden, nidil zu frieden, sondern deiner 

b armen Seelen vii-l grausamer gewesen seysl, als der Erlz-Seelen- 
Feind sulbsten; dann es wäre dir nicht genug, daß du dich in der 
Unflälerey der L'nzuchl odi^r Unkeuschlielt, wie eine Sau im Kolh, 
amhgewällzel, sondern du wolttist dich auch durch des Teufell 
HüllTmit stehlen beflecken, gleichsam als könten deine bereits be- 

10 gangene Sünden dir deine Verdambnus nicht schwer genug ma- 
chen. Und es gilt hier gleich, ob du einen Juden oder Christen 
bestohlen. Ich sage nicht anbülicb: durch deß Teufels Uülff; 
dann, Lieber, welcher Naturkündigcr hat jemahl erfahren oder 
ergründet, daß ein Gewächs sey, so die Kratft habe, ein Schloß, 

11k mit slählinen Federn durch Menschliche Hand gemacht, auiTzu- 

sprengen? der leidige Teufel ists, der in Gestalt einer Wurlzel 

sich durch fürwilzige verkehrte Menschen herbey pracliciren läit 

und, den Dieben zum stehlen zu liellTen, die Schloß aufTsprengt. 

Siehe, mein Sohn, diß war der erste sichtbare Teufel, der 

M dir dienet und vor seine Mühe nichts anders begehrte, als daß 
da da^er beydes wieder das siebende Gebot ond die WelUiclie 
Gesetz dich vergreiffen sollest, damit er dich, wo nicht an dea 
Galgen, doch desto fetter in die Verdamnos bringen mödite; aai 
dieser dein damahliger Stand wäre gefährlich genn|f and gros n a 

u Zeit bey dir zur Besserung zu schreiten gewesen, wann du gleich 
die Kunst der Unsichtbarkeit nicht gehabt hättest. Was thälett% 
elender Mensch, aber in diesem deinem armseligen Stand? AA 
Jammer! du giengest hin and verliessest allerdings den gütigatt 
Behüter der Menschen, der dich bißher vor der ewigen wolfcc 

sg dienten Verdamnus bewahret und Barmhertziglicb auff deine Bes- 
serung gewartet halte, und gäbest dich ohn alle Noth in den ohih* 
niachtigen Schutz dessen, der herumb gehet wie ein brüllender 
Low und sonst nichts anders suchet, als deine Seele zn ver- 
sclilingenl Es war dir nicht genug, daß da in der «ngenehoen 



5 eranBinier |y 315] gpweien. il Gebot [X 616} and. S2 toltwl) 
XII «ollpst. mn^-rSiejdeii. 24 geiiDg [U i, 482. K 2, 4S2] und. 2B dttj 

II Jeinco gnlen BehüLer. 



11, 4, 2S. 001 

Priedens-Zflit mit anßUbung der tllererichröcklichiteil Lulor dln 
atlerheili^ste Hajeität Gottes beleidiget, sondern du woltoal auch 
in ge^nwärtigem Krieg, der dich im wenigsten niclilc ingiong, 
dein Sünden -Maß nocli völler hüufTen, wann du nchmlich deinen 
Hit -Christen, vor welche Christas gelitten, damit er sie orhiollo, 
ihr Leb^ Diebischer Weis abstöhlest Es war dir nicht genug, 
daß dn bil^er den Teufel in Gestalt einer Wnrtzel boy dir getragen 
und mit ihm die Schloß aufgesprengt hattest, sondern damit deine 
Verdammnus desto grösser und gewisser und Gott desto mehrera 
beleidigt and erzürnet würde, so musto es auch, wie sehr und 
eygentlich dn dich dem Teufel obligirt haltest, ordunllichur Weis 
▼erbrieffl seyn, welches durch die Zettel geschehen, die du vor 
die Festigkeit hey dir getragen oder gar in Leib gefressen, massen 
die Zettel der Passaaer Kunst, welche den Namen darvon hat, 
dal^ sie ein Student zu Passau erfunden, keinen andern Inhalt hst, 
die Tiele darbey stehende Crculz-Zcichen ohnangesehen, als diesen 
ersehröcklichen, den nimmermehr kein Christ wegen seiner Greu- 
licUeil vor sein Maul, geschweige aulTdas Papier zum Gebrauch 
koHBcn lassen solte: 

Teofel, LilfiT mir: 

Leib uod free] gib ich dir. 
L'nd gleich wie es mit dieser schönen so genannten Pawauer 
l^ft t^scbiffen, also bat es auch eine Bewandnui mit andern 
vieleriey Festigkeiten und andern zauheriscben KOniteii, dt<: in 
WorUn ^ectefaen. Dn sagst zwar, es seye nichts hökes, was du 
bnochesl, »ondem Unter heilige Wort und Anniffun^ deO GoU- 
fichea Namens and seiner b«ligeii EogeL Ich la»k« es gelten, dal 
es cia sokkef AaMben habe; aber, mein Sohn, les<; das L^Wn 
■nd HoiderLri: ile Bekandr^ui deC FraDtz/^uhcben Zauber«! s Gai 
Eredi. eiuef Fm^^rt vrjn Ifsr^Zierj. d«r itich »ehr inil d«rt;lt:i(-ii>:ti 
EäSFteD cf^'^r^yy'.. »v.h iLr«r r'a'. tt'.ifbl. invenlirl! ku wii»lu lii. 
des. dkl' dif- Ztaii-tiirT. «tjaii tii ts Mi'.itVfi Sachen tln Aii«riic: 



r.. ü •imi'. 



n, 4, 25. 

cifer, a stall Gultcs <t«ß Sohns den Beelxdnb, an sMI Gott« 
4eA Hei Geistes den AsUrolh, m &talt Act B. iaagfrmn 

llirit 4^ ichrisU Matter verctelien; irad daB sie d» EL Cresti- 
IfSA^» n and vielfiWig Uerza niQfcraachea, ge »e fc id < a 

I rn Ende, als daG es bey den EmCäligca dat H iri g 

4i man den Kindcro den Ranfit aa emev Gecchwir be- 
bt, nuff daß man ibnea den bitten Traack vor £« War* 
-jrdRrch desto füglicbrr beybringen köane , dann d« Böste ja ei- 
ser gir Ti-rzweifelt seyn, der sieb gleicfa im Anfang wicsentfici 

■ 4em Teafel übergebe, wann nkbl ein soirber PfelTer mvor ober 
Aft Mioctende Aaß geaucbt worden wäre. 

1 Baal[U 7, «83. K 1, U3]adMk S md [y 3t»l den. Onckwlil 




n, 4, 28. 



DAS SECHSUNDZ\VANZI6ST£ CAPITEL. 

ContbinilkHi vorig« Hatoi und anderer dergleicheB 
Sachen mehr. 

BS sündigt aber einer, so sich der Festi^eit bedlMl, TielRll- 
tigeff als er lelbsten vermeynet, dann eraüicb wird er ibtrOnnig 
▼OD seinem SchÖpffer und Himmliscben Vatter, dw Ihn doch biß 
dihin so getreolich bewahret und noch filrterhin behflten , ja gar 
fai das Himmlische Vallerlaad bringen will ; Znm Zweyten gibt er 
rieh in BOndnns and Schatx Qaüi der elenden Wahl, wann man 
den leidigen Teufel höher, als Gott, bAllI) beydes GoUes und sü- 
oes eygenen allerärgsten Feinds; Drittens wird der Teufel bler- 
dnrch gleichsam angebetet und ihm die Ehr eines Beachfltiers ge- 
geben, die allein dem gütigen Gott gebührt; Vierdtens wird solche 
allein GoK gebührende Ehr, ohn dessen Willen Himmel und Erden 

1 kein Augenblick bestehen möchte, Golt abgestohlen and dem 
Teufel gegeben, als welcher Golt vorgezogen und als ein Erhalter, 
4er doch in Warheit ein Verderber ist, geehret wird; Fünfltens 
wird dardurch die allerschrdcklichste Abgölterey begangen, so die 
Beyden jemals vertibet, welche Sund die allergröste und von GOtl 

I «n mehristen gehassel wird; Secfaslens sündigt ein Mensch hier 
■Icht wider das Gesetz der Natur, als welcher seinem Nebcnmen- 
schen ihul, welches er nicht wolte, daß es ihm von andern wi- 
derbhren solte? Wann er nemlich durch deQ Teufels Rfllff »o hart 
alsEysen von seinem Gegeulheil, er sey auch so dapffer, als er im- 

i mer wolle, nicht beschädigt werden mag, sondern hingegen zum 
siebenden ihm, als der seine Haut bey ihrer naldrlicben Art gelas- 
sen, das Leben ärger als ein Meachelmörder abstilet; Achtens ist 
ein solcher Mensch, wann keine rechtschaffene Bekehrung folgt, 

& er [X 6tB] ftbliflimiK. 11 Drit[-r 8201t«Di. 21 Dle&t] fohlt XH. wel- 
cher] XH welefae*. SS welebM] H wu. 37 Le[T»11beii. SS rceht- 
[H S, 04. K S,4S<]ieliaffN)e. 




IhriaM^Airticfar.i ' 



n. 4, 

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urhdrtn iir lunun w^ 



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1 . so arfmt sc jilo |^, iii»L ni i tm 

^ irtz<rl bnacfien, uiiur lüu, w«Ut, 

. :. juA Mnttarluih ju/T (Bo Wdt ^ 

^ ., ■',_. ,.i3«ni gw »rtt, ouE ■■» «or C«iditiiiaat ■< 

■^ .*',««, M IM n< «Mir <fi« Wdk hnf^k, <M* «fPHb dt- 
^ '!!^ lUtlHra n 4« f«ai^lhiA «MfiivRt waiiftnL b«*- 

^^ BH^Bfm.. andUb lOfC wAiAi;' UIIibl. >£r siA Soft 




Aft «w dw «HL fler Vetüpkab .fmuif .^Brudul! darbr^ sir 

jVMMoiAdfc. ifait ijoli -mir «ndlUtiD bwoti. » faahi- eim- [orciitHaK 

Ifemtt -mmm «ntttm Kurl aageaproeiati, er wull^ Siiii dnui siaa 

«t ISWIbi: -«ur du: TetiipkeÜ «dunnnum huinr Dieser lipwillij;« vai 

Miih-fHiiv iiiJ^ih' «lüu».. ulf. dreymsl: wetiT dictk. BimilitfuU! 

'1>'i::4uilb uHunimuii uniJ pibk jensDi hi «eiiu- ElGiUor zu vbt- 
MittiM.,. wiiniuO m «ii:li einpuhildnl, or npyv Fcsi. und ist in allia 
vV.w4uuu)i dimnaHou llirrtzhilTi unlei du VaDcn ^ngen. alt d)< 



! «oli'iiet naia. I^MMmn. II c: «ölet cü, I'aiMnn. (■ wcit- 

!■ lUtiiiliCRc AI: nmuHIrlieki. ^ircciitc Xli n 
wiMu l"yao 1 .1«: - ,13i KeMi^kcü. 3;. teü, f. * 



n, 4, 26. 695 

I and ein ganlz Hürnener Seyfried gewesen wire, isl auch 

' unbeschäiligt darvon kommen; welches mich an jene alte 

^urnahnt, duß ein Weib von einem LindTahrer einen Zettel 

IU8 Augenweh empfangen, den sie an Hals gehencki und 

; durch deü Augenwehg befreyt worden. Demnach es aber 

ihr Beicbt-Vstter iTfahren und solches als ein abergläubische 

Saefa nicht gestatten wollen, sondern ihr den Zettel abgerordert 

ud erölTnet, hat er nichts anders diirinn gerunilen als diu: Der 

TealTel grabe dir die Aiigun auß und s. h. scheiß dir in die 

• Löcher! 

Diß waren zwar nur lächerliche Sachen und knrlzweilige 
Pouen, wann nur der Aberglaub nicht darbey gewest wäre. Aber, 
■lein Sohn, was vermeynestu wol, ditß die jenige unbekandle und 
•umständliche Wort vor einen Inhalt haben, deren du dich ge- 

> teaacbl, wann du ßeuter ins Feld gemacht oder, besser eu sagen, 
■0 viel tausend Teufel daher gebannet hast? Suiten sie wot eines 
andern Verstands gewesen seyn, als daß sie dich dem leidigen 
Teofel obligirt und verbunden, unib willen er mit einer Legion 
mebr oder weniger böser Geister so willig sich eingestellt und 

I dir gedienel? Nein warhalTlig, der Teufel Ihul nichts umbsonst. 
El ist gefährlich, mit den Juden zu handeln, wann sie mit einan- 
der anfahen zu Hebreeln; wie viel mehr, mit dem leidigen Teu- 
Irif wann man mit ihm in einer unverständlichen Sprach contrahirl, 
Aa doch niemahl ohne Betrug gefunden wird, wann er dentlich 

• ■nd verständlich genug redet! Eben also wird es auch mit denen 
Worten bescbalTen seyn, die du gebrauchet, wann du andern ihre 
Sehr XU gebannet oder ihnen ihre Festigkeit aufTgelhan hast. 

Als der Pater solches gesagt, pnusirte er ein wenig und sähe 
■dcb an, als einen Elenden, mit dem man ein grosses Mitleiden 
I and Erbärmnus tre^rt, welches mich ilerinassen ins Hertz schnitte, 
daß ich dort Sasse, wie ein geschnitzt Bild, und vor Reu und Leyd- 
Wesen gleichsam in mir selbst erstarb. Doch erholte ich mich 
mnb 80 viel, daß ich sagen kontc: nun erkenne ich erst recht die 



1 Ilarncncr] 11 hürnener. 5 Aiigen[X GSOJwehs. II (U 2,185. K a.lSS) 
Diß. 17 Varaundv fY3i>4{ geweaeti. 18 umb] XII und woil er. 12 UebraelnJ 
XH HebrAetn. 24 docbj II noch, er) tl er auch. 27 ilineo] fclilt XII. 82 er- 
lT3251buI«:. 



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««MSArBtUMraMM-Cbaik anrarbsti fiieixii hat n» Gau iki 




«wu^Bi Bn-ls jt Mii t au , vctni dkä itr Teafd 



■■i^ h S9B1 TatBE. S^ IE I; ■!«£. X 1. 4K loL. r 
MM KD. St fatui;- ^lT' JDi:i. giu^u.' T ^i i ii^ i 




■, 4|Ml 607 

imnih ^m» kayllose KAmte Terleitet, kut nck UaadgraiUek gt~ 
wmf Uagegea Tentandeo, daß dich dutalt lUeis die UMrgrtnd- 
■flfce GAle Gottet Cwiuigawhen dn ein udera Terdienet ud werth 
fmrart wirefl) beydes vor leitlicli und ewigen Verderben be- 

I wahret, Ja dieh wiedemnb zur Büß und alao u den Himailiichen 
Tattariaad tod neoeai beniffen. Bicta nnn klag and witot dieh 
■iaht aelbal BaUiwilliir m die Höll stflrtien, ao wiratB leicht ge- 
daadten köanen, waa da in Ann haat 

Hieraoff legte ich ohne Verang ateinen Kram ail\, lemlich 

I allirhaMi Zettel vor die Featigkeit ud aadara mit den Caraeleren 
wai nnbekandtea Wörtern, aach na tk«) Mit FledacBiaß-BiBt 
hMc hr ieben, Bonderiich die jenige, wdche aan aüt ehiw Hand voll 
■eekerling oder geachnilten Siroh in eine Piatol ladet aad hinder 
rieh hmaoß scheaal, davon aich so viel Bester ins Feld «teilen, 

i ria dafi Uezela oder geschniUenen Strohei gewesen. Der Paler 
wdrdigt keinen-einzigen an lesen, sondern Cdieweil wir eben bej- 
SBamen vor einem Kamin sassen) warff aie mit etnaader ias Feuer, 
woraaff sich ein solches Knallen im Fener hören liesse, als ob 
•bu' 300 Musquetirer eine Salve geben bitten. Du Feaer er- 

1 frfiaaerte sich aach einsmals so enchröcfclicb und schlag demias- 
•an xnan Kamin heraaß, dafi wir sorgten, du Zimaier nöehle an- 
fohn and nu mit verbrennen. Es wirete aber gar nicht lang, 
4mm nadidem es uns kann erschröckt hatte, höreten and sahen 
wk nicht mehr; aber gleichwol wolte der Pater du Genial anß 

1 4aM Aneyahanffen , so nnsichtbar machte, deflwegen nicht aach 
fai Fener werffen, anß Swg, es möchte ans ein Ärgers wider- 
fahnn, sondern er sagte, ich sehe es verpitschiwen lad ihme 
■■bellen, biß er ihm ohne Gehhr einen andern Todt anlbvn könte, 
welchM ich dann gern tfait. 

I hdessen sähe der Pater meui ingstiges Geadth and daß ich 
■ich gern and von Uertsen meiner verdanqiten Kdaita abgethan. 
Derowegen fieng er an mich wideromb an trftaten nnd sagte, daß 
er midi nun gern in seiner Gesellfchafft leiden weite, inß ich Ge- 



I Hudgrelfflicb [S 6!!] gUDg. 10 den] fcblt XH. 16 MBdKnfTne] 
(dicwcU. IT wuff] XH wvtFer. 20 einuMl«] X einnuli. SO [H 1, 487] 
iBdauen. 31 mbgB[K 2, 4e7]thui. 81 Hg[7 SlOJta. SS Hfawr [X 6SS] 
OwclUctiKffE. 



II, 4, 26. 

Wenbeil hätte, wieder sirber Mcber Haaß n kann»«, miA 
treulich verinabieid, daß ich nicfaslent wiedenittb bei r hI g B nd 
Tor Coli mein Hertz wie Wasser saßscküUea solle, bm^i wie 
Wein, da der Gerach, nicht wie Uilcb, i» di« F>rli, nickl wie 
t Oel, da etwas Fettigkeit, such nicbt wie Honis, da aodi der Ce- 
ichmacii im Geschirr übrig bleitte; dann GOlt wolle ms gtati ha- 
ben, and wo noch im geringsten etims übrig, d«lj der leidige 
Feind einen Zairill hahen und seine kla&efi wieder ansetzen köole, 
ieye es gefahrlich uinb den Menschen besIellL 

!■ Ich versprach ihm, gehorsamlich za folgen und mein Lebea 

zur Besserung, gleichsam gantz in einem andern Uodell za gie>- 
sen , mit demüthiger Dancksagnng, daß er »ch meiner so getreu- 
lich angenommen und mich <Jurch GOttes Gnad za oieiacr selbsl- 
Eriiandlnus gebracfat balle. Er antwortet, was er gelhaa, du 

u wäre seine Schaldi^eit, und wann ich im guten Vorsati beharren 
und mein Leben bessern würde, also daß ich die Secligkcit er- 
langlc, so zweifele er nicht, Gott würde ihn belohnen, ich solle 
nur deßwegen content seyn und den Gehorsam and die Demotli 
aoff Golles VVilleti richten. 

M Hernach Tieng ich an zu lamentirt-n und zu kUgen, daQ ia 

der ganlzen Christt^n-Wilt so *iel dergleichen Sachi-n, wie ich 
gelrieben, im Schwang giengen, da tbeils Wort und Werck, die 
■^ darzo braacbe, greulich und erschröcklicb, tbeiU gkatz Aber- 
gläuMsch und Närrisch, Iheils aber ganU Ucherlicli uod jedoch 

ts alle Verdammlich wären , als da seyen die grausame Beschwerva- 
gen ttnd Verbündnnssen mit dem Teufel selbst, die Närrische ud 
Abergläubische Ceremonien and die lächerliche Segeosprechongea, 
deren jedes Stück, auch das geringste, wie es wider den GöUU- 
chen Willen laulTe, von Gott ab und gegen der Höllen zaröhre; 

so was die alte Bettler und Bettlerinnen , item die Ziegeuner jot 
Künste treiben und andere lehren, sey bekand, und die Banren 
hätten Segen, Künste und abergläubische Observationes, die sie 
brauchten, daß ihnen nichts gestolen, die Pferd nicht bezaubert, 
die Kühe von den Unholden nicht außgemoicken werden könlen, 

35 und was dergleichen Sachen mehr seyen; da wisten (heils, die 



einem] H einen ■tideni Uodel. 17 er {-j SSO] nicht. 3! Sflgco] 
.i'[XG24]Küiisic. 34 aur>ge[T331]mc<lcLcD. 35 nüteo] XU wiucn. 




11,4, M. 699 

Wutzea oder Windel in ein ander Haaß zn bannen, andere dia 
Banpen, Erdflöhe, Kefem and andere UngeiitTer lu ^erlroiben, an- 
dere Schlan^n ta beschweren nnd aber andere auch andere sol- 
cher Künste; etliche könten den MAnaen , itü sie nichts sernegen, 
»etliche den Hunden, dai^ sie keinen Hasen fangen können, die 
Hfialer zu bannen; ja es wBre sohier kein Geaohöpff oder insecl, 
damit nicht verbottene Künste getrieben würden, massen solcher 
aberglanbiscben Possen Prielorjus ein gantzen HaafTen insanimen 
gebracht und in seinem Glück-Hafen, anch anderswo mehr der 

» Welt in offenem Druck vor Augen gelegt, worbey zu bejammern 
sey, daß solche verkehrte Leul am mehristen die heilige Zeiten, ohn 
Zweifel auß sonderm Anstifften dei^ leidigen Teufels mibbrauch- 
tea, als den H. CarFreytag, an welchem nicht allein die Schmid 
ihre Krampff-Ring gantz nackend iuf^ einer Galgen-Kolten schmi- 

1» deten, sondern wol noch andere abscheoliche Sachen getrieben 
wfirden, darvon unnöthig zu hören und crschröcklich zu hören; 
Item die Waiburgs- Nacht und auff Pbilippi und Jacobi Tag, da die 
Baurcn durch ihre Künste ihr Vieli vor Zuubcrey vors ganlze Jalir 
bewahren wollen, aber nicht wissen, daß sie uls dann selbst Zau- 

M berey treiben; die Jobannes- Nacht, In weichur tbcils verruchte 
Leute den Farnsamen vum Teufel empfangen und andere böse Stück 
Biehr üben, offt aber übel anlauffen, als wie die vorwitzige und 
gaile Weibsstücker, die in der Nacht St. Andrea; erfahren wollen, 
WMM sie vor Männer kriegen sollen; Endlich seye auch die heilige 

» Weynacht-Zeit, in welcher uns das Heyl der Welt geboren wor- 
den, TOr solchen Gottes -vergessenen Leuten nicht sicher. 



I Eefem] XH Kefer. G Haii[H 2, 48f>Iden. keinen) XH kdo«. 7 rer- 
bottene [K 1, 466] Kfioite, 9 Glflck-Hifeu] U (Jlücki-IUrMi. IG la — undj 
feUt XiL 7iD iigeii. ha[7 S3i]rEii und. II Pbilippi) X Pliilipp*. 10 fvrj 
7 oder. 33 Nacbi] Du bQrgenuNdcbeii in Göthcs Fauct (Werke li, Dl;: 
6i« ließ mieb iwar, in Sinei Andren Nackt, 
Ueo kSnfigeo Lieluleu lEJblicii aEbeu. 
Vgl daaelbit die cummetitire. S6 Lealen] XH Leuten, dEAglüeken auch 
der St. Ktcpbana-Tag und andeT« uiebr- lieber] XU aicber. 

[X 615] Ptvj, veg mit aolcbcr Teuffeli-Kunat, 
Dk d« veradienset GutUe (üunat, 



B, 4, Z7. 

Dt MtEle Ki nui bi&weilen artliche Di«piitaltooee weea 4fr 
fietifioa twiathea ieai Pater mtd PrsTrer, dsron jeder nree« nß 
4m Sol<blea, so eines jeilen Glanbew-Betmilnia nftühtoif a 
Beyrtiadw hatte. Item ztriBchea denn«»- mi PbTrer dns vi 
• ieai Ja4m aadern TheüB aocfa def:glcädM&. Und wiewol die«- 
Marftrif fMcAlüg wel slvdtrl naJ ««1 Wad Ju gna «or, wrfle v 
«cfe 4ocfc Bklt rccUt bprauß lassen, EHMii ew «agle, die Cbiriea 
MÜea niTW ibr« ryerae Sfialtangni saaaHia leiBca, Ae mt 
tiA mUmOmitm , die iade«, w tiiqg «im, as Arer Bdipai 



cäa Chrial werden wolte, m köale er aktt winoi, xs «rcAcker 



mijc4mn^tt, ae sey die herte; da legw dM LiAmiAe ädt 
A» WcSck cJMader mAibI ■■ deaBaan, Maden «mA «tfr 
» widw dw CUnaälM «der KefiwM^te n Fdd vd ««*b aac^ 
CM« (MehM, ab WM« es «r «e Crtrfprfci TiBtiiiig, «Idcb- 
wie aacfc der PaUr aad ttMTtr jtliMJrr nr cjhb Wmm wider 



■M ktfriUai «m4 alb» dK ik^ w die kcAe UtIteB. IW ab 

w 0ekk der Paler vd Planer des JadM iiaiiaia, d^ ^hiitaii 

T«r allef« Phariseer, Sadacecr «ad Farrrr Mtv km g c w M » 

wdres, also gebe es aocfc ti^A «alcr dea beaügea Jadea aad 
ihrea Coekawt zer»p*Ileae Uey^aagea, wdck zwar btfiwedM 
darck AaBtiU and erToiMlme UiUei-We; ben^lcr Cmdmms bey- 

■s gelegt, dardarck *ber der Sark mit aicklea gtkoVem aoch Ate 
BeligiMi gebessert, ioadera Tietnebr darcb X^tscfcea-SatzaBgew 
verböeeft and oimHeraKbr z* ve^ea gebraekl «ärde, dh& sie Sr 
Gesetzt kieiles, wie e« llo)se« n kattea geboUea. Der Jad kla- 
get n bebarrt« hartnäckig danaff, daü er zanw die Chrittea eiaf 

» ceken Müste, ehe er sich za ikoea zb treltea eatiekDessea körte; 
die WBUrang der Belizkm sex eia ^timscs Werck, daraa die Se- 
tigketl gelegea, aad dei^albea nickt co kickllicfc «ad okae reJCea 
Vorbedacht za irigen. 

IJ E^li 7 l:i;i^i..Q-n. wia::-.^[ f.:lili: 7I. 15 wiJer] I wii. hhh H. 

XH .li«. E»*!«fl »X L-- ■ ■.-. .1 b-;sJir H "J, 4*j;rer- i7 niaini<niwärl XH 
■iauuflhr. wii,-.;ii: J '■■ ;■ i;..-s .ti) Xir 'j-s.'ti. iiri-[Xd;7i«. 39 du- 



n, 4, 27. 703 

Die Disputationen, die zwischen dem Pater und Pfarrer ver- 
fangen, waren so unterschiedlich, so variabel und ihrer so viel, 
daß ich sie seyther alle biß auff nachfolgenden lacherlichen Schick 
Torgessen. Als wir durch das Trierische marchirten, giengen wir 
einem Bild-Stock vorbey, vor welchem der Pater nicht allein die 
Kapp ruckte, sondern auch die Mutter unseres Erlösers kriechend 
mit einem Ave Maria grüste. Kaum in einer halben Stund hernach 
kamen wir zu einem Galgen, der mit einem Dieb gezieret war, 
und als wir denselben passirt hatten, sagte der Pfarrer zum Pater: 
wie kompls, Herr Pater, daß ihr allhier nicht auch niderknyet? 
der Galgen und der Bild - Stock seynd ja einerley Hollzes. 

Der Pater antwortet: berichtet mich zuvor einer andern Frag, 
80 will ich euch auch der eurigen bescheiden. Ich sehe , daß ihr 
ein Weib habt, die werdet ihr ja auch, wie andere Ehemanner 
than, küssen? 

Warumb das nicht? antwortet der Pfarrer. 

Ich gib euch nicht unrecht, sagte der Pater; aber sagt mir, 
küsset ihr sie nicht gemeiniglich auflT den Mund? 

Der Pfarrer antwortet: das verstehet sich; wo sonst an- 
ders hin? 

Es ist schon recht, sagte darauf der Pater; aber warumb küsset 
ihr sie nicht auch in Hindern? dann derselbe ist ja mit dem Mund 
eines Leders, gleich wie der Bildstock und der Galgen einerley 
Holtzes seynd. Zwar wäre es dem jenigen auch kein Schand, wel- 
cher nach deß Lobwürdigen Kaisers Caroli Quinti Gewohnheit den 
Hut abzöge, wann er bey einem Galgen vorüber passirte und sagte 
mit allerhöchst gedachtem Kaiser: Salve, ö Sancta Justitial . 

Wir musten alle hierüber lachen, biß auifden Pfarrer, wel- 
cher da bestund, wie Butter an der Sonnen, und vielleicht noch 
nicht gewust, daß einem in beschaffenen Begebenheiten pflegt ge- 
antwortet zu werden, wie er gefragL 

Von dieser Zeit an stellete sich das disputiren ein und wir 
verfolgten unsere Rais mit einander den Rhein hinauff. Der Pfarrer 
verblieb zu Bacherach bey seines Weibs Befreundten zurück und 



1 Disputationen] H Disputationen nun, so zwischen. 14 an[Y 887]dere. 
17 gib] XH geb. 22 in] XLl im. 24 kein] XII keine. 29 bestund [X 628] 
wie. 32 sich] XII ich. 34 Weibs [X 338] Befreundten. 




n, 4, S7. TOS 

er dorck den Krieg tohr rainirt worden, znmihlen oodi etwu 
flbrig hatte, kanSte ich mir ein Pferd, womit ich in etlichen 
I GtQcklich nach Raaß kam. 

Und demnach ich das wnnderbarliche Vogrel-Nei.., ein so ge- 
eiTrtctAtlein, in offenem Tmck la meiner Heimkonflt ge- 
rn und gelesen, auch nnl^ den Umbstfinden gesehen, daß sol- 
•feea die jenige Knnsl und Materi gewest, die ich gehabt, 

ich vor billich, dtfi ich der Welt auch commnnicirte, wu 
■mit begegnet, nnd schriebe daranff diese meine e;geae Hi- 

ob sich' vielleicht einige zu verhAtnng ihres Schadens vor 
M geffihrlichen Künsten hüten wollen. Ich beSisse mich aber 
daneben, daß ich durch Boß-Werck nnd Gottselige Übungen 
wflrdig machen möchte, der Verdienste defl ErlÖien theil- 
f in werden , Vergebung der Sünden zu erlangen und also 
Nies Gnad und Beistand zu erlangen ein seliges 
ENDE. 



»eh — gMeben] feblt XU. 15 mit] H Dm. 16 ENDE] XH E 
[X680. HS,492. K3,493]8oeiia«ti]ehduTogBl-Nwt, 
Wai «ich aoB aolcben [H Bolchem] warnen Ufit, 
Und biDgt nicht bOaen Dingen nacb, 
Undsnck d&A e« nicht gute* lohafft [H aohaff], 
Und folg die enig HttUen Stnff, 
Der lehleufit wohl seine Lebens-Tag, 
Er fuM diesen Lehr-Bericht, 

Leb fromm. Heb Qott, nnd BQode [H lündge] niobL 
Dia Ut d« bSat Belelmingii-BeBt, 
So fließt am dieaem Vogel -Neit, 
Daa man du BaA lu tbnn aufhür, 
Und folge guter Silton-Lehr. 




DES VORTREFFLICH 

KEUSCHEN JOSEPHS IN EGYPTEN 

EBBAULICHE, BBCHT AUSZPÜHBLICHB UND TIEL - TBBUEHBTE 

LEBENS-BESCHREIBUNG, 

ZUM ADOENSOHEraLICHEK E3DEMPEL DEE ÜNTEEÄSDEB. 
UCHEN TOESEHUBG GOTTES, SO WOHL AUS HEIUGEB 
SCSBIFFT, ALS ANDEBN DEB HEBBEER, FEBSER UND AKA- 
BEB BÜCHEBN UHD HERGEBEACHTEE SAGE ABFF DAS 
DEUTLICHSTE TOBGESTELLET 

UND EHSTESHALS MIT GROSSER UND UNVERDROSZNER HOHE ZUSAMMEN 
GETRAGEN 



SllUEl OBEIFK80N VON HIBSCBFELD. 




■.«. 



DI« Kmschheit krSn«t den, der rieh ilir gants ergiebet; 
IMe Keaechlieit niBchet reich den, der sie brttnitig liebet; 
Die Keoichheit macht bey Qott und Uenichen hoch nnd wertbj 
Die KeuKbbeit bringet Glflck dort und ancb hier «uff Erd. 



1 [8 t}. Z Jb. X 683. H S, 404. K 9, 494] Dia. 




AN DEK LESER. 

GBoQgnostiger , lieber Leser I Irh habe von vielen, sowohl 
holten als niedern StandesptTSonen, die gern in der Bibel lesen, 
wündscben hören, sie wollen, daß Josephs lllsluria etwas weil- 
I läufniger beschrieben wäre. Weil dann nun der Jädiscbe Ge- 
schieh techreiber Josephus und andere Hebreur mehr neben den 
Hahumetisten, als Tfirckcn, Persern, Arabern und Egypixeia, 
such die Griechischen und Armenischen Christen viel seltzame Sa- 
chen von Josephs Leben haben, die sich nirhl in der Bibel befinden, 
» Als habe ich aus denselben, was heiliger SchrilTt nicht zuwider 
UulTt, zusammen getragen und in diO Buch verfasset, denen, m 
die Histori Josephs so gerne lesen, damit zu dienen. Doch muß tcb 
gestehen, daß ich auch viel Dings, so gar zu fabelhaSlig taalel, 
als unnütze MShrlein aurigelassen. Solle aber diß Wercklein be- 
ll Hebet werden, so könle man im Leben des Abenthenerlichen M nsai, 
»0 in Egypten Josephs SchafTner gewesen, einbringen, wh difl 
Orts mit Fleiß außgelassen worden , welches ich euch dißmahl nit 
Vermehrung und Ubersehung dieses sanipt dem Husai Wcrckstell^ 
gemacht. Indessen gehab sich der Leser wohl und nehme vor lieb! 



I [i iij. Z 1. X 633. B 3, 496. K S, 495] Ad. 2 *od] H vor. «oU| 
fehlt Z. 4 Hiitoria] Z Ilislori. 6 ito] Z HahuD Milien. B Griechisclm] 
Z QriecbUche und Artaenische. 10 donselbeii] Z demBclben. 




B,«. 



INHALT DIESES^BUGHS. 

DBrnnaeh GOtt der AUinSehUge in seinem allerweiMflen Batb 
bMchloMeo, du Gachlecht JBoobB, woraus Uolflig «Uw Welt 
Hflüuid geboren werden aolte, vor allen andern Hensobmi in sei- 
i.BBM Voick. zu erwehl« und au der Caaaneer Lande in Egypten 
ra verseUen, da es sich biß xur Wieder- AnßfQhmngt dvrch Ho- 
■M baschehm* vermehren iolte, Hat Er solche Verietning durch 
«Im allgemeiae Thenning, die seines Volokes Ertzvatem, den 
Jioob, in Egypten zwingen moste, ins Werck setien wollen. Damit 

M aber Jacob nnd seine Kinder an ihrer Anknnfft aach Unlerachleiff 

■nd Lebens-Mittel finden möchten, hat die Göttliche nnverinder- 

liobe Vorsehnag Jacobs liebsten, weisesten und schönsten Sohn 

- Joseph, den seine Brüder verkaofften, vor ihm her gesandt nnd 

demaelbeo Mittel an die Hand gegeben, dadurch er den Jacob, 

u seine Kinder, Kindes -Kinder nnd sich selbsten versorgen können. 
Wie es nun ihme, Joseph, ergangen, biß alles dem Göttlichen 
WÜlen nach zn Faden geschlagen worden, solches wird in diesem 
Baohe einfältig erz^eL 



1 [i ir. Z 3. X 684. H 3, 496. K I, 496) Inbalt tfl alk«] H mlhr. 



n, 5, 1, 



DES KEUSCHEN JOSEPHS IN E6TPTEN LEBENS- 
BESCHREIBUNG. 

^^^PULeich wie der Apffel nicht weit Tom Stamne fllH, also 

K BcÜUigft kein Zwei; «nt seiner Art. IViemalen hat eiae Taabe einen 
Raben geboren noch eine Nachleule eine Nacbtigfall ^heckt, ob 
zwar beyde von der Nacht ihren Namen herrähren. Der Sara sel- 
tene Schönlieil var so berflbmt und vortrefflich, daß sich auch 
Kdnige, nemlich der mAchtige Pharao in Egypien nnd Ahimelech 
der zu Gentra in Palestina, darinn Ternarreten: Wo hStte denn 

JH ein he51iches (JrEncklein von ihr herkommen können? Vomemlich 
aus einer solchen Hotler, wie Rahel gewesen, nmb welcher himm- 
ItoalMB Schönheit wegen Jacob gantze vterzehenjfthrige, ob zwar 
BMjiiIIbge, jedoch sehr beschwerliche Dienstbarkeit gedoldeL 
ViMraib aber das Geicblecht Thane, welcher Abrahaioi Tater ge- 

wWaMB, nnd von den Arabem Aaaar genennet wird, allein tot 
iBan andern Menschen, so damalen gelebt, mit verwanderlicher 
SiMnbeit begäbet gewesen, davon sagen die Araber, Pener und 
'4er Chaldeer Natnrkflndiger neben ihren Geschicht-Büchem die- 
Mf, DaiS obgemeldeter Thare oder Asar ein überana kflnstlicher 

■• BOdhinn- nnd deßwegen bey dem grossen Nimrod in Diensten sehr 

b^dtt and n^eich seiner Göti en Tempelwirter oder Pfleger ge- 

* WMl My, der bitte so vollkommene schöne Bilder verfertiget nnd 



1 [IS. Z«. XBSe. H9,UT. K 1,407] Dm. LeboM - BMohnibung] 
XB LrtiM - B—ohrdbiiDg. 
Du LC^ltoL 

Ifuh dsn Stamm und Numdi EIit, 

Kama Joaapta rflfamlldi bei. 
» pbaekt] Z |«UffL H gehSokt. 6 befda] XH bcjde*. 9 OM«ia] 
H Q«rar. d«an] H dann. II falnmi[Z 6]liacbeD. IS be[8 S]aoliweriiehe. 
15 ud] faUt Z. SO bey [Z 686] dam, 38 hlUe] Z hatt«. BOdar] Z Bild. 



JOSEPH AN' MOMI 




lUr «rtliche Gespi 
ist, 80 Werdet ihr 

Eio Huiiil llial 
nd au%l'^).l.'^^' ■ 
feinen liuiDtiuhk' 
hftf ein rech: 
Derowegeii, - 
lufen kürr 
1» deilo bes: 
Bnbea 



a Uitoitoc SrIiAnfcwl haj GOTT da Jt- 
X ^cäv^Gl. M> <iAÜ man lUn we^en seiier 
£>iebl«ii Kwnig, luiil wegea seiner Scbg»- 
- ^^Mi !ii;rrüciislea TiiUaiit wuboele, vergleichen mö- 
^ Jk-jiuiuvui; ScliüBlitiil vun der linlter und eiiea lo 
. .ü >t-iiiL-iu Vaicr dUtr sitli gevrifet, weicher in cei- 
.:. '''niiiüiit^a-Jjiiri;!! diuvigete, ivas er vor FröcUe 
..!.•. 'n fciu \\'r»Liiiii nur damvien bereits so hock, 
,11.^, sL-in ij\'tidciiiuiu iu ^M und sUrdi und seinKopff 
>.nii '■■ Siiriiiruii, £<• i'erlii{, dab schwerlich ein l'r- 
.. ■'■• ''•'<. -L'iiii; .jiiiL-riii:lie Gaben oder die äosser- 
■ j.iKS i.-:.b:-i ,:iii « L'f »uuiiurÜctisleD zu schätzen. Di- 
.;-.'Kii --T • lii'.i Ju^Liiii L'iKTiittt und gefasi, was set- 



, Li.u. |it auci) — ScbüD- 

^'vll:h«| Z Solobu oan Jit 

Ji^ T'ii) XU vom Vau«. 



B. 6. L 71» 

')irem minnlMiefl Aller zo begreiffe« Mshwer 

' flllen natOrlichen Dingen ntcb nnd kim in 

ihn billich ein Vorbild des weisen Stlo- 

..r ein gnler Astronomus und Mathena- 

Magiim oder vielmehr die Pbilosopbiani 

. lieben dem Ackerbau. Der Henacben und 

,ioD wnste er und konte derielben Gebrechen 

^littel leichüicfa wenden, wie denn anch seine Brfl- 

I {gleichen WissenscbalTten bey ihnen höreten, Uglivh 

..jiirlen, aber ihme allesampt bey weiten das Wasser nicbl 

.un koflten, wiewol er deren eilffe halte. 

Dirbey war er sehr demälhig, fronm, auffrichtig, redsprechig, 

ireunillich um) holdseliger Geberden. Von den Lastern wnsle er 

so gar nichts, daß er auch ihre Namen nicht verstünde. Und ob 

II zwar damals noch kein geschrieben Gesetz verbanden, darnach 

ieder zu leben bitte, so war er doch vom gütigen Himmel so er- 

schafTen und dnrch das Gesetz der Natur also unierwiesen, da& er 

nichts enders lil Tugend wirckele. In solchem Stande beflisse er 

sich, wit; er seinen Vater wohl bedienen, ihm vor Zorn und Sorge 

M leyn und dessen Haabe vermehren helffeo möchte, wodurch er 

denn erwarb, daß ihn Jacob desto herlzlicher liebele, ihn auiA, 

weil sielt die Liebe nicht verbergen Idst, mit einem schdnen bund- 

gestickicn Rock verebrete. Er ließ ihn ungern aus dem Gesicht, 

woil er seiner at^eslorbenen Hulter, der unvergleichlichen Rabel, 

«a die Jacob so iimiglich geliebt, im Angesicht zwar etwas ändert, an 

der Sciiönhcit selbst sie aber hnndertfsilig abertraff. Gleich wie 

Non dem alten Patriarchen das Hertz im Leibe vor Freud und 

Liebe nutfliupiretet wann er seinen Joseph vor ihm sähe. Also liaS' 

hingegen der Lea die Gall Aber, wenn sie ihn nur erblickte, kei- 



S oiii ['/, 8) VorUld. 4 HMlie[i e]mBtioiu. 6 Uagiam] Z Uagia. 
IftilBiiijJiHHPi 2 PUlMOpluA natitnlU. 8 BtSaar] H Brfld«: m>. 9 ihnen] 
H IbM. 10 aUaHBipl] Z aUaMmeo. woitan] ZXH weitatn. IS be[Z 9)- 
«Mut. 11 n[» 7]w*ih, S9 die [H S, «9». K 9, i99] Uobo. 8i Unttor] 
H Hnttw gletolu iigTai|Mclip[ d8a]llehan. SA ändert] Z aodet XH ui- 
toat. Wann die leurt tob 8 rlabtig Ul, wie ioli vennatbe, m iit nuere «teile 
•!■ sweitef bel^ tOi da« Toa arinm im wBrterbQeh 1, 810 1 aiil){«flUiita hI- 
tane woit. 36 BebOnhelt] H SobODbeit aber «ie aelbat butdertAhig. M nar] 




mar andern UntdieB halber, als danwb, wefl er irer llareB SA- 
■en beym Vater io aeUtzbar war. 

Eodlich erbete aoldier stieSnillerikte Neid 
Stieffbrfider, ao daß aeine ▼ollkonmieBe Tmgadm 

» Bidtf andera, als einen getreuen liebre i chen Tnlar 
an der Lea nnd «einen sehen Bridem eilff ahgeaagle Feinde ■ 
wegen brachten, welches er doch nieaden giiaMicfcl , wel er 
sich eingebildet, es sey ein iedes so edel nnd*«nlKcWf g eif l B i, 
wie er selbsten. Je mehr aber seine Tagenden tob neinea ■aS- 

t« gfinstigen Brfidern beneidet wurden, umb so yM desto aMhr wur- 
den solche hingegen nicht allein von setnea Täter, soBdem auch 
Yon GOtt selbst zum höchsten beliebt. 



1 er] Z eaner yod fliren. 6 Brfideni [Z 10] eiliL 8 ein p 8] iedB. 
tt telbct] XH «elbfteD. beliebt] H beliebt K geliebt. 

HK Bebet da, dM rerflacbte Tenffelt-Cnkraat, den Neid, wie es «neh «itv 
Eltern und Getebwiftexten so gmr bemcbet GOtt batte dn gr o nei Wenk 
mit dem Volok lerael vor, aie in ein ander Land ra bringen« ein echanea Wib- 
der anerireiaen , and groasen Segen an ibnen satbnn. Jacob und Joaeph, aiii 
gebonuuner nnd Gott gef&iliger Sobn, solten die Werckaenge nnd In aUimi e i - 
ten, an dieaem berrlichen Entschloß und Segen [?Segenawerke], Wereke aeyi^ 
die er sich seiner heiligen Weise nach , daran aofierseben, aUea muate wnndar 
barlich angehen. Aber sehet, was thot der Teaffel, er kan solches Werck nidt 
leiden, drfim hub er an zu neiden. Er machet eine Feindachafft nnd streoet 
sein Unkraut ein, dem Vorhaben Gottes entgegen. Daß Mutter nnd Brfidcf^ 
dem lieben Joseph feind werden, hassen und Tcrfolgen, darum weil er, ab 
ein gehorsames und Tugend- wohlgeartiges Kind, beydes von Gk>tt nnd des 
Vatter, als ein Augapffel im Auge geliebt war. 

Sie verfolgen und hassen den, so sie am allermeisten lieben solten, der ikr 
Glück und Aufnehmen, ja ihr Segen [K Segcnbringer seyn] bringe, aeyn md 
werden muste. 

Und so machen es noch heut zu Tage offc die nArrischen und albern Kfit* 
ter, daß sie ihnen geschwind einbilden, weil dieses oder dieses zugeheyratheto 
Kind, nicht unter ihren Hertzen gelegen, so sey es nicht so gut ala die andeni 
Ton ihnen erzeuget, und wie Tugendhafter, gelomiger, gehorsamer nnd geflÜ* 
liger oder wohlartiger, solche Tor denen sich erzeigen, je verhaßter nnd feind- 
seliger man [H 2, 500. K 2, 500] ihnen wird, weil ihnen die schönen GemflÜtf- 
und Leibes - Gaben , gleichsam mißgönnet und beneidet werden , wie hier iO 
Joseph zu sehen. Da doch offt in denen , welche die Mütter am allermeistes 
lieben, nnd sie Terz&rteln, weder Witz noch Kritz, weder Zucht noch Tngend 
wohnet noch bafftet 

Die Jotepbs Brüder, waren böse Buben, lose Schelmen, Spötter, Stoff- 



n, 5, i. 717 



5pffe, meiebel-m5rdeiiiclie| Tcrleamderitchc, und Erti-Terlogne QMollen. 80 
ad die Ifntter-Sölmlein insgemein , wann sie meynen, daß sie sie am blaten 
Bsogen haben: Dann ihre Zacbt ist selten Tiel wertb, weil sie nicht herb, sie 
sben hoch anf , and lassen leis fallen , and was sie offt ihre Kinder and sau- 
Bre Frficbtlein lehren und anlernen , das solten sie ihnen wohl billiger Ter- 
ehren and abrathen. So Tielleicht dem Ansehen nach diese Josephs - Mutter 
Aehte auch an ihren saabem Jancker-Söhnen gethan haben. 

Also blind ist der Neid, and eben auch der Teaffel Terblendet aolohe Qe- 
Äther also, die er darmit einaimmt. Daß man sihet und doch nicht, oder nur 
It halben Augen sihet Ob schon fast kein gutes Haar an den meisten Brfl- 
sm Josephs, außgenommen den Benjamin, villeicht gewesen seyn mag, wie 
ir Wandel beseuget, so meinte doch diese Matter Tilleicht, dass sie die aller- 
■ekersten Söhne hfttte, und dieser ihr Joseph nur ein Schmeichler und Fuchs- 
ihw&nzer w&re, der sich bey dem Vattor stets Tor den andern lamachte, in- 
nie er seinen Gehorsam bedachte. O Terfluchter Thoren-Noid. Mercket und 
ihet hier ihr Stiefmütter, so Tiel will euch der Heilige Geist hierinnen lehren, 
id eure Unart weisen, die ihr auch euch offt einbildet, keine Krapffen seyen 
ifser, als die, welche ihr selbst gebachcn. 

80 ein altes Laster ist der Tenffiische Unkrauts -Same, der Neid, daß er 
oh auch schon unter den Heiligen und Kindern der Ertz- V&ter Tor bo alten 
Bitan hat eingefunden, und also lasset auch der alte Terfährisohe Teaffel, 
dae alten Stficklein noch nicht. 

Aber wie wunderbar ist doch GOTT in seinen Wercken? Ist der Teuffei 
it|g, GOTT ist all weis. Ist er neidig, so ist er mitleidig, feindet er an, so 
abet er, die von ihm angefeindete, verfolgt er sie, so nimt er sie auf, hebet er 
nea gantz wunderlichen und seltzamen, übel- außseh enden Procoß mit ihnen 
1« so weiß er es noch wunderbarer zum allerbästen hinaus zu führen. In 
I 2^501. K 2, 501] Summa Was GOTT liebt, das ist schon wider deß Teuf- 
It und aller Welt Gifft genugsam geschützet. Nur bleibe man in der Tngend- 
Bhrancken, liebe GOTT, ehre die Eltern, sey gehorsam, und laß im übrigen 
sa walten, der alles waltet. 

Wer fraget nach dem Neid, es ist deß Teuffels Zucht, 

Ob schon er quält und pflagt [K plagt], die GOTT am meisten lieben. 

Er [?Er mag] zwar wohl ein weil sie ftngsten und betrieben. 

Doch wachst nur mehr dardurch , der Seelen - Frucht 

Yerdreusts dem Teuffei schon, was schads? man sey getrost, 

Die Fallstrick die er legt, den Neid den er erweiset, 

Wann er mit Gallen -Tranck, die Gott -geliebten speiset. 

Er tödt sie darum nicht, es wird zu Freuden -Most, 

Denmach so höret, leset, seh't. 

Wie femer es mit Joseph geht. 




m 



Denn der Himmel olTenbarte ihm im Traum, was vor eines 
Glücks er sich zu derosciben Beiobnung vor seinen Brüdern ins 
küntrUge zu getrosten hatte, Wordurch er zug:leich Anlaß bekam, 
den Auflegungen der Träume obzuliegen, deren Bedeutungen 

s nachzusinnen und, was ihm daran noch abgieng, von seinem Va- 
ter zu lernen. Sein erster Traum, den er seinem Vater in Gegen- 
wart seiner Brüder C^war mehr von Kurizweil und Wunilers we- 
gen, daß einem so seltsame Dinge im ScblalT vorkommen, als daß 
es ihm was sonderlichs bedeulen.solte) erzehlle, war dieses. 

]i> Mir träumte, sagte er. Als ich neulich mit meinen Drüdern in 

der Erndc wur und neben ihnen meine Nacht-Ruhe hielte, es hät- 
ten sich meiner Brüder Garben vor den meinigen, die anffrecM 
gestanden, von sich selbslen zur Erden geneigt und niedergeworf- 
fen, gleichsam als ob sie die Meinige anbeteten. 

15 Dieses bedeutet dir, antwortet Jacob, daß du der tiesle unter 

deinen Brüdern seyest und in angefangenen Tugenden standbafftig 
verharren werdest, weil deine Garben auch aulTrichtig stehen blie- 
ben. Daß deiner Brüder Garben aber niedergefallen und diu Dei- 
nige angebetet, beiteut ihnen nichts anders, als daß sie erstlich 

ta vom Tugend-Wege abweichen, eine unverantwortliche That be- 
gehen und aißdenn in ihrem höchsten Kummer dich in deinen 
Glück und Wohlstande umb HüliT und Gnad anflehen werden. 

Hierüber wurden die Brüder Josephs viel unwilliger, als über 
den Bock, den ihm der Vater hicbcvor hatte machen lassen. Und 

IS ils sie in Abwesenheit Josephs und ihres Vattern aber dieMi 
Traum und seine Atißlegung murrelen and ihre neidige GemflllHr 

1 Denn] XH Du tl. C*pit«l. 

Der gellsbite JacobB-Sotm, 
Tmg Lieb aod HaD ingleiob d«noii. 
DEr Himni«! n. i. «. Ibm] fchll XH. 10 [X 639] Mir. iian(Z 
18 Brfi[S 9]au. 32 ui[K 3, 503]aehen. 18 Hi«rfiber |H S ■ 
15 Vattun] S Taten. S6 AnlUe[Z l>]s«r- 



n, 5, 2. 7i9 

loch mehr unter eintnder zu ärgerer Verbitterung wider den un- 
icholdigen Joseph verhetzten, sagte Judas, welches ein tapferer, 
rerständiger und mit allerhand Tugenden wohlbegabter Mann, 
mch dem Joseph nicht so gar verbost abhold war, zu den übrigen, 
)S sey eine grosse Thorheit an Traume glauben, weniger sich ih- 
'entwegen entweder zu bekümmern oder zu erfreuen. Joseph 
ifltte halt^umb selbige Zeit helffen einemden, und wormit er des 
Pages umbgangen, das sey ihme des Nachtes im Schlaffe Torkom- 
nen. Daß nun der Vater eine Propheceyung daraus mache, da 
nüsse man ihn reden lassen, sein Alter ehren und ihm zu- 
jfeben. 

Rüben antwortet hierauff, es pflege ihm Selbsten dergleichen 
m widerfahren, wie dem Joseph; Denn als er erst kürtzlich zu 
Sichem gewesen, die Weide zu besichtigen, hatte ihm geträumet, 
ils wann ihm etliche Füchse und Leoparden das beste Lamm aus 
lemes Vaters Heerde alldorten hinweg genommen und in die Wild- 
liß gefuhrt, er hätte sich zwar gewaltig widersetzet und doch 
liclits erhalten mögen. Ais er aber durch die Wiidniß kommen, 
ifttte er ohn gefehr dasselbe Lamm wieder angetroffen, aber nicht 
nehr gekannt, dieweil es gantz güldene Wolle getragen; ihn hätte 
fedäucht, daß er selbsten ein gut Kleid von solcher Wolle be- 
[ommen; Solte er nun aus dergleichen Possen ein künffliges 
ichliessen, so müste er gestehen, daß er billich vor einen Thoren 
;a halten sey, sintemal er sich wol einbilden könne, daß ihm die- 
ser Traum nicht vorkommen seyn möchte, wenn er selbige Tage 
licht vor die Heerde gesorget und seine Zeit anderswo, als auff 
lerselben Weide, zugebracht hätte. Und eben also wäre es auch 
nit Josephs Traum beschaffen. 

Träume, sagte er weiter, erfreuen die Unverständigen und 
erschrecken die jenigen, so sich fürchten. Die allermeisten ge- 
(chehen vergeblich und alle ihre Außlegungen sind ungewiß und 
)etrüglich, wessentwegen denn ihre Außleger Conjectatores, das 
st: Räther, genannt werden. 



1 nnschaldigen [8 10] Joseph. 2 Judas] XH Jada. 7 halt] X halt eben. 
LS Deon] Z Damals er. XH Dann als er. 14 ihm] X ihn. 15 und [X 640] 
lieopudfiii. 16 Wild[Z 13]naß. 18 darob [S 11] die. 19 Lamm] 2^ Land. 
tS hiUiali] XH bUliober. 25 wenn] XH wann er selbigen Tag. 82 denn] XH dann. 




Aur, iM^ IbfMii Md Bh «üasfH 
and nKton: fftm Mkm ttlttmmwmM^ tm^t^mM 

^m lind, M Witt taiaek ciM« ib dm MioBi 

ioivpli VM Vil«r MM tlm ■wiiiliin«« vd * 

» *fjn tbM mehr ^t\ieU, ab «fr ab bA ^mmti 

nndtich gintg ilwe VernalaMf ns eiHate', ^ icritf !■» 
^ nnruhigim Hmtun. Der «w liefi es hcj dum ikn CM, 
M unil MIDfiMt «erMnbea, 4er »der afe«r, ml iffi *i 
•fd« 8Ahn«, ttarilen «n-biUerter. 

All ib«r die Ernd ein Eod IwU« UMi itctb *«ia «Mtic* Haft 
laruh feine herrliche Maktxeil, die ataii bey ms Ab EraJ-Gafi 
innol, Hvcb i ergeUet imd (ick duW; nhr fri- 

k epk, welcker sieh eher des HiMik 

U,.^ mW t iicid, versekea hätte, irtederiaüi eiim 

m. den er diKielbe Ntchl gehabt, oeaftlick, daß Sonn, 
ilenen lich vom Ifimoiel gelassen, vor seinen Fbs- 
!t und ihn angebetet hätten. Der alle Jacob sagte 
»er TrHURi liudcutet dir weit ein grössers, als der to- 
ajubo, es wird die Zeil kämmen, daß da nicht alleia 
iiT uvino Brüder erhöhet, sondern auch von Vater und Matter 
Ibstcn ((eehrel und (gleichsam anf^ebetel wirst werden. Mich zwir, 
■ängt er ferner dran, wird* hdcklicfa erfrenen, wenn ich die Ehre 
bebe, dich in solohem gl&ckseligen Stande zu sekeli, and wolts 
IS Gott, daß diose seine Göttliche Vorsehnng nur bald ins Werck ge- 
fetzt wQrde, dieweil ich gewiß weiß, daß solches eigentlich ge- 
schehen wird. 

Umb wie viel sich nun Jacob wegen Josephs künffliger Uock- 
heil erfreiiele, umb so viel desto heflliger betrübten sich hiogeg« 
M seine andern Kinder. Ja ihre ohne das genugsam vergällte GenA- 
Iher wurden ao erbost, daß ihnen weder Essen noch Trinckn 
sohmeckete, sondern sie stunden nach und nach von der Tafel aoff 
und verfflgten sich in ihre Hallen. 

l(ZI4|Aier. 3 and [S IS] ohaa. 7 Venunlung [H 1, 609J *od. B ob- 
(K >, SOS] ruhig«]). II End] XR Ena«. 18 erg«U«t) H eigetMte. 14 Ihn) 
hblt ZU. Ifi Brfldai (X 641] Neid. IT and (Z 15] eil£ 19 dir (S )SJ wdL 
IS wirda] Z wird. 38 Uoohheit] H Hoohielt. SO Kindar] XH Khfcr ib 
Juapha BrOdw. 



n, 5, S. 721 

Jacob vennalhete wol aus ihrem Untrillen, was die Glocke 
gewifaUgen und daß sie seinem liebsten Sohne solch herrlich GIQck 
mißgdnneten; Doch kont er schwerlich glauben, daß die Person 
Josephs von einigem Menschen in der Welt, geschweige von sei- 
■ nen leiblichen Brädern, mit einem solchen Haß und Neid angefoch- 
ten werden könte, wie sie schon gegen ihm gefast halten. Joseph 
aber, der keinem Frembden, geschweige seinen Brüdern, etwas 
Böses zutraute, hielte davor, daß sie deßwegen so frOhe Feyer- 
abend gemacht, damit sie am Morgen desto früher sich mit dem 
M Vieh Buff die Weide begeben möchten. 

Die zehen Brüder schiede» den Morgen von dannen, ohne daß 
einiger seinen Unmulh im geringsten hätte blicken lassen. Sie be- 
schirmten ihrer Gewonheit nach den Vater, empfiengen seinen Se- 
gen ond befohlen dem Joseph seiner wohl zu pflegen. Aber so 
IS bald sie sich allein draussen anff dem Felde befanden, erhnb sich 
ihre Klage. 

Ach! sagte Gad, sollen wir denn erleben» daß wir vnsers 
Bmdem Sclaven werden müssen? 

Ha! antwortet Äser, siebest du denn nicht, daß wirs allbereit 
M Myn? Sitzet er nicht schon beym Vater zu Junckern, als wenn 
er Perlen schwitzen und Gold hofieren werde? Wird er nicht schon 
gehalten wie der grusle Printz von der Well? Was mangelt, daß 
■ein eiteler Traum noch nicht erfüllet sey ? Er bat ihn vielleicht 
dammb erdichtet und erzehlet, damit wir auch wissen, wie er von 
H uns geehrt seyn wolle. 

Freyliuh, meldet der Dan, ist sein Traum schon erfüllet wor- 
den. Es wird Ja keiner unter euch allen so alber seyn, der nicht 
in Acht genommen habe, was massen ihn unser Vater bereits vor- 
längst in seinem Hertzen mehr geehrt und angebetet, als sonst et- 
w was in der Well. 

Naphtali bracht seine Wahr auch zu Marckt und sagte: Was 

l[Z16]JM0b. 3 er {! 14] ocliiretUcb. glioben] XH gUnben. 11 8rfi- 
der] XH Brttdernun. 12 beichiimteQ] beichirmon := lich verftbiobiedeD. 
Vgl. 1,771 und oben H i, 366. Qrimm, wJJrCorbnoh 1, 1539 fuhrt duc dM 
reflexive Terb um in dieser bcdeulung auf. tS Gewaoheit [X 642] amch. 17 denn] 
ZH dann. 18 ScU[Z 17JTen. 19 Aaer) Z Aiar. denn] XB dum. ■llbeteit 
|H 2, 604. K 2, 604] (eyn. 30 icbon) Z eobon dabelm. JaDOkorn] XE Jnno- 
kem [3 15) ■)« wann. 31 Napbtali] Z Nephtslin. 

