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Full text of "Der Antichrist in der Überlieferung des Judentums, des neuen Testaments und der alten Kirche ..."

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Der Antichrist/ 



in der Überlieferung des Judentums, des neuen Testaments 
und der alten Kirche. 



Ein Beitrag zur Auslegung der Apoealypse. 



Lic. theol. Wilhelm Bousset 

PrlntdtHBttt in GMiin^ 




Oöttittgm 

Vanbmifotd unb Hupredjt 
1895. 











.57 



Vorwort. 

Ich kann die Abhandlung, die ich hier vorlege, nicht besser 
einleiten, als durch ein Wort Gutschmids, das dieser am Schluss 
seiner Recension von Zezschwitz Werk »vom römischen Kaisertum 
deutscher Nation- aussprach. »Diese ganze Apokalypsenlitteratur, 
die vom Danielbuche an, oder wenn man so will, von den alt- 
testamentlichen Propheten einerseits und der Kymaeischen Sibylle 
andererseits in einer nie völlig abgebrochenen Kette bis zu Capi- 
strano und der Einnahme Konstantinopel.- durch die Osmanen 
herabreicht, ist bisher von den Historikern in auffälliger Weise 
vernachlässigt worden, obgleich sich doch kaum ein zweites 
Geisteszeugnis finden lässt, das den Eindruck, welchen die ge- 
schichtlichen Begebenheiten auf die Zeitgenossen machten und 
die Anschauungen, Hoffnungen und Befürchtungen derselben in 
auch nur annähernd gleicher Unmittelbarkeit wiederspiegelt-. 
(Kleine Schriften V, 505.) Ich füge nur noch hinzu, dass ich 
in der vorliegenden Studie nur eine notwendige Vorarbeit zu dem 
von Gutschmid angeregten Thema habe liefern können. Ich 
hoffe noch einmal Zeit und Kraft zu einer zusammenfassenden 
Darstellung der Eschatologie der christlichen Kirche zu finden. 
Vorläufig möchte die vorliegende Skizze die Arbeit auf diesem 
so unendlich verwickelten und schwer übersehbaren Litteratur- 
gebiet anregen, fördern und neue Mitteilungen hervorlocken. 

Für freundliche Hilfe bei der Korrektur und Ausarbeitung 
des Registers sage ich meinem lieben jungen Freunde W. Lueken 
auch hier meinen besten Dank. 

Ich bemerke noch, dass das Register für jeden citierten 
Schriftsteller angiebt, nach welcher Ausgabe und wie derselbe 
citiert ist. Ich bitte also, wenn Citate nicht verstandlich sein 
sollten, dort nachzuschlagen. 

Göttingen, Juni 1895. 

Wilhelm Bousset. 



Inhaltsverzeichnis. 

S«ito 

Einleitung 1 

Aufstellung des Problems 11 

I. Teil. Die Quellen. 

I. Eine lateinische pseudoephraemitische Homilie über das 
Ende der Welt, die griechische Homilie des Ephraem 
über den Antichrist und andere eschatologische Schriften 
desselben, Pseudo-Hippolyt über das Ende der "Welt, die 
pseudojohanneische Apokalypse, die fünfzehnte Katechese 
Cyrills von Jerusalem, die Dioptra des Philippus Soli- 

tarius. Pseudo-Chrysostomus 20 

II. Zwei Sibyllinisten des Mittelalters (Sib.-Beda und 
-ITsinger), Adso Über den Antichrist, Pseudo-Methodius, 
die syrische Homilie des Ephraem über den Antichrist, 
Überblick über den ephraemitischen Schriften kreiß, die 
gemeinsame Quelle von Adso und Sib.-Beda. das apo- 
kalyptische Material des Hieronymus 27 

HI. Die griechische und armenische Danielapokalypse . . . 41 

IV. Die arabische, syrische, aethiopische Petrusapokalypse, 

die syrische Esraapokalypse 45 

V. Commodians Carmen Apologeticum, Lactanz' Instit. 
div. VII, 10 ff., Beziehungen Commodians zu Hippolyts 
Werk über den Antichrist, Martins von Tours eschato- 
logisches Testament, der Apokalypsenkommentar des 
Victorin, die eschatologischen Partieen im ßtßXtov Kkrj- 
fuvroe und in der Ascensio Jesaiae, Beziehungen zum 
IV. Esra 49 

VI. Die Apokalypse des Zephanja 54 

VII. Überblick über die ausserdem« in Betracht kommende 
Litteratur der Kirchenväter 57 

Vm. Jüdische Quellen, die sibyllinische Litteratur, IV. Esra- 

und Baruch-Buch, das Testamentum XTT. Patriarch. . . 59 
IX. Spätjüdische Quellen, die Geheimnisse des Simon, Mi- 
drasch Vajoscha, die Zeichen des Messias, das Serubabel- 

buch, die persische Geschichte Daniels 64 

X. Ausser-chriBtIiche und -jüdische Quellen, die ältere Edda 
(Voluspä), die parsistische Apokalypse Bahman-Yast, die 

arabische Überlieferung vom Antichrist 71 

Übersicht Über die gebrauchten Abkürzungen ... 74 



1 



II. Teil. Die Geschichte der Tradition vom Antichrist 

I. Die Vorzeichen 76 

II. Der Verfall des Bömerreichs vor dem 'Ende und 1 ) die 

Herkunft des Antichrist 77 

in. Der Name des Antichrist 86 

IV. Der Teufel und der Antichrist 88 

Anhang I. Belial 99 

Anhang II. Der Antichrist als Ungeheuer ge- 
schildert 101 

V. Die ersten Siege des Antichrist 102 

VI. Das Sitzen im Tempel 104 

VII. Der Antichrist der Pseudomessias der Juden .... 108 

Anhang: Die Geburt desselben aus Dan 112 

VIII. Die Wunder des Antichrist. — Rückblick 115 

IX. Die Diener des Antichrist 124 

X. Die Weltherrschaft des Antichrist 126 

XI. Dürre und Hungersnot 129 

XII. Das Zeichen des Antichrist 132 

XIII. Henoch und Elias 134 

XIV. Die Flucht der Gläubigen 139 

XV. Die Verkürzung der Tage 143 

XVI. Die letzte Not und die Errettung 145 

XVII. Das Gericht über den Antichrist 148 

XVIII. Das Zeichen des Menschensohnes 154 

Anhang: Die Zeit der Wiederkunft 158 

XIX. Der Weltbrand 159 

Anhang: Die vier Winde 165 

XX. Das Blasen des Hornes 166 

XXI. Das Weltgericht 167 

Anhang. Zum zwölften Kapitel der Johannesapokalypse .... 169 
Nachträge. Spätbyzantinische Apokalypsen, ein Fragment der alt- 
sächsischen Genesis 173 

Register 181 



1) auf S. 84 ist statt II: IIA zu lesen. 



Einleitung. 

Die vorliegende Arbeit wurde ursprünglich im Interesse der 
Aufhellung und Erklärung einiger dunkler Stellen der Johannes* 
Offenbarung unternommen. Die ersten Beobachtungen, die mich in 
die von mir eingeschlagene Richtung der Arbeit wiesen, enthielt 
die von Iselin (theol. Z. a. d. Schweiz 18S7) 1 ) unternommene 
Vergleichung der Apokalypse mit der späten syrischen Esra- 
apokalyse. Von neuem machte mich Bratkes Arbeit über die 
arabisch - äthiopische Petrusapokalypse (Z. W. Th. 1892) auf 
die vorliegenden merkwürdigen litterarischen Probleme aufmerk- 
sam. Als ich vor zwei Jahren ein Kolleg über die Apokalypse 
las, war es mir bereits sehr wahrscheinlich geworden, dass zum 
mindesten Kap. XI unserer Apokalypse in einer älteren 
Tradition wurzelte, die uns noch erreichbar sei. Corrodis Ge- 
schichte des Chiliasmus machte mich zum ersten Mal auf die 
hier in Betracht kommenden Schriften des Ephraem aufmerksam. 
Und dann hat sich von der erstaunlich weitverzweigten Litteratur 
ein Glied zum andern im Laufe der Zeit hinzugefunden. Ich 
hätte freilich ohne die freundliche mir wiederholt zu Teil ge- 
wordene Hülfe der Herren Professoren Bonwetsch und W. Meyer 
noch immer wichtige Zweige der Litteratur übersehen *). Auch 
jetzt wage ich noch nicht irgenwie eine Vollständigkeit meiner 
Untersuchung zu behaupten; manche Schriften, die in Betracht 
kämen, sind noch nicht zugänglich. Aber ich glaube wenigstens 
dass nichts wesentliches, was den Überlieferungsgang der 
Tradition der alten Kirche vom Antichrist betrifft, von mir über- 
sehen ist Ich hebe jedoch hier gleich hervor, dass die weitere 



1) ich kenne die Arbeit nur ans Berichten. 

2) ausserdem sage ich noch meinen Kollegen den Herren Dr. 
Achelia und Dr. Rahlfs Dank für freundlichst bei manchen Einzelheiten 
der Untersuchung geleistete Hülfe. 

BouiMt, der Antichrist. 1 



2 



/ 



Geschichte desselben im Mittelalter von mir nur gestreift ist, und 
dass ich hier auf jede Vollständigkeit verzichte. * Ich musste diese 
Grenze meiner Arbeit stecken, um durch sie nicht ganz von dem 
mir gesteckten Ziel einer Erklärung der Apokalypse abzugeraten. 

Allerdings hat auch so schon die Arbeit den Charakter einer 
Hülfsarbeit zur Erklärung der Apokalyse verloren. Mehr und 
mehr erwachte für mich das Interesse an der Verbreitung und 
dem Einfluss der Tradition vom Antichrist selbst. So ist aus 
\ der Arbeit ein Beitrag zur Eschatologie der alten Kirche geworden. 
Es ist freilich eine krause und phantastische Litteratur, die ich 
hier in ihrem litterarischen Zusammenhang behandelt vorlege, 
aber dieselbe hat eben doch wenigstens einen grossen Beiz. In 
naiver unmittelbarer Weise spiegeln sich in dieser Litteratur die 
Stimmungen, die Leiden und Hoffnungen der breiten Masse des 
Volkes in den Zeiten grosser politischer Erregung und Um- 
wälzung ab. Die Jahrhunderte ziehen an uns vorüber in einer 
seltsam phantastischen Beleuchtung, aber wir dürfen es nicht ver- 
gessen: alle diese wirren und bunten Gedanken sie waren 
einmal lebendig und wirklich, sie erregten die Masse mehr als 
dogmatische Streitigkeiten, und im Mittelalter wenigstens haben 
sie geradezu Geschichte gemacht. 

Und ich gebe mich der Hoffnung hin, dass die Frucht 
meiner Arbeit für die Auslegung der Apokalypse keine geringe 
sein wird, unmittelbar wie mittelbar. Namentlich auch mittelbar. 
-Wir sind noch nicht am Ende der Auslegung der Apokalypse, 
die zeitgeschichtliche und litterarkritische Methode der Unter- 
suchung hat zwar manches aufgehellt, aber sie hat uns auch 
in eine gründliche Verwirrung und in eine kaum mehr überseh- 
bare Fülle von Hypothesen hineingeführt Es müssen neue 
Wege eingeschlagen, neue Mittel angewandt werden, ja eine 
ganz neue Methode der Forschung wird notwendig sein, wenn 
wir weiter kommen wollen, vor allem aber handelt es sich um 
ein klares Bewusstsein von der anzuwendenden Methode. In 
meiner Arbeit habe ich an einer ganzen Reihe von Apokalypsen 
die Gesetze eschatologischer Tradition beobachten können. Und 
darin besteht für mich der mittelbare Wert meiner Arbeit für 
die Auslegung der Apokalypse. 

An diesem Punkt berührt sich nun die vorliegende Studie 
mit der hier neue Bahnen einschlagenden und weisenden Arbeit von 



"•-'.'. ••-•.-■'. . . ■ •*.".. • < • - • • . 

Gunkel »Schöpfung und Chaos«. Es ist für mich eine Pflicht 
der Dankbarkeit, hier sogleich am Anfang darzulegen, inwieweit 
ich von -dieser Arbeit Anregung und Förderung erhalten habe. 
Namentlich hinsichtlich der Methode und der Fragestellung ist 
diese Anregung eine sehr grosse gewesen, und ich betone dies 
hier im Anfang um so lieber, als ich gezwungen bin, hinsichtlich der 
Resultate im einzelnen Gunkel sehr oft zu widersprechen. Für 
mich kommt nun von der Arbeit Gunkels wesentlich die zweite 
Hälfte seines Buches in Betracht, in welcher er in der Form 
einer Erklärung von Apok. 12 die Gesetze für die Auslegung 
aller apokalyptisch-eschatologischen Tradition feststellt. 

Das folgenreichste und wertvollste Gesetz stellt nun, wie 
mir scheint, Gunkel p. 252 ff. seiner Untersuchung auf. Er 
spricht den Gedanken hier aus, dass im grossen und ganzen ge- 
sehen, der einzelne Apokalyptiker seinen Stoff nicht selbst schafft 
und erfindet, oder auch nur aus allerlei zeratreutemMaterial zusammen* 
webt. Wie sollte er auch sonst dazu kommen, seine Phantasien 
für gesicherte heilige Offenbarung auszugeben. Er konnte das 
nur thun im Besitz zusammenhangender altheiliger Tradition, er 
verkündet uralte Weisheit. Natürlich ändert er hier und da, 
aber seine Thätigkeit besteht in Umdeutung, nicht in Erfindung, 
in Anwendung nicht in Neuschöpfung. »Solche Selbsttätigkeit 
ist stets in denjenigen Grenzen zu denken, in denen der Glaube 
des Schriftstellers an seine Worte nicht unmöglich gemacht wird« 
(p. 254). Diese Grenzbestimmung ist natürlich eine lose, man 
kann dem einen Apokalyptiker hier weniger, dem andern mehr 
zutrauen, aber es ist eine Grenzbestimmung. Die Geschichte der 
eschatologischen Litteratur, die ich hier durchforscht habe und 
die — das ist hier der Vorteil — im hellen Licht der Geschichte 
liegt, giebt nun die Bestätigung für diesen Satz Gunkels. Man 
wende mir nicht ein, dass man die spätere epigonenhafte apo- 
kalyptische Litteratur des Christentums nicht verwenden dürfe, | 
um aus derselben Gesetze für die Auslegung der schöpferischen 
Johannesapokalypse zu entnehmen. Es wird in der vorliegenden 
Arbeit nachgewiesen werden, dass die vorgelegte eschatologische 
Litteratur sich noch durchaus selbständig gegen das neue Testament, 
namentlich gegen die Johannesapokalypse verhält.. Eo zeigt - 
«ich dann aber aufs klarste in dem folgenden Überblick der 
Litteratur eines Jahrtausends, wie gross die Stabilität eschatolo- 



«I 



gischer Vorstellungen ist, wie diese aus einer Hand in die ander» 
wandern und kaum in Jahrhunderten ihre Gestalt verändern. 

Gunkel nimmt zur Erklärung der Stabilität mythologisch- 
eschatologischer Anschauungen die Hypothese einer mündlichen 
Geheimtradition zur Hülfe und sucht aus dem Charakter von 
II Thess. 2 und Sofien der Eara-Apok. seine Behauptung zu 
belegen *). Ich bin in der Lage, auch für die ersten christlichen 
Jahrhunderte den Beweis einer eschatologischen Geheimtradition 
führen zu können. 

Es ist G. vorgeworfen, dass er*) nicht genügend zur Dar- 
stellung gebracht habe, wie stark die Herübernahme älterer my- 
thologischer und eschatologischer Vorstellungen für den Verfasser 
der Apokalypse wenigstens im unbewussten liege, wie stark er 
nur mit unverstandenen und halbverstandenen eschatologischen 
Traditionen operiere. G. erkennt dies ja selbst mehrfach an, aber auch 
jener Einwurf besteht doch in etwas zu recht. Gerade die Be- 
rührungen der Apokalypse mit den altbabylonischen Mythen, 
welche G. wirklich nachgewiesen hat, beschränken sich allerdings 
vielfach auf unverstanden herübergenommene Einzelheiten. Und 
auf Grund dieser Berührungen den Kreisen, aus denen die Apok. 
erwachsen ist, noch Kenntnis eines zusammenhängenden altbaby- 
lonischen Mythos, den man sonst nirgends mehr findet, zuzu- 
trauen, wie Gunkel dies bei seiner Deutung des Kap. XU der 
Apok, und der Zahlenrätsel 13 is unternimmt, ist sehr gewagt. 
— Das kann zugestanden werden, unbeschadet der Richtigkeit 
des oben aufgestellten Gesetzes von der Stabilität eschatologischer 
Überlieferung. Findet die Apokalypse ihre Erklärung nicht oder 
nur sehr teilweise im altbabylonischen Mythos, so doch vielleicht 
in einer näher liegenden Tradition. 

Man darf jedenfalls die Macht alter Tradition und die Mög- 
lichkeit eines noch teilweisen Verständnisses derselben nicht 
unterschätzen. Man kann sie kaum überschätzen, Jahrhunderte 
kommen hier kaum in Betracht und es muss gesagt werden : wer 
nicht einmal in ernster und angestrengter Arbeit der Tradition 
mythologischer und eschatologischer Vorstellungen nachgegangen, 
hat eigentlich nicht das Recht auf diesem Gebiet mitzusprechen. 



1) p. 265. 292. 

2) vgl. die Rezension von Clemen Z. W. Th. 1895. H. 2. 



Seibat wenn aber der gegen G. erhobene Einwand voll zu 
Jtecht bestände und in der Apokalypse sich nicht mehr als 
einige zerstreute Reste alter babylonischer Mythologie nachweisen 
Hessen, so hätten doch die beigebrachten und bewiesenen Be- 
ziehungen mehr Wert als den einer »Kuriosität«. Wir hätten 
eben doch damit ein sicheres Mittel mehr, bei der Auslegung der 
Apokalypse zwischen dem traditionsmässig überkommenen und 
dem eignen Material des Apokalyptikers zu scheiden. Und 
darin besteht alle Kunst der sicheren Auslegung jeder Apo- 
kalypse: in der sicheren Grenzbestimmung zwischen dem über- 
kommenen und dem einer jeden Schrift eigentümlichen. 

So wird man von Gunkels Arbeit an von einer neuen Aus- 
legungsmethode der Apokalypse sprechen dürfen. Der zeitge- 
schichtlichen und litterarkritischen Methode zur Seite tritt die 
traditionsgeschichtliche, beide beschränkend, allerdings nicht auf- 
hebend, wie es bei der G. 'sehen Arbeit dann und wann er- 
scheinen möchte. 

Die heute Mode gewordene litterarkritische Forschung wird 
sich eine starke Beschränkung gefallen lassen müssen. Man 
muss endlich aufhören mit dem Messer zu schneiden und mit 
roher Hand die Quellen zu zerreissen. Es wird — wie G. mit 
Recht betont — vor allem auf eine viel genauere Erkenntnis 
des stofflichen Zusammenhangs ankommen, ehe man mit der 
Kritik beginnen kann. Ein paar kritische Beobachtungen an der 
Johannesapokalypse allein unternommen, wie sie ein jeder machen 
kann, reichen nicht mehr. An die Erklärung der Johannes- 
apokalypse kann man sich nur wagen mit sehr umfassenden 
Kenntnissen, «ine wirkliche Auslegung derselben wird noch lange 
die Kraft eines einzelnen übersteigen. Es gilt ja, diese Schrift 
innerhalb des Zusammenhangs einer fast tausendjährigen eschato- 
logischen Tradition in ihrer Eigentümlichkeit zu erfassen« Doch 
ich fürchte schon, es wird sehr bald der Satz G.'s bis zu gänz- 
licher Vernachlässigung litterarkritischer Untersuchungen über- 
trieben werden. Und es soll hier hervorgehoben werden : gegen- 
über mythologisierender Willkür wird eine besonnene litterar- 
kritische Methode immer ein heilsames Gegengewicht abgeben. 
Ich hoffe im ersten Teil meiner Arbeit zu zeigen, wie viel auch 
die Litterarkritik auf diesem Gebiet erreichen kann. 

Auch die zeitgeschichtliche Methode wird sich eine bedeutende 




6 

\ 

Beschränkung gefallen lassen müssen. Die verschiedensten Gründe 

fuhrt Gunkel gegen dieselbe ins Feld. Er bekämpft nament- 
lich die beliebigen Einzelausdeutungen dieser und jener Stelle 
der Apok. und weist ihre absolute Willkür nach, auch ergiebt 
sich ja schon naturgemäss mit der tradionsgeschichtlichen Me- 
thode die Einschränkung der zeitgeschichtlichen. Wenn man 
erkannt hat, dass an vielen Punkten der Schriftsteller von der 
Tradition abhängig ist, so wird man von selbst vorsichtiger gegen 
zeitgeschichtliche Deutungen. Vor allem weist Gunkel dann 
jede zeitgeschichtliche Deutung, die in die Vergangenheit des 
Apokalyptikers zurückgeht, als nicht mit dem Wesen der Apo- 
kalypse stimmend, rundweg ab. — Diese Ausführungen werden 
allerdings, so viel beherzigenswertes sie bieten, ermässigt werden 
müssen. Auch dann, wenn der Apokalyptiker traditionsmässig 
feststehendes Material herübernimmt, thut er dies vielfach doch 
nicht ganz grundlos. Er denkt dabei dann doch an seine Zeit 
und ihre Vorgänge. So ist allerdings die Schilderung der 
Märtyrer unter dem Altare Apok. 69 ff. eine einfache Herübernahme 
älterer Tradition. Aber wenn der Apokalyptiker diesen Zug über- 
nahm, so dachte er an die Märtyrer seiner Zeit, an die, welche 
gelitten hatten, und diejenigen, welche noch folgen sollten. Und 
es ist nicht verkehrt und wertlos, auch dies zu beachten und zu 
fragen, auf welche Zeitverhältnisse der Apokalyptiker anspielt 
Dass in der Johannesapokalypse gar keine Ausführungen über 
vergangene Zeiten vorkommen, scheint mir von G. nicht be- 
wiesen. Dan. 7 und Henoch 88 führen eben doch auch über die 
Zeit des angenommenen Verfassers hinüber. Warum sollte man 
Apok 12 nicht auch als rückblickende geschichtliche Einleitung 
zu Kap. 13 mindestens im Sinne des Apokalyptikers letzter 
Hand verstehen dürfen? Als ein entschiedener Missgriff G.'s 
aber muss es bedauert werden, dass er die altbewährte zeitge- 
geschichtliche Deutung auf Nero unter vielfacher Vergewaltigung 
des Textes und mit sehr wenig beweisenden Gründen zu stürzen 
versucht 1 ). Sie ist einmal aus der Apokalypse nicht zu ent- 
fernen. Ich fürchte, das Gunkels Deutung der Zahl 666 auf 



1) eine genauere Auseinandersetzung mit Gunkel muss ich mir 
hier versagen, ich hoffe sie bald in meinem Kommentar geben zu 
können. 



das »UrungeheueX« *), durch welche er diejenige auf Nero ver- 
drängen möchte, auch sehr bald unter die von ihm so vielfach 
verspotteten apokalyptischen Kuriositäten eingerückt sein wird. 
So lange aber die Deutung auf Nero zu Recht bestehen bleibt, 
wird auch die zeitgeschichtliche Methode ihr Recht an der Aus- 
legung der Apok. behalten. Und ihre Bankerotterklärung durch 
Gunkel und dessen Recensenten Eduard Meyer 1 ) wird daran 
nichts ändern. 

Auch hier muss gebeten werden: nur keine Übertreibungen. 
Eine neue Methode empfiehlt sich nicht dadurch, dass sie den 
Anspruch auf Alleinherrschaft erhebt. Wenn Gunkel in seiner 
Arbeit etwa den Grundsatz befolgt, dass die traditionsgeschicht- 
liche Methode überall da anzuwenden sei, wo die zeitgeschicht- 
liche Deutung nicht ganz klar sei und auf der Hand liege, so 
ist damit viel zu viel behauptet Eine vorsichtige Forschung 
wird die Resultate zeitgeschichtlicher Deutung da annehmen, wo 
sie sich ungezwungen bietet — vorsichtig aber auch ohne jene 
haarspaltende Dialektik, mit der G. die Nerodeutung abweist — 
sie wird wirkliche Nachweise und Resultate der traditionsge- 
schichtlichen Methode anerkennen, siewird aber, da wo beide nicht 
zureichen, offene Fragen zugeben, — auch die Möglichkeit uns 
unbekannter, zeitgeschichtlicher Anspielungen. Sie wird endlich 
in manchen Fällen beide Methoden neben einander anwenden. 

Vor einem aber vor allem hat man sich bei dieser Arbeit 
zu hüten : vor Postulaten. Auf Grund einiger erhaltener Fetzen 
einiger fragmentarischer Berührungen, deren Zusammenhänge nicht 
deutlich sind , einen vollständigen sonst verloren gegangenen 
altbabylonischen Mythos aus unserer Apokalypse rekonstruieren 
zu wollen, wie Gunkel dies versucht — das heisst auf irgend 
welchen Grad von Evidenz verzichten und die Grenzen wissen- 
schaftlichen Beweises verkennen. G.'s Deutung von Apok. 12 
(13) ist nicht mehr als eine geistvolle Phantasie, die besser unter- 
blieben wäre. Denn viele werden in diesem Abschluss der Arbeit 
den bequemen Grund finden, sich auch über das wirklich wert- 
volle und neue Bahnen weisende Ganze derselben hinwegzu- 
setzen. 



1) r.Ty"p B^rrr. 

2) In der Beilage zur Angsburger Allgemeinen Zeitung. 94. 13. Dec. 



8 

Ein wirkliches Verdienst aber bleibt es immerhin, dass 
Gunkel den Nachwirkungen des altbabylonischen Drachenmythos 
bis in seine äussersten Ausläufer im neuen Testament in einer 
einheitlichen Untersuchung nachgegangen ist. Hat er auch den 
Einfluss des Mythos im neuen Testament um ein gutes Teil 
überschätzt, so hat er doch unsern Blick für das mythologische 
in der Apokalypse bedeutend geschärft. 

Ich möchte in gewissem Sinne meine Arbeit als eine be- 
scheidene Fortsetzung derjenigen von Gunkel bezeichnen. Ich 
möchte in ihr den Nachweis führen, dass die eschatologische 
Überlieferung vom Antichrist eine spätere Umgestaltung, eine 
Vermenschlichung des Drachenmythos ist, dass ferner dieser 
Mythos auch weit über die Zeit des neuen Testaments innerhalb 
jener Oberlieferung nachgewirkt hat und in ihr immer wieder 
in Einzelzügen in den alten charakteristischen Formen von neuem 
zur Erscheinung und zum Durchbruch kommt. Ich möchte auf 
der andern Seite die Arbeit Gunkels in gewisser Weise berich- 
tigen. Vom Drachenmythos sind in die Apokalypse doch fast nur 
unverstandene Fragmente gekommen. Eine andere mit diesem 
Mythos zusammenhängende und uns noch erkennbare eschatolo- 
gische Tradition hat einen bei weitem grösseren Einfluss auf 
diese ausgeübt. Der von G. zuerst mit aller Energie aufge- 
stellten Traditionsmethode und der von ihm zuerst energisch ver- 
tretenen Anschauung von der Stabilität eschatologischer Über- 
lieferung folge auch ich. Aber mit meiner Arbeit gehe ich nicht 
zurück in altbabylonische Zeit, um von hier aus den Schlüssel 
zum Verständnis der Apokalypse zu gewinnen, sondern ich gehe 
hinauf in die nachchristliche Tradition und gewinne aus ihr, 
soweit diese sich selbständig gegenüber dem neuen Testament 
verhält, mein Material durch Rückschiusa auf die neutestament- 
liche Zeit. Und ich glaube, dass mein Schlüssel besser schliesst, 
wenigstens was das Verständnis der Apokalypse betrifit. 

Dabei bin ich mir allerdings bewusst, dass ich ein Ver- 
ständnis der eschatologisch-mythologischen Vorstellungen in letzter 
Instanz nicht erreiche. Aber ob man diese überhaupt je er- 
reichen kann? G. glaubt eine Erklärung des Drachenmythos 
zu haben, aber hier gerade erhebt Eduard Meyer (a. a. 0.) 
Widerspruch. Hier in den letzten Instanzen scheint alles un- 
sicher. Wir werden genug gethan haben, wenn es uns einiger- 



9 ' 

/ 

massen klar geworden ist, was man zu einer bestimmten Zeit 

— also etwa in der neutestanientlichen — für eschatologische 
Vorstellungen sich machte, wenn wir hier dies fast unlösliche 
Gewirre von überkommenem und von Zeitvorstellungen, von verstan- 
denem und und unverstandenem entwirrt haben. Damit ist natür- 
lich nicht 'ausgeschlossen, dass wir auch für jede weitere Auf- 
klärung, die Gunkel uns im Verlauf seiner Forschungen bringen 
wird, dankbar sein sollten. — Für mich galt es, die nächsten 
Instanzen zur Erklärung der Apok. zu erforschen, und näher als 
die altbabylonische Mythologie liegt der Apokalypse die escha- 
tologische altchristliche Tradition, welche von dieser Schrift im 
grossen und ganzen unabhängig ist. Dies gerade, die Berück- 
sichtigung nächster Instanzen, hat G. oft unterlassen. — Es gilt 
das auch namentlich von seinen Ausführungen über Apok. XII. 
Noch ein letztes ist zu erwähnen, in dem ich von G. gelernt 
habe. Hohes Lob verdient die Selbstbeschränkung, die G. sich 
in seiner Arbeit auferlegt. Gerade auf dem mythologischen Ge- 
biet, das er durchforschte, lag die Verlockung zur Abschweifung 
auf fremde, ferner liegende mythologische Systeme sehr nahe. 
Die griechische Mythologie, die Mythologie der Edda bieten ja 
zahlreiche Parallelen, und viele andre Spuren von dem Einfluss 
dieses uralten Mythos, wohl eines der ältesten des Menschen- 
geschlechts, finden sich. G. hat die Gefahr des Dilettantismus, 
die gerade hier sehr nahe lag, und des vorschnellen Urteils 
glücklich vermieden. Man kann dasselbe nicht von allen mytho- 
logischen Forschungen sagen. So ungemein anregend z. B. die 
religionsgeschichtlichen Forschungen Dieterichs sind, so wertvoll 
sie sind auf dem Gebiet, auf dem D. zu Hause ist — ich rechne 
natürlich dahin auch seine Aufstellungen über die Petrusapo- 
kalypse — so tragen doch seine Urteile über jüdische und ur- 
christliche Eschatologie den Charakter des dilettantischen. Wie 
weit ihm G. in der Methode überlegen ist, zeigen die wenigen 
Seiten, auf denen er sich mit D/s Versuch einer Erklärung von 
Apok« XTT auseinandersetzt 1 ). Ehe man so bestimmte Behauptun- 
gen über die Herkunft der eschatologischen Vorstellungen vom 
Weltuntergang, von Himmel und Hölle oder gar über die sittlichen 
Grundanschauungen in den Gerichtsvorstellungen in allem ein- 

1) p. 284 ff. 



d 



10 



zelnen aufstellen kann, wie D. das thut 1 ), wird noch manche 
ernste Arbeit gethan, manche genaue Einzeluntersuchung abge- 
schlossen werden müssen. Zu einer Untersuchung über die ver- 
wickelte Mythologie der Edda, dem Versuch einer Ausscheidung 
der christlichen und älteren Bestandteile derselben, wie sie 
E. H. Meyer in seinem Werk VöluspÄ unternommen '), scheint 
mir ebenfalls die Zeit noch nicht gekommen. Schritt um Schritt 
wird die Riesenarbeit vergleichender Mythologie gethan werden 
müssen, wenn sie nicht immer wieder den Eindruck eines phan- 
tastisch-dilettantischen Verfahrens machen soll. Der Beiz abzu- 
schweifen ist allerdings gross, und vielleicht habe auch ich mit 
dem wenigen, was ich aus entlegenen Gebieten beigebracht, schon 
zu viel gethan. 

Und das allerdings wird man sich noch gestehen müssen. 
Eine umfassende Arbeit ist es, die hier gethan werden muss und 
doch handelt es sich nur um Aussenwerke, die genommen werden 
müssen. In die innern Dinge, in das was lebt und wirklich 
Kraft hat in jeder Religion, führen uns diese Forschungen nicht 
hinein. Denn der Kern und das Mark einer jeden Religion liegt 
in dem ihr eigentümlichen, nicht in dem, was eine Nation und 
eine Religion von der andern überkommen hat, liegt in den ori- 
ginalen Schöpfungen von Persönlichkeiten und nicht in dem, 
was eine Generation der andern überliefert. Zum Verständnis 
der Apokalypse brauchen wir eine Fülle eschatologischen und 
mythologischen Wissens, beim Verständnis des Evangeliums kön- 
nen wir diese zum allergrössten Teil entbehren. Und doch muss 
auch diese Arbeit gethan werden, und sie bleibt lehrreich in 
mancher Beziehung. Sie macht bescheiden und demütig, sie zeigt, 
wie der einzelne und das einzelne Menschengeschlecht eine Welle 
nur ist im Strom des unendlichen Lebens der Geschichte, sie 
lehrt, wie unendlich viel ein jedes Geschlecht von den Erkennt- 
nissen, den Stimmungen und Gefühlen unbesehen halb verstan- 
den, halb unverstanden herübernimmt von vergangenen Geschlech- 
tern. Sie schärft aber auch, und das ist das wertvollste daran, 



1) vgl. 214 ff. and 172 ff. Die dort gegebene Prüfung der Laster- 
kataloge aus dem Urchristentum ist, so anregend die Zusammen- 
stellung des Materials ist, durchaus verfehlt. 

2) ich erwähne gerade dieses Werk, weil ich es mehrfach in der 
Torliegenden Arbeit gebrauchte. 



am 



11 

auf indirektem Wege den Blick für das ursprüngliche, das in 
einem jeden lebendigen Glauben erhalten ist, sie zeigt uns mittel- 
bar, wo die Quellen des lebendigen Lebens fliessen. 

Die vorliegende Arbeit zerfällt in zwei Teile. Im ersten 
Teil habe ich versucht, einen Überblick über die ungemein 
schwierigen litterarischen Verhältnisse der in Betracht kommen- 
den Litteratur zu geben. Im zweiten Teil gebe ich dann eine 
Rekonstruktion der Überlieferung, eine Darstellung ihres Ur- 
sprungs und ihrer Geschichte. In diesem habe ich die einzelnen 
in Betracht kommenden Quellen sehr ausführlich citiert. Ich 
glaubte, dass dies nötig sei, weil die in Betracht kommende Lit- 
teratur sehr zerstreut und schwer zuganglich ist. Auch bietet 
der zweite Teil oft den Beweis für die im ersten Teil gegebene 
Darstellung des Verhältnisses der Quellen zu einander, welche 
oft bei der Fülle des Stoffes sehr kurz zusammengefasst werden 
musste. 



Die Aufstellung des Problems. 

I. Überschaut man die eschatologischen Partieen des neuen 
Testaments, und in erster Linie diejenigen, in welchen die furcht- 
baren Nöte und Drangsale der letzten Zeit kurz vor dem Gericht 
Gottes behandelt werden, so bekommt man in erster Linie den 
Eindruck, dass hier eine fragmentarische nur bruchstückweise 
erhaltene Überlieferung vorliegt, welche auf grössere verborgene 
Zusammenhänge deutet 

Am deutlichsten tritt dieser Charakter der Überlieferung in 
Kap. XI der Offenbarung Johannes hervor. Ganz rätselhaft und 
plötzlich ist hier vor allem die Erscheinung des Tieres aus dem Abgrund 
des Mörders der beiden Zeugen (11 7). Mag man annehmen, dass in 
dem Ausdruck to dr^Qiov tö avaßdivov ex riß aßvoaov die Hand 
des Redaktors der Apokalypse thätig gewesen ist, so muss in V. 7 
doch immerhin die Bede von einer dämonischen Macht gewesen 
sein, welche die beiden Zeugen tötete. Es geht auf keinen Fall 
an, mit Spitta diese ganz aus dem Zusammenhang zu entfernen, 
1 wir erhalten dann ein nur um so rätselhafteres Fragment; das 



12 

plötzliche Aufhören des Wirkens der Zeugen nach dreieinhalb 
Jahren tnuss doch durch irgend eine feindliche Gewalt herbei- 
geführt sein. Wo aber hat man sich ferner das Auftreten der 
Zeugen und des Tieres zu denken? Nach V. 8 in Jerusalem. 
Beseitigt man in V. 8 die Worte onov xa* 6 xvqiog avrcov 
hmxvQtS&q, so deutet doch immer der Zusammenhang mit 11 1 
u. 2 und der Umstand, dass in dem Erdbeben, welches den 
zehnten Teil der Stadt trifft, siebentausend Menschen umkamen, 
mit zwingender Gewalt auf Jerusalem. Für die Annahme, dass 
die Scene in Rom spiele, liegt auch nicht der leiseste Anhalt 
Tor. Denn dass Jerusalem nicht t] noXig ff [ityaXij genannt 
werden könne, ist eine Behauptung, deren Gegenteil sich erweisen 
läset. Dass Rom sonst in der Apokalypse die grosse Stadt heisst, 
beweist nichts für die Beurteilung dieses ganz singulären Ka- 
pitels. Wenn aber alles auf Jerusalem als den Schauplatz der 
Begebenheiten hinweist, dann entsteht die Frage: wie ist das 
Auftreten des Tieres, das doch sonst in der Apokalypse mit 
dem römischen Imperium, mit Rom oder mit dem vom Euphrat 
wiederkehrenden Nero zusammenhängt, in Jerusalem zu erklären ? 
Eine vorschnelle Ausdeutung des einen Kapitel nach der Apo- 
kalypse nützt hier nichts. Es ist denn doch möglich, ja ziemlich 
gewiss, dass in der Apokalypse verschiedene Gedankenkreise, 
dicht neben einander liegen. Ferner: wer sind die beiden Zeu- 
gen? was für einen Zweck hat ihr Auftreten? weshalb und gegen 
wen verhängen sie die Plagen? in welchem Verhältnis stehen sie 
zu dem Tiere? weshalb tötet gerade das Tier die Zeugen? Wer 
sind die xcttoc/.ovvTeg itzi vf[<; yijs, welche in den drei Tagen, 
in denen die Propheten im Tode liegen, sich freuen und sich 
Geschenke schicken ? Hat man sie sich um Jerusalem versammelt 
zu denken, wie kommen sie dann dorthin? Sind es die römi- 
schen Legionen, welche Jerusalem zertreten werden? aber wie 
können diese als ol •/xxvoi/.ovvTeg ini tijg pjg bezeichnet werden? 
Lauter offne Fragen, welche durch Quellenscheidung innerhalb 
des Kap. XI ihre Lösung niemals finden werden. 

Halten wir überdies fest, dass in Kap. XI die Gestalt des 
Antichrist in Jerusalem auftritt, dass* sie mit Rom und dem 
römischen Imperium mit den Heiden, welche Jerusalem zertreten, 
wie es scheint, nicht zusammenhängt. 

Dann erscheint als direktes Seitenstück die eschatologische 



13 

Partie in dem zweiten Kapitel des II. Thessalonicherbrief, dessen 
Authenticitat ich annehme, ohne jedoch in meiner Untersuchung 
allzu grossen Wert auf diese Annahme zu legen. Hier ist das 
geheimnisvolle fragmentarische in der Darstellung offenbar sogar 
Absicht. Der Verfasser will nicht mehr sagen, als er sagt, er 
beruft sich auf mündliche Mitteilungen, man erhalt den Eindruck 
einer Geheimlehre, es ist Mysterium, von dem Paulus hier spricht 
II 6 xal vvv xo Aaxi%ov otöare . . . . povov fi %ati%w a(?u 
Fw$ ex fiiaov yiyqsai. Wir hören von einem Menschen der Un- 
gesetzlichkeit, von einem Sohn des Verderbens, der kommen soll. 
Auch diese Gestalt des Antichristen tritt in Jerusalem auf, im 
Tempel Gottes wird er sich niederlassen, wird von sich behaupten, 
dass er Gott sei. — Sein Auftreten wird in der Kraftwirksamkeit 
des Satan geschehen, er wird Zeichen und lügenhafte Wunder 
thun, und wird die verlorenen unter den Menschen zu jeglicher 
Ungerechtigkeit verführen. — Auch hier also wieder ein Anti- 
christ, der mit dem römischen Imperium gar nichts zu thun hat. 
Denn auch auf Caligula und dessen Einfall, seine Statue im 
Tempel von Jerusalem aufstellen zu lassen, lasst sich der Ab- 
schnitt nicht beziehen. Es würde gerade bei dieser Deutung das 
wichtigste fehlen, die angedrohte Erzwingung jener Tempelschan- 
dnng durch Heeresgewalt. Hier ist nur von Zeichen, Wundern 
und Verführung die Bede. Im Gegenteil, es ist charakteristisch, 
dass hier eine vollkommen unpolitische Eschatologie vorliegt: 
ein Antichrist der als Pseudomessias in Jerusalem auftritt und 
Zeichen und Wunder thut; und wenn Paulus sagt, dass jener 
in jeglicher Weise die verlorenen Menschen zur Ungerechtigkeit 
verführen wird, dafür dass sie nicht empfanglich waren für die 
Liebe zur Wahrheit zu ihrem Heil, so hat er ganz sichtlich die 
Juden vor Augen, denen, weil sie den wahren Messias verworfen 
haben, nun der falsche gesandt wird. Aber woher weiss Paulus 
das alles und wer ist der Aarizuv, der erst aus dem Wege sein 
muss, ehe der Antichrist kommt? 

Ich wende mich einer dritten verwandten Stelle zu, der 
kleinen interessanten Partie innerhalb der Parusierede des Herrn 
Mtth. 24. Mark. 13. und nehme mit einer grossen Zahl der 
neueren Forscher an, dass die eigentlich apokalyptische Partie 
ein Stück fremder Herkunft in der Umgebung echter Herren- 
worte ist. Auch ist klar, dass die Fassung des Matthaeus im 



14 

Vergleich mit der des Markus die ursprünglichere ist. Auch 
hier wieder dieselbe Erscheinung rätselhafter kurzer Andeutungen. 
Von einer gräulichen Verwüstung, welche an heiliger Stätte steht, 
ist die Rede, von einer darauf folgenden Flucht der Gläubigen, 
— man weiss nicht recht vor wem — von einer Verkürzung der 
Tage — man weiss nicht welcher Tage und ob eine bestimmte 
Zeitfrist gemeint ist, — von dem »Zeichen« des Menschensohnes, 
das rätselhaft bleibt, wenn auch die meisten Exegeten darüber 
hinweglesen. Dass jedenfalls die Deutung auf die Belagerung 
von Jerusalem und die Flucht der Christen nach Pella erst 
nachträglich in die Apokalypse hineingedeutet ist, wird immer 
allgemeiner zugestanden. Aber man entschliesst sich auch schwer, 
die Apokalypse aus der Zeit des Kaisers Caligula heraus zu ver- 
stehen. Wozu denn die Ermahnung zur Flucht, nachdem die 
gräuliche Verwüstung am Tempel geschehen ist? Gehorte der 
Verfasser zu dem Stillen im Lande, welcher seine Landsleute 
abmahnen wollte, zu den Waffen zu greifen ? Aber das hätte er 
deutlicher sagen können. Ein Kampf um Leben und Tod wäre 
doch wahrscheinlich schon vor der Aufstellung der Statue er- 
folgt. — Das einfachste ist : man benutze den II. Thessalonicher- 
brief zur Erklärung von Mtth. 24 und sage: die gräuliche Ver- 
wüstung ist der Antichrist., der seinen Sitz im Tempel von 
Jerusalem nimmt. Dann wird die dann erwähnte Flucht eine 
Flucht vor dem Antichrist und seiner Verfolgung sein. — Dann 
aber erhebt sich wieder die Frage, woher stammt dieser ganze 
Gedankenkreis, wie entstand diese Idee vom Antichrist im Tempel 
zu Jerusalem? — Gehören am Ende Apok. 11, II Thess. 2, 
Mtth. 24 einem und demselben Gedankenkreis an, und wird es 
gelingen die zerstreuten Fragmente wieder wie in einem Brenn- 
spiegel zu vereinen? Sind uns überhaupt ausserhalb des neuen 
Testaments noch Quellen zugänglich, die uns neue Aufsehlüsse 
über diesen Ideenkreis verschaffen könnten? — Solche Quellen 
sind in der That in reichstem Masse vorhanden. 

II. Gehen wir weiter hinab zu den eschatologischen Aus- 
führungen der Kirchenväter, welche sie in Anlehnung an Daniel, 
die Apok., II Thess. 2, Matth. 24 etc. geben, so beobachten wir 
eine parallele Erscheinung, eine Menge von Ausführungen, bei 
denen wir staunend fragen: wie kommen diese Ausleger auf 
Grund der neu- und alt-testamentlichen Schriften zu allen jenen 



15 

wunderbaren und phantastischen Vorstellungen, die wir gerade 
auf diesem Gebiete bei ihnen finden? Auch bei den willkürlich* 
sten exegetischen Einfällen und allegorisierenden Ausdeutungen 
sehen wir doch die Art und Weise, wie sie entstanden sind. Auf 
diesem Gebiet aber eröffnet sich eine Welt neuer eschatologischer 
Einfälle und kaum wird hier und da ein Bibelbeweis versucht, 
meistens nur behauptet Und doch treten jene Behauptungen 
mit wunderbarer Beharrlichkeit auf, und wenn wir genauer zu* 
sehen, so gewahren wir in dem, was wir für eine blosse Masse 
wunderlicher Phantasieen ansahen, Ordnung, Zusammenhang und 
System. 

Bei den apostolischen Vätern und den Apologeten darf man 
ja freilich Aufklärung über ein Kapitel der Eschatologie nicht 
suchen. Aber schon an Irenaeus Hessen sich die oben auf- 
gestellten Sätze deutlicher machen und durch eine Reihe von 
Beispielen belegen. Ich wähle jedoch lieber noch die Schrift 
Hippolyts neQi zov awtxqiozov zum Beweis, ein Überblick über 
das gesammte Material wird weiter unten folgen. Hippolvt stellt 
im sechsten Kapitel folgende Antithesen auf: Ein Lowe ist 
Christus und ein Löwe der Antichrist, König ist Christus und 
König der Antichrist .... in der Beschneidung kam der Heiland 
in die Welt, und er wird in gleicher Weise kommen, es sandte 
der Herr Apostel zu allen Völkern, und er wird gleicherweise 
falsche Apostel senden, es sammelte der Heiland die zerstreuten 
Schafe, und er wird gleicherweise das zerstreute Volk sammeln. 
Der Herr gab ein Siegel denen die an ihn glaubten, und er wird 
es gleicherweise geben; in Gestalt eines Menschen erschien der 
Heiland, auch er wird in Gestalt eines Menschen kommen; es 
stand auf der Herr und erwies sein heiliges Fleisch als einen 
Tempel, und er wird in Jerusalem den steinernen Tempel auf- 
richten. — Woher hat Hippolvt alle diese Notizen über den 
Antichrist? Man darf jedenfalls nicht sagen, dass aus der Ge- 
stalt Christi die einzelnen Züge der Gestalt des Antichrist e con- 
trario erschlossen seien, eher scheint hier und da das umgekehrte 
der Fall zu sein (vgl. den letzten Satz und vorher: der Herr 
gab ein Siegel denen, die an ihn glaubten). Im folgenden wird 
ein Bibelbeweis nur für den ersten Satz, dass Christus wie der 
Antichrist letov genannt würde, beigebracht. Dann folgt ein 
Beweis (Kap. 15), dass der Antichrist aus dem Stamme Dan. 



16 

kommen werde, in Anlehnung an Gen. 49is.n Jerem. 8 16. Diese 
unter den Kirchenvätern ausserordentlich weit verbreitete Idee 
scheint allerdings auf Grund jener alttestamentlichen Stellen — 
wann können wir noch nicht sagen — entstanden zu sein. 
Aber ehe man auf den Einfall kam, jene Stellen auf den Anti- 
christ zu beziehen, musste doch erst einmal die Idee vorhanden 
sein, das8 der Antichrist aus dem Volk Israel kommen werde. 
Diese Idee teilt auch Hippolyt, und damit ist ein anderes sehr 
wichtiges Moment gegeben: für Hippolyt ist das Römerreich nicht 
die antichristliche Macht; und das ist besonders deshalb merk- 
würdig, weil die Apok. des Johannes deutlich das römische Reich 
als den letzten grossen Feind der Endzeit zeichnet und H. an 
und für sich bei seiner Beurteilung des Römerreichs (Kap. 34 
am Ende) einer solchen Annahme persönlich keineswegs abge- 
neigt sein konnte. H. findet sich mit Kap. 13 der Apok. so 
ab, dass er in der ersten Hälfte desselben allerdings das römische 
Imperium angedeutet fand, aber ihm ist dann der Antichrist das 
zweite Tier mit den zwei Hörnern, das seine Herrschaft nach 
dem Verfall des römischen Imperiums antreten werde. Man 
möge nachlesen, welche Gewalt H. dem Text der Apok. bei 
dieser Auslegung anthun muss (s. Kap. 49). Seine Exegese hat 
an diesem Punkt auch weiterhin wenig Beifall gefunden. Aber 
dennoch ist es eine bei fast allen Kirchenvätern von Irenaeus an 
gemeinsame Überzeugung; das römische Imperium ist nicht der 
Antichrist, sondern dieser wird nach dem Verfall des römischen 
Reiches kommen. Das römische Reich ist der %ati%(av im 
2. Kapitel des H. Thessalonicherbriefes. In dieser Wendung 
hat die Sage vom Antichrist geradezu in die Geschichte einge- 
griffen und eine historische Mission gehabt. Er ist nun aber im 
höchsten Grade auffallig, dass trotz der Nachwirkung der Apok. 
jene Behauptung vom jüdischen Ursprung des Antichrist mit 
solcher Bestimmtheit auftritt, dass man mit solcher Einstimmig- 
keit die durchaus rätselhafte Stelle des H. Thessalonicherbriefs 
deutete. Wie bald ist dagegen das Verständnis der Beziehungen 
der Apok. auf Nero geschwunden, wie unendlich verschieden und 
mannigfaltig sind hier die Auslegungen. — Wieder stehen wir 
vor der rätselhaften Annahme eines jüdischen Antichrist, der in 
Jerusalem auftritt. — Wie Irenaeus weiss H. (Kap. 43), dass die 
beiden Zeugen (Apok. 11) Elias und Henoch sein werden, für 



17 

die Wiederkunft des Elias Bibelzeugnisse beizubringen wird ihm 
natürlich leicht, aber woher er weiss, dass der Genosse des Elias 
Henoch sein werde, teilt er uns nicht mit. Auch diese Annahme, 
dass Elias und Henoch die beiden Zeugen sind, findet sich fast 
in der gesamten Überlieferung der Kirchenväter, selten werden 
andere Namen genannt. Wie erklärt sich die Sicherheit dieser 
Überlieferung? Einmal citiert Hippolyt sogar eine uns gänzlich 
unbekannte Quelle für seine Behauptungen als heilige Auktorität 
(Kap. 15): »und ein anderer Prophet sagt: er (der Anti- 
christ) wird versammeln alle seine Macht von Sonnenaufgang bis 
Sonnenuntergang. Die er gerufen und die er nicht gerufen hat, 
werden mit ihm gehen. Er wird das Meer weiss machen von 
den Segeln seiner Fahrzeuge und die Ebene schwarz von den 
Schilden seiner Schaaren. Und wer ihm im Kriege begegnet, 
wird durchs Schwert fallen«. Dieselbe Stelle wiederholt er Kap. 54 
und bringt in diesem und dem folgenden Kapitel besonders auf- 
fällige Behauptungen über den Antichrist, deren Anknüpfungs- 
punkte im alten oder neuen Testament wir vergeblich suchen. 
Als nicht beweisend mag man immerhin das Vorkommen der 
seltsamen Kombination aus Dan. 7 und 11 ansehen, dass der 
Antichrist bei seinem ersten Auftreten die Könige von Aegvpten, 
Libyen und Aethiopien besiegen werde, eine Kombination, mit 
der sich dann weiter die Auslegung von Apok. 17 verbindet, — 
Ausführungen, in denen übrigens H. von Irenaeus abhängig ist. 
Schwerer erklärbar ist wieder, dass H. weiss, dass jener zunächst 
Tvrus und Bervtus zerstören wird. — Aber das gesagte genügt 
für den Beweis, dass H. in seiner Schrift tzbqI xov dvrixQiOTOv 
von einer Tradition abhängig ist, die zwar mit manchen eschato- 
logischen Partieen alten und neuen Testaments Parallelen hat, 
aber doch sich ganz bestimmt und konkret als eine selbstständige 
Überlieferung heraushebt Ja vielleicht entlehnte H. die Über- 
lieferung schon einer von ihm als TtQoqyrTrig citierten Schrift. 

Als zweites Beispiel wähle ich den Kommentar des Victo- 
rinus. — V. bemerkt zu der Weissagung der Hungersnot im 
dritten Siegel: »eigentlich aber bezieht sich das Wort auf die 
Zeiten des Antichrist, wann eine grosse Hungersnot sein wird«. 
Die Flucht des Weibes in der zweiten Hälfte von Kap. 12 der 
Apok. bezieht er auf die Flucht der 144000, welche auf die 
Predigt des Elias hin gläubig geworden seien (unter Berufung 

BoniMt, der Antichrist. 2 



18 

auf Luk. 21 21). Dass der Drache das Wasser hinter dem Weibe 
her ausspeit, bedeutet ihm, dass der Antichrist ein Heer zur Ver- 
folgung jener aussendet Dass die Erde ihren Mund öffnet, be- 
deutet die wunderbare Errettung von jenem Heere durch Gott 
Obwohl er die Nero-Deutung festhält, verbindet er mit dieser in 
bemerkenswerter Weise eine andere. Nero wird unter anderm 
Namen als Antichrist auftreten. Und, heisst es dann weiter (zu 
Kap. 13) »Lust nach Weibern wird er nicht kennen und keinen 
Gott seiner Väter anerkennen. Denn er wird das Volk der Be- 
schneidung nicht verführen können, wenn er nicht als Schutzherr 
des Gesetzes auftritt. Er wird endlich auch die Heiligen nicht 
zur Götzenverehrung rufen, sondern zur Annahme der Beschnei- 
dung, wenn er etwa einige verführen kann. Er wird endlich so 
verfahren, dass er Christus von ihnen genannt wird. — Der 
falsche Prophet (Apok. 13 B) wird bewirken, dass ihm eine goldne 
Statue im Tempel zu Jerusalem aufgestellt werde. Unter den 
Wundern dieses Paeudopropheten wird angeführt, dass er Tote 
auf erwecke. Zu Apok. 132 ist von den duces, den Führern des 
Antichristen die Rede, 1420 wird Rache genommen an seinen 
(des Antichrist) Führern oder Engeln. Man sieht, hier liegt 
wieder ein reiches Material eigenartiger Überlieferung vor. Und 
wieder stehen wir vor der Gestalt des jüdischen Antichristen, 
welche sich hier nur seltsam mit der andern des Nero redivivus 
verschlingt. 

Doch um dasselbe Material nicht doppelt zu bringen, breche 
ich hier ab. Die beiden Beispiele beweisen zur Genüge was oben 
behauptet war, und es genüge hier die Versicherung, dass sich 
dieser Beweis noch eine ganze Weile fortsetzen Hesse. Vorläufig 
sei noch auf einiges aufmerksam gemacht: Je weiter wir in den 
Jahrhunderten hinaufkommen, desto reicher und ergiebiger werden 
die Quellen. Nun verhält es sich aber keineswegs so, dass die 
späteren Quellen nur weitere Ausschmückungen des in den älte- 
ren vorhandenen Materials brächten. Vielmehr bekommen wir 
gerade aus diesen noch manche notwendige Ergänzung der frag- 
mentarischen und lückenhaften Überlieferung der älteren Quellen. 
Wie erklärt sich das? Wie mir scheint daraus, dass in sehr 
vielen Fällen die eschatologischen Enthüllungen nicht schriftlich, 
sondern in mündlicher Tradition als Geheimlehre, die mit Furcht 
und Zittern behandelt wurde, weitergegeben sind. Daher tritt 



19 

die Überlieferung in ihrem ganzen Reichtum erst in späteren 

* Jahrhunderten an das Licht. Wie man von der Überlieferung 

dachte, mag Hippolyt uns lehren (Kap. 29) : »Dies Geliebter, teile 

ich mit Furcht Dir mit Denn wenn die seligen Pro« 

pheten vor uns, obwohl sie es wussten, es nicht offen verkünden 
wollten, um den Seelen der Menschen keine Verwirrung zu be- 
reiten, sondern es in Gleichnis und Rätseln geheimnisvoll mit- 
teilten, indem sie sprachen »hier gilt der Verstand, der Weisheit 
hat«, um wie viel mehr laufen wir Gefahr, wenn wir das von 
jenen verborgener Weise gesagte offenkundig aussprechen?« Hierzu 
ist zu vergleichen Sibyll X 290 to di oix a/ua Tcavxzq Xaaatv, 
ov yaQ ndvvcov navxa. Sehr bezeichnend ist, dass Sulpicius 
Severus (bist. II. 14) die Sage vom Antichrist nach einem münd- 
lichen Vermächtnis des Martin v. Tours aufzeichnet. Also noch 
zu den Zeiten des heiligen Martin überlieferte man die Geheim- 
lehre vom Antichrist von Mund zu Mund. Interessant ist auch 
die Stelle bei Origenes über II. Thess. 2iff. (in Matthaeum 
Komm. IV. 329) x ) forte quoniam apud Judaeos erant quidam 
sive per scripturas profitentes de temporibus consummationis se 
scire sive de secretis, ideo haec scribit docens discipulos suos 
ut nemini credant talia profitenti. Auch im Carmen apologeticum 
des Commodian heisst es 936: de quo pauca tarnen suggero quae 
legi secreta. 

Ich gebe im folgenden Abschnitt einen Überblick über die 
benutzten Quellen. Ausser den Kirchenvätern kommen hier na- 
mentlich die späteren und spätesten christlichen Apokalypsen in 
Betracht. Eine Menge Material ist hier freilich unerreichbar, die 
syrischen, koptischen, slavischen Handschriften werden noch eine 
reiche Ausbeute liefern. Da die Überlieferung der Sage vom 
Antichrist ausserordentlich stabil ist, so werden die noch fehlenden 
Ausläufer der Überlieferung an dem Gesammtbilde sehr wenig 
ändern. 



1) Die Stelle verdanke ich Bornemann, Kommentar z. d . Thess.-Br. 



I. Teil. Die Quellen. 



Die erste Gruppe der in Betracht kommenden Schriften 
schliesst sich an jene hochinteressante Apokalypse an, welche 
Caspari, Briefe, Abhandlungen etc 1890 208 ff. (Text) 429 ff. 
(Abhandlung) veröffentlicht hat. Die Schrift ist erhalten im 
Cod. Barberinus XIV 44 saec. VIII unter dem Titel : dicta sancti 
Effrem de fine mundi et consummatio saeculi et conturbatio gen- 
tium und einem Cod. Sangall 108 4° saec. VIII unter dem Titel: 
incipit sermo sancti ysidori de fine mundi. 

Die Schrift hat von Kap. 1 — 4 mehr den Charakter einer 
Predigt, von Kap. 5 an wird in der üblichen Weise der Apo- 
kalyptik in einfach ruhigem Fluss der Bede erzählt. Einen An- 
halt zur Zeitbestimmung finden wir gleich im ersten Kapitel in 
folgenden Sätzen: et in his omnibus bella Persarum sunt. — in Ulis 
diebus veniunt (venient) ad regnum Romanum duo fratres et uno 
quidem animo praesunt (?), sed quoniam unus praecedit alium, 
fiet inter eos scidium. Caspari hat den Nachweis erbracht, dass 
diese Andeutungen in die Regierungszeit der Cäsaren Valentinian 
und Valens führen, von denen der erstere 364 zum romischen 
Kaiser gewählt wurde, der letztere von seinem Bruder bald darauf 
zum Mitkaiser ernannt wurde, »fiet inter eos scidium« bezieht C. 
auf die bald darauf erfolgte Teilung des Reiches. Es könnte 
immerhin die Frage erhoben werden, ob der Apokalyptiker in 
dem fiet — scidium nicht einen von ihm erwarteten — nicht einge- 
troffenen — Zwist zwischen den Brüdern weissagt (beachte das 
Futurum). Dazu würde dann auch das »quoniam (quia) unus 
praecedit alium« besser passen. Jedenfalls hat C. Recht, wenn 
er den Passus erst am Ende der Regierungszeit des Valentinian 
geschrieben sein lässt, um 373, da damals erst der Krieg mit den 



21 

Persern wieder ausbrach. — Also wäre die vorliegende Schrift 
um 373 entstanden? Gegen diesen Schluss erhebt C. jedoch 
Bedenken. Man müsste dann nämlich annehmen, dass der Ver- 
fasser in sibyllinischem Stil seine eigne Zeit als zukünftig ge- 
weissagt hätte. Da diese sibyllinische Art sich sonst in der 
ganzen Schrift nicht nachweisen lasse, so sei eher zu vermuten, 
dass der Verfasser ein Stück fremden (sibyllinischen) Ursprungs 
in ganz ungeschickter Weise in seine Schrift verwoben habe. 
Wir hätten dann nur an dem Alter der Handschriften, in denen 
unsere Schrift erhalten ist, einen Anhalt zur Bestimmung ihres 
Alters. Aber diese Vermutungen C.'s sind grundlos. Es tritt 
ziemlich klar schon bei einer einfachen Lektüre unsres Stückes 
hervor, dass der Verfasser eine alte, nicht zeitgeschichtliche Weis- 
sagung vom Antichrist nur mit einer kurzen historischen und 
paränetischen Einleitung versehen weiter gegeben hat. Diese 
Behauptung wird durch die unten folgende Zusammenstellung der 
Quellen bewiesen werden. — Der Verfasser redet selbst nur in 
den ersten Kapiteln, indem er teils die folgende Apokalypse in 
den Zusammenhang seiner Zeit hineinstellt, teils allgemein ge- 
haltene Paränesen voranschickt. Es ist also gerade das erste 
Kapitel zur Zeitbestimmung zu benutzen. Es ist auch ziemlich 
undenkbar, dass ein Jahrhunderte später lebender Verfasser eine 
so konkrete ältere Weissagung aufgenommen haben sollte, wenn 
er sie nicht in seiner Zeit erfüllt gesehen hätte. Wir haben also 
in der Apokalypse vom Antichrist eine Schrift, welche um das 
Jahr 373 entstanden ist 

IL In einer sehr scharfsinnigen Untersuchung bespricht 
Caspari dann das Verhältnis dieser Apokalypse zu Ephraems 
Werken 1 ). Leider hat er dabei versäumt sich über die Über- 
lieferung der in Betracht kommenden Schriften des Ephraem 
zu orientieren. Die Ausgabe des Ephraem von Assemani ist 
nämlich in einer unglaublich liederlichen Weise gearbeitet. 
Das vorliegende Handschriftenmaterial ist ohne Sichtung einfach 



1) ich nehme vorläufig an, dass die in Betracht kommenden grie- 
chischen Homilien von Ephraem stammen. Irgend welche Gründe da- 
gegen scheinen mir nicht vorhanden. Jedenfalls hängt die ganze in 
Betracht kommende Litteratur eng mit dem Namen Ephraems zusammen 
(vgl. die weiter unten zu besprechende syrische Homilie de antichriato, 
die ebenfalls unter Ephraems Namen überliefert ist). 



22 

abgedruckt. Unter dem Namen des Ephraem sind nämlich 
ursprünglich eine Unmasse einzelner Homilien in Umlauf ge- 
wesen. Diese sind dann — einige von ihnen gehörten auch wohl 
ursprünglich zusammen — in den Handschriften zu grösseren 
Komplexen verarbeitet und zwar in sehr verschiedener Weise, 
so dass wir nun vier selbständige Stücke a, b, c, d etwa in fol- 
genden Kombinationen wiederfinden: a + b;a + b + c;b + c 
+ d ; c + d etc. etc. So kommt es, dass bei Assemani dieselben 
Stücke sich drei-, vier-, fünfmal vorfinden. In den seltensten 
Tillen ist das in der Ausgabe vermerkt. 

So findet sich der hier in erster Linie in Betracht kommende 
udoyog elg rrjv ftaQOvolav rot %vqiov xal Tttqi owteXeiag %ov 
xoo/uov %ai eig ttjv rtaQOvoiav xov \4vtixqiotov Tom. II pag. 
222 — 280, aber auch — es fehlt nur das Anfangsstück — (II. 
222— 225 E) in Tom. III 134—43 und zwar hier in einer viel 
besseren Recension. Zahlreiche kleinere Partieen sind in den 
Ausführungen der ersten Recension überhaupt verschwunden, 
und die Ursprünglichkeit der letzteren Recension kann durch 
eine Vergleichung mit der lateinischen Ausgabe des Gerard 
Vossius Antwerpen 1619 pag. 172ff., welche übrigens teilweise 
nach noch wertvolleren Handschriften gemacht ist, und mit der 
weiter unten zu erwähnenden Schrift des Pseudohippolytus zur 
Evidenz gebracht werden. Die Beweise im einzelnen werden 
weiter unten gebracht werden. Ein treffliches Mittel zur Her- 
stellung des Textes bietet ausserdem die von Herrn Prof. W. Meyer 
gemachte Beobachtung, dass die Homilien des Ephraem in Ver- 
sen geschrieben und sogar übersetzt sind. Es sind freilich Verse 
ganz eigentümlicher Art, von Messung der Quantitäten, Hebun- 
gen und Senkungen muss man hier ganz absehen. Es werden 
nur die Silben gezählt — der Vers stammt eben aus dem Orient 
und Ephraem ist vielleicht der erste, der ihn im syrischen an- 
wandte. Es kommen hier namentlich zwei Versarten in Betracht 
(vgl. die lateinische Ausgabe des Ephraem von Gerard Vossius, 
in der noch mit einem aliud metrum der Übergang von einem 
Versmass zum andern angedeutet wird); erstens der Siebenzeiler: 
die einzelnen Verse bestehen aus je vierzehn Silben, in deren 
Mitte sich fast regelmässig die Cäsur befindet, je zwei Verse ge- 
hören zu einer Strophe zusammen; zweitens der Vierzeiler: 
jeder Vers besteht aus sechszehn Silben, nach der achten Silbe 



23 , 

haben wir durchgehend die Cäsur, und wenn irgend möglich fällt 
dann noch jede vierte Silbe mit einem Wortschluss zusammen. Wo 
ich Ephraem citiere, habe ich die Verse, so weit es ging, herge- 
stellt Dabei konnte ich für de antichristo mehrere mir mit grosser 
Freundlichkeit von Herrn Prof. Meyer zur Verfügung gestellte 
Kollationen und Abschriften von Handschriften *) benutzen. Da 
der Text sich nach obigen Grundsätzen mit fast absoluter Sicher- 
heit herstellen lässt, so habe ich die Varianten der Handschriften 
nicht beigefügt. Ich citiere die Schrift nach der Becension in 
Tom. m, soweit diese vorhanden ist Das erste Stück nach der 
Abschrift und den Kollationen von W. Meyer. Der Titel der 
Schrift lautete übrigens nach der lateinischen Ausgabe und nach 
Pseudo-Hippolyt tvbqI zijg owzeXeiag zov vuSofiov /.ai 7ttqi zov 
avTixQicTOVy nach den griechischen Handschriften zov dyiov 
*EcpQaijj. Xoyog elg zov IdvzixQtozov. 

