(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Der Codex D in der Apostelgeschichte: Textkritische Untersuchung"

Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



•^ 



?H. "Ja^' 'l'-l- 



Ubcatj of ttie SiUnitj Sctiool. 



UBht 'With money 



THK SOCIffiTY 



XHBOLOOICAI, BDUCATION. 



Beceived/'J^cfjtje'^-j^tJ-tir.l^ 



'■{. 



TEXTE UND ÜNTEKSÜCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER 

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ABCmV FÜR DIE VON DBB KIBCHENVÄTEBrCOMMISSION 

DBB K6L. PRBDSSISGHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 



HERAUSGEGEBEN VON 



OSCAB, VOM &EBHÄEDT und ADOLF MßMCK 



NEUE FOLGE ZWEITER BAND 



DER GANZEN REIHE XVII. BAND 




LEIPZIG 

J. C. HINEICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

■ 

1899 



3 



» / 



•■/. 



o 

/- 



i <^ r , J7 — 



/; /> 



/r>'i. 



>w 



r. 



INHALT DES ZWEITEN BANDES. 

(Der ganzen Reihe XYII. Band). 



Weiss, B^ Der Codex D in der Apostelgeschichte. Textkritische ^ 
ünteisnchimg. IV, 112 a 1897. / 

Haller, W., loyinianuSy die Fragmente seiner Schriften^ die Quellen 
za sdner Geschichte, sein Leben und seine Lehre. YIII, 
159 S. 1897. 

SteisdorlT, G., Die Apokalypse des Elias, eine unbekannte Apo- 
kalypse und Bruchstücke der Sophonias- Apokalypse. Kop- 
tische Texte, Übersetzung und Glossar. Mit einer Doppel- 
tafel in Lichtdruck. X, 190 S. 1899. 

Wobbenüin, G^ Altchristliche liturgische Stücke aus der Kirche 
Aegyptena nebst einem dogmatisoben Brief des Bischofs Sera- 
pion von Thmuis. 36 S. 1898. 

Jeep, U Zur Überlieferung des Philostorgios. 34 S. 1899. 

6eit2; L von der, Eine textkritische Arbeit des zehnten bezw. 
sechsten Jahrhunderts, herausgegeben nach einem Kodex des 
Athosklosters Lawra. Mit einer Doppeltafel in Lichtdruck. 
VI, 116 S. 1899. 



Heft 1. 



Heft 2. 



Heft 3a. 



Heft 3b. 



Heft 4. 



DER CODEX D 



IN DER 



APOSTELGESCHICHTE 



TEXTKRITISCHE UNTERSUCHUNG 



VON 



Dr. BERNHARD WEISS 




'''LEIPZIG 
J. C. HINEICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1897 



T l I f -- 



TEXTE UlfD UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCfflV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER -COMMISSION 

DER KGL. PREUSSISGHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTUCHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAÜSOEGEBEIC VON 
080AR V. flEBHARDT üND ADOLF HAIWACK. 

NEUE FOLGE, ü. BAND, HEFT 1. 



ßiiy 



VORWOBT. 

Es ist mir wiederholt nahegelegt worden, ob ich nicht meine 
textkritischen Arbeiten über die Apostelgeschichte nach dem Er- 
scheinen der Arbeiten von Dr. Blass nochmals revidieren sollte. 
Es war das freilich insofern nicht notwendig, als ich die von 
ihm bevorzugten Textzeugen, soweit sie überhaupt nach meinen 
Grundsätzen ftir die Textkritik in Betracht kommen, in allen 
Details geprüft hatte, auch wo ich nicht ausdrücklich begründen 
zu dürfen glaubte, warum ich sie ftlr die Konstituierung des 
Textes zurückstellen musste. Aber die Bedeutung der Arbeiten 
Ton Blass legte mir allerdings die Pflicht auf, meine abweichende 
Beurteilung derselben nunmehr eingehend zu begründen. Ich 
kann ihm nur dankbar dafür sein, dass er mich zu dieser Arbeit 
veranlasst hat, die mir allerdings ein grösseres Interesse für die 
Eigenart des Cod. D eingeflosst hat, wenn ich auch nicht im 
Stande war, seinen Text dem der älteren Majuskeln vorzuziehen. 
Ich habe nunmehr die Gründe dafür, wie ich glaube, eingehend 
vorgelegt. Gewiss wird sich über Einzelheiten nach wie vor 
streiten lassen; aber das Gesamtresultat, wie es sich mir ergeben 
hat, glaube ich ftlr jeden, der die gangbaren Regeln der Text- 
kritik anerkennt, zu einem unausweichlichen gemacht zu haben. 

Berlin, im Juni 1897. 

D. B. Weiss. 



INHALTSÜBERSICHT. 

Seite 

VorbemerkuDgen 1 — 4 

I. Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D 5 — 17 

n. Die gewöhnlichen Textverderbniase in D 17—52 

1. Wortvertauschungen 18—33 

2. Unjstellungen 33-35 

3. Auslassungen 36 — 43 

4. Zusätze 44-51 

III. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. . . 52 — 107 

IV. Die sachlichen Änderungen und Zusätze in D 107 — 112 



ijlass hat sich das grosse Verdienst erworben, den dem 
Cod. Cantabrigiensis (D) zu Grunde liegenden Text der Apostel- 
geschichte eingehend untersucht und damit die Frage der Ent- 
scheidung näher gebracht zu haben, wie sein Verhältnis zu dem 
Text der ältesten Majuskeln zu beurteilen sei. Es zeigte sich 
ja schon hin und wieder in neuerer Zeit die Neigung, den bisher 
meist als einen gänzlich verwilderten bei Seite geschobenen 
Text von D wieder zu Ehren zu bringen; aber ohne eine um- 
fassende Untersuchung, wie sie Blass angestellt, kann man'iaatQr- 
Uch zu einem sicheren Urteil nicht gelangen. Er ist bekanntlich 
zu dem Resultat gekommen, dass beide Textgestalten wesentlich 
gleichaltrig seien, dass die von D und seinen Mitzeugen ver- 
tretene iß) die Kladde des Lukas darstelle, die der ältesten 
Majuskeln (a) die f&r Theophilus von ihm gefertigte Reinschrift. *) 

Es ist nicht meine Absicht, die Hypothese zu prüfen, durch 
welche Blass das Verhältnis der beiden Textgestalten, wie es 
ihm sich darstellt, erklären will. So blendend dieselbe ist, so 
scheint sie mir doch ziemlich weit über das hinauszugehen, was 
man mit wissenschaftlichen Mitteln überhaupt noch beweisen 
kann. Blass hat eigentlich nur zwei Gründe dafür angeführt. 
Einmal die Sprachverwandtschaft der in D eigentümlichen Züge 
mit den anderen Teilen der Apostelgeschichte und mit dem Evan- 
gelium. Aber wer die Eonformationen in unseren Handschriften 
verfolgt, wird sich leicht überzeugen, eine wie genaue Kenntnis 
des von ihnen vermeintlich emendierten Textes die Abschreiber, 
oft auch in seinen entlegensten Teilen, besitzen. Vollends wenn 
ein Emendator eine so tiefgreifende Bearbeitung der Apostel- 
geschichte unternahm, wie sie in vielen Teilen des Cod. D vor- 

1) Vgl. Theol. Stud. und Krit. 1894, 1. Acta apostolorum, editio 
philologica. Göttingen 1895. Acta apostolorum secundum formam quae 
videtur ßomanam. Lipsiae 1896. 

Text« a. Untersachiuigen N. F. II, i. 1 



2 WeisS; Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

liegt, so lässt sich Yoraussetzen, dass er sich viel mit dem Buche 
beschäftigt hat, also vielfach seine Sprache reden wird. Aber 
das kann ja auch Blass nicht leugnen, und seine eigenen Nach- 
weisungen bestätigen es auf Schritt und Tritt, dass jene Über- 
einstimmung auch ihre Grenzen hat, dass auch vielfach der Aus- 
druck in jenen Abschnitten grosse Eigentümlichkeiten zeigt. 

Sein Hauptgrund bleibt, dass sich weder ß aus a, noch a 
aus ß erklären lasse, und daher beide Textgestalten von der- 
selben Hand herrühren müssen. Allein wollte er seine Hypo- 
these wirklich durchführen, so musste er doch überall nachzu- 
weisen suchen, was Lukas bewogen hat, die Kürzungen und 
Änderungen seiner Kladde vorzunehmen, d. h. a aus ß erklären. 
Das hat er bis auf wenige Andeutungen versäumt Vielmehr 
in dem von seinem Standpunkte aus gewiss berechtigten Be- 
streben, die Textgestalt des Cod. D ihrer bisherigen Nichtachtung 
gegenüber in ein besseres Licht zu setzen, wird er nicht müde, 
ihre Darstellung mit allerlei lobenden £pithetis zu versehen. 
Aber dann begreift man ja immer weniger, was Lukas bewogen 
hat, den Text seiner Kladde in der Reinschrift nicht zu ver- 
bessern, sondern zu verschlechtem, ja ihn zuweilen durch seine 
Kürzungen geradezu unverständlich zu machen. Es werden uns 
im Laufe unserer Untersuchung Beispiele genug davon begegnen. 
Aber es ist nicht meine Absicht, die Blass'sche Hypothese zu 
bekämpfen. An sich könnte ja auch wirklich ein älterer Text 
durch Übel angebrachte Kürzungen und vermeintliche Besserungen 
thatsächlich verschlechtert sein. Für die Textkritik ist zunächst 
nur die Frage von Interesse, ob die in D und seinen Mitzeugen 
vorliegende Textgestalt älter oder jünger sei, als die unserer 
Majuskeln; welche sich als die ursprüngliche beweist, und welche 
sich aus der anderen erklären lässt. Dabei kann die textge- 
schichtliche Frage nach dem örtlichen und zeitlichen Ursprung 
beider Textgestalten noch ganz bei Seite gelassen werden. 

Nur eine Frage muss hier noch vorangeschickt werden. 
Blass und viele, die seine Hypothese keineswegs ohne weiteres 
annehmen, setzen voraus, dass es eine durchweg eigentümliche 
Textgestalt sei, die in D noch relativ am reinsten erhalten ist, 
aber sich auch bruchstückweise in morgenländischen und abend- 
ländischen Zeugen finde. Diese Voraussetzung entbehrt zunächst 
noch der sicheren Begründung. Es springt in die Augen, dass 



JBinleitQiig. 3 

es eine Beihe von Zusätzen und Änderungen in D giebt, die so 
selur einen eigentümlichen Charakter tragen, dass sie aus der- 
selben Quelle zu stammen scheinen. Aber diese sind über den 
Text der Apostelgeschichte höchst ungleich verbreitet In einigen 
Abschnitten häufen sie sich, so dass man an eine ToUständige 
Bearbeitung des Textes denken möchte, mag dieselbe nun in a 
oder in ß vorliegen; in vielen Abschnitten aber treten sie durch- 
aus vereinzelt auf oder verschwinden ganz. Daneben finden sich 
auch Abweichungen des Textes in D, die durchaus nicht den- 
selben Charakter tragen, vielmehr nur derartige sind, wie sie 
sich in allen Codices und Textgruppen vorfinden, höchstens dass 
sie hier zahlreicher auftreten, als sie sonst wohl zu sein pflegen. 
Dieser Unterschied wird aber wieder durchkreuzt von einem 
anderen. Viele Zusätze und Änderungen beider Arten finden 
sich in D ganz allein, viele finden sich bald in morgenländischen, 
bald in abendländischen Zeugen mitbezeugt, vielfach auch in 
beiden. Viele finden sich schon in A und C, viele in der Gruppe 
EH LP oder in Minuskeln, besonders in 137 aus dem 11. Jahr- 
hundert Da das Alter mancher Varianten und Zusätze in D 
zweifellos sehr hoch hinaufreicht, weil man so tiefgreifende 
Änderungen im Bibeltext, wie sie diese Abweichungen voraussetzen, 
in späterer Zeit schwerUch mehr vorgenommen haben würde, so 
können schon A und C manche dieser Lesarten gekannt und 
aufgenommen haben, ebenso manche noch ältere Väter. Aber die 
sporadische Art, wie dies geschieht, spricht doch nicht daf&r, 
dass sie oder die Schreiber der von ihnen benutzten Hand- 
schriften eine durchweg eigenartige Textgestalt, wie sie in D 
noch am vollständigsten vorliegen soll, vor sich gehabt haben. 
Bei allen jüngeren Handschriften ist eine Abhängigkeit von D 
oder ihm verwandten Handschriften von vom herein nicht aus- 
geschlossen, und sie können daher f(ir eine solche Textgestalt 
nichts beweisen. 

Mir scheint das Unternehmen, die unserem Cod. D zu Grunde 
liegende Textgestalt herstellen zu wollen, weit über das hinaus- 
zugehen, was sich mit unseren wissenschaftlichen Mitteln erreichen 
lasst Blass stützt sich dabei neben D und, wo dieser fehlt, so 
gut wie ganz auf die syrischen und lateinischen Übersetzungen. 
Er geht dabei von der Voraussetzung aus, dass jede derselben 
genau einem griechischen Texte entspricht, den er erforderlichen 



4 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Falls aus ihnen einfach herstellt. Aber so gewiss diese Über- 
setzungen vielfach bis zur Sprachwidrigkeit buchstäblich ge- 
wesen sind^ so kann man das doch nicht von allen ohne weiteres 
annehmen. Dazu kommt, dass doch auch die Übersetzungen 
ihre Geschichte gehabt haben, dass sie vielfach emendiert worden 
sind, und keineswegs überall nach einem ihnen vorliegenden 
griechischen Texte. Blass legt besonderes Gewicht auf den 
Palimpsest von Fleury (Fl.) aus dem 7. und auf den Gigas 
librorum (Gig.) aus dem 13. Jahrhundert. Aber was können 
diese Übersetzungen, die schon von D selbst abhängig sein 
können, für einen ihm zu Grunde liegenden älteren Text be- 
weisen? Unter den Syrern ist es neben der Peschittha besonders 
die Philoxeniana, auf die sich Blass stützt, deren Randglossen 
doch aber auch erst ein Jahrhundert nach dem Cod. D gemacht 
sind. Nach meinen Beobachtungen zeigen diese Übersetzungen, 
wie wir an manchen Beispielen sehen werden, einen im Ver- 
hältnis zu dem in D erhaltenen vielfach schon abgeglätteten 
Text, während Blass sie selbst gegen D zur Herstellung (Ter ihm 
zu Grunde liegenden Textgestalt ß benutzt. Auf wie unsicherm 
Fundamente ruht hier vieKach seine ganze Textherstellung! 

Aber meine Absicht ist nicht, dieselbe zu kritisieren, so 
vielfach sie auch dazu reizt, auch nicht die Frage zu entscheiden, 
ob es eine durchweg eigenartige Textgestalt neben der in unseren 
älteren Majuskeln vorliegenden gegeben habe. Ich will mich 
ganz auf den Cod. D beschränken, von dem ja die Voraussetzung 
einer solchen ausging, und die Abweichungen und Zusätze des- 
selben prüfen, ganz ohne Rücksicht darauf, ob dieselben aus 
einer einheitlichen Quelle geflossen sind oder nicht. Diese Unter- 
suchung wird selbst viel wertvolles Material auch für die Ent- 
scheidung jener Frage ergeben. 



I. 

Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D. 

Es ist f&r die Benrteilung der im Cod. D erhaltenen eigen- 
t&mlichen alteren Lesarten von erheblicher Bedeutung, diejenigen 
Textentstellungen kennen zu lernen, welche jedenfalls erst von 
dem letzten Schreiber von D oder seinen nächsten Vorgängern 
herrühren, also unter allen Umständen in Abzug zu bringen sind. 
Obwohl sich darum hier die Untersuchung nur um Lesarten 
drehen kann^ die zweifellose Fehler sind, so können wir dieselbe 
doch nicht umgehen. 

a. Auf den ersten Blick sieht man, wie nachlässig unser 
Codex geschrieben ist Die gewöhnlichen Schreibfehler, wie Aus- 
lassungen oder Einschiebungen einzelner Buchstaben und Silben, 
Vertauschung ähnlicher Buchstaben, besonders Ton Vokalen, auch 
wo kaum irgend ein Anlass dazu sichtbar ist, finden sich in D 
ungewöhnlich häufig. Natiirlich sind sicher auch manche dieser 
Schreibfehler schon sehr alt und stammen aus einer früheren 
Grundlage von D, wie das övvofiOQoovoa 18, 7 (AD), das e^t- 
oxavTO 8, 13 (kCD) oder das avaXaßBtv statt Bva Xaßetv 1,24, 
das sich nach Blass schon bei Augustin findet; aber die Mehrzahl 
dürfte doch wohl dem letzten Schreiber zur Last fallen.^) Denn 

1) Blass führt als ein Beispiel von TeztmischuDgen bei D, die bei 
ihm eine so grosse Rolle spielen, das xawa 1, 9 an (Prol. § 11. S. 26), 
das ans einem xavta in ß nnd abgekfirzten xkl aus a entstanden sein soll. 
Aber weder das xai^ noch das xawa wird durch die Überlegte Änderung 
dieses Verses, die wir kennen lernen werden, irgend berührt; und dass 
irgendwo das xat gefehlt habe, Iftsstsich nicht sicher erweisen. Es werden 
also in dem xai xavta durch ein gewöhnliches Homoioteleuton die Buch- 
staben ITA nach KA ausge&llen sein. Ganz ähnlich ist das xavxa statt 
xa avxa 15, 27 entstanden, das sich schon in orientalischen Versionen findet. 



6 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

die Gedankenlosigkeit dieses Schreibers zeigt sich klar in der so 
häufigen Vertauschung oft nur entfernt ähnlich klingender Worte. 
Es werden nicht nur vjteXaßev mit vjteßaXev 1, 9 (vgl. 17, 18. 
20, 15), 6Öo§€V mit söo^aöev 15, 22 (vgl söegapro statt eöoga^ov 

13, 48, das auch Aug. Gig. haben), sondern auch xbxolvwxbv roxi 
sxoivwvtjasp 21, 28, ajteiXaq mit ayuxq 4, 29, Jtavxa mit xara 

14, 16 vertauscht Man wird hiemach keine abweichenden Les- 
arten, sondern nur Schreibfehler sehen in dem BvayyeXi^ovrec; 
statt 'Tat 16, 17, ajtrjyyeiXavxBq statt -Xav ze 15, 4, jcageöc- 
öovg statt -rfov 8, 3 (wo övqov vorhergeht), xai öeioag statt 
xareösicsv 21, 40 (wo BOxog vorbeigeht); aber wahrscheinlich 
auch in dem e^eXO-mv — xat xarmxriaev 7, 4, övviöovTsg xai 
xaxBtpvyov 14, 6, dioösvCavxBg — xat xaxrjX9-ov 17, 1, wo 
überall nur das xai Verdoppelung des folgenden xax — ist, wie 
in dem sinnlosen axoxaxacxapatg eig 1,6. In solchen Fällen 
hatte wohl der Schreiber das nach den Anfangsbuchstaben ge- 
mutmasste xai bereits geschrieben, als er bemerkte, dass ein 
xaX' folgte, und nahm nun dieses auf, ohne das falsche xai zu 
tilgen. Instruktiv sind aber diese Fälle besonders darum, weil 
sie zeigen, wie der nachlässige Abschreiber leicht Participia statt 
der Verb. fin. setzt, ohne sich zu fragen, ob sie in die Kon- 
struktion passen oder nicht, und vor einem neuen Verbum ein xai 
setzt, ohne darauf zu reflektieren, ob ein paralleles Verbum da 
ist, mit dem es dasselbe verbindet 

b. Für diese Achtlosigkeit des Abschreibers gegen das Satz- 
gefüge in beiden Beziehungen finden sich aber zahlreiche Bei- 
spiele. Zunächst für die gedankenlose Verwandlung des Verb, 
finitum ins Particip. So schreibt D 3, 5 o rfe axeviCag (statt 
exsix^p) avxotgy obwohl 3tQoadoxa>v und kein Hauptverbum folgt, 
so 14, 3 6iaxQi\pavxBg (statt öisxQitpav) JtaQQriöiaoansvoi *), so 
10, 34 xaxaXafißavofispog (statt -o/uxi) oxi, 5, 26 ipoßov[ievoi 
(statt eq)oßovpx6) yag,^) VgL noch das ganz gedankenlose gx»- 

Vgl. das eSo^av statt -aaav 11,18, Ttaggijaiafzevoi statt -aaafiEvoi 13, 46. 14, 3, 
Taaaowfg statt xagaaa, 17, 13, eivai statt eiaievat 3, 3, fieywQ statt ^- 
yaXcDQ 15, 4, yog statt yevog 17, 28, xara statt xai eig rag 5, 15, und 
vieles Ahnliche. 

1) Hier hat Gig. dadurch, dass er die beiden Zeitsätze, durch die er 
die Participia in D wiedergiebt, durch et verbindet und das 6s am An- 
fang von V. 4 fortl&sst, ein durchaus korrektes Satzgefüge hergestellt 

2) Hier konstruiert Blass nach Fl. eine eigene Textgestalt von ß: 



I. Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D. 7 

vfioag statt gxovrj 10, 15. Auch 8, 28 verwandelt D das avtyi- 
pwaxBP ins Partizip, ohne za sehen, dass nnn bei ihm drei un- 
yerbmidene Partizipien folgen, da das xai yor xad^fisvoq schon 
früher in seinem Texte durch Schreibfehler ausgefallen war und 
ebenso das xat vor ai^^/ei^eoaxa^ in demselben fehlte.^) Besonders 
häufig kommt der Fall vor, dass D das Verb, finit. ins Part ver- 
wandelt und dann doch das xai folgen lässt, welches ein vorher- 
gehendes Verb, finit. voraussetzt So 4, 3 BnißaXovxBq (statt enB- 
ßa2x>v) — xai eO^evro, 4, 34 jtcoXowrsg xac ^sQOvrsg (statt £9)e()0i?) 
— xai ecid'ovv, 5, 21 cvyxaJiEOafisvoi (statt öwexaXecav) — xai 
cattCTBtXav, 8, 2 öxypxofuoavtsg (statt cvvsxoiuöav) — xai ejeotrjöav, 
12,16 xai töovTEg (statt etöov) avrov xai B^BCrfjCav, 18> 19 xar- 
ayr^öa^ (statt xaxrivxricav) — xai — xaxBXmBV'^ und 22,28 fügt 
D gar hinter ojtoxQid-Big (statt ajtBxgid^) aus freien Stücken xai 
Butsv hinzu, wenn er dies nicht, was wahrscheinlicher, in seinem 
Texte schon vorfand.^) Es ist nur die umgekehrte Nachlässig- 
keit, wenn D das Participium ins Verb, finit. verwandelt imd 
dann doch kein xai folgen lässt, wie 16» 30 (xai JtQOfiyayBv — 

ifoßovfievoq (irpioxe Xid-ao&rj vno xov Xaov, und läset den Text von D 
durch Kontamination mit a entstanden sein, so dass er aus /9nur das Par- 
tizip au^nommen hätte. Aber während Fl. das Part an das Vorige 
anschliesst und daher im Sing, hat, hat D ja den Plural, der nur aus dem 
Flur. Bipoßovvxo entstanden sein kann. £s hat also Fl. nichts Anderes 
vorgelegen, als der Text von D, den er durch Verwandlung des Plur. in 
den Sing, und durch Weglassung des yag verbessert und überhaupt freier 
wiedergegeben hat. 

1) Während Blase das xai vor xa&ijfi. nach D Min. vg. cop. in seiner 
Textgestalt /^fortl&sst, behält er das xai vor avay, gegen mD, zahlreiche 
Min. sah. arm. bei und nimmt nur das Part, aus D sah. vg. auf. Die so 
hergestellte Lesart von ß hat aber eigentlich gar keine Bezeugung, da das 
l^ensque der Vulg. nur ein Versuch ist, nachträglich die beiden Partie. 
xa^/ABvog und avayivmoxwv zu verbinden, wobei eher das aveyivtoaxev xb 
(A) als das gewöhnliche xai avByiv, massgebend war. In anderer Weise hat 
sah. das Satzgefüge hergestellt, indem er xadfjpiBvog in ein Hauptverbum ver- 
wandelt, dem dann das avayivwoxwv subordiniert ist. Auch der Paris. Nr. 
321 hat noch, wie D, avayivwaxav ohne ein xai davor und nur das durch 
blosse Nachlässigkeit ausgefallene xai vor xa^fi. hergestellt, so dass auch 
hier ein geordnetes Satzgefüge erscheint; aber ihn hat Blass diesmal nicht 
berflcksichtigt. 

2) Es erscheint doch vOllig willkürlich, wenn Blass 4, 34. 8, 2 das 
Partizip, dagegen 5, 21. 12, 16. 22, 28 das xai in seinen Text von ß nicht 
aufnimmt^ oder, wie 4, 3. 18, 19, durch Korrekturen nach Versionen hilft 



g Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

etJCBv ovtoiq). 17,34 {exoXkrjd^rjöav — ejnarevöav), 19, 15(flür6- 
xQcd-r] — eijcev avrotg) oder 18, 5, wo er den Vordersatz mit (og 
in einen Hauptsatz aufgelöst hat (jcaQsyBvovxo ös).^) 

Ebenso zeigt sich eine Vorliebe für das xat, auch wo das- 
selbe in ein überliefertes Satzgefüge nicht hineinpasst. So, wenn 
es vor das Hauptverbum gesetzt wird, obwohl nicht ein anderes 
Hauptverbum, sondern ein Participium vorhergeht, also ganz 
analoge Satzgebilde erscheinen, wie oben durch die Verwandlung 
des Verb, finii ins Particip. So 3, 4 {efißZetpag ös o jrsrQog — 
xai BLJtBv), 13, 7 {oxjyxaXsöafievoQ — xat sOjttjöev), 13, 29 (xaß-- 
sXoptsg xat ed^tjxav) 14, 14 {diaggri^apreg — xat e§8jtr]67]öav\ 
16, 17 {xaraxoXovd-ovaa — xai sxQa^ov), 16, 34 {avayaycov — 
xai jtaQed-rjx^), 20, 3 {jtotr/öag — xat — r/d'eXr^öer), 20, 10 (av//- 
jteQLXaßa>v xat ecjtev), vgl. auch das xat nach einem Vordersatz 
mit mg, wie 17, 13.^) Es findet sich ein solches xai auch vor 
einem Particip., wo gar kein zweites Hauptverbum folgt. So 
2, 12 {ötrjjtoQOVPTo — xat X£yovreg\ 18,4 {duXsyero xai evriO^eigX 
19,29 (wo Gig. das xai vor övvaQjraoavreg auch hat, aber das 
Part, dann eben ins Verb, finit. verwandelt). Es kommt selbst vor, 
dass der Abschreiber sein xai schreibt, ohne zu bemerken, dass 
der Satz in seiner Vorlage mit 6e augeknüpfb ist, und dieses dann 
ruhig daneben mit aufnimmt. So 12,14 (xai siadgafiovaa 6e\ 
13, 6 {xai jtSQiejLd^ovrmv ös), 18, 4 {xai ejrsiß^ev df , wo das de 
schon ältere Korrektur statt re war), 21, 40 {xai ejtiTQeipavxog 
de). Auf dieselbe Weise entstand das sinnlose xai avayaycop 
re 16, 34 und rors craO^eig 6s 2, 14.^) Ganz ähnliche Nach- 

e 

1) Auch hier behandelt Blass die Stellen ganz verschieden. Während 
» er 17, 34 das Part, und 18, 5 den Satz mit cdq beibehalt, schiebt er 19, 15 

ein xai vor sinev ein und konstruiert IG, 30 nach dem Syrer den Text von 
ß: xai — TtQoaijXd^ev xai emev avtotg, 

2) Es ist ja ganz in der Ordnung,, wenn Blass an den meisten dieser 
Stellen das xai einfach als einen Fehler in D streicht; aber 3, 4 schaltet 
er dafür nach Fl. ein Particip. ein, und 12, 23, wo das xai vor e^fV-'v^sv 
ebenso gedankenlos eingefügt ist, verwandelt er ohne alle Zeugen das 
yBvofievoq in eyBVBXo. Wie er das xai vor yevrj&eiarjg 20, 3 für seinen 
Text fruktifiziert, werden wir später sehen. 

3) Während Blass 12, 14. 18, 4. 16, 34 das xai streicht und 6e (tb) 
beibehält, nimmt er 13, 0. 21, 40 das xat (wie 2, 14 das rore) auf und 
fitreicht das ös. Merkwürdig ist sein Verfahren auch 13, 45. Offenbar war 
in der Vorlage von D dasTroAvv ?.oyov noiijaafjievov an 13,44 angeschlossen. 



I. Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D. 9 

lässigkeiten finden sich bei Verbindungen mit 6e. Wenn man 
15, 2 noch sagen kann, dass nach der langen Parenthese der 
Beginn des Satzes mit einem Gen. abs. aus dem Auge gerückt 
war und deshalb anakoluthisch mit oi ob sXfjXv&orsg fortgefahren 
wird, behält D 12, 22 nach dem eingeschobenen Gen. abs. xaraZ- 
icty, Ö€ ccvrov das o ös örjfiog bei, während er es 21, 27 sogar 
nach dem Gen. abs. {ot öe) und 14, 23 nach dem x^QOTOvr}CavTBq 
ÖS einbringt {jcQOöev^afisvoi ös)A) 

c. Es kommt aber auch sonst vielfach Tor, dass der Ab- 
schreiber von D ein Wort, das er erwartet, bereits geschrieben 
hat» und dann doch, wenn in seiner Vorlage etwas Anderes folgt, als 
er erwartet, dies aufnimmt, ohne das irrtümlich Geschriebene zu 
tilgen. So schreibt er 4,34 nach oöoi xrr]roQsg die Copula {rjOav\ 
ohne zu sehen, dass nach t] oixia>pdsa erfordeTliche vjitjqxov folgt; 
so 4, 22 nach ercop yag das r]v, das doch in seinem Text hinter 
reacaQoxovTa stand und nun dort wiederholt wird; so 17, 6 ein 
siOiv, obwohl in dem xai evd-aöe jeagetöcv das Verbum des Satzes 
folgte. 2) Wenn D 21, 13 nach ösd-fjvai ein ßovXofiai zusetzt, so 
übersah er einfach, dass das Hauptverbum dazu in sroifKog ex£i 
folgi Ebenso schrieb er 15, 21 das axst nach jtoXiv, wo man 
es zunächst erwartete, wie noch die Syrer und Gig. zeigen, und 
behielt dann doch das in seinem Text erst nach dem Objekt^ 
folgende exci ebenfalls bei. Auch die Antizipation des jteQc avrov 
vor yipofiBVT) 12, 5 (Blass: ß) wird von ihm herrühren, da er 
dasselbe nach ß-sov mit seiner Vorlage wiederholt; ebenso das 
fiov nach tpvxfJP 20, 24 trotz des auf rificap folgenden e^avxco 



Indem D nun xb nach noXw einschaltet, beginnt er einen neuen Satz, ob- 
wohl er das in seiner Vorlage folgende xai tÖovteg ruhig beibehält. Blass 
nimmt das tb in seinen ß-Text auf und streicht das xai (das nicht einmal 
ans a herrühren kann, wo iSovtbq 6b steht), obwohl nun das eTcXrja&Tjaav 
doppelt durch das Xoy. noir^a, und das iSovr. r. TtXrjd^og motiviert ist. 

1) Während Blass an den drei letzten Stellen einfach das 6b als 
Fehler streicht, konstruiert er in der ganz analogen 15, 2 einen nirgends 
bezeugten Text, indem er den Gen. abs. in einen Hauptsatz verwandelt 
(ByBVBxo 6b axadiq xxX.), 

2) Es ist doch ganz unnatürlich, mit Blass bei 4, 34 anzunehmen, 
dass D zu einem Text, in dem riaav stand, das vnrfQX^'^ ^^^ ^ hinznbrachte. 
Das Zusammentreffen mit a in der Stellung des ipf 4,22 ist nach Obigem 
ein rein zuf&lliges. Das Bioiv 17, 6 hat Blass gestrichen, obwohl es sich 
auch in lat. Versionen findet. 



10 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

(verschrieben in sfiavrov) und das (le nach jteQifjCzQotpe (ver- 
schrieben in xsQieCTQatpa) 22, 6, obwohl jisQi sfie folgt*) 

Durch das avrotg nach sücriyayov 14,2 wollte D das unentbehr- 
liche entferntere Objekt schaffen, ohne zu sehen, dass in seinem 
Texte xaxa rwv öixaiwv folgte, wie 14, 27 durch das awoig nach 
sjroirjöev trotz des sofort folgenden fiera t(dv y>vx(ov ccvrwp, das 
in seinem Text dies Objekt vertrat. Auch 15, 2 wird D das 
avToig nach jtaQijyyecXav geschrieben haben, das ohnehin ein 
Vorblick auf seinen Text in v. 5 nahelegte, und dann erst das 
in seinem Texte stehende reo jravXw xai ßaQV. xcu riciv aXXocg 
daneben aufgenommen, ebenso das avroig oi 16, 38, das bereits 
geschrieben war, ehe er bemerkte, dass im Texte statt desselben 
das deutlichere toig örgarriyocg stand, und nun mit diesem fort- 
fuhr. Nur so erklärt sich das Fehlen des Artikels davor und 
das sonderbare oi nach avrotg,'^) Auch das auf zmv jtQopTjTcuv 
bezügliche avrovg 7, 52 (Blass: ß) hatte D bereits geschrieben, 
ehe er sah, dass in seiner Vorlage das Objekt näher bestimmt 
war, wie das noch in 137 fehlende rovto vor ccxovöag 22,26 
(Blass: ß), ehe er bemerkte, dass die Näherbestimmung ort qcO" 
fiaiop savTov Zeysi in seinem Texte folgte. So wird sich auch 
das sinnlose roig nach jcaOiv statt xad-oxi 2, 45 erklären. Hätte 
'der Schreiber xoig xQ^f-^^ exovciv (Blass) vor sich gehabt, so 
hätte er schwerlich, nachdem er schon rocg geschrieben^ das 

1) Weil jenes fxe za dem ey/i^owi ös fioi am Eingange nicht passt, 
ändert dies Blass in seinem ß-Text ohne Zeugen in eyyi^ovtOQ 6s fiov und 
streicht mit vg. Gig. das ns^i SfiE, das doch in der Vulg. nur ausgelassen 
wegen des nach D hinter circumfulsit schon gebrachten me. Wenn im 
Gig. auch dies me fehlt, so erschien auch dies nach dem voraufgegangenen 
eyyiK^ovxi fioi überflüssig. 

2) Blass läast 15, 2 das t. nX, x, ßagv, x. na, akX, aus a eingebracht 
sein, obwohl D das f | avrwv aus ihm nicht hat und schon der Glossator 
der Fhiloz. jene Worte las und das avroig noch nicht. Aber dass D in 
einem so ganz abweichenden Text (bem. auch das bei ihm notwendig 
nachgestellte avaßatvsiv) auf a reflektiert haben sollte, ist doch ganz 
unwahrscheinlich. Noch unnatürlicher lässt er 16, 38 in /? statt ra QTjfiara 
ravra bloss gijS^svTa geschrieben und das TtQoq rovg orgatijyovg nach Anar 
logie von v. 36 zu anriyyeiXav bezogen sein. Aber diese Beziehung konnte 
unmöglich erkannt werden ; vielmehr war im Text von D das ra gij^evTa 
eben eingefugt, um mit dem ngoq rovg oxgaxriyovg hervorzuheben, dass 
die fQr die atgarriy. bestimmten Worte gemeint seien, weshalb die Posch, 
das nun so lästige zweite azgar. in ein Pronomen verwandelt. 



I. Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D. 11 

av Ttq XQBUxp sixsv aas a eingebracht. Nor wenn er jenen ein- 
facheren Ausdruck erwartete und diesen complizierteren vor sich 
hatte, erklärt sich^ woher er, nachdem er bereits roig geschrieben, 
Ton jenem in diesen einlenkt, obwohl nun das roig sinnlos bleibt 
und das tuiB'Otl ausgefallen, genau wie 16,38 dib ol stehen ge- 
blieben und xoiq ausgefallen ist. 

Nach xaQayyBXXei roig avd-Qmjtotq 17, 30 erwartet der Ab- 
schreibereinen Absichtssatz und beginnt denselben mit ivajcccvrsg, 
obwohl er nachher mit jtavraxov (iBToPoetv in den ihm vorliegen- 
den Text zurücklenkt, während die Lateiner diese Änderung durch- 
fahren; wie er nach dem tva 13, 28 das sig avaiQeOiv doch nicht in 
einen Absichtssatz verwandelt Ebenso wollte D 7,31 xacxaza" 
voTiöaprog schreiben, behielt aber, obwohl er das xcu schon ge- 
schrieben, das xaravoTjoai seiner Vorlage bei. Sicher hatte der Ab- 
schreiber bereits das apairiovg dem deiQavreg Tjfiag 16, 37 vorausge- 
schickt, als er an das axaraxQirovg kam, das doch ein ganz anderes 
Versehen der örQartjyoi rügt, und 13, 15 das Xoyog durch öog)iag 
näher bestimmt (vgL 1 Eor. 12, 8), ehe er bemerkte, dass nach 
€v vfup ein solcher Gen. folge. ^) Auch 17,29 wollte D ovre — 
ovre schreiben und bemerkte erst später, dass die Glieder durch 
f) — fj verbunden waren; 5, 12 hatte er das sv reo i8Q(d (vgl. sah. 
aeth.) aus 2, 46 bereits geschrieben und fuhr dann mit dem näher 
bestimmenden ev rrj cxoa CaX. fort. Wenn D 4, 25 mit og be- 
ginnt, so wollte er das partizipiale Attribut in einen Relativsatz 
umändern, behielt aber nachher doch das XaXfjöag seiner Vor- 
li^e bei, wie 4, 12 das öeöofievov ohne eotiv, obwohl er schon 
geschrieben (vgl. noch das tj xaXovfuvfj 3, 11 und das oi sv 
tTj lovö, 11, 1). Gerade so wird es sich mit dem (laxagiog 20, 35 
verhalten^ das solche Seligpreisungen einzuleiten pflegt, und das 
D bereits geschrieben hatte (vgL Gig.), als er in das infinitivische 
Subjekt seiner Vorlage einlenkte. Erst die Pesch. hat die so 
intendierte Änderung durchgeführt.^ Es erhellt aus alledem, wie 

1) Wenn Blasa nach Gig. (der es übrigens an anderer Stelle hat) das 
ovatTiavQ IG, 37 aufnimmt, so hat er dafür das nirgends fehlende axata- 
xgcTovQ in seinem Text eingeklammert nnd das ao<ptaq 18* 15 dnrch ein 
ohne alle Zeugen vor naQaxXtiaeiaq eingeschaltetes 17 mOglich gemacht. 

2) Dass ein fiaxagiov saxiv sonst im N. T. nicht vorkommt, ist ja 
«ben der Grund dieser Änderung gewesen und hätte Blass nicht bewegen 
sollen, die ganz sekundäre Fassung aus dem Gitat der Gonst. apost. (4, 3, 1) 
in den Text von ß ao&nnehmen. 



12 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

wichtig es ist, die dem Schreiber von D oder seinen nächsten 
Vorgängern geläufigen Nachlässigkeiten genau zu beobachten, 
um nicht einen ihm vorliegenden eigentümlichen Text zu divi- 
nieren, wo davon gar keine Rede sein kann. 

d. Wie siok Blass die Textmischungen oder Kontaminationen, 
wie er sie nennt, entstanden denkt, darüber hat er sich meines 
Wissens nirgends näher ausgesprochen. Aber aus einigen Bei- 
spielen, die er in den Proleg. S. 26 f. giebt, kann man abnehmen, 
dass er sich die Lesarten aus a einem Text von ß übergeschrieben 
und so statt der ursprünglichen oder neben ihnen in den Text 
gekommen denkt. Dass nun die Vorlage von D manche Les- 
arten übergeschrieben gehabt hat, scheint auch mir keinem Zweifel 
zu unterliegen. Es giebt zunächst FäUe, wo das xai — öe oder 
xai — re nicht auf dem not. b nachgewiesenen Wege entstanden 
sein kann. Vielmehr muss 2, 3 über das xai axad-ioev die noch 
in A E erhaltene Lesart exad^iosp rs übergeschrieben gewesen 
sein, aus der D noch nach dem exa&icev ein re aufgenommen 
hat. Es ist das im Grunde keine andere Nachlässigkeit, als die 
in not. c vielfach beobachtete, wonach D, ohne das bereits Ge- 
schriebene zu streichen, mit einer Lesart fortfahrt, die nicht dazu 
passt. Auf dieselbe Weise wird das xai aQid^fiog re 4, 4, xat 
sßgvxov TS 7, 54, xai T]TeviC,ov 6s 6, 15 entstanden sein, wo also 
nicht das re oder 6s, wie Blass mehrfach annimmt, sondern das 
xai das im Texte von D Ursprüngliche ist. Es kommt sogar 
vor, dass D ein über 6$ übergeschriebenes xai, das natürlich vor 
das Wort gestellt werden sollte, hinter dem 6s steht, an die 
Stelle desselben setzt (5, 22: avaotQstpavTsg xai ajtTjyysuav). 
Dagegen ist 1, 39 ein über xai übergeschriebenes yag, wie 20, 9 
ein übergeschriebenes og neben demselben von D in den Text 
aufgenommen. 

Wenn D 20, 7 hinter tt] fiia vor Tcor aaßßarwv ein jcQwrt] 
einschaltet, so war dies offenbar dem fiia übergeschrieben, um 
es zu erklären, und ebenso wird 14, 10 das lukanische Jtaga- 
XQW^ ursprünglich zum Ersatz für svd^swq bestimmt gewesen 
und nun daneben in den Text gekommen sein. ^) Das unmögliche 

1) Wenn Blass das evBemq naQaxQfifia ^ das irgendwo auch im 
Attischen yorkommt, in den Text von ß aufnimmt, weil es bereits die 
Philox. am Bande hat, so folgt aus dieser Thatsache doch nur, entweder 
dass der Glossator schon einen von D abhängigen Text hat, oder dass 



I. Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D. 13 

[lexa xf}v TQiri]v ruiBQav 10, 40 entstand wohl dadurch, dass 
dem Bv Tf] TQiTf] tjfisQa das in der Äuferstehungsweissagung 
damit wechselnde (ista rgecg f]fi€Qag übergeschrieben war und 
der Abschreiber beide Formen vereinigen wollte. Es kann auch 
bloss das (leza übergeschrieben gewesen sein, um die andere 
Formel anzudeuten, und so wäre der Fehler des gedankenlosen 
Abschreibers noch entschuldbarer. Ahnlich scheint mir das aJie- 
CxBQrjOd-ai 16, 19 als Aequivalent des e§rjXd^6v rj eXjtig überge- 
schrieben zu sein, natürlich um der Konstruktion entsprechend 
daf&r in den Text eingefügt zu werden, dann aber mechanisch 
in den Text aufgenommen. Wenn man einfach dafür ojcboxbqtjV' 
Tai einsetzt (vgl. Blass), so fehlt doch jede Erklärung dafür, wie 
dasselbe in den sinnlosen Infinitiv verwandelt werden konnte. 
Auch das r/y öidaxT] 17, 4 kann ursprünglich nur Erläuterung 
des TCO jtavXo) xai tco CiXa gewesen sein, das ihm dann natür- 
lich als Genitiv angefügt werden sollte, und nun ganz mechanisch 
daneben aufgenommen ist.^) Es findet sich sogar 13^29 hinter Ta 
jtBQi avTov yBygafiiiBva und 21, 21 hinter xovg xaxa (wo das 
Ta nach xara aus Versehen ausgefallen) bO-vi] ein Biciv einge- 
schoben, das ursprünglich nur übergeschrieben gewesen sein 
kann, um anzudeuten, dass der Ausdruck in einen relativischen 
verwandelt werden solle, wie wir ähnliche nicht durchgeführte 
Versuche not c durch Einbringung des Relativs gemacht fanden 
(^vgL 3, 11. 4, 12. 25. 11, 1).2) 

solche Einbringungen ursprünghch übergeschriebener Glossen sich schon 
in dem unserem Cod. D vorliegenden Texte fanden. 

1) Blass will beides dem ursprünglichen Texte von ß retten, indem er tri 
ÖiSaxri ohne alle Zeugen hinter snBia^aav setzt. Auch das nolloi könnte 
ursprünglich als Ersatz des nXij$^oq noXv gemeint gewesen sein; aber näher 
liegt, dass der Abschreiber einen Nominativ vermisste, von dem ro/v aeßo- 
fievmv abhing, weil er übersah, dass derselbe hinter ellrivcov folgte, wie 
wir ähnliche Irrtümer in not. c zahlreich gefunden haben. Da ihm jeden- 
falls das fehlerhafte zwv asßofiBViov xai rcov ekX, (A) schon vorlag, so 
konnte er ja das nXrjd^og noXv nachher ausschliesslich mit xcdv eXX, ver- 
binden. Das TS war wohl schon vorher in seinem Text aus Nachlässig- 
keit vor aeßofievcDv verloren gegangen (vgl. Gig.). 

2) Dadurch ist nicht ausgeschlossen, dass dies sioiv ursprünglich als 
Äquivalent des sunt in der lateinischen Übersetzung übergeschrieben war, 
und wir hätten dann hier einmal einen handgreiflichen Beweis, wie die- 
selbe auf den griechischen Text von D eingewirkt hat. Es liegt meinem 
Zwecke fem, auf diese von J. Rendel Harris (Texts and studies Vol. 11, 1. 



14 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Anders sind wieder die Fälle, wo D eine Erlaaterung, wie 
das mit Bezug auf das folgende ivati aöixeire übergeschriebene 
Biösv avTOvg aöixowrag 7,26, das ursprünglich die Worte a}g>ß-t] 
avtoig fiaxo/isvoig ersetzen sollte, durch xai damit yerbunden 
hat Ebenso war das o (leXXers Xa/ißavsiv 1, 5 ursprünglich nur 
eine Erläuterung des Ausdrucks ev jtvevpLaxt ßcutnadticsod'S, die 
der Abschreiber in den Text aufnahm und mit Tcai an das Ur- 
sprüngliche anschloss.^) Auch das rrj sxxX7iCta2,41, das noch 
Hilgenfeld (Zeitschr. fttr wiss. TheoL 38, 1. S. 107) für ursprünglich 
hält, obwohl es selbst Blass verwirft, war sicher lediglich Er- 
läuterung des auffallenden sjtc xo avxo und ist in D recht unge- 
schickt mit ev an dasselbe angehängt. Das oq 1, 17 war vielleicht 
als Ersatz für das ori übergeschrieben (vgl. Oig.: qui) und ist 
nun ganz verkehrt statt des xcll eingesetzt. Höchst seltsam muss 
das ev isQovoaXi]fi, das 2, 43 noch fehlte, und das nach kAC£ 
über eyiPSTO übergeschrieben war, um hinter demselben einge- 
schaltet zu werden, in D so au^efasst sein, als gehöre es zu r€ov 
iXJtooroXcov, und ist nun dem falschen twp ajtoaxoXiov in v. 42 
angeschlossen. Ein ähnlicher MissgrifiP scheint 20, 34 zu Qrunde 
zu liegen; denn das Jtaciv muss ursprünglich über ^(zi^ra über- 
geschrieben gewesen sein, um es mit vfiiv zu verbinden (vgl. 
August.)^ wurde aber vom Abschreiber, der nicht merkte, dass es 
dazu im Genus nicht passe, zu xaig XQ^^'^^ /^^^ gezogen (wes- 
halb es Blass ohne Zeugen in jtaoaig verwandelt), womit es noch 
Qig. verbindet. Erst später, als er an das jtapxa kam und merkte, 
dass es dafür eingesetzt werden sollte, hat er es, ohne das erste 
zu streichen, nochmals vor vjteöec^a geschrieben. Noch seltsamer 

Cambridge 1893) aufs neue, und jeden^Edls in sehr übertreibender Weise, 
angeregte Frage näher einzugehen. Wo sieh seine Annahmen bewähren, 
sind sie nur ein Beweis daflLr, durch wie mannigfache Einflüsse der Text 
von D bereits entstellt ist, und wie vorsichtig man darum sein muss, wenn 
man die ursprüngliche Grundlage desselben rekonstruieren will. 

1) Blass nimmt an, dass hier das xai in D umgestellt sei, wofür ich 
keine Analogie gefunden habe, da das naheliegende xai fura statt ßera 
xai 15, 35 doch ganz anders ist (zu 19. 38 vgl. II, 2). Das o xai set&t 
vielmehr ein fieXXets ßami^eiv davor voraus, welchen Text Blass nach einer 
Angabe bei August, für den ursprünglichen hält. Diese Lesart ist aber 
völlig unmöglich, da 11, 16 der Ausspruch des Täufers genau, wie ihn hier 
a hat, wiederkehrt, und keinesfalls ihr Taufen mit heiligem Geiste dem 
eigenen Geistesempfang vorhergehen konnte. Sie kann nur auf einem Miss- 
verständnis der Lateiner beruhen. 



I. Die Inkorrektheiten der Abschreiber in D. 15 

ist das Tcov xavxoav am Schlüsse von 20, 32. Ich weiss es nur 
80 zu erklaren, dass in der Vorlage von D bv avrocg xotq rjyiao- 
(isvoig stand, eine sehr naheliegende Emendation fftr ev roiq 
ijYiaofi, xaCtv, und nun, in ungenauer Reminiscenz an die ur- 
sprüngliche Lesart, tcov Jtavxmv übergeschrieben war, das natür- 
lich mit dem geänderten riyiaa/ievcov an xXrjQOPOiiiav angeschlossen 
werden sollte, das aber der Abschreiber gedankenlos hinter riytaa- 
fiivoig anfügte. 

Nun finden sich derartige Glossen auch in den eigenartigen 
Zusätzen von D. Oanz klar scheint mir, dass 14, 2 das 01 ag- 
XOPveg Tfiq öwaycoyrjg als Erläuterung über aQXiOvvaycoyoi über- 
gesehrieben war und nun Ton dem gedankenlosen Abschreiber 
mit einem xai (wie 1, 5. 7, 26) an das rmv tovdaiwv angeschlossen 
wurde. Bemerkenswert ist, dass schon der Glossator der Philox. 
diesen Text vor sich hatte und nur, um die ärgste Tautologie 
zu beseitigen, das rr^q cwaycoytiq strich. Diese von Blass auf- 
genommene Lesart ist aber sicher nicht ursprünglich, da, wenn 
hier wirklich zwei Subjekte unterschieden wären, durchaus, wie 
T. 5, ein avrwv hinter aQxovxeq stehen müsste. Ebenso muss 18, 20 
flftSQav über tfjv boqx7]V übergeschrieben worden sein, natürlich 
um anzudeuten, dass, wie 20, 16 (aus welcher Stelle ja, wie wir 
sehen werden, der ganze Zusatz stammt), xriv TjfieQav xrjg eoQxtjg 
gelesen werden solle. Der gedankenlose Abschreiber hat es aber 
neben soqxtjp aufgenommen, worüber noch der ganz unentbehr- 
liche Artikel vor egxofievrjv verloren gegangen ist. 

Damit kommen wir zu den Stellen, in welchen der eigen- 
tümliche Text von D durch Einmischung von Glossen aus dem 
ältesten Majuskeltext verderbt ist. Es sind auffallend wenige, 
wo dies mit einiger Sicherheit nachweisbar ist; und angesichts 
dieser Thatsache wird man doch etwas vorsichtiger als Blass mit 
der Annahme solcher Textmischungen sein müssen. Ganz klar 
liegt eine solche 3, 11 vor, wo das exd-aiißoi am Schlüsse ein- 
geschaltet ist, obwohl dasselbe in dem Text von D ja schon durch 
das oc d-außrjQ-Bvxeg seinen Ersatz gefunden hat. Ebenso war 
das xQivavxoq exeivov 3, 13 in der Vorlage von D durch xov 
cutoXvELV avxov d-aXovxoq erläutert, zumal ja das xgivavxog 
schon in dem Zusatz zu xaQeömxaxs {eig xqiöip) seine Verwen- 
dung gefunden hatte. Hier war das ursprüngliche xgivavxog 
exeivov übergeschrieben und ist von dem Abschreiber ganz ge- 

l 



16 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

dankenlos zwischen rov und ajcoXvuv eingeschaltet. Ohne Frage 
lautete 16, 4 der Text von D bxtjqvOöov (ista xaörjg jtaQQTjOiag 
TOP xvQiov iTjaow XQ^^^'^ov, woran erst das jcagaöidovreg mit 
afia angefügt war. Über exi]Qvöoop war aber aus dem gewöhn- 
lichen Text jtaQBÖiöocav avroig übergeschrieben, das nun von 
dem Abschreiber ganz gedankenlos mit seinem xai (vgl zu 14, 2) 
an 8X7]QvOöov angefügt ist. In dem Text von D scheint 17, 1 
das rrjp ajtoXXa>VLav ausgefallen zu sein, indem das Auge des 
Abschreibers von dem xai davor zu dem xarr^Xd-ov oder xai 
xaTTjX^ov (vgl. not. a), das, wie jedenfalls das Comp., vielleicht 
schon früher eingebracht war, hinüberirrte. Das übergeschrie- 
bene xai ajtoXXcoviav ist nun fölschlich hinter xarrjXd'OV als 
etg ajtoXX. nachgebracht und durch xaxEcd-ev die Verbindung mit 
dem Folgenden hergestellt. Dieser ganze Hergang scheint sich 
aber schon in der Vorgeschichte des Textes von D abgespielt zu 
haben, da der gedankenlose Schreiber von D schwerlich das Be- 
dürfnis gefühlt hätte, eine solche Verbindung herzustellen« In 
dem Text von D war auch 18, 8 das sjaöxsvov xac vor eßajcxt- 
^OVTO durch das Partie. Jtiözsvovrsg xxX, hinter demselben er- 
setzt. Nun war aber aus dem gangbaren Texte enicxevov xat 
übergeschrieben und ist von dem Abschreiber hinter cücovovxeg 
aufgenommen, ohne dass er die empfindliche Tautologie merkte, 
die dadurch entstand.^) 

Aus allen diesen Beobachtungen erhellt, wie gedankenlos und 
nachlässig unser Cod. D geschrieben ist. Dann wird aber von 
den wichtigeren Eigentümlichkeiten, in denen derselbe von dem 
Text der ältesten Majuskeln abweicht, das Allerwenigste auf Rech- 
nung seines Schreibers zu setzen sein, keinesfalls ii^end eine 
überlegtere Emendation. In dieser Beziehung hat mich die ein- 



1) Sehr schwierig ist die analoge Stelle 2, 41, wo nach August, und 
dem Syrer vor eßaTtzia^oav ein niaxsvaavxeq gestanden zu haben scheint. 
War dieses in dem Text von D übergeschrieben, so begreift man, wie der 
Abschreiber es an die Stelle von anoöe^afievoi setzen konnte, so schlecht es 
zu dem folgenden rov Xoyov avtov passt. Aber es wäre dies die einsdge 
Stelle, wo eine nur durch Versionen bezeugte Lesart in den gewöhnlichen 
Text bei D eingemischt ist. Vielleicht hat daher schon in der Grundlage 
von D das blosse niotevaavzeg sßantia&Tjaav gestanden und ist nur aus dem 
gewöhnlichen Text das top koyov avtov eingebracht Dann läge bei 
Aug. und dem Syrer ein Text zu Grunde, der vollständiger jenen kürzeren 
Text mit dem der älteren Majuskeln verbunden hat. 



II. Dia gewölmlich«! TextverderbDiase in D. (7 

gehend^e Beschäftigung mit dem Cod. D gelehrt, dass meine 
Anncht über den Charakter seines Textes, die ich in den Texten 
and Untersuchungen IX, 3, S. 2 aussprach, unhaltbar ist. Es 
stammen idkrdings jene Abweichungen der fiberwiegenden Mehr- 
zahl nach aus einem älter^i Texte, wie ja schon viele der bisher 
erörterten Fehler in D auf einen solchen zurfickfhhrten. Aber 
fiber die Hauptfrage, welcher Art dieser altere Text ist, und ob 
er im Verhältnis zu dem Text der ältesten Majuskeln einen ur- 
sprfinglicheren Charakter trfigt, ist damit noch nichts ausgesagt. 



IL 

Die gewShiillelien Textverderbnisse in D. 

Bei der grossen Mehrzahl der Abweichungen des Cod. D 
von dem Texte der ältesten Majuskeln handelt es sich lediglich 
um eine formelle Umgestaltung des Textes, der, von welcher 
Seite dieselbe auch herrühre, rerbessert, erläutert, verschönert, 
naehdrueksvoller gemacht werden soll, oder auch um ganz will- 
kürliche Änderungen des Ausdrucks, für die sich gar kein Motiv 
angeben läset, nicht selten um Schreibfehler und Nachlässig- 
keiten, wie wir sie im vorigen Abschnitt bereits besprachen. So 
viele derartige Varianten auch D ganz allein zeigt, so häufig 
trifft er doch auch in ihnen selbst oder in ganz gleichartigen 
mit anderen, auch den nachweislich älteren Codices zusammen. 
Von diesen Varianten aus könnte man nie auf eine dem Cod. D 
zu Grunde liegende eigentümliche Textgestalt kommen. Nimmt 
man aber aus anderen Gründen eine solche an, so fehlt es an 
jeder Handhabe, zu ermitteln, welche dieser Varianten ihr ur- 
sprüngUch angehört haben, und welche später in sie, wie in 
iJle Texte, eingekommen sind. Die Zuversicht, mit welcher Blass 
vielfach in ihnen auf die Erhaltung eines alten Textes baut, 
während er dann ebenso oft wieder ganz gleichartige Varianten 
selbst verwirft, scheint mir jedes sicheren Grundes zu entbehren. 
Selbst wo die Version^i, die in den ihm wirklich charakteristi- 
schen Umgestaltungen ihre Verwandtschaft mit Cod. D zeigen, 

Texte n. Untenachangen N. F. n, l. 2 



lg Weiss, Der. Codex D in der Apostelgeschichte. 

solche Varianten ebenfalls haben, hat dies gar keinen selbsi^- 
ständigen Wert, da ja dieselben oder ganz gleichartige sich auch 
in Codices finden, die keinerlei spezifische Verwandtschaft mit 
ihm haben. Vollends wo D der einzige Zeuge flir solche Vari- 
anten ist, entzieht sich die Frage, wie weit dieselben auf eine 
ältere Textgestalt zurückgehen^ wie das Verfahren von Blas» 
selbst zeigt, jeder sicheren Beurteilung, da ja nicht Torauszu- 
setzen ist, dass dieselbe Yon den mancherlei Abwandlungen, die 
alle unsere Codices zeigen, freigeblieben ist, ehe sie an den 
Schreiber von D kam, und viele auch derart sind, dass sie sehr 
wohl von diesem Schreiber selbst herrühren können. Es wird sich 
also immer nur darum handeln, wie weit diese Varianten dem 
Texte der ältesten Majuskeln gegenüber irgend einen Anspruch 
auf Ursprünglichkeit haben. Obwohl auch diese Frage über die 
charakteristische Eigentümlichkeit von Cod. D noch nicht ent- 
scheidet, werden wir doch dieselbe an den Hauptkategorien jener 
Varianten prüfen müssen. 



1* WortvertauschnngeD. 

a. Die meisten Vertauschungen von Namen oder Namens- 
formen in D sind ohne Frage reine Nachlässigkeiten, die eben- 
sogut dem Schreiber von D als irgend einem früheren zur Last 
fallen können. So ßagvaßag 1, 23 (das auch Oig. hat) und 
ßaQaßßag 15, 22 für ßagöaßag, strcvxog für zvxixog 20, 4, auch 
das ctJtoXjicovida für --lav 17, 1^ wo nur die beiden so ähnlichen 
Endbuchstaben AN nni AA vertauscht sind. Höchstens für €XJtoX- 
Xcoviog 18, 24 könnte man anführen, dass die von der in den 
paulinischen Briefen herrschenden Namensform abweichende das 
Präjudiz der Ursprünglichkeit für sich hat, da die Konformation 
nach jener den Abschreibern nahelag. Dagegen ist daran nicht 
zu denken, dass irgend ein ursprünglicher Text den Saolus 22, 7 
mit der griechischen {öavXe), 22, 13 mit der hebräischen Namens- 
form (caovZ) anreden liess- Es ist eine der gewöhnlichsten Er- 
scheinungen in den Codices, dass der Abschreiber zum ersten 
Male den Ausdruck, der ihn befremdet, ändert, während er bei 
der Wiederkehr desselben sich überzeugt, dass derselbe kein 
Fehler war, und ihn aufnimmt Das exaTOPTaQxr)p22j2ö (Blass: ß) 
wird nach v. 26 in die dort schon in MAC eingekommene in 



IL Die gewöhnlichen TextverderbniBse in D. j[9 

den Actis gewöhnliche Form (exaropxaQX'IQ) konformiert sein^ 
während ursprünglich in beiden Stellen das in ihr ungewöhnliche, 
aber leicht erklärliche axaropxaQXOP {og) stand (vgL Texte and 
Unters, a. a. 0. S. 8). Die in den Codices so häufige Vertauschung 
des xvgiog mit ^eoq hat Blass 16, 15. 21, 14, wo sie D im 
WesenÜichen allein hat, nicht aufgenommen, und ebensowenig 
8, 24, wo sie die Phüox. im Text, die Pesch., mehrere Lateiner 
und Min. mit ihm teilen, oder 10, 33, wo sie sich ausser Ver-> 
sionen und Min. auch in HLP findet Dann hätte er aber auch 
nicht 15, 17 das top &eop statt r. xvqiov nach D allein fbr 
ursprOnglich halten sollen. Ebensowenig hat Blass die umge- 
kehrte Vertauschung in 16, 10. 21; 20 aufgenommen, wo sie HP, 
HLP Vers. u. Min. teilen, nicht einmal 16, 32, wo sie schon in 
ACE sich findet. Dagegen schreibt er jetzt in seinem i9-Text 
2. 17 XtfEt o xvQiog, während DE und Lateiner das ATliche 
hyu xvQiog (ohne Artikel) statt o d-sog haben, und 6, 7 nach 
DE Vers., wie 13, 5 nach D Vers., r. Xoy. rov xvqiov, das in 
den Actis so oft mit r. Zoy. rov d-eov wechselt (vgl Texte u. 
Unters, a. a. 0. S. 5). Ist einmal konstatiert, dass in dem D zu 
Gronde liegenden Text beide Arten Yon Vertauschungen mehr- 
fach vorkommen, so fehlt jeder Grund, in einzelnen Fällen hier 
oisprüngliche Lesarten erhalten zu finden. 

Dass Vertauschungen, wie sB-vi] für sd-i] 16,21. 21, 21, Jtgoih 
tvxrjp för svxv^ 18, 18, isgevg für agx^sQevg 5, 27, reine Nach- 
lässigkeiten sind, liegt am Tage, obwohl den letzten Fehler auch 
Gig. Lucif. vor sich hatten. Von anderen Vertauschungen der 
Subsi verwirft Blass nur das xeg>ajii] 16, 12, obwohl es auch die 
Pesch. hat, da es offenbar Erläuterung des schwierigen jtQcorri 
ist, die freilich ganz unbegreiflich wird, wenn hier, wie er meint, 
in der Grundlage des Cod. D jtQcorijg stand, und das top Xoyop 
IS, 25 statt des schwierigeren xriv odop. Interessant ist, dass 
gleich darauf, wo dem Abschreiber das rfjp oöop v. 26 wieder- 
begegnet, er es beibehält (vgl. das oben zu 22, 7. 13 Bemerkte). 
Genau derselbe Fall findet aber 18, 7 statt, wo D, aus welchem 
Grunde immer, top oixop schreibt (Blass: ß\ während er gleich 
darauf das auf dasselbe zurückweisende ov rj oixia beibehält. 
Eine Emendation gewohnlichster Art ist das x^Q^ov 4, 37 (vgl. 
V. 34. 5, 3. 8. 1, 18. 19) statt des nur hier stehenden ayQov, wie 
das überall in den Evangelien herrschende /iprjfieiop 2, 29 für das 

2* 



20 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Grab Christi (vgl. auch 13, 29} statt des fivijfuz, das doch durch 
Ey. 23, 53. 24, 1 (vgl auch Act 7, 16) als lakanisch bezeugt ist. 
Auch 2, 24 ist das ioiivsq rov uöov nach v. 27. 31 (vgl Ps. 18,6) 
konformiert, und 22, 23 Big rov ovQavov für das angewohnliche 
eiQ rov asga gesetzt. Dass man an dem ep xoiq lovöaioig 21, 20 
Anstoss nahm, weil man das bp lokal &sste, zeigt die Weglassung 
der Worte in ä, wie ihre Verwandlung in mvöoiwv (HLP). D 
schreibt daftir mit orientalischen Vers, und Lateinern bp xt} lov- 
data. Dass er das aoiapot 20, 4 nach 21, 29 durch eq>e<Uoi näher 
bestimmt, zeigt noch deutlich die Randlesart der PhilozeniaDa 
(ex Asia Ephesii). Dass das rov Zaov statt rov ox^-ov 21, 35 
eine wohlüberlegte Emendation ist, erhellt aus t. 36, wo ntm 
das von dort antizipierte rov laov hinter ro xXrjd-o^ fortgelassen 
ist. Ebenso ist das rjövxuzg 21, 40 (vgl das tjavxaC^v 11, 18. 
21,14) statt des oiyfjg aus dem ütaQBCXpp fjovxuxp 22,2 antizipiert, 
das nun in f^övx^ioap verwandelt wird. Trotzdem hat Blass alle 
diese offenbar sekund&ren Lesarten in d^i Text von ß auf- 
genommeo. 

Dass rijp ^n^x^^ avr<op 15, 26 (Blass: ß) eine beliebte Än- 
derung fttr rag ^x^^ ^^ zeigt HP 7, 39 {rtj Tcagdia); und dass 
ebenso 19, 6 X^^Q^ ^^^ X^^Q^^ geschrieben, wie 9, 12 in HLP, 
erkennt Blass selbst an, indem er es trotz starker Bezeugung 
in den Versionen nicht aufnimmt. Dann ab^ wird auch das von 
ihm aufgenommene Big ^vZaxtjp statt ^Xaxag 22, 4 (am. Min.) 
nicht ursprünglich sein. Vgl. noch das auch von ihm verworfrae 
BP BOd-fjfti jLbvx?] 1, 10 in DE und vielen Min. Vers, statt des 
Plur,, wie das jtap Bd-pog ap^Qmxov {statt -cor) 17, 26, apB-QOj^ 
ütog (DHLP statt -x(ap) 19,35, g^r^/t*« 18,15 (D HLP statt -iiara) 
und umgekehrt das gedankenlose Jtaaag oaQxag 2, 17 und das 
willkürliche oi tBQBig 14, 13. 

Es scheint mir ganz inkonsequent, wenn Blass 11, 7 den 
Acc. nach axovBiv (statt des Gen.) aufnimmt, dagegen 15, 12 nicht, 
obwohl diese Änderung hier gerade im Zusammenhange mit einer 
jener umfassenden Abweichungen von D steht, die auf den Ge- 
danken eines älteren Textes in ihm gebracht haben. An sich 
hat die Herstellung der gewöhnlichen Konstruktion in beiden 
Stellen das Präjudiz flir sich, Nachbesserung zu sein. Sicher 
ist doch das xaraasicag rtj X^^Q^ 1^7 ^^ (statt rt^v X^^Q^) ^^™ 
gewöhnlichen Ausdruck konformiert (vgl. 12, 17. 13, 16. 21, 40), 



II. Die gewöluüichen Textverderbniaee in B. 21 

und das xriv ßaCiXeiav xov togariX 1» 6 (statt reo icq) eine ganz 
▼enmglfickte Erleichterung, obwohl Blass beide f&r ursprünglich 
halt Das tT^Qa^ep ^a>pf}v fieyakriv 7, 60 ist wohl aus einem 
altai Schreibfehler (ygL C: ipov^v fi^aXi]) entstanden, der- 
gleichen gttnde in den Kasusformen so häufig Torkommen. Vgl 
r^v statt rff 13, 14. 14, 20, x<^Q^^^ ^^^ '^<^ ^9 37, bti] statt 
sxmp 7, 30, xXavöioq statt -wv 18, 2, Bxaaroq statt -oy 3, 26 
oder die mechanischen Konformationen Xoyov cwpia^ 13» 15, 
xivoq opofuzTog 18, 7 und das xareQBiUv 7, 44, 

b. Offenbar ist das xsfixxcum 20,6 Erläuterung des schwieri- 
gen axQi tHieQcop xbvxb, das vjrrcn ßoQBi 20, 9 Ersatz für ßad'Bt 
in Erinnerung an Luk. 9, 32, wie das xoQa (uyuXri 8, 8 (DE HP) 
der gewöhnlichere Ausdruck (15, 3. Luk. 2, 10. 24, 52) fftr xoXXri 
XttQ(L Während Blass 22, 5 die Vertauschung des xav mit oXov 
nach Analogie Yon H L P 22, 30 nicht au&immt, schreibt er 2, 2 
nach D xapra statt oXop, Es sind aber beides gleich willkür- 
liche Variationen des Ausdrucks, wie 14,21 jro/lAo« statt ixapoiy 
21, 1 Bxiovcri statt e^q oder 16, 25 {iBCop xriq pvxrog statt fie- 
oopvxriop. Dergleichen sind für keine bestimmte Textform, wie 
nach Blass für ß, charakteristisch und setzen keine besondere 
Quelle TorauB. Einfache Schreibfehler sind das rijg rQiTfjg statt 
maQZT^ 10, 30 und xoprjQtop statt -qkdp 3, 26, wie das fol- 
gende vfiwp zeigt. 

Die Verwandlung des nur dichterischen rov in rovzov 17, 28 
oder des deiktischen cu X^^Q^^ avxai 20, 34 in iiov und xcxvxriq 
xfiq (DQog 10,30 in r9/g oQri hat auch Blass nicht aufzunehmen 
gewagt Aber auch das a^weimalige aurwv 2, 17 (statt vficDp) 
entstand doch dadurch, dass keine bestimmten Personen ange- 
redet sind, wie daraus erhellt, dass die beiden folgenden vficop, 
die nicht wohl durch ein auf jtaca CaQ^ bezügliches cvrcop er- 
setzt werden konnten, einfach w^gelassen sind. Dass man sich 
an dem avzoi 13, 4 stiess, zeigt das ovroi in EHLP, während 
dasselbe in D in 01 fisp ovp €xx€fiq>d'SPTBg emendiert ist; das 
flfiBTBQdP 19, 35 erklart sich einfach daraus, dass man es un- 
passead fand, wenn Demetrius zu den Ephesern von der Stadt 
der I^heser spricht Sehr häufig ist überall die Verwandlung 
des Nomen ins Pronomen, wo dasselbe Wort kurz vorherging 
(Tgl. 7,52 sxBiPOistait ot xaxBQBq vficop, 21,40 JtQoq avxovg statt 
x<o Xaca, in dem das xQog xov Xaov aus v. 39 noch nachklingt) 



22 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

noch häufiger umgekehrt des Pronomen ins Nomen, wo die Be- 
ziehung jenes nicht ausreichend klar oder das Nomen selbst nach- 
drücklicher schien. So 13, 19 r(OP aXXog)vla}v statt avTCov, 16,19 
triq jtaiöiöxfjg statt avzTjg, 18, 27 rov avÖQa statt avrov, 21, 40 
rov x^X^cLQXov statt avrov. Wenn nun Blass in ganz gleichem 
Fall 21, 35 das top navXov statt avrov nicht aufzunehmen wagt, 
so gesteht er damit doch selbst, dass solche Änderungen Zeichen 
eines sekundären Textes sind. Es wird das aber augenfällig da- 
durch bestätigt, dass infolge davon nun das selbstverständliche 
Subjekt o JtavXog 21, 37 fortgelassen wird, während Blass in- 
konsequenter Weise diese zweite Hälfte derselben Korrektur auf- 
nimmt (Bem., wie dasselbe in orientalischen Vers, an ver- 
schiedenen Stellen restituiert wird.). Die ebenfalls sehr häufige 
Tertauschung von 7]ii6ig und vfisig ist, wo, nicht ganz mechanische 
Eonformation vorliegt, wie 15,25.28, oft so gedankenlos, dass 
man sie nur als Schreibfehler betrachten kann (vgl. 2, 14. 3, 13. 
22. 4, 11), ubd dennoch oft schon ein sehr alter Fehler (vgl. 
AD 3, 22. 10, 39. 13, 26). Aber auch 2, 22. 39. 7, 45, wo doch 
immerhin eine doppelte Lesart möglich war, hat Blass sie nicht 
in seinen Text aufgenommen und also auf die Ursprfinglichkeit 
des Textes von D verzichtet. 

Während Blass 20, 35 die Yertauschung des avrog mit ov- 
rog selbst verwirft, hat er sie 17, 25 aufgenommen, obwohl das 
ort ovrog o öovgy auch wenn dies nur Verschreibung flir dcrfovc, 
doch eine recht lahme Erläuterung des schonen avrog öiöovg ist 
Ebenso ist doch umgekehrt das avrovg 10, 47 nur Ersatz des 
deiktischen rovrovg, wie 10, 30. 20,34 (s. o.), und das o ß-eog ot)v 
ajto rov cnBQfiarog avrov 13, 23 nur die Folge der Aufhebung 
einer gesperrten Wortstellung (rovrov o &eog ajto rov oxbq- 
liarog). Das ütoiog statt rig 7, 49 ist eine, ohnehin durch die 
LXX begünstigte Eonformation nach dem Parallelgliede. Die 
relativische Anknüpfung in 10, 38 soll das in seiner Beziehung 
nicht ganz klare cog — avrov ersetzen und so zwei parallele 
Relativsätze herstellen, wie K umgekehrt zwei parallele Sätze 
mit 09$ herstellt Das og statt ovrog 18, 25 fasst die Schilderung 
des Apollos enger zusammen und trennt sie schärfer von dem^ 
was von ihm erzählt werden soll. Häufiger ist die Auflosung 
der in den Act. allerdings oft recht schwerfalligen relativischen 
Verbindungen (vgl. 3,3. 5, 16. 12,4. 16,24). Dass diese stilistischen 



IL Die gewöhnlichen Textvei^derbnisse in D. 23 

Besserungen einen sekundären Charakter tragen, gesteht Blass 
im Grande selbst zu, wenn er die völlig gleichartige 22, 4, obwohl 
«ie in orientalischen Versionen stark bezeugt ist, als spätere 
Änderung in D verwirft. 

Dass einfache Auflosungen der Attraktion^ wie 2, 22. 3, 25 
(vgL HP 7, 16), oder Verwandlungen des Plural in den Sing., 
wie 3, 18. 7, 1 (vgl. HP 25, 20), spätere Änderungen sind, hat 
Blass selbst anerkannt. Umgekehrt schreibt D 18, 2 XQüCtikd-ev 
avTa> statt avroig, weil es Paulus doch nur mit Aquila zu thun 
za haben schien, obwohl er sich schon v. 3 zu dem Plural be- 
quemt. Auffallender Weise verkennt Blass die in dem ev oig 

15, 36 so klar vorliegende Emendation. Das nur auf den in 
xara TtoXiv xaoav liegenden Pluralbegriff bezügliche bv aig er- 
schien anstossig und wurde durch das scheinbar leichtere an 
Tovg aSsXgxwg anknüpfende sv oig ersetzt, obwohl dies doch gar 
nicht passt, da er nicht unter diesen Brüdern gepredigt, sondern 
sie erst, indem er in ihren Städten predigte, zu Brüdern gemacht 
hatte. Vt^enn Blass 7, 49 die, wahrscheinlich ohnehin von den 
LXX abhängige, Verwandlung des fioi in fdov (vgl HLP 19, 25) 
preisgiebt, so hätte er nicht das sicher durch die LXX bedingte 
cvTOvg statt ccvzo 7, 6 aufnehmen sollen. Die meisten Ver- 
tauschungen von Pronominalformen beruhen auf gedankenlosen 
Verschreibungen (vgl. 3, 22: cog sfiov, 8, 22: Oov, 10, 24: avrco 

16, 21: Tjfiag, 20, 23: fioi) oder Konformationen (21, 33: rig) und 
fallen darum wohl meist dem Schreiber von D zur Last, wie 
auch das avrrj statt savTr/ 7, 21, wo sie sich nicht auch in an- 
deren (DE 5, 32: ov) und selbst älteren Codices finden, wie das 
fifiiv 6, 2 (CD). Eine gedankenlose Verschreibung ist auch das 
ixvzov nach rtop liad^mv 14, 20, die schon E durch die Auf- 
nahme des richtigen avxov davor verbesserte, und das ganz 
ähnliche avrov statt avrovg 17, 16, das schon K hat. Aber ganz 
verkehrt ist auch das avrcop statt avroig 1, 26 in DE trotz 
vieler lateinischen, wie orientalischen Versionen und Min., wie 
das Ti av d-sXoi 17,20 (DE HL, vgLP) einfache Konformation nach 
V. 18, obwohl Blass beide Lesarten aufnimmt. Lässt er doch sogar 
das Tiva fis 13, 25 (C DE HLP) statt xi sfie in a ursprünglich 
«ein, obwohl dieses den Emendatoren ebenso auffallig war, wie 
ihm selbst. 

c. Am stärksten macht der Text von D den Eindruck einer 



24 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

regellosen Willkür^ wenn man die Vertauflchung von Verbis über- 
blickt, da 140—50 mal in ihm ein anderes Verbam sich findet^ 
als im gewöhnlichen Texte. Dabei sind noch nicht mitgezählt 
10~*20 Stellen, in denen es sich mehr oder minder sicher im 
Text Ton D um Schreibfehler, Nachlässigkeiten oder offenbare 
Missverständnisse handelt, die natürlich auch Blass nicht auf- 
nimmt Vgl. das eXvösp nnd ajtsXvaep 16, 33. 18, 16, das öia- 
(lagxvQovfispo^ 18,5. 20,21, das eöagavro 13, 48, das aiöiDP 2,30 
und Ähnliches. Aber Blass selbst erkennt manche dieser Ver- 
tauschungen ab sekundäre Lesarten an, so das dem vorhergehen- 
den xefitpag konformierte nsraxBii^aro 20, 17 statt fietexalsoarOy 
oder das mit xQoQoprsg verbundene xai g>a}P0VPTBq 14, 15 statt 
des einfachen kayopreg, wunderlicher Weise nur nicht das doch 
noch näher liegende exrjyyeiXato nach exayysXuxg (statt cofiO" 
loyrjösp) 7, 17. Aber wenn er mit ßecht das axoxrapBTjPcu 
12, 19 statt cLxaxd'rjPai verwirft, so wird doch apcuQBiöd-ai 21, 36 
ebenso Verdeutlichung für aige sein. Wenn er das xoQtvov, das 
21, 24 statt des sonst den Act fremden Ctoix^iq steht, nicht auf- 
kömmt und ebensowenig 20, 15 das eQxOfXBPTj statt sxoßepri, so hätte 
er auch das eytuyvöfj 21, 26, das D schon 21, 1 (vgl. not b.) als das 
dem Lukas geläufigere eingebracht hat, statt des sxofiBPi], das D 
nirgends hat^ nicht aufnehmen sollen, oder das gewöhnlichere 
BiorjXd-sp statt acaijec 21, 26. Auch der Ersatz des ajt€g)&-ey§azo 
2, 14 durch eatev lag doch gerade nach dem bedeutsamen Ge- 
brauch jenes Wortes in 2, 4 sehr nahe, das ejtejteaep statt i]X&$p 
19, 6 wird Eonformation nach 10, 44. 11, 15 sein, und das pv^ag 
TTjv jtXavQaP 12, 7 sieht doch sehr nach einer Reminiscenz an 
Joh. 19, 34 aus. 

Aber es bleibt immer eine Mehrzahl von Fällen übrig, wo 
der Wechsel des Ausdrucks jeder Erklärung spottet Kann man 
5, 8. 10, 46 noch sagen, dass das ax&cQid-rj durch bijibp ersetzt 
wurde, weil keine Frage vorhergeht, so hatte jenes 21, 13 doch 
keinerlei Schwierigkeit, wo es sich um die Antwort auf eine 
Bitte handelt Während 16, 30. 22, 27 einep statt Btprj steht, 
steht 19, 25 £^^ statt autap. Warum 4, 25. 21, 37 atxap n^t 
XaXaiP vertauscht wird, sieht man so wenig ein, wie weshalb 
16, 17 xaxayyaXXovCiP durch evayy^X^^oPzai ersetzt wird. Wäh- 
rend 3, 10 xad^a^oiiBPog für xad-rifiapog steht, findet sich 6, 15- 
das Umgekehrte; während 16,21. 19,31 vxaQxaiP für e^i^ct^ gesetzt 



II. Die gew5hnlic1ien TextverdM'biiiise in D. 25 

wird, gtefat 17, 27. 19, 40 eivof ftbr vxa^x^^^f währeDd 16, 7 
ek^opreq mit yspofiev. rertaascht wird, iat 21, 17 das Umgekehrte 
der FalL Zweimal wird xarainctv (13, 51. 16, 8), zweimal staga- 
jtPiöd^cu (16, 39. 18, 5) filr synonyme Verba eingebracht; je zwei- 
mal ^oQtvsödtii oder sein Comp. (16, 4. 17, 14) nnd Oiöa (3, 17. 
20, 22) durch analoge AnsdrOoke ersetzt. Gewiss kann an sich 
in allen diesen Fällen ebenso D, wie der Text der älteren Mjsk. 
das Ursprüngliche haben; aber die Zarersichi, mit der Blase 
überall die Lesart von D für eine altere Textform reklamiert, ist 
doch Yöllig unbegründet. Viel wahrscheinlicher bleibt, dass diese 
Andemngen zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen 
Händen herrühren; keinesfalls lässt sich erweisen, dass hier die Les- 
arten der älteren Mjsk. aus einer systematischen Textrezension her- 
stammen. Ich finde nur zwei Stellen, an denen der Ausdruck in 
D als der schwierigere erscheint und so in den ältesten Mjsk. 
bereits geändert sein könnte, das ist das BßaQvvaxB (statt r}Qvrj' 
(Uxa&e) 3, 14, das Blass jetzt aus einem Übersetzungsfehler erklärt, 
imd das öucxoqoop (statt avad-ewQwv) 17, 23, obwohl auch hier 
dieser wenig passende Ausdruck durch den Qleichklang mit dem 
vorhergehenden önQxofievog herbeigeführt sein kann« 

Da der lukanische Stil überhaupt Composita liebt, so be- 
greift sich leicht, wie dergleichai auch, wo sie nicht standen, 
eingebracht wurden, besonders (ähnlich wie 17, 23) durch Eon- 
formation. ygL7,39: ccxcocapro xai axsorQag>7i0av, li^lisyteotr] — 
iJtsXafnpev. überhaupt aber verstärkt ja das Compos. den Be- 
griff. Dazu zeigen sich auch hier gewisse Liebhabereien, wenn 
Compos. mit ava und sv je zweimal, mit a;ro und sx je dreimal, 
mit £xi fünfmal eingebracht werden. Viel seltener ist der um- 
gekehrte Fall, der vielfach auf Schreibfehlern beruhen wird, wie 
bei {ap)ax9'. 16, 11, {sjtjsxsösp 11, 15. 20, 10, wo selbst Blass es 
anerkennt; aber der Wegfall des cg vor BJtXivcev 15, 39. 18, 18 
darf doch nicht anders beurteilt werden. Auch wo der Grund 
des Schreibfehlers nicht so handgreiflich ist, wird die Weglassung 
meist auf blosser Nachlässigkeit beruhen, wie das {etc)eX&. 14, 22, 
\M)fjid^ov 16, 40, {Bia)q>eQ€ig 17, 20 (BL: ß) oder das (xarajxxy 
Qievaag 19, 16. Interessant ist, wie das f]v yeyQafifievov 17, 23 
iBL: j3) aus einem Text stammt, in dem noch sxeyBYQajtro stand 
und das €jr-, wie in ejtsjceösp, abgefallen war. Häufiger werden 
nur die Präpositionen in Compositis verwechselt, wobei wieder 



26 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

einzelne besonders beyorzugt werden, wenn öia dreimal, xara 
und ejti je viermal, asro ftinfmal eingebracht wird. Blass selbst 
verwirft in 11 Stellen die Lesart von D, in 10 schreibt er sie 
^ zu, in 3 Stellen halt er sie sogar für die Lesart von a.^) Aber 
wenigstens die Ersetzung des seltenen öieQcorav 10, 17 und apa- 
/jrQ£g>BiP 15, 16 durch das in den Act gangbare ejtSQwx. und 
BJtioxQ, lag doch ebenso nahe, wie in dem jtQoxBxayfJU 17,26 die 
Hervorhebung der Vorherbestimmung, obwohl es sich im Kontext 
nur um die für ihre xaxoixia bestimmten Fristen handelt. Das 
xax6g)(opow 22, 24 sollte wohl die Feindseligkeit ihres Zurufs 
hervorheben, und das jtQoeXd-. 20, 13 ist offenbar nicht mehr ver- 
standen und daher durch das einfache xax sXd-. ersetzt. Der Wechsel 
des öiriysioB-ac und s^rjy, (21, 19) aber ist ein so ganz willkür- 
licher, dass man daraus fUr die Ursprünglichkeit einer Textform 
nichts folgern kann. 

Dass aber diese Yertauschungen überhaupt nichts der Text- 
form von D Eigentümliches sind, folgt daraus, dass D dergleichen 
noch 17mal mit E, ELF, EHLP und 19 mal mit den alteren 
Kodices K, A, G teilt. An acht von diesen Stellen hält auch 
Blass die Lesart von D für fehlerhaft, in vier findet er den Text 
von a erhalten, so dass es sich, obwohl ich das so wenig zugeben 
kann, wie in den oben beispielsweise besprochenen Stellen, jeden- 



1) Allein 16, 8 ist das ötsXd', offenbar nach v. 6 konformiert, weil dem 
Emendator das nageXB^, so unverständlich schien, wie Blass. Hätte es sich 
aber nur darum gehandelt, die Seeküste zu gewinnen, so hätten sie ja 
Mysien gleich durchziehen können, als sie xaza (ivoiav kamen (v. 7). 
Das enetgaC^ov setzt allerdings voraus, dass man nach Bj^hynien gehen 
wollte, um dort zu predigen (dies auch gegen m. Anm. in Texte u. 
Unters, a. a. 0. S. 197), was schon der Abschreiber nicht verstand, der da- 
fUr rid^BXov setzte (D). Da sie nun dort so wenig als in Mysien (v. 6) pre- 
digen durften, so blieb ihnen nichts übrig, als an Mysien vorbei, d. h. 
auf der Grenze beider Landschaften zur Seeküste herabzusteigen. Das 
xazsßiß. 19, 33 mag ja von dem, der es in den Text brachte, im Sinne von 
Blass verstanden sein ; nur ist das gewiss nicht die Meinung des Textes, da 
das gar keinen Gegensatz dazu bildet, dass die Mehrzahl nicht wusste, 
weshalb man zusammengekommen war; und dass bloss wegen des ovvsXtiI, 
das xateßiß* in das schwierige avvsßtß, verwandelt sein sollte, ist doch 
ganz unwahrscheinlich. Wenn endlich vnsQiöcnv in dem Sinne, in dem es 
17, 30 genommen werden muss, ungebräuchlich ist, so wird das eben der 
Grund gewesen sein, weshalb man dafür nagidwv setzte, während die 
Änderung des nagidwv ganz unerklärlich bleibt. 



n. Die gewöhnliclieii Textverderbnisse in D. 27 

falls in ihnen nicht mehr um die D zu Gründe liegende Text- 
gestalt handelt Aber wenn er 19, 17 sicher mit Recht das ex- 
Ton BJt€3t€0sv in ADE abgefallen sein lässt, wie 11, 15. 20, 10 
{s. o.), so begreift man doch nicht, wie er 10, 44 genau denselben 
Fehler nach AD in den Text nehmen konnte. Dass das fiyarf%v 
13, 23 nach v. 22 in riyBigev (CD) konformiert wurde, liegt doch 
sicher näher, als die Wahl jenes eigenartigen Ausdrucks; und 
da sich in 15,22 (HP) das sjttxaZovfi, eingebracht findet, so 
wird dies auch D 13, 1. CD 15, 37 der Fall sein. So zeigt sich 
auch hier, dass aus diesen Varianten sich für eine Ursprfinglich- 
keit der Textgestalt in D nichts folgern lässt, dass vielmehr die 
Mehrzahl der Fälle entschieden für das Umgekehrte spricht. 

d. Sehr häufig werden auch hier die Tempora yertauscht. 
Aber während Blass mit Recht das Jtioxevoofiev 15, 11 trotz 
seiner Bezeugung durch KD yerwirfk, nimmt er 22,5 nach D 
allein das fiaQTVQfjösi in den Texi Gewiss lag hier dem Emen- 
dator die Verwandlung des Praesens ins Futur, sehr nahe, und 
doch ist im Eontext nicht Yon einem Zeugnis die Rede, das sie 
jetzt ablegen sollen, sondern das sie damit ablegen, dass er in 
ihrem Auftrage nach Damaskus ging, auch die dortigen Christen 
zu verfolgen. Ebenso nimmt Blass 14, 15 ojtcog — ejtiorQstprjTs 
auf. Es erhellt aber aus E, dass der Infin. ejtiarQeg)6ip ursprüng- 
lich nach der Absichtspartikel in €JtiöTQ£q)rjT6 verwandelt war, 
und dass dies also erst von einer zweiten Hand in ejtiCTQS^Tjrs 
verwandelt wurde, um den Akt der Umkehr zu markieren. Doch 
wir wollen diese Art von Vertauschungen nur an einem Punkte 
prQfen, wo eine grössere Zahl derselben zur Beobachtung vor- 
liegt. Von den elf Stellen, wo in D das Imperf statt des Aor. 
steht, hat Blass selbst in sechs das Imperf. verworfen. Von den 
f&nf anderen hängt das Imperf. zweimal mit umfassenderen 
Änderungen zusammen, die erst später besprochen werden können. 
Aber 18, 19, wo Blass das öisXsysTO aufnimmt, ist es doch offen- 
bar nach ähnlichen Stellen, wie 18, 4. 17, 17. 20, 7, konformiert, 
wobei der Emendator nur übersah, dass hier nicht des Paulus Thätig- 
keit in der Synagoge geschildert, sondern erzählt wird, was er 
that, ehe er von ihnen Abschied nahm. Und während 12, 15 
das Eixav dem folgenden sXsyov konformiert ist, wird 19, 3 f. von 
drei monotonen Bijt6v{ov) Asls mittlere, weil dort ein anderes 
Subjekt eintritt, in Bleyov verwandelt. Von den acht Stellen, in 



2g Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

denen D den Aor. statt des Imperf. hat, nimmt Blass nur in 
zweien den Aor. auf, nämlich 22, 22, wo das rpcovoap doch offen- 
bar dem folgenden BntjQav konformiert und das Imperf. allein 
passend ist, 21, 26 aber, obwohl der Aor. doch offenbar durcl^ 
das Yoraufgehende Part. Aor. veranlasst ist, wie 4, 15. 13,5. 18, 18,. 
ja auch DB 17, 6, DEL 14, 19, DEHLP 14, 27, »D 21, 20, wa 
Blass wenigstens nirgends der Lesart von D folgi^) 

Dass die Erläuterung des Infinitiv durch einen Absichtssatz 
eine Emendation ist, hat Blass 17, 30 trotz der Lateiner aner- 
kannt, wo allerdings dieselbe nicht durchgefClhrt und so viel- 
leicht erst vom Schreiber von D versucht ist Aber das schliesst 
doch nicht aus, dass sie anderwärts, wie 12, 17. 16, 18. 18, 27 
(vgl. DE 14, 15), wo sie Blass aufnimmt, ebenso Korrektur ist. 
Da der Schreiber von D sehr zur Verwandlung des Temp. fin. 
ins Partie, neigt (vgl. I, b), wird man geneigt sein, ihm auch daa 
xaTaßai^TSg 6s 13, 4 (statt xarTjXd-ov) zuzuschreiben, das die 
beiden doch gar nicht auf einer Linie liegenden Aussagen &ber 
die Art ihrer Aussendung und das erste Ziel ihrer Beise in einen 
höchst unpassenden Gegensatz stellt Aber hier ist die Korrektur 
wenigstens durch Weglassung des zs hinter exeid-sv regelrecht 
durchgeführt Das ypwQiaag 2, 28, das offenbar das Asyndeton 
heben soll, hat auch Blass preisgegeben. Überlegt sind auch 
die Änderungen in 2, 13. 8, 9, wo das Hauptverbum ins Partie 
verwandelt ist, weil doch das Xsyovreg und vJtaQX<op nur eine 
Nebenbestimmung schien, uuddafftr d2isPs.TÜc,{öiaxX£va^ovTeg — 

1] Es ist doch nur derselbe Fehler, wenn das Part Praes. neben einem 
Aor. ins Part. Aor. verwandelt wird, obwohl Blass denselben 5, 5 auf- 
nimmt, 14, 3 verwirft, oder wenn der Inf. Praes. neben dem Aor. in den 
Inf. Aor. verwandelt wird, obwohl Blass ihn 17, 31 aofnimmt Gewiss 
mit Recht hat Blass die Yerwandlong des Part Perf. und des Inf» 
Aor. in niatevovzeg (siv) 19, 18. 14, 1 verworfen, obwohl er 2, 44 das 
Ttiaxevovteq (statt niaxsvaavtsi) sogar gegen k B in den Text von a auf- 
nimmt, und ebenso das awavaßaivovaiv 13, 31, avvayovzeg 15, 30, xgi- 
vovTBg 21, 25, während er das offenbar falsche naiöevofievog 22, 3 auf- 
nimmt. Aber auch 10, 38 {xccra&waatevB'Bvtag] , 15, 27 (anttyysiLowxag)^ 
16, 13 (övveXfjXv&viatQ) sollen doch die gefinderten Tempora des Partie 
o£Fenbar das Zeitverhältnis genauer ausdrücken (vgl. auch das BOOfis^a — 
nQoaxaQT€QOvvzeg 6, 4, tjv yeyQa/i/isvov 17, 23). Während Blass die Ver- 
wandlung des Infin. Aor. nach dem Imperf. in nogsveo&ai 16, 7 trotz seiner 
Bezeugung durch GDHLP verwirft, hat er genau denselben Fehler (ijfteXkey 
TCQoayeiv) 12, 6 nach k DEHLP sogar in den Text von a aufgenommen. < 



n. Die gewöhxüiclieii Texiverderbniaee in D. 29 

f^ioravfDv) iss Verb, finii Sonst fanden wir anch bei der Yer- 
wandlang des Pariicip. ins Verb. fin. die Korrektur zaweilen 
nicht durchgeführt (vgl I, b), meist hingt sie mit umfassenderen 
Änderungen zusammen, von denen spater die Rede sein wird. 
In der Stelle 5, 10 ist sie durch das aus v. 6 eingebrachte avp- 
creiXavTsg herbmgef&hrt, 10, 19 ist das ^fitovoiv (ACDEHLP) 
offenbare Emendation, weil man nicht sah, dass die Copula zu 
defED ^f/TOwreg, wie so oft, in dem iSov liegt; auch das ptoirjöei 
15, 17, das selbst Blass nicht aufgenommen hat^ wird ein, wenn 
auch ganz yerfehlter, Versuch sein, das unTerstandene xoiwp 
nxtna zu erU&ren, indem man es mit ra ed'vr] yerband. Seltsam 
ist, dass Blaes die Verwandlung des apaöraq vor xataßr/d'i 10, 20 
in ava&ta, die dodi ganz unmotiviert erschaut, trotz starker 
Bezeugung in den Version^i nicht aufnimmt, während er die 
ganz gleiche Korrektur 11, 7, wo sie offenbar durch die Trennung 
des Partie, vom Imperat. (durch den Voc) veranlasst ist, ftlr die 
ursprüngliche Lesart hält 

Wenn Blass selbst den Sing, des Partie, vor dem Subjekt 
13, 46. 14, 14 als Fehler anerkennt, weil der Abschreiber offenbar 
übersah , dass mit xai noch ein zweites angefägt wird und also 
eine Mehrheit vorhanden ist, so hätte er nicht denselben Fehler 
17, 14, wo aus A nur erhellt, dass derselbe schon frtther in die 
Grundlf^e von D eingekommen war, als ursprüngliche Lesart 
aufnehmen sollen-, ebensowenig aber das fjQyaCsTO 18, 3 
(ADEHLP), das doch mechanische Koaformation nach sfievBv 
ist, wie das exaS-ioap 2,3 (KD) nach io^&Tjöap, das Blass sogar 
in a für ursprünglich hält. Der Singular sös^azo 11, 1, wie 
der Plural egiorapro 8, 13 (äCD) sind reine Schreibfebler. 

e. Fast so häufig wie die Verba werden in D die Konjunk- 
tionen vertauscht, nämlich gegen 110 mal; und hier wird es 
sicher unmöglich sein, die Stellen, in welchen diese Variante 
aus der ältesten Grundlage von D stammt, von denen zu sondern, 
in welehen sie arst später in dieselbe eingebracht ist. Wenn 
wir schon I, b fünf Stellen &nden, wo der Schreiber von D das 
xat angebracht hat, so wird das sicher auch öfter geschehen 
sein, wo wir es nicht mehr dadurch kontrollieren können, dass 
die ursprüngliche Konjunktion daneben stehen geblieben ist 
Dafür spricht, dass in allen übrigen Codices die Vertauschung 
einer andeam Konjunktion mit xcu nur ganz vereinzelt auftritt, 



30 Weissi Der Codex D in der ApoBtelgeschichte. 

in D gegen 30 mal. Trotzdem hat Blass fast überall das xai 
aufgenonmien, weil es meist (doch vgl. 5, 13^ wo es D gan^ 
allein hat) in Versionen sich findet, die doch gewiss darin ganz 
unverlasssam sind. Er selbst verwirft es ja auch 16, 27, wo ea 
in derPesoh. und aeth. sich ebenfalls findet In der Stelle 12, 12 
zeigt schon A im Verein mit Min. und Vers., dass man an dem 
über die vorbeigehenden Worte des Petrus hinweg an das sijcey 
V. 11 eng anknüpfenden ze Anstoss nahm und es in de änderte. 
Um so weniger wird man mit ihm das in D allein sich findende 
xai für ursprünglich halten dürfen. 

Umgekehrt fanden wir ein de statt xai schon 6, 15 über- 
geschrieben (vgL I, d), wo es also aus einer älteren Korrektur 
herstammt Auch 4, 18. 17, 15 ist es im Zusammenhange mit 
umfassenderen Änderungen eingebracht, die sicher aus der älteren 
Grundlage von D stammen. So werden auch 11,21. 14,24, wo 
das ÖS mechanische Epnformation nach einem vorhergehenden 
06 scheint, 15, 8, wo die Bildung eines Gegensatzes zu v. 7 sehr 
nahe lag, und 13, 5, wo ein (freilich ganz unmöglicher) Gegen- 
satz zu dem fiev v. 4 beabsichtigt war, ältere Korrekturen sein. 
Blass hat nur die sinnlosen Änderungen in 10, 15. 20, 31 ver- 
worfen. Mehrfach fanden wir 1, d ein rs zum Ersatz für xac 
übergeschrieben, und es lag ja nahe, das den Act so eigentüm- 
liche TS auch da einzubringen, wo es ursprünglich nicht stand^ 
wie es schon in K und A, ja selbst schon in B geschieht (vgl. 
Texte und Unters, a. a. 0. S. 31). Für xqi ist es freilich nur 
ganz sinnlos 10, 30 eingebracht, aber sechsmal für 6s, wo es 
Blass dreimal verwirft (18, 12. 20. 20, 7) und dreimal rezipiert 
(2, 44. 8, 8. 21, 40), ohne dass das Vorkommen in Versionen der 
entscheidende Grund wäre. Noch häufiger (15 mal) ist natürlich 
das gewöhnliche 6s für das doch immer ungewöhnliche rs ge- 
setzt Mit Recht hat Blass dies 6s meist nicht aufgenommen, 
aber gerade 22, 8, wo doch das rs über eine Rede hinüber an- 
knüpft (wie 12, 12, s. o.), und 10, 33, wo doch die Markierung 
eines gewissen Gegensatzes sehr nahe lag. Immerhin wird diese 
Vertauschung des rs mit 6s von einer anderen Hand stammen, 
wie die des 6s mit rs, so dass sich auch hier zeigt, wie ver- 
schiedene Einflüsse schon dem Text von D seine heutige Gestalt 
gegeben haben, wie denn auch beide Änderungen D mehrfach 
mit der Gruppe EBLLP, wie mit der Gruppe kAC teilt 



II. Die gewöhnlichen Textverderbnisse in D. 31 

Wir werden später sehen, wie die Einbrsgung eines rozs 
statt der Konjunktion fast überall mit nmassenderen Umge- 
staltungen des Textes zusammenhängt, während D umgekehrt 
ÖS statt ror£ schreibt (13, 12, und 10, 46. 21, 13, wo wir schon 
not. c. in dem eucav die Hand eines Emendators vermuten 
mussten). Während Blass dies öe überall aufnimmt, hat er das 
yag, das yiermal in D für ös steht, überall verworfen und nur 
13,33 rezipiert, wo die Einbringung des yag, wie wir zeigen 
werden, mit einer umfassenderen Änderung zusammenhängt 

Wie wir 14, 10 das lukaniscbe jtagaxQrKia zum Ersatz für 
svO-eayg übergeschrieben fanden (vgl. I, d), so ist umgekehrt 
13, 11 das sonst so viel häufigere svd-eoog statt JtagaxQijfia ge- 
setzt, natürlich von anderer Hand. Ebenso ist ja evd-scaq 16, 18 
für (WT1J Tt] ooQa gesetzt, 4, 3 das gewohnliche BJtavQiov statt 
des avQiov^f das D ancb v. 5 durch rjfiSQat* erläutern zu müssen 
glaubt, ebenso sxsi 22, 5 für sxeiOE und 18, 19 (KADE) fDr das 
seltene avrov, jtgorov 11,26 (ADEHLP) für das einzigartige 
xgioxwQ und (loroig 11, 19 neben lovöaioig statt (lovov. Blass 
hat nur das ovösiq 4, 32 (statt ovöb eig) und das aus 11, 10 ein- 
gebrachte jtaktv 10, 16 (DLP) nicht aufgenommen, wohl aber 
das ov statt ovöb 4, 12. Dass das orjfiBgov 19, 40 Ersatz für das 
unverstandene :xBgi xfjq öTjfiegov seil. exxXrjOtag ist, hätte er aber 
nicht mit der Bemerkung abweisen sollen, dass ihre Versammlung 
nachher eine avargoq>7i genannt wird, da sie ja eben darum der 
Gegensatz einer BVPOfiog exxXrjöia (v. 39) ist und v. 32 aus- 
drücklich als eine BxxXTjCia bezeichnet wird. 

f. Häufig wird der einfache Kasus durch eine präpositioneile 
Wendung umschrieben; so der Dativ nach jilötbvbiv durch bjil 
oder Biq c. Acc. 16, 34. 18, 8. Zu xazBOBiOBP mit jtgoq 21, 40 
YgL not. b. Dass dies Emendationen sind, erhellt aus 14, 21, 
wo TTjv jtoZiv durch rovq bv ti] jtoXst eriäutert, und 16, 9, wo 
das gewöhnliche bv ogafiari statt des ogafia, wodurch der Satz 
mit tp^ zur Erläuterung des a>q>d'ri wird, gesetzt wird.^) Noch 

1) Nur 22, 24 hat Blass das neoi avxov statt avxo} nicht aufgenommen, 

■ ■ 

obwohl dies doch sichtlich mit der von ihm aufgenommenen Änderung 
des ens^fxavow in xareip. (vgl. not. c.) zusammenhängt, und ebensowenig 
das ngoQ avaviav 5, 3 statt des (als Dat. gelesenen) Vocativ. Das Um- 
gekehrte findet nur in umfassenden Änderungen, wie 6, 15. 8, 24. 12, 15, 
statt, und 18, 11, wo Blass selbst das atrtovg statt sv avtoig nicht auf- 
nimmt. 



32 Weiw, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

häufiger werden Adrerbia durch präpositionelle Ausdrücke um- 
schrieben (vgl 12| 5 £P Bxteveia, 17, 15 sp zaxsi^ 20, 6 sp fj, 7,43 
£3ti ra fiSQTJ). Dass dies sekundäre Umschreibungen sind, zeigen 
die Ton filass selbst nicht aufgenommenen ganz analogen: av» r. 
oiTCfD avTov 16,34 (statt xaPoix€c), nsgi eTSQan; 19,39 (kADHLP 
statt x6Q€ur£Qcoi), Vgl noch das jiaQa statt des Nom. abs. 8, 7 
und das sinnlose axo r. axvXa 18, 7 statt sxei&sv. Umgekehrt 
steht 7, 33 av statt ag) g>, 13, 35 aregcDg statt ev btbqco, wo sich 
kein Subjekt zu diesem darzubieten schien, da eine Jesajast^e 
Yorhergeht. Den Gen. (7, 11) und Dat. (11, 15) nach sjti statt 
des Acc. hat Blass nicht aufgenommen, wohl aber 20, 9 den Dat 
statt des Oenitiv. 

Wie bei den Verb. comp, (not c), werden sehr häufig 
(einige 50 mal) die Präpositionen untereinander yerwechselt, am 
häufigsten axo und €x. Unter fQnf Stellen verwirft Bkss nur 
22, 6 das axo^ das D hat, unter sechs Stellen dreimal das £x, 
sogar 17,2, wo es von vg. Gig. bezeugt ist, obwohl doch auch 
die Wiederholung der Praep. nach dem Verbu comp. (16, 40 
ADEHLP: BB,BXd'OVTBq sx) eine der gewöhnlichsten Nach- 
besserungen ist. Viermal steht axo statt vxOf dreimal vxo statt 
axoj und überall hält Blass die Lesart von D f&r die Ursprung* 
liehe, obwohl doch, abgesehen von 5, 16 (wo Luk. 6,18 mass- 
gebend fbr D gewesen sein konnte) und 15, 4 (wo die Konfor- 
mation nach v. 3 nahe liegt), nirgends ein Anhalt zu solcher 
Entscheidung vorliegt, vielmehr auch hier die entgegengesetzten 
Änderungen von verschiedenen Händen henUhren werden , wo- 
für spricht, dass sie mehrfach von A, AC, kA geteilt werdeu. 
Wenn Blass 17, 13. 21, 11 das Biq statt bv aufioimmt, so kommt 
dort dasselbe im Zusammenhange mit einer grösseren Umge- 
staltung vor, von deren sekundärem Charakter wir uns über- 
zeugen werden, und hier liegt die Eonformation nach v. 13 doch 
sehr nahe. Wenn er 7, 12. 19, 22. 20, 16. 22, 5 das bv verwirft, 
das doch offenbar Nachbesserung des schwierigen se^ ist, so 
sieht man nicht, warum die ganz analogen Stellen 8, 23. 16, 24 
anders beurteilt werden sollen. Die Vertauschung von Big und 
BXi hat er mit Recht niigends aufgenommen, und ebensowenig 
das etq statt XQoq 3, 19 (AGDEP), dagegen beide Male die 
Vertauschung von bp und Bxi (3, 11. 7, 13), sowie die wieder- 
holte Ersetzung des axQt durch £ö?§ (11, 5. 13, 11) und iiBXQf^ 



n. Bie gewöhnlichen Textverderbnitae in D. 33 

(20, 4. 22, 4), die doch am ehesten auf Absicht deutet Von den 
yereinzelten übrigen Yertanschungen ist doch wohl das 8P statt 
xara 11, 1 sicher Erleichterong, und das xeaa>v JtQog rovg jtoöag 
10, 25 (statt exi) sieht sehr nach einer Eontbrmation mit 5, 10 aus. 

2. Umstellnngeii. 

a. Verhältnismässig zeigt Cod. D weniger Varianten in der 
Wortstellung, als man nach der grossen Zahl andersartiger Ab- 
weichungen vom Texte der ältesten Mjsk. erwarten sollte, im 
ganzen etwa HO. Am häufigsten ist die Voranstellung des 
Subjekts, die sich zwolfmal in D findet, noch viermal, wo D mit 
E, HLP, EHLP zusammen geht, auch in ACDEP (2, 36) und 
2CD (14, 27); doch findet sich auch das umgekehrte (14, 19. 
15, 4. 22, 3, vgl DEHP 7, 7). Wie leicht beides durch die 
Absicht, das vorangestellte Wort zu betonen, herbeigeführt 
werden konnte^ zeigt 19,30 {ßovXofisvov Jtavlov — ot /ia&'i]Tai 
€X€oXvov)y wo erst das Verbum, nachher das Subjekt betont 
wird. Der Betonung dient auch offenbar die Voranstellung des 
Adjektivs (1, 3. 2, 2. 5. 22, 3, vgl. DE 4, 29 DH 7, 14, und be- 
sonders das viermalige ro ayiov Jtvevfia statt ro jtvevfta xo 
ayioVj vgl. noch DP 2, 33), des Pronomens (2, 41. 6, 1, vgl. 
»DHLP 17, 5) oder eines anderen Attributs (18, 8. 15, 23, vgl. 
noch 18, 24), nur selten findet sich das Umgekehrte (21, 16. 
22, 3, vgL 11, 5. 19, 14). Dagegen wird der Genitiv siebenmal 
seinem Substantiv nachgestellt, auch 17, 5, wo dadurch höchst 
unbequem das jtovrjgovg von avÖQaq getrennt wird, und noch 
dreimal in DHLP (vgl auch kCDEHLP 9, 18); nur 4, 27. 
8, 23 und aus ersichtlichem Grunde 3, 7 (DEP) wird er vor- 
angestellt.^) 

1) Blass nimmt fast flberall die Stellung von D als ursprünglich auf 
mit vereinzelten Ausnahmen, deren Motiv ich nicht zu erkennen vermag. 
So verwirft er 18, 28. 19, 32. 21, 35 (vgl. DHLP 18, 13. 21, 22) die Vor- 
anstellnng des Subjekts, 2, 5 die des Adj., sogar 20, 23. 28 das xo ayiov 
nvevfia^ das er sonst aufnimmt; die Nachstellung des Gen. 21, 14 (DHLP), 
wie seine Voranstellung 3, 7 (DEP). Dagegen nimmt er die Verbindung 
des vavtfiq mit yeveaq 2, 40 auf, die doch bei der Geläufigkeit des Aus- 
drucks sehr nahe lag, und die oifenbar absichtliche Aufhebung gesperrter 
Wortstellungen, wie 4, 12. 12, 13 (D), 12, 10 (DE), 17, 24 (DHLP), 12. 15. 
1 6, 24 (D E H L P), während er sie 7, 19 selbst verwirft. Es liegt aber doch nahe , 
da» so ganz analoge Fälle auch gleich massig beurteilt werden müssen. 
Texte n. Untersachongen N. F. n, 1. 3 



34 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

b. Wie HLP 23, 21, so wird auch D 2, 32 die Gopula nach* 
gestellt sein; di^egen hängt das rjp öiarsraYfi. 20, 13 (DHLP 
statt öiar. rjv)^ das aach Blass nicht aufnimmt, wohl damit 
zusammen, dass in D das folgende fieXXop ^£^. mit cog als Er- 
läuterung des öcar, angeknüpft war. Dagegen verkennt Blass 
die Absichtlichkeit in der Aufhebung gesperrter Wortstellungen 
(13, 32. 22, 25, vgl. DEP 2, 38), wie in der Voranstellung des 
Partie, vor das Subjekt, auch wo es dadurch von seinem Verbum 
(4, 19) oder von der Praep, (21, 40) getrennt wird. Von den 
Stellen, in welchen, wie so oft in HLP, das Objekt betont 
vorangestellt wird im Acc. (7, 46. 11, 19. 12, 23. 16, 29, vgl. 
ADEHP 6, 13) und Dativ (19, 27. 21, 37), oder wo das durch 
das Subjekt von seinem Verb, getrennte mit ihm verbunden 
wird (10, 34. 12, 1. 19, 6), erkennt Blass nur in 19, 27 den 
sekundären Charakter an, obwohl das rjfiiv xivövpevei dieser 
Stelle am wenigsten an sich diesen Charakter zeigen wQrde, 
wenn sie sich nicht der Eiitegorie aller ähnlichen einreihte. Wo 
das umgekehrte der Fall zu sein scheint, liegen überall be- 
sondere Gründe vor. Dasselbe gilt davon, wenn das Adverb, 
nachgesetzt wird (10, 16, wo die Konformation nach 11, 10 der 
Anlass), während es doch 16, 1. 18, 27. 20, 38 die Emendatoren 
betont voranstellen, oder wenn der präpositionelle Zusatz siq ro 
vjtBQooov 1, 13 (DE) nachgestellt wird, um den folgenden Relativ- 
satz ov Tjaap xxX, anzuknüpfen, während er doch sechsmal 
betont vorangestellt wird. In DHLP 19, 16 verwirft auch Blass 
das B(paXo(tBvoq bjc avxovq o av&gcojtog, in dem offenbar nur 
die Trennung der Praep. vom Verb, aufgehoben; -sonst erkennt 
er nur das sxsi i]v 16, 1 als sekundäre Lesart an, das doch 
keinen andern Charakter trägt als die andern Varianten. 

c. Es mag immerhin manche jener Umstellungen dadurch 
entstanden sein, dass der Abschreiber ein Wort übersehen hatte 
und es erst später, als er den Fehler bemerkte, nachbrachte; aber 
dass sich die meisten derselben auf bestimmte Kategorien zurück- 
fahren lassen, zeigt doch, dass der Text von D auch in dieser 
Beziehung durch Emendatorenhände hindurchgegangen ist. 
Ein sicheres Beispiel jener unabsichtlichen Wortumstellungen 
ist 19, 27, wo auch Blass die Stellung des leQOP nach r^/g 
fiSYaXtjg O^eag (DE HP) nicht aufgenommen hat. Es ist ja klar, 
dass der Ausdruck dadurch schon vervollständigt war, ehe der 



II. Die gewöhnlichen Text Verderbnisse in D. 35 

Abschreiber bemerkte, dass der Name der Gottin noch nicht 
genannt war, und ihn nachbrachte. Dagegen hält Blass die 
sinnlose Stellang des öiog nach oj^to^ 14, 13 fest, die sich schon 
Qig. nur so zurechtlegen konnte, dass er qui erant Jovis 
schrieb. Hier wird das vor rov ovxoq per hom. ausgefallene» 
später über oi^ro^ übergeschriebene xov öiog von dem Ab- 
schreiber, wie so oft (ygL I, d), gedankenlos erst nach dem- 
selben aufgenommen sein, worüber natürlich der Artikel davor 
ausfiel Ebenso war sicher 20,23 das fis vor fievovoip ausgefallen 
und zur Ergänzung übergeschrieben, so dass es erst von dem 
gedankenlosen Abschreiber, der es in fioi verwandelte (vgl. I, c), 
falschlich nach dem Verb, eingesetzt ist, wie umgekehrt das nach 
xcu ausgefallene und dann als unentbehrlich übergeschriebene 
Ol 19, 38 vor xcu. Auch wenn diese Versehen, was keines- 
wegs notwendig, erst von dem Schreiber von D herrühren, 
lassen sie einen Blick in die wechselvolle Geschichte seines 
Textes thun. 

d. Die Umstellung paralleler Satzglieder wird meist durch 
ganz zufalliges Schreibversehen entstanden sein, indem der 
Blick des Abschreibers auf das zweite zuerst fiel, was natürlich 
schon in der Vorgeschichte von D geschehen sein kann. Vgl. das 
axavars xcu d-scogsire 19, 26, das Blass verwirft, obwohl es 
auch die Pesch. hat, und das xax otxovg xac örjfiooca 20, 20, das 
er als ursprünglich aufnimmt, obwohl es sich in D ganz allein 
findet. Ob der Schreiber dann selbst noch das Ausgelassene 
nachholte, oder erst ein späterer, nachdem es zur Ergänzung 
übergeschrieben war, es einschaltete, muss natürlich dahingestellt 
bleiben. Wenn aber Bkss die Umstellungen 4, 36. 16, 18 als 
Fehler anerkennt, so hat er das umgestellte rovg jcoXitaQxag 
xai xov ox^op 17, 8, das D zwang, das axovovxag in -xeg zu 
verwandeln, da dies doch sinnlos blieb, sich erst nach dem 
Syrer durch Verwandlung des axovoavxeg in Xeyovzsg zurecht 
machen müssen. Dass 18, 26 axvXag absichtlich in DHLP vor 
XQLöxiXXa gestellt ist, scheint Blass selbst zuzugeben, da er die 
Lesart verwirft; aber auch die Uineinziehung der Zeitbestimmung 
13,20 in den folgenden Satz (DEHLP nach xai), die Blass 
sogar in a flir ursprünglich hält, wird Emendation sein, weil 
man ihre Bedeutung in v. 19 nicht verstand. 

3* 



36 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

3. Aasla^sangen. 

a. Sehr^ häufig wird in D der Artikel ausgelassen (etwa 
80 mal), dazu noch etwa 20 mal mit der Gruppe EHLP und 
ebenso oft mit älteren Mjsk. Die Hälfte davon sind wohl 
reine Schreibfehler.^) Aber es giebt auch andere Fälle, wo kein 
Grund zum Übersehen des Artikels vorliegt und dasselbe nur 
reine Kachlässigkeit sein kann, wie 6, 1. 10,45. 13, 42. 21, 11. 
22, 5, oder das sv fisoco 4, 7 (DEP), Big uqov 21, 28 und das 
ganz gleichartige mqo JtoXecDg 14, 13, das Blass trotzdem ftir 
ursprünglich hält. Dagegen scheint der Schreiber von D (oder 
einer seiner Vorgänger) allerdings eine Vorliebe fttr die Weg- 
lassung des Art vor xvQiog gehabt zu haben (16, 32. 15, 40. 
18, 9. 19, 5. 13. 17, vgl auch 17, 3 wo einmal D, einmal AD 
den Artikel vor XQ^^'^^og weglässt), wie auch Blass in all diesen 
Stellen anerkennt. Ebenso fehlt der Artikel vor Eigennamen 
gegen 20 mal, wozu noch gegen 10 kommen, wo er vor Länder- 
und Städtenamen fehlt Auch hier ist es zwar nicht unwahr- 
scheinlich, dass das o nach dem 6 in de (4, 19. 5, 3. 5) oder tot€ 
(19, 21. DE 21,26) aus Schreibeversehen ausgefallen; aber in den 
meisten Fällen ist doch gar kein Grund zu dieser Annahme er- 
sichtlich, in Stellen, wie 22, 28, ist sie, da zugleich das 6s um- 
gestellt, ausgeschlossen. Dazu kommen noch die Fälle, wo bei 
zwei durch xai verbundenen artikulierten Eigennamen D den 
zweiten Artikel fortlässt (13, 46. 18, 5. DE 15, 2. CD 16, 19, 
ADHLP 17, 15) oder gar ihn beim ersten fortlässt, weil er 
beim zweiten fehlt (13,50. DHLP 15, 22).^) 



1) Etwa 25 mal erkennt sie auch Blass als solche an. Höchst merk- 
würdig ist es dann freilich, wie er das nach diaXeyofxevov ausgefallene 
zov 20, 9 im ältesten Texte fehlen l&sst und ebenso das zov nach nav- 
Toc 20, 18, während er das zov nach x^Q^'^oq 20, 24 gegen D beibehält, 
oder das nach avzrj in BD ausgefallene ij 17, 19 streicht, währender genau 
denselben Fehler 19, 27. 28. 34 als solchen anerkennt. 

2) Während Blass den Art. fast vor allen Eigennamen nach D streicht, 
behält er ihn an 7 Stellen gegen D bei und 20, 6 sogar den Artikel vor 
rgtoadoj den er sonst vor allen Ortsnamen streicht, wo er in D fehlt Auch 
von den zuletzt genannten Fehlern erkennt er die in 15, 22. 16, 19 als 
solche an, die anderen nicht. Einen Grund dafür wüsste ich nicht an- 
zugeben. 



IL Die gewöhnlichen Textrerderbnisse in D. 37 

Ganz analog wird 15, 6 nach 01 axootoXoi xai der Ari 
vor jtQBOßvTSQoi fortgelassen (Blass: ß) und 16, 4 sogar das 
rmp vor ccjtoozoXcDP xai jtgeoßvrsQOP, ebenso 3, 13 (AD). 7, 32 
der Artikel vor dem zweimal wiederholten 9-eog und 11, 6 das ra 
vor sQxera und jteteipa nach ra ^Qia, was Blass aufnimmt. 
Dass das ungewöhnliche xriv vor dem Oenii nach xriv xai^iv 
11, 23, wie das tcd nach reo b^u 15, 1 in DEHLP fortgelassen, 
hat Blass anerkannt, ebenso die Vorliebe von D fOr die Weg- 
lassnng des Art vor einem durch den Genit bestimmten Subjekt 
(1, 9. 5, 16. 7, 52. 14, 11. DE 15, 7. DP 3, 25. CD 14, 12), ob- 
wohl er das xa vor xexQOJtada xtjq ytjg 11, 6, das schon durch 
Schreibfehler ausgefallen sein kaim, fortlässt, und ebenso den 
Art vor jcQog)fjxc9V nach dem artikellosen ev ßißXcD 7,42. Wenn 
doch keine Frage sein kann, dass die Weglassung des Artikels 
Yor xoXiv xfjq öa(i(XQ€iag 8, 5 (GDEHP) erleichternde Emendation 
ist, wenn Blass selbst die Weglassung des Artikels in ev ovva* 
fayri 18, 26 f&r falsch halt, so ist doch schwer zu begreifen, wie 
er das Fehlen des offenbar schwierigen und darum sicher nicht 
hinzugefbgten Art. vor ayyeXov 11,13 fttr ursprünglich halten 
kann. Aber auch das xriv vor xXrjQOVOfiiav (20, 32) wird in 
DHLP absichtlich weggelassen sein, wie es ja von dem gänzlich 
missverstandenen x^v vor jtQooevxrjv 16, 16, das in DHLP fehlte 
Blass selbst zugesteht Phrasen wie fisxavoiav und öo^av di^ 
öovai (11, 18. 12, 23, Blass: ff) wurden doch sicher eher durch 
Weglassung des Artikels eingebracht, als dass derselbe zugesetzt 
ward. Dass das beschwerliche xmv nach xivsq 15, 5 weggelassen 
ist, zeigt die gleiche Korrektur, die schon K 6, 9 angebracht 
hat, und ganz absichtsvoll ist doch die Herstellung des parallelen 
ovofuxxi ojtoXL, yevsi aXe^. 18, 24 (Blass: ß), 

b. Dass 21, 37 das Subjekt (o xavXog) in Folge einer an- 
deren Korrektur weggelassen wird, sahen wir schon 1, b. Aber 
auch 22, 25 ist das allerdings etwas nachschleppende Subjekt 
ausgefallen, weil es nach dem jtQog xov — €xaxovx, nicht mehr 
erwartet wurde, und erst in Orient Vers, an falscher Stelle 
restituiert Das xvQiog nach o öe 22, 10 scheint nach dem eben 
dagewesenen xvQis lästig erschienen zu sein, wie 12, 16 JtsxQog 
weggelassen wurde, damit das o 6s dem 97 de entspreche, wie die 
beiden 01 öe einander. Das Qfjfia 10, 37 ist sicher seiner 
Schwierigkeit wegen weggelassen, und das xov d^eov 18, 26; weil 



38 Weis», Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

es zu dem rov xvqiov v. 25 nicht zu passen schien, während 
das absolute oöog bei den älteren Mjsk. nirgend Anstoss erregt 
hat, also ein Bedür&is, den Genit. hinzuzufügen, nicht vorlag, 
wenn man nicht nach v. 25 konformieren wollte (vgl. E). Das 
Tfjg fiSQiöog 16, 12 ist in Folge der Eiubriogung des xBfpaXrj 
ausgefallen, wie* das rov Xaov 21, 36 in Folge der Ändemug in 
V. 35 (vgl. 1, a). Allein es giebt auch Auslassungen aus reiner 
Nachlässigkeit, wie das Bwjtvioiq vor BVVJtv, 2, 17, das avd-Qcoxoi 
zwischen ovroi oi und öovkot 16, 17, das o d-eog vor og 11, 17, 
auch wo so wenig ein Anlass dazu ersichtlich, wie bei dem Aus- 
fall des TT] jctOxH 16, 5, des imriX nach t. j€Qoq)7]tov 2, 16, oder 
bei dem Echlechthin unentbehrlichen ri'OcoxrjQia 4, 12 und rriq 
fieyaksioTtizog avtrjq 19, 27.^) 

Dass das ovo 10, 19 in DHLP seiner Schwierigkeit wegen 
ausgelassen ist, zeigt schon seine Verwandlung in rgeig (fe(ACE, 
vgl. Texte u. Unters, a. a. 0. S. 12 f.); und dass das sjtta 19, 14 
im Zusammenhange einer grösseren Emendation ausgelassen, 
werden wir zeigen. Während Blass gerade diese absichtlichen 
Auslassungen nicht anerkennt, behält er trotz einiger lateinischen 
Väter das avayxaiov 13, 46 bei, dessen Wegfall wohl reine 
Nachlässigkeit ist, obwohl es an sich zur Erläuterung des i]v 
XaXrjd-, zugesetzt sein könnte. Ebeoso behält er das jtavtsg vor 
oooL 5, 37, bei; aber wenn dies aus blosser Nachlässigkeit weg- 
gelassen ist, sieht man nicht, woher die Weglassung des jtavxsg 
21, 18, wie des jtavxag 21, 21 (ADE), des utaorig 13, 10, wie 
das jtavxa 10, 33 nicht ebenso beurteilt werden soll, zumal das 
letztere vor ra so leicht durch Schreibfehler aus&llen konnte. 
Wenn er einen solchen Schreibfehler bei dem Ausfall das or} 



1) Während Blass von den noch motivierbaren Auslassungen nur 
10, 37. 16, 12 als solche anerkennt, behält er die aus Nachl&ssigkeit aus- 
gefallenen Worte meist bei, selbst das o ^eoq 11, 17, das schon bei August, 
und das av^Q, 16, 17, das im Gig. fehlt. Nur das loii^A 2, 16 ist er geneigt, 
selbst in a zu streichen, obwohl dafür patristische Gitate natürlich gar 
nichts beweisen kOnnen. Der Ausfall von ri oonrjgia 4, 12 aber hat mit 
dem Ausfall der ganzen, der folgenden so ähnlichen Verszeile bei einigen 
Lateinern, denen Blass und Hilgenfeld (Zeitschrift f. w. Th. 38, 2. S. 201) 
folgen, gar nichts zu thun. Auch das in ADHLP vor lovarov aus- 
gefallene ziTiov 18,7, wie das 13,41 ausgefallene zweite egyov (DE LP) 
hat Blass beibehalten, während er das doch offenbar seiner Schwierigkeit 
wegen in DP weggelassene rov natgoq rjfiwv 4, 25 streicht 



IL Die gewöhnlichen Textverderbnisae in D. 39 

Dach rf/ 5, 4 und des xoXkov nach Xoyov 15, 32 annimmt , so 
sieht man nicht, warum der Ausfiall des Xoixovg nach xovg 2, 37 
oder des ovx oZiyog nach ragaxog 12, 18 nicht derselbe Fehler 
sein soll. Dass jenes schon bei August sich findet, berechtigt 
doch nicht zu der Vermutung, dass das Xoutovg schon in a ge- 
fehlt habe, da die Auslassung durchaus nicht dem Schreiber 
Yon D zur Last zu fallen braucht, sondern schon viel früher erfolgt 
sein kann. So ist sicher das idia vor öiaX&ctG} 2, 8 aus- 
geÜEÜlen, ehe letzteres in den Acc. verwandelt wurde, was auch 
sicher schon lange, ehe dieser Text an D kam, geschehen ist, 
wie wir später zeigen werden. 

c. Auch 3, 16 zeigt sich, dass das ov nach rovzov schon 
in früherer Zeit per hom. ausgefallen war, ehe der dadurch 
sinnlos gewordene Satz durch die Einschiebung des ort nach 
oiöcctB aufgebessert wurde, was sicher nicht erst der Schreiber 
von D, wie wir ihn in Nr.I kennen lernten, that. Das im gegen- 
wärtigen Eontext der Acta allerdings unverstandliche xotrtov 
nach Tov xoxov xov aytov 6, 13, das sich nur aus ihrer Quellen- 
benutzung erklart (vgl. Texte u. Unters, a. a. 0. S. 113), ist wohl 
absichtlich in mADEHLP ausgelassen, während die Auslassung 
des rovro 4, 22 reine Nachlässigkeit ist, und das Bxuvrjv nach 
xoXiv 14, 21 bei der Änderung des Ausdrucks (1, f.) leicht genug 
fortfieL Wenn das (juxB^at statt xwv fiad^xov — xig 11, 29 
offenbar Erleichterung des Ausdrucks ist, der namentlich den 
Versionen willkonmien sein musste, und der Ausfall des xivog 
nach JtQoodeofispog 17, 25, sowie des xi vor xcop 4,32 einfacher 
Schreibfehler ist, so wird auch der Ausfall des xi nach aXXo 
19, 32 und des xi nach axovsiv 17,21, wie nach ZaZrjOat 21, 37, 
den EHLP, HLP mit D teilen, reine Kachlässigkeit sein. Be- 
sonders häufig (über 20 mal) werden die Personalpronomina in 
allen Personen und Kasus ausgelassen, wo sie entbehrlich er- 
scheinen. Hier und da ist der Ausfall wohl reines Schreib- 
versehen, wie bei dem fiov nach Xaov 7, 34, dem oov vor övv 
8, 20, dem avrov nach xvqiov 2, 36 und vor avxri 7, 21, viel- 
leicht auch bei dem cot nach BJti&rjoexai 18, 10, aber in den 
meisten Fällen ist es doch reine Nachlässigkeit. Mit Ausnahme 
einiger (obwohl nicht aller^ vgl. 4, 32. 7, 21) offenbarer Schreib- 
versehen und etwa des xi nach aZZo 19, 32, des oe- nach Bxxst- 
v€ip 4, 30 (DE) hat Blass überall das Fehlen des Pron. für 



40 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

ursprünglich gehalten, obwohl doch höchstens 22, 23 sich ein 
Grund zeigt, aus dem das avtcop in den älteren Mjsk. zugesetzt 
sein könnte. 

d. Wenn Blass das freilich schwer entbehrliche sivai 18,3t 
das in D fehlt, sowie das Yipofievf] 12, 5, aber sogar das ovofjg 
11, 22, das auch AHLP auslassen^ in den ursprünglichen /3-Text 
au&immt, so ist nicht abzusehen, warum das opzeg 11, 1, das 
bei der Umwandlung des Ausdrucks (vgl. auch 1, f.) so leicht 
verloren ging, und von dem sich noch in dem von dem Ab- 
schreiber ursprünglich intendierten Relativsatz (vgL I, c) eine 
Spur zeigt, oder das vjcüqxcov (3, 2. 22, 3) und Xsycov (21, 21. 
22, 26, wo es durch das hinzugefügte avxo) verdrangt ist) ur- 
sprün^ch gefehlt haben soll. Ebenso erkennt Blass wohl den 
Ausfall des ajtsXvöav 13, 3 an, weil dadurch der Satz sein Verbum 
verliert; aber wenn in D zugestandener Massen solche Worte 
ausgefallen sind, auch wo gar kein Orund dafür ersichtlich, so 
ist es doch wahrscheinlicher, dass das völlig entbehrliche jtoQSv- 
sod-dt nach e^rjXd-sv 20, 1, das nur noch im Gig. fehlt, wegfiel, 
als dass es in allen übrigen Mjsk. zugesetzt sein sollte. Wenn 
jetzt Blass sogar geneigt ist, anzunehmen, dass 3, 3 das Xaßeiv 
schon in a gefehlt hat, obwohl das blosse airsiP eXsrjfioö. v. 2 
den kürzeren Ausdruck so nahe legte, so übersieht er, dass die 
Weglassung hier offenbar mit der Einschaltung des avrovg zu* 
sammenhängt, von der wir zeigen werden, dass sie einer umfassen- 
deren Umgestaltung der Stelle angehört. Beide Änderungen 
haben sich noch in Fl. erhalten, während die orientalischen Ver- 
sionen mehr das avrovg bewahrt haben, das Xaßup in P und 
mehreren Lateinern weggelassen ist 

An sechs Stellen wird in D die Negation ausgelassen, teils 
wo ein Schreibfehler sehr nahe liegt (7, 25), teils wo ein Grund 
des Wegfalls kaum ersichtlich, wo aber der Satz dadurch ganz 
sinnlos wird (4, 20. 5, 26)^ auch wo sie nur pleonastisch steht, 
wie 20, 20. 27. In der Stelle 19, 40, wo das ov nach xbqi ov 
doch sicher aus Schreib versehen ausfiel, hält Blass das Fehlen 
der Negation sogar in a für ursprünglich; aber auf atriov kann 
das x€Qc ov unmöglich gehen, da ja das Vorhandensein einer 
Ursache eben negiert war, sondern nur auf das Byzakecod-ai 
0ta0sc3g, da sie in Betreff dieser Anklage sich nicht werden 
rechtfertigen können Angesichts des gegenwärtigen völlig un- 



n. Die gewöhnlichen Textverderboisse in D. 41 

motivierten Zusammenlaufs (vgl. 1, e). Wenn Blass mit Recht 
das mg 13, 18 gegen DE und yiele Versionen, wie das xaXiv 
18, 21 gegen D sah festhält, so sieht man nicht ein, woher nicht 
auch das so abundante ofiov 2, 1 oder das BvO-eog und scog in 
der ohnehin freier wiedergegebenen Stelle 17, 14 weggelassen 
sein solL 

Sechsmal wird in D €i^ aosgelassen; fünfmal erkennt das 
auch Blass als einen Fehler an; und doch liegt grade in 4, 12 
der zufallige AusfjEdl zwischen öeöofievov und avd-Qcojtoiq ebenso 
nahe, wie die Erleichterung des Ausdrucks. Wenn er aber trotz 
der Versionen, die mit D gehen, 19, 34 des (iiav ex xavxov 
beibehält, so ist doch kein Ghrund, das riveg avrcov (statt eg 
avrmv) 17, 12 nach D allein f&r ursprünglich zu halten. Sehr 
klar ist ja, wie das jtgog hinter xergog 5,9 ausgefallen, aber 
auch wo man dazu keinerlei Anlass sieht, wie bei dem öia 20^ 18 
oder €ig 8, 27, ist der nachlässige Ausfall ebenso gewiss, weil 
die Präpositionen unentbehrlich sind. Blass erkennt auch an, 
dass die Weglassung des zweimal wiederholten etg 14, 21 
(DHLP) ein Fehler ist, wie die Weglassung des xad" vor 
BP (evä) 21, 19; dagegen streicht er das sig vor gxog 13, 47. 
Nun mag man ja sagen, dass die Stelle im gewohnlichen Text 
nach Jesaj. 49, 6 konformiert ist, obwohl gerade DE aus den 
LXX das löov hinzufügen; aber ebenso nahe liegt doch die 
Reflexion, dass man sich an dem doppelten €ig im Hauptsatz 
und Absichtssatz stiess. unmöglich aber kann das nach dem 
xsQi ov höchst unbequeme yisgi vor xr/g ovöTQoq>7jg 19, 40 zu- 
gesetzt sein, obwohl Blass die erleichternde Lesart (DHLP) so- 
gar in a für ursprünglich hält. 

Wie das cut atovog 3, 21 , das Blass mit Recht trotz Lren. 
int. Tert. und den Lateinern festhält, wird auch das durchaus 
entbehrliche (isra ravxa 18, 1 in D weggelassen sein, die Weg- 
lassung desselben in 13, 20 aber hängt mit der Umstellung der 
Zeitbestimmung zusammen, die wir schon unter Nr. 2 als 
sekundär erkannten. Auch das ev xaig i](ieQaig exeivaig 2, 18 
konnte ja im gewöhnlichen Text nach den LXX zugesetzt sein; 
aber die Weglassung lag doch für D nach der Zeitbestimmung 
in V. 17 {bp xcug ecxaxaig ri/ifQaig)^ für die Blass merkwürdiger 
Weise gerade das /isxa xavxa der LXX in seinen /9-Text auf- 
ninmit, ebenso nahe, wie 1, 11 die Weglassung des zweiten eig 



42 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

ZOP ovQüPov, dessen dreimalige Wiederholung sehr lästig schien, 
oder des syt aiyvxxov 7, 18 (DE HP) nach dem eben dage- 
wesenen BV aiyvxTcOj die Blase freilich sogar geneigt ist, in a 
fQr ursprünglich zu halten. Auch das ev etgrivri 16, 36, über 
das man nur nach dem Eindruck, den man Qber den Gesamt- 
charakter Yon D empfangt, urteilen kann, ist er jetzt geneigt, 
nach D Gig. überhaupt für fehlerhaft zu halten. 

e. Dass die zweimalige Auslassung eines xat 1, 13 (Blass: ß) 
die Absicht hat, die elf Namen möglichst paarweise zu ordnen, 
springt in die Augen; wie yerfehlt aber der Versuch, zeigt die 
engere Verbindung des Jacobus und Andreas, die wider alle 
Analogie und völlig grundlos ist. Auch die Weglassung des 
xat am Eingang eines Gitats 2, 17 (Blass: ß) wird Absicht sein, 
wie die vor löov 5, 28 sich empfahl, nachdem der vorhergehende 
Satz in eine Frage verwandelt war. Sehr häufig ist das xat 
durch offenbares Schreibversehen ausgefallen, nach eXafiirai 
2, 9 oder jtoQsvofiac 18, 7, und ebenso vor xareßij 7, 15 oder 
xa&Tjfievog 8, 28 (vgl. I, b. Anm.), obwohl es Blass an diesen 
beiden Stellen streicht, an der ersten sogar in a; anderwärts 
auch aus reiner Nachlässigkeit (7, 21. 8, 7. 17, 2. 19, 19), wo es 
auch Blass festhält. Besonders häufig ist das xat im Sinne von 
etiam ausgelassen, und nicht nur, wo es auch Blass zugiebt, 
obwohl meist viele Versionen die Auslassung teilen (5, 16. 39. 
21,24. 22, 5, DL 19, 13, DEHLP 11, 20), sondern auch in den 
völlig gleichartigen SteUen 14, 15. 17, 13. 32. DHLP 15,37. 
DEHLP 11, 26, weil es teils überflüssig schien, teils überhaupt 
nicht verstanden wurde. Wie 2, 43 vor XBQata, 21, 28 nach 
STLy 20,35 vor xov, so wird das t£ auch vor xov 20, 7, wo es 
Blass streicht, durch Schreibeversehen ausgefallen sein, sogar 
17, 26 (DE), wo zwar ein Grund nicht klar ersichtlich, aber 
das harte Asyndeton sicher nicht mit Absicht herbeigeführt ist. 
Dagegen ist es sehr häufig fortgelassen, weil die engere Ver- 
bindung durch XB xat vernachlässigt wurde; an zehn Stellen hat 
es Blass, oft nach D ganz allein, gestrichen, und nur 2, 9. 10. 
21,25 beibehalten, obwohl höchstens an letzter Stelle ein Schreib- 
fehler nahe liegt Auch den Wegfall des ob erkennt er achtmal 
als Fehler an, aber gerade 3, 24 ist es doch sicher nicht nach 
xai JtavxBg eingebracht, 4, 15 muss sich Blass den Text selbst 
erst nach Fl. zurecht machen, und 22, 26 ist es durch das xovxo 



■ II. Die gewöbnlichen Textverderbnisse in D. 43 

Terdrängt) das wir schon in 1, c als einen Zusatz des Abschreibers 
erkannten. Dagegen ist es 20» 5 in DHL P offenbar absichtlich 
weggelassen, um das f/fiBig 6e v. 6 vorzubereiten, obwohl. Blass 
€s streicht. Den Ausfall des fiep erkennt er 3, 13. 13, 36 selbst 
an; aber auch bei dem nach top 19, 15 liegt trotz ^(ADHLP 
•die Annahme eines Schreibfehlers sehr nahe. 

f. Hiemach ist es nicht zu yerwundem, wenn auch um- 
fassendere Auslassungen in D vorkommen, die auf reine Schreibe- 
versehen zurückzufQhren sind, und nicht nur 2, 31 {jtQOiöa>p 
sXaZfjOep xsql r^§), 10, 27, {övpofiiXwp avrco), 21, 16 {avpriZd-oP 
de xai TOP fiad-Tjzcop), die sich dadurch verraten, dass durch sie 
das ganze Satzgefüge zerstört wird. Wenn das xat o orgaTTj' 
yoq rot? iBQiyv 4, 1, xai yvprj opofiari öa/iagig 17, 34 vor xai, 
wie xat aoiag nach xiXixiaq (AD 6, 9) ausgefallen, so wird 
gegen Blass über das fehlende xai jrQO^i]Z6voovoip 2, 18 und 
xai Bxiq>av7j vor xai (kD 2,20) ebenso zu urteilen sein. Der 
Ausfall des rtj exxZticia xai eöida^ap nach ovpexvd-r^öap 11,26, 
den auch Blass anerkennt, ist doch nicht leichter begreiflich, wie 
der des xai xvq xai axfiiöa xajtvov nach xaro 2, 19 (Blass: ß); 
der des xai löiwxat 4, 13, wo der Satz mit eigip geschlossen 
schien, nicht erklärlicher, wie der des xai oxXojtoiTjaapreg 17,5 
(Blass: ß). Wenn das vfiop xai vfieig 7, 51 gedankenlos in xai 
v/itop zusammengezogen ist, so war doch die Zusammenziehung 
des sysvsTO de fioi ytogevofiepa} xai syyi^oPTi 22, 6 in syyi^opzi 
ie §101 noch ungleich näher liegend, zumal dadurch der Sinn 
nicht verletzt wurde. Wenn der Ausfall eines entbehrlichen 
Zwischensatzes, wie si övparop eii] avxG> 20, 16 (DH), leicht 
begreiflich ist, wie Blass zugiebt, so doch auch der des bp tj 
fisXXet 17, 31, obwohl Iren, int August, zeigen, wie früh der- 
selbe erfolgt ist. Das firjösp öiaxQiPaPza 11, 12, das aus dem 
durchaus abweichenden 10, 20 gar nicht entlehnt sein kann, ist 
ebenso ausgelassen, weil es dem Abschreiber unverständlich war, 
wie das ozi zop irjöovp xai apaozaöip evrjyyeXi^ezo 17, 18. 
Allerdings zeigt sich bei dem r]öap yaQ Oxtjpojtoioi zf] zexpj] 
18, 3 kein anderer Gbrund der Fortlassung, als dass die Parenthese 
den Fortgang der Erzählung unterbricht; aber die Einbringung 
einer solchen, im übrigen völlig unbekannten Notiz in den 
ältesten Mjsk. entbehrt jeder Analogie. 



44 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

4. Zusätze. 

a. Während wir 3, a den Artikel in D gegen zwanzig Mal 
vor Eigennamen ausgelassen sahen, wird er noch öfter zugesetzt, 
wenn wir die Stellen mitrechnen, wo die jüngeren Mjsk., wie 
dreimal schon A und G, mit ihm gehen. Manchmal, besonders in 
Stellen, wo andere Codices mitgehen, giebt das Vorhergehen des- 
selben Namens mit dem Artikel einen gewissen Anlass zur Konfor- 
mation; aber meist ist nicht der geringste Anlass dazu ersichÜiclu 
Blass hat den Art. fast überall als ursprünglich aufgenonunen, 7, S 
(DHP), wo er es nicht thut, liegt ja freilich die Konformation 
ziemlich klar vor, auch vieUeicht 13, 45 (CD EJ LP}, 11, 19 tritt 
der Art. zusammen mit einer ganz gedankenlosen Änderung der 
Praep. auf; aber warum Blass den Art. vor ifjcovp 13, 23 ver- 
worfen, während er ihn 1, 16 nach DE aufnimmt, ist doch gar 
nicht abzusehen. Auch der Artikel vor Ortsnamen, der so oft 
ausgelassen wird, wird sechsmal zugesetzt, und hier nimmt Blass 
ihn nur 16, 10 auf, wo er, wie A zeigt, gar nicht aus D stammt, 
sondern aus einem älteren, hier von ihm geänderten Text Wo 
Personen- oder Ortsnamen mit xai verbunden sind, wird der 
Art natürlich gern durch Konformation beim zweiten zugesetzt, 
wenn der erste ihn hatte (vgl DH 15, 3. D 14, 5), aber gerade 
das xai rcov öxoixmv nach x<ov BJtixovQatov 17, 18 (DHLP) 
nimmt Blass auf. Man kann in diesen entgegengesetzten Kor- 
rekturen nur einen Beweis sehen, wie der Text von D bereits 
durch verschiedene Hände entstellt ist. 

Während wir 3, a sahen, wie oft der Art. vor einem durch 
einen Genit. bestimmten Worte ausgelassen wird, sehen wir ihn 
hier, offenbar aus demselben Grunde, in gleichem Falle sieben- 
mal zugesetzt, und an drei Stellen hat ihn Blass aufgenommen. 
Aber gerade 1, 15 ist doch der Grund seiner HinzufÜgnng sehr 
klar, 18, 7 tritt er im Zusammenhange mit einer anderen Ände- 
rung auf (1, a) und ebenso 7, 22, wo ohnehin das Jtaoav ttjp 
oo(piav doch im Grunde dieselbe Änderung ist, wie das ytavzc 
TCO xQovco 1, 21, das er mit Recht verwirft. Gewiss aber ist der 
Art. vor rjfiSQai rcov a^vficov 12, 3, den Blass sogar nach ADE 
in a aufnimmt, ein ganz verfehlter Zusatz. Wenn Blass 2, 21 
mit Recht den Art. vor xvqiov verwirft, wo er demselben nach 
einem artikulierten Hauptwort hinzugeftlgt wird, so ist doch 



II. Die gewöhnlichen Textverderbnisse in D. 45 

seltsam, dass er ihn genau in demselben Falle 5, 9 beibehält. 
In den meisten übrigen Fällen bat Blass selbst den sekundären 
Charakter des Artikels anerkannt, aber die HinzufÜgung des rt] 
Yor idia &vpa/i£i 3, 12 lag doch sehr nahe, wie auch die des 
xov vor xXaoai 20, 7. Wenn Blass selbst 11, 4 das ra vor 
xare^fjq nicht aufnimmt, so ist doch das ro vor xad' tjfieQap 
19, 9 genau derselbe Zusatz. Dass das rovg 7or xara xoXiv 
nach xovq adeHipovg 15, 36 eher zugesetzt als weggelassen ward, 
ist klar, es müsste denn von Alters her durch einen Schreib- 
fehler ausge&Ilen sein. Eine Lesart wie das ev xri Otoa xi] 
coXoiAWVoq 5, 12 giebt an und f&r sich kein Präjudiz fQr unsere 
Fn^e. 

b. Die meisten Stellen, in denen ein Subjekt ergänzt wird, 
hängen mit umfassenderen Textänderungen zusammen, die erst 
später besprochen werden können. Mit Recht hat Blass das- 
selbe 7, 4. 19, 8, an letzterer Stelle sogar trotz der zusammen- 
stimmenden Versionen, nicht aufgenommen, da es ja so nahe 
lag, dasselbe, nachdem eben ein anderes Subjekt vorherge- 
gangen, ausdrücklich zu markieren. Aber auch 10, 23. 18, 2 war 
doch vorher von einem anderen Subjekt die Rede gewesen, und 
höchstens 18, 6 kann man sagen, dass ein Grund zur Einbringung 
desselben kaum vorlag. Dagegen ist das jtavxBq 13, 3 offenbar 
eingeschaltet, um zu verhüten, dass das vrjOXBVöavxBq xai 
jtQoa£v§afi6P0i auf Bamabas und Saulus bezogen werde, was 
freilich nach dem Folgenden sich von selbst verstand. Das 
xai fisxavoia 13, 39 aber hat Blass selbst nicht aufgenommen. 
Es ist ganz gedankenlos eingeschaltet, um eine Anknüpfung 
für das folgende axo zu gewinnen, das doch zu öixaiovxai 
gehört, weshalb der Syrer, der das erkannt hat, es hinter 
a^söig afiüQxuov transponiert. Einmal ist der Vokativ adeX- 
g>oi eingeschaltet (20, 18), den Blass aufnimmt. Das apögag 
10, 32 ist offenbar nach v. 5 konformiert und selbst von Blass 
verworfen. Aber ebenso nahe lag doch zur Erläuterung das 
Tov xavXov 21, 12, neben dem nun freilich das folgende avxov 
ganz überflüssig wird, und das xa> jtexQfo 12, 7, welches das 
gleich folgende xov xbxqov deutlich als eingebracht charakte- 
risiert. VgL noch das xco oxBfpavo in DE 7, 1. Genau das- 
selbe ist es, wenn DE 4, 1 das XaXovvxov avxa>p durch xa 
^fiaxa xavxa ergänzen, oder CD 15, 23 das ygatpapxBg durch 



46 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

STiiOroXfiv ütBQUXOvöav raöe (vgl. 23, 25), da schon das raöa 
in EHLP zeigt, dass man ein Objekt yermisste. Das firjösvc 
vor XaXsiv 16, 6 und das nach v. 21 konformierte lovöaioig xac 
bXXtiClv 20, 24 hat Blass selbst nicht aufgenommen. 

Häufiger noch wird der Ausdruck durch ein hinzugefügtes 
Substantiv näher bestimmt, wie xriv XvOXQav ütoXiv 14, 20, 
xov vtov (statt xov) isöCai 13, 22, avÖQi aXXo(pvXm 10, 28^ 
avÖQi iTjaov 17, 31. Alle diese Lesarten verwirft Blass, obwohl 
letztere schon Iren, hat Aber genau dasselbe ist doch die 
Hinzuftigung von ajtooxoXoi (2, 14. 5, 41), von avögeg (18, 14, 
vgl. DE 3, 17), von rjfisQa (4, 5. 16, 11), das QTjfiaxa nach gsvi- 
^opxa xiva 17, 20 (DE), das «g svog atfiaxog 17,26 (DEHLP), 
das d-Eog vor o Jiotrfiag xov ovgavov 4, 24 (DEP), oder die 
Wiederholung des d^eog vor LOaax und laxcoß 7, 32 (DEHP, 
vgl. sogar K AGD 3, 13). Noch häufiger ist, wie in allen Codices 
die Glossierung des Jesusnamens durch xvQiog (7, 55, D 2, 38, 
vgl D 13, 32: oevQ. — xP^ötop) , die Blass rezipiert, während er 
die durch ;^(>£(Tto$, die 4 mal in D und 6 mal in D und anderen, 
meist zugleich älteren, Codices vorkommt, bis auf die Stellen 
16, 31. 20, 21, die doch nichts vor den anderen voraus haben, 
verwirft. Denn wenn an letzter Stelle kAC mitgehen, so hat 
Blass es auch verworfen, wo «A (4, 33) oder C (15, 11. 21, 13) 
mit D oder DE gehen. 

Nahe lag die Erläuterung des jcavxog xov xXrj&'Ovg 6, 5 
nach V. 1 durch xcqv [iad^x(DV, wie des ayyeXog 7, 30 durch 
xvQiov (DE HP), das auch Blass preisgiebt, ebenso wie bei 
XOV Xoyov 16, 6 den -gewöhnlichen Zusatz xov d-sov trotz. latei- 
nischer und orientalischer Versionen. Das xov lagat/X nach 
xai jtQEOßvxBQoc 4, 8 (DEP) ist ofiFenbar dem xov Xaov neben 
dem parallelen agxovxeg konformiert. Besonders häufig sind 
die Verstärkungen durch beigefligte Adjectiva. Vgl 5, 32 Jtap^ 
xov xov QTjfiaxov xovxoVy 16, 15 Jiag o oixoc, 20, 2 xavxa 
xa fisQTi sxeiva, 20, 23 xaxa jtaoav jtoXiv (das selbst Blass 
preisgiebt) oder 19, 29 o>l^ ^ JtoXig, 14,6 xtjv jibqixoqov oXr^v 
(DE, vgl. Mark. 1, 28. Matth. 14, 35). Ebenso das neben dem 
BV BXXBVBia yivofiBVi] höchst überflüssige jtoXXi] vor jtQ00B%}x>7 
12, 5 (vgl. jtoXvg oxXog 16, 22), das d-Xviptv fiBjaXt^v 13, 50 
(vgl. 8, 1), das Bvc Bxaaxo 4, 35 und besonders das unverstandene 
XQovov 19, 22, wo auch Blass das oXiyov für späteren Zusatz 



n. Die gewöhnlichen Text Verderbnisse in D. 47 

hali. Recht unpassend ist das jtQcoTog 2, 14, da ja keine zweite 
Rede folgt, und sehr überflüssig das BVOXfi(io>v nach aQeoJtaytttig 
t7, 34. Selbst das ajico nach ro ytvsvfiari 6, 10 (DE) halt 
Blass fär ursprünglich, obwohl es ebenso aus v. 5 eingekommen, 
wie das to ayiov 8, 18 (ACDEHLP), das er streicht, aus y. 17. 
Aus diesen Zusätzen erhellt erst recht, wie der Wegfall des xag 
und xoXvq (3, b) nur Nachlässigkeit sein kann. 

c. Wenn wir 3, mehrfach die Pronomina nachlässiger 
Weise fortgelassen fanden, so werden sie einige fflnfzigmal zu- 
gesetzt. So das Demonstrativum. Wo es beim Substant. zu- 
gesetzt (6, 5. 17, 30. 19, 38. 21, 20 vgl DE 1, 16), hat Blass es 
überall aufgenommen; wo es dagegen allein eingeschaltet, nur 
2, 13, während er das ovzot 19, 26, das rot^ro 3, 12. 19, 5. 28 
streicht. Ein aus dem unverstandenen xaiye entstandenes xayco 
2, 18 verwirft er, während er das verstärkende xaya> 8, 19 für 
ursprünglich hält, wie das [loi 8, 24 und das vntv % 33. Das 
o ^«oc v^cDV 3, 22 (AD), wofür kCEF thiwv haben, nimmt er 
auf, wie das rifiov 13, 32 (DE), dagegen streicht er das viig>v 
in DE 20, 31. 33, wie das iiov nach rov xvQiov 2, 25 («D). Vgl. 
noch, wie DP 5, 3, dem ipsvcaad-ai os entsprechend, voapiCaaO'ai 
ÜB schreiben, und kDEP 4, 28, dem 97 x^''Q ^^^ entsprechend, 
fl ßovXfj cov, was Blass ebenso verwirft, wie das ri]v x^^Q^ ^^^ 
4, 30. Am häufigsten wird das Pronomen der 3. Person hin- 
zugefügt im Genit., Dat., Acc, in D allein an 15 Stellen, von 
denen Blass nur in 18, 6 trotz Fl. Gig. den sekundären Charakter 
des ccvtav anerkennt. Wie leicht ein avtoig (ovg) einkam, sahen 
wir schon I, c an zahlreichen Beispielen, die hier nicht einmal 
mi^erechnet sind. Wenn Blass nun an den sieben Stellen, wo 
D in diesen Zusätzen E, EP, E LP, EH LP, sogar 7, 25 AEHP 
und 16, 34 mAEHL zur Begleitung hat, den sekundären Cha- 
rakter derselben anerkennt, so ist doch nicht abzusehen, warum 
die ganz analogen Fälle, in denen sie D allein, höchstens zu- 
sammen mit vereinzelten Versionen, hat, anders beurteilt werden 
sollen. Auch das Pronomen rig, das wir 3, c einige Male aus 
Nachlässigkeit ausgelassen fanden, hat Blass 19, 9 in DEHLP, 
wie 7, 58. 8, 27 und 16, 28, wo es allerdings nach firjöev ganz 
gedankenlos ist, als späteren Zusatz behandelt, dagegen 10, 22. 
17, 34 (vgl noch 4, 17) in ganz analogen Stellen aufgenommen. 
Besonders interessant ist 19, 38, wo D das jtQog xtva in XQog 



4S Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

avTOvg yerwandelt, und dann doch das ziva vor Xoyov beibehält. 
Hier hat Blass allerdings die Lesart von D nicht zu halten 
vermocht, dagegen 13, 1. 19, 14, wo D mit ev oig eine Verbindung 
herstellt, wie KD mit o 1, 19. 

d. Die Gopola (scviv) finde ich nur zweimal in 7, 49 (Blass: i?) 
gegen die LXX zugesetzt, da es mit den anderen Stellen, wo 
dies geschehen zu sein scheint, wie wir noch sehen werden, über- 
all eine besondere Bewandnis hat. Nur das ev aavto) 10, 17 
ist nach 12, 11 durch syevsTO ergänzt (Blass: ß), aber vielleicht 
nur, weil in seinem Texte (CDELP) xai löov folgte, und daher 
ötfjjtoQei einen Hauptsatz bilden zu müssen schien. Das ganz 
unpassende ovoag vor evO^eiag 13, 10 hat auch Blass gestrichen. 
Dagegen nimmt er das ßovXofisvoi 10, 33 auf, das doch offenbar 
Erläuterung des Infin. des Zweckes ist, wie das eXt^kvO^otsg 
21, 27, dessen ungeschickte Einschaltung nach lovöaioi sich 
vielleicht daraus erklärt, dass es ursprünglich übergeschrieben 
war (vgl. I, d), Erläuterung des oi ajto zr/g aöiag, und das ganz 
ähnliche e^eX&ovreg 15, 24 (ACDEHLP), das er sogar in a für 
ursprünglich hält. Das avpareilavteg 5, 10 ist natürlich nach 
V. 6 konformiert, wie das öuXd^eiv vor acD$ 11, 22 (DEHLP) 
nach V. 19, obwohl Blass jenes in /3, dieses sogar in a ursprüng- 
lich sein lässt. Das Zaßovrsg 2, 23 (DE?) hat er selbst auf- 
gegeben. Auf ein eingeschaltetes Xefcov, wie 7, 31 (vgl. E) oder 
7, 60, ist natürlich trotz Blass gar nichts zu geben. Nur das 
axoxQtd'Ug eiJtsv statt Xeysi 21, 37, das eher Anstoss erregen 
konnte, sieht nicht nach einer Korrektur aus. Bemerke noch 
das verstärkende oga 22, 26 (DHLP). 

Wie 13,47 (DE), so ist auch 2, 2. 3, 2, aber, wie wir sehen 
werden, im Zusammenhange mit umfassenderen Umgestaltungen, 
ein löov zugesetzt. Das jtoQaxQTjfia 5, 5 ist nach v. 10 konfor- 
miert, das evß-aös 19, 37 schien eine notwendige Ei^änzung. 
Dagegen erinnert das ßBXxtov 10, 28, das fiaXiCta 11, 27, das 
JcoXXa 20, 1 ganz an die steigernden Adjectiva in not. b, wie denn 
das ov lAOvov — aXXa 18,4 zweifellos eine solche Verstärkung 
ist. Das u aga 5, 8. 7, 1 (DE HP) ist nach 8, 22 konformiert. 
Blass hat all diese adverbialen Zusätze aufgenommen. 

e. Wir haben schon im I. Abschnitt an zahlreichen Bei- 
spielen gesehen, wie gedankenlos der Schreiber von a oft ein 
xat einsetzt. Aber dass keineswegs jedes unpassend eingeschobene 



II. Die gewöhnlichen Teztverderbnisse in D. 49 

-xai ihm zur Last fallt, zeigt ja schon das caßofispcop xai 
^XXfjvwp 17, 4 (AD, vgl. I, c Anm.). Es wird dasselbe auch 
«ingeffigt) um ganz korrekt ein Asyndeton zu lieben (1, 7, wo 
■die ältesten Mjsk. dazu ein 6e brauchen, wie DEHLP 18, 1); 
aber schon 7, 19 übersah der Emendator, dass das betonte oxrcog 
die Anknüpfung vermittelte, und dass sein xai es zweifel- 
haft lasst, ob man an den Hauptsatz oder Relativsatz anknüpfen 
solL Sicher ist, dass das xai 8, 13. 16, 27 (vgl. DE HP 13, 9) 
50 ungeschickt zwei gar nicht koordinierte Partizipien verknüpft, 
dass selbst Blass es nicht aufnimmt, und wenn er nach seiner 
Deutung des avaßaq 18, 22 das xai davor passend finden konnte, 
so bleibt es doch durchaus zweifelhaft, ob dies auch die Deutung 
des Emendators, geschweige denn des Verfassers der Acta war! 
Auch das re nach jtaQaxaXovvxBq 14, 22 ist sicher nicht im 
Sinne des Grundtextes, der eben durch das jtaQoxaX, die Herz- 
starkung der Jünger vollzogen denkt. Das ebenso unpassend 
zwei Partie verbindende 6e 13, 4 (vgl. 1, d) verwandelt Blass 
ohne alle Zeugen in tb, während er ein solches 14, 23 einfach 
nicht aufnimmt Die höhere Zahl wird mit der niedrigeren 7, 14 
•durch xai verbunden, wie 13, 20. Sicher stammt das aiyvjcrov 
TS xai 2, 10 (Blass: ß) aus einer Textgestalt, in der noch ze xai 
vorherging, das im Text von D bereits verloren gegangen (vgl. 
3, e), und beweist aufs Neue, wie verschiedene Einflüsse den- 
selben bereits entstellt haben (vgl. noch das avrog re xai 7, 15, 
das Blass ebenfalls aufnimmt). Ganz unpassend ist auch ein 
x€u im Sinne von etiam , das nach 3, e so oft ausgelassen, viel- 
fach wieder, natürlich von anderer Hand, eingefügt, wie Blass 
selbst zugiebt, indem er es 5, 36. 13, 1. 19, 12. 19, sogar 19, 26 
(ADL) streicht; aber auch 8, 19 ist doch das xayo) (vgl. schon 
not. c) offenbar dem xafioi konformiert, und 18, 23. 19, 14 er- 
scheint es nicht weniger zwecklos. Wenn Blass das yag 10, 36 
<CD), 10, 37 (AD), wie das ovp 2, 32 (DE), 13, 39 verwirft, so 
hängt doch auch die Einschaltung des ovp 13, 23 mit der schon 
1, b als Emendation erkannten Lesart zusammen, in der der 
Emendator ebenso wie 7, 19 (s. 0.) übersieht, wie absichtsvoll 
das an die Spitze gestellte zovrov an das Vorige anknüpft. 

f. Während 11, 3. 20, 10 die Präposition des Verb. comp. 
vor dem damit verbundenen Casus hinzugefügt wird, dient eine 
solche 7, 26. 20, 16. 21, 21 zu einer naheliegenden Näherbe- 
Texte n. üntersQohangen N. F. 11, 1. 4 



50 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Stimmung des einfachen Casus, 4, 25 ist durch sie eine sinnlos 
überlieferte alte Lesart zu bessern versucht (vgL Texte u. Unters, 
a. a. 0. S. 39). Selbst Blass hat nur das ganz Oberflfissige axQc 
vor VW 13, 31 und das sehr unpassende ecog vor s^eaov 19,26 
aufgenommen, obwohl es D ganz allein hat Während 17, 12 
ein 6X vor dem Genit. nach tcpeg ausgelassen wurde (vgl. 3, d)^ 
wird ein solches 19, 13, wo HLP (ajto) das gleiche Bedürfnis 
geftihlt haben, zugesetzt Während Blass die Wiederholung des 
scg vor XvözQav 14, 6 (CD) aufnimmt, hat er mit Recht das 
ganz mechanisch vor roig JcaxQaOLv heraufgenommene sv (DE) 
7, 44 getilgt, wie auch das auf völligem Missverständnis beruhende 
Eiq vor iBQOVCaXrjn 5, 16 (DEP). 

Eine der gewöhnlichsten Näherbestimmungen ist die Hinzu- 
fügung eines JtQoq c. Acc. nach verbis dicendi, die sich 10 mal 
in D und dreimal in DE findet. Blass hat diesen Zusatz überall 
aufgenommen, auch da, wo ihn D so gut wie ganz allein hat 
(8, 24. 13, 46. 21, 13), oder wo das Motiv des Zusatzes auf der 
Hand liegt (vgl. 10,22 mit v. 21; 12,15, wo das jtQoq des 
ursprünglichen Textes aus dem Parallelgliede nur nachgebracht 
ist; 3, 22, wo es sich in DE um eine Erläuterung des folgenden 
vuLV handelt). Nur 2, 7 (DEJ) hat er es nicht aufgenommen, 
obwohl gerade hier die Analogie mit 21, 14 in die Augen 
springt Wenn schon dieses ütQoq der Analogie des häufigen 
Dat. nach verb. die. (not c) entspricht, so entspricht der häufigen 
Hinzufügung des Pronomens der 3. Person das iibx avrop 1,4, 
das SV avt(D 5,31, das xar avrov 6, 13, das jtQog avxovg 10,48 
oder Jtag avzoig 18, 20 (DE HLP) bei fiaivai oder syttfieivai, 
das paulinische jtaga ß-ew nach dtxaiovtai 13,39, das sjt avrovg 
15, 8 und €ig avrovg 17, 21. Ganz analog ist das 6ia rovzov 
16, 16, das (lera ravxa 7, 30, das jtaga cov 10, 33 (vgl. das jtaQa 
xavXov 17, 15, wo E ajt arrtov hat), das aq) rffimv 7, 35 (kCDE) 
und das aq> oder vq> v/icov 4, 9. 10,29 (DE). ^) Das jcQoaejtecsv 16,29 
wird nach Mark. 7, 25 durch jtQog rovg jtoöag erläutert, wie 
das Tiva 7, 24 (DE) durch ex xov yevovgy das exrsO^svrog 7, 21 

1) Fast alle diese Zusätze nimmt Blass auf, auch wo sie D ganz allein 
hat, nur nicht 5, 31, wo doch auch Fl. sah. das iv avrof haben, 15, 8, wo 
das en avrovg nach öovg nicht einmal sonderlich nahelag, 18,20, obwohl 
er den ganz analogen Zupatz 10,48 aufnimmt, und 7,35, wo allerdings 
die Konformation nach y. 27 augenfällig ist. 



