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Full text of "Der erste Bauernaufstand in Oberösterreich 1525"

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ERSTE BAIIERNAÜPSTANI) 



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1525. 



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LINZ IHKi. 
EKi.ii. Ulm I I. LniiNMiii'H"'™» iiüimiiAKm.usi. 



Im Verlage 

der F. I. Ebenhöch'schen Buchhandlung (Heinrich Korb) 

in LINZ a. d. Donau sind erschienen: 



Von demselben Verfasser: 

Bilder aus der Zeit der Bauernunruhen in Oberösterreich. 

1626. 1632. 1648. gr 8\ 1<S76 (VI. 302 S.) Preis 
ö. W. fl. 2.80 -- M. 5.60. 

Die „Bilder" sind zwei interessanten Handschriftenbänden entnommen, 
die einst Eigenthum des berühmten Staaisministers Ferdinand II. und Ferdi- 
nand III., Graf Franz Christoph Khevenhüller waren und jetzt sich im 
Museum Francisco-Carolinum in Linz befinden. Die darin enthaltenen Briefe 
und Schilderungen beleuchten eine Zeit, in welcher Oberösterreich mehr als 
jemals in spätem Tagen die Aufmerksamkeit der europäischen Staatsmänner 
und Feldherren auf sich zog und von ihnen zum Stützpunkt ihrer Berechnungen 
und Anschläge gemacht wurde. Zur Vervollständigung der Mittheilungen 
wurden bisher unbekannte Actenstücke auch aus andern Archiven eingereiht, 
die dunklen Stellen des Textes mit erklärenden Anmerkungen versehen, und 
den einzelnen grossen Abschnitten ausführliche Einleitungen zur Orientirung 
des Lesers vorausgeschickt. __^__ 

Ein Tourist in Österreich während der Schwedenzeit. Aus 

den Papieren des Pater Beginbald Möhner, Benedictiners von 
St. Ulrich und Afra in Augsburg. Lex. 8«. 1874 (VI, 128 S.). 
Preis ö. W. fl. 1.50 = M. 3.—. 

Drei österreichische Reisen in den Jahren 1635, 1636 und 1646, so wie 
ein längerer Aufenthalt in Wien 1648 — 49 haben Veranlassung zu diesen 
Notizen gegeben. Der lebenslustige kaiserliche Feldcaplan Reginbald Möhner 
liefert in semen Reiseschilderungen einen mit Humor und feinen Beobachtungen 
gewürzten, interessanten Beitriig" zur Kenntniss des Volkes, Adels und Cleru8 
in Österreich und Baiern. Die Sprache dos Originals ist beibehalten und das 
Ganze durch Anmerkungen erläutert. 

Zwei Actenstücke zur Cuiturgeschichte Oberösterreichs im 
vierzehnten Jahrhundert. 8«. 150 Seiten. (Linz 188I, 

Mus. Jahr. Ber. XXXIX.) 

Die zwei Actenstücke sind das Calendariüm necrologicum des Pfarrers 
Albert von Waldkirchen, Geheim Schreibers des Probsten Ainwich von Sanct 
Florian, aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, seine Bekannten, Freunde 
und Gönner enthaltend, zugleich ein Bild der socialen Beziehungen eines 
angesehenen Geistlichen unserer Heimat in damaliger Zeit; und das Oblaibuch 
von St. Florian, welches sich vornehmlich über die frommen Stiftungen des 
14. Jahrhunderts verbreitet. Letzterem geht eine ausführliche Einleitung 
voraus, welche sich mit Klosterverfassung, Klosterwirthschaft und Leben ein- 
gehend befasst. Beide Actenstücke sind reichlich mit genealogischen und 
culturhistorischen Notizen und sorgfältigen Registern versehen. 

Aus dem geistlichen Geschäftsieben in Oberösterreich im 

15. Jahrh. 8». 1882. 98 Seiten. Preis ö. W. fl. 1.— = M. 2.-. 

Der bunte Kreis von Geschäften des Seelsorgers oder Abten unserer 
Heiniath ini 15. Jahrhundert spiegelt sich mit ursprünglicher Lebendigkeit 
in einer Reihe von Briefen, welche dem Brief buch der Pröbste Johann und 
Caspar von St. Florian entnommen sind. Sie werden hier im vennittelnden 
Rahmen der Dai-stellung zum erstenmal, theils in lateinischer, theils in 
deutscher Sprache, wie sie geschrieben wurden, mitgetheilt. 



ioi 



Vorwort 



Als eine der dunkelsten Partien der neuern Ge- 
schichte Oberösterreichs erseheint der Aufstand der 
Bauern im Jahre 1525. Nur einige Notizen hatten sich 
darüber in historischen Werken abgelagert, das Wenige, 
was man wusste, war noch dazu mit Fabeln bunt durch- 
wirkt. Den eigentlichen Anfang, die Ausdehnung, den 
Verlauf und Schluss deckte Nacht und Nebel. Das war 
nun die rechte, verlockende Aufgabe für den Greschichts- 
forscher. — 

Das Materiale für die folgende Darstellung fand sich 
an den verschiedensten Orten zerstreut. Das meiste 
lieferten: Das Stiftsarchiv zu Kremsmünster, das Landes- 
archiv in Linz und das Archiv des k. k. Reichsfinanz- 
ministeriums in Wien. Einige, aber höchst wichtige Acten- 
stücke stellte das königl. Staatsarchiv sowie die königl. 
StaatsbibUothek in München zur Verfügung; andere 
wurden dem Archive des Museum Francisco -Oarolinum 
in Linz und der Handschriftensammlung des Stiftes 



IV Vorwort. 

Seitenstetten entnommen. Es ist mir eine freudige Pflicht, 
den Vorständen der erwähnten Anstalten meinen leb- 
haftesten Dank für die ermöglichte Benützung oder die 
Zusendung der benöthigten Actenstücke hiemit öifenthch 
auszusprechen. Herr Felix Stieve, Privatdocent an der 
königl. Universität in München, hat mich durch mühsame, 
eigenhändige Abschriften von dem höchst vdchtigen 
ständischen Patent vom 9. Juni 1525 und der „Neuwen 
Zeitung von der Bauernaufrur'*, die vollständig im jVnhang 
mitgetheilt werden, tief verpflichtet. 

St. Florian, im November 1881. 



A. Ozerny. 



Die agrarischen Klagen 



l. 

Die Zustände vor dem Ausbruch der Revolution. 



Die Naturalwirthschaft des Mittelalters war begreiflicher 
Weise der Zustand eines beständigen stillen Krieges zwischen 
Grundherren und Grundholden. Die einen wussten sich als die 
ursprünglichen Besitzer des Bodens, auf dem jetzt ihre ehemals 
leibeigenen Knechte wirthschafteten; es gab manche unter ihnen, 
welche bei dem steigenden Werth dieses Bodens ihre Herren- 
forderungen zu vermehren oder mit aller Strenge das Her- 
kömmliche zu behaupten suchten. Die andern hatten eine 
dunkle Vorstellung von der Zeit, wo für die Freien unter ihnen 
Wald und Weide, Fisch und Vogel frei waren, wo es keine 
Frohnden, Küchel- und Körnerdienste gab; sie sahen sich alle 
als die geraden Rechtsnachfolger dieser Glücklichen an, die 
durch List und Gewalt von diesen Rechten gedrungen worden 
seien. Kam es durch Reibungen zwischen Forderung und Anbot 
irgendwo zu Gewalt und Krieg, so erzitterte der ganze Rechts- 
boden weit umher, die ganze Nachbarschaft sah besorgt oder 
hoflftiungsfroh auf den Ausgang des Streites. — Waren nun die 
Zustände in unserm Vaterland im Jahre 1525 in der That so, 
dass sie mit einer Art elementarer Gewalt den stillen Krieg in 
einen offenen verwandeln mussten? 

Bei der Beurtheilung der Verhältnisse der Bauern in älteren 
Zeiten ') hat man sich oft daran gehalten, dass die einzelnen 



') Über die Zustände der freien und unte^hänigen Bebauer des 
vaterländischen Bodens in den ältesten Zeiten sieh besonders Urk. Buch 
des Landes ob der Enns Bd. I. — Chabert, Bruchstücke einer Rechts- und 

Czerny, Bauernaufstand. 2 



2 Die agrarischen Klagen. 

ünterthanen im 15. oder 16. Jahrhundert Leistungen hatten, 
welche die der früheren Jahrhunderte etwa um das dreifache 
oder noch mehr übertrafen, ohne zu bedenken, dass die Bauern 
mit der Zeit viele kleine Güter kauften oder auferbten, deren 
Lasten sie natürlich mitübernahmen; dass grosse Waldstrecken 
der Edelleute urbar und in Erbpacht hindangegeben, mithin 
zehent- und dienstpflichtig wurden; dass die Geldablösung für 
gewisse Dinge z. B. Robot und Kucheldienst sich nach der Höhe 
des Taglohnes und dem Werth des Geldes richtete, weil sie auch 
in natui-a begehrt werden konnten; dass viele leicht belastete Güter 
(freie Aigen) nach Absterben der Besitzer oder Verödung des 
Gutes in gemeine Holdengüter verwandelt wurden, und dass viele 
Klöster und Edelmannshöfe, die man im 15. Jahrhundert noch im 
eigenen Bau hatte, in diesem Jahrhundert in Erbpacht über- 
gingen und durch Todfall und Freigeld, Nutz und Gült der 
Herrschaft vermehrten. Um ein sicheres Urtheil zu fällen, müsste 
das nämliche Gut in verschiedenen Zeiträumen verglichen und 
erforscht werden, ob der Steuer- und dienstbare Boden sich nicht 
vermehrt, ob ehemalige Lasten sich nicht vermindert haben. 
Aus den Klagen der Hintersassen wegen Überbürdung kann, 
wie es so häufig von Geschichtschreibern geschieht, eben so 
wenig ein Schluss, dass die Klagen auch gegründet seien, 
gezogen werden, als heut zu Tage aus den Betheuerungen der 
Steuerträger. Das was der Vater, der vom Knecht zum selbst- 
ständigen Wirthschafter vorrückte, noch als Wohlthat ansah,, 
wurde schon vom Sohne als Last und vom Enkel als aufge- 
drungene Gewalt empfunden. All die buntscheckige Menge, welche 
in Feld, Wiese und Wajd, zwischen den Alpen und den böhmischen 
Gränzgebirgen sich rüstig tummelte, bestand einst aus Leibeigenen, 
oder Hörigen oder freien Grundbesitzern, welch letztere, um den 
Gefahren der Isolirung oder dem Druck des Kriegsdienstes zu 



Staatsgesch. der deutsch-österr. Länder. Ost. Denkschr. d. Akad. IV. 26. — 
Riezler, Geschichte Baierns Bd. 1. — Strnadt, Peurbach. — Quitzmann, 
älteste Gerichtsverfassung der Bajuvaren. Finster walder, Consuetud. Austriae. 
S. 338. Inama-Stemegg, Deutsche Wirthschaftsgeschichte bis zum Schluss 
der Karolinger-Epoche. 



Ein Bild ehemaliger Bodenwirthschaft. 3 

entgehen, sich gegen massigen 'Zins einem mächtigen Feudalherrn 
unterworfen hatten. Je nach den Bedingungen bei Übergabe des 
Bodens (wie vielgestaltig konnte nur der Fundus instructus, das 
„Baugricht, Hofgricht" sein) oder bei Aufgabe der Freiheit 
hatte sich ein verschiedenes Mass von Selbständigkeit oder 
Schuldigkeit herausgebildet, dessen Grund und Wurzel später den 
meisten verborgen war. Um das Mass der Ungleichheit mit 
ihren Qualen für das Auge des Minderbegünstigten voll zu 
machen, kam noch die Ungleichheit in der Individualität der 
Grundherrn hinzu, deren es bei der bunten üntereinander- 
würflung der ünterthanen in Österreich durch Kauf, Tausch, 
Erbschaft, oft auf einer Quadratmeile etliche dreissig gab.^) 

Weltliche und geistliche Grundherrn hatten wie gesagt zu 
Ende des 15. Jahrhunderts fast alle ihre Höfe, die sie bisher 
noch im Eigenbau hatten, zu Dienst- oder Erbrecht gelegt und 
sich gewisse Leistungen an Geld, Früchten und Arbeiten vor- 
behalten. Sie fanden in dem individuellen Eigenthum eine 
mächtige Triebfeder für den Unterthan, seine Kräfte anzustrengen 
und den Ertrag der Hufen zu erhöhen. Man behielt sich nur 
einen oder zwei Maierhöfe in der Nähe des Klosters oder 
Herrenschlosses bevor, die man durch die Robotpflichtigen unter 
Aufsicht eines eigenen Maiers oder Schaffers bewirthschaften liess. 

Ein anschauliches Bild jener Wirthschaft, wie sie im 15. und 
16. Jahrhundert in unserm Vaterlande betrieben wurde, gibt das 
alte Urbar der Herrschaft Falkenstein im Mühlviertl,^) die sich 



') In den 6 Pfarren St. Florian, Asten, Enns, Kronstorf, Hargelsberg, 
Niederneukirchen gab es zu Anfang unsers Jahrhunderts 60 Grund- 
herrschaffcen. — ^) abgedruckt im Notizblatt d. k. k. Akademie 1851 S. 37 ff. — 
Dieses „New Urbar und Grundtpuech Ihr Kais. Maj. Schloss und Herrschaft 
Falkenstein in Österreich ob der Enns" wurde 1570 bezüglich aller Rechte 
Und Herrlichkeiten „so von Alter und bisher zu berührten Herrschaft ruhig 
gfenützt und genossen" aus den alten Urbaren und Dienstregistern gezogen 
Und die ganze Herrschaft durch eine höchst ansehnliche Commission, nämlich 
den Edlen Hans Aschpan zu Lichtenhag, Cosmas Gienger Vitzthumb in 
Ost. ob der Enns, den Anwald der Landeshauptmannschaft daselbst Hans 
Oeorg Auer zu Guntzing und den edlen Christoph Haider zu Intzersdorf 
Von Neuem beritten, um durch die Aussagen der Ünterthanen die Angaben 
des Urbars zu verifiziren. 

1* 



4 Ein Bild ehemaliger ßodenwirthschaft. 

einst im waldreichen Gränzgebiet gegen das Hochstift Passau 
vom Spiegel der Donau bis an die dunkle Böhmergränze er- 
streckte. Trotz dieser Ausdehnung hatte sie neben ihren Wäl- 
dern und Fisch wassern nur einen Maierhof (Hofmai erhof) bei 
dem Schloss Falkenstein behalten. Zu ihm gehörten 41 Tagwerk 
(Joche) Hofäcker, die mit Ochsen bebaut wurden, 64 Tagwerk 
Hofwiesen, 45 Tagwerk Hofweiden, dann 2 kleine Gütl, das 
eine mit 12, das andere mit 23 Tagwerk. Der gutsherrliche 
Hoch- und Niederwald diente zu Nutz und Vergnügen ; da wurde 
der Wildbann und das Raisgejaid geübt und genossen. Der 
erstere umfasste die Jagd auf Hirsche, Wildsäue, Bären, Auer- 
hahnen, Berghühner und Raiher, das Raisgejaid war auf Rehe, 
Füchse, Hasen, Biber, Ottern, Wölfe, Luchse und kleines Feder- 
wildpret zu verstehen. Die Bäche, welche in die Ranna rinnen, 
gehörten den Herrschaften Falkenstein und Rannarigl gemein- 
schaftlich. Nach Falkenstein allein wurden daraus von Georgi 
bis Michaelis wöchentlich 20 Ferchen (Forellen) id est zusammen 
460 Ferchen gedient, denn sie waren, wie auch die meisten 
andern Gewässer, in Bestand verlassen. Für das halbe Fischrecht 
in 8 Bächen, welche „Ferchen, Pfrillen, Weissfisch, Grundl, Cress- 
ling und Aeltell" trugen, wurden 60 Ferchen jährlich als Zins 
gegeben, von 4 andern Bächen kamen wöchentlich zwischen 
Georgi und Michaelis eine Passauer Mass Grundel und Pfrillen 
id est 23 Mass, oder, wenn diese kleinen Fische nicht ausreichten, 
für jede Mass 12 Ferchen oder 100 Krebse. Die kleine Michl, 
so weit sie Falkensteinisch war, war um 20 Hechtlein verlassen. 
Von allen diesen Wässerlein fielen jährlich in Summa 620 Forellen, 
20 Hechtl, 23 Mass Grundl ab. 

Der Besitzer dieser Herrlichkeiten übte auch die niedere 
Gerichtsbarkeit aus, so weit die Herrschaft Falkenstein sich 
erstreckte. Der Unterthanen „ausgegossene Scheltwort, Braun 
und Blau Schlägerei, Hauen, Stechen, Stossen, Kratzen, Blutrüst 
(Blutrünst), Haarraufen"*) wurde an die Schranne des Vogt- 



') Luschin, Gesch. des alt. Gerichtswesens in Ost. S. 152. - Falkon- 
stein hatte nur ein niederes Landgericht. Wenn verdächtliche oder 



Ein Bild ehemaliger BodenwirthschafL 5 

taidings gebracht, welches der Pfleger des Gerichtsherrn leitete. 
War das Urtheil durch die Beisitzer des Gerichtes im Markt 
Hofkirchen zur Herrschaft gehörig geschöpft, so fielen die 
„Wändl", die Geldbussen fiLr die verwirkten Unthaten ganz oder 
theilweise in den Sack des Gerichtsherrn. Der Gerichtsstab 
wurde also damals zur Einnahmsquelle gerade so wie der Schutz 
der Kirchengüter und deren Unterthanen. Das Kloster Schlägl 
bezahlte diesen Schirm mit jährlich 48 Hetzen Haber, 2 Kälbern 
und 2 Kitz als Vogtrecht; der Pfarrer von Pfarrkirchen gab, 
wenn er die Pfarre antrat, das „Possessionsgeld", seine Unter- 
thanen die jährliche Vogtsteuer nach Falkenstein. Wasser und 
Landstrassen hatte der Gebieter auf jener Felsenveste zu be- 
schützen und beschirmen; er erhob dafür die Mauth in der 
wilden Ranna, in der niedem Ranna und am Khlafferwald; da 
erwuchsen die genau normirten Gefälle von Salz, Honig, Häring, 
Schmalz, Käse, Öl, Getreide, Wein, Bier und Hopfen, von 
Rossen und Vieh, von Häuten und Fellen, Fischen und Bjrebsen, 
Wollen- und Leinentuch, Kramgütern, die in Steigen auf dem 
Rücken getragen wurden, von Schüsseln und Tellern aus Holz, 
dem damaligen weitverbreiteten Tischgeräthe von Bürgern und 
Bauern, Töpfen und Messerklingen; zugleich ein Abbild des 
damaligen Gränzverkehres ; selbst hungerische Ochsen werden 
durch den Khlafferwald getrieben. 



lualefiziBche Personen betreten wurden, hatte die Herrschaft dieselben 
gefänglich einzuziehen und peinlich zu fragen, darauf wurde im nahen 
Markt Hofkirchen das Urtheil geschöpft und wenn ein solcher Thäter 
den Tod verschuldet, derselbe dem Landgericht Velden (Neufelden) über- 
antwortet. Notizbl. S. 38. — In einem Anschlag der kaiserlichen Herrschaft 
'Waxenberg aus dem 16. Jahrh. kommt auch das Landgericht vor. Es 
heisst, dass abgerechnet die Erhaltung des Pflegers und der gefangenen 
Leute, die Nutzung des Landgerichtes über 100 Gulden war. Es hatte 16 ge- 
stiftete Freigüter oder Unterthanen zu Besetzung der Schrannen, welche das 
Malefiz-Bechten besetzen und was sie verzehren, aus eigenem Säckel bezahlen 
müssen. Der Landrichter nahm jährlich von den Unterthanen das Land- 
gerichtfutter zu seinem Nutzen ein. Es waren 14 Hetzen Korn, 1 Muth, 
15 Metzen Haber. Das Landgericht hatte 6 Meilen im Gezirk. Cod. manuscr. 
von Göttweih. 



ß Verschiedenheit der Herrenforderungen. 

Auf Grund und Boden sassen die Holden nach ihren Ab- 
stufungen, Bürger im unterthänigen Markt Hofk^rchen, Bauern, 
Freieigner, Hofstätter, Söldner, Vogtholden, Rechtlehner, an den 
Gewässern Müllner, Fischer, Hammergewerke. Acker, Wiesen, Wald 
und Gärten wurden theils in natura, theils in Ablösung von 
Geld versteuert; im Frühjahr und Herbst, Maria Verkündigung 
und Maria Geburt, diente man Korn, Haber, Käse, Eier, 
Hennen, Brot, hie und da einmal ein Kitz, ein Sehet ge- 
hechelten Har, ein Bauer vereinzelt auch 32 hölzerne Schüsseln 
für einen Zehent, den er zu Lehen trug; man zahlte einen Grund- 
dienst (Grundzins) und die „Steur" in baarem Geld. Es wäre 
aber ein grosser Irrthum zu glauben, dass alle Hintersassen zu 
allen vorgenannten Giebigkeiten und im gleichen Masse ver- 
pflichtet waren; ein Blick in das Urbar rollt eine unendlich 
mannigfaltige Scala von Schuldigkeiten der Einzelnen auf. Nur 
sehr wenige hatten allen diesen Herrenforderungen zu genügen, 
die übrigen zahlten ein und das andere. Während es z. B. 
Rechtlehner gibt, welche nur die Königsteuer und Urbarsteuer 
reichen, aber nicht roboteuj und wenn mit der Herrschaft oder 
dem Rechtlehner eine Veränderung geschieht, die Lehen wieder 
empfangen und neue Lehenbriefe nehmen, finden sich andere 
dergleichen Bauemvasallen, welche die Lehengebühr wie die 
erstgenannten zu reichen, sonst aber den andern Unterthanen 
ganz gleich gehalten werden und wie diese alle Jahre steuern, 
roboten und dienen. Auch solche kommen vor, welche nur die 
Königsteuer zu Weihnachten „allsbald der heilig Tag verscheint" 
zu reichen schuldig waren; wer dieselbe zwischen dem ge- 
nannten und dem heiligen Drei Königtag bei scheinender Sonne 
nicht gereicht, „dessen Haus oder Grund verfällt. '' Auf seinem 
Hausdach werden 3 Schindel, auf seinem Grund drei Wasen zu 
einem Zeichen solcher Verfällung umgelegt „dess von Alter 
herkomben". Ausserdem hatten die Bebauer des Landes dem 
Grundherrn von ihrem Getreide den Zehent zu geben, der 
ursprünglich eine Abgabe an die Kirche war, im Laufe der 
Zeiten aber durch Kauf in verschiedene Hände in ein und der- 
selben Herrschaft gekommen war. 



i 



Verschiedenheit der Herrenforderungen. 7 

Die Herrschaft konnte ihre Holden auch besteuern , aber 
nicht nach Willkühr, „sondern als sittlich und gewöhnlich ist 
in dem Land nach Gnaden."^) Sie wurde, wo man zwischen 
Herrn und Unterthanen noch nicht zu einem festen Steuersatz 
gelangt war, in den Taidingen, den jährlichen öffentlichen Ver- 
sammlungen der Urbarleute, mehr durch Verhandlungen als 
durch Gebot bestimmt. Wenn wir unser Taiding haben, sagt 
der Abt von Aspach, so sollen unsere Leut nicht von uns gehen, 
bis dass wir mit ihnen reden umb ain Steur und die soll ge- 
schehen nach unsern Genaden und nach Landsrecht, als es 
in dem Jahr gestalt ist. ^) 

Wurde eine Heer- oder Fürstensteuer von den Ständen dem 
Landesfürsten verwilligt, so hatten sie das Recht, ihre Unterthanen 
zur Hilfe herbeizuziehen „ir holden dar in zu hilf ze nemen und zu 
steurn".^) „Nachdem uns jetzt — 1468 — mehr denn 1000 Pfund 
Steuer zu geben gebührt, haben wir einen bescheidenen Anschlag 
auf die benannten unser Holden gethan." Probst Kaspar von 
St. Florian, er ist es der da spricht, meint dabei die Bauern 
des Stiftes am Windberg im Mühlland. Welche Noth hatte man 
aber da eine Besteurung durchzuführen, wo man nicht zugleich 
Gerichtsherr war. König Ladislaus muss 1456 allen Grafen, 
Herrn, Rittern und Knechten, welche Vögte der Gotteshäuser 
sind, ernstlich befehlen, dass sie den Prälaten in solchem An- 
schlag und Steur ihrer Holden keinerlei Irrung thuen, noch 
gestatten zu thun, sondern „so ihr von ihnen darumb an- 
gelangt werdet, darob seyet, dass sie sölchs anslags von den 
bemelten iren holden förderlich bezahlt werden." Die Herrschaft 
musste die Steuer sofort abführen und musste sehen, wie sie 
dieselbe nach und nach von den Unterthanen einheben konnte. 



') Worte des Landeshauptmann von Oberösterr. Eberhart von Wallsee 
an. 1356. Oberösterr. Urk. Buch Bd. VII. S. 469. — ') Taidingbuch des 
Klosters Aspach im Rotthal in Baiern gültig auch für dessen Besitzungen 
an der Aurach im Attergau. Mon. Boica. V. 221. — Auch Adelige, welche 
Bauernhöfe zu Erbrecht von andern Gutsherrn übernahmen, unterwarfen 
sich diesen Steuern nach Gnaden. Oberösterr. Urk. Buch VII. S. 62, 263. 
— ^ Cod. epistol. 96 im Stiftsarchiv. Vergl. auch Strndt, Peurbach 277. Anm. 



8 Verschiedenheit der Herrenforderungen. 

Manche blieben jahrelang rückständig, manche wurden gänzlich 
erlassen. Die Repartition erfolgte nicht nach Gutdünken, sondern 
nach der Grösse des Gutes und seiner sonstigen Belastung.^) 
Dass aber die Holden, im Falle sie sich von den Grundherr- 
schaften bedrückt und überbürdet glaubten, den Weg zum 
Landeshauptmann und selbst zum Kaiser zu finden wussten, 
werden wir später noch erfahren. 

Der Bauer konnte in diesen Zeiten, was er durch seine 
Mühe an Vieh oder Früchten erzielte, nicht nach seiner Bequem- 
lichkeit beim Hause an Zwischenhändler verkaufen, er war 
durch die Privilegien der Städte und Märkte genöthigt, dieselben 
mit Mühe und Zeitversäumniss dorthin zum Verkauf zu bringen. 
Die ganze Regierungszeit der Kaiser Max und Ferdinand I. ist 
angefüllt mit Beschwerden des Landmanns auf der einen, und 
Klagen des Bürgers gegen den schädlichen Fürkauf auf der 
andern Seite. Es war diess auch eine Ursache der Entfremdung 
zwischen den Städten und den drei obern Ständen, welcben die 
ersteren die Begünstigung des Fürkaufs vorwarfen, während die 
letztem in dem städtischen Privilegium eine Ursache des Auf- 
ruhrs erblickten. ^) Dagegen nahmen die Herrn ein anderes Recht 
für sich in Anspruch, das Anfailrecht, dass nämlich der Unter- 
than seine Waare zuerst der Obrigkeit für ihren Nothbedarf 



') Pius Schmieder, zur Geschichte des S teuer wesens im 15. Jahrh. 
Linzer Musealbericht 1866. S. 237. Der Abt von Lambach getraut sich gar 
nicht die vom Landeshauptmann an. 1470 ausgeschriebene Steuer von den 
Holden einzufordern, theils wejgen ihrer äussersten Armuth, theils darum, 
weil er die wegen der böhmischen Ketzer den Klöstern auferlegte Steuer 
bisher nicht einzutreiben vermochte. So schreibt er dem Probst Kaspar von 
St. Florian. Cod. epistol. 96. im Stiftsarchiv. — *) Beschwerden der 4 Stande 
an den Erzherzog Linz 14. Juni 1525 im Landesarchiv zu Linz, Landtags- 
annalen Bd. A. Fol. 561 sq. Sie bitten den Erzh. den Artikel wegen des 
Fürkaufs wohl zu erläutern. Wenn es den ständischen Mitgliedern ver- 
boten sein soll, die Nothdurft in das Haus zu kaufen und dem armen 
Landmann, Rössl oder ander Vieh zu kaufen, um etwas daran zu erziehen 
oder anders, so er selber erzeugt, wiederum zu verkaufen, um die Herren- 
forderung damit aufzubringen, so wäre das keine kleine Beschwerung. 
Auch unter den Traktanden, welche an. 1525 die Landtagsausschüsse mit den 
andern niederösterr. Abgesandten in Innsbruck berathschlagen sollen, wird 
dieser Punkt erwähnt 1. c. Fol. 566. 



Verschiedenheit der Herrenforderungen. 9 

um den marktüblichen Preis anbieten sollte. Sehen wir hier eine 
empfindliche Beschränkung des freien Verkehrs mit dem, was 
der „arme Mann" durch eigenste Mühe und Plage erworben 
und einen Anlass zur tiefsten Erbitterung gegen den, welcher 
die vorgenannten Rechte strenge und unmässig executiren wollte, 
so finden wir die Bauern nicht minder gekränkt in ihrem per- 
sönlichen Selbstgefühl durch die Beschlagnahme ihrer Kinder 
von Seite der Herrschaften. Die ünterthanen sollten ihre noch 
in Gewalt und Brot habenden Söhne und Töchter, wenn sie 
derselben zu eigenen Diensten nicht bedürftig waren, oder wenn 
sie solche in fremde Dienste geben wollten, vor allen Andern 
ihren Erbherrn für eine Anzahl Jahre überlassen (Waisen- 
dienst), ein Recht, welches erst durch Kaiser Joseph auf vater- 
und mutterlose Waisen eingeschränkt wurde. Dieses „Kinder- 
verlassen" wurde übrigens von vielen Herrschaften gar nicht 
beansprucht. Ebenso war es schon zu Kaiser Max Zeiten eine 
Klage, dass Manche ihre Hochzeiten und ihre Zehrungen bei 
ämtlichen Abhandlungen nicht dort, wo es ihnen, sondern dort, 
wo es dem Gutsherrn beliebte, nämlich in den Tafernen, die 
er mit Wein und Bier versah, halten sollten (Tafernzwang), 
wo sie aus Gewinnsucht mancher Herrschaften zu unnöthigen 
Ausgaben veranlasst wurden. *) 

Auch konnte es gewiss dem Unterthan keine Freude bringen, 
wenn der Herr ihm ein Schwein oder Kalb zum Mästen ins 
Haus legte oder einen Hund übergab, den er eine Zeitlang 
füttern sollte (Hundsfuer = Hundsfutter) ; doch treffen wir diese 



') Beschwerden der 4 Stände 1. c. : Jeder Herr und Edelmann soll mit 
einer «Taferne bei seinem Sitz ungeltfrei (frei von der Getränksteuer) wie 
es altes Herkommen sei und unangesucht bleiben. — Neue Tafernen den 
alten zum Nachtheil aufzurichten, soll nicht gestattet werden. — Der Probst 
von Schlägl antwortet an. 1595 auf ähnliche Beschwerden seiner ünterthanen, 
dass man nämlich vor Zeiten die Heirathen und Hochzeiten allezeit bei 
ihren Häusern der geringern Kosten wegen gehalten: Diese Dinge bei 
der ünterthanen Häuser anzustellen habe seine Bedenken. Das Gericht und 
Obrigkeit könne nicht aufs Gey laufen, allerlei Frev,el, Muthwillen, Gottes- 
lästerung und üngelegenheit abzustellen, so sich bei dergleichen zugetragen» 
Man könne auch nicht jedem Bauer gestatten mit Ausschenken und der- 
gleichen umzugehen. Kopialbuch im Archiv Schlägl. Fol. 105 ff. 



10 Die Robot. 

Sitte nur hie und da im Lande z. B. Schlägl, Altenhof, Sprinzen- 
stein, und wurden dazu einige wenige wohlhabende Bauern, 
vorzugsweise aber Müller ausgesucht. 

Das, was nach der allgemeinen Ansicht damals das Volk 
am meisten schwierig machte, war die Robot. Die landesfürst- 
lichen Pacifikations- Kommissäre sagen in ihrem Bericht vom 
8. Juli an den Erzherzog Ferdinand, die Robot mache ihnen 
die grösste Mühe und Hinderniss. Von den 156 Tagen (3 Tage 
per Woche), die der leibeigene Oberösterreicher einst für seinen 
Leibherrn zu arbeiten hatte, ^) war man im Laufe des Mittel- 
alters schon lange auf 3 — 4 Wochen mehr oder weniger herab- 
gekommen, ja schon im 13. Jahrhundert treten die Werchart- 
pfennige als Ablösung für die Handrobot, die Jeuchartpfennige 
als Ablösung für die Zugrobbt in den Urbaren auf. In dem 
Florianer Dienstbuch vom Jahre 1520 steht bei vielen, denen 
man die Frohne in Geld abzulösen erlaubte, in weiser Voraus- 
sicht: bis auf Widerruf. Im Jahre 1595 getrauen sich die sonst 
der Übertreibung überwiesenen Rebellen vor dem Kaiser keine 
höhere Ausdehnung der Robot von Seite der Herrschaften an- 
zuführen als „20, 30 und mehr Tage."^) Anno 1525 wird das 
Schloss Pernstein im schönen Kirchdorferthal von dem Besitzer 
Lasla Thumer von Raschendorf ausgebaut. Bei der Klage der 
Bauern über eine angeblich von ihnen geforderte Frohne von 
40 Tagen mit Zug und Zeug, wird von den zur Schlichtung 
der Beschwerden vom Landesfürsten und der Landschaft zu- 
gleich erwählten Verordneten entschieden: Wenn es also wäre, 



') Strnadt, Peurbach S. 38. Dazu Quitzmann, älteste Rechtsverfassung d«x 
Baiwaren ^. 181. — Petz, drei bairische Traditionsbücher Einleitg. S, *2\- 
— Achleuthner, das älteste Urbarium yon Kremsmünster nach den A^^^a»* 
sagen der ünterthanen zusammengestellt an. 1299. — Das Urbar von ^^5VV- 
hering von 1287 bei Stülz, Wilhering S. 459. — Die ältesten Urbar- zSaV 
nachweise des Klosters Niederaltaich in Österreich von 1243 und 1 "^^ 
Archiv f. österr. Gesch. Quell. Bd. I. S. 23, 33 ff. und Sitz. Ber. d. AlÄ=a<3 
Bd. XI. S. 895, 904 ff. — Freisinger Urbare aus dem 13. Jafc=irh 
8. 16, 18, 174, 175, 177 u. a. 0. im 36. Bde. der Font. rer. austr. 
^) Schlägler KopiaJbuch, Verzeichniss der Generalbeschwerden der oberöst^ ^^^ 
Bauerschaft 1595—1597. 



Die Robot. 1 1 

wäre es eine Beschwerung und soll die Robot wie von Alter 
herkommen, von ihnen begehrt werden.^) 

Auch in Schlägl hatte sich in diesem Jahre eine Klage, 
gegen den Probst ergeben. Die landschaftlichen Friedens- 
kommissäre urtheilen: Die Robot haben die Unterthanen, wann 
sie verlangt wird, zu reichen, so bestimmten es die alten Ur- 
bare; doch erbietet sich der Probst alle Gelegenheit damit zu 
halten, auf dass sie dadurch nit beschwert werden. Wie diese 
scheinbar ungemessene Robot verstanden wurde, geht aus der 
Antwort hervor, welche der Probst anno 1596 auf die Beschwer- 
den der Unterthanen der damaligen Friedenskommission über- 
reichte. Nach Umständen, sagt er, wurde 1, 2, 3' oder mehr 
Tage die Handrobot verlangt, wenn man im Gotteshaus oder 
dessen Mairhof gebaut hat. Spanndienste wurden nicht begehrt, 
ausgenommen die Wein- und Taufelfuhren von der Donau her. 
Robotgeld wurde von den Unterthanen nicht beansprucht und 
nicht gereicht.^) Aber auch eine kleine Anzahl von Tagen 
konnte nach dem damaligen Wirthschaftsmodus der Herrschaften 
dem Betroffenen manchmal empfindlich lästig fallen. Der Grund- 
herr hielt für den Betrieb seiner zum Eigenbau vorbehalteuen 
Ländereien keine eigenen Dienstboten; in die ganze Arbeit 
mussten sich die robotpflichtigen Hintersassen theilen. Was die 
Herrschaft dieserhalb an Zug und Zeug, an Schiffen und Boten- 
dienst benöthigte, mussten sie aufbringen; hie und da ein oder 
mehr Pfund Har umsonst für sie spinnen. „Die im unter- 
thänigen Markt Hofkirchen," heisst es im Falkensteiner Urbar, 
„sein schuldig, die Weinwiesen zu räumen und die Hofwiesen 
zu beugen (heuen). So sollen sie auch die besäeten Äcker als 
Korn- und Haberfelder eineggen, item Pflanzen setzen, das 
Kraut ausschlagen, Schälen, einhacken oder in Kessel sieden. 
Sein auch schuldig Wein zu ziehen (bei Ausladung der Fässer aus 
den Schiffen Hülfe zu leisten). Sie sollen auch neben denen 



') Archiv Kremsmünster, Resolution in die Herrschaft Pemstein ge- 
liörig. Linz Montag nach Margare then 1525. — ^) Pröll, Schlägl 117 und 
ßchlägler Kopialbuch Antwort des Probaten 2 1596. 



12 Die Robot. 

von Pfarrkirchen Holz und Schindel helfen ant:cagen und zur 
Handreichung helfen, so oft der Herrschaft Nothdurft erfordert. 
Die zwei Müllner bei Hofkirchen sein jeder insonders 5 Tag zu 
zimmern schuldig. Alle Wasserleut sollen der Herrschaft, was 
sie gegen Passau oder Linz zu führen hat, mit Robot zu ver- 
richten schuldig sein. 

Die zu Niederranna (Ortschaft an der Donau) sollen der 
Herrschaft ein ZiUen, die 8 Ross über Wasser tragen mag, 
halten und wöchentlich, wenn sie um Salz gegen Passau fahren 
wollen, sein sie solches zuvor anzusagen schuldig. 

Die zu Oberranna sein auch ein Zillen, die 6 Schuech im 
Boden hat, zu halten schuldig; die im Markt Rohrbach sind, 
wenn ein Mangl (Schaden) am Bad ist, damit derselb gewandt 
und gebessert werde, darzu zu roboten pflichtig. Die 5 Recht- 
lehner ausser Markts müssen, was die Herrschaft von Haslach 
oder Rohrbach zum Schloss zu führen hat, mit der Robot 
verrichten. 

Die von Lembach sein schuldig, Gersten und Arbais (Erbsen) 
zu mähen und zu beugen, gleichermassen den Hofwit und 
Brennholz neben den beeden Amtern Crämbl imd Wildränna 
zu gewinnen. Item das Mistbreiten zu thuen, den Habern nach 
den Wägen zu rechen. Item den Weg zum Mairhof zu machen. 
Der Söldner Sebastian daselbst ist schuldig, die Brief hie 
und wieder zu tragen, was man in der Nachent (Nähe) zu 
schicken hat. 

Die in der wilden Ränna sein schuldig zu zäunen (Zäune 
zu machen). Item ein jeder am Kornschnitt 2 Schnitter zu 
halten, mehr das Habermähen zu verrichten. Item die Strev- 
hölzer zur Brücken auszuhacken und zum Schloss zu führ^ft, 
darzu was man für Laden zum Schloss und Mairhof brauc^A^ 
sein sie allweg die dritte Fuhr neben (i. e. sammt) dem Ars^^*^ 
Crämbl zu geben und gegen Capell zu antworten schuldig, ^^^^o^ 
dannen führen sie alsdann die Bauern im Ambt Hämat i^^ 
zum Schloss. 

Die Unterthanen von letztgenannten Ambt sein schul ^h 
das Ackern zum Haberbau und zur Brach zu verrichten " 



Die Robot. 13 

folgen die Namen der einzelnen Bauern, darunter 3 mit je 2 
Pflügen — die nämlichen ferners schuldig zu rüern, anzubauen, 
zu furchen, zweimal das Feld zu streifen, andere Bauern die 
Stein aus dem Getreidfeld zu führen, wieder Andere haben das 
Hauen nach dem Ackern zum Korn- und Haberbau, etliche 
bringen die Samen auf die Felder, etliche haben Korn und 
Haber zu säen oder einzuführen. Alle Unterthänen des Amtes, 
„so fahrende Robot schuldig'^ haben das Düngen vom Schloss 
aus zu verrichten, 25 Bauern haben dieselbe Arbeit vom Maierhof 
aus zu leisten, die kleinsten Grundbesitzer dieser Gemeinde — 
die Hofstätter — hatten die süsse Arbeit des Mistfassens auf 
sich. Das Düngen, Ackern und Streifen in den Gärten und 
Peunten (mit Obstbäumen besetzten Grundstücken) war 15 be- 
hausten Hintersassen beschieden. Heu und Graimath (Grumet) 
Korn, Haiden, auch was sonst in den Gärten gebaut wird, Kraut, 
Rüben und Anderes einzuführen, war die Aufgabe von 8 be- 
nannten Unterthänen. Sie waren auch schuldig Getreide und 
Mehl, auch was man sonst zu malen hat, gegen die Mühle und 
wieder zum Schloss zu führen. Konnte wegen mangelnden 
Wasser in der Nähe nicht gemalen werden und musste man 
eine entlegene Mühle aufsuchen, so waren alle Bauern des 
Amtes Hämath (natürlich im Turnus) solche Mühlfuhr zu ver- 
richten verpflichtet. Ihrer 24 hatten Widt (Bürtelholz) und Brenn- 
holz zum Schloss zu führen. 

Die Weinfuhven für die Herrschaft zu machen war Obliegen- 
heit aller Bauern des'genannten Amtes, denen zwei besonders 
benannte mit „Fürsecz", das ist Vorspann helfen sollen. 

Haiden schneiden war ein Geschäft von 12 Vogtunterthanen 
zu Pfarrkirchen, welche auch Lehm (laimb), was man zum* 
Schloss oder Mairhof bedarf, gewinnen sollen. Zimmerholz oder 
Röhren schlugen 9 Hofstätter zu Ober Kapell, die Riemendächer 
deckten 8 Andere; namentlich bezeichnete Unterthänen trugen 
die Briefe in bestimmte Stationen, wo sie Andere zur Weiter- 
beförderung übernahmen. 

Grundstücke und Wiesen waren damals des vielen Wildes 
wegen durch das ganze Land häufig eingezäunt. Die Hämath- 



14 Die Robot. 

wiese einzuzäunen oder „zu friden", war eine Arbeit für „alle 
Bauern", wenige Ortschaften ausgenommen. Die Hofstätter zu 
Oberkapell schneiden die Bänder dazu, drei Weberschläger die 
Spelten, fünf Hohenschläger müssen die Stecken gewinnen, auch 
zäunen helfen, 25 Bauern hatten die Wiese zu mähen; das 
Heugen derselben kam an die Pfarrkircher Unterthanen und 18 
andere; das Heu aus der Wiese zu führen war 9 Bauern auf- 
getragen. Die Schregen und Grössling zu dem Haag in der 
Gassen führt der Stephan aufm Perg herbei. Das Werch gegen 
Molmasreith zu führen, sind alle Unterthanen, die fahrende 
ßobot haben, schuldig und geht jährlich herum. 

In dem Amt Crämbl sehen wir die Roboter Widt oder Holz 
gewinnen, zum Komschnitt je 2 — 3 Schnitter senden, Habem 
beugen, das Getreide ausdreschen; ein jegliches Haus hatte ein 
Weberpfund zu spinnen. Die Ennsspaumb*) waren zu der 
Pruggen zu führen, Schar und Rinnschintl zu Nothdurft des 
Schlosses und Mairhofes zu machen und gegen Falkenstein zu 
schaffen, die Laden zum Schloss zu bringen und Zäune herzu- 
stellen. 

Die Roboter im Amt Putzistorf sollen die Hofwiese räumen 
und mähen, zu der Brache mit 12 Pflügen im Hoffeld ackern, 
mit eben so viel Pflügen zum Haberbau ackern, mehr das Brenn- 
holz in die Ladstat unterhalb Hämath führen oder so man das 
Brennholz bei Falkenstein /in der Leiten gewinnt, dasselbe sammt 
den 25 Unterthanen des Amtes Hämath zum Schloss führen. 

„Die Unterthanen aber in diesem und den andern Ämtern, 
welche nicht Zeug und Vieh haben, braucht man zu anderer 
Nothdurft.'' 

Die Verköstigung erfolgte nach Landesbrauch in der Regel 
auf Kosten des Herrn, bestand aber gewöhnlich nur in Brot 
mit Ausnahme der Schnittzeit. 

Wir haben hier an einem ausführlichen, gleichzeitigen Bei- 
spiele, welches zugleich ein Bild von sorgfältiger Bewirthschaftung 



') Die Aensbaum, Enzbam, starkes und langes Brückenbauholz, welches 
bei Jochbrücken auf die sogenannten Straeu bäume oder Balkenhölzer zu 
liegen kommt und zu deren Befestigung dient. Schmeller, Bair. Wörterbuch 



Die Robot. 15 

von Wiese, Wald und Feld ist, die vielgestaltige Thätigkeit ge- 
zeigt, welche die Frohne über die ganze Mannschaft eines Herrn 
verhängte; wir haben aber zugleich daraus gesehen, wie bei 
dem Vorhandensein von 1 oder 2 Maierhöfen — und mehr 
pflegte man sich nicht vorzubehalten — diese Thätigkeit sich 
auf viele vertheilte, so dass keiner besonders viel zu leisten 
hatte. Drückend wurde die Frohnde erst dann, wenn die Obrig- 
keit ihr Recht kleinlich und rücksichtslos ausübte; denn da 
jede Partei ein Interesse hatte, ihre Felder und Wiesen zur 
richtigen Zeit zu bestellen, so war ein Anlass zu beständigen 
Konflikten geboten. Da klagten dann die Bauern, dass sie zu 
einer Zeit, wo sie ihre eigenen Gründe bauen sollen, roboten 
müssen, dass sie das Ihrige stehen lassen und mit weiten Robot- 
fuhren der Herrschaft Wein, Holz, Getreide, Kalk, Ziegel, 
Steine befordern sollen. Die Landschaft suchte in diesem Wirrsal 
jetzt und nachher die Auskunft, dass sie die Robot nach dem 
Inhalt der alten Stiftbriefe, d8m alten Herkommen und dem 
Landesbrauch den Herrschaften zusprach, andererseits von ihnen 
verlangte, die Robottage im Jahre so anzustellen, dass die armen 
XJnterthanen ihrem Feldbau und Arbeit nachkommen könnten.*) 
Die landesfürstlichen Kommissäre arbeiteten auch auf eine Herab- 
setzung der Robot hin, doch wollten etliche aus dem Herrn- und 
Eitterstand in eine Verringerung durchaus nicht willigen, obschon 
bei derselben nach Aussage der Kommission unziemliche, be- 
schwerliche Gebräuche vorkamen, welche den' armen Leuten 
unerträglich waren. Doch war diese Parthei des Adels nach Ein- 
geständniss jener Friedensvermittler die geringere; die Mehrheit 
der Edelleute, die Prälaten und Städte Hessen sich die Milderungs- 
vorschläge gern gefallen. Aber bei dem Hochgang der Bewegung 
hofften die Bauern von dem Widerstände mehr als vom Nach- 



') Vertragspunkte zwischen Probst und Unterthanen von Schlägl 
^' 1525 bei PröU, Schlägl 117. — Archiv Kremsmünster, Resolution in 
^e Herrschaft Pernstein gehörig 1525 und Abschrift eines Originalvertrags 
^^ischen Erasmus Greisenegker und seinen Unterthanen 1525. Er war Be- 
wtaer von Botteneck und des Teysinger Amtes in der Nähe von Vöckla- 
^narkt. — Sieh auch Finsterwalder, Observat. pr. IIb. II. 346, 388, 389. 



14 Das Freigeld. 

geben. Der günstige Moment des Ausgleichs ging vorüber und 
nachdem der Aufinhr mit Gewalt gedämpft war, blieb es beim 
alten Herkommen. Erst beim zweiten grossen Aufstand 1595 — 97 
brachte das Generale Kaiser Rudolph 11. vom 8. Mai 1597 die 
Einschränkung der Robot in Oberösterreich auf 14 Tage überall 
dort, wo dieselbe zwischen Herrn und Holden strittig war.^) 
Wo aber auf Grund eines Vertrags eine höhere Robot bestand, 
war sie aufrecht zu erhalten. 

Neben der Robot behauptete das Freigeld ohne Widerrede 
die wichtigste Stelle unter den Beschwerden der ackerbau- 
treibenden Bevölkerung Oberösterreichs. Ähnlich wife bei den 
Lehen der Vornehmen hatte der bäuerliche Hintersasse bei jeder 
bedeutsamen Veränderung im Besitz den Grundherrn als Ober- 
eigenthümer zu begrüssen und eine Abgabe zu entrichten, welche 
man Freigeld laudemium nannte. Wie es aber verschiedene 
Arten von Veränderungen gab, so gab es auch verschiedene 
Arten von Freigeldern. Die am* gewöhnlichsten im Leben des 
Erbholden vorkommenden stellt uns wieder das Urbar von 
Falkenstein vor Augen. „Wenn sich durch Kauf Verwandlungen 
zutragen, so ist der Hingeber (nämlich des Gutes) den zehnten 
Gulden zu Freigeld und der Käufer halb soviel, das ist den 
fünften Gulden zu Zuestandt oder Anfarth zu reichen schuldig. 
Es geschieht darin aber allweg ein Nachlass nach Gelegenheit 
des Vermögens." 

„So aber ein Vater seinen Söhnen oder Töchtern übergibt, 
so wird das Freigeld und Zuestandt nicht von dem völligen Gut, 



') Zur Steuer der Wahrheit muss man bekennen, dass auch manche Ro- 
boten ganz und gar in Abkommen geriethen mit Zulassung der Herrschaften. 
So nennt das Falkensteiner Urbar 3 Bauern „die haben vor Alter einem 
Amtmann die Garten düngt, geackert, geeggt und eingeführt, ist aber 
nit mehr im Gebrauch." Zwei werden namentlich aufgeführt, die „sollen 
vor Alter zum Korn und Habern Eineggen geholfen haben, ist aber auch 
nicht mehr im Gebrauch." Ähnliches auch noch später. Einige Unterthanen 
in St. Florian hatten das Geld zur Ablieferung an die Ämter nach Linz 
zu fähren. Da wird angemerkt, dass vormals, wo die Wege sehr schlecht 
waren, dieses Roboten nützlich gewesen sein mag; bis 1731 sei es 23 mal 
im Jahr vorgefallen; jetzt (um 1768) sei es nicht mehr so nothwendig 
und werde nur zuweilen abverlangt, um die Gerechtsame herzuhalten. 



Das Freigeld. 17 

sondern, allein von der Summa, so dem Vater herausgegeben 
wird, abgebrochen. Sohn oder Eidam aber sucht um der Zue- 
standt (i. e. Anfahrth) mit der Herrschaft nach Gelegenheit des 
Gutes abzukommen." 

„Wenn aber ein Unterthann mit Tod abgeht, werden alle 
Gueter desselben geschätzt und damit die Witwe oder ein Erbe, 
der sich um das Gut (Stiftung) annimmt, das Geld erschwingen 
mögen, in einen leidlichen Anschlag gebracht, darvon man alsdann 
gleicher Gestalt wie vörgemeldet mit der Herrschaft um das 
Freigeld und Zustanndgeld, es geschehe nun durch den Besitzer 
oder die Erben nach Ausweisung des Vertrags abzukommen 
schuldig."*) 

Mit diesem Todfallfreigeld verwandt ist das sogenannte 
Sterbhaupt, Besthaupt, d. i. das beste oder zweitbeste Stück 
Vieh, welches sich die Obrigkeit nach dem Tode des Erbholden 
zueignete.^) 

Ein anderes Freigeld lehrt uns die oberösterreichische Land- 
tafel kennen von den Erbschaften und jenen Gütern, welche 
aus einer Herrschaft in die andere gebracht werden, wovon der 
Herrschaft, aus deren Gebiete jene Güter ausgeführt wurden, 
gewisse Procente in den Händen blieben.^) 

') Das erste von den obengenannten Freigeldem pflegte man Kauf- 
freigeld, Anfahrt und Abfahrt, Anlait und Ablait, auch einfach Freigeld 
zu nennen. Es wurde nicht bloss bei Käufen, sondern auch Tausch, Schenkung 
und ähnlichen Fällen erhoben. — Das zweite hiess Annehmfreigeld, Über- 
gabsfroiheit, bei Zuheirathen Zustiftfreigeld, oder wieder einfach Freigeld. 
Siehe dazu Finsterwalder, Observat, pract. IL lib. 395. — Das dritte war das 
Todfallfreigeld, Todfall, Todrecht, Fallfreigeld, Fallgeld, Mortuar (im engern 
Sinne) jus caduci. — ^) Auch Hauptrecht, Todlaib, Todlait, Todfall, Mortuar 
im weitern Sinn genannt. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch kommt das 
Freigeld bei Todfall häufig unter den nämlichen Benennungen vor wie 
da« Sterbhaupt. Sieh Westenrieder, Glossar. Germ. Lat. Pesthaupt. Doch sind 
es zwei verschiedene Dinge. Sieh Engelmayr, die Unterthansverfassung des 
Erzhorzogth. Ost. Bd. I. S. 68. — Von den Bauerngütern St. Florians diess- 
und jenseits der Donau wurden bis 1848 10 Procent Todfreigeld und daneben 
noch ein unveränderliches Sterbhaupt von 10 Gulden gefordert. Eben so 
unter der Herrschaft Tillisburg. Auch unter Kloster Wil bering erscheint 
das Sterbhaupt neben dem Todfallfreigeld. Stülz, Wilhering 177. — '') Man 
nannte dieses Freigeld Hebgeld. Abfahrtgeld, dieses letztere ist aber wohl zu 

unt^^rscheiden von Anfahrt und Abfahrt Note 1. 

2 

Uzerny, Biiueriiaufstanil, * 



18 r)as Freigeld. 

Nach dem uralten Grundsatz, was der leibeigene Knecht 
gewinnt, gewinnt er dem Herrn, fiel in der ältesten Zeit das 
ganze oder halbe Vermögen nach dem Tode desselben an den 
Grundherrn, der im letztem Fall auch das beste Stück aus der 
Verlassenschaft sich auswählen konnte. Er konnte hierauf das 
Gut dem natürlichen Erben oder wem immer verleihen und sich 
ein Antrittsgeld zahlen lassen. Bei steigendem Werth des 
Geldes und der Güter suchten die Herren dieses Antrittsgeld 
der Pächter bei neuen Verleihungen zu erhöhen, gerade so 
wie sie bei grossem Mangel an Colonisten dasselbe auch 
wieder herabsetzten.^) Sie waren auf solchen Gütern, aufweiche 
sie nach ihrem Gutdünken Colonen setzen und wieder entfernen 
konnten, 2) im Recht, so lange sie sich dessen nicht freiwillig 
begeben hatten, indem sie Jemanden ein Erbrecht darauf ver- 
liehen, wodurch der Holde die Freiheit erlangte, es zu verkaufen 
(Kaufrecht) oder zu vererben, wem er wollte. Er erhielt zur 
Bekräftigung darüber einen Erbbrief, in welchem der Ober- 
eigenthümer oft die Summe bezeichnete, welche er bei jeder 
Veränderung des Besitzers für die neue Verleihung in Anspruch 
nahm, oft wurde die Auseinandersetzung darüber in die Gnade 
des Herrn gestellt. Man hiess das „ze Gnaden". Aber selbst 
bei diesen Erbpacht- oder Erbzinsgütern konnten die Herrn 
Steigerungen vornehmen, in dem Falle als dieselben durch Ver- 



*) Beispiele vom Jahre 1291 von den Freisingischen Gütern in Kärnthen 
und Erain Font. rer. austr. Bd. 36. Ö. 189. 207. Von den Besitzungen Nieder- 
altaichs in Unterösterreich Mon. BoicaBd. XI. S. 55. vom Jahre 1257. — ')Sie 
kommen unter der Benennung Freistiftgüter oder verliehen zu Freisezzen- 
recht, Vreisäzzrecht vor. Die Güter des Klosters St. Nikola waren anfangs 
lauter Freistiftgüter. In ürk. von St. Nikola de an. 1288 sagt Herzog Heinrich 
von Baiern , quod omnia predia per que fundator ipsam Ecclesiam (von 
St. Nikola) dotavit iia libere contulitj quod nullt hominum speciale yiis 
(nach dem Context so viel als Erbrecht) competat in eisdem^ nisi forte 
quisquam successu temporis prece vel precio conquisierit recepto super hoc 
suarum testimonio litter arum. Der Abt könne pro beneplacito suo colonos 
instituere vel destituere. Mon. Boi. Bd. IV. 353, dessgleichen 386. — Über da<? 
Recht Niederaltaichs seinen Holden in Spitz gegenüber locandi predia sua 
vel culturas prediorum colonis et eos ab Ulis amovendi jusque urävs in 
alterum transferendi sieh Sitz. Berichte d, k. Akad. Bd. XL 924. 



Das Freigeld. 19 

säumung des bedungenen Erbzinses, durch Verödung in Folge 
schlechter Wifthschaft, durch Rückkauf oder Absterben von der 
Herrschaft wieder zu Händen genommen und an andere Colonen 
vergabt wurden. Sonst konnte der Erbzins, das ist „Dienst, Zins 
und Gülten", mochte nun das Gut zu- oder abnehmen, ohne 
beider Theile guten Willen und neue Vergleichung von einem 

m 

allein nicht gesteigert oder verringert werden.^) 

Die Verschiedenheit, welche in Ansehung des Procentsatzes 
des Freigeldes durch das ganze Mittelalter, sowohl zwischen 
den 4 Viertln von Oberösterreich, als den Herrschaften der 
einzelnen Viertl geherrscht hatte, finden wir auch noch Anfangs 
des 16. Jahrhunderts geltend. In einigen Gebieten wurde der 
zehnte, in andern der zwanzigste, wieder in andern der dreissigste 
Pfennig entrichtet, von einigen Unterthanen wurde bei Todfall 
gar kein Freigeld bezahlt, von andern kein bestimmtes, sondern 
nach Gnaden. Überwiegend war jedoch der zehnte Pfennig, der 
sich nach und nach zum allgemeinen Landesgebrauch heraus- 
bildete, auf welchen man sich in streitigen Fällen, die nicht 
durch Erbbriefe, Urbare und Urkunden erhärtet werden konnten, 
bezog. ^) Gerade der Umstand, dass die Bezüge bei Veränderungen 



') Oberösterr. ürk. Buch VII. Seite 350 de an. 1354 und S. 469 de an. 1356. 
In letzterer Urkunde will der Landeshauptmann, dass das, was hernach ge- 
schrieben folgt, „furbazewigkleichn beleiben schol." So auch das österr. Gewohn- 
heitsrecht und die Entscheidungen des Landeshauptraannischen Gerichts bei 
Pinaterwalder 1. c. 345 flF. — ^) Finsterwalder 1. c. 395. ff Die oberösterr. 
Landtafel, auf welche hier zurückgegangen wird, ward von Dr. Abraham 
Schwarz aus den alten Rechtsaufzeichnungen zusammengestellt und an. 1616 
dem Kaiser von den Ständen zur Bestätigung vorgelegt. — Ein wichtiges 
Document, da es die Wiege des Aufstandes betrifft, befindet sich im Archiv 
Kremsmünster. Es ist der Extract, „aus weillent Herrn Georgen Nothhaften zu 
Podenstain (Pirkenstein?) gewesten Pfleger der Herrschaft Kogl Koglerischen 
Jahresraitung" vom J. 1501, aus welchem hervorgeht, dass dort schon in jener 
Zeit das Freigeld von einem Pfund oder Gulden 6 Kreuzer, also 10 Percent 
war und zwar von Erbschaften, Heirathsgütern und Käufen, dann von 
denen so aus der Herrschaft fahren, dann von den Ausdingem, sowohl von 
Gütern als der ledigen Fahrniss, von Leibgeding, von einem versetzten 
Unterpfand und von Geld, das aus der Herrschaft gefahren wird. Letzteres 
wurde nach einer Anmerkung an. 1525 nicht mehr verlangt. Es sind immer 
einige Fälle als Exempel angeführt, wird aber bemerkt, dass noch mehrere 



20 Das Freigeld. 

im Eigenthum vielfältig dem gnädigen Ermessen (zu Gnaden) 
des Oberhei'rn überlassen waren, hatte grosse Ungleichheit im 
Lande verursacht und auch Versuche hervorgerufen, das Frei- 
geld bei Todfall auf die alte Sitte der Wegnahme des ganzen 
oder halben Vermögens zurückzuschrauben. Da wurde aber dem 
Abt von Kremsmünster, der das Letztere im Jahre 1356 bei 
seinen Holden einführen wollte, vom Landeshauptmann bedeutet: 
„das ist nicht recht und scholl ab sein", und Klag und Krieg der 
Gottshaus Leute gegen den Abt und seine Amtleute zur beider- 
seitigen Befriedigung beigelegt. Der Probst Johann von Schlägl 
hingegen, der im Jahre 1497 nach böhmischer Sitte fürderhin 
den ganzen Nachlass der Erbsassen auf seiner Herrschaft ein- 
ziehen wollte, erfuhr bald, wie gefährlich es war, den vereinten 
Widerstand der Unterthanen herauszufordern, indem sie als 
Antwort die Robot verweigerten und die Sache vor die Land- 
schaft brachten, welche entschied, dass dem Probst beim Tode 
eines behausten Mannes nur der zweitbeste Ochs un(i wenn eine 
Hausfrau stirbt, die zweitbeste Kuh zufalle.^) Eine Quelle von 
Unzufriedenheit war auch, dass man an einem Ort nur das 
unbewegliche Vermögen verfreite, an einem andern auch die 



zu Gebote stehen, ebenso von dem Gebrauch an. 1494 und 1495. — In 
St. Florian war nach Verzeichnissen von 1520 — 1525 bei den einzelnen Bauera- 
gütern Anlaitund Abfahrt theilweise fixirt; z. B. für jedes 10 Pf. oder 32 Pf. 
60 Pt'., 1 U Pf.; bei andern heisst es: nach Gnaden. Das ordnungsmässige 
war aber das zehnte Pfund id est zehn Procent überall dort, wo nicht aus- 
drücklich etwas anderes bemerkt war. So heisst es bei Jörg Fröhlich, eineii:^ 
Kleinbauer (der eine Hofstatt hatte): Abfahrt, und Anlait jedes 15 Pfennig*^ 
soll aber den Brief zeigen oder Anlait geben von 10 Pfund eines. — ß^^ 
einem Andern steht: Abfahrt und Anlait jedes 16 Pfen., aber kein Kavzm^l 
brief ist verbanden, das heisst, er konnte die Begünstigung nicht urkundlicüTi 
nachweisen. Auf die Kaufbriefe oder sonstige Pacte bezüglich der Leistungen 
der Unterthanen {actum im Pantading 1501, 1516, 1517 ist die Formel) wlird 
oft verwiesen und es ist klar, dass ein Holde, der etwa aus Sparsamkeit 
keinen Erbbrief löste, leicht ins Gedränge kommen konnte. Nebst Aix\ sfc.it 
und Ablait wurde auch ein Sterbhaupt genommen, je nach den einzelr^.«» 
Bauern bald fest in Geld bestimmt, bald „nach Gnaden"; bald heissfc es: 
„Sterbhaupt nach dem Best^", das ist das zweitbeste Stück. 

') Oberösterr. Urk. Buch VII., S. 469. — Pröll, Gesch. von Scb-Xä^?^, 
S. 117. 



Die ürbarien. 21 

fahrende Habe in die Schätzung einbezog, oder auch das Frei- 
geld potenzirte, indem man es z. B. von der Verlassenschaft des 
Verstorbenen nahm und zugleich von dem Antheil, den die Erben 
in eine fremde Herrschaft bringen wollten, also im Grunde ein 
doppeltes Freigeld einsackte. 

Die Hintersassen, welche die grosse Ungleichheit in den 
einzelnen Gebieten sahen, träumten nur zu oft, dass die Frei- 
gelder überhaupt etwas seit Menschengedenken durch Willkühr 
und Tyrannei eingeführtes seien. Wie schwer sie sich täuschten 
und auch die ältesten Männer absichtlich zu ihrem Vortheil 
hierin die Wahrheit entstellten, zeigen drastisch die Verhand- 
lungen mit dem edlen Ulrich Herleinsberger auf Hochhaus und 
Altenhof im Kampf mit seinen Unterthanen im Jahre 1597. Das 
Freigeld, sagten sie, sei vor Altem gar nicht gewesen, erst vor 
40 Jahren sei es aufgekommen. Am 22. Jänner 1597 bekennen 
8 hochbetagte Männer unter Falkenstein gesessen, wovon einer 
100, einer 90, einer 80 Jahre alt gewesen, dass die Unterthanen 
vor 50 bis 60 Jahren, also um 1537, kein Freigeld gegeben 
haben und keines von ihnen gefordert worden ist. Sie wurden 
von den Erbleuten des Hofamtes Hochhaus aufgemahnt, dieses 
Zeugniss zu geben. Doch siehe da. Wir besitzen noch die Be- 
schwerden, welche ihre Vorfahren anno 1525 gegen den damals 
regierenden „Utz" (Ulrich) Herleinsberger vorbrachten und da 
lesen wir puncto 5 wörtlich: Es verkauf oder kauf einer, muss 
er der Herrschaft zu Auffahrt und Abfahrt von 10 Pfunden eins 
geben, welches sie Freygeld nennen. Uberdiess wurde durch die 
kaiserlichen Commissäre constatirt, dass die Herleinsberger ein 
Urbar von 1520 und ein Protokoll hatten, aus welchen sich 
erweisen Hess, dass der Zuestandt (Freigeld) vor 80 Jahren 
und darüber, wann der Mann abgelebt und Käufe geschehen 
sind, nach Gnaden wenig und mehr genommen worden.^) So 
schrien auch die Bauern, welche Alexander Freiherr von Sprinzen- 
stein am 29. Sept. 1595 in Gegenwart des Landeshauptmannischen 



Strnadt, Bauernaufruhr im Mühlviertl 1594—1597 im Linz. Museal- 
Ber. 1858. S. 180. — Lichtenauer Archivacten im Linz. Mus. N. 8171, 8172. 



22 Die Urbarien. 

Gerichtsprocurators Wolf Perger zu sich nach Schloss Sprinzen- 
stein fordern liess, um ihre Beschwerden anzugeben, man solle 
„dem alten Urbari nachgehen und darüber sie mit keiner 
Neuerung beschweren". Der Freiherr liess, weil sie nichts speci- 
ficiren wollten, das alte Urbarium kommen, durch den Procurator 
vorlesen und vorhalten, dass sie seit 70 Jahren und darüber 
jederzeit um eine gute Portion weniger, als die alten Urbarien 
aussagen, zur Herrschaft Sprinzenstein gegeben haben. ^) — 
Zugleich auch ein Beweis, dass Unterthanen und Regierung 
die ßechtsgiltigkeit und Beweiskraft der herrschaftlichen Urbarien 
anerkannten. 

Es wäre auch eine arge Verirrung zu glauben, dass die 
Herrschaften in ihre Urbare und Register willkührlich hinein- 
setzen konnten, was sie wollten. Die Entstehung der Urbarien 
weist eine solche Auffassung entschieden ab. Wie ängstlich 
genau man bei Abfassung des Falkensteiner Urbars alles com- 
missioneU erheben liess, haben wir schon oben erzählt. Nicht 
minder sorgfältig und methodisch ging man in noch altem 
Zeiten zu Werk. 

Zu den ältesten Grundbüchern Österreichs zählen die des 
Hochstiftes Freising. Eines derselben^) aus dem Jahre 1291 — 
das älteste ist von 1159 circa — beschreibt genau die Art und 
Weise, wie man bei Stiftung von Bauerngütern verfuhr. Zuerst 
wurde Schultheiss und Schöffe, Forstaufseher, Frohnbote und 
andere Beamte berufen. Die vorgeladenen Amtleute mussten 
schwören, über Alles die Wahrheit zu sagen. Dann wurden die 
UnterthancQ gerufen und in ihrer Gegenwart der Amtmann auf 
seinen Eid gefragt, wie viel die Colonen zu dienen haben an 
Getreide, an Geld, an Schweinen, Schafen und andern Dingen; 
wie viel der Amtmann, der Schöffe, der Bote und Schreiber für 



') Lichtenauer Arch. 1. c. N". 8171, aus einem vertrauten Schreiben- 
Sprinzensteins an den benachbarten Herleinsberger. Dasselbe erzählt er den: 
Probsten von Schlägl. Schlägler Kopialbuch, Sprinzenstein 29./9- 1595. — 
^) Fortes rer. austr. Bd. 36. S. 227. Obgleich obige Notiz bei' den bischöfliche: 
Gütern in Krain angeführt wird, ist kein Zweifel, dass dieselbe Übung auc 
auf den Besitzungen in Kärnthen, Steiermark und Österreich bestand. 



Die Urbarien. 23 

ihre Dienste von den Bauleuten beziehen, ob die Letztern die 
Marken nicht verrückten, ob sie vor Alters mehr, oder weniger ge- 
zahlt, ob sie die besonderen demBischof vorbehaltenen Wälder und 
Triften nicht verhauen und abweiden, seine Falken und Fische 
fangen oder einen schuldigen Dienst verschweigen und vieles 
Andere dergleichen. Die vielen in die einzelnen Besitzrechte 
eingehenden Fragen zeigen durchaus nicht eine willkührliche, 
autokratische Form der Verwaltung an. Im Gegentheil, man 
fürchtet eher Beeinträchtigung und Übervortheilung von Seite 
der Unterthanen. In Oberkärnthen hatte Freising im Amte 
Furten 7 Hüben, deren jede am St. Georgstage ein Schaf zu- 
sammt einem Lamm und wenn kein Schaf vorhanden war, 20 alte 
Pfennige dienen musste, was aber Schultheiss und Forstwart 
mit einem Eide bekräftigen sollten,^) Der grosse Grundbesitzer 
hatte ja in den ältesten Zeiten nur höchst summarische und 
ungenügende Aufzeichnungen über die ßeichnisse seiner Unter- 
gebenen. Das Gedächtniss und das Kerbholz des Amtmanns 
waren das eigentliche Flur- und Grundbuch für die Einzeln- 
heiten; wie sehr da die Leistungen von der Genauigkeit und 
Treue des Schaffers abhingen, beweisen die wiederholten Klagen 
und Anläufe zur Verbesserung der Urbarien. Abt Friedrich von 
Kremsmünster gesteht, man habe zu seiner Zeit — er trat die 
Abtei im Jahre 1273 an — aus Mangel an Aufzeichnungen nicht 
mehr gewusst, wie viele Güter man habe, was sie zu dienep 
hätten, viele seien d esshalb in fremde Hände übergegangen und 
desswegen habe er für nothwendig erachtet, alle Amtleute und 
Unterthanen aufzusuchen und sie bei Strafe an Leib und Gut 
zu nöthigen anzugeben, was sie über die bisher so vernach- 
lässigten Einkünfte seiner Kirche wüssten. Da er ein so grosses 
Werk selbst nicht ausführen konnte, habe er und Convent den 
Bruder Sigmar au^ den Mönchen und den Güterprobst Dietrich 
aus den Laien ausgewählt, welche alle seine Gebiete bereisend 
und über alle nothwendigen Fragen emsig sich erkundigend. 



') Super quo tarnen supanus et vorsterius jurati tenentur dicere 
veritateni, 1. c. 188, 190. 