SlmiiUelHlmiu. U. 4A 



gills, vo ihn nicht unser Vater zu seionD ei&ign Eftea erkÜnt 
and ans snßstöst oder mit ansero Kiadern gw im J< we p to Sd>«a 
■nacht, damit des Jonckern Tra«m wahr weHe. 

Jadas antwortet ihm, er solte ein bessen T«a TiMr g gj — e- 
ft ken, sie wären alle, so wohl als Josepfi, »u leiM« LcaicB ge- 
boren, er würde als ein ehrlicher anOrichlifcr 1 
Ungerechtigkeit an seinem eigenen Gehlöl nicU t 
nr ewigen Schande in der Groben mchsagea Umeai Br UOt 
Iheils seiner Kinder selbst tot Btsttrte gehajlca wai aas tar Brk- 

I* schafft verflossen. 

Wer weiß, antwortet Dan. was gcscUeM^ Habe« wr aich 
Exempel genug in Ismael, den «kic^rs widerttmf Do^gk»* 
chen Streiche and nichts ne«e« bey waaerm CticMiirfcl ^tä Vm- 
Titem gewesen. 

u Ob an zwar Rnbea, der Aetleste mA BereJierte oBkr ikmm, 

Torgewendel, dal> jenes aas n*!!]«« a&d .SalhA der Smv g—t fa - 
hen. Die BAel, Josephs Hsner, wäre hi^r^rn Ip«, «r ftngr 
■her Mch ■■« n L«fce«. d>e de« Taler w«i mien her c fc» wvr- 
Aea, hMieiwr nch die Be4«d- m4 AmGlrgiy der TrMse U- 

H aetft cesvr Terlacht. ihre GtmSAtt mias n l^rr«t. So htf 
dKh iricto aHflgericMrt, iM^ «ae ricr n«4e-Si^ C> 
Ifcii gtM ifcenckryem, hI Totfche«, es sey ja fcckMt 48—4, «ic 
Ar Taler mA ftrev Gn>ßvaier «d scmb leaiAw kwkr ge- 
fcwlFll, iirieai er beyde Wftr^« wd 4m Tikrfichn Scfca, *r 

ai tmem ^tiam Tom Rec^tewe^ea ge^ilfl, tmumfl 4em MetM iet 
Bn4gc*vl ntf sid «eäsl cCTreadel; flirfhe aa cä Enrf äd 
keä GewiBStm BM^es, böi seineaii Tdter md Bnrfer s« za i|aF- 
ka, 9» vvde es löc^ waA vkäA «ckewa, tas fcJMltipe söa 
cigeae Cnder nüt g'lödter Möntee zs l>£zdlea; Ksn vasle wdd, 

M «ns Gestalt er den LahuL, seinen Sohweher, <der An dodi sn viri 
Gtftes emiesen, berhckt, als er Ibme dewon atörte Baidie im^ 
«öne banden Stäbe, ein gmäa. imlädicheB. ja iflaichnnBi d i e hiwh« 
ffitte^ ^mtz Toräiainuffüg kbgeewndcl: Vm sie wiA 1 iimiihrtin 
daC Josf^ph ander« daheim thoe und Aelig be^ den Tater ei «tun 



I gt-Z l^' äiiociiHT- f nufirictiLifror^ Z mnSraclmii Ksim eax. 7 wä- 
^i>pin. If^ ahn; -'S m«;. nncL. SS GbarfZ IfjuhTTBii. 94 nnl j< iT] 




D, 5, Sl 733 

habe, tli dergleicheii StBcka zu lernen, dirdarcfa er sie kflnfftig 
heyiw nnb ihre Freyheit und ihr Erbtheil bringen möge; so sie 
smr nieht dem Viter lor Schande, sondern sich sor Vorsicfatlg- 
keit «iiSkiiinantem, gemeldet hsben wollen. 
I Wu gilts, wenn wir heimkommen, und nicht anders cur Sa- 

chen Ihnn, wo nicht dem Joseph endlich anch IrAumet, wie er eilff 
Sternen aoBTsetze und mit Sonn und Mond darnach hagele? 

Rnben, Jnda und Levi hielten zwar Widerpart and Terfochlen 
ihres Vaters gepflogene Händel nach HAglichkeit, indem sie alles, 

w was Jacob gelhan, der Weiber Anstifftangen zulegten, welcher 
Hfliffe Joseph aber beraubt wire. Es war aber alles rergeblich, 
denn diese Reden der fibrigen Brüder ebne du vergällte, aeidige 
und mißgünstige Hertzen durch Mil^tranen dem Joseph noch ge- 
hlssiger machten, also daß sie endlich beschlossen, sich mit der 

u Menge Viehe nach Sichem soff die jenige gute Weide zu begeben, 
die Ruhen hiehevor anßgespehel hatte, umb sich allda so lange 
anffauhalten, biß sie sehen, was ihr Vater thun wolte and ob er 
allein mit dem Joseph würde bansen wollen, auff welchen Fall, 
wenn geschehen solle, was sie unnölhig rennntheten, sie schon 

st den besten Theil der Heerde in ihrer Gewall hätten. 

Also Uessea sich diese Gebrüder durch Eifer, Neid, Haß, 
Mi&gonst, Zorn und Hißtrauen umbtreiben und zogen mit ihren 
Bwden in die Waidreiche Gegend Sichem. 



S rieh [Z J0| nr. fr gilti] XU gUu, (ugten Sie foraer,) wmd wir. 
t MUaMt, (3 18] wie. 1! dena] XH dun. H dieM Itede. 14 bMobloueu, 
[X U4| «ieli. 19 iui[Z 21]D&üg. 3U ibrar] Z ihrem. 31 and LS 191 UUS- 
tnuini. 38 QcgendJ H Gegend D»ob. Siehem] XH Sioheni. 

Sohaa, wm dec grimme Neidee-Giflt, 

FBi Unheil iwiiohen DrOdern «tlOl, 

Dem frommen Jotiph wird mtn fcind, 

Dwr e» ao Hertiena-gul gemeint, 

8o geh'u noefa leidw an tnheint. 



n, 5, S. 735 

e, Welche Kunst er denn, wegfen seines klugen Ventands 
t geneigten angebornen guten Art, nicht allein mit ge- 
lte gleich begriffen, sondern auch nachgehends durch 
iiire göttliche Gnad und sein eigenes scharffes Nachsinnen 
uit gebracht, daß in ganlz Egypten auch unter den Allerwei- 
.^v;äten keiner seines gleichen zu finden gewesen, wiewohl dieselbe 
Ibtion ein sonderbare Profession aus dieser Wissenschafft ge- 
■acbt und sich mehr, als die Chaldaeer oder einige andere Völcker 
fai der Welt, darin geübet 

Der spate Abend kam diesen beyden viel früher, als sonslen, 
weil ihnen ihr liehreich Gespräch den Tag so unvermerckt gekürtzl 
katte. Sie wären auch der dunckelen Nacht selbst noch nicht ge- 
mhr worden, wann Lea nicht zu ihnen getreten war, anzeigende, 
4b& die Söhn mit dem Viehe noch nicht ankommen. Diese fragte 
'n^eich, ob sie nicht wüsten, warum sie wider ihr Gewonheit so 
^pit Bußblieben Oder wohin sie sich doch mit der Heerd begeben 
kiben möchten. Weilen aber keiner von ihnen beyden weder die 
tbuefa ihres Außbleibens noch den Ort, da sie sich befinden möch- 
MB, lußsinnen können, Haben sie die Nacht anstatt des Schlaffs 
. all Unruhe und Sorgen eben so betrübt zugebracht, als ergötzlich 
IhBM der verstrichene Tag gefallen. 

Den folgenden Morgen vermehrte sich diese Traurigkeit im 
gMlitin Hanß. Je eine Sobnsfrau fragte die andere, ob sie nicht 
keym Abschied ihres Manns vernommen, wohin sie sich mit ein-* 
■■kI«' in verfügen gewillt gewesen. Keine unter allen aber konle 
Haehrichl geben, als Rubens Liebste, dann diese sagte, ihr Han0- 
vfnh bitte sich ohnlängst vernehmen lassen, daß er in der Siche- 
■Iter Gegend ein solche herlzliche Weid angetroffen, daß immer 
Sehad seye, wann man dieselbe unnützlich verderben Hesse, hielte 
«Im darvor, daß ihre Männer sich ohn Zweiffei dort herum auffhal- 
ten müsten, vornehmlich weil sie den Kern des besten Viehes bey 
rieb hatten. 

Der bekümmerte Jacob ermaß die Nähe des Wegs und er- 



1 Tcntküd« [Z 23] und. 4 Nicb[S Slliinnsi]. IS «pAt [X 6M] aii&- 
UielMii. IT mCchtea. [Z24] Weilan. 20 ingeEG aajbraohl. 9S im [H),&OT. 
K9,&0T]gutMii. 38 hertilicbe] XH henliohe. 80 dwor] Z diTor. Sl bat- 
t«D] XH bitten. » [Z U] Dw. 



tae n, s, 3. 

kannte ohnschwer, daß »eine Söhn, wann sie gleichwol dorl ge- 
weidet hätten, wol wiederum daheitn geyn können, dann er daxu- 
mal zu Sicima, welches die Hebreer Sacholfa nennen, powohnet, 
von welchem Ort es einen nicht so gar fernen Weg nach Si- 
E ehern hat. 

DaraulThin haben ihm nicht wenigfer sein eigene Sorgen, ab 
sein und stiiner Söhne Weiber und deren jungen Kinder, unaoff- 
hörlicb Wehekisgen inständig eingerolben, daß er hinschicken und 
erkundigen lassen solle, oh sie vielleicht durch die Arabische Räu- 

10 her angegrilTen und weggeführt worden oder ob ihnen sonst ein 
ander Unglück begegnel wSre. Josepiio dem Klagen aad nrir it- 
nals nur siebenzehen-jährig:en Jüngling wnrde diese TcrricAtatg 
inffgetragen. Und damit er desto eilender ein gute BotlscMI 
zarück bringen Oder, wann vielleicht Gefahr vorhanden, d«rto ge- 

u tchwinder entfliehen könte, wurde ihm seines Vateni bester md 
schneilester Länffer, von Persischer Art, den er ans ]lesopol»a 
mit sich gebrach! hatte, nnlergeben, anff welchem er, nit dea 
Segen Jacobs versehen, der Heerde Spur nachstriche, seiaa ge- 
liebte Brüder su Sachen, Welche er aach gegen Vesperaeit nt 

w samt der Heerd ehender and zwar in so gutem Staad aagetr^tai, 
ils ihn zuvor seine allzu grosse Sorg und vor sie habende Bekfiai- 
memüß glauben lassen, Massen ihn solcher gewünschte Anblick 
hertzlicher erfreuele, als wann er jetzo die propheceyle HerrUg- 
keil hütt antreten sollen. 

u Seine Brüder hingegen, da sie ihn von weitem sahen, spra- 
chen unter einander: Ach schauet! Dort kompt unser Piiab 
Wolan, legi euch nieder und erfüllet seine Traum I Sehet dock 
urob GOttes willen, der Juncker Träumer hat sich auS' unsers Tä- 
tern bestes Pferd gesetzt, damit er unsere Ehrerbietung desto Ha- 

10 jcstälischer empfahen möchte. Ey warumb sitzen wir doch nicU 
alle auff unsern SchindHehren, damit sie sich, gleich wie die Gar- 
ben in seiner Phantasey gelhan, vor dem seinigen neigen Und wir 
zugleich diesen gewaltigen Kerl mit anbeten möchten? Zwar war- 



2 kürnicn] H kUntcn. 4 •retchem [ä 23| Urt. sojrL-UlH. 15 kCnie] ZkSnle, 
[X 647] niirdo [Z !6) ilim. -^11 Udtrd [5 !4] ohender. 35 ibn] XH ihn nor 
eriit. !7 TrUum] XII TrUumc. 28 GOtlea] X Sötte«. 31 aD[ZSI]Mr« 
Schind-Meh[H 2, 50Slreii. 32 Pliantaoey [K 3, 506] gethan. 



n, 9, 4. 



. damal kam Joseph zu ihnen geritten, er stieg vom Pferd 

.Igel sich gantz Ehrerbietiglich gegen ihnen, vermeldet zum 

..trersten des Vätern Gruß und Seegen, folgends, wie behQmmerl 

er ihrenlwegen daheim süsse, weil er nicht wüste, wo sie wären 

• nnd ob es ihnen wol oder übel gienge, Hertzlich besorgende, es 

möchte ihnen vielleicht ein Unglück begegnet seyn; Hfitt ihn dero- 

wegen geschickt, zu vernehmen et c. 

Hit dem, und zwar ehe er seine Red vollenden konte, pack- 

len sie ihn an. Slmeon muste ihn binden und verwahren, weilen 

it er der sISrrfcsfe unter allen war; Sie aber traten beyseits, vom 

Buben ferner zu vernehmen, was er dann nnn vermeinte, daß 

jeUo weilers zu Ihnn sey. Demselben war nichts hühers angele- 

gea, als wie er den frommen Joseph davon bringen möchte, und 

nute doch besorgen, wann er von neuem vor dessen Leben rc- 

t» den würde, daß seiner Brüder grimmige Gemüther, die einmal 

dem Joseph obgemeldten Eyd geschworen und ihn von der Kost 

xa Uiun fettiglich beschlossen halten, auch mit einem neuen Muth 

entzündet werden dörSten, dardurch Joseph gleich im selben 

Augenblick von ihnen hfitte getödlet werden können; Hai derowe- 

M gen seine Red folgender Gestalt eingerichtet. 

Hertzliebe Brüder, sagt er, wenn die Söhne Jacobs ins könff- 
tig ein Unglück treffen solle, so würde Ruhen gewißlich nicht 
leer anßgeben. Wann die Kinder brael zu Josephs Sciaven wer- 



1 EbBD] XH Du IT. Capitel. 

JoBsph die Brüder antrifi^ oacb Verlangt», 
Wird aber Ton ihnen gar Qbel empfangen. 
ElkD disomal. ibnea] XH leinen Bifldeni. 3 Ter[S ]8]meldet] XH *m- 
imidete. 9 Ibn] XH ibn alio ohne einige» Wort machen. 10 traten] XH tra- 
ten aacbgebend«. Vi sey. [Z 3t] Demieiben. M nenem] SXH neaen. 16 »ei- 
ner] i aelne BtOder [X 650] grimmige. 18 dSrfften] Z d&rffen. IB Augen- 
blick [8 SB] TOD. kanaen] XH können; derowegen er aetn«. 10 elagMlolitet] 
XH einrlcblate. 21 sa^] X a«gte. SS gewiftU«!) [H S, 610. K t, 510] Bklit 




den sollen, So würde ich und die Hoinigen ohn ZwcitTel seiner 
Dienstbarkeit nicht enirinnen mögen; dann es hcisset: Gldcbe 
Brüder, gleiche Kappen. 

Und solle es dahin kommen, was ihr besorget und ihm onser 
t Vater selbst weissaget, (nb ich zwar nichts aaff närrische Traam 
hallet so wäre ich wol thörichl, wann ich ein bessers hotfen 
würde, als mit euch über einen Kamm geschoren zu werden. Finde 
derowegen das beste Mittel zu seyn, daß wir ihn auß dem Wege 
räumen, Uns scibsicn Sicherheit vor ihm verschaffen und also durcli 

10 sein Verderben unserem eignen Unglück vorkommen. Ich werde 
keinem unter euch raltien, dafi er ein gifTtige Schlang im Busen 
auR'erziehe, damit sie ih» hernach erwürgen solle, weil ieder un- 
ter euch mein lieber Bruder ist. Warumb wolle ich dann den 
gäntzlichen Untergang unser aller Frcyheit hiigen, wann rcfa Mit- 

tE tel und Gelegenheit sehe, uns sämtlich solcher Gefahr zu entreis- 
sen? Daß ich aber gerathen habe, man soll keine Hand anlegen, 
Solches ist noch mein Meinung. Aber man muß mich recht ver- 
stehen; Dann tödten wir ihn Selbsten, so Legehen wir ein Bruder- 
Mord mit eignen Händen und wird das unschuldig Blut über ans 

so gen Himmel schreyon. In dem wir aber der Gestalt unsern Vater 
seines liebsten Kindes berauben, so nehmen wir ibme auch zu- 
gleich sein Leben, in dem wir ihn durch solche That in grosses 
Herlzenleyd, Und durch solches Herlzenleyd sein Ehrwürdige 
graue Haar vorseUlicb und vor der Zeit in die Grube fördern, 

u welche That auch bey wildesten Völckern, die GOTT nicht keimea, 
verfaassl Und uns und unsern Nachkömlingen eine ewige Schasd 
teyn würde. Das allergreulichsle aber ist diß, daß wir den jeai- 
gen verderben, den GOlt selbst liebt und ihm allen Segen und lo 
große Hochheit versprochen. Und zwar so thälen wir solches lU 

w einer gar bösen Ursacb, welches noch abscheulicher und striflt- 
cher wäre, nemlich aus blossen Neid und Haß, welche Laster 
GOtt mißfallen. Ja über diß wäre solche Sund grösser, als der 



5 ob[ZS2)ioh. auff] XH auff Bolcbe. li erwürgen (S 30] solle. 17 mein) 
XU meiDO. 18 ein] Xa omiud. 20 ncbreven. [Z 33] In. 13 io] XH dldis- 
weileu wir. 23 sein] XH seine. U der [X 6bl] Zeil, rordern] XU (Srden 
und Tenetien. 25 bey] ZXH bey den. 36 eine] XU ein. 3B don [t 31] 
OOtt. 31 bloMeD] XU blateem. 



n, S, 4. TSl 

Todschlag seihst, weil wir ans seine erschröckliche Slrtff Icein 
Exenpel sein lassen. Wie meinet ihr wo!, hertzallerliehste Brü- 
der, wann wir ihm eigenhändig das Leben genommen haben wer^ 
den, welches wir ihm nimmermehr wieder za geben Termögen, 
s wie henckermissig nns hernach unsere eigene Gewissen martern 
and peinigen würden, wann schon der gmndgütige GOtt selbsten 
stillschwiege nnd omb unserer Vfiter Frömmigkeit willen über- 
sehe? 

Raben sähe wol, daß er keinen von seinen Brüdern hiermit 
bewegte, dann sie sahen alle stürmisch and mörderisch ans, griß- 
gramten and bissen die Zfihn aaff einander mit grosser UngedulL 
Derowegen lencket er seine Red aaff folgenden Schlag hinaus: 
Dieses alles, liebe Brüder, bring ich nicht darumb vor euere Oh- 
ren, daß ihr den Joseph mir und euch zum Herrn behalten sollet, 
.5 Sondren deßwegen, damit wir so wol ausser seiner Herrschafft 
nnd Dienstbarkeit nach unserer Altvater Herkommen in Freyheit 
leben, Als auch unsere Hand von seinem unschuldigen Blut rein 
nnd unbefleckt behalten mögen und in alle Weg uns weißlich vor- 
sehen sollen, damit wir unsere Handlungen vor GOTF und der 
ro gantzen Ehrbam Welt, wo nicht verantworten, doch wenigst be- 
schönen können. Was Raths dann nun, hertzliebste Brüder? Wir 
haben einmal ein Eyd geschworen zu seinem Verderben; der muß 
gehalten seyn, so lieb uns der jenige GOtl ist, der unserem Be- 
ginnen den heutigen gantzen Tag zusiehet, auch zuvor unsere Ge- 
is dancken wüste, ehe dieselbe in unsere Hertzen gestiegen, solche 
auch samt der That zu seiner Zeit richten wird. Wolan dann nun, 
liebe Brüder! Welche Tiger- Art hat Jacob geboren, dem liebsten 
Sohn Israelis den ersten tödtlichen Streich zu geben? Nein, Neinl 
das sey ferne, daß wir uns an GOtt, an unserm Vater und an un- 
M> serem Bruder dergestalt vergriffen! Ich weiß ein bessern Rath, 
den Joseph an Ort und End zu bringen, daß er seines Vätern An- 
gesicht nimmermehr sehen und iedoch unserm Eyd genug gesche- 

ii ibm [Z 34] eigenhändig. 7 willen] XH willen, etwas. 13 seine 
[U 2, 51 1. K 2, 51 IJ Red. hinaus: [8 32] Dieses. 13 vor] XH für. 15 Son- 
dren] XH sondern. 18 Weg [Z35] uns. 19 damit] H daß unsere, wir] fehlt XU. 
20 verantworten] XH verantwortet, beschönen] XU beschönet können wer- 
den. 24 gantzen [X 652] Tag. 37 geboren] XH geseaget 28 ersten [dS8] 
tödtlichen. 29 uns] Z siob. 80 Yorgriffen] XH Yergniffen. 



n, 5, 4. 

ben solle. Zibnion, ixt weist die WoIffinGnibe, so wir fieser T|- 
{fßn hiemechit im Wald mil eiiunder gefondeB hiben; in diea^M 

wollen wir Ibn Hecken, Go ist er schun, unserem Eyd gemäß, im 
Abgrund der Erden verborgen; darinnen wollen wir ihn andere 
i Väter, Mutier und Brüder suchen lassen, die ihn ehren und anbe- 
then mögen, so lang lie wollen oder biß er selbst in solcher Herr- 
ligkeit verreckt. GefSlII euch dann dieser Vorschlag nicht, so will 
ich ihn in eine solche ferne Wildnüß führen, da er entweder den 
Räubern oder den wilden Thieren zu theil werden muß, So blei- 
10 ben unsere HSnde seines Todes halber onscbaldig. 

Der erste Vorschlag, den froinineii Joseph in die Grob in 
werfTen, ward beliebt and als ein rechtmässige Verfahmn^ and 
kluge Erßndang gelobt, zugleich anch dem Roben, Jade, Simeoni 
und Zabulon anffgetragen , solch Urthel za vollzieheB. WeiEen 
is aber ihr Eyd auch in sich hielte, Josephs kosibarlichen Rock, der 
schier die gröste Ursach und zwar der Anfang ihrer Fendschaffl 
gewesen, mit Blut zn besprengen, Haben sie ihm denselben aofi- 
gezogen, aas Zorn limlich zerrissen und in dem Blnl eines jongea 
Ziegenbäckleins, so sie in dem End geschlachtet, hemmb gesn- 
M -delL Indessen nun diese ihre Bach am Bock übten, wie die Hand 
an den Steinen zu Ihun pflegen, wann sie den, so sie damit ge- 
worffen, nicht beschädigen mögen, führten jene vier den Joseph 
tu der Graben and liessen ihn mit Seilen ohne seine Beschädigung 
hinunter; Rüben aber war bey sich selbst bedacht, ihme ohne sei- 
st ner Brüder wissen noch selbige Nacht wieder heraus zu helErea 
and seinem Vater heim zu bringen. 

Er danckte GOtt heimlich in seinem Herizen, daß er ihm sol- 
chen Einfall verliehen und Gnad gegeben, daß ihm seine Brüder 
gefolgt hätten. Derselbe Tag dunckte ihn länger zn seyn, all 
■0 sonst zween, weil ihn so hertzlich verlangt, sein Vorhaben ini 
Werck zu setzen. Er gieng einzig hinweg, mit Vorwand, eins 
bessere Waid zn suchen; aber sein Verlangen war eintzig die fin- 
stere Nacht, In welcher er die vorhabende Errettung seines Brü- 
dern ins Werck setzen möchte. 



1 Wolfrs-[Z36]Qrube. 12 be[o 34jliebL 16 aad [Z37]cwit. 17 Hibsn] 
XHhatten. 20 dieie [HJ, 013. K 3,512] ihre. 33 Grii[X 663]ban. S«il«i>] 
Z Siilem- 38 ver(S 30] liehen. 31 Vorwuid [Z 88] eiae. 



^ ü, 5, 4. 733 

Nach seinem Abschied liamen unversehens etliche verirrte 
Ismaeliter, so KauffmannschaiR halber aus Arabia in Egypten zo- 
gen, zu der Heerd, keiner andern Ursachen halber, als wieder 
nach dem rechten Weg zu fragen. Denselben verkaufTten sie, aus 

s Ralh Jud®, ihren Bruder Joseph umb dreissig silberne Pfenning in 
ewige Dienslbarkeit, weil. sie davor hielten, es wäre besser vor 
sie, der jenige würde Selbsten ein Sclav, dessen Sclaven zu wer* 
den sie besorgten, Jedoch mit diesen außdrücklichen Beding und 
Vorbehalt, daß sie ihn, so weit muglich, aus dem Land führen 

10 Und alsdann an den femesten Orten der Erden wieder verhandeln 
möchten. Nephtalin, so ein schneller Fußganger war, zeigte ih- 
nen wieder den rechten Weg. Sie waren aber kaum etliche Mei- 
len fort kommen, da käme die Brüder Josephs alle ein Reu an, als 
sie nemlich bedachten, was vor ein schlimmes Stuck sie ihrem 

15 Bruder erwiesen hatten. 



3 UrBacben] XH Ursach. 10 üod [8 36] alsdann. 11 Nephtalin] H Napb- 
tali. 12 Mei[Z 39]len. 13 die] XH den Brfidern. ein] XH eine. 15 hat- 
ten] XH hatten. 

Was die ge&ngst Gewissens -Ben, 
Vor ein gemeine Marter sej, 
Besengen diese Brüder hier, 
Nach der begangnen Sund -Begier, 
An ihrer frommen Josephs -Zier. 




u, s, s. 



Rubens verdrießlicher Tag striche mit hin vorbey und die er- 
wfindschle Nacht herzu, Da er dann nicht verseumt halte, einen 
millelmässigen Tzinar-Bauni oder Plalanum abzuhauen und mit 
Slümlung dessen Aesten Oder, wo ihm die Natur keine gegeben, 
& mit eingeschlagenen Nägeln, gleich einer Leiter, zum steigen be- 
qvem zu machen. Damit verfugte er sich zu der WolfT- oderLeo- 
pardlen-Gruben, dem Jenigen wieder heraus zu hellTen, Jener 
kurtz zuvor selbst hinein zu setzen gemässigt wurden. Er legte 
sich zur Gruben auB* die Erd nieder und schrie hinein: Joseph, 

10 liebster Bruder I 

Ibmc antwortet aber nur der belrügliche WiederhaU mil ibn 
dra Worten, die er ia dessen Abgrund geschrien hatte. Ribea 
mDte nochmals dieselbige Wort mit einer viel krüfftigani Süm; 
Echo aber Ihfit der gleichen. Rüben schrie von aller Macht sad 

11 was er erschreyen honte: Bruder, schUnt du? 

Darauff ward er auch gefragt, ob er schlaffe. Er wiederholet 
solch Geschrey zu vielen mahlen; Echo aber unterließ Dicht, ihsM 
eben so unverdrüßlicb von Josephs wegen eu antworten, als oft 
er seinethalben so beweglich fragte. Der Zorn and die Lieb stjtt 

M Ewar zwo widerwärtige, Jedoch einsfalls einige und so bescM- 
fene Gemüths-Beweguugen, sonderlich wann eins von beydenvid 
EU hefftig ist, daß sie den Menschen ganz ans sich selbst brtagei 
nnd dessen Verstand also verfinstern, daß er endlich nicht sehr 
weiß, was er thnt. Also geschähe dem redlichen Roben danalt 

» auch; er wurde bey der Gruben so besturtzt, daß er nicht m^ 
woste, wie er dran war; Er wosle nicht, ob Joseph oder desiea 
Geist mit ihm redet, weil er so willige Antwort empGeog und sich 

1 RdImii*] XH [X 6S4] Du V. Capitol. 

Roben nebt JoMpb in retttn gu eilig, 
Findet iliD Dimmer, und klag«! »tMcbenlicli. 
iai,513.K3,503sUtt613]Büb«Da. U Wiedetl>»ll [i 37] miL tS Summ 
[Z 40] Bobo. ST Antwort [3 38] empfiiig. 



n, 5, 5. 73A 

doch nicht dtrein richten kante, znmtblen an nlohti wenigen , el« 
an den natäriichen Widerachall gedachte; Stehet alao nooh, dar* 
umb zu zancken, ob ihm damala ein Antwort kein Antwort Oder 
kein Antwort ein Antwort gewesen aey. Zum letzten achrie er: 
Ach Bruder I sag mir (gleichsam als ob die Todte redeton J , bist 
da todt? 

Das , was er förchte und ihn wieder antworte nicht zu hör(*ii 
begehrte, fasseten seine Ohren am allereraten, nemlich daa letzte 
Wort 

Ach , sagte er , bist du todt? Ach warumb bin ich dann nicht 
▼or dich gestorben ? 

Von der Qval, die sein Hertz damala berührt, von dem Hett" 
ha, das er dannenhero anfieng und biß an den anbrechenden Tag 
triebe. Nicht weniger von dem jimmerlichen Hertzens^Schmertzen, 
des er dieselbe gantze Nacht über tragen, kan ich der Ursachen 
wegen nichts schreiben, weil sich mein eigene mitleidenliebe Tbri'- 
mtm Bit der Dinten meiner elenden Feder vermisdieo, Was mtsiu 
wdkwmtkts Vermögen hiervon zu schreiben vornehme, zu lesen 
— ürhiig machen L'nd also den Frevel meines Begfnneiii ffraffen 
la er, der ehrliche Buben, wurde endlich so M|felMil-» 
, dbG er wegen der L'nschnU Josephs, den er tedl tm seyn 
so wol wider GOtt und den galigen Himmel, die sefefcefi 
Todt verhlAgt, ak wider §eiae Br6der uMirrele, m$^ 
aüen akht herm be^ redete. Er verihdble 9mm^ Mend, 
■nd alle Gartea and kaaie in s^^ldber Weift tm uA^m Bn^ 
da am« eiM die HwgenrMMr ^mm mmm 1it% verkiui* 



O Ar ■ M^er. Va Schekm» mA %M^^ fdbrie «r aadi; w dcker 
hiffindbe Gtsif4 hA »ch «mrtlM, <9«awn marAnKig^» i^mder 
«■dradriorfaB V O Ar Ekr- mA CtieUas-aesytsifMe tri h h n dtir <Uss 
wntam Stemme» Aer ni^Mium IkAnMr^ n^Mm v m^ m ^^ 
Emevl Mncbi «noi änrak 4bmr fhä, «mm* nidb tn deai JÜtf^mA 4t^ 



m 



:i KU II Uir Biiai tifr. :i4 bmiu Z.H fUt nutM^inwittfiiitrJ H nir.M:iu«ij>. 
£ 1 : :« liuim. 



n, 5, 5, 737 

Erst damals wünschte ein ieder von Hertzen , daß Joseph von 

ihnen ohnbeleidigt und noch vorhanden wäre oder daß sie den 

gestrigen Tag Rubens Red behertzigt hätten; Aber vergeblich. 

Sio bereueten zwar ihre That und fiengen an, zu weinen wie die 

* Weiber; Damit war aber weder ihrem Vater noch dem Joseph noch 

Ihnen selbst geholflfen. Rüben war am besten getrost und bey sich 

'eiber, weil er unschuldig und den jenigen noch lebendig wüste, 

dessen vermeinten Todt er kurtz zuvor betrauret und sein Hertz 

^ *^ gantze Nacht über genugsam außgelert hatte. Ja er war gegen 

Tillen Brüdern gleichsam frölich zu schätzen, weil sein Gewissen 

^^ne eigene Unschuld bezeugte. 

y Endlich hielten sie davor, es wäre besser gelogen und den 

Ae* Wegen Josephs Tod in ein kurtzes Leidwesen, als die War- 

C^ gesagt und ihn seiner Dienstbarkeit halber in ein ewige Sorg 

»e||^ ^^^ härter zu ertragen, als die Dinstbarkeit selber), sich 

^^^l '^ aber in ein immerwehrende Schand gesetzt. Es seye, 

^>Q ^ si^^ wol ehe einem Vater ein lieber Sohn gestorben, er 

'o^ ^^tiM mb nicht gleich hernach gefahren, sondern das Leid hätte 

^/l^^^cf n ach mit der Zeit auffgehöret. KraiR dieses Schlusses 

^ V^ ^ors beste, den Vater zu bereden, Joseph wäre von 

^ jj'^^ VI Thieren zerrissen worden. Sie zerfleischten zu sol- 

l^^^if :Marm Mangel anderer Instrumenten mit ihren Schäfferstuben 

Zdigen köstlichen Pferd, woraufT Joseph zu ihnen kom- 

hintere Schenckel, als wanns die WöliTso zugerichtet 

Jt derselbige stumme Zeuge ihr Lügen -Gedicht desto 

r machen solt. Gegen der Nacht führten sie ohnfern 

rn Wohnung und Hessens seine Begierd zur Krippen 

iitrciben, umb ihrem Vater die erste Post von Josephs 

bringen. Den Tag hernach^ folgten Isaschar und Za- 

blutigen Rock, welchen sie selbst aus Neid zerreis- 

r-M d die That auff die unschuldige Thier legten. Was 

M^coh diese BottschafTt angehört, ist müglicher zu 

M js zu schreiben. 



2, 615] Erst. 2 wUre [X 657] oder [ö 42. Z 45] daß. 
Woblgcmath. 8 betrauret] Z betauret. XH bedauret. 
Acht, sondern [8 43] das. 20 solt] XH soltc. sie] XH sie 
6^8] Was. 33 SU [Z 47] gedencken. 

47 






jad df wMn «ir dann Tprb w tt ««4 vcfWit i 
Wvnmik floll er dann allein dm KoUr« Mab MÖwr h 
ladea 30 L«ri «irgifR lUm Inbea wad Irärliii, i 

Tmm nicht zu b«zablra M7 h flb^ «• 
üs sckiririz unl^r rituAdo'. E* wit« waA laa I 
I, woien lie nicM tfie Ccp nwirt cimt gl 
«, sa die Caravui moU« u|rreiiffea, öif p 
>«fc za förderst tre^rn die«eD>e bpffer za i 
ri«t aicht zu S.bi</n würben. AU »ic al^r t^>Ptt, 
ker wol lehea gegea ttrer i 




r oa WsBdcr der Wdl gribtfcw. Ja ^a aa «cr- 

^Ift, ab Jofeph ackäa, gcMkim wardaa, aMs aafee ga- 

aM deaErkntlea daa Ka^gfa* KkM, aa «e. daai »na 

fcrdvai, hey ätk hättoi, Mziefea, Mch a^ 4m ha^ ga- 

crte rieN wteea aad i« abri^a li iil körn Wmt iilli, M 

afe er n TcncfaAa, iafi «e gslie Cvana «tee Varia« 



|M wd Kea ia Ae Uiad gegetaa, vekte Kkäodk «e riiB I, 
aa wwl A da» ohgcMiUie fcäai^icfce Hod, des Ffana ntchna 

a wallea, aidri zwar, da& irwwd n solcher Eyl eewaA kiOe, wM 
CS ai^ckea solle, soadera iarmmt, dinreil des E 
der gaatzea Geselbckaffl eraag befcaal «ar. 

I>endbe rvaaet dea Säabera i 
pgea aad »ckrie äbertaat: O ikr Hei 

• GOtt Apollo, wtUiktT die Soan »d d» Fcmt regiert, isl äi 
McBsrUicker Gestalt bei aas zaee^ea ^td brat eack Mkäa- 
digca. d>D er eack aärdt^, seiae hiMBÜscW GesUlt za sekca 
l'ad loa ik« t« t-e^T'krea. was etwaa tas käaltig ieder gen 



1 (.- ;z >. iü 



Em ;£ «:] w 



D, 5, «. 741 

haben machte, Befielet auch ernstlich, ihr solt alsobalden zn ihm 
komneo. 

Dieses war den BarbarisdieB Banbem ein seltsamer Gruß; 
sie fragten sonst so wenig nach den Göttern, als begierig sie wa- 
5 reo, gute Beuten zu machen, und musten sich doch gleichwol vor 
dessen Gegenwart entsetzen, welcher, wie sie beredt waren, kurts 
zuvor Sodoma und Gomorra mit Stumpf und Stiel verbrandl hatte. 
Ihre Biuberische Gewissen erwachten, sie hupfflen zuräck und 
scheueten sich zu erscheinen; Hingegen verfolgte der listige Eiamit 

10 seine Botlschafft und drang auff ihre Erscheinung umb so viel desto 
mehr, umb wie viel er vermerckte, daß sie furchtsamer wurden, 
Erzehlende , daß Apollo die gantze bey sich habende Gesellschafft 
zu lauter Stummen gemacht, weil sie ihn nicht der Gebuhr nach 
begrast hatten. Hit einem Wort er wüste sich so artlich zu stel- 

15 len und brachte es so weit, daß diese aberglaubige Lcut ihn wie- 
der an seinen Apollinom, von welchem sie Gluck hoSlen und Un- 
glück besorgten, zurück schickten, ihme zu vermelden, daß die 
Vornehmste aus ihnen kommen würden, ihme seine heilige Schuch- 
sohlen zu küssen , wann er solches nur vergönnen wolte« 

20 Musai that, was sie und er begehrten. Er fände den Joseph 

in Königlichem Schmuck zu Pferd sitzen, dessen er ohnangesehen 
der grossen Gefahr bey sich selbst lachen und gestehen muste, 
wann er von dem Possen nichts wüste und wie die Bäuber über- 
redt wären , daß er den ErkauOten selbst mit Furcht und Zittern 

«5 angebetet hatte. Und die Warheit zu bekennen , so war Josephs 
Gestalt mehr als überirdisch, ja gleichsam Göttlich anzusehen. 
Niemand konte sagen, ob der Königliche Schmuck die Person oder, 
die schöne Person den köstlichen Schmuck schmückte. Musai be- 
fahle allein, es solte niemand, so lieb ihm sein Leben wäre, einiges 

so Wort nicht reden; er weite gleich wieder kommen und die Sach 
zu gutem End bringen. Ritte demnach wieder schnell zu den Bäu- 
bern und sagte, der grosse Gott Apollo hatte sie begnadiget, seine 
Schuch zu küssen, wendet sich darauff wieder zurück, ihme aber 
folgte der ganlze Hauff. 

3 Barbarischen] Z Rilubcrischcn Barbaren. Räu[B 49]bcm. 4 begierig 
[11 2, 518] sie [K 2, 518] waren. 6 welcher, [X 661] wie. 1 1 umb] 8HK und. 
15 abcr[Z 53] gläubige. 19 zu [^50] küssen. 20 und] H um ihn begehrten. 
23 wutftcj XII wOstc. 24 wären] d wäre. 30 die [Z 54] Sach. 



n, 5, e. 

Die CBravan halte dem Joseph von hinlerwärls mit einem 
halben Ring umbgeben, welches mehrentheils Nubatheer oder Is- 
maelilen, unter denselben aber auch viel Elamilen, Meder, Parier, 
sopotomier und Chaldiecr waren, und millen zwischen ihnen 
hielte Joseph ganlz alleine, wie ein köstlicher Edelstein in Eisea 
st, welches ein Mnjeslalisch und fremdes Ansehen gäbe, Und 
B, als wann dieser Gott vom Himmel kommen wirre, aller- 
d Nationen zu versamlen. Wie andächtig aber diese Barbari- 
sche Räuber ihre Ceremonien gegen ihme verrichteten and was 
vor seilzaine Gaben und Gnaden sie von ihm gebeten, solches 
werde ich im Leben Miisai, gelicbts GOlt, welcher damals des 
gedichten Apollinis Mercurius gewesen, vielleicht umb etwas be- 
rühren. Diß wolle ich allein noch sagen; Wann Joseph seine 
Brüder unter ihnen gesehen hätte, ihne, wie die Räuber damals 
bäten, mit anzubeten, dal^ er sich wol einbilden und glauben mö- 
gen, diß wäre die jenige Herrligheit, davon ihm ehcmal getranml 
und sein Vater geweissagt hätte, weil diese Herrtlgkeit gleich wie 
ein nichtiger Traum schnell vcrgieng und nicht länger taurcle, a\s 
biß die Räuber durch solchen Betrug abgeferligt waren, Sintemal 

to Joseph gleich hernach die Gottheit samt dem Zierralh ablegen 
muste. Doch gab er in solchem Habit den Räubern Befehl, daß 
sie der Hirten in selbiger Gegend verschonen sollen, dimit er 
seine angetreue Bruder, die seiner doch so gar nicht geschonet 
hallen, und seines getreuen Vetern Heerde vor ihnen versicherte. 

tt Kaum war diese Gefahr überstanden, da war der erste Zanck 

unter der Caravana umb ihren Erretter wieder vorhanden. Keiner 
kau glaaben, wie hitzig und verbittert sie umb ihn gestritten, er 
wüste dann zuvor, wie hefftig die Orientalische Völcker die Schön- 
heilen der jungen Knaben lieben, Zwar nicht alle als «bscheoliche 

M Sodomilen, sondern nur darumb, damit sie ihre Augen in deren 
Anschauungen, wie wir mit den schdnen Gemählten, Blamen oder 
Edelgesteinen zu thun pflegen, belustigen mögen. Weil dann die 



I [$51] Die. dem] H den. 3 deiisell)eD [X 662] ab«T. & allcine] Z allei- 
g, nie ein kSstlicb. EdeUlein) XH Edelgeslein. 12 Apoltini«] E Apolli Uar- 
iriQK [Z 55] seweicn. umb] XH in eiwia [H 3, 619. K !, 61») bsrflhiw). 
1 Heirligkcit, [S 52J davon. 19 dnrch] H za sctcbem. 27 hiJZ MJteig. 

I den [S 53] sQhüntii. 



n, 5, 6. 



743 



AsflUndische Schönlieit Josephs mehr als übermenschlich geschätzt 
wurde, auch der angehabte Habit solche denselben Tag Yerdoppelt 
hatte, so war der Zanck and Eyfer umb ihn desto grösser. Ja wann 
geneldter klage Elamit oder Perser Mosai , der die Rauher durch 

% omem Joseph betrogen , nicht vorhanden gewest wäre, so hatte 
die gantze Gesellschafft unter einander sich selbst auffgeopfferL 
Dieser wurde zum willkuhrlichen Richter erbethen und legt durch 
folgende Red allen Zanck bey. 

Liebste Freund, sagte er, daß die gantze Caravana Theil an 

I dem Erkaufften habe, erscheint daraus, dieweil wir heut alle durch 
ihn errettet worden. Es will sich nicht gebühren, daß eintzeie 
PriTat-Person von uns den jenigen beherrsche, welchen die Göt- 
ter, wie man heut gesehen, allein zu dem End geschickt haben, 
ans alle durch ihn zu erhalten. 

% Der ErkauffKe wäre seiner vorigen Freyheit wärdig, dieweil 
die gantze Gesellschafft ihme so wol umb ihr eigene Freyheit, als 
amb ihr Hab und Gut , ja umb Leib und Leben zu dancken schul- 
dig; Aber sein Rath und Außspruch wäre dieser. Die Caravana 
solte ans gemeinem Seckel dem Kiuffer 30 Lari wieder geben, 

her nach den Erkaufften als ein gemein Gut behalten und unter- 
wegs aus gemeinem Seckel speisen; Sie wiren noch nicht in Si- 
cherheit und könte wol kommen, daß sie seiner, wie heut ge- 
schehen, wieder bedörffen. 

Kommen wir dann in Egypten, so könten wir iluie enlweui" 

1 deai Pharaone oder sonst einem grossen Herrn, da man schmier f 
bhC, als eine grosse Rarität verehren oder ihn sonst mit gruMt- r 
Kulz verkauffen. 

Dieser Vorschlag wurde beliebt, weilen Joseph keiueu uii>- 
OBter ihnen allein, sondern der gantzen GeseUsdialU AUf^vmyi. 
chen worden. Wann auch des Richters Urtheil «niivi&, »i^ «.»• 
aoff diesen Schlag, gerallen wäre, So hatten Uie uiirigc wen iuui« 
und des ,H:mgen, dem er den Josepi) jftuefjuuia^, «us t}Atu»k». 
und MJjganst todt geschlagen. 



dörffiu. IH wrC'rfiüi- 111'. *i »* •■- 

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11, 5, 6. 

Allein der KäufTcr beschwerte sich und wendte vor, er liälK 
gicichwol den Joseph, dardurch sie erhalten worden, erkaufTt, unc 
wann er s >>os nicht gelhan und sie des Josephs gemangelt hät- 
. so ^ sie ohn ZweilTel alle von den Räubern geplindert 

genen gemacht worden, Derowegen die Csravin 
a, als ihm ihre Wolfaiirt zu dancken; Nun aber sey 
uonck vor seine Wollhat, daß man ihm sein crkaulRei 
jiehme, welches sie sdbsk'n 300 Tumain AVerth zu seyn ge- 
ilzl halten; Wolle derowegen verholTen, die Caravan werde 
dem Urlheil eines so unbillichen Bichlers nicht folgen, sondern 
Tielmehr bedacht seyn, wie sie ihn KäufTern widergelten möchlen, 
was ihnen heut vor Heil durch ihn und sein erkaulTles Gut wieder- 
hren sey. Musai antwortet ihm: wann es so rcdens gilt, so wird 
ler Danck umb unsere Erhallung sonst niemand als mir zustehen, 
vor ich zwar keine Vergeltung begehre, weil ieder schuldig 
sich selbst und uns alle nach Müglichkeit zu erbalten. Die Er- 
findung, wie man den Räubern durch den ErkaufFlen eine Nase 
drehen solte, war mein, also daß man dir keinen Danck drumb 
schuldig ist, auch nicht daß du dun ErkauAtcn gekautH hast; dann 
» ballest du ihn nicht gekaulTt, so hätte ihn sonst ein ieder umb ein 
so lausig Gelt wol nicht dahinden gelassen, In dem er uns von 
illen Göttern zu unserer Erhaltung zugeschickt worden. Hoff« de- 
rowegen, ich habe recht und billich geurlheill und du die Caravana 
keiner Undanckbarkeil zu beschuldigen. 
u Hierauff wurde Musai von allen gelobt und ihm gewonnen 
gegeben, auch sein Urlheil alsobald vollzogen, wie sanr auch der 
Känffer drein sähe. 

Hieraus siehel man des gütigen GoUes Vorsehung and Sorg 
vor die jenige, so er beschirmen will, dann hierdurch ist Jose[A 
M nicht allein von den Knabenschändern, in welcher Gewalt und 
Viehisches Beginnen erhalte gerathen können, behütet. Sondern 
auch verschafft worden, daß die Caravan unterwegs seiner als 
eines Fürsten pflegte. Entweder weil sie seine Schönheit biß in 
Egypten unversehrt zu erhalten entschlossen, umb ihn desto höher 

I [X 664] Allein. 6 dauckenl H dancken faAtte. 9 Wolle [Z 59] dero- 
wegen. Ib schtllfS 56]dig. 1? Nase] H Nuen. 19 hast — gakaulTi) 
fefalt XU. 24 UD(Z60)danckbarkeiL 32 auch [S 57) vencUfn [X 6G&1 
worden. Zi umb] Zä und. U um [S 2, 521. K 3, &21] ihn. 



n, 5. 6. 745 

anxawerden, Oder weil sie sämtlich solche Schönheit eben so liorli 
ehrten, als hertzlich sie die liebten. Der Abendtht-uerliclie Musai 
sagte zum Joseph aas der Chiromantia , rhysiu^inoinia und AstTi>- 
logia: Da hast 11 Brüder, also daß eurer ZhüICT seynd, und üIh'i 

; 13 Jahr wirst da anfuhen, zu Zwuyen zu werden, also daß dein 
Vater auch dreyzehen und mit dir selbst vierzehen Sühn liabru 
wird. Alsdann kompt Uusai wieder zu dir, ich weiß aber iiiclii 
wo. Dessen erbarme dich und verzeihe mir, daß ich ^thIUi'h 
hab, dich nicht frey zu geben, sundern zu versclienckeii udt'i 

I wieder zu verkaufTen! Ich habs umb deines besten willen ^elUui.. 
dann du bist darzu versehen, daß du durch Dienstltarkeil zu Ein»- 
ser Herrligkeit kommen und noch vieler lausent Menschen Hi'>- 
land und Erhaller seyn sollest. Und wie du im End deiner Dieiisi- 
barfceit gehalten wirst werden, daß ist dir heut im Anlauf der>' - 

I bigen, als du wie ein Gott angebetet wurdest, von der tiütllicii" 
Vorsehung als wie in einem Spiegel angezeigt worden. 



& ourdicTi] XH aiifiingcii. dein [Z CIJ Vutur. 13 
gOEeigl] XII gexeigt wordun. 

Der Joicph liat besonders UlSck, 
Daß er ilio KAubor treibt zurück, 
So führt uns olTtmals Oultus Iluiitl. 
Durch Triibsnl in dun Ülückua J^iiiiut. 
Waun nur ibuis llcrti bleibt zugt«»»'! 



n, 5,T. 



Als nun die Reiß vollendet und die Caravan in der Kdnfgli- 
cben BesidenU-Stadl Thebe ankommen, war dem üblichen Ge- 
brauch nach ihr erstes Geschah, dem Pharao die Gescbenck zu pra- 
sentiren, worunter Joseph ihrer und aller Well Meinung nach vor 
» das principaleste Slück G;eschätzt wurde. Aber Pharao war ein ib- 
gelebler eyfersüchtigcr Herr, der dessen seltene Schönheit mehr 
hasset, als er der alten geitzigen Art nach die BaarscbafTI liebeL 
Er bildet sich nicht vergeblich ein , daß sein ehrwürdig Alter be; 
seinem Frauen-Zimmer schlecht ästimirt werden möchte, winit 
dasselbe die Göllliche Schönheit seines Gcschencks erMicken und 
die lebhafTle natürliche Färb iti Josephs Angesicht, die einen ieden 
Anschauenden an durch einander vermischte Lilien- und Rosea- 
blätter erinnerte, betrachten würde. 

Auff wenigst, gedachte er, schätzen sie solche Färb höher, 

II als deinen Silber - weissen Bart, ob er gleich mit noch so vielen 
Edelgesteinen behängt wäre, und leiden entweder meine Weiber 
oder Töchtere oder alle beyderley seinet wegen, wo nicht m 
Leib, docb wenigst in den Gedancken, an ihrer Keuschheit Scfaiff- 
bmch. Lasse ich ihn dann München, so wird ihr Schmertz nur dosto 

n grösser, dieweil sie seiner nicht geniessen können und doch eil 
■Is den andern Weg in Feuer leben müslen. 

Er bedanckifl sich derowegen der Geschenck and schenckt im 
geschenckten Joseph den schenckenden Kauffleuten wieder, weldM 
■ich verwunderten, weil sie nicht wüsten, wammb es gescbdM, 

u biß ihnen Husai aus dem Traum balff. Als er sagte, Man mftit« 



1 AU] XH Dm Vn. Capitel. 

Joieph ittm lebancken wird wenig beltsbt, 
Potipbftr aber, viel Qeld unb ihn gibt, 
pC666]ALB. 4 andtZ,62](dler. 7 hutsl] XH fauiele. 13 u] XH «■ 
di«. Lilien- [H 3, 522. K 2, 622] und fS 59] Boaenblllter. 14 Auff] XH Aul*. 
19 ibr(Z 63] Scbmertz. 21 in] XU im. 



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^W«- f Jn- ; III 1 Uhr : mW .- *. - «...-. w-rf-t. - ^— ., ■■■ 
jmaa ujicit luwiiriti, h«it.. . ,■ ti> . .<«-;. — i-..., _...*.i'. 

ele; l* W ü «»aRI : «MP i !*/-tnv», *»».!.»■ -■ - --tr„ »;. 

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T^KCII! nwi iltimulilni m>h tnfl«B «mI ••'• *'-' •--"-' 
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ua »nnn jr ihn «t^'^vmvm »vi-Äi« »js*- *••»- ■^»' r-' 



19 Nif|5 ^Ilddunrt* 
lun^. :« bati XII >> 



II, 5, 7. 

seine Gegenwart fruchtole. Ja als das ersle Jalir vorülier war, 

mcrckto Potiphar handgreiHlich, daß er in so kurlser Zeil mehr 

vorgeschlagen halle, als sonsl in lehen Jaliren beschclien mögen. 

Und gleich wie Joseph seines Herrn Güter vennehrele, also samlnt 

s er auch ihm einen inercklichen Schatz der Kunst und WissensckilT- 

, So daß er sich nicht scheuen dörffte, aurh mit den Gclehr- 

)n in Egyplen zu dispuliren, weilen er gldeh so bald deren 

ch begriiTen, als seinem Herrn gewiesen halle, wie nützlich 

aen KaufTächilling vor ihn außgelegL 

Bey seihigen wurde er dahero je länger je lieber, vor sich 

ilbst aber und gegen iederman je länger je demäliger, boldse- 

er und freundlicher. Er trug zwar zum Zeichen habender Botl- 

ssigkeit täglich eine Feilsche in Händen, seiner l'nlergebenen 

heit mit Streichen strafTen zu lassen, wie dann damals ein Gc- 

tinheit war. Sein eigen Exempel und liebliche Wort oder Vei^ 

.Innungen aber vermochten mehr als der jenigen Schsrpffü, die 

„..ines gleichen Stell zu vertreten hatten, So daß auch dem Poti- 

phar, so lang Joseph hey ihm gewesen, nicht allein kein einiger 

ScIbt eiittoffen, sondern auch die Freye gewünscht, onler Josephs 

M Befehl in Diensten zu seyn. 

Dahero vermehrte sich unter seiner Verwaltung das Rekfa- 
tamb seines Herren augenscheinlich. Sintemalen durch seine kluge 
Anstalten die Gemühter aller Dienenden gleichsam in einen Uodd 
gegossen Oder vielmehr, so zu reden, bezaubert worden, sonst 
t5 «uff nichts, als auff seines Herrn Nutzen zu gedencken. DarsH 
sagt die Heilige SchriO^ nicht unrecht, daß GOtt den Potiphar nnb 
Josephs willen gesegnet hab, dann ihm das Glück zur selben Zeit 
gleichsam zu Thüren und Fenstern hinein gefallen. 

Als sich nun Potiphars Hab der Gestalt zusebens vermehrte^ 

M da verminderten sich auch seine Freunde nicht, sondern iedennan 

verlangte seine Gunst und VerwandschaOt zu haben. Dahero hat 

sich zwischen ihme und des Königlichen Hofmeisters Tochter, der 

anmulhigen Selicha, die Mutter halber aus Königlichem Stammen 

3 vorgc9ch)Bie«D (£ 62} hatto. 5 er [X 668) »uch. und) fehlt XH. 7 di- 
«putim, (Z 66] weilen. 8 «cineoi] S seinen. 10 selbigen} XU sclbigeiik 
18 einiger [3 63} Sclav. 21 vermebrie] Z vertnebrton. du] XB der. 23 Siote- 
mklen |Z 67] durch. 31 Dahero] XU Dahero sich auch swuchea. 33 die] 



mofffffugtm wwiien:^ W«iIj»L der Kml; Eltern de» Poldpiteic» ttK^ 
■Kflodü tittudubtanty f^ißsc ater <fi« E&r> sa üua ao» solcher 

sccftizigjfülurigvfli Herrm scJM^rficb ^muUkft hi3se«> als 
«in«» Jwg« Tertaai^« 

Dan Jbfiapii wvii«tt «base HeiinikidkeAam t<mi s^im&m Herm 
^^ m& Tomrani, das b«ste dabey m ntlmi^ i» £»»1 und 
Havheit abcr^ »eh als; m Uatertiiuller gebraiciMni wm bsstm. 
fcaapfc »he zwar wot, «iaß ifiese Ehe deoa Potiphar akhl iroftrtl|;Uch 
9tjm bmle^ weü es eüi «[gleicher Ze«g zasnuMaea war> sich aber 
1km zm widersetzen^ danchte ihn wtraüisaai s^yn^ dieweit er seines 
Herrn WiUea wuste, der sich alLbereit stellete» wie atle alte ver- 
gcchle Bahler m thoa pflegen, wann sie den Narm an irgeas 
einer Schöaheit gefressea and schoa aageraagea hahea» dea Uaa- 
am baffen za lassen. Über das halle Joseph Wind hehoaiaiea, 
daß Poliphar hieberor beym Traoch gesagl» er wünsche nichts 
BM^hrers, als daß sein Fräulein Tochter ihr voltkoaunen Alter hatte^ 
so damahl nnr Eilff Jahr alt war, so wolle er sie sonst niemand, 
als seinem Joseph, zum Gemahl gönnen, er selbsl aber ledigs 
Stands sterben, damit er ihn und besagte seine Tochter lu desto 
reichem Erben hinterlassen möchte. Solle er nun diese bevor- 
stehende Ehe widerrathen , so würde es ihm übel außschlageu uiiü 
Poliphar, auß allerley Argwohn bewogen, ihme an statt eines lioU- 
reichen Schwehers zu einem grausamen Tyrannen werden, Als 
welcher wol wusle, daß Joseph hinlerbracht worden, wessen er 
sich wegen sein und seiner Tochter Yerehligung vernehmen Iws- 
sen. Derowegen lobte er Joseph Poliphars Vorhaben und vor- 
hiesse, die Selicba gewinnen zu helffen. 

Er bekam daraufT von seinem Herrn Befelch, so beschailVur 
Schenckungen an sie verfertigen zu lassen und ihre seinotweffiMi 

* 

1 gebob[o 64]ren war. eine] Z ein Hournth |X lUiP| «nsoi»poi»m'u n. l 
eher] XH welche. 3 eingegangen] ZXII cingnngcn. llorio|/ Ohlroiulr. ts U,m, 
[112,524. K 2, 524]rath. 11 vortraglicbj X vurtrcniicli. U altol M»U Ml 
16 den] H die H aasen [o 65] lauffen. 19 »cin| XIl »eine FrUu|y*(\vn»» h*sn.\ 
XH hätte. 31 [X670] Kr. 32 Schenckungen | Z Schanckunjivu mf^\\: r.,.| 
netwegcn. 



wfaa ft iUrtm ien Elwbezngnf a la fifeerSeTeniT sie er idk- 
JIM itr—JMl, daß e« ■» beshn ud wobtäMÜgan vor iha aeyt. 
AlM wwrMUtefb mm Bohler, ehe er TcrÜeU ward, die jeaife n 
«rMUt, 4wn er Rieht begehrte. Er geböte seiaer Witt usw- 

»*M, triiBM gethuen Versprecbe« ein Genöfen n ÜMn, lad 
frif in fehe« Hcm S«ckel, der Geliebten wegei Potiphars m 
Berti tu greiffen. Seine Höflligkeil iwd Schönheit war m wüI- 
bmaaieii ttad ida artücbe Beden bafaoeten die Babn io eben, dii> 
die Sack tö wo) iiacb seine« Herrn, als beyderseJts V«rwaadleD, 

1« aber aicht nach der Braot Wanscb, Toa stallen pog, als welcbe 
lieber geaeben bitte, daß entweder Joseph selbst Pottpbar gewe- 
•en oder doch wenigil fein KopIT aoff ihre) Hochzeiters Leib ge- 
atandm wire. Demnach aber die Geliebte bey den böten Näcblen. 
deren sie ajcb bey ihrem Alten vernhe, d«r guten Tag, die ihr 

ib Josephs Gegenwart vertiissen köate, sich getröstete, bracble der 
Copler das Jawort vor seinen Herren, vor sich selbst aber das Berti 
der schönen Seliclia desto leichter darvon, Hassen knrlx bemKb 
du Derlager mit den FoUpbar vollzogen wnrde. 



3 moUttaiigBtm] X yt>U?,10]ttMiiiigtim roaiha. 6 P*i{fb«n) XH Poti- 
phara dMto mehr dardurch. 15 rersQafH !, Mi. E 1, 53&]>es. IS Jmoii 
jtSTJtor. 17 d<<>lo[Z7l|leicbtlkb<-r. 18 warif] XU wutdc 

D<r JoMph hat bcMaden Olflek, 

DbA er dia BtnbBr treibt Mrflck, 

Bo fBhrt aal onmalj GottM Hand, 

Durch TiSbtal in den Olflakst-Staadi, 

Wman nur ihmi Ben bleibt ingewand. 



n, 5, 8. 751 



Im Anfang dieser Ehe gieng es, gleich wie es pflegt, wann 
man das dörre Holtz oben auffs grQne legt Das Hochzeitliche Fest 
war noch nicht YorQber, als Selicha anfieng, den Joseph mit spie- 
lenden Augen anzusehen und durch liebreitzende Blick genugsam 

6 zu verstehen zu geben , welchen sie mit solcher Vermählung ge- 
meint hätte. Joseph aber, dessen anbohrne Art ohne das in GlQck 
und WiderWertigkeit unverändert verbliebe, erzeigte sich auch 
dißfals gantz kaltsinnig und ließ sich ansehen, als wann er nicht 
das geringste von ihrem Anliegen merckte. Sie aber gedachte bey 

ihr selbst: dieser Mensch thut wie ein Stockfisch, dem gleich gilt, 
ob man ihn klopfft oder in Rosenwasser einweichet, weil sein Sinn 
knechtisch und des Befehlens , er selbst aber zu gehorsamen ge- 
wohnt ist. 

Besorgte derowegen , wann sie anders etwas von ihm genies- 

L5 sen wolte, so müste'sie ihm auch mit ausdrücklichen Worten an- 
befehlen, daß er sie lieben und umbfahen solte, worvor sie sich 
noch zur Zeit schämte. Aber die Liebe lernte sie hernach noch 
wohl andere Griff, damit sie doch gleichwohl nichts außrichtete. 
Indessen gerieth ihr Hertz je länger je mehr in völlige Liebesflam- 

10 men, welche sie nicht mehr länger zu ertragen noch zu verbergen 
vermochte, Spinntisirt derohalben auff alle Mittel und Weg, wie 
sie die Sach am schlauesten angehen solte , damit sie zu ihrem 
Zweck gelangen könte. 