Über weitere in Betracht kommende Schriften des Ephraem 
möge die folgende Tabelle aufklären. Es handelt sich um vier 
in den verschiedenen Handschriften verschieden zusammengewür- 
felte Stücke: A um einen Xoyog neql zov ozavQov, B einen 
X6yog elg zijv devziQav naQOvolav zov Xqiczov, C und D sq(o- 
zijoeig xai a7to/QtO€ig das jüngste Gericht betreffend. In Be- 
tracht kommen folgende Schriften wie sie in der Ausgabe vor- 
liegen: HI 144 — 147 7t€Qi zov or}/ueiov zov ozavQov; H247 — 258 
Xoyog elg zov zi t utov /.ai ttaoTtoibv ozovqov xai elg zip devzi- 
Qav TtaQOvaiav /ai neql aydrtTjg xcu elertftoovvrig ; II 192 — 208 
üg zijv devziQav naQOvoiav zov x. ij. L Xq.; H 377 — 393 «ßoJ- 
zrfieig xal ano'AQioeig; U 209 — 220 tvsqI zijg /oivrig avaozd- 
oetog xal pezaroiag /.ai dydnr\g\ HI 215 ff. Tceqi anozayijg egoi- 
zffieig; TU 371 — 375 neQi t uezavoiag /ai /Qioecjg /ai elg zip 
devziQav 7zaQOioiav. 

Ich stelle im folgenden diese sieben Schriften neben ein- 
ander, so wie sich die Seiten der betreffenden Stücke — natürlich 
nur ungefähr — entsprechen. Wo es nötig war habe ich die 
Anfänge der sich entsprechenden Abschnitte (ebenso das Ende 
von A B C D) durch die Unterabteilungen der Seiten bei Asse- 
mani genauer bezeichnet. Klar und deutlich treten durch die 
Querlinien die vier ursprünglichen Stücke, aus denen die sieben 
Homilien zusammengesetzt sind, hervor. 

1) Vindob. theol. 165. Vatic. 1524. 1815. 2030. 2074. 



24 



n? 


n 


n 


m 


n 


m 


m 






247 
















248 B 








371 F 




A 




249 








372 




• 


144 


250 B 


192 




212 F 


373 A 






145 


251 


193 




213 


374 




B 


146 


252 


194 




214 


375 






147 


253 F 


195 (A,B) 




215 










254 


166 


377 


215 F 




215 






255 B 


197 B 


380 E 


217 C 




217B 






256BC 


198 DE 


382 C 


218 D 




218 


C 




257 B 


200 B 


384 A 


219D 




219A 






258 A 


201 E 


385 E 


220 F 









202 A 

203 

204 

205 DE 

206 

207 

208 



385 F 

386 

387 

388 

389 E 

390 

391 

392 (393) 



D 



Parallelen mit der Apokalypse vom Antichrist bietet in 
erster Linie noch unser Stück B, das also nicht weniger als 
fünfmal in der Ausgabe gedruckt ist. Das Resultat einer ge- 
naueren Untersuchung der Stücke, welche ich aus Mangel an 
Baum nicht ausführlich wiedergeben kann, ist, dass zwei nicht 
unbeträchtlich von einander abweichende Becensionen dieses 
Stückes vorhanden sind, von denen keine durchaus den Vorzug 
vor der andern verdient. Die eine Becension (I) liegt vor in 
DI 144 ff. und II 192 ff., die andere (II) in II 250 ff, 212 ff, 
HI 373 ff. (so, dass wieder die beiden letzten Zeugen mit ein- 
ander am engsten verwandt sind). Ich citiere mit Angabe der 
Hecension. 

Ausserdem liegen direkte Berührungen von Kap. 2 der Apo- 
kalypse (also in dem paränetischen Teil) mit Ephraems Xdyog 
rzeqi fieravoiag III 376 — 80, und mit dem zwanzigsten Stück 
der jjcrKaQco/AOt Txbqoi I 294 — 99, noch enger mit der lateini- 



25 * 

sehen Übersetzung dieses Stückes vor (liber de beatitudine animae) 
(Caspari 447. 456). Die Berührungen mit den übrigen von 
Caspari noch herangezogenen Schriften sind unwesentlicher Natur. 

Im ganzen ist nun das Verhältnis zwischen de antichristo und 
Ephraems Schriften von Caspari richtig dargestellt. Dass de anti- 
christo von Ephraem selbst sein sollte, ist eine gegenstandslose 
Vermutung des einen Abschreibers. Aber dann hat Caspari 
recht gesehen: weder lassen sich Ephraems Ausführungen aus 
der Apokalypse, noch diese aus jenen ableiten und erklären (vgl. 
S. 454). 

Aber dieses Urteil bedarf noch der genaueren Fassung. 
Ephraem ist nämlich keineswegs als Quelle für alle die Stellen 
anzunehmen, in denen von Caspari Parallelen nachgewiesen sind. 
Kur für den paranetischen Teil Kap. II scheint mir eine Ab- 
hängigkeit von Ephraem gesichert. — Man muss sich auch hier 
wieder vor die Frage stellen: woher hat denn Ephraem das um- 
fangreiche eschatologische Material, über das er in seinen Ho- 
milien verfügt? Die Antwort kann auch hier nur lauten, dass er 
sich dasselbe sicher nicht erdacht, sondern eben einer oder mehreren 
zu seiner Zeit vorhandenen Apokalypsen entlehnt hat. Dann 
aber liegt auch das weitere Urteil sehr nahe: in de antichristo 
haben wir dasselbe apokalyptische Material noch in einer relativ 
ursprünglichen — wenngleich auch schon überarbeiteten — Form, 
auf die der Verfasser jener Homilien sich stützte, — ursprüng- 
licher, insofern wir hier die eigentliche Form der Apokalypse 
und nicht der Homilie vor uns haben. 

III. Weiter kommt in Betracht die unter dem Namen des 
Hippolytus sich (Lagarde 92 ff.) findende Homilie ntql vfjg gw- 
zekeiag zov %6öfxov /xxl neqi zov ovtlxqLozov %ai eig njv öW» 
ziqav TtaQOvaiav zov xvqiov rftiuiv '/ijaov Xgtozov. Über diese 
Schrift kann ich mich kurz fassen. Sie ist in ihrer ersten Partie, 
die uns hier weniger interessiert» abhängig von dem echten Werk 
Hippolyts, von Kap. 22 an von Ephraems gleichnamiger Ho- 
milie, welche sich (s. o. p. 22) in ursprünglicher Recension m 
134 — 143 findet, noch näher verwandt der dieser sehr nahe kom- 
menden, welche in der lateinischen Ausgabe vorliegt. Den Be- 
weis hierfür werde ich in der Zusammenstellung im dritten Ab- 
schnitt durch eine Satz für Satz fortlaufende Vergleichung der 



26 

Texte erbringen. — Von Kap. 37 l ) an benutzt Pseudo-Hippolyt 
diejenigen Stücke in Ephraems Homilien, welche ich oben mit G 
und D bezeichnet habe 1 ). In diesen Abschnitten, die vom Ge- 
richt handeln (vgl. den Titel nal etg vf^y öevreQav naqovaiav 
tov xvqiov rjutov 'iijaov Xqiotqv), findet sich auch noch manches, 
was auf. eine vielleicht Pseudo-Hippolyt noch bekannte apo- 
kalyptische Tradition zurückzuführen ist. Im grossen und gan- 
zen aber ist die detaillierte Schilderung des Gerichts über die 
einzelnen Klassen der Menschen wohl dem Verfasser der Ho- 
milien als Eigentum zuzusprechen. 

IV. In diese Reihe gehört ferner die pseudojohanneische 
Apokalypse bei Tischendorf apocalypses apocryphae X VIII ff. 
70 ff. Die handschriftliche Überlieferung variiert sehr stark. 
Die Apokalypse will Enthüllungen bringen, welche Johannes auf 
dem Berg Tabor nach der Auferstehung des Herrn empfing und 
verläuft in Rede und Gegenrede. Sie umfasst etwa denselben 
Stoff, wie Pseudo-Hippolyt von Kap. 22 an, berührt sich also in 
ihrer letzten Hälfte mit den Stücken G und D bei Ephraem (also 
den iQwzijoeig und aTto/^ioeig); vielleicht stammt daher auch 
die Frageform der Apokalypse. Sie scheint also von den Homilien 
des Ephraem abhängig zu sein. Doch wahrt sie im Anfang mehr 
die Form der Apokalypse, und apokalyptisches Material wird dem 
Verfasser derselben direkt zugänglich gewesen sein. Es zeigen 
sich ausserdem direkte Nachahmungen der kanonischen Apoka- 
lypse (vgl. Kap. 18). Über die teilweise weit auseinandergehen- 
den Überlieferungen der Handschriften ist zu urteilen, dass die- 
jenigen Handschriften den Vorzug verdienen, in welchen der 
Text des Ps.-Joh. sich am meisten der apokalyptischen Über- 
lieferung unserer Gruppe nähert. Das ist in erster Linie E cod. 
Venet. Marc, class. H cod. XC. Am deutlichsten tritt dies in 
Kap. 6 f. der Apok. hervor. Hier findet sich nur in E ein Bericht 
über das anfängliche Auftreten des Antichrist, welcher genau die 
in unserer Gruppe vorliegende Tradition repräsentiert Nach E 
kommt B Parisiensis (N. 947, anno 1523) in Betracht, endlich 
auch A Venet. Marc, class. XI cod. XX (15. Jh.). 



1) Kap. 36 lehnt sich wieder an das echte Werk Hippolyts an. 

2) auch B, doch decken sich diese Stücke wieder teilweise mit der 
Homilie III 134—143. 



27 c 

V. Ich erwähne hier ferner Cyrill von Jerusalem, der 
in der fünfzehnten seiner Katechesen die Tradition vom Antichrist 
in der in unserer Gruppe vorliegenden Überlieferung bringt 
Bemerkenswert ist, dass schon Cyrill Anklänge an die €Q0)zi]O€ig 
xat ano'Aqlaeiq des Ephraem zeigt. Es ist mir nicht ganz klar, 
ob eine genauere Schilderung des Gerichts sich nicht doch schon 
in einer apokalyptischen Überlieferung, dann der gemeinsamen 
Quelle von Cyrill und Ephraem, annehmen liesse. 

VI. In diese Reihe gehört ferner die an Ephraem gr. sehr 
eng sich anschliessende Darstellung in der Dioptra des Philippus 
Solitarius III, 10 f. (bei Migne Patrol. Graec 127). Immerhin 
finden sich selbst hier noch einige interessante und nicht direkt 
auf Ephraem zurückzuführende Einzelzüge. 

VII. Nur versuchsweise stelle ich endlich ein Fragment 
hierher, auf das Herr Prof. Bonwetsch mich aufmerksam machte. 
Es findet sich unter den Werken des Chrysostomus (Migne 61. 
776) unter der Überschrift ilg ttjv devziqav naQOvoiav vov 
'avqiov TjfAtov */. Xq. /Mi ntqi ikt^ioci vyg. Das Fragment be- 
ginnt hier mit dem Gericht (dem Zeichen des Menschensohnes). 
Die entsprechende vollständige Antichristapokalypse ist im 
slavischen unter dem Namen des Palladius erhalten. 

II. 1 ) 

Ich komme zu einer zweiten Gruppe sehr interessanter, aber 
in ihren litterarischen Verhältnissen ausserordentliche Schwierig- 
keiten bietender Schriften. 

Ich beginne mit der Besprechung eines der jüngsten Glieder. 
Es ist die in den Werken Bedas (Migne 90, p. 1183) und in 
Gottfried von Viterbos (f 1190), Pantheon lib. X sich findende 
Pharaphrase resp. Überarbeitung einer älteren Sibylle, welche man 
mit einiger Wahrscheinlichkeit dem Gottfried v. Viterbo selbst 
zuschreibt 8 ). Nach einer Schilderung von neun Generationen 
des Menschengeschlechts, in der manches an die Weissagungen 



1) Tgl. zum folgenden Zezschwitz, Tom römischen Kaisertum deut- 
scher Nation, ein mittelalterliches Drama. Leipz. 1877. Gutschmid in 
Sybels historischer Zeitschrift Bd. 41, 145 ff. 

2) Zezschwitz 45, Usinger, Forschungen zur deutschen Geschichte 
X. 629. 



28 

•des Lactanz anklingt, folgt die Beschreibung eines Regenten mit 
Namen G, dann folgt eine lange Reihe nicht näher feststellbarer, 
durch ihren Anfangsbuchstaben bezeichneter Regenten. Von 
Karl dem Grossen (E) an wird die Liste der deutschen Kaiser 
deutlich erkennbar und fortgeführt bis auf Friedrich L und 
Heinrich VL Dann folgen über die weiteren Herrscher phan- 
tastische Fabeleien, am Schluss die Schilderung eines letzten 
Herrschers, von dem es heisst res nomine et animo constans 
{so in dem ursprünglichen Text des Gottfried v. Viterbo Monu- 
menta 22. 146, nicht rex nomine H animo constans 1 ). Darauf 
folgt der Bericht vom Auftreten des Antichrist und vom Ende. 

Weiter hinab führt uns eine von Usinger a. a. O. 621 ff. 
veröffentlichte ähnliche Paraphrase, die nur bruchstückweise er- 
halten ist. Sie beginnt — der Anfang ist etwas undeutlich — mit 
der Weissagung der Ottonen-Zeit und führt die Geschichte bis 
auf die Zeit Heinrich's IV *). An die Schilderung der Regierungs- 
zeit des letzteren schliesst sich die Schilderung eines byzantini- 
schen Herrschers. De illo tunc debet rex procedere de Bizantio 
Romanorum et Graecorum habens scriptum in fronte, ut vindicet 
regnum christianorum , qui subiciet filios Hismahel et vincet 
eos et eruet regnum christianuram de jugo pessimo Sarracenorum . 
in Ulis diebus nemo poterit sub coelo regnum superare christi- 
anorum . postea gens Sarracenorum ascendet per 7 tempora et 
facient universa mala in toto orbe terrarum perimentque pene 
omnes christianos. post haec surget regnum Romanorum et per- 
cutiet eos, et erit post haec pax et regnum christianorum usque 
ad tempus antichristi. Es folgt kurz die Erwähnung der Herr- 
schaft des Antichrist, das Auftreten Gogs und Magogs und 
der Bericht, dass der letzte König seine Krone in Jerusalem 
niederlegen werde. 

Gehen wir weiter hinter diese Sibyllinisten vom Ende des 
12. und 11. Jahrh. zurück, so finden wir ein Werk, das der 
Mönch Adso 8 ) auf Wunsch der Königin Gerberga 954 schrieb. 
Dieses übernahm von ihm ein Kölnischer Geistlicher Albuinus 
in einem dem Erzbischof Heribert gewidmeten Sammelwerk. So 



1) Gutschmid 149. Anm. 1. 

2) Dach Zezschwitz und Gutschmid (a. a. 0. 147). 

3) W. Meyer ludus de antichristo. München 1882, p. 4. 



29 f 

kursierte das Werk weiter unter des Albuin Namen und wurde- 
gar unter Alcuins Werken (Migne 101, p. 1289) abgedruckt^ 
auch unter Augustins Werken (Migne 40, p. 1130). Dies Werk 
ist bereits ein eschatologisches Sammelwerk. In seinem letzten 
Teil schreibt Adso nach eigner Angabe eine Sibylle aus. Und 
es war Zezschwitz' Verdienst, nachgewiesen zu haben, dass» 
die von Adso benutzte Sibylle dieselbe ist, welche dem Sibyllinist 
bei Beda zu Grunde liegt (p. 42 und Zusammenstellung der 
Texte p. 159). Die genaue Übereinstimmung beginnt mit der 
Schilderung des letzten Herrschers. Die ganze bei Sib. Beda 
vorhergehende Herrscherliste stand also nicht in der gemein* 
samen Quelle. Nach der gemeinsamen Quelle lautete nun die 
Schilderung 

Sib. Beda Adso 

et tunc exsurget rex nomine et tempore praedicti regis, cuius 
animo constans. ille idem con- nomen erit C, rex Romanorum. 
stans erit rex Romanorum et totius imperii .... 
Graecorum. 

Es folgt eine Schilderung der herrlichen Erscheinung dieses 
Königs, der Reichtümer, welche zu seiner Zeit vorhanden sein 
werden. Es heisst ferner 

et ipse rex scripturam habebit hie semper habebit prae oculis 
ante oculos dicentem: scripturam ita dicentem: 

rex Romanorum omne sibi vindicet (at) regnum terrarum (Chri- 
stianorum). omnes ergo insulas et civitates (paganorum) devastabit 
et universa idolorum templa destruet et omnes paganos ad bap- 
tismum convocabit, et per omnia templa crux Christi (Jesu) 
erigetur. Unter der Regierung dieses Königs werden die Juden 
bekehrt werden. Er wird die Völker Gog und Magog mit ihren 
12 resp. 22 Königreichen, welche Alexander der Grosse einst 
eingeschlossen hatte, besiegen .. (etpostea rex) veniet (in) Jerusalem 
et ibi deposito (capitis) diademate (et omni habitu regali) relinquet 
Deo patri et filio eius Chr. J. regnum Christianorum (regnum 
Christianorum Deo patri relinquet et filio eius J. Chr.) 1 ). Die 
Regierungszeit des Kaisers wird bei Sib. Beda auf 122 Jahre, 
bei Adso auf 112, in Handschriften 12 Jahre angegeben. Dass 
die Angabe von 12 Jahren die allein richtige, und die übrigen 



1) Adso fügt hinzu et erit eepulcrum eius gloriosum. 



30 

Angaben nichts weiter als fabelhafte Ausschmückungen sind, be- 
weist eine überraschende Parellele aus der weiter unten zu be- 
sprechenden griechischen Danielapokalypse (Klostermann, Analecta 
116. 81): yutl per avrov ßaoilevoei ?xeQog l§ avrov trij iß*, 
xai ovtog rrQOidwv rov ddvatov avrov TroQev&fj 8ig rä € Ibqo~ 
oolvua, %va naQadaior] nyy ßaotleiav avrov r<f> &e(t*. 

Wer ist dieser König, dessen Schilderung in allen diesen 
Quellen (vgl. oben auch den von Usinger veröffentlichte Sibylli- 
nisten) vorliegt? Durch Zusammenhalten der verschiedenen No- 
tizen, namentlich derjenigen beim Sib. -Beda: rex nomine et 
animo constans, und der Schilderung in dem Sib. aus Hein- 
riche IV. Zeit von den Siegen des betreffenden Königs über die 
Ismaeliten schliesst Gutschmid auf Constans IL, so dass dann 
die gemeinsame Quelle am Anfang der Regierungszeit dieses 
Herrschers entstanden wäre. Das hat etwas sehr bestechendes. 
Aber es ist doch zu beachten, dass Regierung und Persönlichkeit 
Constans II. sich durchaus nicht mit der dann als ganz phan- 
tastisch zu betrachtenden Schilderung decken, dass von Siegen 
über die Ismaeliten in der Adso und Sib.-Beda zu Grunde liegen- 
den Quelle nicht die Rede ist, dass das Wortspiel mit dem 
Namen des Königs schliesslich auch bei einem Constantius oder 
selbst Constantin dankbar wäre. Auch passt die Schilderung der 
auftretenden Imperatoren ebenso gut in das vierte Jahrhundert, 
in die erste Zeit der christlichen Imperatoren, als in das siebente. 

Dagegen völlig berechtigt ist der Hinweis Zezschwitz l ) dar- 
auf, dass wir uns mit dem Schluss dieser apokalyptischen Über- 
lieferung gar nicht mehr auf occidentalem, sondern auf Orien- 
talen! Gebiet befinden. Mit ihrem Schluss weist die Weissagung 
auf ihre Herkunft aus dem Orient. Hier konnte ja auch nur vor 
den Kreuzzügen die Idee entstehen, das der letzte römische 
Kaiser nach Jerusalem ziehen und dort seine Krone niederlegen 
werde. So richtet denn Zezschwitz weiter sein Augenmerk auf 
das apokalyptische Sammelwerk, die Revelationes des Ps. • Me- 
thodius. In der genaueren Schilderung der Niederlegung der 
Krone in Jerusalem von Seiten des letzten Kaisers weist er eine 
direkte Parallele zwischen dem Sib. aus Heinrich IV. Zeit und 
Ps.-Methodius nach (p. 162), ebenso findet er eine Parallele in 



1) a. a. 0. p. 43. 



31 f 

der Schilderung des Auftretens von Gog und Magog zwischen 
Ps.-M. und Adso (Sib.-Beda). 

Über das Werk des Ps. - Methodius kann man nicht eher 
zur Klarheit kommen, als bis eine zuverlässige Ausgabe desselben 
vorliegt. Der zugangliche Text findet sich in den Monumenta 
patrum orthodoxographa 2. editio. Basil. 1569. Tom. I (grie- 
chisch 93 ff. und lateinisch 100 ff.). Der griechische Text ist je- 
doch nach Gutschmid 152 eine freie Bearbeitung aus dem zwölften 
Jahrhundert. Verhältnismässig viel wertvoller scheint die editio 
princeps Köln 1475 zu sein. Die Ausgaben des lateinischen 
Textes sind aus der editio Augsburg 1496 geflossen. Eine Zu- 
sammenstellung des griechischen (nach der 2. ed. der orthodoxogr.) 
und des lateinischen nach zwei alten Handschriften revidierten 
Textes giebt Caspari *) für einige, für uns die wichtigsten Stücke 
der interessanten Schrift. 

Nach Gutschmid fehlen in dem ursprünglichen griechischen 
Text nun fast alle die Stücke, aus welchem man eine genauere 
Datierung der Schrift bisher hat gewinnen wollen (152 f.). Nament- 
lich das grosse Stück, in welchem eine Belagerung von Byzanz 
ausführlich geschildert wird. Mit der zeitlichen Fixierung dieses 
Stückes hat Zezschwitz sich besondere Mühe gegeben. Er deutet 
auf die Belagerung von Byzanz, welche in den Jahren 715 ff. statt- 
fand, die drei Herrscher, welche in diesem Zusammenhang 
genannt werden, auf Philippicus Bardanes, Leo Isauricus, Con- 
stantin V. Copronymus (p. 64 ff.). Ich glaube, dass die Deutung 
gelungen ist, und verweise auf die interessante Parellele in der 
griechischen Dan.-Apok. 117 2 ff. Der Herrscher, der hier als 
der Befreier und Hersteller des Friedens geschildert wird, ist 
Leo der Isaurier, er regiert nach dem griechischen Text freilich 
36, aber nach der slavischen Übersetzung 32 Jahre 9 ), wie Leo 
bei Ps.-Methodius in dem überarbeiteten Text. Vorher heisst 
es 11756 xat 6 [tdyag QiXinnoq uerä ykoxjoajv (fexaoxra) 
%ai owax&rpowat, cv rjj c EnxaX6<f<i) xat ovyQovijGOvai rzoleuov. 
Hier haben wir den Philippicus Bardanes. Eine genaue Parallele 
findet sich 11761 rove ßovg ßotjoei %ai JzriQol6<pog &qt]vtJoei 
(über den ErjQoX6(fog Gutschmid 153). Ein Unterschied liegt 



1) Briefe und Abhandlungen p. 463 ff. 

2) nach einer gütigen Mitteilung des Herrn Prof. Bonwetach. 



32 

freilich vor; in dem auf Leo folgenden Kaiser sieht die Dan.- 
Apok. den Kaiser der Endzeit, welcher in Jerusalem die Krone 
niederlegen wird, während bei Ps. -M. sehr abfällig über diesen 
(Gonstantin V.) geurteilt wird. Das in der Dan.-Apok. pich 
findende Stück mag wohl früheren Datums sein, als das ver- 
wandte in Ps. • M. eingesprengte. Denn jene Erwartung eines 
frommen Kaisers als des Nachfolgers Leos kann nur vor der 
Regierung des verhassten Constantin entstanden sein. 

Für die Zeitbestimmung des Ps.-M. haben wir nun mit der 
Erkenntnis, dass ein aus dem 8. Jh. stammendes Stück in dieses 
'Werk bereits interpoliert ist, einen terminus ad quem gewonnen. 
Auch Gutschmid hält für sicher, dass die Schrift vor dem Sturz 
der Ommajaden geschrieben wurde. Dieser Ansatz wird auch 
durch den Nachweis bestätigt, dass es Handschriften der latei- 
nischen Übersetzung der Schrift aus dem 8. und 9. Jahrh. giebt. 
Gutschmid will sogar mit einiger Bestimmtheit behaupten, dass 
die Schrift zwischen 676 — 678 entstanden sei. 

Es mag gewagt erscheinen, bei der gänzlichen Verwirrung 
der Textüberlieferung des Methodiusbuches darüber hinaus irgend 
ein weiteres Urteil über dasselbe auszusprechen. Doch glaube 
ich, dass man so viel behaupten kann, dass der lateinische und 
griechische Text in den Orthodoxographa zwei ganz verschiedenen 
"Überlief erungslinien angehören, dass man also da, wo diese 
beiden Zeugen zusammentreffen, auf einem einigermassen sicheren 
Boden steht. Alle die Stücke, welche Gutschmid auf Grund 
seiner besseren Handschriften ausgeschieden hat, erweisen sich 
auch durch eine solche Vergleichung als Interpolationen bald 
im lateinischen, bald im griechischen Text. 

Das Methodiusbuch ist ein apokalyptisches Sammelwerk, das 
jedoch von einem einheitlichen Gesichtspunkt beherrscht wird. 
Es ist unter dem gewaltigen und frischen Eindruck des unauf- 
haltsam und alles niederwerfenden Ansturmes des Islams gegen 
die gesammte damalige Kulturwelt geschrieben. Es lassen sich 
etwa 7 Stücke in demselben unterscheiden : I. Ein Überblick über 
die Urgeschichte der Völker von Adam an. II. Der Sieg 
Gideons über die Ismaeliten ; am Schlüsse desselben die bedeutsame 
Weissagung, dass diese einst wieder aus ihrem Wüstenaufenthalt 
hervorbrechen und die Welt zertrümmern werden, dass aber 
schliesslich das Reich der Römer doch den Sieg behalten werde. 



33 

III. Die Geschichte Alexanders des Grossen, die Erbauung des 
Felsenthores gegen Gog und Magog, die Weissagung des Hervorbre- 
chens dieser Völker in den jüngsten Zeiten unter ihren vierundzwanzig 
Konigen (vgl. Adso und Sib.-Beda) ; die Heirat zwischen Bisas x ), 
dem ersten König von Byzanz, und Chuseth, der Mutter Alexanders, 
und deren Tochter Bisantia mit Romulus, qui et Armaeleus dic- 
tus *) IV. Eine Ausführung über Paulus Weissagung H. Thess. 2 
mit dem Nachweis, dass unter dem Reich, das bis zum Ende 
bleibt, das Romerreich gemeint sei trotz der Herrschaft der 
Ismaeliten. V. Von der Schreckensherrschaft des Islam. 
VL Von den glänzenden Siegen eines römischen Herrschers (Gut- 
schmid wird hier, wenn er das Buch 676 — 678 entstanden sein 
lässt, Constantin IV. gefunden haben): rote aiqtvidtov inava- 
OTTJoerai ßaoileig 'Elkyvtav rpoi 'PoijuatW, xa&Hreg av&QiOTtog 
and v7tvov nuov olvov. VIL Das Ende : Gog und Magog und 
ihre Besiegung durch den römischen König, die Geburt des 
Antichrist, die Niederlegung der Königskrone, die Herrschaft 
des Antichrist, das Endgericht. 

Das Verhältnis zu den besprochenen Quellen liegt nun so, 
dass Adso und der Sib.-Bed. resp. ihre gemeinsame Quelle nur 
in einem Punkt mit Metbodius zusammentreffen (s. unter N. III), 
mit dem Stück VII aber nur entfernter verwandt sind, Sib. 
Usinger mit VH, Adso in dem ersten Teil seines Werkes mit IV 
und VII sich enger verwandt erweisen. Doch hat Adso hier 
nichts von der Weiterbildung der Sage bei Methodius, der zufolge 
die niedergelegte Krone mit dem Kreuz in den Himmel erhoben 
wird. 

Diese Beobachtungen legen uns die Vermutung von apoka- 
lyptischen Quellen nahe, die weit über Methodius hinaus liegen. 
Methodius ist nicht, wie Zezschwitz noch meinte, das letzte in 
Betracht kommende Glied in der Kette 8 ). Auch Gutschmid hat 
schon bemerkt, dass Adso, Sib.-Beda (und -Usinger) auf eine 



1) über die Pragmatik dieser Fabeln 8. Zezschwitz 52 ff. 

2) diese im griechischen Text sich nicht findende Glosse führe 
ich an, weil sie die Gleichsetzung des jüdischen Antichrist Armillus, 
Axmilaos =* Bomulus bestätigt. 

3) dem Urteil von Zezschwitz, p. 50, der in dem Bericht von Adso 
und Sib.-Beda eine spätere verallgemeinernde Auffassung erkennt, kann 
ich nicht zustimmen. Näheres wird weiter unten zu bringen sein. 

Bona»«t, dw Anthhrht. 3 



I 

1 I 



34 

ältere Schrift zurückführen, die, wie er meint, zur Zeit Con- 
stans IL entstanden sei (642 — 68). In der Adso und Sib.-Beda 
zu Grunde liegenden Quelle findet sich die oben erwähnte Aus- 
schmückung des Berichtes von der Niederlegung der Krone noch 
nicht (jedoch schon bei Syb.-Usinger). 

Auch Zezschwitz ist schon weiter zurückgegangen und ver- 
mutet, dass der geschichtliche Hintergrund der apokalyptischen 
Erwartungen des Methodiusbuches in der Regierungszeit des 
Kaisers Heraclius zu finden sei. Bei seinem siegreichen Einzug 
in Jerusalem soll Heraclius der Sage gemäss, von einem Engel 
am Stadtthor Jerusalems aufgehalten, Kaiserkrone und kaiser- 
lichen Schmuck vor seinem Einzug niedergelegt haben (p. 58), 
ebenso soll Heraclius die Völker Gog und Magog, welche Alex- 
ander der Grosse in den Kaspischen Felsen eingeschlossen hatte, 
zur Unterstützung gegen die Saracenen gerufen haben (p. 61).. 
Die Heracliussage sei der terminus a quo jener apokalyptischen 
Überlieferung. Und in dieser Behauptung stimmt Gutschmid 
Zezschwitz bei Aber es ist doch sehr die Frage, ob nicht der 
Ursprung derselben noch viel weiter hinauf zu verfolgen ist. 

Man ist jetzt in der glücklichen Lage, den Sagenkreis noch 
viel weiter zurückführen zu können. Schon ein Blick in Mal- 
vendas grosses Sammelwerk de antichristo (I. 579) hätte in betreff 
der Sage von Gog und Magog auf die Hieronymus-Notiz führen 
können ep. 77s ad Oceanum: ab ultima Maeotide inter glacialem 
Tanain et Massagetarum immanes populos, ubi Caucasi rupibus 
feras gentes Alexandri claustra cohibent, erupisse Hunnorum 
examina (cf. Hegesipp de exe. Jer. V. 50 *). Dann hat Caspari 
463 ff. auf die Parallelen zwischen Ps.-M. und der Predigt des 
Ps.-Ephraem *) aufmerksam gemacht. Einmal findet sich in Ps.-E. 
Kap. 4 eine genaue Parallele mit Ps.-M. in der Schilderung von 
Grog und Magog. Und ferner lesen wir auch hier (Kap. 5) den be- 
deutsamen Satz: et jam regnum Romanorum tollitur de medio et 
Ghristianorum Imperium traditur Deo et Patri et tunc 
venit consummatio, cum coeperit consummari Romanorum regnum 
et expleti fuerint omnes prineipatus et potestates •). Gesetzt 

1) die Sage, dass Alexander gegen wilde Völkerschaften die 
kaspischen Thore erbaut, geht noch weiter zurück. Plinius VI, 13. 

2) s. o. 8. 20. 

3) die Heranziehung dieser Stelle aas L Kor. 16 findet sich auch 



.■-&. 



35 

auch den Fall, dass die Zweifel Casparis an der Datierung der 
Predigt um 373 berechtigt wären, so werden wir jedenfalls über 
die Zeit des Heraclius hinübergeführt Denn in der Predigt des 
Ephraem ist noch keine Spur von dem Einbruch des Islam zu 
finden, die Feinde des Römerreiches sind die Perser. Dann kann 
aber die vorliegende apokalyptische Tradition nicht auf der 
Heracliussage beruhen, die doch erst nach 629 entstehen konnte. / 

Nun kommt aber noch von anderer Seite eine willkommene 
Bestätigung des richtigen Ansatzes der Predigt des Ps.-Ephraem. 
Bei Th. J. Lamy Sancti Ephraem Syri Hymni et Sermones 
Tom. III 187 ff. i) findet sich eine syrisch erhaltene Predigt : de 
Agog et Magog et de fine et consummatione. Diese zeigt nun 
mit der lat. Predigt und dem Methodius Buch die allergrösste 
Verwandtschaft : 

Ephr. III. 190: porro sicut Ps.-Ephr. 1: in Ulis diebus 
Nilus — crescendo inundat re- multi consurgent contra regnum 
gionem, accingent se regiones Romanum . . erunt enim com- 
contra imperium romanum, et motiones gentium, 
bellabunt gentes cum gentibus 
et regnum cum regno et ex 
una regione in alteram transi- 
bunt Bomani veluti in fuga. 

Die frappierendste Übereinstimmung aber findet sich zwischen 
Ephraem syr. c. 5 ff. und Predigt (c. 5) Ps.-Methodius VII 8 ) in 
der Schilderung der wilden Völkerschaften Gog und Magog, 
qui sunt ultra illas portas quas fecit Alexander. Mit Ps.-M. teilt 
Ps.-E. die Aufzählung der 24 Völkerstämme, und von der aus- 
führlichen Beschreibung dieser grausamen Völkerschaften in 
Ephr. syr. sind die Parallelen in der Predigt des Ephraem und 
bei Ps.-M. nur dürftige Excerpte. Und hier werden nun auch 
Oog und Magog genannt, es sind die Hunnen, deren Einfälle 
in die edessenische Gegend genau in die Lebenszeit Ephraems 



bei Ps.-Methodiua. Es liegt hier vielleicht eine direkte Abhängigkeit 
des Ps.-M. vor (vgl. Zezschwitz 56). 

1) auf diese interessante Schrift machte mich Herr Prof. W. Meyer 
aufmerksam. 

2) die von Caepari 463 ff. beigebrachten Parallelen zwischen Ps.-E. 
and Ps.-M. erklären sich aus ihrer gemeinsamen Abhängigkeit von 
Ephraem syras. 

3* 



36 

fallen, wie denn eine armenische Tita Ephraems erwähnt, dass er 
gegeh die Hannen geschrieben habe (Lamy 198. Anm. 2) 1 ). 
Wir haben also hier die von Caspari vermutete gemeinsame Quelle 
für die Predigt und Ps.-M. und wahrscheinlich auch die historische 
Situation, in welcher die Gog- und Magog-Sage in der uns inter- 
essierenden Fassung entstanden ist. Von Kap. 8 an folgt nun 
in Ephr. syr. die eigentliche Legende vom Antichrist. Besondere 
Beziehungen zwischen Ephraem syr. und der Predigt habe ich 
hier nicht gefunden, man muss bei der grossen Stabilität der 
Sage sehr vorsichtig in der Vergleichung zweier einzelner Quellen 
sein. Dagegen ist Ps.-Meth. VII offenbar abhängig von Ephraem 
(vgL den Bericht von den Wundern des Antichrist und über 
Henoch und Elias). In der Antichristsage hat Ephraem sehr viele 
archaistische Züge. Dass Henoch und Elias von den Engeln 
Michael und Gabriel erweckt werden (Kap. 12), habe ich nur 
noch in der äthiopischen Petrusapokalyse gefunden *). Hier sind 
sie es auch, welche den Antichrist ergreifen *). In der Schilderung 
der Verbrennung der Erde kommt die Ps.- Joh.-Apok. Ephraem am 
nächsten. Gog und Magog werden (Kap. 7) von dem Erzengel 
Michael vernichtet Derselbe Zug findet sich auch in der syri- 
schen Esraapokalyse (Kap. 13), welche Baethgen aus der Hand« 
schrift Sachau 131 4 ) veröffentlicht hat. Von dieser Apokalypse 
wird weiter unten die Bede sein. 

Es wird schliesslich noch notwendig sein, das Verhältnis 
der verschiedenen unter Ephraems Namen überlieferten Schriften 
zu einander zu untersuchen, auf die wir im Laufe unserer Unter- 
suchung beständig zurückgekommen sind. Es erheben sich zu- 
nächst überhaupt Bedenken auch gegen die Echtheit der syrischen 
Predigt von Ephraem. Kap. 3 heisst es : eztollent vocem sancti, 
et ascendet clamor eorum in coelum, ezietque e deserto populus 
Hagarae Sarae ancillae filius, qui accepit foedus Abrahae mariti 



1) hierzu Tgl. den Apok. - Komment, des Andreas ed. Sylbnrg, 
p. 9445: elvou de xov rhy xal Maymy xiveg fuv 2xv$ixä Khn] vofifCovoir 
IjiSQßogsia, &JZSQ xaXoQfuy ovwixd ndorjg tmytlov ßaodtfae nokvav&qwnt- 
xsga xai xoXßfuxcbxeQa. 

2) Ps.-Johannes, Kap. 9 findet nach dem Tode der Zeugen die all- 
gemeine Totenerwecknng durch Michael und Gabriel statt. 

3) dazu Tgl. wieder Adso und Sib.-Beda. 

4) Z. A. T. W. VI, 204 ff. 



37 

Sarae et Hagar, et movebit se, ut in nomine deserti veniat 
tamquam legatus filii perditionis. — Es kann hier kaum ein 
Zweifel sein, dass hier die Araber gemeint sind, und im folgenden 
Kap. 3. 4 folgt eine sehr lebendige Schilderung der Verwüstung, 
welche dies Volk aus der Wüste anrichten werde. Um so be- 
stimmter weist wieder die dann folgende Schilderung der Hunnen 
in eine frühere Zeit. Streicht man 3 (von exietque e deserto) 
und 4, so schliesst sich Kap. 5 genau an: tuno divina justitia 
advocat reges (nämlich Grog und Magog). Die doppelte Schilderung 
eines Einfalles wilder Völker 3 f., 5 ff. hat durchaus keinen 
Sinn. Ja, wir können sogar noch genauer beweisen, dass der 
Text Ephraems interpoliert ist. Wir haben eine wörtliche 
Parallele in der Aufzählung der 24 Völker Grogs und Magogs 
zwischen Ephraem und Ps. -Methodius; durch die Vergleichung 
stellt sich heraus, dass die Namen Thogarma, Medi, Persae, Ar- 
meni, »Turcae« eingetragen sind. Dann kommt auch die 
Zahl 24, die Methodius Lat. ausdrücklich zählt, heraus. 
Nur die Chusaer sind doppelt aufgeführt Sonst aber ist 
die Liste in Ephraem syr. und Meth. graec. und lat in der 
That, was man auf den ersten Blick nicht glauben sollte, die 
gleiche. Es entsprechen sich die Nummern, (man beachte die 
oben notierten Interpolationen): E. 1 — 8; M. gr. 1 — 8; M. lat 
1—2. 5—10 (M. lat stellt die No. 18. 17 Mosach Tubal an 
3. u. 4. Stelle); E. 9—13 = M. gr. 14. 15. 18. 16. 17 « M. 
1. 16—20; E. 14—19 — M. gr. 9—13 (12 scheint «. 17 + 18) 
— M. L 11—13. 4. 3. 15; E. 20—24 — M. 1. 14. 20—24 (bei 
M. g. fehlt 20. 21). Als 20 zähle ich bei E. Nemruchaei =» 
M. 1. Lamarchiani (ein Blick in den syrischen Text zeigt die 
Möglichkeit dieser Verschiebung); 22. Phisolonici, (fikoviuoi ist 
allerdings nicht unterzubringen, wenn man nicht annimmt, 
dass es entstanden aus ^Ja .^o 197. 3. 

Sonst scheinen sich keine Bedenken gegen den Text zu erheben. 
Und gerade die lebendige Schilderung der Hunnen führt uns in die 
Zeit Ephraems und lässt die Überlieferung, welche die syrische 
Predigt dem Ephraem zuschreibt, als glaubwürdig erscheinen. 

Zu untersuchen ist weiter die Predigt Ephraems. Ihre Da- 
tierung um das Jahr 373 bekommt nun eine willkommene 
Unterstützung durch die richtige Beziehung der geschilderten 
wilden Völkerschaften auf die Hunnen. Sollte doch auch die 



38 

Predigt von Ephraem stammen? Ich glaube die Frage verneinen 
zu müssen. Ephraem zeigt in der syrischen Predigt eine andre 
Anschauung von dem Untergang des römischen Reiches. Kap. 8 
et surgel in huius gentis loco regnum Romanorum, quod sub- 
jiciet terram usque ad fines eins, et nemo erit qui resistet ei« 
Postquam autem multiplicata fuerit iniquitas in terra .... tone 
exsurget justitia divina et funditus delebit populum» et ex per- 
ditione egressus veniet super terram vir iniquus (nämlich de* 
Antichrist). Dieses Urteil gegenüber dem arianisch gesinnten 
römischen Imperator kann uns bei Ephraem nicht wundern. In 
der lat. Predigt dagegen wird zum ersten Mal ausgesprochen, 
dass das römische Imperium nicht untergehen, sondern freiwillig 
auf seine Gewalt verzichten werde. Daher ist die Predigt 
Ephraem abzusprechen. Sie ist aber auf Grund von Ephraems 
Ausführungen bald nachher entstanden. Wie verhalt sich nun zu 
der syrischen die oben besprochene griechische Predigt Ephraems ? 
Die politischen Momente fehlen ihr vollständig, das ist jedoch 
kein Grund, die Echtheit zu beanstanden, die Predigt handelt 
eben nur von der allerletzten Zeit. Wichtiger ist, dass im syri- 
schen Ephraem von der Erscheinung des Kreuzes beim Welt- 
gericht noch nicht die Rede ist, welche in den griechischen Ho- 
milien so stark hervorgehoben ist. Umgekehrt steht in dem 
Griechen nichts von der Rolle, welche Michael und Gabriel am 
Ende der Dinge spielen. — In dem einen bedeutsamen und sin- 
gulären Zug stimmen der Grieche und der Syrer überein: die 
Diener und Boten des Antichrist sind hier wie dort Dämonen. 
Liegt im Griechen vielleicht eine Überarbeitung des echten Werkes 
des Ephraem vor, so ist doch wohl das meiste in ihm auf diesen 
_ zurückzuführen. 

Hier am Schluss kann nun von neuem die Frage nach der 
gemeinsamen Quelle von Adso II. und Sibyllinist Beda aufge- 
nommen werden. Sollte nicht doch diese Sibylle mit ihrem Hin- 
weis auf den rex nomine et animo constans weit vor der Zeit 
Constans II. anzusetzen sein? Die Idee wenigstens, dass der 
letzte Römerkönig seine Krone Gott zurückgeben werde, finden 
wir schon in einer Quelle des vierten Jahrhunderts. Sie ist kei- 
neswegs erst in der Heracliuszeit entstanden. Wir können mit 
Sicherheit den Satz aufstellen: In dieser Weise müsste sich die 
Anschauung, dass das Römerreich vor den Tagen des Antichrist 



39 

zu Grunde gehen werde, sehr bald umwandeln, nachdem das 
römische Imperium christlich geworden war. Wenn wir aber 
über die Zeit des Heraclius hinaufgehen , dann freilich müssten 
wir gleich bis ins vierte Jahrhundert jene Quelle hinaufrücken. 
Denn der Imperator desselben wird übereinstimmend als rex Ro- 
manorum et Graecorum geschildert. Daher bleiben nur zwe 
Möglichkeiten: entweder im 4. Jahrhundert oder in der Zeit 
nach Justinian nach dem Könige nomine constans zu suchen. 
Dabei ist es doch möglich, dass in dem Wort constans nicht 
direkt der Käme des Königs, sondern nur ein Wortspiel vorliegt, 
und dass so z. B. vielleicht Constantius gemeint sein könnte 
(weniger wahrscheinlich ist es, dass schon Constantin I. gemeint 
war). Die 12 Jahre, die für seine Regierungszeit angegeben wer- 
den, helfen uns allerdings nicht weiter. Diese Angabe ist ein- 
fach apokalyptische Phantasie. Der letzte König wird als Gegen- 
bild Alexanders des Grossen aufgefasst, dessen Regierungszeit 
im Ps.-M. auf 12 Jahre angesetzt wird. Wenn in der griechi- 
schen Danielapokalypse 1 ) nach dem König, der am Ende 12 
Jahre regieren wird, noch eine Zerteilung der Welt in vier Reiche 
geschildert wird, dann liegt auch hier ein Einfluss der Alexander- 
geschichte vor. 

Eine interessante Bestätigung dieser Sage giebt eine Beob- 
achtung, welche Zezschwitz*) gemacht hat. Gottfried v. Yiterbo 
(s. o. S. 27) besingt in jener Chronik Alexander den Grossen 
und lässt den Alexander sagen 

reddo tibi restituamque thronum 
Te solo dominante volo tibi regna relinqui. 
So verschlingen sich in den einzelnen Zügen die Alexandersage 
und diejenige vom Antichrist 

Es mag hier am Schluss noch ein andrer einzelner Zug aus 
dem vorliegenden Traditionskreis besprochen werden. Im ludus 
de antichristo, einem um 1160 gedichteten Drama, dessen Ver- 
fasser im wesentlichen seine Ideen aus Adso bezogen hat 8 ), und 
der deshalb als besondre Quelle bisher nicht besprochen wurde, 
wird geschildert, wie der Antichrist den griechischen König im 
Krieg, den französischen durch Geschenke, den deutschen durch 

1) Kloatennann 118. 84. 

2) p. 61 und Anm. 96. 

3) Tgl. W. Meyer, der Indus de antichristo p. 10 f. 14 f. 



40 

Wtfnderzeichen sich unterwirft Meyer hat die Quelle dieser 
Phantasieen in einer Stelle des Adso entdeckt: eriget se contra 
fideles tribus modis L e. terrore, muneribus et miraculis; dabit 
credentibus in se auri atque argenti copias ; quos autem muneribus 
corrumpere non potent, terrore superabit; quos autem terrore non 
poterit vincere, signis et miraculis seducere tentabit (1294 A). Diese 
Phantasieen sind übrigens noch weiter verbreitet, vgl. das Elu- 
cidarium (s. u.), in dem vier Arten von Verfuhrungen des Antichrist 
aufgezählt werden: 1) divitiae; 2) terror; 3) sapientia; 4) signa 
et prodigia, ferner (s. u.) Eterianus: minis blanditiis et omnibus 
modis seducet. — Im Grunde aber gehen alle diese Stellen auf 
Hieronymus zurück. 

In seiner Auslegung zu Dan. XI 39 weiss dieser schon zu 
berichten: antichristus quoque multa deceptis munera largietur 
et terram suo exercitui dividet, quosque terrore non quieverit, sub- 
jugabit avaritia *). Kaum hat Hieronymus dies aus der dunklen 
Danielstelle, die er nicht einmal übersetzen kann, erschlossen, 
er ist, wie noch gezeigt werden wird, auch durchaus abhangig 
von apokalyptischer Tradition*). Man sieht wieder einmal deut- 
lich, wie tief hinab mit ihren Wurzeln selbst so scheinbar ent- 
legene und vereinzelte Züge unsrer apokalyptischen Tradition 
reichen. Übrigens ist es bemerkenswert, dass wir hier zum zweiten 
Mal eine Parallele zwischen der uns vorliegenden Gruppe der 
Quellen vom Antichrist und Hieronymus (s. o. S. 34) finden. 
Es gehört also vielleicht auch die apokalyptische Tradition 8 ) des 
Hieronymus dem besprochenen Überlieferungskreis an. 

So haben wir denn in den eben besprochenen Quellen einen 
litterarischen Zusammenhang vor Augen, der mit Ephraem be- 
ginnt und durch Ps.-Methodius und Adso hindurch bis zu den 
mittelalterlichen Sibyllinisten und dem Kaiserdrama aus der 
Hohenstaufenzeit hinabreicht Wir können sehen, wie die Sage 
vom Antichrist sich wandelt, als das römische Imperium sioh 
dem Christentum zuwandte, wie der Beginn der Völkerwanderung, 



1) der spanische Presbyter Beatus lehnt sich in seinem Kommentar 
p. 442 (ed. Florez) an Hieronymus an. 

2) über Hieronymus führt auch die Notiz Cyprians hinaus: anti- 
christi minas et corruptelas et lupanaria (de mortalitate 15). 

3) diese findet sich namentlich im Daniel-Kommentar, dann in der 
ep. ad Algasiam quaestio XL 



4 



41 

der Einfall der Hunnen in ihr seine Spuren zurückliess. Von 
byzantinischer Kaisergeschichte und den verheerenden Wirkungen 
der über das Abendland sich ergiessenden Hochflut des Islam 
erzahlt sie uns. Und wir sehen sie endlich verwoben mit der 
Geschichte des deutschen Kaisertums und der Kreuzzüge. 



Eine dritte Gruppe von in Betracht kommenden Quellen 
besteht aus späteren apokalyptischen Werken. In der Sticho- 
metrie des Nicephorus und der Synopse des Athanasius findet 
sich unter den alttestamentlichen Apocryphen ein Danielbuch. 
Ebenso ist in einem Verzeichnis von Apocryphen des Mechithar 
von Airivank 1290 eine 7. Vision des Daniel erwähnt 1 ). 

Der Text einer griechischen Danielapokalypse ist zuerst bei 
Tischendorf apocalypses apocr. XXX — TTSHTTTT veröffentlicht, 
neuerdings in einem lesbaren Zustand von Klostermann (Analecta 
zur Septuaginta Leipz. 1895 p. 113 ff.). 

Eine armenische siebente Vision des Daniel ist von Gr. Ka- 
lemkiar in der Wiener Zeitschr. für die Kunde des Morgen- 
lands veröffentlicht (B. VI 109 ff. 227 ff.). 

In einer Vergleichung der beiden Schriften — vor dem Er« 
scheinen des Klostermannschen Textes — hat Zahn (Forschungen 
V. 119) nachgewiesen, dass beide, obwohl vollkommen düFerent, 
auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen. E3 wird sich darum 
handeln, diese Quelle noch deutlicher hervortreten zu lassen. 

In dem im sibyllinischen Stil gehaltenen Anfang haben 
beide Schriften viel gemeinsames. Doch spotten diese allgemein 
gehaltenen Prophezeiungen jeder Deutung. In einer wichtigen 
Ausführung treffen aber beide Apokalypsen zusammen, in einer 
gegen Rom, die Siebenhügelstadt, geschleuderten Weissagung, die 
deutlich auf das Ende des weströmischen Reiches hinweist (vgl. 
Armen. 2379. Graec. 11628). Dort heisst es, nachdem vorher 
mit Kamen von der Regierung des Olybrius (472) (= Orlogios 
Z. 12), wenn Zahns Vermutung a. a. O. 118 richtig ist, die Rede 
gewesen war: 

37. ol di vloi Trjg amaXelag Z. 30. Und der König wird 
OTfjQigavTeg öwaovac xa tiqooco- sein Gesicht gegen Westen 
na avziuv inl tijv diaiv tov r^Xtov. wenden. 

1) Zahn, Forschungen B. V, 115. 116. 



42 

28: ovcti aoi € EnrdXo<pe Ac Dann wehe Dir, Da Sieben- 
zijg TOiavrrjg opy^g, Srav xt> hügelige, wenn Dein König ein 
xhodfjg vivo GTQatonidov nok- Jüngling ist. 
Xov .... mal %qaxr { an l ) (zu 
lesen statt 7tctTT t oet) to fteiQa- 
tuov Ini oe iXeeivij. 

Hier wie dort ist dann die Bede von dem Beginn der 
Gothenherrschaft, des Herrschergeschlechts »von einer andern 
Beligion, das ist Arianus«, wie es in A heisst, des blonden Ge- 
schlechts, (to Sav&ov yivog\ wie es in 6. genannt wird. Ob aus 
A 23829 — 82 die Errichtung des Exarchats von Bavenna heraus- 
zulesen ist, ist doch nicht ganz sicher. Gerade dieser Absatz 
findet auch keine Parallele in G., ist also erst späterer Eintrag. 
Gleich nach der Schilderung dieser Vorgänge folgt dann in A 
die Schilderung der Herrschaft des Antichrist und des Endes, 
auch in G. schliesst die Apokalypse mit den Ausführungen über 
den Antichrist 

Die den beiden Apokalypsen zu Grunde liegende Quelle 
tritt klar und deutlich heraus. Ihr Hauptbestand ist die alte 
Apokalypse vom Antichrist. Dieser sollte ja nach uralter Tra- 
dition kommen, wenn das römische Beich in Trümmern läge. 
Es war nichts natürlicher, als dass in der Zeit des untergehenden 
weströmischen Reiches die alte Apokalypse vom Antichrist mit 
einer zeitgeschichtlichen Einleitung von neuem erschien. Der 
Name dieser Apokalypse war wohl jedenfalls: Apokalypse 
des Daniel; ob auch ihre Grundlage schon diesen Namen hatte? 
(ß. o.). 

Auf Grund dieser älteren Apokalypse sind dann die beiden 
jüngeren (A und G) entstanden. In A findet sich 230 34 ff. vor- 
geschoben eine Weissagung der Geschicke Ostroms. Marcian 
wird 231 19 mit Namen genannt, die Geschichte Leos L, Zenos, des 
Usurpators Basiliscus wird noch deutlich geschildert, Kalemkiar 
findet die Geschichte bis zum Kaiser Heraclius geweissagt, Zahn 
118 hat zu dieser Vermutung schon ein Fragezeichen gemacht. 
Wenn übrigens 234 vom siebenhügeligen Babylon — der Ver- 
fasser von A hat diesen Terminus nicht mehr verstanden 231 ie — 
die Bede ist, dem Regiment einer Witwe und dem Drachen, 



1) vgl. xQaxqoei ktl Z. 40. 



43 . 

welcher den Ausländer verfolgen wird, so sind hier wieder Ele- 
mente aus der A und 6 gemeinsamen Quelle aufgenommen (vgl. 
G. 116 35. 39 vor allem 119 89). In 6. findet sich ebenfalls eine 
von A völlig unabhängige Weissagung über die Geschichte des 
ostromischen Reiches, welche, wie es scheint, (11742) mit dem 
Untergang des weströmischen Reiches beginnt und bis Constantin V. 
reicht (a. o. 8. 31), so dass auch hier die Art der Einschaltung 
sehr deutlich wird. Was die »Siebenhügelige« bedeutet, hat auch 
der Verfasser von G. nicht mehr gewusst 119 86. G. trennt also 
die Schilderung der Herrschaft des Antichrist von dem Unter- 
gang des weströmischen Reiches, er hat die Geschichte des ost- 
römischen Reiches an die des weströmischen angehängt, während 
A sie vorausschickte. 

In der gemeinschaftlichen Quelle zeigt sich sibyllinischer 
Stil. Der tritt namentlich deutlich in der Einleitung der Apo- 
kalypsen hervor. Auch ist der Beiname inxaXcxpog für Rom 
gerade der sibyllinischen Litteratur geläufig. 

Im Zusammenhang hiermit verweise ich auch auf den Artikel 
von Kozak, die biblische apokryphe Litteratur bei den Slaven, 
Jahrb. f. protest. Theol. 1892 S. 128 ff. Aus N. XVHI seiner 
Ausführungen ist zu ersehen, dass eine Visio Danielis auch süd- 
slavisch und russisch erhalten und bereits gedruckt ist. Die 
Stücke sollen nach Kozak der griechischen Danielapokalypse 
entsprechen x ). Unter N. XXXVIII wird eine narratio de anti- 
christo erwähnt. Eozak giebt kurz den Inhalt an; sie enthält 
eine Aufzeichnung der byzantinischen Kaiser, die Weissagung 
von einer Hungersnot, und der Herrschaft einer Jungfrau, die 
wie einen Vogel den Antichrist empfängt, das Auftreten Johannes 
des Theologen, seinen Streit mit dem Antichrist, die Erscheinung 
des Elias und dessen Tod, Herrschaft des Antichrist und Ende 
der Welt«). 

Die Erwähnung der Herrschaft einer Jungfrau ist interessant 
Dazu ist zu vergleichen die mehrfache Erwähnung der Herrschaft 
einer Witwe in A und G. 11989 xat ev r<£ ^ elvai avÖQa 

1) Herr Prof. Bonwetsch hatte die Güte mir einige Stücke der 
slawischen Apokalypse zu übersetzen. — Sie scheint in der That iden- 
tisch mit der griechischen zu sein. 

2) noch zu erwähnen ist, dass eine vierzehnte Vision des Daniel 
sich in koptischen Handschriften findet (Klostermann 114). 



44 

%Qiq<Jt^ov ßaoilevOQi yvvij fxia^a. iv rfj enxaXoqxi) xal fiiavj] ra 
cyia tov &eov d-vauxanJQia xal avad-eloa iv fitoq) rijg htzct- 
X6q>ov ßoriaec qxovfj fieyaXij liyovoa* xig &eog nXrjv ifiov xal 
xig divavat avTiarf t vai rijv ifiijv ßaoiXelav; xal ev&vg ou- 
o&fjpecat, fj emdkoyog xal xaxafzovuad^aetac avfixpvxog iv ßv&qi. 
Danach folgt 119 100 die Herrschaft des Antichrist Vielleicht 
fällt von hier ein Licht auf eine dunkle Stelle der sibyllinischen 
Litteratur. Sib. III 75 lautet xal t6zs dtj nag xoofiog vrtal 
TtaXapijOt ywaixog — eooezai aQxopevog xal mi&opevog tcbqI 
rtavrog. — ev&' 6no% av xoopov rtawog XflQV ßccaikevarj — xal 
Qiipfl xqvoov re xal aqyvQOv elg ala Slav — xcthuov % jjdi 
oidtjQOv l(pr\fXBQio)v avd-Qcirtwv — ig tvovtov §ixpr], xoxe drj crroi- 
%eia nqoTcavxa — y7\QGvoei xoüfiov orzoz av &edg al&iQt 
vaicov — ovqovov elXi^tj. Bemerkenswert ist, dass hier die Er- 
scheinung des Antichrist (Belials) voraufgeht 

Über den Namen der Daniel-Apokalypse ist noch folgendes 
zu bemerken: Zahn 120 verweist (nach Lightfoot) auf eine sy- 
rische Handschrift bei Wright Cat of syriac. mss. I 19, einen 
Miscellancodex saec. XII, welcher hinter den deuterokanonischen 
Zuthaten zu Daniel ein Fragment enthält, aus dem »kleinen Da- 
niel über unsern Herrn (?) und das Ende der Welt« 1 ). Hier 
dürften wir vielleicht die der aufgefundenen Quelle wiederum zu 
Grunde liegende Apokalypse vermuten. Zahn glaubt ferner, dass 
einer Notiz des Ebed Jesu (Assemani Bibl. Orient III. 15) zu- 
folge schon Hippolyt diese Apok., den kleinen Daniel, kommen- 
tiert hätte. Herr Prof. Bonwetsch, den ich um Bat fragte, ist 
geneigt, in der Notiz »der kleine (junge) Daniel und die Su- 
sanna« nur ein und dasselbe Werk zu sehen, nämlich das alt- 
testamenüiche Apokryphon von der Historie der Susanna und des 
Daniel. — Eine Klarheit über diesen Punkt zu erhalten wäre 
mir höchst erwünscht. Es wäre ja sehr wichtig, wenn Hippolyt 
schon eine Apokalypse des Daniel gekannt und kommentiert 
hätte. Eine Unmöglichkeit ist das nach dem oben über Hippolyt 
gesagten nicht mehr. Über die Beziehungen der griechischen 
D.-A. zu Ps.-Sf., namentlich zu dem dort eingesprengten Stück 

1) Tgl. unter Nr, XU das über ein jüdisches Danielbach des 9. Jh. 
gesagte. Auch in den fälschlich dem Epiphanius zugeschriebenen ritae 
Prophetarum findet sich in der yita Daniels apokalyptisches. Fabri- 
cius I. 1128. 



45 

von der Belagerung Konstantinopels, is$ bereits oben (S. 31) die 
Bede gewesen. Ich notiere hier noch den bei Fabricius cod. 
pseudepigr. vet test. L 1140 erwähnten interessanten Titel einer 
Schrift: ij relewaia oQaatg zov peydXov rtQO<prjzov da- 
vtijA, rjxig dia xov h ayioig TtazQog ^ftwv Me&odlov Tlaxa- 
qwv icpaveQühfrri r/filr. 



An die Spitze einer weiteren Gruppe von Schriften stelle 
ich die apokalyptischen Schriften, die unter dem Namen Liber 
Clementis discipuli S. Petri oder auch Petri apostoli apocalypsis 
per dementem etc. in arabischer, äthiopischer und wahrscheinlich 
auch syrischer Sprache existieren. Einen Oberblick über die sehr 
verwickelte Oberlieferung des Buches giebt Bratke, Z. W. Th. 
1893. L 454 ff. Die vollkommenste Übersicht über diese bisher 
nirgends im Druck zugängliche Schrift giebt Dillmann 1 ) für die 
äthiopische Obersetzung derselben. Es kommen für uns aber in 
Betracht die eigentlichen eschatologischen Partieen, welche sich 
in dem zweiten und vierten Teil der Schrift (nach Dillmann) 
finden, von denen die erste eine Weissagung über den Islam, die 
zweite eine solche von der Herrschaft des Antichrist enthält. 
Dass diese Stücke zwei auseinandergesprengte Bestandteile einer 
ursprünglichen Apokalypse sind (Petrusapokalypse?), wird weiter 
unten klar werden. Das uns interessierende Stück enthält vor 
allem eine Weissagung von der Geschichte des Islam, deren Deu- 
tung Dillmann glänzend gelungen ist. Es werden zunächst 12 
Herrscher der Ommajaden gezählt (Muhamed-Abu Bekr II), deren 
vier erste mit dem Anfangsbuchstaben gekennzeichnet sind (Mu- 
hamed Abubekr Omar Othman). Dann wird durch 6 Herrscher 
die Geschichte bis Merwan IL verfolgt. Darauf folgt eine Schil- 
derung von Kämpfen des Königs des Südens (Merwan) mit dem 
Könige des Ostens (Abassiden); es wird beschrieben, wie der Kö- 
nig des Ostens Ägypten einnimmt. Der Verfasser kennt vier 
Weltreiche: der Adler repräsentiert ihm das babylonische, der 
Panther das griechische, der Löwe das römische (von diesem wird 
bemerkt: der König Roms regiert bis zu meiner Wiederkunft), 
ein Tier Arn6 (Drache, Schlange): die Kinder £d*jös. Dieses 



1) Göttinger gelehrte Nachrichten 1858, 185 ff. 



46 

steh!; an zweiter Stelle (wohl dem Rang nach). Es ist damit das 
Reich des Islam gemeint. Zu jener Zeit des Untergangs der 
Ommajadenherrschaft wird dann der Löwensohn sich erheben 
und über den Islam triumphieren. Der Löwensohn ist nach 
Dillmann Constantin Copronymus. Damaskus, die Hauptstadtt 
der Omraajaden, soll zerstört werden. Wenn aber der Löwen- 
sohn von seinen Zügen zurückkehrt, dann — wisse es Petrus — 
die Zeit des Endes ist nahe. Es folgt dann noch eine unver- 
ständliche Zeitbestimmung, wann dies alles geschehen soll. Hieran 
hat sich dann wahrscheinlich die jetzt im vierten Teil stehende 
Partie über den Antichrist angeschlossen. — Es liegt also hier 
eine Apokalypse vor, deren Auflösung restlos gelingt. 

Zum Beweise dessen, dass in der arabischen Petrusapokalypse 
ein fast identisches Werk vorliegt, möge man Nicoll Bibl. Bod- 
lejanae cod. manuscr. Orient, catalog. Oxford 1821 II 149 ff. ein- 
sehen. Leider sind die Inhaltsangaben zu Kap. 31 — 44 nicht 
notiert. In Kap. 46 haben wir schon die Erwähnung des Löwen- 
sohnes. Kap. 47 werden wie oben die vier Reiche aufgezählt; 
das zweite Reich ist das der Beni'l Abus, das vierte das der 
Römer, quorum hoc ad Christi adventum mansurum est. Kap. 48 
bringt eine Beschreibung der Beni'l Abu, deren Anfang durch 
das Jahr Alexanders 923 bestimmt wird. Eine Abweichung 
zeigen die Kapitel 52 und 53, insofern hier der Löwensohn als 
ein Feind der Christen aufgefasst und seine Besiegung durch den 
Erzengel Michael verheissen wird. Zu Kap. 67 wird mitgeteilt: 
de egressu filii Dan maledicti, qui est antichristus et de descensu 
Eliae et Enoch, quodque hos ille interfecturus est et prodigia 
magna ac miracula multa editurus. 

Die Fragmente einer syrischen »Apokalypse des Simon 
Petrus«, welche Bratke 468 ff. mitteilt, standen auch in der äthio- 
pischen Petrusapokalypse in dem zweiten und vierten Teil der- 
selben. Ein Vergleich der beiden bei Bratke 471 f. und 481 f. 
veröffentlichten Stücke über den Antichrist zeigt, dass im einzelnen 
natürlich stark verändert ist. 

Wir haben also aller Wahrscheinlichkeit nach eine äthio- 
pische, arabische und syrische Recension desselben Werkes, dessen 
apokalyptische Bestandteile um die Zeit des Sturzes der Omma- 
jaden-Herrschaft geschrieben wurden. 