24 Klagen gegen das Freigeld. 

alles zu seiner Kenntniss bringen sollten. „So geschah es, dass 
wir die Namen der Güter, ihre Lage, Zahl und Menge der Ein- 
künfte vollständig erfuhren."^) 

Wenn man aber bezüglich des Freigeldes auch nur das 
verlangte, was in den Urbarien stand, so muss man doch ge- 
stehen, dass diese Unterthanenlast, weil sie sich nicht in kleinen 
Zinsungen über die einzelnen Jahre vertheilte, sondern wegen 
der Seltenheit der Einhebung als ein starker Griff in das Ver- 
mögen selbst darstellte, eine einschneidende und unter Umständen, 
z. B. beim Tode des Grundholden und Zurücklassung vieler Kinder, 
manchmal eine das Gemüth des Menschenfreundes empörende 
werden konnte. Zu der Betrübniss, den Nährvater verloren zu 
haben, zu den Kosten für Krankheit und Begräbniss und der 
Theilung des Übriggebliebenen mit dem Grundherrn kamen auch 
noch die Kanzleigefälle. So musste man im Falkensteiner Gebiet 
für jede wichtige Urkunde bei Kauf, Tausch, Übergabe, Verzicht, 
Heirath ein „Siegelgeld ^' 2) in der Höhe von einem Pfund Pfennig 
zahlen, für geringere Dinge, Schuldzettel und Quittungen „so 
mit der Petschaft gefertigt wurden" 2 Pfennige. Noch war aber die 
Sache nicht zu Ende. Für das Niederschreiben der Urkunde 
hatte die Parthei 2 Schillinge „Schreibgeld" zu entrichten, für 
mindere Aktenstücke 1 Schilling und 2 Pfennige. Da riss 
manchem ergrauten Diener der Justiz der Faden der Geduld. 
Der ehrbare Justus Georg Schottelius, Wolfenbüttelischer Hof- 



') Achleuthner, das älteste Urbarium von Kremsmünster, S. 4. — Abt 
Hermann von Niederaltaich , den sich Abt Friedrich zum Vorbild nahm, 
konnte nach seiner Wahl 1242 trotz aller Mühe nur nach und nach Zahl, 
Grösse und Art der Schuldigkeiten seiner Holden besonders in Unterösterr. 
kennen lernen. Sein erstes Österr. Urbarium ist von 1243. Es hing sehr 
viel von der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Unterthanen ab. Sieh mehr 
darüber Sitzungsber. d. Akad. Bd. XI. S. 882, 884, 931. Über Reluitionen 
von Naturalleistungen de voluntate et petitione rusticorum sieh Urk. 
Niederaltaichs vom J. 1257. Mon. BoicaBd. XL S. 51 — *) auch Fertigung 
genannt. Aus der Darstellung bei Finster walder 1. c. S. 344, i?eht hervor, 
dass die Unterthanen, um den Schreibertaxen zu entgehen, die Abnahme 
von Erbbriefen manchmal unterliessen , was ihnen aber schädlich werden 
konnte, indem bei Streitigkeiten darauf zurückgegangen wurde. Sieh 1. c. 
343, 345. 



Klagen gegen das Freigeld. 25 

i 

und Kirchenrath (gest. 1676) nennt das Todfallrecht „ein rechtes 
Trauerrecht, eine unaussprechliche, böse, schändliche Gewohnheit" 
sei es nun Besthaupt oder der zehnte Gulden, und sein be- 
rühmter Zeitgenosse in Oberösterreich, Benedict Finsterwalder, 
stimmt seufzend in die beredte Klage ein. Wir theilen ihr Mit- 
leid, müssen aber bekennen, dass sie irren, wenn sie dasselbe 
aus dem römischen Rechte herleiten, indem es auf dem freien 
Verleihungsrecht des Bodens, welchem Rechte der Grundherr 
bei Verlassung in Erbzins entsagte, beruht.^) Schon der Name 
Freigeld, Anlait deutet darauf hin, dass diese Verhältnisse ihre 
Wurzel im Lehenwesen haben. Auch war es nicht so unerträglich, 
dass es die Hintersassen unfehlbar in den Aufstand treiben 
musste. Dauerte ja das Freigeld in der Hauptsache unverändert 
bis zum Jahre 1848 neben den grossen öffentlichen Steuern fort 
und dennoch sprach man mit Stolz vom kräftigen österreichischen 
Bauernstande. Gewiss, es gab in Oberösterreich Schlossherrn und 
Pfleger, welche grundlose, ungesetzliche Anforderungen machten 
und einträgliche Gülten und Zinse fremder Herrschaften auch 
in den ihrigen einzubürgern suchten. Bereits vor dem Aufstand 
machten die Stände Vorstellungen bei Hofe. Auf dem Ausschuss- 
Landtag der 5 niederösterr. Länder zu Augsburg an. 1510 
klagten sie, dass Prälaten und Adel und ihre „arme Leut" von 
kais.' Majestät Vitzthumben, Pflegern, Mautnern, Landrichtern 



i> 



') Finsterwalder 1. c. 398. — Der Todfall geht wie der Heirathszins 
bis in die Karolingische Zeit bei den Franken zurück. Das älteste Beispiel 
aus bairischen Urkunden ist vom Jahre 1143. Waitz Verfassungsgesch. 
zweite Aufl. Bd. V. 242 ff. 249. — In Oberabtsdorf, Unterösterr. ViertI 
unter d. Mannharisberg, lässt Abt Hermann von Niederaltaich an. 1257 
dem ganzen Dorfe das Recht „Todlaip" nach, welches dort in dem zweit- 
besten Stück Vieh bestand. Sitz. Ber. d. Akad. Bd. XL 908. — Auf den 
Freisingischen Gütern in Krain wurden 1291 von den deutschen Hörigen 
(in officio Bawarorum) Robotgelder und Sterbochsen gegeben. Font. rer. 
austria. 36. Bd. 169. ff". Ebenso 183, 191, 198, 208. An letzteren Stellen 
wird auch erwähnt, dass, wenn eine Witwe nach dem Tode des Mannes 
aus irgend einem Grunde auf dem Gute nicht bleiben konnte, alle be- 
weglichen Sachen, hatte sie nun Erben oder nicht, in 3 Theile getheilt 
werden mussten; ein Theil war für den Grundherrn (hier der Bischof), ein 
Theil für die Witwe, ein Theil pro remcdio anime decederitis. 



26 I^ie Unterthanen nicht schutzlos. 

und Amtleuten m ihrem Auftrag in vielen Stücken unbilliger 
Weis und hoch übernommen werden. „Die Unterthanen werden 
von etlichen Herrschaften und Obrigkeiten mit mancherlei 
Neuerung und Härtigung gross beschwert", heisst es in der 
Instruction, welche die oberennserischen Landesausschüsse 1525 
für den Ausschusslandtag in Innsbruck mitbekamen. Ingleichen 
sagen die zur Berathung über die Stillung der Rebellion nach 
Neustadt einberufenen Ausschüsse der 5 niederösterreichischen 
Lande: Wenn der Eigennutz den gemeinen Nutzen nicht über- 
wunden, der Arme ein gleiches Recht und nicht unbillige Be- 
schwerung auf sich liegen hätte, wäre es zu dem Übel nicht 
gekommen. Das Recht der Herrschaften, Geldstrafen für Ver- 
gehen und Verbrechen, selbst bei Mord und Todschlag festzu- 
setzen, die Holden in eignen Angelegenheiten zu strafen und in 
den Thurm zu legen, sie bei Versäumniss des ürbardienstes 
oder nachlässiger Wirthschaft von den häuslichen Ehren (i. e. 
dem Hause) zu jagen, waren gewaltige Versuche zur Willkühr. 
Aber einzelne Ausschreitungen und despotische Akte verzeichnet 
die Geschichte aus allen Zeiten und in solchen Fällen wussten 
die Unterthanen ihre natürlichen Beschützer trefflich zu finden. 
Wie zahlreich sind die Klagen in den Landtaidingen, vor dem 
Landeshauptmann, dem Landesfürsten und selbst dem Kaiser 
und die gegen ihre Bedrücker ausgefallenen Urtheile. Den Spruch- 
brief des Landeshauptmann Eberhard von Wallsee von 1356 
gegen Kremsmünster haben wir oben angeführt. Auch der vor- 
nehmste Herr des Landes war nicht sicher vor den Reklamationen 
der Unterthanen und der öffentlichen Zurechtweisung des Landes- 
fürsten. Kaiser Friedrich III. gibt dem Hauptmann von ob der 
Enns, Gotthardt von Starhemberg, Innsbruck 8. März 1489 den 
Auftrag, er soll wegen einiger Beschwerungen der Urbarleute 
von Frankenburg gegen den Grafen Jörg von Schaunberg, dessen 
Verwaltung das Schloss anvertraut war, einen Tag ansetzen. 
Sein Nachfolger Max I. hielt es nicht minder für seine Regenteik— 
pflicht, wie er öffentlich sagte, eine Zuflucht der Bedrängten z 
sein imd machte die Vermittlung in Streitigkeiten zwischen Herr- 
und Holden zur Aufgabe des von ihm gegründeten Regimen 



Die Unterthan6n nicht schutzlos. 27 

der niederösterreichischen Lande.*) Im Jahre 1512 verordnete 
er sogar eine eigene Commission, die im Lande herum von 
Viertel zu Viertel reiten musste, um eines jeden Klage gegen 
sein Kammergut aufzunehmen und zu schlichten. (Datum Gmunden 
1512 Juli n. Archiv zu Efiferding.) Würden die „armen Leute", 
wenn sie in der Regel Unrecht hekommen, wenn man auf ihre 
Beschwerden mit fortgesetzter Unterdrückung geantwortet hätte, 
wohl immer wieder den Mühen und Kosten sich unterzogen 
hahen, um zum hundertstenmal vergeblich an die Pforten der 
Gerechtigkeit zu klopfen? 

Selbst bei ausserordentlichen Privilegien wussten sie sich 
gegen die gesammte Landschaft zu erhalten. Auf die Hinter- 
sassen der Veste Klaus war im Jahre 1521 wie auf alle Andern 
eine Steuer geschlagen worden. Da erschienen sie vor dem 
Erzherzog Ferdinand und baten um Hilfe mit Hinweis auf ihre 
alte Freiheit. „Allweg seit ewigen Zeiten seien sie von aller 
Steuer im Lande befreit gewesen in Erwägung, dass sie an einem 



*) Weitere Beispiele der persönlichen Intercession Friedrich III. und 
Max I. zu Gunsten klagender Unterthanen sieh bei Mayer, die ersten 
Bauemunruhen, in der Mittheil. d. hist. Ver. f. Steyerm. 23. Heft. 114 ff. 
Luscbin Gesch. d. altern Gerichtswesens S. 186, 282. — Von der Thätigkeit 
eines Vitzthumgerichtes , welches, wie Luschin 1. c. 184 und 286 mit Be- 
rufung auf den Innsbrucker Ausschusslandtag meint, Max I. als Mittel- 
behörde in Streitigkeiten der Unterthanen mit den Herrschaften eingesetzt 
habe, ist mir nichts bekannt. Max hat auf dem Landtag zu Wien 1509 
den unterösterr. Landständen nur versprochen, dass der Vizdora Klagen der 
Bürger und Bauern, welche sich auf landesfiirstl. Amtleute beziehen oder 
sein Kammergut betreffen, annehmen und gütlich beilegen soll; im Fall 
des Misslingens kann Bürger und Bauer den Vizdom als Vertreter des 
Kammerguts vor der niederösterr. Regierung belangen. Sieh Archiv f. Kunde 
Ö8tr. Gesch. Bd. 13. S. 326. Also nur in Klagen gegen das Kammergut und 
dessen Verwalter, nicht in Streitsachen der Unterthanen mit Grundherrn 
überhaupt hatte der Vizdom einen vermittelnden Einfluss. — Was in dem 
/rieichfalls citirten Augsburger Libell von 1510 Seite 10 — Ausgabe von 
J/J83 — von den Vizdomen gesagt wird, bezieht sich gleichfalls auf die 
Hiinde], welche Vizdome oder andere als Kaisers Amtleut mit den armen 
l"«euten von Prälaten und Adel hatten, also gleichfalls nicht auf deren 
Streitigkeiten mit ihrem Grundherrn. Die in den Verhandlungen des Inns- 
^»"^xcker Ausschusslandtages 1518 vorkommenden Stellen S. 273, 281, be- 
21 eilen sich bloss auf Kammerguts- Angelegenheiten. 



28 Die Unterthanen nicht schutzlos. 

rauhen groben Ort als in der Enge des Gebirges sitzen, wo sie 
ihre Nahrung kaum erobern mögen und in Erwägung, dass ihnen 
die Herhaltung der Brücken und Wege zwischen den beiden 
Klausen {id est Veste Klaus und der Klausen auf dem Pyhrn) 
obliege." Der Erzherzog empfahl hierauf seinem getreuen Ulrich 
Storchen, welchem Kaiser Max I. das Schloss lehenweise über- 
geben, die Bauerschaft bei ihrem alten Herkommen zu hand- 
haben und liess der Ritterschaft im Lande ob der Enns schreiben, 
„den Storchen mit zimblicher Stewr zu halten, derdurch die 
berürt pawrschaft bey irem altem herkommen bleiben und die 
prucken und weg machen und underhalten mögen." — Nirgends 
im Lande besass ein Edelmann eine solche Steuerfreiheit. Immer 
wieder trat die Landschaft mit dem Versuch hervor, die Bauern 
der allgemeinen Steuer zu unterwerfen, aber immer erneuerte 
Verweigerung von ihrer Seite und Protest bei der niederöster- 
reichischen Regierung und dem Landesfürsten. Noch im Jahre 
1541 zahlten sie nichts und wurde in diesem Jahre sogar von 
den Ständen die Steuerfreiheit der Klauser Unterthanen an- 
erkannt. ^) 

Das ist doch kein Zeitalter des eisernen Zwanges und 
tyrannischer Willkühr! Die Ergebnisse der Untersuchung nach 
Bezwingung des Aufstandes geben ein beredtes Zeugniss. Viele 
Herrschaften gab es, deren Unterthanen vor den Commissären 
gar keine Beschwerde vorbrachten; bei vielen wurden die Klagen 
überhaupt für grundlos und muthwillig befunden, in andern 
wurden unberechtigte Forderungen der Gutsbesitzer in ihre 
gesetzlichen Schranken zurückgewiesen und die Verhältnisse 
durch neue Verträge geordnet. Andererseits muss man bekennen, 
dass es durch das ganze Mittelalter bis in den Morgen der 
neuern Zeit an zahlreichen Beispielen nicht fehlt, wie es oft 
die Erbholden waren, die 'ihre Herrschaften zu betrügen und 
in ihren Bezügen zu schädigen suchten. Wie viele jahrelange 
Mühe es kostete, um nur seine Zinse und Dienste zu erfahren, 
haben wir an dem Beispiel von Kremsmünster und Niederaitaich 



Archiv Spital am Pyhrn. 



Klagen der Herrschaften gegen die Unterthanen. 29 

gesehen. Dann welche Anstrengungen, um die Herrenforderungen 
richtig einzuhringen! Den 22. December 1251 meldet der Abt 
des letztgenannten Hauses, allen Pfarrern, Vicaren und Kaplänen, 
das» er den Ulrich Viztum zur Einsammlung des Zinses von den 
Klosterholden in Osterreich bestellt habe; wenn also derselbe 
zu ihren Kirchen kommt, mögen sie auf der Kanzel oder im 
Beichtstuhle die Leute ermahnen, den Zins ihm richtig zu 
geben. In der Osterwoche 1257 macht der Abt bekannt, dass 
er den Mönch Hiltigrimm von Göttweih, der gegenwärtig die 
Kirche St. Veit versieht, zum Einsammeln des Zinses bevoll- 
mächtigt habe. Allen Pfarrern, welche dabei behilflich sind, wie 
es der Bischof von Passau befohlen hat, wird Antheil an dem 
Gebete und den guten Werken, welche im Kloster geübt werden, 
verheissen.^) Auf die Klage der Prälaten, Ritter und Städte auf 
dem Ausschusslandtag zu Augsburg 1510 gegen die Vogtknechte 
(bewaffnete Knechte des Gerichtsherrn), als welche viele Placke- 
reien und Gewaltthätigkeiten verübten, antworten die Herren, 
wenn ihnen Vogtknechte aufzunehmen verwehrt werde, ver- 
möchten sie nicht, die Holden zur Leistung ihrer Schuldigkeiten 
zu bringen (ihre Güter nicht zu Stift zu bringen). — Wenn Fer- 
dinand L mittelst Mandat vom 22. April 1545 den Missbrauch 
tadelt, der an etlichen Orten herrscht, dass die Unterthanen 
kein Getreide einführen dürfen, bis dort, wo der Zehent gereicht 
werden soll, das Getreide ganz und gar abgeschnitten ist und 
der Zehentherr den Zehent zuvor erhoben und eingeführt habe, 
so vergisst er nicht zu bemerken, dass die Unterthanen an viel 
Orten bei Reichung ihres Getreidezehents grosse Ubervortheilung 
sich erlauben, indem sie die Garben, die zum Zehent bestimmt 
sind, mit Fleiss kleiner machen und bei Einführung ihres Ge- 
treides die Zehentgarben hin und wieder zerstreut auf dem 
Acker liegen lassen.^) An den Robottagen kamen sie spät heran. 



') Sitzungs - Ber. d. Akad. XL Bd. 931 . — Sieh auch die Unthaten 
und Frevel gegen Leute und Eigenthum des Bischofs von Freising auf seiner 
Herrschaft Hollenburg in Unterösterr. Fontes rer. austr. 36. Bd. 77 tf. — 
') Archiv 8t. Florian Cod. 12' 1. Thl. Fol. 143. — Das Zehentgetreide war 
ül't so schlecht, dass es drei- und viermal wohlfeiler als das andere vorkauft 



30 Klagen der Herrschaften gegen die Unterthanen. 

arbeiteten lässig, schickten schwache verächtliche Leute; bei 
Weinfuhren liessen sie aus Nachlässigkeit den Wein ausrinnen; 
bei den Naturalgaben lieferten sie das Schlechteste ab, so dass 
frühzeitig der Werth von Käse, Brot und Dienstschweinen in 
Geld bestimmt werden musste; nicht weniger missbrauchten sie 
ihr Forstrecht, indem sie über ihre und ihres Gutes Nothdurft in 
den Herrenwaldungen Holz schlugen und weggaben. Den Bei- 
spielen, dass Vögte blosse Zinsbauern durch Neckereien in Erb- 
holden zu verwandeln suchten, stehen solche gegenüber, wo 
Unterthanen blosse Freistifte für Erbrechtgüter geltend zu machen 
suchten und wenn es wahr ist, dass sie bei Klagen gegen ihre 
Bedrücker aus Rache neue Quälereien gewärtigen mussten oder 
dass die Hauptmannschaft bei allem guten Willen ihren Befehlen 
nicht immer schnelle Nachachtung verschaffen konnte^ so war 
es nicht minder wahr, dass die Hörigen ihre Herrn auch nach 
gefällten Spruch mit allerlei Aufzügen hinhielten und wenn sie 
etwa gar abgestiftet wurden, ihnen viel Drangs und Muthwillen 
bewiesen. Mit Recht konnte man daher im Jahre 1525 gegenüber 
den Klagen der Unterthanen das Wort aussprechen, welches 
Sprinzenstein 70 Jahre später in ähnlichem Falle wiederholte: 
Bei diesen Beschwerden sind nicht bloss die Unterthanen, sondern 
auch die Herrn zu hören und jeder Theil bei dem was recht 
und billig ist zu erhalten.^) 



werden musste. Kirchenrechnungen der Liebfrauen-Bruderschaft zu St. Peter 
am Windberg im Stiftsarchiv zum »Fahr 1540, 1548 ff. 

') Im Pantai ding buch von Seitenstetten aus dem Jahre 1513 (bei 
Kalten back Pan und Bergtaidingbücher in Österreich unter der Enns Bd. II. 
187) heisst es: Item weliche Guetter dem Gottshaus das todte Haupt zu 
geben verpflicht und schuldig sein. — Es war also das Sterbhaupt dort i 
keine allgemeine Pflicht der Unterthanen, was auch daraus hervorgeht, 
dass dieser Paragraph im Original durchstrichen ist mit der Bemerkung 
von jüngerer Hand: Nit zu lesen. In der Herrschaft Waidhofen an der 
Ybbs zahlten manche Unterthanen noch 1626 kein Freigeld oder Sterbhaupt. 
Sitz. Berichte d. Akad. Bd. V. 705 ff. Aber wie gesagt, gilt der Schluss 
nicht von einer Herrschaft auf die andere. Die Bemerkungen bei Kalten- 
bäck über willkührliche Abänderungen und Generalisirung von Robot, 
Anlait etc. in den Pantaidingbüchern, welche zu Anfang des 16. Jahrh. 
zum grossen Theile schon sollen durchgeführt gewesen sein, sind von ihm 



Milde der Herrschaften. 31 

Die Grundlasten der alten Zeit erscheinen nach dem Ge- 
sagten nichts weniger als rücksichtslos, sondern als den wirth- 
schaftlichen Verhältnissen sorgfältig angepasst. *) Die Leistung 



als solche nicht genügend nachgewiesen. Die Entscheidungen der Landes- 
hauptmannschaft in Streitfallen zu jener Zeit — von 1525 — betonen 
immer das alte Herkommen, die alten Urbare und Register, also Zeugen 
zum wenigsten aus dem 15. Jahrh., nach denen die Ansprüche geschlichtet 
werden müssten. — Beispiele, wie wenig die Unterthanen damals der 
Willkühr der Grundherrschaften preisgegeben waren, bietet die Geschichte 
von Wilhering. Im Jahre 1508, März 24., hält der Landrichter im Donauthal 
Gericht in offener Schranne unter der Linde zu Strassheim in der Klag- 
sache des Abten von Wilhering gegen einen Unterthan, der seinen Lehen- 
zins schon durch 8 Jahre nicht gezahlt hat. An der Herbstschranne des- 
selben Jahres wieder Klage gegen einen andern Hintersassen wegen ver- 
sessenen Dienst. — 1509 Sept. 23. sitzt der Landrichter im Donauthal, Hans 
Klinger, in offener Schranne zu Strassheim. Abt Kaspar von Wilhering 
tritt durch einen Vorsprecher klagend gegen* einen Bauer wegen 2 Wiesen 
auf. Nach langen Verhandlungen nahm man ein Schiedsgericht an. Dess- 
ungeachtet wurde der Process erst 1513 durch Spruch Georgs von Schaun- 
berg in offener Schranne zu Strassheim beigelegt. Archiv Wilhering. Dazu 
Stülz Gesch. von Vöcklabruck S. 34, im Linzer Musealbericht 1857 und 
dessen Gesch. von Wilhering S. 90. — Über die Verwüstungen in den 
Herrenhölzern und den Muthwillen der abgestifteten Bauern sieh Haltaus 
Glossar. Germ. Freistifter. Die einzelnen Bauern wassten auch mit Pfeil 
und Kugel gegen harte Dienstherm zu demonstriren. Hoheneck Genealog. 
Beschr. Bd. HL 229, 602. Der österr. Dichter Stricker, der dem 13. Jahrh. 
angehört, beweist uns in seiner Märe von den Gauhühnern, wie wenig schon 
zu seiner Zeit mit den österr. Bauern durch Härte anzufangen war. Gegen- 
über den Rittern, welche etwa auf ihre Aussaugung ausgingen, suchten sie 
Hilfe beim Landesfürsten oder sie greifen selbst zu den Waff'en, überfallen 
die Burgen und zerstören sie. 

*) Sieh Peetz, Volkswissenschaftl. Studien S. 303. Er sagt: „die Last für 
Polizei und Justizverwaltung war eine viel geringere als heut zu Tage." 
Er hätte auch noch die Last für das Finanz-, Kriegs-, Schul- und Schulden- 
Departement hinzufügen können. Unglück wurde mit Huld und Güte ge- 
mindert und die Abgaben zu der wirthschaftlich angemessensten Verfallzeit 
erhoben. Ich glaube, sagt Grimm, Rechtsalterthümer XVL und 395, die 
Hörigkeit und Knechtschaft der Vergangenheit war in Vielem leichter und 
liebreicher als das gedrückte Dasein unserer Bauern und Fabrikstaglöhner. 
Beispiele von harter Behandlung der Bauern im Mittelalter gibt Waitz 
VerfassungBgeschichte Bd. V. 266 ff Von unruhigen Bewegungen unter dem 
Landvolke ist doch aber nur selten die Rede. Viele Herren haben die Hand 
geboten, die Verhältnisse ihrer Hintersassen zu ordnen, ihre Lage zu bessern, 
das Hecht zu sichern. 268 ff. 



32 Milde der Herrschaften. 

an den Grundherrn im haaren Gelde (der Grundzins, die Stift) 
war sehr geringe, meistens nur einige Silberpfennige und stand 
nicht im Verhältniss zum nutzbaren Eigenthum, welches der 
Holde vom Grundherrn erworben hatte. Es sollte dadurch mehr 
das Obereigenthumsrecht des Herrn jährlich in Erinnerung ge- 
bracht werden. Eben so wenig fühlte man die auf die Festzeiten 
vertheilten Lieferungen von einigen Eiern, Hennen, Käsen und 
Brot. Bei dem Getreidedienst kam alles auf die Fruchtbarkeit 
des Jahres an. Hatte der Himmel sein Füllhorn ausgegossen, so 
war es dem Landmann leicht, Dienst und Zehent aus den vollen 
Scheunen abzuführen; hing aber das Hungertuch herab, so 
mussten Grundherr und Holde sich nach der Decke strecken. 
Der Letztere war wohl damals wie heut zu Tage jeder Steuer- 
zahler schuldig, seine Abgaben trotz persönlicher oder Elementar- 
unfälle zu reichen, aber das moralische Moment machte sich 
bei den unter seinen Unterthanen lebenden Erbherrn mehr geltend, 
als bei dem nur seine Rubriken beachtenden modernen Steuer- 
einnehmer, ganz abgesehen davon, dass es im Interesse des 
Gutsherrn lag, einen fleissigen und tüchtigen Bauer bei Kräften 
zu erhalten und nicht um Haus und Hof zu bringen. Probst 
Johann von St. Florian schreibt anno 1466 an den Prior von 
Niederranna, dass die Zehentpflichtigen jederzeit, wenn eine Noth 
einbrach, durch bescheidenes Bitten und .wahrhaftiges Bekenntniss 
Nachsicht und Erbarmen finden konnten. Das alte Florianer 
Dienstbuch aus dem Jahre 1520 bringt klare Belege dazu. Hier 
finde ich, dass man manche jahrelang ausständige „Traidschuld" 
aus Gnaden erlassen hat. Bei einem heisst es: dnt medium 
servicitim propter destructionem aque iisque ad revocationem, andere 
geniessen die nämliche Begünstigung ohne Angabe des Grundes. 
Häufig wird ein Theil des Dienstes oder der ganze Dienst zu 
Geld angeschlagen und dem Betreffenden erlaubt, denselben 
durch 20 Jahre im Baaren abzutragen; aber auf Widerruf, ?«^«e 
ad revocationem, wird klug und vorsichtig beigefugt. Bei dem 
Küchendienst werden manchmal Gänse, Hühner, Har und Eier 
in Geld berechnet, aber davon ein Betrag ea? gratin nachgesehen. 
Diese Hulden wider die Stiftsassen wiederholen sich auch in 



Milde der Herrschaften. 33 

den folgenden Jahren, von einer wegen versessener Dienste 
geübten Strenge ist keine Spur. Probst Georg schreibt 1591 an 
alle Hauer in der Wachau, welche Florianer Weingärten bebauen, 
„sie erinnern sich wohl, wie er ihnen zu Hülfe gekommen ist, 
als sie anno 158Q der grosse Schauer traf mit Geld und lOjährigen 
Nachlass. Jetzt sollen sie wieder zahlen/' Wenden wir uns nun 
zur rauhen Gebirgswelt. Nach dem Hofrecht des Klosters Mondsee 
aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und handschriftlich 
im Stiftsarchiv verwahrt, soll der Baumann die Garben abzählen 
und je die zehnte Garb für den Zehentherrn an einen Ort legen, 
die Garben alle gleich machen ; einführen kann er, wann er will. 
Auch den Zehent soll er einführen und sorgfältig verwahren wie 
sein eigen Gut, damit er nicht durch Ungewitter oder Unfug 
geötzt (geschädigt) und verderbt werde. Der Zehentherr konnte, 
wenn er Argwohn hatte, den Zehent im Beisein ehrbarer Nach- 
bam umzählen. — Zahlreich sind die Äusserungen von Milde, Wohl- 
wollen und Schonung gegen die Unterthanen in den Familien- 
chroniken, Dienstbüchern und letzten Ermahnungen sterbender 
Edelleute. Dem handschriftlichen Urbar der Jörger von Tolleth 
(16. Jahrh.) gehen gleichsam als Leitsterne Verse und Sprüche 
voraus, welche zur Güte, Nachsicht und Gerechtigkeit gegen 
die Urbarleute mahnen. Georg von Schallenberg sagt in seiner 
reizend schönen Familienchronik: Vor Allem thue viel Gutes 
den Armen und deinen Unterthanen, verschone ihnen wo du 
kannst, so wird Gott dein wieder schonen, dich segnen und 
erheben in allen Enden. Alexander Freiherr von Sprinzenstein 
klagt im vertraulichen Schreiben an. 1595 seinem Nachbar 
Uhich Herleinsberger zu Altenhof den rebellischen Sinn seiner 
Holden. In Gegenwart des Hofprbcurators des landeshaupt- 
mannischen Gerichts habe er ihnen aus den alten Urbarien 
nachgewiesen, wie sie seit mehr als 70 Jahren um eine gute 
Portion weniger zur Herrschaft gegeben, als die Urbarien aus- 
sagen, „aus Mildigkeit und guetwilliger Nachsehung unserer 
lieben Eltern und unser.'' ^) Wie warm sich die Stände der 

') Das Urbar von Tolleth befindet sich im Besitz eines Privaten zu 
Linz. — Die Familienchronik der Schallenberge, ein höchst anmuthiges 

Czerny, Bauernaufstand. 3 



34 Theilweiser Wohlstand dpr Bauern. 

ünterthanen gegen die Jagdbeschwerungen Maximilians I. an- 
nehmen, werden wir weiter unten sehen. 

Die österreichischen Dichter des Mittelalters schildern die 
Landleute ihrer Zeit durchaus nicht als niedergedrückt, furchtsam, 
demüthig und freudenleer, sondern als übermüthig und selbst- 
bewusst, prunksüchtig, voll derber Lebenslust und dem Ver- 
langen bei Mann und Weib, es dem Ritter gleich zu ^thun. 
Heinrich der Teichner der um die Mitte des 14. Jahrhunderts 
blühte, nennt die österreichischen Bauern übermüthig im Zustand 
der Wohlhabenheit und nur erträglich, wenn sie arm sind. Nach 
seiner Ansicht waren sie nicht viel verschieden von jenen, deren 
Ubermuth und Prunksucht anderthalb Jahrhunderte früher Neid- 
hard von Reuenthal geisselte. Trinken, ritterlicher Aufwand in 
Kleidern, ewige Balgereien und Habgier, ewiges Murren neben 
plumpem Ubermuth seien hervorragende Charakterschwächen.^) 
Auch zu Kaiser Maximihans Zeiten liessen sie sich das Leben 
nicht verkümmern. Der Feiertage waren viele, sehr viele, den 
vierten Theil des Jahres lyndurch konnten sie von der Plage 
des Lebens ausruhen. Die Preise aller Dinge hatten in Folge 
des Aufkaufs durch die grossen Gesellschaften aufgeschlagen; 



Bild vom adeligen Land- und Feldleben im Lande ob der Enns, wurde 1658 
aus - alten Aufzeichnungen und Erinnerungen durch Georg Christoph voft 
Schallenberg für seine Kinder zusammengestellt. Abgedruckt in Hormayr, 
Archive 1826 S. 625 ff. auch in dessen Taschenbuch Jahrg. 1837. S. 221 ff. 
— Der Brief Sprinzensteins aus den Lichtenauer Acten im Linzer Museum. 
Wie Schallenberg spricht auch Wolf von Stubenberg in den Ermahnungen 
an seine Söhne um 1500. Mittheil. d. hist. Ver. f. Steierm. 23. Hfb. 53. — 
Die milde Gesinnung gegen die ünterthanen ging im Laufe der Zeiten nicht 
verloren. Der Pfleger von Freistadt sagt im Jahre 1748 in einem Gutachten 
über das Machland: Bei Missjahren, welche wegen der kalten bergigen 
Gegend nichts Seltenes sind, habe die Grundobrigkeit gar nichts von ihren 
Gaben zu hoffen. Cod. manusc. 45 a. Archiv St. Florian. S. 381. In den 
Urbarial-Nachweisungen des genannten Stiftes vor 1848 lautet ein stehender 
Zusatz bei den Bauerngütern: Wurde nur zur Hälfte verfreit. Wie wenig 
sich überhaupt dort, wo die Güter gleich geblieben sind, die Natural- 
leistungen und Zinse verändert haben, sieh Linzer Musealbericht 1881, 
zwei Actenstücke zur Culturgeschichte Oberösterreichs S. 30. 

^) Karajan über Heinrich den Teichner, Denkschriften d. k. Akad. 
VI. Bd. 165. — Seifrit Helbling, Stricker, Wernher der Gärtner äussern 
«ich in ähnlicher Weise. 



Theilweiser Wohlstand der Bauern. 35 

Fleisch, Getreide, Schmalz und Leinwand konnten sie besser 
als vorher verWerthen.^) Man weiss von ihrer weit über ihren 
Stand gehenden Kleidung zu sprechen. Auf dem Ausschusslandtag 
zu Innsbruck schlagen die Stände an. 1518 dem Kaiser vor, 
er möge den Bauern feines Tuch, Perlen, Gold, Sammt und 
Seide verbieten; eben so ihren Weibern und Kindern. Man klagt 
über ihreia Aufwand bei Hochzeiten, über die vielen Tische und 
überhaupt das Übernehmen im Essen und Trinken. Selbst die 
Lasten, welche der Aufstand über das Land verhängte, brachten 
keine Ernüchterung hervor. Ferdinand L muss 1542 den Bauern 
wieder theure, ausländische Tücher, Barette mit Straussfedem, 
Gold, Seide, Schamelot, ausgeschnittene Schuhe, feines Pelzwerk 
verbieten. Bauern pachteten von den Herrn das Raisgejaid, zer- 
traten und zerbrachen den armen Leuten Häge und Zäune, ver- 
li essen sich auf die Jagd und versäumten den Feldbau. Ja sie 
kauften adelige Gülten und Güter, die dadurch aus der Einlage 
des betreffenden Standes gezogen wurden. So klagten die ober- 
österreichischen Stände auf dem Landtag zu Wels an. 1515. 

So wie heut zu Tage muss man aber bei der Frage über 
Armuth und Reichthum der Bauern von damals die Gegenden 
wohl unterscheiden. Es gab im Mittelland zwischen den Voralpen 
und der Donau viele reiche und wohlhabende Bauern, welche 
Pferde, Rinder, Schweine in Menge hatten und über 50 — 80 
Joch fruchtbaren Bodens verfügten, während die Bauerngüter 
derer „im Gebirg und bei den Waiden" und über der Donau gar 
klein und armselig waren. „Die gar hohen und kalten Orte aus- 
genommen, war in Oberösterreich die Aussaat fast durcfigehends 

') Alles was der gemeine Mann kauft, Kaufmannsware, Getreide 
Wein, Fleisch habe der geringen Münze wegen aufgeschlagen. — Die 
grossen. Gesellschaften so ausserhalb des Fürstenthums Österreich wohnen, 
haben durch sich selbst oder ihre factores alle die Wai'en so die 
Menschen haben und von denen sie leben und deren sie nicht entbehren 
können, es sei Silber, Kupfer, Stahl, Eisen, Leinwand, Zucker, Specerei, 
Getreid, Ochsen, Wein, Fleisch, Schmalz, Inslet, Leder in ihre Hände ge- 
bracht und verkaufen dieselben ihres Gefallens und machen des Kaufes 
Satzung nach ihren Willen zu merklichen ihren Vortheil. — Das Vieh 
im Land kaufen sie in Haufen auf. Ausschusslandtag der 5 niederösterreichi- 
schen Lande zu Innsbruck 1518. 

•4* 



36 Theilweiser Wohlstand der Bauern. 

gleich, nämlich 2 Metzeii auf ein Tagwerk, das Erträgniss aher 
davon zum Erstaunen ungleich. Im Hausruck und Traunvieitl 
trug der Metzen an manchen Orten 12 bis 15Metzen, im Mach- 
land und Mühlviertl hingegen an keinem Ort so viel. Die in 
den beiden erstem Viertln von der Donau gegen die Gebirge 
abweichenden Gegenden fielen von 12 bis auf 6 und 5 Metzen 
herab, was in den beiden letzten Viertln nur in gar engen 
Bezirken an der Donau bis zum Fuss der Berge anzutreffen 
war. Hier war, wo einmal die Berge anstiegen, nach Länge und 
Breite bis an die passauischen, böhmischen und niederöster- 
reichischen Grenzen in den besten Orten die reichste Fechsung 
auf 4 Metzen zu rechnen, in den übrigen Theilen dieser 2 Vierteln 
jedoch, wo sie schon in die secundam regionem aeris greifen, 
fällt dieselbe auf 3 und 2 Metzen herab. So auch an den Grenzen 
von Steiermark, Salzburg und Baiern.^ ^) Man muss sich dazu 
vergegenwärtigen, dass es im Jahre 1525 überall im Lande 
überaus zahlreiche Sölden (auch Hofstätten genannt), das ist 
Bauerngütlein kleinsten Ackermasses von etlichen Jochen gab, 
welche im Laufe der Zeit von den grossen Bauern aufgesogen 
und nach Abbruch der Häuser spurlos verschwunden sind. Die 
wirthschaftliche Ausnützung des Bodens war überhaupt eine 
mangelhafte; die drei grossen Marksteine der ökonomischen 
Entwicklung, Stallfütterung, Kleebau und Fruclitwechsel waren 
noch nicht gegeben; wie musste demnach in solch kleinen etwa ver- 
schuldeten Wirthschaften ein Misswachs, ein Schadenfeuer, ein 
Krieg mit der gewöhnlichen Verheerung im Gefolge tief und lange 
empfunden werden. Solche Häuser waren es ohne Zweifel, welphe 
die Friedensvermittler des Kaisers gleich wie die Landstände auf 
3, 4, 5 Pfund schätzten; ein derartiges Bauernanwesen konnte 
man um denselben Preis oder wohlfeiler haben, als man damals 
in Enns einen Ochsen bezahlte. 2) Im vertraulichen Schreiben 



') So stellt die Steuerrectifications-Commission der Stände mit Gut- 
achten vom 14. Dez. 1748 die Ertragsfähigkeit des Bodens als etwas aus- 
gemachtes und allseitig bekanntes dar. Stiftsarchiv St. Florian Cod. 45. a. 
— ^) Wie zahlreich die kleinen Grundbesitzer einst waren, zeigt das 
ürbarium von Falkenstein. Wolfgang Gruber dient von seinem Hause, zu 



Theilweiser Wohlstand der Bauern. 37 

an den Probst Johann Georg von St. Florian erzählt der grosse 
Vaterlandsfreund Freiherr von Hoheneck im Jahre 1748, dass 
die Unterthanen in kalten und unfruchtbaren Gegenden Ober- 
österreichs sich grösstentheils von Habermus und Brot nähren und 
bei missräthigen Ernten ein aus Eicheln, Stroh, Har-PoUen 



dem 4^2 Tagwerk Acker, 3 Tagwerk Wiesen gehören 1 Schill. 2 Pf., zu 
Ostern ein Kitz (und noch 38 Güter eben so viel). Thomas Haidner am 
Haidenhof, darein 10 Tagwerk Acker, 2 Tagwerk Wiesen und ^/g Tagwerk 
Wald gehören, dient jährlich zu Maria Geburt 1 Schill. 2 Pfen., 1 Henne, 
j[ Käse, 32 Eier, 4 Metzen Haber, 1 Krautpämb (und noch 35 Güter mit 
ähnlichen Leistungen, dazu Har und Weihnachtsbrod). Zu Nieder Ränna 
sind 11 Gütel, 5 dienen 13 und 6 dienen 9 Pfen. 19 behauste Güter zu 
Lempach dienen jährlich zu Ostern und Maria Geburt jedes 14 Pfen., 1 Kitz, 
2 Hennen. 40 behauste Güter zu Wilden Ränna dienen zu Ostern 5 Haller 
(auch 3 Pfen.), zu Weihnachten 5 Haller, am St. Gilgentag 14 Pfen. 1. c. 
S. 52, 53, 55. Ausserdem hatten sie natürlich noch Zehent und Herrensteuer 
zu leisten. — Wie gross waren dagegen die Güter in St. Florian und 
Umgebung. Die curia in Stallbach, die durchaus nicht zu den grössten 
gehörte, dient 1 Schaf (6 Metzen) Weitzen, 2 Muth (ä 30 Metzen) Roggen, 
4 Schaf Haber. Im Dienstbuch von 1525 steht dabei angemerkt: Dient nun 
furan kein Traid mehr, sondern alle Jahr für denselben Traiddienst 8 Pfund 
Pfen., pro minutis (Küchendienst) pro 1 porco ad 6 Schill., 2 Gänse, 
4 Hühner, 2 Büschl Har, 3 Schill., zusammen 1 Pfund 20 Pfen. (eigentlich 
30 Pfen.; es war ein Nachlass ex gratia erfolgt, wie bei manchen aus- 
drücklich steht). Paul Mair am mittern Hof im Dorf Volkenstorf dient zu 
Maria Geburt 31 Metzen Roggen, 31 Metzen Haber und für allen kleinen 
Dienst 2 Pfund ; „dient nun füran usque ad revocationem für alle Fo- 
drung zu St. Paulstag im Pantadung 6 Pfund" nach Übereinkommen von 
1516. Augustin am Pleckenviersthof dient zu Maria Geburt 2 Pfund Wiener 
Pfen., 24 Metzen Roggen, 24 Metzen Haber. „Dem ist sein Dienst auch 
geringert worden auf 5 Jahr. Gibt jedes Jahr für Geld und Traiddienst 
6 Pfund." Nach Vertrag von 1517. — Im Pantadung wurden die Abrech- 
nungen gepflogen. Da kommen Bauern vor, welche neben ihrem fälligen 
Dienst „von Stund an" 6 — 20 Pfund an Rückständen zahlten und darüber 
noch schuldig blieben. — Über die Leistungen der Florianer [Jnterthanen 
überhaupt sieh 2 Aktenstücke zur Culturgeschichte des 14. Jahrh. im Linzer 
Musealbericht 1881. Nach den Steuerregistern des Klosters Lambach belief 
sich der Schätzungswerth eines Hofes sammt Mobilien im Jahre 1478 auf 
80 — 120 Pfund Pfen. Bei den Hüben schwankt er zwischen 40 — 90 Pfund. 
Die Lehen werden mit der gesammten Habe durchschnittlich auf 15—60 
Pfund geschätzt. Eine Kuh kostete damals in der Gegend 1 Pfund 4 Schill., 
der Lohn eines Dienstknechtes war von 9 Schill, bis 3 Pfund. Linzer 
Musealbericht 1866. S. 241. 



38 Theilweiser Wohlstand der Bauern. 

(Samenbehältnissen des Flachses) Heublumen, Obsttrebern^ ja 
sogar Baumrinden gebackenes Brod gemessen, ') von deren jeder 
Gattung er eines bei Händen habe. Gab es ja Ackerland im 
Machlandviertl so mit Steinen und Steinfelsen belegt, dass es, 
wie um dieselbe Zeit der Pfleger von Ruttenstein sagt, schwer 
zu determiniren war, wie viel eigentlich die Steine und Felsen 
und nach deren Abzug der trächtige Grund importiren möchte. 
Hatten auch manche Unterthanen namhafte Holz statten, so 
konnten sie doch wegen der elenden Strassen und mangelnden 
Absatz ausser ihrer Hausnothdurft keinen Kreuzer daraus ge- 
winnen.^) Nur durch Industrien konnte man im linkseitigen 
Donauland die Undankbarkeit des Bodens ausgleichen. Wie im 
18. Jahrhundert so wurde imMühlviertl schon im 16. Jahrhundert 
die Lein wand- und Zwirn-Industrie äusserst schwunghaft betrieben. 
Nicht nur im Winter, sondern auch zu andern Zeiten oblagen 
ganze Familien dem täglichen und nächtlichen Spinnen ohne 
Unterlass. Die Leinwand wurde auf die Märkte und Kirchtage 
zum Verkauf gebracht; alljährlich ging eine sehr grosse Menge 
in die sämmtlichen österreichischen Alpenländer bis nach Tirol, 
um die Bergleute und Eisenarbeiter zu bekleiden, ja sie war 
ein Ausfuhrartikel nach Italien, Spanien und Afrika (Segel- 
leinwand) geworden. Rindvieh, die Waldochsen, wurde vom 
Mühlviertl in grosser Menge ins Bisthum Passau und nach 
Baiern verhandelt; Schüsseln, Teller, Flaschen und Becher von 
Holz wurden in Hunderten von Stücken fabricirt. Auch im 
Machland war Leinwand- und Zwirnhandel bedeutend, doch 
wurde es in diesem Punkt vom Mühlland übertrofi'en. Dagegen 
blühte hier die Ausfuhr von Holz in allen Formen von Balken, 
Läden, Latten, Spindeln, Weingartstecken; die vielen Salzfdhren 
nach Böhmen, die ungemein lebhafte Schiffahi't auf der Donau 
brachten den Bewohnern viel Verdienst. In den hohen Bergen 
auf der rechten Seite der Donau waren es wieder die überaus 
zahlreichen Hacken und Sensenschmiede, die vielen Werk- 



') Begreiflicher Weise war den obigen Ingredienzien Mehl beigemengt. 
— "") Stiftsarchiv St. Florian Cod. 45. a. S. 374. 



Die Jagdbeschwerden. 39 

Stätten für Verarbeitung von Eisen und Stahl zu Zwecken des 
Krieges und Friedens mit ihrer anspruchsvollen Bevölkerung, 
welche dem Landmann die beste Absatzquelle für sein Vieh 
und seine Bodenproducte eröffneten. 

Wie eine Gewitterwolke, die bald hier -und bald dort zündend 
sich entladet, schwebte etwas über dem emsig angebauten „Ländl", 
was armen und reichen Colonen Fluch und laute Verwünschungen 
auspresste. Wird es auch nicht anno 1525 wie Robot und Frei- 
geld unter den stärksten Ursachen der Unzufriedenheit ämtlich 
aufgeführt, so war es doch seit langer Zeit eine Quelle be- 
ständiger Klagen und Zerwürfnisse zwischen Herrschaft und 
Unterthanen — die Jagd. Gerade die neuere Zeit hatte hierin 
eine grosse Verschlimmerung der Lage gebracht. Es ist bekannt,' 
wie sich Maximilian I. auch im Lande ob der JEnns oft mit der 
Jagd erlustigte; im Theuerdank werden seine Abentheuer auf 
Gemsen, Steinböcke und Bären in unsem Bergen geziemend 
verherrlicht. Unter einem Monarchen, der „wenn durch Jemand 
Wildpret gefällt ward, über die Anzeige in Zorn gerieth und 
die Thäter an ihrem Leben zu strafen hingerissen wurde", ^) fühlten 
sich die kaiserlichen Forstmeister und Pfleger um so mehr auf- 
gefordert, die Gefühle des Erbarmens vor der Besorgniss fürst- 
lichen Unwillens zurücktreten zu lassen. Die Lage der Unter- 
thanen hatte sich in dieser Beziehung gegen früher offenbar 
verschlechtert. Schon auf dem Ausschusslandtag zu Augsburg, 
wo im Jahre 1510 die Gewaltträger der 5 niederösterreichischen 
Lande neben dem Reichstag mit Sr. Majestät verhandelten, 
brachten sie vor: ,, Seine Majestät wolle der Landschaften und 
ihrer armen Leut Beschwerde, Nachtheil und Schaden, so ihnen 
durch das Wildpret täglich zugefügt wird, gnädiglich bedenken 
und sich darin, wie Ihrer Majestät Vordem mit denen Land- 
schaften gethan, gnädiglich halten und davor sein, damit sie 
und ihre arm Leut dadurch so beschwerlich nicht verderbt 



') Worte der ständischen Gesandten auf dem Ausschusslandtag zu 
Innsbruck 1518. Sieh die Verhandlungen desselben im Archiv f. östr. Gesch. 
Quellen Bd. 13. S. 242. Zu dem Folgenden auch S. 253, 303, 309. 



40 Die Jagdbeschwerden. 

werden." Der Kaiser antwortete damals: Wolle vergönnen, dass 
die, denen Schaden von dem Wildprät geschieht, hohe Zäune 
machen, und Forstmeistern und Jägern verfügen, dass sie solch 
Wildprät mehr als vor dem beschehen, jagen. Auf dem Ausschuss- 
landtag zu Innsbruck im Jahre 1518 kehrt die Klage über den 
grossen Schaden der hohen Wildbahn und überhaupt des Wild- 
standes wieder. Jeder Bauer suchte sein Grundstück einzufangen, 
das Land bedeckte sich mit hohen Zäunen, noch sehen wir sie 
zahlreich auf den Landschaftsbildern in Hochbergs Georgica 
cwriosa am Ende des 17. Jahrhunderts prangen. Der gefürchtetste 
Gast war das Schwarzwild — die Wildschweine. Für sie existirte 
kein Zaun. Gerade das waren aber die schwarzen Lieblinge des 
Kaisers. Auf die Klage der unterennserischen Stände über den 
ganz ausserordentlichen Schaden, den diese Unthiere amichten, 
hiess es, der Kaiser hege das Wild im ausgezeigten Bezirke 
„sein auch der Schwein nit so viel, als man schreit." In den 
Herrschaften Steyr und Claus kommen grelle Beschwerden noch 
im 17. und 18. Jahrhundert vor.^) War das Roth- und Schwarz- 
wild besonders den Saaten gefährlich, so waren Heerden und 
Menschen vor Bären und Wölfen nicht sicher. Wölfe müssen 
noch um 1600 im Machlandviertl häufig vorgekommen sein, da 



') Die Wildschwein haben sich im kais. Gehög am Tamperg von 
3 Jahren her dergestalt vermehrt, dass sich 10, 12 und mehreres bei- 
sammen befinden, und weilen verwichenes Jahr kein geschossen worden, 
werden sie sich dergestalten anhäufen und vermehren, dass weder Fütterei 
auf denen Wiesen, noch auch einiges Getraid oder andere Feldfrüchte zu 
erhalten, massen diese Schweine alles verwüsten, dass die Paurn kein Steuern 
mehr reichen kunnten. Dabei ein Verzeichniss der klagenden Bauern, 
Garstnerische 17, Pulgarische 5, Ennserische 1, Feyreggische 2, Herrschaft 
Steyrische eine grosse Anzahl, die sich aber nicht manifestiren durften. 
Gravamina wider die Wildschwein 17. Jahrh. aus dem Garstner Archiv, 
jetzt in Gleink. — Anno 1729 ersucht der Pfleger von Claus den kais. 
Forstmeister in Gmunden ämtlich um Hinwegbürstung der im Steierlinger- 
forst sich beständig aufhaltenden Wildschweine, welche den Unterthaneu 
durch Umwühlung der Saiit und Getreidefelder und auch Wiesen unglaub- 
lichen Schaden verursachten. Zwei Bauern erlitten durch ein einziges Schwein 
einen von unparteiischen Sachverständigen auf 80 Gulden geschätzten 
Schaden. Aktenstück aus dem Archiv Claus, jetzt im Spital am Pyhm. 



Die Jagd besch werden. 4 1 

in einer Schrift von 1598 im Archiv St. Florian davon wie von 
einer ganz gewöhnlichen Erscheinung die Rede ist. Als es sich 
an. 1663 nach der Restauration des Katholicismus in Käfermarkt, 
welches eine Zeitlang von Lassberg aus versehen ward, um die 
Anstellung eines selbstständigen Seelsorgers handelte, wurde 
neben andern Gründen geltend gemacht, dass „wegen der in 
dieser Gegend gehäuften und vielfältig wilden Thieren" der Weg 
nach Lassberg gefährlich sei. In der Pfarre Aigen bei Schlägl 
wurde an. 1595 auf Bären und Wölfe gejagt. Nach ämtlichen 
Schreiben des Waldmeisters in Windischgarsten vom 26. Mai 1675 
waren im Stoder Bären und Wölfe, auf deren Jagd die ganze 
Bewohnerschaft von Stoder und Steierling aufgeboten wurde. ^) 
Zu dem Krieg gegen diese unfreundlichen, vierfüssigen Gesellen 
kamen jetzt die Forstknechte, die allenthalben im Lande grossen 
Ubermuth mit den armen Landleuten übten, sie unter dem Vor- 
wand einer fleissigen Aufsicht über das Wild quälten, ihnen 
willkührlich, ohne sie vorher bei dem Grundherrn anzuklagen, 
Leibes- und Geldstrafen auflegten, letztere in so hohem Betrage, 
dass daraus grosser Schaden, ja Verödung d^r Güter entstand.^) 
Dass das Beispiel des Kaisers auf einzelne Jagdherrn zurück- 
wirkte, ist nicht zu bezweifeln. Durch nichts, sagt Finsterwalder, 
wird der Adel mehr ergötzt als durch die Jagd; manchmal 
obliegt er derselben nicht ohne Vorwurf, er träumt von nichts 
als der Jagd. Von Neustadt aus muss Ferdinand im Jahre 1522 
dem Wolfgang und Achaz von Losenstein befehlen, sich des 
Jagens von Rothwildpret auf des Gotteshauses St. Florian Wild- 
bahn zu enthalten und den Klosterleuten fürder keinen Eintrag 
zu thun. Die fortschreitende Verbesserung des Feuergewehres 
musste auch das Jagdvergnügen steigern und damit hing wieder 
die Vermehrung des Wildstandes und strenge Bestrafung des 
Wildfrevels zusammen. Aber die Stände im Ganzen nahmen sich 



*) Linzer Theol. Quartalschr. 1864. S. 147. — Schlägler Kopialbuch 
Fol. 105. — Akt im Archiv Claus, jetzt in Spital am Pyhrn. — Laut 
Fantädingbuch von Spital am Pyhrn vom Jahre 1651 kamen damals in der 
Herrschaft Spital dann und wann Bären und Wölfe vor. — ^) Worte der 
Landesausschüsse von Unterösterreich auf dem Landtasr zu Innsbruck 1518. 



42 jL)ie hohen Geldbussen. 

wacker ihrer Bauern an. Im waldreichen Attergau, welcher seit 
Beginn des Jahrhunderts vom Kaiser der reichen, hochansehn- 
lichen Familie PoUheim verpfändet war, bricht der Ingrimm 
gegen das Wild, welches ihnen ihr Getreide bei Tag und Nacht 
auffresse, zu wiederholten Malen gewaltig hervor. Gegen diese 
Beschwerde bleibt die Vertheidigung der landesfürstlichen Pfleger 
„im Punkte des Wildbrads wisse fürstliche Durchlaucht Mass 
und Ordnung zu geben", matt und gehaltlos, anerkennend und 
ablehnend zugleich. Offen sprechen die Stände in Linz in der 
Instruction, die sie ihren Gesandten nach Innsbruck mitgaben, 
die Wahrheit aus, dass Ihrer fürstlichen Durchlaucht und der 
Landleute Unterthanen des Wildpret halber hart an Leib und 
Gut gestraft und auch die Frucht, welche Gott nach ihrer harten 
Arbeit wachsen lässt, merklich verderbt werde. Sie ermannen 
sich zur unumwundenen Beschwerde: Weil das Wildprät den 
armen Leuten in Ihrer fürstlichen Durchlaucht Gerichten ver- 
derblichen Schaden thut, so dass die Leute, wenn es nicht ge- 
wendet wird, verderben, vom Haus kommen und die Güter öde 
liegen lassen müssen, so bitten sie fürstliche Durchlaucht, darin 
gnädige Wendung zu thun.^) 

Dieses Strafen und Abwandeln mit Geldbussen, eine schmäh- 
liche Seite des alten deutschen Rechtes, war in eine schamlose 
Geldsaugerei ausgeartet. Von den Landständen ob der Enns 
werden bei dem Kaiser beständig Klagen gegen die Landgerichte 
eingegeben, bei denen gewaltige Missbräuche im Schwange waren. 
Direct beschweren sie sich, dass sie so häufig hohe Geldstrafen 
auferlegen, den Unterthan und die Grundherrn pressen. „Hatte 
sich im Sprengel eines Landgerichtes ein Hintersasse einen 
Delict zu Schulden kommen lassen, so griffen die Landrichter, 
mochte der Delinquent einem gefreiten Gerichtsbezirke angehören 
oder nicht, auf den fremden Grund, fingen die Leute, nahmen 
ihnen ihre Gütl und wollten sie aus dem Gefängniss, so musste 
sie sich vertragen" — natürlich mit Gelde. Wurden die fürst- 
lichen Pfleger und Landrichter ihrer Misshandlungen wegen bar 



^) Lanilesarchiv Linz. Landtagsacten Bd. I. Fol. 561 tf. 566 IF. 



f 

Die hohen Geldbussen. 43 

dem Landeshauptmanne verklagt und vorgefordert, so erschienen 
sie nicht und hielten sich für zu gut, um sich vor ihm zu ver- 
antworten. Oftmals hatten die Stände Maximilian um Wendung 
-gebeten, er selbst die Sache einem Ausschuss zur Berathung 
übergeben und Befehl ausgehen lassen, dass Niemand durch die 
Landgerichte wider seine Freiheiten und die Billigkeit be- 
schwert werde. Aber im Jahre 1525 war der Befehl noch nicht 
vollzogen und desshalb eine neue Vorstellung an den Erzherzog 
Ferdinand gerichtet, eine Ordnung vorzukehren und handzuhaben. ') 
Ohne Namen zu nennen erklären die Stände die Härte und 
Ungerechtigkeit der fürstlichen Landrichter im Attergau als 
Mitursachen des ganzen Aufstandes. So stolz und eifersüchtig 
auf ihre Würde und Privilegien wie die Landrichter des Kaisers 
meinten auch die Grafen, auch etliche Herrn und Pfleger und 
die 3 Städte Steyr, Freistadt und Enns sein zu dürfen, welche 
sich in der Hauptmannschaft ob der Enns im Rechten nicht 
verantworten wollten. Wer Ansprüche oder Beschwerden gegen 
sie hatte, war oft wegen Ferne des Weges oder Unvermögen 
Leibs und Guts veranlasst, sich lieber solche Beschwerden ge- 
fallen zu lassen, als sie beim Hofgericht oder dem Landesfürsten 
aufzusuchen, wesshalb die Landschaft den Erzherzog eifrig um 
Abstellung solch wirklicher oder vermeintlicher Freiheiten bittet. 
In ihrer Proclamation vom 9. Juni und in ihrem vertraulichen 
Schreiben an den Landeshauptmann vom 21. Juni 1525 weist 
sie darauf hin, wie wenig dienstlich zur Abhilfe der Beschwe- 
rungen der Unterthanen diese Ausnahmszustände gewesen seien. 
Stolz und Freiheitslust, die sich gegen die immer mehr 
erstarkende Fürstengewalt und strengere Ordnung in der Re- 



') 1. c. Die Klagen gegen die Landgerichte kommen an. 1510, 1513, 
1519, 1520, 1521, 1522, 1524 vor. — Die Appellation von dem Landrecht- 
taiding (oder Vogttaiding) ging an den Landeshauptmann. Archiv St. Florian 
Laudtrecht und Ehehafttäding der Herrschaft Wildenegg. Bei den Unter- 
thanen des Pfarrhofs Vöckliibruck. (Linzer Mus. Bericht 1857. S. 29) ging 
die Appellation zunächst nach Puchheim, dann an den Landeshauptmann. 
Die fürstlichen Pfleger und Amtleute sahen ihre höhere Instanz nur in 
dem Vizdom oder der nieder österr. Regierung. 



44 Raublust und Übermuth des Adels. 

gierung aufbäumten, war überhaupt damals die Signatur des 
deutschen und österreichischen Adels; es fehlte hier nicht au 
Ausbrüchen gewaltthätigen Sinnes und wilder Rohheit. In der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte man ja derlei Dinge 
vielfältig ungestraft ausüben dürfen. Die Wegelagerung, das 
Abfangen von Kaufleuten, reisender Domherrn und Kirchen- 
fürsten, das gegenseitige Überfallen auf den Schlössern, das 
Schätzen der Bauern wurden in Oberösterreich in einem Umfange 
getrieben, über welchen man überrascht die Augen aufschlägt; 
sie waren auch noch im ersten Viertheil des neuen Jahrhunderts 
nicht selten. Das „Reiterische Recht" wollte sich „dem Lateini- 
schen" i. e. Römischen Recht nicht fügen. Dazu kam, dass der 
niedere Adel duixh die vielen Erbtheilungen bei öierkwrdigem 
Kindersegen, bei dem steigenden Werth so vieler Dinge, die jetzt 
Bedürfniss geworden waren, bei seinem geringen Bodenbesitz 
und dem mächtigen Einfluss, den Handel und Capitalwirthschaft 
auf die Bereicherung vieler Bürgerlicher gewannen, bei seiner 
Trunksucht und Schwelgerei, die er mit dem reichen Adel theilte, 
immer mehr in Armuth, Noth und Neid versank. Noch 1525 
hielten die Edelleute Söldner auf eigene Faust zur Sicherheit 
ihrer Schlösser und zur Einbringung ihrer Stift (Urbarialgaben), 
wie sie sagten; nebenbei übten aber diese Scherm-Vogt- oder 
Mundknechte, wie man sie nannte, auch grobe Ungebühr gegen 
die Bauern, wesshalb der oberennserische Landtag das oftmalige 
Begehren um ihre Abstellung an den Landesfürsten richtete. 
Darum auch jetzt noch das fortwährende Wachen auf den 
Schlössern und in den Klöstern, zu welchem abwechselnd die 
robotpflichtigen Hintersassen einberufen wurden; darum die 
Unsicherheit der Wege, über welche die Stände laut ihre Stimme 
erheben, herbeigeführt durch die „gemeine Reiterei", „die böse 
Reiterei" des ökonomisch und sittlich herabgekommenen Adels. 
Die Bauern, denen aufgetragen war, beim Erscheinen einer be- 
waffneten Rotte an die Glocke zu schlagen, weigerten sich dieses 
Dienstes, weil sie bei der Ausbreitung und den vielen Ver- 
bindungen der behausten adeligen Ubelthäter vor Brandrache 
nicht sicher waren. Die Befehdung, „das Absagen" der Ritter 



Raublust und Übormuth des Adels. 45 

untereinander, dauerte noch immer vor. Im Jahre 1518 hatten 
die. Stände zu Innsbruck bitter klagend sich darüber ausge- 
sprochen, Maximilian in gleichem Tone geantwortet. 1519 schickt 
Wilhelm der Oberhaimer aus dem rauflustigen Mühlviertler 
Edelgeschlecht dem Grafen Georg von Schaunberg einen Absage- 
brief, bekriegt ihn. wird aber darüber gefangen.^) 1520 erwähnen 
die Stände in ihren Landesbeschwerungen, dass die Edelleute 
im südlichen Böhmen, die Zinispan, Sternberg, Haugwiz mit 
ihren adeligen Helfern alles zusammen 17, dem Lande ob der 
Enns abgesagt haben. 2) Das Jahr 1521 brachte den grossen 
Criminalprocess gegen Bernhard Zeller, der sein Schloss Schwert- 
berg^) zu einer wahren Räuberhöhle gemacht, wo Edelleute von 
alten und berühmten Namen ein und aus und mitritten; und 
im Jahre 1525 erscheint die Klage wider „Rauberei, böß Reuterei 
und gemeinen Muthwillen, die von Tag zu Tag überhand nehmen^, 
wieder auf dem Tapet. ^) 

Das Auftreten des hohen oder reichen oberösterreichischen 
Adels war prunkvoll. Die Vornehmen Hessen sich von Edlen 
bedienen, die Pfleger derselben waren gewöhnlich vom niedern 
Adel. Bei den grossen Turnieren, bei den festlichen Aufzügen 
und Einritten der Fürsten in eine mit ihrer Gegenwart beglückte 
Stadt lesen wir namentlich unter den glänzend Gewappneteli 
die Pollhaim, Losenstein, Schaunberg, Hardegg, Starhemberg, 
Zelking, Volkenstorf, Hohenfeld, Jörger, Geymann. Gastfreundlich 
und freigebig öffnen sie ihre Schlösser Einheimischen und Frem- 
den. Der berühmte Gegner Luthers, Doctor Eck, verweilt anno 1516 
auf seiner Reise nach Wien mehrere Tage im Kreise der Famihe 
Scherfenberg auf der Donauveste Spielberg, auf ihre Einladung 
und in ehrenvoller Gesellschaft wie er sagt und bekömmt auf 



') Hoheneck, Genealog. Beschr. III. 648. — ^) Bibliothek St. Florian, 
Buch der 7 Städte, Cod. manscr. XI. 695. Fol. 365. — ^) Preuenhuber 1. c. 
217. Lamprecht, Beschr. des Ortes Rab 55 — 57. Strnadt, Windeck und 
Schwertberg im Notizbl. d. Akad. 1857. S. 182. Kurz, Handel S. 131 ff. — 
^) Landesarch. Linz 1. c. Fol. 568. — Über die Keckheit der Absager 
Preuenhuber, Ann. Styr. 200. — Über die Streifzüge ausländischer Hecken- 
reiter in Ost. sieh Baader, die Fehden des Hans von Abbsberg. S. 110, 114. 



46 Verhalten des Adels gegen die Städte. 

der Rückkehr vom Landeshauptmann Wolfgang Jörger ein 
kräftiges Pferd zum Geschenk, um die Reise bequemer vollenden 
zu können. 

Den Städten gegenüber pochen sie auf ihren alten Adel, 
auf ihre Privilegien^ erheben allerlei Prätensionen gegen die 
städtische Gerichtsbarkeit, wollen, wenn sie in den Städten leben, 
zu den Lasten nichts beitragen, aber den Speiswein, den sie 
aus Unterösterreich beziehen, das Mundsalz und das Kuchel- 
fleisch zu Nothdurft wollen sie in ihren Häusern und an allen 
Mauthstellen unverzollt. Ihre Häuser allein dürfen in den Städten 
Thürme und Thürmchen tragen, kein Schwertknabe der Stadt 
(Gerichtsdiener) darf sie betreten. Ihre Diener voll Bewusstsein 
der Würde ihres Herrn haben beständig Rumorhändel mit den 
Stadtleuten, dürfen aber nach den Ansichten des Adels von den 
städtischen Behörden nicht abgestraft werden. Die Edlen sind 
schon in der äussern Erscheinung durch die ihnen allein zu- 
stehenden kostbaren Stoffe, feines Pelzwerk und Länge der 
Kleider ausgezeichnet. Ihr Begünstigen des Fürkaufs im Interesse 
der Unterthanen erregte schon seit langer Zeit die heftigste 
Opposition der Städter und war ein Hauptgrund ihrer Abneigung. 
Doch darüber haben wohl viele der stolzen Herren vor dem 
Aufstand nicht anders gedacht als Georg von Rogendorf, der 
den Gesandten der Stadt Steyr bei Überreichung einer unbe- 
quemen Schrift verächtKch zurief: Was liegt mir wohl an denen 
von Steyr in aller tausend Teufel Namen.') 

Dem Bauer, welcher ihn nährte, für ihn arbeitete und die 
öffentlichen Lasten trug, stand der Edelmann näher ajs dem 
Bürger, dessen Unabhängigkeit und steigender Wohlstand ihn 
mit Eifersucht und Scheelsucht erfüllte. Das auf der Selbst- 
regierung fassende Se^jbstgef ühl wurde leicht als Stolz uncf Über- 
muth angerechnet. Es gab ja Bürger im Lande, deren Eidame 
zu werden manch altadeligen Herrn gelüstete, der die mächtige 
Intercession des Kaisers zum Überdruss der Betroffenen anrief. 
Die Verletzung eines Bauers von fremder Hand sah der Grund- 



^) Preuenhuber, Ann. Styrens 206, 215 ff. 



Geringschätzung des Bauern. 47 

herr^) für einen ihm selbst angethanen Schimpf an und rächte 
ihn so gut er nur konnte. Aber in richterh'cher und socialer 
Beziehung betrachtete er ihn tief unter sich; er hielt ihn und 
erklärte ihn öffentlich in der berühmten ständischen Proclamation 
vom 9. Juni 1525 für „Pofel", worüber der Bürgerstand, der 
auch manches von Adels vorurth eilen zu leiden hatte, nicht wenig 
in Aufruhr gerieth. Im Pantaidingbuch von Wolfsberg, nicht weit 
von Göttweih, heisst es: Ein Schuss mit der Armbrust, wenn 
ein Bauer auf den andern schiesst, der ist 5 Pfund Pfen. nach 
Gnaden (schuldig). Wer einen ehrbaren Knecht (niedrigen Edel- 
mann) schiesst, der ist 10 Pfund, wer einen Ritter, der ist 20, 
wer einen Dienstmann (vornehmen Ministerialen), der ist 30 Pfund 
dem Richter oder Herrn schuldig.^) Diese Worte bezeichnen in 
anschaulichster Weise die verschiedene Werthschätzung der 
Menschen. Darum die überschäumenden Forderungen und Klagen 
der Bauern über die mangelnde brüderliche Liebe, die doch 
das Evangelium, das jetzt an den Tag gekommen sei, ausdrücklich 
lehre; jetzt meinten sie, sei die Zeit gekommen, wo sich alle 
Stände gleich betrachten sollten. Bei solcher Weltanschauung 
musste das Wort „PofeF und die Drohung mit strengen Zucht- 
mitteln von Seite der Federbarette die Wirkung hervorbringen, 
welche die Städte vorausgesagt liaben. Denn der oberöster- 
reichische Bauer war nicht ein zu Boden getretener Sklave, 
sondern getragen von Selbstgefühl und ausgesprochener Lust 
zur gewaltthätigen Selbsthilfe, die ihm durch das ganze Mittel- 
alter eigen waren. Die Blutrache war tief im Volk gewurzelt. 

I 

Der Todschlag eines Verwandten wurde als tiefste Beleidigung 
der persönlichen Würde und Familienehre angesehen und an dem 
Thäter, dessen Weib und Kindern gerächt. Desshalb erklärt 
1356 Eberhart von Wallsee, Hauptmann ob der Enns, wenn 



') Auf der grossen Burg der Pollhaime zu Wels waren die Wappen 
a,11er edlen mit Grund und Boden gesegneten Geschlechter, die anno 1522 
für wirkliche Landleute in Oberösterreich angesehen wurden, angebracht, 
lEfi waren 11 Herren und 136 Jlitterfarailien. Ennenkl Collectan. Bd. 1. S. 554. 
"^^o das ausführliche Verzeichniss ist. — ^) Das Pantaiding bei Kaltenbäck 
Bd. 2 ist vom Jahre 1575, aber aus einer früheren Zeit herstammend. 



48 I^«*s Bauern Neignnff zur Selbsthilfe. 



einer von des Klosters Kremsmünster ürbarleuten einen andern 
erschlägt, soll er den Todschlag bessern dem Amtmann mit 
72 Pfennig am dritten Tag und sollen Weib und Kind „geruet^ 
sein (sicher vor weiterer Beschwerung).^) Im Jahre 1518 be- 
klagen sich die Deputirten der niederösterreichischen Lande zu 
Innsbruck über die häutigen, muthwilligen, freventlichen Tod- 
schläge, über die Begnadigungen derselben von Seite der Obrig- 
keiten ohne Willen der Verwandtschaft oder über die Ver- 
gleichung der Todschläger mit den Verwandten des Ermordeten 
ohne Wissen der Obrigkeit. Die Blutrache dauerte ungeschwächt 
fort. In den Artikeln, welche die 4 Stände der ehrsamen Land- 
Schaft ob der Enns am 14. Juni 1525 als ihre Beschwerden an 
den Erzherzog aufstellen, sagen sie wörtlich: Wenn ein Todschlag 
geschieht, so unterstehen sich alsdann des Entleibten Freunde, 
des Thäters Vater, Bruder und Freundt, die doch an solchen 
Todschlag gar kein Schuld haben, weder im Haus noch Hof 
niedert (nirgends) kein Sicherung zu geben. Füi'stliche Durch- 
laucht möge sorgen, dass der Unschuldige vor solcher Gewalt 
und Muthwillen versichert werde. Wie wohl solches vormalen 
durch fürstliche Durchlaucht abgeschafft, so will es doch nicht 
gehalten werden.^) 

Dieser streitlustige, gewaltthätige Geist, der Besitz von 
Waffen, wobei sich ein Schwert, ein Spiess, eine Streitaxt (die 
sogenannten Haushackeln) in dem Besitz fast eines jeden Bauern 
befanden, der durch die vielen kleinen Kriege vor seiner 
Hausthür so zu sagen aufgeregte Sinn, bedurfte unter ge- 
wissen Umständen nur eines zündenden Funken, um in hellen 
Flammen sich über das ganze Land zu verbreiten. Es feMte 



^) ürk. Buch von Oberösterr. 7. Bd. 469. — In Efferding leistet an. 1434 
Wolfgang Zeller gegen Erlag einer Geldsumme und Angelobung guter 
Besserung vor dem Stadtrichter das Versprechen, wegen des an sfMneni 
Vater verübten Tod Schlages gegen die 3 Thäter keine Bache nehmen zu 
wollen. Linz. Mas.-Ber. 1876, S. 63. — Bis zum Jahre 1498 konnte man 
im Landgericht Velden (obern Mühlviertl) einen begangenen Todschlag 
dadurch abbüssen, dass man dem Landrichter bei scheinender Sonne 
6 Schilling, 12 Pfennig und 1 Heller Blutgeld übersandte. Linz. Miis.-Ber. 
1860. S. 85. — ^ Landesarchiv Linz. Stand. Annal. Bd. 1. Fol, 561. tf. 



Der wahre Grund des Aufstandes. 49 

niclit an solchen Umständen und der zündende Funke fand 
seine Leute. 