Zu vorderst wolte sie sich ihres Eheherm zu ihr tragenden 

16 guten Vertrauens versichern , welches durch inbrünstige Liebsbe- 
zeigungen zu woge gebracht werden mäste, damit, wann sie es 

m 
1 Im] XH Das HX. Capitel. 

Joseph merokt die Liebes -Possen, 
Darinn [H Daramb] Selioha Tersohossen, 
Bleibt ein treuer Hanßgenossen. 

IM. 2 auffs [X 671] grüne. 14 wann [^ 68] sie. etwas [Z 72] von. 
24 Za] Z Zayorderist 25 Liebs- [H 2, 526. K 2, 526]beieigiuif«iu 



n, 5, & 753 

daa Yorgenommenen Abweg, ab wolle sie heimlich vcrrichton, 
wono wir Menschen beyderley Geschlechts von Natur keine Zu- 
saher ra begehren pflegen, Das ist, sich etwas leichter su machen. 
Aber in Warheil so bitte sie lieber eine Bürde aulT sich gonom- 

§ neo, welche just so schwer als Joseph gewesi wAre, worsu man 
swar auch keine Zeugen erbittet. Ihre Meinung aber war vor diß« 
nal, dem Joseph öffentlich anzuzeigen, was er von ihr verdreh- 
ter weiß nicht verstehen wolte. Es fflgt sich so arttich, daß sie 
ihn gerad hinter einer Zeil Tzinar-Bium antraff, eine Moßschnur 

10 in Binden habende, umb zu sehen, wie solcher Lustgang ordent- 
licher zu machen wäre. 

Ach! sagte sie, misse darvor meine Liebes - Schmertzon und 
wisse, daß alles dir zu gefallen geschiehet, was ich meinem Mann 
vor Gunste bezeuge! Liebster, sey nicht mehr gegen mir, wie 

ts da dich bißher et c. 

Joseph bedanckte sich gegen ihr, weil eben der Girtner kam, 
ab bitte sie ihme sonst ein guten Abend gewünscht, also daß 8«'- 
licha vermeinte, er thät solches darumb, damit der Gärtner nicht 
oMTcken solte, was sie suchte; Sintemal sie damahl Josephs bohnn 

m Yarstand und Klugheit eben so wohl erkündigt, als seine Schönheit 
betrachtet hatte und ihn dahero vor keinen Stockfisch mehr halten 
konle. Gleichwohl wüste sie nicht eigentlich, wie sie dran war. 
Wie sie aber die folgende Tag auff ihre bestlndige Liebes - Blick 
füD Joseph kein Gegenbezeigung einiger Liüb verspürte, sähe sie 

SS wohl, daß ihr AnwurlT nichta eranglet, sondern dsß sie nur l«ser 
Stroh gedroschen hatte. (Jnd weil sie sich einbildet, er müsse »i^ 
auh im Garten nicht verstanden liaben, ab enbcblosse sie sieb, 
die allerdeotlichste Sprach zu gebrauchen, damit mea noch d^m 
gröbsten Menschen in der Weit ein so köstliche Wslir, vi»r w^kiM; 

aa sie sich selbstea hielte, anbieten köote. Sie peste »er uM, i/Jl> 
Poliphar den gantzen Tag bey Hoff seyo moste, $A$imm geUJiut« 
sie schoe zu recht ze komaneii. 



I Al-^t^ [Z :3] 9MU 2 v«B (^ 71) >«&*/. '. Z««.1X K't^^Ki. lufr. 



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«u, M» kmü wmi «Mb ibr AngMicit w tirtii. 

jKolii HBd Md «vieitor so btaL. als dn wMUmtk, ilte<dA 
» IHi^ JoMier VaeifMittriiQg wokl loten iiMle, mm ikr' 

Hfmtk äie ^Mdi kern am\äig^ Wort gtmii 
▲oii imepbl «^ «ie «tii 

Mob ibNii «H^ ihp Mivor eip gute WeÜMl: 

iohwiflt) l>ii 4iMt Mitib vur cMaflo flsirn 
ip 4§ü maki MarU fikdi dir venutliib bat! 4eb Liefasts som! 

441 sekL dar^ibmi £«»11 wedar «ttinor liebbeniparian 

•ITjirgttiHNniimi AUnsb «Msiimi Aogmi, die dkib, «nthor 4di( 

4$§ «rite 4iiffbi «riiUcikt, wk •ttineii UM «ugaboldt, wdrt 

jtiM w^M^dQf Aabl w^mab init 'da 4mm mafioboB 
A^ AnfkUMabAMi Umtoobeii Wwleii i» CiMlteB sidd 

AiAir A0YII. 4ai ksbiMl tt(8 munb ttida vtsMlHidB 

biw w4 wir d^iiMMi Tro«l g edeyea faüfcau 

(jok'bij H«d be«dibiciw.^ «JC Wdaes. dieirei sie wohl 
HTiliUi dttß diii Weibiu;b<;n Tbriaeo besser die Hertsea der Ibaas- 
bilder sur U^b erweichen, Als ibr feiiriger Zorn dieselbe als en 

I« Sünder su gleb;bfiiäMigeii Zorn zu enlzfioden beqrem wären. Jo- 
sepli« tfcbsmhiitfCas Angeiicht eotfirbte sieb, als seine keusche 
Obren diano unverschämte Wort boren mosten. Er stellele ntk 
andttr«, uli «in verholTte, und antwortet auch viel anders, als sie 
ihr einbildan konie. 

itt Ach, hüchgcbiulende Frsu, iagte er, mich wundert, wie ihr 

balisben nisg, mit daren demütigsten Knecht, der seine gehorsame 
8chulüi|{keil ja so gHtroulichslcn Floiases abgeleget, als unterthi- 

I 4iMiiu [6 77| »iu. J MHht) bMiai foblt 11. 4 bald [S 78] wieder, 
d l4iiUti| V UMM«. 7 »lMM0|ihl [X tt74| [mti^xt\ Aeiifftsen] XH 8euiftser. 10 Lieb- 
ll««| U laabklur. 11 aeuttUtm] XU Seufltier. 14 neuHoheo] XH Deulich. 
tl W^^^d»9 (Hl ?i| die. IV ae[a 74)iieii. 98 WeibHeben] Z WeibUoh-ThrS- 
Ma- H avwslobaa, |H ». {i)»a. K 8, 6Sa] Alt. S8 antwortet) XH ABtwottvte. 
I« wtU Mdl Ik »« ahiid0«ei] » aUfgat 




D, 5, a TftS 

■igsl er soicte «riteuKl» so kteisdi n sdmiBea, weil ikro soldies 
m aichls mUel, uch aber ia «eiieai Blead sdunertiet Ick kM 
■ir Mchls Mden embildea^ als daß sie gedeacke« miek dartk soh 
dM Verbkmg außiakolea, «id aack de« sie weiß> dafi »eines 

ft gleickea jaage Leate eiaer soickea aaTeryleickUekea Sckdaheil^ 
wie sie besüsl, oicki wiederslekea mtg, endlieki waan ick eiai«^ 
gern Tiekisckea Begierdea folgte oder sa foigea erkiale^ in mei« 
oes Hern Uagaad in bringen. Beliebl ikr aber, die Tre«, so ick 
aeineai Herrn sa teislen sckaldig bia, aack allbereil biß Aber ae« 

!• bea Jabr laag wArcUick im Werck erwiesen kaboi aaff die Prob 
wm selsea, so kan es ja soff ein andern Weg geschehen. Ich seke 
BMia kockgebielende Frau vor so ekrlicki treu and rcdlick an, daß 
ick aickts anders glanben kan, als daß ihr dero Vorbringen kein 
Bmsl sey. Solle es aber, so GOn ewiglich nicht in mein Herta 

i» koauaen lassen wolle, daß ichs glaube oder daß ich dero Redlich« 
keil ond togendhaBtem Gemath ick soickes anauvertrauen gedenc- 
kea dörffte, ja ikr ernstlicher Wille seyn, so seye sie versichert, 
daß, ehe ich solche Untreu an meinem Herrn begehen weite, daß 
ich ehe tausend Tödte litte; Wornach sie sich, sie hab im Sinn, 

10 was sie wolle, zn richten weiß. 

Damit gieng er anderwerts, seine GeschAOten su terrichten, 
sie aber verbliebe so bestOrtzt sitzen, daß sie nicht wüste, wer sie 
war; Dann hatte sie solches gewust, so hätte sie auch ihr wohl 
anständige Gebühr erkandt, Dsß sie sich nemlich wider ihre ehe- 

16 liehe Pflicht gegen ihres Haußwirths oder Bheherrn Knecht so 
leichtfertig nicht herauß lassen sollen. Indessen verbliebe sie 
gleichwol, wie sie war, daß ist, sie verbliebe in Josephs Schön- 
heit verliebt und beharrete in den Begierden, deren au ge- 
niessen. 

so Achl sagte sie nach seinem Abschied, achl ich Elende, wo- 
hin bringt mich doch die Lieb oder vielmehr mein Verhlngniß? 
grausame Verhängnißl was ist das? Einen leibeigenen Sciaven 
umb solche Sachen zu bitten und nicht erhört zu werden, deren 



3 na[Z79]tset. sobmertzet] Z f chtnirtEet. 4 fie [d 76] weift. 6 mag] 
XH mögen. 8 Be[X675]liebt aber] Z aber J«. 17 Wille [Z80] leyn. 18 mel- 
Dem] Z8 meinen. 19 Tödte] Z Tod. 21 gieng [8 76] er. 81 Terblieb] 8XH 
Terbliebe. K bliebe. 

4%* 




luß dit! edelste Jünglin^i des ganlzen Egypteii wünschen, ji 
«Gb daninib schlagen und, sgkhes zu erlangen, Leib und Leben 
wagen dörfften! Joseph, du grausamer Tyrann, wie hast du 
doch das Herlz, in deiner eignen Sclaverey ein solche Daro, diK 
B sich anmessen darlT, Gewalt über dein Lehen zu haben, so greu- 
lich zu martern? Wann du weist, daß ich mächtig genug bin, dir 
deine Freyheit zu schencken oder dich in meines Eheherrn Va- 
gnad und also auch in den Tod zu bringen, warumb bist du dann 
■D thumb, daß du nicht das beste crweblesl? Oder prangest du 

iD vielleicht damit, daß ein Knecht seine Gebieterin, ja eine König- 
liche Princessin gleichsam wie an Ketten gefässeit halten und im 
GerSngniß der Lieb lödlen kaa'i Ach nein, nein Joseph! du bist 
nicht so erschröcklich, du bist nicht so unverständig, du bist auch 
nicht sü unmenschlich. Sondern mein Verliängniß ist unglückselig, 

IE Weil du selbst nicht weist, wie du dran bist, In dem mein schäd- 
lichster Feind, das verhassle Mißtrauen, so bey dir eingewurlzell 
oder, besser zu sagen, deines hohen Verstandes treuliche Vorsich- 
tigkeit noch Bur Zeit uns beyden den Paß zur Vergnügung 
verlegt 

ta Sie hatte noch mehr dergleichen Liebspossen vorgebracht, 

wann sie nicht gesehen, daß sich in einem Eck hinter den Tapeten 
etwas geregt Derowegen schlug sie ihre Augen unter, trucknel 
ihre zarte Wangen von den heissen Liebes-Thränen und gieng so 
■cbamhafflig als erschrocken hin, zu sehen, wer da vorbanden 

u wire, der $o wohl ihrer Liebes-Klagf, als des Josephs abschlägige 
Antwort angehöret hatte. Als sie den Teppich zurück gezogen, 
da war es za ihrem besten Glück sonst niemand, als ihrer lluUer 
Schwester und Poliphars, des Heliopolitaniachen Hohen-Priesten, 
Tochter, die schöne und unvergleichliche Jungfrau Asaneth. 

M Zu deren sagte Selicba mit bebender Stimm: Ach Schwester I 

Ich sihe ietzl wohl, daß die stumme Wand auch Ohren haben. 

1 edetsle [Z 81] Jüngling. JQngling] XU JSnglinge. 2 lolobe«] Z «oleb«. 
8 dörfften] H dBrffen. 4 Scliveraj [H 2, 539] ein solche [i 77] Dun, die 
[E 3, 515 statt 529] sich. 7 lu [£ 676] lohenoken. 9 thamb] XH tsmn. 
IB erscb röcklieb] Z aohrSoUich. UQTeratandig] 3XH anbeitlndig. 16 MvbU- 
UebateF] SX lohSndlichgter. HK tcbftndlicber. 16 HiD[Z83]t[Men. il nicht 
78} gesehen. 29 Asanetb) XHK Aaenatb. 31 sibe] SXH übe. Oh- 



n, 5, 8. 757 

Ja! aBtwortel Asaneth, dann sonst hitte ich nicht gehöret, 
daß ihr bnhiet wehe Schwester, was will das werden, wenn 
ihr eich durch solche Thorheit Terleiten lassen wollet, eners Lieb- 
sten Knedit anznheten, wie einen Gott? Nassen ich eherstjmit 

s Bestürzung ▼emonmen. 

Selicha hatte gern gelangnet nnd Torgebracht, daß sie den 

Joseph nir versucht, wann sie sich in ihren letzten Discurs, den 

sie allein mit sich selbst geführt, nicht so weit Terhauen hatte. 

^ Weil sie aber sähe, daß ihr Asaneth die Hand im Sack erwischt, 

10 iel sie ihr umb den Halß, küste sie und sagte: Ach hertzliebste 
Schwester, ihr habt die Wurckung der ungestummen Lieb noch 
nicht erfahren; sollet ihr aber die Schönheit Josephs sehen, so 
versichere ich, sie würde viel weniger, als ich, unterlassen kön- 
nen, ihn zu lieben« 

15 Seine Schönheit, antwortet Asaneth, hab ich zwar nicht ge- 
sehen, aber wohl seine Stimm gehöret; die gefiehl mir schon nicht 
übel, weil sie, so viel ich verstanden, sonst auff nichts, als aoff 
Tugend und Erbarkeit ziehlet Ach! Schwester, ich bitte, schauet 
zu, was ihr thut, damit unserm Geschlecht durch euch kein Schand- 

fo fleck angehenckt werde! wißt ihr nicht, daß dieser Kerl euer 
Sciav ist? Warum wolt ihr ihn dann zum Herrn über euch setzen? 
Frau Schwester, ich bitte euch, versprecht mir, von solcher Thor- 
heit abzustehen, oder ich versichere euch, daß ich aulThdren 
werde, euer Baaß zu seyn. 

» Selicha konte nichts, als SeuStzen und Weinen an statt der 

Antwort herfnr bringen, daß es gleichsam das Ansehen halle, als 
wohe sie gantz in Thrinen zerfliessen, dann sie erkandte ihr ün- 
redit wohl, wusle aber nichts desto weniger ihren Liebsreguntren 
und Begierden tiicht zu widerstehen, also daß die ehrliche Ash- 

so neth selbst ein hertzlichs Mitleiden mit ihr haben musle. Lnd weil 
sie aus solchem Leidwesen unschwer abnehmen konle, wie weit 
sie sich in dieser Lieb bereits verticfft, gedachte sie andere Hiltci 



I At»aiieib XHK A^eDath. L* w»i>u]XH wAim. •• verleii«*u| ÖXII vvr 
lanteu. 4 mit B"%:DiTUDgl ffhh oXH. «^ gelaugiiot (»i 7?«, uii'i. >> geführt. 
[X677J uicbl. V AbUi^üi] XHK Ahenrnth. lu ui-; SXIIK ihi würUei. ir> As;i- 
Detb] XHK AHeiiftTk 17 icb [Z b4] wititanacii. aib |li v.',d30. K2,580] auIT. 
22 vtjrsprtsdit (5 bo; mh. 29 AB«Detb] XHK AbüjihiI« .»2 «11(2 8ri\<Uvv. 




, «KU Kir4Ka anf nesi Hanf in« smak -anb 
Ml. «IM anlii ä*r «cw HwUlwIllii^i' m -n 






n, 5, 9. 759 



*Die Tagendreiche Asaneth, welche Uoseiidniahl mehr Ver- 
stand nnd Schönheiten, als Jahr, anlT sich hatte, verfagte sich al- 
sobald XQ ihren Schwestern und andern der Seliche vertrauten 
Gespielen und Freundinnen, ersehlende, an was vor einem Fieber 

5 ihre Baaß kranck lege und in welcher Gestalt sie dieselbe ange- 
trolTen und wieder verlassen hätte. 

Nun rathet zu, sagte sie Temer, was bey der Sach zu thun 
seye? Ich zwar hab mich und euch auff den Morgenden Mittag- 
Imbs bey ihr zu Gast geladen, weil eure Männer ohne das nicht 

10 anheimisch seyn werden, umb die Gelegenheit zu ergreiffen, sie 
von ihrem schändlichen Beginnen abzuschrecken. Weiß aber ein 
andere ein besser Mittel hierzu, so lasse sie es hören! 

Diese Weiber konten sich nicht genug verwundern, daß Se- 
ficha, die ledigs Stands allweg das Lob einer frommen Damen he- 

15 halten, sich nun allererst, da sie verheyratet, dergestalt in ein 
Knecht vemarren solte. Unglaublich aber kam es ihnen vor, daß 
ein Leibeigner Jüngling durch seiner gebietenden Frauen seltene 
Schönheit und so freundliches Zusprechen, wie Asaneth erzehlet, 
nicht zur Gegen - Lieb solte bewegt worden seyn. Sie belobten 

10 der Asaneth Vorschlag und sielten sich auff die bestirnte Zeit bey 
der Selicha ein, eben als ihre Männer mit dem Pharaone außgerit- 
ten waren, sich am Ufer des Nils mit dem Fischfang zu belustigen, 
worbey Potiphar Amts wegen auch seyn muste. 

Selicha hatte auff ihre Gast Färstlich zugerästet und dieselbe 



1 Die] XU Das IX. CapiteJ. 

Joseph muß mehrers noch Aeugsten außstehen. 
Will er der geilen Versuchung entgehen. 

Die. AsAneth] XH Ascnath. 5 lege [H 2« 53 statt 631. K 2, öSlJ and. 
Ge[Z 86]stalt. 6 den] XH die morgende Mittags-Mablieit. 10 anheimisch] 
XH anheim. 13 Ter[S 82] wundern. 15 ein] XH einen.*' 18 Asaneth] XH Ase- 
uatfa. 20 Asaneth) XH Asenath. 9tcI[X 679]ten. 21 außfZ 87] geritten. 
24 Gftttt] XH Gftste. 



m,i,% 




A Mkha Mftrt iricM, m Ae Tiafcr iihBÜi, «ifi *■ IM to- 

imHi ftofi. SHkfct aigl: Wm b«<leat te? waraab iiiiil»niit 

ikr enr« (Und 7 Ea pll Aen CitnooL 
m IHe Vdber Mftea: Wwn* hiiiiiiil hh «e 

CMtitt, dtß wir M au «» sdbtf fc— w iryW? 

So recU! Mfte Sdicfca^ m mW id waU, eare Mliti Tel- 

lertteber «oHnZeafoi •«;■ nd mck bewfcMdcB, daBk^Weib- 

Kck Bild den JoKpb UTcrletzt «BMhea kdMM. Ick nnr WA 
M lüefa nicht geichaiUen, wndern den Bis; gewoonen. Waaa är 

i«tz( fchon in die Pinger banet, di ihr ihn kan ansrtet, wie 



b lutomti] Xlf AfmUh. CID [i 83) *cbliffer. & Scbanaeb] XH Beh«- 
•Mb oiter HcbwtDui». Ugeii| 3ZH grlcgei. T an) XH aine. 11 Am [ZSfl] 
MlMe. 14 balbe] fehli XH. lü OicUanne] Z OieHaiidte. 10 und [* H) 
fktebwohl. 3t gcwiniieol Z K<n"iageil. 3» diMea (U I, 583. K S, &»] 
JlsBllDga. 37 recbt! [Xfiaoj «agu. TeUenaeber (Z 89) tolUn. 30 thr] 
XU Ibf aoob. 31 die] iXU den. 



n, 5, 9. 761 

neinel ihr wohl, daß eure Hertzen gehacki würden, wann ihr 
tiglich anb ihn wäret, wie ich? 

Keine iKiinte ihr hierauff antworten, auch die keusche Asaneth 
aelbal nicht, als welche sich Yor allen Weibern an Fingern am al- 
ft lermeisten und in ihrem Hertzen mehr, als Selicha selbst, verwund 
bebnd. Sie kam aber, gegen den Weibern zu rechnen, sehr un- 
schuldig ins Gelag, dann die Weiber verwunderten nur die Ge- 
stalt, Asaneth aber die Tugend des Josephs, als welchen sie hatte 
reden hören, und wüste, was hinter ihm Stacke. Solche seltene 

10 Tugend war der Asaneth ein Ursach und gleichsam ein Köder, 
auch seine Schönheit besser, als andere, zu betrachten und folgends 
gar anzubeissen. 

Selicha ließ zwar den Joseph das Handwasser reichen, die 
jenige Finger zu waschen, die seine Schönheit zerschnitten hatte; 

16 ihr Eyfersucht aber gestattet den Verwundten nicht, daß sie etwas 
tfiit ihm hätten reden dörffen, sondern er muste sich anderwerts 
hinpacken. So bald aber die Weiber wieder hinweg waren, finge 
sie das alte Lied wieder mit ihm an, wo sie es den vorigen Tag 
gelassen hatte, Welches Gesang in Josephs Ohren viel übler 

fo klänge, als die Stimm seiner Brüder, wie sie sagten: wir wollen 
dich in ewige Dienstbarkeit verkauffen. 

Joseph, sagte sie, du must mich als deine Gebieterin reden 
hören, wann du mir deine Ohren nicht als einer Liebhaberin gönst 
Do weist, daß ich Gewalt hab, dich lebendig oder todt zu lassen, 

SA wann ich deren eins von meinem Mann nur mit einem Winck be- 
gehre. Auch du selbst must bekennen, daß du mir zu gehor- 
samen schuldig bist. Warumb solle dann nicht dein Schuldigkeit 
seyn, wenigst zu vernehmen, was ich zu befehlen hab, oder auff 
das jenig zu antworten, was ich dich fragte ? Sage mir derowe- 

30 gen zu forderst, liebster Joseph, bist du von Stein oder Stahl oder 
von der Art eines wilden Thiers, daß du dich eines schwachen 
Weibsbildes nicht erbarmen kanst, welches du selbst durch deine 
Schönheit und herrliche Tugenden in die äuserste Noth hast ge- 

m 

3 Asaneth] Xfl Aaeoath. 6 recbß 85]DeD. 8 Asaneth] XH Asenath. 
welchen] dXU welche. 10 Asaneth] XH Asenath. 12 ansubeissen. [Z 90] 
Selicha. 22 als [8 86] deine. 27 dein] XH deine. 28 seyn, [X 681] we- 
[Z 91]nig8t. 29 fragte] dXH frage. 80 oder] 8XH oder tob. 38 herr- 
liche] fehlt XH. 



n, s, 9. 

«eilt? ilu hast gestern eine nichtige Außred vorgewaiH], ils 
wtiiiri ilii rürchlest, ich wolle dich probiren, auch daranff geredt, 
sIs wann ich, nach dem ich die rrnb befinden möchte, dich in 
deinen Herren Uii^nad zu bringen gedächte. Ach liebst» Joseph! 

i woher kompl dir Kulche Furcht? Ich versichere dich des Wider- 
apieif und schwere dir beymOgyriin undlsim, dal) ich deine Sdiön- 
heit, neschichlichkuit und Adeliche Tugenden höher liehe, dann 
lonit etwas in der Welt. LieliNler Joseph, das isis mit nnen Wort, 
so du hast wissen sollen, und mein Begehren, wie wohl ich dir 

10 befehlen köntc, ist liin((egcn, daß du mich mit gleicher Lieb and 
Treu hinwieder zu ntcynen versprechest. 

Joseph stunde ganiK verstummt da und wünschte, daß er noch 
In seiner Widirsgrubcn gesessen wäre, worinu er zwv keüen an- 
dern TtwsI gehall, a(« (lungers zu sterben. Er konie ia der Se- 

ta Ikha Augesicht wob) sehen, wie Zorn und Lieb in ihrea Ganth 
rvroorten ; er wusle aber nicht so gleich HiUe) ta fisd«», wie <r 
diefiMi heyden »«ß einmal enlgehea »öchta. Er s^e «oM, waoa 
«f Ihrem t«ni rntriiuicn wolle, daß er sich ihrer Lwb ulerverl'- 
Km »dste^ Sk4che$ aber u ikait, war iha uigelegeBL, dau er Ae 

H Innren Tod felilten hätte , als »okhc Söde wider GOtt nd 
s«lch« l'ntrc« wider seinen Hotcb n beigdtoL 

Er mfiXe sich icrowc^ea nü rincr ■ittt ia äss igwi Aatwort 




I seya, < 

•» fw <}if!>(»-T>«i aad LMc «alAe gaACfc K(>f""K wielcrHb 
Vk aMr dK Mll^ ScHrtCWHt M- 



x-^^ 4lM«<< Wiw *m pddaiUf«. « 






n, 5, 9. 763 

gebietende Fraa damit delectirt, vornehmlich dieweil ich ihr Hoch- 
Adelich Gemuth also Tagendreich beschaffen zu f eyn Yormeine, 
daß keine andere als ehrliche Gedancken hinein kommen mögen. 
Habe ich aber meiner hochgebietenden Frauen vielleicht Ursach 

s geben, zu versuchen und zu sehen, was hinter ihrem Diener 
stecke, so müste ichs auch dahin gestelt seyn lassen; allein wftre 
es deroselben (ich bitt, mein hochehrende Frau vergebe ihrem 
Sclaven, daß er so frey redet) anstandiger, wann solche Prob auff 
ein andere Weise und Weg angestelt und eingerichtet wOrde. 

!• Doch wird man mich auff alle Fäll in meinen schuldigen Diensten 
fromm, getreu und auffrichtig finden. 

Was? Schrie Selicha auff, hab ich dir nicht klar genug ge- 
sagt, was ich von dir haben wolle? Deine Gegen -Lieb ists, da- 
But da mir am besten dienen kaust, und eben deßwegen hab ich 

IS dicli bey dem Osyrim und der bim genugsam meiner inbrOnstigen 
Lieb versichert, welche deine Tugenden werth seyn^ dir dein un- 
■ölhig Mißtrauen zu benehmen. Was wilt du mehr? 

Ach hochgebietende Frau, antwortet Joseph, sie erinnere 
aick, daß sie solches Eyd auch meinem Herren geschworen, ihm 

9Q dbeHche Treu zu leisten! Der muß zuforderst gehalten seyn, 
wen sie änderst auch haben und midi glauben machen will, daß 
ihre ohne Zweiffei zu glauben seye. Solches zwar lasse ich an 
m mtm Ort gestellt seyn, aDetn bitte ich gehorsamlich, sie lasse 
miA in den Tagenden verharren^ die sie ihrem Vorgdwa nach an 

si nur enden and so hoch liebet, damit ich ihrer Lidi nicht anwfir- 
Mg werde, wann ich solche Tagenden wider Verhofea verKhert- 
aea solle. 

Selidui veraMwhte diese Wort weder za beben noch tu le- 
gen, wen sie sicfc geüsngen fände. Sie waste keine Antwort zu 

M geben, soadera aaß dort, wie ein geschaitzt BiUL Eadlicb beweg- 
tea die heillige Liebes-Schaftertzea ihr Gemalh deramssea, daß sie 
ia eia Ohnmacht dorthia saack. Joseph w<rile sie aicht aartthreii, 
sondern mffle ihren zweyea Kammer -Jangfern, weldbe bey de um 



2 Tu [2 6S*jraidmoh. € alleisj $XH aileiii 00 wSre. 7 FrM [Z V4,. T«r 
gebe. 9 Wtmt] XH vrtüT. n findcDj SXH bcfindai. 14 häh [H 2. 6b4. 
K 2, 5M] iflh. Ib toitwonni [l BOJ iuM|>li. 22 ihn] OH ihr. XH ubo 
jfS »«siDf» [Z 9S1 Ort iKT-iu \X 6aSj aJEkan. SS um] SX biul 



764 n, 6, •. 



ihrer Frauen Bulerey wiislen and im Vorsiminer anflWarteten, mit 
Vermelden, daß ihrer Frauen übel worden wira Er aber fleng 
seines Wegs und danckte GOll, daß er auch vor dißmalil gtAcfclich 
entronnen. 
» Als Selicha wieder su sich selbst liommen, bradilen sie ftre 
Jungfern su Bett Josephs Verachtung war nicht starck und nidH 
tig genug, ilire Lieb in Haß au Terwandeln, oder seine Reden so 
krifftig, sie su bewegen, in sich selbst au gehen und tob ihrer 
Bttlerey absulassen. Sie erkandte zwar, ihr Unrecht, aber glelch- 

tn wol erhub sich erst ihre Liebes-Klsg. 

Ach! sagte sie, ihr Götter! warumb habt ihr doch diesesi 
Menschen einen solchen schönen Leib und hingegen ein Diamanti- 
nes Herta gegeben, daß er so gar keine Lieb erkennen noch sich 
•ber mich Elende erbarmen kan? Nein, nein, Joseph, du bist 

u sonst gants vollkommen; warumb wolte dann der Himmel dir ein 
steinern Herta geben haben? Dein Edle Tugend -volle Seele ists» 
die mir den Garauß macht, weil sie nichts anders, als Recht thn 
kan, und von allen Lastern so weit, als die helle Sonn von der Er- 
den, entfernet ist. Ja Joseph! du hast recht und deiner Tugend 

n gemeß geredet, als du mich des Eyds, den ich meinen Camshl 
geschworen, erinnertest Du hast wohl gebethen, als du begehr- 
test, ich solle dich in deiner Tugend verharren lassen. Aber, seh 
allerliebster Joseph, wie gehets aber mir armen Weib 
Ach ! gedencke doch, daß diß kein «Lob der Tugend seyn 

u wann man von dir sagt, du habest ein schwaches Weibsbild ge- 
tödtet! Aber doch will ich lieber sterben, dieweil du es so habea 
wilst, als ohne Geniessung deiner Lieb noch länger leben. 

Kaum hatte sie diese Meinung geredt, da käme sie wieder 
auff ein andern Schrod. 

M Was! Tugenden? sagte sie; Gehorsam soll sein gröste Ta- 
gend seyn, damit er mir verbunden ist Aber sein Ungehorsssi 
und daß man darmit unschuldige Leut ermordet, seynd keine Ta- 



1 ihrer c ^^V FraacD. «^ Bett. [Z 96] Josephs. 10 cr9t] XD erst reeku 
1$ <ier ^^ 9i- Erdeu. 91 t:rinDerte>tl Z erinner»te. leriDsent. 32 dein« 
(Z <»:] Tufr^oa. e3 aller [X 6S4Miehster. 25 sagt] 8XH 8«eagt. W«te- 
;K .r. >;^^: Biia. e^ «icrbeo. (Il i. b$b] dieweU. 30 tein] XU Mine. St dal| 

Z dA& daim'W \B%fL 



<% - 



U, 5, 9. 765 

genden. Dieser Mörder verwundet zuvor mit seiner Schönheit und 
•Ifdann tödtet er erst mit seiner unbarmhertzigcn Grausamkeit. 
ihr Götter I warumb habt ihr ihm nicht seine Schönheit genom- 
men, ehe ich ihn gesehen, oder sein Hertz von Himmlischen Tu-* 
ft genden außgelehrt, damit sein Himmlische Schönheit auch zu ge- 
messen gewest wäre? 

Also hatte Selicha verwirrete HAndeL Bald lobt sie, bald 
achalle sie den Joseph und stehe sich so seltzam, daß ihre beyde 
Kammer -Jungfern vermeinten, sie sey allerdings im Kopff ver- 

1« rockt, wie dann die Verliebte ohne das bißweilen in ihrem Ver- 
sland nicht so gar richtig seyn. Sie sprachen ihr zu, so gut als sie 
iauner konten, und wiesen sie zur Gedult, mit angehencktem Trost, 
er würde noch wohl zu gewinnen seyn; der Baum fall nicht äo 
gleich von wenig Streichen; was köstlich sey, koste auch viel 

11 Mähe, solches zu bekommen; ie länger er sich wehre, ie Iflnger 
werde er hernach beständig bleiben; es sey kein Stahl so hart, er 
werde mit der Zeit durchbohret; man mösse nicht gleich verzweif- 
felii, sondern die Sach der Zeit befehlen, welche einen Menschen 
bdd zn verändern pflege. Also wurde Selicha durch solches Zu- 

ss qirechen zwar etwas zu frieden, aber zugleich auch angefrischt, 
ihre Liebe länger zu hägen und mit allerhand Reitzungen aolf den 
Joteph so lang loßzugehen, biß sie ihn endlich überwinde. 

Sie muthele ihren beyden Jungfern zu, das beste vor sie beym 
Jofeph z« reden, damit er desto leichter zu gewinnen seyn 

B mochle; aber sie wollen solche aoffgetragene Verrichtung nicht 
nff sich nehmen, weil es ihnen als Jungfrauen übel anstünde. In 
dem sie dann nun sähe, daß, ihr Heil oder vielaiehr ihr Unheil 
feraer im suchen, auff ihr allein beruhete, spislisirte sie Tag und 
Nach! und machte allerhand Garn und Strick zum Vurralh fertig, 

m Dm damit endlidi zu berücken. Sie hatte sich ihm zu Gefallen viel- 
mahl amffs berr liehst geputzt und darbey weder der Schmiack, so 
sie zwar aoch uicht bedorAe, noch des gute« Geruchs oder et- 
was anders vergesseu, so zum Wolhut aureilzen konte. Weil 
aber solches alles mcits gefnicklel, wf>ite sie es einasahl auch 



3 ikr [2 »j ibiL. T ISeliciii Z Vr Tvrwjmivt. ll fklJ. iXU fiUit. U koste^ 
X SldJ 8m. U nobt»] H lucbt. 



II, 3, ». 

nackeud mit ihm probieren, ob vielleicht ihr blosser Kreidenweis- 
ser Leib zu wurcken vermöchte, was ihr schöne Kleider und an- 
derer (icschmuck nicht gekönt Sie verblieb derowegen im BeUe 
liegen und beredet ihren Mann, ihr Kopff tbue ihr webe, friewoki 
« Ihr Kranckheit im llerlzen stacke. 

Als nun ellirhe Tage heruHch ein herrlieb Fest gehalten wer- 
den solle, dabey Potiphar Ampls wegen nothwendig seyn muste, 
gedachte sie solche heilige Zeil zu ihrem Gottlosen Vorhaben to- 
zuwenden, weils ilir so beqvem fiel, ihren besten Anschlag w«rrk- 

10 stullig KU machL'ii. Ihren Potiphar, der schier nie vom Bette kam 
und grob Atitleiden gegen seinem lieben Weibe bezeugte, bat sir, 
er wolle doch dem Joseph befehlen, daß, wann sie etwann in sei- 
ner Abwesenheit Schwachheit halber jemand bedörllle, daß er iiir 
mit Hülfl" beyspringen solte. Solches geschähe. Joseph aber ge- 

t> dachte : wann du wüstest, worzu mich dein Weib brauchen will, 
fo würdest du mir das Widerspiel befehlen. 

Doch schwieg er still und ängstiget sich wegen deskOnfftigen 
Streits, den er angehen solle, dermassen, daß ihm alle Haar gen 
Burg stunden. Er liub seine Aogen gen Himmel und sein Hertz to 

nGOiI, bey sich selbst seaOtzende: Ach du GOU meiner Väter, 
Abraham, Isaac und Jacobs, ich bitte dich herulicfa, lasse mich 
di«>eii Taif nicht zu Trümmern gehen! Stehe HERR! Ich setze 
■jr fcst^lick TOr, ehe taueadmal x« sloliea, all dich gm enir* 
■CIL DiesM Meinefl gereckten Vorsatz, HBn-! erkiUe iW ftivd» 

a» i« aür, damit ick deiBelwefea tapfer kimpffie ibiI Bit deiMa i 
BajstoKd meiBe Feisd, die «ich deioer Gaad d«rdi ilie Säade top 
nnk«a w«Uea, ritteriick iberwiadea MÖg«I 

Mit dwsea Gehetk aad starckea VonMi gembel u m mM 
4w «41« H«M, WMW ihm se»e Uu fc kakui« oder TieilaMhr mim 

•• fVMi«, «e Sckbdrt Miugikf, befeUea wirde. 

r«tifh«r war Mck ikkt ibiv tm Sind laag htaweg, rii 8e- 
ÜciM «K« de« i«s^ icyc^e, «dcker tmaOhiftm T^ Kh6i 



1 M.»,t •O')*«. I p^Mt; Xfi gA^n. Aara[K S, »«]■ 



11, 5, 9. 767 

gesieri aaffziehen moste, weil es ein Fest-Tag war« Solcher Auff- 
211g verdoppelte nicht allein seine Schönheit, sondern auch der 
Seltcha Liebes - Begierden. Er erschiene mit einem unwilligen 
Gehorsam, welches er nie gethan hatte, dieweil er dienete, und 

a fand die Selicha auff einem Bette liegen in solcher Postor, wie man 
die Venus selbst bey uns zu mahlen pflegt Nur ihr KopfT war mit 
etlichen Kleinodien, der Halß samt den Armen mit Perlen ond die 
Finger Bsit köstlichen Ringen geziert; sonst aber war ihr ganzer 
Leib nackend ond mit einem leibfarben seidenen Teppich bedeckt, 

10 der so dünn ond dorchsichtig war, daß man ihre Schneeweisse 
Haut ond alle Gliedmassen eigentlich dardorch sehen konte. Der 
Busen war nor so weit bloß, daß man ihre harte Brüst, die so 
weiß als Alabaster schienen, eben halber nackend in die Höhe 
startzen sähe; ond damit diese annehmliche Aogenweid desto lost- 

ift reitsender wäre, waren die Umhang zierlich aoffgebonden, die 
gantze Lofft mit lieblichem Geroch erföUt ond omb ond omb alles 
mit Rosenblattern ond andern wohlriechenden, so Blomen, als 
Zweigen bestreoet, also daß alles zosammen einen anmothigen 
Anblick ond Aogenlost abgäbe. Joseph that sein gewöhnliche Ehr- 

fo bezeigong ond begehrt, onterthanig zo vernehmen, was sein ge- 
bietende Frao zo befehlen beliebte, wiewohl er zovor wohl woste, 
was sie verlangte. Sie antwortet, daß sie Vorhabens gewest 
wire, ein wenig aoffzostehen, ond weil ihre Jongfern sie allein 
niehl erheben mögen, hatte sie ihn roffen lassen, ihnen zo helffen; 

ra Weil sie aber non noch ein weilgen wolte liegen bleiben, so könte 
er noch ein wenig verziehen ond onterdessen wohl ein bißgen 
niedersitzen. Sie Hesse sich wohl im geringsten des jenigen nicht 
mercken, was sie im Sinn hatte, damit sie den Joseph nicht gleich 
Anfangs sehen machte. Sie wolte zovor seine Jogend dorch ihre 

10 Anschaoong, welches aoch die älteste Gräisen in Harnisch jagen 
mögen, Feoer fangen lassen. Zo solchem End bewegte sie die 
Decke so artlich, daß ihr Bösem oflFI gantz bloß zo sehen war, 
und vergaß dameben nicht, dem Joseph zogleich nach ond nach 

« 

1 AoffiEug [l 97] verdoppelte. 3 unwil(Z 102]ligeii. 10 der — war] 
feUt XH. 12 harte] aXHK zarten Brfiste. 80 [K 2, 537] weiA. 13 all 
[H2,587] Alabaster. 17 wohlrie[d 98]cbeDdeD, »o [X 687] Blamen. 18 an- 
ma[Z lOSJtkigeD. 23 JnBgferD] H JnDgiraa. 32 Botem] SXH Bnaeii. 
83 moht, [3 99] dem. 



788 n, s, a 

nil LiebreiUenden Blicken ibrer schönen Angen, so glafcbsm 
Tor Begierde fanckeltea, snznselsen. Zwar kan men letchl die 
Recbnang macben, weil Josepb aach Fleisch ond Blnl hatte, daA 
er in diesem Handel Yon demselben auch merddich muß angobch- 

s ten worden seyn, weil er aus schuldigem Resped seine gnädige 
Frau ansehen moste und ihr den Rficken nicht kehren ddrlle. 
Aber sein Vorsatz, fromm za seyn, überwand dodt 

Als es die Selicha nun Zeit zu seyn dunckte oder ihre Be- 
gierden sich sonst nicht länger im Zaum weiten haltea lassen, 

H gteng auff empfangene Losung die eine Kammer - Jungfer hinweg 
ond gleich hernach wurde die ander geschickt, die erste n ho- 
len; sie blieben aber beyde aus, weil sie wüsten, was ihrer 
Frauen Will war. Joseph wolte ihnen folgen, aber Torgriilich; 
dann weil Selicha schrie, ob sie dann all von ihr laufen wolten, 

IS mnste er bleiben. 

Ach! sagte sie, Himmlischer Engel, wüst du mir dann auch 
nicht mehr gönnen, dein schönes Angesicht zu sehen? 

Joseph schwieg Yor Scham stockstill, sie aber adiimte sich 
d^to weniger, in dem sie sich herumb warff und dem Joae|di ein 

M aimlich unverschämtes Einsehen machte. 

Wie, Joseph ? fuhr sie weiter fort; Wird dann die geliielende 
Frau im Hauß deßhalber unwürdig geacht, mit ihr zu reden, weil 
sie sich gegen dir mehr als ein dienstbare Magd demfitigt? Gieb 
mir aus schuldigem Gehorsam Antwort, wann du mich nicht wär- 

•s digen willst, mit mir als mit einer Verliebten zu reden! 

Joseph antwortet: Gnädige Frau, wann ihr Begehren so 
aiemlich und tugendlich oder deroselben mein Antwort so ange- 
nehm war, als ehrlich mir zu thun und zu reden gebühret, so 
liälle ich so lang nicht geschwiegen, sondern wäre, wanns mag- 

M lieh seyn könte, mit dem Werck selbst, das sie suchet, her- 
nach gefolgt Die weil ich aber ein seidechten Ruhm sihe, des- 
sen wir sich hierdurch würdig machten, hat auch rahtaamer zu 
seyn gedanckt, daß ich der Tugend und Erbarkeit mehr als 



1 BU^. I04]«k«». S k«hna] oXH nkakraiL 16 wikt [X eSS] d«. 
•«K')) [t U\r: ttkliu K Xmgt\Z liA]9idkL U ^mM[B 2, MS. K S.6S8]tift 
»S warl Z ^. XH wtTCL SO nehc^ IXH «^te. Sl sUm] tZH wIm. 
Sl fii^NtflK lOi. t I01]k«il. 



ir, 5, 9. 769 

dem Gehorsam folge , welche mich fromm seyn und schweigen 
heissen. 

Hertzallerliebster Joseph, antwortet Selicha, du schützest Ehr 
und Tugend vor, welche doch nur im Wahn bestehen ; ja es ist 

5 nur ein unnützliches Spiegelfechten. Schau nur, wann du gleich 
aller Welt Tugenden hattest, so werden sie dir doch nicht anste- 
hen oder zu deiner Beförderung an dir wargenommen werden und 
also dir nichts hellTen können, weil du ein leibeigener Knecht bist. 
Wann du aber nach meinem Willen lebest, welches du ohne das 

10 zu thun schuldig bist, so kan ich dich frey und glückselig machen, 
welches dir deine Tugenden nicht leisten können. Bleibest du mir 
aber widerspanstig und machest durch deine hartnackige Verwei- 
gerung, daß ich dir endlich widerwärtig werde und meine hertz- 
liche Liebe in greulichen Haß verwandle, so weist du wohl, daß 

ift ich Mittel übrig hab, mich wegen solcher Verachtung an dir er- 
sohröcklich zu rächen, dar vor dich alle deine Tugenden nicht 
werden beschützen können. Schaue, hertzliebster Joseph, hier 
ist doch die allerschönste Gelegenheit, uns mit allem Wollust in 
geheim zu ergötzen, also daß wir uns vor das glückseligste Paar 

fo in der Welt schätzen können, wann du nur dein Glück erkennen 
und demselben dancken wollest, in dem es dich so freundlich durch 
meine^inbrünstige Lieb begrüsset 

Dieses alles brachte sie mit solchen beweglichen und Lust- 
reitzenden Geberden vor, daß sie auch den Saturnum selbsten 

tft hdlte ergeilen können, zu ihr, wie ein junger Satyrus, aufTs Bette 
zu springen. Ich kan mir auch wol einbilden, daß manchen, der 
diß lieset, bey sich selbst gedenckt: diß wäre ein stattlich Fres- 
sen vor mich gewesen. 

Aber der keusche Joseph hatte einen viel tugendlichern 

so Sinn. Er antwortet: Gnädige hochgebietende Frau, ich weiß wohl, 
daß ich ein armer verkaufller Knecht bin, aber eben darumb muß 
ich mich umb so viel desto mehr befleissen, desto reicher an Tu* 
genden zu seyo. Ich weiß wohl, daß ich meiner hochgebielenden 



4 im] 3 in. 16 mich [X 689] wegen. 16 Tugenden [Z 107] nicht. 17 ^;j^. 
Ben. p lOS] Murae. 19 giadueligste] oXH allerglfickseligffte. 2^ ^^. 
dMB] H iMiflfctr. 27 gedenokt] dXH bedenckt. 33 Ich (Z 108] ^ o\f^. y^^^^, 
gebictOTideB ß 108. H 2, 539. K 2, 589] Frauen. 



770 n, 5, 9. 

Frauen in Unter Ihinigkeitn gehorramen schuldig bin; abor dar- 
neben ist mir auch nicht ttrborgeni daß rieh mein Gehoriam nidU 
weiter erstreckt, als in billichen Dingen, und nicht in adehaB Sa- 
dien, die meinem Herrn sum Schimpff gereichen« Und wana nick 

5 schon die Tugenden au nichts befördern, wann ich and«ra der- 
selben etliche habe, so nutzen sie doch meinem Herrn, in dem aie 
mich lernen, ihme Treu zu seyn, worzu er mich Tomeiunlicli er- 
kanlR hat Die angedrohete Räch bekümmert mich swar , aber 
mein hochgebietende Frau beliebe zu wissen, daß der Tod aelbsl 

10 Buch so hoch nicht erschrecken kan, zu Erhaltung meines Lebens 
ein solche Missethat zu begehen, deren ich nicht Terricherl wire, 
daß sie nur ein einige Stund Ycrschwiegen bleibt 

Alle diese Wort waren der Selicha wie lauter Blitz nnd Don- 
nerschlag, biß auir die letztere, aus denen sie schloß, Joseph 

IS sorgte nur, es möchte nicht Terschwiegen bleiben; im flbrigea 
aber wire er schon so viel als gewonnen; dann rie, ab eine Hey- 
din, die GOtt nidit erkandte, sondern ihren viehischen Begierden 
nachhienge, wüste nichts von den Waffen der Gottesfurcht, damit 
rieh dieser keusche Jüngling wider den Angriff seiner Bestreiteria 

M zum allerbesten bewehrt gemacht hatte. Sagte derowegen: Was? 
was verschwiegen? da laß mich vor sorgen 1 setze diese unnütze 
Sorg bey seits und lasse uns unsere Frühlings-Jahr mit Freudea 
geniessen! Ich werde es dahin zu richten wissen, daß vnsere 
Uebe verborgen verbleibt und wir alle woUustbarliche Vergnügung, 

si sonst aber niemand keine Nachricht davon haben soll. 

Joseph antwortet: Nun gesetzt, gnadige Frau, daß es nie- 
mand innen wird, wie sie sagtl Werden aber nach vollbrachter 
That auch unsere Cre wissen schweigen? Würden sie uns nicht iB 
Tags, so Nachts henckermassig peinigen, damit doch die Beflec- 

30 kung ihres Ehebettes, wie hertzlich auch die Reu seyn mochle, 
nimmermehr außgetilgt werden könte? Kime solche begangene 
Sund aber an Tag, so wäre der Jammer nur desto irger. Baer 



2 verborgen] XH onTerborgen. 9 meiB] XH meine. IS bleibt] dXH 
bliebe. 13 [X 690] AUe. Sdieha] XH Seiida. DoBnenddag] XH Dobmi^ 
scbl&g. 15 Ter[Z 109]8ohwicgeB. Uetbea] a bUeb«. 10 eber] SiUtZB. 
dann [d 104] sie. 14 rerUeibt] ÜB blaOC aa fblilfg llOJt«. at TU« 

l^ 105) so. 



II, 5, 9. 771 

Gnaden bedencken nur, was auff solchen Fall vor grosser Spott, 
Scbimpff und Schande ihro, ihrem Ehheitn und ihrer ganlzen vor- 
nehmen Freundschafn zustünde! Würde alsdann nicht mein Le- 
ben verlohren scyn, welches sie zu erhalten schuldig, wann die- 
5 selbe, wie sie sagt, mich anders liebet? Haltet dero wegen eurem 
Ebeherrn die verpflichte ehiiche Treu und verschertzet euer ge- 
rohig reines Gewissen nicht so liederlich umb eines so kurtzweh- 
renden Wollusts oder vielmehr Uulusts willen, welcher sonst 
nichts, als ein ewiges Hertzenleid, nach sich schleppet I Wann sie 

10 sich nicht nach dem jenigen sehnet, was Ihro nicht gebühret und 
ihr ohne das zu bekommen unmüglich, so wird sie diese böse An- 
fechtung bald dampfTen. Will auch zu solchem End meiner gebie- 
tenden Frauen nicht langer verbergen, daß ich keines Weibs 
werth bin, weil ich in meiner Jugend durch Unfall verlohren, was 

15 za solchem Handel erfordert wird. Solte aber meine Schönheit, 
welche Euer Gnaden sich au mir einbildet, ein Ursach ihres Lei- 
dens seyn, wie sie vorgeben, so weiß ich Mittel, solche derge- 
stalt zu Schanden, daß sie derselben bald vergessen werden, da- 
bey mein hochgebietende Fruu verspühren kan, wie hertzlich icii 

so sie gleichwohl liebe. 

Hierauff schwieg Joseph still und holTte, er hatte sie geiiu^* 
bewegt, entweder in sich selbst zu gehen und ihr ein Gewibht^i: 
z« machen oder ihn wegen seiner vorgewandten Untüchli^ri^cii zi 
verwerffen. 

fs Aber weit gefehlt, die Lieb hat scharffere Au^eii. 

Ach! liebster Joseph, sagte sie, du wendest vur^ die 'iuu^i^ 
sey der Zweck, nach dem du strebest, und scbäuiesl liici. uoi. 
Rieht zu liegen, auiT d^iß du mich betriegt^n niü|;est. ij\' /.hi. 
Milchbaar deiner Rosenfarben Wangen, dauiii bicli üi«* Kuiaitc 

io rothe Lippen zu ziehren beginnen, bezeugen mir viei «m uu^tn 
Sie schwieg daraufT still und hencktc den ivupil. ui>o üi. 
seph nicht abnehmen kunle, was sie weilers Sinns» «vti:. Ju»t*i ^"* 
redet a«ch nichts mehr. 



2 ihro] 2XH ILr. 6 eblicbej ftlil: XH 1 • it. oa^: .••' :>> / .\ 
KS,640]»cbt. IS End [X691] meincrr !:• iiiotit ./. 
Id 106]cdic SO n [Z 1 13] aiefaren. ein! Idi)'. ö.\ Mi.'. > - •- 

••Ibst vld cfai aatei so woU tob der iMiubA, aU «a^u. o^.» , -- ** '- - 



•« 



U M 



772 n, 5, 9. 

Nahe an ihrem Bette stand ein gedeckter Tisch mit allerhand 
Confecl und köstlichen Wissem, aoch sonst starcken Gelrincken, 
so bald tnittcken machen, überstellt, welchen Selicha sugerichtet, 
entweder den Joseph mit dem Tranck zu beddoben oder nach toU- 

s brachter Liebes-Fread sich mit einander dabey zu ergetsen. Sie 
befahl dem Joseph, ein Marcipan von dorther ihr zu langen. Er 
reichte es ihr zu mit gewöhnlicher Ehrerbietung; aber an statt 
daß sie nach dem Marcipan greiffen sollen, wurden ihre Liebs- 
Begierden so hefftig, daß sie ihn beym Mantel erwischte, ihn sa 

10 sich auffs Bette zu ziehen, zugleich mit heissen Thranen bittend, 
er weite sich doch nur ein bißgen zu ihr setzen. Joseph aber, 
der stdrcker war, als sie, auch wohl wüste, daß niemand lang im 
Feuer sitzen solte, er wolle sich dann verbrennen, entriesse sich 
aus ihren zarten Armen, in welchen sie gleichwol seinen Mantel 

IS behielte, und lieflT aus dem Zimmer hinweg. 

Was vor ein Krieg diß Weib nach Josephs Abschied mit ihr 
selbst wegen der vermeinten Verachtung angefangen, muß nur 
ieder bey sich selbst erachten, dann damahls weder ich noch 
sonst iemand bey ihr gewesen, der es nachsagen könte. Aber 

M man kan leichtlich gedencken, wie es hergangen sey; dann all 
ihre beyde Kammer- Jungfern wieder zu ihr kommen, zerrisse sie 
eben aus grimmigen Zorn an dessen unschuldigen Mantel, der sich 
selbst keiner Straff schuldig machen wollen. Sie hatte schon ihre 
krause Haarlocken außgezerret, auch ihr schönes Angesicht jim- 

as merlich zerkratzt und sähe aus wie eine höllische Furie, wiewohl 
sie kurlz zuvor der Venus selbst hätte gleichen mögen. Sie tobet 
wie ein wütiger Hand und fluchte allen Göttern erschrecklich, ab 
denen sie die Schuld ihrer unglückseligen Bulerey beymaß, wor- 
über sich ihre Jungfern entsetzten und genug zu thun hatten, sie 

so wieder ein wenig zu sich selbst zu bringen. 



1 [S lOTj Nahe. 3 machen] &XH machten. 4 bcdiaban] < befttInbeB. 
XH beUaben. 1 1 eo [S 692] Uir. 12 als aie] fehlt XH. wiisto, [Z IIS] dafii 
15 hinweg] Darauf folgt in Z eiB hohadudtt, die tob awlem to TieifiMh be- 
handelte aitnation dea taxtM danteltoaJ, 16 WKk p 108. S lUJ Joiiphi 
23 an] fehlt K. tuMehniajgail f ■aaithaliliMi aiah fS Z, MU K S, MI] 
•elbat. SO adhrt] fehlt I. biii^^J X 



n, 5, 9, 7T3 



Eh er Ehbruohs Süud begeh, 
Kr war kein vernaschter Dieb, 
Gottes Oeist ihn mehrer trieb, 
Als die geile Huren -Lieb, 
Daß er keusch und süchtig blieb. 

HK bringen. 

So mächtig ist der TcnfTel in den geilen und lÜHtornen OemUturn des 
Krauen - Volcks ! daß er ihnen alles schön und möglich vorbildet, ja er giobut 
iboen allerhand controvcrsicn und boßhofftige Einwürffc, nur der Tugend zu 
widerstehen, und dieselbe zuvernicbtigcn; Ein Exempul dessen, weissct hier 
Selicha, das gottlose Huren -Weib Potiphars, doß Obersten Küchen- Meistert, 
an dem Königlichen Hofe Pharaonis. Was leichtfertige Beredungen und Ver- 
anlassung führte sie nicht, daß Josephs keusches Hertz und Tugendhafftei 
Gemfith zur Laster- Lust [Laster-Zucht] zurcitzen und an sich zu ziehen? Aber 
doch, 80 geschickt und mächtig wäre sie nicht, diesen Jüngling dessen zu- 
beredeo. Der Geist Gottes hielte ihn vielmehr ab, und widerstrebte dieser gei- 
len Dirne durch den Mund Josephs, in dem, daß er seine Zunge und Hertz reg^e- 
rete, damit sie nicht zu Fall käme, und auch so gar seine Augen sich nicht 
▼ertÜndigen möchten. 

Sehet doch, wie ungleich stimmet hier Gott und Belial? Der TeufTel, ein 
aehlaaer Vogel , stellet den Menschen so hefTtig nach , daß er sich auch ihrer 
IBnff Sinnen, nicht änderst als fänflf Fenster oder offnen Läden bedienet, und 
▼eranehet worzu dieselben am meisten geneigt seycn, dardurch wartet t-r ihnen 
dann durch allerhand Veranlassungen auf, biß er sie zur vcrbottnen Lust ge- 
reiCTl, und von dem Tugend- oder Himmel- Weg abgeführct hat. Durch solche 
8iniieii-Lust steiget er als dann recht wie ein Dieb, ja der rechte t^eeleu - Dieb 
ood Mörder in das Hertz, daß er allda wurtzlc und da« gute ausreot«. Df^ra 
einen, llssct er an durch das Gehör, mit allerhand lieblicher Wollust, mit vie- 
lerlei Fatx- und Narren-Possen, spüret er ein Belieben , so setz^ft er nach , und 
dieaea ist schon das Fenster, wordurch er in das Hf^rtz steiget, d&nu dc»i»«lb<;n 
Gedaneken zu erkennen und abzumerckcn ist er zu ohnmächtig, welchcu all« in 
Gott der Hertzens-Kündiger sich vorbehalten. Dieser weiß, was wir g»-d»5iick«iii 
and im Sinn haben, ond nicht der Tenffel, dann er mnß es nur «rratli<:ii urifi 
ana den Zuneigungen venncben nnd abnehmen , wordurch es dann auch g«v. 
achiehet, daß er so offt betrogen wird. 

[H 2,542. K 2. M2] Einen andern, »teilet nnd probieret er durch Aug^i^. 
Lost und Lfislerkeit, er bilde! ond mahlet ihm für. ein schönes h'iH, (ifi«:T «ir 
▼anafttek ein soldies aaeb wol wSrcklich, dann alle Zeit giebet es fin^- Wcick> 
mtngß son bdaea, geaag in der Welt ab. Mercket er ein^ B':li<^biiii^ x\^{y u^^i, 
die A^gea achiemen liatet, als dann s^^ vergebet sich auch die Z'ji.t£*: .^t].«^ ^^. 

er daranff »etxet . und mi* »olcbe" ^'^^^ •^^•-vVisi^^j,^, 
•onsten im getö«:ii«en hp"<^****'** 'tc«.'/. ^^^ 
dienlicb , da» alwwtei ihu* JUi. i^ . i».-.v.iH Ä^\ 
vcmtcbtc CT auch di«*'- A-ij«.:^ - i -^ ^^y. ^, 




774 * II, 5, 9. 



dem einen gewan er und siegte ob, nemlioh in den Augen der Selichl, aber bej 
dorn andern, dem Joseph, mäste er verlieren und snsohanden werden, wann er 
sieb ancb mit aUer seiner Maobt gerfistet nnd gewaffbet bitte. 8o wäre doch 
der Geist Gottes mächtiger in Joseph, als alle Anreitanngen deft Teuifels. 
wie mancher hfttto zugegriffen, nnd deß Mantels geschonet, wie würde nieht 
mancher seine Angcn geweidet und abgekfihlet haben? aber neiiiy 

Umbgewendt, 

Macht ein g^tes End. 

Doch, solte einer auch wol hierbey eine Frage einwerffen, nemlidi 
diese: Wie es doch komme, daß Joseph so kensch, Tngend-Liebend, und wiin- 
denfibhtig, seinem Gott, und dann auch seinem Herrn dem Potipbar so getreu 
wäre, als man wol heut su Tag unter tausend Dienstbotten kaum einen findet, 
und doch dannoch so unglückselig ward , daß er ob seiner Unschuld so Tiel 
leiden, nnd der Lflgen - Geiffer der Sclicbft so gewaltig wider ihn an seiner 
höchsten Schmache obsiegen muste. Ihrer viele wllren in solchen Begebeo 
Tenweiffelt, und endlich in dem G^müth auff irrige Gedancken geratben, dtfi 
sie wohl dflrfften gesagt oder gedacht haben, Gott mfisse gar schlaffen, weil er 
seinen gerechten und unschuldig getreuen Joseph nicht retten oder helffea 
wolle, weil es ihm niemahls so fibel gienge, wie die Geschiebt femer weisen 
wird. Aber Gottes heilige Weise, und die Antwort auff solche Frage, fUlet viel 
änderst; Gott schiäffet nicht, wann wir an weil Unrecht leiden, nnd es sur ge- 
rechten Sache, den seinigen unbillich und widerwärtig ergebet; sondern er 
stellet nur unsere Vemunfft und Gedult auff die Probe, ob wir anob dieselbe 
brauchen und an Gott beständig halten werden. Dann einig in der Vemiuifit, 
hat er uns von den unvernfinfftigen Tbieren, als die edelste Creatur und sein 
schönstes Erd-Gescbüpff unterschieden. UnvernOnfftig ist der geile Bock, ve^ 
nflnfftig aber der edle Mensch, darum soll er änderst seyn, und sich nicht eine 
solche Bestialische Begierd einnehmen oder überwinden lassen. Unvemünfftig 
ist ein wiherender Zaum -loser Hengst, vemün£f^ig aber der edle [U 2,54S 
statt 543. K 2, 542 statt 543] Mensch, darum solle er die Begierden im Zaoa 
halten, und xu regieren wissen. Gedultig muß der um Unschuld leidende aoeh 
seyn, damit GOtt seine Wunder- Allmacht und Retter- Hülffe hernach dcite 
herrlicher könne sehen lassen, dann er führet in die Hölle, und wieder hena». 
Er lasset uns erfahren viel und grosse Angst, und machet uns wieder lebendig, 
und wann wir mitton in der Angst wandlen, so erquicket er uns. Er führet dea 
gefangenen Petrum aus dem Gefängnus, und rettet jene drej Unscboldige lo 
gar auch, in dem glüendcu Feuer-Ofen, aus der Angst. Mit Joseph hier, hat et 
eben auch das Ansehen, zum Bösen, und wird doch Gutes daraus. Oerowcgea 
so folge man auch nach dem Joseph , man hasse das Arge , und hange den 
Guten an, Joseph thate es, Selicba unterließ ein solches. Dieaem gedeyte« 
.Vnfangs lur ^^hande, und naehaals aar Ebre. Jener aber Anfangs aar Ehre, 
unvi letilich aar Sobande. Dm Lifss tli«ft doeb nur ein weil gut. Ein« kls- 
beude Klette, OUet eadfiok aolbil mkim «b« ao anoh die Lfigea» üo komot 
endlich am Tag: 




n, ft, 9. 