Es ist ein glücklicher Zufall, dass Dillmann über den Löwen- 



47 , 

söhn folgendes Bruchstück (foL 73a) übersetzt hat: ich werde 
erwecken den Löwensohn und er wird zerschlagen alle Könige 
und sie zertreten , weil ich ihm die Gewalt gegeben habe, und 
also ist das Auftreten des Löwensohnes wie eines 
Mannes, der von seinem Schlaf erwacht Diese Stelle 
steht in sichtbarer Beziehung zu der oben (S. 33) citierten aus 
dem Methodiusbuch (Teil VI). Da nun auch in der Erzählung 
von der Geburt und dem ersten Auftreten des Antichristen 
(Bratke 481) sich eine enge Verwandtschaft zwischen der äthiop. 
P.-A und Ps.-ÄL zeigt, so können wir vermuten, dass Ps.-M. 
eine Quelle für die P.-A. war, wenn anders Gutschmid darin 
Recht hat, dass der byzantinische Herrscher bei Ps.-M. Con- 
stantin IV. war. 

Von hier aus löst sich uns nun weiter das litterarische 
Rätsel, welches die von Baethgen veröffentlichte l ) syrische Esra- 
apokalypse aufgiebt. Der Anfang der Apok. ist offenbar eine 
Überarbeitung der Petrusapokalypse. Kap. 3 erscheint eine 
Schlange mit zwölf Hörnern an ihrem Haupte und neun an ihrem 
Schwänze. Vergleicht man dies mit dem oben mitgeteilten, so 
wird es klar, dass hier die Ommajaden-Herrschaft gemeint ist. 
Die Zahl neun stimmt nicht zu der in der P.-A. gegebenen Auf - 
Zeichnung der zweiten Reihe von Herrschern aus dem Hause der 
Ommajaden, aber diese kleine Differenz kann nicht stören. Ein 
von Süden kommender Adler zerstört die letzten Hörner der 
Schlange — die Herrschaft der Abassiden. Von Osten kommt 
eine Otter, welche mit dem Lande Ägypten in Verbindung steht: 
die Fatimidenherrschaft. Man sieht, dass hier die beiden Be- 
stimmungen »von Süden« und »von Osten« aus der P.-A einge- 
tragen und falsch bezogen sind. Die vier Könige am Flusse des 
Euphrat, die Raben, welche von Osten kommen, sind die Türken- 
sultanate, deren vier schon gleichzeitige Historiker aufzählen. 
Dann ist im folgenden (Kap. 7) von den Siegen des jungen 
Löwen die Rede, 7 am Ende von der Zerstörung der Stadt Da- 
maskus, von 8 an folgt die Schilderung der Zeit des Antichristen. 
Es ist klar, es liegt hier eine Bearbeitung der P.-A. etwa aus 
der Zeit der ersten Kreuzzüge vor. 



1) Z. A. T. W. VI, 200 ff. aas der Handschrift Sachaa 131 (König!. 
Bibliothek zu Berlin). 



48 

Aber es lasst sich eine noch interessantere Beobachtung 
machen. Ich behaupte: die in Kap. 7 vorliegende Schilderung 
des Löwensohnes stammt nicht direkt aus der P.-A., sondern aus 
einer noch Siteren Apokalypse aus der Zeit des Heraclius, welche 
schon der P.-A. und Ps.-M. zu Grunde lag. Es ist hier durch- 
weg von einem Kampf des Löwen mit einem Stiere die Bede. 
Von diesem war vorher gar nicht die Rede. Wenn es von ihm 
heisst, er nämlich ist der König der Raben (Kap. 7), so sieht 
man deutlich — schon aus dem Bilde — dass hier kompiliert ist. 
Der Stier, der »das Abendland aufregt«, ist Chosroes der Perser- 
könig. Dieser rückte mit drei Heeren gegen Heraclius, der Stier 
hat drei Hörner, mit denen er stösst. Eins seiner Hörner führt 
Krieg mit dem jungen Löwen : Heraclius ; mit einem andern Heer 
liess Chosroes Konstantinopel belagern : in Ps.-Esra f asst der Stier 
einen bösen Plan gegen die sieben Hügel und die Stadt Kon- 
stantinopel. Heraclius rief damals Türkenachaaren zur Hülfe: 
in IV. Esra verbündet sich der junge Löwe mit dem Leoparden 
vom Norden, mit dem viel Volk zieht, wie fliegende Heuschrecken. 
Dann wird der junge Löwe zwischen die Hörner des Stieres 
springen und beide abbrechen. Und dann heisst es zum Schluss : 
und der junge Löwe wird mit grosser Macht in das Land der 
Verheissung ziehen .... und nach Jerusalem wird er hinauf- 
steigen mit grossem Pomp und von dort wird er weggehen und 
in seine Königsstadt hinaufziehen. — Ich glaube kaum, dass mit 
dieser ganzen Schilderung ursprünglich irgend jemand anders als 
Heraclius und seine Besiegung des Chosroes gemeint sein kann. 

Es kommen folgende Erwägungen hinzu : Kurz vor dem ent- 
sprechenden Stück in der aeth. P.-A., die vom Löwensohn handelt, 
findet sich eine Kaiserliste, die bis Heraclius reicht. (Ebenso in der 
arabischen Petrusapokalypse, Lagarde, Mitteilungen IV, 6 ff.). Auch 
im Ps.-M. wird geschildert, wie der byzantinische König auf 
seinem Siegeslauf gegen den Islam seinen Einzug in Jerusalem 
halt. Ist das eine Phantasie, oder nicht viel wahrscheinlicher 
Herübernahme einer alten aus der Heraclius-Zeit stammenden 
Schilderung? Als Heraclius seinen Einzug in Konstantinopel 
hielt, glaubte man, das Weltende sei nahe *), damit vergleiche man 



1) Zezschwitz a. a. 0. p. 57 ff. , Z. hat dort ja diese Vermutung 
bereits ausgesprochen. 



49 

die oben citierte Stelle der P.-A. : wenn aber der Löwensohn von 
seinen Zügen zurückgekehrt sein wird, dann wisse es Petras: die 
Zeit des Endes ist nahe. Der Verfasser der armenischen Daniel- 
apokalypse erwartet das Ende wahrscheinlich in der Zeit des 
Heraclius. 

So haben wir wieder neue Zusammenhange gewonnen. 
Pseudo-Methodius und die verwandten Recensionen der Petrus- 
apokalypse zeigen, wie die Apokalypse vom Antichrist sich in 
der Zeit des Hereinflutens des Islams wandelte. Das auf dem 
dunklen Untergrunde gezeichnete helle Lichtbild des siegreichen 
Löwensohnes ist wahrscheinlich noch älteren Datums und findet 
seinen historischen Hintergrund in der Zeit des Heraclius. Die 
syrische Esraapokalypse ist ein lebendiges Zeugnis, wie unver- 
standene Weissagungen immer von neuem wieder weitergegeben 
und kombiniert wurden. 

V. 

Es folgt eine ausserordentlich interessante Gruppe. Als 
Hauptschriften in ihr sind zu nennen die den eschatologischen 
Ausführungen des Lactantius zu Grunde liegende sibyllinische 
Quelle und das Carmen apologeticum des Commodian. Das die 
folgenden Schriften verbindende Charakteristicum ist dieses, dass 
sie eine doppelte antichristliche Erscheinung kennen, einen Anti- 
christ als römischen Kaiser (den wiederkehrenden Nero) und 
einen zweiten in Jerusalem auftretenden. 

Der eschatologische Teil des carmen apologeticum beginnt 
mit V. 791 (in der Ausgabe von Dombart, corp. scipt. eccles. 
lat. 15). F<flr die Zeitbestimmung ist mustergültig, was Ebert in 
den Abhandlungen der königlich sächsischen Ges. d. Wissensch. 
Bd. V, p. 387 ff. ausgeführt hat. Verfehlt ist die neuere Arbeit 
von Rovers l ) hierüber. Man muss bei der Deutung desselben 
streng festhalten, dass mit dem Auftreten des Nero redivivus, 
(Cyrus) von V. 823 an die Zukunftsphantasieen des Verfassers 
beginnen. Wenn 871 davon die Bede ist, dass Nero zwei Cä- 
saren adoptiert (sibi addit), so ist dieser Zug nicht zeitgeschicht- 
lich zu deuten. Vielmehr ist derselbe aus V. 911 zu deuten. 



1) apokalyptische StudiSn. 89 ff. 

Booiitt, dtr AnÜehrift. 



50 

Der feiten Sage vom Antichrist gemäss *) wird dieser (der zweite 
Herrscher bei Commodian, welcher doch der eigentliche Antichrist 
ist) drei Könige im Anfang seines Auftretens besiegen und töten. 
Diese drei Herrscher mussten beschafft werden, und so kommt 
Commodian zu der Idee, den Nero redivivus sich zwei Cäsaren 
zugesellen zu lassen. Die römische Kaisergeschichte der Ver- 
gangenheit bot ihm dazu das Vorbild. Der schlimmste Fehler aber 
wäre es zu fragen, wer nun die Cäsaren waren. So bleiben für 
die zeitgeschichtliche Bestimmung des Gedichtes nur zwei Anhalts- 
punkte. Infolge des V. 810 geschilderten Auftretens der Gothen 
verlegt Ebert die Apokalypse unter Philippus Arabs oder Decius, 
doch meint er, in der schweren Verfolgungszeit unter Decius 
sei diese Dichtung schwerlich geschrieben. Jedoch erwähnt Com- 
modian V. 808, dass der Anfang des Endes die jetzt stattfindende 
siebente Verfolgung sei. Es ist nun doch bemerkenswert, dass 
in späteren Aufzählungen der Christenverfolgungen die Verfol- 
gung des Decius immer als die siebente gilt, so bei Sulpicius 
Severus bist. sacr. II, 32, Hieronjm. de script eccles. Kap. 62 
(über Alezander B. von Jerusalem; vgl. noch Kap. 67), Orosius 
lib. 721 (s. Malvenda de antichristo H, 132). Es ist also 
doch wahrscheinlich Commodians carmen apologeticum in der 
Verfolgungszeit unter Decius geschrieben. 

Lactantius bringt das für uns in Betracht kommende escha- 
tologische Material in den Jnstit. div. VII, 10 ff. Er citiert als 
seine Quelle mehrfach eine Sibylle VII, 16 (VH, 18 alia Sibylla). 
Auch bei ihm bekommt wie bei Commodian der Antichrist einen 
Doppelgänger, auch bei ihm tötet der zweite Antichrist (alter rex 
orietur ex ßyria) den ersten, den letzten Herrscher des römischen 
Reiches (qui reliquias illius prioris mali cum ipso simul deleat 
VH, 17. — Bemerkenswert ist ferner, dass während sonst nach 
allgemeiner Überlieferung zwei Zeugen gegen den Antichrist auf- 
treten, Elias und Henoch, Lactanz nur von einem Auftreten des 
Elias etwas weiss. Bei Commodian liegt eine doppelte Überlie- 
ferung vor. 839. 850 ist nur von Elias die Bede, dann aber 853. 
856. 858 von Propheten im Plural, — eine höchst nachlässige 
Ineinanderarbeitung zweier Überlieferungen. 

Wir werden aber nach dem gesagten kaum fehlgehen, — da 



1) das wird weiter unten näher begründet werden. 



51 < 

auch sonst die Übereinstimmung eine grosse ist, — wenn wir 
vermuten, dass Lactanz und Commodian in ihren eschatologisehen 
Ausführungen dieselben oder doch sehr ähnliche sibyllinische Quellen 
vorlagen. Am nächsten kommt diesen anzunehmenden Quellen 
das Stück in den Sibyllinen II 154 ff. Hier haben wir ebenfalls 
die Erscheinung des Antichrist 167 f. (Beliar) des Elias (allein) 
187 f. Wie bei Commodian erscheinen hier am Ende die 10 (12?) 
Stämme 1701 Der Untergang der Welt wird ähnlich geschil- 
dert 186 ff. Die Schilderung des neuen Lebens ist der bei Lact» 
sich findenden ähnlich. Doch ist diese Sibylle überarbeitet und 
deckt bei weitem nicht den ganzen Stoff bei Lactanz und Com- 
modian. 

Diese sibyllinische Quelle, welche Commodian benutzt hat, 
muss nun in irgend einer Beziehung zu Hippolyt's de antichristo 
stehen. Ich habe oben (S. 17) auf das unbekannte Citat auf- 
merksam gemacht, das Hipppolyt zweimal aus einem ungenannten 
Propheten bringt Eine Parallele findet sich im Carmen apolo- 
geticum V. 891 ff. 

exsurget iterum in istius clade Neronis 
rex ab oriente[m] cum quattuor gentibus inde 
invitatque sibi quam multas gentes ad urbem, 
qui ferant auxilium, licet sit fortissimus ipse, 
implebitque mare navibus cum milia multa; 
et si quis occurrerit Uli, mactabitur ense; 
captivatque prius Tyrum et Sidona subactas. 
Die Weissagung ist zwar auf Grund von Dan. 1140 ent- 
standen, aber die Parallele zwischen Hippolytus und Commodian 
wird durch die Danielstelle nicht erklärt, hier lag eine gemein- 
same Quelle vor, welche nicht unser Daniel-Buch war. Auch 
findet sich bei Hippolyt kurz vor der Stelle, wo er das Citat aus 
dem fiQOCprjzrjg zum zweiten Mal bringt, Kap. 52, noch eine Pa- 
rallele zu unserm Stück: xo de OQprifia avtov nqwrov l'oxai irti 
Tvqov yuxi Br^vrov. — Commodian und Lactanz lag wohl jeden- 
falls als gemeinsame Quelle eine Sibylle zn Grunde, Hippolyt 
citiert seine Quelle als Propheten. Identisch können die beiden 
Schriften nicht gewesen sein, wenn sie auch in engster Beziehung 
standen. Wir können annehmen, dass die Sibylle auf Grund 
des Propheten bei Hippolyt entstanden ist Das umgekehrte 
wird schwerlich der Fall sein. Es kommt hinzu, dass die Sage 

4* 



52 

vom ' Antichrist, wie später nachgewiesen werden wird, bei 
Hippolyt in einer entschieden ursprünglicheren Form vorliegt, als 
bei Lactanz und Commodian. Hat am Ende doch schon 
Hippolyt den kleinen Daniel gekannt und kommentiert, und war 
der Htbqoq nQOtprjprig eben diese Schrift? 

Sulpicius ßeverus hat uns Dialog IT, 14 die mündliche 
Überlieferung des Martin v. Tours über den Antichrist und das 
Ende mitgeteilt. Auch hier finden wir das Doppelbild vom 
Antichrist. Der eigentliche Antichrist tritt auch hier in Jeru- 
salem auf, und es heisst ganz deutlich: ipsum denique Neronem 
ab antichristo esse perimendum. 

Endlich ist hier zu erwähnen die in Lagardes Reliquiae juris 
etc., p. 80 f. sich findende kleine Schrift: ßißXiov KXij/xevtog 
nqtdxov to Y,aXovft8vov dtafhjyLij tov kvqIov ffttov *Itjaov 
Xqiotov. — Hier heisst es 81is: iyeQ&yoevai di yuxi h rfj 
dvaei ßaaiXevg äXXoyvXog, aqtfav pyzctvrig tzoXXrjg a&eog av- 
$QO>TtoxT6vog nXavog . • • fiiocSv rovg maroig, Suirwrig. 
Dann heisst es 8240 : t6tb iXevaevai viog rijg artwXetag 
avxiizaljog 'Aal vxpovixevog xai irraiQÖpevog etc. 

Wie später nachgewiesen werden wird, liegt in diesen Apo- 
kalypsen, in denen die Gestalt des Antichrist verdoppelt erscheint, 
eine Vermengung zweier Sagenkreise vor, der alten einfachen Sage 
vom Antichrist auf der einen, ihrer politischen Umdeutung auf 
Nero redivivus auf der andern Seite. Eine andere interessante 
Vermengung der Gedankenkreise liegt, wie schon oben S. 18 be- 
merkt wurde, im Kommentar des Victorin vor. Victorin kennt 
nur eine antichristliche Erscheinung, und ihm ist noch die dä- 
monische Gestalt des Nero der Antichrist Er ist der einzige 
von allen Kommentatoren der Apokalypse bis zur Reformations- 
zeit, der noch wusste, dass die Nerosage eine Bedeutung für die 
Johannesapokalypse gehabt habe. Aber Nero, der wieder- 
kehrende Nero, ist nun bei ihm zum jüdischen Antichrist ge- 
worden (das genauere s. unten). So ist also das Werk des 
Victorin in die vorliegende Gruppe von Schriften einzureihen. 

Der eine Zweig der Doppelüberlieferung der Tradition vom 
Antichrist, welche schliesslich zu jenen wunderlichen Kombi- 
nationen geführt hat, findet in der uns erhaltenen sibyllinischen 
Litteratur seine Hauptzeugnisse. Es kommen hier namentlich 



t 

53 . 

das (IL) in., IV., V., VIII. (XIL, XIII.) Buch in Betracht *). 
Hier liegt überall die Verschmelzung der Nerosage mit der Sage 
vom Antichrist vor (vgl. hierzu Zahn, Z. f. E. W. u. E. L. 18S6. 
32—45, 77—87, 337—52). Die Hauptstellen werden weiter 
unten alle besprochen werden. 

Zu erwähnen ist hier endlich noch ein Stuck der visio 
Jesaiae. Kap. 3 ') (etwa von 3 23 an) und Kap. 4 erscheint 
hier eine Apokalypse vom Antichrist eingesprengt, die deshalb 
vor allem interessant ist, weil in ihr in eine altere deutlich er- 
kennbare apokalyptische Überlieferung das Bild von dem Nero 
redivivus erst eingetragen ist, wie ebenfalls weiter unten nach- 
gewiesen werden wird. 

Im Anschluss an das ausgeführte möge hier noch ein An- 
hang über die in das erwähnte ßtßXiov KXrjfievrog eingesprengte 
Apokalypse vom Antichrist folgen. Neuerdings ist nämlich in 
den Text and Studies II. 3, p. 151 ff. in lateinischer Sprache 
ein apokalyptisches Fragment veröffentlicht, welches eben die 
alte im BifiX. KXr^fi. benutzte Quelle zu repräsentieren scheint. 
Die offenbar spätere ausführliche Schilderung der Verderbnis der 
Kirche vor dem Kommen des Antichrist B.-K. 8133—8238 stellt 
sich durch die lateinische Parallele nunmehr als Zusatz heraus 
und so erhalten wir wieder eine verhältnismässig alte Quelle. 

Es heisst zum Schluss in dem lateinischen Fragment : Dexius 
erit nomen antichristi. James vermutet p. 188 hier den Namen 
Decius. Es spricht viel für diese Vermutung, nur steht der eine 
schwerwiegende Grund dagegen, dass mit dem Antichrist auch 
in dieser Apokalypse (vgl. B.-K.) wie in allen übrigen kein 
römischer Kaiser ursprünglich gemeint sein wird. Doch könnte 
der Satz immerhin eine spätere Glosse sein, und diese würde 
dann bezeugen , dass unsere Apokalypse schon zur Zeit des 
Decius existiert habe. 

Jedenfalls ist die Apokalypse noch zu Zeiten der Christen- 
verfolgung geschrieben, wenn wir — was doch grosse Wahr- 
scheinlichkeit für sich hat — das Stück B.-K. 81i5ff. ihr zuweisen 
dürfen. 

iy€Q&7]0€tai de vuxi iv rij dvoei ßaaiXevg aXX6<pvXoq . . . . 



1) genaueres hierüber weiter unten. 

2) in der Ausgabe von Dillmann, S. 15 ff. 



54 

liiotjjv rovg rciorovg, dtolxTrjg . nvQievoei de mal i%h(Sy ßaq- 
ßd$<t)v xai btxwel eSpcrta nolXa .... Hoxat, di hr näajj 
**6Xu %al hr navxl xoittp aQ7tayi} %al imdQOfiij Xtjotwv %ai 
bL%vaug alfidrwv. 

Gerade auf Decius würde diese Schilderung sehr gut passen. 

Darauf, dass hier eine altere Quelle vorliegt, lassen auch 
die auffalligen Berührungen mit einigen eschatologischen Partieen 
Ton IV. Esra schliessen. 

• et sonus et yoz et *) maris Esra V. 7. mare Sodomiticum 
bullitio. . • dabit yocem noctu. 

• et in terra erunt monstrua '. V. 8. et bestiae agrestes 
draconum generatio de homines transmigrabunt regionem suam, 
similiter et serpentium. et mulieres menstruatae parient 

monstra. 
et moz nubserit femina, pariet VI, 21. et anniculi infantes lo- 
filios dicentes sermones per- quentur vocibus suis, et praeg- 
fectos. nantes immaturos parient infan- 

tes trium et quattuor mensium. 



Eine ganz gesonderte und erst hier am Schluss möglich 
gewordene Untersuchung erfordert die erst seit kurzem bekannt 
gewordene Apokalypse des Zephanja. Aus dieser liegen eine 
Reihe von Fragmenten in sahidischem, wie in untersahidischem 
Dialekt vor, welche zwei Recensionen einer Schrift repräsen- 
tieren, wie aus der Vergleichung der teilweise parallel laufenden 
Fragmente hervorgeht. Geordnet und übersetzt sind die Frag- 
mente von Stern, Zeitschrift f. ägyptische Sprache 1886, p. 115 ff. 
Für unsere Untersuchung kommt das fünfte und sechste Frag- 
ment (p. 122 ff.) in Betracht 

Die Zeit der Zephanjaapokalypse ist nicht leicht zu be- 
stimmen. Zwar wird diese Schrift schon von Clemens Alex. *) 
citiert Aber das Citat, das dieser bringt, welches stark an die 
Ascensio Jesaiae erinnert, findet sich in unsern Fragmenten nicht *). 

1) ich citiere nach der etwas ausführlicheren lateinischen Über- 
lieferung. 

2) ygl. die Stelle bei Fabricius cod. pseud. vet. test. I, 1140. 

3) man vergleiche übrigens den starken Anklang an die Ascensio . » 
am Ende des vierten Fragments, p. 122. 



55 < 

Und selbst wenn es sich wiederfände, so könnten wir doch von 
vornherein mit einiger Sicherheit vermuten, dass die von Clemens 
citierte Schrift nur in einem stark überarbeiteten Zustand auf uns 
gekommen ist. Alle bisherigen Beobachtungen, ja schon ein 
Vergleich der beiden Becensionen der Z.-A. lehren das. 

Stern S. 135 weist die Fragmente nach Sprache und Inhalt 
dem vierten Jahrhundert zu. Damit hatten wir einen gewissen 
terminus ad quem für den Ansatz der beiden Redaktionen zu 
Grunde liegenden Schrift gewonnen. Weitere Zeitbestimmungen 
sind dann nur noch dem Anfang des fünften Fragments zu ent- 
nehmen. Allerdings differieren hier die beiden Becensionen stark. 
Die Ausführungen über den Kampf der persischen und assyri- 
schen Eonige in der letzten Zeit mit ihren fabelhaften Phantasieen 
finden sich nur in der sahidischen, nicht in der untersahidischen 
Recension. Aber einen charakteristischen Zug haben beide Be- 
censionen gemeinsam. Unmittelbar vor dem Erscheinen des 
Antichrist schildern beide — allerdings auch hier mit grossen 
Differenzen — die Regierung eines friedenschaffenden, dem 
Christentum günstig und dem Heidentum feindlich gesinnten 
Herrschers. Die bisher untersuchte Geschichte der Sage vom 
Antichrist giebt uns den Schlüssel zu dieser Stelle. Nur noch 
halb verstanden, mit phantastischem Beiwerk überwuchert, finden 
wir hier den charakteristischen Zug der Sage, der ihr in der 
Zeit der ersten christlichen Kaiser hinzugefügt (s. o. S. 38) 
wurde 1 ). Danach fällt auch die Grundschrift der Zephanja- 
apokalypse, wie sie uns jetzt vorliegt, frühestens in die zweite 
Hälfte des vierten Jahrhunderts, vielleicht müsste man dann 
mit den beiden Redaktionen noch etwas weiter hinaufgehen als 
Stern wilL 

Unmittelbar vor jener Schilderung des Friedenskönigs findet 
sich in der sahidischen Recension folgender Satz: 

»Und wenn sie im Norden einen König sich erheben sehen, 
so werden sie ihn den assyrischen König und den König der 
Ungerechtigkeit heissen. Er wird seine Kriege über Ägypten 
viel machen und seine Wirren«. 



1) nach der Zeph. -Apok. soll der Antichrist im vierten Jahr des 
frommen Herrschers kommen, während sonst 12 Jahre als Zeit seiner 
Herrschaft angegeben werden. 



56 

Dieses Stück erinnert sehr an Lactanz Vll, 16. Hier wie 
dort ist von einem speciellen Vorläufer des Antichrist die Bede, 
hier wie dort wird dieser ein König aus dem Norden genannt. 
Aus Syrien kommt allerdings bei Lactanz der zweite König. 

S. 124 findet sich in der untersahidischen Recension allein, 
— jedoch kann nicht behauptet werden, dass dies Stück in 
der sahidischen Recension nicht gestanden hatte, — eine recht 
singulare Schilderung der Wiederkunft Christi: 

»Der Christ, wenn er kommt, kommt in Gestalt einer Taube 
mit einem Kranz von Tauben um sich, auf den Wolken des 
Himmels schwebend mit dem Zeichen des Kreuzes vor sich her, 
welchen 1 ) die ganze Welt schauen wird, gleich wie die Sonne 
leuchtend von den Gegenden des Aufgangs bis zu den Gegenden 
des Untergangs«. 

Auch dieses phantastische Bild mahnt uns, mit dem Ansatz 
für unsere Schrift nicht allzuweit hinauf zu gehen. Bildliche Dar- 
stellungen dieser apokalyptischen Phantasie lassen sich in spaterer 
Zeit nachweisen. Nach einem dieses beschreibenden Gedicht 
des Paulinus von Nola hat F. Wickhoff (römische Quartalschrift 
1889) das Apsismosaik von St. Felix in Nola rekonstruiert; hier 
sehen wir das Kreuz in der Luft erscheinen, umgeben von einem 
Kranz von Tauben (auf Christus mit den zwölf Aposteln ge- 
deutet). Auch das Apsismosaik von St. demente in Rom (de 
Rossi mus. Christ, tav. VII, VUE)*) weist ähnliches auf. 

Mit den übrigen Schriften, die wir besprochen haben, zeigt 
Z.-A. die mannigfachste litterarische Verwandtschaft, so in der 
Beschreibung der Wunder des Antichrist mit Ps.-Methodius, in 
der Schilderung der letzten Zeiten des Antichrist (p. 128) und 
an manchen andern Stellen mit dem Ephraemschen Schriften- 
kreis, in der Schilderung der glücklichen Zeit vor der Herrschaft 
des Antichrist stimmt Z.-A. mit Ps.-Joh., Adso und den übrigen 
in Betracht kommenden Schriften überein. 

Vor allem bemerkenswert aber ist, dass die Schilderung des 
Antichrist (p. 125) in nächster litterarischer Verwandtschaft steht 



1) sollte man das Relativem nicht auf das Kreuzeszeichen be- 
ziehen können? Ich werde weiter nnten die Parallelen aus Ephraem 
zeigen, welche diesen Gedanken. nahelegen. 

2) die Angaben verdanke ich einer gütigen Mitteilung meines 
Kollegen Herrn Dr. Achelis. 



57 

zu einer Reihe weiter unten noch ya besprechender jüdischer 
Apokalypsen. Namentlich die im Bet-ha-Midrasch (s. u.) sich fin- 
dende Apocalypsis Eliae zeigt überraschende Parallelen. Es wären 
in dieser Schrift überhaupt einmal die vielen älteren in sie ver- 
arbeiteten Bestandteile zu untersuchen. Ausserdem finden sich 
viele originelle und archaistische Züge in der Z.-A., welche an 
ihrer Stelle besprochen werden sollen. Und so bleibt die Ver- 
mutung allerdings nicht ohne Halt, dass hinter dieser saudischen 
Z.-A. eine viel ältere Schrift steht, welche wahrscheinlich jüdi- 
schen Ursprungs war. — Findet sich doch auch die Zephanja- 
apokalypse, wie die Visio Danielis, die Ascensio (Visio) Jesaiae etc. 
in einer Beihe von Kanonsverzeichnissen unter den alttestament- 
lichen Apokalypsen. 



Schwierig ist es endlich, auch nur annähernd über die mit 
diesem Gegenstand sich beschäftigende Litteratur der Kirchen- 
väter'einen Überblick zu geben. Ich verweise auf die genauen und 
wertvollen Zusammenstellungen in Malvendas de antichristo, 
p. 2 ff. l ). Ich beschränke mich hier auf das allerwichtigste. 

Von den Kommentaren zur Johannesapokalypse kommt hier 
vor allem der schon in der Einleitung erwähnte Kommentar des 
Victorin in Betracht. Dieses Werk ist überhaupt wegen seiner 
urwüchsigen und archaistischen Exegese von allerhöchstem Inter- 
esse. Die späteren lateinischen Kommentare sind sämmtlich von 
der spiritualisierenden Exegese des Ticonius abhängig, und so 
findet man bei ihnen nur gelegentlich und zerstreut realistische 
Züge, welche aus der Tradition vom Antichrist stammen. Wert- 
voll ist auch der Andreaskommentar (und der von diesem ab- 
hängige Kommentar des Arethas). In diesem ist eine Menge 
sehr wertvollen Materials enthalten, das sich vielfach mit der 
von Ephraem ausgehenden Überlieferung berührt (vgl. die Deu- 
tung von Gog und Magog auf die Hunnen). In dem späteren 
Kommentar des Beatus findet sich ein besonderes Stück 443 ff. : 
»qualiter cognoscatur antichristus«. 



1) ieb bemerke hier, dass ich in der Herbeischaffang der Kirchen- 
yfttercitate an sehr vielen Stellen durch die Nachweise Malvendas 
nnterstüzt bin. 



58 

* Ferner hat man in den Danielkommentaren zu Buchen, 
-namentlich in den Auslegungen zum 7., 11., 12. Kapitel, vor allen 
kommen hier die Kommentare des Hieronymus (s. oben S. 40) und 
Theodoret in Betracht. Viel Stoff findet sich auch in den Kom- 
mentaren zu II. Thessal. 2 (ich nenne den Ambrosiaster Pelagius 
Chrysostomus Theodoret Theophylact; zu Matth. Kap. 24 (und 
den entsprechenden Lukaskapiteln) Hilarius Ambrosius Chry- 
sostomus, auctor operis imperfecta in Matth. (bei Chrysostomus) 
-Euthymius; zu Joh. 548. Ghrysostomus Theophylact Euthymius; 
zu Gen. 49 (resp. Dt. 32) Ambrosius Eucherius. 

Ferner finden sich grössere zusammenhangende Ausführungen, 
namentlich noch Lrenaeus adv. haereses lib.V. 28 ff. (die Ausführungen 
berühren sich an vielen Stellen mit Hippolyts de antichristo (über 
diesen s. oben S. 15) ; Hieronymus ep. ad Algasiam (121) quaestio 11 ; 
Prosper Aquitanicus? de promissionibus et praedictionibus IV, 
4 — 16; Theodoret haeret. fabulae üb. V; (s. den Abschnitt 23 
rceqi zov avzt%qiazov) Joh. Damascenus üx&eois t. oq&oö. 
ftloretog IV, 27. Zu vergleichen sind auch noch die unter 
den Werken des Athanasius (Migne 28) sich findenden quaestiones 
ad Antiochum ducem. — Besonders wichtig sind dann aber 
noch einige mittelalterliche Quellen, in erster Linie die 
Weissagungen der heiligen Hildegard (vgl. Scivias lib. HL 
Migne 196), weniger die revelationes s. Birgittae. Dann ist hier 
vor allem das Elucidarium (Migne 172) des Honorius von Autun 
zu nennen, in welchem ähnlich wie bei Adso und wohl in Ab- 
hängigkeit von diesem die Tradition über den Antichrist ge- 
sammelt ist. Ober Honorius von Autun und seine bedeutsame 
litterargeschichtliche Stellung hat man E. H. Meyers »Völuspa«, 
p. 41 ff., zu vergleichen *). Endlich sind hier etwa noch die zu- 
sammenhangenden Ausführungen in Hugos Eterianus liber de 
regressu animarum ab inferis Kap. 24 f. zu erwähnen (Migne 202, 
p. 168 ff.)« Es soll hier übrigens betont werden, dass ich auf 
Vollständigkeit in dem Nachweise der Quellen zur Geschichte 
der Antichristsage in der Zeit*) des Mittelalters vor der Hand 
verzichte. Die Untersuchung würde sonst zu sehr anschwellen. 



1) auch Zezschwitz p. 28 und Anm. 41. 

2) viele Notizen finden sich noch bei Zezschwitz, Tgl. namentlich 
p. 26 ff. die Angabe über das deutsche Gedicht vom Endchrist. 



59 

Auch ohne eine weitere Ausdehnung der Untersuchung nach 
dieser Richtung überschauen wir in den besprochenen Quellen 
einen ganz beträchtlichen Zeitraum. In den ersten beiden Ab- 
schnitten führten uns die teilweise bis ins 11. und 12. Jahr- 
hundert hinabreichenden Quellen auf die Werke Ephraems zurück. 
Der dritte und vierte Abschnitt zeigt besonders die Entwickelung 
der apokalyptischen Erwartung in der byzantinischen Kaiser- 
geschichte, während der fünfte weit über Ephraem hinüber bis 
auf die Zeiten des Commodian, Lactanz, Victorin, des Hippolyt 
und Irenaeus hinauffuhrt. Ein Überblick über die Litteratur der 
Kirchenväter zeigt die enorme Ausdehnung des Einflusses der 
Tradition vom Antichrist auf die altchristliche Litteratur. Man 
kann sagen, dass im ersten Jahrtausend der Geschichte des 
Christentums dessen eschatologische Erwartungen nicht von der 
Johannesapokalypse bestimmt waren, sondern von unserer 
Tradition. 

Über das zweite* Jahrhundert hinauf reichen unsere Quellen 
noch nicht. Bei den apostolischen Vätern und Apologeten findet 
sich zu wenig eschatologisches. — Aber bereits hat sich uns der 
Ausblick auf eine hinter der Tradition einzelner Barchenväter 
liegende jüdische Überlieferung eröffnet, auch auf einige Be- 
rührungen der Tradition mit dem IV. Esra ist bereits aufmerksam 
gemacht (s. oben S. 54). und diese Beobachtung führt uns ja, 
wenn sie sich bestätigen sollte, direkt in die neutestamentliche 
und vorneutestamentliche Zeit hinauf. Es wird an der Zeit sein, 
den Spuren der Antichristsage im Judentum nachzugehen. 

vm. 

In erster Linie kommt hier die sibvllinische Litteratur und 
vor allem das Stück Sib. HI, 46—91 in Betracht. Auf Grund 
einer Reihe von Parallelstellen mit dem 8. Buch setzt Alexandre 
die Zeit desselben nach der des achten Buches an und urteilt 
überhaupt, dass das betreffende Stück aus allen möglichen Stellen 
der sibyllinischen Litteratur zusammengesetzt sei. Einen Grund 
für seine Behauptung erbringt er nicht, eine einfache Vergleichung 
der beiden messianischen Schilderungen III, 46 ff. und VIII, 
169 f. zeigt deutlich, dass die Priorität sich auf Seiten unseres 
Stückes befindet. Es ist umgekehrt zu urteilen, das wir in vor- 
liegendem Stück eines der frühesten der sibyllinischen Litteratur 



60 

zu aehen haben. Wenn die Sib. anfängt: „cclzciq irtü 'Paipri 
xai uilyinxov ßdailevaei" und darauf von drei Herrschern 
Roms die Rede ist (51 f.)» spater von einer Witwe, die über die 
Welt herrscht (77), so sind doch deutlich hier die Zeiten 
des Antonius und der Cleopatra *) gezeichnet. Im zweiten Jahr« 
hundert, in das man wegen der drei römischen Gasaren hinab- 
gehen müsste, hat die Bemerkung, »wenn aber Rom einst über 
Ägppten herrschen wird« keinen Sinn mehr. Sib. V. 18 wird 
neben dem Caesar ebenfalls die Cleopatra erwähnt. 

In ihrer zweiten Hälfte enthält die Sib. einen kurzen Bericht 
vom Antichrist und dem Weltuntergang. Er wird hier Beliar 
genannt, und Schwierigkeit bereitet nun allerdings die Wendung, 
dass dieser Beliar „ex ZeßaovrjVtov" kommen solle. »Von den 
Nachkommen 'der Sebasten« — es scheint, als wenn diese Wen- 
dung erst nach der Regierung des Augustus möglich sei. Doch, 
da alles übrige in dem betreffenden Stück mit so grosser Deut- 
lichkeit in die Zeit vor Augustus weist, so lässt sich hier doch 
einfach behaupten, dass der Titel aeßaarög für den römischen 
Herrscher dem Orientalen von Anfang an selbstverständlich war, 
und dass man hier schon vor Augustus von den aeßaaroi reden 
konnte. Die Sib. erwartet also den Antichrist aus dem Ge- 
schlecht der römischen Herrscher. Es liegt hier also schon eine 
politische Umdeutung der Sage vom Antichrist vor, ursprünglich 
hatte Beliar, wie weiter unten nachgewiesen werden soll, nichts 
mit einem römischen Kaiser zu thun. — Man sieht ferner, dass 
diese Umdeutung der Gestalt des Antichrist auf einen römischen 
Herrscher gar nicht erst während oder nach Lebzeiten des 
Nero erfolgte, sondern bereits viel früher. Von hier aus wird 
uns dann auch das Rätsel klar, dass nach Sueton 40 diesem 
schon zu Lebzeiten die Herrschaft über den Orient, ja speciell 
über das jüdische Reich geweissagt war. Es liegt eine sibyllinische 
Weissagung vor: der Antichrist soll Nero sein, und dieser wird 
in Folge dessen — wie jener — als König der Juden gedacht *). 
Christliches findet sich in Sib. III, 45 ff. nicht. Im Gegenteil, 
es lässt sich die jüdische Abstammung des Stückes aus den 
Versen 691 sicher stellen, so dass auch von dieser Seite her 
unser Ansatz gesichert ist. 

1) vgl. Friedlieb Prolegomena. 

2) vgl. Zahn, Z. K. W. K. L. VII, 337. 



61 • 

Die politisch umgedeutete Beliarapokalypse deutet auf eine 
vor ihr liegende Quelle, in welcher diese TTmdeutung noch nicht 
erfolgt war. 

Eine solche Schilderung des Beliar, wie wir sie postulieren 
können, liegt nun Sib. II, 167 f., allerdings stark verkürzt, vor. 
Dass zwischen diesen beiden Stellen 1 ) ein litterarischer Zu- 
sammenhang obwaltet, zeigt eine Vergleichung der beiden Schil- 
derungen vom Weltbrande III, 80—92, II, 196—213. Die ur- 
sprüngliche Fassung der Beliarsage liegt, wie wir sehen, in 
Sib. II vor. Freilich auch hier nicht rein. Denn dieses Stück 
hat — das wird sich nicht leugnen lassen — eine christliche 
Umwandlung durchgemacht (vgl. V. 168. 170. 178—182). Aber 
dass hier ursprünglich eine jüdische Sibylle zu Grunde gelegen 
hat, wird sich ebensowenig leugnen lassen. Denn durchaus 
jüdisch ist vor allem die Erwartung der Rückkehr der zehn 
(zwölf) Stamme 170 f. Die dunklen Verse 174 f. finden nur in 
spätjüdischer Tradition ihre Erklärung. Ungewöhnlich ist auch 
bei der Annahme christlicher Herkunft die Schilderung des 
einen Vorläufers des Thesbiten Elias 187 ff. ; auch die erwähnten 
TQiaoa arjfiara 188 werden vielleicht in jüdischer Tradition ihre 
Erklärung finden. 

Wir gehen weiter. Es ist von Friedlieb mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit nachgewiesen *), dass die Stücke Sib. I, 1 — 323, 
II, 6 — 33 eine ursprünglich jüdische Weissagung bilden, in der die 
Sibylle die Geschicke der zehn Geschlechter der Menschen von 
Anfang bis zum Ende weissagt. Der Sibylle fehlt das Ende. 
Ich behaupte nun, dass dieses in unserm Stück II, 154 — 213 
ein wenig überarbeitet vorliegt. Denn in der vierten Sibylle 
heisst es nach der Schilderung des Weltgerichts 47 : aXXä rä fiiv 
deAaTT] yevefj pala navca xtküxat * vvv <? og aito nqojxrjq yeveijg 
Xaxai rade XiSio. Die vierte Sibylle ist eben einfach eine Nach- 
ahmung einer älteren, in der das Geschick der zehn Geschlechter des 
Menschen bis zum Gericht geschildert war. Das beweist deutlich 
die im folgenden sich findende gezwungene Harmonisierung der 
Annahme von zehn Geschlechtern (V. 50. 55) und vier Welt* 



1) es kommt das Stück Sib. II, 154—213 in Betracht. 

2) Oractda Sibyllina XX. völlig richtig ist gesehen, dass die christ- 
lichen Interpolationen mit I, 824 und II, 34 beginnen. 



62 

reichen. — Ebenso deutlich spricht Sib. VÜI, 199. Hier 
heisst es : 

a)X oftov av dexorn] yeveij 66pov "Aidog eloco 
und dann folgt die Schilderung der Herrschaft eines Weibes, wie 
sie am Ende der Dinge auch Sib. m, 77 geschildert wird. Dass 
hier der Weltuntergang nach dem zehnten Geschlecht erwartet 
wird, kann an dem Resultat nicht irre machen. Dieses mag 
auch in der Sib. I, H zu Grunde liegenden Quelle erst nach 
dem zehnten Geschlecht geschildert sein. Auch redet Sib. IV, 20 
von einem eilften Geschlecht der Menschen. 

Kurz mögen hier auch die Stellen besprochen werden, in 
denen vom Regiment eines Weibes am Ende der Welt die Rede 
ist. Es heisst Sib. III, 77: 

ev& 9 bnov av VLoapov narcog XVQ 7 ! ß^ailevaij 

Vm, 200: 
xHiXvreQTjg fierifteira yiiya v^drog * fj m /xc/.a rcoU-c 
avErfoei d-eog avrdg, ox av ßaoiltjida TifAtjv 
aveipccfiivri Tevv%rj. 

Soll hier nur die Cleopatra beschrieben werden ? Oder liegt 
hier die Ausdeutung einer älteren geheimnisvollen Weissagung 
von der Herrschaft eines mächtigen Weibes am Ende der 
Tage vor? 
- - Auch Sib. V. 18: - 

„rjdi ywainog adovXiLTOv iftl y.vua Tceooiarig" 
ist die Schilderung der Cleopatra ins übermenschliche dämonische 
verzerrt. 

Von hier scheint die Erwartung der Herrschaft eines Weibes 
auch in die griechische Danielapokalypse eingedrungen zu sein 
{s. oben S. 431). 

Ich wage nur zaghaft hier eine Vermutung auszusprechen. 
Wenn der Antichrist, wie weiter unten nachgewiesen werden wird, 
die Vermenschlichung der alten Gestalt des Drachen bedeutet, 
sollte dann in diesem Weibe {sni %vyia neaoiar^g) nicht eine 
Erinnerung an dasselbe ursprünglich weiblich gedachte Meer- 
ungeheuer sich erhalten haben? Auch an die Hure Babel, die 
auf den grossen Wassern sitzt, kann hier gedacht werden. 

Von hier fällt nun ein neuer Lichtstrahl auf die bei Beda 
erhaltene Sibylle (s. oben S. 28). Auch hier wird im Anfang 
•ein Überblick über die Generationen der Menschen gegeben. Wie 



63 

es kommt, daas aus den zehn Geschlechtern hier neun geworden 
sind, vermag ich allerdings nicht zu erklären. Aber, wenn wir 
dann das entschieden spätere Stück in der Mitte entfernen, so 
schliesst sich an jene Ausführung eine Weissagung vom Anti- 
christ und den letzten Dingen an. So schliessen sich die Glieder 
einer Kette *) litterarischer Oberlieferung zusammen, die etwa ein 
Jahrtausend umspannt. 

Zu der besprochenen Litteratur sind dann noch einzelne 
Stücke des Sibyllinus zu vergleichen. So die Schilderung des 
Weltendes IV, 172 ff. (V, 288 ff.); V, 376 f.; VII, 118; VIH, 15. 
203 ff., namentlich aber das schon Lactanz bekannte Akrostichon 
Vm, 217 ff. und VIII, 337 ff., ferner alle Stellen, die von dem 
wiederkehrenden Nero handeln (s. oben S. 53). 

Zum Schluss mag noch erwähnt werden, dass die christliche 
Bearbeitung von II. Sib. in der Schilderung der Hölle eine innige 
Verwandtschaft mit der älteren Petrusapokalypse zeigt. Und in 
dieser Gestalt hat dann, wie weiter unten ausgeführt wird, die 
Sibylle ihren Einfluss bis in die Eddadichtung hinein erstreckt. 

Von jüdischer Litteratur kommen hier dann weiter einige 
Stücke des IV. Esra- und Baruch-buches in Betracht. Nament- 
lich die sich im IV. Esra lose an die drei ersten Hauptvisionen 
anschliessenden Berichte von den Zeichen der letzten Zeit gehören 
hierher *). Deutlich ist hier im Anfang von V, 1 ff. vom Unter- 
gang des römischen Reiches die Bede. Und dass mit der Weis- 
sagung »regnabit, quem non sperantc der Antichrist gemeint sei, 
wird unten nachgewiesen werden. Auch wird auf manche Be- 
rührung mit den sonstigen Schilderungen der Vorzeichen des 
Endes aufmerksam gemacht werden. Ich verweise auch auf 
Esra V, 4 = Sib. VIII, 203 ; VI, 21 - Sib. II, 155 »). Ferner 
ist IV. Esra 13 hier heranzuziehen, Baruch Kap. 36—40, Kap. 27 
(48 S4), Kap. 70. 



1) vielleicht las auch Esra XIY, 11 (nach der aeth. Yen.) decem 
enim partibus dispositos est mundus. 

2) V, lff.; VI, 20ff. 

3) ygl. dazu oben die Parallelen zwischen IV. Esra and BißZtov 
KXfjfi. — Sib. II, 155 eto. geht übrigens wahrscheinlich bis auf Hesiod 
zurück; vgl. Dieterich Nekyia, p. 184 (Anm. 2), Sib. n, 165 f. und das 
Ägypterevangelium bei Clem. Alex. Strom m, p. 445. Den sonstigen 
Ausführungen Dieterichs über Sib. II kann ich nicht zustimmen. 



• ! 



64 

# In dem Testament XIL Patr. werden wir aus Gründen, die 
erst weiter unten ausgeführt werden können, namentlich unser 
Augenmerk auf das Testamentum Dan zu richten haben. Leider 
ist an der in Betracht kommenden Stelle der Text in stark ver- 
dorbenem Zustand überliefert. Von der ascensio Jesaiae ist 
bereits die Bede gewesen (s. oben S. 54). Ich glaube beweisen 
zu können, dass das hier (Kap. 3 und 4) eingesprengte Stück 
jüdischen Ursprungs ist. Nähere Ausführungen folgen weiter 
unten. 

IX. 

Es kann hier nur kurz darauf hingewiesen werden, dass in 
unmittelbarer Verbindung mit der Sage vom Antichrist auch die 
Entwickelung der späteren jüdischen Apokalyptik sich vollzogen 
hat. Ich überlasse hier Kundigem gern das Feld und beschranke 
mich auf einige Andeutungen, welche keinen Anspruch auf Voll- 
ständigkeit machen. 

Schon oben ist auf einen Zug der späteren jüdischen Apo- 
kalyptik hingewiesen, welcher z. B. Commodian beeinflusst hat: 
die Erwartung der Bückkehr der zehn Stämme Israel. Diese 
gehört zu der ältesten Schicht der in Betracht kommenden apo- 
kalyptischen Überlieferung. Sie findet sich bereits Esra 13s4fF. 
Schon hier wird berichtet, dass die zehn Stämme unter öottes 
wunderbarem Beistand über den Euphrat-Fluss in ein gan fernes 
Land ziehen und von dort zurückkehren werden. Dieselbe Fabel 
findet sich wieder in Commodians carmen apologeticum. Dort 
wird Gott gegen den zweiten Antichrist ein Volk herausführen, 
von dem es heisst 942: 

sunt autem Judaei trans Persida flumine clausi, 

quos usque in finem voluit Deus ibi morari, 

Daran schliesst sich schon eine ausführliche Schilderung von 
dem herrlichen Wunderleben, das die Israeliten dort führen. 

Ebenso wird noch in den Othoth ha - Maschiach (über diese 
s. weiter unten) als zehntes und letztes Zeichen des Endes (nach 
dem Erscheinen des Messias) der Heimzug der zehn Stämme 
Israels von dem Fluss Gosan aus der Landschaft Chalach und 
Chabor in glühenden Farben geschildert. Dass die zehn Stämme 
hinter einem grossen Flusse wohnen, ist also ebenfalls alte Sage* 
Daraus entstanden dann später in der rabbinischen Tradition 



65 

ungeheure Fabeleien über den Fluss Sabbation (Eisenmenger II, 
533 ff.) i). 

Ganz kurz ist von der Rückkehr der zehn Stamme und 
ihren Siegen auch in Sibyll. II, 170— 176 die Rede. Die Stelle ist 
jedoch wichtig; es scheint nach dem schwer verständlichen Text, 
als wenn der Sieg der zehn Stämme nicht endgültig sein wird, 
sondern diese wieder von den Heiden besiegt werden sollen. 

So gewinnt übrigens die Sage von den zehn Stämmen eine 
grosse Ähnlichkeit mit denjenigen von Gog und Magog. Daraus 
erklärt sich denn auch, dass bei christlichen Schriftstellern des 
Mittelalters eine Verschmelzung eintritt. So hebst es in der 
Chronik des Gottfried v. Viterbo (XI): Alezander Gog et Magog 
aeternaliter conclusit . undecim tribus Hebraeorum montibus 
aeternaliter circumcinxit (mehr hierüber ist nachzusehen bei Mal- 
venda I, 571). 

Daneben ist eine andere, spätere Tradition zu erwähnen, 
nämlich die Annahme eines doppelten Messias, eines im Kampfe 
unterliegenden und sterbenden, und eines siegenden. Auf die An- 
nahme eines leidenden und sterbenden Messias wird man durch 
Disputationen mit den Christen geführt sein, solche Stellen wie 
Sach. 12 10 ff. schlugen wahrscheinlich durch. Justin kennt von 
diesen Spekulationen (Dialogus cum Tryphone) noch nichts, und 
da er mit den jüdischen Theologumenen sehr vertraut ist, so hat 
dies argumentum e silentio Gewicht. Die Zeitgrenze nach oben 
wird für dieselben dadurch festgelegt, dass eine ganz bestimmte 
Deutung von Sach. 12io auf den Messias ben Joseph sich schon 
im Jerusalemischen Thalmud findet 1 ). 

Wie kam man darauf, nun gerade einen Messias ben Joseph 
oder ben Ephraim anzunehmen ? Ich vermute : infolge der schon 
vorliegenden Sage von der Rückkehr der zehn Stämme aus dem 
Volk Israel. Der Messias ben Joseph ist der Führer der zurück- 
kehrenden zehn Stämme. * So wird er in dem späten Werk 
Mikw6h Israel fol. 47. 48 in der That geschildert (Wünsche 
115 f.). 



1) über das hier erwähnte Buch des Daniten Eldad (1238) Mal- 
▼enda II, 206. Die Grandlage su diesen Fabeleien schon Josephus 
B. J. Tu, 24. 

2) Wunsche, Leiden des Messias 110 ff. . - 

Boun«t, dar Antleliiiit. D 






66 

,0b damit freilich die Entstehung des messianischen Doppel- 
gängers zur Genüge erklärt ist, ist noch die Frage« 

Ich möchte hier nur die Frage streifen, ob nicht das in der 
christlichen Apokalyptik weit verbreitete Bild von den xwei 
Zeugen und dieses von den beiden Messiassen auf eine gemein- 
same Quelle zurückführt, die freilich noch hinter dem Judentum 
zu suchen ist. Wie Victorin in seinem Kommentar die beiden 
Propheten (Apok. 11) die Adlerflügel des Weibes nennt» so 
heisst es Jalkut chadasoh foL 132 (bei Wünsche 114): Seine 
(Israels) beiden Flügel werden sein die beiden Messias, der 
Messias ben Joseph und der Messias ben David. 

Um auf die weitere Entwickelung des Sagenkreises zurück- 
zukommen: Jener Messias der zehn Stämme musste nun leiden 
und unterliegen. Als diejenige Macht, welche ihn überwinden 
sollte, scheint man Gog und Magog 1 ) angenommen zu haben. 
So liegt die Überlieferung vor in der Haggada des Messias bei 
Jellinek Bet ha-Midrasch IH, 141 1 *) und in der Pesikta sutarta 
fol. 58, 1. (12. Jh. Schürer I, 103) und ist in Schdttgens Messias 
Judaeorum übersetzt *). Andere Zeugnisse für diese Überlieferung 
sind einzusehen bei Wünsche 117. 

Erst in diesem Stadium beginnt nun von neuem die Be- 
einflussung dieser jüdisch-apokalyptischen Tradition durch die 
Tradition vom Antichrist. 

Diejenige Gestalt, die nun im Vordergrund der neuen apo- 
kalyptischen Gebilde steht, ist die des Armillus. — Armillus 
ist die hebräische Form für Pwpvlog (Romulus). Schon der 
Name ist bezeichnend: in der jüdischen .Überlieferung hat sich 
die politische Wendung der Antichristsage, die in der christlichen 
verschwand, lebendig erhalten. Der Romer — das Reich Edoms, 
die Kinder Esaus, die Herrschaft Sammaels — blieb der grimmige 
Erbfeind des Judentums, namentlich auch seitdem das Römer- 
reich christlich geworden war. Die antichristliche Macht, der 
Antichrist ist Romulus = Armillus. 

Eine Spur von dieser jüdisch- apokalyptischen Anschauung 



1) über den Einfluss der Alezandersage an diesem Punkt s. 
Wünsche 117. 

3) Jellinek erklärt dies Stück für eines der ältesten (m, XXVEI). 
Abhängig scheinen die Pirke de Messias, HE, 68—78 zu sein. 

8) deutsche Obers. Leipzig 1748. S. 163 ff. 



67 . 

/ 

findet sich, wie oben bemerkt ist, schon im lateinischen — nicht 
im griechischen — Text des Methodius-Buches, wo es ausdrüok- 
lieh heisst: Bomulus, qui et Armaeleos. 

Die hier in Betracht kommenden Schriften sind nun fol- 
gende: 1) die Geheimnisse des Simon ben JochaL Jellinek HI, 
78 ff. (Übersetzung der Hauptstelle bei Wünsche 120). Graetz 
hat die Apok, in seiner Geschichte der Juden V. 191 ff. be- 
sprochen* Sie ist demnach in der Zeit des Sturzes der Ommajaden- 
herrschaft geschrieben und schildert deutlich die Begierungszeit 
Merwans II. 2) ein in dem Midrasch Yajoscha l ) zu ExodL 14 av 
15 1 — 8 (Jellinek I, 35 ff.) am Ende (ib. 56) sich findender, sehr 
verwandter eschatologischer Abschnitt vom Antichrist und den 
beiden Messiassen. 3) die Othoth Ha-Maschiach. Jellinek II, 
58 ff. (aus dem bD*n npafit ed. Amsterdam) übersetzt bei Eisen* 
menger II, 703 ff. 4) der Sepher Serubabel. Jellinek II, 54 ff., 
welcher, da er die Zeit von der Zerstörung des Tempels bis zum 
Ende auf 990 (970) Jahre angiebt, spätestens im 11. Jahrhundert 
geschrieben sein wird. Die letzten drei genannten Bücher haben, 
wie es scheint, eine gemeinsame Geschichte gehabt. Sie erschienen 
schon im Jahre 1524*) zusammen in Konstantinopel (N. 2 u. 3), 
allerdings nach den Proben, die Eisenmenger II, 708 ff. anführt, 
in beträchtlich anderer Becension. 

In den Geheimnissen des Simon und in den Zeichen des 
Messias beginnt die eigentliche Zukunftsweissagung mit der Ver* 
heissung einer neunmonatlichen erneuten Herrschaft des »bos- 
haften« römischen (byzantinischen) Beich. In diesem charakteri- 
stischen Zug stellt sich der Zusammenhang zwischen der christ- 
lichen Sage und diesen jüdischen Apokalypsen dar. Seit dem 
Methodiusbuch herrscht auch dort die Erwartung, dass das by- 
zantinische Beich am Ende über den Islam siegen und Palaestina 
einnehmen werde. Danach erscheint in beiden Apokalypsen der 
Messias ben Joseph (besiegt das Bömerreich)*) und baut den 



1) die Schrift ist dem Jalkut bekannt, also vor dem 13. Jahr- 
hundert entstanden. 

2) Eisenmenger II, 708. Jellinek erwähnt II, XXXTTT eine Aus- 
gabe, Konstantinopel 1519. 

8) in dem Midrasch ▼ajoscha, der eine etwas ältere Tradition zu 
▼ertreten scheint, wird statt der Erwähnung des Römerreiches die Ver- 
nichtung von Gog und Magog geschildert. 



68 

Tempel. Danach erscheint dann Armillus. In allen Zeugen, mit 
Ausnahme des Midrasch vajoscha, findet sich die rätselhafte Vorstel- 
lung, dass er aus einem Stein vom Satan gezeugt werden wird. In 
den Messiaszeichen (Jellinek II, 60) wird der Armillus ausdrück- 
lich der Antichrist genannt. In allen Zeugen mit Ausnahme des 
Sepher Serubabel folgt eine Beschreibung desselben als eines 
furchtbaren Ungeheuers. Es wird dann überanstimmend — nur 
der Midr. vaj. lasst den Messias ben Joseph in Jerusalem ge- 
tötet werden — die Flucht Israels in die Wüste und der Tod 
des Messias ben Joseph im Kampf gegen den Armillus be- 
richtet. In den Messiaszeichen und dem Serubabelbuch wird 
der Armillus bereits deutlich als falscher Messias gezeichnet 
Aber auch in den andern Quellen ist seine Verbindung mit dem 
römisch-byzantinischen Reich, auf die doch sein Name hindeutet, 
aufgehoben. Man sieht wieder deutlich den Einschlag der christ- 
lichen Sage. Danach wird dann der Messias, der Sohn Davids, 
kommen — auch der Menachem ben Ammiel genannt, während 
der Messias ben Joseph auch Nehemia ben Usiel heisst *), — und 
wird den Armillus mit dem Hauch seines Mundes töten. (In 
den Messiaazeichen tötet Gott den Armillus.) Charakteristisch 
ist es, dass damit nicht, wie in der christlichen Tradition, die 
Schilderung des Endes kurz abbricht. Es folgt noch die Schil- 
derung der Erneuerung, des neuen Jerusalems, auch der Toten- 
erweckung, in den Messiaszeichen noch der Rückkehr der zehn 
Stamme. In den Geheimnissen des Simon findet sich die Schil- 
derung eines zweitausendjährigen Reiches und danach das End- 
gericht. Es ist bemerkenswert, wie sich in dieser jüdischen Tradition 
viel mehr mit der Johannes-Apokalypse verwandtes findet, als in 
der christlichen. Namentlich im Serubabelbuch finden sich auf- 
fällige Berührungen (mit Apok. 17)*). — Zu erwähnen ist 
noch, dass hier — allerdings ganz im Hintergrund — neben 
dem Messias ben David die Gestalt des Elias auftritt. Dazu 



1) falsche Angaben bei Wünsche 112. 

2) ebenso ist das Ende der Geheimnisse des Simon zu vgl. 
Wünsche 121 : und ob fällt Feuer vom Himmel und verzehrt Jerusalem 
und räumt hinweg alle Fremden und Unbeschnittenen und .Unreinen 
aus ihrer Mitte. Auch der Schluss der bei Jellinek m, 65 sich finden- 
den interessanten Eliasapokalypse bietet direkte Parallelen zur Jo- 
hannes-Apokalypse. 



69 ' 

wäre das oben S. 51 über Lactanz und Commodian gesagte, ferner 
Sibyll. II 187 zu vergleichen. 

Eine besondere Stellung in der Entwickelang der jüdischen 
Sage nimmt eine Apokalypse ein, die in persischer Sprache über- 
liefert und von Zotenberg (Merz Archiv I, 386 ff) in Text und 
Übersetzung mitgeteilt ist« Schon ihr Titel, Geschichte Daniels, 
ist bedeutungsvoll und erinnert an die oben beigebrachten Zeug- 
nisse für die frühe Existenz einer Daniel-Apokalypse. Das in 
Betracht kommende Stück beginnt mit einer Schilderung der 
muhamedanischen Herrscher; Muhamed ist am Anfang deut- 
lich erkennbar (407). In dem Herrscher mit seinen drei Söhnen 
(411. 12) ist Harun al Raschid mit Sicherheit zu erkennen l ). 
Nach ihm werden noch zwei Herrscher erwähnt. Die Apoka- 
lypse wird also aus der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts 
stammen. Dann folgen die Zukunftsweissagungen : zunächst eine 
Schilderung des Sieges eines Herrschers der Rumaeer über den 
Islam und seines neunmonatlichen (s. o. S. 67) Regiments. Dann, 
heisst es, wird ein anderer kommen (ein Name wird nicht ge- 
nannt), der sich für den Messias ausgeben wird ; dessen Äusseres 
wird in der bekannten Weise geschildert Mit ihm werden Gog 
und Magog kommen, Israel aber wird in die Wüste fliehen. Es 
heisst weiter: »darauf wird ein Mann erscheinen an jenem ent- 
legenen Ort und jeder Israelit wird seinen Sitz verlassen und sie 
werden sich alle versammeln«. Jener Mann wird von den Kin- 
dern Ephraims sein. Sie werden zu jenem Bösewicht sich be- 
geben, der sagt, »ich bin der Messias euer König, euer Reich- 
tum«. Die Israeliten werden Zeichen von ihm verlangen, die er 
nicht erfüllen kann, namentlich wird er keine Toten auferwecken 
können. Dann wird er die Israeliten verfolgen und Israel wird 
in die Wüste gehen. Dann wird die Gnade Gottes den Israeliten 
zu Teil werden, und er wird die Schleusen des Himmels öffnen; 
ein Monat wird wie eine Woche sein, eine Woche wie ein Tag 
und ein Tag wie eine Stunde. Dann werden Michael und Ga- 
briel den Israeliten in der Wüste erscheinen, und sie werden den 
falschen Messias töten. Darauf kommt der Messias ben David 
und tötet den Bösen (d. h. den oben erwähnten Herrscher) mit 



1) meinem Kollegen, Herrn Dr. Bahlfo, verdanke ich diese Mit- 
teilung. 



70 

dem 'Hauch seines. Mundes. »Und die Fahne des Messias des 
Sohnes Davids wird erscheinen«. Derselbe wird das ganze Heer 
Gogs und Magogs töten. Dann wird Elias kommen. Durch 
Tier Posaunenstosse wird dann die neue Zeit herbeigeführt Die 
Toten stehen auf, die Israeliten werden versammelt von alleu 
Weltgegenden (auf den Flügeln des Simurg?), eine Feuersaule 
erscheint im Tempel, der Glanz Gottes wird sichtbar und alle 
Berge verschwinden. Dann folgt für 1300 Jahre die Zeit der 
Freude und der Herrschaft und dann das ewige grosse Gericht 

Die Apokalypse ist ein wahres Sammelwerk verschieden- 
artiger Überlieferungen und zeigt in viel reicherem Masse als die 
übrigen den Einfluss der christlichen Sage. Durch diesen Ein* 
flus8, den man auch litterarisch genau verfolgen kann, ist es 
denn auch wahrscheinlich gekommen, dass der Messias ben Jo- 
seph 1 )- hier zum Antichristen geworden ist Eine ähnliche Über- 
lieferung mag auch wohl Abarbenel vor Augen gehabt haben, 
wenn er in seinem Werk Maschmia Jeschua das rätselhafte Urteil 
ausspricht: der Messias, der Sohn Josephs, welchen wir erwarten, 
dass er im Anfang der Erlösung kommen werde, ist der Anti- 
christ, dessen sie, die Christen, Meldung thun f ). — Oder sollte 
in diesen wenigen Überbleibseln vielmehr eine uralte Überliefe- 
rung von einem falschen unter den Juden auftretenden Messias 
vorliegen? — Das endgültige Urteil kann hier kaum gesprochen 
werden. Jedenfalls liegt gerade in dem betreffenden singulären 
Stück eine ganze Menge archaistischer Überlieferungen vor. 
Mit den Geheimnissen des Simon zeigt die vorliegende Apoka- 
lypse auch ihrer ganzen Anlage nach die engste Verwandtschaft 
Es sei noch erwähnt, dass hier erzählt wird, dass die Juden dem 
Messias ben David zunächst nicht glauben und dieser sich dann 
verbirgt, bis er ihnen dann als der Menschensohn in den Wolken 
des Himmels erscheint (damit vgl. auch das Ende vom Midrasch 
vajoscha). 

Im ganzen aber mag das Urteil gewagt werden, dass der 
gesammte jüdische Sagenkreis mit der Gestalt des Armillus und 
den beiden Messiassen in dieser Verbindung sich im 7. — 8. Jahr- 
hundert unter Einfluss der Sage vom Antichrist gebildet hat 



1) 8*o seheint es wenigstens, der Bericht ist nicht ganz klar. 

2) Eisenmenger II, 747. 



71 < 

Die Übersicht über die jüdische Litteratur hat mannigfaltige 
Verschlingungen der jüdischen und christlichen Tradition unsrer 
apokalyptischen Überlieferung gezeigt Die in Abschnitt VII 
zusammengestellten Zeugnisse erheben die Vermutung zur Ge- 
wissheit» dass die Erwartung des Antichrist auf jüdischem Boden 
entstanden ist So hatten wir die Tradition bis in die vor-neu- 
testamentliche Zeit zurückverfolgt, und die in der Einleitung aus- 
gesprochene Vermutung, dass die dort besprochenen apokalypti- 
schen Stücke eine ältere Überlieferung voraussetzen, hat sich 
bestätigt. — Während die Tradition vom Antichrist vom Chri- 
stentum aus dem Judentum übernommen wurde, so hat dann die 
entwickelte christliche Überlieferung im 6. — 8. Jahrhundert wieder 
auf die jüdische Eschatologie zurückgewirkt 



Auch über die Grenzen des Christentums und Judentums 
hinüber hat die eschatologische Tradition vom Antichrist ihren 
Einfluss geltend gemacht Ich stelle auch hier einige Notizen 
zusammen, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu 
wollen. 