Wir haben schon früher gezeigt, dass die lange Reihe agrari- 
scher Beschwerden, welche die ünterthanen vorbrachten, grö.ssten- 
theils wohlerworbene historische Rechte waren, welche Fürst, Adel 
und Geistlichkeit als Boden Verleiher besassen; wir haben be- 
merkt, dass das, was sie als grösste Bedrängniss ansehen, Robot 
und Freigeld nur hie und da in missbräuchlicher Anwendung 
befunden wurden und dass sie einige nicht sehr grosse Ab- 
änderungen im Jahre 1597 abgerechnet, unverändert bis zum 
Jahre 1848 fortbestanden, ohne Empörungen gegen die Grund- 
herrschaften zu veranlassen. Was demnach den gemeinen Mann 
bewog, die Waffen jetzt im Jahre 1525 zu ergreifen, müssen 
andere .Ursachen gewesen sein. In der That, es war der Über- 
gang in eine neue Zeit mit einer Menge neuer und grosser 
Anforderungen an ihre Arbeitskraft und ihren Geldbeutel, es 
waren die neuen Ideen, welche seit einem Menschenalter die 
Buchdruckerpresse in die Masse des Volkes wie einen Sauerteig 
warf; es war die neue Religion, welche die ganze Lebens- 
anschauung änderte, eine Unzahl verlockender Schlagwörter darbot 
imd im Kampfe mit der alten Kirche die bösen Triebe von Stolz, 
Habgier und Genusssucht entfesselte. 

Im Mittelalter waren die Kriegslasten geringer, der Bauer 
dadurch weniger in Anspruch genommen. Die gewaltige Ver* 
änderung in der Kunst sich methodisch zu vertilgen, die viel 
grösseren Heere, der viel kostspieligere Train, die viel längere 
Dauer und besonders der fast ununterbrochene Kriegsstand unter 
Max I. legten den Ständen grössere Lasten auf, die sie ihrerseits 
ihren Hörigen aufhalsten. Den verderblichen Venetianerkrieg 
des Kaisers lösten wieder unter Ferdinand die beständigen Vor- 
kehrungen gegen die Türken ab. Die Kriegssteuer zahlten zwar 
vor und um 1525 die Herren nach ihrer Behauptung mit; sie 
sagen aber nicht wie; es stand viel in ihrem Ermessen und 
wird sich die Sache wohl darauf beschränkt haben, dass sie die 
uneinbringlichen Abgänge deckten, indem die Steuer von ihnen 
pünktlich erlegt werden musste, wenn gleich die Ünterthanen 

( : z e r n y, Bauornautstand . 4 



50 Die erhöhten Staatslasten. 

mit ihrem Beitrag noch im Rückstand waren. Die Auslagen für 
die Kriegsrüstungen unter Ferdinand bewilligen die Stände imter 
der Bedingung, dass^die Unterthanen auch wieder mitzahlen. 
Auch bitten Herrn und Ritter, dass sie künftig wie von jeher 
steuerfrei bleiben sollen, dafür wollen sie im Falle der Noth 
auf sein (persönlich ins Feld ziehen). In ihrem zu Innsbruck 
Yorzulegenden Beschwerden betonen sie es, dass die zwei Stände 
von Herren und Ritterschaft kein Kammergut sind, auch nicht 
schuldig zu steuern. ^) Die „armen Leute'' sahen nun wohin sie 
blickten die Privilegien der Herrn ihnen entgegen leuchten. Sie 
theilten unter sich die einträglichen Ämter und Befehlshaber- 
stellen, fröhnten der von dem Fluche des Landmanns begleiteten 
Jagd, prunkten in privilegirten Kleidern; der Wein, den sie 
tranken, das Fleisch das sie assen, waren mauth- und steuerfrei, 
ja die Tafernen des Gutsbesitzers, worin er den Holden Wein 
und Bier allein verleitgebte, sollten nach ihren Ansprüchen 
ungeltfrei sein und keine neuen aufgerichtet werden.^) Dazu 
kommt noch der privilegirte Gerichtsstand für seine Person und 
das Recht der ersten Instanz über seine Untergebenen und 
Unterthanen. 



') 1. c. ad annum 1522 und 1525. Im Tegernseer Codex aus dem 
Anfang des 16. Jahrh. im Archiv Seitenstetten heisst es: Nachdem ein 
ersame Lantschaft den Fürsten von Osterreich bisher aus Unterthanigkeit, 
doch unbegeben ihrer Freiheit, durch Steuer Hilf bewiesen haben, nachdem 
sie aber in ander weg Ihrem Herrn und Lantfürsten Hilf zu erzeigen willig 
und erbietig und in dem und andern Obliegendem von ihren ünderthanen 
Hülf nothdürftig und sie dasselb aus Billigkeit schuldig und pflichtig sein, 
so sollen demnach dieselben ihre Ünderthanen, sofern künftiger Zeit ein 
Steuer zu geben vonnöthen, in allen dergleichen Obliegen ihren Herrn mit 
ziemlicher Steuer zu Hilf kommen, doch in allweg darin gäntzlich unbe- 
schwert und gütlich gehalten, auch ohn sunder gross dergleichen Ursachen 
durch ihre Herrn ferner nit gesteuert werden. Aus den von der Land- 
schaft zu Linz an. 1525 beschlossenen Artikeln. — *) Landesarchiv Linz L c 
Beschwerden von den ständischen Gesandten an. 1525 in Innsbruck anzu- 
bringen: Kaiser Max habe die 3 Stände von Prälaten, Herrn und Ritter- 
schaft mit ihrem Bau- und Speiswein mauthfrei zu sein gnädiglich begabt. 
Durchlaucht sei zu bitten, solche Freiheit zu bestätigen, ihnen auch dazu 
Euchelfleisch zu ihrer häuslichen Nothdurft mauthfrei zu verschaffen. Schon 
auf dem Landtag zu Wels 1515 wird geklagt: Die Mauterer an der Donau 
weigern sich, den Prälaten, Herren und Bittern entgegen dem kais. Mandat 



Die erhöhten Staatslasten. 51 

Auf der einen Seite die steigenden Rüstgelder und der 
neue reformenreiche Staat Maximilians mit seinem grösseren 
Apparat und Aufwand, auf der andern Seite das Pochen auf 
die kostbaren alten Freiheiten des Edelmannes und die kühle 
Ablehnung, den Forderungen einer geänderten Zeit Rechnung 
zu tragen, mussten Unzufriedenheit mit der bestehenden Ordnung 
der Dinge im Volke erzeugen. Die Stände erkannten es recht 
gut, dass die in immer grösserem Massstabe auftretenden Heeres- 
rüstungen ihre eigenen Herrenforderungen den Unterthanen fühl- 
barer machten, wesshalb sie es als eine Ursache der Empörung 
ansehen, dass „die Landt mit unmässigen Begehren, ihre Holden 
oftmal zu steuern, gedrungen werden." Aber die einmal in Fluss 
gebrachte Umwandlung des alten Staates liess sich durch Nega- 
tionen nicht aufhalten; der Landesfürst konnte hinter andern 
centralisirenden und refoimirenden Staaten nicht zurückbleiben, 
die Stände dagegen wollten von einer Schmälerung ihrer Privi- 
legien nichts wissen. 

Die Kirche, die Zuflucht der Bedrängten, die Mutter der 
Versöhnung, hatte ihren Einfluss vollends eingebüsst und war 
selbst in ihrer Existenz bedroht. Nichts zeigt besser, in welch 
leidendem Zustande sie sich bereits vor dem Jahre 1525 befand, 
als die Bitten und Beschwerden der Stände. In ihrem Gut- 
achten an den Erzherzog vom 7. Juni dieses Jahres, wie die 
Empörung zu stillen, finden sie eine Hauptursache derselben in 
dem verweigerten Wort Gottes und in dem Hass, mit welchem 



ihren Bedarf an Wein und Ochsen passiren zu lassen. Eben dort bitten 
die 3 Stände ihnen das Muesssalz nach alter Gewohnheit von Gmunden 
frei zu ihrer Nothdurft gehen zu lassen. Im Jahre 1510, August 10., be- 
schwerten sich die Verordneten der Landschaft unter und ob der Enns, 
dass ein Generalmandat ergangen sei. Niemand an den Mauthen mit 
Ladungen passiren zu lassen, der nicht seine Freiheiten vorzeigen könne. 
Dass sei dem Abschiede entgegen und altem Herkommen, vermöge dessen 
der Adel die Freiheit habe, Wein, Getreide, Ochsen mauthfrei zu seinen 
Häusern zu bringen. Aus dem Codex C. im ehemaligen Archive zu Riedeck. 
'- In Betreff der Tafemen heisst es anno 1525: Jeder Herr und Edelmann 
soll mit einer Tafern bei seinem Sitz ungeltfrei, wie es altes Herkommen 
ist, unangesucht bleiben; neue Tafernen den alten zum Nachtheil aufzu- 
richten nicht gestattet sein. 

4* 



52 öi© Ausbreitung des Lutherthums. ' 

es von den Gegnern bekämpft werde. Er möge geruhen, dass 
„das heilig Evangelium lauterund ohn einigen Zusatz" gepredigt 
werde. Im Verzeichniss der Artikel, welche alle nieder- und 
oberösterreichischen Lande in Innsbruck berathen sollen und 
welche in Linz am 14. Juni 1525 aufgesetzt wurden, heisst es: 
„Zu allererst, dass das heilig Evangeli recht und ainhellig allent- 
halben gepredigt und Niemand desshalben in Irrsal geführt 
werde.'' ^) 

Wie viele adelige Familien mussten sich bereits den kirchen- 
reformatorischen Bestrebungen angeschlossen haben, wenn die 
Majorität des Landtages, den Fürsten mit der offenen Bitte, dem 
Wort Gottes kein Hinderniss zu legen, nahen durfte. Es war 
eine in den katholischen Kreisen bis in das 17. Jahrhundert 
sich forterbende Tradition, dass der österreichische Adel durch 
das Lesen der Traktätlein Luthers um den Glauben gebracht 
worden sei. Es kann in der That nicht der geringste Zweifel 
obwalten, dass seine Schriften auch im Lande ob der Enns 
gleich nach ihrem Erscheinen verschlungen wurden. Die Ver- 
bindung mit Salzburg und Wien, wo schon im Jahre 1520 im 
reformatorischen Sinne gepredigt wurde, der lebhafte Handel 
von Linz und Steyr mit Regensburg, Augsburg, Nürnberg, die 
zahlreich besuchten Linzer Jahrmärkte mit ihren Buchführern 
und Bilderhändlern, waren die natürlichsten Canäle, durch welche 
die Lehre Luthers verbreitet wurde. Im Juni 1521 wurde die 
kaiserliche Achtserklärung wider den Doctor Martin Luther, die 
Verdammung seiner Lehren und Schriften öffentlich in Steyr und 
im ganzen Lande publicirt und angeschlagen. Es war vielleicht 
eine Ursache ihrer steigenden Nachfrage. Klagt doch der Erz- 
herzog, dass in allen niederösterreichischen Provinzen allent- 
halben Luthers Schriften herumgeführt, gekauft, verkauft, ge- 
lesen und verbreitet werden und verbietet mit Generale von 
Wiener Neustadt 12. März 1523: Druck, Kauf, Lesen der Schriften 
Luthers und seiner Nachfolger; in dem strengen Edict vom 



*) Landesarchiv Linz. Landtagssachon Bd. L, Fol. 554, 559. Die Acten- 
sfcücko sind im Naraen der ffeincinon Landpchaft ob der Enns verfa^st. 



Die Ausbreitung des Lutherthums. 53 

Jahre 1528 nennt er die Buchdrucker und Buchhändler geradezu 
die Hauptverführer und Hauptvergifter seiner Lande. Wer kann da 
zweifeln, dass Luthers scharfe, hitzige Schrift „an den christ- 
lichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Ver- 
besserung,'' worin er seine reformatorischen Ansichten zum ersten- 
mal in ihrem ganzen Umfang entwickelte, in unserer Heimath 
auf den Schlössern des nämlichen Adels, der so oft und nament- 
lich 1518 den Kaiser Max um Reformen im Clerus angegangen 
hatte, gierige Leser und Leserinnen gefunden habe. Die erste Person 
des Landes war für die Reformation gewonnen. Kein geringerer 
als der Landeshauptmann selbst, der reiche, vielerfahrene Ritter 
Wolfgang Jörger zu ToUeth, sandte seinen ältesten Sohn Christoph 
an den sächsischen Hof, wo er anno 1521 den Unterricht Luthers 
geniesst. ^) Von nun an bleibt die Familie im innigen vertrauten 
Verkehr mit Wittenberg. Keine andere hat für die neuen Ideen 
und ihre Verbreitung im Lande ob der Enns durch ein ganzes 
Jahrhundert grösseren Eifer entwickelt als diese. Nach Vater 
Wolfgangs Tode (1524) begehrt Christoph von Luther einen 
Prediger, „der im rechten evangelischen Glauben wirke.'' Wirklich 
kommt kurz nach Ausbruch der Empörung der abgefallene Mönch 
Michael Stiefel als der erste von Luther approbirte Prediger 
aus Wittenberg auf Schloss ToUeth an. Christophs Mutter Doro- 
thea bezeugt Luther die tiefste Verehrung und Anhänglichkeit 
durch Briefe, Geschenke und freundliche Botschaften, welche 
seinerzeit eben so warm erwiedert werden. Sie sorgt für den 
Nachwuchs der jungen Pflanzung Luthers, indem sie beträcht- 
liche Summen zur Vertheilung an Candidaten des Predigtamtes 
nach Wittenberg schickt und sendet schliesslich ihr Testament, 
zugleich ihr Glaubensbekenntniss, zur letzten Feile und Sanction 
an ihren hochverehrten Freund und Tröster. 



*) Strnadt, Peurbach, 445, derEnnenkl citirt. Die Sendung Christophs 
an den Hof des grössten Gönners der Sache der Reformatoren, welche den 
alten Wolfgang Jörger nothwendig in eine schiefe Stellung zu seinem 
eigenen Hofe bringen murste, beweist den Grad der Eingenommenheit für 
die von Luther angebahnte Kirchenreform. 



54 Die Ausbreitung des Lutherthums. 

Durch den Brief Luthers vom 1. September 1523 an Bartho- 
lomäus von Starhemberg lernen wir einen zweiten mächtigen 
Landherm kennen, der frühzeitig seine Augen nach Wittenberg 
kehrte. Als der ehemalige Pfarrer von Waitzenkirchen Leonhard 
Kaiser zu Schärding im Jahre 1527 wegen hartnäckigen Be- 
kenntnisses lutherischer Glaubenslehren hingerichtet werden 
sollte, scheuten sich die vornehmsten Edelleute Oberösterreichs 
nicht, mit ihren Sympathien für den Ketzer hervorzutreten und 
ein Fürwort für sein Leben bei Bischof Ernst von Passau ein- 
zulegen.. Es werden der Herr von Starhemberg, der Herr von 
Traun, die Grafen von Schaunberg, alt und jung neben Andern 
von Luther aufgeführt. ^) Die Gebrüder Hanns, Georg, Christoph 
und Wolfgang von Scherfenberg, Inhaber der Herrschaft Ort am 
Traunsee sind anno 1521 mit ihrem Glaubensbekenntniss noch 
nicht fertig. Sie verwerfen nicht direct die Todtenmessen und 
die Gebete für die Verstorbenen, aber sie erkennen bereits die 
Möglichkeit an, dass die Ideen Luthers die allgemeine Kirche 
durchdringen. Eine vom Vicar zu Münster (Altmünster) anno 
1521 gemachte Messstiftung für einen Priester an der Kirche 
zu Münster und St. Jakobs Kapelle in Ort bestätigen sie als 
Kirchenpatrone unter der Bedingimg „dass nicht durch Schickung 
Gottes in gemeiner christlicher Kirche eine Veränderung ge- 
schehe, wo dann diese fürgenommene Ordnung bei beständigen 
Kräften und Würden nicht bestehen und bleiben könnte''. In 
diesem Fall sollen „die Gülten und Zinse von Vogt und Zech- 
leuten in anderer Weise zur Ehre Gottes und zu wahrem Gottes- 
dienst angelegt, genutzt und gebraucht werden''.^) 

So wie unter dem Adel hatten die Schriften Luthers in den 
Städten, theilweise auch in den Marktflecken und Dörfern Ober- 



') Von Lenhart Keiser in Beyern umb des Evangeli willen verbrand. 
Eine selige Geschieht. Durch Martin Luther 1528. Opera Luth. deutsche 
Ausgabe Wittenberg. Bd. VI., Fol. 393, 395. In der Streitfrage, ob Keiser 
Lutheraner oder Wiedertäufer gewesen, entscheidet sich Burkhardt Luthers 
Briefwechsel, Leipzig 1866. S. 78. Anm. für ersteres. — ^) Linz. Museal- 
archiv, Pergamentbd. in 4°. Titel: Abschriften unterschiedlicher Originalien 
die Grafschaft Orth im Traunsee betrejffend. Fol. 113. seq. 



Die Ausbreitung des Lutherthums. 55 

Österreichs bereits vor der Bauernerhebung gierige Leser und An- 
hänger gewonnen. In Steyr herrschte schon im Jahre 1520 eine 
grosse Uneinigkeit unter den Predigern (grosse Zerrütlichkeit der 
Predig). Der Barfüssermönch Patricius „den das Volk so be- 
gierlich, lieblich und ganz angenehm reden hört" sollte mitten 
in der heiligen Zeit entfernt werden. Er predigte in der Stadt- 
pfarrkirche. Bürgermeister, Richter und ßath pflegten sich seit 
alter Zeit an ein Barfüsserkloster mit der Bitte um einen Pre- 
diger in der Fastenzeit zu wenden, und der Abt von Garsten 
als der eigentliche Pfarrer von Steyr ertheilte auf ihr Ansuchen 
seine Zustimmung. Ein so auffallender Schritt, nur erklärbar 
durch bedenkliche Äusserungen des Redners, ruft die höchste 
Aufregung hervor. Da schreibt der Stadtrath Wolfgang Rumpl 
vertraulich an den Bruder Caspar, Minister des Barfüsserordens 
in Österreich: „Es wäre besser gewesen, man hätte ihn nie ge- 
schickt, wenn man ihnen den nicht lassen oder verändern will. 
Schreiber wisse, dass selber Gott dem Herrn hier fruchtbarlich 
ist. Er bittet, dass er die heilige Zeit bleibt und nicht abgefordert 
werde. Im Weigerungsfall wird darauf hingewiesen, dass der 
Orden keine Erlaubniss zu Sammlungen mehr erhalten dürfte. 
Wenige Tage darauf richten Bürgermeister, Richter und Rath 
ein besonderes Schreiben an den Minister, „Patricius sei auf ihre 
Bitte und Ansuchen, die heilige Zeit das Gotteswort zu ver- 
künden, hieher geschickt worden. Er habe das Wort Gottes mit 
besonderer Geschicklichkeit gar treulich verkündet und nun 
werde er wieder zurückgefordert; das könne ihnen nur zu grossem 
Spott, der Pfarrkirche zu grossem Schaden gereichen. Die ein- 
dringliche Bitte wurde für diesmal gewährt."^) 

In der Fastenzeit des Jahres 1525 predigte der Bruder 
Calixtus aus dem Barfiisserorden in einem der christlichen Re- 
ligion, Observanz und Ordnung, dessgleichen den Geboten des 
Papstes und kaiserlichen Mandaten widerwärtigen Sinn, die 
Stände in Linz meinten aber: „sie und alle so dieselbe Lehr 
und Predigten gehört, achteten und hielten sie für das recht 



Stadtarchiv Steyr. 



56 I^iö Ausbreitung des Lutherthums. 

Evangeli und göttliche Wort." ') Die Herrn und Ritter, welche 
so sprechen, hatten ihre Kenntniss von dem was zu Steyr vor- 
gegangen aus dem Munde der Deputirten, welche Bürgermeister, 
Richter und Rath in der Sache des Calixt nach Linz entsendet 
hatten. Die Stände mögen, so lautet ihre Botschaft, diese Ge- 
sandten anhören und an ihrer Statt glauben. Es handle sich 
um das Wort Gottes, daran aller Christgläubigen ewige Selig- 
keit hängt. — Von der Kirche ist nimmermehr die Rede, ein 
Beweis wie tief die vornehmsten Bürger in die neue Lehre 
derzeit verstrickt waren. Ihr eigner Pfarrer, der Garstner Prior 
Michael Forster, trug neben Calixt gleiche Irrthümer vor und 
musste vom Abt nach Hause abberufen werden, wo er tief be- 
trauert von seinen ehemaligen Pfarrkindem im Jahre 1528 starb. ^) 
In der Hauptstadt Linz, wo der Adel am öftesten zu- 
sammen kam, fehlte es nicht an Neuerungssüchtigen. Zu Anfang 
des Jahres 1524 hatte Leonhard Freiesleben (Eleutherobius) 
deutscher Schulmeister zu Linz, die Kühnheit mit einer Schrift 
über die Sünde wider den heiligen Geist hervorzutreten, welche 
er aus dem Lateinischen des Wittenberger Pfarrer Johann Bugen- 
hagen übersetzt und mit einer Vorrede begleitet hatte, worin 
er das Büchlein höhnisch „den sogenannten Geistlichen" in Linz 
widmet. Er freut sich über das wieder an den Tag gekommene 
Wort Gottes, wobei etliche Linzer Kanzelredner, welche die 
Mutter des Herrn über das Wort Gottes setzten, schlecht weg- 
kommen. In Gmunden müssen schon 1523 ziemlich viele An- 
hänger Luthers gewesen sein, denn Pater Leonhard Schilling, 
Benedictiner von Mondsee, warnt seinen in Gmunden als Schul- 
meister lebenden Bruder Caspar, gleichfalls einen Geistlichen, 
vor dem Abfall zum Lutherthum, wozu er allerdings sehr geneigt 
war. „Wenn er dort wegen des Umganges mit Lutheranern 
nicht gut verbleiben könne, so möge er anderswohin ziehen." 



') Der Administrator Ernst von Passau in seiner Zuschrift an die von 
Steyr. Passau 5. Juli 1526 Stadtarchiv Steyr. — Die Herrn und Ritterschaft 
an Statthalter und Hofrath der niederösterr. Lande. Linz St. Valentinstag 
1526. 1. c. — Preuenhuber Annal. Styr 241 und Stiftsarchiv St. Florian 
Garstner Codex. 



Die Ausbreitung des Lutherthum. 57 

Es wird erwähnt, dass mehrere Priester bereits Weiher ge- 
nommen haben. Von Gmunden höre er unaussprechliche Frevel 
und habe schon früher welche gehört. Ob sie wahr seien, wisse 
er nicht, Caspar möge ihm über das Vorgefallene schreiben. 
Der wankende Bruder fiel dennoch und heirathete. Gmunden 
war ihm zwar verleidet, aber die Stadt Enns öffnete ihm 1524 
ein Asyl, indem sie ihm ein Benefiziüm verlieh. ^) Ein Stadtkind 
von Wels studierte schon 1523 in Wittenberg; von Waitzen- 
kirchen, wer dächte nicht an die Wirksamkeit Leonhard Keisers, 
waren sogar 2 Jünglinge zu gleicher Zeit dort inmiatrikulirt. ^) 
Ein weiterer Beweis, wie es mit dem Lutherthum in Ober- 
österreich vor dem Aufstand der Bauern aussah, liegt in dem 
oben citirten Bericht der Stände an den Wiener Hofrath, worin 
sie bemerken, dass schon vor dem Auftreten des Calixtus Pre- 
diger in andern Städten ausser Steyr und eben so in Geypfarr- 
kirchen wegen verdächtiger, verfiihrlicher Lehr nach Passau 
citirt, dort gefangen gesetzt und, wie sie sagen, spurlos ver- 
schwunden sind; die Entlassenen durften im Bisthum nicht mehr 
predigen. Ja neben dem Lutherthum, als hätte das Land an 
Wunden und Beulen nicht genug, schlich sich bereits das Täufer- 
thum, wenn auch in bescheidenen Anfängen ein. Einer der vor- 
züglichsten Verbreiter war der Schwärmer Hans Hut, welcher 
sich mit Buchhandel abgab, und die Bücher Luthers, Thomas 
Münzers und Anderer in deutschen Landen selbst herumtrug 
und verkaufte. Schon vor dem Bauernkrieg trieb er sich unter 
allerlei Namen und Verkleidungen in Franken, Osterland 
(Österreich), in Steiermark, in Mähren und Passau herum. Die 
entschiedene Parteinahme für ihn, als er später im Jahre 1527 
mit seinen Genossen Hieronymus und Karl in Steyr sich ein- 
schlich, durch den Kaplan und Hofprediger des Herrn von Rogen- 
dorf, Frater Jakob, der gleich für seine Herberge sorgte, 
seinen Predigten allen möglichen Vorschub leistete, ihn in die 
Häuser der vornehmsten Bürger einführte und gewaltig anpries, 



') Raupach Presbyterologie 157. ff. — *) Bergmann in Schuiidls 
Blättern f. Lit. u. Kunst 1844. S. 208. 



58 Zustand der alten Kirche. 

ist ein Beweis, dass die Täuferei aucb unter dem Clerus schon 
länger ihre Freunde und Verehrer hatte. ^) 

Es wankten bei dem Sturm, der sich von allen Seiten 
gegen die alte Kirche erhob, nicht zum Wenigsten diejenigen, 
welche naturgemäss jetzt die Zinnen der Vertheidigung be- 
steigen sollten. Der' Humanismus der Wiener Universität und 
der Wiener gelehrten Kreise hatte einer günstigen Aufnahme 
des Reformationswerkes wie es Luther betrieb, unter der öster- 
reichischen Geistlichkeit längst vorgearbeitet Seit Conrad Celtes 
und die gelehrte Donaugesellschaft auf die Verbreitung humanisti- 
scher Studien und Lebensansichten ihren gewaltigen Einfluss 
geübt, war der kirchliche Geist vielfach erschüttert worden. 
Man braucht nur die Briefe, Gedichte, Vorreden der humanisti- 
schen Schriftsteller, vornehmlich des Conrad Celtes, anzusehen, 
um zu erfahren, in- welch lebhaftem Verkehr die Sänger der 
Liebe und eines frohen, freien Lebensgenusses mit den vor- 
nehmsten Bischöfen, Domherrn und einfachen Geistlichen standen. 
Der Cardinal von Salzburg liess sich von dem schmutzigen 
Bebel besingen, der 17jährige Administrator der Passauer 
Diöcese Herzog Ernst von Baiern, war aufs Tiefste für die 
„schönen Wissenschaften'' eingenommen, der Wiener Canonicus 
Resch, (Velocianus), gab die schlüpfrigen Oden des Conrad 
Celtes heraus. ^) In den Stiften und auf den Pfarren waren nicht 
wenige M^,nner, welche ihre Studien an der Wiener Universität 



') Jörg 1. c. S. 695. — Preuenhuber Annal. Styr. 233. ff. — Meister 
Wolfgang Künigl, den König Ferdinand zur Aufnahme den Proceases gegen 
die Wiedertäufer nach Oberösterreich gesendet hatte, sagt in seinem Be- 
richt vom 4. November 1527 an die Regenten in Wien, dass etliche von 
der Hut'schen Secte in Steyr schon seit 2 Jahren weder Beicht npch 
Sacrament empfangen haben. Die Regenten werden es nicht glauben, wie 
viele Männer und. Weiber allenthalben herum mit dieser verführerischen 
Lehre behaftet seien. Archiv des Cultusminist. in Wien. — ^) Hagen, 
Deutschlands literar. und religiöse Verhältnisse im Reformationszeitalter 
I. Bd. 214, 216, 221 ff. Über den Einfluss der humanistischen Bildung auf 
Religion und Theologie 301 ff. auf die ganze Weltansicht 335. Über die 
Gegenbestrebungi'n der Anhänger der alten Richtung u. Wissenschaft, weil 
der Humanismus zum Heidenthum führe und die Moralität untergrabe 365. 
— Dazu Aschbach, Wiener Universität 410 u. a. Ort. 



Zustand der alten Kirche. 59 

gemacht und mit freieren Ansichten über Kirche und geistliches 
Leben zurückgekehrt waren. An den Klosterschulen unterrichteten 
humanistisch gebildete Lehrer die jungen Theologen. 

Alle diese sahen jetzt wie die Meister vom Stuhle mit 
|juthers Winde segelten. Die ersten Bundesgenossen Luthers 
waren die Humanisten, welche in ihrem Kampfe gegen die 
scholastische Wissenschaft und die kirchliche Autorität sich 
seines kühnen Vorgehens freuten und für ihn in ähnlicher Weise 
in die Schranken traten wie früher für Reuchlin. Cuspinian, der 
bedeutendste Kopf unter den Wiener Schöngeistern, war wenig- 
stens anfangs, Maximilians Dichterrath Marx Treitzsauerwein 
bis an sein Ende dem Auftreten des Reformators entschieden 
günstig. Georg Thanstetter, der berühmte Astronom und Leib- 
arzt Maximilians und Ferdinands, mahnt in einer vor Ausbruch 
der agrarischen Bewegung dem Erzherzog gewidmeten Schrift 
ganz offen die Tyrannen, sich nicht wider das Evangelium zu 
setzen und Gottes Wort zu unterdrücken. ^) Was die ehemaligen 
Lehrer jetzt anpreisen, erschien den Schülern nicht allein im 
Zauberlicht fleischlicher Emancipation, sondern auch als wisse;i- 
schaftlicher Fortschritt und Förderung der Humanität. Schon im 
Jahre 1524 hatten manche österreichische Klöster Ausreisser und 
Überläufer zu beklagen, wie wir aus Luthers Briefen erfahren und 
Schelhom von Kloster Mondsee und andern in seinen Erzählungen 
vom Ursprung und Fortgang der evangelischen Religion in den 
Salzburgischen Landen bestätigt. (S. 71, 79.) Jünger des heiligen 
Franciscus waren es, welche zuerst das neue Evangelium in 
Steyr, Wien, Wiener Neustadt, Graz und Kärnthen verkündigten. 
Selbst das Domcapitel von Passau besass an. 1524 an den 



') Über Lutheu und die Humanisten in ihrer Verbindung Janssen 1. c. 
IL 89. Über die Wiener Humanisten siehe Aschbach, Gesch. d. Wiener 
Universität Bd. IL 298. — Friedrich Astrologie und Reformation. 88, 93. — 
Über Vadians in Wien 1521 erschienene Schrift: Einen Unterschied zu er- 
kennen den allmächtigen Gott und wie die neuen Götter sind aufkommen, 
Wiedemann 1. c. 1. 20. Über Treitzsauerwein, der durchaus nichts von einer 
Messe wissen will, sieh dessen Testament bei Hormayr Archiv 1826, S. 636 
und Schönherr, Archiv f. österr. Gesch. 48. Bd., 355. 



60 Zustand der alten Kirche. 

humanistisch gebildeten Domdechant Rupert von Mosheim einen 
ausgesprochenen Freund und Begünstiger der Reformation. *) 

•Noch stand aber der grösste Theil des Clerus zur Kirche. 
Seit dem Tag zu Regensburg (1524) wo die versammelten 
Bischöfe Süd-Ost-Deutschlands ein düsteres Bild von den tiefen 
Schäden der Kirche entwerfen, war ihnen mit der Erkenntniss 
der Gefahr auch ein grösserer Eifer gekommen. Es tobte seit 
diesem Jahre im ganzen Lande der Kampf gegen das Luther- 
thum auf den Kanzeln mit ungewohnter Heftigkeit. Die der 
Neuerung verdächtigten Priester wurden vor den Ordinarius 
citirt, nach Umständen versetzt, entsetzt und gestraft. Daher 
die bittern Klagen der Stände an den Erzherzog, welche in der 
bisherigen Schlaffheit der Bischöfe und der Sorglosigkeit der 
Seelsorger ihre besten Bundesgenossen zur Protestantisirung des 
Landes gefunden hatten. Allein schwere und nur zu gegründete 
Anklagen gegen den Clerus stumpften das Schwert der von oben 
aufgetragenen Vertheidigung. Sie concentrirten sich vornehmlich 
auf drei Dinge, dessen Habsucht, Unwissenheit und Sittenlosigkeit. 
Wir müssen sie zur Erklärung der Abneigung der Bauern gegen 
die Geistlichkeit nothwendig besprechen und wollen uns zuerst 
an die Beschwerden des weltlichen Standes halten. 

Die Klagen über Habsucht und unehrbaren Erwerb der Geist- 
lichkeit füllen die ganze Regierungszeit Maximilians aus. Die 
Inhaber einträglicher Pfarren versteigerten ihre Pfründen an Vicare 
oder gaben ihnen kleine Besoldungen. Weil die „Kirchherrn" 
welche sich vom Vicar die Absenz zahlen Hessen, nicht auf den 
Pfarren residirten, wurden Kirchen und Pfarrhöfe nicht ausge- 
bessert und gebaut, sondern Geld und Gut durch solche, welche 
oft nicht einmal die geistlichen Weihen erhalten hatten, ver- 
schwendet. Die Vicare hinwider suchten sich durch Steigerung 
in den Stolbezügen zu entschädigen. Pfarrer und Vicare hielten 
Weinschänken und Hochzeiten in ihren Häusern, welche oft der 



^) Wiedemann 1. c. II. 6. und oben S. 55. — Hermann Gresch. Kärnthens 
n. Bd., 2. Hft.. 171. — Bezüglich Mosheinis Wiedemann 1. c, II., 335. 
Strobel, Lit. Miscellen V., 8. 



Zustand der alten Kirche. 61 

Schauplatz von Rauf handeln und Todschlägen wurden.^) Die 
Priester nahmen Geld für die Sünden, erlaubten den offenbaren 
Ehebruch gegen Empfang von Geld und Zins und gaben damit 
zur Sünde Ursache, absolvirten auch die Todschläger von Gelds 
wegen und straften die Sünden im Säckl durch Verwandlung 
der geistlichen Strafen in Geldbussen. Sie verweigerten auch 
manchmal um Geldschulden und ander derlei Sachen wegen die 
Sacramente, beschwerten den gemeinen Mann hoch mit der 
Stola, wollten bisher freiwillig gestattete Sammlungen in bleibende 
Abgaben verwandeln. Dabei stieg immer mehr die Erwerbung 
der besten Güter durch den geistlichen Stand im höchsten 
Preise, so dass alle AnÖern zurückgedrängt wurden; Mess- und 
andere Stiftungen waren im fortwährenden Anwachsen zum 
Schaden des gemeinen Mannes und doch konnte man den über- 
nommenen Verpflichtungen nicht nachkommen. — So lauteten 
„die Obligen und Beschwärungen'' welche die Ausschüsse der 
fünf niederösterreichischen Lande dem Kaiser am 16. März 1518 
zu Innsbruck übergaben, 2) also zu einer Zeit, wo von einer 
Verschlechterung der Sitten des Clerus durch Luthers Auf- 
treten keine Rede sein kann. 



') Die Weinschänkeh in den Pfarrhöfen gaben gewaltig viel Ärgerniss. 
Die weltliche Behörde mahnte wiederholt den Bischof von Passau, den 
Scandal abzustellen. So schrieb Kaiser Max 1504 an denselben: Es gezieme 
sich nicht, dass in den Pfarrhöfen Wein um Geld öffen^ich geschänkt und 
darin Täntz wie in gemeinen Tafernen und Wirthschaften gehalten werden, 
woraus dem gemeinen Mann viel Ärgerniss und ein bös Beispiel erwachse. 
Der Bischof soll desshalb Generale an alle Pfarrer und JBeneficiaten in 
Oberösterreich ergehen lassen. (Archiv des Cult. Minist, in Wien.) Doch es 
geschah nichts. 1510 schreibt Max vom Neuen an Bischof Wiguleus be- 
züglich zweier Landtagsbeschwerden: Die Pfarrer sollen mit den Seelen- 
messen Niemand beschweren und nicht Wein schenken und Hochzeit 
halten. Er drückt sein Missfallen aus, dass bisher nichts geschehen und 
befiehlt nochmals Abstellung. Landesarchiv Linz Actenstücke. — ^) Archiv 
f. K. österr. Gesch. Quellen Bd. 13, S. 245-249. Dazu Preuenhuber 1. c, 
"•ZKSl. Pritz, Gesch. d. Landes ob der Enns IL, 202, 208. — . Im Jahre 1524 
hatten die beiden Pfarren Aschach und Steinbach bei dem Landesfürsten 
«ich beklagt, dass sie in der Stola arg überhalten werden. Die Sache muss 
begründet gewesen sein. Am 10. Juni 1525 ergeht durch Anwalt und Rath 
clor Abschied, dass ein jeder Pfarrer das Pfarrvolk, mit dem Seelschatzen, 



62 Zustand der alten Kirche. 

Bezüglich der Unwissenheit ist auf dem viel citirten Aus- 
schusßlandtag von 1518 öfter davon die Rede, dass die Kirch- 
herrn (Oberpfarrer) in ihrer Habsucht keine zur Seelsorg taug- 
lichen geschickten Pfarrer halten. Seit vielen Jahren her, klagt 
der Gemeinderath von Steyr im Jahre 1526, sei der Gesellen- 
stand mit wenig gelehrten Priestern versehen.^) In den Ein- 
gaben der weltlichen Stände Ober- und Unterösterreichs be- 
gegnen wir seit 1525 immer wieder die Ausfälle auf die unge- 
lehrten einfältigen Priester. War es wirklich Verleumdung? — 
Der edle, treue, für die Aufnahme der katholischen Religion 
äusserst besorgte Erzherzog Ferdinand muss in der geheimen 
Instruction,*) welche er in der ersten Hälfte des Jahres 1524 
seinen Gesandten an Karl Y. mitgab, gestehen, dass die Folgen 
und Früchte des Abfalls Luthers und seiner Secte, die Zwietracht 
der Meinungen in religiösen Angelegenheiten, die Beraubung 
der Kirche, die Untergrabung aller Autorität, die Verführung 
des Volkes zur Rebellioü grösstentheils (potissimum) daher 
entstanden seien, dass beinahe der ganze geistliche Stand mehr 
das Fleisch und die Welt, als den Geist und die Religion spüren 
lasse. Vier Jahre darauf findet er nach der veranstalteten allge- 
meinen Visitation die Ursache der raschen Verbreitung der 
unchristlichen Secten, bevorab der Wiedertäufer, im gänzlichen 
Mangel „an ehrbaren, geschickten, wohlgelehrten, verständigen 
Predigern und einer guten Unterweisung des armen ge- 
meinen Volks'' wodurch die Verführung desselben leicht hätte 
vermieden werden können. Ja er legt als Summe seiner Lebens- 
erfahrungen in seinem Testamente noch die traurige Über- 
zeugung nieder, dass die Spaltung in der Religion zum meisten 
Theil aus Mangel an frommen, geschickten und gelehrten Seel- 



mit den Exequias oder wie die benennt werden, an nichts beschwere^ 
ihnen die Gottes Ehre (Altarssacrament) noch den Freithof um kein Gelt, 
keineswegs vorenthalten solle. Er soll von einem Kind oder Ehalten oder 
sonst von einem armen Menschen 7 Pf., aber von einem Hausgenossen 12 Pf. 
nehmen und nit mehr für Seelgeräth. Archiv Gleink. 

') Archiv der Stadt Steyr. Acten des Bruder Calixtus. — Archiv 
f. österr. Gesch.-Quell. F. Bd., 109 ff. 



Zustand der alten Kirche. 63 

sorgern erfolgt sei. ^) — Das Predigerwesen, sagt der neueste 
Geschichtschreiber über die damaligen kirchlichen Zustände des 
Erzherzogthums, lag eben im Argen. Im ganzen Bisthum Wien 
fand sich kein Mann, der nur an die Mittelmässigkeit gestreift 
hätte. Ebenso armselig stand es im Bisthum Passau. ^) DasUrtheil 
in dieser Allgemeinheit ist gewiss übertrieben. Die hohe Aner- 
kennung, welche die Steyrer ßürger den Franciscanern Patri- 
cius und Calixtus aussprechen, zu welchs leidstem Gunsten sogar 
der Beichtvater Ferdinands Johann Faber seine Stimme mit 
höchstem Lobe erhebt (Preuenhuber 226) sind ein Beweis dafür. 
Dass aber die Zahl der Tauglichen eine betrübend kleine ge- 
wesen sei, geht aus den tiefen Seufzern der obigen unver- 
dächtigen Zeugen hervor. 

Scharf und bitter rügen die Stände vor dem Kaiser zu 
Innsbruck anno 1518 die sittliche Haltung des Clerus. Priester 
tragen ungebührliche sielbst den Laien verbotene Wehr, uhehr- 
bare und unpriesterliche Kleidung, raufen, schlagen, verletzen 
einander. Selbst wenn sie zu den Kranken mit demSacrament 
gehen oder reiten, haben sie daneben Stahlbüchsen, Feuerrohre« 
oder andere verbotene Wehr, was nicht priesterlich geachtet 
werden mag. Sie halten auch verdächtige, den Argwohn er- 
weckende Dienstboten, sitzen mit ihren Dirnen zu Haus, als ob 
sie ihre Weiber wären; diese werden mit überflüssiger Kleidung, 
so ihnen zu tragen nicht zusteht, geziert, alles zu nicht ge- 
nngem Argerniss des gemeinen Mannes.*) — Dabei fällt die 
grosse Menge der Geistlichen auf. So befanden sich im Jahre 
1509 in Stejrr 1 Pfarrer, 3 Cooperatoren und 4 Gesellpriester 
(socii); ausserdem 10 Beneficiaten, ein Dominikanerkloster und 
in dem nahen Garsten 40 Benedictiner. In Freistadt gab es 
1523 1 Dechant, 3 Cooperatoren, 6 Beneficiaten, in Enns 1 De- 
chant, 3 Cooperatoren, 5 Beneficiaten und ein Minoriten- 
kloster. Es kommt dabei zu erwägen, dass der Religions- 
unterricht in der Schule damals nicht zu den Verpflichtungen 

^) Wiedemann 1. c. I., 52 ff. besonders 58. — Buchholtz Ferdinand I. 
8. Bd. 741. — *) Wiedemann l. c. 61. — ^) Ausschusslandtag zu Innsbruck 
1. c. 249. . 



64 Zustand der alten Kirche. 

des Seelsorgers gehörte und die Städte viel, sehr viel kleiner 
waren. Die grösste unter ihnen, Steyr, hatte anno 1525 gewiss 
nicht mehr als 600 Bürgershäuser, denn anno 1576 zählte sie erst 
deren 702 und ihre grösste Entwicklung und Erweiterung fällt in 
die Zeit um 1542. Viele Priester widmeten sich dem einträg- 
lichen Notardienst. — 

Was wir oben als frühzeitige.Klagen des weltlichen Standes 
aufgeführt haben, sehen wir nur allzusehr begründet durch die 
ämtlichen Erklärungen der geistlichen Obrigkeit. Der geistvolle 
Bischof Berthold von Chiemsee, der durch seine amtliche Stellung 
als Weihbischof von Salzburg zum competentesten ürtheil be- 
fähigte Zeuge des Anfangs der Kirchenspaltung in Österreich 
und Baiern herrschenden Verderbens, bestätigt und belegt alle 
3 vorerwähnten Anklagen in seinem im Jahre 1519 verfassten 
Werke Onus Ecclesiae.^) „Das Übel komme daher, dass die 
Vorstände, geistliche und weltliche nicht die würdigen, son- 
dern ihre Freunde, Günstlinge, Jagd- und Tischgenossen zu 
den kirchlichen Benefiicien befördern.'^ Er hätte sagen können, 
daher, dass man überhaupt die Bischofssitze, die Domstifte, 
Klöster und einträglichsten Pfarren als „Spitaler des Adels" 
ansah, für die Versorgung des Adels gestiftet und fundirt, wie 
die Ausschüsse auf dem Landtag zu Innsbruck 1518 ausdrücklich 
sagen und die regierenden Häuser selbst nur zu oft mit der 
That bezeugen. Das Mandat, welches die Bischöfe von Passau, 
Freising, Chiemsee mit dem Metropoliten von Salzburg an ihren 
unterthänigen Clerus erliessen (31. Mai 1522), beklagt das 
zügellose Leben, die sittliche Entartung, die zahllosen Schand- 
thaten und Ausschweifungen der Diöcesangeistlichkeit und be- 
stätigt und ergänzt das düstere Bild, welches einige Jahre vor- 



•) Landshuter Ausgabe von 1524. Cap. 21 — 23. (Über das Werk sieh 
Dr. Wolfgang Reithmaier, des Bischofs Berthold von Chiemsee Tewtsche 
Theologey p. XXII. if.) Ubinam est hodie clericorum decor continentiae 
in gestu, victu, vestitu et risu? In conviviis, täbernis, ludis et theatris 
vbique vagantes crebrius reperiuntur quam in locis Deo dicdtis. Quam 
perniciosa autem et impertinens sit universali Ecdesiae clericorum, scur- 
rilitas, ignorantia^ fornicatiOy simonia aliaque a*imina, qmbus modo 
totus paene clerus est infectus, nemo ambigit Fol. 23. 



Zustand der alten Kirche. 65 

her in Innsbruck entrollt wurde, durch mehrere tief bedeutsame 
Züge. ^) überaus zahlreich waren die Fälle (innumeri)^ dass 
Geistliche Concubinen sammt ihren eigenen Kindern im Hause 
hielten, Wein daselbst ausschenkten, Handelschaft und Wucher 
trieben. Sie sahen bei Ehebrüchen und andern öffentlichen Ver- 
brechen durch die Finger, wenn ein tüchtiger Beichtpfennig 
abfiel und Hessen sich die Steigerung ihres Einkommens, wie die 
Bischöfe sagen, mehr als das Seelenheil angelegen ^ sein. Dem 
Trünke fröhnend, liefen sie von einer Kneipe zur ai^dern, fluchten 
und lästerten, stritten und balgten sich wie die gemeinsten Laien 
und traten bisweilen nach durchgebrachter Nacht noch feucht von 
Wein in die Kirche und an den Altar, um Messe zu lesen. „Die 
Erbitterung der Laien sei auf das Höchste gestiegen, sie werden 
dadurch zur Rache und Aufstand gereizt, so dass sie jeden 
Augenblick zur Ausrottung der Priesterschaft sich erheben zu 
wollen scheinen." 

Ein nicht minder schreckliches Bild entwirft die Regens- 
burger Ordnung vor unsern Augen, erlassen den 7. Juli 1524 
von dem pästlichen Legaten Campegio, dem Erzherzog Fer- 
dinand, den bairischen Herzogen und 12 süddeutschen Bischöfen, 
worunter auch die von Passau und Salzburg. 2) Sie bekennen im 
Eingang, dass die neue Häresie nicht zum Wenigsten dem ver- 
derbten Leben und Sitten der Cleriker ihren Ursprung ver- 
danke; sie constatiren, dass die Zahl der täglich apostasierenden 
Mönche und Priester ins Ungeheure anwachse. Wikrlich ver- 
ehelichten sich, wie wir von anderer Seite her wissen,^) seit 
1524 ungescheut die Geistlichen in Österreich. Wenn Männer, 
welche am Besten den Zustand der Diöcesen kennen mussten, 
genöthigt sind ein solches Urtheil über ihren Clerus zu fällen, 
kann man da sagen, dass nur Einzelne sich gegen ihren Beruf 
versündigt haben, wie es zu allen Zeiten Irrende und Schwache 
gab? Wird auch nur ein vernünftiger Bischof in einer öffent- 



•) Dalham, Concilia Salisburgensia p. 281 ff. — ^j Die früher be- 
rührten Anklagen haben nichts übertrieben. Man lese besonders die Artikel 
4, 5, 6, 9, 13, 16, 24, bei Harzheim Concil. German. VI., 197. — ^) Wiede- 
mann 1. c. I., 275. 

('z<t niy, Bauenmtifstaiid. / 5 



66 Unwissenheit des Volkes. 

liehen Kundmachung eine solche Sprache führen, wenn etwa 
unter 100 Geistlichen 10 Pflichtvergessene sind? Ferdinand hat 
aber dadurch, dass er die Regensburger Ordnung den Bischöfen 
seiner niederösterreichischen Provinzen so dringend ans Herz 
legte und ihre öflfentliche Publication anbefahl, zu erkennen ge- 
geben, dass die dort gebrandmarkten Unordnungen in ihren 
Diöcesen häufig müssen vorgekommen sein. Gerade der Umstand, 
dass der Glerus gegen das einbrechende Lutherthum so wenig 
Stand hielt und nach wenig Jahren ihm als leichte Beute zufiel, 
ist der beredteste Ankläger gegen seine damalige geistige Bil- 
dung und seinen sittlichen Kern. ^) 

Ist es nun zu wundern, wenn das gemeine Volk unter 
solchen von Fürsten und Bischöfen für unwissend erklärten 
Führern eine noch leichtere Beute der zahllosen Versuchungen 
und Hetzereien wurde, die sich ihm seit Langen unter allen 
Formen, als volksthümliche Redner, als Propheten einer schönem 
Zukunft, als Schmähschrift, als Spottlied und Schandbild auf- 
drängten. Die Bauern im Ennsthal waren so unwissend, dass 
viele nicht einmal das Vaterunser herzusagen vermochten.^) 
Wie konnten Leute, denen es an den elementarsten Kenntnissen 
fehlte, diejenigen widerlegen, welche aus der jetzt überall 
mitgeführten Bibel die christliche Freiheit, die jahrhundertlange 
Unterdrückung des Wortes Gottes, die absichtliche Betrügerei 
des gemeinen Mannes durch seine Priesterschaft nachzuweisen 
sich erboten. „Die schmachvolle Vernachlässigung der Schule 
hat der Kirche mehr Nachtheil gebracht, als von irgend Jemand 
geglaubt werden kann. Durch nichts ist die Häresie mehr er- 
zeugt worden und gewachsen."^) 



') Vergl. das ürtheil Joseph Grünbecks, Hofcaplan Maxitnilian I., über 
die niedere und hohe Geistlichkeit seiner Zeit bei Friedrich : Astrologie und 
Reformation S. 72, 77. Jörg 1. c. 191, 196, 197, 316. Welche Erfahrungen 
Aventinus, der Lehrer des Bischofs Ernst von Passau an dem Clerus seiner Zeit 
gemacht hat, zu finden im I. Bde., p. XXIX ff. der Gesammtausgabe von 
dessen Werken, München 1881 und Artikel Aventinus in der Beilage zur 
Augsb. Allgem. Zeit. Nr. 181, 183, 184. Über die religiösen Zustände in 
Deutschland überhaupt vor 1524, Janssen 1. c. IL 334, 338. — *) Hurter, 
Ferdinand IL Bd. III., 196. — ^) Aus einem Gutachten der versammelten 



Die Verhetzung durch die schlechte Presse. 67 

Die Unzufriedenheit würde übrigens im Lande ob der Enns 
nie in helle Flammen der Revolution ausgeschlagen haben, wenn 
Presse und Wühlerei von aussen den Brennstoffen nicht die 
Fackel untergehalten hätte. ^) Wir finden im Munde unserer 
empörten Landleute die nämlichen Schlagwörter, welche ihre 
Standesgenossen in Schwaben, Tirol und Salzburg führen. Die 
evangelische Freiheit, das reine Wort Gottes ohne Zusatz, das 
göttliche Gesetz, die brüderliche Liebe, das Abthun aller Herr- 
schaft mit Ausnahme des Kaisers allein, die Abschaffung aller 
Steuern, die Plünderung von Schlössern und Klöstern, und wie die 
gleissnerischen oder brutalen Phrasen alle lauten, sie beweisen 
sattsam, dass ihnen die Ideen der radicalen Umsturzpartheien in 
Deutschland nicht unbekannt geblieben sind. Viele solcher Wahl- 
sprüche mögen schon unter Friedrich III. lahmen Herrschaft unter 
den armen Volksclassen in Stadt und Land durch die böhmischen 
Kriegsbruderschaften verbreitet worden sein, welche sich in 
jener langen ruhelosen Zeit in Ober- und Unterösterreich ein- 
genistet hatten. Haben ja die berüchtigten 12 Artikel der 
deutschen Bauern, welche so gierig im Lande gelesen und staat- 
lich verfolgt wurden, ihre Grundlage in den 12 Artikeln, welche 
schon eine Parthei der Husiten dem Prager Stadtrath vorgelegt 
hatte. Der Communismus angewandt auf alle Verhältnisse des 
Menschen macht sich darin in ganzer Breite geltend.^) Aber 
diese böhmischen Schwarmgeister zogen jetzt versetzt und ver- 
stärkt durch deutsche Ideen und Aufreizungen in hellen Haufen 
mit den deutschen Buchhändlern in der Gestalt von Büchlein 
und Tractätlein ins Land. 



Reichsstände auf dem Reichstag von Augsburg 1559 bei Buchholtz, Fer- 
dinand I. Bd. VII., 437. Es ist hier besonders die Schule für die Priester- 
amts-Candidaten gemeint, deren Vernachlässigung aber indirect auf die 
Volksschule zurückwirken musste. 

*) Sieh unten das ständische Patent vom 9. Juni und ständische Er- 
klärung an die Landtagscommissäre vom 7. Juni. — Erzherzog Ferdinand 
begehrte vom Hochstift Salzburg eine Entschädigung dafür, dass die Salz- 
burger den Au&tand in seinen Landen verbreitet. Pichler, Gesch. Salz- 
burgs S. 325. — *) Über die socialen Grundsätze der Husiten und ihren 
Kinfluss auf Deutschland Janssen IL, 390 — 40L 

5* 



68 Die Verhetzung durch die schlechte Presse. 

Augsburg, Regensburg, Nürnberg waren die Werkstätten, 
wo die Flug- und Spottschriften, gemalten Briefe, Lieder, Ka- 
lender massenhaft fabricirt wurden. Mit ihren Fässern zogen 
die Buchhändler, Buchführer nannte man sie damals, zu Ostern 
und Bartholomäi auf die weltberühmten Linzermärkte, dort 
hatten sie in gemietheten Läden, Hütten oder offenen Ständen 
ihre Waaren ausgelegt, die gefährlichsten Artikel unter geheimen 
Verschlusse. Selbst von Wien kamen Buchhändler dahin, um 
sich mit dem nöthigen Bedarf an Scandalliteratur zu versehen. 
Nach dem Schlüsse des Marktes zogen die fremden Buchführer 
nach Wien oder auf die Jahrmärkte in kleineren Städten. Für 
den ständigen Absatz solcher Geistesproducte sorgten, wo keine 
selbständigen Buchhändler waren, die „Bestandläden", welche 
fremde Buchhändler hielten oder die einheimischen Buchbinder. 
Colporteure wie Hans Hut, der Wiedertäufer -Apostel, gingen 
mit ihrem Kram auf dem Rücken im Lande von Haus zu Haus. 
Der Wiener Buchführer Jakob Drescher hat zu einer Zeit, wo 
die grossen Reformatoren und der Reiz der Neuheit längst dahin 
waren (1558), nur allein an gemalten Briefen um 400 Gulden 
von fremden Buchhändlern gekauft. Andreas Eschenberger aus 
Nürnberg, der zu Wien ein Bestandgewölb durch das ganze 
Jahr hielt, führte damals die meisten schändlichen Gemälde und 
Bücher in das Land. ') Erzherzog Ferdinand war über die 
Erfolglosigkeit seiner Mandate gegen den Handel mit ketzerischen 
Büchern so wüthend, dass er dergleichen Buchhändler 1528 sogar 
zu ersäufen befahl. Es regnete ordentlich communistische oder 
socialistische Pamphlete, Manifeste, Verfassungsentwürfe. Schon 
in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erschienen in Deutsch- 
land eine Menge Brandschriften, von deren eifriger Leetüre die 
vielen Auflagen zeugen. 2) Dass eine neue Ordnung aufgerichtet, 



^) Wiederaann 1. c. IL, 87 — 91, wo interessante Details über den 
damaligen buchhändlerischen Verkehr in Österreich mitgetheilt werden. 
Dazu auch Janssen II., 93. — ^) Die sogenannte Reformation des Kaiser 
Sigmund, wegen ihres Einflusses auf das Volk auch die Bauerntrompete 
genannt, wurde im Jahre 1476 gedruckt und erlitt 1497 die fünfte Auf- 
lage. Charakteristik derselben und überhaupt der Aufwieglung des Volkes 



Die Verhetzung durch die schlechte Presse. 69 

Freiheit und Gleichheit eingeführt werden müsse durch die 
Kleinen und Armen war ihr ewiger Refrain. Wir stehen alle 
in Christo in gleicher Lösung und Freiheit, hiess es, fes sei einer 
edel oder unedel, reich oder arm, gross oder klein. Wald und 
Weide, Fisch, Vogel und Wildpret sollen frei sein. In den 
Städten müssten Fürkauf und die Handelsgesellschaften, eben 
so die Zünfte abgeschafft werden, alle Kirchengüter sollen ein- 
gezogen werden, alle Geistlichen einen bestimmten Jahresgehalt 
bekommen. Um die Ordnung durchzuführen, solle man fröhlich 
zuschlagen und das Schwert gebrauchen. ^) 

Hütten und seine Gesinnungsgenossen füllten lange vor 
Luther alle Buchläden Deutschlands mit Epigrammen, Gesprächen, 
Satiren und andern Schriften gegen Papst, Bischöfe, Mönche. 
In seinen nach Luthers Auftreten verfassten Schriften forderte 
er offen zum Aufruhr auf. Im „neuen Karsthanns", einer äusserst 
verschmitzten und tief aufwühlenden Flugschrift, veröffentlicht im 
Juni 1521 von einem intimen Freunde Franz von Sikingens und 
Luthers, wird das Landvolk direct zur Empörung aufgerufen. 
Die Greuelscenen des deutschen Bauernkrieges sind häufig nichts 
anders, als die einfache Anwendung der Grundsätze, welche 
hier den Bauern zur Richtschnur ihres Verhaltens gemacht 
werden. In den 30 Artikeln, welche dieser Schrift als An- 
hang dienen, heisst es zum 14: Karsthanns und seine Ge- 
nossen schwören, sich ferner kein Gewissen daraus zu machen, 
ob sie genugsamlich verursacht einen Pfaffen oder Cleriker 
schlügen oder träten. Zum 27.: Ob ihrer einer einem geizigen, 
ungeistlichen Pfaffen etwas nehmen oder entfremden möcht, das 
wollen sie so Sund achten, als hätten sie auf ein Würfel ge- 
treten. Zum 13. schwören sie eine ewige Feindschaft den geist- 
lichen Rechten, allen päpstischen Bullen und Briefen und allen 
denen, die sie herumführen, ausgeben oder über ihnen halten 
und sie beschirmen. Ja sie wollen den Pedellen, die ihnen 



durch Predigt und Presse bei Janssen IL, 183 — 203, 399. Auch Jarke, 
Studien und Skizzen 259, 289 ff. 
*) Janssen IL, 401. 



70 Die Verhetzung durch die schlechte Presse. 

Citation oder Bannbriefe überbringen zum ersten die Ohren 
abschneiden, darnach wenn sie wieder kämen, die Augen aus- 
stechen. Zum 28. schwören sie eine Feindschaft aDen Doctor 
Luthers Feinden und Abgönnern. ^) 

Wie oft kommt in dieser Schmachschrift der Gedanke vor, 
dass die Pfaflfen die rechte ' heilige Schrift mit ihren mensch- 
lichen, ja wohl teuflischen Decreten verkehrt haben, dass die 
geistlichen Buben die Bauern so lange Zeit her schändlich be- 
trogen, das Wort Gottes schändlich unterdrückt haben, dass 
Luther jetzt die Wahrheit an den Tag gebracht, dass es das 
grösste Glück, der grösste Gewinn sei, recht viele lutherische 
Bücher zu kaufen und fleissig darin ^ zu lesen. Die christliche 
Liebe wird als bei den Geistlichen erloschen dargestellt, darum 
das oftmalige Betonen derselben auf protestantischer Seite. 

Schon zu Kaiser Friedrich IIL Zeiten kamen Schriften zu 
Tage, welche die Mitwirkung des Bauers bei Gesetzgebung und 
Besteurung verlangten. Jetzt, wo die Anschläge des Reiches 
und seine wachsenden Bedürfnisse bewirkten, dass Alles seine 
Anforderungen an die Bauern steigerte, der Landesherr, der 
Edelmann, die geistliche Gutsherrschaft, ohne dass sie ihre 
Stimme zu erheben die geringste Berechtigung hätten, müsse 
man neue Gesetze und Ordnung machen. Es war Friedrichs 
Astrologe, Johann Lichtenberger, welcher hierin den ersten 
Wortführer der Bauern machte und ihm schloss sich später 
Joseph Grünbeck, Astrolog und Secretär Maximilian L, an.*) 
Es ist überhaupt der sehr bedeutende Einfluss nicht zu über- 
sehen, welchen die Astrologie auf die Ausheckung und die Ent- 
wicklung der Umsturzpläne ausübte. Die zahlreichen Kalender, 
Praktiken und astrologischen Prophezeiungen, welche damals 



') Die Schrift ist neu abgedruckt in Oskar Schade, Satyren und Pas- 
quille aus der Reformationszeit IL Obige Stellen p. 43, 44. — '^) Sieh Fried- 
rich, Astrologie und Reformation als Prediger der Reformation und Urheber 
des Bauernkrieges S. 45, 63, 68, 70. Die im Jahre 1522 erschienene soge- 
nannte Reformation Friedrich III. war eine weitere Ausbildung der Ideen 
Lichtenbergers. Sie will, alle Rechte im Reich sollen nicht nach alten 
Freiheiten und Herkommen, sondern nur nach christlicher Freiheit und 
rechter natürlicher Vernunft gesetzt und geordnet werden. Jörg 1. c. 302, 305. 



Revolutionärer Einfluss der Schriften Luthers. 71 

im Schwange waren, stachelten mit ihren Träumereien von einer 
kommenden furchtbaren Umwälzung und darauffolgenden para- 
disischen Tagen Phantasie und Habgier des gemeinen Mannes 
zum Aussersten auf. 

Wie zur Vollmachung des Sturmchores trat jetzt Luther 
auf, dessen Schriften das Volk nach bewährtem Zeugniss „allent- 
halben mit unglaublicher Gier" verschlang. Luther predigte 
planmässig und mit klarem Bewusstsein den Aufstand gegen die 
geistliche Obrigkeit und deren Ausrottung. Er gebraucht be- 
ständig die alleraufregendsten, in wilden Fanatismus treibenden 
Reden; er wird nicht müde aus göttlicher Gewalt und Schrift, 
wie er behauptet, zu versichern, dass die Priester nichts anders 
seien, als Priester des Teufels. Es sei viel besser ein Henker 
und Mörder zu sein, denn ein Pfaflf oder Mönch. Die Weihe 
drücke dem Priester das Malzeichen der Bestie in der Offen- 
barung auf. Der gemeine Mann habe redliche Ursache mit Flegel 
und Kolben dreinzuschlagen. ^) Es kommen allerdings wieder 
Stellen vor, welche den Bauer warten heissen, bis die Obrigkeit 
damit anfängt, aber bei solchem Widerspruch hält sich der 
gemeine Mann an den Anspruch, der ihm der vortheilhafteste 
dünkt. 

Luthers Worte, dass die Bischöfe des Teufels Boten und 
und Statthalter, die Klöster ärger denn die gemeinen Frauen- 
häuser, Tabernen und Mordgruben seien, erklärten consequent 
den Clerus ausser Recht und Gesetz; ja er forderte geradezu 
zur Vertreibung und Ausrottung der Bischöfe und Zerstörung 
der Klöster auf, wenn er sie für Wölfe und Seelenmörder er- 
klärte und meinte, es sei besser, dass alle Bischöfe ermordet, 
alle Stifter und Klöster ausgewurzelt vdirden, als dass eine 
Seele verderben sollte.^) Zeitweise wüthet er nicht geringer 
gegen die weltlichen Fürsten, wie in der Schrift von weltlicher 
Obrigkeit, wie man ihr Gehorsam schuldig sei. „Man wird nicht. 



') Die Stellen bei Janssen II., 195, 202. Über den Einfluss Luthers 
und der Prädicanten auf die Aufhetzung des Bauers bringt Jarke, Studien 
und Skizzen trefltende Belege S. 238, 242, 253, 289. — ^) Janssen IL, 223 bis 
227, wo viele ähnliche Äusserungen und Belege vorkommen. 



72 Revolutionärer Einfluss der ßchriften Luthers. 

man kann nicht, man will nicht länger euer Tirannei undMuth- 
willen die Länge leiden, lieben Fürsten und Herrn < da wisset 
euch nach zu richten. Gott wills nicht länger haben. '^ Seine 
äusserst revolutionären Urtheile über die Fürsten, seine mass- 
lose Verlästerung aller weltlichen und geistlichen Obrigkeit, 
so fern sie nicht in seinem Sinne handelte, Hessen weiter sehende 
nicht im Dunkeln, dass die Folge eine Erhebung des gemeinen 
Mannes sein werde, ungeschickte lutherische Prediger, ihren 
Meister plump copirend, verschlimmerten die Sache noch mehr. 
Was an räuberischen Instincten, an ümsturzgelüsten im Volke 
vorhanden war, deckte sich jetzt mit der gleissnerischen Hülle, 
dass ihre Handlungen Gott wohlgefällig und dem Evangelium 
„das jetzt herfür kommen'' gemäss sei. Der Hofrath in Innsbruck 
schrieb desshalb den 14. Juni 1525 an den Erzherzog, der 
Charakter des Aufruhrs „sei in den Erbländern ganz so wie 
allerwärts im Reich. Die nichts zu verlieren haben, stiften 
Empörung und wollen vermögend werden und wollen Gleichheit 
machen in Allem, denn alle wären Brüder in Christo, als jetzt 
durch das Evangelium herfürgekommen sei. Und ist Nehmen 
und Rauben das tägliche Geschäft, insonderheit bei Geistlichen 
und Edelleuten." *) Wenn man die Empörischen reden hört, sagt 
ein Augenzeuge der damaligen Vorgänge, so geschieht Alles 
für das heilige Evangelium und göttlich Wort. Das führen ver- 
loren Edelleut, Bauern und Pöbel allweg im Munde; so in der 
Schwyz, in obern Landen, auf dem Schwarz wald, Schwaben, 
Franken, wohin man kommt, man hört nichts, denn Evangelium, 
Evangelium und wird jede Aufwiegelung ' und Buberei damit 
verdeckt. ^) 

Alles das also, was die Presse seit 50 Jahren in Zer- 



^) Der gemeine Mann schrieb Willibald Pirkheimer im Jahre 1529 
ist also durch dieses Evangelium unterrichtet, dass er nit anders gedenkt, 
dann wie ein gemeine Theilung geschehen möcht. Bei Buchholtz, Ferdi- 
nand I. Bd. 3., S. 599. — ^) Aus Trierischen Actenstücken bei Janssen II. 
441. — Persuasionem haberd se Dei negotium agere in templis, coenobiiSy 
monasteriis diruendis spoliandisque et misere affligendis sacerdotibus, 
sagt Erzherzog Ferdinand in einem Schreiben an Clemens VII. 20. Mai 1525 
bei Chmel, Sitz. Ber. d. Akad. II., 28 — 34. 



Schlussbetrachtung. 73 

Setzung der religiösen und politischen Grundlagen geleistet hatte, 
kam endlich im Jahre 1525 zur vollen Blüthe. Mit einer Gewalt 
und in einer Ausdehnung, wie man es nie früher erlebt hatte, 
raste der Sturm von einem Ende Deutschlands zum andern. 
Auch das Land ob der Euns blieb nicht verschont; die lang- 
same aber gründliche Pionnierarbeit der bösen Literatur hatte 
Auch hier seit einem halben Jahrhundert ihre Schuldigkeit ge- 
than; was noch übrig blieb, vollendeten die directen Aufstach- 
lungen von Tirol und Salzburg her. Man kann nicht sagen, dass 
der Bauernaufstand in Oberösterreich durch das neue Evange- 
lium allein hervorgerufen worden sei, oder dass ein tiefgehender 
Hass gegen die alte Kirche vorzüglich Schuld daran habe; denn in 
Steiermark, Kärnthen, Krain hat man ja schon anno 1515 Edel- 
leute und Geistliche erschlagen und ihre Güter geplündert, ohne 
dass von Religion die Rede war. „Das alte Recht '^ war damals 
das Schlagwort und man verstand darunter so viel als „keine 
neuen Steuern''. So erhob die Rebellion auch in Oberösterreich 
ihr Haupt nicht auf den geistlichen Gütern; man wandte in 
unserer Heimath die auf die Vertilgung der geistlichen Herr- 
schaft und ihres Besitzes bezogenen Schriftstellen gleich vom 
Anfang auf die weltlichen Gutsbesitzer an und bestritt die 
Gültigkeit mancher Herrenforderung überhaupt. Vom Evangelium 
nach Luther und dessen freier Verkündigung ist in den vom 
Volke eingereichten Beschwerden lange Zeit gar keine Rede und 
doch musste es, wenn es dem Volke ganz vorzüglich am Herzen 
lag, das erste Wort der gelösten Zunge sein. Der Hauptgrund der 
Empörung in Oberösterreich lag demnach in localen agrarischen 
Unzufriedenheiten, angefacht und ausgebeutet durch die lange ver- 
derbliche Einwirkung einer zügellosen, alles zersetzenden Presse; 
wesentlich verschärft ward dann die Erbitterung durch die neue 
kirchliche Strömung von Wittenberg; man fand theilweise und 
theilweise glaubte man Aufmunterung und Wegzeigung zu finden 
aus einem Munde, den man als Orakel ansah; die Gleichmacherei 
schien ein in der gepredigten christlichen Freiheit^ begründetes 
Werk. Zum Glück konnte sich in unserer Heimath die über- 
schäumende Volkswuth nicht wie in Deutschland in Blut und 



74 Schlussbetrachtung. 

Gräuelscenen ersättigen; eine überwiegende besonnene Parthei 
leitete die überfluthende Bewegung in ein ruhigeres Bett und 
was sich anfangs wie ein Raub- und Plünderungszug anliess, 
endete mit Abwarten und unterhandeln. Endlich, wie es im 
alten Liede heisst, als: 

„Die Landsknecht theten prangen 

Mit Spiessen und mit Stangen, 

Der Bauern Bund was zertrennt 

Ir keiner west um das Endt.'' 



Die Macht des bösen Beispiels. 75 



n. 

Der Beginn des Aufstandes und seine Verbreitung. 



Der Aufstand der Bauern, welcher in den letzten März- 
tagen des Jahres 1525 in Oberschwaben ausgebrochen war, 
frass wie ein nagendes Feuer weiter. Alle Nachbarländer rund 
herum kamen darüber in elektrische Spannung; mit Ausnahme 
von Baiern fand die Bewegung überall einen vorbereiteten 
Boden. Wie von unsichtbaren Fäden gelenkt, greifen die Bauern 
in Tirol, Kärnthen, Krain, Steiermark, Salzburg zum Spiess und 
Morgenstern. Am 25. Mai bricht der Aufruhr zu Hofgastein aus, 
zwei Tage später besetzen die Rebellen Hallein, welches durch 
mehrere Tage ihr Hauptquartier wird, von wo sie ihre fliegenden 
Haufen gegen die Grenzen Oberösterreichs vorschieben, um 
Fühlung mit den Gesinnungsgenossen zu bekommen. Am 31. Mai 
standen ihre Schaaren bereits in Strasswalchen, Mondsee, 
St. Wolfgang und verbreiteten einerseits Hoffnung, andererseits 
bangen Schrecken im Lande ob der Enns. 

Die Ereignisse in Schwaben, wahrscheinlich auch die Boten 
des Aufruhrs von Seitö der schwäbischen Bauern,^) müssen 
schon im März eine bedenkliche Stimmung unter dem Landvolk 
Oberösterreichs hervorgerufen haben. In Baiern wusste man 
ja im März, 'in den 'österreichischen Erblanden sei der Auf- 
stand bereits bis in die Nähe von Wien vorbereitet.*) Die 12 



') Zimmermann, Gesch. d. gross. Bauernkriegs 1., 227, sagt, dass die 
Rebollen in der vorderösterreichischen Stadt Waldshut am Rhein schon im 
Sommer 1524 eine Bundescasse errichteten, um die geheimen Boten zu 
beköstigen, welche ihre Aufmahnungen nah und fernhin durch Deutsch- 
land tragen sollten. — ^) 1. c. 398. 