Dram lieb die Tugead mui. 
Und Mg« Joseph n»oh. 
Joiepli Uat den Mantel eb, 
Eh er Eb - Bmah« afind begeh. 
Er war kein vemMchCaT Dieb, 
Gölte« Qsiet ihn mehrer trieb, 
AU die geile Hnren-Lieb, 
Dafi er koDiob und Eflchtig blieb. 



n, 6. 10. 



Als Potiphar gingen Abend nach Hanß kam Bsd seä 

Ichem Sland fanilu, bat er, wie ieder sich eiabiUe« k 

hrecken gewißlich nichl lachen mögen. Er tngiB *>■ 

>sle Fraa umb die Ursach; sie aber bescfcottfifte 6t» l 

digcn desjenigen, was sie selbst begangen batte. 

Ach! sagte sie, hertzliebster Eheberr, 
breer, der Schelm und der Ehrendieb, den ia w» nd f 
nnd alles das Deinige verlrant hast, Scbaae doch, wmk i 
willen, dieser Vogei und Ertzbösewirlitf ak er i 

1 meinen Jangfem erlaubt, von mir m g^en, weil ick c 
«w schlaffen getraute, kompl, neinlicfc za mir, za e 
Weib, zu der Fraoen im UboO L'ad, «rekfces dat ärgste ■*(, ta 
seiBies Herren Ehefraoen und wolte dcia reiws Efcafcelle aa tämm 
so beSigen Festlag mit einen ccUadikkea Ehdrack bcssdda, ab 
* waim da akbt Higd geaag Htlert, mbc ^lehbcte Wämt». m k- 
Ktea. Jaabermidaicktvflwbmie. walte er HtkaMh^d- 



n ertaÜfB. hat er matft ari kiigcgcB ich a 

■mIcJ SP i ^ukhkl , WK da hier Tar Aagea AeaL i« d« 

• 4v DMck, dea da a^ Am TcrA^? Id das öa Slätk aö- 
MT ftimtia. «c da ^ ic^emil t^ctart? Gad ml dH «i 
Trca, derca da Ak a l aiy n Ba lUMhta hart? Dcäa 
Gi«teta h^n des ■JMilliafcaFa T«^ cnttth i^ .^m- 
bn aad <m&A w tei juwaiH,. di£ er ikfc hA deäcr drt- 

> dn Frawa mcM iiüiiiii ■!«««. Sm «aliaa; kh hab dM 



: Jkil»: 3.5 CW X. CwiBtk. 

'.'■» riiB Dir >niia^ n is ^üffnltrc- 

unt ^ '.U} B«^ I ml- 
l sB 1,341. W.r, m] mtm. 



n, 5, 10- 777 

meinige gethan als ein ehrliche Frau; dir aber will gebähren, daß 
da gegen ihm wie ein Ehrliebender Mann thost, der vor seine 
Ehre eifert. 

Ob Potiphar damahls auch zornig über den Joseph worden 

^ seye, bedarff keiner Frag. So viel war an ihm, wann er durch 
diese Begebenheit nicht zugleich erfahren hätte, was vor ein ge- 
treu, ehrlich, fromm und tugendsame Frau sein Liebste sey, so 
hätte er ihn gleich zu Streichblätziein zers^belen lassen; aber er 
kitzelt sich mit seiner Frauen Frommkeit innerlich, wie die höitzerne 

» Puppen lachen 9 daß er nicht zürnen kunte. 

Ha! sagte er zu sich selbst, wie seynd doch die Menschliche 
Urtheil so blind und betrogen I Ich hab schon vielmahl aus meines 
getreuen Weibs Gesicht urtheiien wollen, als wann sie den Joseph 
mit buhlerischen Augen ansehe, und hat mich gedunckt, als wann 

; er solches nicht in Acht nehme; aber letzt sehe ich wol, der 
schlimme Gesell hat sie geliebt und sie hat hingegen sich seiner 
nicht angenommen. Ach die Götter wollen mir mein Fehler ver- 
zeihen, daß ich so argwöhnisch gegen einem solchen frommen 
Weib gewesen! Sey zu frieden, liebster Schätzt ich will dich 

) besser in Ehren halten, als noch nie, sagt er in seinem Hertzen; 
dann hast du dich eines solchen schönen Jünglings, wie Joseph 
einer ist, enthalten können, so wirst du endlich auch die Götter 
selbst, wie meinen eigenen argwöhnischen Augen wiederfahren ist, 
zu Lügnern machen. 

» Mit dem lieff er über seinen geheimen Schreibtisch, der in 
seinem Kavet stunde , und langte heraus eine Propheceyung , so 
ihm ein Oracul geben, als er nach Abgang seiner ersten Gemahlin 
sich wieder zu verheyrathen entschlossen Und deßwegen Raths 
fragte. Daß lautet also : 

) Greifft Potiphar zur zweyten Ehe, 

8o find er nichts als Ach und Wehe. 
8o offt, als er der Liehe pflegt, 



6 zugleich] fehlt X. H wiewol fälschlich. 7 sein [Z 117] Liebste. 8 zu 
[X 694] Streichblätziein. 9 Frommkeit] 8XH Frdmmig[$ lll]keit. 14 an- 
Bebe] 8XH angesehen. 17 mein] XH meinen. 28 selbst] fehlt XH. eige- 
[Z 118]nen. argwöhnischen] 8 argmöhnischen. 25 seinen] Z8 seinem. 26 Ka- 
vet] XH Cabinet und [8 112] langte. 29 Daß] $XH die. 32 [H 2, 545. 
K 2, 545] So. Liebe] 8 Liebste. X Liebsten. HK Lieben. 



t Wdt, I 



So rid Ol ftQoh der Homer UigL 
Doch wird M BD subtil sag^fatt, 
D*A er ea selbst nicht kftn Pontebn. 
erlogener Apollo! sagt er, wer wird mich n 
[önnen, wniin es Joseph, der schönste in < 
ermocht hat? 

Gsuch wusle aber nicht, daß Selicha ■llzeit, i 
\rm gehalten, an Joseph gedacht u»<l das jenigCi 
geschähe, von Josephs wegen, den sie thr u seiaa 
jildct, angenommen hatte. Er zerrieß diese 1 
[le, weil niemand sein eigener Richter seyn soü, so evtl ms 
I Joseph ins Gefängnifi führen, er wolle der Stck sckoa Balh 
naffen. 

Zu derselben Zeil hatte es fast eine Beschaffenheil mi im 
[ingnisscn in E^yplen, wie mit des Zachlhäaseni ietoigcr Zeft 
r König halle in ied^r grossen Stadt oder ProTinti seaoidBiei 
s, rund heramb mit hohen Hmren mabfebeo, daft täm Gt- 
igOKT olar GeftHfene anßreissea k^te, nwcafig au Woil' 
iRM nr allerkf Handwercfcsleut TCfsckm. Sokke «win im 
nkammsktn aaff eUicbe iahr anb am gemiaam Zi^ vtriMM- 
wm HB Pa m aai ■ sticke geriettea, Ae reioh, 4m BMm^ 
iHfHI AMT IICM flto 1 



kntM, «BfA neb nilaHiM ^«s T u h tuA i t 



i>^<wa*w>M Wy*«i*^ EMf —ifc t i ti«tii »g' kcT i 




n, 5, 10. 779 

So bald ein Gefangener in ein solch Gefingnflß kam, so hatte der, 
so ihn setzen lassen, kein Gewalt mehr fiber ihn, sondern nur der 
König, der nach und nach das Verbrechen auff der Gefangenen 
Freunde oder des Klagers Ansuchen examiniren und femer ge- 

ft schehen Hesse, was recht war. Und weil Joseph kein Handwerck 
kante, muste er als ein Schmiedknecht den Hammer führen, seine 
Kost, biß zu Außtrag der Sach, zu gewinnen. Er gedachte bey sich 
selbst: diß ist ein billich Urtheil Gottes, daß meine Schönheit in 
Kohlen, Rauch und Staub yerderbe und meine zarte Hände wie 

to Hom werden , weil sie mich bißher in alles Unglück geführt 

Niemand verwundert sich mehr, daß Joseph dieser Ursachen 
halber solte gefangen gesetzt worden seyn, als eben die unver- 
gleichliche Asaneth, weil sie selbst viel ein anders so wohl von 
der Selicha, als dem Joseph wüste. Sie kunte nicht ersinnen, wie 

16 es doch zugangen seyn roüste, daß diese beyde so bald ihre Nei- 
gungen, nemlich die Selicha ihre heffkige Lieb in Haß und hinge- 
gen Joseph seine Keuschheit in brünstige Geilheit verändert hatte, 
wiewohl sie ihres gleichen an scharfTem Verstand in Egypten nicht 
hatte. Die Begierde, den VerlaufT zu wissen, triebe sie dahin, ihre 

so Baaß, die Bettlägerige Selicha zu besuchen, mehr unterm Schein, 
ihr schuldig Mitleiden zu bezeugen , als sich mercken zu lassen, 
warumb sie mit ihrem verbundenen Finger und verwundten Hertzen 
hin käme. 

Hertzliebste Frau Schwester, sagte sie bey ihrer Ankunffi 

95 anter andern zu Selicha, Mir gehet dero Zustand umb so viel desto 
mehr zu Hertzen, weil ich vernehme, daß sie nicht auß dem Bette 
kommen, seithero ich die Ehr gehabt, mit ihr neulich den Mittags- 
Imbs zu halten , Ob ich zwar nicht hoffen will , daß unser Gegen- 
wart deroselben zu Unmuth oder Zorn und also auch zu dieser 

30 Kranckheit selbst Ursach gegeben habe. 

Ach nein, hertzliebste Jungfer Schwester, antwortet Selicha, 
unser Joseph ist die Ursach meiner Kranckheit, welcher mich dieser 
Tagen so hoch erzürnet, daß mir die Gall in alle Glieder geloffen. 

* 

5 Und] XH [X C96j Weil nan Joseph. 7 Sach [Z 121] cn. 8 in [H2,546] 
Kohlen, Bauch [K 2, 546] und. 11 [d 115] Niemand, rerwundert] XH yer- 
wunderte. 13 Asaneth] XH Asenath. 21 besengen] 8XH beseigen. 22 ver- 
bund6[Z 122]nen. 26 Bette [d 116] kommen. 27 den] X die MittagsMahl. 
H die Mittags -Mahbeit. 28 unser] XH unsere. 



>. S, 10. 

Wie nf Sigto AsmcA: ich hatte icmainuu ÖB nwfirtoir 
, in ich hiBler d«r Tqiclea ««nKHnaiflii. nülr luin ^r- 

bü aidt »tt ka cntrao käMe. M »de ndn, <äa 9* ia 
>Sact< 




n, 5, 10. 781 

80 grob oder unbesonnen, als ein junges Ding von zwölff Jahren 
Ihun möchte, wie sie daroahl war, das nicht weiß, worzu die Baar- 
schalTk nutzet, sondern so gesparsauilich , als ihr die Lieb zuliesse, 
und so klüglich, als sie vermeinte, daß ihr, zu Erkundigung der 

& Wahrheit, von nöthen wäre. Sie weite einmahl wissen, wie Se- 
licha mit dem Joseph gespielt hätte , deme sie ihr Hertz wegen 
seiner scheinbarlichen Tugenden , wie Selicha ihm das ihrige we- 
gen seiner Schönheit, geschenckt hatte. 

Immer Schad wäre es, sagte sie zu sich Selbsten, wann der 

) schönste Spiegel aller Tugenden durch lästerliche Verleumbdungen 
soite unterdrückt und zu Schanden werden. Was? wann man das 
gestattet, so möchte es dahin kommen, daß die Tugenden endlich 
auch selbst durch die Laster zerscheidert würden. Nichts I ich wil 
wagen, was mir die Götter hierzu verliehen haben. 

( Und nahm damit ein schön paar Armband vor die eine und ein 

köstliche Stirnspange vor die andere der Selicha? Kammer -Jung- 
fern; mit denselben schmierte sie eine nach der andern, biß sie 
alles Haar-klein erfuhr, wie man mit ihrem geliebten, so frommen, 
als schönen Joseph verfahren wäre. Aber dessen Unschuld an 

> Tag zu bringen, weite ihr gleich wol mit nichten geziemen, wie 
viel sie auch Kalender darüber machte und die Sach überschlug. 
Dann erstlich lag ihr die nahe Verwandschaflt der Seiich» im Weg, 
deren sie sich schämen hätte müssen , wann die Warheit in ieder- 
manns Ohr kommen wäre. So wolte ihr auch nicht gebühren, daß 

; sie als ein Fräulein von Königlichen Stammen sich eines Sclavens 
annehme. Drittens, wann sie gleich alles thät, was sie hätte thun 
können, ihn seiner Tugend wegen frey zu machen, so hatte doch 
iedermann geurtheilt, solches wäre seiner Schönheit wegen be- 
schehen. Andemthcils tribulirte sie die hertzliche Lieb und das 

» Mitleiden, so sie wegen seiner Unschuld trug, also, daß sie nicht 

* . 

4 Termcintc, [Z 125] daß. 10 schönste] 8XH schöne. Vcr[a 119]leumb- 
dungen. 11 das] fehlt $XH. 12 gesUttot] XU gesUttete. 18 senohei- 
dert] d zerscheittert. XH zerscheitert. 15 Armband] 3XH Armb&ud. 17 den- 
selben] aXH demselben. 19 ab schönen] fehlt SXU. 20 bringen, [Z 120] 
wolte. 22 Verwandschafft] 8XH Freandschafft 25 KdnigUcben] XH König, 
lichem. Summen] oXU Stamme. 26 annehme] XH annehmen, sie [t 120] 
gleich. 27 wegen [H 2, 648. K2,548] frey. 28 beschehen] »H g«. 
schehen. 29 Andemtheils] H Ander tbeils. 




wusle, wessen sie sich entschliessen solle. 
Hertz gleichsam wie eio Schiff vom Nord- i 
angcgrilTen und bestürmt. Endlich verpetMlüerte sie I 
maim neben einem Brit^ff an den üerckeraieiiteT m»i 
» denselben darch ein vierdle Person za eignen Hö^eo I 
inball dessen lautet also : 

Wann da das Geschlecht Pbaraonis < 
in Ehren hallest, so wirst da diesen Biieff mit l'nle 
pfiiken und demselben gdiorsanest oacUebea, ai 

>• einer Person, aus küoigtichem Gi:blüth ^tM^rea, 
wird, welche dich lu dem End ihres Gnuses i 
den ^fangeneu Joseph, Potiphani, des frosses Um 
Knecht, in der Getäagnil) also ehrtkh kiJteo soUest, dafi weder 
er selber noch iemtad anders too senelw«i^, wa^ er lai a tr 

u Unschuld halber küoffltg wieder Trey gelasse« wird, äbrr dkh 
za klagen habe, dann solche klage mästest da aut E 
■es Kopffs verantworten ; weil dir hterbey haarivt Im 
ichickl werden, damit dn ihn desto besser i 
Arbeil entlassen köntesL Doch solst da d 

9* dem Gefsn^oefl ^Ibst, beimlkh halten, deae dn al 



fimcki, dieweil keme« sciaer ^nll dn^iärfcam nanail br- 
{CgMt Er bale nichl winigfr Una, •!■ grbaiwaa, Abb an 

n salch grosses GeM , •• im geschickt wotdea, b eae a gfc gOiV' 
sas, dn& fie Person, die ika gesckräbea, knä Uiinii h^ 
seya mitte. Derowegca naka er dea Jaseyfc wie«ler ^m 4m 
Scfeweden aad setzt« ite xa ack aa snäe Tafel, i^ na «afer 
^•bpknr noch seta ekrlicke Fraa niemakl ^idu: 

• Indessen big S«lickn noek n Bett Md ward« m BiaM so 

kranck , als sie sieb »vor gestellt hntte. Jn «s warde Bit ike *M 
Tag SB Tag ie Einger ie ärger, weil sie der Zorn, die Lieb, der 
Eifer, die ibch, die Reu nad die Fnrcfat, daA tee Sckebastnck 



I «eswn [X um] ue. 2 lud} feUt 3XU. 3 ToipMadüortsf 3ZH mi- 
■pmdierte. 4 donl Z dem. 3 ain] XB ein« [Z 137] wimA^ IS Ja\i Ulf 
Mpb. 16 oriataM] i mOnusst. 23 (Z li8[ Oiomi. IS ZbbA] HbknA 
U Mlchl Xa vnkbm. üS ticti [3 inj m. SS Om^ [X nt^ Am. 



n, 5, 10. 783 

an Tag kommeii möchten , schrecklich angstigten und ie länger ie 
mehr scbwichten. Keinen andern, als diesen schlechten Trost hatte 
sie, daß Joseph sein Lebtag keinem andern Weibsbild zu theil wer- 
den könte, weil er so warm sasse. Die Aertzt yerzweifelten all- 

h gemach an der Erhaltung ihres Lebens. Sie sahen zwar wohl, daß 
diese Kranckheit an einem innerlichen Anliegen des bekümmerten 
Gemfiths hienge; Potiphar aber muste der Seiich» glauben, da sie 
▼orwandte, wie sie sich nemlich so greulich über Josephs unchr- 
Uehea Zumuthen erzürnet und solches noch nicht verdauen könte. 

it Hierdurch wurde er gereitzt und erbittert, am Joseph unbilliche 
Bach ra üben , welchen er billicher hätte loß lassen sollen. Aber 
so sehr trachtet er nicht nach Josephs Leben, so sehr bemühet sich 
hingegen Asaneth , dasselbe zu erhalten. Als diese vom Potiphar 
vernahm, was er gesinnet war, kunte sie sich nicht enthalten, ihm 

» unt^ Augen zu sagen, daß sie vermercke, Joseph sey unschul- 
dig, mit Bitt, er wolle sich nicht übereilen, damit er der spaten 
Ren und der Götter Zorn, so ihm das unschuldige Blut aufT den 
Halß bürden würde, künfftig überhaben wäre; er solte die Sach 
stehen lassen, wie sie stünde, und noch ein Zeit lang zusehen; sie 

to besorge ohne daß, wann er dem Joseph das Leben zu nehmen un- 
terstehen würde, daß ein ander Facit heraus kommen dörflte; Das 
Leben wfire edel, und solches zu erhalten, würde Joseph vor sich 
das beste reden. 

Durch diese dunckele zweydeutige Sprach setzte Asaneth dem 

n Potiphar ein Flohe ins Ohr, weil sein böses Gewissen sie anders 
verstünde und außgelegt, als sie Asaneth gemeinet, dann er hatte 
zwar mit Josephs Wissen, aber doch mit dessen höchsten Mißfal- 
len und Abwarnen , hiebevor etliche Königliche Güter zu sich ge- 
zwackt Davon, bildet sich Potiphar efn, hatte Asaneth Wind und 

So mit ihrer Bed dahin gedeutet, daß Joseph aus der Schul schwatzen 



4 aUgemach [Z 129] an. 7 da] XH daß. 8 wie [H 2, 549. K 8, 549] 
sie. nemlich so] fehlt H. 9 Terdaucn] Z Tertanen. 10 erhittert] XH verbit- 
tert. 11 billi[$ 123] eher. 12 trachtet] XU trachtete, bemühet] XH bc- 
mühete sich Asenath. 15 vermercke] XH vermerckto. 20 besoi^] 8 besor- 
gen. XH besorgte, er [Z 180] dem. nehmen] XH nehmen sich. 24 Assneth] 
XH Asenath. 25 ein] dXH einen Floch. 26 Assneth] XH Asenath, 27 aber 
[l 124] doch. 29 Asaoeth] XH Asenath [X 701] Wind bakonunen« 



U, 5, 10. 785 

A\b dieser verfertigt war, zeigte er ihn der Asaneth, welche 
ihr belieben liesse, daß er dem Joseph geschicict würde. Aber 
Josephs Antwort daraoff war diese : 

Was die Bezflchtigung anbelanget, damit Joseph, des König- 

s liehen grossen Küchenmeisters erliaofFter Knecht, belegt wird, ist 
der Beklagte, solch Laster begangen zo haben, nicht gestandig, 
sondern bezeugt beyro höchsten GOtt, daß er allerdings unschuldig 
«eye, wie dann sein voriges Leben seine Neigung zor Keuschheit 
genugsam bezeuge; Daß er aber seine gnädige Frau erzürnet ha- 

L« ben möchte, sey ihm leid und hoffe nicht, daß sie deßwegen am 
Leben Schaden leiden solle, massen dem gantzen Hauß Potiphars 
genugsam bekant sey, daß sein gebietende Frau etlich Tag zuvor 
kninck gelegen, ehe sie den Nothzwang auff ihn ausgeben; Er 
befehle die Sach dem höchsten Gott, der werde seine Unschuld 

15 und daß er sich allzeit wohl , ehrlich , treu und auffrichtig in sei- 
nes Herrn Diensten gehalten, verhoffentlich genugsam an Tag thun, 
wsnn es vor dem strengen Halßgericht zur Verantwortung kom- 
men solte. 

Potiphar communicirt der Asaneth diese Antwort und fragte 

to sie, was sie weiters bedauchte. Sie sagte , er könte wohl sehen, 
daß Joseph, sonderlich seiner Liebsten Kranckheit halber, eine ge- 
rechte Sach haben müste, als die zuvor schwach gewesen, ehe sie 
den Joseph angeklagt; Item, weil er umb keine Gnad bete, sondern 
so getrost vor Gericht sich zu verthatigen entschlossen; Er solte 

fls wohl erwogen, was Joseph darunter verstehen möchte, daß er mel- 
det, sein Unschuld Und daß er sich allzeit redlich gehalten, werde 
TOT Gericht an Tag kommen; Ihre Meinung wäre, er solte die Sach 
snff die lange Banck schieben, so lang er könte, und den Göttern 
dsncken, daß Joseph die Mittel und solche Freund nicht hatte, 

M dardnrch er selbst zur Endschafft dringen möchte; indessen solte 
er Potiphar wegen seines Verzugs die Selicha unterhalten, wie er 
könte. Solchem Raht hat Potiphar zu folgen beschlossen. 



1 Asaoetb] XH AsenAth. 4 anbelanget, [Z 188] damit. 18 NoUiswang 
[l 1S7] aoff. ausgeben] XH anl^geben und erdichtet habe. 19 Aaaneth) 
XH Aseoath. SO sie [Z 184] weiten. 28 bete] 8XH bittet. 84 Terih&tigen] 
dXH Tertheidigea. 27 Ihre [X 708] Meinung. 29 and [8 128] solche. Sl Ver> 
tilgt [U 2, 651. K 2, 651] die. 82 Bäht] XH Bath endlich. H hatt^ 

60 




n, 5, M: 



TOT 



'■: ZM erhalten, gesehApfft, weH er «1011 in 

■:t liLSNen, w«i lie ihm zagemvhM, httte 

^i..~> liricbcn; weil sie aber wieder ein ab- 

, . itijiiiiiicii, halte sie ihr den Brief gdien, su 

xl sirli vorgesetzt, den Joiepb in GeFinpiiß nil 

■'.u lassen. 

'<<< der Götter willen, gnidigtlet Frlnlehi, vu ihr 

III Antwort geschickt, dirtos sie alles • 



in zog sie Josepbs Brieff aas dem Saeli und gab ibn 

h zu lesen, der lautet also: 

lochgebielende gnädige Fran el c. 

iinach ihr hochgeehrtes Briefflein mir zu banden kommen, 

solcfaei gekommlicb eröffnet, nnterthinig zu vemebmen, 

icroselben mir gnldig zu befehlen geliebte, ohnTerhalle 

:Qirbin zu gehommer Wider-Antvort, daß ich aanodi bleibe, 

I icb vor war, ausser daß ich ielzo ans enres Ebeberm ge- 

t Diener zu einem schwsrtzen Schmiedknecbt worden liiii. 

r dero gnädigs Anerbieten nnd zugleich ihr scharfe Ut;- 

r anbelangt, webAe ins Werck gesetzt werden toUvv. n 

I ich mich heqrenen werde, daraaff wolle mein kicHfEt.' 

» Frau ZOT Xaehrieht Tersicbert seyn, daß ehe die fer*tuut 

n genöhiilicben Weg, als Joseph die Tugend, dereu vi mci 

Hergeben, vltIusm wnde. Es wird mich ancb weder »»> 

f md Verbf^issong noch dero Berebl hkI Bedrokwg itim ^ vi. 

\ ■■der* sn Ihun oder m eeya, ab wie es erslhew el dte TibmO jumm 

I wfR, als welche meine «allige Uebete ist, TtHi davrn sei' Mitvi 

'. ki5 in Todt nii'fat zu weichen enisebloasen. Wolle iummw'*> ->•**<■ 

bockgehieirDiJc Frau aa mich n schreibeu aoHheruii, «kii jum»/*- 

r aiHiU uderi ToraAgea la thai, als ämÜ4iaamiiKi.-aHmv 

em Widerwert^ea n die Hfad ' «M.«in 






■aatk. an m a m . L\ «i-ulf-^ff ♦•'•■' 



II, 5, 10. 789 

'"t dich in Geheim, daf) eben demselben Josi^ph 

-> im Gerängnüß mit Gilft hinzurichten. Wirst 

und auch selbst vor solcher schändlichen 

, damit du künlTtig aller schweren Ver- 

irieraus entstehen möchte, entübrigt seyest; 

fCrsihest, daß solch böQ Vornehmen ins Werck 

^so müsic ich sein unschuldig Blut von deinen Hän- 

' weil er dir zu verwahren und nicht lödlen zu lassen 

. auet ist. 

Die holdselige Beywohnung des TugcndhaiTten Josephs hatte 
llkm den Kerckerm eisler so gewogen und günstig gemacht, daß er 
^emaelben nicht nur diesen BrielF, sondern auch den vorigen, wie- 
rohl es ihm verbolhen war, communicirte, auch nicht verhielte, 
1 vor ein Summa Geldes er seinetwegen empfangen hätte. Jo- 
toph sber konte nicht außsinnen, wer sich seiner so treulich an- 
Ewliine, weil er mit keiner Person von Königlichen Stamm son- 
derlich bekant war. Er gerieih zwar in den Wahn, es müst je- 
nand grosses seyn, dem sein Unschuld bekani wäre, und wüste 
^^rneben doch gewiß, daß sonst niemand von der Selichie Händel 
fWiasenschalTt haben konte, als ihre beyde Jungfern, welche aber 
treder die Mitlei hatten, seinetwegen so viel zu sjiendiren, noch 
las Hertz fassen dorlTten, sich vor Leut von Königlichen Geblüth 
tttßzugebcn. Derowegen wandte er sich zu Gott und danckte ihm 
yor seine Vorsorg und zugeschickte HüllT zu vorderist mit andäch- 
tigem Gebeth, die Göttliche Allmacht wolte gnädig geruhen, die 
Jenige Person, die sich über ihn erbarmet hätte, mit lausendrältigen 
llelohnungen zu ergetzen. 

Demnach er nun aus Gutthat der Asaiieih in seiner Gefängniß, 
H über zwey gantzer Jahre wehrele, dergestalt ein geruhesam 
lieben zu führen halle, wolte er die edle Zeit nicht unnülzlich zu- 
^ngon, sondern übte sich mit HütlT und besserer Unterweisung 



gucbicbt] H geschickt. 2 uscb(Z 141]gcslolll. 11 echBndtiohen | 
fthlt 3XU. 1 MordLbal] SXH Mordlhat uuachuldig zu. 8 dir] R dir ihn. 
Hiebt) 3 Dicht zu lüdlea eu, 15 trcii[S 135]lich. Iti KUnigtichen] U Künig- 
D. 17 bD[Z 14!]Uiit, 18 sein] XH acinc. 32 Küiiiglicbco] H KKnig- 
11, 34 vürdurist] 5 fordert. XU TordcrBt. 36 ilin [X 707] erbannet. 
'] H nun Jonepb aus. AsanelbJ XH Aneuatb. 31 und [q 136] hesierer. 



H, 5, 19. 791 



Und wie er strafft die Hinterlist, 
Leb auch, da5 du nnschuldig bist. 

HK Tersdgerte. 

Einen recht starcken Helffier hat gewißlich der jenige, welcher Gott 
Bom Gehfllffen hat, mit belasten sihet man, wie wunderbarlich Gott su der 
Seinigen Rettang hinter der Hand arbeitet Ob es gleich der Jenige nicht 
weift, dem es wohl in der höchsten Noth, am allermeisten betrifft and angehet. 
Nodh immer findet der anschuldige ein gutes Hertz, welches ein Mitleiden mit 
ihme hat, dieses thut die Vorsorge und Vermittlung Gottes, welcher unsere 
Beförderung durch die dritte Hand offtmalen wiroket und anrichtet Asenath, 
[obeohon eine Heydin,] doch durch Gottes Schickung, ist sie der Werckzeug 
%n deß Josephs Unachulds Bettung. Potiphar der leichtgläubige Hanrey, findet 
auch das nagende Würmlein in dem Gewissen, und f&hlet allbereit daß es sich 
rege. Dieses sind die Ketten und Bande, wormit Gott der gute Gott, der Men- 
schen bösen Willen thörigte Meinungen , und obenbinige Rach-Eyfer bindet 
and surflck oder im Zaum h&)t Joseph im Gefftngniß ist gleichwohl mutig, 
auch der harte [H 2,655] Schmiedham[K 2, 555] mer wird ihme nicht sauer, 
sein gutes Gewissen , und die rühmliche Gedult yersüssen ihm alles Leiden. 

Mancher wäre Terzweiffolt, Joseph nicht. Er dencket, wie soll ich ver- 
Bweifflen, der ich doch nichts gethan habe? wie soll ich erst böses thun, der 
ieb mir nichts böses bewnst? wie soll ich mich etwas böses befürchten , der 
ich doch alleaeit das böse gehasset, Nein, ich will es nicht thun. 

Ich trau auff Gott, 

In Noth und Tod, 

Ich warte seiner Gnaden, 

Ob alles schweigt. 

Und sich erzeigt. 

Mir widerwärtig und Contrar, 

So ist und heist er wunderbar, 

Er wird am basten rathen. 

Ein Lügen -Mund, 

Hat schlechten Grund, 

Die Unschuld muß gewinnen, 

Darauff ich bau, 

Und Gott vertrau, 

Nur der allein, kan und vermag. 

Mein Recht zu bringen an den Tag, 

Auch wider Menschen Binnen, 

Im widrigsten Beginnen. 

So Joseph dacht, so Gott es macht: Und recht so. Denen die Gott lieben, 
müssen alle Ding zum basten dienen, auch die falsche Zungen, auch der Teuf- 
fei selbst offt 




n, 5, 10. 



Wer Btu ODtohnUig ü(. Act bniptd. duiB G«ti flkret der ünMihi 
Becht nnd Sacke uu: ^ 



U>d ÜHclwU, 

IN* Uta. ww AapI nd Kotk TcifvM. 

Ikdte, dia Wrh Ut b«at n T«c faiSfcci Mit 

biaagr »«r4en, acfc gvwtflich acä, !(■■ Imb^ wiai ■• geht, tithi ii 



E* Ikhu ifca 4f» Ete^ BmJ^ 




11, 5, H. 793 



Gleich hernach kamen auch ins Gefängniß der Obriste Beck 
und der Mondschenck des Königs, jener zwar, weil an Tag kom- 
men war, daß er den Pharaonem um viel Früchte betrogen, dieser 
aber, weil er dem jungen König Wasser vor Wein eingeschenckt 

a hatte , dann der König hielte darvor , wann ers mit Fleiß gethan, 
so hätte er das Leben verfallen, weil ein Privat -Person so mit 
dem König nicht schertzen solte; wäre es aber aus Übersehen ge- 
schehen, so seye es eben so straffbar, dann wann eines Hund- 
schencken Fleiß nicht grösser seye, den König zu bedienen, so 

10 könte ein ander mahl von dessen widerwertigen Feinden eben so 
bald ein Flasche vergifftet und solcher Tranck hernach dem König 
zu seinem Tod gereicht werden ; darumb solte ein Mundscheiick 
in seinem Ampt vorsichtiger seyn, welche Vorsichtigkeit ihnen 
durch Exemplarische Straff eingepflantzet werden mäste. 

15 Damahl dichtet Asaneth,. wie sie den Joseph loß machen 
möchte, weil seine gröste Verfolgerin, die Selicha todt war. Sie 
entschlösse sich zwar, ihne bey der Königlichen Crönung, bey 
welcher ihr Herr Vater auch erscheinen und dem Pharaoni das 
Diadema auffsetzen muste, welches fröliche Fest gemeiniglich auff 

fo die geendigte Traur zu folgen pflegte, vom Pharao loß zu bitten, 
und muste doch bekennen, daß es ihr übel anständig seyn und den 
Leuten Ursach geben würde, nicht beym besten von ihr zu reden, 
wann sie nemlich dem jenigen guts thäte, der ihre Baaß zu unehr- 
lichem Beyschlaff hätte nöthigen wollen. Hingegen trug sie ein 



1 Gleich] XH [H 2, 556. K 2, 556] Das XL Capitel. 

DeS Josephf Glflck sich ■eltsam kart, 
Biß daft er Ehr begnadet ward. 

GLeich. Beck] SXH Becker. 2 jener] S ieder. swar, [Z 145] weil 3 deuj 
Z dem Pharaone. 2XH dem [2 138J Pharaoni gar Tiel Frfichte entaogen, dieser. 
15 Aaanetb] XH Asenath. 17 ihne] dXH ihme. Königll[X 709]chen. 18 Herr 
[Z 146] Vattes. eneheinenj XHK er^hienen. 19 aaflaetsen [d 1891 mutic. 
23 dem] XH den. 



n, 5, 11. 795 

dein voriges Ampt gesetzt wirst. Als dann gedencke meiner Un- 
scbold, derentwegen ich hier gefangen bin! dann ich weiß, daß 
dir sdches alles ohnfehlbar begegnen wird. 

Der Mundschenck versprach dem Joseph, wann ihm die Göt- 

» ter wieder in des Königs Gnad hülflen, seiner alsdann eingedenck 
M seyn. 

Der Obriste HoGTbeck oder Pistorey - Verwalter aber stunde 
und hörete alles, derowegen ruckte er sein Kapp und sagte: Nun 
virohlan, mir hat diese Nacht auch ein Traum geträumet, dessen 

» Außlegung ich wohl wissen möchte. 

Joseph, der ihm kurtz zuvor sein Nativitit gestellt und noch 
nicht oflTenbahrt hatte,, wessen er sich zu versehen, antwortet: 
Wohl , sage her I 

Der erzehlte daraufT, daß ihm geträumt, als wann er aus 

i Pbaraonis Getreyd drey Körbe voll Brod gebachen, selbige auff 
seinen KopflT gefasst und nach Hoff getragen bitte, unterwegs aber 
lauten ihn die Vögel des Himmels angefallen und ihme aus den 
Körben gefressen, was sie nur gewolt, welches er auch nicht er- 
wehren mögen. Da sagte Joseph : ich wolte dir zwar gern was 

) Guts verkünden, aber dein Traum bedeut ein anders; nemlich die 
Frachten Pbaraonis, daraus du Brod gebachen, so die Vögel ge- 
fressen, bedeuten, daß du seine brächten nicht langer gemessen 
werdest; die drey Körbe aber bedeuten drey Tage, nach welchen 
da an Galgen gehänckt wirst, und alsdann werden die Vögel auff 

i deinen Kopff sitzen und dein Fleisch verzehren, denen du solches 
aichl verwehren wirst können. 

Wie Joseph gesagt, also geschähe es; dann am dritten Tag 
begieng der König seinen Geburts-Tag, an welchem er alle Ge- 
ßngniß von den Gefangenen zimlich läuterte und unter andern 

» auch den Mundschencken wieder begnadigt und an sein Ampt 
setzet, den Obristen PGsterey- Verwalter aber als einen überzeig- 
len Dieb an Galgen hangen Hesse; aber Joseph rouste neben an- 
dern mehr sitzen bleiben. 

* 

1 gesetzt] H gesetzt werden. 5 wieder] fehlt 8. 8 und [Z 149] sagte. 
12 üffenbahrt [d 142] hatte. 15 gebachen] 8XH gebacken. 19 zwar] fehlt oXH. 
21 gebachen] oXH gebacken. 23 wel[H 2, 558. K 2, 55Slchen. 24 lai^ 
H am. als [X 7 11] dann. 25 dein [Z 150] Fleisch. 29 den [^ 14E^ Q^^ 
fangenen. 31 Pfisterey-Verwalter] 6XH Pistoreyverwalter. 



708 



II, 5, 11. 




grosses in Zeil seiner Königlichen Re^wnHg' 

Derohaibon erzehlcl er den Trinn, iber du 

allerdings außgerallen, und ms das 

Btu'h keiner unter allen, so Geist- ris 
^ noeli unter denen hierzu xerordmtUa OUUuub 

unU-rstelien dörffen, denselben 

W'gung die Krönang ihren fmtftmg 

alle Eg^-plier, welche viel auf 

gemeiniglich einen anders Kd*^ 
« bereiu erwibllen Tram keb GUA 

ndir als <wey hundnl lihre« akM öamM gi 

Aaßli^ger gemetBigiich 

n erlangen, nnr voa 

Dali aber eni Trana, ä 
% 4m viel 



mSt^atmji iKjlutmtm, «Aia^a^wMK. mm 



*«.« 




li flddHT Tiiaiii ** **• 





11, 5, 11. 799 

Alsobald warde ein Königlicher Wagen geschickt, den Jo- 
seph zu holen, welchen eben Mnsai das erstemahl barbierte. Da 
sähe man amb so viel desto mehr, daß seine Schönheit im Gefang- 
niß nicht ab, sondern vielmehr zugenommen hatte, weil sie durch 

6 Vorsorg der Asaneth weder durch Wind oder Sonnenschein, auch 
nicht durch Hunger oder Durst, viel weniger durch Arbeit Ver- 
lefjEung gelitten. Der Kerckermeister erschrack und sorgte, Jo- 
seph würde auf die Fleischbanck geführt; aber Musai, der aller- 
dings nach der Elamiten Art ein offenhertzigen Teutschen Sinn 

10 halte und sonst ein artlicher Kerl war, lachte und sagte zum Jo- 
seph: nun wolan, das Glück ist vorhanden, laß michs nur auch 
bald theilhaflTtig werden! und wann dir eine Dam aufstöst, gekleidt 
wie du, so nim sie nur gleich zum Weib, dann es kan dir dein 
Lebtag nicht besser werden. 

15 Zu seinem Herren dem Kerkermeister aber, der unwillig 

über ihn war, sagte er: wann Joseph heunt stirbt oder wieder in 
Gefingniß zu dir geführt wird, so laß mich morgen entweder auch 
hencken oder, wann dich der Strick tauret, mich die Arbeit vor 
zween Knecht verrichten. Aber ich glaube, wann Joseph thut, 

so was ich ihm anvertraue, so werde ich dir nicht mehr über ein paar 
Standen zu Geboth stehen dörffen. 

Eben damahls war auch Asaneth auif ihren köstlichen Wagen 
gesessen, mit Vorsatz, dem König ein glückselige Regierung zu 
wünschen, weil sie vermeinet, die Krönung sey schon geschehen, 

sfr indem die bestimte Zeit darzu bereits verflossen, und zugleich ih- 
ren Joseph loß zu bitten. Da schickte es sich wunderbarlich, daß 
sie beyde zugleich an der Königlichen Pforten ankamen. Keines 
von diesen beyden wüste sich in diese unverhoflTle und unverse- 
hene ZusammenkuniH zu richten. Joseph kaute wohl der verstor- 

M benen Selichee Jungfern , er niusle sich aber über des Musai 
Weissagung verwundern, weil die jenige, deren diese dieneten, 
ein Kleid an hatte, wie er. Sein Angesicht verrieth gleichsam 

* 

5 Asaneth] XH Asenath. 8 auf [Z 157] dio. 9 ein] XH einen. 12 auf- 
8t58t] aXH zustöst. 15 dem] 8 den. Kerkermei[o laOJstcr. 16 heunt] dXH 
heut, in] XH ins. 20 anvertraue] 8 anvertraute. XH anvertrauet. 22 [X 715] 
Eben. Asaneth] XH Asenath. 23 glückselige [Z 158] Regierung. 26 wnn- 
der[H 2, 561. K 2, 561]harlich. 27 Porten] 8XH Pforten. 28 und unvcr- 
sehcne] fehlt XH. 31 diese [$ 151] dieneten. 



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n, 5, 11. 803 

Nalien ond Erhaltang anwenden, als welcher Giackseiigkeit du 
dich alsdann auch selbst zu erfreuen hast, vornehmlich wann du 
ihr also vorstehest, wie wir ein Vertrauen zu dir haben. 

Hierauff neigte sich Joseph gantz demuthig. Er bedanckt sich 
ft erstlich des guten zu ihm tragenden Vertrauens und versichert sei- 
nen schuldigen Gehorsam, auffrichtige Treu und embsigen Fleiß, 
fo er bey dem König und dem Reich im Werck zu bezeigen ver- 
hoAe. 

Allein, sagte er, es wird der gerechten Cron eines so groß- 
le nichtigsten Königs übel anständig seyn, wann sie von einem, der 
Biltobmchs halber beschreyet und befängnüst worden seye, be- 
dient würde, Derhalben unterthänigst bittend, der König wolte 
gendien, ihm ein halbe Stund zu schencken, welche Zeit genug 
eeye, seine gerechte Sach zu verhören, und, nach dem sein Un- 
is fdinld am Tag lege, ihn öffentlich vor unschuldig außruiTen zu 
liüen, damit die Königliche Cron ins künffUg seinetwegen kein 
Naclired gedulden müstc, als hatte sie sich mit liederlichen Leu- 
ton beholflTen und sich dardurch befleckt; Er hätte zwar ein 
Sdtfeiben bey sich , so der Selicha eigene Hand wäre ; er ge- 
so Iranle aber, wann man deren bey de Jungfern verhörete, die er 
damnten im Königlichen Hoff gesehen hatte, so würden sie sei- 
ner Unschuld so genugsam Bezeugniß geben können, daß man 
dee angeregten Schreibens nicht bedörfTte. 

In selbigem Augenblick wurden aus Königlichen Befehl Fo- 
n tipinr, der Obriste Küchenmeister, als Kläger und die bemeldte 
keyde Jongfern als Zeugen beschickt Der Küchenmeister, wie- 
woiü er nach dem Tod seiner Frauen ein anders erfahren, be- 
knrrete darauff, daß Joseph durch vorgehabten gewaltlhatigeu 
Nothzwang sein Frau erschreckt und zum Tod gefördert hätte. 
m Beyde Jungfern aber bezeugten das Widerspiel. Ihr Zeugnüß aber 
▼erwarff Fotiphar und sagte, sie möchten vielleicht hiebevor mit 
dem Joseph gebuhlet nnd sich unterredt haben, ihm durch solche 



3 Tor[Z 165jfiekeL 4 bedanckt] XU beäuckte. € bcbuldif eu] gXH 
sehaldsgiSeB. 14 leiii] H Kinc. 15 am] XH au. k[4 158]ge. IS uod 
[X 719] nA, la be^ [Z 166] sich. 21 darnDUij] X daruiiUrr. 22 Beaeognii»' 
ZHGewofBiA. 27 an [H 2, 564] den. ULarrcte (K ^,504j darauü'. 29 »eil/ 
XH acnc SO boMftcs] l bcMven. dl fof'^ 159]üphar. 




<»«»£sw.K ts m^i^-z 



n, 5, 11. 805 

Joseph so lang amb Unschuld sitzen lassen, ihm sein Ampi genom- 
men, aber ans Vorbitt Josephs, weil er ihm viel guts gelhan, ehe 
er die Selicha hatte, nicht weiter gestrafft. Hierauff wurde dem 
Joseph sein Gewalt bestätliget und sich sehr verwundert, daß er 
5 und Asaneth in Kleidern von einer Färb bey dieser wunderbarli- 
eben Begebenheit auffziehen sollen. Der König selbst sagte zum 
Hohenpriester Poiiphar, diß wäre ein gut Omen, wann sein, seiner 
Tochter und Josephs Will einstimmte, ein Heyrath zwischen Bey- 
den zu stifften. Ja er sagte, es wäre nöthig, diesen edlen Frembd- 

]o ling durch einen solchen Heyrath dem Königreich Egypten zu ver- 
binden, damit er ihm desto treuer verbliebe. Demnach nun Jo- 
seph solches angezeigt wurde und er in allweg seinen unterthänigen 
Gehorsam erzeigte, auch Potiphar nichts liebers, als Josephs Ver- 
wandschafll und Freundschaffl wünschte, Asaneth aber sich lieber, 

16 als lang Heu, laden Hesse, als wurde der Heyrath also gleich be- 
schlossen, mit höchster Zufriedenheit des Königs, des Obristen 
Priesters Potiphars, aller Reichsfursten und insonderheit des 
«üTerg^eichlichen schönen jungen Pars, so Eheleut werden 
sotten. 

so Hierauff erklungen die Trompeten und erschalleten alle an- 

dern Mnsicalische InsUnmenten, die man bey Königlichen Hoffen 
XU solchen Festen zu gebrauchen pflegt, mit höchster Freud -Be- 
leogong des Voicks. In Summa alles war frölich bey dieser Krö- 
nung, nur der gewesene Küchenmeister Potiphar nicht Der gieng 

tshenunb, wie Hanrey zu thun pflegen, wann sie innen werden, 
dnfi sie 3ire Weiber mit Hirschgewey bekrönet und sich doch nicht 
rieben können, dann erst damahl verstund er das Oracul und 
konle doch nichts anders, als dem Joseph in seinem Hertzen Danck 
tagen und ihm Glück wünschen. Derselbe war damal nicht gegen 

so dem M usai gesinnet, wie der Mundschenck gegen ihm Joseph ge- 
wesen, dann er Hesse ihn alsobald aus dem GefiUigniß holen, er- 



1 BO [Z 169] limg. 4 Bein] XH seine. 5 Asaneth] XH AMnath. 6 auff- 
[H 2, 565. K 2, 565] wehen. 8 ein] XH eine. 10 einen] 8XH eine, folchen] 
XH Bolcbe. 11 ihmlfebltSXH. 14 Frennd[$ l62]Bohafft. AMnetb] XH Ase- 
Datb. 15 der] SXH die. 16 mit [Z 170] b&chater. 17 Prie[X 721]0ter8. 
21 bey] SXH bej den. 24 Potiphar] H Potiphars. 29 damal] H dazumal. 
30 ihm [S 168] JoMph. 8] erbarfZ 171]lich. 



fli n, 5, II. 

bMiich bekleiden und ihme siffwuleii, On M woU fegeawli 
Prend, ■!* könBUgeD Glücks tkeilbafflif; H 



et soBslea die gAtnü 



S »aäb«B] X aiacben. 

Bo brach de* Joiepki l' 
£• liebte ihn des KSoigi Huift. 
t-ehau GoLtcs Schickung bitr mein ( 
Wie ei to Wunder- füglicb uC, 
Und wie er lUafft die IliDtcfUil. 
Leb Boeh, daß da nnadmldig bU(- 

HK muhen. 

Thae Bccht, ODd icbeno nitmiDd. So Isaict i 
Begal, des weisen Mancec, dnrcb den IL Geist eiDgegeben. L'od hier h 
•eph hat lie wohl redlicfa EOgetroffen. Was Freude, GlQck dd<1 WoUn« 
Joiepb der getreue md frommH Oienstbcth nicbt haben und besitceo k 
wann er dem lumathen und äcbreibendecSelicha seiner ^EseincB] Bern] 
gefolget und nacb gelebct hätte, Aber er thate Bccht, und icheuete wedi 
selben gepricliti noch Drsuwort, welche doch acht viel und hefitig 
wordnich er zwar fasrt gediücket, aber doch nicht nDtcrgcdiJicket ward. 
dJMes govißtich nicht, ohne die weise Schickung Qotte». 

Etwas seltsam ist, und scheinol es zu sefn, daß d« II. Geist, in 
Lehren, aUo karts abbricht, und weder Veiheiisnng noch Creacb maoeh 
mit anfüget, gleich wie eben In diesen obgedachlon Worteti: Thue reob 
xcbeu niemand. Ein man [II i, 566. K 2, 566] eher möchte wohl darh«/ f 
Warumb aber dieses mein Gatt, man wird beut lu Tag gar übel verhai 
aagefsindel, beydem iifTenllich Recht thnn, wann miui nicht ein wenig 
■iren und aulT bcyden Achseln tragen kan. Der Ji>Bc]>b bHtle doch wu 
SslichH mQgcn etwas lugerallen thun, sie würde es nivht geaagct, und die 
den doch auch oil verschwaiKct haheii. Allein oi bHtte nuterdessen nu 
sehen ihrer bcyder sündlichen Willen, und vor der Sclicha, nicht abi 
Gute recht gothan geh eis Ben. 

Mancher dQrfft auch wdI gedacht haben, v/u gcbeits mich, eq s 
Arbeit laß ich mich nicht gerne bitten, sie ist ja meine Befehltrin und 6 
mich liebet, muß ich flir eine Ehre und GtSck schStzen, wer weiß au < 
mir nutzen kan. loh bin gleichwol ein SclaT und Gefangener, und werdi 
solche Speise auch seilen zu kosten bekommen, nur immer her darmil 
jouigs, der da seiner Herrschafft gehorsam lebet, ksn ja nicht sogen, 
Unrecht gothan habe. Aber nein, d<>r Welt tsl es schua aUu recht geoi 
dach Gott im Himmel nicfa', Und dteacs beist nur ein Winckcl- Recht «w 
■weyen. 

Doß H. Geintes Muynung iat diese: Thue Kecbl, scheu niemand, du 
laß Ootl wallen. Er wil dein Uerli und Üemtib prtlfen, wie lUTcrsichtl 
xu ihm suyaal. Darum ist weder Verheiasung noch L'raach mit boy ge 
Du >uU Keohl tbun. TruU dem, der dir Unrecht thue, di& haben Potiph. 



n, 5, 11. 807 



jr Selicha erfkhreo. Ob sie auch noch so scharff daran wolten, so heist es doch. 
Thue Recht scheu niemand. 

Thoe Recht. Ob es gleich viel Feinde setzet, ob es gleich gewaltige 
Feinde darüber abgiebet, so scheue du niemand. Ey, es ist bey Gott gar ein 
leichtes, den ftrgsten Feind zum basten Freund zu machen, und warumb solte 
er auch das nicht können, der doch die Hertzen der Menschen, wie die Wasser- 
bftohe in seiner Hand leitet? wie geschwind muste Esaa mit Jacob nicht an- 
ders dann freundlich reden, der ihn doch zuvor verfolgte, und den Tod trohete. 
Gott hatte ihn also regieret, und Jacob hatte recht gethan, daß er sich vor ihm 
gedemfithiget. 

8o wunderbar ist Gott in seinen Regierungs und Schickungs Wercken. 
Wer hätte wol gedacht, daß diese gewaltige Lügen-Feinde der Selichä, so herr- 
lich, mit ihrem höchsten Spott deß Josephs Unschuld zu retten solte an Tag 
kommen? Sie war eine grosse Frau, Joseph ein Knecht, Sie eine genädige Ge- 
bieterin, Joseph ein dienstbarer und verkauffter Sclav. Den grossen und rei- 
eben in der Welt, stellet ja die Welt auch ins gemein, mehr glauben, als den 
armen und verachten zu. Wann der Reiche redet, so höret alles auff, dann er 
redet mit Macht, und hat viel Vorsprechcr, welche auch offt wol gar stumm 
aeyn, und dannoch viel ausrichten. 

[H 2, 567. K 2, 567] Ein Ehe -Gatt, wird ja seinem Weib mehr Glauben, 
ala dem Knecht beymessen? So schliesset die Welt, aber Gott nicht, Joseph 
tbat recht, darum kunte es nicht verschwiegen bleiben, er scheuete niemand, 
weil er sieh nur kein Unrecht bewust wäre. Ach schöne Tugend I Joseph, wo 
bist du? wie viel geile Huren -Seuchen, und lüstrende Schand- Buben gibet es 
heut zu Tage, Aber ach, wo ist ein Joseph, welcher das Schelmen -Pack zer- 
trenne, und davon lauffe. Mantel hin, Mantel her, falsche Zeugen hin, falsche 
Zeugen her, Joseph thnt recht, und daraufT scheuet er niemand. Als ein stolt- 
ser Zeng das Gewissen. Es zeuget und überzeuget entweder zu guten oder 
bftaen. Ists gut, und sich nichts böses bewust, was kan frölichers seyu, als 
ein gut Gewissen, es furcht sich nicht für viel hundert tausend, es springet mit 
seinem Gott über die Mauren, ja es gehet auch getrost in das Feuer hinein. Es 
stehet und hält wie ein eiserne Seule, auff Dcniand- Grund gesetzet. Itits büß, 
wie nagts? ach wie plagts? wie schUlgts? es ist unruhig und wanckelmütig, 
es saget in dem Herzen ja, wann gleich der Mnnd nein saget, es zeuget und 
fiberzeuget, durch die Minen, durch die Gebärden, durch Gesicht und Farbe. 
Conscientia mille testes, das Gewissen ist über tausend Zeugen. 

Ein böß Gewissen, ist inmier kranck, ungedultig, nimmer frulich, unge- 
sellig, wiilfängisch , es verun würdiget sich selbst, und zeuget heimlich wider 
sich, wann der Mund spricht ich habe dis und das nicht gethan, ich bin un- 
schuldig, ich bin kein Dieb, kein Mörder, kein Schinder und Geitzhals, keine 
Hur und dergleichen; so spricht das Hertz hergegen ach ja: Leyder GOtt er- 
barms, ich bin es nur allzugewiß, und noch mehr darsu, ich hätte diß und das 
verdienet, wann man es wüste, und also gehts. 

Der Mond leogt, 



II, St, 11. 



Das Hertz lODgt, 

Aller Gott schweigt 
Biß EU Heiner Zeit. Juseph tliut Recbt, ar IKasct licli die 8ohmeicbe)-Wofl. 
die Dtsu-Wori, den politischaa 13rief, die Cracadil- oder vielnirbr geile Hann- 
ZHhraB der Belichu nicht bdliüren , er ist taub vor ihrem SeuRtieo ond ubIm- 
«eglicb inm Unrecht thnn, ilamaib stehet er auch aurrecht und aDrersagt Ki 
jedannan. Joseph fürchtet sich niubl, ob ihm gleich alles den Todt drtuci, 
Joseph scheaat sieb nicbt, ob ihn gleich manches wird eiueu gamligen Hnreti- 
Togol und Polipbars Ehren - ScbAuder gebcisseii und in die Uant geworffen 
haben. 

Er bat recht gelhan, 

Was gehet ihn die SchmÜhung an? 

Endlich doch, , 

Ward ee noch. 

[H i, 568. K 2, 566] Gott, deiaeo Wort nicht leugt. 

Wann schon alles schweigt, 

So kommt er und icugt: 

Ua kommet alsdsna bcratis: Tfaue recht, und scheu niemand. Es gibel 
noch iuimer einen aoffrichligcu Dnnicl, oder eonsten ein rcdliehea Berti, duicli 
Qoltol Schickung ab, [wanu man ihm nur rorhcro ä^f, ccrtraucl hat] wcichei 
das Unrecht nicht dulden kan, und das Recht an Tag bringt, wann man schoii 
meinet, es schweige offi alles, so müsli-n die die WKnden reden, und da* Seel» 
der untergoi ruckten wundcrharlidi nn Tng bringen. 

Der Seliohl bayde Cammer- Jnngfeni und Auff^vIrteriDtien aind ea, daaa 
Buch die Asenatb, ihre b&sle Gespielin eine rornehme und hohe Dame, wdcks 
■u deß Josephs Unschuld sengen, nnd dieaelhig« an Tage bringen. Hent n 
Tage, bähen gemeiniglich die Frauen olft solche AnflVIrte rinnen nnd Geipie- 
len, die da ihre Schelmenstflcklein und Huren-PüKlein, viellieb«- befOidan 
und vermunckelen helffen, nnterweilen auch ein wenig Enpeln, anff dem BiBi- 
lein lauffen, Brieffgen bin und wieder (ragen, diesen oder Jenen OalaMB 
grUasen, und ibm bedoaten , wann der Herr nicht in Hanse ist, oder lonat Ak 
gesobSfftig erweisen, daß es wol bftsser tflgte. Damit sie dann auch ao et«» 
neben her, oder einen Strich ans der Pfannen zum nschspitien an statt diB 
Confects, (wann die Rands -Hochzeit rorbey ist) mit bekommen, den Hnra 
gefallet dann der Handel wohl, ja, daß sie erst wieder ihre Franens Zeagea, 
oder nach ihren Tod deren Btflcklein an Tag bringen aolten, du lieaaea aie wol 
bleiben. Acb da selige fromme Frau, [dftrff wol manche aageo] wie in einem 
nnscbuldigcn und üblem Verdacht wärest du gewesen f Soll. Aber hier nicht 
so. Die jonigen, welche der SclichB am nKcbslen gewesen, ja umh nnd bey ihr 
waren, müssen durch Gottes Schickung tu deß Josephs Unichnld aengen. War 
solle es doch anch wol am bSsten ihun künnen? viel wissen beut m Tag aiM 
Sache ofl't bttaser und sagcns doch nich, weilen aie entweder. Dicht aam ZeogM 
berufen werden, oder, wann sie ja der Warbelt la Steuer etwa* lengen MÜen, 



n, 5, 11. 609 



•ich dieweil anß dem Staub maohen, kranck stellen, nioht daheim Beyn, oder 
gar Aber Land Terreissen. Ein onBohnldiger frommer Joseph, mag alsdann 
aeben, wie er aaslanget. 

Aber sehet doch was Gott thut, der will, wann gleich die Menschen 
nicht wollen, und wann sie es also meinen, so machet er es aoff ein andere 
Weise. 

Da stehet der Oberste Kfichenmeister deß Pharao, ein Königlicher Mi- 
nister, ein Mann von Anthorität und raison, solte einer diesem etwas wider- 
apreehen? der nicht seines gleichen wäre? Er führet eine wichtige Klage, Jo- 
seph der Ehren-Suhilnder und soholdige an seines Weibes, einer hohen Damen 
[H 3, 569. K 2, 669] Tod, Joseph der Huren-Bab, und ungetreue Haußhalter, 
Joseph der Sklav, und Leibeigne, eine solche That begehen? Joseph der Dicnst- 
bott, Potiphar der Herr? und ein grosser Herr, Joseph mufi sterben, Joseph 
ist des Todes würdig, würde mancher Potentat seinen allgetrenen hohen Mi- 
nister BU lieb, Ehren, und in Farör genrtheilet und gesprochen haben, was 
liget an einem so armen Hunde, die Sache ist klar, man muß die Anthorität 
eonserriren, und ein Exempel statuiren, damit das Lumpen-Qesind eine Furcht 
habe. Aber nein, weit gefühlt, Pharao, swar ein Heyd, aber doch ein gerechter 
Richter, der will so plump und bitt nicht hinein urtheln, (wie es wol öffters 
gehet,) Zeugen her, heisset es, daß man auch probiere, ob dem also sey. Er 
bat Tielleicht gehöret: Daß auff zweyer oder dreyer Zeugen Mund alle Sach 
bestehe. Demnach so will er auch sehen, und eine Probe thun, wie die Sache 
durch Zeugen heraus komme. 

Aber sihe da. Die Mttgde, zeugen wider ihre Frau, und können doch 
nichts destowenigor getreu dannoch heissen. Potiphar der Leicht- und Seicht- 
glanbige, welcher den Joseph durchaus tod haben weite, hatte sich nicht nur 
selbst sum Hanrey, sondern auch zum Lügner vor der Königlichen Banck ge- 
machet Und Selicha, (welche man vielleicht viel bftsser die unselige hätte 
nennen mögen) weil sie keiner Ehren, ja deß Lebens selbst nicht, auch bey 
ihrem Loben würdig, muste auch erst nach ihrem Tod Spott und Schande, 
ihrer begangenen Lasterthaten haben. 

Dieses sind die weise Führungen und Regierungen Qottes, er will kein 
Unrecht ungestrafft, und keine Rechte Sache unbelohnt oder berechtfertiget 
lassen. Er publicirot seine Urtheile, vor aller Welt Deme nach, so thue Recht, 
mein Christ, und scheu niemand. 

Recht thun , erhält ein guts Gewissen, 
Dessen war Joseph beflissen. 