U. Die gewöhnlichen Textrerderbnisse in D. 5i 

durch jtaQa zov jtorafiov (vgl. E). Wenn Bloss diese Zusätze, 
und selbst das 6ia rov ovofiaroq xvQiov irjoov XQ^^'^^'^ ^i S 
(vgL £), das, wie wir zeigen werden, D auch 18, 8 eingebracht 
hat, aufnimmt, sieht man nicht ein, warum er das ev xogipd-oo 
18, 11 imd ev isQOCoXvfioig 20, 23 trotz der Übereinstimmung 
morgen- und abendlandischer Zeugen verwirft. 



Es erhellt aus obigen Nachweisungen, dass der Text von D 
in allen seinen Teilen durch Nachlässigkeiten, Willkürlichkeiten 
und Emendationen entstellt ist, wie sie sich in allen Codices 
finden und nichts ftlr D Charakteristisches haben. Von einer 
grossen 2^hl derselben giebt es auch Blass ohne weiteres zu, 
indem er sie in seinen Text von ß nicht aufnimmt, also sie ftir 
spätere Verderbnisse in unserem D-Text erklärt. Wir haben 
aber Tielfaltig gesehen, wie seine Entscheidungen darüber oft 
höchst schwankend sind und aller klaren Gründe entbehren. 
An sich ist es ja durchaus nicht ausgeschlossen, dass hier und 
da in diesen Varianten eine tursprüngliche Lesart sich erhalten 
hat, die schon in unseren* ältesten Majuskeln verloren gegangen 
ist; aber bei der ungeheuren Mehrzahl derer, bei denen ihr 
sekundärer Charakter ganz auf der Hand liegt, wird doch diese 
Annahme, wo nicht ganz besondere Gründe vorliegen, immer sehr 
unwahrscheinlich bleiben. Wir haben uns femer überzeugt, 
dass diese Varianten in D keineswegs alle auf eine Quelle zurück- 
gehen, sondern zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen 
Händen eingebracht sind, dass manche, wie die Zustimmung 
unserer ältesten Textzeugen beweist, der Zeit nach sehr hoch 
hinaufgehen, was aber auch nach Blass' Urteil keineswegs an 
sich fbr ihre ürsprünglichkeit zeugt; dass andere sehr gut durch 
den Schreiber von D selbst eingebracht sein können. Höchstens 
konnte man darin eine Eigentümlichkeit von D finden, dass 
diese Varianten in ihm so überaus zahlreich auftreten. Aber 
das beweist doch nur, dass sein Text, wie eben diese ver- 
schiedenen Hände, die an ihm gebessert haben, zeigen, schon 
eine reiche Geschichte hinter sich hat, und dass man weniger 
als sonst im Laufe derselben bestrebt gewesen ist, die in ihn 
eingeschlichenen Verderbnisse nach dem ältesten Texte zu 

4* 



52 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

korrigieren. Das erklärt sich aber sehr einfach daraus, dass 
ein Codex, der an anderen Stellen so umfassende und ein- 
greifende Abweichungen von diesem Texte zeigte, micht dazu 
reizen konnte, viel unerheblichere und schwerer ins Auge fallende 
zu entfernen. 



III. 

Die charakteristischen Umgestaltnngen des 

Textes in D. 

Es giebt aber noch eine Kategorie von Änderungen und 
Zusätzen in D, die durchaus anderer Art ist. Einmal materiell 
dadurch, dass sie in die Geschichtserzählung selbst eingreifen, die- 
selbe umgestaltend und erweiternd, sodann formell dadurch, dass 
sie nicht an Einzelheiten im Ausdruck haften bleiben sondern 
bis zu einer absichtsvollen Bearbeitung einzelner Stellen und 
grosserer Partien fortschreiten. Allerdings sind sie von den im 
2. Abschnitt besprochenen nicht durch eine scharfe Grenze ge- 
schieden, da ja auch bei umfassenderen Umgestaltungen vielfach 
im Einzelnen ganz ähnliche Motive wirksam gewesen sein 
können, als in jenen. Dazu kommt, dass wir nicht wissen 
können, ob nicht der Text, auf Grund dessen sie vorgenommen 
sind, bereits durch manche Textverderbnisse jener Art entstellt 
war, und ebenso wenig, ob nicht solche auch in die durch jene 
charakteristischen Umgestaltungen entstandene Textgestalt später 
noch eingedrungen sind. Kann doch darüber kein Zweifel sein, 
dass unser Text von D noch von dem letzten Abschreiber durch 
die in beiden früheren Abschnitten besprochenen Nachlässigkeiten 
und Schreibfehler vielfach entstellt ist. Erst an dieser Kategorie 
von Varianten kann nun die Frage zur Entscheidung kommen, 
ob D eine ältere Textgestalt erhalten hat, als unsere ältesten 
Majuskeln. Da ich diese Frage entschieden verneinen muss, 
werde ich allerdings in erster Linie überall darauf ausgehen, 
die Motive, aus welchen der in D vorliegende Text entstanden 
ist, klarzulegen, zumal ja die ganze Hypothese von Blass von 



III. Die charakteriBÜschen ÜmgestaltaDgen des Textes in D. 53 

der Behauptung ausging, dass solche nicht nachzuweisen seien. 
£s würde zu weit f&hren, wenn man jedes Mal die Gegenprobe 
machen wollte, ob sich umgekehrt die Entstehung des Textes 
der ältesten Majuskeln aus der Textgestalt von D erklären lässt. 
Hie und da habe ich es gethan, in den meisten Fällen ergiebt 
sich das Resultat einer solchen von selbst aus der Darstellung 
der Entstehung der letzteren, zumal ich nachweisen werde, wie 
dieselbe vielfach nur auf Grund eines Textes, wie er in den 
ältesten Majuskeln vorliegt, entstanden sein kann. Es wird sich 
aus manchen Gründen empfehlen, hier nicht die auch in diesen um- 
fassenderen Umgestaltungen sichtbaren verschiedenen Kategorien 
von Änderungen zu besprechen, sondern den ganzen Text von 
D nach der Reihe durchzugehen, um einen vollständigen Über- 
blick über dieselben zu erhalten. 

Gleich in der Einleitung der Apostelgeschichte (1, 2) nimmt 
D das ayekf]fAg>d'7j herauf, um es unmittelbar mit axQi i]g rifiSQccg 
zu verbinden, und fdgt nach t^ejLe^aro an: xai exeXevC€P xijqvo- 
OBiv xo EvayyeXiov, um das unbestimmte spreckafisvog näher zu 
bestimmen. Blass findet die Struktur so durchsichtiger, was 
aber doch eben die Hand des Emendators verrät, und den Zusatz 
höchst passend zum Beginn der Acta. Aber in Wahrheit ent- 
wertet er das svzscXafiSPog, das nun ganz überflüssig wird, 
während es doch allein das i]Q§aTO v. 1 erklärt, wenn man als 
seinen Inhalt ergänzt, dass sie sein Thun und Lehren fortsetzen 
sollen, und greift der direkten Anweisung in v. 8 vor.^) Gleich 
1^4 kann man zweifeln, ob die Einschaltung des q)7jaiv öux 
OTOputTog zwischen TjxovoaTS und fiov nicht noch zu den im 
vorigen Abschnitt besprochenen Emendationen gehört. Aber 
hier ist dadurch nicht nur der unvermittelte Übergang aus der 
indirekten in die direkte Rede vermieden, sondern zugleich die 
eigenartige Verbindung des axoveip mit Acc. und Genitiv. 



1) Der Text, den Blaas nach den Lateinern als den ursprünglichen 
herstellt,' beruht darauf, dass diese das ^^(»faro axQi nicht verstanden und 
dafQr in die qua setzten. Diese Lesart ist aber unmöglich, da nun einmal 
Jesus durchaus nicht Luk. 6, 12 f. erst sein Lehren und Heilen begann, was 
Blass ganz vergeblich hineinzuexegesieren sucht. Zu der Konstruktion 
von xeXfveiv vgl. 4, 15. Dagegen ist der Ausdruck xtjQvoaeiv xo svayyS' 
Xiov keineswegs lukanisch, da Luk. sogar Ev. 8, 1 evayyeXil^ead'ai durch 
x€U mit xriQvaoHv verbindet. 



54 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Jedenfalls ist klar, dass D hier 'einen erleichternden Text hat. 
Auch bei dem scog jrevvsxoöTTjg 1, 5 kann man fragen, ob es 
nicht ganz in die Kategorie der II, 4, f besprochenen präposi- 
tioneilen Zusätze gehört. Blass behauptet zwar, es solle, der 
Auffassung des gewohnlichen Textes entgegen, bezeichnen, dass 
die verheissene G^istesausgiessung noch Tor dem Pfingstfeste 
eintreten werde. Aber er hat nicht erwiesen, dass es das über- 
haupt nur bezeichnen kann. Es erläutert vielmehr einfach in 
ziemlich ungeschickter Anknüpfung, dass die avrai rjiuQCLt die 
Tage bis Pfingsten seien. Zu der grösseren Änderung in 1, 5 
vgl 1, d Anm. 

Es ist bemerkenswert, dass das Gespräch Jesu mit den 
Jüngern vor der Himmelfahrt keine der charakteristischen 
Änderungen in D zeigt, wohl aber sofort bei dem Eintritt der 
Erzählung 1, 9 eine wohlüberlegte Emendation. Wenn Jesus 
in der Wolke verschwinden sollte, so schien doch zuerst gesagt 
werden zu müssen, dass diese ihn aufnahm, d. h. es musste 
das vsq>6Xfi vjteZaßep ovtop vorantreten. Dann aber wechselte 
das Subjekt, und es musste deshalb das eutwv in den Genit. 
absol. verwandelt werden, der schon durch das ßXexovrwv 
avrov nahegelegt war und dasselbe nun verdrängte. War 
aber daa vxeXaßev vorbeigegangen, so konnte nun nicht mehr 
sjzTjQd-TI folgen, sondern nur noch die völlige Hinwegnahme 
{ajtfjQd-Tj), da jenes schon ein Aufgehobenwerden Jesu voraussetzt. 
Wie sekundär aber dieser Text ist, erhellt daraus, dass nun in 
D das doch nur durch das in ihm ausgefallene ßkexoprcDV 
avTa)V motivierte ajro tcov oq>d^aXii(X)V avxcov stehen geblieben 
ist, das daher Blass nach sah. August, in axo avzmv verwandeln 
will, obwohl dies doch sichtlich Nachbesserung ist. Ganz 
grundlos scheint mir Blass, der doch so oft den ursprünglichen 
Text in D allein erhalten findet, das 6vv raig yvpac^iv xac 
Tsxpoig 1, 14 zu übergehen, weil er es für eine schlechte Lesart 
hält. Es ist aber nur ein Versuch, das hier so unvermittelte 
Auftauchen der ywaixeg damit zu erklären, dass die Apostel 
mit Weib und Kind versammelt waren, was freilich sicher nicht 
die Meinung des ursprünglichen Textes ist. Auch die Ver- 
wandlung des aöeZqxDv 1, 15 in liad^tjxwv (DE) ist offenbar 
reflektierte Änderung, da dasselbe hier in ganz anderem Sinne 
gebraucht war, wie v. 14. Umgekehrt lässt Blass dieses schon 



HL Die charakteriatiBchen Umgestaltungen des Textes in D. 55 

in MäC nach y. 14 oder der Anrede in y. 16 in aösXipcop yer- 
wandelt sein. Aber solche gedankenlose Eonformationen darf 
man doch nnr annehmen, wenn die Ursprünglichkeit des ab- 
weichenden Textes schlechthin gesichert ist, was hier, wie ge- 
zeigt, durchaus nicht der Fall ist Andere charakteristische 
Änderungen oder Zusätze zeigt das ganze 1. Kapitel nicht, ins- 
besondere ist die Rede des Petrus yon all dergleichen yollig 
frei geblieben. 

In der Pfingstgeschichte erklärt Blass selbst das in D 
allein erhaltene sysvsro sv raig TjfieQaig sxsivaig rov 2, 1 für 
einen späteren Zusatz; allein es ist einer der zahlreichen Züge, 
durch welche D die Erzählungen enger zu yerketten sucht, da 
er unyerkenubar an 1, 5 anknüpft. Vielleicht schwebte dem 
Emendator auch vor, dass bei einem cvfiJtXTjQovöd'ai immer yon 
«iner Mehrzahl yon Tagen die Rede sein müsse, durch deren 
Verlauf ein bestimmtes Ziel erreicht wird (vgl. Luk. 9, 51). 
Wenn er aber nun sofort in den ihm yorliegenden Text zurück- 
lenkt, indem er mit rov den dort von ev reo abhängigen Acc 
c. Inf. anknüpft, tritt die darin liegende Schwierigkeit, dass jetzt 
yon dem Vollwerden eines einzelnen Tages die Rede ist (die schon 
viele Versionen durch die Verwandlung des Tjfisgav in rj/iegag 
zu heben suchen) nur um so greller heryor; denn unmöglich kann 
das Zu -Ende -gehen eines einzelnen Tages eine Gruppe yon 
Tagen charakterisieren. Die Emendation hat ihren Zweck nicht 
erreicht, weil der vorliegende Text nicht durchgreifender ge- 
ändert isL^) Durch die Einbringung des neuen Hauptverbums 

1) Hilgenfeld (Zeitschrift für wiss. Theol. 38, S. 90) hat vollkommen 
Recht, dass der gewöhnliche Text nur den Zeitpunkt bezeichnen kann, wo 
die t]fi€Qa ZTjg nevzsxoanjgy die ja mit dem vorhergehenden Abend ^be-^ 
gODDen hatte, um die 3. Stunde (2, 15, d. h. 9 Uhr früh), im Begriff war 
vollendet zu werden, also noch nicht vollkommen abgelaufen war. Er 
scheint allerdings anzunehmen, dass D das avfinXfjQOvad-ai auf die Er- 
AUung der Yerheissung 1, 5 bezogen habe; aber diese lautete ja nicht 
auf den Eintritt der Fentekoete, sondern, wie er ganz korrekt sagt, auf den 
terminus ad quem der Geistesausgiessung, während in der Zeitbestimmung 
immer nur von jenem die Rede sein kann. Blass scheint die Schwierigkeit, 
die In beiden Texten liegt, gar nicht zu fühlen, indem er, seiner falschen 
Auffassung von 1,5 entsprechend, den Inf. praes. dahin presst, es sei eine 
Zeit kurz vor dem Pfingsttage gemeint. Ganz naiv übersetzt er: cum in 
eo esset ut complerentur. Da aber ri^v tj/jisQav folgt, muss natürlich über- 
setzt werden: compleretur. 



56 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

sysvevo ^urde nun aber das ijoav Jtavzsg zu einem Zwischen- 
satz herabgesetzt und nach einer in Cod. D sichtbaren Vor- 
liebe fttr den Gen. abs. (vgl. schon 1, 9) in ovt(op Jtapxoop ver- 
wandelt, dem dann statt des doch abundanten Ofiov (vgl. II, 3| d} 
das auf die iiad^at 1, 15 (vgl. das ev xaiq Tj/iegaig xavtaig 
daselbst) zurückweisende avzcop vorgesetzt ward. Auch ist, da- 
mit sich das xai eyerero 2, 2 nicht zu monoton an das xai £/£- 
VETO V. 1 anschhesse, ein töov dazwischen gesetzt, das Blass- 
ohne jeden Grund von dem ursprünglichen Text von D aus- 
schUesst, was er doch in ähnlichen Fällen (vgl. 11, 4, d) nicht 
thut. Noch weniger sieht man, woher er jetzt (anders noch im 
Kommentar) 2, 6 das Xakovvrag raig yXcoacacg avrop nicht 
in den Text von ß aufnehmen will, obwohl beide Syrer und 
wohl schon August, diese Lesart kennen. Offenbar will dieselbe- 
enger an die ezegai yXcoocai v. 4 anknüpfen und dieselben als 
die ihnen eigentümlichen neuen yXcoacai bezeichnen, womit zu- 
gleich, wie 1,4 (vgl. auch 11, 7. 15, 12 und dazu U, 1, a), der 
Genit bei axoveiv vermieden ward. Dass dies nicht im Sinne 
des ursprünglichen Textes lag, zeigt freilich v. 7 ff. Ebenso klar ist,, 
weshalb das xri öiaXexxo f]fia)v 2, 8 (zu dem Ausfall des löia 
vgl. U, 3, b), zu dem das XaZovpxmp erst nach dem wiederauf- 
genommenen axovofisp in V. 11 nachgebracht wird, in xfjy 
ötaXsxxop rjiimp verwandelt wird, das Blass jetzt sogar in a 
aufnehmen will. Von dem erläuternden hjtt tö> jByopoxi 2, 12, 
das offenbar in Reminiscenz an 3, 10 eingeschaltet, wo D auch 
ent reo Ysyspfj/ispo} liest, lässt sich bezweifeln, ob es nicht einer 
der gewohnlichen präpositionellen Zusätze (vgl. II, 4, f) ist, und 
noch mehr bei dem gedankenlosen dexa statt spöexa 2y 14, da 
hier doch das ajcocxoXoig eine der gewöhnlichen Ergänzungen 
ist (II, 4, b). Der Emendator dachte dabei an die ursprüngliche; 
Zwölf zahl der Apostel, ohne zu erwägen, dass die Stelle des 
Judas nach 1, 26 bereits ausgefüllt war. 

In der Rede des Petrus findet sich 2, 15 nur eine leichte 
stilistische Änderung, indem statt der die Rede unterbrechenden 
Parenthese ein Gen. absol., wie ihn D liebt (vgl. 2, 1), gesetzt, 
und das XQixi]g betont an den Schluss gestellt wird. Den Zu- 
satz xara caQxa apaoxrjaai xop xq^<^'^op 2, 30 hat Blass gar- 
nicht in seinen j9-Text aufgenommen, obwohl ihn auch EP 
kennen, weil er aus v. 31 eingebracht @ei, während ihn Hilgen- 



L 



III. Die cbaxakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. 57 

feld (a. a. 0. S. 102) fOr ursprünglich hält, weil er die not* 
wendige Vermittlung fbr das jtsQi Ti]g apaoraöewg y. 31 bringe. 
Beide setzen danach voraus, dass er von der Auferstehung rede, 
was doch wegen des sx xoQjtov rtjg ooipvog (das in unserem D 
sinnlos verschnebeu) avrov und des xara caQxa schlechthin 
unmöglich ist. Das avaozTjöac ist natürlich im Sinne von 3, 22. 
26 gemeint^ und der Zusatz soll lediglich das scheinbar fehlende 
Objekt zu xad-icai ergänzen. Im Übrigen tritt erst 2^ 37, wo 
der Eindruck der Bede geschildert wird, eine eingreifendere 
Änderung ein. Hier wird ausdrücklich unterschieden zwischen 
dem gewaltigen Eindruck, den die Bede auf alle Zuhörer machte 
{xaPTtq oi avpaZd-opreg , vgl. v. 6), und zwischen der Wirkung 
auf Einige {ripsg eg aDTCov)^ die dadurch zu einer Frage be- 
wogen wurden, welche durch das hinzugefügte vjtodsi^aze tj^iP 
noch starker als eine den Weg zum Heil suchende charakteri- 
siert wird.^) Eine auf ganz ähnlicher Reflexion beruhende Emen- 
dation findet sich 2^ 45. Da doch nicht Alle Grundstücke oder 
Eigentum besassen (bem. das ^ statt xai und die fehlenden 
Artikel), schreibt D: oool xxrniaxa stxop 7/ vjiaQ^eig (vgl. Pesch.) 
und nimmt das xaO^ rmsQav aus v. 46 herauf, da sich doch nur 
Tag für Tag herausstellen konnte, wo eine Verteilung des Er- 
loses not that (bem. die passivische Wendung, durch welche 
das scheinbar beziehungslose avxa vermieden wird, und vgL zu 
der sinnlosen Änderung des Schlusses I, c). Dann aber musste 
tj 46 angefügt werden, was Alle, auch die I^ichtbesitzenden, 
thaten {ptavxBg ra), wodurch das Partie. jtQOOxaQxsQOVpxBg in 
ein zweites Hauptverbum verwandelt wurde {jcQooexaQXSQovp), dem,, 
ganz entsprechend den beiden Imperfektis in v. 45, nun ein 
zweites Imperf. sich anreiht: xai xax oixovg (antizipiert, um einen 



1) Bemerke, wie der Glossator der Philoz. wohl das navieg 01 avvek&.r 
aber nicht das notwendig damit zusammenhäiigende xcci riveg ff avrtov 
berücksichtigt hat, obwohl er das vTioSei^ars ijfiiv aufnimmt, also in seinen 
Korrekturen nach dem D zu Grunde liegenden Text ganz unverlasssam 
ist Dagegen findet sich das vTioSei^ars rifxiv auch bei August. Gig. und 
anderen Lateinern., sowie in E. Eingeführt wird diese Änderung mit dem 
roTf (statt 6e), das, wie wir sehen werden, in diesen D charakteristischen 
Umgestaltungen sehr h&ufig vorkommt. Dass keine Teztrezension diese 
Unterscheidung, wenn sie ursprünglich vorlag, absichtlich verwischt haben 
wird, b^df^ doch keines Beweises. 



5S Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Gegensatz zu sv leQO) zu bilden) fjoat^ (das rjg ist nach g aus- 
gefallen) sytno avTO (vgl. v. 44), wodurch zugleich das ofiod^- 
fiaöov vor av ibqo) ersetzt ward. Nun erst konnte der Emen- 
dator in seinen Text zurücklenken, in dem er wohl 2^ 47 noch 
das rov Xaov durch rov xoOfiov ersetzte, um den Eindruck 
solchen Verhaltens zu verstarken. Die Vertauschung dieser 
Worte auf eine missverstandene aramäische Grundlage zurück- 
zufahren, ist mir ganz unmöglich, da diese Schilderung sicher 
nicht aus einer Quelle, am wenigsten einer aramäischen herrührt. 
Die Erzählung von der Lahmenh eilung wird wieder, wie 
2, 1, durch 6P racg ij/ieQatg ravraig (3^1) an die vorige enger 
angeschlossen. Es liegt nicht der mindeste Grund vor, diesen 
Zusatz von den D eigentümlichen auszuschliessen und mit Blass 
für spätere Interpolation zu halten, er zeugt eben nur für den 
sekundären Charakter aller dieser Zusätze. Klar ist, dass das 
To öeiXivop für solche, die mit der jüdischen Stundenzählung 
unbekannt sind, erläutert, dass die dem Gebet geweihte 9. Tages- 
stunde (bem. die absichtliche Verbindung von evarr]v mit ogap) 
die abendliche ist. Sehr misslungen ist freilich S» 2 die Ein- 
schaltung des jtaQ avTcop, an das sich nun der in D so beliebte 
Gen. abs. (vgL 2, 1) siOJtogevo/isvoov avrcov anschliesst, weil 
dadurch der Sinn entsteht, dass er von den Aposteln, wenn sie 
eintreten würden (v. 1), ein Almosen erbitten sollte, und so das 
rov atretv ungeschickter Weise mit eßaora^sro verbunden 
werden muss, während doch von dem die Rede ist, was täglich 
mit dem Lahmen geschah, damit er die Tempelbesucher an- 
betteln könne. Aber dass der Emendator das übersah, erhellt ja 
auch aus dem vor rig eingeschalteten löov, das auf eine einzelne 
auffallende Thatsache vorbereitet, während, wie das Imperf. zeigt, 
die Schilderung eines täglichen Vorganges folgt. Dennoch ist 
nicht abzusehen, was Blass berechtigt, wohl das i6ov, das Pesch. 
aufnimmt, ohne seinen Grund zu erkennen, aber nicht das 
doppelte avTCDV in seinen ß-Text aufzunehmen, zumal die Ände- 
rungen im Folgenden sichtlich damit zusammenhängen. Denn 
allerdings konnte nun das og löcov 3, 3 nicht genügen, da es 
sich ja von selbst verstand, dass er die Apostel sah, wenn er 
eben herbeigebracht wurde, um sie anzubetteln. Vielmehr wird 
nun in einem neuen Hauptsatz (vgl. III, 1, b) geschildert, wie er 
(die Tempelbesucher) mit seinen Augen fixierte (bem. das aus 



in. Die charakteristischen ümgestaltuDgen des Textes in D. 59 

T. 4 antizipierte areviöag mit zoig otpd-. avr.^ Tgl. Fl.), und als 
«r nun wirklich die Apostel kommen sah, sie um ein Almosen 
bat. Die Einschaltung des avxovq war dann freilich ebenso 
notwendig, wie das Xaßeiv bei der Anknüpfung an das aireiv 
T. 4 entbehrlich. Es ist interessant zu sehen, wie dasselbe auch 
in P FL Gig. Lucif. Philox. und vielen Min. fehlt, Fl. sogar das 
•avTovg hat, obwohl sie die Lesart, mit der diese Änderungen 
zusammenhängen, gar nicht mit aufgenommen haben. Dasselbe 
-gilt Ton den damit gegebenen Änderungen in 3^ 4. 5. Es musste 
nun natürlich der Ausdruck gewechselt werden (vgL sfißletpaq 
«tatt des eben gebrauchten atsviCaq) und Petrus, als er mit 
Joh. auf ihn hinblickte, ihn auffordern^ auf sie (die Apostel) sein 
Augenmerk zu richten (cczevioop statt ßjLsy^ovjj was er denn 
auch, mit wörtlicher Befolgung dieses Befehls, that (o östjtsviösp). 
Dabei zeigt sich die Abhängigkeit des Emendators von einem 
gegebenen Texte noch darin ^ dass er nun das allein zu ejteixsv 
passende avzoig beibehält statt des nach dem Vorigen zu er- 
wartenden 6ig avtovg.^) Auch bei der Heilung des Lahmen 
wird fiy 7, dem fjyeiQev entsprechend, ein sarad-t] xcu dem boxbqb- 
<o&i]Oav Yoraufgeschickt, wozu nun freilich das im Texte erst 
Zy 8 folgende xai sgaXXofiavog bcxtj nicht mehr passt, weshalb 
es auch Fl. fortlässt. Der Emendator nimmt es nur als einen 
Freudensprung, weshalb er dem jtBQiBJtaret ein x^^'Q^l^^^og hin- 
zufügt (bem. den dem N. T. ganz fremden Barbarismus, der hier 
nur w^en des s^aZZofievog, dem es parallel stehen soll, ein- 
gekommen, TgL die Korrektur in E), wofür er dann nachher das 
jisgutarcDv ocai aZXofiSPog streicht Bem., wie das auch in Ver- 
sionen (aeth.) geschieht y in denen das Motiv dieser Änderung 
nicht mehr erhalten. 

Selbstverständlich kann die Anhänglichkeit des Geheilten 
{Zj 11) an die Apostel nur dadurch sichtbar geworden sein, dass 
er sich ihnen inuner wieder an die Fersen heftete, auch als sie 
^as eigentliche Heiligtum verlassen hatten, und dies erst machte 



1) Wenn dies Blass einsetzt, so giebt ihm daza nicht einmal Fl. eine 
Berechtigung, der hier wahrscheinlich noch enstxev las, und nach dem er 
^Ifiag — avTOig in den Sing, verwandelt und ein eniorag — avzw ein- 
schiebt, was doch offenbar Nachbesserungen des Übersetzers sind. Zu dem 
gedankenlosen areviaag (statt ijreviaBv) in v. 5 und dem ganz struktur- 
widrigen xai vor emev in v. 4 vgl. I, b. 



60 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

das Volk auf die Urheber der von ihnen schon im Heiligtunt 
angestaunten Heilung (v. 9 f.) aufimerksam, die ja vor dem Tempel- 
thor erfolgt war. Das war es, was den Yolkszusanunenlauf an 
der Halle Salomos veranlasste, da man nun die Männer an- 
staunte, welche ein solches Wunder gethan. £s ist ganz in der 
erläuternden Weise des Emendators, wenn D ausdrücklich be- 
merken zu müssen glaubt, dass als die Apostel herausgingen, 
der Geheilte mit ihnen herausging {axjtoQ, — avps^sjtoQeveTo\ 
was doch mit dem xQarcov und dem Wechsel der Lokalitat 
(to uqop V. 8, f] oxoa oaXo/i. v. 11) von selbst gegeben war» 
Ebenso stiess er sich daran, dass noch einmal das Staunen der 
Menge erwähnt wird, von dem schon v. 10 die Rede war, und 
ihr Zusammenlauf, obwohl sie schon v. 9 beisamüien gedacht ist^ 
Er lässt daher das owBÖQaiisv Ttaq o Xaog ganz fallen, und 
bemerkt nur, dass die nach v. 10 in Staunen Geratenen in der 
Halle Salomos standen {oi d-afißrid-spreg scrfjoav sv), als die 
Apostel sie anredeten.^) In der umfangreichen Rede des Petru& 
ist aber nirgends eine tiefergreifende Umgestaltung oder Er- 
weiterung erfolgt. Nur 3, 12 sehen wir, wie 2, 15, durch eine 
leichte stilistische Änderung {rjficop — jcejioirixotcov) einen 
Genit absol. (vgl. 2, 1) eingebracht und 3, 13 das jtaQeöoDxare 
durch 6ig xqioip erläutert Da damit das xQtvavxoq nach jtiXarov 
bereits antizipiert, so wird dasselbe nun im Folgenden durch 
rov oJtoXvBiv avTOv d^sXovxoq verdeutlicht (vgL dazu noch I, d). 



1) Auch Hilgenfeld a. a. O. 38, 2, S. 188 Anm. 4 hält diesen Text för 
paseender, als den herkömmlichen, obwohl die Motive seiner Abweichung, 
auf der Hand liegen. Aber der Emendator übersah, dass, wie v. 12 zeigte 
ausdrücklich zwischen dem Staunen über das Wunder als solches (y. 10)< 
und über die Männer, denen man es jetzt zuschreiben zu müssen glaubte 
(v.ll), unterschieden wird, dass er vielmehr erst eine Unklarheit hineingebracht 
hat, da die ^afißri^evzeq ja nach v. 8—10 im Heiligtum sich befanden und 
nun auf einmal in der Halle Salomos (bem. das ev statt des ursprünglichen 
sni) stehen. Erst mit dem Wegfall des Volkszusanmienlaufs musste auch 
das iö(ov V. 12 wegfallen und Petrus ngoq avxovQ^ d. h. zu den &afißrf^ 
d-evTsg reden statt ngog xov laov, Bem. auch das Btntv statt tat^xQivaxo^ 
das durch den Blick auf den Zusammenlauf und das Staunen des Volkes* 
ausreichend motiviert ist (vgl. H, 1, c). Zu dem in D ganz überflüssigen 
exd^aftßoi vgl I, d. Interessant ist, wie Fl. wohl den Anfang dieser Emen- 
dation aufgenommen hat, aber nicht alles dainit doch so eng zusammen- 
hängende Übrige. 



m. Die charakterifitiscliexi Umgestaltmigen des Textes in D. 5[ 

Wenn $, 17 das o ös d-sog in v. 18 durch v/isig fisv vorbereitet 
und das sjtQa§are durch ein angefügtes jtovtjQbv (nicht ro 
jtovTjQov, wie Blass nach dem Korrektor von D in seinem /9-Text 
schreibt) erläutert wird, das weite Verbreitung gefunden hat^ 
so ist beides sicher nicht im Sinne des Eontextes, in welchem 
gerade entschuldigend hervorgehoben wird, dass sie nur eine 
Yerfehlungssünde begangen haben, Gott aber ihr Thun benutzt 
hat, um seine Weissagung zur Erfüllung zu bringen. 

In der Erzählung von der Verhaftung der Apostel dürfte 
doch der Text in D 4, 2 nicht so verderbt sein, wie Blass an- 
nimmt. Dem Emendator schwebt wohl Rom. 1, 4 vor, und er 
lasst die Apostel Jesum (als den Messias) ankündigen {avayyBXXeiv) 
auf Grund der (bei ihm vorgekommenen) Totenauferstehung, 
während im ursprünglichen Text sicher gemeint war, dass sie 
auf Grund des (auferstandenen) Jesus die den Saddukäem so 
verhasste Lehre von der Auferstehung aus Toten verkündigten 
{xaxayysXXBiv). Dass das harte Anakoluth in 4, 6 nicht erst von 
den ältesten Mjsk. eingebracht ist, wie Blass und Hilgenfeld 
(a.a.O. S. 199) nreinen, obwohl es doch an sich schon äusserst 
unwahrscheinlich, sondern von D durch die Verwandlung des 
Acc. c. Inf. in ovvrjxd^oav mit folgenden Nominativen 4, 5 ge- 
hoben, zeigt schon die Entfernung des gleichfalls schwierigen 
4xvT(ov, Die Worte des Petrus 4, 8—12 sind wieder von jeder 
eingreifenderen Änderung intakt erhalten; denn dass das xat bv 
4xXZa? ovdevi v. 10 und die Weglassung des ganzen ersten Satz- 
gliedes in V. 11 demselben Text angehört, wie die charakteri- 
stischen Umgestaltungen in D, ist doch eine ganz unerweisliche 
Hypothese; und die Änderung des unverstandenen ovöe v. 11 
in oVy sowie die Aufhebung der gesperrten Wortstellung durch 
Verbindung von ovo/ia mit btbqov ist eine der allergewohnlichsten 
Emendationen, die mit den für D charakteristischen Änderungen 
gar nichts zu thun hatJ) 



1} um das allerdings recht Überflüssige xat ev aXXcD ovSevi als Be- 
standteil des ursprünglichen Textes zu erweisen, weist Blass darauf hin, 
dass ohne diese Worte das ovtoq v. 11 wegen des dicht vorher aaf den 
Geheilten gehenden ovta^ zweideutig wird, wäbrend doch ein Gefühl da- 
von eben die HinzufQgnng dieser Worte veranlasst haben könnte. Dass 
aber dieselben der Anlass gewesen sein sollen, den ersten Satz in v. 12 
zu bilden, wie Hilgenf. a. a. 0. S. 202 meint, setzt eine Art von Korrektaren 



Q2 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Dagegen wird sofort 4, 14 das offenbar steigernde xou]Oae 
tj eingeschaltet, das aber so ungeschickt vor amsutuv angebracht 
ist, dass man vermuten mochte, es sei ursprünglich nur über 
das avxButBiv, dessen Beziehung ein Leser nicht verstand, zum 
Ersatz übergeschrieben und an falscher Stelle in den Text ge- 
kommen. Die Bedeutung des Gomparat. ipaPBQ<oxaQOP 4, 1& 
scheint mir damit nicht erledigt, dass Blass sagt, er stehe flir 
den SuperL, der mir in diesem Zusammenhange erst recht un- 
verständlich ist Er soll vielmehr die scheinbare Tautologie dea 
ipavBQov neben ypoczov heben, indem er mit dem hinzugefügten 
BCTiVj das den Satz ausdrücklicher mit dem folgenden xat ov^ 
dwaiiBd-a in Parallele setzt, aus diesem seine nähere Beziehung 
erhält: Dass ein notorisches Wunder durch sie geschehen, ist 
zu offenkundig (eigentlich: offenkundiger, als dass wir es ab- 
leugnen könnten), und wir können es (schon darum) nicht ab- 
leugnen, damit es nicht (durch den dagegen erhobenen Wider- 
spruch) noch etwas mehr (bem. das hinzugefügte r^), d. h. noch 
viel mehr als schon bisher, ins Volk verbreitet werde. Das ist 
nun freilich nicht der Sinn des Urtextes, in dem sich, was nicht 
verbreitet werden soll, erst aus dem Folgenden ergiebt, nämlich 
die Predigt von dem Namen Jesu.^) Oanz charakteristisch ftlr 
D ist es, wenn mit dem bei ihm so beliebten Gen. abs. (vgl zu 
2, 1) vor der Ausführung der beschlossenen Massregel 4, 18 vor- 

in unseren ältesten Mjsk. voraus, für die ich keinei'lei Analogie wüsete. 
Dagegen lag es sehr nahe, wenn einmal jene Worte in v. 10 eingeschoben 
waren, die ganz gleichen in v. 12 fortzulassen; was doch auch nur Fl. 
Cypr. thun, während andere nur jenen Zusatz oder nnr diese (auch an 
sich sehr begreifliche) Auslassung haben. Der Ausfall von 17 atottjgia in D, 
der den Satz ganz sinnlos macht, hat jedenfalls damit gar nichts zu thun 
(vgl. II, 3, b. Anm.]. Wie leicht man an dem durchaus sachgemftssen ov^ 
(vgl. dazu Texte u. Unters. IX, 3. S. 96) Anstoss nehmen konnte, zeigt ja 
Hilg. mit seinen Bedenken dagegen selbst (S. 201], und die gesperrte 
Stellung (vgl. II, 2. Anm.) haben, nur in anderer Weise, auch A£ und k 
zu heben gesucht. 

1) Um das sinnlose yeyovevat (statt ysyovev), das offenbar nur durch 
nachlässige Verdoppelung aus dem folgenden JI entstanden ist; zu retten» 
will Blass ohne Zeugen am Anfang des Satzes ro statt ori lesen; dagegen 
behält er 4, 17 das aXX bei, als ob es nur aus Nachlässigkeit in dem 
heutigen Text von D ausgefallen sei. Das ist aber nicht möglich, da da» 
nach a7t€i?,rjao/ji€^a eingeschaltete ovv zeigt, dass es absichtlich weg- 
gelassen ist. 



ni. Die cbarakterifitiBchen ümgestaliaiigen des TezteB in D. g3 

aufgeschickfc wird, dass alle mit dieser Ansicht übereinstimmten 
{cvvxcctaTiB-SfiBvop 6b avrov ri] Yvmfif]\ weil sonst die eigent- 
liche Beschlussfassung zu fehlen schien. Der Emendator übersah 
nur, dass im Vorigen gar kein Votum abgegeben ist, sondern 
dass nur die Erwägungen geschildert sind, die sie miteinander 
anstellten (v. 15). Bem. noch, wie hier, wo derselbe sich ohne* 
hin freier bewegt, er mit dem völlig synonymen (pmvtjOavxBq 
statt xaXBCavrsq in seinen Text zurücklenkt (vgl 11, 1, c). Auch 
die Erläuterung des (iriösv svQicxoPTsg 4, 21 durch fii] evQ. 
aixtap trifft nicht den Sinn des Erzählers, da sie gar nicht nach 
einer Ursache ffir die Verurteilung suchen, sondern nach einer 
Art der Strafe, die sie nicht mit dem für die Apostel begeisterten 
Volk in Konflikt bringt Es wird darum auch nicht notig sein, 
mit Blass und Hilgenf. (a. a. S. 204) das 6ta xov Xaov unter 
Zerreissung des einfachen Wortgefüges mit axsXvOav zu ver- 
binden statt mit dem zunächst stehenden iitj svQiaxoPTSg. Viel- 
mehr zeugt dies deutlich noch für den ursprünglichen Sinn. 

In der Einleitung zu dem Gebet der Gemeinde, das 
selbst unangerQhrt bleibt, meint D hinzufügen zu müssen, dass 
sie aus dem, was sie von den Aposteln horten, erkannten, wie 
sie durch Gottes Machtwirkung vor jeder weiteren Schädigung 
durch die Feinde bewahrt geblieben seien (4, 24: xai BJttyvovreq 
X7]v rov ß-Bov evsQYBiap), Aber darauf nimmt doch das Gebet 
in V. 29 thatsächlich keinerlei Bücksicht. Wenn dann 4, 31, um 
zu dem v. 32 von den jtiotBvoapTBg Gesagten überzuleiten, ge- 
5»gt wird, dass sie das Wort Gottes zu jedem redeten, der glauben 
woUte (DE: xavzi ra> d'eXoPVi JtiörsvBip), weil ein solcher 
natürlicb auch wirklich gläubig wurde, so ist das sicher nicht 
im Sinne der Erzählung, da ein XaXBtp fisra JtaQQTjOiaq sich 
doch zunächst an die Feindseliggesinnten richtet, und nicht an 
die Glaubenswilligen. Auch das xai ovx fjp öiaxQiöig bp avToic; 
ovÖBfiia 4, 32 (vgl. E) ist gewiss keine sehr treff^ende Erläuterung 
des xoQÖia xai tpvxV f^^^t ^^^ doch, wie das Folgende zeigt, 
auf die vollige Selbstlosigkeit der Liebe geht, und nicht bloss 
auf die Abwesenheit von Streit und Zwietracht. 

In der Erzählung von Ananias und Sapphira wird nur 
5,4 das TO JtQayfia rovxo durch jcoiTjöai {xo) JtoprjQop xovxo 
erläutert, und 5, 8 das BiJtB (tot bi durch BJtBQcoxrjao} öe bi aga 
1 vgL II, 4, b) näher bestimmt. Dagegen schien 5, 15 dem Emen- 



.g4 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

dator jede Angabe der Wirkung zu fehlen, welche das Vertrauen 
auf die Wunderkraft des Petrus rechtfertigte, weshalb er hinzu- 
fügt: ajtfjXXaaoovTO yaQ ajto jcaotjg aoO-evscag, r]g eix^v exaotOQ 
avTWV (vgl. auch E). Allein eine Begründung fQr das eigen- 
artige Oebahren der Leute ist das doch noch durchaus nicht. 
Sehr seltsam ist ein Zusatz, den D 5, 18 bringt. Der Emen- 
dator scheint sich daran gestossen zu haben, dass das von den 
Hierarchen v. 17 f. v. 21 Erzählte durch v. 19 f. unterbrochen 
wird, und lässt mit einer offenbaren Reminiscenz an Joh. 7, 35 
'{xai BJtoQtvd-T) Big exaCrog eig xa iöia, vgl. auch C 14, 18), als 
ob sie die Verhaftung und Einkerkerung der Apostel in Person 
vollzogen hätten, die Hierarchen erst nach Hause gehen. Darum 
knüpft er auch 5, 19 mit dem ihm so beliebten zote (vgL H, 
1, e) und dem nachdrücklich vorangestellten öia vvxzog an, um 
anzudeuten, dass das Folgende sich zutrug, während sie Nachts 
ruhig zu Hause waren, und lässt die Hierarchen erst wieder 
.5, 21 auftreten, nachdem sie in der Frühe aufgestanden sind 
{eyegd'Bvreg xo jtQmi). Wenn aber 5, 22 das avoi^avxBg xr^v 
(pvXaxTjPj wie nachher das eoa>j aus v. 23 antizipiert wird, so 
übersieht der Emendator, dass es dort durch die wohlverschlossenen 
Thüren motiviert ist, hier aber ein sehr müssiger Zusatz. 

In der zweiten Verhandlung vor dem Hohenrat hat 
D 5, 29 die seltsame Umstellung, wonach das jteid-aQXBiv 6bi 
(wohl verschrieben in 6b) d-Bco fiaXXov 7} avd-QOJtoig noch zu 
den Worten des Hohenpriesters gehört und dann erst folgt: o 
ÖB jtBXQog BUtBV jtQog avxovQ. Der Emendator muss an der 
Wiederholung von 4, 19 Anstoss genommen und deshalb die Worte 
als höhnische Replik darauf dem Hohenpriester in den Mund 
gelegt haben. Vielleicht stiess er sich auch an dem harten 
Asyndeton, mit dem das ohnehin auch in keinem sachlichen Zu- 
sammenhange mit V. 29 stehende o B-Bog v. 30 einsetzt, wie schon 
t(A thaten (o 6b O^Bog) und wahrscheinlich auch die Lateiner, 
welche deshalb die Worte des v. 29 fragend fassen und den 
Hohenpriester mit d-Bco antworten lassen.^) Jedenfalls ist das 



1) Nach ihnen konstruiert Blase seinen Text, den er in D mit a 
kontaminiert sein lässt. Dies ist aber offenbar unrichtig, da der Text der 
Lateiner dem gewöhnlichen ungleich näher steht, als der von D, sofern 
in ihm auch Petrus die Worte spricht. Ich halte es sogar nicht fSr un> 
möglich, dass in D wirklich de statt Sei zu lesen und die Worte von ßov' 



in. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. 65 

xai Ol ojtoöToXoi weggelassen, da doch nur einer sprechen zu 
können schien, und das axoxQiB-eig getilgt, weil keine Frage 
vorhergeht.*) Das Jtgog avrovg entspricht dem jcaQrjYyeilafiap 
— sg) fifuzg in y. 28. Das xQog avrovg bf 35, das nach dem rovg 
avß-QWJtovg v. 34 doppeldeutig war und sich immer nur ad 
synes. auf ex xov cvvsÖQiov bezog, wird von D in Jtgog rovg 
aQxovrag xai ror)g övpsÖQOVg verwandelt. Wenn 5, 36 aus dem 
Folgenden 6ish)di] heraufgenommen wird (statt avTjQed^), so 
hat der Emendator og auf agid-fiog bezogen, weil dieses das 
nächststehende Subjekt war, und deshalb avrog öi avrov {eavrov) 
hinzugefügt, um auszudrücken, dass sich die Schar von selbst 
auflöste. Dann musste natürlich das zweite ötskvd-rjaav fort- 
fallen und xai Jtavreg xrL als zweites näher bestimmendes Sub- 
jekt an öieXv^ angeschlossen werden (vgL 16, 15). Wie nahe 
5, 37 die Hinzuf&gung eines xokvp nach Xaop (CD) lag, zeigt 
das ixavov in EHP, weshalb es Blass nicht aufnimmt. Ohne 
Grund hat er auch 5^ 38 mit FL nur den Voc. aösXfpoi ein- 
gefügt, während doch D ein Eioiv davor hat, also daran er- 
innern will, dass die Angeklagten doch Volksgenossen sind, mit 
deren Blut man die Hände beflecken würde, wenn man sich an 



kso^e an fragend gemeint waren: Ihr wollt das Blnt jenes Menschen über 
OI18 bringen, damit aber (wie ihr 4, 19 sagtet) Gott mehr gehorchen, als 
den Menschen? Solche Blutrache kann doch keinesfalls Gottes Gebot sein. 
Dann könnte in der Lesart der Lateiner eine Reminiscenz an diese fragende 
Fassung stecken, und auf ihrer Seite vielmehr die Kontamination sein, sofern 
sie die Worte mit Su nach a dem Petrus zurückgaben. Liest man auch 
in D dfi, so hat diese Lesart mit der der Lateiner schlechterdings nichts 
zu thun. 

1) Wenn in D das 6e ursprünglich und die letzten Worte fragend zu 
lesen sind (s. d. vor. Anm.), war zu dieser Änderung allerdings kein Anlass 
gi^eben, und dieselbe ist erst später gemacht von einem, der die Worte 
eben nicht fragend fasste. Aus einem Text, in dem das anoxQiS'Sig noch 
stand, stammt auch das weitverbreitete ov vor naQuyy. in v. 28, das die 
Worte des Hohenpriesters zur Frage stempeln sollte, obwohl sich dasselbe 
doch unmöglich über das löov TtsnXTjgwxate hinweg (auch wenn man 
das xai davor strich, vgl. II, 3, e) auf die zweite Vershälfbe mit beziehen 
konnte. Blass hat es neben dem sinev in seinen Text genommen, obwohl 
doch klar ist, dass beide Emendationen aus ganz verschiedenen Quellen 
stammen. Auch das exsivov statt rovxov, das allerdings sehr nahe lag, 
ist eine Emendation, die mit der hier für D charakteristischen Umgestaltung 
nichts zu thun hat. 

Texte a. Untersachnngen N. F. II, i. 5 



6g Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

ihnen vergriffe (jiri ficavavreg rag x^''Q^^f ^?^' ^i ^^^ diesen 
Zusatz ohne sein Motiv aufgenommen hat). Freilich stimmt 
diese Motivierung nicht recht zu der, welche Gamaliel im Folgen- 
den seinem Rate giebt; aber eben darum wird ja 5, 39 zu dieser, 
die ohnehin durch das ovze vfieig ovre ßaOiXeig ovrs rvQavvoi 
(vgl. die ganz verunglückte Emendation dieses allerdings in der 
gegebenen Situation recht weit hergeholten Zusatzes in E) ver- 
stärkt wird, noch einmal hinzugefügt: astexBCd-e ow axo rcop 
avd-QtojttDV rovrcop. Allerdings ist dies eine leere Wiederholung 
aus V. 38; aber es dient zugleich dazu, für das fir/xors eine 
bequemere Anknüpfung zu schaffen. Dass also in 5, 35 — 39 D 
einen durchweg bearbeiteten Text zeigt, scheint mir augen- 
fällig. 

In der Erzählung von der Wahl der Sieben ersetzt Blass 
69 1 das allerdings nach ev ttj öiaxovia tt] xa&TjfieQivii recht 
ungefQge sv tri öiaxovia vor ra>r eßgaicov in D nach FL durch 
vjto Tcov öiaxovcav, obwohl sich der sekundäre Charakter von 
dessen Lesart schon durch das Tc^v eXXrivwv statt avrcov 
deutlich zeigt. Dann aber erhellt erst recht, wie gedankenlos 
dieser Zusatz ist, da es ja noch keine Diakonen gab, vielmehr 
nach V. 2 bisher die Apostel sich dieser Dienstleistung unter- 
zogen hatten. Die Einleitung des Rates 69 3 (ri ow saxiv) ist 
nach 21, 22 gebildet, und das £§ vficov durch das naheliegende 
ccvTcov verstärkt. Das ovzot sörad-ijaav 6, 6 mit dem an r. 
ajtoOToXa)V anknüpfenden oiTivsg vermeidet lediglich den harten 
Subjektswechsel. Ganz charakteristisch ist aber die Erweiterung 
von 6^ 10. Die Anknüpfung durch oiriveg (statt durch xai, vgL 
n, 1, 6), das TTj ovof] SV avtco nach rf] oog)ia, das den Parallelis- 
mus zu dem <d ejiaXei nach dem (durch reo ayito näher be- 
stimmten, VgL U, 4, b) reo jtvevfiari herstellen soll, sind freilich 
ganz gewöhnliche Nachbesserungen; aber dem Emendator ge- 
nügte diese Motivierung des ovx lOxvov avtiOTJjvai noch nicht. 
Er fügt hinzu: öia xo eX^xeod-ai avrovg vjt avrov fisra jcacrig 
jcaQQfjOiag, und hebt dann noch einmal hervor, dass sie zur 
Verleumdung griffen, weil sie der Wahrheit nicht die Stirne zu 
bieten vermochten. Das ungeschickte rote nach dem fiTj öwa- 
fisvoi ovv avTo^d-aXgiaip tt] aXrjO'eia zeigt nur, wie der Emen- 
dator durch einen gegebenen Text gebunden ist, weshalb schon 
Fl. durch Voraufnahme des rote ovv hier nachbessert. Auch 



UL Die charakteristischen ümgestaltangen des Textes in D. 67 

6, 15 schildert D durch das Imperf. fiTSPiC,ov in einem selbst- 
standigen Satze, wie Aller Aagen auf ihn gerichtet waren, und 
malt dann durch den Zusatz sorcorog sp /i€Ca) avxiop in dem 
darch xai angef&gten Satze den Anblick noch weiter aus, der 
sich ihnen auf diese Weise darbot 

Sehr bemerkenswert ist, wie minimal in der langen Stepha- 
nusrede die Eingriffe des Emendators sind. Das xai oi JtaxsQsg 
avxcov JtQO vfiop 7, 4 konnte ja wie eine ursprüngliche und 
w^en ihrer Schwierigkeit getilgte Lesart aussehen, da sie schein- 
bar zu xaTOixeite nicht passt und die Ergänzung eines xaro- 
xT^Oap erfordert; allein anderseits lag auch der Zusatz sehr 
nahe, da im ganzen Zusammenhange von der Geschichte der 
Väter die Bede ist, und ist doch im Grunde recht überflüssig. 
Das ZI jiouiTS ly 26 ersetzt den nur indirekt in a6eXq>oi eoze 
liegenden Vorwurf. Originell ist die Lesart in 7^ 29 {ovrcog xac 
eqnryaöeDöev (iayvoi]p\ wenn nur nicht Blass durch die Umstellung 
des xai vor ovrcog (nach d) ihr die Spitze abgebrochen hätte. 
Moses kommt zu seinen -Brüdern und beginnt sein Rettungs- 
werk, aber man erkeimt ihn nicht als den, der er sein will 
(v. 24. 25). Am folgenden Tage macht ihn sogar der aöix<x)p, 
gegen den er einschreitet, zum Flüchtling durch sein Wort, in- 
dem er seine Bettungsthat als gemeinen Mord auffasst, so dass 
er nach Midiam flüchten muss. Käme die Lesart nicht in D 
vor, wo sich so viel wohlüberlegte Korrekturen finden, so wäre 
ich nicht abgeneigt, sie für ursprünglich zu halten. Wie ab- 
hängig der Emendator von dem ihm vorliegenden Texte (der 
ältesten Mjsk.) ist, zeigt 7, 31. 33. Da dort Gott direkt von 
sich selber redet, nimmt er (statt syspero qxDpri xvqiov) das 
o xvQiog sijtsp avTO} aus v. 33 mit Hinzufügung des XBfOP 
(vgL E V. 31 : Xsyovca) auf, während er hier nun zu dem xai 
sysPiTO q>a)P7j JtQog avtop (vgl. das jtgog avrop in CEHP v. 31) 
zurückkehrt Offenbar ist aber ganz absichtlich dort das syspexo 
^mvTj geschrieben, wo die Stimme sich erst als Gottes Stimme 
zu erkennen giebt, und hier das sucsp, wo eine direkte Weisung 
folgt. Im Abschluss der Stephauusepisode wird das ÖKoyfiog 
fieyag durch xai d-Xitptg verstärkt 8, 1 (vgl. 13, 50), und das 
jtXijp TOP cucocxoXop recht überflüssiger Weise durch ot sfieipap 
BP iBQOvoaXtjn erläutert, das sich als Zusatz deutlich dadurch 
kennzeichnet, dass in demselben Satze spuQccoXvfiocg voraufging. 

5* 



Qg Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Woher Blass in der Philippusgeschichte 8,6 das (og 
06 7}xovov xav{xeq) vor ot ox^oi xqoösixop in seinen Text nicht 
aufnimmt, ist nicht einzusehen. Es ist nicht überflüssiger ^ als 
unzählige Zusätze in D, und würde höchstens beweisen, dass der 
Emendator es schrieb, ehe er gesehen, dass dies ja schon in dem 
folgenden ev zo) axoveiv avzovg lag. Aber er hat ja auch 
deshalb wahrscheinlich statt des Ofiodv/iaöov ein zweites Verbum 
mit r£ angefügt, das nur nicht mehr zu entzifPern ist. Wie 
89 19 dem einfachen Xsycov das wärmere jtagaxaXcov xat vor- 
aufgeschickt ist, so findet sich auch 8, 24 ein xaQoxaXa) einge- 
schaltet und in der Bitte das a>v aiQrjxate durch das naheliegende 
Totrtov zmv xaxcov erläutert, sowie das sjc sfie nach exekd^ 
durch fioi ersetzt Charakteristisch aber ist, dass die scheinbar 
ohne rechten Abschluss endende Erzählung hier einen solchen 
empfängt, indem das og noXXa xXatwv ov äisXifixavsv zeigt, 
dass er die y. 22 geforderte Sinnesänderung durch unaufhörliche 
Beuethränen bewährte. Auch hier zeigt die Rede des Petrus 
V. 20 — 23 keine irgend reflektiertere Änderung. 

Kühner schon greift der Bearbeiter in die Kornelius- 
geschichte ein. Zwar die Einschaltang des zi &eXeze 10^21 
(vgl. das ZI jtOiHZB 7, 26) trägt nur den Charakter einer ganz 
gewöhnlichen Verstärkung des Ausdrucks; und wenn Petrus nach 
y. 21 zu den Männern am Thorwege y. 17 herabgegangen war, 
so schien es doch richtiger, dass er sie nachher hereinführte, 
als dass er sie hereinrief (10,23: ucayaycov, mit dem in D so 
beliebten roTf, ygl. 5, 19). Der sorglose ursprüngliche Erzähler 
dachte ihn wahrscheinlich im Thorweg stehend und mit den 
Leuten draussen yerhandelnd. Aber schon 10, 24 zeigt eine 
reflektiertere Änderung. Der Emendator unterscheidet ausdrück-^ 
lieh zwischen der Erwartung des yoraussichtlich mit den Boten 
des Komelius kommenden Petrus, die ja die Folge seiner Ein- 
ladung sein musste (jtQooöexofievog statt jtqooöoxcop), und dem 
Warten auf seine Ankunft an dem Tage, zu dem Komelius bereits 
seine Verwandten und Freunde zusammengerufen hatte, weil 
an ihm die Boten zurück sein konnten {xai — jtBQisfieipsv). 
Dagegen wird 10, 25 das sprachlich auffallige (oq 6e eyspezo 
Tov sioekd^eip, dessen Verhältnis zu dem tiofjXd^sp y. 27 ohnehin 
nicht recht durchsichtig ist, durch einen ganz neuen Eingang 
ersetzt. Hier wird ausdrücklich yon dem Zeitpunkt ausgegangen^ 



m. Die charakteristischen Umgestaltongen des Textes in D. 69 

wo Petrus sich der Stadt nähert (bem. den Gen. absol. u. dazu 
2, 1). Einer der Knechte läuft vorauf, um die Ankunft des 
Petrus anzumelden. Da springt Komelius vor Freuden auf, und 
Qon erst wissen wir, wie es kam, dass er dem Petrus, als er im 
Begriff war hineinzukommen, begegnete.^) Das an die Stelle 
des avaartid-i tretende ti Jtoaig (vgl. 7, 26) in 10, 26 motiviert 
die folgende Aussage direkter, wie 14, 15 zeigt, und das a>g xai 
<jv (DE) drückt stärker und deutlicher aus, was im Urtext das 
ausgelassene avrog besagte. Warum Blass 10, 27 das dem 
(offenbar nur durch Schreibversehen ausgefallenen, vgl II, 3, f ) 
avvoiiiXmv avrco absichtsvoll mit rs xat voraufgeschickte eiask- 
d-cov nicht aufgenommen hat, vermag ich nicht einzusehen. Es 
liegt doch nahe, dass der im Folgenden als dem Juden uner- 
laubt bezeichnete Verkehr mit den Heiden erst begann, nach- 
dem er ins Haus eingetreten. Zu dem 10, 28 eingeschalteten 
ßsjLTiov vgl. den Comparativ ipavsQayvsQOP 4, 16. Auch das in 
dem verderbten 10, 30 irgendwie mit dem Beten verbundene 
Fasten hat Blass trotz seiner starken Bezeugung in EHLP, 
orientalischen Versionen und Min. nicht aufgenommen. Das 
jiOQayevofispog kaXf^asc öot in den Worten des Komelius 10, 32 
ist ebenso ein weit verbreiteter (vgL schon C) Zusatz aus 11^ 14, 
der sich schon durch seine ungeschickte Anknüpfung durch og 
als solchen charakterisiert, da dies sich ja grammatisch am 
natürlichsten auf den aifi<x>p ßvQOsvg beziehen würde. Das 
jgaQuxaXcov (vgl. 8, 19. 24) sXd^Btv Jtgog r/fiag in 10, 33 erläutert 
das sjtsfi^a jtQog ös. und das Jtagaysvofievog wird durch ev 
raxBt verstärkt. Vor allem aber wird das wohl nicht ver- 
standene epwjtiov Tov d'sov jtaQBöHBP ersetzt durch löov — bpco- 
jtiov cov axovcai ßovXofispoi jtoQa aov. Dagegen ist die Rede 
des Petrus wieder ganz intakt erhalten bis auf 10,41, wo an 
den 40tägigen Umgang mit Jesu in 1, 3 erinnert wird, wie auch 
das BPexetXaro (statt nagriyy) 10, 42 aus 1, 2 stammt. Zu 



1) Es ist seltsam, dass Blass behauptet, hier sei an Interpolation nicht 
ZQ denken, während doch die Detailausmalung und ihr Motiv so klar vor 
Augen liegt Auch seine Behauptung, dass der Sprachgebrauch durchweg 
lukanisch sei, ist unrichtig. Das neQtfievHv steht hier im Unterschiede 
von 1, 4 absolut, das ngoaey/LC^Biv und öiaaa^siv kommt bei Lukas nicht 
vor, die Boten, die v. 7 aus den oixezai genommen, heissen hier öovXoi. 



70 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

dem roTS im Abscliluss der Erzählung (10^48) Tgl. 5, 19, zu 
dem jca^sxaXeaav 10, 33. 

Die TÖllige ümgestaifcung des Eingangs von Eap. 11 hat 
die Absicht, dasselbe enger an den Schluss Ton Eap. 10 anzu- 
knüpfen. Daher wird 11, 1 durch das axovörov sysparo roig xrX. 
deutlicher als eine blosse Zwischenbemerkung markiert und nach 
derselben mit o fiev ovv JtetQog ausdrücklich an 10,48 angeknüpft. 
Dort war ja nicht einmal gesagt, ob Petrus den Bitten des 
Kornelius und seiner Gesellschaft nachgab, geschweige denn, 
dass er von Caesarea nach Jenisalem und nicht, wie man erwarten 
sollte, nach Joppe zurückzukehren beabsichtigte, weshalb 'der 
Emendator eben an dem oze apeßij Jtsrgog eiq uqovö. Anstoss 
nahm. Deshalb erfahren wir nun erst, dass wirklich eine Zeit^ 
die lang genug war, um ihre Wünsche zu befriedigen, verflossen 
war, als er nach Jenisalem reisen wollte {öia ixavov xqovov 
rj^eXriCBV jtoQSv&ijvai sig i€Q.), Er that dies aber nicht, ohne 
zuvor die Brüder in Caesarea zu sich gerufen und mit ausführ- 
licher Ansprache gestärkt zu haben. Dass danach das Haupt- 
verbum in D (wie etwa 13,3, vgl, II, 3, d) ausgefallen, zeigt der 
Syrer; es wird eben einfach das aveßij des ihm vorliegenden Textes 
aufgenommen sein, um daran die Bemerkung zu knüpfen, dass 
er die Durchreise durch die Gegenden (zwischen Caesarea und 
Jerusalem) benutzte, imi sie, d. h. die Bevölkerung derselben zu 
lehren {6ia rov x(0Q<x>p öiöaoxov axrcovg). Nur das Bewusstsein, 
lediglich etwas Näheres über Petrus in die ihm vorliegende 
Erzählung eingeschaltet zu haben, konnte den Bearbeiter bewegen, 
mit dem sehr ungefügigen og xat zu derselben zurückzukehren. 
Er wollte nämlich hervorheben, wie er so auch wirklich zu ihnen, 
d. h. den Aposteln und Brüdern (v. 1) in Jerusalem gelangte und 
ihnen die Gnade Gottes verkündigte. Das dem ganz analogen 
Falle in 11, 23 entlehnte xat aJtTjyyetXsv avrocg tt]v x^Q^^ 
Tov d^eov soll natürlich auf die 11,1 erwähnte Thatsache gehen, 
bleibt aber sehr unklar. Nun erst kann er mit dem gegensätz- 
lichen ÖS und der Voraufnahme des Subjekts, das durch aÖ£Xg)oc 
näher bestimmt wird, in den ihm vorliegenden Text wörtlich 
zurücklenken.*) Die Rede des Petrus 11,5—17 selbst bleibt 



1) Die Art, wie sich Blass diesen Text, zum Teil nach Veraionen, 
zum Teil durch willkürliche Vermischung mit a zurecht macht, kann ich 



III. Die charakteriBiischen ümgestaltuBgen des Textes in D. 71 

wieder fast gaDZ unangerührt; denn das syevero — JtQoq fis 11^ 9 
ist doch nur statt des oJtsxQi&rj gesetzt, weil eine Stimme nicht 
antworten kann, sondern nur der, yon dem die Stimme ausgeht, 
und das ex devre^v ausgelassen, weil die Stimme y. 7 nicht 
als eine Stimme vom Himmel bezeichnet war, wenn es nicht 
bloss durch Schreibeversehen vor sx rov ovgapov ausgefallen 
ist. Erst 11, 17 wird die freilich recht überflüssige Erläuterung 
zu xcoXvccu rov B-eov hinzugefügt: rov fitj öovvat avroig Jivsvfia 
ayiov xioxBvCaOtv ejt avxto. *) 

Sehr charakteristisch ist die Art, wie in dem antioche- 
nischen Abschnitt die Herbeiholung des Saulus nach Anti- 
ochien berichtet wird. Zunächst meint der Bearbeiter 11, 25 be- 
Torworten zu müssen, dass Bamabas gehört habe, Saulus sei in 
Tarsus, sodann, dass er ihn dort^ wie zufällig {toq övvtvx<^^)j 
natürlich aber infolge göttlicher Leitung traf, und da Bamabas doch 
nicht ohne weiteres das Becht hatte, ihn mitzunehmen, verwandelt 
er das r^ycc^BP seines Textes in jcaQSxaXscev (vgl. 10, 33. 48) 
sl&eiv.^ Das allerdings etwas ungefügige oizivsg xagayspo- 



in keiner Weise gerechtfertigt finden. Wenn Hilgenfeld (a. a. 0. 38,4. 
S. 495 f.) die Ursprünglichkeit desselben dadurch rechtfertigen will , dass 
hier der Tenor einer älteren Quellenschrift durchblickt, welche von der 
Eomelinsgeschichte nichts weiss, sondern an die 9, 32 erwähnte Rundreise 
des Petrus anknüpft, so liegt nach der obigen Darstellung keinerlei Grund 
für diese Annahme vor. Wie in den Worten og xai xaxrjyzricev awoig^ 
die er mit Recht gegen Blass beibehält, liegen soll, dass er den Brüdern, 
welche er gerade trifft, die Gnade Gottes verkündigte, verstehe ich nicht. 
Bern., wie hier gegen allen lukanischen Sprachgebrauch das xavavTav nach 
Analogie von anawav und avvavrav c dat. konstruiert wird, und nun 
das avzovg — avzovq — avroig eine dreimal wechselnde verschiedene Be- 
ziehung erhält. 

1) Wenn August, die letzten Worte, in denen die Tautologie am 
stärksten hervortritt, weglässt, so ist das doch kein Grund, sie mit Blass 
za verdächtigen, zumal der Syrer sie sogar nach dem niorsva. sni xov 
xvQtov itja. XQ» konformiert. Bem., wie hier der Bearbeiter ein pleona- 
stisches fjLtj einführt, das die andern Emendatoren des Textes in ganz ähn- 
lichen Fällen (vgl. 20, 20. 27 und dazu 11, 3, d) gerade weglassen. 

2) Woher Lukas selbst oder ein Späterer diese in sich so klare Dar- 
stellung zu unserem heutigen Texte verkürzt haben sollte, ist doch sicher 
nicht einzusehen. Aber dass dieser dem Bearbeiter vorlag, zeigt ja noch das 
ug xaQOoVj das aus ihm beibehalten, während in seinem Kontext diese präg- 
nante Konstruktion höchst unpassend ist, da ja Paulus nicht eben ei-st dorthin 



72 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

^tvoi II9 26 klingt wohl absichtlich an oq xai jtaQayevofievog 
V. 23 an, wodurch ohnehin die schwerfallige Infinitivkonstruktion 
fortfallt und Verba fin. an ihre Stelle treten. Auch wenn hier 
in der Vorlage von D, wie allerdings sehr wahrscheinlich, övptjX' 
d-r^öap (statt des jedenfalls verschriebenen avvsx'^V^cc^) stand und 
das ri] £xxXf]Oia xai sötöa^av p. hom. vor ox^ov txavov aus- 
gefallen ist, hat der Bearbeiter immer das cvvaxd^fjvai ev (vgl. 
Texte und Unters, a. a. 0. S. 158), wie noch heute so viele Aus- 
leger, missverstanden. Das rore (vgl. zu 2, 37) verrät ohnehin 
seine Hand, und das jtQmrov statt jtQortoq ist jedenfalls Emen- 
dation (vgl. 11, l,e). Endlich wird 11, 27 mit dem rjv öe jtoXX?/ 
ayaXXiaOiq der Eindruck berichtet, welchen der Besuch der jeru- 
salemischen Propheten machte, da sonst die Erwähnung desselbeu 
ganz zwecklos schien. 

Auch Kap. 12 wird durch das bv rtj tovöaia 12, 1 enger 
mit dem Vorigen verknüpft. Wir sollen hören, was die zu den 
Brüdern in Judaea Gesandten (11,29 f.) eben dort erlebten. Das 
fj ejciXBiQfjöig avTOv 12,2 ergänzt das scheinbar fehlende Subjekt 
zu agsOTOv eöziv, zugleich durch €Jii rovc Jtiorovg andeutend, 
warum den ungläubigen Juden dieses Vorgehen des Herodes so 
wohlgefällig war. Interessant ist, wie 12, 15 die Vorstellung, dass 
es sein Schutzengel sei, die in der Erzählung noch ganz naiv als 
die allein das Bätsei losende erscheint, durch tvxop (vielleicht) als 
eine doch nur mögliche hingestellt wird. Daneben zeigt es die Hand 
eines Emendators, wenn das eijcov dem folgenden eXeyov kon- 
formiert wird, dem, da dort ein Dat. zu fehlen schien, ein solcher 
hinzugefügt ist, dann aber das vor dem sijtov stehende jtQoq c. Acc. 
beim zweiten eXeyov nachgebracht wird. Indem 12, 16 das eiöop 
ins Particip. verwandelt wird, schien dasselbe ausdrücklicher als 
Motiv ihres Erstaunens bezeichnet. Der Emendator übersah nur, 
dass es nun durch xai mit avoi^avxeq verbunden werden muss, 
das doch in gar keiner analogen Beziehung zu e^sOTtjöav steht. 
Wenn aber 12, 17 nicht nur der Infinitiv durch iva aiywöiv er- 
läutert (vgl. U, 1, d), sondern ein eiOTjXß^ev xai eingeschaltet wird, 
so ist klar, dass der nach v. 16 noch vor der Thüre stehende 
Petrus nicht draussen seine Geschichte erzählen, sondern erst ein- 
treten sollte, damit seine Befreiung nicht ruchbar werde. 

gekommen war. Wober Blass das oig vor awrvxtov fortlässt, verstehe 
ich nicht. 



nL Die charakteristischen Umgestalttmgen des Textes in D. 73 

In der Erzählung vom Ende des Herodes zeigt sich der 
reflektierende Bearbeiter 12, 20 schon darin, dass seine Anwesen- 
heit in Caesarea ausdrücklich durch die Verhandlung mit den 
Tjriem und Sidoniem begründet wird (yaQf das Blass nicht auf- 
nimmt), was in dem näher bestimmenden ös nicht so klar hervor- 
tritt Da ferner doch natürlich nicht alle Bewohner der Städte 
dazu dorthin gekommen waren, lässt er nur die aus beiden Städten 
Gekommenen anwesend sein, wobei das nun recht ungeschickt 
eingeschobene ofiod^^fiaöov wieder nur seine Gebundenheit durch 
einen ihm yorliegenden Text zeigt {oi öe ofiod-. s^ afiq)or6Q(DP 
T. jro>L). Durch den Eintritt dieses neuen Subjekts wurde es nun 
nötig, das jtQoq avxov durch 3tQoq xov ßaoiXsa näher zu be- 
stimmen, wofür nachher avrov nach xoircovog (statt rot; ßao.) 
gesetzt werden konnte. Auch der Plural z. x^Q^£ avrcov weist 
genauer auf die Bezirke der beiden Städte hin, worüber die 
offenbar absichtliche YoransteUung des Genit. vernachlässigt wird. 
Durch das xaraXlayerrog avrov (bem. den Gen. abs. und dazu 
% 1) toig zvQioig (wozu Blass nach späten Versionen das pedan- 
tische xai öid. hinzufügt) soll offenbar der Jubel des Volkes 
12, 21 motiviert werden, obwohl dies sicher nicht die Meinung 
des Erzählers ist, der denselben durch das sörjfiiovQYSi als solches 
hervorgerufen denkt, wie deutlich das d-sov qxDvri zeigt, das 
vielleicht deshalb der Emendator in den Plural verwandelt, weil 
dieser mehr auf den Inhalt (vgl. 13, 27) der seine Versöhnung 
proklamierenden Bede deuten konnte. Endlich meint er 12, 23 
bemerken zu müssen, dass den König erst, nachdem er vom 
Throne herabgestiegen, die Krankheit überfiel {xaraßag ajto rov 
ßijliarogJjdBSser noch bei lebendigem Leibe (eri gcor) ein Würmer- 
frass ward, und dass er auf so schreckliche Weise {xai ovrwg) 
seine Seele aushauchte. Er übersieht nur, dass durch diese recht 
fiberflüssigen Zusätze der in der strafferen Darstellung viel stärker 
hervortretende Eindruck eines unmittelbaren Gottesgerichts er- 
heblich geschwächt wird. 

In dem Bericht über die erste Missionsreise wird 13,5 
offenbar absichtlich die Bezeichnung des Joh. Markus als vjtrj- 
QtTJ}g vermieden (wie in anderer Weise in E) und nur die That- 
sache konstatiert, dass er ihnen Dienste leistete. Mit dem Gen. 
abs. (vgl. zu 2, 1) jtBQieXd-ovxcjv avrcov 13, 6 (statt öieXO-opreg) 
soll der Vorstellung gewehrt werden, als ob sie zu Fuss die Insel 



74 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

durchzogen, während sie nach der Ansicht des Bearbeiters nur 
von der Ostseite nach der Westseite herüberfuhren. Ob dies 
freilich die Meinung des Erzählers war, bleibt zweifelhaft Da- 
durch, dass das sonst in den Act nie mehr vorkommende cd ovofia 
in das gewöhnliche ovofiari xakovfiavov verwandelt wird, tritt 
der Name in die Aceusativform, die selbst in solche Codices über- 
gegangen ist, die jene Emendation nicht aufgenommen haben. 
Ob nicht der Name eroifiag 13, 8 lediglich alte Verschreibung für 
sXvfictg ist, muss doch nach 11, 1, a sehr zweifelhaft bleiben. Jeden- 
falls ist es gänzlich unmotiviert, wenn Blass nach E und Lateinern^ 
die den Ausdruck ro ovofia avrov missverstanden, das o fieB-egfii]- 
vevszai sroifiag im ursprüngUchen Text an den Schluss von v. & 
stellt; denn wenn dies wirklich die griechische Deutung des 
Namens ßagirjö. war, so ist schlechthin undenkbar, wie die Späteren 
dieselbe in einer so missverständlichen Weise nach v. 8 trans- 
poniert haben sollten. Die Bemühungen des Magiers, den Pro- 
konsul vom Glauben abzubringen, werden dadurch motiviert, dass 
dieser die Missionare am liebsten hörte {ejiBiörj rjöiara ijxovbp 
avTcov), obwohl dies direkt doch schon in v. 7 lag. Wenn 18, 1& 
das Gläubigwerden, das, schwerlich im Sinne des Erzählers, bei 
dem Bömer als ejtiöxEvoev reo d-so) näher bestimmt wird^ durch 
das eingeschobene sd-avfiaosv xai motiviert wird, so übersieht 
der Bearbeiter, dass in seiner Vorlage durch sxxXrjacofievog xxX. 
dies Motiv bereits in einer viel innerlicheren Weise ausgedrückt war. 
Das Wort des Paulus (v. 10. 11) ist auch hier ganz intakt erhalten. 

D^egen hat sich der Bearbeiter zum ersten Male auch in 
der Synagogenrede des Paulus einen umfassenderen EingrifT 
erlaubt, aber freilich auch fast nur^ wo dieselbe das Verhalten 
der Hierarchen Jesu gegenüber schildert. Wegen des scheinbar 
beziehungslosen rovrov 13, 27 wird statt xovrov ayvoTjcavteg ge- 
schrieben fit] ovvisvreg und dieses (natürlich mit Weglassung des 
xai) mit rag jQaKpag (wodurch nun rag qxDvag ersetzt werden 
musste) als Objekt verbunden. Das xai vor xQivapxBg zeigt, 
dass er dies nicht verstand (vgl. Texte u. Unters, a. a. 0. S. 173), 
und es mit (tri cvvisvTsg verband, als solle gesagt sein, dass, weil 
sie die Schriften nicht verstanden und nicht richtig beurteilten 
(vgl. 1 Kor. 2, 14), sie ihre Erfüllung herbeiführen mussten. Nach- 



1) Hilgenfeld (a. a. 0. S. 38. 39) erhebt ganz unnötige Schwierigkeiten 



m. Die charakteriBtiachen Umgestaltimgen des Textes in D. 75 

dem sodann 13, 28 das fiijÖBfiiav aiziav ß-avarov evQomsg durch 
er ccvTco erläutert, wird nun das xQtvavxBq aus v. 27 in seiner 
richtigen Beziehung auf Jesum {avrov) nochmals aufgenommen, 
um mit dem in den Eyangelien gangbaren Ausdruck (vgl. Luk. 24,20) 
das jtoQBÖmxav jreikara} eig avaiQBOiv an die Stelle der blossen 
Forderung seiner Tötung zu setzen. Auch darin zeigt sich der 
Bearbeiter durch den ältesten Text gebunden, dass er 13^ 29 das 
rjzowro (Imperf. statt rixrjOavxo wegen des Torhergehenden 
BTBkovvy das der Emendator f&r sxsXtöav setzte, weil er es auf 
das Folgende bezog) xov JtsiZaxov aus v. 28 noch einmal auf- 
nimmt, um, was nachher nur vorausgesetzt wird, noch ausdrück- 
lich hervorzuheben, dass es die Kreuzigung war, die sie verlangten 
{xovxov fisv oxavQooaij wobei dem Emendator als Gegensatz 
Barabbas vorschwebt), und die Erfüllung dieses Verlangens durch 
xcu BjtixvxovxBq anzudeuten, wobei das jtaXiv darauf geht, dass 
Pilatus auch diesen Wunsch erfüllte, wie den nach der Tötung 
überhaupt. ^) Wenn der Emendator anstatt 13, 30 das einfache 
ov o ^eog riyeigev aus v. 37 setzt, das sich bei ihm gut an sein 
xovxov V. 29 anschloss, so wird er diesen Abschluss eben, für 
nachdrncksvoller gehalten haben. Dann musste aber 13^ 31 neu 
anheben {ovxog statt og). Warum ich das sp ngoxo ipaX(ia> 
\%y 33 nicht für ursprünglich halten kann, habe ich in den Texten 
und Unters, a. a. 0. 8. 13 dargelegt. Dass der Emendator auf 
diese Zählung Gewicht legt, zeigt schon die Yoranstellung des 
Zahlworts. Es darf nämlich nicht übersehen werden, dass er die 
Psalmstelle ausdrücklich als Begründung {ovxwg yag statt a>g xai) 
daf&r einftihrt, dass Gott xov xvqiov tr^covv xqlOxov er- 



gegen den alten Majuekeltext, in dem xai xaq <pmvaq ein zweites Objekt 
zn a/i^of^aavre^ bildet, ans welchem sich der Acc. zu snXrjQwoav ergänzt, und 
Übersieht, dass erst das xai vor xQivavrsg in D dem Gedanken eine ge- 
zwungene und sicher falsche Wendung giebt. Die Rekonstruktion des 
Textes bei Blass mit Hilfe des Parisin. tilgt ganz willkürlich das xai 
xQtvavxBq, 

1) Da das xai vor xa^BXovxeg ganz regelmässig in den ursprünglichen 
Text zarücklenkt« und das xat vor e^xav eine der gewöhnlichen Inkorrekt- 
heiten des letzten Schreibers sein wird (vgl. I, b), ist nicht abzusehen, was 
an diesem Text korrumpiert sein soll, wenn man ihn nicht mit Blass durch 
die Einmischung des Syrers, der die zweite Gewährung auf die Bitte um 
die Kreuzabnahme bezieht, verwirrt. 



76 Weiss, Der Ck>dex D in der Apostelgeschichie. 

weckt habe, wie er t. 32 statt des einfachen ltjoovv schreibt 
(vgl II, 4, b). Da nun davon Psalm 2,7 nichts enthält, fügt er 
absichtlich 2, 8 hinzu, in dem ihm erst die alte Väterverheissung 
(v. 32) von dem zum xvqioc; erhöhten Auferweckten enthalten 
schien; und dass diese bereits im ersten Psalm gegeben, schien 
ihm der Erwähnung wert, wenn einmal hier der Psalm genannt 
werden sollte, während die Nennung des zweiten ihm als ganz 
bedeutungslos erschien.^) Am Schlüsse malt er aus, wie tiefes 
Schweigen auf die Bede folgte und von ihrem Eindruck zeugte 
(13^ 41: Tcai soiyfjoap, das Blass nach dem verständnislosen Syrer 
in eaiyipev verwandelt). 

Stärker greift er wieder 13, 43 ein. Durch den Zusatz eysPSTo 
öe xad- oXrjq Ti]g jtoXBcog öieXB-siv top Xoyop rov &€0V (vgl. £) 
soll offenbar v. 44 vorbereitet werden, wo am kommenden Sabbat 
sich fast die ganze Stadt versammelt, den Paulus zu hören, wes- 
halb auch das oXtj (statt jtaoa), das Blass merkwürdiger Weise 
nicht aufnimmt, ausdrücklich auf den Zusatz in v. 43 zurück- 
weist. Nun musste 13, 44 freilich das schon vorweggenommene 
TOP Xoyop rov d^Eov in jtavXov verwandelt werden, das aber 
durch den Zusatz jtoXvp re Xoyop jioiTjöafisvov (vgl den Zu- 
satz in 11,2) JtBQi Tov xvQiov zu ersetzen gesucht wird. 2) Ab- 
sichtlich ist wohl auch rovg oxXovg in 13, 45 durch ro jcXi]d^og 
ersetzt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in der Vorlage von 
D nach dem dem aprsXeyop konformierten zoig Xoyoig rotg 
(per hom. ausgefallen in D) vjto JtavXov Xeyofispoig das ßXaoq)^ 
fiovpreg durch ein voraufgeschicktes svapriofiepoi xai (E) oder 
etwas Ahnliches verstärkt war, das erst von dem Abschreiber ge- 
dankenlos in das nun völlig tautologische apxiXsyopzsg konfor- 
miert wurde. Dass auch hier das einfache öiooyfiop durch vorauf- 



1) Wie weit das alles von dem ursprünglichen Sinn des Citats ab- 
liegt, verkennt Hilgenf. (a. a. 0. S. 41 f.), wenn er mit Blass den Text von 
D bevorzugt. Paulus bat eben in der Auferweckung die Einsetzung in 
die Sobnschafb sv öwa/iei gesehen. Vgl. Rom. 1, 4. 

2) Hilgenf. a. a. 0. S. 48 rühmt zwar diesen Text als den besseren, 
macht ihn sich aber erst zurecht, indem er mit Blass ohne alle Zeugen 
das xai vor iSovreg streicht, um die Worte zu v. 45 ziehen zu können. 
In D ist aber ausdrücklich durch das ts hervorgehoben, dass sie nicht 
nur den Paulus seiner Person wegen, sondern vor allem seine lange Er- 
örterung über den xvgiog hören wollten. 



UI. Die charakteristiscben UmgestaltuDgen des Textes in D. 77 

geschicktes d-Xitpiv fieyaXrjp xai verstärkt wird, sahen wir schon 
zu 8, 1. 

Die Vorgänge in Ikonium sind in D dadurch verwirrt, 
dass der Bearbeiter weder das 01 ajcetd-Tjoapreg lovöaioi 14, 2 
verstand, noch das ejtjjyeiQav, zu dem ihm ein Objekt zu fehlen 
schien, da er nicht sah, dass es mit dem folgenden xai exaxcocav 
ein gemeinsames in rag ywxag xmv ed-vwv hat. Er lässt daher 
schon hier die Synagogenvorsteher (bem. das daneben ganz über- 
flüssige Tcop lovöaicov, in dem nur das ol lovöaioc des ihm 
vorliegenden Textes nachklingt) eine Verfolgung herauffQhren 
xava rwv ötxatmVy d. h. gegen die Frommen in der Synagogen- 
gemeinde, die nach v. 1 gläubig wurden, wozu nun freilich die 
Aufreizung der Gemüter der Heiden troz der konform gebildeten 
Sätze wenig stimmt, sofern sie ja einer solchen nicht bedurften, 
wenn sie selbst in der Lage waren, eine Verfolgung zu beginnen. 
Da aber die Missionare v. 3 doch ruhig in der Stadt weiter 
wirken, lässt er diese Verfolgung durch göttliche Hilfe — man 
sieht freilich nicht, wie — rasch vorübergehen: o öe xvgtog 
eöcoxsv xaxv biqtjptiv (vgL E). ^) Da v. 1 nur voraüfgeschickt 
hatte, dass die Missionare auch hier ihre Synagogenwirksamkeit 
begannen, durch welche Juden und Heiden bekehrt wurden, um 
zu zeigen, was hier ebenso wie in Antiochien den Zorn der un- 
gläubig gebliebenen Juden (v. 2) wider sie erregte, wird nun 
erst im Aor. das Oesamtresultat ihrer längeren Wirksamkeit (v. 3) 
in 14, 4 berichtet. Der Bearbeiter aber, der schon v. 1 ihren 
ganzen Erfolg berichtet sah, muss nun das eoxio&rj in riv ecxio- 
fievop verwandeln, weshalb er auch durch xoXXcofiepoc 6ta top 
koyop Tov d-€ov näher beschreibt, was die Anhänglichkeit des 
einen Teils an die Apostel veranlasst hatte. Aber hier wird es 
nun ganz klar, dass der in D noch erhaltene Text die ursprüng- 
liche Fassung von v. 2. die er dort bereits geändert hat, voraus- 



1) BlasB meint zwar, dass diese Worte strenggenomuien notwendig 
seien (vgl. auch Hilgenf. a. a. 0. S. 53); beide aber übersehen, dass dies 
nar wegen der 14, 2 ganz willkürlich eingebrachten Verfolgung in D der 
Fall ist, die übrigens auch nicht einmal gegen die Missionare gerichtet 
Ist, aber sich natürlich bald auch gegen sie gewandt haben würde und 
mindestens ihre Wirksamkeit unter den Juden gelähmt hätte. Denn dass 
die Missionare der wider sie bewirkten Erregung mutig die Stirn boten, 
und warum, sagt ja v. 3 ausdrücklich durch das naQQrioiaC^ofievoL xzL 



78 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

setzt. Es handelt sich eben um die (natürlich heidnische) Menge 
der Stadtbevölkerung, deren einen Teil die Juden durch ihre Auf- 
reizungen gewinnen, während der andere sich infolge ihrer Wirk- 
samkeit (y. 3) den Aposteln anschliesst Darum kann nun erst 
14, 5 ein Ansturm der (infolge der Verhetzungen v. 2 gewonnenen) 
Heiden und der Juden mit ihren Oberen (die also v. 2 noch nicht 
genannt waren) auf die Missionare erfolgen, aber der Bearbeiter 
kann dies doch ruhig beibehalten. Denn wenn der Text, den 
Blass nach dem Syrer konstruiert, hier von einer zweiten Ver- 
folgung redet, so übersehen beide, dass dies auch im Sinne von 
D nicht korrekt ist, da die v. 2 eingeschobene sich gegen die 
gläubig gewordenen Juden richtet, diese aber gegen die Missio- 
nare selbst. 

Während die Evangelisation in dem Gebiet von Lystra und 
Derbe 14^ 7 nur erwähnt wird, um einen Anknüpfungspunkt für 
die Lahmenheilung in Lystra zu gewinnen, meint der Be- 
arbeiter doch etwas über die Erfolge daselbst einschalten zu 
müssen {xai sxivffi^ oXov xo jtXtj^og ext xtj 6i6axf]\ ohne zu 
bemerken, dass er damit, was Derbe anlangt, der folgenden Er- 
zählung (14, 21) vorgreift, und auch die Ereignisse in Lystra in 
ein falsches Licht setzt, sofern sie ja gerade den ungeheuren 
Eindruck des Wunders schildern sollen. Nun muss er natürlich 
mit o 06 jcavXog xai ßagpaßag öierQißov er XvarQOiq zu der 
Erzählung derselben überleiten, weshalb auch das sv Xvcrgotg 
in 14, 8 fortfallen muss. An seine Stelle tritt gleich das sxad^jro, 
das im ursprünglichen Texte die (immerhin etwas schwerfaUige) 
Wiederaufnahme des aöwarog xoig Jioctv in x<^^og veranlasste, 
das in D nun natürlich wegfallen kann. Woher der Bearbeiter 
14, 9 nach XaXovvxog das vxaQX€OP ep q>oß(D einsetzt, wird im 
Folgenden ganz klar. Die durch einen ganz sekundären Zusatz 
in Fl. hervorgerufene Vermutung von Blass (vgL auch Hilgenf. 
a. a. 0. S. 55), dass der Lahme damit als ein Judenproselyt 
{g)oßov(i£Pog xop d'sop) charakterisiert werden solle, scheint mir 
ganz gegen den Kontext zu sein. Der Lahme, der seine Krank- 
heit als Strafe der Götter auffasst und darum dem Verderben 
verfallen zu sein fürchtet, hört eben darum so begierig auf die 
Predigt des Apostels und schöpft aus ihr das Zutrauen, er könne 
noch von demselben errettet werden, was ihm Paulus ansieht, 
der deshalb zur Heilung schreitet. Lediglich die Einschaltung 



III. Die charakteristifichen Umgeetaltungen des Textes in D. 79 

dieses Partie, bat den Emendator veranlasst, die relativische An- 
knüpfung zu verlassen nnd mit arepioag neu anzuheben. ^) In 14, 10 
ist das ooi TLsyco Reminiscenz an Luk. 5, 24. 7, 14, wie das iv 
TCO ovofiazi xvQiov 1710, XQ- ^^ 3^6, was aus dem binzugeffigten 
xai jchQutaxBL ganz klar wird, da das folgende xai ytsQie^atsi 
bereits durcb og oryöexors jceQt€jtaTf]0€v v. 8 ausreichend vor- 
bereitet war. Bemerke nocb das den sofortigen Erfolg markierende 
€vB-€€oq und das absichtsvolle aprjXaro. Dass die W^lassung 
des Ol axoOTolot \4tj 14 eine absichtliche, zeigt die Änderung des 
axovcavTsq davor in den Sing., wenn sie von derselben Hand 
herrCLhrt (vgl. II, 1, d); doch ward diese seltene Ausdehnung 
des Aposteltitels jedenfalls leichter getilgt als eingebracht. Dass 
der Ausdruck erst hier und nicht schon v. 4 dem Emendator 
auffiel, liegt an der ausdrücklichen Nennung des Bamabas und 
zwar in erster Linie. Trotz alledem ist Blass sogar geneigt^ die 
Worte in a zu streichen. Weiter fiel dem Bearbeiter 14, 15 auf, 
dass svnYYsXiCsöd'ai mit einem Acc. c. Inf. verbunden schien, der 
doch keine frohe Botschaft enthielt, weshalb er die Bekehrung 
nur als die Absicht {ojcog) der frohen Botschaft von dem Einen 
wahren Gott {evayy, vfiiv xov d-BOv) bezeichnet Der in D so be- 
liebte Gen. abs. (vgL zu 2, 1) öiaxQißovxtDV avxmv xat öiöaO" 
xovTOV 14» 19 soll zu dem ejtrjXd'OP überleiten, wie auch etwas 
pedantischer Weise nur xivsg lovö. als von Ikonium und Anti- 
ochien (wie der Emendator die Namen umstellt, weil von Ikonium 
zuletzt die B.ede gewesen war) kommend genannt werden. Ich 
kann nicht mit Blass finden, dass dadurch erst der Umschwung 
in Lystra klargestellt wird, da ja irgend ein neues Moment dafür 
gamicht beigebracht ist, sondern nur der offenbar beabsichtigte 
schroffe Gegensatz zwischen dem Verhalten der Ljstrenser v. 13 — 18 
und ihrem jetzigen verwischt wird, was durch die von Blass aus 
G übernommenen Gegensatze nur noch stärker geschieht. Schliess- 
lich meint der Emendator noch bei der Erwähnung von Attalia 
14^ 25 hinzufügen zu müssen, dass sie auch dort das Evangelium 



1) Der Tezty den Blass hier nach Fl. und Gig. konstruiert, ist jeden- 
falls ein ganz sekundärer. Denn das eingeschobene rjöewg, wie das anti- 
zipierte sTtiOTSvaev nötigt erst, das vn(tQx<ov ev <poß(o {&6ov) mit v. 8 zu 
verknüpfen, und zerreisst so die offenbare Beziehung desselben zu dem 



80 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

verkündigten (evayYsh^of^eroi avTOvg\ während der Ort doch 
offenbar nur als der Hafenplatz genannt ist, von dem man sich 
nach Antiochien einschiffte. 

In der Erzählung von dem Anlass des Apostelkonzils 
wird gleich 15, 1 zu yteQirfirjd-fjts hinzugefügt: xai {tod e&si ficov- 
oewg) jtBQiütaxTjxBy um die ganze Tragweite der judaistischen 
Forderung klarzustellen. Die Entstehui^ des Streites in Antiochien 
darüber wird aber 15,2 damit begründet, dass Paulus sie hiess^ 
so bleiben, wie sie zum Glauben gekommen waren (fisvaiv ovrwc: 
xad^wq sptiOTSvaav, vgl. 1 Kor. 7, 17 f.), indem er steif und fest 
darauf bestand (öuöxvQc^ofiaPog). Als Subjekt zu era^ap waren 
sicher ursprünglich die Brüder aus v. 1 gedacht, wenn es auch 
nicht ausgedrückt ist; der Bearbeiter aber denkt an die rivecy. 
welche dort das Subjekt bilden, und sucht jeden Zweifel darüber 
zu heben, indem er schreibt ot 6Xi]kt)d'0Teg a^o iSQOVöaXrjfi. 
Dann musste freilich das Verb, geändert werden, da diese selbstver- 
ständlich nichts anordnen, sondern nur dem Paulus und Bamabas zu- 
reden (anraten) konnten {jcaQ7]yyetjiap c. dat. statt des AccdesTextes, 
dem nun erst der Infin. avaßaiveiv folgt, vgl. z. d. Si noch I, b), zu 
den Aposteln hinaufzuziehen. Das jtsQi rov ^t^rrifiarog, das sich 
im Original etwas ungeschickt mit dem entfernten avaßaiveiv ver- 
bindet, wird erläutert durch das voraufgeschickte oxwg xQid-ciyoiv 
B3t avxoig. Eben diese oi JtaQayysiXavreg avroig avaßaiveiv 
JcQog xovg jtgecßvxeQOvg sind nun auch, wie 15, 5 mit Nachdruck 
hervorgehoben wird, die, welche in Jerusalem die Frage zur 
Sprache bringen. Dass dies aber ein später eingeschobenes Sub- 
jekt ist, erhellt aus der ungeschickten Art, wie hinter dem s^e- 
0rf]Oav Xeyovreg nun doch noch jene Leute als riveg ajto rrjg 
aiQ€Oea>g xcov (paQioaicov jcejziorevxoreg, wie sie im Urtext ge- 
nannt sind, bezeichnet werden. Damit enthüllt sich aber erst 
ganz der Grund, weshalb der Bearbeiter die von Jerusalem Ge- 
kommenen (v. 1) die Reise nach Jerusalem anraten (v. 2) und 
nun hier, wo sie das entscheidende Tribunal für die Entscheidung 
der Frage sehen (vgl. das ojtog xgid^oöiv en avxoig v. 2), die 
Sache anhängig machen lässt. Es liegt hier nämlich wirklicli 
im Text der Apostelgeschichte die Schwierigkeit vor, dass nach 
ihm nicht die doch zu diesem Zweck gesandten Antiochener, 
sondern einige pharisäisch gesinnte Jerusalemiten die Frage zur 
Sprache bringen. Ich glaube nicht mit ßlass, dass „der Spürsinn 



m. Die charakteristischen Umgestaltnsgen des Textes in D. g| 

moderner Kritiker'' dazu gehört, um diese Inkongruenz wahrzu- 
nehmen; und der überall über den gegebenen Text reflektierende 
Bearbeiter, Ton dem jedenfalls so viele der eigentümlichen Um- 
gestaltungen in D herrühren, hat sich schon bisher uns keines- 
wegs als ein „simpler Abschreiber" gezeigt, dem man dergleichen 
nicht zutrauen dürfte. Er hat in der einfachsten Weise die 
Schwierigkeit gelost, während sich in keiner Weise begreift, wie 
die ältesten Majuskeln diesen so klaren Text verwirren konnten. ^) 
Allein ganz ist es ihm doch nicht gelungen; denn die Schwierig- 
keit liegt auch darin, dass das avzovg in 15, 5, das in der Quelle 
(s. d. vor. Anm.) seine Beziehung auf gewisse Personen gehabt 
haben muss, im gegenwärtigen Texte völlig beziehungslos bleibt. ^) 
Während die Rede des Petrus (15, 7 — 11) wieder unangerührt 
bleibt, wird sie 15, 7 eingeleitet mit dem feierlichen avBOxrjOBv 
(statt avaoxaq, das Blass ignoriert) bv jüPevfiaTi, das offenbar 
dadurch veranlasst ist, dass 15, 28 der infolge dieser Reden ge- 
fasste Beschluss in erster Linie dem heiligen Geiste zugeschrieben 

1) In Wirklichkeit löst sich die Schwierigkeit nur durch die Annahme, 
dass hier der Wortlaut der älteren Quelle eintritt, der Lukas in Reminis- 
cenz an Gal. 2 die Einleitung v. 1— 4 voraufgeschickt hat, weil er die in 
ihr erzählten Verhandlungen mit den von Paulus dort erwähnten identi- 
fizierte (vgL Texte u. Unters, a. a. 0. S. 186). Da Blass diese Annahme 
von vom herein verwirft, lässt er dieselbe durch Verkürzung des in D 
vorliegenden ursprünglichen Textes entstanden sein. Er nimmt nämlich 
an , dass die Worte riveg — roiv neTCtaxevxoxwv aito xrjg ai^eosotg xwv 
ifagioaiiov ursprünglich gar nicht hier, sondern in v. 1 gestanden haben, 
ab^ ohne alle Zeugen; denn der Syrer, der sie dort hat, hat sie auch 
hier. Ist aber seine Annahme richtig, so begreift man erst recht nicht« 
wie ein Abschreiber von ß dazu kam, sie aus v. 1 hierher zu versetzen. 

2) Blass hilft auch hier durch eine Gewaltthat, indem er annimmt, dass 
mit HL und mehreren Min. am Schlüsse von v. 4 zu lesen sei: xcu oxi 
tp^oi^ty xoiQ s^eaiv ^vgav niaxBmq^ und dass diese Worte — man begreift 
freilich nicht, wie — in allen ältesten Mjsk. fälschlich nach 14, 27 trans- 
poniert seien, wohin sie nicht recht passen sollen. Aber auch damit ist in 
Wahrheit nicht geholfen; denn in seinem Text geht das avtOLq auf Paulus 
und Bamabas, die in v. 4 Subjekt sind, und kann nun unmöglich das 
€gvxovg auf xoiq s&veatv gehen, was nur aufs Neue zeigt, dass die Worte 
Ol TiaQoyyeiXavxeg avxoig xxX. ein Einschub sind. Hilgenf. freilich nimmt 
a. a.. 0. S. 65 f. Anm. an, dass das avtovg wirklich auf Paulus und Bar- 
nabas gehe und das Subjekt des nsgixsfjtvsiv sei, was aber das fehlende 
und von ihm lediglich ohne jeden Anhalt im Kontext ergänzte: „nämlich 
die von ihm bekehrten Heiden'* schlechthin unmöglich macht. 

Texte a. Untersachangen N. F. II, 1. G 



g2 WeisS; Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

wird, Petrus sich also auf seinen Antrieb erhob. Am Schlüsse 
derselben aber wird, genau wie 4, 18, mit dem in D so beliebten 
Gen. abs. (vgl. zu 2, 1) ovyxaraTid^s/iapwv xmv jrQeoßvrsQOfP 
xoiq vjto rov jtetQov UQrniBvoiq das Baiyi]0€v 16, 12 motiviert, 
wobei noch zu bemerken ist, dass hier, ganz wie v. 5, auf die 
jtQSößvzeQoi das Hauptgewicht gelegt, und im Folgenden, wie 
1,4. 2, 6, der Genitiv nach axovHV in den Acc. verwandelt wird, 
den Blass ohne Begründung nicht aufnimmt. In der Rede des 
Jakobus, die, da sie doch keine Antwort auf die Mitteilungen 
des Paulus und Bamabas enthält, 15, 13 mit suibv (statt ajtexQid-r/) 
eingeleitet wird, und zu der sich derselbe, wie Petrus (bem. das 
avaötag aus v. 7), erhebt, ist 15, 18 das unverstandene ypcocta 
ajt acwpogj wie schon in A (vgL EHLP), erweitert in yptoarov 
an aicovog soriv xw xvqico xo SQyov avxov. Wie das eiq jtavxa 
jtsiQaOfiov 15, 26 eine Reminiscenz an Act 20, 19 ist, so blickt 
das g)tQOfispoi ev xa> ayim Jtpev/iaxi 15^ 29, worin man gar Mon- 
tanismus wittern wollte, darauf zurück, dass ja die gestellte 
Forderung auch v. 28 in erster Linie vom heiligen Geiste ausging. 
Das SP tjfi6Qaig ohyaig 15, 30 hat mit v. 3, wozu es nach 
Blass einen Gegensatz bilden soll, gar nichts zu thun, da es ja 
nicht die Zeit ihrer Reise, sondern ihrer Abreise bestimmt. Viel- 
mehr soll es hervorheben, wie man der Beunruhigung der 
Antiochener v. 24 so rasch wie möglich ein Ende machen wollte. 
Auch das jrXr]Qeig jtpevfiaxog ayiov 15, 32 hat sicher nichts 
Montanistisches. Es ist ja an sich bei Propheten etwas Selbst- 
verständliches, soll aber ausdrücklich hervorheben, dass sie ebenso 
wie die Apostel und Presbyter, in deren schriftlichem Wort der 
heilige Geist redete (v. 28. 31), die Antiochener durch ihr münd- 
liches ermahnen und starken konnten. Auch 15, 40 liegt eine 
Schwierigkeit in dem ältesten Text, die sich nur aus der Quellen- 
benutzung der Acta erklären lässt. Hier wählt sich Paulus den 
Silas zum Begleiter, als ob er noch in Antiochien wäre, obwohl 
derselbe v. 33 feierlich zu seinen Absendern nach Jerusalem ent- 
lassen ist. Nun hat schon C damit geholfen, dass er v. 34 ein- 
schaltet: edoga 06 xco CiXa ejtifdsipac avxov (in CD verschrieben 
in avxovg), wozu D nur noch zur Verdeutlichung hinzufügt: fiopog 
Ö€ lovöag BJtOQivd^jj, Blass will die ersten Worte sogar dem 
«-Text vindizieren, den Zusatz weist er dem /9-Text zu. Er liat 
nur übersehen, dass dieselben zwar als der einzig mögliche 



ni. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. ^3 

Versuch, der Schwierigkeit in v. 40 abzuhelfen, denkbar, in sich 
selbst aber für den Verfasser der Acta gänzlich unmöglich sind. ^) 
In der durchaus absichtsvollen Umgestaltung von 15, 38 ist das 
eigentliche Motiv der Zusatz etg o eJiefjLg>dTjaap, der aus derselben 
allein noch in lateinischen Zeugen erhalten ist, während doch 
alle anderen Änderungen in D damit eng zusammenhängen. Nun 
schien der Qrund, weshalb Paulus das ojtocrfjvai ajt avxcov 
missbilligte, in dem (iri övveXd^opta stg xo EQyov (bem. die Weg- 
lassung des avroio) zu liegen, und so konnte der Entschluss des 
Paulus, den Markus nicht wieder mitzunehmen, nur dahin 
formuliert werden {ovx eßovXszo ksymp, woran sich nun sehr 
ungeschickt die indirekte Rede des ursprünglichen Textes an- 
schliesst), dass dieser so dem Werke abtrünnig Gewordene (bem. 
das rovrov) auch bei der Fortsetzung desselben nicht mit ihnen 
sein sollte iiiri ecvai övv avroig). Das ist aber sicher nicht der 
Sinn der Apostelgeschichte, nach der Markus gar nicht an dem 
Werke beteiligt, sondern nur der Diener der beiden Missionare 
war (13, 5), weshalb sie auch 13, 13 kein Wort des Tadels über 
seine Rückkehr ausspricht. Dieselbe will darum auch hier nur 
andeuten, dass es dem Apostel Paulus unpassend schien, den 
Markus auf eine Visitationsreise (15, 36) zu den Gemeinden mit- 
zunehmen, bei deren Gründung er gar nicht mehr mit ihnen 
zusammen gewesen war. Bem. noch in lo^ 39 das dem Emendator 
so beliebte rore (vgl. zu 2,37), wodurch das Folgende zu einem 
selbständigen Satze wird. Endlich schien das Aposteldekret, das 
ja nach v. 23 ausdrücklich an die syrischen und cilicischen Ge- 
meinden adressiert war, notwendig, wenn Paulus zu diesen Ge- 
meinden kam, dort übergeben werden zu müssen. Daher fügt 



1) Mag immerhin in abstracto die Möglichkeit nicht zu leugnen sein, 
dasB im ältesten Texte durch Überlesen von dem avrovg nach anoarst- 
Xavrag auf das verschriebene avrovg nach ^ifiHvai die ersten Worte 
ausfielen; allein man vergegenwärtige sich den Tenor der Erzählung mit 
diesen Worten: Judas und Silas wurden^ nachdem sie eiue Zeitlang in 
Antiochien verweilt hatten, feierlich entlassen von den Brüdern zu denen, 
die sie abgesandt hatten. Es beschloss aber Silas dort zu bleiben (er 
wurde also nicht entlassen), Judas aber reiste allein (sie kehrten also 
nicht beide zu ihren Absendern zurück). So schreibt kein selbständig 
schreibender Schriftsteller, so kann unmöglich der ursprüngliche Text der 
Acta gelautet haben. 

G* 



g4 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

D am Schlüsse von 15,41 hinzu: xaQadidovg zag spzoXag rcoir 
jiQ€ößvr€Q<DPj obwohl doch sicher eine Stärkung der Gemeinden 
nicht durch die Auflage gewisser Enthaltungen erfolgen konnte. 
Dazu verrät das blosse ra>i;jr(>£a/9vT€()a7i^ die Hand des Emendators^ 
der auch v. 5. 12 auf die xQscßvreQoi das Hauptgewicht legt *) 
Da durch den Zusatz in 15, 41 die Aufmerksamkeit de» 
Lesers bei der Thätigkeit des Paulus in Syrien und Cilicien fest- 
gehalten wird, nimmt der Bearbeiter das öirjQX^to noch einmal 
in öisjid'cov ÖS xa ed-vi] tavxa 16, 1 auf, da man natürlich erst 
nach Vollendung der Durchreise nach Derbe und Ljstra gelangen 
konnte. Das diSQXOfisvoi 16^ 4 (statt cog öieytoQevopro) knüpfb 
absichtsvoll an 15, 41 an, weil von derselben Thätigkeit in den 
lykaonischen Städten, wie in Syrien und Cilicien, berichtet werden 
soll. Da aber v. 5 ein inneres und äusseres Wachstum der Ge- 
meinden die Folge davon gewesen sein soll, so meint der Bearbeiter 
ein sxTjQvooop fisra jcacr^g ytaggT/aiag top xvqiop tijöovp XQ^(fTOP 
einschalten zu müssen, ohne das ein solches doch nicht möglich 
ist, und knüpft daran nur das im Text Erzählte mit afia jtaga 
ötdopteg xai an. Obwohl er die jerusalemischen Dekrete, wie 
15, 41, als rag eptoXag (statt za 6oy flava ra xexQifiepa) bezeichnet, 
so zeigt er sich doch wieder soweit durch den ihm vorliegenden 
Text gebunden, dass er hier im Unterschiede von dort die Apostel 
vor den Presbytern nennt. Sollte dies wirklich eine «nachdrück- 
lichere" Bezeichnung derselben sein (vgl. d. vor. Anm.), so hätte 
jeder selbständige Schriffasteller dieselbe doch 15, 41 angebracht, 
wo er die Übergabe der sproXai zum ersten Male erwähnt 
Dass das rjd^sXap (statt sjtsiga^op) 16, 7 und öiel&oPTeg (statt 
jcagekd^oPTsg) 16, 8 Emendation ist, haben wir schon II, 1, c 



1) Wenn Blass zu dem na^aSiöovQf das in D dem eniotrjgiZo^v unter- 
geordnet ist, ein re hinzuzufügen und vor ngeaßvTegwv ein anoaroXfoy 
xai einzuschalten geneigt ist, weil beides sich hie und da in Versionen 
findet, so ist das doch offenbar eine spätere Nachbesserung und Konfor- 
mation des Textes mit 16, 4. Wenn er aber meint, die Notiz sei später 
in 15,41 ausgelassen, um sie 16,4 etwas nachdrücklicher (?!) zu geben, 
so ist das doch ein unbegreifliches Verfahren, sei es, dass man es dem 
Lukas in seiner Reinschrift, oder einem späteren Abschreiber zutraut. Denn 
aus dem über des Apostels Thun in den lykaonischen Gemeinden Gesagten 
lä<i8t sich doch nichts über sein Verhalten in den syrisch-cilicischen folgern; 
und es zeigt sich wohl für den Zusatz in 15,41 ein klares Motiv in 15,23, 
nicht aber für jene Auslassung. 



III. Die charakteristiflcben Umgestaltungen des Textes in D. S5 

AnnL gesehen; doch kann bezweifelt werden, ob dies noch zu 
-den fbr D charakteristischen Umgestaltungen gehört Dasselbe 
gilt Yon dem bp ogaptaxc 16, 9 (II, 1, f), das jedenfalls als der 
gewohnliche Ausdruck das eigentümliche oQafia ersetzt; doch 
wird hier allerdings zugleich in reflektierter Weise das rjv weg- 
gelassen (vgl. E, der die übrigen Änderungen von D nicht auf- 
nimmt), das Gesicht durch cdöbi näher als eine Traumerscheinung 
charakterisiert und dem sonst bedeutungslos erscheinenden ecrcog 
durch xara JtQoocajtov avrov erst eine Bedeutung gegeben, 
wodurch dann freilich das avrov nach jtoQoxaXmp überflüssig 
wird. Bem., wie der Syrer jenes mit aufnimmt, ohne mit D dieses 
zu streichen. Da der Bearbeiter nicht erkennt, dass das oDq 6t 
ro OQafia eiöev 16^ 10 nur die Exposition des bedeutungsvollen 
evd'sojg ist, findet er es völlig überflüssig und setzt dafür öieyso- 
^6ig ovp öcfiYTjCaxo xo OQa(ia ri/iip xai svoTjcafiep, da, wenn im 
Folgenden der Plural eintritt, die Mitteilung des Traumgesichts 
an die Begleiter des Apostels, zu denen der Erzähler sich rechnet, 
•ebenso notwendig vorhergegangen sein muss, wie das Verständnis 
«einer Bedeutung von ihrer Seite. Wenn er diese nun dem Satz 
mit oTi entlehnt, so musste das avzovg in rovg ev ttj (laxeöovia 
verwandelt werden, da dasselbe durch die Auslassung der Worte 
^vd-scog B^rjTTioaiisp s^ekd-eip eig fiaxsöovtap beziehungslos 
geworden war. War damit auch gegeben, dass sie nach Mace- 
-donien aufbrachen, so musste nun doch noch nachgeholt werden, 
-dass dies sogleich geschah, weshalb das tt] eytavQcop an der 
Spitze von 16, 11 ausdrfickUch hervorhebt, wie man gleich am 
Tage nach der Traumnacht aufbrach.*) 



1) Blass meint freilich umgekehrt, dies ttj enavgiov sei in a wegen 
•des svB^ewg v. 10 ausgelassen; allein dies bezog sich ja nur auf das Suchen 
nach einer Schiffsgelegenheit, dessen Erfolg sich auch verzOgem konnte, 
«o dass es immerhin seine Bedeutung behielt, wenn weiter erzählt wurde, 
dass man schon am anderen Tage wirklich abfuhr. Wenn nach Blass durch 
-die Änderung in v. 10 das Auftreten der 1. Person besser motiviert werden 
«oll, so ist das unrichtig, da in D das rjßiv ebenso unvermittelt auftritt. 
Vielmehr tritt nun die Unbequemlichkeit ein, dass das tißiv die Begleiter 
im Gegensatz zu Paulus bezeichnet, während in das tjßa^ doch jedenfalls 
Paulus mit eingeschlossen ist Bem. noch, wie der Glossator der Phil, das tj/ 
^navQiov auAiimmt, aber nicht die Änderung in v. 9, welche dasselbe not- 
wendig gemacht hat, woraus au6 Neue folgt, dass die Auslassung dieses 
Wortes durch die Fassung von ee in y. 9 nicht herbeigefQhrt sein kann. 



§6 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

In den Ereignissen zu Philipp! ist 16, 19 nur das rtjg 
SQyaöiag avzcop erläutert durch rjg etxav 6i avTf]g, In 16, 22 
schien der plötzlich auftretende artikulierte ox^og anstössig, da 
ja von einem ox^og noch gar nicht die Rede gewesen war, 
und das blosse avpsjtsörri xar avxcov das Einschreiten der 
orgatTf/ot nicht zu erklären, weshalb der Emendator jtoXvg 
ox^og schreibt, das Verb, neben dem Collect, in den Plural ver- 
wandelt und xQa^oPzeg ergänzt, worauf er mit dem ihm so be- 
liebten TOT 6 (vgl, 2, 37) fortföhrt. In 16, 30 meint er bemerken 
zu müssen, dass, ehe der Kerkermeister die beiden Missionare 
herausführte, er die übrigen Gefangenen, deren Fesseln ja auch 
gelöst waren (v, 26), in Sicherheit brachte. ^) Sehr klar ist, woher 
16, 35 der Absendung der gaßöovxoi vorausgeschickt wird, dass 
die öTQaTfjyoc auf dem Marktplatz zusammentreten, um einen 
neuen Beschluss zu fassen, da sie ja v. 23 das Oegenteil ange- 
ordnet hatten, und nun ihre Umstimmung durch die Furcht moti- 
viert wird, welche ihnen die Erinnerung an das Erdbeben der 
Nacht einflösste. Gerade weil diese Motivierung keineswegs ganz 
selbstverständlich ist, vielmehr nach v. 37 anzunehmen ist, dass 
sie über Nacht zu der Einsicht gekommen sind, dass sie sich 
durch den Yolkstumult zu einem unbesonnenen Verhalten haben 
hinreissen lassen, bleibt es doch erst recht unwahrscheinlich, 
dass Lukas oder ein späterer Abschreiber sie fortliess, statt dass 
der Bearbeiter diese scheinbar notwendige Motivierung nicht ganz 
im Sinne seines. Textes ergänzte. Dass das Tovg avd^QWJtovg 
exeivovg durch ovg sxB-sg jtaQsXaßeg ergänzt werden musste, wenn 
die Liktoren wörtlich so redeten, wie der Bearbeiter annimmt, 



1) Um das tovg Xoinovg aotpaXioafASvoq anschliessen zu können, hat 
er das Partie, ngoayayiov in TCQOtjyayev verwandelt, während der Syrer 
sich damit hilft, dass er zwischen beide Partizipien ein et einschiebt. Blass 
vermischt beide Teztgestalten, indem er das Verb, finit. aus D und das 
xai mit dem im Folgenden eingeschobenen ngoai]k&ev xai aas dem Syrer 
aufnimmt. Da sich für die Einschiebung dieses neben den beiden koordi- 
nierten Partizipien recht unpassenden nQootjk&sv gar kein Grund zeigt, so 
ist es sehr wahrscheinlich, dass der Syrer schon unseren Text von D mit 
dem vor einsv ausgefallenen xai voraussetzt. Dann ist vielleicht die Ver- 
wandlung des TtQoayayav ins Temp. finit. späteren Datums (vgl. I, b), als 
die Einschaltung des aa<pahGafji6vog, dessen ungeschickte Subordination 
unter das Partie. TtgoayaycDV es dann erst recht als Einschub charakterisiert. 



III. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. g7 

ist klar. Ebenso ist das scosXd-ov 16, 36 eine selbstverständliche, 
aber eben darum sehr entbehrliche Erläaterung. In 16, 38 ist 
ra QTid'tvxa JtQog rovg CrQavriyovg, das natürlich zusammengehört, 
da ja die Worte des Paulus für die Prätoren bestimmt waren, 
hinzugefügt, um den harten Subjektwechsel zu vermeiden, wie 
das eingeschobene oi 6s deutlich zeigt, das die Voraufnahme des 
axovöaPTsg xtX. veranlasst hat. Besonders stark ist 16, 39 um- 
schrieben. Zunächst ist das eZd-oPtsg näher bestimmt durch 
jtaQayspofisvoi (lera tpiXcav jtoXXwv Big rrjv g)vXaxi]P^ wobei die 
vielen Freunde offenbar ihnen bitten helfen sollen und den Schein 
abwenden, als ob die Obrigkeit als solche sich dazu herablasse. 
Sodann wird das jcaQSxaZeCap avrovg, bei dem eine Angabe, 
worum sie eigentlich baten, zu fehlen schien, nach v. 36 durch 
e^sXß^sip erläutert und diese Bitte durch eine ausführliche Ent- 
schuldigung motiviert. Aber diese Entschuldigung stimmt wohl 
zu der in v. 35 eingetragenen Vorstellung, dass sie durch das 
Erdbeben zu der Furcht gebracht sind, sich an Unschuldigen 
vergriffen zu haben und nun die Strafe der Oötter dafür erwarten 
zu müssen, und' zu dem v. 37 in offenbarem Widerspruch mit 
der folgenden Motivierung {axazaxQirovg apd^QOJtovg Qoofiaiovg 
vjiaQXOPzag) eingetragenen apaiziovg, aber nicht zu dem Eontext 
(vgl. V. 38), wonach ihr Vei^ehen darin bestand, dass sie römische 
Bürger ohne Urteil und Recht mit schimpflichem Gefängnis be- 
straft haben. Endlich wird ihre Bitte (bem. die Wiederaufnahme 
des dem Bearbeiter auch sonst so geläufigen jtagsxaXsöap avrovgy 
(vgl 8, 19. 24. 10, 33) mit Xeyoprsg in direkte Worte gekleidet 
(«X TT/^ jtoX€a}g xavxTjg e^sXd^are) und durch die Furcht vor 
neuen Volksunruhen motiviert. Dies ist aber schwerlich im 
Sinne des Erzählers, nach dem sie wohl fürchten, dass ihnen bei 
längerem Verweilen der Missionare in der Stadt ihr unbesonnenes 
Vorgehen doch noch Verlegenheiten bereiten konnte. Wenn 
diese nun 16, 40 bei der Lydia Abschied nehmen gehen, so schien 
doch dem Ermahnen der Brüder vor allem die Erzählung ihrer 
Erlebnisse vorangehen zu müssen. Dass diese ein Einschub, zeigt 
aber die dadurch veranlasste ungeschickte Anknüpfung des 
jtaQaxa2,BCavr£g an öirffrjCaPxo, die freilich nach 15, 4 (vgl. I, a) 
vielleicht ein blosser Schreibfehler für JtaQsxaXsöap xe (nicht für 
sraQaxaXeoapzeg t8, wie Blass ohne Zeugen schreibt) ist, und 
vor allem die durch die Voraufnahme des xovg aöeXtpovg herbei- 



88 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

geführte Verwaudlung desselben in avrovg, das nun eine ganz 
andere Beziehung hat, wie das dcht vorangehende avroic. ^) 

In dem Abschnitt über Thessalonich wird 17, 5 statt oi 
lovöaioi das beschränkende oi aJteid-ovvTeg lovö, gesetzt (worüber 
das ^TjXmoapreg ausgelassen zu sein scheint), weil ja nach t. 4 doch 
etliche derselben sich bekehrt hatten. Merkwürdig ist nur, dass 
derselbe Ausdruck gewählt ist, der 14, 2 durch den Bearbeiter be- 
seitigt war. Es wird also diese Korrektur schwerlich von der- 
selben Hand herrühren, sondern aus einem Texte, in dem noch 
14, 2 das ajiSid^öaPTsg stand. Auch das starker kolorierende 
cvöTQerpaPTsg statt jtQOOXaßoftevoi zeigt nicht die Art der für 
D charakteristischen Umgestaltungen. Dagegen schien offenbar 
17, 12 zu einseitig der gute Erfolg des Apostels in der Synagoge 
zu Beroea hervorgehoben, weshalb dem rti^£$ (statt jtoXXoi) fisv 
ovv avTcov ejciCTSvaav das beschränkende tiveg ös tjjtiartjOav 
gegenübergestellt wird. Dem tritt nun der doch noch grossere 
Erfolg unter der griechischen Bevölkerung gegenüber (bem. das 
positive ixavot statt des owc oXiyoi und das durch die Ein- 
schaltung notwendig gewordene sxiötsvöap aiii Schlüsse), was 
freilich ganz gegen die Intention des Erzählers ist, der den über- 
raschenden Erfolg unter den Juden eben durch das evyepeörsQoi 
V. 11 motiviert Aber dies scheint der Emendator schon nicht 
mehr verstanden zu haben, da er evyspstg schreibt, das natürlich 
zu dem rcop bp d-eoaaZ. gar nicht passt. 

Ebenso stiess er sich an dem eXkr/piöcop, weil daraus zu 
apÖQcop das MaskuL ergänzt werden muss, und daran, dass hier 
alle griechischen Weiber vornehm genannt zu werden scheinen, 
was jedenfalls zu seiner Fassung des et;/£i;£i^ nicht stimmt. 
Er schreibt daher tojp bXXtipcop xai rcop evcx^ßopcop und lässt 
diese Genitive von apÖQSg xai yvpaixsg abhängen, wodurch nun 



1) Ich kann wahrlich nicht finden, dass in der Darstellung der Er* 
eignisse in Philippi ß ,.ein mehr naturwüchsiger Text" ist (Hilgenfeld, 
a. a. 0. 39,2. S. 195], aus dem erst a das Irrationale herauskorrigiert 
habe, was für unsere ältesten Majuskeln eine reflektierte Art des Emen- 
dierens voraussetzt, von der wir nirgends in ihnen eine Analogie finden. 
Aber auch Hilgenf. selbst scheint das Unhaltbare dieser Annahme zu 
fühlen und ibt geneigt^ hier ein Zurückgehen des autor ad Theoph. auf 
seine Vorlage anzunehmen. Aber damit ist ja die Duplizität der uns vor- 
liegenden Textgestalten nicht erklärt. 



III. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. g9 

freilich beim ZurQcklenken in den Text das ixavoi recht unge- 
schickt neben dem yvpaixsg zu stehen kommtJ) In 17, 13 
motiviert er das Kommen der Juden aus Thessalonich nach 
Beroea genauer dadurch, dass sie nicht bloss erfuhren, es sei 
göttliches Wort nach Beroea hin verkündigt, sondern auch, es 
sei dort gläubig aufgenommen {xat ejuCzevoap), Ob freilich die 
Voranstellung des o Xoyoq rov d'sov, wie die Auslassung der 
beiden Artikel, das eiq ßegoiap statt ep tt] ßeQOia und der 
Fortfall des vjco rov jtavXov, der durch die Einschiebung des 
xai STtiarsvcap, aber auch durch die Umstellung des Big ßsQoiap 
veranlasst sein kann, von derselben Hand herrührt, bleibt zweifel- 
haft. Dagegen scheint es der Bearbeiter zu sein, der das xaxei 
(auch hierher) f&r den Beginn eines neuen Satzes hielt und nun 
das T]XBi)p durch sie avvfjP ergänzte, sowie davor das vor eic 
ßsQoiap ausgefallene xai (etiam) nachbrachte, dann aber wegen 
des xai vor exsi ein neues Hauptverbum (ov öieXifiJtapop , vgl. 
den Zusatz zu 8, 24) anfügte. 2) Endlich erklärt er 17, 15, wes- 
halb Paulus gleich bis Athen ging, indem er die Übergehung 
Thessaliens nach Analogie von 16, 7 dadurch motiviert, dass er 
(natürlich vom Qeiste Gottes) verhindert wurde, der dortigen 
Bevölkerung das Wort zu verkündigen. Auch dies ist freilich 
schwerlich im Sinne des Erzählers, nach dem die Begleiter die 
nächste Schiffsgelegenheit benutzten, um den Apostel möglichst 
weit seinen Verfolgern zu entrücken. 

Es scheint nur die Absicht zu sein, die Rede in Athen 
bedeutsamer einzuführen, wenn 17, 19 mit dem fiera 6b rjfisQaQ 
ripoc ein neuer Absatz gemacht, das XsyopzBg durch die Ein- 
schaltung von jtvpd^apofiBPOi xai noch bestimmter zu einer 
forschenden Frage zugespitzt, und das farblose XaXovfiBPt] mit 
Bezug auf den xaTayysXtvg v. 18 in xarayyBZXofiBP^] ver- 



1) Warum Blass, der doch diese Umgestaltung im Wesentlichen bei- 
behält, obwohl sie fast ausschliesslich in D sich findet, nur das svyeveig 
(obwohl es der von ihm sonst so bevorzugte Parisin. hat) und das xai 
verwirft, ist doch nicht abzusehen. Gewiss ist das xai eine verkehrte 
Emendation, aber sie ist doch offenbar beabsichtigt. 

2) Auch hier sehe ich nicht, warum Blass das xai vor rjXS^ov mit 
«einem „maW verwirft, und das xaxBi als aus a eingekommen verdächtigt. 
Bemerkenswert ist, wie einige orientalische Zeugen das ov diB?Afinavov 
aufnehmen ohne die vorhergehende Änderung, die den Anlass dazu gab. 



90 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

wandelt wird. Bemerkenswert ist, dass hier auch die Rede selbst 
nicht ganz frei von Umgestaltungen bleibt. Zwar das ?jp 
yeyQafifievov 17, 23 (vgl. II, 1, d. Anm.), wie das ort ovrog o 
öovg 17, 25 (vgl. II, 1, b) sind wohl ganz gewöhnliche Emen- 
dationen. Aber der Hauptpunkt, in welchem der Apostel an 
das heidnische Bewusstsein anknüpft 17^ 27 (bem. das fiaXiCta\ 
wird durchweg demselben noch näher gebracht, indem statt 
^rjTSip TOP O^eov geschrieben wird: ^rjTeiP xi xo d^eiov böxlv, 
dem nachher das tpijXag), avxo (statt avxov) und vjtagxop (statt 
vnaQxovxd) entspricht. ^) Auch das xo xad- 7](i€Qav 17, 28 ist 
ein sehr naheliegender verstärkender Zusatz. Bei dem jroujxoip 
stiess sich der Emendator daran, dass das folgende Wort von 
mehreren Dichtern gesprochen sein sollte. Blass ist zwar geneigt, 
das Fehlen desselben für ursprünglich zu halten; aber dass es 
absichtlich weggelassen ist, erhellt daraus, dass nun das xofP xad- 
vfiag vor xipeg gestellt wird, weil der Nachdruck darauf liegen 
soll, dass schon von ihren Landsleuten Etliche diese Wahrheit 
ausgesprochen haben, während die gewöhnlichen Emendatoren 
den Gen. nachzustellen pflegen (vgl. 11, 2, a). 

Als Paulus in Korinth Aquila und Priskilla triflFt, wird 
18, 2 ausdrücklich bemerkt, dass diese nach ihrer Vertreibung 
aus Kom sich in Achaja angesiedelt hatten {oi xai ocaxojx7]öap 
ecg xrjp axaiap), was ja im Folgenden vorausgesetzt w^ird und 
doch, genau genommen, in dem jtQoo^axog shßvd-oxa ajto xTjg 
cxaXiag noch nicht lag. Merkwürdig ist, dass, während so aus- 
drücklich Aquila und Priskilla zusammengefasst werden, nun 
doch in Anknüpfung an svqcqp xipa nach j€Qoöi]Xd^BP: avxo» 
(statt avxotg) geschrieben und dann das allerdings recht 
wünschenswerte Hauptsubjekt (o JtavXog) nachgebracht ist. Doch 
mag diese Emendation von späterer Hand herrühren. Recht 
überflüssig ist es, wenn seinem Auftreten in der Synagoge 18, 4 
ausdrücklich voraufgeschickt wird, dass er alkabbatlich in die- 
selbe hineinging {siöJtOQevofispog). Wenn aber das avxi&ecg 
wirklich (im Gegensatz zu v. 5) so treffend das anfanglich 
zaghafte Auftreten des Apostels ausdrückt, wie Blass meint, so 



1) Das TLj das noch durch den Syrer und das auch bei ihm folgende 
6011V bestätigt wird, ist offenbar durch Schreibfehler in unserem heutigen 
Text von D ausgefallen und wird willkürlich von Blass verworfen. 



m. Die charakteristischen Umgestaltnngen des Textes in D. 9j 

begreift man freilich erst recht nicht, wie ein Späterer oder gar 
Lukas selbst diesen Zug entfernen konnte. Klar ist nur, dass, 
wenn er, wie D mit versärktem Nachdruck hervorhebt, nicht 
nur Juden^ sondern auch Hellenen (und zwar natürlich zum 
Christenglauben) überredete, es notig schien zu bemerken, dass 
er bei seinen Unterredungen den Namen des Herrn Jesu ein- 
fiiessen liess, da sie sonst ja jene Wirkung nicht haben konnten. 
Dann dürfte aber schwerlich jener Nachdruck beabsichtigt sein. 
Auch I89 6 wird dem aprnaaaofievcop avrcov voraufgeschickt: 
jfoZXov 6s koyov yivo/ispov Tcai ygatpcav öuQfiTjvsvofievov , um 
den Anlass der Widersetzlichkeit der Juden zu erläutern, obwohl 
derselbe doch viel deutlicher noch in dem Zeugnis von der Messia- 
nität Jesu (y. 5) liegt. Sehr absichtsvoll unterscheidet 18^ S 
zwischen dem Glauben an den Herrn {sJiiOTSvoev eig top xvqiov 
statt TOD xvQi€oi)j ZU dem der (natürlich jüdische) Synagogen- 
vorsteher (bem. die Voranstellung des aQx^owaywyoq) kam, und 
zwischen dem (christlichen) Glauben an Gott (piiör. xa> d^eo) öia 
Tov opofiatog xov xvqiov ?]fjLcop irjo, xQ')i ft^f Grund dessen 
viele (heidnische) Korinther getauft wurden. Bern,, wie die 
Syrer sich in die doch notwendig zusammengehörigen Stücke 
dieses Zusatzes geteilt haben. Das xaxBJtBCxriCav — xw jtavXo 
18, 12 vnrd erläutert durch owXaXrioavxeq fisd- eavxwp ejtt xov 
jrGV>l.,das riyayov wird durch vorauf geschicktes sjtiO^svxsg xag x^^Q^g 
ausgemalt und das XByopxeq durch Einschaltung des xaxaßocov- 
Tsg xai verstärkt. Die Erläuterung des Jtavxeg durch sXXf]V8g 
18, 17 halte ich trotz Blass für kontextwidrig (vgl. Texte u. 
Unters, a. a. 0. S. 220). 

Blass vermutet, dass in D das xaxeivovg xaxehjtsp exec 
18, 19 aus a eingeschoben sei, weil es einige orientalische Ver- 
sionen hier fortlassen und der Sache nach erst v. 21 bringen.^) 
Allein die Philox., wie 137, hat es trotz des dortigen Zusatzes- 
auch hier und hat nur das xw sjtiopxc oaßßaxco transponiert, 
das in D zwischen xcu und sxaipovg eingeschaltet wird. Da dies 



1) Wie sekundär diese Lesart ist, zeigt sich schon darin, dass bei dem 
TOV Sc axvXav eiacEV ev B(fsoo) die Priskilla ganz vergessen ist, die 
erst die Pescb. nachbringen mnss. Übrigens ist die Folge davon, dass sie 
nachher fortfahren müssen: avxo^ Ss avax^fi^ (ohne ano ti;c S(p.) rj?,&6V 
fiq xataageiav. 



92 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

ohne Frage die schwierigere Lesart ist, erhellt, dass dasselbe 
ursprünglich in einen Text, der xcexeivovg hatte, eingeschoben 
ist, dass also die Hand, die es einschob, das xaxsivovg xare- 
Xtnev exei vorfand, und dass dieses nicht eingeschaltet wurde, 
weil sonst zur Zerreissung des Übernommenen xaxsivovg kein 
Grund vorlag. Der Text von D erklärt sich ohne diese ganz 
undurchführbare Annahme. Da Paulus doch nur am Sabbat in 
die Synagoge gehen konnte, und nicht angedeutet war, dass er 
gerade an einem Sabbat in Ephesus eintraf, meinte der Bearbeiter 
bemerken zu müssen, dass Paulus am nächsten Sabbat die Freunde 
dort verliess und nur seinerseits noch einen Abschiedsbesuch in 
der Synt^oge machte, wobei er sich trotz der Bitten der Juden 
nicht zu einem längeren Aufenthalte bewegen Uess. Zu dem 
Imperf. statt Aor. vgL 11, 1, d. Wenn Paulus nach dem ge- 
wohnlichen Text 18, 21 seine Rückkehr verspricht, falls Gott es 
wollen sollte, so denkt derselbe dabei an 16,6, wo Gott dem Apostel 
ja die Verkündigung in Vorderasien ausdrücklich gewehrt hatte, 
so dass er auf einen neuen Wink Gottes warten musste, ob er 
dort verweilen sollte. Es ist also trotz der weiten Verbreitung 
dieser Lesart (vgl. HLP, Min. und Versionen) ganz gegen den 
Sinn der Erzählung, wenn der Bearbeiter, ohnehin den Satz 
ungeschickt überladend, seine Weigerung nach Analogie von 
20, 16 dadurch motivieren lässt, dass er durchaus das kommende 
Fest in Jerusalem zubringen müsse. Ohnehin ist ja von einem 
solchen Festbesuch im Folgenden nichts erzählt, auch wenn 
man trotz Blass in dem avaßag ein Hinaufziehen nach Jerusalem 
findet; aber vielleicht ist der Bearbeiter durch dieses (an sich 
richtige) Verständnis jenes Wortes auf jene falsche Motivierung 
geführt. Dass auch 19, 1 nicht, wie Blass will, die Ursprüng- 
lichkeit dieses Textes bestätigen kann, werden wir bald sehen. 
Blass rühmt dem Text von D besonders die wichtige histo- 
rische Notiz nach, die in dem sv r?] xargiöi 18, 25 liegen soll, 
obwohl dieselbe doch offenbar nur aus yerei aXB^avÖQsvg er- 
schlossen und ohne Zweifel auch die Voraussetzung des ge- 
wöhnlichen Textes ist Die Art, wie Apollos nach Korinth 
kam, meint der Bearbeiter ausführlicher erläutern zu müssen, 
da durchaus nicht zu erhellen schien, wie derselbe zu seinem 
Beschluss, nach Achaja zu gehen, kam. Er schickt also 18, 27 
vorauf, dass einige Korinth er sich eine Zeitlang in Ephesus auf- 



III. Die cbarakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. 93 

hielten und, da sie ihn horten, ihn baten (vgl. das ihm so beliebte 
xaQoxaXstv 8, 19. 24), er möge mit ihnen in ihre Vaterstadt 
(xargigf wie 18, 25) kommen. Bern, das dazu wenig passende 
öisXd-eiv €ig, das nur aus dem ihm vorliegenden Text nachklingt. 
Nun wird das ßovXofisvov avtov zum övvxaravevoavrog avrov, 
und nun müssen die adsXg>ot näher als oi eq>soioi bezeichnet 
werden. Das JtQOtQStpa/ievoi lässt er fort, da Paulus ja den 
Korinthem seine Bereitwüligkeit schon feierlich erklärt hat. Da- 
bei übersieht er freilich, dass sich dies Partie, im Urtext auf 
das bezieht, wozu sie die korinthischen Jünger (bem. das ev 
xoQivd^o}^ dem sqiBO. entsprechend) durch ihren Empfehlungsbrief 
antreiben wollten, und dass derselbe überhaupt kaum mehr 
notig ist, wenn Paulus von Korinthern ausdrücklich eingeladen 
war. Dieser Einladung entsprechend, wird nun statt des jtaQa- 
yerofisvog hervorgehoben, dass er für einige Zeit in Achaja ver- 
weilte (wobei das eig rriv axaiav wieder aus dem Urtext v. 27 
nachklingt, da die Korinther ihn doch zunächst nach Korinth 
eingeladen hatten) und viel in den dortigen Gemeinden verkehrte. 
So scheint der Bearbeiter das ovvBßaXezo verstanden zu haben, 
sicher gegen den Sinn des Urtextes, wie der folgende Be- 
gründungssatz 18,28 zeigt, in dem er nur noch öiaXayofievog 
vor exiÖBixwg einschaltet, das doch nach dem öiaxaTyjXeyx^'^o 
recht überflüssig ist. 

Die Erzählung von dem Aufenthalt des Paulus in 
Ephesus knüpft der Bearbeiter 19^ 1, indem er das ihm be- 
deutungslos scheinende syspero sv T(d rov aJtoXXw sivai bv 
xoQivd-oa fortlässt, an seinen Zusatz in 18, 21 an, sofern er mit 
dem ihm so beliebten Gen. abs. (vgl. 2, 1) einschaltet, dass, als 
Paulus xaxa rtjv löiav ßovXfjv nach Jerusalem reisen wollte, 
der Geist ihn nach Vorderasien umkehren hiess. Wie es kam, 
dass Lukas in der Reinschrift oder ein Späterer den Plan des 
Apostels dort und seine Vereitelung hier fortliess, hat uns Blass 
nicht erklärt. Jedenfalls ist aber die Motivierung seines Kommens 
nach Ephesus in D eine ganz unmögliche. Entweder hat der 
Bearbeiter das avaßag 18, 22 vergessen, wonach der Apostel, 
wenn er es richtig verstand, die nach v. 21 geplante Festreise 
bereits gemacht hat, oder er hat 18, 23 übersehen, wonach Paulus, 
wenn er von Antiochien nach Oalatien und Phrygien geht, seinen 
Plan längst aufgegeben hat; denn dass er sich hier bereits auf 



94 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

der Rückreise nach Yorderasien befindet, liegt klar zu Tage. Es 
wird sich nur fragen, ob er dasselbe nur durchziehen wird, wie 
Kap. 16, um auf sein Missionsgebiet in Hellas (resp. Macedonien) 
zurückzukehren, oder, wie man ihn 18, 21 bat, in Ephesus bleiben. 
Woher er letzteres thut, deutet eben jener dem Bearbeiter nicht 
verständliche Eingang von 19, 1 an. Als er erfuhr, dass Eorinth 
durch Apollos wohl versorgt war, sah er darin den Wink Gottes, 
auf den er IS, 2t noch wartete, und blieb in Ephesus, wo er 
auch sofort Arbeit fand. Ohne diese Annahme wird die Apollos- 
episode 18, 24 — 28 schlechthin unverständlich. ^) 

Gleich in der ersten Erzählung aus Ephesus ist die auf- 
fallende Erklärung, sie hätten nicht gehört, ob heiliger Geist 
existiere (19, 2), dahin erläutert: ob irgend wer heiligen Geist 
empfangen habe. Das eiq afpeötv afiaQxtwv 19, 5 soll offenbar 
die Taufe, die sie jetzt empfangen, als die spezifisch christliche 
von der Johannestaufe unterscheiden. Das kann aber unmöglich 
Lukas geschrieben haben, nach dem schon die Johannestaufe den- 
selben Zweck hatte (vgl Ev. 3, 3). Das evO^sco!; sjtejtsöep 19, 6 
statt des einfachen tiXd-sv stammt einfach aus der Korneliusge- 
schichte (10, 44). Der Glossator der Philox. hat hier sogar die 
Bemerkung, dass sie zu Anderen in Zungen redeten, wenn sie 
ihre Glossen selbst verstanden und selbst auslegen konnten. 
Blass hat jetzt sogar diesen Zusatz in seinen ältesten Text auf- 
genommen, obwohl er doch augenscheinlich nur eine recht un- 
geschickt angebrachte gelehrte Reminiscenz an 1 Kor. 1 4, 28 ist, 
die gegen die ihm eigentümlichen Zusätze aufs Höchste misstrauisch 
machen sollte. Bei dem Beginn der ephesinischen Wirksamkeit 
wird 19, 8 in Erinnerung an 1 Kor. 2, 4 ev dvvafiec fieyaXf^ 



1] Die ganze EDtgegensetzimg einer i6ia ßovktj und einer Weisung des 
Geistes ist aber weder im Sinne des Paulus noch des Lukas, der doch 
überall so nachdrücklich hervorhebt, wie Paulus alle seine Entschlüsse 
von dem ihm (durch den Geist) kundgewordenen Willen Gottes leiten 
lässt. Woher aber erst in D das avcjxegixa fiSQij klar werden soll, wie 
Blass meint, ist gar nicht abzusehen, während es doch höchstens durch den 
eingeschobenen Plan einer Heise nach Jerusalem, von dem man nicht 
weiss, wie weit er vor dem vnoazQBifHv schon ausgeführt war, unklar 
wird. Vielmehr nimmt das öiBk^ovxa ja einfach das öieQXOtJiBvoq 18, 23 
auf, was nur durch das xateX^eiv im a-Tezt deutlicher heraustritt, als in 
dem eQX^rai bei D. 



III. Die charaktenBÜBchen ÜmgestaltaDgen des Textes in D. 95 

hinzugefügt Offenbar absichtlich werden die rireg 19, 9 durch 
4xvT€ov als Mitglieder der Synagoge v. 8 bezeichnet, um einen 
Gegensatz gegen rov jclTjB^ovg xcov ed-vcov zu bilden, welchen 
Zusatz E und die Syrer aufnehmen, ohne zu sehen, dass er nur 
das Korrelat zu dem avrcov ist Derselbe ist aber nicht einmal 
im Sinne des Erzählers, da die Imperf zeigen, dass nur die 
Synagogen Wirksamkeit des Apostels weiter geschildert wird, in 
der Etliche immer wieder die Menge der Synagogenbesucher 
von seiner Lehre abzubringen suchten. Übrigens bildet der Be- 
arbeiter daraus einen selbständigen Satz (bem. die Ersetzung des 
<og ÖS durch fiev ovv), der durch die Versündigung der Juden 
an den Heiden noch stärker motivieren soll, weshalb Paulus sich 
nun (bem. das beliebte rors, vgl. 2, 37) von den Juden zu den 
Heiden wendet Nur die Folge davon ist, dass jetzt im Gegen- 
satz zu den rivsg wieder Paulus als Subjekt genannt wird, das 
Blass nicht aufnimmt, obwohl es mit den vorigen Änderungen 
eng zusammenhängt. Das smg 19, 10 ist offenbar Erleichterung, 
um die schwerfallige Konstruktion des Acc. c. Inf. nach coöre 
zu vermeiden, deren terminus ad quem doch nicht ganz zum 
Folgenden stimmen will. 

Dass die Erzählung von den jüdischen Exorzisten zur 
Umgestaltung reizte, ist leicht begreiflich, da 19, 14 von sieben 
die Rede ist, und in dem aiiq>oxBQG>v v. 16 vorausgesetzt wird, 
das8 nur zwei von ihnen bei dem speziellen Fall, der v. 15 f. 
erzahlt wird, beteiligt waren, und ebenso in dem ex rov oixov 
€xaiPov V. 16 nur vorausgesetzt wird, dass es ein nach v. 17 in 
Ephesus allgemein bekanntes Haus war, in dem sie jenen ver- 
unglückten Versuch einer Dämonenaustreibung machten. Mag 
man diese Achtlosigkeiten auf die schlichte Weise des populären 
Erzählers zurückführen oder sie, was mir hier recht unwahr- 
scheinlich scheint, aus unbedachtsamer Quellenbenutzung erklären, 
keinesfalls kann das mit dem späteren afiq>oT£Qwv scheinbar 
im Widerspruch stehende ejcra 19, 14 in einem sekundären 
Text erst eingebracht, es kann nur von dem reflektierenden Be- 
arbeiter fortgelassen sein, wie schon der Glossator der Philox. 
sah, der es wieder einsetzt. Ebenso wird das schwierige ex rov 
oixov exsivov durch scOsXB-opreg JtQog rov öaifiovi^ofisvov in 
der denkbar einfachsten Weise vorbereitet. Auch das frappierte, 
dass die Exorzisten einer hohenpriesterlichen Familie angehörten; 



96 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

aber ich kann nicht finden, dass die Sache dadurch deutlicher 
wird, dass D ihren Vater Skeuas zu einem einfachen Priester 
macht. Wenn Priestersohne sich in der Diaspora als Exorzisten 
herumtrieben, so können es auch wohl Hohepriestersöhne ge- 
than haben. ^) Dass das rovro jtoiovvreg vorsichtiger in fj&eXf]Cav 
xo avTO xoiTjöai umgewandelt wird, weil ja der nachher erzahlte 
Versuch misslang, kann ich ftir keine Besserung halten, da es 
doch von den jüdischen Exorzisten nach v. 13 mehrfach ge* 
schah, wenn auch der Versuch nicht immer so üble Folgen für 
sie hatte, wie in dem erzählten Einzelfall Mir scheint dadurch 
nur dieser Einzelfall, der durch v. 14 lediglich eingeleitet wird^ 
mit dieser allgemeinen Einleitung vermischt zu werden, während 
doch der Bearbeiter selbst bestrebt ist, durch die relativische 
Anknüpfung derselben an v. 13 (£i^ oig xai)j wie durch das 
xai — 7]Q^aPT0 sjtixaXeiod^ai xo opofia beides noch ausdrücklicher 
zu sondern. Das eB^og eix^v xovq xoiovxovg e^oQxiCeiv, in dem 
die Beziehung des xovg xoiovxovg doch recht unklar bleibt, ist 
nichts als eine Erklärung des Ausdrucks B^OQxiaxai v. 13, die 
er seinen Lesern vielleicht für nicht geläufig hält. Wenn nach 
dem Xeyovxsg noch einmal in sehr breitspuriger Weise die Worte, 
die V. 13 auf Xeyopxeg folgen, der Sache nach wiederholt werden, 
so geschieht es, um nun mit dem ihm so beliebten xoxe (vgl. 
zu V. 9) die Antwort des unreinen Geistes daran direkt anzu- 
knüpfen; aber das lag ja schon in dem auf v. 13 zurückweisenden 
xovxo Jtoiovvxsg. Da somit auch in allen Nebenzügen die Lesart 
von D sich als eine unnötig und keineswegs überall zum Vorteil 
des Textes amplifizierende zeigt, so wird man schwerlich mit 
Blass hier wieder »einmal die Ursprünglich keit dieses Textes 
vollkommen deutlich finden" (vgl. auch Hilgenf. a. a. 0. S. 360), 
der nur in der ,aus begreiflichen Gründen" (?) abgekürzten 
Fassung weniger klar geworden sei. 

Bei dem ovxa)g xaxa xgaxog spigxvOsp 19, 20 kann der 
Bearbeiter wohl nur an den Namen Jesu v. 17 gedacht haben» 



1} Während Bloss fmher iSQSwg für besser hielt, will er jetzt nach 
einem Korrektor des Gig. agxovrog dafür in den ältesten Text einsetzen! 
Wenn Hilgenfcld (a. a. 0. 39, 3. S. 362 Anna.) sagt , dass der a-Text den 
Skeuas zum Hohenpriester und zum Vater von 7 Söhnen befördert habe, 
so ist das ein ganz harmloser Scherz, aber keine wissenschaftliche Er> 
klärung der Textdifferenz. 



III. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. 97 

woran doch über v. 18 f. hinweg kaum mehr angeknüpft werden 
konnte. Dann aber wird für das offenbar nicht mehr verstandene 
Tov xvQiov o Xoyog eingesetzt: xai rj Jtiörig rov ^eov rjv^apep 
x€u ejtXfj^psro (statt des vorausgenommenen toxvsv) im Sinne 
des Zusatzes in 18, 8. Warum Blass das notwendige xai vor 
97 xiarig tov ^sov streicht und ein unmögliches xai nach dem- 
selben einf&gt gegen den klaren Text von D, ist mir unverstand- 
lich geblieben. Wenn der Bearbeiter an Stelle des cog de ejtXt]- 
Q<o&i] ravza 19, 21 das ihm so beliebte rote (vgl. v. 9. 15) 
setzt, so ist das doch recht unpassend, da es nur auf die zwei 
Jahre v. 10 gehen kann, die doch kein bestimmter Zeitpunkt 
sind. Vielleicht schwebte ihm vor, dass er dort daraus einen 
terminus ad quem gemacht hatte. Es ist nur die Folge davon, 
dass der bisher nicht genannte Demetrius 19, 24 mit einem 7]p 
eingeführt war, wenn das jcüqbixbp mit og angeschlossen und 
mit ovTog 19, 25 ein neuer Satz begonnen wird, was den Weg- 
fall des xai zur Folge hat. Während aber Blass nicht verstehen 
will, wie der artifex den artifices Erwerb verschaffen soll, und 
deshalb ohne Zeugen o^ in o korrigiert, macht D auch die egyarai 
zu rexPiTOi und lässt sie sogar von Demetrius als ovvrexPirai 
anreden. Allein nach 17, 29. 18, 3 ist ohne Frage jeder Hand- 
werker rexviTTjg^ und Demetrius unterscheidet sich nur insofern 
von ihnen, als er andere in Lohn und Brot hat. Wenn er 
ausser diesen noch rovg Jtegi xa roiavra egyarag versammelt, 
so sind das Arbeiter, welche, ohne zum Handwerk der aQyvQo- 
xoxoi zu gehören, doch irgendwie bei der Verfertigung der 
silbernen Artemistempelchen beteiligt sind und, um die Versamm- 
lung der Zunftgenossen zu vergrössem, herbeigerufen werden. 
Deshalb sind beide Korrekturen ganz verfehlt. Die Lesart aber, 
die Blass jetzt nach der Pesch. aufnimmt {jtaptag rovg xBxvixag 
xai T. ovveQyaxag avxcov) ist in ihrem ersten Teil lediglich Er- 
satz des auch in ihr durch ovxog verdrängten ovg, im zweiten 
eine nicht ungeschickte Erklärung des r. JtsQi x. r. egyaxag, die 
nnr auf den Text der ältesten Mjsk. führt, jedenfalls eine ganz 
sekundäre, wenn auch durchaus bequeme Lesart. Da sich der 
Bearbeiter die Versammlung im Hause des Demetrius denkt, muss 
er 19, 28 ÖQafiovxsg sig xo afi^oöov einschalten, weil das 
Folgende natürlich auf der Strasse spielt. 

Blass findet das jtavxa vor xa fiSQi] exeiva 20, 2 so passend, 

Texte u. Untennchnngen N. F. 11, l. 7 



9S Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

weil Paulus vor seinem Abschiede alle Gemeinden noch einmal 
sehen wollte. Aber hätte der Bearbeiter an Gemeinden gedacht, 
so hätte er doch erst recht das JtaQaxaXsöag aus v. 1 beibehalten, 
das Blass ohne Zeugen neben XQV^^l^^^^^ au&immt. Er denkt 
nur, dass Paulus, ähnlich wie 11, 2, auch eine solche Durchreise 
zu yiel&chen Ansprachen benutzt haben wird, wozu ihm das 
(vielleicht nicht einmal von ihm herrührende, vgl. 11, 4, b) xavza 
reichlich Gelegenheit geben musste. Überaus interessant ist daa 
Verhältnis der Texte bei der Darstellung des Antritts der 
Reise nach Jerusalem 20, 3. Es schien dem Bearbeiter auf- 
fallig, dass hier von einer Schiffahrt nach Syrien die Rede ist, 
die seiner Meinung nach noch gar nicht erwähnt war, weil er 
übersah, dass Paulus schon 19, 21 beschlossen hatte, Ton Achaja 
nach Jerusalem zu gehen, zu welchem Zweck er sich von Hellas 
nach Syrien einschiffen musste. Er lässt ihn abo infolge von 
jüdischen Nachstellungen beabsichtigen, Hellas zu verlassen, um 
direkt zur See nach Syrien zu gehen, und erst durch eine Weisung 
des Geistes bewogen werden, durch Macedonien (nach Ephesus) 
zurückzukehren. Damit ist nun freilich der Sinn des Textes 
geradezu umgekehrt, nach welchem er durch eine (auf der See- 
reise) ihm drohende Nachstellung bewogen wird, grösstenteils 
auf dem Landwege nach Ephesus zurückzukehren.^) Das ur- 
sprüngliche fisXXovTi aus V. 3 klingt noch nach in dem bei D 
so beliebten Gen. abs. (vgl. zu 2, 1) fieXjLovrog ow e^icpcu^ wo- 
mit er 20, 4 statt des ovvblxsxo 6b aww einleitet. Bei ihm 
gehört also fiBXQ^ '^V^ aoiag zu diesem B^isvai, und das Haupt- 
verbum folgt erst nach der Wiederaufoahme des Namenkatalogs 
in ovroi v. 5 (bem. die Fortlassung des ob danach). Es bedarf 
darum gar nicht des ohne Zeugen von Blass eingeschobenen 
jtQOTjQxoPTO , und der Widerspruch mit v. 5 ist nur dadurch 
entstanden, dass AEHLP das axQi tfjg aOtaq aufgenommen haben 
neben dem ursprünglichen Cvvbuibxo ob avtco. Durch Ver- 



1) um diese Differenz zu heben, will Blass ohne alle Zeugen das 
yevTi^eiatjg avto) enißovXriq umstellen, wodurch zugleich das gedankenlose 
xai vor yevriS^eiariQ (vgl. I, b) einen Sinn erhält. Er behauptet, das boibv 
xo nvsvfia sei gleichbedeutend mit eysvevo yvQi(JLfiq^ während doch D 19, 1 
ausdrücklich zwischen der i6ia ßovl^ (=» yviofi^) des Apostels und der 
Weisung des Geistes unterscheidet, und auch dadurch bewogen sein wird, 
die Rückkehr durch Macedonien auf diese zurückzuführen. 



m. Die chaiakteriatischen Ümgestaltongen des Textes in D. 99 

Wandlung des i](iag in ccvzop 20, 5 venneidet der Emendator das 
abrupte Eintreten des Tjiieig in einem Satze, in dem noch eben 
nur von Paulas die Rede war (vgl 16, 10). *) 

Die Abreise von Troas schien dem Bearbeiter durch 20, 12 
Ton dem s^rikd-Bv v. 11, woran sie sich doch anschliessen musste, 
fibel getrennt zu sein. Um den Zusammenhang herzustellen, 
schaltet er, wieder einmal im Gen. abs. {aojca^o/iepop awoop), 
die Abschiedsgrüsse der Versammelten ein und lasst den Apostel 
bei seinem Herausgehen aus dem Saale den Jüngling (r. vea- 
vtoxov nach t. 9 statt des missverstandlichen r. Jtaiöa) lebendig 
mit sich führen {flYaYSV, was Blass völlig ignoriert), so dass die 
Christen über den Unfall t. 9 sehr getröstet wurden. Das ist 
nun freilich sicher nicht der Sinn des Erzählers, nach welchem 
die Versammelten über den Weggang des Paulus sich damit 
trösteten, dass man ihnen den schon tot Geglaubten lebendig 
wieder zuführte. Das fiTjjcors ysptid^ avrw xaraax^oig rig 
20^16 ist lediglich eine Erklärung des seltenen XQ^^^'^Q^'ßv^^ 
wie der Gen. abs. (vgl. v. 4. 12) ofioae ovrcov avxoav 20, 18 (AD) 
markiert, dass sie alle versammelt waren, als Paulus die folgende 
Rede an sie hielt, was ja mit dem xageyspopto JtQog avxop an 
sich noch nicht notwendig gegeben war. Aber auch die Ab- 
schiedsrede des Apostels ist diesmal nicht ganz unberührt ge- 
bheben. Sehr aui^allend ist gleich das a>g rgiariav tj xai nXsiov, das 
den Interpolator veranlasst, das folgende xwq in dem verstärkten 
xoxaxmq nochmals aufiEunehmen. Von 18, 19 an kann derselbe 
unmöglich gerechnet haben, wie Blass meinte da er gerade das 
xavxa XQovov durch {öid) xavxoq xQOpov verstärkt und der 
ihm offenbar vorschwebende Ausdruck aus v. 31 mit seinem 



1) Auch Hilgenf. (a. a. 0. S. 369. 70) lehnt die willkürlichen Teit- 
änderungen von Blass ab, verteidigt aber trotzdem die ürsprünglichkeit 
Yon D, ohne nachweisen zu können, wie darans der a-Text entstanden ist. 
Er fasst das tmooxQBipBiV von der Rückkehr nach Syrien, obwohl dasselbe 
doch gerade in ß in einen gewissen Gegensatz znm avaysaS'at. eiQ avQiav 
gestellt wird , und eine „Rückkehr nach Syrien über Jerasalem" doch 
eine recht wunderliche Vorstellung ist. £r beruft sich darauf, dass 
PoqIus ja nach 20, 16 an Ephesns vorüberfahren wollte; aber dass dies 
dort so eingehend motiviert wird, zeigt ja eben, wie seine ursprüngliche 
Abeicht eine andere war. Offenbar hatte sich schon bis dahin die Reise 
■o verzögert, dass er Ephesns aufgeben mnsste, wenn er noch rechtzeitig 
in Jerusalem eintreffen wollte. 

7* 



100 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

vüxra xai r](i€Qav vollends eine monatelange Entfernung ans- 
schliesst. Er kann nur die Zeitangaben 19, 8. 10 in ungenauer 
Erinnerung gehabt, d. h. das ovo v. 10 mit dem rgeig v. 8 ver- 
wechselt haben, woraus sich allerdings diese Angabe ergab. In 
20, 24 ist freilich zunächst nur durch die ihm vorschwebende Redens- 
art Xoyov sx^cp, neben der er doch das xoiovfiai seines Textes 
festhalten wollte, ein zweigliedriger Satz entstanden; aber durch 
die Hinzufligung von rov Xoyov hinter rtjp öiaxoviav (nach 6, 4) 
ist der folgende Relativsatz nun auf diesen Genii bezogen. Ohne 
jeden Grund verwirft Blass dieses ovj aber um seinetwillen ist 
ja auch statt des Simpl. das Comp. xagaXaßov gesetzt, das ohne- 
hin das folgende jtaga xvgiov nahelegte, wozu freilich das (noch 
durch lovöacoiq xai sXZtjOip aus v. 21 verstärkte) öiafiaQrv- 
gaad-ai ro evayyeZiov, das ja offenbar den Gegenstand der öia- 
xovia bezeichnet, recht wenig passi Auch das xov irjöov nach 
ßaöiXsiap 2O9 25, das Blass freilich troz Gig. und Lucif. nicht 
aufnimmt, ist gegen den Sprachgebrauch der Acta. Das axQt 
ovp TTjg ai]/iBQOP TjfisQccg 20, 26; welches das xad-agog eifii ein- 
führt, ist Ersatz für die offenbar nicht mehr verstandene An- 
knüpfung desselben durch öioxc fiagrvQOfiai ep ttj Of]fi, rj(i. ort. 
In der Abschiedsscene ist 20, 38 das fiaZiora ejti to) 
Xoyco des Nachdrucks wegen vorangestellt, wodurch das (o aigrjxsi 
seinen Anschluss verloren hat Blass scheint nicht bemerkt zu 
haben, dass es eben darum durch orc (bem. das Nachklingen des 
ort vor ovxeri) sutep ersetzt wird, da er dasselbe verwirft. 
Danach erwartet man freilich eine direkte Rede, worauf auch 
die Weglassung des avrov nach jtgoO(Djtop deutet, aber, wie die- 
selbe gelautet, lässt sich, da jedenfalls hier ein Schreibfehler in 
D vorliegt, nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Bei dem jtgoe- 
jtefiJtop avTOP sjti ro xXolop schien die Besteigung des Schiffes 
zu fehlen, weshalb das xai sjtißapreg aprixB^f]fi6P aus v. 2 hier 
angefügt wird. Damit fiel freilich der Eingang von 21, 1 fort, 
aus dem nun bloss das in einen Gen. abs. (vgl. 20, 4. 12. 18) ver- 
wandelte (Utoojtac&ePTCDP t^ficop benutzt wird, um in den Text 
zurückzulenken. ^) Für das iiBxa rag riiiegag ravrag 21,15 



1) Blass transponiert ohne Zeugen in seinem /9-Text den Gen. abs. 
vor eTiißavteg avrjx^f^fv und versetzt ebenso willkürlich das xai vor snt- 
ßavxfq hinter arrjyßij/xsv. Diese Gewaltthätigkeit missbilligt auch Hilgenf 



III. Die charakterifltiBchen ümgestaltangen des Textes in D. IQl 

schien dem Bearbeiter im unmittelbar Vorhergehenden eine An- 
knüpfung za fehlen, weshalb er /lera tivaq ijfiSQag schrieb, ohne 
zu sehen, dass dies zu dem TjfiBQag JtXsiovg v. 10 nicht recht 
stimmen will. Das exicfxsvaoafiavoi, das darauf hindeutet, wie 
man sich in jenen Tagen, die man in Caesarea verweilte, eben 
f&r die Fussreise nach Jerusalem ausgerüstet hatte, yerstand er 
offenbar nicht mehr und ersetzte es durch das ganz farblose 
ajtora^afjevoi. 

Besonders betonen sowohl Blass als Hilgenfeld (a. a. 0. 
S. 3S1) die Textverbesserung, die D bei der Ankunft in Jeru- 
salem 21^ 16 bietet, obwohl man von vorn herein nicht recht 
begreift, wie Lukas in seiner Reinschrift oder ein Späterer diesen 
angeblich so schonen Text unverständlich machen konnte. Zu- 
nächst kann ich nun unseren herkömmlichen Majuskeltext durch- 
aus nicht so unverständlich finden. Die Reisebegleiter aus Caesarea 
sind ja nur erwähnt,, weil sie es waren, die den Mnason aus 
Jerusalem herbeiführten, bei dem die Reisegesellschaft herbergen 
sollte. Blass meint zwar, Paulus sei doch in Jerusalem gar nicht 
so unbekannt gewesen, dass man ihm dort Quartier verschaffen 
musste. Aber er übersieht, dass der Apostel mit einer ganzen 
Gesellschaft Unbeschnittener kam, die bei den strengen Juden- 
christen Jerusalems nicht so leicht Aufnahme fanden. Wenn 
Mnason aber als ein alter Jünger bezeichnet wird, der aus Cjpem 
gebürtig war, so liegt es nahe, dass Paulus ihn schon 9, 27 im 
Kreise des Cypriers Bamabas kennen gelernt hatte. Mit ihm 
kommt dann Paulus 21, 17 nach Jerusalem, wo er von den 
Brüdern, d. h. von den diesem Mnason befreundeten Gläubigen 
samt seiner Reisegesellschaft; gern empfangen wird. Das Miss- 
verständnis des Bearbeiters knüpft sich an das ovroi ös riyayoVy 
worin er das ayovxBq^ einen neuen Satz anhebend, verwandelt hat, 
and das er nun durch rniag ergänzt. Dann aber musste er, da 
Paulus erst v. 17 in Jerusalem ankommt, den Mnason in einer 
xiDiiri zwischen Caesarea und Jerusalem wohnend denken, und 
den Apostel dort noch einmal Station machen lassen, wobei nur 
sehr unklar bleibt^ wie sich die Mehrzahl, zu der sie geführt 

a. a. 0. S. 375, hält aher trozdem den Text in D für den ursprQn glichen, 
obwohl dieselbe doch sichtlich dem richtigen Gefühl entspringt ^ dass in 
D das taiooTtaad'. nicht mehr in seinem ursprünglichen Sinne, wonach sie 
sich mit Gewalt losreissen mussten, genommen werden kann. 



102 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

werden {jtQog ovg)^ zu dem Mnason verhält, bei dem sie nachher 
in der xcofii] wohnen.^) Nach dieser Einschaltung ergab sich 
der Übergang zu v. 17 in xaxud-^v B§,iovxBq i]X&ofi€P von selbst, 
und nun musste erst von der gastlichen Aufiiahme (vjceös^., wie 
17, 7) in Jerusalem erzählt werden, die noch nicht vorbe- 
reitet war, während sie dieselbe nach dem ursprünglichen Texte 
bei Mnason selbstverständlich finden, und nur der freundliche 
Empfang im Kreise des Mnason {ajtsöe^. im Sinne von 18, 27) 
zu berichten war. Dem entspricht auch allein das betont ge- 
stellte aofiFvog, das in D seine Bedeutung verloren hat und nun 
nachgestellt wird. Der Bearbeiter denkt 21, 18 die Presbyter 
bereits bei Jacobus versammelt (tjöav de Jtag ovro) — ovprjyfjisvoi), 
als Paulus zu ihm kommt, was doch nur geschehen konnte, 
wenn dieser sich formlich bei ihm angesagt hatte, während das 
Original viel natürlicher seinen Besuch als den Anlass bezeichnet, 
dass alle Presbyter zu ihm kamen. Das v. 19 folgende ovg (statt 
xat — avTOvc) ist nur die Folge davon, dass er mit fjöav 6s einen 
neuen Satz begonnen hatte. 

