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Full text of "Der Höhencultus asiatischer und europäischer Volker: Eine ethnologische Studie"

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LIBRARY 

OF THE 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA. 
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PER 



HÖHENCULTUS 



ASIATISCHER ÖND EUROPÄISCHER VÖLKER. 



FERD. FREIH. V. ANDRIAN. 



DER 



HÖHENCULTUS 



ASIATISCNCR ÜRD EUROPAlSCeCR VÖLKER. 



EINE ETHNOLOGISCHE STUDIE 



FERD. FREIH. V. ANDRIAN. 

u 







WIEN. 

VERLAG VON CARL KONEGEN. 
1891. 



AU 



DRUCK VON FRIEDRICH JASPER IN WIEN. 



nr\ /^ 



VO R WO RT. 



Bei der hier angestrebten, möglichst objectiven Zusammen- 
stellung des Materials über den Höhencult wurde besonders 
der asiatische Continent mit seinen zahlreichen Bevölkerungen 
ins Auge gefasst. Von einer eingehenden Bearbeitung der 
europäischen Indogermanen glaubte ich im Hinblicke auf die 
für die Behandlung derartiger Aufgaben vorhandenen vorzüg- 
lichen Kräfte absehen zu können. Die Völker des classischen 
Alterthums hat auf meine Veranlassung Herr Dr. Rudolf 
Beer ganz selbstständig in Untersuchung gezogen. Dass er 
hierbei von anderen Gesichtspunkten ausgegangen ist, als 
ich in der Einleitung der vorliegenden Arbeit zu ent- 
wickeln versuchte, betrachte ich nicht als Nachtheil für die 
Sache selbst, obgleich ich nicht an dem künftigen Durch- 
bruche der von mir vertretenen Auffassung zweifle. Die 
definitive Erledigung solcher Probleme erfolgt nicht auf einen 
Wurf und nicht isolirt. Sie bleibt abhängig von den allge- 
meinen Fortschritten und dem innigen Zusammenwirken aller 
Disciplinen, welche die menschliche Geistesthätigkeit ver- 
folgen. Die ethnologische Betrachtungsweise, welche sich als 
ein neues Verbindungsglied zwischen die älteren Methoden 
einschiebt, kann nicht den Anspruch auf eine selbstständige 
Lösung stellen. 

Der mir vor Allem massgebende Gesichtspunkt, die 
benützten Quellen möglichst genau anzuführen, verhinderte 
mich, stilistische Correcturen an den Uebersetzungen von 



— VI — 

Pfizmeier vorzunehmen, welche übrigens auch in der gegen- 
wärtigen Gestalt bedeutendes Interesse für den Ethnologen 
darbieten. Auch bezüglich der Orthographie der Eigennamen 
glaubte ich den benützten Quellen folgen zu sollen, wodurch 
etwaige Inconsequenzen und Irrthümer ihre Entschuldigung 
finden mögen. 

Mein herzlichster Dank sei den verehrten Freunden 
dargebracht, welche mich mit Rath und That unterstützt 
haben. Es sind dies besonders die Herren: Hofrath W. von 
Hartel, Directorialassistent Dr. Grünwedl, Dr. Karl Himly 
in Halberstadt, Dr. Fr. S. Krauss, Dr. Wilhelm Hein, 
Dr. Detter, Dr. Winternitz, Dr. Meringer. Der letztge- 
nannte Gelehrte übernahm freundlichst die Richtigstellung der 
Sanskritworte. Dr. R. Beer hat mit grosser Aufopferung die 
Correcturen und die Anfertigung des Registers besorgt. 

Altaussee, 15. August 1890. 



Inhaltsverzeichniss. 



Einleitung IX 

Arische Inder. 

A. Zeitalter der Veden i 

B. Indisches Mittelalter i2 

Berggötter und Bergdämone im indischen Mittelalter 37 

Vishnu • 41 

^iva 49 

Buddhismus und Jainismus 65 

Arier im nordwestlichen Himalaya und Hindukuch 84 

Anarlsohe Bevölkerungen von Vorder- und Hinterindien . 85 

Hinduisirte Aboriginer 87 

Die Munda-Kolhs oder Vindhyavölker .* 89 

Dravidas 94 

Anarische Himälayavölker 102 

Tibetaner 103 

Barmanen uhd Lohitas iii 

Thai- (Schan-) Völker 121 

Annamiten 125 

Khamen (Khmer) 131 

Kalayen 133 

Madagascar 154 

Chlneiien 156 

Toismus 179 

Begräbniss und Bergopfer 197 

Buddhistische Berge 204 

Japaner 205 

Altaier 222 



— VIII - 

Uralter 237 

Hsrperbor&er 247 

Koreaner 251 

Semiten 252 

Assyro-Babylonier 261 

Hebräer 270 

Araber 277 

Eranier . 287 

Armenien 308 

Kankasusvölker - - - 3^3 

Tanrier 326 

Slaven .328 

Bnmüaen 347 

Germanen 348 

Register 367 





Druckfehler. 