Wie das Exempel von ihme vor aller Welt am Tage liget 
Noch eines scheinet allhier fast nötig angemercket zu werden. Joseph, 
das Vorbild unseres Heylandes, und Welt -Erlösers, hatte in seiner höchsten 
Bcklagung, zu Errettern und Zeugen seiner Unschuld, noch Weibesbilder, 
und zwar ein paar Dienst oder so genante Cammer- Mägdlein. Aber unsrcm 
Heyland in seiner Passion, schienen etlicher massen sie fast widrig zu seyn, in 
deme auch ein solches Paar schlampichter Dirnen, nicht nur als frolockend in 




Rbrp«T-B<>^ b«ba. ZmuIm thma i»m &A H a lMf i . ih vaa m nk 

IMr1(ib«iH*nft-TMM, sM|l(UbtaM<Ug«'fr>i*xrf»tK*^'^*«'- ^ 
wtr «anni hicrro» nietit writUaSg oMUbfMbaB, odir ye B » w d t 
0«K«alull dar >ll«ii ati<l ntniaD Ze-il an lim iiiiiwifcii. vtQw d»ck £■ Wa 
ilmllnb tm Tage ligit, wicwol uob m «Dm ZcilcB dcA Ümknata ■?— 1»^^ < 
untor dam gal«n WUtKcn Miwmd die DJM, Tluar, J e B c h a. J e—Kl , Q 
illi* iiii Mod-Ulnlwrin, und rjat mdefe lolehe« Ocalnu oad Ermata oüt wi 
•DiTgsiraetMni. 

Ho «ist («7 nur hier geredet tind ■ngemerekcl. tob der L'naehaU J«m 
<taa«an aiilTiicbtlge geiiiae Dieiut« iing«chcateii Becfat thnn, imd guten 
»il»nn , a'ivli der allociitnn Ilifff- Riilliing und SuLiekuDg Gottn, wider 
HanMbao oAnali bAt«* Torbabcn. In gleieb« Uatcri, wird lieh TiaDaebt 
wtnlg biMar Ihtdan, wteb die Vontellang ddt Wan OewiMena boMan 
md «kanotn laaaen, tn di«i«« mal laaaan wir ei b«]r diaami ScblaA 
waadan, 

Ho bracb dw Joiepbi Vo schuld an«. 

Et lieble ibn dei KOnigt Uanß, 

Hcbau Gottea Scbickung hier mein Cbriel, 

Wie ot «o Wunder- niglich ist. 

Und wie or strafft die Hinterlist, 

l>obnt such, daß du nnscbuldfg but. 
Vgl. s. 703. SOS. 



n, 5, 13. 811 



gieng die Königliche Krönung fort, bey welcher unter 
lodern Zierlichkeiten diese nicht die geringste war, daß man dem 
neuen König, nach dem man ihn aoff den Thron gesetzt, sein Haupt 
mit dem Diadema geziert und mit Überreichung des König8(abs 
den Namen Pharao gegeben hatte, auch des Reichs Sigill an Hals 
henckte. Wie dann noch heutiges Tages bey den Königen in Persia 
Ibiich. Als solches geschehen, ruffte Pharao in seiner Majestät 
sitzend den Joseph zu sich, welcher mit den allerwolslindigsten 
Geberden vor ihm niederkniet. Pharao sagte: Wir haben dir des 
Reichs Siegel samt allem Gewalt anvertraut, derowegen wird dirs 
Uemit solenniter übergeben. 

Nähme darauff die güldene oder vielmehr Edelgesteineruc 
Ketten, an welchem das Siegel hienge, vom Hals und henckte es 
dem Joseph an, sagende: Gleich wie ich fürohin Pharao heisse, 
ilso seist du künftig Psonthom Phanechon genennet werden. Be- 
leisse dich derowegen deiner Weißheit nach, so regieren zu helf- 
'en, daß weder die Götter noch die Völcker dew Egyptischen Cron 
in uns etwas zu tadelen finden mögen I 

Gleich auff vollendete Crönungs-Ceremonien hat Potiphar der 
}briste Priester von Heliopolis seine Wunderschöne Tochter, die 
in vergleichliche Asaneth, dem Joseph in Gegenwart des Königs 
md aller Reichsstand öffentlich vermählet, ohnangesehen diese 
leyde niemal kein Wort mit einander geredeL Es geschähe aber 
iarumb so schnell, damit man beydes dem Volck und dem Joseph 



1 Mithin] XH Das XII. Capitel. 

Juseph die Königs Gnad wendet wohl an, 
Lohnet [H Lohet] Masai, der ihm gots getban. 

[U 2, 571. K 2, 571] Mithin. 3 nach] Z8 anch. sein [X 722] Hanpt. 
l Diadems] XH Diademate. 5 anch] 8X nach. Sigill] 8XH giegeL an] XH am. 
13 an [d 164] welchem. 14 ssgende: [Z 172] Gleich. Orohin] UH hin- 
iiro. 19 hat] XH hatte 21 Asaneth] XH Asenadi. 22 ReichKrtiod] 
!!Lli Keiclisst&nd zugleich auch öiFentlieb mit 



■.1^ 




wtjWj WM ich kf 



GOTT «aM^ 4n ick 

Dai« kNM keUfai Hd bey 

i0 wiD ich Ar fer», vie idb gen 

f» bU& idb ^ n haben DigntileB bdbiBEck se;m 
■ichf, io wiD idb dich mü Zehr- wd Terehmf 
de& 4« safriedea fefs solkft 

Die Treahertzigkeit Jofephs gefiel dem JI«d beser, absi 
•sgebottene Gsid seibcten. Er sagte: Uebeter Herr, desMB dja 

M Nre ErkäntaäG meiaer wenige« Dienste Terbind mich eben 
hoch, demselben trenlich m dienen, als nöhtig mir ist, die gni 
•nerbotteoe Gnad and Gntthalen mit nnterthäniger Danckbnrl 
anznnehmen. Mein Herr schaffe mit mir nach seinem gnnfi 
Belieb<:n, weil mein gehorsamer Vorsatz ist, ehender in sei 

«I Diensten zu sterben, als außerhalb denselben groß zu wen 

• 

6 diit [Z 173. o l^ij\ BeicIugeichJlifte. % CarmTUi [X 723] tuo. 16 i 
iitttnl i mAin#;n. 17 dir] H dir heate. (Ui [H 2, 572. K 2, 672] ElcDd. 18 EI 
Ho in dem Jakobflliude: 

W«r das elent bAwco wel, 

D«r heb sich auf nnd sei mein gesel u. a. w. 

CJhUuids Yolkslicder 1, 798. \V. Wackernsgels deutsches lesebuch 2^ 
10 wart, IZ 174| biß. 2o Dig[^ 166]niUlteo. 21 VercliLiuig] XH Ve 
runf OB. 27 Onad] H Gnaden. 30 denselben] H derselben. 



n, 5, 12. 813 

HiMen ich deiuielbeii unterthinig versichere, daß ich fesliglich 
glaube, mein höchste Glückseligkeit bestehe darinn, wann ich mei- 
nen Herrn getreulich diene, Weil ich gewißlich weiß, daß mich 
die unsterblichen Götter zu sonst nichts, als za seinen Diensten ge- 
ft widmet, wie sie dann auch ausser ihme mir kein Guts wiederfahren 
la lassen, vor langst beschlossen haben. 

Demnach wurden dem M usai der Seliche, ietzo der Asaneth 
beyde Kammer-Jungfern, so damahls nach altem Heidnischen Ge- 
braueh eine grosse Ehr war, vermählt und ihm zugleich Josephs 

> Hanßhaltung samt der Wissenschafft und Erkintnüß des wahren 
einigen Gottes anvertraut. Also daß ietzo Musai beym Joseph war, 
was hiebevor Joseph bey Potipham, denr gewesenen Königlichen 
Küchenmeister, gewesen. Joseph selbst aber behalff sich allein 
nil seiner lieben Asaneth, wie wol alle andere grosse Herren zur 

» selbigen Zeit gantze Kuppel so Ehe-, als Kebs- Weiber zu nehmen 
pflegten; Welches ihm nicht allein bey der Asaneth ein grössere 
Liebe, sondern auch bey ihrem Vater und allem Volck ein grosse 
Gnnst brachte. 

Von dem an beflisse er sich allein der Reichsgeschifften und 

> liesse den Musai sein eigene Hanßhaltung verwalten. Er kleidet 
sidl nach Königlichem Befehl in Purpur und reiset Egypten durch 
ud durch, an beqvemen Oertern Fruchthauser zu bauen und Ge- 
traid aufzuschütten, ohne daß der gemeine Pöfel wüste, zu wel- 
chem End solches geschähe. Die Fruchtbare Jahr erzeigten sich 
fo reich und überflüssig, daß kaum Komschülten genug vor den 
König gebaut werden konten, alles Getreid, so Joseph zusammen 
brachte, in Sicherheit zu bringen; Andere aber, so der Egypti- 
adien Fruchtbarkeit alle Jahr versichert oder vielmehr gewohnet 
waren, gedachten nicht daran, was dieses neuen Regenten Begin- 
nen bedeuten möchte, weil sie Jährlich ein gut Emd zu hoffen ge- 
wohnet hatten. 

Also baute Joseph fort und fort Komhiuser, kauffie Gelreid 



4 gevic'Z 176 meL o wiederfafares [i 167J xu- T AftauetL; XH Amc- 
nath. 8 damahlB [X 724] nach. 9 eioej XU ein. 14 AaaDetb] XU AMuaib. 
16 pflegun] X pflegen. JUasetbj XU Aaenatfa. 20 Muaai (Z 176] ktii.. 
22 and [l lUi] Cvjth. 3:3 FvftV IXH Pvbel. I^ die|U -z.bi'ö. K 2,J7^iä*^. 
30 gut] XU gute. 




Va4 «piell« Miff «U« 1 

tUitLt-Hilkx, »ts weiebe da luMBfr n « 
& iw4ii« «M w«« Or4«w»f i« fMl«» L*a4e, 4a& aoBlich 
1 L>«i(i«»tr»ff mU^ die geriAKCi« Frftdrtot, w der Metifdi geait 
k'«»lu Hiiil «i'b ■uini«i>*;ii li«>ti-a, vor dtiVieke verfattert, Soh 
»IWr DbiirHuO in ile« ÜAu'mt Scheurcn, dereo er ini Königi 
gsnUK Nufriulit«« lie»u, uinb Landlitiffigen und zwar dunals 
wulfmleri fraill gitlißfrurl werden musten. Dardarch bracbl 
lu nuliuii ilen Kitniit Hellen Praclilun oder tiüldfrüchten id den si 
fruclilliirtiM Julinm ein Mulchu Mungo von allerhand Getreid 
Mmiiinn, iIhI^ niHii ijHnU Ugypton lialbElen hoch ilamil übersIr 
inflgun. llingDiftm iibür tlohoii die Künigliche Scbäiie at», 
diili soliier kein Kleinod «der elwus, das ScUzamktril oder A 
II halhur luiph gumihAUl wurde, geichnoig« der Ging und 6 
Mtuleu, mehr übrig vt*ft>li<'bf. L iid wie Joseph de» hiünif 
«ule, nUu liHUtut hingegen Uuiai dvm Juseph und s«la«ni Sek 
VHlvi', dum ullen Hohen - l'riostvr Pullphar. 

Ituuial hielte iodennan, dem die Kroctiltiarkeü ErvfriEB 
»II kaitt war, dtu Bei{iiiiien ihres Psunlhom Phanechons tor eta < 
l'hiirhi^il. 

ib, «■( k» <lw gMwiM Fdfol Mtor aich aollMtom, wir w 

g«ra wboa hwI erhdiett, n ww Snd dar Köaig ssaHr iHri 

R«i«ha Sukilt« dureh di«sa* froMdUag dai gM i ri t wmhtoi 

^ Kr vwiaeint gewißlich, dw Nürs warde aaßtnckiMB 04er 

HiauMri wt)rde d«ai Krdratob seiae FracWiarheit artrinh— 

Aadera alwr sagten: Br tut vioUeicM im Sbb, ScUäaaaa 

VrtNUiHi aoffkalMte* hmI die ManreB aa statt Steia, äaad 

KaIiAk iHit tietr«id aa laaubaa, danit oaaa ia Zeil dar Faaikeit i 

tu der uuuöluigea ^ofat voa dea Wäadea i?Umag nakaaaa höaaii 

>iovh waren andere, die schertila« hütaisdi, laaa naiate I 
habea, dte dtA tield wieder tiater daa gtmamim 9ani Iwiagaa 
wöeht« s«Mi^ vieilekbt ia des Köat^ SchattltaBBer versporea. 



, . ,. ._,„.__._._. :M(Xrasf 

a auliichuuj äXÜ urislitBU. 1 1 vinj Xü eioo. 19 [Z 178) DubaL iS t 

[4 1 :uj U». l'oMl äXa rubel. 39 Kalolui dX Kalctu. 3u kOwMl 



n» 5, 13. 815 

die Reden des Einen und des Andern lieffen so seltzam unter ein- 
ander, daß es endlich zu einer Rebeilion hinaus geloffen wäre, 
wann die wolfeile Zeit nicht bald auffgehöret hätte. 

Aber schaue I Urplötzlich erschiene Mangel, sonst nirgends 

5 als an allen Orten, Welches ein schröcklicb und sonst allerdings 
angewöhnlich Ding im Land wäre. 

Ehe aber solche Theurung einrisse, hatte GOtt den Joseph mit 
tweyen jungen Söhnen, nemlich dem Manasse und Ephraim, ge- 
•egnet, welche ihm zu Ehren also genennet wurden, weil ihr Vater 

u yermittelst dessen Gnad seines überstandenen Leids nunmehr ver- 
gessen und wieder in seine vorige Freyheit gesetzt war. Derselbe 
hatte seiner Gemahlin die Warheit von dem einigen ewigen GOtt 
so wohl als seinem Musai offenbahret, welche ihr Vater, der Obriste 
Priester Potiphar, vor manniglich als eine hohe Geheimniß ver- 

u borgen hielte, damit solche heilige Wissenschafft nicht unter das 
gemeine Voick käme und also die Perlen vor die Sau geworffen 
würden; Dann damahl war der Gebrauch, daß man das VoIck im 
Gehorsam zu behalten, mit Abgötterey, falschem Gottesdienst und 
Aberglauben abspcisete. Derohalben gewan Asaneth ihren Joseph 

90 ie linger ie lieber, so wol darumb, dieweil er sie zur Erkintnüß 
GOttes gebracht, als auch, daß sich ihre Reichthumb und Barschafft 
wiederumb mit tausendfaltigem Wucher gleich im Anfang der 
Theurung vermehrte, welche Musai aus Befehl Josephs in der wol- 
feilen Zeit umb wolfeile Fruchten zu solchem End außgesäet 

15 hatte. 



1 Andern [Z 179] Heften. 4 erschiene [d 171] Mangel, sonst [X 726] 
nirgends. 7 [H 2, 574. K 2, 574] Ehe. 9 also] 8XH so. 16 k&me [Z 180] 
und. 19 abspeisete] 8XH abweisete. Asaneth] XH Asenath [8 172] ihren. 
25 hatte] XH hatte. 

Joseph, regieret mit Verstand, 
Ihm geht Musai auch zur Hand, 
Obs gleich der Pöfel nicht Terstand, 
Und ihm Tiolleicht die Ehr nicht gunt, 
Doch ward sein Weißheit nachmals kund, 
Dmm zähme man den Klaffer -Mond, 



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n, J, 11 



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n, 5, 13. 819 

an seinem Leben , als Egypten an seinem Wohlstand zu schaden. 
Deßwegen seyd ihr her kommen und nicht, Früchten zn kauffen; 
Fort, fort mit der Lampenbursch I man setze sie dergestalt, damit 
nan aller Gefahr vor ihnen versichert seye ! 
• Ruhen Hesse sich so geschwinde nicht erschrecken, sondern 

that mit samt seinen andern Brüdern einen demütigen Fußfall und 
sagte: HerrI die Ungleichheit unserer Angesichter kommet von 
Ufern unterschiedlichen Müttern her, welches mit nichten hindert, 
daß wir nicht eines einzigen Vätern, und zwar eines solchen ehr- 
te Hohen Manns Söhne seyen, dessen Tugenden, fromme Au&ichtig- 
keit und namhafftes Vermögen weder seinem Edlen Herkommen 
noch der Zahl seiner vielen Kinder etwas bevor giebt. Wir seynd 
ali aaff einen freyen Marckt hieher kommen , wie andere ehrliche 
Kauffleute, der Gutthat Pharaonis zu gemessen, welcher, wie uns 
la geaagl worden, auch den wildesten Barbaren Getreid ums Geld 
sukommen lässt, Stehen derowegen in unterthiniger Zuversicht, 
mein Herr werde uns gleich andern Frembdiingen solche hohe Kö- 
idgliche Gnad neben der Freyheit, die allen Kauflleuten gegönnet 
wnrd, auch gnadig gedeyen lassen. 
■o Joseph antwortet: wie döriR ihr euch doch einbilden, den 

jenigen zu betriegen , dessen Augen die unsterblichen Götter er- 
leachten? Seyd ihr wol so kühn, mich eines Irrthumbs zu be- 
acholdigen, wann ich sage, daß ihr boßhafftige Buben in der Haut 
aeyd? Wie könt ihr mir das jenige laugnen, daß ich an euren 
la Stirnen angeschrieben sihe, Nemlich diß, daß ihr entweder ein 

m 

groß Schelmenstück begangen oder, eins zu begehen, noch im 
Sinn habt? 

Als Musai ihnen diese Meinung vorgehalten, zumalen vom 

Joaeph einen Wunck bekommen. Sagte er ferner als vor sich in 

aa Chaldeischer Sprach: Mein Herr redet warhaiRig und nun sehe 

ich, daß ihm die unsterbliche Götter nichts verbergen. Dann ich 

weiß mich zu erinnern, daß ich euch mehr gesehen, nehmlich vor 



1 seinom [o 178] LeboD. 3 der [X 730] Lumpenbursch. 4 aller] ÖXH 
allerhand. 5 [H 2, 577. K 2, 577] Raben. 6 Fuß[Z 187]fall. 7 anserer] 
X unser. 9 nicht] Z mit. 16 nntertbAniger] H nntertbftnigster. Znver- 
[fi 179]8icht. 21 er[Z 188]leuohten. 25 sihe] SXH sehe. 20 Wunck] $XH 
Winck. 81 onsterbliche] XH unsterblichen. 

52» 



n, 5, 13. 621 

Nach dreyen Tagen liesse er sie wieder vor sich kommen und 
hielte ihnen vor, daß er von seinem Dollmetschen verstanden, was 
nassen ihr Begehren wäre, man solte iemand auiT ihren Kosten mit 
ihnen in ihr Vaterland schicken, der die Warheit ihrentwegen er- 

ft kundige; solches aber wäre ihm ungelegen, vornemlich, weil er 
Dolmetsch hiebevor selbst gesehen, daß sie einen Jüngling ver- 
kaafft hätten , derowegen er billich auch in Sorgen stehen müste, 
sie möchtens dem jenigen, den er mitschicken würde, nicht viel 
besser machen; Doch weil ihn dasselbe, was sie sonst gehandelt, 

m nichts angehe, so begehre er sie auch deßwegen nicht zu recht* 
fertigen, sie könten ihn aber auch nicht verdencken, wann er 
ihnen solcher That halber desto weniger trauete; Wann sie aber 
ja ein so gerechte Sach hätten, wie sie sagten, nnd von ehrlichem 
Verkommen wären, so selten sie ihren jüngsten Bruder, welchen 

m sie ihrem Vorgeben nach daheim beym Vater gelassen, mit ihnen in 
Egypten bringen, dabey wolte er abnehmen, daß sie wahr gesagt 
Mlten und ehrliche Leut seyen; Indessen aber, biß daß solches ge- 
•cliehe, wolte er einen aus ihnen biß zu ihrer Widerkunfft bey sich 
lom Pfand behalten. Er liesse auch gleich zu solchem End den Si- 

M meon vor ihren Augen hinweg nehmen und ins Gefängniß führen. 

Da erhub sich erst ein grosse Klag unter ihnen. 

Merckt ihr, sagt Ruhen auff Hebreisch, daß die billiche Räch 

GOttes, so wegen der schrecklichen That, die ihr an unserm un* 

schuldigen frommen Bruder begangen, über uns kompt? letzt 

ift könt ihr Augenscheinlich sehen, daß wir seinetwegen gestraft 
werden , indem wir darnmb vor unehrliche Leut gehalten werden, 
weil ihr ihn verkauiR habt Acht das GOtt erbarm! Hab ich euch 
nicht genug abgemahnet und gewarnet? Nun so die göttliche 
Straff, so selten außbleibt, euch überfällt, sehet, so muß unser 

90 unschuldiger, ehrlicher, alter Vater, so wohl als ich und Ben* 
jamin, mit euch eben so unscliuldig leiden, als billich letzt Simeon 
gebunden wird, weil er hiebevor den frommen Joseph aus eurem 
Befehl auch solcher Gestalt gebunden. Die Brüder ängstigten sich 

* 

1 [ol82]Nacb. kom[X 782]meu. 2 Dollmetschen] dXH DoUmetschcr. 
3 Ko[Z 191]8ten. ö er] $XH der DollmetBcher. 12 aber] XH aber so ein 
gerechte. 16 ab [$ 183] nehmen. 18 Wider[Z 192lktinm. 25 ihr [H 2, 579. 
K 2, 579] Aagenscheinlioh. 32 wird, [8 184] weil. 88 &ng8tig[X 733] ten 
sich [Z 198] so. 



so selir, heuleten und bereueten ihre Mißhandlong dcnnassen, < 
Josepli aus Brüderlichem Mitleiden und eing^epflanlzter Liebe t 
lies Weinens kaum enthalten konte , sondern sich von seinen tr 
rigen Brüdern begeben niuste, als ihnen Buben eben wieder 
G Hertz zusprach und segle, Die Rea wäre zu spal und dem fti 
men Joseph damit wenig gebollTen; sie sollen derowegen di 
Heimsuchung GOtles mit Gcdiill übersieben. Andere, so dam 
ihnen zusithen und ihre Sprach nicht verstunden, vermtfinlen, 
qvälten sich nur umb den Simeon, den sie gefangen hinter!« 

10 muslen. Demnach gab ihnen Musai von allerhand Gctreid zu kt 
Ten, so viel sie vpolten und fortbringen Konten, und stieß iec 
sein außgegeben Geld wieder in seine Sack, wie ihm Joseph 
fohlen hatte, wonnil sie sich dann aulTden Weg machten^ Sim 
sber wurde im Gefängniß leidenllich gehalten. 

■s Sie erzehllen zu ihrer Heimkunlft ihrem Vater alles, was j 

mit ihnen in Egyptcn begeben, daß man sie nemlich vor Kundsch 
ter und Verrähler gehalten hätte und was sie deßwegen vor 
Accord mit dem Königlichen Verweser eingeben müssen; aber 
dem, das dorlen bekant und ihnen vorgeruckt worden seye, i 

H massen sie hiebevor einen Jüngling verkauiTl, wuslen sie fein 

zu schweigen, mit Bilt, ihr Vater wolle doch den Benjamin o 

verweilt mitschicken, damit sie bey Zeiten mehr Gelreid twkom 

and den Simeon ie ehender le besser wieder erledigen raöcktei 

Dem Jacob aber geßel der Handel gar nicht, vorneBlkA 

t» ieder sein ausgeben Geld wieder in den Säcken gefonden. 

Ach) sagte er, diese Ding geschehen mit einem g«flhrlicl 
Auflsatz, mich umb meine liebste Kinder voBeads zu bringen. I 
Joseph ist euerthalber umbkommen, den Simeon habt ihr vielle 
durch Unvorsichtigkeit verschertzl und nun woll ihr mich auch 

(0 Benjamins berauben, damil ihr meine graue Haar vollendi in 
Gruben bringen mdgel. Ich will eher des Simeons manglen, * 
wohl mir dessen Gefängniß teid ist, als den Benjamin in Gel 



9 Simeon] ZS Simon, 12 seine] iXH «einen Sack. 18 d*nn] fehl 
15 [8 165] Sie. m] SXH bey ibrer Heimkiion [Z 19*] ihrem. 26 kuagtii 
3XH außgeeeben. deii] SXH dem Kaoke. 37 liebtte] tXH Uebo. 30 1 
jk[e 186. Z 196|[niii9. 31 GrufX T34]ben. leb — maDglon) feUl • 
3S Gefahr] XH Gefnlir eben ao eu «eisen, [H S, 5B0. E i, ÜBO) d 



n, 5, 13. 823 

setsen, deMelben aoch beraubt zu werden. Hauset derowegen, 
wie ihr könt I ich schicke einmal den Benjamin nicht weg. 



3 weg] X weg. 

Schant was die Brüder -Lieb yermag, 
Folg jeder hier dem Joseph nach, 
Und hOg nicht eigene Räch in sich, 
Ea martern die Gewissens -Stich, 
Schon gnng die Brüder inniglich. 
Er stellt sich wilder als er war, 
Beleidigt keinem doch kein Haar, 
Nur dnrch Versnchnng prüft er sie, 
O schöne Christen -Tugend -Blüh. 

HK weg. 

8o klng nnd scharffsinnig auch der Mnsai, deß Josephs Schaffner gewesen, 
00 wäre er doch noch nicht so gelehrt, daß er sich im Zorn mftssigen, und vor 
eigner Räch beafthmen kante. Znmalen er das Lento gradu ad Vindictam noch 
nicht practiciret hatte. 

Den Zorn zähmen, und gütig auch gegen die Ärgsten Feinde seyn können, 
ist ein Werck, eines hoch weisen Mannes. Seyd langsam aum Zorn: rermahnet 
und mff'et Paulus an seine Zuhörer. Ein mancher hätte gedacht, jetzt habe ich 
die schönste Gelegenheit von der Welt, mich an solchen rerfluchten Mörders- 
Dieben oder Blut-Hunden, [wie sie Musai nannte] zu rächen. Joseph aber thut 
ein solches nicht, lasset auch nicht zu, daß es von andern für ihm geschehe. 
O schöne Himmel-Tugend! aber ach O seltene Christen-Tugend. Schlag den 
Hund nieder auf meinen Kosten, schonet auf keine Weise, auch deß Kinds im 
Mutterleib nicht, er hat mirs auch also gemachet, wieder rergelten ist nicht 
rerbotten, es muß gerochen heissen, so saget der Weltling heut zu Tage, aber 
weit gefthlet Rächet euch nicht Selbsten meine Lieben, sondern gebet Raum 
dem Zorn Gottes. Erinnert abermahl der Apostel. 

Kein grösserer Zorn ist, als der Brüder -Zorn, Esau, wäre hefftig über 
seinen Bruder Jacob entrüstet, deßgleichen auch Cain über Abel, [wie wohl 
unbillich] und deme nach thut derselbige viel klüger und verantwortlicher Tor 
GOTT, welcher solchen Zorn yiellieber verhüten nnd unterhandeln, als an- 
flammen und aufblasen hülfiet Ach, ich habe diesen nnd diesen, sur revange 
beredet, [sagt mancher Narr,] diese Kunst kan der Teuffel auch, er wird aber 
deßwegen ein Stöhronfried , und der Satanas oder Widersacher genennet. Der 
sonst kluge Musai aber, wäre zu solchen Begütigungs- Werck noch nicht klug 
genug, und hatte^deß wegen die bäste Gelegenheit auch von Joseph hierinnen 
gelehret und in der Versöhnlichkeit unterwiesen zu werden. 

So ein abscheuliches Laster und Übels Thun, es aber um den Brüder- 
Zorn und Each-Eyffer ist, so ein Himmel - schönes Kleinod ist es auch um die 
Bruder-Liebe und Versöhnlichkeit derselben, Joseph weisset es hier, and giebet 



n. », IX 



^ BcfipU Blia BaetgMWf Zorm^nt^m. »dl^tmtm MnM*Bri« 

«•Um. Di« mm « Amm sackaMka.Ma «m* ■• t^MBA ««■« 
«TS mOc. 

Wi< Saknteh *>na Bicfct DwM a4 JmiAh, ■« |«{H >, ML ■ 1, 
M « Ami B. OdM »o ««U, da« « m hm Doik-Ba^ ■■fiiii*»wl 
Wb ^rBmIWi 'M» LMh «&4 AbnhM*! b ät ■> b« Ekm VMh 

CkfMw ito« »ft «a BfM«- M VOMMkl mrf «MniMA. 4>i ta «M Siftai 

in I III nun Mi it^TTitiiiT riMiiiiitihriiiii ftiTn irm ■■inn>w< 

aKbnflu% «ad tahMÜK. HMmi Hu Ri.lei-Katna, «c ^ goM vm 
tmi alWa UiM Bit GritAMln äfft MfirieUai aaJ ■ 



nillKIWir (b«B UsMB. Afcar (hat er äa «»Ickea? icb ■ 
■Sballflb, J«a«ph tot nlU-gltig «ad aiclii Zornolbtig. 
D«roh»lb*n: 

8«baat wm die BiUcr-Uifc ****^ 
Folg jader Uer den Joaaph aaek. 
Und b&g niclit eigne RaeL ia licfa. 
Es nartern die Ocwiaeeae-Btiek, 
' BoboB gnog die Brflder iaaiglieh. 

Er itellt rieh wildei als er war. 
Beleidigt kdaam doch liein Haar, 
Nar darob Vermchting prüft er ue, 
»cbeDe ChriBten-TDgBDd-BIflh. 



n, 5, 14. 835 



Solche Meinung bestund, biß die erkaoffte Früchte fast aller- 
dings aaffgezehret und kein Mittel da war, dergleichen ander werts 
her, als ans Egypten, zu bekommen. Da stunden die Söhne Ja- 
cobs wieder an ihrem Vater, sonderlich Rüben und Judas, und 

5 führten ihm zu Gemüth , was Nutzens er dann draus haben würde, 
wann endlich Benjamin so wol, als sonst alle seine Kinder und 
Kindskinder müsten Hungers sterben ; Man sehe ja ihrer aller ge- 
wisses Verderben vor Augen, dem sie keines wegs entrinnen 
würden, wann er nicht einwilligte, daß Benjamin mit in Egypten 

10 zöge, als durch welchen man allein die versprochene Früchten zu 
wegen bringen könte. 

Wilst du dann, liebster Vater, sagten sie zu ihm, den Ben- 
jamin nur darumb bey dir behalten, damit wir alle verderben sol- 
len? Sihe, in dem daß wir seinetwegen Hungers sterben müsten, 

15 80 kan er selbst gleichfals dem Tod nicht entgehen. Auch wird 
Simeon nicht darvon kommen, welcher ohn Zweiffei wegen unsers 
Außbleibens und daß wir nicht Glauben gehalten, von den Egyp- 
tiern erwürget wird. Schlage doch das Ungewisse, dessen du dich 
befürchtest, auß dem Sinn und gedencke, unsem gewissen Unter- 

30 gang vorzukommen! Seye nicht wegen eines Kindes Lieb ein Ver- 
tilger deines gantzen Stammens und Namens! Gedencke, wie sol- 
ches vor GOtt zu verantworten seye! Man muß Benjamins Heil 
und Wolfart GOtt vertrauen, welcher ihn so wol auff der Reiß und 
in Egypten, als daheim beschützen kan. Wolte ihn aber GOtt wi- 



1 Solche] XHK Das XIV. Capitel. 

Jacob will Benjamin, ron sich nicht lassen, 

Liebt ihn wie Joseph glöich ähnlicher Massen, 

Biß daß die Söhn den Vortheil ablassen [HK abfassen]. 

solche Meinung Jacobs deß alten Vatters, bestund. 4 Jadas] H Juda. 
9 würden] fehlt dX. 10 mau [Z 196] allein. ▼erspro[H 3, 583. K 3, 683]- 
üheue. 12 Benja[i 187]min. 16 komlX 78ö]men. 19 nnsera] ? nnserm. 





würde er 



der VerbofTen heimsDcheu , 
Schoß nichl sicher seyn. 

Mit solclien und dergleictien Worten, 

Furcht des vor Augen schwebenden künl 

endlich Jacob bewegt, den Benjamin milzu» 

>, so gut er konte. Vor Gelreid gat 

damit sie beydcs das empfangene und das, ai 

ten, bezahlen künten. Er versähe sie auch 

Joseph damit zu verehren, daß er ihnen de 

11) da bestunden in Sachen, so Canaan hervor 

seilen waren, Nemlich Balsam, Gewurlz, S 

geD und Honig. Also fertigt er sie weinen 

wol hundert guter Segen nach. Die Söhne 

mert umb den Valer, als er iimb sie, weil 8) 

lA sich wegen ihrer Hinreiß so sehr betrübt 

Hertzenleid darüber kranck werden und 

sterben möchte. 

Sie langten glücklich zu Thebe an und 
hausung ein, damit sie vor allen Dingen mi 
10 sich wegen des Gelds, so sie wieder in ihri 
schuldigen möchten. 

Hein Herr, sagten sie zu ihm, wir h 

wir neulich umb Früchten gaben, wieder 

gefunden, Seynd derowegen hier eingekel 

15 erBtatlen und zugleich enrem Printzen etli 

gen wegen unsers Valtern zu überantworte 

Musai sagte, was das Geld anlange, 
erinnern, daß ers in seiner Kechnung jema 
Verehrung belrelTe, könten sie solche bey 
w überreichen; indessen wolle or ihren Br 
kommen lassen, weil er sehe, daß sie ihr< 
sieb bitten, weßwegen jener da behalten « 



I h(umia[Z l9T]chen. 4 künffiigen |E 186] B 
10 bMlnnden) X iMstiinde. 13 gater] SXH gi 
30 »ieh) fehlt H. Geld», [i 189] »o. t1 urMarf; 
SXH gtmisiet. 39 betreffe] Z beiteflY. kam 
sa it] H Torbebklien. 




n, 5, 14. 827 

Joseph war damals in des Königs hdchsien Gnaden, weil er 
nichl allein dessen Reich vor allen benachbarlen Völckem in Wol- 
stand erhielte und die Unterthanen yorm Hunger errettete, auch 
die Königliche Schitse durch seinen weißlichen Fmchthandel reich- 

5 lieh yermehrte, Sondern auch wegen anderer seiner verwunder- 
lichen Tugenden. Der König wüste nicht zu ersinnen , wormit er 
slfdi doch nur danckbar genug gegen ihm bezeugen solte. Nichts 
•nterliesse er ihm zu gefallen zu thun, nur daß er ihm nicht die 
Königliche Cron auffsetzte. Er sagte offt zu ihm: Nun, Psonthom 

10 Phanechon, öffne uns doch, wormit wir deine getreue Dienste ge- 
nugsam vergnügen und erwiedem mögen, damit wir der Undanck- 
btrkeit nicht beschuldiget werden. 

Josephs bescheidene Antwort lautet aber gemeiniglich also: 
Mein Herr , der König lebe lang , aus welches Müdigkeit ich zu 

IS dessen ferneren Diensten mehr als genug vergnügt lebe! 

Kein Minut vergieng, in welcher er nicht einen Gnadenblick 
vom König erhielte, und hingegen verfloß kein Augenblick, in 
welchem nicht dem König, seiner Schatzkammer und dem Reich 
durch Josephs Weißheit etwas guts widerfuhr. Der König hat ihn 

90 so reich gemacht und dergestalt erhoben, daß ihm mehrers zu 
thun nicht möglich war; Hingegen tfiat er gegen dem König und den 
Unterthanen durch seine Vorsichtigkeit so viel, daß man von einem 
Gott, geschweige von einem Menschen, nicht mehr bitte begehren 
ndgMi. In Summa er war des Königs Augapffel und zugleich der 

S6 jenige, der seinen Beschützer beschützte. Die Moren und Araber, 
so den Vorrath des Egyptischen Getreides durch Krieg mit Gewalt 
wegholen weiten, hat er so weißlich umbgeführt, zum Theil er- 
schreckt und zum Theil so künstlich gelenckt, daß sie nicht allein 
kein Schwerd nicht zucken , sondern noch vor ein Glück schätzen 

so musten, wann man ihnen das umbs Geld zukommen liesse, was sie 
zuvor durch Waffen zu erobern im Sinn hatten, dadurch dann die 
Schätz Asi« und Afric® in die Egyptische Schatzkammer zusammen 
flössen. Also daßEgypten damals seines gleichen Königreich weder 



1 [Z 199] Joseph. 4 reichlich [d 190] vermehrte. 16 nicht [Z 200] 
üinen. 18 welchem] Z welchen. 19 hat] H hatte. 21 war; ß 191] Hin> 
gegen. 28 genchweige] $ geschwiege, begehren [X 787] mögen. 27 ao] 
fehlt dXH. 81 erobern [Z 201] im. 



828 n, 5, 14 

an Macht der Mannschaift oder Geldmitteln noch ProTianl ; 
Welt nicht hatte, ond solches alles wnste er Tor dißmal so« 
mand , als seinem Psonthom Phanechon zu dancken. 

Ich will aber hiervon nichts weiters melden, soDdem i 

5 len, wie Joseph seine Brüder tractirt habe. So bald er vom 

nach Haas käme, meldet sie Musai bey ihm an, mil Berichl 

sie neben etlichen Geschencken , auch ihren jüngsten Bnid< 

sich gebracht hatten. Joseph setzte sich an seinen gewöhi 

Ort der Verhör, welcher von Gold, Perlen und Edelges 

10 schimmerte. Er Hesse seine Gebrüder vor sich kommen, and 

dem sie ihres Vätern Gruß, Item ihre fernere Werbung, da 

ihnen mehr Getreid zukommen lassen wolle, samt den ^ 

rangen abgelegt, fragt er sie, wie ihr alter Vater noch leb 

ob diß ihr jüngster Bruder seye. Nachdem er nun genug 

IS Bescheid darüber empfangen, sagte er: GOtt thut Vorseht 

allen Dingen und hilSt denen zu aller Zeit, die sich aaff ihi 

lassen. Und demnach ich sehe, daß ihr eines ehrlichen 1 

Kinder seyd, so sollet ihr nicht allein heut seinetwegen an i 

Tafel gespeiset werden, sondern auch des Getreides halber 

M Bitt gewehret seyn. 

Hierauff entwiche er schnell, dann seine Thrinen wohl 
nicht mehr hallen lassen. 

Bey der Nacht- Malzeit brauchte er eine Tafel von ah 

Ruaduag. Er selbsteo sasse oben an seiner Liebsten der A 

ts linckea Seitea, an seiner lincken Hand aber sasse Raben bi 

die andere Brüder nach ihm heramb, wie sie in seines Vatai 

la ailtea pflegten , also daß Benjamin an seiner Liebsien r 

la sitzen kam. Musai aber^ der die Stell eines Von 

logleidi eines Dolmetschen verträte, befand sich 

den Söhnen der Liip und der beyden Magd Söhne 

■icbis« was zu einer Fürstlichen Tafel gehörete 

■OS lauter Gold und Silber speiset, Also daß sici 

gar way oeyn liessea. «eil sie nicht wüsten, was man 



4 [l I9S. H J. 654. K r. 6S4 Ich. !3 Virri.fZ .'«slrixngeii. 1 
m oK I» »oadtra [t 190] ascb. .o |X T.^^] Btv. 24 Auof ib] X 
Mh. » V«it(Z ^>$]K^scidir^ It* D.lxLC^beK] SH Dol«: ct^^bcn. i 
M Ui. Vty^m] XYl ht^tz Magd. 52 ipci*ei] XH ipcUetc. 



n, 5, 14. 829 

Morgen vor ein Zech machen würde. Sonderlich wurde dem Ben- 
jamin Ton der Asaneth wol zugesprochen , welche sich glückselig 
schiUte, daß sie ihren Schwager so nahe bey sich hatte, ihme 
gnts zu thun. 

s Joseph redete nicht viel, nicht zwar sein Ansehen zu erhal- 

ten, sondern weil er sorgen mnste, das Weinen und Reden möch- 
ten ihme zusammen brechen, ob er gleich sonsten in allen Pillen 
eines grölten und ohnveranderlichen Gemüts war. Mosai aber und 
Asaneth unterhielten die Brüder, deren Gesprich von nichts an- 

it ders handelte, als wie betrübt sie ihren allen Vater wegen ihrer 
mid sonderlich des Benjamins Abreise zu Hauß verlassen, als wel- 
cher diesen am hertzlichsten liebte. Endlich als ihnen die Köpf 
vom Tmnck etwas erwirmt und sie vom Mnsai angestimbt wor- 
den» bejanunerten sie auch den Abgang ihres Brüdern Josephs und 

»liefsea Wort laufen, daraus abzunehmen war, wie ungern ihn 
ihr Talter verlohren und daß sie seit seines Verlosts in ihrer Hauß- 
haltang wenig Stern gehabt bitten, weil ihr Valer nunmehr die 
gairtie Welt nicht mehr achtete. Asaneth erfrenete sich treflich, 
daß sie so viel Tugendliche Verwandte an ihrer Tafel hatte, und 

to honte schier nicht gbuben, daß so ansehnliche tapflere Leute ihren 
Liebsten hiebevor so verrihterlich verhaullk haben solten* Endlich 
■achle sie den Schluß bev ihr selbsten, daß sie von *der Gottlichen 
Uem gemässigt worden waren, daaüt Josephs Tngen- 
Weit ofenbahr und so wol sie, ab das Egyplische 
darch ihn erhalten würden. 
Joseph dorfle, wie geaieldt, nicht viel ant ihnen reden, er 
hMe sich ihnen dann offenbahren wollen; solches li^^ei tr^t^Xt 
5ach gccadigteai Xaehtimbis fvon weichem alle eiklen, 
damit er »ek nicht «erriethe. Asimetti aber, damit üt 

m ihn Terehraagen, §o sk ihren Schwägern gehen woHe, noch ver- 
fertigen Innen. Hnsai, itL er sews Herrn Befeh! zn Werck 
rkhft, mid e*d£«h JMcphs Brider. anf di£ sw ihre BoL öesto 



y AMBiS» XH i-^nx-j. :' Ec [Z M-ii HasI 14 hrMxz 
[H •. »5. K l. i*^j .'iiwyw. :' "H ;V. -I W-^^. ;i AMOrtü, XE Aa« 

a» AmmUI ZH AnaflCL. i^ .iMMa., k k 




n, 5, 14. 

früher angeben konten) kflndel ihnen Hnsai n, diA die A 
schon gemacht wäre, ihre Sack mit Getreid xa fallen, du 
■m Morgen frühe abreisen könlen, weil sein Herr verspfihrt 
daß sie wegen ihres Vätern heim eilelen; Auch hätte ihn 
i Herr befohlen, sie sollen ihren Vater sein^alber grOne 
ihm wegen der geschickten Geschencke dancken, mit An^'b» 
wann er vor sich und die Seinige kQnfftig mehr Früchte bed 
ny, selten ihnen solche unverweigerlicb vor andern ( 
Rußgefolgl werden. 



1 kflodU] aXH kündiget. 2 ihre [3 196) fitek. 3 ! 
nige) iXH SeiaigSD. 9 werden) X werden. 

JoMph liebt aeiae Biüder Doeb 
Gtatint, nnd rcnacht tio dodk, 
J*gt ibnen Frend und Furchten ein, 
WeÜ aJe «• beydea würdig sejm. 
Zum Denokmal ihrer b&tea Art, 
Eh ei *ioh ihnen offcntuhrt. 
Damit «le durah ihr Ungtlilok, 
VergeMen loleher BoUieJM-Tfick, 
Dnim müde man die Bnbaoeteck. 



Waa di« Saufflmitih und unrachgierliche VenShnliohkeit , fDi d 
Ta(Mkd tef , iit aas gegen «inigen Capitel (u «neben. Qer Brflder-Z 
hafftig« Zoni, Joieph, der beleidigte, wie icbCn gehet er mit aeia«a I 
dgan Brfldcrn um? GOTT hatte Um erhöhet, und «ein Elend angeaeh« 
r Herr, die gern hentefaende BrQder, nnaten ihn bitten nW 
(wla««U BMb «nbc&andtct Weise.) Maneber bitte gedacht, Jetit will i 



n Oelatea Sebol, wird dieaa 

a[BS,Ue. Ka. ö8S]i 

ütik, Mid glcieb alla lod habao wfl), wann man Ihm irgend eiomal a 

lala aeraMteit, oder ein wenig beleidiget hat. O aohCne Bimmela- 

■ •Tvgndl 4ah daft diea«r Joaeph, dieaea autflbnBt 

* Hara, dMfa kastn Tage vid aolohe Naebfolget in der C 




n, 5, 14. 



Jagt ihnaD Frend und PnrohttD ein, 
W«ä IIB ei bejde« wflrdig aofn. 
Zum Denakmkhl ibier bOaen Art, 
Eh er aieb Ihnan offenbahrt, 
Damit als durch ihr UDgelBok, 
Tergaaaan aolcher BoBbalti-Tflck, 
DnuB meida man 




D, it i^ 



Wie nun jedermati schlaffen wir, steckte Hsiii eioea 
sein Geld wieder in Sack, dem Benjimin aber det Joiephi T 
geschirr darzu, wormil sie, aobald der Morgenatem im Oalei 
fürflackerte, gleichsam singend davon zogen, weil iie ao wo 

ft Simeon nts den Benjamin, vor welchen ihr Vater so hertxUcI 
getc, mit samt einer so herrlichen Anzahl Getreides daher 1 
ten. Aber.Sommer bolz Glückl Ihr Prend w2hret nicht lang 
Husai eilet mit seines Herren Leibqaardi, welche in vie 
zwanlzig Reutern einer Liberey bestünde, hernach und erta] 

II eben, als sie umb den Mitlag bey einem Waiserfinfi fSttertei 

Kotia, ihr leichtfertige Dieb, achrie er sie an, tat d 

Danckbarkeit, die ihr meinen Herren vor seine erwiense G 

eigt? Hat euch euer Vater gesdiickt, den jeiUgen i 

stehlen, der euch su freundlich gaslirt? Oder isla der Gel 

IE in eurem Land, daß man eliiliche Lent, die iemand so gill 
bewirtben, so belohnet, wie ihr tbnl? Gesdiwind gebt u 
Dieb samt dem Diebstahl wieder her«»! oder wir wollet 
alle inil einander auff der Stelle niedersebela 

Mein GOtt! antwortet Buben, was bedent das? wir 

K sich verhalTentlich nicht anders gehalten als wie redliche Bid 
kAnne-n auch nicht ersinnen, was die Uraach eines solch 
schwinden Überfalls seye. Sein Herr hat ans gestern ala d 
Lent befunden und als liebe Giat gnidig tradirt; wir holn 



XV. Ca^td. 
Uaud enehreckct die JoMpba-Oabifldei, 
t'a4 brinect «iifG ncaa in AengiUa ■» wiedo-, 
DaA iJi ihn Freude flyil plBlilick dmmiadcr. 

im««. XTMIWI«. 1 in] tXH in dou SiB)SXHin. 4 wobtj I 
Ibqiurdl] < UiU|v.r^r. llILültqurdia. 9 Baoteni |S I »TJ elDc 
hMtondcn. 11 OUb])XHDi«be. 16 wie [ZSOIJibr. 19 [H 
10 Mokj iSH NM. It übwbUi) XH VaUlh. 



II, 5, 15. 833 

• 

mermebr, daß er uns ietzt anders suchen oder finden werde*. 
Mein Herr verfahre doch sachte, biß wir wissen, was sein Mtii- 
nung isti 

Schaick, Bösewicht und Dieb seyd ihr, antwortet Musai. Ihr 
ft habt meinen Herren bestohlen und ihm sein liebstes Kleinod, nein- 
lieh sein Trinckgeschirr entwendet, wormit er zu weissagen pflegte. 
Ach schämt euch, ihr leichtfertige Leut, daß ihr so gar aller euch 
erzeigten Ehr , Gutthat und Gastfreygebigkeit vergesset und euch 
mit einem solchen schändlichen Diebstahl bedecken möget! Pfui, 

10 ihr Schelmen! ich hab doch gleich am erstenmahl meinem Herren 
gesagt, was ihr vor liederliche Kunden seyet. Kein gut Haar ist 
u euch. Warumb hat er euch doch nicht damaht gleich alsubald 
allsammen an den Hechten Galgen lassen auifhancken? so wären 
wir und unsere Pferd ietzt der Mühe, euch nachzujagen, überho- 

i& ben gewesen. 

In Summa Husai wüste sich so erzörnt zu stellen und die 
Sach 80 grausam zu machen, daß den Söhnen Jacobs alle Haar gen 
Berg stunden. Doch waren Ruhen, Judas und Levi so lapifere und 
in aHer Gefahr so gehertzte Männer, duß sie gleichwohl die Sach 

to noch nicht verlohren gaben, sondern sagten dem Musai unters (je- 
sieht, wann er etwas hinter ihn zu suchen befugt wäre, so solte 
ere gleichwohl thun, sie aber unterdessen ungeschandet lassen. 
Jn, die gantze GesellschafTl der Brüder wurde endlich so kühn, daß 
sie selbst den jenigen in Tod verdamten, hinter welchem ein Dieb- 

KS SinU gefanden würde, weil sie sich alle sicher wüsten. Als sol- 
ches beyderseils angenommen ward, fände Blusai den Becher end- 
lich in Benjamins Sack, den er Selbsten zu solchem End hinein 
gesleclEt hatte. 

Da sabe man Wunder, wie die verlast^ene und überzeugte 

M Hebreer ihre lüeider zerrissen und ein Jäinmerlicbes Leider und 
Hadonay-Geschrey anfiengen. Aber dem Husai gieujtrs zu einem 
Ohr hinein und zum andern wieder heraus. Er Hesse einuiahl uifii 
Benjamin binden und nacher Thebe führen, wiewol er ihn wegen 

1 werde. [2 198] Mein. 2 pvLl] XH hvin« . 4 M'l] öXH l>j«1.t. ^ fc:i,»i^. 
[X 741] Ehr. 9 Bchand[Z SJ-'i^Jüchni.. lii üii-Pii'iu'.-i ] '- Klizu^umiir^u. 
ItXH. 19 Ge[e l99]fAhr. geleruvtj iXH hrl^-rj/'.-.. :i Ik" | '-XH iiii.ti. 



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feblt 



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23 wurde] 8 worden. %h gefiiu[Z it'VJütJi.. miJ lili* '- 

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834 



n, 5, 15. 



seines Herren viel lieber geküsl htilte. Zu den andern tber 
er: ihr mögel eures Wegs fahren, wohin iiir wolt, dann vte 
weder meinen Herrn noch sanst icmHnü beleidigt, wird man 
fluch nicht mit den Schuhligfen slrwllen. Aber dieser Dieb 

i noch heal hangen, damil er morgen den König selbsl nicht 
beslihiL 

DaraufT machte sich Musai und Josephs Leibqvardt mit 
Benjamin durvon, die Hebreer aber stunden dort und schlage 
Hgnde öbern Köpffen zusammen, daß es wohl ein jänimerl 

n Anblick anzusehen war und ein Stein hätte erbarmen mögen, 
lieh paclen sie auch aiifT, ht^rnach zu folgen, des Vorsatzes 
ihrem unschuldigen Benjamin zu leben und zu sterben, we 
ohne ihn vor ihres Vätern Angesicht nicht mehr zu erscheinei 
trauten. 

i Ihnen wurde gegönnet, vor den Joseph zu kommen, wc 

in gewöhnlicher Herrligkeit sulT seinem Stuhl sasse, darauff 
allen vorkommenden Gegebenheiten Verhör nnd Rechtlichei 
scheid zu ertheileu pflegte. 

Musei stunde da als ein Kläger wider den Diebstah) dei 

schuldigen Benjamins, des Beklagten Brüder aber beten amb ' 
weil sie sonst nichts anders vorzuschützen vruslen. Sie 1 
xwar seiner Unscliuld so weil, daß Benjamin zu keiner Uid 
anfferzogen worden wäre, genugsam versichert; wer hütt 
aber erkühnen dür^'en, beydes Klägern und Richtt;rn, in m 

h Gewalt sie waren, Lügen zu slralTen, sonderlich weil der' 
stahl hinter ihm gefunden worden. 

In dessen aber fiel Josephs Bescheid allem Ansehen md 
gerecht, nemlich datj Benjamin als ein Thätcr wie vin offisal 
und überzeugter l>icb mit dem Strang vom Leben zum Tod gl 

n lel, seine Brüder aber, die sich als ehrliche Leut an nJemiiid 
grilTen, unter Königlichen Paß und Celeil frcy, sieber und l 
hindert samt ihrer erkaulH«» Wahr wiedemmb nach HauD 
vwmgen setteo. 



iht Moh] «XU Aoob 
ij danron. 



in. «[ 

»Mi 



II, 5, 15. 835 

Mich wundert selber, wie Joseph damal seiner Brüder Wehe- 
muih ohne Vergiessung der Zähren ansehen und ertragen mögen, 
dann es war nach ausgesprochenem Urtheil ein solch erbärmlichs 
Spectacttl an ihnen zu sehen, daß es auch ein Diamantines Hertz 
6 bitte erweichen können. Etliche rupflten Haar und Bart aus, an- 
dere aber zerissen ihre Kleider zu Fetzen und thaten , als wolten 
sie Tcrzweiffeln; Judas aber erklarte sich, vor den Beklagten zu 
fterben, deme der ehrliche Ruhen nachfolgte, über laut auff He- 
bräisch auOschreyende: Ach Joseph! umb wie viel seiiger bist du, 
10 weder wir! Ach du seyest todt oder lebendig, so bist du doch 
des Schmertzens überhoben, indem du nicht weist, daß dein Bru- 
der so unschuldig eines so schändlichen Tods stirbt. Ach Jammer! 
wehe! du elender alter Vater! Ach Jacob, wie schelmisch wirst 
da deiner liebsten frommen und unschuldigen Kinder beraub! ! Ach 
IS wer giebt mir, daß ich von deinetwegen vor sie sterbe? 

Ja, er wand sich hin und her und that nicht anders, als wann 
er TOD Sinnen kommen wolte. 

Joseph aber sagte zu ihnen: ihr werdet weder mich noch die 
Egyptische Cron einiger Ungerechtigkeit nicht bezeihen können, 
so dieweil ich ein solch Urtheil gefällt, das die Billigkeit selbst und 
def Laudes Gesetz erfordert. Ich zwar hab euch zu eurer ller- 
fanfl als mein eigne Freund und liebste Gast empfangen; Ich hab 
eodi Gelreid folgen lassen, wie ihrs nur begehrt, ich habe euch 
■I aetii und meiner Gemahlin Seilen über meiner Tafel gespeiset 
m vad euch solche Ehr enniesen, die ich wol sonst manchen Fürsten 
■kbt bitte gedeyen lassen. Ja, überhaupt da\on zu reden, so 
ich gegen euch Fremdlingen mehr gethan, als meiner Hoch- 
EMlebet, eiaefli Iniindischen widerfahren zu lassen, nur dar- 
I, diewail ich vemonmen, daß ihr einen ehrlichen alten Vatter 
Aber ■■■ sehet, wie habt ihr mich so schändlich betrogen 
Mm reden, wie habt ihr meiner Gnad und Gutwillig- 
gelobaet? Noch dannoch so lasse ich euch alle , die 
ieh «Mchddif nieya vemeiBe, firey ledig außgehen, will euch 
KömgUchen Geleit sicher heimschaffen ; aber der Dieb, 



4 «lipMilartngw. 6 ms, [X 74Sj auderc ih[Z2U'jre.. ]6 w&od 

^ 18 «cr[e»D3]dei. 19 bueiben; 2XH bcsrrp-L 
~ biy. U Geleh [l 204] sieber. 

53* 



636 I(, 5, 15. 

so mich lieslohlen, muß hangen, und sollen seiner Hils tan 
seyn, ilaiin es isl nicht Herkommens in Egypien, solch Laster 
gesIralTt hingehen zu lassen. 

Also siellele sich Jost'ph, den unschuldigen liebsten Br 
i 2u slralTcn und Hie Schuldige, so ihn hiebevor beleidigt, fre 
gelmn. 

Alle zehen Brüder lielen vor ihm zur Erden nieder, al 
seine Rede geendet halle. Judas aber, ein ansebnlicher Mann, 
das Wort und sugio: Herr! dein Urlheil ist untadelbafft, du 

10 auch den Gewall von Goll, solches zu roliziehen; Aber, gnid 
Herr, wisse, daü du zugleich unsern alten unschuldigen Vi 
mit dem schuldigen Thtiler lödtesi und also den Schuldigen i 
dem Unschuldigen umbringest. Mein Herr kan ermessen, 
Herlzbrechend ein Vater von seinem liebsten Kind solche Zeü 

lA vernimmt. Wann er selbst anders bereits ein Vatter worden 
Wir zwar werden sieh nimmermehr unterstehen, unserm V 
den Tod ßeiijamiits zu berichten, dieweil wir nichts gewis 
wissen, als dal> wir ihm mit sulciier Post zugleich das Leben i 
men werden. Darumb so erweise doch deine Barmhertzigkei 

»' onserm alten lugeuiireichen Valer, wann du ie unsem Bruder s 
Bleu deren unwürdig zu seyii erkemiesi! Deine in den Lim 
erschollene grosse Gnud und Gütiakcit, durch welche du die V 
ker in dieser ihcuren Zoit beym Leben erhaltest, würde vor 
> ollknmmen geschätzt i« erden , w ann du Eines L'berlrellung fai 

» zween lödlc^l. und zwar einen solchen Eiirlichen alten Mann, < 
sen Tugenden iiichl weniger, als sein hohes Alter, Vem-unde< 
und aller Ehren würdig. Was Lob, gnädiger Herr! wird es 
bringen, wann man sagen wird, du hättest unsem Valter i 
durch deine Gutthal vorm Tod des Hungers errettet, aber faen 

M durch illiuscbarfre Folg der Gerechtigkeit ihne zu einem viel 
bärmlichem Sterben befürdert? Wird solche Nachred nicht 
Kuhn deiner GottUligkeil verdunckeln? Welcher löbliche Xi 
rahn dwr to gig w i daalo Glorwürdiger in aller Welt auß geb 



e rieh) SSH uu. i; 
wuerm] Z unseren. 34 E 
18 iraiiD] SXH wenn. St 



n, 5, 15. 837 

tat iirird, wann du unserm Bruder Gnad erweisest, sintemal man 
alsdann wird sagen , du habest beydes das Leben geschenckt und 
erhallen. Eya, gnädiger Herr! erbarme dich über unsern un- 
schuldigen Vatter und schencke ihm seinen Sohn wieder I Will du 
6 aber ja , daß der Gerechtigkeit und den Gesetzen des Landes ein 
Genügen geschehe, so mildere dein gerechtes Urtheil, also daß 
unser Bruder in ewiger Dienstbarkeit verbleiben müsse! Alsdann 
80 nimm mich oder ein andern aus uns an seine Stell an ! Ich zwar 
als ein starcker Mann will dir besser, als dieser schwacher Jung- 

10 ling, dienen können. Ist aber die StrafT mit Geld zu büssen, sihe, 
Herr, so wollen wir, was mir vermögen, daran wenden, damit 
wir durch unsers Bruders Leben auch zugleich unsern Valtem 
vorm Tod erretten. Herr! gebrauche dich deines rechtmassigen 
Gewalts zum Heil der Armen, die dich so flehentlich darumb anruF- 

15 fenl Durch Gutthat näherst du dich zu GOtl, und ie grössere 
Gnade und Barmhertzigkeit du uns Elenden erweist, ie mehr machst 
da dich GOtt gleichförmig, welcher dir solche edle Tugend, darumb 
wir und unser alter Vater GOtt fleissig bitten wollen, wohl beloh- 
nen wird. 

fo Wie kan ich den Unschuldigen straiTen und den Schuldigen 

ledig lassen? sagte Joseph. Ist euer Vater ein so Tugendliebender 
Mann, wie ihr vorgebt, so wird er wohl zu Frieden seyn, wann 
die Lasier an seinen ungerahtenen Kindern gestrafft werden. 

In dessen konte Rüben nicht auOhören zu schmehlen und sei- 

ta nen Brüdern die That am Joseph begangen aufzumpflen , welche 
nichts anders, als Heulen konten. Al$ er nun muthuiassete, Jo- 
seph würde mit seinem Urtheil verfahren, sagte er zum Joseph: 
Herr ! ich hab dir den Becher gestohlen und denselben unserem 
Bmder heimlich auffgesattelt, in Meinung, ihn also unvermerckt 

ao davon zu bringen. Darumb so straffe mich und lasse den unschul- 
digen Jüngling laaffen I 

Da antwortet Joseph : so muß ich beyde auflhencken lassen, 
damit ich des Rechtsehnldigen nicht verfehle, denn hinter jenem 

2 ali[X 745Jdaiiii. 8 Eja] dXH Ey ja. 9 schwaüfaerj XH schwache. 

15 Tattorn] 8 Vater. XU Vatter. 14 an [8 207] raffen. 15 ni[Z 217]hert$t. 

16 nad] fshlt 8XH. erweiBt] 8 gewelBt 27 seinem] Z seinen. 28 dir] fehlt H. 
P 108. Z 216] and. 88 des [X 746] Rechtsehnldigen [H 2, 591] 

lWprf|Ml]Mk. 