Die Worte öei öweXd-aip jtXfjd-og 21, 22 sollen nach Blass 
ursprünglich und nur per hom. ausgefallen sein, obwohl doch 
das ycaptoyg, von dem der Abschreiber auf ytXrjd-og abgeirrt sein 
soll, damit nur geringe Ähnlichkeit hat Aber da in BC und 
anderen Zeugen, die jene Worte nicht haben, zugleich das yag 
nach axovöoprai fehlt, kann der Ausfall derselben unmöglich 
ein zuföUiger sein, zumal dasselbe noch in K fehlt, der jenen 
Zusatz bereits hat. Die Worte können daher nur zugesetzt sein, 
um ein Subjekt für axovöovrai zu schaffen, das doch die 
fiVQiaösg £V rrj lovöaia v. 20 nicht sein konnten, sondern nur 
die gesetzesstrengen Juden in Jerusalem. Ein ganz ähnlicher 
Zusatz, der ebenso die Einschiebung eines yag im Folgenden 
notwendig ^ gemacht hat, findet sich 21,25. Nach Blass stellt 



1) Blass meint zwar, es müsse ex more scriptoris angegeben werden, 
wo sie auf der Reise nächtigten, da sie ja den Weg von Caesarea nach 
Jerusalem nicht in einem Tage machen konnten, was übrigens anch unser 
alter Majuskeltext durchaus nicht behauptet, da ja das Imperf. avsßaivofisv 
21, 15 nur den Antritt der Reise bezeichnet. Aber es dürfte ihm doch 
schwer werden, ein Beispiel dafür beizubringen, dass irgendwo, wie hier, 
nur eine xofßrj als dieses Nachtquartier angegeben wird, ohne dass dieselbe 
benannt war. 






m. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. 103 

das ovdsp exovöi ksyeiv XQog Ce einen besseren logischen Zu- 
sammenhang her, und das hat D offenbar beabsichtigt Der 
Bearbeiter betrachtet eben das über die gläubig gewordenen 
Heiden Gesagte als den zweiten Punkt (neben dem über die 
glaubig gewordenen Juden Gesagten v. 21), in dem man Vor- 
würfe wider Paulus könnte erheben wollen, und der sich doch 
damit erledigt, dass sie selbst mit wenigen Ausnahmen jene Tom 
Gesetze freigesprochen haben. Aber im Sinne des Erzählers 
ist das sicher nicht Nach ihm soll er den strenggläubigen 
Juden eine Konzession machen, indem er sich durch einen recht 
aufialligen Beweis als ein q>vXaoca)v rov vofiov darstellt, wie 
sie hinsichtlich der gläubig gewordenen Juden eine gemacht 
haben in dem Kap. 15 beschlossenen Dekret. ' Freilich schien 
in jedem Falle, am dringendsten aber bei der Fassung des Be- 
arbeiters, nicht sowohl, was sie gefordert, sondern, was sie nicht 
gefordert, hervorgehoben werden zu müssen (was im ursprüng- 
lichen Text wohl absichtlich yermieden wird), daher sind schon 
früh (vgl CDEHLP) nach xQtvavTeg die Worte eingeschaltet 
fifjösp roiovrov ttjqsip avrovg et (itj. Denn dass diese Worte 
ein Einschub sind, zeigt, abgesehen von dem doch recht unklaren 
zoiovTOV (ygL das zoiowovg in dem Zusatz 19, 14), das auf 
alles gehen soll, was zur Gesetzesbeobachtung (v. 24) gehört, 
das beim Wiedereinlenken in den Text stehen gebliebene völlig 
überflüssige avrovg nach g)v2MCösöd'ai, das daher auch einige 
Min. entfernt haben. Endlich wird 21, 27 wieder mit dem in 
D so beliebten Gen. abs. (vgl zu 2, 1) eingeleitet und an die 
Stelle des sehr unbestimmten Ausdrucks einer Vollendung der 
sieben Tage (vgL Texte u. Unters, a. a. 0. S. 254) bestimmter 
die Vollendung des siebenten Tages gesetzt, womit freilich die 
im Texte liegende Schwierigkeit durchaus nicht gehoben ist 

Der Rest des Kapitels bleibt so gut wie unangerührt; denn 
die Antizipation des Ausdrucks aus 22, 3 in 21^ 39, welche die 
Angabe des Paulus mit der in der folgenden Rede in Überein- 
stimmung bringen sollte, kann auch von jedem gewöhnlichen 
Emendator herrühren. Wenn der Ausdruck in a nach Blass 
etwas geziert sein soll, so begreift man mindestens nicht, wie 
Lukas in der Reinschrift so sich selbst verschlechtem statt ver- 
bessern konnte. Dass die Rede 22, 3 — 21 im wesentlichen 
unangerührt bleibt, entspricht nur der sonstigen Methode des 



104 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Bearbeiters. Der einzige Zusatz in 22,9 (DELP: xai Bfi^oßoi 
eyspovro) aus 10, 4 zerreisst so offenbar den durch (lev — 6b inten- 
dierten Gegensatz, dass man ihn eher einem gedankenlosen 
Emendator zuschreiben möchte. Dagegen soll 22, 26, wie schon 
das rot;TO zeigt, mit dem ort Q(ofiatov savrov ksysi auf den 
Punkt in der Frage des Apostels hingewiesen werden, der den 
Centurio besonders stutzig machte. Noch einmal wird 22^ 27, 
wie nachher y. 29, mit dem dem Bearbeiter so beliebten rors 
eingeftihrt und die Frage durch das sjtrjQotfjasp avrov (statt 
sutBp) näher als solche charakterisiert, das vai in der Antwort 
nach Mark. 14, 61 f. durch das dafür gesetzte Biiii näher be- 
stimmt, und das JtoXXov durch oiöa ytoöov noch verstärkt. Mit 
11, 29 bricht der Cod. D ab. 



Wir haben nun mit Ausnahme einiger weniger Stellen^ die 
eine gesonderte Besprechung notwendig machen, den vollen 
Überblick über die f(ir D charakteristischen Änderungen und 
Zusätze. Allerdings hat sich bestätigt, dass dieselben sich nicht 
scharf abgrenzen gegen die im vorigen Abschnitt besprochenen 
Emendationen. Bei manchen kann man zweifeln, ob sie nicht 
zu diesen gehören; viele, die an sich ganz gleicher Art sind, 
treten doch hier im inneren Zusammenhange mit umfassenderen 
Umgestaltungen auf, rühren also von derselben Hand wie diese 
her. Von allen aber glaube ich den Beweis geführt zu haben, 
dass ihre Entstehung nicht nur durch die einfachsten Motive 
sich erklären lässt, sondern« dass der Bearbeiter oder Emendator 
sich vielfach durch den in unseren ältesten Majuskeln vorli^en- 
den Text gebunden fühlt, dass seine Änderungen und Zusätze 
sich oft genug in Widerspruch setzen mit Wortlaut oder 
Tendenz des mit ihnen übereinstimmenden Textes. Es bedarf 
hiemach nicht mehr eines umfassenderen Nachweises, als er an 
einzelnen Punkten gegeben ist, wie die Entstehung jenes soviel 
kürzeren, oft schwierigeren und in manchen Fällen sogar 
wirkliche Anstösse bietenden Textes aus diesem planeren und 
wortreicheren sich schlechterdings nicht erklären lässt Es ist 
mir unverständlich, wie Blass und Hilgenfeld inmier wieder den 
Text von D für ursprünglich erklären, weil er sich soviel be* 



in. Die charakteristischen Umgestaltungen des Textes in D. 105 

qaemer lese, soviel besser, klarer, folgerichtiger sei. Eben darum 
erscheint er doch im Ganzen als reflektierte Nachbesserung, 
freilich als eine, wie ich vielföltig nachgewiesen habe, oft recht 
misslungene, während die Anstosse, die der herkömmliche Text 
bieten soll, teils in Wahrheit nicht vorhanden sind, teils sich 
nicht durch irgend einleuchtende Gründe als aus dem Text von 
D entstandene erklaren lassen. Es bleibt aber doch nun einmal 
der Gmndkanon aller Textkritik, dass der Text, dessen Ent^ 
stehnng sich am einfachsten aus einem anderen erklären lässt, 
der sekundäre ist Dass dies bei dem Text von D der Fall, 
glaube ich nachgewiesen zu haben. 

Je tiefer man sich freilich mit den charakteristischen Um- 
gestaltungen dieses Textes beschäftigt, desto mehr erkennt man, 
wie alt dieselben sein müssen. Nach der Kanonisierung der 
Apostelgeschichte war eine solche Behandlung ihres Textes kaum 
mehr möglich. Sie erinnert oft ganz an die Art, wie unsere 
älteren Evangelientexte in den späteren Evangelien überarbeitet 
sind, oder wie in der Apostelgeschichte selbst die meiner An- 
sicht nach in ihrer ersten Hälfte zu Gnmde liegende Quelle 
umgestaltet ist. Nur darin unterscheidet sie sich von beiden, 
und zeigt sich dadurch doch als erheblich jünger, dass sie sich 
im wesentlichen auf den äusseren Bahmeu der Geschichte be- 
schrankt, die eigentliche Substauz derselben nicht antastet 
Daher die eigentümliche Erscheinung, dass mit geringen Aus- 
nahmen die Reden der Apostelgeschichte davon unberührt ge- 
blieben sind. Auch Blass hat sich dieser Beobachtung nicht 
ganz entziehen können, obwohl sie seiner Hypothese wahrlich 
niclit günstig ist. In der Sache wird nirgend etwas Wesentliches 
geändert oder ein neues Moment in Betreff der geschichtlichen 
Hergänge beigebracht. Dieser gemeinsame Charakter der Um- 
gestaltungen des Textes in D scheint allerdings dafür zu sprechen, 
dass wir hier eine einheitliche Bearbeitung des älteren Textes 
vor uns haben. Wir haben auch vielfach nachgewiesen, dass 
manche sprachliche Eigenheiten in ihnen teils sehr häufig wieder- 
kehren, wie der Genit. abs. oder das rore, teils sich wenigstens 
an verschiedenen, oft ziemlich entlegenen Punkten wiederfinden. 
An sich spricht auch nicht dagegen, dass dieselben in sehr ver- 
schiedenem Umfange über die verschiedenen Teile der Acta 
verteilt sind. Es kann ja auch unser Cod. D nur einen Teil der 



106 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Umgestaltuiigen jenes in viel älterer Zeit bearbeiteten Textes 
aufgenommen haben, zumal sich nicht leugnen lasst, dass ganz 
analoge sich nur noch in anderen Textzeugen erhalten finden. 
Aber ein durchschlagender Beweis dafQr lasst sich meines Erachtens 
nicht fbhren; und die Voraussetzung, dass es einen einheitlichen 
Text gegeben habe, aus dem die Eigenheiten des Cod. D ge- 
flossen, so zweifellos sie fbr Blass und auch Ändere, die seine 
spezielle Ansicht über das Verhältnis desselben zu unserem ge- 
wöhnlichen Texte nicht teilen, ist, bleibt eine Hypothese, die 
zur Erklärung der vorliegenden Erscheinungen keineswegs not- 
wendig ist. 

Es giebt doch auch manches, was sehr stark dagegen spricht. 
Es lässt sich immer schwer erklären, wie ein Cod., der in vielen 
Partien in so umfassendem Maasse die Änderungen jenes Textes 
aufgenommen hat, in anderen so viel weniger Gebrauch von ihnen 
gemacht haben sollte. Dass aber jene eingreifende Bearbeitung 
von vom herein eine so ungleichmässige gewesen sein sollte, ist 
noch viel unwahrscheinlicher. Sodann springt in die Augen, 
dass diese Änderungen in sich selbst doch sehr verschiedener 
Art sind. Von einzelnen Erläuterungen und Nachbesserungen, 
die oft von den gewohnlichen Emendationen, wie sie sich in 
allen Codices finden, kaum zu unterscheiden sind, bis zur zu- 
sammenhängenden Bearbeitung umfassender Stücke; von einzelnen 
Ergänzungen bis zur freiesten Umschreibung und wortreichen 
Ausmalung des Textes findet sich eine Stufenleiter, die der An- 
nahme einer einheitlichen Bearbeitung des Textes unauflösliche 
Schwierigkeiten entgegenstellt und viel eher auf verschiedene 
Hände führt, die an dem Texte thätig gewesen sind. Dazu 
kommt die merkwürdig verschiedene Verbreitung dieser Varianten 
in imseren Textzeugen. Etwa die Hälfte sind in D ganz allein 
erhalten; etwa 20 teilt E mit ihm, der auch allein einige ähn- 
liche hat, obwohl er sich meist freier bewegt, einzelne finden 
sich in HLP, EP, ELP, EHLP, obwohl eine direkte Ab- 
hängigkeit dieser Codices von D nicht nachweisbar ist. Eine 
ganz den charakteristischen Erweiterungen in D analoge findet 
sich in C (14, 19; vgl. auch 14, 18 mit D 5, 18), während der 
Zusatz in CEHLP 15, 24 lediglich aus 15, 5 herrührt. Doch 
teilt C auch mit D, DE, DEHLP eine Reihe jener charakte- 
ristischen Erweiterungen, einige auch A, und eine (21, 22) selbst 



IV. Die sachlichen Änderungen nnd Znsfttze in D. 107 

^ Ä. Am häufigsten geht die Philoxeniana im Text oder in den 
Randglossen mit D, allein oder nebst anderen Versionen, oft zu* 
gleich mit den lateiniscb^i Zeugen. Aber es kommt auch vor, 
dass sich Varianten oder Einschaltungen von D nur bei Lateinern 
oder nur in orientalischen Zeugen finden. Sehr häufig findet 
sich in den Versionen, seltener in den Majuskeln nur ein Teil von 
zusammenhängenden Umgestaltungen in D aufgenommen, meist 
der aufPäUigere, häufig sind dieselben in ihnen noch weiter 
emendiert Dass in ihnen der unserem Cod. D zu Grunde liegende 
Text irgendwo ursprünglicher erhalten ist, was Blass so oft 
annimmt, muss ich bestreiten, und ich habe an vielen Beispielen 
die Irrtümlichkeit der Annahme von Blass nachgewiesen. Das 
Alles erklärt sich mir leichter, wenn die charakteristischen Um- 
gestaltungen in D aus verschiedenen Quellen geflossen sind; aber 
ich gebe die Entscheidung dieser Frage gern näherer Unter- 
suchung anheim, für meinen Hauptzweck ist sie bedeutungslos. 



IV. 

Die sachlichen Ändemngeii nnd Znsätze in D. 

Es ist eine häufige Erscheinung, dass auch stark emendierte 
Texte dennoch eine alte gute Grundlage zeigen. Auch die von 
D zeigt sich noch in etwa zehn alten Schreibfehlern (vgl. den 
Ausfall des Art. o nach rjQ^aro 1,1 und des 97 nach oXtj 19, 27 oder 
das ajteorsiXafiev 21, 25) und in gegen zwanzig richtigen Lesarten 
{vgL Texte u. Unters, a. a. 0. S. 67) mit unserem besten Cod. B 
verwandt Da nun auch B viele ibm eigentümliche Textver- 
derbnisse zeigt, so wäre es an sich sehr wohl möglich, dass sich 
das Richtige auch in D allein erhalten haben könnte (vgl. das 
nur in ihm nnd Versionen überHeferte, zweifellos richtige jtQOsX- 
^ovTsg 20, 5). Zwar von den bisher besprochenen Varianten in 
D ist dies äusserst unwahrscheinHch. Wenn auch in einem oder 
dem anderen Falle die oben nachgewiesene Entstehung derselben 
«ch nicht bewähren sollte, so spricht die überwältigende Mehr- 



108 Weiss, Der Codex D in der Apostelgescliiclite« 

zahl der ganz analogen Varianten entschieden dagegen, in ihnen 
ursprüngliche Lesarten zu vermaten. Es giebt aber noch eine 
Kategorie von Änderungen und Zusätzen, die sich dadurch von 
allen bisher besprochenen unterscheidet, dass in ihnen selb- 
ständige Notizen enthalten sind, die sich einer Erklärung aus 
blosser Reflexion über den vorliegenden Text zu entziehen 
scheinen. 

Besonderen Wert legt Blass darauf, dass D allein 4, 6 daa 
ursprüngliche tovad-aq (statt iwavvfjg) erhalten habe (vgl. auch 
Hilgenf. a. a. 0. 38, 2. S. 199). Es würde auch gegen unsere 
bisherigen Resultate nicht das Mindeste beweisen, wenn das der 
Fall wäre. Aber es scheint mir doch immer noch näher zu 
liegen, dass ein Emendator den aus Jos. Antiq. 18, 4, 3 bekannten 
Annassohn und Nachfolger des Eajaphas hier einbrachte statt 
des ganz unbekannten Johannes, als dass man statt des Jonathas,. 
auch wenn derselbe dem Abschreiber unbekannt war, was doch 
von dem gleich darauffolgenden Alexander sicher ebenso galt, 
einen beliebig häufigen Namen und gerade den des im Vorigen 
so oft genannten Apostels wählte. Es könnte also nur ein ganz 
zufälliger Schreibfehler sein; aber mit dieser Möglichkeit darf 
man doch nur rechnen, wenn jede andere für die Erklärung 
einer Lesart versagt. Verhängm'syoller för jede Bevorzugung de» 
Cod. D scheint mir die Stelle 15, 20. 29, wo einer der vier Punkte^ 
welche auf dem sogenannten Apostelkonzil den Heidenchristen auf- 
erlegt werden, geändert erscheint. Zwar könnte man dafür anführen, 
dass hier eine Änderung in einer Rede vorläge, wie sie gerade 
den charakteristischen Eigentümlichkeiten von D sonst meistens 
fremd ist. Aber dagegen liegt hier das Motiv der Änderung 
noch klar vor Augen in der Fortlassung des rov Jtvixrov (vgL 
auch 21, 25), da der Grund dieses Verbotes der späteren, mit den 
jüdischen Gebräuchen weniger bekannten Zeit nicht mehr durch- 
sichtig war. Dass dasselbe durch das Gebot ersetzt wurde, in 
welches Jesus Matth. 7, 12 die ganze Gesetzeserfüllung zusammen- 
fasst, hängt damit zusammen, dass man das Aposteldekret früh 
„ganz gegen seinen ursprünglichen Sinn zu einem Inbegriff der 
Sittenlehre für die heidnischen Christen machte'' (Zahn, Geschichte 
des NTlichen Kanons. Erlangen 1888. 1, S. 367). Dazu kommt, 
dass dies Gebot nicht in seiner noch Luk. 6, 31 erhaltenea 
ursprünglichen Form aufgenommen wird, sondern in der nega- 



lY. Die sachlichen Änderungen und Zusätze in D. 109 

tiveD, in der es früh mit der unter Juden und Heiden gangbaren 
gemeinen Elugheitsregel vermengt wurde, wie die Didache 
(L, 2) und Theoph. v. Ant. (II, 34) zeigen. Wie alt diese Ände- 
rung, die jeden Gedanken an eine Eladde des Lukas oder einen 
alteren ursprünglichen Text in D ausschliesst, ist, zeigt Iren, 
m, 4, 12.^) 

Von dem Zusatz in D 20, 15 {xai (iHvavreq ep TQcoyvZXio}), 
der noch von HLP, den meisten Min. und wichtigen orienta- 
lischen Versionen bezeugt ist, habe ich schon Texte u. Unters. 
a. a. 0. S. 57 gezeigt, weshalb ich ihn flür ursprünglich halten 
muss. Hier liegt eine wirklich sachliche Angabe vor, ftir deren 
Hinzufügung sich schlechterdings kein Orund absehen lässt; 
und ich glaube nachgewiesen zu haben ^ wie der Ausfall dieser 
Worte in unserem ältesten Texte entstanden ist Es springt dies 
aber erst recht in die Augen, wenn man den scheinbar so 
ähnlichen Zusatz in 21, 1 (xai fivQo) näher prüft, dem auch 
Blass, wenigstens in seinem Kommentar» nicht recht zu trauen 
scheint. Vergleicht man nämlich. 27, 5 f., so kann über die Ent- 
stehung dieses Zusatzes kaum ein Zweifel sein. Dort ist es 
Myra, wo das SchifiF gewechselt wird (vgl. das svqoop xXolov 
27,6), tmd da ein ganz analoger Schiffswechsel auch hier be- 
richtet wird, gleich nachdem man in Patara gewesen (vgl. das 
e^ovTBq jtXoiov 21, 2), so meinte der Emendator einschalten zu 
müssen, dass derselbe auch diesmal in dem ebenfalls in Lycien 
belegenen Myra stattgefunden habe. 

1) Wenn Blass sagt, Lukas reproduziere nicht ein offizielles Akten- 
stück, sondern lege nur auf den allgemeinen Inhalt und Geist Wert, so ist 
das ja an sich richtig; aber welche Stücke damals den Heidenchristen 
anferlegt worden, darüber wird doch wohl Lukas in der Reinschrift nicht 
anders gedacht haben, als da er seine Eladde schrieb, und dass irgend 
ein Späterer jenes Gebot Christi ausgemerzt haben sollte, um ein AT liebes 
Verbot einzusetzen, das neben dem Verbot des aifxa im Grunde eine 
Tautologie enthielt, ist doch wohl undenkbar. Auch die negative Fassung 
erklürt sich nicht aus der Abeicht, die Vorschrift den vorigen Verboten 
zn akkommodieren ; denn das firj noisixe 15, 20, wie das (jlti nouiv 15, 29, 
tritt durchaus selbständig neben das Gebot des anix^ad-ai^ und dns 
a*f u>v V. 29, das nur auf die Gegenstände gehen kann, deren man sich 
enthalten soll, bleibt auch so ganz unpassend und verurteilt das Vorher- 
gehende (xai oaa — nouiv) als Einschub. Hilgenfeld hat sich leider 
(vgl. a. a. 0. 39, 1. S. 69) über diese Differenz des a- und /^-Textes nicht 
ausgesprochen. 



110 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

Anderer Art sind zwei andere Zusätze. Bei den täglichen 
Unterredungen in dem Hörsaal des Tyrannos 19, 9, die doch nur 
erwähnt werden, weil Paulus sie auch an den Tagen, wo in der 
Synagoge Gottesdienst stattfand, fortsetzte und damit seine vollige 
Trennung von derselben dokumentierte, meint D bemerken zu 
müssen, dass er doch nur 5 Stunden täglich (nämlich von 11 bia 
4 ühr) dieselben abhielt. Gewiss ist es möglich, dass diese Notiz,, 
die schon den ältesten Abschreibern nnverständlich oder gleich- 
gültig schien, und ziemlich verloren am Schlüsse des Satzes nach- 
hinkte, frühzeitig fortgelassen oder übersehen wurde. Aber ebenso 
gewiss ist, dass die Apostelgeschichte sonst nicht so ängstlich 
dem Apostel seine Arbeitsstunden zumisst (vgl. 20, 31. 28, 23)» 
Daraus würde noch nicht folgen, dass die Notiz rein aus der 
Luft gegriffen ist. Im zweiten Jahrhundert kann man wohl noch 
alte Überlieferungen darüber gehabt oder zu haben geglaubt haben^ 
in welchen Tagesstunden Paulus seine hauptsächliche Wirksamkeit 
zu entfalten pflegte. Ganz ähnlich steht es mit dem xaxeßrpap 
xovq sjtra ßad-fiovg xai 12, 10. Nur lag es hier dem Bearbeiter 
ziemlich nahe, aus 21, 35. 40 zu schliessen, dass von der Burg, 
auf der er das Gefängnis denkt, zur Stadt wie zum Tempel Stufen 
herabfährten. Es entspricht ganz seiner ausmalenden und moti- 
vierenden Weise, wenn er den Gegensatz, der in seinem Texte 
zwischen dem Gefängnis und der Stadt, zu der sein Thor führte, 
gemacht wird, dadurch erläutert, dass er den Petrus mit dem 
Engel nach dem Heraustreten aus dem Thor erst die sieben 
Stufen herabsteigen lässt, ehe sie eine Strasse vorwärts gehen. 
Auf eine runde Zahl, wie die Sieben, lässt sich doch nicht aUzu- 
viel geben; aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass dem Ab- 
schreiber wirklich noch die Lokalität bekannt war. Freilich 
liegt es noch ungleich näher, dies bei dem Verfasser der alten 
palästinensischen Quelle, die in Kap. 12 benutzt ist, vorauszusetzen. 
Aber hier ist in der That schwer zu erklären, wie diese Worte 
in unseren ältesten Codices ausgefallen sind, wenn man nicht an 
reinen Zufall glauben will; denn dass dieselben sich an den 
sieben als bekannt vorausgesetzten Stufen gestossen und deshalb 
den ganzen Satz fortgelassen haben sollten, widerspricht aller 
Analogie. Vgl. die schwierigen ai sjtra rjfiSQai und oi ojto 
rf]g aaiag lovöaiot 21, 27, an denen keiner der alten Abschreiber 
Anstoss genommen hat In solchen Fällen wird man nur ein 



IV. Die sachlichen Anderangen und Zusätze in D. \\i 

Non liquet sprechen, oder sein Urteil von dem Gesamteindruck, 
den man von den Zusätzen in D empfangen hat, bestimmen 
lassen können. 

So bleibt uns nur noch die berühmte Stelle 11, 28 übrig, 
Ton der schon Blass ausging, und auf die immer wieder ver- 
wiesen wird, wenn die Vorzüge des Cod. D und seines Textes 
gepriesen werden. Soweit muss ich nun Blass rückhaltlos Recht 
geben, dass, wenn in dem oweatQafiiisvcop T/fiwp eg>ri — cijfiaivcop 
der ursprüngliche Text erhalten ist» daraus unweigerlich folgt, dass 
der Verfasser der Apostelgeschichte ein Antiochener war. ^) 
Unseren bisherigen Resultaten würde die Annahme in keiner 
Weise widersprechen (vgl 20, 15), dass sich hier eine ursprüng- 
liche Lesart erhalten hat, die sich, weil sich früh das Verständnis 
derselben verlor, in keiner unserer älteren Majusk. mehr er- 
halten hat. Freilich hätten wir dann hier den schlagenden Be- 
weis, dass der Erzähler, wo er selbst mit beteiligt ist, keinen 
Anstoss daran nimmt, sich mit einem solchen f]fiBiq einzuführen. 
Aber bei näherer Erwägung ist dies doch recht unwahrscheinlich. 
Eis darf nicht übersehen werden, dass die Variante an die Stelle 
des avaarag tritt, das, weil es im Zusammenhange, namentlich 
infolge des eingeschobenen rjv de JtolXrj ayaXXiaciq (s. o.), völlig 
anveranlasst schien, sofern von einer Versammlung der Ge- 



1} Gewöhnlich freib'ch schliemt man daraus, dass sich hier eine 
Qnellenspor der Apostelgeschichte erhalten hat; and wenn man diesen Ge- 
danken nicht durch so abenteuerliche EombiDationen entwertet, wie 
Wendt (Stud. n. Krit 1892, 2), so scheint er sich allen denen zu empfehlen, 
die ans anderen Gründen yermuten, dass der Verf. der Acta in manchen 
Partien eine antiochenische Quelle benutzt hat (vgl. Hilgenfeld, a. a. 0. 
38, 4. S. 507). Aber abgesehen davon, dass sich mir diese Vermutung 
als nnhaltbar erwiesen hat (vgl. m. Einl. ins NT. § 50,3), halte ich es 
f&r völlig undenkbar, dass sich hier die Spur einer solchen Quelle zeigen 
kann. Mir ist es schon unmöglich anzunehmen, dass in den sogenannten 
„Wirabschnitten" das „Wir" einer Quelle stehen geblieben ist, und doch 
ist dieser Fall noch ein ganz anderer, da dort der Zusammenhang der 
Darstellung und die Wiederkehr dieser Erscheinung dem Leser es deutlich 
genug zeigte, dass ein Reisebegleiter des Apostels redet. Aber dass der 
Verf. der Apostelgeschichte an dieser ganz vereinzelten Stelle ein für den 
schlichten Leser völlig unverständliches, dazu von jenem späteren ganz 
verschiedenes rifiHQ seiner Quelle sollte stehen gelassen haben, halte ich 
fSr eine Gedankenlosigkeit, die ich einem Schriftsteller, wie ihm, nicht 
zutrauen kann. 



112 Weiss, Der Codex D in der Apostelgeschichte. 

meinde mit den jerusalemischen Propheten keine Bede ist, leicht 
zu einer Emendation reizen konnte. Es kommt hinzu, dass der 
Gen. abs. ganz an die häufige Einfdhrung von Interpolationen 
und namentlich das övveCTQafifievcop direkt an eine solche in 
10, 41 (vgl. das ovvBCrQa(prniBV in D) erinnert, und dass die Ände- 
rung des eorifiaivsp in e<p7] — 07]fiaiv(DP überaus ungeschickt ist, 
da ja keine direkte Weissagung folgt. Man könnte dann an- 
nehmen, dass der Bearbeiter, dem bekannt war, dass sich Lukas 
später häufig als den Begleiter des Apostels zu erkennen giebt, 
und dass derselbe nach der Überlieferung ein Antiochener war, 
ihn schon hier als solchen auftreten lasse. ^) Es spricht also 
immerhin noch manches daftir, dass auch diese Lesart in D eine 
ganz sekundäre ist. Aber wer das nicht annehmen will, der 
mag ja hier eine echte Lesart erhalten finden, ohne dass damit 
irgend ein Präjudiz för den Text von D im Ganzen gegeben wäre. 
Der Grundfehler liegt eben darin, dass man aus einem solchen 
Einzelfall oder aus etlichen, die sich ihm etwa noch anreihen 
liessen, den ganzen Charakter des Codex oder des ihm zu Grunde 
liegenden Textes beurteilt, statt von dem Charakter der unge- 
heuren Mehrzahl seiner Varianten auszugehen und danach in 
einzelnen, vielleicht an sich zweifelhaften Fällen sein Urteil mit 
bestimmen zu lassen. Diesen Weg bin ich gegangen, und auf 
ihm kann ich nur dazu kommen, dass die Bevorzugung des 
Cod. D in der Apostelgeschichte gegen unsere alten Majuskeln 
eine unbegründete ist. 



1} Freilich ist mir sehr zweifelhaft ob hier überhaupt an eine so 
überlegte Emendation zu denken ist. Dass dem Schreiber hier 21, 10 
vorschwebte, wo xaxijX&ev tiq ano zrjg lOvSaiag 7iQ0(fTjXTig ovo/aazi ayaßog, 
ist doch nicht zu verwundern, wenn manich erinnert, wie oft noch viel 
femer liegende Reminiscenzen die Emendatoren beeinflussen (vgl. 21, 1 mit 
seiner Änderung nach 27, 5, und die Reminiscenz an Joh. 7, 35 in D 5, 18 
und C 14, 18), und dann ergab sich ihm aus dem em/jisvovxatv tjficov dort 
seine Ersetzung des avaaxag von selbst. Wie leicht ist es möglich dass 
die Emendation ursprünglich lautete ovveaxQa/jifisvwv avxwv und dass erst 
in Reminiscenz an 21, 10 das avxwv in rjfiwv verwandelt wurde, wie um- 
gekehrt dort in k das Tjficjv in das ganz gedankenlose avtcav, Dass die 
Einbringung einer 1. Pers. Flur, nichts Undenkbares ist, zeigt das völlig 
sinnlose evofjuoafJLev D 21, 29, wie das xaxrjvxijoafxev 16, 8 bei Iren. III, 14, 1. 



Drack von August Pries in Leipzig. 



lOVINIANUS 



DIE FRAGMENTE SEINER SCHRIFTEN, DIE aUELLEN 



ZU SEINER GESCHICHTE, 



SEIN LEBEN UND SEINE LEHRE 



ZUSAMMENGESTELLT, ERLÄUTERT UND IM ZUSAMMENHANGE 

DARGESTELLT 

VON 

LiC. TH. Dr. PH. WILHELM HALLER 

STADTPFARRER IN LUDWIGSBURO 




LEIPZIG 

j. c. hinrichs»schp: Buchhandlung 

1897 






<l <■■'•.' ' ,•• töjcJuxryi 



\J 



TEXTE TOD UNTERSUCHraCEN 

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER KGL. PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAUSOEGEDEN VON 
OSCAR V. BEBHAROT und ADOLF HARRACK. 

NEUE FOLGE. II. BAND, HEFT 2. 



EINLEITUNG. 

Als ich im Jahre 1891 in der „Zeitschrift ftlr Theologie und 
Kirche" die Abhandlung „Geschichte der Lehre von der Selig- 
keit allein durch den Glauben in der alten Eircha*' von Herrn 
Professor D. Habnack las und durch dieselbe von der grossen 
Bedeutung Jovinian s wie noch nie zuvor überzeugt wurde, ent- 
schloss ich mich, diesen Mann 'zum Gegenstand eines eingehenderen 
Stadiums zu machen. Dasselbe schien mir um so angezeigter, 
als seit Bruno Lindner's Dissertation De loviniano et VigHantio 
1839 (von welcher nur 39 Seiten auf den ersteren kommen) keine 
Monographie über Jovinian erschienen war. Herr Professor 
Habnack war der erste, welcher in genannter Abhandlung 
(S. 1 38 — 153) die Lehre dieses „ersten Protestanten" in ihrem inneren 
Zusammenhang dargestellt hat Dies ermutigte mich zu wei- 
terem Eindringen in den Gegenstand. Leider bin ich durch 
anderweitige Arbeiten (im Amte und in der Redaktion des „Kirch- 
lichen Anzeigers") vielfach bei diesem Studium unterbrochen wor- 
den, so dass ich das Ergebnis desselben jetzt erst der Öffentlich- 
keit übergeben kann. Mit der Bitte um freundliche Aufnahme 
verbinde ich den Dank gegen Herrn Professor Habnack, der 
mir neben Herrn Kanzler D. Weizsäcker in allen meinen dog- 
mengeschichtlichen Studien, ganz besonders aber in dem vorlie- 
genden Gegenstand die fruchtbarsten Anregungen gegeben hat — 

Lic. W. Haller. 






ttUELLEN. 



HierOBjmi liberi II adversus Jovintanum (S. Eoseb. Hieronyiui Stridonie 

presbyieri opernm Tom. II p. 238 — 384 studio ac labore VaUarsii 

Ed. II. Venetiis 1767). 

contra Vigilantium 1. 2. (11 p. 387 f.) 

epütola ad Pammachium (ed. Vallarsi I. ep. XL VIII p. 212 flF.) 
,y epütola ad Domnionent (ep. L p. 236 fP.) 
„ contra Pelag. ///, L (II, 781) 
„ ad Gelantiam ep. XIV. c. 8. (Apostolicae doctrinae regnla nee 

cnm Joviniano aequat continentiae opera nnptiaram, nee cum Mani- 

chaeo conjugia condemnat). 
AngUBtiiii kaeres, 82 (ed. Maur. fc. VIII p. 24.) c. Jul. I, 4 (t. X, 327 f); 

op. imp. c. JuHanum lib. I, 98. IV, 121 f. (X, 931. 1205); de peeca- 

torum meritis et reinissiofie III, 7 (X, 77); c. duas epp, Pelag, I, 2 

(X, 413); de nupt. et concupüc. II, 5. 23. (X, 306. 320); Retract. II, 

22 (lovinianum, qui sacrarum virginum meritum aequabat pudicitiae 

conjugali.]. 
AmbroflU ep, ad Sirietutn (Goustant epp. pont. Roman. I, 609 ff.) ; ep. ad 

Vereellenses de Sann, et Barb, (opp. ed. Paris V, 237) 
Siridi ep. ad diversos episc, (Goustant I, 659 ff. Jaffe, Regesta, 2. edit. 

p. 41. Hefele Goncilien-Gesch. II, S. 51.) 
Cteimadins dogtn. eccles. 34 (opp. Augustin. ed. Bened. Venet. III append. 

p. 79); de vir. ilhistr, 75 (Fabric. bibl, eccl. p. 34). 
Ylneentius Lerlnensis commonitor. 2. 35. 
Orosin» apol. c. Pelag. (opp. ed. Lugd. p. 589). 
Jnllaniui libeü, fidei (in Garnier ed. opp. Marii Mercat. II, 322. 331). 
Pelagins libeU, fidei (ibid. p. 309). 
Naiftlls Alexander hist. eccl. IV, p. 69. 
Udefonsi de illibata virginitate S. Mariae (Sacra biblioth. SS. Patr. Paris 

1589 IX, 642 Migne Ser. lat. t. 96). 



LITEBATUß. 



Ceiller bist, des aut. eeclesiast. X, 268. 

Baronios ann. eccl. ad ann. 382. 

TillemoBt m^moires t X 225 ff. 733 ff. 

Yallarsi admonii. et notae in epp. Hieron. et in libr. adv. lov. 

Constant notae ad epp. pontt. Rom. 671 ff. 

Ondin coniment de script. eccl. t. T p. 810. 

€(amier ed. opp. Marii Mercat. dissert. Yll de ortu et incremm. haereseos 

Pelag. I, 428 8g. 
Petarins dogmat. theoll. de incamat. G. XI Vr 3. p. 219. 
Basnage annal. polit. eccl. Ill, 88. 
Chenudtzius ex. conc. trid. III, 13. 03. lY, 146. 
Centuriae Magdeb. IV, 5. p. 381. 1402. 

Weisemann introd. in memorab. eeclesiast. bist, sacrae N. T. I, 316. 
Toss bist Pelag. V, p. I antitbes. VII. 
Beza opp. t. II, 11. 
Mosheim instit. bist. eccl. p. 173. 
Bower Gescb. d. röm. Päpste I, 370 ff. 
CaUxtns de conjug. cleric. p. 355. 
Heander Eircbengescb. II, 574—88. II» 2, 274 ff. 
ders. Gescb. d. cbristl. Etbik, BerL 1864. S. 202. ff. 
Waleh Historie der Ketzereien III, 655 ff. 
Lindner De Joviniano et Yigilantio purioris doctrinae quarto et quinto 

saecalo antesignanis. Dissertatio. 1839. Lipsiae. 
Gieseler I, 2, 332. 
Baiir Kurcbengescbicbte II, 311. 
ders. Dogmengescbicbte I. 2, 399 ff. 
ZSekler Hieronymas 1865 S. 194 ff*. 
Thlerrj St Jerome 2. Aasg. S. 143 f. 
Heintz in Pipers £v. Kalender 1858. 

„ in Zeugen d. Wabrbeit II, 133 ff. 
Wagenmaiim Art lovninian in Herzogs Real-Enc. 
Lniliardt Etbik 1880 
Bestmann Etbik 1885 

Hefele Goncilien-Gescbicbte II Bd. S. 50—52 (2te Auflage). 
Bamaek Dogmengescbicbte III, S. 51 f. 
ders. Die Lebre von der Seligkeit allein durcb den Glauben (Zeitscbr. f. 

Tbeol. u. Kircbe 1891, 2. S. 138-154) 



L Fragmente ans JoTinians Schriften.') 

Hieronymi sdr. JoTlnimuin libr. 2.^) 

§ 1. 

L 2: ^) MSatisfooio invitatlB, non ut olaro ourram nomine, 
sed a rumore piirgatus Tiiram irano. Obseoro agrum, noirella 
plantationnm, arbnsta teneritudinis, erepta de vitiorum gor- 



1) Ober die Abfaesuiigszeit der beiden Bücher adv. Jovinianum giebt 
uns Hieronymos selbst Anskunfb. In der Vorrede zn seinem Commentar 
über den Propheten Jona schreibt er: Trienniam circiter fluxit, postquam 
qninqae Prophetas interptetatos snm, Michaeam, Naum, Abachuc, Sopho- 
niam, Hagaenm et alio opere detentus non potoi implere qaod ceperam. 
Scripsi enim librum de illnstribus viris et adversum Jovinianum duo Volu- 
mina, Apologeticum quoque et de optimo genere interpretandi ad Pam- 

machiom Sein Katalog Über die berühmten Männer, dessen er auch 

adv. Jovin. 1,26 gedenkt, ist bis in das 14. Regierungsjahr des Kaisers 
Theodosins, also in das Jahr 392 geführt. Somit föUt die Abfassung unserer 
Bücher entweder in das Ende des Jahres 392 oder zu Anfang des Jahres 393. 
Dies die allgemeine Annahme, die von den meisten Gelehrten geteilt wird. 
Nur Baronius setzt die Abfassung in das Jahr 390. 

2) Wir folgen in der Aufzählung der Fragmente ganz dem Gange 
de« Werkes des Hieronymns, der allem Anschein nach im Allgemeinen die 
Ordnung eingehalten hat, wie sie sich in den Schriften Jovinians gefun- 
den hat. 

Wörtliche Gitate sind fett, indirekte Citaie kursiv, zweifelhafte 
gesperrt gedruckt 

3) Diese Sätze hilden, wie Hieronymus sagt, das „exordium secundi 
libri ejus", gehören also nicht eigentlich an die Spitze seiner Schriften. Sie 
sind von Hieronymus als eine Prohe für die geschmacklosen Redeblumen 
des Jovinian aufgeführt, über die wahrscheinliche Zahl, Art und den Stil 
der Schriften Jovinians siehe unter lY. Der angeblich schwülstigen Form 

Texte n. Untersachiuigen. N. F. n, 2, 1 



2 Haller, Jovinianas. 

gitdbus, audientiam communitam agminibus.^) Scimus ecde- 
siam, spe, flde, caritate, inaccessibilem, inexpugnabilem. Non 
est in ea immattLruSi omnis docibilis:^) impetu irrumpere» 
vel arte eludere potest nullus/'^) 

§2. 
I, 3:^) Neque yero nos Marcionis et Mani- 



halber setzen wir hier die Deutsche Übersetzung von Leipelt (Ausgewählte 
Schriften des h. Hieronjmus n Bd. Biblioth. der Eirchenväteri Kempten^ 
Eösel 1874) bei: ,,Ich genüge den Eingeladenen, nicht um mir einen be- 
rühmten Namen zu machen, sondern um von dem Vorwurf eitler Ruhm- 
sucht gereinigt mein Leben zu verbringen. Ich beschwöre das Saatfeld, 
die frische Pflanzung, die zarten Zweige, welche dem Strudel der Laster 
entrissen worden sind, meine Zuhürerschaft, die in Schaaren sich verstärkt. 
Wir wissen, dass die Kirche im Glauben, in der HofEhung, in der Liebe 
unangreifbar, unbesiegbar ist. Es ist in ihr kein Unreifer, jeder gelehrig: 
in unverhofllem Angriff sie überfallen oder hinterlistig ihr nachstellen 
kann Keiner." 

1) Vgl. damit das Zeugnis des Hieronymus selbst: „ne glorietur, quod 
multos discipulos habeat, quod multi acquiescant in sententia ejus, quod 
plures porci post eum currant" (II; 36) und was unten Über den Erfolg und 
Anhang Jovinians gesagt ist 

2) Neander erklärt mit Recht den docibilis mit dem griechischen 

3) Hamack (Zeitschr. für Kirche und Theologie 1891, S. 141. Anm.): 
„Es ist ein verunglücktes Pathos und eine schlechte Poesie! Aber Hiero- 
nymus hat ohne Zweifel die schlimmste Stelle — die Einleitung zum 
2. Buch — ausgewählt, f^s kommt ja nicht selten vor, dass Autoren bei 
dem Bestreben, in ihrer Einleitung etwas recht Geist- und Schwungvolles 
zu sagen, zu Fall kommen/* 

4) Die vorliegenden Sätze nehmen wir als zweifelhafte Gitate aus 
Jovinian. Denn a, es ist sehr wahrscheinlich, dass Jovinian der damaligen 
Kirche die Irrtümer eines Marcion, Manichäus und Tatian vorgeworfen 
und diesen Vorwurf gleich zum Eingang seines Werkes vorgetragen 
hat. Auch von anderer Seite hatte man am Ausgang des 4. Jahrhunderts 
die Anhänger des mönchischen Lebens für Häretiker erklärt; so wird be- 
richtet, dass Ithacius „alle heiligen Männer, die sich in die Schrift ver- 
tieften oder ein enthaltsames Leben führen wollten, als Priscillianer be- 
langte", ja selbst den h. Martin von Tours öffentlich der Häresie bezichtete 
(Sulp. Sev. Chron. ü, 50. Dial. II (III), 11). b, folgen ein paar Sätze nachher 
wirkliche Gitate aus Jovinian: Non ignoramus: honorabiles DUptitas et 
thorum immaciüatum (s. unter 1, 5). Legimus primam Dei BententLam 

Crescite et multiplieaminl et replete terram"". Die Vermutung 



WM 



I. Fragmente ans Jovinians Schriften. 3 

chaei ^) dogma sectantes, nuptiis detrahimus; ^) nee 
Tatiani principis Encratitarum^) errore decepti, omnem 
coitum spurcam putamus, qui non solum nuptias, sed 
cibos qnoqne, qaos Dens creavit ad utendum, damnai 
et reprobat*) 

§3. 

I, 3:^) Dicit „virgines, viduas et mcaritaias, quae semel in Christo 
lotae sunt, si non diserepent caeteris operibis^ ejusdem esse meriii/^ 



liegt nahe, dass auch das Vorhergehende in «einer direkten Beziehung zu 
Jovinians Schriften steht, c, Höchstwahrscheinlich hätte Hieronymus diese 
Ketzemamen nicht genannt, wenn nicht Jovinian in seinen Schriften Ver- 
anlassung gegeben hätte. Ein kluger Vertheidiger erschwert sich sein 6e- 
sch&ft nicht mit Nennung von Namen, die der Gegner nicht genannt hat, 
die aber dem Vertheidiger Verlegenheit bereiten können. Dass dies der 
Fall ist» geht auch daraus hervor, dass Hieronymus den ganzen Vorwurf 
leugnet, ohne Gründe dafär zu nennen. — Wie wichtig ihm diese Sache 
ist, geht daraus hervor, dass er auf diese Versicherung in seiner Apologie 
an Pammachius mehreremal (c 2. 9} zu reden kommt. Denn von abend- 
ländischen Katholiken wurde er allen Ernstes des Manichäismus und £n- 
krotismus beschuldigt. 

1) Jovinian hat thatsächlich in seinen Schriften diesen Vorwurf gegen 
die Kirche erhoben. Denn Hieronymus citirt 1,5 aus Jovinian den Satz: 
„Bx quo manifeBtum est, vos Maniohaeoram dogpua seotari.'* 

2} Jovinian und sein Anhang warfen der Kirche offen vor, dass sie 
die Ehe unterschätze, wie dies auch aus dem Schreiben des Papstes Siricius 
an Ambrosius und an andere Bischöfe aus dem J. 390 hervorgeht (s. u.).. 

3} 1, 23 muss Hieronymus zugeben, dass die Priester und Hobepriester 
des A. T. von Aaron ab verheiratet waren. Qui quum et ipsi uxores ha- 
bnerint, recte nobis opponerentur, si errore Encratitarum ducti, conten- 
deremus, matrimonia reprobanda. Man hat also in den Kreisen des Jovi- 
nian den Katholiken, jedenfalls den Anhängern des Cölibats den Vorwurf 
gemacht, sie verachten die Ehe, sie seien Enkratiten. 

4) 1,40: Nunc antem quum haereticorum sit damnare conjugia et Dei 
spemere conditionem ecclesia enim matrimonia non damnat. 

5) Hieronymus sagt im Vorausgehenden „er hätte Lust, schon jetzt 
sich in eine Widerlegung Jovinians einzulassen" und nimmt auch schon 
wirklich den Anlauf dazu. Aber nach einigen Erörterungen, enthaltend 
eine lächerliche Zahlenspielerei, entschliesst er sich, lieber einzuhalten und 
mit seiner Widerlegung zu warten. Je mehr man die Wurfmaschine zu- 
rückschiebe, desto hefb'ger entsende sie ihre Geschosse. Durch die Hinaus- 
Echiebung werde der Sieg um so gewisser. Und dann fährt er wörtlich 
fort: „Proponam breviter adversarii sententias et de tenebrosis libris ejus 

1* 



4 Haller, Jovinianoa. 

Nititur approbare „eos^ gut plena fide in baptismate renati sunt, 
a diabolo non posse subverii" Tertimn proponit, „inter absHnen- 
iiam ciborum et cum graiiarum actione perceptionem eorum^ nuUam 
esse distantiam" Quartum quod et eztremuin, „esse omnium^ gut 
suum baptisma servaverint, unam in regno caelorum remunera- 
tionem/'^)^) 

§4. 

1, 5: ^ „Friina'S inquit, ,J>ei sententia est:^) »»M^opter quod 
dimittet homo patrem et matrem et adhaerebit oxori suae 



quasi de foveis serpentes protrahanif neque eioam venosum capat spiris 
macalosi corporis. Pateat quod Dozium est, ut possit costeri, quum patuerit. 

Dicit Er bezeichnet also die folgenden Sätze als sententiae Jovinians 

und bei näherer Prüfung erweisen sie sich auch als solche. Besonders der 
zweite Satz (a diabolo non posse subverti) muss wörtlich so in Jo?inians 
Schriften gestanden sein. Hieronymus hat ihn nachher nicht mehr so 
wiedergegeben, weil er ihm so nicht anstössig genug war. Hier also über- 
trifft sich der Kirchenyater seibat im Punkte der Ehrlichkeit. Wie nun 
haben wir uns ihre Stellung in Jovinians Schriften selbst zu denken? 
Standen sie den einzelnen Abschnitten oder Büchern als Leitsätze (sen- 
tentiae, propositiones] voran, so dass das Folgende eine Art Commentirung 
der Thesen war, wesshalb die Schriften Jovinians auch „commentarioli" 
genannt wurden? 

1) In ähnlicher Weise bestimmt der Synodalbrief des Ambrosius, den 
er dem P. Siricius zugestellt hat, die Propositionen Jovinians. Es fällt 
jedoch auf, dass Hieron. hier an der Spitze seines Werkes und auch in dem 
weiteren Verlaufe desselben des fünften Ünterscheidungspunktes keine Er- 
wähnung thut, nämlich seiner Aufstellung „Christum ex virgine non potuisse 
generari". Offenbar stand diese Proposition nicht in den dem Hieronymus 
vorgelegten Büchern Jovinians, sonst hätte der Eetzerrichter sich nicht die 
Gelegenheit entgehen lassen, über Jovinian herzufallen. Man denke an 
seine Polemik gegen Helvidius, der auch die beständige Jungfrauschaft 
Marias leugnete. Näheres hierüber unten. 

2) Auch am Schlüsse des zweiten Bandes (c. 35) stellt Jovinian die 
vier Sätze anlässlich der Recapitulation seines Werkes zusammen, nur wird 
dort der erste und dritte Satz nicht direkt genannt, der zweite kommt in 
einer andern Fassung, der vierte kommt ausführlicher vor. In ganz ge- 
meiner Entstellung wiederholt er dieselben vier Sätze in der Schlussanrede 
an Jovinian (c. 37). Wir werden sie unter den „Zeugnissen Über Jovinian'' 
wiedergeben. 

3) Im Vorausgehenden (c. 4) erklärt Hieronymus, er wolle den Leser 
nicht länger aufhalten, sondern ganz nach der dargelegten Einteilung 
Schritt für Schritt seine einzelnen Behauptungen mit Beweisen aus der 



I. Fragmente ans Jovinians Scliriften. 5 

et ernnt duo in oame una/'^ Ac ne forte diceremus hoc scrip- 
tum in vetere testamento, asserit a Domino quoque id ipsum in 
Evangdio confirmari: „„Qnod Dens conjunzit, homo non separet:*' 
statimque sabnectit, ^MCJrescite et mnltiplicamini et replete 
terram."" ^) 



Schrift und ancb mit Beispielen aus weltlichen (philosophischen) Autoren 
zQ widerlegen suchen. „Ich will also mit deutlicheren Worten, die einiger- 
massen zusammenhangen , seine Argumente und Exempel Über die Ehe, 
alles in ganz derselben Ordnung (eodemque ordine omnia), wie er es ge- 
sagt hat, durchgehen. Nicht möge es dem Leser lästig werden, wenn er 
sein Gespeie und Erbrochenes lesen muss. Man trinkt lieber das Gegen- 
gift Christi, wenn man zuvor das Gift des Teufels vorgesetzt bekam. Au- 
dite patienter, virgines .... (folgt eine geschmacklose und gehässige Apo- 
strophe an die Jungfrauen). Hierauf (c. 5) der obige Abschnitt! Schon nach 
dieser Einleitung darf man annehmen, dass das Folgende einen Auszug 
aus den Schriften Jovinians enthält und dass derselbe ziemlich getreu und 
vollständig ist. Denn Hieronymus entschuldigt sich unmittelbar darauf 
(c. 6) mit den Worten: „Nimius fortasse fiierim in ezpositione propositionum 
ejus." Aber er habe es für gut erachtet, die sämmtlichen Bollwerke 
(concta molimina) des Feindes gegen sich aufzustellen und die ganze feind- 
liche Macht mit allen ihren Abteilungen und Fdhrem zusammenzurufen, 
damit er sie auf einmal schlagen könne. Den Gang der BeweisfÜhnmg 
dieses Abschnittes schildert er also (c. 16): ,,Sed quoniam ad Yetus nos 
trahit Testamentum et incipiens ab Adam ad Zachariam et Elizabeth per- 
venit^ ac deinde opponit Petrum et caeteros apostolos, nos quoque debemus 
per eadem currere vestigia quaestionum'' .... 

4) Cfr. 1,3: Legimus primam Bei sententlam: Crescite et multi- 
plioamini et replete terram.'^ Hier schon deutet Hieron. an, dass das 
ein wörtliches Gitat aus Jovinian ist (vgl. namentlich beidemal das „prima 
Dei sententia'O- 

1) In & 16 sucht Hieronymus die angefahrten Schriftzeugnisse zu ent- 
kräften: Adam und Eva seien vor dem Sündenfalle Jungfrauen gewesen, 
erst nachher und ausserhalb des Paradieses hätten sie sich verehelicht. 
Übrigens gelte das Schriftwort Gen. 2, 24 nach der Erklärung des Apostels 
von dem mysteriösen Verhältnis Christi zur Kirche. Über das zweite Wort 
Gen. 1,28 giebt er aber die ungeheuerliche Exegese: necesse fuit prius 
plantare silvam et crescere, ut esset quod postea posset excidi. Simulque 
oonsideranda vis verbi „replete terram^' : nuptiae terram replent, virginitas 
paradisum — imd dazu noch die unglaubliche Zahlen-Mystik: nach dem 
hebräischen Grundtezte stehe bei allen Tagen der Schöpfung das Wort: 
„Und es sah Gott, dass es gut war", nur nicht beim zweiten Tagewerk, 
ergo — ist die Zahl ,,zwei", also die Ehe nicht gut, wie auch alle Thiere, 
die 2U zweien in die Arche Noahs eingetreten seien, für unrein galten!! 



g Haller, Jonnianas. 

§5. 

(Fortsetzung:) Per ordinem replicat Seih, Enos, Gainam, Malaleel, 
Jared, Enoch, Maihusalemj Lamech, Noe^ omnes habuisse uxores et ex 

Dei sententia fUios procreasse Iste, inquit, est Enoch, qui 

ambnlavit oum Deo et raptns in caeliim est. Iste Noe, qui, 
quum essent utique mnlti virgines propter aetatem, solus cum 
filüB et uxoribus naufrago orbe servatus est. ^) Bursus post 
diluvium quasi altere principio generis humani, virorum et 
uzonun paria junguntur et ex integro generationis instau- 
ratur benedictio: „Crescite et multiplicamini et replete ter- 
ram.'* Insuper etiam comedendarum oamium lioentia rela- 
xatur: „Et omne quod movetur, erit vobis in esoam, sicut 
olera herbarum dedi vobis universa.*'^) 

§6. 

(Fortsetzung:) Currit oJ Abraham 3), Isaak^) et Jacob, e quibus 
prior trigamus, secundus monogamus, tertius quattuor uxorum 



1) 1, 17 : Si autem transfertur Enoch et aervatur in diluvio iVoe, non 

reor idcirco tranBlaium Enoch, qnod uacorem habuerit So hat es 

selbfit verständlich auch Jovinian nicht gemeint, sondern dieser wollte sagen, 
dass der fromme Henoch trotz seines Ehestandes in den Himmel aufge- 
nommen wurde. Noah betreffend belehrt Hieronymus seinen Gegner, dass 
er als zweiter Stammvater des Menschengeschlechts notwendig mit Weib 
und Kind aufbewahrt werden musste {utique cum, uxore et filiis debuit 
reservart). Übrigens seien Noah und seine Söhne sofort nach ihrem Eintritt 
in die Arche Noahs geschlechtlich getrennt worden. Die Arche bedeute 
aber die Kirche, in welcher jene Trennung geboten sei etc.!! 

2) 1, 18: Quod autem nobis objicit, in secunda Dei benedictione come- 
dendarum camium lieentiam datam, quae in prima concessa non fuerat, 
sciat .... dass dieses, ganz wie auch die Ehescheidung und die Beschnei- 
dung, um der Herzenshärtigkeit der Menschen willen gestattet worden sei. 
„Vom Anfang des Menschengeschlechts an assen wir weder Fleisch, noch 
gaben wir den Scheidebrlef, noch wurden wir zum Zeichen des Bundes 
beschnitten." „Nachdem aber Christus am Ende der Zeiten ge- 
kommen war und das Omega zum Alpha, das Ende zum Anfang zurück- 
geführt hatte, da wird weder uns erlaubt, den Scheidebrief zu geben, noch 
werden wir beschnitten, noch essen wir Fleisch, da der Apostel sagt (RGm. 
14, 21) : „Es ist gut keinen Wein zu trinken und kein Fleisch zu essen.'' 

3] 1, 19: Quid loquar de Abraham^ ut ipse asserit trigamo, qui signum 
6dei in circumclsione suscepit? Dieser Beisatz ist offenbar eine Nach- 
lässigkeit des Hieronymus, welcher Rom. 4, 11 nachgebildet ist, aber von 



L Fragmente aas Jovinians Schriften. 7 

est: Liae, Bahel, Balae et Zelphae et asserit Abraham ob fldei 
meritum benedictioxieiii in generatione fllii aooepiase, Saram in 
typiun ecolesiae, ooi defecerant muliebria» malediotionem steri- 
litatis partufl benedictione mutasse. Qnod Bebeooa ierit quasi 
Prophetes interrogare Dominum et audierit ab eo „Duae 
gentes et duo populi in utero tuo simt.^ Quod Jacob pro 
iixore servierü et exiatimante Rachel viri esse dare liberoa ac dicente: 
M JDa mihi fllios. Bin autem moriar*'*' responderit: „JSxnaqyie 
pro Deo ego sum qui te ooncluaitP*'** In tantum» inquit, 
scsiebat firuotus nuptiarum Domini esse, non mariti.^) Quod 
Joseph vir sancius atque caaiissimus et omnes patriarchas uxores 
habuerini^ quibus aequaUter per Moysen benedicat Deus, Judam 
qnoque proponit et Thamar et occisum Onam perstringit a Domino, 
quia fratri invidens semen nvpti^irum opera perdebat. ^) ^). 

§7. 
(Fortsetzong:) Moysen*) proponit et Mariae lepram quae frairi 



Jovinian nicht gebraucht wnrde. Bei letzterem stand vielmehr: Abraham 
ob fidei meritnm benedictionem in generatione filii accepisse, und dies nur 
passt in den Zusammenhang seiner Argumentation: Jovinian wollte sagen: 
so hoch geschätzt war Ehe und Kinder-Erzeugung, dass sogar ein Abraham 
zum Lohn ftSr seinen Glauben die Erzeugung eines Sohnes erhielt. Viel- 
leicht hat auch Hieronjmus absichtlich in 1, 19 den Satz verftiidert> damit 
er auf seine Widerlegung nicht einzugehen braucht. Sie wäre ihm doch 
zn schwer gefallen, wie er denn überhaupt zu diesem Beispiel nur soviel 
SU sagen weiss, dass wenn man Abraham, dem Trigamieten, nachahmen 
mllsstev so mösste man sich auch, wie er, beschneiden lassen. 

4) 1, 19: Porro Isaac, unius Rebeccae vir, Christi praefigurat Ecclesiam 
et digamiae su^gillat lasciviam. 

1) 1,19: Si autem duas bigas uxorum et concubinarum habuit Ja^u>h 
et non vult adversarius acquiescere, dass die abscheuliche Lea die Synagoge, 
die herrliche Bahel die Kirche darstelle, so mQsse er doch wissen, dass 
Jakob solches in Assyrien unter einem sehr harten Herrn gethan habe. Als 
er aber im heiligen Lande war, so starb ihm seine geliebte Gattin in 
Bethlehem, wo der Herold der Jungfrauschaft geboren wurde, und so ,)Con- 
sortia Mesopotamiae Evangelica in civitate moriuntur." 

2) 1,20: Miror autem cur Judam et Thamar nobis proposuerit in 
fizempium, nisi forte et meretricibus delectatur; aut occisum Onarn, quod 
frairi semen inviderii: quasi nos qualemquumque seminis fluzum absque 
liberomm opere comprobemus. 

3) al.: semen nuptiarum dedita opera perdebat 

4) 1, 20: Perspicuum est de Mayse dass er umgekommen wäre, 



g Haller, Jovinianiu. 

pro iixore detrahens, iüico Dei uUione percussa est. Laadat Samson ') 
et uxormm Naxaraeum miris effert praeconiis. Debboram quoque 
replicat et Baraeh, quod absque virginüatis bonis Sisaram et Jabin 
et currus ferreos debeUarint Jahel uxorem Haber Cynei addncit in 
medium et palo armaiam praedicat manum. ^) Inier Jephte patrem 
et filiam virginem, quae immolcUa sit Domino, dicit nuüam fuisse 
distantiam ; quin potiua fidem patris praefert ei, quae caesa sit 
lugens.^) Venit ad Samuel alterum Naxaraeum Domini, qui ab 
infantia nutritus in tabemaculo est et vesiitus Epkod Bad. quod 
interpretatur, vestibus lineis; dicitque eum filios procreasse, nee 
sacerdotalem pudidiiam uxoris imminutam esse complexu,*) Boox 



wenn der Sohn nicht beschnitten worden wäre. Der Befehl y,die Schnhe 
auszuziehen'' habe für ihn den Sinn gehabt , sich der Fesseln der Ehe zu 
entledigen. Dann folgen verschiedene Beispiele, in denen Enthaltung von 
Weibern anbefohlen wird. Das Beispiel I. Reg. 21, 45 (von Abimelech und 
David) entschuldigt Hieronymus mit dem Bemerken, ,,er thue zwar sehr 
Unrecht, die geschichtliche Ordnung (sc. welche Jovinian eingehalten) zu 
unterbrechen". Auch die Gesetze in Betreff der Priester-Ehe werden zu 
(junsten des Cölibats ausgelegt. Am Ifijigsten verweilt Hieronymus bei 
Josua, den .Jovinian offenbar gar nicht in den Mund genommen hatte. In 
lächerlicher Allegone legt er die Stelle Jos. 5, 2 (die Vornahme der Be- 
schneidung zu Galgala) im Sinne der Virginität aus (1, 21) und im Folgen- 
den verherrlicht er den jungfräulichen Josua gegenüber dem verheirateten 
Moses (1,22) und begründet seine ungeheuerlichen Auslegungen mit dem 
$atz: „Es liegt auch in den blossen Worten der h. Schrift stets ein hei- 
liger Sinn." 

1) 1,23: Samson quoque producit in medium, nee decalvatum quon- 
dam Domini Naxaraeum a muliere confiderat. Dieses Weib bedeute die 
Kirche, sofern sie auch eine Buhlerin aus dem Heidentum ist. Simson sei 
das Vorbild des Erlösers: Beide hätten sterbend mehr Feinde getötet als 
im Leben. Für „uxorium" siehe S. 9, Anm. 3. 

2) 1,23: Debboram autem et Barach et uacorem Aber Oynei cur enu- 
meraverit, prorsus non intelligo .... Denn sie seien Kriegsfürsten , aber 
keine figurae conjugii. 

3) 1,23: Porro quod praefert Jephte patris fidem lacrymis virginis 
filiae, pro nobis facit 

4) 1, 23 : Si autem Samuel nutritus in tabemaculo duzit uxorem, quid 
hoc ad praejudicium virginitatis? Quasi non hodie (!) quoque plurimi (!) 
sacerdotes habeant matrimonia und selbst der Apostel habe sich den Bischof 
als Eines Weibes Mann gedacht, der Kinder in aller Keuschheit habe. 
Übrigens sei Samuel nur Levit, nicht aber Priester und Hohepriester ge- 
wesen. Auch habe gerade Samuel keine absonderliche Freude an seinen 
Kindern erlebt. 



I. Fragmente aus Jovinians Schriften. 9 

cum stui (al, serv<i) Ruth in area collocat ^) et Jesse ac David inde 
produdi Ipsum quoque David ducentis praeputOs, eiiam cum 
vitae periculo, regis filiae quaesisse eancubitus.^) Quid etiam de 
Salomane^), quem ponens in catalogo maritomm imaginem asserit 
Salvaioris? et de illo Tult esse scriptum: „J[>eu8 judidiim tuuin 
regi da et juatitiam tuam filio regia."" Et „9j>Bbit}xr ei de 
auro Arabiae et orabxmt pro eo aemper.""^) 



1} 1,23: Qood si Boox et Ruth nobiB objicit ad comprobandam diga- 
miam, so möge man wiesen, dass auch die Hure Rahab im Evangelium 
unter den Vorfahren des Herrn genannt wird. 

2) 1, 24 : Porro quod David ducentis praeputiis emisse jaxstat uzorem, 
so möge Jovinian wissen, dass David noch viele andere Weiber gehabt, 
ja sogar Mord und Ehebruch verschuldet hat. Er lebte unter dem Gesetz, 
wir unter dem Evangelium und uns wird schon ein „Raka" zur schweren 
Sünde angerechnet werden. 

3] 1,24: Transit ad Salomonem, per quem se ceeinit ipsa sapientia 
et cum uxorium eum dicat, atque in illius laudibus immoretur, wundere 
er sich doch, dass Jovinian nicht die Stellen genannt habe, in welchen von 
den 700 Weibern und 300 Beischläferinnen Salomons berichtet werde (Cant 
6,7. I. Reg. 11,3). DieRe gerade hätten sein Herz von Jehova abgewandt 
Sein herrlichstes Werk, der Tempel, stamme jedoch aus der Zeit, wo er 
noch nicht mehrere Weiber hatte. Daran fügt er die bissige Bemerkung: 
„Wenn Jovinian eine solche Freude habe an dem Beispiel Salomos, so 
müsse er sich nicht bloss zwei- und dreimal verheiraten, sondern nehme 
auch 700 Weiber und 300 Concubinen, um dem Vorbild und Verdienst 
Salomos gleichzukommen.'' Übrigens bitte er um Entschuldigung, wenn 
er von diesen Männern der h. Schrift scheinbar so verächtlich spreche. 
Aber er sei hierzu durch die Polemik gezwungen. Er wisse sie zu schätzen, 
ja er sei überzeugt, servisse eos temporibus et conditionibus suis et iilam 
Domini implesse sententiam: Crescite et multiplicamini et replete terram." 

Übrigens kommt Hieronymus noch einmal auf dieses von Jovinian 
angefahrte Beispiel zurück: 1,28: Snpra in transitu, ubi nobis adversarius 
propOBuerat Salomonem multinubum, qui lemplum Dei exstruxit^ strictim 
responderam, ut per quaestiones reliquas currerem. Nunc ne damitet et 
hnnc et alios in lege Patriarchas et Prophetas et sanctos viros a nobis 
efi>e temeratos, proponamus hcgus ipsius, qui multas uxores et concubinas 
habuif, de nuptiis voluntatem. Und nun folgen aus den Proverbia u. dem 
Koheleth (c. 30) Citate, welche die GefUhrlichkeit des Umgangs mit dem 
Weibe und die bloss vorübergehende Zulässigkeit der Ehe lehren sollen. 

4) 1,30: Transeo ad Canticum Canticorum et quod advei*sarius iotum> 
pntat esse pro nuptiis, virginitatis continere sacramenta monstrabo. Daraus 
geht hervor, dass Jovinian an der Stelle, wo er von Salomon spricht, auch 
des Hohen Liedes als eines Braotliedes gedenkt, in welchem durchaus 



IQ Haller, Jovinianus. 

§ 8. 

(Fortsetzung:) Ac repente transcendit ad Eliam ei Elisaeum^ ^) 
et narrat quasi grande mysterium, quod requieverit spiritus Elias in 
Elisaeo et cur hoc dixerit, tacet: nisi forte Eliam quoque et Elisaeum 
habuisse arbitretur uxores. Transit ad Execkiam^) et quum in 
ejus laudibus immoretur miror cur oblitus sit dicere: „«Amodo 
filios faciam/'' Josiam virum justissimum, sub quo in templo 
Deuteronomii Über repertus est, ab Holda tucore Seüum insiruc- 
tum^) refert: Daniel quoque et tres pueros inier mariios^) ponit 

1,25: Si yero et illud opposuerit, quod in Ezechiele dici- 
tur, Noe et Daniel et Job in terra peccatrice filios et 
filias liberare non posse ^) 

§9. 
(Fortsetzung:) Et ad £^n^e/iumrepentetranscendens,Zac^anam 
et Elizabeth, Petrum ponit et socrum ejus caeierosque apostolos,^) 

m 

(totum) yon der Ehe die Rede sei. Hieronymns aber versteht das zweifel- 
hafte Meisterstück, die verfäoglichsten Stellen des Hohen Liedes so zu 
allegorisieren, dass überall die Yirginität and ihr Lob gefunden werden 
kann (1, 30. 31). 

1) 1, 25 : Eliam ei Elisaeum qnam stalte in catalogo posaerit mari- 
tonim, me tacente, manifestum est. Denn so gut Johannes, der doch in 
ppiritu et virtute Eliae gekommen , ein COlibatär war, ist auch Elias in 
corporis castitate gewesen. 

2) 1,25: Porro illud quod de Exechia commemorari potest, so habe 
Jovinian solita stoliditate nicht gesehen, dass die Worte A modo filios faciam 
(die übrigens Jovinian nicht citirt hat) im hebräischen Texte nicht stehen, 
sondern dafür zu lesen sei: „Pater filiis notam faciet veritatem tuam." 
(Jes. 38. 19). 

3) T, 25 : Nee mirum si Olda uxor Sellum prophetissa consulatur ab 
Josia rege Judae; denn für gewöhnlich werden in der h. Schrift, wenn es 
an heiligen Männern gebricht, Frauen zur Schande der Männer gepriesen. 

4) I, 25 : Superfluum autem est de Daniel dicere, quum Hebraei usque 
hodie autument, et illum et tres pueros fuisse eunuchos. 

5) Es ist wahrscheinlich, wenn auch nicht gewiss, doss Jovinian diese 
Ezechielstelle (18,4) zum Beweis dafQr erbracht hat, dass Daniel ver- 
heiratet war. Uieronymus will das nicht zugeben, denn die Stelle enthalte 
nur eine Aussage juzta hypothesin und zwar in dem Sinn, dass die Ge- 
rechtigkeit des Vaters nicht einmal den Sohn retten kann. 

6) 1,26: Venit ad Evangelium et proponit nobis Zachariam et Elixa- 
beth, Petrum et socrum ejus .... habe aber consueta vecordia nicht bedacht, 
dass auch diese unter das „Gesetz** gehören. Denn das Evangelium be* 
ginne erst mit dem Kreuze Christi. Petrus et caetcri apostoli hätten aller- 



I. Fragmente aas Jovinians Schriften. l\ 

1,26: Si autem nobis opposuerit ad probandum, quod omnea 
Apostoli uxores habtierirU „„Numquid non habemus potes- 
tatem mnlieres vel uxores circumducendi (qaia yvvi^ apud 
Graecos utrumqae significat) sicut caeteri apostoli et Cephas 

et fratres Domini " •^) 

ibid.: Et qnia ad apostolos proYOcayit, quod principes disci- 
plinae nostrae et Christiani dogmatis duces virgines 

non fuerint^) 

ibid.: Si autem obnixe conteuderit, Joannem virginem non 
fuisse^) .... 

§ 10. 
(Fortsetzung:) Et consequenter infert dicens^): „Si autem volu- 
erint assumere vanam defeuBionem et obtendere, quod rudis 
mundus eguerit inoremento ^)9 audiant Faulum loquentem: 

dings Weiber gehabt (ut ei ex superflao interim concedo)« aber mit der 
Annahme des Eyangelioms nnd des Apostelamts haben sie das offidam 
conjugale angegeben. Beweis: Mt 19,27. 

ibid : Et tamen ille qui nobis objecit Zaehariam ei EHxabethy Petrum 
et saerum e/tts, möge wissen, dass aus Zacharias und Elisabeth der jung- 
fräuliche Johannes hervorgegangen sei. Petrus habe zu der Zeit, wo er 
gläubig wurde, kein Weib mehr gehabt, quam quam legatur in UsgioSoiq 
et nxor ejus et filia. Hier aber handle es sich um den Kanon. 

1) Durch die unbestimmte Form opposuerit («=> „wenn man uns aber 
entgegnen w&rde'O ist zweifelhaft, ob Jo?inian I. Kor. 9, 5 if. wirklich citirt 
hat. Sachlich wäre das leicht möglich. Ja, es wäre eher zu verwundern, 
wenn er diese Hauptstelle f&r die Verheiratung der Apostel nicht gemeldet 
hätte. Hieronymus g^ebt natürlich ihre Beweiskraft nicht zu. Denn im 
griechischen Texte heisse es : sorores vel mulieres. Das seien aber Frauen, 
welche (wie die Sunamiterin dem Elisa) mit ihrem Vermögen den Aposteln 
dieneten. 

2) Dem ganzen Zusammenbang nach liegt auch hier ein Citat aus 
Jovinian vor, wiewohl es nicht ganz ausgeschlossen scheint, dass diese 
Apposition, namentlich auch wegen des „nostrae'' von Hieron. herrührt. 

3) Höchstwahrscheinlich hat Jovinian den Johannes ausdrücklich als 
Verheirateten genannt, sonst würde sich nicht Hieronymus so gewaltig viel 
Mühe geben, die Virginität des Johannes zu beweisen. Andererseits spricht 
die Form „contenderit'' gegen diese Annahme. 

4] Hier haben wir die Freude, ein grösseres wörtliches Citat aus Jo- 
vinian zu lesen. Auch Vallarsi kennzeichnet die folgenden Worte als einen 
Auszug ans Jovinian. 

5) Jovinian läset hier eine gebräuchliche Formel aufmarschieren, mit 
welchem die Vertheidiger der Virginität die Ehen der Alten zu rechtfer- 



12 Haller, Jovinianiis. 



9lt 



AdoleBcentiores viduas volo nubere, filios prooreare.^^i) Et 
^Honorabiles nuptiae et oubile immaoolatuin." " ^) Et „ ^ulier 
alligata est viro, quamdiu vivit vir ejus. Si autem mortuus 
faerit, nubat oiii yult, tantum in Domino/'"^) Et „„Adam 
non est seductuB, mulier autem seducta, faota est in prae- 
varieationem. Salva autem flet per filiorum generationem, 
si permanserit in flde et dileotione et sancüfloatione oum 
sobrietate/'**^) Gerte cessat hio illud apostolicum „»»Et qui 
habent uxores, sie sint quasi non habeant*'*^: nisi forte di- 
oetis, propterea vult eas nubere, quia jam quaedam eonversae 
sunt retro post Satanam; quasi ex virginibus nulla cadat et 
non Sit earum major ruina.^) Ex quo manifestum est» vos 



tigen bezw. zu entschuldigen sncliten, als ob die Ehe nur ein notwendiges 
unumgängliches Übel wäre. Dem tritt er entgegen mit den nachfolgen- 
den Stellen aus Pauli Schriften, aus welchen eine grosse Hochachtung vor 
der Ehe hervorgehe. 

1) L Tim. 5, 14. 

2) Hehr. 13, 4. Hieron. citirt diese Stelle schon 1, 3 vgl. § 2 S. 2, Anm. 4; 
dort aber statt cubile „thorum.'' 

3) I. Cor. 7,39 wird von Hieronymus, doch ohne direkte Beziehung auf 
Jovinian 1, 14 behandelt. 

4) I. Tim. 2, 13 — 15. Dieser Stelle widmet Hieronymus eine besondere 
Aufmerksamkeit: I, 27: Objicit quippe nobis adversarius apostolicam sen- 
tentiam et ait: „„Adam primus formatus est, deinde Eva, et Adam non 
est 8eductus\ mulier autem seducta in praevaricationem facta est, SaXva 
autem, fiet per filiorum generationem, si permanserint in fide et dilectione 
et sanctificatione cum sobrietaie"" Diesem gefährlichen Spruch begegnet 
Hieronymus mit der lächerlichen Ausflucht: Der lateinische Text mit so- 
brietas sei falsch. DafQr sei aoxpgoavvri = castitas zu lesen. Und der 
wahre Sinn sei der: Tunc ergo salvabitur mulier, si illos genuerit filios, 
qui virgines permansuri sunt: si quod ipsa perdidit (nemlich die Yirgini- 
tät)« acquirat in liberis et damnum radicis et cariem flore compenset 
et pomis. 

5) I. Cor. 7, 29: Jovinian war auf alle Einwände gefasst. Er wusste 
zu g^t, wie seine Gegner sich immer und immer auf I. Cor. 7. berufen 
werden und dass sie gegen die Timotheus-Stelle alsbald einwenden werden: 
dort sei es eine Ausnahme. Die Ehe habe der Apostel nur als Gegengift 
empfohlen, „weil Einige abgewichen sind dem Teufel nach'' I. Tim. 5,15; 
(vgl. 1, 14 : wo Hieronymus ganz in diesem Sinn die Stelle gebraucht). 
Treffend hält Jovinian solchem Einwurf entgegen: „auch Jungfrauen können 
fallen, warum nur die Eheleute?'' So gut also Paulus in der Timotheus- 
Stelle den Eheleuten, um grOsserea Übel zu vermeiden (so sagen wenigstens 



I. Fragmente aus Jonnians Schriften. 13 

Manichaeoram dogma seotari, prohibentium nubere et vesoi 
oibiB, qxLOS Deus oreairit ad utendum, oauteriatam habentdum 
eonaoientiain. ') 

§ 11. 

(Fortsetzung:) Et post multa, quae nunc otiosum est revol- 
yere, ^) excutit se quasi in locmn rhetoricum et facit apostropham 
ad virginem dicens: JSon tibi faoio, virgo, injuriam: elegisti 
pndicitiam propter praesentem neoessitatem: plaouit tibi, ut 
Bis sanota corpore et spiritu. TSe superbias: ejuadem Eccle- 
aiae membnun es, cujus et nuptae sunt/'^) 

§ 12.") 

T, 12: Maritor um et continentium disputatione praemissa 
tandem ad virgines venit (sc. Paulus) et ait: De virgiziibus 



die Gegner) die ErfflUung ihrer ehelichen Pflichten zumutet, gerade so gut 
muss er auch den Unverehelichten, hei denen ein Fall noch verh&ngnis- 
yoUer ist (m%jor mina), den Ehestand empfehlen. 

1) Bezüglich des Vorwurfs des ManichlLismas vgl. § 2 S. 2, Anm. 4. Das 
Ganze ist die Wiedergabe von 1. Tim. 4, 2 f. 

2) Hier mnss Hieronymus eine grossere Partie aus Jovinians Schrift 
ausgelassen haben. Es waren wohl ErwSgungen allgemeiner Art, welche 
Jovinian dort auf Grund biblischer bezw. apostolischer Aussprüche vor- 
getragen hat. Ob es nicht der Mühe wert war, ihrer zu gedenken — wie 
Hieronymus meint — ist doch sehr fraglich. Sie waren vielleicht ihm auch 
recht unbequem, daes er sie desshalb wegzulassen vorzog. 

3) Aus dieser Apostrophe, welche den Abschnitt über die Schriftbe- 
weise beendete (vielleicht auch den Abschluss eines der commentarioli 
bildete) sieht man, dass der Stil des Jovinian nicht so gar barbarisch und 
schwülstig war, wie Hieronymus es darzustellen beliebte, „propter praesen- 
tem necessitatem'' ist aus L Kor. 7, 26 genommen. Die Stelle ist auch ein 
gutes Zeugnis für Jovinians Nüchternheit und ßuhe. Mit dem „Ne super- 
bias^ vgL IgnaL ep. ad Polyc. 5: EX xiq Svvaiai iv ayvsla fjiiveiv elg 
tifi^v tov xvqIov xtjg aaQxoQy iv axavyitfolc^ [XBvhip, *Eav xavx^otirai, 

4) Der Abschnitt c. 6*-15 ist, eine Stelle ausgenommen, nicht mit 
direkter Beziehung auf Jovinian geschrieben. Hieronymus will, wie er 
ausdrücklich (c. 6) zu erkennen giebt, nicht gegen Einzelnes kämpfen, 
sondern zunächst mit einem Totalangriff die Schlacht eröffnen. Denselben 
entnimmt er aus I. Kor. 7 und alle zehn Kapitel bewegen sich um diese 
Stelle, die er, wie es sich bei ihm versteht, voll und ganz zu Gunsten der 
Yirginität auslegt, oft mit einer Breite und Gewandtheit, die einer besseren 



14 Haller, JovinianoB. 

autem praeoeptum Domini non habeo, oonsilium autem do, 
tamquam miserioordiam oonsequutua a Domino, ut sim 
fldelis. Existimo ergo hoo bonum esse propter instantem 
neoessitatem ^) [quoniam bonum est homini sie esse]. ^) Hie ad- 
Tersarius tota ezultatione bacchatur, hoc velat fortissimo ariete 
virginitatis murum quatiens: Ecoe, inquit, Apostolus profltetur 
de virginibuB, Domini se non habere praeoeptum, et qtii cum 
auotoritate de maritis et uxoribus juaserat, non audet im- 
perare quod Dominus non praecepit^) Et recte. Quod enim 



Sache wert wäre, oft auch mit kühnen und künstlichen Ausflüchten, wie 
das bei einem befangenen Ezegeten nicht anders zu erwarten ist. In der 
Behandlung der Frage von den gemischten Eben (c. 10) bemerkt er aus- 
drücklich: Hie locus ad praesentem controversiam non pertinet Die Er- 
örterung geschieht auch, ohne jegliche Beziehung auf Jovinian. Hieraus 
geht deutlich hervor, dass letzterer in dieser Frage vollkommen mit der 
herrschenden Ansicht der Kirche übereinstimmte, nem lieh mit der Bestimmung, 
dass Eheschliessungen mit Heiden nicht zulässig sind und dass Paulus in 
I. Kor. 7, 10 ff. nur von solchen Ehen spricht, welche vor Annahme des christL 
Glaubens geschlossen und desshalb nachher womöglich aufrecht erhalten 
werden sollen. Die Praxis freilich entsprach nicht dem Wunsche der Kirche. 
Denn Hieronymus klagt mit bitterem Schmerze an genannter Stelle: At 
nunc pleraeque contemnentes Apostoli jussionem, junguntur gentilibus, et 
templa Christi idolis prostituunt. Er fühlt sich veranlasst ganz energisch 
gegen solche Unsitte zu protestieren, licet in me saevituras sciam plurimas 
matronarum, licet eadem impudentia qua Dominum contemserunt in me 
pulicem et Christianorum minimum debacchaturas. 

1) I. Cor. 7, 25. Jovinian hat sicherlich in seiner Schrift diese Stelle 
genannt und zwar haben wir allen Grund, sie dort einzureihen, wo wir 
(nach der Angabe des Hieronymus) eine grOsserre Auslassung constatirt 
haben. Dafür dient als Anhaltspunkt die Apostrophe (§ 11) und deren 
Anspielung: „propter praesentem necessitatem", welche Bedrängnis Jovinian 
sicherlich nur allgemein und nicht mit Beziehung auf die bevorstehende 
Parusie verstanden hat. 

2) EUezu bemerkt Vallarsi: Haec pericopa „quoniam bonum est homini 
sie esse'' in nostris codicibus non invenitur. 

3) Diese Worte kennzeichnen sich schon durch die Einleitungsformel 
f^anz als ein Citat aus Jovinian und nicht etwa als den Einwand eines 
fingirten Gegners. Ein solcher wird von Hieronymus gewöhnlich in der 
zweiten Person Sing, oder dritten Person Plur. eingeführt; nie aber mit der 
Bezeichnung „adversarius". Auch die verächtlichen Ausdrücke „tota exnl- 
tatione bacchatur'' verraten die Art, mit welcher Hieronymus gewöhn- 
lich einen bestimmten Gegner, hier den Jovinian, von vornherein dem Leser 
zu empfehlen liebt. 



L Fragmeote aas Jovinians Schriften. }5 

praecipitur, imperatar; quod imperatur, necesse est fieri; quod 
necesse est fieri, nisi fiat, poenam habet. Frustra eDim jubetur, 
qaod in arbitrio ejus ponitur, cui jassum est.^) Si yirginitatem 
Dominus imperasset, yidebatur nuptias condemnare et bominum 
auferre seminarnm, unde et ipsa virginitas nascitur. Si praeci- 
disset radicem, quomodo fruges quaereret? Nisi ante fundamenta 
jecisset, qua ratione aedificium exstrueret et operturum cuncta 
desuper culmen imponeret? 

§ 13.2) 

1,33: Esto, inquit, nupüarum et virginitatis sit diversa 
conditio, quid ad hoo potes dicereP Si virgo et vidua fuerint 
baptisatae et ita permanserint, quae erit inter utramque 

diTorsitas? 

Si enifn inier virginem et viduam baptixatas nihil interest quia 
haptisma novum hominem facit, eadem conditione et scorta atque 
prostibnla, si fuerint baptizatae, virginibus aequabuntur.^) .... 

1) YallarBi lässt das Gitat aus Jovinian bis jussnm est gehen — aber 
ohne Grand. Denn wenn das Folgende sicherlich Worte des Hieronymus 
sind (schon wegen der echt hieronymianischen Wendung: unde et ipsa vir- 
ginitas nascitur vgl. § 9 S. 10, Anm. 6), dann verlangt es der Zusammenhang, 
daes aach das Vorangehende von Hieronymus ist. Hieflir spricht nament- 
lieh aach das ,,£t recte!" ,,Ganz Recht!" will Hieronymus sagen, „deine 
Schlossfolgerong aus I. Kor. 7,25 ist richtig, insofern kein praeceptum vor- 
liegt Aber — und das ist der nachherigen Rede kurzer Sinn — es ist 
doch soviel ah ein Gebot des Herrn, freilich nicht fQr alle Menschen, son- 
dern f&r die, welche es zu einer grösseren Heiligkeit bringen wollen/* 

2) Den wesentlichen Inhalt von c. 16 — 32 haben wir in den Anmer- 
kungen kennen gelernt. Hieronymus versucht dort die einzelnen Beispiele, 
welche Jovinian aus dem A. und N. T. zu Gunsten der Ehe angeführt hat^ 
in seiner Weise zu widerlegen. Er folgt so ziemlich der Reihenfolge, die 
Jovinian eingehalten hat. Nar in c. 28 — 31 giebt er einen Nachtrag zu 
Salomo ans Prov., Eccl. und Gant. Gant In c. 32 bringt er die Stelle Jes. 7, 14 
zur Sprache. Dort fragt er: „Wenn die Jungfrauschaft nicht den Vorzug 
hat vor der Ehe, warum hat denn der h. Geist nicht eine Verheiratete 
oder eine Wittwe erkoren?** Aus der ganzen Behandlung der Virginität 
Marias sehen wir, dass dem Hieronymus der fönfte Satz Jovinians unbe- 
kannt war. Denn sie geschieht ohne irgend welche Beziehung auf Jovinian. 

3) Hieraus ersieht man deutlich: entweder hat Hieronymus den Jo- 
vinian nicht verstanden oder wollte er ihn nicht verstehen. Jovinian sagt 
nicht umsonst: „et ita permanserint*' d. h. vorausgesetzt, dass beide, Jung- 
fran und Wittwe, „in dem Gnadenstand der Taufe verharrt*' und 



16 Haller, Jo?iniaiiu8. 

Non nego beatas esse viduas, quae ita posi baptismum manserint; 
nee illarum detraho merito, quae cum viris in castitcUe perdurant . • 

§ 14. 

1,34: Fruatra, inquit, haeo loqueriB, quia et episoopi et 
presbyteri et diaooni, unius uzoria viri et habentea fllioa« ab 
ApoBtolo conatituuntar. ^') 

§ 15. 
I|36: At dices: 81 omneB virgines fuerint, quomodo stabil 
humanuni genusP^) Par pari referam: si omnes viduae fuerint, 

nicht durch g^obe Versflndigong aus demselben ge&llen sind. Es ist eine 
boshafte Unterschiebung, welche Hieronymus mit „scorta et prostibula** 
vornimmt. 

1) Hiegegen macht Hieronymus geltend , dass die Apostel an die da- 
maligen mit dem Heidentum so eng verwachsenen Gläubigen keine höheren 
Anforderungen stellen konnten. Zudem rede der Apostel an der betreffen- 
den Stelle nur von Bischöfen, die schon vor ihrer Wahl verheiratet waren. 
Gerte confiteris (Sicherlich giebst du, Jovinian, auch zu) non posse esse 
episcopum, qui in episcopatu filios faciat. Alioqui, si deprehensus fuerit, 
non quasi vir tenebitur, sed quasi adulter vir damnabitnr. Aut permiite 
sacerdotibus exercere opera nnptiarum, ut idem sint virgines quod mariti: 
aut si sacerdotibus non licet uxores tangere, in eo sancti sunt, quia imi- 
tantur pudicitiam virginalem. Wenn schon Laien um des Gebetes willen 
die Enthaltung vom ehelichen Umgang empfohlen wird, wievielmehr den 
Klerikern, die doch beständig beten sollen, wie denn auch ähnliche Vor- 
schriften für die alttestamentlichen Priester bestehen. Zwar werden auch 
vielfach Verheiratete zu Priestern gewählt; aber es giebt eben nicht genug 
Unverheiratete, um den Priestermangel zu decken. Et quomodo, inquiee, 
frequenter in ordinatione sacerdotali virgo negligitur et maiitus assumitur? 
Man sieht aus dieser Frage, dass die verheirateten Kleriker populär waren. 
Hieronymus weiss dafQr verschiedene Gründe anzugeben: 1) Mancher Un- 
verheiratete wird desshalb nicht gewählt, weil sein sonstiges Betragen 
(gegen die Armen, im Omgang mit dem Volke] unvorteilhaft ist; 2) die 
Ehemänner — und deren ist doch die Mehrzahl unter den Wählern — 
wählen am liebsten wieder Ehemänner; 3) bisweilen tragen die Bischöfe 
selbst die Schuld, „qui non meliores, sed argutiores in Glerum allegunt et 
simpliciores quosque atque innocentes inhabiles putant, vel afßnibus et 
cognatis quasi terrenae militiae officia larguntnr sive divitum obediunt 
jussioni. Quodque his pejus est, illis clericatus donant gradum, quorum 
sunt obsequiis deliniti. Im folgenden Kapitel (35) spricht er sich im An- 
schluss an I. l^m. 3, 2 ff. über die Eigenschaften eines rechten Bischofr aus. 

2] Man könnte wegen des „dices*' im Zweifel sein, ob wir hier eine 
Stelle aus Jovinian haben, weil Hieronymus für gewöhnlich nicht mit dieser 



I. Fragmente aus Jovinians Schriften. 17 

Tel in matrimonio continentes, quomodo stirps mortaliam pro- 

pagabitar? 

St cor, inquies, oreata sunt genitalia et sie a oonditore sapien« 
ttssmio fabricati sumaSy ut mutuiun nöstri pa>tiamur ardorem 
et gestiamuB in naturalem ooptilam? ^) Periciitamur responsionis 
Terecnndia ^) 

§ 16.'») 

1,37: Et ut plenius exponeret, quales non esse vellet, in 
alio loco docet, dicens (sc. Paulus): Despondi enim tos uni 



Formel seinen adversarins sprechen l&sst. Aber hier giebt der Zusammen- 
hang, dass diese Frage von Jovinian stammt. Denn gleich darauf stellt 
Hieronymns selbst eine Frage, welche er darch das „par pari referam*' als 
die seinige gegenüber einem Andern bezeichnen will. Er will mit seiner 
Frage die dee Gegners Überbieten. Nun könnte allerdings auch ein fingier- 
ter Gegner gemeint sein. Aber wir haben keinen Grund, den Jovinian aus 
dem Spiele zu lassen. Vielmehr redet er diesen im Folgenden mehrfach 
peraOnlich an, z. B.: ,J)u fürchtest wohl, es mOchten, wenn allzuviel die 
Lust zur Yirginität verspürten, auch die Prostituierten und Ehebrecherinnen 
aofhOren.'* Mit diesem b(36artigen Ausfall ist Jovinian nur zu deutlich 
gekennzeichnet Ebenso: „Fürchte dich nicht, es werden nicht alle Jung- 
frauen werden'* etc. Das kann nur auch eine Apostrophe an Jovinian sein. 

1) Ganz dasselbe wie sub 2) (S. 16) gilt auch hier. Auffallend ist das 
,4nqaies" (statt „inqnit"). Aber die Fortsetzung „Periciitamur responsionis 
verecundia" etc. zeigt, dass Hieronymus nicht eelbst diesen Einwand macht. 
In breiter und komischer Weise bittet er immer und immer wieder um 
Entsdiuldigung, dass er solche dezente Dinge besprechen müsse, aber er 
sei in der Notwehr: Si ad proposita respondeamus, pudore suffundimur. Si 
pndor impetrarit silentium, quasi de loco videbimur cedere et adversario 
feriendi occasionem dare. Das hätte er doch nicht schreiben können, wenn 
nicht jener Einwand als wirklicher Ausspruch Jovinians vorgelegen wäre. 
Yallarsi sieht, wie es scheint, hier keine Citate Jovinians, wahrscheinlich 
wegen des dices und inquies. 

2) Das, was Hieronymus im Folgenden vorbringt, ist von keinem Be- 
lang und mitunter wirklich schamlos. 

3) Mit dem 37. cap. beginnen die Aussprüche, welche Hieronymus aus 
Paulos (37. 38), aus den Schriften des Jacobus, des Petrus (c. 39), aus denen 
des Jobannes, Judas und aus der Apokalypse (c. 40) zu Gunsten der Vir- 
ginit&t aufführt Sie näher zu besprechen, hat wenig Wert Nur das sei 
bemerkt, dass Hieronymns absolut, kein Verständnis fQr den paulinischen 
Begriff der aa^^ zeigt: er versteht darunter immer das geschlechtliche 
Leben. Das Stärkste leistet er sich mit der Stelle Gal. 6,8: Wer auf sein 

Texte Q. UntersQchnngen N. F. II, 8. 2 



18 Haller, JoviBiftnufi. 

yiro^ Tirginem castam exhibere Ghriffto. i) Qüod si ad 
totam ecclesiam credeBtium voluerk referre et in hac 
de&ponsione Christi et maritatas et digamas et Tidnas 
et rirgines cöntineri, hoc quoque pro nobis fecit,^) 

§ 17. 

1,40: Ex quo nequaqnam nos illad poterit impedire, quod 
adversarias objicit, fuiase Dominum in Cana Oalilaeae et nuptia- 
rum festa cdebraase^ quando aquas vertit in vinum,^) Hoc enim 

breviasime respondebo^) 

Nunc antem quam haereticoram sit damnare conjugia et Dei 



Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben emteii. „Existiino 
qaod qoi axorem habet, qaamdia revexiitor od idipsam, ne tenet eom Sa- 
tanas, in carne seminet et non in spirita" (I, 38). 

1) II. Cor. 11, 2. 

2) Wir notieren diese Stelle als ein zweifelhaftes Gitat aus Joyinian. 
Zweifelhaft ist es wegen der .nnbestimmten Gitationsformel „volneris". 
Möglich ist es aber, dass Jovinian jene Stelle dtiert hat, 1) um die Integri- 
tät der wahren Kirche zu beweisen, 2) am den Gegnern zu sagen, dass sie 
nichts mit der persönlichen Virginitat za thnn habe. Vgl. § 1, wo Jovi- 
nian thatsftchlich die Reinheit der wahren Kirche in überschwänglichen 
Worten preist. 

3) Zum SchlnsB seiner Aufführung der Beweisstellen ans den Aposteln 
bemerkt Hieronymus, dass ein besonders tiefes Geheimnis in dem Gleichnis 
von den zehn Jungfrauen liege: Hoc solum nunc dico, quod quomodo 
absque caeteris operibus virginitas sola non salvat, sie omnia opera absque 
virginitate, puritate, continentia, castitate, imperfecta sunt. Das ist offen- 
bar mit Anspielung auf Jovinian gesagt, der die bona opera ohne Virgini- 
t&t wertvoll sein lässt. Vgl. damit auch I, 32 : „Wenn nur allein der 
Wandel und die guten Werke ohne Jungfrauscbaft es verdienen, daes der 
h. Geist über Anna komme, so konnte, meint Hieronymus, auch diese die 
Mutter des Herrn werden." Es liegt nun sehr nahe, anzunehmen, dass auf 
jene Anspielung nun wirklich ein Einwand Jovinians kommi Diese An- 
nahme wird zur Gewissheit bestätigt, weil a) das Folgende mit der Formel 
„quod adversarius objicit'' eingeleitet wird, worunter nur Jovinian gemeint 
sein kann, b) dieses Beispiel von Jovinian ganz notwendig zur Billigung 
der Ehe seitens Jesu angeführt werden musste. 

4) Hieronymus antwortet: Ghristus habe nur deshalb jener Hochzeits- 
feier beigewohnt, damit es nicht heisse, er zerstöre das Gesetz und ver- 
damme die Natur und Einmal nur habe er es gethan, um zu lehren, d&ss 
man nur Einmal sich verheiraten dörfe. 



I. Fragmenie ans Javirnins Schriften. 19 

spemere conditioiiem, quidqvKid de laude dixerit') nuptiarunij 
libenter andimus.^ 

§ 18- 
1,41: Saiis abtmdeqne Christiaiiae pudicitiae et yirgimtaiäs 
aogelicae, de divinis libris exempla praebmmns. Sed qnoniam 
intellexi in eommentariis adversarii, proyocari noe etiam ad mundi 
sapientiatn^ quod numqtiom hoe genus in aaeeulo sit probaium ei 
novum dogma eotUra naktromi religio nosira prodiderii ^), percnrram 
breviter Graecas et Latinas Barbarasque historias et docebo' 
Tirgimtatem semper tenuisse pudicitiae principatum.^)^) 

§ 19. 
II, 1 : ^) Secünda propositio est^ eoe qui fuerint baptixati, a 

1) al. dixerint. 

2) Es ist leicht m5glich, dass Jovinian — wenn man so sagen darf — 
nach seiner theologischen Begründang das Lob der Ehe angestimmt hat» 
wogegen Hieronymns nichts einzuwenden hat, weil nur die Ketzer die Ehe 
verachten. Ecclesia enim matrimonia non damnat sed subjicit, nee abjicit 
sed dispensat. 

3} Hier haben wir sicherlich einen Ausdruck, der ?on Jovinian ge- 
braneht wurde, nemlich: „novum dogma contra naturam." Jovinian hat 
sich besonders auch auf die Weltweisheit berufen, welche nichts von dieser 
widematOrlichen Erfindung wisse. Er scheint aber nicht n&here Beispiele 
zur Verherrlichung der Ehe aus der Profan-Literatur beigezogen zu haben. 
Denn Hieronymus nimmt im Folgenden nie Bezug auf etwaige Beispiele 
seines Gegners. 

4) Das Folgende bis zum Schluss des ersten Buches (c 41—49) ent» 
hftlt lauter Beispiele ans der Profan-Geschichte und -Literatur, in denen 
irgendwie der Yirginitftt der Vorzug vor der Ehe gegeben, oder die Keusch- 
heit verherrlicht oder die Mühsale des ehelichen Lebens und die Bosheiten 
der Eheweiber müglichst abschreckend geschildert werden. Das Interes- 
santeste enthält c. 47. Hieronymus giebt dort einen (nur hier vorhandenen) 
Auszug aus dem(verloren gegangenen) „AureolusTheophraati liber de nuptiis." 

5) Hieronymus fasst II, 35 folgendermassen die Ausführungen in diesem 
ersten Teil seines Werkes zusammen: Dizimus de nuptis, viduis, virginibos. 
Viduitati virginitatem, viduitatem praetulimus matrimonio* Exposita est 
7u^ixm€fi ApostoHy de hiQuscemodi quaestionibus disputantis, singulis oppo- 
sitionibas responsum est Saecularis quoque literatura venit in medium, 
quae rägines fuerint, qnae univirae, et e contrario quas interdum habeat 
molestias vinculum cbigugale. 

6) Hier beginnt sicher ein neues Schriftchen Jovinians, eines seiner 
commentarioli« dem eine propositio als Leitsatz vorausgestellt war. Dass 
CS das zweite war, sagt uns Julian v. Eclanum (bei Augustin op. imperf. 1, 98). 

2* 



20 Haller, Jimnianns. 

Diaboh non posse tentari, ^) Et ne hoc stulte dicere videretor, 
adjecit: Quiquumque autem tentati faerint, oatendi (al. osten- 
dit) eos aqua tantmn et non spiritu baptizatos, quod in 
Simone Mago legimus. Unde et Joannes dicit: „ y^Omnis qui 
natuB est ex Deo, peccatiun non facit, quoniam semen ipsius 
in eo manet, et non potest peccare, quia ex Deo natus est. 
Et in hoc manifesti flunt fllii Dei et fllii Diaboli/''* Et in fine 
epistolae: „„Omnis qui natus est ex Deo non peccat; sed. 
generatio Dei oonservat eum, et malignus non tangit eum 2)«" 



cc 



§ 20.3) 

11,5: Tandem pervenimus ad cibos et tertiae quaestionis ^) 
nobis opponitur difißcultas: ,^d hoc credta esse omnia, ut 



1) Wir haben hier eine freiere Wiedergabe der propoedtio des Jovi- 
nian, aber keine, welche fsilsch wäre und jeglicher Begründang durch Aus- 
drücke bei Jovinian entbehrt hätte. Denn das Wort „tentari a diabolo" 
stand bei Jovinian. wie solches gleich aus den nachfolgenden Citaten her- 
vorgeht 11,2: Nee didt (sc. Joannes): 8i quid peccaveritis, advocatum 
habetis apud Patrem Christum et ipse est propitiatio pro peccatis vesiris, 
ne eos diceres non plena fide haptisma consequutos, sed Advocatum, inquit. 

habemus II, 3: Quid oramus ne intremus in tentationem et ut 

liberemur a malo, st diabohis ientare non potest jam baptixatos. Aliud 
autem est, si ad catechumenos haec oratio pertinet et non convenit fideli- 
bus et GbristianiB. II, 4: Et arbitratur Jovinianus mens fädle sibi eum 

(sc. diabolum) posse suecumbere Filium Dei tentare ausus est 

et nos nobis blandimur de baptismcUe, quod sicut priora peccata dimittit, 
sie in futurum servare non potest, nisi baptizati omni custodia servaverint 
cor suum? £1,35: Transivimus ad secundam partitionem, in quanegat eos, 
qui iota fide haptisma eonsequutt sunt, deinde posse peecare. 

2) Dieser Teil der Polemik fällt weitaus am kürzesten bei Hierony- 
mus aus. Zusammenfassend bemerkt er II, 35 über sdne AusftQirungen zu 
diesem Punkt: Et docuimus, quod ezcepto Deo omnis creatura eub vitio 
sit, non quod universi peccaverint, sed quod peecare possint, et similium 
ruina, stantium metns sit. 

3) Die folgenden drei Paragraphen bilden ein zusammenhängendes 
Stück, das uns Hieronymus aus Jovinians Schriften überliefert hat. Die 
Widerlegung schliesst sich sofort daran und erstreckt sich bis zu c 17. 
Sie befolgt genau die Reihenfolge der Jovinianischen Schrift bezw. der 
mitgeteilten Bruchstücke, wie er denn auch c 6 zur Einleitung der Wider- 
legung bemerkt: Sequar ergo vestigia propositionis ezpositae. 

4) Vgl. die Wiedergabe der dritten Proposition in I, 3 (§ 3) und unten 
bei Augustin, Gennadios etc. 



I. Fragmente ans loyinl&nid Sehriften. 21 

nsoi mortalium deBe^virent. Et quomodo homo» rationale 

animal, quasi quidam liabitator et poBsessor mundi, Deo sub« 

jacet et snuni veneratur auctorem i), ita ounota animantüi, 

aut in oibos hominnm aut in vestitiim aut ad soindendam 

tarram aut ad Bub^eotionem fimgum aut ipsiuB hominiB ease 

oreata: unde et jumenta ab eo quod juvent appellentur. 

„„Quid eat, ait David, homo, quod memor es ejus» aut flliuB 

hominis, quoniam visitas eumP Minuisti eum paulo minus 

ab Angelis, gloria et honore coronasti eum, et constituisti 

eum super opera manuum tuarum. Omnia subjecisti sub 

pedibus ejus, oves et boves universas, insuper et pecora campi. 

Voluores oaeli et pisces maris, qui perambulant semitas 
maris.**"2) 

§ 21. 

ibicL (Fortsetzung:) Esto, inquit, bos ad arandum, ad seden-» 
dum equus, eanis ad servandum, oaprae ad lac, oves ad laniüa 
eonditae sint. Quis usus porcorum, absque esu oarzuum? 
quid capreae, oervuli, damulae, apri, lepores, et hi:gusmodi 
venatioP quid anseres silvestres et domestioiP quid anatesP 
quid floedulaeP quid attagenP quid fnlioaP quid tiurdusP Cur 
in domibus gaUina discurritP Si non oomeduntur, haec omnia 
frustra a Deo oreata sunt.^) Verum quid opus est argumentis 
quum manifestissime Scriptura dooeat, omne quod movetur, 
siout olera herbarum, data nobis in esoam^): et Apostolus 



1) 11,6: sed venerari eonditorem nostrum^ qui in usus hominum 
euneta creavü, Hieronymus behauptet, dass er und seine GeBinnangsge- 
noesen an der Verehrung des Schöpfers es auch nicht fehlen lassen und 
die Überzeugung haben, dass Gott alles sum Gebrauche des Menschen ge- 
schaffen habe. 

2) Ps. 8, 5 ff. 

3) n, 6: Et qnomodo bos ad arandum^ equus ad sedendum, canes ad 
servandum, eaprae ad lac, oves ad lanitia eonditae sunt : ita sues et cervos 
et eapreas et lepores et caetera: sed illa non statim ad eomedendum creata 
esse, sed in alioe usus hominum. 

4) ibid: Si enim omne quod movetur et vivit, ad vescendum factum 
est, dann sollen die Gegner sagen, wesshalb die Elephanten, LOwen, 

B&ren Wanzen, Flöhe, Schnacken etc. geschafien worden sind? Nun 

zählt Hieronymus eine Menge von Beispielen vor, aus denen man sehen 
könne, wie viele Thiere nicht zum Essen, aber zu Arzneimitteln dienen. 
Igitnr quam mihi dixeris, cur poreus creatus est, so wolle er ihm ant« 



22 Haller, Jbvi&ianiu. 

olamitet: Mt^Omnia munda mundiA^ et ailill TOjioieiidiim, quod 
eiun gratiarum actione percipitor"** '): et veaturos in boyIs- 
simo, qui prohibeant nubere, et Tesoi oibia, qoos Dens orea* 
Vit ad utendum.^) 

§ 22. 

ibid. (Fortsetzung:) Ipse Dominus vini potator et vorator 
a Fharisaeis appellatur et publicanorum oonviva et peocatorum : 
Zachaei prandium non reousans, vadens ad nuptiarum epiüasj') 
Forro aliud est, si stulta contentione dioitia» eum isse ad 
prandium jejunaturum et impostorum more dixisse: hoo 
comedo, illud non comedo: nolo vinum bibere, quod ex aquis 
oreavi. In typo sanguinis sui non obtulit aquam, sed vinum. 
Post resurreotionem pisoem et favum oomedit, non sesama, 
nuces et sorbitiunoulas. ^) Petrus apostolus non exspeotat 
stellam more Judaioo, sed hora sexta in Solarium pransurus 



Worten, dass sues et apri et cervi und die Übrigen Lebewesen dazu da 
seien, dass die Soldaten, Athleten, Schiffer, Redner und Bergleute nach 
hartem Tagewerk krftftige Speisen h&tten. Das Christentum sei aber keine 
Unterweisung für Athleten und Soldaten, sondern fEbr den, der nach Weis- 
heit strebt. Der perfectus müsse sich der Ehe und der Speisen enthalten. 

1) Vgl. die 7on Hieron jmus 1, 3 wiedergegebene Fassung der dritten 
These: „inter abstinentiam" etc. 

2) I. Tim 4, 3. — In den folgenden Kapiteln versucht Hieronymns aus 
der pro&nen Literatur nachzuweisen, wie die Philosophen die Massigkeit 
als eine grosse Tugend priesen. Mit dem 15. cap. macht er sich an die 
biblischen Beispiele und f&hrt im 16. cap. unter deutlicher Anspielung auf 
Jovinians Worte fort: Reprobat quidem Apostolus eos, qui prohibebcmt 
nuptias ei jubebant cibis cibstinere, quos Deus crecmt ad täendum cum 
gratiarum aetione; sed et Marcionem designat et Tatianum et caeteros 
haereticos, qui abstinentiam indicunt perpetuam ad destruenda et contem- 
nenda et abominanda opera creatoris. Vielleicht standen auch die im 
Nachfolgenden von Hieronymus citierten paulinischen Stellen : I. Kor 10, 25. 
R5m. 14,14 bei Jovinian. 

3) 11, 17 : Illud autem quod proponere ausus est, Dominum voratarem 
et potatorem vini a Pharisaeia appellatum: et quia ad qnäas ierü nup- 
tiarum et convivia non despexerit peocatorumf aestimo, quod nobiscam 
faciat Denn Christus habe -das alles gethan, um seine wahrhaftige 
Menschennatur zu offenbaren. 

4) ibid: Qui comedit quidem post resurreetionem partem piseis asai 
et favum, non propter esuriem et gntturis suavitatem, sed ut veritatem sui 
corporis comprobaret. 



I. Fragmonto aoB Jovinians Schriften. 23 

aacendit. *) Paulus in navi pan«n frangit, uon oaricaB. fnm<^ 
theo dolenti stomaohum, vi^um Buadet bibere, non piraoium.*^) 
De olborum eibi plaoemt abetinentia, quasi non et superstitio 
Castum Matris Deum observet et Mdis. ^) 



§ 23. 

11,18; Qtuaia proposiHo, quae et extrefna, est, duoe esse 
ordinea, o^ium et hiieorum, alterum juatomm alterum peoca- 
toram, alios stare a dextria alioa a ainiatria; et audire Juatoa ^): 



1) ibid: Si autem Petrus hora s&cta pransurus aseendü in coenaeu- 
lum, fortnita esaries non ÜEMsit praejadiciam jejaniorum. 

2) 11,15: Et disdpalo Timotheo dolenti stomachum et infirmitates 
plurimaa soatinenti suadet vini modieam poiionem: jam noli, inqnit, aquam 
bibere. Goi aotem didt, jam noli aquam biberei ostendit enm aquam 
aate potasse. Quod non oonoederet» nüi crebrae infirmitates et dolor tto- 
machi postolassent. 

3) II, 17: Quomodo autem virginitati verae non praejadicat imitatio 
virginum diaboli; ita nee veris jejuniis Castum Isidis et Cybeles et quo- 
romdam ciborwn in aetemum abstmmtia: nuudme quum apud illoe jeju* 
ntun paniB sagina camium oompensetur. „Gafetue war eine von den Priestern 
der Cybele und lais beobachtete Enthaltsamkeit von Brot und Cerealien, 
wobei sie aber desto gieriger Fleischspeisen yerschlangen. Hierauf kommt 
Hieronymus auch an einer andern Stelle 2U reden. In der ep. ad Laetam 
c. 10, an einer Stelle, wo er aasdrficklich auf unser Buch hinweist, heisst 
es: ,4)m (auf Abwege geraten) mögen die Verehrer der Isis und der Gybele 
tfaoBy welche in schwelgerischer Enthaltsamkeit Fasanen und dampfende 
Turteltauben verschlingen, um nicht die Gaben der Ceres (Brot) anzurühren. 
Vgl. Tert. adv. Fsychicos 16: nostris Xerophagiis blasphemias ingerens 
Gaste Isidis et Gybeles eos adaequas. Amob. lib. 5: Quid temperatis ab 
alimonio panis, cui rei nomen dedistis Castus. Dieses Beispiel muss eines 
aus der „philosophischen'* Reihe sein, deren Hieronymus bei Jovinian ge- 
denkt. Denn Jovinian hatte bei dieser Proposition auch die Profanliteratur 
benfitzt Diese Vermutung wird zur Gewissfaeit erhoben durch die Be- 
merkung des Hieronymus am Schluss seines Werkes: II, 35: Tertio venimus 
ad jejnnia et qnia adversarii duplex propositio foerat, vel ad Philosophos, 
vel ad divinamm Scriptnrarum provocantis ezempla, nos quoque ad utram- 
que respondimus. 

4) adv. Jov. II, 22: Oves et koedos a dextera et sinistra^ duos justorum 
et peceatarum esse ordines non negamus. ü, 21 : Quod peccatum est juzta 
toam sententiam in sinistra parte et hircorum grege describitur. Hierony- 
mus giebt XU, dass swischen Schafen und Böcken zu unterscheiden sei 
aber das genfige nicht Auch unter den Schafen gebe es Unterschiede, 
zwischen StOhr und Sch&flein, zwischen räudigen und gesunden, wie auch 



24 Haller, JoviniaiinB. 

Venite benedloü Patrls mei, poBsidete paratiuai vobis regniim 
a. constitutione mundi. FiBocatoribus vero dioi: Disoedite a 
nie maledioti in ignem aetemum, qui praeparatos est diabolo 
et angelis ejus. Arborem bonam non posse malos firuotas 
facere, neo malam bonos. >) Unde et Salvator loquitur ad 
Judaeos: Vos de patre diabolo esUs et oonoupisoentias patrls 
vestri facere vultis, Deoem virgines proponit stultas atque 
sapientes, et quinque, quae oleum non habuerunt, remansisse 
extrinseous: alias vero quinque, quae sibi lumen bonorum 
operum praeparaverant, thalamum intrasse cum sponso/'^) ^) 

§ 24. 

ibid. (FortsetzuDg): Ascendit ad Diluvium et ait: Qui erant 
cum Noe justi servati sunt, qui vero peccatores omnes in 
commune perierunt.^) Apud Sodomam et Gk>morram, ex- 
ceptis duobus gradibus bonorum malorumque, nulla diver- 



nach Ezecli. 34, 17—21 zmBolien Schaf, and Schaf, magern und fetten ge^ 
richtet werde (c. 22). Das Gleichnis schildere bloss den Unterschied swischen 
Schafen und Böcken, nicht das Verdienst der Schafe unter einander. Neque 
enim in omnibus locis docentur omnia, sed onaqaaeque similitndo ad id 
refertur, cujus similitudo est (c. 25). 

1) II, 22: Arborem bonam fmcius malos non facere, nee malam bonos, 
nuUi dubium est. Warum habe Paulus, ein früher schlechter Baum, hemach 
gute Früchte und Judas, ein früher guter Baum, hemach schlechte Früchte 
gebracht? (c. 25). 

2) II, 22 : Decem quoque virgines sapientes et stultas, in bonas malaa- 
que diyidimus. Die zehn Jungfrauen repräsentieren nicht das ganze Men- 
schengeschlecht, sondern nur die Eifrigen und Lauen, von welchen die 
Einen beständig der Ankunft des Herrn gewärtig sind, die andern sich 
dem Schlafe und der Trägheit hingeben, (c. 25). 

3) ü,35: Quarta, id est» eoctrema divisio, ovcs et hoedos, dexteram ei 
sinistram, justos et peccatores, in duos ordines distribuerat, rolens osten- 
dere, nullam inter jusium et justum peceatorem et peccatorem non esse 
disianiiam. Et ut hoc probaret, infinita de Scripturis ezempla oopgesserat, 
quasi suo sensu congruentia, cui nos quaestioni et argumentis et ezemplia 
respondimus Scripturarum, veteremque Zenonis sententi&m tam communi 
sensu quam divina lectione contrivimus. 

4) 11,22: In Düuvio Itberaios justos et peccatores aquis obrntos non 
ignoramus. Hieronymus entgegnet 11,25: Jovinian werde doch nicht sagen 
wollen, Noah und Ham seien gleich gut gewesen, weil sie beide aus der 
Sündflut gerettet wurden. 



I. Fragmente aus Joyinians Schriften. 25 

sltas invenitor. Qui est justus, eripitur; qui peooator, pari 
voratar inoendio. ^) Una saluB liberatis, iinua interitus remanen- 
tibus. Ne paululiim quidem a juatitia deolinandum'^X indioio 
est uxor Lot. 81 autem, inquit, mihi opi>onis, quare justus 
laboret in paoe aut perseoutionibus, si nullus profeotus est, 
neo nugora praemia: soias hoc eum faoere» non ut plus quid 
mereatur, sed ne perdat quod aoeepit^j 

§ 25. 

ibid. (Fortsetzang): In Aegypto quoque decem piagas 
aequaliter omnes sentiunt peccatores, et similes tenebrae 
domino et servo, nobili et ignobili, regi inuninent et vulgo. 
Sanctis vero Bei et poptdo Israel una erat lux.^) Sed et in 
mari Bubro justi pariter transeunt, pecoatores pariter obru- 
untur.^) Sexcenta hominum milia, ezoepta imbelli aetate 
et sezu, in deserto aequaliter ruunt et duo qui justitia pares 
erant aequaliter liberantur. ^) Per quadraginta annos cunctus 



1) ibid: ^ Sodoma et Oomorra ereptum juatum et impios igne con- 
soinios omniboB penpicaum est Aber, sagt Uieronymus 11,24, Segor ist 
voa den flhif Stftdten gerettet worden, obwohl jene Stadt demselben Ur- 
teilflq[>rach yer&Uen war. Zwischen Lot und den Segoriten sei ein grosser 
Unterschied gewesen und doch seien beide dem Feuertode entgangen. 

2) 11,21: Si non licet a viriutibus paulultmi deelinare et omnia 
peccata sont paria, ejnsdem criminis rens, qui panem esuriens sarripaerit 
et qui hominem ocdderit, dann bist du auch grosser Verbrechen schuldig. 

3) 11,33: Primo considerandum, quod si justi non spe profectus labo- 
rantj nt vult noster Zeno, aed ne perdant, quod aeceperant^ iste qui mnam 
et talentam infodit, ne perderet quod acceperat, non peccavit, ja seine 
Vorsicht ist sogar zu loben, mehr als die nutzlose Mühe der andern, welche 
ohne Lohn ihrer Arbeit geschwitzt hatten. 

4} 11,22: Deeem quoque plagis pereussam Aegyptum et Israel fuisse 
sospitem novimns. 11,24: Frustra igitnr oves ethircos, quinque et quinqae 
viigines, Äeffyptios et Israelitas et cetera hujuscemodi replicas, weil die 
Vergeltung nicht im gegenwärtigen, sondern erst im zukünftigen Leben 
stattfindet Es sei verkehrt, wenn Jovinian den Wandel in dieser Welt 
in die Zust&nde der zukünftigen verlege; denn hier waltet Ungerechtigkeit, 
dort Gerechtigkeit. 

5) 11,22: In mari Bubro transisse justoa et Pbaraonem cum suo 
exercitu demersom etiam in scholis cantant parvuli. 

6) ibid.: Sexeenta milia in deserto ceoidisse^ quia increduli fiierint 
et duos tantum terram repromisdonis intrasse, Scripturae docent. 



26 HftUer, Jovinianus. 

Israel slmiliter laborat et moritur. Gomor mannae univeraia 
aetatibus una in cibo mensura aat, vestitus pariter non de* 
terunttir, oapilli simul non augentur, barba In oommnne non 
erescit, caloeamenta ex aequo omnibus dnrant. Non in- 
oalluere pedes; cibus in ore ounotorum aequaliter sapit. Ad 
mansionem tmam pari labore et meroede pergebant. ^) Onmia 
HebraeuB aequale habet pasoha» aequales soenopegias, aeqnale 
sabbatum, aequales neomenias. Septimo requietionis anno 
absque personarum disoretione diniittitur et in jubilaeo uni- 
versa eunctis debita relaxantur, atque ad antiquam posses- 
sionem venditor redit/^) 

§ 26. 

II, 19: Parabolam autem in Evangelio seminantis, in qua in 
terra bona ce/nUsvmu8 ei sexagesimua et tricesinma fructus eacoritur 
et e contrario in terra mala triplex sterilitaiis varietas indicatur^ in 
dno8 ordines dividit^ honae terrae et malae. Et quomodo Apostolis 
pro derelietis flliis et uxoribus in alio Evangelio centies, 
in alio septies Dominus repromittit et in futuro vitam aeter- 
nam: nullaque distantia est inter centum et Septem; sio et 
in hoo numerum non ÜGKsere praejudioium, ubi hujus terrae 
fertilitas praedicatur: praesertim quum et Evangelista Marous 
retrorsum numeret triginta, sexaginta et oentum.') 



1) 11,25: Opponis mihi Oomor mannae, unamque mensztram et vesti- 
tum et eapillos et barbam et caleeamenta ex aeqno faisse Israelitanuay als 
ob wir Christen nicht auch gleichmftesig den Leib Christi empfingen? Und 
doch hat dieser nicht für alle Empftnger dieselbe Wirkung. Auch Judas 
trank aus demselben Kelch mit den andern Aposteln, und doch kam ihm 
nicht das gleiche Verdienst mit ihnen zu. 

2) 11,25: Porro quod omnis Hebraeus aeqtialiter facit Pascha et sep- 
timo anno liber effieitur et in Jubilaeo i. e, quinquagesimo universa poe- 
868810 reddt ad dominoe — aber das gelte, sagt Hieronymus, vom gegen- 
wärtigen, nicht vom zukünftigen Leben, wo für uns die volle Freiheit 
anbricht 

3) 11,26 handelt ganz gegen diesen Passus aus Jovinian: Parabola 
autem aementts^ quae ex tUraqtte parte ternos fructus facü (nemlich drei 
fruchtbare und drei unfruchtbare Ackertheile) und welches dem Ausdrucke 
des Apostels von den dreierlei Wericen in L Kor. 3, 12 (Qold, Silber, Edel- 
stein — Holz, Heu und Stoppeln] entspricht, sei sehr klar und es sei eine 
apertissima impudentia, diesem Verständnis zu widersprechen. Jovinian 



I. Fragmeste ani Joviaiaas Schriften. 27 

§ 27. 

ibid. (Fortsetzung): Dioit Dominus; Qui manduoat meam 
eamem et bibit meum sanguinem, in meo man«t et ego in 
illo. Sicut ergo sine aliqua differentia graduiun Christus in 
nobis eety ita et nos in Christo sine gradibus sumus. Onmis 
qui deligit me, sermonem meum servabit, et Pater meus 
diüget eum, et ad eum venimus et mansionem apud eum 
DaciemuB. Qui justus est, diligit: qui diligit, veniunt ad eum 
Pater et Filius, et in ejus habitant hospitio. Ubi autem 
hujusoemodi habitator est, puto quod nihil deesse possit 
liospiti.^) 



hat behanpiet, jene Zahlen bedeuten keinen Lohnuntenchied and berief 
tich daf&r anf den Umstand, der Herr habe in einem Evangeliom den 
Aposteln, weil sie alles verlassen hatten, den hondert^EUshen, in einem 
andern Evangeliam den siebenfachen Ersatz verheissen und damit sei an- 
gedeutet, es bestehe kein Unterschied „zwischen hundert und sieben" d. h. 
es komme nicht auf Zahlen an. Das gehe anch daraus hervor, dass bei 
Markus in umgekehrter Reihenfolge (30, 60, 100) als bei Uatthäos (100, 
60, 30) in dem Gleichnis von dem Sftemann numeriert werde. Hieronjmus 
beutet den ersten Grund seines Gegners mit sichtlicher Freude aus. Der Herr 
▼erfaeosst seinen Jfingem filr ihre opferbereite Nachfolge in Mt 19, 29;roiUaAila- 
oiavtCy Mc.10,30 kxaTOvxaxXaaiova nnd Lc. 18^30 noXXeatkaalopa, Nun haben 
auch Codices in Lc. 18, 30, wie Tischendorf bemerkt, ktxanXaoiova und eine 
solche Lesart lag dem Jovinian vor. Hieronymus nimmt sich aber nicht die 
Mühe, dies zu untersuchen und ist nicht so gerecht, diese Möglichkeit zu con- 
eedieren. Gleich spricht er von mendacium (ne ezultet in mendacio), von 
Fälschung oder von Unwissenheit (seque aut fklsarium aut imperitiae renm 
teneri): bei Marcos und Matthäus stehe centuplum, bei Lucas nokv nXsiova, 
et penitus in nullo Evangelio pro centum scriptum esse Septem. Auch der 
andere von Jovinian angeführte Grund sei nicht stichhaltig, da die ganze 
h. Schrift, zumal das A. T. die kleinere Zahl voransetze. So heisst es mit* 
onter: es sei Jemand 75 und 100 Jahre alt Wenn man den unterschied 
der Zahlen bei dem guten Boden nicht gelten lasse, so dürfe man es auch 
nidit bei dem schlechten Boden. Dass jene Zahlen wirklich etwas be- 
deuten sollen, gehe aus dem Zuruf Jesu hervor: „Wer Ohren hat zu hören, 
der hOre!" übi nihil est quod intrinsecus lateat, frustra ad intelligentiam 
mysticam provocamur. — Wenn nur Hieronymus und alle seine Genossen 
in der allegorischen Exegese diese Regel sich gemerkt hätten l — 

1) n, 27: Si autem FcUer et Filius mansionem faciunt apud eredentes, 
ei ubi Christus hospes est ibi nihil deesse existimas, so glaubt doch Hie- 
ronymus, dass Christus anders in den Korinthem, anders in den Ephesem, 
anden in einem Titns und Timotheus, anders in Paulus gewohnt habe. 



28 Haller, Jovixiianu& 

§ 28- 

ibid. (Fortsetzung): Sin autem dioit: Multse mansiones 
sunt apud Patrem meum, non in regno oaelorum diversas 
signiflcat mansiones, sed eeolesiarum in toto orbe numenim, 
quae oonstat iina per septem.^) Vado, inqnit, et praeparabo 
vobis loonm, non loca. 8i haec repromissio proprio duo- 
deoim apostolorum est, ergo Paulus exelusus est de hoc 
loco, et electionis ^as superfluus putabitur et indignus. 
Joannes et Jacobus, quia plus oaeteris petierunt, non im- 
petraveruntP'^) et tarnen non est dignitas eorum inuninuta, 
quia reliquis apostolis aequales fuerunt. Nesoitis quia Cor- 
pora vestra templum est Spiritus SanctiP Templum, inquit, 
est, non templa; ut similiter in omnibus habitatorem osten« 
deret Deum.^) 



Oberhaupt bestehen Gradunterschiede unter denen, die sum Himmelreich 
kommen, so bei Johannes dem T&ufer und den Jüngern, ebenso in Stellen 
wie Jer. 31,34 und Mt. 5; 19. Lc. 14, 8 f. 

1) 11,28: Quis autem risnm teuere queat in eo, quod fnuUas man- 
sionea apud Patrem eceUaias arbitretur in toto orbe diffusas, quum mani- 
festissime Scriptura doceat secundum Evangelium Joannis, non de eeelesi- 
amm numerOf sed de caelorum mansionibus et aetemis tabemaculis, quae 
Propheta desiderat, Domino fnisse sermonem. Jeder bereite sich seine 
dortige Wohnung zu, nicht sowohl nach dem Reichtum der Barmherzigkeit 
Gottes, sondern nach seinen eigenen Werken. 

2) ibid.: Juxta quem sensam et illud intelligendum, quod, ad filios 
dioitur Zebedaeij quorum alter a sinistria alter capiebat sedere a dextris: 
Meinen Kelch zwar sollt ihr trinken etc. Es ist unnütz, wollte der Herr 
sagen, das von mir zu erbitten, was an euch selbst liegt und was 
mein Vater denen zubereitet hat, welche sich durch Tugenden würdig 
machen. 

3} 11,29: Illud autem quod alt: Nescüts quiacorpora vestra templtm^ 
est Sptrütis Saneti? frirolum est, weil die h. Schrift die Einzahl für die 
Mehrzahl und die Mehrzahl für die Einzahl zu setzen pflegt. Übrigens 
gebe es auch in einem Tempel verschiedene Plätze von grosserer oder 

geringerer Würde Non aeqtte Deus omnes inhahüat Moses habe 

mehr von seinem Geist gehabt als die Altesten, Elisa mehr als Elias 

Licet hoc quod ait: Nescüts quia eorpora vestra templum est Spiritus 
Saneti, de cuncta credentium dicat ecclesia, qui pariter congregati, unum 
Christi corpus efßciunt. Aber es komme doch darauf an, wer besser för 
die Füsse oder für das Haupt oder für das Auge oder für die Hand 
Christi tauge. 



I. Fragmente ans Joyinians Schriften. 29 

§ 29. 

ibid. (Fortsetzung): Non pro his rogo tantum, sed pro 
llliB qui credituri sunt per verbum eorum in me: ut siout 
tu Pater in me et ego in te nnum sumus, its omnes nnum 
aint in nobis. Gloriam quam dedisti mihi, dedi eis; dilexi 
eoB, sicut me dilexisti. Et quomodo nos sumns Pater et 
Filius et Spiritus Sanotus unus Dens, sie et imus populus 
in ipsis sit, hoo est, quasi fllii carissimi, diirinae oonsortes 
naturae.1) Sponsa, soror, mater et quaequumque alia puta- 
Yeris vocabula, unius Eociesiae eongregatio est, quae num- 
quam est sine sponso, fratre, fllio. Unam habet fldem, neo 
constupratur dogmatum varietate, neo haeresibus soinditur. 
Virgo permanet. Quoquumque vadit agnus, sequitur illum; 
sola novit cantioum Christi.^) 

§ 30. 

IL 20: 8i autem, inquit, mihi opposueris, „Stella a Stella 
differt in claritate**, audies, differre stellam a Stella, hoc est, 
spirituales a oamalibus.'*) Omnia membra aequaliter diligimus, 



1) 11, 29: Sed et iUnd quod objicit: Non pro hü rogo tantum^ sed et 
pro iüis qui credituri sunt per verbum eorum in nie: ut sicui ego Paier 
inieettuinme unum sumusi ita omnes unum sint in nobis; et quo omnis 
populus Christianus unum> «t in Deo, quasi filii carissimi, ditfinae eon- 
sortes ncUuras — sei wohl zu beachten, dass wir non secnndnm nataram 
sed secnndnm gratiam nnum esse in Patre et Filio/ Denn die menschliche 
Seele sei nicht ejusdem substantiae (quod Manichaei solent dicere) wie 
Gott Sed, dilexistiy inquit, eos sieui et me dilexistü Du siehst also, dass 
wir in das consortium substantiae ejus assumimnr non naturae esse sed 
gratiae, und so liebt er uns, weil der Vater den Sohn liebte und die Glieder 
mit dem Leibe geliebt werden. 

2) 11,30: Porro quod jactitas sponsam sororem matrem et omnia 
kaee poeabula unius esse ecelesiae, cunctosque credentes bis nominibus sig- 
oificari contra te facit. Denn gerade die verschiedenen Bezeichnungen 
Braut» Schwester, Mutter benennen die verschiedenen Glieder und Teile der 
Kirche. „Sie stehen wohl alle zur Rechten, aber der Eine steht als Bräuti- 
gam« der Andere als Bruder, der Dritte als Sohn/' 

3} 11,23: yJStella enim a Stella differt in elaritate, Sic erit et resur- 
rectio mortuorum/' Quod tu scilicet doctus interpres sie exposuisti, ut 
dieeres spirituales differre a camalibtts. Also, fügt Hieronymus spöttisch 
hinzu, werden auch Fleischliche, die ,3^cke'' ins himmlische Reich empor- 



30 Haller, Joyiniainis. 

neo ooulum praeponixnus digito, neo digitum aurioulae; sed 
in singtiloruin amiasione membronim oommunis dolor est.^) 
Aequaliter introimus in hoc saeculnm et aequalit^r de ea 
egredimnr*^) Unus Adam terrenus et alter caelestis. Qxd in 
terreno fuerit, a ainistris est, et peribit; qni in oaeleeti, a 
dextris est, et salvabitnr.') Qui ftatri dixerit fatue et raea» 
renB erit gehennae. Et qui homioida faerit et adnlter, mitte* 
tur similiter in gehennam.^) 

§ 31. 

ibicL (Fortsetzung): In perseeutione qni incenditur, qni 
sufi'ooatur, qui deoollatur, qui fugerit, qui in eareere inelusus 
obierit: varia quidem luotae genera, sed una oorona victorum 



steigen. Damit du nicht behauptest: stellana et stellam totum humanae 
multitudinis genus esse, habe der Apostel ausdrücklich auch Sonne und 
Mond an jener Stelle genannt und damit einen grossen Unterschied unter 
den spirituales angedeutet. 

1) 11,30: ünde et stulte asserere voluisti omnia membra aequalUer 
no8 diligerey rtec oculum pr<ieponere digitOj nee manum auriculaef sed in 
singulorum amissione membrorum dolorem esse eommunemj quum Aposto- 
lus doceat ad Gorinthios, ,fAlia membra esse honestiora, alia verecnn- 
diora etc.*' Man beachte doch einen grossen Unterschied unter den Gliedern 
und bringe ihnen eine verschiedene Wertschätzung entgegen. — Keinen 
direkten Bezug auf Jorinian hat die Stelle 11,23: Verum ne dicas in nno 
corpore diversa membra unum habere meritum, statim gradus describit 
(sc. apostolus) ecclesiae, da es sich dort um einen ganz andern Zusammen- 
hang handelt und wohl auch Jovinian nicht behauptet hat, dass den yer- 
schiedenen Qliedem in der Kirche keine verschiedenen Dienste zukommen. 

2) n,30: Si autem omnes aequaliter et introimus in saeeulum eteximus 
de saeculo, et hoc praejudicium futurorum est, so würde daraus folgen, 
dass Gerechte und Sünder in Gottes Augen gleich viel gelten, weil der 
Eine wie der Andere geboren werde und sterben müsse. 

3) ibid.: Quod si duos esse contendis Adam alterum t«rrenum alteruni 
caelestem, et qui in terreno fuerint, eos esse ad sinistram; qni vero in 
caelesti eos esse a dextris, so m9ge er ihm einstweilen die Frage beant- 
worten, wohin die Frommen (z. B. Jakob) vor Christi Geburt gehören, denn 
der zweite Adam sei ja damals noch nicht gewesen. 

4) II, 31 : De eo autem quod niteris approbare convicium et Aomi- 
cidium, racca et adulterium et otiosum sermonem et impietatera uno sup- 
plicio repensari, so werde man doch nicht sagen wollen, dass wer einmal 
gelogen hat — und wir Menschen sind alle Lügner (Ps. 115,2. 50, 4 f.) — 
dieselbe Strafe wie etwa der Vatermörder und Ehebrecher erfahre. 



I. Fragmente an» JoTimans Schriften. 31 

est.^) Inter eum fratrem qui semper cum patre faerat, et 
qui postea i>oeniteiis est reoeptuB, nolla diversitas est.'^) 
Operariis primae horae et tertiae et sextae et nonae et un- 
decimae unas denarius aequaliter redditur; et quo magiB 
admirerifl, ab his inoipit praemium, qui minus in vinea la- 
borarunt.'^) 



1) 11,31: Si autem in perseeiUioney qui 9uffoccttur et qui deeolUUur 
ei qui fugerit et qui in earcerem retrusus obierit, in variis luctae generibua 
una Corona victoriae est, et hoc pro nobis fkcit Denn im Mftrtyerer wird 
eigentlich der gute Wille gekr()nt. Wenn man flieht und in der Einsam- 
keit stirbt, 80 ist jener Wüle nicht vorhanden. 

2} ibid.: Ad illnd vero qaod dicis inter ewm fratrem qui semper eum 
patre fuerit et qui postea poenitens est reeeptue nihil penitus discrepare, 
90 wolle er, Hieronymne, seinerseits and^ noch das Gleichnie von dem ver- 
loeeaen Groschen, der den andern beigeftgt, and von dem verlorenen Schafe, 
das zn den andern gethan wurde, nennen. Es sei aber ein unterschied 
Ewiflchen beiden SOhnen and wenn es nur der Umstand sei, dass der aaf- 
genomxnene Bflsser die Beschämung für sein früheres Leben in sich trage. 
Cbiigens bedeuten die beiden Söhne nicht das ganze Menschengeschlecht, 
sondern entweder die Juden und Christen oder die sancti und poenitentes. 
Super qua parabola libellam quendam Damaso Episcopo, dum adhuc vi- 
veret, dedicavL 

3) II, 32: Porro si operariis primae horae et tertiae et sextae et nonae 
et undeeimae unus denarius redditur et ab eis inoipit praemiuiUy qui no- 
vissimi in vinea laboraveruntj so bedeute auch dieses Gleichnis nicht die 
Menschen einer und derselben Zeit, sondern die verschiedenen vocationee 
TOB Anfang bis ans Ende der Welt Zur ersten Stunde ist Abel und Seth, 
war dritten Henoch and Noah etc., zur letzten das Volk der Heiden be- 
rufn worden, welchen zuerst der Lohn gegeben wird, weil sie für die 
SchwieEigkeit, die der Glaube an den gekreazigten Heiland bietet, die 
6r(teie des Lohnee verdienen. Im Übrigen bedeute der gleiche Denar nicht 
die gleich grosse Belohnung, sondern das gleiche ewige Leben und die 
gleiche Befreiung von der HO]le. Cfr. August de virginit 26: Quid denarius 
ille aliud aigniflcat, nisi quod omnes communiter habebunt, sicuti est ipsa 
vita aetema, ipsum regnum coelorum. Quia ergo ipsa vita aeterna pariter 
erit onmibus electis aequalis, denarius omnibus attributus est; quia vero 
in ipsa vita aetema distincte fiilgebunt Inmine meritorum, multae sunt 
mansionee apud Patrem; ac per hoc in denario quidem non im pari non 
▼ivet alias prolizius, in multis autem mansionibus honoratnr alius alio 
clarins. — 

Mit diesem Gleichnis sind die von Jovinian genannten Beispiele und 
Argumente erschöpft Das geht hervor 1) aus der Bemerkung des Hiero- 
nymus in n,22; .... et reliqua, quae usqae ad operarios vineae in duos 



32 Haller, JovinianuB. 



n. Zeugnisse über Jovinians Leben nnd Schriften. 

Ans Hieronymns. 

§ 32. 

I) 1 : Panci admodnm dies sunt, quod sancti ex urbe Borna 
fratres cujusdam mihi Joviniani commentariolos ') transmisemni, 
rogantes, ut eorum ineptiis responderem et Epicurum^) Christi- 
anorom Evangelico atque Apostolico vigore conterrerem. Qnos 
quum legissem, et omnino non intelligerem^), cepi revolvere 
crebrius et non yerba modo atque sententias sed singulas pene 
syllabas discutere, Tolens prius scire quid diceret et sie yel pro- 



bonomm et malorum ordines descripsisti, 2) apB der überleitenden Bemerkimg 
KU den mit c. 33 anhebenden allgemeinen Betrachtungen in Beeiehnng auf 
die vierte These des Jovinianus : Hucosqae per partes ad proposita respon- 
dimns. Seqnens sermo in commune ad omnia respondebit. Hieronymus 
bemüht sich in noch 2 Kapiteln (33. 34) weitere Beispiele dafür auf- 
zuführen, dass es unter den Gerechten und unter den Sündern Abstufungen 
und demgemäss auch für sie verschiedene Belohnungen und Strafen gebe, 
so das Qleichnis von den anvertrauten Pfunden, die Einrichtung der sechs 
Asylstädte, die Gibeoniien, David und Saul, die Verteilung des Landes 
Kanaan unter die Stämme, die Abstufungen in der alttestamentlichen und 
neutestamentlichen Hierarchie. Hierauf folgt eine Recapitulation der vier 
Abteilungen (partitiones) dieses Werkes (c. 35); endlich eine bodenlos ge- 
meine Anrede an Jovinian (36. 37) und eine solche an die Stadt Rom 
(c. 38), welche beide letzteren wir unter den „Zeugnissen Über Jovinian*' 
wiedergeben werden. 

1) commentariolos, 1,41: Sed quoniam intellexi in commentariis ad- 

versarii Auch sonst wird der Bücher Jovinians gedacht, so Ang. 

de pecc. mer. et rem. III, 7. Auch die Schriften des Yigilantius heissen bei 
Hieronymus (c. Vigil.) commentarioli (6). 

2) Auch sonst nennt ihn Hieronymus einen Epikur&er, so 11, 36: 
Nunc restat ut Epicurum nostrum subantem (al. sudantem) in hortulis 
suis inter adolescentulos et mulierculas etc. 

3) Hieron. ad Domn. p. 236: ,,Je8U bonel qualem et quantum virum, 
cujus nemo scripta inteUigat, qui sibi tantum caneret et musis. Er nennt 
ihn dort auch einen avyyQafjLfiaxia dygafificctov. 



II. ZengiÜBse über Joviiiians Leben und Schriften. 33 

bore vel redargu^re, quod dixisset Yerom scriptomm tanta bar- 
baries est et tantis Yitiis spnrcissiiiias sermo confasus,^) ut neo 
quid loquafcor nee qnibus argamentis velit probare quod loquitur, 
potaerim intelligere. Totas enim turnet, totus jacet: attoUit se 
per singola et quasi debiUtatus coluber in ipso conatu frangitur. 
Non est contentus nostro, id est, bumano more loqui, altius 
quiddam aggreditur. 

„Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus* ^) 

quod ipse**, 

„Non sani esse hominis, non sanus juret Orestes'''). 
Piaeterea sie inyolyit omnia et quibusdam ineztrieabiUbus 
nodis universa perturbat, ut illud Plautinarum Utterarum ei possit 
aptari: 

„Has quidam praeter Sibyllam leget nemo,*' ^) 

Nam divinandum est Furiosas ApoUinis yates legimus; et 
illud * Virgillianum: 

«Dat sine mente sonum.* ^) 
Heraclitum^) quoque eognomento CixorBiPov^ sudantes Phi- 



1) Hienn bemerkt YaHarai: Eamdem stali harbariem in Joviniani 
■csripto notare Tidetor Siridus, Epistola ad diverses Episoopos, nbi scrip- 
tazam ^os „horrificam" appellat, non tantam propter blasphemias, qnan- 
tum ob sermonis vitia. Er nennt aber dort auch seine Bücher eine con- 
scriptio temeraria. Man vergleiche damit auch Hieron. prolog. c Pelag. 2, 
wo er den Jovinian beschreibt als einen „elingaem, et sie pntidi sermonis, 
ut magis misericordia dignas^' faerit> quam invidia. 

2) Horat de art poet. v. 139. 

3) Perains, Sa^. III v. 118. — Wie ernsthaft solche AnsHÜle des 
Heiligen gegen seine Gegner zu nehmen sind, beweist z. B. der Umstand, 
dass Hieronymns den Yigilantius folgendermassen beehrt: est quidem im- 
peritoB et verbis et sdentia et sermone inconditns (c. Vigil. 3), während 
Gennadins de vir. ill. 35 denselben H&retiker lingaa politos nennt. 

4) Plant, in Pseudolo. 

5) Aeneis lib. 10. 

6) Vallani bemerkt hiezu: ,|Ephesium intellige, qui ab omnibns ob* 
sonritatis argoitar. Ejus ßißkla axoxeiva dicit Theo in Progymnasm. et 
Demetrius de Elocutione, alüqne, a quibas illud axovsivov pro eognomento 
mutnator Hieronymns. Ähnliches wirft Hieronymus auch dem Ruffin vor. 
YgL c. Rq£ 1, 30: Denique et ego scripta tna relegens, qnamqoam inter- 
dnm non intelligam quid loquaris, et Heraclitum me legere putem: tamen 
non doleo, nee me poenitet tarditatLs: id enim in legendo patior, quod ta 
pateris in scribendo. 

Texte IL Untersaohnngen K. F. n, 9. 3 



34 Haller, JovinianuB. 

k>8ophi vix intelliganb Sed quid ad nostmm alvijfiaxicrci^ onjaa 
libroB-multo diffioilius est nosse, quam Tincere? Qaamqoam efc 
in tictoria non parva sit difficoltas. Quis enim superare qaeat, 
eojas afisertionem penitus ignoret? Et ne lectorem longius tm* 
haoii, eQJtmnodi eloquentiae sit, et quibus yerborum floribas 
xymatus inoedat, seeimdi libri ejus monstFabit exordium, quod 
hestemam crapnlam ructans, ita evomib^) 

§ 33. 

1,3: Rogo, quae sunt haec^) portenta verborum? quod de- 
Bcriptionia dedecns? Nonne Tel per febrem somniare eum putes, 
vel arreptum morbo pbrenetico, Hippocratis vinculis alligandum? 
Quotiescumque eum legero, ubi me defecerit Spiritus, ibi est 
distinctio.^) Totum incipit, totum pendet ex altero: nescias quid 
cui cohaereat;^) et exceptis testimoniis Scripturarum, quae illo 
yenustissimo eloquentiae suae flore mutare non ausns est^), re» 
liquus sermo omni materiae convenit, quia nuUi convenit, Quae 
res mihi aliquam suspidonem intelligentiae dedit, velle eum ita 
nuptias praedicare, ut virginitati detrahat^) 



1) evomit: ein lieblingstermiiniB bei HieoronymoB, womit er Beine 
Gegner au beehren pflegt. Er kehrt oft in seinen Schriften wieder, bo 1,4k. 
39. 40. ep. ad Bipariam 1. ady. Vigil. 3. 8. Auch Bcheint er zom Carial* 
BÜl gehört an haben, vgl. Sirie. ad Himerium 5. (Goustant p. 625). 

Hierauf folgt in o. 2 eine Blutenlese aas dem exordium Becondi 
libri ejus, b. oben § 1. HierauB Beben wir, dasB dem fiieronymnB mehrere 
Schriften des Jovinian vorgelegen waren. Überhaupt Bpricht HSeronymuB 
▼cm einer Mehrsahl seiner Schrifbeu, so dass wir wohl annehmen dOrfen, 
daBB ihrer mehr als awei waren. Nftheres hierüber unter IV 1 

2) kaec bezieht sich aaf die in c 2 gegebenen Worte ans dem Anfimg 
des 2. Buches Jovinians. 

3) So gar schlimm muss es mit Jovinians Composition doch nicht 
aasgesehen haben. Wie hätte sonst Hieronymns seine Schriften so leicht 
disponieren können? 

4) oohaereat — kann sogar ein Lob ftlr Jovinian bedeuten, indem 
seine Propositionen nicht lose neben einander standen, sondern einen innem 
und innigen Zusammenhang verraten. 

5) Dies also muss doch Hieronymus seinem Gegner rfihmend äuge* 
Btehen. Nur in einem Falle, siehe oben § 26 (II, 19), wirft er ihm die 
F&lschung einer Schriftstelle vor. 

6) Hier folgt eine vorläufige Auseinandersetzung mit Jovinian Über 
dessen Stellung zur Virginität. (s. § 2). 



U. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. g5 

Proponam breTitor adversarii sententias et de tenebrosis libris ^) ejn^ 
qnisi de foveiB serpentes protrahaiii^ neqae sinam yenosum eaptit, 
qpiris macolosi corporis. Pateat quod noziam est, ut possit con* 
teri, qmim paiaerit^) ; 

8 34. 

1,4: Haec^) sunt sibila serpentis antiqui, bis consiliis draco 
de paradiso bominem expnlit Nam et sataritatem jejunüs prae- 
fer^do repromisit eos immortales faturos, quasi numquam possent 
comere; et dum divinitatem aequalem Deo poUicetur, eiq[>ulit eos 
de paradiso, ut qui nudi et expediti et absque nulla Tnn^nliit 
yirgines Domini consortio fruebantur, dejecti in vallein lacryma- 
mm tunicis consutis et pelliceis vestirentur. Sed ne lectorem 
dintius morer, sequar yestigia partitionis expositae, et adversus 
singulas propositiones ejus Scripturarum yel maxime nitar testi- 
monÜB: ne querulus garriat, se eloquentia magis quam yeritate 
sopeiatum. Quod si expleyero et illum utriusque Instrumenti 
mibe oppressero, assunam exempla saecularis quoque literatnraey 
ad quam et ipse proyocat.^) Doceboque etiam inter Philoeopbos 
et egregios in republica yiros yirtutes yoluptatibus, id est, Pytba- 
goram, Platonem, et Aristidem Aristippo, Epicuro et Alcibiadi^) 
ab omnibas solere praeferri. Yos quaeso utriusque sexus yirginea 
et continentes, mariti quoque et digami, ut conatus meos oratio- 
nibus adjuyetis. Gunctorum in commune Joyinianus hostis est Nam 
qui aequalia omnium asserit merita^), tam yirginitati faeit injuriam, 
dum eam nuptiis comparat^ quam et nuptiis, sie eas Ucitas ut 



1) libti statt commentariolL 

2) Folgen die 4 Propositionen, siehe § 8. 

3) kaec nemlich die unmittelbar zavor genanntm Propositionen 
Jovinians. 

4) Aach Jovinian scheint der Profanliteratnr kundig gewesen zu sein 
und sie in der Polemik gegen die kirchliche Lehre verwandt zu haben; 
s. § 18. 22. Doch hat Hieronymus nnr wenige Beispiela hievon wieder- 
gegeben. Auch II, 35 (§ 22, Anm. 3 S. 23) verweist Hieronymus auf die Pro- 
fiolüeratar in Jovinians Schriften. 

5) Man darf jedoch hieraus nicht den Schluss ziehen, als ob Jovinian 
■ich auf Arisüpp, £pikur und Alcibiades berufen hätte. Bas hätte er schon 
SOS Klugheit unterlassen. 

6) Vgl. hiemit den vierten Satz. 

3* 



36 HaHer, JovinianuB. 

secunda et tertia matrimonia.^) Sed et digamis et trigamifl ad- 
yersarias est, ibi ponens scortatores quondam et libidinosissimos 
post poenitentiam, ubi duplicata et triplicata matrimonia: nisi 
quod in eo digami et trigami dolere non debent, quia idem scor« 
tator et poenitens in regno caelomm etiam yirginibus adaeqoa- 
tor.^) Proponam igitar manifestioribus verbis et habentibos all- 
quam consequentiam argumenta ejus et ezempla de nuptüs, eodem- 
que ordine omnia,') quo ab eo dicta sunt, digeram. Nee molestnm 
lectori sit, si nauseam ejus et vomitum legere compellatnr.^) 
Libentius antidotum Christi bibet, quum diaboli yenena praeces- 
serint. Audite patienter virgines, audite quaeso voluptuosissimum 
conciniatorem, immo quasi sirenarum cantus et fabulas clausa 
anre transite. Yestras ferte paulisper i^jurias, putate vos cum 
Christo crucifixas, Pharisaeorum audite blasphemias. 

§ 35. 

1,40: Descripsit sermo Apostolicus ^) Jonnianum loquentem 

buccis tumentibus, et inflata verba trutinantem, repromittentem 

in caelis libertatem, quum ipse serrus sit vitiorum atque luxü- 

riae,^) canis revertens ad vomitum snum.*^) Nam quum monachum 

1) HieronymuB stellt sich folgendennasBen zu dieser Frage: 1, 15: y,Ubi 
enim onus exceditor, nihil refert secondus an tertioB sit, quia desinit esse 
monogamus. Omnia licenti sed non omnia expediunt. Non damno digamosy 
immo nee trigamos et, si dici potest, octogamos: plus aliquid inferam, etiam 
scortatorem recipio poenitentem. Quidqnid aeqnaliter licet, aeqnali lance 
pensandum est." 

2} Hiefür hat Hieronymns keinen unmittelbaren Anläse in den Aus- 
fOhrimgen Jovinians. Es ist bloss eine Gonseqnenzmacherei ans dem vierten 
Satz, wenn er dem Jovinian nachsagt, dass er die kenschen Jungfrauen 
und ehrbaren Eheleute mit den Hurem, welche Bosse gethan hatten (rgL 
§ 31), zusammengestellt habe. 

3) eodemqne ordine onmia — Hieronymns hebt es absichtlich und des 
öfteren vor, dass er die Reihenfolge Jovinians einhalten wolle. 

4) vomitam ^ vgl. Anm. 1 S. 34 zn § 32. 

5] N&mlich II. Petr. 3, 3 — ein Lieblingscitat des Hieronymus. 

6] Ist eine Anspielung auf II. Petr. 2, 18, welche Stelle er auch 1, 39 
dtiert: Loquuntor enim verba tumentia et indoctos fädle illeoebns camia 
irretinnt: repromittentes eis libertatem, quum ipsi servi vitiomm sint atque 
Inxuriae et corruptionis. 

7) Ans der ebenfalls 1, 39 Gitterten Petrusstelle (II, 2,22): Gompletum- 
que est in eis verissimnm illud proverbium: Canis reversns ad vonaitnm 
suum et 8U8 Iota in volutabro luti. 



n. Zeagnisse über Jovinians Leben and Schriften. 37 

esse 86 jactitet: et post sordidam tunicam et nudos pedes, et 
eibariam panem, et aquae potom, ad Candidas vestes, et nitidam 
cutenit ad nmlstun, et elaboratas cames, ad jura Apitii et Paxami,^) 
ad balneas qnoqae ac fricticalos,^) et popinas se oonferat, mani- 
festum est, qnod terram coelo, vitia yirtutibus, yentrem') prae* 
ferat Christo, et pnrpuram coloris ejus putet regna coelorum.^) 
Et tarnen iste formosus monachus, crassos, nitidus, dealbatus et 
quasi sponsus semper incedens, aut uxorem ducat, ut aequalem 
virginitatem nuptiis probet: aut si non duxerit, firustra contra 
nos Terbis agit, cum opere nobiscum sii^) 

§ 36. 

11,3: Et de falsis doctoribus (Petrus): „Hi sunt fontes sine 
aqua, et nebulae turbinibus exagitatae, quibus caligo tenebrarum 
reservatur. Superba enim vanitatis loquentes pelliciunt in desi- 
deriis camis luxuriae eos qui paululum effugerant et ad errorem 
reversi sunt.*®) Nonne tibi videtur pinxisse sermo apostolicus 



1) ApitioB nnd PaxamnB waren zwei Feinschmecker aus der Zeit des 
AognstoB und Titel von Kochbüchern, vgl. Columela de re rustica und 
Snidas. 

2) aL fritillas, dtillas. 

3) al. accipiens aerem yel aera. 

4) Vgl. hiemit das Reecript des Ambrosius an Siricius Über Jovinian 
tmd seinen Anhang: se dolent iati aliqno tempore esse maceratos et pro- 
priam aldscontor injoriam, quotidianisque conviviis usuque Inxuriae, la- 
borem ahstinentiae propnlsare desiderani Vgl. auch Hieronjmus ad Jor. 
II, 21. B. n. 

5) Vallarsi bemerkt hiezn in seiner Einleitung p. 231 : Ego in ntram- 
que partem accipi isthaec et disseri posse igo. 8i qni monasticam vitam 
moriboB inficiatnr, illi vale dixisse pntandns est, Jovinianns monachos esse 
desütit: contra si professionem vitia non destruunt, monachus continuo 
fhit. Et monachnm se qnidem impndenter jactabat ipse, qnod Hieronymns 
priori loco ezagitat, quasi ementitum operibns nomen. Mutatam vero ab 
eo vestem, sunt qni ita dictum intelligant, ut ante perversam praedica- 
tionem affectatae sordes cum assumpta mollitie acrius exprobrentur. For- 
tassis autem sub quo quisque voluit indumento monachum poterat profiteri. 

6) IL Petr. 2, 17 f. Auch die folgenden Verse wendet flieronymus auf 
die Joviniansche H&rese an. So I, 39, wo er ausdrücklich bemerkt: Nolui 
locmn secnndae Petri epistolae ponere, ne longum leerem, sed tantum- 
modo ostendi Spiritus Sancti vaticinio hujns temporis et doctores et haere- 
sim praenunciatam. 



gg Haller, JoTinianus. 

novam imperitiae factionem? Aperiunt enim quasi fontes soien- 
tiae, quia quem non habeut doctrinarum promittunt imbrem, velot 
nubes Propheticae, ad quas perveniat yeriias Dei, et turbinibus 
exagitaniur daemonum atque vitiorum. Loquuutnr grandia et 
totus eorum sermo superbia est.^) „Immundus est autem apud 
Daum omnis qui exaltat cor suum.* 2) Ut qui paululum^) refu- 
gerant a peccatis, ad suum revertantur errorem; et suadent in 
luxuria ciborum carnisque delicias. Quis enim non libenter audiat: 
manducemus et bibamus et in aetemum regnabimus? Sapientes 
et prudentes pravos vocant: eos vero qui dulces sunt in sermoni* 
buSy plus audiunt. 

§ 37. 

11,21: His^) et hujuscemodi divinarum Scripturarum testi- 
moniis, quae ad perversitatem sui dogmatis callidus^) disputator 
inclinat, quis non tentetur etiam electorum Dei? Et quod Joannes 
Apostolus Antichristos dicit venisse multos,^) haec vera est Anti- 
christi praedicatio, quae inter ipsum Joannem et ultimum poeni- 
tentem nullam facit esse distantiam.") Simulque miror, quo modo 
serpens lubricus et Proteus noster in yariarum se mutet portenta 
formarum. Qui enim in coitu et saturitate Epicureus est,^) subito 



1) Vgl. 1,40, wo Hieronymus von Jovinian sagt: Jovinianum loqaen- 
lem baccia tumentibus et inflata verba tratinantem .... 

2) Prov. 16, 5. 

3) paalulam — mit Beziehung auf die obige Stelle and doch waran 
unter den Anh&ngem Jovinians gewiss viele, die schon lange Chiisten 
waren. Er denkt vielleicht auch nur an Jovinian, der als M6nch den 
Sfinden entflohen war und nun wieder eum früheren Irrtum surfickge- 

kehrt ist. 

4) bis — die von Jovinian für seinen vierten Sats genannten Schrift- 

Zeugnisse, s. oben in § 23—30. 

5) Auch sonst sagt Hieronymus seinem Gegner nach, dass er schlan 
ist Daneben aber kann er ihn für entsetzlich dumm erkl&ren, so noch in 
diesem Abschnitt, wenn er Jovinian einen „luscus'' nennt 

6) I. Job. 2, 18. 

7) Eine unbegründete Consequenzm acherei des Hieronymus. Jovinian 
hat nur eine Verschiedenheit in den Stufen der Seligkeit geleugnet, welche 
nach der GrOsse der menschlichen Verdienste bemessen wird, aber nicht 
eine Verschiedenheit in den religiüaen und sittlichen Leistungen der In-* 
dividnen! 

8) Eine unbewiesene Verläumdung! 



II. Zeugnisse ober JoTinian^ Leben und Schriften. 39 

in retributione meritorum Stoicus ef&citor. Jerosolymam CHtio,^) 
Judaeam Cypro, Chiistum Zwone^) commutat. Si non Hcet a 
virtatibiis paululam declinare') et omiiia peooata annt paria, 
ejasdemque criminis reus, qui panem esuriens Borripaerit ^) et 
qui hominem occiderit: tu quoque maximorum scelemm reus 
tenexis. Porro aliud est, si te dicas ne minima quidem habere 
peccata, et qaom omnes Apostoli et Prophetae et Sancti juxta 
id, qnod in secunda propositione disserui, peccatores esse se 
plangant, solos de justitia glorieris. Ante nudo eras pede: modo 
non solum calceato sed et ornato. Tone pexa tnnica^) et nigra 
snbacnla vestiebaris, sordidatus et pallidus et callosam opere 
gestitans manum; nunc lineis et sericis yestibus et Atrebatum^) 
ac Laodiceae indnmentis omatns incedis. Rubent buccae, nitet 
cutis, comae in occipitium frontemque tomantur: protensns est 
aqualiculus, insurgunt humeri, turget guttur, et de obesis fan- 
cibns yix suffocata verba promuntur.*^ Gerte in tanta diversitaie 
victns et vestitus, necesse est, aut hie aut ibi esse peccatum. Non 
quod peccatum in dbo aut in yestibus asseram: sed quod yarietas 
et commutatio in deterins reprehensioni proxima sit. Quod autem 
reprehenditur, a yirtute procul est: quod a yirtute procul est, 
yitio mancipatur: quod yitiosum arguitur, peccato jungitur. Quod 
peccatum est juxta tuam sententiam in sinistra parte et hirconnn- 



1) Citiam auf Cypem ist der Geburtsort des Zeno, daher letzter 
i Kixzievg genannt (Quaest. in Genes. 10, in Jerem^ 2). 

2] 11,33: Primo oonsiderandam, quod si justi non spe profectos la* 

borant nt vult noster Zeno Hieronymus liebt also, den JoTinian 

einen zweiten Zeno zu nennen, weil dieser gegen alle Bewegung und allen 
Fortechzitt argumentierte. 

3) Siehe Anm. 2 S. 25 zu § 24. 

4) Andere lesen: „panem esurienti surripuerif Hiezu bemerkt Yal- 
larai: „et panem esurienti snrripere idem sit atque hominem occidere; nam 
etiam qui esurienti non dederit, occidit; notumque illod ex Ambrosio: „Si 
non pavisti, oocidistL" £ contrario si esuriens ipse surripiat, levissime 
omnium peccabit; idque est quod Hieronymus conferre intendit, et confert 
levera in Veronensi ms. ex quo locum emaculavimus. 

5} Aus Horaz, wo es heisst: „Si forte subucula pexae Trita subest 
tnnicae", aber mit einem andern Sinn. Yallarsi: „Fortasse autem Hieroa. 
aoceperit pro villosa, sive quae pecti deberet ob pilos. 

6) al. Atrebatarum. 

7) VgL mit dieser ganzen Stelle die obige in § 35. 



40 Haller, Jovinianus. 

grege describitnr.^) Aut reyerteris igitur ad antiquum proposi- 
tum, ut oyis poBsis ease ad dexteram: aut si priorem sententiam 
penrersa poenitentia commutaris: yelis nolis, quamqnam barbam 
raseris, inter hircos numeraberis. 

22. Yenim quid prodest luscum vocare luscum et accusatoris 
docere inconstantiam, quum propositionum series diluenda sit?^ 

§ 38. 

11,36: Nunc restat ut Epicurum nostrum subantem^) in 
hortulis suis inter adolescentulos et mulierculas alloquamur. 
Favent tibi crassi, nitidi, dealbati.^) Adde si vis juxta Socrati- 
cam irrisionem omnes sues et canes et, quia carnem amas, ^) vul- 
tures^) quoque, aquilae,^ accipitres et bubones. Numquam nos 
Aristippi^) multitudo terrebit. Quosquumque formosos, quos- 
quumque calamistratos, quos crine composito, quos rubentibus 
buccis yidero, de tuo armento sunt, immo inter tuos sues grunni- 
nnt. De nostro grege tristes, pallidi, sordidati, et quasi peregrini 
bujus saeculi, licet sermone taceant, babitu loquuntur et gestu: 
„Hei mibi quia peregrinatio mea prolongata est, habitavi cum 
babitationibus Cedar,^ ^) videlicet in tenebris ^^) bujus mundi, „quia 



1) al. adscribitur. 

2) Hier beginnt die Widerlegung der Scbriftbe weise, s. oben § 23 ff. 

3) al. Budantem. 

4) Vgl. biemit den Vorwurf, dass Joyinian selbst in Eleidang und 
Leibespflege einen grossen Luxus entfaltet baben soll (§ 37). 

5) d. h. weil JoYinian das Fasten freigiebt (§ 20). 

6) d. b. Raubvogel, welcbe wie Jovinian eine grosse Vorliebe fOr das 
Fleisch baben, von welchem Jovinian behauptete, dass es von Gott ad 
eomedendum geschaffen sei (§ 21). 

7) al. aquilas. 

8) AriBtipp, ein Schfiler des Schrates, im fippigen Gyrene geboren, 
Grfinder der cyrenftischen Schule, hat sich einem genusssHchtigen Leben 
ergeben und stellte den Satz auf: Diog. L. II, 88: niaxiv d' elvai rov tkXog 
elvtti rr/v tJSovtiv ro dnQoaiQh<oQ ^fiaq ix nalSwv <px€i(oa&ai ngog dvtijv, 
xal Tvxovtaq avz^Q fiijÖkv ini^TireiVy (jiriSh xe ovtm ^evysiv, mg xijv ivav' 
xlav avx§ dXyjjSova, 87 : ijdovTfv evSoxrix^v nüai ^oioi^, novov d* anoxQOv- 
axtxov. Die bestimmtere Ausbildung der cyren&ischen Schule wird zurQck- 
gefClhrt auf den jüngeren Aristipp, den Enkel des genannten (D. L. II, 86). 

9) Ps. 120, 5. Victorias liest mit der Vulgata: cum habitantibus. Die 
Stelle heisst: Wehe mir, dass ich weile unter Mesech, wohne bei den Zelten 



II. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. 41 

lox lücet in ienebria et tenebrae eam non comprehenderunf ^) 
Ne glorieria, qaod mulios discipnlos habeas. Filius Dei docuit 
in Jndaea et duodecim tantam illum Apostoli sequebantur: »Tor- 
cular'', inqnit, »calcavi soIos et de gentibus vir non est mecum.^^) 
Die in passione solns remansit et Petri quoque erga eum trepi- 
davit constantia. Pharisaeonun autem doctrinae omnis populus 
applandebat, dicens: „Grucifige, cmcifige talem. Non habemus 
regem nisi Caesarem**, ^) id est, vitia seqtdmur, non yirtutes; 
Epicnrum, non Christum: Jovinianum, non apostolum Paulum. 
Quod multi acquiescunt sententiae tuae, indicium voluptatis est. 
Non enim tam te loquentem probant, quam suis favent vitiis. In 
drculis platearum quotidie fictus bariolus stultorum nates ^) yer- 
berat et obtorto fuste dentes mordentium quatit, nee tamen deest 
qni semper possit induci?^) et pro magna sapientia deputas,^) 
si plures porci post te currant, quos gehennae succidiae nutrias? 
Post praeconium tuum et balneas, quae viros pariter et feminas 
layant, ^) omnis impatientia quae ardentem prius libidinem, quasi 
verecundiae vestibus protegebat, ^ nudata est et exposita: quae 
ante in occulto erant, nunc in propatulo sunt. Ostendisti tales 
discipulos, non fecisti. Hoc profecit doctrina tua, ut peccata nee 
poenitentiam quidem habeant.^) Yirgines tuae quas prudentis- 
simo consilio quod nemo umquam legerat nee audierat de Apo- 



Kedax'B. *np^ Sohn des Ismail (Gen. 25, 12), Name eines yon ihm herge- 
leiteten arabischen Nomadenstammes, ygl. Contra RufP. 1, 22. 

^0) ^7H ^^^ *^1'^ schmutzig, trflbe sein, Hiph. yerfinstem, Hithpa. sich 
Tei&istera. 

1) Joh. 1,5. 

2) Jee. 63, 3. 

3) Joh. 19, 15. 

4) Victorins hat „nares". 

5) , Jn den Strassenbnden schlägt t&glich ein fingierter Wahrsager auf 
das Gesfiss (die Nasen] der Narren and zerschlftgt zugleich mit umgedrehtem 
Stock die Z&hne der spottenden Zuschauer — und doch fehlt es nie an 
solchen, die angeführt werden können.'* 

6) al. deputa. 