1) In einer ausführlichen und genauen Untersuchung der 
Völuspa der älteren Edda l ) hat E. H. Meyer Satz für Satz den 
Einfluss christlicher Tradition auf dieses die Weltgeschichte 
von der Schöpfung bis zum Endgericht umfassende Gedicht 
nachzuweisen gesucht. Noch bestimmter hat er die Behauptung 
aufgestellt, dass der Verfasser dieses Gedichtes im wesentlichen 
von den theologischen Werken des Honorius von Autun vor 
allem vom Elucidarium abhängig war. War aber die Völuspa 
von Honorius abhängig, so ist sie, da sie ja auch denselben Stoff 
behandelt, von der Tradition vom Antichrist beeinflusst — 
Trotz der umfangreichen und gelehrten Beweisführung scheint 
mir die Frage noch immer nicht aufgehellt Am stärksten scheint 
mir für die Annahme der Umstand zu sprechen, dass der letzte 
grosse Kampf der bösen und guten Weltmächte, also das Ende, 
mit der Schilderung beginnt 1 ): 



1) Völuspa Berlin 1889. 

2) A. Holtzmann, die ältere Edda übersetzt und erklärt. Leipzig 
1875, p. 23. 



72 

Brüder werden einander schlagen und zu 

Mördern werden sich gegenseitig. 
Es werden Vettern ihre Verwandten tödten 

« 

Schwere Zeiten sind in der Welt. Hurtum gross. 
Das ist, wie weiter unten nachgewiesen werden wird, eine in 
der Tradition vom Antichristen fast stereotyp gewordene Einlei- 
tung. Auch erinnert die Schilderung der Hadesstrafen (p. 23 
a. a. O. Vers 43) und die Einleitung des Stückes stark an die 
uns bekannte sibyllinische Litteratur. Eine Beziehung der Edda 
zur christlichen Litteratur und zur Sage vom Antichrist wird 
sich nicht leugnen lassen. — Im einzelnen aber bleibt hier vieles 
unsicher. Mit welchen Schwierigkeiten man im Verständnis der 
Eddagedichte zu kämpfen hat, zeigt z. B. Strophe 47 (nach 
Meyer 46). Hier übersetzt man gewöhnlich : »das Weltall brennt 
beim Rufe des Hornes«, während Meyer 190 herausliest: »Der 
Heiland leuchtet an jenem altberühmten Kreuz«. Hat Meyer 
recht übersetzt, was mir übrigens wegen der folgenden ausdrück- 
lichen Erwähnung von Heimdalls Hörn zweifelhaft bleibt, so 
hätten wir hier wieder einen charakteristischen Zug aus der Tra- 
dition vom Antichrist. — Im ganzen scheint mir Meyer aller- 
dings in dem Nachweis direkt christlichen Einflusses in den 
Eddaliedern viel zu weit gegangen zu sein. Es ist von ihm das 
uralte mythologische Material, das in den Liedern enthalten ist» 
stark unterschätzt. Dahin gehört zum Beispiel, was Völuspä 3 
von dem Riesen Ymir und dem Chaos und Vaf-drüonismäl 21 
von der Schöpfung des Weltalls aus dem Leibe des Riesen er- 
zählt wird. Diese uralten Mythen aus einer arg verfehlten Pa- 
rallele aus Honorius v. Autun *) abzuleiten, ist ein böser Missgriff 
(p. 65). Ebenso künstlich und verfehlt scheint es mir, wenn M. 
die grossartige Schilderung des fünffachen Götterkampf es, Völuspä 
Str. 50 ff, durch den das Ende eingeleitet wird, aus der Apoka- 
lypse ableiten will. Wie mühsam wird hier schon, indem neben 
den drei feindlichen Mächten (dijQiov ÖQcr/.(6v ipevdorrQoqriprqg) 
noch Hades und Tod mitgezählt werden, die entsprechende Fünf- 
zahl erreicht (p. 199). Und dass Surtr Str. 51 der Antichrist 



1) nach Honorius soll des Menschen Leib aas den einzelnen Ele- 
menten der Erde bestehen. Daraus hätte sich nach Meyer durch Um- 
kehrung der Schöpfungsmythus der Edda entwickelt! 



73 

sei, scheint mir durch die vagen Parallelen, welche Meyer p. 206 
beibringt, nicht bewiesen. In der Schilderung des Götterkampf es 
wie in derjenigen der beiden Ungeheuer, der Midgard-Schlange 
und des Fenriswolfes, scheint mir uralter Mythus vorzuliegen. 

Kann also nur von einer sehr geringen Beeinflussung der 
älteren Edda durch die Antichristsage die Bede sein, so entnimmt 
dagegen das halb heidnische, halb christliche altbairische Gedicht 
Mu8pilli (9. Jahrh.) die Farben, mit denen es den Weltuntergang 
schildert, einfach unsrer Tradition. Es bedarf das weiter keines 
Beweises, die Parallelen werden unten angeführt werden 1 ). 

2) Deutliche Spuren der Antichristsage finden sich auch in 
der parsistischen Pehlevi-Litteratur. Namentlich ist hier die in 
den Sacred-Books of the East Vol. V, 191 ff. übersetzt vorlie- 
gende Apokalypse Bahman Yast zu nennen. So weit ich sehe, 
liegt in Bahman Yast eine Apokalypse zu Grunde, welche zur 
Zeit der Vernichtung der iranischen Herrschaft durch den Islam 
geschrieben ist II, 14 ff. sieht Zaratustra einen Baum mit sieben 
Zweigen, der in der bekannten Weise auf 7 Dynastieen gedeutet 
wird, die sechste ist die des Chosroes, und in der siebenten wird 
dann der Einbruch der »Dämonen mit erhobenem Speer und auf- 
gelöstem Haar« in das glückliche Iran geschildert. Diesen Ein- 
fall des Islam hat der Verfasser der ursprünglichen Apokalypse 
erlebt. Und nach ihm erwartet er das Ende. Und eben dieses 
Ende wird nun in Anlehnung an die Antichristsage geschildert, 
(vgl. II, 30 ff. die Vorzeichen; H, 54 die Herrschaft des bösen 
Geistes; m, 13 die Geburt des Messias, ein Sternzeichen bei 
seiner Geburt; m, 24 die beiden Gesandten N6ridsang und 
Srdsh.; HI 26 ff. (cf. 30) die Ankunft des Messias (P&hyötanü) 
und die Besiegung des Antichrist mit seinen Scharen). Die 
Parallelen sind sehr zahlreich und werden an den einzelnen 
Stellen unten beigebracht werden. 

In der Zeit der Kreuzzüge (s. namentlich III, 3 ff.) scheint 
dann die Apokalypse eine Bearbeitung erfahren zu haben, und 
zugleich ein verwickeltes eschatologisches System mit mehreren 
Messiassen hineingebracht zu sein 9 ). 

r 

1) den Hinweis auf dieses Gedicht verdanke ich meinem jungen 
Freunde stud. W. Lueken. 

2) über die pareistische Eschatologie vgl. auch Spiegel, Aveata, 
Leipz. 1852, p. 82 ff. 



7* 

•3) Auch zu den Arabern ist endlich die Bage vom And- 
enrist gewandert In der Chronik des Tabari*), übersetzt Ton 
Zotenberg, Paris 1867, Kap. 23 p. 67 findet sich eine interes- 
sante Ausführung über den Antichrist Er wird ein König 
der Juden sein, welcher die gesammte Welt beherrscht, seine 
Gestalt wird die Wolken überragen. Sein Name wird Deddjal 
sein. Er wird am Ende der Zeit erscheinen, wenn Gog und Ma- 
gog die Mauer Alexanders des Grossen durchbrechen *). Er wird 
auf seinem Marsch von Ungeheuern, Schlangen, Scorpionen,. 
Drachen begleitet Er wird den grössten Teil der Menschen 
unterwerfen, keiner wird ihm im Kriege widerstehen können. 
Er wird von Ost nach West, nach dem Norden und nach dem 
Süden ziehen und seine Herrschaft wird 40 Tage dauern. Die* 
Glaubigen aber werden fliehen vor ihm und dann wird Jesus 
zusammen mit dem Mahdi Mohammed ben Abdallah den Anti- 
christ besiegen*). 

Dieser teilweise an christliche, teilweise an jüdische Über- 
lieferung anklingende Bericht, wie die Apokalypse Bahman Yast 
und die oben zusammengestellten jüdischen Apokalypsen illu- 
strieren übrigens vortrefflich den religiösen Synkretismus, der im 
6. bis 8. Jahrhundert zwischen Christentum, Judentum, Islam 
und Parsismus herrschte. 



1) den Hinweis auf diese Stelle verdanke ich einer Notiz von Herrn 
Prof. W. Meyer. 

2) auch dieser Sagenkreis liegt ausführlich Tabari CXH, p. 518 
vor. VgL über die Verbreitung dieser Sage auch Zezschwits p. 170. 

3) Dieterich Abraxas 125, Anm. 1 erwähnt eine altmuhammeda- 
nische Tradition, dass Jesus den Antichrist (Dadjdjat) vor den Mauern 
Lyddas besiegen werde. 



Ich gebe im folgenden ein Verzeichnis der im zweiten 
Teil gebrauchten Abkürzungen der in Betracht kommen* 
den Quellen. 

Andr.(eas) Kommentar zur Apokalypse ed. Sylburg. 

B(ißX). K(lr\i.L). BißXiov KX^fiewog ed. Lagarde Reliquiae juris 

etc. 80 ff. 
Cyr. Cyrill v. Jerusalem xari^afitg 15. Migne Tom. 33. 



75 

D.-A. gr. griechische Danielapokalypse ed. Klostermann Ana- 

lecta 113 ff. 
D.-A. arm. armenische Danielapokalypse ed. Kalemkiar, Wiener 

Zeitschrift VI, 127 ff. 
Elucidarium des Honor. y. Autun. HI 10 Migne Tom. 172, p. 1163. 
Ephr. gr. Xoyog eig xbv ^vtixqiaxov nach Assemani III, 134 — 

143 (Prooemium nach handschriftlichem Material 

von W. Meyer). 
Ephr. syr. sermo de fine extremo. Lamy HI, 187. 
Eterianus Hugo, über de regressu animarum ab inferis Kap. 24 f. 

Migne Tom. 202, p. 168. 
Hildegard Scivias HI, 11. Migne Tom. 196, p. 709. 
Hipp. Hippolytus anodeigig .... 7zeqI zov ovxi%qIozov ed. La- 

garde lff. 
J.-A. Pseudojohanneische Apokal. Tischendorf apocal. apocr. 70. 
Joh. Damasc. l^&eoig tijs oq&oöo^ov niozetag IV, 27. 
Lact Lactantdus Inst. Div. VH, 10 ff. ed. Brandt corp. Script. 

latin. Tom. 19. 
Mart v. Tours bei Sulpicius Severus Dialog. H, 14 Migne Tom. 20. 
P.-A. aeth. i Äthiopische, syrische, arabische Recension der 
P.-A. syr. ) »Petri apostoli apocal. per dementem.« Bratke 
P.-A. ar. ' Z. W. Th. 1893 I, 454. Dillmann, Gott gel. 

Nachr. 1858, 158 ff. 
PhiL-Sol. Philippus Solitarius Dioptra HI, 10 f. Migne Tom. 127. 
Ps.-Chrya. slg zrjv dBvziqav notqovaiav x. t. a. unter den Wer- 
ken des Chrysostomus. Migne Tom. 61, p. 776. 
Ps.-E. Syrische Esraapokal. Baethgen Z. A. T. W. VI, 204. 
Ps.-Ephr. Die unter dem Namen des Ephraem erhaltene Predigt. 

Caspari, Br. u. Abh. 1890, p. 208 ff. 
Ps.-H. Pseudo-Hippolyt ntqi zffi owceXeiag zov xoofiov. La- 

garde 92. 
Ps.-M. Pseudo-Methodius. Orthodoxographa graec. : 93, lat: 100. 
Sib.-Beda Der unter Beda's Werke aufgenommene Sibyllinist. 

Migne Tom. 90, p. 1183. 
Sib.-TJs(inger) Der von Usinger, Forschungen zur deutschen Ge- 
schichte X, 621 veröffentlichte Sibyllinist. 
Yict(orin) Kommentar zur Apocal. ed. de la Bigne Tom. I 

(ed. H, 1589). 
Z.-A. Zephanja-Apokal. Stern, Z. für ägypt. Sprache 1886, 115ff. 



IL Teil. 
Die Geschichte der Tradition vom Antichrist 



Die Vorzeichen. 

Es ist oben (S. 54) bereits auf den auffallenden Parallelismus 
zwischen dem IV. Esra-Buch und der dem Bißk. KXtju. zu Grunde 
liegenden Apokalypse in der Schilderung der Vorzeichen des 
Endes aufmerksam gemächt, und ferner darauf hingewiesen, wie 
sich einzelne Züge in Sib. II und bei Ephraem gr. wiederfinden. 
Schon diese Parallelen beweisen, dass wir hier vor einem weit* 
verzweigten Zusammenhang der Überlieferung stehen. Alle hier 
, in Betracht kommenden Stücke abzudrucken gestattet der Baum 
nicht Es sind hier zunächst die überall nach demselben Schema 
gehaltenen Schilderungen von grausigen Naturereignissen zu ver- 
gleichen, wie sie sich in IV. Esra 5iff. 6 21 ff., ferner bei Ps.-Hipp. 
Kap. 8. 9626, dann noch bei Lactanz VII, 16 finden. 

Vor allem aber kehrt ein charakteristischer Zug überall in 
der Antichristsage wieder: nämlich die an Micha 7e sich an- 
lehnende Schilderung des auf der Welt auch unter den nächsten 
Verwandten überhandnehmenden Hasses. So heisst es an beiden 
im IV. Esra in Betracht kommenden Stellen: 59 et amici omnes 
semet ipsos expugnabunt; 624 et erit in illo tempore, debellabunt 
amici amicos ut inimicos. Mit einer ausführlichen Schilderung 
dieses Kampfes der nächsten Verwandten unter einander beginnt 
Ps.-Hipp. 7. 96 4 das Stück, das die Vorzeichen der letzten 
Zeit beschreibt. Zu vergleichen ist ferner der Anfang von Ps.- 
Ephraem (Kap. 1). Ja dieser Zug hängt so fest und unzertrenn- 
lich an der Überlieferung vom Antichrist, dass er auch bei ganz 



77 

entlegenen Quellen zum ersten Indicium dafür wird, dass ein 
Einfluss der Antichristsage vorliegt So heiast es, wie schon 
oben, erwähnt, in der Völuspa der älteren Edda: Bruder werden 
einander schlagen und zu Mördern werden sich gegenseitig, es 
werden Vettern ihre Verwandten töten. Und im Bahman Yast 
beginnt der ungemein deutliche Einschlag der Antichristsage mit 
der Schilderung: II, 30 all men will become deceivers, great 
friends will become of different parties, the affection of the f ather 
will depart from the son, and that of the brother from his bro- 
ther . . . and the mother will be parted and estranged from the 
daughter. 

Auch der Aufruhr der Völker unter einander (vgl. Mtth. 247) 
wird vielfach im Anfang der Apokalypsen geschildert 1 ), na- 
mentlich über Friedlosigkeit, Ungerechtigkeit und schlechte Herr- 
schaft auf Erden wird geklagt Hier sind die erwähnten Stellen 
des IV. Esra-Buches, ferner Apok. Baruch Kap. 49&2ff. und 
Eap. 70 (vgl. 25s), Lactanz VII, 15 s ), die ausführlichen Schil- 
derungen in der Ascensio Jesaiae 3 23 ff. im ßißh KXtjfi. 'bei 
Ps.-Hipp. a. a. 0. zu vergleichen. In vielen Apokalypsen sind 
die allgemeinen Schilderungen der Vorzeichen durch genauere 
zeitgeschichtliche Gemälde ersetzt. Aber die Erwähnung eines 
bestimmten Vorzeichens kehrt nun konstant in fast allen Quellen 
wieder: Das Ende kommt, wenn das römische Reich zu Grunde 
gegangen sein wird. 



n. 

Der Verfall des Römerreiches vor dem Ende. 

II. Thessal. 2 6 xai vvv xo 'taxixov oidaxe slg xo dnovxtXv- 
9*Hjvat avxov br xq avxov 'axuqq. xo yctQ txvovrßiov ijdf] iveqyel- 
xat xrfi cvopiag, pdvov o xcraga»', <xqu Jims h. picot ylvrpai. 
IV. Esra 5 s et erit incomposito vestigio, quam nunc vides reg- 
nare regionem et videbunt eam desertam. si autem tibi dederit 



1) vgl. IV. Esra 5ö f Lactanz VII, 15, Ps.-Ephraem Kap. 1, ßißX. 
KXtjfi. etc. 

% 2) diese drei Quellen stehen in einem erkennbaren litterarischen 
Zusammenhang. 



78 

altissimus vivere et videbis (quae) post tertiam turbatam (Hil- 
genfeld) »). 

Iren. V, 26 weiss in Anlehnung an Dan 2 und Apok. 17 
zu berichten, dass das römische Reich am Ende der Welt in 
zehn Königreiche zerfallen werde, und dann der Antichrist, der 
als fremder Herrscher gedacht wird, kommen werde. An Ire- 
naeus lehnt sich Hippolyt in de antichristo Kap. 25 und 54 an *). 
Irenaeus und Hippolyt haben ihr Wissen von der Zukunft nicht 
durch einfache Exegese von Daniel und Apokalypse gewonnen. 

Besonders kommen dann folgende Stellen in Betracht: 
Tertullian Apologet 32: est et alia major necessitas nobis 
orandi pro imperatoribus etiam pro omni statu imperii re- 
busque Romanis, qui vim maximam universo orbi imminen- 
tem ipsamque clausulam saeculi acerbitates horrendas com- 
minanlem Romani imperii commeatu scimus retardari, 
itaque nolumus experiri et dum precamur differri, Romanae diu- 
turnitati favemus; ad Scapulam 2: Christianus nullius est hostis, 
nedum imperatoris, quem . . . salvum velit cum toto Romano 
imperio, quousque saeculum stabit tamdiu enim stabit (vgl. die 
Auslegung von IL Thess. 2 resurr, carnis. 24) *) 

Lact. Vn, 15 (634 18) Sibyllae tarnen aperte interituram esse 
Romam loquuntur . . Hystaspes quoque, qui fuit Medorum rex anti- 
quissimus . . sublatuiri ex orbe imperium nomenque Romanum multo 
ante praef atus est 16 (635 1) quomodo autem id futurum sit osten- 
dam . in primis multiplicabitur regnum et summa rerum potestas 
per plurimos . dissipata et concisa minuetur .... donec reges 
decem pariter existant, . . . . hi ... disperdent omnia et com- 
minuent et vorabunt VII, 25 (664is) etiam res ipsa declarat 
lapsum ruinamque rerum brevi fore, nisi quod inoolumi urbe 
Roma nihil istius videtur esse metuendum. At vero cum caput 
illud orbis occiderit et $vfit] esse 4 ) coeperit, quod Sibyllae fore 

1) Typ fuxä Tipr tQiTTjv öoQvßavfrivtj* , der Ausdruck ist auf das 
vierte Keich, das Bömerreich zu beziehen. 

2) dazu vergl. Hieronyxnus zu Dan 7 s (ergo dicamus, quod omnes 
scriptores ecclesiastici tradiderunt — folgt dieselbe Auslegung). 

3) ebenso des Hieronymus Auslegung zu derselben Stelle et ep. 
ad Algasiam und den Jeremiaskommentar (zu 25m), ferner die Aus- 
legung im Ambrosiaster des Chrysostomus Pelagius (bei Hieronymus) 
Sedulius Primasius Theophylact Oecumenius. 

4) Sibyll m, 364. VIII, 165. 



79 

aiunt, quis dubitet venisse jam finem ? illa est civitas, 

quae adhuc sustentat omnia, precandusque nobis et adorandus 
est deua caeli, si tarnen statuta eins et placita differri possunt, 
ne citius quam putamus Tyrannus ille abominandus veniat. 

Ps.-Ephr. 1: . et cum coeperit regnum Romanorum gladio 
consummari adest adventus mali . in expletione enim Romani 
regni necesse est saeculum consummari ... 5: et jam regnum 
Romanorum tollitur de medio et Christianorum imperium 
traditur Deo et patri, et tunc veniet consummatio cum 
coeperit consummari Romanorum regnum. 

Cyrill 15 11: av&Qairtov (xdyov ... aqnäCowa fiiv iavv(p 
tt}$ 'PcquatW ßaaifaiag zijv igovoiav . . • €q%€tcu Si b tcqo- 
eiqr\nivoQ dvrixQiOTog ovrog, oxav nkt]QU)^aaiv ol yxtiqoi rijg 
^Pcü/uatW ßaaikeiag. 

In den Werken des Ephraem I, 192 finden wir unter dem 
Namen des Jacob von Edessa eine Auslegung der Weissagung 
Gen. 49 16 über Dan. Hier werden die Worte: »qui mordet 
equum in ungula ut dejiciet retrorsum ascensoremc, auf den 
Antichrist bezogen ; welcher das romische Reich vernichten werde. 
Jam illud imperium ad eos pertinere, qui Latini dicuntur, 
Spiritus . . . declaravit et docuit per Hippolytum in eo libro, 
quo Johannis Theologi apocalypsin interpretatur. Hier sind dann 
ferner die oben (S. 2 9 f.) citierten Stellen aus Adso, dem Sibyll. 
Beda und Usinger, Ps.-Methodius, ferner die Ausführungen bei 
Ps.-Methodius, p. 95 heranzuziehen. 

Diese weitgehende Übereinstimmung wird nun ausserordent- 
lich auffallend, wenn man folgendes überlegt In der Apokalypse 
des Johannes wird doch deutlich genug das römische Reich als 
die letzte antichristliche Macht gezeichnet» man sollte meinen, 
dass jene gewaltigen Bilder voll glühenden Hasses und mächtiger 
Phantasie für immer das romische Reich mit dem Stempel der 
widerchristlichen Macht, die sich wider Gott erhebt» gezeichnet 
hätten. Die mit der Weissagung der Offenbarung verknüpfte 
Sage vom Nero redivivus ist lange noch lebendig gewesen, die 
unheimlich dämonische Gestalt desselben beherrscht die gesammte 
sibyllinische Litteratur, noch dem Victorin waren die Beziehungen 
der Apokalypse auf Nero geläufig. — Wie war es möglich, so 
fragen wir hier noch einmal (s. oben S. 16), dass dem Einfluss 
der Apokalypse gegenüber, in direktem Gegensatz zu ihr diese 



80 

Anschauung aufkommen konnte? Das römische Beich gab den 
Christen doch wahrlich genug Veranlassung, in ihm die letzte 
antichristliche Macht, in einem seiner Herrscher den Antichrist, 
die Inkarnation des Teufels zu sehen. Wie ist es gekommen, 
dass demgegenüber sich die gerade entgegengesetzte Meinung in 
unumschränkter Geltung erhielt: das römische Reich ist nicht die 
antichristliche Macht, es halt das Kommen derselben sogar auf, 
der Antichrist •wird ein nichtrömiseher Herrscher sein? Wie war 
es möglich, dass selbst da, wo die Sage von Nero noch nach- 
wirkte, bei Lactanz, Gommodian, Martin von Tours diese Auf- 
fassung die andere nicht verdrängte, sondern selbst hier Nero 
redivivus, der letzte römische Kaiser, nunmehr als der Vorläufer 
des Antichrist gilt? Hippolyt weiss ganz genau, dass in der 
ersten Hälfte von Apok. 13 das römische Reich gemeint sei. 
Aber erst in dem zweiten Tier, das aus dem Lande aufsteigt, 
sieht er die nach dem römischen Reich zu erwartende Herrschaft 
des Antichrist 1 ). Die beiden Hörner des Tieres muss er dann 
auf den falschen Propheten beziehen, denn ein solcher musste 
ja nach der Apok. neben dem Antichrist stehen. Die Schilderung 
des zweiten Tieres, als des Dieners des ersten, deutet er dann so 
um, dass er annimmt, das zweite Tier werde in der Weise des 
ersten (xora xov Avyvvorov vopov) die Welt beherrschen. Wo- 
her stammt die fortwährende Vergewaltigung des klaren Sinnes 
der Apokalypse? 

Man kann darauf hinweisen, dass in der Eschatologie der 
Kirchenväter namentlich IL Thess. 2 nachgewirkt habe. Aber 
es ist von vornherein nicht wahrscheinlich, dass diese kurze An- 
deutung des Paulus mächtiger nachgewirkt haben sollte, als die 
gesammte Apokalypse, welche wenigstens in der früheren Zeit 
(Irenaeus, Hippolyt, Tertullian, Victorin) in unbestrittener Geltung 
stand. Dann aber erheben sich neue Probleme; woher hat denn 
Paulus oder der Verfasser des Thessalonieherbriefes selbst diese 
Anschauung? und wie kommt es, dass die höchst rätselhaften 
Andeutungen des Briefes mit solcher Sicherheit, Bestimmtheit und 
Einhelligkeit von sämtlichen Kirchenvätern gedeutet wurden 1 ). 

1) vgl. Kap. 49. 

2) nur Augnstin de civitate dei XX, 19 scheint zu schwanken, 
quidam putant hoc de imperio dictum misse Bomano, eine andere Aus- 
legung erwähnt auch Chrysostomus. 



81 

Man vergleiche mit dieser Sicherheit nur einmal das Herumraten 
moderner Exegeten. Auch wird bei der Erklärung von 
II. Thess. 2 gar nicht bewiesen und deduciert. Man weiss sogar 
noch, dass Paulus aus Scheu, offen über den Untergang des 
römischen Reiches zu sprechen, hier so geheimnisvoll geredet 
habe (vgl. Hieronymus ep. ad Algasiam; Augustin und Chry- 
sostomus a. a. O. u. a.). 

Endlich hilft auch ein Hinweis auf den Einfluss von 
Daniel 7 nicht. Es bleibt immer unerklärt, wie man auf Grund 
von Dan 7, nachdem man das letzte Tier mit den zehn Hörnern 
auf das römische Reich gedeutet hatte, nun auf den Einfall 
hatte kommen sollen, das kleine (eilfte) Hörn als einen fremden 
nichtrömischen Herrscher aufzufassen. — Auch aus Apok. 17 
konnte man dies nicht so ohne weiteres entnehmen. Dort zieht 
zwar der Antichrist Nero mit den zehn Königen gegen Rom zu 
Felde, aber zu deutlich ist er hier doch als römischer Kaiser ge- 
zeichnet, und die endlose Verwirrung, welche sich in der Deutung 
von Apok. 17 bei den Kirchenvätern zeigt, beweist, dass man 
dorther nicht seine apokalyptischen Ideen bezog, sondern vielmehr 
diese in jenes Kapitel eintrug. 

Die vorliegenden Probleme können nur durch eine Annahme 
gelöst werden : Es gab vor der Abfassung der Apokalypse schon 
eine fest ausgebildete Tradition vom Antichrist. Diese entstand 
wohl in Anlehnung an Daniel, — aber doch auch wieder un- 
abhängig von ihm. In ihr fehlte noch die politische Deutung 
und Beziehung der Erscheinung des Antichrist auf das Römer- 
reich, den Nero redivivus oder irgend einen römischen Herrscher. 
Ja, das römische Reich wird in ihr als diejenige Macht aufgefasst, 
welche durch ihr Bestehen die furchtbare Zeit des Weltuntergangs 
noch aufhält Und zugleich wird es sehr wahrscheinlich, dass 
diese Beurteilung des Römerreichs geraume Zeit vor dem Unter- 
gang Jerusalems entstanden sein muss. 

Weit hinab reichen die Wurzeln dieser Überlieferung. Paulus 
schon war abhängig von ihr, und dass wir hier keine genuin 
christliche Eschatologie haben, zeigen auch die Berührungen mit 
IV. Esra. Es wird weiter unten bewiesen werden, dass nament- 
lich IV. Esra 5 1 ff. hier direkt als Quelle für die Antichrist- 
sage zu benutzen ist « — Deutlich zeigen nun auch Paulus und 
IV. Esra die rätselhafte nur andeutende Weise der Geheim- 

BouiMt, to Aatiekriit. ß 



82 

• 

traditfon, welche wir eben gerade für diesen eschatologischen 
Sagenkreis vermuteten 1 ). * 

Selbst die Apokalypse ist nicht imstande gewesen, dieser 
Tradition eine andere Richtung zu geben. Es schien im zweiten 
Jahrhundert einmal, als sollte das gespensterhafte Bild des Nero 
redivivus die ältere Gestalt des Antichrist verdrängen 1 ). Aber 
dass die Nachwirkung der Johannesapokalypse und der Nero- 
sage so bald verschwand, rührt auch wesentlich daher, dass die 
alte geheiligte Überlieferung die neuere politische Wendung der 
Sage vom Antichrist sehr bald wieder verdrängte. Die Gestalt 
des Nero redivivus erhält sich höchstens noch als Nebenfigur in 
dem apokalyptischen Gemälde, oder sie wird identifiziert mit dem 
älteren Bilde des nicht von den Römern stammenden Anti- 
christ (Victorin). 

Eine mächtige politische Wirkung hat die Überlieferung 
vom Antichrist gerade in dieser ihrer nicht gegen das Römerreich 
gewendeten Form gehabt Es war doch sehr bedeutungsvoll, dass 
man in den Kreisen der Christen weit und breit überzeugt 
war, dass das römische Imperium nicht die antichristliche Macht 
sei, dass die Zeit des Antichrist noch viel furchtbarer und 
entsetzlicher sein werde; man betete für das römische Im- 
perium und den römischen Kaiser, weil man in diesen das letzte 
Bollwerk gegen die nahende Herrschaft des Antichrist sah, 
wie dies aus den oben beigebrachten Citaten aus Tertullian und 
Lactanz zu ersehen ist 8 ). 

Es ist dann oben weiter nachgewiesen, wie in der Zeit, da 
das römische Reich christlich wurde, die Sage eine neue Wand- 
lung durchmachte. Man konnte es nun nicht mehr fassen, dass 
das heilige römische Reich untergehen sollte. Nun heisst es, 
dass der letzte römische Kaiser freiwillig seine Krone Gott zu- 



1) Gunkel 224 vermutet, dass in dem xarixo** bei Paulas noch 
eine ältere mythologische Überlieferung enthalten sei. Dass Paolos 
selbst unter dem xaxixw das römische Beich verstanden hat, ist mir 
nach den bis in seine Zeit hinabreichenden Parallelen nicht zweifelhaft. 
Was unter xaxixoyr ursprünglich verstanden wurde, ist für das Ver- 
ständnis des neoen Testaments verhältnismässig irrelevant. 

2) vgl. die Sibyllinenlitteratur. 

8) Zezachwitz urteilt also sehr mit Unrecht (p. 84), dass in dieser 
Beurteilung des römischen Beiches Tertullian schöpferisch gewesen sei. 



83 , 

rückgeben werde. Diese Wandlung liegt wahrscheinlich schon 
bei Ps.-Ephraem vor. Kap. 5 : »et Christianorum imperium traditur 
Deo et Patrid). Das würde zu der Annahme stimmen, dass 
dieselbe sich schon in der ersten Hälfte des IV. Jh. vollzog. 
So ist die Sage weiter gewandert; als Rom fiel und in die 
Herrschaft der .Barbaren kam, ging die Erwartung über auf 
Neu-Rom und die byzantinischen Kaiser (vgl. die Danielapokal., 
s. o. S. 41 ff. und Ps.-Methodius). Und dann entstand ein heiliges 
romisches Reich deutscher Nation, und die Sage wanderte wieder 
hinüber nach Westen. So finden wir sie bei Adso. Und es kam 
die Zeit der Kreuzzüge, der Gedanke an Jerusalem wurde wieder 
lebendig, es wurde von neuem möglich, daran zu denken, dass ein 
letzter römischer Kaiser seine Krone in Jerusalem Gott zurück- 
geben werde. Und wieder erwachte die Sage zu neuem Leben, 
und so liegt sie dem ludus de antichristo des zwölften Jahr- 
hunderts noch in allen einzelnen Zügen frisch und lebendig zu 
Grunde. — Und als es endlich galt, der gefährlichen Auslegung 
der Apokalypse von Seiten der Protestanten, der Deutung der 
antichristlichen Macht auf Rom und das Papsttum, entgegenzu- 
treten, da griffen die katholischen Gelehrten auf die alte unpolitische 
Überlieferung vom Antichrist zurück, und sammelten die Spuren 
derselben in Werken voll Riesenfleisses, — ich nenne nur die 
Kommentare von Ribeira und Alcassar, die Werke von Bellarmin 
und Malvenda, — aus denen für uns moderne noch sehr viel 
zu lernen ist. Und so wurde der erste Grund zu einer wissen- 
schaftlichen Erforschung der Apokalypse gelegt — Die Wege 
und Wandlungen solcher apokalyptischen und mythologischen 
Überlieferungen sind wunderbar, und ihre Lebensdauer wie der 
Gang ihrer Entwickelung kann nur mit dem Mass von Jahr- 
hunderten gemessen werden. 



1) zu diesem an L Kor. 15 84 sich anlehnenden Worte TgL die 
oben citierten Stellen bei Adso und Ps.-Methodius and den Sib. bei 
Beda and Usinger. Aach die bei Wetstein, Not. Test. H, 167*4, aas 
Abarbanel and Pirke Elieser beigebrachten Parallelen (Zezschwitz, 
p. 167). 



84 



Die jüdische Herkunft des Antichrist. 

Hier soll nur das wichtigste hervorgehoben werden, auf Voll- 
ständigkeit machen die Notizen keinen Anspruch. Genaueres 
folgt übrigens weiter unten in den «Abschnitten, welche von der 
Geburt des Antichrist aus dem Stamme Dan und seinem Sitzen 
im Tempel von Jerusalem handeln. 

Schon nach Paulus wird sich der Mensch der Ungerechtig- 
keit im Tempel Gottes niederlassen. »Sein Kommen wird in der 
Kraftwirkung des Satan sein, mit jeglicher Machtthat, mit 
Wundern und lügenhaften Zeichen und in lauter unrechtmassigem 
Betrug für die, welche verloren gehen, dafür, dass sie für die 
Liebe zur Wahrheit nicht empfanglich waren zu ihrem Heil. 
Und deshalb sendet ihnen Gott wirkungskraftigen Betrug, dass 
sie der Lüge glauben, damit alle, die nicht der Wahrheit glaubten, 
sondern am Unrecht Wohlgefallen hatten, ihr Gericht empfingen«. 
An die ungläubigen Juden, welche den wahren Messias von sich 
gestossen haben und dafür von Gott den falschen empfangen, 
denkt hier Paulus; daran kann kaum ein Zweifel sein. — Eine 
direkte Parallele bietet Johannes 5is. Ich bin im Namen meines 
Vaters gekommen und ihr nehmt mich nicht auf, wenn ein 
anderer in seinem eignen Namen kommt, den werdet ihr auf- 
nehmen 1 ). — So kommen wir nun auch der Lösung des Rätsels 
näher, wie es kommt, dass das Tier aus dem Abgrund Apok. 11 
in Jerusalem auftritt. Im Laufe der Untersuchung werden sich 
auch sichere Beweise dafür ergeben, dass die gräuliche Verwüstung, 
welche an heiliger Stätte, oder an dem Ort, wo sie nicht stehen 
sollte, steht, der Antichrist ist. — Immer wieder tritt uns dies 
Bild entgegen : ein Antichrist, der in Jerusalem auftritt, eine gott- 
feindliche Macht, die sich am Ende der Tage im heiligen Volke 
selbst erhebt, ein falscher Messias ausgerüstet mit Zeichen und 
Wundern. 

Nun wissen wir auch, woher Hippolyt wusste (Kap. 6): 



1) ieh wüaate nicht, wer anders als der Antichrist hier gemeint 
sein könnte. Es ist hier von einer ganz bestimmten einzelnen Person 
die Rede, an Bar-Cochba wird man doch nicht denken wollen. 



85 

iv TtegiTOfifi 6 atariß tjX&ev elg rov wiapov, xat ctvrdg opoiiog 
ilevoezcu. Es wird auch klar, wie Victoria auf den Tffinfall kommen 
konnte, von Nero zu sagen: hunc ergo suscitatum Deus mittet 
regem dignum dignis et Christum qualem meruerunt Judaei . 
et quoniam aliud nomen allaturus est, aliam etiam vitam insti- 
tuturu8, ut sie eum tamquam Christum ezeipiant Judaei, ait 
(enim) Daniel (XI, 37): desideria mulierum non cognoscet, cum 
prius fuerit impurissimus et nullum Deum patrum cognoscet 1 ) • 
non enim seducere populum potent circumeisionis nisi legis vin- 
dicator. — Die Obereinstimmung ist hier eine so allgemeine, dass 
ich nur noch ein Zeugnis anführe, Hieronymus in Daniel. XI, 21. 
nostri autem et melius interpretantur et rectius, quod in fine 
mundi haec sit facturus Antichristus, qui consurgere habet de 
modica gente i. e. de populo Judaeorum. 

Nur bei Lactanz VII, 17. 638 u heisst es alter rex orietur 
ex Syria. Aber auch bei Lactanz wird dieser fremde König als 
Pseudomessias geschildert. Auch bei Commodian heisst es 
V, 8911: exsurget iterum . . . rex ab orientem*) (sie). Aber 
933 wird er als Pseudomessias geschildert: Nobis Nero f actus 
antichristus, ille Judaeis 8 ). In der Lactanz und Commodian zu 
Grunde liegenden jüdischen Quelle ist aus dem Pseudomessias 
also wieder ein feindlicher Herrcher geworden, aber so, dass das 
ursprüngliche Bild deutlich durchschaut. 

Deutlicher und klarer erhebt sich nun das Gesamtbild 
jener apokalyptischen Tradition : Es wird ein Antichrist erwartet, 
aber nicht aus dem römischen Reich, — dieses ist vielmehr die 
Gewalt, welche das Auftreten des Antichrist noch hemmt; in 
Jerusalem unter Israel selbst wird die gottfeindliche Macht, ein 
falscher Messias, der göttliche Verehrung verlangt, sich erheben. 

Aber ist in dieser Form überhaupt die Weissagung auf jü- 
dischem Boden denkbar? Wie kam man zu dieser Idee? Liegt 
nicht vielleicht hier ein vom Hass gegen die Juden eingegebener 



1) über diese merkwürdige Auffassung der Danielsstelle (s. unten). 

2) es ist doch wohl gegen den neuesten Herausgeber »ab« jeden- 
falls beizubehalten and nicht ad einzusetzen. Der König kommt that- 
s&chlich von Osten, vgl. 905 ff. 

3) auch zieht der Herrscher, nachdem er Nero getötet hat, nach 
Judaea, das offenbar als der Sitz seiner Herrschaft gedacht wird. 
(V, 927.) 



86 

apokalyptischer Traum des jungen Christentums vor F Auf jeden 
Fall hatten wir hier eine sehr frühe, in den ersten Jahrzehnten 
des Christentums entstandene, dem Paulus schon fixiert vor- 
liegende Weissagung, welche in ihren Ursprüngen durchaus un- 
politisch, weder aus der Zeit Caligulas noch Neros stammt. — 
Auch werden sich uns noch manche Spuren der Sage in jüdischen 
Quellen zeigen, und im Laufe der weiteren Untersuchung werden 
wir auch das vorliegende Ratsei lösen und den Untergrund der 
Sage kennen lernen. 



Der Name des Antichrist. 

Der Name des Antichrist L Joh. 2ie u. ö. IL Joh. 7 ist 
nicht älter als das neue Testament. Von Paulus wird er ganz 
allgemein als (IL Thess. 2 a) 6 av&QW/tog trjv aropiag, 6 vlog 
tijs dncjkeiag bezeichnet Doch scheint Paulus schon einen 
Eigennamen desselben zu kennen, wie folgende Parallelen zeigen : 

IL Kor. 6 iö: tig di oviupwvrpig Xqiaxov ftQog BtXlctQ; 1 ). 

Testam. Patr. Dan 5: xat avazelu v/uv hc rrjg (pvXrjg 
Iovda aal udevi to owv^qiov xvqiov xat avrog ftoirjau ftQog 
zöv BekiccQ nöXspov*). 

Sibyll.II, 67: xat BtXlaq tf ijffst xal orjticna noXXa noirj- 
aei av&Qoinoig. 

HI, 63: ix di Seßaarijvtuv ijSu BeXictQ fieroma&e> 
(cf. HI, 73). 

Ascensio Jesaiae IV, 2: descendet Beliar angelus magnus 

rex huius mundi .... in specie hominis (vgl. 4 4 ff. u)*). 

Also Paulus kannte schon einen bestimmten Namen für den 
Antichrist »Beliar c (— Belial etwa — äv&Qwnog trjg ävofiiag). 
Es ist sehr bemerkenswert, dass dieser Name gerade in jüdischen 



1) die Zusammenstellung des Beliar mit Christus ist bedeutsam. 

2) ich eitiere nur diese Stelle als hierhier gehörig. Beliar kommt 
sonst in anderer Bedeutung in den Testamenten ror. 

8) der Name Belial findet sich noch in der Dioptra. In dem 
Sepher Serubabel (Eisenmenger II, 709) ist Belial der Täter des Anti- 
christ und dazu ist wieder der Andreaskommentar 92s zu yergleichen. 



87 , 

Schriften verbreitet ist. Das Stück in Sib. III, 63—92 ist sicher 
jüdisch (vgl. V. 69), in II, 151 ff. ist jedenfalls eine jüdische 
Grundschrift erhalten (II, 170 ff.). Ebenso scheint mir das Stück 
aus dem Testament des Dan zum jüdischen Grundbestand des 
Buches zu gehören. Auch in der Ascensio Jesaiae 3 u. 4 liegt 
wahrscheinlich eine kleine jüdische Apokalypse zu Grunde (vgl. 
337), und noch in einer späten jüdischen Quelle hat sich der 
Name Belial mit Beziehung auf den Antichrist erhalten. Über 
die ursprüngliche Bedeutung des Belial wird noch weiter unten 
die Bede sein. 

Wegen ihrer litterarischen Berührungen eitlere ich noch fol- 
gende Schilderungen des Antichrist: 

Iren. V. 25 : ille .... veniet . . . quasi apostata et iniquus 
et homieida; quasi latro. 

Pö.-Ephr. 5: tunc apparebit ille nequissimus et abominabilis 
draco, ille quem appellavit Moyses in Deuteronomio dicens : Dan 
catulus leonis aceubans et eziliens ex Basan . aceubat enim, ut 
rapiat et perdat et mactet . catulus leonis vero non sicut leo de 
tribu Dan sed propter iram rugiens ut devoret 1 ) (vgL Hipp, de 
antaclir. Kap. 14). 

Ephr. gr. EL, 225 ff.: 
ItceiSt} yaq 6 **Xi7txi\g %ai dXdarojQ vuxl &7tr\vrfi. 

ftQwzog piXkei 6QXGO&CH iv *olg Idioig xaiQciig 

ßovlopevog '/teipai vuxi diaat xal OTtoXiaat. 

J.-A. Kap. 6: tore tpcnnjoerai b aQvrjrtjg /xxl igoQiopivog 
h %q awvla 6 Xeyop&og avrixQtorog. 

D.-A. gr. 104: xal KQcmjau 6 TQioxaraQOTavog dalpcov. 

Bemerkenswert sind auch noch folgende Parallelen: 

IV. Esra V, 6 : et regnabit quem non sperant qui inhabitant 
super terram. 

Irenaeus V, 302: qui de improviso advenerit regnum sibi 
vindicans. 

D.-A. arm. 239 1: nach der Ankunft dessen, welchen sie 
nicht verlangten und nicht hofften. 

Vielleicht läset sich auf Grund dieser Parallelen auch eine 
Stelle in der ascensio Jesaiae wiederherstellen: 

V. 13 : et multi fideles et saneti, quum viderunt eum quem 



1) vgl. die Schilderung bei Ps.-M. and Adso 1292 B. 



88 

ipsi + non M sperabant , [suspensum Jesum Dominum Christum, 
postquam ego Jesaias vidi eum qui suspensus est et accendit, et 
credentes quoque in eum, ex iis pauci in Ulis diebus reliqui erunt 
servi eins] 1 ) fugient[es] ez eremo in eremum praestolantes eius 
(domini) adventum. — Die Erwähnung des Kreuzestodes des 
Herrn mitten in der Schilderung der Zeit des Antichrist ist völlig 
sinnlos, nach Streichung des Zusatzes bleibt das rätselhafte quem 
sperabant, das nach den Parallelen in »quem non sperabant« 
umzuwandeln wäre. Dann ist nur noch für das letzte »eius« etwa 
ein domini einzusetzen. 

Nach diesen Praeliminarien wenden wir uns in unserer 
Untersuchung zu einem besonders wichtigen Abschnitt. 



IV. 
Der Teufel und der Antichrist. 

Über die Beziehung zwischen dem Satan und dem Antichrist 
herrscht in der Überlieferung die grosste Uneinheitlichkeit. Aber 
gerade diesen Differenzen und widerstreitenden Phantasieen nach- 
zugehen ist von allergrösstem Interesse. Denn dies Gewirre von 
widerstreitenden Meinungen setzt uns in den Stand, hinter die 
Anfänge unsrer eschatologischen Tradition zurück- 
zugehen und diese in ihrem Werden und ihrem Ur- 
sprung zu verfolgen. 

Die in der Exegese einflussreich gewordenen Kirchenvater 
reden sehr deutlich und bestimmt. Vor allem kommt Hieronymus 
in Dan. 78 in Betracht: ne eum (antichristum) putemus • . • diabolum 
esse vel daemonem sed unum d e hominibus in quototus Satanas 
habitaturus sit corporaliter. Ganz ähnlich lautet die Erklärung des 
Chrysostomus ad Thessal. II, 2. Hom. 2: zig di ovrcg iariv; aQ<x 
6 aaxavag; ovda/uwg' all* av&qtanog vig näoav avrov dsgope- 
vog vqv ivtQyeiav. Ähnliches hat schon Irenaeus V, 25 x omnem 



1) ein ähnlicher Satz wie der hier ausgeschiedene findet sich Kap. XI 
innerhalb einer nachweisbaren Interpolation : XI, 20 Hierosolymis igitar 
vidi (sc. Jesaias) eum suspendi in ligno nee non post tertium diem 
resurgere. 



89 

susoipiens diaboli virtutem .... diabolicam apostasiam in se re- 
capitulans. Es ist ja auch klar, dass dies und nur dies die neu- 
testamentliche Anschauung vom Antichrist ist. Den Einfluss des 
Hieronymus kann man in der abendlandischen Kirche (vgl. z. B. 
Haymo v. Halberstadt zu II. Thess. 2), den des Chrysostomus 
in der morgenlandischen Kirche (vgl. Johannes Damascenus 
¥*d-8aig tt}q Ofd-odogov itiataiag Veron. 1531 p. 135, die Kom- 
mentare des Oecumenius und Theophylact zu der betreffenden 
Stelle von IL Thess.) deutlich spüren. Die Behauptung, dass 
der Antichrist der Satan selbst sei, ist in der kirchlichen Über- 
lieferung seitdem so gut wie verschwunden. 

Doch setzen gerade die Ausführungen des Hieron. und Chry- 
sost voraus, dass eine altere Überlieferung existierte, derzufolge 
der Satan mit dem Antichrist identificiert oder doch in ein viel 
näheres Verhältnis zu ihm gebracht wurde, als dies bei der An- 
nahme eines von satanischer Energie erfüllten Menschen der 
Fall ist. 

Um mit dem ältesten Zeugnis zu beginnen : schon bei Hippolyt 
liegen die Dinge lange nicht so klar. Dort heisst es vom Anti- 
christ (Kap. 6): £v cxhiicai avd-Qaiftov iqxxvt] b owttjq xal Ot- 
tos Iv c%i^axi av&Qwnov itevaerai. Das lässt auf eine 
ganz andre Vorstellung schliessen. Weiter unten heisst es — 
bei dem Nachweis der Geburt des Antichrist aus dem Stamm 

Dan (Kap. 14) — „ysvrjdrpo) dav o<pig" otpig ovv %'ig 

ai£ tj o ort auxTfi nhxvog l ) 6 h %f t yevioai elQrjpivog 6 nla* 
ytjfjag vijv Evav xai megvioocg %6v *4dap; im folgenden wird 
wie es scheint der Antichrist viog tov öiaßolov genannt. Eine 
eigentliche Identifikation liegt freilich nicht vor. Aber doch ist 
dem Hipp, jedenfalls der Antichrist der inkorporierte Satan. — 
Bei Firmicus Maternus finden wir aber ganz deutlich die Identi- 
fikation (über de error. Kap. 22) »diabolus ipse antichristus estc. Ganz 
deutlich spricht auch die Stelle Ps.-Hipp. 22, 10521 inudij 6 
aonr\q %ov x6opov ßovXdpevog tb yivog %wv av&qtomav odSaat, 
bt tilg axQavrov vuxl naQ&ivov Magiag hi%yh] xat iv ax'Q^ocvt 
üaqyjbg xbv ix&QOv 'A.ai*7z<xiy[0zv iv löia dwifiu ryg avtov 
&e6vqTog, xov avtov tqonov xat 6 diaßokog i% [xiaqag yv- 



1) nach einer gütigen Mitteilung meines Kollegen Achelis lesen 
so die Jeruaalemer Handschrift und die slarische Version. 



90 

vatxog igeXevaezai inl xjjg yijg y xixxercu de h nlu&rr) ix 
nccQ&evov. 6 yitq $tog ypcuv oaqxtxüig tjfilv imdipifsz . . . o 
di diaßokog el xai aaQxtx avaXaßoi akka xavxa h dcxtjau. 
Die Stelle weist zurück auf Ps.-Hipp. Quelle, auf Ephr. gr. l ) 
HI, 137 C: 

didaxd'Wfiev w <ptloi, Oftoiy xqi o%ijfiazi 

IXevoevai irti yrjg 6 avaioxvrxog ocptg. 

inud^ntq 6 ocjttjq xov awaat ßovlSfisvog 

xd yivog xah? &vd-Q<imav Ix ftaq&ivov ixix&ij 

xai oxfacczi av&QiOTtov inaxtfat zov ix&gov 

' Iv ayitf dwafiei tf^g avtov &e6xrjTog. 

137 E: 
fia&dfv xovxo 6 ex$(>6g, oxi rcaXiv tggerat 

i% oiqavov (o) xiqtog bf doSjj &e6xr[tog, 

iXoyiaato ovxwg avaXaßeJv x6 <TXW a 

xyg aixov naQOvalag xai amnijoai rcdvzag. 

Einige Zeilen weiter: 
Ti'xrercu di axqtßoig ix ywatxbg fiiagag 

xo buivov oqyavov. ovx aixog di actQxovxai. 

Obwohl hier alles auf den Gedanken angelegt ist, dass der 
Satan in Nachahmung der Geburt des Herrn in dem Antichrist 
persönlich erscheint, so wird zum Schluss diesem Gedanken die 
Spitze abgebogen, indem nun doch der Antichrist nur als ogya- 
vov des Satan erscheint Sonderbar ist, dass der von Ephr. ab- 
hängige Ps.-H. hier einen ganz straffen Gedankenzusammenhang 
zeigt. Sollte ihm doch Ephraem noch in einer andern Recension 
vorgelegen haben? Es kommt hinzu, dass auch sonst, wie sich 
weiter unten zeigen wird, in der Homilie des Ephr. gr. s ) der 
Antichrist durchweg als dämonische übermenschliche Gestalt ge-. 
zeichnet wird. Aber auch so wie der Text des Ephr. gr. nun ein- 
mal lautet, wird doch das Verhältnis zwischen dem Satan und 
Antichrist hier anders aufgefasst, als bei Hieron. und Chrys. 
Das zeigt schon die hier durchgeführte, bei Hippolyt schon an- 



1) ähnlich sind die Ausführungen bei Philippas Solitarias Dioptra 
m, 10. p. 815 D: itaque nascetar ex mauere libidinosa opinione quidem 
incarnatuB sed non etiam re ipsa. (etwas anders III, 11). 

2) an Ephr. gr. klingt Cyrill 15 u an: 6 aararäc 6eyd*<p xixgrjrai 
ixtiyq* avxostgoawtmg 6i avroC htQy&r. 



91 

gedeutete Parallele zwischen der Erscheinung des Satan auf Erden 
im Antichrist und der wunderbaren Geburt des Christus. In 
ähnlicher Weise findet sich die Parallele im Ambrosiaster zu 

II. Thess. 28: sicut filius dei divinitatem suam homo natus 

demonstravit, ita et Satanas in homine apparebit. Auch Theo* 
doret bringt den Vergleich in etwas abgeschwächter Form (zu 
IL Tess. 23) 1 ) fiifieiTai yäq 6 x<Zr ar$Qwrtu)v aXaavwQ %ov &eov 
xai otüTtJQOg imiZv vrp iyccy&QW7tj]Giv, mal wofieq avTÖg &v&qo>- 
ftelav (pvaiv avalaßcov n)v rj/ieveQay irtQccyfKnevoavo ocjvriQtay, 
ovtwq huiivog ayd-QWftov hXEgapwos näaav avtov di£ao&ai 
dwdfi&or Tijr kyiqyeiay . . . av&Qtonovg nu^aaevai. Durch die 
letzte Wendung nähert sich ja Theodoret freilich der Auffassung 
des Hieron. und Chrys., aber er geht doch offenbar über diese 
hinaus. 

Eine andere Parallele findet sich in dem unter dem Namen 
des Prosper Aquitanus gehenden Werk: de promissis et prae- 
dictionibus dei IV, 8. Hier erscheint der Antichrist in einem 
Menschen »sicut e contrario angelus sanctus in Tobiae libro spe- 
ciem et similitudinem . . . Azariae suscepit . Wieder etwas an- 
ders erscheint das Verhältnis bei Lactanz VII, 17 (I, 638 u) 
(malo spiritu genitus) und Martin v. Tours (Sulpic. Sev. Dial. 
II, 14: malo spiritu conceptus) s ). 

Man sieht, die Überlieferung schwankt zwischen der Auffas- 
sung des Antichrist als eines vom Teufel regierten Menschen und 
seiner Identifikation mit dem Satan. Deutlich aber zeigt sich, 
dass die Auffassung desselben als einer übermenschlich gespen- 
stisch-dämonischen Erscheinung weit verbreitet, uralt — vielleicht 
die ältere ist und so immer wieder hervorbricht. 

Daneben zeigt sich bei späteren Schriftstellern noch eine 
charakteristische Vermittelung. Diesen stand eben fest, dass der 
Antichrist in natürlicher Weise durch Vater und Mutter in die 
Welt komme, aber nun musste der Satan wenigstens bei 
seiner Empfängnis mitgewirkt haben. 



1) diese ganze Parallele wird deutlich abgewiesen bei Joh. Da- 
mascenns: ofa aüxde xoiwr 6 didßoioc yivrcai 5r&QW7ioe xaxä rijy xoV xv- 
qIov har&Q&Jttjoiv. 

2) vgl. auch noch Andreas, der (50 1») eine dyyekixrj ovoia im Anti- 
christ annimmt (vgl. 51 45 6 h x<$ drxixg(cxq> hegy&v üiaßoloe). 



92 

# Ps.-Ephr. 6 ex semine viri et ex immunda vel turpissima 
virgine malo spiritu vel nequissimo mixto concipitur. 

Adso 1292 B nascetur autem ex patris et matris copulatione, 
sicut et alii homines, non ut quidam fabulantur de sola virgine. 
...» in ipso vero . . germinationis suae primordio diabolus simul 
intrabit in uterum matris suae. 

Ein Anklang auch bei Jacob Edess. Epbr. syr. I, 192 D 
coluber antichristus Danitica matre nascetur patre Latino, qui 
dam nee amore legitimo quasi lubricus anguis ad ejus fe- 
minae coneubitum prorepet 1 ). 

Elucidarium: de meretrice generis Dan nascetur . in matris 
utero diabolo replebitur. 

Birgitta Revel. VI, 67 antichristus nascetur de maledicta 
femina et de maledicto homine, de quorum seminibus diabolus 
formabit corpus suum (dazu vgl. die ekelhaften Phantasieen der 
heiligen Hildegard Scivias III, 11) f ). 

Wie erklären sich diese Schwankungen in der Auffassung 
des Antichrist? Wie ich glaube nur durch einen Blick auf die 
Entstehung der Antichristsage. — Woher stammt überhaupt 
jene Idee vom Antichrist, dieses Bild einer feindlichen pseudo- 
messianischen Persönlichkeit, die sich im Gottesvolk selbst er- 
hebt, wie sie schon bei Paulus, Mtth. 24, Apok. 11 und hier 
doch deutlich auf Grund jüdischer Traditionen vorliegt? Gunkel 
p. 221 ff. stellt mit vollem Recht die Behauptung auf, dass die 
Erwartung des Antichrist nicht irgendwie aus einer bestimmten 
politischen Situation entstanden sei, und dass alle zeitgeschicht- 
liche Erklärung, mag sie nun in die Zeit Caligulas oder Neros 
gehen, verfehlt sei. In solchen Zeiten politischer Erregung ent- 
stehen neue eschatologische Erwartungen nicht, ihr Wachsen und 
Werden ist ein viel langsameres, mit Jahrhunderten zu messendes. 
Wohl werden alte Erwartungen zeitgeschichtlich bezogen, aber 
es finden keine Neubildungen statt. Gunkel will die Tradition 
vom Antichrist als ein jüdisches Dogma verstanden wissen, das 



1) damit sind die oben erwähnten jüdischen Phantasieen zu ver- 
gleichen. 

2) hier wären endlich noch die in sämtlichen späteren jüdischen 
Apokalypsen sich findenden bizarren Sagen von der Geburt des Armillus 
(dessen Täter, der Teufel, ihn aas einem Marmorstein erzeugt haben 
soll) zu vergleichen (s. o. S. 68). 



93 

aus Bildern wie Dan 7 (und ähnlichen) durch eine Spiritualisie- 
rong einer Tradition von ursprünglich politischem Charakter ent- 
standen seL Es scheint mir nun aber doch ein weiter Weg zu 
sein, der von Dan 7 zu II. Thess. 2 führt Wie ist aus der 
Schilderung fremder, sich gegen Gott empörender Herrschermachte 
die Idee einer gottfeindlichen Macht geworden, die im Volke 
Gottes selbst sich wider Gott empört, die nicht mit feindlicher 
Gewalt wirkt, sondern durch trügerische Kunst und Verführung? 
Hier liegt m. E. ein Problem. Auch ist der Zug, dass der Anti- 
christ sich im Tempel zu Jerusalem niederlässt, so konkret und 
lebendig, dass es schwer fallt, ihn aus der danielischen Weis« 
sagung von der graulichen Verwüstung des Heiligtums entstanden 
zu denken. G. hatte eigentlich mit der Erkenntnis, dass auch 
die Weissagung des Daniel nicht zu dem bestimmten Zweck ge- 
macht ist, sondern auf einer älteren Tradition ruht, die Fäden zu 
einer richtigen Lösung des Problems in der Hand. Ich glaube 
es giebt hier nur eine Erklärung. Hinter dieser Sage vom Anti- 
christ liegt ein älterer Mythos. In der alttestamentlichen und 
hier und da noch der neutestamentlichen Litteratur finden wir» 
wie Gunkel in Schöpfung und Chaos in überzeugendem Zusam- 
menhang nachgewiesen hat, sehr zahlreiche Spuren eines uralten 
Schöpfungsmythos, der sich dann später in eine eschatologische 
Erwartung umgewandelt hat. Es existierte, noch in der Apoka- 
lypse erkennbar, in dem jüdischen Volksglauben die Erwartung 
einer Revolution des alten Meerungeheuers, mit dem Gott bei der 
Schöpfung gekämpft, am Ende der Tage, und seines himmel- 
stürmenden Kampfes mit Gott. Nicht irgend ein feindlicher 
Herrscher und die Vergewaltigung Israels durch ihn und seine 
Heere wird erwartet, sondern zunächst direkt der Kampf des 
Satans mit Gott, des Drachen mit dem im Himmel thronenden 
Allmächtigen. Eine einfache Vermenschlichung jenes alten 
Drachenmythos scheint mir nun die Sage vom Antichrist zu 
sein. Auch sie hat so zunächst nichts mit bestimmten politischen 
Ereignissen und Mächten zu thun. An Stelle des Drachen tritt 
der mit Wunderkräften ausgerüstete Mensch, der sich Gott gleich 
stellt, — für die Juden konnte das kein anderer als der falsche 
Messias sein. 

Aber die Tradition vom Antichrist kann doch ihren Ursprung 
aus einer viel wilderen phantastischeren Welt von Gedanken und 



04 

Stimmungen nicht ganz verbergen. Ihr ist von dieser ein an- 
vertilgbarer Stempel aufgedruckt. Und immer wieder in der 
weiteren Überlieferung erhebt sich hinter dem Antichrist die 
wildere Gestalt des gottfeindlichen Dämon, des Satans, und sucht 
jenen zu verdrangen. Die Geschichte der Tradition der Sage 
drückt das Siegel auf unsere Vermutung über ihre Entstehung. 
Wir werden das im folgenden noch deutlicher sehen. 

Ich beginne mit dem Nachweis, dass der Antichrist noch 
häufig als Drache, als Dämon bezeichnet wird. Namentlich ist 
dies der Fall bei Ephraem gr. Dieser beginnt gleich seine Ho- 
milie mit der Ankündigung, dass er „xcrt fteQi %ov dQaxorvog 
%ov ävaideoTazov 1 ) xai deivov rov pilXovrog xaqaaaaiv itaaccv 
njv vnovQavov" reden wolle. Der Name Drache kehrt hier häufig 
wieder. Die Boten und Gehülfen des Drachen sind hier wie bei 
Ephr. syr. Dämonen 1 ) (s. die Stellen unter Nr. VIII). Ps.- 
Ephr. 5 heisst es: Tunc apparebit ille nequissimus et abomina- 
bilis draco (vgl. Kap. 8). Auch als nequissimus serpens wird 
der Antichrist bezeichnet (Kap. 7 vgl. das signum serpentinum 
Kap. 8, über dieses s. unten). D.-A. gr. 11Ö36 (cf. 89 12134) 
findet sich der charakteristische Ausdruck iyeQ&TJaevcu 6 oq>ig 6 
yLOtfia pevog. Der Antichrist heisst 6 %qLayuaxaq6xaxog öatpcov 
(119 106). Cyrill 15 io detvov rc yhßiov dqavuüv piyag cv&Qoi- 
rtoig a-AaraycSviavog. Philippus Sol. Dioptra III, 10. 815 B 
draconi natura doloso et callido . . . eum comparat (in Anlehnung 
An Gen. 49 ae). 

Ich begnüge mich mit diesen Stellen und vermeide nament- 
lich andre anzuführen, in denen das Drachenbild etwa durch 
Einfluss von Apok. XII her entstanden sein könnte, und wende 
mich nun zu einigen hochinteressanten und neuen Aufschluss 
gebenden Ausführungen. 

In Ephr. gr. findet sich im Prooemium seiner Ausführungen 
folgende — nachher nicht wieder aufgenommene Schilderung vom 
Antichrist : 
peyag aywv ädel<pol iv xolg yuxiQOig ixehoig 

irtl naaiv av&Q(07tocg [laXiaxa de (xötg) rtiOTÖlg, 

ot' av iniztkovvTou oryiüa xai xiqcna 



1) draidrfe? W. Meyer. 

2) ähnliches schon bei Iren. V, 29 s. o. 



•# 



95 

vre avtov xov dqdxovvog iv stoXlfj i^ovaiq 1 ) 

ox av nafoy eavtov deUwaiv waneq &eov 



h tpavrdofiaai cpoßeQolg aeqei ittvafisvog 

xai rvdvtag tovg daipovag iv oxr/pave ayyiXov 

Intauivovg iv qtoßw ififtQoad-ev tov tvQavvov, 

ßo$ yaQ iv loxvi düdaatov %ai tag /*0Q<pdg 

hupoßijoai afih(Kx)g arcwftag tovg dv&(XuJtovg. 

Ps.-H. 29. 111 10 bringt eine direkt hieran sich anlehnende 
Ausführung: tovg ydq datpovag avtov dnodel^ei wg cyyeXovg 
qwveivovg xal otQOttäg doufidttov ftaquod^u^ cdv olx eativ 
ctQi&ndg, yual ififtQoa&ev 7tdvt(ov dvadec/yvei ctitov elg tov ov- 
qccvov ävaXafißavofievov petd oaXniyywv xai rfffiv *** xQavyijg 
loXVQccg svqnjfiotvtcov avtov adiijyytoig vpvoig, %ai hiXdynttav 
taaneq qxZg 6 tijg oxoviag '/iTjQOvofiog, xai tzote tiev elg otQa- 
vovg dvtittdpevog, itoti de ifti tijg yyg xateqxöfievog iv do^rj 
fieydkr], rcoti de %al wg ayyeXovg tovg daifiovag Imtdaatov tov 
noulv td d-ekijpata avtov petd Ttollov q>6ßov mal tQOfxov. 

Ein Nachklang findet sich bei Philippus Solitarius Dioptra 
III. 10 816 C: in sublime volans ut angelus (imo ut daemon) et 
terrores ac prodigia ad deeeptionem effingens. 

Vielleicht klaren übrigens diese Stellen einen rätselhaften 
Satz in der alten Baruchapokalypse auf; es heisst dort Kap. 27, 
dass in der achten Zeit des messianischen Endes multitudo 
phantasiarum et oecursus seidae kommen werden. Es liegt viel- 
leicht schon hier eine Parallele zu jenen späteren Ausführun- 
gen vor. 

Aber sind jene sonderbaren und gänzlich einzigartigen Schilde- 
rungen nun wirklich nichts mehr als phantastische Ausführungen 
über die Wunderwerke des Antichrist? Schon der Umstand, 
dass hier offenbar jener hinter der Sage vom Antichrist lie- 
gende Drachenmythos zum Vorschein kommt, mahnt zur Auf- 
merksamkeit. — Und es wird in der That sehr wahrscheinlich, 
dass dieses Schau wunder des Antichrist, dass er mit seinen 
Engeln umgeben in die Luft fliegt, ursprünglich einen viel ern- 
steren Sinn hatte. 

Weiter führt uns hier die Beobachtung, dass die Sage vom 
Antichrist ganz entschieden mit einem andern Sagenkreis zusam- 



1) ipmnaa/uXe? W. Meyer. 