838 n, 5, 15. 

ist der Diebstahl gefanden worden und dn hast, den Diebstahl 
than zu haben, selbst bekant. Der Haler ist so gut, als der Stel 
Da brach ihm doch sein Hertz , daß er sich nicht länger i 
halten noch einig Wort mehr reden konte, ausser daß er i 
6 seine Leut mochte abtretten heissen. Als solche hinweg, fienj 
inniglich an zu weinen und sagte aulT Hebreisch zu ihnen: 

Die Tugend und Gottesfurcht, die ihr neben der Lieb zu ea 

Bruder scheinen lasset, ist grösser, als ich mir eingebildet 

Ich bin Joseph euer Bruder, den ihr den Ißmaelilen ¥erk) 

10 habt, und hab wollen erfahren, ob ihr auch mit dem Benjai 

wie mit mir, handeln oder ihn sonst in Nöthen verlassen wc 

Weil ich euch aber redlich und aufrichtig gegen ihm zu sejn 

funden, sehet, so vergeh ich euch alles das jenige, wormit 

euch wider mich vergriiTen zu haben vermeinet; Dann ich 

tft dessen nunmehr genugsam versichert, daß euer böser Rathscli 

mich zu verderben, nicht aus Trieb angeborner bösen EigensrI 

entsprungen, sondern durch die Göttliche Vorsehung also Yerc 

not worden, damit ich zu dieser hohen Würde gelangen und i 

und die eurigo in dieser grossen Theurung erhalten möge; ^ 

K» derowogcn« daß keiner von euch der vergangenen Zeil nnd 

ihr gethan habt, anderer Geslalt mehr gedencken, er wolle i 

H GOtt darumb dancken, daß er euch den EinfalK mich zu verk 

V* fon« in Sinn grgoIuMi habe. Daß mein Vater noch lebe, hab< 

^; bon'iu von euch mit hertilichor Freud vemonmen; derow< 

;^ n j^>l!cl ihr morgen nnvortüglich w iederumb za ihme ziehen und 

^iTkuadon« was ihr tH^\ mir ^^ehen und gehöret habt« daa 

.■ .* «ich wegx^n c^er« lanirva AoßMoiboas nicht sehr bekumiDere« i 

d^m »«^ wqs>Ni aMHncf Wolfahrl edreneo iM^fe. 

Ak rc $)i4irb<rs $«$a$t« hat er seine Brider nach eioai 
u fmfpUi9igm «Ml ii wi d ec tkl i de« Bet^Aaiin hertzlich geküssel: 

f ie ^p pa m skh selber, daß sie mit ^ 

R in dq a s^^ nhei gehandelt hinen. I 

MT «arMUk« als IMm md Beniunia; Jm^eph aber trüstel 






II, 5, 15. 839 

übrige und sagte, es solle sich keiner der geschehenen Ding mehr 
erinnern, weder sich damit zu betrüben oder deß wegen sich zu 
schämen noch sich darmit zu erschrecken. Weil alles aus gnadiger 
Ordnung und Vorsehung GOltes geschehen wäre; Sie sollen viel- 

6 mehr frölich soyn und sich seines Glucks IheilhafTlig machen; Aus 
demjenigen, was er ihnen und den ihrigen guls zu thun gedächte, 
würden sie ohnschwer verspühren, wie grundlich er ihre Miß- 
handlung vergessen halle. Aber seine Gulwilligkeil war ihnen ein 
innerliche Pein, also daß sie schier nichl auiThören kunlen zu 

10 schluchsen, biß sie endlich Joseph damil slillen musle, als er sagle. 
Wann sie zu weinen nicht auifhörelen, so müslo er daraus abneh- 
men, daß sie darumb sich übel gehüben ^ weil sie ihm sein Glück 
und Herrlichkeit mißgönnelen. 

In dem kam die holdselige Asanelh mit ihren zweyen jungen 

ift Söhnen, ihre Schwager willkommen zu heissen, welchen sie zu- 
gleich zwölff Feyerkleider, nemlich dem Benjamin zwey und sonst 
iedem eins zum Willkomm verehrte. Nur diß manglet ihr, die 
Fread über ihre AnkunOt genugsam zu bezeugen, daß sie nicht 
felbst mit ihnen recht reden konle; aber ihr ällisles Söhnlein Ma- 

so nasses wusle gar arllich zu dolmetschen, als welches einen eige- 
nen Priceptor halte, die Hebreische und Chaldeische Sprachen zu 
lernen. Kaum halten sie ihre neue Kleider angezogen , da folgte 
der Imbis, und zwar viel Fürstlicher, als den vorigen Abend; dann 
als Pharao erfuhr, daß Josephs Brüder ankommen, hat er nicht 

•6 allein viel Speisen und köstliche Getränck, so vor seine König- 
liche Tafel bereitet waren, sondern auch seine Musicanten hin- 
fchicken und dem Joseph sagen lassen, daß er seinen Brüdern zu- 
sprechen wolle, seine Königliche Begnädigungs-Traclamenlen frö- 
lich SU geniessen. 

w Dieser Potentat erfreuele sich rechtschaffen, daß ihm dermal- 

eins die langgewünschte Gelegenheit zustünde, dem Joseph zu 
weisen, wie danckbarlich er seine gute Dienst erkennele. Und daß 



1 fibrigej dXH übrigen. 2 weder] Z wegor sich damit. dXH weniger 
dAmit. 9 innerliche [H 2, 692. K 2, 592] Peio. daß [Z 221] sie. 10 schluch- 
sen] 8XH sohluckaen. 11 auff[d 211]höreten. 14 Asaneth] XH Asenath. 
17 WiUkomm] dXH WUlkommen. 23 der] XH die Malzeit, dann [Z 222] alti. 
25 Getrlaok] 8XH Gktrincke. 27 Jo[8 212]Beph. 30 [X 748] Dieser. 



640 



n. 5, ifi. 



er sich nichls Itcsse tauren, wann er nur wüsle, M) 
Josephs angenehmen Gefsillen angewendet wörde. Er 
sUein ellicbe Wagen roll allerhand Proviant, sonHem i 
und güldene Geschirr nnd andere köiUtdM Sadwa 
ft aepbs Brüder und soinen Vater damit ni besehende«, 
auch die Anordnung, dai^ zwölff Renter von «eis 
solche Verehrungen satnpt den Söhnen Jacobs oacfc 
t£n tollen. Den Jacoi> Selbsten wänschte er viel 
•Is er war, nur darnmb, damit er ihn dem Jofleph n B 

1« Gefallen reich machen könte. Indessen ließ Joseph sarh 
ter wegen, seinen Brddem gütlich in Ibnn und sie leäne 
keil and Hochheit sehen und geniessen zu lassen. 

Zur selben Zeit war schier kein HanG in Egypl««, jß 
kein Zimmer, in welchem nicht ihres Pärslen 

11 Bildnis neben des Königs zu Knden war, dann en ieder 
lieble drn Joaeph wie den König selbst. De« 
•Bgebomes und erwehlles Oberhaupt, 4e« Pso«lboa 
aber als ihren Vetter, Heiland und EtMler. EtHrke. 
«ea, wie es n «nserer Zeil bey Hoff h er gebet, 

st leidit eubiMea, Joaeph seye ans Eifer oder Hißf^Hl 
kobe« Häa^tw and Porste« 4et ReMn beeidigt 
weit g«f<-Ue«! Er verliirite sidi CVfC« ie4enu* Jerge li 



■ Kö^ nnr di 



«i««uwd «icbts aadtrs kö«l«, ab ih« Heb habe«. Ja die 
•D iwar daauls. m^« iem fWaineni nr die Ui|1c L 

m Wdt gehall«« mvt4tm. hamm Am mä Yii«Mt««g 








n, 5, 15. 84 t 

gehalten haben, da ich doch billich zn folg einer ordentlichen Hi- 
atori erzeblen solte, wie er seiner Bräder gepflegt , welche ich 
dort beym Wolleben sitzen lasse, als wulte ich ihrer vergessen. 
Damit gib ich aber mein Unvermöglichkeit zu verstehen , ein G e- 

5 Schicht recht ordentlich zn beschreiben. Der Leser mag hiersus 
nrtheilen, daß, gleich wie ich in diesem Stück fehle, also lasse 
ich aach viel andere merckwürdige Umstand aus, die zu der lÜNlori 
taugen, sonderlich viel Sachen, davon die Persianer und andere 
Orientalische Völcker Nachricht haben. Ich gestehe es. Aber whs 

10 soll mir so viel Dings, das so fabelhafflig lautet? Ich bab olirii; 
das aus der Persianer Sachen mehr herein flicken müssen, uln die 
Bibel in sich hält; aber ich hofl*e, ich sey entschuldiget, weil ich 
viel mehr, wu sie vom Joseph und seinem Leben vorgeben, auf)- 
gelassen, als ich beschrieben habe. Indessen bilde ihm der gun- 

15 slige Leser selbst ein, wie es bey Josephs Imbis hergangen seyn 
Bochle! Dann da mangelt nichts, daß man den grösten Munarirhen 
von der Welt zu tractiren sich schämen dorffken. Man fcan ja wol 
gedeacken. daG sie bey dieser schönen Gelegenheit, s«» wohl Pk»- 
raonisais Jacobs Gesundheit getroncken haben werden. Iu*m, nscb 

fo dem die Brndfrr die Herrligkeit Josephs und sein trtnherUiut'% 
Gemüh gesehca, auch durch den Schall der TrumptUm und »n* 
dere Musicalisrhe Seiteiispiel und Ißft1niflM*flle«, geschweige d^s 
gateaTnoKks. de« sie hatleo, uwA der Eztraordinari Fre«d. die 
mm ama ihrer wmi Josephs wonderbarlichen Begebe«kefl schöpffurii, 

m uefBd Masligt «larde«, d«Jj sie oha Zweifel imth ei« erbwe» 
Tiaiul geftaa. daraaff die Juden ohiMr das viel kalieu. I><>'.ii km 
sefi, duB uwk clikk dss tn»dk<« Ele»d irtrwcMieV!« DilfVad*»- 
r, wie CS Möcble hergMtjfesi t^iu bilde ihm eis >Mlif t.w 
miß gut er km oud m^tii Keiuc« IMieirt^ duHi kki in>&t 
f cJ cfcr jftA icm. m iü m4i ;» wtk lucsht »dü^ «ariftri 
dbfi äck aSef w spfet^ifeie luf^tte MtserdM« «ut i*e»>iir*?i- 
r«d fsvBa Mii M^Mi dttbef gfr«^«^ w»4 4di»-ii kl j^»-» 

X Pisinpaw. V ^»mau^ tXIS i»tnn*-il T[ti* t 'iit*M ZJi itu ::.*:?. 

TMÜiickL 21 Mckj H imH. iiTi «m-uc it i:i X T{il; Muiiii'.4ftr. !j4 i.ui 
HKkaacm. TS aaA [£ 'J,.JriMii. tftiioiit uw U 3; l*W -.naiu.«i. ::t iuil 
XHii^ MgipmsOK9397Uitiiid. 




84S n, 5, 15. 

sessen wäre, so hätte ich mich doch ohn Zweiffei so bald, als s 
einer, so blind-Stern-voU gesoffen, daß ich mich gleich des am 
Tages alles dessen, was geschehen wäre, nicht mehr, geschwi 
letzt, da schon über 3390 Jahr seither verflossen, zu erinnern 
5 wüst hatte; Dann ich kenne meine dürre Leber gar zu wol. Diß 
ich einem ieden zum Beschluß dieser Haizeit noch eröffnen, 
Joseph mit seinen Brüdern überein käme, daß sie ihrem Yaler t 
sagen solten, was massen sie ihn verkaufft hatten, dann er sei 
der Alte möchte sonst schellig über sie werden und ihnen i 
> 10 Vätterlichen Segen entziehen; Er wolle seines Orts färbrinj 

nach dem er vom Pferd kommen und den wilden Thieren (so 

seine Brüder bedeuten mögen) entruimen, seye er in der Ißm 

liter llinde gerathen, so ihn in Egypten verkaufft hatten. . 

solche treuhertzige Erklärung stellten sich seine Brüder wie 

15 volle Kerl, die ihre Gutthäter vor Lieb fressen wollen, and weil 

wie alte Weiber. Den hellen Tag, so folgen würde, hatte 

Morgenröthe so bald nicht angezeigt, als die Königliche Besehe 

kungen ankamen , damit Pharao Josephs Vattern und seine Bri 

zu verehren beliebte. Da stunden Wägen, Cameel and Trone 

w beladen zusamt dem Königlichen Geleit zur Reiß fertig, in Cai 

au bezeugen, wie wohl Egyptus dem Joseph geneigt wäre. 

^ ' vom gestrigen Trunck noch damische Gebrüder ersuchten den 

« seph demütig, er weite sich ihres Vattern und ihrer selbst wt 

y, umb solche hohe Königliche Gnad und reichliche Gaben bedand 

f> weil sie als schlechte Hirtenleut mil schlechter HölBichkeit i 

sehen wären und kein Kramanzib machen könten. Er nahn 

• Vorriohtun;;» «iutnillig auff sieb und befahl hingegen seinen Brad 

bevm Frühstück, als er ihnen sein eigne reichliche Geschenck üt 

liefern lie^se, daß sie ehistes wegen der theuren Zeil, welche i 

jK« fünf Jahr tauren \%ürde« mit Vatter und Mutter sampt Weib 

j Kindern zu ihm kamen und su wohl seiner Hochheit sich erfrei 

ab stiiior Reicktiiadi gvnie«$en solten , wordnrch sie dem Huuj 
d«r in aokker Zeil noch viel Lent auffreiben würde, am be 



Vinni «Oli^ I* CMCil! UCH Cwelei». tS TiLd ;^ ^IS* ihrer iX 
1 miHHi TiirtlkaBti ^am] OH teu U k^mtm\ X kC^tea. 



D, 5, 19. 



Aoff Hertt«Bi-ADg«t, Mgt Loit und Fraqd, 
Der JoMpht-BrfidM Traurigkeit, 
Wild MiQgefaebt mit Gnmi und Gniut, 
Und Iieinüich-hei*ui Lieba ■ Bninit, 
Durch JoMpha Wtuder-SaDftniDthi-KnniL 
Vh dicM Tugend aneli mein Cliriit, 
Cod deneke, daA ee löblich iet 

HE fcSoten. 

Wae da« büae Gewiaittn ISr ein oageiider VCaia »rj, nnd [H X,ii9b. 
X St ^^] *it^ <• >■>■' Ben nnd Bangigkeit die Ucniehen abqalle, «eiiel licti 
biet aa dieaen Jocepfas-BrildeTn nacb gentige, m anftnihrJicb, daA «■ fati kei- 
■ar Aat e r ek nng TOnnötben bitte. Docb. un> deren Cainiiiiehen Keid-HSn- 
m«1b gleichvbfalen an weiien, nnd deito UUaci' m GemStli n fflbren, dea 
Sfiepl ihrer TeuSiichen Laitcr, hat man mit wenig Worten aneb einer Erio- 
nemsg nfitbig erachtet. Daa Gewiami [Tentehe da» bQae Gewitneiil iit ein 
amrahiger Zeng, eio Hammer, «elcber iteta an da> Herli klofilTel, eine .leider, 
wclebe nnaere Uutn^nden aniscfaKitaei , und atUKbre^et. Daran bOtc ticb 
darroT, ein jedermaii , und habe Fleifi vitlmebr, daA er ein g«t Gcviaten b«- 
iMhe. Du haute an di«eu Joaephi-Brfideni, iii dieacs, daB lie »veh in «ich 
gnb^, nnd ihre Biiaheit erketmec. 

Tid BoIcl>e rentockte Karren gicbet ei hoot eu Tage, die da geacbniod 
■ieb «dtHt abfaelflsn, nnd den GewiiKu-Wnrm damii enriren vcllcn, wann 
•in dcH H^MikR' äner Mfih eripabren , und lieb »elbrt ani VerrwBiflnng, den 
Loha Haar Terdioiate geben. Bolche« aoll nicht aern, die JoBepha-BrGder, {ob 
ihnn dieaea nicht, »ondera geben noefa GOTT die Ehr. und 
, dw du ein Cfaritt btäat. nnd Ual, »erdi auch dieae 

Auff Hensent - Angtt , fulgt Lnai nnd FrQud. 
Der Joaepha - Bridar Tranriskeit. 
Wild aUlgehebt mit Gnad und Gnnii, 
t}»d hrimlich - beiaae Liebe» ■ Brunat, 
DnfA Joaepha Wnnder-SanfftsiDihi-Kvnai. 
Cb' dioae Tageod auch mL-iu Chiiau 
VaI dnckc. dafi ea löblich ist. 



ob diese seine Reiß Bkhl wUer denen 

iiiiiii er beiorgte, Minea GeioUedit 

'iMrkeit ins kdnBUg so hoch helieiien, 

I (Ins Lind Canaan, so ibnea GOU 

Tsdiiene ihm dieselbige Nicht 

><->mahl mit Nahmen («rnffen, 

i.iiiiiiiili ^eg:enwirt{g seye, ihn und 

.lo!;t'|>li, den Er bey nah« eb«n so 

-'•. Lii'iiiuriit, zu begleiten; bey ihme Jo- 

^itiinlur Zeit mit Tod abgehen and alsdann 

.11 suiuer Vätor BegrAbniß herrlich begraben 

Gesuhlecht wflrde lange Zeit in HerrsdiaR nnd 

L'ii, aus welchem hfinffUg ein FOrat enlipriessen 

luä versproahe» Land mit Kriegs -Gewalt einnehmen 

^ciii des Jacobs Gesrhleciit außlheilcn werde. 

.lü zöge mit slurrltcn Tsgreisen voran and veiUUldlget 

'ieph Keines Valleni Ankuiiirt, deren er sieh höchlich er- 

etjpnd ihm mit FürsUicIiem Pracht entgegen zöge biß nr Stadt 

MUi, da bejdi-^ Jacob und Josepli vor grosser flbermiafiger 

Ml iKhior vergangen wArtin. Das Geschlecht Jacobe verwan- 

'skh nichl so .lehr über die Herrlichkeil und Hochhail Josephs, 

He Bgypiier liber duM ehrwürdig Aller JHcobsnnd die Menge 

BT ensehenlicheii Söbiiv und Gnckcl, durud daauhlen mit samt 

JoMph tind dem Vetter sclbsttm hey siebeniig Seelen bey ein- 

ir waren. Der Putriarcli selbsten war in .so hohem Aller noch 

ilieh vermtiglicii und mit einem Violbraunen Reck bekleidet, 

■ dessen Brost Witt auirden Nabel sich sein SUberweisier Bkirt 

ireilcU-, und weil die Farh sdncK Angeüichls noch ao Lebhaft, 

Lippen mich so rolb und seine Augen noch so klar waren, als 

nt dreiasig - jflhrigen Manns, gab ihm solche eigeoe Zierd ein 

inhiiges Ansehen. Joseph Hesse ihn aufT Miem kAaÜichen 

Asaneth und zwcyen JungM SUioo, Bphraim 



Ufl«inltII1M}aAwtlMik Ift UadptTU]mlt. 

na.. M Knakal] H&>g«l, n «bt-[B\M1. 

I»l YMbnuHD. . «B dn [Z SSI] HaM. 



und Hanasse, sachte hernach folgen, er aber ritte aaff st 
Hand-Pferilen mit fünif seiner Brüder voran, dem könig »< 
Valtcrn und dessen gantzen Geschlechts AnkunSt zu bericl 
welcher sich so hoch darüber erfreute, als wann ihm selb« 
• angebohrner Freund nach Haus kommen wäre. Dabero Ersgt 
den Joseph gleich, was ihr Handtbiemng seye ond wie er si 
seinem Beicb am besten accommodiren möchte, da& sie bl( 
könten. Da antwortet Joseph sehr weißlich, daß es Lcot wi 
die mit der Viehezucht sich tu emebren gewohnt wüm, 

10 könte ihnen der König kein grössere Gnad thon, als wnnn er 
liesse, daß sie Hirten verbleiben möchten. Hierdurch brachte 
■eph zwey Ding zu wegen, Erstlich, daß sie allein bey eina 
wohnen und ihrem Vatler desto besser mit einander vorsi 
könten, Und zweytens, daß sie, also von den Cgypliern ebgc 

ts dert, keinen Unwillen wider einander schÖpITen tnöcblen, 
welche, vom Viehe £it;b zu nähren und solches schlicbl« 
sehen, vor ein schreckliche Sacb hielten, weil sie solches dai 
anzubeten pflegten. Und nach dem Jacob selbst den König j 
sele, ist ihm und den Seinigen, zu Heliopolis zu wohnen, gd 

tonet worden, allwo Joseph seinen Schwehrvatler und von * 
Gemahlin die mehriste liegende Güter halte. Der König ver 
dert sieb über Jacobs hohes Alter und ansehnliche Person, 
nicb den er ein Zeil lang mil ifame Sprach gekihen, hri « 
snd seine Kinder wieder mit Königlichen Gescbmcken hegM 

m in Josephs BehanguDg ans seiner Küchen speisen lassen, wtA 
Joseph befohlen , daß er ihnen ein Anuhl Getreids »m M 
Komhdnsem verehren solte, damit sie, in Zeit wehrender lies 
kein Mangel hätten. Nach solcbem hat ne Joseph, wie waA 
nen Schwehrveter noch ellich Tage bey sich behalten nad fi 

M lieh tractiret, zuletzt aber nach Holiopolis gesetzt und nach 
Königs Befehl mit aller Nothdurfft wohl versehen. 

Indessen vermehrte sich die Theamng ie länger ie mdw 
war ein elender Jammer in der Well; Joseph aber gab niet 
kein Gelreid, als umb bahr Geld, und als solches aach ntch 



g«wehnt [« 313] wKrenj {Z S34] und. 11 li« (X 754] Hirten, tl 
woBdert] H Ter wanderte. 34 König)! [Z 285] eben. OeaebenokenJ XI 
■ehcnck. !& JoJS 324)iepb. 32 nnd |H !, 598] war. UBi*pE|,ftM)i 



II, 5, 16. 847 

nach umb Früchten zu des Königs und Josephs Händen kommen 
war, mosten silberne and güldene Geschirr, allerhand Kleinodien, 
Perlen und Edelgestein, die sonst viel Jahr lang wohl auffgehebt 
worden, hervor, also daß bey nahe kein güldener noch silberner 
ft Ohren- oder Finger -Ring im Land verblieb, welcher nicht dem 
Pharao zu Theil wurde. Es mochte aber alles nicht erklecken, 
also daß die arme Leut, ihr Leben vorm Hunger zu erretten, in 
den ffinff letzten Jahren erstlich ihr Vieh und liegende Güter, ja 
endlich ihre eigene Leiber zu ewiger Dienstbarkeit umb Proviant 

10 dem Joseph verkaufften. Derohalben wurde der König ein Herr 
Aber alles, was sich in Egypten befand; nur die Priester, darunter 
•ach Josephs Verwandten verstanden werden, behielten ihre vorige 
Freyheit und Aecker. Hingegen hatte Joseph die gantze Menge 
des Voicks, biß sich die grausame Theurung endigte, zu speisen, 

15 weite er anders die jenige, so er dem König vor Eigen erkaufft 
halle, nicht Hungers sterben lassen. Er bestellt hin und wieder 
Proviant - Verwalter und ließ jedem täglich die blosse Nothdurfft 
reichen, gleichsam wie man ieiziger Zeit den Soldaten ihr Com- 
mißbrod gibt. Darvor musten sie dem König Stadt, Schlösser und 

90 hohe Thürn bauen und befestigen, Wasserleitungen und Fisch- 
weyer graben und andere Arbeiten verrichten, weil man sie zur 
aell>en Zeit zum Ackerbau vergeblich gebraucht hätte. 

Sobald sich aber die Theurung endet und der Nilus seiner 
vorigen Art nach sich ergossen und das Land zur Fruchtbarkeit 

K5 genugsam befeuchtigt hatte, war Joseph schon im Land herum ge- 
zogen und hatte dem Volck wieder Ackerfelder außgetheilt. Also 
and der Gestalten, er richtet alle Güter zu unveränderlichen 
Mäyerhöfen und stellet sie des Königs eigenen Leuten zu, mit dem 
Geding, daß sie solche als ihr Eigenthum einhaben, nutzen, nies- 

so sen und bauen, hingegen aber alle Jahr den fünfften Theil von 
dem jenigen, daß sie erziehen würden, in des Königs Kernhäuser 
liefern solten, In aller Haß und Form, wie man noch heutigs Tags 
den Bauern die Land -Güter zu verleihen pflegt Hierdurch ward 



4 Qoch [Z 236] silberucr. 5 im [8 225] Land, verblieb] ZTB verblieben. 
6 Tbeil [X 755] wurde. 19 gibt. [Z 237] Darvor. 20 und [8 226] befestigen. 
24 sich] H sieb wieder ergoBsen, auch das. 25 befenohtigt] XH befeuchtet. 
87 anverHnderliohen] SXH veränderlichen. S8 Land-[Z 28S]Qat€r. 




isr biUiipn Badi md <lvaC ^mbü «is fcfvawäctifit 

na ihrsr hidbifiiHir m liir ««rüiltfr üfAiimil—n 

■BW» ^«tem seeüiEBB T<idfc lidttfon ■utihfaist. mm i 

■nd verxasC gi'niiii'iit ittfte* <ia& sis Beiiism:ken» 

mit (tir in E^pd» m lüssna ; ami w«ni «k 

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n, 5, 16. 849 

lidien and lieben Bruder so verlassen. Gleich wohl aber müssen 
wir ali erkantliche danckbare Leat gestehen, daß du uns sieben- 
lehen ganUer Jahr lang el c. 

Hier wolle Ruhen des Josephs Gutthaten erzehlen und wegen 
ft fein und seiner Brüder sich derselbigen bedancken. Aber Joseph 
fiel ihm in die Rede und sagte : In den siebenzehen Jahren werdet 
ihr nichts anders als mein Brüderliche Lieb und Treu gegen euch 
Terapührl haben und daß ich vorlängst alles, was geschehen ist, 
dar Göttlichen Vorsehung und nicht einiger Boßheit, die in euch 

!• flecken möchte, zugeschrieben habe. Warumb wollet ihr dann 
wider den Willen GOttes ietzt so bößlich von mir weichen? War- 
lidi hierdurch werdet ihr selbst euch zu ewigem Spott den Egyp- 
tiem and aller Welt offenbahren, was ich euch zu Ehren vor un» 
sermn lieben Vatter seeligen biß in sein Grab verschwiegen habe. 

ib Uoib die Gutthaten, die ich euch erwiesen, will ich mir nicht 
dancken noch euch oder mir aufrupffen oder vorrucken lassen, 
dann alles, was ihr genossen habt, ist aus Güte und Vorsehung 
GOttes geschehen. 

Wir wollen derowegen darvon nicht reden, sondern ihr müst 

10 diß hören und wissen, daß wir einander ietzt näher als hiebevor 
verbanden und zugethan seynd; Dann ihr könt nicht läugnen, daß 
meine beyde Söhne, Manasse und Ephraim, in euere Zahl auffge- 
Dommen worden. Werdet ihr sie nun in Egypten verlassen und 
each von mir und ihnen trennen wollen, so widerstrebt ihr GOt- 

16 lea Willen und eures Vätern Befelch, den ihr zu halten Eydlich 
geschworen habt Dardurch werdet ihr euch beydes der Göttli- 
chen Verheissung und des Vätterlichen Segens, das Land Canaan 
tu besitzen, unwürdig machen. Ich zwar hab Mittel genug, meine 
Söhne, auch ohn euere Hülff, zu Egyptischen Fürsten zu hinter- 

so lassen, denen an Macht, sich an euch und den eurigen zu rächen, 
nicht mangeln würde, wann ihr gleich mitten in Canaan sässet. 

* 

3 gantzer] fehlt H. 5 derselbigen] SXH derselben. 11 Willen [Z 241] 
Gottes. 12 ihr] SXH ihr euch selbst xu] XH zum. SXH com ewigen. 13 un- 
serem] S anserm Vater seeL XH unsem Vatter. 14 sein [S 230] Grab. 16 each] 
S ein. XH einem, vorrncken] X vorrücken. 19 [H 2, 600. K 2, 600] Wir. 
20 wir] XH wir mit 21 seynd] SXH seyn. 26 Befelch] SXH Befehl. 26 ge- 
schworen [Z 242] habt. 29 euere [X 768] Hülff. 30 denen] SXH denen es. 
an [S 231] Macht 

SimpUoialmuB. II. ^4 



^ 



850 n, 5, lt. 

Aber wie geschähe dardorch den CdlHicheB Wlles tmi \i 

liehen Befdch ein Genögea? By obb w«Iw imam^ Sv 

der, 80 setzet derowegen tlles Mißtmea hinnili ■■ 

vielmehr, daß neiiie Kinder bey tddtlioiMB Waiim 
t Velem tedigen anch äres Vaters cniselat 

aeineai Testament mir genoamnen and an 

aber an ihren Brfideni gemacht ksL Was 

muer Vater seeliger anders da i lmü i ti 

daß ich an statt seiner ever aller Vatter 
1« Keranff wsn ao schwöre ich ench bey dem GOTT 

Abraham, kaac nnd Jacobs, daß ich mich in nlle Weg 

alle Fill gegen euch, nicht allein als ein gtdrener Bnader, 

anch als ein liehreich«r Vatter beiengen 

Vennogen« nidrt anders nis 
IS Wann ihr mir nber weder Tranen 

ench Ton meinen Kmdan 

hnbl, vtriavan wollet. So beamige ich hiermit 

Tor aller Wek and tot den geg e n w irti gen Gribeni 

daß kh na allem dem CnheiL an ench 






f 



fMiTiffthMirrar Sä 




U, 5, Ifi. 851 

leiif in dem sie schon seine Fußstapffen bey seinem Leben als 
eines Irrdischen Gottes küßten, befahle er, so wohl seinen Brü- 
dern, als ihren und seinen Kindern, daß sie seinen Cörper nicht 
gleich nach Hebron begraben, sondern nach seinem Absterben bey 

6 sich behalten und , wann sie künfftig das Cananeisch Land einneh- 
Men würden, die Gebein mit sich führen und zu seinen Vätern 
b^praben selten, welches dann erst über 400 Jahr hernach ge- 
fdiehen ist 

Damm ihr Menschen - Kinder, nach dem ihr Josephs Histori 

it gelesen habt, so lernet euch der unveränderlichen Vorsehung GOt- 
toi Tertrauen, mit Versicherung, daß der Himmlische Schluß durch 
MDSl nichts geändert wird, als wann ein demütig- büssender Be- 
kenaer begangener Sünden durch hertzliche Thränen von der un- 
endlichen und grundlosen Barmhertzigkeit GOttes Gnad erlangt 

15 ENDE. 



1 einet] Zd seines. 8 Kindern] 8 Kinden. 6 führen [Z 246] und. 7 400] 
dXU twey hundert 10 unveränderlichen] 8XH Terftnderliohen. 12 gelindert 
a 294] wird. 14 erlangt] X erlangt 

[X 760] So schliesset sich die Bach Ton Josephs Wander- Liebe, 

Und seiner Brfiderfalsch, den sie ihm angetban, 

Was hier der Antor sonst hiervon weiti&afftig schriebe, 

So in dem Bibel-Bncb| man zwar nicht finden kan, 

Ist sonst mit gnten (Irand von weitem hergenommen, 

Wir lassen aber solchs, und merckeu dieses bey, 

Daß man der Josephs-Art auch also nach soll kommen, 

Weil voller Tugenden, sein gantxes Leben sey. 

Da, der da dieses ließt, mein Leser, wer du seyest, 

Betrachte solches wohl, meid Falsch, Neid, Hinterlist, 

Eh du sie sonst su spat, wie diese hier bereuest, 

Wann du im Labyrinth, wie Josephs -Brflder bist, 

Und dieses ist die Lehr hiervon: 

Leb, wie hier Joseph, Jacobs Sohn, 

So gibt dir GOtt auch gleichen Lohn, 

Und bleibt dir gnAdig zugewend, 

Biß an dein letztes seligs 

END. 

HK erlangt. 

So schliest sieh Josephs Lebens -Lauf, 
Und sein berflhmieK Tagend -Wandel, 

54» 



Dock kielt ca 

IN« Badigier, üt üb Art AaHasi, 
SuftBol, die «ircki ri* gH» bl. 
IH I, Ml tan «Ol. E 1, 30! «taU COl] Sa «mk hb 
k» L«tr. MC* Wy den BeMUsft, diS. — > BwB yi * : 




n, 6. 



853 



DES GRUNDFROMMEN 

KEDSGHEK JOSEPHS GETREUEN DIENERS DND SCHAFFNERS 

M U S A I 

DENCK- UND LESZWORDIGE LEBENS -ERZEHLUNG, 

AUS UHRALTEN HEBRÄISCHEN, PERSISCHEN UND ARA- 
BISCHEN SCRIBENTEN MIT UNAUSZGESETZTEM FLEISZ 
AUFF NUTZLICHE, ANNEHMLICHE UND ERBAUUCHE ART 

ZU PAPIER GEBRACHT 

UND lETZO ERSTESMALS AlFF INSTÄNDIGES ANSUCHEN ZUM DRUCK 

CBERGEBEN 



von 



SAMUEL GBEIFNSON VON HIRSCHFELD. 




n, 6. 



855 



Die Redlichkeit ist stets in hohem Ruhm geblieben, 
Die Redlichkeit macht groß, die sich in ihr stets üben, 
Die Redlichkeit fragt nichts nach dem, der ihr ist feind, 
Die Redlichkeit hat GOtt Kum allerliebsten Freund. 



1 [a 2. d 236. X 762. U 2, 604. K 2, 604] Die. Kedlichkeit] SXH Ked- 
ligkeit. 2 Redlichkeit] 8XH Redligkeit. 3 Redlichkeit] SXH RedUgkoit. 
4 Bedlichkeit] aXH Redh'gkeit. 



DEmnach GOtt der Allmächtige nunmehr i 
diu 7 rotte unri 7 Iheure Jahr und des Eg^-plischen Pbaraoi 
niglicho Giiad grüß gemacht, dieser aber auch seinen g< 
Miisai zwar dcrgeslitlt bereichert, daß er wie ein kleiaer I 

r. Ruhe li)tj(;n oder, wie man bey uns TeuUchen sagt, aüt 
schitiulzigen Maul zum Fenster hinaus sehen kontc. so anb 
er gliMchwol rieht, die Erkandtnub seiner Schaldigkrit « 
pfangone Gnaden und Gutlhalen gegen seinem geweseaea 
danckbirlich lu bezeugen; dann gleich wie Jowpb nictt 

» r«la, noch immerfort bey dem König der Bibesle m asyi 
h6r«te Mnni nit auff, den Joseph liglicfc adbnrartea ^li 
Angvhdrif« nuibUiyUdi la bedkoes. 

EiBsmtb ab die Bfyfber i« Aafing des Jifi 4m \ 
CMÜn Ins, iKe tmck In wmi Cot» gcaMl wM, im Eii 

» Imttig« V*a der W— 1>. BMlW. nwfiiil* nd bdgt 
IFKvd i 




3 




n, 6, 1. 857 

wissen oder yor eine Schand gehalten wnrde, darunter zn ver- 
bergen, dann so wohl Asaneth als Husai vom einigen und war- 
hafften GOtt so viel Bericht aus Josephs Mund empfangen, daß sie 
kein grössere Andacht zu besagter erdichteten Göttin tragen, als 

B Joseph Selbsten. Ihr Meynung gieng dahin , sich vielmehr den- 
selben Tag auf eine andere Art zu erfreuen und dem wahren GOtt 
SU dancken, daß er sie durch ihres Josephs Unterricht aus sol- 
chem aberglaubigen Irrsall und Thorheit gerissen und zu seiner 
Erkandnuß gebracht hatte. 

!• Musai stellte sich mit den Seinigen ein und halff den Imbiß 

bey einem Brunnen im anmuhtigen Schatten etlicher lustiger Bäume 
geniessen, die zu solchem Ende dorthin gepflanzt waren, Unter 
welchem Asaneth anGng und sagte: Mein Musai I umb wie viel 
vergnügter leben wir nunmehr uns Selbsten und dem ewigen GOlt, 

li von dem wir wissen und glauben, daß er uns ihme zu Ehren und 
Wolgefallen also zu leben erschaffen hat? 

Gnädige Frau! antwortet Musai, ich bin schon manchmal in 
Betrachtung dieser Sach so lang gestanden, als wann ich hätte 
einwurizeln wollen, und wann ich mich allerdings müd nachge- 

M sonnen hatte, so war endlich mein Schluß, ich wäre allein dieser 
mitgetheilten Wissenschafit wegen ihrem liebsten Eheherrn mehr 
obligirt, als wann er mich reicher, als den Pharaonem selbst, ge- 
macht hätte. Zuletzt geriethe ich in nicht geringe Verwunderung, 
wann ich bedachte^ wie liederlich sich die albere Menschen von 

M dem waaren GOtt, den anfänglich ihre Vor -Eltern ohne Zweiffei 
erkandt haben, abführen und hingegen so kindische Possen zu 
glauben bereden lassen. Konto einem auch etwas ungereimteres 
träumen, als wann man siebet, daß vernünfftige Menschen ein un- 
vemüniftig Thier, wie der Egyptische Apis ist, anbeten und ihm 

M Göttliche Ehr bezeugen? Ich möchte doch wohl wissen, durch 
was vor eine Begebenheit die sonst kluge Egyptier zu dieser 
Thorheit bezaubert worden. 



1 darunter [H 2, 606] sa. 2 Asaneth] XHK Aaenath [K 2, 606] als. war- 
hafften] 8XH warhafftigen. 6 Mey [B 289]nQDg. 6 wahren [a 5] GOtt. 10 den] 
XH die Malzeit 18 Asaneth] XH Asenatb. 21 ihrem] 5XH ihre«, lieb- 
[5 240]sten. 23 Verwunde [a 6] rung. 24 bedachte] dXH gedachte. 26 er- 
kandt [X 765] haben, kindische] H kindliche. 27 ungereimteres] a unge- 
reimtes. 



Asaneth antwortele: das wil ich dir erzefalen, wie mirs et- 
wan liiebevor mein Herr Valer erzehlet hat. Apis, der auch Osi- 
rig genant worden, war einer von den ällislen und löblichsten 
önigen nnsers Landes. Er wurde zu Nysa in dem rrachlbiren 
^rabia gebohren und erzogen, und nachdem er seine Schwester 
idem zum Weib genommen und dieses Reich in seinen Besitz 
bracht, hat er nicht allein seinem Egypten und seinen Unlertht- 
n, sondern auch der ganlzen Well und allen Menschen riel 
iE gethan, dann als zu seinen Zeiten die Menschen an etlichen 
rten aas Mangel anderer Nahrung des genügsamen zahmen Vie- 
es oder daß sie sich nur mit Aeichlen und dergleichen wilden 
aumfrQchlen nit behclITen ktinlen oder wollen, cinauder selbst 
Ltiffzu fressen gewöhnet waren, hat er solches verhütet und ab- 
ibracht, indem er den Ackerbau, wie auch den Weinstock nnd 
rie er gepllantzt werden soll, erfunden und die Menschen geleh- 
^et. Zv solchem Ende und nit Kriegs halber ist er auch die gantze 
Welt mit einem Kriegsheor durchzogen, nach dem er zuvor seiner 
Gemahlin Uidi die Regierung seines Reichs übergeben und ihr den 
allerklügsten Hcrcurium, der die Schreib-, Leß-, Sing-, Rechen- 
lu und Stern-Kunst erfunden, zum Ralh, seinen Vettern Berculem 
aber zum Feld - Obristen zugeben und Busirim über seine Lander 
'vn Hser, Antwum aber über LylnBr und Mohren ta Vomiauia 
gesetzt halle. 

Bey sich selbst behielte er zum GeRhrlan ApoUioeai Bmm 
M ßmder, Anubim und Hacedonem, zween lapfTertrSoIdaten, Ibf*- 
nem den Weingärlner und Triptolemam den Adierbaar. Ss hatte 
er neben andern Musicanten auch bey sich die neun Jtmgftwen 
sampt ihrem Vorsteher Apollo, welche Dirne von den Gtiechen 
Huste genennet worden, als die in Gesang, Seilen^el uni t*dani 
w Kfinsten wo) geübt und erfahren waren. Erlhül ein GeUbd, $äa 
Haar nicht abnehmen zu lassen, biß er wieder in Egypten ge- 
lange, welchen Gebrauch unsere reisende Mdnner ihm ZB Bhren 

1 Aianetb] XU Asenath uitworU. 6 zum [S !41] Weib. 7 allein] 
XH «IteiD allaD leinen Egyptiera. 8 Hen[a 7]«cben. tO genfigiaoMDJ 
XR genugtsmen. 1 1 und [R 2, GOT. K 3, 607) dwgleioben. 3 1 »igeb«ii] XH lu- 
gegeben. ief[S343]ne. 32 fib«r) XH Qber die. 34 Apo)H[X76«)Bttii. 36 nnd 
!■ 8] Hao«doD«iD. 38 Dirne] H Diruen. SO isinj XH leine. M Ebne] 
H Ebreo gemeiniglich. 




n, 6, 1. 859 

noch behalten. Solcher Gestalt hatte er seine Reise durch iEthio- 
piam, von dannen am rothen Meer her durch Arabiam in Indiam 
^noramen und unterwegs die Einwohner aller Orten das Getreid 
SU bauen und den Weinstock zu pflantzen unterrichtet Wo aber 

5 das Land selbst oder dessen Einwohner nicht beqvem waren, den 
Weinstock zu pflantzen, hatte er sie das Zythus CBier) lernen 
machen, und folgends seinen Weg aus Arabia und India durch die 
flbrige Linder Asi» an den Hellespontam genommen, worüber er 
in Buropam geruckt und in Thracia den König Lycurgum, der sei- 

10 nem löblichen Beginnen widerstanden, erschlagen, hingegen da- 
selbst seinen Maronem hinterlassen, die gepflanzte Sachen zu 
beobachten, wie er dann auch zu solchem Ende Macedonem in 
Hacedoniam, davon dasselbige Land seinen Namen bekommen, und 
Triptolemum in Atticam gesetzt. In Hispania hatte er Geryonem 

15 den Tyrannen daselbst in einer Schhicht überwunden und erschla- 
gen, dessen drey Söhne in guten Künsten unterrichten und auff- 
sfehen lassen und ihnen die Verwaltung ihres Vaterlichen Reichs, 
■Is sie zu ihren Tagen kommen, wiederumb übergeben. Und also 
bat Osiris sich umb alle Menschen wohl verdient gemacht, ist auch 

flo an mehrentheils Orten nicht anders, als ein Gott, auffgenommen 
und empfangen worden und zuletzt mit vielen Geschencken wieder 
gläcklich in Egypten angelangt. Die junge Geryones in Hispania 
hingegen gedachten mehr, ihres Vaters Tod zu rächen, als an die 
Gutthaten Osiridis, messen sie dessen Rruder Typhonem durch 

16 grosse Geschencke und Verheissung bewögt, daß er mit Hülff 
25 Mitgesellen Osiridem erschlug. Und damit er sie solcher Ubel- 
diat umb der Forcht gebührender Straff mit theilhafftig machte und 
sich also ihres Beystandes versicherte, hat er den todten Cörper 
in 26 Stück zerschnitten und iedem von seinen Mordgeselien eins 

80 mitgetheilt 

Aber Isis verfolgte die Mörder mit Hülff ihres Sohns Hori, der 
sonst der Egyptische Hercules genant wird, und als sie Typhonem 
sampt seinen Gesellen erschlagen lassen und die Stücke von ihres 
Mannes Cörper wieder bekommen, hat sie von Wachs und Spece- 



5 o[8 248] der. 9 Europam [a9] genickt. 18 cIatod] dXH daron auch. 
14 Oeryonem] XH Qerronem. 30 mehren [H 2, 608. K 2, 608]theils. anderi] 
a an[5 344]deni. 22 angelangt [X 767] Die. 25 Qe[a 10]soli6noke. 



ray so viel Bilder in Aes Osiridi Grösse vorfertigl, als sie Stil 
von dessen Cörpor hatte, und in deren iedes ein Sluclt von i 
Hsnns Leili versclilossen, und demnach sie dessen Begräbniß 
bekant und nlso ihn selbst vor einen GOlt gehalten haben w 
b hat sie Priester geordnet und einen Eyd von ihnen genommen, 
sie das jenige, su sie ihnen anvertrauen würde, niemand offen 
ren wollen, nachgehends aber einen ieden absonderlich überri 
daß bey ihm allein des Königs Corpcr zu begraben niederg« 
worden wäre, welchen er an seinem Ort begraben, Osiridem 

10 in Bedenckung seiner grossen Wolthaten, die er den Mens 
erwiesen, mit Göttlicher Ehre zieren und ihm einige Tbier ti 
gen und solchen auch, so lang sie lebten und nach ihrem 
göttliche Ehr, wie dem Osiridi selbsten, anlhun sollen. 

Damit nun die Priester hierzu desto gefliessener waren, 

1» sie ihnen allerdings den dritten Theil von des Landes Xutzoi 
zu ihrem Unterhalt, aufT welche fette Vermüchlnil^ and Fonda 
welche nicht zu verschmähen war, die Priester zween Stier 
Osiridi geheitiget, welche, wie du siebest, von unserm \ 
Apis und Neruis genant und vor Götter gehallen und geehret i 

» den. Damahls wurde auch hey Lebens StralT verboten und so! 
Gebot wird auch noch festiglich gehalten, Osiris sey ein He 
gewesen. Solches Stillschweigens halber wirst du auch in i( 
Tempel, da Osiris geehrt wird, das Bild oder den Abgott Ha 
cratem finden, welehes den Finger anff die Lippen legt. Bi 

M auch diese Isis ein garstig Bild des vomTypbone nach bescheh 
Zerslflckong ihres Manns in den Nilum hingeworSenen Güai 
den Tempel anffgehenckt und ihm wie einem Gott Ebr zd bv 
«en angeordnet, von welchem schandlichen Gottesdienst nh 
einer ehrlichen Frauen nicht zu reden gebührte, wann ich 

N nicltt der unseren thummen Blindheil darbey erinnerte and d 
solche Erinnerung desto stärcker angefrischt wärde, deea w 
GOtl nmb seine Brkanbiiu und daß er mich aus solchem nnl 
gen Gdtzendiensl errellel, desto hertzlicher zu dinckea. 



1 Osiridi] XU OsiridiB. 3 Clir(S 346)per. T alMoo[a lljdeiliol). IT 
[S 246] die. 18 gebei[X T68jligot. i3 HupooMtem [b IS] finden, 
[B 2, eoejobes. 24 FiD(K 2, eosjger. 28 adiMidlioben] äXH tohliidli 
81 dem] iXUK deu. 32 uii[e 247] fl«tig«o. 



n, 6, 1. 861 

. gidcbwohl hat die Verehrong dieses garstigen Abgotts wie eine 
böse anheilbare Seuche amb sich gefressen, so daß sie auch zu 
den aoßländischen Vöickern gekrochen, welche ihn, wie ich höre, 
Priapum nennen. Und also, mein Musail hat unsers Landes Got- 

ft tesdienst einen Anfang genommen. Von der Isis Selbsten wird 
gesagt und geglaubt, daß sie noch lebe und in der Welt als 
eine unsterbliche Göttin herurob ziehe, die Menschen, gleich wie 
ihr Mann* gethan habe, das Ackern, Mahlen und Brodbacken zu 
lemea Wann dem also wäre, so moste sie allbereit aber 400 Jahr 

10 alt seyn. 

Musai sagte: mein gnädige Princessel wie wird es aber 
heutiges Tages mit diesem Apis gehalten und wie ist es seyt des 
Osiridi Tod mit ihm gehalten worden, daß die Ägyptier den Be- 
trug nicht mercken oder ihre eigne Blindheit so gar nicht sehen 

15 können? Item so hätte ich vermeinet, das Bild Harpocratis, weil 
es mit dem Finger auff dem Mund andeute, daß man verschwei- 
gen solle, daß Osiris ein Mensch gewesen, würde vielmehr den 
Bgyptiern die Nichtigkeit der erdichten Gottheit Osiridis verrathen 
and offenbaren, als dessen Menschheit verholen helffen. 

90 Asaneth antwortet: was den Harpocratem anbelangt, haben 

onaere Priester dem Nachsinnen der klugen Egyptier bereits 
vor längsten mit einer erfundenen Lügen vorgebogen und das 
Voick überredet, Harpocrates seye von der Iside geboren wor- 
den, nach dem sie Osiris nach seiner Hinzuckung zu den Göttern 

t5 widerum beschlaffen habe; und weil das Kind tod auff die Welt 
kommen, zeige das Bild mit seinem auff den Mund getruckten 
Finger an, daß es niemals nicht geredet. Das erste von diesem 
Bild, nemlich daß man die Menschheit Osiridis verschwiegen hal- 
ten solle, wissen allein die Priester; das ander aber von der Ge- 

so burt Harpocratis muß das Volck glauben. Betreffend den Apim ist 
der erste so genante Stier gantz schwartz gewesen, ohne daß er 
fernen auff der Stirn einen weissen viereckten Flecken, in der 
Seiten einen dem gehörnten Mond gleich und auff dem Rucken das 



7 ziehe, [a 13] die. 8 Brodbaohen] SXH Brodbaoken. U Prinoesse] 
XH Princessin. 13 Osiridi] X OsiridiB. 15 Item [X 769] so. 16 Mund 
[6 248] andeute. 20 Asaneth] XH Asenath. 24 seiner [« 14] Hinsnokung. 
26 den] H dem. 31 gante [H 2, 610. K 2, 610] schwartt. daß [d 949] er. 



BM eil«! AdJ«n, coff der Zuageu aber eiaen Kneplf in G« 

4«« Krett« und zweyertoy Haar im Scfawutu gehabt Diesen be 
diu Uftfcrigen an and batU;n ilin vor den höchsten Gott Osirid< 
weil die frlMler vorf[ebeii, Uis bitte die von Typbone zerscbi 
ft lene ülJvdur Oriridii in einen hdllzeroun Ochsen eingescMoi 
und dun «elbvn mit einer Üchsenbaul uuigelmn, welches Ochs 
bildiiui beriiich die Seele Osiridis empfangen und also zu eii 
lebendigen GOlt worden. Er stehet, wie du gesehen haben wi 
In ivlneiii Tempel in einem schönen Susi und der Ort, wo er l 

m wird (iehuiinnusweise dus Brautbirtl, der llofT vor seinem Saat al 
darinnen er zu /eilen Spielens halber und dann auch, ihn 
Vremduii zu zeigen, der Stall der Mutter Apis genant, wohio i 
ihm alle Julir einniabi eine Kühe zuTührel, die gleiche Zeichen 
er hallen mul^. Wann er dann nun seine Jahr erlebt, die ihn 

tk den xut[«">nten heiligen Büchern zu leben vorgeschrieben wor* 
av wird er von den Priesturn in einem Brunnen erlränckt owl 
«nderer mit gleichen Zoicbon an seine Statt gesucht, wekbes i 
nit ehvnder geschiehet, sie getrauen dann einen andern so 
leivhneten wiederum zu linden, ihre Bücher mögen danu ■■( 

I« was sie wollen. Wann dann nun ein anderer gefunden wird, 
IVolui^ken heydes das Votck und die Priester, speisen tha «ier 
Tag, »eUcn ilui in ein besonder Schiff, darin ein gaatz T«fgii 
Umtb tlehot, and ffthrm Am ait grosse« Cnpriag ■ ammm T< 
pAt fwligUch (Iwitead, daß OurMv Sede jaJeffMa ia tm 

H (M«M seye «iid MS «üea ia de* Mdera rnmuimn^ rfihB* . 
«Me« tier WaU eitstawlea, dal^ die Serie« der Ventarhaia 
«Mr Cmtimt in die ander gebe, wwiwfcnn* 4aam ^mmmA 
gb tt bi g » Leute sick des Fleischesseas eathates. veii sie Mq 
tk» Mtkhte« vieUekU die SeefaM ikre* tjtefietlnai iMiiifciM 

w H fc no n aerauUeab Mü solchen Lögen tmi fmiam a^ wM 
Volek ualerhdtea tiud de« Apis, wekkar, se Inag er £b^ i 
•wh seiae« Tod aber» waa« er ia Tef et ia oiaaM Saaek beq 



t Kuo(>tf| XU K^pS. i und] HB. and dann. 7 aafa läjpbi 
'i JtuI tablt XU. «o ~ tigtj üMt Xa L3 snaK, [XTroj wqUb. M 
L« if^ui boit. 16 «iiwitti äXUK dineo. i:i Twg] ä:tH T^o. reisiiita^' i 







n, 6, f. 863 

lelst worden, Serapis genant wird, Göttliche Ehr erwieaen. Er 
wird auch in wichtigen Sachen um Raht gefragt und seine Antwort 
erkant, wann er seine fürgehaltene Hand voll Früchten entweder 
▼erwirfft oder gantz oder halber hinweg frisst. 

& Diese Erzehlung der Asaneth vom Ochsen Apis und König 

Oairide wird beyiäuffUg mit allen Autoribns, so von ihnen ge- 
schrieben, übereinstimmen. Es ist aber meines Davorhallens die- 
ser Osiris, der auch Apis, Bacchus, Dionysius, Pluto, Pana, Am- 
OMMI et c. genant worden, kein anderer als Mizraim des Noe Enkel, 

10 Chaois Sohn gewesen, welches bezeuget der schandliche Abgott 
Priapus, der von ihm seinen Ursprung genommen, als welchen die 
Einwohner in und umb das Jüdische Land herumb Mizraim genen- 
net haben. Von Phaetonte seinem Bruder, der sonst in heiliger 
Schrifft Phttt genannt ist, wird gelesen, als er im 1857sten Jahr 

15 vor Christi Geburt in Italiam kommen sey, eben als damahls von 
grosser Sommer -Hitz selbige Landschafft an dreyen Orten an- 
gangen und in der Gegend Toscana, Viterbo und Capua elend ver- 
brennen; dessen Schwester und Gemahl Isis aber soll zu den Zeiten 
des Babylonier siebenzehenden Königs Spareti umb das 15568te 

so Jahr vor Christi Geburt auch in Italiam kommen seyn, eben als der 
Toscaner Jasius dasselbe Königreich erhalten und mit der Cybele 
Hochzeit gehabt, welches wohl seyn kan, weil sie nach Art ihres 
Anherm ein hohes Alter erreicht und über 600 Jahr gelebt, auch 
bey nahe die gantze Welt durchzogen haben soll, die Völcker den 

n Gebranch des Korns zu unterrichten. Ihr Bruder Dardus aber hatte 
sieb in Gnecia nieder gelassen und ebenmassig das fünffhunderte 
Jabr überlebt. Sonst ist nicht ohn , daß Satanas mit diesem Apis, 
gleich wie mit andern heidnischen Abgöttern, sein Spiel gehabt, dann 
er zu den Zeiten der Cleopatras geweinet, geseuffzet, geheulet und 

90 geplerret, endlich aber, nach dem der HErr CHristus vor Herode in 
Egypten geflohen, gar verreckt ist. Wer mehr von diesem Stier 
zu wissen beliebt, der lese Diodorum Siculnm, welcher auch mel- 



1 erwiesetj] XU erweisen. 5 Asanetb] XU Asenatli. 7 mei[a 17]Qei. 
8 Pluto, [H 2, 611] Pana, [K2,611] Ammon. 9 Noe [X771] EnkeL 12 Land 
[e 252] henimb. 13 seinem] l seinen. 15 ItalUm] XH luUen. Vi Tar> 
bronnen] XH verbrannt. 22 welches] IW welches dann. «3 erreieht \^ 18] 
and. 26 Korns] X Korn. 27 Sato[8 253] das. 



II, 6, 1. 865 

Bbitamal ich aber verstehe, daß ich mich irre, indem ich von dir 
ilibtt gehöret, daß du die Wissenschaflft von dem wahren einigen 
WNt erst von ihm empfangen, so sage mir derowegen, wie du 
bfenglich in seine Kund- und Freundschafft kommen seyest. 
%j Gnädige Frau! antwortet Musai , indem ich solches umständ- 
Ifell Ihun solte, so müste ich zuvor meine äigne Herkunft und zu- 
HtA gef&hrtes Leben erzehlen , damit aus selbiger Histori erhelle, 
llpi Gelegenheit gegeben und mich des Glücks würdig gemacht 
Hpfe, in dero eheliebsten Herrens Kund- und Freundschafft zu 
tüunen, welches aber vielleicht meiner gnädigen Frauen verdrüß- 
tUk m hören seyn möchte. 

q^y- Besser ists, antwortet Asaneth, weil wir ohne das des heu- 
|j|^ Fests halber, um mit unserem Exempel das arme und allbereit 
|||r la weit verführte Pöbelvolck nicht unruhig zu machen, in 
il^iieiii Garten verbleiben müssen, wir hören und erzehlen, was 
iÜraii zu des wahren Gottes Ehren gereicht, als wann wir der 
i^pboben Iside mit Kräntzmachen und dergleichen Kinderwerck hof- 
HpieB. Darum sage nur her I du wirst ohnezweiffel solche Sachen 
.MrWngen, welche die Zeit zu passirn uns zu keinem schlaffen 
JiMTÖgen wird. 

jl' Demnach fieng Musai an und sagte: Erstlich ist mein Herkom- 
nnd Geschlecht aus dem Elam Sems Sohn entsprossen, worvon 
dasselbe die Elamiten genennet worden. Seithero aber in ver- 
fjftidMnen Zeiten so viel Götter entstanden , die sich aus ihren Ge- 
ikiUehten einen grossen Namen machen wollen, seynd etliche aus uns 
imiPerseo die Persianer genant worden. Gleichwol haben die übrige 
den Namen ihres Ertzvaters von derProvintz, die sie bewohnten, als 
welche auch denselbigen Namen trug, noch behalten, unter welche 
ieh mich auch noch zu rechnen hätte. Mein Großvater war ein junger 
Printz unter den Fürsten unsers Stammes, und als dieselbe dem ge- 
waltigen Kriegsheer der Assyrier nach der ersten erlittenen Nieder- 
lag nicht mehr zu wiederstehen vermochten, hat sich einer da, der 



4 leyest] XH bist. 5 [X 773] Qn&dige. 7 aus [a 21] selbiger, erhelle] 
ftXH erhellet. 9 und [3 250 sUtt 256] FreaDdschafft. 12 Asaneth] XH Ase- 
nAth. 17 Iside] H Isidi. 19 schlaffen] XH schlaffe. 21 Her-[H 2, 618. 
K 3, 618] kommen. 24 sich [a 22] ans. 25 wol[8 257] len. 28 denselbigen] 
H draielben. 81 Assyrier] 8XH Assyrer. 

fltm^MBtatfimis. IL ^^ 



Ittt 



ILCl. 




1^ aal ML aber 




vaikMufM* i^MMfi, lial; < 

MMM^Uni. Kiicti <twa Buer ii.iim.ti'ii 
iU»U« gtnMUtfl, ioil «r ■PJBf Vatler. 
Air«« «utib Zwmjlftf geaeHi«!. flk ^i 
u Mnaäüi r4:<;kUsii Kimm» «ach te»«nB» 
Akckfe« Mylt «d* MHMMi eka^a 
^Mm Im;) 4m /4i«i lirbM^ ftdMr W 

M» VtflUf' Ml UycAidi tvA PfMlz «ftd Süfffaer 4er Pi 

ir<^4«fl. Mdk« «Jb« nler htl fidk Mf eaier Geüah lagdri 

ü'fe/.ti 44;itt XiAMi ibil Hülf Arupoi des Arabiscbeo Eoaigi 

hfil^Uiuitr u\H:t¥tUüAt:u und ibrifii König mnbgebracht, Bun 

it«;r Aniituier konin g«;4l«fuiilhigt, Piiirnuni den König der Xi 

»t geftiJilipgeii , gcfiingeo und «amt «einer Gemahlin und siebea I 
Atrn gct:rtiuUiiii , auch alle aiirige Völcker Asie biß anff fie 
dianer und ßaijlrjaner unti;r §ein Joch gebracht, hat er auch d 
ItUitifa angegriffen, aber mit aolchem Schaden und Verlost, 
er »ein Heer in Syriani zurucliführen and den Krieg biß auf 

IM andt^rc Ziiil auilüchielien niüasen, dann ihm damahls nicht allein 
Vuhligkuil iliiM Land« und deiaon streitbare Inwohner, son< 
auch du» konig« und meine« Großvattern magische Künste xiigl< 
ividurfeiiiHdon. 



^> jciiigvt) l\ i'ik] ^vbalt«!!. HurUeu] oXH wurde. 6 AssTrior] XH 
ft.Wci. h uui^c[5 'if.iMtihaii. (x ?3) daf^. 19 aDzuwenden] XH antogrei 
''H) toigciid«! H ii«vh^cht.ii>t'*. 2S Babylouier iS 259] ilberwuDden. Bar[ft 
AAiagiu. i7 brtcuiüuci I \ biucutaner. 29 aiixackfÜh[H 2, 614. K 3» tfU] 



n, 6, 1. 867 

Als er aber meioes Anherm Tod yernommeo , hat ers wie- 
demm angefangen, wo ers bey voriger Niderlag gelassen. Doch 
weil er woste, wie viel tapffere Kriegsleut die Bactianer hatten, war 
▼on nöthen , dieselbe mit der Zahl der Hannschafft zu übermön- 

6 gen. Dero wegen hat er ans allen Völckern seines Reichs die 
allerbeste Soldaten erwählet und ein Heer von 1700000 Mann zu 
Piiiy, 2001000 Reutern und 10600 Streitwägen zusammen gebracht, 
welche so zugerichtet gewesen, daß von beyden Seiten derselben 
an den Rädern und Aechsen scharpffe Sensen und Siechein her- 

it Tor giengen , bequem , die Feinde zugleich zu trennen und umzu- 
bringen. Mit diesem gewaltigen Zeug zog Ninus gegen die Bactianer, 
muste aber sein Heer, der engen Pässe und beschwerlichen Oerter 
wegen zertheilen und hin und wieder einzubrechen sich befleis- 
aigen. Indessen hatte Zoroastres alle Mannschaffk seines Lands, 

16 was Wehr und Waffen brauchen konte, zusammen gebracht, deren 
bey 400000 Mann gewesen, und ob gleich diese Armada gegen 
dem Nino vor gar gering zu rechnen^ so ist er doch dessen gewal- 
tigen Macht an die enge Gräntzen seines Lands entgegen geruckt, 
and nach dem er so viel Feinde eingelassen, als er zu bemeistern 

so getraut, hat er den Assyriern auff die Finger geklopfft, sie zer- 
trennt, verfolgt und ihrer bey 100000 erschlagen, den Rest aber 
anff das Gebürg gejagt. Als aber Ninus mit dem gantzen Heer 
hernach drang, hat er endlich die Bractianer durch die Menge 
fibermannet und von einander in Städten gestöbert, die er nach 

16 and nach leichtlich eingenommen, die Haupt -Stadt Bactra aber 
Urliglich belagert, weil dieselbige mit Gewalt einzunehmen vor 
unnächtig gehalten würde, der Meinung, sie endlich durch Hunger 
zu zwingen. 