7) Solche Bäder yerurteilen: Clem. Paedag. III, 5. Epiphan. Haeres. 
30, 7. ChTjsost de educ. liberis. Can. Laod. 30. Trull. 77. Gratian. c. 28. 
Dist. 81. Auch kaiserliche Dekrete und Gesetze hatten diese Bäder verboten. 

8) aL tegebai 

9} YetuB editio: „ne peccatum quidem poenitentiam habeat'* 



42 Haller, JoiriniaDus. 

stolo docuisti: Melius est nnbere, quam uri,^) oocultos adulieros 
in apertos verterunt maritos. Non suasit hoc Apostolns, non 
electionis vas. Virgilianum cousilium est: 

CoDJugium Yocat, hoc praetexit nomine culpam.^) 

§ 39. 

11,37: Quadringenti ferme anni sunt, quod Christi praedi- 
catio fulget in mundo. Ex quo innumerabiles haereses tunioam 
lUius consciderunt, universus pene error de Chaldaeo et Sjro et 
Oraeco sermone processerat ^) Basilides magister luxuriae et 
turpissimorum complexuum post tot annos ita in Jovinianum, 
quasi in Euphorbum ^), transformatus est, ut Latiua quoque haberet 
haeresim suam« Nulla ne fuit alia in toto orbe provincia, quae 
reciperet praeconium voluptatis, in quam coluber tortuosus^ 
irreperet, niai quam Petri doctrina super petram fundaverat 
Christum?^) Vexillum crucis et praedicationis austeritas^ ido- 
lorum templa destruxerat: e regione luxuria penis, yentris et 
gutturis subvertere nititur fortitudinem crucis. Unde per Isaiam 



1) I. 5or. 7, 9. 

2) Virg. Aen. IV, 172. 

3) Vallarsi bemerkt hieza: „Sentit, primum e Latinis haereticmn Jo- 
vinianam ezstitisse, quod quidem et Victorio notatom est, at nescio quam 
Tere, ei Montannm reputes, Novatnm atque alios, utique ex Latiuifi. Hiero- 
nymus meint oder besser: übertreibt absichtlich die DarBtellnng so weit, 
dass er den Jonnian für den ersten lateinischen besw. rOmischen Hftretiker 
orklftrt, obwohl er wissen musste, dass schon viele Ketzer vor Jonnian ana 
der abendl&nd. Kirche hervorgingen. 

4) Pythagoras' glaubte infolge seiner Lehre von der Seelenwanderung, 
dass die Seele des bei Troja gefallenen Euphorbus in ihn Übergegangen 
seL Er behauptet zuerst Ethalides, dann Euphorbus, dann Hermotimos, 
dann P^hus gewesen zu sein. Hieronymus, bei dem überhaupt Euphorbus 
eine grosse Bolle spielt, behauptet sp&ter, dass Jovinians schlechter Geist^ 
wie ein zweiter Euphorbus, in Vigilantius wiedergekehrt sei. Vgl. adv, 
Vigü. c 1 (§ 50). 

5} Vgl. hiemitll, 21: quomodo serpens lubricus et Proteus noster in 
variarum se mutet portenta formarum. 

6) Zwei Handschriften lesen: „super petram fundaverat Christi.'* Vetos 
editio: „nisi in qua Petri doctrina super se petram fundaverat Christos.'' 
Also ist Christus, nicht Petrus der Fels der römischen Kirche l 

7] al. auctoritas. 



II. Zeugnisse Über Jovinians Leben und Schriften. 43 

loqnitor Deas: ^Popnlus meus, qoi tos beatificant^ seducunt vos 
et semitas pedum yestrorum conturbant.*' ^) Nee non per Jere* 
miam: «Fugite de medio Babylonis et servate unusquisque ani- 
mani suam et nolite credere pseudoprophetis, qai dicunt: pax, 
paz-et non est paz; qni semper ingeminant: Templum Domini, 
templom DominL^^ „Prophetae tai viderunt tibi falsa et in- 
aipientia, non aperuemnt iniquitatem toam, ut te ad poenitentiam 
proYoearent; qoi deyorant plebem Dei nt cibum panis, Deom 
non inYOcaverunt.^ ^) Jeremias captivitatem nuntians lapidatus a 
popolo. Änanias filius Azur frangebat ad praesens ligneas torques 
ei in fatonun ferreas praeparabat.^) Semper pseadoprophetae 
dulcia poUicentur et ad modicum placent. Amara est veritas et 
qni eam praedicant, replentur amaritudine. In azymis enim yeri- 
tatis et sinoeritatis Domini Pascha celebratnr et cum amaritu- 
dinibns comeditur.^) Egregia sane yox et quam audiat sponsa 
Christi,^) inter Tirgines et viduas et caelibes (unde et ipsum 
Bomen inditnm est, quod caelo*^) digni sint, qui coita careant).^) 
Raro jejunate, crebrius nubite. Non enim potestis implere opera 
nuptiarunif nisi mulsum et carnes et nulceum sumseritis. Viribus 
opus est ad libidinem. Cito caro consumta marcescii^) Nolite 



1) Jes. 3,12. 

2) Jerenu 51, 6. 

3) Elagel. 2, 14. 

4) Jerem. 28, 13. 

5) Bei dem Passah wurde ungesäuertes Brot in Verbindung mit bit- 
teren Kiftatem (cum amaritudinibus) gegessen. 

6] sponsa Christi — eine Anspielung auf Jovinian, welcher die Kirche 
eine sponsa, soror, mater genannt hat vgl. II, 19 (§ 29). 

7) Yallarsi bemerkt biezu: „Adnexam etymologiam Gravius ex Quin- 
üliano 1,10 illoatrat: „Ingeniöse sibi visus est C^jas Caelibes dicere, veluti 
Caelites etc. Sed et Isidorus Orig. 10, c: Caelebs dicitur, quasi caelo 
beatos.'* 

8) Die folgenden Worte führen bei Yallarsi die Marke: Verba Jovini- 
^ni Unbegreiflich! denn ein flüchtiger Vergleich mit den früheren Aus- 
fthrungen genügt^ um sur Evidenz den Beweis zu liefern, dass hier keine 
Worte Jovinians, sondern eine ganz gemeine bitoartige Karrikator derselben 
gegeben wird. 

9) Das Gemeine dieser Sätze liegt in dem Umstand, dass fiieronymus 
die beiden S&tze seines Gegners von der Berechtigang der Ehe und der 
Nntzloffigkeit des Fastens in gegenseitige Beziehung bringt, wozu Jovinian 



44 Haller, Jdvinianus. 

timere fornicationem. Qui semel in Christo baptizatas est, cadere 
non potest: habet enim ad despnmandas libidines solatia nupti* 
arom.^) Quod et si cecideritis, redintegrabit vos poenitentia efc 
qui in baptismate fuistis hypocritae, eritis in poenitentia solidae 
fidei.^) Neque turbemini putantes inter justum et poenitentem 
aliquid interesse et humiliorem gradum dare quidem veniam, sed 
coronam tollere. Una est enim retributio. Qui ad dexteram 
steterit, introibit in regna caelorum.^) His consiliis subulci tni^) 
pastoribus nostris ditiores sunt et hirci plurimas secum capras^) 
trahunt. „Equi insanientes in feminas facti sunt",^) statim, ufe 
mulieres viderint, adhinniunt et impatientiam suam, proh nefas, 
Soripturarum solantur exemplis.^ Sed et ipsae mulierculae 
miserae et non miserabiles®) praeceptoris sui verba cantantes: 
Quid enim nisi semen requirit Deus?») non solum padicitiam, 
sed etiam verecundiam perdiderunt, majorique procaoitate defen- 
dunt libidinem, quam ezercent. Habes praeterea in exercita 
plures succenturiatos, habes scurras et velites in praesidiis, crassos, 



nach den obigen Aueftihningen (zum dritten Satz) auch nicht die geringste 
Veranlassung gegeben hat. Gerade dieser Passus zeugt von der bodenlosen 
Verlogenheit des fanatischen AfOncbs von Bethlehem. 

1) Ebenso unwahr ist die Beziehung, in welche Hieronymus den ersten 
und zweiten Satz des Jovinian setzt. Nirgends haben wir in den Worten 
des letzteren einen Anbaltppunkt f&r die Behauptung: der getaufte Mensch 
dürfe sich der fleischlichen Sicherheit ergeben. 

2) Dieser Satz scheint in irgend einer ähnlichen Form sich bei Jo- 
vinian gefunden zu haben — ein Beweis, dass Hieronymus den zweiten 
Jovinianschen Satz viel zu kurz behandelt hat. Offenbar hatte er an ihm 
nicht alles verstanden. Jedenfalls hat Jovinian die poenitentia und die 
fides viel tiefer aufgefasst, als sein kirchlicher Gegner und — dann hat der 
obige Satz nichts AnstOssiges. 

3) Der vierte Satz Jovinians ist hier verhältnismässig wahrheitsgetreu 
wiedergegeben. 

4) d. h. seine Gehftfen (Agenten). 

5) d. i. das Weibervolk. 

6) Jerem. 5,8. 

7) Mit Beziehung auf den reichhaltigen Schriftbeweis, mit welchem 
Jovinian in seinen Schriften und Vorträgen operierte. 

8] Aus Ovid: ^^Sisque miser semper, nee sis miserabiüs ulli." 
9) Sicherlich keine Losung des Jovinian, sondern eine bösartige von 
Hieronymus gebildete Paraphrase aus dem von Jovinian citierten Schrift- 
wort: „Crescite et multiplicamini et replete terram'^ (siehe § 4 u. 5). . 



n. Zengniflse Über Jovinians Leben und Schriften. 45 

comtoB,^) nitidoB, clamaiores, qui te pugnis calcibusque defen- 
dantb^) Tibi cednnt de vianobiles, tibi osculantur diyites Caput') 
Nisi enim ta yenisses, ebrii atque ructantes paradisum intiare 
non poterant. Macte virtute, immo tüüs, habes in castris tuis 
et Amazonas exerta mamma et nndo brachio et genu venientes 
contra se riros ad pugnam libidinum provocantes. Et qnia opu- 
lentas paterfamilias ^) es, in avariis tuis non turtures, sed upupae 
nutrinntur, quae tota foetidae Yoluptatis lustra circumvolent ^) 
Me carpe, me disjice, objice crimina quae Yolueris, argue luxuriae 
et delicianun! Magis me amabis, si talis fuero, ero enim de 
armento tuo. 

§ 40. 

n, 38: Sed ad te loquar, quae scriptam in fronte blaspbe- 
miam^ Christi confessione delesti. ürbs potens, urbs orbis do- 
mina, urbs ApostoU voce laudata,^ inteipretare vocabulum tuum! 
„Roma^ aut ,,fortitudinis" nomen est apud Graecos aut „subli- 
mitatis" juxta Hebraeos.^) Serva quod diceris; yirtus^) te excel- 
sam faciat, non Toluptas bumilem. Maledictionem quam tibi Sal- 
yator in Apocalypsi comminatus est ^^) potes effugere per poeni- 
tentiam habens exemplum Ninivitarum.^^) Cave JoYiniani nomen, 
qood de idolo ^^) derivatum est. Squallet Capitolium, templa Jovis 
et caeremoniae conciderunt. Cur vocabulum ejus et vitia apud 



1) al oompontoB. 

2) Kurz: Die Lebemänner Roms werden aU das Gefolge Jovinians 
beseichnet. 

3) Hienach hatte Jovinian grosse Sympathien unter der Aristo- 
kratie Roms. 

4) Vater im bildlichen Sinne. Denn Jovinian war nicht verheiratet 
(siehe zu § 35). 

5) Hienach müsste die Gefolgschaft Jovinians die nnsaubersten Ele- 
mente der Grossstadt in sich vereinigt haben. 

6) Apoc 13, 1. 

7) Rom. i, 8. 

8) Weil das griechische Wort QWfiij -» robar, das hebräische rva^ «> 
snblimitas bedeuten soll. 

9) Weil virtos in dem Namen QOffiTj liegen soll. 

10) Apoc. 17—19. 

11) Jon. 3. 

12) sc. de Jove. 



46 Haller, Jovinianiis. 

te yigeantP ^) Adhuc sab regibus et sub Numa Pompilio iaoilius 
In^jore^ tui Pythi^orae contmentiam, ^) quam sab consnUboB 
Epicuri luxariam suscepenint. 

§41. 

EpistoUb XLVin seu Liber JpalogeHcus ad PammcuMum pro Uhris 

contra Jövmianum.^) 

1. Quod ad te bucasque non scripsi, causa fuit silentium 
tuum. Yerebar enim, ne si tacenti soriberem, molestom me magis 
quam of&ciosum putares. Nunc autem proyocatus dulcissimis 
literis tuis, et hujuscemodi literis, quae me ad philosophiam nostri 
dogmatis proyocarent et condiscipulum quondam et sodalem et 
amicum^) obviis, ut ajunt, manibus excipio; defensoremque meo* 



1) Nemlich, wenn Jovinians (bezw. Jupiten) Name und Laster in 
Rom Eingang fBnden, dann würde der alte Götaendienrt aufleben, 

2} Yallarsi bemerkt biezu: At non ipsam Pytbagorae personam beic 
abe Hieronymo indicari ego sentio, ut de ^ns ael&te dispntare neoease dti 
ant alium eognominem comminisci, sed ntique doctrinam, quae scriptis 
sQpererat, foitqne Numae acceptissima. ße ipea de libris Pythagoricit in 
Nnniae lepnloro repertis loqmintnr liviuB 40, 29. Plinins 13, 13. LaetantiaB 
1,22. August de dvit Dei 8,5. Aurelius Victor de vir. ill. 3 atqne aliL 

3) Diese Scbrift des Hieronymus steht bei Yallarsi in der 3. Abteilung 
der Briefe, quas Hieronymus ab anno 386 e Bethleemi monasterio scripdt 
usque ad saeculi quarti finem, damnatumque in Alexandrina Synodo Ozi- 
genem anno 400". Des N&heren wird der vorliegende Brief von Vallani 
in das Jahr 393, oder zu Anfang des J. 394 datiert — und zwar mit Be- 
rufung auf die schon oben citierte Stelle des Hieronymus in seinem Kom- 
mentar zum Propheten Jona: Triennium circiter fluzit postquam quinq«« 
Prophetas interpretatns snm, Micheam, Naam, Abacuo, Sophoniam, Hagaeum 
et alio opere detentus, non potui implere quod ceperam. Soripei enim 
librum de Illnstribus viris (392) et adversum Joviniannm duo volumina 
(392); Apohgeticum quoque et de opiimo genere trUerpretandi ad Pam» 
machnim et ad Nepotianum yel de Nepotiano dnos libros et alia quae 
enumerare longum est. Die ganze Situation bringt es mit sich, dass der 
Brief an Pammachius innerhalb Jahresfrist nach dem polemischen Werk 
gegen Jovinian erfolgte. 

4) Pammachius war demnach ein Jugendfreund und Mitschüler des 
Hieronymus, ein edler und gelehrter Herr, eifrig im Schriftstndium, beim 
Papst hochgeschätzt (ad Pammach. ep. 49), war der Schwiegersohn der 
Paula, der Gatte der Paulina (f 397), ergab sich nach dem Tode der Gattin 



IL Zeugnisse Aber JoTiniuiB Leben und Schriften. 47 

mm opnsouloram paro: iia tarnen si ante te placaiam judioem 
habnero; ünmo si oratorem menm snper omnibns quae in me 
aigaontnr, instroxero. Hoc enim et Tullius tans et ante iUom 
in brevi et solo Yokunine scripsit Antonius, prinuun causam esse 
Tietoriae, diligenter causam, pro qua dicturus es, disoere.^) 

§ 42. 

daselbst c. 2. Reprehmdunt me quidam, quod in libris, quos 
adversus JoTinianum scripsi, nimius fuerim vel in laude virginum 
Tel in sugiDatione nuptarum; et ajunt, condemnationem quodam- 
modo esse matrimonü, in tantum pudicitiam praedicare, ut nulla 
Tideatnr inter uxorem et virginem comparatio derelinqui.^) Ego 
si bene problematis memini, inter Jovinianum et nos ista con- 
tea&o est, quod Qle exaequet virginitati nuptias, nos subjiciamus; 



dem mOaehifirfien Leben und yennachte sein YexmOgen den Armen (ad 
Pammach. ep. 66). Anch grflndete er in Gemeinschaft mit der Fabiola ein 
Xenodochinm in Portn Romano (ad Oceannm ep. 77), wie er überhaupt in 
Rom betw. im Abendland der eifrigste Agent der morgenlftndischen Askese 
Kein Wonder, dass dem Hieronymns anf das urteil dieses einflnss- 
Gesinnnngsgenossen sehr viel ankam, um so mehr, als Tiel* 
leicht gerade anf seine Initiative hin die römische Verdammang des Jo- 
▼inian erfolgte. 

1) Cicero de oratove lib. I. Tollins sagt nemlich: Marens Antonius, 
od Tel primae eloqnentiae laudes patmm nostrormn tribuebat aetae, vir 
natmm peraontos et pmdens in eo libro, qnem nnum reliqnit. 

2) Das war also der Eindruck, den seine Bücher adv. Jovinianum in 
weiten Kreisen der abendl&ndisehen Kirche machten. Auch ein Pammachins 
kennte demselben sich nicht ganis enteiehen nnd mnsste — trete aller Be- 
geistemng für das asketische Ideal — zügeben, dass Hieronymns in be- 
dsnküeher Weise das Mass des Erlaobten überschritten hatte. Man fand 
in den Schriften des Heiligen einen gef&hrlichen Angriff auf die hochge- 
edi&tste Instiiation der Ehe. Bei aller Kormption, welche das damalige 
PumUenleben vergiftet hatte, hatte doch der Abendländer eine natürliche 
Achtung vor jener Gottesordnung, auf welcher alles nationale Glück mhte. 
Wir haben in dieser Nachricht ein Überaus wertvolles Zeugnis für das noch 
Dicht vernichtete NatorgefÜhl, den „gesunden Sinn*' der abendl&ndisohen 
Quistai. Das hat sich freilich bald ge&ndert. Das Überhandnehmen der 
MDneherei — und nicht snletst die Erbsflndenlehre Augnstins — haben den 
letsten Bert jeoaes gesunden ffinnes zerstört: die Ehe verfiel der allgemeinen 
Geringschfttzung. und daran konnte auch nicht die Lehre von dem Ehe- 
Sakrament etwas bessern. 



48 Haller, Jovinianns. 

Ule vel parum vel nihil, nos multum iuteresse dicamus. Denique 
iccirco te post Dominum faciente ^) damnatus est, quod ausos sit 
perpetuae castitati matrimoniom comparare. Aut si idipsam virgo 
putator et nupta, cor piaculom vocis hujus Roma aadire non 
potuit? Virgo a viro, non vir a virgine generatur. Medium esse 
nihil potest: aut mea sententia sequenda est, aut Joviniani Si 
reprehendor quod nuptias virginitati subjicio, laudetur ipse qui 
comparat Si autem damnatus est, qui aequales putabat, dam- 
natio ejus mei operis testimonium sit.^) Si saeculi homines in- 
dignantur in minori gradu se esse quam yirgines, miror Clericos 
et Monachos et continentes id non laudare quod faciuni Castrant 
se ab uxoribus suis, ut imitentur virginum castitatem et id ipsum 
Yolunt esse maritatas quod yirgines?^) Aut jungantur itaque 
uxoribus suis, quibus renunciaverant; aut si se abstinuerint, etiam 
tacentes confitebuntur melius esse, quod nuptiarum operi praetu- 
lerunt.'*) An ego rudis in Scripturis et nunc primum sacra Volu- 
mina legens, lineam et, ut ita dicam, tenue dicendi filum inter 
yirginitatem et nuptias servare non potui? Yidelicet nesciebam 
dictum: «Noli esse justus multum;"^) et dum unum latus protego, 
in altero vulneratus sum: atque, ut manifestius loquar, dum contra 
Jovinianum presse gradu pugno, a Manicbaeo teif^a mea confossa 



1) te post Dominum faciente: nach dem Herrn ist Jovinian haupt- 
sächlich auf des Pammachins Betreiben verdammt worden. Obwohl er zu 
jener Zeit noch nicht Mitglied des römischen Klerus war, (auch nicht sein 
konnte, da er noch verheiratet war), galt er doch beim p&psüichen Hof 
wegen seiner Gelehrsamkeit und seines Adels sehr viel (ad Pammaclu ep. 49). 
Pie Anklage des Jovinian scheint auf Denunziation von Seiten des Pam- 
machius erfolgt zu sein. 

2) Hieronymus stellt sich einfach auf den Rechts- Status: mit der Ver- 
dammung des Jovinian sei er und sein Werk gerechtfertigt 

3) Also nicht einmal beim Klerus und den MOnchen &nd das Werk 
des Hieronymus ungeteilte Anerkennung! — ein bedeutsames und zugleich 
Künstiges Zeichen für den relativ gesunden Sinn, den sich selbst solche 
Kreise noch bewahrt hatten, ehe die morgenländische Anschauung zum 
völligen Durchbruch im Abendland gelangt war. 

4) Diese Alternative hat, wie wir oben gesehen haben, Hieronymus 
auch seinem Gegner Jovinian gestellt, der trotz seiner freieren und wahr- 
haft evangelischen Anschauung Aber den Ehestand sich nicht zur Yer* 
heiratung entschliessen konnte 

5) Eccl. 7, 17. 



EL Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. 49 

suntb Nonne, quaeso, statim in principio operis mei ista prae- 
fatns suQi? *) 

§ 43. 

Daselbst 2) 9. Erubescat calumniator meus,^) dicens me prima 
damnare matrimonia, quando legit: ,,Non damno digamos et tri- 
gamos et si dici potest octogamos" ^) 

11. Ecclesia matrimonia non damnat, sed subjicit. Velitis, 
nolitis, maritus subjicitur virginitati et viduitati, Ecclesia nuptias, 
sed nuptias in suo opere permanentes subjicit, non damnat, nee 
abjicit, sed dispensat. In potestate vestra est, si velitis secundum 
pndicitiae gradum scandere. Quid indignamini, si in tertio stantes, 
nolitis ad superiora properare? ^) • . . . . 

12. Si rusticani homines et vel rhetoricae vel dialecticae 
artis ignari detraberent mihi, tribuerem veniam imperitiae nee 
accusationem reprehenderem, ubi non voluntatem in culpa ceme- 
rem, sed ignorantiam. Nunc vero quum diserti homines et libe- 
ralibus studiis eruditi^) magis velint laedere, quam intelligere, 
breviter a me responsum habeant, corrigere eos debere peccata, 
non reprehendere 

13. Legimus, eruditissimi viri,^) in scholis pariter et Aristo- 
telea illa vel de Gorgiae fontibus manantia simul didicimus, plura 



1) Folgt die Stelle ans adv. Jovin. 1, 3 (s. § 2). 

2) Der Inhalt der Yerteidigangsschrift beschränkt sich in der Haupt- 
sache darauf, dass Hieronymus nachzuweisen versucht, wie er in der Er- 
klärung von I. Kor. 7 sich genau an die Worte des Apostels anlehnend 
gar nichts geschrieben habe, was irgendwie im manichSJscfaen Sinne als 
eine Verdammung der Ehe lauten könnte. 

3) Wir dflrfen mit Grund annehmen, dass dieser calumniator ein ganz 
bestimmter Gegner war — nicht aas Jovinianschen Kreisen — sondern 
ans dem Schosse der rOmischen Gemeinde und zwar, dass es derselbe 
Gegner ist, den er in dem Briefe an Domnio so scharf verurteilt (s. unten). 

4} adv. Jovin. 1, 15. 

5) So lautet — nach Hieronymus — die offizielle Lehre der da- 
maligen katholischen Kirche. 

6) Somit hatte Hieronymus mit seinem Werk Widerspruch unter dem 
gelehrten Publikum gefunden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass er auch 
unter den diserti homines et liberalibus studiis eruditi den Adressaten, den 
gelehrten Pammachius, meint (vgl. § 41). 

7) al. eruditissime vir (sc. Pammachius). 

Texte n. Uniersnchiugen N. F. II, 2. 4. 



50 Haller, Jo?inianu8. 

esse videlicet genera dicendi: et inter caetera aliud esse yvfiva- 
CrixAq scribere aliud öoyfiarixcig, ^) In priori vagam esse dispa- 
tatiouem; et adversario respondentem nunc haec, nunc illa pro- 
ponere. Argumentari ut libet, aliud loqui, aliud agere; panem, 
ut dicitur, ostendere, lapidem teuere. 

14. Indignamini mihi, quod Jovinianum non docuerini sed 
yicerim. Immo indignantur mihi, qui illum anathematizatum 
dolent,^) et quum laudent quod sunt accusant quod esse se 
Simulant Quasi vero rogandus foerit, ut mihi cederet, et non 
invitus ac repugnans in veritatis yincula ducendus.^) 

19. Veniam et ad illum locum in quo arguor, quare dixerim 
dumtaxat juxta hebraicam yeritatem, in die secundo non additum 
sicut in primo et in tertio et reliquis: «Vidit Dens quia bonum 
est;^ statimque subjecerim: Nobis intelligentiam derelinqui, non 
esse bonum duplicem numerum, qui ab unione dividat et prae- 
figuret foedera nuptiarum.^) 

20. Grande piaculum, eversae sunt ecclesiae, orbis audire 



1) Er, HieronymuB, habe in der Polemik selbstverBtändlich die erste 
Redeweise geführt. Hiebei sei es selbstverständlich, dass man mehr das 
Negative hervorkehre. Das finde sich auch bei den andern griechischen 
und lateinischen Schriftstellern, ohne dass jemand daran absonderlichen 
Anstoss nehme. Nur ihm werde mit ungleichem und ungerechtem Masse 
gemessen. 

2) Man war sowohl mit der Kampfesweise des Hieronymus als auch 
mit der Verdammung Jovinians nicht einverstanden. Die Hierarchie befand 
sich in einem Gegensatz zu der öffentlichen Meinung. Sie hat nicht dem 
Willen des Volks, sondern mehr einer fanatisch-asketischen Partei gedient 
Ja, nicht einmal die Asketen billigten das kategorische Verfahren gegen 
Joviniau. 

3) Im Folgenden sucht Hieronymus den Beweis zu erbringen für die 
Behauptung, dass er nur als Dolmetscher der Apostel, insbesondere des 
Apostels Paulus geschrieben habe. Im Obrigen gehe er genau in den Fusa- 
stapfen der hervorragenden Lehrer der Kirche. 

4) Mit Recht hatten Pammachius und Genossen die lächerliche Alle- 
gorie aus dem zweiten Schöpfungstage verworfen. Wir sehen, dass man 
sich in den urteilsfähigen Kreisen Roms nicht nur mit einer allgemeinen 
Kritik des Werkes adv. Jovin. befasste, sondern dass man einzelne Punkte 
aus demselben zum Gegenstand der Kritik machte. Domnio hat diese 
bedenklichen Stellen zusammengestellt und dem Hieronymus zur Recht- 
fertigung vorgelegt. — Hieronymus bleibt auch in diesem Punkt bei seiner 
früheren Meinung und beruft sich auf den Vorgang anderer Kirchenlehrer. 



n. Zeugnisse über Jovinians Leben nnd Schriften. 5j[ 

non potest, si mundiorem virginitatem dudmus esse quam nuptias, 
si parem numeram impari subjecimus, et Veteris TestameDti 
tjrpos Eyangelicae veritati profecisse monstravimus.^) Cetera quae 
in libro nostro reprehensa sant,^) vel leyiora puto vel ad eomdem 
sensam peitinentia, unde ad ea respondere nolui, ne libelli ezce- 
derem magnitudinem et tuo viderer ingenio diffidere, quem pa- 
tronum causae meae ante habui quam rogarem. Igitur hoc 
extrema voce protestor, me nee damnasse nuptias nee damnare.^) 



§44. 

Epistola XLIX, ad Pammachium.^) 

2. De opusculis meis ^) contra Jovinianum, quod et prudenter 
et amanter feceris, ezemplaria subtrahendo, ®) optime novi. Sed 



1) Mit Bezug auf die ?orau8gegangene Allegorie aus dem zweiten 
Schöpfungstage. 

2} So ist also eine ganze Anzahl von Punkten in seinem Werke an- 
gefochten worden. 

3) Der Schinss c 21 enthält eine rhetorische Par&nese zur Nachahmung 
des JQDgfr&ulichen Lebens Christi, der Maria und der Heiligen. Eine An- 
spielung auf Jovinian enthalten die Worte: Volum us opipare comedere, 
oxorum adhaerere complexibus, et in numero virginum et viduarum regnare 
cum Christo. Idem ergo habebit fames praemium et ingluvies, sordes et 
monditiae, saccus et sericum? Nein! Nimmermehr! Denn Lazarus und. der 
reiche Mann sind an verschiedene Orte gekommen. In nostro arbitrio est, 
vel Lazarum sequi vel divitem. 

4) Dieser kleine Brief ist ein Begleitschreiben zu dem vorhergehenden 
Apologeticus, also zu gleicher Zeit (393 od. init. 394) geschrieben, macht 
den Eindruck eines Nachtrags. Vielleicht desshalb geschrieben, weil Hierony- 
mus unmittelbar vor Absendung des Apologeticus erfahren hatte, dass Pam- 
machiuB in guter Absicht und aus freundschaftlicher Fürsorge die Exem- 
plare der libri adv. Jovin. zurückgezogen hatte, um weiteren Ärgernissen, 
welche sie angerichtet hatten, zu steuern. Auch will er seinem Freunde 
zu der bevorstehenden Aufnahme in den Klerus gratulieren — was er oö'en- 
bar auch erst nachträglich erfahren hatte. Ausserdem folgen zum Schluss 
einige Studien -Ratschl&ge für den Freund. 

5) opusculis — so nennt Hieronymus aus Bescheidenheit seine Bücher 
adv. Jovin. 

6) Pammachius hat die Exemplare des Eieronymus zurückgezogen. 
Befremdlich scheint uns das Urteil prudenter. Somit hat doch auch Hie- 

4* 



52 Haller, Jovinianns. 

nihil profait ista diligentia,^) quum aliquanti ex Urbe Yenientes 
mihi eadem lectitarent, quae se Romae ezcepisse referebant. In 
hac quoque provincia jam libri fuerant divulgati,*^) et nt ipse 
legisti, „nescit vox missa reverti'' ^) Non sum tantae felicitatis, 
quantae plerique hujus temporis tractatores, nt nugas meas^) 
qnando volnerim emendare possim. Statim nt aliqnid scripsero 
ant amatores mei aut invidi diverso qnidem stndio sed pari cer- 
tamine in yulgus nostra disseminant, et vel in lande vel in yita- 
peratione nimii sunt, non merituro stili sed suum stomachum 
sequentes.^) Itaque quod solum facere potui, cbtoJioYerixov^) 
ipsins operis tibi jtQoöegxDPfjöa; quem quum legeris, ipse pro 
nobis caeteris satisfacies, aut si tu quoque narem contrazeris, 
illam Apostoli ytegixojii^v, in qua de virginitate et nuptiis dis- 
putat disserere compelleris.'') 



ronymus eingesehen, das Manches in seinen Schriften miss verständlich und 
geeignet war, Ärgernis zu erregen oder gar seine Bechtgläubigkeit in 
Frage zu stellen. Weil Pammachius das letztere seinem Freunde ersparen 
wollte, sieht es Hieronymus als einen Fi*eundes- und Liebesdienst (amanter) 
an. — Aus der Handlungsweise des Pammachius sieht man deutlich, welche 
Erregung und wieviel Befremden die Bücher adv. Jovinian. in Rom her- 
vorgerufen haben. 

1) Pammachius war aber mit seiner Vorsicht zu spät gekommen. Die 
Bücher waren schon so weit verbreitet, dass rGmische Pilger in Palästina 
erzählten, was sie in Rom gelesen hatten. 

* 2) Auch im Morgenlande, speziell Pal&etina, waren sie allgemein be- 
kannt, freilich ohne dass sie Ärgernis erregten. Das Morgenland, die 
Geburtsstätte der Askese und des Mönchtums war für solche abnorme 
Speise empfänglicher als das Abendland, in welchem die MGncherei immer 
noch eine befremdliche, ungewohnte Sache war. 

3) Horat ars poetica V, 390. 

4) nugae meae — aus Bescheidenheit, wie oben opuscula. 

5) Mit renommierender Selbstgefälligkeit erzählt Hieronymus, wie 
man sich um seine Schriften in Freundes- und Feindeskreisen reisse. 

6) Ist die vorausgehende Verteidigungsschrift. 

7) Hieronymus ist nicht ganz sicher, ob er mit seinem liber apolo- 
geticus den Pammachius vollständig und nach allen Seiten überzeugen 
werde. — Im Folgenden bittet Hieronymus den Pammachius, er möge die 
Worte des Apostels Paulus recht genau erwägen — und dann werde er 
finden, dass er viel milder sich Über die Verehelichten auegedrückt habe, 
als Paulus und als die bewährten Kirchenlehrer. 



n. Zeugnisse fiber JoTinians Leben und Schriften. 53 

§ 45. 

Epistola L. ad DonmionemJ) p. 236 ff. 

1. Literae tuae et amorem pariter sonant et querelam. Amo- 
rem iuum quo sedulo monens etiam quae tata sunt in nobis 
pertimescis;^ querelam eorum qui non amant et quaerentes oc- 
casionem in peccatis garriunt adversus fratrem suum et contra 
filium matris^ suae ponunt scandalum. Scribis enim eos, immo 



1) DomniOy von Rnfinns (Apol. U, 9) beatae memoriae senex genannt, 
war ein Vertrauter des Hieronymus, ein intimer Freund, bei dem der Heilige 
seine Bflcher deponierte vgl. epist. ad Desideriom (anno 393): Quod si 
exemplaria libuerit matuari, vel a sancta Marcella, quae manet in Aventino, 
vel a Lot temporis nostri, Domnione, viro sanctissimo, Eiccipere poteris. — 
Domnio hatte nun den Freund benachrichtigt, dass seine Schriften gegen 
Jovinian Ärgernis erregten und dass besonders ein Widersacher in gans 
hervorragendem Masse gegen sie auftrete und agitiere. Man hat schon 
vermutet, dass dieser Anonymus, den Hieronymus mit tiefstem Hass traktiert, 
kein geringerer als Bufinus sei, wesshalb auch Hieronymus seinen Namen 
nicht nenne. Man berief sich dabei auf eine Stelle aus Rufin selbst. Dort 
(Apol. 11,9) heisst es: Cum libellos ejus quos ad versus Jovinianum scripsit 
et reprehendisset quidam (al. reprehendissem cuidam), Domnioni beatae 
memoriae seni, qui sibi hoc ipsum indicaverat, iste rescribens excusat et 
dicii: Nullo genere potuisse fieri se errasse, hominem, qui omnium haberet 
scientiam. Cum ergo enumerasset vel syllogismorum genera vel discendi 
ac scribendi artes, quas videlicet ille qui eum reprehenderat ignoraret, 
oontinuo haec subjungit: „Stultus, inquit, ego, qui me putaverim hoc abs- 
que philosophis scire non posse (folgt ein Citat aus dem vor- 
liegenden Brief, s. unten). Indem man statt reprehendisset quidam — 
reprehendissem cuidam ... las, so meinte man, Bufinus gebe sich hier 
selbst als den Anonymus an, welcher von Hieronymus in dem Brief an 
Domnio bek&mpft wurde. Schon der Mauriner Martianäus bemerkt hiezu: 
Non legas cum imperitis librariis „reprehendissem'^ in prima persona, sed 
in tertia ,.reprehendis8et quidam^^ De alio enim, non de se ipso loquitur 
BofinuB, nt ex verbis consequentibus manifestum est*'. — Der Brief an 
Domnio ist kurz nach dem vorigen verfasst, also etwa zu Anfang des 
J. 394. 

2) pertimeacis — Der ehrwürdige Domnio war um die Rechtgläubig- 
keit und Straflosigkeit seines Freundes Hieronymus ängstlich besorgt. Denn 
das Ärgernis, das sein Werk adv. Jovin. machte, war gross und hatte die 
weitesten Kreise erfasst. 

3) matris suae — die Kirche, die gemeinsame Mutter von Hieronymus 
and seinen Gegnern. 



54 Haller, Jovinianns. 

nescio quem de trivio, de compitis, de plateis circumforaneum 
monachum rumigerulum, rabulam, yafrum tantum ad detrahen- 
dum, qui per trabem oculi sui festucam alterius nitatur eruere, 
coDcionari adversum me et libros, quos contra Joyinianum scripsi, 
canino deute rodere, lacerare, convellere.^) Hunc Dialecticum 
urbis vestrae et Plautinae ^) familiae columeu non legisse quidem 
xarriyoglaq Aristotelis, non jcegl iQfitjvelag (al. non rojnxa), non 
avaXvTixa, non saltem Giceronis TOjrot?^,') sed per imperitorum 
circulos, muliercularumque övfixoöia syllogismos äövXXoyiörovg 
texere et quasi sophismata nostra callida argumentatione dis- 
solvere. ^) 

1) So gross und stark anch der Heilige von Bethlehem in der Be- 
schimpfang seiner Gegner war, so ist doch vOllig ansgeschlossen , dass er 
seinen Freund Rufin, den gleichaltrigen würdigen und berQhxnten Gelehrten 
einen Pflastertreter, Neuigkeitekrämer, Marktschreier und Eoksteher u. dgl. 
tituliert Ganz abgesehen davon, dass Rufinus im J. 394 (bis 397) noch 
^m ölberg weilte. 

2) Plautns, ein bekannter KomOdien dichter, starb 80 Jahre vor Ciceros 
Geburt. — Rufinus hatte nichts von einem Komödianten an sich. 

3} Seinem anonymen Gegner spricht Hieronymus jede philosophische 
Schulung ab, wss er von seinem Jugendfreund und Studiengenossen Rufin 
nie hätte sagen können und dürfen. 

4) Der Anonymus machte es sich zur Aufgabe, die Bücher des Hie- 
ronymus gegen Jovinian in Versammlungen, speziell in Damen-Cirkeln zu 
widerlegen — namentlich auch nach der Richtung hin, dass er die Eon- 
sequenzen aufdeckte, zu welchen die gefährlichen asketischen Grundsätze 
des Heiligen fahren müssen. Damit that er freilich empfindlichen Abbruch, 
nicht nur dem Ansehen des gefeierten Kirchenlehrers, sondern anch der 
Sache des MOnchtums, dessen eifrigster Agent Hieronymus war. Wo aber 
dieser seinen Einfluss gefährdet sah, da kannte er keine Schonung, beim 
einflussreichen Jovinian so wenig, wie bei diesem, offenbar auch mit dem 
glücklichsten Erfolge operierenden Gegner im eigenen katholischen Lager. 
— Im Folgenden führt Hieronymus aus, dass er eigentlich ein Narr gewesen 
sei, wenn er soviel studiert habe. Denn andere Leute gebärden sich ebenso 
gelehrt und gescheit, ohne dass sie auch nur den geringsten Theil seiner 
Schulung und Bildung besitzen. Wie schon erwähnt, kommt Rufin in 
seiner im J. 400 verfassten Apologie (II, 9) auf diese Stelle zu sprechen 
(s. S. 53 Anm. 1). Er weist nach, dass Hieronymus sich hier mit unrecht 
rühme. Denn 1) sei es ein schlechtes Zeichen für ihn. dass er sich durch 
einen Porphyrius, einen Erzfeind des Christentums, in die Wissenschaft ein- 
führen liess; 2) noch schlimmer, dass er dieses heidnische Studium nach 
seiner Bekehrung und Taufe getrieben habe. „Ante enim quam convertere- 
tur mecum pariter et literas Graecas et linguam penitus ignorabat*'. (Auch 



n. Zeugnisse über Jovinians Leben nnd Schriften. 55 

§ 46. 

(Fortsetzung). 2. Inventus est homo absque praeceptore per- 
fectas jtv£Vfiarog>6Qog ^) xal avroölöaxrog, qui eloquentia Tullium, 
argomentis Aristotelem, prudentia Platonem, eruditione 'Aristar- 
chum, multitudine librornm Ghalcenterunii^) Didymam ^) scientia 
Scripturarum omnesque soi iemporis vincat tractatores. Denique 
dicitur materiam poscere et Cameadis ^) aliquid referens in utram- 
que partem, hoc est et pro justitia et contra justitiam disputare. 
Liberatus est mundus a periculo et Haereditariae vel Gentum- 
yirales causae^) de barathro eratae, quod hie forum negligens 
36 ad ecclesiam transtulit. Quis hoc nolente fuisset innoxius? 
quem criminosum non hujus servasset oratio, quum coepisset in 



ans dieser Bemerkong gebt sofort hervor, dass jener Anonymns nimmer* 
mehr Rnfin sein kann; da ja Rufin in hervorragender Weise griechische 
Studien trieb, was er seinem anonymen Widersacher abspricht. Auch hätte 
sich Hieronymus wie er an dieser Stelle thut, gegenüber einem Rufin 
niemals dessen gerühmt, dass er Gregorius von Nazianz und den Didymus 
studiert habe. War doch Rufin bei den griech. Kirchenlehrern mehr zu 
Uavls als ein Hieronymus und war doch seine Lebensaufgabe und sein 
Lebensverdienst, dem lateinischen Abendlande die Übersetzungen der grie- 
chischen Väter zu liefern, ganz abgesehen davon, dass er bei seinem 6jähr. 
Aufenthalt in Ägypten (372 — 378) vor allem den berühmten Didymus 
eifrig hörte.) 

1) Ältere Editionen fügen bei: h'B-sog. 

2) XaXxhxBQoq ist Beiname des berühmten griechischen Gramma- 
tikers, von dem Hieronymus ad Paulam ep. 33 sagt: Graeci Ghalcenterum 
miris efferunt laudibus, quod tantos libros composuerit, quantos quivis 
nofltrum alienos sua manu describere non possit. Er soll nämlich 4000 Bücher 
geschrieben haben, von denen aber kein Einziges auf unsere Zeit ge- 
kommen ist. 

3] Didymus, der Blinde, geb. 308 in Alexandrien, einer der gelehrte- 
sten Üänner seiner Zeit, besonders in der Schriftkenntnis, einer der letzten 
Vorsteher der alexandrin. Ratechetenschule, Lehrer des Hieronymus, des 
Palladins, Evagrius, Isidor v. Pelusium und des Rufinus; f 395. 

4) E^ameades, akademischer Philosoph aus Eyrene, über ihn siehe 
Laert Üb. 4. Plut. u. a 

5) Die Gentumviral-Prozesse betrafen Erbschafts- und Testamentsan- 
gelegenheiten (Gic. de orat. 1, 38. Pro Gaecina 16). — Die Gerichte, will 
Hieronymus sagen, sind von einem nichtswürdigen Advokaten verschont 
geblieben, indem sein Widersacher seine Wirksamkeit der Kirche widmete. 



56 Haller, JovinianuB. 

digitis paitiri causam et syllogismorum suorum retia tenderep 
Nam si applosisset pedem, intendisset oculos, rugasset frontem, 
jactasset manum, barbam tomasset,^) tenebras illico ob oculos 
offadisset judicibus. Nee mirum si me et absentem jam diu ^) et 
absque usu Latinae linguae semigraeculum barbarumque homo 
latinissimus et facundLssimus superet, quum praesentem ^) Jovinia- 
num — Jesu boue, qualem et quantum virum! cujus nemo scripta 
intelligeret, qui sibi tantum caneret et musis^) — eloquentiae 
suae mole oppresserit. 

§47. 

3. Quaeso igitur te, pater carissime, ut moneas eum, ne lo- 
quatur contra propositum suum, ne castitaiem habitu pollicens ^) 
verbis destruat, ne virgo vel continens (ipse enim viderit quid 
esse se jactet) maritatas virginibus comparet et frustra adversus 
hominem dissertissimum ^) tanto tempore ^) digladiatus sit Audio 
praeterea eum libenter virginum et yiduarum cellulas circumire 
et adducto supercilio de sacris inter eas literis philosophari. 
Quid in secreto, quid in cubiculo mulierculas docet? üt hoc 



1) al. verba tornasset vel tonasset. 

2) Hieronymos war noch nicht lange (seit 385) von Rom abwesend. 
Er rechnet aber hier offenbar auch seine erste Abwesenheit (372—382) mit. 

3) An der Verurteilung des Jovinian scheint der Anonymus mitgewirkt 
zu haben, ähnlich wie Pammachius. Dass aber die Sache hier so dar- 
gestellt wird, als ob durch die Beredsamkeit des Anonymus dem Jovinian 
der Hals gebrochen worden sei, ist selbstverständlich nur ironische Über- 
treibung des Heiligen. 

4) Also auch hier die bekannte Geringschätzung der schriftstellerischen 
Fähigkeit des Jovinian (s. oben). „Er habe nur sich und den Musen ge- 
sungen*' — ebenfalls unwahr! Woher Hesse sich der grosse Erfolg Jovi- 
nians, selbst in gut katholischen Kreisen, erklären, wenn er, wie 
Hieronymus sagt, über die KOpfe hinweg gesprochen haben soll? 

5) Der Anonymus, früher Advokat, war also auch Mönch — und scheint 
es geblieben zu sein, ganz so wie Jovinian, dem Hieronymus es auch zur 
Inkonsequenz anrechnet, dass er trotz seiner Aufstellungen Über die Ehe 
dennoch im Gölibat verharrt. 

6) homo dissertissimus — Jovinian, natürlich im satyriscben Sinne. 
7] tanto tempore — Der Anonymus hatte nach dieser Ausgabe 

den Jovinian nicht momentan bekämpft, sondern muss sein langjähriger 
Gegner gewesen sein. 



n. ZengniBse über Joyinians Leben and Schriften. 57 

aciant esae viigines, quod maritatae; ut florem aetatis non negli- 
gant, ut comedant et bibant et balneas adeant, mundicias appe- 
tanty unguenta non spernant? an magis pudicitiam et jejunia et 
illuviem corporis? Utique illa praecipit quae plena virtutis sunt. 
Fateatur ergo publice quod domi loquitur.^) Aut si et domi 
eadem docet quae et publice, a puellarum consortio separandus 
est. Miror autem non erubescere juvenem et monachum, ut sibi 
yidetur, disertum (cujus de ore veneres fluunt, qui tantae in ser- 
moeinando elegantiae est, ut comico sale ac lepore conspersus 
Sit) lustrare nobilium ^) domos, baerere salutationibus matronarum, 
religionem nostram pugnam ?) facere et fidem Christi contentione 
torquere verborum, atque inter haec fratri suo ^) detrahere. Utique 
si errare me arbitratus est (in multis enim offendimus omnes et 
si „quis in verbo non peccat, hie perfectus est vir** *), debuit vel 
arguere, vel interrogare per literas, quod vir eruditas et nobilis 
fecit Pammachius, cui ego djteXoyiaafitjv ut potui et epistola 
disserui longiore/) quo unumquodque sensu dixerim. Imitatus 
saltem fuisset tuam verecundiam, qui ea loca, quae scandalum 
qnibusdam facere videbantur, excerpta de volumine per ordinem 
digessisti poscens ut vel emendarem vel exponerem;^) et non 



1) Der Anonymus scheint besonders in Frauen versanamlangen und 
privaten ZosammenkQnften seine Agitation gegen Hieronymus betrieben 
zn haben. — Die Öffentlichkeit vermied er, soviel es anging. 

2) Seine Agitation betrieb der redegewandte Mönch vornehmlich in 
den Häosem der Aristokratie, ganz so, wie früher Hieronymus bei den vor- 
nehmen Matronen Roms seine Mönchsideen zum Besten gab. 

3) al. paganam facere. 

4) fratri suo seil. Hieronymo. 

5) Jac. 3, 2. 

6) Gemeint sind hier der oben behandelte über apologeticus und der 
ihn begleitende Brief an Pammachius. 

7) Donmio stellte in einem Brief die bedenklichen Stellen aus dem 
Werke des Hieronymus zusammen mit der Bitte sie zu erklSjren und zu 
berichtigen. Nun ist uns nicht bekannt, ob dem Domnio die gewünschte 
Aoskunft erteilt wurde. Denn der vorliegende Brief kann nicht als solche 
gelten, da er sich nur darauf beschränkt, den Anonymus und sein Ver- 
fahren zu verurteilen. Vielleicht ist die Auskunft später erfolgt — oder, 
was wahrscheinlicher ist, hat Hieronymus den Fragesteller auf die für 
Pammachius bestimmte Apologie verwiesen, da die Bedenken beider Männer 
dieselben waren. 



58 Haller, Jovinianus. 

tantae me putasset dementiae, ut in uno atque eodem libro et 
pro nuptiis et contra nuptias scriberem.^) 

§ 48. 

4. Parcat sibi, parcat mihi, parcat nomini Christiano. Mo- 
nachum se esse non loquendo et discursando sed tacendo et 
sedendo noverit.^) Legat Jeremiam, dicentem: ^Bonum est viro, 
quam portaverit jugum ab adolescentia sua. Sedebit solus et 
tacebit, quia tulit super se jugum/* ^) Aut si certe in omnes 
scriptores censoriam accepit virgulam et iccirco se eruditum 
putat, quia Jovinianum solus intelligit *) (est quippe proverbium : 
balbum melius balbi *) verba cognoscere), jtapteg ov ovyyQaq>Blq 
appellamur Attilio ^) judice. Ipse quoque Jovinianus, ov'fyQaq)evq 
dyyQdfifiatog^'^) id ei justissime proclamabit: Quod me damnant 
episcopi, non est ratio, sed conspiratio.^) Nolo mihi ille vel ille 
respondeat, quorum me auctoritas opprimere potest,^) docere non 



1) Die Gegner, der Anonymus voran, liebten es, die lauten Wider- 
sprüche aufzudecken, welche sich in den Aussagen des Hieronymus über die 
Ehe in seinem Werke gegen Jovinian finden. 

2) Das hätte sich auch Hieronymus sagen sollen. 

3] Daraus ist zu schliessen, dass der Anonymus in jugendlichem, 
jedenfalls in mittlerem Alter stand. Hieronymus erachtete es för eine 
Anmassung, dass der jüngere Mönch ihm dem älteren und erfahrenen Ein- 
siedler zu widersprechen wagte. 

4) Der Anonymus wollte Jovinian besser verstanden haben, als Hie- 
ronymus. 

5) Jovinian ist ein balbus in den Augen des Hieronymus. Vgl. oben, 
was dieser über die schwerfällige und unbeholfene Ausdrucksweise seines 
Gegners sagt! 

6) Gemeint ist Attilius Regulus, ein scharfer Gensor um 294 v. Chr. 
Liv. 26,33. 

7) Wo er kann, spottet Hieronymus über die schriftstellerische Un- 
geschicklichkeit Jovinians — und zwar mit der ihm eigenen pedan- 
tischen Beharrlichkeit, die sich in einer seltenen Gehässigkeit und Ver- 
achtung bethätigt. 

8) Hieronymus glaubt, dass der Anonymus den Jovinian in dem Wahn 
bestärken werde: er sei von den Bischöfen ohne vernünftigen Grund, son- 
dern nur durch Verabredung und grundlose Abmachung verurteilt worden. 
Jovinian lebte also noch um 394. 

9) Der Anonymus genoss offenbar grosses Ansehen. Hieraus ist auch 



IL Zeugniflse über JovinianB Leben und Schriften. 59 

potest. Scribat contra me vir, cujus et ego linguam intelligo: ^) 
quem quum vicero, omnes homines simul vicerini. Ego enim 
bene noyi: experto credite, „quantus in clypeum assurgat, quo 
turbine torqueat hastam/^^) Fortis est et in disputando nodosus 
et tenax et qui obliquo et arcuato pugnet capite.^ Saepe de 
nocte usque ad vesperam contra nos in plateis clamavit, habet 
latera et athletarum robur et belle corpulentus est.^) Videtur 
mihi occulte mei dogmatis esse sectator.^) Praeterea numquam 
erubescit, nee considerat quid, sed quantum dicat; et in tantam 
▼enit opinionem eloquentiae, ut soleant dicta ejus cirratorum esse 
dictata.^) Qaoties me iste in circub's stomachari fecit et adduxit 
ad choleram? quoties conspuit et consputus abscessit?^) Sed 
haec Tulgaria sunt et a quolibet de sectatoribus meis possunt 
fieri. Ad libros provoco, ad memoriam in posteros transmitten- 
dam. Loquamur scriptis,^) ut de nobis tacitus lector judicet, ut 
quomodo ego discipulorum gregem ductito, sie ex hujus nomine 
Gnathonici^) vel Phormionici ^^) vocentur. 



erklärlich, waram Hieronymus seinen Namen verschweigt Vielleicht fürch- 
tete er auch dessen Einfluss, wenn er seinen Namen vor der Öffentlichkeit 
bloss stellte. 

1) Hieronymus wünscht, der Anonymus solle mit deutlicher Sprache 
ihn angreifen, damit er ihm darauf Red' und Antwort stehen könne. 

2) Aeneid. 11,283: 

Experto credite, quantns 
In clypeum assurgat, quo turbine torqueat hastam. 

3) Hieronymus kennt den Anonymus recht gut und ist mit dessen 
Disputierkunst recht gut vertraut. 

4) Ijauter Anzeichen einer persönlichen Bekanntschaft. 

5) occulte — weil der Anonymus auch Asket und Mönch war. Es 
ist also reine Oppositionslust, wenn der Anonymus ihn bekämpft. 

6) cirratores — Erausköpfe, elegante Weltmenschen, bei denen die 
Ausspröche des Anonymus als geflügelte Worte kursierten. 

7) Demnach hatte der Anonymus schon früher, als noch Hieronymus 
persönlich seine Agitation fOr das Mönchtum in Rom betrieb, diesem in 
öffentlichen und privaten Kreisen und Versammlungen heftig widerstanden. 

8) Hieronymus fordert seinen Gegner zu einem literarischen Zwei- 
kampf heraus. 

9) Gnatho, der Name eines feigen Schmarozers in den Eunuchen des 
Tercnz, (2, 2, 33) Cic. de amic. 25, 93. Phil. 2, 6, 15. 

10) Fhormio, ein Philosoph zu Ephesus, der den Hannibal über die 
Kriegskunst belehren wollte, Cic. de or. 2, 18, 75. Daher Phormiones Leute, 



gO Haller, Jovinianus« 

§ 49. 

5. Non est grande, mi Domnio, garrire per angulos et me- 
dicorum tabernas ac de mundo ferre sententiam: hie bene dixit, 
ille male; iste Scriptoras novit, ille delirat; iste loquax, ille in- 
fantissimus est.^) Ut de omnibus judieet, cujus hoc judicio 
meruit? Contra quemlibet passim in triviis strepere^) et con- 
gerere maledicta, non crimina, scurarum est et paratorum semper 
ad lites. Moveat manum, figat stilum, commoveat se, et quid- 
quid potest scriptis ostendat.^) Det nobis occasionem respon- 
dendi disertitudini suae. Possum remordere^) si velim, possum 

genuinum laesus infigere^) 

Inter mulierculas ^) sciolus sibi et eloquens yidebatur. Postquam 
Romam mea opuscula ^) pervenerunt, quasi aemulum exhorruit et 
de me quoque captavit gloriam, ut nullus esset in terris, qui non 
ejus eloquentiae displiceret, exceptis his quorum potentiae non 
parcit, sed cedit; immo quos non honorat sed metuit. Voluit 
scilicet homo peritissimus ut veteranus miles uno rotatu gladii 
percutere utrumque,^) et ostendere populis quod quidquid ipse 
vellet) hoc Scriptura sentiret^) Dignetur igitur nobis sermonem 
suum mittere, et non reprehendendo sed docendo garrulitatem 
nostram ^^) corrigere. Tunc intelliget aliam vim fori esse aliam 

welche über Dinge reden, von denen sie nichts yerstehen, ibid. 2, 19,77. 
Ist übrigens auch der Name eines Schmarozers in dem gleichnamigen Stück 
des Terentius. 

1} Hieronymus will hier die selbstbewusste Art der Kritik rügen, 
welche der Anonymus an seinen Gegnern zn üben pflegte. 

2) Wie das obige garrire, so auch dieser Passus eine Wiederholung 
der Auslassungen in c. 1. 

3) Dieselbe Aufforderung wie in c. 4. 

4) al. respondere. 

5) Folgen einige Bibelstellen. 

6) Mit Beziehung auf die DamenkrSnzchen, in welchen der Anonymus 
mit Vorliebe zu verkehren pflegte. 

7) Seine Schriften gegen Jovinian; auch hier wieder aus Bescheiden- 
heit „opuscula'^ 

8) Nämlich den Jovinian und den Hieronymus zugleich. 

9) Hieronymus wirft dem Anonymus Vergewaltigung der Schrift vor, 
welche ganz nach dessen Willkür ausgelegt werde. 

10) garrulitatem nostram — der Anonymus hat offenbar die Geschwätzig- 
keit des Heiligen gegeisselt und dadurch die Empfindlichkeit des selbst- 
geOllligen Greises aufs höchste gereizt. 



n. Zeugnisse Aber Jovinians Leben und Schriften. gx 

tridinii; ^) non aeque inter fusos et ca]atho8 puellarum, ^) et inter 
eraditos viros de divinae legis dogmatibus disputari. Nunc libere 
et impudenter jactat in vulgus et perstrepit: Damnat nuptias;^) 
et inter oteros tumentes, infantium vagitns et lectulos maritoram, 
qnid Apostolus dixerit, tacet, ut me solum in invidiam Tocet. 
Quum autem ad libros venerit et pedem pedi contulerit et vel 
proposuerit aliquid de Scripturis vel audierit proponentem, tnnc 
sodabit, tunc haerebit. Procul Epicurus, longe Aristippus,^) su- 

bnlci non aderunt, foeta scropha non grunniet^) 

Porro si non valt scribere et tantum maledictis agendum putat, 
andiat tot interjacentibas tems, fluctibus, popalis saltem echo 
clamoris mei: Non damno nuptias, non damno conjugium. Et 
ut certius sententiam meam teneat^ volo omnes qui propter noc- 
tumos forsitan metus soli cubitare non possunt, uzores ducere. 

§ 50. 
Contra Vigüantium c. L 2 (Vallarsi U. 387 f. 6) 

Exortus est subito Vigilantius, seu verius Dormitantius, qui 
immundo spiritu pugnet contra Christi spiritum et Martyrum 



1) Ein Sprichwort mit dem Sinn: der wahre Wert einer Sache wird 
ent durch ihren Oebranch erprobt 

2) Wiederum mit Beziehung auf den Damenverkehr des Anonymus. 

3) ,, Damnat nuptias** — das war also die Ketzerei, welche die Gegner 
dem Heiligen von Bethlehem nachsagten. 

4) Auch der Anonymus trotz seines Mönchtnms gehörte nach Biero- 
nymus in die Sorte der Epikuräer und der Schweine. 

5) Folgt ein Citat aus Aeneid. XII, 50 ff. 

6) Die Schrift des Hieronymus gegen Vigilantius ist im Jahre 406 
(nach Tillemont 404), zwei Jahre nach dem Brief an Biparius (No. 109 bei 
Vallarsi) yerfasst worden. Während Hieronymus bei der Abfassung des 
genannten Briefes noch keine Kenntnis von den Schriften des Vigilantius 
hatte, ist ihm nun von dem Mönch Sisinnius im Auftrag der Priester 
Riparins und Deeiderius, deren Diözesen von der neuen Härese bedroht 
waren, ein Traktat des Vigilantius überbracht worden, welchen er mit der 
vorliegenden Schrift, die er in Einer Nacht verfEusst hatte (c. 17), zu wider- 
legen versuchte. An Gemeinheit und Gehässigkeit der Kampfesweiae lässt 
auch dieses Werk des ketzerfressenden Heiligen nichts zu wünschen übrig, 
zumal hier noch eine persönliche Verbitterung, veranlasst durch die An- 
klage des Vigilantius wider die Origenistische Liebhaberei des Gegners, 



52 Haller, Jovinianus. 

neget sepulcra veneranda,^) damnandas dicat'^) esse vigilias^^) 
numquam nisi in Pascha Allelaia cantandum,^) continentiam 
haeresim, pudicitiam libidinis seminarium.^) Et quomodo Eu- 
phorbus^) in Pythagora renatus esse perhibetur, sie in isto Jo- 
viniani^) mens prava surrexit, ut et in illo et in hoc diaboli 



mitgewirkt hat — Für Vigilantius dienen als Quellen ausser der vor- 
liegenden Schrift und dem obengenannten Briefe an Riparius noch ein Brief 
an Vigilantius selbst (Vallarsi 61), die Briefe des Paulinus von Nola, Gren- 
nadius Schrift de vir. illust 35. Literatur: Waleh, Ketzergeschichte III, 
673—704. miemont, M^moires VII, 191—196. 266 ff. Lindner, de Joviniano 
et Vigilantio purioris doctrinae aniesignanis 1840. öilly, Vigilantius and 
his times 1844. W. Schmidt, Vigilantius, sein Verhältnis zum h. Hierony- 
mus und zur Eirchenlehre damaliger Zeit, Münster 1860. H, Schmidt , 
Art. Vigilantius in Herzogs R. E. XVI, 460—464. 

1) Vgl. contra Vigil. c. 4 — 8. ad Riparium 1 — 3. 

2) al. dicit. 

3) vgl. contra Vigil. c. 9. 

4) daselbst. 

5) c. 15. 16. 

6) Euphorbus, Sohn des Panthus, war ein Trojaner, von dem Pytha- 
goras vorgab, dass seine Seele in ihm wieder erschienen seL Vgl. auch 
Tert. de resurr. cam. 1. s. § 39. S. 42. Anm. 4. 

7) Wenn Hieronymus eine Seelenverwandtschaft zwischen Vigilantius 
und dem ehemaligen Jovinian behauptet, so geschieht dies wegen der 
Lehren, welche beide M&nner miteinander teilten. Nach der vorliegenden 
Streitschrift lehrte Vigilantius u. a.: 1) Die Ehelosigkeit des Klerus sei 
unnütz, ja sogar sittlich gefährlich und es sei besser, wenn die Kleriker 
heiraten, statt dass sie in unnatürlicher Weise die Brunst des Fleisches 
unterdrücken (c. 2). Die pudicitia sei ein libidinis seminarinuL 2) Man 
soll das Eigentum selbst gebrauchen und den Ertrag davon allm&hlich an 
die Armen verteilen. Das sei besser, als wenn man, wie die Asketen, auf 
einmal alles verkaufe und alles hingebe. 3) Die Möncherei sei unnatürlich, 
im höchsten Grade thöricht, ja geradezu eine traurige Feigheit. „Wenn 
alle sich entschliessen, in die Einsamkeit zu gehen, wer soll dann Gottes- 
dienst halten, die Leute bekehren und für den Himmel gewinnen? Hoc 
non est pugnare, sed fugere. Sta in acie, adversarüs armatus obsiste, ut 
postquam viceris coroneris. Man sieht also: beide waren einig in dem 
Widerspruch gegen das damalige Asketentum, in welchem sie eine unge- 
sunde und unvernünftige Entstellung des religiös-sittlichen Ideals des 
Christentums verurteilten und verabscheuten. Aber Vigilantius ist dabei 
ganz unabhängig von Jovinian. Wir finden in seinen Ausführungen keinerlei 
Anklänge an Jovinian. Auch scheint er mehr die Peripherie der damaligen 
Religiosität und Sittlichkeit angegriffen zu haben. Grosse Gesichtspunkte, 



IL Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. g3 

respondere cogamur insidiis. Cui jure dicitur: „Semen pessimum, 
para filios tuos occisioni peccatis patris tui.*' ^) Ille BomaDae 
Ecclesiae auctoritate damnatus^) inter phasides aves et cames suillas 
non tarn emisit spiritum, quam eructavit.^) Iste caupo Gala- 
gurritanua et in perversum propter nomen viculi mutus Quin- 
tilianus, ^) miscet aquam vino; et de artificio pristino suae venena 
perfidiae Catholicae fidei sociare conatur, impugnare virginitatem, 
odisse pudicitiam, in convivio saecularium contra Sanctorum 
jejonia ^) proclamare, dum inter phialas philosophatur, et ad pla- 
centas liguriens Psalmorum modulatione mulcetur, ut tantum 



prinzipielle £rorterungen, wie sie der 'geniale Jovinian vortrug, fehlen ihm 
^nzlich. Er ist nur ein Reformator der Missbräuche: der Reliquienver- 
ehmng, des Märtyrerkultus, der nächtlichen Vigilien, des sittenschädlichen 
GOlibats, der unnützen Almosenvergeudung, des sinnlosen Eremitenwesens. 
Aber er ist kein prinzipieller Reformer der damaligen kirchlichen Ent- 
wicklang. 

1) Jes. 14,21. 

2) YgL Siricii ep. 11,4: ut Jovinianus, Auzentius divina sen- 

tentia et nostro judicio in perpetuum damnati extra ecclesiam remanerent; 
siehe Näheres unten. 

3) „Jovinian hat, nachdem er von der römischen Kirche verdammt 
worden war, unter Fasanen- und Schweinebraten seinen Geist nicht sowohl 
aufgegeben als vielmehr ausgespieen." Woher wusste Hieronymus so' genau 
von dem Tode Jovinians? Oder ist diese überaus gemeine Notiz nicht ein 
Produkt seiner Phantasie gewesen? Daran ändert die ganz unsichere 
Nachricht nichts, die uns Qennadius de vir. illust. 75 (s. unten) giebt. 
— Lindner bemerkt (p. 17) zu den Stellen des Hierouymus und Gennadius : 
„Concludere ex his nuntiis livore atque odio refertis, id licet, Jovinianum, 
excossis severioribus vitae monasticae vinculis, liberiorem vitam egisse, 
atque ita denique mortuum esse. Quae enim fuerint istae epulae luxuriosae, 
facile is judicare potent, qui severitatem illorum temporum in eligendis et 
edendis cibis novit'* — Eine andere Frage ist das Datum des Todes Jo- 
vinians. Nach unserer Hieronymus-Stelle war also Jovinian schon vor 406 
verstorben. Wie stimmt das zu einer kaiserlichen Verordnung des Honorius 
ans dem J. 412, welche angeblich den Jovinian (al. Jovian) treffen sollte? 
Darüber siehe unten. 

4) Der berQhmte Rhetor Quintilianus (Lehrer Plinius des Jüngeren) 
stammte ebenfalls aus einer Stadt Galagurris, aber in Spanien, während der 
gleichgenannte Heimatsort des Yigilantius in Gallien lag. 

5) Hiemach hat Yigilantius auch das Fasten angegriffen, worüber 
freilich die nachfolgenden Ausführungen schweigen. Somit hätte man eine 
weitere Abweichung, welche die beiden Häretiker miteinander teilten. 



g4 Haller, Jovinianas. 

inter epalas ^) David et Idithum et Asaph et filiorum Chore 
cantica audire dignetur. 

§ 51. 
DicU. contra Pelagianos,^) Prolog, c. 1 (p. 693 f.) 

Quorum^) sententias et Tullius in Tnsculanis disputationi- 
bus explicat, et Origenes ecciesiasticae veritati in Stromatibus ^) 
suis miscere conatur, ut praeteream Manicbaeum,^)Priscillianum,^) 
Evagrium Iberitam,"^) Jovinianum ®) et totius pene Syriae hae- 
reticos, quos sermone gentili 6uörQafi(i€V(5g Massalianos, Graece 
svxlTag^) Yocant, quorum omnium ista sententia est, posse ad 



1) inter phialas — ad placentae ligariens — inter epulas — also, nach 
Hieronymus, ganz derselbe genusssüchtige Epikorfi/er wie Jovinian. 

2] Der umfangreiche Dialog gegen die Pelagianer ist von Hieronjmns 
gegen Ende des Jahres 415 geschrieben worden, also noch in demselben 
Jahre, in welchem die dem Pelagius so günstige Synode von Jernsalem 
stattgefunden hatte. Voraus geht dem Dialog die denselben Gegenstand 
erörternde epistola ad Ctesiphontem (vgl. Vallarsi II, p. 689->692). 

3) Quorum sc. Stoicorum et Peripateticorum, hoc est yeteris Academiae, 
ista contentio sit quod alii eorum asserant nd^^ quas nos perturbationes 
possumus dicere: aegritudinem , gaudium, spem, timorem eradicari et ex- 
stirpari posse de mentibus hominum; alii frangi eas, regi atque moderari 
et quasi infrenes equos quibusdam lupatis coerceri. 

4) Die verloren gegangenen Stromata des Origenes, nachgebildet denen 
des Clemens, werden an verschiedenen Stellen von Hieronymus erwähnt. 
Die zerstreuten kleinen Fragmente siehe bei ITarfiacÄr, Geschichte der altchristl. 
Litteratur bis Eusebius 1, 383. 

5) Die Manichäer lehrten, dass die electi zur Vollkommenheit gelangen. 

6) Priscillianus wird immer im Zusammenhang mit dem Manich&ismus 
genannt, dem er auch tbatsächlich ergeben war. f 385 in Trier. 

7) al. Hiboritam s. Hjperboritam. Evagrius von Iberis am schwarzen 
Meere, 380 Archidiakonus in Konstantinopel, von 385 an bei den nitrischen 
Mönchen in Ägypten, ist desOrigenismus verdächtig gewesen (ep.adCtesiph.), 
wird aber sonst, besonders von Sokrates und Sozomenos sehr belobt und 
war von Gennadius (de vir. illustr. 11) hoch geschätzt 

8) Dieselbe Gesellschaft wird noch an einer andern Stelle zusammen- 
gestellt: Pythagorae et Zenonis fuisse de ajca&eicc et ava^a^Tijolcc i. e. de 
impassibilitate et impeccantia, quae olim in Origene et dudum in ejus 
discipulis Grunnio, Evagrioque, Pontico et Joviniano jugulata sit (Praef. 
libr. IV Gomment in Jerem. cf. Voss hist. Pelag. V p. 1 antith. 7. p. 492). 

9) Die Massalianer oder Euchiten im vierten Jahrhundert sind eine 
nichtchristliche, mit dem Manichäismus engverwandte Religionsgesellschalt 



II. Zeugnisse Über Jovinians Leben und Schriften. g5 

perfedionem et non dicam ad similitadinem sed aequalitatem 
Dei bumanam virtatem et scientiam perrenire: ^) ita ut asserant 
se ne cogitatione quidem et ignorantia, quum ad consummatioiiis 
cohnen ascenderint, posse peccare.^) 

§ 52. 

Daselbst (Prolog, c. 2) p. 695. Adversnm eos autem, qni me 
dicant hoc opas inflammatam invidiae facibns scribere, breviter 
respondebo, nitmquam me haereticis pepercisse et omni egisse 
studio, ut hostes ecclesiae mei quoque hostes fierent.^) Helyidius 
scripsit contra sanctae Mariae virginitatem perpetuam. Numquid 
nt ei responderem *), ductus invidia sum, quem omnino in came 
non vidi? Jovinianus, cujus nunc haeresis suscitatur ^), Romanam 



in Elemasien und nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen MOnchs- 
banden jener Zeit, welche in znchtlosen Übertreibungen das MOnchtnm 
karikierten. Vallarsi bemerkt hier: Hoc igitar sensu scribit Hieronymus, 
Syriae haereticos gentili sermone, SisarQafXfievüfgf id est perverse, Massa^ 
hanos dici sive orantes, Graece e^hag. Nam cum a radioe nhi, oravit, 
MaBBalianomm nomen deducatnr et ipsi haeretici continuo orarent, per- 
verse orantes S. Doctor vocari ait. 

1) Somit gehört Jovinian sn denjenigen heidnischen und christlichen 
Venrnmgen, welche die Kraft des Menschen flberschätzend ihn der Voll- 
kommeDheit möglich halten. Vgl. die zweite Proposition Jovinians, 
oben § 19f. 

^) ^g^ ^^^ Satz ans Jovinian: a Diabolo non posse subverti (I, 3] 
und den von Jovinian zitierten Johanneischen Spruch: Omnis qui natus 
est ex Deo, peccatum non facit (II, 1). Jedoch hat man kein Recht, aus 
dieser Stelle des Prologs den Schluss zu ziehen, Jovinian habe wirklich 
jegliche Art von Sflnde, anch die Unwissenheit- und Schwachheitssünde 
fftr die Wiedergeborenen in Abrede gestellt Eine solche ungeheuerliche 
Lehre l&sst sich nirgends bei Jovinian nur auch mit einem Grunde der 
Wahrscheinlichkeit vermuten. Hieronjmus — falls er überhaupt nicht hier 
Übertreiben sollte — denkt an alle die genannten Häretiker und an 
die nachher zo bekämpfenden Pelagianer, bei denen ja leicht solche Un- 
vorsichtigkeiten (z. B. bei den Manichäem, Massalianem) vorgekommen 
sein möchten — oder denen die katholischen Gegner in unwahrer Conse- 
quenzmacherei derartiges vorgeworfen haben. 

3) Hieronjmus will hier und im Folgenden sich gegen den Vorwurf, 
als ob er leidenschaftlich und masslos seine Gegner bekämpfe, verteidigen. 

4) Hieronymns schrieb gegen Helvidius im J. 384 die Schrift: ad ver- 
sus Helvidium de perpetoa virginitate b. Mariae (Vallarsi II, 206 — 230). 

5) Dessen Häresie in der Gegenwart auflebt, nämlich im Pelagianis- 
Texte n. Untersachaogen N. F. II, 2. 5 



gg HaUer, Jovinianus. 

fidem me absente turbavit ^) tarn elinguis et sie sermonis putidi ^, 
nt magis misericordia dignus fuerit quam invidia. Uli quoque 
respondi ut potui^), 

§ 53. 

Daselbst III, 1. (p. 781). Gritobulus*): Delectatus smn tuorum 
moltiplicatione sermonum, dequibus scriptum est: «In multiloquio 
noD effugies peccatum"; sed quid ad causam? Gerte hoc fate* 
beris eos, qui Christi baptisma consequuti sunt, non habere 
peccatum^). Et si absque peccato sunt, justos esse. Quumque 



mu8. Wie HieronymnB in Vigilantiue einen Jovinianus redivivus (siehe § 41} 
erkannte, so war fiir ihn auch der Pelagianismus mit seiner Behauptung 
von der möglichen Vollkommenheit des Menschen ein Abkömmling oder 
eine Auffrischung des Jovinianschen Irrtums — obwohl, wie unten nach- 
gewiesen wird, beide in ihren innersten Prinzipien nichts miteinander 
gemein haben. 

1} Also hatte, wie dies auch anderw&rts (s. unten) bezeugt ist, Jovinian 
seinen grössten und nachhaltigsten Erfolg in Rom — und zwar trat er 
erst nach Hieronymus' Abgang dort auf. Hieronymus selbst hat ein Jahr 
nach dem Tode des P. Damasus, im August 385 Rom verlassen. Somit kann 
von einer öffentlichen Wirksamkeit Jovinians vor 385 keine Rede sei. Ebenso 
gewiss ist, dass Hieronjmus keine persönliche Berührung mit seinem Gegner 
hatte, wenn er auch nicht von ihm ausdrücklich (wie von Helvidius) sagt: 
quem omnino in came non vidi. Der ganze Zusammenhang der Stelle 
bringt es mit sich, dass er auch Jovinian nie gesehen hatte, also — nach 
seiner Argumentation — nie gegen ihn inflammatus invidiae facibus sein 
konnte. Auch in seinen anderen Schriften spricht er niemals von einer 
persönlichen Bekanntschaft mit seinem Gegner. 

2) Die Redeweise Jovinians sei so unberedt und geziert gewesen, dass 
er mehr Mitleid als zornige Zurechtweisung verdient habe. Von miseri- 
cordia wird zwar Niemand etwas in den Büchern adv. Jovinian. her- 
ausfühlen. 

3) Nämlich in den beiden Büchern adv. Jovinian. — Im Folgenden 
behauptet Hieronymus, dass er auch gegen Rufinus, Palladius und die 
neueste Häresie (den Pelagianismus) durchaus nicht persönlich aufgebracht 
sei« Um alles Persönliche zu vermeideui habe er auch in der folgenden 
Streitschrift die Pseudonymen Atticus und Critobulus gewählt. 

4} Der Pelagianer. 

5) Vgl. den Satz des Jovinian : adv. Jov. II, 35 : Transivimus ad secun- 
dam partitionem, in qua negat eos, qui tota fide baptisma consequuti sunt, 
deinde posse peccare. — Übrigens hat Pelagius in seinem Glaubensbe- 
kenntnis an den röm. Bischof ausdrüjcklich sich dagegen verwahrt, dass er, 



n. Zeagnisse üb^r Jovinians Leben und Schriften. g7 

semel justi fuerint, si egerint soUicite, posse in sempiternum 
justitiam custodire, ac per hoc omne vitare peccatam. 

AUicus: Non erubescis explosam atque damnatam ^) Jovi- 
niani sententiam sequi? Et ille enim bis testimonüs tuisque 
nititur argumentis; immo tu illius inventa aectaris, in Oriente 
docere desiderans^ quae olim Romae et dudüm in Africa^) con- 
demnata sunt. Lege ergo quid illi responsum sit, et tibi respon- 
som ducito^). In dogmatibus enim et quaestionibus differendis 
non persona sed causa quaerenda est. Et tarnen hoc scito, bap- 
tismum praeterita donare peccata, non futuram servare justitiam, 
quae Labore et industria ac diligentia et semper super omnia 
Dei dementia custoditur, ut nostrum sit rogare, illius tribuere 
quod rogatur; nostrum incipere, illius perficere; nostrum offerre 
quod possumus, illius implere quod non possumus^)! 



wie Angostin oder die Manichäer, behaupte, der Mensch müsse Bündigen, 
sowie auch gegen das andere Extrem des Jovinian, als ob der Wieder- 
geborene mcht sündigen köfme, weil beides die menschliche Freiheit auf- 
hebe (vgl. unten § 74). 

1) explosam atque damnatam bezieht, sich auf die durch die röm. und 
mailändische Synode erlassene Verdammung Jovinians. 

2) Hiemach, könnte vermutet werden, dass Jovinians Lehre auch auf 
euer afxihanischen Synode behandelt worden sei. Wir haben aber keine 
sonstigen Notizen, welche diese Annahme stützen, und so ist die Stelle 
dabin zu erklären, dass die Joviniansche Lehre, wie einstens in Rom, nun 
neuerdings (dudum «= nuper) in der Person des Pelagins und Cälestius auf 
afrikanischen Synoden (im J. 412 u. .413} verdammt worden sei. So auch 
Vallarsi zu dieser Stelle. Lindner bemerkt ähnlich: Hieronymus vero illo 
loco Jovinianum describit Pelagii antecessorem , ejusque sententiam dicit 
Romae et in Afirica damnatam essCi ita, ut illud (Romae) ad Jövinianum, 
hoc (in Africa) ad Pelagium, ejus sectatorem, pluries in Africa damnatum, 
referri oporteat. 

3) Nämlich in den beiden Büchern des Hieronymus adv. Jövinianum. 

4) Die Lehre der Pelagianer über die Taufe und ihre Wirkung war 
eine unsichere und flüssige. Sie lehrten zwar eine Sündenvergebung durch 
die Taufe, aber nicht in dem Sinn, als ob die Taufe die Sünde überhaupt 
tilgt (vgl. Hamack, Dogmengesch. III, S. 182). Heisst es doch in dem 
libell. fid. des Pelagius: „Hominem, si post baptismum lapsus fuerit, per 
poenitentiam credimus posse salvari." Auch Jovinian behauptet nichts der- 
artiges. Er sah in der recht empfangenen Taufe den Beginn eines neuen 
Lebens, das den Einwirkungen der Sündenmacht entzogen ist Voraus- 
gesetzt war also immer bei ihm, dats die Taufe im rechten lebendigen 
Glauben empfiuigen worden ist. 

5* 



58 Haller, JoTixdaBüB. 

§ 54- 
2, Epistola II Siricn Päpae 0. 

Adversus Jovinianum haereiicam, ejusque socios, ab ecclesiae 
unitate removendos. 

Siricius Mediolanensi Ecclesiae^). 

1.^) Optarem semper, fratres carissimi, dilectioDis et pacis 
vestrae Binceritatis ^) gaudia nunciari, ita ut vicissim discurrenti- 
bus literis sospitatis vestrae juvaremur^) indicio: quia noD^)patitiir 



1) Wir geben den Text aus Mansi Gonoiliorum omninm ampliasima 
collectio 1759 Tom. III, p. 663 £f. Die Eapiteleinteilnng entnehmen wir 
dem Coustant. 

2) Coustant Epistolae Romanoram Pontificam 1721 Tom. I, 663 ff. hat 
die Überschrift: Epistola YII Siricii Papae ad diverses episcopos missa 
adversas Jovinianum haereticum ^nsque Bodos ab Eoclesiae unitate remo- 
vendos. Mansi folgt hiebei dem Ambrosins, Coustant dem Isidor Mercator 
(de Script eccles. 3). 

3) Severinus Binius bemerkt bei Mansi zu diesem Brief: Jovinian, yofn 
Mailand vertrieben, sei im 6. Jahr des Pontificats Siricius' (389 od. 390) 
nach Bom gekommen, wo er durch Rede und scriptis a se oommentariis 
sehr viele Katholiken mit seiner Häresie angesteckt habe. Dies habe Pam- 
machiuB, senatorii ordinis vir eximius, zur Kenntnis des Papstes gebrachi. 
Der Papst habe ihn darauf unter Zustimmung seines Presbyteriums ver- 
dammt und habe hiervon die Kirche von Mailand mit diesem Brief be- 
nachrichtigt. Coustant schreibt über die Abfassungszeit: Tempus, quo 
scripta est, ex sequenti expiscari licet. In hac enim Jovinianum ac sodos 
Roma pulsos, Mediolanum ad Theodosium imperatorem confngisse non 
obecuie innuitur. Atqui Theodosins, cum Maximum debellasset, qood aoBo 
386 alii Augusto mense, alii Septembri contigisse volunt, Mediolannm 
primum accessisse didtur: enmque inde anno 389 Idibus Jnniis Romam 
venisse et cum ibi triumphum egisset, Kalendis Septembris Mediolanum 
rediisse historica monimenta fidem feusiunt. Ex quo consequens est, ut haec 
epistola, si ante Theodosü triumphum collocetur, anno 388 labente non sit 
anterior; si post differtur, anni 389 exitum haud multo intervallo anteoe- 
dere censenda sit. Hefele (II, 51) setzt die Synode zu Born in das Jahr 390; 
das Auftreten des Jovinian zu Rom in das Jahr 388. Auch Mansi setet 
fihr den Brief das Jahr 390 an. Lindner: anno 388 ineunte vel 389 ex- 
eunte (p. 15). Vallarsi: 390. 

4) Coustant: sinceritati. 

5) Coustant: juvarentur. Quesnellus: juvaretur. 

6) Coustant: At vero quia non »> allein der alte Feind ULsst uns 
keine Ruhe. 



n. Zengniflse über JoTisians Leben und Schriften. 09 

quietos nos ab incursione sua vaeare hostis antiquus, ab initio 
mendax, inimicaa yeritatia, aemulns hominia, quem ut deciperei, 
se ante decepit ^); pudicitiae adTersarius, luxuriae magister: crude- 
litatibos pascitar, abstinentia puDiendus ^), odit jejunia'), mimstris 
suis *) praedicantibus dum dicit esse superfloa, spem non habeas 
de fatnris, apostoli sententia repercaasos dioeDtis: „Manducenuis 
et bibamuB, cras enim moriemur*^ ^). 

2. infelix aadacia, o desperatae mentis astatia! Jam ü- 
cognitas^) sermo faaeretieorum intra eccleaias canori more ser- 
pebat, nt occupaua pectus, totum bominem praecipitaret in mor- 
tem^). Et nisi dominus Sabaoth laqueum, quem paraverant^), 
dim pisset, scena tanti mali et hjpocrisis publicata^) multorum 
aimplicium corda trazisset in ruinam, quia üacile ad deteriorem 
partem mens humana traducitur, volens magis per spatiosa yoU- 
tare^^, quam per arctae Tiae iter com Labore transire^'). 

§ 55. 

3. Qua de re necessarium satis fuit, dilectissimi mihi, quae 
gesta sunt faic, ad vestram consoientiam cognoscenda mandare, 
ne ignorantia cujuspiam sacerdotis pessimorum bominum ecele- 
siam irrumpentium sub religioso nomine contagio riolaret, sient 
scriptum est, dicente domino: „Multi venient ad vos in vesti- 
mentis ovium, intus autem sunt lupi rapaces. £x fructibus eorum 



1) pndicitiae adversarins und die folgenden Benennungen beziehen sich 
zwar grammatisch immer noch auf den Teufel, sind aber deutliche An- 
fljnelnngen aof Jovinian; vgl. bei Hi^onymus (oben § 35. Anm. 6 S. 36). 

2) al. punitnr. 

3) Mit Beziehong auf den Jovinianschen Satz vom Fasten. 

4) EGeronter sind Jovinian und seine socii gemeint. 

5) l. Cor. 15, 32. 

6) incognitus: will wohl sagen, dass Jovinians Lehre der Kirche ganz 
neu und unerwartet war. 

7) Dies mit Beziehong auf die Schlangenverführung in Gen. 3. 

8) CoQstant: paraverat. 

9) publicata: auf die commentariola Jovinians sich beziehend. 

10) al. spatiosam yiam ambulare. 

11) Mit Bezug auf dae Gleichnis vom breiten und engen Pfad: Mt. 7, 13 f. 
Auch ans dieser Stelle geht deutlich hervor, dass Jovinian mit seiner Lehre 
groflsen Anklang in Rom fiind und der Hierarchie mit seinen Erfolgen 
keinen geringen Schrecken verursachte. 



70 Haller, Jovinianus. 

cognosceüs eos ^)*^ Hi sunt videlicet, qui subtiliter Christianos 
sese jactant,^) ut sub velamento pii nominis gradientes, domum 
orationis ^) ingressi, sennonem serpentinae disputationis effdndant, 
„ut sagittent in obscuro rectos corde^^^), atque yeritatem catho- 
licam vertendo^) ad suae doctrinae rabiem diabolico more tra- 
ducant, atque ovium simplicitatem defraudent. Et quidem mul- 
tarum haeresum malignitatem ab apostolis^ nunc usque didici- 
mus etr experti probavimus; sed nunquam tales canes ecclesiae 
mysterium latratibus fatigarunt, quales nunc subito hostes fidei 
erumpentes, doctrina perfidiae polluta''), cujus ^) sint discipuli, 
verborum fructibus^) prodiderunt. Nam cum alii baeretici sin- 
gula sibi genera quaestionum male intelligendo proposuerint 
convellere atque concerpere de divinis institutionibus; isti non 
babentesvestemnuptialem^^), sauciantes cathoücos, novi ac veteris 
testamehti (ut dixi) continentiam pervertentes, ac spiritu diabolico 
interpretantes ^ ^), illecebroso atque ficto sermone aliquot ^^) Cbristi- 

1) Mt. 7, 15. 16. Der Papst hegt die Besorgnis^ dass wenn er nicht 
von der Verderhlichkeit der neuen H&rese die Bischöfe in Kenntnis setse, 
der Kirche grosser Schaden zustossen könne. Dabei liebt er e?, die Jovini- 
aner als Heuchler zu brandmarken, die unter der Form der Christlichkeit 
schändliche Irrlehren verbreiten. 

2) Quesnellus: pui sub vestinm vilitate, welche Gorrektur Couatant 
mit Recht verwirft, da nach den Aussagen des Hieronymus (1,40) gerade 
das Gegenteil der Fall war. Nicht in asketischer Erscheinung, sondern in 
weltmännischen Formen soll Jovinian in Rom aufgetreten sein. Also kann 
sein christliches Gebahren sich nur auf die doctrina, speziell auf die Schrift- 
begründuDg derselben beziehen. 

3) domum orationis — nicht die Kirche Überhaupt, sondern das Gottes- 
haus, in welchem Jovinian öffentliche Vorträge hielt. 

4) Ps. 10,3. 

5) Coustant: atque a veritate catholica avertendo. 

6) al. ab apostoücis teroporibus. 

7) Coustant: puUulata. 

8) cujus, nemlich des Teufels. 

9) verborum fructibus: dass viele dieVirginität mit der Ehe vertauschten. 

10) Matth. 22, 12. 

11) sp. diab. interpretantes: die von Jovinian und seinen Anhängern 
gegebene Auslegung des A. und N. T., womach die Schrift die Ehe der 
Virginität (continentia), das Essen mit Danksagung dem Fasten nicht vor- 
zieht. Solche Auslegung heisst Siricius eine teuflische, einen frechen An- 
griff auf die Enthaltsamkeit, die in der Schrift gelehrt wird. 

12) Coustant: aliquante?. 



II. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. 71 

anos ^) coepenmt jam vastare, atqae suae dementiae sociare, non 
inira se continentes nequitiae suae virus. Verum illecti^) blas- 
phemias suas conscriptione temeraria publice prodiderunt et des- 
peratae mentis fiirore eonciti passim in favorem gentilium publi- 
carunt. Sed a fidelissimis Christianis veris^) genere optimis, 
religione praedaris, ad meam humilitatem subito scriptura bor- 
rifica**) videtur esse delata, ut sacerdotali judicio detecta, divinae 
legi contraria, spirituali sententia deleretnr. Nos sane nuptias^) 
non aspemantes accipimus, quibus velamine^) intersumus: sed 
virgines, quas nuptiae creant, Deo devotas, majore honorificentia 
veneramur. Facto ergo presbyterio '^) constitit doctrinae nostrae, 
id est Ghristianae legi^ esse contraria^). 



1) Qaesnellus: Romanos. 

2) Goustant: Verum electi; al. velut electi. Ist die Leseart Ooustants 
richtig, so hat man an Joviniansche Agenten zu denken, wie sie nachher 
namentlich aufgeführt werden. Mit ihren VortrSgen scheinen sie auch bei 
den Heiden Beifall geemtet zu haben. 

3) Quesnellus: Eorum autem insania a fidelissimis subito per 

Bcripturam horrificam videtur esse delata. Unter diesen Denunzianten war 
Pammachius (s. oben] der hervorragendste und einflussreichste. 

4) al. honorifica. Mehr bezeugt ist die Leseart horrifica. Die Einzahl 
scriptura horrifica, bezw. conscriptio temeraria darf uns nicht beirren. Sie 
mag die erste Schrift Jovinians gewesen sein, an welche sich seine späteren 
commentariola anschliessend die Kommentare, Erläuterungen zu jener 
ersten Kundgebung bildeten. Zu solcher Kommentierung war Jovinian 
um so mehr genötigt, als jene erste Schrift von der Kirche offiziell ver- 
dammt wurde. Goustant meint, die Bezeichnung horrifica komme davon 
her, dass der Inhalt der Schrift blasphemiae und der Stil barbarisch waren, 
wobei er besonders an die spätere Kritik des Hieronymus denkt. 

5) Ck)U8tant: nuptiarum vota. 

6) Die Bräute wurden im Schleier getraut. Vgl. Ambrosius ep. ad 
Vigilium 17: ipsum conjugium velamine sacerdotali et benedictione sancti- 
ficari oportet. Den Vorwurf Jovinians, dass die Priester der Kirche die 
Ehe verachten, glaubt Siricius mit dem Hinweis widerlegen zu können, dass 
ja die Ehe unter Mitwirkung der Priester zu Stande komme. 

7) Facto presbyterio ==» congregato cleri conventu. Es wurde also eine 
rOm. Synode abgehalten, zu welcher die römischen Kleriker zugezogen 
wurden. 

8) Goustant: esse contrariam, scripturam scilicet, quam Pamma- 
chius ac socii libello oblato damnari petierant. Mit der Konstatierung, 
dass die Schriften und Lehren Jovinians der kirchlichen Lehre oder dem 
Gesetz Ghristi widerstreiten, war ihre Verdammung ausgesprochen. 



72 Haller, JoTinianus. 

§ 56. 

4. ünde apostolicum secuti praeceptum, quia aliter quam 
quod accepimus annuntiabant, omnium nostrum tarn presbjte- 
rorum et diaconorum, quam etiam totius cleri una suscitata fuit 
sententia ^), ut Jovinianus, Auxentius, Genialis, Germinator, Felix 
Plotinus^), Martianns, Januärius et Ingeniosas, qui incentores^) 
novae baeresis et blaspbemiae inventi sunt, divina sententia et 
uostro judicio in perpetuum damnati^) extra ecdesiam remane- 
reni Quod custodituram sanctitatain vestram non ambigens, baec 
scripta direxi per fratres et compresbyteros meos, Crescentem, 
Leopardum et Älexandrum, qui religiosum officium fidei possini 
spiritu adimplere ferventes*). 

§ 57. 
R&8crtptum Episcoporum Ämbrosü et cet. ad Siricium Papam^). 

Siricii pontificis sollicitudinem in baereticis damnandis lau- 
dant ac Joviniani errores rationibus et testimoniis refellunt^. 



1) Goastant: uiiam scitote faisse aententiam. 

2) al. ProntinuB, Pontinas, Frontmus. 

3) al. accentores, actoree, anctores. 

4) vgl. HieroDym. contra Vigil. 1: llle (Jovinianus) Romanae £ccle6iae 
anctoritate damnatus; siehe oben § 42 Anm. 1 8. 48. 

5) Goastant: ferventi. 

6) Dieses Bescript enthält die Antwort des Ambrosius and seiner 
Synode aaf den vorigen Brief. Die Mailändische Synode pflichtet dem 
Urteil der römischen Synode vollkommen bei: sie lobt die vorsichtige Für- 
sorge des Papstes and erbringt ihrerseits Beweise, am die Irrtümer Jovi- 
nians zu widerlegen. Hiebei erfahren wir — worüber Hieronymus in 
seinen Büchern schweigt — dass Jovinian die ewige Jungfräulichkeit der 
Maria geleugnet hat. Cousiant bemerkt über die Abfassungszeit: Proximae 
Siricii epistolae non longe post, cum Mediolani ageret Theodosius imperator, 
adeoque anno 388 aut 389 rescripta est Hefeü II, 51 : „Ungesäumt hielt 
nun Ambrosius (390) eine Provinzialsynode zu Mailand, welche in ihrem 
noch erhaltenen, ohne Zweifel von Ambrosius gefertigten Synodalschreiben 
den Papst wegen seiner Fürsorge für die Kirche höchlich belobte, die jo- 
vinianischen Irrtümer und die ihnen gegenüberstehende orthodoxe Lehre 
kurz auseinandersetzte und die nämlichen Personeui welche zu Rom ver- 
dammt waren, auch ihrerseits mit dem Anathem belegte". — Goustant hat 
den Titel: Epistola (VIII} seu rescriptum Ambrosii aliorumque episcoporum 
ad Siricium Papam de causa supradicta. 



IL Zeugnisse über JoTinians Leben und Schriften. 73 

Domino dilectissimo fratri Siricio papae Ambrosius, Sabtnu«, 
Basaianus et caeteri^). 

1.^) Becognovimas literis sanctitatis tüae boni pastoiis ex- 
cnbias, qui diligenter ''^) commissam tibi januam serres^) et pia 
soUicitadine Christi ovile custodias, dignus quem oves Domini 
audiant et sequantor. Et ideo quia nosti OTiculas Chriati, lupoe 
jEacQe deprehendis et occnrris quasi providus pastor, ne isti mor- 
aiboa perfidiae suae ferialique^) ulolatu dominicum ovile disper- 
gant Laudamus hoc, domine f rater nobis dilectissime, et toto 
ooDcelebramns affectu. Nee miramur, si luporum rabiem grex 
Domini perhorroit, in quibos Christi vocem non recognovit. 

§ 58- 

2. Ägrestis enim ululatus est nullam virginitatis gratiam^), 
nullom castitatis ordinem^ servare, promiscue omnia velle con- 
fnndere, diversorum gradus abrogare meritomm^) et paupertatem 



7) Den bihalt des Briefes giebt Coustant folgendermassen an : Joviniani 
ac socionim errores recensent ac refellont primo, qnod meritonmi gradns 
tollant ac virginitati aequent conjugiam; tarn quod Mariae in partu vir- 
ginitabem negeot; deinde quod jejuniis adversentur. Postremo, ubi notarunt 
eomm de Christi nativitate sententiam Manichaeis snffragari, Siricii judicio 
de eomm danmatione subscribont. 

1} Coustant: Domino dilectissimo fratri Siricio, Ambrosius, Sabinus, 
Bassianus et ceteri. Andere haben nur: Siricio papae Ambrosius episcopos, 
Bassianus et ceteri episcopi. Sabinus kommt mehrmals in den Ambrosiani- 
acfaen Briefen vor. Auf der Synode zu Aquileja 381 heisst er Placentinus 
episcopus. Auf derselben Synode wird auch ein gewisser Bassilianus, ein- 
naal auch Bassianus genannt, Laudensis episcopus, erwähnt, der mit unserem 
Bassianus identisch zu sein scheint^ 

2) Die Kapitel-Einteilung entnehmen wir der Ausgabe Coustants. 

3) al. fideUter. 

4) Severinus Binins: „Horum patrum testimonio constat, Petrum et 
Petri successorem Romanum pontificem janitores esse illius ostii, de quo 
Christus Joannis 10: ,i£go sum ostium, per me si quis introierit, salyabitur/' 
Besser aber ist die Beziehung auf Mt 16, 19. 

5} Coustant: feralique. 

6) Vgl. den ersten Satz Jovinians. 

7) Weil Jovinian zwischen Jungfrauen, Wittwen, Einmal -i Zweimal- 
etc. Verheirateten keinen wesentlichen unterschied gemacht wissen will. 

8) Vgl. den vierten Satz Jovim'ans. 



74 Haller^ Jovinianus.' 

quamdam coelestium remunerationum ^) inducere, quasi Christo 
una Sit palma quam tribuit ac non plurimi abundent tituli prae- 
miorum« Simulant se isti donare conjugio.^) Sed quae potest 
laus esse conjugii, si nulla virginitatis est gloria?^). 

3. Neque vero non negamus sanctificatum a Christo esse 
conjugium, divina voce dicenter „Erunt ambo in una came et 
in uno spiritu^).^ Sed prius est, quod nati sumus, quam qnod 
effecti^): multoque praestantius divini operis mysterium^), quam 
humanae fragilitatis remedium^). Jure laudatur bona uxor^ sed 
melius pia virgo praefertur, dicente apostolo: „Qui jungit vir- 
ginem suam, bene facit, et qui non jungit, melius facit^). Haec 
enim cogitat quae Dei sunt, illa quae mundi^)." Illa conjngali- 
bus vinculis colligata est, haec libera vinculorum. Illa sub lege, 
ista sub gratia. Bonum conjugium, per quod est inventa pos- 
teritas successionis humanae, sed melior virginitas, per quam 
regni coelestis haereditas acquisita et coelestium meritorum 
reperta successio. Per mulierem culpa ^®) successit, per virginem ^^) 
Salus evenit. Denique speciale sibi donum virginitatis Christus 
elegit et integritatis munus exhibuit atque in se repraesentavit, 
quod elegit in matre. 

§ 59. 

4. Quanta amentia ^''^)funestorum latratuum, ut iidem dicerent, 

1) Jovinians Lehre von dem gleichen Grad der Seligkeit für alle 
Frommen erscheint dem Ambrosius als eine Verkleinerung und Entwürdigung 
Christi und der jenseitigen Seligkeit. 

2) Quesnellus: non damnare conjugia. 

3) Wir haben also hier nur eine unvollständige Wiedergabe der Sätze 
Jovinians, da der 2. Satz fehlt. Der dritte Satz kommt unten deat- 
licher zur Behandlung (§ 61). Übrigens hatte Ambrosius, wie auch die 
übrigen Vertreter der kirchlichen Praxis, das unangenehme Gefühl, als ob 
sie der Ehe zu nahe treten. Sie hatten es deshalb immer nGtig, ihre 
Achtung gegen die Ehe zu beteuern. So Ambrosius de virgin. I, 6. 7. 

4) Mt 19,5, wo aber der Zusatz „in uno spiritu'^ nicht steht. 

5) efiecti: nemlich des Heils teilhaftig oder Kinder Gottes. 

6) mysterium divini operis: die Virginität. 

7) hum. frag, remedium: die Ehe. 

8) I. Cor. 7, 38. 

9) I. Cor. 7,34. 

10) aL cura. 

11) virginem == Christum. 

12) al. dementia. 



n. Zengoisse über Jovioians Leben und Schriften. 75 

Christum ex virgine non potuisse generari, qui asserunt ex 
muliere, editis hnmanorum pignomm partubus, virgines perma- 
nere?^) Aliis ergo praestat Christus, quod sibi (ut dicunt) prae- 
stare non potuit? ^) üle vero qui sie ^) camem suscepit, etsi homo 
factus, ut hominem redimeret, atque a morte revocaret, inusitato 
tarnen quasi Deus itinere venit in terras ; ut quemadmodum dixe- 
rat: „Ecce facio omnia nova^^^), partu etiam^) immaculato virginis 
nasceretur et (sicut scriptum est) crederetur „nobiscum Deus^).*^ 
Sed de yia peryersitatis produntur dicere: ^^virgo concepity sed non 
virgo genercmt ')." Quae potuit ergo virgo concipere, potuit virgo 
generare, cum semper conceptus praecedat, partus sequatur« Sed 
si doctrinis non creditur sacerdotum, credatur oraculis Christi, 



1) qui asserunt permanere: giebt in dieser Form, wie sie Mansi, 

Goostant und die übrigen Herausgeber haben, keinen Sinn. Wenzlowsky 
(„die Briefe der Päpste" II, 450 in der Kemptener Bibliothek der Kirchen- 
yäter) lässt den Satz unübersetzt mit dem Bemerken: „der einzige Sinn, 
den ich darin finden kann, wäre: welche behaupten, dass die von einem 
Weibe auf gewöhnliche Weise Geborenen Jungfrauen bleibeu ; so aufgefasst 
beziehen sich aber diese Worte auf die Jungfräulichkeit Christi und nicht 
auf die seiner Mutter und würden daher den Context stören/* Gewiss! 
desshalb bleibt nur übrig, den Text in diesem Falle zu ändern und zwar 

etwa in der Weise: qui asserunt ne mulieres d. h. nicht können 

Weiber, welche menschliche Kinder geboren hatten, Jungfrauen bleiben, -r 
Die Mauriner Ausgabe und nach derselben auch die neue Mailänder Aus- 
gabe bemerken hier, dass das Schweigen des Siricius über diesen (fünften) 
Satz sich nur daraus erklären lasse, forte quod illam haeresim in Urbe 
Proseminare ausi non fnerant Jovinianistae. — Auch ist dort richtig be- 
merkt: generatio hie passim usurpatur pro ipso partu, quae tamen proprie 
idem est atque conceptio; cum generare non magis feminarum, quam 
marium sit. 

2) »^Andern also verleiht Christus, was (sc. die Jungfräulichkeit) er 
sich selbst nicht zu geben im Stande war?" — hat auch keinen klaren 
Sinn, ausser man nimmt das sibi = suae matri. Ambrosius meint, es sei 
absurd, wenn man behauptet: Christus sei nicht in der Lage gewesen, 
seiner Mutter die Yirginität zu erhalten — und doch verleihe er diese 
Gnadengabe andern Menschen. Warum sollte seine Mutter ausgenommen 
werden? 

3) Coustant: etsi camem. 

4) Apoc. 21, 5. Jes. 43, 19. IL Cor. 5, 17. 

5) Coustant: om. etiam. 

6) Mt. 1, 23. 

7) virgo generavit: sind Worte Jovinians. 



7)6 Haller, Jovinianus. 

credstur monitis angeloram dicentium: „Quia non est impoasi- 
bile Deo omne verbnm^)", eredatar sjmbolo apostolorum, qnod 
Ecclesia Romana intemeratum semper custodit et servat Aadi- 
vit Maria Tocem aDgeli et quae dixerat ante: „Quomodo fiet 
istadP^y^ non de fide generationis interrogans, respondit postea: 
„Ecce anciUa domini, contingat mihi secandom Yerbam tunm 3).'' 
Haec est virgo, quae in ntero conoepit, virgo quae peperit filiam. 
Sic enim scriptum est: ,,Ecce virgo in utero accipiet, et pariet 
filium^)/' Non enim concepturam tantammodo yirginem, sed et 
paritnram virginem dixit Quae autem est iUa porta sanctoani, 
porta illa exterior ad orientem, quae manet clausa et nemo (in- 
qnit) „pertransibit per eam, nisi solus Dens Israel?*'^) Nonne 
haec porta Maria est, per quam in hunc mundnm redemptor 
intravit? Haec porta justitiae, sicut ipse dixit: „Sine nos implere 
omnem justitiam.^ ^) Haec porta est beata Maria, de qua scriptum 
est, „quia dominus pertransibit per eam*^^) et erit clausa post 
partum, quia yirgo et concepit et genuit. 

§ 60. 

5. Quid autem incredibile, si contra usum originis naturalis 
peperit Maria et virgo permanet, quando contra usum naturae 
„mare vidit et fugit, atque in fontem suum Jordanis fluenta 
remearunt?"®) Non ergo excedit fidem, quod virgo peperit, 
quando legimus, quod et petra vomuit aquas et in muri speciem 
maris unda solidata est. Non excedit fidem, quod homo exivit 
ex virgine, quando petra pro fönte flumen^) scaturivit, ferrum 
super aquas natavit, ambulavit homo super aquas. Ergo si ho- 
minem unda portavit, non potuit hominem virgo generare? At 



1) Lc. 1, 37. 

2) Lc. 1, 34. 

3) Lc. 1, 38. 

4) Je8. 7, 14. 

5) Ezech. 44, 1. 2. Nur ist dort im Perfekt gesprochen, deshalb einige 
Handschriften: pertransivit. 

6) Mt 3, 15. 

7) £zech. 44, 2. 

8) Ps. 114, 3. 

9} Constant: fontem profluam. 



n. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. 77 

quem hominem? De qao legimus: ^t mittet illis domiBOS ho- 
mmem, qui aalvos &ciet eos et notus erit dominus AegyptÜB.''^) 
In veteri itaque testamento virgo ^) Hebraeorum per mare dusdt 
ezercitam. In novo testamento virgo regis aula coelestis electa 
est ad salutem. 

6. Qaid autem etiam viduitatis attexamus praeconia, com in 
evangelio post virginis celeberrimum partum Anna vidua subro- 
getur, ,,quae vixerat cum viro suo annis Septem a yirginitate 
sua, et haec vidua erat annorum 84, quae non discedebat de 
templo, jejunüs et obsecrationibusserviens die ac nocte?^'^) Merito 
ab illis viduitas despicitur, quae solet observare jejunia, quibus 
se dolent isti aliquo tempore esse maceratos ^) et propriam ulcis- 
cuntur injuriam, quotidianisque conviviis usuque luzuriae la- 
borem abstinentiae propulsare desiderant. Qui nihil rectius faciunt, 
quam quod ipsi se suo ore condemnant. Sed enim^) metuunt, 
ne inistis^) illud jejunium reputetur. Eligant quod voluni^) Si 

1) Jes. 19,20.21. 

2) al. Yirga regis. Besser virgo, welche niemand anders ist als die 
Schwester Moses nnd Aarons. Diese spielt überhanpt in der asketischen 
literatar eine grosse Rolle nnd wie im N. T. Jesus durch Maria, so wird 
im A. T. Moses durch Miijam, oder wie sie bei den Vätern gewöhnlich 
heisst: Maria verdr&ogi Vgl. Ambros. exhori virginit. 5: In veteri Tes- 
tamento terra ac man clausum Hebraeorum populum yirgo per maria pedes 
duzit, in evangelio auctorem mundi et redemptorem virgo generavit De 
instit. virg. 17: Cum sanctis Moyse et Aaron virgo Maria pedes per fluctns 
duxit Hebraeorum ezercitum. Aber warum das y,duxit*'? Offenbar nur mit 
Bezug aof£xod. 15,20, wo berichtet wird, dass Miijam mit der Pauke in 
der Hand den Beigen der Frauen geführt habe, worauf Ambrosius an einer 
anderen Stelle (de virgin. 3) in aUegorisierender Weise zu reden kommt 

3) Lc 2,36.37. 

4) Damit ist angedeutet, dass Jovinian und seine Anhänger früher 
auch Mönche, Asketen waren. Vgl. Ambros. ad Yercellenses und Hieron. 
adv. Jovin. 1, 40. II, 21. 

5) Goustant: et Andere: Sed Deum metnont 

6} in isÜB d. h. bei den Wittwen. Weil sie furchten, Gott werde 
den Wittwen ihr h&nfiges Fasten verdienstvoll anrechnen, darum verachten 
sie den Wittwenstand. — Von Verachtung des Wittwenstandes kann zwar 
bei Jovinian keine Rede sein. Man müsste nur das för eine Verachtung 
der Wittwen halten, dass er die zweite und dritte Verehelichung fQr ebenso 
gut gehandelt erklärte, als wenn jemand nur einmal heiratet oder gar 
ledig bleibt 

7) Sie sollen wählen zwischen Fasten und Qenuss. 



78 Haller, Jovinianus. 

aliquando jejunayerint, gerant ergo boni facti sui poenitentiam. 
Si nunquam, suam ergo ipsi intemperantiam et luxuriam con- 
fiteantur. 

§ 61. 

7. Et ideo ^) dicunt, Paulum luxnriae magistrum ^) faisse. At 
quis erit sobrietatis magister, sd fuit ille luxuriae, qui castigavit 
corpus suum et in servitutem redegit,^) atque jejuniis multis^) 
se debitam Christo observantiam detulisse memoravit, non ut se 
suaque ^) laudaret, sed ut nos quid sequeremur doceret. Ille ergo 
luxuriam docuit, qui ait: „Quid adhuc, velut viventes, de hoc 
mundo decemitis ? ^) Ne tetigeritis, ne attaminaveritis, ne gusta- 
veritis, quae sunt omnia in corruptelam;"^) qui etiam ait: „non 
in indulgeotia corporis, non in honore aliquo ad saturitatem et 
diligentiam carnis, ^) non in desideriis erroris, sed in spiritu quo 
renovamur esse vivendum". ^) Si parum est quod apostolus dixit, 
audiant prophetam dicentem: „Et cooperui in jejunio animam 
meam'^l^) Ergo qui non jejunat intectus et nudus est et patet 
Yulneri. Denique si Adam se texisset jejunio, non fuisset nudus 
effectus. Ninive se a morte jejunio liberavit Et ipse Dominus 
ait: „Non ejicitur hoc genus nisi per orationem et jejunium**.^*) 

8. Sed qaid plura apud magistrum atque doctorem? cum jam 
dignum praemium^'^) retulerint illi perfidiae suae, qui ideo huc 



1) Goustant: et iidem. 

2) Jovinian bat Paulus nicht für einen magieter luxuriae ausgegeben, 
sondern er hat nur für seine Behauptung von der GottgefäUigkeit eines 
mit dankbarem Sinne empfangenen Genusses sich auf Aussprüche des Paulas 
wie Rom. 14, 20. I. Tim. 4, 1—3 (siehe oben § 21. 22) berufen. 

3) I. Kor. 9, 27. 

4) IL Kor. 6, 5. 

5) Coustant: non ut suam sei. observantiam. 

6) Eine abgekürzte und zugleich falsche Wiedergabe von Col. 2,20. 
7} Col. 2, 2 L — aber dort will ja Paulus gerade verwerfen, dass man 

sagt: ,,Das berühre nicht etc.*' — denn es sei doch alles dies zum Gebrauch 
und Genuss bestimmt. 

8) Freie Wiedergabe von Col. 2, 23. 

9) Eph. 4, 22. 23. 

10) Falsche Übersetzung von Ps. 96,11: ■»« aisa nssKi. 

11) Mt. 17,20. 

12) nemlich ihre Verdammung durch die röm. Synode. 



IL Zengnisse über Jovinians Leben und Schriften. 79 

venerant, ne superesaet locus, in quo non damnarentur, qui vere 
86 Manichaeos probaverunt, non credentes quia ex virgine utique 
venisset.^) Quaenam haec estauppar novorum Judaeorum amentia? 
Si venisse non creditur, nee camem creditur suscepisse: ergo in 
phantasmate visus est, in phantasmate crucifixus est Sed nobis in 
yeritate crucifixus est, in veritate redemptorestnoster. Manichaeus 
est, qui abnegat veritatem qui camem Christi negat; et ideo non est 
illis remissio peccatorum, sed impietas Manichaeorum, quam et cle- 
mentissimus exsecratus est imperator,^) et omnes qui iUos viderunt, 
quasi quaedam contagia refugerunt; sicüt testes sunt fratres et com- 
presbyteri nostri, Crescens, Leopardus et Alexander, sancto ferventes 



1) Constant: non credentes quia ex virgine. Utique venisse non cre- 
ditur. Quesnellns: quia ex virgine venerit Christus. Goustant ergänzt den 
Satz dahin: non credentes quia ex virgine natus est Christus. Si autem 
non natus est ex virgine, utique venisse non creditur. Ambrosius meint 
n&mlich: wenn man die Geburt Christi ex virgine läugnet, dann läugne 
man überhaupt, dass Christus gekommen ist, weil sonst die messianische 
Weissagung Jes. 7, 14 nicht in Erfüllung gegangen ist, oder aber müsse man 
mit den Manichäern sagen, Christus sei in einem Scheinleib erschienen. 
Seine ganze Existenz sei nur ein phantasma gewesen — was allerdings 
Manichäische Lehre war. Hiegegen habe Jovinian behauptet, er läugne 
nur desshalb die Geburt Christi aus der Jungfrau, damit der Manichäische 
Tninm von dem Phantasma des Leibes Christi beseitigt werde. Denn sei 
Maria durch die Geburt Christi in ihrer Jungfräulichkeit nicht verletzt 
worden, dann sei überhaupt Christus nicht wirklich und menschlich ge- 
boren, und so hat Jovinian den Spiess umgedreht und hat Ambrosius und 
die Katholiker des Maniohäismus beziehtet, vgl. August, op. inip. IV, 1, 4. 22 
contra Julian. I, 2. de nuptiis et concup. 11, 15. 

2) Coustant bezieht diese Worte auf ein Edikt des Kaisers Theodosius 
anno 389 Junii 17 (Cod. TheQd. lib. 16. tit. 5 leg. 18): Quicumque sub 
nomine Manichaeorum mundum sollicitant, ex omni quidem orbe terrarum, 
sed quam maxime de hac urbe pellantur sub interminatione judicii.^' — Im 
Cod. Theod. begegnen wir 3 Gesetzen de haereticis: das erste untersagt 
Versammlungen von Manichäem; das zweite und dritte ordnen die Ver- 
treibung derselben an. Das erstere ist schon im J. 372 von Valentinian 
erlassen worden ; kann also hier nicht gemeint sein. Baronius bezieht des- 
halb unsere Stelle auf das zweite Gesetz, erlassen XV. Kai. Jul. anno 389; 
Godofredus dagegen auf das dritte Gesetz, im J. 391 gegeben. Ein Gesetz 
de monachis vom J. 390 bezieht sich auf die morgenländ. Mönche und nicht 
auf die Jovinianisten; wurde auch l^ald widerrufen. 

3) Vgl. oben den Schluss des Briefes von Siricius, wo auch diese drei 
Gesandten „spiritu ferventes*' genannt werden. 



80 Haller, Jovinioniu. 

spiritu,^) qni eos omnium ezsecratione danmatoe Mediolaneosi ex 
arbe quaai profdgos ^) repnlerani Itaqae Jovinianum, AuxeDtium^ 
Gerzninatorem, Felicem, Plotinam, Genialem, Martimanem,^) Janna- 
lium et Ingeniosum, quos sanctitas taa damnavit, scias apud nos quo- 
qne decimdum Judicium tuum esse damnatos. Incolumem te et 
florentissimum Deus noster tueatur omnipotens, domine dilectissime 
firater. Item subscriptio: Ego Eventius episcopus saluto sancti- 
tatem tuam in Domino et huic epistolae subscripsi Maximus 
episcopus, Felix episcopus, Bassianus episcopus, Theodolus^) epis* 
copus, ex jussu domini episcopi Geminiani, ipso praesente, Aper 
presbyter subscripsi Constantius episcopus, Eustasius episcopus, 
eo omnes ordine subscripserunt.^) 

§ 62. 
Codex Theodosianus, TU, V de Haeretids, Lex 53. 

Eonorius et Theodosius Atigg, Fdici Pr. P.^) 

Jovinianum ^) sacrilegos agere conventus extra muros Urbis 
sacratissimae Episcoporum querela deplorat:'') quare supra me- 
moratum compi jubemus, et contusum plumbo cum caeteris suis 



1) profngos — weil die Jovinianer nach Mailand als Flüchtlinge ge- 
kommen sind, um dort die Gunst des Kaisers zu gewinnen, nachdem sie 
in Born ungerechterweise auf Grund des antimanichSischen Edikts yer- 
trieben worden waren. 

2) Goustant: Marüanum. 

3) Goustant: Theodorus. 

4] Die rOmische Ausgabe ergänzt aus den Überschriften der Aqui- 
lensischen Synode (381) — Mansi III p. 600 — die Unterschriften folgen- 
dermassen: £go Ambrosius Mediolanensis ecclesiae episcopus subscripsi. 

Eventius episcopus Genetensis (Mansi: Gitiniensis) saluto Maximas 

episcopus Emonensis. Felix episcopus Jadreusis. Bassianus (Basilianus s. 
oben] episcopus Laudensis. Theodosius episcopus Octodurensis. Gonstantius 
episcopus Arausicanus, Sabinns episcopus Racentinus. 

5) Das Datum dieser Lex föhrt auf das Jahr 412, also auf eine Zeit, 
in welcher, wie wir oben gesehen haben, Jovinian gar nicht mehr lebte. 

6) al. Jovianum; so ist schon der Name des Exilierten in der Lex 
höchst unsicher. 

7) Hiernach hat der beklagte HSjretiker sein Unwesen nicht in Rom, 
sondern draussen in der Prorinz, auf dem flachen Lande getrieben, so dass 
die Bischöfe die polizeiliche Gewalt gegen ihn anriefen. 



II. Zeugnisse über JoviniaDS Leben and Schriften. g^ 

particibas et ministris exilio coerceri: ipsumque machinatorem 
in insulam Boam^) festina celeritate deduci; caeteris prout libuerit, 
dummodo superstitiosa conjuratio exilii ipsius discretione solvatur, 
solitariis et longo spatio inter se positis insulis, in perpetuum 
deportatis. Si quis autem pertinad improbitate vetita et dam- 
nata repetierit, sciat se seyeriorem sententiam subiturum. 

Dat Prii Non. Mar. Med, Honorio IX et Theod. V 
A. A. Coss.2) 

§63. 

Anibrosii ep. 63. (Vereellensi Ecclesiae).^) 

7. Quo non otiose nostra admonitio deflectit; audio enim 
yenisse ad yos Sarmationem et Barbatianum yaniloquos ho- 



1) Die Insel Boas gehört zur Dabnatinischen Küste. Vallarsi be- 
zweifelt, ob es hier dem Jovinian, wenn er je gemeint ist, mOglich war, 
ein Leben unter „Fasanen- und Schweinebraten" zu führen, wie das Hiero- 
nymus von ihm in der Schrift adv. Vigil. (s. oben) aussagt. Schon aus 
diesem Grunde hält es Vallarsi für unmöglich, dass der ExiKerte Jovinian 
»eL Hoc certe proprius ad fidem est e S. Doctoris testimonio, infamem 
monachnm Inxui deditum, utquumque semel atque iterum damnatum, nihil 
potius habuisse, quam genio indulgere et ventri et cibo vinoque ingurgi- 
tatum maturius exspirasse. 

2} Der kaiserliche Erlass ist adressiert an den Praefectus praetorii 
Felix und datiert von Mailand aus am 6. MSxz des IX. Gonsulats des Honorius 
und des V. Gonsulats des Theodosius, somit aus dem Jahre 412. Tillemont be- 
zweifelt die Richtigkeit des Datums und möchte für 412 lieber 398 setzen. Denn 
nach Hieronymus, der sich hierüber nicht irren konnte, sei Jovinian im J. 406 
nicht mehr am Leben gewesen. Aussi on remarque qu' Honor^ n'estoit point 
ä Milan en 412, mais a Bavenne; et que c*estoit Seleuque qui estoit alors 
Prefet du Pretoire en Italic. II y a un Felix qualifiä Prefet de Rome en 
398, lorsqu' Honore estoit encore ä Milan et Consul avec Eutychien. — 

Zöckler (Hieronymus S. 198) glaubt, vielleicht verdanke jenes kaiser- 
liche Edikt den Namen Jovinian einem unkritischen Fälscher späterer 
Zeit, der aus Schmähreden des Hieronymus sich eine möglichst schwärze 
Vorstellung von Jovinian als einem heillosen Ketzer und epikuräischen Wüst- 
ling gebildet haben mochte. 

3) Wir geben den Brief nach der neuen Mailänder Ausgabe von 
Balleriniy Tom. Y. (1881), S. 554 ff. Ballerini datiert den Brief in das 
Jahr 396: im Jahre 381 habe noch der letzte Bischof von Vercellä, 
(nach dessen Tod die Diözese erledigt blieb) an der Synode von Aquileja 
teilgenommen. Ausserdem sei in den Akten des Gaudentius Novariensis, 
die Mombritius und Bollandus ad XI Eal. Februarias referieren, erwähnt, 
Texte n. Untersachongen N. F. n, 8. 6 



S2 Haller, JoTinianna. 

mines,^) qui dicant ntUlum esse abstinentiae meritum,^) nuUmn 
frugalitatis, nuüam virginitaMs graiiam^ pari omnes aesHmari pretio,^) 
delirare eos qui jejuniis castigent camem suam,^) ut menti suhdi- 
tam facianO) Quod numquam fecisset, numquam scripsisset ad 
instituendum alios Paulus apostolus, si deliramentum putasset. 
Gloriatur itaque dicens: «Sed castigo corpus meum et servituti 
redigo; ne aliis praedicans ipse reprobus inveniar.'^^) Ergo qui 
non castigant corpus suum et volunt praedicare aliis, ipsi reprobi 
habentur. 

§64. 

(Fortsetzung). 8. An quidquaui tarn reprobum^ quam quod 
ad luxuriam, ad corruptelam, ad lasciviam provöcat; quam inci- 



dasB Ambrosius wenige Monate vor seinem Tode zur Beilegung eines ge- 
wissen Streits nach Yercellä sich begeben hätte. „Quod quidem iter com- 
modissime intelligimus, si dixerimus sanctum Praesulem, cum litteris suis 
parum profecisset apud obstinates animos, eo profectum, ut demum eorom- 
dem pervicaciam praesens expugnaret'' (p. 317). — Der Inhalt des Briefes: 
Ambrosius spricht sein Bedauern darüber aus, dass die Kirche in Yercellft 
wegen innerer Zerwürfnisse so lange ohne Bischof sei. Mit welcher Ein- 
stimmigkeit sei ehedem ihr vortrefflicher Bischof Eusebius gewählt worden. 
Christus möge doch wieder in ihre Mitte einziehen. Dies tbue um so mehr 
not, als verderbliche Schwätzer, wie ein Sarmatio und Barbatianns, bei 
ihnen Eingang gefunden hätten. Hierauf wird das Wesen und Treiben 
dieser beiden Ketzer geschildert und gerügt. Dann erfolgt die Übliche 
Verherrlichung der Askese und Yirginität Diese Eigenschaften kommen 
ganz besonders bei der Wahl eines Bischofs in Betracht, um so mehr, als 
gerade in der Kirche zu Yercellä seit Eusebius das mönchische Leben mit 
dem priesterlichen eng verbunden gewesen sei. — 

1) Noch einmal in seinen Schriften, nemlich in seiner Enarr. in psalm. 
36,49 gedenkt er dieser beiden Ketzer, ohne freilich sie ausdrücklich bei 
ihren Namen zu nennen. Aber er sagt dort ihnen Ähnliches, wie hier, nach. 

2) Vgl. bei Jovinian § 3 (adv. Jov. I, 3, die erste Proposition Joviniane). 

3) Vgl. hiezu die vierte Proposition des Jovinian § 23 ff. 

4) Vgl. die dritte Proposition des Jovinian. 

5) Das Ganze findet sich £Etst wörtlich in dem Rescript des Ambrosius 
an den P. Siricius betr. Jovinian, siehe oben § 58: Agrestis enim ululatus 
eat, nullam virginitatis grcUiam, nuUum castitatis ordinem servare, pro- 
miscue omnia velle confundere, diversorum gradus ahrogare meritorum et 
paupertatem coelestium remunerationum inducere. 

(i) 1. Kor. 9, 27 ; wird auch von Ambrosius ad Siricium 7 (siehe oben 
§ 61) gegen Jovinian und seine Anhänger zitiert. 



IL Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. g3 

tamentmn libidinis, illecebra voluptatis, incontineiitiae fomes, in- 
cendium cupiditatis?^) Quae istos Epicureos^) nova schola misit? 
Non philosophormn,^) ut ipsi ajont, sed imperitorom, qui volupta- 
tem praedicent, delicias suadeant, castimoDiam noUi usui esse 
ducant. .Fuemnt nobiscum, sed non fuerunt ex nobis^;^) neqae 
enim pudet dicere, quod dicit evangelista Johannes. Sed hie 
positi primo jejunabant, intra monasterium continebantur: uullus 
erat Inzariae locus, interdicta ludibriosae disputationi licentia.^) 

9. Hoc delicati non potuerunt ferre. Abierunt foras; demde 
Tolentes redire, non sunt recepti: pleraque enim audieram, quae 
deberem cavere: monueram, nihil profeceram.^) Effervescentes 
itaqne disseminare taha coeperunt, quibus incentores essent viti- 
orum omnium miserabiles. Perdiderunt utique quod jejunave- 
mnt: perdiderunt quod se aliquo continuerunt tempore. Nunc 



1) Ähnlicbe Wendungen finden sich ad Siric 6 ff. (siehe oben § 60 ff.) 
gegen Jovinian. Es sind auch die üblichen Anklagen bei Hieronymus 
gegen Jovinian (vgl. adv. Jov. 11, 36 f.; § 37 ff.). 

2) Wie oft wird doch Jovinian von Hieronymus ein Epikureer 
genannt! 

3) Ausdrücklich bezeugt uns Hieronymus (11, 35) von Jovinian, dass 
dieser, insbesondere bezüglich seiner Haltung in dem Punkte des Fastens, 
sich auf die Beispiele der Philosophen berief. 

4) I. Joh. 2, 20. 

5) Somit waren Sarmatio und Barbatian Mönche und zwar in dem 
von Ambrosius gegründeten und beaufsichtigten Kloster. — Auf dieser 
Notiz beruht offenbar die irrtümliche Annahme der Mauriner (in ihrer prae- 
fatio zu ep. 42 Ambros. ad Siricium): Tum vero synodicam epistolam ad 
Mediolanenses ideo scripsit (sc. Siricius), ut idem haereticus (sc. Jovinianus), 
quem e mofuufterio non procul a muris Mediolanensilms posüo et Am- 
brosii vigikmtia gubemato profugtsse noverat, in iUa urbe tamquam anguis 
qoidam in specu suo suffocaretur. Die neue Mailänder Ausgabe weist diese 
Annahme als eine unbegründete zurück. 

G) al. plerumque enim audieram, quae deberent cavere. Dem Kloster 
stand zwar ein Priester vor (August, de moribus eccl. cath. 33. Gonfess. YIII, 6, 
wo Augustin ausdrücklich dieses Klosters ausserhalb der Mauern von Mai- 
land gedenkt und dass es unter der Leitung des Ambrosius stand). — 
Sarmatio und Barbatian verliessen das Kloster. Es reute sie aber bald 
und als sie zurückkehren wollten, verweigerte Ambrosius ihnen die Auf- 
nahme. Denn er hatte inzwischen allerlei über sie gehört. Seine £r- 
mahnnngen waren fruchtlos. 

6* 



g4 Haller, Jovinianos. 

itaque diabolico studio invident aliorum operibus bonis, qaorum 
ipsi fructu exciderunt.^) 

§ 65. 

(Fortsetzung.) 10. Quae virgo audiat nuUum praemiu/m 
esse integritatis,^) et non ingemiscatP Absit enim ut facile credat, 
certe ut non studia deponat, et intentionem suae mentis inflectat 
Quae vidua cum compererit^) nuUum esse fructum viduüatis,*) 
mallet servare fidem conjugii, et in tristibus degere, quam se 
credere laetioribus? Quae conjugii districta yinculo, si audiat 
quod nullics honos castitatis sit,^) non possit incuriosa tentari cor- 
poris aut mentis facilitate? Et ideo Ecclesia quotidie in lectioni- 
bus sacris, in sacerdotum tractatibus laudem pudicitiae, gloriam 
integritatis personat. 

11. Frustra ergo dicit Apostolus: „Scripsi vobis in epistola, 
ne conmiisceamini fomicarüs'^.^) Et ne forte dicant: Non de 
Omnibus mundi nos dicimus fomicariis^ sed dicimus quod qui fuerü 
in Christo bapiixatus, haberi jam non debeat fomicarius; sed qua- 
liscumque vita ejus accepta sit Deo;'^) et ideo addidit Apostolus: 
„Non utique fornicarüs hujus mundi''; et infra: „Si quis &ater 
nominatur fornicator, aut avarus, aut idolis serriens, aut maledi- 



1) Man vergleiche mit dieser Ausfühining die Stelle des Axnbrosios in 
psalm. 36, 49, welche bis anf die Ausdrücke mit unserer Stelle überein- 
stimmt und sicherlich auch unsere beiden Häretiker im Auge hat. 

2) Wiederum der erste Satz Jovinians. 

3) al. cum conceperit. 

4) Wiederum der erste Satz Jovinians. 

5) Dasselbe. 

6) I. Kor. 5, 9. 

7) Rom. edit.: dicant non de Omnibus mundi nos dicere fomicariis, 
sed quod qui fuerit .... non debeat fomicarius, qualiscumque etc. Wir 
ziehen die Lesart Ballerini's vor. — Auch aus dieser Stelle geht deutlich 
hervor, dass Sarmatio und Barbatian aus der Schule Jovinians waren. Man 
vergleiche hiezu die xweite Proposition des Jovinian (s. oben § 19). Die 
beiden Häretiker lehrten also auch, dass ein Getaufter kein Todsünder, 
also kein Ehebrecher sein könne; dass sein Leben, wie es auch beschaffen 
sein mag, Gott geföUig sei. Doch hat wohl auch hier Ambrosius die geg- 
nerische Lehre karrikiert. Man müsste denn annehmen, die beiden Häre- 
tiker seien Ultra-Jovinianer gewesen, welche die von Jovinian ausdrücklich 
betonte Bedingung weggelassen haben: „qui plena fide in baptismate renati 
sunt" (adv. Jov. 1,3). 



n. Zeugnisse über JoTinians Leben und Schriften. g5 

C11S, aut ebriosus, aut rapax; cum ejusmodi nee cibum quidem 
smnere. Quid enim mihi de iis, qui foris sunt, judicare?^) Et 
ad Epheeios: „Fomicatio autem, et omnis immunditia, et avaritia 
nee nominetar in Yobis, sicut decet sanetos.^^) Et statim subin- 
fert: „Hoc enim scitote quod omnis impudicus, aut immundus, 
aut avarus, quod est idolatria, non habet haereditatem in regno 
Christi et DeL^^) De baptixatis utique dictum liquet; ipsi enim 
accipiunt haereditatem, qui baptizantur in morte Christi, et eon- 
sepeliuntur cum ipso, ut cum ipso resurgant. Ideo haeredes Dei^ 
cohaeredes Christi sunt: haeredes Dei, quia transcribitur in eos 
Dei gratia: cohaeredes Christi, quia renovantur in vitam ipsius: 
haeredes quoque Christi, quia datur illis per mortem ipsius tam- 
quam testatoris haereditas.^) 

§ 66. 

(Fortsetzung.) 12. IsH igitur magis sibi debent adtendere, 
qui habent^) quod possint amittere quam qui non haben t. Isti 
majore agere custodia, isti cavere vitiorum illeeebras, erroris in- 
citamenta debent, quae maxime ex cibo potuque oriuntur, Denique 
„sedit populus manducare et bibere, et surrexerunt ludere".^) 

13. Ipse quoque Epicurus, quem isti sibi magis sequ^ndttm 
quasn apostolosputant,'^) adsertor voluptatis, etsi neget invectricem^ 
mali esse voluptatem, non neget tamen ex ea fieri quaedam, ex 
quibus generentur mala, denique nee luxuriosorum vitam repre- 
hensibüem videri, quae repleatur delectationibus, nisi vel doloris, 
vel mortis quatiatur metu^) 



1) I. Kor. 5. 10—12. 

2) Eph. 5, 3. 

3) Eph. 5,5. 

4) Damit will Ambrosius sagen, dass ein Getaufter, der als solcher 
ein Erbe Gk>ttefl und ins ewige Leben wiedergeboren sei, doch (nach den 
panlinischen Aussagen) ein schwerer Sünder sein und sein Erbe verlieren 
kOnne. 

5) Durch die Taufe die Erbschaft des ew. Lebens. 

6) Exod. 32, 6. 

7) Es ist derselbe Vorwurf, den seiner Zeit Hieronymus auch gegen 
Jovinian erhoben hat. 

8) aL inventricem mali. 

9} Es wird darauf die Epikureische Annahmoi die voluptas sei von 
Gott dem Menschen onerschaflfen worden, widerlegt durch die Geschichte 



gg Haller, Jovinianus. 

15 Et quia isHjejunandum negant, qua causa Christus 

jejunayerit, adstruant nisi ut nobis exemplo esset ejus jejunium^) 

17. Qui sunt ergo hi praeceptores novi, qui meritum excludant 
jejunii? Nonne gentilium vox ista est dicentium: „Manducemus 

et bibamus?" Dlorum ergo est cibis et potibus indulgere, 

qui nihü post mortem suam sperani 

20. Quid quod ille ipse Epicurus defensor voluptatis, cujus 
ideo &equentem facimus mentionem, ut hos aut gentiliwn disdpu' 
los et Epicuream probemus sectam sequi; aut illum ipsum, quem 
ipsi philosophi a suo excludunt consortio tamquam patronum 
luxuriae, tolerabüiorem bis esse doceamus?^ 

21. Cum igitur illos abdicaverit pbilosophia, hos non ex- 
dudit Ecdesia?^ 

23 Quid igitur sibi isti volunt, qui tentant eos per- 

yertere, quos adquisivit Apostolus^ quos redemit Christus sanguine 
suo? Quod adsertmt hapiixaios intendere non debere virtutum discipli- 
nis,^) nihil iüis obesse comessaiiones, nihil voluptatum affltientiam,^) 



vom Sündenfall. Vielmehr habe die voluptas uns aus dem Paradies ver- 
jagt. Daher habe auch Jesus das Fasten geübt. 

1) Des Weiteren werden als Beispiele f&r das Fasten Petrus, Moses, 
Daniel und namentlich auch Tob. 12, 8 genannt. Ambrosius Stellung zum 
Fasten drückt sich ans in dem Satz (16): Aut quae nobis salus esse potest, 
nisi jejunio eluerimus peccata nostra, cum Scriptura dicat: „Jejunium et 
eleemosyna a peccato liberat?" 

2) Demnach sind die Jovinianer in Ambrosius' Augen schlimmer als 
Epikur. Dieser habe doch wenigstens gelehrt, dass nicht der unbeschr&nkte 
Genuss, sondern die sobria disputatio das Glück des Lebens begründe. 
Auch habe er ermahnt, in den Genüssen ein gewisses Ziel und Mass ein- 
zuhalten. 

3) Die rechte Philosophie hat sich von den Epikureern losgesagt. 
Waium sollte die Kirche nicht die viel schlimmeren Jovinianer ausschliessen? 

4) Hier sowohl wie im Folgenden haben wir eine sehr freie, nicht 
ganz ohne Übertreibung und Böswilligkeit geschriebene Wiedergabe der 
Lehre der Jovinianer bezw. des Sarmatio und Barbaüan. Schon der Cod. 
M. hat hier die Glosse: Jeronimus adv. Jovinianum concordat. — Wenn 
die Getauften nicht sündigen kOnnen, dann, so folgerte der Gegner, brauchten 
sie auch keine Sitten-Yorschriflen. YgL den 2. Satz Jovinians. 

5) Kein Genuas kann dem Wiedergeborenen gefUhrlich werden. Ergo: 
er darf sich jedem Genuss ohne Sorge für seine Seele und sein Seelenheil 
hingeben (Libertinismus). Vgl. den 3. Satz Jovinians. 



U. Zeagnisse über Jovinians Leben und Schriften. §7 

insipientes esse eos qui iis careant:^) virgines oportere nuhere, filios 
facere; simüiter et viduas iierare, quod semd maie virili admixtione 
experiae sint; etiamsi se continere possint, errare eas^ quae nolint 
üerare copulam.^ 

33. Quid autem loquar quanta sit virginitatis gratia, quae 
memit a Christo eligi, ut esset etiam corporale Dei templum^ in 
qua corporaliter, ut legimus^ habitavit plenitudo divinitatis? Virgo 
genuü mundi salutem, virgo peperit vitam universorum. Sola ergo 
non debet esse virginitas, quae onmibus in Christo profiiit? 
Virgo poriavit, quem mundus iste capere ac sustinere non potest? 
Qui cum ex Mariae utero nasceretur, genitalis tarnen sepium pudoris 
et intemerata virginitatis conservavit signacula, Itaque in Virgine 
Ckristus reperit, quod suum esse vellet, quod sibi omnium Do* 
minus adsumerei Per virum autem et muUerem caro ejecta de 
paradiso, per Tirginem juncta est Deo.^) 



1) Askese ist eine Thorheit. 

2) Auch dann ist es ratsam, dass Wittwen sich wiederverheiraten, 
selbst wenn sie die Gabe der Enthaltsamkeit besässen. I. Cor. 7, 9. Vgl. 
den 1. Satz Jovinians. — Im Folgenden wird ausgeführt, wie der Mensch 
durch ünenthaltsamkeit im Geschlechts- und Speisegenuss auf die Stufe 
dee Tieres, ja sogar nnter gewisse Tiere sinke. Hierauf die üblichen Bei- 
spiele für das Fasten aus der Schrift 

3) Diese Ausführungen erinnern den Leser lebhaft an den obigen 
Brief des Ambrosius an Siricius und den dort erwähnten angeblichen 
Sats Jovinians, die Maria habe mit der Geburt Jesu aufgehört, Juugfirau 
zu sein. Hier wie dort vertritt Ambrosius mit grosser WUrme die Lehre 
von der unverletzten Jungfrauschaft Maria. Ja er gebraucht in dem 
Folgenden dasselbe Beispiel wie dort von der Schwester Moses: 34: Quid 
de altera Moysi sorore Maria loquar, quae feminei dux agminis, pedes 
transmisit pelagi freta. — Der Rest des Brieles (bis c. 113) hat keinen 
Bezug mehr auf die Joviniansche Härese. Ambrosius stellt die Tugenden 
fest (Sanftmut und Enthaltsamkeit), die ein Bischof notwendig haben soll 
und verweist dabei auf die Bischöfe fiusebius und Dionysius, welche sich 
um das asketische Leben grosse Yerdienste erworben hätten. 66: Quod 
si in alüsEoclesüs tanta suppetit ordinandi sacerdotis consideratio; quanta 
cnra expetitur- in Vercellensi Ecclesia, ubi duo pariter exigi videntur ab 
epiacopo, monasterii continentia et disciplina Ecclesiae! Haec enim primus 
in occidentis partibus diversa inter se Eusebius sanctae memoriae conjunzit, 
ut et in dvitate positns instituta monachorum teneret et Ecclesiam regeret 
jejunii sobrietate. — Eusebius also hatte die Verbindung des priesterlichen 
and mönchischen Lebens erstmals erstrebt. Kein Wunder, dass der ihm 
gleichgesinnte Ambrosius grosse Sorge dafür trug, dass diese junge Tra- 



gg Haller, Joyimanas. 

§ 67. 

Äug. de peccat, meritis ei r&niissione^) 

111,13 (7). Ante pau/cos'^) annos Romae quidam eocstüit Jovir- 
nianus, qui sanciimonicdibus eiiam aeiatejam provectioribus nuptias 
persuasisse dicitur,^) non iüiciendo quo earum aliquant ducere veUet 
itxorem,^) sed disputando virgines sanciimonio dicatas nihil amplius 
fhdelibua conjugalis apud Deum habere merüorumJ) Numquam 
tarnen ei hoc commentum venit in mentem, ut asserere conaretur 
sine originali peccato nasci hominum filios.^) Et utique si hoc 
adstrueret, multo proclivius vellent feminae nubere, fetus man- 
dissimos pariturae. Hujus sane scinpta, nam ei seribere ausus est, 
cum fraires ad Hieronymum refellenda misissent, non solum in eis 
tale compent,"^) verum etiam ad quaedam ejus vana refutanda hoc 
tamquam certissimum de hominis originali peccato, unde utique 
nee ipsum dubitare credebat,^) inter multa sua docamenta de- 
promsit^) 



dition in der Kirche zu Vercellä nicht durch die Joviniansche Häreee ab- 
handen kommt. — Im Übrigen folgt die Übliche Yerherrlicbung deB 
asketischen Lebens und zum Schlnss allerlei Ermahnungen aus der christ- 
lichen Haustafel. 

1) Die drei Bücher de peccatorum meritis et remissione, an Marcel- 
linuB gerichtet, auf Fragen aus dem Schosse der Gemeinde zu Karthago 
antwortend, sind von Augnstin im J. 412 verfasst. (Edit. Manrin. nova 
1750. X, 41—58.) 

2) Vgl. de haeres. 82. S. 95 Anmerk. 5. 

3) Vgl. de haeres. 82: ita ut quaedam virgines sacrae provectae jam 

aetatis in urbe Roma eo andito nupsisse dicantur. (S. 96 Anmerk. 1 zu 

de haeres. 82.) 

4) Vgl. de haeres. 82 (S. 96 Anmerk. 2). 

5) Erster Satz Jovinians. 

6) Augustin rechnet es dem Jovinian zur Ehre an, dass er die Erb- 
sünde nicht geleugnet hat. 

7) Hieronymus fand in den Schriften Jovinians nichts, was der An- 
nahme einer Erbsünde widersprochen hätte. 

8) Hieronymus hat bei seinem Gegner Jovinian die Lehre der Erb- 
sünde, als auch von ihm zugegeben, vorausgesetzt — und desshalb diese ab 
ein Argument gegen den Gegner verwandt. 

9) Hier folgt ein längeres Citat aus Hieron. adv. Jovin. 11,2, in dem 
Hieronymus von der allgemeinen Sündhaftigkeit mit Berufung auf Bibel- 
stellen, wie namentlich Job 14,5, Ps. 50,7, handelt. 



IL Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. gg 

§ 68. 

August, de nupL et concupisc, 11^) 

15. (5) Dico plane, propter delictuiq eos esse sub 

diabolo: ideo aatem expertes non esse delicti, quia de illa com- 
mixtione sunt nati, quae sine pudenda libidine non potest etiam 
qnod honestum est operari.^) Dixit hoc etiam beatissimae me- 
moriae Amhrosius ecclesiae Mediolanensis episcopus, cam Christi 
camalem nativitatem ideodiceret expertem esse delicti, quia con- 
ceptas ejus utriusque sexus commixtionis est expers; nullum 
autem hominum esse sine delicto, qui de illa commixtione con- 
ceptns sit. Nam ejus verba ista sunt: „Ideo, inquit, et quasi 
homo per universa tentatus est, et in similitudine hominum 
cuncta sustinuit, sed quasi de spiritu natus, abstinuit a peccato. 
Omnis enim homo mendax et nemo sine peccato, nisi unus Dens. 
Serratum est igitur, inquit, ut ex viro et muliere, id est, per 
illam corporum commixtionem, nemo videatur expers esse delicti. 
Qui autem expers est delicti, expers est etiam hujusmodi con- 
ceptionis.^ ^) Numquid etiam istum, o Pelagiani et Gaelestiani, 
audebitis dicere Manichaeum? quod eum dicebat esse Joviniarms 
kaereiicus,^) contra cujus impietatem vir ille sayictus etiam post 



1) Diese Schrift Angustins (bei den Maurinero Tom. X, 211 — 224) ist 
im J. 420 verfasst worden. Im J. 418 schrieb Augustin das erste Buch de 
nuptiis et concupiscentia, weil die Pelagianer behaupteten, er verurteile 
wegen der Erbsünde die Ehe. Hiegegen Augustin : „Bonitatem quippe de- 
fendimus nuptiarum, ne putaretur earum esse vitium concupiscentia camis, 
et lex in membris repugnans legi mentis: quo malo libidinis bene utitur ad 
filios procreandos pudicitia conjugalis.'' (Retract. U, 53.) — Gegen diese 
Schrift schrieb Jnlianus vier Bücher, welche von einem Unbekannten ex- 
cerpiert worden. Das Excerpt wurde durch Yalerius, an den die beiden 
Bücher Augustins adressiert sind, diesem zugestellt. Dies veranlasste den 
Bischof, ein xweites Buch de nuptiis et concupiscentia zu schreiben. Hier 
verteidigt er die Lehre von der Erbsünde gegen die Verleumdungen und 
Angriffe der Pelagianer, namentlich gegen den Vorwurf, als seien seine 
Aafetellnngen von Erbsünde und Ehe manichäische Häresie. 

2) Augustin bleibt bei seiner Behauptung, dass die Erbsünde von der 
im Beischlaf vorhandenen sündigen libido kommt. 

3) Er beruft sich dafür auf Amhrosius und citiert aus dessen Kom- 
mentar zum Jesaias eine Stelle, in welcher der Bischof von Mailand ganz 
dasselbe lehrt 

4) cfr. Ambros. ad Sine. 8 und die Anmerkung hiezu (§ 61 S. 79 
Anm. 1). 



90 Haller, Jovinianns. 

partum permanentem virginitatem sanciae Mariae defendebat^) Si 
ergo illam Manichaeum dicere non audetis; nos cum in eadem causa 
eadem sententia fidem catbolicam defendamus, cur dicitis Mani- 
chaeos? Aut d et illum fidelissimum yirum hoc secundum Mani- 
chaeos sapuisse jactatis, jactate, jactate, ut mensuram Jbt'tntam per- 
fectius impleatis:^ nos cum illo homine Dei patienter vestra 
maledicta et convicia sustinemus. Et tarnen haeresiarchus vester Pe- 
lagius fidem et purissimum in Scripturissensumsiclaudat Ambrosii, 
ut dicat, ne inimicum quidem ausum esse reprehendere. Quo ergo 
progressi fueritis attendite, et vos ah ausibus Joviniani tandem 
aliquando cohibete. * Quamvis ille nimis laudando nuptias sandae 
iUas virginitati adaequavit ;^) et tarnen nuptiarum fructitms ab utero 
etiam recentibus Chii^stum salvatorem et de poiestate diaboli redem- 
torem necessarium non negavit:^) quod vos negatis; et quia vobis 
pro eorum salute, qui nondum pro se loqui possunt, et pro fidei 
catholicae fundamentis resistimus, Manichaeos nos esse jactatis. 

38 (23). „Novo", inquit,^) „genere disserendi et catholicum 
profiteris et Manicbaeo patrocinaris dicendo nuptias et magnum 
bonum et magnum maluro." Prorsus quid loquatur ignorat, 

sive ignorare se simulat Et Jovinianus, qui paucos^) 

ante annos novellam conaius est liaeresim condere^ Manichaeis patto- 
cinari dicebat catholicos^"*) quod adversus eum sanctam virginitatem 
nuptiis praeferebant,^) Sed respoDsurus est iste, non se quod 
Jovinianus de indifferentia nuptiarum virginumque sentire. Nee 
ego dico, quod isti hoc sentiant: verumtamen per Jovinianum 



1) In dem Brief des Ambrosiua an Siriciua (s. oben). 

2) Dadurch würden die Pelagianer das Mass Jovinians voll machen, 
dass sie nun auch gegen Ambrosius dieselbe Beschuldigung des Manich&is- 
mus erheben würden. 

3] Bezieht sich auf den 1. Satz Jovinians. 

4) Augustin rühmt dem Jovinian nach, dass er, obwohl er Ehe und Virgi- 
nität gleich hoch schätzte, doch die Bedeutung und Notwendigkeit des 
Heilswerkes Christi, auch für die Kinder, nicht geleugnet hätte — was doch 
die Pelagianer thun, somit in Augustins Augen tiefer als Jovinian stehen. 

5) sc. Julianus. 

6) Vgl. damit § 72 S. 95 Anmerk. 5. 

7) Die oft wiederholte Notiz: Jovinian habe die Katholiken, speziell 
den Ambrosius, des Manichäismus beschuldigt. 

8} Mit Bezug auf den ersten Satz Jovinians. 



n. Zeugnisse über Jovinians Leben nnd Schriften. 9} 

eathohcis Manichaeos objicieniem, non esse hoc noTum, novi hae* 
retici recognoscani 

§ 69. 

Äug, contra duas epist Pelag. 1, 4 (2). *) 

Jam itaque Juüani respondeamus epistolae. „Dicunt," in- 
quit,^) „illi Manichaei, quibus modo non communicamus, id est, 
toti isti cum quibus dissentimus, quia primi hominis peccato, id 
est, Adae, libenun arbitrium perierit, et nemo jam potestatem 
habeat bene vivendi, sed omnes in peccatum camis suae necessi- 
iate cogantur'^ Manichaeos appeüat catholicos, more illius Jovi- 
nianiy^) qui antepaucos annos haeretuyus novtis *) virginitatem sanetae 
Mariae desiruebat^) et virginitati sacrae nuptias fidelium coaequahat^) 
Nee ob aliud hoc objiciebat '*) catholicis, nisi quia eos videri vo- 
lebat accusatores vel damnatores esse nuptiarum. 

§ 70. 
Äug, contra Julianum 1, 4.^) 

In quibus'') libris volens homines avertere a fide catholica 
fimdatissima et ad novitatem vestri erroris adducere saepe in- 
cutis^^) legentium sensibus Manichaeae pestis honorem: quasi 
malum naturale cum Manichaeis sapiat, qui dicit infantes se- 



1) Im J. 420 schrieb Angnsün 4 Bücher gegen die ihm durch Alypins 
überbrachten zwei Briefe Julians und anderer Pelagianer. Sie sind gerichtet 
an den römischen Bischof Bonifazius, den Nachfolger des Zosimus (Tom. 
X, 271 £f.). 

2) sc. Julianus. 

3) Also auch hier die Notiz, wonach Jovinian die Katholiken (speziell 
den Ambrodus) für Manich&er erklärte. 

4) Augustin zählt im J. 420 die Jovinian'sche Häresie zu den Irrlehren 
der jüngsten Vergangenheit. Vgl. damit das „aetate nostra'' in de haeres. 
82 (§ 72 S. 95 Anmerk. 5). 

5) Der fünfte Satz Jovinians. 

6) Erster Satz Jovinians. 

7) sc. Julianus. 

8) Die 6 Bücher Augustins gegen Julian sind gerichtet gegen vier 
Bücher, welche Letzterer gegen Augustin geschrieben hatte. Augustin hat 
jene Bücher im J. 421 bald nach der vorigen Schrift verfasst (Tom. X, 327 ff.). 

9) Die vier Bücher Julians. 
10) sc. Julianns. 



92 Haller, Jovinianas. 

cundum Adam camaliier natos contagium mortis antiquae prima 
nativitate contrahere, et ob hoc secunda indigere, ut per layacrum 
regenerationis prius peccati originalis remissione porgentor, et 
in Dei filios adoptati in regnum Unigeniti transferantar. Hoo 
de Manichaeorum nomine et crimine faciebat etiam Javinianus 
negans Mariae sanctae virginitaiem,^) quae fuerai dum eonciperet, 
permansisse dum pareret,'^ tamquam Christum, cum Manichaeis 
Phantasma crederemus,^) si matris incorrupta yirginitate diceremus 
exortom. Sed in adjutorio ipsius Salvatoris, siöut spreveruni*) 
catholici vdut acutissimum^) quod Jovinianus eacseruerat argumentum, 
et nee sanctam Mariam pariendo fuisse cormptam, nee Dominum 
Phantasma faisse crediderunt, sed et illam virginem mansisse 
post partum, et ex illa tamen verum Christi corpus exortum: sie 
spement vestra^) calumniosa vaniloquia, ut neque cum Manichaeis 
adstruant mali naturale principium et secundum antiquam et 
veram catholicam fidem nullo modo dubitent Christum in eva- 
cuando chirographo paterni debiti liberatorem credere parvulorum. 

§ 71. 

August Retraciaiionum lib. 11, 22J) 

Joviniana haeresis sacrarum yirginum meritum aequando pu- 
dicitiae conjugali^) tantum^) valuit in urbe Roma, ut nonnullas 



1) Fünfter Satz Joviniaos. 

2) Jovinian leugnete den Fortbestand der Virginit&t Marias in und 
nach der Geburt Vgl. oben Ambrosius und Siricius. 

3) Hier eine Bestätigung der Ausffthrungen des Ambrosius ad Siric. 8 
(s. oben § 61 8. 79 Anm. 1). Jovinian macht den Katholiken zum Voi^ 
wurf, dass sie mit der Leugnung einer die Jungfräulichkeit Maria auf- 
hebenden Geburt Christi, d. h. also mit der Annahme einer Scheingeburt 
Christi diesen selbst zu einem Phantasma degradieren, wie es die Mani- 
ch&er thun. 

4] Indem sie der Lehre Jovinians nicht zustimmten. 

5) acutissimum: Jovinians BeweisfQhrung galt als eine scharfinnnige 
und gefährliche, was auch seine kirchlichen Gegner ihm zugeben mnssten. 

6) sc der Pelagianer. 

7) Verfasst im J. 427. Wir zitieren nach der LOwener Ausgabe 1570, 
Tom. I, p. 22, die hier ganz mit der Maurioer (T. VI, 234) übereinstimmt. 

8) Man sieht, wie gerecht Augustin gegen seine Widersacher war: 
Jovinian, sagt er, habe das Verdienst der heiligen Jungfrauen dem der 
keuschen Ehe, nicht überhaupt jeder Ehe gleichgestellt 

9) Nur in Rom (nicht auch in Afrika) prosperierte die JovinianscheHärese. 



II. Zeugnisse Über Jovinians Leben nnd Schriften. 93 

etiam sanctimoniales de quarum pudicitia suspicio nulla praeces- 
serat,^) deiecisse^) in nuptias diceretur, hoc maxime argumento 
com eas ui^eret^) dicens: Tu ergo mdior quam Sara, melior quam 
Susanna sive Anna?*) et caeteras commemorando testimonio sanctae 
scriptorae commendatissimas feminas, quibus se iUae meliores 
Tel etiam pares cogitare non possent. Hoc modo etiam virorom^) 
sanctornm sanctam coelibatum, commemoratione patrum conju- 
gatoram et praedicatione frangebat. Huic monstro sancta ec- 
desia qnae ibi est fidelissime ac fortissime restitit^) Remanse- 
rant autem istae disputationes ejus in quorundam sennunculis 
ac susorris quas palam suadere nuUiis^) audebat. Sed etiam oc- 
cnite venenis repentibus facultate quam donabat Dominus occur- 
rendum fuit: maxime quoniam iactabatur Joviniano responderi 
non posse cum laude sed cum yitnperatione nuptiarum. Propter 
hoc Ubrum edidi, cuius inscriptio est De bono conjugalL^ Ubi 
de propagatione filiorum prius quam bomines mortem peccando 
mererentur, quoniam concubitus mortalium corporum res videtur, 
quaestio magna dilata est: sed in alüs postea liticris nostris satis 
quantum arbitror explicatur. Dixi etiam quodam loco: Quod 
enim est cibus ad salutem hominis, boc est concubitus ad salu- 
tem genens, et utrumque non est sine delectatione carnali^ quae 



1) Nicht zweifelhafte Elemente, sondern Asketen von tadeUosem Ruf 
traten in Folge der Jovinianschen Bewegung in den Ehestand. 

2) Das „deiecisse^' bezeichnend für Augustin, der einen solchen Über- 
tritt als einen moralischen Fall beurteilt. 

3) Das ,,urgeret'' soll die eifrige, zudringliche Agitation Jovinians 
▼enuteilen. 

4) Ein geflügeltes Wort, das dem Jovinian in den Mund gelegt wurde. 

5) Auch männliche Asketen veranlasste Jovinian zur Aufgabe des 
Cölibates. 

6) Gemeint ist hier das Vorgehen der römischen Kirche und des 
Papstes Siricius. 

7) Trotz der offiziellen Vernichtung der Jovinianschen Bewegung 
dauerte dieselbe fort, nicht mehr Öffentlich, mehr im Verborgenen, wo in 
geheimen Konventikeln Jovinians Gedanken weiter diskutiert wurden. 

8) Diesem in der Verborgenheit schleichenden Gift wollte Augustin 
seinerseits, soweit er es vermochte, widerstehen. Dazu kam noch, dass die 
Anhänger Jovinians, kurz die Anticölibatöre, behaupteten: die Gegner 
können nur auf Kosten der Ehe ihre Position halten. So kam es, dass er 
die Schrift de bono conjugali schrieb. 



94 Haller, Joviniaaus. 

tarnen modificata et temperantia refrenante in usam naturalem 
redacta libido esse non potest. Quod ideo dictum est, quoniam 
libido non est bonus et rectus usus libidinis. Sicut enim malum 
est male uti bonis, ita bonum est bene uti malis: de qua re alias 
maxime contra novos haereticos Pelagianos diligentius disputavi.*) 



1) Hier restringiert er einen Satz, den er von dem Gehorsam des ver- 
heirateten Abrahams schrieb. Derselbe sei doch nicht so besonders 
gross gewesen. Es sei anzunehmen, dass Abraham geglaubt habe, der 
getötete Sohn werde auferweckt werden, wie es auch im Hebräerbrief sa 
lesen sei. — 

Die Schrift de bono coi^'ugali (ed. Benedict. VI, 234 — 248) ist im J. 
401 verfasst. Die Vorwürfe der Jovinianisten boten die Veranlassung. 
Augustin verteidigt hier die Ehrbarkeit und sittliche Zulässigkeit der Ehe. 
Doch sei die Enthaltsamkeit longe praestantior. Ehemals sei sie ad pro- 
pagandum Dei populum unentbehrlich gewesen. Für die Gegenwart aber gelte 
das Wort: Qui potest capere capiat. Und die Ehe sei nur dann einzugehen, 
wenn man sich nicht enthalten könne. Desshalb haben die Asketen doch 
kein Recht> sich für besser als einen Abraham zu halten. Die heiligen 
Eheleute der Vorzeit hätten trotz ihres ehelichen Standes die virtntem 
continentiae in animi habitu bewahrt. Hiebei kommt Augustin, was sonst 
nirgends in dieser Schrift geschieht, auf Jovinian zu reden, aber auch hier 
ohne ihn ausdrücklich zu nennen; er führt nur angebliche Aussprüche von 
ihm an, von denen wir nicht einmal wüssten, dass sie in Joviuianschen 
Kreisen cirkulierten, wenn sie nicht, wie wir soeben sahen, in den Re- 
tractationes c. 22 ihm ausdrücklich zugeschrieben wären. So heisst es De 
bono coDJugali 27: Ac per hoc ab eis qui corrumpunt bonos mores coUo- 
quüs malis, inani et vana versutia dicitur homini Christiano continenti et 
nuptias recusanti: y^Tu ergo tneltor quam Abraham?" Quod ille cum 
audierit, non perturbetur .... sed dicat: Ego quidem non sum melior quam 
Abraham, sed melior est castitas caelibum quam castitas nuptiarum, quamm 

Abraham unam habebat in usu, ambas in habitu Sic et femina 

innupta, quae cogitat ea quae sunt Domini, ut sit sancta et corpore et 
spiritu, cum audierit impudentem illum percontatorem dicentem: „7k ergo 
melior quam Sara? respondeat: Ego melior sum, sed iis quae virtute hujus 
continentiae carent, quod de Sara non credo : fecit ergo illa cum ista virtute 
quod illi tempori congruebat, a quo ego sum immunis, ut in meo etiam 
corpore appareat quod illa in animo conservabat. — Im gleichen Jahre, 
also noch 401, verfasste er, gewissermassen als Fortsetzung, die Schrift de 
sancta virginitate, von welcher er in seinen Retractat. 23 sagt: id Dei 
munus, et quam magnum et quanta humilitate custodiendnm esset, nno 
sicut potui volumine ostendi. 



II. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. 95 

§ 72. 
Augusüni lib, de haeresibus e. 82J) 

Javinianütas^) quoque apud istnm^) reperi, quos jam no- 
veram.^) A Joviniano quodam monacho ista haeresis orta est 
aetate nostra, cum adhuc juvenes essemus.^) Hie omnia peccata, 
sicut Stoici philosophi, paria esse dicebat,^) nee posse peecare 
hominem lavaero regenerationis aeceptoj) nee aliquid prodesse 
jejunia, vel a eibis aliquibus abstinentiam.^) Virginitatem Mariae 
destmebat, dicens eam pariendo fuisse corruptam.^) Virginitatem 
etiam sanctimonialium et continentiam sexus virilis in sanctis 
eligentibus caelibem yitam eonjugiorum castorum atque fidelium 
meritis adaequabat:^^) ita ut quaedam viigines sacrae provectae 



1) Wir folgen der Mauriner-Ausgabe t. VIII, p. 18. — Diese Schrift 
Augusiäns ist in das Jahr 428 zu setzen. 

2) Die Jovinianer stehen in Augnstins Katalog nach den Luciferianem. 
Auf die Jovinianer folgen nur noch die Arabici, Helvidiani, Patemiani siye 
Yenustiani, Tertullianistae, Abeloitae und endlich die Pelagiani, qui et 
Caelestiani. Da Augustin die Häresien von der Erscheinung des Herrn an 
chronologisch wiedergiebt, so sieht man, wie die Jovinianer zu den jüngsten 
H&rettkem der Kirche gerechnet wurden. 

3) Im Vorausgehenden (c. 81) sagt Augustin, weder Epiphanius noch 
Philaster h&tten die Luciferianer unter die Häretiker gesetzt. Apud quem- 
dam tarnen, cujus nomen in eodem ejus opusculo non inveni, in haereticis 
Ludferianos positos legi. Bei demselben Anonymus fand er auch die Jo- 
vinianer genannt. 

4) Augustin hatte schon Kunde von diesen Häretikern erhalten, bevor 
er jenen Anonymus zu Gesicht bekommen hatte. 

5) Die Entstehung der Jovinianschen Bewegung fällt somit in die 
Jugendzeit Augustins. Jovinian trat nachweislich um 388 in Rom öffentlich 
auf, also zur Zeit, da Augustin 34 Jahre alt war, ein Jahr nach seiner 
Taufe. Im Jahre 388, nach dem Tode des Kaisers Maximus, kehrte er 
nach Afrika zurück. Demnach ist wohl anzunehmen, dass er die Jovi- 
niansche Bewegung noch in Italien zu kennen Gelegenheit hatte. 

6) Ganz so Hieronymos 11, 21 (vgl. § 37). Der IV. Satz Jovinians. 

7) Der II. Satz Jovinians. 

8) Der III. Satz Jovinians. 

9) Der V. Satz Jovinians, den Hieronymus nicht nennt, dafür aber 
um 80 häufiger Ambroeius. 

10) Der L Satz Jovinians. Wie gerecht Augustin seinen Gegner be- 
handelt, sieht man hier in der Beifügung: „castorum atque fidelium": Die 
Ehelosigkeit schätze Jovinian ebenso hoch wie eine keusche und gläu- 
bige Ehe. 



96 Haller, Jo^inianus. 

jam aetatis in urbe Roma, ubi haec docebat, eo audito nupsisse 
dicantur.^) Non sane ipse vel habebat vel habere volebat uxorem: 
quod non propter aliquod apud Deum majus meritum in regno 
vitae perpetuae profuturum, sed propter praesentem prodesse 
necessitatem, hoc est, ne homo conjugales patiatur molestias dis- 
putabat.^) Cito^) tarnen ista haeresis oppressa et exstincta est, 
nee usque ad deceptionem aliquorum sacerdotum^) potuit per- 
venire.^) 

§ 73. 
August. Op, imperf. contra Julianum 1.^) 

96. Mianus: Hoc ergo arbitrium librum, propter quod 
solum nos manifestari ante tribunal Christi, Magister gentium 



1) Hiernach ist Rom als der haupts&chliche Schauplatz der Wirksam- 
keit des Jovinian genamit. Interessant und wichtig ist die Notiz, welche 
Augostin über den grossen Erfolg des Jovinianschen Auftretens in Rom 
giebt. Daraus erklärlich der fanatische Hass eines Hieronymos, dieses 
Hauptagenten des MOnchtums, gegen Jovinian. — Nicht nur jugendliche 
Mönche und Nonnen, sondern auch ältere Asketen entschlossen sich auf 
Jovinians Vorträge hin zu heiraten. 

2) Auch Augustin bezeugt, dass Jovinian unverheiratet blieb. Er 
rechnete es ihm jedoch nicht, wie Hieronymus, als Inkonsequenz an, son- 
dern erklärte sich dieses Verhalten aus der Einsicht Jovinians, „ne homo 
conjugales patiatur molestias". Vgl. Lindner p. 13. 

3) Cito — insofern schon nach 2 Jahren, im J. 390, der Bischof in 
Rom gegen Jovinian einschritt. 

4) Jovinians Erfolg blieb auf Laien, Mönche und Nonnen beschränkt 
Der Klerus, insbesondere Bischöfe, blieben seinem Anhange fem. Zur 
Gründung von Jovinianschen Gemeinden oder Kirchen kam es nicht Es 
gab keine Jovinianschen (wie z. B. Donatistische, Pelagianische etc.) Bischöfe. 

5) Noch sei bemerkt, dass die Jovinianer in dem Katalog Augustins 
zu denjenigen Häretikern zählen, welche die ausführlichste Behandlung 
erfahren. Die Helvidianer (c. 84) kommen kürzer weg. Von diesen heisst 
es nur: Helvidiani ezorti ab Helvidio, ita virginitati Mariae contradicunt, 
ut eam post Christum alios etiam filios de viro suo Joseph peperisse con- 
tendant Sed mirum ni istos, praetermisso Helvidii nomine, Antidicomaritas 
Epiphanius appellavit. 