96 

menhangt, nämlich demjenigen, der sich um die Person des Ma- 
giers Simon *) von Samaria gewoben hat. Es wird in den folgen- 
den Ausführungen bewiesen werden, dass die weitere Ausbildung 
der Geschichte des Simon Magus in den apokryphen Apostel- 
legenden unter dem Einfluss der Sage vom Antichrist erfolgt ist. 

Betrachten wir die Sage vom Simon Magus unter diesem 
Gesichtspunkt, so fällt an diesem Punkte sofort eine Parallele 
ins Auge. In der bis ins zweite Jahrhundert und vielleicht 
weiter zurückgehenden sagenhaften Erzählung wird ja ddfe Ende 
des Magiers dadurch herbeigeführt, dass er, nachdem er verheissen 
hat, vor versammeltem Volk zum Himmel aufzufahren, und sich 
so als Gott zu erweisen, von Dämonen getragen sich in die Luft 
erhebt, aber auf des Petrus Gebot herabstürzt und jämmerlich 
umkommt 1 ). — Hier sieht die Sage vom Himmelsflug schon 
ernsthafter aus, bei Simon ist dieser geradezu ein Versuch seine 
Gottheit zu beweisen: eine Himmelfahrt Es wird auch erzählt, 
dass das Volk, als es ihn auffahren sieht, ihn als Gott zu preisen 
beginnt Es ist eine Revolution direkt gegen Gott, die hier er- 
zählt wird'). 

Sehr bedeutsam ist es nun, wenn in der Scivias der heiligen 
Hildegard dasselbe Ende vom Antichrist erzählt wird. Es heisst 
dort (HI, 11): nam cum omnem voluntatem seductoris diaboli 
compleverit, ita quod justo judicio Dei amplius tantam potestatem 
iniquitatis et crudelitatis suae habere omnino non permittetur, 
omnem cohortem suam congregabit et sibi credentibus dicet, quia 
ad coelos ire velit — et ecce velut ictus tonitrui repente veniens 



1) Tgl. Acta apostolorum ed. Lipsias u. Bonnet. I, 1891. Actos 
Petri com Simone Kap. 31— 32. Martyrium Petri et Pauli ib. 118 ff. Kap. 
53—56. Acta Petri et Pauli 178 ff. Passio Petri et Pauli 223 ff. Arno- 
bius adr. gentes IE, 12. Cyrill. catechesis VI, 15. Sulpidns Severus 
sacr. hist. II, 28. Theodoret Haeretic fabularum I, 1. Augustin de 
haeresibus 1. Constit. apost. VI, 9. 

2) einen besonders originellen Bericht hat Arnobius II, 12: Tiderant 
enim (Bomani) oursum Simonis magi et qnadxigas igneas Petri ore 
difflatas et nominato Christo evanuisse. yiderant . . . fidentem diis 
falsis et ab eisdem metuentibus proditum pondere praecipitatum suo. 

3) Tgl. auch noch Actus Petri cum Simone Kap. 4, wo Simon im 
Flug© in Born erscheint und Martyrium P. et P. 11, wo unter den Wun- 
dern des Simon aufgezählt wird, dass er in der Luft habe erscheinen 
können. 



97 

caput ipsum tanta fortitudine percutit, quod et de monte illo 
dejicitur et quod spiritum suum in mortem emittit. 

Von vornherein ist jede Vermutung ausgeschlossen, als hatte 
die heilige Hildegard diese Phantasieen selbst erfunden, sie muss 
noch uralte Überlieferungen gekannt haben, an die sie ihre 
Weissagungen anlehnte. Auch ist diese Schilderung vom Ende 
des Antichrist nicht aus der Simon-Magus-Sage entlehnt. Man 
darf sich ja nur fragen, ob diese Idee der unternommenen — 
oder hier nur geplanten — Himmelfahrt besser auf den Anti- 
christ oder auf den Simon Magus passt. Wir schliessen viel- 
mehr: In den Visionen der Hildegard ist uns eine Variante der 
Sage vom Antichrist aufbewahrt, welche schon von der Simon- 
Magus-Sage vorausgesetzt wird. 

Der Antichrist findet sein Ende, indem er es unternimmt, 
zum Himmel aufzufahren und sich als Gott zu erweisen *), und 
dabei von Gott herabgeschmettert wird. Wer kann nun noch 
den tieferen Sinn der Sage und ihren Zusammenhang an diesem 
Punkt mit dem älteren Mythos vom Drachen verkennen! Der 
Gedanke, dass der Drache den Himmel erstürmt, und bei diesem 
Sturm gegen den Thron Gottes geworfen wird, findet sich ja 
ganz deutlich im neuen Testament. Das 12. Kapitel der Apo- 
kalypse ist sicher auf Grund dieses Mythos entstanden. Auch 
ist Apok. 13 6 »die Lästerung wider das Zelt Gottes und die darin 
wohnenden« (?) ein Nachklang desselben. Auch das Herren- 
wort: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen, 
ist hier zu erwähnen. 

In jener Variante der Antichristsage und in der Simon- 
Magus-sage haben wir den Nachklang jenes uralten Mythos. Auch 
Ephraem scheint ihn zu kennen, nur dass bei ihm die Himmel- 
fahrt des Antichrist ein Schauwunder geworden ist 

Bei Ephraem (s. oben S. 94) wird ferner erzählt, dass der 
Drache im Fluge seine Gestalt verändert. Dazu ist zu vergleichen 
Martyrium Petri et Pauli Kap. 14: b de (Simon) .... TjQ^cno 
aupvidicog poQ<pag evaJuxaaetv äare yeviod-ai avrov i£aiq»njQ 



1) Tgl. z. B. Constit. VI, 9, 165 11: Uywr tk ovQarovg foUvat 
x&xtT&tv avxoTg tä &yaöa imxoQrjysiv (diese Notiz findet sich oft, z. B. 
sagt Simon Mart. Petr. et Paul. 53 zu Nero: Ttipyco xovg dyyiXovc 
fiov 7iq6g cm xal Jtotqoa) os IX&eTv xq6c fit). 

BottBitt, dtr Antkhriit 7 



98 

itaidiov xai [tet* bXiyov yiqowa allore de xai veavtoxov .... 
xai ißdxx*vev inovqyov ix (ÜV T ° v btdßoXov 1 ). Dann 
heisst es wieder in der Dioptra des Philippus vom Anti- 
christ: Quin et figuranun et colorum conversionibus om- 
nino instar Protei alias ex alio . in sublime volans ut angelus 
(imo ut daemon) et terrores ac prodigia ad deceptionem effingens. 
Auch Apokalypse Esdras, p. 29, heisst es vom Antichrist: xai 
ftaidiov yiverai xai yi(>wv, y.cd firjöeig avtip morevei, ort iarlv 
6 vtog fiov 6 ayanrpog. 

Apok. Zeph. 123: Er wird sich vor denen, die ihn be- 
trachten, verwandeln, er wird sich einmal verjüngen und ein 
anderes Mal altern. 

Deutlich sieht man hier, wie die beiden Sagenkreise sich 
berühren. 

In politischer Tendenz ist die Sage vom Antichrist ja eben- 
falls schon in neutestamentlicher Zeit auf Nero umgedeutet Als 
nun die Gestalt des von den Parthern wiederkehrenden Nero 1 ), 
nachdem ein Menschenalter vergangen war, sich allmählich ins 
dämonische und gespensterhafte verzerrte, da dringen auch in 
dieses Bild des von der Unterwelt wiederkehrenden Nero die 
Züge des alten Drachenmythos ein. Belege liefern uns die Si- 
byllinen in Hülle und Fülle. 
._ — V-214: iivqbo xai av Kogiv&e xbv iv aoi Xvyqbv oked-QOv, 

ijvixa yaq otqbtvccuoi fiitoig MoIqcu TQtddehpoi 

xXaoajievai, tpevyovra Sole» io&polo nag biitfrp 

a^OVOLV pST€ü)QOV } f-wg lotdiooiv artCCVT£Q 

Deutlich liegt das Drachenbild vor: 

VIII 88: rtvQcpOQog oooe ÖQaxwv bnox av irti xvpaoiv hX&rj 
yaoreQt, TtXi^d'oq e%o)v xai d-llipj] aeio zä tixva 
----- iaaofjiivov kipov re xai ifuptlov noXifioto, 
fyyvg per xSofioio tilog xai i'oxarov f/pag. 
Vm, 154: xa>pd£tt(?) ßovXfoi xbv iyxqvyirjot lo%elaig* 
Idaidog ix yairjq Ini Tqcdcxcv aqfx Imßavxa 
dvpbv Ifcovr* al'&covog*) • oV av d* lad-pov diaxcxfjg 



1) Tgl. dazu Kap. 22: «fc xoQxov dk x6v Ztpcova dvo ovoUu tlotr 
&rfy>amov xcd diaß6Xov. 

2) Tgl. Zahn, apokalyptische Stadien, Z. K. W. K. L. 1887, 337 ff. 

3) in der Parallelstelle XI, 180 heisst es : fopov $xcov IhjQfa, sollte 
Tielleicht zu lesen sein övpoy Jfcaw fftrfäyoc? Die Handschriften lesen 



99 i 

namaivtav htl ftdvtag idv jtiXayog diapeiipag, 
yuxi rote frtßa fiiyav fiereXevoerai alpa %€laivov 
V. 28: neyrrjyLOwa d* o ng 'KEQaLrpr Aoge, noiQapog earav 
deivbg oq>tg <pvoav noXepov ßaqiy . . . 
32: xai xfirfew td dUvuov OQog Xv&Qip re Ttaldget, 
atä i'axcu xcri aia-cog 6 Xotyiog . sltf' dvaxdfiipec 
iadtcüv &€$ alzov, itey&t, <J* oU juiv icfora *). 
Hier ist dann endlich noch eine Notiz bei Ephraem zu er- 
wähnen. Nach Ephraem syrus 7 kommt der Antichrist Joj ^ 
Lamy übersetzt hier e perditione. Es ist jedoch wahrscheinlich 
aus der Unterwelt zu übersetzen: aus dem "jmsa (das hebräische 
Wort wird im alten Testament durch jenes syrische wiedergegeben). 
Andreas, der in seinem Kommentar manche Anklänge an Ephraem 
zeigt, kommentiert zu Apok. XI, 7: 6 avrixQiorog 6 ix mV 
OY.0TUVWV xal ßv&iov tijg *fyg %ioqiwv ISmuv, iv 61g 6 didßo- 
Xog '/.ccTadedivuxoTai. Hier wäre dann wieder der Idßaddcov 
Apok. 9 11 zu vergleichen 1 ), auch der Ausdruck vtog rf-g amo* 
Ulag H. Thess. 23. 

Anhang I: Belial. 
Den Namen Belial für den Antichristen kennt, wie oben 
bemerkt, schon Paulus (II. Eor. Bis), vielleicht ist das griechische 
av$Q(Qrtog zrjg avopiag (IL Thess. 2 s) eine Übersetzung von 
ba^bs. Wir kommen somit auf sicher jüdische Tradition. Wer 
ist Belial? Die beste Aufklärung darüber giebt uns ascensio 
Jesaiae IV, 2. 

... et postquam consummatum est, descendet Berial angelus 
magnus rex huius mundi •), cui dominatur ex quo exstat, et des- 
cendet e firmamento suo [in specie hominis regia iniquitatis ma- 
tricidae . hie est rex huius mundi] .... hie angelus Berial [in 
specie istius regni] veniet, et venient cum eo omnes potestates 
huius mundi 4 ) et audient eum in omnibus quae voluerit. 

izwr. Das dann folgende scheint aus einem hinter dem Drachenmythus 
liegenden Naturmythns sn stammen, vgl. XI, 155 ff. 

1) Parallele in X, 78 ff. 

2) Apok. Esdras 27: avxog äraßfoexat yaQ 6 drtixstfuvog rote &*- 
öowtote fab x&r TaQXCLQ<or xai hdtl%txai noXla xols Mtgcbnote, vgl. noch 
Commodian 939: de Persida homo immortalem esse se dicit. Unsterb- 
lichkeit behauptete auch Simon Magus von sich (6 iaxrjxcoe). 

3) 6 xoofJLoxQaxcoQ xov al&voe xovxov. 

4) dvydfutg xov alävoe xovxov, 

7* 



100 

Selbst wenn hier, wie es doch sehr wahrscheinlich ist, die 
Beziehung auf Nero (s. die eingeklammerten Stellen) nicht erst 
eingebracht wäre, so sieht man doch deutlich, dass der Belial ur- 
sprünglich mit Nero nichts zu thun hat» sondern ein böser Engel 
ist, welcher Beherrscher dieser Welt genannt wird, seinen 
Wohnsitz in der Luft hat, und dem andere Engel, die dwapeig 
xov %6üfiov xoixov untergeben sind. Von diesem Belial wird 
ausgesagt, dass er sein Regiment am Ende der Welt errichten 
werde« 

Ebenso iusserlich wird Belial in den Sibyll. III, 63 ff. — 
auch hier als Herrscher der letzten Zeit geschildert — mit Nero in 
Beziehung gesetzt («c de JSeßaaxrjvcSv rjSsi BeXiaQ). Sibyll. II, 
167 fehlt diese Beziehung ganzlich. Im Testamentum XII 
Patriarch, ist Belial (BeXiaQ) ebenfalls ein böser Geist, wohl der 
Satan, der Teufel selbst, auch hier ist von mevpaxa xov BeXiaQ 
die Bede. Im Testament Dan 5 heisst es nun vom Messias: 
xal auxog rcoiijoei ftQog xov BeXiaQ fxöXe/jiov xal xrjv iv.ihjr\aiv 
xov vlxovg dtiaei niQaatv IfitSv 1 ). Also auch hier wieder ist 
Belial der Feind der Endzeit 

Von hier aus erhält nun noch eine Stelle in der ascensio 
Jesaiae, VII, 9 ihr Licht: et ascendimus in firmamentum, ego et 
ille, et ibi vidi Sammaelem eiusque potestates, et erat magna pugna 
in eo et sermones Satanici, et alius cum alio rixabatur .... 
et dizi(t) angelo: quae est haec rixa? et dizit mihi: ita est, ex 
quo hie mundus existit, usque nunc, et haec pugna donec veniet 
is, quem tu visurus es, eumque delebit. — Wie sich Sammael zu 
Belial verhält, ist nicht klar. Vielleicht stand hier ursprünglich 
gar nicht Sammael *). Jedenfalls ist auch hier von einem bösen 

1) im folgenden sind vielleicht einzelne Ausdrücke im christlichen 
Sinn überarbeitet. Das ist noch handschriftlich nachzuweisen, wenn 
B. hti xrjg ßaoiltiac 'iMQovoaXq/A, die Übrigen Codices hti xrjg riae 
I. lesen. 

2) der lateinische Text, Dillmann 77, weicht stark ab, aber die 
äthiop. Übers, wird durch das lat. Fragment, p. 85, bestätigt. Doch 
bleibt die Möglichkeit, dass der lat. Text I gegenüber den beiden 
andern Zeugen das ursprüngliche bewahrt hat Er kennt vor allem den 
Sammael noch nicht. In der vom aeth. und lat. II vertretenen Becension 
werden Sammael und Belial in künstliche Beziehung zu einander gesetzt, 
p. 84 (III, 18) : fuit enim Beliac bilem habens in Esaiam propter quod 
in se ostenderit Samael. 



101 

Geist die Bede, dessen Herrscherbereich die Luft (das Firma- 
ment) ist, und der am Ende der Dinge besiegt werden wird. 

Wie ist die Gestalt des Belial zu erklären? Jedenfalls ist 
es eine — nach Namen und Tradition — auf jüdischem Boden 
entstandene Gestalt, und wir haben wohl in ihr eine Vorstufe 
der Tradition vom Antichrist zu erkennen. Aus dem Drachen- 
ungeheuer, das sich gegen Gott empört, ist hier ein böser Engel, 
der Beherrscher des Luftreichs, der Fürst dieser Welt geworden. 
Der erste Schritt in der Abstreifung der babylonischen Mytho- 
logie ist vollzogen. — 

Schon Paulus kennt die Gestalt des Belial, und er kennt 
sie als den Gegner des Messias am Ende der Tage. Was für 
eine Gemeinschaft haben Christus und Belial?! Bei ihm aber 
ist Belial nun schon kein Engel oder Dämon mehr, sondern der 
av&Qüjrrog xi\g avopiag. 

Diese Erkenntnis ist ungemein wichtig. Selbst wenn die 
Idee von dem im Tempel sich niederlassenden Antichrist erst 
eine specifisch christliche, vom Gegensatz gegen das Judentum 
eingegebene wäre, so wurzelte sie doch im Judentum, d. h. in 
der entschieden jüdischen Erwartung der Empörung des Luft- 
engels Belial und mit dieser wieder im babylonischen Drachen- 
mythus. 

Anhang IL 

In diesem Zusammenhang mag noch erwähnt werden, dass 
sich sehr weit verbreitet eine Schilderung des Antichrist als eines 
menschlichen Ungeheuers findet Diese Variante der Antichrist- 
sage, die in ihrem eigentlichen Zusammenhang, wie wir unten 
sehen werden, keinen Platz hat, findet sich in der Apokal. des Esdras. 
Hier heisst es (bei Tischendorf apocal. apocryphae 29) : xo eldog xov 
7zqooiü7iov avxov woel ayqov. b fopd-aXpog avxov b de^iog cog aoxrß 
xo TtQwt dvaxitäojv y,al b %T€Qog aoälevxog, xo oxofia avxov rrrjxvs 
lila, ol odovxeg avxov aui&af.naloc, ol ddxxvXoi avxov wg dqiftava, 
xo "%vog xwv ftodwv avxov oni&apüjv ovo xcri dg xo [xhwrtov 
avxov rj YQag>ij avxixQioxog. Ähnlich findet sich die Schilde- 
rung in einigen Handschriften der Ps.-Joh.-A. Kap. 7. Ferner 
findet sich Dan.-A. armen. (239 n) eine andersartige Schilderung 
im ähnlichen Stil, ebenso im BißL xAiju. 83 19 (vgl. auch das 
lateinisch überlieferte Stück desselben). Dann taucht in den 



102 



spatjüdischen Apokalypsen dieselbe Phantasie bei der Schilderung 
des Annillus auf. So in der Eliasapokal. (hier noch nicht mit 
Beziehung auf Annillus) — und ' zwar bemerkenswerter Weise 
unter Berufung auf eine Vision Daniels. In dem Midrasch va- 
joscha heisst es 1 ): »er wird ein Kahlkopf sein und ein kleines 
und ein grosses Auge haben, sein rechter Arm wird eine Hand- 
breit lang sein, der linke aber zwei und eine halbe Elle; auf 
seiner Stirn wird Aussatz sein, sein rechtes Ohr ist verstopft, 
das andre aber offene. Ähnliches ist zu lesen in den Geheim- 
nissen des Simon ben Jochai, in dem Sepher Serubabel, in den 
Zeichen des Messias, in der persischen Geschichte Daniels 1 ). 

Es ist nun sehr bemerkenswert, dass eine gerade mit dieser 
speeifisch jüdischen Überlieferung sich deckende Schilderung sich 
noch in der Apok. des Zeph. p. 125 findet. Es spricht dies für 
den ursprünglich jüdischen Charakter dieses Werks. 

Damit vergleiche man die in dem Fragment des Papias*) 
sich findende wilde Schilderung des Aussehens des Judas Ischa- 
rioth. Wir kennen nunmehr ihre Quelle 4 ). 



V. 

Die ersten Siege des Antichrist. 

Auf Grund einer Kombination von Dan 1148 mit 7 s ent- 
steht die Anschauung, dass der Antichrist im Anfang seines 
Regiments von den zehn letzten Königen des römischen Reiches 
drei, die Könige von Ägypten, Libyen und Äthiopien besiegen 
werde. Diese rabbinische Ausdeutung scheint in der Antichrist- 
sage verwandt zu sein. Die Tradition ist bereits Irenaeus V, 26 1 
und Hippolyt 51. 277 bekannt 5 ). Sie deuten danach auch die 
Apokalypse und suchen ganz gegen den Sinn derselben die sieben 
Häupter und zehn Hörner des Tieres so zu vereinen, dass sie 



1) Wünsche 119. 

2) Tgl. noch Quaestiones ad An ti och um 109 (Migne 28; xai otjfuTör 
n fr xfl x«*g« tfj fit$ xal fr t(p Sip&aXpcp x<p fri xixrrjTai. 

3) Patres apost. I. 94. 

4) s. den Vergleich des Antichrist mit Judas bei Ps.-Meth. p. 99. 
6) vgl. auch Hieronymus zu Dan 11 48 und nach ihm sehr viele 

Exegeten der Apokal. und des Daniel. 



103 ' 

annehmen, dass beide Symbole die römischen Könige der letzten 
Zeit bedeuten, von denen der Antichrist drei töten und die 
übrigen sieben sich unterwerfen werde. 

Bei Ephraem gr. finden wir diese Phantasie in die Sage vom 
Antichrist verwoben m, 138 D: 

&voQdx>vzai di eidig ' huivov ßaoilela, 

%ai naxd^u iv 9v[A<p rgeig ßaaileig pBydlovg 1 ). 

Dieser Zug gehört so sehr zum festen Bestand der Sage, 
dass Commodian seinem Nero, dem Vorläufer des Antichrist, nach 
den geschichtlichen Vorgangen seiner Zeit noch zwei Cäsaren 
zugesellt, damit der Antichrist dann über drei Könige den Sieg 
davontrage (911 f.): 

et ibunt illi tres Caesares resistere contra; 
quos ille mactatos ' volucribus donat in escam. 

Es ist also so verkehrt wie nur möglich, den Commodian 
an diesem Punkt zeitgeschichtlich deuten zu wollen. Es liegt 
eine einfache eschatologische Phantasie vor. 

Eine weitere Parallele bietet Sib. V, 222: 

rtQwra piv &t tqhjocüv yucpalajv avv fcltjyddi QiLcxg 
aXLoadfxtvog peydXiog ddaei eTBQoiat rzdoao&ai, 
taaxs cpcr/elv odQ'/xxg yovicov ßaoiXrjag ävdyvovg. 

Die Beharrlichkeit, mit der diese eschatologische Phantasie 
sich fortgepflanzt hat, trotzdem die Apokalypse nichts von ihr 
weiss, zeigt uns wieder, dass eben nicht diese Schrift, sondern 
unsre eschatologische Überlieferung die Folgezeit beherrscht hat 

Zu der aus Dan 11«. stammenden Phantasie eines Bünd- 
nisses des Antichrist mit Moab und Ammon vgl. Hipp. 51. 27 1, 
Ephr. gr. HI, 138 C, Ps.-Ephr. Kap. 7. 

Es ist übrigens möglich, dass diese auf Grund einer Aus- 
deutung des Daniel entstandenen Züge erst später in die Tra- 
dition hineingekommen sind. Im ganzen verhält sich, wie 
wir bereits gesehen haben, die Apokalypse vom Antichrist 
selbständig gegen das Daniel-Buch. Das schliesst natürlich nicht 
aus, dass sie nicht von vornherein im einzelnen unter der Beein- 
flussung desselben gestanden hätte. Bei den mannigfaltigen 
Berührungen, die wir im einzelnen mit dem Danielbuche finden, 
gewinnen übrigens die oben (S. 44) gemachten Beobachtungen in 



1) nach ihm Ps.-Hipp, 25. 10728. 



104 

Bezug auf die frühe Existenz einer apokryphen Danielapokalypse 
(des kleinen Daniels, der Geschichte Daniels, des letzten Gesichts 
Daniels) von neuem an Bedeutung. 



Das Sitzen im Tempel. 

Nach jenem Sie g e übe r di e drei K önige wird sich de r Anti - 
christ im Tem p el vo n Jerusalem., niederlassen. 

Dieser schon IL Thess. 2 4 vorkommende charakteristische 
Zug ist ausserordentlich weit verbreitet. Dass der Antichrist 
sich im Tempel Gottes niederlässt und göttliche Verehrung ver- 
langt, wird schon sehr oft von Irenaeus erwähnt V, 30 4: cum 
autem vastaverit antichristus hie omnia in hoc mundo .... sede- 
bit in templo Hierosolymis. V, 25 1: et idola quidem seponens 
ad suadendum quod ipse sit Dens, se autem eztollens unum 
idolum (V, 252.8. V, 282). Ferner Hippolyt 52, 27 12 (53, 27 m): 
ag|6t vipovo&ai xjj yuxqdiq aal i7taiQea&at xaxa xov &$ov rta- 
arjg xijg olvLOvpivrjQ /jhxtwv. Sib. XTT (X) 86 iadCwv &eqi av- 
xov, lXiy}*u S* 6v \liv lovxa. Ps.-Ephr. 7: qui ingressus in eo 
(templo) sedebit ut Deus et jubet se adorari ab Omnibus genti- 
bus. J.-A. 6 cod. E: xai TtaQadeuLvvßi, avxov tag &eöv xoi 
ovr\aei xov xo7tov avxov elg xbv xotcov xov kqcivIov. 

Sonderbarer Weise findet sich die Notiz nicht bei Ephraem 
Graec. und Ps.-Hipp., auch bei Philippus Solitarius nur ganz 
kurz. 

Dagegen wird das Sitzen im Tempel noch erwähnt bei Hi- 
larius in Matth. 15, Ephraem Syrus 8, Ps.-Meth. 99, Joh. Da- 
mascenus, Hieronymus zu Dan 725. llsou. 0., Adso, Sib.-Beda. 

Eine besondere Variante, die ebenfalls ziemlich weit zurück- 
reicht, liegt vor: 

Ascensio Jesaiae IV, 6 et dicet ego sum Deus O. M. et ante 

me non fuit quisquam. IV, 11: et statuet simulacrum suum 
ante faciem suam in omnibus urbibus. 

Victorin zu Apok. 13 15: faciet etiam, ut imago aurea anti- 
christo in templo Hierosolymis ponatur, et intret angelus refuga 
et inde voces et sortes reddat 

P.-A. aeth.: Und sein Bild wird in den Kirchen und vor 
allem in Jerusalen, der heiligen Stadt des grossen Königs, stehen. 



105 

Sollte diese Variante in der Überlieferung vielleicht aus der 
Zeit Caligulas stammen, aus der man ja auch IL Thess. 2 und 
Apok. 13 hat erklaren wollen? 

Soll der Antichrist sich im Tempel zu Jerusalem nieder- 
lassen, so muss dieser vorhanden sein, — also nach der Zer- 
störung Jerusalems wieder aufgebaut werden. Auch dieser na- 
türlich dem ursprunglichen Bestand nicht angehörige Zug der 
Tradition findet sich sehr frühe: 

Hipp. c. 6. 5n: aviaxrjoev 6 awxijQ aal edeiljev xrp aylav 
oaQta dg vaov %ai avxSg ävaortjoei hv < IeQoaolv[*oig xov Xi&i- 
vov vaov (ebenso Ps.-Hipp. Kap. 20. 104 s 1 ). 

Martin v. Tours : ab illo urbem et templum esse reparandum. 

Ephr. sjt. 8: aedificabit atque constituet Sion et Deum se 
faciet. 

Ephr. gr. m, 138 C. 
o&ev '/xxl log rrQori^djv xov xortov yxxi vov vaov 

decAwaiv naaiv avxolg nq6voiav 7toiovpevog*). 

Ps.-E. Kap. 7 : jubet sibi reaedificari templum Dei, quod est 
in Hierusalem. 

Cyrill. 15 iö: %va avxovg (sc. 'Iovdaiovg) peiCovwg änaxr t or] 
neQiorcovdaOTov -noulxai xov vaov vrtoxpiav didovg, ort avxog 
ioviv 6 h. yivovg Jaßid. 

J.-A. 7, cod. E. : o&ev %al wg JCQoxipov (!) dzUwoiv avxov 
xov xotvov yxti xov vaov nqovotav Ttoiovfievog*). 

D.-A. gr. 101 : xat peyaXvvel xovg 'Iovdaiovg xai xov xaxe- 
OTUXfifxivov vaov xaxoivujaei, 

Andreas 9542: iv xcf vomjJ yuxd'edelad-ac . • . vzt avxov cv- 
OQ&ovo&ai nQoadoMopivti* xöig &eopdxoig ^lovdahig 4 ). 

Adso 1293 C: templum etiam destructum, quod Salomon Deo 
paravit, aedificabit et in statum suum restaurabit. 

Haymo IL Thess. 2i: et reaedificabunt templum, quod est de- 
stitutum a Romanis, sedebitque ibi. 

Elucidarium: antichristus antiquam Jerusalem reaedificabit, 
in qua se ut Deum coli jubebit. 

Eine höchst bemerkenswerte Variante zeigt endlich Lactanz 



1) Tgl. Origenes in Matth. L. IV, 275 ed. Lomm. 

2) Tgl. PB.-Hipp. 25. 10725. 

3) beachte die Parallele mit Ephr. gr. 

4) Tgl. noch Isidor Etymologia 8n. 



106 

VII,*16. 6397 (oder, vielmehr dessen jüdische Quelle): tunc eruere- 
templum Dei conabitur et justum populum persequetur. Commo- 
dian, bei dem man ähnliches erwarten könnte, bringt diesen Zug- 
der Sage gar nicht 

Gerade diese letzte Stelle giebt zu einigen Reflexionen An- 
lass. Ist nicht die Idee von einer Gott widerstreitenden feindlichen 
Macht, die aus dem Judentum kommt, in Jerusalem den Sitz 
der Herrschaft hat, die sich im Tempel von Jerusalem nieder» 
lässt, specifisch christlichen und nicht jüdischen vorneutesta- 
mentlichen Ursprungs, so dass Lactanz hier etwa den alten 
Typus der Sage erhalten hätte? Ja wenn noch von einem fal- 
schen Messias die Bede wäre, wie Paulus die Gestalt des avd-QO)- 
nog T7jg dvofiiag ja teilweise aufgefasst hatl Aber zu der 
Idee eines jüdischen Pseudomessias passt doch dieser Zug wilde- 
ster Empörung gegen Gott, das Sitzen im Tempel zu Jerusalem, 
nicht 

Sind wir überhaupt imstande, diesen merkwürdigen Zug der 
Antichriatsage aufzuhellen? Es hängt nicht wenig an diesem 
einen Punkt Jedenfalls müssen wir, wenn wir auf den richtigen 
Weg kommen wollen, zunächst auf alle zeitgeschichtliche Deu- 
tung rundweg verzichten. Wir folgen dabei dem oben aufge- 
stellten Grundsatz: In der Erregung grosser geschichtlich-bedeu- 
tender Momente erfindet der Apokalyptiker — im grossen und 
ganzen — keine neuen Bilder, er wendet alte an. Aus den 
Wirren der Caligulazeit kann man Apok. 13, ILThess 2, Mtth. 24 
nicht erklären. Wie sollte man denn auch auf Grund des be- 
kannten Vorgehens des Caligula auf die Idee gekommen sein, 
der Antichrist werde sich selbst im Tempel von Jerusalem 
niederlassen! Ja wenn uns noch dieser Zug nur in der 
Variante, die wir oben in der Ascensio Jesaiae, Victorin und 
P.-A. aeth. fanden, erhalten worden wäre: Wie die Sachen 
liegen, müssen wir umgekehrt urteilen: auf Grund einer älteren 
Vorstellung, wie sie IL Thess. 2 vorliegt, ist vielleicht in der 
erregten Caligulazeit jene Variante der Sage entstanden. Da- 
mals lebte man allerdings in dem Glauben, dass mit Caligulas 
Drohungen, seine Statue im Tempel von Jerusalem aufzustellen, 
sich jene alte Weissagung: »der Beliar wird thronen im Tempel 
zu Jerusalems erfüllen werde. 

Aber wo sollten wir dann suchen? Jedenfalls müssen wir 



107 

uns die Frage stellen: ob diese Idee nicht doch irgendwie als 
ein Glaube des Spätjudentums sich denkbar machen lässt. Denn 
mit zu grosser Sicherheit zeigt sich dieselbe s^on an den ver- 
schiedensten Stellen im neuen Testament, und solche eschatologischen 
Ideen wachsen sehr langsam. — Unwillkürlich wendet sich unser 
Blick suchend zum Drachenmythos, sollten wir hier nicht Auf- 
klärung finden ? Wir haben bereits gesehen, dass der av&QO)7tog 
rffi avofilag nichts weiter als eine Vermenschlichung des alten 
Gottesfeindes, des dämonischen Drachen ist. — Nun, der Drache 
erstürmt den Himmel, die himmlische Behausung Gottes. Ein 
deutlicher Nachhall dieser alten Vorstellung findet sich noch 
Apok. 136; und er öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen 
Gott und er lästerte seinen Namen und seine Wohnung und die 
im Himmel wohnenden (das Engelheer). Der Drache stürmt 
(lästert) die Wohnung Gottes im Himmel, der Antichrist ver- 
drängt Gott aus seinem Heiligtum auf Erden, lässt sich im Tempel 
von Jerusalem nieder. — Vielleicht dürfte das die Losung der 
seltsam rätselhaften Phantasie sein. Dann wenigstens begreifen 
wir, wie eine solche Idee im Judentum entstehen und sich ver- 
breiten konnte. Sie mag nicht weit verbreitet gewesen sein, das 
junge Christentum hat dieselbe mit besonderer Vorliebe — wie 
das ja nur natürlich ist — weiter gebildet. So hat denn Paulus 
vor allem diese Idee übernommen. So nahm man eine kleine 
jüdische Apokalypse, die von den Zeiten des Antichrist, der 
gräulichen Verwüstung im Tempel, handelte, sogar unter die 
Herren worte auf. Denn dass Matth. 24 15 — 31 eine solche Apo- 
kalypse vom Antichrist war, wird immer deutlicher werden. 
Ebenso lässt der Verfasser von Eap. 11 der Johannesapokalypse 
das Tier, das aus dem Abyssos kommt, ganz selbstverständlich 
in Jerusalem auftreten. Im späteren Judentum ist dann freilich 
dieser Zug ganz verschwunden (vgl. Lactanz). Dieses hat seit 
dem ersten Jahrhundert den Antichrist in Beziehung zum römi- 
schen Herrscher und zum römischen Reich gesetzt Aber die 
Sage vom Antichrist ist älter als der specifische Haas des Juden 
gegen den Kömer, der ihm Jerusalem zerstört hatte. 

Und es bleibt diese Vorstellung mit ihrem dem Drachen- 
mythos entlehnten dualistischen Zug ein exotisches Gewächs 
auf dem Boden des Judentums. Die Idee einer gottfeindlichen, 
Gott aus seinem Tempel verdrängenden dämonischen Macht 



—- — 1 

108 



wird 'sehr bald zu der Erwartung eines einfachen Pseudomessias 
herabgestimmt. 



Der Antichrist der Pseudomessias der Juden. 

Für Paulus ist der Antichrist der Pseudomessias, der in 
Kraft des Satan durch Zeichen und Wunder wirkt, der falsche 
Messias, welchen Gott vor allem den Juden schickt, weil sie dem 
wahren den Glauben verweigern. Auch ist schon auf eine inter- 
essante Parallele Joh. 5 48 hingewiesen: »Ich bin im Namen meines 
Vaters gekommen und ihr nehmt mich nicht auf. Wenn ein 
anderer kommt in seinem eignen Namen, den werdet ihr auf- 
nehmen«. — Der Andre, der kommen wird in seinem eignen 
Namen, ist der Antichrist. So legen fast alle Kirchenväter die 
Stelle aus und von diesen hat man eben auf diesem Gebiet zu 
lernen, (vgl. Malvenda de anticbr. I, 599. die Kommentare zu 
Joh. 548 von Chrysostomus, Cyrill Alezandrinus, Euthymius, 
Beda, ferner schon Irenaeus V, 25 s, Cyrill cateches. XII 2, Aretas 
zu Apokalypse 11 7, Ambrosius in Psalmum 43 19, Prosper dimi- 
dium Temp. 9, Rufinus expositio Symboli 34, Hieronymus ad Alga- 
siam, in Abdiam v. 18, Adso 1296 A, Hugo Eterianus Kap. 23.) 
Beide eben besprochenen Stellen stellen eine Reihe von Kirchen- 
vätern zur Charakterisierung des Antichrist zusammen, vgl. die 
Kommentare zu IL Thess. 2 des Ambrosiaster, Theodoret, Theo- 
phylact, Oecumenius, ferner Hieronymus ad Algasiam 11, Theo- 
doret haeret. fabul. V, 23, Joh. Damascenus a. a. O., Altercatio 
Synagogae et ecclesiae Kap. 14. 

-JB o wird de n n üb erall in unsern Quellen __der_ Antichrist als 
ein unter den Jud en auftretender Pseudomessias geschildert. 
Schon Hippolyt Kap. 6 zieht die Parallele owfjaye za dtcrcnco?- 
jtta^iva rtQoßara b ocottjq, xal avzog opofcog iftiawd^ec zov 
duoyLQQrtiatiivov hxov. Ferner Hipp. 53. 2730 atzog yaQ tzqoo- 
xaliaezai ndvza zov hxbv rcQog iavzov &t 7taor\g %üiQag zijg 
diaorcoQag Idiorzoiovpevog <og zixva Ydia hftayyelöpevog ano- 
yuxzaazijaeiv zip %<aQav yuxl avaazrpBiv otvzdiv zijv ßaoiXetav. 

Ja schon bei Irenaeus finden sich charakteristische Ausfüh« 
führungen. Er legt das Gleichnis vom ungerechten Richter und 
der Witwe Luk. 18iff. mit Bezug auf den Antichrist aus V, 25 s: 



109 < 

ad quem fugit vidua oblita Dei i. e. terrena Hierusalem ad ulcis- 
oendum de inimico 1 ). Dazu ist V, 30 s zu vergleichen et osten- 
tationem quandam continet ultionis et vindictam inferentia, quod 
ille simulat se male tractatos vindicare. Auch Victorin sagt in 
seinem Kommentar (zu Kap. 13), obwohl er den Antichrist auf 
Nero deutet: hunc ergo suscitatum Deus mittet regem dignum 
dignis et Christum, qualem meruerunt Judaei. 
Bei Commodian hebst es 927 ff.: 

inde tarnen pergit victor in terra Judaea, 
. . • multa signa facit ut Uli credere possint, 
ad seducendos eos quoniam est missus iniquus. 
. . . nobis Nero factus antichristus, ille Judaeis. 
Auch der ganze Bereis der Litteratur, die sich um Ephraem* 
Namen sammelt, ist von diesem Gedanken beherrscht. 

Ephraem syr. 8: gloriabuntur autem in eo Judaei et accin- 
gent se, ut veniant ad eum. ille vero blasphemabit dicens: ego 
sum pater et filius etc. 

Ephraem gr. III, 238 A: 
rifiwv fiet* vfteQßolijg rb yivog twv 'iovdaiwv. 

aiToi yctQ nQOodoxüJOi trjv huivov elevoiv. 

238 C: nleiova de 6 dfpog b (povevrrjg (twv) 'iovdaiwv 

TifjuSoi tuxI %aiqovxat tjj avrov ßaoiteiq. 

Nach dieser Stelle bringt Ps.-Hipp. 24. 107 12 eine etwas 
ausführlichere Darstellung. 

Cyrill XV, 10: xai diä fiiv rijs tov Xqiotov TrQOOTjyoQiaf 
'lovdaiovg xovg tov 'HXeiwiivov 7tQoaSo7u3vrag anatwvta. 

Ps.-Ephraem 7: tunc gratulabuntur (ei) Judaei ei, quod ei* 
reddiderit usum prioris testamenti. 

J.-A. 6 cod. E: xal owccx&yoovrai ayvotoroi xal ayQap- 

fidtiOTOt XiyovTBQ nqbg aXk^Xovg' ^15 aqa evQioxofiev ccvtov 6U 

xaiov; l'oTiv hviaTHQiLwv (?) 8 Srjfiog xtxiv cpovevtajv'lovdatwv*). 

D.-A. gr.: %ai nqd^u Savpaora xal naqado^a nqdynaxa 

xal fieyakwel votg *Iovdaiovg. 

Hieronymus kann daher, was die Verbratung der Tradition 



1) dieselbe Auslegung auch Hipp. 56. 28 r. 

2) ebenda Cod. B: noi&r yttvdwpavtaoiav xal iyantfoti xlttoxa tat 
'Eßgaicov yirof. 



110 

anbetrifft, mit Recht sagen 1 ) zu Dan 1128: nostri autem et me- 
lius interpretantur et rectius, quod in fine mundi haec sit facturus 
antichristus, qui consurgere habet de »modica gente« i. e. de po- 
pulo Judaeorum. 

Zu vergleichen sind ferner noch: 

P.-A. aeth.: in jenen Tagen wird ein König kommen, bös- 
gesinnt und übelthaterisch , jenes Tages wird Zabulon sich er- 
heben und Naphthali den Hals hochrecken und Kapernaum sich 
rühmen weil sie jenen Mann für Christus halten werden. 

Adso 1296A: tunc ad eum concurrent (omnes Judaei) et 
«xistimantes se recipere Christum recipient diabolum *). 

Der Antichrist wird daher sich auch beschneiden lassen. 
So schon 

Hipp. Kap. 5: £v TteQitOjui b owttjq f;Xd-ev dg xov moiiov, 
nal avtdg ouotcog ikevoevai. 

Victorin (in Apok. 13) sagt daher von dem wiederkehrenden 
^Nero: et quoniam aliud nomen allaturus est, aliam etiam vitam 
instituturus, ut sie eum tamquam Christum excipiant Judaei, ait 
(enim) Daniel: »desideria mulierum non cognoscet, cum prius 
fuerit impurissimus et nullum Deum patrum cognoscet«, non 
enim seducere populum potent circumeisionis nisi legis vin- 
dicator. 

— Dieselbe seltsame falsche Übersetzung der Danielstelle, deren 
Verbreitung und Ursprung man einmal nachgehen könnte, zeigt 
Ps.-Ephr. 7: tum complebitur illud eloquium Danielis prophetae: 
et deum patrum suorum neseibit neque desideria mulierum cog- 
noscet. 

Dieselbe Relation wie Victorin muss übrigens auch Lactanz 
Tor Augen gehabt haben, bei ihm ist jedoch der alte Zusammen- 
hang nicht mehr erkennbar (s. o. S. 85). 

Lact VII, 16. 635 15: nova consilia in pectore suo volutabit 



- 1) Tgl. noch Victorin 1247 D »synagoga sunt satanae quoniam ab 
antichristo eolligontar«. 

2) vgl. Harmo IL Thess. 2 : tone confluent ad eum omnes Judaei. 
Elucidarium: huncJudei ex toto orbe yenientes snmmo roto suseipient. 
Selbst in der arabischen Überlieferang ist der Antichrist ein König der 
Juden (s. o. S. 74), 



111 

ut denique immutato nomine l ) atque imperii sede trans- 

lata confusio ac perturbatio humani generis persequetur. 

Ferner sind folgende Stellen zu vergleichen: 

Ambrosiaster II. Thess. 2: ex circumcisione aut circumcisum 
illum venire sperandum est, ut sit Judaeis credendi Uli fiducia. 

Adso 1293 C et ciroumcidet se et filium Dei omnipotentis se 
esse mentietur; an andrer Stelle 1296 A: Hierusalem veniens 
ciroumcidet se dicens Judaeis: ego sum Christus vobis repro- 
missus, qui ad salutem vestram veni, ut vos qui dispersi estis 
congregem et defendam. 

Haymo in II. Thessal. 2 : et cum venerit Hierosolymam, cir- 
oumcidet se dicens Judaeis: ego sum Christus vobis promissus. 

Oder es wird berichtet, dass der Antichrist zur Beschneidung 
zwingen wird: 

Victorin: denique et sanctos non ad idola colenda revocatu- 
rus est, sed ad circumcisionem colendam, et si quos potuerit se- 
ducere, ita demum faciet, ut Christus ab eis appelletur. 

Ps.-Ephraem 7 : proponet namque edictum, ut circumcidantur 
homines secundum ritum legis antiquae. 

Martin v. Tours: omnes secundum legem circumcidi jubet. 

Beatus 444: antichristus enim cum venerit legem priscam 
et circumcisionem annuntiabit. 445 unten: ipse enim antichristus, 
cum impurissimus sit, castitatem et sobrietatem praedicaturus est; 
quia neque potator vini erit neque ullum genus mulierum ad 
eum accessum — habebit. 

Wieder ist hier eine bemerkenswerte Parallele zur Simon- 
Magus-Sage zu notieren. Martyrium Petri et Pauli 43: NeQUrv 
einer: ovxovv %ai 2l^lwv nequTfxr^r}; IliTQog Änev ovdi yaQ 
aXXtog rjdvvato anavijocu if/vxag, ei fit} 'Iovddiov elvai eaxrvov 
iftenQivero xai rcv rov &eov vdfiov dida&i enedeiiwvTo. 

Weiter ist diese Idee von dem Auftreten des Antichrist als 
des falschen Messias ausgeführt in dem Kreis der von Ephraem 
abhangigen Schriften >). 

Ephraem gr. II, 137: 
kv oxqpazi de rovrov fjl-ei 6 TtaptuaQog 



1) rgl. Victorin nomine mutato et actu immutato. 

2) rgl. hierzu IL Kor. 11m afcog yä$ 6 aaxaväg fAexaoxrifM.xi(sxai 



112 

cjg YXiitvqg xpevdevXaßrjg, anaxipai avfiftayra, 

zarzuvog xal ijovxog, piotZy q>ijaiv ädlxcov, 

artOOTQtcpwv el'dula, rtQCzifiüjY evoißetccv, 

&ya&og q>iloma>xog f eveidr,g IrtBqßolfj, 

navv GvxavdozaTOQ, IXaQog 7t<j6g anavtag. 

Eine genaue Parallele haben wir Ps.-Hipp. 23. 106 iß. Ferner: 
Pseudo-Ephraem Eap. 6: sed nefandus ille corruptor potius 
animarum quam corporum, dumque adulescens subdolus draco 
sab specie justitiae videtur versari» anteqoam sumat imperium. 
J.-A. 6 cod. E: xal aqxerai %6 XQtvai peta Tcyafarpog xal 
ileriuoovrrjg rzoXkrjg xal <Jvyz(0(rfomg afiaQTwXwv xal wg <pr\oi 
avyxwqei a/ua^rij/icrrcr. 

Cyrill 15 10: xa nq&ta fiiv irzuixeiav coaavei XSyiog tig 
xal avvetog ooHpqoavvrpf re xal <pilav&Q(D7t(av inoxqivctai 

(cf. 15 15).*) 

Job. Damascenus: xal h ngooifiioig rrjg ßaailsiag avrov 
VTcorAQivßrai aya&oovvrjv 

P. A. aeth.: all sein Thun ist Menschengefälligkeit. 

Anhang. Die Geburt des Antichrist aus Dan. 

Damit hängt zusammen, dass man den Antichrist aus dem 
Stamm Dan erwartete. Es ist dies ein Beweis, dass die vor- 
liegende apokalyptische Tradition unter dem Einfluss der jüdi- 
schen Haggada entstanden ist Denn dieser Glaube ist entstan- 
den auf Grund rabbinischer Auslegung alttestamentlicher Stellen: 
Dt 3322, Gen. 49 17, Jerem. 8i6> und wird überall bei den Kirchen- 
vätern mit Berufung auf diese Stellen vorgetragen *). 

Die Anschauung wird schon vertreten von Irenaeus V, 302 
(nach Jer. 8ie); ferner von Hippolyt Eap. 14 u. 15 (nach ihm 
Ps.-Hipp. Eap. 18 u. 19), Ambrosius de benedict Patriarcharum 7, 
in Psalm 40, Eucherius in Genesim IH,p. 188 ; Augustin in Josuam 
quaestio XXII, Jacob v. Edessa (bei Ephraem I, 1921), Ps.- 
Ephraem Eap. 6, Theodoret in Genesim quaest. 110, Prosper 
Aquit dimid. Temp. 9, Gregor Moralia XX XL 24, Ps.-Methodius, 
Anastasius Sinaita in Hexaemeron Lib. X, 1018B, Adso 1292 B, Sib.- 
Beda, Hugo Eterianus; zu Apok. 11 7 bringen auch die Kommen- 
tare des Primasius und Ambros. Ansbertus diese Bemerkung. 

1) rgl. auch Philippas Solitarias 816 A. 

2) rgl. Malvenda I, 140. Caspari 217, Anm. 22. 



113 , 

Diese Vorstellung reicht wahrscheinlich weit zurück. Ire- 
naeus V, 302 behauptet wenigstens: et propter hoc non annume- 
ratur tribus haec in Apocalypsi cum his quae salvantur. Die- 
aelbe Bemerkung bringen zu Apok. 7 5 ff. Andreas, Arethas, Beda 
(von späteren Haymo, Anseimus, Strabo, Rupertus, Richard von 
S. Victor) und das Elucidarium 1 ). 

Mir scheint diese Auslegung, zumal da sie jetzt nur als ein 
Glied in der Kette eines grosseren Zusammenhangs erscheint, die 
einzige, die einen bestimmten Grad von Wahrscheinlichkeit hat, 
dann hätte also schon der Verfasser von Apokalypse VU diesen 
Zug der Antichristsage gekannt. 

Damit hängt zusammen, dass man in späteren Quellen be- 
stimmter annahm, dass der Antichrist von Babylon kommen 
werde, denn dort im Osten dachte man sich den Stamm Dan 
wohnend. Hier scheint der Einfluss des Hieronymus nachgewirkt 
haben, der zu Dan IIa? 1 ) bemerkt: nostri autem secundum su- 
periorem sensum interpretantur omnia de antichristo, qui nasci- 
turus est de populo Judaeorum et de Babylone venturus. — Die- 
selbe Notiz haben zu Kap. 9u der Apok. Andreas, Arethas; zu 
Apok. 17 Beda; zu II. Thess. 2 Haymo, Strabo. Sie findet 
sich ferner bei Adso und im Elucidarium ; zu Apok. 13 bei Ru- 
pertus Tuitiensis; zu Dan. 11 37 bei Anseimus Laudunensis. 

Am deutlichsten zeigt den oben angedeuteten Zusammenhang 
die Ausführung des Andreas zu Apok. 16 12; 72 15: elxog 3i vxtl 
zbv ^uivrixQicxov Ix xüv avavofoxiuv peQCJv xijg IIeQar/,fg yrjg 9 
i'v&a fj (pvlri rov Jav, h. £t'£)j£ K Eßqaiwv I^bqxo^lbvov. 

Diese Anschauung, dass der Antichrist von Osten kommen 
werde, lässt sich nun — freilich noch nicht in Verbindung mit 
der Anschauung, dass er aus dem Stamm Dan komme — noch 
weiter zurückverfolgen. 

Lactanz VU, 17: alter res orietur ex Syria. 

Wichtiger noch ist die Stelle bei Commodian 932: De Per- 
sida homo immortalem esse se dicit. 

Dagegen findet sich bei Ps.-Methodius eine andre Tradition: 
ovtog ysvvatai &v XcoQaLr,, dioxt durQiipev b> avzolg b xvQiog, 
xal Brjdxiaiäa (?), ii&ct ev avrf ävezQaqni* Ebenso heisst es in 



1) Malvenda I, 155. 

2) Malvenda I, 163. 

Bovsitt, 4« Antiehrift. 8 



114 

den* Quaestiones ad Antiochum (Migne 28) 109: ix rijg rafo- 
Xaiag, o&ev 6 XqkjiÖq i£ijX9tv, i&Qxetcu. Von dieser Tradition 
zeigen sich Adso 1293 B und das Elucidarium abhängig, insofern 
hier behauptet wird, dass der Antichrist in diesen Gegenden auf- 
wachse. Der Ursprung dieser Phantasie ist klar. 

Bezeichnend ist übrigens, dass die Anschauung von der Ge- 
burt des Antichrist aus dem Stamm Dan bei Ephraem und dem 
von ihm direkt abhängigen Quellen sich nicht findet Es scheint 
mir das wieder ein Beweis zu sein, wie altertümlich die Vorstel- 
lungen vom Antichrist sind, die sich gerade hier finden. 

Doch können wir andrerseits die Meinung vom Ursprung des 
Antichrist aus dem Stamm Dan auch in einer wahrscheinlich 
.jüdischen Quelle nachweisen, nämlich im Testamentum XII. Patri- 
archarum Dan Kap. 6. Leider ist hier der Text so verderbt, 
dass sich bestimmte Behauptungen nicht aufstellen lassen. Jeden- 
falls wird gerade in der Weissagung, welche den Söhnen Dans 
zu Teil wird, Beliar als Antichrist geschildert Kap. 5: xcu ava- 
reXel vfuv ex Tr>g (pvXiJQ *Iovda xal tov AbvI to gwttJqiov xv- 
qLov. -mxl avvög Tcoirpsi nqog tov BeXiaQ rtokefiov. Dieser 
Beliar scheint aber nun in bestimmter Beziehung zu den Söhnen 
Dans zu stehen. Es heisst dort: aviyvwv yaq iv ßißlq> *Evwx 
tov dr/.alov, ort 6 aqxtov tficuv ioziv o JSazavag, xat ou navra 
~tol 7tv£ifAccTct Ttjg TtOQrelag v.ai in&QV\q>aviag t$ Atvl vncrAOuoov- 
Tai, tov 7iaQeÖQ€veiv Toig vlolg uievi, tov tcouiv avrovg i£a- 
fxaQrdveiv evaiftiov tlvqiov. So wie der Satz dasteht, ist er aller- 
dings sinnlos. Was soll das heissen, sie werden dem Levi ge- 
horchen, um den Söhnen Levis nachzustellen? Weiter hilft uns 
cod. R., in dem das T(p AgvL fehlt; streichen wir die Worte, so 
steht VTtaxovoovrai ohne Beziehung. Es ist aber zu vermuten, 
dass der Fehler in dem Wort v7tcM.ovoovTai liegt, eine Hand- 
schrift der lateinischen Version übersetzt sese applicabit (sc. omnis 
Spiritus). Vielleicht wäre vrtodvoovrai zu lesen: Alle bösen 
Geister werden sich bemühen, den Söhnen Levis nachzustellen. 
Dann haben wir den vermuteten Gedanken: die Söhne Dans im 
Bunde mit Beliar und seinen Engeln gegen Levi. Im folgenden 
ist dann freilich der Gedanke wieder verwischt, indem hier vor 
allem auch die Sündhaftigknit der Söhne Levis und Judas betont 
wird. Es wäre dringend zu wünschen, dass möglichst bald der ge- 
sammte Textapparat zum Testamentum uns zur Verfügung stünde. 



115 

Immerhin bleibt es bedeutsam, dass wir gerade im Testa- 
mentum Dan, wo wir eine solche Ausführung vermuteten, in der 
That die Idee eines Bündnisses des Satans mit den Söhnen 
Dans angedeutet finden. Von der Geburt aus dem Stamm Dan 
war hier freilich noch nicht die Rede. Beliar ist im Testamentum 
ja eben noch nicht als Mensch, sondern als böser Dämon auf- 
gefasst, aber zugleich als der Dämon, der sich am Ende der 
Tage gegen Gott empören wird. 



Die Wunder des Antichrist. 

Vor allem sind es Wunder und Zeichen am Himmel, welche 
die Quellen vom Antichrist berichten. Bei diesen wie bei allen 
andern wird ü brigens jedesmal betont, dass es nur lügenhafte 
und magische Scheinwunder seien, die er vollbringe. 

SibylL in, 64: 
xai ovrjaei oqbwv vrpog, avTJaet di d-alaaoav, 
'Hiliov ituQoevra piyav Xa^rtgav re asXr^vriv. 

Ascensio Jesaiae IV, 5: et eius verbo orietur sol noctu, et 
luna quoque ut sexta hora appareat, efficiat 

Von hier aus wird wieder klar, dass IV. Esra V. 1 ff. von 
der Antichristsage abhängig ist. V. 4 heisst es: et relucescet 
subito sol noctu et luna interdiu. Hierher gehört auch Apok. 13 is, 
wie später nachgewiesen werden wird. Zu diesem direkt jüdischen 
Überlieferungskreis ist dann noch Lactanz 1 ) hinzuzurechnen 
VII, 17. 6394: jubebit ignem descendere a coelo et solem a suis 
cursibus stare (mit Anklang an die Apokalypse). 

Ferner sind zu vergleichen: Apok. Zeph. 124: Er wird zur 
Sonne sprechen: falle, und sie fällt. Er wird sprechen: leuchte, 
und sie thuts. Er wird zum Monde sagen: sei blutig, und er 
wird es. Er wird sie vom Himmel verschwinden lassen. 

Ephr. syr. 9 : tunc incipiet ostendere signa mendacia in coelo 
et in terra, in mari et in arida, advocabit pluviam et illa descendet. 

Ps.-M. 93 B: /xeraoiQaxpei xov tjXiov elg axotog xal tijv 
oekyvqv eig alpa f ). 

P.-A. aeth. : und wird die Sonne im Westen aufgehen lassen 
und den Mond gegen Aelam zu. 

1) Tgl Commodian 927. 

2) vgl. Adso 1293 D. 

8« 



116 

* Ps.-Hipp. 26. 10828: ftoiijau t^v fpeQav axozog xal vrp 
v&xza r^iiqavj xov rjkiov pezaazQetpei ortov ßovlezaty xal cutak- 
arthSg navza xa oroixela zijg yffi xal xffi $aXaoor\g h 
dwaftei xijg <pawaoiag avzov bnamov z&v &*a)QOtvz(ov ava- 

Ausserdem werden besonders Heilungswunder hervorgehoben, 
aber dabei wieder betont, dass alle Wunder des Antichrist nur 
Scheinwunder sind. 

Sib. m, 66 ff.: 
xal vexvag axrpti xal otjfiaxa noila noirpu 
av&Qco7toig • akka ov%l zeXeacpoQa eoaer* Iv avzqi, 
akla rrXava, xal dij ixiqonag nolXoig ze nhxvrpu. 

Ps.-Hipp. 23. 106 u: peta 6i xovzcov anavnav arjfieia im- 
zeUaet, .... alX ovx ataj#ij>, alX* iv 7t)Mvt], onoig n?jxwjo7] 
zovg ouoiovg avxtp aoeßeig. 24: k&nqovg xa&a^lLwv, naqa- 
Xvzovg iyeiQwv, daipovag anskavviav .... vexqoig aviozaiv. 

Apok. Zeph. 125: Er wird die Lahmen gehen, die Tauben 
hören, die Stummen reden, die Blinden sehen machen, die Aus- 
sätzigen wird er reinigen, die Kranken heilen, den Besessenen 
die Geister austreiben. 

Ephr. syr.: increpabit leprosos et purificabuntur, caecos et 
videbunt lumen, vocabit surdos et audient, mutos et loquentur. 
" Ps.-M. 99: zvcplol avaßliipovoiv , %wXol fieQirtanjaovoi, 
dalfxoveg iadyoovzai . . . xal iv zoig aizov xpeodoortfieioig xal 
(pavraaicüdeat zeQaatv ... 

J.-A. Kap. 7: tcqi(uv xpevdocpavazaoLag. 

Andreas 5627: dt? ov (sc. xov diaßokou) xal vexQoig tyeiQeiv 
xal or^eia intzeleiv zoig fcentiQWfiivoig zä zijg öiavoiag 
Ofiftaza cpcnnqaezai. 

D.-A. arm. 239 iö: aus den Steinen Brod schaffend, die 
Blinden sehend, die Lahmen gehend machend. 

Elucidarium: faciet enim tarn stupenda miracula, ut jubeat 
ignem de coelo descendere ... et mortuos resurgere. 

Das trügerische der Wunderzeichen des Antichrist betonen 
noch Iren. V, 282, Cyrill 15io, Hieronymus ad Algasiam 11, 
Chrysostomus II. These. 2, Joh. Damascenus, Sib. Beda. 

Ausdrücklich aber wird in dieser wohl an Matth. 11 2 sich 
anlehnenden — also später in die Tradition hineingekommenen — 



117 

stereotypen Schilderung vielfach bemerkt, daas dem Antichrist es 
nicht gelingt, Tote zu erwecken. 

Apok. Zephanja 125 : Er wird die Dinge thun, die der Christ 
thun wird, bis auf. das Erwecken der Toten allein. Daran 
werdet ihr erkennen, dass er der Sohn der Gesetzlosigkeit sei, 
dass er keine Macht über die Seele hat 

Ephr. syr. 9: faciet nempe omnia signa, quae fecit Dominus 
noster in mundo, defunctos autem non suscitabit, quia non habet 
potestatem in Spiritus 1 ). 

J.-A. Kap. 7 Cod. E: vexQOvg oirx kytiqei (die Konjektur 
Tischendorfs ist also überflüssig). 

Diemer, deutsche Gedichte des 11. u. 12. Jh. 280: 
aver diu zeichen, diu er tut, 
diu ne eint niemen gut; 
er ne kuchet niht den toten. 

Quaestiones ad Antioch. ducem 109: Xiyoval Ttveg, ürt, ov 
dvvarat 6 dwixQiOTog vbtaqov av&Qto7iov avaoTTJaai, irtsi navta 
ra XoiTta or^ieia noul*). 

Etwas anders ist die Tradition bei: 

Cyrill 15 u: b ydq naxrjQ xov \pevdovg td vov ipevdovg 
h'fya (favxaoioa-AOftel, %va zd Tvlijdij vofiiar] -freiogeiv vertQdv 
iyeiQOjiievov tov nrj iyeiQÖuevov*). 

Adso 1293 D: mortuos scilicet in conspectu hominum resus- 
citari ..... [sed et mendacia erunt et a veritate aliena] (vgl. 
Haymo in Thess. II, 2). 

Elucidarium : suscitabit mortuos non vere, sed diabolus . . . corpus 
alicuius intrabit ... et in illo loquetur, ut quasi vivum videatur. 

Auch in der spätjüdischen Geschichte Daniels wird hervor- 
gehoben, dass es dem Antichrist gelingt, alle von ihm gefor- 
derten Zeichen zu erfüllen, während die Totenerweckung ihm 
nicht gelingt. Bei Ephraem syr. Kap. 11 sagen Elias und 



1) Diese direkte Berührung zwischen Ephr. syr. and Apok. Zeph. 
ist bemerkenswert (vgl. auch das vorhergehende). Sie beweist einen 
litterarischen Zusammenhang. Eine direkte Beziehung zwischen den 
beiden Quellen wird freilich nicht anzunehmen sein. 

2) Tgl. auch das folgende: vtxQov dtbtwaw iytiQ6fuvov ovx h 
dArj&etq, <LU' h (pavxaolq. 

_ • 

3) auch in der jüngeren Becension des Victoria-Kommentars zur 
Apok. (nicht in der älteren) findet sich (Migne V, 389 C) dieser Gedanke. 



118 

Heiloch (über diese a. unten) zum Antichrist: si tu es Deus, 
voca def unctos et resurgent . scriptum est enim in libris prophe- 
tarum et etiam ab apostolis, quod Christus quando apparebit, 
mortuos a sepulcturis suscitabit 

Eine ganz besondere Tradition vertritt hier wiederum 
Ephraem graec. HI, 138E: 

HsyaXvva» ortfitia ftXrjdvvwv xa (poßrpcQa, 

xpevdog xai ot/x aXtj&eiav xavxa ivdeiyarvfievog. . 

XOlOVXlp Ö€ TQOftqt fl8&tOX<f b xvQarvog 

%ä oQt], yavxätu (Sei) xpetöcig %ai ovx dXrj&eiq 

xwy 7tXij&(uy TtaQearojTiüv Xctwv rtoXXwv xai dyuiov 

mal eixpr/fiovvraiv avxov dia rag qxxvraoiag *). 

Es folgt eine ausführliche Schilderung, wie der Antichrist 
trügerisch und nur zum Augenschein Berge versetzt. Dann heisst 
es weiter 139 C: 

naXtv aixbg b dgchuov vtpaftlaivyei xag %ÜQag 

%ai awayei xo rtXrjd-og*) hQrcexcSv %ai ftszeivwv • 

opoitog <P imßalvzi enavia tilg aßvaaov 

ytxti äcrcBQ ifti friQif 7teQi7tarel In avrrj. 

(favzaCu xa ovfirtavra. 

Eine genaue Parallele zu der ersten Hälfte dieser Ausfüh- 
rungen findet sich bei Ps.-H. 26. 108 uff. 

Von diesen Ausführungen ist endlich auch J.-A. Kap. 7 
cod. E abhangig: OQt} xai ßovvovg perayuvrjoei xat diavevoei 
xr^g fiefiiafxivtjg x ei QOQ avxov* devxe rtQog fie rzavzeg xai du 
ipavxdofiaxa xai ftXavrig (!) ovrayovxat. ev x<p Idiot xony. 

Dazu kommt noch eine sehr bemerkenswerte Parallele der 
Apok. Zeph. 125: Er wird auf dem Meer und auf den Flüssen 
wie auf dem Trockenen gehen. 

Sehr bedeutsam ist es nun, dass wir in der Simon-Magus- 
Sage und ihren Wundererzählungen sehr verwandte Züge finden. 
In den actus Petri cum Simone 28 ff. wird z. B. ausführlich ge- 
schildert, wie Simon-Magus einen Toten nur zum Schein lebendig 
machen kann, und der Zauber verschwindet, sobald er von der 



1) Phüippus Solit. 816 C: terrores ac prodigia ad deceptionem 
effingens, ut inconsideratis mentibus montes tranaferre videatur. 

2) dazu Tgl. Philippas Solitarius 818 A, wo die Menschen den 
Belial anflehen, die Drachen von ihnen zu entfernen; auch Apok. 
Zeph., p. 128. 



119 

Leiche zurücktritt, während dann Petrus ihn wirklich auf erweckt; 
und die ganze Darstellung des Streites zwischen Simon und 
Petrus gipfelt in den verschiedenen Quellen darin, dass Simon 
die Auferweckung eines Toten nicht gelingt, während Petrus sie 
▼ollbringt. In den Recognitionen III, 47 werden die Wunder 
des Simon Magus aufgezählt: ego per aerem volavi, igni com- 
miztus unum corpus effectus sum, statuas moveri feci, animavi 
exanima, lapides panes feci, de monte in montem volavi, trans- 
meavi manibus angelorum sustentatus, ad terras descendi (vgl. 
eine andere Aufzählung II, 9). Ebenso Homilie 2 83: avdqi- 
dvvaq ftöiel izsQiTcaxziv yuai iitl tcvq nvfaofievog ov xat'erca, 
more de xai nixaxai^ yxcl «c Xi&tov clqtovq ttouI, oq>i$ yiverai, 
elg alya fieictfiOQ<povzai, öinQoacorcog yivecat. 33: noiovvza 
^avfiaaia kqoq m AmanXr£iv yjxi aTtdrrp, ov arjueia tcrrixa ftQÖg 
ifctOTQO<priv xort owTrjiftav. 