In diesem gantzen Krieg ist mehr mit Magischen Künsten, 

so sonst Vörtheln und Betrügereyen gestritten worden, als mit den 
Waffen selbsten, da sich dann mein Yatter, der mehr des Königs, 
als sein äigne Stelle betretten, gar berühmt und mannhafft gemacht, 

1 ers [X 775] wiederumb. 3 Bactianer] 6X Bractrianer. 5 aeinea [3 260] 
Beioha. 6 allerbeate] SXH allerbftaten. 7 2001000] 8XH 1001000 [a 25] 
Reutern. 9 Aeohaen] 8XH Achaen acharffe. 11 Bactianer] $XH Bactriancr. 
20 den] XH die Asayrer. aie [8 261] zertrennt. 28 bemaoh [a 26] drang. 
Bractianer] SXH Baotrianer. 25 und] 8 nnd leiohtliob. 26 dieaelbige] XH 
dieaelbe. 81 Vatter, [X 776] der. 

55» 



n, 6, 1. 871 

sweisflen, waon er ihm nicht willfahren würde. Darauf ist Me- 
nonea beydea ans Forcht und ungedultiger heflfUger Liebs -Regung 
in eine rasende Unsinnigkeit gefallen und hat sich in solcher Wuth 
selbst aufgehencket, worauf hin Ninus die Semiramidem zum Weib 

B genommen und seinen Sohn Ninyum mit ihr erzeuget. 

Wie nun die Stadt Bactra mit samt dem Schloß oberzehlter 
maasen in Nini Gewalt kommen , ist mein Yatter auch lebendig in 
dessen Hände gerathen , dieweil der König Ninus seinen Kriegleu- 
len bey Yerlierung Leib und Lebens gebotten, daß sie ihn nit um- 

10 bringen, sondern lebendig gefangen nehmen sollen, dann er wolte 
die jenige junge Person sehen, dessen Ruhm wegen seiner TapfTer- 
keit und behenden Kriegs- Anschlägen in der gantzen Welt er- 
schollen. Er hat ihn auch nicht allein nicht als einen Feind tractirt, 
sondern ihn unter seine beste Freund gesetzt, mit Ermahnung, 

15 daß er ihm, wie hi^bevor dem Zoroastre, gleiche Treu erweisen 
wolte. Solcher massen nun ist mein Vater in des Assyrischen Mon- 
archen Nini Dienste nach Ninive, nach dessen Tod aber mit der 
Königin Semiramis nach Babylon in Chald»am kommen, welches 
Reich Ninus von seiner vorigen Gemahlin, die eine Königin in Chal- 

so dsa gewesen und ihm einen Sohn Trebeta und eine Tochter So- 
aanna gebohren, erblich an sich gebracht. 

Asaneth sagte : was hat es doch vor eine Beschaffenheit mit 
dem Tod dieses Königs? Ich hab mir lassen erzehlen, Semiramis 
hatte nur einen Tag den Königlichen Gewalt begehrt, und als ihr 

t5 solcher gegeben worden , an demselbigen den König umbringen 
lassen. 

Husai antwortet: dieses mag ihr wohl zur Unehr nachgedich- 
tet worden seyn, weil sie nicht allein sehr unkeusch, sondern auch 
über alle massen regiersichtig gewesen. Ninus hat in Belagerung 

80 der abgefallenen Stadt Ecbatana einen Pfeilschuß empfangen, und 
als er sich daran curiren lassen wolte, ist ein anderer Zustand 
darzu geschlagen, welcher ihm den Tod propheceyte, derowegen 



5 erzeuget] oXH gezeuget. 6 [a 33] Wie. 7 kommen] 8XH gekommen. 
11 junge] fehlt XH. 13 auch] SXH auch nicht als einen. Feind [S269] tractirt. 
16 Zoroastre] XH Zoroastri. 20 Trebeta] XH Prebeta. 22 [a 84] Asaueth] 
XH Asenath. Be8chaffen[X 780]heit. 23 8emira[H 2, 618. K 2, 6l8]mis. 
30 abgefalle [8 270] nen. 



I 



BT4 0, 6, 3. 

legte sich auff das Bauen, nit nur der Mauren, Städte, i 
dergleichen, wie denn solches mit jedermans Verwundet 
kündig, Sündern sie halle auch hohe Berge geebnet and 
ler erhöhet. Aber neben allen diesen lobwürdigen Ver: 
s ist sie den fleischlichen Wollüsten so gar ergeben und da 
ersätilich gewesen, daß sie auch ihrer äignen StiefTki: 
verschonet hat, wcßwegcn dann Trebeta ihr Sticlf-Sohi 
etliche mit ihm, die an ihren schändliihen Lastern ein 
gehabt, freywilltg in das Elend gezogen. tJnd dcmnac 

10 nit wieder vermählen woltc, aus Sorg, sie möchte um die 
kommen, gleichwohl aber ihre Begierden nicht im Za 
konle, hat sie die schönste Jüngling zu ihren BeyschläiTen 
gleichwohl aber solche, wie das Gemurmel gangen, nach 
Wollust alsobalden heimlich hingerichtet, damit ihre StA 

IS an Tag käme. Wiewohl nun mein Vater, als einer voi 
sebenlichaten Jünglingen seiner Zeit, von thro diß Orts n 
sehen worden, so ist er doch ihren mörderischen Händen 
entronnen, dann als er unterschiedlich mahl bey finstere; 
einer Damen aus dem Königlichen Frauenzimmer abgeli 

10 den, wie man vorgeben, und ihn überredet, hält er en 
gern wissen mögen, mit was vor einer er dann zu scha 
hat sie derowegen cinmals mit einem Diamant, den er in i 
ger-Ring gelragen, an die Slirne geritzt, gleichsam als i 
ungefähr und also wider seinen Willen geschehen wärt 

lA die sonst listige Königin vor andern damahls empfunden« 
entweder nicht wargenommen oder gefühlel oder doch 
eine wider meines Vattern Wissen und Willen besehe 
stillschwcigenis hingehen und ihn wie andere mahl meh 
Lehen an seinen Ort passiren lassen. Ob nun solches { 

Bo eich keines so qualiGcirten Junglings selbst zu berauben 
seines Verstands, seiner Tapffcrkeit, seiner Künste ond 
schaßten und seiner versicherten Treu zu schonen, oder 
vor andern sonst wol zu contentirn vermocht, lasse ich 



'A 



6 gBWo|a38]Ben. 8 eiii [5 274] Mißfallen. 13 Bey[H2,63(l 
erwählet, [K 2, 620] gltiLchwol. 20 und — übarrodotl fohlt 6! 
fehlt äXU. 22 b>l [i 39] ai^. 24 migB[B 276. X 783]r..hr. 
iderem. 27 Vaticrii| XU Vatter. 30 so] feWt XII. 



D, «, 3. 

UBt leyi. Ali er aber am andern Tage im Tempel Reli i 
•■Di daa Zeicben an der Königin Stirnen nhe« konio er $\ 
Ee Baciunaig machen, diß es Zeit wire, iuit ihren Aniren 
(^winden. Weil es aber schwer war, einer po mArhligi 
n eotrinnen , er hilte gleich olTenllirh oilrr heiiiil 
wollen, sihe so hat er sich sur LiHl gnwnnil im 
Priester Voicani verstellet, so wcIchiMn Kndi* f*r iii*lii 
giat aoff der Haut hinwegschfiren und ihm i*hM*n «rl 
MB Habit machen lassen, wie es dsnn din rml gudHi-liii 
m tragen pflegen. Seine aigno ilsut slM^r niNrlih' m di 
liftlii'hi' Salbe desto schwärtzer. I^id nIn f«r üfitif Im-«!« 
in n sich gepackt, hat er sich noch df'iifl««lli)tf«fi Ali**»«! 
Üaab gemacht nnd in wenig Tsgnn dln VorK<>lHH|/ di«« l* 
Srinlien erlangt Aber so bald wurdn i^r »)« ht n^mtn»^»^^ 
irarde sein hinterlassen Gesind dtirfh Vi^tu hu»\ v«.#Mtr«'i 
ler Königüi angefochten, zn .«ssf^n^ muhin l^# H*'^« ^>'^«*«u, 
la, wohin nnd in welcher (»pauM m »^itt-^i^h^* * \ • u 
iDe «nd bitten sich ehend^T v^^ U^M^ft ^«^k« > - 
Terrathen. Aber d^r Bafhif<*f i»'^' '*- '-• " 
dfcr hingegen anch ändert At/-h«« /'- "*•#.' 

Priester Vnicani pfr^^h^n^A-» ^^'*.'*» ,^. »■ 
m aDcLflnii. dab man alle di^rsir;»*«^'!"«* " -'/*»- ^r^ -■ • 
Mbjtmi krtagen solte. A»irh rif"i#^ .-^..^ i^.. 
lea ^rf dar iurch verkilndpf, m^t .4#" « -. ^ «. 

Zoroas<r<9m '/»^ vf*" »•'-^'•'■- -^ 
oder dmien .<iolf*^n '^^\' '-*^.'- 
uÄenen hintprlas^*»»»*- ••»i^* #rv<k -^ 
Vatter fiatt« hm^ /vi« ^ * - ■-- ». 
{in hcmeütter Pnest^r Wp^u**^^.- 
erfahren, laß t :n hr.-r u«.' -- -.- - 
dim wvde. DerotvAr^n ^ - ■ 

erlttigt. McriP^ tl^i<( 
^ffevüefte «nc^Pfi^hlnnrrr.! 

seiner '*Tc/kf -.--.- 



#■* 








V,..- 



■KB* wanaermnicst^ .-Liä^iut 9i:h -t^'... 
• wir vom » '«, ; ^^ i- .-«rw - -:i.— .. 
riobe uns 2i-s..« . r - ••ttr- .. i-^ui,. 
ÜBT, sie niiieTi-niiLiiitL'r a ^»«: « --,« _, 
■rirte. >:3U < "-: : Jz:-M ^-Li ...ik;.^ 

-^■ß er eViaUCL i .* .■■ ich i.b: ,^;--»{« 

I er in StrineB '•■"■iArau^^eui-tn u «;;. «^ 
I PeriiBche jina ^'.tuu:ti t .iapt««^-:-. 

Ich lerBTU ^ . n. « ^ -.b*^ 
r, kam sicn =- '.-,■_ i^ -. t ■ t . -.c 

r ich den i.xaif " . «».*)»*•:'. j'.T£ •:'&«;.». 

Bdernm ».ler:--:.» «t^^^^-Ac» ..n.«. 



MasJi .-. 
nyrierr.. - 

«KhllK.-l'W. 



ibncnt 1.! 



878 n, 6, 2. 

lassen, welches lang hernach König Darius zu seinem bö 
Schimpff Öffnen lassen, der llofTnung, viel Golds daraus xn f 



I welchea [a 46] kng. 2 fidchen] B äaeh«o. 
[HS, 623. KS, 623] Scliaa hier der HejdenSchwftuck, und Gatter F«bd- 
Wie Oohaen, Klllber, Kub, gleich QBttlich lie TBtehrl, 
Als iiBcb der Lnng allbicr, Erzeblungi-weia gehurt. 
Ein Wunder, daß eiii Ucnsch, so dumm, aod ertETenahouaD : 
Sich selbiten, Oüilern glülch, zu ichtttien, und lu aehteD, 
Derduoh oia Madeu- Sack, und voller Sleihlicbkuil, 
Di« iit «« auch allcio, nas hier fBlIt zu bolrachtea, 
Der Mooaohen Thorheiti-Greul, vor altvarjfihcter Zeit. 
Ach, dafi CB heule nicht, noch aokbe Narren gebe, 
Die HUltzer, Meiaing, Stein, auch Silber, Gold und Ena, 
Aubeteteii ■!■ GOTT, ja ob es gleichaam lebe, 
Und sehe ihre Noht, uud kennetc ihr Hertz, 
Von Christen slehti nicht fein, sich baidniicb so la weisen, 
Ei mOaieii Cfarietliob leyn, die Christen wolleii heiaMn. 



n, 6, S. 8T9 



Das sey dann nun genug von der Semiramidel antwortet 
Asaneth. Du aber lasse uns deine Ristori vollends hören! 

Da fuhr Musai in seiner Erzehlung fort und sagte : Demnach mei- 
nes Yattern discipuli gäntzlich glaubten, daß er aus einem Stein von 
5 der Sonnen gebohren worden wftre, haben die abergldubige thörichte 
Leute angefangen zu zweiffein, ob er ein irdischer Mensch oder viel- 
leicht ein unsterblicher GOtt wäre, vornemlich weil er durch natür- 
liche und übernatürliche Künste viel verwunderliche und unglaub- 
liche Sachen verübte und insWerck setzte, deren Ursachen und Ur- 

10 sprang sie mit ihren sieben Sinnen nicht begreiffen konten, sondern 
alles aus eines absonderlichen Göttlichen Gewalts, der solches ins 
Werk stellen müste, sonst vor pure unmüglichkeiten hielten. Da- 
mit sie dann nun aus solchem Zweiffei kämen und, wann er viel- 
leicht ein Gott wäre, ihm desto grössere Ehr anthun könten, haben 

15 sie ihm den Koth eines Vögeleins heimlich beygebracht, welcher 
die Art an sich hat, daß er einen jeden Menschen durch einen sanff- 
ten Tod schlaffend umbbringt, welches Gifft bey den Persern hoch 
gebalten und als ein Schatz auffgehoben wird, solches auff allen 
Nothfall zu gebrauchen. Als sie nun hierauff meinen Yattern wider 

so ihr bessert Verhoffen auff seiner Lagerstatt tod gefunden , seynd 
sie zwar aus ihrem getragenen Zweiffei gesetzt worden, haben aber 
hingegen ihre Thorheit und den an ihrem lieben unschuldigen Lehr- 
meister begangenen Mord dergestalt bereuet, daß ich mit ihrem 
jämmerlichen Leidwesen selber ein Mitleiden tragen müssen, und 



1 Das] XH Das III. Capitel. 

Zoroaster deß Masai Vatter, wird von seineD Diaoipeln mit Qifft hinge- 
richtet, and hernach ron denenselben sehr betr«iret Hasal wird ein Kaaff- 
mann. Ibme wird von seinem eigenem Weib nach dem Leben getrachtet. Er 
verleurt durch Schiffbruch all das Seinige. 

[X 787] DAs. 2 Asaneth] XH Asenath. 10 konten] XH kOnnen. 12 Werok 
[d 283] stellen. 14 k&n[a47]ten. 22 ihrem lieben [K 2, 624] nnsohul- 
[H 2, 624Jdigen. 



«0- n, 6, 3. 

zwar httlen sie hierzu genügsame Ursach, dann sie noch lang i 
den zehenden Theil derjenigen Künste von ihm erlernet, die i 
Vatter mit sich ins Grab genommen. 

Nach dieser EnUchlaB'ung hatte ich wenig Lust mehr, in 
s GeiellBchaffi der Magorum zu verbleiben. Es wäre zwar m 
Schuldigkeil so wohl, als mein Will gewesen, meines Vattem 
zu rächen, aber was hätte ich thun und gegen so anseholii 
Leuten außricblen können, als der ich weder mit Alter noch 
gebornen Freunden noch Erfahrung oder etwas anders dergleic 

10 das sie lisllen, gegen ihnen versehen gewesen, und das mir k 
sie hätte dienen mögen? Ich müsle noch darza sorgen, sie mi 
len vielleicht mit mir dem jungen Sonnen-Kind ein andere! 
unterstehen, die mir entweder wie meinem Vetter oder docli 
wenigst wie dem Hund das Grab bekommen möcbte. Derowt 

ift verliesse ich ihre ansehnliche Compagnis und begab mich nntei 
jQnglinge, die in fechten, ringen, steigen, springen, schwin 
und andern Soldatischen Exercitien geübt und unterwiesen \ 
den. Ich hatte aber kaum eins und anders, was man i» seit 
Schul lernet, begrifTen, als ich innen wurde, daß die HarÜali 

» Leute in selbiger Zeit, darin der Friede völlig grünete, den I 
dertslen Theil nicht so viel gölten noch prosperirten, als die ] 
curialisten. Üerowegen begab ich mich zu einem reichen Ki 
mann, nicht atlein von ihm zu lernen, wie ich künfTtig gleic 
ihm reich werden mögte, sondern allerhand so beschnffene H 

H und Wissenschafften nach und nach zu begreifen, vermittelst 4i 
ich mich in die veränderliche Zeiten schicken und auff alle be 
bende Fäll auff jeden Sattel gerecht seyn könte. 

Dieser Kauffbandel schickte sich gar wohl zn meinem Rn 
dann indem ich vermittelst meiner Künste leicht wissen ki 

M welche Wahr auff- oder abschlagen woite, auch wo sonst ei 
zu erhaschen, so brachte ich in Bälde ein grosses Vemiögei 
wegen und lernte dabey allerhand Sprachen, Vorlheil, Griff, F 

4 [5 284] Nach. EnCachlkBlmg] S Bnchaffang. XH Hinriohtniif. 6 
[XTSB] ge[a4elwuen. 10 wider] X wird. 1 1 mOlte] 5XH mlutD. 'l 4 mfi 
H dirffte. 15 Compagniie] SXH Compagiiik. 19 Ix^ffui, (8 985 
30 Friede] aSXH Feinde, i 1 als die UercuriklUlen] feblt XH. S3 ich [ 
mich. 35 begreiffen] X begriffen. 26 begebende] XU be^f*^*"«. SI B 
X Zurtter Zeit. H koitser Zeit. 




U, 6, 3. 881 

List und Betrüg, Item alle Wahren zu erkennen und mich in aller- 
band Art der Leute zu schicken. Wann ich einen Menschen nur 
ansähe und mit ihm zu handeln bekommen solle, so konte ich ihm 
gleich abmerken, was hinter ihm Stack und wie ich mit ihm müste 

5 umbgehen, wann ich einen Nutzen von ihm haben wolle. Die weile 
Reisen, die ich mit Gefahr vollbrachte, die Erkundigung der Ge- 
brauch und Sitten der Völcker, die ich besuchte, und was ich da 
und dort noch ferners zu meinen WissenschafiTlen lemete, erfreuele 
mich eben so sehr, als der Gewinn meiner HandelschaflFten. Er- 

10 fahre ich irgends einen gelehrten Mann, der von Künsten und Wis- 
senschafften berühmt war, so machte ich FreundschaflFt zu ihm und 
feyerte nicht, biß ich von ihm lernte, was er selber wusle und 
konte. Ja ich verschmdhete auch die geringe Kunst der Gauckler 
nicht, umb durch deren Wissenschaffl und meinen äignen Verstand 

15 noch etwas dergleichen höhers zu ersinnen. Und durch diesen 
meinen Fleiß wurde ich nicht allein einer von den Reichesten, son- 
der auch einer von den verschmitzten Kauffleuthen, die sich zu 
meiner Zeit in ganlz Asia und Africa befanden. 

Gleich wie aber alles gemeiniglich wieder föUt, wann es zum 
so höchsten gestiegen, man sey auch mit der Unterstützung so für- 
sichlig, als man immer wolle, also widerführe mir auch; dann wie 
mein Glück zum höchsten kommen war, wolle es einsmals wieder 
zurük, so daß ich bey nahe sonst keine Güter von meinem grossen 
Vermögen darvon brachte, als was ich in meinem Kopff gesamlet 

16 hatte. 

Das erste Unglück, das mich traff, rührete von meinem äignen 
eiffersüchtigen Weib her, das bey meinem Hauswesen zu Ecbatana 
sich auffhielte; dann als sie sich überreden lassen, ich hätte in 
Chaldißa noch ein Weib genommen, wie dann solches bey den Per- 
so sianern gebräuchlich, gedachte sie sich zu rächen und mich umb 
das Leben zu bringen. Kurtz nach diesem ihrem Entschluß hielte 
ich mich bey ihr auff, der Meinung , zu Ecbatana zu überwintern 



3 ansähe] XH sähe, mit [8 286] ihm. 4 staok] X sUok, pC 789] und wie 
mit ihm. H Stack and wie man mit. 6 Erkan[a 50]dignng. 7 die] XH welche. 
8 erfreuete] 8 erfreaete ich mich. 10 der [U 2, 625] von Künsten [K 2, 626] 
und. 13 Ja] fehlt XH. 19 [8 287] Gleich, gemelniglicfij H gemeinlich. 
22 kommen] fehlt XH. 28 Ea[a 51]rflk. 

SimpUciMimuf. IL ^^ 



MS D, <» 3L 





and mich als dam dm folgmdm PMUiiif n 
iM»gebm, welche Reim ich mib dimmiwilh ii ■ nfgühnhMi irai 
mir mlbsl prognosticirt, aie wörde nir dbei gede^ea 
aomi in KOrtie rin groß Ungliiek widerfahrao. 
ft -dafli Peniflchm Landrogt eia koatbarer Parpv*] 
Perieo ond Bdelgesteinm gesucht md 
die Heder und Ptaraer dem König Nyan 
Ügen laaam nad dem Landrogt m 
dm König eiagehiadigt Ba wardt damaaüim 
it aahat nad dem jeaigen, der ülachricht danroa gebaa 
groam Verehmag Tersprochea. Seiche Geiegeaheit 
aMsa Weib m riali, nch m naria rsraaginL laden 
amate, nüch hiemat nnw Labea xa briagea» verhalla 
nach hierdarch amiae aaaehaüdie BeJchtham, die ich 
ift h att e , ia ihrem Besilz za briagea. 

Oaraaf nNTfügte sie sich m dem Laad|ifeger oad gah ha; 
m, ich bitte dm Xmlei ealweder selber geataUam 
wenigal deaaelbigm tob dem Dieb gekaafly 
margeaehoL Aaff soichm warrie ich 
m Bmß aber vm obm Ufi oülm aaiStfiailirt, daria 
rar Wahr aad groaaem Reichlham rtd Pmrpar, 
har> Periea uad Edeigesieia« aber gieichwoht keia Kfiaiaü 
■aaM gefaadea worde. Mein Weib beharrete fnag^g^m aaffi 
lad^ aad weil daa Laadpfleg^ nach laeiaeB gro a e en {foichihi 
m fsliatot » wolle er Jiese GeiegenheiL iolche m sich zu aeaea, i 
Hiadee laasea. Derowegen seilte er mir desto bafi 
ifaehete^ mich za crenteigeB, wnna ich «iea TerioluBB] 
IH niahd wieder hennmchaAa wurde. 

kk b eau a ^ te meim ITmchnld iml a miie tbmm Verflmhm 

dar Aaraühag aUer tiötter« aber aar wurde mit tamhea Ol 

Ich klagte, mein Weib iaitte -mch Ui 





[•aq dflBB. ^tT«M4 xa Nyuo. .r»daMibi«9K,«i«ei t^io. ^ 




■ L- ** 



U, 6, 3. 883 

nd rieh md ihre anne Frenndichaflfk damit n bereichern. Aber 
mir wurde nicht geglaubt, sondern ihre Ldgen meiner Warheit 
▼orgesogen. Als ich nun sähe, daß man sich rüstet, mich durch 
Peinigung zur Bekannbinß des jenigen lu bringen, das ich doch 

6 niemahl in Sinn genommen, konte ich leicht merken, daß mich mein 
grosses Vermögen , weiches ich mit grosser Mühe und Gerabr zu- 
sammen gebracht, in Untergang und Verderben störtzen wolto. 
Vornehmlich weil das Volck sagte, woher mir sonst so gebling 
soldier Reichtbum zugestanden seyn könten, wann ich mich nicht 

f mit dergleichen und sonst allerhand Diebsgriffen beholfen hätte. 
Derowegen nahm ich meine Zuflucht zu meinen Künsten, und als 
man mich zur tortur führete, nahm ich von mir Selbsten ein höchst« 
glflendes Eisen in die Hände und bezeugte damit nochmahlen meine 
Unschuld, dann ich hatte bereits in meiner Jugend von meinem 

15 VaUer gelernet, was ich thun müste, wann es mich nicht Yorsehren 
soHe. 

Als das Volck diese ungewöhnliche Sach sähe, hielte es jeder- 
man für ein groß Wunder. Männiglich aus ihnen hielte mich vor 
heilig und erkante mich vor unschuldig, so daß der Landpfleger 
10 wegen des Volcks ungestümen Geschreys auch nit ferners streng 
gegen mir procedirn dorflte. Zwar waren wohl etliche Magi, 
welche wohl wüsten, daß diß Wunder durch Künste zu wegen ge- 
bracht werden könnte; aber sie weiten aus Liebe zu meinem Vat- 
ter mich drum nicht verschwätzen; zumahlen sie bedachten, daß 

16 sie auch selbst heut oder morgen diese Kunst zu brauchen benö- 
thigl werden möchten, welche ihnen alsdann nichts helflen würde, 
wann sie dieselbige jetzunder nit vor ein ungewöhnliches Göttlichs 
Wunder passiren liesen. 

Hingegen konte ich aus des Land-Pflegers grißgrammenden 
so Angesicht wohl lesen, daß er eine solche fette Ganß, wie ich war, 
ohngerupfft aus den Händen zu lassen, nicht bedacht war. Dero- 
wegen weite er den Königlichen Mantel und nicht meine Unschuld 

1 Bich [a 290] und. 2 nicht [X 791] gegUabt. 8 rOitet] XH rtUtete. 7 Ver- 
derben [a 64] itürtzen. 9 könten] d kdnte •onat aUerliAad D&ebfgrüTen befoh- 
len. XH kOnte, wann ich nicht fonst aUerfaaad DiebagriffSe gebraoebt bitte. 
17 angewöhnliche [d 291] Sieh, ee] fehlt BX. 21 doHRe] X döriTte. 24 dmm 
[a 55] niebt 29 grifigrammeiiden [H 2, 627] Angeeicbt. 81 Ufsen] d Ueten, 
und nicht. Derowegen] dXH dabero. 

56» 



864 ■, •»ai 





md Gut hüte strtffai MgoL 

ttbit OQd abgeböret Die b cfca rr el e 

der Straff ihrer Ugeo eatfehea MSckle, daS 

( Mitttel M meiner Behamnig yjeh e a 
darch dai glieiide Eise« ersehreckt aw 
worden, henckte fie daran, dafi sie eher nil cifeadick 
wie solcher hinein komaiett. Diß war 
sag Yor den Landpleger, dardnrch aar and Um gch n If i M w 

f könle, dann hieraoff Torfasste er bigeads Urthel: 

Dieweil beklagter Hnsai gemgsani bezeagt, daß der 
wandte Königliche Mantel Ton ihaie weder gesehen noch gei 
worden, ohnangesehen sich solcher in seineai Hanse seiaca i 
Weibs Anssag nach befunden, als wird er vor sein Person swi 

t> unschuldig und ihm beydes sein Leben und hergebrachte Fr 
so erkant, aber seine Behausung und was sich darin befndc 
ein Ort, der den König und die Liader xu bestehlen oder w 
den Diebstahl darin zu yerhölen mißbraucht worden, der Obt 
heimgesprochen, daraus wieder zuforderst ein anderer m 

m Mantel Terfertigt, der Überrest aber zu Entrichtung der avfg) 
Costen Terwendet werden soll. 

Bey Vollziehung dieses Urthels erhielte ich noch aus V 
der Magorum ein Stück Geld zur Zehrung oder einen nena 
lang der Handelschafft zu machen, weil man mehr Reichthnm I 

•i als man anfänglich vermeynt gehabt. Als sich aber mein Weib 
durch beydes der Besitzung so grosser Reichthum und ihres 1 
TOriger Huld entsetzt sähe, hatte sie ihr selbst den verdienten 
geben und sich in einen Garten erhänckt. Etliche metner 
Freunden aus den Magis hielten darvor, daß der Mantel nich 

so mahl Yerlohren, sondern daß solches nur von dem geitzigen 1 
plleger vorgegeben worden wäre, der Perser und Meder Landt 
darum zu betrügen und sich selbst reich damit zu machen. I 



1 mir [K 8, 627] gewiesen, damit [X 792] er. beydes [S 292] an. 
Mit XHK. eigentlioh] H eigentlich nicht. 8 solcher] $X solches, eine 
•rwflnBohto. 1 1 beklagter] 8XH besagter. 16 be [8 293] findet 20 aafg 
ftXH Auffgangonon. 24 ma[a57]chen. 26 grosser] XH grosseo Reiohtl 
S8 crhenokt. [X 793] Etliche. 29 Freunden] H Freunde. Sl Land[8294]i 



n, 6, 3. 885 

diese Begebenheit bin ich zwar viel armer, hingegen aber auch viel 
witziger worden and hab erst damals erfahren, daß alle die jenige, 
die in guter Prosperität stehen, von andern Leuten gehasset werden, 
es mag auch einer gleich so fromm und tugendlich leben und auf- 

5 richtig handeln, als er immer wolle. 

Das ander Unglück, das mich überfiele, kam von mir selbst 
und meiner Ungedult her, weil mir ohnerträglich fiele, mich in 
einer Stadt oder Provintz Idnger aufzuhalten, darin mir ein solcher 
Schimpfl^ ohne mein Verschulden widerfahren. Und weilen mich 

10 bedunckte, beydes der Heder und Perser Landschaflten wären mir 
zu wider, schiflFte ich in Indiam, da ich noch den besten Particul 
meines Vermögens hatte, der Meinung, solches zusammen zu ma- 
chen und mir in Elam, dem rechten Vatterland meines Ursprungs, 
einen festen Fuß des häuslichen Wesens zu setzen. Zu meiner 

15 Dorthinkunfft fände ich, daß die Zeitung von meiner Begebenheit 
und was mir in Medea widerfahren, allbereit daselbst außgebreitet 
war, hatte derowegen desto weniger Ansehens und Credit daselbs- 
ten, dann es hatten etliche außgeben, daß ich allbereit Diebstahls 
halber das Leben lassen müssen. Hein Factor selbsten hat es nit 

10 allein gern geglaubt, sondern ihm mein Unglück zu Nutz zu machen 
sich unterstanden und zu solchem Ende meine köstliche Wahren 
samt der BarschafTt mehrentheils heimlich verzwackt und wegen 
der Übrigen mit dem Zoll-Einnehmer einen Pack gemacht, vermit- 
telst dessen sie meine Erben oder anverwandte Freundschafi^ die 

15 sie weder so groß und weitläufnig noch von solchen Hitteln zu 
seyn wüsten, daß sie ihren Anschlag widerstehen mögen, vollends 
um den Rest zu betrügen und also im trüben Wasser vor sich selbst 
zu fischen gedachten, massen sie miteinander abgeredet, der Zoll- 
ner solte ausgeben, ich hätte ihn hiebevor umb den Zoll etlicher 

80 massen betrogen, so wolle es der ander nit leugnen. Hieraus 
lernte ich, daß der Gewissenlose sich nicht schämet, den Unter- 
druckten noch mehr zu beschweren. Item daß solche aus des 

* 

1 ärmer] H ärmer worden , habe hingegen. auch — hab] fehlt XH. 
6 [H 2, 628. K 2, 628] Das. 7 ohnerträglich] BXH anträglich. 8 aafznhal- 
[a58]ten. 11 wider] XH wider, anff einerley Weifie, schiffte. 13 dem] 
aSXHK den. 16 was [8 295] mir. Medea] XH Media. 20 sn] fehlt X. 
23 Pack] ?Pact. 24 an [a 69] verwandte. 27 trfiben [X 794] Waster. 32 noch 
[h 296] mehr. 



MF I. «. 1 

iLuspiniitfii iniL Lmuur^rcn Jamt. IL 
Scnm. mpei. imi umr. aal 
fuimniL 

lii war* <vir proBso' lim im. fi— friiMm 'V*ritaCB m 
T dieiifiD fiRC finr^imiktiu ii&* liämc «nulta oiil 
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■MSjnRinfatiij-.«kiaäaaflBH»*crittf. i^rnefluiLQ aer .us lemnir;. •■■ 
•:* MB a»eiicfi .AJiiMii imnefiüa -piTarrei!. :c st UMxr mko 
Wraneiu iie RH iOcrQ oa rrnffiinieB oie.-IfH 
ykUMtu vnrces .orra -fäuoD liscer .emaerflitfBi -on 

>b jiL j«ica aanud aoaf .iiucta .^na. ib »us .ui 

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auai jiiHn »oa iniiEr "Müesi^aam! ..a .Taevioa. ,m* 

IOC. «amu «Mwrr acn iar i feuuoous na i aoer? .-hütts 

aaar. T)ar .aa» aio! hl-r w Iraiams aa eüremia 7 x* 

ui>x2B ..uihfr .'Büvenasn avio .renact». ^^is is a juir 

•« likiK. :iia vraKBiis. \:?BBCi:t. au *c« ti wm ji s 

u iiaa maiiMi •üattanie .rtiesacnHem na lifgrrm Iü— 

.imar «aaaMr *\idHiaac- ■ i^iu . etfaaea. .oa i i mh h » a 

I ai : ur 'inauea ornee« «aie :cr 
£,imäsm n^aiiiauaa otf g ivi^rr . aatnrre. 
'ngrita «nasaL-uu; ui-u. au -2 nr vr— 





-' ineiir -i .2». r ;v . " . ■ n- tr- 

atet SV«<iMM^^Mi. 'J ivjmrpaaaa%.i-«..- '"*- -. -:':-3um. 




n, 6, 3. HN7 

nahe umbs Leben gebracht hatten. Ich weite hingegen niicli mit 
meinen Künsten üben, denselben ferner nachsinnen und jederinaii 
nach dem Gesetz der Natur bedient seyn und von dem JQnigen le- 
ben, das ich da und dort noch übrig und hiebevor errungen und 
s gewonnen hatte. Ich mondirte mich mit dem allerbesten l'ersittiii- 
8chen Pferdoi das ich bekommen konte. Dergleichen thäten auch 
die jenige, die mit mir und ihrem Leben dem Meer entronnen, vvi;jl 
es lauter reiche und an den Principal-Orten der Welt wohlbekandle 
Kauffleute waren, des Willens, mit einander inChald»am und Syrien 

10 in reisen; Jene zwar, weil sie mehrentheils dort zu Haus, ich aber, 
damit ich nach meinen da und dort in den Städten, vornemlich zu 
Babylonia, habende Kanffmanns- Wahren schauen und mich elivan 
omb eine Gelegenheit nmbsehen möchte, allwo ich die übrige Zeit 
■Minef Lebens vollends zubringen möchte. 

16 Aber unterwegs traffen wir eine Caravana an, die auch in 

allerhand KaulBenten bestünde und in Aegypten zu reiMfu \qi- 
habens war. Dannenhero geseilete ich mich zu dieser und ver- 
liene meine vorige Gesellschaft, weil i(;b nit allein gute Bekannte 
unter ihnen, sondern auch gute Gelegenheit antraffe, das, wab it-At 

m hier mid n Thebc hatte, abzuholen und mit der Caravana Zurück- 
rame mcher in Chaldmam überzubringen. 



5 Bondirte] X montine. 9 eioAoder [a 62] in. 12 b«b«iidej B h«b«ii 
14 nSchie] H kCniite. 15 Ca [^ 299] »Tau«. 17 war] iJLH wareii. 
tu gute — antreffe] fehlt XH. 21 fib«niabria|^n] U üft»«nubriDg«ii. 

[H S»nSO. K 2,6a0] BohM wm die LuierZung der boMD Weither eüfft«* 

Die Tollar EyBenathij nnd £rtz-Fi»etikeD-Küad, 

Sie nid doD SebUDgeo gleicii, die iuDerlicL ▼«rgilh«r. 

Ob nc TOS aoMeo Msfavo, aehbn auiiucliauerj find. 

Hier, deß lliuai Weib, liat one eii. Muster »eben. 

Wer hntie wofal venneuit. eiii Weib wlkr bi« ▼erflucbt. 

Daft sie eoh ibreiD Manu, aleo ftu*rid«nt«beii, 

I>iiTeli bloaMs Karreb - Wabxi . uud eitit Eüenucbtr 

TKa ist der Weiber Brauci. . def bimieii. «ri<b der MbJiuuua&er. 

Wann eie worauf erbiii:, tf, bltluvi bit darb«}'. 

Oft meyneo aiea gerad, so gebu «ji. ali«rkrüJu«i«L. 

Dann f(4i«t, 8oham und ßcbaad, uuc bcbac uucl groM*. fieii. 

Doofc m«0jSi«kter leja, wie hi^f aici tkuw fuudei.. 

Dm «Aap ^pnaa «, wana mIc^ V»'^iMa gib;, 







Auf dieie Reiw Dun, ifDüdig« Frau, hitbe ich Aiu grüntt 'Jltiii 
gehabt, ihren liebEten Eheherrn dut erste out zu neiivn, wurliit^t'nt 
einen voUkommeneii Sfiiegel aller himmliKheuTui^eiuleii. l<:h k'Xit« 
ihm gleich an&ehea, daJj er vomeiulivh zu ErhuWuufi vieler H> i^ 
» fchen in diete Welt ertchalltai wurden war«, luiA Aaauuiiiv.r't 
setzte ich g-leich meint»! Truirt auf ihn, «I» uuü ein iuer<J(l«;lt(, 
Schmar Araltitcher Kütiher «ngreifleu woitcn. M'eil«u aber Kuur 
Gnaden TOn ibTeni Efat^erm htreiit t erstabdigt mvii werdeu, «tm 
awEien ihn dauahlt luu Mint; firiider terkauffL alt will dit-,6elU 
!• iA mit soicber Erzttiiiun^ «erfr'jiiitiiti.. 

Ich huiit zwar. «iiXirk:: AMiieti. . u- «iku Icvtaullti);! t^i. 
ihm gehürei. aiit;; ^i^i-juwuii. ikf;iti«t. «i^fODttiCheti V^rlnuff »en-t^x. 
nen, uöcnit usruwt:(jei. wm^ »Cicvii. w«iui du Muhe imltuA»'.. 
■tich ann. dK iBisUuot Miyiauffii^' tkrtbei. iti inbM:!, tW ft'>i.<<-;f' 
I» lieh moC' ici. iiucl \«rwuiiCi«ri.. wititef Ol m. eiirtU; gewiMei '!i'y»: 
mir Bteiliei. Li*;lWl«I M;l£el ubl wiaM;l tt'^lilM:! . G«t «f Jtt. •:««(«' 
GeseUscaaO: tinc mhiSi «leif^r K-;ii-'jiii;i Lfbauuii^' eikcii»£«t «^v'- 
den, Ites; «h uuc au' ww V ei>r at 6n. n^ita: gr«iu«ii>« Ara;«kC(» 
SiDber et g'ubva^aK. uuru mii •■ii«teii(li)>' ia hm'^ihsi tet>i(/^' m- 

Hon aniMiTK' wtra ^au«rr iw: «itf eib^ Z«t'. Mu&ei 'jtit 
welcher &ifi uar*(r aufegk: c ouii^ ali«f omci beKu»«iu(at' 



—r*^« i»- ..1* 



her : »IK. «u» «Xl. • 




n, 6, 4. 

dienst aller anderer Götter, so dicVölcker auITErden anbeten, auf- 
heben und zerstören und derdurch viel Million Menschen vor dem 
Tod und Untergang erretten würde. Weil ich dann nun aus der 
Kunst der Phisiognomia in dem Angesicht ihres Liebsten etwas sel- 
5 teners als bey andern Menschen sähe, zumahlen gewiß wusle, daß 
er umb 30 Larin verkaufTl worden, so schlösse ich gleich, meines 
Valtern geheime Prophecey wäre bey nahe erfüllt und unsere Ca- 
ravana würde die erste aus der Zahl der jenigen Menschen scyn, 
die durch ihn vorm Tod errettet werden sollen; und damit nun such 
10 ein Göttlicher GlantE hierzu von ihm strahlen sülte, liese ich ihn 
verkleiden, gab ihn vor den Apollinem aus und erlangte also 
durch ihn die Preyheit unserer Gesellschalft. Ich kan mich auch 
noch biß auTden heuligenTag schwerlich anders überreden lassen, 
als daß mein Herr eben der jenig sey, vom dem mein Valier die 
ts Weissagung empfangen, absondorlich wann ich bedencke, wie viel 
100000 Menschen er vom Tode dos Hungers errettet und daß er 
er den erdichten Gottesdienst der falschen Götter in unsern Hertzen 
außgereutet und ihre Ehre gegen ihnen auiTgehaben und zerstöret 
hat, indem er uns den wahren GOtl hat kennen und denselben an- 
90 beten lernen. 

Joseph redet hier dem Musai ein und sagte: mein Freund, der 
jenige, der noch in diese Well gehören werden soll, der Abgötter 
Reich SU terstören und unzahlbare Menschen von dem Tod zu er- 
relten, wird ein anderer GOTT, auch ein anderer Mensch seyn, als 
n ich elende Creatur, als gegen welchen ich mich nicht würdig 
•chntee, daß ich mein Angesicht, geschweige meine Hände unter 
leine FAßsolen legen sollte. Er wird auch die Seinige aus einem 
1 Tod, als diesem Zeitlichen, erretten, davon wir etwas we- 
nu den heiligen GehcimnuEsen, die GOtt unseren Voreltern 
•i anvertrauet und wir auch von ihnen mündlich em~ 
ir Btamlen können. 
mIbI JflWph ohne ZweilTel von Christo, dem allgemeinen 
i| durch die heilige Geheimnüß nichts anders, 




aon) aiibalau. i Miltion] H Millianon. 7 Propheoey] XH Pto- 

..r| XU für. 15 ftbsondorliob |a 67] winii. IT in [S 304{ 
|[ irrdele. 37 FJlDsülen] oXH Fußaolen. S9 unaern |X 709] 
»WUlw] 8XH Mmlen. B3 Zweiffei {■ 68] tod. 



n, 6, 4. S93 

Cammer zusammen geflossen? Sehet, mein Herr! darum traurel 
das erermle Land, dessen Inwohner weder eigene Aecker noch 
noch Häuser noch Viehe noch Geld liesilzen noch eigne Herren 
über ihre eigne Leiber mehr seyn, denen doch GOlt und die Naiur 
& solche so wohl, als dem König den Setnigen, zum Etgenlhum en- 
gesohalTen. Warum liegen die KauD'manns-IIandet allerdings ver- 
graben? Darum, daß dem seuO'zendt;n Volck keine Mittel übrig 
gelassen worden, gleich und mit anderen Nationen zu handeln. 
Das erme Volck hat kein Geld und Pharao last es hingegen über- 
10 einander verschimlen, Weßwegen ohne Zweiirel mancher armer 
LTropFF Bach über dich schreyet. Ein jeder mag sein Schäßlein 
^bwar nach Nothdurchl wohl scheren, aber wann er ihnen die Haut 
■^jtr über die Ohren ziehen wolle, so würde er mit der Heerd bald 
fertig seyn and undlich keinen andern Nutzen darvon zu gewarten 
\b haben, als jener Bauer von seiner umgebrachten Ganß, die ihm 
zuvor, so lang sie lebte, alle Tag ein gülden Ey legte. Aber, 
mein Herr, wo komm ich hin? Ich wolle nur zti verstehen geben, 
daß mich bedunckte, du habest dem Gesetz der Natur nicht so gar 
gemeß gehandelt, daß du so viel und große Schätz allein demPha- 
10 raone zugeeignet, die doch von der Natur gegeben worden, daß 
nit nur der König, sondern alle Menschen deren geniessen und sich 
ihrer erfreuen sollten. Wo vermeinest du wohl, wann ein kriege- 
rischer König aulfstünde, der heut oder morgen solchen Schatz zu 
Waffen und Soldaten anlegte, könte er nicht als dann die ganlze 
IS Well mit Krieg, Mord und Brand hetrucken? und über wem würde 
ahtdann das vergossene Blut der Unschuldigen Bach schreyen? 
aber denjenigen würde ein solches Geschrey gehen, der dum König 
die Mittel, zu kriegen, und also das Schwerdt, zu würgen, in die 
Hände gegeben. Würde dich solches nicht in deiner Ruhe beun- 
■ lubcwigen oder doch wenigst dir bey den Nochlebenden biß ans 
1 der W«lt ein hosen Nachklang verursachen/ Aber solches 
, raeio Hvrr, wird deine hohe VernunR'l ohne ZweifTel eher 
I Bis icb, betrachtet haben. 

XU verarmte. 5 den] HK die. II sein] ti leioe. 1! Nolh- 

Itt au Ig 30e] t*Dg. IT hin? [a TI] loh. 19 Pha- 

St> gego[H 2, 634. K i, 634jbeii. ii erfrouen] SXH 

i^wt? [X 601] über. 29 beunriih ewigen) BXH beunmlilgDO. 

309]obcD. 




n, 6, 4. 895 

wegen des Volcks Sünde oder anderer Ursachen halber alles an 
sich gebracht, daß muß ich geschehen lassen, werde auch kein 
Schuld daran tragen, ob gleich dieser König oder seine Nachfolger 
das jenig, was ihnen GOtt beschehret, wohl oder übel anlegen. 
5 Mein Herr hat recht, antwortet Musai, und ist jetzt nur daran 

gelegen , daß wir bedencken , mit was Fug wiedemm etwas von 
des Königs Geld anter den gemeinen Mann gebracht werden möge. 
Hierzu nun muß sich nach des Königs humor gerichtet werden, 
«nd demnach wir von den allermeisten Königen wissen , daß sie 
10 Bhrbegierig und sich befleissen , auch bey der Nachwelt ihnen ei- 
sen unsterblichen Namen zu hinterlassen, so wäre mein Rath, man 
persuadire den König dahin, daß er ihme zum Gedftchtniß, wo 
nicht nützlich und nöthige, jedoch andere kostbare Gebäu aufffüh- 
ren lasse, die gleichsam unzerstörlich seyn und der gantzen Nach- 
1» weit das Zeugnuß seiner grossen Macht und Reichthum ins künfftig 
bezeugten. Auff solche Weise würden viel Schatze wiederum un- 
ter seine Unterthanen dispensiret und außgetheilet, dann das Bauen 
hat ein weites Maul, viel Gelt hinweg zu fressen. Ich habe ein 
Ezempel an der Semiramide, welche auch an dieser Ehrsucht kranck 
to gelegen und nit allein die Stadt Babylon erweitert und mit einer 
solchen Mauer zieren lassen, davon die gantze Welt genug zu 
singen und zu sagen weiß, sondern sie hat auch eine Brück über 
den Euphratem und auff iede Seite ein Königlich Schloß, auch über 
diß einen Gang in der Erden unter dem Wasser hin bauen lassen, 
15 dardnrch sie aus dem einen Schloß in das ander gehen konte, ohne 
das sie hätte über den Fluß kommen dörffen. Die Stadt Ecbatanam 
bat iie mit unglaublichen Unkosten gewassert , alle Wege in ihren 
Undem gebessert und um deren Kürtze willen gantze Berg von 
harten Felsen durchlöchert oder gar von einander geschroten, ge- 
fi fchweige letzt der wunderbarlichen Garten zu besagtem Babylon, 
( die von dessentwegen , daß sie so hoch über der Erden im Lufft 
} idiweben, hangend genant werden. Über das hat sie aus den Ber- 
' gen Ameni» einen Stein hauen lassen, 135 Schuh lang und 25 Schuh 

« 

12 per[$312]8uadire. 15 künfftig] 8XH künff[a75]tig bezeugen. 18 yiel 
Gelt] fehlt 8XH. 21 zieren [X 808] lassen. 25 konte] SXH könte. 26 Ecba- 
tanam] 8XH Ecbatana. 27 Unko[d SlSJsten. 81 im [a 76] Lufft 82 han- 
gend] H bangend i. e. (borti penailes, beut au Tag Altanen). 88 Amenis] 
XH Armeniä. 



Gnädige Frau, sagle er, zuvor eis mein Herr kam, befanden 
wir sich mit unserer Caravans nuch in höuhster Gefahr vor den 
Räubern. Nun will ich auch hersagen, wie wir vermittelst ihres 
Liebsten unvergleichliche» Schönheit daraus entrannen. Ich liiese 
r, ihm, so bald ich die Rauber nur sähe, ein Königlich Kleid anlegen, 
das wir zu allem Glück vor den Pharaonem zur Verehrung mitge- 
nommen, und befahl, daß man ihn auf das besle Pferd setzte. Ich 
selbst aber verfügte mich zu den Räubern und erschreckte sie mit 
der Gegenwart Apollinis, den wir, wie ich sagte, bey uns halten, 

10 daß sie zitterten, wie die Febricitanten; und in dem ich sie durch 
ein angenommene Mina übereilte und in eine Furcht Jagte, brachte 
ich sie dahin, daß sie durch meine Lügen sich bewegen liesen, ih- 
rem Eheherrn Göttliche Referentz zu erzeigen und von ihm so 
närrische Dinge zu begehren, welche zu ertheilen er sich nie- 

ib mahln träumen lassen. Der eine begehrte ein schönes Weib, der 
ander Glück zu guten Pferden, der dritte reiche Beuten an Geld, 
der vierte ein unüberwindliche Stärck wie Hercules, der fünSTte 
seiner Buhlschsfft Gegenliebe, der sechste ein ansehnliche lieerde 
Viehe, der siebende eigen Hauß und Hoff et c. Einer wünschte 

10 Schönheit, den Weibern zu gefallen, der ander ein grimmig und 
grausam Angvaicht, seine Feinde zu erschrocken. Einer wünschte 
KrbM, dar ander bath den Apollinem, daß er die Seinige versor- 
il Mgnun wolle. Gemeiniglich war ihr Begehren, daß sie in 
iJinnngcn an Viehe, ausserhalb aber durch Rauben an 
ptb werden möchten. Gleich wie nun ihr Bitten und 



i| XH Du V. Ckpitel. 




den JoBppb von den Räabern errettet. 

•tob] eXll un., 4 unTergleichlicbcn] 3XH DoTergteich- 

itm. 6 Glück [e 315] vor. II ein] feblt SXH. Mipb] 

8] braohtc. IS seiner [H 2, t>3T. K 2, G35 statt 637] 

|«8lö] Erben. 23 QemeinigfX 605]Ui:h. 

57 



i 



11, 6, 5. 899 

meine noch habende Wahren an andere Kfluffleute verhandelte, weil 
ich nil mehr in Aegypten zu iiommen vermeinte und die übrige 
Geferten auch ihre GeschäfTlti verrichtet hallen, nahm ich mit 
ihnen meinen Weg auffBabyloniam, altwo ich befände, daß mir 
i alle meine daselbst gehabte Guter in einer schädlichen Feuers- 
bmnsl anfgangen oder im Rauch gen Himmel geflogen. 

Weilen mir dann nun in meinem KaufThandel so gar kein Stern 
mehr lencblen wolle, den ich ohne das nit mehr zu treiben be- 
gehrte, stunde ich in der Wahl, ob ich irgenls häußlich stillsitzen 
10 oder femers reisen wolle, auf! welches letztere ich sehr verbicht 
war, und solches dessentwegen umb so viel desto weniger wolle 
oder könte meiden. Ich veränderte alles mein Vermögen, was ich 
indem Orten noch hatte, in Gold und Edcigestein, damit ich also 
mein ganlKe Haab bey mir tragen und an jedem Ort, wohin ich 
15 in die Fremde käme, zu Hauß und daheim seyn könte, ob ich et- 
wan hier oder dar eine Gelegenheit antrcfTen möchte, da mich un- 
gefehr ein anders Glück wieder bescheinen wolte. Und solcher 
Gestalt dienet« ich den Caravanen, die mich hierzu bestellten, vor 
einen Tolmetschen und Glftidsmann, also daß ich auf der Reisen- 
ao den Collen in der Welt hemm vagirte und noch meine Belohnung 
darin empfleng. 

In solcher Qualität wurde ich eins mala von Sabacano der 
Trogloditen Fürsten gedingt, eine Reise mit ihme nscher Delphos 
zu than, da er den Abgott Apollinem wegen etlicher seiner An- 
is gelegenheiten um Rath ersuchen wolte. Ich liese mich um so viel 
desto lieber hierzu gebrauchen, weil ich vorlängsl ein Wallfart 
dorth in versprochen und mir vorgenommen hatte, das Oracul we- 
^l^ntiincs so vielfältig erlittenen Schadens und Unglücks, auch 
^^^B| kilnOUgen fernem Begebenheit halber zu befragen. Und 
^^^^^hM zu meiner HinkunGTl beydes mein Andacht und OpfTer 
^^^^^^Hnich verrichtet halle, empficng ich diese Antwort: 
^^^^^^^HdarTugODdhachiterGUDU mir gUntxlicb hat cnlnamiueii, 
^^^^^PSankU vor mich anff meinen Ehren-Tbron gesetzt, 

. BMb] « Duhhabende. weil [US, 638. Ka,638] icfa. 3 QMchäS'te 
XI] verrichtet, tl we[S319]uiger. IS die ~ bettellten] fehlt BXH. 9 Tol- 
i„chea] BXH Dolmeltcher und [a 8S) Gl et »mann. !S DcIplioB] H Del- 
■ir. ST dorthin [X 807] veripmchcn. 28 echa|eS!0]Ueni. 31 hatte) 
<t XH. 83 hilchiUr] S liOohste. 33 die] K sie. V diese. 

5t» 




■.\.''_* -'Jl'.-" 



n, 6, 5. 901 

ein Bauerskerl sonst ohne Mflhe wol verriohten kan, erkränckte 
ich dergestalt, daß mein Herr (wolle er mich änderst nit so bald 
verlieren und sein Gelt umsonst ausgegeben haben) einen Artzt 
bestellen muste, der mir meine Gesundheit wieder bringen solle. 

6 Diesem sagte ich, wüste es auch besser, als er selbst, was mir 
mangelte und womit mir am besten geholfen werden konte, ja ich 
gab ihm auch unterschiedlichen Rath, was er seinen andern Pa- 
tienten brauchen solle. Und als es ihm glückte, nahm er meine 
Person und Reden besser in Acht und wurde bald aus meinen Dis- 

10 cursen gewahr, daß ich wegen meiner WissenschaSl nützlicher 
zu etwas anders, als zu dem Gartenbau gebraucht werden könte. 
Derowegen fuckert er mit meinem Herrn Gärtner und gab ihm einen 
Knollfincken vor mich, der besser, als ich, hacken und graben 
kdnte. 

15 Nach diesem getroffnen Tausch erlangte ich meine Gesund- 
heit bald wiederum, und ob ich gleich dem Artzt als ein Knecht 
dienete, so war ich gleichwohl der Meisler in der Medicin. Ich 
reformirte seine elende Apoteck mit samt dem Laboratorio und 
lernte ihn beydes mit prssparirung der Artzneyen und den Kranck- 

so heiten viel anders procedim , als er noch bißher gewüst hatte. 
Dahero restituirt er seinen Patienten ihre Gesundheit viel ehender 
und besser, als man zuvor an ihm gewohnt war, wessentwegen 
er mich anfinglich liebet, endlich aber neidet, als er sähe, daß die 
Leute anfiengen mich höher zu estimirn, als meinen Herrn Docto- 

25 ren selbsten. 

Gleichwohl muste er mir noch immerhin gute Wort geben 
und seinen Neid verbergen, weil er fort und fort noch mehr 
Künste von mir zu erfischen bedacht war. Wann auch solches 
nicht gewesen wäre, so hätte er mich vorlangsten, ich weiß nicht 

•0 wohin, wiederum verkaufft Als aber des Kerckermeisters (dabey 
ihr Liebster gefangen gelegen) Leute kamen , Gefangne Leibeigen 
zu kauffen, die man im Laut Königlichen Befehls auch um die Ge- 



7 sei [a 828] nen. 9 Reden — und] fehlt XH. 1 1 könte] XH kunte. 
13 ftiokert] 8XH handelt. Gkurtner] 6X Garener. H Gärtner. 16 [H 3, 640. 
K 2« 640] Nach, erlang [« 86Jte. 18 mit [X 809] samt. 28 endlich [8 824] 
aber. 26 Wort] « Wart XH Worte. 27 und fort] fehlt 8XH. mehr] fehlt XH. 
33 KönigUohen [a 87] Befehls] XH KönigL Befelohs. 



902 



n, 6, 5. 



bühr folgen lissen mnsle, wo sie deren aotnffeii, die Htm bagti 
halle beydcs sein Neid und mein Dienst bey äaa ein Ende; ia 
diese führten mich nirh Thebä , da ich ihren Liebstes Bit ■■■ 
sprechbcbcn Fresden, ob zwar in der Gefut^u, mmgrbiMi 
» Wie ^lückseeti^ ich nun seithero in ihres Dteastea nach co vid 
überslandenrn Widcrwärtifikeilen tind winderbarlKW« Glisk 
■nd TiurlüfLs - FaLien allfaier gelebt, haben Eaer Gaadea t^ 
vor Aifon geseheo. danoeBbero okoBöthif, eia mArert bierr 
xs rrtehler- 

1« Narh den nnn Uiisa: si-icbtr Gestalt seise Bede bescklosses, i 

SK'h aa>'h Lif B.D^ ^e>e3iser. atur. Tenriei-ea ne die öbrige Zeit i 
«sff den Ai^-ad ili: Spazires £e&eL ani die Gi>tüicfae AUaocbl B 
Wimdi-r u ies Sn-b.'-nfr nelfäri-ifec BiBsen tadtaäerm aeagebo 
»es Eri«:: « k~b$et rc i-?rv::ik;n md äsäsea Gate bb aDe erschi 

i> fne V*af zi. w<be£. 

\«^ i-'Ljrkes Ta^n u: i.'Sept des Mcsk »pg^gftgt. dafi 
ihx V>s rkaj»:.c: a^ cjm tUmeaäter aficebncb. ^ als 
tki XK'--^!-i :=:CE.n^. a-j: X &uk 1^1 >MB Kf«]c mit Re'd«« n 
bt.~^fs s.^. iiAc; fdir !•?'.& art^-K *Br6e. nt« ortet Vh 

ai Mett SiTT .«»^ ai^-t rij- ^ i =ar?T Vo-oc kx ^anaU Hl 3 
beÜBC. «.' «^ ^-> jeiD:?« :ä±,A: j^-Lse; ■aTifi-a a ib a ty<t aT d 
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n, 6, 5. 903 

Schoch breit gewesen; solcher Unkosten seye nit zu zehlen noch 
auszusprechen. Wer mehrers von diesen ungeheuren Thürnen 
zu wissen beliebt ^ der lese Plinium lib. 36, cap. 12, Diodoruni Si- 
culum Hb. 2, Herodotum lib. 1, Amianuni Marcellinum lib. 22, Pc- 

5 trum Hartyr. Mcdiolanensem, Pomponium Melam und Hans Jacob 
Ammans eines Zürchers Reiß in das gelobte Land , der unter Re- 
gierung des Kaisers Rudolphi Secundi persönlich in und auflT dem 
grossen Pyramide gewesen und dessen Beschaffenheit weitlaufftig 
beschreibet. 

10 Unser Husai aber wurde zum recompens seiner Erfündung und 

gegebner Vorschlag vom Pharaone über die übrige Völker Vessari 
oderVezori, die hernach Dinastier genant worden, zum Fürsten 
gesetzt, welche Ruhe und Glückseligkeit ihme dann Joseph als 
seinem getreuen^bgelebten Diener in seinen alten Tagen auch 

15 hertzlich gern gönnete. 

ENDE. 



h Pomponium] 8 Pomponiam. 6 Ammans] Joh. Jak. Amman aus Talli- 
▼eylam Züricher see, Chirurg, reiste 1618 ins gelohte land, starh 1658, 71 jahro 
alt. Er ist nicht su verwechseln mit dem gleichnamigen chorherrn in Zürich, 
der 1673 starb. Land, |S 827] der. 10 Erfündung — gegebener] fehlt SXH. 
18 Joseph] 8X1 1 Joseph ihme dann als. 15 günnete] HK gönnete. 

Hier zum Beschluß, findet sich noch eine schöne Anmerckung, von einem 
klugen und redlichen Schaffner oder Kanßhaltcr, dem Musai, dicHcr handelte 
treu und vemfinfftlich, und wendete seine •Schreih-Fedcr wohl und nfitzlich an, 
derowegen erhuhc ihm auch GOTT auf einen Fardten-Troliu, wie die Historia 
aiuweiset, und sich auch darmit endiget, und ho wird auch dcß TsalmiHten 
8praeb erClIllet: Dom Gerechten, wirds Kuletzt wohl gehen. Joseph und Musai 
itehen als krilfftigc Zeugen dar. Ach! wer redlich handelt, und seinem GOTT 
Ton Hertsen liebet, wie sölto es doch wohl ein solcher böse haben können? 
Heut lu Tage gcscbiehet es doch selten, daß die Schreiber, Schaffner und 
HaitßTerwalter mehr ao hoch an das Bret kommen, ob sie yieleicht auch nicht 
mehr so redlioh handeln, weiß ich nicht, wäre nur eine Frage. Doch finden 
■noh noch welche, welche lu hohen Welt - Dignitfttcn gestiegen, von 
mAn XU [H 2, 648] unterer Zeit Ezcmpel vorstellen könnte. Ob »ich 
lebe dnrch Geld dann geschmieret, oder hinauf geschmeichelt und Poli- 
oder auch durch ihre Tagenden und Klugheit wie Joseph und Musai 
7 iHflsct sich eben ancb hier nicht so klar aussetzen, jedes kan scyu. 
Blich wohl an keinem fehlen. Qiengc auch alles noch wohl hin, 
, 042] nur Öfften nicht gar Narren zu solchen Verrichtungen und 



mehr 

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n, 6. 