6) Auf das zweite Buch Augustins de nuptiis et concupiscentia ver- 
fasste Julian 8 Bücher ad Florum c. Aug. sec. de nupt. Diese veranlassten 
den grossen Bischof von Hippo zu einer Widerlegung, welche ihn während 
der letzten Lebensjahre, also in den Jahren 429—430 lebhaft beschäftigte. 
Die sechs ersten Bücher Julians erfahren in dieser grossen unvollendeten 
Apologie eine eingehende Kritik, und zwar in der Weise, dass jedesmal 



II. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. 97 

scribit,^) „nt reportet unusquisque propria corporis, prout gessit, 
sire bonum, sive malum/ sicut catholici quidem confitentur; ita 
Yos non solom cum Manichaeo, sed etiam cxun Joviniano,^) quem 
nobis audes impingere^) diver so quidem genere, sed impieiate*) simili 
denegatis, Quod ut planius fiat, divisionum adhibeatur examen. 
N08 dicimus peccato hominis non naturae statum mutari, sed me- 
riti qualitatem; id est, et in peccante hanc esse liberi arbitrii 
naturam, per quam potest a peccato desinere, quae fuit in eo 
ut posset a justitia deviare.*) 

97. Juliemus: Manichaeus dielt, voluntatem malam ab ea in- 
spirari natura, quae bonum velle non potest; voluntatem vero 
bonam ab ea infundi natura, quae malum velle non potest: ita 
utique naturis singularum rerum imponit necessitatem, ut pro- 
priae voluntates non possint velle contraria.^) 

98. Julianus: Joviniano autem in una parte conjungeris: nam 
dicit in secundo operis sui lihrOy'^) baptizatum hominem non posse 



die Stelle Julians in extenso mitgeteilt und an dieselbe die Widerlegung 
Augustins angeknöpft wird. (Tom. X, 575 — 1016.) 

1) IL Kor. 5, 10. 

2) Julian von Eclanum wirft den Augustinern vor, dass sie in Bezug 
anf die Freiheit und Verantwortlichkeit des menschlischen Willens weder 
mit dem Apostel Paulus noch mit der katholischen Lehre, sondern vielmehr 
mit Manichftus und Jovinian harmonieren. 

3) Angustin hat, wie wir uuten sehen werden, den Pelagianismus 
mehrfach in Beziehung zu Jovinian gestellt. Julian versucht das Gegenteil. 

4) Auch Julian wirft Jovinian impietas vor: In ihrer Geistesart seien 
Angustin und Jovinian verschieden, in der Gottlosigkeit ihrer Aufstellungen 
über den freien Willen treuen sie zusammen. 

bj Hier folgt die Antwort Augustins: Der status naturae ist durch 
die Sünde des Menschen verändert worden. 

6) Im Folgenden sucht Julian die Ähnlichkeit zwischen dieser Mani- 
cbäischen Aufstellung und der Lehre Augustins nachzuweisen, worauf 
Angustin sich verteidigt mit dem Hinweis, Manichäus lehre: naturam boni 
cogi male facere ab ea natura mali, quae bonum non potest velle. 

7) Von einem liber secundus Jovinians giebt Hieronymus (1, 2) eine 
Stilprobe (siehe § 1). Aus dem dort mitgeteilten exordium dieses zweiten 
Baches geht hervor, dass Jovinian in demselben von der Reinheit der 
wahren Kirche Christi, der Wiedergeborenen spricht. Nimmt man dazu 
diese Notiz Julians, wonach Jovinian in seinem liber secundus von der 
Sfindlosigkeit der wiedergeborenen Getauften spricht, so ist damit der Be- 
weis geliefert, dass sein zweites Buch seine xweite Proposition behandelt 

Texte a. ünterftachangen N. F. II, 8. 7 



98 Haller, Jovinianiu. 

peccare; *) ante baptisma autem etpeccare et non peccare posse,^) Tecum 
ergo putat, a tempore baptismatis imponi hominibus neoessüatem born: ^) 
quod aeque falsuiu est, quam quod tu putas, ante baptisma in- 
esse hominibus necessitatem faciendi mali. Nam cum dicis ta, 
,,Non potest homo boni aliquid velle, nisi adjuvetur ab eo qui 
malum non potest velle^, participatione utique gratiae et naturae 
bonae vis hominem possibilitatem consequi faciendi boni, quod 
dicis tarnen a tempore baptismatis posse contingere.^) Inter 
impietatem igitur medius et timorem ad Joviniani consoriium 
confugisti, sed Manichaei lupanar necdum reliquisti.*) Verum- 
tarnen tanto te innocentior Jovinianns, qtuinto Joviniano profamor 
Manichaeus.^ Ut enim adhuc brevius quod egimus colligatur, 
Manichaeus dicit: In omnibus hominibus inspiratrix malae volun- 
tatis tenebrarum natura delinquit et aliud facere non poteet. 
Tu dicis: In cunctis hominibus primi peccati tenebris infecta et 
per hoc malae voluntatis auctor natura delinquit et boaum velle 
non potest. Jovinianus dicit: Voluntaa quidem kominum, sed 
usque ad baptisma delinquit ; postea autem nisi bonum velle non potest. 
Gatholici, id est, nos dicimus, quod ab initio usque ad finem sine 
aliquo naturalium coactu voluntas et ante baptisma in unoquoque 
delinquit, quae illo ipso tempore quo peccat potestatem habet 
recedere a malo et facere bonum, ut oonstet ratio libertatis. 
Vestrum itaque nulli quidem veritas dogmatum constat: tamen 
cum ab uno principio erroris fueritis egressi, yel minus inho- 
nestum erat, si quae consequuntur admitteres; et quia cum 



hat. Julian ficheint Jovinians Bücher gekannt za haben. Denn Hieronymus 
sagt in seinen Büchern nichts davon, doss Jovinian die fragliche Lehre in 
einem xwetten Buche seiner commentarii behandelt hätte. 

1) Der zweite Satz Jovinians frei wiedergegeben. 

2) Die Konsequenz, welche Julian aus Jovinians Satz zieht« 

3) Ebenfalls eine Folgerung Julians. 

4) Scharfsinnig folgert Julian, dass im Grunde Augustin Über die 
Möglichkeit des guten Willens um kein Haar anders rede als Jovinian, 
weil er sagt, dass erst durch die gratia der Mensch die possibilitas faciendi 
boni erlange, die gratia selbst ihm jedoch erst von der Taufe erteilt werde. 

5) Schwankend zwischen iOottlosigkeit und Gottesfurcht habe sich 
Augustin auf die Seite Jovinians gestellt, ohne sich von Manichäus los- 
zusagen. 

6) Julian hält also die Lehre Augastins fär schlimmer als die Jovi- 
nians und Manichäus scheint ihm gottloser als Jovinian. 



n. Zeognisse über Jovinians Leben und Schriften. 99 

Manicliaeo dicis, naiaira mala, id est, manca libertate delinqui, 
diceres cum eodem nullo illam pacto posse mundari: quod qui- 
dem alibi affirmas; sed quod necessario consequebatur acfjungeres, 
ideo ei opus non esse baptismatis sacramentis.^) Aut si cum 
Joviniano a tempore susceptae fidei^) imprimi asseris bonos cupir 
diUxtes, diceres cnm eodem, honam et ante baptisma fuisse naturam^ 
quae licet haberet possibüitatem malt, non tarnen habtierit necessi" 
tatem,^) acper hoc^) ad indissimtdabüe bonum consecrata pervenerii. 
Hoc enim modo, etsi rationi, nequaquam tamen eorum, quos se* 
qneris, dogmatibas contravenires. 

Augustinus: Oblitas es quid dicamus: recordare, quaeso. 
Nos sumus qui vobis reclamantibus dicimus, etiam justis, quam- 
dia sunt in hac vita, non deesse, unde in oratione sua de se 
ipsis Teraciter dicant^ Dimitte nobis debita nostra! Quoniam si 
dizerint se non habere peccatum, se ipsos decipiunt et yeritas 
in eis non est. Quid est ergo, quod inaniter loqueris, me Jovi- 
niano in ea parte conjungi, qua dicit baptixatum hominem non 



1) Jnlian sagt, es sei nicht ehrenvoll für Augostin, dass er, obwohl 
in den Prinzipien mit Manich&us and Jovinian zusammenstimmend, den- 
noch die Konsequenzen vermeide, z. B. mit Manicbäus sollte er die ün- 
Terbesserlichkeit der bösen Natur und die Entbehrlichkeit der Taufe zu- 
geben. 

2) Der Empfang des Glaubens, der zur Wiedergeburt fQbri fällt bei 
JoTinian mit der Taufe zusammen. Indem Julian hier die fides nennt 
(statt nnr der Taufe), ist er gerechter als Hieronymus. 

3) Jovinian lehrte also, dass die Natur des Menschen vor der Taufe 
nicht schlechtweg bös, vielmehr im Grunde gut war ; jedoch nicht in der Weise, 
dam sie unter allen Umständen Gutes thun musste — sonst könnte die 
Sünde nicht erklärt werden — , sie hatte nur die possibilitas boni. — Also 
ganz genau der Pelagianismus oder die vulgärkirchliche Anschauung vor 
Augostin. 

4) per hoc i. e. per baptisma. Durch die Taufe — und fügen wir 
ergänzend hinzu: die in der Taufe empfangene fides — gelangt der Mensch 
bezw. seine Natur zu einem unveränderlichen Gutesthun, insofern unver- 
änderlich als der Mensch nicht mehr vom Teufel mit Erfolg verführt 
werden kann (2. Satz) und auch unter den Guten kein wesentlicher Unter- 
schied besteht (4. Satz). — Wir lesen hier mit den Maurinern: ad indissi- 
malabile bonum, welches Wort auch sonst von Julian gebraucht wird. 
Die Leeeart (Vigner) in inamissibile ist auch annehmbar; verwerflich jedoch 
Menardfl in addissimilabile. 

7* 



100 Haller, Jovinianus. 

posse peccare.^) Äbsit ut tarn simus surdi et muti, ut non audi- 
amus eorum qui baptizati sunt vocem, vel non cum eis dicamus: 
Dimitte nobis debita nostra.^) 

Desine igitur conviciari nobis de Manichaeo et Joviniano: 
quibus enim convicieris in nobis, quos subsecuti ne^are non 
possumus originale peccatum, videres si oculos haberes et taceres 
si frontem haberes 

101. Julianus: Consentiamus voluntatem liberam posse dici, 
qnae bonum velle non potest: hanc auiem voluntatem in baptis^ 
male asseris liberari, Interrogo, ad quem modum liberator, ut 
bonum semper velle cogatur et malum velle non possit? an ut 
utrumque possit appetere? Hie tu si responderis, * w^ bonurn 
semper mite cogatur^) quam sis Jovinianista^ etiam ipse cognoscis. 

Augustinus: De Manichaeo et Joviniano jam me tibi superius 
inveniet respondisse, qui legerit 

In baptismo autem ita peccata omnia dimittuntur in Dei 
gratia, qua et ad ipsum baptismum hömo praeparata ab illo 
voluntate perducitur, ut deinceps quamvis concupiscat Spiritus 
ejus adversus carnem, ne consentiat iniquitati, tamen et caro 
concupiscat adversus spiritiira, ut non faciat et ille quod vult. 
Vult enim et istam carnis concupiscentiam non habere, sed non 
potest nunc; propter quod adhuc in seipso ingemiscit, adoptionem 
exspectans redemtionem corporis sui, ubi sie habeat camem, ut 
jam peccare non possit. Nunc ergo non solum potest peccare 
post baptismum, verum etiam quia et bene reluctans concupiscentiae 
carnis aliquando ab ea trahitur ad consensionem; et quamvis 
venialia, tamen aliqua peccata committit: habet cur semper hie 
dicat: Dimitte nobis debita nostra. Haec quoque catholica 
veritas Joviniani ^) redarguit vanitatem. Utrumque autem, id est, 



1) Wiederum die abgekürzte, unvollständige Fassung des zweiten 
Satzes. 

2) Auf die Taufe kommt es nicht an, sondern darauf, dass man ad- 
iutus ab eo qui dixit: Sine nie nihil potestis facere. So habe denn auch 
Kornelius vor der Taufe Gottes Willen gethan, während diesen ein Simon 
Ma^us nicht that, obwohl er getauft war. 

3) Der zweite Satz Jovinians. 

4) In diesen Ausführungen haben wir die klare und kürzeste Wider- 
legung Jovinians durch Augustin: In der Taufe werden uns alle Sünden 
vergeben. Zur Taufe selbst muss die Gnade Gottes den Menschen vorbe- 



n. Zeugnisse Über Jovinians Leben und Schriften. \Ql 

et qaod contra Manichaeum et quod contra Jovinianum dicimus, 
haeresim Testram calamniasque subvertit. 

§ 74. 
Fortsetzung. Lib, IV, 121 flF. 

121. JuL: Quod^) dicis ei^) convicium a Joviniano factum, 
in quo mentiri te tamen arbitror: sed annuamus vel Joviniani 
te criminatorem verum esse posse, Amhrosiumque ah iüo Mani- 
chcLeum vocatum:^) at id constat insanum fuisse. Non enim sane 
poterat Manichaeus vocari^ qui bonam naturam, qui peccata 
Yoluntaria, qui a Deo institutas nuptias, qui a Deo fieri parvulos 
praedicabat.^) Si ergo ille praelaiionem virginitatis nuptiarum ao- 
cusaiionem putavii,^) nesciit omnino quid diceret. Aliud est enim 
contrarium, aliud ordinatum. Boni quippe laudatio ad meliora 
gradus est: infamatio autem naturae ad Manichaeum via est. 
Cum ergo non damnaret Ambrosius nuptias; nee commixtionem 
conjugum vel opus diaboli vel necessitatem diceret esse peccati: 
improbe fecit Jovinianus, ut cum conferret ManicJiaeOy putaretque 
nihil Interesse inter nuptiarum accusatorem et h/udßtorem,^) 

JuL: Verum ut illi') infensus Jovinianus arguitur, ita vobis 
comparatus absolvitur. Quando enim tibi tantum prudentium 
censura donabit, ut te cum Joviniani merito componat?^) Ille 



reiten. Aber so lange er hienieden ist, hat er trotz und nach der Taufe 
immer noch die Concupiscenz, vermöge welcher er sündigen kann, wenn 
es auch nur peccata venialia sind. 

1) Dass Ambrosius ein Manichäer sei; vgl. oben § GS. Augustin hat 
das für einen von Jovinian dem Ambrosius angethanen Schimpf erklärt. 

2) sc. Ambrosio. 

3) Julian giebt zu, dass Jovinian wirklich den Ambrosius einen Ma- 
nichfier genannt hat. Dass aber Ambrosius dies war, kann er nicht zu- 
gestehen. 

4) Dies alles nimmt Julian von Ambrosius an. 

5) Wenn (meint Julian) Jovinian das schon für eine Anklage der £he 
h&lt, dass jemand, wie Ambrosius, die Yirginität der Elhe vorzieht, der 
habe überhaupt kein Urteil in solchen Dingen. 

6) Julian nimmt also den Ambrosius gegen Jovinian in Schutz. 

7) Jovinian war auf Ambrosius nicht gut zu sprechen. Sein Urteil 
über den Mailänder Bischof beruht auf Feindseligkeit und Gehässigkeit. 

8) Das Folgende enthält nur eine Vergleichung zwischen Joviniaii 
und Aogoatin, natürlich zu Ungunsten des letzteren. 



102 Haller y Jovinianus. 

qnippe dixit boni esse necessitatem;^) tu mali: ille 2iiiper mysteria^) 
homines ab errore cokiberi; tu vero nee per gratiam liberari: ille 
virginüatem Mariae parius conditione dissolvit;^) tu ipsam Mariam 
diabolo nascendi conditione transcribis: ille meliora bonis aequcU^ 
id est, integritatem connubio;*) tu vero commixtionem conjugii 
morbidam vocas et castitatem foedissimae rei coUatione depre- 
tias: nee gradum inter haec addis; sed genus omne commutas, 
non utique bono yij^initatem, sed malo praeferens. Est autem 
vilitatis extremae, nisi teterrimo comparatum, placere non posse. 
Jam vero quid ille tale de Dei injuriis, quäle tu? Ille ejus ju- 
didi vigorem a benignitatis voluit parte confundere; tu a maligni- 
tatis:^) ille dicit apud cum bonos et optimos aequo honore fruituros;^) 
tu vero bonos et impios, id est, innocentes et diabolum uno 
supplicio cruciandos: ille ergo Deum clementissimum vuU videri; 
tu iniquissimum: ille dicit mysteriis'^) ejus imbutos homines non 
posse p'eccare; tu vero ipsum Deum et in mysteriis imbecillitate 
et in praeceptis immoderatione et in judiciis immanitate peceare 
contendis. Cum itaque tanta disparatio sit inter te et Jovinianum, 
quanta conjunctio inter te et Manichaeum; tanto te tolerabilior 
Jovinianus probatur, quanto Joviniano horridior Manichaeus.^) 

122. Aug.: Quam bellus tibi videris, cum me Joviniano com- 
parans, pejorem conaris ostendere. Verum hanc quoque con- 
tumeliam mendacissimam cum Ambrosio me a te accipere gaudeo: 
sed te sie insanire contristor. Ea quippe causa me Joviniano 
dicis e8.se pejorem, qua me dicis etiam Manichaeum. Et quid 



1) Nämlich, dasfl man nach der Taufe nicht sündigen könne. Zweiter 
Satz JovinianB. 

2) sc. durch die Taufe. 

3) Fünfter Satz Joviniana. Vgl. oben die Zeugnisse des Ambrosius. 
So ist auch Julian ein Zeuge fQr die Authentizität dieser dem Jovinian zu- 
geschriebenen Lehre. 

4) Erster Satz Jovinians. 

5) Weil Jovinian das göttliche Wohlgefallen für die Guten ohne 
unterschied in Anspruch nimmt, so hat er allerdings die Rechtsprechung, 
welche Gott übt, verwirrt, aber a parte benignitatis, nicht wie Augustin 
a parte malignitatis. 

6) Vierter Satz Jovinians. 

7) nämlich durch die Taufe und ihre geheimnisvollen Kräfte; siehe 
oben Anmerk. 2. 

8) Dasselbe sagte Julian schon oben; vgl. § 73 S. dB Anmerk. 6. 



n. Zeugmsfle Über Jovinians Leben und Schriften. 103 

est hoc? niud scilicet originale peccatum, quod tos negatis cum 
Pelagio, no8 vero cum Ambrosio confitemur. Cum illo igitur 
secundum tos sumus et Manichaei et pejores Joviniano, et quid- 
quid nos aliud ore proterro nee sane yeridico sed maledico dixe- 
ritis, docuit nos Dominus gaudere et ezsultare, quando qualia- 
cumque maledicta non ex veritate audimus, sed quia pro veritate 

certamus^ 

. Ecce nos ea, in quibus nos dicitis Joviniano esse pejores, 
amolimur a nobis: vos a vobis amolimini, si potestis, in quibus 
TOS pejores eodem ipso Joviniano esse monstrabo.^ Ule dixit 
honi esse necessitatem\^) vos dicitis esse bonam mali cupiditatem: 
ille ait per mysteria^) komines ab errore cokiberi; vos viam rectam 
gradiendi cupiditatem, non inspirari a Deo, sed arbitrio libero 
adquiri; ille virginiiatem Mariae partus conditione dis$olvit\^) vos 
ipsam camem sanctam de virgine procreatam ceterae cami ho- 
minum coaequatis, similitudinem camis peccati non distinguentes 
a Game peccati: ille meliora honis aequat; id est, integrüatem con- 
nubio;^) vos mala bonis; nam discordiam carnis et Spiritus tarn 
dicitis esse bonum, quam concordiam nuptiarum: ille dicit apud 
Deum aequalem honorem bonos et optimos habituros;'') vos autem 
quosdam bonos non solum in regno Dei honorem nuUum adep- 
turos, sed nee ipsum regnum esse visuros: ille dicit Dei mysteriis 
homines imbutos non posse peccare]^) vos dicitis facilius quidem 
per Dei gratiam, sed et sine illa per liberum arbitrium posse 
homines non peccare; audacia gigantea repugnantes Deo, cum de 
bonis fructibus loqueretur, dicenti: Sine me nihil potestis facere. 
Cum igitur in deterius tantum a Jovi?iiani errore distetis, nos 
tamen ei subjicitis et Manichaeo potius adaequatis; magno scili- 



1) Im Folgenden weist Aagastin die Anklagen zurück, die Julian 
in dem unmittelbar vorausgehenden Abschnitt erhoben hat. 

2) Augustin sucht Julian dadurch zu parieren, dass er nun einen Ver- 
gleich zwischen Jovinian und den Pelagianern zu Ungunsten der letzteren 
sieht 

3) Zweiter Satz Jovinians. 

4) Durch die Taufe. 

5) Fünfler Satz Jovinians. 

6) Erster Satz Jovinians. 

7) Vierter Satz Jovinians. 

8) Wie S. 102 Anm. 7. 



104 Haller, Jovinianua. 

cet praesidio communiti, quasi propterea condideritis haeresim 
novam, ut quando vos redarguimus, nullis haereticis adaequare 
possimus. Ego tarnen in hac causa, in qua tibi de originali 
peccato multum videor detestandus et Manichaeo potius coae- 
quandus, cum Ämhrosio sum, velis nolis, quem Jovinianus Moni- 
chaeum dicebat,^) ut tu: sed Obere ille.^ tu subdole. Denique semel 
nie vincitur, cum Manichaeus non esse demonstratur Ambrosius: 
tu vero quia voluisti cor duplex habere bis vinceris. Arguis 
Ambrosium Manichaeum esse; ostendo non esse: negas te arguere, 
ostendo te arguere: utrumque autem clarebit ei, qui superius 
quae dixerit^) legerit. 

§ 75. 

Pelag. libell. fid, (Marii Merc. op. ed. Garnier I,308f.)^) 

16. (Credimus) ünam esse vitam sanctorum omnium, sed 
praemia pro labere diversa; e contrario pro modo delictorum, 
peccatorum quoque esse supplicia^) 

18. Hominem, si post baptismum lapsus fuerit,*) per poeni- 
tentiam^) credimus posse salvari 

24. Joviniani"') quoque damnamus haeresim,®) qui dicit, 
nullam in futuro meritm'um esse distantiam nosque eas ibi hahiiuros 
esse virtutes, qims hie habere neglexeHmn^, 

25. Liberum sie confitemur arbitrium, ut dicamus nos sem- 
per Dei indigere auxilio: et tarn illos errare, qui cum Manichaeo, 

1) Siehe S. 101 Anm. 3. 

2) al. dizimus. 

3) Dieser libellus fidel oder confessio des Pelagius, ein auch als 
Fides eccl. catholicae genanntes und wegen seiner Orthodoxie dem Hiero- 
nymus und sogar dem Augustin zugeeignetes Glaubensbekenntnis (so noch 
von der Sorbonne 1521 in ihren Articulis gegen Luther), stammt aus dem 
Jahre 417 (nach Garnier: paulo post festa paschalia ann. 417) und ist 
adressiert an den P. Innocenz, kam aber in die Hände seines Nachfolgers 
Zosimus. Pelagius hat dieses Glaubensbekenntnis zu seiner Verteidigung 
im Orient verfasst und wollte mit demselben seine Reohtgläubigkeit docn- 
mentieren. — Wir geben den Text aus Garnier Marii Mercat. Op. I ed. 
1673. Hiemit stimmt überein Halm Bibliothet der Symbole 1877 S. 213 ft 

4) Dies im bewussten Gegensatz zu der 4. Proportion des Jovinian. 

5) Dies als Gegensatz zu Jovinians 2. Proposition. 

6) In Pseudo-Aug. Sermo 236: primo per reconciliationem, deinde per 
poenitentiam. 

7) In den Libris Carolinis de imaginum cultu: ,,Joviani''. 

8) Pseudo-Aug.: errorem. 



n. Zeagnisse über Joviniaas Leben und Schriften. 105 

dicont, hominem peccatum vitare Don posse, quam illos, qui cum 
Jovmiano asserunt, hominem non passe peccare^^) uterque enim 
tollit arbitrii libertatem; nos vero dicimus, hominem^) semper et 
peccare et non peccare posse, ut semper nos liberi confiteamur 
esse arbitrii. 

§ 76. 
Juliani libeH fid. 111,8 (Marii Merc. op. 1,322). 3) 

8. Jovinianistas (condemnamus), qui dicunt homiyiem post 
hapiismum nuüo modo posse peccare,^) 

§ 77. 
Gennadii lib. de viris ülustr, 75,^) 
Paulus^) Presbyter, natione, ut ex dictis ejus cognovi, Pan- 



1) Pelagius will weder von dem Manicbäischen noch von dem Jovi- 
nianschen Extrem etwas wissen. 

2) mit dem Zusatz: semper bei Pseudo-Augiistin, wo es aber im Fol- 
genden fehlt. 

3) Dieses Glaubensbekenntnis hat Julian v, Eklanwn auf die epistola 
tractoria des F. Zosimus im J. 418 verfasst. Dasselbe lautet in seinem 
ersten Teil wie das des Pelagius. Es stehen also auch dort die Worte: 
Unam vitam sanctorum etc. und ebenso Eum, qui post baptismum pecca- 
verity per poenitentiam credimus posse salvari. — Wir geben den Text 
nach Garnier: Op. Mercat. ed. 1673. (Hahn giebt dieses Glaubensbekenntnis 
nach Garnier, Jul. Eclan. libell. fidei missus ad sedem apost. in causa 
Pelag. c. notis prim. ed. 1665.8., wo der Schluss, somit auch die hier ci- 
üerten Worte fehlen.) — De Rubeis und andere haben dieses pelagianische 
Symbol dem Julian abgesprochen, auch Gieseler K. G. I S. 426. 

4) Mit dem nullo modo posse peccare ist eine Verschärfung ausge- 
drQckt, die um so mehr als Übertreibung erscheint, als auch Julian die 
von Jovinian för die Taufe vorausgesetzte regeneratio weggelassen hat. 
Julian hatte ein Interesse daran, Augustin so nahe als möglich an den 
verdammten Jovinian zu rucken, wie wir dies auch aus den Schriften 
Jalians gegen Augustin gesehen hatten. 

5) Gennadins von Massilia hat nach dem Tode des Papstes Gelasius 
(4d2 — 496) das Buch de viris illustribus, als Fortsetzung zum gleichnamigen 
Werk des Kieronymus, verfasst und in demselben in 100 Kapiteln 100 kirch- 
liche Scbriftsteller, darunter im letzten Kapitel sich selbst behandelt. Je- 
doch ist das Werk nicht mit einemmal verfasst worden, sondern seine 
Ausarbeitung muss sich durch eine Reihe von Jahren erstreckt haben, wie 
denn auch der Verfasser in cap. 72 den 479 verstorbenen Timotheus noch 
so den Lebenden z&hlt. — Wir geben den Text nach Fabricius' Bibliotheca 
Ecclesiastica 1718 (p. 34). 

6) Dieser Paulus der Pannonier, auch Petrus genannt, ist sonst unbe- 



106 Haller, Jovioianus. 

nonius, scripsit „de virginitate servanda et oontemptu mundi ao 
yitae institatione*' vel „morum correctione* mediocri sermone 
sed divino conditos aale libros duos ad personam cujusdam no- 
bilis et Christo dicatae yirginis Constantiae nomine: in quibus 
meminit^) Joviniani haereticiy et voluptatwm ac litndinum praedi^ 
cato7'is,^ cui in iantum continentis viiae et castae instüuiio contraria 
fuit^^) ut inter luxuriosas epulas animam eructaret*) 



kannt. Er war ein Zeitgenosse des Gennadius und scheint, wie aus dem 
Titel des hier genannten Werkes hervorgeht, ein asketischer Schriftsteller 
gewesen zu sein. Gennadius hat, wie das Folgende zeigt, ihn nicht nur 
persönlich gekannt, sondern auch seine beiden Bücher gelesen. Honoriiu 
(Augustodunensis) schreibt de Script, eccles. II, 74 über diesen Paulus: 
Petrus natione Pannonius, presbyter, scripsit duos libros de virginitate et 
contemptu mundi. Joh. Trithemius (1492) de scriptor. eccles. 146: Paulus 
Presbyter, natione Pannonins, quae Hungaria nunc dicta est, vir in sacris 
literis studiosus et satis eruditus, non minus religionis cultu quam seien tia 
scripturarum venerabilis, Christianae fidei propugnator zelosus, fertur non 
pauca scripsisse volumina, quorum lectio ad confandendos haereticos satis 
accommoda perhibetur. Exstant ejus ad Constantiam Christo dicatam vir- 
ginem De virginitate et contemptu mundi lib. II. De aliis nihil adhuc reperi. 
Claruit sub Theodosio juniore. Anno Domini 430. 

1) Joviniun scheint noch in dem ersten Drittel des 5. Jahrhunderts in 
den asketischen Kreisen erörteit worden zu sein, sonst wBxe dieser Paulus 
in seinen Büchern anleine Nonne nicht auf ihn zu reden gekommen. 

2) Diese Bezeichnung hatte Gennadius sicherlich von Hieronymus. 

3) Man dachte sich den Jovinian als einen vollendeten Epikurfter und 
Genussmenschen. 

4) Hierher vgl. man üieron. c Vigil. 1 (inter phasides aves et cames 
suillas non tamen emisit spiritum, quam eructavtt) und unsere Bemerkung 
3 zu § 50 auf S. 63. -- Weitere Lesearten sind: statt epulas lesen andere 
epistolas; statt animam eructaret liest man vielfach: anima refiitaret (re- 
putaret) beatitudinem. Letztere Leseart hätte aber im Zusammenhang mit 
dem Vorangehenden keinen rechten Sinn. Gennadius will sagen: Jovinian 
habe ein solch ausschweifendes Leben geführt, dass er an seinen Aus- 
schweifungen starb. Das hat einen guten Sinn. Jedoch hat Gennadius 
diese Nachricht nicht von Paulus (er spricht ja im Indicativ), auch nicht 
vom Hörensagen, sondern nur und allein von Hieronymus. Das beweisen 
die wörtlich von Hieronymus (dessen Schriften Gennadius sehr gut kannte) 
entlehnten Ausdrücke: „voluptatum ac Hbidinum praedicator'^ „inter 
luxuriosas epulas'' und namentlich das „eructaret''. — 



U. Zeugnisse über JoTinians Leben und Schriften. l()7 

§78. 

Oennad. de ecclesiastids dogmaU 35,^) 

Sacraiae deo virginitaii nuptias coaeguare^^) out pro amore 
castigandi corporis abstineniibus a vino vel camibus nihil credere 
meriti accrescere,^) nee hoc Christiani, sed Joviniani est 

§ 79. 
Praedestinati lib. I, 82.*) 

Jovinianistae a Joviniano quodam octogesimam et secundam 
haeresem^) arripuisse deiecti sunt. Qui, sicut Stoici philosophi 
putant, paria dicunt esse universa peccata, nee posse peccare 
hominem lavacro regenerationis accepto, nee aliquid prodesse je- 
jonia Tel a eibis aliquibus abstinentiam. Virginitatem sanctae 
Mariae destmnnt, dicentes eam pariendo fuisse violatam. Yirgi- 
nitati eiiam sancidmonialium, continentiiun castitati, et viris eli- 
gentibns caelibem vitam, conjugium castorum atque fidelium 
mentis adaequant, ita ut quaedam virgines sacrae provectae jam 
aetaÜB, in nrbe Romana, ubi haee docebat, eo audito nupsisse 



1) Man nimmt för gewöhnlich an, dass diese Schrift des Gennadius 
identisch ist mit seinem Brief de fide mea ad Oelasinm, Bischof in Rom 
(492--496). Dieselbe hat mehrfiu^he Zusätze erfahren, so dass zu den ur- 
sprünglich 55 Kapiteln noch 33 weitere hinzukamen. Das den Jovinian 
betreffende Kapitel gehört zu den ursprünglichen. — Wir geben den Text 
nach Fr. Öhler, Corpus haereseologicum, Tom. I, p. 351. (Edit. 1856.) 

2) Der erste Satz Jovinians. 

3) Der dritte Satz Jovinians (ge^en die Verdienstlichkeit des Fastens). 

4) Der „Praedestinatus^S höchstwahrscheinlich das Werk eines Semi- 
pelagianers (vielleicht des Amobius des Jüngeren) ist erstmals im J. 1643 
von dem Jesuiten Sirmond herausgegeben worden. Das erste Buch dieses 
merkwürdigen Werkes ist genau der Schrift Augustins de haeresibus nach- 
gebildet, fügt aber den dortigen 88 Ketzereien als 89. die des Nestorius 
und als 90. die der ,yPr&destinatianer" hinzu, welche nachweislich nie' existiert 
hatten, vielmehr nur als eine verkappte Bezeichnung für die Augustiner 
gelten dürften. Mit Rücksicht auf die Nestorianische Haeresie, welche als 
die zweiijüngste angeführt wird und nach dem ganzen Charakter des 
Werkes ist die Abfassung etwa in die Mitte des 5. Jahrhunderts zu setzen 
(to auch Möller in Herzogs R. £. XIV, 95 und Harnack, Dogmeugeschichte 
111,225). — Wir geben den Text aus Öhler, Corp. haereseolog., p. 262 f. 

5) Augustin z&hlt die Häresie Jovinians als die 82. in seinem 
Katalog auf. 



108 Haller, Jovinianue. 

dicantur. Non sane ipse Jovinianus vel habebat vel habere vo- 
lebat uxorem;^) quod factum non faturae vitae profuturum dice- 
bat, sed praesenti commodo adplicabat.^) Contra hunc sascepit 
sanctus Ambrosius Mediolanensis episcopus, quique edidit librum 
ad destruenda oninia commenta adinventionum ejus.^) Quo lecto*) 
in media Romana, id est ecclesia Lateranensi.^; una voce et po- 
pulus Romanus et sacerdotes in eisdem Jovinianistis et ipso Jo- 
yiniano anathema clamavemnt, in ipso initio quadragesimae,^) 
sancto Anastasio episcopo antistite.") Denique in ipsa authentica 



1) Bis hier wörtlich mit Augustin übereinstimmend. 

2) Dem Sinne nach wie Augustin, der hier ausführlicher ist 

3] Von „contra hunc suscepit " int der Prädestinatus selbständig. 

Das Folgende ist ein Kommentar zu den Worten Augustins: „Cito tarnen 

ista haeresis oppressa et extincta est'' — Hiernach hätte Ambrosius 

die Polemik gegen Jovinian mit einem „über" eröffnet, von dem wir 
Übrigens nichts wissen. Somit liegt höchstwahrscheinlich eine Verwechs- 
lung vor. Der Prädestinatus meint unter dem Über wohl nichts anders 
als den Brief bezw. das Antwortschreiben des Ambrosius und der Mailän- 
dischen Synode auf den Antrag Roms, dass man auch in Mailand gegen 
Jovinian einschreiten soll. Hätte Ambrosius schon früher eine Schrift 
gegen Jovinian verfasst, so hätte er in dem Antwortschreiben unter allen 
umständen darauf Bezug genommen. — So zeigt auch hier der Prädesti- 
natus, wie sonst öfters, seine Ungenauigkeit und Unzuverlässigkeit (z. B. 
c. 30, dass ein Bischof Fkilo (?) die Aloger widerlegt habe). 

4) Nach dem unter 3) Gesagten ist auch das Folgende angeschichtlich. 
Die Initiative ging nicht von Mailand, sondern von Rom aus. 

5) Die erste römische Synode, welche in der Laterankirche (oder in 
der Basilica Constantiniana] stattfand, ist nachweislich die yom J. 487, wo 
über die Aufnahme der unter Hunerichs Verfolgung Gefallenen verhandelt 
wurde. Entweder ist demnach hier ein späterer Zusatz anzunehmen oder 
ist der ganze liber Praedestinatus noch später zu setzen, als in die Mitte 
des 5. Jahrhunderts. 

6) Auch die anscheinend gut unterrichtete Bemerkung über das Datum 
der angeblichen Lateransynode dürfte auf Erfindung beruhen, die der folgen- 
den Legende zu lieb gemacht wurde. 

7) Vollends unbistorisch ist die Angabe über Anastasius. Dieser 
Bischof regierte 398—402, war Nachfolger des Sincius, hatte mit der Sache 
Jovinians sich niemals beschäftigt. Oberhaupt weiss die Geschichte 
nichts von einer Synode unter Anastasius. Die nächste in diesem Zeitraum, 
nachdem im J. 800 auf der röm. Synode durch Siricius Jovinian abg^than 
war, war im J. 402 und wurde bereits Von dem Nachfolger des Anastasius, 
von Innocenz L gehalten. Aber auch diese betraf allgemeine kirchliche 
Misstände, die auf Antrag der gallischen Bischöfe zur Abstellung kamen. 



II. Zeugoisse über Jovinians Leben und Schriften. \QQ 

hebdomada paschae inventi sunt epulantes et porcorum camibus 
trahentes convivia, ita ut assum porcum, quem in mensa eorum 
invenerant, populi collo ejus suspenderent, et ita eum per totam 
civitatem facerent circuire.^) Scripsit etiam contra hos Hiero- 
njmns presbyter certos libros, quos qui plenius legerit, et quanta 
bona virginitas et continentia et abstinentia habeat discit, et 
qnanta mala edacitas et luxuria habeat perhorrescit.^) 

§ 80. 
Isidori (Hispal.) Origin, VIII, ß.'"^) 

57. Jovinianisiae a Joviniano quodam monacho dicti, asseren- 
tes nullam nuptarum et virginum esse distantiam,^) nullumque 
inter abstinentes et simpliciter epulantes esse discrimen.^) 



1) So frech sollen die Jovinianer gewesen sein, dass sie am Sonntag 
nach Ostern ein wüstes Gastmahl feierten und ein gebratenes Schwein in 
lustiger Prozession durch die Strassen Roms führten. Ob nicht diese Le- 
gende in Zusammenhang steht mit der Notiz des Hieronymus Über die 
wüsten Gastmähler der Jovinianer und den Tod ihres Stifters unter 
Schweine- und Fasanenbraten? 

2) Der Prädestinatus scheint das Werk des Hieronymus gegen Jovi- 
nian gelesen zu haben. 

Vgl. hieher auch c. 16: Sexta decima haeresis Heracleonitarum ab 
Heracleone adinventa est, quae baptnatum hominem sive juMum sivepec- 
eaiarem ioco sancti eontputart docebat, nihilque obesse baptixatis peccata 
memorabat dicens, sicut non in se recipit natura ignis gelu, baptizatus non 
in se recipit peccatum. Sicut enim ignis resolvit aspectu suo nives quantae- 
cnnqne iuxta sint, sie semel bapiixafus non recipit peccatorum reahirrij 
etiam quantavis fuerint operibus ejus peccata permixta. [Ilarnackj 
Zeitscbr. für Theol. u. Kirche 1891 S. 130 halt diesen Heraclius für den- 
selben auf der Damasusnischrift aus dem Jahre 309.) 

3) Isidor von Sevilla (ecclesiae Hispalensis episcopus, provinciae Bae- 
ticae metropolitanus), 500 — G3ü, verfasste gegen den Schluss seines Lebens 
das Riesenwerk: Etymologiao s. Origine:», ein Sammelwerk, enthaltend das 
gesamte damalige Wissen auf allen Gebieten, welches in lib. VIII reli- 
gionsgeschichtliche (Gegenstände: Kirche und Synagoge, Religion und Glau- 
ben, Häresie und Schisma, Häretiker der Juden (c. ')) und Christen (c. (31, 
Philosophen der Heiden, Poeten, Sibyllen, Magier, Götter der Heiden be- 
handelt. Das Kapitel von den Häretikern der Christen ist ein Excerpt 
aus Augustin de haeres. lib. — 

Wir geben den Text aus Ökler, Corp. haereseol.. Tom. I, p. 308. 

4) Der erste Satz Jovinians. 

5) Der dritte Satz Jovinians. Bezeichnend ist das „simpliciter epu- 
limtes" — und die Wahrheitsliebe Isidors, der auch dem Ketzer gegenüber 



110 Haller, Jovinianus. 

§ 81. 
Pauli de haeresibtis libeüits, 47.^) 
Horum^) et eorum quos supra diximus Tatianos et Severi- 
anos immoderantiae medium volentes Jovinianistaef a quodam 
Joviniano monacho dicti, contra quem fertur egregium opus 
Hieronymi, aaserebant nullam nuptarum et Tirgiuum esse distan- 
tiam, nullumque inter abstinentes et simpliciter epulantes esse 
discrimen^) 

§ 82. 
Honor. Augtistodu/nensis de haeresib. libeü, 12.^) 
Jovinianistae a Joviniano quodam monacho dictL Hi asse- 
runt nullam distantiam esse inter nuptas et virgines, inter abs- 
tinsentes et epulantes. 

§ 83. 
Pseudo-Meronymi indiculus de haeres. 22.^) 
Jovinianus et Auxentius^) Romae hanc perversitatis suae 

die Pflicht der Wahrhaftigkeit und Billigkeit geübt wissen will. — Neues 
erfiüiren wir über Jovinian nicht. 

1) Wer dieser Paulus ist, darüber ISLsst sich nicht mit Sicherheit 
urteilen. Der vorliegende libellus de haeresibus ist dem Katalog Isidors 
(bis zu den „Tritheiten'^ nachgebildet Die letzte Partie (59—61) handelt 
von der 5., 6.» 7. und 8. ökum. Synode und bemerkt im Schlusskapitel (62), 
dass zu den Zeiten des Papstes Leo IX (1048—1054) und der Kaiser Coii- 
stantin und Heinrich in Griechenland die Häresen der Fermentaoei und in 
Gallien die der Berengariani aufgekommen seien. £r schliesst ab mit den 
Worten: ,»Ecce, praeeul, habes catalognm haereticorum, quem tibi collegit 
Paulus minimus catholicorum". — Wir geben den Text aus Öhler, Corp. 
haereseol., Tom. I, p. 319. 

2) sc. Eustathiani (c. 46: Eustathiani a quodam Eustathio nuncupati 
omnes nuptias damnaverunt). 

3) Von nullam .... an wörtlich aus Isidor. 

4) Honorit^ Scholasticus (Augustodunensis), an der Kathedrale %n 
Autun, um 1115, verfasste den libellus de haeresibus, der „si paucissima 
cxcipias, totus est Isidori''. Öhler a. a. 0. p. 331. — Die Stelle Über Jo- 
vinian ist dem Isidor wörtlich entnommen. 

5) Öhler, Corp. haeroseolog. T. I, p. XIII, dem wir den Text ent- 
nehmen, sagt in seiner Praefatio zu diesem apokryphen Ketzerkatalog: 
„De auctore huius opusculi nihil constat nisi Hieronymnm non esse. Qnae* 
dam ejus particulae sunt ex Hieronymi de Ecclesiasticis Scriptoribus libro 
repetitae, alia ex Isidoro, ah'a ex Gennadio, alia ex aliis, partim antiqui- 
oribus, scriptoribus desumpta." 

6) Auxentius ist in dem Briefwechsel zwischen P. Siricius und Bischof 
Ambrosius als der erste Anh&nger des Jovinian genannt. 



n. Zengnisse Über JoTinians Leben und Schriften. m 

novam inseraerant doctrinam, dicentes nullam nuptarum et Tir- 
ginom esse distantiam, nullumque inter abstinentes et simpliciter 
epnlantes esse discrimen,') proferentes etiam istad exemplum, 
quod in Teten testamento sancti matrimonia habuissent, filios 
generassent, nee posse yirginitatem praeferre, ne vacua sit copula 
quae gennit gloriam prophetarum.^) 

§ 84. 
Vincent. Lerin. (adv. Haeres.) Oommonü.^) 

2. Hie foisitan reqoirat aUquis: „Com sit perfectus scripta- 
numm Canon, sibique ad omnia satis superque sufBciat, quid 
opus est, nt ei ecclesiasticae intelligentiae jungatur autoritas?'' 
Quia videlicet scriptaram sacram pro ipsa sua altitudine non uno 
eodemque sensu universi accipiont: sed ejosdem eloquiaaliter atque 
aliter alins atque alius interpretatur : ut pene quot homines sunt, tot 
illic sententiae erui posse yideantur. Aliter namque illam No- 
Tatianus, aliter Photinus, aliter Sabellius, aliter Donatus exponit, 
aliter Arius, Eunomins, Macedonius, aliter ApoUinaris, Priscil- 
lianns, aliter Jomnianus, Pelagius, Gaelestius, aliter postremo 
Nestorius.^) 

35. Hie fortasse aliquis interroget, „an et haeretici divinae 
scripturae testimoniis utantur.*' Utuntur plane, et vehementer 
qaidem, nam Tideas eos volare per singula quaeque sanctae legis 
Volumina: per Moysi, per Regum libros, per Psalmos^ per Aposto- 
los, per Evangelia, per Prophetas. Sive enim apud suos, sive 
alienos, sive privatim, sive publice, sive in sermonibus, sive libris, 
sive in conviviis, sive in plateis^): nihil unquam pene de suo 
proferunt, quod non etiam scripturae verbis adumbrare conentur. 
Lege^) Pauli Samozateni opuscula, Priscilliani, Eunomii, Joviniani, 

1) Wörtlich dem Isidor entnommen. 

2) Diese Bemerkung hat der Verfietsser aus Hieron. ad Jov. 1, 5 ff. ge* 
nommen (siehe oben § 5 S. 6: omnes habuisse uxoree et ex Dei sententia 
filios procreasee). 

3) YincentiuB v. Lerinum hat seine Schrift adversus profanas omninm 
BovitateB Haereticorum Oommanitorium im Jahr 434 ver&sst. Wir geben 
den Text nach der Ausgabe des Baluz 1689. 

4) Die Haeretiker sind chronologisch aufgezählt 

5) sive in conviTÜs sive in plateis — vgl. Hieron. contra Vigil. 2 (§ 50). 

6) Es scheinen die opuscula Jovinians zu Yincentius' Zeiten noch vor- 
handen gewesen zu sein. 



112 Haller, Jovinianus. 

reliquarumque pestium: cemas infinitam exemploram congeriem, 
prope nullam omitti paginam, quae nou novi aut veteris testa- 
menti sententiis fucata et colorata sit^) 

§ 85. 

Pauli Orosii Üb, apolog.'^) 

1. (p. 604). Patres enim et qui jam quieverunt martjres et 
confessores, Cyprianus, Hilarius et Ambrosius, et quibus etiam 
nunc permanere adhuc in came necessarium est, qui sunt colum- 
nae et firmamenta Ecciesiae catholicae, Aurelius Augustinus^) 
et Hieronymus, multa jam adversus hanc^) nefariam haeresim 
absque designatione nominum haereticorum scriptis probatissimis 
ediderunt. Quamquam et haec venenatissimorum dogmatum abo- 
minatio habet etiam nunc yiventes mortuos mortuosque viventes. 
Nam Origenes et Priscilliauus^) et Jovinianus, olim apud se 
mortui, in bis vivunt,^) et non solum vivunt verum etiam lo- 
quuntur; nunc vero Pelagius et Caelestius, si in bis persevera- 
verint viventes mortui, ecce adversus Ecclesiam, quod miserum 

1) In dem Folgenden sagt Yincentius, dass die Haeretiker doppelte 
Vorsicht verdienen. Sie machen es wie die Eltern, welche, wenn sie den 
Kindern einen bittem Trank reichen, den Becher zuvor mit Honig be- 
streichen. 

2) Der spanische Presbyter Paulus Orosius, von Augustin als Vertreter 
seiner Auftassung zu den Pelagianischen Verhandlungen nach dem Orient 
gesandt, schrieb 415 den sogenannten Liber apologeticus (contra Pelagium 
de arbitrii übertäte), in welchem er neben einem Bericht über die Synode 
zu Jerusalem sich gegen den Vorwurf der Ketzerei verteidigte. Wir citieren 
aus der Ausgabe Zangenmeister ^ Corpus Script. Eccles. lat., Vol. V, Wien 
1882 (Pauli Orosii Historiarum adv. paganos lib. VII. accedit ^usdem 
liber apologeticus). 

3) Gegen Augustin hat sich PeUigius ganz respektlos auf der Synode 
aufgeführt. Auf die Frage, ob er wirklich die Lehre vortrage, die Augustin 
bekämpfe, antwortete er: „Et quis est mihi Augustinus'^, so dass die ganze 
Versammlung über ihn empört war. 

4} Die Pelagianische Uäxesie. 

5) Die Origenistische und Priscillianische Häresie hatte den Orosius 
besonders lebhaft beschäftigt. Schon im J. 414 hatte er dem Augustin 
sein Commonitorium de errore Priscillianistarum et Origenistarum über- 
reicht, worauf ihm Augustin in seiner Schrift contra Priscill. et Origenist. 
ad Orosium Bescheid erteilte. 

0) Der oft (^s. oben) wiederkehrende Gedanke, dass Jovinian in Pelar 
gius auferstanden sei. 



II. Zeugnisse über Jovinians Leben und Schriften. l\^ 

est, et, quod multo miserius est, in ecciesia palam sibilant im- 
piique serpentes vibrantibus infecta Unguis ora lambentes dum 
sanctam et munitissimam sedem^) cui subtiliter inrepsere obsident, 
cunctos fideles, ne ad illud firmissimum quondam in Sion refugium 
convolemus, exterrent. Fetor siquidem oris eorum longe lateque 
diffusus omnium, quibus odor vitae in vitam erat, odorem vertit 
in mortem 

25. Habentes utique gratiam et adjutorium Dei,^) tarnen 
sine peccato esse nee obtinere David nee Salomon valuit eustodire; 
et Joviniani filius,^) ut omnipotens Deus pro ipso discipulisque 
ejus tantum rerum ordinem mutet, sperat!^) quod si factum forte 
non fuerit, Deum impossibilitatis aecuset? ^Potest, inquit, homo 
esse sine peccato, tarnen cum Dei adjutorio."^) Quid faciamP 
tolerabo interim pannum novum vestimento veteri conligatum, 
donec emendationis miserae falsitatem peior scissura patefaciat. 
Concedo enim, ut contra ducem veritatis loquentis cum dixerit 
„potest homo si velit'', dixisse videatur „potest homo cum ad- 
jutorio Dei*. 

§ 86. 
lldefonsi Tolet, de virginit, S, Mariae c, 1,^) 

Audi tu, percipe tu Joviniane, corde sapito fatue, praecordiis 
cognosce stulte, sensu disce caduce. Nolo pvdorem nosirae vir- 



1) Zweifellos ist hier, wie auch das folgende „in Sion refugiom'^ an- 
deutet, Jerusalem gemeint, wohin der Pelagianismus siegreich vordrang 
und wo er bei dem Bischof Johannes einen warmen Fürsprecher hatte. 

2) Für die Pelagianer war die gratia mit dem adjutorium Dei gleich- 
bedeutend. 

3) Pelagius heisst hier geradezu der Sohn Jovinians, ohne Zweifel 
deshalb, weil Pelagius auch eine Unmöglichkeit zu sündigen bezw. die 
Möglichkeit nicht zu sündigen für den Menschen in Aussicht stellte. 

4) Ist ironisch gemeint; ähnlich auch Hieronymus, dessen Schriften 
adv. Jovinianum dem Orosius sicherlich nicht unbekannt waren. 

5) Als Orosius dem Pelagius vorwarf, er lehre: „der Mensch könne 
ohne Sünde sein, si velit'', hat Pelagius sich damit aus der Verlegenheit 
zu retten verstanden, dass er diesen Satz mit dem andern emendierte: 
„Potest homo ene sine peccato, tamen cum Dei adjutorio". Dies nennt 
Orodus einen neuen Lappen auf das alte Kleid, dessen Riss auf die Dauer 
nicht zu verbergen sei. Freilich, auch Orosius kam in Verlegenheit: man 
drang in ihn mit der Frage, „ob Gott die Natur des Menschen schlimm 
gemacht habe?'' 

6) Ddenfons, Erzbischof von Toledo, 657—67, fechrieb u. a.: De vir- 

Texte XL. üntersnchungen N. F. II, 8. 8 



114 Haller, Jovinianus. 

ginis corruptum partu causeris: nolo, integritatem generatione rfe- 
eerpas: 7wlo, rirginitatem per exitum nascentis soindas. Nolo mr- 
ginem genitricis officio prives: 7iolo genitrici virginalis ghriae 
plenittidinem toUas,^) Si horum unum confundis, in toto con- 
fusus es. Si haec concordantia nescis, a concordia veritatis ipse 
privatus es. Si haec discordantia causaris, semper discors 
justitiae inveniris.^) Si virgini nostrae aut generationem aut in- 
tegritatem adimis, grandi dedecore Deo injuriam facis. Negas 
enim valuisse incorruptam servare, quem fateris absque corrup- 
tione adire virginem potuisse. Negas Deum, quod vellet facere 
quivisse, quem concedis (contendis) genitricem integram invenisse, 
corruptioni deditam reliquisse. Ut ergo asseris, omnipotentis 
divin itas non profuit virginitati, sed obfuit.^) Quia dum virgineum 
decus nascendo riolavit, summam virginitatem destruxit: ac per 
hoc ipsum astruis virginem deturpasse nascendo, quam decora- 
verat ipse creando.^) Obmutescat os talia proloquens, haebete- 
scat cor talia meditans: adhaereat faucibus lingua talia promens, 



gininitate 8. Mariae (Antitriapistos i. e. contra tres infideles, ordine Syno- 
nymaram conscriptns, so nach einer Handschrift des Escurial), worin er die 
unverletzte und beständige Jungfrauschaft der Maria gegen Jovinian, 
HelvidiuB und einen Juden verteidigt. Die Stelle hat keinen geschicht- 
lichen Wert für unsem Gegenstand, indem die ganze rhetorische schwülstige 
Art der Ausführung für keine unmittelbare Kenntnis des Jovinian spricht 
Ildenfons kennt Jovinian nur aus der Tradition und weiss nur soviel über 
ihn, dass er behauptete, Marias Jungfrauschafb sei durch die Geburt ihres 
Sohnes verletzt worden. — Wir citieren nach der Ausgabe von Feuardent: 
Sancti Hildephonsi Archiepiscopi Toletani opera quae hactenus reperiri 
potuerunt omnia. Studio et opera T. Franc. Feu-Ardentii Ord. Minorem 
Parisiensis Theoiogi 1617. 

1) Dies, weil Jovinian behauptete^ dass die Virginität der Maria mit 
der Geburt ihres Sohnes aufgehört habe. 

2) Ildenfons hfiU die Lehre von der unverletzten Jungfrauschaft; der 
Maria für so wesentlich, dass er dem Gegner allen und jeglichen Wahr- 
heitsbesitz abspricht, wenn er dieses Stück leugne. 

3) Der Gegner, meint Ildenfons, verkenne die Allmacht Gottes, wenn 
er nicht zugebe, dass es dieser auch möglich war, die Jungfrauschaft, die 
er gegeben, auch nachher in ihrer Unverletzlichkeit zu erhalten. 

4) Ja, am Ende ist es Gott selbst, welcher die Jnngfrauschaft der 
Maria, indem er sie gebären Hess, aufhob, was eine unerhörte Sch&ndong 
der Ehre Gottes wäre, des Gottes, der doch die höchste Virginit&t er- 
halten musste. 



m. Leben nnd Schriften Jovinians. |15 

non aspiret sermo talia narrans. Ecce enim virgo ex Deo, virgo 
ex homine, yirgo attestante angelo, virgo judice sponso, virgo 
ante sponsnm^ virgo cum sponso, indubitata virgo, etiam dubi- 
tante sponso. Virgo ante filii adventum, virgo post filii genera- 
tionem, virgo cnm filii nativitate,^) virgo post filium natnm. 
Verbo foecunda, verbo repleta, verbo uberrima, verbo partu 
digna; homana qaidem nativitate, hamana lege, humano usn 
(sensu), hamana conditione, bumana veritate, illaesa, incorrupta, 
inviolata, intemerata, integerrima vere 



m. Leben und Schriften JoTinians. 

Es isfc selbstverstandlicb, dass sieb über Jovinian kein zu- 
sammenhängendes Lebensbild entwerfen lässt, sondern es kann 
sich nur darum handeln, aus den obigen Fragmenten und Zeug- 
nissen die wichtigsten Daten zusammenzustellen, soweit sie 
historisch begründet und nicht aus Sage und Phantasie der 
Gegner hervorgegangen sind. 

Thatsache ist jedenfalls, dass Jovinian Mönch war und ein 
streng asketisches Leben führte. Das Monchtum war ja im 
Abendlande noch keine alte Institution; es gehorte immerhin 
noch zu den morgenländischen Neuerangen, die kaum 30 Jahre 
alt waren, als Jovinian auftrat. Wenn wir auch nicht die ersten 
Anfange des abendländischen Monchtums nach der ersten Orient- 
reise des Hieronymus im J. 373 datieren möchten, so kann man 
doch aus dem ganzen agitatorischen Auftreten des Hieronymus 
nnd aus dem starken Misstrauen, auf das er bei dem Publikum 
stiess, annehmen, dass Hieronymus doch in der Hauptsache der 
Herold und Apostel dieser Bewegung im Abendland war. 

Wie nun bei allen derartigen tiefeinschneidenden Neuerungen 
nach einem natumotwendigen Process eine kräftige Reaktion 
sich einzustellen pflegt, so dürfen wir das Auftreten Jovinians 
als solche beurteilen. Sie war eine Reaktion des gesunden 
Christenverstandes im Abendlande gegen eine orientalische No- 
vität Und wir haben deshalb auch die Bedeutung Jovinians 



1) Dies eben leugnete Jovinian. 

8' 



115 Haller, JovinianuB. 

ganz auf dem ethischen und nicht auf dem dogmatischen Ge- 
biete zu suchen. 

Über Geburt, Abstammung und Nationalität Jovinians er- 
fahren wir nichts, auch nicht, in welchem Kloster er gebildet 
worden war.^) Nur das lässt sich mit Sicherheit feststellen, 
dass der hauptsächliche Schauplatz seiner Thätigkeit Rom war. 
Darüber ist Hieronymus ganz besonders ungehalten. Er kann 
es nicht fassen, dass dieser Ketzer mit seiner verruchten Irrlehre 
gerade an dem Orte auftreten musste, wo die Lehre des Petrus 
auf dem Felsen Christus gegründet ist. Dass beide einander 
hier kennen gelernt haben, ist höchst unwahrscheinlich. Wenn 
auch Hieronymus eine genaue Beschreibung seines Gegners aus 
dessen Mönchszeit und aus dessen epikureischer Ketzerzeit giebt, 
so beruht das auf Phantasie. Es sind dieselben Redensarten, 
mit welchen er an anderen Stellen die damaligen Stutzer zu 
traktieren beliebte. Diese kannte er aus eigener Erfahrung. 
Hatte er doch selbst vor seiner Bekehrung eine leichte Lebens- 
weise geführt. Als die hervorragendsten Stutzer nennt er einen 
gewissen Antimus und einen . /SopÄromW, der noch zur Zeit der 
Abfassung des Briefes an Eustochium, also 3S4, lebte. ^) Sicher 



1) Bttronhis (zum Jahr 382, §§ 30, 31) behauptet, Jovinian sei aus 
dem Ambrosianischen Kloster in Mailand hervorgegangen — offenbar eine 
Verwechslung mit den Mönchen Barbatianus und Sarmatio, die allerdings 
jenem Kloster au gehörten (vgl. § 64 S. 83 Note 5). 

2) Man lese nur die Schilderung, die Hieronymus in seinem Briefe 
ad £u8tochium, c. 28, giebt. Dort warnt er die Eustochium vor den 
Klerikern, die ,,mit Ketten beladen sind, lange Haare wie die Weiber tragen, 
dazu einen Bocksbart und einen schwarzen Mantel. Nur zur Täuschung 
gehen sie barfuss.^' Einen solchen hätte Rom ehedem in Antimtis und 
neuerdings in Sophronius zu beklagen. Sie verschaffen sich den Zutritt 
in die vornehmen Häuser, wobei sie ein niedergeschlagenes Antlitz zur 
Schau tragen. Sie prahlen mit langem Fasten, in Wirklichkeit aber 
nehmen sie bei Nacht heimlich Speise zu sich. „Ich schäme mich, das 
Übrige zu sagen, damit es nicht scheine^ ich wolle blos losziehen, aber 
nicht ermahnen." Solche Kleriker bewerben sich um die Priester- und 
Diakonatswürde, damit sie mit desto grösserer Freiheit die Weiber besuchen 
können. „Ihre ganze Sorge geht darauf, ob ihre Kleider gut riechen und 
ihre Füsse unter einer weichen Haut nicht aufschwellen. Die Haare wer- 
den mit dem Brenneisen gekräuselt, die Finger strahlen von Ringen, und 
damit kein nasser Weg ihre Füsse bespritze, treten sie kaum mit den 
Spitzen derselben auf. Wenn du solche siehst, magst du sie eher für 



III. Leben und Schriften Joviniaüs. 117 

ist unter dem .Meister*', den er dort so anschaulich schildert, 
nur Sophronius gemeint, nicht Jovinian. Denn er hätte sich 
nicht geniert, seinen Namen zu nennen. Auch war Jovinian um 
jene Zeit noch einfacher Mönch. Die Schilderungen hüben und 
drüben sind so ähnlich, dass man eher annehmen kann, Hiero- 
nymus habe den Jovinian dem Modelle des Sophronius nachge- 
bildet. Die Zeichnung der äusseren Erscheinung des Jovinian 
enthält nichts Individuelles, sobald man neben derselben ad 
Eustoch. 28 liest J) Übrigens genügte dem fanatischen Asketen 
jede Beschreibung aus dem Munde eines Dritten, um unter Zu- 
hilfenahme seiner erhitzten Phantasie ein möglichst abscheuliches 
Bild von dem so verhassten Gegner zu entwerfen. Jedenfalls 
war Jovinian nicht der einzige Lebemann — wenn er es über- 
haupt war. Wir wissen, dass unter dem zeitgenössischen Klerus 
ein guter Teil einen grossen Luxus entfaltet hatte, Priester, die 
mit Jovinian oder mit seiner angeblich epikureischen Lehre gar 
nichts zu schaffen hatten. 

Genau lässt sich das Jahr seines öffentlichen Auftretens in 
Rom nicht bestimmen. Nur soviel lässt sich nach dem oben 
Ausgeführten sagen, dass dasselbe sicherlich nicht in die Zeit der 
Anwesenheit des Hieronymus in Rom Mit. Hätte Hieronymus mit 
Jovinian in Rom selbst schon eine feindliche Begegnung gehabt 
— und diese war bei Jovinians Lehre unvermeidlich — , so wäre 



Bräutigame halten als für Kleriker. Manche setzen darin ihre ganze 
Lebensaufgabe, die Namen, Wohnungen und Sitten aller alten Weiber 
kennen zu lernen.'* Und nun will er ,,einen von ihnen, der Meister in 
dieser Kunst ist, kurz und bündig schildern.^' Mit Sonnenaufgang steht 
er eilig auf; er stellt sich die Reihenfolge der zu machenden Visiten fest, 
sucht sich die kürzesten Wege auf und dringt, ein unverschämter Grau- 
kopf, fast bis in das Schlafzimmer ein. Was er sieht, ein Kissen oder ein 
elegantes Handtuch, das bewundert er, bis er es als Geschenk erhält. Er 
ist kein Freund der Keuschheit, kein Freund des Fastens, er beurteilt das 
Mahl nach dem Dufte und nach der Ki-anichpastete.'' Seine Zunge ist roh, 
frech und zu Schimpfreden stets bereit. Überall ist er, wo etwas Neues 
zu sehen ist. Er fährt mit schmucken wilden Pferden, die er womöglich 
alle Stunden wechselt. 

1) Dies gegen Zöckler, Hieronymus, S. 195 Anm. 1, der meint, die 
Schilderung ad Eustoch. 28 stimme so genau mit adv. Jovin. 1, 40 überein, 
„dass die Vermutung sehr nahe liegt, H. werde schon dort u. a. auch den 
Jovinian mit vor Augen gehabt haben''. 



tl8 Haller, Joyinianus. 

er in seiner Streitschrift mit grosser Behaglichkeit darauf zurück- 
gekommen, ^nn hat Hieron ymus im August 385, ein Jahr nach 
dem Tode des P, Damasus, Rom verlassen, um eine Wallfahrt 
nach Ägypten und Palästina zu den dortigen Mönchen und 
heiligen Statten zu machen. So ist mit Sicherheit anzunehmen, 
dass Jovinian vor 385 nicht öffentlich mit seiner Polemik gegen 
Monchtum und Kirche aufgetreten war. 

Seinen Widerspruch brachte er vor allem in seelsorgerlichen 
Gesprächen und öffentlichen Disputationen und Vorträgen zum 
Ausdruck. Ausserdem agitierte er durch Schriften. Dieselben 
sind, wie andere Ketzerschriften, vernichtet worden. Die erste 
seiner Schriften, eine „scriptura horrifica" bezw. „conscriptio 
temeraria«, .wurde dem Papste Siricius von frommen Seelen prä- 
sentiert und durch die römische Synode verurteilt. Ihren Inhalt 
ahnen wir aus dem amtlichen Schreiben des Siricius an die 
mailändische Kirche. Offenbar ftihlte er das Bedürfnis, diese 
verdammte Schrift zu erläutern und ihre Aufstellungen mit 
Schriftbeweisen zu kommentieren. Und so schrieb er die com- 
mentarioli. Wir besitzen von ihnen nur unvoUstäudige Frag- 
mente, welche wir oben aus den Schriften des HieVonymus zu 
sammeln versuchten. Sie sind nämlich dem Hieronymus nach 
Bethlehem durch „heil. Brüder aus der Stadt Rom*" zugestellt 
worden. Er hat sie gelesen und nach wenigen Tagen sich an die 
Widerlegung derselben gemacht. Wenn er sie commentariolos 
nennt, so lässt sich daraus nicht mit Sicherheit über ihren Um- 
fang ein Urteil bilden. Denn er spricht an anderer Stelle (c. 4) 
auch von den commentariis und den libris des Gegners. ^) Den- 
noch darf man aus den Citaten, die Hieronymus uns erhalten 
hat, mit Sicherheit annehmen, dass es sich um kleine Verteidi- 
gungsschriften handelte, die einzelne Thesen seiner ersten Schrift 
mit Beweisen und Beispielen erläuterten. Grosse Schriften 
konnten sie schon deshalb nicht sein, weil Hieronymus sie in 
wenigen Tagen „mehrmals wiederholt durchgelesen^ nicht bloss 



1) Auch die Schriften des Vigilantius, von dem Hieronymus ausdrück- 
lich sagt, dass „in isto Joviniani mens prava surrezit" (contr. Yigil. 1) 
heissen nicht nur libri (3), sondern auch coiomentarioli (6) oder libella (11). 
Diese scheinen auch wirklich recht klein gewesen zu sein. Hieronymus 
ist mit ihrer Lektüre bald fertig: an demselben Tage bezw. in derselben 
Nacht schreibt er ihre Widerlegung (17). 



III. Leben und Schriften Jovinians. |t9 

die Worte und Sätze, sondern fast die einzelnen Silben über- 
legt^ hätte. Es liegt nahe zu vermuten, dass es vier solche 
commentarioli waren, je eine Flugschrift für die vier Sätze, 
welche Hieronymus zum Eingang seiner Streitschrift zusammen- 
stellt und zur Disposition seiner Ausführungen pünktlich numeriert. 
Nur darf nicht übersehen werden, dass die vier Bücher an Um- 
fang sehr ungleich ausgefallen waren. Die erste Flugschrift 
war die grosste, wie denn auch Hieronymus ein ganzes Buch 
dem ersten Gegenstand und ein zweites den drei andern zu- 
sammen widmete. 

Über den Stil der Schriften seines Gegners hat Hieronymus 
ein sehr abfalliges Urteil. Verum scriptorum tanta barbaries 
est et tantis vitiis spurcissimus sermo confusus, dass er vielfach 
nicht verstehen konnte, was Jovinian sagen oder mit welchen 
Argumenten er das Gesagte begründen wollte. Mit seiner un- 
beholfenen Redeweise verdiene er mehr Mitleid als Rüge.^) Die 
Sprache sei ganz schwülstig, gewöhnlich. „In einzelnen Stellen 
voll er sich erheben. Doch gleich einer gelähmten Natter bricht 
er im Versuche schon zusammen." „Er begnügt sich nicht, mit 
uns menschlich zu reden, er strebt Höheres an.^ So könne man 
auf seine Sprache das Diktum des Horaz anwenden: „Parturiunt 
montes, nascetur ridiculus mus." Überdies verhülle er alles und 
verwirre das Ganze so sehr mit unauflöslichen Knoten, dass man 
an das Wort des Plautus denken müsse: „Has quidem praeter 
Sibyllam legit nemo". Man müsse geradezu raten (nam divi- 
nandunoL est). J. sei ein alviyfiariori^g, der schwerer zu ver- 
stehen als zu widerlegen sei, gegen den selbst die wahnsinnigen 
Seherinnen des Apollo und der rätselhafte Heraklit nichts seien. 
Und wie unsagbar gehässig leitet Hieronymus zum ersten Gitat 
über mit den Worten: „Et ne lectorem longius traham, cujus- 
modi eloquentiae sit, et quibus verborum floribus ornatus incedat, 
secundi libri ejus monstrabit exordium, quod hesternam crapulam 
ructans ita evomit etc." ^) Und nachdem er die bekannte Probe 



1) Wenn Siridas die erste Schrift Jovinians „horrifica'' nennt, so be- 
rieht rieh diese Censar sicherlich auf deren Inhalt und nicht, wie Yallarsi 
(p. 238 Anmerk. 6) meint, „ob sermonis vitia". 

2) In dieser Weise, als vom Gespei, Erbrochenem a. dgl. spricht er 
auch anderw&rts, so 1,4; 1,39,40 sendet er die Stelle II. Fetr. 2,22 auf 
J. an. Letztere Bibelstelle ist ihm Überhaupt eine Lieblingsstelle gegen* 



120 Haller, Jovinianus. 

aus Jovinian (s. § 1) gegeben hatte, fahrt er fort: ,,Was sind 
das für Scheusale von Worten? Was für eine unanständige 
Darstellung? Ist's nicht also, als ob er im Fieber phantasiere 
oder vom Wahnsinn befallen sei und in die Zwangsjacke des 
Hippocrates gesteckt werden müsse?" Man sieht aus dieser 
Kritik die masslose Leidenschaft, mit der H. seinen Gegner ver- 
folgte, auch wenn wir zu seiner Entschuldigung noch so viel auf 
Rechnung des zeitgenössischen Tons in der Polemik setzen wollten. 
Niemand wird aus jener Lesefrucht, die Hieronymus aus Jovinian 
giebt, jenen tollen Eindruck bekommen. Es sind wohl abrupte 
Sätze und schwülstige Redeblumen, aber so gar schlimm sind 
sie doch nicht. Auch hat Hieronymus sicherlich die ungünstigste 
Partie ausgelesen. Denn Jovinians Gedankengang ist sonst klar. 
Auch jene Probe wäre verständlicher, wenn Hieronymus einige 
Sätze aus der Fortsetzung beigefügt hätte. Es ist undenkbar, 
dass Jovinian bei einer unklaren, verworrenen und tollen Diktion 
solche grosse Erfolge erzielt hätte, wie sie selbst von Hieronymus 
zugestanden werden. ^) 

Von der Anlage seiner Schriften bekommen wir einen zu- 
verlässigen Eindruck aus den Fragmenten. Hieronymus hielt 
sich in seiner Widerlegung genau an die Reihenfolge der von 
seinem Gegner vorgetragenen Gedanken. Proponam, sagt er 1, 4, 
igitur manifestioribus verbis et habentibus aliquam consequentiam 
argumenta ejus et exempla de nuptiis, eodemque ordine omnia, 
quo ab eo dicta sunt, digeram. Demnach bewegten sich auch 
seine Schriften in zwei Stufen, in einem mehr lehrhaften Teil 
(propositiones), in welchem die These formuliert, erklärt und aus 
sich selbst oder mit allgemeinen Erwägungen erörtert wurde, 
und in dem exemplifizierenden Teil, der mit Schriftbeweisen 
oder auch mit Beispielen aus der Profanlitteratur operierte. 

Was nun Jovinians Schriftbeweise betrifft, so gesteht ihm 
sein Gegner wenigstens so viel zu, dass er „die Schriftzeugnisse 



über seinen Gegnern, ob es Jovinian oder Vigilantius (ep. ad Riparium 1, 
adv. Vigil. 3, 8) ist. 

1) Auf Übertreibung beruht auch die Bemerkung: „So oft ich ihn durch- 
lese, 80 finde ich da eine Unterscheidung (distinctio), wo mir der Athem 
ausgeht'S d. h. lange endlose Sätze. „Alles föngt an, alles hängt eines 
am andern: man bekommt nicht heraus, was zusammengehört.*' — Die 
Fragmente beweisen das Gegenteil. 



in. Leben und Schriften Jovinians. 121 

trotz des überaus reizenden Blumenschmucks seiner Diktion 
nicht zu verändern wagte*. Nur einmal wirft Hierouymus dem 
Jorinian eine Fälschung vor. Dieser hatte nämlich behauptet, 
dass den Aposteln für ihre grossen Opfer in dem einen Eyan- 
geliom hundertfacher, in dem andern siebenfacher Lohn ver- 
helssen sei, beides aber das Gleiche bedeute. Dem widerspricht 
Hieronymus mit der Behauptung, dass bei Matthäus und Marcus 
hundertföltige Vergeltung, bei Lukas jtojLv jtZtlopa in Aussicht 
gestellt sei, in keinem Evangelium aber statt hundert sieben ge- 
schrieben stehe, Jovinian somit „aut falsarius aut imperitiae 
reus". sei (siehe § 26 S. 26 Anm. 3). Jedoch, dies eine Mal 
ausgenommen, hat Hieronymus in dieser Richtung nichts über 
seinen Widersacher zu klagen. *) So hat sich Jovinian streng 
und gewissenhaft an das überlieferte Schriftwort gehalten. Von 
den Schriftbeweisen macht er reichlichen Gebrauch. Vincentius 
Lerinensis zählt ihn darum unter die Häretiker, qui scriptura 
Sacra plane et vehementer utantur. Doch waren ihm nicht alle 
SchriftsteUen für den christlichen Glauben gleichwertig. Er unter- 
schied streng zwischen dem Alten und Neuen Testament. So 
sagt einmal (U,4) Hieronymus: „Ich hatte die Beispiele aus dem 
A. T. ein wenig aufgespart, weil sie da, wo dasselbe gegen sie 
spricht, zu sagen pflegen: „Lex et prophetae usque ad Joannem!** 
Die Exegese ist zumeist ungezwungen, hält sich an den Wort- 
laut und den Zusammenhang. Das schliesst nicht aus, dass seine 
G^ner, speziell P. Siricius, ihn beschuldigten, er habe den Inhalt 
des A. und N. T. verdreht und spiritu diabolico interpretiert.- 

Jovinian hat sich aber auch auf Zeugnisse aus der profanen 
Litteraiur, auf exempla saecularis litteraturae berufen (1, 4). 
Wenn hierauf Hieronymus sagt: „Ich werde zeigen, wie auch 
unter den Philosophen und den hervorragenden Männern im 
Staat die Tugenden den Lüsten d. h. Pythagoras, Plato, Aristi- 
des einem Aristipp, Epikur und Alcibiades vorgezogen zu werden 
pfl^en'', so darf man doch nicht daraus den Schluss ziehen, als 
ob sich Jovinian auf Aussprüche der Letzteren beschränkt hätte. 
Er hat vielmehr auch andere Zeugnisse der „mundi sapientia", 



1) Anders bei Helvidius, dem er einmal (adv. Helv- 8) vorwirft, er 
behaopte mit merkwürdiger Unverschämtheit von der Stelle Luc. 2, 33, sie 
sei von den griechischen Abschreibern gefälscht worden. 



122 Haller, Joyinianus. 

z. B. zu Gunsten des Ehestandes genannt und konnte zu dem 
Resultat kommen, dass (c. 41) „numquam hoc genus (sc. vii^ini- 
tas) in saeculo sit probatum et novum dogma contra naturam 
religio nostra prodiderit". Noch mehr griff Joyinian bezüglich 
des Fastens zu der Profanlitteratur. Denn hier sagt Hieronymus 
(11,35) ausdrücklich, dass der Gegner seinen Satz in doppelter 
Weise begründet habe, „sofern er auf die Philosophie und auf 
die h. Schrift uns herausfordernd" verwies. — 

Doch nicht nur in Reden und Schriften vertrat Jovinian 
seine Lehre. Er passte derselben auch seine Lehensweise an. Es 
ist begreiflich, dass ein fanatischer Asket wie Hieronymus alles 
Interesse daran hatte, den Kontrast zwischen dem früheren 
Leben des Mönchs und dem späteren Leben des Epikuräers so 
gross und grell als möglich zu schildern. „Da er sich brüstet, 
ein Mönch zu sein, und nachdem er ein schmutziges Kleid ge- 
tragen und barfuss gegangen und einfaches Brot gegessen und 
Wasser getrunken, jetzt aber zu hübschen Kleidern, zu feinem 
Teint, zu gewürztem Wein und feinbereiteten Fleischspeisen, 
zu den Rechten des Apitius und Paxamus,^) zu den Bädern und 
zu den Abreibungen und zu den Garküchen sich hinwandte, so 
ist es offenbar, dass er die Erde dem Himmel, die Laster den 
Tugenden, den Bauch Christo vorzieht und das Purpur seiner 
Farbe für das Reich Gottes hält." Oder: „Früher gingst du 
barfuss, jetzt hast du Schuhe und dazu noch recht schöne. Einst- 
mals kleidetest du dich mit einer zottigen Tunica und einem 
schwarzen Hemde, du warst schmutzig und fahl und zeigtest 
eine arbeitsschwielige Hand; nun aber trägst du Linnen und 
Seide, herrliche Kleider von den Artrabaten und von Laodicea. 
Deine Backen sind rot, deine Haut glänzt, deine Haare sind 
hinten und auf der Stirne gekräuselt. Es hängt vor der 
Schmerbauch, die Schultern gehen auseinander, die Kehle ist 
angeschwollen und aus dem aufgedunsenen Halse kommen nur 
erstickte Worte hervor." Er ist ein Epikuräer, der in seinem 
Gärtchen mit Jünglingen und Weibchen verkehrt (II, 36), der 
aber einer „glatten Schlange", einem , Proteus*" gleich sich in 
einen Stoiker verwandelt, wenn er auf die Vergeltung der Ver- 
dienste zu sprechen kommt. Er vertausche Jerusalem mit Gitium 



1} Zwei Feinschmecker aas der Zeit des Augustus. 



in. Leben und Schriften Jovinians. J23 

(Zenos Geburtsort), Judäa mit Cjpem, Christum mit Zeno. Auf 
ihn sei nicht nur II. Petr. 2,22, sondern auch 3,3 anzuwenden: 
„Es werden in der letzten Zeit verführerische Spötter kommen, 
welche nach ihren eigenen Lüsten wandehi.^ Er rede mit hoch- 
geschwollenen Backen und mache sich breit mit aufgeblasenen 
Worten, er verspreche Freiheit im Himmel und sei doch ein 
Sklave der Laster und Ausschweifung. 

Nun wäre es thoricht, wenn man alle diese Expektorationen 
eines gehässigen Gegners für pure Wahrheit hinnehmen würde. ^) 
Mit Recht nennt Engelstoft (p. 78) Jovinian einen homo atris 
magis quam veris ab adversariis depictus coloribus. Wahr an 
den Schilderungen des.Hieronymus ist jedenfalls, dass Jovinian 
seine frühere mönchische Lebensweise änderte und in £leidung, 
Nahrung und Umgang sich Freiheiten erlaubte, die fanatischen As- 
keten allerdings als grober Epikuräismus erschienen. Doch in einem 
Stück blieb er seiner mönchischen Vergangenheit treu: er heiratete 
nicht und blieb somit nach wie vor in der Hauptsache ein Mönch. 
Hieronymus rechnet ihm das zur Inkonsequenz an. Wir können 
es nur aus dem Umstand erklären, dass schon die damalige 
Kirche den Bruch des Mönchgelübdes als einen furchtbaren 
Frevel beurteilte. Jovinian hätte durch Aufgabe des angelobten 
Colibats auch in den Kreisen, welche den Asketen ferne standen, 
den Vorwurf des Eidbruchs sich zugezogen.^) Auch die Ehelosig- 
keit des Klerus liess Jovinian zu Recht bestehen, so wenig er auch 
von einer höheren Würde der Virginität wissen wollte. Sicherlich 
rechnete er den Geistlichen den Cölibat als kein besonderes Ver- 



10) So Vallarsiy der folgendes Charakterbild über Jovinian entwirft: 
Fuit Jovinianns profeesione monachiis, homo, si vitae conauetudinem in- 
spicias, Inzni deditus ac dissolutus, divitiis abuteos male partis, et qui per 
infamiam nominis „Epicnrus Christianorum'' meruerit audire; si cultam 
anlmi et doctrinam reqoiras, vulgaris plane, nee eloquens, nee eruditus; 
sed, qnod hnjnsmodi nebulonum ingeniam est, procacitate ac superbia ne- 
mini postponendns. So anch Xe^jpe/^. Diesem ist J. ein leichtfertiger Epi- 
knzfter, der seinen anstössigen Lebenswandel mit christlich gefärbten Lehren 
und dem trfigerischen Scheine falsch angewandter Schriftbeweise verteidigte 
and popalär machte. Nor Eefele enthält sich des verdammenden Urteils: 
Jovinian habe seine bisherige Askese mit behaglichem Wohlleben vertauscht. 

11) lAndner (p. 13) giebt als Grund an: non tamen eo consilio, ut 
laajitB aliqaod meritum apnd Deum inde peteret, sed ne conjugii molestis 
prenoeretar et a muneris administratione detineretnr. 



124 Haller, Jovinianus. 

dienst an. Aber er mochte aus pastoralen Zweckmässigkeits- 
gründen und vielleicht auch wegen des hohen Alters dieser Sitte 
demselben nicht widersprochen haben. 

Und nun, welchen Erfolg hatte Jovinian mit seinem Auf- 
treten? In der ungemein gehässigen Verhöhnung, welche Hiero- 
nymus zum Schluss (II, 36) dem Jovinian zu teil werden lässt, heisst 
es, dass Schmerbäuche, Geschminkte und Gecken sich zu ihm 
halten. Die Leute mit gekräuselten und frisierten Köpfen und 
rotglühenden Wangen, Possenreisser und Necker seien seine 
Herde. Die Aristokraten gehen ihm ehrerbietig aus dem Weg. 
Die Reichen küssen sein Haupt. Säufer und Speier führe er ins 
Paradies. Amazonen mit entblössten Brüsten treiben sich in 
seinem Lager herum. So sei er das Haupt einer recht zahl- 
reichen und schmutzigen Familie geworden. Dagegen die Ernsten 
und Blassen und mit Bussgewändern Bekleideten halten sich 
ferne von ihm. Er habe soviele Schüler wie einst Aristipp. 
Aber damit brauche er sich nicht zu brüsten. Denn nicht wo 
die Menge, da sei die Wahrheit. «Dass viele zu deiner 
Meinung halten, ist ein Zeichen ihrer Lüderlichkeit.^ Nicht um 
seiner Rede willen, sondern nur zur Beschönigung ihrer Laster 
fallen sie ihm zu. „Und du hältst es noch für grosse Weisheit, 
wenn so viele Schweine dir nachlaufen, welche du zum fetten 
HöUenbraten mästest?^ Er habe die Zuchtlosigkeit entfesselt 
Männer und Frauen baden zusammen.^) Die Schamhaftigkeit 
habe aufgehört, die Sünde werde nicht mehr bereut Viele Jung- 
frauen heiraten auf seinen Rat hin, aber schliesslich tbäten 
sie nichts anderes, als ihre früher geheim gehaltenen Buhlen nun 
öffentlich freien. 

Dass das Meiste, was hier gesagt ist, gehässige Übertreibung 
und Fälschung ist, das lässt sich mit Händen greifen. Hiero- 
nymus ist darüber erbost, dass Jovinian in so kurzer Zeit einen 
verhältnismässig grossen Anhang gewonnen und so in manchen 
Kreisen seinen Einfluss verdrängt hatte. Hieronymus hatte sich 
schon früher — man denke an den Fall Bläsilla — in Rom, 
namentlich in aristokratischen Kreisen, unmöglich gemacht Nun 



1] Hat gewiss Jovinian nicht gestattet, da solche Bäder durch die 
Väter (Clem. Alex. Paed. 3, 5, Epiph. haeres. 30, 7, Chi^sost), Konzilien 
(Laod. 3, Trull. 77) und durch kaiserliche Dekrete und Gesetze verboten 
waren. 



III. Leben und Schriften Jovinians. |25 

tritt Jovinian auf und findet mit seiner vernünftigen Lebensauf- 
fiassung Anklang. Manche, welchen Hieronjmus den Kopf ver- 
dreht hatte, kommen wieder zur Besinnung. Dass diese alle 
samt und sonders Schweine und Wüstlinge und Buhlerinnen sein 
mfissen, das ist in den Augen des Hieronymus gar nicht anders 
möglich. Thatsächlich gehörten recht viele anstandige Leute zu 
seinem Anhang, wenn auch leichtfertige Naturen nicht ausge- 
schlossen waren. 

Den grössten Anhang hatte er zu Hom. Viele hatten ihren 
Cölibat aufgegeben. Doch scheint von den Priestern niemand 
ihm zugefallen zu sein. Das letztere sagt uns Augustin. Das 
erstere konstatiert der amtliche Brief des Papstes Siricius 
(& § 55). Auch erfEihren wir aus diesem die Namen seiner Ge- 
hilfen (ministri praedicantes), welche ihm in der Agitation wirk- 
sam zur Seite gestanden waren. 

Dies fährt uns unmittelbar zur Geschichte des Prozesses 
gegen Jovinian. Über denselben besitzen wir noch eine amtliche 
DarsteUung: es ist ein Brief des Papstes Sirieius an die Kirche 
zu Mailand, in welchem letztere von der Verdammung der Jo- 
vianschen Harese in Kenntnis gesetzt wird. Siricius beklagt sich, 
dass Jovinian und seine ministri praedicantes mit ihren leicht- 
fertigen Lebensgrundsätzen und verführerischen Lehren multorum 
simplicium corda traxissent in ruinam. Zur öffentlichen Ver- 
breitung ihrer Lehren hätten sich Jovinian und seine Genossen 
einer conscriptiotemeraria bedient. Diese scripturahorrifica sei ihm 
von fidelissimis Ghristianis veris, genere optimis, religione prae- 
claris denunziert worden.^) Er habe ungesäumt den gesamten 
Klerus zu einer Versammlung einberufen. Ihr einstimmiges 
Urteil sei dahin abgegeben worden, dass jene Schrift der christ- 
lichen Lehre und dem göttlichen Gesetze widerspreche. Somit 
laute ihre Sentenz, ut Jovinianus, Auxentius, Genialis, Germinator, 
Felix, Plotinus, Martianus, Januarius et Ingeniosus, qui incen- 
tores novae haeresis et blasphemiae inventi sunt, divina sententia 
et nostro judicio in perpetuum damnati extra exclesiam remane- 
rent Dieses Schreiben, in welchem also die Excommunication 



1] Allgemein wird aDgenommen, dass Pammachius an der Spitze der 
Dennnzianten gestanden sei. Man beruft sich dafiir auf eine Stelle im 
Briefe des Hieronymus an Pammachius (§ 42 S. 48): Denique iccirco te 
post Dominum faciente damnatus est 



126 Haller, Jovinianus. 

Jovinians und acht seiner Genossen der Mailändischen Kirche 
mii^eteilt wird, wurde im Jahre 390 (nach andern 389)^) durch 
die römischen Presbyter Crescenz, Leopardus und Alexander nach 
Mailand überbracht. 

Aber wie kam Siricius dazu, der mailändischen Kirche das 
Urteil der romischen Gemeinde über Jovinian mitzuteilen? Hier- 
über giebt uns das Antwortschreiben des Ambrosius (§ 57 ff.) 
näheren Auüschluss. Aus demselben erfahren wir, dass Jovinian 
mit seinen treusten Genossen nach Mailand gekommen war. Er 
wurde in Born nicht nur kirchlich durch Siricius und die römische 
Synode gemassregelt, sondern man ging auch weltlicherseits 
gegen ihn vor. Ein Edikt des Kaisers Theodosius vom 17. Juni 
389 verfügte die Vertreibung der Manichäer, nachdem schon ein 
Edikt Valentinians vom J. 372 gegen dieselben ein Versammlung»- 
verbot erlassen hatte. Jenes Edikt des Theodosius wurde nun 
auch gegen Jovinian und seine Anhänger in Anwendung ge- 
bracht. In Folge dessen verliessen sie Rom und kamen als pro- 
fugi nach Mailand, wahrscheinlich mit der ausgesprochenen 
Absicht, bei dem zur Zeit in Mailand weilenden Kaiser über die 
ihnen zu teil gewordene Behandlung als eine durchaus unge- 
rechtfertigte vorstellig zu werden. Jovinian wollte kein Mani- 
chäer sein. Ja, er glaubte den Beweis dafür erbringen zu können, 
dass vielmehr seine Gegner mit ihrer Lehre von der unverletzten 
Virginität Marias dem Manichäismus nahestehen, weil hiedurch 
die volle Menschlichkeit Christi in Frage gestellt werde (§ 61 
S. 78, 8). 

Damit nun Ambrosius klar unterrichtet sei, wie eigentlich 
die römische Kirche zu Jovinian stehe, teilte ihm Siricius den 
Beschluss seiner Synode mit. Ambrosius versammelte hierauf 
alsbald (391) auch eine Provinzialsynode, auf deren Tagesordnung 
die Lehre des Jovinian gesetzt wurde. Das Ergebnis ihrer Be- 
ratungen legte er nieder in der Form eines Synodalbescheids. 
In demselben rühmt er mit seinen Mitbischöfen die grosse Wachsam- 
keit und Weisheit des römischen Kollegen. Er freut sich, dass er 
und seine Genossen in allen Punkten vollkommen den Beschlüssen 
der römischen Synode beitreten können. Und nachdem er den 
Empfang des römischen Briefes durch die Legaten Crescenz, 



1) über die Chronologie siehe § 54 S. 6S Anm. 3. 



III. Leben und Schriften Jovinians. 127 

Leopardus und Alexander bescheinigt, teilt er die Verdammung 
derselben Männer mit, welche Siricius mit dem Banne belegt 
hatte. Unterschrieben ist der Bescheid von Ambrosius und acht 
Bischofen (§ 61 S. 78,8). 

Die Anklagepunkte sind in dem Briefe des Ambrosius voll- 
ständiger aufgefCihrt Aus dem Briefe des Siricius erfahren wir 
nur, dass Jovinian die Virginität der Ehe gleichstelle und das 
Essen mit Danksagung dem Fasten vorziehe. In dem mailändi- 
Bchen Synodalbescheid werden noch zwei weitere Punkte nam- 
haft gemacht: Jovinian leugne eine Verschiedenheit in der Be- 
lolmung der Gerechten, stelle somit dem Himmel und Christo 
ein Armutszeugnis aus und — als vierter Punkt — Jovinian 
leugne die unverletzte Virginität Marias, behaupte vielmehr, 
Maria habe zwar als Jungfrau empfangen, aber ihre Jungfrau- 
schaft habe mit dem Augenblick aufgehört, wo sie ihren Sohn 
Jesus geboren hatte. Ambrosius sucht mit Schriftbeweisen die 
Irrlehren Jovinians besonders hinsichtlich der Taxierung der 
Virginität und der unverletzten Maria zu widerlegen. Bemerkens- 
wert bei diesen Ausführungen ist, dass Ambrosius eine Propo- 
sition Jovinians nicht nennt oder kennt, die von Hieronymus 
und den andern Zeugen bezeugt ist: dass nämlich die Wieder- 
geborenen nach der Taufe nicht mehr aus dem Qnadenstand 
fallen können, und dass andererseits Ambrosius sehr eingehend 
auf einen Punkt eingeht, den Siricius (und später auch Hiero- 
nymus) mit keiner Silbe berührt, nämlich: die temporäre Jung- 
fräulichkeit der Maria. Der erstere Umstand hat wohl eine zu- 
fällige Ursache: Jene Lehre mochte Ambrosius zu geringfügig 
erscheinen gegenüber den andern grossen Lehrabweichungen, 
als dass er näher auf sie einging. Für die letztere noch auf- 
fallendere Erscheinung aber giebt es nur die Erklärung, dass 
Jovinian seine Lehre von der Virginität Marias nur in Mailand 
vertreten hat. 

In die Zeit unmittelbar nach der romischen Exkommuni- 
kation Jovinians nämlich 'fallt die Abfassung seiner Commentarii 
(Commentarioli). Sie waren wohl nichts anderes als eine Recht- 
fertigung und Verteidigung jener „scriptura horrifica", welche 
die romische Synode eingesehen und verdammt hatte. Über 
ihre Anlage und Beschaffenheit haben wir uns oben eingehend 
geäussert Doch darf nicht übersehen werden, dass dieselben 



128 Haller, Jovinianus. 

noch nicht seine Follständige Lehre enthalten. So finden wir in 
ihnen noch nichts von der Irrlehre, welche den Ämbrosius ganz 
besonders empört hatte: die Leugnung der unverletzten Virgi- 
nität Marias. 

Diese Commentarii Jovinians sind durch einige Freunde 
dem Hieronymus nach Bethlehem gebracht worden. Auch haben 
sie ihm über das Schicksal der Jovinianer in Rom erzählt Je- 
doch konnten sie noch nichts von dem Urteil der mailändischen 
Synode mitteilen, also auch nichts von Jovinians allemeuster 
Irrlehre bezüglich der Jungfräulichkeit Marias. Daher das gänz- 
liche Ausschweigen des Hieronymus über diese Sache, die er 
sonst gewiss mit Freuden bekämpft hätte, so gut wie vor acht 
Jahren bei einem Helvidius. 

Hieronymus setzte sich alsbald hin und schrieb noch im 
Jahre 392 seine beiden Bücher adv. Jovinianum, die wir oben hin- 
länglich kennen zu lernen Gelegenheit hatten. An Leidenschaft und 
Hass liess er es in dieser Polemik nicht fehlen. Dennoch war 
der Erfolg, den er mit ihnen erreichen wollte, ein äusserst 
zweifelhafter. Bei Freund und Feind hatten seine Bücher grosses 
Ärgernis hervorgerufen. Man hatte allgemein das Gefühl, dass 
Hieronymus der heiligen Institution der Ehe zu nahe getreten, 
dass er den Ehestand verachte und die Verehelichung verdamme. 
In Rom war grosse Aufregung. Besonders war es ein Hiero- 
nymus recht gut bekannter Mönch, welcher seine ganze Bered- 
samkeit zu einer förmlichen Hetze gegei;! Hieronymus aufbot 
Letzterer nennt seinen Namen nicht, aus irgend einem Grunde. 
Um so mehr beschimpfte er ihn mit den unflätigsten Ausfallen, 
ihn, der es gewagt hatte, der Gelehrsamkeit und Rechtgläubigkeit 
des Kirchenlehrers erfolgreich entgegen zu treten. Der Anonymus 
war früher Advokat, gut beredt, agitierte leidenschaftlich gegen 
Hieronymus in Damenzirkeln und aristokratischen Kreisen. Zwar 
hatte er seiner Zeit bei der Verfolgung Jovinians mitgewirkt 
Aber Hieronymus schien ihm bezüglich seiner Lehre von Ehe 
und Virginität viel zu weit zu gehen. So vergass er seine ehe- 
malige Gegnerschaft, nahm unwillkürlich Jovinian in Schutz 
und donnerte um so heftiger gegen Hieronymus. 

Dieser Anonymus hatte grossen Erfolg. Die öffentliche 
Stimmung fiel ihm zu und wandte sich gegen den Eheverächter 
in Bethlehem. Ja, es kam so weit, dass da und dort leise 



III. Leben und Scbriften Jovinians. 129 

Zweifel gegen dessen Rechtgläubigkeit erhoben wurden« Die 
Freunde des Hieronymus kamen in grosse Verlegenheit. Pam- 
machius versuchte die yerhängnisvollen Bücher einzuziehen, da- 
mit das Ärgernis nicht weitere Kreise anstecke. £s war ver- 
geblich. Schon hatten sie, wie Hieronymus mit Genugthuung 
statuieren konnte, ihren Weg nach dem Morgenland gefunden. 
Hier in dem Vaterland der Askese nahm man weniger Anstoss 
an ihnen, als in Rom. Pammachius selbst war gar nicht von 
ihnen erbaut. Er glaubte und bemerkte dies auch ganz offen 
dem Freunde gegenüber, dass er in seinen Behauptungen über 
die Inferiorität der Ehe viel zu weit gegangen sei Ein anderer 
naher Freund des Hieronymus, der ehrwürdige Domnio, machte 
ein formliches Excerpt der anstössigsten Stellen und sandte sie 
dem Hieronymus mit der Bitte, ihm Aufklärung über sie zu 
geben, eventuell sie zu restringieren. 

Alles dies ereignete sich in den Jahren 393 und 394 und 
gab dem Hieronymus Anlass zu einer apologetischen Korre- 
spondenz, welche uns noch in drei Briefen an Pammachius und 
Domnio (siehe oben §§ 41—49) erhalten ist Hieronymus giebt 
nicht nach. Er bestreitet, in seinen Büchern gegen Jovinian 
irgendwo die Ehe verdammt zu haben. Er beharrt darauf, dass 
er zu der Ehe ganz dieselbe Stellung einnehme wie Paulus, ja, 
dass er sich um ein gutes Stück milder ausgedrückt habe als 
der grosse Apostel. Im Übrigen spricht er seine Verwunderung 
über die Aufregung aus. Er kann nicht verstehen, wie man 
einen Menschen, der doch von der Kirche verdammt wurde, in 
Schutz nehmen könne, zumal einen Mann, der mit seinem Lebens- 
wandel und seiner verworrenen Sprache auf keine besondere 
Sympathie Anspruch erheben könne. Vollends unbegreiflich ist 
ihm, dass sogar Kleriker und Mönche gegen seine Bücher auf- 
gebracht seien. 

Wir sehen also, dass in der Stimmung gegen Jovinian ein 
erheblicher Rückschlag eingetreten war. Ja, vnr haben allen 
Grand anzunehmen — die interessante Korrespondenz des Hie- 
ronymus mit seinen römischen Freunden beweist es — dass eine 
kleine zelotische Partei die Verdammung Jovinians ins Werk 
gesetzt und zwar so rasch, dass die Öffentlichkeit sich nicht der 
gaqzen Tragweite des Vorgehens gegen den achtungswerten 
' Mann bewusst war. Schon fing man allgemein an, seine 

Ttzte u. üntertnohimgen N. F. U, 2. 9 



130 Haller, Jovinianus. 

Verurteilung zu bedauern und zu bereuen, vollends als man 
aus der gehässigen Polemik des Hieronymus sah, wohin man 
auf dem neubetretenen Wege kommen müsse. Dem gesunden 
Sinne des Abendländers war eben der Gedanke immerhin un- 
erträglich, dass der ehrbare Ehestand vor Gott minderwertig 
sein solle. 

Aber auch anderwärts hatte Jovinian grosse Erfolge. Zu- 
nächst in Mailandy wo er von Ambrosius und dessen Kollegen 
verdammt und verfolgt wurde. Seine Lehre drang hier selbst hinter 
die Mauern eines von Ambrosius gestifteten und beaufsichtigten 
Klosters und steckte dort zwei Mönche Sarmatio und Barhaüan 
an. Sie verliessen das Kloster, um bald wieder in Reue zurück- 
zukehren. Aber Ambrosius versagte ihnen die Wiederannabme, 
weil er mittlerweile allerlei über sie in Erfahrung gebracht hatte. 
Hierauf begaben sie sich nach Verceüä, wo sie mit ihren neuen 
Lehren grossen Anklang fanden. Sie lehrten genau dasselbe 
wie Jovinian und wir hören von ihren Lippen fast wörtlich 
gleichlautende Sätze, wie sie von Ambrosius in dem Synodalbe- 
scheid an P. Siricius dem Jovinian nachgesagt werden. Hier 
fehlt auch nicht der Satz von der Sündlosigkeit der Wiederge- 
borenen, der im Synodalbescheid nicht erwähnt wird. Aber er 
wird ganz in derselben Weise dargestellt, wie es seiner Zeit 
Hieronymus gegen Jovinian gethan hatte. Nur von der tempo- 
rären Virginität Marias scheinen diese Jovinianer nichts vorge- 
tragen zu haben. Im Übrigen wandelten sie genau in den Fuss- 
stapfen ihres Meisters und bedienten sich auch seiner Argumente 
aus Schrift und profaner Litteratur. 

Jn Vercellä war die Bischofsstelle erledigt. Vor lauter 
inneren Zerwürfnissen kam man zu keiner Wahl In dieser In- 
terimszeit scheinen die Jovinianer mächtige Fortschritte gemacht 
zu haben und es war nicht unmöglich, dass einer aus ihrer Mitte 
jene Würde erlangen könnte. Diese Befürchtung beschwert den 
Bischof Ambrosius ynit grosser Sorge und so schrieb er im Jahre 
396 einen Brief an die Gemeinde in Vercellä (siehe §§ 63 — 66). 
Er erinnert die Gemeinde an die grosse Tradition ihres jüngst 
verstorbenen Bischofs Eusebius, der erstmals in seiner Person 
das Beispiel der Verbindung des Mönchs und Priesters gegeben 
habe. Sie sollen sich ja von dieser Tradition nicht durch die 
neue Härese abtreiben lassen. Und so versucht er eine ein- 



III. Leben und Schriften JovinianB. 13} 

gehende Widerlegung der durch Sannatio und Barbatian ver- 
tretenen Jovinianschen Propositionen. 

Jovinian selbst muss nicht mehr lange gelebt haben. Im 
Jahre 401 schrieb Augustin auf Veranlassung der Jovinianschen 
Häresie die Schrift de bono conjugali, aber ohne Jovinian aus- 
drücklich mit Namen zu nennen (vgl. § 71 S. 94 Anm. 1). Die 
nächste Nachricht über ihn enthalt eine gelegentliche Bemerkung 
des Hieronymus in seiner Schrift adv. Yigilantium aus dem Jahre 
406. Hienach gehörte er schon zu den Toten. 

Vigilaniius^ aus Calagurrä in Aquitanien gebürtig, hat im 
letzten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts in Barcelona und später in 
Gallien gewirkt. Um 404 schrieb er Bücher, in welchen er seine 
Lehren niederlegte. Über dieselben berichtete ein Priester Bipa- 
rinfi dem Hieronymus, worauf letzterer eine vorläufige kurze 
Widerlegung schrieb. Zwei Jahre darauf überbrachte ihm ein 
Mönch Sisixmius im Auftrage der Priester Riparius und Desi- 
derius einen Traktat des Yigilantius. Hieronymus schrieb um*- 
gehend eine grössere von Leidenschaft und Gehässigkeit getränkte 
Schrift (siehe § 50). Vigilantius war kein unmittelbarer Anhänger 
Jovinians, wenn er auch viele Berührungspunkte mit seinen 
Lehren hatte. Der wichtigste bestand in der gemeinsamen Be- 
kämpfung der Überschätzung des Golibats. Und deshalb sagt 
Hieronymus: „Wie in Pythagoras Euphorbus auferstanden, so 
ist in Yigilantius der schlechte Geist des Jovinian wieder er- 
schienen." Das Wort Jes. 14,21 sei hier in Erfüllung gegangen. 
Jovinian nämlich, durch die Autorität der römischen Synode 
verdammt, habe bei Fasanen- und Schweinebraten nicht sowohl 
seinen Geist aufgegeben, als vielmehr ausgespieen. Selbstver- 
ständlich ist das eine gehässige Übertreibung, vielleicht auch 
eine pure Verleumdung, die deshalb nicht an Wahrscheinlichkeit 
gewinnt, dass sie Gennadius hundert Jahre später gedankenlos 
dem Hieronymus nachschwatzte (§ 77). Soviel ist aber gewiss, 
dass Jovinian um das Jahr 406 nicht mehr lebte und dass so- 
mit ein angebliches kaiserliches Edikt des Theodosius aus dem 
Jahre 412 sich nicht auf ihn beziehen kann (siehe § 62). Auch 
ist Thatsache, dass Augustin, der als juvenis den Jovinian in 
Born (vor dem Jahre 388) gesehen hatte, in allen seinen Schriften 
aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts von ihm als von einem 

Toten spricht. — 

9* 



132 HaJler, Jovinianus. 

Seine Schriften selbst müssen noch längere Zeit cirkaliert 
haben. Wenigstens lagen sie dem Julian bei seiner Abfassung 
der Bücher gegen Augustin, also im Jahre 42S vor. Auch Augustin 
muss sie vor Augen gehabt haben. 



rv. Die Lehren JoYiniaiis. 

Der einheitliche Grundgedanke der Lehren Jovinians ist der 
Widerspruch gegen die mönchische Werkheiligkeit der Kirche. 
Das christliche Leben löste sich auf in eine endlose Sunmie 
äusserlicher Leistungen der Enthaltung und Easteiung. Hierdurch 
glaubte man Gottes Wohlgefallen und den Himmelslohn müh- 
sam verdienen zu können. Gnade und Glaube traten im christ- 
lichen Bewusstsein zurück hinter Lohn und Werke. Und wo 
jene beiden Begriffe noch in Geltung waren, da standen sie im 
Dienste einer laxen Lebensauffassung, eines epikuräischen Liberti- 
nismus, der seine besten Freunde in den Reihen einer bequemen, 
sittenlosen Geistlichkeit hatte. Jovinian ist kein Libertinist, so 
sehr ihn auch Hieronymus als solchen verschreit. Sein Wider- 
spruch gegen die asketische Frömmigkeit ruht nicht auf Welt- 
liebe und Fleischeslust; er geht vielmehr hervor aus einem tiefen, 
kräftigen evangelischen Bewusstsein von der Gnade Gottes, die 
durch Taufe und Glauben jene Wiedergeburt schafft, in Folge 
welcher Christus, und zwar der ganze Christus, von einem 
Menschen Besitz ergreift, so dass dieser dem Reiche der Gnade 
gehört und iais solcher der ganzen Seligkeit teilhaftig wird, wie 
er aber auch andererseits den zerstörenden Einwirkungen des 
Reiches der Sünde entzogen bleibt. In diesem Zusammenhang 
sind alle Sätze Jovinians zu verstehen. — Am besten beginnen 
wir mit dem 4. Satz: 

Von der unterschiedslosen Seligkeit der Wiedergeborenen. 

Die Lehre von der »doppelten Sittlichkeit" und damit von 
verschiedenen Stufen der Seligkeit ist ein uraltes Erbstück der 
Kirche, mit demselben Augenblick eingetreten, wo das christliche 
Leben die Form der Werkthätigkeit annahuL Schon Hermas 
sagt (Sim. V,3): „Halte die Gebote des Herrn, und du wirst 



lY. Die Lehren Jovinians. 133 

tiott wohlgefaUen und eingetragen werden unter die Zahl derer, 
die seine Gebote halten. Wenn du aber noch irgend etwas 
Gutes thust, über Gottes Gebot hinaus {ixrog r^g ivroJifjg xov 
ß^eov), 80 wirst du dir um so überschwenglicheren Ruhm er- 
werben (oeavrS jceguroii^Of} 66§ap JtBQiCöoxiQav) und bei Gott 
zu grösserem Ansehen gelangen, als es so geschehen wäre. Wenn 
da also mit der Beobachtung der Gebote Gottes (mandata Dei) 
noch die frommen Übungen {xaq XsLXOVQylaq xavxaq) verbindest^ 
so wirst du Freude haben, wenn anders du sie nach meiner An- 
weisung anstellst Wir kennen keine andere Stelle, in welcher 
die altkirchliche und katholische Ethik so klar und vollständig, 
geradezu klassisch zum Ausdruck gebracht wird, wie es die 
angeführte Hermasstelle thut. Sie bedarf gar keiner Commen- 
tierung. Sie repräsentiert auch ganz genau das religiös-sittliche 
Bewusstsein der weitaus grössten Mehrzahl der Christen des 
vierten Jahrhunderts: nach ihrem Massstab gab es eine grosse 
Abstufung unter den Leistungen, die zum allermindesten ver- 
dienstlich oder überverdienstlich sein konnten. Mit dieser Ab- 
stufung der gottgefälligen Leistungen war notwendig auch eine 
Differenzierung der Gerechten gegeben, mit den Unterschieden 
unter den Gerechten folgerichtig auch eine Verschiedenheit der 
Belohnung, höhere und niedere Stufen der Seligkeit. 

Gegenüber dieser rein äusserlichen, mechanischen, quantita- 
tiven Betrachtung des religiös-sittlichen Lebens, welches ganz 
losgelöst von der centralen Gesinnungsrichtung in einer zahlen- 
mässigen Reihe von sinnenfalligen Leistungen sich erschöpfte, 
gegen diese Yeräusserlichung der sittlichen Werte machte schon 
die Stoa energisch Front. Diese lehrte einen absoluten Gegen- 
satz zwischen Weisen und Un weisen oder zwischen den sittlich 
Gebildeten (jtsjtaidevfiivoi) und Ungebildeten (Ididoxai) und 
legte jenen alles Gute, diesen alles Schlechte bei. Die Eonsequenz 
erforderte, dass auch alle Sünden im Grunde gleich sind, da in 
jeder Sünde, sie sei auch anscheinend noch so unbedeutend, eine 
verkehrte Richtung des Willens sich offenbare. Es giebt also 
keine Grade der Sünde. Die Sünden sind nur verschieden hin- 
sichtlich des Objekts, auf welches sie sich beziehen. Vom Stand- 
punkt des sittlichen Urteils aus „fliessen sie alle aus derselben 
Quelle (der xaxla) und das Urteil ist bei allen das gleiche — " 
nämlich verkehrt, weil die sündige Handlung Ausfluss sittlicher 



134 Haller, Jovinianas. 

Schwäche und Haltlosigkeit ist Ebenso lässt auch der Begriff 
des Rechten und Wahren keine Steigerung zu. Der Weise thut 
alles, auch das unbedeutendste, kraft seiner Weisheit. Er streckt 
nicht einmal den Finger aus, ohne dass seine Tugend dabei 
wirksam wäre. Dem Schüler, der seine Unaufmerksamkeit im 
collegium logicum f&r ein entschuldbares, leichtes Vergehen er- 
klärt und, als ihn der Lehrer tadelt, sagt: „ich habe doch nicht 
meinen Vater getötet*, erwidert Epiktet: ,wo war denn hier der 
Vater, den du hättest töten können? Was hast da also ge- 
than? Die einzige SQnde, die du gerade jetzt und hier begehen 
konntest"" 

Diese ernste Auffassung der Sünde und diese Abneigung 
gegen eine bloss quantitative Betrachtung der sittlichen Hand- 
lungen finden Ynr eben bei Jovmian. Wie weit eine bewusste 
Anlehnung an die Stoa vorliegt, ist schwer zu entscheiden. Auch 
Hieronymus hat gerade in diesem Punkte wiederholt die springende 
Verwandtschaft des Jovinian mit der Stoa erkannt: „Denn 
der in der ünkeuschheit und Genusssucht ein Epikuräer ist, 
wird plötzlich, wenn er auf die Vergeltung der Verdienste zu 
sprechen kommt, ein Stoiker.^ Unermüdlich nennt er ihn den 
zweiten Zeno. Seine 4. These lautet nämlich: Esse omnium qui 
suum baptisma servaverint unam in regno coelorum remune- 
rationem. 

Und nun, wie führt er diese These im Einzelnen näher aus? 

Einmal steht ihm fest, dass es nur xwei Klassen von Menschen 
giebt: Die Gerechten und die Sünder. Zwischenstufen giebt es 
nicht. Hiefür spricht die Einteilung in Schafe und Bocke; jene 
sind die Gesegneten des Vaters, diese die Verfluchten. Diese 
Zweiteilung geht von Anfang an durch die Menschheit: Noah 
und die Sünder, Lot und die Sodomiten, die Israeliten und die 
Ägypter, die Ungehorsamen in der Wüste und die zwei gläubi- 
gen Kundschafter. Seine Spitzen findet dieser Dualismus in dem 
irdischen und himmlischen Adam: Wer dem irdischen angehört, 
steht zur Linken und geht zu Grunde, wer dem himmlischen, 
steht zur Rechten und wird selig. 

Jener Dualismus hat aber eine tiefere Ursache, nämlich in 
der innersten Veranlagung und Richhmg der Gesinnung, Ein 



1) Vgl Bonhöffer, Die Ethik des Stoikers Epiktet 1894. S. 133 ff. 



IV. Die Lehren Jovinians. I35 

guter Baum kann nicht schlechte und ein schlechter Baum kann 
nicht gute Früchte bringen. Die fünf thorichten Jungfrauen 
wurden ausgeschlossen, weil sie kein Ol hatten, die fünf klugen 
wurden angenommen, weil sie dies hatten und so das Licht 
guter Werke sich zubereiteten. Und da es auf die Grundrichtung 
der Seele ankommt, so kann auch die geringste Abweichung 
von dieser Linie von entscheidender Bedeutung sein. HiefÜr dient 
ihm Lots Weib zum Beweise, „dass man auch nicht im Geringsten 
Yon der Gerechtigkeit abweichen dürfe**. Wer zu seinem Bruder 
sagt: „Du Narr oder Bakka^, der ist des höllischen Feuers 
schuldig. 

Die gute Grundrichtung der Seele wird bestimmt durch die Ein- 
uroknung Qoites und Christi Diese ist eine vollige, ungeteilte. Nicht 
ein Teil-ChristuS) sondern der ganze Christus zieht in die Seele 
des Wiedergeborenen ein und macht dort sich Wohnung. Hie- 
fÜr beruft sich Jovinian mit Vorliebe auf die mystischen Aus- 
fuhrungen der Johanneischen Schriften. „ Wer mein Fleisch isst und 
mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.*^ Somit wohne 
Christus sine aliqua differentia graduum in uns und ganz in 
derselben Weise sind wir in Christo sine gradibus. Wer Christus 
liebt, der wird vom Vater geliebt und beide, Vater und Sohn, 
konmien und nehmen in ihm Wohnung. Wer gerecht ist, der 
liebt Christum. Ist aber Christus der Inwohner unserer Seele^ 
so kann dieser, als der Gastgeberin, nichts an den Wohlthaten 
des Liwohners abgehen. Auch die Singularfassung in 1. Kor. 
3, 16 (corpora vestra templum est Spiritus Sancti) dient ihm zum 
Beweis dafür, „ut similiier in Omnibus habitatorem ostenderet 
Deum**. 

Ist aber so der ganze Christus in jeder einzelnen Seele, so 
steht für ihn auch die unterschiedslose Einheit der ganzen Qenmnde 
Christi fest. Die wahren Christen bilden miteinander ein einiges 
Volk, weil sie alle als geliebteste Kinder der einen göttlichen 
Natur teilhaftig geworden sind. Diese wahre einige Kirche Christi 
ist Braut, Schwester, Mutter Christi und ist in keinem Augenblick 
ohne ihren Bräutigam, Bruder und Sohn. Sie erfreut sich Eines 
Glaubens und wird nicht, wie die geschichtliche Kirche, durch 
Verschiedenheit der Glaubenssätze geschändet oder durch Ketze- 
reien gespalten. Sie bleibt Jungfrau. Wohin immer das Lamm 
geht, folgt sie ihm nach. Es giebt nur eine Stimme, die sie 



136 Haller, Jovinianus. 

kennt, die Stimme Christi. Diese wahre Kirche Christi ißt im 
Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe inaccessibilis and 
inexpugnabilis. Sie zählt keine unreifen Glieder, vielmehr sind 
sie alle von Gott gelehrt. Weder Gewalt noch List vermögen 
sie zu überfallen und ihr einen Schaden zuzufügen. 

Bei dieser einheitlichen Grundrichtung, ungeteilten Ein- 
Wohnung Gottes und innigen Zusammengehörigkeit der wahren 
und lebendigen Christen kann von einer Verschiedenheit der B^^ 
lohnung und der Seligkeit nicht die Bede sein. Die Gesegneten 
des Vaters erhalten das Reich, das ihnen von Anfang bereitet 
ist, die Verfluchten das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen 
Engeln bereitet ist. Die fttnf klugen Jungfrauen sind alle mit 
dem Bräutigam ins Brautgemach gegangen, die thörichten sind 
ohne Ausnahme ausgeschlossen worden. So war's auch in der 
Sündflut, so bei Sodoms Untergang, so bei den Plagen Ägyptens, 
so beim Durchzug durch das rote Meer, so beim 40jährigen 
Aufenthalt in der Wüste. Im Gleichnis vom Säemann giebt es 
nur zwei Klassen, gutes und schlechtes Land. Auch aus dem 
Umstände, dass der Herr seinen Jüngern das einemal die hun- 
dertfache, das anderemal eine siebenfache Vergeltung verheisst, 
gehe deutlich hervor, dass er keinen Unterschied in den Graden 
der Seligkeit gemacht wissen wollte, sonst hätte er jene Zahlen 
nicht promiscue gebraucht Die Mehrzahl der Wohnungen, die 
in des Vaters Hause sind, beziehe sich nur auf die Zahl der 
Kirchen, nicht auf das Jenseits. Dem Johannes und Jakobus 
ist der Wunsch nach bevorzugten Plätzen versagt worden. Auf 
gleiche Weise treten wir alle in dieses Leben ein und wieder hinaus. 
Der seinen Bruder beschimpft, kommt ebenso in das höllische 
Feuer wie der Menschenmörder und der Ehebrecher. Anderer- 
seits: Wer in der Verfolgung verbrannt wird, wer erstickt und 
enthauptet wird, wer auf der Flucht oder im Kerker stirbt, es 
sind nur verschiedene Kampfarten, die Siegerkrone ist aber die- 
selbe. Zwischen dem Bruder, der immer beim Vater geblieben, 
und dem, der später reumütig zurückkehrte, besteht kein Unter- 
schied, d. h. beide sind im väterlichen Hause. Den Arbeitern 
der ersten, dritten, sechsten, neunten, elften Stunde wird derselbe 
Denar zu teil, ja die Auszahlung des Lohnes beginnt bei denen, 
welche kürzere Zeit im Weinberge gearbeitet hatten. 

Aber, wenn dem so ist, so hört Jovinian einwenden: „Warum 



IV. Die Lehren Jovinians. 137 

plagt sich der Gerechte im Frieden oder in Verfolgungen ab, 
wenn es keinen Fortschritt und keine grosseren Belohnungen 
giebt?" Hierauf die treflf liehe, wahrhaft evangelische und tief 
ethische Antwort: „So mögest du wissen, dass er dies thut, nicht, 
um ein grösseres Verdienst zu erlangen, sondern, um die em- 
pfangene Gabe nicht zu verlieren" So kennt Jovinian streng ge- 
nommen keine Verdienste vor Gott. Wir Menschen haben nur 
Gnadengaben Gottes zu bewahren. Das ist unsere einzige und 
höchste Au%abe. Alles andere ist Anmassung. Ein Unterschied 
besteht bezüglich der uns zugewiesenen Dienstleistungen, aber 
im Grunde sind alle, welche diesen Dienst thun, Gott gleich 
lieb. Wir lieben ja auch alle unsere Glieder gleichmässig und 
ziehen das Auge nicht dem Finger, noch den Finger dem Ohre 
vor, und wenn wir eines dieser Glieder verlieren, so leiden alle 
gemeinschaftlich Schmerzen. 

Man kann dieser Betrachtung die evangelische, schriftge- 
niässe Berechtigung nicht absprechen. Es ist derselbe Dualis- 
mus, der in den Johanneischen Gegensätzen von Kindern des 
Lichts und Kindern der Finsternis oder von denen, welche von 
Gott geboren sind, und denen, welche von der Welt oder von 
dem Teufel, als ihrem Vater, sind, zum Ausdruck kommt. Wird 
nun einmal dieser scharfe Schnitt durch die Menschheit gemacht, 
dann giebt's keine Halbheit, keine Vermittlungen. Der Mensch 
wird als eine religiös-ethische Einheit beurteilt. Dieser gegen- 
über verlieren etwaige Nuancen, Differenzen, Unebenheiten jede 
nennenswerte Bedeutung. Es kommt nur auf die Grundrichtung 
der Persönlichkeit an: „Alles, was nicht aus dem Glauben kommt, 
ist Sünde", oder, wie Jesus sagte: „Wer nicht für mich ist, der 
ist wider mich." Entscheidet aber die Grundrichtung der Seele, 
ob der Mensch zu den Schafen oder zu den Böcken gehört, 
dann kann es auch keine Stufen der Seligkeit geben. Die Kinder 
Gottes bilden mit einander ein einiges Volk, einen Organismus, 
den Leib Christi, somit ist auch ihr Geschick dasselbe, das ewige 
Leben. Mit vollem Recht beruft sich Jovinian für diese Konsequenz 
auf den Einen Denar, der allen Weingärtnern zu teil geworden 
ist, ganz unabhängig von dem quantitativen Masse ihrer 
Leistungen. — 

Wie nun die Kinder Gottes, welche in der Taufgnade ver- 
harrten (qui 8uum baptisma servaverint) Einen Lohn, dieselbe 



138 Hallert Jovinianns. 

Seligkeit zu erwarten haben, so ist auch ihr religiöses Leben 
unter dasselbe Urteil zu stellen, nämlich der prinzipiellen Süud- 
losigkeit. Und damit kommen wir zu der zweiten These Jovi- 
nians, welche 

Von der prinzipiellen Sündlosigkeit der Wiedergeborenen 

handelt: eos, qui plena fide in baptismate renati sunt, a Diabolo 
non posse subverti. 

Wir kommen hier an den schwierigsten Punkt der Jovinian- 
schen Lehre, den freilich Hieronymus sehr kurz abmacht, auf 
den aber Augustin bezw. Julian um so tiefer eingehen. Die 
Schwierigkeit liegt in dem Umstände, dass der BegriflF der „Sünde" 
in diesem Zusammenhang scheinbar unbestimmt und missTer- 
standlich erscheint. Auch werden dem Jovinian Ton verschiede- 
nen Seiten wegen dieser Lehre die yerschiedensten Vorwürfe ge- 
macht. Bald ist er um ihretwillen ein Stoiker, bald ein Mani- 
chäer, bald der Vater des Pelagius, während von pelagianischer 
Seite behauptet wurde, er stehe dem Augustin näher. An all 
dem ist etwas wahr. Wir werden aber sehen, wie auch diese 
Lehre Jovinians einen klaren, geschlossenen Sinn und Zusammen- 
hang in seinem ganzen System hat. 

Augustin berichtet, auch Jovinian habe eine Erbsünde nicht 
geleugnet (§ 67), wenigstens dürfe man das bei ihm voraussetzen, 
da er nicht das Gegenteil behauptet habe. Jovinian habe in 
Folge dessen auch die allgemeine Sündhaftigkeit der Menschen 
zugegeben. Dieser Zustand des peccare und non peccare daure 
beim Menschen bis zu seiner Taufe — so lässt ihn wenigstens 
Julian (§ 73), der sein zweites Buch gelesen haben will, lehren« 
In der Taufe aber vollzieht sich beim Menschen eine grosse 
Veränderung. 

Vorausgesetzt dabei ist, dass die Taufe nicht als opus ope- 
ratum gehandhabt, sondern, dass sie pkna fide empfangen wird. 
Es muss also mit und in der Taufe der volle lebendige Glaube 
beim Täufling gesetzt sein, so dass die Taufe wirklich auch ein 
Begrabenwerden in den Tod Christi, eine Todes- und Lebens- 
gemeinschaft mit Christo involviert. Es kann auch jemand 
aqua tantum et non spiritu getauft werden, wie der Magier 
Simon. Solche Taufe hat keinen Wert. Vielmehr muss es in 



IV. Die Lehren Jovinians. j[39 

der Taufe zu einer wirklichen generatio Dei kommen, so dass 
der Täufling ein renatus ex Deo ist (§ 19). 

Hat sich nun mit der Taufe in ihm eine Wiedergeburt toU- 
zogen, so kann er nicht mehr sündigen* Mit diesem Ausdruck 
lehnt sich Jovinian eng an die einschlägigen Ausdrücke des 
L Johannesbriefes, die er denn auch wörtlich zur Begründung 
seiner Proposition citiert: Jeder, der aus Gott geboren ist, thut 
nicht Sünde, dieweü sein Same in ihm bleibet, und er kann 
Dicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Und darin werden 
offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Jeder, 
der aus Gott geboren ist, sündiget nicht, sondern die Zeugung 
Gottes bewahret ihn und der Böse rühret ihn nicht an" (§ 19). 

Mit dem letzteren Ausdruck „et malignus non tangit eum", 
ist jenes „Nicht sündigen^^ bereits erklärt. Nimmt man noch 
hinzu, dass mit dem „non peccare" die anderen Ausdrücke 
y,a Diabolo non posse tentari'' oder noch besser „a Diabolo non 
posse subverti" ^) oder „sibi Diabolum non succumbere" ab- 
wechseln, so ergiebt sich sofort mit der wünschenswerten Klarheit, 
dass es sich nicht um einzelne sündliche Handlungen handelt, 
sondern um den sündigen Habitus, sofern er den reatus, die ver- 
dammende Schuld in sich begreift. Ein Wiedergeborener kann 
nicht aus dem Gnadenstand fallen, kann nicht eine Beute des 
Teufels und seiner tentationes werden, und wird er es doch, so 
beweist das nur, dass er nicht spiritu, sondern aqua tantum ge- 
tauft war. Wer aber aus Taufe und Glauben durch die Macht 
der Ghiade Gottes wahrhaft wiedergeboren ist, der ist den zer- 
störenden Einwirkungen des Reiches der Sünde entzogen, er ist 
bei Gott geborgen, verwahrt, so dass er in seinem Gnadenstande 
^"halten bleibt Es ist also dasselbe, was Paulus sagt: „So ist 
nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind." 
„Wer will verdammen? Wer will die Auserwählten Gottes be- 
sebuldigen?"' 

Nur böswillige Übertreibung konnte diese Lehre dahin ent- 
stellen, als ob Jovinian gelehrt habe: hominem post baptismum 
nuUo modo posse peccare (§ 76). Jovinian hat nicht einmal die 
theoretische Sündlosigkeit des Wiedergeborenen, geschweige denn 

1) Auch Hefele (11,50) giebt den Sinn dieses Satzes mit den Worten 
wieder: „Alle, welche mit vollem Glauben in der Taufe wiedergeboren 
weiden, kOnnen vom Teufel nicht überwältigt werden. 



II 

I 



140 Haller, Jovinianns. 

seine empirische Sündlosigkeit gelehrt. Dies wurde ihm Ton pe- 
lagianischer Seite vorgeworfen, um ihn so nahe als möglich an 
Manichäus und an Augustin zu rücken. Das ,^haptizatum homi- 
nem non posse peccare'' erklärt Julian mit dem ,,a tempore 
baptismatis imponi hominibus necessitatem boni" oder ,,Volunta8 
quidem hominum sed usque ad baptisma delinquit, postea autem 
nisi bonum velle non potest*^ Im Grunde komme Augustins 
Lehre und die des Jovinian auf dasselbe hinaus. Denn Augustin 
behaupte, der Mensch, dessen natura in Folge des ersten Sünden- 
falls delinquit et bonum velle non potest, erlange erst durch die 
gratia die possibilitas faciendi boui, die gratia selbst aber werde 
ihm erst von der Taufe an erteilt. Beides sei manichäisch, ja, 
Jovinian sei noch der Beste von allen dreien. Sie aber, die 
„Catholici^ (d. h. die Pelagianer), behaupten, dass von Anfang 
bis zum Ende sine aliquo naturalium coactu die Willensfreiheit 
fortbestehe und der Mensch jeder Zeit die potestas habe recedere 
a malo et facere bonum (§ 73). 

Diese pelagianische Darstellung entspricht durchaus nicht 
dem wahren Sachverhalt. Für Jovinian war die „Sünde**, die er 
bei den Wiedergeborenen in Abrede stellte, gleichbedeutend mit 
innerem Abfall von Gott. Dagegen hat er nicht geleugnet, dass 
der Wiedergeborene im empirischen Sinne sündigen könne und 
thasächlich auch sündige. Denn auch der Wiedergeborene be- 
darf der Busse. Dies bezeugt uns Hieronymus — wider seinen 
Willen — in folgender Verhöhnung seines Gegners: „Fürchtet 
nicht die Unzucht! Wer einmal in Christo getauft ist, der kann 
nicht fallen, hat er doch, um seine Lüste verbrausen zu lassen, 
die trostvolle Aussicht der Verheiratung. Und wenn Ihr auch 
fallen solltet, so wird Euch die Busse ivieder in den vorigen Stand 
versetzen^ und wenn Ihr bei der Taufe Heuchler wäret (d. h. 
aqua tantum, non spiritu baptizati), so werdet Ihr bei der Busse 
einer solida fides teilhaftig werden. Lasst Euch nicht dadurch 
verwirren, dass Ihr glaubet, es sei ein Unterschied zwischen 
einem Bussfertigen und einem Gerechten und die erlangte Ver- 
gebung gewähre zwar einen niederen Grad, aber nicht die Corona. 
Es giebt ja doch nur Eine Belohnung. Wer zur Rechten zu 
stehen kommt, der geht ein ins Himmelreich" (§ 39). — Giebt 
es hienach eine Busse für den Wiedergeborenen, so ist er auch 
der Sünden fähig, wenn auch nicht einer solchen, wodurch er 



IV. Die Lehren Jovinians. 14 t 

Tom Teufel zum völligen Abfall gebracht wird — er müsste 
denn kein wahrer Wiedergeborener, sondern nur ein „Heuchler** 
gewesen sein. „B^ssfertig sein** und „Gerecht sein** d. h. im 
Stande des Wiedergeborenen*' sein, schliessen sich nicht aus. 

Natürlicherweise war die Lehre des Jovinian auch nach 
einer anderen Seite der Missdeutung ausgesetzt Wie der Pela- 
gianer Julian den Jovinian dem Augustin und Manichäus anzu- 
hangen versuchte, so hat Hieronymus umgekehrt aus Jovinian 
einen Geistesverwandten des Pelagius zu stempeln verstanden. 
Das tertium comparationis glaubte er darin zu finden, dass beide 
behaupten: „Quumque semel justi fuerint, si egerint soUicite, 
posse in sempitemum justitiam custodire ac per hoc omne vitare 
peccatum** und femer darin, dass beide den neuen Lebensanfang, 
das habere non peccatum, mit der Taufe setzen (§ 53). Beides 
ist aber unrichtig. Denn beide, namentlich auch Pelagius, 
nahmen an, dass man post baptismum fallen könne und daher 
der Busse bedürfe. Hieronymus hat diese Lehre Jovinians 
gar nicht verstanden, sonst hätte er Pelagius und Jovinian niemals 
zusammengestellt. Sind doch die Grundprinzipien beider An- 
schauungen absolut verschieden: bei Jovinian ist es die in der 
Taufe und Wiedergeburt erlangte Gnade Gottes, die alles wirkt 
und vor Sünde und Abfall bewahrt, bei Pelagius ist es die vo- 
luntas des Menschen, die nach und vor der Taufe die possibilitas 
boni bethätigt und durch die der Mensch es auch zu einer vollen 
und bleibenden justitia bringen kann. Julian stand darum der 
Wahrheit viel näher, wenn er Jovinian und Augustin zusammen- 
stellte. Ist doch im Grunde die Lehre Augustins von der gratia 
irresistibilis und dem donum perseverantiae nichts anderes, als 
was Jovinian mit Johannes behauptete: „Wer aus Gott geboren 
ist, sündiget nicht!** 

Es ist sehr begreiflich, dass Hieronymus und andere Wider- 
sacher Jovinians diese Lehre im Sinne eines leichtfertigen Liber- 
tinismus brandmarken konnten. „Du kannst ruhig Hurerei treiben, 
denn, bist Du ein Wiedergeborener, so wirst du doch nicht 
fallen.** Dass aber diese Konsequenz dem Jovinian absolut ferne 
lag, sahen wir oben bei der Besprechung des 4. Satzes, wonach 
auch die kleinste Abweichung vom Willen Gottes als Sünde und 
verdammende Schuld beurteilt wurde. Das schliesst freilich nicht 
aus, dass manche seiner Anhänger in diesem Punkt über ihn 



142 Haller, Jovinianus. 

hinausgingen. Wenigstens scheint dies bei Sarmatio und Bar- 
batian der Fall gewesen zu sein — falls auch hier nicht eine 
gehässige Konsequenzmacherei seitens des Ambrosius vorliegfc. 
Letzterer sagt diesen beiden Jovinianem nach, sie hätten gelehrt, 
ein Getaufter dfirfe überhaupt nicht für einen Hurer gehalten 
werden. Wie auch sein Leben beschaffen sei, immer sei ee 
Gott wohlgeföllig (§ 65). Die Jovinianer folgen mehr dem Epikur, 
als Christo und den Aposteln: Die Getauften, sagen sie, bedürfen 
keiner SittenTorschriften, denn kein Genuss, keine yoluptatum 
affiuentia könne ihnen schaden (§ 66). Wir bezweifeln, ob auch 
Sarmatio und Barbatian je so etwas aus jenem Satz Joviniiuas 
gefolgert haben. Vielleicht haben wir hier eine Nachahmung 
jener Verhöhnung Jovinians durch Hieronymus. Wenigstens 
legt uns die beiderseitige Exemplifizierung auf die Hurerei eine 
solche Vermutung sehr nahe. — 

Entscheidet die Gesinnung und Grundrichtung des Wieder^ 
geborenen über sein Verhältnis zu Gott und ist diese nicht abhängig 
von einzelnen Leistungen, so fallen für Jovinian alle jene Ter- 
dienstlichen Werke, mit welchen man des Heiles teilhaftig und 
gewiss werden wollte. Dies kommt zum Ausdruck in dem 
3. Satz: 

Von der religiösen Wertlosigkeit des Fastens: 

pinter abstinentiam ciborum et cum gratiarum actione per- 
ceptionem eorum nullam esse distantiam 0." — Das Fasten ist 
also um nichts besser, höher, heiliger, gottgefälliger, als der 
Genuss, der mit Danksagung geschieht. Indem ein Christ f&r 
eine Speise Gott dankt, heiligt er dieselbe; er nimmt sie aus Gottes 
gütiger Hand und das gefällt Gott ebenso gut oder noch besser, 
als wenn er die ihm von Gott dargebotene Speise aus werkge- 
rechter Enthaltsamkeit ausschlägt. 

Jovinian hat auf die Danksagung beim Genuss den grössten 
Wert gelegt. Damit bewegt er sich vollständig auf biblischer 
Grundlage. Man denke an alttestamentliche Stellen, wie Deut 
8, 10, Sir. 32, 17, an den Vorgang Jesu bei der Speisung der 



1) Nach Augustin: nee aliquid prodesse jejunia, vel a cibis aliquibus 
abstinentiam (§ 72). Nach Ambrosius: qui meritum excludant jejunii 
(§ 66). Nach Gennadius: aut pro amore castigandi corporis abstinentibus 
a vino vel carnibus nihil credere meriti accrescere. 



lY. Die Lehren Jovinians. 143 

Fftnftausend, beim h. Abendmahl und bei den Emmausjüngem, 
an Rom. 14, 6: Welcher isset, der isset dem Herrn und 
danket Ooti Die Hauptstelle jedoch, an welche jene Proposition 
sich wörtlich anlehnt, ist I. Tim. 4,4: „Alle Kreatur Oottes ist 
gut, and nicht-s verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird, 
denn es wird geheiliget durch das Wort Gottes und Gebet.*' 

Mit der Voraussetzung, dass die Speise „mit Danksagung 
empfangen wird'^ ist Ton selbst der übermässige, lüsterne, sünd- 
hafte Oenuss, die Völlerei ausgeschlossen. Die Widersacher, 
Toran EUeronymus, kaben kein Recht, den Joyinian zu einem 
Feinschmecker, Fresser und Säufer zu stempeln. Er forderte die 
Danksagung als unerlässliche Voraussetzung eines gottgefälligen 
Genusses. Damit stellte er den Genuss unter die Zucht des 
Geistes der Pietät und Genügsamkeit. 

Wie hat nun Joyinian seine 3. These im Einzelnen begründet? 
Alle Dinge, sagt er, sind dazu geschaffen, dass sie dem Menschen 
zum Gebrauche dienen. Wie der Mensch, als Inhaber der Welt, 
Gott unterthan ist und seinen Schöpfer ehrt, so seien alle Geschöpfe 
ihrerseits ihm zur Speise oder zur Bekleidung oder zur Hilfe 
und Onterstützung bei seinen Arbeiten geschaffen. Hiefür kann 
er sich auf Ps. 8 berufen. „Es mag nun sein, dass der Ochs 
zum Pflügen, das Pferd zum Reiten, der Hund zum Wachen, 
die Ziegen zur Milchgevnnnung und die Schafe zur Wollerzeugung 
geschaffen sind. Doch wozu die Schweine, wenn man ihr Fleisch 
nicht isst? Wozu die Steinböcke, die Hirsche, die Rehe, die 
Eber, die Blasen und dergleichen Wild? Wozu läuft die Henne 
im Hofe? Wenn sie nicht gegessen werden, so ist das alles 
unnütz Ton Gott geschaffen." Aber abgesehen von diesen Grün- 
den des natürlichen Verstandes, lehrt uns zum Überfluss die h. 
Schrift aufs Klarste: „Alles, was sich regt, sei uns wie das Kraut 
zur Speise gegeben" (Gen. 9, 3) et Apostolus clamitet: „Omnia 
munda mundis, et nihil rejiciendum, quod cum gratiarum actione 
penäpitur" (Rom. 14, 20, I. Kor. 10, 30, I. Tim. 4, 4). Auch sagt 
die Schrift: Es werden in den letzten Zeiten Menschen kommen, 
welche verbieten werden zu heiraten und Speisen zu essen, welche 
doch Gott zum Gebrauche geschaffen hat (L Tim. 4, 3). 

Ja, Joyinian kann keinen Geringeren als Christus selbst als 
seinen Gewährsmann ins Feld führen. Der Herr war nichts 
weniger als ein Asket, wurde er doch Ton den Pharisäern als ein 



144 Haller, Jovinianus. 

Fresser und Weinsäufer gescholten, als der Zechgenosse der 
Zöllner und Sünder. Er habe das Mahl des Zachäus nicht abge- 
lehnt und habe der Einladung zu der Hochzeit zu Kana Folge 
geleistet Dort habe er nicht gefastet oder nur auch gewisse 
Speisen als unrein zurückgewiesen. Zur Darstellung seines Blutes 
habe er im h. Abendmahl nicht das Wasser, sondern den Wein 
gewählt. Nach der Auferstehung habe er Fische und Honigseim 
gegessen. 

In seinen Fussstapfen hätten auch die Apostel gewandelt. 
Petrus habe nicht nach jüdischer Sitte erst das Erscheinen des 
Sternes abgewartet, sondern er stieg schon um die sechste Stunde 
auf das Dach, um zu speisen. Paulus speist Brot auf dem 
Schiff, nicht Kastanien. Dem magenleidenden Timotheus giebt 
er den Rat, Wein zu trinken. 

Mit dem Fasten bewegen sich die Christen zum Teil auf 
heidnischer Linie. Die Priester der Cybele und Isis beobachteten 
Enthaltsamkeit von Brot und Gerealien, sie befolgten weiterhin 
die Grundsätze des Empedokles und Pythagores, welche wegen 
der Seelenwanderung alles, was sich bewegt und lebt, nicht zu 
essen erlaubten, wonach am Ende ein Vatermörder und Gift- 
mischer ein gleich grosser Verbrecher ist, wie der, welcher eine 
Tanne oder Eiche fallt. 

Hieronymus sucht alle diese Gründe zu widerlegen. Wenn 
Jesus gegessen und getrunken habe, so sei es aus ganz ausser- 
ordentlichen Beweggründen geschehen, z. B. um seine wahre 
Menschlichkeit ad oculos zu demonstrieren. Natürlich lässt er 
es nicht fehlen, die vielen Beispiele für das Fasten aus der h. 
Schrift gegen Jovinian ins Feld zu fEihren, ausserdem noch ein 
ganzes Heer von heidnischen Philosophen, welche das Fasten 
als feine Tugendübung empfohlen haben. Ambrosius halt es 
ähnlich wie Hieronjrmus. Gegen Sarmatio und Barbatian hält 
er fest an dem Satz: ,jejunio eluerimus peccata nostra". Um so 
heftiger greift er die Jovinianer an und erklärt sie fQr schlimmer 
als die Epikuräer. Epikur habe doch wenigstens gelehrt, dass 
nicht der unbeschränkte Genuss, sondern die sobria disputatio 
das Glück des Lebens begründe. Die Jovinianer aber sagen: „nihil 
illis obesse comessationes, nihil voluptatum affluentiam: insipientes 
esse eos qui iis careant" (§ 66). Wir haben oben gesehen, wie 
diese Konsequenzen durchaus nicht der ursprünglichen, wahrhaft 



IV. Die Lehren Jovinians. I45 

evangelischen AnschAuang Jovinians zur Last gelegt werden 
können. — 

Ahnlich wie zum Fasten stand Jovinian zu dem zweiten 
Stück der mönchischen Werkgerechtigkeit nnd damit kommen 
wir zu seinem ersten Satz: 

Von der Gleichwertigkeit der Virginität mit der Ehe, 

Hierüber lautet Jovinians These: f,virgines, viduas et mari- 
tatas, quae semel in Christo lotae sunt, si non discrepent caeteris 
operibus, ejusdem esse meriti/' 

Bei Sulpicius Severus (DiaL II, 10) vergleicht Martin v. Tours 
die Ehe mit einer von Kindern abgeweideten Wiese, die Un- 
keuschheit mit dem von Schweinen unterwühlten Teil, die Vir- 
ginität mit dem TeU, welcher unverletzt geblieben grünt wie 
mit verschiedenen Farben bemalt. „Eine heilige, Gottes würdige 
Schönheit. Denn nichts ist mit der Virginität vergleichbar. Daher 
irren nicht nur jene, welche durch XJnkeuschheit eine Heirat er- 
wirken, sondern es sind auch jene, welche Ehe und Virginität 
f&r gleich achtbar halten, ganz elend und thöricht. Die Ehe 
gehört ins Gebiet des Erlaubten, die Virginität erntet Herrlich- 
keit, die ünkeuschheit verwirkt Strafe, wenn sie nicht durch 
Satisfaktion getilgt wird." 

Hier haben wir so ziemlich eine getreue Wiedergabe der 
zeitgenössischen kirchlichen Taxierung von Ehe und Cölibat 
So sprechen sich die kirchliehen Schriftsteller ausnahmslos aus. 
Hieronymus vollends redet in den überschwänglichsten Worten 
vom Cölibat. Es würde zu weit führen, auch nur eine Blumen- 
lese aus seinen Schriften zu geben. Doch können wir uns nicht 
versagen, die zwei stärksten Ausdrücke, die wir von ihm kennen, 
hier zu notieren: Ad Eustoch. 16 lesen wir: „Ad hominis con- 
jngem Dei sponsa quid properas? Disce in hac parte superbiam 
sanctam; scito te illis (die Ehefrauen) esse meliorem.'' Noch 
starker ist die bekannte in demselben Brief (c 20) vorkommende 
und von Ruffin angegriffene Stelle: „Ich lobe die Verehelichung, 
ich lobe den Stand der Ehe, aber nur deshalb, weil sie nur 
Jungfrauen erzeugt. Von den Dornen hole ich mir die Böse, 
aas der Erde das Gold, aus der Muschel die Perle. Man ehrt 
die Ehe in dem Grade mehr, als man dasjenige liebt, was aus 
ihr entspriesst. Warum beneidest du, Mutter, deine Tochter? 

Texte u. Untennehangen N. F. II, 2. j^^q 



146 Haller, Jovinianns. 

Bist du etwa unwillig, dass sie lieber eines Königs als eines 
Soldaten Gattin hat werden wollen? Fürwahr, sie hat dir eine 
grosse Wohlthat erwiesen: Socrus Dei esse coepistü!" 

fiiezu trat nun Jovinian in den schärfsten Gegensatz Die 
Virginitat begründet nach seiner Anschauung keinen Unterschied 
in dem religiös sittlichen Wert e>nes Christenlebens. Das war 
freilich ein Schlag ins Gesicht der mönchischen Frömmigkeit, 
eine Ungeheuerlichkeit in den Augen des fanatischen Agitators 
des Mönchtums. Er rief daher die ganze christliche Welt auf 
zum unerbittlichen Kampfe gegen jenes Ungeheuer: die Cölibatare, 
weil sie mit den Eheleuten auf die gleiche Stufe gestellt werden, 
die Einmal-Verheirateten, weil sie den Zwei- und Dreimal- Ver- 
heirateten beigesellt werden, die letzteren, weil sie auf gleicher 
Stufe stehen mit solchen Huren, die Busse gethan haben. 
Wir begreifen den Zorn und die furchtbare Entrüstung der 
Gegner, aber wir können auch nicht hoch genug das Verdienst 
Jovinians anschlagen, der es wagte, eine solche tiefe Bresche in 
die irregeftShrte christliche Lebensanschauung zu legen. 

Vor allem ist für Jovinian die ganze Vorstellung von der 
Vorzüglichkeit des Cölibats eine unnatürliche, welche noch nie 
in der Welt Billigung gefunden habe (numquam hoc genus in 
saeculo sit probatum), somit auch in der ganzen ausserchrist- 
lichen Litteratur unerhört sei, eine widernatürliche Neuerung der 
christlichen Religion, quod novum dogma contra naturam religio 
nostra prodiderit, was ihm freilich Hieronymus in einer längeren 
Ausführung bestreitet Letzterer bietet seine ganze Gelehrsam- 
keit auf, um die Vorzüglichkeit des Cölibats aus den profanen 
Schriftstellern zu beweisen. Im Grunde aber sind seine Beweise 
nur Streiche in die Luft. Denn 1. beweist er nur, dass aucli 
bei den Heiden die Keuschheit, namentlich die eheliche Treue 
(z. B. bei einer Lucretia) hoch verehrt wurde, was gewiss Jovi- 
nian nicht bestritten hatte; 2. dass auch heidnische Schriftsteller 
(so namentlich Theophrasts Aureolos) über die Ehe, insbesondere 
über das böse Eheweib abfallige Urteile gefallt hatten. Aber 
auch dies berührte Jovinian insofern gar nicht, als diese heid- 
nischen Schriftsteller nur die abnormen Verhältnisse des Ehe- 
standes im Auge hatten, nicht aber die EIhe, wie sie sein soll 
und — setzen wir hinzu — auf Grund einer christlichen Lebens- 
führung auch sein kann. 



IV. Di(B Lehren Jovinians. 147 

Wie es in dem Stück der Ehe und der Virginität zu jener 
Zeit stand, daf&r möge aus den zeitgenössischen Nachrichten 
nur das zur Illustration dienen, was Papst Siricius (384 — 394) 
an Himerins, Bischof yon Saragossa, datiert aus dem Jahre 385 
(Coust. 623 ff.), schreib! Dort erfahren wir, dass Mönche und 
Nonnen heimlich oder unter dem Vorwande klosterlicher Ange- 
l^enheiten unerlaubten Umgang mit einander pflegten und 
Kinder erzeugten (c. 6). Auch Priester stan&en lange nach ihrer 
Weihe mit ihren Gattinnen in ehelicher Gemeinschaft und yer- 
teidigten dies mit dem Hinweis auf das A. T., wo den Priestern 
die Ehe gestattet sei (7). Auch dagegen musste der Papst 
eifern, dass Männer, die schon mehrfach yerheiratet waren, zur 
Priesterwürde zugelassen wurden, was ganz schrift- und tra- 
ditionswidrig sei (8). Der Papst verlangte, dass nur der Priester 
geweiht werden dürfe, der nur eine Frau gehabt und diese als 
Jungfrau geehelicht hatte (9 — 11).*) Auch Hieronymus musste 
(ady. Joyin. 1,34) mit Schmerzen konstatieren, dass sehr häufig 
bei der Priesterweihe der Cölibatär übergangen und ein Ver- 
heirateter genommen wird. Hieronymus weiss allerlei zur Er- 
klärung dieser auffalligen Erscheinung anzugeben, z. B. dass 
die Cölibat-äre vielfach aufgeblasen und dadurch unpopulär seien. 
Aber es komme auch bisweilen vor, dass Bischöfe 2) mit Absicht 
nicht die Besseren, sondern die Verschlageneren in den Klerus 
ziehen und die Gölibatäre umgehen, damit sie Verwandten und 
anderen, denen sie verbindlich seien, zu dieser Würde verhelfen 
können. ' 

Jovinian hat diese Verkehrung ins Unnatürliche als eine 
Irrlehre gebrandmarkt, die auf gleicher Stufe mit den Ketzereien 
eines Marcion, Tatian und Manichäus stehe. Seine Anschauung 
von der Ehe begründet er mit vielen Beispielen^ welche er den 
Schriften des Ä. und N. T. entnimmt Er geht dabei aus von der 
prima sententia Dei in Gen. 2,24; 1,28. Hierauf zählt er die 
vorsintflutlichen Männer auf, welche in die Ehe traten, insbe- 
sondere einen gottgeliebten Henoch. In die Arche Noahs seien 

1) Vgl. die ähnlichen Bestimmungen, welche Siricius in seinem Briefe 
an die Bischöfe Afidkas erlässt (Coust. 651 ff.). 

2) So die bischöflichen Anhänger des Yigilantius. Dagegen galt im 
Orient, in Ägypten und in Rom immer noch die Regel, dass nur Gölibatäre 
zQ Klerikern ordiniert werden dürfen. 

10* 



148 Haller, Jovinianus. 

Dicht Colibatäre, sondern Verheiratete aufgenommen und aufs 
Neue sei der Menschheit der Segensspruch gegeben worden: 
„Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde" (Gen. 8, 17). 
Mit besonderer Ausftihrliehkeit verweilt er bei den Patriarchen; 
ihnen reiht er an die Verheirateten aus der Zeit der Richter und 
Konige, aus der Reihe der Priester und Propheten. Dann wendet 
er sich zum Neuen Testament: er exemplificiert auf Zacharias 
und Elisabeth, Petrus und seine Schwiegermutter. Auch Paulus 
wird als Zeuge zitiert, besonders seine Aussprüche in I. Timoth., 
welche allerdings ftir Jovinian sehr günstig lauten. Überhaupt 
waren Joyinians Argumente nicht ungeschickt gewählt: sie 
sprechen ftLr seine gute Schriftkenntnis, für eine schlagfertige 
Sicherheit^ mit welcher er der Menge imponieren musste, auch ftir 
einen nicht gewohnlichen Schar&inn. Letzterer äusserte sich 
weniger in einem Allegorisieren nach damaliger Mode, sondern 
in einer geschickten Verwendung Ton Thatsachen und Aussprüchen. 
Wir erinnern an die Exempel Enoch, Noah, Jephta, Samuel, 
David» Salomo, Hulda. 

Hiemach ist Jovinian überzeugt, dass die Ehe nach alt- und 
neutestamentlichen Vorgängen eine gottgewollte und gottwohlgeßllige 
Einrichtung ist, dem Gölibat zum mindesten ebenbürtig. Und 
dennoch verirrte er sich zu keinem Radikalismus. ,}Er will den 
Gölibatären keinen Zwang anthun, wenn sie sich propter prae- 
sentem necessitatem (I. Kor. 7, 26) die Keuschheit erwählt hatten.^ 
Nur soviel sollen sie wissen, dass sie „Glieder derselben Kirche 
seien wie die Verheirateten**, also keiner höheren Gemeinschaft 
angehören. 

Es war natürlich, dass Hieronjmus seinem Gegner mit der 
schärfsten WaflFe, die ihm in der Bibel zur Verfügung stand, 
nämlich mit 7. Kor. 7 antwortete (1,6 — 15). Das war überhaupt 
die Stelle, welche die Väter för den Cölibat mit grosser Behag- 
lichkeit auszunutzen verstanden. Es giebt nicht leicht einen 
hervorragenden Kirchenlehrer seit dem Nicänum, der nicht über 
die Virginität eine Schrift geschrieben hat, und fast jeder giebt 
uns auch eine Erklärung zu I. Kor. 7. Man lese da besonders 
die Schrift eines Chrysostomus über die Virginität, welche in 
Form und Inhalt als klassisch und normativ in der asketischen 
Litteratur gelten darf. Es ist nicht hier der Ort, auf die breit 
angelegte Exegese, die Hieronymus zu I. Kor. 7 giebt und auf 



IV. Die Lehren Jovinians. 149 

die übertriebenen Eonsequenzen, die er aus jener Stelle zieht, 
näher einzugehen. Soviel ersehen wir aus jenen Ausführungen, 
dass auch Jovinian eine Ehe mit Beiden nicht befürwortet hat 
Indem Hieronjmus (I, 10) die Verse 10 ff. bespricht, welche die 
Ehescheidung und die Ehe mit Ungläubigen betreffen, bemerkt 
er ausdrücklich: „Hie locus ad praesentem controTersiam non 
pertinet.^ Demgemäss hat auch folgende Bemerkung des Hie- 
ronjmus keine direkte Beziehung auf Jovinian: „Aber jetzt ver- 
achten sehr viele (pleraeque) die Mahnung des Apostels und 
verbinden sich mit heidnischen Gatten und geben so die Tempel 
Christi den Götzen preis und wollen nicht einsehen, dass sie ein 
Teil des Leibes werden, dessen Rippen sie sind." Solche Ver- 
bindungen christlicher Frauen mit vornehmen Heiden scheinen 
damals nicht selten gewesen zu sein. Aber Jovinian billigte sie 
nicht Das spricht für ein gesundes christliches Fühlen.^) 

Des weiteren wissen wir, dass Jovinian für das Recht der 
zweiten und dritten Vereheliehung eingetreten ist. Er hält sie für 
ebenso erlaubt wie die erste Ehe. Dabei berief er sich auf 
I. Kor. 7, 39 f., Rom. 7, 2 ff. und I Tim. 5, 11— 15. Dagegen 
macht Hieronymus geltend, dass Paulus in der ersten Stellt) 
ausdrücklich bemerke: „Aber glücklicher wird sie sein, wenn sie 
80 bleibt nach meinem Rat. Ich glaube aber auch den Geist 
des Herrn zu haben." Ausserdem gestatte der Apostel die noch- 
malige Verheiratung nur zur Vermeidung der Hurerei. Endlich 
verweist er auf die Mne Rippe, aus welcher das Weib bereitet 
wurde, auf den Bigamisten Lamech, der dem Brudermorder Eain 
gleich stehe, auf die bekannte Art des Paulus, der mitunter Kon- 
zessionen zu machen pflege, ohne die Sache selbst zu billigen. 

Noch mehr: Jovinian sprach für die Beconciliation der bussfertigen 
Surer und er stellte einen solchen, wenn er aufrichtige Busse 
gethan hatte, den andern Gemeindegliedem, den Colibatären und 
den Verheirateten gleich. Das empfindet Hieronymus als eine 
Beleidigung der letzteren, die man sich unmöglich gefallen lassen 
könne. Grundsätzlich habe zwar auch er nichts dagegen. „Noch 

1) Hieroach verstehen wir das Schiasswort des Hieronymus (c. 10): 
„Dies habe ich zu dem Zweck gesagt, damit die, welche die Ehe dem 
C}ölibat gleichstellen (d. b. die Jovinianer), soviel wissen, dass solche Ehen 
(mit Heiden) noch hinter der (von Jovinian gestatteten) zweiten und dritten 
Ehe stehen/' 



150 Haller, Jovinianus. 

mehr/^ sagt er (c. 15), ,,auch ich nehme den Hurer als Büsser 
auf; was auf gleiche Weise erlaubt ist — nämlich das zwei- und 
dreimalige Heiraten — muss nach gleicher Wage gewogen werden", 
d. h. im Orunde sei die Unzucht ebenso gut erlaubt, als die 
zweite und dritte Heirat. Nimmt man einen digamos oder tri- 
gamos in die Kirche auf, so dürfe und müsse man, um gerecht 
zu sein, auch einen Hurer aufnehmen. Wir sehen aus diesen 
Ausführungen, wie geringschätzig Hieronymus von dem ehelichen 
Stande dachte. 

Bei aller Hochschätzung der Ehe hat Jovinian dennoch den 
Cölihat des Klerus nicht bekämpft. Wie er selbst nach wie vor 
Mönch blieb, so hat er das Mönchtum als solches nicht abge- 
schafft wissen wollen, sondern er perhorreszierte nur die An- 
schauung, wonach Mönchtum und Cölibat für etwas Höheres und 
Heiligeres galten. Hieronymus wirft ihm solches als Inkonse- 
quenz vor: „Gewiss giebst du zu, dass keiner Bischof sein kann 
der als Bischof Kinder zeugt; im Gegenteil, wenn er dabei be- 
troffen wird, so wird er nicht wie ein Ehemann angesehen, son- 
dern als ein Ehebrecher verurteilt werden. Entweder also ge- 
statte den Priestern, ehelich zu leben, um die Gleichheit der 
Verdienste von Cölibatären und Ehemännern zu behaupten, oder 
gieb zu, dass wenn es den Priestern nicht erlaubt ist, Weiber 
zu berühren, sie eben durch ihre jungfräuliche Keuschheit heilig 
sind." Es darf bezweifelt werden, ob Hieronymus hier die An- 
sicht seines Gegners ganz korrekt wiedergiebt, namentlich in 
dem Punkt, dass Jovinian einen Bischof, der in der Ehe lebte, 
ohne weiteres für einen Ehebrecher erklärt hätte. Es waren 
wohl bloss Gründe der Zweckmässigkeit, wenn er, wie für seine 
Person, so für den Priesterstand den Cölibat fortbestehen liess. 
Entschieden weiter als er ging Vigilantius: Dieser hatte (cont. 
Vig. 2) Bischöfe zu Genossen, welche nur die zu Diakonen or- 
dinierten, die zuvor geheiratet hatten. „Denn sie trauen,'^ meint 
Hieronymus, „keinem Cölibatär Keuschheit zu, beweisen aber 
damit nur, wie heilig sie selbst leben, die bei allen andern Böses 
argwöhnen/^ Vigilantius hielt dafür, dass durch das eheliche 
Leben die natürliche Brunst ausgelöscht werde. Das versteht 
Hieronymus nicht. Er meint das gerade Gegenteil: dadurch 
werde die Fleischeslust verdoppelt und der Mensch zum Schwein 
und Hengst herabgewürdigt. 



lY. Die Lehren Jovinians. 151 

Noch müssen wir einige Missverständnisse beseitigen, die 
sich an diese Lehre Jovinians knüpfen könnten. Was wollte 
Jovinian mit den Worten sagen: „si non discrepent caeieris operi- 
bus?^ Wir haben keinen Grund, sie ihm abzusprechen. Ver- 
stand er hier unter opera abgestufte gute Werke, so wie sie 
Gegenstand der kirchlichen Werkgerechtigkeit waren? Damit 
aber würde er sich selbst aufs Schärfste widersprochen haben, 
nachdem er jeden Gradunterschied unter den Gerechten und 
Seligen bestritten hatte. Somit kann der Sinn jener Worte nur 
folgender sein: Colibatäre, Wittwen und Verheiratete, welche 
einmal in Christo getauft — und in der Taufe wiedergeboren 
sind — , wenn sie sich nicht durch ihre Werke als Böse und 
Gute von einander unterscheiden, geniessen alle dasselbe Verdienst. 
So ist das caeteris operibns non discrepent = baptismum suum 
servaverini Wenn CöHbatäre und Verheiratete in ihren Werken 
bich als Wiedergeborene bezeugen und die erlangte Taufgnade 
bewahren, so besteht zwischen ihnen kein religiös-sittlicher Grad- 
unterschied. Alles kam ihm auf den Glauben an. Von Abraham 
.sagte er: Abraham ob fidei meritum benedictionem filii accepisse. 
Der Glaube entscheidet allein. Er verbürgt den Kindersegen 
bei Abraham. Er gewährt allein ein meritum. 

Endlich darf nicht übersehen werden, dass Jovinian keines- 
wegs die JungfrätUichkeit verachtet Jiatie. Er hält sie vielmehr so 
lioch, dass er von der wahren Kirche Christi sagen konnte: virgo 
permanet. Nur hatte er die Virginität für einen Stand neben 
den andern christlichen Ständen erklärt und der Ehe denselben 
Wert vor Gott beigelegt, weil Gott diesen Stand eingesetzt und 
»einen ersten Segen ihm gespendet habe. 

Bei dieser Stellung Jovinians zur Ehe erklärt sich auch der 
5. Satz: 

Vo7i der bedingten Jungfrauschaft der Maria. 

„Maria hat Christum zwar als Jungfrau empfangen, aber 
nicht als Jungfrau geboren, denn eben durch das Gebären hat 
die Jungfrauschaft aufgehört, man müsste sonst mit den Mani- 
chäam sagen, der Leib Christi sei kein wirklicher, sondern nur 
ein scheinbarer gewesen. Er beschuldigte in der That die Ortho- 
doxen des manichäischen und doketischen Irrtums." — So lautet 
in Kürze die Anklage der Synode von Mailand. 



152 Haller, Jovinianus. 

Jovinian war nicht der Erfinder dieser Lehre. Er hatte 
einen Vorgänger für sie in der Person des Hdvidius, Dieser, 
ein Schüler des mailändischen Arianers Auxentius und ein Ver- 
ehrer des heidnischen Rhetor Symmachus (Gennad. de vir, ill. 
32), lehte gleichzeitig mit Hieronymus als Laie (vielleicht auch 
als Priester) in Rom unter dem dortigen Bischof Damasns 
(366 — 384) und verfasste hier als Gegner der damals mächtig 
aufblühenden Mariolatrie und Möncherei um 380 eine Schrift, 
in welcher er die Lehre von der beständigen Jungfrauschafb 
Marias bekämpfte. Maria, sagte er, habe nach der Geburt Christi 
mit ihrem Gatten in ehelicher Gemeinschaft gelebt. Dies bewies 
er aus verschiedenen Schriftstellen. Der Evangelist, argumentierte 
er, hätte von solchen, die nie zusammenkommen wollten, nicht 
die Worte gebraucht: „bevor sie zusammenkamen*', wie man 
von einem, der überhaupt nie essen will, nicht sage: „bevor er 
ass*^ Auch heisse es Matth. 1, 24 von Josef: „er nahm sein 
Weib und erkannte sie nicht, bis sie ihren Sohn geboren, und 
er nannte seinen Namen Jesus." Die Adverbien donec oder us- 
que bedeuten einen bestimmten Zeitpunkt, nach dessen Verlauf 
das eintritt, was bis zu dieser angegebenen Zeit noch nicht ein- 
getreten war. Es sei klar, dass Maria nach der Geburt „erkannt" 
worden sei, was nicht von einer geistigen Thätigkeit, sondern 
vom ehelichen Beischlaf zu verstehen sei Des weiteren werde 
ausdrücklich von Maria erzählt: sie gebar ihren „Erstgeborenen", 
also sind andere Söhne ihm nachgefolgt. Daher werden auch 
in den Evangelien Brüder Christi erwähnt: Lc. 8,20, Joh. 2,12; 
7, 3, Mt 13, 54; 6, 24, Act 1, 14, Gal. 2, 2, L Kor. 9, 4 f. Des- 
gleichen sei jene Maria, welche in der Leidensgeschichte als die 
Mutter des Jakobus und Josephus genannt werde, keine andere 
als die Mutter des Herrn. Sie könne unmöglich unter dem 
Kreuze gefehlt haben, zumal sie der Herr im Evang. Johannis 
ausdrückUch anrede. „Sind denn die Jungfrauen besser als 
Abraham, Isaak und Jakob, welche verheiratet waren? Werden 
nicht noch täglich durch Gottes Hand die Kinder in dem Mutter- 
leibe gestaltet, also, dass wir nicht nötig haben, über den Ge- 
danken zu erröten, dass Maria nach ihrer Geburt ehelich gelebt 
habe. Wenn das abscheulich ist, so glaube man nicht, Gott sei 
aus dem Schosse einer Jungfrau geboren worden. Denn letztere 
Meinung ist abscheulicher, als die Annahme, die Jungfrau habe 



IV. Die Lehren Jovinians. j^53 

nach der Gebart ihren Mann geehlicht." — Im Anschlass hieran 
mnss die Schrift des Helyidiiis Qber den zweifelhaften Vorzug 
des CoHbats vor der Ehe sich irerbreitet und besonders auch 
den Unostand berührt haben, dass sich auch sehr zweifelhafte 
Leute bei den Asketen finden, somit der GÖlibat keinen sicheren 
Massstab f&r die sittUch- religiöse Tüchtigkeit eines Menschen 
abgiebt. 

Diese Schrift des Helvidius forderte den kampfbereiten Hie- 
ronymus zu einer Gegenschrift heraus: adv. Helvidium de per- 
petua yirginitate beatae Mariae (ed. VaUarsi i 2. ed. Martianay 
t. 4), geschrieben 383. Der Ton ist hier ebenso leidenschaftlich 
und hochfahrend wie nachher in den Büchern gegen Jovinian. 
Bald nennt er ihn einen homo rusticanus, bald einen vix primis 
imbtttus litteris, oder einen tempelschänderischen Herostrat, der 
durch seine sträflichen Auslassungen den Mutterschoss der heil. 
Jungfrau, den Tempel des heil. Geistes entweihe, der mit 
Fälschungen der Schrift sich befasse und im Privatleben sich 
in Bordellen herumtreibe. Im Übrigen versucht Hieronjmus 
mit einer hochnäsigen Gelehrsamkeit, die Exegese und Argumente 
des Gegners lächerlich zu machen. In Wahrheit wird seine Exe- 
gese lächerlich. Und dann das alte Lied von der Beschwerlich- 
keit der Ehe und von der Vortrefiflichkeit des jungfräulichen 
Lebens, wo man sich Gott ganz hingeben könne. Namentlich 
versteht er die ehelichen Beschwerden mit den düstersten Farben 
zu malen. Die Schwäche der Schrift ist auch einem Gennadius 
nicht entgangen. Er anerkennt zwar den frommen Eifer des Hie- 
ronjmus, vermisst aber bei ihm Gelehrsamkeit, richtige Logik 
und Feinheit der Darstellung (non secundum scientiam, neque 
sermone neque vera ratione nitidus). 