Auf die Parallele sind denn auch die Kirchenväter des 
öfteren aufmerksam geworden. Andreas weist in seinem Kom- 
mentar Kap. 37. 58 89 ff. darauf hin, wie Simon beinahe in 
Gegenwart des Petrus einen Toten auferweckt habe und meint, 
in ähnlicher Weise werde auch der Vorläufer des Antichrist 
(Apok. 13 li ff.) seine Wunder und Zeichen verrichten. Ebenso 
deutet er Apok. 13 s auf eine wunderbare Totenerweckung, welche 
der Antichrist vollbringen werde, und macht auch hier wieder 
(56 is) auf das Vorbild des Simon Magus aufmerksam. 

Eterianus de regressu animarum 23: magica enim arte 
homines eludet et phantasia, ut Simon Magus fecisse credendus 
est, qui quod non faciebat, facere videbatur. 

Apok. 138 deutet man später darauf, dass der Antichrist, 
um sich vollständig Christus gleichzustellen den Tod erleiden, und 
sich selbst auferwecken würde. Ich finde die Deutung zuerst 
bei Primasius zur betreffenden Stelle der Apokalypse, ferner bei 
Gregor epist. XIII, 1 ; von Primasius entlehnen Beda, Ps.-Ambrosius, 
Ansbertus, Haymo die Phantasie, auch die heilige Hildegard 
kennt dieselbe (vgl. Malvenda II, 125 f.). 

Hier macht Adso wieder auf die Parallele mit der Simon- 
Magus-Sage aufmerksam: per magicam artem et phantasiam de- 
ludet homines, sicut et Simon Magus illusit illum, qui putans 
occidere eum arietem occidit pro eo. (diese Sage wird ausführlich 
Martyrium Petri et Pauli (bei Lipsius u. Bonnet 118 ff.) Kap. 31 



120 
erzählt, wie auch an andern Stellen). — Man sieht, wie hier 

a 

beide Sagenkreise sich in einander verschlingen. Man weiss 
kaum» auf welcher Seite die Priorität liegt Wahrscheinlich nach 
Adso bringt den Vergleich auch Haymo IL These. 2. 

Ja es findet sich endlich noch eine viel frühere interessante 
Stelle, welche diejenige Anschauung uns zeigt, aus welcher die 
Vermischung der beiden Sagenkreise hervorgegangen ist 

Hom. 2x7 sagt Petrus: olxtog dtj 9 dg 6 dXrjdjjg f^iiv ftqo- 
<pfoi]S GtQipiev, ftQcZrov ipevdig Sä iX&eiv evayyiXiov vno 
fthxvov xivog (sc. Simon) yxxI *l& otxcog fieza vuadtxiQWiv xov 
dyiov x6nov evayyiXiov dXrjd'ig %qvq>a diartefKf&rjyat .... yuxi 
pera xavxa rtQog t<£ xiXei ndXiv rtqwxov avxi%qioxov iXd-eiv 
del, tuxI xoxe xov ovriog Xqtaxbv rjficSv *Ir t aovv avatpavrjvai, xcri 
peca xotxo altoviov qxozog ävttzelXavrog navxa xä xov CAOtovg 
acpavij yevead'ai 1 ). 

Es wird sich hier verlohnen, einmal die gewonnenen Ergeb- 
nisse zusammenfassen. In der gesamten christlichen Tradition 
ist die antichristliche Macht nicht das römische Reich, sondern 
dieses wird — trotz der Apokalypse und der Geschichte des jungen 
Christentums — als der yuxrixwv aufgefasst Der Antichrist ist* 
der unter den Juden in Jerusalem auftretende Pseudomessias, 
der in der Kraft des Satans Wunder und Zeichen wirkt und 
sich im Tempel Gottes niederlässt Als der Herrscher der Juden 
wird er von diesen freudig begrüsst Er ist kein friedlicher 
Imperator, keine politische, sondern eine durchaus und rein 
eschatologische Gestalt — So liegt die Idee schon im neuen 
Testament vor. Nach Paulus ist der av&QW7tog xijg avoplag 
der Pseudomessias, welcher den Juden zur Strafe dafür gesandt 
wird, dass sie den wahren Messias nicht angenommen haben. 
Ein ähnlicher Gedanke liegt Job. 548 vor. — Das in Mtth. 24 



1) dazu Tgl. auch Eec. II, 60. Hier werden die Wander des 
Simon mit denen verglichen, welche der Böse am Ende der Tage zu 
vollbringen Macht haben wird. Simon Magna Tollbringt nur nutzlose 
Wunder, während am Ende der Welt von der bösen Macht anch Heil* 
wunder (Totenerwecknng wird nicht genannt) vollbracht werden (deztera 
signa). So liegt auch hier hinter der Simon-Magus-Sage schon die 
Tradition vom Antichrist. — In diesem Zusammenhang sei noch er- 
wähnt, dass auch das, was von der wunderbaren Geburt des Magiers 
berichtet wird (Bec. II, 14), an die Tradition vom Antichrist anklingt. 



121 

eingesprengte Stück stammt ebenfalls aus derselben apokalypti- 
schen Tradition. Derjenige Apokalyptiker, der Apokalypse XI 
koncipierte, konnte das Tier aus dem Abgrund ohne weiteres in 
Jerusalem auftreten lassen. 

Wenn wir weiter in der Apokalypse suchen, wo wir etwa 
noch Spuren derselben eschatologischen Überlieferung begegnen, 
so ist hier vor allem noch auf 13 uff. aufmerksam zu machen. 
Dem Tier, das hier aus dem Land aufsteigt, liegt ursprünglich 
die Idee des Antichrist zu Grunde. Es ist keine feindliche, 
fremde, politische Macht, sondern kommt in Lammesgestalt, es 
ist nach der Meinung des Apokalyptikere der Pseudoprophet, — 
vom Pseudomessias nicht weit verschieden. Es redet wie ein 
Drache, — wieder ein neues Überbleibsel — ein Zeugnis für 
die Herkunft der Gestalt des Antichrist aus dem Drachen- 
mythos. Es thut Zeichen und Wunder, welche eine gewisse 
Ähnlichkeit mit den eben zusammengestellten Wundern des Anti- 
christ haben. Ein besonders charakteristischer Zug, das Geben 
des Zeichens auf Stirn und Hand und das Kaufen und Ver- 
kaufen auf Grund dieses Zeichens, wird weiter unten in der Anti- 
christsage seine Erklärung finden. — Das Tier kommt vom 
Lande, es tritt im Lande Palästina 1 ) auf, während das erste Tier, das 
romische Reich oder einer seiner Imperatoren natürlich aus dem 
Meere aufsteigt, übers Meer kommt. Der Apokalyptiker, für den die 
römische Weltmacht die antichristliche Erscheinung geworden ist, 
und der in dem wiederkehrenden Nero den Antichrist erwartete, 
hat mit der alten unpolitischen rein eschatologischen Gestalt des 
Antichrist nichts anders anzufangen gewusst, als dass er sie 
zum Diener des ersten Tieres degradierte. Dabei sind natürlich 
eine Reihe von Zügen in das ältere Bild hineingezeichnet, alle 
diejenigen, durch welche das zweite Tier mit dem ersten in Ver- 
bindung gesetzt ist, also V. 12. V. 14. V. 15 b. (während 
V. 15 a aus der alten Sage stammt) V. 17 b. V. 18. 

Nun wird auch klar, wie es kommt, dass Hippolyt, trotzdem 
so in die Auslegung die grösste Verwirrung kommt, behaupten 
konnte, dass das zweite Tier der nach dem Untergang des ersten 

1) ich glaube, dass diese Erklärung näher liegt, als diejenige 
Gunkels, der die beiden Tiere in Kap. 13 auf den alten Mythos von 
zwei das Meer und das Trockene beherrschenden Urungeheuern zurück- 
führt. 



122 

Tierea (des römischen Reiches) erscheinende Antichrist sei. Er 
kannte die alte Sage und erkannte noch deutlich in der zweiten 
Hälfte von Kap. 13 die alte Gestalt des Antichrist wieder. 

Wir stehen hier vor einem entscheidenden Einblick in 
Werden und Entwickelung des ganzen Mythos, der uns interessiert. 
Aus dem alten Drachenmythos wurde um die Zeit des neuen 
Testaments die Sage vom Antichrist. Diese ist dann wieder 
politisch umgedeutet auf das römische Reich und den wieder- 
kehrenden Nero. Denn dass in Apok. Kap. 13 und 17 das 
Bild des Nero redivivus im Vordergrund steht, kann nur kritische 
Gewalttätigkeit leugnen. Und zwar ist es so unlösbar mit dem 
ganzen der Darstellung verbunden, dass eine Ablösung dieser 
Gestalt von dem Ganzen der Ausführungen mir unmöglich er- 
scheint. 

Namentlich in jüdischen Kreisen ist diese politische , An- 
wendung der Sage vom Antichrist lebendig geblieben. — Sie be- 
herrscht die sibyllinische Litteratur gerade in ihren direkt jüdi- 
schen Bestandteilen. Als mit der Verzögerung der Wiederkehr 
des Nero über ein Menschenalter hinaus, die einfache Erwartung 
des mit den Parthern wiederkehrenden Herrschers, sich zu dem 
phantastischen Glauben an einen Nero redivivus umwandelte, da 
drangen nun — so wunderbar verschlingen sich die Sagenkreise 
— die Züge des alten Drachenmythos in die Nerosage ein. So 
liegt dieselbe schon Apok. 13 und 17 vor, noch deutlicher aber 
in den Sibyllinen. Hier ist Nero zum Python geworden, zum 
wutschnaubenden Drachen, zu einem unheimlichen, gespenstisch 
dämonischen Wesen, welches die Parzen durch die Lüfte herbei- 
führen. Ja, es scheint mir nicht ganz unmöglich, dass das dunkle 
Bätsei wort, Apok. 17 s, wie Gunkel will, ursprünglich der alten 
Schlange galt, welche einst schon im Kampf von Gott besiegt, 
am Ende der Tage wieder anstürmen wird gegen Gott und seinen 
Himmel : »Sie war und ist nicht, und wird wieder aufsteigen aus 
dem Abyssos und in die Verdammnis gehen«. Der Schreiber von 
Apok. 17 hätte dann dieses dunkle, ihm wohl kaum mehr ver- 
ständliche Wort auf Nero angewandt. Die schlummernde Schlange 
wird erwachen, heisst es sogar noch in der späten Dan- Apok. gr. 

Im Judentum hat sich diese Wendung der Sage gegen das 
Bomerreich erhalten, und die ursprüngliche Form derselben ganz« 
lieh verdrängt. Der Hass gegen das vom Sammael beherrschte 



123 

Edom blieb lebendig. Erst im siebenten und achten Jahrhundert 
taucht die alte Antichristsage wieder auf. Doch zeigt sich noch 
in dem Namen des Tragers dieser sich erneuernden Sage, Annillus 
(— Romulus), der unauslöschbare Hass gegen Rom, auch gegen 
das christliche Rom. Aber Annillus ist doch kein römischer 
Herrscher, sondern einer, der nach der Herrschaft des götttlichen 
Reichs (Byzanz) kommt 

Im jungen Christentum — der Hass gegen das Judentum 
mag auch wohl dazu beigetragen haben — wich die Stimmung 
der Apokalypse sehr bald — der andern gemässigten, dem 
Römerreich günstigen, wie wir sie schon bei Tertullian finden. 
Der Antic h rist ko mmt aus dem Judentum, in erster Linie eine 
satanische p se udom essianische Jjrestalt, das war die allgemeine _ 
Über zeug ung. — Bei einigen wenigen Schriftstellern, bei denen 
die Wendung gegen das römische Reich sich unter dem Einfluss 
jüdischer Sibyllistik gehalten hat, zeigt die alte Figur des Anti- 
christ doch eine solche Dauerhaftigkeit und Starke, dass 
eine Verdoppelung der Antichrist - Gestalt das Resultat ist. — 
Lactanz, Commodian, Martin v. Tours kommen hier in Betracht. 
Bei allen dreien ist der zunächst auftretende Vorläufer der Anti- 
christ — der am Ende des römischen Imperiums kommt — mehr 
oder minder deutlich als Nero redivivus gezeichnet, während die 
zweite eigentlich antichristliche Erscheinung, durch welche Nero 
besiegt und getötet wird, die allbekannten Züge des Anti- 
christ trägt, der, wenn er hier auch nicht als von den Juden 
herstammend gedacht wird, doch seine Herrschaft in Jerusalem 
errichtet, von den Juden als Messias begrüsst wird, Zeichen und 
Wunder verrichtet u. s. w. Es ist das ein seltsames Schauspiel, 
die Sage nimmt im Laufe der Zeit eine doppelte, ja dreifache 
Gestalt an. Aber diese einzelnen Gestaltungen derselben werden 
nun wieder mit einander kombiniert Gerade die Beobachtung, 
die wir bei Lactanz, Commodian, Martin v. Tours machten, bestätigt 
in ausgezeichneter Weise die oben zu Apok. 13 gegebene Er- 
klärung der beiden Tiere. Hier wie dort eine Kombination der 
beiden' Sagenkreise, nur wird die alte Gestalt des Antichrist 
in der Apok. ihrem eigenen Schatten, ihrer politischen Umdeu- 
tung unter- bei jenen Schriftstellern übergeordnet. 

So kommt es denn auch, dass die alte und so klare Be- 
ziehung der Apokalypse auf Nero redivivus so bald aus der Tra- 



124 

ditioiv der Kirchenväter verschwunden ist M. Der einzige, der sie 
bewahrt hat, Victorin, hat doch eine wunderliche Kombination 
des jüdischen Pseudomessias und des Nero redivivus geliefert» 
in welcher der wiederkehrende Nero eben nun zugleich als jüdi- 
scher Messias erscheint Man deutet die Apokalypse nach der 
alteren eschatologischen Tradition. Und im ganzen hat sich 
denn auch an diese und nicht an jene die weitere Entwickelung 
der eschatologischen Vorstellungen des nächsten Jahrtausends an- 
geknüpft. Geht man nur dem Einfluss und der Auslegung der 
Apokalypse bei den Karchenvätern nach, so bekommt man fast 
den Eindruck, als hätten diese keine lebendige eschatologische 
Phantasie gehabt, und begänne diese erst wieder mit dem Mittel- 
alter. 

So ist die hier uns interessierende Sage eine fortwährend 
sich wandelnde, und in ihren Verwandlungen sich gar verdop- 
pelnde Proteusgestalt. Als lebendiges Sinnbild derselben können 
wir Apok. 12. 13 gelten lassen. In Apok. 12 der alte Drachen- 
mythos, in 13 B die Sage vom Antichrist, in 13 A ihre politische 
Umdeutung. Die drei wechselnden Gestalten der Sage sind drei 
neben einander stehende Figure in einem grossen eschatologischen 
Bilde geworden: der Drache, das Tier, der Pseudoprophet! 



IX. 

Die Diener des Antichrist. 

Der Antichrist hat eine Schaar von besonders ihm ergebenen 
Dienern unter sich. 

Schon Hipp. Kap. 6 weiss zu berichten: aniovBtXsv 6 xi> 
Qiog aTtoaTokovg eig rcdvxa xa e&vTq nal entzog opoieog 7ti/*xpet, 
xpevöanooToXovs (von ihm entlehnt Ps.-H. die Notiz 22. 106 12). 
Auch noch bei Adso 1293 C findet sich die Notiz: deinde per 
Universum mundum nuntios mittet et praedicatores suos. Von 
hier aus ist diese Idee dann in das Drama vom Antichrist 
(W. Meyer 27) übergegangen. 



1) Hieronymus in Daniel 11 29 und Augustin de ciritate XX, 19 füh- 
ren diese Auslegung noch an, aber verwerfen sie. In der Beziehung 
des fJtvozriQiov xijQ &rof*{ag II. Thess 2 auf Nero hat sich die Sage noch 
länger gehalten. (Bei Chrysostomus u. dessen Nachfolggrn Pelagius etc.) 



125 

Und 68 finden sich noch interessantere Parallelen. Zunächst 
im Prooemium der Homilie von Ephr. gr.: 

Xaßwv yaQ 6 avaidrjg rote rrjv igovolav 

daifiovag aftoarilfai elg narva za 7i£Q<xra, 

wäre '/.rjQv^cu izaaiv, ort ßaoifavg piyag 

itpaw] jufira dojfyg. devte xal d-eaaaad-e. 

Ahnlich heisst es bei Ephraem syrus 9: fulgura ministri 
eius ernnt et signum dabunt adventus eins, daemones constituent 
eins copias et principes daemoniorum erunt eius discipuli; mittet 
duces agminum suorum in regiones procul dissitas et dabunt 
virtutes ac sanitatem J). — Auch mit dieser Variante ist Adso 
▼ertraut 1293B: et maligni Spiritus erunt duces eius et socii 
semper et comites indivisi. — Und nach rückwärts werfen diese 
Notizen ein helles Licht auf einen Satz bei Irenaeus V, 282: 
et non est mirandum si daemoniis et apostaticis spiritibus mini- 
strantibus ei per eos faciat Signa, in quibus seducat habitantes 
super terram. 

Wieder hebt sich hinter der Gestalt des Antichrist mit seinen 
falschen Aposteln die gewaltigere eines gottfeindlichen über- 
menschlichen bösen Geistes, dessen Boten Dämonen und böse 
Geister sind. Und so reicht die Sage wieder bis zurück in die 
neutestamentliche Zeit, und erklärt Apok, 16 is: /.ai Xdov Ix xov 
OTÖftavog tov ÖQaKOvzog . • . nvei^iaxa xqia axa&ccQTa cog ßd~ 
TQaxoi . eialv yaQ rtvevpata daifiovltav notoZvza arjfiBia, a £/.- 
izoQSvovtai ini rovg ßaoiXtig xf^g oixovfiivrjg olr}g avvayayuv 
avzovg elg xbv rtolsuov. — Und dazu ist die Exegese des Am- 
brosiaster zu dieser Stelle zu vergleichen: spiritus tres immundi 
discipulos designant antichristi, qui eum per Universum orbem 
praedicaturi sunt qui quam vis homines sint futuri, spiritus im- 
mundi et spiritus daemoniorum vocantur, quia daemones in ipsis 
habitabunt et per ora eorum loquentur. 



1) ferner Tgl. Philippus Solitarius 816 B: daemonag utique ee 
praedicatum et commendatum per orbem terramm mittet, surrexit, di- 
cent, magna a rex Hierosolymis .... omnes ad eum accedite. 



\ 



126 



Die Weltherrschaft des Antichrist. 

Der Antichrist wird also nicht nur die Juden verführen, 
sondern die Völker aus allen Gegenden zu sich sammeln. Aus- 
führlich wird dies in Ephraem gr. II, 138B beschrieben: 
aqloai de arcaoi xexvdEexai öoXlwg, 

07TC0Q av aya7ttj&jj iv xdyzi vnb Xacjy, 

dwqa de oi Xypipexai, tief OQyrjg ov hxlfau, 

yLcruetqtijg ov deixwxai y alka 1 ) iXaQog aei. 

iv arcaai Si xovxoig axrj^aaiv, evxaSiag 

iSarcaxa xov xoapov, ?(og ov ßaoiXevoei. 

oxav ydq &edaovxai Xaoi 7toilol xai drjfioi 

xrjXr/.avxag aoexctg ndXXtj re xai dwafietg*), 

Ttdvreg inl xb auxb f*i<f yvwfirj yivovxai, 

Yjal iv x a Q<? lieyiaxrj ßaaiXevovaiv aixcv 

Xiyovxeg rtQog aXXijXovg' jiij aqa evQio'Mxai 

njkcAOVTog av&Qcorrog aya&bg xat öixatog. 

Eine fast wortliche Parallele findet sich Ps.-Hipp. Kap. 23 
und 24. 

Ps.-Ephraem 6: erit enim omnibus subdole placidus, munera 
non suscipiens, personam non praeponens, amabilis omnibus, 
quietus universis, xenia non appetens, affabilis apparens in proxi- 
mo9, ita ut beatificent eum homines dicentes: justus homo hie 
est. Kap. 7 : tunc confluent • ad eum in civitatem Hierusalem 
undique omnes. 

Schon Hippol. 56. 2824 sagt: ovxog ovv IrciowaSag rtQog 
eavxbv xov rtdvxoxe crtei&r Xabv yeyewr^ivov. — Er vergleicht 
in Anlehnung an Jer. 17n den Antichrist mit dem Rebhuhn, 
das mit trügerischer Stimme die junge Brut, die ihm nicht ge- 
hört, anlockt. Ein Anklang hieran findet sich Ps.-Ephraem 5: 
qui sicut perdix colliget sibi filios confusionis .... et vocat quos 
non genuit (vgl. Caspari a. a. 0. 215, Anm. 7). 

1) cod. dXX\ 

2) Ebenso sagt Cyrill 15 n : rove i$ Hhc&r de zatg /uayixatg tparraotatc 
{fTtayofuvor, vgl. auch Ephr. gr. Prooemium: 

Srav Tdfl avyxvaiv x&v Xacöv kQxofUvmv 

&3Z0 X8QGLTCOV xfjg yiJQ tlf Md* TOÜ TVQaWOV. 



127 

Bei Ephraem syrus 10 heisst es: congregabuntur populi et 
venient, ut videant Deum et [adhaerebunt ei turbae populorum, 
et omnes Deum suum negabunt, et cuncti socios vocabunt, ut 
laudent filium perditionis, et cadent unus super alterum et gladiis 
se invicem destruent 1 ). 

Noch wichtiger sind folgende Stellen, weil sie auf eine viel 
ältere Tradition zurückgehen. 

Hipp. 15. 8s: Xiyu de xal txeqog TtQoqnjrrjg m jpva&i naaav 
dvvautv avvov afp fjltov ävaroluiv a%Qig i\XLov dvauwv ovg 
x&ul^xot yuai ovg ob xexAijxot rcoQev&rjoovrai fiev avrov. Xsv- 
'Aavei vijv Sdhxaoav anb r<Zv laviiov %dv rtXoioyv yuxi neXccval 
xo TtBÖiov and rwv frvQetöv xiov onhav, xcri nag og av owav- 
ttJot] avrqj iv 7to)Jf4(p na%ai()<f ntaüxai (Kap. 54. 27 soff, bezieht 
Hipp, diesen selben Spruch falsch auf die Versammlung der 
dtaO7t0Qa Israels durch den Antichrist). 

Commod. 891 ff.: exsurget herum in istius clade Neronis 
rex ab orientem cum quattuor gentibus inde, 
invitatque sibi quam multas gentes ad urbem, 
quae ferunt auxilium, licet sit fortissimus ipse: 
implebitque mare navibus cum milia multa, 
et si quis occurrerit illi mactabitur ense. 
Es ist schon oben darauf hingewiesen, dass diese beiden 
Stellen auf eine gemeinsame Quelle zurückführen, welche schon 
von Hipp, als rrQOCprjTrjg citiert wird. Diese anzunehmende Quelle 
zeigt freilich mit Daniel grosse Verwandtschaft. Man darf aber 
noch nicht sagen, dass dieselbe von Daniel abhängig sei. Eher 
wäre zu vermuten, dass in dem jeder historischen Deutung spot- 
tenden Schluss von Daniel XI, der Schilderung des für ihn 
noch zukünftigen Endschicksals des Antiochus, Daniel schon 
von einer älteren apokalyptischen Tradition abhängig ist*). 

Mit den oben citierten Stellen vergleiche man IV. Esra 13 5: 
et vidi posthaec, et ecce congregabatur multitudo hominum, quorum 
non erat numerus, de quatuor ventis coeli, ut debellarent hominem, 
qui ascenderat de man. 



1) derselbe Zag ist auch in der Apok. Zeph. vorausgesetzt, wenn 
auch hier nicht erwähnt (vgl. die Schilderungen p. 128). 

2) hier sind ausserdem noch die oben S. 40 beigebrachten Stellen, 
die von den Verfnhrungskünsten des Antichrist handeln, heranzuziehen. 



f. 



128 

•Im eilften Kapitel der Apokal. blieb bis jetzt eines vollkom- 
men rätselhaft, wie die Xaol cpvkal yXcSauai fxhnj der ganzen 
Erde in die Umgegend von Jerusalem kommen, und an der dort 
spielenden Scene teilnehmen können. Die römischen Legionen kön- 
nen doch nicht gut damit gemeint sein ; was geht diese schliesslich 
die Besiegung der beiden Zeugen durch den Antichrist an? Es 
sind vielmehr ursprünglich die Scharen, welche dem Antichrist 
zugezogen sind aus allen Landern und sich um ihn versammelt 
haben. Der Schreiber von Apok. XI hat erst dadurch, dass er 
die alte Sage vom Antichrist mit einer Weissagung über die 
Einnahme Jerusalems durch das anrückende Römerheer (11 1 — 2) 
verband, die grosse Verwirrung in der Scenerie angerichtet.. 

So hat noch Andreas die Stelle Apok. 11 7. 4656 verstanden. 
Er sagt von den versammelten Völkern, es seien : 61 arcaS tzqo- 
TLavtilr^fifiivoi xolg xpevdeot, tov avtixQi<nov tzqücoi zal ro &eo- 
axvyig avvot ovouct dveSa)M7triog iv raig xaQÖiaig iyyQaipavreg 
Ix %e 'Iovdaiwv 1% re i&viov. 

Auch sonst zeigt die Apokalypse Bekanntschaft mit diesem 
Zug der Sage. Die Versammlung der Könige und Völker nach 
Harmaggedon klingt wieder daran an. 

Mit dieser Versammlung der Völker um den Antichrist 
hängt nun die Erwartung der Ankunft der Völker Grog und 
Magog zusammen. Gewöhnlich geht ihr Erscheinen dem des 
Antichrist vorauf. So deutet Commodian 809 sie auf die Gothen 
und lässt diese vor dem Erscheinen des ersten Antichrist auf- 
treten. (Auf die Gothen deutet auch Ambrosius de fide ad Gra- 
tianum 2i6, vgl. Hieronymus Prooemium inEzech. XL Malvenda 
I, 555.) So liegt dieser Zug der Sage auch vor: Ephraem syr. 6 
(hier auf die Hunnen gedeutet), Ps.-Ephraem 4 (auch Andreas 
deutet Apok 20s auf die Hunnen), ferner bei Ps.-Methodius, 
Adso 1296, Sib.-Beda und Usinger (?), E.-A. 12. Auch fast 
in allen jüdischen Antichrist-Apokalypsen sind Gog und Magog 
die Vorläufer des Armillus, es wird auch berichtet, dass der 
Messias ben Joseph vor ihnen unterliegt. Genauer ist das letztere 
schon oben besprochen. 

Da das Erscheinen von Gog und Magog so eng in dem 
ganzen Sagenkreis mit dem des Antichrist zusammenhängt, so 
lässt sich auch vermuten, dass das specifisch jüdischen Charakter 
zeigende Stück Apok. 20? — 10 daher entlehnt ist. Nur ist hier 



129 

der Antichrist in direkte Beziehung zn Gog und Magog gesetzt 
und die Scene hinter das tausendjährige Reich verlegt. 



Dürre und Hungersnot. 

Als Hauptplage zur Zeit des Antichrist wird mit grosser 
stimmigkeit geschildert, wie eine grosse Dürre und damit im 
Zusammenhang eine Hungersnot eintreten wird. 

Im Vordergrund steht hier namentlich wieder der Kreis der 
um den Namen Ephraems sich gruppierenden Schriften. 

Ephraem graec. (I. Stück): 
&dXaoaa raQdaaetai, (xat?) r\ yij jpiQaiverai, 

ovQavoi ov ßQexovai, vä qnrrä fiaQaivowat. 

139 F: [den folgenden Abschnitt bringt die editio aus zwei 
griechichen Codices (Vatic. 438 und 562) an den mit 139D 
schliessenden fortlaufenden Text ungeschickt angehängt. Die 
lateinische Übersetzung hat hier den richtigen Zusammenhang. 
Im griechischen ist 139 D Absatz bis El yivcS<r/.ovotv zu 
streichen. Was dort gedruckt ist, ist einfach Doublette zu dem 
vorhergehenden. Auch in den von W. Meyer kollationierten 
Münchener Handschriften findet sich der längere Schluss nicht. 
Das ist aber kein Beweis gegen die Echtheit desselben, welche 
vielmehr durch die weiter unten folgenden Parallelen aus dem 
ephraemitischen Schriftenkreis zur Evidenz gebracht wird. Der 
Text ist leider in den in der editio benutzten Codices so jämmer- 
lich, dass ich verzichten muss, ihn vollständig in Rhythmen zu 
geben. Die lateinische Version differiert sehr stark.] 
z6re ol ovQavoi ovxixt, ßqi%ovoiv, y yrj 

ovtUtl 7UXQ7tO(pOQei 9 

al ntf/al hcXeiTrovacv, 
(ol) itorafiol friQalvovrai, 
ßotavq oi('/*Ti) (pietaij 
X^orj ovy^ixi) avcrceXXti, 
(ta) dhdqa crcb (QiLwy) tyv%ovzai 
xat ovxeri ßXaordvovaiv. 
oi l%&veg tfjg &ai.aoarig 
xai xä %rp7j iv cn/rjj 

Bevtttt, dtr Antldirist. 9 



•N 



130 

TelevTüJOiv, xal otnog 
[(prfltv] dvowdiav Xiftirqv 
avan&yLnu (ij) &dXaaaa 

xal Tfffiv (poßeQOv tuoxe exlei7teiv xal aTto&vtjpxJuv 
(roig) ävd-QWTtovg dnb (top) q>6ßov. 
Dann folgt in anderem Versmass: 
rote &QT[yei deivuig ofiou naaa ipv%rj xal orevauei, 

ot* av ivdvtsg &eaaovtai &)U\fJLv aTtaQauv&rjrov 

tijv rteQi&xovoav l ) avzovg vvxtwq re xal iu&thjUqov 

xal ovöapov evQiaxovreg ifirrXr/O&rjvai raiv ß(KOfidt(av. 

Genaue Parallelen finden sich Pa.-Hipp. 27. 109 9 ff. isff. 
Ps.-Ephraem 8 : suspendet coelum rorem suum, pluvia enim 
super terram non erit .... siccabunt enim universa flumina 
magna et fontes . . . torrentes aridabunt venas suas propter 

intolerabilem aestum et tabescent filii in sinu matrum 

suarum et conjuges super genua virorum suorum non habentibus 
escas ad comedendum . erit enim Ulis diebus penuria panis et 
aquae. 

J.-A. 6. Cod. E: ^bwqcjv c $eög rrjv ddixiav avrov ano- 
otiXkat, ayyelov i£ ovqovov tov BavQcrjX Xiytav • aTtiX&are oaX- 
Ttiaars (deQog agJ) xQavrpovoiv xov vevov . xal ^ yrj fyQav- 
frqoercu, xal al ßordvat xpvyqoovrai, xal noirpti tov ovqovov 
XaXxovv, %va öqooov jiij dcoorj inl %rp yrjv, xal XQViprj vag ve- 
q>iXag elg xd syxata rrjg ytjg xal xataoteiXrj xiQag rwv dveuwv, 
%va tir\ avBfiog avaxf t inl tcqoowtiov izdai\g tfg yijg (vgl. den 
etwa verkürzten Wortlaut im Text). 

Apok. Zeph. 128 : an jenem Tage wird die Erde in Unruhe 
geraten, die Vögel werden tot auf die Erde fallen, die Erde wird 
dürre werden, die Gewässer des Meeres werden austrocknen. 
Auch bei Ephraem syrus 12 findet sich ein kurzer Anklang. 
Hier ist der Passus allerdings unter die Schilderung des End- 
gerichts geraten: increpabit mare et desiccabitur, piscesque mo- 
rientur in medio ejus. 

Hier sei aber sogleich eine viel ältere Parallele aus IV. Esra 5 s 
beigebracht. Dort werden als Zeichen der Zeit des Antichrist 
aufgezählt: mare Sodomiticum pisces rejiciet et dabit vocem 
noctu, quam non noverant multi, omnes autem audient vocem eius. 



1) cod. ntgi ix ovaav ' 



\ 

131 

Ferner ist zu vergleichen Lactanz VII, 15. 63523*. aer enim 
vitiabitur et corruptus ac pestilens fiet modo importunis imbribus, 
modo inutili siccitate . . . nee terra homini dabit fruetum . . . 
fontes quoque cum fluminibus arescent .... propter haec 
deficient et in terra quadrupedes et in aere volucres et in man 
pisces. 

Yictorin bemerkt 1252 £ zu Apok. 65: proprio autem ex- 
tenditur verbum usque ad antichristi tempore, quoniam magna 
fames est futura quaque omnes laedentur. 

Ambrosius in Luk. X, 18 : tunc pseudoprophetae tunc fames 
• . . et invenies . • . tunc ariditatem terrae . . . denique justus in 
deserto, iniquus in regno est. 

D.-A. arm. 23921 : Dann wird eine grosse Hungersnot sein. 
Der Himmel wird keinen Regen herablassen, und die Erde wird 
nichts grünes wachsen lassen. 

D.-A. gr. 103: xat xd vdaxa aTtocpQvizovoi, tuxI verbg Irtl 
yr x g ov dofrffleTai. 

P.-A. aeth. : jenes Tages wird der Herr Gott den Regen 
vom Himmel her hemmen, und wird Haus des Winters werden, 
und die Erde wird ohne Tau und Nebel bleiben . . . und die 
Wasserquellen werden kein quellendes Wasser geben, und das 
Meer wird vertrocknen. 

BißL KXrtft. 82 so: xat näv xd 'Axr\fxa avrov anohfixai 
and noUxZvy yuxi dnoQia 'axxqtxujv saxai psyalr], vmI %etuwv im- 
xa&TJaezai yiQaxeQOg. 

Eine andere Variante weiss übrigens zu erzählen, dass kurz 
vor der Zeit des Antichrist eine ungewöhnliche Fruchtbarkeit 
sein werde. Dieselbe findet sich J.-A. 5, D.-A. gr. 77 ff, Adso 
1296 B, Sib.-Beda 1 ). Die Schilderung erinnert sehr stark an 
die bekannte von Papias als Herrenwort überlieferte Ausführung; 
z. B. J.-A. 5 : xoxe 6 axd%vg xov aixov eyupvel Tjfiixoivrtov, vjxi 
b ayxdv xov xlrjuazog hxpvu %lUovq ßoxQiag, wi 6 ßoxQvg 
i/xpvel r\iiiaxauvov olvov. Sollte vielleicht dies »Herrenwort« 
seinen ursprünglichen Platz in der Antichristsage gehabt haben ? 

Eine Parallele zu der oben nachgewiesenen Überliefe- 
rung liegt ja nun offenbar in Apok. XI vor. Es wird unten 
nachgewiesen werden, dass die uns vorliegende ursprünglicher als 



1) Tgl. die sahidische Becension der Zeph.-Apok. a. a. 0., p. 124. 

9* 



132 

jene in Apok. XI ist. Vorläufig sei hier darauf aufmerksam 
gemacht, dass mit wunderbarer Einhelligkeit die gesamte uns vor 
Augen liegende Tradition diese über die Welt verhängte Plage 
ganz ausser Zusammenhang mit dem Auftreten der beiden Zeugen 
belassen, während in der Apokalypse gerade diese jene Plage 
verhängen. Das Auftreten der beiden Zeugen bekommt da- 
gegen, wie wir sehen werden, in dieser Tradition eine ganz andere 
Bedeutung. 

Interessant ist immerhin die Parallele aus Bahman Yastll, 48: 
and a dark cloud makes the whole sky night, and the hot wind 
and the cold wind arrive . . . and it does not rain, and that 
which rains, also rains more noxious creature than water, and 
the water of rivers and Springs will diminish (vgl. auch die 
folgende Schilderung der Wirkung des Regenmangels auf die 
Tierwelt). 



xn. 

Das Zeichen des Antichrist. 

In dieser Not verführt der Antichrist durch seine Unter- 
gebenen die Erdbewohner, dass sie sein Zeichen annehmen. Nur 
unter dieser Bedingung wird ihnen Brot zu kaufen gestattet 
Ephr. gr. 140 B: 
dr^iaQXOc yaQ oltcoxq^loi ora&ijaovrac xora roftov, 

xaV Tig cpiQei fie&* eavrov zip acpQayida rot? ivq<xvyov 
äyogcxLU ßgaxv ßQdifia 1 ). 

Ps.-Ephraem 8: et nemo potest venundare vel emere de 
frumento caducitatis, nisi qui serpentinum signum in frohte aut 
in manu habuerint. 

Die Tradition lässt sich nun weiter zurückverfolgen: 
Lactanz VII, 17. 6399: quicunque crediderint atque acces- 
serint ei, signabuntur ab eo tamquam pecudes. 

D.-A. arm. 239 is: wehe denjenigen, welche an ihn glauben 



1) dazu vgl. die Parallele Ps.-Hipp. 28. 110 1 und Phil. Solitarius 
816 D. Es ist anzumerken, dass beide übereinstimmend hinzufügen, 
dass, wer mit dem Zeichen des Tieres gezeichnet sei, das des Kreuzes 
nicht mehr annehmen könne. Dazu Tgl. Ephraem gr. m, 143 A. 



133 

und sein Zeichen annehmen. Ihre Rechte wird gebunden wer- 
den, damit sie nicht zurückkehren zu dem, auf welchen sie früher 
gehofft haben. 

Adso 1297 A: et qui in eum crediderint signum characteris 
eius in fronte suscipient 1 ). 

Hier hellt sich nun der letzte noch rätselhaft gebliebene 
Zug in Apok. 13 B uns auf. Es war oben schon darauf hin« 
gewiesen, dass hier gerade ursprünglich die Überlieferung vom 
Antichrist zu Grunde gelegen hat. Und als einfache Herüber- 
nahme aus dieser Sage ist nun Apok. 13ie.i7 zu erklären. — 
Wir haben hier eine parallele und selbständige Tradition, gegen- 
über Apok. 13i6.iT. Denn erstens wird hier die Versiegelung 
der Gläubigen mit seinem Zeichen von dem Antichrist direkt 
ausgesagt, während in der Apok. das zweite Tier im Namen des 
ersten versiegelt, und zweitens steht der Zug, dass nur den Versie- 
gelten das Kaufen (und Verkaufen) verstattet wird, in einem guten 
und zwanglosen Zusammenhang, während wir bei der Überliefe- 
rung der Apok. vor einem völligen Bätsei stehen. Der Apo- 
kalvptiker nahm diesen Zug einfach herüber. Er mag dabei an 
die römische Kaisermünze gedacht haben. Besonders bedeutsam 
wird nun hiermit die Ausführung bei Ps.-Ephraem, der von einem 
Signum serpentinum redet. Ein Schlangenzeichen ist es, das 
der Antichrist seinen Anhängern auf Stirn und Hand prägt; 
wieder wird der Drachenmythos vor unsern Augen lebendig. So 
wird nun auch verständlich, wie Ephraem ni z 143 A das Zeichen 
des Kreuzes dem Zeichen des Antichrist gegenüberstellt. Wenn 
der Verfasser der Apok. 13 17 den mühsamen Satz bildet: el fir} 
6 e%tov xo %aQaytia — xo ovofia xov dr^iov rj xov igi^jxdy 
xov ovöfjKxrog avxov, so wird es sehr wahrscheinlich, dass er es 
war, der die Beziehung auf den Namen des Tieres erst hinzu- 
fügte. — Und somit tritt uns nun in Apok. 13 B fast in jedem 
Zug die ursprüngliche Überlieferung vom Antichrist entgegen. 

Im Zusammenhang damit wird dann in Ephr. gr. 141 C, 
Ps.-Hipp. Kap. 31. 112 s, Phil. Solitarius 818 A ausgemalt, wie 
den Anhängern des Antichrist das Zeichen desselben bei der 
zunehmenden Hungersnot nichts nützt, wie sie zu ihm kommen 



1) vgl. noch J.-A. 7, cod. E: xai yQaipet avtär xas Z*%«s toc 
<3*f*ac, tva Ma&storrcu fuJ aircov elg xo jzvq rö alwinov. 



134 

und 'ihm ihre Not klagen, und dieser, selbst hülflos geworden, sie 
höhnend abweist. Ich erwähne diesen Zug spaterer Ausmalung, 
weil sich zu demselben eine frappante Parallele in derApok. des 
Zeph. findet p. 128: Die Sünder werden wehklagen auf Erden 
und sagen: was hast Du uns gethan Du Sohn der Gesetzlosig- 
keit, da Du sagtest, ich bin der Christ und bist doch der Teufel ; 
Du vermagst Dich nicht zu erretten, damit Du uns errettest. 
Du hast Zeichen vor uns gethan, bis dass Du uns dem Christ 
entfremdet hast — Da wir auf Dich horten, siehe so sind wir 
jetzt voll Elend und Drangsal. 



XTTT. 
Henoch und Elias. 

Gewöhnlich vor dem im folgenden Abschnitt zu schildernden 
Vorgang von der Flucht der Gläubigen in die Wüste, manchmal 
auch erst nachher, treten diese beiden Zeugen auf, die auch 
Apok. 11 erwähnt werden. Es sind nach fast einstimmiger Über- 
lieferung Elias und Henoch, und ihr Auftreten hat in der Tra- 
dition einen ganz andern und prägnanteren Sinn als in der 
Überlieferung von Apok. 11. 

Ich beginne die Übersicht zunächst mit der Ephraemgruppe. 

Ephr. syr. Kap. 11: quum autem in suum propositum filius 
perditionis attraxerit totum mundum, mittentur Henoch et Elias, 
ut iniquum coarguant quaestione plena mansuitudinis. Und nun 
fragen sie ihn: (si tu esDeus — ostende nobis, quod a te peti- 
mus) nach ihrem eignen verborgenen Aufenthalt 1 ), und dann 
fordern sie von ihm das Zeichen der Totenerweckung (s. o.). 
»Irascetur eo momento iniquus contra sanctos et arrepto gladio 
scelestissimus abscindet colla justorum«. Die Propheten werden 
dann von Michael und Gabriel auferweckt. 

Ps.-Ephr. 9: tunc — aspiciens Deus humanuni genus peri- 
clitantes et afflatu draconis horribilis fluctuantes mittat eis con- 
solatoriam praedicationem per famulos suos prophetas Enoch et 
Eliam. — cumque justi apparuerint, Uli confundunt quidem ad- 



1) der galt bei den Kirchenvätern als grosses Geheimnis, s. Mal- 
venda II, 144. 



135 

versarium serpentem cum eius calliditate et revocant advocatos 
fideles ad Deum, ut ab eius seductione (Lücke). Die resurrectio 
prophetarum wird im folgenden noch erwähnt 
Ephr. gr. in, 142: 
tvqIv rj de zavra yeveod-cu anoaziXXn 6 xvQiog 

€ HXiav (?) %6v Qzoßixrpr xai %bv 3 Evwx w$ ev07zhayxvog, 

07zcoq avzoi yvwQtocoaiv siaeßeiav yevu ßQozuiv, 

-Am xijgi'fat 7taQQ^ai(f anaoi &€oyvwoiav, 

pr} mozevoat, yuxl rzei&aQxelv <poßov %ver/*& x<p xpevdei, 
yLQatovxBg (?) xat Xdyovzeg" nhxvog Motiv & avd-Qorcot, 
lirfiüg avzcft niozevoeiev. 

Einige Zeilen weiter: 
7vXtjv oXlyot eloi rote ol ixovreg inaxotoai 

Tial mazeveiv rdig Qijuaoiv afiq)oreQwv zdüv 7tQ0€prpcwv. 
Dann wird der Tod der beiden Propheten nicht erwähnt, 
sondern sofort die Flucht der Gläubigen erzählt 

Die Parallele Ps.-Hipp. 29. Uli schliesst dagegen xat du 
tovto aixovg (nicht ifiäg) a7zoy.zevd yuai iv ^0(i(pai(f ftardSei 
avrovg. 

J.-A. 8: /.al voze anoazztö *Ev(ox xal *HXiav ftQog eleyxov 
ccvrov /.al arcodu^ovoiv avzov x/jevatrjv 'Aal jzXavov yuai avekel 
aixovg im xo dvaiaoxrjQiov (ausführlicher noch in Cod. B). 
Zu vergleichen ist auch noch Philippus Solitarius 816 B. 
P.-A. syr. (Beginn des Fragments). Der verfluchte Antichrist 
Und sie werden ihn schelten und für einen Lügner erklären, und 
er wird sie kennen (?) an ihren Leibern, und der Sohn des Ver- 
derbens wird zu ihnen reden und ihnen sagen: ich bin der er- 
wartete Messias. Aber sie werden ihn der Lüge zeihen und zu 
ihm sprechen: Du, ein Lügner bist Du, nicht bist Du der Mes- 
sias, — dann wird er sich über sie erbosen und wird sie töten 
und ihre Leichname werden vier Tage in den Strassen Jerusalems 
liegen, und nach diesem werde ich befehlen vermöge meiner Macht, 
und Henoch und Elias werden wieder lebendig werden und sich 
erheben mit ihren Leibern. 

P.-A. aeth.: Danach werden Henoch und Elias herabkom- 
men, werden predigen und jenen tyrannischen Feind der Ge- 
rechtigkeit, den Sohn der Lüge zu Schanden machen. Also 
bald werden sie enthauptet werden und Michael und Gabriel 
werden sie auf erwecken. 



136 

Ps.-Meth. 99: wxi aTtoaxekel iv ovwopj] tovg avrov &6Q<x- 
rcovxag %6v te *Evw% wu xöv 'HXlav *ai tov v\bv %rfe ßQOVTrjg 
*I(oqwt]v> ofotveg ivwrciov rtdyttav %wv idvwv ikiy^ovacv ccvvov 
ttjv Tthxrqv xal Sei^ovaiv avzov xpevorrp ini nav%6g dv&Qcinov f 
xal ort di? dftwXetav xal rcXavrp rwv rtoXkdv h&XijXv&ev. — 
6 <P ixaivog vre aitah deivwg ifeyxopevog xal vrco Tvdvzwv 
jt8Qiq>QOvovfievog iv $vfji(j! xal OQyjj aveXei tovg dyiovg ixeivovg. 

E.-A. 14: und dann wird der Lügenmessias erscheinen und 
seine Zerstörung und den Ansturm seiner Bosheit zeigen. Und 
er wird den Henoch und den Elias auf den Altar schleppen 
und ihr Blut auf die Erde giessen unter grossem Leid. 

Sib. B.: egredientur duo clarissimi viri Enoch et Elias ad 
annuntiandum adventum Domini, et antichristus oeeidet eoa, et post 
dies tres a Domino resuscitabuntur. 

Adso 1296 0: tunc mittentur in mundum duo magni pro- 
phetae Elias et Henoch, qui contra impetum antichristi fideles 
divinis armis praemunient et instruent eos et confortabunt et 

praeparabunt ad bellum postquam vero impleverint 

praedicationem suam, insurget antichristus in eos et interficiet» ipsi 
vero occisi post tres dies a Domino suscitabuntur. 

Dieselbe von Apok. 11 unabhängige Tradition findet sich 
noch bei Job. Damascenus, Ambrosiaster in I. Kor. 4 s, Beda de 
ratione temporum 69 und im Elucidarium. Das Kennzeichen 
dieser unabhängigen Tradition ist namentlich dies, dass Henoch 
und Elias erst nach dem Beginn der Herrschaft des Antichrist 
auftreten. 

Die Anschauung, dass Elias und Henoch die beiden Zeugen 
der Endzeit sind, ist so weit verbreitet, dass es überflüssig ist, 
die weiteren Zeugnisse aufzuzählen. Es mag nur erwähnt werden, 
dass Irenaeus sie bereits kennt (V, 5i), ebenso Hippolyt43. 21 8 | 
Tertullian de anima 50 (u. öfter): translatus est Henoch et Elias, 
nee mors eorum reperta est, dilata scilicet, ceterum morituri reser- 
vantur, ut antichristum sanguine suo extinguant; Ps.-Cyprianus: 
de montibus Sina et Sion 5; Evang. Nicodemi 25; arabische Historia 
Josephi Kap. 32; Apok. Pauli (Tischendorf p. 50. 68) (andre 
Stellen bei Malvenda 142. 151. 158. In sämmtlichen nicht von 
der spiritualisierenden Auslegung des Ticonius beherrschten Kom- 
mentaren zur Apokalypse ist diese Deutung die herrschende). 

Es genügt, die wenigen Abweichungen in der Tradition bei- 



137 

zubringen. Die ursprünglich jüdische Erwartung, wie sie auch 
noch in den Evangelien vorliegt, ist die der Wiederkunft des 
Elias allein (Maleachi 41). Sie scheint sich in der Sibyllen-Litte- Af"" 
ratur erhalten zu haben (vgl. Sib. II, 187). Justin weiss. nur, 
dass Elias de? zweiten Ankunft des Herrn vorausgehen wird 
(Dialog, c. Tvyph. 49). Seine Abhängigkeit von dieser Überliefe* 
rung zeigt auch Lactanz VII, 17, der nur einen Zeugen kennt, 
und das ist um so seltsamer, als er sonst sich viel genauer als 
alle übrigen bisher verhörten Zeugen an die Apok. anlehnt. 
Commodian schwankt, wie wir oben (S. 50) gesehen haben, zwi- 
schen der Annahme von einem und der von zwei Zeugen. Nur den 
«inen Zeugen der Endzeit, Elias kennt, wo dieser nicht vom Mes- 
sias ben Joseph verdrangt ist, die spätere jüdische apokalyptische 
Iitteratur (vgl. z. B. die Geschichte Daniels). Bemerkenswert ist, 
dass im althochdeutschen Gedicht Muspilli ebenfalls nur von 
einem Kampf des Elias mit dem Antichrist die Bede ist 1 ). 

In der Verklärungsgeschichte der Evangelien haben wir be- 
reits die zwei Zeugen, hier auf Elias und Moses gedeutet, wie 
denn auch der Redaktor von Apok. 11 in dem zweiten Zeugen 
wahrscheinlich Moses gesehen hat. — Dennoch findet sich, so- 
weit ich sehe, die ausdrückliche Deutung der beiden Zeugen auf 
Moses und Elias in älteren Quellen nur bei Hilarius in Mat- 
thaeum 20 10, wenn auch davon, dass auch Moses den Tod nicht 
gesehen habe, öfter die Rede ist (Malvenda II, 155). Auch in 
Victorins Kommentar wird diese Deutung erwähnt. Ganz Sin- 
gular ist endlich die Deutung, welche Victorin selbst giebt, dass 
die beiden Zeugen Elias und Jeremias seien. 

Die Anschauung, dass neben Elias und Henoch als dritter 
Zeuge noch Johannes des Täufer komme, findet sich ausser der 
aus Methodius citierten Stelle in den Kommentaren des Andreas 
und Arethas (zu Apok. 11s), bei Ambrosius in Psalm 45 10, Theo- 
phylact und Euthymius zu Johannes 21 20, Ps.-Hippolyt 21. 104 iß, 
Simeon Metaphrastes vita Johannis 7 *), ist dann vom Abt Joachim 
in seine Auslegung der Apokalypse übernommen und in viele 
von ihm abhängige Schriften übergegangen. 

1) es ist natürlich sehr oft bei den Kirchenvätern nur yon der 
Wiederkunft des Elias die Bede, aber nicht in einer ausführlichen Schil- 
derang der Endzeit (vgl. Malvenda II, 151). 

2) Malvenda II, 159. 



138 

'Vergleichen wir nun die hier in erstaunlicher Kontinuität 
vorliegende, von Apok. XI abweichende Tradition, wie sie sich in 
diesem und dem vorhergehenden Abschnitt herausgestellt hat, so 
ergeben sich folgende DifTerenzpunkte. 1. Während in der Apok. 
unter den beiden Zeugen wahrscheinlich Elias und Moses ge- 
meint sind, werden in unserer Tradition beharrlich Elias und 
Henoch genannt. 2. Elias und Henoch treten nach dem Anti- 
christ auf, ungefähr am Ende seiner Herrschaft, in der Apoka- 
lypse kommt das Tier aus dem Abgrund, nachdem die Propheten 
ihr Zeugnis vollendet haben. 3. Die Plage des völligen Regen- 
mangels, welche in der Apok. die beiden Zeugen herbeiführen, wird 
hier von Gott zur Bestrafung des Abfalls zum Antichrist ver- 
hängt. 4. Die Propheten treten auf, um den Kampf gegen den 
Antichrist aufzunehmen, die Gläubigen über die wahre Natur 
desselben aufzuklären und sie zur Empörung gegen den Anti- 
christ aufzurufen. In der Apok. haben die Zeugen keine Be- 
ziehung zum Antichrist. 5. Die Zeugen stehen in der Apoka- 
lypse nach drei Tagen auf, und werden in den Himmel erhoben. 
Diese Überlieferung ist nur in wenige Zeugen, die soeben verhört 
wurden, eingedrungen, sie findet sich bei Sib.-Beda, P.-A. svr., 
Adso. Schon anders ist die Überlieferung, dass die Zeugen von 
Michael und Gabriel auferweckt werden (Ephraem syrus, P.-A. 
aeth., Ps.-Ephraem?). Gar nicht findet sich dieser Zug in (Ephr. 
gr.) Ps.-Hipp., J.-A. 8, Phil. Solitarius, E.-A., Ps.-Methodius, 
Elucidarium, (Muspilli?). Da in allen Quellen sofort nach dem 
Tode der Zeugen das Weltgericht beginnt, so hat dieser Zug 
auch gar keinen Platz in unsrer Überlieferung. 

Es kann nun m. E. kein Zweifel sein, auf welcher Seite 
der ursprüngliche Bericht sich findet. Es ist oben darauf hin- 
gewiesen, dass in Apok. XI alles unklar und fragmentarisch 
bleibt; man weiss nicht wer die beiden Zeugen sind, weshalb sie 
die Plagen verhängen, in was für einer Beziehung sie zum Tier 
stehen, weshalb das Tier sie tötet. Alle diese Rätsel lösen sich 
uns, wenn wir den Zusammenhang der Sage vom Antichrist 
überschauen. Auch die schwierige Frage, woher die Völker und 
Nationen kommen, und weshalb diese sich über den Tod der 
Zeugen freuen, hat bereits von der Antichristsage aus ihre Lö- 
sung gefunden. Und diese dürfte nun nicht mehr zu kühn er- 
scheinen. — Deutlich zeigt sich uns nun die Art, in welcher der 



139 

Apokalyptiker bei der Konception von Kap. XI verfahren ist. 
Die schon auf dem Boden von Jerusalem spielende Erzählung 
vom Antichrist verlegt er in die Zeit der Bedrohung Jerusalems 
durch die Römerheere. In diesen mag er die Völker und Na- 
tionen wiedergefunden haben. Weshalb er im einzelnen dann 
abänderte, entzieht sich unsrer Beobachtung; vielleicht war ihm 
selbst die Tradition nicht mehr rein überliefert — Aber deutlich 
ist, dass er den einen Zug von der Auferstehung der Zeugen 
nach dem dritten Tag eigenhändig hinzufügte, und es geht aus 
diesem Zug hervor, dass es ein Christ war, und zwar ein Juden- 
christ, der Kap. XI der Apok. koncipierte. 

Eines haben wir damit freilich noch immer nicht erklärt: 
den Ursprung der Idee von den beiden Zeugen. Ursprünglich 
jüdisch war sie wohl keinesfalls. Hier erwartet man die Wieder- 
kunft des Elias, allgemeiner verbreitet ist hier auch wohl die 
Erwartung der beiden Zeugen nie gewesen, wie die spätere jü- 
dische Tradition zeigt. Hippolyt a. a. O., der die Erwartung der 
Wiederkunft des Elias ausführlich aus dem alten Testament be- 
gründet, sagt über den andern Zeugen kein Wort. Die Tradition 
wird übernommen sein 1 ). Gunkel verheisst eine Lösung des 
Bätsels. Hoffentlich gelingt sie ihm. Zur Aufhellung der Kom- 
position von Apok. 11 reicht meines Erachtens das von mir bei- 
gebrachte aus. 



Die Flucht der Gläubigen. 

Vielfach heisst es nun in der weiteren Darstellung, dass auf 
die Predigt der beiden Zeugen hin sich viele Gläubigen wieder 
zu Gott kehren und deshalb Verfolgungen zu erleiden haben. 

Schon Irenaeus weiss davon, dass während der Herrschaft 
des Antichrist eine grosse Verfolgung stattfinden wird. V, 29 1. 
Er verweist dabei auf das Herren wort Mtth. 24 si, welches von 
nun an in der Schilderung dieser letzten Zeit konstant wieder- 

1) ich verweise im Vorbeigehen auf die beiden im Bahman Yast dem 
Messias vorangehenden Zeugen Neriosang und Srösh. In dem apoka- 
lyptischen Sammelwerk Onus ecclesiae finde ich Kap. 61 die rätselhafte 
Bemerkung: Sibylla nuncupat eos (sc. die Zeugen) duo Stellas. 



140 

kehrt 1 ). In einer Auslegung der Parabel Luk. 18i£F. (V, 25. 3) 
ißt ihm der ungerechte Richter der Antichrist, die um Bache 
flehende Witwe das irdische Jerusalem, »deinde et tempus tyran- 
nidis eius significat, in quo tempore fugabuntur sancti.« Nach 
ihm bringt Hippolyt sehr ähnliche Ausführungen Kap. 56 f. Er 
schildert auch noch genauer (58. 30 e): og qnxxiw&eig vrt avxuy 
(sc. lovdalwv) aQ%erai ßißXovg xccta my ayicov butifmtiv xov 
rtdvrag Ttavxayov ävaiQeto&cu xovg pij $iXovrag avxiy aeßa&tv 
mal rtQOOxweiv a>g $e6v. Ebenso wissen von einer Verfolgung 
Victorin zu Apok. 12s, Hieronymus in Dan 1182, ßißkKXijn.80i5. 
Prosper Dim. Temp. 10, Methodius, Adso *) und die meisten Aus- 
leger des 12. Kapitels der Apokalypse (bei Malvenda II, 147 
aufgeführt) '). 

Charakteristischer ist die Schilderung der Flucht der Glau- 
bigen Ephraem gr. 142 C: 

TtoXXol fiiv ovv x<Zv ayicov, oooi xoxe evQioTwrccu, 

Sfia ev&vg d'AOvacoat ttjv elevoiy xov iitaqov, 

. . . %ai (ptvyovai fieva onovdijg xf t g fieyianjg iv iqr^oig 
xai 'Aqvßovxai iv [iQfooig xai] %ai OftrjXaioig pexä (poßov 

OQeac 
m Aai naoaovai yry vxtl ortodov irci xrjv yieqxxXijv avx&v 
peta xXav&i.iov deofievoi vitatcoq xe 'Aal fi$&* ^4qov 

iv 7VoXkfi zarzeivaloet. 

ycai dtOQelzcu aixdig xovxo naqa &eov xov ayiov, 

yxxl odriyel avxövg rj %aqtg elg xonovg rovg WQiopivovg. 

(damit zu vgl. Ps.-Hipp. Kap. 32. 11226). 

Ephr. syr. 10: fugient autem electi a facie ejus ad vertices 
montium et collium, fugient aliqui in sepulchra et ocoultabunt se 
inter mortuos. 

J.-A. 7 cod. B: ol de dUaioc XQvßrJGOvxai xal tpvywatv h 
OQeai 'Aal om\hxioig. 

Wieder lassen sich diese Ausführungen weit über den Über- 
lieferungskreis des Ephraem hinüber verfolgen: 

1) die Stellen bei Malvenda II, 145. 

2) MaWenda II, 149. 

3) zu vergleichen ist hier noch die Schilderung bei Ephr. gr. DI, 
138 D; Ps.-H. 25. 108; Cyrill 15 15; Phil. Solitarias 816 B, wie der Anti- 
christ, der zuerst in der Bolle 4 des Verführers aufgetreten ist, seine 
Maske abwirft and nun als harter and grausamer Tyrann erscheint. 



141 

Hippol. 61. 3221 bemerkt von der exxJUja/a zu Apok. 12 6 : 
xat h i(pittl<f yiQVfttouivrjv ev %6ig oqwiv. 

Lact. VII, 17, 6392i: cum haec facta erunt» tum justi et 
sectatores veritatis segregabunt se a malis et fugient in solitu* 
dines. 

Commodian 937 ff.: 

displicet interea jam sero Judaeis et ipsis, 
susurrantque simul, quoniam sunt fraude decepti, 
exclamant pariter ad caelum voce deflentes, 
ut deus illis subveniat venia ab alto. 

Zeph.-Ap. 126: Sie werden ihr Gold nehmen und nach den 
Flüssen fliehen und sagen : setzet uns nach der Wüste über (vgl. 
die folgende Schilderung des Schutzes der Gläubigen in der 
Wüste und des erneuten Streites mit dem Antichrist und dazu 
die Parallele in der jüdischen Geschichte Daniels). 

Andreas zu Apok. 12s; 51öi: eixog di mal rqv aladijzrjv eqqpov 
owteiv roi'S iv OQeai m txu OTtrjXaloig mi %cug onaig tijg yi^g öid 
Ttjv tov aftOGTcctov m Mti xfjevdoxQiazov irußovXijv tpevyovtag. 

D.-A. arm. 23926: Diejenigen aber, die auf den Bergen, in 
Grotten, in Klüften und Höhlen der Erde wohnen, die allein 
werden fliehen können, bis zur zweiten Ankunft desjenigen, der 
von der heiligen Jungfrau geboren wurde. 

Ich citiere hier noch einmal den oben wiederhergestellten 
Text in der Ascensio Jesaiae IV, 13. Hier heisst es zunächst 
von der Herrschaft des Antichrist: et dominabitur tres annos et 
septem menses et dies viginti Septem. Dann weiter: et multi 
(quidem erunt) fideles et sancti, quum viderunt, quem ipsi »non« 
sperabant, erunt fugientes ex eremo in eremum praestolantes eius 
(dei?) adventum. Die Parallele zu der sonstigen Überlieferung, 
welche wir so in der Ascensio finden, ist eine neue Bestätigung 
des Rechtes der vorgenommenen kritischen Operation. Zu diesem 
wesentlich jüdischen Quellenmaterial (Commodian, Lactanz, Ascen- 
sio) kommen nun noch fast alle (oben S. 68) erwähnten späten 
jüdischen Apokalypsen hinzu, die sämmtlich diesen Zug haben». 

Das gesammelte Material ist nun ausserordentlich interessant 
und giebt zu einer Reihe von Beobachtungen Veranlassung. 
Zunächst wird es nunmehr klar, dass wie wir vermuteten, 
Mtth. 24 16 ff. wirklich ein Fragment einer Apokalypse vom Anti- 
christ ist Das ßdikvypa rrjg iQri^oiaewg an heiliger Stätte ist. 



142 

der Antichrist. Die darauf geweissagte Flucht in die Berge ist 
die Flucht vor dem Antichrist. Dass die Deutung des ßdiXvypa 
rijg iQr^ojaeojg 7 das an heiliger Statte steht, auf das romische 
Heer vor Jerusalem sehr künstlich sei, hat man lange eingesehen. 
Aber auch mit der jetzt beliebten Deutung auf Caligula kommt 
man nicht aus (s. o. S. 14). Dagegen erklärt sich alles unge- 
zwungen und einfach, wenn wir uns die Sage vom Antichrist 
vergegenwärtigen. Auch das Daniel entlehnte Stichwort Mtth. 2421 
erscheint hier von neuem innerhalb der Schilderung der letzten 
Nöte unter der Herrschaft des Antichrist. 

Besonders bedeutsam ist weiter die oben aus Commodian 
citierte Stelle. Sie zeigt ganz deutlich, dass die in die Wüste 
fliehenden ursprünglich die Gläubigen des jüdischen Volkes 
waren, welche den Betrug des Antichrist erkannt haben. 
Ebenso schildert Lac tanz VII, 17 noch deutlich die Verfolgung 
der Juden: tunc eruere templum Dei conabitur et justum popu- 
lum persequetur. — idem justos homines obvolvet libris prophe- 
tarum atque ita cremabit. 

Unvertilgbar aber haftet nun dieser ursprünglich jüdische 
Zug an der uns interessierenden eschatologischen Tradition. Wir 
haben hier die Erklärung der sehr weit verbreiteten Anschauung 
von der Bekehrung der Juden gerade in der letzten antichrist- 
lichen Zeit. Das Christentum übernahm eben die Überlieferung 
in einer Form, in der überhaupt Juden und Gläubige gleich- 
bedeutend gewesen waren. 

Victorin bemerkt zu Apok. 126: ecclesiam illam catholicam, 
-ex qua in novissimo tempore creditura sunt centum quadraginta 
quattuor milia hominum Eliae, sed et ceterum populum inveniri 
in adventu Domini hie dicit. Sic et Dominus in evangelio ait: 
tunc qui in Judaea sunt etc. Der ganze Zusammenhang und 
-die Zwischenbemerkung haben nur bei der Annahme Sinn, dass 
Victorin unter den Bekehrten und Fliehenden der Endzeit vor 
allem die Juden verstand. — Nach Malvenda n, 200 verweise 
ich ferner auf Hilarius in Matth. X, 14 u. ö., Augustin de civ. 
Dei XX, 29, Gregor in Ezech. Hom. XII, 7, Chrysostomus in Matth. 
Hom. 58 1, Theodoret in Danielem XII, 1 in Malachiam IV, 1 l ), 
Job. Damascenus a. a. 0., Adso. 



1) an diese Stelle wird die Erwartung natürlich vielfach angeknüpft. 



143 

Das Wichtigste aber ist, dass wir von hier aus einsehen, 
wie Paulus (Rom. 926) dazu kommen konnte, von einer Bekeh- 
rung Israels am Ende der Tage zu reden. Es war das keine 
selbsterfundene Hoffnung, mit der ßr sich tröstete, er nahm die- 
selbe aus der alten heiligen eschatologischen Tradition seines 
Volkes. Und somit hellt sich auch die schwierige Stelle 
Born. 11 12 auf: el de zo rtaq(XTCTü)yLa avr<Zv nXovxog xoopov 
xai zo rjrrtjua crirudiv nXovtog idvwv, ftoaci) fioXXov %6 TcXyQtopa 
ctvrcüv. Der grosse Vorteil, den das bekehrte Israel der heiden- 
christlichen Kirche bringen wird, ist eben dieser: Israel wird den 
Widerstand und Kampf gegen den Antichrist aufnehmen. 