76 Auftauchen der zwölf Artikel. 

Artikel, welche zuerst von Oberschwaben aus als allgemeiues 
religiös-politisches Glaubensbekenntniss der Bauern verbreitet 
wurden, hatten wie ein Blitz in Deutschland gewirkt und waren 
auch in Österreich verbreitet; denn die Buchhändler wussten 
schon aus dem ungeheuren Absatz der Schriften Luthers, welche 
Anziehungskraft so wenige, wohlfeile, verheissungsvoUe Blätter 
für den gemeinen Mann hatten. Desshalb ermahnt Erzherzog 
Ferdinand am 4. April von Wien aus alle Landesbehörden, nicht 
zu gestatten, dass das Büchlein ^benamst die grüntliche und 
rechte Haubtartikel aller Paurschaft und Hintersassen der geist- 
lichen und weltlichen Obrigkeiten, von welchen sie sich beswert 
vermeinen" gedruckt oder schriftlich verbreitet werde. Sie 
sollen im Geheim allenthalben fleissig aufmerken und Nachfrage 
halten und wo diese oder ähnliche Büchl öffentlich oder heim- 
lich feil geboten, ausgebreitet oder wie immer umhergefühii; 
werden, sollen sie dieselben in der Stille und geheim mit guten 
Glimpf unterdrücken. *) 

Der Erzherzog sieht aus dem Büchlein grosse Nachtheile 
erwachsen, wenn dem nicht zeitig vorgekommen werde. Aber 
der Erzherzog hatte gut befehlen; die Erlasse wurden nicht 
ausgeführt und wenn auch allerwärts der gute Wille dazu vor- 
handen gewesen wäre, so war es bei dem massenhaften Zu- 
' sammenströmen der Leute auf Märkten und Kirchtagen un- 
möglich, sowohl verdächtige Personen als den Handel mit 
gedruckten Liedern, Schriften und Bildern, den reichsten Samen- 
körnern revolutionärer Ideen, vollständig zu überwachen.*) Am 



') Das Patent im Stadtarchiv Freistadt, abschriftlich im Linzer Museum. 
Es ist gerichtet: An unsere getreuen lieben N. Bürgermeister, Richter und 
Rath unserer Stadt Freyenstat. — '^) Die bairischen Herzoge suchten sich 
damit zu helfen, dass sie in den ersten Tagen des April überhaupt die 
Abhaltung von Jahrmärkten für ganz Baiern verboten. Da zogen nun 
Tiroler Bergknappen, der neuen Lehre zugethan, als fahrende Musikanten 
mit lutherischen Liedern umher. Jörg 1. c. 371, 380. — Graf Niklas Salm 
verbot während seines Feldzuges in Steiermark 1525 den Salzburg. Kauf- 
leuten allen und jeden Handel, da sie alles auskundschaften und darüber 
nach Salzburg berichten, auch durch ihre bösen Reden über die Regierung 
in Salzburg die Gemüther aufreizen. Notizblatt der k. Akad. 1859. S. 71. 



Besorgnisse allenthalben. 77 

18. April sprechen die bairischen Herzoge bereits davon, dass 
ihre Unterthanen und die Österreichs an den Grenzen mit 
einander conspiriren. Die besorgte Gräfin Anna von Ortenburg 
schreibt ihrem Manne aus Matighofen: „Weiss nicht wie sich 
die Sache schicken wird; vielleicht mehr zu Widerwärtigkeit, 
dann zum Guten. Es thun die herniedern Bauern (i. e. Baiern) 
schier wie die obern (Schwaben und AUgäuer); geben einem 
viel mehr böser Wort, denn guter; man weiss schier nicht, 
hinter wem man sitzt." Sie denkt daran, eine Truhe mit ihren 
besten Sachen an den Domherrn Sigmund van Ortenburg in 
Salzburg zu schicken, damit wenn es oben schlecht ginge und 
die herniedern Bauern ein Herz fassen würden, sie etwas in 
die Gewahr brächten. „Ihr kommen so viel seltsamer Reden 
zu, dass sie nicht weiss, woran sie ist." ^) 

Um diese Zeit hatten sich übrigens weder in Salzburg noch 
in Steiermark die Bauern in W^affen zusammengerottet, aber 
die Schatten der kommenden Ereignisse zogen bereits durch 
Oberösterreich und schreckten die Stände auf. Den 11. Mai 
bitten sie den Erzherzog um Einberufung des Landtages. Sie 
hören, dass die aufständischen Bauern in Schwaben alle Adeligen, 
alt und jung. Mann und Weib ausrotten und einen starken 
Haufen nach Baiern schicken wollen. Sie wünschen sehnlich, 
weil denn auch Gefahr für die Erblande, dass Ferdinand in 
allen niederösterreichischen Landen den Landtag ausschreibe, 
auf welchen Ausschüsse zur Berathung der Gefahr und deren 
Abwendung erkiest und mit den nöthigen Instructionen ver-^ 
sehen werden sollen. Ein oder zwei oberösterreichische Städte, 
bitten sie kläglich, sollen mit „Gebäu, Geschütz, Proviant und 
andrer Nothdurft" versehen werden, wohin sie sich im Nothfall 
mit Weib und Kind flüchten könnten. *) 

Indess, mit jedem neuen Tag gestalteten sich die Dinge 
drohender. In Salzburg erwartete man stündlich den Ausbruch 
der Revolution. Um Wien, Neustadt und Aussee vollzogen sich 



'} Jörg 1. c. 384, 392, Anm. — ^) Archiv des k. k. Reichs-Finanz- 
ininiHteriiim in Wien. Banernkriegsacten. Linz 11. Mai 1525, Fascikel 7H. 



78 Vorkehrungen. 

vor dem 22. Mai allerlei unruhige Auftritte unter dem Landvolk; 
dort die unbehausten Hauerknechte, hier bei 500 zusammen- 
gerottete Bauern. Der Landeshauptmann von Oberösterreich 
meldet an den Wiener Hofrath, „wie die Bauern im Land ob 
der Enns sich mit ihren Wesen auch zu einer Empörung 
schicken."^) In Baiern sprach man davon, dass die Anarchie 
in Oberösterreich ihr Haupt erhebe und die Beamten im Laude 
klagten, „wie die Bauern um die Herrschaft gar nichts mehr 
geben, was ' sie geduldig mit ansehen müssten." ^) 

Man kann nicht sagen, dass der Erzherzog blind gegen die 
Gefahren war, die sich von allen Seiten gegen ihn aufthaten. 
Die Bitte der Landschaft um baldige Einberufung der Stände 
wurde gewährt. Durch Decret von Wien 18. Mai werden Sig- 
mund Jagerreiter von Pernau, der während der Abwesenheit 
des Landeshauptmann Ciriak von Polheim am kaiserlichen Hof- 
lager, die Geschäfte führte, ferner Jörg Sighartner, Vizdom von 
Oberösterreich, und Erasmus Baumkirchner, kaiserlicher Pfleger 
in Enns, zu Landtagscommissären ernannt. Man müsse, heisst 
es, die Möglichkeit ins Auge fassen, dass sich der Aufstand 
auch nach Oberösterreich ausbreite, desshalb seien Vorkehrungen 
zu treffen, woran die Commissäre die Landschaft mahnen sollen.') 
Acht Tage später, am 26. Mai, erhalten die Commissäre Befehl, 
Ausschüsse aus den Ständen nach der Stadt Steyr zu verordnen, 
um den Aufruhr der Unterthanen zu stillen. Denn bei dem 
Anwachsen der Revolution findet der Erzherzog es liöthig, dass 
.sämmtliche niederösterreichische Lande, also Ober- und ünter- 
österreich, Steiermark, Kärnthen, Krain sich untereinander wegen 
der gegenseitig zu leistenden Hülfe berathen und dadurch dem 
Einreissen der Empörung im Lande ob der Enns vorgebeugt 
werde. Die Stadt Steyr sei für die erwählten Ausschüsse der 
5 Landschaften am Besten gelegen; Donnerstag nach St. Johannes 



') Reichs - Finanzministerium l. c. Bericht des Vicestatthalters der 
niederösterreichischen Lande an Erzherzog Ferdinand vom 22. Mai 1525. — 
^) Jörg l. c. 376. — '') Landesarchiv in Linz. Ständische Annalen. Bd. A, 
S. 538. 



Die Wiege des Aufstandes. 79 

Sonnenwende sollen sie dort zusammenkommen und sich nur 
allein mit dieser brennenden Frage beschäftigen.^) 

In der That sie brannte schon und zwar lichterloh. Die 
Landschaft zwischen dem Hausruck und dem Schaf berg, zwischen 
dem Zellersee und der Aurach, die bei Puchheim mit der Ager 
sich vereiniget — der alte Attergau — war der Boden, auf 
welchem die Fahne des Aufruhrs zuerst aufgepflanzt wurde. 
Jetzt noch nach dreihundertjähriger Culturarbeit überwiegt das 
Acker- und Wiesenland nicht sehr viel das Wald- und Alpen- 
gebiet. Die Bewohner dieses kalten und hochgelegenen Land- 
striches denken wohl jetzt nicht mehr daran, dass in der Zeit, 
von der wir handeln, ein gemauertes Haus noch eine Seltenheit 
war. Mit Ausnahme der Burgen war alles von Holz, selbst das 
Haus, das sich Kaiser Maximilian in Vöcklabruck erbauen liess. 
Es war gewiss sehr bescheiden. Mittelst Auftrag vom 12. Jänner 
1518 befiehlt der Kaiser, dem Zimmermann, der es gebaut, 
zur Belohnung einen Rock machen zu lassen.^) Sehr gering- 
schätzig durften übrigens die andern Bewohner Oberösterreichs 
darauf nicht herabschauen, denn viel später, im Jahre 1542, 
waren die Häuser der Hauptstadt Linz gleichfalls noch von 
Holz. *) Man kann sich daraus das Ansehen erklären, in welchem 
damals beim oberösterreichischen Bauer ^die HaushackP standen. 
Der Zeug, mit dem er sich seine hölzerne Burg zimmerte, war 
neben dem Schwerte seine vornehmste Waffe. Es waren seine 
„Hauswehren ^, welche später noch, wenn er gegen seine Herren 
sich erhob, oftmals seine ganze Feldrüstung ausmachten. Der 
Sonnenstrahl spielte nicht etwa durch Glasscheiben in das 



*) 1. c. S. 541. Datum Wien 26. Mai 1525. Unterfertigt von Leonhard 
von Harrach, Vicestatthalter. H. v. Scherffenberg. H. v. Herberstein. Treitz- 
sauerwein. — *) Stük, Vöcklabruck .im Linzer Mus. Ber. 1857, S. 57. — 
Von Hall in Tirol aus befiehlt er den 7. April 1518, dass die um sein Haus 
in Vöcklabruck wegen Feuersgefahr zusammengekauften Häuser und 
Gärten bezahlt werden. — Die Feuerordnung für Linz von 1542 befiehlt 
die- Hänser der Stadt, welche der fürchterliche Brand in diesem Jahre 
beinahe vernichtet hatte, ordentlich zu bauen und wenigstens die Haupt- 
seiten zu mauern. Riedecker, Archiv. Sieh SchmidVs Blatt, f. Lit. Jahrg. IV., 
548, 544. 



30 Die Wiege des Aufstandes. 

Innere des Blockhauses; kleine hölzerne Fensterläden schützten 
ihn allein gegen Dieb und Unwetter und gewährten geöffnet 
Licht und Luft einen spärlichen Zugang.^) In den Märkten 
und kleinen Städten war allerdings hie und da ein Haus mit 
mehr grünlichen als weissen Gläsern versehen, aus jenen kleinen, 
runden Scheiben zusammengesetzt, welche uns in den Schnitten 
und Stichen aus Dürers Zeit so freundlich anmuthen. Auf Holz 

— Schüsseln und Tellern — ass er mit hölzernen Löflfeln und trank 
aus hölzernen Bechern. Neben Tisch und Holzbank standen 
seine Truhen und Kisten, worin das selbstgesponnene Linnen- 
zeug und die Kleider verwahrt wurden. Den kurzen Rock von 
grobem Tuch mit Bauschen an den Ärmeln wob sein Weib, zur 
Hose musste der Bock sein Fell hergeben, wenn sie nicht gleich- 
falls von Tuch war. Die Beine bedeckten Schuh und Strümpfe. 
Ein Gugelhut mit breiter Krampe beschattete das bärtige Ge- 
sicht, die rauhe Hand zierte — ein bezeichnender Ausdruck 
des Standesbewusstseins — ein Siegelring und wenn er sich im 
vollen Staate zeigte, war das Schwert an der Seite. Der dürftige 
Boden und das rauhe Klima liess keine Wohlhabenheit auf- 
kommen. Der Haber war wohl die Hauptfrucht und die Geislitz 

— geschrottete Haberkörner in Wasser oder Milch gesotten — 
die Hauptspeise ; doch wurde auch anderes Getreide gebaut. Der 
Bäcker bück Weizen- und Kornbrot und im Markte Mondsee 
wurde von den Bauern neben dem Biere auch dem Weine zu- 
gesprochen. 2) 



') Landrecht der Herrschaft Wildenegg im A.rchive St. Florian: „Ob 
einem Gerichtsmann ein Schaden geschah — ein Thür aufgebrochen, ein 
Fensterbret eingestossen, ein Iruchen oder Kisten aufgetwungen wurd." 
Die Abschrift des Landrechts ist aus der 1. Hälfte des 16. Jahrh. — Dazu 
Marktbuch von Vöcklamarkt von 1489 Linz. Mus. Ber. 1866. — ') Der 
Weinverbrauch war bei den niedern Volksclassen imMittelalter überhaupt viel 
gewöhnlicher als man sich denkt. So hat Herzog Albrecht von« Österreich 
dem Grafen Johann II. von Schaunberg 1435 leibgedingweise das Wein- 
umgeld zu Efferding, Aschach, Peurbach, dann von den Bewohnern der 
Dörfer Schaunberg, Pupping, Edlach, St. Marienkirchen, Waizenkirchen, 
Furt, welche Wein schenkten, verliehen. Kopal, Efferding Linz. Mus. Ber. 
1876. S. 60. 



Die Wiege des Aufstandes. , 81 

In dieses Gebiet voll reicher Jagdgehege und Fischweiden 
theilten sich 4 kaiserliche Gerichte, Frankenburg, Kammer, Kogl, 
und Wildeneck, wovon die 3 ersten an die Familie Pollheim, 
Wildeneck an das Hochstift Salzburg verpfändet waren. Schon 
im Jahre 1501 nennt sich der ritterliche Freund und Stech- 
genosse Maximilians, Wolfgang von Pollheim, einen Herrn von 
Frankenburg, Kammer, Kogl, Neu-Attersee und Puchheim. ^) 
Im Jahre 1525 waren der Landeshauptmann Ciriak von PoUheim- 
Wartenburg, der Sohn' des Vorigen, und Sigmund Ludwig von 
Pollheim-Parz die Gebieter. Die Pfandherm mussten natürlich 
sorgen, aus dem vorübergehenden Besitz soviel Nutzen als möglich 
zu ziehen, wenn feie auch nur verlangten, was das stricte Recht 
erlaubte. Daneben verlockte der zahlreiche Wildstand die armen 
Leute das Waidwerk aus Lust und Noth auf krummen Wegen 
zu treiben^) und wie diese Beschäftigung eines Theils einen 
kühnen, freiheitslustigen Geist nährte, gewöhnte sie dieselbe 
andererseits daran, mit dem Gesetz auf dem Kriegsfuss zu leben. 
Die PoUheimischen Herrschaftleute trugen sich schon seit langer 
Zeit mit Klagen über Freigeld, Erhöhung des Zinses, Steuer, 
Strafen, Robot und andere Dinge. Es mag nicht ganz ohne Grund 
gewesen sein, denn ein gleichzeitiger Berichterstatter, ^) der sich 
die damaligen Ereignisse von Vöcklabruck aus betrachtete, steht 
nicht an zu erklären, dass sehr viele Bauern im Lande, aber 
sonderlich die Bauern aus den 3 Herrschaften Kammer, Kogl 
und Frankenburg in den benannten Punkten einigermassen ge- 
drückt wurden. Es erweckte daher gewaltige Freude, als die 
Reformirer, welche Kaiser Max zur Beilegung von Zwist und 
Hader zwischen den Unterthanen und den Amtleuten seiner Herr- 
schaften eingesetzt hatte, in den Attergau kamen um ihres 
Amtes zu walten; die Leute hofften jetzt einen Theil ihrer Be- 
schwerungen anzubringen. Aber der Herr von Pollheim fand die 



^) Kaltenbäck, Zeitsch. 1836, S. 414. — ') Im Anhang Nr. 4 folgt 
eine Wildererscene, welche in der körnigen Sprache der Vorzeit die leiden- 
schaftliche Jagdlust der Bauern schildert. — ^) Wir geben den ganzen 
Bericht, wie er sich im Codex Germanicus 4925 Fol. 227 — 299, der Münchner 
Staatsbibliothek befindet, seines hohen Interesses wegen im Anhang. 

Csterjiy, Bauorii.iufBlanil. 6 



H2 Die erste Versammlung. 

Sache nicht nach seinem Sinn und erwirkte einen Befehl mit 
der Reformation stille zu halten, was wieder die Bauern übel 
verdross. 

Am 23. April 1525, es war der Georgitag und wurde das ehehaft 
Taiding des Landgerichtes Kammer abgehalten, Hess sich der 
Geist der Unbotmässigkeit nicht mehr halten. Die Ereignisse in 
Schwaben prickelten den Leuten wahrscheinlich in Ohren und 
Adern. Martin am Hinterperg, Hanns Hileckl und Ruprecht 
Timpler, beide am Weinperg, schrien öffentlich aus und begehrten, 
dass das Vogtbuch verlesen werde; sie sagten man solle nur 
10 Pfenning für einen Hetzen Haber geben (nämlich als Ablösung); 
dafür soll ihnen das Gewild, das sie so sehr bedrängte, ohne Schaden 
für sie vertrieben werden. Zur Stunde schrien auch Peter Ledrer. 
Sigmund Haumbtraz zu Hollentiern sammt andern Bürgern und 
Bauern über „das Poden, Masten und Leibrecht'' und lärmten 
der Art, dass die Klagen im Recht verhindert wurden.^) 

Die ersten Fäden zu dem Netz, welches sämmtliche Unzu- 
friedene vereinigen sollte, wurden im Mai angelegt. An einem 
Freitag vor dem Aufruhr, erzählt unsere Quelle, kamen die 
Rädlführer beim Kaltenprun an der Halt in der Pfarre St. Ge- 
orgen im Attergau zusammen. Weil die Bewegung im nahen 
Salzbui'g, von welcher die Erfolge eines oberösterreichischen 



') Aus einem Act des Kremsmünsterer Archivs mit dem Tit-el : Colla- 
tionirte Abschrift des Bauernkrieges so sich anno 1525 in diesem Lande 
Österreich ob der Enns bei der Herrschaft Kogl angefangen. Am Rande: 
Von Grienthaler (i. e. Herrn von Grünthal zu Kremseck) bekommen. Sie 
enthält die Aussagen einer Anzahl Attergauer Rebeller vor Gericht. Schrift 
des 16. Jahrh. — Wir folo^en der ^^chreibart der örtlichkeiten, die sich 
sämmtlich in der Pfarre St. Georgen im Attergau befinden, jetzt und künftig- 
hin nach dem Originale. Die obigen Angaben sind aus der güti<ren Aus- 
sage eines der Hauptrebellen, des Nartz von St. Georgen. — Das Boden- 
recht, Abgabe von Schiffen oder Fässern. Boden im Stadtrecht von Effer- 
ding von 1428 ein grösseres Schiff. — Leibrecht, der Zins, den freigelassene 
Leibeigne ihrem Herrn entrichten mussten. Sieh unten Beschwerdeartikel 
der Bauern. Mastrecht. Man verstand darunter das Hecht, von den 
Untorthanen für ihre in die herrschaftlichen Eichen- und Buchenwälder 
mr Mastang getriel>enen Schweine eine Abgabe zu begehren. — Zum Vogt- 
habem sieh unten Beschwerdeartikel der Bauern. 



^ 

k 



Die erste Versammlung. 83 

Aufstandes so wesentlich abhingen, erst am 25. Mai offen her- 
vortrat, so fällt jene wichtige Versammlung ohne Zweifel auf 
Freitag den 26. Mai. ^) Es mochten ihrer 30 oder mehr Bauern 
sein; alle die auf dem Weinperg, Kranperg und in dem Pobang 
sassen, hatten sich zu erscheinen verabredet. Als sie beisammen 
waren, machten sie einen Ring, 2) worin der Nartz auf dem 
Kranperg zu ihnen allen sprach: Nun rathe ein jeder und welcher 
den besten Rath gibt, wie wir uns fürderhin halten sollen, dem 
wollen wir folgen. Da wollte keiner reden. Da sprach der Nartz 
zu dem Angermayr auf dem Halt und zu Hanns Wanpauch auf 
dem Men, sie sollen als die altern rathschlagen, was ihnen zu 
thun sei. Hat keiner nichts rathen wollen. Darauf Nartz geredet: 
Wollen sie nicht rathen, so woll er's thun und gesagt: Wir 
wollen hinfürder keiner Obrigkeit keinen Gehorsam, noch Ro- 
boten mehr thun, keinem Amtmann, keinem Pfaffen, und den 
Vogthabem gegen Kammer nicht mehr geben. — Jetzt erfolgte 
Widerspruch. Angermayr, Wolfgang am Kranperg und Sager 
zu Wald wollten, es soll ein jeder zu seiner Herrschaft ziehen 
mit einem Schreiben und unterthänig der Beschwerung halber 
bitten, damit die von ihnen abgehandelt werde oder aber mit 
dergleichen Schreiben einen zu Ihrer Fürstlichen Durchlaucht 
dem Erzherzog schicken; doch sollen sie alle darin begriffen 
sein und zusammenhalten, was ihnen erspriesslich wäre. Wan- 
pauch redete dafür: wir wollen Gott was Gott gehört und dem 
Kaiser Was dem Kaiser gehört geben und den Rath des Nartzen 
nicht annehmen, sondern zum Fürsten schicken von des Wildes 
wegen. Da wir müssen den Vogthabern geben, soll man uns 
das Wild darum fangen. — Da hub allsogleich der Meissner 



M Wir geben die Beschreibung des Herganges nach „der collationirten 
Al»8chrift". Die Erzählung enthält, was- die Leute einstimmig, freiwillig, 
ohne Tortur, aussagten. — ^) Im Original steht „ein Schreiben", welches 
zu wiederholten Malen deutlich vorkommt z. B. sie haben ein Schreiben 
gemacht, darein der Nartz zu dem Angermayr redete; indem hat sich der 
Angermayr aus dem Schreiben beredet; sie machten ein Schreiben um 
einen Kerschbaum. Die erwähnten Ortschiaften sind in der Pfarre St. Georgen, 
Kran|>erg jetzt Kronberg. 

6* 



34 I^iö erste Versammlung. 

auf der Halt an: Nartz, Schwager, du hast ein Maul zu reden, 
du sollst reden. Darauf Nartz zum Wanpauch: Du bisteinalter 
Narr, wir wollen keiner Obrigkeit mehr gehorsam sein, und als 
ihm mehrere vorhielten, der Herren sind viele im Land, wir 
haben kein Geld, noch Zeug, das sich zu den Sachen ziemet, 
Was wollen wir anheben — antwortete er: Der Gemeinen sind 
mehr als der Herrn, wir wollen die Herrn zu den Schlössern 
heraushängen, die Schlösser selbst eiiinehmen und inne haben, 
bis der Kaiser ins Land kommt, dann wollen wir ihm's ein- 
antworten. Wir wollen zu der Herrn Zeugkammem gehen und 
Büchsen begehren. Wollen sie uns' nicht leihen, so wollen wir 
sie selbst nehmen. Hanns Hileckl, Michael Wanpauch, — der 
Prediger für den ordentlichen Rechtsgang hiess Hanns Wan- 
pauch — Mert am Hulterperg, Tiechtl am Kranperg gaben dem 
Nartzen Recht, aber Angermayr und andere widersprachen stand- 
haft. Da sie nicht einig werden konnten, beschlossen sie nach 
St. Georgen zu gehen, denn dort sollten sich ja bei dem Richter 
der Verabredung gemäss alle aus den Dörfern versammeln; ohne 
den Rath dieser Andern könnten sie ohnehin nichts beschliessen. 
Als sie auf den Abend nach St. Georgen in den Markt 
kamen, bei 40 mit ihrer Rüstung und den Wehren, fanden sie 
Leute aus den andern Dorf Schäften, Wolfgang zu Ritzing, 
Tännzl zu HöUeiten, Leonhard Schauer und den jungen Schlegel 
von Idllhaim^) darunter. Vor diesen und etlichen Bürgern hat 
Nartz wieder geredet, sein Rath sei, dass sie wollen zu Fürst- 
licher Durchlaucht schicken — so weit hatte er sich dem Aus- 
spruch der Gemässigten anbequemt -- thue aber Dieselbe ihre 
Beschwerungen nicht ab, so wollen sie weder Fürstlicher Durch- 
laucht noch einer andern Obrigkeit gehorsamen. Von Stund an 
aber sprach Leonhard Schauer von Idllhaim laut dagegen: sein 
Rath sei einzig Ihre fürstliche Durchlaucht ihrer Beschwerung 
wegen zu bitten, dass sie dieselbe abthue. Dem fielen Tännzl, 
Wolfgang zu Ritzipg und etliche Andere zu und denselben 
Abend schieden sie in Widerwärtigkeit von einander und haben 
nichts beschlossen. 



') Jetzt Jedlham. 



Die zwei Partheien. 85 

Wir sehen hier wie in einem Keime die zwei Partheien 
eingeschlossen, welche sich in allen nachfolgenden Aufständen 
im Lande ob der Enns während des 16. und 17. Jahrhunderts 
bekämpften, eine Parthei, welche auf friedlichen Wege Abstellung 
ihrer Beschwerden anstrebt und die Kriegsparthei, welche von 
keiner Obrigkeit etwas wissen will und die vor keiner Gewalt- 
thätigkeit zurückschreckt. Ihr Ziel ist die nackte Anarchie. 
Unter diesen Bauern steckten masslos rohe Gesellen von bestia- 
lischen Trieben, Leute, welche, wie die Verhöracte, die wir vor 
Augen haben, bezeugen, durch Mord, Raub,. Diebstahl und Wald- 
frevel sich trefflich auf die Rolle vorbereitet hatten, welche sie 
im Aufruhr zu spielen vermeinten und die sie in die Worte 
zusammenfassten „Schlösser und Städte mit Gewalt erobern und 
nehmen, was sie finden." ^) Ganz merkwürdig aber ist es, dass 
wir hier im abgeschlossenen Gebirgsthal vom Bauern Nartz die- 
selben Worte vernehmen, welche die Bauern in Schwaben schon 
im Jahre 1524 ihren geheimen Boten als Programm des Bauem- 
bundes in den Mund legten: „Sie wollen ihren Herrn nicht mehr 
gehorsam sein, keinen Herrn haben als den Kaiser, diesem 
seinen Tribut geben, er solle ihnen aber nicht einreden; sie 
wollen alle Schlösser und Klöster und was den Namen geistlich 
Labe zerstören." 2) 

Des reinen lautern Evangeliums aber geschah in jenen Ver- 
sammlungen zu St. Georgen nicht mit einem Wort Erwähnung 
— Beweis, dass das Lutherthum in jener Gegend damals sehr 
wenig Anhänger gehabt haben musste. 

Es ist kein Zweifel, dass diejenigen, welche wir im Obigen 
geschildert haben, nur auf das Erscheinen der salzburgischen 
Erlöser, mit denen sie zweifellos noch mehr als mit den Baiem 
conspiriiii hatten, warteten, um einen Bund auf gegenseitige 
Hilfe mit ihnen einzugehen. Als daher die Salzburger Bauern 



') Sieh oben Ausspruch des Nartz. Ähnlich lautet das Bekenntnis« 
des Schmids Georg von Zimmerperg in der collationirten Abschrift. — 
'J Zimmermann Gesch. d. gr. Bauernkr. I. 227. — Ebenso war os in Schwaben, 
Franken, Elsajss, Jörg 1. c. 147, 201, 292, im Salzburgischen Pichler 1. c, 

;jil, 312. 



86 Offener Ausbruch der Rebellion. 

von ihrem Hauptquartier Hallein aus, Streifcorps nach St. Wolf- 
gang, Mondsee und Strasswalchen schickten, um diese Orte in 
ihr Bündniss zu bringen und bei ihrem Vormarsch auf Salzburg 
auf den 3 wichtigen Strassen sich zu versichern, dass aus Öster- 
reich kein Überfall drohe, ergriffen Bürger und Bauern von St. 
Georgen unter allen Oberösterreichem zuerst die Waffen, rührteu 
am 1. Juni 1525 zuerst Glocken und Trommel, rotteten sich 
zusammen und bildeten nun ihrerseits den Kern, an welchen 
sich alle unzufriedenen Gemeinden auschliessen sollten. *) Um 
die Schwankenden zu ermuthigen und die Gegner zu schrecken, 
gebrauchten sie einen Kunstgriff, den sie in allen nachfolgenden 
Aufständen 1595, 1626, 1632 mit Virtuosität prakticirten; sie 
übertrieben ihi-e Anzahl oder die ihrer Bundesgenossen ins Un- 
geheure. Ein getreues Bild, wie sehr ihnen der Kniff gelungen 
und welche Stimmung die Erhebung im Lande antraf, gewährt 
das Schreiben, welches Achaz von Losenstein, Pfleger der 
bischöflich passauischen Herrschaft Ebelsberg, seinem Herrn, 
dem Administrator des Hochstiftes Passau und bairischen Prinzen 
Ernst auf die erste Nachricht vom Ausbruch der Empörung in 
Eile zusendet. Sein Schwager, schreibt er, Sigmund Ludwig von 
Pollheim habe ihm anzeigen lassen, dass gestern, 31. Mai, wohl 
40.000 Bauern das Kloster Mondsee und den Markt Strasswalchen 
eingenommen und von diesem Haufen 4000 gegen Unterach 
abgeordnet haben. Der andere tfaufen, jetzt noch ungefähr 
' 36.00 J Mann stark, ziehe auf dem kürzesten Weg nach Salzburg. 
Die Salzburger Bauern lassen sich hören, sie wollten sehen, wie 
man sich in andern Landen auch halte, es müsse der Aufruhr noch 
weiter fortgepflanzt werden. Diese Nachricht sei dem Sigmund 
Ludwig von Pollheim von dem Pfleger des Giriak^) von Poll- 



*) In dem Urtheil, das der ständische Feldhauptniann Alexander von 
Schiefer über die Bürger von St. Georgen verhängte, 'sagt er ausdrücklich, 
dass „andere Märkte und Pfarreien auf sie als die ersten Anheber und 
Rechtschuldigen bekennet." Archiv Kremsm. Acten zum Bauernkrieg 1525. 
- Ebenso Schreiben der Landleute zu Wels vom 11. August an den Erz- 
herzog. Archiv d. Reichsfinanzminist. — *} Der Pfleger, von dem die Rede 
ist, ist wahrscheinlich der von Wartenburg. 



Furcht vor den Bauern. 87 

heim heut in der Nacht in Linz zugekommen. Seine Fürstlichen 
Gnaden wisse, dass der Anfang dieses Muthwillens bei den 
geistlichen Herrschaften gemacht werde, wesshalb er bilHg in 
Sorgen stehe; denn wenn die Sache weiter schreite, so werde 
die Herrschaft Ebelsberg nicht vergessen werden. Zu seinem 
Kummer könne er sich auf Bürger und ünterthanen nicht ver- 
lassen. Der Fürst wisse, wie sich die Städte und Märkte durch- 
aus in diesen Läufen halten. Er möge 100 geharnischte Knechte 
iiis Schloss Ebelsberg legen, auch wäre er eines Büchsenmeisters 
sehr bedürftig. •) Der Brief ist datirt vom 1. Juni. In einem 
weitem Bericht vom 2. Juni sagt er: Er könne keinem Menschen 
im Markte Ebelsberg vertrauen; die Reichen rathen zur Güte, 
die Armen seien schier alle heimlich durch das Gelübde ver- 
bunden, den Bauern beizustehen. Er bitte dringend um Knechte.^) 

Man sieht, wie die Kriegslist der Bauern auch erfahrne 
Männer berückte. Eine Zahl von 40.000 bewaffneten Bauern aus 
dem kleinen Salzburg war an sich eine unglaubliche Märe imd 
noch mehr war es die Voraussetzung, dass die Bauern bei dem 
Mangel aller Verpflegsvorkehrungen mit ihrem ganzen Heere 
an dem dürftigen österreichischen Grenzsaum herum marschieren 
werden, um dann erst auf die Stadt Salzburg loszugehen.^) 

Die centrale Lage von St. Georgen ermöglichte es, dass 
noch am Tage, an dem sie die Fahne des Aufstands entrollten, 
die Nachricht davon durch die Boten und die Sturmglocken nach 
Mondsee, Kammer, Frankenmarkt, Vöcklamarkt,*) Vöcklabruck und 
noch weiter sich verbreitete. Die Rebellen suchten sich schnell 
durch Aufnahme Anderer in ihren Bund zu stärken, wozu ihre 
Boten einluden. Den 2. Juni meldet Achaz von Losenstein an Herzog 



') König]. Baier. Reichsarchiv. Fascikel österr. Bauernrebellion. — 
Ein Büchsen meiater ist ein . Artillerieofficier, Feuerwerker. — Über die 
bauernfreundliche Haltung der Städte in Deutschland Jörg 1. c. 118 tf. 
KJf), 291. — ^) Königl. Bair. Reichsarchiv 1. c. — ^) Nach Pichler 1. c. 
wurde Hallein am 27. Mai nur mit 1600 Mann besetzt und zur Huldigung 
j^t'zwungen. — *} Nach den Acten damals noch immer Vöckelsdorf, auch 
Volkenstorf genannt. Der Ort wurde schon 1489 zum Markt erhoben; lt 
f^ehörte zum Landgericht Kammer. 



88 Furcht vor den Bauern. 

Ernst in Passau: gleich zur Stund sei ihm von der Landes- 
hauptmannschaft bei eilender Post, die' nach Wien abgefertigt 
wurde, verkündet worden, dass die Bauern im „atergey" (Attergau) 
in starken Haufen sich versammelt, dass sie den Markt Lambach 
und alle Bauerschaft daselbst in das Gelübde genommen und 
aufs Längste morgen sich des Klosters bemächtigen wollen.^) 

Der Marsch auf Lambach scheint unterblieben, die Erhebung 
auf den Attergau beschränkt geblieben zu sein; der Berioht- 
erstatter zu Vöcklabruck sagt nur, dass die Bauern aus den 
drei Herrschaften nach dem Ausbruch der Rebellion in Tirol 
und Stift Salzburg sich ein Herz gefasst und gegen ihre Obrigkeit 
sich empört, aber keinen Angriff gethan, kein Bündniss oder 
Versammlung gehalten haben. Ihre Absicht ging dahin, auf dem 
Wege der Verhandlung zum Ziele zu gelangen. Wäre ein Sturm 
auf Lambach, wie man befürchtete, erfolgt, so hätten die Stände 
in der Schrift vom 7. Juni, worin sie dem Erzherzog die Lage 
des Landes schildern, ganz gewiss davon Erwähnung gemacht. 
Sie sprechen aber bloss davon, dass die Rebellen im Hochstift 
Salzburg „die Unterthanen ihrer Durchlaucht und ihre eigenen, 
die auf den Grenzen in diesem Land sitzen, bewegt und zu 
gleichmässigen Aufruhr und Empörung gereizt haben." ^) 

Die Nachricht von der Erhebung „des Bundschuh" im 
Attergau traf die Stände noch nicht versammelt; aber die Noth 
trieb die in Linz weilenden und aus der Nähe schnell zusammen- 
berufenen zu ungewöhnlicher Energie. Ihre Lage war eine sehr 
bedenkliche. Die Bauernbündnisse waren damals so eingerichtet, 
dass durch Ansagen und Sturmläuten binnen wenigen Stunden 
10 — 15.000 Bewaffaete schnell zusammengezogen werden konnten ; 
darin lag das Hochgefährliche einer solchen Verbindung trotz 
der scheinbaren Ruhe; in Ermanglung einer stehenden Truppe 
stand den Bauern der Weg bis Linz offen. Die Städte waren, 
wie Losenstein oben andeutete und die Ereignisse in Schwaben, 
Salzburg, Steiermark, Unterösterreich erprobten, aus Abneigung 



') Königl. bair. Reichsarch. l. c. — Landesarchiv Linz, Landtags- 
annalen. Bd. A. 



VertheidigTingsmassregeln. 89 

gegen die Privilegien des Adel offen oder heimlich den Bauern 
zugethan. Herren und Prälaten konnten sich auch auf ihre 
scheinbar ruhigen und ergebenen Unterthanen nicht verlassen. ^) 
Da galt eis rasches Handeln, um dem einreissenden Verderben 
zu begegnen. Man ernannte Ausschüsse zur Berathung der 
dringendsten Fragen; es sollten die Artikel erörtert werden, 
bezüglich welcher man mit dem gemeinen Mann jetzt in Ver- 
handlung treten wollte, es waren Commissäre zur Unterhandlung 
zu ernennen, der Feldherr und Viertelmeister zu bestellen, Be- 
festigungen anzulegen. 

Auf die erste Nachricht voin Ausbruch der Rebellion er- 
nannte das verstärkte Verordneten -CoUegium vorläufig einen 
aus der Ritterschaft und landsässigen Edelmann, den Alexander 
Schiefer zu Freiling zum Befehlshaber der anzuwerbenden stän- 
dischen Truppen.^) Er und Achaz von Losenstein gehörten zu 
den erprobtesten Männern im Lande. Bei dem hochwichtigen 
Ausschusslandtag, den Kaiser Maximilian im Jahre 1518 zur 
Ordnung der Regierungs- und Verfassungssachen der 5 nieder- 
österreichischen Lande nach Innsbruck berief, waren sie unter 
den Deputirten der Stände ob der Enns. Schifer wird von dem 
Herrn von Harrach mit kurzen Worten geschildert: der Feld- 
hauptmann Herr Alexander Schifer ist ein redlicher Mann, 
handelt gern ernstlich und wie sichs gebührt. ^) Hoheneck hebt 
es in seiner genealogisch-historischen Beschreibung der Stände 
Oberösterreichs rühmend hervor, wie er bei der Königskrönung 
MaximiUans in Aachen an. 1486 „mit Kaisers Caroli Magni 
Schwert zum Ritter geschlagen'', nachdem er ein Jahr zuvor 



') Schreiben der Prälaten ob der Enns an die Räthe der niederösterr. 
Haitkammer: Sie müssten sich in der Rüstung durchaus mit fremden Leuten 
helfen, weil ihre Bauern ihnen nicht gehorsam sind und sie ihnen auch 
nicht vertrauen wollen. Reichs-Finanzministerium Bauemkriegsacten 1525. 
Fase. 78. — ^) Sigmund Ludwig von Pollheim, der zuerst gewählt wurde, 
hatte wahrscheinlich wegen seiner rebellischen Pfandherrschaften Kammer 
und Kogl abgelehnt. — ^) Brief d. d. Wien 4. Aug. 1525 -bei Hoheneck, 
Genealog. Beschr. IL 329. Der Schreiber ist höchst wahrscheinlich der Vice- 
statthalter in Wien, Leonhard von Harrach. Schifer starb 1530. Über sein 
Geschlecht siehe Stmadt, Peuerbach 316. 



90 Vertheidigungsmassregeln. 

Wien gegen König Matthias vertheidigen helfen. ^) Jeder der 
4 Stände sollte 3000 Gulden zu seinen Händen liefern. Aber 
schon hier zeigte sich die lähmende Macht einer vielköpfigen 
Regierung. Während die Prälaten ihre Gült in 8 Tagen zahlen 
wollten, wollten andere aus Unvermögen, wie es heisst, den 
Anschlag gar nicht bewilligen. ^) Das Commando in den einzelnen 
4 Vierteln des Landes sollten die Viertelmeister führen; der 
Erzherzog bestimmte für Hausruck den Bernhard Jörger, für 
Machland den Landauer, für das Traunviertl Paumkircher, für 
das Mühlviertl Oberheimer. Wo ein Aufgebot oder „Geschrei" 
entstünde, sollten die Landleute und der gemeine Mann den- 
selben zuziehen und mit guter Ordnung Widerstand thun. Die 
ungewöhnlichen Wege und Strassen auf den Wäldern gegen 
Böhmen sollten verschlagen, die verdächtigen Ufer abgeschafft 
und bei allen Anwohnern streng befohlen werden, Niemand 
Unbekannten oder Verdächtigen überzuführen. In Böhmen und 
Salzburgischen sollten Kundschafter gehalten werden, ob sich 
Empörungen zutragen sollten, denselben zeitlich zuvorzukommen. 
Linz sollte in seinen Befestigungen verstärkt werden; schon den 
IL Mai hatten sie den Erzherzog gebeten, zwei feste Orte als 
Zuflucht für ihre Familien zu bestimmen. 

Der Feldherr war da, aber es fehlte die Armee. .Man musste 
schon desshalb auf Unterhandlungen mit den Bauern denken, 
um Zeit zu gewinnen. Ein friedlicher Ausgleich lag hiej- wie 
anderwärts im höchsten Interesse der Stände, denn wenn sie 
auch im Kampfe siegten, so konnte es nur mit schweren Schaden 
ihres Eigenthums geschehen, wozu eben die Bauern gehörten. 
Es sollte also ein abmahnendes Generale an die aufrührerischen 
Unterthanen in allen Kirchen des Landes verkündet werden, 
aber grosses Vertrauen setzten die Stände selbst nicht, in diesen 
Schritt. Darum müsse man sich zu Allem bereiten. Offenherzig 
legen sie in ihrem Schreiben ^) an die Landtagscommissäre, zur 



') 1. c. — Bericht des Achaz von Losenstein an Administrator 
Ernst vom 2. Juni 1. c. — '*) Vom 7. Juni, an welchem Tage der Landtag 
in Linz zusammentrat. 



Das Friedenspatent. 91 

Mittlieilung an den Erzherzog bestimmt, die Lage des Landes 
dar. Ln Fall die Stände, lauten Ihre Worte, von ihren ünter- 
thanen und besonders, wenn sie wie zu besorgen mit Hilfe des 
ausländigeji gemeinen Mannes von denselben angegriffen werden, 
vermögen sie mit der Hilfe, die sie und Ihre Durchlaucht etwa 
in Eile aufbringen könnten, wenig oder gar nichts zu einem 
Widerstand Austrägliches zu leisten. Sie können auch nicht 
hoffen aus andern Landen und Nationen Dienstvolk so schnell 
als es die Noth erfordert zu bekommen, welches überdiess in 
merklicher Anzahl und mit unerschwinglichen Kosten geschehen 
müsste. Leider habe sich die Empörung bis in das Stift Salz- 
burg unversehentlich genähert und zum Theil die Unterthanen 
Ihrer Durchlaucht und ihre eigenen, die auf den Grenzen in 
diesem Lande sitzen, beweget und zu gleichmässigen Aufruhr 
gereizt. Desswegen haben die 3 Stände, Prälaten, Herren und 
Ritter sich berathschlagt und beschlossen, weil solch ein Feuer 
unter dem gemeinen Mann anfänglich am leichtesten durch Güte 
mag gestillt werden, eiii offenes Generale an sie zu erlassen, 
welches sie den Commissären hiemit überantworten. Dieses 
Generale wollen sie durch etliche ansehnliche Personen aus den 
Landleuten an den Grenzen und Orten, wo sich dergleichen 
Empörung erheben, öffentlich kund thun und auch sonst im Land 
bei allen Märkten und Städten, Gerichten und Kirchen ver- 
künden lassen des Verhoff'ens, es werde dieses ihr Hocherbieten 
bei ihnen wirksam sein und sie darüber sich in keinen Aufruhr 
einlassen. Gleichwohl besprgen sie, dass dieses Erbieten der 
3 Stände» bei vielen, welche ihren Muthwillen in dergleichen 
Handlung zu üben sich freuen, wie dann dieser Pofel zu thun 
pflegt, nicht erfolgreich sein werde. Sie seien desshalb wohl 
begierig, eine passende Hülfe und Ordnung vorzunehmen, könnten 
sich aber aus Gründen, die jeder Stand für sich selbst hiebei 
anzeigt, nicht dazu entschliessen. Oh^e besondere Hülfe Ihrer 
Durchlaucht sei keine erspriessliche Gegenwehr möglich. Sie 
bitten desshalb Ihre Durchlaucht eine Anzahl gerüstete Pferde 
und dazu eine Summe Geldes in das Land zu schicken, um eine 
gewaltige Gegenwehr vorzunehmen; sie wollen dann neben Ihrer 



92 Und die Kriegsbereitschaft. 

Durchlaucht gereisigen Volk auch Fussknechte bestellen. Ein 
weiteres Begehren ist, dass Fül'stliche Durchlaucht eine ziemliche 
Anzahl Feldgeschütze und etliche Büchsenmeister mit allen dazu 
gehörenden Nothdurften ins Land schicken. Die vom Erzherzog 
verordneten Viertelmeister wollen sich beinahe alle mit' diesem 
Amt nicht beladen und haben die Sache ganz abgeschlagen. Durch- 
laucht möge desshalb gnädigste Einsehung thun, damit das Land 
mit einem geschickten obristen Feldhauptmann und taugKchen 
annehmbaren Viertelhauptleuten versehen werde. Auf des obersten 
Feldhauptmann oder der andern Hauptleute Erfordern wollen sie 
dann selbst nach höchsten Vermögen zu Ross und Fuss gerüstet 
denselben zuziehen und ungespart ihres Leibs, Lebens imd Ver- 
mögens die Anordnungen Ihrer Durchlaucht ausführen helfen. 

Der Erzherzog habe (mittelst Erlass vom 2. Juni) begehrt, 
dass sie den steirischen Ständen aufs Schnellste mit Hülfe zu- 
ziehen und Ordnung vornehmen, damit wenn in einem Lande 
der Aufruhr gestillt ist, man einem andern, wo er etwa aus- 
gebrochen ist, zu Hülf konmie. Sie seien nun des besten Willens 
andern Erblanden zu Hülfe zu kommen: „dieweil aber dieser 
Aufruhr sich in diesem Land auch merklichen erheben und von 
Tag zu Tag mehren werde" so sei es ihnen unmöglich, dem 
angezeigten Lande Hülfe zu beweisen. Sie bitten Ihrer Durch- 
laucht zu berichten, dass dieselben „die angezeigten Aufruhren, 
so in unserm Heimbwesen vor Augen sein" für eine genügende 
Entschuldigung annehme und es den Ständen nicht als Eigennutz 
oder Widerwillen gegen die Erblande auslege. 

Am 5. Juni war ein Befehl Ferdinands an die Landtags- 
commissäre ergangen, Ausschüsse aus den Ständen auf den 
Landtag zu Innsbruck, der den 12. Juni anfange, zu senden. 
In Tirol währte nämlich der Aufstand bereits eine Zeit lang; 
Ferdinand hatte desshalb zur Pacification der Unterthanen einen 
allgemeinen Landtag ausgeschrieben. Der oberösterreichische 
Landtag sollte zwei geschickte Landleute als Botschafter mit 
einem Credenzbrief dahin schicken, welche den Tirolern vor- 
halten sollten, ihr Anliegen nicht mit Gewalt, sondern mit Glimpf 
bei ihm zu suchen. 



Die ständischen Gesandten am Hoflager des Erzherzogs. 93 

Darauf erwidern die Stände, es sei ihnen platterdings 
unmöglich, die Sache so eilig abzuthun. Sie haben desshalb 
dem Herrn Ciriak, Freiherrn zu Pollheim und Wartenburg. 
Sr. Durchlaucht Rath, obristen Hofmeister und ihren Landes- 
hauptmann, zugleich auch Herrn Hansen von Starhemberg als 
ihrem besondem Freund geschrieben, weil dieselben ohnediess 
bei obgemeldeten Landtag sein werden,^) ein Schreiben der ober- 
österreichischen Landstände an jene von Tirol im Landtag als 
oberösterreichische Landleute zu übergeben. Diese werden dann, 
was Ihrer Durchlaucht und Ihrer Landschaft Tirol zu Fried und 

I 

Einigkeit ist, mit den Botschaftern der andern niederösterreichi- 
schen Lande aufs treulichste handeln. 

Die Botschafter für den bevorstehenden Ausschusstag zu 
Steyr auf Pfingsttag nach St. Johannis Sonnenwende (29. Juni) 
und für den Landtag, den Durchlaucht mit allen nieder- und 
oberösterreichischen Landen auf nächsten Martini (11. November) 
zu halten beschlossen, haben sie in allem Gehorsam ernannt 
und mit genügsamen Gewalten versehen.^) 

Etwas, was in dem Schreiben der Stände unsere besondere 
Aufmerksamkeit verdient, weil es zur richtigen Auffassung der 
Lage verhilft, ist das bittere G^ständniss, dass sie trotz des sehn- 
lichen Wunsches in Betreff der Rüstungen, zu einem Schlüsse 



') Als Obristhofmeister lebte Pollheim am Hofe Ferdinands, der ihn 
vielfach zu den wichtigsten diplomatischen Sendungen verwendete. Hanns 
von Starhemberg war schon 1519 von den Ständen mit andern Erbland- 
Ausschüssen zu Karl V. nach Spanien geschickt worden, um die Stände 
wegen Übernahme der Regierung nach Maximilians I. Tode zu entschul- 
digen. Wir finden ihn jetzt ebenfalls mit wichtigen Verhandlungen mit 
den AUgäuischen Rebellen von Seite des Erzherzogs betraut. Er war mit 
der. Schwester Ciriaks von Pollheim vermählt. Beide gehörten zu den 
edelsten und reichsten österreichischen Cavalieren. Wie wenig man aber 
damals ausgebreitete Kenntnisse oder eine lange Lebenserfahrung brauchte, 
um zu den wichtigsten Geschäften befähigt zu erscheinen, zeigt das Alter 
der beiden Herrn. Ciriak stand im 30., Hanns Starhemberg im 31. Lebensjahr. 
Zu Pollheim Jörg L c. 417, 448, 505, 506. Starhemberg 476. — Das Credenz- 
scbreiben der gemeinen Landschaft ob der Enns an die ehrsame Landschaft 
Tirol ist vom 9. Juni 1525. Landesarchiv Linz. — ^) Landesarchiv Linz 
Landständ. Annal. Band A. — Der Schluss ist unterfertigt: N. gemeine 
Landschaft der 4 Stände Österreich ob der Enns. 



94 Bereitwilligkeit der Geistlichkeit. 

nicht kommen können wegen der abweichenden Ansichten. Die 
bei dem Aufruhr Gefährdetsten, die Geistlichkeit, war am 
schnellsten bereit, den Anschlag, der auf sie fiel, zu zahlen und 
getreu neben Herren, Ritterschaft und Städten in Gegenwehr zu 
stehen, allein sie erklärte sich für unvermögend zwei grossen Geld- 
forderungen zu gleicher Zeit genügen zu können. Der Landes- 
herr habe sich vor Ausbruch der Revolution in Oberösterreich 
mit dem Ansinnen eines grossen Darlehens an sie gewendet; 
sie haben damals darein gewilligt und jetzt sei ihnen der Befehl 
zugekommen, selbes von Stund an ganz oder doch halben Theil 
zu geben. Müssen sie aber dieses Darlehen leisten, so sei es 
ihnen ganz unmöglich, andererseits den Ständen in solcher 
Gegenwehr austrägliche Hülfe zu thun. Das Ansinnen des Landes- 
fürsten sei so gross, dass sie fast alle ihrer Gotteshäuser Klein- 
odien verkaufen, verkümmern und sammt ihrer Baarschaft dar- 
strecken müssen. Sie bitten darum, die Stände mögen dahin 
wirken, dass solch schweres Begehren abgestellt werde, dann 
wollen sie zur Gegenwehr Rath, Hülfe und Beistand thun.^) Ob 
die Stände für sie eingetreten sind, wissen wir nicht, aber das 
ist sicher, dass^ die Prälaten die auf sie fallenden 3000 Gulden 
für das Dienstvolk an die Stände entrichtet haben. 

Etwas Anderes offenbar als das Geld hielt die Städte ab, 
sich dem Adel und der Geistlichkeit anzuschliessen. Wenn auch 
das Streben nach einem Wechsel in den kirchlichen Verhältnissen 
sie zu dem Adel hinzog, so trennten sie sich doch wieder von 
ihnen, wenn es gegen die aufständischen Bauern gehen sollte, 



^) Landesarchiv Linz, Landst. Ann. Bd. A., S. 551. — Dasselbe mit 
andern Worten auch an die Hätho der Raitkammer in Wien von Linz 
10. Juni. Archiv des Linz. Museums Fascikel mit Spitaler Acten. Oberleitner, 
Ost. Finanz- und Kriegswesen anter Ferdinand L im 22. Bde. des Archivs 
der k. Akademie S. 21, gibt ein Yerzeichniss der Hofkammer, wozu sich 
die einzelnen Stifte Ober- und Unterösterreichs bezüglich des Darlehens 
gegen den Rath des 5]^*5^berzogs Dr. Johann Fabri eingelassen haben. Es 
ist vom .*! Mai 1525. Aber diese von Oberleitner als einbezahlt genommenen 
Summen waren den 18. Juli noch immer ausständig. Sieh Schreiben 
des Wiener Hofratha an Ferdinand vom 18. Juli 1525. Arch. d. Reichn- 
Finanzminist. 



Ausflüchte der Städte. 95 

vorausgesetzt, dass sie sich nicht selbst von ihnen bedroht sahen. 
Wir haben oben Losenstein gehört, hören wir nun die Ent- 
schuldigung der Städte bezüglich der Hülfe zur Gegenwehr. Sie 
ist an die Landtagscommissäre und den Erzherzog gerichtet. 

Sie haben die Hülfe abgeschlagen erstlich aus keiner andern 
Ursache als ihres Unvermögens und weil sie eine solche For- 
derung bei ihren Mitbürgern nicht zu erhalten wüssten, indem 
die neulich jüngst auferlegte Steuer noch nicht vollständig ein- 
gebracht sei. Liessen sie sich darauf ein, so könnte das zur 
Empörung auch derjenigen fürstlichen Unterthanen ausschlagen, 
die bisher still gehalten. Dann sei aber auch durch die 3 Stände 
eine Schrift an die Aufrührigen lautend aufgerichtet ^) und ihnen 
vorgelesen worden. So viel sie im Lesen verstanden, sei die 
Schrift im Anfang wohl auf brüderliche Vermahnung und freund- 
liche Mittel gerichtet, aber daneben am Schluss mit einem be- 
drohlichen Anhang verfiiischt, der Meinung, wo fern die Auf- 
rührigen, welche von den 3 Ständen ein Pofel genannt werden, 
der brüderlichen Ermahnung und den vorgeschlagenen Mitteln sich 
nicht unterwerfen, würden sie verursacht, mit der That und Hülf 
ihrer Freunde, auch anderer Nationen Beistand gegen sie als 
ihre Feinde und Widerwärtige zu verfahren. In solchen bedroh- 
lichen Anhang haben sie nicht willigen wollen, weil sie besorgt, 
„dass solches mehr zu Hitz und Aufruhr als zu Still und Hin- 
legung der Sachen gedeihen und gelangen möcht." Ausserdem 
wüssten sie eine solche Einwilligung gegen „ihre Eltern" 2) und 
Diejenigen, von denen sie geschickt wurden, nicht zu verant- 
worten. Allemalen erbieten sie sich aber, „wo es daran käme," 
sich mit Gegenwehr nach ihrem ganzen Vermögen als getreue 
l'nterthanen Ihrer Fürstlichen Durchlaucht zu erzeigen.^) 

Die 7 Städte geben sich in dem ämtlichen Actenstück 
ilou Anschein, als ob die Erschöpfung der Finanzen den Haupt- 



') Sie meinen das abmahnende, weiter unten folgende Patent der 
Stande vom 9. Juni an die Untc;rthanen. — ') Hathsherrn. Zunftälteste. — 
'i Hnterzeichnot: Die Verordneten der 7 Städte Lands (Österreich ob der 
Knns. Landesarchiv Linz. 1. c. 



96 Ausflüchte der Städte. 

grund ihrer Weigerung abgebe; allein die wahre Ursache gibt 
das Verhalten der Stadt Steyr an die Hand. Als man sie, als 
die reichste, von Seite der Regierung bearbeitete, sich den 
andern Ständen in der Gegenwehr anzuschliessen, erklärte sie 
unumwunden, der Streit betreffe nur Adel und Geistlichkeit, 
nur gegen diese richteten sich die Beschwerden der Bauern; 
sie sähen durchaus die Nothwendigkeit nicht ein, die Streitfrage 
mit dem Schwert zu lösen; der Weg der Unterhandlungen 
müsse zum Ziele führend) Natürlich konnte die Drohung mit 
der „Eisenseite" und die Beschimpfung mit dem Worte Pofel 
im Abmahnungspatent dazu nicht als geeignete Einleitung 
erscheinen, wesshalb die vereinigten Städte ihr Bedauern darüber 
in dem Entschuldigungsschreiben an die Landtagscommissäre 
öffentlich aussprachen. 

Die Städte standen also, was die Verminderung der Lasten 
anbelangt, auf Seite der Bauern. Das Mitleid hat gewiss nicht 
allein daran Schuld gehabt. Es war die alte Eifersucht auf die 
vielen Privilegien des Adels in Gerichtsstand, Besteurung, Be- 
fähigung zu den wichtigsten Ämtern, Ehrenvorrechten u. s. w., 
deren Gewicht verschärft wurde durch den Stolz und die 
Selbstüberhebung dieses Standes, wovon sie einen Beweis gerade 
wiederum in der wegwerfenden Bezeichnung der Bauerschaft 
als Pofel fanden. 2) Der Streit wegen des Fürkaufs hielt die in 
ihrer Nahrung betroffenen Bürger durch viele Generationen 
gegen die drei obern Stände in Athem. Mit nicht geringerer 
Hitze entbrannte schon seit Langem der Kampf über die 
Beitragsquote der Städte zu den öffentlichen Anlagen und 
Rüstungen, indem sie statt des bisher geleisteten vierten Theils 



') Preuenhuber, Annal. 222. — ^) Die adeligen Hof- und Kammer- 
räthe in Wien mahnen später den Erzherzog, er solle den Salzburgischen 
Rebellen die Strafe nicht erlassen und sich erinnern an den grossen Spott, 
Schmach und Schande, so ihm die Salzburgischen mit dem Überfall in 
Schladming angethan „und besonders dass sie als gemeine Personen und 
Bauernleut" eine Anzahl von Fürstlicher Durchlaucht Dienstleuten haben 
enthaupten lassen. Über die Prätensionen des Adels sieh auch Preuenhuber 
l. c. 215. 



Eintreten der drei weltlichen Stände für das neue Evangelium. 97 

nur den fünften erlegen und ihre auf dem Lande befindlichen 
Gülten auch dazu gebrauchen wollten. Uberdiess war es ihnen 
ein gewaltiger Dom im Auge, dass die drei obern Stände in 
der Nähe der Städte in ihren Tafernen Bier und Wein 

ausschenkten und auf ihren benachbarten Dörfern Gewerbs- 

« 

leute ansiedelten. Unter der Last der gewaltigen, reellen Vor- 
rechte hatten wahrlich auch die Städter vieles zu leiden, ganz 
abgesehen davon, dass der Krieg des verarmten Adels gegen 
die Pfeffersäcke auch in Österreich auf Land und Wasser- 
strassen trotz Maximilians Landfrieden noch fortdauerte, wozu 
der Process gegen den Heckenreiter Bernhard Zeller von 
Schwertberg und seine adeligen Spiessgesellen einen traurigen 
Beleg liefert. Nur für den Fall, dass sie selbst angegriffen 
würden „wo es daran käme'', gaben sie dem Erzherzog die 
kühle Versicherung, dass sie sich wehren würden.^) 

Über die religiösen Zustände im Lande beim Ausbruch 
der Rebellion erfahren wir aus dem Munde der drei weltlichen 
Stände ein sehr wichtiges Geständniss in dem Gutachten, 
welches sie auf die Aufforderung des Erzherzogs, ihm die Mittel 
zur Stillung der Empörung anzugeben, zugleich mit der obigen 
Schrift vom 7. Juni übergaben.^) Die Ereignisse klug benützend 
finden sie den Hauptgrund der Empörungen „so sich täglich 
unter dem gemeinen Mann erheben, in den viel widerwärtigen 
Predigten und Lehren, welche jetzt allenthalben für das 
Gotteswort gelehrt und gepredigt werden, welche nicht allein 
in Gefährlichkeiten Leibs und Guts, sondern auch, was das 
Höchste ist, in Verdammniss der Seele setzen und bringen. 
Aus solchen ungewissen, widerwärtigen Lehren und Predigten, 
so unter dem Schein des heiligen Wortes Gottes vorgegeben 



•) Auch bei dem Aufstande an. 1595 klagen die 3 obem Stände, dass 
die Städte eine Menge Bedingungen und Schwierigkeiten machten, und 
sich 80 stellten, dass man nicht wisse, ob sie Freund oder Feind seien, was 
den Bauern ein Herz mache, indem sie sähen, dass die Adeligen mit ihren 
Dienern allein ständen. Archiv St. Florian Bauernkriegsacten 1595 — 1597. 
über die vornehme Räuberbande, Prouenhuber 1. c. 217. — '^) Landes- 
archiv Landtagsannal. Bd. A. 

Czerny, BauernaufiBtand. 7 



98 Eintreten der drei weltlichen Stände für das neue Evangelium. 

werden, werde seine allmäclitige Barmherzigkeit und dieErkenntniss 
unser selbst verdunkelt, auch dadurch die brüderliche Liebe 
ganz unterdruckt, woraus nichts als eigner Nutz, Aufruhr und 
Zwietracht folgt.'' Welche Lehren Herren, Ritter und Städte 
mit den citirten Worten meinen, sagen sie nicht ausdrücklich, 
aber wir können es errathen. Gerade jetzt machten sich infolge 
der Regensburger Beschlüsse und im Gegensatz zur früheren 
Fahrlässigkeit und Sorglosigkeit auf den Kanzeln ein grösserer 
Eifer in Vertheidigung der alten katholischen Lehre und 
Gebräuche geltend. Die Phrasen von dem Wort Gottes, der 
brüderlichen Liebe und vom Eigennutz werden regelmässig gegen 
die Katholiken ausgespielt. 

Die Klage der Stände eröffnet uns also einen Einblick in 
die tiefe Zerrissenheit des Landes, welches so gut wie die 
andern Provinzen Ferdinands eine Heimstätte von Uneinigkeit, 
Streit, leidenschaftlicher Erbitterung und Todschlägen geworden 
war.^) Interessant aber ist es zu sehen, wie sie den gerügten 
Übelständen abgeholfen wissen wollten. Weil aber, sagen sie 
wörtlich, „das heilige Evangeli eine einzige, wahre und einf eltige 
Auslegung hat, welche allen Fried und Einigkeit anzeigt und 
nichts so hoch als Zwietracht und Aufruhr hasst, so bitten sie 
Fürstliche Durchlaucht in Unterthänigkeit anzuordnen, dass das 
heilige Evangeli lauter und ohne einigen Zusatz gepredigt 
werde, wie es denn am gewissesten und besten dort verstanden 
und gelehrt wird, wo man eine Schrift mit der andern, das Alt 
mit dem Neuen Testament auslegt und gegen einander hält." 
Sie meinen damit vor Allem eine Auslegung, welche die heil. 
Väter und die Erklärungen der römisch-katholischen Kirche 
ausschliesst. Wie eitel aber das vorgeschlagene Mittel war, 
zeigten gerade die einander überwuchernden protestantischen 
Secten und Lehrmeinungen jener Tage, von denen jede glaubte, 
dass sie „am gewissesten und besten das Alte mit dem Neuen 
Testament auslege und gegen einander halte". 



') Doctor Joh. Faber, Beichtvater Ferdinand I., im Briefe an den 
Franciskaner Provincial, Enna 3. Mai 1525, bei Preuenhuber, Annal. 227. 



Das Generalpatent an die Rebellen. 99 

Es ist hoch beachtenswerth, dass die protestantischen 
Stände nun selbst zur Stilliegung ihrer Gegner an die weltliche 
Autorität appelliren, was sie früher und damals gar nicht leiden 
wollten, wenn die Katholiken dieselbe Macht gegen sie anriefen. 

Ihre Polemik gegen die Kathohken weiter fortsetzend ver- 
langen sie, der Erzherzog möge gestatten, dass solche Prediger, 
welche nämUch das heilige EvangeU lauter und ohne Zusatz 
predigeiji, wenn sie ihre Lehre nach der Bibel und heiligen 
Wort Gottes verantworten wollen, zu göttlichen, christhchen 
und brüderlichen Verhör und Verantwortung zugelassen werden, 
welche Worte auf den Administrator von Passau zielen, der 
solche Prediger, wenn sie es gar zu arg trieben, nach Passau 
zur Verantwortung vor dem bischöflichen Richterstuhl citirte. 
Einen Commentar zu diesen Worten gibt die Bitte der 3 welt- 
lichen Stände auf dem Landtag zu Linz 1. April 1527, dass 
das heilige Wort Gottes nach rechtem christlichen Verstand 
lauter und un verhindert gepredigt werde; der Administrator 
von Passau rufe die Prediger, welche die Lehre und das recht 
lauter Wort Gottes, lauter lehren und predigen, ab und lege 
sie ins Gefängniss. *) 

Nachdem das Gutachten sammt den andern für den Erz- 
herzog bestimmten Schriften abgegangen war, beschäftigte die 
3 Stände lebhaft die Publication des Generalpatents an die 
aufrührigen Bauern, welches ihre erste Kundmachung und 
Antwort auf das Rühren der Trommel des Aufstandes sein 
sollte. Sonntag den 11. Juni wurde es in allen Kirchen, 
in Städten und Märkten auf offenem Platze verkündet und 
zugleich auf Montag den 12. Juni eine grosse öffentliche Volks- 
versammlung zu Vöcklamarkt (Veckelsdorf) als dem bequemsten 
Ort für die Bewohner des Attergaues angesetzt. Hier sollten 
einige vornehme Ständemitglieder das Mandat kund thun, 
erklären und eine begütigende Verhandlung einleiten. Jedermann 
wurde dabei zu erscheinen aufgefordert. Das Mandat war aber, 
wie die Städter bemerkt hatten, nicht dazu angethan, Ol auf 



Landesarchiv Linz 1. c. Bd. A. 



100 Das Generalpatent an die Rebellen. 

die bewegten Fluthen zu giessen, sondern sie erst recht auf- 
zuwühlen.^) Der Inhalt war folgender: 

„Nach dem herkömmlichen Grusse von Seite der Prälaten. 
Herren und Ritterschaft rufen dieselben den Bauern ins Gedächtniss 
wie in Folge des blutigen Aufstandes im Reich durch den 
Herzog von Lothringen 20.000, durch den Landgrafen von 
Hessen in 3 Schlachten 8000, durch den Pfalzgrafen 2000, 
durch den schwäbischen Bund 3000 und sonst in Schwaben 
etliche tausend Rebellen erschlagen worden seien. Sie wollen 
davon schweigen, wie viele in nächster Zukunft vertilgt werden 
möchten, weil die Fürsten und der Bund mit andern Nationen 
sich geeinigt haben, dieser Sache ein Ei)de zu machen, besonders 
auch desswegen, weil sie ihrerseits die grösste Nachgiebigkeit 
gezeigt „und dagegen, wie bei dem Poffl gewohnlich beschieht. 
kein Bescheidenheit, sondern allen Muthwillen und Abschlag 
gespürt haben." 

Das sei gewiss, dass Gott diese Unruhen ihrer Sünden 
wegen über die Menschheit verhängt habe, auch das „wird 
nicht ohne sein, dass der gemein, arm Mann bisher von seinen 
Fürsten, derselben Regierungen, auch andern ihren Herrschaften, 
Gerichten, Obrigkeiten Beschwerungen möchte erlitten haben. 
Eben so wenig werde man in Abrede stellen können, dass die 
gemeinen Leute gegen ihre Obrigkeit mancherlei Ungehorsam 
und Widerwillen gezeigt und gegen diese und gegeneinander 
viele Dinge auf ihren Vortheil und Eigennutz gerichtet, einer 
den andern um leichter Sachen willen todtgeschlagen, bedrängt 
und keine christliche Liebe zusammen gehabt haben. Beide 
Theile hätten gefehlt und es habe den Anschein, als sollten 
aus Strafe des allmächtigen Gottes Herrschaften und Unter- 
thanen durch ihr Wüthen gegen einander ausgetilgt und ihr 
Erdreich fremden Völkern zur Beute werden. ■- 

Es sei der Stände Amt und Pflicht ihre Unterthanen vor 
einem solchen Loose zu behüten und sie vor leichtfertigen 



*) Dasselbe befindet sich im köni^l. bair. Reichsarchiv, Hochstift Passau. 
Nach 47, Fach N. 2. Es erfolgt im Anhang nach dem Wortlaut. 



Das Generalpatent an die Rebellen. 101 

Personen, die keine Heimath haben und der Arbeit und Obrigkeit 
feind und hässig sind, auch zum Theil durch ihr Verschulden 
in den Landen nicht geduldet werden und sie nun aufhetzen 
und aufmahnen, zu warnen, und Verderben und Uneinigkeit 
zwischen ihnen und den Unterthanen durch ehrbare Mittel 
abzustellen. Die jetzt versammelten Stände wollen ihnen desshalb 
nicht verhehlen, dass sie in Bedacht und Betracht gezogen 
haben, wie unter ihnen manche Unterthanen in allerlei Weg 
von ihren Herrschaften, Pflegern, Landrichtern und deren Amt- 
leuten Beschwerung und Nachtheil mögen erlitten haben, wie 
hingegen andererseits ohne Zweifel der grössere Haufen unter 
ihnen unbeschwert und einig mit seiner Herrschaft, in Ruhe 
gesessen und wie es desshalb wegen der Beschwerden nicht 
von Nöthen gewesen, einen Aufruhr zu erwecken, sondern ganz 
wohl und füglich zur Wendung ihrer Anliegen sich andere 
gebührliche und ehrbare Wege finden lassen. Es solle nicht in 
einer jeden leichtfertigen Person Gewalt und Willen stehen, 
noch derselben gestattet werden, dergleichen heillose Übel auf- 
zurühren. Auch seien Gott Lob die Sachen und Händl in diesem 
Land, wie vor Aller Augen liegt, nicht dermassen beschwerlich 
und unerträglich, als sie etwa in den obern Landen gebräuchlich 
sein möchten. Sie seien der Meinung, ein jeder Stand solle das 
wenden und abthun, was bisher darin beschwerlich und unbillig 
gewesen und zum Zeichen der Versöhnlichkeit wollen sie bei 
sich selbst einen getreuen Anfang machen. 

Wenn ein Unterthan wegen seiner vermeintlichen Beschwe- 
rungen sich mit der Herrschaft, die er vor Allem zuerst darum 
angehen soll, nicht vertragen könne, solle er sich mit denselben an 
den Landeshauptmann oder Anwalt wenden; die werden die 
Sache verhören und der Billigkeit gemäss darüber Bescheid 
ausgehen lassen, zugleich dafür sorgen, dass die Unterthanen 
ihrer Klage wegen durch ihre Obrigkeit nicht gestraft, gefäng- 
nusst und gehasst werden. Sollte der Landeshauptmann nichts 
ausrichten können, so ist der jetzt versammelte Landtag erbötig, 
von jedem der 4 Stände im Anfang eine Person, wenn mehrers 
vonnöthen, von jedem Stand 2, zuletzt nach Bedarf der Umstände 



102 ^^ Generalpatent an die Rebellen. 

4, 5 oder mehr Personen zu verordnen, die zu jeder Zeit auf 
des Hauptmanns oder Anwalts Erfordern nach Linz oder anders 
wohin kommen, um mit ihnen die Sachen zu verhören und die 
Partheien gütlich mit einander zu vergleichen. Wenn diese 
Bemühungen abermals keinen Erfolg haben, sollen die oben 
Erwähnten ein entscheidendes Urtheil fällen und im Falle die 
Unterthanen beschwert erfunden werden, ihnen nebst Abstellung 
ihrer Beschwerden auch Ersatz für die Unkosten verschaffen 
und dieselben im Nahmen der Landschaft fest bei ihren Ent- 
scheidungen handhaben und schirmen und auf der Obrigkeiten 
Hab und Gut bis zur Vollziehung der Erkenntniss Beschlag 
legen. Sollte sich einer aus den Landleuten oder mehrere gegen 
diese Ordnung und Erkenntniss setzen oder auf Erforderung 
nicht erscheinen, so seien die Landstände entschlossen bei 
Fürstlicher Durchlaucht einen Bewilligungsbrief zu erwirken, 
einen solchen Ungehorsamen mit Hülfe der Gehorsamen, die 
sich dess auf die erste Aufforderung nicht setzen und verwidem 
sollen, darzu zu verhalten und zu vermögen. Zuversichtlich 
erwarte die Landschaft, Fürstliche Durchlaucht werde gestatten, 
dass die Pfleger und Amtleute Ihrer eigenen in diesem Lande 
gelegenen Herrschaften auf Erforderung vor dem Landeshaupt- 
mann oder dem Anwalt sich stellen und zu Abstellung der 
Beschwerden und Abtragung der den Unterthanen aufgelaufenen 
Unkosten gleichmässig wie andere Landleute verhalten werden. 
Sie sind der ungezweifelten Zuversicht, die Unterthanen werden 
dieses ihr Erbieten mit höchstem Dank annehmen, keinerlei 
Aufreitzung Folge geben. Anhetzer und muthwillige Leute mit 
ihnen vereint nach Rechten straffen und wenn der ausländig 
gemeine Mann in diess Land einbrechen und sie bewegen sollt, 
sich an Klöstern, Kirchen, dem Adel und Städten zu rächen, 
in ihr Begehren nicht willigen, sondern eilends der nächsten 
Stadt, Schloss oder Befestigung zuziehen und solches den von 
Fürstlicher Durchlaucht verordneten Viertlmeistem oder der 
Landshauptmannschaft anzeigen. Man wird ihnen dann bei 
Tag und Nacht aus andern Viertln zuziehen und mit ihrer 
Hülfe dergleichen Muthwiller aus dem Lande bringen helfen. 