Wir sehen aus diesem Vorgang, dass frühe schon eine 
kräftige Reaktion gegen die seit Mitte des 4. Jahrhunderts auf 
Veranlassung des Papstes Liberius in Rom aufblühende Marien- 
verehrung sich regte. ^) Marienverehrung und Virginität gingen 
aber im engsten Bunde miteinander. Wer die erstere angrifip, 



1) Vgl. üsener, Weihnachtsfeat. 1889 I, 214—337. Liberias führte 
dSA das Weinachtsfest ein und erbante zu dessen Ehren die basilica Libe- 
Tiana, welche hundert Jahre später von Xistus III. erneuert und der Maria 
geweiht wurde, noch heute S. Maria maggiore heisst. 



154 Haller, Jovinianos. 

war auch kein Freund des Golibats. Ja, die Anticölibatare standen 
von Yornherein kritisch zu jeder Mariolatrie, weil sie wohl 
wussten: 1. dass die Maria nur zur Yerherrhchung des Golibats 
von den Asketen gefeiert, 2. dass mit der Leugnung der 
bestandigen Jungfrauschaft der Maria den Asketen der schmerz- 
lichste Schlag versetzt wurde. Somit entspringt die Reaktion 
gegen die Marienverehrung einem eminent praktischen Interesse. 
Man hätte ja der Maria diese Ehre lassen können, dass sie be- 
ständig Jungfrau geblieben sei — aber dann war die lebens- 
längliche Virginität durch die „Mutter Gottes" sanktioniert Was 
bedurfte man weiter Zeugnis? Konnte es eine grössere Heilig- 
keit geben, als genau in dem Stande zu leben^ in welchem die 
Mutter Gottes aus freien Stücken lebenslänglich verharrte? 

Wir wissen nicht, welche Erfolge Hieronymus mit seiner 
Polemik gegen Helvidius erzielt hatte. Jedenfalls gab es auch 
nachher noch Anhänger des Helvidius, von Augustin Hdvidiani 
genannt. Auch anderwärts regte sich eine starke Reaktion gegen 
die neumodische Marienverehrung. Es waren die sog. Antidiko' 
nuzrianiterij welche Epiphanius (haer. 78) als eine eigene Sekte 
im fernen Arabien aufführt. Er hat sie sogar eines eigenen 
Schreibens gewürdigt, welches er in seinem Panarium mitteilt. 
Hiernach behaupteten jene Leute, Maria habe nach der Geburt 
Christi ihrem Manne Josef die eheliche Pflicht geleistet und 
Kinder von ihm empfangen. 

Nach diesen Vorgängen ist wohl begreiflich, dass auch 
andere Männer, welche mit der herrschenden kirchlichen An- 
schauung auf gespanntem Fusse standen, diesen Punkt ernstlich 
ins Auge fassten. Unser Jovinian hatte hiezu auch die unmittel- 
barste Veranlassung. War er einmal Gegner der ungesunden 
Überschätzung des Golibats und hatte er in echt evangelischer 
Weise die Gleichheit und GottgeföUigkeit aller Stände, namentlich 
auch der Ehe mit dem ledigen Stande ausgesprochen, so war 
er folgerichtig genötigt, auch gegen die Marienverehrung Front 
zu machen. Er hat sie nicht in allen seinen Schriften vertreten, 
z. B. nicht in den commentarioli, welche dem Hieronymus vor- 
lagen, aber in andern Schriften, die dem Ambrosius bekannt 
waren. Auch Augustin und die andern Gewährsmänner bezeugen 
es aufs Bestinunteste, dass Jovinian selbst, und nicht etwa bloss 
einige Ultras seines Anhangs diese Lehre vortrugen. 



lY. Die Lehren Jovinians. 155 

Demnach behaupteten Jovinian und seine Anhänger: Christum 
ex virgine non potuisse generari. Die folgenden Worte im Re- 
script sind unklar. Wir haben yersucht, sie zu ändern, um einen 
annehmbaren Gedanken herauszubringen. Sie sagten: es sei un- 
möglich, dass ein weibliches Wesen, nachdem es in menschlicher 
Art geboren hatte, dennoch Jungfrau bleibe. Mit der Geburt 
habe sie aufgehört, Jungfrau zu sein. Sie habe nur als Jung- 
frau empfangen^ d. h. in dem Zeitpunkt des Empfangnisses sei 
sie allerdings noch Jungfrau gewesen, dann aber habe die Jung- 
frauschaft aufgehört. Yirgo concepit, sed non virgo generavit. 

Dem Jovinian kam offenbar viel darauf an, den logischen 
Beweis daf&r zu erbringen, dass Maria nicht beständig Jungfrau 
geblieben, dass somit die Gölibatäre sich mit Unrecht auf ihr 
Vorbild berufen. Daher die Conclusio: Eine Matter — und das 
war Maria in dem Augenblick, als sie empfangen bezw. geboren 
hatte — ist keine Jungfrau. Eine jungfräuliche Mutter ist eine 
Contradiktion. 

Ambrosius freilich war anderer Ansicht: der Erloser der 
Menschheit musste quasi deus auf eine aussergewöhnliche Weise 
seine Reise in die Welt antreten, er musste partu immaculato 
virginis geboren werden. Übrigens: wer als Jungfrau empfangen 
habe, könne auch als Jungfrau gebären. Dazu kommen noch 
Gottes- und Engelsworte. So heisst es: Quia non est impossi- 
bile Deo omne verbum (Lc. 1,37). Wenn man nicht den Lehren 
der Priester glauben wolle, so möge man doch solchen Worten 
glauben und namentlich auch dem symbolum apostolofum, quod 
Ecclesia Romana intemeratum semper custodit et servat. Auch 
sage Jesaias (7,14): „siehe, eine Jungfrau wird im Leibe em- 
pfangen und einen Sohn gebären" — also habe sie letzteres als 
J ongfraa gethan. Maria sei die Ex. 44, 1. 2 geweissagte porta, quae 
manet clausa et nemo pertransibit per eam, nisi solus Deus 
Israel. Und was soll denn so gar Unglaubliches an der Be- 
hauptung sein, dass Maria als Jungfrau geboren hat? Wenn 
der Fels Wasser geben, das Eisen auf dem Wasser schwimmen, 
ein Mensch auf dem Meere wandeln könne — warum soll dann 
nicht auch einmal eine Jungfrau gebären können? Und so sei 
geschehen, dass wie im A. T. eine Jungfrau (Mirjam) ein ganzes 
Heer durch das Meer fährte, so im N. T. ebenfalls eine Jung- 
finau als die regis aula coelestis ad salutem erwählt wurde. 



156 Haller, JoTinianns. 

Ja, Ambrosius versucht den Jovinian ad absurdum zu fCLhreii. 
Jovinian folgerte nämlich: Ist Maria auch bei der Geburt Christi 
Jungfrau geblieben, so ist überhaupt Christus nicht als wahr- 
haftiger Mensch geboren; er hatte also kein wahrhaftiges mensch- 
liches Fleisch, er ist in phantasmate erschienen und ist in phan- 
tasmate gekreuzigt worden. Das ist aber manichäischer Irrtum 
und darum machen alle, welche solche Dinge, wie die jung- 
fräuliche Geburt Christi, behaupten, sich des Manichaismus 
schuldig (vgl auch Aug. op. imperf. IV, l, 22, contra Julian. I, 2). 
Hierin hatte Jovinian nicht ganz Unrecht. Die Lehre von der 
jungfräulichen Geburt Christi, d. h. dass Marias Virginität durch 
die Geburt Christi keine Verletzung erfahren habe, führt not- 
wendig in ihrer Konsequenz zum Doketismus und damit auch 
zum Manichaismus. — Ambrosius versucht nun, diesen Vorwurf 
dem Gegner zurückzugeben: Das sei eben manichäisch, wenn 
man behaupte, Christus sei nicht aus der Jungfrau geboren. 
Denn dann sei er überhaupt nicht ins Fleisch gekommen, zumal 
er nach Jes. 7, 14 aus der Jungfrau geboren werden müsse. 
Entweder sei er jungfräulich geboren — oder überhaupt nicht 
— und im letzteren Falle sei seine ganze Erscheinung ein Phan- 
tasma. Somit sei Jovinian ein ManicJiäer, Und Manichaeus est, 
qui abnegat veritatem, qui carnem Christi negat, efc ideo non est 
illis remissio peccatorum sed impietas Manichaeorum, quam et 
clementissimus exsecratus est imperator. So wollte man um 
jeden Preis aus Jovinian einen Manichäer machen, einmal, weil 
er selbst — und zwar mit vollem Recht — den mönchischen 
Kreisen manichäische Anwandlungen vorwarf, dann, weil es da- 
mals Mode war, alle dogmatisch Verdächtigen als Manichäer zu 
brandmarken (so z. B. die Priszillianer) und endlich, weil man 
mit dieser Anklage die Jovinianer am leichtesten unter das von 
uns oben mitgeteilte Edikt des Kaisers Theodosius (dat a. 389) 
bringen und sie so massregeln konnte. 

Bemerkenswert ist noch, dass nach diesem Reskript des 
Ambrosius Jovinian zunächst nur behauptet hatte, die Maria 
habe durch die Geburt Christi, also dadurch, dass sie Mutter 
wurde, aufgehört, Jungfrau zu sein. Ob sie nachher in absti- 
nentia oder in ehelicher Gemeinschaft mit ihrem Manne Josef 
gelebt hat, darüber scheint sich Jovinian nicht ausgesprochen 
zu haben. Das hat 10 Jahre zuvor Helvidius vertreten. Auch 



IV. Die Lehren Jovinians. I57 

kurze Zeit nachher hat ein anderer Kircbenmann den Faden des 
Helvidias aufgenommen: Bischof Bonosus in Illyrien (nach Mar ins 
Mercator, ed. Balluze p. 163 f., Bischof von Sardika). Eine Synode 
zu Capua im J. 391 (Hefele II, 52 f.) beschäftigte sich mit der 
Lehre dieses Bischofs, der die beständige Virginität Marias 
leugnete und behauptete, sie habe ausser Jesus mehrere Söhne 
geboren. Die Synode aber wollte keine definitive Entscheidung 
fallen, sondern übertrug die genauere Untersuchung und Ab- 
urteilung der Angelegenheit den Bischofen von Macedonien unter 
dem Vorsitz des Erzbischofs von Thessalonich. Diese scheinen 
jedoch selbst im Ungewissen darüber gewesen zu sein und wandten 
sich an P. Siricius (nach anderen an Ambrosius), um dessen An- 
sicht zu erfahren. Siricius aber verweigerte ein richterliches 
Vorgehen seinerseits in der Sache und überliess, dem Beschluss 
der Synode von Capua gemäss, das Urteil den macedonischen 
Bischofen. Wir erfahren auch aus diesem Schreiben (Mansi III 
p. 674, Coustant p. 679, Ambros. opp. ed. Maur. 111,1091), dass 
Bonosus bei Ambrosius angefragt hatte, ob er das ihm unter- 
.sagte Amt dennoch antreten solle? Ambrosius habe geantwortet, 
er dürfe nichts voreüig thun, sondern er solle geduldig warten, 
bis der Spruch der Macedonier ergangen sei. 

Es ist bezeichnend, dass Siricius sich eines endgiltigen Ur- 
teils über Bonosus enthielt. Er wollte nicht vorgreifen in einer 
Sache, deren Ausgang damals noch keineswegs feststand. Die 
Schriftbeweise gegen eine beständige Virginität der Maria waren 
eben doch zu überzeugend, als dass man ohne weiteres über sie 
hinweggehen konnte. Dazu kam die Neuheit der Sache. Es 
gab doch weite Kreise in der Kirche, welche sowohl dem un- 
geahnten Aufschwung der Askese, als auch der neumodischen 
Marienverehrung, die beide eng mit einander verbunden waren, 
skeptisch gegenüberstanden. Eine durchschlagende öffentliche 
Meinung war besonders für die letztere Neuerung nicht vorhanden, 
daher die milde Antwort des Ambrosius und die ausserordentlich 
Torsichtige Zurückhaltung des römischen Bischofs. Später freiUch 
hätte man mit einem Bonosus kurzen Prozess gemacht. 

Zwar hat Siricius in jenem Schreiben*) mit seiner persön- 



1) Dasselbe gehOrt nach Urteil des lustellus, Holstein, Launoi, Cou- 
Staat» Labb6, Jafife^ Maassen zweifellos dem Siricius an. 



158 Haller, Jovinianas. 

liehen Ansicht nicht zurückgehalten und gezeigt, dass man in 
Rom willens war, auf der Linie eines Liberius und Damasus 
weiter zu schreiten. Wir geben hier die Worte des Siricius 
wegen ihrer Wichtigkeit f&r die Geschichte dieses Gegenstandes 
aus Goustants Ausgabe wieder: 

Sane non possumus negare de Mariae filiis jure reprehensum, 
meritoque vestram sanctitatem abhorruisse, quod ex eodem utero 
virginali, ex quo secundum camem Ghristus natus est, aüus partos 
effiisus siL I^eque enim elegisset Dominus Jesus nasci per Tir- 
ginem, si eam judicasset tam incontinentem fore, ut illud geni- 
tale Dominici corporis, illam aulam Regis aeterni, concubitus 
humani semine coinquinaret Qui enim hoc adstruit, nihil aliud 
nisi perfidiam Judaeorum adstruit, qui dicunt, eum non potuisse 
nasci ex yirgine. Nam si hanc accipiant a sacerdotibus auctori- 
tatem, ut videatur Maria partus fudisse plurimos, majore studio 
veritatem fidei expugnare contendent 

Zum Schluss sucht Siricius die beständige Jungfrauschaft 
der Maria in breiter Weise aus dem Kreuzeswort Christi, Job. 
19} 26. 27 (Mulier ecce filius tuus. Ecce mater tua), zu beweisen, 
woraus deutlich hervorgehe, dass Maria ausser ihm selbst keine 
Kinder gehabt habe. 

Die Lehre des Bonosus fand grossen Anhang. Linöcenz I. 
hatte darüber zu entscheiden, ob die von Bonosus ordinierten 
Kleriker im Amte bleiben dürfen oder nicht (ep. 16 und 17 bei 
Coustant I, 820 ff.)- £r entschied: Qui se ante damnationem 
Bonosi assererent ab eodem tam presbyteros quam diaconos er- 
dinatos, üt si relicto atque damnato ejus errore vellent ecclesiae 
copulari, libenter reciperentur, ne forte qui essent digni recupe- 
randae salutis, in eodem deperirent. Später scheinen die Bono- 
sianer, vielleicht schon Bonosus selbst, bis zur Leugnung der 
Gottheit Christi fortgeschritten zu sein, so dass sie schon von 
Marius Mercator mit Paulus von Samosata, Marcell und Photin zu 
den Häretikern gerechnet werden, welche lehrten, Jesus sei ein 
gewöhnlicher, von Gott wegen seiner Verdienste als Sohn ange- 
nommener Mensch gewesen. 

Wir sind am Schluss. Wir können die Bedeutung Jovinianfi 
nicht besser kennzeichnen, als mit den Worten Eamacks (a. a. 0. 
S. 152): 



IV. Die Lehren Jovinians. 159 

„In der ganzen Gescbichte des Paulinismus in der alten 
Kirche giebt es keinen Zweiten, der wie Jovinian der Gnade 
und dem Glauben ibre Becbte zurückgegeben hat, und in der 
ganzen Geschiebte der Yersucbe, wider die herrschende Strömung 
die Seligkeit als eine einheülinke allein vom Glauben abzuleiten 
und alle Werkgerecbtigkeit auszuschliessen, gebührt dem Mönch 
Jovinian die erste Stelle. Man darf ihn wirklich „einen Wahr- 
heitszeugen des Altertums" und einen „Protestanten seiner Zeit** 
nennen, wenn man auch einen bedeutenden Unterschied nicht 
verkennen darf — das Einwohnen Gottes und Christi in dem 
Getauften ist stärker betont als die Kraft des Glaubens." i) 



1) Dabei ist anzunehmen, dass für Jovinian die plena fides nichts 
anderes war, als eben das Einwohnen Gottes in den Wiedergeborenen. 



Draok von Angnst Pries in Leipzig. 



» • v^ i" 



■ß^J^ . r.: ■.'^' '••;-. .. '- • . <-- •-' ,'."'."> ■^ 

*^ — — ---I «« . 1 



DIE 



APOKALYPSE DES ELIAS 



EINE UNBEKANNTE APOKAI^YPSE 



UND 



BRÜCHSTÜCKE DER SOPHONIAS-APOKALYPSE 



KOPTISCHE TEXTE, ÜBERSETZÜN6, GLOSSAR 



VON 



GEORG STEINDORFF 




Ieipziq 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1S99 






TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER KGL. PREÜSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAUSaEOBBEN VON 
08CAR V. fiEBHARDT und ADOLF HARNACK. 

NEUE FOLGE. U. BAND, HEFT 8 a. 



DEM ANDENKEN 



AUGUST DILLMANN'S 



Vorwort 

Nur zögernd habe ich mich zur Veröffentlichung der in 
diesem Bande enthaltenen koptischen Schriften entschlossen, war 
ich mir doch nur zu wohl bewusst, dass ich als Agyptologe die 
historischen und litterarhistorischen Fragen, die sich an diese 
Urkunden knüpfen, nicht aufzuwerfen, geschweige denn zu lösen 
Tennöchte. Wenn ich nun doch an die Herausgabe gegangen 
bin, so geschah es, weil ich die sprachlich so interessanten Texte 
den Kennern des Koptischen nicht länger entziehen wollte, und 
mir andererseits immer wieder von neuem versichert wurde, wie 
wichtig diese Apokalypsen ftir die theologische Wissenschaft 
seien. So durfte ich denn hoffen, dass der litterarische Wert* 
der veröffentlichten Schriften manche Mängel des nichtsach- 
kundigen Herausgebers aufwiegen und ihm zu Liebe „die Sünden, 
die ich gethan, nicht in meinem x^''QoyQ(^^ov niedergeschrieben 
werden würden **. Zu ihnen zählt gewiss auch die, dass es mir 
nicht, gelungen ist, der „anonymen Apokalypse" einen Namen, 
vielleicht den des Sophonias zu verleihen. Warum ich dies nicht 
gethan, habe ich auf S. 15, vielleicht allzu vorsichtig, auseinander- 
gesetzt 

Ich glaube übrigens, dass die Verzögerung, die die Heraus- 
gabe der Handschriften erlitten, dem Ganzen nur zu Oute ge- 
kommen ist. Ich konnte dadurch noch auf einer im September 
1897 nach Paris unternommenen Studienreise, die in der Biblio- 
theque Nationale aufbewahrten Blätter der koptischen Hand- 
schriften, die mir bisher nur in Photographieen vorgelegen hatten, 
vergleichen imd eine grosse Zahl von Verbesserungen vornehmen. 
Auch die endgiltige Anordnung der Blätter, die jetzt meine Aus- 
gabe bietet, ist mir erst nach Einsicht der Pariser Stücke gelungen. 

An dieser Stelle möchte ich zunächst der Generalverwaltung 
der Königlichen Museen zu Berlin, insbesondere dem Direktor 



VI Vorwort. 

der ägyptischen Abteilung, Herrn Professor Ebman, danken, die 
mir die für das Berliner Museum erworbenen achmimischen Blätter 
zur Yeröflfentlichung überliessen und diese Arbeit dadurch unter- 
stützten, dass sie mir. Dank dem freundlichen Entgegenkommen 
der Direktion der Bibliotheque Nationale, die in Paris aufbe- 
wahrten Blätter der sahidischen und achmimischen Apokalypsen- 
handschrifb photographieren liessen. Mit Hilfe dieser Photo- 
graphieen ist es mir erst möglich geworden, an eine Ordnung 
der nicht paginierten Blätter zu gehen und die Herstellung eines 
korrekten Textes zu versuchen. 

Zu grossem Danke bin ich femer meinem Freunde, Herrn 
Lic. Dr. Carl Schmidt verbunden, der mich nicht nur während 
der letzten Arbeiten mit seinem sachkundigen Rate unterstützt 
und mich auf die einschlägigen Fragen hingewiesen, sondern auch 
noch eine Korrektur der Druckbogen gelesen hat. 

Eine grosse Hilfe hat mir Herr Professor Kball in Wien 
geleistet, der mir seine Abschriften der achmimischen kleinen 
Propheten, die sich in der Sammlung Erzherzog Rainer befinden, 
in liebenswürdigster Weise überliess. Danken mochte ich auch 
Herrn Professor Habnagk für eine Liste von Bemerkungen, die 
ich zum grossen Teil in die Anmerkungen aufgenommen habe. 

Für die Lichtdrucktafeln werden mit mir gewiss Alle, denen 
die koptische Paläographie am Herzen liegt, der verehrlichen 
Yerlagshandlung Dank wissen. Leider liessen sich, da die Blätter 
in natürlicher Grösse reproduziert werden, und die Tafeln das 
Format des Buches nicht überschreiten sollten, von dem Blatte 
der sahidischen Handschrift nur zwei Drittel wiedergeben. Doch 
werden diese schon genügen, den Schriftcharakter zu veran- 
schaulichen. 

Leipzig, 12. November 1898. 

Georg Steiudorff. 



Inhalt 



Seite 

L Einleitaiig 1—32 

1. Geschichte der Handschriften 1 — 4 

2. Beschreibung und Alter der Handschriften 4— 6 

3. Zusammensetzung der Bl&tter 6 — 9 

4. Inhalt des Textes 9—16 

5. Geschichte des Textes 16—18 

6. Bemerkungen über den Ursprung der veröffentlichten 

Apokalypsen 18—20 

7. Erwähnungen der Elias- und Sophonias- Apokalypsen in 

der altchristlichen Litteratur 20—23 

8. Der sprachliche Charakter der Texte 23—30 

9. Bemerkungen zum Abdruck der Texte 31 — 32 

n. Die achmimische Handschrift 33—103 

TU. Die sahidische Handschrift 109—145 

IV. Zusammenhängende Übersetzung der koptischen Apokalypsen 147—170 

L Anonyme Apokalypse 149 — 155 

n. Die Apokalypse des Elias 155—169 

in. Bruchstücke der Sophonias- Apokalypse 169—170 

V. Glossar der achmimischen Handschrift 171—190 

Nachträge und Verbesserungen 191 



Erklärung der gebrauchten Abkürzungen: 

A. = acbmimischer Dialekt. 

ÄZ. --- Zeitschrift für ägyptieche Sprache und Alterthumskunde. 

B. «= bohairischer Dialekt. 

B (in den Noten zum koptischen Text) = der von Bouriant veröffent- 
lichte Text der Apokalypsen (vgl. S. 2 — 32). 

K = Steindorff, Koptische Grammatik (Berlin 1894). 

S. (vor einem koptischen Worte) == sahidischer Dialekt. 

8a. = die sahidische Apokalypsen-Handschrift in der Biblioth^que Nationale. 

Stern ^~-- Zeitschrift für ägypi Sprache und Alterthumskunde 1880, Seite 115 ff. 

Z. = Zoega, Gatalogus Codicum Copticorum, qui in Museo Borgiano Veli- 
tris adservantur (Rom 1810). 



I. 



EINLEITUNG. 



1. Geschichte der Handschriften. 

Dem berühmten Kloster des Amba Schenüda bei Sohäg,^) 
dessen umfangreiche Bücherschätze schon im vorigen Jahrhundert 
eine Fülle wertvoller koptischer Manuskripte an europäische 
Bibliotheken hergegeben haben ^) imd das uns dank den ge- 
schickten Bemühungen Maspero's, des damaligen Leiters der 
^yptischen Altertümer, im Jahre 1893 eine neue Menge wich- 
tiger Erzeugnisse der altchristlichen Schriftetellerei bescheert 
hat,^ entstammen auch die hier veröffentlichten Texte, die uns 
vor allem mit zwei apokryphen Büchern bekannt machen, von 
denen man früher kaum mehr als den Namen kannte, mit der 
Apokalypse desElias und derApokalypse des Sophonias.^) 
Durch Vermittlung eines europäischen Agenten, der sich mit einem 
Mönche des Klosters in Verbindung gesetzt hatte, gelang es 
Maspero, allmählich eine Anzahl loser Papyrusblätter zu er- 
werben, die zu nicht weniger als sechs verschiedenen Handschriften 
gehört hatten und die dann später in den Besitz der Pariser 
Bibliotheque Nationale übergegangen sind.^) Mit dankenswerter 



1) Auch das „weisse Kloster'*, Derel-abyad genannt; Baedeker, 
Ägypten (1897), S. 207. 

2) Die meisten der von Mingarelli, Zoega and Woide veröffent- 
lichten Handschriften stammen von hier. 

3) Vgl. M^moires de la mission arch6ologiqae franQ. VI 1. 

4) Die Angabe Stem's, dass die Texte in der Nekropole von 
Achmim, also in einem Grabe gefanden seien, trifft nicht zu. 

5) Es sind insgesamt 26 Blätter, die, mit Ausnahme von 2, in 
Achmim gekauft worden sind. Über die Erwerbang machte mir 
Maspero fireandlichst folgende genauere Mitteilung: „Ils sont tous, 

Texte u. ünteraachangen. N. F. II, 8 a. 1 



2 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

Schnelligkeit, die manche Ungenauigkeiten gern vergessen lässt, 
wurden die Fragmente bald nach ihrer Erwerbung von Urbain 
Bouriant im 2. Hefte des I. Bandes der „Memoires de la mission 
archeologique fran^aise au Caire" — Les papyrus d*Akhmim 
(fragments de manuscrits en dialectes bachmourique et thebain) — 
veröffentlicht und mit einer Übersetzung und einem kurzen 
Glossar begleitet. 

Was diesen Texten einen ganz besonderen Wert verleiht» 
ist der eigentümliche Dialekt, in dem sie mit Ausnahme von 
7 sahidisch geschriebenen Blättern abgefasst sind und der von 
Bouriant irrtümlich als baschmürisch, von Stern später richtig 
als „untersahidisch" oder genauer als achmimisch bezeichnet wurde. 
Ihrem Inhalte nach verteilen sich die 26 Blätter auf die ver- 
schiedenen Handschriften in folgender Weise: 

I. Drei Blätter in achmimischem Dialekt: Exodus 1 1 — H 19; 
IV 2-25; V22-Vn4; 
IL Ein Blatt in achmimischem Dialekt: SirachXXII 1 4 — XXTIT 6; 
HI. Ein Blatt in achmimischem Dialekt: 2MakkabäerV27— VI21; 
IV. Ein Blatt in achmimischem Dialekt: Lucas I 30 — 68; 
V. Vierzehn Blätter in achmimischem Dialekte, einem apo- 
kryphen Buche angehörig, das Bouriant ftir die Apokalypse 
des Sophonias hielt; 
VI. Sieben Blätter in sahidischem Dialekt, ^nach Bouriant 
Bruchstücke desselben apokryphen Buches, die zum Teil 
der achmimischen Recension parallel gehen. 
Unter diesen Fragmenten nahmen naturgemäss die der bis 
dahin unbekannten „Sophonias-Apokalypse" zugeschriebenen das 

sauf denx, achet^s ä Akhmim. En ce moment-lä je cherchais k 
p^n^trer au Couvent de Schenoadi et 4 y d^couvrir Tun des depots 
de vienx livres, sans exciter la m^fiance des moines. ün agent enro- 
p^en r^nssit k se mettre en reldtion avec l'un d'eax et k me pro-* 
eurer en divers lots tont le fonds de fragments qae Bouriant a pu- 
bli^s. üne partie me fiit remise ^ Akhmim m§me, le reste me fnt 
envoy6 ä Lonxor oa au Caire. Les deox fenillets qai ne proviennent 
pas de cette origine ont 6t6 achetes ä Louxor chez un agent consn- 
laire. Je ne puls plus ä cette distance savoir lesqaels c'^tait des 
feuillets pnbli^s, mais il est certain poar moi, qa'ils avaient ^t6 
apport^s d' Akhmim et qa'ils sont les d^brls de la m^me bibliothdqne". 



I. 1. Geschichte der Handschriftea. 3 

Hauptinteresse in Anspruch, und sie wurden dann auch bald nach 
dem Erscheinen der Erstlingsausgabe von Ludwig Stern ^) einer 
neuen Bearbeitung und Übersetzung, die viele fehlerhafte Auf- 
fassungen des ersten Herausgebers richtig stellte, unterzogen. 
Auf eine Nachprüfung des von Bouriant gegebenen Textes, dessen 
Irrtümer vielfach klar zu Tage traten, musste Stern verzichten, 
wie er auch die von Bouriant gelieferte Zusammensetzung der 
Fragmente bestehen liess. Nur in der Reihenfolge der einzelnen 
Stücke nahm er mehrere bemerkenswerte, durch den Sinn des 
Ganzen gebotene Veränderungen vor, indem er namentlich das 
Fragment d vor c, ferner g vor und neben e und endlich j vor 
i setzte. 

Die von Maspero erworbenen und von Bouriant publicierten 
Papyrusblätter stellten nun aber nicht die ganze Masse des bei 
jenem bemerkenswerten Funde zu Tage geforderten dar. Wie es 
so oft bei Entdeckung von Antiken und wohl nicht allein in 
Ägypten geschieht, war ein Teil der entdeckten Papyrusblätter 
heimlich beiseite gebracht worden, um später bei passender Ge- 
legenheit auf dem Antikenmarkte zu Geld gemacht zu werden. Im 
Jahre 1888 sandte Dr. Karl Reinhardt, Dragoman beim Kaiserl. Gene- 
ral-Konsulat in Kairo, eine von unkundiger Hand hergestellte Ab- 
schrift eines Papyrusblattes an die ägyptische Abteilung der Kgl. 
Museen zu Berlin ein, das sich mit mehreren anderen im Besitze 
eines Antikenhändlers in Achmlm befinden sollte. Unschwer liess 
sich erkennen, dass der Text in derselben achmimischen Mundart, 
wie die von Bouriant herausgegebenen Texte abgefasst war, und 
wenn sich auch über den Inhalt des Blattes nichts näheres feststellen 
Hess, so war doch jene sprachliche Eigentümlichkeit bei dem 
Mangel an Zeugnissen jenes Dialekts Grund genug, um die Er- 
werbung jener Blätter für die königlichen Museen als äusserst 
wünschenswert erscheinen zu lassen. Sie ist denn auch durch 
die geschickte Vermittelung des Herrn Dr. Reinhardt gelungen, 
und zwar konnten 8 vollständige Blätter und ein kleines Bruch- 
stück von einem neunten erworben werden, die jetzt die luven - 
tamummer P 1862 führen. Diese Blätter gehören nun zu der- 
selben Handschrift, wie die von Bouriant herausgegebenen 
14 Blätter der achmimischen sogenannten „Apokalypse des 



1) Zeitschrift für ägypt. Sprache a. Altertumskunde 1886, 115 ff. 

1* 



4 Steindorff, Apokalypse des Ellas. 

Sopbonias", so dass wir jetzt 22 Yollständige Blätter (44 Seiten) 
dieses wertvollen Buches besitzen. Leider ist es auch so noch 
nicht vollständig: einzelne Blätter sind entweder zu Grunde ge- 
gangen oder auf dem Handelswege in unbekannte Hände über- 
gegangen. Zum Glück lassen sich aber mehrere Lücken durch 
den sahidiscben Paralleltext in willkommenster Weise ei^änzen. 
Das wichtigste Ei^ebnis aber, das die neu erworbenen Berliner 
Blätter lieferten, ist, dass ein Blatt, und wohl wahrscheinlich das 
letzte der Handschrift^ die Unterschrift trägt: '«^^noR^Arx^c 
n^HAei^^c, wodurch sich mit unbestreitbarer Sicherheit ergab, 
dass, wenn auch nicht das ganze achmimische Buch, so doch ge- 
wiss ein Teil desselben, nicht, vriie Bouriant und ihm folgend 
auch Stern angenommen, die Sophonias-Apokalypse, sondern viel- 
mehr „die Apokalypse des Elias" enthielt und dass demnach 
auch in dem sahidiscben Texte ein Teil dieses Buches über- 
liefert war. 



2. Beschreibung und Alter der Handschriften. 

L Die achmimische Apokalypsenhandschrift, von der, 
wie oben dargelegt, insgesamt 22 vollständige, unpaginierte Blätter, 
sowie das kleine Bruchstück eines 23ten erhalten sind, bildete 
ursprünglich ein Buch kleinen Formats. Die Höhe des einzelnen 
Blattes beträgt 14 ^,'2 — 15 V2 cm, bei einer Breite von 12 V2 — 13 cm, 
die Höhe der Schriftkolumne 10— I2V2 cm bei einer Breite von 
8V2 — 9 cm. Der Papyrus der Handschrift ist von ziemlich 
schlechter Beschaffenheit und enthält viele schadhafte Stellen, 
die bei Herstellung des Buches durch kleine aufgeklebte Papyrus- 
stückchen ausgebessert worden sind. 

II. Die sahidische Apokalypsenhandschrift, von der 
wir nur 7 Blätter, die sich sämtlich in der Bibliotheque Nationale 
befinden, besitzen, zeigt ein von der ersten völlig abweichendes 
Format. Die Blätter haben eine Höhe von rund 25 V2 cm, während 
die Breite zwischen 9^/2 und 11 cm schwankt. Die Blätter sind 
also im Vergleich zur Höhe sehr schmal, ein Format, wie es 
mir sonst bei koptischen Buchhandschriften nirgends vorgekommen 
ist. Dass aber auch sie zu eiuem Buche gehört haben, zeigen 
noch deutlich die an einem Blatte (Sa. 10 meiner Zählung) 



I. 2. Beschreibung und Alter der Handschriften. 5 

erhaltenen Reste deis antiken Einbandes. Die Schriftkolumne 

■ 

hat in der Höhe 22—23 cm, in der Breite 7 — 8 cm. 

Über das Alter unserer beiden Handscbriften ein Urteil zu 
fallen, ist bei dem gegenwärtigen Stande der koptischen Paläo- 
grapbie überaus scbwer, um so schwerer als wohl auch die 
SchriftzQge der Papyrushandschriften von denen der Pergamente 
abgewichen haben werden und beide darum nicht als gleich* 
wertige Grossen ohne weiteres verglichen werden können. Selbst 
so erfahrene Kenner koptiscber Handschriften, wie Hyvernat 
nnd Crum, denen beiden ich in Paris Proben unserer Manuscripte 
im Original Torlegen konnte, haben kein entschiedenes Urteil 
über das Älter abzugeben gewagt. 

Die Schrift des achmimischen Textes ist eine hübsche, kleine 
Buchschrift, deren Buchstaben leicht nach links geneigt sind. 
Am nächsten verwandt ist sie mit der Schrift der achmimischen 
Pei^menthandschrift der kleinen Propheten ^) (nach Krall späte- 
stens aus dem Y. Jahrhundert n. Chr.) und dem von Crum^) 
veröffentUchten achmimischen Pergamentblatt des Briefes St Ju- 
dae, der etwa in den Anfang des IV. Jahrhunderts gehört; eine 
gewisse Ähnlichkeit zeigt sie auch mit den beiden Händen der 
Pistis Sophia.^) Doch zeigen die Buchstaben unserer Papjrus- 
blätter einen mehr cursiven Charakter, als die der erwähnten 
.Pergamenthandschriften, der sich auch darin ausprägt, dass sie 
vielfach nicht gesondert neben einander gesetzt, sondern dass sie 
häufig zu zweit mit einander verbunden sind. Besonders eigentüm- 
lich sind die folgenden Buchstaben (vgl Tafel I): das schleifenartige, 
auf der Linie stehende t, neben dem aber auch ein eckiges, 
unter die Linie reichendes t vorkommt; das o, das meist oben 
offen und von ovaler Form (nicht kreisrund) ist ; das rundliche m, 
das sich ähnlich auch neben dem eckigen in der Hs. der kleinen 
Propheten und auf Grum's Blatt findet; die lo und ly, bei deneji 



1) Papyrus Erzherzog Bainer: Fährer durch die Ansstellung, 
Tafel in. 

2) Coptic Manuscripts brought from the Fayynm, London 1893., 
pl. I No. IL 

3) Probe des ersten Schreibers in Palaeographical Society, 
Oriental Series pl. XLII, des zweiten bei Hy vernat, Album de pal6o- 
graphje copte pL IL 



5 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

der Mittelstrich gekrümmt ist (wie bei Grum und in den beiden 
Schriften der Pistis) und die gleiche fiohe wie die Seitenstriche 
hat (bei Crum und in der Pistis ist er kleiner); das ^, dessen Hori- 
zontalstrich glatt durchzogen ist (ebenso in der Hs. Rainer), wäh- 
rend er in dem Crum'schen Fragmente rechts und links ,,Keulchen" 
hat. Wie sehr auch im ganzen Schriftzuge und vielfach auch 
in den Buchstabenformen unsere Papyrushandschrift von den er- 
wähnten Pergamenten sich entfernen mag, so ist sie doch wohl 
von diesen zeitlich nicht zu trennen und wie diese in das IV., 
spätestens in den Anfang des V. Jahrhunderts zu setzen. 

Die Schrift der sahidischen Papyrusblätter (vgl. Tafel II) zeigt 
einen anderen Charakter wie die der achmimischen: die Buchstaben 
sind senkrecht gestellt und zeigen rundere Formen als in jenen. 
Sonst ist sie aber der Schrift der achmimischen Apokalypse nahe 
verwandt, während sie andererseits, wie diese, enge Berührungs- 
punkte mit der Schrift der Wiener Hs. der kleinen Propheten und 
dem Crum'schen Bruchstück zeigt. Wenn die sah. Handschrift 
vielleicht auch etwas jünger als die der achmimischen Apoka- 
lypse sein mag, so würde ich sie doch nicht später als in den 
Anfang des V. Jahrhunderts zu setzen wagen. 

3. Zusammensetzung der Blätter. 

I. Die Blätter der achmimischen Handschrift Da 
sowohl die Blätter der Bibliotheque Nationale, als auch die im 
Berliner Museum befindlichen aus der Handschrift herausgerissen 
sind und sich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Reihenfolge 
befinden, leider auch keine Seitenzahlen tragen, so ist man da- 
rauf angewiesen, sie nach dem Inhalt der darin enthaltenen 
Texte anzuordnen. Bouriant hat die 14 von ihm veröffentlichten 
Blätter in fünf Abschnitte (a, 6, c, e, h) geordnet, von denen a 
4 Blätter (also 8 Seiten), b 2 Blätter (4 S.), c2 Blätter (4 S.), 
e 4 Blätter (8 S.) und h 2 Blätter (4 S.) umfasste. Die Blätter 
der einzelnen Abschnitte hingen mit einander zusammen und 
führten den Text fort, während zwischen den Abschnitten Lücken 
lagen, die teilweise durch die sahidische Recension ausgefüllt 
werden konnten. An dieser Bouriant'schen Ordnung hat nun 
Stern, wie ich bereits erwähnte, insofern gerüttelt, als er den 
Abschnitt b vor a stellte. Diese neue Anordnung ist aber, ab- 



I. 3. ZasammeDsetzung der Blätter. 7 

gesehen von dem Inhalt des Textes, schon deshalb nicht richtig, 
weil sich — was auch Bouriant entgangen war — der Abschnitt 
b unmittelbar an a anschliesst; zwischen a und b liegt also keine 
Lücke, sondern a -^^ b bilden einen einzigen Abschnitt. 

Von den 8 vollständigen Berliner Blättern hängen zunächst 
2 (Seite 13 — 16 meiner Ausgabe) unter einander zusammen und 
sind weiter unmittelbar vor Bouriant's Abschnitt c zu stellen; 
femer bilden 3 Blätter, Seite 21 — 26 meiner Ausgabe, ein 
Ganzes und schliessen ihrerseits wiederum obne Lücke an den 
Schluss von c an. Ein drittes Berliner Blatt (^Seite 35 — 36) 
kommt unmittelbar vor h zu stehen, was zum Überfluss noch 
durch die sahidische Pitrallelstelle (Seite Sa. 9 dieser Ausgabe) be- 
wiesen wird. Es bleiben nur noch 2 Blätter, die wiederum unter 
einander zusammenhängen (Seite 41 — 44); da das zweite den Schluss 
des Ganzen mit der Titelunterschrift ^«.noR«.AT\Jric h^hAci^c ent- 
halt, so kann an ihrer Stellung kein Zweifel sein: sie gehören 
an das Ende des Ganzen, hinter Abschnitt h, mit dem sie nicht 
zusanmienhängen, aber durch die sahidische Recension (Sa. 13 — 14) 
verbunden werden. 

Wir erhalten somit jetzt folgende fünf Abschnitte: 

i) a -{- b Bouriant's; 

2) Berlin Seite 13-16 + e + Berlin 21—26; 

3) e Bouriant's; 

4) Berlin 35—36 + h Bouriant's; 

5) Berlin 41—44. . 

Eine wichtige Frage bleibt hier nur noch offen, ob wirklich 
Abschnitt c ein einheitliches, zusammenhängendes Stück bildet, 
wie Bouriant und nach ihm Stern angenommen haben, oder ob 
nicht vielmehr nach den Worten ^ot n-rp^oc niM cT^^^ce ccnd^^ecie, 
also nach Seite IS meiner Ausgabe, ein oder mehrere Blätter 
fehlen und hier eine Lücke zu verzeichnen ist. Diese Frage 
lässt sich nur auf Grund des Inhalts beantworten, und ich 
werde auf sie noch weiter unten zurückkommen. 

II. Die sahidischen Blätter sind gleichfalls nicht mit 
Seitenzahlen versehen; doch ist ihre Anordnung hier bei weitem 
einfacher, da ein grosser Teil des Textes fast wörtlich mit dem 
achmimischen übereinstimmt. Bouriant hat die 7 Blätter in 
5 Abschnitte {dj /", g^ ijj) zusammengefasst. Von diesen hat be- 
reits Stern aus inhaltlichen Gründen den Abschnitt j (1 Blatt) 



g Steindorff, Apokalypse dea Elias. 

vor i (3 Blätter) gestellt, ohne jedoch zu bemerken, dass über- 
haupt i unmittelbar an j anschliesst; ausserdem gehört der Ab- 
schnitt /* (1 Blatt) unmittelbar vor j\ Der auf diese Weise neu 
zusammengesetzte Abschnitt f + j + i läuft teilweise dem Texte 
der achmimischen Recension parallel und zwar den SS. 35 — 36 
i;nd dem Abschnitt h Bouriants (also nach obiger Zählung dem 
4. Abschnitt), sowie dem Anfang von Berlin 41, so dass hier- 
durch die zwischen dem 4. und 5. Abschnitt der achmimer Ver- 
sion klaffende Lücke überbrückt wird. Da weiter der Abschnitt 
g Bouriant's den Seiten Berlin 24 — 26 entspricht, so ist er 
nicht hinter, sondern vor / zu setzen. Der Abschnitt d 
(1 Blatt), der ohne Parallele im achmimischen Texte ist, hat seine 
alte Stelle in der Folge der sahidischen Blätter behalten. 

III. Neue Bezeichnung der Blätter: Die im Vorher- 
gehenden auseinandergesetzte und begründete Neuordnung der 
Blätter unserer Handschriften hat nun auch eine neue Bezeich- 
nung der einzelnen Blätter erfordert. Diese war um so mehr 
nötig, als Bouriant in seiner Ausgabe wohl die Blätter zu Ab- 
schnitten zusammengefasst, aber weder die Zahl der Blätter, die 
zu einem Abschnitte gehorten, angegeben, noch in dem fort- 
laufenden Texte Anfang oder Ende der einzelnen Blätter oder 
Seiten bezeichnet hatte. Hierdurch war die tJbersicht über den 
Text sehr erschwert und die Kontrolle über die Richtigkeit der 
Zusammenstellung unmöglich gemacht worden. 

Ich habe nunmehr der besseren Übersicht halber die 22 voll- 
ständigen Blätter der achmimischen Handschrift auf der Vorder- 
und Rückseite mit fortlaufenden Nummern versehen und auf diese 
Weise 44 Seiten erhalten, die sich folgendermassen verteilen: 
1—12 = 6 Blätter Bibl. Nat. = Bouriant a. b 

13—16 = 2 „ BerL Mus. 

17—20 = 2 „ Bibl. Nat. = Bouriant e 

21—26 = 3 „ Berl. Mus. 

27-34 = 4 „ Bibl. Nat = Bouriant e 

35—36 = 1 Blatt BerL Mus. 

37—40 = 2 Blätter Bibl. Nat. = Bouriant h 

41—44 = 2 „ BerL Mus. 
In ähnlicher Weise haben die 7 Blätter bez. 14 Seiten der sahidi- 
schen Handschrift die Bezeichnungen Sa. 1 — 1 4 erhalten, die nunmehr 
den Bouriant'schen Abschnitten in folgender Weise entsprechen: 



I. 3. Zusammensetcang der Bl&iter. 9 



sämtlich in der Biblio- 
th^que Nationale. 



Sa. 1 — 2 == Bouriant d 

Sa. 3 — 4 = Bouriant g 

Sa. 5 — 6 = Bouriant f 

Sa. 7 — 8 = Bouriant j 

Sa. 9 — 14 = Bouriant i 
Wie bereits erwähnt, enthalten Sa. 3 — 14 teilweise dieselben 
Texte, wie die achmimische Handschrift, und ergänzen diese viel- 
fach in willkonmiener Weise. Will man also die überlieferte 
Schrift möglichst vollständig erhalten, so müssen beide Hand- 
schriften zusammengestellt werden, und wir erhalten demnach 
folgendes Bild: 

1. Anfang fehlt; 

2. Seite 1—12; 

3. Lücke von etwa 2 Seiten; 

4. Seite 13—18 

5. Seite 19—24,4 

6. Seite 24,4-26= Sa. 3-4; 

7. Lücke; 

8. Seite 27—32, le 

9. Seite 32,i6-34 = Sa. 5,1—6,20 

10. Seite Sa. 6,20 — 7,86 

11. Seite 35-40 = Sa. 7,35— 13,ii 

12. Seite 13, 11- 14 29 

13. Seite 41, 1 — 3 = Sa. 14,29—33 

14. Seite 41,3—44. 

Wir haben demnach hier ein fast vollständiges Buch, dem 
nur der Anfang fehlt imd in dem sich ausserdem noch zwei 
nicht allzu grosse Lücken finden. Ob ausserdem noch hinter 
Seite 18 sich eine Lücke fand, darüber vgl. S. 11. Das Ver- 
hältnis der beiden Recensionen wird die zusammenhängende 
Übersetzung zur Anschauung bringen. 

4. Inhalt des Textes. 

Der so zusammengesetzte und durch die sahidischen Parallelen 
ergänzte achmimische Text enthält nun zwei verschiedene Ab- 
handlungen, von denen die erste die Seiten 1--18, die zweite die 
Seiten 19—44 umfasst. 

Die erste Abhandlung ist eine Schilderung des Ortes der 



10 SteiDdorff, Apokalypse des Elias. 

Verdammten und des Ortes der Seligen, die einem leider nirgends 
mit Namen angegebenen heiligen Manne in den Mund gelegt ist. 
Sie hat die Form der Vision, wie sie ähnlich auch in den Apo- 
kalypsen des Petrus und Paulus vorliegt. Der Erzähler wird 
von verschiedenen Engeln durch das Jenseits gefdhrt, wo ihm 
die einzelnen Stätten und ihre Bewohner gezeigt und auf seine 
Fragen erklärt werden. 

Die Einleitung ist leider verloren gegangen und mit ihr ge- 
wiss auch der Name des Erzählers; doch gehört der erste Satz 
„wir werden ihn bestatten wie alle Menschen .... über seinem 
Leibe psallieren" (1,1—4) wahrscheinlich noch in diese Einleitung, 
die dann wohl nicht länger als 2 Seiten gewesen ist. Mit 1,4 be- 
ginnt dann die Schilderung der Wanderung durchs Jenseits, und 
zwar geht sie in folgender Weise von statten: 

1. Blick über die Stadt des Erzählers und die ganze Welt, 
die unter ihm liegen (1,4 — 2,8); 

2. Die Stätten der Verdammten (2,9 — 12, 19, wo die Lücke 
die Erzählung unterbricht): 

a. der Berg Sei'r mit den drei Söhnen Joatham's (2,i8— 3,9); 

b. zwei Engel, die die guten Werke der Menschen ver- 
zeichnen (3,9—4,13); 

c. die Engel, die die Seelen der Gottlosen abholen 4, 13 — 6,6; 

d. der Amente, wo dem Erzähler der xat^yoQog (in schrecken- 
erregender Gestalt) und der gute Engfei Eremiel er- 
scheinen; zuletzt sieht er den Engel, der die guten 
Werke der Menschen verzeichnet und ihm verheisst, 
dass er ihn Vom Hades aus zur Stätte der Seligen 
übersetzen werde (6,6 — 12, 19); 

3. Die Stätten der Seligen (13, 1—18,19): 

a. In einem Schiffe wird der Erzähler zu den Stätten der 
Seligen übergesetzt (13, 1 — 14, 14); 

b. Vom Himmel aus erblickt er noch einmal den Amente 
mit den Seelen der Verdammten, für die die Frommen 
um Mitleid flehen (14, u — 17, 15); 

c. Auf die Frage des Erzählers, warum er nicht alle 
(Frommen?) sehen dörfe, erwidert ihm der Engel, dass 
dies erst am Tage des Gerichts möglich sei, und giebt 
ihm eine Schilderung des jüngsten Tages (17, 16 — 18,19). 



I. 4. Inhalt des Textes. U 

Mit dieser Schilderung schliesst die erste Abhandlung; irgend 
ein ausgeprägter Schluss ist aber nicht vorhanden , und ich 
mochte deshalb vermuten, dass sich Seite 19 nicht unmittelbar 
an Seite 18 anschliesst, sondern dass zwischen beiden eine Lücke, 
vielleicht von einem Blatte (2 Seiten), liegt, in der die Schilde- 
rung des jüngsten Gerichts noch weiter ausgeibhli wurde und 
das Ganze seinen Schluss, bez. den Übergang zur folgenden Ab- 
handlung erhielt Ob sich hier vielleicht auch noch als Unter- 
schrift der Titel des Werkes fand, hängt davon ab, ob wir in 
diesem ersten Buche nur den ersten Teil der folgenden Schrift, 
oder eine davon unabhängige, selbständige Abhandlung zu 
sehen haben. 

Die zweite Abhandlung, die bis auf eine zwischen Seite 26 
und 27 liegende, vielleicht 2 Seiten grosse Lücke vollständig er- 
halten ist, enthält Weissagungen, die nach der Unterschrift 
(S. 44) an den bekannten Propheten Elias (n^b^(), den Zeitgenossen 
des Ahab (1 Kon. 17JBf; 2 Kon. Iflf), gerichtet sind. 

Ohne Überschrift beginnen sie mit derselben Formel, wie 
die meisten alttestamentlichen prophetischen Bücher: „Das Wort 
des Herrn geschah an mich also'S und lassen dann Scheltworte 
an das sündige Volk folgen, abzulassen von dem Bösen, denn 
die Guten werden im Jenseits belohnt, die Sünder bestraft wer- 
den (19,1 — 21, 12). Mit 21,12 folgen nun die eigentlichen Weissa- 
gungen, die in 13 Teile zerfallen: 

1. Warnung vor künftigen, „am Ende der Zeiten" erscheinen- 
den Irrlehrern, die das Fasten leugnen (21, 13 — 24, 13); 

2. Erscheinen des Assyrerkönigs im Norden, der grosse Not 
über Ägypten bringen wird (24, 13— 25, 11); 

3. Erscheinen des Friedenskönigs im Westen, der den Assyrer- 
könig töten und die heiligen Stätten aufrichten wird 
(25,12—26,18); 

Dann kommt eine Lücke, in der wohl die Ankunft eines 
neuen Herrschers geschildert wird, der abermals grosse Not über 
Ägypten bringt; mit Seite 27 beginnt die 

4. Schilderung dieser Drangsale (27, 1 — 28,1?); 

5. Ankunft von drei Perserkönigen, die die ägyptischen Juden 
gefangen nehmen und nach Jerusalem bringen; erstes 
Erscheinen des Antichrists (28, 17—29, 11); 



12 Steinddrif,' Apokalypse des Elias. 

6. Erzählung des Kampfes der drei Perserkönige mit den 
vier Assjrerkönigen in Ägypten (29, ii — 80, ö); 

7. Erscheinen eines Königs in Heliopolis (30,5 — 9); 

8. Schilderung des neuen Sieges der Perserkönige und des 
Wiederaufbaues der heiligen Statten; glückliche Zeit 
für Ägypten (30,9— 3 1,14); 

9. Erscheinen des Antichrists im 4. Jahre jenes „gerechten** 
Königs, seine Beschreibung und seine Kämpfe mit der 
Jungfrau Tabitha und mit Elias und Henoch; seine Herr- 
schaft über die Erde (31,i4— 38,i4); 

10. Entführung der Heiligen vor dem Zorne des Antichrists 
in das heilige Land (38, u — 39, 15); 

11. Not der Sünder (39, 15 — 40, le bez. Sa, 14, 10); 

12. Besiegung des Antichrists und das jüngste Gericht 
(Sa. 14,11— Sa. 14,88 bez. 43,8); 

13. Erscheinen des Messias, Untergang der Welt und Auf- 
richtung des tausendjährigen Reiches (43, s—Schluss). 

Am Schluss der Abhandlung steht der Titel: „Die Apoka- 
lypse des Elias^S und durch ihn ist auch die Bezeichnung des 
vorhergehenden Werkes gegeben. Die Annahme, dass dieser 
Titel sich nicht auf die vorhergehende Schrift, sondern auf 
eine folgende Abhandlung beziehe, halte ich nach der Stellung, 
die der Titel auf der letzten Seite unmittelbar hinter den letzten 
Worten des Textes einnimmt, für vollständig ausgeschlossen. 

Weit schwieriger ist die andere Frage, ob sich der Titel 
auf das ganze uns überkommene Buch bezieht, oder nur zu dem 
zweiten Teile, den Weissagungen gehört, ob also in unserer 
achmimischen Handschrift nichts weiter als die Apokalypse des 
Elias steht, oder ob darin vielmehr zwei verschiedene Abhand- 
lungen enthalten sind, eine unbekannte pseudo-epigraphische Apo- 
kalypse und die Apokalypse des Elias. An und für sich wäre 
es wohl denkbar, dass beide Abhandlungen Teile eines einzigen, 
freilich nicht einheitlichen Werkes sind; Sprache und Stil und, 
soweit ich zu urteilen vermag, auch der Gesichtskreis und die 
Anschauungsweise des Verfassers sprechen nicht dagegen. Man 
müsste dann annehmen, dass zwei ursprünglich verschiedene und 
selbständige Bücher von einem späteren Verfasser zu einem 
Werke zusammen gekoppelt worden sind; gesichert wäre diese 
Annahme aber nur dann, wenn man wüsste, dass sich zwischen 



I. 4: Inhalt des Textes. 13 

Seite 18 und 19 keine Lücke befönde, oder dass im Falle einer 
L&cke der Anfang von Seite 19 mit dem Vorhergehenden in 
Zusammenhang gebracht werden könnte oder müsste. Dnd diese 
Gewissheit werden vrir wohl kaum erhalten. Auch die Citate, 
die sich bei den Kirchenvätem aus dem alten „Elias** finden, 
bringen uns zur Entscheidung dieser Frage keine Hülfe. Die 
SteUe Eph. 5, u eysiQS 6 xad-svöiDv xal avaoxa bc xAv vbxqAv^ 
xclL ijtiq>avaei ooi 6 XQiorog, die nach Epiphanius, haer. 42 
(s. u. S. 21) von Elias herrühren soll, und die andere 1. Cor. 2,9 
a o^d-aXfioq ovx bIösp xcci ovg ovx rjxovösp, die nach Origenes 
(s. S. 20) in den „Secretis Eliae prophetae** gestanden haben 
soll, finden sich weder in dem ersten, noch in dem zweiten 
Teüe unserer Handschrift. In dem zweiten TeUe könnten übri- 
gens wohl beide Gitate kaum gestanden haben, während man 
sich im An£ang des ersten Teils, der ja leider verloren g^angen 
ist, wohl einen Platz für sie denken könnte. 

Dagegen scheinen mir nun für die Annahme, dass lediglich 
der zweite Teil die „Apokalypse des Elias*' ist^ der erste aber 
ein besonderes Pseudo-epigraphon darstellt, mehrere Gründe zu 
sprechen. Einmal der rein äusserliche, dass der zweite Teil mit 
einer neuen Seite beginnt; der Zufall hätte doch schon wunder- 
sam spielen müssen, wenn der erste Teil gerade mit der letzten 
Linie einer Seite abgeschlossen hätte, und dadurch der Schreiber 
gezwungen gewesen wäre, mit dem zweiten Teile ohne weiteres 
eine neue Seite anzufangen. Weit wahrscheinlicher ist es, dass 
auf der in der ursprünglichen Handschrift der Seite 19 vorher- 
gehenden Seite, die jetzt verloren ist, der erste Teil zu Ende ge- 
konunen ist, dem Schlüsse, ähnlich wie auf Seite 44, der Titel 
des Werkes zugefügt worden ist, und der Schreiber dann mit 
dem neuen Werke eine neue Seite begonnen hat 

Und weiter: ist in einer Schrift, die dem Elias in den Mund 
gelegt wird, die Stelle 14, 9 ff. „er lief nun zu allen Gerechten, 
welches sind Abraham, Isaak, Jakob, Henoch, Elias und David** 
möglich, n%ch der ja dann Elias in seiner Vision sich selbst in 
Gemeinschaft mit den anderen Heiligen erblickt haben müsste? 
Dann müsste der Verfasser unserer Apokalypse doch mit einer 
Gedankenlosigkeit gearbeitet und kompiliert haben, die ich ihm 
nicht ohne weiteres zutrauen möchte. Allerdings kommen ja 
auch in dem 2. Teile, also in der sicher beglaubigten Eliasapo- 



14 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

kalypse zwei Stellen vor, in denen Elias (beidemal neben flenoch) 
als dritte Person erwähnt wird (Sa. 7, s und 42, ii). Aber hier 
bandelt es sieb um objektive Weissagungen f&r die Zukunft, in 
denen Elias seine in den damaligen Anschauungen vom Ende 
der Zeiten feststehende Rolle spielen muss und nicht bei Seite 
geschoben werden kann, auch wenn sich diese Prophetieen in 
der vorliegenden Fassung an ihn selbst wenden. 

Ausschlaggebend scheint mir aber der folgende Punkt zu 
sein: Nach dem Canon des Nicephorus (s. S. 22) hatte die Apo- 
kalypse des Elias 316 Stichen, war also ein Buch von ungefähr 
gleichem Umfange wie der Galaterbrief. Ich habe nun den um- 
fang der uns vollständig erhaltenen boheirischen Übersetzung 
des letzeren (ed. Lagarde) abgeschätzt und festgestellt, dass sie 
rund 11700 Buchstaben umfasst. Nimmt man nun an, dass in 
der achmimischen Apokalypsenhandschrift zwischen Seite 26 — 27 
ein Blatt, also 2 Seiten, und ebensoviel zwischen Seite 34 — 35 
und 40 — 41 fehlen, so würde der zweite Teil 31 volle Seiten 
unserer Handschrift und die 4 Zeilen auf Seite 44 umfasst haben. 
Rechnet man weiter rund auf jede Seite 350 Buchstaben und fftr 
die Seite 44 noch 55 Buchstaben, so kommen auf den zweiten 
Teil rund 10900 Buchstaben, also ungefähr ebensoviel wie auf 
die boheirische Übersetzung des Galaterbriefs. Der Unterschied 
von 800 Buchstaben kommt bei der ungefähren Schätzung um 
so weniger in Betracht, als ja immerhin zwischen ^eite 26 und 
27 eine Lücke von 4 Seiten liegen könnte. Keinesfalls aber 
lässt sich der Umfang beider Teile unserer Handschrift mit der 
Angabe des Nicephorus in Einklang bringen. 

Ich mochte deshalb annehmen, dass nur der 2. Teil die 
Apokalypse des Elias enthält, und in dem ersten ein anderes 
Pseudoepigraphon vorliegt, für dessen nähere Bestimmung leider 
keine festen Anhaltspunkte vorliegen.^) Die Blätter des achmi- 



1) Wichtig fiir die Feststellung des unbekannten Verfassers 
sind die Stellen 1,6; 12,iff; 14,ioff. Die Stelle 1,6 („meine Stadt") 
zeigt, dass er in einer massgebenden Beziehung zu Jerusalem ge- 
standen hat; 12,1 ff., dass er eine autoritative Stellung unter seinen 
Volksgenossen eingenommen haben muss. Nach 14, loff kann er 
weder einer der drei Patnarchen, noch Henoch, Elias oder David sein, 
die hinter ihm liegen. An Esra ist nicht zu denken, wohl aber an 



I. 4. Inhalt des Textes. 15 

mischen Manuscripts würden demnach Teile einer zwei selb- 
ständige, in sich abgeschlossene Abhandlungen umfassenden 
Sammelhandschrifb sein, ähnlich der jüngst vom Berliner Museum 
erworbenen sahidischen, welche das Evangelium Mariae, das 
Apokryphon Johannis, die 2k>q)la ^IrjOov Xqiotov und die ügä^ig 
nixQov enthält und, wie vermutlich auch die unsrige, aus dem 
5. Jahrhundert stammt.^) Dabei bliebe es dann zweifelhaft, ob 
die von mir an die Spitze gestellte anonyme Apokalypse, also 
die Seiten 1 — 18, in der Handschrift vor der Apokalypse des 
Elias oder hinter ihr gestanden haben. 

Bei der bisherigen Betrachtung habe ich nun ein Stück zu- 
nächst bei Seite gelassen, das neben den beiden anderen Ab- 
handlungen selbständig steht: die Seiten 1 und 2 der sahidi- 
sehen Blätter, von denen leider die letzte (die Rückseite des 
Blattes) nur zum kleinsten Teile zu lesen ist. Es ist das Bruch- 
stück einer Jenseitsvision und zwar, wie sich aus Sa. 1 Zeile 12 — 13 
ergiebt, ein Stück der in der pseudoepigraphischen Litteratur 
wohlbekannten Apokalypse des Sophonias. Da derText dieses 
Blattes in der Phraseologie an einzelnen Stellen auffallend mit 
der anonymen Apokalypse der achmimischen Handschrift über- 
einstimmt, so ist man zunächst geneigt, in ihm einen sahidischen 
Paralleltext zu jener Apokalypse zu vermuten, um so mehr, als 
ja die übrigen sahidischen Blätter der Eliasapokalypse parallel 
sind. Würde diese Annahme stimmen, so wäre auch der Titel 
der anonymen achmimischen Apokalypse gefunden. Leider ist 
es nun aber unmöglich, dem sahidischen Blatte einen Platz 
innerhalb des achmimischen Textes anzuweisen. Da es keiner 
Stelle parallel ist, so könnte es nur in eine der Lücken, die der 
achmimische Text bietet, gestellt werden. An den Anfang, also 
vor Seite 1, kann es nicht gehören, da ja hier in dem achmi- 
mischen Texte vermutlich der Beginn der Wanderung des Er- 



Ezechiel, Jeremias, Zacharja, Barncli n. a. Dass es nicht Zephanja 
(Sophonias) sein kann, zeige ich oben; auffallend ist freilich die 
Übereinstimmung von 12, 12 ff mit der Stelle der Sophoniasapokalypse 
Sa. 1, isff. 

1) Vgl. 0. Schmidt, Ein vorirenäisches gnostisches Originalwerk 
in koptischer Sprache (Sitzungsber. Eönigl. Prenss. Akademie d. 
Wissenschaften 1896, S. 839 ff.) 



\Q Steindorff, Apokalypse des Elias. 

Zählers gestanden hat, während der sahidische Text uns mitten . 
in die Schilderung des Ortes der Verdammten führt. Ebenso 
wenig kann das sahidische Bruchstück in der Lücke zwischen 
Seite 12 und 13 untergebracht werden und am allerwenigsten am 
Schluss der ersten Abhandlung nach Seite 18, falls hier überhaupt 
ein Teil des Textes verloren gegangen ist (s. S. 11). Wir müssen 
deshalb dieses leider nur kurze Bruchstück der Sophoniasapoka- 
lypse selbstständig neben den beiden anderen Abhandlungen be- 
stehen lassen und können nur sagen, dass es mit der anonymen 
Apokalypse eine sehr enge litterarische Verwandtschaft aufweist. 
Da übrigens die sahidischen losen Blätter von einer Buch- 
Handschrift herrühren, so hat diese ebenso, wie das achmimische 
Manuscript, zwei selbständige Abhandlungen umfasst: die Apo- 
kalypse des Sophonias und die Apokalypse des Elias. 



5. Geschichte des Textes. 

• 

Der koptische Text der veröflFentlichten Apokalypsen be- 
findet sich an vielen Stellen in einem sehr verwahrlosten Zu- 
stande und ist durch die Hand oder die Hände der Abschreiber 
stark verderbt worden, so dass es vielfach ganz unmöglich ist, 
den ursprünglichen Sinn zu erschUessen oder die richtigen Le- 
sungen wiederherzustellen. Am schlagendsten wird diese schlimme 
BeschaJBPenheit des Textes durch einen Vergleich der achmimi- 
schen und sahidischen Fassung der Eliasapokalypse dargethan, 
wo bald die eine, bald die andere die richtigen Formen bieten, 
bald aber auch beide sich an Schlechtigkeit nichts vorzuwerfen 
haben. Alle drei pseudoepigraphischen Werke sind nun nicht 
ursprünglich in koptischer Sprache verfasst worden, sondern 
gehen, wie ja fast alle koptischen Schriften der altchristlichen 
Litteratur, auf griechische Originale zurück. Das beweisen die 
zahlreichen eingestreuten griechischen Fremdwörter, sowie viele 
Wendungen und syntaktische Konstruktionen, die nur aus dem 
Oriechischen stammen können. Ob wiederum die eine oder die 
andere der drei Abhandlungen erst aus einer anderen Sprache, 
etwa dem Hebräisehen, ins Griechische übersetzt worden ist, 
bleibe hier ununtersucht; doch will mir ein solcher Fall kaum 



I. 5. Geschiclite des Textes. 17 

glaublich erscheinen, da ich in keiner der Schriften etwa dem 
hebräischen Stil entnommene Phrasen ^) habe entdecken können. 
Dagegen mochte ich hier noch kurz auf das Verhältnis der 
achmimischen und sahidischen Version der Eliasapokalypse ein- 
gehen. Wie die Gegenüberstellung der Übersetzungen beider 
Texte in Abschnitt IV deutlich zeigt, stimmen beide Texte keines- 
wegs überall überein, sondern weichen an vielen Stellen erheblich 
Ton einander ab. Es kann also weder der vorliegende sahidische 
Text unmittelbar aus dem vorliegenden achmimischen, noch um- 
gekehrt der achmimische aus dem sahidischen stammen. Die 
sahidische Version wimmelt nun, wie S. 29flF. gezeigt wird, von 
achmimischen Dialektformen, und diese sprachliche Eigentümlich- 
keit ist kaum anders zu erklären, als dass ein in der sahidischen 
Litteratursprache nur wenig erfahrener Schriftsteller, dessen 
Heimat ich in oder bei Achmlm suchen mochte, die in achmi- 
mischem Dialekte vorliegende Apokalypse in die allgemeine ober- 
ägyptische Schriftsprache, in das Sahidische, übertragen hat; 
dubei hat er sich nicht von der Sprache des Originals, die üb- 
rigens auch sein eigener Dialekt gewesen sein wird, frei machen 
können und hat nicht wenige achmimische Formen in sein sa- 
hidisches Werk einziehen lassen. Danach ist also eine achmi- 
mische Apokalypse als das Original der sahidischen zu betrachten, 
wobei es nicht darauf ankommt, ob unser sahidischer Text die 
„Originalübersetzung'' aus dem Achmimischen ist, oder ob er erst 
wieder von einem anderen sahidischen Texte abgeschrieben ist. 
Die zahlreichen Übereinstimmungen der vorliegenden achmimi- 
sehen und sahidischen Version lassen ferner keinen Zweifel daran 
aufkommen, dass beide auf eine gemeinsame achmimische Quelle 
zurückgehen, und dass nicht etwa zwei verschiedene achmimische 
Versionen des griechischen Originals im Umlauf waren. Aus 
dieser Urquelle ist sowohl die Vorlage unseres achmimischen 
Textes, als auch das achmimische Original der sahidischen Ver- 
sion — ob unmittelbar oder mittelbar, vermögen wir nicht mehr 
zu entscheiden — geflossen. Jedenfalls geht aus diesen ver- 
schiedenen Abschriften und Übersetzungen hervor, dass die Elias- 

1) Eine Ausnahme bildet der hebr. Ausdruck „Eloi Herr Adönal 
Sabadth'^ (8, 3—4), der aber nichts für den ursprünglich hebräischen 
Charakter der ganzen Schrift beweist. 

Texte n. DnteraiichiiDgeD. N. F. II, 8 a. 2 



lg Steindorff, Apokalypse des Elias. 

apokalypse ein unter den Kopten sehr beliebtes Litteratarwerk ge- 
wesen sein muss. 

In welcher Zeit die ursprünglichen Übersetzungen unserer 
Apokalypsen aus den griechischen Originalen vorgenommen wor- 
den sind, lässt sich mit Sicherheit nicht feststellen; doch werden 
wir nicht sehr fehlgreifen, wenn wir sie in das Ende des dritten 
Jahrhunderts setzen, oder auch in das vierte Jahrhundert, in die 
Zeit, in der die achmimischen Klöster ihre Blütezeit feierten und 
in der koptischen Litteratur die führende Stellung innehatten. 



6. Bemerkungen Ober den Ursprung der verSffentlichten Apokalypsen. 

Eine erschöpfende Erörterung über die Stellung der hier 
veröffentlichten Abhandlungen in der pseudoepigraphischen litte- 
ratur, über die Zeit ihrer Abfassung und den Kreis, in dem sie 
entstanden sind, sowie über ihr Verhältnis zu ähnlichen Schriften 
soll hier aus naheliegenden Gründen nicht versucht werden. 
Nur einige allgemeine Bemerkungen über diese Punkte mögen 
Platz finden. 

a. Die anonyme Apokalypse ist ein jüdisches Werk, 
wofür mir das in rein jüdischem Geiste, ganz im Sinne der 
pharisäischen Theologie abgefasste Sündenregister (11, 9 ff.) den 
klaren Beweis liefert Spuren einer christlichen Bearbeitung 
finden sich m. E. nirgends. ^) 

Die in ihr ausgeführten Schilderungen des Jenseits schliessen 
sich eng an die der jüdischen Apokalyptiker an und sind anderer- 
seits auch durch griechische Vorstellungen stark beeinflusst. 2) 
Unsere Apokalypse steht hierin der Apokalypse des Petrus und 
der von dieser abhängigen Paulusapokalypse ziemlich nahe, ist 



1) Der Ausdrack ,^Ratechamenen'* (16, 1) ist, wie mir Hamack 
freundlichst mitteilt, dnrehans kein Beweis für die Christlichkeit der 
Stelle 16, iff. Das Wort, das in den LXX allerdings nicht vorkommt^ 
steht nach Hamack's Ansicht hier nicht technisch, sondern ist nach 
Jacobns 1,22 zu verstehen. Von solchen ist die Rede, die, statt 
Hörer nnd Thäter zu sein, nur Hörer sind. 

2) Vgl. A. Dieterich, Nekyia. 



L 6. Bemerknngen über den Ursprung der verOffentlicliten Apokalypsen. 19 

aber gewiss älter als diese. Als ihren Heimatsort dürfte man 
wohl Ägypten anzusehen haben ^). 

b. Die Eliasapokalypse geht auf eine jüdische Grund- 
schrift zurück, der besonders die auf den Tempel in Jerusalem 
und die Wiederaufrichtung der heiligen Stätten bezüglichen 
Stellen, sowie die Schilderung des Antichrists ^) angehören. 
Auch die merkwürdige Scheltrede gegen die Irrlehrer, die das 
Fasten leugnen, trägt einen jüdischen Charakter, wenn sich auch 
nicht sagen lässt, gegen wen sie sich richtet (etwa gegen die 
Christen? YgL Bamabas-Brief cap. III). 

Diese jüdische Grundschrift ist wohl in den Kreisen der in 
Ägypten ansässigen Juden entstanden; denn sämtliche Prophetieen 
beziehen sich unmittelbar auf die politischen Verhältnisse des 
Nilthals, wie ja auch die vorausgesetzten geographischen Be- 
dingungen, der Nil, die Kanäle, die Wüste^ deutlich auf Ägypten 
als Schauplatz hinweisen. * 

Von christlicher Seite ist nun diese jüdische Schrift inter- 
poliert und stark überarbeitet worden und hat die vorliegende 
Fassung erhalten. Dieser Überarbeitung verdanken namentlich 
diejenigen Stellen ihren Ursprung, in denen auf das bereits er- 
folgte Erscheinen des Messias Bezug genommen wird, besonders 
die charakteristische 20, 2ff, die ja teilweise, wie Hamack ge- 
sehen hat^), mit dem (im 3.^ vielleicht im 2. Jahrhundert ent- 
standenen) Brief an Diognet cap. 7, 2 übereinstimmt, die Einflech- 
tung der Tabitha u. a. Dass noch innerhalb der koptischen 
Übersetzungen derartige christliche Verbesserungen vorgenommen 
worden sind, lässt sich noch an einer Stelle deutlich beobachten: 
während in der sahidischen Version (S. 5, leflF.) die ältere (jüdische) 
Fassung, die das Kommen des Messias noch erwartet, stehen 
geblieben ist („der Antichrist wird die Werke thun, die der Ge- 



1) Wie mich Harnack belehrt, zeigt auch die Erwähnung der 
Susanna und der drei Männer im feurigen Ofen (9,6ff.), dass unsere 
Apokalypse nicht dem palästinensischen and darum auch nicht dem 
hebräisch sprechenden Judentum angehört, da dieses jene Stücke nicht 
kennt Auch eine ungefähre Zeitbestimmung nach oben gewinnt die 
Apokalypse durch jene Erwähnung: + 100 vor Chr. 

2) VgL Bonsset, Antichrist S. 56 f und namentlich S. 102. 

3) GescL d. altchr. Lit. 1 757 ; II 573. 

2* 



20 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

salbte tbun wird'*), hat der acbmimische Text diese Worte in 
cbristlichem Sinne umgeändert: „(der Anticbrist) wird die Werke 
tbun, die der Gesalbte getban bat** 33, 9. lo. 

Da die Stelle 19, 6. ? wobl ein Gitat aus 1 Job« 2, 15 (fir^ aya- 
jtäre TOP xoOfiov fiijöe rä iv t(p x6öfiq>) ist, so muss die Be- 
arbeitung der Eliasapokaljpse wobl später als diese neutesta- 
mentlicbe Scbrift, und andererseits irüber als der Brief an Diognet 
(s. 0.) angesetzt werden. Über die Entstebungsfrage des Ganzen 
wird sieb freilieb erst mit Sicberbeit urteilen lassen, wenn es 
gelungen ist, die wobl auf bestimmte politiscbe Vorgänge be- 
züglicben Angaben der Propbetieen genau zu erklären ^). 

c. Von der Sopboniasapokalypse ist leider zu wenig 
erbalten, um ein Urteil über ibren Cbarakter zu gestatten. Das 
Yon Clemens daraus citierte Stück (s. S. 22), das in unserem Frag- 
ment nicbt vorkommt, entbält naeb Hamack ^) nicbts Cbristlicbes, 
und aucb in dem koptiscben Fragmente spricbt nicbts gegen die 
Annabme eines jüdischen Ursprungs des Werkes. Docb ist es 
aucb bier wabrscbeinlicb, dass das jüdische Gewand von christ- 
lichen Händen zurecbt gestutzt worden ist. Die koptischen 
Fragmente weisen eine nahe Verwandtschaft mit unserer anonymen 
Apokalypse und der Petrusapokalypse auf, während das clemen- 
tinische Stück dem jüdischen Buche der Geheimnisse Henochs, 
auch der Ascensio Jesaiae, nahe steht ^). Vielleicht ist auch dieses 
Werk im Kreise der ägyptischen Juden entstanden und später 
in Ägypten in christlichem Sinne bearbeitet worden. 

7. Erwähnungen der Elias- und Sophonias-Apokalypsen in der alt« 

christlichen Litteratur ^}. 
1. Zur Elias- Apokalypse. 

1) Origenes, Comment. in Matth. series zu Cap. 27, 9 (Lommatsch 
V p. 29): 

1) Über die Verwandtschaft unserer Eliasapokalypse mit dem 
Epbraemschen Schriftenkreis und anderen Schriften vgl. Bonsset, Anti- 
christ S. 56, wo das von der Zephanja-Ap. Gesagte auf die Elias- 
apokalypse zu übertragen ist. 

2) a. a. 0. II 573. 

3) Hamack a. a. 0. II 573. 

4) Vgl. Dillmann in der Real-Encyklopädie für Theologie und 



I. 7. ErwähniiDgeii der Elias- und SophoniaB- Apokalypse etc. 21 

Si autem haec diceos aliquis existimät se offendere, videat 
ne alicubi in Secretis Jeremiae hoc propbetatur, sciens quo- 
niam et apostolus scripturas quasdam secretorum profert, 
sicut dicit alicubi: „Qaod oculus non vidit nee auris audivit^*; 
in nnUo enim regulari libro boc positum invenitur nisi in 
Secretis Eliae propbetae. 

2) Hieronymus, Gomment in Isaiam 64,4 (Vallarsi, IV 760): 

Parapbrasim bnjus testimonii quasi Hebraeus ex Hebraeis 
assumit apostolus Paulus de authenticis libris in epistola, 
quam scribit ad Gorintbios, non verbum ex verbo reddens, 
quod omnino contemnit, sed sensuum exprimens veritatem, 
quibus utitur ad id quod voluerit exprimendum. Unde apo- 
crypborum deliramenta conticeant, quae ex occasione bujus 

testimonii ingeruntur ecclesiis Christi Ascensio enim 

Isaiae et apocalypsis Eliae hoc habent testimonium. 

3) Hieronymus, Epistula 57,9 ad Pammachium (Vallarsi I, 314): 

Solent in hoc loco (nämlich 1 Kor. 2, 9) apocryphorum qui- 
dam deliramenta sectari et dicere, quod de apocalypsi Eliae 
testimonium sumtum sit, quum in Isaia juxta hebraicum ita 
legatur (Is. 64, 3). 

4) Epiphanius, haer. 42 p. 678 (Öhler) : 

Boß-SV r<p djtoöroXq) xo „616 xal Xayei^^ (Eph. 5,14)^ djiXa 
ojcb rfjg naXaiaq öfjkop öuxd-rjxfig; rovzo öe ififpigszai 
jtagä xm ^HXla\ s. auch die folgenden Sätze. 

5) Constitutiones Apostolorum (ed. Lagarde) 6, le: 

xal Bv xolq jtaXaiolg de xtvsg övviyQo^av ßtßXia aJc6xQV(pa 
Mcocitoq xaL 'Evcox ^ccL Aöafi ^Hodtov xe xal Aaßlö xal 
^HXla xal xciv xQicov xaxQtagxcop, g)d-oQOJtoca xal xijg 
äXrjßelag kx^Qa. 

6) (P8eudo-)Athanasius, Synopsis Scripturae Sacrae (Athanasii 

Opera II p. 154) in einem Apokryphenverzeichnis: 

'EXöaö xal Ma}öa6, ^HXlov J€Qoq)i^xov, 2!oq)OPlov Jigotpfj- 

xov xxX, 

7) Nicephorus, Chronographia brevis (ed. Dindorf) in einem 

Apokryphenverzeichnis, I, 787: 



Kirche 2 XII 359. 360; Harnack, Geschichte der altchristl. Litteratur 
I 853. 854; 11 1, 571 ff; besonders für die Ellasapokalypse aach Zahn, 
Geschichte des Neutestamentl. Kanons II 801 ff. 



22 SteindorfT, Apokalypse des Elias. 

^EXöaö xcii Mmöaö oxlx<x>v v 
^HXiaq 3tQoq>rirriq Oxlxcov xi^ 
2o(f)Ovlov ji:Qoq)f]xsla 0xIxg>v % *^^« 

8) Cotelier, Patres Apostolici I 197 in einem Apokryphenver- 

zeicbnis: 

Vakfiol JSoXoficivxog 
^Hklov djtoxakvtpig 
^aätov oQaöig xxX. 

9) Monifaucon, Bibliotheca Goisliniana p. 194 in einem aus dem 

10. Jahrhundert stammenden, mit dem vorigen übereinstim- 

idenden Apokryphenverzeichnis: 

VaXfiol JJoZofiwvxog, ^HXlov djcoxdlvxpig, *Haätov ogaaig xxX, 

Ausserdem ist noch eine hebräische Eliasapokalypse 
bekannt (Sepher Elia), die zuerst von Jellinek^) herausgegeben und 
neuerdings wieder von Butten wieser 2) gedruckt, übersetzt und 
erläutert worden ist. Dieses Werk, das Jellinek und ihm folgend 
auch Dillmann ^ in das gaonäische Zeitalter, Butten wieser in 
eine ältere Zeit setzen wollen, weicht von unserer Eliasapoka- 
lypse stark ab, zeigt aber, wie schon Bousset^) scharfsinnig be- 
obachtet hat, namentlich in der Schilderung des Antichrists so 
überraschende Parallelen, dass es wohl möglich ist, dass beide 
Schriften teilweise aus denselben hebräischen Urquellen geschöpft 
haben. Eine genauere Untersuchung über diese Zusammenhänge 
vermag ich nicht anzustellen. 

IL Zur Sophonias-Apokalypse. 

1) Clemens Alexandrinus, Stromata V 11, 77 giebt folgendes Citat 
aus der Apokalypse: 

xai dviXaßiv (le Jtvevfia xal dvrjveyxiv fie elg ovgavov 
jttfijcxov xal sd-scoQovv dyyiXovg xaXovfiivovg xvQlot)g, xal 
xo öidÖT]fia avxcov ijtixslfiavop iv jtvevfiaxi dylcp^ xal f}v 

1) Bet ha-midrasch III p. 65—68. 

2) Die hebräische Eliasapokalypse und ihre Stellung in der apo- 
kalyptischen Litteratar des rabbinischen Schrifttams und der Kirche. 
Leipzig 1897. 

3) Real-Encyklopädie für Theologie und Kirche XII 359. 

4) Antichrist S. 57. Er hielt die jetzt als „Eliasapokalypse" er- 
kannte Schrift noch für die Sophoniasapokalj'pse. 



I. 7. Erwäbnungen der Elias- uiid Sophonias-Apokaljpse etc. 23 

exaorov avxÄv o d-Qovog e^rajtXaclcov qxorog ^Xlov ava- 
xiXXovroq, oixovprag ip vaolq omxriQlaq xal vfivovpzag 
d-eov aQQTjTOV vtpiOTOP, — Vgl. Ascensio Isaiae cap. VII 
ecL Dillmann, wo eine ähnliche Schilderung gegeben wird. 

2) Synopsis des Pseudo-Ä.thanasiu8 (s. o.) unter den Apokryphen: 

*HXlov jtQoq>rixoVy 2oq>oplov jtQotprixov, ZaxaQlov jtazQoc 
*l(oain^ov xrZ- 

3) Nicephorus (s. o.), Apokryphenverzeichnis: 

^Xlag xQoq>riTric orlxtop, xi^ 
2k>g>oplov jtQoq)T]xsla öxixcop x 
ZaxaQlov jtazQog ^Ia)avpov oxIxcdp q> xxX. 

4) Cotelier (s. o.), Apokryphen- 

Terzeichnis: 



5) Montfaucon'sches Apokry- 
phenverzeichnis (s. o.): 



^Hcdtov oQaOtg, 2oq>oplov äjto- 

xaXvipig, Zaxaglov cbtoxaXv- 

tpig xxX. 



8. Der sprachliche Charakter der Texte. 

Die Texte der achmimischen Handschrift, also die ano- 
nyme Apokalypse und die Apokalypse des Elias, sind in der dem 
Kreise der oberägyptischen Dialekte angehörigen Mundart von 
Achmtm abgefasst. Diese ist uns zuerst durch den S. 1 f. er- 
wähnten und von Bouriant veröflFentlichten Handschriftenfund 
bekannt and von Stern '^) einer eingehenden Untersuchung ge- 
würdigt worden. Seitdem sind noch andere Stücke desselben 
Dialekts ans Tageslicht getreten, namentlich umfangreiche Teile 
der kleinen Propheten 3), Blätter aus einer Handschrift der neu- 
testamentlichen Briefe ^) u. a. Da ich auf Grund dieses gesamten 
Materials demnächst eine Grammatik des Dialekts von Achmim 
yeroffenÜichen will, kann ich hier auf eine genaue Würdigung 
seiner sprachlichen Eigentümlichkeiten verzichten und mich be- 

1) Nach dieser Angabe hat die Prophetie des Sophonias ein 
finch etwa im Umfange des achten oder neunten Teils der Psalmen 
gebildet; Stern, Äg. Zeitschr. 1886, 116. 

2) Ägypt. Zeitschr. 1886, 129 ff. 

3) Papyrus Erzherzog Rainer, Führer I S. 83 No. 89—98; Re- 
cueil trav, 6gypt. et assyr. XIX 1 ff. 

4) Crum, Coptic Papyri from the Fayyum, 2 ff. 



24 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

gDügen, auf die vortreffliche Vorarbeit Stem's zu verweisen*), 
die fast. alles enthalt^ was das Verständnis dieser Texte dem 
mit dem Sahidischen vertrauten Leser ermöglicht. 

Die Sprache der Texte der sahidischen Handschrift, also 
des Bruchstückes der Sophoniasapokalypse und der Teile der 
Eliasapokalypse, ist die sahidische. Doch liegt diese hier nicht 
in ihrer unverfälschten, reinen „klassischen" Gestalt vor, wie sie 
uns aus der Bibelübersetzung und der alten sahidischen Litteratur 
bekannt ist, sondern zeigt eine grosse Menge von Eigentümlich- 
keiten, vor allem wimmelt sie von rein achmimischen oder durch 
den achmimischen Dialekt beeinflussten Formen. Wieso diese 
sich eingeschlichen haben, habe ich bereits S. 17 zu erklären 
versucht 

In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten von der 
sahidischen Schriftsprache abweichenden Eigentümlichkeiten zu- 
sammengestellt; doch bemerke ich ausdrücklich, dass der Grund- 
charakter der Texte rein sahidisch ist, und die hier aufgeführten 
Abweichungen nur spontane sind, dass sich also ge wohnlich 
neben den „unregelmässigen" Formen auch die rein sahidischen, 
und nicht selten öfter als jene, finden. 

/. Zur Orthographie, 

1. Schreibung des Halbkonsonanten i. 

Wie im A. und in guten S. Handschriften wird der Halb- 
konsonant i nach Vokalen häufig ei geschrieben (K § 6); z. B. 
noTCj „die meinigen" Sa. 3, is; neei-l Sing. Impf. Sa. 13,23; n«.ci 
„diese" Sa. 4, is; epoci Sa. 13,23.26; mmmoci Sa. 9,22; h€i „Haus" 
Sa. 4,22; MMovei „Löwe" Sa. 4,5; kotci „klein" Sa. 11, 20. 

2. Schreibung des Vokals i. 

Der Vokal i wird häufig (statt 1) T geschrieben; g^i „auf* 
Sa. 5,82; 7,26; OT^A.ei Sa. 6,29. 

3. Doppelte Schreibung von Konsonanten. 

Statt eines Konsonanten werden oft zwei geschrieben, und 
zwar wird gern der am Ende einer Zeile stehende Buchstabe am 



1) Vgl. auch Steindorff, Kopt. Gramm. S. 3. 4. n. ö. 



I. 8. Der sprachliche Charakter der Texte. 25 

Anfang der folgenden wiederholt: cgq-qe y^iebzig'' Sa. 14,26.26; 
«i.^-£P«a Sa. 13,84. S6; qn«^c-cu>nt* „er wird schlürfen" Sa. 6,24. 25; 
iua|ocsig eig-yc|«^qoTU>T£L Sa. 13,28. 29; ^no'S'-oTc«^^ Sa. 8, S8. 29; in- 
mitten der ZeUe npeqppnofie Sa. 14, 27. 

Die unter 11 8. 9. (S. 26) angemerkten Eigentümlichkeiten von 
verdoppeltem m und n sind nicht orthographisch, sondern geben 
lautliche Vorgänge wieder. 

//. Zur Lautlehre, 

Konsonanten. 

1. ö' für K. 

^ tritt für R ein in: ö^Ae „Knie" (S. RcAAe, B. neAi) Sa. 1, 10; 
c^iM (S.crim) Sa. 5, 29; <^iM (S. kim) Sa. 11, la; ö'wjt (S. rw^t) Sa. 14, 28; 
i^<^o (S. T*jio) Sa. 13,8o; sowie in dem griechischen ö'eAcTc (x£- 

jiavsip) Sa. 10, 14. 

2. R für ^, 

Umgekehrt tritt in einigen Fällen r für gewöhnliches S. ^ 
ein: tAro* „heilen" (S. t«.A(^o*) Sa. 5, 12; hcAhr (A. hcAh^) Sa. 
5,27; TcoRe (S. Twö'e, so auch Sa. 7, 11) Sa. 7,22. 

3. TW für T. 

Tkc Gopula (für S. Te) Sa. 1, le. la; e-^cpe (vielleicht für CTcpe) 
Sa. 11,16; ^(»ca^c {coOrs) Sa. 1,9; 

4. ly für Ä 

vielleicht in ceigei nov.uTon (für ccoti noTMTon, freilich an 
einer verderbten Stelle) Sa. 9, 15. 

5. OT für M 

findet sich, falls kein Schreibfehler vorliegt, in OT^«^n otmhc 
(für OT^*.n jujuHe) „ein gerechtes Gericht" Sa. 14, so. 

6. q für V 
in migoeiui ecytgdwqoTcoifii (für cigigdw-roTioTA) Sa. 13,29. 

7. n- erhält sich vor m und n 

oft, wie auch gewöhnlich im A. (im S. geht es in m über 
K § 26) beim Pluralartikel: &nM<k „zu den Orten" Sa. 13, u; 

bei der öenetivpartikel n: tcä^p^^ nnicioM«^ Sa. 8, 9; ovc«wg 
imetiine Sa. 8,29; mo^ nno'Aic Sa. 7,2?; ei&n-npneeie Sa. 6,27; «w^n- 
npneeie Sa. 7,2/ 



26 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

bei der Präposition n ,^n": nncTiunTo cAoA Sa. 5,33; 
bei der Präposition ^n: ^nneccioM«^ Sa. ],2i; ^ihim«. Sa. 6,13 
7, 7; gim^OR Sa. 9,88; ^nncgooT Sa. 10,1$; gnn[c]MnT Sa. 4,2. 

8. Verdoppelung des m 

findet sich in einzelnen Fällen: TAune AiM[noT«.] Sa. 1, 80; g«^eÄ 
MMiiKhin^ Sa. 11,28; ^i^MMnK^^ Sa. 12. 20; n-&e ho-s^mmotci Sa. 4,5; 
AiMMoei Sa. 9, 22 und bei dem ungeheuerlichen MAiMMoq (für AiMoq) 

Sa. 1,29. 

9. Verdoppelung des n 

ohne jeden erkennbaren Grund: nn^e (für n-»c) Sa. 1, ss; 
nneqjMdwcn (für neqju«.ein) Sa. 5,24; nndw- Praefix des Futurums 
(S. n*^) Sa. 5,18; 13,2*; nn^k- Possessivartikel „meine" Sa. 13,2«; 
nnTOR „du" Sa. 7, 21; nn^n (S. n*.ii) „uns" Sa. 12,22; 13, 1; nnq^'unir 
(S. nq^iouT 3. Sg. Conj.) Sa. 10, is; tothmotc- (Sa. Tornec-) Sa. 10,6. 

10. Einschiebung eines m 
zwischen einen Vokal und n findet sich in nc*.-Mnie€ 
{^nsa — ^mpithey flir ncft.-niee) Sa. 10, 80; c^ovn cjunM«^ (ftlr cgorii 

CRMdw) Sa. 11,29. 

11. MT für S. MHT 

liegt vor in lyoMT „drei" Sa. 7, 29. 

12. eT für HT 
findet sich in ctok „du": «ctok (flir «c-eTOR =ä£-iitok) 
Sa. 10, 10, sowie in £t*.-, der relativen Form des Perfektum L, die 
sich ja auch im S. neben ht*.- findet (K § 500): ö'om ihm ct«.- 
nenpo^HTHc «^dwT Sa. 10,4; neT«^qT«^Mion Sa. 12,32; U) ncT^j^d^q 
„was hast du gethan?^* Sa. 12,22. 

13. Zusammenziehung zweier Konsonanten 
findet sich häufig, und zwar werden am öftesten zwei auf 
einander folgende nit zu n kontrahiert (K § 30); z. B. tüdothö'i 
(flir TU)Ovn n(^i) Sa. 4, 2; noTHnfe (für nnoTHHÄ) „den Priestern" 
Sa. 4, 18; nei'b.toAon n^e-anoc (für nnge-anoc) Sa, 4,27; noT^^pHM«. 
(für nnoT5(^pHM*.) Sa. 4,2?; noveiÄ (für imoTciÄ) Sa. 8,8i; c^noTTn^ 
(für e-xn-noTTn^ Sa. 11,22; TCxnA.- (flir Tcnin«. K § 256) Sa. 5, 20; 
^neipüiOT (für ^nneiepwov) Sa. 13, 16. 

Zwei M sind zusammengefallen in: km^v „mit ihnen" (für 
das gewöhnliche hm^^^t unseres Textes) Sa. 8, 17; 10,2; pmmhc 
r^m^mee (für paiaimhc) Sa. 10, 28; hot^mmor (für hot^m mmor) 
Sa. 12,27. 



I. 8. Der sprachliche Charakter der Texte. 27 

Zwei ^ sind zusammeDgefallen in Tncan^Mn^ocic (für thcdh^ 
pMH'soeic) Sa. 8)13. 

Zwei T kontrahiert (K § 30) in: nc^-cAto (fftr ner^-cAü)) 
Sa. 13,9; T£^ce (für m^ce) Sa, 13,7. 

14, Mouillierung eines ägypt. r 

zu / liegt vor in pnccie „Tempel" Sa. 6,27; 7,2 äg. rp6r = rp4i, 
B. ep^ci, A. pneeic (S. pnc). 

Vokale. 

1. «K für betontes S. o 

steht wie im A. in «^^e (S. o&^e) „Zafan*^ Sa l,8s. 

2. <>^ für tonloses S. e 

steht wie im A. bei der Präposition *.- (S. e-) z. B. «kiumkihuo- 
poc Sa. 1,13; Ä^iiHei Sa. 4,21; *^TMHTponoAic Sa. 4, 31; *^TpeTjMooc 
Sa. 9,21; «^TpovoTioM Sa. ll,8o; *^«n- (für S. e«it-) Sa. 1,9; 7,2; 
«^£p«a Sa. 6,15; «^^JPÄJ Sa. 13,84; eK*.nojMit Sa. 12,28 u. o. 

Ferner findet es sich, wie im A. und B., vor aus A ent- 
jstandenem ^ in m*.^- (S. Me2;'] A. B m*.^-), zur Bildung von Or- 
dinalzahlen gebraucht, Sa. 7, 32. 

3. e für S. Ä^ 

wie im A., und zwar für unbetontes «^ im Anlaut: enoit 
(jSnön^ S. «wnon) „wir" Sa. 13,2.3; cgoM (S. ä^^om; A. e^*.M) Sa. 3, so, 
c^ooM Sa. 12,20; eM«^£Tc (S. «^Md^^Tc) Sa. 14,24; als auch für be- 
* tontes Ä^r pcn (S. p«^) Sa. 6, 10; 11, le; otocm (S. othäju) Sa. 1,29; 
9,22; Tc^ce (S. T*.(^C€) Sa. 13,7; £«^AeTC (S. j*.A*.Te) Sa. 12, is; peTq 
(S. p*^Tq) Sa. 5,28; ige«e (S. jg«^'2te) Sa. 5,8; cit (S. *.n) Negation 
Sa. 7,10. 21. 3«; Sa. 8,4 u. o; nee- (S. nc*.-) Präposition Sa. 8,26. 

Ausserdem ist zu merken tAroot (A. TA(^«.ir) „sie heilen** 
Sa. 5,12; sowie das vielleicht auf einem Schreibfehler beruhende 
ncTigjne (für n«^Toginc, auch im A.) Sa. 6, 11. 

ei, eei für ^i, «^ei s. 12. 

4. H für S. e 

haben wir nur in mh Sa. 1,22 und mhc „Wahrheit" Sa. 10,28; 
14, so; vgL S. Ate, B. mki, A. Mie. 

5. ci für vokalisches 1 
in «^noMei«^ avofila Sa. 5,22. 



28 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

6. o für (»> 

in ROT€ (S. RiüTc) „umgeben" Sa. 8, is; j^or (S. ^odr) „Panzer** 
Sa. 9, 88. 

7. ü) für o 

in MAUoti (S. MMon) Sa. 9,5; cen^^^oDRor (S. ccti&^oROT) Sa. 9, ss, 

8. (o für oo 

in cü>^£ (S. cooge) „schelten'* Sa. 7, 84. 

9. Bezeichnung des Hülfsvokals e 

Der HülfsYokal ^ ist wie im S. durch einen übergeschrie- 
benen Horizontalstrich bezeichnet; in der Handschrift sind diese 
Striche an vielen Stellen nicht mehr deutlich zu sehen, und ich 
habe sie im Drucke nur da gesetzt, wo sie noch sicher erkenn- 
bar waren. 

Abweichend vom S. steht e in n?&oeic n«^igü>n (fär no&oeic 
niKtg(»n) Sa. 9, 8; nipeqp-no&e Sa. 12, is; luäiTn „mit euch^^ Sa. 13, so; 
s. auch S. 31, No. 12. 

e steht für e häufig beim unbestimmten Artikel des Plurals 
git- (S. £€n-) s. S. 30, No. 6, sowie beim Possessivartikel nii-, viel- 
leicht auch bei hr- s. S. 29, No. 1. 

10. Nachklingendes e 

findet sich, wie im A., im Auslaute nach Halbkonsonanten 
und Liquiden in: jootc (S. £oot, A. goorc) „Tag" Sa. 7,88. so; 
8,ii; 9, so; 11,3 u. ö. (daneben aber auch das regelmässige ^oot); 
Ad^d^TC (S. A*.*.T, A. A«.oTe) Sa. 3,3; eore (S. aat) Sa,5, is; ^ore, 
Sa. 10,6; pnecic „Tempel" Sa. 6,27; 7,2 (B. p^^ei); ^^i^Me (S. 2-**^^) 
Sa. 4,6; coowe (S. cooirn) Sa. 8,3. 

Unregelmässig und vielleicht blos Schreibfehler ist o-non^c 
(S. A. oTwn j) Sa. 7, 6. 

11. Vokalverdoppelung und Brechung. 

Die Vokalverdoppelung ist imterblieben in ctAhtot (S. ct- 
^htot; B, e^&HTov) Sa. 13,35; 14,2.4. 

00 steht unregelmässig für einfaches o bei einigen dreiradi- 
kaligen Nominibus mit o nach dem zweiten Radikal: cnooq (S. 
cnoq) Sa. 6,25; rAoom (S. r'Aom) Sa. 9,28; egooM (S. *^JOm) Sa. 129»>. 
Hier liegen wohl Analogiebildungen nach den Pluralformen mit 
verdoppeltem Vokal vor; K § 114 und Anm. 



I. 8. Der sprachliche Charakter der Texte. 29 

Merkwürdig sind igoo (S. igo) „tausend^^ Sa. 11,9 und MMooq 
(S. Mjiioq) Sa. 6,15. 

u>u> für oo steht in cü>u)£e (S. coo^e) ^^schelten'' Sa. 8» 5. 

12. Zusammenziehung zweier Vokale 
liegt vor in ne^fmoTCTepe- für ne^fiKOTe cTcpe- Sa. 5, i7. 

13. Diphthonge. 

cT, cei fßr ^i (s. 3): nci Sa. 5, 20; neei Sa. 6,6 fftr n*.T „dieser"; 

cnrseei Sa. 7,3 fttr otää^ci Sa. 6,28; 
CT fllr Ä^T (s. 3): iuimct Sa. 7,26 für iiaim*.t; 
COT für ew: caAcotc (fftr cäIctc) Sa.4,so; tcotc- (S. tä^tc-) Sa. 14, 23; 

coTc (für S. «k*.t) Sa. 5, is. 
HI für 9^1: HHi „mir" Sa.l,i8; 13,2i fllr n*.i; 
HOT für HT (wie auch oft im A.): ^Ahotc (S. ^^tc, A. ^Ahotc) 

Sa. 5, 17; ©KOTe (S. igHTe, A. ^htc) Sa. 10, 17; hhot (S. iiht) 

Sa. 1, u; 5, so; 7,7; 14,6. 
ü>oT für oot: tgoTiooT (S. igoTooT Sa. 5,5; A. igoTwoT) Sa. 5,2. 

///. Zur Formenlehre. 

1. Possessivartikel. 

Vom S. abweichend und wie im A. und B. gebildet sind die 
Formen mit dem Suff, der 3. P. Plur.: hot- Sa. 11, 20; tot- Sa.ll,i7. 
19; noT- Sa. 4, 27; 8,28. 31. 

Die 1. P. Plur. wird zweimal nn- geschrieben Sa. 8,1; 12, 30; 
die 2. P. Sg. m. einmal hr- (für nii, nen-) Sa. 11,24. 

2. Demonstrativpronomen. 

Für das absolute Demonstrativpronomen „dieser'^ findet sich 
mehrfach die A. Form nei, neci s. o. 

3. Fragepronomen. 

Für das S. ot findet sich einmal das dem A. o „was" nach- 
gebildete (o Sa. 12,22. 

4. Nominalbildung. 

Auffallend sind folgende vom S. abweichende und sich an 
das A. anschliessende Bildungen: pneeic m. „Tempel" Sa. 6,27; 
7,2 (S. pnc, A. pneeie, B. epc^ei s. o. Kons. 12; Vok. 10); qioe f. 
„Haar" Sa. 1,31 (S. qw, A. qori, B. qu)i). 



30 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

5. Pluralbildung. 

Von Pluralen konsonantisch auslautender Nomina sind als 
auffallend zu erwähnen: tot« „Berge", Flur, von toot, Sa. 14, ss, 
dem A. TOTi£Te, S. totcih (K § 120} nachgebildet, falls die Form 
nicht überhaupt aus der S. yerschrieben ist; citooq Sa. 4, lo (Plur. 
von citoq, K § 114). 

PlunJe vokalisch auslautender Nomina: ppo^ei „Könige^ 
Sa. 3,15 = A. pp*.! (S. ppcooT); e&ooire PI. von c&o „stumm" Sa. 5, s. 

Bei den im S. auf -cctc ausgehenden Pluralen der abgelei- 
teten Nomina auf e (K § 112) wird ein e unterdrückt in: ^«^Ae-re 
Sa. 5,6; AAAcTe Sa. 5,9; c*AcoTe Sa. 4, so. 

6. Artikel. 

nc-, Te- vor vokalischem oder einfach konsonantischem An- 
laut (gegen E § 123): ncei&T Sa. 1,4; ^ire^H Sa. 5,82 (aber ^i^ic 
Sa. 5, 29). 

umgekehrt steht it- vor einer Doppelkonsonanz (gegen K 
§ 124) in iieponoc Sa. 9, 27. 

Wie im B. und A. und in altsahidischen Texten finden sich 
auch noch Beste des zweiten bestimmten Artikels lu-, ^-, lu-: nicoiUi«^. 
Sa. 8, 9; nigioMc Sa. 1, 32; ninepn*. Sa. 9, 11; nipcqp-no&e Sa. 12, is; 
njc&OT Sa. 13,27; niogociog Sa. 13,28; nicoonc Sa. 13,32. 

Über die Form ^n- des Plurals des unbestimmten Artikels 
s. S. 28, No. 9; einmal findet sich auch die Form ^m-: ^incon .... 
^inRc(c)on Sa. 5, 34 — 6, 1. 

7. Genetivverhältnis, 
c für n: aimot c^«^A«^cc«. Sa. 12, 17. 

8. Adjectivverhältnis. 

Weglassung der Partikel n-: ^nigo igo „tausend Tausende'' 
(für £«igo njgo) Sa. 1,27. 

9. Verbalbildung. 

Auffallende Bildungen liegen vor in: ^eeie „fallen" Sa. 12, la, 
das eine ganz achmimische Form ist (A. geeie, S. ^c, B. gci); Tton 
„aufstehen*' Sa. 3,23 (aber todoth Sa. 4, 2; vgl. A. Tione); Tcore 
„sprühen" Sa. 14,23. 

10. Verbalstamm vor direktem Objekt 

steht häufig unverkürzt: ö'wne nc«^&coTe Sa. 4, so; Bgwn ncnn«^ 



I. 8. Der sprachliche Charakter der Texte. 31 

Sa. 9,9; MOTptr^R«wioc Sa. 10| i&; ^u>t& '^k«wioc Sa. 10, 26; catg 
Aot'A«^ Sa. 8,20; caog e^ooM Sa. 12, 20. — Vielleicht gehört hierher 
auch: TomnoTc OTpcqMoorr Sa. 10,6 (S. tothoc, tothcc-). 

11. Tempusbildung. 

Futurum I, Hur. 3. P. cotk*.- (S. ccit*.-) Sa. 3, so. 

Futurum III, Sg. 2. m. ck«.- Sa. 12,28; Plur. 1. cn*.- Sa. 13,4. 11; 
Plur. 2. eTeTn«.- Sa. 3, 13; 5,26; 6,6 (doch könnte hier auch 
Fut. n vorliegen, cTe-m*.- für eTCTnn*.- K § 267). 

Konjunktiv.« Sg. 3. m. luiq- Sa. 10, is. 

Imperfektum, Sg. 3. m. n^^q- Sa. 1, 24 (wie im A.). 

Kausativer Infinitiv, Plur. 3. P. TpoT Sa. 11, si (S. Tpcr). 

Praesens consuet. negiert vor nominalem Subjekt: MH«.pe- Sa. 10, 25 

(A. M*k-, S. MCpC-). 

Temporalsatz irriKpi- „als ich" (wie im A., S. irrcpci-) Sa. I,i5. 

12. Präpositionen. 

YgL die verschiedenen Bemerkungen zur Lautlehre. Hier 
seien nur noch die verschiedenen Formen von iimju*.- „mit" zu- 
sammengestellt : 

ÄMi^q Sa. 14, 17. 

iiMRTn Sa. 13, so. 

nu^T Sa. 14, 14; HnMCT Sa. 7, 26. 



9. Bemerkungen zum Abdruck der Texte: 

Der Abdruck der Texte schliesst sich genau an die Hand- 
schriften an; alle Zeichen, die diese bieten, sind, im Hinblick 
auf die sprachliche Wichtigkeit der Texte, auch im Druck wieder- 
gegeben worden. Dagegen rührt die Worttrennung, die die in 
K § 46 auseinandergesetzten Grundsätze zu befolgen sucht, so- 
wie die Einsetzung der Punkte, Kommata und Fragezeichen (;) 
von mir her. Unsichere Buchstaben habe ich durch untergesetzte 
Punkte, fehlende durch Sternchen bezeichnet. Doch ist die Zahl 
der letzteren häufig nicht genau abzuschätzen, da auf einer Zeile 
20 — 25 Buchstaben stehen können, und der Schreiber bei der 
scblechten Beschaffenheit des Papyrus oft mitten in der Zeüe 
an schadhaften oder schlechten Stellen einen freien Raum lassen 



32 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

musste. Buchstaben, die nicht mehr ganz vorhanden sind, deren 
Beste aber keinen Zweifel lassen, was ursprünglich dagestanden 
hat, habe ich kurzer Hand als gesichert gelten lassen. Ergän- 
zungen habe ich in eckige Klammem gesetzt, Worte oder Buch- 
staben, die die Handschrift bietet, die aber zu streichen sind, sind 
in runde Klammem eingeschlossen. 

Die Abweichungen, die mein Text von dem Bouriant'schen 
aufweist, habe ich in allen wichtigeren Fallen angemerkt^), vor 
allem auch da, wo der erste Herausgeber anders als ich ergänzt 
hat; hier wollte ich es dem Leser freistellen, eventuell zwischen 
beiden Ergänzungen seine Wahl zu treffen. 

Zu der zusammenhängenden Übersetzung sei noch 
Folgendes bemerkt: Zweifelhaftes ist durch liegende Schrift be- 
zeichnet; Ergänzungen sind in eckige Klammern eingeschlossen; 
Zusätze und die beigeftigten, im koptischen Text stehenden grie- 
chischen Wörter sind in runde Klammern gesetzt 



1) Der Bonriant'Bche Text ist mit B. bezeichnet. 



IL 



DIE ACHMIMISCHE HANDSCHRIFT. 



Texte a. Ontenachnngen. N. F. U, 3a. 3 



34 Steindorff, Apokalypse des EliaB. 



Erstes StücL 

1 JAOT Ttftfdai[d^]cq tfTj^e npiojA^. 

€IC, d^q^IT d^T^tf-TdwIloTV.IC THpc, 

tfe-juitt-XdwOire JunÜTO dwftdwX nn^^ 
!ie\i TOT€ dwino d^p(ojui€ cno; €tfjül^^ 
j^€ g^iOTCÄ.[n jjiOT^o^ noircoT, ä.iV 
10 ccotfT €irco 4c 4c e €ti <^e di.mo d^Kc^ 
c^ijute cnT[€ ejirnoiTT j^iOTCÄ^n ii* 

d^pd^T €irig€tte d^oir dwino 4«*** 
cito ^€i^n-no[ir]AJid^ ntiHd^Te 4t 4t 4t 4c 
15 eT*oire 4c4'Ai.d^ 4c4cip€ ttTOTd^ ** 



1 Die Hb. hat zwischen mott nnd nn«^, also zwischen t nnd n, 
einen kleinen freien Baum; zwischen k und c fehlt nur ein Buchstabe; 
B inn«k[qT]q 2 B [T]nii«.qTq 3 B "^H[Tq] 4 B «^^pHi; von 
dem T ist noch ein Punkt erhalten; B («^)n«ji 7 B miimt«. 9 B c«i.n; 
B 29 1 -g^ ^8^ S^z sicher. 14 B ^i[...]; ich glaube geixit deutlich 
erkennen zu können; B ne[.]M*.nn[. .]K«.n 15 B eTcoTe[..]M*.T; statt 
T*o könnte vielleicht auch noT oder tio gelesen werden. 16 B 
M[.]nnK«^Tc ; das letzte <k der Zeile ist jetzt auf dem Ms. verschwunden. 



n. Die achmimiBclie Handschrift 1, i — 16. 35 



Erstes Stttck. 

1 1 stirbt, werden wir ihn bestatten wie alle Menschen; 

wenn er stirbt, werden wir ihn hinaustragen, indem wir 

Cither spielen vor ihm, und indem wir psallieren mit 

Gesängen über seinem Leibe. Ich 
5 aber ging mit dem Engel des Herrn; 

er fahrte mich über meine ganze Stadt; 

Niemand war vor meinen 

Augen. Darauf sah ich zwei Leute, wie sie 

zusammen gingen auf ein- und demselben Wege^ ich 
10 betrachtete, wie sie Ferner sah ich noch 

zwei Frauen, wie sie zusammen mahlten an (?) 

einer Maschine ^ Ich aber erblickte 

sie, wie sie sich unterhielten, und ich sah zwei . . . 

auf ihrem Lager; 

15 

auf ihrem (?) Lager; 

^ ^o „Weg"; vgl. *.qRT*.q n<^i hotc nore «i.&«^A ^urq^o (lies 
^o) €^^T „es wandte sich jeder von seinem schlechten Wege" Jonas 
3,8 (ed.Bouriant); n««.£ic *.-nq^o(liesTq^o?) mm«.^£ ^oon ^noT^«^ci 
junoTRMTo „des Herrn Weg zu gehen ist in Sturm (vgl. S. ^*.tht) 
und Erdbeben" Nahum 1, 3 (nach KralPs Abschrift). 

2 Statt MmtewiiH ist natürlich mhx*^"« ^ lesen; der Schreiber 

hat öfter x ^^^ * vertauscht; hotmhx*^"^ Ist auffallend, man 

würde eher ^otmhx*^"« erwarten. Stern citierte Matth. 24, 41 ovo 

ikrj^ovöat iv tgS fAvkcovt, 

3* 



36 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

dwTOIHOirAJie[tlH TJHpc eCd^****4c 

jg.Cdv^€ C€Oir^dw 4c4c**TC **i^i^^ 

2 1 eqnnHoir d^^pHi €*01rlgcoT€^ 

nd^otei I5nÄ.^i«€[Xo]c ün^^d^eic *wpd^ 
juitf-H€Ke ^oon juEniAJidw OTTe ot^ 
^i; ndwT^eq n€i 0K€-jGuAd^n ^e-iuuLd^ 
5 eTe-n<^iHd^ioc ^oon n^Tq juitl^ 

TUULdw €TJGuAO; dw[X]Xdw dwT^oon 

^noTd^£iti€ RoTd^€iig nuuL 

dwitf o *^€ Ä.n\|nr5Q^H THpoT RRpü)^ 

tlTOKpdwT(Op •X€-[nnOT]T€ o^(on£ 
€K(5'€€T JUlRlt€T[0T]Ä.dw&€'^ €Kee^ 
p]-llÄ.(5' Rg^HT® d^T^R-nKOCAAOC 

15 AJiR]iti^nr)Q^H tie'i cT^oon ^Ri 

€ic] Itei ««-Ä.JUtOT TdwTdJUldwH Ä.^ 



r* 



"^ 



17 B Ä^ToiROTMenK THpc 19 B cc«^^e; Tc fehlt bei B. 

2 1 B «^pHi; zwischen tg und u) ein freier Fleck; war vielleicht 
zwischen e and ot anch Platz freigelassen? 2 B Mn«.c<^cAoc; von 
dem A sind noch geringe Sparen vorhanden. 4 B [niJM«. n^e 6 das 
c von oTd^d^e aus einem i korrigiert. 8 B noT«^eiig IIB «^itg(5'«i.n 
«^^[pHi] 12 B [nnoTTJe; B c^ione, die Es. bietet o^a)ne, wofür doch 
wohl egione zu lesen sein wird. 13 B neTOT«^«^&e; B crc e[T]ti«.^, 
die obige Ergänzung nach Stern. 14 zwischen roc und moc ist 
ein freier Raum gelassen. 15 B [^*.]iii\JrTXH 16 B [^en]RoA*.cic. 



^ Mit den Resten dieser Zeile weiss ich nichts anzufangen. 
^ Stern ergänzte cqnitHoir «^^pHi e[^n]-OTtgü>Te „der in einen 



II. Die achmimiscbe Handschrift 1, 17— 2, 17. 37 

die ganze Erde, wie sie 

. . gleichwie ein Tropfen Wasser . . 
1 

2 1 indem er heraufkam ein [ . . ] Brunnen^. 

Ich sprach zu dem Engel des Herrn: 
„Ist keine Finsternis an diesem Orte noch 
Nacht?" Er erwiderte mir: „Nein, denn der Ort, 
5 an dem die Gerechten sind und 
die Heiligen, nicht ist Finsternis an 
jenem Orte, sondern sie sind 
in dem Lichte alle Zeit". 
Ich sah ferner alle Seelen der Men- 
10 sehen, wie sie in ihren Strafen^ sind. Ich 
aber seufzte* auf zum Herrn, dem All- 
mächtigen: „0 Qott, wenn 
du bei den Heiligen weilst *, so wirst du 
grossmütig sein^ mit der Welt 
15 [und] diesen Seelen, die in 

[dieser] Strafe sind". Es sprach der Engel des Herrn 
zu mir: „Komm, und ich will dir zeigen die 

Bnmnen hinabgeht"; der Text bietet aber sicher «^gpHi, und statt der 
Ergänzung c^n- müsste man ein A. «^'2&n- haben. 

^ ^n[oT]RoA«^cic steht wohl für ^nnoTKoA*.cic. 

* «iig<^«^n steht für «^u)-ii|(5'«.n „ein Gestöhn ausrufen" (B. igK^^n, 
S. igRÄit); vgl. ncqc^i^T '^ novniiy'^ ntgK«^n AZ 1871, 123. 

^ Man würde viel eher „o Gott, der du bei den Heiligen weilst, 
du wirst auch grossmütig sein u. s. w." erwarten, was einem grie- 
chischen &s6g ayt,og 6 iv ayioiq avaKnv6{itvoq entsprechen WÜrde^ 
das nach einer freundlichen Mitteilung Harnack's in jüdischen und 
christlichen Gebeten technisch ist (s. I Clem. ad Corinth. 59, 3). 

^ Diese Übersetzung hat schon Stern gegeben; sie ist aber nicht 
unbedenklich, da ja die Form des Futurum HI. im A. «^K«.€p- heissen 
müsste; CKeep- wäre ja S. 



38 Steindorfi^ Apokalypse des Elias. 

20 4c « * dw^djuiT tf pcojuie 

3 1 €irR-Ä.i5^€Xoc cno juid^d^^€ nejuieir 
€7rpeig£ d^ov cvTeTinTV. d^^pHi 

nuuL tie neei IinipHT€^; nd^^^eq 
5 nei ^e-nei (nc) n€ n^dJuiT nigH^ 
p€ tf*iü>dw^dwAJi noTi£i£ie nei e^ 

noTCicoT OTT€ ünoTeipe RS* 

10 K£dwC5^£7V.OC cno €TpiJUL£ ^v^pHI 

d^T^R-njg.dJULT Rignpe Riiod^^djui 
noiri€iA€. n*w*x€i nÄ.^^€7V.oc «fi- 
nijui ti£ n££i; ndw'2(£q '2(£-(n£) n£ei 
n£ Rä.^C€7V.oc Iin^d^£ic n^wUTo* 

15 HpdwTCOp €VCg.€I C€-Rg^tHOT€* 
THpOT £TnÄ.[n]OT€ RR<XIKd^[lOC 

j^i-xR-nq^^fiifplo^p^wt^on* eirp,*** 

-^ — — » 

18 B *.'^[MonH] n'^HA.iocTnH, für mohh ist aber kein Platz. 
19 B [*^öph]T, Stern [*^2Ph]i; von dem k ist noch ein geringer Rest 
zu sehen. 20 B «^q[TOToi] «^^doiT; zwischen «^ und ^«jmt ein leerer 
Fleck; vor «^ fehlen 3—4 Buchstaben, für das wahrscheinliche t<ku«.i 
reicht der Platz kaum ans. 

3 1 B M«.«.^e 5 das erste ne ist in der Hs. durchge- 
strichen. 6 B noTiei&e 7 B MnorpH^Te 8 B iodt 11 B 
«^%M 12 lies MnÄ-ureAec 16 B '^ik^^ioc 17 B 5(^€iporp«k^on; 
B eq[^M«.c], von dem Buchstaben hinter ct ist noch ein Best vor- 



^ Das Gebirge Sei'r {^^^) im Edomiterlande ist bekannt als 
Wohnsitz Esan's (Gen. 32, 4; 33, 14. 16) und seiner Nachkommen 
(Deut. 2, 4 ffl). 



U. Die achmimische Handschrift 2, 18 — 3, 17. 39 

Gerechtigkeit". Er führte mich aber 

hinaaf auf den Berg Seir^ er 
20 drei Manner, 

8 1 wie zwei Engel mit ihnen gingen, 
indem sie sich freuten und jauchzten 
über sie. Ich sagte zu dem Engel: 
„Wer sind diese also?'^* Er erwiderte 
5 mir: „Diese sind die drei Soh- 
ne Joatham's, des Priesters, wel- 
che nicht hielten den Befehl 
ihres Vaters noch thaten die 
Satzungen des Herrn" ^. Ich sah nun 
10 noch zwei Engel, wie sie weinten 
Qber die drei Sohne Joatham's, 
des Priesters. Ich sprach zu dem Engel: 
„Wer sind diese?" Er erwiderte: „Diese 
sind die Engel des Herrn, des All- 
15 mächtigen, die alle guten Werke 
der Gerechten nachschreiben^ 
auf seine Schriftrolle ^, indem sie . . . 

2 Wörtlich „wer sind diese von dieser Art?" vgl B. MnÄ.ipH'^'; 
Stern, Kopt. Gr. § 276. — Die Frage entspricht dem griech. zlveg 
€la\v ovToij das in der Paulas-Apokalypse oft vorkommt. 

^ Die Legende von den drei Söhnen des Priesters Joatham 
(Dri"^) kommt in der Bibel nicht vor und gehört wohl der späteren 
jüdischen Geschichte an. An eine Verwechselung mit den beiden 
Söhnen Eli's ist wohl kaum zu denken. Zu dtxra'oficf „Satzung" vgl. 
Luc. 1, 6; Rom. 2, 26. 

* cgeT „schreiben" cc. ce- (S. nc*.-) vgl. auch 4, 5. 

^ Man erwartet ^ixn-novxejpon^^^^ou „auf ihre Schriftrolle" 
(yg), 4, 7). Vielleicht ist nq- eine lautliche Variante von noT- oder 
überhaupt ein Schreibfehler. 



40 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

pi-jMTOv Rtootot tä^Rtot «Xc** 
4 1 tfdw^^pn-noKdweic nd^[nJTOKpdwT(op 

Te-nRÄ.THC5opoc cT^oon ^lotJu- 
5 nRÄ.g^ RtäwIT j^ovove *wit cec^e^ 
€1 c€-nnd^£ THpoT nilpcojAe 
Ä.«n-noT5Q^€ipoi5pÄ.(5on ce^juid^cT 
g^oTOTe g^ipil-TnT7V.H UTnc c€T€^ 
OTTO ÄwTOOTq ünKd^THc^opoc qc*w- 
10 ^ov *w*xR-nq5Q^€ipoi«pÄ.t5on T^end^^ 

d^C d^qtldwp-KdwTHOOpi ÜAJld^T (nd^R (g^ 

[q €no]Tj^iö € RT^e Roträ^p*^«^^ 
[Xic] enoir^ÄwX Siife^ Rptooir Ri 



i."^ 



handen, der aber wohl von keinem £, sondern eher von einem p her- 
rührt. Die natürliche Ergänzung würde freilich eTjM*.cT sein; vgl. 4, 7. 
18 B *^u*.R -^e [«^eiJpiÄiTOTp; Stern vermutet [*.tt]pi«itot; es ist 
wohl [«^^^] oder [^d^] zn ergänzen. 19 B ergänzt ncMci. 

4 1 B n«knTORp«kTiop 6 B cec^ccie 10 Hs. %cjpot*p«^^n 
11 B m[m«.t «.jnöji; das t ist ans einem <k verbessert; der Schreiber 
hat zuerst mmo «^n«^K (^e geschrieben (vgl. Zeile 13), dann das Oanze 
durchgestrichen, dann mmo«^ in mm«^t verbessert; doch kann diese 
Verbesserung auch vor dem Durchstreichen gemacht sein. 13 B 
n«i.eiM«i^c; ich sehe den Querstrich des £ nicht. 14 B nd^c-t^cAoc; 
B «^icionT 15 B Mn«^MTo 16 B ergänzt mo[t^ n], was gram- 



n. Die achmimiflche Haudscbriffc 3, 18 — 4, 19. 41 

an der Pforte des Himmels. Ich aber 

pflege sie ilinen wegzunehmen und zu bringen 

4 1 vor den Herrn, den Alhnächtigen, 

damit er schreibe ihren Namen in das Buch der 
Lebenden 1. Auch die Engel des 
Anklägers, der auf der 

5 Erde ist, auch sie wiederum schrei- 
ben nach alle Sünden der Menschen 
auf ihre Schrifbrolle, auch sie sitzen 
an der Pforte des Himmels, sie mel- 
den dem Ankläger, dass er 

10 sie schreibe auf seine Schrifbrolle, da- 
mit er sie anklage, 

wenn sie herauskommen aus der Welt he- 
runter hierher/' Ich nun schritt mit 
[dem] Engel des jSerm, ich blickte 

15 vor mich, ich sah einen Ort . . .^ 

Tausend und zehntausend Zehntausend En- 
gel, die hineingingen durch 
[ihn], deren Gesicht war wie das eines Pan- 
thers, deren Zähne ausserhalb ihres Mundes . . . 

matisch unmöglich ist. 17 B «^rueAoc; B ä^otu 18 B ergänzt 
^rrooT[q e]T£ü>c; obige Ergänzung nach Stern. 



* Vgl. Ps. 68, 29 {i^aXBKp^xcoßav Ix ßißkov fowrcöv); Phil. 4, 3; 
Apoa 17, 8 u. a. 

^ MO steht wohl für aimo ,,dort". Für den Anfang von Z. 16 
weiss ich keine annehmbare Ergänzung, da nur Platz für drei Bachstaben 
ist. Der Sinn ist ja klar „ich sah einen Ort mit tausend mal tau- 
send und zehntausend mal zehntausend Engeln". Stern erinnert an 
die ^nufo ntgo und ^£l«^ tt^A«^, von denen Daniel 7, 10; Henoch 40, 1; 
60, 1; 71, 8. 13 die Rede ist; vgl. auch Sa 1, 21 iL 



42 Steindorfi^ Apokalypse des Elias. 

5 1 TH^ g^icKÄ^q e-noTqoire Sih\ ^kSi^^ 

\ ilTjg.€ JüEnqoire nSg^idjutc, €ir* 

5 g^€, nÄw«€i Ju[nÄwi»i»e\oc €tJGüulo €♦ 

nipHT€*; RÄw^eq nei 7&e-tiei ne n* 
g^irnnpcTHC JGEncionT THpq ii€* 
I ii€Tjg.Äwpo'T€i ig^JK^^nr^Q^H RRpio*^ 
10 JüLe kcäJBihc ceRTOir c€RdwT€ H* 
niAidi jg.ÄwpoTp-jg.ÄjUT Sg^ooTe CTr«^ 
RioTe n€jjt€ir ^SnÄ^np**^' eCnd^'^ 

TOTTÄITOT C€T€KOir Ä^TOITRoXäwCIC 

15 HxidwR natdi€ic AiR-^-e^oTciÄw* n* 
er ÄwTOTe! Äwjg.oirn d^pd^ei. nd^T&e- 

^tid^Rdi^oire €11 dw€i dw^oTrn dipdw[R 

7&€-tlTdwR ROTTdwdJ^e JuEnJlTO dw^ 

6 1 Siis\ JSnotdwCic ^ndwRdwOire €n d^ei ^.^ 

^OTTti d^pdwR ate-natdi€ic nndwUTOKpdw'^* 
Tu>p ^.qTeoTd^ei igd^p^^R 7&€-^.dw£te 

20 B ergänzt [t^c noT«^pKoc], der Raam reicht aber nnr für 
etwa 4 Bnchstaben aas. 

6 6 Das zweite «^ von M«.«.^e ist in der Hs. darchstrichen. 7 B 
nei ne 9 B neT^«ipoT€[i] 10 lies n«^cc&Hc 12 B sojtc 

14 das I von n^'x.eA ist übergeschrieben. 15 B [n]cT 16 B nd^'xcq 
17 B ^nü>(0£e 18 B &p«i.K. 

6 3 lies KOT«^«i^c. 4 lies «^q^iopMc 



n. Die achxnimiflclie Handschrifb 4, lo — 6, 8. 43 

20 ^, deren Augen 

5 1 gemischt sind mit Blut, deren Haar aufgelöst ist 

wie das Haar der Frauen, 
in deren Händen flammende Geissein sind. 
Als ich sie aber gesehen hatte, fttrchtete ich mich 
5 und sprach zu jenem Engel, der 
mit mir ging: „Wer sind diese 
abo?"2 Er erwiderte mir: „Diese sind die 
Diener der gesamten Schöpfung, sie sind es, 
die zu den Seelen der [sie hinlegen an 

10 gottlosen Menschen zu gehen pflegen und sie bringen und 
diesen Ort; sie pflegen drei Tage zuzubringen, indem sie 
mit ihnen in der Luft umherkreisen, bevor 
sie sie nehmen und sie in ihre ewige Strafe^ werfen/' 
Ich sprach: ,J[ch bitte 

15 dich, Herr, gieb nicht^ Erlaubnis ih- 
nen, dass sie her zu mir kommen/' Es erwiderte 
der Engel: „Habe keine Furcht, 
ich werde sie nicht her zu dir gehen lassen, 
denn du bist rein vor 

6 1 dem Herrn, ich werde sie nicht kommen lassen he- 

ran zu dir, denn der Herr, der Allmächti- 
ge, hat mich zu dir geschickt, weil du rein bist 
vor ihm". Darauf winkte er ihnen zu, 

* Vielleicht ist ii[t^c n]ni5g«.^eTT „gleichwie die " zu er- 
gänzen. Was ist aber cy^^e-rr? etwa ein Tier? 

2 VgL 3, 4. 

^ VgL noToem na|«i.ene^ q>ag atSiov Sap. 7, 26. 

* MSI" ist die Negation des Imperativs im A., das vielleicht auf das 
ag. m (Erman, Äg. Gr. § 875) zurückgeht. VgL 5, 17; 31, 18; mh-tumot 
y^assuns nicht sterben" Jonas 1,1 4, dem ein S.Mnp-Tpen-Mor entsprechen 
wfirde. Daneben kommt auch im A. Mnp- (Jonas 1,14) vor, wie im S. 



44 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

jAR-n*if5i»€\oc JOEnnoiTTC, «Dicton* 

TOT€ T^.pijg.tldwtl Äwjg.Oim d^pd^T M^ 
Cg^iei^, di.€I&10K d^OTtl tl€JJL€q; ^.i^ 

ö'ine RtcrXäwTiäw THpc^ Rt^c R-^ 
no\ic etiecioc di^iAitdwdwge ^Rtc^ 

15 AI.HT€. TOT€ ÄwnÄwf5f5€\oC RT€-n«* 

d^eic dwqcgi^ie RTqAStopc^H Rto*^ 

cJioht \}pKTpß äwiVRtc g^ennir^H 

Rg^djuiT n€ d^OT g^enuÜV Rg^djut^ 

20 t] ne ÄwOT g^eiiAAo^^Xoc Rftd^nine 

7 1 n€. dwHdiK «xe dwirg^(07&T'' ^.pcoi R^o*;» 
\ Ä.II Snir^H® Rg^ÄJuiT cittcor® 



6 B &iM«w^c 9 das i von T^^pi ist ans einem c korrigiert. 
11 B ^e 14 B «LiM&^^e 18 B ccjdut; bei B fehlt «^ot ^enaA 
ng*ai[T] ne. 

7 1 B n^oTii 8 zwischen A und «^n ein Pankt über der Linie. 

1 n^T^: stat. pron. eines Verbum noTOTg (Wurzel nuh) , das im 
S. den 2. Radikal verloren hat; vgl. S. noT^e efiioA „separari, sejongi, 
discedere*' Job 31, 22 (nach Peyron 131); ncg-THTrn nTcm*.ru>c"H 
„geht fort ans der Synagoge" Num. 16, 24 (nach Peyron 131). 

2 Zu der merkwürdigen Konstruktion vgl. 6, 18; 7, 8; 11, 4. 

3 «e- für S. nö'i auch noch öfter s. Glossar. 

* oTcn* alter Inf. für S. oTcon. 

* S. ^«.Teq^H. 



IL Die achmimische Handschrift 6, 4 — 7, 4. 45 

5 sie aber entfernten sich^ nach hinten, sie 

liefen fort von mir. Ich aber ging 

mit dem Engel Qottes, ich erblickte 

Yor mir, ich sah Thore. 

Darauf, als ich mich ihnen genähert hatte, 
10 fand ich^, dass es eherne Thore seien. Es berührte 

sie der Engel^ sie öfiPneten sich^ yor ihm^, 

ich ging hinein mit ihm, ich 

fand ihre ganze Strasse^ wie eine 

schöne Stadt^ ich ging in ihrer 
15 Mitte. Darauf verwandelte der Engel des Herrn 

seine Oestalt bei mir 

an jenem Orte. Ich aber 

sah sie an, ich fand, dass es Thore 

Ton Erz sind und Schlösser yon Erz 
20 und Riegel von Eisen. 

7 1 Mein Mund aber wurde verschlossen (?)'' 
dort drinnen, ich erblickte vor mir 
wiederum die ehernen Thore®, wie sie 
Feuer auswarfen^ ungefähr ^^ fünfzig Stadi- 



^ ,,ihre ganze Strasse'^ d. h. die der Stadt (nokig), 

' £awtT unbekanntes Verbum; vielleicht ist, wie schon Stern vor- 
schlug, ^ü>Q&n „verschliessen" za lesen, das aber, wenigstens im S., 
nicht mit c-, sondern mit n- konstruiert wird; z. B. «^q^uy^n nneqf^&A 
Z. 306, 3; ^üwtn nTeqx^rTX« Z. 488, 16. — Ich möchte aber lieber 
«^pioT, der ja keinen Sinn giebt, in «^p^^i verbessern, und das Ganze 
„Vor mir aber verschlossen sie (die Thore) sich dort drinnen, und 
ich sah u. s. w/^ übersetzen. 

^ Die Stelle ist wohl fehlerhaft; vielleicht ist statt «^n mhtAh 
besser «^^cnnrAK oder &ino «i^^enuTAH zu lesen. 

9 Tü)K mit direktem Objekte ist auffällig; gewöhnlich steht die 
tonlose Form '^- z. B. 7, 10. 

10 «. „ungeföhr" wie im S.; vgl. Stern, Kopt. Gr. § 519. 



46 Steindorff, Apokalypse des £lias. 

KtOg^T T€ THpC Rt^€ RoiT^Op^KO^ 

10 poc cc^K-cceTe di&^.\ €ndwU|(oq^ 
€-n€cg^dw€iA5ie 7&€po R^en jüm^ 
oir\ÄwAEat€€Tn*. Ä^irqi-TOOToir ä.^ 
jgjKd^ti d^OTH d^pdii. d^nd^R (^e n^.^ 

15 Kp^.TU)p neTd^qei ^.^JQ[-nd^cgin€* 
dwttdji ^€ Td^pitto d^eindi^T d^pH^ 
I d^otR-ndw^u) SnqüTO d^&d^X 
•XÄw€inÄwOT(oigT* neq, Äwip-g^nio* 
(og^e Junig«^; di€ijg.u>ne eeicd^n^ 

8 1 eil JuLuLd^q otdwqitdwTOTrxdwi dJ^dw\ ^R^ 

ÄwCTCg^ÄwI. TOTHOir T€ T€I CtSaäO®, 

Äwiiog^e Äwp€€T, di^ino ÄwiriiÄw(3' RäwI?* 



5 B cen«^M«L«^c. 6 das o von no aas einem «^ verbessert, 
8 <^nTc, die Es. hat nur einen Strich über ut. 

8 1 über dem i in der Hs. nnr ein Punkt. 3 B «^'^u)ii«wT« 



^ cen&M«w«^ge hat hier keinen Sinn; vielleicht ist davor etwas 
aasgefallen [,,da ich fürchtete, dass] sie kommen werden". Oder 
cen«jM«^&^e ist irrtümlich in diese Zeile gekommen. 

2 Vgl 6, 9f. 



n. Die achmimische Handschrift 7, 6 — 8, 8. 47 

5 en. Wiederum wich ich zurück ^ 

ich sah ein grosses Meer. Ich aber 

dachte, dass es ein Meer von 

Wasser sei, ich fand^ dass es ein ganzes Meer von 

Feuer ist gleichwie von Schlamm, 
10 das viel Feuer ausvnrft' (und) 

dessen Wogen glühen von Schwefel und 

Pech^. Sie schickten sich an, 

sich mir zu nahem. Ich aber 

meinte, dass der Herr, der AU- 
15 mächtige, gekommen sei, um mich heimzusuchen. 

Ich aber, als ich (es) gesehen hatte, warf mich nieder 

auf mein Antlitz- vor ihm, 

um ihn anzubeten ^ ich fürchtete mich 

sehr, ich fing an, ihn zu bitten, 

8 1 dass er mich erretten sollte aus 

dieser Not, ich seufzte auf^, indem ich sprach: 
„Eloi, Herr Adonai 
Sabaoth'', ich bitte dich, dass du 
5 mich errettest aus dieser Not, da 
sie mich betroffen hat." In jener selbigen Stunde^ 
stand ich und sah einen grossen En- 
gel vor mir, dessen Haar 

^ Vgl. Petrusapoc. 23: xal Xi^vtj zig r^v (isyakrj 7ie7iXriQG)(iivri 
ßooßogov q)kByofjLivov, 

^ Vgl. TAiAinH ncd^Te eT^epo ^noT^en rj kl(ivri rov nvQog rj xaio- 
lävfi iv ^ütp Apoc. 19, 20. 

^ Zusammengezogen ans ^e-d^eind^oTcotgT vgl. 8, 4. 

6 Vgl 2, 11. 

' eAtoi c«.fli«.u)^ entspricht hebr, nii^Sl IlSlV "^Jl« '^n'b«. 

^ TOTnoT Te Tei ctmuo wörtlich „dies ist jene Stunde", hier 
adverbiell gebraucht, ähnlich wie S. t«^i tc -ee „so" (K § 404). 



48 Steindorff, Apokalypse des Elias. 



r* 



nd^p^ dJ^^.\ iiT^e Rni\dJ^^.i^; etieq^ 
10 tiee7&€ jEn&ÜV Rpu)q Rt^€ ttoTr^^* 
d^pKOC; €nqqoT€ nd^p^ dJ^dw\ R^ 
T^€ iütg^idi.diAt.€% [ejnqccoAidi. e R^ 

15 p-g^l«0(Og^€ g^HTq [gJu>CT€ Ä.T€- 
(o\ dw£Kdw\. dwindvjg.T dvjg.pHI d^fS&JU- 

€€T; dwij^ione €€iTio6g^ SSjiSa^ 
9 1 To di&d^\ Snotd^eic ndknTOKpdwT(op 7&€- 

RH RTÄ.R n€TÄwg^nOirgAE€* üniH^ 

di&dw\ g^iTOOTq üc^d^pdiü) nppo Rkh^ 
5 A5i€ RTdi^R Hnoirg^Aite^ Rcoircd^nndw 
dJ^dw\ ^Rt^i7& Ritinpec^KTTTepoc R^ 
Tdi.<^iKidw ÜTiKK dwKtioirg^Aite Sin\^ 

j^dwAAT RdwI^IOC C€dwpdwK AieiCdwK 
10 €T«€pO; ^(O&g^ JGÜULd^H TtdiKUdw'^ 



r^ 



11 B cneqqove 12 B^^nqccoMii 13 B eqoTio^c 15 Bgiocrc, 
9 2 B TOT7&«iCi; das e aas einem T korrigiert. 



^ Hier scheint ein Textfehler vorzaliegen. Dass „sein Haar auf- 
gelöst ist" wird ja in Zeile 11 erwähnt, und der Vergleich „wie das 
der A«^&T'* ist wenig treffend. Es mnss wohl heissen „dessen Ge- 
sicht war wie das der A«.f^«^T" vgl. 4, 18; s. anch Cod. Bmcianas (ed. 
Schmidt) S. 101 : epe-neqgo o n^«i. npip epe-neqtyoA mh&oA npcoq. — 
A*.&«.i (S. B. ?v«iioY) ist das hebr. ^nb und bedeutet hier nicht „Bär", 
sondern „Löwe"; Eircher und Cod. Par. 44 geben fdr das fem. AöAoi 
die Übersetzung leaena (Peyron s. v.). 



II. Die achmimische Handschrift 8-, 5 — 9, ii. 49 

aufgelöst war wie (das) der Löwen ^, dessen 
10 Zähne aus seinem Munde (herausstanden) wie (die) eines 

Bären, dessen Haar aufgelöst war 

wie (das) der Frauen'^, dessen Körper war 

wie (der) der Schlangen, indem er(?)* mich verzehren wollte. 

Als ich ihn aber gesehen hatte, 
15 bekam ich Furcht vor ihm, so dass 

alle meine Glieder meines Körpers 

sich auflösten. Ich warf mich nieder auf 

mein Antlitz, nicht vermochte ich zu stehen^, 

ich fing an zu beten vor 

9 1 dem Herrn, dem Allmächtigen: 

„Du wirst mich erretten aus dieser Not, 
du, der^^ gerettet hat Israel 

aus der Hand des Pharao, des Königs von Agyp- 
5 ten; du rettest^ Susanna 
aus der Hand der sündigen Altesten, ' 
du rettetest die 
drei Heiligen, Searak, Meisak, 
Abdenakob, aus dem feurigen Ofen, 
10 der glühend war, — ich bitte dich, dass du 
mich erretten mögest aus dieser Not." Ich 



'^ Vgl. epe-ncTqoi) gi^cooT uee Mnqio nuc^ioue, epe-ncTO&j» 
tt^e nn«kiuMOTei xorl il%w x^vftiq &q tQlxag yvvotxcov xal ot oöovisg 
avtcöv (og ktovtcov rjaav Apoc. 9, 8. 

^ €TOTü)^c steht für eqoTw^e. 

^ £o>^e fehlerhaft für lo^c; sonst wird <^n-^^M übrigens mit der 
Präposition *.- verbunden 14, 7; 38, 1. 

* €T«i.j»- für £TÄ.q-; vgl. eTd.£TÄ.no 19, 11; neT*k^p-ÄÄ.Äe 34, 16; 
cT«i^Ten«w- 40, 10. Der Wechsel von ^ und q beruht gewiss auf 
lautlichen Vorgängen. 

^ KnoT^Me ist im Hinblick auf Zeile 7 sinngemäss in &KnoT|^Me 
„du rettetest" zu verbessern. 

Texte n. Untersuchungen. N. F. II, Sa. 4 



50 Steindorif, Apokalypse des Elias. 

ndjuiTO dw&dwX; enqgo p-oTÄ^ine 
15 Rtj^€ nn^^ XSnpi ^Junqcd^T; 

j^Ä.nq€Äwir, ä^ot tid^qAUHp Rt^c R^ 
noTAAdwOtj^ RnoT^ g^iotR-tteqKei 

10 1 ftd^pioT eqndkC€ j^noTRiog^T*. dwiid^K 
<^€ Tdkpino ^pd^q, diip€C9€» ifd^iASte- 
oT€ i^Ä^p otc-notÄweic nd^ttTOKpdwTiop 
ncTÄkqei dw^R-ndkiyittc» Ä^m^wj^T ä.* 
5 j^pH! ÄkOtR-nÄ^g^üi; ÄwiOTTiocgT neq. n*^^ 
•xeq ii€i •xe-'^-g^THR d^pd^q^ IZniop ä^ot* 
u>u}T ne'i^; dkttdwH €tt ne natdw€ic nndwH'^* 
TOKpd^Tü)p; dwX\dw dwtidiK ne nttdk^ n^ 
*if5i»€\oc €peAJLiH\^ ncT^oon R^pH^ 
10 I j^iotR-nnoTK A5iR-duu.RT€; ncTe-AE^ 
>\/?r5Q^H THpoT dwTn' Äkj^oTn RTOOTq «R- 

12 B «^pceT 13 das zweite e von «^pcexq ist korrigiert 15 B 
Mnpi 18 B ncqKcif^€ als sicher. 



1 Wörtlich . „gleichwie die Gaben der Sonne"; wahrscheinlich ist 
aber 't in '^k ,.Strahlen" zu verbessern; vgl. Cod. Bnic. 227 Z. 6 v. u. 
Vgl. cpc-neqgo o nee MnpH cTp-OTOcin ^nxeqö'oM xori ^ oilfig avzav 
(og 6 rikiog qxtivH iv ry 8 wand avrov Apoc. 1, 16; Jnd. 5, 31. 

2 Wer mit hct'z&hk «^«.A gemeint ist. weiss ich nicht; Stern 
dachte, wenn auch zögernd, an den Vollmond. Man würde am besten 
„der voll ist unter seiner Herrlichkeit, der von seiner Herrlichkeit 
erfüllt ist" übersetzen; aber im S. wird 'shk c^oK sonst stets mit 
n- verbunden; z. B. Act. 6, 3. 5. 



II. Die achmimische Handschrift 9, 12 — 10, is. 5| 

erhob mich also, stand da und sah einen 
grossen Engel, der dastand 
vor mir, dessen Antlitz leuchtete 
15 wie die Strahlen^ der Sonne in seiner Herrlichkeit, 
dessen Antlitz war gleichwie (das) dessen, der erfüllt ist^ 
Yon seiner Herrlichkeit, und er war gegürtet gleichwie mit 
einem goldenen Gürtel auf seinen Brüs- 
ten^, seine Füsse waren wie Messing, 

10 1 das im Feuer glüht ^. Ich 

aber, als ich ihn gesehen hatte, freute mich. Ich dach- 
te nämlich, dass der Herr, der Allmächtige, 
gekommen sei, um mich zu besuchen. Ich warf mich nie- 
' 5 der auf mein Antlitz und betete ihn an. Er 

sprach zu mir: „Wende dein Herz ihm zu! nicht be- 
te mich an^; ich bin nicht, der Herr, der All- 
mächtige, sondern ich bin der grosse 
Engel Eremiel®, der, welcher drun- 
10 ten über dem Abgrunde und dem Hades ist, der, 
in dessen Hand alle Seelen eingeschlossen sind'', von 
dem Ende der Sündflut an, die 
auf der Erde gewesen ist, bis zum heutigen 



^ VgL eqMHp encHT nncqcKifiie noTMO^g nnoTfe TCEQiE^coa^ivog 
«96? rolg fuxöTolg ^dvriv xQvaijv Apoc. 1, 13. 

^ VgL epe-neqorcpHTC eine noT^oMtii nfiid^poDT eqnoce ^n» 
OT^pu) xat ot 7c68eg airov o(ioioi xakKokißdva) tag iv xafitvG) nsTtv- 
ifafiivoi Apoc. 1, 15; s. auch Apoc. 2, 18 (goAiT-fc^^ptor). 

5 Vgl Apoc. 19, 10 und 22, 8. 9. 

^ Eremiel ist der Hieremihel archangelus, der IV. Esra 4, 36 er- 
wähnt wird. Nach Stern heisst er in dem syrischen Texte Raraiel 
(Hilgenfeld, Messias Jndaeornm p. 45), ebenso in der Apoc. Bamch 
55, 3: et ecce missas est ad me Ramiel, qui praeest visionibus veritatis; 
auch 63, 6. 

' u)Tn (Pseudopart. i^in) „einschliessen", vgl. Sap. 18, 4; Z. 348. 

4* 



52 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

tt£OOT€. d^itdji eye d^icgine SnÄ^f^c^c* 
15 \oc 7&€-€j^ n€ niAidi €Tdwiei d^g^pHi^ ^p^^; 
ndwoteq ti€i Tte-d^AstriTe n€ n€€i. d^iV 

\0C €TÄwg^€ Äwp€€Tq SSnipHTC, CTÄwIUO 

dkpd^q; nÄwOtcq ate-nei ncTp-RÄ^THno* 
20 pei ntlpu>A5ie SiiJSto dw6dw\ Sn'XdwCic 

11 1 ponpdwc^n HTOOTq'; Ä^qp-Ä^p^Q^cc^Ä^i R* 
£K^.\q ^J^^w\^ HTÄ^peqnÄ^pj^q •i.c d.6dw\^, 
dwiu>u| JGuudwq ttTdw€cn€ nig€7&€; d^i^ 

aeRtXiXoit C9dvjg.cnrti Ä^nooirc Rg^o^ 
ove, €irCHj^ THpOT g^!«R-nÄw5(^€ipo^ 
i^pdkCl^ott ctIZa&O; €A5iR-oirig€at€ R^ 
ö'ÄwX ^oon ^pHi R^HTOTT; ei^ne' JK* 
10 ni^e Äwö'R-nuiine RpiOAEc €q- 

igu>tt€ H o?r5(;^HpÄw'', Ä.i(3'iiTq eqcHjg. 
Rcu>*i RoveXÄkCCOAEÄ. g^iotR-ndw- 
5(^€ipoc»pÄwt^n, OToptl^i^noc' e-JK 
ni(3'ii-nqigm[€], Ä.ires'RTq* cqcHjg. 



♦ 



15 B *^^pH! 21 B[*^icu)]nT. 

11 3 B ewiö'uTc 6 B igewpoTti 9 die Punkte über dem i nicht 
sicher. 11 über dem h ein Kreuz, dessen Sinn mir unklar ist. 
13 Hs. «eiporp<i^c^on 14 B nqtginc. 

^ ,,hinauf" s. auch 12, 14. 

2 Vgl. 6 otyyfXoq int xiiqag i'j[oov zo xHQ6yQ€tq>ov twv afitfpTt;,u(Y- 
zmv aov Ap. Pauli 17. 

^ £iü)A e&oA „auflösen" (die Siegel^ mit denen das Bach ver- 
schlossen ist; Apoc. 5, 2), dann „öffnen". 



II. Die achmimische Handschrift 10, u — 11^ u. 53 

Tage^^ Ich nun fragte den En- 

15 gel: „Was ist der Ort, zu dem ich hinauf ^gekommen bin?^ 
Er sprach zu mir: „Dies ist der Hades^^ Ich 
fragte ihn nun: „Wer ist der grosse En- 
gel, der also dastand, den ich gesehen habe?^ 
Er erwiderte: „Dieser ist es, der 

20 die Menschen anklagt vor dem Herrn". 
Ich blickte nun hin, ich sah ihn, wie eine 

11 1 Schriffcrolle in seiner Hand war^, er fing an, 

sie zu öffnen 3. Als er sie aber ausgebreitet hatte ^, 
las ich sie in meiner Sprache; ich 

fand^ alle meine SQnden, die ich gethan, dass sie [meiner 
5 von ihm aufgeschrieben waren, die, welche ich gethan von 
Kindheit an bis zu dem heutigen Tage, 
indem sie alle aufgeschrieben waren auf jener meiner Schrift- 
rolle, indem kein lügnerisches Wort 
darunter war; vielleicht^, wenn ich 
10 nicht gegangen war, um einen Kranken 

zu besuchen oder eine Witwe'', fand ich es aufgeschrieben 

gegen mich als ein Vergehen auf meiner 

SchrifbroUe; eine Waise, die 

ich nicht besucht hatte, wurde gefunden^ aufgeschrieben 



* n(üp^ c&oX vom Aufrollen der Papyrusrolle gebraucht; vgL 
S. Ä^mpig-gcnKc^üMoMe cAoA xal ßißkla i^volx&tjaav Apoc. 20, 12. 

* Vgl. S. 44, Anm. 2. 

^ ei^ne ist ans £ic-^-^e-ne zusammengezogen und entspricht 
genau S. ejg-Äne Stern, Kopt. Gr. § 634. Wie letzteres, so bedeutet 
es auch hier (cc. e und dem Perf.) „vielleicht". 

7 VgL Jac. 1, 27. 

8 Vielleicht ist auch hier, wie Zeile 11 und 18, sowie 12, 2^ 
«^T^itTq „ich fand" za lesen. 



54 Steindorff, Apokalypse des Elias. 



f* 



15 Rcio'i ttoire\dwCcoA5idi j^iotR-nÄw^Q^eii 

IIHCT€T€, €-JULniU}AHX JGEntio H- 

nu|^\^, ÄwiVRTq eqcH^ ttc(oi 

13 1 i^[p]dkt^on ÄkOTT oTg^ooTe c-ünmioTe 
^.nc9Hp€ JuniH^ dwics'RTq eqcüg. R^ 

c]u>l €T€\dkCCOA5ldw HC J^lOtR-nÄk^^CipO^ 
5 nJÄwg^U) Tdvjg.(On€ €€ITU>£lg^ JuEnJUTO Äw^ 

^KJdwA JGEnotdkeic nndwiiTOHpdwTiop ote-ASidw^ 
p]€-nHndk€ nio^ lyd^pd^'i d^oir Kqü>T€ ü^ 
n]Äw5([^€ipoc»p&.t^on dw£tdwA ate-dw-nRndwC 
^](on€ ^RAitdi niJüL ä^ot Ä^qAEOirq®*® R* 

A51JTO dw&dkX cqatOTT Sujokc i\€i <2&e-atpo 

<3']R-ö'ÄwAE^ *X€-*iR<3'R-(3'ÄwAE, dwR^pO d^HRdw^ 
THC»OpOC, ÄkR€I Äwg^pHI^ j^R- 

15 dwAuRTe AiRnnoTit; Ktid^p-otKocope 

^noTT jg.Ju[nA5idw Rp-'ZLiuxop«. ndw\m 
: d^qeine RRc^^eipof^pÄw^^on eqcHjg. jg.RT^ 



18 das A von ujAhA ans einem h verbessert; B uctoi; über dem 
I hat die Hs. nur einen Pankt. 

12 1 Auf dieser Seite ist links ein etwa 6 mm breiter Vertikal- 
streifen des Papyrus abgerissen, so dass bis Zeile 13 die Anfangs- 
buchstaben zum Teil verloren gegangen sind. B giebt diese Buch- 
staben als noch vorhanden an, obwohl er sie wohl kaum gesehen haben 
wird. 3 von dem t*) nur ein geringer Rest vorhanden. 5 B £ci[T](»>feg; 
vom T sind noch Reste vorhanden. 6 Hs. Tn*.nTORpoTtop? 7 B 
ncKnewe 8 B ^^Kn^we; das n ist klein übergeschrieben* 9 lies 
«^qMOT^ 10 für «.n&.R ^e 11 B cpecT 13 B mw-ö'ä.m. 14 
vor THuopoc ein freier Raum; B «^^pHi, wohl richtig. 



IL Die achmimische Handschrift 11, 15 — 12, 17. 55 

15 gegen mich als ein Vergehen auf meiner 
Schriftrolle, ein Tag, an dem ich nicht 
gefastet, an dem ich nicht gebetet hatte zur Zeit des 
Gebets, ich fand ihn aufgeschrieben gegen mich 
als ein Vergehen auf meiner Schriftrol- 

12 1 le, und ein Tag, an dem ich mich nicht gewendet hatte 
zu den Kindern Israel, ich fand ihn aufgeschrieben ge- 
gen mich, indem es ein Vergehen war, auf meiner Schriftrol- 
le, so dass ich mich niederwarf auf 
5 mein Antlitz und anfing zu beten vor 
dem Herrn, dem Allmächtigen: „Mö- 
ge dein Mitleid zu mir gelangen, und mögest du auswischen 
meine Schriftrolle, weil dein Mitleid 
aller Orten ist und erfüllt 

10 jede Stätte". Ich nun erhob mich, stand da 
und sah einen grossen Engel vor mir, 
der zu mir sprach: „Sei siegreich 
und stark^, denn du bist stark und besiegst den An- 
kläger und kommst hinauf^ aus 

15 der Unterwelt und dem Abgrund, du wirst übersetzen 
jetzt an der Überfahrtsstelle". Wiederum 
brachte er eine andere Schriftrolle, die geschrieben war mit der 



* Zu diesem Zuruf vgl. x*^*P^ *^P" " -xe-Äpo noog „sei ge- 
grüsst, Sonne, oder sei siegreich, Mond"! Z. 457, 1. Vgl. Hermas, Vis. 
I 4, 3 und Polyc. Mart. 9, 1 (Mitteilung flarnack's). 

^ Die Stelle scheint mir fehlerhaft zu sein; man würde eher 
einen Finalsatz '2&c-^^Kn«^(^n-($'&M, ^^Kn^^(S'po . . . «^Kn«^€i „damit du 
mächtig seist und besiegst . . und hinaufkommst'' erwarten; leider 
ist auch die Parallelstelle Sa. 1. 12 nicht in Ordnung. — i.Rö'po für 
«iK'&po (ähnlich ewU(^po 14, 2), auch sonst kommt noch <s'po für TSLpo 
vor 37, 10; «po (ö'po) cc. ^. „besiegen" wie S. •spo e-. 



56 Steindorff, Apokalypse des £lias. 

ö'iot, Äwqp-*ip5Q^€ceÄw! dw£tdw\q dJhdw\, d^icocg 
g^i(oa>q, ÄwiVSTq eqcHj^ ^nTÄ^ecnc R 

Zweites Stück. 

AEO, ^^1rJg.(o^€ ctcaeott ^ä^tä^c* 

RT^dw RÄ^nC^eXoC. dwttd^H g^OTOTT 
5 iK\^ g^IU>U>T Rg^OTTg^ScOT R*il?C€* 

AEO, €irp-npOC€ir5Q^€C^*i!. d^ttd^K 

g^oiroTT dwig^u>n€ cip-npoceTT-^ 
5Q^€ceÄw! n€AE€Tr g^ioTCÄ^n; ä^ci^ 
10 coTu>ii*-Toir€cn€ Ru}e7&€; €tot* 
^e.'x.e JüüuidiC neftjLCi: '^noT* ö'e 
ndwigHp€ ndwi^ü>n n€ ne'i T&et^d^n^ 
TOir^€! RRäwC^äw^oh AiRüne^dw-T 

j^ROTAEiwjg.e*. TOT€ Ä^qC! dw£tdi.\ Rö'! OT* 

15 nÄw(3' RäwI»i?€Xoc €-oirR-oircÄwXnif5^ 
RnoT^K RTooTq, Ä^q^tone eqp- 
cdw\ni7€ JQüudwC Rj^diAAT Rcd^n dw- 
^pHi dwOtR-Tdwdwn^; cqT&OT JuASidwC 
Tte-otpo ILudiH^ ne'i CTÄ^q-xpo, ej'R- 



19 B ^nT[«^]ecne; vom «^ sind noch deatliche Reste za sehen. 

13 1 Das zweite «^ von t&A&ci ist ans einem c verbessert. 
3 Das T von Tfe^. ist später übergeschrieben. 



* Vgl «.q'^'-TooTC „er gab ihr die Hand" Act. 9, 41. 

2 Beachte den stÄt. pron. coTion-^ vor direktem Objekt. 

^ Der Satz 't"0'*' ... ^noTM*.^€ „Jetzt .... anf einer Wage" 
enthält wohl eine Anrede des Erzählers an seine Hörer oder ist, wie 
Schmidt vermutet, vielleicht die Glosse eines späteren Lesers. 



II. Die achmimische Handschrift 12, 18 — 13, 19. 57 

Hand, er fing an sie zu öffnen, ich las 

auf ihr, ich fand sie beschrieben in meiner Sprache 

Zweites Stflck. 

13 1 Sie gaben mir die Hand^, hoben mich in jenes Schiff, 

und fingen an, vor mir zu singen, 

nämlich tausendmal tausend und zehntausend 

mal zehntausend Engel. Auch ich 
5 legte mir ein Engelsgewand an 

und sah alle jene Engel, 

wie sie beteten. Auch ich 

fing an, zu beten 

mit ihnen zugleich, ich 
10 verstand* ihre Sprache, die sie 

mit mir redeten. Jetzt** also, 

meine Sohne, dies ist der Kampf (Process?) . . . .* 

. . man wägt die guten und die bösen (Thaten) 

auf einer Wage*. Darauf kam heraus ein 
15 grosser Engel, in dessen Hand eine Trompete 

von Gold war, er fing an, 

sie zu blasen drei Mal 

über mein Haupt hin, indem er sprach: 

„Besiege dich*, der du gesiegt hast, sei 



* '&c^«^n ist mir unverständlich. 

^ Es handelt sich hier am ein Abwägen der guten und bösen 
Thaten auf einer Wage, das an das ägyptische Totengericht vor 
Osiris erinnert, bei dem das Herz des Verstorbenen auf einer Wage 
gewogen wurde. 

^ 'xpo MM^M als Zuruf an Stelle des einfachen «po 12, 12. — 
«po cc. n- (mm*.*) ist auffällig, gewöhnlich wird es mit «.- (S. e) 
verbunden. Doch vgL niM neTo&po mhkocmoc zig Icxiv 6 vixcov xov 
xoaiAov 1. £p. Job. 5, 5. 



58 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

TOOTq RnnoTii JAndjuLttTC; rix* 
5 nRp€n i^d^p diTCdi:g.q d^n^xoTJAe nn€^ 

nii(3' ne nqeiwir. Ä^qniOT ore d^peeTO^ 
10 IT nn^^iRdiioc THpoT eTe-dJ^pd^^djuL 
n€ jj.nicdidiR jj.nidwR(o£i jaRciko^ 

tietACT nT^€ noT^Hp jj.rioir^^ 
Hp', eTige-ÄC jAUOTcpHT. Äwqei ore 

15 lyd^pd^ci Rö'i ntidi^ R&.i'i^eXoc, epe-T^ 
CÄ^^nii?^ RoT&* HTOOTq, &.qp-c&.Xnii 
-^e JZjuLd^c d^^pHi iwTne, &.-Tn€ OT€n* 
'xR-I&jULdi-jg.die^ junpi igdwueqjAdi it^ 
g^ioTn, -xR-RnJu^^iT igd^npHC; k\^ 

20 HO OÄ^^ÄiCCÄ. €T&.'mo pÄiC* ^Rn€- 

15 1 CHT RdwJJlRTC; ii-n€Cg^&.IJAC *XIC€ Äi^ 

g^pm u|d^URXooX€; d^itto ÄiU^nr^H 

THpOT, eiTdiJAC dw^pHI RjgJITC, dwItlO 

d^^€n^di€in€ €7rjj.Hp Rnoir(3'i's d^^ 
TOT jjiRpeTOT. nÄi-Äc'! '2&€-nijj. R^ 



14 1 Das (g des zweiten (^«^.u ist aus einem 's verbessert. 14 ei 
übergeschrieben, da die Papyrasoberfläche an dieser Stelle schlecht war. 

15 5 lies Mcxg; vgl. S. 35 Anm. 2. 



^ Mnju«.; 12, 16 steht in derselben Verbindung ^iim«^. 



IL Die acbmimische Handschrift 14,1 — 15,6. 59 

14 1 stark, der stark gewesen ist! denn du 

besiegtest den Ankläger, du entgingest 

dem Abgrund und dem Hades, du 

wirst jetzt übersetzen an^ der Überfahrtsstelle. 

5 Denn dein Name ist eingeschrieben in das Buch der 
Lebendigen". Ich wollte ihn nämlich 
küssen, doch konnte ich nicht küs- 
sen diesen grossen Engel, denn 
gross war seine Herrlichkeit, Er lief nun zu 

10 allen Gerechtep, welches Abraham 
ist und Isaak und Jakob und Henoch 
und Elias und David. Er unterhielt sich 
mit ihnen, wie ein Freund mit einem Freunde, 
indem sie sich miteinander unterhielten. Es kam nun 

15 zu mir der grosse Engel, indem die 

goldene^ Trompete in seiner Hand war, er blies 
sie hinauf zum Himmel, der Himmel öffnete sich^ 
vom Aufgang der Sonne* bis zu ihrem 
Untergang, von Norden bis Süden, ich 

20 sah das Meer, das ich gesehen hatte ^ 

15 1 drunten in der Unterwelt, seine Wogen erhoben sich 

hinauf bis zu den Wolken, ich sah die Seelen 
alle, die in ihm versenkt waren, ich sah 
einige, die gebunden waren mit ihren Händen 
5 an ihren Nacken, die gefesselt waren an 
Händen und Füssen. Ich sprach: „Wer 



2 noTÄ für unoTpfc. 

3 Vgl. S. 44 Anm. 4. 

^ ju«^-^«^e; 17, 19: m^ n^«^e. 

^ ikino ^ik'A^ccik für Ä.ino «^e«.AÄ.ccÄ., ebenso «^Yiio pÄ.c fdr *.ino 
*>p«^c. 



'♦ 



gQ Sieindorff, Apokalypse des Elias. 

T&.T ne neei; nÄwoscq n€€i -äc- 
ne'i ncT^Ä^poTp-t^opci HjuiiiT^, 
ce^^-noirfc &.p&.ir §^i£^€t, ig&.TOTri 
10 p-n^ÄiHÄ. RJu^TT^Q^H ilnpiojjLe. 

<se-mjA RtäwIT ne ne'i; ndw'seq ne^ 

15 C€ &.Oir €irigi'-TJAHC€ if JJLHC€. 
di'mo *^€ &.g^€IlRC&\X€OTr€, CT-J' 

coig diJbdiX; &.ip-JAÄiig^€^. KTÄwpino 
d^nig^jbHOTe THpoT WTennoTTe, 

16 1 HÄ.'Äeq w€i^*° *x€-n€i ne nKd^eHKOT^ 
jj.€noc eTdwTcioTjjie d^ntgc^xe 5'^ 
nnoTT€, &.WÄi Junoir*xioR dw£id^\ :g.n- 
(^(o£i eTdiirc(OTjj.€ d^pd^q. d^nd^K <^e 
5 nÄ.'xei neq «e-eiÄ.* jjtWT€T jj.eTd^'S' 
noid^ ÜJAo; nd^'X€q «xc-cc. ndw^xe^ 

I 'X€-ig&.t^oTr€ CTepe-n-ÄÄiCic 

10 OT€, epe-noirqoire g^i-xiooT. n^^ 



9/10 Zwischen beiden Zeilen befindet sich links ein Strich, wohl 
der Rest eines Randzeichens. 12 Die Hs. hat n«^%ci. 

e 

16 3 Der Querstrich über ^n ist wohl abgeblättert. 5 Hs. u«.%eT. 



* c^opci q)OQBiv muss hier wohl etwas wie ,,bestechen" be- 
deuten; doch kann ich diese Bedeatung des Worts nicht nach- 
weisen. 

2 cTigi für cv-aii vgl. S. 25. Die Wucherer und Zinseszins- 



IL Die achmimische Handschrift 15, 7 — 16. 10. ßl 

sind diese denn?" Er erwiderte mir: 

„Diese sind es, die sie fortzutragen (?) pflegen^ 

und ihnen Gold und Silber geben, bis sie 

10 die Seelen der Menschen verführen". 

Ich sah aber noch andere, die 

in feurige Matten eingehüllt waren. Ich sprach: 

„Wer sind diese denn?" Er erwiderte mir: 

„Diese sind es, die Geld geben auf seinen Zins 
15 und Zins auf Zins nehmen 2." 

Ich sah aber noch Blinde, 

die riefen, ich wunderte mich^ Als ich 

alle diese Werke Gottes gesehen hatte, 

sagte ich: „Wer sind diese denn?" 