Auch Apok. 7iff. ist natürlich von hier aus zu verstehen. 
Die schematische Bestimmung der Zahl 144000 scheint schon 
ursprünglich der Sage angehört zu haben. Wenn es heisst, dass 
12000 aus jedem der zwölf Stamme (mit Ausnahme Dans — aus 
dem oben schon erklarten Grunde) errettet werden, resp. das 
Siegel Gottes bekommen, so könnte man allerdings daraus 
schliessen, dass gerade wegen dieser schematischen Aufzählung 
der nicht mehr vorhandenen zwölf Stamme dieser Zug nicht 
genuin jüdisch sei. Doch findet er sich eben schon in der Apo- 
kalypse und dort in einem Stück, das offenbar als übernommen 
erscheint. Auch verband sich ja mit der Sage vom Antichrist 
schon sehr früh die Erwartung der Bückkehr der zehn Stamme 
(s. oben S. 61). Victorin legt ausdrücklich die Stelle aus: ideo 
ostendit etiam numerum ex Judaeis crediturum et (7 9 ff.) ex 
gentibus magnam multitudinem (vgl. zu derselben Stelle Andreas). 
Die 144000 mit dem Siegel Gottes treten dann endlich in einen 
natürlichen Gegensatz zu den vom Antichrist versiegelten, von 
denen ja mehrfach ausdrücklich versichert wird, dass sie das 
Siegel (Zeichen) Gottes (Christi) nicht empfangen können, weil 
sie das Zeichen des Antichrist angenommen haben (s. oben S. 132 f.). 



Die Verkürzung der Tage. 

Mtth. 2422 heisst es: %<u el pr) ixoXoßco&rjoccv al fj t ui(>cu 
iwivai, ovv. av iacodiq jtäoa adq^. dta äi tovg ixXextovg noXo- 
ßüj&TjOOVTai al ffiiQai Ivlüvcll. 



144 

, Eine ausführlichere Tradition hierüber findet sich innerhalb 
der verschiedensten Zweige der Überlieferung unserer Sage. Schon 
bei Lact. VII, 16. 636 17 hebst es: 

tunc annus breviabitur, et mensis minuetur, et dies in an- 
gustum coarctabitur. 

Zeph. Apok. 128: Dann wird der Unverschämte . . sprechen: 
wehe mir selbst. Denn meine Zeit ist mir vorübergegangen. 
Ich sagte: meine Zeit wird nicht vorübergehen, — und meine 
Jahre sind wie die Monate geworden. Meine Tage sind verflogen, 
wie der Staub, der verfliegt. 

J.-A«?8: XQia krij l'aovzat o\ xatQoi enelvoi, %at tvoirfiw 
%a tqicc etrj wg tqeTq pijvag yxzl rovg tqbiq ptjvag wg TQÜg 
eßdopddag xai Tag TQeig eßdopddag wg XQBig rmiqag %ai rag 
xqeig rj^Qag wg xqelg wQag mal rag xqelg wqag wg rqeig axtypiag. 
Ganz ähnlich wie in J.-A. findet sich dieser Zug bei D.-A. 
gr. 106, E.-A. 13 u. 14, Sib.-Beda, Adso 1294 C, in der jüdischen 
Geschichte Daniels. Kürzer bei Ps.-H. 114 is und P.-A. aeth. 1 ). 
Auch hier zeigt sich wieder der fragmentarische Charakter 
der neutestamentlichen Überlieferung. Bei der »Verkürzung der 
Tage« muss es sich doch um eine bestimmte Zeitfrist handeln. 
In der Parallelüberlieferung wird diese angegeben. Es ist die 
Zeit der 3 l /i Jahre, der Herrschaft des Antichrist, um die es sich 
hier handelt. 

Von litterarischem Interesse ist noch folgende Beobachtung. 
Bei Ephraem gr. findet sich eine charakteristische Schilderung der 
Not und der allgemeinen Flucht und Verwirrung zur Zeit des 
Antichrist. II, 223. 

aitavxeg de ol ovteg irrt yf t g avavoAdiv 

iici dvopag (pevyovoiv ex rijg nolXi\g deiXiag 9 

%al Ttdfov de ol ovreg ini dvapwv fjXlov 

ini vrp avatoXrp q>evyovai pera TQopov. 

Eine ganz ähnliche Schilderung findet sich Ps.-Ephr. Kap. 4, 
Ps.-Hipp. 33. 113 s, D.-A. arm. 23924, Ps.-Meth. 99, Adso 1293 C, 
Philippus Solitarius 817 A*). 



1) auch das Elucidarium zeigt sich mit dieser Idee bekannt, lehnt 
sie jedoch ab. 

2) noch in der arabischen Überlieferung bei Tabari (s. o. S. 74) 
findet sich eine ähnliche Schilderung. 



145 



Die letzte Not und die Errettung. 

Den in die Wüste fliehenden sendet der Antichrist seine 
Heere nach. Aber in der Wüste werden dann die Gläubigen in 
wunderbarer Weise errettet, und die Macht des Antichrist ver- 
nichtet. 

Lact. VII, 17. 6402: quo audito inpius inflammatus ira 
veniet cum exercitu magno et admotis Omnibus copiis circumdabit 
montem, in quo justi morabuntur, ut eos comprehendat . Uli 
vero ubi se clausos undique atque obsessos viderint, exclamabunt 
ad Deum voce magna et auxilium coeleste implorabunt, et ex- 
audiet eos Deus et mittet regem magnum de coelo, qui eos eripiat 
ac liberet omnesque inpios ferro ignique disperdat. 

Auch Victorin kennt diese Tradition (zu Apok. 12isf.): 
aquam quam emisit de ore suo serpens : jussu suo exercitum eam 
sequi significat (sc. die in die Wüste geflohene Schaar von Gläu- 
bigen), aperuisse terram os suum et devorare aquas: vindictam 
de praesentibus manifestam. 

Zeph. Ap. 128 ruft der Antichrist: »Jetzt fliehet (? — eilet?) 
nun in die Wüste, fanget die ... ., tötet sie, die Heiligen bringet 
her«. Sehr charakteristisch ist folgende Stelle: Dann wird er 
seine feurigen Flügel nehmen und hinter den Hei- 
ligen her fliegen und wiederum mit ihnen kämpfen. — Die 
Errettung geschieht nach Zephanja durch Engel, welche die 
Gläubigen auf ihre Flügel nehmen und in das »heilige Land« 
tragen. 

Es ist bemerkenswert» dass Ps.-Hipp. 29 hier zum ersten 
Mal, wie es scheint, selbständig — wenigstens habe ich diesen 
Zug in keiner der um Ephraem sich gruppierenden Schriften 
finden können — dieselbe Tradition bewahrt. 

tote anoateXei iv oqeat yacl aTttjXaloig %al talg onaig 
Ttjg yrjg tcSv daifiövtov tag qtdXayyag nqog to iQewrjacu tovg 
artoyiQvßivtag &c tcSv oq&aXpaiv avtov aal fZQOOayayelv avtovg 
elg nqo<r/Lvrr[Oiv avtov yuxl tovg piv ne&ofiivovg avttp ocpQa- 
yiaei tfi ogtQayldt avtov 1 ). tovg de firj ßovXofiivovg avtqi 
tftaxovoat ttftwfiag • . . avaXwoei. 

1) man beachte, wie hier und in der Apok. Zeph. wieder ein stark 

Bonität, der Antichrist. 10 



146 

Parallel damit geht Adso 1297 A: post ceteros fideles per- 
sequens reddet gladio aut apostatas faciet, et qui in eum credi- 
derint, sign um characteris eius in fronte suscipient. 

Endlich ist hier Beatus 541 zu erwähnen: . . loca sunt ibi 
inaccessibilia; ibi sancti confugient et ibi latitabunt, quos Christus 
in carne vivos invenerit. 

Also die in die Wüste geflohenen Gläubigen werden dort 
ihre Errettung finden. Gott wird ihnen den Messias senden. 
Ein helles Licht fällt von hier aus auf die Stelle Mtth. 2426, 
wenn sie euch nun sagen : siehe er ist in der Wüste» ziehet nicht 
hinaus 1 ). Und vielleicht löst sich auch nun das rätselhafte 
Wort, das diesem bei Mtth. folgt : siehe er ist iv %oig Ta/uieloig, 
glaubet es nicht. — Jes. 2620 heisst es nämlich: ßddiue Xaog 
fiov, uoeX&e elg ra rauuid oov, aTto/J^iaov ttjv 9vqciv aov 9 
dno'AQvßr\$L tic/.qov oaov ooov, i'tog av rtaqiX^rj rj oQyrj xvqiov. 
Dieses Wort wird nun in einigen Quellen unserer Überlieferung 
auf diese Flucht der Gläubigen in die Wüste gedeutet. P.-A. 
aeth. : und sie werden in die Berge, Höhlen und Erdklüfte fliehen 
und sich verbergen, wie der Prophet Jesaias sagt: gehe mein 
Volk hinein in dein Haus und verbirg dich eine kleine Weile, 
bis der Zorn des Herrn vorüber sein wird. — Es scheint mir 
nicht unmöglich, dass diese Deutung des »in die Kammer gehens« 
im Jesaias auf die Flucht der Gläubigen in die Wüste uralt 
ist. Dann hätten wir in den beiden Ausdrücken: siehe er ist 
in der Wüste — siehe er ist in der Kammer — einen 
Parallelismus. 

Es wird bereits klar geworden sein, dass auch die zweite 
Hälfte *) von Apokalypse 12 sich mit unserm Sagenkreis berührt 
So wie das Kapitel vorliegt (vgl. namentlich 12 1~), ist allerdings 
die Flucht des Weibes schon auf einen bestimmten zeitgeschicht- 
lichen Vorgang bezogen, aber ursprünglich war, wenigstens was 
die neutestamentliche Zeit betrifft, mit dem Weib, das vom 



archaistisches Moment zur Erscheinung kommt (Tgl. hier den Ab- 
schnitt IX). 

1) zu Verweisen ist hier auch auf das geschichtliche bezeugte 
Auftreten von falschen Messiassen in der Wüste Act. 21 si, Josephus 
Aren. XX, 8e, B. J. VII, lli. 

2) Tgl. hier den erst nachträglich geschriebenen Anhang über 
dies Kapitel unten S. 169. 



147 

Drachen verfolgt wird, die Kirche — resp. die Gemeinde der 
jüdischen Gläubigen in der Endzeit gemeint So legen auch 
noch fast alle Kirchenväter 1 ) von Hippolyt und Methodius an 
aus, nur daes für sie natürlich das Weib die christliche Kirche 
ist. Auch im einzelnen mag Victorin (s. oben S. 145) ungefähr 
schon mit seiner Auslegung das getroffen haben, was der Ver- 
fasser dieses Stückes durch seine eschatologischen Bilder zum 
Ausdruck bringen wollte. Eine andere Frage ist es — und das 
betrifft die besondere Schwierigkeit, unter der die Auslegung des 
12. Kap. steht — ob und wie weit die phantastischen einzelnen 
Züge dem Zusammenhang eines älteren Mythos entlehnt sind. 
Bisher ist es auch Gunkel nicht gelungen, hier überzeugende 
Parallelen und wesentliche Aufklärungen zu bringen. Es ist ja 
wahrscheinlich, dass der Apokalyptiker die Farben zu seinem 
Gemälde dem Drachenmythos und dem damit zusammenhängen- 
den Mythenkreis entlehnte. So lange das aber noch nicht nach- 
gewiesen ist, so bleibt immerhin die Möglichkeit, dass derjenige 
Apokalyptiker, der Apokalypse 12 erweiterte, die eschatologische 
Phantasie von der Verfolgung der Gläubigen durch den Anti- 
christ in Farbentönen zeichnete, die zu dem Anfang des Kapitels, 
das ja in der That dem Drachenmythos entlehnt ist, passten. 
Doch will ich auch dies nur als Vermutung aufgestellt haben 
und hier mit Freuden jede weitere Belehrung begrüssen. 

Aber noch eine schwierige Stelle der Apokalypse ist hier zu 
besprechen. Ganz rätselhaft ist das Gericht, das Apok. 14a — 20 
geschildert wird. Wer vollzieht überhaupt dieses Gericht? Wie 
es scheint, der Messias, einer der auf den Wolken sitzt, ähnlich 
einem Menschensohn. Aber V. 15 ist dann von einem aXXog ayyeXog 
die Rede. Und jedenfalls vollzieht er das Gericht nicht allein, 
sondern neben ihm steht an fast hervorragenderer Stelle dieser zweite 
Engel, der ebenfalls Gericht hält. Über wen wird ferner das 
Gericht vollzogen? Es ist nur von einem grossen Blutbad ausser- 
halb der Stadt die Rede. 

Vielleicht hilft uns hier Lactanz weiter, der VII, 19. 645 u 
von der Besiegung der Scharen erzählt, welche vom Antichrist 
zur Verfolgung der Gläubigen ausgesandt sind, »et virtus ange- 
lorum tradet in manus justorum multitudinem illam, quae montem 



1) Malvenda 147. 

10 



148 

circumsederint, et fluet sanguis more torrentis; deletisque 
omnibus copiis impius solus efiugiet 

Dazu ist dann noch die Erklärung Victorins zu dieser Stelle 
zu vergleichen: et exiet sanguis usque ad frenos equorum: eziet 
ultio usque ad principes populorum L e. rectores sive diabolum 
sive angelos 1 ) eius, novissimo certamine eziet ultio sanguinis 
effusi. 

Ferner Commodian 983: 

quum properant autem ezercitu Dei rebelies, 
sternunturque solo ab angelis proelio facto. 

Und Apok. Zeph. 128 (hinter der oben citierten Stelle): die 
Engel werden es hören und herabkommen und mit ihm einen 
Kampf von vielen Schwertern kämpfen. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in Apok. 14x4 — 20 die 
Engelschlacht ursprünglich geschildert war, welche gegen die 
Scharen des Antichrist, von denen die Gläubigen in der Wüste 
verfolgt werden, geliefert werden soll. Sie wird ausserhalb der 
Stadt geschlagen, d. h. ausserhalb Jerusalems, des Hauptsitzes 
des Antichrist. 

Der Menschensohnähnliche, der auf den Wolken thront, ist 
dann eben auch nur als ein Engel aufzufassen. Und nun be- 
greift man auch, weshalb vorher im Anfang von Kap. 14 das 
Lamm mit den 144000 erscheint. Die 144000 sind die treu- 
gebliebenen Gläubigen, welche in die Wüste geflohen sind, sie 
erscheinen mit dem Lamme. Gott hat ihnen in der Wüste den 
Messias gesandt (vgl. Lactanz oben). Auch dass sie auf einem 
Berge stehen, stammt aus derselben Oberlieferung (s. oben). 
Nur dass es der Berg Zion sei, scheint vom Verfasser eingetragen 
zu sein. 



Das endgültige Gericht über den Antichrist. 

Schon Paulus lässt den Antichrist durch Christus bei seiner 
Wiederkunft vernichtet werden und beschreibt seine Vernichtung 
nach Jes. 11 4. Der Herr wird ihn toten durch den Hauch 



1) durch Dämonen werden bei Ps.-Hipp. s. 0. die Gläubigen in 
der Wüste verfolgt. 



149 

seines Mundes, und wird ihn vernichten, wenn er bei seiner 
Wiederkunft erscheint. 

Diese Anschauung, dass Christus selbst den Antichrist be- 
siegen werde, ist denn auch weit verbreitet geblieben, wiewohl in 
vielen Schilderungen (vgl. Ephr. gr. 143 B, Ps.-Hipp. 37, Phil. 
Solitarius 818 C, J.-A. 161, D.-A gr. 116 und arm. 240) die 
Scene fast völlig zurücktritt Sie findet sich ausführlich 1 ) bei 
Lactanz Vit, 19 (s. unten), ferner bei Ps.-Ephraem 10, Prudentius 
Cathemerinon 6 S ), Cyrill 15 10, Hieronymus ad Algasiam 11, 
P.-A. syr., Joh. Damascenus, Adso, Haymo, Elucidarium, auch schon 
in jüdischen Quellen, so im Testamentum XII Patr. Dan 5, im 
Midrasch Vajoscha, den Geheimnissen des Rabbi Jochai, in der 
jüdischen Geschichte Daniels. 

Auch die Beziehung auf Jes. 11 4 finden wir wieder bei Ps.- 
Ephraem, CyriU, Hieronymus, Joh. Damascenus, Adso, Haymo. 
— Besonders bemerkenswert aber ist, dass auch im Midrasch 
Vajoscha, in den Geheimnissen des Rabbi Jochai und der Ge- 
schichte Daniels der Messias, der Sohn Davids, den Armillus 8 ) 
durch den Hauch seines Mundes tötet. — Also auch in diesem 
Punkt scheint die Beziehung auf Jes. 11 4 von Paulus nicht erst 
selbständig eingebracht, sondern ihm aus der jüdischen Tradition 
überkommen zu sein. 

Diese Vorstellung, dass der Messias den Antichrist selbst 
besiegen werde, ist in späterer Zeit die allein herrschende ge- 
worden. Ja sie ist es vielleicht gewesen, welche im Mittelalter 
zu einer wichtigen Wandlung der christlichen Eschatologie An- 
lass gegeben hat. Schon seit Hieronymus (in Dan 12 lif.) 
macht sich die Anschauung geltend, dass zwischen der Vernich- 
tung des Antichrist und dem grossen Endgericht ein Zwischen- 
raum liege (die 45 Tage, welche Dan 12 ui zählt) 4 ). Es ist mir 
sehr wahrscheinlich, dass in dieser Wendung die Sage sehr viel 
dazu beigetragen hat, dass man im Mittelalter gegen das Verdict 
der Kirche es wagte, wieder chiliastische Anschauungen aufzu- 
bringen. Seit Joachim von Floris erwartete man — namentlich 

1) Tgl. Hipp. 64, Pb.-H. 36 f. 

2) qui de farente monstro palchram refert trophaeam. 

3) in der Geschichte Daniels wird nicht ganz klar, ob der Armillus 
oder der Messias ben Joseph getötet wird. 

4) Malrenda II, 243. 



150 

in den Kreisen des Franciscanerordens — wieder eine goldne Zeit 
auf Erden: das Reich des heiligen Geistes, Reformation der 
Kirche und Herrschaft des Mönchtums. In diesem Zusammen- 
hang redet man dann auch von einer zweiten Ankunft Christi, 
im Gegensatz zu seiner dritten beim Weltgericht. (So schon 
Joachim und seine zahlreichen Nachfolger Ubertinus de Casalis, 
die deutschen Prophetinnen und Apokalyptiker bis zum Verfasser 
des onus ecclesiae hin). Diese zweite Ankunft Christi wird zwar 
meistens nur geistig gedacht, aber bei ihr wird er den Antichrist 
besiegen (der Antichrist wird in verschiedenster Weise gedeutet), 
dieser Ankunft werden Elias und Henoch vorangehen (zwei 
Mönchsorden !), bei ihr wird sich die Bekehrung der Juden voll- 
ziehen. Deutlich sieht man den Einschlag der Sage vom Anti- 
christ. Ich kann hier nur andeuten. Es würde wieder eine eigne 
Schrift erfordern, diesen Spuren nachzugehen. 

Es zeigen sich aber doch Spuren einer älteren Gestalt der 
Sage, in welcher der Messias kaum eine feste Stelle gehabt 
haben dürfte. 

So heist es Ascensio Jesaiae 4u nicht vom Messias, welcher hier 
dilectus genannt wird, sondern von Gott: veniet dominus cum 
angelis suis et cum potestatibus sanctorum e septimo coelo cum 
gloria septimi coeli et trahet Berialem in Gehennam et potestates 
quoque eius. 

Ebenso heisst es von Gott Sib. III, 73: 

tuxI BeXiaQ tfXe&i vuxi vrteQcpidlovg av&QOiftovg 
ftdvrag, oaoi rovry rriativ bre7toiyaavro. 

Undeutlich ist Ps.-Meth.: xai r6xe qxxvjjaerai ro otjueiov 
tov viov tov av&QWftov perä dolpig 7tokXijg v.al rfcevat irci rcSv 
veq>eku!v rrjg yf t g. xai aveXel avzov o MQiog (aber der Lateiner 
»interficiet eum Deus«) rq7 TtvevfxaiL tov avöpazog avzov. 

Die ganze Schilderung des Endes des Antichrist macht hier 
einen unzusammenhängenden und abrupten Eindruck. — Dazu 
ist die unten folgende Notiz aus Bernard. Senensis zu ver- 
gleichen, der im Methodius eine Erwähnung des Erzengels Mi- 
chael las, eine Notiz, die nicht so ohne weiteres zu verwerfen 
ist, weil doch der mit Ps.-Meth. eng zusammenhängende Adso 
dieselbe auch hat. — Vielleicht haben wir den Schluss des Me- 
thodius nicht mehr in der ursprünglichen Form. 

Zu diesen Stellen aber kommen nun auch noch eine Reihe 



151 

anderer, in denen sich eine entschieden ältere Tradition erhalten 
hat Nach dieser wird der Erzengel Michael den Antichrist be- 
siegen. Der Messias spielt dabei in den älteren Quellen gar 
keine Rolle (in den jüngeren wird natürlich vermittelt). Neben 
Michael tritt Gott als Weltrichter. 

Bevor ich die Stellen hierhersetze sei noch eine allgemeine 
Erwägung vorangeschickt: 

Es wäre überhaupt von allerhöchstem Interesse den Speku- 
lationen im Spätjudentum über den Erzengel Michael im Zusam- 
menhang nachzugehen. Man würde, wie ich vermute, finden, 
dass wenn irgendwie, dann gerade hier jüdische Spekulationen 
vorbildlich für die Entwicklung der Christologie geworden sind. 
Der Erzengel Michael nimmt in der spätjüdischen Gedankenwelt 
— eben als Engel des Volkes — eine erstaunlich hohe Stellung 
ein. Schon Daniel 12 lf. tritt Michael als der mächtige Held 
der Endzeit auf, der in den letzten Tagen für sein Volk streiten 
wird. Und was das bedeutsame ist: seine Gestalt hat schon 
hier ganz die des Messias verdrängt, und ist selbst von messia- 
nischer Bedeutung geworden. Es ist zu erwarten, dass Daniel 
auch hier wie an allen Punkten grossen Einfiuss auf die escha- 
tologische Spekulation ausgeübt hat. So -ist denn nach meiner 
Meinung der Hauptbeweis für die jüdische Herkunft von Apok. 12 
die hervorragende Stellung, welche der Erzengel Michael hier 
einnimmt. Er und nicht das Kind, das geboren wird, um die 
Heiden mit ehernem Scepter zu weiden, wirft den Drachen bei 
dessen Ansturm gegen den Himmel. Bedeutsamer wird noch 
die Stellung des Michael, wenn wir annehmen dürften, dass in 
Apok. 12 ursprünglich der letzte und entscheidende Sturm des 
Drachen gegen den Himmel, die Revolution der alten Schlange 
und ihre endgültige Besiegung geschildert war. Dann ist eben 
in der jüdischen Umwandlung dieses Bildes Michael der Drachen- 
besieger in dem grossen Kampf der Endzeit geworden, i 

Spuren dieser Anschauung finden sich nun noch in zahl- 
reichen Quellen. 

Ephr. Syr. 12: tunc exsilientes Gabriel et Michael duces 
exercitus descendent et suscitabunt sanctos; pudore autem affi- 
cietur malus (antichristus) cum suis satellitibus ; angeli porro 
accedentes apprehendent maledictum. — simul clamabit Domi- 



152 

nus 1 ) de coelo et subvertet maledictum cum omnibus suis copiis, * 
et illico angeli detrudent eam in geennam f ). 

Ebenso zeigt sich eine Spur dieser Anschauung im Cod. E 
der J.-A. Kap. 7, wo es vom Antichrist heisat: oze alyjiaXoy- 
Tev&q V7to tov aQ%ayyilov MixonJA aal f t Qev ig avrov xrp #erf- 
Ttjza (xai arctaxaXr\v fyd h. xQv xokncov tov naxQog fiov xal 
owioxuhx Ttjv Kecpal^v avxov tov fiefxia^evov, xai iaßia&q 6 
6q>&aXu6g avxov)*). 

E.-A. 13: und dort wird Gott gegen sie (Gog und Magog) 
senden den Michael, den furchtbaren Engel, und der wird sie 
vernichten ohne Erbarmen. Kap. 15: und es werden Engel 
gesandt, die stürzen den Sohn des Verderbens in die Gehenna 
des Feuers, und das Ende ist da. 

Beda de ratione temporum 69: percusso autem illo perditionis 
filio sive ab ipso Domino sive Michaele archangelo. 

Sib.-Beda: et occidetur virtute Domini antichriatus a Michaele 
archangelo ut quidam docent. 

Adso 1297 B: tradunt quoque doctores, ut ait Gregorius 
Papa 4 ), quod Michael archangelus perimet illum in monte Oliveti 
in papilione et solio suo, in loco illo de quo Dominus ascendit 
ad coelos (nach Adso Haymo in II. Thess. 2). 

Bemerkenswert ist übrigens die bei Malvenda II, 235 aus 
Bernardinus Senensis de judicio universal! XI citierte Stelle: 
antichristus de mandato Christi fulminabitur per ministerium 
archangeli Michael, qui etiam interficiet eum »secundum Me- 
thodiumc 

In der jüdischen Geschichte Daniels heisst es ebenfalls: 
Darauf werden sie, Michael und Gabriel den, der sich für den 



1) unter Dominus ist Gott zu verstehen, Christus wird naohher 
filius genannt. Die Besiegung des Antichrist und der Weltuntergang 
vollzieht sich ohne ihn. 

2) nach der hier secundären arabischen Petrus-Apokalypse besiegt 
Michael den Löwensohn, den letzten römischen Kaiser (bei NichoL a. a. 0. 
die Angabe des Inhalts). 

3) vgl. auch Kap. 9, wo Michael und Gabriel die Totenerweckung 
herbeiführen, ebenso P.-A. aeth. Hier erwecken Michael und Gabriel 
den Elias und Henoch. 

4) vgl. Homil. 349 in Evang., wo Gregor sich allerdings auf Apok. 
127 bezieht, und Moralia XXXII, 1527. 



153 

Messias ausgegeben hat, töten, und Gott wird vom Himmel er- 
scheinen 1 ). 

Einen Anklang an diese Überlieferung bietet noch Ephr. 
gr. 143E: 

nai ayetai b TVQawog dedefiivog vre ayyihav 

avv areaae roilg daipooiv ivcimov %ov ßijfunog. 

Victorin in Apok. 15 1: hos angelos malos Septem ad per- 
cutiendum antichristum mittit 

Dazu sind die oben citierten Stellen aus Commodian und 
Apok. Zephanja zu vergleichen. 

Eine in noch frühere Zeit weisende Parallele liegt dann 
wahrscheinlich noch in der assumptio Mosis X vor. Es heisst 
dort: et tunc parebit regnum illius (sc. dei) in omni creatura 

illius . et tunc Zabulus (diabolus) finem habebit. tunc im- 

plebuntur manus nuntii, qui est in summo constitutus, qui pro* 
tinus vindicabit illos (sc. Israel) ab inimicis eorum. — Es kann 
kaum ein Zweifel sein, dass hier mit dem nuntius der Engel 
Michael gemeint sei. Wenn es dann weiter heisst : ezsurget enim 
Coelestis a sede regni sui, so stehen hier wieder Gott und Mi- 
chael nebeneinander im Kampf, zwar nicht mit dem Antichrist, 
aber mit dem Teufel. — Ursprünglich kann Michael ja auch 
nicht dem Antichrist (dem Pseudomessias) gegenübergestellt 
gewesen sein, sondern eben dem Teufel, dem Belial oder dem 
Drachen (Apok. 12?) f ). 

Bemerkenswert ist die wohl an Sachazja sich anlehnende 
Behauptung, dass der Antichrist auf dem ölberg seine Nieder- 
lage erleiden wird. Freilich lasst sich die Spur, wie es scheint, 
mit Sicherheit nicht weiter als bis Hieronymus in Danielem 
XT, 44 f. zurückverfolgen. Tunc veniet antichristus usque ad 
summmitatem montis eius . . . id est verticem montis Oliveti. . . 
et asserunt ibi antichristum esse periturum, unde Dominus ascen- 
dit ad coelos. Nach Hieronymus bringen Beatus (542), Adso 
und das Elucidarium die Notiz; zu derselben Stelle im Daniel 



1) mit der ganzen Tradition vertraut zeigt sich auch Theodoret in 
Daniel XII, 1 (Malvenda n, 181). 

2) über den Drachentöter Michael und seine Parallelisiernng mit 
Horus, dem Besieger des Typhon und Apollo, dem Python-Bezwinger 
Bieterich, Abraxas 122 f. 



154 

auch Theodoret. Auch in der Geschichte Daniels erscheint der 
Messias ben David auf dem ölberg. 

Als ältere Parallele aber mag Apokal. Baruch 40 gelten: 
dux ultimus qui tunc reliquus erit vivus, cum yastabuntur multi- 
tudo congregationum eius, et vincietur, et adducent eum super 
montem Sion, et Messias meus arguet eum de omnibus impietati- 
bus eius. — et postea interficiet eum (cf. IV. Esra 13ai). 

Eine besonders archaistische Variante bietet noch Lactanz 
VH, 19. 645 16 : antichristus .... contra verum dimicabit et 
victus effugiet et bellum saepe renovabit et saepe vincetur, donec 
quarto proelio .... debellatus et captus tandem scelerum suorum 
luat poenas (vgl. Commodian 937 ff.). 



xvm. 

Das Zeichen des Menschensohnes. 

Matth. 24 ao wird geweissagt: und dann wird das Zeichen 
des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Was ist das Zeichen 
des Menschensohnes? Danach wird von den Exegeten kaum 
gefragt, und doch muss die Frage erhoben werden. Es finden 
sich darüber die verschiedenartigsten Phantasieen bei den Kirchen- 
vätern. Wahrscheinlich wird das Zeichen des Menschensohnes 
als eine Himmelserscheinung aufzufassen sein, vielleicht war es 
ein Schwert, das dem vom Himmel kommenden Messias voran- 
leuchten sollte. 

So findet sich die Überlieferung bei Lactanz VII, 19. 645 s: 
cadet repente gladius e coelo, ut sciant justi ducem sanctae mi- 
litiae descensurum. 

Daneben finden sich die verschiedenartigsten Deutungen: 

Commodian 903: 

videbitur et tunc ignea quadriga per astra 
et facula currens, nuntiet ut gentibus ignem. 

Ephr. syr. Kap. 12: 

tunc descendet Dominus .... et consistet currus eius inter 
coelum et terram. 

Sib. IV, 172: .... a^ia fxiyiOTOv 
Qopqtair] adlattyyi & Sfi r t €?U(p aviovxt. 



155 

(vgl. auch ßib. V, 158: jjSu <f oiqavo^ev 

dovijQ piyag elg aka deivrjv y.ai cpliget 
TrovTOV'te ßadvv . . . 
Sibyll. XIV, 158: 

Yjai tot« öij \xiya arjpa &eög pBQOTteaoi ßQOxölaiv 
ovQavo&ev öei&i rveQitelXofiivoLQ iviaviolg 
qxxX'ÄTjv iooopivoio xiqag noXipoio xoxolo. 
BißL Kltjpevzog 81a: rote taxai h T(£ oiqavco or^eia. 
ro^ov ocpdijoercu xal xBQag xal Xa^tfcdg. 
Allgemeiner lautet Sib.-Beda: 

Judicii signum, tellus sudore madescet, 
e coelo rex adveniet per saecla futurus^ 
In der jüdischen Geschichte Daniels heisst es: Und die 
Fahne des Messias wird erscheinen. 

Allgemein dagegen wird schon in sehr früher Zeit das 
Zeichen des Menschensohnes auf das wiedererscheinende Kreuz 
gedeutet So findet sich diese Angabe bei Ps.-Ephraem 10, Cy- 
rill 1522, Ps.-Chrysostomus, Ps.-Hipp. 36. 1154, D.-A. graec. cod. 
(s. Klostermann 120, Anm.), Elucidarium. — Bei Ps.-Methodius 
(Sib. Usinger) legt der letzte römische König seine Krone auf 
das Kreuz nieder und dieses wird mit der Krone in den Himmel 
erhoben, „avrdg ftikkei q>aiveo&cu ev tj? naQOvaia l'fiTZQO<T&ev 
avxov elg Xktyxov xwv aftiotwv Iovdaiwv". 

Undeutlicher lauten die Aussagen bei Ephraem graec. In 
de antichristo findet sich die Erwähnung des Kreuzes nur in der 
lateinischen Übersetzung. In der in fünffacher Überlieferung vor- 
handenen Ausführung über die zweite Parusie dagegen findet sich 
eine ausführlichere Mitteilung. Ich gebe die Becension I (s. o. 
6. 24 nach IQ, 145 u. II, 193). Wie ich vermute, ist der 
Passus in Tetrasyllaben geschrieben. Doch ist der Text nicht 
überall wiederherzustellen. 

orcev (?) Ydcopev xb arjueiov xov vlov tov av&Qtinov 1 ) iv 
%t$ ovQovifi (pctviv, "/.d&tog elrtev b v.v-Qtog, iv (p 

7VQ0or\hjifh\ k'AOvaiwg iniQ jfiwv. tot« ndvreg 



1) hier erwähnen alle übrigen Handschriften ausdrücklich das Kreuz. 
II, 219. HI, 193 lesen (&va)<pavev iv t<$ ovoav<p tov xifiior xai Zcooxoidy 
oravQOv <p<x>ittoina xä xigaza zijs yTjs. (Danach Ps.-Hipp. 115i). 



156 

&£(üqovvt&<z 1 ) h zw vxpu <pivev*) zb (poßtQbv 

yacI ayiov ' ? axtjrtTQOv zw fieyaXov ßaaiUwg. 
imyivwtnuu s ) l'xaarog xal (?) nvrtfiovevei zov Xcyov zov 

tlvqiov 7tQ0- EtQTfAOVog 4 ). qxzvqaezai 5 ) zb orifteiov 

zov viov zov av&QtoTtov iv %t*j ovQavqt xal h /rAijpo- (!) 
q>OQi<f yi-vovxat rtdvzeg, ort bnlaw*) ctvzov [Ulkst, 

avayaivea- &ai 6 ßaaileug. 
Diese Stellen fuhren uns in die schier unentwirrbare Fülle 
der Traditionen vom Kreuz. Ich bin jedoch gezwungen, mich 
hier kurz zu fassen. 

Der Glaube an das Wiedererscheinen des Kreuzes beim End- 
gericht hat vor allem bekanntlich in der orientalischen Kirche 
eine grosse Rolle gespielt Mit diesem Glauben hängen ja auch 
sicher die mannigfaltigen Sagen von Kreuzerscheinungen zusam- 
men, unter denen die in der Constantinsage erwähnte die be- 
kannteste ist. Andre Kreuzerscheinungen weist Zezschwitz p. 56 f. 
nach. 

Erwartete man aber das Kreuz vom Himmel kommend, so 
musste es einmal gen Himmel gefahren sein. Und so rückt nun 
in diesen Zusammenhang auch die berühmt gewordene Erzählung 
des Petrusevangeliums ein, nach welcher das Kreuz bei der Auf- 
erstehung Christi mit diesem zum Himmel gefahren ist. Dieselbe 
Anschauung findet sich übrigens Sibyll. VI, 26—28 und Chryso- 
stomus de cruce et latrone, Hom. ET, 4 (Zezschwitz p. 56 und 
Anm. 83) *). 

Dieser Gedankenkreis wird nun später von einer andern be- 



1) aus Becension II, Bec. I liest faaoaptvoi. 

2) vielleicht dvatpavir. Becen6ion IE hat stark abweichend <parbr 
t6 ßaodixov xovxov xal (poßegov oxrjnxQor, 

3) hier hat Becension I noch ein (yäg) Xout&v, das ich nach Be- 
consion II des Verses halber ausgelassen, von ixaaxoe bis ylrorxcu narrte 
fehlt alles in Becension II. 

4) nach II, 193; HI, 145 BQosuidvxog. 

5) HI, 145 avatparjotrai, H, 193 Sxi yavqotxai. 

6) der Text ist versuchsweise aus Becension I Sxi 6a. xovxov 6 ßaoi- 
Xtvg fiiXXsi draqpaiv. und IE 6xi 6n. d. (xovxov) p. (parrfrat 6 ßaodevc (oder 
6 ßaodsvg pilUi &ra<pcuveoöai) hergestellt. 

7) 8. ebenda auch noch andere Stellen bei Julian v. Toledo, An- 
gelinas Landunensis, in denen die Erwartang des Erscheinens des Kreuzes 
ausgesprochen wird. 



157 

kannten Überlieferung durchkreuzt, derzufolge Helena, die Mutter 
des Kaisers Constantin, das Kreuz aufgefunden haben soll. In 
der Zeit, in welcher man im christlich gewordenen Staat das 
Reich Gottes auf Erden begonnen sah, erwartete man auch das 
Kreuz nicht mehr vom Himmel, sondern verehrte es auf Erden 
als heilige Reliquie. Auf Grund dieser Anschauungen entstand 
nun die oben erwähnte Darstellung, die wir bei Methodius (Sib« 
TTsinger) finden. Der letzte Kaiser von Byzanz legt auf das 
Reich verzichtend seine Krone auf den Kreuzesstamm nieder,, 
und dieses wird mit der Krone in den Himmel erhoben, um 
dann am Ende der Tage von dort wiederzukehren. So bestätigt 
sich die oben S. 33 gegen Zezschwitz aufgestellte Behauptung, 
dass dieser Bericht des Methodius von der Niederlegung der 
Krone gegenüber dem bei Adso, Sib.-Beda sich findenden der spä- 
tere und kompliciertere ist. 

Ein ganz eigentümlicher Bericht liegt nun noch J.-A. 
Kap. 16 vor: 

tuxI tots cpcwrjOtxai xo ar^üov xov vlov xov avd-QOJTtov 
anb xov ovqccvov pexa dwapmg xal öohjg 7toXXijg. %ai x6xe 
&eco()ijoei avxog b xrjg ad r/Jag iQyaxtjg (xbtcl xcSv vrtTjQexcSv 
avxov yuxl ßQt>£ei fieyaXa, xai ndvxa xä avjxSaQxa ftvev^axa 
eig cpvyijv XQarajoovrai. 

Hier scheint nämlich das Kreuz, das Zeichen des Menschen- 
sohnes, völlig diesen selbst verdrängt zu haben. Dass dies keine 
Täuschung ist, zeigt uns ein Blick in die entsprechenden bild- 
lichen Darstellungen des alten Christentums *). Hier hat sich in 
zahlreichen Darstellungen der Process vollzogen, dass das Kreuz,, 
das Christus beigegebene Symbol, diesen selbst verdrängt. Und 
auf dem die Verklärungsscene darstellenden Mosaik von St. de- 
mente in Rom haben wir das Bild, das der J.-A. entspricht i 
nichts weiter als ein in der Luft erscheinendes Kreuz (mit dem 
Medaillon des gekreuzigten). 

Noch deutlicher redet eine Stelle im Elucidarium 'j. Nach 
dieser wird Christus den »electis in ea forma quae in monte appa- 
ruit, reprobis vero in ea quae in cruce pependit« erscheinen 9 ). 

1) Herr Dr. Achelis machte mich auf diese Entwicklung auf- 
merksam. 

2) p. 1166, vgl. Meyer, Völaspä p. 190. 

3) vgl. Ps.-H. 39. 117». 



158 

Es, wird aber ein leuchtendes Kreuz sein splendidior sole. Da- 
nach hat dann Meyer, St. 46 der VöluspÄ zu übersetzen ver- 
sucht: der Heiland leuchtet an jenem altberühmten Kreuz 
(s. o. S. 72). 

Ein noch komplicierteres Bild findet sich dann endlich in 
der untersahidischen Recension der Zeph.-Apok. 124. Von diesem 
und seinen Parallelen in der bildlichen Darstellung ist bereits 
oben (S. 56) die Rede gewesen. 

Wenn wir uns dann endlich das grosse Weltgericht von 
Michelangelo vergegenwärtigen, so finden wir auch hier zur Seite 
•des Weltrichters das von Engeln getragene Kreuz und sehen 
wieder die erstaunliche Stabilität derartiger eschatologischer Vor- 
stellungen. 

Anhang. Die Zeit der Wiederkunft 

Einen bestimmten Zeitpunkt der Wiederkunft Christi zur 
Besiegung des Antichrist giebt schon Lactanz an. VII, 19. 644 s: 
tunc aperietur coelum medium intempesta et tenebrosa nocte, ut 
in orbe toto lumen descendentis dei tamquam fulgur appareat; 
quod Sibylla his versibus locuta est 
OrtrtOT av &&?] 

7ttQ eazat xpoXöev vi fiiarj ivi vvtlti pelaivrj l ). 
< haec est nox, quae a nobis propter adventum regis ac dei 
nostri pervigilio celebratur: cuius noctis duplex est ratio, quod in 
ea et vitam tum recepit, cum passus est, et postea regnum orbis 
terrae recepturus est. 

Diese Erwartung scheint specifisch christlich. Doch ist aller 
Wahrscheinlichkeit nach die Quelle des Lactanz eine jüdische 
Sibylle 1 ). Und es wird eine jüdische Erwartung gewesen sein, 
dass in der Nacht, in welcher einst das Volk Israel aus 
Ägypten befreit ist, in derselben Nacht auch die grosse Be- 
freiung vom Antichrist erfolgen werde. Im Elucidarium III, 12 
heisst es noch: media nocte, qua hora angelus Aegyptum 
devastavit, et Dominus infernum spoliavit, ea hora electos suos 



1) Phil. Solitarias: ezpletis temporibas Ulis — repente immensa 
lax longe lateqae corascabit. 

2) deshalb fährt auch Lactanz mit solchem Nachdruck (umdeutend) 
fort: hie est enim liberator et judex et ultor et rex et Dens, quem nos 
Christum rocamus. 



169 

de hoc mundo liberabit — Im jüdischen Sepher Serubabel wird 
ebenfalls gesagt, dass der Menachem, der Sohn Ammiels, plötz- 
lich kommen wird im Monat Nisan. 

Und von dieser alten Erwartung der Wiederkunft Christi 
in der Ostervigilie hat sich eine Spur in einem Volksbrauch 
bis zur Gegenwart erhalten. Koch jetzt erscheint jährlich — 
zwar nicht in der Mitternachtsstunde, sondern aus praktischen 
Gründen am Mittag — das Osterfeuer in der Grabeskirche in 
Jerusalem *). 



Der Weltbrand. 

Umgeben von Engelscharen kommt Gott oder Christus zum 
Gericht und vor ihm her fliesst ein starker Feuerstrom, welcher 
die Welt verbrennt. 

Ephraem syrus Kap. 11: tunc descendet Dominus ex alto 
in formidanda angelorum gloria . . . increpabit mare et desicca- 
bitur . . . solventur coeli et terrae, et fient tenebrae ac caligo. 
mittet Dominus in terram ignem, qui eam per quadraginta dies 
obtinens purificabit f ) ab iniquitate et a sordibus peccatorum. 

Ephraem III, 145 (ich gebe den Text aus den fünf Recen- 
sionen hergestellt, im wesentlichen nach m, 145): 

ftcjg V7r€vt m /*u[jiev tote m adehpol /nov aya7zr t zoi y 

or* Xdia^iey zov tzvqivov 7COza\ibv 1^bqx6(xbvov 

fi«rc drpov tSo[7t€Q] ayqiav d-dXaooav Mxzea&iovza 
xal*) zd oqtj xcri zag vdftag vxxl wxzarAaiovza naaav 
oi'/.ovfihriv *) xat zd iv ccvttj €Qya 9 z6ze ctyanrjzoi 
h. zov ftvQcg (?) exäivov oi nozauoi ixlettpovoiv, 

al Ttrjyal dqxxviLovzai, qj &dlaooa SrjQalverai, 

6 cctjq awxlovitezai, (?) zd aazqa rtneoovoLV 6 ), 



1) die Notiz verdanke ich der Mitteilung meines Kollegen Achelis. 

2) zu dem Gedanken, dass das Feuer die Erde reinigt, vgl. J.-A. 16, 
D.-A. gr. 111, Muspilli (s. n.). 

3) + xai n, 193. 

4) nach II, 251; sonst xrjr yijv. 

5) II, 251; sonst xlmovoi. 



160 

h> xov ovqovov o rjliog oßeodyoezat, 1 ), r} obXijyt] 

naqe^xeraif 6 ovQOvbg, iXlooevai wq ßißXiov*). 

Ephraem gr. III, 143 B: 

r\^tv Xombv wg dazQOJt^ aaxQamovoa if ovqovov 

&ebg ruxwv ßaoiXevg xai vvptpiog o&dvozog 

b> vscpiXaig pezt do£qg aveixaoxov ? 

TCQ0TQ€X6VT(0V EVWTCIOV ÖO^tjg OVZOV XWV XOyfidxüJV 

dyyiXorv xat aQ^oyyihav ovxeg Tzdvzeg q>X6yeg rzvQog. 

tuxI nozapLog rchqqtjg 7ZVQog \v (poße(Hp QvZrmaxt,*) 

Ps.-Ephr. 10: et prodiens apparebit Dominus cum virtute 
magna et majestate multa — nee non et Omnibus virtutibus 
coelorum cum universo choro sanetorum. 

J.-A. 14 : xoxe dftoozeXw xovg äyyiXovg pov ifti nqoatäftov 
redarjg tilg yrjg nal xcrraxatcfovat 4 ) xrjv yrp izrffag d'*xaxioxi m 
Xiag 7zevzar/„oaiag, vxti yuxzaxaijoovxai xä oqt( xd peydXa, vxti al 
iz&qqoi naaoi %iovev&Tioovxat, . . . . xat %ozoJXtT\oovxai rzav d£v~ 
öqoy vxti nav xxijvog x. z. a. Kap. 17 folgt dann eine ausführ- 
liche Schilderung, wie der Herr selbst auf der Erde erschei- 
nen wird. 

J.-A. 18: fzeaovvrav 61 \daxiQeg xov ovqovov . . . vx*vßr t ae- 
xov 7] aehqvri '/xd ov% eozoi iv avxjj <pcjg • . . . x.ozaozaXr i OGzai 
xov fjXtov xb (pcog . . . Xvxh'aovzai ol ovQovoi «... exXelipet, xö 
öl^olqov xijg d-aXdaarjg .... d7Z0<r/X7zoa&ipexoi 6 *Ldidr}g. 

Cyrill 15io: (eXevoezai) vreb pvQiddcov dyyiXorv Ö0Qv<p0Q0v- 
fievog. 15 21: nozapiov nvQog h'X'AOvxog doxifiacxr^ov xwv av- 

x>QW7tÜ)V. 

Ps.-Chrysostomus : nozccfiog nvQog yifioiv xe axtoXrp/uog cr/joi~ 

prjxov. 

Weit zurück geht diese Überlieferung: Sib. HI, 71: 

all* 07c6x av peyaXolo $eov rtskaotaaiv dnuXat 
vxti dvvafiig cpXoyoeooa di ol'dpaxog ig yaiav tj£u 
80 xoxe örj axoi%üo nQorcavxa 

XriQevaev '/.oofxov, brz6x av &eog oI&£ql voimv 
ovqovov eVU^rjy vxx& ottsq ßißXLov elXelxai. 
vuxi ftioexai TtoXvpLOQCpog oXog n6Xog &v %9*ovi dlrj . 



1) nach II, 193; sonst ixXsiysi. 

2) (vgl. Ps.-Hipp. 37). 

3) rgl. Ps.-Hipp. 39. 117 s. 

4) vgl. dazuD.-A. gr.; P.-A. syr.; Apok. Zeph.; Ps.-Esra (s. unten). 



161 



xat nekdyev Qeiaet, de nvqog paXeQOv Jtxaaqa%xrfi 
axaficrro^ cpXdSei de yalav, (pliSet, de ödkaoactv 
7ud 7zoXov ovQctviov vv'ax r^aza %at yjviatv avtrp, 
elg % s v ytoveiaei 'Aal elg -Aa&aqov öiaXd&t. 
xota ext (fwazriQiüv acpaiqd^ava vjxyxakocovza, 
ov vt| oiy. ricog ovy. r^aia noXkd ^eqi^ivrjg 
oi'K laQ ov x ei ^ v oit ccq &€Qog ov juerorttoQOv. 
Sib. H, 197: 

§evou ajt ovQavo&ev xai rtdvxa x6nov danavrpev 
yaiav tiüyaccvov xe fiiyccv yXavxijv xe &dkaooav, 
Xiuvag 'Aal 7toxafiovg f nrffdg vual apeiXixov "uiidrp 
xai nCXov ovqdviov . ardq oiqdviot, qxocxrJQeg 
elg ev avQQySovot, xat elg poQCprp 7taveqr\iiov. 
206: xai xoxe %r t qevau xoopov oxoixeia itqoitavxa 

arjq yata SdXaaaa qtdog rxoXog \\(xata y&Axeg' 
212: dXtfaua Tcdvxa 

elg ev %iovevou xat elg /xtSaqbv diaXi^et *). 
Zu vergleichen sind noch Sib. IV, 172 ff., V. 155 ff. 
Apok. Petri gr. (Macarius IV 7) : xat xaitijoezai naaa dvvapig 
oiqavov xat ndvxa xd aozqcc rteoelxai, tag (pvXXa i£ dfXTxiXov, 
%al tog TclrcxeL (fvXXa artb ov/.r i q. 

Hippolyt 64. 34 t: og ircd&i xijv hmvqtooiv *). 
Lactanz VII, 19. 645 10: et descendet comitantibus angelis 
in medium terrae, et antecedet eum flamma inextinguibilis. 
Commodian 1005: 

cuius signo dato pestis ruet aethere toto, 

cum strepitu tonitrui descendit impetus igni9. 

Ascensio Jesaiae IV, 1 ff. : veniet Deus cum angelis suis 

et cum potestatibus sanctorum e septimo coelo IV, 18 tunc vox 

Dilecti increpabit 8 ) in ira hoc coelum et hanc aridam (terram) et 

montes et colles et urbes et desertum ... et Dilectus Bürgere 

faciet ignem ex ipso et consumet omnes impios *) (vgl. Sib. HE, 73). 

Apok. Zeph. 129: Es wird an jenem Tage geschehen, dass 



1) rgl. IV. Esra [VI, 4 ff.]. 

2) ixxvQmote ist wohl ein Wort stoischen Ursprungs. Dieterich 
Nekyia 199. 

3) s. oben Ephr. syrus. 

4) zu diesen vorwiegend jüdischen Quellen rgl. die Schilderung 
des Weltendes Assnmptio Mosis 10. 

Bousiet, der Antichrist. H 



162 

der Herr es hören und in grossem Zorn dem Himmel und der 
Erde gebieten wird und sie werden Feuer sprühen und dieFlamme 
wird auf der Erde 72 Ellen fassen und wird die Sünder 
und die Teufel verzehren wie einen Halm. 

D.-A. gr. 109 : pera di vfjv ov^nXriQioatv rdiv tqiwv mal ijfitav 
XQOvwv ßqi^ei o $eog tvvq im njv yry v.al xaraxarfoerai 
7 ¥*} 7?ijX ei S TQidnovza . rore ßoijaei r} yiy ftQog tov 
&€Ov • TtaQ&ivog eljxi, xvqu, htoniov oov. 

Esdras (Tischendorf 29): rote xov ovqavov navaa nrffja.q 
oyöoyxovra xcu tijv yijv *vi}x<*S ixtaxoaiag 1 )* 

D.-A. arm. 240 is: Dann wird die Sonne in Finsternis und 
der Mond in Blut sich verwandeln. Die Sterne werden wie 
Blätter herabfallen und der Himmel wird wie eine Rolle zu- 
sammengerollt werden . . . und alles wird von der Luft ver- 
brannt und verdorrt. Feurige Engel werden vom Himmel her- 
absteigen und Feuer wird auflodern im Weltall. 

P.-A. syr. : und das Feuer wird in die Erde nach unten 
fressen und der Okeanos und das grosse Weltmeer wird trocken 
werden .... der Sonne und des Mondes Licht werden finster 
werden, die Sterne werden zerstreut und fallen herab, und der 
Himmel wird aufgerollt wie ein Blatt Papier. 

P.-A. aeth. : und die Sonne wird sich verfinstern, und der 
Mond wird Blut werden, und die Sterne -werden vom Himmel 
fallen von der Grösse des Zornes Gottes über die Menschen- 
kinder und über den Messias. 

Sib. Beda: 

exuret terrae ignis pontumque polumque . . . 
tradentur fontes, aeternaque flamma cremabit .... 
dejiciet colles, valles extollet ab imo .... 
recidet e coelis ignisque et sulphuris amnis *). 
(dazu vgl. Adso 1298 B). 

Elucidarium: cum ordinibus omnibus angelorum ad Judi- 
cium veniet .... omnia elementa turbabuntur tempestate ignis 
et frigoris mixtim undique furente. 

Muspilli 
50: sd daz Eliases pluot in erda kitriufit, 
so inprinnant die pergft, poum ni kistentit, 

1) vgl. zu diesen Parallelen oben J.-A. Kap. 14. 

2) ygl. noch Ambrosius in Psalm 118 so : ignis qui ardet ante Dominum. 



163 

f 

4nlhc in erdu, ahä artruknlnt, 

muor varsuuilhit sih, suilizöt lougiu der himil, 

mäno vallit prinnit mittilagart, 

st6n ni kistentit. verit denne stüatago in laut, 

verit mit diu vuiru viriho uuisdn, 

dar ni mac denne mak andremo helf an Tora demo müspille. 

denne daz preita uuasal allaz varprennit, 

enti vuir enti luft iz allaz arforpit. 

Die Schilderung des zum Weltgericht mit den Engeln kom- 
menden Gottes (oder des Messias) giebt weiter zu keinen Bemer- 
kungen Anlass. 

Eine feste Stellung innerhalb unsrer Überlieferung hat die 
nach Jes. 344 (xat raxijoovvat, naaav ai dwdp8iQ rciv ovqccvwv 
yuai ifoyqoevai 6 ovqccvoq wq ßißkiov, %al navva xä aaxqa 
rzeoelrai, wq <pv)Jka i£ ipmikov, xai dg tvLtxtbl (pvkXa artb 
<Jv*ijg) entworfene Schilderung vom Weltende gehabt. Sie findet 
sich schon innerhalb einer zusammenhangenden Überlieferung 
vom Antichrist Sib. III, 82 f. und in der älteren Petrusapokalypse, 
ist dann bei Ephr. gr., D.-A. arm., P.-A. syr., P.-A. aeth. 
erhalten, hier aber unter die Vorzeichen des Weltendes geraten. 
In ähnlicher Weise ist dieselbe in der Apokalypse 6 12 ff. be- 
handelt. Man hat hier wohl kaum anzunehmen, das Apok. 6 
einmal einen Schluss eines kleineren eschatologischen Stückes 
bildete. Aber das ist allerdings richtig, dass der Apo- 
kalyptiker bei der Schilderung des Erdbebens der ihm geläufigen 
Tradition Farben entlehnte, welche ursprünglich einer Schilderung 
des Weltendes angehörten. Dass wir endlich Mtth. 2429 ff. die- 
selbe Schilderung vom Weltende finden, giebt nur wieder eine 
Bestätigung dafür, dass auch in diesem Kapitel die Apokalypse 
vom Antichrist verarbeitet ist 

Charakterischer ist die hiermit ständig verbundene Schilde- 
rung vom Weltbrand. Die Idee, dass ein Feuerstrom von 
Gott herströmt, stammt wohl aus Dan 7u. Aber die bestimmt 
ausgesprochene Anschauung, dass die Welt durch Feuer unter- 
gehen solle, scheint ursprünglich für das Judentum und Christen- 
tum an unserer Überlieferung zu hängen *). Es ist charakteristisch, 



1) ob diese Idee letztlich aus dem Stoicismus stammt, oder sich 
anter orientalischen Einflüssen im Spätjudentum entwickelt hat (vgl* 

11* 



164 

dass die Apokalypse, obwohl ihr diese Idee ohne Zweifel schon 
vorlag (vgl. die Sibyllenlitteratnr), von einem Untergang der 
Welt durch Feuer nicht redet, — dass im neuen Testament einzig 
und allein im zweiten Petrusbrief, die später allgemein zur Herr- 
schaft gelangende Überzeugung sich ausgesprochen findet. 

.3s: b Tore vuiaixog vdavi xazcrAlva&elg afcdlezo, ol de 
vvv ovQavoi m /xti rj yij rtji avr$ Xoyy %e9yiaavqia(xivoi dal 

fZVQl. 

Man sieht auch hier wieder, wie wenig das gesamte neue 
Testament gegenüber dieser einen Überlieferung die eschatologi- 
schen Anschauungen des Christentums bestimmt hat. In wunder- 
barer Beharrlichheit ist die Schilderung vom Weltuntergang durch 
Feuer durch die Jahrhunderte überliefert, deutlich in allen ihren 
Einzelheiten erkennbar liegt sie in der Sibyllenlitteratnr wie im 
altdeutschen Muspilli vor. 

Dabei ist es merkwürdig, wie besonders ausführlich überall 
geschildert wird, dass der Weltbrand den Okeanos, die Flüsse 
und Quellen vernichtet, „/.ort fj &dXaoaa ovyJtl ewai" (21 1), 
das ist der einzige Nachklang, den die Apokalypse von dieser 
Schilderung bewahrt hat. 

Sollte in diesen Ausführungen sich ein letzter Nachklang 
davon erhalten haben, dass die alte Schlange, die am Ende sich 
empört, ursprünglich das Ungeheuer des Meeres, das gegen den 
Schöpfergott streitet, gewesen ist? 

In einer unserer altertümlichsten Quellen heisst es noch 
(Ephr. syr.): Gott wird das Meer schelten und es wird ver- 
trocknen. Und es wird noch erzählt, dass das Meer am Ende 
der Tage einen grauenerregenden Ton von sich geben wird 
(Ephraem gr., IV. Esra, ßißL EXr^i. s. oben S. 54). 

Vergleichen wir noch einmal die Schilderung des Weltendes 
mit dem Entwurf der Apokalypse, so ist es ausserordentlich auf- 
fallig, dass sich in der ganzen Überlieferung nirgends eine Spur 
von der Idee des tausendjährigen Reiches findet. Es weist dies 
darauf hin, dass die gemeinsame Wurzel der christlichen und 
jüdischen Tradition unserer Sage in eine Zeit zurückreicht, in 



Dietrich Nekyia), wage ich nicht zu entscheiden. Will man hier weiter- 
kommen, so darf man nicht mit einem Mal zu viel behaupten, sondern 
muB8 das Terrain schrittweise erobern. 



165 

welcher in der jüdischen Eschatologie sich diese weitere Ausfüh- 
rung des Systems, die um die Wende des ersten Jahrhunderts in 
IV. Esra, Baruch, Apokalypse vorliegt, noch nicht vollzogen 
hatte. — Es hat auch in der christlichen Kirche eine Zeit ge- 
geben, in der unter dem Einfluss der Apokalypse die chiliastische 
Anschauung die herrschende war. Justin, Irenaeus, Lactanz, 
Tertullian, Victorin waren Chiliasten. Dass aber dann doch 
schliesslich der Ghiliasmus gegen die Apokalypse und die kirch- 
liche Überlieferung als jüdischer Aberglaube verworfen wurde, 
ist immerhin ein Batsei, das sich einigermassen erklärt, wenn 
wir bedenken, dass dem Christentum eine altheilige eschatologische 
Tradition zur Verfügung stand, welche von dem tausendjährigen 
Beich nichts wusste. 

Wie specifisch jüdisch dieser Gedanke und damit auch die 
betreffenden Partieen der Apokalypse sind, zeigt die Beobachtung, 
dass in den jüdischen Quellen der Antichristsage (vgl. vor allem 
die Geschichte Daniels) die Idee vom Zwischenreich sich plötzlich 
wiederfindet, und die übliche Schilderung des Weltendes ver- 
drängt 

Anhang. Die vier Winde. 

Ein besonderer Zug in der Schilderung vom Weltende ist 
der, dass zur Reinigung der Erde die Winde losgelassen werden. 
Dieser letzte Nachklang eines in Dan 7i fast schon verschwun- 
denen Mythos (Gunkel 323 ff.) findet sich: 

J.-A. 15: xöxe aTvoCASTtdoo) xä xeaaaqa p&qij xrjg ävaxokijg, 
yjxi i^el&coatv xiaaaqeg avefxoc fxeydkot xai hJkixtirpovot izav 
xo TtQoatoTZov Ttjg yijg . . . . %ai l-Afa-Afirjaei tlvqioq xrjv a^iaqxiav 
and xffi yijg, -Aal XsvY,av&rj(jeTai y yrj ojctzsq %uav . . . . /.ort 
fiorpu tcqos /ne Xiyovaa • rvaQ&ivog sifii ivdrziov aov tlvqioq s ). 

P.-A. syr.: Darauf werde ich den vier Winden gebieten, und 
sie werden losgelassen einer in der Richtung des andern. 

D.-A. arm.: Vom Himmel her werden Stürme sein. 

P8.-Hipp. 8, 97 i: yxcxaiyidsg dvi/xtov xrjv yijv xai xrjv #c'- 
hxaaav dfiixQcog ixxaQaaaovaat. 

E.-A. 8: und dann werden erregt werden die vier Winde 
des Himmels. 



1) Tgl. D.-A. gr. (s. o.). 



166 

Vgl. Ps.-Chrysostomus : aXXayrpovtai toivw ol ovQavoi xat 
rj yij xevrj yevtjoerau 

Sehr interessant ist hier die Parallele im Muspilli: 

59: enti vuir enti luft iz aüaz arfurpit. 

Auch in der Sibyllenlitteratur ist der Gedanke heimisch. 
VIII, 203: 

jjiXtog fiiv ifiavQa ßXimov vixtwq ava<palvei } 
. Xelipet <f caxqa tcoXov • rtoXXij di te Xaikatzi rvqxov 
yalav iQijfidaeiy v&lqwv 6i ccyaoraacg eozau 

Bei dieser weiten Verzweigung der Tradition kann es keinem 
Zweifel unterliegen, dass auch das rätselhafte Fragment Apok. 
7 1 ff« eben daher von dem Apokalyptiker entnommen ist» der 
schon in der vorhergehenden Schilderung der Vorgänge beim 
sechsten Siegel sich an dieselbe anlehnte (s. o.). 



Das Blasen des Hornes. 

I. Thees. 4is weiss Paulus, dass der Herr »auf Befehl auf 
die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes hin« vom 
Himmel herabsteigen werde. Er zeigt sich hier von dersel- 
ben apokalyptischen Tradition, wie im II. Thessalon, abhängig 
und der Vers 15 erwähnte koyog tlvqiov ist kein Herrenwort, 
sondern Paulus meint damit die altheilige apokalyptische Tradition. 
Die Stimme des Erzengels, völlig parallel mit der Trompete Gottes 
aufzufassen, führt den grossen Tag des Gerichts herbei. — Es 
ist ein konstanter Zug in unserer Überlieferung, dass durch die 
(vom Erzengel Michael) geblasene Posaune das Gericht Gottes 
eingeleitet werde. Mtth. 24 8i liegt eine verblasste Erinnerung 
an diesen Zug vor. 

Lactanz VH, 16. 637 1 citiert ausdrücklich eine Sibylle 1 ): 
aaXftiy!; ovQavöS'ev gxayqy 7coXi9qrjvov ägyqaei. 

Sib.-Beda: sed tuba per sonitum tristem demittit ab alto 1 ). 



1) vgl. Sib. VH, 239. 

2) diese wörtliche Parallele zeigt, wie alt die Überlieferung in 
Sib.-Beda ist. 



1 

4 



167 

« 

Commodian 901 : intereo fremitum dat tuba de coelo repente. 

1001: ecce canit coelo rauca sed ubique resultans. 

P.-A. aeth. : und das Hörn wird dreimal geblasen durch den 
Erzengel Michael . . .. . Beim dritten Blasen des Hornes werden 
die Toten aufstehen in einem Augenblick. 

Ps.-Chrysost.: xai i'fi7tQOO&€v avzov oakrriZcov MixcctjX 6 
aQXayyelog xai iSpmiCwv vovg yur/.otpr}[iivovg ano u4dap toig 
rijg awrekelag xov alaivog. 

J.-A. 9: xai it-etöwoiv 1];<ü xqü ovqovov xai oakrriaovai 
Iklixcnjl 'Aal raßQirjL Es folgt Kap. 10 die Beschreibung der 
Auferstehung. 

Auch in dem 9. Zeichen, in den »Othot des Messias«, bläst 
Michael, und die Toten stehen auf. In der Geschichte Daniels 
ist Elias der Posaunenbläser geworden. In der Völuspä 
(Strophe 47) blässt Heimdall das Hörn vor dem grossen Welt- 
brand. 

Dass mehrere Engel Posaunen blasen, wird natürlich nach 
Mtth. 2481 noch sehr viel öfter erwähnt. — Aber eben das Blasen 
der Posaune durch den Erzengel Michael, das schon Paulus 
kennt, ist unsrer Tradition eigentümlich und hat sich mit dieser 
gehalten. 

XXI. 
Das Weltgericht. 

Wie die Apokalypse vom Antichrist geschlossen hat, ist nicht 
mehr ganz klar zu stellen. Wohl jedenfalls abzusetzen ist zu- 
nächst die an Mtth. 25 uff. sich anlehnende Schilderung des 
grossen Gerichts, wie sie sich Ephr. gr. 1 ) und in der Parallele 
Ps.-Hippolyt 8 ) 39 ff. (vgl. auch Cyrill 1524) am ausführlichsten 
findet, aber auch P.-A. aeth. und syr. (Anklänge auch bei D.-A. 
gr. und J.-A. 23), Eterianus 25. 217 D, Elucidarium. Hier haben 
wir doch wahrscheinlich einen auf Grund des Matthäusevange- 
lium eingekommenen Eintrag zu sehen, der vielleicht nicht älter 
ist als Ephraem*). 

1) s. o. S. 24 das Stück C. in vierfacher Eecension. 

2) auch schon bei Hippolyt 64. 

3) ganz unmöglich ist es übrigens nicht, dass gerade in Matth. 
25 4i ff. älteres eschatologisches Material vorliegt. 



168 . 

Aber mit dieser an Mtth. 25 sich anlehnenden Schilderung 
ist eine andere verbunden, die eine noch weitere Verbreitung und 
grossere Stabilität zeigt. Es wird in einem grossen mächtigen 
Gerichtsbilde geschildert, wie die gesamten Menschen und Ge- 
schlechter von Adam her, die verschiedenen Nationen, Juden wie 
Heiden, die verschiedenen Stände und Klassen vor Gott er- 
scheinen. So liegt die Tradition 1 ) bei Ephraem gr., Ps.-Hipp., 
J.-A. (hier am reinsten) vor. Dazu wäre die grosse Gerichts- 
scene im Anfang des Talmudtraktats Abodah Sarah 1 ) zu ver- 
gleichen. Sehr weit verbreitet ist von dieser Scene die Einleitung, 
in der geschildert wird, wie alle Geschlechter von Adam her vor 
Gott erscheinen 8 ). 