Das Generalpatent an die Rebellen. 103 

„Ob sich aber jemand aus euch solch unser genedig und getreu 
Erpieten je nicht bewegen lassen und darüber anders handien 
wolt, das der Almechtig nicht Verheugen, sondern barmherziglich 
verhueten wolle, so mugen und wollen wir euch allen und jeden 
besonders unser Gemuet und Willen als frume Christenleut 
kainswegs verhalten, auf dass wir mit disem unsern hochen, tapfem 
und christenlichen Erpieten gegen Got und euch entschuldigt 
und ausgeredt wollen sein; also: wo ihr euch darüber in Auff- 
ruer, Besammlung und Empörung begeben, euch von Fürst- 
licher Durchlaucht und uns abwendig machen und keinen 
Gelimpfen (Glimpf = freundliche Art und Weise) annemen, sonder 
ihrer Fürstlichen Durchlaucht und unser Verderben oder Ent- 
ziechung ihrer Fürstlichen Durchlaucht und unser gepurlichen 
Rechten und Gerechtigkaiten verhalten und eure Muetwillen 
und Gwalt an uns legen oder andern verhelfen und des nicht 
abstehen (würdet), dass wir alsdann gegen euch, die, wie ob- 
stehet, dergleichen Handlungen sich unterstehen, auch diejenigen, 
die ims solchen mutwillen und ungehorsam nicht wenden und 
straffen helfen, wollten als gegen Fürstlicher Durchlaucht und 
unsere höchsten Feinden mit der That nach allen unsern und 
unser Helfer Vermögen handien und solche Vergwaltigung von 
euch keineswegs gewarten, sonder uns mit Hilf des Allmäch- 
tigen, der dann über solch hoch Erpieten unser ungezweifelter 
Beschirmer und Helfer sein wird, auch mit Beistand ander 
Nacion und guter Freunde dörmassen gegen euch halten und 
erzeigen, dass ihr so bald und eher als wir Verderben haben 
werdet. Das wisst ihr als frum Christen, bei welchen wir in 
christenlicher, bruederlicher Lieb und Einigkeit zu leben und 
zu sterben begehren, ain jeder bei ihm selbs und in seinem 
erbam christenlichen Gemuet, auch mit bruederlicher Lehr und 
Anweisung bei . andern Umbsässen (Nachbarn) uns und euch zu 
Ehren und allem Guotten zu verhueten und abzustellen und 
euch den allem nach, wie wir ganz nicht zweiflen, aller Erberkait 
als die Frumen zu haben und zu richten. 

Geben Linntz, den neunten Tag Junii, anno domini im fünf 
und zwaintzigisten Jahr." 



104 Das Generalpatent an die Rebellen. 

Die Abfassung des Patents war, wie wir gesehen, keine 
glückliche. Im Eingange wird auf die vielen Tausende von 
Bauern hingewiesen, welche bereits durch ihre Landherrn 
glücklich erschlagen worden waren. Diese Fleischerrechnung 
mit dem Fingerzeig, wie es ihnen ergehen könnte, der Kose- 
namen „Pofel", mit dem sie beehrt wurden,*) die Drohung mit 
gänzlichem Verderben am Schlüsse mussten einem trotzigen 
Volke gegenüber, wie das oberösterreichische war, den Eindruck 
der andern wohlwollenden und väterlichen Ermahnungen voll- 
konmien auslöschen, selbst wenn nicht schon vorher eine unver- 
söhnliche Bewegungspartei am Platze gewesen wäre. Auch 
konnte die von vielen Bedingungen abhängige Rechtsdurch- 
führung, die bei mächtigen Edeln, wenn mehrere zusammen- 
hielten, ohnehin illusorisch war, da der Landeshauptmannschaft 
keine verlässliche Truppenmacht zu Gebote stand, den unzu- 
friedenen Unterthanen nicht besonders tröstlich und glück- 
verheissend erscheinen. 

Als in St. Georgen „der Brief von den Landherrn'', wie 
sie das ständische Patent nannten, am Sonntag verlesen war, 
erhob sich ein Lärm.^) Erhart Mainhart, Peter Ledrer und 
Kubler zu Wötzing schrien laut auf, sie. sollen und wollen alle 
hinaus mit ihren besten Wehren. „Wir wollen ihnen schreiben, 
sie sollen einen Ausschuss schicken und demselben unsere 
Forderungen vernehmen lassen." 

Es waren nämlich von den Pflegern der 3 Herrschaften, 
die wegen der Haltung der Bauern bei der bevorstehenden 
Ankunft der ständischen Gesandten in Sorge waren, die Herr- 
schaftleute auf Sonntag den 11. Juni nach Vöcklamarkt ein- 
berufen worden, um mit ihnen gütlich zu verhandeln und sie 
ihrer Pflicht zu erinnern.^) Es gingen aber selben Sonntag 



') Die rebellischen Bauern im Salzburgischen fühlten sich so sehr, 
dass sie den Titel „die Landschaft" für sich in Anspruch nahmen. — ^) Die 
folgende Beschreibung der Vorgänge in St. Georgen und Vöcklamarkt er- 
folgt nach den freiwilligen Aussagen der Rädelsführer Schauer zu Idtlhaim 
und Wolfgang Nartz in der collation. Abschr. d. Bauernkrieges, Archiv 
Kremsmünster. — ^) Codex German. Monac. 4925. 



Der Schwur auf dem Mertenberg. 105 

nur einige Bauern, darunter Leonhard Schauer zu Idtlhaim und 
der junge Schlegel sein Nachbar, nach Vöcklamarkt, ^) welches 
etwa 2 Stunden von St. Georgen entfernt ist. Die Stimmung 
der Bauern musste nichts Gutes ahnen lassen, denn die Pfleger 
waren ausgeblieben, auch die ständischen Abgesandten waren 
noch nicht da, was die Bauern sehr übel aufnahmen. 

Nach St. Georgen zurückgekehrt, Hessen sie durch ihre 
Boten die ganze Gemein für Montag nach Vöcklamarkt bescheiden 
und bitten, dass keiner ausbleibe und mit seiner besten Wehr 
erscheine; wer das nicht thue, soll durch die Spiesse laufen. 
Montag Morgens zogen alle mit ihren besten Wehren und 
Harnischen hinaus auf den Mertenberg, wo sie um einen Kirsch- 
baum einen Ring machten. Da wurde von Bürgern und Bauern 
berathschlagt^ wie sie alle miteinander halten wollten. Ein jeder 
wolle bei dem Andern ohne alles Wenden, es betrefl^e Leib 
oder Gut, fest halten; keiner wolle zu seinem oder einem andern 
Herrn um Rath gehen, sondern was die Gemein bestimme, das 
wollen sie haben und thun. Darauf geboten Hanns Bayr, Schaider, 
Hanns Tichtler, Schauer zu Idtlhaim dem Wolfgang Nartz auf 
den Kirschbaum zu steigen und den Beschluss laut auszurufen. 
Während er aber auf den Baum hinaufstieg, kam Georg 
Ewerl auf einem „weissen Zelter" von Salzburg herangesprengt 
und rief dem Nartzenzu: Schweig. Ich muss einen Brief verlesen. 
Da las er das oben erwähnte Patent und legte es vor. Zum 
Schluss rief er: Wir wollen alle bei einander stehen, keiner 
von dem Andern weichen. Wenn einer von uns desshalb von 
den Herrn gefangen wird oder in ander Weg etwas Übles zu 
befahren hätte, so soll das uns alle betreffen und anlangen. 
Dess zu einem Zeichen zog er sein Schwert, damit alle dazu mit 
aufgereckten Fingern schwören, was sie sämmtlich thaten. Der 
Nartz aber,- der auf den Kirschbaum gestiegen, rief mit lauter 
Stinmie: Alle, die diesen Bund annehmen und demselben, 
80 wie Ewerl verkündet, nicht nachkommen wollen, die wolle 



*) In der collationirten Abschrift wird immer Volkerstorf dafür ge- 
braucht. 



106 Die Vorgänge in Vöcklamarkt. 

man, wer sie immer seien, an Leib und Gut strafifen. Wenn ihn 
selbst der Landrichter fienge, sollen sie ihn ledig machen, 
vermöchten sie das aber nicht, so sollen sie des Landrichters 
Haus sammt ihm, dem Nartzen, verbrennen. Wenn sie das 
nicht thäten und er auskäme, wolle er ihnen ihre Häuser 
anzünden. — Das war die Geburtsstätte des Bauembundes. 

Als sie nach Vöcklamarkt hinauskamen, waren bei 2000 
Bauern beisammen. Veit von Zelking, aus einem der vornehmsten 
Herrengeschlechter, ein in Krieg und Frieden erprobter Mann, 
damals Verweser der Hauptmannschaft ob der Enns, kam von 
Linz mit andern Herrn der Landschaft zu ihnen und suchte 
gütlich mit ihnen zu handeln, um die Empörung zu stillen. Da 
es schwer war mit einem so grossen Haufen in Einzelheiten 
sich einzulassen, ging das Begehren Zelkings dahin, einen 
Ausschuss zu wählen, der mit ihm nach Linz ziehen sollte; 
Kostenersatz, Zehrung und sicheres Geleit wurden verbürgt, 
aber Niemand wollte mitziehen. Die Gemüther der Bauern 
erhitzten sich und Kunz Kubler zu Wötzing, den wir schon 
oben unter den Eifrigsten gesehen, stieg auf einen Zaun und 
rief öffentlich aus: Es soll keiner einen Herrn lebendig aus 
dem Feld entkommen lassen, er wolle auch eine Weile Amt- 
mann sein. Um sein Leben zu retten, musste Veit von Zelking 
ihnen eilig entreiten.^) 

Eine ungeheure Aufregung hatte sich der Bauern nach der 
Flucht der Herren bemächtigt. Von Stund an und am selben 
Tag, so lang sie noch bei einander gewesen, griffen sie das 
Gerichtshaus zu Vöcklamarkt, wo Mert (Martin) Bart, des von 
Pollheim Landrichter zu Kammer, gewohnt hatte, an und 
plünderten es. Der Landrichter war kurz vorher daraus ent- 
wichen. Die Güter desselben wurden heraus auf einen Platz 
getragen, acht Haufen davon gemacht und unter den Bauern — 
als gute Beute vertheilt; die Gänse, Enten, Hühner im 
Schweine erschlagen, Tische, Schämmel und Bänke zerhackt 



') Schreiben Herzog Ludwigs von Baiem an seinen Bruder Wilhelii 
d. d. Burghausen Mittwoch nach Trinitatis (14. Juni) 1525. Kön. Bai: 
Beichsarchiv. Salzb. Bauern Kriegssachen 1525. 



Aufforderung an Vöcklabruck, dem Bunde beizutreten. 107 

Ofen und Gläser zerstossen.^) Selbst die bairisclien Unterthanen 
im Gränzbezirk Fridburg wurden von diesem Umsturzfieber 
angesteckt, so dass Herzog Ludwig 2 Rotten 100 Pferde stark 
gegen Pendorf streifen liess.*) 

Von höchster Wichtigkeit war es, die Abneigung der Städte 
gegen die obem Stände zu benützen und sie als treffliche 
Stützpunkte der Vertheidigung in ihr Interesse zu ziehen. Es 
begaben sich desshalb Tags darauf 500 Bauern in die Stadt 
Vöcklabruck, die Bürger zu bewegen, sich mit ihnen in ein 
Bündniss einzulassen. Mit List kamen sie durch die Thore. Da 
sie nämlich nicht in vollen Haufen marschirten, sondern in 
kleinen Abtheilungen daher kamen, gaben die Bürger im Anfang 
nicht sonderUch auf sie Acht. Als aber die Haufen je länger 
je grösser wurden, wurden die Bürger verdriesslich und sandten 
etliche zu ihnen, sie zu fragen, in welcher Absicht sie also 
haufenweise hineingezogen wären? Die Antwort der Bauern 
war, in keiner andern, als allein in der Stadt um ihren Pfenning 
zu essen und zu trinken und sich mit ihnen zu besprechen, ob 
die Bürger nicht mit ihnen in ein Bündniss treten wollten. 
Das schlugen aber die Bürger ab, brachten sie mit listigen 
Worten aus der Stadt, schlugen darnach die Thore von innen 
zu und wollten durchaus Niemand mehr einlassen. Die Bauern 
verdross der Handel der Art, dass sie bis zur Nacht vor der 
Stadt liegen blieben, ohne weitere Feindseligkeit, aber immer- 
hin von bedrohlichen Ansehen. Der Pfarrer"; der seinen Sitz 
vor der Stadt hat, besorgte Gewalt von ihnen und gab ihnen 
Fleisch, Wein und Brot heraus, worauf sie in der Nacht wieder 
heün zu ihren Häusern zogen. 

Von einer Seite hatten sie schon eine Zurückweisung 

erfahren; es galt jetzt das ganze Land über ihre Sache abstimmen 

ZVL lassen. Auf den Freitag nach Corporis Christi (16. Juni) 

liessen sie allen denen, welche mit ihnen im Bund sein wollten, 

') Codex Germ. Monac. — ') Dieses Pendorf war eine bairische Ort- 
^'cliaft, welche zu der oberösterreichischen Pfarre Pendorf eingepfarrt war. 
^^ habe gehört, schreibt Herzog Ludwig, dass auf Morgen Pfingsttag 
^^&- Juni) ein Haufen Bauern in seinem Gericht Fridburg nämlich zu Pen- 
^orf zusammen kommen solle. Bair. Reichsarchiv 1. c. 



108 Umfang des Bauernbundes. 

einen Tag gegen Frankenmarkt ansetzen; dort wollten sie von 
allen ihren Beschwerden reden und rathschlagen, was weiter 
darauf zu handeln sei. Als der Tag kam, zeigte es sich, dass 
das Land eine Abwälzung seiner Lasten um den Preis von 
Blut und Gut mit nichten zahlen wolle. Ausser den Herrschaft- 
leuten von Kammer, Kogl und Frankenburg erschienen nur die 
Bauern von etlichen 20 Pfarren. Es wurde Rath gehalten und 
die Partei, welche zu friedlichen Verhandlungen mehr Vertrauen 
hatte als zum Kriege behielt die Oberhand. Man beschloss eine 
Botschaft zu Fürstlicher Durchlaucht nach Innsbruck abzufer- 
tigen und derselben die Beschwerungen und Mängel anzuzeigen. 
Noch am selben Tage wurden die Boten abgefertigt.^) 

Das war nun der Bund, auf welchen Regierung und Stände 
wiederholt in ihren Ausschreiben hinweisen. Er heisst bald der 
Bauernbund, bald der Bund der 3 Herrschaften und der 27 
Pfarren, die Theilnehmer Bundbauern. Die 27 Pfarren werden 
nirgends namentlich aufgeführt.^) Sie sind nicht allein in der 
Nachbarschaft der Attergauer zu suchen, denn die Friedens- 
commissäre betrachten sie als eine Repräsentation des ganzen Lan- 
des, sie müssen also über das Land zerstreut gewesen sein. Dass 
Lambach dazu gehörte, haben wir aus dem Munde des Achaz von 
Losenstein erfahren; von Ebelsberg vermuthet er es. Mondsee 
und St. Wolfgang waren darunter, eben so die Umgebung von 
Wels. Die Mittel, derer man sich gegen die Schwankenden 
und Widerspänstigen bediente, waren nach den Auslassungen 
der Stände und Alexanders von Schifer Drohungen mit Raub 
und Brand; viele folgten nur aus Furcht und Zwang. 

Man würde jedoch irren, wenn man glaubte, dass der 

') Codex Germ. Mon. — ^) In dem Bericht des Landesanwalts, Viz- 
doms u. s. w. an den Wiener Hofrath 30. Juli ist ausdrücklich von dem Be- 
scheid die Rede, welchen der Erzherzog den 3 Herrschaften und den 27 
Pfarren gegeben. Reichsfinanzminist. 1. c. — In dem Schreiben der Ver- 
ordneten von ob derEnns vom 25. Juli an den Wiener Hofrath wird gleich- 
falls der Bescheid erwähnt, welcher vom Erzherzog an die Herrschaftleute 
zu Kammer, Frankenburg, Kogl, auch die Gesandten von 27 Pfarren er- 
gangen. 1. c. Die Pfarren damaliger Zeit waren übrigens viel grösser 
als heut zu Tage, wo viele Filialen selbständige Seelsorgsstationen geworden 
sind. Die 27 mögen also immerhin 50.000 — 60.000 Menschen umfasst haben. 



Dessen Vorkehrungen gegen einen feindlichen Überfall. 109 

offene Aufnihr auf die Bundbauern beschränkt blieb. Die Stände 
selbst schreiben dem Hofrath nach Wien, dass sich abgesehen 
von diesen an manchen Orten im Lande ob der Enns Empörung 
und Aufruhr zeigten. Viele auf dem Lande und in den Städten 
bekannten sich, wenn nicht mit dem Munde, so doch im Herzen 
zum Bauernbund. Man kann in der That sagen, dass mit dem 
Aufstand im Attergau ein erstarrender Frost auf das ganze 
Land hernieder fiel. Die Holden entzogen allenthalben von jetzt 
an ihren Herren Gaben und Zinse, Steuern und Robot, wurden 
übermüthig, widerspänstig, unbothmässig und Hessen schlimme 
Worte hören, welche die Herren mit Angst erfüllten und manche 
nöthigten ihre Güter zu verlassen. 

Mittlerweile die Boten des Bundes auf dem Wege nach 
Innsbruck waren, trafen die Bauern Vorkehrungen gegen eine 
mögliche Überraschung und Überwältigung von Seite ihrer 
Gegner. Sonntag nach Corpo^-is Christi Hessen sie in allen 
Pfarrkirchen ihres Bundes öffentlich verrufen: nachdem die ein- 
hellige Bauerschaft nun ihre Boten zu ihrer FürstHchen Durch- 
laucht abgefertigt hätte, wäre ihre Meinung, dass männiglich ihres 
Bundes mittler Zeit ruhig sich verhalte, keinerlei Fehde noch 
Feindschaft gegen seine Obrigkeit erzeige. In der Woche dar- 
auf wollten sie in einer jeden Pfarre des Bundes mustern und 
Hauptleute einsetzen. Wenn sie aber von der Obrigkeit, dem 
Adel oder jemand Andern angegriffen würden, hätten sie, da- 
mit ein jeder sich zur Gegenwehr zu schicken wüsste, angetragen, 
dass man mittler Zeit keine grosse Glocke bis zum Austrag 
der Sachen zu keinem Gottesdienst oder sonstwie läuten solle. 
Wenn man sie aber läuten würde, was allein auf ihren Befehl 
geschehen soU, habe jedermann ihres Bundes sich mit seiner 
besten Wehr zu rüsten und von Stund an seinem Hauptmann 
zuzuziehen, damit man den Feinden Widerstand thun möchte. In 
der That ist während dieser Zeit weder vom Adel noch der 
^ Bauerschaft etwas FeindseHges vorgenommen worden.^) 

') Cod. Germ. Monac. Wohl haben sich, sagt unser Berichterstatter, 
drei Lärm mittler Zeit erhebt, doch von keins Feind, sonder allein von 
vergebner Sachen wegen, auch dardurch Niemand kein Schad beschehen. 



110 Die Beschwerdeschrift des Bundes an den Erzherzog. 



m. 

Zeit der Rüstungen und Verhandlungen. 



Die Gesandten des Bauembundes, die ohne Zweifel über 
Salzburg gingen, um sich mit den dortigen Rebellen zu besprechen, 
finden wir erst nach dem 20. Juni in Innsbruck, wo sie ihre 
Beschwerden übergaben. Sie sind an den Erzherzog gerichtet 
und unterfertigt, wie folgt: Die 3 Herrschaften Kammer, Kogl 
und Frankenburg sambt ander Pfarrmenig^ und Herrschaften 
unterworfen (für: Unterworfene) im Land ob der Enns, so sich 
zu ihnen verbunden und versammelt haben. 

Sie sagen "in dieser Supplik, dass sie lange Zeit von geist- 
lichen und weltlichen Obrigkeiten wider Gott, Ehr und Recht, 
auch „wider das heylig Evangeli und Wort Gottes" bedräfigt 
worden seien. Nur einen Theil imd „aufs Wenigste" wollen sie 
dieselben im Nachfolgenden andeuten. 

Zum Ersten seien sie beschwert der geistlichen Pfarrer 
halber. Dieselben setzen Vicari auf die PfaiT, die müssen 
ihnen dann grosse Absent^) geben. Die Vicari drängen die 
Pfarrkinder mit Seelschatz ^) und anderer imgebührlicher Erfin- 
dimg und das bei*ührte Absentgeld führen die Pfarrer „hinaus", 
wovon der Kirche nach ihnen nicht ein Heller wird. Obgleich 
die Geistlichen bei ihnen grosse Zehent, jährliche Gülten, 
gestiftete Jahrtag, grosse Gefälle zu den Klöstern und Pfarr- 
höfen, ein herrlich Auskommen haben, so müssen sie ihnen 



') Absentgelder d. i. jährliche Geldbeträge, welche die Vicare den 
Oberpfarrern, deren Stelle sie versahen, zu reichen hatten. Die Oberpfiurer 
lebten wo sie wollten. — ^) Seelschatz, was man zum Heil einer abge- 
schiedenen Seele stiftet, Seelenmessen u. dgl. 



Die Beschwerdeschriffc des Bundes an den Erzherzog. Hl 

dennoch alle Dinge besonders besolden. Aus diesen Gefällen, 
nebst dem, was sie mit Listigkeit und grossen Drang an der 
Predigt und sonst in vielweg erzwingen, sammeln sie grosse, 
unermessliche Schätze, verthun das auch mit ihren Köchinnen 
in grosser Pracht und Übermuth. Dennoch dürfen sie uns 
sagen: Es muess und soll — und wollen von uns ungestraft 
sein. Sie weiden uns mit der Waid, die sie, wenn sie an imserer 
Stelle wären, nicht essen möchten; sie Hessen einen Hausarmen, 
dem sie mit einem Kleinen helfen könnten, neben ihnen Hungers 
sterben. Sie verhoflfen. Fürstliche Durchlaucht werden solchen 
Überfluss abschaffen und ihnen zuwenden, als den Armen, 
Dürftigen, damit sie Weib und Kind desto leichter ernähren 
und bei häuslichen Ehren bleiben möchten. 

Nicht wenig werden sie auch beschwert mit allerlei Herren- 
forderung, es sei Getreid oder Pfennigdienst; denn sie müssen 
das Geld aufs Höchste „ausschiessen" und wie sie es empfangen 
und wie es „gib und gab ist", will es von ihnen nicht genommen 
werden.^) Dessgleichen müsse das Getreide so erlesen sein, dass 
ihnen kaum so gutes zu ihrer Speis und Nahrung bleibt. 2) Sie 
nehmen auch eigne und grössere Masse dazu, als ihnen von 
denselben vormals zugestellt worden. Daran müssen wir ihnen 
dienen und geben, seind • mit denselben auch nicht ersättigt, 
„daneben und nitten das Getreid an dem Messen"^.), und haben 
mit ihnen kein Erbarmen. Sie bitten Fürstliche Durchlaucht 
wolle bestimmte Getreiddienste zu Geld anschlagen, damit sie 
mit dem Messen nicht sogar unchristlich beschwert werden. 

Auch mit dem Freigeld werden sie gross beschwert. Mancher, 
dem sein Vatter oder Mutter oder Geschwister abstirbt, der 
muss sein recht väterlich, mütterlich und andere Erbschaft, 
darzu sein hart erarbeitet und erkauft Gut, aus einer Herr- 
schaft in die andere freien und von 10 Pfund einen Gulden geben. 



*) Das heisst, der Herr wolle jederzeit in der besten Münzsorte be- 
zahlt sein. — ^) Im Text: das uns chämb so guet an unnser Speiss und 
Nahrung bleibt. — ^) Dauchen = fest drücken, nitten .= mit Gewalt 
zwingen, pressen. 



112 Die Beschwerdeschrift des Bundes an den Erzherzog. 

Der Zehent halber werden sie auch nicht klein beschwert; 
denn „so w^ir ein Grundt mit Thätigkeit erpaut und besäet und 
den Sam Zehet gegeben, so muessen wir den nichts desto weniger 
hinach mer und zu dem, was wir mit dem Neunten Tail ernten 
und erziehen, auch geben''. ^) 

Was den Vogthabem anbelangt, den sie nach Kammer 
entrichten müssen, so müssen sie wider altes Herkommen 1 
oder 2, 3, 4 Hetzen, weniger oder mehr und noch dazu den 
besten geben. Noch nicht vor langer Zeit habe man 10 Pfennige 
für einen Motzen nach Laut der Rechtsbücher und wie es in 
den Landsrechten stehe und nicht mehr gereicht. Die Herren 
wollen ihnen diesen Habern aufs Höchste wie andern Habem 
„der doch nit dermassen aufkhomen^ schätzen und so es ihnen 
gefällt, nicht Geld, sondern den besten Habem nach obgemeldten 
Mass nehmen und keine Entschädigung dafür nehmen. 

Auch mit „der Raichnuss oder Anlait" seien sie gross 
beschwert; denn sie müssten die Pfleger und Amtleut ausser 
dem rechten Raichgeld noch besonders besolden; an manchen 
Orten müssten sie „auf Gnad" reichen, was doch einer erst 
nach grossen Ungnaden zu leisten schuldig sein sollte. An 
etlichen Orten müssten sie das Sterbhaupt, das ist das beste 
Vieh, zu der Raichnuss auch Stücke von der Aussteuer der 
Braut^) geben. Wenn einer strafbar erfunden wird, sei es mit 
Recht oder Unrecht, so ist ganz kein Aufhören noch Gnade. 
Den Amtleuten müssten sie zu jeder Forderung „Fürbot" ^) 
und nichts desto weniger Futter und Korn, das sie von ihnen 
sammeln, wider altes Herkommen geben. Obrigkeit und Amt- 
leut wollen sich mit nichts ersättigen lassen und muss Alles 
durch Gimst und Gnad von ihnen erlangt werden. 



') Es handelt sich um den Zehent auf sogenannten Neubrüchen oder 
unlängst erst urbar gemachten Gründen, welchen sie abgeschatffc wissen 
wollen. — '^) Im Text Preutstugkh. Bei Beneke-Zarnke mittelhochd. Lex. 
wird briutelötüke mit dotes, Morgengabe, Leibgeding erklärt. — In Ober- 
österreich wurde an manchen Orten das Freigeld auch von Manns- und 
Weibskleidem genommen. Vielleicht ist o])en von den selbst gefertigten 
Gewändern der Braut die Rede. Vergleiche dazu Waitz, Verfassungagesch. 
Bd. V., 242 ff. — ^) Fürbot, Gabe für die gerichtliche Vorladung. 



Dio Beschwerdeschrift des Bundes an den Erzherzog. 113 

Etliche von ihne;n heisse man auch Leibleut und die müssen 
von ihren Leibern Zins geben, auch ihre Weiber „so ainer nit 
nach im seines genossens ein Leibmann Innimbi" ^) kaufen, das 
doch gross wider Gott und zu Verachtung christenlicher, brüder- 
licher Liebe, uud ihnen zu grossem Verderben gereicht, gleich 
als wären sie nicht alle Brüder und Mitglieder in Christo. 

Das „Wildprat" gereiche ihnen zu grossem Nachtheil, welches 
ihnen ihr Getreide bei Tag und Nacht beschädige und auffresse, 
das sie doch theuer mit ihrem Schweiss und Blut härtiglich 
erbaut und „erarmt" haben und nichts desto weniger müssten 
sie von den abgefressenen Gründen Steuer und Dienst geben. 

Auch sei die Besteuerung ungleich. Viele „der armen Rott" 
geben die meiste Steuer und mehrers als ihre Güter ertragen 
mögen und zweimal so viel als der gewöhnliche Dienst ist. 

Der rinnenden und fliessenden Fischweiden und Wassör- 
beschwerung ist auch nicht klein. Wenn einer von ihnen etwa 
in seiner Krankheit zu seines Leibes Nothdurft der Fische nöthig 
hätte, so könnte keiner von ihnen Fische um Geld bekommen,' 
sondern diese werden für Städte und Märkte zu theuren Preisen 
aufbehalten. Dazu vertreten und verderben sie ihnen das Getreide 
und Wissmaden, welche nach dem Wasser zu gelegen sind, weil 
sie stätlich^) darnach gehen und fischen müssen. 

Wenn sie mit Pfennwerthen (verkäuflichen Sachen) ihrer 
Nahrung halben in Markt und Städte sich begeben, so müssen 
sie von denselben Zins und Geld geben. 

Wie wohl Fürstliche Durchlaucht Generale und Gebotsbriefe 
wider die Muthwiller, Stationirer ^) und müssig Personen hat 
ausgehen lassen, so sei doch von der Obrigkeit nur lässlich 
Wendung geschehen, denn bisher fressen und betteln sie von 
ihnen viel und betrügen sie um ihre harte Nahrung. 

Noch mehr seicin sie beschwert wegen der Forst und Gehölz, 



•) So viel als: wenn einer nicht die Tochter eines S^andesgenossen, 
eines Leibmanns, zum Weibo nimmt. Auch die Salzburger verlangten die 
Abstellung der Leibsteuer. Pichler 1. c. 333. — *) beständig, häufig. — 
') Muthwiller, abgedankte, bettelnde Söldner; Stationirer, Landkrämer, 
Haosirer. 

C 2 e r n y, Baueruaufstaud. ' 8 



114 Die Beschwerdeschrifb des Bundes an den Erzherzog. 

wovon sie jährlich Zins und Gült geben müssen und doch sei 
mancher Arme, der des Forsts sein Leben lang nicht genossen 
und vielleicht auch nimmer mehr geniessen werde. Welchem der 
Forst zum Gebrauch seiner Nothdurft gelegen ist, der werde nicht 
dabei gelassen, sondern wider die Billigkeit davon gedrungen. ^) 

Viele von ihnen müssen in manchen Herrschaften Heu oder 
unziemlich Robotgeld geben oder aber Robot thun, welche der 
Obrigkeit gefällig, wodurch sie ihre Arbeit versäumen, Grund 
und Äcker nicht bauen und gewarten mögen und also öd hegen 
lassen müssen. 

An etlichen Orten werden ihnen die „Gmain",^) die sie zu 
ihres Viehes Nothdurffcen brauchen, eingefangen und nur durch 
die Inhaber wie andre Grund für Eigenthum gebraucht und ver- 
kauft, wodurch ihres Viehes „Pluembsuech'' nicht klein ge- 
schmälert und weggenommen wird. 

Nicht wenig seien sie auch beschwert mit Diensten so sie 
nach Laut ihren alten Erbbrief dienen und geben sollen; denn 
was für Käs, Brot, Hühner und Eier darinen steht, werde nicht 
gehalten und gehandhabt. 

Ihrer Etliche seien gross beschwert dadurch, dass sie von 
ihren Gütern wachten müssen. In einem kleinen Dörfl mit 4 oder 5 
Häusern komme die Wacht jährlich über die Zahl der Häuser 
an den Einzelnen. In einem grossen Dorf von 40 bis 50 Häusern 
gehe es lang her, bis die Reihe an einen kommt. Sie bitten 
Fürstliche Durchlaucht, die Bürde der Wacht einem jeden unter 
ihnen gleich aufzulegen.^) 



-) Das alte Hof recht des Gotteshauses Mondsee (Abschrift aus der 
1. Hälfte des 16. Jahrh. im Stiftsarchiv) erklärt, warum man die Ansied- 
lungen der Holden nahe am Forst nicht gerne sah. „Das Reut machen," 
heisst es dort, „ist aus viel Ursachen, so der gemeinen Nachbarschaft zu 
Schaden kumbt und zumal zunägst der Hochwaldt, welche destmer dar- 
durch geschmellert, auch das jung Holz zu hagern und zu brennen ab- 
geschlagen wird, und derlei Ursachen mehr, von Alter verboten." Es kann 
kein Unterthan Reut machen ohne Erlaubniss des Herrn von Mondsee und 
nur dort, wo kein gutes Holz wächst. — ^) Gmain so viel als Gemeinweide; 
Pluembsuech: Weideplatz, Viehtrift. — ^) Es ist der Wachdienst im Schloss 
Kogl und andern gemeint. In Schlägl hatten die Unterthanen die Wacht 
im Kloster zu halten. Pröll, Schlägl 117 Anm. 



Die Beschwerdeschriffc des Bundes an den Erzherzog. 115 

Etliche der armen Handwerker, die ihr Handwerk auf dem 
Lande (auf dem Gey) treiben, müssen ihre Arbeit verzinssen — 
von der sie doch leben — sonst würde sie ihnfen gar nicht 
zugelassen. 

Wenn ein Armer ein Kind hat verheirathen wollen, so hat 
er das mit der Herrschaft Gunst, Wissen und Willen thun, auch 
die Hochzeit nach der Obrigkeit Gefallen einrichten (haben) 
müssen. 

Sie werden auch mit dem Salz und andern Stücken, so Gott 
den Menschen zur Nutzbarkeit und zur Erhaltung des Menschen, 
einem sowohl als dem andern, frei geschaffen, nicht klein be- 
schwert und ihnen solches so hoch verboten und verwehrt 
(verpant), dass, wenn einer gleich nur zu seiner Nothdurft ein 
wenig von dem Ort, da er's besser und leichter denn anderswo 
gefunden, gebracht hat, so ist er gross und unersättlich darum 
gestrafft worden. 

Zum Letzten werden sie gross beschwert mit neuen Mäuthen, 
Ungelt ^) und Zoll, auch in etlich Märkten mit neuer Erfindung 
wider alte imd andre Marktgewohnheiten, Ijreiheiten und Her- 
kommen, das ihnen ganz zur Erarmimg und zum Verderben 
ihrer Güter gereichet. Wenn ihnen zu Zeiten ein Wein einen 
Stich bekommt (^anzigkh"), sauer wird oder in anderer Weise 
verdirbt, müssen sie nichts desto weniger das Ungeld davon geben. 
Auch werden die Märkte mit dem Fürkauf hoch beschwert. 

Sie bitten zum Schluss, Fürstliche Durchlaucht möge ihnen 
obenangezeigte Artikel „vermöge des heiligen Evangeli und Wort 
Gottes genediglich abthun." Wenn sie von Fürstlicher Durch- 
laucht keinen Schutz und Wendung dessen hätten, so müssten 
sie Weib imd Kinder und das Land verlassen. 

Diese Artikel sind imi sehr vieles weniger radical als die 
berühmten 12 Artikel der Oberländischen Bauern. Sie stellen es 
höherer Entschliessung anheim, ob die berührten Missstände 
bloss gemildert oder ganz und gar abgeschafft werden sollen, 
was bekanntlich die Oberländer fordern. Man erkennt eine 



') üngeld, Tranksteuer. 

8^ 



116 Unterschied von den zwölf Artikeln. 

mässigende Hand, welche die Dinge beim Erzherzog nicht auf 
die Spitze treiben wollte. Bezeichnend ist der Unterschied im 
ersten Artikel. Während die oberennserischen Bundbauern nur 
über Habsucht und Wohlleben ihrer Geistlichen klagen, nichts 
aber von einer Veränderung in der Religion erwähnen, begehren 
die Verfasser der 12 Artikel, dass die Bauerschaft fürderhin 
Macht und Gewalt habe, dass eine jede Gemeinde selbst einen 
Pfarrer, der das heilige Evangelium lauter und klar ohne allen 
menschlichen Zusatz verkündige, ein- und absetzen möge. Nur 
die Phrase im Eingang „dass sie bisher wieder das heylig 
Evangeli und Wort Gottes" schwer bedrängt worden seyen, so 
wie die Beschwörung am Schlüsse der Eingabe verräth, dass 
ihnen die Schlagwörter der lutherischen Rebellenhaufen bekannt 
und sympathisch waren. Aber zu einer franken und freien For- 
derung betreffs der Religion kam es jetzt noch nicht. Auch 
werden die 12 Artikel von den Bauern oder bei den Verhand- 
lungen nirgends erwähnt.^) 



') Die ganze Supplik ist in Abschrift im Archiv Kremsmünster. Einige 
weniger bedeutsame Punkte haben wir weggelassen. Das Schriftstück ist 
ganz im oberösterreichischen Bauerndialect verfasst. — Das älteste bekannte 
Exemplar der zwölf Artikel ist abgedruckt in den Forschungen zur deutschen 
Geschichte 1872. 12. Bd., 3. Hft., 513. Ebendprt eine ausführliche Abhand- 
lung von Alfred Stern über den Verfasser derselben, über welchen man 
nichts Bestimmtes weiss. Die erweiterte Form der 12 Artikel, reichlich mit 
Worten der heiligen Schrift besetzt, ist bei Zimmermann 1. c. I., 406 ff. 
zu finden. — Über die scheinbare Mässigung, die Arglist und Heuchelei 
dieser 12 Artikel hat treffliche Worte Jarke in Studien und Skizzen ziir 
Gesch. d. Reformation S. 290 ff. gesprochen. Wir geben kurz den Inhalt 
der Artikel. I. Freie Wahl der Pfarrer, welche ihnen das klar heilig 
Evangelium lauter und klar predigen sollen ohne allen menschlichen Zu- 
satz, Lehr und Gebot. 11. Abschaffung des Zehents. III. Abstellung der 
Leibeigenschaft. IV. Wildpret, Vögel und Fische frei. V. Hölzer, welche 
* Geistliche oder Weltliche nicht erkauft haben, sollen der ganzen Gemeinde 
anheim fallen und jeder seine Nothdurft umsonst bekommen. VI. Ver- 
minderung der Dienste. VII. Bei neuen Bodenverleihungen hat man sicVi. 
genau an den Vertrag zwischen Herrn und Bauern zu halten. VHI. Die- 
jenigen Güter, welche die angeschlagenen jährlichen Gülten nicht ertrag^xi 
mögen, sind der Billigkeit nach in eine geringere ISchätzung zu bringe':!::^. 
IX. Die Strafgelder für geschehene Frevel sind nicht willkührlich ux^<_l 
parteiisch anzusetzen. X. Wiesen und Äcker, welche einmal zur Gemein. c3L^ 



Gegenantwort der Herrschaften. 117 

Wir lassen nun hier gleich die Entgegnungen der Herrschaften 
folgen, denen die Artikel der Bauern zur Verantwortung vor- 
gelegt wurden.^) Sie sind uns um so werthvoller, als sie viel 
seltner auf die Nachwelt gekommen sind als die Anklagen und 
Beschwerden ihrer Holden. 

Erstlich was der Bauern Beschwerden bezüglich der Geist- 
lichkeit anbelangt, so wissen wir keinen Unterricht, Fürstliche 
Durchlaucht weiss darüber Ordnung zu geben. 

Was die andere Beschwerde angeht bezüglich der Herren- 
forderungen, nämlich dass das Geld aufs Höchste ausgeschossen 
und wie es empfangen, von ihnen nicht genommen werde, sagen 
wir, „was gib und gab und guet gewest" haben wir jegliches 
in seinem Werth genommen. 

Was den andern Artikel anbelangt, als wenn das Getreide 
so gar erklaubt und erlesen nätte sein müssen, so haben wir 
das genommen, was etwa der Güte nach zu nehmen gewesen. 
Etliche haben sich befleisst, das Schlechteste in der Herren- 
forderung zu geben. Was aber das gemeldete grössere Mass 
anlangt, mögen sie anzeigen, wer solches Mass gegen sie ge- 
braucht, auch anzeigen, von wem „dass Tauchen und nitten" 
unbillig geschehen. 

Was das Freigeld betrifft, so haben sie die Sache also im 
Brauch befunden, von 10 Gulden einen zu Freigeld zu geben, 
wie wohl sie das nach Gnaden und Gelegenheit der Sachen 
genommen. 

Was den Zehent angeht, so haben sie denselben erfordert 
und genossen, wie sie von^ Alter her denselben in Übung gefunden. 

gehörten, sollen wieder an die Gemeinde fallen, ausgenommtin wo jemand 
den rechtlichen Kauf nachweist. XI. Der Brauch genannt Todfall soll ganz 
nnd gar ab sein. !^II. Wenn einer aus diesen Artikeln dem Worte Gottes 
nicht gemäss wäre, so wollen sie, insofern dieses nachgewiesen wird, davon 
abstehen. 

') Der Titel der Schrift, gleichfalls im Archiv Kremsmünster, ist: 
Summarische Verantwortung auf der Unterthanen unter Kammer, Kogl 
undZwispalten (Frankenburg) auch ihrer Consorten eingcibrachte Beschwerden 
im Pauern Aufstandt. Anno 1525. Actum Sonntag Lätare (11. Mäi-z) 1526. 
***** geben den Inhalt in etwas verkürzter Form und theilweise moderni- 
«'•ter Sprache. 



118 Gegenantwort der Herrschaften. 

In Bezug auf den Vogthabern, so ists ein altes Landes- 
herkommen und wie es befunden worden, so hätten sie alter 
Gewohnheit nach denselben gefordert. Das vorgebliche grössere 
M*ass werde sich nicht nachweisen lassen. Es sei ihnen auch 
unbekannt, wer 10 Pfennige für einen Hetzen genommen oder 
von wem so etwas als Regel aufgestellt oder bestätigt worden 
sei. Raichnuss oder Anleit haben sie nach altem Brauch ge- 
nommen und wo diese „nach Gnaden" bestimmt war, auch nach 
Gnaden, an einem Orte anders als an einem Andern gemessen. 

Das Sterbhaupt anlangend, so habe man das begehrt, wo 
und wie es vor Alter gebräuchlich war, der berührten Stück 
halber (id est Brautstück) auch nach altem Herkommen sich 
gehalten. Wenn bei diesem Artikel die Straf- und Amtleut- 
Forderung angezogen wird, so haben sie einen, der strafbar 
erfunden wurde, ihres Erachtens günstig abkommen lassen. Der 
Amtleut Forderung oder Fürbot halber sei nie eine Beschwer 
vor sie gekommen. 

In Punkte des „Wildbrad" wisse Fürstliche Durchlaucht 
Mass und Ordnung zu geben. 

In Betreff der Steuer haben sie nie eine angeschlagen, 
sondern wie sie die Register vorangeschlagen gefunden, dabei haben 
sie es gelassen und allemal öffentlich ausrufen lassen. Sie sollen 
selber untereinander einen treuen Anschlag machen, was sie nie 
gethan; wo nicht, werde maus nach altem Anschlag empfangen. 

Der rinnenden und fliessenden. Fischweiden halber, als 
wollten sie die Fisch Krankheit wegen gemessen, hat männiglich 
zu erwägen, wie nutz und gut Fische einem Kranken zu ge- 
messen sind. Dann handelt es sich um Fürstlicher Durchlaucht 
Kammergut und in Seiner Herrschaft weiss Fürstliche Durch- 
laucht Ordnimg zu geben. 

In Bezug auf die Pfennigwerthe und „andere Willengelf, so 
müsse der Landrichter dafür Rede stehen. Der Stationirer wegen 
wisse Fürstliche Durchlaucht darüber bessere Ordnung zu geben. 

Den Forsthabern berührend, so haben sie es gehalten wie 
ihre Forstmeister. Es sei wahr, dass viele sind, die des Waldes 
gar nicht gemessen; er ist ihnen aber auch frei. Dann sei es 



Gegenantwort der Herrschaften. 119 

Fürstlicher Durchlaucht Kammergut. Sie (die Unterthanen) haben 
sich wohl auch mehrmals selbst Urtheil desshalb gesprochen,^) 
für einen Metzen 10 Pfennig zu geben, obgleich sie es jetzt 
nicht wissen. 

In Rücksicht auf das Heugeld und „unziemlich Robotgeld" 
wüssten sie sich ziemlich zu verantworten. Das Heu oder das 
Geld sei von Alters her gebräuchig gewesen. 

Wenn etliche gemeine Gründe eingefangen wurden, mögen 
sie anmelden, wo und wer es gethan hat. 

Beschwerung wider die Erbbriefe anlangend, wissen sie 
von solcher Beschwerung nichts. 

Die Wacht berührend, versehen sie sich desshalb keiner 
Beschwer, denn sie entlohnen dieselbe, wie man in den Rech- 
nungen findet. 

Dass einer ein Kind nach der Herrschaft Willen habe ver- - 
heurathen müssen, stellen sie in Abrede; dem Freigeld haben 
sie nachgefragt, wenn einer das Band aus der Herrschaft ver- 
heurathet. 

Die Hochzeit habe einer in der Herrschaft halten können 
bei Haus oder in der Tafern, wo ihm beliebte. Bei der Herr- 
Schaft Kammer sei es Gebrauch, dass die ehrbaren Leute ihre 
Hochzeit allhie bei der Hoftaferne halten. 

Das Salz und andere Stück, welche nicht gemeldet worden, 
belangend, so haben sie sich des Salzes halber an den Inhalt 
der Fürstlichen Durchlaucht Generale und Mandate gehalteu. 



In der Heimath wurde der Entscheidung mit begreiflicher 
Spannung entgegengesehen. Manche wollten die Boten, welche 
sie zum Fürsten gesendet, gar nicht erwarten. Es regte sich 
bei den Ungeduldigen und Unversöhnlichen eine gewaltige Lust, 
Schlösser und Städte unversehens zu überfallen imd einzunehmen; 
besonders hätten sie gern das Schloss Kogl, welches nur von 
4 Wächtern und einem einfältigen Thorwartl beschirmt wurde, 
lieiinlich bei Nacht vom Marstall aus erstiegen. Es wäre ihnen 



') Nämlich in ihren Pantaidingen. 



120 Organisation des Bauernbundes. 

eine Lust gewesen, den Pfleger bei seinem Bart an einer Stange 
wie einen ,,Kranawetvogl" über die Mauer hinauszuhängen. 
Allein, wenn auch der Thorwartl einfältig und leicht zu über- 
listen war, der Pfleger Wilhelm Armstainer^) war dafür bekannt, 
dass er sich mit seinen Wächtern wehren würde, so lang er 
Leib und Leben hätte. 

Indess suchte man fortwährend um den ständischen Rüstungen 
gegenüber gefasst zu sein, Zucht und Ordnung in den unge- 
regelten Haufen der Bundbauern zu bringen. Am „Wetterherrn- 
tag" ^) war wie schon öfter auf den Rath des Nartz und Anderer 
zu St. Georgen eine Versammlung aus allen Amtern, einen 
Hauptmann zu wählen, angesagt worden. Die Wahl fiel auf den 
Bürger Bayr Hanns, der aber ohne Tichtl (auch Tichter) dem 
Richter von St. Georgen und dem Bäcker Andre sich in nichts 
einlassen wollte. Der Bäcker schlug aus. Zuletzt Hess sich Bayr 
überreden, die Hauptmannschaft mit der Bedingung zu übernehmen, 
dass ihm die Gemeinde einen Harnisch verschafle und Tichtl 
neben ihm sich als Führer gebrauchen lasse. ^) Auf Antrag Tichtls 
wurden Nartz, Waldner, Paul Schmithueber, Wolfgang Meissner 
und andere mehr zu Räthen ernannt, zugleich liess man dmxh 
Nartz öffentlich ausrufen, dass ein jeder, die Obern voraus, in 
der Ordnung auf die Lach*) gehe, wo sie gemustert werden 
sollten. Dort angelangt machten sie einen Ring; darin stand 
Bayr Hanns mit seinen Räthen und liess durch Nartz einen 
Frieden ausrufen. Keiner sollte dem Andern etwas im Unguten 
thun, keiner alte Feindschaft rächen, sondern wenn einer über 
den Andern zu klagen habe, der soll und mag das vor dem 
Hauptmann thun und klagen, es solle ihm ohne Verzug ge- 
handelt werden. Als Nartz nimmer zu schreien vermochte, löste 
ihn der neue Hauptmann darin ab, um diess und anderes laut 



') Wahrscheinlich aus dem edlen Geschlecht der Arrensteiner, welche 
das in der Nähe von Kogl auf hoher Bergkuppe befindliche Schloss Wilden« 
haag besassen. — ^) d. i. der Tag Johann und Paul, 26. Juni. Das vor- 
angehende und nachfolgende aus den Aussagen der Gefangenen. Archiv 
Kremsmünstor 1. c. — ^) „er soll neben ihm handten". — ^) Jetzt ist Lochen 
eine örtlichkeit, wo der Pfarrhof von St. Georgen liegt. In einer andera 
Aussage heisst es „auf die Höh". 



Organisation des Bauernbundes. 121 

auszurufen. Zur nämlichen Stunde liess er den Schuster zu Haag 
und den Sohn des Michel zu Au fangen und in den Stock führen 
und legen, den Rottil, Schauer und Nartz schickte er nach 
Vöcklamarkt, um Nachricht über die Fürstliche Antwort ein- 
zuholen. 

Diese ernstlichen Ermahnungen und Vorkehrungen so wie 
die vervollständigenden Bekenntnisse der Schuldigen lassen einen 
Einblick in die weitere Entwicklung der Revolution zu. Gar 
manche wirklich oder vermeintlich Gekränkte wollten sich jetzt 
selbst Recht verschaffen, Geld von den Nachbarn erpressen, Genug- 
thuung für Beleidigungen nehmen. Vielen mochte aber vor dem 
eingesetzten Tribunale bang werden; denn Tags darauf schickten 
Bürger und Herrschaftleute den Schauer, Nartz, Mörtl Schaitter, 
Wolfgang zu Tauchaim, Kreuss Schuster und andere mehr auf 
den Kogel, um zu erklären, „er, der Pfleger, solle wie vorhin 
handeln, sie wollen nichts gegen die Obrigkeit unternehmen, auch 
ihm diese nicht nehmen, auch allen Gehorsam thun." Worauf ihnen 
der Pfleger geantwortet: „sie haben eine andre Obrigkeit gesetzt; 
so mögen zwei Obrigkeiten mit einander nicht handeln. Doch 
wolle er gerne handeln wie vorhin und wie sich gebührt; dass 
sie ihm nur angeloben, gehorsam zu sein und wenn sich etliche 
gegen ihn setzen imd wehren sollten, sollen sie ihm Gehorsam 
verschaffen und Beistand thun." Das wollten sie nicht versprechen, 
sondern sagten, sie wollten das der Gemeinde anzeigen und 
die Meinimg dem Pfleger schriftlich zustellen. Das ist aber 
auf Etlicher Rath nicht geschehen und sie gaben dem Pfleger 
keine Antwort. 

Was die Organisation der Streitmacht des Attergaues 
anbelangt, so zerfiel dieselbe in Rotten, an deren Spitze je ein 
Rottmeister stand, über dieselben führte der Hauptmann Bayr 
Hanns und sein „Leutenambt" Tichtl den Oberbefehl. Die 
Bewaffnung war eine sehr bunte. Ein Schwert (Wehr) trug 
damals, wie schon oben bemerkt wurde, auch in Friedenszeiten 
jeder Bauer und jeder Bauemknecht. Spiesse gab es viele, 
wirkliche imd improvisirte. Weniger waren Hellebarden, Ärmst 
(Armbrust), Stachl (Armbrust mit stählernem Bogen) imd Büchsen 



122 Organisation des Bauernbundes. 

vertreten..*) Harnische waren selten, Geschütz gab es gar 
keines. An Pulver und Blei litt man grossen Mangel; das Meiste lag 
in den Rüstkammern der Adelsschlösser. Wie uns der bekannte 
Annalist der Stadt Steyr, Preuenhuber, erzählt, hatten sie auch 
Fahnen mit einem Pflugrad im Bilde, bei dem sie schworen, wie die 
Speichen im Rad beständig bei einander zu bleiben. 2) Bei dem 
Mangel an kriegerischen Übungen, bei dem Abgang soldatischer 
Unterordnung und Disciplin waren diese schlecht bewaflöaeten 
Haufen nur furchtbar, so lange ihnen keine geübten Truppen 
mit den drei Waffengattungen von Fussvolk, Reiterei und Feld- 
stücken unter die Augen traten. 

Nach dem Vorbilde von St. Georgen waren auch die andern 
oberösterreichischen Bundbauern, die ihre Verbindungen mit 
den Salzburgischen und Tiroler Rebellen immer enger knüpften, 
organisirt. Den 21. Juni schrieben die bairischen Gesandten 
vom Hofe des Erzherzog Ferdinand in Innsbruck an ihre Herzoge, 
„es sei kein Zweifel, dass das Etschthal, Innthal, Salzburg und 
Land ob der Enns alles in Einem Verstand sei. Täglich werden 
durch die Bauern Praktiken gemacht."^) Die Bewegung im 
Lande zu Aufruhr und Empörung wuchs von Tag zu Tag, je 
länger je mehr, trotz aller gütlichen Unterhandlung.*) 

Nach dem ungünstigen Verlauf der Volksversammlung zu 
Vöcklamarkt und der steigenden Aufregung war die Aufstellung 
einer bewaffneten Macht und die Instandsetzung der festen 
Orte im Lande ein dringendes Bedürfniss. Man wusste ja nicht, 
ob nicht auf eine abschlägige Antwort des Erzherzogs auf die 
Bauernbeschwerden, diese in hellen Haufen über die Städte 
herfallen, sie zu ihrem Bündniss nöthigen und hierauf Schlösser 
und Klöster angreifen würden, wie sie sich oft haben vernehmen 
lassen. Nach dem Falle von Salzburg war ohnehin ein Einbruch 
der Salzburgischen Rebellen ins Land unvermeidlich. 

') Obige Ausrüstungs-Gegenstände der Bauern werden ausdrücklich 
von Alexander Schiefer mit Schreiben von Schwannenstadt 19. Aug. ein- 
gefordert. Archiv d. Reichsfinanzminist. — ^ Preuenhuber, Histor. Catalogus 
der Landeshauptleute etc. S. 123. — ^) Jörg 1. c. 523. — ^) So schreibt 
Ferdinand selbst an Richter und Rath von Freistadt Wien 25. Juni 1525. 
Archiv des Linzer Museums. 



Haltung der Städte. 123 

Linz war vor allen als Zufluchtsort von den Ständen in 
Aussicht genommen. Es war wie alle 7 landesfurstlichen Städte 
mit Mauern umgürtet. Den Berg über der Stadt krönte das 
Schloss mit seiner schon damals gerühmten Aussicht „auf die 
schönen schiflfreichen Wasser", Vor wenigen Decennien war es 
noch wohnlich für Kaiser Friedrich III. und seine Familie ein- 
gerichtet gewesen. Dort hatte er sich menschenscheu versperrt, 
um seinen alchymistischen und astrologischen Träumereien 
nachzuhängen und seine seltenen Thiere und Vögel zu füttern. 
Er hatte mehrere hohe Warten errichtet und das von Alter 
beinahe zerfallene Gebäude wieder ausgebessert.^) Aus den 
Anträgen der Stände sehen wir, dass der Zahn der Zeit seit kaum 
einem Menschenalter in der Hauptburg des Landes arg gewirth- 
schaftet hatte, woran die Nachlässigkeit gewiss auch einen guten 
Theil Schuld trug. An etlichen Orten war es nicht einmal mit 
nothdürftigen Pallisaden versehen; das gesammte Dachwerk im 
elendesten Zustand, das Holzwerk unter den Thürmen verfault, 
den Einsturz drohend, der Thurm, welcher zur Verwahrung 
gefährlicher Personen bestimmt war, noch nicht ausgebaut und 
auf das zerrissene Gemäuer überhaupt nichts zu bauen, bevor 
nicht ein Theil wieder abgetragen würde. Für den Thurmwächter 
mangelte Stübl und Dachwerk, gegen die Stadt waren 3 unver- 
wahrte Eingänge, die in sorglichen Läufen einer bessern 
Befestigung bedurften. Die Stände machten auf alle diese 
Mängel aufinerksam und erwarteten eilige und kräftige Abhülfe. 2) 

Das nahe imd wichtige Ebelsberg war in der Hut des schon 
erwähnten Achatius von Losenstein, eines alten Türkenkriegers. 
Er hielt für die Vertheidigung des Schlosses und Ortes ,100 
beharnischte Knechte für nothwendig; auch einen Büchsen- 



^) Grünbeck, Vita Frider. III. deutsche Ausgabe S. 32. Die latein. 
Ausgabe vielfach abgekürzt in Chmel, Geschichtsforscher I., 72. Friderich 
unterhielt im Schloss auch einen lebendigen Strauss. — *) Die Beschreibung 
au8 dem Linzer Landesarchiv 1. c, Fol. 567. Die Abhülfe muss nicht be- 
sonders ausgefallen sein; denn anno 1526 meldet der Hofmeister der Ge- 
mahn Ferdinands seinem Herrn, dass das Schloss keine sonderliche Be- 
festigung habe. Archiv d. Reichsfinanzminist. 



124 , Haltung der Städte. 

meister begehrte er. Der Administrator von Passau schlug ihm 
mit Schreiben vom 20. Juni alles rund ab. Wenn nicht der 
Landesfürst und die Landschaft den Bauernbund ins Land zu 
rücken verhindern, so vermögen auch die 100 Knechte in 
Ebelsberg nichts.^) 

Sehr grosse Bedenken erregte die unsichere, zweideutige 
Haltung der Städte. Dass man sich auf die Unterthanen 
nicht verlassen konnte, war gewiss; schlugen sich nun auch 
noch die Städte auf ihre Seite, so kamen die Bauern in Besitz 
der kräftigsten Stützpunkte im Lande, welche ihnen ansehnliche 
Hülfsquellen für Bewaffnung und Ausrüstung boten. Steyr stand 
an der Spitze der einem bewaffneten Vorgehen abgeneigten 
Städte. Der Landeshauptmann trug desshalb dem Achaz von 
Losenstein und dem Pfleger auf der kaiserlichen Burg zu Steyr, 
Eberhard Marschall von Reichenau, auf, die Stadt Steyr zu 
überreden, ihren Widerstand aufzugeben, welcher Commission 
sie sich am 17. Juni entledigten. 

Sie meldeten den ernstlichen Befehl des Landeshauptmann, 
„auf das Stärkste auf zu sein," die Edelleute sammt ihrem 
Volk ein- und auszulassen und zu verproviantiren. Allein die 
Commission schlug fehl. Ein ehrsamer Rath erklärte sich auf 
gehaltene Berathschlagung sammt der ganzen Gemeine ein- 
hellig entschlossen, „weilen die Zwistigkeiten nicht eine ganze 
Landschaft betreffen, sondern nur die Prälaten, den Adel und 
die Unterthanen, wolle sich mit nichten gebühren, sich in eine 
Hülfe einzulassen oder Volk zu schicken." Sie seien in guter 
Zuversicht, dass auf die in der Bauerschaft Beschwerung aus- 
gegangenen Generalien Ihrer Fürstlichen Durchlaucht Räthe und 
der gemeinen Landschaft, also gehandelt werden würde, dass es 
keines Feldzugs bedürfe. Sollte es aber dazu kommen, dass das 
Kammergut Ihrer Fürstlichen Durchlaucht oder die Stände 
gegen Vermuthung Schaden und Eingriffe durch die Baueni 
erfahren sollten, so seien Bürger und Rath von Steyr willig 
und erbötig, sich als getreue Unterthanen mit ihi^em Leib untV 
Gut gehorsam zu verhalten.^) 

*) Obiges im königl. bair. Reichsarchiv 1. c. — ') Preuenhuber, Annal.2^*ii. 



Haltung der Städte. 125 

Diesen Beschluss Hessen sie durch ihre Gesandten auch den 
Landtagscommisßären in Linz, sowie den Städten Wels und 
Enns andeuten, die ohne Zweifel nur darauf warteten, um sich 
in gleichem Sinne zu erklären. Die Eäthe aber des Erzherzogs 
in Wien eriiessen dringende Mahnschreiben an die 7 Städte. 
Bei der starrsinnigen, friedhässigen Haltung der Bauern habe 
der Erzherzog das Aufgebot im Lande müssen ergehen lassen. 
Zudem sollen sie bei schwerer Strafe und Ungnade auf das 
Stärkste gerüstet ausrücken, die ständischen Truppen unver- 
hindert ein- und auslassen, ihnen Speise und andere Nothdurft 
um geziemenden Preis reichen und damit nicht aufhalten.^) 

Volle Gleichgültigkeit erlaubten indess die gefahrdrohenden 
Zeiten auch den Bürgern nicht. Ein wilder revolutionärer Geist 
ging schon seit langer Zeit in den Städten unter der niedrigen 
Bürgerclasse herum. Man suchte sich wenigstens in wehrhafte 
Verfassung zu setzen. Li Steyr wurde schon vor dem Wiener Mahn- 
schreiben eine Ordnung gemacht, Stadt und Vorstädte in Viertl 
eingetheilt und Viertlmeister ernannt. Ihre Aufgabe war, treulich 
Aufsicht zu halten. Ein solcher Befehlshaber konnte , wenn die 
Umstände drängten, jeden Bürger bei Tag und Nacht zur Wache^ 
zum Thorstehen oder zu andern Nöthen erfordern. Unfug und 
gefährliche Sachpn waren von ihnen dem Bürgermeister und 
Richter anzuzeigen. Jeder Bürger und Inwohner wurde zum 
Gehorsam gegen die Viertlmeister verhalten, die ganze Bürger- 
schaft^ gemustert und bewehrt, zugleich die Thore, Basteien und 
Wehren (Pfähle vor dem Stadtgraben) reparirt.^) 

Die Stände aber, welche die Anwerbung und Aufstellung 
eines eigenen Truppencorps noch in weiter Ferne und sich 
selbst dem Bauernbund gegenüber wehrlos sahen, mussten vor 
der Hand zimi alten Landesaufgebot zurückgreifen. 



') Schreiben Wien 25. Juni 1525. Unterfertigt Commissio domini 

prirmpis Archiducis in consiliso. L. von Harr ach vicestathalter, Freiherr 

von Lamherg. S. von Herberstein. H Witel. — ^) Preuenhuber 1. c. 223. 

Obige Anordnung erging Erchtag nach Viti das ist am 20. Juni. Nach 

Preuenhuber war es das erstemal, dass man eine solche Ordnung veran- 

«tdltete. In der Stadt selbst waren 4, in Steyrdorf 10, in Ennsdorf 2 

Viertlmeister. 



126 Das ständische Aufgebot wird verkündet. 

Fünf Tage nach der stürmischen Volksversammlung zu 
Vöcklamarkt, am Samstag nach Corporis Christi — 17. Juni — 
erging von Seite des Landeshauptmann Ciriak von PoUheim 
das allgemeine Aufgebot. Der Adel mit seinen gerüsteten 
Dienern, die Contingente der Prälaten und Städte sollten sich 
aufs Stärkste bereit halten, um auf den ersten Befehl dem 
Feldhauptmann Alexander von Schiefer zuzuziehen. 

Eine Bundesarmee auf Zusammenruf stand jetzt der andern 
gegenüber. 



Die Neigung zu Verhandlungen, welche das ständische Patent 
vom 9. Juni in sich trug und wozu es dringend einlud, ver- 
läugneten die Stände durch den ganzen Monath Juni und Juh 
nicht. Der Herrenbrief war im ganzen Lande verlesen worden. 
Viele Unterthanen theilten die schroffe Haltung des Bauern- 
bundes, welcher eine Abhülfe nur durch Entscheidung des Erz- 
herzogs herbeiführen wollte, nicht und kamen mit ihren Beschwer- 
den nach Linz, wo die vom Landesfürsten zugleich mit den 
Ständen .,in der Unterthanenbeschwer" erwählte Commission 
tagte. Die Ansicht, dass Bedrückungen, ungerechte. Neuerungen, 
schnöder Missbrauch der richterlichen Gewalt hie und da vor- 
gekommen, theilten Stände, Verordnete und landesfürstliche Com- 
missäre. Der zur Untersuchimg der Beschuldigungen aus den 
Verordneten niedergesetzte Ausschuss, worunter Abt Leonhard 
von Kremsmünster, Abt Leonhard von Wilhering, ein Scherffen- 
berg, ein Zelking und Jörg Sighartner sich befanden, gab in 
seinem Bericht an den Erzherzog vom 8. Juli ausdrücklich 
dafür Zeugniss.^) Eben so freimüthig bekennen Landesanwalt, 
Vizdomb und Landräthe in ihrem Schreiben an den Landes- 
fürsten vom 30. Juli, „es sei allbekannt, dass der gemeine 
Mann nicht ohne Beschwerungen ist. Es werde Ihrer Fürst- 
lichen Durchlaucht Ruhm und Lob bringen bei männiglich, wenn 
er dieses Land durch gebührliche christliche Mittel vor Ver- 



') Linz 8. Juli 1525. Archiv d. Reichsfinanzminist. 1. c. 



Verhandlungen der Beschwercommission. 127 

derben und Blutvergiessen erhalten und daneben die Armen 
aus den Banden ihrer Beschwerungen als ein milder, 
gerechter Fürst erlöst haben wird."^) Auch die nach Wiener 
Neustadt einberufenen Ausschüsse der 5 niederösterreichischen 
Lande urtheilten nicht Anders. Bei aller Entschiedenheit für 
energische Unterdrückung des Aufstandes gestehen sie, „es wäre 
nie so weit gekommen, wenn der eigene Nutz den gemeinen 
Nutz nicht überwunden, der Arme ein gleiches Recht und nicht 
unbillige Beschwerung auf ihm liegen hätte. "2) Das, was alle 
diese Männer aber entschieden läugnen ist, dass die Bedrückung 
eine allgemeine gewesen sei oder mit den Beschwernissen der 
oberländischen Bauern auf gleicher Stufe stehe. 

Bei der unendlichen Mannigfaltigkeit der Unterthanen- 
verhältnisse in Oberösterreich, die sich nicht nur bei den ein- 
zelnen Herrschaften, sondern in ein und derselben Herrschaft 
verschiedenartig ausgebildet hatten und auf Einzelcontracten 
bei Überlassung von Grund und Boden in Erbpacht — den 
sogenannten Erbbriefen — beruhten, scheuten sich die Stände 
einen Majoritätsbeschluss zu fällen , ein Mass für alle auf- 
zustellen und in fremdes vertragsmässiges Recht mit Gewalt 
einzugreifen. Sie wiesen desswegen der „Beschwercomniission'' 
keine entscheidende, sondern eine vermittelnde Rolle zu. Die 
Unterthanen, welche sich von ihren Herrn gedrückt wähnten, hatten 
ihre Klagen vor die Commissäre zu bringen; wurden dieselben 
in Briefen und altem Herkommen begründet gefunden, so sollten 



') Reichsfinanzminist. 1. c. — '^) Jjinzer Landesarchiv, Rathschlag der 
5 niederöst. Lande durch ihre Ausschüsse geschehen zu Trautmannsdorf 
21. Juli 1525. Signatur CXXIV. Bauernrebellionen. Auch im Reichsfinanzminist. 
L c. Der Erzherzog sah in den oben angeführten Worten des Rathschlags 
der 5 Lande einen Angriff auf seine Regierung und vertheidigte sich dagegen. 
Er habe allen seinen Regierungen, Hauptleuten und Verwesern jedermann 
ein gleiches Gericht und Recht zu geben befohlen. Wer das nicht gethan, 
der solle ihm angezeigt werden. Allein wer von den Landleuten wollte 
wohl durch namentliche Anzeige von Ungehörigkeiten auf den Herrschaften 
mächtiger, bei Hof ungemein angesehener Familien wie z. B. die PoUheim 
waren, deren Hass sich auf den Hals laden. Sie sprachen so, wie man damals 
bei noch nicht ganz erloschenem Faustrecht und der Neigung des Adels 
zur gewaltthätigen Selbsthülfe sprechen konnte. 



128 Verhandlungen der Beschwercommission. 

die Vermittler mit Vorstellungen auf die Herrschaften einwirken, 
um eine Aussöhnung und Anlage neuer Erbbriefe herbeizuführen. 
Die Verordneten gingen, wie wir aus den vorhandenen Beispielen 
sehen, ^) bei ihren Geschäften immer auf die alten Stiftbriefe zurück; 
einiges wurde ermässigt, vieles als unberechtigt zurückgewiesen, 
noch anderes der Entscheidung des Erzherzogs vorbehalten. 



^) Im Archiv Kremsmünster ist die Abschrift des Originalvertrags 
zwischen Erasmus Greisenegker und seinen ünterthanen Linz, Samstag nach 
St. Peter und Paul (30. Juni) 1525. Der Vertrag wurde vermittelt durch 
die oben berührte Commission. Man beruft sich ihrerseits was Anlait und 
Robot angeht auf die alten Stiftbriefe und soll, was altes Herkommen ist. 
den Herrn gegeben, neue Forderungen ab und weg sein. Was die Steuern 
für den Landesfürsten anbelangt, sollen die ünterthanen ihren Herren mit 
zeitlicher Steuer zu Hülf kommen, doch in all weg darin ganz unbeschwert 
und gütlich gehalten, auch ohne besondere grosse dergleichen Ursachen 
durch ihre Herrn ferner nicht besteuert werden. Die Herrn haben bisher 
aus ünterthänigkeit, doch unbegeben ihrer Freiheiten den Fürsten von 
Österreich durch Steuer Hülfe bewiesen, sind auch Hülfe zu erzeigen willig 
und erbötig, aber zugleich in diesen und andern ihren Obliegen der Hülfe 
ihrer ünterthanen nothdürftig und sie desshalb aus Billigkeit schuldig und 
pflichtig. Die kleinen Dienste begehren die ünterthanen abzuthun, das 
sei aber ein unziemliches und unbilliges Begehren. Jeder soll solche Dienst 
nach Inhalt seiner Briefe und des ürbajrs geben. Wegen der Getreiddienst 
soll ein jeder davon mit seinem Grundherrn handeln, der soll nach Ge- 
legenheit billige und ziemliche Einsehung thun. Auf das Alles sollen sich 
bemelten Greisenegker's ünterthanen weder in irgend einen Aufruhr noch 
Verbündniss einlassen bei schwerer Straff an Leib und Gut. Sie sollen sich 
gegen ihren Herrn als getreue ünterthanen und Greisenegker gegen sie 
ziemlich und gütig halten, sie wieder diesen Vertrag mit Steuerung oder 
ander Weg nicht erhöhen, dringen noch beschweren, wie das beide Theile 
zu halten zugesagt. 

Nach Hoheneck war Greisenecker an. 1528 Anwalt des Landes ob der 
Enns und Besitzer von Rotteneck. HL, 205. 

Vor die Commission kamen auch die Streitigkeiten zwischen den zur 
Herrschaft Pernstein gehörigen Bauern und dem Edlen und Festen Lasla 
Thurner zu Raschendorf (Perkhamers Erben). Der Abschied war folgender: 
Die Bauern beschwerten sich wegen der Robot, welche bei manchen mit 
Ross und Geschirr auf 40 Tage steige. Entscheid : Wenn es also wäre, wäre 
es eine Beschwerung und soll die Robot wie von Alter Herkommen ist. 
von ihnen begehrt werden. — Die Kechtlehner beschwerten sich, dass sie 
das Zehentpfund auf- und abgeben müssten. Entscheid: Wie die Fürstliche 
Durchlaucht in andern Herrschaften Ordnung vornehmen werde, so soll es 
auch in diesem Artikel gehalten werden. — Diese Resolution erfolgte Linz, 
Montag nach Margarethen (17. Juli) 1525. 