16 1 Er sprach zu mir: „Dieses sind die Katechu- 
menen, die das Wort 

Gottes gehört, aber sich nicht vervollkommnet haben in 
dem Werke, das sie gehört". Ich aber 
5 sprach zu ihm: „Haben sie denn^ keine 
Reue?" Er erwiderte: „Ja." Ich fragte: 
„Bis zu welchem Tage?" Er erwiderte 
mir: „Bis zu dem Tage, wo der Herr 
richten wird." Ich sah aber noch an- 
10 dere, auf denen ihre Haare waren, ich 



Forderer (ot öavtL^ovttg xoc anaixovvxEg roKOvg rdxcov) befinden sich 
auch in der Petras- Apokalypse unter den bestraften Sündern im Hades; 
doch stehen sie dort in einem grossen See, der mit Eiter nnd Blut 
and aufbrodelndem Schlamm gefüllt ist. 

'^ Dem Sinne würde besser die Fassung „ich wunderte mich, als 
ich . . . gesehen hatte" entsprechen. Es ist mir aber kein Beispiel 
bekannt, wo der Temporalsatz mit «Ti^pe- (S. u-repe-) hinter dem 
Hauptsatz steht. 

^ €1«. Fragepartikel, S. ccif, eic; B. ic K. § 448, Stern, Kopt 
Or. § 526. 



62 Steindortif, Apokalypse dee Elias. 

jj.d^ JunijjLd^; ndi'seq «xe-cc; ^d^pe*^ 
n'Xd^eic ^-ciojjiÄi g^iqonre nej rä^^ 

15 K€JAi€ifg€^ Ä.qnTO-ar dwJbdwX^ cTTCÄiiiT 
dw'xit-niRoXdiCic THpoTT, iiir^uine 

Jbd^\ JuH'Sdieic nnd^HTOKpdwTUip^ 
17 1 Ä^pHi di'stt-nci €T^oon ^nnmoXdw^ 

CIC THpOTT «X^Kd^diC d^Knd^p-oirndi€ 
nCJJLCTr THpOT. diltd^R *^€ Td^pittO d^pd^TT 

5 €l^ nÄi*x€q «xe-neei €TCd^ncn Jun'Xdi^ 
eic d^fitpdi^dkjjL ne JAtlicdidiR jutti^ 
&AcoR^*^ ^Rotothot (J'e ÜJUiHite 
j^d^poT€i dw£id^X jj.ttninA(3' ttd^cc^e^ 
\oc, qp-CÄiXni'^c d^g^pHi &.Tn€ &.ot 

10 Re^pÄiir d^^LÜ-HRdi^; ^dwpourcio«- 

TJAe Rö^I n^^lRd^lOC THpOT Ä^n^pÄiTT, 
C€€! Äw^OTIV eTHHT CITTlO&g^ JU^ 

n'Xd^eic nndwitTORpdiTiop ÜJAHtie 
di^pHi Äw-ÄR-nei €T^oon ^pni ^n- 

15 tllRoXdiCIC THpOTT. ndwXiit <^€ j^^wpcq- 

€! dJidiX Rfl^i ntidi^ Rä.cu€\oc epe-T- 
CÄ.\nic«^ noirjfe^ RTooTq, eqp-CÄwXnn 
"^e dw^pHi dwocJu-nRdk^; ^d^poircio^ 



\'^ 



14 lies T^e statt ^Te (Hs.). 

17 7 B i«.Rwfc, wie es natürlich lieissen sollte. 7 ß ^noTernor 
9 B «^^pHi 10 B gÄ.poTcu)TMe 12 B «.^ovn «k[...]nT 15 B 
2«^pcqci 18 B g«.poTCu>TMf. 



IL Die achmimische Handschrift 16^ ii — 17, 18. 63 

sprach: „Giebt es denn Haar und Kor- 
per an diesem Ort?" Er erwiderte: „Ja, 
der Herr giebt Körper und Haar ihnen, 
wie es ihm gefallt"^. Ich sah aber 
15 noch Mengen, er führte sie hinaus, indem sie blickten 
auf alle diese Strafen, sie fingen an 
zu rufen und zu bitten vor 
dem Herrn, dem Allmächtigen, 
indem sie sprachen: „Wir bitten dich 

1*7 1 für diese, die in allen diesen Stra- 
fen sind, dass du Mitleid habest 

mit ihnen allen". Ich aber, als ich sie gesehen hatte, 
sprach zu dem Engel, der mit mir sprach^. 
5 Er erwiderte: „Diese, welche den Herrn bitten, 
sind Abraham und Isaak und Ja- 
kob. Zu einer Stunde nun täglich 
pflegen sie herauszukommen mit dem grossen Engel, 
und er bläst hinauf zum Himmel und 

10 einen anderen Ton zur Erde, es hö- 
ren alle Gerechten den Ton, 

sie kommen herein, indem sie 'laufen und den 

Herrn, den Allmächtigen, bitten täglich 

für diese, welche drunten in 

15 allen diesen Strafen sind. Wiederum aber 

kommt der grosse Engel heraus, indem die 

goldene^ Trompete in seiner Hand ist, indem er bläst 

hinab zur Erde, man hört (es) 



' VgL I Cor. 15, 38: 6 ^eog öiöaiaiv «vtc5 aafia xa'd'ag i^&ikriaev^ 

2 Hier ist die Frage: „Wer sind diese denn? (3, 4; 5, 6 u. 9.) 
ausgefallen. 

3 novA für nnoTÄ vgl. 14, 16. 



64 Sieindoi-ff, Apokalypse des Elias. 

18 1 di^pHI ÄiTn€, ^d^pOTClOTJAe ÄiTq«^ 

Kd^d^T lydi'fito d^pdiT THpoir; n&.('x)^ 
«eq n€€i -Äe-jARTeei e^oirciÄw 

nndwiiTOKpd^Ttop Tcon€ ^nnq^ 

OTJJ.OC diT€KO JunKdi^ JAttR^ 

nHOTTc. c€nÄwn[o], ce^TÄ^pTpe, c€^ 
(oui di&di\ THpoT eT^oir JujjLdwC «xe- 

10 C*^p^ WIJA €THU d^pdiK Tiilt&.T€Oir^ 

€ ll€R THpOT j^H^OTre Jun^xd^^ 
€!c. nijjt neTUÄw^iog^e &.p€Tq^ 
JunqjuTO d^fitdwX; ^^oTÄiii d^quid^^ 
Tione ^RnqeiTJAOc ÄwTe-nRÄwg^* 

15 JAttigHtl niJJL €TpHT ^^I^sU-nKdi^ 

c€ndin(opil jjiKTOTUoirne 

C€g^€I€ djbdiX ÄiHCCHT ÄwOT UlTjp^ 
€Tg^HX d^fitdiX d^nCCHT (&.OT RTp^ 

20 ooc niJA «T'x&.ce) cend^£^€ei€. 



'♦ 



21 B P*»^peqp-. 

18 1 B «^^phY; B ^«^povcu)TMe 3 B n«.xeq; das ^ am Ende 
der 3. Zeile vom Schreiber durchgestrichen. 5 lies «.tä.mä.r «.p«.T; 
das K ist nachträglich übergeschrieben. 6 ^u ist ans ursprüng- 
lichem CT korrigiert. 10 B e'r[H]n; das h ist aber ganz deutlich. 
13 das zweite m verbessert. 14 B ergänzt «.tc(ro). 16 B [t]ot- 
noTwe, von dem t sind aber noch deutliche Spuren zu sehen. 17 
B cc^eie 18 Das zweite c von ^^AeeTc ist übergeschrieben. 



II. Die acbmimifiche Handschrift 17, i9 — 18, 90. ß5 

im Aufgang bis zum 
20 Untergang und im Süden bis zum 
Norden. Wiederum nun bläst er 

18 1 hinauf zum Himmel und man hört seine 

Stinune. Ich sprach: ,,0 Herr, weshalb 

liessest du mich nicht, bis ich sie alle sahP^' Er 

erwiderte mir: „Ich habe keine Erlaubnis, 
5 sie dir zu zeigen, bis der Herr, 

der Allmächtige, sich erhebt in seinem 

Zorn, um zu vernichten die Erde und die 

Himmel. Sie werden sehen und bestürzt werden und 

ausrufen alle, indem sie sprechen: 
10 ,Alle8 Fleisch, das dir gehört, werden 

wir alle dir geben an dem Tage des 

Herrn*. Wer wird stehen können* 

vor ihm, wenn er 

sich erhebt in seinem Zorn, so dass die Erde' 
15 und alle Bäume, die auf der Erde wachsen' — 

sie werden ausgerissen werden mit ihrer Wurzel 

und niederfallen und 

alle hohen Türme und die Vögel, 

welche fliegen, (und alle 
20 hohen Türme) werden niederfallen. 



19. 20 lies cTgHA ceitd^^ecie «.£i«.A «.necHT vgl. Zeile 17. Vielleicht 
ist auch die ganze Stelle «^£id.A «^necHT «^ot nTproc niM eT7&«.ce 
fehlerhaft nach Zeile 17 — 18 wiederholt. 



* Apoc. 6, 17: itiM neTn«^ci|«^2ep«^Tq xlg övvaxai ata&ijvcci\ 
^ Ein Anakolath; der Infinitiv, der nach «^tc-iik«.^ (S. cTpciiK«.^) 
stehen müsste, ist wohl darch ein Versehen ausgefallen. Oder ist mit 
Booriant «^Tc[Kc]-nR<i.2 „um zu vernichten die Erde . . . .^' zu ergänzen? 

Texte a. Dntenucbnngen. N. F. II, 8a. 5 



ßg ' Steindorf^ Apokalypse des Elias. 



Drittes Stück. 

19 1 nig€^€ Jundtd^eic d^q^u^ne igd^pdii^ 
€q^07r jXu^c «xe-n^Hpe JunpiojAe 

€«IC JUniXiiOC *X€-€Tjfe€-0 T€TROTiig^ 

5 noTRc Jun*XÄi€ic nnoTTTc er^^Te^ 
ne-THne*; At-R-jAppe-URocjAoc 
oir*^€ n€TjgiSnKOcjjtoc' *x€-n^ 
^oTigoT c^d^p JunKocjjLoc ndi-n<^i^ 
d^oXoc ne jjitinqJbtoX d^d^X; €pi- 
10 njA€€ir€ «c-Äwqiyn-g^THq ^A^pioTne 

0(o niJA RdidiC 'Xdwqtiditidi^At.tt 
15 Xoc p-enieirjjL€i d^TliKdi-npi 

dinppi€ ^:g.[p]HI diQSÜU-IlHdi^ diOT 

diTJuKdi-nKdw[^] Äw^-RÄ^pnoc, eq- 



19 1 p ans einem «^ verbessert. 4 lies «».'sn-neTnn«..&c 6 B Menme 
für ne-THne; zwischen n nnd kocmoc im Papyrus ein Loch; 7 zwischen 
M nnd oc desgleichen. 12 B[^](o niM k«^«^[c?j; lies 2<o& niM 13 lies 
«^iX^^^^>ci^ 15 nach '^i«^&o^oc ein Punkt über der Linie. 
16 B «^^pHi 17 B HK«^^; zwischen ^ und K«^pnoc noch ein «^, das 
der Schreiber weggestrichen hat. 



^ £8 ist dies der gewöhnliche Anfang der prophetischen Bücher 
des AT., nur dass die Person, an die ,,das Wort des Herrn geschah'^, 



IL Die achmimische Handschrift 19, i-i9. ß^ 



Drittes Stück. 

19 1 Das Wort des Herrn geschah zu mir*, 

indem es sprach: Menschensohn, 

sage diesem Volke: Weswegen fügt ihr 

Sünde auf eure Sünden und 
5 erbittert Gott den Herrn, der 

euch geschaffen hat*? Liebet nicht die Welt 

noch das, was in der Welt ist 8; denn der 

Ruhm der Welt ist des Teu- 
fels, und ihre Auflösung; gedenket, 
10 dass Mitleid mit euch hat 

der Herr der Herrlichkeit, der geschaffen hat 

alle Dinge, damit er uns errette 

aus der Gefangenschaft dieser 

Zeit. Denn viele Male hat der Teu- 
15 fei gewünscht, die Sonne nicht 

aufgehen zu lassen über der Erde und 

die Erde nicht Frucht geben zu lassen, indem er 

wünschte, die Menschen zu verzehren, 

wie eine Flamme, indem er läuft mit 

dort bei Namen genannt wird; z. B. xal iyivixo koyog »vglov-ngog 
MiialcLV oder iyivBzo koyog xvqiov nQog Za^aglav oder koyog xvgiov 
dg iysvj'j^ ngog 'Slarji u, ö. Unsere Stelle findet sich fast wörtlich 
wieder am Anfang der Paulns-Apokalypse: iyivsxo koyog xvgiov ngog 
fA€ kiywv nni xa ka^ tovtg} xtL Ap. Paul. 3. 

^ Wörtlich so auch in der Paulus- Apokalypse 8: slni tc5 Aacj 
rovTü}' eojg nors ifiagravETB xai ngoisri^to^t x\] a^iagxia xal ncegog- 
yitns xov ^eov xov notyjaavxa vfiag; vgl. Jes. 80, 1; Ps. 69, 28. 

^ Citat aus 1. Joh. 2, 15: (irj iyanazs xov xoöfiov firjÖh xa iv 

TCO XüCTfXa). 

5* 



gg Steindorfi', Apokalypse des Elias. 

noiPJüi^T^. €Tjfee-n€i ore Ä^qigR-g^THq 
^Ä.pÄiR'**^ ö^€ nnoTTe JuneÄ^ir, Ä.qTn^ 
tid^q JunqiyHpe d^nnocuLOC; Kd^d^c 
5 ^d^qndindi^jj.n di£idi\ ^nTdwi<2UJLdwX(o^ 
ciÄ. JunqT*Jui€-Ä.ui?€Xoc eqnnHir 
lydipdwn oT^€ Ä^p^Q^ÄiC^ueXoc oir^e 

XiiOire Rä^PX"*/ *^^^*^ Ä^q^ÄTq RT:g.€ 
RoTp(OJA€ eqRixHTT igd^pd^n Kd^d^c 

10 ^d^qnditidi^JAefn] *«♦**♦ ^(on€ 
(j'e neq RigHp€ H'* eq^cone uh^ 
Tne R'iioT, €pi-njui€€ir€ -xe-ÄwqcÄijfc^ 
T€ nHTue Roeneponoc xiRg^en- 
nXoojute^ ^Rtuc «e-OTÄ^n uija 

15 €TndiC(OTJj.€ Rcioi cendi^i RR^ 
eponoc jjlRRkXooja£ ^Rne^ 
T€-moi ne*. n&.«€-n«Äi€ic «c-^ 
tidwc^ei Jundip€tt äw^R-tot- 
Teg^ne* TÄip-ct^pÄwUi-^e Rtott- 



20 2 B n«^i 4 lies «^qTnn«^ir 5 lies «^ix^^^^^i«^ 11 B giebt 
zwischen igHpc und cq^u^nc keine Lücke an; es ist möglich^ dass 
die hier fehlenden Buchstaben absichtlich vom Schreiber weggewischt 
sind. 15 Das n von cth«^ ist ans einem «^ verbessert. 18 B c^ei 
19 Das p von cc^p«.ri^e ist hineinkorrigiert. 

1 „wie Wasser" vielleicht im Parallelismns zu 19, 19 „wie Feuer". 
Stern übersetzte „und geht mit Gebrüll einher, willens sie zu ver- 
schlingen wie ein Löwe". Dies giebt einen guten Sinn (1. Pet. 5, 8), 
man müsste aber dann m«.t in moti verbessern. 

2 Vgl Ep. ad Diognetum VII 2. Merkwürdig ist, worauf mich 
Harnack hinweist, dass ein alter lateinischer Eirchenhymnus (Sim- 
rock, Lauda Sion 1850, S. 96) mit den Worten beginnt: 



IL Die achmimische Handschrift 20, i — 21, i. gg 

20 1 Gebrüll, indem er sie verzehren will wie 

Wassert Deswegen nun hatte Mitleid 

mit uns der Gott der Herrlichkeit und sandte 

seinen Sohn in die Welt, damit 

5 er uns errette aus der Gefangen- P^am, 

Schaft; nicht benachrichtigte er einen Engel, als er zu uns 

noch einen Erzengel, noch 

irgend eine Macht ^, sondern er verwandelte sich wie 

ein Mensch, als er zu uns kam, damit 

10 er uns errette Darum seid 

ihm Kinder, da er euch 

Vater ist, gedenket, dass er euch bereitet hat 

Throne und 

Kronen* im Himmel (mit den Worten): „Alle, 

15 die auf mich hören werden, werden empfangen die 

Throne und die Kronen unter denen, 

die mir gehören V* Es spricht der Herr: 

„Ich werde schreiben meinen Namen auf ihre 

Stirn* und werde besiegeln ihre 

21 1 rechte Hand^, sie werden nicht hungern und 

.,Mittit ad virginem 
Non qnemvis ajigelum 
Sed fortitndinem 
Suam, archangelum 
Amator hominis". 

» Vgl. Apoc. 2, 10; 20, 4. 

* „in (bei) denen, die mir gehören". Sind diese Worte, die hier 
keinen rechten Sinn haben, vielleicht an die falsche Stelle gekommen 
nnd gehören erst in den nächsten Satz „bei denen, die mir gehören, 
(bei den Meinigen) werde ich meinen Namen auf die Stirn schreiben"? 

5 Vgl. Apoc. 3, 12. 

« Vgl. Apoc. 7, 3 ff. 



70 Steindorfi^ Apokalypse des Elias. 

£!&€ €n^ OTT^e nignpe RTd^tiojAidw 

Xve JubüL^ir en Rö'i iieponoc*, ^\^ 

^dwTdwnoXic. np€qp-ndJSie <^€ ti^ 

tteponoc en d^^pHi; dwXXdw cettdw^ 
ejüL^^Te. SSjüL^ir, c€p-*x&.€ic d^pd^ir 
10 Rö'i Reponoc iwjAOir d^d^X 
*x€-nÄiC«c€Xoc niee netA€T en, 
diireire nigJujuto d^neqjAdi n:g.(o^ 
ne. cioTjjie itpjSSg^HT Junudig^ 

15 T:g.Äii ttnoirdi€ifg *x€-ÄiTn*iRoir 
neir Rg^encAiwirc e-nÄ^nno-arTe 
€n u€, €TruÄip-Äie€T€i Junno^ 
AAOc JunnoiTTe nei TÄ^ireipe 

22 1 Rtot^c! nTOTU€U€Tr^ €ir«OTr Ju^ 

5 €Trp-ÄwnocT€p€! JGüutdiir RRtgncon' 

21 10 Man mass wohl mhmov lesen. 14 Die oberen Hälften 
der Bnchstaben i&cm fehlen. 

22 2 Der Querstrich über dem letzten m ist unsicher. 4 Man 
erwartet ntyAiMo; auf m scheint kein Buchstabe mehr zu folgen. 



* Apoc. 7, 16. 

2 d^govoi steht hier in derselben Bedeutung wie Col. 1, 16: fixe 
^Qovoi sYte xvQiorrirsg ehe Ai^xal stzs i^nvölai, 

^ 7&i-tgine „besch&nit werden^ in Bestürzung geraten" und (wohl 
auch als Passivttm zu -xnio ikiyx^^^') „überführt werden". 



IL Die achmimische Handschrifk 21, 2 — 22, 5. 71 

nicht dürsten^, und der Sohn der Gesetzlosigkeit 
wird gegen sie nichts vermögen, noch werden 
die Throne' sie hindern, son- 
5 dem sie werden gehen mit den Engehi 
bis zu meiner Stadt. Die Sünder aber 
dagegen werden in Bestürzung geraten b, sie werden [den 
an den Thronen vorüber nicht hinaufsteigen^, sondern es wer- 
sie ergreifen und ihrer Herr werden 

10 die Throne des Todes (?), 

weil die Engel nicht mit ihnen übereinstimmen, 
und sie sich seinen Wohnstatten entfremdet haben. 
Höret, ihr Verständigen der Erde, 
über die Irrlehrer, die zahlreich sein werden beim 

15 Ende der Zeiten, dass sie ihnen 
Lehren geben werden, die Gott 
nicht gehören, indem sie das Ge- 
setz Gottes abschaffen werden, sie, die gemacht haben, 

22 1 die Nacht ^ indem sie sagen: 

„Das Fasten existiert nicht und 
Gott hat es nicht geschaffen", indem 
sie sich entfremden dem Bunde . . . .^ 
5 indem sie sich berauben der herrlichen Verheissungen^. 

^ Ein Verbum loT&e, dem ein S. iot& entsprechen müsste, kenne 
ich nicht; ich vermute, dass hier ein Schreibfehler für otiot^c (S. 
oTcoTÄ) „vorübergehen" vorliegt 

* irrorneneT wohl fehlerhaft; vgl. Sa. 9, 31 n«.i ctc&tiot nnTer- 
ncTner, dem im achmim. Paralleltext nei ctcj^t^^t «^^oT(oT)noT ent- 
spricht Der Sinn ist vielleicht „die, welche die Nacht zum Tage 
gemacht haben"^. 

^ Nach M mnss etwas aasgefallen sein; etwa Mn7&«^eic „des 
Herrn" oder n&ppe „dem neuen Bunde"? 

' igncon „Versprechen", wie Arnos 9, 6 {InayytUa), 



72 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

tinoTdiei^ niAJL fJSniCTic cTd^^ 

ijüuLiOTne ns^i ncTJjüuLO; p- 
10 iiAJLeeTe d^-n^d^eic ciotiT titiH^ 
CTidi RTd^qTd^no JuiiHOTe dwir^ 
tid^qpe nnpioAt.e cT^e-Äind^'^ 

• 

15 ILutcoTtie n^i-nnopoc '; d^ Wdw 

cionT jjüuLdwC ndw^€q R^i^niL^^ 
€ic. n€Tp-nHCT€ir€ noTd^eiiy 

28 1 nuui neqp-tid^C; eirn-Riog^ Z^^* 
Tion n^Tq. neneTOTd^d^fte amjk^ 
pcqp-nHCTcre; n€Tp-iiHCT€T€ 
•2k€ €qo7rii&.&€ €n Ä^q^-^cowT Sx^ 

5 n^dw€IC Al.SnR€ÄwC5[l5]€X0C Koir 

i^q^-ÜRÄ^g^ nTq\|nr5(^H, eqcco* 
oir^ neq a^^otw nopi^H d^c^OT^ 

&c tctäwICioht JGüuLdwC jg.RoTr^ 
10 ^HT oTdidwfte At.ng^€n^i^ oTd^^ 



7 Oder ^tcictic? 8 lies eT(T)Ä.'Äp«.eiT. 



1 Vgl. Jac. 4, 1 (1. Pet 2, 11). 



II. Die achmimisclie Handschrift 22, 6 — 23, u. 73 

Diese aber sind festgesetzt 

alle Zeit in dem festen Glauben. 

Lasset also jene 

euch nicht irre ftthren, 
10 gedenket, dass der Herr die Fasten geschaffen, 

der da die Himmel gemacht hat, 

zum Nutzen der Menschen wegen der 

Leidenschaften und Begierden, die 

gegen euch streiten^, damit nicht 
15 der Bö8e(?)* euch , sondern 

ein reines Fasten habe ich 

geschaffen, spricht der Herr. 

Der, welcher fastet alle Zeit, 

23 1 sündigt nicht, indem Eifersucht und Streit 
in ihm isi Der Reine mö- 
ge fasten; der, welcher fastet 
aber, indem er nicht rein ist, erzürnt 
5 den Herrn und auch die Engel und 
giebt Schmerz seiner Seele, indem er 
sich Zorn sammelt fQr den Tag 
des Zorns ^ Reines Fasten aber 
ist es, das ich geschaffen habe bei 
10 reinem Herzen und reinen Händen* 
es vergiebt Sünden, es 
heilt Ejrankheiten, es 
vertreibt Dämonen, es 
hat Macht bis zum Throne Gottes, 

^ Was noQog hier bedeuten soll, weiss ich nicht; es ist vielleicht 

no{vrj)^g za lesen. 

^ Rom. 2, 5: ^oavgl^eig acorvTcS ogyriv iv fniiga ogy^c, 

^ Es mnss heissen ^hot^ht eqoT«i«^i^e Mn^cn^is cTOT^^^^^e. 

Unmittelbar kann das „Partlcipium^^ dem Nomen nicht angefügt werden. 



74 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

15 Te dwTRtt tiei^ dwTKdi-tidi&e dw6d^\ 

KM €q^i-€Äw7r :g.iiTqT€5(^nH; e-At.tt- 

24 1 cdiT&q ÜTOOTq h niAt. neTtid^ftioK 
d^di\ d^nnoXcAJtoc düuieijg.e e-AAtt- 
^(OK g^iooq; Jütn dwTiydw^ttTq cend^- 
jg.diT6q eil; ^€-dwqigioc iIn(oc!{;[iR]ioti' 
5 Xinp[po] Tcig^OT * * * OTq t€ 

diiiAJLdw €To[7r]ÄwÄA€ eqe ng^HT cno' 
n€T€ Rg^HT cno Tqnpoc€ir5(;^H * 
€ie ttK€ie d^pd^q dwOT itK€dwC5'^ 
10 i^eXoc p-neie€ neAJteq en. jg.io^ 
ne ^€ CT€Tn€ic noTg^HT R- 

T^e-tlppdii ^€ n&.ccirpioc' aaR- 
15 ii&io\ dw£idw\ RTne AARnnd^g^ 
AARtieT^dwpd^q ünRdwg^; ^hot 



24 4 Die Ergänzungren dieser and der beiden folgenden Zeilen sind 
durch den sahidischen Paralleltext gesichert. Zwischen ^ und lon 
scheint kein Buchstabe gestanden zu haben. 5 Das m von Mnp 
steht vor dem Zeilenanfang etwas nach links über; auf Mnp folgt 
ein freier Baum, in dem etwa 4 Buchstaben Platz haben könnten, 
in dem aber nichts gestanden hat. Zwischen ^ot und oTq ein freier 
Raum für etwa 3 Buchstaben, in dem gleichfalls nichts gestanden 
haben wird. 9 Kcie unsicher; vielleicht wäre noch kckc zu lesen; 
dagegen scheint mir die Lesung Ttc^&e unmöglich. 10 Über dem i 
von ncj^e ein Punkt. 15 Das u von nTne ist aus einem h verbessert. 



^ «^TKnitcT unverständlich; ist vielleicht «^«n-itei ,,an88erdem'' zu 
lesen? 



ü. Die achmimische HandBchrift 23, 16—24, 16. 75 

« 

15 1 sie vergeben Sünden 

durch ein reines Gebet. "Wer 

von euch wird hinausgehen auf das 

Feld, indem er Buhm empföngt in seinem Handwerk, ohne dass 

24 1 er ein Werkzeug bei sich hat, oder wer wird 

in den Krieg hinausziehen um zu kämpfen, ohne dass 
er einen Panzer anhat? Wird man ihn nicht, wenn man 
töten, weil er das Amt^ [ihn findet, 

5 des Königs vernachlässigt hat? In derselben 
Weise ist es Niemandem möglich, an 
die heilige Statte zu gehen, wenn er zweifelt^; 
Wer (in) seinem Gebet* zweifelt, 
ist .... gegen sich, und auch die En- 
10 gel sind nicht mit ihm einverstanden. Seid 
also einigen Herzens 
alle Zeit im Herrn, 
damit ihr alles ^ bedenkt*. We- 
gen der assyrischen^ Könige nun und 
15 der Auflösung des Himmels und der Erde 
und dessen, was unter der Erde ist, nun 



^ 6ipq)lKLov, das lat. officiam. 

^ Vgl. S. o noHT CU4.V, B. Ol hj^ht cn«^T „doppelten Herzens 
sein, zweifeln". 

* Es ist wohl neTe-n^HT cno ^nTqnpoccT^H zu lesen; vgl. 
Sa. 3, 6. 

^ noeie steht für noei. 

^ 2^ie unbekanntes Wort, entspricht S. ^u)£i. 

' Unter den Assyrern sind hier wohl die Syrer zu verstehen. 
Die folgende Stelle blickt wohl auf die ägyptischen Feldznge des 
Antiochus Epiphanes (171—168 v. Chr.). 



76 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

[no d^TTppo eqJTione fJunJu^^iT 
[iiirii*üuioirT€ d^pd^q] ^e-nppo R^ 
[diCCTrpioc dwOTr] nppo nTd^^^iKid^ 
5 [qnd^Tdiigo nJneqnoTicAJtoc 
dw^R-RHAAe At.R-n€q^Td^pTpe*. 
nKdw^ tidiiovg c^düui ^^lOTCd^n 
'2ie-c€ndwp-g^dwpndw'^€ RuctR- 
^Hp€. 07rR-^di^ ndip-€ni^irAt.ei &.- 
10 njjLOT ^RR^oo7r€ eTJGüuLO, n^ 

dwOT qitdwTiotte ^£ OTTppo jg.RR^ 
cdw JuEneAJiRT; eirndumoTTTe d^pd^q 
^€-nppo R'^Hni®, qtidwniOT ^^i^R- 
15 ^Äw^ÄwCCÄ. Rt^€ RoTrAi.OTi cqg^jKg^^ 
jLM,e*ß qitd^iOTfte JSnppo RTd^OkiRid^; 
qitdw^i JSnK&di Rrhaac ^R^^enno«^ 

26 1 cndwjg.ione RRg^ooire £tILulo i^Tq- 



26 2 Von einigen der fehlenden Buchstaben sind noch geringe 
Reste zu sehen. Die Ergänzungen in Zeile 2—5 sind anf Grund der 
sah. Version gemacht. 4 Das t ist aus einem '2k verbessert 5 Vor 
n vielleicht ein c; dann müsste [-qnd^Td.cyc] ergänzt werden. 12 ot 
ist aus ^T verbessert. 

* Vor oder nach -^noTr (^e ist ncTc-noTi nc „die Meinigen^' aus- 
gefallen; vgl. Sa. 3, 17. Also: „die Assyrerkönige werden die Heinigen 
nicht überwältigen können, spricht der Herr." 



II. Die achmimische Handschiifb 24, 17 — 26, 2. 77 

also werden sie^ sie nicht überwältigen, spricht 
der Herr, und sie werden sich nicht fürchten 

25 1 im Kriege. Wenn sie 

[sehen einen Konig, wie er] sich erhebt im Norden, 

[so werden sie ihn nennen] den [assyrischen] König 

[und] den König des Frevels; 
6 [er wird viel machen] seine Kriege 

über Ägypten und seine Wirren*. 

Das Land wird aufseufzen auf einmal, 

denn man wird rauben eure 

Kinder. Viele werden 
10 den Tod wünschen in jenen Tagen. Der 

Tod aber wird sie fliehen. 

und es wird sich erheben ein König in 

den Westgegenden, den man 

den König des Friedens^ nennen wird; er wird laufen auf 
15 dem Meere wie ein brüllender Löwe*; 

er wird töten den König des Frevels, 

er wird Rache nehmen an Ägypten in 

Kriegen und vielem Blutvergiessen. 

26 1 Es wird geschehen in jenen Tagen, dass 

er Frieden gebieten wird von 

^ Dieses Stück, das sieb auch in der sah. Version findet, er- 
innert nach Bonsset, Antichrist S. 56, sehr an Laktanz VU 16. Hier 
wie dort ist von einem speziellen Vorläufer des Antichrist die Eede, 
hier wie dort wird dieser ein König ans dem Norden genannt. Aus 
Syrien kommt allerdings bei Laktanz der zweite König. 

^ Hier ist vielleicht an die Eömer (Popilius Laenas) gedacht, 
die dem Antiochus (168 v. Chr.) bei einem Angriiff gegen Alezandrien 
entgegentraten und ihn zur Euckkehr nach Syrien zwangen; vgl. 
Pauly-Wissowa, Eealencyclopädie I 2474. 

* dg Xmv <OQv6fievog 1. Pet 5, 8. 



7S Steindorff, Apokalypse des Elias. 

^HttH titi€i CTo[7rdidJie] ,ic***** 
5 ^€-OTr€ ne npen ii[nno7rT€ qn^^] 
'^ ng^etiTdiio nii€[T]o[irÄwÄ^€] 4c** 
oirxiC€ nnTonoc nti€TOirdw^6e, 

T€ CTTigoTiT, qndwKdwTq d^dwX jg.n- 
10 SnoXic ttKHJUie ^n OTKpd^q €AA^ 

^noc; qtidw'xi-Hne niioir5(^pHAA&.; 
qitdwce^o ng^€noiri€i&€ &.p€TOir 
15 Ä^pÄwiT; qn&.p-R€XeT€ d^^ione nfipJu« 
ng^HT SnKdw^ AAnnitdi^ JSnXdw^ 

OC, Ce^ITOT iiTAAHTponoXiC €T- 

g^fxn-^dwXdwCCdi; €ir-xoTr Sjühkc -äc-ot 

Viertes Stück, 

27 1 ^Hpe ^noiTTCopn. Juno^ic n- 
RfUiie itdiioig ^^d^Aft jg.nng^ooTe 

5 tidii^opdw tiJunoXic nKHAAe ti^^ 
^i-^dii^ cend^piiue ^lOTCd^n ^e 



26 16 Das m von MKnei^^ ans n verbessert. 

27 1 B ^noTTÄ.pn 3 B Ä.n^pÄ.ir 



* Nach Sa. 4, 14 muss MnoT^copo[n eqigoTiT] oder ott^u)pc[ä. 
ecigoTiT] ergänzt werden. 



II. Die achmimische Handschrift 26, 8 — 27, 9. 79 

Ägypten aus, und ein (eitles)^ Geschenk; er wird 
Frieden geben diesen Heiligen (?) [indem er sagt:] 
5 „Einzig ist der Name Gottes^^ Er wird 
Ehren geben den Heiligen [und] 
Aufrichtung den heiligen Stätten, 
er wird nichtige Geschenke geben dem Hause Got- 
teis, er wird sich abwenden 

10 von den Städten Ägyptens mit List, ohne 

das9 sie es wussten, er wird die heiligen Orte zählen, 
er wird wägen die Götzenbilder der Hei- 
den, er wird zählen ihre Schätze, 
er wird Priester bestellen 

15 für sie, er wird befehlen, zu ergreifen die 
Weisen des Landes und die Grossen des Vol- 
kes, damit man sie ftihre nach der Hauptstadt 
am Meere, indem man sagt: 

Viertes Stück. 

27 1 Sohne durch Raub. Die Städte 

Ägyptens werden seufzen in jenen Tagen, 
denn sie werden nicht hören die 
Stimme des Verkäufers und des Käufers^. 
5 Die Märkte der Städte Ägyptens werden 
verstäuben; es werden weinen auf einmal 
die in Ägypten befindlichen, sie werden 
den Tod begehren, der Tod flieht und ver- 
lässt sie^ In jenen Tagen werden sie 

2 Vgl. Apoc. 18, llff. 

^ Stimmt wörtlich mit Apoc. 9, 6 überein: nceeni^TMci e[n]MOT 
UTcnMOT nioT nqK«k«kT iuti int^viii^aovatv ano^ccvBiv %a\ q>Ev^£tai. cnt 
avtwv 6 9av(tT0g. 



80 Sieindorö^ Apokalypse des Elias. 

10 niOT dig^pHI ditin€Tpdw; C€qU>^€ 
diftdwX €Tr«Oir XLuLd^C ^€-g^€'l€ &.^ 
:g.pHI di^ü)n^ dwOT ditl nOTTJULOT. OT^ 

e\i\yic ecKHib^ ctidwdi^ei ^if2üu- 
iiR&.£^ THpq :g.Rng^oo7r€ CTijüuio, 
15 qiiÄwp-ReXeirc ^€ nppo; ce^ione 
nc£^iAt.e niAi. CT^-Ri&e, ccRtot 
neq eTAAHp; c€^-ri&c Rtl'^pdw'^ 

28 1 KlOIt; C€C(OK RtlOTCtllOq d^diX 

^Rito7rRi&€; c€T€OTe &.nR\o* 

RUC&.T€*. €t£!€-T*^I1äw15RH RJU* 

no\ic qui^p-ReXeire Kn, c€^u>^ 
5 n€ RXiXoT jgJf AI. tiiAt. ^R-JuüulR^ 
tchäwItc Rpdüuine c€jg.pHi^ ccTe^ 
OTTe isrreSiKTr^ &.^R-ciiTe. dwTAA€^ 

CIOT £Tg^lf2ÜU-nRdi^ tldwp-^H£t€; 

TÄwTÄwCAAICe' &.CIlÄwqi€€TC® iiTn€, 

10 eCrXOTT JGÜULdiC ^€-€T&€-0 diI£^JJL€C 

&.Tio&€® diT:g.n£-[gHpe d^nRd^g^; 
d^cd^pevge ^e Ti^^pHii^^ juLRuid^p^ 
^€tioc ec^oTT JuüuLdiC 'xe-nR- 

10 B «>.^pHI 12 B UOVMOT. 

28 1 Hinter Rton ein Pnnkt über der Linie; B cua.c|. 12 B 



1 Vgl. Hos. 10, 8; Luc. 23, 80; Apoc. 6, 16. 

^ Zu ccRHÄ Vgl. «.TAirnH rA.p t*.^oot cckh£l öinkij yccg avrovg 
haßB kvnri Sap. 11, 13. 

^ R^o unbekanntes Wort, das vielleicht „Glut" oder Winl. be- 
deutet. Stern giebt es mit „Ofen" wieder. 

* c*.Te auffällig; sonst heisst „Flamme" A. ceete (S. c*.Te); c*.t€ 
würde einem S. coTe entsprechen, das sich Z. 830, 4 (^pio ncoic 
„feuriger Ofen") findet. Sonst heisst im Achm. c«.Te (S. cotc) „Pfeil" Joel 2, 8. 



n. Die achmimiflche Handschrift 27, lo— 28, 18. gl 

10 auf die Felsen laufen und hinausspringen, 
indem sie sprechen: „Fallet her- 
ab auf uns^^ und wieder werden sie nicht sterben« Eine 
vielfache^ Not wird sich mehren auf 
der ganzen Erde in jenen Tagen; 

15 der Eonig wird befehlen, dass man ergreife 
alle Frauen, die säugen, und dass man sie 
ihm gefesselt bringe und dass sie die Drachen säugen, 

28 1 dass sie ihr Blut aus 

ihren Brüsten ziehen, und dass man sie gebe an die . . •> 
der Flammen^. Wegen der Not der 
Städte wird er wiederum befehlen, dass man 
5 alle Kinder ergreife von 
zwölf Jahren an abwärts^ und sie 
übergebe dem . . .' um Flammen zu sprühen. Die 
Wehmutter im Lande wird trauern, 

die, welche geboren h at ^, wird ihren Blick zum Himmel richten^, 
10 indem sie spricht: „Weswegen sitze ich 

® um Kinder in die Welt zu setzen?** 

Freuen wird sich die Unfruchtbare ^<^ samt der Jung- 
frau, indem sie spricht: „Unsere 

^ ce^pHi entspricht hier dem S. enecHT, B. c«^necHT von 
Matth. 2, 16. 

^ «.Te&«^T unklar, vielleicht steckt darin ein weibL Substantiv. 
Stern übersetzt „um zu weihen** und hält tc£l«.- für den stat. pron. 
eines dem S. tMo, B. tot&o entsprechenden Infinitivs; dieser heisst 
aber im A. tMoto 33, 5. 

^ Fehlerhaft for TeT«^cMice. 

^ «^cn«^qieeTC ist ans «^cn«^qi-ieeTC zusammengezogen; vgL S. qi^^T^:. 

^ Unklarer Ausdruck; weder tcdAc (S. Ttoto&e) „versiegeln", noch 
Tcofte (S. TuMo&e) „zurückgeben, vergelten** giebt Sinn. Stern: „am 
zu empfangen". 

^^ Vgl. Jes. 54, 1. 

Texte n. Untenaohnngen. N. F. II, 8 a. 6 



g2 Sieindorf^ Apokalypse des Elias. 

15 oiHpe jg.oon neu ^if2üu-nKdig^; 

eTJGüuLO dwTitdwTiotie ^e ^duuiT 
1 nppo :g.tiiInepcHC; c€p-dwi^At.dw^ 

KHAt.€; Ce^ITOT d^T^iepOTCd^TVjUUl; 

ce^iop^^ ÜJüL^c, ceoTTio^ ILulo. 
5 TOT€ ÄwOiiiTCTncioTAAe* ^e-Hiop^® 
ncT^Tg^icpoiTCÄwTiHAi.; niojg. n* 

'xe-qtidwiocK eti cAJtnqei^ ^e cgn^ 
pe £inT€RO. qtidwOTrion^^ d^d^Ti ^re 
10 nditiOAAoc ^nn^^ootre €T£üuto 

^e Rppdii RXSnepcHc ^RR^ 
£^oo7re dw^pHd^piT^ AARRppdii R^ 

dwCCTrpiOC« qTdwT RppO C€tldüUlI^€ 

15 AUf^d^jAT; cend^p-^düuiTe Rpduuine 
.gX&iiAJLdi €tJuüulo vgdwTOTqi Si^ 



29 8 lies [n]-igHpe mbtcho 18 Nach ^ootc ist wohl ctmaio 
ansgefallen; das folgende scheint anch fehlerhaft za sein. 15 Das 
p von peoine ist (aus einem ^) korrigiert.* 



1 ^hypv. cc n-(MM«ks) „besiedeln** oixl^Hv (S. d'wpö', B. «ü>pä). 
Stern übersetzt es dnrch „einnehmen*/ und denkt dabei wohl an 
S. ^oop^, B. Q&u>p& insidiari, doch wird dieses Verbum stets mit c- 
(epo?) verbunden. 

^ unklare Stelle. Schwierig ist vor allem die Form «^ig^^TeTit-. 
Die 2. P. Plur. des Praes. consuet. müsste «^g.&peTn- lauten, die 2. P. 
Plnr. des Praes. n. mit der Conditionalpartikel «^TeTnig«^- Vielleicht 



II. Die achmiimsche Handaohrifb 28, u— 29, 16. g3 

Zeit ist es, dass wir uns freuen, dasa 
15 uns keine Kinder auf der Erde sind, 
sondern dass unsere Kinder 
in den Hinuneln sind.^* In jenen 
Tagen werden sich nun erbeben drei 

29 1 Könige bei den Persem und gefangen 

nehmen die Juden, die in 

Ägypten sind, und sie nach Jerusalem bringen 

und es besiedebi^ und dort wohnen. 
5 Wenn(?) ihr dann hört*, dass Zwietracht^ 

in Jerusalem ist, so a&erreisset 

eure Kleider, ihr Priester des Landes; 

denn es wird bald kommen* (der) Sohn 

des Verderbens. Es wird sich offenbaren 
10 der Gesetzlose in jenen Tagen 

an den heiligen Stätten. Es werden fliehen 

die Könige der Perser in den 

Tagen, um (? nach?) ^ mit den assyrischen Königen. 

Vier Könige werden kämpfen 
15 mit dreien, sie werden drei Jahre 

an jener Stätte zubringen, bis sie (dayon)tragen 



ist letztere Form hier einzusetzen; „wenn ihr hört"; dann müsste 
aber der Nachsatz mit nu)pQ& beginnen und der auf oLe- „dass** 
folgende Satz ausgefallen sein! Sterns Übertragung der Stelle: „Dann 
werdet ihr hören: ,Fort, du Einwohner von Jerusalem! zerreisst eure 
Kleider, ihr Priester des Landes!' denn u. s. w." Iftsst sich grammatisch 
nicht rechtfertigen. 

^ nix>p7& subst. „Trennung, Zwietracht*'. 

^ Wörtlich „er wird nicht lange machen, ohne dass er kommt"; 
eMnqej steht hier absolut; vgl. K § 302. 

^ «kgpM«.piT unverständlich. Stern schlägt vor «kgpiu «.prr zu 
lesen, aber auch das glebt keinen Sinn. 

6* 



g4 Stemdorfl^ Apokalypse dee Elias. 

n^pHJAd^ Snpneeie eT,gJIn^ 
jüik eTJGüuLO. ^ttn^ooTe eTJuDuo 

80 1 orR-OTcnÄwq nd^cioK -äR-Rrioc^ 
a|düuinq€; niepo nKHAAe tid^p* 
cnd^q; ccTiig.-coir RjgjiTq n:g.düuiT 

5 ti^Tq. ^nn^^ooTTe eTJuLuio qnd^- 
Tu>n€ ^€irppo^ ^RxnoXic er^^^ 
poTAAOTre d^pdiC -a€-Tno\ic ju- 
npi ÄwOT T€-nRii£^ THpq ^Td^pTpe 
niOT di^^pHi dwAAHqe. ^nTAAd^^^cio^ 
10 e tlpdjuine npd^i JSnepcHc n^.- 
eipe noTKpd^q jgjGuunqe; C€tidi- 
^ü>T&€ JSnppo tfdiCCTrpioc; ce- 
itd^'xi JuEnR^dw JSiiKdi^^® ^€ Iincp^ 

CHC diOTR C£p-K€\€7r£ dw^COT^e 

15 nitg^eenoc THpoT AAttRditiOJULoc; 
cetidwp-Ke\eire ^^kiot RnpnHTc 
neTOTdid^€; cendi^ R^^enokiopon 

31 1 eirRH£! d^nni JuntiOTTC; cettdw'xooc 
THpq itÄwOTioiyT JunepcHc. nnece* 

€n€, €TC-JUnOTA1.0T jg.dinn7iHl5H; 

80 1 B crrn 6 B ^ii 8 B npi; zu dem Häkchen über pi 
ygL 32, 6. 12; B ^n«.pTpe, das «^ ist ans einem andern Buchstaben 
korrigiert. 9 lies qnioT; B «^^pHi 10 lies npp^^T IIB ^luinqe 
17 für nncTOT«k«^e. 

31 1 Hinter kh^ ein Pnnkt über der Linie; B lu 3 soll 

wohl nMnepcHc heissen. 

^ Rü)c, das Kns der Araber, die Apollouopolis parva der Oriecben, 
aof dem r. Nilnfer nördL von Theben gelegen; die Stadt war in 



II. Die achmimische Handsohrift 29, 17—31, 4. $5 

den Schatz des Tempels, der an 
jenem Orte ist In jenen Tagen 

30 1 wird Blut fliessen yon E6s^ 

bis Memphis, der Fluss Ägyptens wird [trinken kann. 

blutig werden, so dass man drei Tage lang aus ihm nicht 

Wehe Ägypten und denen, die 
5 in ihm wohnen! In jenen Tagen wird 

sich erheben ein König* in der Stadt, die 

man „die Stadt der Sonne'* nennt, 

und das ganze Land wird bestürzt werden 

(und) fliehen hinauf nach Memphis. Im 
10 sechsten Jahre werden die Perserkönige 

eine List in Memphis gebrauchen, sie werden 

den Assyrerkönig töten, und die Perser werden 

Bache an dem Lande nehmen^ 

und befehlen, zu töten 
15 alle Heiden und Gottlosen, 

sie werden befehlen, aufzubauen die Tempel, 

die heiligen, sie werden doppelte Geschenke geben 

31 1 an das Haus Gottes, sie werden sprechen: 

„Einzig ist der Name Gottes*^ Das ganze Land 
wird die Perser anbeten. Auch die übrigen, 
die nicht gestorben sind unter den Schlägen, 

arabischer Zeit ond gewiss auch schon früher, in der Zeit der Be- 
arbeitung unserer Apokalypse, die grösste Stadt Oberägyptens und 
wird als solche hier neben der alten anterägyptischen Hauptstadt 
Memphis genannt; ygl. Quatrem^re, M^moires g^ogr. I 198. 

2 steht für ö'c-ovppo. 

^ Vgl. S. eRQu MneR&«k n^npcoMe npeq'&iiK^onc Ikömoq xcvra 
adUfov ctv^QcincDv Sap. 12, 12; vgl. auch Sir. 23, 26; gewöhnlich wird 
%i-R&«^ „Bache nehmen an Jem., Jem. bestrafen" im S. mit ^»-(n^HT::) 
yerbonden Sir. 46, 3; 5, 3. 



gg Steindorffy Apokalypse des Elias. . , 

6 ceiidw'xooc 'xe-orppo tl'^iRdwioc n€- 

UKK^ p-'Xdwie« qtidwp-KeXeTTe ä^tjK^- 
\dw07re Rppo tlg.d^juiTe npduuine 

vgioq. ncTd^iig. tidJiioK ^a^'XiOOir^ n- 

dw^pHi T€Tn^(on€ ti€AA.en fJS- 
neiJKTi^n*. ^WTAAiig^-qTCoc 
15 npdjuine JSnppo eTJGüuio qtid^- 

n^^^c, eiiTÄ^q €n nc, Ai.np-nicTey^ 
epd^q; n^C^ *^q0*^€i, &.qnnHir n- 

82 1 T^€ noTCÄuunT^ n^pd^^uun«, e-nn^ 
Xdüui n^pd^diJULne kiotc «^pd^q; eq- 
juidwdi^e g^i^ti-ifRHne ttTnC; c-nxJLe^ 
eine SncT^^-rpoc cior g^HTq*, €-n* 
5 ROctAOc THpq ttditio d^pd^q HT^e It- 
npi €Tp-oiriiin€ r2tR-Rc&. At.nppie 

tiHTT, e-ncqi^r^r^cXoc THpov rio^^ 

8 das p von pei^Mne ist ans einem «^(?) verbessert. 12 das ^ 
von Q&OT ist korrigiert. 13 B «kgpHi 14 B iicT; nach uT«^n 

ist ein freier Banm gelassen, wohl nm den nenen Abschnitt zu kenn- 
zeichnen. 

32 3 B M«.«.^e. • 

^ VgL S. g*.Än- (£«»«u)*), B. ÄÄ^oten- (j6«.äoos) „vor, entgegen'*; 
Stern, Eopt. Gr. § 546. 

^ Über die Eeglemng dieses ihrommen Herrschers s. anch Boasset, 
Antichrist S. 55. 



Die achmimische Handsohrifb 31, 5 — 32, 8. g7 

5 werden Bprechen: ^in gerechter König ist ee, 

den der Herr uns gesendet hat, damit 

das Land nicht wüst werde." Er wird befehlen, 

nicht dem Eonige drei Jahre 

und sechs Monate zu geben. Das Land wird sich fCdlen 
10 mit Oütem in grossem Wohlstande. 

Die Lebenden werden den Toten entgegen^ gehen, 

indem sie sprechen: „Stehet 

auf und seid mit uns in 

dieser Ruhe^!" Im vierten 
15 Jahre jenes Königs wird sich 

der Sohn der Gesetzlosigkeit offenbaren, 

indem er spricht: „Ich bin 

der Gesalbte", obwohl er es nicht ist; glaubet nicht 

an ihn! Wenn der Gesalbte kommt, so kommt er 

32 1 wie eine Taubengestalt (?)^ indem der 

Kranz von Tauben ihn umgiebt, indem er 
geht auf den Wolken des Himmels, und indem das Zei- 
chen des Kreuzes vor ihm herzieht^ indem die 
5 ganze Welt es sehen wird, wie 
die leuchtende Sonne von den Gegenden des Sonnenaufgangs 
bis zu den Gegenden des Sonneu Untergangs. Also kommt er, 
indem alle seine Engel ihn umge- 



3 cdoiitT, vielleicht die A. Form von S. B. cmot „Gestalt"; „in 
der Weise einer Tanbengestalt" giebt freilich keinen rechten Sinn, 
hierfür würde einfach nT^e no-s^p^^Mue „wie eine Taube" genügen. 

* Auf bildliche Darstellungen dieser apokal3rptischen Phantasie 
hat Bousset, Antichrist S. 56 aufmerksam gemacht; er erwähnt 
namentlich das Apsismosaik von St. Felix in Nola, auf dem das 
Kreoz in der Lnft dargestellt ist, umgeben von einem Kranz von 
Tauben (auf Christas mit den zwölf Aposteln gedentet). 



^ 



gg Steindoifi^ Apokalypse des Elias. 

T€ d^pd^q. qiiÄ.g^OT-TOOTq g^OTOTq 

2^€ d^peTq ;g.ttJGüuLdw-TOTdwdi&e^; qndw- 
fxooc^ £[npi fX€-^€i€, qg^eie*, 
qitdwf2KOOc f2K€-p-OTdwiii€; qeipC; 
qndwf2KOOC f2K€-€pi-KeR€; qeipe; qitd^- 
15 r2Kooc £[noo2^ f2Ke-€pi-ciidwq; qeipe^ 
qtid^iOK neASL€.ir ^^\ ^nme^; 

88 1 tiiepooT nTjjLA Sn€Tgoir5g"***OT, qtid^- 
Te-S^dwXeeTTe jül^^^€., qtidwT€-tic(0;g. 
cü>TAA€; qiidwT€-tie6ü> oge^s^C; qtid^Te- 

5 Aovd^ir, iieT09ü>n€ qnd^T\<5'd^Tr^, ne* 
Te n<^d^ijjLOtiioti qitdwTeROT d^&d^^; 
qitdwTd^ogco RtieqAAeeiite jmniteq- 

qnd^eipe uRj^Ahttc, eTd^-n^^^^c cove 
10 CÄ^^^e-TOTUc-pSeqjjtd^TT ord^eeTq« 
jgjDEnei d^T€Ttid^coTü>iiq «s^e-nTd^q 

12 aas M«.-eTOT«i&&e zasammengezogen. 14 Das e von epi 

ist übergeschrieben. 15 Das q von qeipe ist übergeschrieben. 

33 Am rechten Rande dieser Seite, bei Zeile 7 — 8 steht pRi* 
„123". 1 6 igoT(ooT, wie es anch heissen müsste. 2 B M«.«^e 
4 das zweite e von cere ist übergeschrieben. 7 das ig ans einem 
ü> verbessert. 11 B «^Tc-mcoTOunq. 

1 Vgl 2. Thess. 2, 4: &özb avxov (sc. der Antichrist) eig tov vaov 
rov ^eov na^lcat, 

^ Im Folgenden werden die arifA$la xai xigata i\ftvdovg (2. Thess. 
2, 9), die gyhlücl (iByula (Apoc. 13, 13), die der Antichrist thut, ge- 
schildert 



n. Die achmimisclie Handschrift 32, 9 — 33, ii. gg 

ben. Es wird nun aber wiedemm 
10 der Sohn der Sünde seine Hand ausstrecken, um 
an den heiligen Statten zu stehen^, er wird 
zur Sonne sagen': ^alle*^, und sie wird fallen*, 
er wird sagen: JLeucbte'S und sie wird es, 
er wird sagen: „Werde dunkeP', und sie wird es, er wird 
15 zum Monde sagen: „Werde blutig !'* und er wvd es^ 
er wird mit ibnen vom Himmel weggeben^, 
er wird geben auf dem Meere« und 

SS 1 den Flüssen, wie auf dem Trocknen, er wird 
die Labmen geben lassen, er wird die Tauben 
boren lassen, er wird die Stummen reden lassen, er wird 
die Blinden seben lassen^ die Aussätzigen wird er 
5 reinigen und die Kranken wird er beilen^, die 
von Oeistem besessen sind, (denen) wird er sie binaustreiben, 
er wird viel macben seine Wunder und seine 
Zeicben vor Jedermann, 

er wird die Werke tbun, die der Gesalbte getban bat, 
10 bis auf Totenerwecken allein. 

Dadurcb werdet ibr ibn erkennen, dass er 

der Sobn der Gesetzlosigkeit ist, weil er keine Macbt 



» VgL Matth. 24, 29. 

^ Anspielung auf Joel 2, 31 : o rjhog fiBTttCTgatpi^aBtat dg OKOtog 
xffi 1} Csk'^vri Big alfia nglv iX&slv t^v 7j(iiQav xvglov xrL (A npi 
n«JiT«kq «.TKCRC «..OT noo£ «..Tcnd^q eMn«^Tqei n^ooTe jun&«^eic Pap. 
Erzh. Bainer, nach EralPs Abschrift); vgl. auch Apoc. 6, 12. 

^ Ähnliche Wunder, die der Antichrist am Himmel verrichtet, 
werden auch sonst erzählt; vgl. Bonsset, Antichrist S. 115. 

6 Vgl. Marc. 6, 48. 

'^ VgL Matth. 11, 5 (Jes. 35, 5. 6). Auch die Heilnngswunder 
werden anderswo vom Antichrist berichtet; vgl. Bousset a. a. 0. 116. 



90 Steindorfl^ Apokalypse des Elias. 

Jüüutd^q Ä.^\\|nr5(;^H ^ €C-tieqjjL€*in€ 
15 TiiÄ.coirconq*: oTn€^H<5'' noTr.gjuj.* 



6 



OTTT&Ae ncHLU. g^iTg^i R'ÄCoq*, itogd^^ 
S4 1 Tjjtej^H^', neqitg^® RiiHir ogd^iteq- 

2^1 niteq<5'i'2(. qwd^BgSTq**^ JunJuTO 
d^d^^ ititeTCd^uT ncü>q^^; qtid^p-igH^ 
5 pe jgiuUL; qiid^p-;g.\Xo", qtid<D9STq %S- 
jjieeme hijjl; Jljiteeme RTd^q 

Tiid^coirwnq -xc-RTd^q ne nogn^ 

18 B ncqMcmc 16 B ovpHTc 17 B £it^i. 
34 5 B ^AAo 6 B m vi eine nT&q, 

1 Vgl. Ephraem syr. 9: ,,faciet nempe omnia Signa, qnae fecit 
Dominns noBter in mundo, deftinctoB antem non snscitabit, qnia non 
habet potestatem in spiritüs"; über diese Berührang zwischen Ephr. 
syr. und unserer Apokalypse, die auf einen litterariscben Zusammen- 
hang beider schliessen lässt, s. Bousset, Antichrist S. 117. 

2 Vgl hierzu die Beschreibungen des Antichrists in anderen 
apokal3rptischen Schriften; Bousset, Antichrist S. 102; James, Apo- 
cr3rplia Anecdota p. 151 ff. (Kobinson, Texts and Studies VoL 11 Nr. 3). 
Unsere Beschreibung deckt sich mit der specifisch jüdischen, nament- 
lich der jüdischen Eliasapok., und spricht sehr für den ursprünglich 
jüdischen Charakter unseres Werks; Bousset, Antichrist S. 102. 

3 neAH^ (S. neAHR Sa. 5, 26) unbekanntes Wort, etwa mit dem 
bekannten S. ne'A^e „alt^^ zusammenzubringen? 

* noT£Hju (S. itoTROTci Sa. 5, 27) adverbial „wenig". 

* |g«jii- Verbaladjektiv von cgM«. (Part, uiom) „verringern, dünn 
werden", also a)«.M-oTpHTe „dünnbeinig". Auch in der Beschreibung 
des Codex Treverensis 36 (James a. a. 0. p. 153) werden dem Anti- 
christ „tibie tenues" zugeschrieben. 



n. Die achmimische Handschrift 33, 18 — 34, 8. 91 

über die Seele hat^ Seine Zeichen 
nämlich will ich Euch sagen, damit ihr 

15 ihn erkennt*: ^Er ist wenig» *, 

jung, dünnbeinig», indem 

Tom auf seinem Kopfe eine Stelle von weissem Haar ist^, 

84 1 ', seine Augenbrauen (?)» reichen bis zu seinen 

Ohren, während Aussatzgrind^ vom 
auf seinen Händen ist Er wird sich verwandeln*® vor 
denen, die ihm zusehen**; er wird [sich verwandeln in 
5 ein Kind werden und er wird ein Greis werden**, er wird 
allen Zeichen, aber die Zeichen 

seines Kopfes werden sich nicht verwandeln können. Daran 
werdet ihr ihn erkennen, dass er der Sohn 



^ Dieses Abzeichen ist wohl eine nähere Aasfähmng des Kains- 
zeichens Gen. 4, 15. 

'^ cy&TMe^HA nnbekanntes Wort; ig«^T- ist vielleicht das Verbal- 
a^jektiv von Ggü)ü)T „abschneiden", mc^hA ein davon abhängiges Snb- 
stantiv (K § 822), also ,,abge8chnitten in Bezng anf das mc^hA^^ 
Was mc^hA ist, bliebe freilich nnsicher. Stern (ÄZ 1886, 125 Anm. 8) 
vergleicht mit ck^tmc^hA das demotische wontaf hoine mhl (oder 
am) in dem Pap. 218 der Bibl. Nation., das der griech. Text (Pap. 
Ghrey) mit avafpakavxog wiedergiebt; danach würde mhl etwa „kahle 
Stelle, Glatze" bedenten. 

® n^ (auch Sa. 5, 80), wohl das ägjrpt. Inhw „Augenbrauen**. 

^ KOK (B. rior) xoTcfxcrvfia „Brandflecken" (Lev. 18, 24. 25. 28), 
hier wohl „Ausschlag" (vom Aussatz); vgl. k&k-cc^t „aus8ätzig'\ rü)k 
licegT „aussätzig werden" Num. 12, 10. 

^^ Dies und das folgende gilt auch von der Erscheinung Christi 
selbst (nach den sogenannten gnostischen Apostelgeschichten und Evan- 
gelien; Mitteilung Hamack's). 

1* ctouT nc«.5 „Jemandem zusehen" (Z. 381, 12). 

*2 VgL noxl yilv yiviictxai (sc. der Antichrist) Ttcudiov, ^roii ytQwv 
Apoc. Esdrae (Tischendorf, Apoc. Apocr. p. 29); s. auch Bousset, 
Antichrist S. 98. 



92 Stemdor£^ Apokalypse des Elias. 

pe tlTd^tlOJJLIdw. Clld^C(OTJJL€ ^€ 

10 THd^pectioc; €Te-ncp€ii n€ Td^i^ 

;g.tliIJUld^ eTOTdwd^€; C(^dwdw^€C SSL" 

nc^&dwc tiognc; cncoT nccoq ogd^- 
n€; (o nignpe tiTd^tiojjLid^; a> n€<> 

Fünftes StIlcL 



»^ 



S5 1 ogine^ (o nognpe nTd^noAAid^ Kigm[€ p^ 
oT €n nTdwH; eHp-nXdwtidw SnXdwOc 

5 jgJun's^d^eic eTTf^KOT nige^e d^irarn- 

^dJUL d^pd^q €7r2&OT JüÜUtd^c' f2K€-dw'2(R- 

nelf TRiiÄ.ROTr d^pni RTCd^p^ Sn- 

10 's^e-TR's^tope Roird^iog nijjL •gjuin's^d^^ 
€ic. RTd^R <^€ Rei€ Rrxdwf2Ke d^nnor^ 
T€ RoTdwiig hlu.. qnd^cü>TAft€ ^e 
nd^Tigm€; q&coXR; qp-noXeo.€i Si 



'.♦ 



14 B ^pHi 15 B üj. 

36 1 poT nach dem S. Texte, der yio hat, ergänzt. 3 Von 
Mnn sind nur geringe Beste zu sehen. 



> Tabitha, die Jüngerin, die Petras in Joppe vom Tode auf- 
erweckte; Act 9, 36 ff. Sie kommt (nach Stern) anch in der arabiachen 
Historia Josephi cap. 32 vor, und zwar ebenso wie hier neben Henoch 



II. Die achmimische Handschrift 34, 9—35, is. 93 

der Gesetzlosigkeit ist. Es wird nun hören 
10 die Jongfrau, deren Name Tabi- 

tha^ ist, dass der ünversohämte sich 

an den heiligen Statten gezeigt hat, nnd sie wird sich hüllen in 

ihr Byssnsgewand und ihn yerfolgen 

hinauf nach Judaia, indem sie ihn schüt 
15 bis nach Jerusalem: „0 Unverschäm- 
ter, o Sohn der Gesetzlosigkeit, o der 

Feind geworden ist allen Heiligen 

Fünftes Stück. 

35 1 o du Unyerjschämter', o du Sohn der Gesetzlosigkeit, schämst 
dich denn nicht, dass du das Volk [du 

Gottes verführst, für das du nicht gelitten hast? 
Weisst du nicht, dass wir leben 

5 im Herrn 

^ ausserdem 

werden wir ablegen das Fleisch des 
Geistes (?)^ und dich töten, ohne dass es dir möglich 
ist, zu reden an jenem Tage, 
10 denn wir sind stark alle Zeit im Herrn, 
du aber bist Gott feindlich 
alle Zeit." Es wird hören 
der Unverschämte und zornig werden und sie bekämpfen, 

and Elias, den zu Qott entrückten Propheten, die den Tod nicht 
kennen gelernt haben. 

2 Ergänze [co n«.T]ajin€ „o du Unverschämter" vgL Sa. 7, 85. 
Das Stack beginnt mitten in der Scheltrede des Elias und Henoch. 

'^ Diese Stelle ist ganz verderbt; den vernünftigen Text bietet 
die sah. Recension Sa. 8, 7. 8. 

* „das Fleisch des Geistes" (nviviunog) giebt keinen Sinn; das 
Bichtige hat die sah. Version (Sa. 8, 9) „das Fleisch des Körpers''. 



94 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

Aftd^TT; Te-TnO^IC THpC Rü>T€ d^pd^T. 

15 jgJSc^ooTre eTlLuio c€tid^ü>ig ^iXü>i^ 

THpq HO d^pd^TT JJLnilKOCAA.OC THpq« 

qtidwarn-<5'dJUL d^pd^T en ^e. nignpe tiT^.^ 

36 1 nojjLid^; qnd^coK^ d^nud^^; qigme 
c€-p-nd^€ d^nXd^oC; qtid^ncoT ce- 
n€Toird^di&e THpoT, ceuTOT 

5 qitd^jg.(OT&€ Jüüutd^TT; qp-o^iKC JQüutdwir 

JEüutdwTT; ce€iii€ tinoir&€^ d^&d^^ ;g.n- 
2^eitigXi<5' nlidwtiine; qud^eitie n- 
noT^d^d^pe di&d^X ^ittioird^iiHire; 
10 qnd^emc iinoViee&e otc ottc, 

no7r:g.-Tcon€ ^dwti&d^cdwiioc Snppo 
eTJüüutO; cendwqei ntioTr^ cenü>T 

15 2^I'2(it-it'2(Iü>p€^ d^g^etUULd^ it€pH'» 



15 Das T von m«wt (aus einem o?) verbessert 
36 Der obere Teil dieser Seite ist, vermutlich weil der Papjrrus 
zu dünn war, überklebt gewesen, und dann ist anf dem bis zu Zeile 6 
reichenden überklebten Stück geschrieben worden. Von dem über- 
klebten Stück sind unten die wagerechten Fasern abgebrochen, so 
dass Zeile 6 verloren gegangen ist; nur geringe Beste der unteren 
Hälften der Buchstaben, die auf das untere, nicht überklebte Stück 
der Seite übergriffen, sind erhalten, ohne dass es aber möglich ist, 
sie zu ergänzen. 5 Der Strich über dem p (p) ist wohl abgeplastert. 

^ u)og AiAiDi (S. iy-'AoTA«wi , B. cis-AhAoti) „ein Jubelgeschrei 
erheben, jauchzen". 



n. Die achmimische Handschrift 35, u — 37, 16. 95 

und die ganze Stadt wird sie umgeben. 
15 An jenem Tage werden sie jauchzen^ 

hinauf zum Himmel, indem sie leuchten^, und das ganze 

Volk und die ganze Welt sie sieht; 

aber der Sohn der Gesetzlosigkeit wird sie nicht überwältigen, 

86 1 er wird dem Lande zürnen^ und suchen, 

gegen das Volk zu sündigen, er wird verfolgen 

alle Heiligen und sie werden geführt werden, 
gebunden mit den Priestern des Landes, 

5 er wird sie toten und sie 



sie, dass ihre Augen herausgezogen werden mit 

eisernen Spitzen, er wird abziehen 

ihre Häute von ihren Köpfen, 
10 er wird ihre Nägel einzeln ausreissen, 

er ¥mrd befehlen, dass Essig an ihre Nase gebracht 

werde und Lauge. Diejenigen aber, die 

nicht vermochten zu ertragen die Foltern jenes Königs, 

werden 6old nehmen und fliehen 
15 auf den Fähren (?)* in Wüsten*, 

sie werden schlafen wie ein 



2 Vgl. Dan. 12, 8. 

' üiioK ist in ^coAk „zürnen" zu verbessern; die sah. Version hat 
qn&^ounT Sa. 8, 25. 

^ Falls die Stelle korrekt ist, müsste sioupe (für ?uope) 
hier Substantiv sein und „Überfahrt, Fähre" bedeuten; vgl aach 
p-QUiAXope 12, 15; m<k np-?Lia)ü)pe 12, 16. Daneben findet sich 
«loope (S. «loop) als Verbum „tibersetzen" 14, 4 (s. aach m«w n&ioope 
14, 4). 

^ Die Schilderung der Flacht der Gläubigen vor dem Antichrist 
(besser noch in der sah. Version) findet sich auch sonst vielfach in 
der Darstellung des Antichrists; vgl. Boasset, Antichrist S. 189 fi. 



96 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

nnST d^pd^q jjtnnoTilni^H, noir- 

2^ooir€ nnidw^ nnpiciC/ d^OT ceiidw- 

5 dw^Xd^ ceitd^cone eti :g.itTjjLnTppo 
JSn^c nTjg.e RweTd^Trp-g^irnojjtei* 

c€tid^iio d^nikü>X d^d^^ nTne jjiit- 
nKdwg^; c€nd^f2Ki itneponoc Sne^ 

KIT JJlRSk^OOJJLC. Cend^C(OTJJL€ 

15 €tc£tä.t d^^ov(oir)noTr, ceiid^d^^ 
KOT 5An:g.coK ünnoTTTC; cenü>T 

17 n«w[i|u>n noT für n«^igojn nnor; nach igain ein Punkt ober 
der Linie. 

37 1 Über der Seite die Zahl t; (6) in einer etwas blasseren 
Tinte, als die übrige Schrift 2 B tgd.^^n^^we 3 Die Hs. hat «^ct 
statt «wOT 7 B n^i n&«..eic "^«^Tcce 9 B mmöj, wie natürlich 
(auch nach der sah. Version) der Sinn gebietet. 11 Hinter &ioA ein 
Pnnkt über der Linie, der aber ohne Bedeutung ist, da er wohl von 
dem hier angesetzten «w herrührt. 13 B cen^^cou-me, wie es auch 
heissen müsste; es steht aber ccotmc da. 15 B cen«^-^«.KOT; nach 
c&T&T ein Pnnkt über der Linie. 16 B Mn^u)R 17 B ccmi^c. 

^ Die Stelle muss ig^^n^ «^e n^ooTe lauten. Das Versehen er- 
klärt sich wohl so, dass der Schreiber zuerst a)&^(«^e n^oore) für 



U. Die achmimische Handschrift 36, 17—37, 18. 97 

Schlummernder. Der Herr wird zu sich nehmen ihren 
Geist und ihre Seelen, ihr 

37 1 Fleisch wird werden, indem es Stein ist, kein 
wildes Tier wird sie fressen bis zum letzten 
Tage^ des grossen Gerichts, und sie werden 
auferstehen und eine Ruhestätte finden, 
5 aber sie werden nicht sein in dem Königreiche 
des Gesalbten, gleichwie die, welche ausharrten, 
denn es spricht der Herr: „Ich werde 
es ihnen gestatten, dass sie sitzen zur Rechten 
von mir,^* sie werden begnadet werden über andere, 

10 sie werden den Sohn der Gesetzlosigkeit besiegen', 
sie werden sehen die Auflösung des Himmels und 
der Erde, sie werden erhalten die Throne der Herr- 
lichkeit und die Kronen. Es werden auserwählt werden 
sechzig 8 Gerechte^ die 

15 vorbereitet sind für diese Stunde, sie werden sich 
rüsten mit dem Panzer Gottes und eilen 
nach Jerusalem und kämpfen mit dem Un- 
verschämten, indem sie sprechen: „Alle Kräfte^, 



ig«^n£«.e etc. schreiben wollte, dann einsah, dass c^ »» n^ falsch sei, 
und nun n^d^e noch einmal schrieb. Das c^ ist dann vergessen 
worden, zu tilgen. 

^ lies c€n«w^po; auch an anderen Stellen bietet unser Text ^po 
für das zu erwartende %po (S. "s&po, B. ^po). 

3 ^ttT-o&OToiT für ^MT-ÄOTWT (S. igeMT-QtoT[t*)T] S. 9, 29) „drei- 
mal zwanzig, sechzig'*; die Bildung entspricht genan S. qTOT-%OT(oT)b)T 
„viermal zwanzig, achtzig", anf das Stern (Aeg. Zeitschr. 1886, 127 
Anm. 5) zuerst hingewiesen hat; vgl. auch Piehl, Aeg. Zeitschr. 1895, 
130 f. 

* (^iM wohl nur Schreibfehler für das gewöhnliche ^*jii. 

Texte u. Unters aohangen. N. F. II, Sa. 7 



gg Steindorff, Apokalypse des Elias. 

88 1 €]Tdw-JJLnpOC^HTHC €OTe f2Kit-it;g.d^pn ^; 

d^HCore; HnRjg.-ö'ii-ö'ÄJUi i^TOTnc-pJu- 

5 n€ nigHpe itTdwnojjLid^. qitdwCcoTjjie 
q&co^K qp-R€X€Tc d^'s^epo ng^en^ 
^7r€; ceo.oirp nn^^iRd^ioc ceT€OTe 

dwg^pHI CepCORg^ AAJUd^T dwOTT {ÜUC^OOTe 

eTJGüuto t^HT Rg^Ä^g^ ud^n^d^T d^p^^T* 
10 cencoT d^d^^ ILutd^q eTrxoir Jüüutdwc 

«^iRd^ioc; jjLd^qncoT ccpcojjie eqttdw^ 
igiit€; dw^^dw d^jg.dwp€qp-n€iee JüüutdwT 
j^ng^€itAfte*jiie jjLng^enjuLdwige, g.it^ 
15 ng^ooTe €TJEuuto iy)Qc nd^ign-g^THq 
g.d^tieT€-tiü>q ne, qnd^Tiiiid^Tr n^ 
ne^^x^f^eKoc ^^\ nme cvjjtÄ.g^-c€ 
tiT&dw jjtRqTiwir itg.o evn-ci^Tr R^ 

39 1 Tilg* IÄnoT€ noire ILuUiir. n^pd^ir^ ttd^^ 

RIJJL dwTn€ JJLttnRd^g^ eTTCAEOTT CIT^- 

€iwT. nei *a^€ €T€-[n]p€ii Jun^^i^c cHjg. 
«wfxR-TOTTcg^ne, Tct^pd^ic«ic g^i's^ti- 

t€lK^t iwfxn-iiOTTng ceqeiTOT 



^ 



38 1 B CT«.; B n^&pn. 7 B ^htc 8 B «^^pHi 9 B ns^n^d^T 
11 B ^(oT&e; es mnsB f(A)T&e heissen, es steht aber ^cot^c da. 
13 B «^^«^peq u. 8. w, 16 B g*. 18 B ngo. 

30 1 Das f ist aus einem r verbessert. 2 Hinter mm ein Punkt 
über der Linie. 8 B npen 4 B MUTcc^p&ric 5 B ni[KOTei] Mniune.^ 
[ccn*.]TcA«.T 

^ VgL S. «in nigopn cac itQXfjg (Matth. 19, 4), TfjV a^X^ 
(Job. 8, 25). 



II. Die ach mimische Handschrift 38 — 39, 6. 99 

88 1 die die Propheten vormals^ gethan haben, 

hast du gethan, du konntest (aber) nicht Tote auferwecken, 
weil du keine Macht hast 

über die Seele. Daran haben wir dich erkannt, dass du 
5 der Sohn der Gesetzlosigkeit bist. Er wird es hören, 
und zürnen und befehlen, 

Altäre anzuzünden, und dass man die Gerechten binde 
und sie hinauflege und sie verbrenne, und an 
jenem Tage wird das Herz vieler sich gegen sie (?)^ verhärten, 

10 und sie werden von ihm fliehen, indem sie sprechen: 
„Dieser ist nicht der Gesalbte, nicht tötet der Gesalbte 
Gerechte, nicht' verfolgt er Menschen, indem er (sie) 
suchen will, sondern er überzeugt sie 
durch Zeichen und Wunder." In 

15 jenen Tagen wird der Gesalbte Mitleid haben 
mit den Seinigen, er wird schicken 
seine Engel vom Himmel, welche betragen sechs 
Myriaden und vier Tausend, von denen jeder sechs 

89 1 Flügel» hat. Die Stimme* wird 

den Himmel und die Erde bewegen, wenn sie preisen und 
rühmen. Diejenigen aber, auf deren Stirn der Name des 
geschrieben ist und auf deren Hand das Siegel [Gesalbten 
5 (sich befindet)^, die Kleinen und die Grossen®, werden sie 
auf ihre Flügel nehmen und sie entführen 



3 Statt «^p«^T „gegen sie" ist wohl besser «.p&q T^^Bgen Um" 
zu lesen. 

» Sechsfiügelige Seraphim werden auch Jes. 6, 2 genannt; vgl 
anch Apoc. 4, 8. 

* Wohl besser noT£p*.T „ihre Stimme". 

» Vgl 20, 18 ff (Apoc. 8, 12; 7, 3 ff.). 

® Vgl Apoc. 11, 18 {rolg (Ai%QOig xal tolg luyakoig), 

7* 



IQQ Steindorff, Apokalypse des Elias. 

g^ITg^I itTq&\K€. TOT€ C*Ä^piH^ 

jjinoTrpiH^ niwp-cTirXoc iioTriw*i[n€* 
erccoH £^HTOT Ä^oTH d^nRdw^. €t[ot* 

10 d^dJ^e C€T€€C wer i^TOTWAt* d^dw[^ 

jgJunigHii lAiKotvg. cep-c^[op€i 

&€ eti [o7r^€ nigHpe nTd^nojjiidw nd^- 

15 <5'it-<5'ÄJUl [ä^P^wT €11. jgjK^ovc '^e. €TiI<> 

nKd^2. nd^i9€OT€; njjLoVi€7r€ ned^^d^c^ 

5 n€TdwR€€q nett; nigHpe nTdwtiojjiidw 
eRratoTT ISuid^c d^tid^R ne n^c e-ttTd^R 

[jjL€i]ue üniiilTO d^d^X ogd^TRc^ 
10 en] niglLuLO d^n^^^^c eTd^g^Tcttd^n. 
OTdwi njeit [«s^e d^ti]ccoTAA€ Rcotr; 



10 B €T[o7r«.«^]&e cetccc; B «^[£i«iA] IIB [^ncgnn]; ich kann 
das Wort noch deutlich lesen. 12 B [utJ^Acio [noTobg ce]; die 
Lücke am Ende der Zeile ist grösser, als sie Boariant ergänzt. 
13. 14 die Ergänzungen nach der sahidischen Version. 15 B £(^t\- 
^«oi 17 die beiden e sind sicher, die i; wahrscheinlich. B giebt 
keine Lücke an. 

40 1 B n«i^eTe 2 B Au^oTicTe 4 Nach ^«^m ein Punkt über 



n 



der Linie; B w statt o „was". 8 Die Handschrift hat n«.^Mc 9 Von eY 
noch geringe Spuren. 10 B lyd^TKcen; B «.iixc ne cn 



II. Die achmimische Handschrift 39, 9—41, ii. IQl 

vor seinem Zorne. Dann werden Gabriel 

und üriel eine Lichtsäule bilden^, 

indem sie vor ihnen herziehen in das heilige Land, 

10 und sie werden ihnen gestatten, dass sie' essen ^ von 
dem Baume des Lebens und dass sie tragen 
[weisse] Kleider^ . . , [und dass 
[die Engel] sie bewachen; [sie werden] nicht dür- 
sten, [und auch der Sohn der Gesetzlosigkeit wird 

15 nichts über sie] vermögen. [Aber an jenem Tage 
wird] die Er[de erschüttert werden, 



40 1 die Vögel werden tot auf die Erde fallen, 

die Erde wird trocken werden, die Gewässer des Mee- 
res werden trocken werden* die Sünder werden Seufzer 
ausstossen auf der Erde, indem sie sprechen*: „Was 
5 hast du -uns gethan, Sohn der Gesetzlosigkeit, 
indem du sprachest: ,ich bin der Gesalbte^ obwohl du 
der Teufel bist? Nicht hast du Kraft, [thatest 

dich zu erretten, (geschweige) dass du uns errettest. Du 
[Zei]chen vor uns, bis du 
10 [uns] dem Gesalbten entfremdet hast, der uns geschaffen hat; 
wehe] uns, [dass wir] dir gehorchten, 

ü) £T*.^Ten«.n HB bietet von dieser Zeile nur das Ende 

MC ncoTT^ (sie), 

^ Anspielung auf den axvkog nvQog Ex. 13, 21. 

2 Aus «.TOTOTioAi „dass sie essen" zusammengezogen. 

3 Vgl. Apoc. 7, 13. 

^ Über die grosse Dürre zur Zeit des Antichrists s. Bousset, 
Antichrist S. 129 ff. 

' Zu der folgenden Klage der Anhänger des Antichrists (aus- 
führlicher in der sah. Version) finden sich auffallende Parallelen; 
vgl. Boasset, Antichrist S. 133. 



j02 Steindorff» Apokalypse des Elias. 

m 

15 Tn nc^cfcoT nen Tnnjd^pd^Hd^ 

Sechstes Stück, 

. 41 1 OT€ ^jut^en Jujjiic. jgjuc^oire €tS^ 
juo nTOTie-re jjinnKdig^ tid^^ tt^ 
OT^pd^T; Sj^ooir^ tid^a^eo&c jjintioT^ 
epHir Q&ctie d^TeTiiccoTAftc JunooT^ 
5 € d^Tcu.1 iip(ojji€ eqjjid^di^e €-jj.^ 
nqci d^TKpicic JSna^Hpe Junnor^ 
T€; ntidi&e JunoTc noirc tid^co^e 
d^peTOT d^pd^q jgjSiuutdi eTd^TCOire 
ÜAAO eiTe tidiC^ooire eiTc tid^^TOir^ 

cctid^tio d^npeqp-tidi&c ^iin[oT]K[o]^ 
7V.diCic jjiiin€TdiTp-^i(OKe £ijjL[di]'T 
junneTdi^p-nd^pdi^if^oT JUJu[di'T]* m 

llJUtOT. TOT€ Rp€qpildi&€ ^ sk 4c 9 » 

15 « H ceiiditio diiuutdi ttii^iK[dii]oc 

^Rttg^ooire eT&JUio n€T€-n[^mdii^ 
42 1 oc tidwp-d^iT€i jjüuLdiq n^d^^ ncd^H; 



18 B e noTd.i; die Ergänzungen nach der sah. Version. 16 Vor 
^ sind noch Beste von 3 Bachstahen erhalten. 

41 5 wohl noTpcoMc zu lesen. 14 Oh dem o noch ein Buch- 
stabe folgte, ist unsicher. 17 Am Ende der Zeile fehlen 2 — 3 Buch- 
staben. 



II. Die achmiimsche Handschrift 40, is— 42, 8. 103 

mit Hungersnot 

eines Ge[rechten, 

[dass wir ihn anbeten] oder wo ist 
15 [der uns belehrt, dass wir ihn] anrufen 



Sechstes Stück. 

41 1 ... in gerechtem Gericht. An jenem Tage 

werden die Berge und die Erde eine 
Stimme von sich geben, die ... .* werden sprechen mit ein- 
ander: „Bortet ihr heute 
5 die Stimme eines gehenden Menschen, der 
nicht kam zum Gerichte des Sohnes Got- 
tes? Die Sünden eines Jeden werden sich stellen 
gegen ihn an dem Orte, wo sie begangen worden sind, 
sei es die bei Tage, sei es die bei 

10 Nacht; die zu den Gerechten Gehörigen dagegen und die ... . 
werden die Sünder sehen in ihren Stra- 
fen samt denen, die sie verfolgt haben 
und die sie dem Tode überantwortet haben ^. 
Dann werden die Sünder . . . 

15 . . . sie werden den Ort der Gerechten sehen 
und also wird Gnade werden. 
In jenen Tagen wird das, um was die [Gerechten] 

42 1 vielmals bitten werden, 

ihnen gegeben werden. An jenem Tage 

42 2 Das zweite o in c^ooTe ist aus einem andern Buchstaben 
korrigiert 

^ Was £ooT bedeutet, ist unklar. Ist es vielleicht das altftg» 
^w „böse"? 

^ Vgl. ot Sui^civreg Tovg diTutlovg xcii itaQadovteg avtovg ApOC.PetVI- 



j^Q4 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

jüLo no&d^eic tid^p-Hpitie ttTne 
juitnHd^^/ qttdip-Hpmc ttnc^ 
5 Td^irp-nd^pdi&di ^RTne jjiitneTdi^ 
^€ipe ^ifadu-nKdi^/ qtid^p-Kpine 
Rtt^diC Jun7V.d^oc; qitd^^nToir 
d^nu^^e HecÄiir, ceTcove neq 
e-juit-Hpd^q juJULOir^ ^oon R^htot. 
10 jjiitnc€-nei qnnHT d^^pHi ^^ 

^pHI WTCiwp^ JuniROCJUOC C€- 

Q&i nnoTCd^p^ SSiuidl cencoT 

15 t£i€ ILuLd^q e-JUdwq^-a^cQ&e« jgJQt^ 
t^OT€ eTÜJULO qttdi&coTV. ^^ 
iiitJK JunoTJuTo d^AdwTV. Rt^c n[öT^ 

48 1 RpTCTi^Ä.7V.oc c-Ä^qfcioTV. d^d^TV. g^iTW- 
OTR(o^T, qnd^T€RO Rt^€ Rot* 
^pd^Ru^ti e-Jun-niqe R^Tq^ cctid^* 
Q&ooc n€q Q&e-d^-nROTTdiiai itte ^^ 



■,* 



Tp-niCT€ir€ dwpd^R; C€Wi^T€ROT 

d^TO^u^Te JunnoTn^ ccg^ioote?'® ju* 
jjid^c dwpooir^. jgJSc^oTe ctILulo 

10 nppo juRneTOTd^di&e THpoT; 



17 Dem letzten n könnten eventuell noch zwei Bachstaben 
-OT? gefolgt sein; von einem o sehe ich noch schwache Spuren. 

43 Auf dem rechten Kande dieser Seite, bei Zeile 6—7 steht 
p*: „101"; vgl. Seite 33. 



Rp«.q MMOT kann kaum anders als „Todeslist, tötlicher Hinter- 



II. Die achmimische Handschrift 42, 8 — 43, lo. t05 

wird der Herr richten den Himmel 

und die Erde, er wird richten die, 
5 welche sich vergangen haben im Himmel und 

die es haben auf der Erde, er wird richten 

die Hirten des Volkes, er wird sie fragen 

nach der Schafherde, und sie werden ihm übergeben werden, 

ohne dass eine Todes-List^ an ihnen ist. 
10 Darauf kommen herab 

Elias und Enoch und legen ab 

das Fleisch der Welt und 

nehmen ihr geistiges Fleisch und verfolgen. 

den Sohn der Ungerechtigkeit und tö- 
15 ten ihn, ohne dass er reden kann. An 

jenem Tage wird er aufgelöst werden 

vor ihnen gleichwie 

43 1 Eis, das aufgelöst wurde durch 

Feuer, er wird vernichtet werden wie ein 
Drache, in dem kein Atem ist, man wird 
zu ihm sprechen: „Deine Zeit ist dir herbeigeführt worden, 
5 jetzt nun wirst du vernichtet werden mit denen, die 
an dich glauben, man wird sie werfen 

in die Tiefe des Abgrunds^ und ^ 

sie gegen sief An jenem Tage 
kommt aus dem Himmel der Gesalbte, 
10 der König, mit allen Heiligen 

halt" übersetzt werden ; Rp*.q (S. Kpoq, B. ?Cpoq) giebt griech. dokog, 
inißovXfj, iviÖQci wieder. Die Stelle ist wohl verderbt. 

2 noTii, griech. aßvcaog (Ps. 41, 8; 70, 20 u. ö.). 

3 2yys.^ unbekaDntes Wort; ist vielleicht ^lootn „verschliessen" 
zu lesen? 

^ Über die verschiedenen Traditionen vom Ende des Antichrists 
s. Boasset, Antichr. S. 148 ff. 



IQg Steindorff, Apokalypse des Elias. 

£^iQc:u>q Qc:e-d^-tip€qp-ndi6£ etAd^^Te 
^iQ&ioq; qtid^Td^no iioirne ttJ&ppe 
JJlitOTKdi£^ tfJ&pp€* juit^idi&o7V.oc 
15 sk « (^ir ;g.oon K^ToiT; qtid^ppo 
jji]ntieToird^di&€; cqittid^ d^^pHi' 
* niiHT^ dwjg.pHi, €ir^oon jjiRR^ 

^5C5 ^9P npdijjine« 



15 Das b> könnte auch ein o nnd davor der Rest eines anderen 
Budistaben (m?) zu sehen sein. 17 Vor nitH-v scheint nor ein 
Bachstabe zn fehlen. 

44 1 Der Strich über dem n von noT^^ioi ist nicht ganz sicher. 



n. Die achmimisohe HandBchrift 43, ii — 44, 9. 107 

and yerbrennt die Erde und bringt tausend Jahre ^ 
auf ihr zu, da die Sünder auf ihr herrschten, 
er wird einen neuen Himmel schaffen 
und eine neue Erde', kein Teufel 

15 ist in ihnen, er wird König sein 

mit den Heiligen, indem er hinaufsteigt^ 
und hinabsteigt*, indem sie sind mit den 

44 1 Engeln alle Zeit, indem sie sind mit 
dem Gesalbten tausend Jahre. 

Die Apokalypse 
des Elias 



1 Vgl. Apoc. 20, 6. 

2 Vgl. 2. Petr. 3, 13. 

^ Vgl, boh. it«. cgpHi dvaßalviiv Luc. 19, 28. 
^ Wohl [qjntiHT «^pHi zu ergänzen. 



l08 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

Der VollstaDdigkeit halber füge ich hier noch das Bruch- 
stück des 23. Blattes der achmimischen Handschrift (ygL 8. 4) 
hinzu, über dessen Stellung innerhalb der Handschrift sich nichts 
angeben lässt Auf der einen Seite Reste von 4 Zeilen: 

netiTttp n 

sowie kleine Überbleibsel einer fünften Zeile. 

Auf der anderen Seite stehen noch folgende Buchstaben 
(Beste Yon 5 Zeilen): 

I^HpC ItTdi 
AIApAT€tldi.;g. 

€11 * qtt 



^ Wohl iTKJd.^ n«^gTd.p[Tpe] zu ergänzen. 



m. 



DIE SAHIDI8CHE HANDSCHRIFT. 



110 Steindorff, Apokalypse des Elias. 



Erstes Stnck. 

Sa. 1 1 d^mjd^ir CT[\|nr]5(^H cTTco^cpoc 

€n€€i£tT d^Tio €ir[€]me Juüuloc 
€ir^ tid^c n^€ MX * Tc' * ♦ ♦ ii 

T d^[Qc:]n-nd^^O; £^(oc^€ Rt€- 
TOOT R(3fi-nÄiC«c«€7V.oc, ncQ&d^q 

THropOC d^TiO KtlHOT C^ 

16 g^p^'i ^RäjuR[t]€*: RTÄ^piTw* 
oirn ^€; neQc:[d^]€i ate-tiLo. ^€ 

TM €TOTTO sk €pOC*; HCOtd^q 



1 Das Blatt ist ganz zerbröckelt und daher in sehr schlechtem 
Zustande. Nor die stärkeren Abweichungen von Bonnants Text (B) 
sind im Folgenden angemerkt worden. B e-rij^nrxc 4 B eT[n]me 
5 B eTOT « * * 6 B Muge n. 

^ T(o ein unbekanntes Verbum, das wohl die Bedeutung „peinigen, 
strafen, geisseln'^ oder &hnl. hat. 



III. Die sahidische Handschrift 1, i^i7. m 



Erstes Stllck. 

Sa. 1 1 Ich Bah] eine Seele, die peinigten (?)^ 

und bewachten f&nf* 

tausend Engel, die sie nahmen 

nach Osten und sie führten 
5 nach Westen, indem die schlugen ihre . . . 

und ihr gaben hundert (?)^ 

Geissei jeder* 

taglich. Ich fürchtete mich und warf 

mich auf mein Antlitz, so dass 
10 meine Eniee sich lösten. Es ergriff 

der Engel meine Hand und sprach 

zu mir: „Sei siegreich, damit (?) du siegreich seist ^, und 

sei stark, damit (?) du besiegst den An- 
klager und kommst her- 
15 auf aus der Unterwelt***. Als ich mich 

aber erhoben hatte, sprach ich: „Wer ist 

diese, die gepeinigt (?) wird?'** Er antwortete 

2 Enth&lt vielleicht eine Zahlangabe (igejuT . . . „drei . . .**); Stern 
faastA ge als das Subst. „Schlagt* auf. 

3 noT«L noTd. ,Jeder** kann sich doch wohl nur auf die Engel 
beziehen; aber was soll davor die Präposition e-? 

^ neRn«.Q&po gewiss fehlerhaft; nach dem achm. Texte 12, 12 ff 
ist wohl spo Q&eKn«L'spo, ^m^om olckha^^m-^om (statt &po) zu lesen. 

* VgL hierzu die parallele Stelle in dem achm. Texte 12, 12 ff. 

* Hier liegt wohl dasselbe Verhum wie in Zeile 1 vor. 



♦ 



',♦ 



y^ 



112 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

(S^tiTc^ ^Rttec[dw]nojuidi: d^Tio Ju 
20 n^^Tcnw^ if p-[juL]€Td^iioe «^[TSIi- 

ccoaia: ^iio[T]AiH d^noK coc^co 
ifidwc d^iitd^T ei[n]diir €nd^i% d^irco 
tid^qjjioo^e [it]jjidi€i n^i-ndifF^ 
25 c«€Ä.oc JunQc:[o]€iC; d^itid^T ev^ 
tiO(3' JSAAdi €[qo]TO^c e&oTV.; 
€irKioT€ ep[oq] R^ri-^itaio o^o' 
ncdi-£^6oTp [ju]juoq d^Tio ^R^ 

30 jAAAoq; OTeT^-TJULin€ Ii£ft[noird^ 
noiTd^: epe-it€irq(0£ 6h7V. [e&oTV. 



20 B ergänzt statt «^[t^m-] vielmehr «^[tcom, was aber keinen 
Sinn giebt. 21 B «^Tn[.]o 25 Das t von nd.T ist übergeschrieben. 
B gfepoTp. 

^ Für T*.i oT^^rTXM Tc c^.tö'iitc; vgl. zur Eonstmktion boh. •»*.! 
'^e n-eoc OT^epi nTe-«iip«L«ai Te ek-ncd^T«.n«LC con^c „diese aber 
ist eine Tochter Abrahams, die der Satan gefesselt hat" Luc. 8, 16. 

2 ein«i.T en«^i iv trj ogdan; ähnlich heisst ^8 anch in anderen 
Apokalypsen z. B. xaya *Iaavvrjg 6 ßkinmv xol axovcov tavra Apoc. 22, 8. 



Sa. 2 Diese Seite, die Rückseite von Sa. 1, ist zum grossen Teil 
noch mit Erde bedeckt- und daher unleserlich; an den 
freien Stellen sind die Buchstaben vielfach abgerieben. 
Nur der rechte untere Teil des Blattes ist zu lesen. Der 
Vollständigkeit halber gebe ich die jetzt lesbaren Reste. 
Jede Zeile enthielt durchschnittlich 19 Buchstaben 

17 3|e3|(4(4(s|(***i(t4c3|e](c]^ €JülOO^€ 



m. Die Bafaidisohe Handachzift 1, is— 88. HJ 

mir: ,J)ieB ist eine Seele, die 

in ihren Sünden gefunden wurdet, und die, 
20 bevor sie dazu gelangt war, Busse zu thun, 

heimgesucht und aus ihrem Körper entführt 

wurde. In Wahrheit, ich Sopho- 

nias sah dieses im Gesicht*, und 

es ging mit mir der En- 
25 gel des Herrn, und ich sah einen 

grossen, weiten Ort, 

den tausend mal Tausend* 

zu seiner Linken und 

zehntausend mal Zehntausend zu seiner Rechten 
30 umgaben, verschieden war^ die Art eines Jeden, 

indem ihre Haare aufgelöst waren, 

wie die der Frauen, und ihre Zähne 

waren wie die Zähne , . .^ 



3 nftmlich «.c«ucAoc Engel. Zu tgo igo vgl. S. 30 Nr. 8. 

* oreT- ist eine alte Verbalform, die mit nominalem Subjekt ver- 
bunden wird; vgl. oreT-neroLO oreT-ncTioc^ aklog itnlv 6 anilgonv, xal 
Skkog o ^BQitw Job. 4, 87; Stern, Kopt. Gr. § 305. Das Verbum 
gehört zu demselben Stamme wie S. oTu>u>Te (Part. orooTe), B. ono^ 
„trennen, scheiden*' (äg. wd^) und bat mit otiot „einzig" (äg. tcfi) 
nichts zu thun. 

* Vgl den achm. Text 5, 1. 



4c^3|(:|c4e3|e4cj|i4c:{[3|e3icie3le3k3ic4t4:3|e 

Texte u. Qntersachangen. N. F. II, 3a. 8 



114 Ste^udoiff, Apokalypse des Elia^ 

Zweites Stück. 

Sa« 3 1 ILuLoq J^EjuLd^T o&^-d^qccoogq - 
JunocIgiRioti JunppoS t^^i 

d^T€ €ei e^OTtl CTUUldl €^ 
5 TOTd^di^: €qO Rg^HT cnd^T. 

n€To Rg^HT ciid^ir g^RTcq^ 
npoc€ir5(^H: [cqjo Riidjie 
cpoq* Ä.iru> RKed^(«fFe\oc 
n[i]e^€ epoq ^m igcone 

10 flfC €T€tRo RoTg^HT R^ 

otwt: Roircip"*® niJüL 
g^JGEno&ocic eppi « d^ne 
g^Rneg^poei* otc-eTCTn*^* 
noei Rg^u^fr hiaa.« 

15 €Tfc€-lip[p]Ä.€I Rä^cct^ 

pioc julRtiAioTV. e&oTV. 
Rmc AjiRnKd^g^ n£T€- 
noir€i-it€ cetid^o^es'JLftp* 
^OASL epooT dwii neo&d^q 
20 Res'i-nQSLoeic or^e ceitd^^ 
p.g^OT€ d^n g^Roirno\ejuLoc. 

8a. 3 3 Statt T^^i^e ist Te T^e zu lesen. 6 Das ^ Ton ^n ist 
wahrscheinlich, Tcq sicher. 7 «Jie sicher, davor stand vielleicht 
ein % oder k; B coon'Sd.ne 11 B otu>t ^noToei^; ich sehe nacli 






in. Die sahidiflohe Handschrift 3, i->8i. (15 

Zweites Stttck. 

Sa« 3 1 ilin da, weil er yerachtet hat 

das Amt des Königs?^ In derselben 

Weise int es Niemandem möglich, 

an die heilige Stätte zu gehen, 
5 wenn er zweifelt. 

Wer zweifelt in seinem 

Gebet, ist dunkel (?) 

gegen sich^, und auch die Engel 

sind nicht mit ihm einverstanden (P). Seid 
10 also einigen Herzens 

zu jeder Zeit 

im Herrn, 

* damit ihr 

alles bedenkt. 
15 Wegen der assyrischen Könige 

und der Auflösui^ 

des Himmels und der Erde, so 

wird man die Meinigen nicht über- 
wältigen können, spricht 
20 der Herr, und sie werden sich auch 

nicht fttrchten in einem Kriege. 



OTCOT nur zwei Punkte, die mir nicht der Best eines £ zu sein 
scheinen. 12 B e[p]pic«^e[.] 



1 



Vgl.dieachm.ParaUele24,4ff. ^ Vgl. Sa. 7, 20. ^ Unklare SteUe. 



30 4(4t4t****]|c4(*3|e*a|{ C IlCd^-OT 



8' 



IIQ^ Steindorf^ Apokalypse des Elias« 

erppo cqTCOti ^JSxiejLM.^ 
^iT €irnÄJUioirTe cpoq 
25 ote-nppo Rd^ccTpioc d^T^ 
(o nppo nTd^^iKid^: qnd^^ 
Tdwogo ntieqno7V.ejuLOc 
^pdwi ^iQ&n-RHJUie: juiiincq^ 

30 e^oju. ^lOTcon: coTitd^^ 
£^d^pndw'^e fiti€Tif^Hpe« 

^jTAjiei enA&oir ^iiiiC'» 

Sa. 4 1 ^ooire CTlLuid^ir« totc [q^ 
. nÄ.TCOoirii(3fi OTppo g^iin[€« 
jüLiiT; eriidJUOTTTe epoq at[e- 
nppo R'-^HnH; qncoT e^ 

jutorei eq^Ju^Aftc: qnd^^ 
^(ot6 jGEnppo ÜTd^f^kiHidi 
cqnd^oti nRCüfid^ Rriuulc 
^tioinio7V.ejuLOc jjin^ii^ 
10 cnooq: d^TU) cnd^a^cone 
£^tin€£^oo7re cTJCüuLd^ir 
qndiKe\€T£ noireipHtui 

p€i^ €ca(OT€iT: qn*^^ n* 
15 oireipHtiH Rttd^ei ctot^ 



30 lies cen«L£«ipn«^7c. 

8a. 4 2 TiooTH^i steht für tiooth n^i; B ncM^rr; meine Lesung 
n[e]MnT ist sicher. 7 B ^loT^e. 



m. Die Babidiflche HandBchrift 3, n— 4, 16. 117 

Und wenn sie sehen 

einen König, der sich erhebt im Nor- 
den, so werden sie ihn nennen 
25 den assyrischen König nnd 

den König des Freyels; er wird 

yiel machen seine Kriege 

über Ägypten nnd seine 

Wirren, Das Land wird 
30 aufseo&en anf einmal, man wird 

rauben enre Eander. 

Viele werden 

den Tod wünschen in 

Sa. 4 1 jenen Tagen. Dann 

wird sich erheben ein König im 

Westen, den man nennen ^d 

den König des Friedens, er lanft hi- 
5 nanf anf das Meer wie ein 

brüllender Löwe; er wird 

töten den König des Frevels, 

er wird auch Rache nehmen an Ägypten 

im Kriege und in 
10 Blutvergiessen. Und es wird geschehen 

in jenen Tagen: 

er wird Frieden gebieten 

von Ägypten aus und ein 

nichtiges Geschenk; er wird 
15 Frieden geben diesen Heili- 
gen; er wird sich anschicken ^ zu sagen: 



^ Fehlerhaft für qn«.^i-TooTq. 



llg Sfceindor^ Apokalypse dee Elias. 

hhA juiUlOTrre: qiuw'xice 
20 nSLutaL eroT^^a^t qi^^"^ ^"^ 

iiH€i IZiinoTTe: qnajiT^ 
oq ^KSno^c^ ÜRiute ^n- 
oimpoq: euuioreuuLe; q^ 

25 n^oti-nne nSLutaL ctott^ 
^a^: qn^Q^i-nef^coT^on 
n^c^noc: qn^oti-Hne iioir^ 
^piuu^: qn^Tdi^o lioTrHHfc 
cp^Toir: qndJie7ieT€ iic€^ 

30 ^cone nca^€OT€ JEZiuid^g^ JSn- 
iino^ ISnTidiOc nc€«xiTOT 'Sw^ 
TjAHTponoXic: €Tg^i«n ** 

Drittes Stück. 

Sa* 5 1 g^iiJTne'' €q(Qt<o* XLuioc ot€- 

Äw]ir<o T€Tn)juoocg€ g^iotn-ii* 

5 no€ Jun€Tvgoirooir: qttd^^ 
Tpe-nts'diXeirc juoocge: qnd^^ 
Tpe-ÜKcnrc^oc ciotJu qtid^'^» 
Tp€-ii€&ooirc cg€Qte: q 



r* 



21 fehlerhaft für ertgoveiT 28 lies n^cnoTHH^. 
Sa. 6 1 B ^tiTne 4 lies eiepuiOT. 



1 Es ist wohl, nach der achmim. Parallele 26, 9, qn«.RToq ekoK 
£nMnoAic zu lesen. 



in. Die sahidische Handschrift 4, 17— 5, 8. *119 

„Einzig ist der Name 6ot* 

tes'^; er wird Ehre geben den 

Priestern Gottes, er wird aufrichten . 
20 die heiligen Stätten, er wird geben 

nichtige Geschenke an 

das Haus Gottes, er wird sich abwenden 

Ton^ den Städten Ägyptens mit 

List, ohne dass sie es wussten, er 
25 wird die heiligen Stätten zählen, . 

er wird wägen die Götzenbilder 

der Heiden, er wird zählen ihre 

Schätze, er wird Priester bestellen, 

er wird befehlen, dass man 
30 ergreife die Weisen des Landes und 

die Grossen des Volkes und sie führe nach 

der Hauptstadt am^ 

Meere, indem er sagt: 

Drittes Stück. 

Sa. 5 1 aus] dem Himmel b, indem er (spricht^: 
„Geht auf dem Trocknen" 
und ihr) geht auf den 
Meeren und Flüssen, 
5 wie auf dem Trocknen. Er wird 
die Lahmen gehen lassen, er wird 
die Tauben hören lassen, er wird 
die Stummen reden lassen, er 



^ Vielleicht ist wie Sa. 5, 8 gi'sn-n^d^Ad^cc«^ zu lesen. 

3 Vgl die achmim. Parallele 32, 15 ff. 

^ Der Text ist hier unbedingt sehr verderbt; vgl. B2, 16. Die 
ganze (von mir in runde Klammern eingeschlossene) Stelle von %(«> 
(Zeile 1) an bis einschliessl. Tcm (Zeile 3) müsste gestrichen werden. 



120 Steindorff, Apokalypse des Eliaa 

nion qtidincKKOT eSio\, 
qn^Tdwcgo nneqjudwein 
15 juiineqcgnHpe: JuneftA^ 
To €^7i non nuui; qiuwci^ 
p€ nneg^^oTCTepc- 

Tornec-oirpeqjuooirT 
20 Juüui^Te« g^Iinei TeTitdw^ 
coiTionq as€-nToq-n€ 
ncgnpc nTdOiOjueidw «xe- 

25 CpCOTÜ; «X€KdwdwC (0t€KdwdwC) 

€T€TiWiCOT(onq: ome^ 
Xhk^ noTiiOT€i ne: iicdwXdi^ 
Q^eie': ncgdJüLdwp€Tq; €-otii- 
OTTOC nc^iJA ^i^H notioq; 
30 ii(5'iiXoTÄig^' epc-ncqng^ im 
ot: cgd^neqjudidiOtc: c-07m* 

OTKU)K nCüi&g^ g^ITCg^H 

nncq(3'i«x« qn^wigi^Tq n^ 
Sa. 6 1 jAcit qndwp-g^^Xo; ^iiiRe- 



* 



10 B mcTco&g 11 B nneT|g(A>ne 16 lies noron 24 B malcih 

1 neAfiR (A. neAHd' 88, 15) unbekanntes Wort. 

3 c^^SkCgeic unbekanntes Wort; im achmim. Text entspricht ihm 



in. Die sahidiBohe Handschrift 5, 9—6, i. 121 

wird die Blinden sehen lassen, 
10 die Aussätzigen wird er reinigen nnd 

die Kranken wird er 

heilen, die von Geis- 
tern besessen sind, (denen) wird er sie hinaastreiben^ 

er wird yiel machen seine Wunder 
15 und seine Zeichen vor 

Jedermann, er wird 

thun die Werke, die 

der Gesalbte thun ivird, bis 

auf Totenerwecken 
20 allein. Dadurch werdet ihr 

ihn erkennen, dass er 

der Sohn der Gesetzlosigkeit ist, weil 

er keine Macht über die Seele hat 

Seine Zeichen will ich 
25 euch sagen, damit 

ihr ihn erkennt: JSx ist 

ein wenig \ 

• •*, dünnbeinig, indem 

eine Stelle von weissem Haar vom auf seinem Kopfe ist^ 
30 ', indem seine Augenbrauen 

bis zu seinen Ohren reichen, während 

Aussatzgrind Tom auf 

seinen Händen ist. Er wird sich verwandeln 

Tor euch, manchmal 

Sa» 6 1 wird er ein Greis werden, manch- 

£p-igipe , jang'^; ob es aber mit letzterem synonym ist, ist sehr fraglich^ 
ebenso, ob es ans c^^^^^-igeie zusammengesetzt ist 

3 ^«k^oT^2 gleichfalls unbekannt; im aehmim. Text steht ihm 
Qg«kT-Me£H^ gegenfiber; etwa aus ^«^^-ot^^ zusammengesetzt? 



122 Steindorfi^ Apokalypse des Elias. 

qitdwcgiiTq ^ntt€qjudw€in; 
JuüuLd^ein '^e ÜToq iiT€q^ 
5 Kae, qnd^oi^TOT &.it« ^H- 
n€€i €T€Tn«wcoirioiiq 
«xe-tiToq-ne ntgnpe n^ 

n^i-Tndwpectioc €Tc- 
10 necpen ne Ta^ie^ Qt€- • 

15 coo^e ÜAAÖoq: qogdw-dwg^^ 
p^i eQti€^ieXfuuL^ ec^ 
otü> SSuüLOc «xe-ü> ndwTcgin€; 
(o nigHpe nT^noAAidi (ö 

20 dwdwfi: THpoir; Tore qn^^^ • 
^ioiiT dwTndwpeenoc 
nts'i-ndwTvgine'; qn^wncoT 
ttccoc cgdig^pdii eJGLu^ tt^ 
^(OTH JunpHt qiidwC^ 

26 cü>n?* Uneccnooq 

JunndwT npoTg^e nqttOT^ 
«xe XLuioc €g^pdwi €«xn-np^ 
neeie: ncigcone* nov* 



Sa. 6 2 Lies ^inKecon (für ^etiKecon); vgl S. 80 Nr. 6. 12 B 
«^cn«id'6AAec; lies cn&.(^ooAec. 24 B qtt«kceca)ni:< 

^ Die Stelle ist verderbt; es mnss nach der achm. Parallele 
84, 14 f. |g«^-d^^p«^i eeieAHM heissen. 



m. Die sahidiflolie Handschrift 6, 2— tt. 123 

mal aber wird er jung werden; 

er wird sich yerwandeln mit seinen Zeichen; 

aber die Zeichen seines 
5 Kopfes wird er nicht verwandeln. 

Daran werdet ihr ihn erkennen, 

dass er der Sohn der 

Gesetzlosigkeit ist Es wird hören 

die Jungfrau, deren 
10 Name Tabitha ist, dass 

der unverschämte sich gezeigt hat 

an der heiligen Statte, und sie wird 

sich hfillen in ihr Byssusgewand und 

laufen hinauf nach Judaia und 
15 ihn schelten bis hinauf 

nach Jerusalem^, indem sie 

spricht: „0 unverschämter, 

Sohn der Gesetzlosigkeit, o 

der feind geworden ist^ allen Heiligen!^' 
20 Dann wird 

zornig werden gegen die Jungfrau 

der unverschämte 3, er wird 

sie verfolgen bis zu den Gegenden des 

Sonnenuntergangs; er wird 
25 ihr Blut schlürfen« 

zur Abendzeit und 

sie(?) auf den Tem- 
pel werfen und sie(?) wird» 



^ Fehlerhaft; lies ncT^^qp-^d^^e encrov^t^ 
» Vgl Apoc. 12, 13ff. 

« cü>nr steht für das gewöhnliche S. cionK „sangen, schlürfen^'. 

^ „Er wird sie auf den Tempel werfen, nnd sie wird zom Qeile 

für das Volk werden" ist wohl falsch; es mnss vielmehr heissen: „er 



I2i Steindorff, Apokalypse des Elias. 

ec«x(o JDüuLoc ot€*n«^Tg|i^ 
ne jun-a'OAt. jüüuor €Tdw^ 

35 ot€-^(oii^ ^noR 2^Sn«xo^ 
eic iioToeiQi nijuu 

Sa. 7 1 nddiecHoq dwimoirace Ju^ 

juoq ^otii-npn€€i€; dwqigu>^ 
ne iioirat€€i JunXdwOc« 
TOTc eqcgÄwncwTjA Rö'i- 

n^Tcgine oTcono e e!i6\ 
^tiiuüL^ eTOTdwdJh: c€tucoir 
enecHT ttcenoXeiAi n^ 

10 iiRigine p(o en Rtok €K^ 
T(o^e juüulor: neneTOTT'^ 
d^dwA* Qt€-RO nigÜAfto R^ 
oToeicg niJA; ^^p-ot^ote 
d^HdwTne diK£ip€ dwn^di^ 

15 iiKdig^: diKp-^dwQte d^nepo^ 
noc dwK€ip€ d^tidwf^c^eXoc; 



29 B Mn[R]noc. 

8a. 7 2 Statt des letzten (o Hesse sich aqch o lesen. 8 B fehlt 
noT. 10 Es liesse sich auch nnigme lesen. 11 Ich glaahe von 
TU)^e noch deutliche Spuren zu sehen; jedenfaUs steht nicht Tume 
(Stern) da; B. [. . .]e. 

giesst es (AiMoq, sc das Blut) auf den Tempel, und es (nqigojne) 
wird zum Heile f. d. V." Vgl Sa. 7, 1 ffl 



nL Die sahidiBche Handschrift 6, M— 7, 16. 135 

zum Heile fttr das Volk werden; sie wird auf- 
SO erstehen zur Morgenzeit und 

leben und ihn schelten, 

indem sie spricht: „ünversehfim* 

ter, du hast keine Macht Aber meine 

Seele noch Ober meinen K5rper, 
35 denn ich lebe im 

Herrn alle Zeit. 

Sa. 7 1 Auch mein Blut gössest 

du auf den Tempel, und es 
ward zum Heile fbr das Volk/ 
Wenn alsdann 
5 Elias und Henoch^ hören, dass 
der Unverschämte sich gezeigt hat 
an der heiligen Statte, kommen sie 
herab und kämpfen 
mit ihm, indem sie sprechen: 

10 ^fSchämst du dich nicht, dass du 
dich drängst an die Heili- 
gen*, da du (ihnen) fremd bist 
alle Zeit, du wurdest feind 
den Himmlischen und wurdest es (auch) den 

15 Irdischen; du wurdest feind den Thro- 
nen, du wurdest (es) den Engeln, 



^ Vgl hierzu die Episode der zwei getöteten und wieder lebendig 
gewordenen Zeugen, Apoc. 11 and darüber Boasset, Antichrist 
8. 134 if. Aach Hippolytos deutet, wie mir Carl Schmidt freandüchst 
mitteilt, in seiner Schrift über die Johannes-Apokalypse (Hippoljtas 
Werke Band I Zweite Hälfte S. 245) die beiden Zengen und die 
beiden ölbänme als Elias and Henoch. 

^ Es mass eneTOT«.^^ heissen; Tgl. Zeile 22. 



12Q 8teindor£^ Apokalypse dee Elias. 

ÜTR-OTogSAiLo noToeicg; 
itiAt.: ikSi^€ e£to7i ^KTne 
ne€ iiiSciOT RTOOire^ 

€pOK* HUQiin€ piO €11 Rll^ 
TOR; eRT(OK€ JUÜUIOR €- 

Tioc*; qndwccoTJS Röri-nÄwT^ 
25 Q^me nq^u^tiT ttqno^ 

p^: ÜTiio^ iinoXic* nq^ 
p-c^Q^q ng^ooire cqnoXe^ 
jui itJCüuLdiir: iic€p-cgojAT n^ 
30 g^oore oiröToc* ctjuoot ^^it^w^ 
CFopdwt epe-nXdiOc THpq nd^ir 
cpooT« g^niuuLdig^-qTooTr <^e 
n^ooirc c€ii«wTioovn* n* 

C€CU)2^€ JuÜULOq €TQKü> JS^ 
35 AAOC Qt€-U> ndwTvgin€ 11?^ 

cgme pu) €it ote-ttTOR 

8a. 8 1 €Rn\dwiidw JunTi^woc Cnii^ 
noTTTc; n^i eTe-JuneR^ 
Q^en-g^ice €poq; n^coor^ 
ne eti pu) ütor ote-Tti^ 
5 (ong^ ^Junotoc ecioiog^e 
JuüuLOR iio7ro€icg niju 



19 Lies nncioT 24 B qn«.coTM 80 Verschrieben für ctjuoott. 
Sa. 8 3 B coornne 5 lies «oeic. 

^ nrooTC steht för das gewöhnliche S. n^Toore. 
^ ,^ie <pvkti wurde finster gegen dich" ist gewiss fahlerhaft, 
tc^tAh ist wohl, worauf mich Herr Prof. von Gebhardt anfinerksam 



m. Die sahidiBche Handschrift 7, iT-rS, 6. 127 

du bist ein Fremdling alle Zeit; 

du fielest vom Himmel 

gleichwie die Sterne morgens^; 
20 du wurdest yerwandelt, die Materie (?) verdunkelte 8ich(?) 

vor dir'; schämst du dich denn nicht, 

der du dich drangst 

an Gott, obwohl du ein Teufel bist?^^ 

Es wird (es) hören der Unver- 
25 schämte und zornig werden und kämp- 

fen mit ihnen auf dem Mark- 
te der grossen Stadt^ und 

sieben Tage zubringen, indem er 

mit ihnen kämpft, und sie werden drei 
30 und einen halben Tag^ tot auf dem 

Markte liegen, während das ganze Volk sie sieht. 

Am vierten Tage aber 

werden sie auferstehen^ und 

ihn schelten, indem sie sprechen: 
35 „0 unverschämter, 

schämst du dich denn nicht, dass du 

Sa« 8 1 das Volk unseres Gottes 

verfährst, f&r das du nicht 
gelitten hast? Weisst du 
nicht, dass wir 
5 im Herrn leben, um dich zu tadeln 
alle Zeit, 

macht, in tc^t^ (ykri) zu verbessern. Stern schlag vor, p-K^^Re in 
p-x«^se „wurde feindlich" zu ändern, was wohl einen besseren Sinn 
(„die vkfi wurde feindlich gegen dich'*) gieht. 

3 Steht fSr e-nTK-o-r^kiftAoAoc. 

* VgL Apoc. 11, 8 {inl vfjg Ttkceveiag tijg Tiokioog z^g nsyaki^g). 

5 Vgl Apoc 11, 11. 



128 StoindorS; Apokalypse dea Elias. 

10 tR^^cotIi JGDuLOR e-juS-^ojA 
SSuüLOK ecgdiOte: g^Snc^o^ 
OTC cTliAÄiiir -»e-TncoHg^ 
jun«xoeic RoTTociog niJA 
otc-KO notdwQte Roiroeiog 

15 ttiAA« ^itdiCiOTJuE ii^i-ndwT^ 
cgine eq^ionf ^ iiqno^ 
Xeftftei Sjul^wt: thoXic 
THpc ndwROTe cpooTT, S^-il- 

20 (ocg XarXiwi emc, eirp- 

pq*. qndwUdiTr €pooT nqxJu- 

ncgHp€ tiTdiiiojuidi: 
25 qndw^ionT €nKdig^ ^n^^ 
R(OT€ ncep-tto&e^ enXd^^ 
oc qndiR€\€ir€ nc€- 

OTCÄig^* nnenine: qndJt- 
30 neircg«i.dip eiio\ wrerKne,, 
qttdweine noTei6: otk^^^ 



11 B une^ooTe 18 das p von THpc ist ans einem c verbessert 
23 B ^M-^oM 28 pü>?C£ is* verschrieben för paiR^. 

^ Statt eq^iottT würde man eher den Eoignnktiy nqtfojnr oder 
das Futnmm qn«^<^u)nT erwarten. 

^ Die Stelle ist verderbt, da der Schreiber eine Zeile ausgelassen 
hat; es muss heissen: enA«k.oc THpq n^T epooT muhrocmoc THpq. 
qn^^itd^T epooT u. s. w. Vgl. die achm. Parallele 85, 16 f. 



III. Die sahidische Handschrift 8, 7— si. 129 

wenn da sagst: Jch habe 

diese überwältigt? Wir werden 

ablegen das Fleisch des Körpers 
10 und dich toten, ohne dass es 

dir möglich ist zu reden an 

jenem Tage, denn wir leben 

im Herrn alle Zeit, 

und du bist feind 
16 alle Zeit'^ Es wird hören der Un- 
verschämte, indem er zürnt ^, und wird kämp- 
fen mit ihnen; die ganze Stadt 

wird sie umgeben. An 

jenem Tage werden sie 
20 jauchzen zum Himmel, indem sie 

leuchten, [und das ganze Volk und die] ganze Welt 

[sie sieht], und nichts wird 

über sie vermögen* 

der Sohn der Gesetzlosigkeit; 
25 er wird dem Lande zürnen, er wird 

suchen, gegen das Volk zu sündigen^, 

er wird befehlen, dass 

ihre Augen ausgebrannt werden mit einem 

eisernen Bohrer^, er wird abziehen 
30 ihre Häute von ihrem Kopf, 

er wird ausreissen ihre Nägel einzeln^; 



^ Fehlerhaft; lies: nqTM<^M^oM. 

^ nee- (für S. nc«^-) ist Präposition und nicht etwa die 3. Person 
PL des Hülfezeitworts des Eonjanktivs; vgl. auch Sa. 10, 29—30. 

^ cä.^ „Bohrer" vgl. B. c«.^, S. c«.^q. 

^ oT«^v steht wohl für S. ot«^ ot^ „einzeln"; vgl. die achm. 
Parallele 36, 5. 

Texte a. Untersuchnngen. N. F. II, 3 a. 9 



1^30 Steindorfl^ Apokalypse des Elias. 

8a. 9 1 qi en ^«^n&d^cdiiioc Ju^ 
nppo erSSjüL^Tf cen^l 
qi RoT(oT)iiOTrÄ ccnwT 
eg^pdwi €Qttt-ii€ioop CT^ 

5 Qt(0 JÜÜÜLOC «X€-^IOOp S^ 

ju(on eTepHJAOc: ce^ 

eq^^ittH^: noto€ic n<^ 

dicgion ncntidi epoq 
10 juRn€\^3([^ooir€, neir* 

cd^p^ T<on€ Ree Rni- 

nepiidi'; juR-enpioti 

ndwOTTOJUOir cg^^ng^o^ 

oir RT((3')no^ Rnpicic, 
15 c€ndiTü>oirtt c€Qti R^ 

oTCTOtf; diWdw c€igei 

RoTTÜTOtt ig(on€ juR- 

n€5c5' See Rii€iiT«iir* 

g^TrnojAine. neot^^q 
20 Rö'i-notocic at€-^n&.* 

juooc g^ioirneAA IjüS^ 



32 B ^MT. 34 Nach "^e hat noch ein e oder c gestanden. 
Sa. 9 14 6. nTeno(^ 22 B mmocj. 



^ Steht für hrotr. 

^ Diese Stelle ist ganz verderbt; nach der achm. Parallele 37, 1 
(noTC&.pc n«.^u)ne ere Mne-rp«^) müsste sie etwa nercs^p^ n&.gb>ne 
n^€ nnincTp«. „ihr Fleisch wird werden gleichwie die Felsen" lauten. 



in. Die sahidische Handschrift 8, 82 — 9, 22. i^\ 

er wird befehlen, dass Essig 

und Lauge in ihre Nase gegossen werde. 

Diese aber werden 

Sa. 9 1 die Qualen jenes 

Königs nicht ertragen können, sie werden 

ihre Goldschätze nehmen und 

auf die Flüsse fliehen, indem sie 
5 sprechen: „Setzt uns über 

in die Wüste!" Sie 

werden einschlafen^ wie ein 

Schlummernder. Der Herr 

wird den Geist zu sich nehmen 
10 und die Seelen. Ihr 

Fleisch schmeckt gleichwie die 

Schinken 3; kein wildes Tier 

wird sie fressen bis zum 

Tage des grossen Gerichts. 
15 Sie werden auferstehen und 

Ruhe erhalten; aber sie 

sein mit 

dem Gesalbten^ gleichwie die, welche 

ausharrten. Es spricht 
20 der Herr: „Ich werde 

ihnen befehlen^ dass sie 

sitzen zur Rechten von 



^ Die Stelle «.AA*. .... ne^Qc ist wiederam verderbt; es mnss heissen 
ceT&i noTMA. nMTon, «^AA^^ cen^^cytone &.tt Mnn^c „(sie werden auf- 
erstehen) and eine Buhestätte erhalten, aber sie werden nicht mit 
dem Gesalbten {xQiaxog) sein*^; vgl. 34, 4. 5. 

* ^d.Td.cce (ratftfaa-O-ofi) entspricht A.'^«.Teec 37, 7. Soll es auch 
vielleicht hier 'tn«.T«^«^c „i<^ werde ihnen gestatten'' heissen? 

9* 



J32 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

Hpe tlTdiHOAi.idi ceti^ 
25 ti^ir^ en6<o\ eii6\ n^ 
Tue jj.nnRdi£^, cend^fsii- 
n^ponoc IZn€007r A&ti- 
ncRXoojj.« c€ndiC<OT^ 
n ncgeAftT-^OTp' tl<^iRdii^ 
30 oc ^tine^ooTre CTjubuLd^Tr 
iiÄii €tc£t<ot RR^ 

ndi^<OROir: ^Rn^OR 



Sa. 10 1 nioT d^eiHTVjuui €irno^ 

cgme^: err^u) Süuoc fsic- 
^ojj. niJJ., eTdi-nenpo^ 

neRe^S-^ojA ctotR^ 
noTTc-OTrpeqjAOOTTT 
e&o\ fsie-A&R-^ojj. jj.^ 

10 lon^ *ji€TOR ne n^ 

qndiCiOTJS ö'i-nÄi^ 
diT^ine RRqe^ü)!!^ 

Sa. 10 5 B «^A&oTc. 12 Lies n(^i 



^ Fehlerhaft für cen*.n*.v. 

2 Lies nigcjuT-^ovoDT vgl S. 97 Anm. 3. 

3 nnT€TneTncT ist nnverständlich nnd wohl für nTcrnor oder 
c^omoT „für diese Stnnde^^ verschrieben; vgl. den achm. Text 37, 15. 

* emoAcMi iima^t «^tü) n«.iigine ,,indem sie mit ihnen und dem 



m. Die sahidisclie HandBchrift 9, B8--10, 18. 13g 

mir^. Sie werden besiegen den 

Sohn der Gesetzlosigkeit, sie 
25 werden sehen ^ die Auflösung des 

Himmels und der Erde, sie werden erhalten 

die Throne der Herrlichkeit und 

die Ejronen. Es werden auserwählt werden 

sechzig^ Gerechte 
30 in jenen Tagen, 

die vorbereitet sind für . . 



• • • • « sie 



werden sich rüsten mit dem Panzer 
Gottes, sie werden 

Sa* 10 1 eilen nach Jerusalem, indem sie 

kämpfen mit ihnen und dem Unver- 
schämten ^ indem sie sprechen: 
„Alle Kräfte, welche die Pro- 
5 pheten gethan haben, hast du gethan. 
du konntest (aber) nicht 
einen Toten auferwecken, 
weil du keine Macht hast^ 
Daran haben wir 
10 dich erkannt, dass du der 
Sohn der Gesetzlosigkeit bist. 
Es wird (es) hören der 
Unverschämte und zQr- 

Unverschämten kämpfen" fehlerhaft; es mnss e-s^noAcjui [mm«.t] 
jMim«.Tiyine „indem sie [dort] mit dem Unverschämten kämpfen^* 
heissen; vgL 37, 17. Der Fehler ist vielleicht dadurch entstanden, 
dass der Schreiber mxi als „und" anffasste ond dafür «^tu) einsetzte. 
^ Nach MMOK ist das für den Sinn nnentbehrliche e^x^nr^H 
„über die Seele" ausgefallen; vgl. den achm. Text 38, 8. 



134 SteindorQ Apokalypse des Elias. 

T Rqö'eXcTTC nee* 

15 A&OTTp n<^IRdiIOC n^ 

cgHOTTc: Rc€p<o5(^g^^ 
jAHHcge ^ Kd^nco^c 

CpOOTT*: C€Cg^<OOT* 

e,ti6\ IXjAoq eir^ 

25 niii Äiii n€ n^^, aah 

Rdiioc: jj.€qniOT 
Rcdi-RpI£uHe. 

AJLH €qRU>Te RToq 

30 en Rg^OTTO Rcd^-JS^ 

Sa. 11 1 niee Iäjaoott : g^Rg^R^ 
A&^ein A&Rg^RcgiiHpe; 
^Iui€^ooire €TJGüuidi7r 
"XP^ itÄiigR-g^THq g^Äi- 
5 ii€T€-iioirq-ii€ nq: 
tRuooit RneqdiC<c<€^ 



17 B Aa)X£; lies pü)K£ oder pi»x. 28 B pmaimhc 



^ Lies p(DR£ vgl. Sa. 8, 28. 

2 nu)ogc cc. c- „abfallen" vgl. n«^i enT&Tn(ji)igc ct^c-tct^om oi 
&niiSvv\6av ty löxvC avxmv Sir. 16, 8; €g«^pe-Hpn ^ic^imc ne^c-ncd^fre 
olvog xal yvvalxsg anoOTtjaovai avvsTOvg Sir. 19, 1 u. ö. Auf wen 
£ich hier epooT bezieht, kann ich nicht sagen; man würde eher cpoq 



IIL Die saMdische Handschiift 10, u— 11, 8. 135 

nen und befehlen, dass man 
15 die Gerechten binde und 
sie auf die Altare lege 
und sie verbrenne i. 
An jenem Tage 



• • • • 



20 wird das Herz einer 

Menge von ihnen abfallen^, 

und sie werden sich von ihm entfernen 3, 

indem sie 

sprechen*: „Nicht 
25 dieser ist der Gesalbte; 

nicht tötet der Gesalbte Ge- 
rechte, nicht verfolgt er 

die Wahrhaftigen; 

sucht er nicht 
30 vielmehr 

8a« 11 1 sie zu überzeugen durch 
Zeichen und Wunder?" 
An jenem Tage 

wird der Gesalbte Mitleid haben mit 
5 den Seinigen und 
schicken seine Engel 
vom Himmel, welche 
betragen sechs Myriaden und 



,,von ihm" (dem Antichrist) erwarten; doch hat auch der achm. Parallel- 
text b.p^T vgL 38, 9 Anm. 2. 

^ Lies ceG«^£(jDOT. 

^ Die Pankte über ct bedeuten, dass diese Buchstaben zu tilgen 
sind. Derartige Punkte über den Bachstaben zur Bezeichnung des 
„deleas" finden sich öfter in den koptischen Handschriften; vgl. Pistis 
Sophia foL 11* Palaeogr. Soc. Oriental Ser. pl. XLII. 



136 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

qTOOTT Kvgoo (ev* 
10 Rcoot): €7rRcOOT 

15 ÄiTTtO €Tr^-€OOT, IfÄ^I 

CHg^ €*JlR-TOTrT€g^n€; 
€p€-T€C?^pÄiC»IC g^T^ 

20 «R-nOTTROTCI C^d^nOT^ 

g^pdil €*JlRoirTKg^ cc^ 

qiTOir(oir) ^d^^H SS^ 

HRtOIKJ'*. TOT€ C<difiipi^ 

25 h\: jj.Ro7rpiH\ cendi^ 
p-oircTTr\oc RoToem 

TOTmiTOT €g^oirn c^ 
Cnjud^ eToiTdwd^, 
30 ceTÄiCce* tierr ä.^ 
TpoTTOiriojj. e£io\ 

Sa. 12 1 ^Junc^Hn ISnu>n^ ce^ 
c^pi ReSc(o RoTofii^ 



Sa. 11 18 B hat mxi ohne Weiteres fortgelassen. 32 B hat ^n 
ohne Weiteres weggelassen. 



^ Lies HTn^ ,,Flüger*; die Pnnkte üher dem & hezeichnen das 
„deleas"; vgl. Sa. 10, 24. 

2 Die Pnnkte über dem '^ zeigen wohl anch hier an dass der 



in. Die sahidische Handschrift 11, 9—12, 3. 137 

vier Tausend, 
10 Ton denen 

jeder sechs Flttgel^ hat 

Ihre Stimme 

wird bewegen den Himmel and 

die Erde, wedn sie preisen 
15 und rahmen. Diejenigen 

aber(?)>, auf deren Stirn der Name des Gesalbten 

geschrieben ist, 

während das Siegel auf 

ihrer rechten Hand sich befindet, 
20 vom Kleinsten bis zum 

Grössten^, werden sie auf 

ihre FlQgel nehmen und 

sie entführen vor 

deinem Zom^. Dann werden Gabri- 
25 el und Uriel 

eine Lichtsäule bilden 

und vor ihnen herziehen, bis 

sie sie bringen hinein 

an die heilige Stätte, 
30 und ihnen befehlen ^ 

dass sie essen 

von 

8a« 12 1 dem Baume des Lebens und dass sie 
tragen das weisse Gewand, 

Buchstabe ('^) zn tilgen ist; man hat statt e'^cpe wohl cTcpe- 
za lesen. 

^ Im Sah. müsste es korrekt ^inncTKOTci ig&neTno^ heissen; 
vgl. S. 29, m 1. 

* Fehlerhaft für £a.^k m(m) nq(^oi>itT „vor seinem Zorn". 

5 ccT*.ccc für ccT*.*.c? vgl. 39, 10 und Sa. 9, 21. 



13S Stebdorff, Apokalypse des Elias. 

c€po€ic epooT n^i-nd^c<^ 

tld^^TOpTp; npH tld^p-Rd^'^ 

10 R€: ceqi-^HKH 2.1^^^" 

cetidwn<opR c€£^€€ie, n^ 
^Hpion AiJitiTSnooire 

CetldJULOTT g^noTT^Top^ 

15 Tp: K2^di\eT€ tid^^e e%S[- 

IIRdi^ eTTA&OOlTT. IlRd^g^ 

ifdiiyooTre d^T<o IZjaott €^ 

peqp-no&e (tid^) tid^^ 
20 locg e^ooASL ^i^slili- 
iiRd^^ eir^io £üuLOc ^€- 

nc^Hpe tiTdinojj.idi: €R^ 

fSllO £ÜULOC f21€-d^nOR 



25 n€ n^jQ^pc, €-tiTOR ne 

^SjAOR, f21€Rd^diC €Rdi^ 



Sa. 12 5 B [b.n] HB ntgH[q] 18 B n«.u>a|[. . .]m Das 
1 von ni scheint ans einem ursprünglichen p verbessert zn sein. 
19 das erste n«. scheint durchgestrichen zn sein; jedenfalls ist eins 
der beiden n«. zu streichen. 



* Vgl. Jes. 49, 10 {ov nnviaovaiv ovdi öi^aovaiv). 



III. pie sahidische Handschrift 12, 8— 88. 139 

und dass die Engel sie bewachen; 

sie werden nicht hungern und 
5 sie werden auch nicht dürsten^, und auch 

der Sohn der Gesetzlosigkeit wird 

nichts über sie vermögen. An 

jenem Tage also wird die Erde 

erschüttert werden, die Sonne wird 
10 sich verfinstern; sie tragen den Frieden auf 

der Erde und den Geist^j die Bäume 

werden entwurzelt werden und hinfallen; die 

wilden Tiere und die Zugtiere 

werden sterben in Verwir- 
15 rung; die Vögel werden auf die 

Erde fallen tot, die Erde 

wird trocken werden und die Gewässer des 

Meeres werden aufhören^, die 

Sünder werden 
20 Seufzer ausstossen auf 

der Erde, indem sie sprechen: 

,,Was hast du uns gethan^, 

Sohn der Gesetzlosigkeit, indem du 

sprachest: ,ich 
25 bin der Gesalbte^ obwohl du 

der Sohn der Gesetzlosigkeit bist? 

Nicht hast du Kraft, 

dich zu erretten, (geschweige) dass du 



^ Der Satz ccqi ncnn& fehlt in der achmim. Version ; er scheint 

irrtümlich hierher gekommen zu sein, wo er ja anch keinen Sinn hat. 

^ Zu (oigM in der Bedeutung hXeineiv „abnehmen, aufhören" 
vgl. Jos. 3, 13 (Peyron s. v.; x6 vöodq rov 'loQÖdvov ixkBlilJBi). 

^ Für S. o-»* neT«.R«.«.q n«.n; das lo hat der sah. Übersetzer ans 
einem A. o „was?" missverstanden; s. auch Seite 29, III 3. 



140 Sieindorff, Apokalypse des Elias. 

30 e-TigoireiT junnJuTO 

ncglijuio din€;)(;^c n€^ 
Sa. 13 1 TdiqTdjULion. oto€i k^ 

on TenoTT endjuiOT^ ti^ 
5 oir^e£iioion jj.ttoire\i^ 
^\cl €c-T<on ö'€ T€noir 
T€^ce iioir^iKdwioc n^ 
TRoTTUiggT: H eq-Tton 
n€^-cAio nÄ.n RTRn"5L* 
10 pd^Rd^Xci JGüuioq; Tenoir 
^e etid^Td^Ro g^RoTop^ 
ch: fsie-d^np-d^TciOTlÄ 
Rcd^-nnoTTe: d^nftcoR 

15 Cd^ ISnR^'R-jj.ooir: d^n^ 
igiR€ ^Reipcooir ISj5^ 
Riid^ce Süud^^e: SnR^ 
^R-A&ooir. TOTe d^qpuuie 
Rö'i-niwTnc g^Rneg^o^ 

20 OTTC erSuüL^iFl €q^io 

JGÜULOC ^€-oiroi tlHI g^ü) 

n€ €po€i: n€€i^u> 5x^ 
JJ.OC f2i€-nd^07roeivg R^ 
25 tidiOireine epoei d^ti. 

32 B ikn^c 



in. Die sahidische Handschrift 12, w— 13, S6. 141 

uns errettest Du thatest 
30 nichtige Zeichen Yor uns, 
bis du uns 
dem Gesalbten entfremdet hast, 

8a« 18 1 dem, der uns geschaffen hat Wehe 

uns, dass wir dir gehorchten! 

Siehe wir 

werden jetzt erfüllt werden von 
5 Hungersnot und Bedräng- 
nis. Wo ist jetzt nun 

die Spur eines Gerechten, dass 

wir ihn anbeten? oder wo ist 

der uns belehrt, dass wir 
10 ihn anrufen? Jetzt 

nun werden wir zu Grunde gerichtet werden durch 

Zorn, weü wir ungehorsam waren 

gegen Gott; wir gingen 

zu den tiefen Stellen im Mee- 
15 re und fanden kein Wasser; wir 

gruben an Flüssen 

sechzehn Ellen und fanden 

kein Wasser." Darauf weinte 

der Unverschämte an 
20 jenem Tage, indem er sprach: 

„Wehe mir, 

dass meine Zeit 

an mir vorübergegangen ist; ich sagte, 

dass meine Zeit 
25 nicht an mir vorübergehen werde; 



Sa. 18 10 B n&p«J^«^Ac 16 MMnn«».cc ist verschrieben für 

ALunT«^ce. 19 n*.Tne ist verschrieben für n«.Tigm€. 



142 Steindor£^ Apokalypse des Elias. 

■ 

T&^ nee nnicgoeici €cg^ 

30 €€ItldiTdi^O RJXjJilTti. 

TctiOTT ö'e niOT eiio\ €^ 

35 g^pd^I« €T&HT07r f5*^p €p€- 

Sa« 14 1 RRdig^ (cpe-iiHd^gj ^^-Rd^pnoc. 
CT&HTOTT ci^p epe-npH p- 
oiroein c^pd^i €«sJD[-iiHd^£^« 

€T&HTOT f5Ä^p €p€-^U>T€ 

puuie ti(3'i-tip€qp-tio&€ 

10 OTii if^niOT Rcu>{o?p. 
TOT€ qnd^fsii nneqtiT^ 
n^* tiKtog^T nq£^<o\ eii6\ 

15 ccnÄ.cu>TJB[ Rö'!-Ä.c»f«€\oc 

28 B erk nee 32 B nnicocne 

Sa. 14 4 B ^ODTq 5 Von Zeile 5—12 sind die Zeilenenden 

sehr anklar, da hier Beste von Buchstaben der gegenüberliegenden Seite 
festgeklebt sind. 



^ Für ctA soll wohl otiotA oder ein ähnliches Verbum stehen. 
2 Für eig*.TOTü)-r& vgl. Seite 25, II 6. Die Überlieferangen von 



m. Die sahidiBche Handschrift 13, M— 14, 16. 143 

meine Jahre wurden 

zu Monaten, meine Tage 

entflogen^, wie die Staubteile, 

die zu entfliegen pflegen*. Jetzt nun 
30 werde ich mit euch zu Orunde gehen. 

Jetzt nun entfliehet in 

die Wttste, ergreifet die Bäu- 

ber, tötet sie! 

Die Heiligen^ bringet her! 
35 Denn um ihretwillen 

Sa. U 1 giebt die Erde Frucht; 

denn um ihretwillen leuchtet die 
Sonne über der Erde; 
denn um ihretwillen kommt der Tau 
6 auf die Erde*." Es werden 
die Sünder weinen, 
indem sie sprechen: „Du hast 
uns Gtott entfremdet. Wenn es 
dir möglich ist, so er- 
10 hebe dich und verfolge sie!" 
Alsdann wird er seine 
feurigen Flügel^ nehmen und fortfliegen 
hinter den Heiligen her. 
Er wird mit ihnen wiederum kämpfen. 
15 Die Engel werden (es) hören 



der Verkürzung der Tage des Antichrists stellt Bousset, Antichrist 
S. 144 zusammen. 

^ Das «^ ist wohl zn streichen. 

* Die Verfolgung der in die Wüste Geflohenen und ihre Er- 
rettung wird auch sonst geschildert; vgl. Bousset, Antichrist S. 145. 

* Verschrieben für nneqTn^. 



144 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

c€€i enecHT cenoXe^ 
JJ.I njuLd^q €Tno\eA&oc^ 
ticHqe eirocg'« cKd^cgu>^ 

20 qtidiCiOTJS n^i-n^oeic 
nqReXere g^RoTiioö' n* 
^lonT: tiTne jAnnR^^g^ 
c€iiÄ.T€oir€*-ö'<og^T eiio\ 

25 jj.d^£^T€ ^i«sJI-nRd^£^ nvgq^ 
qe cnooTTc JGüuLd^^e: q^ 
nd^oir<ojj. ncdi-tipeqpp- 

See RoTTpHiOTC* OTrn- 
30 OTg^d^n OTJj.He'^ ndiiyu>n€ 



24 B nK«^q^i[.]n«^eM&£Te 29 B nee für nee 



' Hier mnss irgend ein Fehler stecken; soll es vielleicht ernoAeMi 
ncHqe eToig ,,]ndem sie mit vielen Schwertern kämpfen" heissen? 
Stern übersetzt: „einen Kampf von vielen Schwertern'', doch müsste 
das gewiss im Sahidischen anders (^noTnoAcMoc) lauten. 

'^ Vgl. BoQsset, Antichrist S. 148. 



III. Die sahidische Handschrift 14, 16—93. 145 

und herabkommen und 

mit ihm kämpfen, indem sie^ mit 

vielen Schwertern kämpfen (?)*. Es wird 

an jenem Tage geschehen, 
20 der Herr wird (es) hören 

und befehlen in grossem 

Zorne dem Himmel und der Erde, 

sie werden Feuer sprühen », 

und das Feuer wird 
25 auf der Erde 

72 Ellen fassen und 

die Sünder 

und die Teufel verzehren 

wie einen Halm(?)*. 
30 Ein gerechtes'^ Gericht wird stattfinden 

an jenem Tage; 

die Berge ^ der Erde werden 

ihre Stimme von sich geben an [jenem] Tage . . . 

5 T€OT€- die A. Form für S. t*.tc- (t*.to) „hervorbringen". 

^ pHiore anbekanntes Nomen; etwa das S. poo-s^e ,,Halm"? — 
Die Schilderang von dem Weltbrande findet sich mannigfach wieder; 
vgl Boasset, Antichrist S. 159 ff. 

* Für OT^Ä^n MAiHe (S. mmc), 

^ Fehlerhaft für utotcih „die Berge"; vgL Seite 30, Abschnitts. 



Texte Q. Untersachungen. N. F. II, Sa. 10 



IV. 

ZUSAMMENHANGENDE ÜBERSETZUNG 

DER 

KOPTISCHEN APOKALYPSEN. 



10' 



I. Anonyme Apokalypse. 

(t) .... [wenn er] stirbt, werdeo wir ihn bestatten, wie alle 
Menschen; wenn er stirbt, werden wir ihn hinaustragen, indem 
wir vor ihm Zither {xld-aQa) spielen und mit Gesängen [codal) 
über seinem Leibe {ocifia) psallieren {tpaZXaip). 

Ich aber (öi) ging mit dem Engel {ayYaXog) des Herrn, und 
er ftihrte mich über meine ganze Stadt {jtohg). Niemand war 
vor meinen Augen. Darauf {rore) sah ich zwei Leute, die zu- 
sammen auf einem Wege gingen, ich betrachtete, wie sie 

Femer noch {in öi) sah ich zwei Frauen, die zusammen eine 
Maschine {fJitjxavrD drehten. Ich aber {6i) betrachtete sie, wie sie 

sich unterhielten, und sah zwei auf ihrem Lager [Ich sah] 

die ganze Erde {olxovfiiprj) unten wie einen Wasser- 
tropfen (2) der heraufkam 

ein . . . Brunnen ^). Ich sprach zu dem Engel {ayyeZog) des Herrn: 
„Ist {aQo) keine Finsternis noch (ovre) Nacht an diesem Orte?" 
Er erwiderte mir: „Nein; denn an dem Orte, wo die Gerechten 
(dlxaioi) und die Heiligen sind, ist keine Finsternis, sondern 
{dXXä) sie sind im Lichte allezeit" — Ich sah femer (öi) alle 
Seelen {^vxaC) der Menschen, die in Strafe (xoXaoig) sind. Ich 
aber (öd) seufzte auf zum Herrn, dem Allmächtigen (jcapToxQaKDQ): 
„0 Gott, wenn du bei den Heiligen weilst, wirst du auch gross- 
mütig sein mit der Welt {xoöfiog) (und) diesen Seelen (tpvxal), die in 
[dieser] Strafe {xoXaöig) sind. Es erwiderte mir der Engel {ayysjiog) 
des Herrn: „Komm, ich will dir die .... Gerechtigkeit (dixai- 
oövvri) zeigen." Er führte mich nun {ßi) auf den Berg Seir und 
[zeigte mir] drei Männer, (3) mit denen zwei Engel {ayyeXoi) 
gingen, die sich über sie freuten und jauchzten. Ich sprach zu 
dem Engel {ayyeXog): „Wer sind diese also?" Er erwiderte mir: 



^) Oder etwa: der m einen Brunnen Ama&gring? 



150 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

„Dies sind die drei Sohne des Priesters Joatham, die das Gebot 
(ipToX^) ihres Vaters nicht hielten, noch {oire) die Satzungen 
(dixtucifiaTo) des Herrn thaten/^ Ich sah femer noch zwei Engel 
(äYysZoi), die über die drei Sohne des Priesters Joatham weinten, 
und sprach zum Engel {oYysXog): „Wer sind diese?" Er er- 
widerte: „Dies sind die Engel {aYysXot) des Herrn, des All- 
mächtigen {jcavTOXQcitcDQ^ die alle guten Werke der Gerechten 
{ölxaioi) auf ihre Schriftrolle (xBiQ6YQaq>op) schreiben, indem sie 
an der Pforte {jtvXri) des Hinmiels [sitzen]. Ich aber (öi) nehme 
sie ihnen weg und bringe sie (4) vor den Herrn, den Allmächtigen 
(xaPTOXQaTa)Q)j damit er ihren Namen in das Buch der Lebenden 
schreibe. Aber auch die Engel {ayYeXoc) des Anklägers {xanf- 
yoQoq\ der auf der Erde ist, schreiben alle Sünden der Menschen 
in ihre Schrifkrolle (xsiQ6yQaq>op) und sitzen an der Pforte 
{xvXti) des Himmels und melden (sie) dem Ankläger (xari^yoQog), 
dass er sie auf seine Schriftrolle {xBiQ6yQaq)0v) schreibe, damit 
er sie anklage (xaT7]yoQ£lv), wenn sie aus der Welt {xoCfiog) 
hierher herabkommen." Ich aber ging (weiter) mit [dem] Engel 
(ayysXog) des Herrn, blickte vor mich und sah dort einen Ort, 
durch den tausend mal Tausend und zehntausend mal Zehntausend 
Engel hindurchgingen, deren Gesicht wie das eines Panthers 
{jcagöaXig) war, deren Zähne aus ihrem Munde herausstanden 
[wie die der Bären], während ihre Augen (5) blutunterlaufen waren 
und ihr Haar aufgelöst wie Frauenhaar, und brennende Geissein 
{ipQayyikLCL) sich in ihren Händen befanden. Als ich sie aber 
gesehen hatte, bekam ich Furcht und sprach zu jenem Engel 
[oyyBXog)^ der mit mir ging: „Wer'sind diese also?" Er erwiderte 
mir: „Dies sind die Diener {ixTighai) der ganzen Schöpfung, 
welche zu den Seelen (tpvxal) der Gottlosen {aOsßeXg) kommen, sie 
entführen und hier niederlegen; sie schweben drei Tage lang mit 
ihnen in der Luft {oltiq) umher, bevor sie sie nehmen und in ihre 
ewige Strafe {xoXaOig) werfen." Ich sprach: „Ich bitte dich, o 
Herr, gieb ihnen nicht die Erlaubnis {i^ovcld), her zu mir zu 
kommen!" Der Engel {ayyeXog) erwiderte: „Habe keine Furcht! 
ich werde sie nicht an dich herankommen lassen, denn du bist 
rein vor (6) dem Herrn; ich werde sie nicht an dich herankommen 
lassen, denn der Herr, der Allmächtige [jtavT0XQax€0Q\ hat mich 
zu dir gesandt, weil du rein bist vor ihm." Darauf (totc) winkte 
er ihnen zu, und sie zogen sich zurück und entwichen von mir. 



* 

IV. Zasammenhängende Übersetzung der anonymen Apokalypse. 151 

Ich aber (öf) ging mit dem Engel {ay^eXog) Gottes weiter, 
blickte vor mich mid sah Thore {xvXac), Als ich mich ihnen 
darauf (zotb) genähert hatte, fand ich, dass es eherne Thore 
(xvXai) seien. Der Engel (ay/eXog) berührte sie, sie öffneten sich 
yor ihm; ich ging mit ihm hinein und fand ihre ganze Strasse 
{xZareUx) wie die einer schonen Stadt {jcoXig) und ging in ihrer 
Mitte. Da (tot«) verwandelte der Engel (ay^eXog) des Herrn 
seine Gestalt (fioQq)^) bei mir an jener Stelle. Ich aber (6i) sah 
sie . (die Thore) an und fand, dass es eherne Thore seien und 
eherne Schlösser und eiserne Riegel. (7) Mein Mund aber {6i) 
wurde dort verschlossen, ich blickte vor mich tmd sah eherne 
Thore {jtvXai), die Feuer sprühten ungeßhr fünfzig Stadien 

(öraöia) weit Wiederum (jtaXcp) wich ich zurück 

und sah ein grosses Meer {d-aXaCöa), Ich aber {6i) dachte, dass 
es ein Meer {&aXaCöa) von Wasser sei, doch fand ich, dass es 
ein ganzes Meer (d'aXaöca) von Feuer war, wie von Schlamm, 
das viel Feuer auswirft (und) dessen Wogen von Schwefel {•^•slov) 
und Pech glühen; sie schickten sich an, sich mir zu nahem. Ich 
aber meinte, dass der Herr, der Allmächtige {jtavroxQarcoQ), ge- 
kommen sei, um mich heimzusuchen. Als ich (es) nun gesehen 
hatte, warf ich mich auf mein Antlitz vor ihm nieder, um ihn anzu- 
beten; ich fürchtete mich sehr und fing an, ihn zu bitten, (8) dass 
er mich aus dieser Not {dvayxrj) erretten solle, und ich seufzte, indem 
ich sprach: „Elöi, Herr, Adönai Sabaoth, ich bitte dich, dass du 
mich errettest aus dieser Not {dvayxrj)^ die mich betroffen hat." 

In jener Stunde stand ich da und sah einen grossen Engel 
(oYyfXog) vor mir, dessen Haar aufgelöst war, wie das der Löwen, 
dessen Zähne aus seinem Munde herausstanden, wie die eines 
Bären {ä^og), dessen Haar aufgelöst war, wie das der Frauen, 
und dessen Körper [omfia) wie der der Schlangen war, indem er 
mich verschlingen wollte. Als ich ihn aber (J^) gesehen hatte, 
bekam ich Furcht vor ihm, so dass {äcxs) alle Glieder {ßiXri) 
meines Körpers (Oeo^a) zitterten; ich warf mich auf mein Antlitz 
nieder und konnte nicht stehen und fing an, vor (9) dem Herrn, 
dein Allmächtigen {jtavxoxQaxG>Q\ zu beten: „Du wirst mich er- 
retten aus dieser Not (avayxrj)f du, der gerettet hat Israel aus 
der Hand Pharaos, des Königs von Ägypten; du rettetest Susanna 
aus der Hand der sündigen Altesten (jtQeoßvTSQOi tijg d6ixlag\ 
du rettetest die drei Heiligen (aYioi), Searak, Meisak, Abdenaköb, 



152 Steindorffy Apokalypse des' Eliaa. 

aus dem feurigen, glühenden Ofen — ich bitte dich, dass du 
(auch) mich errettest aas dieser Not {avayxTjY^ 

Ich erhob mich nun, stand auf und sah einen grossen Engel 
{ayyeXoq) vor mir stehen, dessen Antlitz wie die Strahlen der 
Sonne leuchtete in ihrer (? seiner ?) Herrlichkeit, und dessen 
Antlitz wie das dessen, der von seiner Herrlichkeit erfüllt ist; 
und er war gegürtet wie mit einem goldenen Gürtel über seiner 
Brust, und seine Füsse waren wie im Feuer glühendes Messing. 
(10) Als ich ihn aber {de) gesehen hatte, freute ich mich. Denn 
{yoQ) ich dachte, dass der Herr, der Allmächtige {jtavxoxQaza>Q\ 
gekommen sei, um mich heimzusuchen; ich warf mich auf mein 
Antlitz nieder und betete ihn an. Er sprach zu mir: „Merke 
auf, keineswegs bete mich an! (denn) ich bin nicht der Herr, der 
Allmächtige (jcavToxQarcoQ)^ sondern (dXXa) ich bin der grosse 
Engel (ayysXog) Eremiel, der drunten über dem Abgrunde (Nun) 
und der Unterwelt (Amente), der, in dessen Hand alle Seelen 
{tpvxal) eingeschlossen sind, seit dem Ende der Sündflut {xara- 
xXvöiiog), die auf Erden war, bis auf den heutigen Tag." Ich 
fragte nun den Engel {ayyeXog): „Was ist der Ort, zu dem ich 
hinaufgekommen bin?" Er sprach zu mir: „Das ist die Unter- 
welt (Amente)." Ich fragte ihn nun: „Wer ist der grosse Engel 
(aYYsXog), der so dasteht, den ich gesehen habe?" Er erwiderte: 
„Das ist der, der die Menschen vor dem Herrn anklagt {xartj- 
yoQBlvY, Ich blickte nun hin und sah ihn, wie eine (11) Schrift- 
roUe {x^iQoygaspov) in seiner Hand war. Er begann {aQXBOd-ai) 
sie zu öfiTnen. Als er sie aber {6i) ausgebreitet hatte, las ich 
sie in meiner Sprache, und ich fand alle meine Sünden, die ich 
begangen, von ihm aufgeschrieben, die, welche ich begangen hatte 
von meiner Kindheit an bis zum heutigen Tage, indem sie alle 
auf jener meiner Schrifkrolle aufgeschrieben waren, ohne dass 
ein lügnerisches Wort darunter war. Wenn ich vielleicht nicht 
gegangen war, um einen Kranken oder eine Witwe (xw^) ^u 
besuchen, so fand ich, dass es mir als Vergehen [iXaCOoiia) auf 
meiner Schriftrolle (x'BiQ6yQag>ov) angeschrieben war; hatte ich 
eine Waise {oQfpavoq) nicht besucht, so fand ich, dass es mir 
als Vergehen (iXaocmfia) angeschrieben war auf meiner Schrift- 
rolle {xBiQ6yQaq>ov)] hatte ich einen Tag nicht gefastet {vTjaTsveiv) 
oder nicht zur Zeit des Gebets gebetet, so fand ich, dass es mir 
als Vergehen {kXaxiörov) angeschrieben war auf meiner Schrift- 



lY. Zusammenh&ngende Obersetzong der anonymen Apokalypse. 153 

rolle {xBiQOYQaq)Op)\ (12) und hatte ich mich einen Tag nicht zu 
den Kindern Israel . gewendet, so fand ich, dass er mir als Ver- 
gehen {kkaöacDfia) auf meiner Schriftrolle {x^iQoygaqiov) an- 
geschrieben war, 80 dass (fo(7T£) ich mich auf mein Antlitz 
niederwarf und zu beten anfing vor dem Herrn, dem Allmächtigen 
{^avxoxQaxmQ)'. „Möge dein Mitleid mich erreichen, und mögest 
du meine Schriftrolle {x^tQ6yQaq>ov) abwischen, weil dein Mitleid 
an jedem Orte ist und jede Stätte [xojtoq) erfüllt." 

Ich erhob mich nun , stand aufrecht und sah einen grossen 
Engel {ayysXoq) vor mir, der zu mir sprach: „Sei siegreich und 
stark, denn du bist stark und besiegst den Ankläger {xaxriyoQoq) 
und kommst hinauf aus der Unterwelt (Amente) und dem Ab- 
grund (Nun) ^); du wirst jetzt übersetzen an der Überfahrts- 
stelle." Wiederum {jtaXiv) brachte er eine andere Schriftrolle 
{XBLQoyQa^ov)^ die mit der Hand beschrieben war, und fing an 
(aQxscB-ai), sie aufzurollen; ich las in ihr und fand, dass sie in 
meiner Sprache geschrieben war. 

(Lücke von 2 Seiten) 

(13) Sie nahmen meine Hand, hoben mich in jenes Schiff 
und fingen an, vor mir zu singen, nämlich tausend mal Tausend 
und zehntausend mal Zehntausend Engel {ayyeXoc). Auch ich 
legte mir ein Engels (ayysXog) -Gewand an und sah alle jene 
Engel (äyysXoi) beten {jrQooevx^od-ac). Auch ich fing an, mit 
ihnen zusammen zu beten (jtQoosvxsod^ai) , und verstand ihre 
Sprache, die sie mit mir redeten. Jetzt also, meine Söhne, dies 
ist der Streit {dy<Dv), bei dem das Gute (äya^ä) und das Böse 
auf einer Wage gewogen wird. Darauf (tot«) kam ein grosser 
Engel (ayysXog) heraus, in dessen Hand eine goldene Trompete 
(öaXjtiy^) war, und fing an, sie dreimal über meinem Haupte zu 
blasen {öaXjtl^etp}^ indem er sprach: „Besiege dich, der gesiegt 
hat, sei stark, (14) der stark gewesen ist! Denn (yaQ) du be- 
siegtest den Ankläger (xaxi^yoQog) und entgingest dem Abgrund 
(Nun) und der Unterwelt (Amente); du wirst jetzt übersetzen 



1) Wohl besser: „damit da stark werdest und besiegest und ... . 
hinaufkommst". Vgl. S. 55 Anm. 2. 



154 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

an der Überfahrtsstelle. Denn (yao) dein Name wurde ein- 
geschrieben in das Buch der Lebenden/^ Ich wollte nämlich (yao) 
ihn kttB8en(aöjfa^ecd'ai\ (doch) konnte ich ihn nicht kttssen(a(Tjra- 
^scd-ai), denn gross war seine Herrlichkeit Er lief nun zu all 
den Gerechten {ölxaioijj die da sind Abraham, Isaak, Jakob, 
Enoch, Elias und David. Er unterhielt sich mit ihnen, wie ein 
Freund mit einem Freunde, die sich mit einander unterhalten. 
Nun kam der grosse Engel {ayyeXog), in dessen Hand die goldene 
Trompete {öaXjtty^) war, zu mir und blies (aaXxl^eiv) auf ihr 
hinauf zum Himmel. Der Himmel öffnete sich von Sonnenauf- 
gang bis zu Sonnenuntergang, von Norden bis Süden, und ich 
sah das Meer (d'dXaoaa), das ich drunten (15) in der Unter- 
welt (Amente) gesehen hatte, seine Wogen erhoben sich bis 
hinauf zu den Wolken, und ich sah alle Seelen (Vvxal) in ihm 
untergetaucht. Ich sah auch einige, deren Hände an ihren Nacken 
gebunden und die an Händen und Füssen gefesselt waren. Ich 
sprach: „Wer sind diese?" Er erwiderte mir: „Es- sind die, die 
bestechen {(poQBlv) und die ihnen (d. h. den Menschen) Gold und 
Silber geben, bis sie die Seelen (^t^ai) der Menschen verführen 
[xXavapy*' 

Ich sah aber {6i) noch andere, die in feurige Matten ein- 
gehüllt waren. Ich sprach: „Wer sind diese da?** Er erwiderte 
mir: „Das sind die, welche Geld auf Zins leihen und Zinseszins 
nehmen.** Ich sah aber {di) auch Blinde, die schrieen, und wunderte 
mich. Als ich alle diese Werke Gottes gesehen hatte, sprach 
ich: „Wer sind diese denn?** (16) Er erwiderte mir: „Das sind 
die Eatechumenen (xarrixovfisvoi) , die das Wort Gottes gehört, 
aber (dXXa) in dem Werke, das sie gehört, sich nicht vervoll- 
kommnet hatten.** Ich aber {öi) sprach zu ihm: „Haben sie denn 
keine Reue ((iSTapoia)?"^ Er erwiderte: „Ja**. Ich sprach: „Bis 
zu welchem Tage?** Er erwiderte mir: „Bis zu dem Tage, wo 
der Herr richten {xqIvslv) wird." Ich sah aber [öi) noch andere, 
auf denen ihr Haar war, und sprach: „Giebt es denn hier Haar 
und Körper (öcS/tia)?** Er erwiderte: „Ja, denn der Herr giebt ihnen 
Körper (öcifia) und Haar in (xara) der Weise, wie es ihm gefallt** 

Ich sah aber {öfj noch Viele, die er herausftlhrte, und die 
auf alle diese Strafen {xoXaOatg) blickten. Sie fingen an zu 
schreien und vor dem Herrn, dem Allmächtigen {jcavtoxQaTa)Q\ 
zu beten, indem sie also sprachen: „Wir bitten dich (17) f&r 



lY. Zusammenh&ngende Übenetzoog der Apokalypse dea Elias. 155 

diese, die in allen diesen Strafen {xoXaCeig) sind, dass dn niifc 
ihnen allen Mitleid habesf Als ich sie aber (öd) alle gesehen 
hatte, sprach ich zu dem Engel {ayysXogjf der mit mir redete: 
[„Wer sind diese da?**] Er erwiderte mir: „Diese, die den 
Herrn anflehen, sind Abraham, Isaak und Jakob. Zu einer 
Stunde nämlich kommen sie täglich heraus mit dem grossen 
Engel {ayy6Xog\ er bläst hinauf zum Himmel und einen anderen 
Trompetenstoss zur Erde, es hören alle Gerechten (ölxaioc) 
den Laut und kommen eilends herbei, indem sie anflehen den 
Herrn, den Allmächtigen (jcapToocQdxcoQ), täglich fQr diese, die 
drunten in allen diesen Strafen {xojLaoeig) sind/* Wiederum 
aber {xaXiv öi) kommt der grosse Engel {ayyBXoq) heraus, indem 
die goldene Trompete {oaXütiy^ in seiner Hand ist, und indem 
er hinab zur Erde bläst [oaXnlC^Biv)] man hört (ihn) in den 
Gegenden des Aufgangs bis zu den Gegenden des Niedergangs 
und im Süden bis zum Norden. Wiederum {naXiv) auch bläst er 
(oaXjtlC^Biv) (18) hinauf zum Himmel, und man hört seine Stimme. 
Ich sprach: „0 Herr, weswegen liessest du mich bis jetzt 
nicht an die alle heran?** Er erwiderte mir: „Ich habe keine 
Macht (fgovo/a), sie dir zu zeigen, bis der Herr, der Allmächtige 
{xavxoxQaxcDQ)^ aufsteht in seinem Zorne {d^fiog)^ um die Erde 
und die Himmel zu vernichten. Sie werden (es) sehen und wanken 
und allesamt schreien, indem sie also sprechen: , Alles Fleisch 
((Ja()g), das dir gehört, werden wir dir alles geben am Tage des 
Herrn/ Wer wird stehen können vor ihm, wenn (orav) er auf- 
steht in seinem Zorne (ßvfiog), so dass die Erde erzittert samt 
allen Bäumen, die auf der Erde wachsen; sie werden ausgerissen 
werden mit ihrer Wurzel und niederfallen und alle Hohen Türme 
{xvQyoi)^ und die flatternden Vögel werden niederfallen.** 



n. Die Apokalypse des Elias. 