So leitet J.-A. 10 die Scene ein: xvQie 61 a^tod-avoweg 
ano tov Iddap (it/ m qi Ttjg orj(xeqoY xat ol %a%oivjovvttg iv t(p 
*!Aidi] and tov aitSvog .... itoxarzoi avaorrpovrai ; 

Ephr. syr. 12 : exeuntes illico angeli congregabunt filios Adam. 

Ps.-A. syr.: und alle Kinder Adams werden vor mir er- 
scheinen, bebend vor Furcht. 

Ps. - Chrysost. : mal i^vmiCtav Tovg TLS^otfitjfiivovg änb 
Iddap $<ag rtjg awxeXsLag tov altavog 4 ). 

Ein anderer Zug, der ständig innerhalb dieser Tradition 
wiederkehrt, ist die an Daniel 12 s sich anschliessende Schilderung 
von dem Aussehen der Gerechten und Ungerechten am jüngsten 
Tage. 

J.-A 23: ol yctQ dlv.cuoi lapxpovoiv wg cpcoovriQBg xal ag 

tjkiog, ol di afiagvcoloi i'oTwsav loycodetg. 

Ps.-Hipp. 39. 116 2i : tots ol diyuxioi hiXa/x\povatv ag 6 i\Xiog t 

01 di dftaQTco?.ol yuaxrfpüg %ai gy.v&qcdtcoi cvaÖBtxd^ooyrai. 

P.-A. syr.: Heil dem, dessen Werke gut sind, denn sein 
Antlitz wird glänzen und er wird freudig und froh sein. Wehe 
aber dem, dessen Werke schlecht sind, denn er wird traurig sein 
und sein Antlitz schwarz. 



1) auch Lactanz VII, 20 und 24 beruft sich auf Sibyllen, in denen 
eine solche Scene vorzuliegen scheint (vgl. den Vers rj(ovoi d* hti ßijpa 
ösoi) ßaodrjog äjiavxsg). Auch Commodian 1026 ff. ist zu vergleichen, 
noch weiter zurück IV. Esra 6ss. 

2) Übersetzung von Ewald, p. 4 ff. 

3) rgl. Ephraem gr. a. a. 0., Ps.-Hippolyt, Cyrill. 

4) ygl. noch Sib. ET, 214 ff. 



— i 



169 

i 

9 

Hildegard ßcivias III, 12: boni in claritate fulgentes et 
mali in nigredine apparentes 1 ). 

Vielleicht haben wir hier eine eschatologische Tradition, an 
die Matth. 1348 sich anschloss. Dan. 12s ist doch nicht ganz 
parallel. 

Dass in dem erbarmungslosen Gericht Gottes auch die gegen- 
seitige Fürbitte der nächsten Verwandten nichts nützen werde, 
betont schon IV. Esra 7*if. Zu vergleichen ist Commodian 
10351, P.-A. syr. (namentlich sind die beiden letzten Stellen 
▼erwandt). 



Anhang. 

Nur versuchsweise und nur in der Hoffnung durch eine 
etwa angeregte Diskussion zu lernen, möchte ich einen kleinen 
Beitrag zur Auslegung des von unsrer Überlieferung abseits lie- 
genden Kap. XTT liefern. 

Ich kann mich trotz der auch mir auf den ersten Anblick 
durchschlagend erschienenen Ausführungen Gunkels doch nicht 
ganz davon überzeugen, dass Kap. XTT der Apokalypse an keinem 
wesentlichen Punkte christlicher Herkunft sei. Für die grosse 
Masse der dort verarbeiteten Vorstellungen ist das allerdings 
rundweg zuzugeben. Aber gerade an dem einen wesentlichen 
Punkt der Erzählung von der Geburt des Kindes erheben sich 
mir immer von neuem wieder Bedenken. Es scheinen ja durch- 
schlagende Gründe gegen die christliche Herkunft dieses Zuges 
geltend gemacht zu sein, und es ist zuzugeben: die Beziehung 
des Kindes auf Christus stösst auf ungemeine Schwierigkeiten. 
Aber wenn man nur bisher auf Grund der Voraussetzung fremder 



1) Tgl. noch Lactanz VII, 26 et transfonnabit Dens homines in 
similitudinem angelorum et erunt candidi sicat nix. 



170 

Abstammung des Stückes für diesen Zug eine irgendwie gesicherte 
Erklärung gefunden hätte! 

Vischer hat eine spätjüdische Parallele beigebracht, durch 
die bewiesen werden soll, dass im Judentum die Idee einer dop- 
pelten Erscheinung des Messias, seiner Geburt in Niedrigkeit und 
seiner Parusie in Herrlichkeit, nicht unmöglich sei. In jener 
spätjüdischen Überlieferung 1 ) wird erzählt, dass der Messias in 
Bethlehem geboren und seiner Mutter bald nach seiner Geburt. 
Tom Sturmwind entführt sei. Aber diese Erzählung hat doch 
mit der vorliegenden eine verzweifelt geringe Ähnlichkeit Es 
fehlen so gut wie alle prägnanten Züge. Die Tradition erklärt 
sich ausserdem sehr gut aus der Annahme einer einfachen Weiter- 
bildung des jüdischen Glaubens, dass der Messias plötzlich aus 
der Verborgenheit erscheinen werde. Man brauchte nur einen 
Schritt weiter zu thun und verkündete: der Messias ist schon 
geboren, aber wieder entrückt, an einen Ort, den niemand kennt. 
Von dort wird er dann plötzlich erscheinen. Da nun der Nach- 
weis einer direkten Verwandtschaft zwischen Apok. Xu und 
dieser jüdischen Tradition nicht zu erbringen ist, so ist es sehr 
gewagt, einen Rückschluss auf die Zeit des neuen Testaments von 
dieser späten Überlieferung aus zu machen. — Denn der Name 
des Messias Menachem weist jedenfalls in eine spätere Zeit (s. o. 
S. 68). Menachem, der Messias aus dem Stamm Juda, im 
Gegensatz zu dem Messias ben Joseph so genannt, ist eine Ge- 
stalt, die etwa vom 5. oder 6. Jahrhundert an erst nachweisbar ist 
Justin, der sehr gut in jüdischer Tradition bewandert ist, weiss 
nichts von einem doppelten Erscheinen des Messias 1 ). 

Nimmt man aber gar mit Spitta und Gunkel an, dass die 
ganze Scenerie im Anfang von Kap. XII im Himmel zu denken 
ist, dann verschwindet überdies jede Parallele mit der jüdischen 
Tradition. Spitta erklärt sie deshalb auch für gegenstandslos, 
ein Urteil, zu dem auch Gunkel eigentlich hätte kommen müssen. 
— Dann aber sollte man sich doch wirklich fragen, ob denn die 
Idee einer Geburt des Messias im Himmel (aus dem präexistenten 
Jerusalem!) geringeren Schwierigkeiten unterworfen ist, als die 
Beziehung des Kindes auf Jesus. 



1) Berachoth fol. 5i, siehe bei Lightfoot HoraeHebr. inMatth.2i. 

2) ron einem doppelten Erscheinen des Menachem ist übrigens 
auch in andern spätjüdischen Apokalypsen die Bede (s. o. S. 68 f.). 



171 

Gunkel verzichtet demgemäss auch schliesslich .auf jede Ab- 
leitung aus jüdischen Vorstellungen. So lange aber G. seinen 
babylonischen Mythos aus Apok. XII nur postuliert und nicht 
durch Parallelen beweist, wird er schwerlich mit seiner Aus- 
legung Glauben finden. 

Einen andern, und zwar auf den ersten Anschein den bestechend- 
sten Versuch unternimmt Dieterich 1 ): eine Erklärung von Apok. 
Xu aus der griechischen Mythologie. Die Parallele mit dem 
Mythos von der Verfolgung der Leto durch den Python und der 
Geburt des Apollo ist allerdings frappant Aber gegen diese 
Annahme schlägt die Bemerkung Gunkels*) durch, dass an eine 
direkte Entlehnung eines griechischen Mythos in einer Schrift 
von so specifisch jüdischem Charakter (man beachte vor allem 
noch die Rolle des Erzengels Michael) eine Unmöglichkeit sei. 
Auch bleiben, wenn man die Parallelen genauer nimmt, doch 
schliesslich nur sehr wenig wirklich beweisende Übereinstimmun- 
gen: Der Drache, der als Feind des Weibes auftritt, und die 
Geburt des Bandes, das ist alles. Allein das Kind ist hier zu- 
nächst wenigstens nicht der Bezwinger des Drachen. Das Kind 
wird nicht auf der Flucht geboren, und dort im griechischen 
Mythos fehlt die Entrückung des Kindes. Hier speit der 
Drache Wasser aus, um das Weib zu verschlingen, dort rettet 
das Wasser, welches die Insel bedeckt, die Leto u. s. w. 

M. E. hat man auch hier zunächst nach den nächsten In- 
stanzen zu fragen. Vor allem aber hat man die Voraussetzung 
zu prüfen , ob denn - wirklich noch eine einheitliche Konception 
in Apok. XII vorliegt. Die ganze Komposition des Kapitels 
macht es doch deutlich, dass man von vornherein das Gegen- 
teil anzunehmen hat. Das Kapitel zerfällt ja in zwei mühsam 
kompilierte Konceptionen. Im Mittelpunkt der einen steht das 
Kind, seine Geburt und wunderbare Errettung, in der andern 
handelt es sich um die Verfolgung des Weibes durch den 
Drachen, seine Flucht und den Schutz, den dasselbe findet. Die 
Kompilation merkt man noch deutlich: die Flucht des Weibes 
wird V. 6 nur kurz angedeutet, und dann erst von V. 13 an in 
breiter Ausführung nachgeholt. Hier kreuzen sich verschiedene 
Überlieferungen. 

1) Abraias 118 ff. 

2) p. 284 ff. 



172 

, Sehen wir uns nun nach einigermassen in die Zeitnähe von 
Apok. XII fallenden Parallelen um, so finden wir gerade solche, 
in denen diese eine Konception bestimmt wiederkehrt: ein Drache, 
der ein Weib verfolgt. Den Drachen und die jungfräuliche 
Kirche nebeneinander zeigt uns die vierte Vision des Hermas- 
buches 1 ). Hier fehlt freilich die Flucht des Weibes, die Kirche 
erscheint hier als die triumphierende, die strahlend heitere Jung- 
frau, welche der Macht des Drachen entzogen ist. 

. Wichtiger schon ist die Parallele (aus der Apok. des Ze- 
phanja: Es wird die Jungfrau (die Tabitha heisst)*) hören, dass 
der Unverschämte sich an der heiligen Stätte gezeigt hat und 
sich in ihr Byssusgewand hüllen und ihn bis nach Judaea ver- 
folgen und ihn bis nach Jerusalem schelten. — Dann wird der 
Unverschämte gegen die Jungfrau zornig werden und sie verfolgen 
bis zu den Gegenden des Sonnenuntergangs und ihr Blut schlürfen 
in der Abendstunde, und sie wird frei von Fäulnis bleiben und 
in der Morgenstunde aufstehen und leben und ihn niederlegen 
und sprechen: Unverschämter, du hast keine Macht über meine 
Seele noch meinen Körper, denn ich lebe im Herrn alle Zeit. . . 

Will Jemand behaupten, dass diese Ausführungen auf Grund 
von Apok. XII entstanden seien? — In der gnostischen Pistis 
Sophia wird von der gefallenen Pistis Sophia und ihrer Verfol- 
gung durch Ungeheuer verschiedener Art berichtet, unter denen 
auch (vgl. namentlich p. 90) ein »basiliscus serpens cui Septem 
erant capita« erwähnt wird. Auch eine spätjüdische Tradition ist 
hier vielleicht hereinzuziehen. Exod. 2221 wird im Sohar auf 
den Streit Michaels und Sammaels um die Synagoge gedeutet. 

Überall dasselbe Bild: ein Drache, der ein Weib verfolgt. 
Eine Abhängigkeit eines Zeugen für diese Tradition von dem 
andern ist kaum anzunehmen. Es liegen hier Varianten einer 
älteren Tradition vor, welche schon in Apok. XII benutzt ist. 

Demgemäss wäre nun etwa die altbabylonische Mythologie 
zu durchforschen. Es wäre möglich, dass diese den Schlüssel 
zur Erklärung dieser Konception böte. 

1) man beachte, dass hier ans dem Monde des Drachen Heu- 
schrecken ausgehen (vgl. Apok. 16 is). 

2) in den arabischen Hist. Josephi Kap. 32 wird die Jungfrau 
Tabitha neben Henoch und Elias genannt (vgl. Stern zu der Stelle 
der Zephanjaapokalypse). 



173 

Für' die Komposition von Apok. XII aber lässt sich nun 
vielleicht folgendes vermuten. Als gegebene und fest fixierte 
Überlieferung lag dem Apokalyptiker die Weissagung von dem 
Drachen, der das Weib verfolgt, vor. — Auch die andre offen- 
bar in die Darstellung von Kap. XII eingeschobene Erzählung 
von dem Himmelssturm des Drachen lag ja bereits vor als ein 
uralter Rest des babylonischen Mythos, vgl. Gunkel p. 382, 
Flügel Mani. 86, Brandt Mandäische Schriften 137 ff. Vielleicht 
übernahm der Apokalyptiker diese Weissagung schon in der 
specifisch jüdischen Überlieferung, in welcher der grosse Engel 
Michael als Besieger des Drachen gefeiert wird. 

Der einzige Zug, den der Verfasser aus eignen Mitteln hinzu- 
that, ist dann der der Geburt des Kindes, der sich in der That sonst 
in den beigebrachten Parallelen, wenn man vom Pytho-Apollo- 
Mythus absieht, nicht wiederfindet. Dann war der Verfasser 
von Apok. XII ein Christ. Er deutete das vom Drachen ver- 
folgte Weib auf die israelitische Gemeinde, Idealisrael, Hess 
Christus aus diesem geboren werden und sah seinen Tod als 
einen vorläufigen Sieg des Drachen an. Daran aber schloss er 
die alte ihm schon vorliegende Weissagung vom Sturz des Drachen 
aus dem Himmel, die er nun in die Vergangenheit verlegte, und 
fuhr dann mit 12iaff in der unterbrochenen Schilderung des 
Kampfes des Drachen mit dem Weibe weiter fort. 

Doch ich betone, dass ich diese wenigen Aufstellungen nur 
versuchsweise gebe. Ganz zur Klarheit werden wir wohl nie 
über die Komposition von Apok. XII kommen. 



Nachtrage. 

Als die vorliegende Arbeit sich bereits im Druck befand, 
wurde ich auf die Veröffentlichung Klostermanns Z. A. T. W. 
95. 147 aufmerksam. Klostermann bringt hier Varianten aus 
dem cod. Vindob. Lambec. XI zur griechischen Danielapokalypse. 
Derselbe war schon Fabricius I, 1140 bekannt, und es ist bereits 



174 

von mir die merkwürdige Überschrift aus dem Codex, welche 
Ps.-Dan. und Ps. Meth. in Verbindung setzt, beigebracht (s. o. 
8. 45). Ich notiere folgende bemerkenswerte Varianten. Z. 71 
findet sich der Name Johannes für den byzantinischen Kaiser 
(ävÖQiZov 'Iauxwri %al Xa%vt). Der Name ist jedoch wahrschein- 
lich eingeschoben, der erste byzantinische Kaiser dieses Namens 
wäre Johannes Tzimiskes 969 — 976. Z. 81 ist die Dauer des 
Herrschers auf 35 Jahre (nicht 36) angegeben. Z. 86 steht statt 
iv irtzaldqtpi h Bvt<£, wohl das ursprüngliche. Z. 117 findet 
sich hinter xoXaoiv die vermisste Schilderung des Endes des 
Antichrist: xal zov ßv&iov 1 ) ÖQafi6vza (ÖQaxovza) TCOQanifiipei 
£y ßv&qi TctQzaQOv, Iva avv xoig vnovqyotg avzov zoig avzov 
TtqoOTLWOvai xoldterai auaviwg. 

Ferner machte Klostermann mich auf die Veröffentlichungen 
Ton A. Vassiliev in den Anecdota Graeco-Byzantina Pars I, 
Mosq. 1893 aufmerksam. Hier ist p. 43 die Visio Danielis aus 
dem cod. Vidobonn. philol. 162 (Lamb. 144) veröffentlicht. Es 
werden hier für die Regierungszeit des geweissagten Herrschers 
32 Jahre angegeben, wie in der slavischen Übersetzung (s. o. 
8. 31); wie sich weiter unten ergeben wird, ist dies die ursprüng- 
liche Lesart. 

Ausserdem veröffentlicht Vassiliev noch eine Reihe späterer 
byzantinischer Apokalypsen, welche sammtlich unserm Traditions- 
kreis angehören. 

Am deutlichsten weist von den hier veröffentlichten Stücken *) 
die p. 38 sich findende kleine Apokalypse „OQaoig zov JaviTjX 
tzeqi zov iox&vov tuxiqov yuxi rcegi zijg owreXslag zov cdcZvog" 
in eine bestimmte Zeit Es wird nämlich hier am Anfang ganz 
deutlich das Eindringen der Araber in Süd-Italien geschildert. 
Das setzt die in den ersten Decennien des achten Jahrhunderts 
•erfolgte Eroberung von Sicilien voraus 8 ). Den terminus ad quem 



1) zu dem Ausdruck vgl. das Citat aus Andreas oben S. 99. 

2) TgL zum ganzen folgenden Abschnitt Klostermann p. 113, Vas- 
siliev p. XX 

3) von der Eroberung Kretas durch den Islam, welche derjenigen 
Siciliens vorausging, handelt der vod Klostermann 121 veröffentlichte 
ZQVopfc- Dagegen ist der ZQV a l*°e über Cyprus (Klostermann 122, Orac 
Leont. ib.) viel älter und weist in die Zeit der Hunnen, Perser und 
-Gothen. 



175 

giebt dann die p. 39 Z. 2 sich findende Erwähnung des Lango- 
bardenreiches (jioyyißaqdia). Vielleicht führt der Ausdruck 
yioyyißaqdia zaQax&yoezcu in die Zeit' des Endes des Lango- 
bardenreiches. Im folgenden lesen wir dann den Satz: yuxi fieva 
zavza iTzeX&uoovzai ftaXiv ol vtol 'laftaijX üg zijv yrjv ttj$ 
^XXrjviag . . . elg rzoXiv zvqawov. 

Wahrscheinlich ist hier von den nach langer Ruhezeit in 
den letzten Decennien des 8. Jahrh. (seit 782) wieder aufgenom- 
menen Kriegszügen des Islam gegen Byzanz die Bede, wenn hier 
nicht schon einfache Zukunfts Weissagung vorliegt. — Dann folgt 
eine uns bekannte eschatologische Phantasie, nämlich die schon 
in der D.-A. gr. und in dem interpolierten Stück des Ps.-M. vor- 
liegende Weissagung von einem Herrscher, der, aus unbekanntem 
Geschlecht stammend, in dem belagerten Byzanz gekrönt wird und 
in vernichtenden Siegen über den Islam der Not der Christenheit 
ein Ende macht. Die Zeit seiner Herrschaft wird auch hier auf 
32 Jahre angegeben. Den Zeitumständen entsprechend ist die 
ganze Zukunftsschilderung verwandelt. Der römische Herrscher 
— so wird hier berichtet — wird sich mit dem blonden Ge- 
schlecht (Langobarden oder Franken, p. 39 unten) verbünden und 
zusammen werden sie Ismael in sein Land verfolgen, und es 
wird sich das Wort erfüllen, dass der Löwe und der junge Löwe 
gemeinsam verfolgen werden. Es wird dann p. 41 die Heimkehr 
des Königs nach Byzanz und seine glückliche Regierung in den 
uns ebenfalls aus D.-A. bekannten Farben geschildert. — Diesem 
Herrscher wird — so heisst es weiter — ein andrer folgen, 
dessen Begierungszeit auf 12 Jahre angegeben wird (p. 42 unten, 
vgl. D.-A.). Dieser letzte König wird nach Jerusalem ziehen 
„zai rtQoaeiSetai nqbg xvqiov xal netaau rag X e ?Q a $ inavta 
zov otQavov, tuxI y.axeX&ti 31i%arjX 6 aq%ayyeXog nai clqbI zo 
oxe^ia avzov ovv z(f> £vXq> zov azavQOv, h y izavv{a)d^i 6 
Meoaiag .... zozi TcaQadciaei 6 ßaoiXevg zosv 'Ptaiiaitav zijv 
ßaatXeia» zip &£qj vuxi naxql 1 ). Zum Schluss folgt eine im we- 
sentlichen mit Ps.-Methodius identische Schilderung der Zeit des 
Antichrist. 

Mit dieser Apokalypse verwandt ist die Bearbeitung des 
Methodiusbuches, welche p. 33 — 38 unter dem Titel „zov h> ayioig 
nazQog rftitav *Iü)äwov zov XQvooazopov Xoyog &c zr\v oqaatv 
zov davity" veröffentlicht ist. Es sind in derselben das TTT t IV. 



176 



(VL) und VII. Stück jener Schrift (s. o. S. 33) bearbeitet. Teil- 
weise schliesst eich die Bearbeitung eng an den Text desMetho- 
diusbuches an, das dem Bearbeiter in einem guten Text vorgelegen 
haben muss. So findet sich die Liste der 24 Völkerstamme Grogs 
und Magogs zwar verstümmelt, aber in einer Form, die gegenüber 
unserem lateinischen wie griechischen Text mit der alten Liste 
in Ephraem syrus übereinstimmt. Um das Verhältnis der Texte 
zur Klarheit zu bringen, stelle ich die vier Listen neben einander, 
nach der Reihenfolge, welcher Ephr. syr. folgt, indem ich in den 
andern Kolumnen die jeweilige wirkliche Reihenfolge durch Ziffern 
andeute. 



Ephr. syr. 


Ps.-M. lat 


Ps.-M. gr. I. 


Ps.-M. gr. II. 


Agog 


1 Gog 


1 To>y 


1 Xo& 


Magog 


2 Magog 


2 Maymy 


2 r<oy 


Naval 


5 Anog 


3 Avay 


SArt^^ 


Agag 1 ) 


6 Ageg 


4 Tty 


4 Ayrfy 


Ascenez 


7 Athenal 


5 AxtXiaf 


5 A%rmC 


Daiphar 


8 Cephar 


6 Aupag 


6 $aQßaxtroe 


Phutei 


9 Pothim-Hei 


7 4>a>Tivaioi 


7 $af«yoi 


Lybii 


10 Libyi 


8 Aeßaioi 


8 Olßiavoi 


Amzartaei 


16 Amahartae 


14 ApataxaQToi 


9 2aQpax<u 


Garmidul 


17 Agrimardi 


15 raopotafaoi 




Taleb 


18 Alan 


18 AXavoi 


10 GvaXatoi 


Sanurtani 


19 Anufagi 


16 Av&Qcoxtxpayoi 


11 Av&Qwnoyayoi 


Azmurtaei f ) 


20 Caribei 


17 Saoßvoi 




Hunni 


11 Cunei 


9 Ewcuoi 




Pharzaei 


12 Pharilaei 


10 XoQitaioi 




Declaei 


13 Ceblei t 


11 Aex$Xftoi 




Thubalaei 


4 Tubal 






Moschaei 


3 Mosach 






Chusaei *) 


15 Chachamii 


13 Xavavaiot 




Nemrochaei 


14 Lamarchiani 


12 AsQftartaroi 




Mnschaei 


21 Thasbei 






Filii Chaeon(?) 5 ) 22 Phisolonici 


19 $dovuttot 




Sarugaei 


24 Saltarei 


21 AZavraoioi 




Mahunaei 


23 Arcenei 


20 Aqoiihuoi 





1) (vgl. Ps.-3i. s. o. S. 30.) 

2) im Text folgt Thogarma. 

3) im Text folgt: Chusaei, in der syrischen Liste doppelt aufgezählt. 

4) im Text folgt: Medi Persae Armeni Turcae. 

5) wenn die Zahl 24 roll werden soll, bo muss hier noch ein 
Eigenname stecken. 



177 

Die Liste 1 ) ist uns in dem vorliegenden Stücke gerade weit 
genug aufbewahrt, dass wir erkennen können, dass die Reihen- 
folge der Namen mit derjenigen bei Ephr. syr. übereinstimmt, 
während unsre Drucke von Meth. graec. und lat abweichen. 
Zugleich finden wir hier statt Amzartaei, Amahartae u. s. w. die 
interessante (ursprüngliche) Überlieferung aagfidrai. — Erwähnt 
sei noch, dass p. 38 neben dem wiederkehrenden Henoch und 
Elias noch nicht Johannes genannt ist in Übereinstimmung mit 
dem lateinischen gegen den griechischen Text des Methodius. 

Die Hauptabweichung von dem ursprünglichen Methodius- 
buch findet sich nun in der Schilderung des die Herrschaft des 
Islam brechenden byzantinischen Herrschers. Und diese Schil- 
derung lehnt sich genau an die eben besprochene Recension 
der Dan-A. an. Hier wie dort ist von der Einnahme Süditaliens 
durch die Araber (auch Sicilien ist erwähnt) die Rede, hier wie 
dort wird ein Herrscher geschildert, der plötzlich aufgefunden 
wird und in Gemeinschaft mit dem blonden Geschlecht Ismael 
vernichtet, p. 37 folgt dann mit dem Übergang: elva ava- 
cvqaeTai veaviag Ix <pvXrjg rov Jdv die Erzählung vom Anti- 
christ ganz nach Methodius. 

Auch das p. 50 veröffentlichte Stück vaticinium de futuris 
rebus Byzantinis (ex vita sancti Andreae Salo) ist in seinem 
ersten Stück p. 50 — 52 von der Recension der Dan-Apok. ab- 
hängig. Man vgl. die Schilderung des Herrschers 51: xai fjfie- 
Qoioei rä t-av&a yevrj yuxl ianuvciau rovg ix^QOvg crirtov vtxo 
zag %üqag avrot, xai xb (MLTptxQW avrov &ij Xflf. 

Dann findet sich p. 53 ff. ein Stück, das mit D-A. I») 118 82 ff. 
verwandt ist. Es ist hier die Rede von einem Herrscher, der 
12 Jahre regiert, von seinen (Söhnen?) Nachfolgern, welche Herr- 
schaften in Thessalonich, Rom, Alexandria aufrichten, und von 



1) eine fünfte Liste liegt bei Lamy (zu der betreffenden Stelle des 
Ephr.) ans dem Chronicon Edeseenum vor. Mir ist es nicht gelangen, 
die Namen mit denen der vorliegenden Liste zu identifizieren. — Der 
Name Akouk ist offenbar gleich Agag (s. Nr 4). Die Liste bei Ephraem 
schein^ ans einer Kombination von Ezechiel 38 mit einer ans der Zeit 
der beginnenden Völkerwanderung stammenden Liste entstanden zu sein. 

2) ich bezeichne die Grundschrift der Dan-Apok. und ihre Recen- 
sion mit D.-A. I and D.-A. II. 

Bottiitt, d«r Antiehrift. 12 



178 

* 

der Herrschaft eines Weibes am Ende der Tage. — Die Be- 
ziehungen dieser Phantasieen sind mir noch völlig undeutlich 1 ). 

Es folgen p. 56 unten Ausführungen über die letzten Zeiten, 
darunter folgendes interessante Citat: ^InnoXvxog de 6 fiaQXvg 
e<ptj, oxi iv xij irciörjfiia xov avxiXQiaxov nQtoxot ol lovidioi 
7tlxtvrftifiovxai. — xat 6 Xqiaxog iTtifiaqxvQOVfievog avxiji*) 
TtQog xovg 'iovöaiovg lleyev, ort iyco tjk&ov iv zy ovofiazi xov 
TtaxQog fiov tu x. a. (Joh. 5*8). 

Ein eigenartiges und interessantes Stück ist das p. 47 sich 
findende »anonymi de rebus Byzantinis vaticinium«. Es weissagt 
p. 49 u. dem Stamme der Isaurer den Untergang. Wenn die 
Weissagung p. 48 oben beginnt: oval aot €7czdlo<pe BaßvXiuv, 
oxav ypiQa ßaailevorj ini ooi, und es p. 50 heisst: ecvai de 6 
dvfiog xov ßacilecog h/Mvov ini Tcdvzag xovg äqvrjoaftivovg iv 
dxovi xov Kvqiov, so kann kaum ein Zweifel sein, dass die 
Weissagung zur Zeit der Kaiserin Irene geschrieben ist Die 
Heimat der Apokalypse ist Syrien (s. die Ausführungen p. 48), 
der König, der den Islam überwinden soll, von dem auch hier 
im Anschluss an das Methodiusbuch s ) die Bede ist, wird aus 
den östlichen Gegenden erwartet, also nicht als byzantinischer 
Kaiser gedacht, er wird auch der Herrschaft der Isaurer ein 
Ende bereiten. Im ganzen arbeitet auch diese Apokalypse mit 
vollständig bekanntem Material. 

Mit der D.-A. II hängt endlich auch noch die Migne Patr. 
Gr. Tom 107 p. 1142 gedruckte „avovvpov TtctQacpQaoiq xüv xov 
ßaoilecog jiiovxog XQ^oiidv" zusammen. Folgende Parallelen in 
der Schilderung des siegreichen Herrschers liefern den Beweis: 
D.-A. IL Anonymus. 

xat ISekevoerat av&Qcortog . . l'xu 6i ovxog cqpiüa* b owS 
. . or\fjLeia $%tov xixtofia ini xov xov psydlov dccKxvkov xov äs- 
öctäxvIov avxov. r t lafoa avxov £iov ftodog xr t ).wva ixcov, r, Aa- 
fjdeta; r t $ig avxov irtUvqtog, Xiä avxov yöela, rj $ig avxov 
y.oXoßog xf d oxäaei 4 ). imyie%vg)v?a. 



1) sie 6ind auch wahrscheinlich in der D.-A. I erst später einge- 
schoben. 

2) nämlich dem Hippolyt, das Citat aus diesem ist also hier be- 
reits zu Ende. 

3) vgl. die "Weissagung der Eroberung von Jetrib p. 49. 

4) dazu vergleiche Oracula Leontis XIII. Migne 107, p. 1138. 



179 

Diese Schilderung ist wieder abhängig von derjenigen des 
Herrschers in D.-A. I, 118 2 (vgl. vor allem 118 eß: kyovva im 
xov de£idv noda jiioov xov vuxkdfiov rjXov). — Wenn es übrigens 
D.-A. II heisst: xb de dvoua avxov l'oxai xo xqioxooxov axot- 
%tiov, so bedeutet das wahrscheinlich, dass der Name des Herr- 
schers mit einem L beginnen solle. So hatten wir wieder eine 
neue Bestätigung für die Vermutang (s. oben S. 31), dass mit 
diesem Herrscher ursprünglich Leo Isauricus gemeint sei. 

Übrigens bestätigt die hier für den Herrscher angegebene 
Regierungszeit von 32 Jahren die oben als die richtige erkannte 
Lesart in D.-A. I. 

Überschauen wir nun das ganze x ) dieser verwickelten apo- 
kalyptischen Überlieferung. Ihren nächsten Ausgangspunkt hat 
sie in der Weissagung von einem die Herrschaft des Islams ver- 
nichtenden byzantinischen Herrscher aus dem 7. Jahrh. *), wie 
diese im ursprünglichen Methodiusbuch vorliegt. In D.-A. I und 
der grossen Interpolation des Methodiusbuches erscheint die Er- 
wartung angewandt auf den Isaurer Leo. In D.-A. II, der Be- 
arbeitung des Methodiusbuches und dem vaticinium aus der 
vita sancti Andreae Salo, liegt die Weissagung in der Form 
vor, in die sie sich in der zweiten Hälfte des 8. Jh. verwandelte s ). 
Mit dem vaticinium de rebus Byzantinis anonymi kommen wir 
in die Zeit der Kaiserin Irene hinunter. 

Nach rückwärts aber reicht die Überlieferung aller Wahr- 
scheinlichkeit nach bis in die Zeit des Kaisers Heraclius. 
Die Regierungszeit dieses Kaisers (31 Jahre) nähert sich am 
meisten der immerwiederkehrenden Angabe von 32 Jahren für 
die Regierungszeit des letzten Herrschers. Und über Heraclius 
hinüber reicht dann die Tradition zurück bis in die Zeit der 
ersten christlichen Herrscher des romischen Reiches. 



1) vgl. nach Luitprandus de legatione Pertz Script. Germ. hist. 
III, 565: habent Graeci et Saraceni libros, quos Sgdoetg sive Visiones 
Danielas yocant (Vassiliev, p. XXI). 

2) auch Vassiliev verlegt die Weissangen ins 7. und 8. Jh., findet 
aber auch Sparen aus dem 13. Jh. in denselben; Über noch spätere 
Stücke der Tradition vgl. p. XXII f. 

3) Stücke aus dieser Weissagung, die Schilderung des Vordringens 
des Islams in Spanien and Sicilien sind dann ebenfalls in das Meth.- 
Buch eingedrungen and von Gatschmid bereits aasgeschieden. 



180 

Anhangsweise mache ich hier noch auf ein von Vassiliev 
veröffentlichtes Stück aufmerksam, das im Zusammenhang mit 
der Tradition vom Antichrist steht Es ist die p. 4 veröffent- 
lichte Diaboli contradictio Jesu Christo. Hier weissagt der Herr 
dem Teufel von der Endzeit: awlaßezai ae xoqr nctQ&ivog, 
ovdfiori Evdoyua, Szt xal ££ ädiyuag wcptiXtig y&rrrftxpai . I£ 
aizijg zex^eig ZQiftrjvijzrig (xai) OTTJoeig zbv $qovov oov im 
zijg yrjg %ai ßaoiketaeig Itjj XQia. Weiterhin heisst es: aXka 
divafiai fAetcnuvelv zoig tviavrovg dg ßißXiov, vuxl noiTJoeiv 
i'xw zoig TQ€?g %q6vovg zqüg 'iifyag rj XQtlg eßdoftddag, zag 
ißdofxadag tjpeQag rag rjf*i(>ag argag zag CjQag oziypag. Es ist 
dann noch von der grossen Fruchtbarkeit, die auf Erden zu der- 
selben Zeit (vorher? 8. oben S. 131) herrschen wird, die Rede, 
und von der Sendung des Elias, Henoch und Johannes. 



Ich verzichte darauf, hier noch einen Überblick über den 
grossen Einfluss der Antichristsage auf die deutsche Dichtkunst 
des Mittelalters zu geben. Ich könnte hier keine Garantie 
irgendwelcher Vollständigkeit geben. Doch dürfte immerhin die 
Mitteilung eines Stückes aus dem Fragment der altsächsischen 
Genesis wegen seines archaistischen Charakters von Interesse sein. 

Herr stud. Lueken machte mich auf dieselbe aufmerksam, 
und ich lasse sie in seiner Übersetzung folgen. Sie lautet 
V. 136-150: 

Es holte ihn (nämlich den Henoch) des Himmels Walter 
und setzte ihn dahin, wo er immer in Wonne sein muss, bis 
dass er ihn wieder in die Welt sende, des Himmels hehrer Hüter 
zu den Menschenkindern, den Leuten zur Lehre. Dann koinmt 
auch der Böse, der Antichrist, verdirbt alles Volk, die Mensch- 
heit, wenn er mit dem Schwerte dem Henoch zum Mörder werden 
soll mit scharfer Schneide. Durch seiner (sc. des Antichrist) Hände 
Kraft wandelt die Seele (sc. Henochs), der Geist auf gutem Wege 
und Gottes Engel kommt, straft ihn den Verbreoher. 
Es wird der Antichrist seines Lebens beraubt, der Feind gefällt, 
das Volk wird wieder hingelenkt zu Gottes Reich, der Männer 
Schar eine lange Weile. — Und darauf ersteht ihnen die neue 
Erde (das Land gesund). 



181 



Register 

der behandelten Stellen des alten und neuen Testaments. 



Seit» 

Apok. 75 ff. 191 

9n 9S 

14 113 

11 92.121.131. 
136. 138. 139 

1.2 12. 128 
s 66. 134. 137 
7 ff. 107 

7 11 f. 84. 99. 

128 

8 12 

12 94. 97. 124 
i ff. 169 ff. 

6 141 

7 152 AI. 153 
is ff. 146.147. 

151 

13 16. 105. 10G 
A (l— 10) 80. 

113. 121. 124 

3 119 

6 97. 107 

B (n ff.) 119. 

121 ff. 133. 

121-124 





S«ite 


Seit« 


Gen. 49 ie 


79 


Mtth. 2421 1*42 


16. 17 


16 


22 143 


36 


94 


26 146 


Jes. 11 4 


148. 149 


so 154 


26so 


146 


81 139. 166 


344 


163 


25 41 ff. 167 


Jer. 8 16 


16 


Mc. 13 h ff. 13 f. 


17n 


126 


Luc. 10 15 131 


Micha 76 


76 


is 97 


Sach. 12 10 ff. 


65 


18 1 ff. 108. 140 


Mal. 4i 


137 


2l2i 18 


Dan 2 


78 


Joh. 543 84.108.120 


7 


93 


2120 137 


77 ff. 


17. 81 


Act. 2l3i 146 A.1 


78 


88. 102 


Il.Petr. 36 164 


14 


163 


I. Joh. 2 is 86 


25 


104 


H. Joh. 7 86 


1121 


85 


Rom. 926 143 


30 


104 


11 12 143 


37 


85. 113 


I. Kor. 1524 83 A. 1 


39 


40 


28 34 A. 1 


40 


51 


II. Kor. 6 15 86. 99 


40 ff. 


127 


11 14 111. A 2 


41 


103 


I. Thess. 4i5.i6. 166 


43 


17. 102 


II. Thess. 2i—i2 33.81. 


44 f. 


153 


93 


12 1 


153 A.1 


2 105. 106 


iff. 


151 


3 13. 86. 


3 


168 


91. 99 


uff. 


149 


4 13. 84. 


Mtth. 11 2 


116 


104. 105 


1343 


169 


6 13. 16. 77. 


17 


137 


80. 82 11 


247 


77 


7 124 A.1 


15 ff. 


13 f. 92. 


Apok. 65 131 


• 


106. 107. 


12 ff. 163 


120 f. Ulf. 


7 iff. 143. 166 



13 

15 

16. 17 
14 14 — 20 
15 1 
16 12 

13 
17 

8 

12 ff. 

20i—io 
21 1 



115 

104 

133 

147 f. 

153 

113 

125. 172 

68. 78 

122 

17. 81. 

128 

164 



Sach- und Citaten-Register *). 



Abodah Sahrah 168 
Acta Petri et Pauli 96 A. 1 
Actus Petri cum Simone 118 
Adso, de antichristo (citiert nach 
Migne Patr. lat. Tom. 101, 



| p. 1291 ff. : 28 f., 38 f. - 1292B 

: 87 A. 1, 92, 112 ; 1293 B : 114, 125 

j 1293 C : 105, 111, 124, 144 ; 1293 D 

| 115 A 2, 117; 1294 A: 40; 1294 C 

t 144; 1296 A: 108, 110; 1296 B 



1) im folgenden gebe ich ein Register der sämtlichen behan- 
delten Citate, ein Sachregister nur, soweit dies bei der einen über- 
blick leicbt ermöglichenden Anordnung des ganzen (vgl. das Inhalts- 
verzeichnis) noch nötig war. 



182 



128, 431; 1200C: 136; 1297 A: 
133, 146; 1297 B: 152; 1298 B: 
162; ygl. 104, 113, 120, 138, 140, 
142, 149. 150, 153, 157 

Alexandersage 29, 33, 34, 39 

Altercatio synagogae et ecclesiae, 
Kap. 14: 105 

Ambrosiaster in I. Kor. 4: 136; in 
H. Thess. 2: 108, 111; 23: 91 

Ambrosius de ben. Fatr. 7: 112 

— in Psalm. 40: 112: 43 19: 108; 
45io: 137; 118»: 162 A2 

— in Luk. Lib. X. 18 : 131 

— de fide ad Gratianum 24 : 
128 

Pseudo-Ambrosius Comm. in Apok. 
(Migne Patr. Lat. Tom. 17) in Apok. 
13s: 119; 16 is: 125 

Anastasius Sinaita Hexaemeron X 
(Migne Patr. Gr. Tom. 89) 1018 B: 
112 

Andreas Comm. in Apok. ed. Sylburg 
(nach Seiten und Ziffern der Zeilen 
citiert) 50is, 51-15: 91 A. 1 : 51 5i: 
141; 53is: 119; 5657: 116; 58ssff.: 
119; 71i5: 113; 922: 86; 9445: 
36 A. 1; 954«: 105; vgl. ferner in 
Apok. 7iff.: 143; 75ff.:113; 9u: 
113; lls: 137; 11t: 99; 20s: 128 

Ansbertus, Ambrosins in Apok. 11 7 : 
112; 13 s: 119 

Anseimus Laudunensie in Dan. 11 37 : 
113; in Apok. 7öff.: 113; vgl. 
156 A. 7 

Arethas in Apok. 7s ff., 9u: 113; 
lls: 137; 117: 108 

Armillus-Komulus 66, 67, 68, 70, 
102, 123, 128, 149, 149 A. 3 

Arnobius adv. yentes II, 12: 96 A. lf. 

Ascensio Jesaiae (ed. Dillmann) 53 
vgl. 57; Kap.3f.: 53, 64 ; 34 : 87 ; 3x3 
(lat): 100 A. 1; 32sff.: 77; 327: 
87; 4iff.: 161; 42: 86, 99; 44 ff.: 
86: 45: 115; 4«: 104; 4n: 104; 
4i3: 141; 4u: 86, 150; 5i3: 87; 
7s: 100; II20: 88 A. 1 

Assumptio Mosis 10: 153. 161 A. 4 

Augustin in Jos. Kap. 22: 112 

— de civitate dei 20i9: 80 A. 1, 124; 
2029: 142 

— de haeresibns 1: 96 A. 1 

Babman Yast 73; II, 48: 132, 139 

A. 1 
Baruch-Apok. 27: 70, 95; 36—40: 

70; 40: 154; 48»4: 70; 49» ff: 77; 

70: 77 
Basiliscus 42 



Beatns ed. Florez p. 442: 40 A. 1; 

444. 445: 111; 541: 146; 542: 153 
Beda, de ratione temporum 69 : 136, 

152; in Job. 543: 108; in Apok. 

75 ff.: 113; 13s: 119; 17: 113 
Tractat Berachot fol. 5i: 170 
Bernardus Senensis de jud. univ. XI: 

150, 152 
Bet ba-Midrascb 66 
Birgitta Bevel. VI, 67 : 92 
Chiliasmus 165 
Chronicon Edessennm (Völkerliste) 

177 
Chrysostomus in Mtth. Hom. 58i: 

142; in Job. 543 : 108; in II. Thess. 2 

Hom. 2 : 88, 116, 124 A. 1 

— de cruce et latrone II, 4: 156 

— Xoyog ix (!) Ttjr Sgctoiv xov Aavifii : 
175 

Pseudo-Chrvsostomus Migne Patr. lat. 
61. 776: 155, 160, 166, 167, 168 

Clemens Alex. Strom. III. p. 445: 
63 AI 

Liber dementia ed. LagardeReliquiae 
juris (naob Seite und Zeilen citiert) 
52 (lat. Fragm. : 53) : 80 ff. : 52 ; 
80ö: 140; 81i5: 52, 53, 54; 8I21: 
155; 8183—8238: 53; 82so: 131; 
8240: 52; 83i9: 101 

Pseudo-Clemens, Homilie 2n: 120; 
232. 33: 119: Kecognitionen 29: 
119; 2u: 120 A. 1; 2so: 120 A. 1; 
347: 119 

Commodian Carmen apologeticum ed. 
B. Dombart corp. script. eccles. 
XV, 115 ff. — 49 ff. cf. 123, 
137; Vers 791: 49; 805, 808: 50; 
809: 128; 810: 50; 823: 49; 839, 
853, 856, 858: 50; 871: 49; 891: 
51 ff., 85, 127; 901: 167; 903: 
154; 911 ff.: 49, 103; 927 ff.: 85 
A. 1, 109, 115 A. 1; 932: 113; 
933: 85; 936: 19; 937 ff.: 141, 
142. 154; 942: 64; 983: 148, 153; 
1005: 161; 1026 ff.: 168; 1035 f.: 
169 

Constans II. 34, 38 

Constantin I. 39, 156 

Constantin IV. 33, 47 

Constantin V. 43, 46 

Constantius 39 

Constitutiones apost. VT, 9: 96, 
97 A. 1 

Contradictio, diaboli Jesu Christo 
(Vassiliev Anecdota 4 ff.) 180 

Cyprian de mortalitate 15: 40 A. 1 

Ps.-Cyprian de montibus Sina et 
Sion 5: 136 



183 



Cyrill Alexandr. in Johannem 543: 
108 

Cvrill v. Jerusalem xaTrjztfogte Migne 
'Patr. Gr. Tom. 33. — YI 15 : 96 A. 1 ; 
XII 2: 108; XY 3: 79; XY 10: 
109, 112, 116, 126 A. 2, 140 A. 3, 
159, 160; XY 14: 90 A. 1; XY 
15: 94, 105, 112, 117: XY 21: 
160; XY 22: 155; XV 24: 167 

Daniel-Apokalypse, armenische (ed. 
Kalemkiar Wiener Ztschr. YI 127 ff. 
nach Seiten und Zeilen citiert). 

— 41 ff., 239i: 87, 239n: 101; 
239iö : 116; 239is: 132 f.; 23921: 
131; 23924: 144, 149; 23926: 141; 
24013 ff. : 162, 165 

Daniel- Apokalypse, griechische 41 ff., 
39, 57, 83, 173 f., 175, 177. 179. 

— 11634:122; 11635.39: 94: 11743 ff.: 
31 f.: 11877: 131; 118si: 30; 
11882 ff.: 177; 11989 ff.: 62; H9l00: 
109; 119101 : 105; 119l03: 131; 
119105: 94; 120106 : 144; 120l09: 
162 (167); 120ii6: 149, 165; 120 
Anm: 155 

Daniel, (persische) Geschichte Daniels 
69, 102, 137, 141, 144, 149, 149 
A. 1, 152, 154, 159 

Daniel. Sgaaig rot? Aavirj). 174, 178 

Daniel %or\oiifa xsgi KgqTTjs (Kloster- 
mann, p. 121) 174 A. 1 

Diemer, deutsche Gedichte des 11. 
u. 12. Jh. 117 

Ebed Jesu 44 

Eisenmenger, entdecktes Judentum 
65, 67, 86 A 1 

Elias-Apokalypse, jüdische 57, 102 

Elucidarium des Honorius v. Autun 
m, 10-12 Migne Patr. Lat. 172, 
p. 1163: 40, 92, 105, 110 A. 2, 
113, 114, 116 f., 136, 138, 144 A. 1, 
149, 153, 155, 157, (III 12): 158, 
162, 167 

Ephraem, Überlieferung seiner Ho- 
milien 21 ff. 

Ephraems griechische Homilie vom 
Antichrist 37, 97 

Ephraems Prooemium: 87, 94, 125, 
126 A. 2, 129, 144, — (im folgen- 
den nach Assemanis Ausgabe) III 
137CE: 90; 137 F: 111; 138 AC: 
109; 138B: 126, 140 A. 3; 138C: 
103, 105; 138D: 103; 138E: 118; 
139C: 118; 139 DEF: 129; HOB: 
132; 141 C: 133; 142 A: 135; 
142C: 140: 143A: 132 A. 1, 133; 
143 B: 149, 160; 143E: 153 

Ephraem, griechische Homilie über 



das Weltende (vgl. 21 ff., 24) IH 
145: 155, 159 

Ephraem, syrische Homilie über den 
Antichrist etc., ed.Lamy HI 187 ff. 
(nach Kapiteln citiert) 35 ff., 176. 
— Kap. 3: 36, 37; 4: 37; 5 ff.: 
35, 37; 6: 128; 7: 36, 99; 8: 36, 
38, 104, 109; 9: 115, 116, 117, 
125; 10: 127, 140; 11: 117, 134, 
159; 12: 36, 130, 138, 151, 154 r 
168; Verwandtschaft mit der Apo- 
kalypse Zephanja 117 A. 1 

Psendo-Ephraem, lateinische Predigt 
vom Weltende (Caspari Briefe, 
Abh. 208 ff., nach Kapiteln citiert) 
20 f, 35 f.: — Kap. 1: 35, 76 r 
79; 2 (Berührung mit Ephr. syr.): 
24 f.; 4: 34, 128, 144; 5: 34, 35, 
79, 83, 87, 94, 126; 6: 92, 112, 
126 ; 7 : 94, 103 f., 105, 109, 110 f., 
126; 8: 94. 105, 130, 132 f; 9: 
134; 10: 149, 155, 160 

Epiphanius vitae prophetarum 44 A. 1 

Esdras- Apokalypse (ed. Tischendorf 
Apok. Apocr. nach Seitenzahlen 
T.'s) 27: 99 A. 1; 29: 98, 101, 162 

EsraIY:63; Y lff.: 63, 76f.,81; 115; 

Y 3: 77; Y 4: 115; Y 6: 87, 130; 

Y 7, 8: 54; YI 20 ff.: 63; YI 21: 
54; YI 21 ff.: 76 f.; YI 32: 168 
A. 1; [YI 4 ff.]: 161 A. 1; YII 
41 f.: 169; XIH 5: 127; XIII 34ff.r 
64, 154; XIY 11 (aeth.): 63 A. 1 

Esra-Apokalvpse, svrische (Baethgen 

Z. A. T. W. YI 204 nach Kapiteln 

Citiert) 47; Kap. 8: 165; 12: 128; 

13: 36, 152; 13, 14: 144; 14: 136;. 

15: 152 
Eterianus Hugo liber de regressu 

animarum ab inferis Kap. 23 f. 

Migne Patr. lat. Tom. 202. p. 168 

58 vgl. 40, 112. — Kap. 23 : 108, 

112, 119; 25: 117 
Eacherius in Genesim III ed. Basil. 

1531, p. 188: 112 
Euthymius in Joh. 543: 108; in Job. 

2120 : 137 
Geheimnisse des Babbi Simon ben 

Jochai 102, 149 
Genesis, Fragment der altsächsischen 

180 
Gothen 50, 128, 174 A. 3 
Gregor in Ezechiel. Hom. XII 7: 142 

— Moralia XXXI 24: 112 
XXXII 15: 152 A. 4 

— in Eräug. Hom. 349: 152 A. 4 

— epist. XIH 1: 119 
Gottfried y. Yiterbo 39, 65 



184 



<»og und Magog 28, 29, 31, 33 f., 

35, 37, 57, 65 f., 67 A. 1, 69 f., 

74, 128 f., 152, 176 
Hajmo v. Halberstadt Migne Patr. 

Lat. Tom. 117 f. Comment. in II. 

Tbess. 2 : 89, 105, 110 A. 2, 111, 

113, 117, 120, 149, 152 

— Comment. in Apok. 7i ff.: 113; 
13s: 119 

Hegeeipp de exe. Jerusalem Y 50 

34 
Helena, Mutter Kaiser Constantins I. 

157 
Heraclius 34, 38, 42, 48 f.. 179 
Hermae, Pastor Yisio IY 172 
Hieronymus 40 ff. ad Algasiam 34, 

40 A. 1, 78, 81, 108, 116, 149 

— Prooenium in Ezechiel XI 128 

— in Jeremiam 2526: 78 A. 1 

— in Daniel 7s: 78 A. 1, 88; 7m : 
104; 1121 : 85; 1129: 124 A. 1; 
llao: 104; llsi : 140; 1137: 113; 
1189: 40; 11^3: 102 A. 1; 12ii f.: 
149 

— de Script, eccles. 62 (67): 50 
Bilarius in Mtth. (Migne Patrol. 

Lat. Tom. 9) Liber X 14: 142; 
XY: 104; XX 10: 137 

Hildegard, Migne Patr. Lat. Tom. 
197, p. 709, Sciviae HI 11—12: 
58, 92, 96, 119, 169 

Hippolytus &x6dei$tc x*gi rov dvn- 
XqIotov (ed. Lagarde, nach Kapiteln 
citiert) 15ff., 44, 51; Kap. 5: 110; 
6: 15, 84, 89, 105, 108; 14: 87,89: 
14f.: 112; 15: 15, 17, 127; 25: 78; 
29: 19; 34: 16; 43: 16, 136; 49: 
16, 80; 51: 102f.; 52: 51, 104; 53: 
104, 108; 54: 17, 78, 127; 56: 109, 
126, 140; 58: 140; 61: 141; 64: 
149 A. 1, 161, 167 

— Fragment 178 

.Ps.-Hippolyt tuqI jtfe owreXslae xov 
xfoftov (ed. Lagarde, citiert nach 
Kapiteln, Seiten und Zeilen) 25 f.; 
Kap. 7, 964: 76; 8,96«e:76; 8,97i: 
165; 18 u. 19: 112; 20, 104s: 105; 
21, 104is: 137; 22, 10521 : 89; 22, 
IO612: 124; 23, 106u: 116; 23, 
106is: 112; 23 und 24: 126; 24, 
107i*: 109; 25, 10728: 103 A. 1; 
25, 10725: 105; 25, 108i: 140 A. 3; 
26, 108i9: 118; 26, 10828: 116; 27, 
1099ff. 19 ff.: 130; 28, HOi: 132 
A. 1; 29, HU: 135; 31, 112s: 
133; 32, 11226: 140; 33, 113s: 144; 
<35, 114is: 114; 36, 1154: 155, 155 
A. 1; 37: 149; 39, lifo: 168; 39, 



1176: 160 A. 2 u. 8; 39, 11728 : 
157 A. 3; 39 ff.: 167 

Historia Josephi s. Josephus 

Honorius v. Autun s. Elucidarium 

! Hunnen 34, 35, 37, 38 f., 41, 57, 
128, 174 A. 3 • 

Jacob Edessenus (bei Ephraem syrus, 
Assemani I 192): 79, 92, 112 

Jalkut chadasch 66 

Jetrib, Weissagung der Einnahme 
J.'s 178 A. 3 

Joachim v. Floris (Comment. in Apo- 
kal.) 137. 149 f. 

Ps.-Johanneische Apok. (bei Tischen- 
dorf apoc. apoer. p. 70 ff. nach Ka- 
piteln citiert) 26 36 A. 1. — Kap. 
5: 131; 6: 87; 6 (cod. E): 104t, 
109, 112, 130; 6 (cod. B): 109 A.2; 
7: 101, 116; 7 (cod. E): 117 f, 
133 A. 1, 152; 7 (cod. B): 140; 
8: 135, 138, 144; 9: 152 A.8. 167; 
10:168; 14:160; 15: 165; 16:157; 
16 f.: 149; 18: 160; 23: 167 f. 

Johannes Damascenus £*0cai? -rije 
6o#od6£ov nioxecae IY, 27 (ed. Ve- 
rona 1532) : 58 89, 91 A. 1, 104, 
108, 112, 116, 135 f., 142, 149 

Johannes Tzimiskee 174 

Josephus, Flarius Bellum Judaicum 
YII lli: 146 A. 2; VH 24: 65. 

— Archaeol. XX 86: 146 A. 1 

Josephi Historia, arabische Kap. 82: 
136, 172 A. 1 

Irenaeus adversus haereses (ed. Har- 
vey) 58 Y 5i: 136; V 25: 87, 88 f., 
104; V 25s: 108, 140; Y 26: 78 

Y 26i: 102; Y 282: 104, 116, 125 

V 29: 94 A. 1 ; Y 29i: 139; V 302 
87, 112, 113; Y 30s: 109; V 304 
104 

Irene Kaiserin 178 

Isidor Etymologiae VHI 11 : 105 A. 1 

Islam 33 f., 36,37, 45, 47 f., 49 (unter 
den Ommajaden) : 67, 69, 73 ; (Er- 
oberung Siciliens und Süditaliens) : 
174; (Eroberung Kretas) : 174; (er- 
neuter Ansturm gegenByzanz): 175. 

Julian ▼. Toledo 156 A. 7 

Justin, Kenner jüdischer Tradition: 
170; Dialog, c. Tryph.: 65; Kap. 
49: 137 

Kaiserkrone, Niederlegung derselben 
am Ende 23, 33, 34, 157 

Kreta s. Islam 

Kreuz, Sagen vom: 156; (Bildliche 
Darstellungen: 66, 157, 158) 

Kreuzzüge 41, 47, 73, 83 

Lactanz ed. S. Brandt corp. scr. lat. 



185 



19 (nach Seiten a. Zeilen der Aus- 
gabe citiert) Instit. divin. VII 15 ff. 
50f. 123;Vni5: 77, 78; VH 15 
635«: 131; VII 16: 56, 76, 78 
VH 16, 635i5: 110? 636n: 144 
637i: 166; VJJ 17: 113, 137, 142 
VH 17, 638u: 85, 91; 6394: 114 
639r: 106; 6399: 132; 639»: 141 
640a: 145; VH 19, 644s: 158 
6458: 158; 645i0: 161; 645n 
147 f., 149; 64516:154; YH 20 
168 A. 1; VH 24: 168 A. 1; VH 
25: 78; VII 26: 169 A. 1 

Leo I 42 

Leo der Isaurer 31, 178 f. 

Leontis Oracula 174 A. 3, 178 

Leontis xQV°t*&* naed<pQaoie Migne 
Patrol. Gr. 107 p. 1141: 178 

Lndne de antichristo 39, 83, 124 

Luitprandus de legatione 179 

Malvenda de antichristo Lugdnn. 
1647 I 2ff.: 57; 140: 112 A. 2; 
142: 136; 147: 147 A. 1; 151: 136; 
155: 113 A.1; 158: 163; 163: 113 
A.2; 571: 65; 579: 34; 599: 108; 
H 125 ff.: 119; 132: 50; 144: 134 
A. 1; 145: 140 A. 1; 147: 140; 
149: 140 A.1; 151: 137 A.1; 155: 
137; 159: 137 A.1; 181: 153 A.1; 
200: 142; 206: 65 A. 1; 235: 152; 
243: 149 A. 4 

Marcian (Kaiser) 42 

Martin t. TourB bei Sulpicius Seve- 
rns Dial. H 14: 52, 91, 105, 111, 
123 

Martyrium Petri et Pauli (ed. Lipsius 
und Bonnet) Kap. 11 : 96 A. 3 ; 
14: 97; 22: 98 A.1; 31: 119; 43: 
111; 53: 97 A. 1; 53—56: 96 A.1 

Maternus, Firmicus über de errore 
Kap. 22: 89 

Messias, doppelter 65 — 70 

— ben Joseph, Führer der 10 
Stämme 65 

— = Nehemia ben Usiel 68 

— benDavid — Menachem ben Ammiel 
68, 170 

— doppelte Parusie 170 

— Zeichen 102 
Pseudo-Methodius. Orthodoxographa 

ed. 2 Bas. 1569. graec. 93, lat. 100 : 
30 ff.. 67, 79, 83, 87 A.1, 102 A. 1, 
104, 112, 113, 115, 116, 128, 136, 
138, 140, 144, 150, 155, 157 

— Berührungen mit Adso : 31, 33, 40 

Ephraem : 35, 36, 37, 40 

Petr. Apok. aeth. 47 

Sib. Beda 33 

Bonutt, der Antichrist. 



Pseudo-Methodius, Berührungen mit 

Zeph. Apok. 56 
Michael 151 ff., 166, 171, 173 
Midrasch Vajoscha 102, 149 
Mikweh Israel fol. 47. 48 : 65 
Muspilli 137, 138, 162 

Nero 18, 49 ff., 81 f. 85, 98, 108, 110, 

121 ff. 
Evg. Nicodemi 136 

Oecumenius in II. These. 2: 89, 108, 

149 A. 1 
Olybrius 41 
Onus ecolesiae 150 
Origenes in Matth. ed. Lommatzsch 

IV. 275: 105 A.1; IV. 329 : 150 A. 1 
Orosius lib. 7si: 50 

Patres apostol. I 94: 102 A. 1 
Passio Petri et Pauli: 96 A. 1 
Apok. Pauli (Tischendorf Apocalypses 

apocryphae p. 34 ff.) p. 50. 68: 136 
Pelagius Comm. in II. These. 2 : 124, 

149 A. 1 
Perser: 35, 37, 48, 174 
Pesikta sutarta fol. 58i: 66 
Acta Petri et Pauli s. Acta 
Actus Petri cum Simone s. Actus 
Martyrium Petri b. Martyrium 
Apok. Petri, ältere (bei Macarius 

IV 7) : 161, 163 

verwandt mit II. Sib.: 63* 

Petri apocalypsis per dementem 45 ff. 
Petr.-Apok. aeth: <45 ff., 36, 104, 110, 

112, 115, 131, 135, 138, 144, 146* 

152 A. 3, 162, 167 

— arab.: 46, 152 

— syr. : 46, 135, 138, 149, 162, 165, 
168, 169 

Petrusevangelium : 156 

Philippicus Bardanes: 31 

Philippus Solitarius Dioptra III 10 ff. 
Migne Patr. Gr. Tom. 127 p.815: 
27; 815B: 94; D: 90 A.1; 816A: 
112 A. 1 ; B : 135, 125 A. 1, 140 
A.3; C: 95, 118 A.1; D: 132 A.1; 
817 A: 144; 818 A: 118 A.1, 133; 
C : 149. Tgl. 98, 104, 138, 158 A. 2 

Pistis Sophia : 172 

Plinius Mist. Nat. VI 13: 34 A. 1 

Primasins in Apok. 117 : 112 ; 13s : 119 

— in II. Thess. 2 : 149 A. 1 
Prosper de promissiB et praedictio- 

nibus Dei lib. IV de dimid. temp. 
(Migne Patr. Lat. Tom. 51) 8 : 91 ; 
9: 108, 112; 10: 140 
Prudentius Cathemerinon 6: 149 

QuaeBtiones ad Antiochum. (Migne 
Patrol. Gr. 28.) 109: 114, 117 

"13 



186 



BicharÜ y. 8. Victor zu Apok. 7 5 ff.: 
113 

Rufinus expositio Symboli 34: 108 

Rupertus Tuitiensis in Apok. 7öff., 
13: 113 

Sedulius in II. Thess. 2 : 149 A. 1 

Sepher Sernbabel : 86 A. 1, 102, 159 

Sibyllina oraculaed. Bzach: 59 ff.; I. 
1—323: 61; IL 6-33: 61; 67:86; 
151 ff.: 87; 154—213: 51,61; 155: 
63 A.1; 165f.: 63 A.1; 167: 100; 
167 f.: 51; 170 ff.: 51, 63, 65, 87; 
186 f.: 51; 187 f.: 51, 69, 137; 
197ff: 161; 214f.: 168; m. 46— 
91: 59,60; 63 ff.: 87,100; 63: 86; 
64: 115; 66ff: 116; 71 ff.: 160; 
73: 86, 150; 75: 44; 77: 62; 80 ff.: 
61, 160; 168: 61; 170: 61; 178— 
182: 61; 364: 78 A.1; IV. 20: 62; 
47: 61; 50: 61; 55: 61; 172:154; 
172ff.: 161; V. 18: 60, 62; 28: 99; 
32: 99; 69: 87; 155 ff.: 161; 158: 
155; 214: 98; 222: 103; 288ff.: 
63; 376 f.: 63; VI. 26—28: 156; 
Vn. 118: 63; 239t 166 A.1; VIEL 
15: 63; 88: 98; 154: 98; 165: 78 
A.1; 169f.: 59; 199f.:62; 203ff.: 
63, 166; 217ff.: 63; 337ff.: 63; 
XI. (IX.) 180: 98 f. A. 1; Xu. (X.) 
78ff: 99 A. 1; 86: 104; 290: 19; 
XIII. (XI.) 155 ff.: 98 L A.1; XTV. 
(XII) 158: 155 

Sib.-Beda Migne Tom. 90, p. 1183: 
38, 62 f., 104, 112, 116, 128, 181, 
136, 138, 144, 152, 155, 157, 162, 
166 

Sib.-TTsinger, Forschungen zur deut- 
schen Geschichte X 621: 28, 128, 
155 

Sicilien s. Islam 

Simeon Metaphrastes vita Joh. 7 : 137 

Simon Jochai s. Geheimnisse 

Simon Magus-96, 97, 98 A. 1, 111, 
118, 119, 120 

Sohar zu Exod. 22 u: 172 

Strabo in Apok. 7 5 ff.: 113 

— in II. These. 2: 113 

Sueton, Nero 40: 60 

Sulpicius Severus, Dial. II 14: 52, 91 



Sulpicius hist. sacr. II 14: 19; 28: 

96 A. 1; 32: 50 
Tabari: 74 
Tertullian Apologet. 32: 78 

— de anima 50: 136 

— resurrectio oarnis 24: 78 

— ad Scapulam 2: 78 
Testamentum Xu Patriarcharum, 

Dan: 64 Xap. 5: 86, 100, 114, 149; 
6: 114 
Theodoret in Genesim quaest.: 110, 
112 

— in Dan IIa: 153; 12i: 142, 153, 
A. 1 

— in Mal IV 1: 142 

— in II. These. 2: 91, 108 

— haeret. fab. I 1: 96 A. 1; V 23: 
108 

Theophvlakt in Joh. 21so: 117 

— in Ü. These. 2: 89, 108, 149 A.1 
Ticoniue 136 

übertinus Gasalis 150 

Taticinium anonymi de rebus Byzan- 
tinis 178 

yaticinium de futuris rebus Byzant. 
177 

Victorin, Co mm. apoc. de la Bigne 
ed. II 1589 Tom. 1:17, 52; in Apok. 
29: 110 A. 1; 66: 131; 6e: 17; 
7iff.: 143; 11: 66; 12: 17f.; 12e: 
140, 142; 12u: 145, 147; 18^ 18, 
109; 110, 111, 111 A.1; ISiä: 104; 
1414-w : 148; 14so: 18; 15i: 158; 
Tgl. 82, 85, 124, 137 

Victorin Becensionü. Migne V 389 C: 
117 A. 3 

Völuspft Str. 46: 71 ff., 157 A.2, 158 

Zehn Stämme 61, 65, 143 

Zeno 42 

Zeph.-Apok. Stern, Ztschr. f. igypt. 
Sprache 1886. 115 ff.: 54 ff.; 123 
98, 118 A. 2; 124: 115, 158; 125 
102, 116, 117, 118; 126: 141; 128 
127 A. 1, 130, 134, 144, 145, 145 
A. 1, 148, 153, 172; 129: 161; Tgl. 
131 A 1 

— verwandt mit Adso 56 
Ephraem 56 

Ps.-Joh. 56. - s 



Druck der UniT.-Buchdruckerei von £. A. Huth in Göttingen. 



«5 ZU ?- zvs 







3 2044 077 874 790