Verhandlungen der Beachwercommission. 129 

Allein bei allem Fleisse wollte die Sache im Grossen und 
Ganzen nicht vorwätiisgehen. Die Hindernisse stellten sich von 
2 Seiten dar. In ihrem Schreiben vom 8. Juli an den Erzherzog 
sagen die Beschwerdecommissäre: Sie haben mit der Bauer- 
schaft ihrer Beschwer imd Aufruhr halber mit höchstem Fleisse 
gehandelt und dadui'ch bei etlichen eine gute Stille gemacht. 
Wenn sie mit der Menge der Beschwerten und ihren Grund- 
herrn ferner verhandeln, so bereite ihnen die Robot allein das 
meiste Hinderniss, nämlich darin, dass etliche aus dem Herrn- 
und Ritterstand in solcher Robot keine Mässigung und Ver- 
ringerung erleiden wollen, obgleich man bei ihnen „unziemlich, 
beschwerlich Gebrauch, die den armen Leuten unerträglich 
sind", gefunden habe. Doch seien diese Herrn und Ritter in 
der Minderzahl; auf der andern Seite stehe die Mehrzahl und 
die 2 Stände der Prälaten und Städte, die ihren, nämlich 
der Commissäre, Abschieden durchaus gerne nachleben wollten. 
Werde man den Bauersleuten in diesem Artikel der Robot, „der 
fast ihre meiste Beschwerung ist," kein Mass noch Mittel geben, 
so dass man bestimme, wie viel Tag ein jeder des Jahres 
seinem Herrn roboten solle, so werde sich alle Unterhandlung 
an diesem Artikel zerstossen; dagegen seien die Verordneten 
der Meinung, wenn sie diesen Artikel erhalten und erledigen 
möchten, dass sie dann auch die andern Artikel ihrer Beschwe- 



Diesem im Archiv Kremsmünster befindlichem Act liegt auoh ein 
Extract aus weilant Herrn Georgen Nothhaften zu Podenstain, gewesten 
Pfleger der Herrschaft Kogl, Koglerischen Jahresraitung an. 1501 bei, 
welcher offenbar der Commission bei einer ähnlichen Resolution diente. 
Es geht daraus hervor, dass schon zu jener Zeit das Freigeld von einem 
Gulden 6 Kreuzer war, also 10 Procent und zwar von Erbschaften, Heuraths- 
gütorn und Käufen; dann von denen so aus der Herrschaft fahren, dann 
von den Ausdingern, sowohl von den Gütern, als der ledigen Fahrniss, von 
Leibgi'ding, von einem versetzten Unterpfand und von Geld, welches aus 
der Herrschaft gefahren wird. Letzteres wurde an. 1525 nach einer Be- 
merkung nicht mehr gefordert. Es sind einige Fälle immer als Exempel 
angeführt, wird aber bemerkt, dass noch mehr' zu Gebote stehen, und dass 
Hie An. 1494 und 1495 vorkommen. — Eine Resolution bezüglich der Unter- 
thanen von Schlägl vom 22. Juli, sieh bei Pröll, Gesch. v. Schlägl, S. 117, 
Anm. Die Beschwerdeartikel der Hintersassen des Ulrich Herleinsperger, 
sieh im Linzer Musealber. 1858. S. 1-80. 

C z e r n y , Buuernaafstand. 9 



130 Wenig günstige Aussichten auf eine friedliche Beilegung. 

rungen mit Hülfe Gottes hinlegen und verabschieden möchten. 
Der Erzherzog habe aus der vor ihn gebrachten Beschwerde 
der 27 Pfarren erkennen mögen, wie der gemeinen Bauern- 
schaft des ganzen Landes ihre Beschwerung am meisten an 
diesem Artikel hänge. Damit desshalb ihr Friedensgeschäft 
nicht immer durch Einsprüche und Widerstand einiger eng- 
brüstiger Herrschaftsbesitzer gestört und aufgehalten werde, 
bitten sie. Fürstliche Durchlaucht möge ihre vermittelnde Gewalt 
in eine entscheidende Gewalt verwandeln, indem sie zugleich 
ihr CoUegium um zwei unpartheiische und ansehnliche Räthe 
des grösseren Gewichtes wegen verstärke. Die Stände haben 
ihnen ohnehin in ihrer jüngsten Versammlung die Befiigniss 
ertheilt, nach Gutbefinderji zu handeln.^) 

Die 3 erzherzoglichen Räthe und Landtagscommissäre ver- 
stärken diese wohlgemeinten Worte mit ihrer Intercession vor 
dem Wiener Hofrath. Was sie früher schon berichtet und an- 
gezeigt, das müssten sie jetzt wiederholen, nämlich „dass den 
Befehlen der landesfürstlichen Commissarien und den Aus- 
schüssen der gemeinen Landschaft von dem Höchsten wie von 
dem Mindesten getreulich nachgelebt werde. Daran hafte und 
liege die Sach alle. Weil etliche aus den Landleuten, doch 
nicht in grosser Zahl, die von den Commissarien beantragte 
Mässigung in ihrer Unterthanen Beschwerung durchaus nicht 
annehmen wollen, so möchte der Erzherzog ihnen noch 2 an- 
sehnliche Räthe zuordnen, damit sie denselben in dergleichen 
Beschwerungen gebührliche Mass und Ordnung wie andern 
Landleuten geben könnten. Sie und die Ausschüsse würden in 
diesem Fall desto stattlicher und ansehnlicher handeln und alle 
Sach zu guter Ruh bringen können.^) 

Der unversöhnlichen Adelsparthei stand eine gleich starr- 
sinnige Parthei auf Seite der Bauern gegenüber. An etUchen 
Orten hatten die Herrschaften unmittelbar mehr als sie schuldig 
waren, ihre Beschwerden gemildert,^) an andern Orten hatte 

') Reichsfinanzininist. 1. c. — ^) Linz, 15. Juli 1525. l. c. — ') Ratk^-. 
schlag der 5 niederösterr. Lande geschehen zu Trautmannsdorf 21. Juli 15^^ 
Linzer Landesarchiv Sign. CXXIV. Bauernrebellionen. 



Wenig günstige Aussichten auf eine friedliche Beilegung. 131 

man, um die Beruhigung nicht durchkreuzen zu lassen, Schreier 
und Rädelsführer unter Schloss und Riegel gelegt. Dessen- 
ungeachtet war die Bewegung fortwährend im Steigen. Die 
gütlichen Beilegungen, die sich hie und da zwischen Grund- 
herrn und Holden vor ihren Augen abspielten, waren nicht 
nach dem Geschmacke derjenigen, welche sich lieber von allen 
Lasten losgezählt hätten. Wir haben bei der Schilderung der 
Vorfälle in St. Georgen gesehen, dass der Grundsatz der All- 
gäuer Bauern „Wildpret und Fische frei und Niemand nichts 
geben," auch in Osterreich beredte Vertreter hatte. ^) Jede 
Nachgiebigkeit verhinderte überdiess die feste Verbindung der 
Bundbauern mit Tirol und Salzburg. Am 23. Juni schreibt 
Herzog Wilhelm von Baiem den schwäbischen Bundesständen, 
dass die tirolischen, salzburgischen und österreichischen Bauern, 
die sich miteinander verschworen haben, die von Fürsten und 
Ständen ihnen gemachten Vorschläge hochmüthig zurückweisen. 2) 
Darum konnte der Erzherzog in seiner Aufmahnung an die 
7 Städte, keine Schwierigkeiten zu machen, wenn er das Auf- 
gebot ergehen lasse, sagen: wiewohl bisher mit der Bauer- 
schaft gütliche Verhandlung vorgenommen worden, so wollen sie 
doch keinen ziemlichen imd leidlichen Abschied nicht annehmen, 
sondern in ihrem eigenwilligen Vornehmen je länger, je mehr 
verharren. Der Erzherzog erklärt es für seine Pflicht, das Land 
vor der Bauern Absichten (fürnemben) zu schirmen.^) 



*) Ober den communistischen Charakter der grossen deutschen Bauern- 
revolution sieh Jörg Deutschland in der Revolutionsperiode 289 ff. Jarke, 
Studien und Skizzen zur Gesch. d. Reform. 257 ff. — Solche Ideen auch in 
den Aussagen der Attergauer Rebellen. — *) Jörg 1. c. 503. Wilhelm ge- 
braucht den Ausdruck niederösterreichische Bauern im Sinne der damaligen 
poUt. Eintheilung für Bauern der 5 niedevösterr. Lande. Über die enge 
Verbindung von Tirol, Salzburg und Oberösterreich, auch Jörg S. 523. 
- ') Wien, 25. Juni 1525, Linzer Mus. Archiv. — Auch die 4 Stände 
Oberösterreichs klagen in ihrem Schreiben vom 7. Juli an die Salzburger 
ßebellen, dass sie bisher in fleissiger Handlung gewesen, solche Empörung 
^ötiich beizulegen, es hat sich aber nicht fügen wollen. Es sei zu besorgen, 
^fl«8 sie die Aufrührigen mit der Thafc zum Gehorsam bringen müssen, wenn 
^^iöe Güte bei ihnen helfen wollte. Reichsfinanzminist. Bauernkriegs- 
*cteu 1525. 

9* 



132 Wenig günstige Aussichten auf eine friedliehe Beilegung. 

Auch die Ausschüsse der 5 niederösterreichischen Lande zu 
Trautmannstorf sprechen davon, dass alle gütlichen Verhandlungen 
bei den Meisten in Gemässheit „ihres erschrecklichen und un- 
leidentlichen Fürnehmens^' ohne Frucht gewesen sind. Den Be- 
strebungen der extremen Parthei wurde nicht wenig in die 
Hände gearbeitet durch die fürstliche Antwort, welche die Ge- 
sandten des Bauernbundes den 25. Juni von Innsbruck zurück- 
brachten. Sie lautete: 

Durchlaucht habe die übergebene Supplication vernommen 
und wäre wohl bereit, dieselbe der Gebühr nach gnädiglich zu 
erledigen, sei aber mit Geschäften wegen gegenwärtigen Land- 
tag der Grafschaft Tirol dermassen beladen, dass er die Gesandten 
nicht sobald als erwünschte abzufertigen vermag. In Erwägung, 
dass sie bei längerem Zuwarten viel Zeit und Geld verthun, er- 
laube er ihnen wieder heimwärts zu ziehen mit der Erklärung, 
dass er über die übergebene Supplication zu füglicher Zeit sich 
entschliessen und innerhalb 14 Tagen von heut dato an den 
Bescheid zu des Richters von Vöcklabruck Händen übersenden 
wolle, welchen die Bauerschaften, nicht in ganzer Versammlung, 
sondern allein, durch ihre Ausschüsse oder Gesandte bei ge- 
dachtem Richter zu Vöcklabruck suchen und finden werden. 
Mittler Zeit sollen die Bauerschaften von Versammlung (Zu- 
sammenrottung) sich enthalten und in Ruh anheijnb bleiben. 
Solches sei ihrer Fürstlichen Durchlaucht Meinung und Befehl.^) 

So natürlich es war, dass der Fürst in einer so verwickelten 
Angelegenheit, aus weiter Ferne, nicht in wenig Tagen eine folgen- 
schwere Entscheidung treffen wollte und konnte, so mussten die 
Bauern doch in einer Verschiebung der Angelegenheit um 14 
Tage einen Kunstgriff erblicken, Zeit zu gewinnen, bis Stände 
und Regierung, die ihre Rüstungen eifrig betrieben, eine be- 



') Das Schreiben ist datirt Innsbruck, 25. Juni 1525. Eingang: Auf 
der Gesandten, so von der Pauerschaft gegen Kammer, Kogel, Franken- 
burg und etliche andere Herrschaften in Österreich ob der Enns gehörig 
zu ihrer Fürstlichen Durchlaucht ihrer Beschwerden halber abgefertigt 
worden, Für bringen ist Fürstlicher Durchlaucht An wort. Abschrift im 
Archiv Kremsmünster. 



Wenig günstige Aussichten auf eine friedliche Beilegung. 133 

waflfnete Macht zur Hand hätten. Von jetzt ah wurde jede Scheu 
ahgelegt. Man nahm jetzt die Beförderung des Evangeliums als 
ersten Punkt ^) ins Programm auf und erklärte sich für die 
Durchführung des Letztern mit Waflfengewalt bereit. Aufgerüttelt 
durch die. Niederlage, welche die Salzburger Rebellen dem 
Steiermärkischen Adel am 3. Juli bei Schladming beigebracht 
hatten, sandten sie ihre Boten in das verbündete Lager vor 
Salzburg, um ein Hülfscorps, mit welchem sie einen Hauptstreich 
wagen könnten; allein die Salzburger hatten mit sich selbst genug 
zu thun, hatten am 21. Juni noch Kriegsvolk und Geschütz 
von den Tirolern begehrt und schlugen Alles ab. Es war der 
kritische Moment der ganzen Bewegung, die das Land von den 
Alpen bis zum Böhmerwald durchzitterte. Auf der einen Seite 
der steigende Übermuth, auf Seite der Stände das tiefste Mass 
von Nachgiebigkeit imd Verdemüthigung. Sie waren über die 
Nachricht, dass die Salzburgischen Bauern das Begehren um 
Hülfe zurückgewiesen, dermassen .erfreut, dass sie einen eigenen 
Brief an sie schickten, in welchem sie die Rebellenführer „Lieben 
Hauptleut" tituliren, die Bauern ob des redlichen Gemüthes, 
aus dem die Weigerung entsprungen, beloben und sich „auf das 
Höchst" bedanken. Bis zu welchem Grade die auf die Nachricht 
von der traurigen Niederlage bei Schladming eilig nach Linz 
einberufenen Landstände erweicht waren, zeigt das summarische 
Verzeichniss der Concessionen, welches uns ein Codex des 
Klosters Tegemsee aufbehalten hat.^) 



') Das erhellt aus dem ständischen Beschluss übör die Bauern- 
beschwerden vom Anfang Juli. Sieh weiter unten. Dasselbe geht aus ihrer 
engen Verbindung mit den Salzburgischen Aufrührern hervor, welche wie 
die erzherzoglichen Commissäre aus dem Bauernlager zu Salzburg ihrem 
Herrn am 9. Juni melden, unter Andern begehren „dass die Ehre Gottes 
und das heilige Evangelium nach Vermögen ihrer Leib und Güter Fürgang 
gewinnen und haben möchten." ReichsBnanzminist. Bauernkriegsacten von 
1525. — ^) Der Codex enthält Abschriften von Urkunden, welche sich auf die 
in Österreich liegenden Güter von T^gernsee beziehen und befindet sich 
jetzt in Seitenstetten. Er ist aus der 1. Hälfte des 16. Jahrh. Fol. 120. 
Vermerkt die Artikl, die ain ersame Lantschafb anno dmi 1525 zu lintz 
versammlet beschlossen und gemacht hat auf die klag, beschwärde und 



134 ^^ höchste MasH der ständischen Concessionen. 

Es heisst darin: 

Erstlich das Wort Gottes; darin soll gehandelt werden etc. 

Zum Andern, Sterbhaupt halben soll es also gehalten 
werden: Welche in ihren Briefen Sterbhaupt haben und ist 
begriflfen, was sie dafür geben sollen, dabei soll es bleiben. 
Stund aber das Sterbhaupt darin und war kein Summa be- 
griflfen, soll von demselben i^ait der Mass, nämlich von einem 
Hof oder Hub 2 U den,^ von einem halb Hof 1 U den. und von 
einem Lehen 4 ß und nit mehr genummen werden. Welche 
aber das Sterbhaupt nit mit lautern Worten in ihren Briefen, 
oder gar nit Brief hätten, gegen denselben und alle Freisassen 
soll das Sterbhaupt ganz ab sein. 

Das Freigelt oder das zehnt Pfundt soll durchaus im 
Land ab sein. 

Dann mit Anlait und Abfahrt soll ein jeder bei seinem 
Brief und Sigil bleiben und gehalten werden. Welchem aber 
die Anlait in seinem Brief nit bestimmt war, oder kein 
Brief hat, der soll füran von 40 f( den. für Anlait 1 ^ den. 
und für Abfahrt von 20 S den. 1 S den. und nit mehr geben. 
Welcher aber von Alter noch minder gegeben hätt, der soll 
bei demselben bleiben. 

Der Steur halben, nachdem ein ehrsame Landschaft den 
Fürsten von Oesterreich, Gnädigen Herrn und Landsfürsten 
bisher aus Unterthänigkeit, doch unbegeben ihrer Freiheit durch 
Steuer Hülf bewiesen haben, nachdem sie aber in ander Weg 
ihrem Herrn und Landsfürsten Hülf zu erzeigen willig und 
erbötig und in dem und andern Obliegendem von ihren Unter- 
thanen Hülf nothdürftig und sie (die Unterthanen) dasselb aus 
Billigkeit schuldig und päichtig sind, so sollen demnach die- 
selben ihr Unterthanen, sofern künftiger Zeit ein Steuer zu 
geben vonnöthen, in allen dergleichen Obliegen ihren Herrn 
mit ziemlicher Steuer zu Hülf kommen, doch in allweg darin 
gänzlich unbeschwert und gütlich gehalten, auch ohne sonder 



auffruer der Paurschaft iin Land ob der Enns wider ire obrickayt etc. Das 
etc. hier und sonst steht im Codex. Wir geben die Schrift mit veränderter 
Orthographie. 



Das höchste Mass der ständischen Concessionen. 135 

gross dergleichen Ursachen durch ihre Herrn ferner nit 
gesteuert werden. 

Der Bobot halber ist durch eine Landschaft also beschlossen: 
was gesetzt und von Alter hergebracht Robot sein (sind), 
sollen also bleiben und durch die ünterthan vollzogen werden; 
was aber neu aufkommen Robot wären, die sollen ab sein. 
Es thut sich ein Landschaft versehen, es sei nit ein jeder mit 
solcher Robot beschwert worden, thun sich aber nichts desto 
weniger bewilligen, die ünterthanen weiter mit keiner neuen 
Robot gar in kein Weg zu beschweren, sondern sein gäntzlich 
des Fürnehmens, sich dermassen gegen ihnen zu halten, dass 
sich die Ünterthanen daran wohl ersättigen lassen und gar keine 
Beschwerd mehr haben werden. 

Wo aber durch einen oder mehr, in welchem Stand es 
war, mit Steuer oder Robot dawider gehandelt würde, so soll 
der Beschwerte solches in der Hauptmannschaft anzeigen und 
soll • dasselb hingelegt werden. Wo aber die Irrung so gross 
war, mag der Hauptmann oder Anwalt von jedem Stand eine 
Person zu ihm nehmen und solch Beschwerung nach der Billig- 
keit abscheiden und ohne Weigerung förderliche Wendung thun. 

Die Rechtlehen sollen in dritthalb Jahren einmal und in 
fünf Jahren zweimal (zwier) genommen werden.^) 

Zehent: Was einer zu seinem Haus fechsnet, davon soll 
ihm der Zehent, die zehnt Garb auf dem Feld oder im Stadl 
ausgeworfen werden. Wollt er aber den Zehent verlassen (id 
est verpachten), so soll er denselben bei dem Gut lassen, das 
er bestanden und davon, was treulich ist, gegeben werden. 

Das Wildpret mag der arme Mann mit Hunden oder sonst 
ab seinen Gründen jagen, aber nit fällen etc.^) 



') Die Rechtlehner waren ünterthanen, welche das doppelte Freigeld 
haben geben müssen. Ihre andern Giebigkeiten leisteten sie jedes zweite oder 
dritte Jahr. — *) Actum 25 anno zu Linntz. Leider fehlt ein näheres Datum. 
Die Aufnahme des Wortes Gottes in den ersten Artikel spricht dafär, daas der 
Beschluss nach dem aufschiebenden Erlass des Erzherzogs vom 25. Juni 
also Ende des Monats Juni oder Anfang Juli bei immer grösserer Erhitzung 
der Gemüther gefasst worden sei. 



136 Der kritische Moment. 

Die glänzenden Zugeständnisse, welche der Ständebeschluss 
enthielt, fanden keinen Anklang. Der Artikel über die Robot, 
der wichtigste in Oberösterreich, war unklar und nebelig ge- 
halten, mehr eine Anweisung auf Güte und Gnade der Grund- 
herrn und das, was der Bauer vor Allein wollte, „Mass und 
Mittel, so dass man bestimme, wie viel Tag ein Jeder des 
Jahres seinem Herrn Toboten sollte," fehlte. Der tief in das bis- 
herige Regierungssystem einschneidende Punkt der Steuern, die 
auf den ünterthanen fast allein lasteten, war reich an Ver- 
heissungen, arm an concreten Leistungen, ein wahrer elastischer 
Spielball. Dessungeachtet wäre die Annahme für den Bauern- 
stand, der z. B. Sterbhaupt und Freigeld bis zur Revolution im 
Jahre 1848 trug, von unverkennbarem Vortheil gewesen. Allein iu 
der Überschätzung der Mittel des Widerstandes wurde die Hand 
der Versöhnung zurückgewiesen. Die Edelleute blieben, wie sie 
öfter bekennen und klagen, wegen des Widerwillens ihrer 
Hintersassen ohne Einkommen. Die meisten ünterthanen, sonst 
Freunde und Helfer, hatten sich in die grössten Feinde der 
Landherrn und der Fürstlichen Durchlaucht verwandelt.^) Die 
Bauern glaubten, man könne es auf ein Spiel von Macht zu 
Macht ankommen lassen und den Erfolg auf dem Kriegs- 
theater abwarten. Es war ja immerhin zweifelhaft, ob es der 
Regierung und den Ständen gelingen werde, eine genügende 
Streitmacht auf die Beine zu bringen. Das Verhalten der 
Städte, welche übrigens auch bald das Feuer der Revolution 
in ihren eigenen Mauern verspürten, indem die armen Bürger 
gegen die Reichen zu rebelliren nicht übel Lust hatten,*) 



') Klage der 5 niederösterr. Landesau8schÜ8se zu Trautmannsdorf, 
21. Juli. Reichsfinanzminist. 1. c. — *) Preuenhuber erzählt in seinen Steyrer 
Annaleo S. 223. Montags vor Margarethä, 10. Juli, versammelte sich eine 
grosse Meng von hiesiger Burgerschaft und Gemein in der Pfarrkirche und 
schiene fast, als hätten auch dieselben zu einem Aufruhr Lust; denn sie 
liessen in den Kath zweierlei gelangen, dass nämlich fürohin bei Anschlagung 
der Steuer aus der Gemeine von jedem Viertel zween oder drei Hauss- 
gesessene dem Rath adjungirt und dann gemeiner Stadt Freiheiten, den 
Bürgern zu ihrem Handel dienstlich, auf Begehren und nach Laut Kaiser 
Maximiliani Bescheid verlesen und mitgetheilt werden sollten; welch Beides 



Der kritische Moment. 137 

bestärkte die Bauern in ihrem Starrsinn und Trotz. Die Stadtherrn 
wollten sich auf keine gewisse beständige Hülfe zu Gunsten 
der 3 andern Stände einlassen, wesshalb letztere noch am 
21. Juli den Erzherzog baten, er wolle die Städte aufs Stärkste 
ermahnen. Die Regierung in Wien musste die schwierige 
Haltung der Städte bestätigen; da man in Steiermark und 
Österreich ihrerseits sich weigerte, den gewöhnlichen 4. Theil 
zu leisten, so riethen die Kammerräthe dem Erzherzog am 
6. Juli, die gewaltsame Einforderung bei den Städten bis zur 
Unterdrückung des Aufstandes zu unterlassen. „Denn wenn das 
Handwerk und anderes gemeine Volk besteuert würde, möchte 
selbes in Ungestümmigkeit und Aufruhr bewegt werden; denn 
es wohne in den Städten viel muthwillig und arm Volk."^) 
Dass der rebellische Geist nicht zur Ruhe kam, verhinderten 
auch die loc^len Explosionen des revolutionären Zündstoffes, 
bald an den Alpen, bald am Böhmerwald, bald unter den 
„Urbaren" des Erzherzogs, deren er ausser dem Attergau 
vorzüglich in den Burggrafenämtern zu Freistadt, Wels, Enns 
und Steyr besass. 

„Pfingstag nach St. Johannstag zu Sunnwenden'' (29. Juni) 
sollten die Ausschüsse der 5 niederösterreichischen Lande in 
der Stadt Steyr zusammentreten, um unter sich wegen der im 
Nothfall einander zu leistenden Hülfe zu berathen. Die Aus- 
schüsse, welche Oberösterreich entsenden wollte, waren Peter 
Probst von St. Florian, Pangraz Abt zu Garsten, Achaz von 
Losenstein, Sigmund Ludwig von Polheimb, Alexander Schifer 
zu Freiling, Eberhard Marschalch zu Reichenau Pfleger auf 
Steyr, Colman Greintaler Bürgermeister von Linz, Michel 
Kernstockh Büi^germeister zu Steyr. Man gab ihnen von Seite 
der Stände volle Gewalt, die obenberülirte Angelegenheit zu 
berathen, und was sie sämmtlich oder der mehrer Theil aus 
ihnen neben den andern Ausschüssen der Empörung halber 

ein ehrsam Rath, weil damals Herr Omnis die Oberhand hatte, zwar zu- 
Hag-te, aber doch die Vollziehung nachher unterliess. 

') Uathschlag der 5 niederösterr. Lande Reichsfinanzminist. 1. c. 
ßuchhcvlz, Ferdinand L, Band 8, S. 90. Notizblatt d. kais. Akad. 1859. S. G9. 



138 ^ Locale Explosionen. 

rathschlagen und schliessen würden, das alles und jedes sollte 
ihre, der Stände, Meinung, Willen und Wohlgefallen sein.^) 
Allein die ünterthanen von Kloster Garsten in Weier, welche, 
wenn sie es durch ihre guten Freunde in Steyr nicht erfuhren, 
wohl selbst leicht denken konnten, dass man sich auf dieser 
Versammlung um ihre Haut berathen würde, suchten das 
Zusammenkommen derselben mit gewehrter Faust zu verhindern. 

Als die Deputirten der Steiermark in der Ortschaft Kasten 
unfern von Weier angelangt waren, wurden sie mit Gewalt 
zurückgetrieben und mussten auf dem nahen Schlosse Gallen- 
stein ihre Zuflucht suchen. Auf des Landeshauptmann Befehl 
wurden sie hierauf von Bürgern und bewaffneten Dienstleuten 
der Herrschaft Steyr in namhafter Anzahl vom Gallenstein 
abgeholt und nach Stadt Steyr geleitet. Allein die ganze 
Ausschussberathung unterblieb, weil die andern Deputirten 
wegen des Aufstandes in Steiermark und andern Orten gar nicht 
nach Steyi' gelangen konnten. 

Ohne Zweifel war es auch um diese Zeit, dass andere 
Garstnerünt^erthanen jenseits der Enns, 1200 bewaffnete Männer, 
dem Kloster „einen scharfen Besuch machten, an den sich die 
von Garsten wohl zu erinnern wussten." Der Übergang über 
die Enns wäre ihnen nicht möglich gewesen, wenn man sie 
nicht in Steyr über die obere Ennsbrücke in die Stadt und 
zum kleinen Thürl wieder hinaus hätte ziehen lassen. Wer es 
gethan hat, wollte man nachher nicht wissen. Der Steyrer 
Bürger Hanns Luger beschuldigte offen vor dem Landeshaupt- 
mann den damaligen Stadtrichter Colman Dorninger, der aber 
nur zugab, dass er mit der Bauerschaft ausserhalb der Stadt 
verhandelt habe, was er bei der hohen Obrigkeit zu ver- 
antworten wisse. 

Bei jenem scharfen Besuch verwüsteten sie die Umgebung 

*) Gewaltbrief der 4 Stände, im Landesarchiv zu Linz, sine dato, aber 
um den 7. Juni 1525. Unterschrieben sind Michael Abt zu Lambach, Leon^ 
hard Abt zu Wilhering, Barthlme von Starhemberg, Veit von Zelking ap 
dem Herrnstand, Hanns Schifer zu Irnharting, Laslaw Thurner zu RaschÄ^ 
torff von der Ritterschaft und die 2 Städte Freinstatt und Wellss „vc^j 
der Stett wegen." Landtagsannalen Band A. 



i 



Locale Explosionen. 139 

des Stiftes, Hessen aber das Kloster unbehelligt. Doch erlitt 
dasselbe auf seinen Besitzungen an der Enns zu Losenstein, 
Weyr, Gaflenz von den Aufrührern bedeutenden Schaden.^) 

Das Thal von Windischgarsten, wo die ünterthanen von 
3 Klöstern: Gleink, Spital, Kremsmünster sassen, und das Thal 
von Spital am Pass, der über den Pyrhn nach Steiermark 
führt, erregten gleichfalls Unruhen. Die Holden des CoUegiat- 
ßtiftes Spital am Pyrhn wollten ihre agrarischen Beschwerden 
mit Trotz und Gewalt gegen Dechant und Capitel durchsetzen. 
Auf die Nachricht, der Dechant sei nach Linz um Hülfe zu 
holen, welche unter dem Vorwande, den Pass über den Pyhrn 
zu besetzen, ins Thal einrücken sollte, Hessen sie nach Linz 
melden, man solle davon abstehen, sie wollten die Klause am 
Pyhrn und andere Pässe selbst nach bestem Vermögen bewahren. 
Der Anwalt von Oberösterreich, Sigmund Jagerreiter, der solches 
an den Hofrath in Wien meldet, setzt hinzu: Weil man im 
Rath befunden, dass man bei der kleinen Macht, die zu Gebote 
stehet, eine stattliche Gegenwehr nicht hineinschicken könne, 
und nur mehr Aufruhr dadurch erweckt würde, so hat man 
den Klosterleuten gerathen, ihren Ünterthanen im Thale an- 
zuzeigen, es sei solches Hineinschicken in Ansehung ihres 
tröstlichen Erbietens wieder abbestellt. 2) Niklas der ältere Graf 
von Salm, der in Steiermark die Truppen gegen die Aufstän- 
dischen commandirte, meldet noch am 27. Juli an den nieder- 
österreichischen Hofrath den festen Entschluss der Spitaler 
Bauern, jedem Zug von Kriegsvolk über den Pyhrn mit Waffen- 
gewalt entgegenzutreten. 

Vom Kloster Kremsmünster wissen wir nur, dass der Abt 
Leouhard viel Kummer wegen des Bauernaufstandes erlebte.^) 



•) Preuenhuber 1. c. 224. — Friess, Gesch. v. Garsten in den Wissensch. 
Studien und Mittheil, aus dem Benediktinerorden 1881, Hft. 3, S. 63. Die 
'^^^ Bewaffneten bei Preuenhuber sind wahrscheinlich Druckfehler. — 
/ Schreiben vom 7. Juni. Reichsfinanzministerium 1. c. Archiv Krems- 

"^^^nster, Regesten der Acten über den Bauernaufstand im Teichelthaie 
/^7 — 1600. E. u. Gütlicher Vertrag zwischen Dechant von Spital und seinen 

^'»»terthanen am 10. Dec. 1598. — *) Notizbl. d. kais. Akad. 1860. S. 71. 

"^ Chronik v. Kremsmünater, Linz 1877. S. 9. 



140 Locale Explosionen. 

Ein anderes oberösterreichisches . Kloster am Fusse der 
Alpen, das Kloster Mondsee, finden wir ganz in der Macht- 
sphäre der Salzburger Rebellen, welche vom ersten Stoss gegen 
die österreichische Gränze bis zur Aufhebung der Belagerung 
von Salzburg dasselbe in ihren Klauen hatten und von Zeit 
zu Zeit rupften. Die Klosterunterthanen in Mondsee und 
St. Wolfgang gehörten zum Bauernbund, zahlten und leisteten 
dem Abte nichts; andererseits schickten die Rebellen vor Salz- 
burg während der Monate Juni und Juli von Zeit zu Zeit ihre 
bewaffneten Bittsteller an den Abt um Holz, um Rüstungen 
und Wehren und vor Allem um Geld. Einmal kamen sie in 
der Zahl von 1500 Mann vor die Abtei und drohten mit Plün- 
derung. Nur durch Darstreckung von 700 Gulden und die Über- 
redungskunst des Abten Johann entging das Haus einem 
traurigen Loose. 

Auch im Salzkammergut, Aussee, Ischl, Hallstadt gab es 
gewaltige Bewegungen.'^) 

Die Hinrichtungen in Schorf ling, Landgericht Kammer, die 
Executionen in Freistadt und andern Orten 2) können als Beleg 
dienen, dass es auch in diesen Gegenden hervorragende Ver- 
brecher zu bestrafen gab, aber zur Erstürmung und Plünderung 
auch nur eines Schlosses oder eines Klosters oder zu Blut- 
vergiessen und politischen Morden ist es im ganzen Lande 
nicht gekommen. Wir haben dafür die ausdrücklichen Erklä- 
rungen der Stände.^) An bösem Willen und grimmigem Hass 



*) Chronicon Lunaelacense S. 324. Dort steht 7000 Gulden. Sieh 
dagegen im Anhang die Briefe der Rebell enfiihrer, wo nur von einer Huldi- 
gung — Loskauf von Brand und Plünderung — von 700 Gulden die Rede 
ist. Diese Ziffer hat auch die innere Wahrscheinlichkeit fiir sich, indem 
7000 Gulden eine damals ungeheure und unerschwingliche Summe gewesen 
wäre. Bezüglich des Salzkammerguts, Krones Gesch. Ost., II., 637. — '0 Der 
unbekannte Fortsetzer der Chronik von Goisern im Archiv St. Florian sagt, 
zu Schürf ling seien anno 1525 11 Aufrührer an einem Baum autgehängt 
worden. - Richard Strein, Atmcdes Hisiorlci handschriftlich im Archiv 
zu Clamm Blatt 427 erwähnt, dass die Bauern an. 1525 getrennt, etliche 
in der Freistadt und sonst gerichtet worden seien. — ^) Schreiben der 
Verordneten ob der Enns an den Hofrath in Wien. Linz 25. Juli 1525. 
„Die Bauerscbaft in diesem Landen habe nicht so freventlich gehandelt. 



Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 141 

fehlte es allerdings nicht. Man hielt es in den höchsten Kreisen^) 
für möglich, dass die Bauern zum Angriff schreiten — aber 
es fehlte der Mann, der durch seine geistige Überlegenheit oder 
sein Ansehen die zerstreuten Kräfte des Umsturzes in seiner 
Hand vereinigt und nach einem bewussten klaren Ziel hinzuleiten 
verstanden hätte. So blieb der ganze über das Land verbreitete 
Aufruhr nichts als ein plumper, täppischer Versuch der ein- 
fältigen Menge, sich von Banden zu befreien, welche durch 
die Natur der ersten Bodenerwerbung eben so wie durch Zeit 
und Menschen um sie geschlungen worden sind. ^ 

Im Laufe des Monats Juli zeigte sich hie und da ein 
Umschlag zum Bessern. Man merkte eine bisher nicht gewohnte 
Willfährigkeit gegen die Grundherrn, so dass selbst Bund- 
bauern ihren Herrn mit gebührender Hülfe und Robot ihren 
Gehorsam bewiesen; die „Yersamralungen, Rotten und Bündniss" 
kamen in vielen Orten ausser Übung; die guten Dienste der 
Vermittlungscommission wurden häufiger in Anspruch genommen. 
Die erzherzoglichen Räthe und Commissäre erklärten sich diese 
Umkehr aus der Furcht,^) welche die steigenden Rüstungen 
und die Anwesenheit der Söldnerhaufen den Bauern erregten. 
Wir müssen sie desshalb etwas genauer ins Auge fassen. 



Die Kriegsmacht, mit welcher man den Aufstand bewäl- 
tigen wollte, war aus 3 Bestandtheilen zusammengesetzt, aus 
dem Aufgebot, den landesherrlichen und den ständischen Truppen. 
Das Aufgebot bestand aus den Contingenten des Adels, der 
Prälaten und der Städte. Der Adel zog persönlich mit seinen 

wie die im AUgäu, welche etliche Klöster, Herrn- und Edelmannshäuser 
angegriffen, zerbrochen, geplündert habe. Mit Ausnahme von Fürstlicher 
Durchlaucht Urbarsieuten, die in etlichen Herrschaften den Anfang ge- 
macht, hätten die andern sich nur in das Bündniss begeben, um Abhülfe 
bei Ihrer Durchlaucht oder den Verordneten zu suchen. Archiv des Reichs- 
finanzministeriums 1. c. 

') So der Erzherzog im Schreiben an Alexander Schifer Wien, 12. Juli 
1525. Reichsfinanzminist. 1. c. — ^) Schreiben derselben an die Hof- und 
Kammerräthe in Wien. Linz, 15. Juli. Dazu Schreiben der Verordneten an 
den Erzh. Linz, 8. Juli. Archiv d. Reichsfinanzminist. 



142 Die Heeresmacht des Fürsten und der Si^nde. 

Jägern und Dienern, die er selbst ausrüstete, ins Feld; die 
Contingente der Prälaten commandirten ihre Pfleger oder Stall- 
meister, die der Städte, die aus geworbenen Leuten der städti- 
schen Bevölkerung bestanden, angesehenere Bürger. Diese 
Streitmacht war wegen Widerwilligkeit der Städte — Steyr 
stellte diesmal nur 30 Mann — und der ünterthanen nur 
gering anzuschlagen. Der persönliche Zuzug des Adels war trotz 
aller Ruhmredigkeit desselben nicht glänzend ausgefallen. Dazu 
kam der Mangel an Kriegsübung und soldatischer Zusammen- 
gewöhnung; wenn es den Edelleuten im Felde nicht mehr behagte, 
ritten sie ohne Umstände nach Hause.*) 

Neben diesem bunten Heerhaufen gab es ständisches Kriegs- 
volk, welches auf Kosten der Stände geworben, erhalten und 
mit Officieren ihrer Wahl versehen wurde. Eigentlich waren 
die Stände nach der Verfassung zu nichts als dem Aufgebot 
verpflichtet, wesshalb Ciriak von PoUheim, als im Jahre 1526 
beim Wiederausbruch der Rebellion in Salzburg die Hofkammer 
an Aufstellung des Aufgebots in Oberösterreich dachte, der- 
selben antwortete, wenn er dasselbe ergehen lasse, werde die 
erste Frage der Landschaft sein, was Fürstliche Durchlaucht 
als Herr und Landesfürst auf sich nehme.^) Liessen sie sich in 
besondern Fällen, wie der gegenwärtige einer war, zur Auf- 
stellung einer eigenen Truppenmacht bewegen, so musste ihnen 
der Landesherr einen Schadlosbrief ausstellen, dass solches 
ohne Folgen für ihre Freiheiten und Rechte geschehe. Die 
Kosten für eine solche ausserordentliche Rüstung bestritten 
die Stände wieder nicht aus ihrem Beutel, sondern sie legten 
auf ihre Hintersassen eine entsprechende Kriegssteuer. Im Falle 
eines Aufstandes konnten sie freilich nicht eine solche Steuer 
auf die ünterthanen legen. Beide Theile aber, Stände und 

') Bezüglich des Aufgebots führen wir das Zeugniss des Landeshaupt- 
mannes Ciriak von PoUheim an, der im Jahre 1526 gelegentlich des 
Wiederausbruches des Salzburger Aufstandes schreibt: Mit dem Aufgebot 
wird wenig auszurichten sein, wie sich auch vert (im vergangenen Jahr) 
erwiesen. Brief vom 2. Juni. Reichsfinanzminist. — Ihren persönlichen 
Zugug, das persönliche Aufsein, erwähnen die Stände zu wiederholten 
Malen. — ^) 1. c. 



Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 143 

Landesfürst, trösteten sich damit, die Auslagen durch Ein- 
ziehung der Rebellengüter und die ausgeschriebene Brand- 
schätzung herein zu bekommen. Die Stärke der ständischen 
Truppen in diesem Feldzug betrug 1200 theils böhmische, 
theils deutsche Soldknechte.') Die Anwerbung, Ausrüstung und 
Verpflegung der landesherrlichen Völker übernahm der Fürst 
auf das Kammergut, das heisst, er bestritt die Auslagen von 
dem Erträgniss der landesfürstlichen Güter und anderer ihm 
zugehöriger Gefälle. 

Grosse Schwierigkeiten erregte der Umstand, dass man 
sich diessmal mit fremdem Kriegsvolk rüsten musste, weil man 
sich auf die Einheimischen nicht verlassen konnte.*) Ja selbst 
den frei geworbenen ausländischen Knechten konnte man, weil 
sie selber lutherisch und den Herren feindlich gesinnt waren, 
nicht trauen. Oft Hessen sich Knechte mustern, welche heimlich 
mit den Bauern verstanden waren. Die Vorgänge bei dem 
Überfall in Schladming haben es klärlich erwiesen. Niklas Graf 
Salm schreibt an den Hofrath, auf die deutschen Knechte könne 
er sich nicht verlassen, es seien höchstens 100 brave Lands- 
knecht unter ihnen, die böhmischen Knechte schlagen sich 
schlecht.^) Dennoch wurden die „Behaimer^ aus religiösen und 
nationalen Gründen, um eine Empörung im Lande zu stillen, 
vorgezogen. 

In der ersten Hälfte des Juli glaubte man in Wien auf 
eine geworbene Streitmacht von 700 deutschen, 1100 böhmischen 
Knechten und 100 gerüsteten Pferden im Lande ob der Enns 
rechnen zu können.*) Allein diese Höhe erreichte sie erst 

') Dass die Landschaft deutsche Knechte im Solde hatte, geht aus 
dem Schreiben Ferdinands an die Ausschüsse im Lande ob der Enns hervor 
Wien, 14. Sept. 1525. Von den böhmischen Knechten im Dienste der Stände, 
Schreiben des Hofraths an den Erzh. Ferdinand Wien, 11. Sept. 1525. Ihre 
schwere Rüstung zu Boss und Fuss erwähnen die Stände, 18. Oct. 1525, 
an den Erzh. Alles im Archiv d. Reichsfinanzminist. 1. c. — ^) So urtheilen 
die Ausschüsse der 5 niederösterr. Lande zu Trautmannstorf. Die Herzoge 
von Baiern und der schwäbische Bund kämpften mit denselben Schwierig- 
keiten. Jörg 1. c. 242 ff. 351. Jarke 1. c. 273 ff. — ') Notizblatt d. Akad. 
1858. S. 72. — ') Notizblatt der Akad. 1859. S. 70. — Wolfgang Oeder klagt, 
dass es ihm nicht gelingen werde, eine so grosse Anzahl Fussvolk in Böhmen 



144 Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 

später, indem es mit den Werbungen langsam vorwärts ging. 
Davon standen im Solde des Erzherzogs 300 deutsche Knechte 
unter dem Hauptmann Kilian Kaufmann von Rassing. Die Mann- 
Schaft war in Innsbruck geworben, war aus Osterreich, Steiermark, 
Tirol, Baiern, Franken, Schwaben, Elsass bunt genug zusammen- 
gewürfelt und von Kaufmann Anfangs Juli nach Linz geführt 
worden, wo sie auf Befehl des Erzherzogs von den kaiserlichen 
Commissären Jörg Sighartner und Erasmus Paumkircher, dann 
von dem Ritter Wolfgang Oeder zu Götzendorf und Kilian 
Kaufmann gemustert wurden. 

Aus dem Solde lernt man die innere Verfassung des 
„FändP' in damaliger Zeit kennen. Grundlage für alle höheren 
Besoldungen war der Gehalt des einfachen Knechts. P'ür einen 
jeden solchen mussten dem Hauptmann Kaufmann monatlich 

3 Gulden gezahlt werden. Der Hauptmann bekam für sich monat- 
lich 10 Solde, also 30 Gulden. Der Fendrich Jörg von Wildenstein 

4 Solde; der Schreiber Lienhart Kreber 2 Solde, ein Furier 
2 Solde, der Kaplan 2 Solde, 2 Waibl je einer 2 Solde, ein 
Zimmermann 2 Solde, 2 Trommelschläger je 2 Solde, 2 Pfeiffer 
je 2 Solde^ 2 Trabanten^) je 2 Solde, der Steckenknecht 
2 Solde. Dann kommen 6 Doppelsöldner ^) zu je 2 Solden und 



anzuwerben, als ihm aufgetragen war. Schreiben des Landesanwalts an den 
Wiener Hofrath. Linz, 30. Juli. Archiv d. Reichsfinanzininist. Nach dem 
Stand der Ausgaben müssen die 300 böhmischen Knechte später vollzählig 
geworden sein. Oeder wurde bei seiner Werbung unterstützt durch Caspar 
von Walawiz „der auf der Landschaft Begehren in dieser Empörung mit 
3 Pferden hinein gegen Böhaimb gezogen." Landesarchiv Linz, Landtaga- 
sachen Bd. A-, Fol. 576. Die Wallewitz besassen 1620 das Schloss Frons- 
perg und Städtlein Thein an der Moldau. Hormayr, Tasch. 1849. S. 310. 
^) Die Trabanten waren zunächst um den Hauptmann, den sie auch 
in die Schlacht begleiteten. Die Steckenknechte hatten für die polizeiliche 
Ordnung im Lager und auf dem Marsche zu sorgen. — ^) Doppelsold er- 
hielten adelige, oder ganz vorzüglich ausgerüstete oder besonders tüchtige 
Krieger. — Obige Angaben über das Fändl im Schreiben Schifers und der 
Landloute zu Linz an den Erzh. 15. Juli 1525. Reichsfinanzminist. 1. c. In 
einem Act des letztgenannten Archivs kommt ein Verzeichniss der Aus- 
gaben für das Kriegsvolk während des Aufstandes 1525 vor. Dort erscheinen 
die 300 Knecht des Kilian Kaufmann mit je 4 Gulden Rheinisch monat- 
lichen Sold. 



Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 145 

268 einfache Söldner. Der Sold lief vom 1. Juli an und betrug 
monatlich für das ganze Fändl 1077 Gulden. Für die Waffen 
sorgte jeder Krieger in der Regel aus Eignem, eben so für 
Kleidung. Sie lagen im Schloss zu Linz. Die nöthigen Gelder 
wurden auf geschehene Anweisung des Erzherzogs von dem 
Vizdom von Oberösterreich ausgezahlt. 

Ausser den deutschen stellte der Erzherzog auch 300 
böhmische Knechte mit einem Sold von 37.2 Gulden rheinisch 
monatlich, was eine Ausgabe von 1050 Gulden machte. Sie 
waren von Wolf Oeder angeworben, der nebenbei das Werb- 
geschäft auch für die Stände betrieb. 

Auf Kosten des Landesfürsten dienten unter Sigmund 
Ludwig von PoUheim 200 gerüstete Pferde. Auf eines kamen 
monatlich 11 Gulden rheinisch, zusammen 2200 Gulden.^) 
In einem solchen Reiterhaufen dienten vorzüglich Adelige, in- 
dem sie entweder bloss ihre Person und ihr Pferd oder zugleich 
mehrere Diener und Verwandte mitbrachten, für deren Aus- 
rüstung und Verpflegung^ sie den Sold bezogen. So diente 
zum Beispiel in der Schwadron, welche die Stände Ober- 
österreichs im Jahre 1529 gegen die Türken ausrüsteten, Jörg 
von Liechtenstein mit 20 Pferden, Achaz von Losenstein mit 8, 
der von Mansberg mit 4, Wilhelm und Wolfgang von Zelking 
mit 14, der Herlein sberger mit 4, ein Zeller, Schweinpeck, 
Volkmar, Trenbeck mit je einem Pferd. Der Monatsold für 
ein gerüstetes Pferd war damals 10 Gulden rheinisch. 2) 

Der Hauptmann über eine solche Handvoll ^gereisige 
Knecht" wurde ganz erstaunlich wohlgehalten. Als im Jahre 
1522 die Landschaft ob der Enns hundert Pferde gegen die 
Türken ins Feld schickte, war der Hauptmann derselben Seba- 
stian von Traun zu Eschlberg. Für jeden seiner Reiter sammt 
Pferd wurden ihm per Monat 10 rheinische Gulden bewilligt. 
Er selbst bezog den Sold von 10 gerüsteten Rossen. Für seine 
Tafel bekam er monatlich 56 Gulden — 80 hatte er begehrt 



*) Reichsfinanzminist. 1. c. Stand der Ausgaben n. s. w. — *) Landes- 
arclüv Linz, Actenstücke Sig. G. XXIV. 1. 

Czeroy, Baaeriiaufstand. 10 



146 Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 

— für seinen Feldwagen 20 Gulden; auf 4 Trabanten 24 Gulden 
monatlich — er hatte 8 Trabanten zu je 8 Gulden beansprucht. 
Damals dienten Ulrich und Christoph die Herleinsberger unter 
ihm mit 10 gerüsteten Pferden. Was den Tross anbelangt, so 
wurde auf je 10 Geraisige ein Trosswagen gerechnet, für 
den sie 20 fS Pf. erhielten, den Wagen aber mussten sie selbst 
aufbringen. Konnten sie das nicht, so wurden je 5 Geraisigen 
für ein Trosspferd, das sie selbst herstellen mussten, 5 fi Pf. 
gezahlt. 

Hauptmann aber über die Fussknechte war Christoph 
Stadler zu Piberbach, ebenfalls ein oberösterreichischer Edel- 
mann, den wir auch jetzt wieder im Bauernaufstand in stän- 
dischen Diensten finden.^) Um die Höhe obiger Besoldungen 
beurtheilen zu können, diene zur Kenntniss, dass man in jenen 
Jahren in Oberösterreich den Metzen Korn um etliche 20 kr. 
(anno 1519 sogar um 18 — 20 kr.), den Metzen Haber um 
6 — 8 kr., das Pfund Rindfleisch um 1 kr. zahlte; der Hand- 
werksmann erhielt als Taglohn 10 Pf. nebst Kost und Trunk; 
der Taglöhner 8 Pf. nebst Kost und Trunk. 

Neben der Reiterei und einer Anzahl Fussvolk kam auf 
den Landesherrn auch „die Artelerei und die Büchsenmeister", 
worunter man bald Artillerie-Officiere, bald gewöhnliche Stuck- 
knechte verstand. Den 7. Juli hatte Alexander von Schifer nach 
Wien schreiben lassen, man solle sobald als nur möglich 



^) Im Jahre 1522 befehligte er 300 Fussknechte. Er begehrte von den 
Ständen für jeden Monat 40 W Pf. oder rheinische Gulden; ein Ross fTir 
seinen Leib und ein Trossross, einen gemusterten Buben und zwei Tra- 
banten „wie dann der Brauch ist, welche ich mit Lieferung unterhalten 
muss und einem Hauptmann zugehört." Er hatte in seinem Fändl noch 
einen Leyttinger (Lieutenant), Fähndrich, Musterschreiber, Furier. Führer 
und 2 Waibl. Die Stände erklärten ihm, auf ihn selbst, die 2 Ross und 
einen Buben wollen sie ihm für Sold und Schaden 40 U pro Monat geben. 
Ausserdem ftir Tafel geld und Anderes monatlich 40 ti. Wegen der zwei 
Trabanten bleibe es bei seinem Begehren, er bekommt dafür 8 ^ pro Monat. 
Zum Fändl gehörten noch 2 Pfeiffer und 2 Trommelschläger. Edelleute, die 
in seinem Fändl dienen, erhalten Doppelsold. Von den gemeinen Knechten 
jeder monatlich 4 Gulden rheinisch. — Obige Notizen aus dem Jahre 1522 
im Linzer Landesarchiv Sig. Landtagssachen Bd. A., Fol. 408 ff. 



Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. J47 

Büchsenmoister und Schlangenschützen (Schlange eine kleinere 
Kanonengattung) herauf verordnen, denn eine jede Schlange 
bedarf ihrer eigenen und guten Schützen. Mit einem solchen Volk, 
wie er unter sich habe, müssten wenigstens 10 — 12 Stücke 
mitgeführt werden und weil diese derzeit im Lande nicht vor- 
handen, so möge der Hofrath dafür sorgen. Allein da war 
guter Rath theuer. Am 12. Juli meldet der letztere, die ver- 
langten Büchsenraeister und Schlangenschützen seien in Unter- 
österreich nicht vorhanden; er soll in Passau, Baiern oder 
Böhmen sich um derlei umsehen und 100 Büchsenmeister') 
aufnehmen. 

Auch die Viertlmeister im Mühlland, Machland, Traun- 
viertl und Hausruckviertl bezogen während der Kriegsdauer 
ihren Gehalt vom Landesfürsten; er betrug für^ jeden jährlich 
100 Gulden rheinisch. 2) 

Zum Vollzug guter Mannszucht erbittet sich Alexander 
Schifer vom Hofrath aufs eheste die Heraufsendung eines Pro- 
fosen; ohne diesen würde man auch den Proviant nicht sicher 
austheilen können. Der Profos hatte zur Vollziehung der Feld- 
polizei die Steckenknechte unter sich und bezog monatlich 
20 Gulden. Der Hofrath trug aber Schifer auf, sich selbst mit 
einem Feldprofosen zu versorgen. 

Der Erzherzog behielt sich vor, den obristen Feldhauptmann 
über alle in, den niederösterreichischen Provinzen stehenden 
Völker so wie die Kriegsräthe zu ernennen.^) Wollen die Stände, 



') Hier offenbar im Sinne von Stuckknechten. Die Schreiben vom 7. 
\in(l 12. .Tnli im Reichsfinanzminist. I.e. — ^) Reichsfinanzminist. 1. c. Stand 
der Ansgaben auf Bezahlung des Kriegavolkes. „Mer den viertlmaistorn in 
(iHterreich under und ob der Enns, deren 8 sein, jedem ain Jahr 100 Gulden 
rheinisch thuet 800 fl." Oberleitner, Österreichs Finanzen und Kriegswesen 
unter Ferdinand I. im 22. Bde. des Archivs für K. österr. Gesch.-Quollen. 
S. 24, setzt irrthüjnlich als Monatgeld für alle 8 Viertlmeister 100 fl. an, 
— ') Sieh Rath und Gutbedünken des Hofraths, was Ferdinand den 
Ausschüssen der 5 Provinzen auf ihre Eingabe vom 21. Juli antworten soll. 
H-eichsflnanzminist. 1. c. Die Ernennung Salms zum obersten Feldhauptmann 
aller 5 niederösterr. Lande erfolgte durch erzherzogliche Entschliessung 
vom 12. August. Reichsfinanzminist. Abschrift des Befehles, den Ferdinand 

10* 



148 J^J6 Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 

sagt er, aus jedem Land einen Kriegsrath zu den seinigen ver- 
ordnen, so habe er nichts dagegen, doch müsse einen solchen 
das eigene Land besolden und er behalte sich vor mit dem 
obristen Feldhauptmann nach seinem Gefallen zu schaffen. Die 
Wahl des Erzherzogs fiel auf Niklas Graf Salm den Alteren, 
der in Steiermark im Ennsthale stand. Die gesammte Streit- 
macht in Oberösterreich befehligte Alexander von Schifer. 

Ungewöhnliche Schwierigkeiten bereitete dem Erzherzog 
die Besoldung seines Contingents. Wir haben oben erwähnt, 
dass die Bestreitung der Kriegskosten aus dem landesfürstlichen 
Kammergut erfolgte. Da dasselbe durch Vergabungen an adelige 
Lehensleute einerseits, andrerseits durch die immer kostspieliger 
werdenden Kriege nicht mehr hinreichte, tauchte in den Re- 
gierungsmännem — worauf die protestantischen Ansichten der 
Zeit gewiss von Einfluss waren — der Gedanke auf, dass auch 
die geistlichen Güter zum Kammergut des Fürsten gehörten. 
Die Prälaten wurden daher immer öfter von zwei Seiten zugleich 
in Anspruch genommen. Einerseits mussten sie als Landstände 
den auf sie fallenden Theil der Landesanlagen zahlen, andrer- 
seits streckte der Landesherr die Hand nach ihnen aus, aller- 
dings unter der milden Form eines Anlehens, aber jetzt schon 
häufig mit der versteckten oder offenen Hindeutung, dass man 
das Nöthige von ihrem Besitz als Kammergut auch mit Gewalt 
nehmen könne. Der Erzherzog hatte im Frühjahr, Aei der immer 
drohender werdenden Bauernrebellion ein Anlehen bei den ober- 
und unterösterreichischen Abteien durch seinen ßath Doctor 
Johann Faber negoziren lassen. Wir haben oben erzählt, dass 
die Prälaten ohne Ahnung, dass sie die Rebellion bald im eignen 
Land haben werden, bereitwillig darauf eingingen, als aber der 
Aufruhr in nächster Nähe zum Vorschein kam, die Leistung als 
ein unter ganz andern Umständen gegebenes Versprechen ab- 
lehnten. Der Erzherzog, das heisst seine Räth^^ Hessen jedoch 
die Prälaten nicht los. Das Archiv St. Florian verwahrt einen 



an die Landschaften der 5 niederösterr. Lande erlassen hat, sich we^n 
Besoldung der Kriegsvölker zu verständigen. Wien, 12. Aug. 1525. 



Die Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 149 

charakteristischen Brief in. dieser Angelegenheit. Der Erzherzog 
schreibt,^) der Probst erinnere sich an die dem Dr. Johann 
Faber seiner Zeit verheissene Summe ; diese sei zur angesetzten 
Zeit nicht erlegt worden. Demnach begehre der Erzherzog und 
befehle ernstlich, dass der Probst die verwilligte Summe, einem 
halben Theil in 14 Tagen, den andern Theil ein Monat später 
seinem getreuen lieben Jörg Kiembseer, Vitzthumb in Osterreich 
unter der Enns, ohne allen Verzug überantworte. „Dann wo Du 
hierüber verrer verziehen wolltest, wurden wir geursacht, gegen 
dir als unserm Kammerguet in ander weg zu handeln." Das 
habe er ihm, um sich vor Schaden hüten zu können, nicht 
vorenthalten' wollen. Ahnliche Botschaften erhielten auch die 
andern Prälaten; allein diese wollten sich auf nichts einlassen. 2) 
Sie hätten auf das Fussvolk mehr als 3000 fl. gegeben; dazu 
seien sie mit ihrer Rüstung zu Ross und Fuss stündlich bereit 
und müssten nichts desto weniger ihre Klöster in guter Hut 
halten, und das Alles mit fremden Leuten, weil ihre Bauern 
ihnen nicht gehorsam sind und sie ihnen auch nicht vertrauen 
wollen. Die Kosten zu allen diesen konnten sie nur dadurch 
decken, dass sie zum Theil ihre „Clainat" angegriffen und zu 
Geld gemacht haben. Baarschaft sei keine mehi* vorhanden; 
bitten desshalb um Enthebung vom versprochenen Anlehen. 

Darüber wurden die Hof- und Kammerräthe in Wien sehr 
ungehalten und berichteten dem Er/herzog, schon einmal hätten 
sie den Rath gegeben, diejenigen Prälaten, welche das Anlehen 
nicht leisten wollten, der Administration ihrer weltlichen Güter 
zu entsetzen. Diese Ansicht hätten sie auch gegen den Probst 
von Klosterneuburg merken lassen; der sei aber, ohne ihnen 
eine Antwort zu geben, abgezogen. Es wäre nun ihres Bedünkens 
in dieser Sache nichts fürträglicher, als mit Aufliebung der 
.Administrfition gegen einen oder mehrere der vornehmsten z. B. 

') Wien 30. Juni 1525. Unterschrieben sind Leonhard von Harrach, 
Vicestathtüter, H. v. Schertfenberg. F. v. Pittschach. G. v. ßesjjrer. Dr. H. 
Witel. — Schreiben der Prälaten ob der Enns an die Räthe der nieder- 
ööterreichischen Raitkammer 8. Juli 1525. Die „Chiinat" waren Gefässe, 
Leuchter, Bildnisse u. s. w. von Silber, welche zum unersetzlichen Schaden 
unserer Kunstgeschichte in die Münze wanderten. 



150 l^iö Heeresmacht des Fürsten und der Stände. 

gegen den von Klosterneuburg ^) vorzugehen; „es wurden vielleicht 
die Andern darüber sich entsetzen und sich gehorsamer halten." 
Sie erwarten hierüber des Erzherzogs Bescheid. „Sunst künden 
wir nit befinden, das (dass) etwas bei Inen mag erlangt werden." 
Wenn von den Prälaten nichts fällt, was ohne ernstliche Hand- 
lung gegen sie nicht zu erwarten, so wissen sie keinen Weg, 
wie das Kriegsvolk mag ferner unterhalten werden. 

Die Schilderung, welche sie bei dieser Gelegenheit von der 
finanziellen Lage des Reiches entwerfen,^) musste nothwendig 
den Erzherzog und seine Minister in dem Gedanken bestäi'ken, 
die Bezwingung des Aufstandes jetzt energisch in die Hand 
zu nehmen. 

Sie können, sagen sie, dem Erzherzog die begehrten 10.000 fl. 
nicht schicken. Von den durch die Stände bewilligten Hülfs- 
geldern sei vieles anticipirt und auf Kriegsbedürfnisse venvendet 
worden. In unter der Enns trauen sich die Landschaftseinnehmer 
die Steuer von den Städten nicht einzufordern, weil man in 
diesem Falle einen Aufruhr der Bürger besorgen müsse. Von 
den andern Ständen in ünterösterreich entschuldige sich jeder 
mit diesen aufrührigen Läufen. Aus den Bergwerken in Schlad- 
miug und Eisenerz sei nichts an Silber einzubringen. So lange 
der Aufruhr nicht gestillt, werde kein Erz noch Silber ge- 
schmolzen aus Sorge des Aufruhrs, wodurch die Gewerke um 
ihr Silber kommen möchten. Das Silber „von den Clainetern 
(Kleinodien) so von Gratz herauskumben", dann von den Berg- 
werken und was sonst erkauft worden, belaufe sich vermünzt und 
unvermünzt auf 18.000 fl. Zu Schladming waren 70 und etliche 
Mark Silber bei dem Wechsler; diese wollte er nach der Nieder- 
lage bei Schladming wegführen, er sei aber bei Radstadt in die 
Hände der „Pündtischen" gefallen. Das Einkommen von Mautheu, 



') Er hatte nach dem Erzbischof von Salzburg mit 12.000 fl. das 
Meiste von Allen, 5000 fl., versprochen, Kremsmünster, Molk, Zwettl, das 
Domcapitel in Wien je 3000 fl.. Garsten und Gaming je 2000 fl., Göttweih 
1600 fl., St. Florian 1500 fl., Seitenstetten 1000 fl. etc. Archiv f. Kunde 
österr. Gesch. Quellen. Bd. 22, S. 21. — '^) Schreiben des Vicestatthalters, 
der Hof- und Kammerräthe an deij Erzh. Ferdinand. Wien, 18. Juli 1525. 
Beichsfinanzminist. 1. c. 



Meinungszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 151 

Aufschlägen etc. werde von Tag zu Tag geringer, weil die Kaufleut 
sich um Schaden zu verhüten, der Gewerb enthalten und die 
Strassen meiden. Aus Ungarn werden wegen Geldmangel weder 
Häute noch Vieh herangebracht. Pas Ungeld (Getränksteuer) 
werde an vielen Orten von dem ungehorsamen Unterthanen nicht 
gereicht und vermeinen,' sich davon ganz frei zu machen. Das 
Salzsieden in Aussee und in Eisenärzt sei eine Zeit lang stiUe 

gestanden. Wein werde nicht verführt, nur das Salzambt in> 

Gmunden sei noch im guten Gang. Doch wisse der Erzherzog, 
dass das meiste Einkommen davon der gnädigsten Frau (i. e. 
Erzherzogin) verschrieben sei. 



Es war in der That kein Moment mehr zu verlieren; aber 
gerade jetzt, wo das Schwert geschliffen und gezückt werden 
sollte, erhob sich ein lebhafter Meinungszwiespalt zwischen den 
Ständen und der Regierung. Wir sehen desshalb durch den 
ganzen Monat Juli von den Verordneten einen doppelten Faden 
der Verhandlung ausgehen, wovon der eine zu den Bauern, der 
andere zu dem Wiener Hofrath führt. 

Die Zeichen von Furcht und Reue, welche die Stände seit 
Anfang Juli wenigstens bei einem Theile der Unterthanen zu 
spüren vermeinten, brachten sie auf den Gedanken, man solle 
die Furcht vor den Landsknechtspiessen benützen und durch 
Verhandlung auch die noch störrigen Hintersassen zu Ruh und 
Gehorsam bringen. Sic wurden dabei nicht wenig durch die 
Erwägung geleitet, dass wenn einmal der Feldzug angehe, eine 
grosse Verwüstung des Landes durch die wilde Soldateska un- 
vermeidlich sei, und sie zugleich mit den Bauern verdorben 
werden, die ja der wesentlichste Theil ihres Vermögens seien, 
die nie rastenden Hände, die füi* sie arbeiten und erwerben. 
Das ganze etwa noch herbeizuführende und theilweise mühsam 
vollbrachte Friedenswerk sahen öie aber bedroht, wenn man 
voreilig von den Waffen Gebrauch mache. Jetzt das Schwert 
ziehen und einen Angriff thun oder eine Huldigung und Schätzung 
ausschreiben, das wollte ihnen und den erzherzoglichen Land- 
tagscommissären aus mehreren Ursachen nicht gefallen. Sie be- 



152 MeinuDgszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 

sorgten ein allgemeines Aufbrennen der Leidenschaft und wiesen 
darauf hin, dass die Bauern auf ^en Fall eines ständischen 
Angriffes sich mit den Schladmingern und Salzburger Knechten 
verabredet und von daher Hülfe erwarten. Den Rebellen in 
Frankenburg, Kogl und Kammer habe der Erzherzog eine schrift- 
liche Antwort gegeben, woraus zu hoffen, dass sie von ihrem 
Bündniss abstehen und ihre Beschwerden in Guten suchen 
werden. Desshalb meinen sie, es sei gar nicht Zeit, thätlich 
gegen sie etwas vorzunehmen; denn ihre Unterstützung sei zu 
besorgen, die Truppenmacht sei klein und kein auswärtiger 
Beistand zu hoffen, denn die Herrn von Baiern hätten die Hülf- 
leistung, deren sich die Commissarien vertröstet, abgeschlagen.*) 
Der Erzherzog hingegen und seine Käthe, welche in der 
Lage waren, den Gang der Dinge von einem umfassenderen 
Standpunkt zu beurtheilen als die Herrn in Linz, sahen bereits 
klar aus dem Verlauf in Deutschland, Tirol, Steiermark, Salz- 
burg, dass die Bewegung bei ihren weitgreifenden Zielen mit 
Gewalt unterdrückt werden müsse, wollte man nicht bei längerem 
Zuwarten einem totalen Umsturz aller politischen und socialen 
Verhältnisse sich aussetzen. Im Fortgang der Revolution wollten 
die Bauern in Deutschland auch vom Kaiser nichts mehr wissen,^) 
gerade wie der Nartz in St. Georgen ausgerufen hatte „thut 
die Fürstliche Durchlaucht ihre Beschwerungen nicht ab, so 
wollen sie weder Fürstlicher Durchlaucht noch einer andern 
Obrigkeit gehorsamen." Mochte immerhin eine Anzahl mit den 
erlangten Concessionen zufrieden sein, mit der Ansicht der Ver- 
ordneten, dass die Dinge sich zum Bessern schicken, contrastirte 
auffallend das am selben Tage ergangene Schreiben des ober- 



') Schreiben der erzherzoglichen Räthe und Commissarien in öat. ob 
d. E. an die Hof- und Kammerräthe. Linz, 15. Juli 1525. Reichsfinanzminist. 
1. c. — Herzog Ludwig von Baiern hatte an den Erzh. d. d. Burghausen 
10. Juli geschrieben, er könne die vom Erzherzog erbetenen 200 Reiter 
nicht schicken, weil er das Kriegsvolk, welches zum Schutze seines Fürsten- 
thums beisammen sei, unmöglich zertrennen könne. Abschrift im Reichs- 
finanzminist. — ^) Jörg 1. c. 299. So gings auch in Salzburg mit dem Erz- 
bischof. Die Bauern sprachen immer von göttlichen Rechten, deren ent- 
scheidende Ausleger sie selbst sein wollten. 1. c. 290, 294. 



Meinungszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 153 

Österreichischen Prälatenstandes, worin sie sich dahin aussprechen, 
sie furchten, man müsse mit der That gegen die Bauern handeln, 
will man sie anders zum Gehorsam bringen.^) Hier wie ander- 
wärts lag das Haupthindemiss der Pacification in der Partei der 
Unversöhnlichen, deren terroristischer Einfluss das Gesetz dictirte. 
Wenn ein ernstlicher Wille zur Versöhnung vorhanden gewesen 
wäre, so wäre durch 4 Wochen hindurch Zeit genug gewesen, 
zu einem erträglichen Frieden zu gelangen. 

In dieser Überzeugung und im Gefühl der durch den Bund 
verletzten landesfürstlichen Autorität, wollte der Erzherzog vor 
Allem nicht mit den Bauern als kriegführender Macht tractireu 
und sich durch Drohung etwas abnöthigen lassen. Darum lautete 
der den bündischen Gesandten versprochene und um den 9. Juli 
in die Hände des Stadtrichters von Vöcklabruck hinterlegte 
Entscheid des Erzherzogs: Nachdem etliche ünterthanen in den 
drei Herrschaften Kammer, Kogl und Frankenburg ihre Pflicht 
vergessen und die andern Ünterthanen zu ihnen, in IhrBündniss 
genöthigt haben, so ist der Erzherzog nicht Willens, in den vor- 
gebrachten Artikeln der Beschwerung Verhör oder Wendung zu 
thun, so lange sie sich nicht zertrennen. Es sei darum sein 
Befehl, dass die Herrschaftleute voil Stund an die Andern von 
dem Bündniss loszählen. Wenn diese ihres Gelübdes entledigt ' 
sind, sollen sie ihren Herrn wie vor gehorsam und gewärtig sein 
und die geraubten Güter wieder zurückgeben. Wenn sie das 
thun, wolle er auf ihr wiederholtes Ersuchen ihrer Beschwerung 
halber gnädig Emsehen haben; wo sie aber solches nicht thun 
würden, würde er verursacht, sie mit Gewalt zu (Jehorsam zu 
bringen, wie man oben im Reich auch gethan habe, was aber 
ohne grosses Blutvergiessen nicht geschehen könne. DerVöckla- 
brucker Beobachter, der den Bescheid gelesen hat, macht dazu 
die ganz treffende Bemerkung: Sollten nun die Anfänger des 
Aufruhrs, die Andern, so sie in ihr Bündniss genöthigt haben, 
ihres Gelübdes ledig zählen und diese hierauf ihren Herren 
gehorsam sein wie zuvor, wird der andere Haufen etwas kleiner 



*) 8. Juli. Die Prälaten ob der Enns an die Rathe der niederösterr . 
Kaitkammer. Reichsfinanzminist. 1. c. 



154 Meinungszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 

und ist eben ein Ding, als wenn man die Kitzen von den Schafen 
thut. Sollen sie auch das genommene Gut wieder geben, wird 
hart geschehen. Doch wo sie Fried haben und nicht gar ver- 
derbt werden wollen, müssen sie es wohl thun; es sind nicht 
Kriegsleut. Ich besorg aber, dass ihre Anhänger, Hauptleut und 
Radiführer schwerlich ungestraft hingehen werden. Gott geb, 
dass ein gut End nehme. ^) 

Die Stände legten aus den oben beruhigten Gründen den 
Bescheid milder aus als er war. Am 15. Juli wurde im ganzen 
Lande ein „Generale" durch Anschlag bekannt gemacht und 
auf allen Kanzeln verlesen, worin Seiner Fürstlichen Durchlaucht 
Feldhauptmann, Räth und Commissari, auch einer ehrsamen Land- 
Schaft Verordnete in Osterreich ob der Enns allen und jeden 
Bauersleuten in bemeldtem Land ob der Enns zu wissen geben, 
dass ihre Durchlaucht und die Landschaft durch ihre Ver- 
bündniss und Ungehorsam, dessen sie sich niit keinem Grund 
unterstanden und damit Eid und Pflicht vergessen und etliche 
Ruhliebende zum Bündniss gezwungen, verursacht worden seien, 
mit der That gegen diese „Aufrührigen und Muthwiller" zu 
handeln. Damit aber die Unschuldigen des Schuldigen nicht ent- 
gelten, so soll sich ein jeder, der in keinem Bündniss ist und 
am Aufruhr keinen Gefallen hat, unverzüglich zu Fürstlicher 
Durchlaucht Pfandherrn ^j oder derselben Pflegern, auch ein 
jeder zu seinem Grundherrn verfügen und zum Beweis, dass 
es so sei, jeder eine von demselben unterfertigte „Schrift" nehmen. 
Wenn sie aber mit ihren Herrn in Irrung stünden und sich mit 
ihnen nicht vergleichen möchten, so sollten sie von ihnen, den 
Eingangs Bezeichneten, welche von Fürstlicher Durchlaucht und der 
Landschaft Gewalt dazu haben, dergleichen Schriften oder Zettel 
begehren und diese dem obersten Feldhauptmann, wenn es ge- 

') Copie des Abschieds, so Erzh. Ferdinand der Bauersohaft ob der 
Enns gegeben, so va\ Kammer, Kogl, Frankenburg und etlichen andern 
Herrschaften in ob der Enns gehörig und vorgeben, dass sie zu Ihrer Fürstl. 
Durchlaucht ihrer vermeinten Beschwerung halber abgefertigt worden sein. 
Gleichzeitige Aufschrift. Reichsfinanzminist. 1. c. und Cod. German. Monac. 
cit. — ^) Inhaber der ihnen verpfändeten landesfärstlichen Herrschaften, 
hier vorzüglich die Pollheim's. 



Meinungszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 155 

fordert wird, vorbringen. Wer es thut, soll Leibs und Guts sicher 
sein. Diejenigen, welche im Bündniss gewesen oder noch sind 
und sich desselben entschlagen und in Gnad ergeben wollen, 
„wolle man ziemlich" aufnehmen, doch in allweg die Rädels- 
führer ausgeschlossen. Auch wollen sie fort und fort laut ihrer 
Gewalt und ihrem Ausschreiben in den Beschwerungen hier in 
Linz nach Billigkeit handeln. Welche aber in ihrem Bündniss 
und Vornehmen bleiben und ohne Zetteln werden befunden 
werden, gegen dieselben wird, wie sich geziemt, um sie zu Ge- 
horsam und aus dem Bündniss zu bringen, gehandelt. ,,Darnach 
wiss sich ein jeder zu richten." ^) 

Mit diesem Patent erging am nämlichen Tag das eben 
erwähnte Ausschreiben von Seite der erzherzoglichen Räthe 
und Commissarien, auch einer ehrsamen Landschaft Verordneten 
an die Bauerschaft, dass sie auf empfangene Gewalt der Fürst- 
lichen Durchlaucht und der Landschaft, also nicht mehr auf 
Vermittlung und gütige Einwirkung, sondern als selbstständiges 
Tribunal, in ihren Beschwerungen, die sie in Linz vorzubringen 
haben, nach Billigkeit die Sache zum Austrag bringen wollen.^) 

Der Wiener Hofrath wollte aber in dem Bescheid des Erz- 
herzogs an die Bauern durchaus keinen Olivenzweig erblicken. 
Alexander von Schifer hatte den Achaz von Losenstein nach 
Wien geschickt, um sich bei dem Hofrath über die bei Beginn 
des Feldzugs zu beachtenden Massnahmen Raths zu erholen. 
V^on dort empfing er am 15. Juli schriftliche Antwort des 
Inhalts, dass er sich auf keine weiteren Aufforderungen 
zum Gehorsam mehr einlassen, sondern an welchem Ort die 
Bauern aufrührig und ungehorsam seien, dorthin solle er zu 
Ross und Fuss ziehen und dieselben mit der That, es sei mit 
Brand oder in ander Weg, zum Gehorsam bringen. 

Wenn sich die Bauern rotten oder versammeln oder zur 



') Reichsfinanzuiinist. 1. c. Abschrift. Das Patent istdatirt: Lynntz am 
phintztag nach sannt Margarethentag 1525. Der Margarethentag wurde 
damals in Oberösterreich am 12. Juli gefeiert, der ein Mittwoch war. — 
') Cod. mansc. CoUeg. Line. s. J. enthaltend Strein's Annal. Histor. jetzt 
im Schloss Klamm. 



156 Meinungszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 

Gegenwehr schicken, soll er den Pfarren, Märkten oder Orten 
zuziehen, wo die Leute am meisten aufrührig, muthwillig und 
widerspenstig sind und sie mit der That dahin bringen, dass 
sie selbst Gnade begehren. Darauf soll er die Andern, die 
nicht „sogar aufrührig oder muthwillig" gewesen, zum Gehorsam 
und Gelübde auffordern und wenn er sie in Gnaden und Un- 
gnaden annimmt, von ihnen verlangen, dass sie aus dem 
geschehenen Bündniss austreten, nimmei' darein zu treten 
schwören und alle Rädlführer und Anfänger des Aufruhrs aus- 
liefern. Darauf soll auf eines jeden Hof und Gütei> nach dessen 
Vermögen eine Brandschatzung gelegt und die eine Hälfte 
davon Seiner Fürstlichen Durchlaucht, die andere der Land- 
schaft zugestellt werden. Die Rädelsführer seien am Leben zu 
bestrafen. Diejenigen Märkte, Pfarren und Dörfer hingegen, 
welche in diesem Aufruhr unschuldig seien und sich nicht in 
das Bündniss eingelassen, noch dazu geschworen hätten, auf 
diese sei keine Strafe zu legen, sondern dieselben dem Erz- 
herzog namentlich anzuzeigen, indem ihnen derselbe besondere 
Gnade zuerkennen wolle. 

Nachdem die Bauern sich erfahrungsmässig durch den 
Glockenschlag zusammenrotten, sollen alle die grossen Glocken, 
so die Bauern, die in dem Bündnis» und ungehorsam gewesen, 
zum Aufruhr haben gebrauchen wollen, zerschlagen und zu 
Ihrer Fürstlichen Durchlaucht Händen genommen werden. Zum 
Gottesdienst sei ein kleines Glöckl zu läuten. 

Von allen Bauern aber, die sich in Gehorsam und Gnad 
begeben, sollen die Wehren genommen werden.^) Zugleich er- 
hielten die erzherzoglichen Commissäre in ob der Enns, Sig- 
hartner, Jagerreiter und Paumkircher eine ganz entschiedene 
Erklärung über die Art, wie Vicestatthalter, Hof- und Kammer- 
räthe das Rescript Ferdinands an die Bauern auffassten. 

Sie können durchaus nicht aus den Worten des Erzherzogs 
herausbringen, dass man mit der Bauerschaft etwas Gütliches 
handeln soll, bevor sie sich nicht aus dem Bündniss gethan. Es 



') Wien, 15. Juli 1525. Reichsfinanzminist. 1. lä. 



MeinuDgszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 157 

entfalle desshalb auch die Nothwendigkeit, ihnen zur gütlichen 
Tractation, wie sie früher begehrt, zwei Rathe zuzuordnen. Da 
sie mit dem Feldhauptmann von ob der Enns ein Generale 
haben ausgehen lassen bezüglich jener Bauern, die nie in den 
Bund getreten und auf das Generale sich gehorsam erweisen, 
so 'wissen sie sich jetzt auch gegen dieselben laut jenes Generale 
und nach Vermögen der ihnen jüngst zugeschickten Vollmacht 
zu verhalten. Alexander von Schifer werde überdiess nach dem 
ihm zugestellten Bescheid ihnen mittheilen, was gegen die Bauern 
vorzunehmen sei.') 

Die Stände erhoben einen neuen Sturm gegen die Art, wie 
Alexander von Schifer diejenigen Bauern behandeln sollte, die 
sich zwar in den Sonderbund eingelassen, aber „nicht sogar 
aufrührig oder muthwillig gewesen". Sie meinten, die Bestrafung 
der Unterthanen in Geld sei den Grundherrn anheimzustellen, 
welche die daher bezogenen Summen zur Abfertigung des 
Kriegsvolks verwenden wollten. Viele Bauern seien nur aus 
Einfalt oder Zwang in den Sonderbund gekommen, diese werden 
sich jetzt davon trennen und die Unterthanengelübde von neuem 
ablegen. Sie seien den Herrschaften nach dem Grad ihrer 
Schuld auf jeden Fall besser bekannt, als dem Feldherrn und mit 
Mass und Billigkeit zu behandeln. Das Strafgeld wollten sie 
ganz und ungetheilt behalten, weil sie zur Besoldung der stän- 
dischen Truppen in ihren Beutel greifen, ihre Häuser, Sitze 
und Klöster in Hut nehmen und darüber noch selber aufs 
Höchste zu Boss und Fuss gerüstet sein mussten. Etliche von 
ihnen hatten ja sogar ihre Güter verlassen und waren bei Ein- 
bringung der Ernte zu Schaden gekommen, da sie nicht genug 
Leute zur Arbeit bekommen mochten. Alles das hätten sie von 
ihren ungehorsamen Unterthanen zu erleiden gehabt. Sollten 
nun die Strafgelder Andern zu Nutz kommen, so würden sie 
dreifach gross und hoch beschwert. 

Auch gegen das Zerschlagen der Glocken waren sie; dar- 
aus würde erst von Neuem ein grosser Aufruhr entstehen, denn 



') Im Keichafinanzminist. 1. c. Wien, 17. Juli 1525. 



158 Mcinunorszwiespalt zwischen Regieruncr und Ständen. 

der gemeine Mann halte viel davon bei dem Wetter und in 
ander Weg. Auch könne man nicht wissen, ob man den Glocken- 
schlag nach hergestellter Ruhe bei Landesgefahren nicht noch 
brauchen werde. Sie machten desshalb den Vorschlag, die 
grossen Glocken bloss auf die Erde herabzulassen, bis alles 
zur Ruhe gestellt sei. Was die einzuliefernden Wehren anbelangt, 
so baten sie, dass dieselben bei den GrundheiTn niedergelegt 
werden, damit sie die Bauern, insofern einmal das Land deren 
Hülfe bedürfte, damit ausrüsten könnten.^) 

Ferdinand blieb aber bei dem einmal gefassten Entschlüsse. 
Gegen den Satz, die Grundherrn sollten ihre Leute selbst 
bestrafen, erinnerte er, dass die aufrührigen Bauern ihm als 
Landesfürsten mit Leib und Gut verfallen seien. Wollte die 
Landschaft strafen, so griffe sie in seine Rechte, seine Hoheit 
und Obrigkeit. Natürlich gehörten auch die Strafgelder ihm 
allein zu, nichts desto weniger habe er aus Gnaden der Land- 
schaft die Hälfte der Brandsteuer zugewendet. Seinem getreuen 
lieben Alexander Schifer habe er schon vor längerer Zeit ge- 
schrieben , wie man gegen die Bauern handeln und welchergestalt 
die Schätzung zu verwenden sei. Dabei soll es nun verbleiben; 
eben so in Bezug auf die grossen Glocken. Nur in Betreff der 
Waffen stimme er zu, dass sie bei den Herrschaften auf- 
gehoben werden.^) 

Diese Entscheidung fiel jfreilich weit ab von den Erwar- 
tungen der Stände. Je mehr sie in Linz das Kriegsvolk an- 
schwellen sahen und je mehr sich der Zeitpunkt näherte, wo 
es wie eine zerschmetternde Wetterwolke über das Land los- 
gelassen werden sollte, desto mehr bangte ihnen vor dem Ver- 
derben, das durch sie über ihr Eigenthum, den steuerzahlenden 
Bauer, gebracht werden sollte, den schuldigen so gut wie den 
unschuldigen. Denn wie konnte man in einer Gemeinde, wo Un- 
gehorsame zu strafen waren, die Gehorsamen vor Einquartiening, 
vor Roheiten, Diebstählen, Gewaltthaten, welche mit einem 



') Die Verordneten der Landschaft an den Hofrath in Wien d. d. Linz 
19. Juli 1525. 1. c. - ^) Wien, 24. Juli 1525. 1. c. 



Meinungszwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 159 

Soldatentrupp damals unzertrennlich verbunden waren, schützen? 
Sie erinnerten sich auch, dass die Mehrheit durch Unverstand 
oder durch Zwang und Drohung ii;i das Bündniss gekommen 
war, die nun auf dieselbe Weise, wie die eifrigen Anhänger 
der Empörer gestraft werden sollten. Sie liessen desshalb nicht 
ab, wiederholt und eindringlich Gegenvorstellungen zu machen. 
Sie verlegten sich jetzt darauf, die ganze Bewegung als nicht 
so bedeutend hinzustellen, wie sie es in der That gewesen war 
und betonten mit grosser Hartnäckigkeit, dass ein sofortiges 
Losrücken auf die Bauern ganz und gar gegen das obenerwähnte 
Rescript des Erzherzogs an die Bundbauern Verstösse. Verord- 
nete, Anwalt, Vizthum und die erzherzoglichen Commissäre 
arbeiteten alle auf dasselbe Ziel los, die Unterwerfung der 
Bauern, denen man jetzt von Linz aus das geschliffene Rache- 
Schwert zeigen könnte, von noch weiteren Verhandlungen abhängig 
zu machen. „Die Herrlichkeiten" (nämlich Vicestatthalter, Hof- 
und Kammerräthe) heisst es im Schreiben der Verordneten, hätten 
Alexander von Schifer aufgetragen, sobald das ständische und 
landesfürstliche Dienstvolk beisammen sei, ohne Verzug gegen alle, 
welche im Bündniss waren, mit der That und Strafe zu handeln. . 
Der Erzherzog aber sage in seinem Bescheid, er wolle gnädig Ein- 
sehen thun, wenn die Bundgenossen des Bündnisses sich ent- 
schlagen, ihren Herren allen Gehorsam erweisen und Ihre 
Fürstliche Durchlaucht um weitere Erledigung ihrer vorgebrachten 
Beschwerdeartikel ersuchen. Die Verordneten wüssten, dass das 
Bündniss nicht einem jeden in derselben Pfarre Sesshaften 
gefällig gewesen, sondern der mehrer Theil aus Furcht, Drohung 
und Unverstand darein gekommen sei und demnach von solch 
aufgezwungenem Bündniss gern und willig abstehen werde. 
Es sei also zu bedenken, ob man wohl gegen diejenigen, welche 
sich des Bündnisses entschlagen und die Fürstliche Durchlaucht 
laut des Innsbrucker Abschieds um Erledigung ihrer Beschwer- 
den von Neuem angehen, unterdessen mit der That und Strafe 
handeln könne. In andern Orten des Landes sei ihres Wissens 
^lyin sonder puntnuss'' vorhanden und mehr Stille eingetreten. 
Gegen die Ansicht der Regierung, auf alle, welche im 



160 Meinungszwiespalt zwisciten Regierung und Ständen. 

Sonderbund wskren und sich desselben nun entschlagen, sei 
zur Strafe eine allgemeine Brandsteuer zu legen, wurde geltend 
gemacht, dass dieses gegen die Grundsätze von Recht und 
Billigkeit Verstösse. Zuerst solle man die Rädelsführer aussuchen 
und an Leib und Gut strafen; dann sollen diejenigen, welche 
ihnen mit der That nachgefolgt und Gefallen an ihrem Rath 
und Vornehmen gehabt und doch die andern nicht verführt, 
sondern für sich selber darin verharrt sind, nach ihrem Ver- 
mögen an Gut gestraft, der übrige Haufe aber, nämlich die 
aus Einfalt oder aus Furcht und Zwang dazu Gedrängten, be- 
gnadigt werden.^) 

Die Hofräthe, denen die weitere Hinausziehung der Entschei- 
dung in Oberösterreich wegen des Einflusses auf andere Kriegs- 
schauplätze und der auflaufenden Kosten wegen durchaus missfällig 
war, unterliessen nicht, den Ständen diessmal den Text zu lesen. 
Die Verordneten müssteii wissen, sagen sie in ihrer Entgegnung, 
wie streng und fleissig sie früher berichtet und begehrt, dass 
man gegen die aujfrührigen Bauern Gewalt brauche, weil gütliche 
Verhandlung bei ihnen nicht Statt haben wolle und der Auf- 
ruhr noch mehr über Hand nehmen möchte. In Folge dessen 
habe der Hofrath dem Feldhauptmann Schifer sein Verhalten 
gegen gehorsame und ungehorsame Bauern vorgezeichnet, was 
ihnen gleichfalls bekannt gemacht worden sei. Der Hofrath 
finde nicht, dass solche Handlung, wie sie dem Schifer auf- 
getragen wurde, wider den erzherzoglichen Abschied sei, wie 
sie vorgäben, und es befremde sie nicht wenig, dass sie jetzt 
bloss von 27 Pfarren melden, „die sich zusammengebunden", 
da sie doch vormals immer herabgeschrieben, wie sich Aufruhr 
und Empörung an manchen O^^ten im Lande ob der Enns er- 
zeige. Das habe den Hofrath zu seinem Auftrag an Schifer 
bestimmt und wo sich die Bauern trotz aller billigen vor- 
geschlagenen Mittel in Aufruhr begeben und in Bündnisse 
sich eingelassen haben, seien dieselben der Fürstlichen Durch- 



^) Schreiben der Verordneten. Linz, *19. Juli. Reichsfinanzminist. 1. c. 
Schreiben eben derselben vom 25. Juli 1. c. 



Meinungazwiespalt zwischen Regierung und Ständen. 161 

laucht als Herrn uud Landesfürsten mit ihrem Leib und Gut, 
in Ungnade und Strafe verfallen, wie sie wohl selbst bemerken 
werden und gebühre es den Landständen nicht, ihre Unter- 
thanen desshalb zu begnadigen oder mit Strafe gegen sie zu 
handeln. Die Strafgelder gehören dem Erzherzog als Landes- 
fürsten und nicht der Landschaft; aus Gnaden habe derselbe die 
Hälfte an sie abgetreten. Die Äusserung der Stände, dass sie 
keine allgemeine Brandschätzung ihrer Unterthanen leiden 
mögen noch wollen, sei befremdlich, weil alle diejenigen, 
welche in einem solchen Bündniss gewesen, der Fürst- 
lichen Durchlaucht als ihrem natürlichen Erbherrn und. Landes- 
fürsten und sonst Niemand Andern wegen solch muthwilliger 
Handlung mit ihrem Leib und Gütern in die Strafe verfallen 
seien. Der Feldhauptmann, schloss der Hofrath, wisse demnach 
kraft vorausgegangenen Befehls, wie er gegen die Bundbauern 
zu handeln habe. Der Vollzug des Befehles sei ihm aufs Neue 
auferlegt worden und man erwarte, dass die Landleute den 
Feldherrn auf alle Weise unterstützen und fördern werden, 
weil das Gegentheil nur zu ihrem und des Landes Schaden 
ausschlagen würde. ^) 

Wir sehen, dass der Hofrath eine Unterscheidung, wer aus 
blosser Einfalt, wer aus Furcht und Zwang in das Bündniss 
sich eingelassen habe, ablehnt. Er konnte sich, so lange er das 
Strafrecht für den Feldhauptmann in Anspruch nahm, nicht in 
eiuiB solche Spitzfindigkeit einlassen, denn wo war hier der 
richtige Massstab für die Erkenntniss der Zurechnungsfähigkeit 
eines jeden Einzelnen, besonders wenn noch dazu kam, was 
später wirklich eintrat, dass die Bauern gegen einander nichts 
aussagen wollten? 

') Antwort des Vicestatthalters etc. an die Verordneten zu Linz. Wien, 
2H. Juli 1525. l. c. 



Czerny, Banernanfstand. 11 



162 Auftrag den Felclzug zu beginnen. 



Zusammenbrechen der Eebellion. Das Strafgericht. 



An demselben Tage, an welchem die Wiener Regierung 
diese Rüge an die obderennsische Landschaft erliess, übersandte 
sie Alexander von Schifer den erzherzoglichen Befehl, den Feld- 
zug ohne Verzug zu beginnen und sich durch nichts hindern 
und irren zu lassen. Schifer erhielt auch direct vom Erzherzog 
eine Zuschrift,^) worin derselbe seine Verwunderung darüber 
ausspricht, dass gegen die Bauern noch nichts vorgenommen 
wurde, obgleich er eine zeither 200 Pferde und eine Anzahl 
Fussvolk auf seine Kosten unterhalten habe. Er empfiehlt ihm, 
mit seinem und der Landschaft Kriegsvolk nun ernstlich vor- 
zugehen, damit auch andere Ungehorsame darob ein Exeinpel 
nehmen. Fühle er sich zu schwach, so habe der Hofrath bereits 
Befehl, ihn mit erzherzoglichen Truppen zu verstärken. 

Für eine nachhaltige Verstärkung im Nothfall war durch 
den Ausschusstag der 5 Lande zu Wiener Neustadt gesorgt 
worden.^) Da das Kriegsglück, wie der Überfall von Schladming 



*) Weillieim 29. Juli 1525. Archiv des k. k. Minist, des Innern. Dieses 
Mahnschreiben hatte seinen Grund in dem Zaudern Schifers, welcher bis 
auf weitern Befehl des Erzherzogs warten wollte „weil der Bescheid, welchen 
er den 3 Herrschaften und den 27 Pfarren gegeben, mit dem Befehl des 
Wiener Hofrathes wegen der Strafe nicht zusammenstimme." So im Schreiben 
des Anwalts, Vizdoms und der Hausräthe in Österreich ob der Enns an 
den Erzherzog. Linz, 30. Juli 1525. Reichsfinanzminist. 1. c. — *) Die Be- 
rathung zwischen den Ausschüssen der 5 niederösterr. Lande wegen gegen- 
seitiger Hülfe war, wie wir schon oben bemerkt haben, auf den 29. Juni zu 
Steyr angesetzt worden, aber unterblieben, weil die Deputirten wegen des 
Bauernaufstandes in Steyermark und andern Orten nach Steyr nicht kommen 
konnten. Die Länderau.^schüsse wurden desshalb auf St. Margarethentag 



Auftrag den Feldzug zu beginnen. 163 

bewiesen, ungewiss, so waren Regierung und Ausschüsse ein- 
hellig der Ansicht, dass ausser den bereits aufgebotenen Truppen 
noch 3000 oberländische Knechte aus dem schwäbischen Bundes- 
heer geworben und für alle Fälle bereit sein sollen. 

Anstatt der oberländischen Knechte, die man nicht schnell 
genug bekommen konnte, sollte die Anzahl aus dem Kriegsvolk 
genommen werden, das der Erzherzog und die Stände bisher 
in den niederösterreichischen Landen unterhalten. Sie sollten 
aber nicht, wie die Stände meinten, als Reserve in die einzelnen 
Provinzen verlegt, sondern mit einhelligem Haufen, 2000 zu 
Puss, 400 zu Pferd,') durch die Lande ziehen und die Un- 
gehorsamen strafen. Wenn so die Strafe, sagt der Erzherzog, 
mit gemeinem Haufen an einem Orte geschehen, werden die 
Aufrührigen an dem andern Ort sich darüber entsetzen. Der 
schwäbische Bund habe seine Erfolge der Operation mit dem 
gemeinen unzertrennten Haufen zu verdanken. Die Schnelligkeit 
der Unterwerfung machte übrigens die Ausführung dieses Planes 
überflüssig. 

Einige Beihülfe erwartete man auch von den Städten. Die 
Ausschüsse zu Wien hatten sich in herben Klagen wegen der 
Haltung derselben ergangen. „Leider sei in etlichen Landen, 
namentlich in Österreich unter der Enns, die Bürgerschaft, 
welche in allen Landen in ihren Nöthen von den 3 Ständen 
nie verlassen worden, dieser Empörung halber mit keinerlei 
beständiger, gemessener Hülfe zu den andern 3 Ständen ge- 
standen, was eine merkliche Verhinderung gewesen und dem 
widerwärtigen Bauersmann zu seinem muthwilligen Fürnehmen 



(12. Juli) nach Wiener Neustadt berufen. Den 13. Juli wurden die Sitzungen 
in Wien eröffnet und schlössen mit dem Rathschlag der 5 niederösterr. 
Lande durch ihre Ausschüsse zu Trautmannstörf den 21. Juli. Schreiben 
der Hof- und Kammerrathe an Ferdinand vom 18. und 28. Juli. Befehl des 
Efzh. an die 5 Landschaften Wien, 12. Aug. im Reichsfinanzii^inist. 1. c. 
Rathschlag der 5 Lande im Linzer Landesarchiv Sig. Bauernrebellionen. 
Fragmente zur B. R. 1525. 

') Statt des dritten Tausend vom Fussvolk wollte man lieber 400 
Pferde ausrüsten; Geschütze stellte der Erzherzog. Befehl des Erzh. an dio 
5 Landschaften. Wien, 12. Aug. 1525. Reichsfinanzminist. 1. c. 

11* 



1()4 Einberafiing des Aufgebotes. 

nicht der wenigste Behelf und Trost gewesen. Sie bitten darum 
unterthänigst, Fürstliche Durchlaucht wolle in allen Landen die 
von den Städten dahin bringen, dass sie die 3 Stände in diesem 
allergrössten, allergefährlichsten Anliegen mit ihrer Hülfe nicht 
verlassen wollen, in welchem es sich nicht nur um der 3 Stände 
Verderben, ja sogar Ausrottung, sondern auch um das der 
Städte handle.'' Der Erzherzog hatte darauf zugesagt, er wolle 
mit den Städten mit allen Fleiss unterhandeln. 

Gemäss dem in Trautmannstorf aufgerichteten Beschluss, 
dass, wenn ein Land beruhigt, es mit gesammter Macht dem 
andern nothleidenden zuziehe, erhielt Niclas Graf Salm Befehl, 
im Falle er sein Kriegs volk in Steiermark jetzt entbehren könne, 
über den Pyhrn in das Land ob der Enns zu rücken, vorher 
aber mit Schifer sich zu verständigen, damit dieser ihm entgegen- 
ziehe und wegen der besten Gelegenheit, wo der Ajigriff auf 
die Bauern geschehen könne, mit ihm berathe. 

Der 29. Juli 1525 brachte die Einberufung des Aufgebots 
im ganzen Land. Um Neubau, auf der dürren, steinigen Welser- 
haide, halben Weges zwischen Linz und Wels, war das Lager, 
wo am 7. August der Adel mit seinem Kriegsgefolge, die Con- 
tingente der Prälaten und 7 Städte sich vereinigen sollten. Die 
Soldtruppen der Stände und des Landesfürsten, die deutschen 
und böhmischen Knechte, Reiter und Geschütze sollten von Linz 
aus dazu kommen und dann sollte es mit vereinigter Macht vor- 
wärts gehen. 

Doch jetzt geschah das Unerwartete und der Erfolg bewies, 
wie richtig der Hofrath in Wien die Verhältnisse beurtheilt 
hatte. Mit der P^ntblössung des Schwertes allein erreichte der 
Erzherzog an einem Tage, was den Ständen mit ihrem müh- 
samen Flickwerk in Monaten nicht gelungen wäre — die 
Zersprengung des Bundes. Es hat den Anschein, als ob die 
Bauern überhaupt nur auf den Moment gewartet hätten, ob 
Regierung und Stände Ernst zu zeigen im Stande, um sich 
bedingungslos zu unterwerfen. 

Gleich den Tag nach der Einberufung des Aufgebotes, 
es war der 30. Juli, meldeten 10 Pfarren aus den 27, welche 



Unterwerfung der 27 Pfarren. 165 

den Abschied des Erzherzogs an die Bundbauern aus den 
Händen des Stadtrichters von Wels empfangen hatten,^) ihre 
Unterwerfung und erboten sich aus dem Bund auszutreten mit 
dem Verlangen nach gütiger Unterhandlung. Da aber die Ver- 
ordneten der Landschaft an demselben Tage die gütige Ver- 
handlung, welche sie im Auftrag der Stände bis Ende Juli 
geführt, eingestellt und von Linz abgereist waren, so antwor- 
teten ihnen Anwalt, Vizdom und Hausräthe, man erwarte, dass 
auch die übrigen 17 Pfarren gleichmässig sich unterwerfen 
werden. In der That überreichten noch am nämlichen Tage die 
Boten der übrigen 17 Pfarren ihre Bittschrift in Linz. Anwalt 
und ßäthe vernahmen zugleich, dass sich die Unterthanen der 
3 Herrschaften (Attergau) gleichfalls zum Frieden gewendet 
und Gesandte zum Erzherzog abgeschickt haben sollten. Sie 
benützten diese allgemein ifriedlich lautenden Nachrichten zu 
einer erneuerten Intercession bei dem Landesfürsten, den Marsch 
des Kriegsvolkes zu sistiren und keine Strafhandlung vor- 
zunehmen. Allein der Hofrath, welchem die Eingabe vom Erzherzog 
zukam, war durch diese nur in Folge der Entfaltung der 
Kriegsfahne herbeigeführte Nachgiebigkeit der Bündischen durch- 
aus nicht von ihrer friedlichen Gesinnung überzeugt und 
entschied: Dieweil das Kriegs volk bei einander ist, sollen sie 
gegen die Auifrührigen inhaltlich der Artikel verfahren.^) 

Nur darin irrten die Hofräthe, dass sie die Streitmacht als 
bereits vollständig zu Händen des Feldherrn voraussetzten. Adel 
und Prälaten hatten wohl ihre Contingente zum Aufgebot nach 
Neubau gesendet, aber die Abneigung der Städte vor Gewalt- 
mitteln gegen die Bauerschaft zeigte sich auch jetzt wieder 
unverhüllt; ihre Hülfstruppen blieben aus. Darüber wurden die 
andern Stände aufs Höchste aufgebracht. Richter und Rath 
von Wels erinnerten die von Steyr, wie sich Prälaten und 
Herrn verlauten liessen, wo die von den Städten mit ihrer 



') Schreiben des Anwalt, Vizthum und Hausräth in Ost. o. d. E. an / 
d. Erzh. Linz, 30. Juli. Reichsfinanzminist. 1. c. Jene 10 Pfarren müssen 
also in der Umgebung von Wels gewesen sein. — ^) 1. c. samuit den Rand- 
glossen des Wiener Hofraths dazu. 



166 I^ie Bebellen im Machland. 

Anzahl Volks nicht auch zu ihnen stiessen, wollten sie von 
Stund an auch wiederum aus dem Felde ziehen. Schliesslich er- 
kannten die Welser aus den Berathschlagungen mit den erz- 
herzoglichen Commissarien, dass die Enthaltung der Städte 
denselben grossen Unwillen und Nachtheil eintragen würde und 
beschlossen, ihr Volk nach Neubau zu stellen, worauf auch die 
von Steyr Meinung und Schluss änderten und etliche 30 Mann 
geworben Volk auf die Welser Haide entsendeten.^) 

Die Linzer Räthe waren der Meinung, zuerst das Machland 
zum Gehorsam zu bringen. Dort sassen um Freistadt und an 
den Grenzen gegen Böhmen mit Ausnahme der Attergauer die 
entschiedensten Widersacher einer friedlichen Ausgleichung. 
Selbst nach Böhmen hinein hatte sich der Aufstand verpflanzt. 
Im Markt Hohenfurt und den umliegenden Dörfern rebellirten 
die Unterthanen gegen ihren Abt und wollten sich dem Herrn 
von Rosenberg unterwerfen.^) Die Zwischenzeit zwischen der 
Ausrufung des Aufgebots und dem wirklichen Vollzug am 
7. August sollte nach Ansicht der Räthe damit ausgefüllt werden, 
dass Wolfgang von Oedt, der mit den geworbenen böhmischen 
Knechten am 30. Juli von Krumau in Leonfelden eingetroffen, 
sammt den Reitern, die in des Erzherzogs Sold waren und 
etwa noch einem Fändl Fussvolk die Entwaffiiung und neue 
Vereidung des gemeinen Manns ;,ennthalb der Donau" vor- 
nehmen sollte. Ein Theil sei bereits durch gütige Verhandlung 
gestillt und der übrige Haufe wegen der Aufstellung des Kriegs- 
volkes kleinmüthig geworden. Man könnte dann daraus abnehmen, 
wie sie sich zu den Sachen hielten und ob ein neues Volk 
dahin nöthig wäre. Mit dem wäre die Zeit nicht ohne Frucht 
hingegangen und diesseits der Donau könnte man dann desto statt- 
licher und schleuniger handeln. Allein Alexander von Schifer 
war mit der Zertheilung der Streitmacht durchaus nicht ein- 
verstanden.^) Er wollte mit unzertheilter Macht dem Herde 



') Preuenhuber, Annal. 223. — *) Proschko, das Cistercienserstifi 
Hohenfurt S. 22. — Stülz, Wilhering S. 88. — ^) Schreiben des Anwalts 
etc. an den Erzh. Linz, «30. Juli. Eeichsfinanzminist. 1. c. 



Verhandlungen wegen der Brandschätzung. 1(57 

des Aufstandes im Attergau naherücken und Fühlung mit den 
auf Salzburg losmarschirenden Truppen des schwäbischen 
Bundes gewinnen. Man konnte ja nicht wissen, ob nicht im 
Lauf der Ereignisse die Salzburger Bauern über die öster- 
reichische Gränze gedrängt und verstärkt durch die Attergauer 
den Kampf im Gebirge fortsetzen würden. Auf dem Marsche 
dahin konnte Schifer fortwährend die an seiner Strasse liegen- 
gen Pfarren entwaffnen, aufs Neue in Eid und Pflicht nehmen 
und die Schuldigen strafen. 

Zu Wels, wo sich inzwischen die erzherzoglichen Com- 
missarien, die Verordneten und viele Landleute um den Feld- 
hauptmann versammelt, wurde der vorgenommene Feldzug fleissig 
berathschlagt. Hier war es, wo ihnen Schifer zuerst die Befehle 
des Wiener Hofraths, wie man gegen die aufrührerische Bauer- 
schaft mit Strafen und Brandschätzung handeln solle, vorwies. 
Nach ihrem Lihalt sollte der Feldherr die Strafe gegen die 
Bündischen gemäss der AUgäuer Artikel stellen; kraft der 
Letzteren war auf jede Feuerstatt in den obern Landen 6 Gulden 
rheinisch geschlagen worden. Dieses Strafausmass trieb die 
Stände zu einem energischen Protest, welchen sie am 11. August 
von Wels an den Erzherzog abgehen Hessen und in dem sie 
theilweise ihre schon früher gebrauchten Argumente und Ab- 
schwächimgsversuche wiederholten. 

Eine so grosse Strafe wie im AUgäu auf hiesige Bauern zu 
legen, war nach ihrem Dafürhalten ganz und gar unzulässig. 
Die Bauerschaft in diesem Lande hätte nicht so freventlich 
gehandelt wie die im Allgäu, welche etliche Klöster, Herrn- 
und Edelmannshäuser angegriffen, zerbrochen, geplündert habe. 
Mit Ausnahme von Fürstlicher Durchlaucht Urbarsieuten, die in 
etlichen Herrschaften den Anfang gemacht, hätten die Bauern 
nur allein „in etlich Versammlung und Verpuntnus, ihr Obliegen 
bei Fürstlicher Durchlaucht oder deren und der Landschaft 
Verordneten mit gebührlicher Klag zu ersuchen" beabsichtigt. 
Obgleich ein guter Theil der Unterthanen die gebührliche Robot 
bis auf Austrag des Streites verweigert, so haben sie doch nach 
der Landleut Bedünken damit keine Brandschätzung, sondern 



168 Verhandlungen wegen der Brandschätziing. 

ein jeder nach seiner Verschuldung von seinem eignen Grund- 
herrn Strafe, die nach Gegend und Gelegenheit massig sein 
soll, verschuldet. Ein jeder derselben ist seinem Herrn allein, 
der dadurch an seinen Früchten in der Fechsung Nachtheil 
erlitten, in Buss und Pön verfallen. Die Landleute, welche ihre 
schuldigen Holden in diesem Aufruhr Mann für Mann erkennen, 
wissen, dass der grosse Haufe durch die Aufrührer aus völliger 
Einfalt und die andern aus Furcht und Zwang mit beschwerten 
Gemüth dazu genöthigt und gedrungen worden sei. Sie denken 
also, wenn der Billigkeit nach gehandelt werden soll, so müssen 
allein die Rädelsführer aus ihnen ausgesucht und an Leib und 
Gut, diejenigen aber, die ihnen mit der That nachgefolgt 
und Gefallen an ihrem Vorhaben gehabt, ohne dabei andere 
zu verführen, an ihrem Gut nach ihi'em Vermögen gestraft, 
der übrige Haufe aber mit allen Gnaden wohl gehalten werden. 
Wenn es schon zu einer allgemeinen Geldstrafe kommen sollte, 
so wäre es unmöglich, eine solche Summe von einem jeden zu 
begehren, weil Erb und Eigen derjenigen, welche „im Gebirg 
und bei den Waiden und enthalb der Donau sitzen und in 
dieser Empörung am meisten verwirkt haben", nicht mehr als 
3, 4 oder 5 Pfund Pfennig werth wäre. Es wäre ganz billig, 
dass zwischen der Geldstraf Fürstlicher Durchlaucht und der 
kleinen Geldstrafe der Landschaft keine Irrung einfalle, wobei 
natürlich Fürstlicher Durchlaucht unbenommen sei, auf ihre 
schuldigen Urbarsieute als Anfänger aller dieser Aufruhren eine 
Geldstrafe zu legen. So würde der Erzherzog mehr erhalten, 
als wenn alle Strafe durchaus im Land in zwei Theile getheilt 
würde; dadurch würde auch ihrer unschuldigen Unterthanen 
und ihr eignes Verderben, in das sie durch Steuern aus eigenem 
Beutel, persönliches Aufsein und in viel ander Weg bis zur 
Erschöpfung bisher gekommen, verhüthet und das Land bei Frieden 
und guter Einigkeit erhalten, das sonst verödet und verderbt würde. 
Damit wollen sie aber die Rädelsführer nicht straflos machen, 
sondern sind einverstanden, dass der Feldhauptmann dieselben, 
sie seien wer sie auch seien, nach Ungnaden strafen und aus- 
tilgen lasse. Sie erbieten sich auch, nachdem sie etliche Bädeis- 



Die Artikel des Erzherzoj^s. 169 

führer im Gefängniss haben, dieselben an Leib und Leben, wie 
sieh zu Solchem gebührt, zu strafen.^) 

Gegenüber dem Eeldherm wurden die Vorstellungen der 
Landschaft in Wels so dringend und scharf, dass er auf eigene 
Verantwortung die Brandschätzung auf 3 Gulden für die Feuer- 
statt herabsetzte. Diese Nachgiebigkeit verhinderte aber nicht, 
noch weitere Zerwürfnisse bezüglich des alten Gegensatzes in 
Behandlung der Bundbauern. Schifer hatte die um Wels liegen- 
den Unterthanen, welche sich in die Rebellion eingelassen, zu 
sich auf das Feld gefordert und ihnen hier in Gegenwart der 
Stände die Proclamation des Erzherzogs, die sogenannten 
Artikel, vorgelesen.^) Ihr lahalt war: 

,,Dass sie alle Rädlfübrer und Bünclischen, wer die seien, 
welche sie in die Verbindniss gebracht haben, anzeigen bei 
Verlust Leibs und Guts und des Brandes. 

Alle Büchsen, Armbst und Stachl, Helleparten, Spiess, Eisen 
und Bleikugel sollen sie alle sammt und sonderlich, sie und 
ihre Kinder und Knechte ihren Herrn innerhalb 8 Tagen über- 
liefern und wer das nicht thät, der würde gestraft an Leib 
und Gut, und wer immer sieht, dass man solche Wehr wider 
das Verbot trage, der hat von Fürstlicher Durchlaucht Macht, 
dieselbe zu nehmen und soll ämtlich darum gestraft werden. 

Item alle grossen Glocken herabzulassen, dass man sie 
weder läuten noch anschlagen kann bis auf weitern Befehl 
unsers gnädigsten Herrn." 

Zum Vierten, dass sie „auf ihr muthwillig und aufrührig 
Bundnuss und Zwang, in sofern sie die Andern mit Tronuss 
(Bedrohung) Leibs und Guts, auch mit Tronuss des Brands zu 
ihnen gedrungen haben," dann dass sie die Fürstliche Durch- 
laucht als ihren Herrn nnd Landesfürsten und ebenso Land 
und Leut in grosse Zehrung und Ausgab gebracht, welche 
täglich auf das Dienstvolk aufgelaufen ist — jeder von der 
Feuerstatt 3 Pfund Pfennige gebe, jedoch so, dass der 



') Die Landleut ob der Enns an den Erzherzog. Wels. 11. August 
Reichsfinanzminist. 1. c. — ^) Artikel den Bauern fürzuhalten. Reichs- 
finanzministerium 1. c. 



170 Widerspruch dagegen von Seite der Edelleute. 

Reichere und mehr Schuldige den Armen und weniger Schul- 
digen übertrage. Dem Vizthumb in ob der Enns und seinen 
Zugeordneten sollen sie den halben Theil davon in 8 Tagen 
reichen und den andern Theil auf Martini künftig „bei Ver- 
lierung Leibs und Guts, auch bei dem Brai;id. Damach habt 
ihr euch zu richten und vor Schaden zu bewahren." 

„Auf solch ^gnädige Handlung Seiner Fürstlichen Durch- 
laucht und euer hochmüthig Verbrechen, darin ihr mit Leib und 
Gut verfallen, werdet ihr zu Gott und den Heiligen einen Eid 
schwören, wider Fürstliche Durchlaucht und eure Herrn zu 
ewig Zeiten in keine Aufruhr noch Empörung und Bundnuss 
euch zu geben und mit aller Gehorsam gewärtig zu sein wie 
von Alter herkommen ist und die Rädlführer mit sammt den 
bündschen Bauern, wo ihrs wisst, anzuzeigen und zu fangen 
und einzuliefern — und wo einer entrinnt, soll man ihm Weib 
und Kind nachschicken und im Land weder behausen noch 
behofen, bei Verlierung Leibs und Guts." 

Den verlangten Eid legten die Bauern hierauf ab mit den 
Worten: „Auf die angezeigten Artikel schwören wir zu Gott 
und allen Heiligen, dass wir die Vest (Versicherung) statt und 
unzerbrochen halten wollen, als uns Gott helfif und all 
Heilling." 

Kaum war die Verlesung der Artikel zu Ende, so riefen 
die Edelleute laut vor der versammelten Menge „sie hören einen 
Artikel der 3 Pfund Pfennige, die Schifer insgemein auf jede 
Feuerstatt gelegt. Sie wollen ihre Leute selbst strafen und 
finden unter ihnen Allen keinen, der nicht von den Ständen 
Zettel hätt." Als Schifer in die Stadt in seine Herberg zurück- 
geritten, kamen ihm alle Herrn und Edelleute nach und zeigten 
ihm abermals an, sie wollten ihre Leute bei ihren Zetteln 
handhaben und keiner wolle mit seinem Gefolge zu solcher 
Execution auf die Güter des Andern mitziehen. Schifer antwortete 
ihnen, sie sollten ihr Begehren bei Fürstlicher Durchlaucht 
suchen, dort würden sie vielleicht gnädigen Bescheid finden. 
Ihm gehöre es nicht zu. Fürstliche Befehle abzuändern. Li der 
Nacht kam Botschaft vom Erzherzog an die Landleute. Schifer 



Widerspruch dagegen von Seite der Edelleute. 171 

Hess ihnen ansagen, am Morgen um die siebente Stunde sollten 
sie zu dem Grafen von Schaunberg *) auf die PoUheim (die 
grosse weitläufige Burg dieses Geschlechts am Stadtwall von 
Wels gelegen) gehen; er werde ihnen Ihrer Fürstlichen Durch- 
laucht Befehl hineinsenden, wie auch in der That geschah. 
Zwei Stunden darauf schickten sie nach ihm, zu ihnen hinein- 
zukommen. Da ich kam, erzählt Schifer in seinem Berichte an 
den Erzherzog, baten sie nicht lange und hoben abermals 
mit mir an mit ungeschickten Worten, Jung und Alt, dass ich 
ihnen Allen nicht antworten mochte und verlangten von mir 
ihre Schadlosbriefe ^) zurück. Darauf meine Antwort: ich wärs 
zu thun nicht schuldig, weil ich nichts unehrliches wider Fürst- 
liche Durchlaucht, nocii gegen sie gehandelt, sondern ich wollte 
Seiner Gnaden Befehl so viel als nur möglich nachleben. Allein 
sie erwiderten, dass der Brief keine Macht noch Kraft mehr habe, 
und zeigten öffentlich an, sie wollten abziehen und ihr geworben 
Dienstvolk abfordern. Solche Schmach und Verachtung geschieht 
mir in Euer Fürstlichen Durchlaucht Dienst unverschuldet! 
Darauf begehrten sie eine Antwort von Schifer, die er ihnen 
schriftlich in folgenden Worten gab: er halte sich nach Ihrer Fürst- 
lichen Durchlaucht Befehl. Was sie etwa ihres Gefallens dar- 
über handeln, setze er zu ihrem Willen; er wisse ihnen kein 
Mass zu geben noch zu setzen. 

Darauf verrückte er gegen Lambach, die Landsknechte 
folgten ihm, aber die Herren und Landleute blieben in Wels. 
Schifer war tief gekränkt. Wie sie sich weiter halten werden, 
schreibt er an den Erzherzog, ist mir unwissend. Ich bin 
Willens Eurer Fürstlichen Durchlaucht Befehl nach zu handeln, 
so lang und viel die Dienstleut bei mir bleiben. Euer Fürst- 
liche Durchlaucht, bitt ich mit aller Unterthänigkeit, wolle 
gnädiglich dareinsehen, nicht wegen meiner Person allein, sondern 
weil hiefiir Niemand gern sich würde brauchen lassen. Was 



*) Graf Georg von Schaunberg, Erbmarschall von Österreich und 
Steiermark. — ^) Verschreibung des Erzherzogs, sie für allen in seinen 
Diensten erlittenen Schaden zu entschädigen, wohingegen sie ihm Heeres- 
folge versprachen. 



172 Fortgang der Unterwerfung. 

ihm geschehe, geschehe eigentlich Seiner Fürstlichen Durch- 
laucht. Dieselbe wolle entscheiden, wie er sich zu verhalten 
habe; denn er wollte gern auf ihre muthwillige Handlung solcher 
Feldhauptmannschaft entsagen; nichts desto weniger wolle er 
auch treulich nach den frühern und weitern Befehlen Seiner 
Fürstlichen Durchlaucht handeln. Dieselbe wolle es nicht un- 
gnädig aufnehmen, dass er nur 3 Gulden auf die Feuerstatt 
geschlagen habe, denn das Vermögen zu mehr sei in diesem 
Land in den Gütern nicht vorhanden, auch das Verbrechen an 
ihm selbs nicht also gross, als im Hegau und im Reich. ^) 

Lambach war, wie wir gezeigt haben, durch die Attergäuer 
zum Bündniss gebracht worden. Nachdem er dort wie in Wels 
das Nöthige vorgekehrt, zog er nach Schwannenstadt — er 
nennt fes Schwanss — wo er am 19. August sich befand; von 
da ging es fort nach Vöcklabruck. Die Ereignisse um Salz- 
burg forderten baldigste Besetzung des Attergaues, denn dort 
fielen bereits die blutigen Würfel. Den 19. August gebot Michel 
Gruber, „oberster Feldhauptmann des ganzen hellen Haufens 
anjez zu Salzburg versammelt denen im Gericht St. Wolfgang, 
dass sie in Eile herzuziehen, denn sie haben ein Scharmützel 
nach dem andern mit den Feinden." 

Den 20. August erhielt der Abt von Mondsee von demselben 
Gruber die Aufforderung, er solle Geschütz, Harnisch und 
andere Wehr, woran die „Landschaft" Mangel hat, und welche 
sich im Kloster befinden, der ganzen Landschaft leihen und 
zustellen. 

Am 25. August folgte ein neues drohendes Begehren um 
Geld. '^). Am 28. August muss jedoch die ganze Strasse, von Salz- 
burg bis Linz von den Feinden gesäubert und sicher gestellt 
gewesen sein; denn an diesem Tage schreibt der Hauptmann 
des ständischen Fändls Christof Stadler zu Biberbach von 
Vöcklabruck aus an die Stände zu Linz um Geld. Die 2 Monate, 
auf welche er mit seinen Knechten bestellt, werden sich baldigst 



Die ganze Relation Schifers im Reichsfinanzminist. Schwanss 
(Schwannenstadt) 19. August 1. c. abgedruckt bei Buchholz, Ferdinand L, 
Band 9., S. 639. — ') Siehe Briefe im Anhang. 



Fortgang der Unterwerfung. 17H 

enden. Der Feldhauptmann und die Kriegsräthe seien bei ihm 
gewesen und hätten ihi^ ersucht, mit den Söldnern auf einen 
weitern Monat zu handeln. Ihm selber bediinke, man werde 
dieselben noch weiter brauchen, doch besorge er, wenn nicht 
bald ein Monatsold kommt, so werden sie sich verlaufen.^) Den 
29. August meldet der berühmte Landsknechtvater, Georg von 
Frundsberg, aus dem Feldlager vor Salzburg an Schifer, dass 
er dessen jüngstes Schreiben erhalten, und dass mit den 
Rebellen ein Friedensvertrag abgeschlossen w^orden sei. 2) Am 
;50. August zog Herzog Ludwig von Baiern in das dem Erz- 
bischof zurückeroberte Salzburg ein. 

Auch für Schifer war die nächste Aufgabe zu Ende, der 
Attergau wurde ohne Blutvergiessen unterworfen, entwaffnet, die 
Rädelsführer soweit sie nicht geflohen, den Landgerichten über- 
geben.^) Er fragte desshalb bei der Landschaft an, wohin er 
weiter mit dem Kriegsvolk ziehen solle. Das Gutbedünken der- 
selben ging dahin, dass er, weil Frundsberg ihn darum ersucht, 
noch einige Tage in Vöcklabruck liegen bleibe, dann möge er 
über, die Traun setzen und auf Steyr losrücken, das Unterwerfungs- 
geschäft auch dort zu vollbringen. Der Geist der Rebellion 
spuckte ja im ganzen Gebirge von Mondsee bis Weier. Die 
drohende Haltung der Bevölkerung hatte während des ganzen 
Aufstandes die Vereinigung der steierischen und oberösterreichi- 
schen Truppen verhindert und als Kilian Kaufmann mit seinem 
Fähnlein deutscher Knechte nach gestilltem Aufruhr in Ober- 



') Landesarchiv zu Linz. Landständische AnnaL Bd. A. Vöcklabruck, 
28. August 1525. — ') Roichsfinanzminist. 1. c. — ^ Ferdinand an den 
Ljindesverweser ob der Enns. Wien, 15. Nov. 1525. Er habe Bericht, dass 
Kädlführer der vergangenen Empörung und mit den Ausseern verbündet 
gewesen, auch zu den eidbrüchigen Schladmingern ab und zugelaufen und 
bisher ungestraft geblieben, im Land ob der Unns an etlichen Orten sich 
aufhalten. Er soll sie mit allen Fleiss zu fangen und zu strafen suchen. 
Ein nämliches Schreiben erging an Sebastian Hofer, Amtmann in Gmunden. 
— Der Hofrath schreibt Wien, 21. Dec. 1525, an den Erzherzog: Auch 
die Garstner Unterthanen von Weier waren aufrührig. Es ist dem Ver- 
weser von ob der Enns, Sigmund Jagerreiter, aufgetragen, auf die Rädl- 
führer dort und der Enden fleissig Aufsehen zu haben, damit sie ge- 
straft werden. Reichsfinanzminist. 1. c. 



174 I^er Hofrath ladet d. Stände z. Rachezug gegen d. Salzburger ein. 

Österreich zu dem Grafen Salm im Ennsthal stossen wollte, 
musste er der Sicherheit wegen den Umweg über Wien machen. 
Von Steyr, meinten die Stände, sollte Schifer nach Mauthausen 
zu „und enthalb den Thuenaw auch die Nothdurft handeln". 
Alle Tage sollte er 2 bis 3 Pfarren abfertigen und sich besser 
als bisher tummeln, damit man von den schweren Kosten komme. 
Am 7. September laufe wieder ein Monat des ständischen Kriegs- 
volkes ab. Dann sollen deutsche und böhmische Dienstleute ge- 
mustert und kein Knecht weiter aufgenommen, sondern nur denen, 
so in der Musterung sind, noch ein Monat und nicht länger 
Dienst zugesagt werden. ^) 

Bevor aber noch Schifer von Vöcklabruck sich erhob, ging 
ein emsiges Werben des Wiener Hofraths bei den Ständen an, 
ihre Truppen mit denen des Erzherzogs, die jetzt nach Steier- 
mark zur Verstärkung Salms eilten, sich vereinigen und desselben 
Weges ziehen zu lassen.^) 

Für den Freund einer energischen Kriegführung gewährt 
es einen eigenthümlichen Anblick, den Landesherm um die 
Bereitstellung des ständischen Volkes zum Zug gegen die Salz- 
burgischen, die man für den verrätherischen Überfall bei Schlad- 
ming züchtigen wollte, wiederholentlich betteln zu sehen. Allein 
diesmal konnten die Stände, wollten sie sich nicht selbst ver- 
gessen, unmöglich dem Erzherzog zu Willen sein. Mit Recht 
bemerken' sie, dass es ihnen nur gefährlich sein könnte, jetzt, 
wo der Aufruhr noch nicht zu Ende gebracht ist, ihr Kriegsvolk 
ausser Land zu schicken und ihr eigenes Vornehmen, die 
Empörung zu stillen, nicht auszuführen. Auch sei hoch zu be- 
denken, ob es Ihrer Fürstlichen Durchlaucht zuträglich sein 
könne, jetzt nachdem in Salzburg der Friede zwischen Erz- 
bischof und Unterthanen geschlossen, die Salzburgischen mit 
der That anzugreifen und eilends und unversehens einen Haupt- 
krieg zu unternehmen, woraus auf das eigene Land ein neuer 



') Landesarchiv Linz. Einer ehrsamen Landschaft ob der Elnns Antwort 
Herrn Alexander Schifer auf sein Schreiben gethan. Actenstttck. Auf dem 
Umschlag steht irrthünilich 1522. — Schreiben der Hof- und Kanimer- 
räthe an den Eizh. Wien, 2. Sept. Reichsfinanzminist. 1. c. 



Der Hofrath ladet d. Stände z. Rachezug gegei^ d. Salzbuiger ein. 1 75 

AngriflF und Verderben fallen könne. Wenn man die Salzburgischen 
in ihrem Lande angriffe und sie nun ihres Gefallens durch böse 
Praktiken und heimlichen Verstand mit den Unterthanen, die gegen 
sie angränzen und allen zum Aufruhr beweglich gewesen 
sind, ganz leicht einen schädlichen und nachtheiligen Einfall 
unternehmen würden, würde im Lande selbst keine weitere 
Gegenwehr gefunden werden. Ihre Meinung sei, dass, wenn Ihre 
Fürstliche Durchlaucht die Sache *) nicht zu eilends angriffe und 
mit Rath und Wissen ihrer getreuen Landschaften handeln liesse, 
es unnoth wäre, gegen die Salzburgischen zu ziehen. Durch 
die grossen Kosten, welche auf die Rüstung und das Dienstvolk 
aufgelaufen, seien sie so erschöpft, dass es nicht möglich sei, 
derzeit Volk ausser Landes zu schicken und zu besolden. Sie 
bitten desshalb die abschlägige Antwort nicht übel zu nehmen. 
Sie seien entschlossen in ihrem gemeldeten Vornehmen mit dem 
Strafen und Stillung der Aufrührer Ihrer Fürstlichen Durchlaucht 
und ihnen Selbst, Land und Leuten, zu Gut mit ihrem ver- 
soldeten Volk zu Ende zu verfahren.^) 

Die Niederlage bei Schlacjming brannte jedoch dem Adel 
so sehr auf der Seele, dass die Hofräthe mit einer neuen Ver- 
suchung hervortraten, die ob der ennsischen Landleute zu einer 
Theilnahme an den projectirten Feldzug gegen Salzburg zu be- 
wegen. Wenn die Stände, hiess es im Schreiben an die erz- 
herzoglichen Commissarien zu Wels, in das Begehren des Erz- 
herzogs willigen, so werde sich derselbe in der Frage der Brand- 
schätzung gnädig zeigen, wo nicht, so werde Schifer seinem 
Befehl nach verfahren.^) 

Allein die Drohung verfing nicht, auch dann nicht, als ihnen 
der Erzherzog persönlich von Tübingen schrieb,*) sie möchten 
doch wenigstens die deutschen Knechte, welche sie im Solde 
hielten, dem Grafen Salm ohne Verzug zuschicken, wobei er 



') Auslieferung der Gefangenen, der Geschütze, Ersatz des Schadens, 
Bestrafung der Übelthäter. — *) Landesarchiv Linz. Actenstück mit Auf- 
schrift: Die andre Antwort einer Landschaft. — ^) Schreiben der 4 zu Wels 
versammelten Stände, Wels, 3. Sept. 1525. Landesarchiv Linz. Landständische 
Annal. Bd. A. — ^) Tübingen, 14. Sept. Reichsfinanzminist. 1. c. 



176 Beachluö« der Unterwerfung. 

zugleich zu ihrer Beruhigung meldete, er habe befohleu mit 
thätlicher Handlung gegen das Stift Salzburg stille zu stehen 
und nur gegen die Schladminger und andere ungehorsame ünter- 
thanen mit Strafe zu verfahren. Es nützte nichts, der Erzherzog 
bekam von den Ständen keinen Mann, ja sogar von seinen eigenen 
in ob der Enns stehenden Streitkräften zog nur Kaufmann mit 
seinen Knechten nach Steiermark ab, wo er Ende September 
in Rottenmann zu Salm stiess. Die böhmischen Knechte nämlich, 
die in des Erzherzogs Diensten in Oberösterreich standen, wollten 
sich von ihren Landsleuten, welche den Ständen verpflichtet 
waren, nicht trennen lassen und wurden nach Ungarn geführt, 
das erzherzogliche Reitercorps aber war bereits aufgelöst. 

Alexander von Schifer setzte mit dem ständischen Haufen 
seinen Strafzug im Lande fort, nicht ohne grossen Schaden und 
Verderben der Bauern, an welchen sowohl ständische als erz- 
herzogliche Söldner während der Kriegsläufte Muthwillen und 
Habgier kühlten.') Dieser Umstand wie nicht weniger die stei- 
genden Kosten waren an der begreiflichen Ungeduld der Stände 
Schuld. Am 6. September ging ein neues zur Eile antreibendes 
Schreiben der zu Wels versammelten Landschaft an den Feld- 
herrn fort. Gegen Ende dieses Monats hatte er endlich die Ent- 
waffnung und neue Vereidigung der Ungehorsamen durchgeführt 
und "das Land nach Umlauf von 4 Monaten, während welcher 
es in fieberhafter Spannung sich befand, wenigstens äusserlich 
beruhigt. 

Nirgends war es zu einem blutigen Zusammenstoss oder 
nur zur Gegenüberstellung eines grösseren Haufens von Bauern 
in Waffen gekommen. Was die spätem Schriftsteller davon er- 
zählen ist eitel Fabel, entstanden durch Missdeutung der Worte 
Richard Strein's in seinen Annalen: „Als nun mit Gottes Hülfe 
die Bauern mit Gewalt zertrennt worden waren," etc., welche 



') Dazu hätten ihre Untorthanen, wie männiglich weiss, von dem 
Kriegsvolk Fürstl. Durchlaucht wie ihrem eigenen allerlei Verderben ge- 
duldet. Schreiben der Stände an den Erzh. Linz, 18. Oct. 1525. R^ichs- 
iinanzminist. 1. c. 



Die Stände suchen das Loos der LTnterthanen zu mildern. 177 

alle folgenden Autoren ^) von einem blutigen Entscheidungskampf 
verstanden, während damit nichts anders als die Zersprengung 
des Bundes und Pacificirung des Landes durch das Aufbieten 
der bewaffneten Macht bezeichnet werden sollte. Nirgends in 
all den Briefen und Actenstücken, die wir vor uns haben, ist 
mit einem Sterbenswort die Rede von einem Kampf, nirgends 
sagen die Stände, dass die Bezwingung des Aufstandes Blut 
gekostet habe. 

Die Brandschätzung blieb noch durch lange Zeit ein Zank- 
apfel zwischen Fürst und Ständen. Die letztern sandten den 
Hofrichter von St. Florian, Hans Pündter von der Au, als 
ihren Unterhändler von Wels zum Erzherzog, der sich auf 
eine Ermässigung auf 3 Gulden für die Feuerstatt herbeiliess. 
Das Rescript des Erzherzogs kam gerade um die Zeit an, wo 
die Landschaft eine neue, eindringliche Vorstellung in dieser 
Angelegenheit an den Wiener Hofrath abgehen liess. 

Nach ihrer Angabe hatte man bei dem Strafzug durchs 
Land nicht einmal die getreuen ünterthanen, die von der 
Herrschaft mit Zetteln versehen waren, mit der Brandschätzung 
verschont. Sie heben darum noch einmal hervor, dass die 
Handlungen der oberennserischen Unterthanen nicht zu ver- 
gleichen wären mit den Thaten der bündischen, vorländischen 
Bauern. 2) Die Muetwiller und Rädlführer zu strafen, begehrten 



') Preuenhuber, Annal. Styren. S. 224 erzählt, dass Reichart Strein 
in .seinen Oberennserischen Annalibus von der Zertrennung der Bauern 
durch Gewalt Meldung thue; in seinem zu Linz 1710 wieder gedruckten 
Historischen Catalogns der Landeshauptleute, S. 123, sagt er schon, dass 
die Bauern etliche Male geschlagen wurden. — Weiasbacher .führt in seiner 
kurzen Gesch. der Erzherzogthums Ost. ob der Enns, 2. Au 3. 1832, S. 127, 
dasselbe und noch andere Fabeln von einem Widei-stande der Bauern bei 
Neu markt den ganzen Winter hindurch an. In seiner handschriftlichen 
Gtisch. der Pfarre Peurbach im Linzer Museum lässt er die Bauern am 
Frohnleichnamstag auf der Welserhaide angegriffen und mehrmals geschlagen 
werdon. Pillwein weiss von 2 Feldhauptleuten Georg von Schä-fenperg und 
Aloxiinder von Schifer und mehreren Treffen; Hausruckkreis S. 34. Pritz, 
Gesch. d. Landes o. d. E. bezieht sich einfach auf die Relation Streins von 
einer gewaltsamen Ausoinandcrsprengung der Bauern. S. 233. - ^) Würden 
i\W Stände wohl so sprechen, wenn blutige Gefechte vorangegangen wären? 

C z e r n y , Baueroaufsta nd. 1 ^ 



178 Di© Stände suchen das Loos der Unterthanen zu mildem. 

auch sie, doch dass die Strafe von denen, so aus Einfalt darein- 
gekommen oder sich etwa ungehorsam gehalten hätten, Nie- 
manden billiger zu thun gebühre, als den Grundherrn. Die 
Unschuldigen sollen aber in keiner Weise gestraft oder gebrand- 
schatzt werden. Den Gehorsamen habe man Zetteln von Seite 
der Herrschaft gegeben, auf die sich die armen Leute nun 
vollkommen sicher zu sein verlassen haben. Damit habe man 
auch verhüthet, dass sie sich weiter zu keinem Aufruhr haben 
bewegen lassen. Sollten nun diese gestraft und die Zusagen 
nicht gehalten werden, so wäre das spöttlich für die Stände 
und könnte für künftige Fälle üble Folgen haben. Sie bitten 
darum, dass die Strafe gegen die Unschuldigen abgestellt werde. 

Die Stände hätten gefunden, dass die meisten Versamm- 
lungen der Bauern daher gekommen seien, dass man habe 
Generale ausgehen' lassen, wer Beschwerungen habe, der möge 
das anzeigen, man werde billiges Einsehen thun. Das Vorgehen 
der Strafcommission, den Unschuldigen sowohl als den Schuldigen 
zu strafen, sei straks der Verhandlung entgegen, welche der 
landständische Ausschuss mit Vollmacht Fürstlicher Durch- 
laucht und der Landstände mit den Bauern gepflogen. Die 
Zetteln, welche ein jeder seinen getreuen Unterthanen gegeben, 
seien ein Vorwurf und eine Beschwerung für die Stände und 
könnten sie darum in den berührten Vorgang gar nicht willigen. 

Schliesslich siegten die Stände. Der Erzherzog überliess 
es ihnen, die Ungehorsamen zu strafen, mit Ausnahme der 
Rädelsführer, die er seinen Gerichten vorbehielt; die Stände 
mussten sich jedoch zugleich verpflichten, von sämmtlichen 
durch den Feldzug in Oberösterreich dem Landesherrn auf- 
erlaufenen Kriegskosten die Hälfte, das ist 5000 Gulden, zu 
übernehmen. *) 

Wenn spätere Schriftsteller dieses Streben des Adels, die 
Bestrafung der Unterthanen in ihre Hände zu bekommen, da- 



Das Rescript Ferdinands ist vom 29. Aug. Die Vorstellung an den Wiener 
Hofrath, Wels, 3. Sept. Landesarchiv Linz. Landst. Annal. Bd. A. 

') Edass d. Erzh. Tübingen, 27. Sept. und Einwilligung aller 4 Stände zur 
Übernahme der halben Kriegskosten, Linz, 18. Oct. 1525. Reichsfinanzminist.. I.e. 



Die Stände suchen das Looa der Unterthanen zu mildern. 179 

von ableiten wollen, dass sie hierin mit voller Willkülir schalten 
und walten wollten, so wird diese Behauptung durch nichts in 
den Acten begründet. Aus allen ihren Ausschreiben und Kund- 
gebungen leuchtet das Interesse hervor, die nothwondigen Übel 
bei der vorhabenden Unterwerfung auf ein Kleinstes zu be- 
schränken. 

Im oft erwähnten Rathschlag von Trautmannstorf, in welchem 
die Länderausschüsse die Unmöglichkeit auf gütlichem Wege 
zum Ziele zu gelangen eingestehen, zeigt sich oflfen die Sorge 
der Stände um die Unterthanen. Es ist ihr getreuester Rath, 
lautet ihr Ausspruch, dass unbillige Härte gegen Unschuldige 
oder Arme unterlassen werde, und dass man zu den Beschwe- 
rungen nicht neue Beschwerungen durch den Krieg hinzufüge. 
Als sich die Heersäule bereits durch das Land bewegte, hörte 
die Geneigtheit nicht auf, die Holden gütlich mit den Herr- 
schaften zu versöhnen.^) Diejenigen, welche mit Strenge handeln 
wollen, sind die Hofräthe, die in der Unmöglichkeit in kurzer 
Zeit die Schuldigen von den Unschuldigen auszuscheiden, einen 
Anschlag in Bausch und Bogen auf alle, die im Bunde waren, 
machen und einen Anschlag, der nicht von österreichischen 
Verhältnissen, sondern aus den Vorlanden den Massstab her- 
nahm. Ihnen gegenüber halten die Stände scharf das Interesse 
der verführten und armen Unterthanen aufrocht; sie drücken 
die Brandschätzung anfangs durch ihre Anstrengungen auf 
3 Gulden herab, die nur von den schuldbareren Bundbauern, 
die ihnen am besten bekannt seien, erhoben v^erden sollen. 



*) Die im Gebiet des Edlen und Vesten ütz Herleinsberger zu Hoch- 
haus und Altenhof lebenden Bauern hatten um Mitte Juli 12 Beschwerde- 
artikel an die Landeshauptmannschaft in Linz gesendet (Abgedruckt im 
Linzer Musealbericht 1858, Ö. 179 ff.). Diese schickte die Supplik am 
12. August an Herleinsberger mit folgenden Brief r Den Edlen und Vesten, den 
Herleinspergern zum Altenhof Gebruedern. — Unser Dienst in guettem 
Willen zuvor. Lieb Herleinsperger, Wir schicken euch hierin ain Suppli- 
kation, so uns eure Underthanen zuegebracht haben, als ihr vememen 
werdet. Darauf wellet uns nur ünderricht sammt hie inliegender Supplikation 
ft\rderlich alher schicken, so wirdet man die Sach hören und darin, was 
pillich ist, handeln. Des wellen wir uns versehen. Datum Lyntz Sambstags 
nach üdalrici Anno doniini 1525. — Im Linzer Musealarchiv N. 8171. 

12* 



180 t)ie Stände suchen das Loos der Unterthanen zu mildern. 

Alle 4 Stände, die landesfürstlichen Comniissarien und endlich 
der Feldhauptmann selbst heben hervor, dass das Verbrechen 
der Oberösterreicher nicht verglichen werden könne mit dem 
der Hegauer ^), und dass die Armuth der oberennserischen 
Unterthanen eine so grosse Strafe nämlich 6 Gulden gar nicht 
vertrage. Während im Laufe des Feldzuges die Dinge so weit 
kamen, dass nicht einmal die mit Zetteln Versehenen, ja selbst 
die ganz Getreuen nicht von der Brandschatzung ausgenommen 
wurden, betonen die Stände aufs Wärmste das Ungerechte und 
den ergangenen Kundmachungen Widersprechende der ganzen 
Handlung. Wie sie das W^ohl und Wehe ihrer Grundholden 
gar sehr bekümmerte, sehen wir auch deutlich an der Ver- 
handlung wegen der Glocken, die das Signal zu den Zusammen- 
rottungen der Bündischen gegeben hatten. Der Erzherzog will, 
dass sie zerbrochen und in die Zeughäuser geliefert werden, 
um Kanonen daraus zu giessen, wogegen die Stände lebhaft 
befürworten, dass sie bloss auf die Erde herabgelassen 
werden, worauf aber der Erzherzog nicht einging. Das beste 
Zeugniss stellt ihnen der Wiener Hofrath selbst aus, indem 
die warme Intercession der Landschaft für die Bauörn den 
Vicestatthalter Leonhard von Harrach zu der Bemerkung ver- 
anlasste: der Feldhauptmann sei ein redlicher Mann und handle 
wie sichs gebühre; die Landleut aber wollen ihre Leut nur 
fromm machen und wollen nicht leiden, dass man ihre Unter- 
thanen strafen oder brandschätzen soll.*) 

Dass die Landschaft die Hälfte der Kriegskosten des Erz- 
herzogs im Betrage von 5000 Gulden durch die von ihnen ver- 
hängten Strafgelder hereinbekommen hat, ist wohl sehr wahr- 
scheinlich.^) Dagegen ist es gewiss, dass die Unterthanen nach 
dem Antrag der Hofräthe noch viel tiefer in die Kreide ge- 
kommen wären. Ein finanzieller Gewinn erwuchs den Herr- 



') Schreiben der Landschaft an den Erzh. oben Wels 11. August. 
Schreiben Schifers Schwanss, 19. August. — ^) Stelle aus einem Briefe 
Harrachs vom 4. August bei Hoheneck, IL, 329. — ^ Siehe unten Strafen 
der Herrschaft KogL Sie sind sehr hoch, hier waren aber auch die straf- 
barsten aller Rebellen. 



Bestrafung der Rebellen. 181 

Schäften nicht, denn ihr eignes Kriegsvolk, die Verhütung ihrer 
Schlösser und Häuser, der persönliche Zuzug und der Schaden 
durch die zur Erntezeit nicht geleistete Frohnarbeit, hatte 
gewaltige Summen verschlungen. 

Die Herrschaften machten von dem ihnen übertragenen 
Strafrecht in der Art Gebrauch, dass von den Bundbauern nur 
die schlimmeren geschätzt wurden, nämlich diejenigen, welche 
mit „wehrhafter Hand" zusammengekommen sind, oder ihr 
Vornehmen mit Gewalt hindurch bringen wollten, mit 6 Gulden; 
diejenigen, welche nicht dermassen gewaltthätig und wehrhaft 
sich erzeigt und doch mit ihnen in das Bündniss sich ein- 
gelassen, mit 4 Gulden. Auf Diejenigen, welche in keine Ver- 
bindung getreten, aber doch mittler Zeit ihrer Herrschaft mit 
Robot, Zins, Diensten nicht gehorsam gewesen, wurden je 
2 Gulden gelegt. In allen Fällen musste der Reiche den Armen 
hierin übertragen; die für unschuldig erkannt wurden, giengen 
straflos aus.^) 

Nach erfolgter Unterwerfung kam das Gericht über die 
Rädelsführer. Diese zu bestrafen war ein Vorrecht des beleidigten 
Landesfürsten. Die Stände nahmen bei ihrem Verlangen nach 
eigner Bestrafung der Unterthanen jederzeit die „Rädelsführer 
und die an Leib und Leben strafmässig sein" aus. Dieselben 
wurden theils vom Feldhauptmann auf der Stelle, theils vom 
landeshauptmannischen Gericht in Linz, wohin sie von den 
Herrschaften auf dem Lande abgeliefert werden mussten, ab- 
geurtheilt. Dieses Landesgericht oder Landrechten war laut 
alten Landesfreiheiten aus Beisitzern aus dem Herrn-, Ritter- 
und Prälatenstand zusammengesetzt. Um aber nicht den Schein 
der Parteilichkeit auf seine Aussprüche zu laden, hatte der 



') Richard Strein, Annal. Histor. Handschriftlich im Schloss Klamm. 
Auch bei Preuenhuber, Annal. Styren. 224. Die Stände berufen sich 
1595 darauf, dass anno 1525 auf das Haus derjenigen, so den Rädelsführern 
angehangen und geholfen haben, 4 Gulden gelegt worden seien. Bauern- 
kriegsacten 1595-1597 im Florianer Archiv. Cod. 61, B., Fol. 523. — Der 
grosse Haufe ist nach Ansicht der Stände (oben Schreiben von Wels 11. Aug.) 
aus Einfalt oder Furcht und Zwang ins Bündniss gekommen. 



182 Bestrafung der R-eb/ellen. 

Erzherzog wohlweislich anbefohlen, dass die Aussagen der 
Gefangeneu dem Bürgermeister, Richter und Rath zu Linz, 
auch andern dazu erforderten Bürgern der landesfürstlichen 
Städte vorgelegt werden, welche darauf, was ein jeder nach 
seinem Verdienet verschuldet, erwägen und berathschlagen 
sollten. Bei der günstigen Gesinnung der Städte für die Sache 
der Bauern war einem einseitigen, rachsüchtigen Spruche 
bestens vorgebaut. 

Überdiess wird dem Landesanwalt Balthasar Thonrädl ein- 
dringlich zugesprochen, „er selbst soll die Sach wohl erwägen, 
damit keiner übereilt oder ihm sein Notdurft abgeschnitten 
werde." Hierauf soll er nach eines Jeden Verdienen durch den 
Profosen, welcher im Auftrag des Erzherzogs nach Oberöster- 
reich verordnet wird, den Züchtiger verfahren und handeln 
lassen. Welche aber die Leibesstraf nicht verdient haben, die 
sollen nicht länger „gephrengt noch gefennknust" werden.') 

Das Gericht über die Vorgeher und Anfänger des ganzen 
Aufstandes im Bezirk St. Georgen hielt Alexander von Schifer 
persönlich zu Vöcklabruck ab.^) Das Urtheil lautete dahin, 
„dass alle Bürger und Söldner im Markt St. Georgen im Atergey 
der Herrschaft Kogl gehörig, welche jetzt (1525) dort häuslich 
sitzen oder wohnen, ihr Leben lang jährlich 12 Kreuzer Ihrer 
Fürstlichen Durchlaucht dienen sollen als Ablediguhg für den 
Strick, deq sie ihr Leben lang hätten tragen sollen wegen 
ihrer ' Empörung, Aufruhr und Verbündniss halber, die sie 
wider Fürstliche Durchlaucht, ihren erblichen Landesfürsten 
und andere ihre Herrn gemacht, gebraucht und gehandelt, so 
dass dann andere Markt und Pfarreien auf sie als die ersten 
Anheber und Rechtschuldigen bekennet." 