905 



Wer sein Amt will recht verwalten, 
Than, was ihm zu thun gebührt, 
Der wird Lob und Ruhm erhalten, 
Wie man an Mnsai spührt, 
Den GOTT und sein Herr erhöhte 
Und ihm sehr viel Ghites thäte. 
So hoch achten fromme Leut 
Die beliebte Redlichkeit. 



1 [« 95. d 328. X 811. K 2, 643] Wer. Dieser gaose schlofi fehlt H. 
8 Kedlichkeit] 8X Redligkeit. K Bedlichkeit 

Diß bedenoke wol nnd eben, 
Wer will gates Lob erstreben. 

Und also seye dieses auch der Beschluß des andern Theils , der nun zum 
andcrnmal viel vermehrten klag- und sinnreichen Simplicianisoben Lust-, 
Lehr- und Zeit-Vertreibungs-Sehrifften. In dem nachfolgenden dritten Theil 
sollen mit der Hülffe GOttes bey denen noch Kem-baffteren und Sinn-reiche- 
sten Büchern, auch ein deutlicherer Erleuterungs- nnd Anmerckungs-Keni, 
dem günstigen Leser noch mehr vermehrter künfftighin, vurgestellet werden. 



ANMKRKUNGBir. 9 



ANMERKUNGEN DES HERAUSGEBERS. 

Za den vor achl jähren am schloße des ersten theiles der 
werke Grimroelshaosens gegebenen zusammenstellangen kann ich 
im nachfolgenden einige erganzungen nnd bericbtigungen nach- 
tragen. 

LITTERATUB. 

1, H27. 

Einige notizen Aber die litterator des Simplicissimos habe ich 
gegeben in R. Naumanns Serapeum 1856, 174. 

Bine abhandlong aflbMr den Simplicissimas and seine liitera- 

iflche familie« von Otto Roqaette steht in Westermanns illustrierten 

lonatsheften, Januar 1860, n. 60, s. 434 ff. Die behaaptung s. 437, 

iß des verfaßers übrige werke anßer dem Simplicissimas ver- 

ren zu sein scheinen, muste mich ebenso überraschen, als der 

blick meiner ausgäbe und der 1, 1127 ff. gegebenen biographie, 

nn sie je dem verfaßer jener abhandlung in die bände fiele, ihm 

^rraschend sein würde. 

Im augenblicke, da ich diese zeilen in die druckerei gebe, 

mt mir noch die Tunkelneue t^geschichte der deutschen litte- 

% von den ältesten denkmälern bis auf die neueste zeit« von 

Roquette (Stuttgart 1862) zu, wo 1, 382 doch ein weiterer 

htskreiß über Grimmeishausen gewonnen ist. 

LEBEN DES VERFASSERS. 

1, 1128. 

an hat viel gestritten über die confession, welcher Her ver- 

ies romans angehörte. Die 1, 1130 beigebrachtem xeug- 

eisen mit ziemlicher Sicherheit darauf hin, daß Chrinunels- 

ils niitglied der katholischen kirche gestorben ist Daß er 

^selben weder ursprünglich angehörte noch aneh später 




mtA m ia Mifite D v« IC70 tmi artcr iem 1 
Tagthed. ISTJ. ■. Dir ita mcüiaoE I 
■ tnfl «F fcv X X I 

lll*l«»ll>ll-J*H 




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i FMxbr. fciara KM. <n4 ak ^l ^- t .. ä 



• (LII49l:i. b^ 







ANMERKUNGEN. 

Sicher scheint mir nun aber, worauf mich J. Grimm aafmer 
macht, daß die namen Fillion, Mdmpelgart und Freiburg fir 
sind. Als druckort und Verleger auch der ersten ausgaben 
Nürnberg und Felsecker anzusehen sein. Hieraus wird denn 
die keckheit erklärlich, womit der nachdrucker der ersten 
gäbe CAF. Vgl. 1, 1137) sogar die Grma des druckers unc 
druckort mit abdruckt, da er sich zu fährung dieser ange 
menen namen ebenso gut berechtigt glauben mochte, als dei 
erst dahinter versteckte herausgeber. Naumanns Serapeum i 
175. 

Der name Fillion ist vielleicht veranlaßt durch den n 
Jacob Foillet, welcher als fürstlicher buchdrucker zu Moi 
garten 1590 das 15te buch des Amadis druckte. Vgl meine 
gäbe des deutschen Amadis 1, 458. 

1669. F. Herr professor Kurz in Aarau macht mich d 
aufmerksam, daß F mit C im drucke genau zusammenhinir: 
Signaturen von F reihen sich an die von C in auffallender i 
C schließt nemlich mit der Signatur Cc, hat aber von dtesr- 
nur 9 blätter. Die 3 folgenden blätter gehören zu F. uesst*? 
blatt mit der Signatur Dd beginnt. Die 9 letzten blätic t.v 
die 3 ersten von F gehören zu einem und demselDfii do» 
ergibt sich diß auch aus dem einband. Der bnchiimnprts^ 
diesen bogen zusammenhält, beßndet sich ii or*- nr* - ^"^ 
zwischen Cc vj und Cc vij; sonst ist keii ■imer - *■ - 
merken. Auch ist der druck von CF ganz ih-- «««•• ' " 
meist 34 zeilen auf der seile, C nur 33 ms'" :: *- *•• '^ 
33 und bei C 34, ja 35 und 36 w: In*- - -" * - ^ 
exemplar gemachten beobachtuntr« luti • '<• 
tersuchung des tübingischen itvsMsLu:'. ^i 
nur, C sei auch eine ausgai»« w 1& 
bestärkt dadurch, daß Any iH'siDis 
angeleimt ist und so auci of v 
ersten bogens, denn dieirr* n * t 
exemplar fehlt das th^fliur : ir 
ganz. Daraus schein ¥:: ~ 
Tübinger exemp'.H" •« *« 
neuer titel mü u^ aarsMi tTfT 
kommt daher sm nsnoBL .^tt *\ 




91» ANMERKimG£N. 

isl und daß dieselbe 1670 mit einem neuen Utel versehen wurdi 
Daß F nicht paginiert wurde Cdas Aarauer exemplar beslätigt dJei 
1, 1138 mitgellieille beobachtung), erkläre ich nun daraas, da 
dieser nachdruck damit für die verschiedenen ausgaben der 5 ei 
sten bücbcr ABC gleichmäßig passend erhalten werden sollte, l 
A kann P nicht geboren Cl, 1139); denn A hat 608 seilen, F 171 
zusamniOD also 778. Das durchpaginierte exemplar von 1669 hi 
im ganzen 772. Auch zu B kan P nicht speciell gehören, da diesi 
618 Seiten hat, was mit F 170 zusammen 788 betragen würd 
Ehe ein exemplar des Simplicissimus C mit der jahrszahl 166 
«icher nachgewiesen ist, möchte ich trotz dem eine dritte ausgab 
des Simplicissimus aus diesem jähre, in festhaltung meiner 1, 113 
lusgesprochenen ansieht, nicht annehmen. Wenn auch F mit 
genau zusammenhängt, so kann die jahrszahl von F lediglich di 
ickjahr der ersten ausgäbe bedeuten, wie nachweislich aor 
uei andern späteren abdrücken simpticianischer Schriften nicht di 
jähr des neuen drucks, sondern das jähr des dem wiederabdruc 
zu gründe liegenden auf dein titelblatt angegeben ist. Vgl 1, 113 
1670. 

C. Cl) 1140.) Nach dem, was vorhin über F mitgetheilt woi 
den, nimmt Heinrich Kurz «n, daß C schon 1669 erschienen ini 
daß die exemplare, welche von 1670 datiert sind, nur ein spät« 
■ngeklebtes titelblatt haben. 

Von der 1, 1142 beschriebenen ausgäbe der Courascke, 
findet sich jetzt auch ein exemplar in der k. uRirersitfitsbibliatkd 
io Tfibingen, Dk XI. 461 h. 8f 

1670. a. Des I Grundfrommen keuschen Jo-jsephs getreuem 
Dieners und [ Schaffners , Husai, ; Denck und Leswürdige ' Le 
bens-Erzehlung, | Aus Uhralten Hebräischen, | Persischen nn 
Arabischen [ Scribenten | Mit noausgeselztera Fleiß, auf nütz- 
liche annehmliche und erbauliche Art, | zu Papier gebracht; { Vn 
Jetzo erstesmals, auf inständiges An- 1 satten, zum Druck Ober 
geben, { Von i Samuel Greifnson von | Hirscfafeld. | Gedruckt, Ii 
Jahr Christi 1670. 89 seilen. Dann folgen 2 leere blalter, end 
lieh noch 1 blall mit einem vers auf der ersten und einer aJütildon 
des Husai auf der zweiten seile. Exemplar im besitz des herr 
Wendelin freiherrn von Maltzahn in Berlin. Ohne zweifei duselb 
exemplar, das ich 1, 1148 erwähnt habe. Es ist üiA die erst 




W '^ ^- 



AHMERKUNCara. 913 



amgibe des MusaL Hieraacli isl za erganxen und lo berichtigen, 
was 1, 1144 beigebradit worden. 

In dem erwähnten exemplare geht vorans der keosche Jo- 
seph Z. 

Es folgt: Eines j Rittermassigen Soldaten, j der in seiner blü- 
henden Jugend Terfuhrt, | und in Päbstliche IrrÜinm gerathen, sich 
aber ; hernach zur Augspurgischen Confession | gewandt, | Freund- 
liches I Religions-Ge- 1 sprich, oder \ Glaubens-Schild, | Mit wel- 
chem er die Terlippten } Pfeile, Hiebe, Stiche und Schösse eines ' 
Jesuiters aufgefangen und löblich Ter- 1 setzet hat | Genommen aus 
dem Zeughause Got-jtes, nemlich, der U. Schrifft, aus dem klei- 
nen Kinder-Catechismo des theuren Mannes | D. Martini Lutheri. 
Also, daß sich Einfältige und der un?erän- 1 derten Augspurgischen 
Confession zugethane Chri-|sten daraus rüsten, und wider der 
PäbsUer | Einwürffe belehren und wehren | können. I Gedruckt zu 
Riga in Lieffland, | Anno 1670. 

Femer ist angebunden: Guet \ BTangelisch. | Oder | Augen- 
scheinliche Re- 1 weistumben deß wahren Glau- 1 bens auß deß newen 
Testaments Schriff-|ten dem gemeinen Mann wieder die Glau- 
bens Feind an die Handt gegeben« | Sambt | Einem Rettlersman- 
tel der auß allen Ihrtumben zu sa- 1 men Geflickten Vncatholischen 
Lehr: ; Vnd Zweyer | Lustigem Gesprächen | Zwischen EnUeibter 
Seel eines { auff den Glauben allein Trauenten, | vnd einem Höl- 
lischen Geiste: Ob der | Glaub allein Seelig mache? | Das Ander | 
Wie der Irrweg zur Ewigen Verdamnus, | von zweyen vermeinten 
Hochversländigen | so Leichtlig seye gefunden worden. | Mayntz, 
bey vnd in Verlegung Christoph Küchlern 1672. 

Darauf folgt der deutsche Michel von 1673. 

[1670?] Z. Des Vortrefflich | Keuschen Josephs | inEgypten 
Erbauliche, recht ausfuhrliche | und viel- vermehrte | Lebenibe- 
schreibung, j Zum Augenscheinlichen Exempel | der unvertnder- 
liehen Vorsehung GOt-jtes, so wol aus heiliger Schrifft, als an- 
deren der ! Hebreer, Perser und Araber Eüchern und berge- 1 
brachter Sage auf das deutlichste vorgestellet, und | erstesmals mit 
grosser und unverdroßner | Mühe zusammen getragen | von | Sa- 
muel Greif nson von | Uirschfeld. | Nunmehro aber wiederumb aufs | 
neue vom Autore übersehen, verbessert, | und samt des unver- 
gleichlichen Josephs I getreuen Schaffners Musai | Lebena-Lauff. | 

SimpUoLMimos. n. ^^ 



SM ANMERKUNGEN. 

Vermebrel, dem Curiosen Leser ; sehr anmuhtig, lustig nnd Dtf 
lieh 1 zu betrachten wolineinend mit- | gclhcilet. ! Nürnberg, 
finden bey Felseckeni. 245 seitea, wobei das titelblatl oogni 
bleibt Exemplar früher iii der fürstlich ieiningischen bofbibliolh' 
jetzt im besitz des herrn Wendelin freiherrn vonMaltzahn inBer 
Es ist ohne zweifei dasselbe exemplar, dessen ich 1, 1148 < 
wihnt habe. 

Angebunden ist der Musai von 1G70. 

Die 1, 1144 bei 1670 angeführte ausgäbe des ewig wäbrc 
den kalenders besaß professor K. W. L. Heyse. Vgl. Thesaui 
librorum germanicorum sa-c. xv — xvüj, Berlin bei Asher, lÖJ 
s. 113, n. 1441, wo sie so beschritiben wird: Des Abenteuerlicb 
Simplicissimi Ewig währender Calender etc. etc. Nürnb. 1670 in 
Dieses exemplar ist vielleicht dasselbe, welches Jetzt herr pre< 
ger dr Klädcn in Berlin besitzt und worüber er mir folgeni 
mitlheilt: Von dem Ewigwahrenden Calender besitze ich di« b 
den von llinen angeführten ausgaben in quarl. Beide sind verli 
bei W. E. Felßecker, die eine ^gedruckt in der Fürstlichen Be 
dentz-Stadt Fulda bei Marcum Blol^ 1670>', die andere »zu Alte 
bürg I bei Georg Conrad Riegern \ Im Jahr 1677». 

Von der ältesten ausgäbe des ewigwährenden kalenders b 
ftnd sieb ferner ein exemplar im besitze des berrn altlandaBinu 
Nef in Herisaa. Naumanns Serapenm 1856, 175. 

Um 1670 ist (1, 1148) ohne zweifei der deaUche MiebeJ n 
erst gedruckt. Ich habe 1, 1051 auf ein altes lied hingewiesA 
welches dem verfaßer bei dieser Streitschrift gegen die sprackvei 
derber vorgeschwebt haben mag. Einen andern druck desaelbi 
liedes, mit 4 Strophen weniger, beschreibt Ludwig Erk im we 
mariseben Jahrbuch für deutsche spräche von Hoffmann nad Schi 
2, 206. Ebendaselbst 2, 207 theilt er die ersten stropheo ein 
Ähnlichen liedes vom jähr 1648 mit, belilell: WeheKlag D 
allen Teutscben Hichls über die allamodiscbe Spruchverderi 
n. B. w. 

Der erste Bernhänter samt Simplicissimi Gaockeltuche, v 
llliterato Ignoranlio, zugenant Idiota. 1670 — 72? So Ahrt Ei 
Weller in Julius Petzboldts anz«ger fflr bibliograpbie und bibli 
thekwissenschaft 1853, 209 die erste ausgäbe dieser sckrift a 

Deß Abenlheurlicben Simplicissimi Verkehrte Welt se 







AHMERKUNGEN. 915 

Weiler a. a. o. s. 210 in die jähre 1670—72. Nach dem, was 
I 1, 1148 aasgeführt habe, fallt die abfaßung dieser schrift 
il in das jähr 1673. 

Simplicissimi angeregte Ursachen, warum er nicht katholisch 
^rden könne, von Bonamico widerlegt. 1670 — 72. E. Weller 
a. 0. 

Unter den nachahmungen anderer autoren erwähnt E. Weller 
J. Pelzholdts anzeiger für bibliographie 1853, 210 auch das ?on 
r 1, 1144 angeführte Viridarium historicum d. i. histor. Lust- 
rten , enth. hundert auserlesene Geist- Herz- und Gemuether- 
»uende Geschichten, durch Vorschub u. Anleitung des weit und breit 
ruehmlen Simplicii Simplicissimi. Nürnberg o. j. (1670 — 72?). 

Gleichfalls als nicht von Grimmeishausen herrührend wird 
fgeführt: Simplicissimi alberner Briefsteller und lächerliches Ti- 
ar-Buch. 1670—72? E. Weller a. a. o. 211. Die spätere aus- 
be desselben habe ich 1, 1172 erwähnt 

1671. 

J. Diese 1, 1146 beschriebene ausgäbe befindet sich in einem, 
e es scheint, unverstümmelten exemplar in der Stadtbibliothek 
Frankfurt am H., wie mir Franz Roth freundlich mittheilt. Nach 
508 steht darin ein titel. 

Die 1, 1147 erwähnte ausgäbe des Simplicissimus o. o. 1671 
hrt auch Emil Weller auf in Petzholdts anzeiger für bibliographie 
153, 209. 

Des abentheurliohen Simplicissimi Satyrischer Piigram. 2 theili-. 
rschfeld, Grisenius. 1671. E. Weller a. a. o. Ist diß dit- vor 
r 1, 1140 unterm jähr 1670 erwähnte ausgäbe? 

1672. 

Y. Das wunderbarliche Vogel- Nest ^ Der äprimrinsfelc' 
hen Leyrerin, Voller Abentheurlichen , doch Lehrreicht-n «•> 
hichten, auf Simplicianischc Art sehr nutzlich und knrtrwei. 
. lesen ausgefertigt durch Michael Rechuliii vun Seümsdori!. « 
uckt in zu EndlauiTenden 1672. Jahr. Exemolar buk ner miir'- 
ng G.H. freiherrn von Mensebach in üvy ü. biiiiiotlieJi in tlar«- 
)7 Seiten. Die 1, 1147 aufgeworiene irau^ . i»i> 4tiesH. 
it M 1673 identisch sei, kamt icii nua. uacuaum mu flsitla-^ 
be, entschieden verneinen. 

^. Das w underbarlicii* v us«** * mm- ^ ■ 




MhBlMi UyrErin« Viillcr AbmlMnrtlriien, daik Lsüp-'n 
■§■» GesdiiehUm, auf iTimpti- nwüwrhit Art sehr aattlkh M 
tirBw a itig xtt kntn luuge- fertigt Onrdi Kchsttl Htxtfads i 
I Sehiiwtorf. Gmintdit [n in imäutttmAm ttiTS. lidtr. 3 
Mil««, wobei Indus vom 340 gfuidi mf 291 uber^esprong« 
Extnnplar ia Aar Tübinger imrramtäbibiiillaUiek. Dk XL 161 k. 

Jiui 1, It-f7 erw»fuitB erste ^uu^ibe vuit Pruj m— 
»iker liesükmlU!» um Tbesaaras lifarantm ifuiiuaiininin m 
X« - xvTi]. KatalOfC fUtr Bl&liothek des Berm Pm£ Dr L V. 
BsYS«. Berlin. 1^64^ il 1 13 : O» flurditevcliOuea Pruitzen Pmä 
Hul S«inev nliRverglekillidiaa (.Tinpiilae Lieba-ijeschiiritts-Em 
In^ 0. 9. w. Von H. J. CkriatDff<fl voa Grinunebkftiueii , fid 
taMw 1673. 12. .'«aek Emil WeUer in Peutiiiliits uuewcr 
Mfcb^aphw Bul bibüotbekwiHeiiseki^ tä&3, 2i» ist 4«r *M 
0n Str>AtMT{r. 

Das I, 1148 nf^elHvlBlwfcJMhffB »■■il^ mAM 
koldl itn *ni«igrer fAr 
1853, 20«. 

Der rtottze Melcher, smpt i 
PmlzMS Krtea: mit der Bollsnd- Wdcbes dardi Ten^MH 
ein«s Stpkoyer zam Nesfkna verekret wird, o, o. n. j. StrsU« 
If». 4. 4 H ExMipbr u «er itjJrtihlilWt ii ZMcL T| 
I, Wdkr i« J. PelzboIdU aeoea «udger Hr rimigiifh'ii ■ 
MbüolbekwtHeiisdMft 1857, 33. 

Der Sia^icinoKke Wellkokker nve «bortikeaerikto ies 

B«bbi. FrankTiirt 1672. So besckreiM E. Wdler m J. PetifceUl 

nzeiger ffir btblii^tpkie 1853, 210 die ente «ngibe dakwte 

daf er fibrigeni nicht GrimmeUInBWD zuschreibL Vgl. I, 1150. 

1673. 

DeQ Wellberoffenen : SDIPLICISSDU | Pnlerey nad Geprii 
t mit seinem [ Tentschen | Michd, ; Jedemünniglichefl , w«n 
tvjn { kan, ohne Lachen za lesen erlaubt , Von | Signoir Met 
wähl, j Gedruckt anter der Preß, in dem \ jenigen land, dir»» 
dasselbe lobwGrdig \ Geschirr erstmehls erfonden ! worden, { AI 
seine Liebe Innwohner neben snDem j VöLCkem «nflengeo, Di 
khren Vnieri ; HelLs naCh, In gLeICker ZahL j xV cULen d. 
1673. 1 blalt Inhalt. Dann 119 gezählte Seiten. Ein ezenplar i 
besitz des freiberm von Maltzahn in Berlin, angebanden an Jonp 




-«^ Ir.*' •»:, 



ANMERKUNGEN. 917 

Masai o. 8. w. Es scheint dasselbe exemplar, worauf ich 1, 1148 
hingewiesen habe. Nach E. Weller in Petzholdts anzeiger für bi- 
bliographie und bibliothekwissenschafl 1853, 209 ist das buch in 
Straßburg erschienen. Paul Trdmel bei Petzholdt s. 269 scheint 
die ausgäbe von 1673 zu bezweifeln. 

Das hinter dem Ulmer exemplar von M (1, 1149) angebun- 
dene buch die drei grösten erznarren ist bekanntlich von Christian 
Weise. 

[1673?] Y- Deß Wunderbariichen j Vogelnests zweiter | theil | 
An tag geben von | Aceeeffghhiillmmnnoorr | ssstuu. j Ein 
exemplar in der k. bibliothek in Berlin aus der Sammlung des frei- 
herm von Meusebach. Diese ausgäbe ligt meinem abdruck zu 
gründe. Das buch ist an Y 1672 angebunden. Herr doctor Kladen 
bemerkt über diese beiden drucke: »Das format ist in beiden thei- 
len dasselbe, der druck im ersten theil [Y] etwas scharfer. Die 
Seitenzahlen stehen im ersten theil oben rechts, im zweiten [y] in 
der mitte. Auch ist das waßerzeichen in beiden verschieden. Noch 
bemerke ich, daß auf dem titel des ersten theils keine andeutung 
davon gegeben ist, daß das werk in 2 theiien erscheinen sollte. 
Mir scheint dieser band die erste ausgäbe des 2ten theils zu ent- 
halten.« 

Eine ausgäbe des Simplicissimus von 1673 erwähnt E. Weller 
in Petzholdts anzeiger 1853, 209. Ist es nicht eine Verwechslung 
mitX 1683 (1, 1151 f.), welche ausgäbe Weller nicht aufführt? 

1675. 

S. Des Vortrefflich j Keuschen Jo- 1 sephs in Egypten | Er* 
bauliche, recht außfuhrliche | und viel -vermehrte | Lebens-Be- 
schreibung, I Zum Augenscheinlichen Exempel | der unveränder- 
lichen Vorsehung GOt- 1 tes, so wohl aus heiliger Schrifft, als andern 
der I Hebreer, Perser und Araber Büchern und berge- ; brachter 
Sage auff das deutlichste vorgestellet, | und erstesmals mit großer 
und unverdroßner { Mühe zusammen getragen | von I Samuel Greifn- 
8on von , Hirschfeld. Nunmehr aber wiederumb auffs | neue vom 
Aulore übersehen, verbessert, ! und sampt des unvergleichlichen 
Josephs ; getreuen Schaffners Musai | Lebens-Lauff Vermehret, dem 
Curiosen Leser | sehr anmuthig, lustig und nützlich | zu betrach- 
ten wohlmeinend mit- \ getheilet. Nürnberg, zu finden bey Felß- 
eckern. 2 nicht gezählte blätter. Dann 234 gezählte Seiten, auf 



ANHERKUNGBN. 919 

So findet sich doch im Werck, daß ille solche Kunstgriff: Instru- 
menten und Machinen so viel als nichts gefruchtet! Nicht weiß 
ich, hat man den Meistern solche Künste nicht geglaubt, oder vor 
der Cur sich selbst gefurcht, und deßwegen selbige nicht ge- 
braucht? Demnach ich aber auf meiner langwirigen Reise, den 
Ost-Indianischen Javanern, welche mit geraden wohlvermöglichen 
Leibern und gesunder Vernunffl, das 3. 4. ja funffhunderste Jahr 
erlebt: Hassen deren Einer zu GraiT Moritz Zeiten in Holland ge- 
wesen. In die Karlen gesehen, und Ihnen ihre Künste abgelernel; 
Als habe ich solche den Benöhtiglen zum besten mit heraus in 
Europam gebracht, denselben hiemit öffentlich verkündende, daß 
beydes den Mängeln und den Uberflüssigkeiten so wohl ihrer Leiber, 
als ihrer Gemülher Rath zu schaffen seye; Ist nun Einer oder der 
Ander von jungen Gecken kranck, denen kan man durch eine gute 
Disciplin CPurgation wolt ich sagenj Von erhärtetem BirckensaffI 
zugerichtet, Stuhlgangswciß gleich in der Jugend, den noch zahrten 
Narren der Unwissenheit abtreiben, wann der Patient gleich nicht 
zu Stuhl gehet, sondern sich nur so stellet, und sich auf den Bauch 
über ein Banck leget; durch ein Vomitiv oder gute Aderläse ge- 
schehet ein gleiches ; Vornemlich so der Patient der gemelten Cur 
schon etwas entwachst zu seyn sich einbildet, wann Ihn nemlich 
ein Weiser Meister dieser Kunst die Wurtzel Verbum (und nicht 
Verbenam) In die Esels Ohren: Und nach dem es von nöhten, 
Fänfflngerkraut, auf das Hasen -Maulgen: oder auf den Saurüssel 
legte; Wäre der inficirte aber so starcker Natur, daß diese er- 
zehlle Mittel nichts verfangen weiten oder könden, alsdann ist das 
beste Mittel, daß man mit Ihme in den Backofen wische, damit er 
gantz neu umgebacken werde; id est, Man slöst Ihn von der Mut- 
ter-Milch, lernet Ihn frembd Brod essen an einem solchen Ort, da 
auch ein rechtschaffene Ordnung: Und auch vielleicht der Schmal- 
hanß herschet, CGOtt behüte vor dem Zuchthauß) Alsdann wann 
er in sich selber gehet wie der verlohrne Sohn, so verstäubet alles 
Unziefer von sich selbslen, welches Ihn hiebevor verderbt, und 
man noch bißher von Ihm nicht evacuiren mögen; Wäre aber alles 
so hart eingewurtzelt, daß diese sämtliche Artzneyen auch nicht 
anschlagen wolten; Also daß der Patient allbereit den Namen trüge 
eines groben Esels- oder Haasenkopfs, eines Stockfisches, Bachan- 
ten, eines Saumagens: Eines Kornhammers oder gar eines Narren, 



920 ANMERKUNGEN. 

der den Kopf no voller Wünn, MuckeB, GriUen, DnAa md 
derer tausendfältiger Phantasey und Tborheit sieckea kitte, 
man Ihn einer wohlgebackten Herings -Tobb Tergleichea möi 
So daß auch alle obermelte Curen nichtf Terfaagen Uatca, ! 
alidann distilirct der vorm Ofen sitiende Alter mit der Zeil i 
einen sehr kflnstlichen und beqaeoMB Diililir- Offen fokhes 
hinweg, daß es gleichsam wie BaBch, Nebel wmd Wokkea 
schwindet! Gleichwie man nee hierse der Zeü eiwlea i 
9h» mAssen aech die Jeeige so catwcder voe der Ibttr eda 
•ttdera UngtachsCUlee, Kropf; Brech, Becfcd, HaMwchertcii, 
ae viel: CKier an der LeibsUege, Sürche, Gesandkett, Schöe 
eed was des getea Dings oMhr ist, am wenig hnbee. Sich nei 
dotti üebee Alter gedttlUn^ mii gedeeckem; daß die letnfe 9\ 
ledige Welt Uieeo> deaü Sie gleichwohl bef Ehren med Aee 
Meibee mogee^ treflich« Tortheil ersoeece: Ab aae Kxei 
hebee dir die leidige Frmiswen das Ben aef der OinT Bihnf 
weg verfiUert« t^di» Erhgrimie will ich ftsschweäfen} eder i 
seeü keinee giitee Ileerimitto«, » jvtse eiee Harm hipi' anff, 
sege: SU sey ee die luiie: Uesta. ein blöd Geaittht? ee bmed 
BbU; vor die Scfamaue ie Bedien, aehe en erbnm Sekereü 
berlh* TTne Wnipif ti rfiirixi nn irimillinhi r Krujim. ffeiriitni h 
UberbcUai^, Dee Betiu:! Sin wiler Bock nder Ettel aof Fni 
MSch, i^otAASc't nitr rmwaibcs. ileme :?i:h«sndidl verbeqcan 
>k«:iUr :^oaertk/acH. Jeu ^lae^. rt^ni lormuter Waden eracoe 
naUKA Kuiitr u ^e« Snueintn; .'.lu vann iir ^eUeicfat oa I 
an^v^t >4 ud A^r :itucr. h« «im akt ^-aiisier mit csinem hd 
.VL*b4ia Kiütn a-uitcH . l^eii ,£]ar iteioira .•\v«fcjeui jiier. «Se i 
ia«.i)vif:ii^i'rvM.iKi' :tt ictuicn *iieu.:. veuj .cii ijiine ^dw h 
UiMuA uiu iiiiit: hiui Afeiu iBuer ^ilCK Aü 'inii Sie ^di w 

•vu ^«.ucii unKrt:>»cft !u »ir: .3» ''bflftterOieV 'UUTCliroiltfn 

i«.uiu l^j^cl•« »ic .1 .er '«^'ix icincr Vi rcüstaU zn äeben 
. \i2^<üL'i au«Mi. -^:iKai ^iLi! .^vui*t: * j':iiiurnuiic nti «ieni kttitvel 

«»«..t I Ol« u . «4««.ii • ipni. d itr ''^ttnuib ^iteiea sq iiehe b 
>»M»% . «L^.«^ i\ '4)cth(4i£it:*jdefr^ smm sich nuHBend oii 
«^..%...» «.^ ^*««» -een ^an mm rieem <ienaelbigefl IG 

^.•a ^v.i4MMM «eil ^fMMlan m ^smmm Hey Inowe^ hmi 




■* w. •* -». 



ANMERKUNGEN. 921 

eine neue Nase aus flrembtem Fleisch wider anbeylen, warumb 
wolt man denn die eigene nicht nach belieben proportionirn kön- 
nen ? Valeat mein lieber Patient , Gedencke so wohl an dein Prin- 
cipinm als an dein End, und observire oder vielmehr practicire die 
Gedult, das rathet dir der wie Quecksilber verschwindende, und 
dannoch getreae Vagant 

Simp. Simplicissimus. 
1676. 

Bei den später als 1676 datierten Schriften ist zu beachten, 
daß Christoph von Grimmeishausen nach 1, 1132 am 17 August 
1676 gestorben ist 

1677. 

Der ewigwährende Kalender, 2te ausgäbe. Ein exemplar im 
besitz von herm d. Kladen in Berlin. Vgl oben m 1670 s. 914. 

Diese schon 1, 1150 kurz erwähnte ausgäbe des Calenders 
kann ich jetzt nach einem mittierweile von der k. aniversitdts- 
bibliotbek in Tübingen erworbenen exemplar beschreiben. Es ist 
signiert Dk XL 172. 4. Voran geht ein titelkspfer mit den bild- 
nissen der hnptpermmen des Simplicissimus. 

Titelbhtt: Des Abenteoriichen Simplicissimi j Ewig- währen- 
der Calender, | Warnmea ohne ^ Die ordentliche Verzeicbnus der 
unzehlbar \ vieler Heiligen Tage auch unterscbiedlicbe j Curiose | 
Discursen von der Aslr«MHwa, Aslro- j logia. Item den Calendern, 
Nativitaten, aach aOnridnd Wanderbarli- 1 eben Wahr- imd Vor- 
sagungen, wäL «BtenMickler BeareB^-Practie, | Tag- mul 2^weh- 
lungen, etc. I Nickt weaiger | Viel Seltzame, jedoch WarhalRe 
Wunder -GescUchleii, I «sd aaderc »erkwirdige Begebeslieiten, 
samt BeyfugMg ellkher : Kftnsl «ad Wmsewdbafteft befMÜich. : 
Woraus ein Jedo*, der nv LeceM «sd SekreibeM ktedig, j nicht 
allein jedes lahr die liewegiiche Feat «sd dergleidiea Ding, so zu 
: einem Calender mitimemäg erforderl werdes, leidiClick finden: ; 
Sondern a«di kraen kan, ibm «sd andeni die Iblivflät zu steilen, 
und aas Seisaiger ebaervulioii kteilif Gewitter, Kri^, Kranck- 
heit, ! Froekit-' mA CTaEniäfarlbarkeil vifnmnfw. \ Vigilaatia et 
labore. Der cUipUClo geVVogea, ; km Kein tiMg Vnbetrogeu. | 
In Nöraberg, , Verlegt imd zu fmipB iiey Wolf Eberhard Feißecker. 
Das ckrwQOgramm gibt üe jaknuU 1070. 

Aitf der ritc fca gite eaoe dedioalioii: Denen in aileji Oertem 



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4tf wdlM md knitai 
Baropa Üb nd wMflr 




Za U liiHI Iviie icii bmdao^ra^ 
gpiM <k» «■piiriiiirhm Wett-Sacäcr» 
EdUm r«i x wi»fli Uuiier} ncii -amtr 'ul 
4ea rucat 3, Maoern 4 iheiie tei. [>er 
der 2wtttle voa 1HT>. üe tieiikm ;viipwen tob 1679L %d 
vomsiie zna zwctteii ikttii .vtrti oer erste tiemii 1077 gt 
leuk Der vi-nlujttr sciireiiii hcü ijoter «ler vonrote «tea « 
Um» Jas Reiiim von Plerz üttu VUjpa. .^ot' .iem titei «ks b 
Priftu ADINAiNR'!^ imt ier Köaigiicium PrmeiJiB ORMIZI 
Lcütsü-iieftCBKiaL 167^. 12. iNsimi er <icli, wcbb beide b 
VOM ;^i«i<:fii:n veriiiktr ^ianaMsn . ^ctioo «ien -eilealtelbea bd 
teil Jan Rcubu -'on Woitfis-Eiq^ ^u «Jsurrreicii^. .Xi 
nifhiiiiu i8<M. 17(^. 

t«79. 

rHiDi^UcixMiiii CattfiHier. Gin «^xeeipier m <iar 
Ikek le Aarae. 




--i' '. 



ANMERKUNGBN. 923 

1683. 

X. Die beschreibung dieses zweiten theils der simpliciani- 
schen Schriften habe ich 1, 1152 f. gegeben. 

Der erste theil des Vogelnests ist in X nicht aus Y, sondern 
aus ß abgedruckt. Vgl s. 385, 7. 387, 22. 396, 5 u. s. w. 

Auf dem titel ?on Dietwald und Amelinde C^, 1153) nennt 
sich der verfaßer H. J. Christophe! von Grimmelshausen. Ein 
druckort ist nicht genannt 

Das Rathstübel Plutonis (1, 1153) ist angeblich in Samarien 
1683 gedruckt. 

Auf dem titel der verkehrten Welt (1, 1154) von 1683 nennt 
sich der verfaßer Simon Lengfrisch von Hartenfels. Ein druckort 
ist nicht genannt Diese notizen entnehme ich einer buchhandler- 
anzeige. 

Als druckort des simplicianischen Hasenkopfs Cl) 1154) wird 
Nflmberg angenommen. E. Weller in J. Petzholdts anzeiger für 
bibliographie 1853, 211. 

Der Pseudonyme verfaßer dieser Schrift ist Job. Riemer. E. 
Weller a. a. o. s. 267. 

Schröer in den österreichischen blättern für litteratur und 
kunst 1854, 153 erwähnt, freilich nicht nach eigener anschauung, 
den ersten theil der kriegs- und friedensgespräche des französi- 
schen Krie^ssimplicissimus, dessen 2ten theil ich 1, 1154 nach dem 
Ulmer exemplar beschrieben habe. Schröer folgt dem Catalogus 
bibliothec« hungaricse Francisci comitis Szechenyi. Sopronii 1780 ff. 
1, 2, 350 und gibt den titel so an: Der französische Kriegs-Sim- 
plicissimus. Historische, politische und philosophische Krieg- und 
Friedensgespräche auf das jetzt neu eingehende Jahr 1683, wor- 
unter auch allerlei Les- und merkwürdige Discursen in den eli- 
saischen Feldern allermonathlich des ganzen Jahrs abgehandelt 
werden. Jenner, Hornung, Merz und April o. o. 1683. 8. 530 sel- 
ten. Schröer bemerkt dazu: »Das ungarische nationalmuseum muß 
das buch besitzen, weil die szechenyische bibliothek an das mu- 
seum übergegangen ist Aus der Inhaltsangabe des katalogs ist 
ersichtlich, daß das buch außer einer beschreibung Ungarns und 
Siebenbürgens auch eine historiam motuam Tökölyanorum et belli 
turcici anno 1683 enthalte. 

Über den ungarischen Simplicissimus und seine fortsetzung. 



I 



•M 




AlfMEBKFNGEH. 



den törkiscbeD Vag«Rl«n (1, UM f.) gibt Jdns FnfiiBt Mi 
einer bc-sprerhung voo K. J. Schr6«rs b«itng za etaea «< 
bliebe der deaUrbea monilBJlen des iBtg«hscben B cr g Ui wi 
I. J. Hhus luili»-faeM bliuem für littcnlar aml ksKflt (f 6i 
197) rollende aotiien : -Hirhl ^bz MwtHboMea «ird ec vie] 
MIR, wenn wir bter, irw skb die gekg eabeH faieiel, räN 
a«i) bericblignd« MbbofnvUidM «Mii ober de« diciau 
Sinptkissiaias , dm w ir ä g M nehMgcr moms la iMHn 



idkM ifccr dMMs iKh te 4es ä 



fcastmAai 



kwsl t8>4, ■. 3S, H 153 L: 





ANMERKUNGEN. 925 

len, das Gelobte Land: item, auf dem Euphrath durch die sandigte 
Wüsten Arabie und andere viel Türckische Oerther kommen. End- 
lich auch nach drey Jahren wiederum in die Christenheit gelanget. 
Um wunderlichen Begebenheiten begierig und nützlich zu lesen. 
Gedruckt, im Jahr Christi 1683.» (8. 3 bl. vorst. mit vorrede und 
register, 191 s. nebst titelkupfer). Wie dieser weitlauGge titcl 
schon anzeigt, behandelt hier der nämliche Verfasser, vielfach dazu 
aufgefordert, in 24 capiteln seine reise als kaufmann nach der 
Türekey und andern landern des Orients, so wie seine rückkehr 
nach Europa und endliche ankunft in Breslau. Auch dieser theil 
ist nicht minder interessant als der erste durch die verschiedensten 
abenteuer und durch reiche Sittenschilderungen. Doch auch damit 
ist das werk nicht geschloßen. Denn am ende verheißt der ver- 
faßer noch ein weiteres ^itractatlein«, das aber weder mir je zu 
gesichte kam noch auch sonst, so viel ich weiß, bekannt ist. 
Diese zweite fortsetzung wäre aber vielleicht gerade der uns wich- 
tigste theil des ganzen gewesen: denn wie dort berichtet wird, 
sollte darin von dem Türkenkriege , dann von den weitem 5jäh- 
rigen reisen des Simplicissimus durch die ostslavischen länder, 
durch das nördliche Europa, durch fast alle provinzen Deutsch- 
lands sammt Böhmen und Mähren u. s. w. die rede sein. Sicher- 
lich können wir nach dem vorangegangenen den verlust dieser 
fortsetzung nur bedauern: vielleicht ist dieser excurs veranlaßung 
SU näherer forschung darnach, und ist diß der fall, so ist er ge- 
wis auch entschuldigt« Soweit Feifalik. 

Als dnickort der ersten ausgäbe des ungarischen Simplicissi- 
mus wird Ulm angenommen. E. Weiler in J: Petzholdts anzeiger 
fflr biblographie 1853, 210. 

1684. 

6. elf 1150.) Nach einer freundlichen mittheilung des herm 
Professors Kars in Aarau befindet sieb vom 2ten theil von G ein 
exemplar in der Stadtbibliothek in Zürich. 

Einer bachUadlaranzeige entnehme ich, daß das Galgen- 

Mimdeio oder aasfÜhrUGber Beriebt v. s« w. mit anmerkangen er- 

lUtfrt daaeb Israel Fromichmidt von Hagenfels ohne Ortsangabe 

MMWcUflBeoiiL 

Harr abeivfffeaplor ITiifier in Ulm erwihnt mir eine schrift: 

iHfn Bwifiaimt Aber du von den Papisten keraos- 




^r*-T_%\.'^w 



ANMERKUNGEN. 927 

bo€liteiitseher Fnio Mntter - Sprache an den Tag gegeben von 
B. S. 2 theile. L Schelmerode. II. Padaa eine halbe Stande von 
Rom bei Peter Martau CBielcke in Jena) 1696. Ich besitze nur die 
neue ausgäbe von 1848 und erinnere mich, eine frühere gesehen 
zu haben. 

1699. 

Eine ausgäbe des Simplicissimus von 1699 erwähnt E. Weller 
in PeUholdts anzeiger 1853, 209. 

Des weltberufenen Simplicissimi Pralerey und Gepring mit 
seinem Teutschen Michel, von Signeur Meßmahl. 1699. E. Weller 
a. a. 0. 

Des abeniheuerlichen Simplicissimi ewigwährender Kalender. 
1699. E. Weiler a. a. o. 

Der erste Bernhauter samt Simplicissimi Gauckeltasche von 
lUiterato Ignorantio, zugenannt Idiota. 1699. E. Weller a. a. o. 

Das Rathstübel Plutonis, aus Simplicissimi BrunnqueU Selbsten 
geschöpft und auf recht Simplicianisch beschrieben von Erich Stain- 
fels von Grufenskolm. 1699. E. Weller a.. a. o. 

Deß Abentheuerlichen Simplicissimi Verkehrte Welt 1699. 
E. Weller a. a. o. 1853, 210. 

Simplicissimi Galgenmännlein. 1699. E. Weller a. a. o. 

Simplicissimi angeregte Ursachen , warum er nicht katholisch 
werden könne. 1699. E. Weller a. a. o. 

Der seltzame Springinsfeld u. s. w. E. Weller a. a. o. 

Trutzsimplex u. s. w. E. Weller a. a. o. 

Auch Dietwald, Proximi Liebesgeschichte, Melcher, Manifest 
sollen in abdrucken von 1699 existieren. E. Weiler a. a. o. s. 267. 

1713. 

K, die ausgäbe von 1713 stimmt fast durchgängig und bis 2, 
117 ganz seitengleich mit H überein. Eine ins einzelne gehende 
vergleichung dieses auch lange nach des verfaßers tode gedruck- 
ten textes konnte füglich unterbleiben. Doch habe ich, da oft, auch 
noch in Grimms wörterbuche, nach K citiert wird, die Seitenzahlen 
unter dem text genau angegeben. Bemerkenswerth ist der dieser 
ausgäbe eigentbümliche schluß Cs. oben s. 905) , worin der nach- 
weis ligt, daß zwischen den ausgaben HK keine dritte steht und daß 
der herausgeber von K einen zweiten theil von G. Qs. 1^ 1156. 
2, 925) ebenso wenig kennt , als X« Zugleich wird auf die fort- 




■^•r^ rv -% 



ANMRRKITNCIKN. m) 

1H21. 
Schelmufsky. Breslau, 1H21. Wifllitr n. u. o. 

1H4H. 
Schelmuffskys WahrhafTtif^D CurUha und «ulir mMiriUhu lln) 
sebeschreibong za Wasser und Lande Kruinr Tliell, und fMui tiUt 
allerTolIkommensle und accuratesti; Miinfu in UndtU^uim.Un I'^mm 
Matter Sprache eigenhandiff und hnUr artiy an d<;n Tag ^tyi\nH 
TOD E. S. Gedruckt zu Schelmerode iu diifa<fin Jalir, 4. h L<)^/J(j 
bei Wienbrack, nach Weller a. a. o. bei ü. Wjgaiid, iHiH 

Cber die Deue ausgäbe de» uiigariv;heij Kiiii)^li<;«MliiiM» ^'m 
loh. Ckristian Seiz s. vorhi» die beuierkuujfeii v^ i l^rjfylil« i 
924 f. Eine anzeige der ueueu aubj^abe v«^ K. J ty)ino*>t tU:it\ m 
den dsterreicfaifrcben blatterrr für litleratuf und kufiirt ih%i, iVv 

CBler dieienigeo bücber. wei'ju*; de« bi«i;^Lt;iM»4«iwt i»!»« :!.«/« 
aliBt nd iveniitzt habeii. r^üine: K. (/uUkvw ^uiiU;Wt^iUii*]/«>ir «»ui 
hiufichen iifrae 1%54. l. ^. ^ jl^^ «unii friHc/, lA^a^t Omim«!) 
SporiL Göttniger. 1%&4 

Anf 49018; iffsMiTisiifuiit- utr 2t meuftissei «imm^i Miai^bM ;/*;. 
g^^ftan iriiiier. weicut nt^3S tti^ou^iX^ßsi uut «^m h «•«9ü»it^;i<K# 
n4 laiain iw ia g ^pnifiut i»^g>fl . «ustourljCft «rtiM^^uM w« 

MiÜHl ABO. £fli»eiiK XMsrk^liß^ umßt t»u m uhm »MMt^u^^'tiK^ 



würdiger, aoici ^. y^iMu»* ^^ri-tr^c^uiii .ks^mt mi^' Uia -c«^ «)^'..^' 
dea wpgT'i— am Mtfi*Afi.j»hfiiiu '^«'^.ic«'-' '>^ Si/i^MU Mif*9 :^. 

klares spriiCtos .••?»»?• uiii*.^-/:.^* ..;, .•> ^-^r »•«•/: fj*.* »rv**^ 

heiligt illJCMTn JP^'"s!.u>^ .< ..t... - • ««o «^14^' i;'.';#vf «^t 



V • 







ANMERKUNGER. 931 

150,5 ?St5neni. 

158, 22 ? niolit anders mfiglioh. 

184, 12 schnellen = sich im reden fihereilen, sohw&b. sich Tersehnappen. 

187, 12 Anspielung auf das Vateronser: ne dacas not In tentationem. 

197. 18 ?hemacher erst. ? hernach ererst. 
218, 2 den] O dem. 

222, 82 ? meinem. 

228, 7 ? ohen gedachtem. 

228, 25 In dem mir rorliegenden exemplar ron O ist am raade Ton einer 
hand des 17ten Jahrhunderts die erlAnterong heigefBgt: Mannsfelders. 

286, 1 Am rande steht in O ron alter hand: anno 1627. 

287, 82 O dem Tiandmann. 

288, 12 ihm] O ihn« 18 O seinen Commando. 

289, 10 O nnsem Quartier. 28 ? anf ihren Feind. 

240, 5 welchem] O welchen. 9 ihm] O Ihn. 17 K erstomne. 80 einem] 
O einen. 

242, 8 den] O den. 18 hielten] ? enthielten. 

248, 8 ehrlicher] O ehrlich. 25 meinem] O meinen. 

244, 17 diesen] O diesem, wlren] ?wlre. 

245, 12 Diß erinnert an das herfihmte dtat des Cerrantes (Don Qnixote 
1, 1) ans dem FeUoiano da flilra: la laaon de la sinnaoB, qne A ml rasen se 
haee^ de tal wansfa mi laaon «nflaqneoe^ qua eon laaoft »• qaijo de la mestra 
fexmosnra. 19 einem] O einea. 

252, 22 O hnmor an. 

258, 11 O demKatien. 18^ dem] ?den. 29 woD] OXHK toU. Vwoll 
unten liegen. 

261, 4 ? mir Ton. 

268, 2 ? den Ich doefa dnem ieden in Kan£ 

272. 11 ? liehreisenden. 
274, 19 den] O dem. 

284. 19 allen] O aUem. 

286. 12 ? Dieser Bichter bedenkt sich nicht TieL 

289, 24 ? obhemeltem. 

290, 6 den] O dem. 27 ihm] O ihn. schfitteln] ? sch&ttea = schfitteten. 

292, 27 den] O dem. 

293, 8 In O steht am rande ron alter hand: Anno 1681. 

294, 4 In O steht am rande ron alter hand: Anno 1682. 
296, 28 O Parg. 

300, 16 O Frühlig. 

301, 23 einer] ?eine. 27 im] O in, wie a. 9. 
303, 11 ?dem Simplex. 

305, 4 den] OXHK dem. 12 Quamison. 14 O ehe Ich und oder der. 

308, 8 Am rande steht in O: Anno 1644. 

310, 15 ? andere. 

311,32 den] OXHK dem. 

316, 12 ? Kunst. ^^^ 

59* 



HKS fl 




...„ TJ 




1 

REGISTER. 


X B08.il li. 


p 908. 


A.R275. 


Bacheracb UU. 


AUrucken 60 1. 


Bahner 594. 


Äbichoibaln 44. 


Balingen 104 f. 111 t. 


AbtiuiD 144. 


Banior «4fi. 


Ach w» für uiiBUBBjirüdilicb 


ruiu2ä0. Bircbot 99. 


Allonilorf 153. 




Almerinde 910. 


Boyern 63. 98. 1 Ifl. 


Allringen 90. OS f. 


Beok.DnrübrJiHB, 7'.I3. 


AlUlfttl 75. 


Bcckonknechl 151. 


Amadia 19 t. 


Beil 469. 


AmoliiidoSlO. 


BciUgür 164 f. 


Ammsiiter 42. 


Bein 210. 


Amöneburg lltj. 


Baieben 28. 


AinalerdBra 580. 


BernbBolor 100.914. 


An>eh>r.U 38. 




AnJem TIS. 




Angmn.Ducdc, 114. 


Bdßer 872. 


AnkunfL es. 


Beuler 349. 


AnmerltiingPii 907. 


BiBier tbal 37. 47. 


Anspareo 218. 


BilcfcH 93. 


Aoaporcn 218. 




Anspiecben 371. 


Biß 703. 


Anwurf 753. 


Itlitien 3r.7. 


Ap« 856. 


BlDtabel 117. 


ÄpoUo 741. 899. 


BodeuRCe 114. 


Apnlejui 45. 


Bühmen 94. 98. 178. 




Bordell 218. 


Aianalh J69. 789. 


Bolthaat B4. 




Bragodi«n9. 190. 217. 


Aimnuen £57. 


Brautfftfan 833. 


Aucnit 445. 






Bremen 91. 


Anfhanwlu 53. 


Bticraie1ler9l5. 


AnfbMUlB 53. 


Brühen 139. 


ABtHAnB6S&. 


Bacquo; 189. 


A>Ci»ia SSI. 


BGcfaie 105. 




BachaecKhcidc 100. 


AablUtn 565. 


Bflbne 113. 




Biir>ch 197. 


Aorwhw Sl. 


BDMm 767. 


AmbiB.«» 89. 


C 911 t 


AiJ*teuroi.g 646. 


CWDB« >0S. 


Atolior 27. 


Cmdia 10. Ul. 160. 349. 










REGISTER. g 


GütlelgclJ 87. 


HiSgat 325. 


Oew,Qr«rvon, 103. 


HülJenwolf 107 f. 


Or»d 26. 


Hofburacti 294. 


Oretol und QBrg 362. 


Holderstuck 533. 




HoUleiii S2. 219. 




llolti76. 116. 


Gj-ißgraminendaiZ. 


Hoiu, Guatav, 98. -< 




Hoin 199. 4 


Qockuofc 6Ö7. 


Hoae 88. 1 


Quebrian 104. 112. 


Holten 310. ^ 


Üülcli 104. 


Hütielii 23. ■* 


Gacl eTingoIUch 013. 


Hoya 242. 1 


GumpoQ 171. 367. 668. 


HÜQorfllugBr 87. "i 


Gurr 88. 164. 174. 324. 


Hummel 201. -< 


OtuilivuB Adolphua 76. 94. 


HumaeD 19. ^ 


Hoarklem 340. 781. 


HuDdsful 138. 1 


Hasrpudet 163. 


Handakllakcrisch 312. ] 


HUckel 178. 


Hut 10. ' 


Hslftet 208. 


I 916. 


HbU 218. 


Jan Perus 916. 


Ulm 103. 


Jauco 187. 


Hamburg 230. 


Jeplitba 186. 


Hambuiger 84. 


liiimcnrnß 192. 


Hameln 91. 


Immer Bcbad 191. 


Hanau 2b. 


India 17. 18. ' 


Handarboit 235. 


liiHpruck 146. 


HandiersD 432. 486, 


Jüühem 341. 


Hub Supp M 89. 


Joaanna 645. 


HarqnBbusicren 239, 


Joaepb 448. 707. 91U. 913. 917. 


Hart 184. 


Italiänor 278. 


HarzivalJ 91. 


JudenraeBaias 607, 


Haatii]kupr926. 


JungferkrUnalein 181. ; 




K 927. « 


Hoben 783. 


KalbemSlI, ^ 


HticliiQgini 104- 


KlLrat £2. 


Heiliginac 193. 


KiUhaudel 369. 


Heimat 127. 


Kaknder49. 914.921.922. 


Heima leuer 647. 


Kawel 91. 


HeliopolisSll. 


Katboiikfln und Calvinialen 877. 


Hellebardiorer 157. 


Kalholisch 916. 


H-^raclilu. 24. 


Kalicnbalg 259. 


HaibBthanion 76. lU. 


Kempen 104. < 


Horcöles 100. 


Kempten 95. i 




KerntcD 70. 




Kirbercutor 104. M 




Kircb»eih318. ri 




Kirr 191. 4 




Kitzeln 175. J 




KlSpfeu 371. fl 




ICnan 49. 4 


■ .BMlQh 669. 


KniabB 701. M 




Knoben 15. . 


^^^atiohünd m. 224. 






Künigamark 75. 


BdüütGt 204. 


KÜDUcn 53I.541.U64, CTll, 



9« 



Oaiiii 861. 
Oatiudia IIa. 
Ottenberg 8S. 
Fkdnboni M. lOS. 
Palingenliw 9S6. 
FappeDfaeim 91. 98. 94. 
PAppeaheinier 90. 
FoTa 609. 
PelopoonM 69. 
Peterathai 87. 
PejreriuB, ItaO, 886. 
Pf&ffengchfttE 93Ö. 
Pfalz 81. 
Pfeanicgwert 16. 
PfBtter 3S4. 
Philippibnrg 119. 
Pilgrun 916. 
PiUen 196. 
PiqaauiBraT 90. 
PUckBchcißer 64. 
Plümüranikleid 887. 
PlUmcrnntTock 889. 
PorzkBndigen 341. 
Potipbar T46. 
Praadsmiten 3SG. 
Praoeptot 64. 
Pru 76. 195. 
Preßbarg 189. 
Priapna 466. 
Fritich96. 616. 
FioximniOld. 
Paf che 40S. 






134. 



Puppenschatik 400. 

Qnackaalber 60. 

Quinten SSS. 

Bahn 63. 

Bammeln S26. 

Bath 246. 

Batio aWtu* 9S9. 

Banch 221. 

Babhn 9S2. 

Bedlioh 468. 

Begeniborg 96 f. 

Regimen tBperson 46 t. 

Beide 72. 

BeligionHgeBprUoh SIS. 

Bhein 47. 81. 102. 103. 

Bb eins Crom 30. 

Kes 99. 

Biet 346. 

Bock Jotopbg 716. 

Bdllcn 22. 

Boqaettc 007. 

Bosc, Ueinbold von, 105. 111. 



Bothenbtug B>. 119. 
Bothw«ailtC 
Bnb«ii7S4. 
Sabnd S66. 
Saobi, Hana, »8. 
Saohaen 96. 
8 al Lader ei 606. 
eobaebiel 8S. 
Sobatien i&i. 
ScbatigrHber 171. 
Scheck 260, 
SchelmenpaititeD 47. 
ScbelmQfgki 926 — 039. 
Schenkel 747 
Sohep» 465. 
Schiobochaen 90. 
SohlUferin 155. 
Sobleiien 96, 
Bohliok 336. 
BoUiUgabal 487. 478. 
SolilitEgAbeleiD 623. 
Scblurpfea 376. 
SchmalhaiiB 19. 386. 948. 391. 
Sobmiereu 46. 
Bobmirael 46. 
Schnabel w^ 478. 
Bohnalle 177. 
SohnappBT 911. 
SoboUe 88. 
Soborndorf 104. 
Bobreib«»! 14. 
Scbttrgen 41. 
BehflU, Job. Jak., 916. 
Schah 438. 
Schuater 483. 
Bcbatter S7. 
Bcfanabe 90. 
ßchnabanhaiuen ISO. 
Schwang 368. 
ScbwBTEwald 30. 87. 114. 
Bobiredea 20. 147. 
BebnIoD 14. 
Beeret 26. 
Beeretarina 47. 
BeleniUde 604. 
Belioba 761. 
Semiramii 878. 
Seneca 24. 
Berge 81. 

BeTftid, HOraen, B3. 
Sich 90. 96. 
Siohbarlicb 468. 
Siecbten 790. 

Simplieitaimtu, tlDgftriiabet, 938 — 
036. 939. 




WerlMT 146. 

Ward, Jou de, IM. 

W«idt, Jo*n dB, 98 t 

WeAlioh BS4, 

W«k*Utt doa >ibU Simplieii« 

Warkieag 791. 

Werl 108. 

Warmntli l&B. 

Wertli, Jimh de, ISS. 

Wertlieim 90. 

WeMi 84. 91. 

Wet^haleo «0. 98. 108. 

Wettenn 1&8. 

Wibeln 580. 

Wie« 644. 

WUdbret 660. 

Wimpfen 81. 307. 

Wind SO. 

WiaMrqnartier 113. 

Wiieloch 81. 

Wiamu 284. 

WifiUcb 300. 

Wölfe 491. 

WSlfela 43. 



WoUtaUttal »4. 

w»ub«a m. 

Wol^ufK«. 
WoIwSidaa «79. 
bI 918. WoRM 81. 90. 1«. 



WOrtamber^Mber biumLiiA 468. 

WflitenbMi »0. 104. 116. 

WlInbnrgSO. 

Wunder geben X 861. 

Wunt widei wnnt 648. 

Z 908. 9S8. 

Y 908. 016. 

Z 908. 918. 

Zanberer &17. 

Zanben^en 4i. 

Zeracfaeidem 781. 

Zigenner 4S S. 814. 

Zone 104. 

ZoroMtet 84. 879. 

Zu 44. 

Za forderiat 639. 

ZwiwelDeitlem 828. 




p ^. 



M9 



ÜBERSICHT 

Aber die 

dnabia i^ ai^abM des fittoririschNi fcrais 

im 14teii Terwaltongsjahr Tom 1 janwur bis 31 deoember ISGl : 



A) Beste, 

I. Eassoibestand am schloße des dreiidiiitenTer- 
waltung^ahrs 

n. Ersatzposten 

lU. Activansstände 

nr. Für TerwerUiete Torräthe früherer verwaltangs- 
jähre 

B) Laufendes. 

I. Actienbeitrage 

n. Für einzdne pnUicationen des laufenden Ter- 

waltnngsjahrs 

ni. Zinse ans zeitlichen anlehen 

IT. Ersatzposten 

C) Torempfang von actienbeitrSgen Gtr die folgenden 
verwaltnng^ahre 



6035 
88 
55 

141 

2973 

9 

220 

18 

421 



kr. 



49 
20 
36 

i 30 

14 



24 
87 

38 



Summe der einnahmen || 9904 | 8 



iugaben. 

A) Beste 

B) Lanfendes. 

I. Allgemeine verwaltangskosten (darunter die be- 
lohnungen des kassiers 191 fl. 4 kr. und des 
aufwärters 22 fl.) 

n. Auf die herausgäbe und Versendung der voreins- 
schriften: 

1. Honorare 

2. Papier 

3. Druck 

4. Buchbinder 

5. Versendung 

6. Provisionen an buchhändler 

C) Vorauszahlungen. 

Vorausbezalilte honorare 



kr. 




45 



30 

19 

12 
o«> 

58 
4 



Summe der ausgaben || 4075 ; 10 



944 RECHNUNGSÜBERSI 

Somit kossenbestand am 3 1 december 
Die activen des Vereins besteben aaßei 
Benbestancl in 

1. Ersatzposteil 

3. Aiisst«lieDden actienbcitr&gen ans 

verwaltDDg^ahr 

Summe < 

Anzahl der octlen im vierzehnten yart 

Zur benrkandnng 



Die richtigkcit der rechnnng 1 
TQbbgen, 9 janoar 1S62. 





Stanford University Library 

Stanford, California 



In Order that otbers may use thia booli 
please retiim it as soon as possible, bv 
not later than the date due.