(19) Das Wort des Herrn erging an mich also: Menschen- 
sohn, sage diesem Volke {Xa6g)\ „Weswegen häuft ihr Sünde auf 
Sünde und erbittert Gott den Herrn, der euch geschaffen hat? 
Liebet nicht die Welt (xoCfiog) noch (ovö^ das, was in der 
Welt {x6ö(iog) ist; denn {yaQ) der Ruhm der Welt (xocfiog) 
ist des Teufels (ßiaßoXog) samt ihrer Auflösung. Gedenket, dass 



156 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

der Herr der Herrlichkeit, der alles geschaffen hat, Mitleid mit 
euch hat, damit er uns errette aus der Gefangenschaft {alxfKX" 
Xtoola) dieser Zeit (alcip). Denn {yaQ) oftmals wünschte (|jri- 
^Helv) der Teufel {öidßokog), die Sonne nicht über der Erde 
aufgehen zu lassen und die Erde keine Frucht (xaQjrog) geben 
zu lassen, indem er die Menschen verzehren wollte, wie eine 
Flamme, indem er mit Gebrüll einheflief^) (20), indem er sie 
verzehren wollte wie ein Löwe, Deswegen nun hat der Gott der 
Herrlichkeit Mitleid mit uns gehabt und seinen Sohn in die 
Welt (xoofiog) gesandt, damit er uns errette aus der Gefangen- 
schaft {alxfiaXcoOla); nicht liess er es wissen einen Engel (ayyc^og), 
als er zu uns kam, auch keinen {ovöi) Erzengel {dQXc^YysJiog) 
oder (ovöi) irgend eine Macht (aQX^), sondern (dXXd) er ver- 
wandelte sich in einen Menschen, als er zu uns kam, damit ör 

uns errette Drum seid ihm Kinder, da er euch Vater 

ist, gedenket, dass er euch Throne (d-Qovoi) und Kronen im 
Himmel bereitet hat, (mit den Worten): ^AUe, die auf mich hören 
werden, werden die Throne {d^Qovot) und die Kronen erhalten/" 

Es spricht der Herr: „Bei den Meinigen werde ich meinen 
Namen auf ihre Stirn schreiben und ihre rechte Hand besiegeln 
{og)QaYl^eip)] (21) sie werden nicht hungern und nicht dürsten, 
noch (ovöe) wird der Sohn der Gesetzlosigkeit {dvofila) gegen 
sie Macht haben, noch {ovöi) werden die Throne [d^QOvoi) sie 
hindern {xoXvblv)^ sondern {dXXd) sie werden mit den Engeln 
(ayyeXoi) bis zu meiner Stadt {jioXiq) gehen. Die Sünder aber 
{öi) hingegen werden in Bestürzung geraten, sie werden an den 
Thronen (d'QOVOi) nicht vorüberkommen, sondern {dXXd) die 

Throne {B-qovoi) werden sie ergreifen und ihrer Herr werden 

weil die Engel {dyyeXoi) nicht mit ihnen übereinstimmen {jteld^e- 
o&ac), (und) sie sich seinen Wohnstätten entfremdet haben. 

Höret, ihr Verständigen der Erde, über die Irrlehrer {jtXdpoi)^ 
die zahlreich sein werden am Ende der Zeiten: Sie werden ihnen 
Lehren geben, die nicht Gottes sind, indem sie das Gesetz (voiiog) 
Gottes abschaffen {dd^sTelp)^ sie, die gemacht haben (22) die 
Nacht zum Tage, indem sie sprechen: „Das Fasten (pfjOrela) 
existiert nicht und nicht (ovöi) hat es Gott geschaffen", indem 
sie sich dem Bunde (öiad'Tjxr]) entfremden und sich der 



1) oder: „wie eine mit Geräusch laufende Flamme". 



IV. Zusammenbängende Übersetzung der Apokalypse des Elias. 157 



herrlichen Verheissungen berauben (ajtoorsQSlp), Diese aber 
(öf) beruhen f&r alle Zeit in dem festen Glauben {xlotig). 
Lasst drum jene euch nicht irreleiten {jtXapäv) und denket daran, 
dass der Herr das Fasten {prjateld) geschaffen hat, er, der die 
Himmel geschaffen, zum Wohle der Menschen wegen der Leiden- 
schaften {jca^-i]) und Begierden {ijti&viilac), die gegen euch 

kämpfen, damit euch der Böse {jto[v7]]Q6g) nicht ; doch 

(dXXa) ein reines Fasten {vTjarela) habe ich geschaffen, spricht 
der Herr; der, welcher fastet (vTjOrtvsiv) alle Zeit, (23) wird nicht 
sündigen, wenn Eifersucht und Streit in ihm isi Der Reine 
möge fasten {vijareveip)] wer aber (öi) fastet, ohne rein zu sein, 
erzürnt den Herrn und auch die Engel (a^yeloi) und fügt seiner 
Seele {fpvxi^) Schmerz zu, indem er sich Zorn {oQyrj) sammelt für 
den Tag des Zorns (ogy^). Ein reines Fasten {prjorela) aber (öf) 
habe ich geschaffen, mit reinem Herzen und reinen Händen; es 
vergiebt Sünden und heilt {d-SQajtBveiv) Krankheiten, es treibt 
Geister (öalf^opsg) aus und hat Kraft (iveQyslv) bis zum Throne 

(d-Qovog) Gottes ; werden Sünden durch ein reines 

Gebet (xQOCevxi^) vergeben. Wer von euch wird hinaus aufs 
Feld gehen, der gerühmt wird in seinem Handwerk {rixvri\ ohne 
(24) dass er ein Werkzeug bei sich hat, oder wer wird in den 
Krieg {noXeiioq) hinausziehen, um zu kämpfen, ohne dass er einen 
Panzer anhat? Wird man ihn nicht {ßrj\ wenn man ihn findet, töten, 
weil er das Amt 



{oq>g>lxiop) 
des Königs vernachlässigt hat? 
Ebenso darf Niemand an den 
heiligen Ort gehen, der in seinem 
Herzen zweifelt. Wer [in] seinem 
Gebete (jtQoCavxfj) zweifelt, ist 
gegen sich feindlich^ und auch 
die Engel {ayyeXoc) stimmen 
nicht mit ihm überein {jtel&s- 
C^ai). Darum seid einigen 
Herzens alle . Zeit im Herrn, 



(Sa. '6) ihn da, weil er das Amt 
{offiplxiov) des Königs vernach- 
lässigt hat? Ebenso darf Niemand 
an den heiligen Ort gehen, der 
in seinem Herzen zweifelt. Wer 
in seinem Gebete {jtQoosvxrj) 
zweifelt, ist gegen sich .... und 
auch die Engel [ayyeXoi) stim- 
men nicht mit ihm überein 
{xeld-ead^ai). Darum seid einigen 
Herzens alle Zeit im Herrn . . . 



damit ihr Alles erkennt {votlv), 1 , damit ihr alles 

Betreffs der Assyrer (Aööv- I erkennt {voelv). Betreffs der 
()£0$}-Könige also und der Auf- | Assyrer (AoöVQioq)-Kj6m^Q und 
lösung des Himmels -und der der Auflösung des Himmels und 
Erde und des Unterirdischen, der Erde, so werden die Mei- 



158 



SteindorfF, Apokalypse des Elias. 



80 werden sie jetzt nun nicht über- 
wältigt werden, spricht der Herr, 
und (ovöi) sie werden sich auch 
nicht furchten (25) im Kriege 
(xoXeiiog). Wenn (prap) sie im 
Norden[einenEönig] sich erheben 
[sehen, so werden sie ihn den 
Assyrer (AöOvQiog)]'K6mg [und] 
den Eonig des Frevels {döixla) 
[nennen]; [er wird zahlreiche] 
Kriege {jcoXs/ioi) und Wirren 
über Ägypten [bringen]. Das 
Land wird auf einmal seufzen, 
weil man eure Kinder rauben 
wird (dQJta^eip). Viele werden 
in jenen Tagen den Tod wün- 
schen (ijti&vfielv), der Tod aber 
(öi) wird von ihnen fliehen. Und 
es wird sich auch ein König in 
den westlichen Gegenden er- 
heben, den man den König des 
Friedens {elQ^vrj) nennen wird; 
er wird auf dem Meere {d-aXaöoä) 
laufen wie ein brüllender Löwe, 
er wird den König des Frevels 
(dötxla) töten und Rache nehmen 
an Ägypten in Kriegen {jcoXe- 
fioc) und vielem Blutvergiessen. 
(26) Es wird in jenen Tagen 
geschehen, dass er F[rieden] 
(sIq^ptj) gebieten wird {xeXevsip) 
von Agy[pten] an und ein [nich- 
tiges] Geschenk (ömgov); [er 
wird] den Frieden {elQi^prj) geben 
diesen H[eiligen, indem er 
spricht:] „Einzig ist der Name 
[Gottes". Er wird] Ehren geben 
den Heiligen [und] Aufrichtung 
der heiligen Stätten (rojro«), er 



nigen nicht überwältigt werden 
können, spricht der Herr, und 
(pvöi) sie werden sich auch 
nicht fürchten im Kriege (xoZs- 
flog). Und wenn (orap) sie im 
Norden einen König sich er- 
heben sehen, so Werden sie ihn 
den Assyrer (AöOVQiog) -König 
xmd den König des Frevels 
{döixla) nennen; er wird zahl- 
reiche Kriege (jtoXsfioi) und 
Wirren über Ägypten bringen. 
Das Land wird auf einmal seufiEcn, 
man wird eure Kinder rauben 
{dQJtd^eip). Viele werden in 
jenen Tagen den Tod wünschen 
{ixtdvfiElp). (Sa.4)Darauf(TOT£) 
wird ein König sich im Westen 
erheben, den man den König 
des Friedens {elQtjptj) nennen 
wird; er [wird] auf dem Meere 
{d-dXaOöa) laufen, wie ein 
brüllender Löwe, er wird den 
König des Frevels {döixla) töten 
und auch an Ägypten Rache 
nehmen in Krieg {jtoXsuog) und 
Blutvergiessen. Und es wird in 
jenen Tagen geschehen; er wird 
Frieden {elQrjpri] gebieten (xß- 
Xeveip) von Ägypten aus und 
ein nichtiges Geschenk {öa)Q6d); 
er wird Frieden {slQi^prj) geben 
diesen Heiligen, er wird sich 
anschicken zu sagen: „Einzig 
ist der Name Gottes." Er wird 
Ehre geben den Priestern Gottes 
und die heiligen Orte aufrichten; 
er wird nichtige Geschenke 
{öcoQa) geben dem Hause Gottes 



IV. ZuBammenhängende Übersetz ung der Apokalypse des Elias. 159 



wird nichtige Gesclienke {öAqcl) 
dem Hause Gottes geben nnd 
sich von den Städten {xoXBtq) 
Ägyptens listig, ohne dass sie 
es wossten, abwenden; er wird 
die heiligen Orte zahlen und die 
Götzenbilder {Blöa>Xa) der Heiden 
{sd-vfi) wägen, er wird ihre 
Schätze iXQW^'^^) zählen und 
Priester einsetzen f&r sie, er 
wird befehlen {xbXbvsiv)^ die 
Weisen des Landes und die 
Grossen des Volkes {Xaoq) zu 
ergreifen und nach der Haupt- 
stadt {fujTQOjtoXig) am Meere 
(d-aXacod) zu bringen, indem 
man sagt: . . 



und sich von den Städten (jro>l€^) 
Ägyptens listig, ohne dass sie 
es wussten, abwenden; er wird 
die heiligen Orte zählen und die 
G5tzenbilder(e!<)(»jla) derHeiden 
(iO-vfj) wägen, er wird ihre 
Schätze (xQ^f^ctra) zählen und 
die Priester einsetzen; er wird 
befehlen {xeXeveiv)^ dass die 
Weisen des Landes und die 
Grossen des Volkes (kaog) er- 
griffen und nach der Hauptstadt 
{(iritQOJtoXig) am Meere {d-a- 
Xaööd) gebracht werden, indem 
er sagt: . . 



(Lücke) 

(27) Söhne durch Raub. Die Städte {jioXsig) Ägyptens 
werden seufzen in jenen Tagen, denn {yaQ) man wird die Stimme 
des Verkäufers und des Käufers nicht hören. Die Märkte {dyooal) 
der Städte {jcoXsig) Ägyptens werden verstauben; die Einwohner 
Ägyptens werden auf einmal weinen und den Tod begehren 
{ija&vfi€lv). Der Tod (aber) flieht und verlässt sie. In jenen 
Tagen werden sie auf die Felsen {jtixgaC) eilen und ^iTio^springen, 
indem sie sprechen: „Fallet auf uns herab ,^' und doch werden 
sie nicht sterben. Eine vielfache Drangsal (d-Xltpig) wird sich 
mehren auf der ganzen Erde in jenen Tagen; der König wird 
befehlen, dass alle säugenden Frauen ergriffen und ihm gefesselt 
gebracht werden, damit sie die Drachen {ÖQaxovrsg) säugen (2S), 

sie ihr Blut aus ihren* Brüsten ziehen und sie den feurigen 

übergeben werden. Was die Not {dvayxri) der Städte {jtoXsig) 
betrifft, so wird er weiter befehlen {xeXsveiv), dass alle Kinder 

ergriffen werden von zwölf Jahren an abwärts, und sie dem 

übergeben werden, um Flammen zu sprühen. Die Wehmutter 
im Lande wird trauern; die, welche geboren hat, wird ihren 
Blick zum Himmel richten mit den Worten: „Weswegen sitze 



IgO SteindorS^ Apokalypse des Elias. 

ich um Kinder in die Welt zu setzen?" Aber die Un- 
fruchtbare und die Jungfrau (xagd-ivog) wird sich freuen, indem 
sie spricht: „Jetzt ist es an uns, dass wir uns freuen, dass wir 
keine Kinder auf Erden haben, sondern {aXXa) dass unsere Kinder 
in den Himmeln sind." 

In jenen Tagen werden sich nun drei (29) Konige bei den 
Persem (IldQöai) erheben, die Juden, die in Ägypten sind, ge- 
fangen nehmen {alxfictjLcorl^ecp), sie nach Jerusalem bringen, es 
besiedeln und dort wohnen. Wenn ihr dann {rore) hört, dass 
Zwietracht in Jerusalem ist, (so) zerreisst eure Kleider, ihr Priester 
des Landes, denn der Sohn des Verderbens wird bald kommen. 
In jenen Tagen nun wird sich der Gesetzlose {apofiog) an den 
heiligen Orten zeigen. 

Die Könige der Perser (IleQOai) werden nun in [jenen] Tagen 

fliehen, ym {nach) mit den Assyrer (AaovQiog) -Komgen, 

Vier Könige werden mit dreien kämpfen, sie werden drei Jahre 
an jenem Ort zubringen, bis sie den Schatz (xQ^fio) des Tempels, 
der an jenem Orte, /br/tragen. 

In jenen Tagen (30) wird Blut fliessen von K6s bis Memphis, 
der Fluss Ägyptens wird blutig werden, so dass man drei Tage 
lang nicht aus ihm trinken kann. Wehe Ägypten und denen, 
die darin wohnen! 

In jenen Tagen wird sich ein König erheben in der Stadt 
{jt6Xig)f die man „die Stadt (jtoXig) der Sonne" nennt, und das 
ganze Land wird bestürzt werden [und] hinauf nach Memphis 
fliehen. 

Im sechsten Jahre werden die Perser (IliQaaiyKömge eine 
List in Memphis anwenden, und den Assyrer (AöcvgiogyKbnig 
töten; die Perser {IliQCat) werden Rache an dem Lande nehmen 
und befehlen {xeXbvslv), alle Heiden [Id-vi]) und Gottlosen 
{apofdoi) zu töten; sie werden befehlen (xsXsveip), die heiligen 
Tempel aufzubauen, und doppelte Geschenke (öäga) (31) an das 
Haus Gottes geben und sprechen: „Einzig ist der Name Gottes." 
Das ganze Land wird die Perser (IleQOai) anbeten. Auch die 
Übrigen, die nicht unter den Schlägen {pcXi}yal) gestorben sind, 
werden sprechen: ,J2inen gerechten {ölxatog) König hat der Herr 
uns gesandt, damit das Land nicht wüste werde." Er wird be- 
fehlen {xBXeveiv), dem Könige drei Jahre und sechs Monate lang 
nichts zu geben. Das Land wird sich mit Gütern {ayad'a) in 



lY. Zasammenhftngende Übersetzung der Apokalypse des Elias. lß\ 



grossem Wohlstände fblleo. Die Lebenden werden den Toten 
entgegen gehen mit den Worten: „Stehet auf und seid mit uns 
in dieser Ruhe!" 

Im vierten Jahre jenes Königs wird sich der Sohn der Gesetz- 
losigkeit {avoiild) zeigen, indem er spricht: „Ich bin der Gesalbte 
(;f()£öro$)", obwohl er es nicht ist. Vertrauet {jtioxBVBiv) ihm nicht! 
Wenn der Gesalbte [xQ^<i'^oq) kommt, so kommt er (32) wie eine 
Tauben^e^^^j indem ihn der Kranz von Tauben umgiebt, indem 
er schwebt auf den Wolken des Himmels und das Zeichen des 
Kreuzes {oxfWQoq) vor ihm herzieht , indem die ganze Welt 
{x6o[ioq) ihn sehen wird wie die Sonne, welche leuchtet von den 
Gegenden des Aufgangs bis zu den Gegenden des Niedergangs. 
Also kommt er, indem alle seine Engel {ayyeXoi) ihn umgeben. 
Es wird nun auch der Sohn der Gesetzlosigkeit {dpofUa) ver- 
suchen, sich an den heiligen Orten festzusetzen, und zur Sonne 
sagen: „Falle", und sie wird fallen; er wird sagen: „Leuchte", 
und sie wird es; er wird sagen: „Werde dunkel", und sie wird 
€s; er wird zum Monde sagen: „Werde blutig**, und er wird es; 
er wird mit ihnen vom Himmel 



verschwinden und auf dem Meere 
{^aXaCöa) und (33) den Flössen 
wandeln, wie auf dem Trocknen; 
er wird die Lahmen gehen, die 
Tauben hören, die Stummen 
reden und die Blinden sehen 
lassen; die Aussätzigen wird er 
reinigen und die Kranken heilen; 
die, welche von Geistern besessen 
sind (öaifiOPioi), (denen) wird 
er sie austreiben; er wird viele 
Wunder und Zeichen vor Jeder- 
mann verrichten und die Werke 
thun, die der Gesalbte (xQ^^Orog) 
gethan hat^ bis auf das Auf- 
erwecken der Toten allein. Daran 
werdet ihr ihn erkennen, dass 
er der Sohn der Gesetzlosigkeit 
{avofila) ist, weil er keine Macht 
über die Seele (tpvx^) hat. Seine I 

Texte a. Unters uchangen. N. F. II, 8a. 



(Sa. 5) vom Himmel, indem (er 
spricht: „Wandelt auf dem 
Trocknen*', und ihr) geht auf 
den Meeren {d^aXaCCat) und 
Flüssen, wie auf dem Trocknen; 
er wird die Lahmen gehn, die 
Tauben {x(Dg)6q) hören, die 
Stummen reden und die Blinden 
sehen lassen; die Aussätzigen 
wird er reinigen und die Kranken 
heilen; die, welche von Geistern 
besessen sind (da^^o^^o^), (denen) 
wird er sie austreiben; er wird 
viele Wunder und Zeichen vor 
Jedermann verrichten und die 
Werke thun, die der Gesalbte 
{XQiOxoq) thun wird, bis auf das 
Auferwecken der Toten allein. 
Daran werdet ihr ihn erkennen, 
dass er der Sohn der Gesetz- 
losigkeit {dvofila) ist, weil er 

11 



162 



Steindorif, Apokalypse des Elias« 



Merkmale nämlich {yciQ) will keine Macht über die Seele 



ich euch sagen, damit ihr ihn 

erkennt: „Er ist wenig , 

jung, dünnbeinig, vom auf seinem 
Kopfe ist eine Stelle von weissem 

Haar, (34) , seine Augen-- 

brauen reichen bis zu seinen 
Ohren, (und) Aussatzgrind ist 
vorn auf seinen Händen; er wird 
sich Yor denen, die ihm zu- 
schauen, verwandeln, er wird 
jung und alt werden und sich 
mit allen Merkmalen yerwandeln. 
Nur die Merkmale seines Kopfes 
werden sich nicht verwandeln 
können. Daran werdet ihr ihn 
erkennen, dass er der Sohn der 
Gesetzlosigkeit {avoiüa) ist." 

Es wird nun die Jungfrau 
{jtaQ&ipog), Namens Tabitha, 
hören, dass der Unverschämte 
sich au den heiligen Orten ge- 
zeigt hat, sie wird sich in ihr 
Byssusgewand hüllen und ihm 
hinauf nach Judäa nachlaufen, 
indem sie ihn bis Jerusalem 
schilt: „0 (co) Unverschämter, 
o (c6) Sohn der Gesetzlosigkeit 
(dvofila), o (eö) der verfeindet 
ist mit allen Heiligen!" 



(y^vx^) hat. Seine Merkmale 
will ich euch sagen, damit ihr 
ihn erkennt: „Er ist ein wenig 

, , dünnbeinig, 

vom auf seinem Kopfe ist eine 

Stelle von weissem Haar, , 

seine Äugenbrauen reichen bis 
zu seinen Ohren, (und) Aussatz- 
grind ist vom auf seinen Hän- 
den ; er wird sich vor euch ver- 
wandeln; manchmal (Sa. 6) nun 
{(iiv) wird er alt und (cf^) manch- 
mal wieder jung werden; er wird 
sich mit seinen Merkmalen ver- 
wandeln; aber {6i) die Merkmale 
seines Kopfes wird er nicht ver- 
wandeln. Daran werdet ihr ihn 
erkennen, dass er der Sohn der 
Gesetzlosigkeit {dvofdla) ist 

Es wird die Jungfrau {xag- 
d^£vO(;\ Namens Tabitha, hören, 
dass der Unverschämte sich an 
dem heiligen Orte gezeigt hat; 
sie wird sich in ihr Byssus- 
gewand hüllen und hinauf nach 
Judäa laufen und ihn bis hinauf 
nach Jerusalem schelten mit 
den Worten: „0 (co) Unver- 
schämter, o (q>) Sohn der Ge- 
setzlosigkeit {dvofdla), o (co) der 
verfeindet ist mit allen Heiligen !" 
Alsdann {tote) wird der Unverschämte gegen die Jungfrau 
(jraQ&ipog) zornig werden und ihr bis zu den Gegenden des 
Sonnenuntergangs nachlaufen; er wird ihr Blut schlürfen zur 
Abendzeit und es auf den Tempel giessen, und es wird zum Heile 
für das Volk (Zaog) werden. Sie wird auferstehen zur Morgen- 
zeit und (wieder) leben und ihn beschuldigen mit den Worten; 
„Unverschämter, du hast keine Macht über meine Seele (V^^*?) 



IV. Zusammenhängende Übersetzung der Apokalypse des Elias. 153 

noch (pvöi) über meinen Körper {Omiia)\ denn ich lebe im Herrn 
alle Zeit. (Sa. 7) Auch mein Blut gössest du auf den Tempel, 
und es ward zum Heile für das Volk {Xaoqy'' 

Wenn dann (rore) Elias und Henoch hören, dass der Un- 
verschämte sich an dem heiligen Orte gezeigt hat, so kommen 
sie herab und kämpfen (jtoXefistv) mit ihm, indem sie sprechen: 
„Schämst du dich nicht, dich an die Heiligen zu drängen, da du 
(doch ihnen) fremd bist alle Zeit; du wurdest verfeindet mit den 
Himmlischen und den Irdischen; du wurdest verfeindet mit den 
Thronen (d-Qovoi) und den Engeln (ay/eXot)] du bist ein Fremd- 
ling alle Zeit; du fielest vom Himmel, gleichwie die Sterne am 
Morgen; du wurdest verwandelt und die Materie {vZff) wurde 
feindlich gegen dich; schämst du dich denn nicht, dich an äott 
heranzudrängen, obwohl du ein Teufel (öiaßoXog) bist?" 

Der Unverschämte wird (es) hören und zornig werden und 

mit ihnen auf dem Markte (ayoga) der grossen Stadt {jtoXig) 

kämpfen {jtoXefietv) und sieben Tage lang mit ihnen kämpfen 

{jtojL€fi6tv), und sie werden drei und einen halben Tag tot auf 

dem Markte {ayoQo) liegen, indem das ganze Volk (kaog) sie 

sieht. Am vierten Tage aber (öf) werden sie auferstehen und 

ihn schelten mit den Worten: „0 (00) Unver- 

(35) schämter, o (c») Sohn , schämter, schämst du dich nicht, 

der Gesetzlosigkeit {dpofila), (Sa. 8) das Volk (Xaoq) 

schämst du dich nicht, das Volk unseres Gottes 

(Xaog) Gottes zu verfahren {jtXa- - zu verfahren {nXavav\ 

väv), fQr das du nicht gelitten f&r das du nicht gelitten hast? 

hast? weisst du nicht, dass wir weisst du nicht, dass wir im 

im Herrn leben ! Herrn leben, um dich zu wider- 

' legen alle Zeit, wenn du sagst: 

„Ich habe diese überwältigt"? 

Wir werden ablegen das Fleisch Wir werden das Fleisch {oaQ§) 

{oaQ§) des Geistes (jtpevfia) und des Körpers {owfia) ablegen und 

dich töten, ohne dass es dir dich töten, ohne dass es dir 

möglich ist, zu reden an jenem möglich ist, zu reden an jenem 

Tage; denn wir sind stark alle ' Tage; denn wir leben im Herrn 

Zeit im Herrn; du aber (öi) bist 1 alle Zeit und du bist feind- 

Gott feindlich alle Zeit." Der lieh alle Zeit." Der Unver- 

Unverschämte wird es hören und schämte wird (es) hören, in- 

zomig werden und sie bekämpfen | dem er zornig ist, und wird sie 

11* 



164 



Steindorff, Apokalypse des EHas* 



{jtoXsfiStp) und die ganze Stadt 
{:x6Xig) wird am sie herumstehen. 
An jenem Tage werden sie 
jauchzen gen Himmel, indem sie 
leuchten und das ganze Volk 
(Xaog) und die ganze Welt {xoö- 
flog) sie sieht. Der Sohn der Ge- 
setzlosigkeit {dvofila) aber wird 
sie nicht überwältigen, (36) er 
wird dem Lande zürnen und 
suchen, dem Volke {Xaog) Sünde 
zuzufügen, er wird alle Heiligen 
verfolgen, und sie werden mit den 
Priestern des Landes gebunden 
t<7e^geftihrt werden, er wird sie 

toten und sie 

sie, man wird ihre 

Augen mit eisernen Spitzen aus- 
stechen, er wird ihre Haut Ton 
ihrem Kopf abziehen und ihre 
Nägel einzeln ausreissen, er wird 
befehlen {xeXeveiv), in ihre Nase 
Essig und Lauge {xovla) zu 
bringen. Diejenigen aber (rf^, 
welche die Foltern (ßaöavoi) 
jenes Königs nicht zu ertragen 
vermochten, werden (ihr) Gold 
forttragen und auf Fähren in 
wüste {eQfjiioi) Gegenden fliehen, 
und einschlafen wie ein Schlum- 
mernder. Der Herr wird ihre 
Geister {jtpsvfiara) und ihre 
Seelen {rpxjxal) zu sich nehmen, 
(37) ihr Fleisch (öagxsg) wird zu 
Stein {jterQo) werden, und kein 
Tier (O^qIov) wird es fressen 
bis zum letzten Tage des grossen 
Gerichts {xglöig), und sie werden 
auferstehen und eine Ruhestätte 



bekämpfen (xaZefielp)] die ganze 
Stadt (jcoXig) wird um sie herum- 
stehen. An jenem Tage werden 
sie jauchzen gen Himmel, indem 
sie leuchten, [und das ganze 
Volk und die] ganze Welt {xoc- 
flog) sie sieht, und der Sohn 
der Gesetzlosigkeit (äpofila) 
wird sie nicht überwältigen; 
er wird dem Lande zürnen und 
suchen, dem Volke (Xaog) Sünde 
zuzufügen; er wird befehlen 
{xeXsvsiv), 



dass ihre Augen mit einem eiser- 
nen Bohrer ausgebrannt werden, 
und wird ihre Haut von ihrem 
Kopf abziehen und ihre Nagel 
einzeln ausreissen; er wird be- 
fehlen {xsXeveip), in ihre Nase 
Essig und Lauge {xopla) zu 
giessen. Diese aber (di) werden 
(Sa. 9) die Foltern (ßaöapoi) ynes 
Königs nicht ertragen können, 
werden ihr GFold forttragen und 
hinauf nach den Flüssen fliehen, 
indem sie sprechen: „Setzt uns 
nach der Wüste {eQTjfiog) über"; 
sie werden einschlafen wie ein 
Schlummernder. Der Herr wird 
den Geist {jtpsvgia) und die 
Seelen (tpvxal) zu sich nehmen; 
ihr Fleisch (oaQxsg) schmeckt 
wie Schinken {jtiQPai)^ kein 
Tier (ß-tjQlop) wird es fressen 
bis zum Tage des grossen Ge- 



lY. Zasammenh&ngende Übersetzung der Apokalypse des Elias. Ig5 



finden; aber (äZZa) sie werden 
nicht in dem Königreiche des 

Gesalbten (XQ^^'^^^) ^^^^ gleich- 
wie die, welche ausharrten (vjro- 
fidvsiv\ denn es spricht der Herr: 
„Ich werde ihnen gestatten, 
zu meiner Rechten zu sitzen"; 
sie werden vor anderen begnadet 
werden, sie werden den Sohn 
der Gesetzlosigkeit {aifO(ilä) be- 
siegen, die Auflösung des Him- 
mels und der Erde sehen und 
die Throne (d'Qovoi) der Herr- 
lichkeit und die Kronen erhalten. 
Sechzig Gerechte {dlxaioi)^ die 
für diese Stunde yorbereitet sind, 
werden atiserwählt werden, sie 
werden sich mit dem Panzer 
Gottes rüsten, nach Jerusalem 
eilen und mit dem Unverschäm- 
ten kämpfen, indem sie sprechen : 
„Alle Kräfte, (38) die die Pro- 
pheten (jrQog>fjrai) vormals ge- 
than haben, hast du gethan, 
(aber) du konntest keine Toten 
auferwecken, weil du keine 
Macht über die Seele {y>vx^) 
hast. Daran haben wir er- 
kannt, dass du der Sohn der 
Gesetzlosigkeit {avoiila) bist 
Er wird (es) hören und zornig 
werden und befehlen {xaXsveip), 
Altäre anzuzünden, die Gerechten 
(dlxatoi) zu binden, sie hinauf- 
zulegen imd zu verbrennen. 
Und an jenem Tage wird das 
Herz vieler sich gegen ihn ver- 
härten, und sie werden vor ihm 
fliehen mit den Worten: „Dieser 



richts {7CQlöi(i)\ sie werden auf- 
erstehen und Ruhe bekommen; 
aber [aXXa) [sie werden nickt] 
sein mit dem Gesalbten (xQi'' 
Ctog) gleichvne die, welche 
ausharrten {vjtofiivsiv); es 
spricht der Herr; „Ich werde 
ihnen auftragen {raOöeiv), zu 
meiner Rechten zu sitzen; sie 
werden den Sohn der Gesetz- 
losigkeit {dpofila) besiegen, die 
Auflösung des Himmels und 
der Erde sehen und die Throne 
{&q6poi) der Herrlichkeit und die 
Kronen erhalten; es. werden aus- 
erwählt werden sechzig Gerechte 
(dlxaioi) in jenen Tagen, welche 
vorbereitet sind f&r diese Stunde, 
sie werden sich mit dem Panzer 
Gottes rüsten und (Sa.' 10) nach 
Jerusalem eilen, indem sie mit 
{ihnen und) dem Unverschämten 
kämpfen {xoXefietv), indem sie 
sprechen: „Alle Kräfte, die die 
Propheten (jtQotpfjraC) gethan 
&aben, hast du gethan, (aber) 
du konntest keinen Toten auf- 
erwecken, weil du keine Macht 
[über die Seele] hast. Daran haben 
wir erkannt, dass du der Sohn 
der Gesetzlosigkeit {dvofila) bist. 
Der Unverschämte wird (es) hören 
und zornig werden und befehlen 
{xeXev£iv\ dass die Gerechten 
(ölxatoi) gebunden und auf die 
Altäre gelegt und verbrannt 
werden. An jenem Tage wird 
das Herz vieler von ihm abfallen, 
und sie werden sich von ihm 



166 



Steindorfi^ Apokalypse des Elias. 



ist nicht der Gesalbte (;^(>toro$), 
nicht tötet der Gesalbte (xQ^<^f^og) 
Gerechte (öbcaioi) und nicht 
verfolgt er Menschen, indem er 
(sie) suchen will, sondern {dZXa) 
er überzeugt {jteld-Biv) sie durch 
Zeichen und Wunder." 

In jenen Tagen wird der 
Gesalbte ixQ^oxoq) mit den Sei- 
nigen Mitleid haben und yom 
Himmel seine Engel (ayysXoi) 
senden, welches sind vierund- 
sechzigtausend, von denen jeder 
sechs Flügel hat. (39) Ihre 
Stimme wird Himmel und Erde 
erschüttern, wenn sie preisen 
und rühmen. Diejenigen aber 
(ßi)^ auf deren Stirn der Name 
des Gesalbten (;|r(>£0TO^) ge- 
schrieben steht, und auf deren 
Hand das Siegel {6q)QaylQ) (sich 
befindet), die Kleinen und die 
Grossen, werden sie auf ihre 
Flügel nehmen und vor seinem 
Zorne entführen. Dann (rorß) 
werden Gabriel und Uriel eine 
LichirSäule {crvXoq) bilden, in- 
dem sie vor ihnen herziehen in 
das heilige Land, und werden 
ihnen gestatten, zu essen vom 
Baume des Lebens und [weisse] 
Kleider zu tragen {(poQBtv) . . . 

[die Engel (ayysXo^] 

sie bewachen; sie werden nicht 
dür]sten [und auch {ovös) der 
Sohn der Gesetzlosigkeit {avo^ 
lila) wird] sich [ihrer nicht] be- 
mächtigen [können. An je]nem 
[Tage aber {6t) wird] die Er[de 



entfernen, mit den Worten: 
„Dieser ist nicht der Gesalbte 
(;f()*öro§), nicht tötet der Ge- 
salbte (xQi(it6q)G[ereAiMßLxaioi) 
und nicht verfolgt er die Wahr- 
haftigen. Sucht er nicht {firi) 
vielmehr im Gegenteil (Sa. 11) 
sie zu überzeugen (jtsl&eiv) 
durch Zeichen und Wunder?*' 
An jenem Tage wird der 
Gesalbte (xQi'CiTog) mit den Sei- 
nigen MiÜeid haben und vom 
Himmel seine Engel {ayyeZoi) 
senden, welches sind vierund- 
sechzigtausend, von denen jeder 
sechs Flügel hat. Ihre Stimme 
wird Himmel und Erde erschüt- 
tern, wenn sie preisen und 
rühmen. Diejenigen aber {6i), 
auf deren Stirn der Name des 
Gesalbten (xQ^<fT6g) geschrieben 
steht, (und) auf deren rechter 
Hand das Siegel {ag>Qayig) (sich 
befindet), vom Kleinsten bis zum 
Grössten, werden sie auf ihre 
FlQgel nehmen und vor seinefn 
Zorn entführen. Dann {tote) 
werden Gabriel und Uriel eine 
Licht-Säule (ötvXog) bilden und 
vor ihnen herziehen, bis sie sie 
an den heiligen Ort bringen, 
und ihnen befehlen, zu essen 
vom (Sa. 12) Baume des Lebens 
und das weisse Gewand zu tragen 
{g>0Q6tv), und dass die Engel 
{ayysXot) sie bewachen; sie wer- 
den nicht hungern noch (ovöi) 
dürsten, noch {ovöi) wird der 
Sohn der Gesetzlosigkeit(aro^/a) 



IV. ZosammenhilDgende ÜbersetsuDg der Apokalypse des Elias. lQ^ 



erbeben] , 

(40) die Vogel werden tot auf 
die Erde fallen, die Erde wird 
austrocknen, die Gewässer des 
Meeres {&äXaöOa) werden aus- 
trocknen, die Sfinder werden 
seufzen auf der Erde, indem sie 
sprechen: „Was hast du uns 
gethan, du Sohn der Gesetz- 
losigkeit (dpofäa), dass du 
sagtest: ,Ich bin der Gesalbte 
(Xp^OTO^)*, obwohl du der Teufel 
(öiäßoXog) bist? es ist dir nicht 
möglich, dich zu erretten, ge^ 
schweige dass du uns erretten 
wirst. Du thatest Wunder vor 
uns, bis du [uns] dem Gesalbten 
(XQioroq) entfremdet hast, der ' 
uns geschaffen. [Wehe] uns, 
[dass wir] dir gehorchten ! [Siehe 
wir werden jetzt erftült werden 
von] Hungersnot. [Wo ist jetzt 
nun die Spur] eines Ge[rechten] 
{dlxaioq\ [dass wir ihn anbeten] 
oder {ri) wo ist [der, der uns 
belehrt, dass wir ihn] anrufen 
{^taQoacaXBlv) 



sich ihrer bemächtigen können. 
An jenem Tage nun wird die 
Erde erbeben, die Sonne wird 
sich verfinstern, und man wird 
Frieden [BlQfivri) auf Erden 
bringen und den Geist {jtvBV(u£)\ 
die Bäume werden entwurzelt 
werden und hinfallen, die wilden 
Tiere {d^gla) und die Zugtiere 
werden in Bestürzung sterben; 
die Vögel werden tot auf die 
Erde fallen, die Erde wird aus- 
trocknen und die Gewässer des 
Meeres (ß-ajiaööa) werden auf- 
hören, die Sünder werden seufzen 
auf der Erde, indem sie sprechen: 
„Was hast du uns gethan, du 
Sohn der Gesetzlosigkeit (ai^o- 
(ilä)y dass du sagtest: Jch bin 
der Gesalbte (xQiCTogy, obwohl 
du der Sohn der Gesetzlosigkeit 
(dpofila) bist? es ist dir nicht 
möglich, dich zu erretten, ge- 
schweige dass du uns erretten 
wirst. Du thatest nichtige Wun- 
der vor uns, bis du uns dem 
Gesalbten (x(>f<^ro$) entfremdet 
hast (Sa. 13), der uns geschaffen. 
Wehe uns, dass wir dir ge- 
horchten! Siehe wir werden 
jetzt von Hungersnot und Be- 
drängnis (d-jUtpig) erfüllt werden. 
Wo ist jetzt nun die Spur eines 
Gerechten {öbcaiog), dass wir 
(ihn) anbeten, oder (^) wo ist 
der, der uns belehrt, dass wir 
ihn anrufen {:^aQaxaXelv)? jetzt 
nun werden wir durch Zorn 
(oQY^) zu Grunde gehn, weil 



168 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

wir Gott ungehorsam waren. Wir gingen zu den tiefen 
Stellen im Meere (ß^aXaööd) und fanden kein Wasser; wir gruben 
an den FIfissen sechzehn Ellen tief und fanden kein Wasser. 
Darauf (tote) weinte der unverschämte an jenem Tage, indem 
er sprach: „Wehe mir, dass meine Zeit mir vorübergegangen ist; 
ich sagte, dass meine Zeit mir nicht vorübergehen wird; (nun) 
wurden meine Jahre zu Monaten, und meine Ti^e entflogen wie 
flüchtige Staubchen. Jetzt nun werde ich mit euch zu Grunde 
gehen. Jetzt nun flieht in die Wüste {sQTjfiog), ergreift die 
Räuber und tötet sie! Die Heiligen bringet her; denn {yaQ) um 
ihretwillen (Sa. 14) trägt die Erde Frucht (xaQjtog)^ denn (/«()) 
um ihretwillen leuchtet die Sonne über der Erde, denn (yao) um 
ihretwillen kommt der Tau auf die Erde.^' Die Sünder werden 
weinen, indem sie sprechen: „Du hast uns Gott entfremdet; wenn 
es dir möglich ist, so erhebe dich und verfolge sie!" 

Dann {rore) wird er seine feurigen Flügel nehmen und 
hinter den Heiligen herfliegen. Er wird mit ihnen wiederum 
kämpfen. [Die] Engel {ayyeXoi) werden es hören und herab- 
kommen und mit ihm kämpfen {jtoXefietv) , indem sie mit vielen 
Schwertern kämpfen {jtoXsfiog). An jenem Tage wird es ge- 
schehen, (dass) der Herr (es) hören und in grossem Zorne dem 
Himmel und der Erde befehlen wird: sie werden Feuer sprühen, 
und die Flamme wird auf Erden zweiundsiebzig Ellen fassen 
und die Sünder und die Teufel {diaßoXoi) verzehren wie einen 
Halm. Ein gerechtes 

Gerichtwird stattfinden an jenem 
Tage; die Berge der Erde werden 
ihre Stimme von sich geben an 
[jenem] Tage 



(41) [Haljm in gerechtem Ge- 
richt. An jenem Tage werden 
die Berge und die Erde eine 
Stimme von sich geben. 
Die Bösen werden mit einander sprechen: „Hörtet ihr heute die 
Stimme (eines) wandelnden Menschen, der nicht zum Gerichte 
{xQlöig) des Sohnes Gottes kam?" 

Die Sünden eines Jeden werden gegen ihn auftreten an dem 
Orte, wo sie begangen worden sind, sei es (elrs) die bei Tage, 
sei es (etrc) die nächtlichen. Die zu den Gerechten Gehörigen 

dagegen und die werden die Sünder in ihren Strafen (xo- 

XaOeig) sehen mit denen, die sie verfolgt haben {öicixeip), und 
denen, die sie dem Tode überantwortet haben {nagaöidovat). 
Darauf {rort) werden die Sünder ihrerseits den Ort der Gerechten 



lY. Brnchstück der Sophonias-Apokalypee. JjßQ 

(öbcaioi) sehen, und also wird Gnade zu Teil werden. In jenen 
Tagen wird das, um was die [Gerechten {ölxaioi)] (42) vielmals 
bitten werden {alrslv\ ihnen gegeben werden. An jenem Tage 
wird der Herr den Himmel und die Erde richten {xQlvBiv), er 
wird richten (xqIvbiv) die, welche sich im Himmel und auf der 
Erde vergangen haben {stagaßalveiv)^ er wird die Hirten des 
Volks {Xaoq) richten {xqIpbcp) und sie nach der Schafherde 
fragen, und man wird sie ihm übergeben, ohne dass eine Todes- 
list an ihnen ist. 

Darauf kommen Elias und Enoch herab, sie legen ab das 
Fleisch {ooq^) dieser Welt {xoöfiog) und nehmen ihr geistiges 
Fleisch {öaQxeg jtVBVfiarog) an; sie verfolgen den Sohn der Ge- 
setzlosigkeit (dvofila) und töten ihn, ohne dass er reden kann. 
An jenem Tage wird er sich vor ihnen auflösen, wie (43) durch 
Feuer aufgelöstes Eis (xQvöraXXog), er wird vernichtet werden, 
wie ein Drache {ÖQaxa>v), in dem kein Atem ist; man wird ihm 
sagen: „Deine Zeit ist dir vorübergegangen, jetzt nun wirst du 
vernichtet werden mit denen, die an dich glaubten {jtiOrsvBiv\ 
sie werden in die Tiefe des Abgrunds (Nun) geworfen werden, 
und sie wird über ihnen zugeschüttet werden. 

An jenem Tage kommt der Gesalbte (;i^(>£0Tog), der König, 
vom Himmel mit allen Heiligen, er verbrennt die Erde und bringt 
tausend Jahre auf ihr zu; da die Sünder herrschten auf ihr, wird 
er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, in denen 
es keinen Teufel {öiaßoXog) giebt; er wird mit den Heiligen 
herrschen, indem er hinauf- und hinabsteigt^ indem sie mit den 
(44) Engeln {SayyBXoi) alle Zeit sind (und) indem sie mit dem 
Gesalbten {xQtOxog) tausend Jahre sind. 



Die Apokalypse {axoxaXv^tg) des Elias. 



ni. Brachstttck der Sophonias-Apokalypse, 

(Sa. 1) [Ich s]ah eine Seele (tpv^^)» ^i® fßnftausend Engel 
{ayyBXoi) peinigten und bewachten, indem sie sie nach Osten 
nahmen und nach Westen führten, (und) indem sie ihre (der 

Seele) schlugen und indem jeder ihr täglich hundert 

[Schläge mit] Geissein {q)QayyiXa^^^) gaben. Ich bekam Furcht 



170 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

und warf mich auf mein Antlitz, so dass (Sots) meine Knie« 
zitterten. Da ergriff der Engel (ayYsXog) meine Hand und sprach 
zu mir: ,,Sei stark, damit du siegst, und sei mächtig, damit du 
den Ankläger {xarrjyoQog) besiegst und herauf aus der Unter- 
welt (Amente) kommst/' Als ich mich aber {6f) erhoben hatte, 
sprach ich: „Wer ist diese, die gepeinigt wird?" Er antwortete 
mir: „Dies ist eine Seele (fpvxfj), die. in ihren Sünden (apofila) 
gefunden und, bevor sie dazu gekommen war, Busse zu thun 
{fisravosTp), heimgesucht und aus ihrem Korper (öwfia) entfährt 
wurde. Wahrhaftig, ich, Sophonias, sah dieses im Gesicht. Und 
der Engel {ayysXog) des Herrn ging weiter mit mir, und ich sah 
einen grossen, weiten Ort, den tausend mal Tausend [Engel] zur 
Linken und zehntausend mal Zehntausend [Engel] zur Rechten 
umgaben, (deren) Art 'bei jedem verschieden war, deren Haare 
aufgelost waren wie die der Frauen, und deren Zähne waren wie 
die Zähne der (Sa. 2) 



V. 

GLOSSAR 

DER 

ACHMimSCHEN HANDSCHRIFT 



Glossar der aehmiinischeii Handschrift^). 



«^- Hülfszeitwort des Perfektam I; mit Sa£Bxeii: «^ei-, «.i- «.r- 

«.- Hülfszeitwort des Präsens II (B. «.pc-; Stern, Kopt. Gr. § 372); 

mit Suffixen «^q-, «^t-. 

«k- n«.- Hülfszeitwort des Futnrum H; mit Suffixen: 
«^ein«k-, «kKn«k-, «^qn«^-, «kCn«^-, «^TeTn«^-, ^m^-, 

ikr «.- Hülfszeitwort des Futurum HI; mit Suffixen: «^c«.-. 
«k- Präposition (SB. e; K § 348); vor Suffixen «^p«^. 
«.- ungefähr (S/*.-; Stern, Kopt. Gr. § 519) 7, 4. 
«oioT konune! (K § 305) 2, 17. 

«.MÜTc Unterwelt, Hades 10, 10. 16; 12, 15; 14, 3; 15, 1. 
«ktf wiederum 4, 5; 7, 3; 17, 21 u. 5. 
«.ifÄji ich 1, 4; 2, 10; 3, 18; 4, 13 u. ö. 
«.n«^n wir 28, 16. 
«^nHge Ewigkeit 5, 14. 

«.nc f. Kopf 13, 18; 34, 7; Plur. *.nHT£ 36, 9. 
«kT- negatives Praefix; K § 89. 
«kOT und passim. 
iK^e'i viel werden 21, 14; 27, 13; Pseudoparticip «.g 25, 18 (K § 208). 



^) Das Glossar ist wie Feyron's Lexikon nach den Stamm- 
konsonanten der Wörter geordnet Den Halbkonsonanten ei (Jod) 
findet man unter i, halbkonsonantisches or (Waw) unter t. — Ein 
dem Worte nachgesetzter Bindestrich bezeichnet, dass das Wort in 
der tonlosen Form (Status constructos) steht; ein nachgesetzter 
Doppelstrich bezeichnet den Status pronominalis des betr. Worts; 
E § 43 Anm.; 49 Anm.; 175 Anm. — sahst = substantivierte Form 
des Infinitivs; K § 809. — Das Sternchen * vor einem Worte be- 
zeichnet, dass die betr. Wortform in unserem Text nicht vorkommt. 



174 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

'^'«^^«^pe- Hülfszeitwort des Praes. consuet. (K § 280); mit Suffix: 

«^^«^pcq- 38, 13. 
«.sn- auf (K § 358); mit Suffixen «^t&u)^. 
«.^pHit f. unfruchtbar 28, 12. 

Äü)R geben 1, 5; 6, 12; 24, 1 u. ö. 

*kiK7{. aussen: «J^d^A hinaus. 

*ÄÄ aussen: ÄnfiA n- ausserhalb 4, 19; 8,10(vgI.S.MnfiAn- Z. 391,21). 

AeA Auge 1, 8; 4, 20; 36, 7. 

jKlu>A, &«.A«, Pseudopart. IbfA losen; ^loA «J^«^A auflösen passim, 

Au»Ar zürnen cc. «.- 35, 13; (36, 1;) 38, 6. 

iAne f. Zorn 39, 7. 

*iÄA£, Plur. AAA€£T£, ÄAAeoTe blind 33, 4; 15, 16. 

&oT[oTn] schlecht 40, 12. 

£i«.iiine Eisen 6, 20 ; 36, 8. 

&ppe neu 43, 13. 14. 

&«^pb>T in ^«JkiT &«.pb>T Messing 10, 1. 



c- Hülfszeitwort zur Bildung von Zustandssätzen; mit Suffixen: 

eei-, £i; cr-; £q-; £c-; ct-. Futurisch: £qn«k-; £tii«^-. 
£ sein 4, 18; 8, 12; 9, 16; 24, 7. 8; 37, 1. 
£&ü) stumm 33, 3. 
£&«^T Monat 31, 9. 
£i£ sein 24,9. 11; 35, 11. 
£MiiT m. Westen 25, 13. 

£ju«^^T£ ergreifen, herrschen 21, 9 (cc mm«^*); 43, 12. 
£n Negation (S. m). 
cne Fragewort (K § 447). 
*£ng, Hg Augenbrauen 34, 1. 

£p£- Hülfszeitwort des nominalen Zostandssatzes 14, 15; 16, 10; 17, 16. 
epi- thue (K § 305) 19, 9; 20, 12; 32, 14. 15. 
£pHT Genossen 14, 14; 41, 4. 
£pH£T£ halten, bewahren 3, 7. 
ccn£ f. Zunge, Sprache 11, 3; 12, 19; 13, 10. 
£CHT m. Untere: d^n£CHT nach unten 4, 12; 14, 20; 18, 17. 19. 
cc«.T Schaf 42, 8. 
£T-, £T£- Relativpartikel. 



Y. Glossar der achmimischen Handschrift 175 

eTfiie- wegen 18, 2; 20, 2; 21, 14 u. ö. 

c«.T m. Ruhm, Herrlichkeit 9,15.17; 14,9; 19,11; 20,3; 23,18; 39,3. 

£gi€i f. Vorderseite 13, 2. 

e£«jki Seufzer; s. oi)ig. 

£^ was? 10, 15; 16, 7. 

e^oi>ne wenn 2, 12(?) 

e«i^ (K § 307) sage! 19, 3. 



H 



HI m. Haus 26, 8; 31, 1. 

Hne in o&i-Hne zählen 26, 11. 13. 

, (e.) 
£1 kommen; ei «.^oth hineinkommen; ei «.gpHi hinaufkommen; 

ei «.&d.A herauskommen passim. 
ci*. Fragepartikel (K § 448) 16, 5. 
£ik€ dürsten 21, 2. 
leefiie Nagel 26, 10. 
eine bringen 12, 17; 36, 7. 8. 10; Ht. 3, 19; 5, 10; 16, 15; 27, 16; 

36, 3. 
cipe, p-, €£:= thun, machen; das zugehörige Pseudopartizip ist 

wahrscheinlich e, cie „sein" (s. das.). 

icpo m. Fluss 30, 2; Plur. lepoov 33, 1. 

leeT:^ Auge, Blick 28, 9. 

€iu)T, iioT m. Vater 3, 8; 20, 12. 

ci^ne wenn 11,9 (s. daselbst die Anm.). 

K 

R- Präsens I 2. Sg. m ; kh«.- Futurum I 2. Sg. m. 

Rc- anderer passim; Plur, RCReve 37, 9; r.eKeoTe 15, 11; 16, 9. 

Rov stellen, legen, setzen 21, 15; rot «^pHi ablegen 35, 7; 42, 11; 
R*.- lassen 19, 15. 17; r«^- *ii«^A vergeben 23, 11. 15; — R«^*^= 
lassen: r«.«.t 18, 2; r*^v€ 5, 10; R«^oTe 5, 18; 6, 1; 27, 8. 

Rfii«. m. Rache 25, 17; 30, 13. 

*RU)A, Pseudopart. rhäi verdoppeln 27, 13; 31, 1. 

R«.i f. Feld 23, 18. 

Rcifiic, Rifiie Brust 9, 18; 27, 16. 17; 28, 2. 

ROR Grind, Pustel 34, 2. 

ReRc Finsternis 2, 3. 6; 32, 14. 



176 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

kA Riegel, Schloss 6, 19. 

rAo 28, 2. 

rAooAc Wolke 1 5, 2. 

rAäoi m. Kranz 32, 1; Plur. kAoomc 20, 14. 16; 37, 13. 

KIM bewegen cc. *^- 39, 2. 

KHue Ägypten 9, 4; 25, 6. 17; 27, 7; 30, 4 u. ö. 

RHne Wolke 32, 3. 

Rp*.q List 26, 10; 30, 11; 42, 9. 

R«.*.c «(e)- damit cc. Fut. U. 19, 12; 20, 4. 9. 

RODc Stadt in Oberägypten 30, 1. 

RioT baaen 30, 16. 

Rü)T£ umgeben, umherziehen 5, 12; 32, 2. 8; 35, 14. 

Rü)T€ wenden, sich wenden 12, 1; r«^t* 26, 9. 

R^2. ™* Erde passim, 

Rioj^ Eifersucht 23, 1. 

ROD^T Flamme 5, 3; 7, 4. 9; 10, 1; 15, 12; 19, 19; 43, 2. 

A 
Adii<wi Löwe 8, 9. 

AiAoT Kind 28, 5; miit-AiAot f. Kindheit 11, 6. 
AiAcDi Jubel 35, 15. 
Ad.M'seeTn Asphalt, Pech 7, 12. 
A«woT£ irgend ein, neg. niemand, kein 1, 7; 20, 8; 24, 6; 31, 8. 

M 

M- für ii- in (das auch vor nominalem Objekt steht), vor folgendem 

M und n. 
M- für it- des Genetivs, vor m und n. 
M- für n- zur Anknüpfung von Adjektiven, vor m und n. 
M- für ii- des Dativs, vor n. 

M- für H- bestimmter Art. des Plur., vor m und n. 
M«.. m. Ort pa8sim\ m«.. n- K § 92. 
M«.- Hülfszeitwort des negativen Praes. consuet. 38, 11; mit 

Suffixen M«.q- 38, 12; 42, 15. 
MO dort 4, 15; «oio dorthin 4, 13; mjüo Aori passim\ ctmmo jener 

passim. 
MOV sterben 1, 1.2; 21, 10(?); 27, 12; 31,4; 42,9; Pseudopart. m«.tt 

tot sein 31, 12; 33, 10; 38, 3; 40, 1; mot subst. m. 25, 10. 11; 

27, 8; 41, 14. 



V. Glossar der achmimisclien Handschrift. 177 

Mje Recht 41, 1. 

MOTi m. Lowe 25, 15. 

.ueeinc, Meine m. Zeichen 32, 3; 33, 7. 13; 34, 6; 38, 14; 40, 9. 

MOTieTe pL Wasser 40, 2; s. auch mä.t. 

M*.igc Wunder 15, 17; 33, 8; 38, 14. 

MeK£ m. Nacken 15, 5. 

MK«.^ subst. Schmerz 23, 6. 

MM£, wissen 26, 11. 

jÄMfKn nein 2, 4. 

MÄ- es ist nicht (K § ^9ß) passim; MiiTes nicht haben (K§338flf.)« 

MrtTeei ich habe nicht 18, 4; Mniev sie haben nicht 16, 5. 
Mn- Negation des Imperativs s. S. 43 Anm. 4. 
Mit- mit, samt (K § 353) passim; vor Suffixen ncMc^. 
MHne in MMHne täglich 17, 7. 13. 
Miittce- nach (temporal) 42, 10. 
mHt- Nominalpräfix (K § 90). 
Mnqe Memphis 30, 2. 9. 11. 
Xine- Hülfszeitwort des negativen Perf. I; mit Suffixen: mhi-; 

MiiK-; Mnq-; mhot-. 
Äiniop thue nicht cc. «^- 10, 6. 
*Mn«.Te-, mit SuflF, 3. PL mhö^tot- negatives Hülfszeitwort (K § 294) 

5, 12. 
Mncg«. sehr 7, 19. 

Movp binden 38, 7; Pseudopart. mhp 9, 17; 15, 4; 27, 17; 36, 4. 
M«.p€- Hülfszeitwort des Optativs (K § 283) 12, 6; mit Suff. 3. Sg. 

M«i.peq- 23, 2. 
Mppe- lieben (vgl. S. Mcpe-) 19, 6. 
MHcc f. Zins 15, 14. 15. 
Mice gebären 28, 9. 
MccioT f. Hebamme 28, 7. 
*MHT, MHT- zehn, in Mirrcn«.Tc zwölf 28, 5. 
MHTc f. Mitte 6, 15. 
MOTTE rufen cc. *>- 25, 13; 30, 7. 
MTo m. Gegenwart passim. 
MT«.n ruhen, subst. Ruhe 31, 14; 37, 4. 
M«.T Wasser 7, 8; 20, 2; s. auch motictc. 
Meere, Meve, Meore denken 7, 7. 14; 10, 2; subst. Gedächtnis, 

p-HMeeve gedenken 19, 10; 20, 12; 22, 10. 
Mieiuse Menge 16, 15. 

Texte a. Untersnohungen. N. F. II, Sa. 12 



178 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

MOTg ftllen, sich füllen cc* ii- 12, 9; 31, 9; m«.^- 38, 17. 

MiK^r zur Bildung von Ordinalzahlen (S. juep- K § 165) 30,9; 31, 14. 

M«.*.ge gehen 3, 1; 4, 17; 6, 14; 7, 5; 21,5; 32,3.17; 33,2; 41,5; 

daneben Md.^e 1, 8; 4, 13; 5, 6; 6, 6. 
M^iT, M^eiT m. Norden 14, 19; 17, 20; 25, 2. 
Mikge Wage 13, 14. 

Mi^e, Mci^e streiten, kämpfen 24, 2; 29, 14; 37, 17. 
MecQSLe Ohr 34, 2. 
M«.«^ Gürtel 9, 18. 

n 

n- Präposition (äg. m; K § 350); auch zur Anknüpfung des nomi- 
nalen Objekts E § 331; vor Suffixen mm^k^. 

n- zur Anknüpfung des Genetivs; K § 141. 

n- zur Anknüpfung von Adjektiven; K § 150. 

n- Plural des bestimmten Artikels; K § 122. 

H- Präposition (äg. w; K § 349); vor Suffixen nc? (neei, aei; nen; 
neq; nen; nHTtie; ncT). 

n«.- meine (Plural des Possessivartikels; K § 55); s. ne^ 

n«.- die des, ol ovxeq xov (Plural des Possessivpräfix; K § 57). 

n«.- kommen, zur Bildung des Futurums gebraucht K § 251. 256. 267. 

n*.? Hülfszeitwort des Imperfektums: 1 Sg. n«.ei-, n*.i-; 3 Sg. m. n«.q-, 

n*.€ m. Mitleid 12, 7. 8; 17, 2. 

ne:: pronominales Element zur Bildung des Plurals des Possessiv- 
artikels (K § 55): n*.- s. o.; neq- seine; ncc- ihre; na- unsere; 
nern- eure; hot- ihre. 

ne tonloser Plural des Demonstrativums, als „Gopula" gebraucht; 
K § 398. 

nc- es war (vor Msi- gebraucht; K § 343) 1, 7. 

nc:^ Hülfszeitwort des negat. Fut. III. s. tiyxt,' 

ni- tonlose Form des Demonstrativpronomens, auch als Artikel 
gebraucht (K § 58 Anm.) 2, 15; 4, 3; 8, 9. 13; 9, 6 u. 5. 

HO sehen cc. *>- passim. 

no m. Zeit 11, 17. 

n(x>^ absolutes Possessivpronomen (E § 54): n(oi die meinigen 
20, 17; iiü)q „die seinigen" 38, 16. 

noTfii m. Gold 9, 18; 13, 16; 14, 16; 15, 9; 17, 17; 36, 14. 

n«.&e Sünde 4, 6; 11, 4; 19, 4 u. ö.; p-n«.fiLe Sünde thun, sündigen 
21,6; 23, 1; 36,2 u. ö. 



y. Glossar der achmimiscben Handschrift. 179 

neei, nei diese (Plural des absoluten Demonstrativpronomens; 

K § 58) passinL 
*noTKc Zorn, Bitterkeit in ^-noviic erbittern 19, 5; S. norö'c. 
nK«^T€ einschlafen 36, 16; Mb. iuiK«^Te Ruhestatte 1, 14. 16. 
niM wer? 3, 4. 13; 5, 6; 10, 17; 15, 6 u. 5. 
niM jeder, all passim, 

noTit m. Abgrund 10, 10; 12, 15; 14, 3; 43, 7. 
novne f. Wurzel 18, 16. 

HÄ^noT:: gut sein (K § 248), mit Suff, der 3. PL n«.[ii]ove 3, 16. 
nn«. «.gpHi hinaufsteigen 43, 16. 
nne- Hülfszeitwort des negativen Futurum III (K § 290) 31, 6 

mit Suffixen: neq- 22, 14; 23, 1; nor- 27, 12; 34, 7. 
nnHT kommen 20, 6. 9; 31, 19; 32, 7; 34, 1; 42, 10; 43,9. 17 

niiKov 2, 1. 
ncü):: nach (stat pron. von ce- nach): nctx)i 11, 15; 12, 2; 20, 15 

ncoKj 34, 4. 13; hcotk 40, 11. 
necu)=: schön sein (K § 248) 6, 14. 

Ht- Relativpartikel vor dem Perfektum I (K § 499) 22, 11. 
nT£- Genetivpartikel (K § 143) 4, 3; 6, 15; 15, 18. 
noTT mahlen 1, 11. 
noTTc m. Gott passim. 
nT«ji du passim. 

itTi^pes als (K § 468): n7«.pi- als ich 15, 17; iiTi^peq- als er 11, 2. 
ni^T sie passim. 
i\T*.q er passim, 

n*.T^s: sich trennen, weggehen 6, 5; 7, 5; s. S. 44 Anm. 1. 
n^^ijy^ viel sein (K § 248) 7, 10; 31, 10. 
niqe Atem 43, 3. 
noTqe gut 31, 10. 
nA.qpe Nutzen 22, 12. 
n^ 8. eng. 

noT£Me, n«.gM^ erretten 9, 3. 5. 7; 19, 12; 20, 5. 10; 40, 7. 8. 
n*.gpn- bei, vor 4, 1. 
ilg*.T hart werden 38, 9. 
nccs&e Zahn 8, 10. 
\\^(^ gross passim. 
Hd'i- nämlich (K § 421) 13, 14; 14, 15; 17, 11. 16; 21, 4. 10; 22, 

15 u. 5. 

12* 



180 Steindorff, Apokalypse des Elias. 



o was? in cTÄe-o weswegen? 18, 2; 19, 3; 28, 10. 
oo^ m. Mond 32, 15. 



n 



n- Singular des bestimmten m. Artikels; E § 122. 

n«.- mein (Sing, des m. Possessivartikels; K § 55); s. ne^ 

niK- der des, 6 oav rov (Singular des Possessivprafix; E § 57) 19, 8. 

ne^, n:^ pronominales Element zur Bildung des m. Singulars des 
Possessivartikels (E § 55): na.- s. o.; hr-; nq-; nc-; nti-; nor-, 

ne tonloser m. Singular des Demonstrativums, als „Copula'' ge- 
braucht; E § 398. 

ne tonlose Partikel (E § 275) 7, 7; 14, 6. 

ne f. Himmel passim; Plur. nnve 28, 17; nnore 18, 8; 22, 11. 

ni-, nei- tonlose Form des Demonstratirums „dieser^' 2, 3; 3, 4 
5, 7. 11; 10, 18; 14, 8; 16, 12; 19, 3. 13; 31, 14; als Artikel ge- 
braucht (E § 58 Anm.) 9, 7; 10, 15. 17; 17, 8; 42, 12; 43,11. 

ncei, nei dieser (Singular m. des absoluten Demonstrativpronomens; 
E § 58) passim. 

neAH(^ 33, 15. 

nü)pR ausreissen 18, 16 (S. ncjA^). 

nppie aufgehen 19, 16; 32, 6. 

'''ntj^p^y n&p^^ Pseudopari n&p^ cc. «.&&A ausbreiten, auflosen 
8, 9. 11; 11, 2. 

na)p2L trennen, sich trennen; subst. Zwietracht 29, 5. 

*nic€, Pseudopart. n^ce, kochen 10, 1. 

nu>T, Pseudopart. nirr laufen, fliehen passim. 

nooTe in MnooTe heute 41,4; «.noore n^ooTe bis heute 10, 13; 11, 6. 

nü>^ gelangen cc. ig&- 12, 7. 

n&^OT Rückseite in «.na^goT rückwärts 6, 5. • 

nü)^ zerreissen 29, 6. 

*nu>^T, new^T:: niederwerfen 7, 16; 8, 17; 10, 4; 12, 4. 

n«i.7&e- redete, mit Suffixen n«^7&e^ (n^^osLeei, n«.7&ei ich sprach; 
n«^'seq er sprach) passim^ E § 247. 

P 

p- Mund, Mündung in ^ipii- an der Öffnung 3, 18; mit Suffixen 
pw*: pü)i 7, 1; pwq 8, 10; pioor 4, 19. 



X 



y. Glossar der achmimiBchen Handschrift. 181 

pi m. Sonne 9, 15; 14, 18; 19, 15; 30, 8; 32, 6. 12. 

p^c wachen 39, 13. 

pioK£ verbrennen 38, 8; 43, 11. 

piMe weinen 3, 10; 27, 6. 

pioMe Mensch passim\ tonlose Form pJü- in pmii^ht verständig 

21, 13; 26, 15; pM(M)£qM«.TT Toter 33, 10; 38, 2. 
p«»jMne Jahr passim. 

pen m. Name 4, 2; 14, 5; 20, 18; 26, 5; 31, 2 u. o. 
pneeTe m. Tempel 29, 17; Plur. pimvc 30, 16. 
ppo m. König passim; Plur. pp«.i 24, 14; 29, 12. 13; 30, 10; mHt* 

ppo f. Königtum 37, 5. 
pHc m. Süden 14, 19; 17, 20. 
peTtf, pecTs Fus.s in ö^pcTs «^pecT:: passim. 
*pioT, Pseudopart. pht wachsen 18, 15. 
pHT€ m. Art 3, 4; 5, 7; 10, 18. 
pcige sich freuen 3, 2; 10, 2; 28, 12. 14. 
peq- Nominalprafix (K § 86): peqp-n«iLe Sünder 21, 6; 40, 3; 41, 

11. 14; 43, 12. 

c 
c- Präsens I 3. Sg. f.; cn«.- Futurum I 3. Sg. f. 
c*. Seite, Gegend 17, 20; 25, 13; 32, 6. 7. 
cc- Präsens I 3. PI.; ceita.- Futurum I 3. PI. 
ce- nach, hinter 28, 6; 36, 2; 38, 12; 42, 14; s. auch nc(o:=. 
ce ja 16, 6. 12. 
ce sechs (in Verbindung mit Hunderten und Tausenden; s. Stern, 

Kopt. Gr. § 279) 38, 17. 
COT trinken 30, 3. _ 

ca^fiiÄAe- ausser 33, 10; vgl. S. Hc«.feA- Stern, Kopt. Gr. § 571. 
♦cfiioT, Plur. c&a.ve Lehre 21, 16. 
c«.i&Te bereiten 20,12; Pseudopart, c&t^^t 37, 15. 
c(x>&^ subst Aussatz 34, 2; Pseudopart. c«.&^ aussätzig sein 33, 4. 
cü>R ziehen, fliessen 28, 1; 30, 1; 32, 4; 39, 9. 
cRiM weisses Haar 33, 17. 
cMei, cMi f. Stimme 18, 2; 41, 5. 
CMOT lobpreisen 13, 2; 39, 2. 
*cMine aufstellen, Pseudopart. cM^^nre 22, 6. 
ca.MÄT Gestalt (?) 32, 1. 
cno m., cÄTe f. zwei 1, 8. 11. 14; 3, 1. 10; 24, 7. 8; MitT-ciw^vc 

zwölf 28, 6. 



182 Sfceindorff, Apokalypse des Elias. 

cioHT schaflfen 22, 3. 10. 17; 23, 9; subst. Schöpfung 5, 8. 

ccjnT, Pseudopart. c«.nT sehen, blicken 1, 10. 12; 4, 14; 6, 7. 18; 

7,2; 10,21; 16, 15; 34,4. 
cit«.q m. Blut 5, 1; 25, 18 (Plural); 30, 1. 3; 32, 15; Plural chüki 

28, 1. 
*cü)n^, Pseudopart. c*jig fesseln 15, 5. 
r*.n Mal 1,9. 11; 13,9. 17 u. ö. 
ceene subst. Übrige, Rest 31, 3. 
CA^ncn anflehen 7, 19; 8, 4; 17, 5. 
c*.Te Flamme 28, 3. 7. 
ceeTc Flamme 7, 10; 9, 9. 
cd^T&q Werkzeug 24, 1. 
cioTMe hören cc. a^- passim, 

c«.T m., cü)e f. sechs 30, 9; 31, 9; 38, 18; s. auch ce. 
c«.Tne, coviDfi- (13, 10), cotu*«* wissen, erkennen 13, 10; 33, 11. 

15; 34, 8; 35, 4; 38, 4. 
cu)OT^ versammeln, sammeln 23, 6. 
ce^o stellen, bestellen 26, 14. 
cioco^e schelten 34, 14. 
c^iMe Frau 1, 11; 27, 16. 
cü>^ taub 33; 2. 
C£€ei, c^e'i, c^ei- (4, 2), cc^^^s (4,9; 14,5), Pseudopart. ch^ schreiben 

passim. 

T 

T- Singular des bestimmten f. Artikels; K § 122. 

T«.- mein (Sing, des f. Possessivartikels; K § 55); s. tc-. 

T«.- 1. Sg. des Konjunktivs 2, 17; 3, 19; 12, 5; 20, 19; s. auch tc.-. 

*Tei=, T? pronominales Element zur Bildung des f. Sing, des 
Possessivartikels (K § 55): t«.- s. o.; Tq-; tc-; tot-. 

TC- tonloser Singular des f. Demonstrativums, als „Copula" ge- 
braucht; K § 398. 

TC- Hülfszeitwort des Konjunktivs (K § 257) 30, 8; 35, 14; mit 
Suffixen: th- 35, 8; tctH- 31, 13; s. auch t*.-, q-, 

TC- Hülfszeitwort des causativen Infinitivs (S. Tpe-; K § 285); mit 
Suffixen: 1. Sg. t«.-; 3. Sg. m. Tq-; 1. PI. tw-; 3. PL tot-. 

^■- tonlose Form des Demonstrativums „diese" 8,2.5; 9, 2. 11; 
37, 15; 41, 16; auch als Artikel gebraucht (K § 58 Anm.) 
44 Schluss. 

i"- 1. Sg. des Präsens I; '^ö.- 1. Sg. des Futurum I. 



V. Glossar der achmimischen Handschrift. 183 

^, i"-, ic(ey geben passim; ^ t^k^Ti verkaufen 27, 4; ^ oT&e- 
kämpfen, streiten 22, 13; ^-g^TH« das Herz zuwenden, auf- 
merken 10, 6; i'-TooT:: dic Hand Jemandes ergreifen 13, 1. 

i Strahl (?) 9, 15. 

Tüi&e 28, 11. 
) T&«. zehntausend 4, 16; 13, 3; 38, 18. 

*tMoto, TMovi.s! reinigen 33, 4. 

TC&Ä.T (t-cAä^t?) 28, 7. 

TwAg bitten, anflehen, beten 5, 14; 8, 19; 9, 10; 12, 5; 16, 17. 19; 17, 12. 

TCi diese (Singular f. des absoluten Demonstrativpronomens ; K§58) 
8,6: 32,7. 

T«.ie Flecken 33, 17 (S. toc; B «oi). 

T*.io ehren; subst. Ehre 26, 6; Pseudopart. T«.ia.eiT 22, 6. 

T€ioT€ fünfzig 7, 4. 

•rcoR, 'tR-, fcK^ werfen 5, 13; 7, 3. 10; 23, 13; 28, 7; 33, 6; 43, 6. 

icRo verderben 18, 7; 43, 2. 5; subst. Verderben 29, 9. 

*T«.'Ao, T*.A«.s: und TeAa^is hinaufsteigen lassen 13, 1 ; 39, 6. 
j tcAhA jubeln 3, 2. 

tHAc Tropfen 1, 18. 

*tA<^o, tAö'«.^ heilen 33, 5. 

TM- Negation beim Infinitiv (K § 437) 19, 15. 17; 31, 7; beim Kon- 
junktiv (K § 438) 30, 3. 

*i*aio, T«.M€-, t^MfKf wissen lassen, benachrichtigen 2, 17; 18, 5; 
20, 6. 

TM€i Matte 15, 12. 

TH- 1. Plur. des Präsens I; Tnn*.- 1. Plur. des Futurum 1. 

T«^no, Tene-, Ten«.? schaffen 19, 5. 11; 22, 11; 40, 10; 43, 13. 

THne Pronomen der 2. Pluralis (vgl. S. thhot, B. «huot; Stern, 
Kopt. Gr. § 89) 22, 14; 23, 17. 

'tnoT jetzt 12, 16; 13, 11; 14, 4; 24, 16; 43, 5. 

Tione aufstehen, sich erheben 9, 12; 12, 10; 18, 6. 14 u. ö. 

Titna^T, Tnn*.Ts schicken 20, 3; 31, 6; 38, 16. 

Tovnc- erwecken 33, 10; 38, 2. 

Tilg Flügel 39, 1. 6. 

THp^s ganz, all pass^im. 

T«.pi. als ich (K § 468) 5, 4; 6, 9; 7, 16 u. ö. 

Tü>pn subst. Raub 27, 1. 

TooT:: Hand passim; htooi:? bei 6, 16; ^itoot* durch 4, 17; 9. 4; 
11, 5. 



184 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

TCTii- 2. Plur. des Präsens I. und des Konjunktivs. 

^ion streiten; subst Streit 23, 1. 

i«^T kaufen 27, 4. 

T*.T m. Berg 2, 19; Plur. TOTicve 41, 2. 

TcoTo, TCOTÖ.S vorbringeu, melden, schicken 4, 8; 6, 3. 

*Tor«o, Tor«*.:5 erretten 8, 1. 5; 9, 2. 11. 

T<kigü> (fehlerhaft für t«.^o) viel machen 33, 7. 

♦rego, Te^«^ stellen, treffen 8, 6. 

Tcgnc f. Stirn 20, 19; 39, 4. 

*^{a^ Pseudopart. th^ mischen 5, 1. 

*T^no, T^ne- erzeugen 28, 11. 

♦ra.'xpo, Pseudopart. T*.7tp*.eiT 22, 7. 

T (ot) 

OT- unbestimmter Artikel (K § 122). 

oTe einer, einzig, Jemand 26, 5; 31, 2; 36, 16; 41, 1; noTe novc 

jeder einzelne 39, 1; 41, 7; vgl. auch 36, 10. 
oT&e- gegen 22, 13 s. i-. 
oT<k«J^e Pseudopart. heilig sein passim. 
oTieifec m. Priester 3, 6. 12; 26, 14; 29, 7; 86, 4. 
oT«.i wehe! 30, 4. 
oT^^eine, oT*.ine m. Licht 2, 8; 39, 8; p-oTa.ine leuchten 9, 14; 

32, 6. 13; 35, 16. 
oT<keicg, oTd^iiy m. Zeit 2, 8; 21, 15; 22, 7 u. ö. 
oTü>My OTÄ.M5 essen 37, 2; 39, 10. 
otH- es ist (K § 395) passim, 
oTiwn in oTiwn tuM Jeder, Alle 20, 14; 33, 8. 
oveti sich öffnen 6, 11; 14, 17. 
ornoT f. Stunde 8, 6; 17, 7; 37, 15. 
oTtteju rechts 21, 1; 37, 8. 

oTtx)n^, oT*.ngs cc. «^&*.A offenbaren, sich zeigen 29, 9; 31, 16; 34, 11. 
oTpHTc Puss 9, 19; 33, 16. 
oTioT einzig 1, 9; 24, 12; or^eei^ allein 33, 10. 
oTioigT anbeten cc. ü- (dativi) 7, 18; 10, 5. 6; 31, 3. 
oTtx)g wohnen 29, 4; ot*.^- hinzufligen 19, 3. 
OT^i, oT^ci f. Nacht 2, 3; 22, 1; 41, 9. 
OTto^e wollen cc. a^- und Inf. 8, 13; 14, 6; 19, 18; 20, 1. 



y. 61o88ftr der achmimiscben Handschrift. Ig5 

ü) oh! 34, 15. 16; 35, 1. 

ü>MK, ÄjwK? yerzehren 8, 13; 19, 18; 20, 1. 

*iaMc, Pseudopart. «juc untertauchen 15, 3. 

ü>ii£, Pseudopart. «^n^ leben 4, 3; 14, 6; 31, 11; 35,4; subst. Leben 

39, 11. 

'^'lon, Pseudopart. hh zahlen, rechnen 18, 10. 
(x>cK zögern 29, 8. 

ioTie (Schreibfehler ftbr oroTie?) 21, 7. 

*(*)Tii, Pseudopart. «^tS einschliessen 10, 11; vgl. S. 51 Anm. 7. 
CDig rufen, lesen 11, 3; 12, 18; loog •Ai.A rufen 15, 17; 16, 17; 18, 
9; ü>ig AAoDi jubeln 35, 15; lavs c^ojm seufzen 25, 7; 27, 2; 

40, 3; «^a|-(^«.n seufzen 2, 11; 8, 2. 

loge, Pseudopart. *.gc sich stellen, stehen, ce. «.peer? 8, 7; 9, 12. 

13; 10, 18; 12, 10; 18, 12; 32, 10; 41, 7. 
logc m. HQrde, Heerde 42, 8. 

cg«>- bis (K § 355), vor Suffixen ig«.p«^#; als Konjunktion mit dem 
Konjunktiv verbunden: sy^JiTe- vor nominalem Subjekt 18, 5; 
ig<wi- 18, 3; «ga^TR- 40, 9; ig*.TOT- 15, 9; 29, 16. 

ige gehen 11, 10. 

igi- fOr %i s. S. 60 Anm. 2. 

giic, BgiT:s verändern 6, 16; 20, 8; 34, 3. 5. 7. 

lyioA^C?) 22, 14. 

cgAnA beten; subsi Gebet 11, 18. 

tgAi(^ Gabel 36, 8. 

og«ju- in ig«jM-oTpHTe dünnbeinig 33, 16. 

igMMo fremd (cc. «.- Jemandem) 21, 12; 22, 4; 40, 10. 

cyiui m. Baum 18, 15; 39, 11. 

ogme, cgnT* suchen 10, 14; 36, 1; 38, 13; 42, 7; igii-jTH* Mitleid 
haben (mit ^*.*) 19, 10; 20,2; 38, 15; ^m- oder ^-nigmc 
besuchen, heimsuchen 7, 15; 10, 4; 11, 10. 14. 

tgcone krank sein 11, 11; 33, 5; subst. Krankheit 23, 12. 

igiic Bjssus 34, 13. 

igeenT:: Nase 36, 11. 

ig(on, tgn- empfangen, nehmen 35, 3; 36, 17. 

cgme sich schämen, in n«^Tcgine unverschämt, schamlos 34, 11. 15; 
35, 1. 13 ; 37, 17; «i-ujine sich schämen, überftlhrt werden 21, 7. 



Ig5 Steindorff, Apokalypse des Elias. 

u|nu)n Versprechen 22, 5. 
igHpe m. Sohn, Kind pas^im, 
lyjpe klein in ^p-cgipe Jüngling 33, 16. 
iy«.c Hirt 42, 7. 
ujcoc verachten 24, 4. 
lycoTe f. Brunnen, Tiefe 2, 1; 43, 7. 

lyeTe, igeoTe, Pseudopart. cgoTioov trocken werden 33, 1; 40, 2. 3. 
tyoTiT Pseudopart. eitel, nichtig sein 26, 9. 
cgoTigoT m. Ruhm 19, 8. 
iy«.2CTT(?) 4, 20. 

igeT&e reden, sich unterhalten cc. mR- mit 1, 13; 11, 3; 13, 10. 11; 
14, 12. 14 u. ö.; subst. Wort, Rede 11, 8; 16, 2; 19, 1; 35, 5. 

q- Präsens I. 3. Sg. m.; qn*.- Futurum I. 3. Sg. m. 

q- Konjunktiv 3. Sg. m. 

qi (qci), qi-, qiTs (qeiT^) tragen, forttragen 1,2; 29, 16; 36, 14; 
39,6; qi-TooTs versuchen 7, 12; qiecT? (aus qi-cieeT? zusammen- 
gezogen) ansehen, hinblicken 28, 9. 

qoTe m. Haar 5, 1. 2; 8, 8. 11; 16, 10. 11. 13. 

qtoTe abwischen 12, 7. 

qT*.T m., qiioe f. vier 29, 14; 31, 14. 

quj(^e springen 27, 10. 

Z 

ge in ge uorqe gute Zeit 31, 10; ^e Aototh Notstand 40, 12. 

^i-, mit Suffixen giü)to:s Präposition K § 351; giT^i n- vor 33, 17 
34, 2; 39, 7; ^rru-, mit Suffixen ^"oot^ durch (K § 361) 4, 17 
9, 4; 11, 5; 43, 1; ^ipH- an (Stern, Kopt. Gr. § 554) 3, 18 
4, 8; ^i-^tii-, mit Suffixen ^i'xu)- auf (K § 361) passim. 

2} f. Vorderseite in ^it^i (s. o.); ^«.Tcqc^iei vor ihm 6, 11; mit 
Suffixen ^KT^: ^H-rq vor ihm 32,4; ^htot vor ihnen 39,9 
(K § 356). 

2P m. Gesicht 9, 14; s. ^lo. 

^OTOT. selbst (K § 53) 4, 3. 5. 8; 13, 4. 8; 32, 9. 

gtx) m. Gesicht 4, 18; 7, 17; 8, IS; 9, 16; 10, 5; 12, 5. 

^ü)& m. Sache 16, 4; 19, 12; Plur. g&HOTe, ^Ahtc 3, 15; 15, 18; 
33,9. 

gH&e Trauer 28, 8. 



y. Glossar der acbmimischen Handschrift. Ig7 

efiiÄ^c m. Kleid 34, 13. 

^icoT Kleid 13, 5; 39, 12. 

^€ie, ^eeie fallen 18, 17. 20; 27, 11; 32, 12; 40, 1. 

^«.eiMc, ^«.iMe Welle 7, 11; 15, 1. 

^«.einc einige 15, 4. 

^Ko hungern 21, 1. 

£hA Pseudopart. fliegen 18, 19. 

*^*.Aht, Plur. g«.AeeTc, g*.AcT€ Vogel 18, 18; 40, 1. 

*giMe, Flur. £i«.<wMe, ^i^oie Frau 5, 2; 8, 12; s. c^imc. 

^M£c, Pseudopart. ^mc^ct sitzen 4, 7; 28, 10; 37, 8. 

^M«.T Gnade 37, 9; 41, 16. 

^*.MT Erz 6^ 10. 19; 7, 3; ^a.MT-i^«.pü)T Messing 9, 19. 

^Ju^Me brüllen 25, 15. 

^M« Essig 36, 11. 

gen- Plural des unbestimmten Artikels; K § 122. 

gue* Wille 16, 14; Stern, Kopt. Gr. § 198. 

ginnft schlafen 36, 17. 

gttüXjDge, gncoge Furcht in p-gnwcDge, p-gnioge sich fürchten 5, 4. 17; 

7, 18; 8, 15; 24, 18. 
gen Gesetz, Gericht 41, 1. 
gpoT f. Ofen 9, 9. 
gpHi oben, in «^gpHi nach oben, hinvLuf passim] ig«^^pHT bis hinauf 

34. 14. 
gcT Silber, Geld 15, 9. 14. 
gHT m. Hörz, Verstand 2, 14; 23, 10; 24, 7. 8. 11; 38, 9; pJÄngHT 

s. pM-; mit Suffixen jths: 'J'-gTH, lyn-gTH s. '^ und lynte. 
g*.T£ 24, 13. 
gcoTn untergehen; m*. iigw-m Ort des Sonnenuntergangs 14, 19; 

17, 20; CA. ngwTn Gegend des Sonnenuntei^angs 32, 7. 
gAT schlecht sein, in nea^^T Schlechtes 13, 13. 
*gioTe, goT- in gov-TooTs: Hand ausstrecken, versuchen 32, 9. 
gooTc m. Tag passim. 
g*.q Schlange 8, 13. 
gAg viele 19, 14; 25, 9; 38, 9; 42, L 
gawsLT 7, 1; s. S. 45 Anm. 1. 
guyxd' 43, 7; s. S. 105 Anm. 3. 



Xgg Steindorff, Apokalypse des Elias. 

^- können 18, 12; 30, 3; 34, 7; 36, 13; 38, 2; 42, 15. 

^&-^ mit Suffixen ^«^p^^s: unter (E § 352); ^«^so^ entgegen 31, 11 

(Stern, Kopt. Gr. § 546). 
^«^e letzter 37, 2. 
^«.e aufgehen in m«. n^^c, M^-^^e Ort des Sonnenaufgangs, Osten 

14, 18; 17, 19. 
^*.ei, ^*.i f. Ende 10, 12; 21, 15. 
^e f. Art, Weise 32, 7; ^^c in dieser Weise 41, 16; HT^e ä- 

gleichwie passim\ kö^t«. t^c gleichwie 16, 14. 
^ei, £1 messen, wägen 13, 13; 26, 12. 
^o Weg 1, 9. 

^o tausend 4, 16; 13, 3; 38, 18; 43, 11; 44, 2. 
^(bcp Freund 14, 13. 
^*.iTe Kleid 29, 7. 
^«.T^ Staub 27, 6. 

^loK, ^dji« umgürten 37, 15; subst. Panzer 24, 3; 37, 16. 
^&A Zahn 4, 19. 
^ÄAo Greis 34, 5. 

^HM klein 28, 5; 34, 5; 39, 5; Hot^hm ein wenig 33, 15. 
^«uMT m., ^«wMTe f. drei 2, 20; 3, 5. 11; 5, 11; 29, 15; 31, 8 u. ö.; 

tonlos ^n-r-ÄOTcoT sechzig 37, 14; s. S. 97 Anm. 3. 
^oTtt Inneres: «^^oth hinein joa^stm; n^oTn drinnen 7, 1; ogA^gorn 

bis hin 10, 13; 11, 6. 
^ - bez. ^M- in (K § 357); mit Suffixen H^ht* passim. 
^n«^n sich nähern 6, 9; 7, 13. 
^wne, Pseudopart. ^oon werden, sein passim, 
*^p- in ^p-iyipc Jüngling 33, 16. 
^«^pe- Hülfszeitwort des Präsens consuetudinis (K § 280); mit 

Suffixen: ^^pcq-, ^«^pec-, ^«.poT::. 
^«^«.pe Haut 36, 9. 
^pHi unten 11, 9; 17, 14; «kgpHi hinunter, nieder passim\ n^pm 

drunten 10, 9; cc^pHi bis hinab 28, 6. 
^«.pn erster; osLn-n^d^pn von Anfang an, vormals 38, 1. 
^pH<kpiT 29, 13. 

^p«.T m. Stimme, Ton 17, 10. 11; 20, 1; 27, 3; 39, 1; 41, 3. 
^ice subst. Mühe, Leid 35, 3. 
^wTfiic, ^*.T&:: tötcu 24, 4; 25, 16; 30, 12, 14; 35, 8; 36, 5; 42, 14. 



y. Glossar der achmimischen Handschrift. 189 

^T«.pTpe beunruhigen, in Unruhe geraten 18, 8; 30, 8; subst Un- 
ruhe 25, 6. 
^ooT 41, 3. 
^Te Altar 38, 7. 

OS. 

'xe- Konjunktion (K § 371 fif.); vor dem nominalen Subjekt (wie 

S(^i- K § 421) 6, 11 (wohl fehlerhaft für (^e, s. das.). 
QSLi, ':&!-, QSLiT:: uehmeu passim. 
7&OT, QSLOO:: sagen passim. 
's.ui^ Kopf 33, 17. 
v,iKCi UL Schiff 13, 1. 

's.^ie, Wüste, in p-«L«.ic wüste werden 31, 7. 
'^Lioope übersetzen 14, 4; m«. nT&ioope Uberfahrtsstelle 14, 4; «icope 

Fähre(?) 36, 15; p-'xiwcope übersetzen 12, 15; hm«, np-fsiaxopc 

Überfahrtsstelle 12, 16. 
%&£ic m. Herr passim. 

i&ioK, Pseudopart. t&hr verbunden mit «^«^A vollenden 9, 16; 16, 3. 
's.eKiK^c damit (cc. Fui II oder III) 4, 10; 17, 2; 22, 14. 
^OTMe m. Buch 4, 2; 14, 5. 
xn-n- (bez. m-) von — an, seit (S. ^un n- K § 362) 10, 11; 11, 5; 

14, 18. 19; 28, 5; 30, 1; 32, 6; 38, 1. 
♦•Äuo, «LuoTs fragen 10, 17. 
«epo anzünden, brennen 7, 11; 9, 10; 38, 6. 
xcope stark sein 35, 10. 
'^po besiegen 12, 12; 13, 19. 
i&(opMe winken 6, 4. 
's.ice erheben, sich erheben; Pseudopart. Tn^ce, hoch sein 15, 1; 

18, 18. 20; subst. Aufrichtung 26, 7. 
ÄOTioT zwanzig; ^nT-«LOTü)T sechzig 37, 14; s. S. 97 Anm. 3. 
'xto^ berühren cc. *>- 6, 10. 
'Jti.'sc feind 34, 17; 35, 11. 

d'e also, nun (K § 381); vor dem nominalen Subjekt (wie S. n<^i- 

K § 421) 13, 3; 19, 11; 20, 3; 25, 12; 27, 6 u. ö. 
*<^ü), Pseudopart. d'ecT bleiben 2, 13. 
^«.A Lüge 11, 9. 

*(^«.Ae, Plur. (^«.Aecve lahm 33, 2. 
♦ö'wwAc, <^«^&Ae::, Pseudopart. (^«.«.Ae einhüllen 15, 11; 34, 12. 



190 Steindorff^ Apokalypse des Elias. 

(g^jA Kraft, Macht 33, 12; 35, 8; 38, 3; 40, 7; (^-ö'^.m können, ver- 
mögen passim, 

^iM (fehlerhaft fttr ^om) Kraft 37, 18. 

^mc, ^- bez. ö'm-, ^tj; finden passim] ^"-(^«^m 8. ^ajh; ^- oder 
d^-ncgine s. cgine. 

ö'iotiT subst. Zorn 23, 4. 

^^n s. ü>ig. 

(^wnc ergreifen 26, 15; 27, 15; 28, 4. 

^po besiegen 12, 13; 14, 2; s. 'xpo. 

(S'pA.ijunc Taube 32, 1. 2. 

(^(op« besiedeln 29, 4. 

(^« f. Hand 5, 4; 9, 6; 12, 18; 15, 4 u. ö. 



Nachtrage nnd Verbessenrngen. 

Seite 64, Zeile 2 v, o.: Statt ^nJünc^^pHc, das die Handschrift bietet, 

ist wohl richtiger ^nnc«^pHc oder ^nc«^pHc zu lesen. 
Seite 64, Zeile 15 v. o.: lies ^ statt l 
Seite 64, Zeile 17 v. o.: lies 2 statt *, 
Seite 87, Zeile 20 v. o.: lies „ihn" statt „es". 
Seite 102, Zeile 8 v. o.: Für n*.^ noT^p«^T ist vielleicht besser 

n«^^-noT^p&T „werden ihre Stimmen von sich geben" zu 

lesen; vgl. Sa. 14, 32/33. 
Seite 104, Zeile 18 v. o.: (43; 3): lies Mn- statt Mn- 
Seite 104, Zeile 19 v. o.: nROT^^Tig ine t^p^n steht wohl für hrm^ 

oTA^iig oTine «.p«^K „deine Zeit ist an dir vorübergegangen"; 

vgl. Sa. 13, 22 flf. 



Natürliche Grösse. 



Bibliotheque Nat. Sahid. Handschr. Seite 9 



ALTCHRISTLICHE LITURGISCHE STÜCKE 

AUS DER 

KIRCHE AEGYPTENS 

NEBST EINEM 

DOGMATISCHEN BRIEF DES BISCHOFS SERAPION 

VON THMUIS 

VON 

OEORO '^OBBERMIN 

DR. PHIL., LIC. THEOL. 

ZUR ÜBERLIEFERUM 

DES 

PHILOSTORGIOS 

VON 

DR. LUDWIG JEEP 

PROFESSOR DER KLASS. PHILOL. AN PKU UNIV. KÖNIOSnERO 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1899 






7 



TEXTE USl) UNTERSUCHUNGEN 

ZUE GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARGHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENYÄTER-GOlflflSSION 

DER ROL. PRBUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN DNTERNOlfKENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HSRAU8GE0KBEK VON 
OSCARfv. flEBHAROT UND ADOLF HARIACK. 

NEUE FOLGE. IL BAND HEFT 8b. 



ALTCHRISTLICHE LITURGISCHE STÜCKE 



AUS DER 



KIRCHE AEGYPTENS 

NEBST EINEM 

DOGMATISCHEN BRIEF DES BISCHOFS SERAPION 

VON THMUIS 

VON 

aEORa WOBBERMIN 

DR. PHIL., LIC. THEOL. 



Texte und Untersnchangen. N. F. IE, 8b. Leipzig 1898. 



Die nachfolgend mitgeteilten liturgischen Stücke nebst dem 
dogmatischen Brief jtsQl jtazQog xal vlov habe ich in der Per- 
gamenthandschrift 149 der Bibliothek des Athosklosters Lawra 
aufgefunden. Es ist dies ein Werk wahrscheinlich des XL Jahr- 
hunderts, mit 186 Blättern; die Blattgrösse: 18,2 cm x 14 cm; 
die Seiten einspaltig beschrieben mit durchschnittlich 25 Linien. 
Mit Ausnahme des ersten Blattes, das durch Wurmstiche stark 
gelitten hat, ist der Zustand der Handschrift ein ziemlich guter. 
Fol. V bis 4^ steht ein dogmatisches Stück unter der Überschrift: 
Evd-aXlov ijtiOTCojtov öovXxTjg oßoXoyla xegl rrjg oQd'OÖo^ov 
jtlotsmg. Der Name Bhüd'ajLiog und zwar als der eines kjtloxo- 
3iog TTJg äyKoratTjg ixxXijölag OovXxrjg folgt auch im Anfang 
des Textes selbst noch einmal — zwar durch Wurmfrass stark 
beschädigt, doch bei genauem Zusehen noch sicher erkennbar — , 
so dass jene Überschrift jedenfalls nicht auf der Willkür des 
Abschreibers beruht. Da auch sonst ganze oder teilweise Un- 
echtheit des Stückes durch nichts zu erschliessen ist^ muss das- 
selbe als wichtiger Beitrag für die Losung der gerade in den 
letzten Jahren so viel verhandelten Euthaliusfrage gelten. Frei- 
lich passt es zu keiner der Aufstellungen der Gelehrten, die neuer- 
dings über Euthalius geschrieben haben« wenn es als Lebenszeit 
die zweite Hälfte des siebenten Jahrhunderts, als Bischofssitz das 
Sulki bezw. Sulchi in Sardinien erweist. Die Herausgabe und 
Verwertung dieses Stückes hat sich Herr Professor von Soden, in 
dessen Auftrag ich die AthosklÖster bereist habe, fCLr die Ge- 
samtausgabe seiner Neutestamentlichen Textstudien vorbehalten. 

Fol. 5' bis 7^ folgt der Brief des Athanasius an den Philoso- 
phen Maximus; = Migne, Patr. gr.XXVI 1086. Der Schreiber des 

1* 



4 G. Wobbermin, 

Codex — oder derjenige der Vorlage dieses — scheint diesen 
Philosophen Maximus mit dem in dem Bekenntnis des Euthaliiis 
genannten dßßag Ma^i/iog (Maximus confessor) indenüfiziert 
und daher jenen Brief hier eingereiht zu haben. Denn dass der 
Fehler nicht etwa umgekehrt bei den Herausgebern der Briefe 
des Athanasius von Alexandria zu suchen ist, läfist sich aus dem 
dogmengeschichtlichen Gehalt desselben mit Leichtigkeit ersehen. 

Fol. 7^ bis 24^ kommen dann die hier abgedruckten litur- 
gischen Stücke nebst dem Brief jtBQl xazQog xal vlov. — Ich 
habe die einzelnen Stücke numeriert, und den Brief in Kapitel 
eingeteilt. 

Die folgenden Blätter der Handschrift füllen Stücke der 
Septuaginta: ^I<6ß mit vorstehendem Prolog des Polychronius, 
2k>ipla IrjOov viov CiQaXi üagotfilai aoXofimvtog mit vorangehen- 
der vxod'SOig, ^ExxXTjaidozTig und ^Acfia dofidrcDP. 

I. 
^Evx^ TiQoatpoQov aa^aniwvog bniaxonov. 

7v I "A^iov xal ölxatov icriv oh xov dyivTjrop xariga rov fiovo- 
fBvovg IqCov xptöToi; alvelv vfivslv öo^ojLoyetv alpovfiBV ck 
dyivrire d'BB dvB^txvlaöxB dvixq)QaozB äxaravoTjrB xdou yBt^r^ 
vjtooxdöBi' alvovfiBv oh top yiyvoOxofiBPOV vjto rov vlov rov 
5 fiopoyBPovg top 6t avrov XajLfj&iPTa xal BQfifjPBvd-ivra xai 
ypmod'dpra rfj yBprjz^ g)vOBL alpovfiBV oh top ytyvcioxopza top 
vlop xal äjtoxaXvjcTOPza zotg dylotg xag jcbqI avrov öo^ag' top 
ytypoooxofiBPOP vjto xov yByBPPi](iipov oov Xoyov xal oQcifispop 

8r xal ölBQfirjPBVOfiBPOP Tolg dylotg' \ alpov/isp ch JtdxBQ doQaxB 

10 XO(>»77'fi r^g dd-apaolag' ov bI fj xijyf] Trjg ^wrjg fj Jtfjyfi tov 
qxDTOg ^ jtrjyf] jtdorjg xdQtrog xal Jtdotjg dlrjO^slagj tptXdpQ-QOiJtB 
xal (ptXonrcoxBy 6 Jtaotp xazaXXaooofispog xal xdprag xQog 
havzop dtd TTjg ijctörjfilag rov dyaxTjTOV oov vlov iXxcop. 
ÖBOfiBO'a xoti]Oop r]fiag ^SpTag dpd'Q<6j€0vg' Sog ^fdp JtPBVßa 

15 g>G>T6g, Ipa ypcifiBP oh top dXrjd-tPov xal ov djtiCTBtXag li]Covp 
XQtCTOP* 66g fjfilv jtPEVfia aytop, ipa övpfjd-ci/iBP i^BtxBlp xal 

15 Job. XVII 3. 

Cod.: Überschrift I aagaTtlovoq \ 8 yeysvrjfievov \ 10 x^QVy^ 



Altchristliche liturgische Stücke. 5 

diTjyfjöaad'ai xa ccQQfjra öov (ivoxrjQta. XalTjoata} i'v fjfilp o 
xvQcoq IrjCovg xal afiov ütvevfia xai vfiPfjOaro} oh dt r}(iAv* Ov 
yccQ 6 v:Jt€QaP(D Jtaötjg dgx^Q xal i^ovölag xal övvafiswg xal 
xvQiorrjzog xal jcavrog ovofiazog ovofiaC^ofdvov ov fiovov hv 
r<p cdwvi zovxcp aXXa xal kv rc5 fiiXXovrr ool jtagaor^xovoi 5 
XlXtai x^^^d^^G ^clL fiVQtai fivQiaösg äyyiXa}v aQXctyYiXaiv d'QO- 
viov xvQiorrjrcov dgxciv i^ovotäv ool JtagaorrjxovOiv xa ovo 
xifucixaxa OBQaq>sln h^ajcxigvya, övolvßhv nxiQv^iv xaXvxxovxa 
xo ^tQOOojtov, dvol 6b xovg jcoöag, övol öh Jtsxofisva xal 
ayidCpvxa, fied^ wv öi^at xal xov ^fiexegop äyiaOfiov Xeyov- 10 
X€[)V' ayiog äyiog ayiog xvQiog Oaßaoid', xXr^Qrjg 6 ovgavbg 
xal ly y^ xfjg öo^rjg oov' \ JtXi^grjg ioxlv 6 ovgavog, jtX'^gtjg 8^ 
ioxlp xal rj yfj xrjg (isyaXojcQejtovg oov äo^rjg' xvgie xAp 
övpd/isop, nXrjgoooop xai xtjp d-volap xavxrjp xrjg oijg övpa- 
fiea}g xai xfjg Orjg fisxaXrjtpBa>g' ool yag ngooripiyxanBP xov- 15 
XTjp xr^p C^Aoap d^olav xi)P jcgootpogap xr^p dpalfiaxxop. ool 
xgoOi]piyxa(iBP xop dgxop xovxoPj xo Ofiolcofia xov odfiaxog 
xov /lopoysvovg, 6 dgxog ovxog xov äylov Ooi/iaxog icxip o- 
(loloDfia, oxi 6 xvgiog Irjoovg ^P^öto^ kp ^ vvxxl jtagBÖlöoxo 
IXaßBP agxop xal IxXaOBP xal kölöov xolg fiad-Tjxatg avxov 20 
Xsymp' XdßexB xal g)dyBXB, xovxo loxip xo Ccifid (lov xo vxhg 
vfi&p xXci/iBPOP slg aq>BOip d/iagxtcip' 6ia xovxo xal ^fiBlg xo 
ofiotmfia xov d-apdxov jtoiovpXBg xop dgxoP jtgoörjviyxafisp 
xal ytagaxaXovfiBP öid xrjg d^olag xavxTjg' xaxaXXdytjd'i Jtäöip 
^(ilp xal iXdod-fixi d-BB xfig dXrjO^Blag' xal mOJCBg 6 dgxog ovxog 25 
ioxogjtiö/iipog rjp BJtdpo) xmp ogswp xal ovpax^Blg iyiPBxo elg 
?r, ovxrn xal xfjp dylap oov hxxXrfolap ovpa^op ix jtapxog 
Id'POvg xdt JtdoTjg x<^g^Q ^«^ Jtdorjg jcoXBwg xal xcofirjg xal 
oixov xal Jtolrioop ftlap ^Söap xa&oXix^p ixxXf]Olap' xgoo- 
ijpiyxafisp dh xal xo noxr^giop xo 6/iolo}fia xov ai/iaxog, oxi 30 
6 xvgiog Irjoovg ;cp4öTog | Xaßcop Jtox^giop (iBxd xo ÖBtstpijoai 9r 
bXbyb xolg eavxov fia&rjxalg' XdßBXB jiIbxb, xovxo ioxiv ?/ xaipr} 
öiad-rpcri, o ioxip xo al/id (lov xo vjthg vfiwp ixxvpofiBPOP Big 

5 Eph. I 21. — 6 Apoc. V 11. — 8 Jes. VI 2. — 11 Jes. VI 3. — 16 Rm. 
XII 1 , Eph. V 2. — 19 1 Cor. XI 2 3. u. Mtth. XXVI 26. — 25 Didache 
IX 4. — 31 1 Cor. XI 25, Luc. XXII 20. 

Cod.: 3 dvfiswg \ 5 naQaoti^oovat | 9 nerwßBva \ 10 öi^B \ 
25 Tovtog 



6 G. Wobbermin, 

aq>BCiv äfiaQZfjfiaztop. dca zovro jtQOörjviyxafisp xal rjfistg ro 
xorrJQiop ofiolcQfia atfiaroq Jigocayorreg. hxiöri(irioaTa> d-sk 
TTJg dXijd'Blag 6 ayiog oov Xoyog ixi top clqxop tovtop, Iva 
yipijtai 6 cLQTog ocoßa rov Xoyov, xal im ro jtorijQiop rovro, 
5 ipa yiptjrat ro xorriQiop alfia rtjg aXtid-slag. xctL xolrjOov 
xavrag rovg xotp<ovovprag q)aQßaxov C^ayqg Xaßstp dg d'sga- 
jüslap jcaprog poormarog xai dg ipSwdfiooip xaötjg jiQOxoxfjg 
xal aQer^g firj slg xaraxQiöiP ^sh rr^g aXijd'alag fiTjdi slg eXey- 
XOP xal oPBiöog' oh ydg rop dyipfjrop kjcexaksodfied-a öia rov 

10 fiopoyepovg iv aylca Jtpsvfiarr iXBT^d-fjra} 6 kaog ovrog, jcqo- 
xojtfjg d^iood^ro, djtoöraXi^ra>öap dyysXoi av[i,TtaQ6prBg rw 
Xam Big xardQyrjCip rov xopijqov xal alg ßBßala)öiP r^^ kxxXf}- 
alag, jtaQoxaXov/iBP da xal vjthg jcdproip rwp x&coifitifiipop, 
wp icrip xal rj dpdfiptjoig fiBrä rrjp vJtoßoXrjp rSp 6pofidTa>p. 

15 dylacop rag tl>vxag ravrag' ov yäg Jtdoag yiPcoöxBig. dylacop 

9v Jtdoag rag ip xvqIco xoififid-Blöag. \ xal OrryxaraQld-iirjOop Jtdöaig 
ralg dylaig aov övpdfiBöip xal dog avrolg rojtop xdt fioptjp kp 
r^ ßaCiXala öov öi^at 61 xal rfjp Bvxagiörlap rov Xaov xal 
BvXoyijoop rovg XQoOBPByxoprag ra Jigoötpoga xal rag bvxcc- 

20 QtOrlag xai x^Q^^^^ vyalap xai 6XoxX?]Qlap xal Bv^filap xal 
jtäcap jüQOxojcT]P 'fpvxfjg xal o<6(iarog oXco r^ Xam rovrco öid 
rov fiOPoyapovg oov Itjöov x(>*öto{5 kp dyicp jipsvfiari' <SojttQ 
7]P xal iörlv xal lorai Big yBPBag yaPBcip xal slg rovg ovfutap- 
rag alApag rmp alcopmp dfii^p. 

IL 
Merä rriv BV)(riv t] xXäoig xal Iv rfj xXdaai €VXV> 

25 Eara^looOOP ^fiag rrjg xocpoopiag xai ravrfjg d'BB rrjg dXfj- 

&elag xal jioItjöop ra ocißara rjfiöip XG>Qijcfai dypBlav xal rag 
tpvxag g)Q6pf]öip xal yp(5oip. xal öo^iöop r/fiäg ^bb rAp 
olxriQfiwP öia rfjg fiBraXrjtpemg rov Ocifiarog xal rov atfiarog, 
ort ötä rov fiopoyspovg Col rj 66§a xal ro xgdrog ip dylco 

30 JtPBVfiari, vvp xai bIq rovg ov/ijtaprag alcopag rcop alcivoDP 
dfii^p, 

3 u. 8 u. 25 Ps. 30,6. — 17 Job. XIV 2. — 28 2 Cor. I 3. 
Cod.: 12 xaxi^gyTjaiv \ 18 di^B \ 20 vyiai \ 26 ayviav 



AltchrisÜiche litargische Stücke. 7 

ÜL 

Mrra rö didovai t^v xläaiv rdig xkf]()ixoXg x^^Qo&^aia 

Xaov. 

*ExTslv(D xr/v x^W^ ^^^ '^^v Xaov rovrov xal diofiai hcta- 
d-ffpai rfiP TTJg äXij&slag x^^^ I ^<*^ öod'fjvai Bvloylav tc5 Aaq5 lOr 
xovxcp öia xfjv c^v ifiXavd'Qwxlav d-^k x&v olxxiQßcov xal xa 
livöxrjQia xa xagovxa' X'^^Q ^vXaßelag xal ävpafieog xal Co}g>QO' 
viOfiov xal Tcad-aQOXfjxog xal xaarjg oCtoxrjxog BvXoYfJoaxo xov 5 
Xaov xovxov xal diaxTjQijcaxa} slg xQoxojtTjv xal ßsXxloHSiv 6ia 
xov fiopoyevovg öov lijöov xpcflfroi; iv dylq} Jtvsvßaxi xal vvv 
xal elg cvfixavxag alwvag x65p aldvmv ä/i^P. 

IV. 

Merä xijr diddooiv xov Xaov ev/ri. 

EvxaQioxovfiiv cot öicxoxa, oxi icq>aX(iivovg ixaXeöag xäi 
rjfiaQxrpcoxag JtQoCejtoiriCm xdL vjceQxid^siCai xijp xad-* ^fic5p 10 
djtsiXfjv g)iXapd'Qa}mgi rjf ö^ Cvyxa)QriCag xal rj (isxavola axa- 
Xeltpag xal xfj XQog oi ypcoösL djtoßaXciv. svxaQiCxovfiiv öoi, 
oxi diöoxag fjfilp xotPa>plap C(D[iaxog xal at^iaxog* svXoyrjCop 
rjfiag, svXoyijOop xop Xaop xovxop, JtolrjCOP fjfiäg (liQOg sxbip 
[iBxa XOV odfiarog xal xov atfiaxog 6ia xov fiOPoyBVovg cov 15 
vloVy öl ov Col t] ö6§a xal x6 xgaxog kv äylco jtBv/iaxi xal pvp 
xal obI xal slg xovg ov/ijcopxag alcovag x&p aldpwp dfii^p. 

V. 

Evx^l ne^t TiSr nQoatpBQOfiivwv iXaia)y xal vSatiov, 

EvXoyovfiBP öiä xov opofiaxog xov (lopoyBPovg oov \ Itjoov ^^^ 
XQcOxov xaxxlöfiaxa xavxa, xo opofia xov jta&opxog ovofid^ofiBV 
xov cxavQood-BPxog xal äpaaxäpxog xal xad-B^ofidpov ip ÖB^tgi xov 
ayBP^xov ixl xo vöoq xal kxl xo (BXaiop) xovxo ' x^Qf-^^^^^ övpafiip 
d^sQajtBVXixijP ixl xa xxlofiaxa xavxa, 03ta)g jcäg jtVQBXog xal 

3 2 Cor. I 3. 

Cod.: Überschr. III Öiöovvai \ ÜberBcbr. lY ötaaiv \ 15 fiovoyevov \ 
16 cov I 18 ßovoyevov | 19 xziaßa \ 21 om. xo secundo 1. 



8 G. Wobbermin, 

jtäp iaifiopiop xal jfaöa voöog dia rijg Jtocscog xal rijg aXel' 
tpecog dxaXXaY^ xal yivrjxat q>aQiAaxov d'SQajtBvnxov x€ti q>aQ- 
fuzxov 6XaxXi]Qlag tj rAv xxiöfiaroov rovrcop fiezaXfm^ig iv 
opofiari xov fiopoyspovg öov Irjcov X()£0rot5, 6t ov aol rj do^a 
5 xa\ xo xQCLTog Ip aylcp ^psv/ian elg rovg ovfutapxag cdäpag 
rcop cdcopcop äfii^p. 

VL 

XBiQO&ßaia fiExa iriv evXoyiav rov vSarog xal rov iXaiov. 

^cXapd-QODJtB d-ak Ti]g aXrßBiag cvfiJtoQaßaLpixo) x^ Xaä 
xovxcp 7] xoiPCDPla xov ödfiaxog xal xov alfiaxog' xa öcifiaxa 
avxcip ^(5pxa BCxm cdfiaxa xal al ipvxal avxmp xad-agal ioxG}- 
10 aav tpvxaL 66g xrjp BvXoylap xavxrjp slg xtjqtiöip x^g xotpco- 
plag xaL Big dötpäXBiap xrjg yBPOfiiptjg BvxccQ^<itlag. xal /ioxa- 
QiCop xoip^ jtapxag xal ütolriöop kxXsxxovg 6iä xov fiopoysPovg 
ÖOV Irjöov xQ^<^'^ov hp dylco JtPBVfiaxi xal pvp xal slg xovg ovfi- 
jtapxag aläpag xSp alcipmp dfirjp, 

VII. 

11' I BaciXBv xal xvqib x<5p äjtapxa)p xal 6rjHiovQyB xAv 

oXcDP, 6 Jtaö^ xxi yBP7]xy g)V0Bi 6ia xrjg xaxaßdöBwg xov fiopo- 
yBPovg oov Irjaov j^ptörot; x^Q^<^dfiBPog x^p oa>xfjQlap, 6 Xvxqo)- 
ödfiBPog xo jtXdCfia xb vjto oov 6Ti(iiovQyi]^BP 6ta xrjg ijti6rj- 
filag xov aQQi^xov aov Xoyov Bq>i6B pvp ht xov ovqovov xoL 
20 knlßXstpop kjcl xa v6axa xavxa xal JtXrjQwoop avxa jcpBVfiaxog 
dylov. 6 aQQi]x6g öov Xoyog kp avxotg yBpiöd'O) xdL (iexa- 
jtoiTjöaxa) avxwp xfjp hpBQyBcap xdi yBPPrjxixä avxa xaxa- 
öxBvaödxo) JcXrjQovfjiBPa xrjg örjg x^Qtxog, oxwg xo fivöx^Qiop 
xo PVP ijtixBXovfiBPOP fi^ XBPOP BVQBd-fj kp xoZg dpayBPPOffiipoig 
25 dXXa :^X7jQoiöy xdpxag xovg xaxiopxag xal ßajtxi^ofiipovg x^g 
d-Blag x^Qtxog' q>cXdpd-Q(X)JiB BVBgydxa <pBlöat xov öov jtoifj[iaxog 
ömöop xo vjcb xrjg 6B^iäg öov jcBJtoprjfiipop xxlöfia. [i6Qg)a}öop 
xdpxag xovg dpayBPPOfiBPOvg xfjp d'BÜxp xal aggrixop öov (iOQq>i^p, 

Cod.: 4 fjiovoyevov | 7 ovßTtaQaßBivdrctf \ 12 fiovoyevov \ 17 fiovo- 
ysvov I 26 (ptjae 



Altchristliche liturgische Stücke. 9 

ojtcog öiä Tov fi6fiOQg)c5öd'ai xal dpaysyevpfjö&ai ömd'^pai öwt]- 
d'ciaip xal rijg ßaoiXelag oov d^to^&fjvai. xal dg xazeX&iov 6 
(lovoyspi^g Cov Xoyog k^il ra vöara rov loQÖavov ayia aJtiösi- 
^Bv, ovxm xal vvp hv rovroig xazsQxsod-o) xal ayia xal Jtpsvfia- 
xvxa JtoiTjCara) \ xgog xo /iijxixi oaQxa xal atfia dpat xovg ßajtxi- 11 ▼ 
Qofiipovg, dXla jcvevfiaxixovg xal övpafispovg jiqocxvpbIp gol 
xm dyBvrixm JtaxQl öiä Irfiov xQ^^'^ov ip dyico Jtpev/iaxi, 6l ov 
ol 9] 66 §a xal x6 xgdxog xal vvp xal Big xovg avfiJtapxag 
alcopag xoip alcivop dfii^v. 



VIII. 
Ev}^rj V7ie() ßanTi^OfXBvwv* 

UaQaxaXovfiBP ob d-sh xijg dXtjd'slag vxbq xov öovXov cov 10 
xovÖB xai ÖBOfjtBd-a, ojtog xaxa^icic^g avxop xov d-slov (ivoxfjQlov 
xal xfjg dQQTjxov oov dvayBvvi^aea)g, öol yag <piXdp9^QG)jcB vvv 
jtQ0öq)BQBxai, öol avxop dpaxld-BUBP' xdQtöaiavxop xfl ^Bla xavx^ 
dpayBPPfjöBi xoiPfoprjöai XQog xo firjxixi avxop vjto firjÖBPog 
xaxov xal jtoptjQOV ayBO&at dXXa ool XaxgevBcp öta Jtapxog 15 
xal xa öa xgoöxdyfiaxa tpvXdxxBiP oörjyovpxog avxop xov fio- 
poyspovg cov Xoyov oxi öl avxov col ^ 66§a xal xo xgdxog 
kp x^ dylcp jiVBVfiaxi xal pvp xal Big xovg cv/ijtapxag alcipag 
xSp alcopmp dfir^p, 

IX. 
Merct T7]y anorayriv bvx^» 

KvgiB Jtavxoxgdxog c^gdytcop xfjp cvyxaxdß-BCiv xov öov- 20 
Xov cov xovxov xr^p Jtgog oh pvp yByBPijfievfjp xal dfiBxdßXijxop 
avxov xo Tjd-og xal xop xgojtop 6iag)vXa^op, tpa fitjxixi xolg 
XBigoCip I vjtTjgsx^ dXX^ ip rep xrjg dXrj&slag d'sA Xaxgev^ xal 12 r 
col xw xmv ^dvxoDP jcotrjx^ öovXevy jtgog xo xiXBtop avxov 
xal Coi yvfjcwp djtoÖBix^fj^ct^ öia xov fiopoyBPOvg cov Ir/oov 25 
XgiCxoVf 6i ov Col ri öo^a xal xo xgdxog ip dylm JtVBVfiaxi 
xal PVP xal elg xovg CVfiJtapxag aloipag x&p altopcop dfirip. 

Cod.: 1 dvayew^d^at | 12 <7v | 13 ai; | 15 axai ov 1. xaxov | 15 av | 
23 xriQooiv 



IQ G. -Wobbennin. 



Mira jfiy dydkr^xinv ^ijnr,. 

^iXapd-Qwxt evtQyira cwtijQ xamcov W/r IxioxQOifriv 
jtQog oh xtxoirjfiivcov iXtcoq jtvov xA öovlco öov zAis. 06^ 
yrfiov avTOP Ixl rrjv avayivprfiiv ry <Ja|«g oav' 6 fiopojen^g 
öfßV Xojoq oörffeiTfo airov hti to Xovzqop' Tififj&y^za} izvTOv 
5 n avcrfiwriou;, fifj lotoo x€pfj rfjg ö^c x^Q^'^^^' ovfmaQlxco 6 
ayiog oav Xoyog, cwicrm xo ayiov oov xvevfia axoooßovv xdi 
äxoßalXop xavxa xtigac/iop, oxi dia xov ftopojevovc cav 
Irjaov XQiaxov rj rfog« xai xo xQaxog xcu pvp tlg xovg oviixap- 
xag alSpag xAp aUoPcov afi^p- 

XL 
Meia TO ßannad-fjvai xal av^X&Biv «v/ij. 

10 *0 d-tog 6 xfjg dXfi&elag d^eog, 6 xAp xdpxcop Srnnovqyog, 

6 xvQiog xaarjg xrjg xxloscog, tvXoyricop top öovXov öov xovxop 

tvZoyla xy cy' xad-agop aixop ösl^op Ip xy dpcq^sppi^ösi, xot- 

vcopop avxop xaTg äyyaXixalg oov ävpdfisoi xaxaoxrioop, tpa 

12v lifixixt OaQ^ äXXa xpevfiaxixog opofiaCijxai fiexaoxAp xijg 

15 d-elag oov xal (D(peXlfiov öogeag' öiaxrjQfjd'slfj fiixQt^ xikovg ool 
xqi xSp oXcdp xoifjxy 6ia xov (iopoyspovg oov bjoov ;^(>£(jro{i, 
61 ov Ool Tj 66%a xai xo xgdxog ip aylcp xpsvfiaxi xai pvp xcu 
dg xovg Ovfixavxag alwpag xAp aidpmp afi^p, 

XII. 
Xiiffo&eaia xaraOTdoewg diaxovwp. 

ndxeg xov /lopoyspovg o xop vIop oov äxooxelXag xal dia- 
20 xa^ag xä Ixl xijg yrjg xgayiiaxa xal xapopag xy ixxXi]Ola xal 
xd^sig 6s6(oxd>g slg cotpiXeiav xal ooxijQlap xwp xoifiplop, o 
IxXe^a/iepog ixioxoxovg xal xQSOßvxiQovg xai diaxopovg elg 
Xuxovgylap xfjg xaO-oXix^g oov hxxXfjOlag, 6 ixXe^afiepog 6ia 
xov (lopoytpovg oov xovg Ixxa öiaxopovg xal x^Q^<^ccfiePog av- 
25 xolg xpsvfia ayiop, xaxaox7]0op xal xopöe öiaxopop xfjg xa&o- 

Cod.: 4 iöilyelzo \ 5 cvßnaQilxo \ 7 dnoßdXXotv \ 15 SifsXlfiov \ 
Oberschr. XII xft(>a;^C(j/a 



Altcbristliclie Ütargisclie Stücke. 11 

Xix^q öov kxxXrjolaq xal öbg iv avrS Jtvsvfia yvcioBcog xal 
öiaxQlasmg, tva Sypr^d-^ /lera^v rov Xaov rov aylov xad-OQmq 
xal dfi6fiJ€T(og öicocov^öai iv t§ XBtxovQfla ravrjj öta xov (lo- 
voysvovq öov ItjOov xc^törot;, 6l ov ooi rj öo^a xal rb xgarog 
iv aylco Jtvevfiari xal vvv xal elg rovg övfiJtavtag alcivag rcov 5 
alcivwv dfirjv, 

XIII. 
X€i(fo&€oia xaraoTdaewg nQeoßvT€Qa)v. 

Tfjv x^rp« ixzslvofiev dicjtoxa d-ek rciv ovQaväv xareg rov 
fiovoyevovg öov ijtl rov avd^QWJtov rovrov xal \ öeofied-a, tva 1^' 
ro Jtvevfia rrjg dXTjd-siag ijtiörjfi^o^ avrqt* g)Q6vfjöcv avr^ xdr 
QiCai xal yvAciv xal xagölav dyad-rjv yeviöd^o) iv avrS xvevfia 10 
d'Slov JtQog ro övvaöd-ai avrov olxovofifjöai rov Xaov öov xal 
jtQBößsvsiv ra d'Sla öov Xoyta xcA xaraXXd^ai rov Xaov öov öol 
rS dyevrircp d-sAj 6 xc^Qcödfisvog djcb rov jcvsvfiarog rov (ia}öicQg 
ijtl rovg ixXeXeyfiivovg jtvsv/ia ayiov (ligiöov xal rSös jtvevfia 
dyiov ix rov jtvevfiarog rov (lovoysvovg elg xdgiv öog>lag xal 15 
yvmöBcog xal Jilörewg oQd-fjg, tva 6vvi]&y öol vjtrjQsrrjöac iv 
xad-aQa övvBiörjöBt dia rov (lOvoyBvovg öov Itjöov xQ^<^'^ov, 6t 
ov öol rj öo^a xal ro xgdrog iv dylcp jtvsvfiart xal vvv xal 
elg rovg ovfixavrag alcivag rwv alcivwv dfii^v. 

XIV. 

XBiQo&eoia xaraardoBwg iniaxonov. 

*0 rov xvQiov Iriöovv oJioörBlXag Big xsQÖog oXtjg rr^g 20 
olxovfiivTig, 6 öl avrov rovg d:xoör6Xovg ixXe^d/iBvog 6 xarä 
ysvBav xal yBVBav ixiöxojtovg dylovg x^^Qotovdiv Jtolrjöov 6 
d^Bog rijg dXfjd-Blag xal rovÖB ijciöxoJtov C,covra ijilöxoJtoVj 
ayiov rijg öiadox^jg tcov dyla)V djtoöroXwv, xal öbg cn5rc5 x^Q^^ 
xal xvBvfia d-Blov, o ixagloo) jcaötv roZg yvtjöloig öov öovXoig 25 
xal j[Qog)^rcug xal jtargiaQxaig' Jtolrjöov avrbv a^iov Bivai 
jioifialvBiv ÖOV ryv xol(ivr]v In T£ dfiBfixra>g xal \ djtgoöxojtoDg 13 v 
iv rfj ijciöxojty öiarBXeiro} öta rov (lovoyBvovg öov Itjöov 

17 1 Tim. III 9. 

Cod.: 11 olxovofuoat \ 13 xiS 1. rov^ | 14 ixXeyfisvovq \ 17 avvtdriasi 



12 Gr. Wobbermin, 

XQiOtov, öi ov öol fj 66§a xal rb xQarog ip aylcp jtvevfiari 
xal PVP xal elg rovg ov^Jiapxaq alcipag tcop alcipcop dfii^p. 

XV. 

FIqoosvx^ oagamwvog bthoxotiov &fiovio}g' bvxt elg xo 

äXeijLLfxa ztSv ßanri^ofxsywv. 

Aicxoxa ipcXapß'Qcojte xal g)iX6\pvxB, olxrcQfiov xal kkiijfiov, 
d-eh r^g aXfi^üag, ixixaXovfied'd os i^axoXovd-ovptsg xal jtsid-o- 
5 ßspoi ratg hjtayyeXlaig tov (lopoyevovg oov elgrjxoTog, kdp ri- 
pa)p äg)fjrs rag dfiagrlag aq)lepxac avxoTg' xai dX€lg)0(i6v rc5 
dXelfifiari rovrcp rovg JtQoB-iöet jcgoocoprag r^ &ela ravr^ 
dpaysvpi^öei JtagaxaXovpxeg (5öre rop xvgiop fnicop XQ^^'^^^ 
IrjOovp ipsgyTJöai avrotg larixrjv xal Icxvgojcoiririxfjp övpafiip xal 

10 djtoxaXvipac (ihp dia rov dXsififiarog rovrov xal djtod-sgajtsvöai 
djto y^vxfjg odfuxrog xvsvfiarog avrcop Jtäp örjfielop dfiagrlag xal 
dpofilag rj oaravixfjg alxlagy r^ 6s löla xdgtti rrjp dg)eoip avrotg 
TtagaoxioQ-at, tpa ry dfiagrla djtoyepofiavoc rfj öixatoovp^ ^fjöovoi 
xal ötd rrjg dXeltpsog ravri]g dvajtXaöd^ipreg xal öca rov Xov- 

15 rgov xad^agicd-ipreg xal rw Jtpsvfian dpapsoj^^prsg i^iöxvcov- 

14 r cip xarapixjjöat Xoijtop \ rag jtgooßaXXovöag avrotg dprixei- 

(lipag kpegysLag xal dndrag rov ßlov rovrov xal ovra)g övpde- 

&fjpai xal cvpepa>^j]pai rfj Jtolfip^] rov xvglov xal öoortjgog 

^ficop lijöov xQ^^f'^ov xal ovyxXTjgopofiijoai rotg dyloig rag kjtay- 

20 yeXlag, ort öi avrov aol ^ öo^a xal ro xgdrog kp dylcp Jtpev- 
fiart elg rovg övfiJtaprag alcipag rcöp alcopop dfii^p. 

XVI. 

Evxi] slg ro /()ra/i« cV w xQ^^ovrai ol ßanria^evreg. 

V) d-sog röip 6vpd(i€a)p 6 ßorjO-og Jidö9]g y)vxrjg imCrg6q>ovö7jg 
kjd 0£ xal yiPOfiiprjg vjto ryp xgaraidp öov X^^Q^ '^^^ (lovo- 
yspovg ixixaXovfi€&d öe, (Sore öia rrjg ß-slag xal dogdrov oov 
25 övpdfiBwg rov xvglov xal Corfjgog jjfiäp Itjöov xQ^^^'^ov ipsg- 
yfjoai kp rat jf^/öjMar^ rovrcp ipdgysiap ^elap xal ovgdpiov, 
tpa OL ßajtno&dvrsg xal XQ^o/iepoi ip avnp rb ixrvjto^fia rov 

6 Joh. XX 23. — 13 1 Petr. II 24. 

Cod.: CberscBr. XV B^fiovoitog \ 4 om &sh | 6 dtpslswai | 7 tovto 
7 jiQoovdaei \ 7 ngooiovcaq \ 9 airw \ Überschr. XVI o 1. c^ | x^Biovtai 



Altchristliche litargische Stücke. 13 

Ofifielov xov Oo^TTjQicidovc oravQOv rov (lopoyevovg , 6t ov 
özavQov dieTQoijtfj xai id'QiafißevO't] öaraväg xal Jtäoa dvvafug 
avrixBifiiPT) , cog dpayevvfjd'ivTeg xal dpavecod-ivrag öiä rov 
XovtQOv xrjg jtaXipyspsalag xal ovroi (lizoxoi yipmptat rfjg 
ötDQcag rov aylov Jipsvfiarog xal do^aXiöd-svrsg rjj O^gaytöi 5 
ravrxi 6iafi6lpG)Oip tögatoi xal dfieraxlprjroi dßXaßstg xal aöv* 
Xoi dpBJti]Qiaöroi xal dvsjtißovXevrot efixoXirsvofiepoi hp r^ 
jtlörsi xal kjicyvwoai \ rr^g dXrjO-elag (lixQi riZovg dva/itpoprsg 14^ 
rag ovgavlovg rrjg ^CDtjg iXjclöag xal alwplovg hjcayyeXlag rov 
xvqIov xal öwrrjQog rjficip IrjOov XQiorov, 6i ov ool r} (Joga 10 
xal ro XQarog ip dylcp Jtpsvfiari xal pvp xal slg rovg övfi:xap- 
rag alwpag rwp al(DPa>v dfirjp. 

XVIL 

Evx^ €lg eXaiov voaovvroiv tj slg ägrov ^ elg vda)^. 

EjtixaZovfisß'a ob rop exovra :naOav k^ovölap xal övpafiip 
rop OcarrJQa jtavrmp dp&Qcijtov, jtarsga rov xvqIov ^fiwp xal 
Oa>r^Qog Itjoov XQf^^^f^ov xal öeofied-a, mCrs ixjtifiypai &6pa(iip 15 
lariXTjp düto rSp ovgapwp rov (lopoyepovg ijtl ro sXaiop rovro, 
ipa yipTjrai rolg XQf'OfiSPOig rj (israXafißdpovöip rcop xriö(idra}p 
oov rovrwp elg djtoßoXfjp jcdotjg voöov xal jrdörjg (laXaxlag, 
elg dXs^KpaQfiaxop Jtaprog öatfioplov, elg ixxcoQiGfiop jtaprog 
Jtpevfiarog dxad-dgroVj elg dg)OQtOfi6v jtaprbg Jtpsvfiarog ocO' 20 
V7IQ0V, slg ixöiwyfiov jcaprog JtvQsrov xal glyovg xal ^dorjg 
dcß'epelag, slg x^Q^^ dyad-tjv xal äq>e0tp d(iaQr7](idra>p , slg 
q)dQfiaxov C,a>^g xal öorTjglag , elg vyslav xal oXoxXrjglap 
tpvxTJg Ocifiarog jtpevfiarog, slg gSöiv rsXslav. g)oß7]ß'i^rw 
öeojiora jtaoa spegyeia oaravixrj, \ jtäp, daigiopiov, ütaCa ijtt- 15 r 
ßovXf] rov dprixeifiBPoVy jtäoa TtXrjyTj, Jtäöa fidcri§j Jtaöa 
dXy7]6(6p, Tcäg Jtopog i] gdjtiafia rj iprelvayfia i] öxlaofia TtoPT}- 
gop ro opofid oov ro ayiop, o ijtexaXeOafisß-a vvp fjfieZg xal 
ro opogia rov fiopoyspovg. xal djtsgxeod-cooap djto r<5p hprog 
(xal) r<5p hxrog rwp öovXcop oov rovrap, Xva do^aod-^ ro opofia 30 
rov vjteg rjiimp oravga>d-iprog xai dpaördprog rov rag poaovg 
^fiwp xal rag dcd^epelag dpaXaßoprog Itjoov ^jp^öroC xal Igxo- 
ptipov xglpai C^wprag xai vexgovg. ort di avrov ool rj 66§a 

4 Tit. III 5. — 18 Mttk IV 23. — 28 2 Tim. IT 1. 

Cod.: 1 acDXij^iov öovg \ 4 y^y^c^vra^ | 9 inayysXia \ 23 vylav | 
27 ivvlvayfia |.28 inixa^.eadfxs^a \ 30 om. xal 



14 G. Wobbermin, 

xäl xo XQaxoq iv dyl(p jtvevfiavi xal vvv xai slg rovg övfutap- 
Tccg alcipag xmv aldpmv dfi^v, 

xvni. 

Evxv ^^P^ Tsd-rsdjTog xal ixxofiit^ofiivov, 

d-Eog 6 ^cDtjg xal d-avaxov xriv i^ovölav ix^^> ^ d-eog 

xcov Jtpevfiaxcov xdL öeOJcorrjg Jtaorjg öaQXog, 6 0-€og 6 d-avaxAv 

5 xai C,a>oyov6iVy 6 xaxayov slg JtvXag aöov xai avdya)V, 6 xxl^a>p 

JtvBVfia avd-Qcixov iv avx^ xal JtaQaXaiißavmv xwv dyimv xag 

y>vxag xal avaxavwv 6 dZXoiciv xal fiSxaßdXXov xai fiBxa- 

OXflfiaxl^ov xa xxlofiaxd oovj xad-wg ölxaiop xal 0Vfig>oQ6p 

koxiv, fiovog avxog aq>d-aQxog xal dvaXXolcoxog xdt alciviog 

^^^ (Sv, dsofisd-d öov jtsgl xrjg xotfi^östag xal dpa\jtavOea)g xov 

öovXov öov xovÖB rj x^g öovXrjg oov xfjöös* xtjv tpvx^P, xo 

xvevfia avxov dvdjcavcov iv xojtoig X^^^^j ^^ xafieloig dpa- 

jtavösa>g fiexa dßgaäfi xal löaax xal laxihß xoH jcdvxrov xcov 

dylov ÖOV, xo Sk Owfia dpdöxfjcov iv ^ ^Qioag ^fiiQa xaxä 

15 zag dtpB\)66Tg oov ijcayysXlag, tva xal xag xfxx d^lav avx^ 

xXTjQOPOfilag djtod^g iv xalg dylaig Oov vofiaZg. xmv jtagajixm- 

lidxov avxov xal dfiagxrjfidxoiv fif^ iivi]0d-^g' xrjvöl e^oöov avxov 

elQTjvixfjv xai evXoyrjfiivrjv slvai Jtolrjoov xag Xvjtag xAv duz- 

g>€Q6vxa)v jtvevfiaxi ^agaxXrjosog laoai xal ^fitv Jcäoi xiXog 

20 dyad-ov öcigijoai öia xov (lovoyevovg oov ItjOov XQ^<^'^ov, dt ov 

öol 7] öo^a xal xo xgdxog iv dyl<p xvsvfiaxi slg xovg alcovag 

xciv alcivwv dfirjv, 

XIX. 
Evxv ^pü>^^ xvQiaxrjg. 

üaQaxaXovfisv oe xov jtaxiga xov /lovoysvovg, xov tcvqiov 
xov jtavxog, xov örjuiovgyov xciv xxio/idxcov, xov Jtoiijxfjv xmv 
25 Ttejtotfjfiivwv, xad-agag ixxelvofiev xag X^^Q^^ ^^ ^^5 öiavolag 
dvaxexdvvvfisv Jtgog öh xvgis' öeofisd-a' olxxstgov ^etoai svegyi- 
x7]öov ßeXxlmöov xX^&vvov iv dgsxf] xal jilöxei xal yvciöet' 
ijtloxeipai t]fiäg xvgu, jcgog oh xag dod-svslag iavxtZv ' avajtifixo- 
fiev iXdoO-Tjxi xal iXirjöov xoiv^ Jtdvxag fjfiäg' iXitjOov xov Xaov 

4 1 Sam. II 6. 

Cod : 12 tafiiotg \ 26 dvaTtezdvv/iev \ 26 <pfjaai 



Altchristliche liturgische Stücke. 15 

TOVTOV sveQyirtjOop' hjtiBtx^ xal 0(6g)Qova xal xad-agop nolrjOov. 
xal dvpdfisiq ayyaXixaq axooxBiXov, tva 6 Xaog oov ovrog axaq 
ayiog xal ae/ipog ^. jcaQOxaXA os JtPBVfia ayiop ajeoövsiXoP slg 
ZTjp fiiiBXBQap öidpoiap xal xagioai tjfitp /laß-Btp tag d-Blag YQag>dg 
cbto aylov JtPBVfiarog xal öiBQfifjPBVBiv xad-agcig xal d^lmgy tpa 5 
ciq)BXfjd'cioiP ol JtagopTBg Xaol JtdptBg did xov (lOPoyBPovg oov 
If^cov xP^öTOv kv dylcp JtPBv/iazi, 6t ov öol rj ö6§a xal xo 
Tcgdxog xdL pvp xal Big xovg övfutapxag aiäpag xAp aldvcop 
dgii^p- 

XX. 

MBTCt To ävaarf^vai dnd rijj; ofiiXiag evxV' 

^0 O-Bog 6 CmxTiQ , 6 d-sog xov jtapxog, o xcip oXwp 
xvQiog xal örifiiovQyog, o yBPprixoQ xov fiovoyBPovg, 6 xop 10 
XaQaxxfJQa xop gc5rra xal dXrjd-ivop yspp^oag, 6 JtQog mtpiXBiap 
xov yipovg xwp dpd-QcijKDP avxop djtoOxBlXag, 6 öi avxov 
xaXioag xal JtQOOJtoitjodfiBPog xovg dpd-Qcijtovg, ÖBOfiBd-d oov 
vnkg xov Xaov xovxov, jtPBVfia ayiop jtifitpop xal 6 xvQtog 
Itjöovg k^iöxsipdcd-o, XaXrjodxa} ip xalg ötapolaig jtdpxcov xal 15 
jtQOoixopofirjödxG) Big xlöxip xdg xag \ ölag' avxog JtQog oh kXxv- ißv 
odxo) xdg y^vxdg, ß-Bh xmp olxxiQfiwPj xxloat Xaop xal kp t§ 
xoXbi xavx^, xxloai jcolfipiop yp^oiop öid xov /lopoysvovg oov 
Irioov XQiOxov ip dylcp jtpsvfiaxi, dt ov ool rj öb^a xal xo 
xgdxog xal pvp xal Big xovg ovfiJtavxag alwpag xcop al(DPG)p 20 
dfi^p. 

XXI. 
Evx^ vmQ Twv xatrj^oviuBVWv. 

Bof]d-h xal xvQtB xäv dndpxop, iXBvd-BQmxd xwp kXBv&^BQm- 

d-BPXODV, JtQOOxdxa XWP QVOD-ipXCDP , 7] IJI^I^ X(5p VJtO X7]P 

XQaxatdp Oov x^^Q^ yByopoxa^p' ov bI 6 xfjP dpofiiap xad-i^- 
QTpccig, 6 ötd xov fiopoyBPOvg xaxagy^oag xop oaxapäp xal 25 
Xvoag avxov xd xBXPdofiaxa' xal dnoXvoag xovg vjt avxov ob- 
ÖBfiBPOvg' BvxagtOxovfiip oot vjihQ xmv xaxrjxovfiipo^v , oxt 
xixXfjxag avxovg ötd xov fiopoyBPOvg xal ypmOtP avxolg xfjp 

Cod.: 3 6h 1. OB I 15 inBOxstpao^w \ 17 xzrjaai \ 25 xuragy^aai 



16 G. Wobbermin, 

Ofjv ixaglom xdi dia rovto öeofied-a' ßsßaicoB^i^TWOav Iv tj 
yvcoOBiy tva yivdoxcoöiv ob top fiovov aXrid-tvov &s6v xal op 
ajtioxBiXaq Irjaovp ;f ptöro r * diatpvXaxxiod-coöav ip rotg fiad^fia- 
öip xal kp rfj xad-aQa (pqoptjöbl xcä JtQoxojtxixmOap a^ioi 
5 yBpiod-at xov XovxQOv xfjg jtaZiyyBPBOlag xal x&p dylwp fiv- 
öxtjqIwp öia xov fiopoyBPOvg bjöov XQ^'^^ov ip aylcp xvBVfiaxi, 
dl ov Ool ri öo^a xal x6 xgaxoq xci pvp xal elg xovg ovfixap- 
xag almpag x&p al<ipa)P dfitjP. 

XXII. 
EvxTj tibqI voaovvxiDV, 

17 r I üaQaxaXoviiBP ob xop lq>0Q0v xal xvqiop xal JtXaCxf]p 

10 xov ocifiaxog xal jtoitjxfjp xijg Vv;^^^, xop aQfioöafiBPOP xov 

. apd^QO^JüOPy xov olxopofiov xal xvßBQpi^xrjp xal ca>xfJQa navxoq 

xov yivovg x(5p dpd-QWJcoiP , xov xaxaXaOöo/iBPOP xal jtQavpo^ 

(iBPOP dia xTjp lölap g>iXap9'Qa}jtlaP' iXdöd-fjxi diöjtoxa' ßorjdfi" 

Oai xal laoai Jtdvxag xovg vooovpxag, ijtixlfiTjoop xolg vooi^- 

15 (laOiV dpdoxrjöop xovg xaxaxBifiivovg' 66g öo^ap X€p opouaxl 

60V Tq5 dylw ötd xov (lOPoyBPovg oov hjöov xqloxov, di ov Ool 

fj öo^a xal xo xgdxog Ip dylco jtPBVfiaxi xal vvp xal Big xovg 

övgjutapxag alSpag x<5p alcopwp dfii^P. 

xxin. 

Evx^i vntQ xa(}7io(pogiag^ 

OvQaPov xal yrjg örjfiiovQyi, 6 xop ovQapop ötd xov xoQov 

20 xcip doxBQCDP oxBq)ap€ooag xal ötd xwp gxüöxi^Qoyp XafiJtQVPOg, 

6 XTjp yr^p xolg xaQJtolg xtfirjöag XQog (D<piXBiap xcop dpd-Qco- 

Jta>p, 6. XQV^diiBPog xw yivBi x& vjto oov XBjtaXaia)(iivq) dpa)- 

d'Bp fiBP djtoXavBip XTJg avytjg xai xov (pa)xbg x<5p g>o}OxrJQa)v, 

xdxcDd-BP 6b xQeg)BO0'ai djto xwp xagjtcip xijg yijg, 6B6(iBd'a 

25 xdgioai xovg vBxovg jtXfiQBOxdxovg xal yoptfiwxdxovg' jtolrjOov 

17 ▼ 6h xal xrjp yrjp \ xaQxoq>oQ^oai xal JtoXXi/p kviyxai Bvg>OQlav 

ivBXBP xrjg Orjg ^iXapß-Qcoxlag xal xp^yö^ot'iyro^' HPTjOd^xi xcop 

OB kjtixaXovgiiponf, xl(i7jOop xi/p dylav oov xal (lovrjv xad-oXtxfjv 

kxxXfjolap xal slodxovoop xcop jcagaxXrjoBwp xal xcop xqoobv- 

2 Job. XVII 3.-5 Tit. III 5. 
Cod.: 2 yivoiaxovaiv 



AUchristliche liturgische Stücke. 17 

xSv Tjfidiv xal evXoyfjoop rrjv yfjp Jiäcav öiä zov fiopoysvovg 
oov ifjOov xpeöroVj 6t ov col rj öo^a xal ro xgatog iv äylqj 
xvavfiaTc xal vvv xal dg rovg 0v(i3tavrag alwvag rwv alci- 
vmv aiiriv, 

XXIV. 

Evxv ^*P^ ^^ff ixxlrjaiag. 

KvQie d-€h rmv alcivcov, ß-sh rmv Xoytxwv jcvevfiatov, &€h 5 
tpvxcov xad-aQcop xal 3tavxa>v rSv yvfjaiog 66 xal xad-agcog 
imxaXovfiivov, 6 kv ovgapä q>ai,v6fiBvog xdL yipa}Ox6fiePog xolg 
xa&'aQotg jtpsvfiaoip, 6 ijtl yr^g vfiPOVfiepog xal xarotxcop ip xy 
xad'oXix^ kxxXTfola, vjto ayyilop äyiwp XsiTovQyov(i€Pog xal 
xad-agcop tpvxcop, 6 Jtoii^öag xal ig ovgapöip x^Q^^ QcQPta slg 10 
öo^ap xal alpop rijg dXrjß-slag, öog ttjp ixxXrjoLap ravtfjP 
^ciöap xal xad'agap ixxXfjolap shai, öog avtfjp ^x^ip d-slag 
dvpcifieig xal xa&agovg dyyeXovg XBirovQyovg, tpa övprjß-^ xad-a- 
gAg vfipstp os' jtagaxaXovfisp vjthg jcapxop dpd^g€03ta>p xfjg 
ixxXrjOlag xavxrig, \ jtäoip xaxaXXaytjB^t, JtäCiP ovyxcigTjaop, 18r 
jtäoip ag>BOiV diiagxf]fiaxa)p öog' x^Q^^^^ (irjxixi nr]6kp dfiag- 
xdpsip, dXXa yepov xelxog avxoZg ocal xaxagyrjCop jtdvxa jcei- 
gaöfiop» iXh]Oop dpögag xdi yvpatxag xal natöia* xal tpaPfjO^i 
ip Jtäöip. xal yga^^XQ} öov ^ ypwoig ^p xalg xagölaig avxwp 
öia xov (iopoyspovg oov IfjOov xptörot;, 6c ov Col ^ öo^a xal 20 
xb xgdxog kp dylcp jcpevfiaxt xal Pvp xal slg xovg ovfiJtapxag 
alcopag x&p al<6pa>p dfii^p. 

XXV. 

Evx^ vmg iniaxonov xal rrjg ixxXrioiag. 

JSe xop owxijga xal xvgiop kjtcxaXovfisd-a, xop ß-eop jcdoi]g 
öagxog xai xvgioP jcapxog jcpevfiaxog, top evXoyrjxop xul x^QVY^^ 
ytdörjg evXoylag, dylaöop xop hjtloxojtop xopös xal öiaxrjgTjOOP 25 
avxop i^ca jtapxog JtBigaOfiov xal öog avxm öog>lap xal ypciöip, 
tvodcooop avxop ip xalg öalg ijtiox^fiaig* jtagaxaXovfisp öh xal 
vjteg x&p ovfixgeößvT€ga>p, dylaOop avxovg, oog)iap avzotg öog 
xal ypmCiP xai ogß-fjp ötöaOxaXlap' :jtoh]0op avxovg jcgaößsveip 
xag dylag Oov öiöaOxaXlag ogO^cig xal d(iefi7cxa}g' dyiaoop öl 30 
xal öiaxopovg, Vpa coOip xad'agol xagöla xal OcifiaTi xal övprj- 

Texte and Untersuchungen N. F. II. 8b. 2 



18 G. Wobbermin, 

18v ß-ciöi xad-aga öwud^OBi XsirovQyEtp xal ^aQaattjvai rm ' 
aylcp CcifiaTi xal reo dylo) aifiatL JtagaxaXovfiBP dh vxhg xmv 
vjtoöiaxopcov xal ävaypoootciv xaL tQfi7]V6(DP' jtavtag rovg rijg 
ixxXfjolag ava^tavcov xal Jtäciv dog eXeog xal olxtiQfibv xal 
5 jtQoxoJirjp. deofisd-a vjthg t<5p fiopa^oprofp xal vxhg x&p 
jtaQd-ipop ev ovawp' reXeöarcaCap top ögofiop avtwp äfi^fucrwg 
xal TOP ßlop avx&p döiaXstjtroyg, Ipa övprjB^cioi kp xad-agoxfjTt 
6iargl^>ai xal dyioxTjTi xag ^fiigag avxcop jtdoag. iXirjaop 6h 
xcA xovg yeyafi7]x6xag jtdpxag, xovg dpögag xal xa yvpaia xal 
10 xa jtaiölaj xal öbg jcaoip evXoylap Jtgoxojtijg xal ßeXxiciöswg, 
tpä Jtapxeg yipcapxai ^oipxsg xal ixXsxxol apd-gonot öid xov 
fiopoyspovg Oov Ifiöov xQ^<^'^ov, öi ov öol ?] öo^a xal x6 xgdxog 
ip aylcp nPBVnaxi xal pvp xal etg xovg almpag xcip alcopop dfitjp. 

XXVI. 
Evx'^i yovvxXiaiag. 

15 ndxeg xov fiopoyspovg, dyad^h xal olxxtgfiop, iXsrifiop xal 

q)iXdpd-go}jt€ xal q>iX64wx€, evegyixa jcdpxo^p xc5p sjd oh ijti- 
orge^opxmp, öixov xfjp jtagdxXtjOiP xavxrjv xal 66g f]fitp ypcä- 
oip xal jcloxip xal evotßeiap xal oöioxrjxa. xaxdgyrjoop Jtap 
xdd-og, jtäoap ^6oprjp^ Jtäoap dfiagxlap dno xov Xaov xovxov 
19 t jtolrjOOP Jtdpxag \ yspeo&ai xaO^agovg' ovyx<oQ7}öop Jtaoip xa 
jtXijfifi&Xrjfiaxa. ool ydg x<p dyev^xcp jtaxgl 6ia xov /lOPoyspovg 
xXlpofisp x6 yopv, 66g ^fitp povp oöiop xal xeXslap (oq>eXBiap, 
66g Tfiiag oh ^rjxFJp xal dyajrap' 66g r)fitp kgsvpap xal ix^rjxelp 
xa d-ata oov Xoryia, 66g ^fitp X^^Q^ 6io:toxa xaL dpdoxriOoP 

25 7],uag' dpdoxTjöop 6 d-e6g xcop olxxigfimp, xolrjoop dpaßXijteiP' 
dpaxdXvipop 7)fic5p xovg offid-aXfiovg , 7taggi]olap f]filp xdgiociL, 
(17] kjtcxgi'ipxig 7jfiäg aloxvpeo&ai, fif]6h 6vOa}jtelod-ai /i7j6h xaxa- 
yipciöxtip tavxiSp' k^dXetypop x6 xaß-* ^(ic5p x^^g6ygag>op' ygd- 
tpop ^ficop xa opoftaxa kp ßlßXco g<ö^?' ovpaglß^firjoop r/fiäg xolg 

30 dyloig oov jtgocp^xaig xal djcooxoXotg 6ia xov fiopoyspovg oov 
Itjoov xQ^^'^ov, 6t ov ool 7/ 66^a xal x6 xgdxog kv dylcp JtPBVfiaxi 
xal PVP xal Big xovg Ovfijcapxag alwpag xojp alcopoop dfiTJp. 

6 2 Tim. IV 7. — 28 Col. II 14. — 29 Phil. IV 3. 

Cod.: 3 fort. om. XcizovQyovq p. tovq | 6 naQS^SQ&Bv | 6 teXeadtwoav 
addid. man. porter. | 6 havrd}v \ 7 iavxfSv | 7 döiaXrjnxmq \ 8 havtwv \ 15 obc- 
xlgfiCDV I 15 iXerjfjiwv \ 27 imargiipT^g \ 27 iaxvvsa&ai \ 28 iS^Xfjtpov 



Altchristliche liturgische Stücke. 19 

XXVII. 
EvjT'fl vni^ laov. 

^E^ofioXoyovfied'a Ooi ^ilavd-Qcojts d-sh xal JtQoCQljtrofiBv 
lavTcor xaq äcd-evslag xal dvvafiiv ^fitv jtQOOyBvicd-ai jtaQa- 
xaXovfiev. övyyvcod'i roTg JiQOYeysprjfiSPOig dfiagri^fiaCiv xal 
ag)aq jtavxa ra xaQtpxVl^^^^ OfpaXfiaxa xccl jtoltjOov xaivovg 
avd-Qwxovq. öst^ov Tfiiaq xal öovXovg yprjalovg xal xad-agovg* 5 
aol dvarld-Sfiev tavrovg, öixov rjfiäg d-sh XTJg aXtid-slag, öixov 
xov Xaov xovxov, 66g oXov \ yvriciov ysvicd^ar 66g oXov dfidfi- iQv 
jtxa>g xal xad-aQcog JtoXixevscd'ai' cvfi/iaxQTjB^i^xa^Cav xoZg ovQa- 
vloig, ovpaQtd-fifjd-i^xmöav xolg dyyeXoig, oXoi kxXsxxol xal ayioi 
ysviod'woav' jtaQOxaXovfiir öe vxhg xmv xejtioxevxoxcav xal x6v lO 
xvQiov h]6ovv ;f()£(JTOi^ ijieyvwxoxmv^ ßsßaia)ü^rJT(DOav kv xy jcl- 
öxei xal x^ yvcioei xal x^ 6i6aOxaXla. 6s6fi6d-a vjiIq navx6g xov 
Xaov xovxov, xaxaXXdytjO't naOiVj yvmgioov tavxov- djtoxdXv- 
tpop öov x6 (piyyog, yvtoxoocdv Os Jtdvxsg x6v dyivtjxov Jtaxiga 
xal x6v (lovoyevfj öov vl6v Irjöovv xp^öt'O«^* 6s6fihd^a vxbq jtdv- 15 
xoDV aQXovxmVy bIq7ivlx6v xov ßlov ix^xcaOav vjthg dvajtavosmg 
XTJg xa&oXix^g ixxXrjolag. 6e6f46d'a d-ee xcov olxxiQficiv vjthg kXev- 
d^BQODV xaL 6ovXa)v, dQQSvmv xal yvpaixdiv, yegovxwv xal Jtai- 
6la}p, xevrjxoiv xal jtXovolcov Jtäöivx6 l6tov aov 6et§ov XQ^O'^ov 
xal xTjv I6lav öov jtaöiv jiqoxblvov q)iXapd'(ja}Jtlav' jtdvxag ouc- 20 
xetQOVj xaL Jtaöip xdQtoai xrjVJtQ6g öh IjtiöxQOfpriv. JtaQaxaXovfiev 
vJtEQ djto6rj(iovvxG)Vy ^aptöae avxolg ayysXov €Iqi]vix6v övvo- 
6olytOQov yeveöd-ai, iva (irj6iva vjc6 fiT]6sv6g ^r]fiia>dSöiVy Iva 
kv JcoXX^ evdvfila x6v jtXovv xdi xag \ djto6fjfi[ag avxmv 6ca' 20' 
vvöoöip. jtagaxaXovfiSP vxsq xsd^Xififievov xal 6b6bhbv(dv x(A 25 
jtBVfjxcDP' dvojtavöov ixaöxov, dxdXXa^ov 6Böfic5v k^BVByxmv 
XTJg jtBPlag, jtaQTjyoQrjöov ndvxag 6 jtaQrjyogwp xal xaga^iv- 
d-ovfißvog, 6B6fiBd-a vjtBQ voöovpxa>p, vyBiav X'^Q^^^'- ^^ ^^€ 
vooov dpdöxTjöov xal jtolfjöov avxovg xBXalav ixBiv vyalav 
öcifiaxog xal fpvxTJg' öv yäg bI 6 öa)XfiQ xal avBQyixfjgy öv bI 6 30 
Jtavxcov xvQiog xal ßaöiXBvg' oh xagaxBxXrjxafiBP vjthg ütdvxmv 
6ia xov [lovoyBvovg oov bjöov xQ^<^'^ov, 6l ov öol tj 66§,a xal 
x6 xgdxog kv dyicp jtPBVfiaxi xal vvv xal Big xovg öv^jiavxag 
almvag xmv al(6va)V dfii^v, 

6 Ps. 30, 6. 

Cod.: 25 zed-Xtjfi/jtBvofv | 27 nagijywQCJv \ 28 vyiav \ 29 vyiav 

2* 



20 Cr. Wobbermin, 

XXVUL 
X€i(}o&€aia yMTTjxovuevwv. 

Ti}v x^^Q^ kxxBlvo(iBv deöjtova xal öeofieß-a r?]P X^^Q^ '^V^ 
d^slav xal ^<5öav ixrad-^vai elg svXoylav rw ).a& rovtcp* ool 
yccQ ayivfjTS JtarsQ öia rov (lopoyevovg xsxXlxaöip xaq xe^aXag' 
evZoyrjoov top Zaop tovtop elg evXoylap ypcoöecog xal svöe- 
5 ßelag, slg evXoyiap tc5p omp (ivori^Qlayp öta rov fiopoyspovg 
Cov Ifjöov XQtöxoVf dl ov ool rj öo^a xal ro xgaxog ip ayl(p 
Jtpsvfiaxi xal pvp xal dg xovg Cvfijcapxag alcipag xSp alcipwp 
20v dfii^p. I 

XXIX. 

XHQO&eaia laixdiy. 

^n CwOa xal xad-agä x^^Qy V X^^Q ^^^ (lopoyspovg, ?) Jtapxa 
10 xa JtoP7]Qa xad^iuQfpcvta xal jrdpxa xä dyia ßsßai€oCaCa xcd 
i^ötpaXiOfiitnj Ixxad^r^xco Ijcl xag x€(paXag xov Xaov xovxov 
EvXoy7]^üri o Xaog ovxog svXoyla Jtpsvfiaxog, svXoyla ovQapov, 
evXoyla jtQog)rixcop xal aJtoöxoXcop' evXoyr^O^eh] xd Ocifiaxa xov 
Xaov slg 0a>q)Qo0vpi]p xal xad-agoxfjxa. svXoyrj&eifjoap al ^^vxat 
15 avxcip elg fid&rjoip xal yp(5oiP xal xaßvoxfjQia, evXoyrjO-ebjoap 
xoip^ Jtdpxeg öid xov (iopoyepovg Oov IrjOov XQ^^'^oVy 6i ov Ool 
fi 66§a xal x6 xgdxog ip dylcp Jtpevfiaxi xal vvp xal elg xovg 
OvfiJtapxag cdmrag (xwp) almpwp dfirjp. 

XXX. 

XeiQOi^enia vooovpxwr, 

KvQie d^ee xmp olxxiQfiwp exxeipop oov xijp x^^Q^ ^^ 
20 xdQiOai d-eQajtev&fjpai xovg pooovpxag ütdpxag' ^apcoa^ xrjc 
vyelag d^iG)0^rjPai. djtdXXa^op avxovg xf/g IjtLxeifieprjg pooov 
ip xm opofiaxi xov fiopoyepovg oov 9'eQa:^evd-^xa)0ap. yepio^w 
avxolg (pdgfiaxop xo dyiov avxov opofia elg vyelap xal oXoxXt}- 
glap, oxi 6i avxov ool ?] 66§a xal xo xgdxog iv dylcp jcpsv^ 
25 itaxL xaL vvp xdi elg xovg ovfijtapxag al(5pag xmp alwpcop 
dfii^p. 

Cod.: 3 nctxi}Q I 3 xexXi^xaoiv | 10 xaB'aQtjxvia \ 10 fießatciaag \ 
18 om. T(3v I 21 vylag \ 23 vyiav 



Altchristliche liturgische Stücke. 21 

näoai avrai evx<^^ ijtirsXovptai jtQo xi]q Bvx^<i rov otQoOfpoQov, 

XXXI. 
rieQl 7iaT()6g }cal vlov. 

1. I EjcbI f] ayajtri xal ^ xarä d-eop ä6eXq)6Ttig, ov piovov dh 21 r 
7} xaxa d'EOv dydjtrj dXXa xal tj xard avd'Qmxov dÖBXipoxriq 
rjjtBi^sp rjuaq rov ygdtpai aoi, Iv elö^vai exoig rd ^sqI Tfjg 
^<x)rjg Tjficip elxe fiBfiaBi^xafisv bltb iyvcoxafiBV Jtagd rcov UqAv 5 
diöaoxdXcov z^g xa^oXtxrjg xal dytoöxoXtxrjg ixxXfjölag d-BOV 
kyiixoQTiyovvrog 6id tfjg kXjclöog ^fiSv rov xvgiov ;if()£öToi3 
lijaov, roXfiTjöcDfiBV xal f/ixQa (iBrga ofioXoyovvxBg Ix'^iv örjXcioal 
001 jtBQl rrjg coDrrjQlag tjfioiv^ Xiyo) 6?] rrjg JtlörBog rrjg dylag 
xaß-oXix^g xci djtoOroXixijg ixxXfjOlag. 10 

2. (pa(iBv ovv JtQog rf]v r&v djtaiÖBvrcov 6vO(prjiilav' bv- 
yovog o jtarfjQ ael ovx dyovog, xal Xoyixog 6 JtarrjQ aal ovx 
dXoyog, xal öotpog 6 jtaxrjQ ael ovx aootpog' rlvi yaQ bUibv 
jioifjoa>f4Bv avß-QCDXov xar Blxova 7](iBriQav xal xad^ ofiolootv, 
ovxl rm vlA avxov; xal yaQ d-Bog r]p o Xoyog xaxa xb Bvay- 15 
yiXiov x6 xaxa Imdvvtjv. o ydg xtiiicoxaxog ßagvdßag 6 djto- 
öxoXog, h:JtixX7id'Blg vlog jtaQaxXrjoBa)g , kp xfj hütiOxoXfi avxov 
xm vlw avxov, (pi]Olv, BXsyBv ytoirjöwfiBv avd'Qw.itov xax Blxova 
^(iBxiQav xal xad^ ofiolcooiv. dXXd xal 6 Ugog djtoöxoXog kv 
xfj JtQog Qa>fiaiovg XiyBC ;f()töTog d-Bov övvafiig xal d-BOv öoq>la 20 
xal 1 JtdXiv iv xfj avxfj ijtiOxoX^ XiyBi' öog>w d-Bw dogdxcp 2lv 
liovip öo^a xal xifir^ Big xovg alävag dfif^v, dXXd xal kv xa> 
xaxa Imdvvrjv BvayyBXlco XiyBC d^Bov ovösig B(6QaxBV ütco:jtoxB, 

6 fiovoyBvrjg Q^Bog 6 cSv Big xbv xoXjtov xov JtaxQog ixBtvog 
i%i}y7iöaxo' xoXjtog 6b loxtv xo oXov fiByB&og xov öcofiaxog, 25 
ojiov xig IfpiXxBxat xd (plXxaxa, xad^cag 6 fiad-rjxi^gy ov fjyd- 
jtrjöBV 6 xvQLog, tjv hv xm xoXjtm, iv x& öx^d-Bc dvaxBlfiBVog' 
iv ÖB xS oxi^O-Bi xd alöd^rjxfJQia, kv oj xagöla, ovg, Bwoia, XoyiC- 
flog, g)g6vi]aig, övvBOig, alad-rjaig, rjgBf/la, rjövxla, dxaga^la, 
jtgaoxTjg, elgi^vT], (laxgod^fila, dvB^cxaxla, vjcoßovriy iyxgdxBia, 30 
oaxpgoovvTj, 0Bfiv6xf]g, dyvoxijg, xad-ag6x7]g, ooioxrjg, öixatoCvvq, 

14 Gen. I 26. — 15 Joh. 1 1. — 16 Bamab. V 5. — 20 1. Cor. 1 24 (Rm. 
1 16). — 21 Rm. XVI 27 (IX 5). — 23 Joh. 1 18. — 27 Joh. XIII 23. 

Cod.: 4 T^i^Ev I 5 i/jta^wxafiev \ 16 tqi | 23 tkotkoze \ 28 ia^ti^gia 
28 xaQÖiav | 28 ivoia \ 29 ^a&rjoiQ \ 31 ootpgoovvij 



22 G« Wobbermin, 



gpc3g, aoq)la, äXrjB^sia, ^corj. x&v oXcqv ovrcog kcxiv 6 xoXjtog 
rov jiaxQogy xo aytov jtvsvfia, iv cp naOai aQBxal xai dvvafieig 
xal ivegyaiai xov JtaxQoq. 6 xoXjtog ovxog dvexXaXrjxogy apeS" 
c/^vlaöxog, jtXi^Qtjg, xiXstog, axad-vöxiQfjxogj Jtavxmv xAv aya- 
5 d-mv yi^wv. 6 6b Xoyog ioxlv 6 xfjv ijcayyeXlav xoiovfisrog' 
6ia xovxo 6 svayyBXiOxrjg XiyBr d^eov ovÖBlg iwQaxBV jccojcoxb, 
6 fiovoyBvfjg ß-Bog 6 äv alg xov xoXjtov xov jtaxQog axatvog 
22' k^rjyi^oaxo. dal ovv JtaxrJQ, xaß-oxt dal aicipiog \ 6 vlog. 

3. JtSg ovv dal jtaxriQ xal dal viog vo^Oai afisivov; JtaxriQ 

10 eliit xov Xoyov xov ifiov xal oxa ßovXofiai xov Xoyov fiov 
jtQ0q>aQO} xal alg axigag dxoag g>d^dv<x)P 6 Xoyog 6 ifibg ov 
öii^QBd-rj djt kfiov' d-iXfjfia yag JcaxQog ioxiv 6 Xoyog avxov' 
ütavxaxov ovv ötaxovßv xS Jtaxgl ov öiaiQBtxac dn avxov xal 
SojtBQ fjfiatg, oxa d^aXofiav xal ojtov ßovXofiad-a, xov vovv aav- 

15 xwv hcjiafijtofiav xdxaloa yavo/atvog 6 vovg kv xalg dXXoöaJtatg 
ß-BcoQTjxixog ylvaxat (i^ diaiQovfiavog dg)^ ^ficiv al ovv kjtifirjxai 
xolg xaxa öerjOiv xal ßgaxvxdxotg xavxa xal Xeyaxa' ylvaxat 
7to(ia>g xo dicagavxov jtiXayog, (xo) axXaxov ^iyad-og, rj dxaxd- 
Xtjjcxog övva^igj ?) dvaxXdXrjxog fiayaXai6xf]g xov jraxQog; xo 

20 yag g>avaga)&av ^ yvcoOig xov djtalgov xal dxaxaXi^Jtxov fiayi- 
d-ovg koxlvy xo v6 adogdxov xo djr6xgvq>ov, Iva fiav xo ßXaJto^ 
/lavov vlog f]v, xo da voovfxavov Tjd^aXTjOBV 6 ^eog xal xaxijg 
alg vjragßoXrjv aq>&ovog wv xal dya&og yvcoöd-^vat kv öoöar 
fiovov 6e avTOV aöa)xaVy 6xa>g '^fiatg kyvcixafiav d^aov Jtaxaga, 

25 ov 6ta xov Xoyov avxov; Jtäg öh xag Ixaolag xal xag öatioaig 

xal xag avxag xal xag avxagioxlag dvag)agofiav xm d-acp xal 

22v jcaxgl; ov öia xov \ Xoyov avxov; dXXa xal dgxccl xal dvvafiaig 

xal i^ovolai x&v Sta^iagovxaiv xSv öa^icöv xijg öixaioavvTjgy 

ayyaXoL, dgxdyyaXoi, ßaoiXatai, xvgioxf^xag, O^aoxijxagj xaCai 

30 (pvoaig q)vXäl Xaol yXwöOai öo^av xal xcfi^v dvatpagovotv d'am 
jcaxgl' Jtcog ovv; öia xov Xoyov avxov* xl Xoyov löxvgoxagov^ 
xl Xoyov övvaxcixegov j xl Xoyov jtXovOicoxagoVy xl Xoyov xv 
gicixagov, xl Xoyov ßaöiXixmxagov , xl Xoyov öof