^) Erlaas Ferdinands an den Landesanwalt Walteser Tanrädl, Wien, 
26. Juni 1526. Linzer Musealarchiv. Das Actenstück kam aus dem Frei- 
städter Archiv dahin, phrengen so viel als drängen und zwängen. Lexer, 
Mittelhochdeutsch. Handlex. — ^) Wahrscheinlich sass er über den ganzen 
Attergau, die Landgerichte Kogl, Kammer und Frankenburg zu Gericht; 
wir haben jedoch nur die Acten über Kogl im Archiv zu Kremsmünster sub 
Collationirte Abschrift des Bauernkriegs 1525. 



Bestrafung der Eebellen. 183 

Das Stricktrageu wurde in Gnaden gegen den Gelddienst 
erlassen, dieser nur von den männlichen Personen eingefordert. 
Über dieses ist äer ganze Mark't St. Georgen laut Wilhalm 
Armstainer's des Pflegers der Herrschaft Kogl verfassten 
Registers um 586 Gulden 1 Schil, 12 Pfen. gestraft worden. 
Die ganze Summe, zu welcher das Tribunal zu Vöcklabruck 
die Unterthanen der Herrschaft Kogl , Bürger und Bauern , ver- 
urtheilte, betrug 2122 Gulden 28 Pfen. Wir entnehmen dem 
„Verzeichniss der Bürger und Bauern, zu der Herrschaft Kogl 
gehörig, welche zu Vöcklabruck ins Gefängniss gelegt, auch 
um Geld gestraft worden" folgende Angaben. Bürger: Bayr 
Hanns, den sie zu St. Georgen mit zugestelltem Harnisch zum 
ersten Hauptmann gesetzt, wurde gestraft um 200 Gulden. 
Georg Ewerl, der auf dem weissen Zelter gesprengt, 150 Gulden. 
Hanns Tichtler, sein (des Bayr Hanns) Leutenambt, so eben 
damals Richter gewesen, 90 Gulden. Der Pader 32 Gulden. 
Gries Schuster 10 Gulden. Bauern: Wolfgamg Zecher zu Oedt 
16 Gulden. Hanns am Weissenbach 10 Gulden. Georg am 
Weissenbach, nachdem er an einem Baum verendet, daran er 
gehenkt worden, hat keine Straf mehr erlegen können. Menn- 
hart zu Grueb 4 Gulden. Sonst ist in allen 5 Ämtern ausser 
des Markts St. Georgen jedeö Gut oder Brandstatt um 3 Gulden 
und etliche darüber gestraft worden. 

Den Executoren war bei der Strafverhängung augenschein- 
lich mehr daran gelegen, Geld zu bekommen als Blut zu ver- 
giessen. Bayr Hanns, der oberste Hauptmann des Bauernbundes 
in ob der Enns, konnte desshalb sein Leben mit 200 Gulden 
retten, allerdings einer ungeheuren Summe zu einer Zeit, wo ein 
kleines schlechtes Bauerngut um 6 Gulden zu haben war. Manche, 
welche dem Tribunal in Vöcklabruck auszuweichen wussten, fielen 
der Gerechtigkeit später in die Hände und wurden zu Kogl 
gehandelt und gewandelt. Offenbar kamen sie besser durch; 
denn der Erzcommunist und Hetzer, der vielgenannte Nartz am 
Kranperg „so den Bauern in diesem Aufruhr auf einem Kersch- 
haum viel ausgerufen, ist erst über 2 Jahre hernach, da er 
den Weg auf Kogl wieder gefunden, anno 1527 bei der Herr- 



184 Bestrafung der Rebellen. 

Schaft alda gestraft worden um 4 Gnlden." Schauer zu Idlhaim, 
so ein Rottmeister in solchem Aufruhr anno 1525 gewesen, 
musste 20 Gulden, Leonhard Voglhuber zu Pelzdorf, so gleich- 
falls ein Rottmeister, 10 Gulden büssen. Hans Egen zu Stain- 
dorf, weil er vor Herrn Alexander Schifer, Feldhauptmann, 
auf geschehene Erforderung nicht erschienen, 4 Gulden. Ein 
Rottmeister, Georg Säder, kam mit 1 Gulden 4 Schil. als 
Strafe los. Peter zu Stetten wurde, weil er vom Schreiner zu 
Staudach in dem Aufruhr 3 Gulden erpresst, „weil derselbe 
Schreiner nicht wider die Herrschaft in ihrem Bund sein wollte," 
auf Kogl in eine unbekannte Summe verurtheilt. 

Das Verzeichnis» schliesst mit den Worten: ^ßumma summa- 
rum der ganzen Straf, so die Herrschaft Kogl allein im ver- 
meldten Aufruhr von ihren Unterthanen und Bauern eingenommen 
2222 Gulden 4 Seh. 28 Pf. Damit sind der Herrschaft Kogl 
die grossen Unkosten durch die aufgestandeneu Unterthanen 
richtig erstattet. Die Unkosten wurden verursacht durch die 
aufgenommenen Landsknecht, auch Zimmerknecht, in Besatzung, 
Verwahrung und Proviantirung des Schlosses, in Botenlohn, 
Unterhaltung der Kundschafter u. a. unter solchem Aufruhr 

10 ganzer Wochen lang." 

Von der Herrschaft Kammer meldet die Chronik von 
Geisern, dass zu Schörfling 11 Aufrührer an einem Baum auf- 
gehängt wurden,^) eine Nachricht, die in Anbetracht der Quelle, 
aus der sie stammt und wegen der oben gebrachten Beispiele der 
Milde gegen Erzrebellen, sehr wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Strein erwähnt in seinem historischen Jahrzeitbuch, dass 
etliche zu Freistadt und sonst gerichtet worden sind. 

^) Nach derselben Quelle sollen im Ennsthal bei Neuhaus in Steier- 
mark vielen die Köpfe abgehauen, 2 Bauernhauptleute gespiesst, zu Aussee 

11 an die Bäume gehängt, zu Rastadt 1526 17 an einem Tage enthauptet 
worden sein. Dieselbe unkritische Quelle lässt das Salzkammergut sich ruhig 
verhalten. Sie erzählt: Im obbemelten Pauernkrieg haben sich die Herr- 
schaft Wildenstainischen Unterthanen ganz fridtsamb gehalten und wider 
ihre Obrigkeiten nicht aufgestanden, wiewohlen sie viel Ersuechen und 
Anraizungen von den umbligenten aufrührerischen Pauern gehabt haben. 
Dagegen Krones, Gesch. Ost. IL, 637.: Im Gebiete von Aussee, Ischl, Hall- 
stadt regte es sich gar gewaltig. 



Bestrafung der Rebellen. 185 

Übrigens gegen ein Blutgericht, wie sich die Phantasie so 
gerne eines unter diesen umständen ausmalt, spricht ausser dem 
oben Gesagten die Behandlung der ünterthanen von Spital am 
Pyhrn. Trotzdem, dass sie sich gegen ihre Obrigkeit stark 
empörten und durch ihre Erhebung in Waffen während des 
ganzen Aufstands die Verbindung mit Salm sperrten, geschah 
nichts weiter als dass die Rädelsführer nach Wien gebracht 
und daselbst mit schwerem halbjährigen Gefängniss und andrer 
Straf belegt, die übrigeil um einige 100 Gulden gesühnt 
' wurden.^) An Edelleuten, welche während des Feldzugs mit 
blutiger Strenge gegen die Rebellen vorzugehen wünschten, hat 
es nicht gefehlt. So erzählt uns der wackere Preuenhuber, dass 
bei einer Versammlung der Landstände auf dem Rathhaus zu 
Wels am 4. September ein Zwiespalt zwischen dem Adel und 
den Abgeordneten der Städte ausbrach, indem letztere den 
obern Ständen in ihren wider die Bauern vorgehabten, scharfen 
und blutigen Process sich nitjlit allem accomodiren wollten, 
worüber Christoph von Traun in solche Hitze gerieth, dass er 
ausrief, er wollte, dass die Bürger die Drüss hätten.^) Die 
Bürger nahmen die Injurie so hoch auf, dass nur das begütigende 
Dazwischentreten der Landschaft sie verhinderte, die Sache 
vor die Gerichte zu bringen. Der Erzherzog aber hatte dadurch, 
dass er die Aburtheilung der Rädelsführer sich selbst vor- 
behielt, dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel 
wuchsen.^) 



*) So fand Dechant Gienger anno 1590 in den alten Büchern und 
Protokollen. Linzer Museal Archiv. Spitaler Acten. — ^ oder die Pest am 
Halse hätten. Preuenhuber, Annal. Styren. 223. — *) Im Vergleich mit 
andern Ländern, wo die Empörung der ünterthanen unblutig wie in Ober- 
österreich verlief, gleichwohl aber über 100 Bauernköpfe springen mussten, 
wie im Herzogthura Preussen (Jörg, Deutschland 297), hat sich die alte 
österreichische Müde und Nachsicht bewährt. — Eine Güterconfiscation der 
Ungehorsamen, oder eine Brandschatzung der einzelnen Dörfer, (Strnadt» 
Peurbach 443) hat in Oberösterreich gar nicht stattgefunden. Was Strnadt 
diessbezüglich aus Buchholz, Ferdinand I., Bd. 9., S. 644 ff. citirt, bezieht 
sich auf Tirol, wie schon daraus hervorgeht, dass in der angezogenen Straf- 
ordnung die Landgemeinden des Rechtes, bei den Landtagen zu erscheinen, 
für verlustig erklärt werden, ein Recht, welches wohl die Tiroler Bauern, 



186 Das Ergebnisfi der Rebellion. 

Die Commission zur gütlichen Beilegung der Differenzen 
zwischen Grundherrn und Holden setzte nach Stillung der 
Empörung ihre Arbeiten fort. Herrn und ünterthanen wurden 
von Herrschaft zu Herrschaft vor die ständischen und erzherzog- 
lichen Commissarien gerufen, mündlich gegen einander gehört 
und verhört und ihre Sachen gütlich vertragen oder durch 
ürtheil der Commission entschieden. War die Verschiedenheit 
der gegenseitigen Ansprüche eine weitgehende und der Fall 
bedenklich, so wurde die Angelegenheit zum schriftlichen Ver- 
fahren gewiesen.^) 

Grosses hatten die Bauern durch ihre Erhebung nicht 
errungen. Überspannte Leistungen einzelner Herrschaften wurden 
auf den Inhalt der alten Erbbriefe oder unvordenklichen Her- 
kommens zurückgeführt. Es blieben Robot, Freigeld, Sterb- 
haupt und dergleichen. Die wichtige Folge hatte der Aufstand 
allerdings, dass auf dem am 25. Juni 1526 zu Linz abgehaltenen 
Landtage beschlossen wurde, alles jährliche Einkommen an 
Pfenning, Küchen- und Kastendienst zu erheben und in Geld 
zu veranschlagen, damit, falls ein Anschlag im Lande nöthig 
werden sollte, solcher gleichmässig auf die Einkünfte -vertheilt 
werde. Diese Steuerrevision wurde in den nächstfolgenden 
Jahren wirklich durchgeführt. Aber es blieb das alte System der 
privilegirten Stände, der Steuerdruck, der überwiegend auf 
den Schultern des Bauernstandes lastete. 

Geschädigt hatten sich Adel und Bauern empfindlich unter 
einander, eine schlecht verhüllte Erbitterung trennte Holden 
und Landherrn. Sie kam hell zum Vorschein beim Wieder- 
ausbruch des Aufstandes in Salzburg im nächsten Jahre. Graf 
Eberhart von Eberstein hält die Gemahlin Ferdinands, deren 



aber nie die oberösterreichischen besassen. Sieh auch bei Bucbholz S. 64^ 
Schreiben des Regiments zu Innsbruck an den Bischof von Trient, welche 
die vorangehende Strafordnung commentirt. 

') So sagen die Stände selbst anno 1595 in der Instruction für ihre. 
Gesandten zum Kaiser Rudolf IL, indem sie sich auf den modus proce- 
dendi an. 1525 berufen. Bauernkriegsacten 1595 — 1597 im Florianer Arch. 
Cod. 61, a. Fol. 333. Cod. b. Fol. 169, 171, 593. 



Das Ergebniss der Rebellion. 187 

Hofmeister er war, auf dem Linzer Schlosse, wo sie seit 15. Mai 
verweilte, nicht mehr für sicher. „Die Bauern ob der Enns 
sind ganz schwierig; erfahren sie die siegreichen Fortschritte 
der Salzburger, so ist neuer Aufruhr zu besorgen,'' schreibt er 
an Ferdinand.^) Zum Glück für das Land dauerte der Triumph 
der dortigen Rebellen nicht lange. Mit ihrer Bezwingung im 
Juli 1526 waren auch die wachsenden Hoffnungen der Ober- 
österreicher vernichtet. 



') Linz, 4, Juni 1526. Reichsfinanzminist. 1. c. 



188 Die ständische Körperschaft von 1525. 



Anhang. 



Ständische Körperschaft anno 1525. 

Anmerkung: Act des Schlüsselberger Archives 94/13, 94/14, jetzt im Landes- 
archiv zu Linz. 

Herrenstands Gesclilecliter, 
welche anno 1525 bei Einrichtung der Gültens Einlag in diesen 

Erzherzogthumb Oest. o. d. Ennss begüttert gewesen und vor 

wirkliche Landleut erkennt worden: 

Hardeck. Scherflfenberg. 

Liechtenstain. Stahrenberg. 

Lossenstain. Traun. 

Polhaim. Volkerstorflf. 

Prag. Zelcking. 
Schaumberg. 

Ritterstandts Geschlechter von an. 1525, im Lande begütert.*) 

A. D. 

Albrechtshämer zu Wasen. f Deyrwanger am Deyrwang. f 

Anhanger zu Köpach. f Diendorfer. f 

Anwaltinger zu Anwalting. f Dürstberger. f 
Arnsteiner. f E. 

Aspan zu Hartham, Wimspach Egger. f 

und Neidhärting. f Engl H. 

Auckentobler. f Englshaimer. f 

Aider. f F. 

C, Feichter. f 

Cammerer zu Perkhaim. f Fernberger zu Egenberg. f 

Caplan zu Lustenfeld. f Fischbeckh, f 



*) Die bis anno 1721 abgestorbenen Geschlechter haben ein t. die in 
den Herrenstand aufgenommenen ein H. 



Die ständische Körperschaft von 1525. 



189 



Fischmaister. f 

Flusshart, f 

Forster zu Hehenberg. f 

Forstner zu Weiss, f 

Freytag. f 

Fronhofer zu Walkering, f 

Fuchss. f 

Fueterfass. f 

G. 
Gallhamer zu Gallham. f 
Geyer zu Osterburg H. 
Geyman zu Gallspach H. 
Goltinger zu Haiding, f 
Grembsser zu Aiglssperg. f 
Greisseneckher zu Roteneckh. f 
Grueber. f 
Grünthall H. 

H. 
Haberstorfer. f 
Häckhlberger zu Hehenberg 

zum Thall H. 
Hager H. 
Haiden zu Dorf. 
Hällinger. f 
Harrach H. 
Heyssib. f 
Hersspruckher. f 
Hester. f 
Hofman. f 
Hoheneckh H. 
Hohenfeld H. 
Hohenfurter. f 
Hörleinssperger zu Hochhaus 

und Altenhof.') 



J. 

Jagenreuter. Emigrirt. 
Inderseer. f 
Jörger H. 

K. 

Kastner. f 

Katzprenner. f 

Kenser. f 

Kienast. f 

Kirchberg zu Seisenburg. f 

Kolman. f 

Kölnpöckh. f 

Kurtz. f 

L. 

Landau H. 
Leroch. f 
Liebeneckher. f 
Löbl H. 
Lueger. f 

M. 

Marschalk zu Reichenau. f 

Meckau H. 
Mellaprunner. f 
Miltenberger. f 
Mosser am Weyr. f 
Mosshammer. f 
MüUwanger. f 

0. 
Oberhammer zu Parz. f 
von Oed. f 

P. 
Pamkircher. f 
Panhalm. f 
Paysss zu Mitterberg. f 



*) Im Act steht Lichtenau, welches sie erst im 17. Jahrjundert über- 
kamen. 



190 



Die ständische Körperschaft von 1525. 



Perckham. f 
Perger zu Perg. f 
Perger zu Clam H. 
Pfannstorfer. f 
Pinder zu Au. f 
Pirehing. f 
Planck, f 
Pointner. f 
Prantner. f 
Prembser. j 
Preuhofer. f 
Prunnhaimer. f 

R- 

Rabenhaubt. f 
• Raidt. t 
Randt. f 
Ranschauer, f 
Raps, f 

Rattmanstorf. f 
Reyschinger. f 
Ritschän zu Feldeckh. f 
Rorbach. f 
Rorer. f 
Rödem H. 
Römbeckh. f 
Ruestorffer. NB. diese Linie f 

S. 
Salchinger. f 
Schachner. f 
Schallenberg H. 
Schaller zu Prandthof. f 
Schiessenberger zu Hagenberg, f 
Schifer zu Freyling H. 
Schweinbockh. f 



± 
I 



Seberger. f 

Segger. f 

Seidelsperger. f 

Seeman. f 

Sigharter zu Leombach. 

Sinzendorffer H. 

Sfrall. t 

Stadler zu Stadikirchen, f 

Steger zu St. Veith. f 

Storch zu Clauss. f 

Stundeckh zu Arbing. f 

, T. 

Tanberg. f 

Toblhaimer. f 
Triendtner. f 
Turner, f 

u. 

Überackher. NB, diese Linie f 

Uezinger. f 

W. 

Walchen zu Prandeckh. f 

Walchen zu Walch. f 

Walnbitz. f 

Wankhamer. f 

Wartberger. f 

Westerkircher. f 

Winter, f 

Wolferstorflfer. f 

Würmb. f 

Z. 

Zärtl. t 

Zeller zu Almeckh. f 
Zeller zu Riedau. f 
Zelter, f 
Zollner. f 



Die Zahl der begüterten Herren und Ritterfarailien ist 150. 
Sie wohnten in nahezu 300 Schlössern und Edelsitzen. Anfangs 



Das ständische Patent vom 9. Juni 1525. 191 

des 18. Jahrhunderts waren davon noch 217 aufrecht; aber nur 
mehr 43 begüterte Adelsgeschlechter im Lande, von denen nur ein 
kleiner Theil seine Standschaft bis zum Jahre 1525 hinaufleitete. 

Zur Vervollständigung des Bildes von der damaligen stän- 
dischen Körperschaft Oberösterreichs fügen wir die Klöster und 
Stifte an, welche Sitz und Stimme im Prälatenstand hatten. 

1. Kremsmünster (Benediktiner). 2. St. Florian (regulirte 
Chorherrn des heiligen Augustin). 3. Lambach (Benediktiner). 
4. Garsten (Benediktiner). 5. Baumgartenberg (Cistercienser). 
6. Wilhering (Cistercienser). 7. Waldhausen (regulirte Chpr- 
herrn des heiligen Augustin). 8. Mondsee (Benediktiner). 9 Gleink 
(Benediktiner). 10. Schlägl (Prämonstratenser). 11. Engelszell 
(Cistercienser). 12. Spital am Pyhrn (weltliches CoUegialstift). 
13. Traunkirchen (Benediktiner Nonnenkloster). 14. Schlierbach 
(Cistercienser Nonnenkloster). 15. Pulgarn (Männer- und Frauen- 
kloster vom Orden des heiligen Geistes). 

Die andern mit dem Recht der Standschaft nicht aus- 
gestatteten Klöster im Lande waren: Ein Dominikanerkloster zu 
Steyr. Die Minoritenklöster zu Wels, Linz und Enns, das Francis- 
kanerkloster zu Pupping, das Paulanerkloster zu Oberthalheim. 

Den vierten Stand bildeten die 7 landesfürstlichen Städte: 
Linz, Steyr, Wels, Enns, Gmunden, Freistadt, Vöcklabruck. 



Das ständische Patent yom 9. Jnni 1525. 

Wir N. die von Prälaten herrn und ritterschaft des erz- 
herzogthumbs in Osterreich ob der Ennss entbieten allen und 
jetlichen F. D. unsers gnedigisten herrn und landsfursten etc. 
und unsern underthanen in disem land gesessen den diser unser 
brieff fürkumbt und verlesen wirdet, unser dienst zuvor. Euch 
allen und allermeniglich ist ungezweifelt offenbar, kund und 
guet wissen, wie sich jezt im romischen reich und fast in allen 
hochteutschen landen grausam und erschreckenlich auflruren 
zwischen hochen und nidern, geistlichen und weltlichen standen 
ain zeit her erhebt, also das si zu beden tailen derhalben zu 

^) Aus dem königlichen bair. Reichsarchiv. Sign. Hochstift Passau. 
47, Fach N. 2. 



192 l^as ständische Patent vom 9. Juni 1525. 

den waflfen gegriffen und so hertiklichen einander verfolgt, er- 
würgt und umgebracht haben,' das laider auf heutigen tag 
unsers wissen nun an fünf orten umb Strasburg durch den 
herzog von Lotringen und sein helfer bis in 20000, durch den 
landgraffen von Hessen in dreien schlachten bis in acht tausent, 
durch den pfalzgrafen ob 2 tausent und durch den schwäbi- 
schen punt und ire haubtleut im land zu Wirtemberg ob drei 
tausent und vorher als offenwar umb Ulm und andern orten 
in Schwaben etlich tausent geschlagen und umb ir leben 
gebracht sein, wir geschweigen, was noch in kurzer zeit jetz 
geschehen mag, dieweil die fursten und der punt ir macht 
dahin richten und mit andern nacion in üebing sein, den 
Sachen ein end zu geben, besonder weil ir vil den hechsten 
glimpfen gebraucht und dargegen, wie bei dem poffl gewonlich 
beschiecht, kein bescheidenheit sonder allen mutwillen und 
abschlag gespurt haben. Nun möcht sein und ist an allen 
zweifei gewiss, das der Almechtig von wegen menig unser aller 
Sunden dergleichen Sachen diser zeit so wol, als vor jaren 
beschehen, über uns verbeugt und straft also einen sunder mit 
dem andern, dann es wirt nit an sein, das der gemein arm 
man bisher von seinen fursten, derselben regierungen, auch 
andern iren herschaften, gerichten und obrikaiten beschwenm- 
gen erlitten mochten haben. So wirt auch nicht widersprochen 
werden mugen, das die gemainen leut gegen iren obern 
menigerlei ungehorsam, Widerwillen und under inen selbs auch 
gegen andern vil ding auf iren vortl und aigennuz gericht, 
an ainander umb leicht sachen tod geschlagen, benöttigt, getrangt 
und kein christliche lieb zusammen gehabt haben. Solch und - 
mer beder tail unausfirlich übel hat die gotlich almächtikeit 
aus erparmen lang gedult und ist entlich aus dem allen nichts 
anders zu hoffen und entlich zu gewarten, dann das also aus 
straff und verbeugen des Almächtigen die herschaften durch 
ire selbs underthanen und also hinwider die underthanen durch 
ir herschaften und so das alles in diser gestalt nicht gar zu 
end beschiecht, zulest si bede und ir ertreich durch fremde 
Völker und nacion ganz ausgetilgt, zerschleift und abgedrungen 



Das ständische Patent vom 9. Juni 1525. - 193 

werden. Nun ist in oflfenlicher erfaxung, das nicht aller under- 
thanen gemuet zu dergleichen aufruren gestanden, auch nicht 
ainen jeden und in sonder denen, die under feinen obrikaiten 
und in guetem frid, schütz und schirm gesessen, auch denen, 
80 aus gepottner guettigkeit in iren beschwerungen die wendung 
bevorgestanden, nit von nöten gewessen ist, sich in dergleichen 
aufruer und gefärlichkait irer selber leibs, leben und guetei* 
zu begeben, dann man wais, das dieselben mererstails lieber 
rae und friden gehabt betten und weren lieber anhaim bei 
iren wonungen, auch lieben weihen und kinden, auch iren wol- 
gepauten gründen und narrungen beliben, dann den ausgaug 
dises Unwesen mit irera sig oder ungluck zu gewarten. Dann 
wer gotlicher leer und schritt bericht ist, der waiss, das diser 
sig oder verlust stracks wider Gott und sein gepott erlangt 
Wirt und mus die ursprinklich ursach, sover die aus des 
gemeinen maus obligen iren anfang hette, nicht durch rotten 
und emporung, sunter mit früntlicher cristlicher beschaidenheit 
abgelest und gewendet werden. 

Damit aber Ir als F. D. und unser getreu underthanen 
vor dergleichen Unwesen verhuet und von leichtfertigen per- 
sonen, die nit wol haim haben und der arbait und obrikait 
veind und hässig, auch zum tail aus irer Verschuldung bei 
guetem friden in den landen nicht sicher noch laidlich sein, 
und euch dahin hetzen und bewegen mechten. gewarnet und 
behuetsam seit imd ir als die fridsamen über eur willen nit 
aufgemant, genöt oder von haus und hof weih und kinden mit 
inen ziechen und inen ires muetwillen zu verhelfen nit ge- 
drungen werden, ist nit unbillich sonder unser amt und bevelch 
von dem Almechtigen, uns selbs und euch zu allem gueten 
zu bedenken und zu beherzigen, auch aufs fleissigist zu erwegen, 
solch aufrueren, verderben und unainigkeit zwischen uns und 
euch durch erbar, laidlich weg und mitel zu verhueten imd 
abzustellen. Darumb ganz genediger, getreier und gueter mainung 
wollen wir euch als F. D. und unsem getreuen underthanen 
unverhalten lassen, das wir jetz sovil unser in treflfenlicher 
anzal auf versamleten landtag bei einander gewesen, bedacht 

C z e r n j, Baaernanfstand . 1 3 



194 I^as ständische Patent vom 9. Juni 1525. 

und betracht haben, das on zweifl vil vorhaben, das villeicht 
aus euch bisher in allerlai weg von Iren herschaften, auch 
pflegem, landrichtem, denselben amtleuten und handlern in 
etlichen Sachen beschwerung und nachtail erlitten mochten 
haben und dargegen an allen zweifl der merer häufen aus euch 
in guetem fridlichem aufnemen unbeschwert und ainig mit 
seiner herschaft und andern obrikaiten sonder gant leidlich und 
in rue und gueter ainigkait bisher gesessen und derhalben von 
wegen der beschwerten nit von nötten ain gemaine aufruer zu 
erwecken sonder ganz wol und fiieglich zu Wendung ires obligens 
ander geburlich erbar und leidlich weg zu finden sein, und sol 
nicht in ainer jeden leichtfertigen person gewalt und willen 
sten, noch denselben gestat oder zugelassen werden, dergleichen 
übel, daraus hochen und nidern nichts anders, dann ewigs ver- 
derben zu warten ist, aufzurueren. So dann die handl und 
Sachen aus dem lob des Almachtigen in disem land nicht der- 
massen beschwerlich und untraglich als dannocht in den obern 
lenden gepreuchlich, vor äugen möchten sein, auch alle dise 
ding gewislich von unsern schweren sunden und missethat, der 
dann die cristenhait laider voll und die pruederliche lieb in 
uns ganz ausgeloschen ist und sunst aus nichts iren Ursprung 
haben und die straff des Almechtigen darinnen scheinpar 
gespurt, und gar kein zweiffei ist, wir werden durch kainen 
andern weg solcher straff empfliechen und mit seiner almech- 
tikait versuent, dan so hoch und nider stände dieselb ir 
ungeretikait in ain cristlicher wesen wenden und verkem und 
das ain jeder in seinem stand das wende und abthue, das 
bisher darin beschwerlich und unbillich gewesen ist und aber 
solchs seinen waren getreuen anfang bei uns empfache und 
bestendiglich gehalten und darnach gehandelt und gelebt werde, 
so sein wir entlich entschlossen, von heutigem anzufachen, all 
und jedlich Ursachen, die zwischen uns und euch Unwillen, 
beschwerung oder aufruer bringen heten mögen, nachfolgender 
massen zu wenden und abzustellen: 

Nämlich ob ainer oder mer under euch waren, der ab 
seiner obrikait oder herschaft, auch sonst in was weg und 



Das ständische Patent vom 9. Juni 1525. 195 

gegen wemb da& war, ainiche beschwerung trug oder kunftiglich 
haben wurd, und das sich dieselb obrikait oder herschaft mit 
dem oder denselben iren underthanen, die sie vor allen dingen 
im anfang umb wendung besuchen sollen, imder inen selbs nicht 
vergleichen, auch ander, dawider sie beschwerungen fürkomen, 
bisher zu keiner gleichait oder billichkait vermugt werden 
mochten, das dann der oder die beschwerten solch ir obligen 
zu jeder zeit an den landshaubtman oder den anwalt gelangen 
lassen; die sollen und werden alsdann zu stund und on verzug 
nach gestalt ainer jeden Sachen darauf bevelch ausgen lassen und 
ob von nötteii in Sachen verhören und sovil inen muglich in der 
gutikait der billichkait gemäs abschaiden und in alweg verhuetten, 
damit die underthanen umb solch ir notturftig und pillich 
ringen durch ire obrikait und mennighch nit gestraft, gefeng- 
nust, bedrangt noch gehast werden. Beschäch aber, das der 
landshaubtmann oder der anwald die völlig nit haben mochten 
oder die irrung so gros und treffenHch war, se sein jetz im 
landtag von den vier standen im anfang von ainem jeden 
stand ain person, wo weiter von nötten, von jedem zwo und 
zulest nach gelegenhait der Sachen vier, fünf oder mer per- 
sonen aus jedem stand und auf desselben Stands cost und 
zerung verordnet und furgenommen, die zu jeder zeit auf des 
haubtman oder anwalds erfordern gen Linz oder wohin sie 
dieselben beschaiden, zu stimd kommen, sambt inen dieselb 
irrung notturftiglich verhören und allen muglichen Fleiss fiir- 
keren, die tail guetlicher mit ainander zu vergleichen; wo sie 
aber die volg abermals nit gehaben möchten, alsdann ir 
ungewagerte erkantnus zu thain, auch ob die underthanen be- 
schwert erfunden wurden, inen ir zerung und darlegen sambt 
abstellung irer beschwert on verzug abzuthain verschaffen, auch 
die underthanen in namen ainer gemainen landschaft vestiklich 
dabei handhaben, schützen, schirmen und in der obrikait 
oder ander landsässen, gegen denen ir beschwäxt ausfindig 
i¥Ürde, hab und guetter bis zu Vollziehung solcher erkanntnus 
ainsetzen. Vew welcher erkanntnus kainerlei obrikait noch . 

ander jemands weiter nicht dringen noch waigem sollen mugen, 

13* 



196 ^^3* ständische Patent vom 9. Juni 1525. 

sonder bei dem, das also erkennt wirt, an waigerung unverän- 
dert beleiben und gelassen werde. Wo sich aber ainer oder 
mer aus den landleuten diser Ordnung und erkantnus setzen 
oder verwidem oder auf erforderung nit erscheinen, sunder sich 
ungehorsam halten und ire underthanen und beschwarten ires 
willens darüber dringen oder beschweren wurden oder wolten, 
sein wir entlich entschlossen und wollen auch darüber von 
F. D. unserm gnedigisten hem gnedigist bewilligungbrief er- 
langen, das ims Ir F. D. genedigist vergunen und zulassen, den 
oder dieselben ungehorsamen mit hilf der gehorsamen, die sich 
des auf die erste erfordrung nit setzen noch widern sollen, 
darzu zu halten und zu vermugen, diser ordnting zu geleben 
und der verordenten erkanntnus Vollziehung zu thain, auch 
seine underthanen verer kainswegs darwider zu dringen noch 
zu beschweren, der ganzen Zuversicht ain ersame landschaft 
werde bei F. D. sovil derselben herschafl und obrikaiten in 
diesem land gelegen, auch die inhaber imd «handler derselben 
betrifft, unabschlegigen, genedigisten willen erlangen, also das 
Ir F. D. genedigist beschehen last, das ire pfleger, ampÜeut 
imd handler vor Irer F. D. landshaubtman, derselben anwald 
und ainer landschaft verordenten gleichmässig verhört und zu 
abstellung der beschwerten sambt abtrag cost und darlegen wie 
ander landleut gehalten und vermugt und die underthanen zu 
lengern nachlaufen, damit Ir F. D. mit derselben underthanen 
verderben bisher oft und vil inner und ausser lands angeloffen 
und betruebt worden ist, verer nicht bekimmert und die under- 
thanen wie die unsern auf ir erst ersuchen ires obligen zu 
jeder zeit im land entledigt und zu nie gebracht werden. Der 
ungezweifelten Zuversicht, dieweil diese hie vorbegriflhe 
erpieten ganz erbar, überflüssig und bei aller meniglich groses 
ansechens geredt sollen und mugen werden, so verhoffen wir 
demnach, dieweil unser gemuet ganz dahin staet, solchs nicht 
allain für uns selbs dermassen zu voUziechen, sonder die F. D. 
unsern genedigisten hern und landsfursten auch dahin zu 
bewegen, Irer F. D. und imsere underthanen werden solches zu 
höchstem undertenigen wolgefallen von Irer F. D. und uns dank- 



Das ständische Patent vom 9. Juni 1525. 197 

parlich annemen und Got dem almechtigen dammb lob und eer 
sagen, das wir und si aus dem exempl ander volker in ain 
solche cristliche handlung und ainigkait bewegt und gelaidt sein 
und dadurch hinfur sambt unsern und, iren nachkomen cristen- 
lich und ainig in rechter lieb leben und darein nach seiner got- 
lichen Ordnung nicht in widerspenigkait, aufiiier und emporung 
ersterben mugen, und demnach darüber kainerlei raizung, 
anhezer noch mutwillige personen furnemen kainswegs statt 
noch Verheugen geben, sonder dieselben ires vermugens sambt 
uns davon ernstlich mit guetem, und ob solchs bei inen nicht 
fiifchtpar noch angesehen werden wolt, alsdan mit der.that 
und nach Ordnung der rechten verhelfen underkumen, straffen 
und abstellen. Ob sich auch zutrueg, das der auslandig gemain 
man, der doch ganz nichts von uns oder den unsern beschwert 
ist, sich aus aigen mutwillen aines einzugs in dieses land 
understeen, und sie wie an andern orten beschehen mecht sein, 
benötigen, bewegen oder hetzen wurd oder wolt, mit inen zu 
ziechen, inen ires mutwillen sich ab clostem, kirchen, dem adl 
und stetten zu rächen, die zu verwuesten und zu plündern, hilf 
und beistand zu thain, das ir alsdann in solch ir beger als 
frum cristen aus der erbarkait darein nicht verwilligt noch ver- 
beugt, sonder wo und an welchen orten ir solches erfart und 
erkundet, alsdann zu stund an demselben ort, der nächsten 
stat, schlos, kirchen oder andern bevestungen zu ziechen und 
solch F. D. viertlmaister, die Ir D. in ainem jeden furnemen 
und benennen werden, auch in die haubtmanschaft eilund ver^ 
kündet, wirt man euch aus den andern vertailn bei tag on 
Verzug zu ziechen und sambt euch und eur hilf dergleichen 
iputwiller reyder ^) aus dem land bringen helfen und euch nit 
verlassen. Wollen uns auch des alles bei euch allen und ainem 
jeden, besonders als F. D. und unsern willigen, getreuen und 
gehorsamen underthanen ungezweifelt, gewiss und getreulich 
versehen, und solchs obgemelter massen und in all ander 
gepürlich weg zu dem das ir des bei dem Almechtigen belonung 
und bei allen frumen gelaubigen und ungläubigen lob, er und 
') Desto schneller, leichter. 



198 I^SLS ständische Patent vom 9. Juni 1525. 

praiss sambt emien nachkomen haben werdet, wilig und gern 
verdienen ugfi- jrii guet nimer vergessen. 

Ob sich aber jemand aus euch solch unser genedig und 
getreu erpieten je nicht bewegen lassen und darüber anders 
l^ndlen woltyM| der Almechtig nicht Verheugen, sonder barm- 
iierziglich verbeten wolle, so mugen und wollen wir euch 
allen und jeden besonder unser gemuet und willen merklicher 
notturft auch als frume cristenleut kainswegs verhalten, das 
wir mit disem unserm hochen, tapfern und cristenlichen erpieten 
gegen Got und euch entschuldigt und ausgeredt wollen sein, 
also wo ir euch darüber in auflfruer besamlung und emperuftg 
begeben, euch von F. D. und uns abwendig machen und keinen 
gelimpfen annemen sonder Irer F. D. und unser verderben 
oder entziechung Irer F. D. und unser gepurlichen rechten und 
gerechtigkaiten verhalten und eum muetwillen und gwalt an 
uns legen oder andern verhelfen imd des nicht absten wollet, 
das wir alsdann gegen euch, die, wie obsteet, dergleichen band- 
lungen understen, auch denen, die uns solchen mutwillen und 
ungehorsam nicht wenden und straffen helfen wolten, als gegen 
F. D. und unsem höchsten veinden mit der tat alles unsers 
und unser helfer vermugens handien und solcher vergwaltigung 
von euch keinswegs gewarten , sonder uns mit hilf des Almäch- 
tigen, der dan über solch hoch erpieten unser ungezweifelter 
beschirmer und helfer sein wirt, auch mit beistand ander nacion 
und guten freunden dermassen gegen euch halten imd erzeigen 
wollen, das ir so bald und ee dan wir verderben haben werdet. Das 
wist ir als frum cristen, bei welchen wir in cristenUcher brueder- 
licher lieb und ainigkait zu leben und ze sterben begeren, ain 
jeder bei im selbs und in seinem erbarn cristenlichen gemuet, 
auch mit bruederlicher leer imd anweisung bei andern umb- 
sässen uns und euch zu eren und allem guotten zu verhueten 
und abzustellen und euch den allem nach, wie wir ganz nicht 
zweiflen, aller erberkait als die frumen zu haben und zu 
richten. 

Geben Linntz denn neunten tag junii anno d. im fünf und 
zwaintzigisten Jam. 



Neue Zeitung von dem Bauernaufruhr. 199 

Nene Zeitung von dem Banernanfruhr in Oberoesterreich. ') 

E. G. hat mir bisher vil newer zeitung der pauren aufrur 
halben, so sich oben im rieh halten, zugeschriben. Nu ist es 
darzu komen, das ich E. G. von der hielendischen paurenaufrur 
auch neuwe zeitung zuschicken mueg und fueg E. G. zu ver- 
nemen, das etwo vil pauren in disem land und sonderlich die 
pauren auss den dryen herschaften Chamer, Kogel und Franken- 
burg ein lange zeit her lerbtirgerschaft. ^) freigelt, hoherung 
der zyns. steur. straffen, robat und in ander weg etwas gedruckt 
worden syen. Nu haben die reformirer in den berurten dryen 
herschaften vor kurz verschiner zitt reformiren wellen, des sich 
die paurn hoch erfreuet, und verhofft haben, eintheil irer be- 
schwerung abzubringen. Also hat der von Polhaim einen bevelch 
uff die reformirer geworben mit solcher reformacion stil zu 



') Aus dem Codex Germanicus 4925 in der königl. Staatsbibl. zu 
München Fol. 227 — 299 b. Der Aufsatz wurde nicht von einem Österreicher, 
sondern wie die Sprache zeigt, von einem Angehörigen des deutschen 
Reiches, der sich während der Unruhen in Vöcklabruck aufhielt, als Zeitung 
für seinen ausser Österreich weilenden gnädigen Herrn geschrieben. Auf 
der Rückseite steht: Newe zeitung uss Ostreich Salzpurg Cernthen von 
Dietrich Stemmer Herrn von Mastmunster kummen. Unsere Newe Zeitung 
ist Copie, nicht Original. Sie wurde für den Herrn von Maasmünster von 
gleichzeitiger Hand abgeschrieben. Der Codex enthält nämlich viele Berichte 
über die Bauernunruhen an. 1525 aus allen Theilen Deutschlands, theils 
im Original, theils in Abschriften. Ob Dietrich Stemmer der in Vöcklabruck 
gewesene Berichterstatter oder bloss der Übersender und etwaige Copist 
des Berichtes gewesen sei, lässt sich aus dem Vorhandenen nicht erschiiessen. 
Die meisten im Codex befindlichen Relationen sind an Wilhelm Herrn von 
Rappoltstain, Hoheneck und Geroldseck> des Erzherzogs Ferdinands Haupt- 
mann und Landvogt im obern Elsass gerichtet. Massmünster war eine 
Stadt, Herrschaft und Kloster gleichen Namens im obern Elsaiss. Die Herrn 
von Massmünster waren ein vornehmes Adelsgeschlecht, welches nach 
Scfwepflinus Alsatia illustrata 1578 erlosch. — ') lorburgerschaft ist im 
Codex ohne Abtheilung geschrieben, darauf folgt ganz deutlich ein Punkt, 
der nach jedem der folgenden Worte bis robat wiederholt wird. Es geht 
darum nicht an, das Wort in 1er, burgerschaft zu theilen und unter 1er die 
Lutherische Lehre zu begreifen, welche auch in den Beschwerdeartikeln 
der Attergauer an den Erzherzog nicht erscheinet. Was aber lerburgerschaft 
heisse, vermag ich nicht zu bestimmen. Schmeller und Lexer kennen das 
Wort nicht. Der Ausdruck Lerpichl, Lermos kommt aber in Österreich vor. 



200 Nene Zeitung von dem Bauernaiifruhr. 

halten, das die pauren übel verdrossen hat. Dwil dan die paur- 
schaft im rieh desglichen in der herschaft Tirol und im stift 
Salzburg derselben zit wider ire herren in aufrur gewesen sein, 
haben si auch ein merer herz gefangen und in etlich weg in 
embörung gegen iren herschaften merken lassen, doch keinen 
angriff gethan, puntnuss noch besamlung gehalten. Als aber die 
pfleger oder amptleut sich etwas vor inen besorgt, haben si die 
paurn uss den diyen herschafteiv uff den sontag vor Corporis 
Christi gen Weckelsdorf ervordert, vilicht gutlich mit inen handien 
wellen und irer pflicht ermanen. Da die pauren erschinen, sind 
die pfleger ussbliben, vilicht den pauren nit vertrauen wellen, 
das die pauren zusambt den andern übel verdrossen hat. Also 
hat der hofrat ettlich commissarien zu inen verordnet, die haben 
si uff montag ^) nach Corporis Christi gen Weckelsdorf ervordert. 
Sind die paurn auch erschinen, aber die commissarien haben 
inen auch vilicht nit vertraut und nichts mit inen handien wellen. 
Das und anders hat die paurn entzundt und bewegt, das si sich 
in aufrur begeben, und von stund an, denselben tag, dieweil si 
by einander gewesen sein, das gerichthauss zu Weckelsdorf, 
darin Mert part, des von Polhaim landsrichter zu Chamer ge- 
front hat, aber kurzlich dar vondannen gewichen ist, angriffen, 
geplündert und des lantsrichters guter heraus auf einen platz 
getragen, acht häufen darvon gemacht imd under sich gepeutt. 
Haben auch gens, änten und heuner, auch die schwein erschlagen, 
darzu tisch, schemel und penk zerhackt, ofen und gleser zer- 
stossen. An erttag darnach haben sich bi fünfhundert paurn 
hierumb in die stat Vegklabrug gelegt, der meinuijg, die burger 
zu bewegen, das si sich mit inen in puntnuss begeben. Diewil 
aber paurn nit unter heuff in die statt kunmien sien, sonder 
zu ynzing sich hiningerott, haben die burger in anfang nit sonder 
acht daruff gehabt, do aber die hauffen je lenger je gresser 
worden ist, hat die burger des verdrosst und haben etlich burger 
zu inen verordnet, si zu fragen, was meinung si also hauffenwiss 



^) Es muss heiasen montag vor C. Chr. das ist der 12. Juni; montag 
nach C. Chr. wäre der 19. Das Fest Corporis Christi fiel an. 1525 auf den 
15. Juni. 



Neue Zeitung von dem Bauernaufruhr. 201 

hinein gezogen weren. Haben die paum geantwurt, iq keiner 
andern meinung, dan allein in der stat umb iren pfennig zu essen 
und zu trinken, sich auch . mit inen zu besprechen, ob es darzu 
kerne, ob die burger mit sambt inen in puntnuss sin wellen, das 
aber die burger nit haben thun wellen, sonder si ^mit listigen 
Worten auss der stat bracht, und darnach die thor von inen 
zugeschlagen, auch nimmet hininlassen wellen, das die paurn 
übel verdrossen hat. Sint dannoch do gar biss zu der nacht 
vor der stat gelegen, aber nichts ungutlichs gehandelt. Also hat 
sich der pfarrer, so vor der stat sizt, gewalts vor inen besorgt, 
inen fleisch, win und brot heruss geben. Darauf sind sie in der 
nacht wider haim zu iren heusern gangen. Am fritag nach 
Corporis Christi haben si allen denen, so mit inen im punt sin 
wellen, einen tag gen Franckenmargt gesezt, da selbs wellen si 
von allen iren mengein reden und ratschlagen, was weiter daruff 
zu handien si. Also sind die paurn, mer dan von zwenzig pfarren 
zu Franckenmargt zu einander komen, haben in rat gefunden 
und beschlossen, ein potschaft zu f. D. abzufertigen und siner 
f. D. ir beschwerung und mengel anzuzeigen. Das haben si 
gethan und uff denselben tag potten zu f. D, abgefertigt. Am 
Sontag nach Corporis Christi haben si vor allen pfarkirchen irs 
punds offenlich verruffen lassen, nach dem die einhellig paur- 
schaft nu ire potten zu irer f. D. abgefertigt betten, wer ir 
meinung, das meniglich irs punts mitler zeit in rue sten, keinerlei 
vehd noch vindschaft gegen irer oberkeit oder derselben ver- 
wanten brauchen noch erzeigen solten, si wolten auch in der 
Wochen hernach in einer jeden pfar irs punts mustern und 
haubtleut sezen. Wo si aber von der oberkeit, dem adl oder 
jemants andern angriflen wurden, damit ein jeder wüste, sich 
zu der gegenwer zu schicken, betten si furgenomen, das man 
mitler zit kein gross glocken biss zu usstrag der Sachen zu 
keinem gotzdienst noch sunst mer leutten solte, wo man aber 
die leuten wurde, das allein uss irem bevelch beschehen ssolt, 
jederman irs punts sich mit siner besten wer rüsten, und von 
stund an sinem houbtman zuziechen, damit man den vienden 
widerstand thun mochte. Also ist mitler zit weder vom adl noch 



202 Neue Zeitung von dem Bauernaufruhr. 

der paurschaft unfletigs gehandelt worden . Wol haben sich drei 
lermn mitler zit erhebt, doch von keins vinds, sonder allein 
von vergebner Sachen wegen, auch dardurch niemand kein schad 
beschehen. Am Sontag nach Johannis Baptiste sind der paum 
gesandte von f. D. wider an heim kummen mit dem abschid, 
si sollen wider anheim zu iren gutern zihen, der andern paur- 
schaft sagen, das si kein aufrur machen, die f. D. wel gnedigk- 
lich in iren beschwerungen handien und mitler zit inen ein 
bescheid schicken, den solten si auff sontag^) vor Margarethe 
bi dem Stattrichter hie finden. Also sind die pauren uff den 
angezeigten sontag hieher kommen und den bescheid gesucht. 
Het si der richter einen fürstlichen bevelch, "so ime kurzlich 
davor von f. D. zuekomen ist, heren lassen, inhaltend, die f. D. 
kenne der paurschaft uf deu angezeigten sontag ander seiner 
f. D. gescheft halben keinen bescheid schicken. Si sollen noch 
acht tag warten, wolt inen f. D. in mitler zit einen bescheid 
schicken. Mitler zit hat die f. D. abermals einen bevelch an 
den Stattrichter hie aussgeen lassen, den hab ich mit sambt den 
bescheid gelesen, nemlich laut der bescheid also: Nachdem 
etlich underthanen in den dryen herschaften Chamer, Kogl und 
Frankenburg irer pflicht vergessen und die andere underthanen 
zu inen in ir puntnuss genett haben, ist f. D. meinung, das si 
dieselben von stund an wider zellen; so die also ledig gezelt, 
sollen si iren herren wie vor gehorsam imd gewertig sin, 
imd nachdem si angriffen, die sollen alle genomen guter wider 
geben. So si das thun, welle sin f. D. irer beschwerung halben 
gnedig einsehen haben ; wo si aber solchs nit thun, wurde f. D. 
geursacht, si mit gewalt zu gehorsam zu bringen, wie man 
dan oben im rieh auch gethan hette, das on sonder blutver- 
giessen nit beschehen wurde. Wo aber die pauren solchen 
bescheid annemen oder was si daruff handeln oder understen 
werden, kan ich nit disser zit wissen. Es mustert diese wochen 
ein landschaft in disem land. Es ist auch ein vendl knecht 



') 9. Juni. Das Fest der heiligen Margaretha in verschiedenen Ge- 
genden auf verschiedene Tage angesetzt, ist nach dem alten Florianer 
t^irchendirectorium von 1512 am 12. Juli gefeiert worden. 



Bauernbekenntnisse. 203 

uff dem Wasser herab gen Linz kommen, das ligt noch da. 
Man erwart ir noch, als ich her, mer; was ir fimemen 
od^ bevelch, ist mir nit wissent. Sollen nun die anfenger der 
aufl&air, die andern so si in ir puntriuss genet, irer glübd ledig 
Zellen, dieselben darnach iren herren gehorsam sien wider wie 
vor, wirt der ander hauff etwas kleiner und ist eben ein ding, 
als wen man die Kitzen von den schaffen thut. Sollen si auch 
das genomen gut wider geben, wirt hart geschehen. Doch wo 
si frid haben und nit gar verderbt werden wellen, miessen si es 
wol thun; es sind nit kriegsleut. Ich besorg aber, das ire anfenger, 
haubtleut, und radlfier hart ungestraft hingen werden. Got geh, 
das ein gut end neme.^) 



Bauernbekenntnisse 

aas dem Archiv zu Eremsmünster. 

Vermerkt die Bekenntniss Georgen von Zimmerperg, so 
er am Montag (16. Jänner) vor Sebastiani (20. Jänner) des 
26sten Jahrs ohn alle strenge Frag und Marter gethan hat auf 
dem Schloss zu Kammer im Beisein Hanns Tichtlers, Richters von 
St. Georgen, Vincenz Scherer und Wolfgang Ewerl bei dem Bach, 
Burger daselbst. Zu Neuhofen, hat er bekennt, sei ihm mit einer 
Erbschaft nicht recht geworden, da hab er dem Lindl daselbst ein 
Boss heimlich ohne sein Vorwissen weckgeritten. Mehr hat er 



') Fol. 229 -232 folgen Berichte über Salzburg, Fol. 230 — 233 über 
Steiermark, Fol. 234, fährt der Schreiber fort: Gnediger here. E. G. bauren 
gen Saleberg (an Salzburg ist nicht zu denken, welches über 20 mal vor- 
kommt und jederzeit anders als jenes ganz deutliche Saleberg geschrieben 
ist) sind auch zu uffrur geneigt gewesen, also hab ich mit inen gehandelt 
und angezeigt, die uffririge baure sind oben im rieh hart gestraft worden, 
dergleichen mecht inen auch beschehen, si solten sich nit verseiren: also 
sint si noch bis her gehorsam gewesen. — Ein Schloss und Ortschaft Salaberg 
ist in der Pfarre Haag jenseits der Enns, zwischen der Stadt Enns und 
Kloster Seitenstetten. 

Darauf folgen andere Neuigkeiten über König Franz I., der über Meer 
nach Spanien geführt wird, über Reisen der kaiserl. Majestät, über Vor- 
gänge am ungarischen Hofe. Hierauf auf der Rückseite die schon oben 
erwähnte Aufschrift: Newe Zeutung aus Ostreich Salzpurg Cerntben etc. 



I 

204 Bauernbekenntnisse. 

bekennt, er sei an der ersten goldnen Sambstagnacht neulich 
vergangen, gegen Gmunden zogen, es sei Beitner zu Merzen- 
perg am Seeperg vor ihm gegangen, den hab er niedergeschlagen 
und einen Beutel darin 20 Schill, weggenommen. 

Mehr hat er bekennt, am Nussdorfer (Nussdorf am Attersee) 
Kirchtag, sei er Georg zu Zimmerperg (sie) Hanns Seyrl da- 
selbst und Georg Schneider Burger zu St. Georgen, Tiechtl an 
der Prantstat und Hanns an der Oedt und Hanns am Pobang 
bei dem Wirth zu Nussdorf gesessen. Da haben sie zwischen 
des Pfarrers und des Seyrl ein Bericht gemacht (sie). Schnei- 
der hat gesagt, wenn er nur ettliche Gesellen hätte, wolle er 
bei dem Marstall heimblich bei der Nacht in das Schloss 
steigen. Wenn aber die Wächter ein Geschrei machten, wollen 
sie alle 4 binden und sammt dem Pfleger über die Mauer hinaus- 
werfen und alles nehmen, was sie im Schloss finden und 
wollen den Boten, welchen sie zum Fürsten abgeschickt, 
nicht erwarten, sondern imterdess die Schlösser und Städte, 
so viele sie können, mit Gewalt gewinnen und nehmen was sie 
finden. Überdiess .haben Schneider und Tiechtl am Khronperg 
gesagt, sie wollen den Pfleger bei dem Bart an einer Stang 
hinaus über die Mauer wie einen Kranetwet Vogel henken. 

Mehr hat er bekannt, Hennsel zu Raidholz und der laog 
Lenndl haben zu Weyr (Weieregg) im Amthaus geredet, man 
hab ihnen gesagt, der Pfleger auf dem Kogl habe Kasten wohl 
mit 1000 fl. Werth, dazu 2 Zillen voll Gut an den Weissen- 
pach führen lassen; sie wollen bei der Nacht das Gut an 
sich nehmen. Mehr hat er bekannt, Er hab den Gabäder zu 
Weyr 4 Streue Garn vor seiner Thür gestohlen. Mehr hat er 
gesagt, er hab dem Graimblmayr ein Schuldbrief mit seinem 
Aignen (sie) verfertigt und dem Stadtschreiber zu Gmunden 
darein schreiben lassen, wie denselben Schuldbrief die Herr- 
schaft verfertigt. 

Es hat auch Peter Reininger zu Palinstorf zu Ihm gesagt, 
wie er bekennt, wenn etliche Gesellen wären, wollen sie hintern 
Stadl heimlich in das Schloss kommen; der Pfleger habe einen 
einfältigen Thorwartl. Sie wollten den Pfleger bei den Füssen 



Bauernbekonntnisse. 205 

zum Schloss hinaushenken. Barthel zu Nussdorf hat zu Ihm 
gesagt, 80 er ettliche Gesellen hätt und eine gute Peut wüsste, 
so wollten sie diese nehmen, „ging in den Aufruhr wohl hin." 
Mehr hat er bekannt, wie Er Michael zu Zimmerperg 4 Ellen 
Rupfes Tuech gestohlen hab und dem Steffan zu Truffpach ein 
Ay gestohlen. Als er im Stadl an der streng Frag gefragt 
wurde, was denn alle zu thun miteinander im Sinn gehabt, habe 
er geantwortet: Wir hätten Alles was wir angetroffen, verheert 
und geraubt. 

Georg Schmidt an der Hartt sagt, ungefährlich als sich 
halber Fasching vergangen, sei ein Hirsch vor sein Haus ge- 
kommen, den 5 Hund gejagt, deren zwei Wolfgang Rieleittners 
gewesen; er sei sehr gelauffen und aus der Sager Halt hinab durch 
Lachmairs Peunt in Bach gefallen. Da sei er mit seinen 2 Söhnen, 
Wolfgang und oben berührt Sager's Sohn ihm eilends nachkommen 
und als sie bei dem Hirschen, der aus dem Bach nur den Kopf 
gereckt, gestanden, da sei ungefährlich ein Reiter in Roth 
gekleidet in einem Wappenrock gekommen. Und der Reiter 
hab zu ihm geredt: Er sei meins gnäd. Herrn Rentmeisters 
Diener und erst von Mondsee (Mense) kommen und gefragt, 
warum sie mit dem Hirschen dermassen handeln und wers 
ihnen erlaubt hab. Sie geantwortet: Niemands, sie wollen den 
Hirschen morgen dem Pfleger bringen. Dawieder hab der 
Reitknecht geredt, warum sie das wollen thuen, §ie sollen den 
unter sich theilen und ihm die Haut davon geben; so woU 
ers keinem sagen, es möcht's auch Niemand inne werden; und 
hat gesagt, ob der Hirsch wund oder gestochen sei. Haben sie 
Nein gesagt. Zur Stund, weil ihrer keiner kein Wehr, sondern 
nur der Wolfel ein Spanhacken gehabt, hat der Reitknecht sein 
Schwert auszogen, dieses dem obgemeldeten Georg geben und 
geschafft, er soll den Hirschen damit stechen, was er gethan. 
Darnach haben sie all einander geholfen, den Hirschen auf ein 
Schlitten in bemelten Michaels Behausung geführt. Der Reit- 
knecht hat ihnen den Hirschen ausgearwaittet und getheilt, da- 
von dem Wolf zu Wallt ein Hinterfuss, dem Hansen zu Perk- 
haim auch ein Hinterfuss, und das Andere, so übrig, ihm 



206 Bauernbekenntnisse. 

und seinen Söhnen geblieben. Dieweil der Reitkecht gearbait, 
hat ihn's gereut, die Haut nit mehr haben wollen und gesagt, 
er sehe, sie seien arm, er woll ihnen solche schenken. Da 
haben sie die Haut in einen Misthaufen gegraben, damit dieses 
Niemand inne werde. Das sei alles an einen Erechtag ge- 
schehen. Am Samstag hernach ist der Reitknecht auf einem 
braun Bauern Rössl gegen Stemfel gekommen und des Stemfel 
Diener nach ihm, Schmit, geschickt. Als er, Schmit, bei Stemfel 
zu ihm kommen und des Hansen Aiden (Eidam) auch da ge- 
wesen, hat der Reitknecht zu ihm gesagt: Ich bin da und will 
euch alle weckfiihren oder es müsst's euch mit mir vertragen. 
Doch hab er ihm's, dem Schmjt geschenkt, und der Reitknecht 
ist mit des Hannsen Aiden gegen Waldt zu des Sager's Sohn bei 
der Nacht geritten. Aber Schmidt weiss nit, ob die Andern sich 
mit ihm vertragen haben oder nit. Doch hat des Hannsen 
Aiden dem Reiter 6 Schill, für die Haut geben sollen; sie 
sollten ihm auch ihren Theil zugestellt haben, das haben sie 
nit gethan. 

Georg des Hannsen zu Pergham Aiden sagt des Hirschen 
halber wie der Schmidt; doch der Schmidt habe dem Reiter 
eine Hosen für seinen Theil und Wolf zu Waldt hat ihm 5 kr. 
geben und darzu hat er, Georg, dem Reiter angelobt, dass er 
ihm, wenn er wieder kombt, 4 fl. zustellen wolle. 

Actum Sonntag Laetare anno 1526. (i. e. 11. März.) 

Im Strafverzeichniss erscheinen „die so in diesem Aufruhr 
einen Hirschen auf See getränkt auf Kogl gestraft 4 fl. 

Georgen des Hanns^l zu Perkhaim Aiden, weil er 1525 im 
Aufruhr einen Hirschen gestochen, davon ihm zu seinen Theil, 
ein Viertl gefallen, gestraflPt 4 fl. 

Georg vom Waldt, weil er diesen Hirsch erst im Fasching 
nach des Herrn Schiffer Straf gejagt auf Kogl gestrafft 6' fl. 

Schmid auf der Halt weil er auch bei oben angezeigten 
Hirschen gewesen 1 fl. 4 Schill. 

Hanns Polster zu dem Reittem ist weil er in dem Aufruhr 
ein Hirschkalb gestochen aber selbes angezeigt auf Kogl ge- 
straft worden 4 Schill. 



Bauernbekenntnisse. 207 

Wolfgang Nartzen Bekanntnuss am Erchtag vor Pauli. 

Am Tag als der Brief von den Herrn so zu Linz ver- 
sammelt gewesen, zu St. Georgen öflFentlich verlesen worden, 
hat Erhart Mainhard öflfentlich ausgeschrien, sie sollen und 
wollen alle hinaus, jeder mit seiner besten Wehr. Wir wollen 
ihnen neben dem ersten (vordem) Brief schreiben (brueflfen), 
sie mögen einen Ausschuss schicken, denselben die Forderung 
(Werbung) vernehmen lassen. Doch als am Montag (12. Juni) 
die Bürger zu St. Georgen und neben ihnen andere auch be- 
rathschlagt und fürgenommen, wie sie alle mit einander halten 
wollten, wurde beim Auseinandergehen beschlossen, dass ein 
jeder bei dem Andern ohne Alles wenden, es betreffe Leib oder 
Guet, halten, keiner zu seinem oder andern Herrn kommen, 
sondern was die Gemein bestimme, haben und thuen wolle. 
„Das zu Beruefif haben Hanns Bayr, Schaider, Hanns Tichtler, 
Schauer zu Idtlhaim geboten, aufzusteigen und lauw (i. e. 
laut) zu schreien. Dieweil er aber auf ein Kerschbaum am 
Mertenperg gestiegen, sei ihm Georg Ewerl auf einem weissen 
Zelter zugesprengt und zu Narzen gesagt: Schweig, ich muss 
ein Brief verlesen. Da hat er den berührten vorder Brief ge- 
lesen und aufgelegt und nach dem Lesen das, was Narzen 
befohlen gewesen, beruffen.^) Doch hats Ewerl nit gar be- 
schlossen, sondern Narz beruffen und geschrien: Alle die diesen 
Pundt annehmen und demselben wie Ewerl beruffen, nit nach- 
kommen wollten, „so auf ein Ort oder in mit stehen,'' die wöU 
mau an Leib und Gut straffen. „So auch ihn, den Narzen, der 
Landrichter öeng, sollen sie nach ihm stellen, und so sie ihn 
mit Leib nit gewinnen, sollen sie des Richters Haus sammt ihm, 
den Narzen, verbrennen. Ob sie das nit thäten, und er aus khäm, 
woU Er ihnen ihre Häuser verbrennen. Dass sie aber den Pundt 
dermassen bewilligen und was einen betrifft, das solle sie alle 
betreffen, annehmen wollen, dess zum Zeichen soll ein jeder 
zwen Finger aufrecken, das auch ein jeder gethan. Am S. Veit Tag 
(15. Juni) neulich vergangen ist Kunz Kubler zu Wözing zu dem 



') soviel als gerufen. 



208 Bauenibekenntnisse. 

Narz daselbst zu S. Veit auf den Tag kommen und von Narzen 
nit lassen wollen, sondern er hat berueffen (ausruffen) müssen, 
dass ein jeder und die ganz Gemain zu Abend zu S. Georgen 
sein soll und keiner ausbleibe. 

„An den wetter Herrn Tag" (26. Juni) darnach sein sie 
abermals zu St. Georgen aus allen Ämtern versammelt ge- 
wesen, einen Hauptmann zu erwählen. Der Tichtler und andere 
haben ihn, Narzen, Waldner, Paul Schmithueber , Wolfgang 
Meissner und Andere mehr zu erwählen beschlossen und sie 
liaben den Payr Hannsen zum Hauptmann erwählt. Der hat 
Tichtler^) Richter, und Andre Pecker zu ihm begehrt; Peck aber 
hat das nit angenommen. Da hat Tichtler abermals zu Ihm 
Nartzen geschaft, er soll öffentlich berufen, dass ein jeder in 
der Ordnung auf die Lach komme (wahrscheinlich Lochen, Ort- 
schaft ganz nahe bei St. Georgen), doch dass die Obern vor- 
hinaus gehen sollen, da wird man sie mustern. Und als sie 
hinauskommen, haben sie einen Ring gemacht, darin Bayr Haupt- 
mann mit etlichen seinen Räthen gestanden und den Nartzen 
endlichen berueffen heissen, dass keiner mit dem Andern nichts 
in Unguetten thuen solle, auch keiner alte Feindschaft räche, 
sondern wer über den Andern zu klagen habe, soll und mag 
das vor dem Hauptmann thun und klagen, es solle ihm ohne 
Verzug gehandelt werden. Es habe auch daoials der Hauptmann, 
als Narz nimmer schreien mögen, selbst laut ausgeschrien, das 
und anderes mündlich beruefft. Er Hauptmann hat auch in dem- 
selben Ring, den Schuster zu Haag und des Michel zu Au Sohn 
daselbst fangen und in den Stock führen und legen lassen; 
darzue nachher den Rottil, Schauer und Nartzen ernstlich be- 
fohlen und um fürstl. Antwort nach Volkenstorf geschickt. 

Georg Ewerl hat ausgesagt, er sei erst (nämlich 12. Juni) 
von Salzburg kommen; da haben sie dem Bischof alle Münz 
(wohl soviel als alle öffentl. Gassen) aufgebebt; sie woUens auch 
thun, dazu den von Polhaimb zu keinen Herrn mehr haben und 
keinen Amtmann, Schergen mehr unter ihnen leiden. 



i\ ' 



) Tichtler war Richter in St. Georgen. 



Rebellencorrespondenz. 209 

» 

Narz sagt auch, Kubler zu Wetzing sei zu Vocklsdorf auf 
einen Zaun gestiegen und habe öffentlich ausgerufen, es soll 
keiner einen Herrn aus dem Feld lebendig kommen lassen, er 
wolle auch eine Weile Amtmann sein. 



Eine Anzahl von Schreiben der Peldobristen der salz- 
bnrgischen Banerschaft an den Pfleger von Wildeneck 

und den Abt von Mondsee 

anno 1525 im Archiv zu Kremsmünster. 
Hier summarisch mitgetheilt. 

Salzburg am Freitag nach Pfingsten (9. Juni) 1525; unter- 
schrieben von Melcher Spach, obristen Feldhauptmann an den 
Edlen Casparn Kholbmann, Pfleger zu Wildeneck. Der Abt von 
Mause hat einen Sicherheitsbrief von ihm verlangt, weil er in 
St. Wolfgang zu thun habe und sicher durch die Bauern zu 
kommen sich nicht verhoffe. Dass der Pfleger darob sei, dass 
der Abt und die Seinigen mit Ruh hingelange. 

Salzburg, Mittwoch vor Johannes Baptista (21. Juni) 1525. 
„Gemainiich die Haubtleuth anjez zu Salzburg versammelt an 
Abt zu Mause." Sie schicken Sigmundt Püldtschnizer zu Snr. 
Gnaden; der wird zu Nothdurft gemeiner Landschaft „ins Gleger'' 
Holz zu führen verordnet. Ohne des Abten Hülfe können sie 
solches nicht hereinbekommen. Sie begehren desshalb, dass der 
Abt „Geschirr und Leuth" ihm zustelle ohne Verzug. 

Salzburg, Montag vor St. Margareth (10. Juli) 1525. Von 
„Caspar Brasler obristen Feldhauptmann der Landschaft anjezo 
zu Salzburg versamblt." Nachdem Abt Johannes von Mause und 
sein Convent sammt ihren Gütern und Gülten der obberührten 
Landschaft Wohlfahrt zu fördern zugesagt und helfen wollen, 
dass gemeiner Landschaft beschwerliches Obliegen abgestellt 
werde, so geht im Namen der Landschaft sein ernstlicher Befehl 
an Alle, welche mit der Landschaft verwandt sind, dass sie den 
Hen-n von Mause und sein Convent, auch ihre Leut und Güter 

0^ e r II y , Buneninufstand . 1 4 



210 Rebell encorrespondenz. 

in Frid, Schutz und Einigkeit behalten und in keiner Weise 
beschädigen. 

Salzburg 16. Juli 1525. Caspar Brasler obrister Feldhaupt- 
mann an Abt Johann von Mause. Eingang: „Ehrwürdiger in Gott, 
Genediger Herr. Mein willig Dienst sein Eur Gnaden zuvor.'' 
Vom gemeinem Ausschuss der versammelten Landschaft sei ihm 
befohlen worden, Snr. Gnaden zu schreiben. Abt wisse, dass er 
mit den Verordneten um Huldigung sich um 700 Gulden rheinisch 
vertragen. Abt habe zugesagt, dieselben gestern den 15. Juli 
ohne Verzug zu bezahlen „was nit geschehen". Das Geld soll 
daher unverzogen nach Salzburg an den verordneten Pfennig- 
meister überantwortet werden. 

Salzburg, 18. Juli ' 1525. Die verordneten Pfennigmeister 
der Bauern Peter Roidel und Veith Schöldner haben von Vincenz 
Fröhlich des von Mause Kammerer 180 Pfund über die 700 Pfiind 
Hülfgeld bekommen. 

Salzburg, Mittichen vor Magdalena (19. Juli) 1525. Augustin 
Perkhauser „Benedikter Profession, Passauer Bisthums, Pfarrer 
zu St. Wolfgang" bekommt für sich und seine Mitbrüder, dass 
die Büi'ger, Gemain und Landschaft zu St. Wolfgang die Klainat, 
welche sie auf Befehl des obristen Hauptmann gemeiner Land- 
schaft zu Salzburg in Verwahrung genommen, sammt aller 
Schlüsseln zum Pfarrhof gehörig und aller Bereitschaft so bei dem 
Gotteshaus gewesen, überantwortet haben. 

Aliud. Mittwoch vor St. Maria Magdalenatag 1525. Die 
gemein Bürgerschaft zu St. Wolfgang und Landschaft daselbst 
bekennt, dass sie von dem Gotteshaus St. Wolfgang 26 Pfund 
Pfennige zum gemeinen Nutz empfangen haben. 

Salzburg, 3. August 1525. Caspar Brasler obrister Feld- 
hauptmann an Abt Johann von Mause. Der Abt trage gut Wissen, 
dass er noch an dem Anleggeld 100 Gulden rheinisch gemeiner 
Landschaft schuldig sei, die schon vor einer Zeit hätten bezahlt 
sein sollen. Weil solches nit geschehen, so ist sein ernstliches 
Begehren anstatt gemeiner Landschaft, dass er die Summe un- 
verzogenlich bezahle „damit Seine Gnaden nicht Ursach gebe, 
fernere Handlung fürzunehmen. " 



Rebellencorrespondenz. 211 

Salzburg, 19. August 1525. „Michl Grueber oberister Feld- 
hauptmann des ganzen hellen Haufens anjez zu Salzburg ver- 
samblt." Er gebietet denen im Gericht St. Wolfgang (aller 
Gemain daselbs) dass sie in Eil herzuziehen sich aufmachen, 
denn sie haben ein Scharmützel nach dem andern mit den 
Feinden. ^Eilet von Stund an her auf Salzburg zu uns, so wollen 
wir von Stund an, dieselben Feind angreifen zeschlahen.'' 

Salzburg, 20. August 1525. Michel Grueber, obrister Feld- 
herr an den Abt zu Mause. Er soll Geschütz, Harnisch und 
andre Wöhr, woran die Landschaft Mangel hat, und welche sich 
im Kloster befinden, der ganzen Landschaft leihen und zustellen. 
Es soll Alles aufgeschrieben werden „als dann zu Erlöschung 
des Handels soll Alles wieder dem Gottshaus zugestellt werden''. 
Jetzt in diesen geschwinden Läufen möcht es grossen Nachtheil 
bringen, den man vermeiden könnte, wenn das Volk mit Wehr 
und Harnisch gerüstet ist. „Daran thut Ihr mein ernstlich 
Mainung. Ob Ihr aber solches nit thuen wollt, so müsst ich mit 
Gewalt handeln." 

Salzburg, 25. August 1525. Michel Grueber obrister Feld- 
hauptmann an den Abt Johann von Mause. „Mein Dienst in 
guetem Willen bevor. Lieber Herr. Mein ernstlich Befehl ist an 
Euch, dass Ihr mit andern Euren Nachbaurn heben und legen 
helft in aller Aussgab. Ob Ihr aber solches nit thuen (wollt), 
würdt ich geur sacht Euch darumb zu strafl'en. Damach wisst 
Ihr Euch zu richten." 



Inhalt. 



I. Die Zustände vor dem Ausbruch der Revolution l 

IL Der Beginn des Aufstandes und seine Verbreitung 75 

III. Zeit der Rüstungen und Verhandlungen 110 

IV. Zusammenbrechen der Rebellion. Das Strafgericht 162 

Anhang: 

Ständische Körperschaft anno 1525 188 

Das ständische Patent vom 9. Juni 1525 191 

Neue Zeitung von dem Bauernaufruhr in Oberoesterreich .... 199 

Bauernbekenntnisse (aus dem Archiv Kremsmünster) 203 

Eine Anzahl von Schreiben der Feldobristen der salzburgischen 
Bauerschaft an den Pfleger von Wildeneck und den Abt von 

Mondsee anno 1525 im Archiv zu Kremsmünster . • .... 212 



K. K. Hof-Buch(lra«^lceiei von Jos. Feichtinger'.s Erben in Linz, 



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