Seite 31 Zeile 


4 V. u. lies statt Minydynastie Mingdynastie. 


* 79 » 


19 V. 0. » » 54 544. 


* 79 » 


20 V..0. » » Indras Cudras. 


» 81 > 


2 V. 0. » Cowawgermanam, bekämpfte. 


> 83 * 


7 V. 0. » statt eben aber. 


* 133 * 


II V. u. » » Taylor Tylor. 


» 137 Anm. 


2 lies Junghuhn. 


» 211 » 


4 Zeile 5 V. u. lies zucken. 


» 265 Zeile 


II V. u. lies Strabo. 


» 301 Anm 


I lies statt Avesta, Ter Arische Per. 


Auf Seite 30 
tauschen. 


sind die Nummern der Anmerkungen ', ^ zu 

* 



EINLEITUNG. 

»Wenn der zur lebhaften Betrachtung aufgeforderte 
Mensch mit der Natur einen Kampf zu bestehen anfängt, so 
fühlt er zuerst einen ungeheueren Trieb, die Gegenstände 
sich zu unterwerfen. Es dauert aber nicht lange, so dringen 
sie dergestalt gewaltig auf ihn ein, dass er wohl fühlt, wie 
sehr er Ursache hat, auch ihre Macht anzuerkennen und ihre 
Einwirkung zu verehren.« 

Als ein kleiner Beitrag zur Ausführung dieser Worte, 
mit welchen Goethe seine »Bildung und Umbildung organi- 
scher Naturen« einleitet, möge die vorliegende Arbeit gelten. 
Unter Beiseitesetzung unseres heutigen naturwissenschaftlichen 
Standpunktes fasst dieselbe eine weitverbreitete Bergver- 
ehrung ins Auge, welche in den Culten, Litteraturen, Mythen, 
Bräuchen der einzelnen Volksgruppen sehr deutlich her- 
vortritt. 

Unser Thema führt uns nothwendigerweise zur Be- 
trachtung primitiver Vorstellungen religiösen Charakters und 
dadurch in eine nahe Berührung mit der Mythologie. Dieser 
Disciplin wurde schon bei der Geburt der Zauberstab einer exacten 
Methode in die Wiege gelegt. Wir verdanken den Bemühungen 
genialer Forscher grosse Ausblicke auf die Zusammenhänge 
und die Entwicklung der indogermanischen Mythenkreise. 
Trotzdem hat sich die Schaar ihrer Anhänger sehr gelichtet. 
Die Incongruenz und Unzulänglichkeit der auf Basis von häufig 
beanständeten Etymologien und ohne Berücksichtigung der 
ethnographischen und genetischen Momente gewonnenen Re- 
sultate wird heute nicht mehr in Abrede gestellt. Ertönen doch 



— X — 

aus den Reihen der vergleichenden Mythologen selbst Rufe 
nach Umkehr, nach Erweiterung der bisher einseitig getriebenen 
Mythendeutungen zu einer Geschichte der mythologischen Vor- 
stellungen. In Erfüllung dieses, schon von Müllenhoff gestellten 
Postulats müssten die Mythen und Mythologien mit den übrigen 
Aeusserungen der Volksseele in ihren verschiedenen Entwick- 
lungsstadien verglichen werden und die Methode der ver- 
gleichenden Mythologie sich wesentlich jener der anderen 
Erfahrungswissenschaften nähern, zu denen auch die Ethno- 
logie gehört. 

Der volle Durchbruch dieser reformatorischen Gesichts- 
punkte, deren Einfluss aber bereits in den neueren Arbeiten, 
wie z. B. von Elard Hugo Meyer u. A., sowie der Germa- 
nisten deutlich hervortritt, kann allerdings nur sehr langsam 
erfolgen. Er bleibt abhängig von zahlreichen, heute noch 
ausstehenden Vorarbeiten auf psychologischem Gebiete, von 
einer Combination historischer und inductiv - comparativer 
Forschung, und vor Allem von der Herbeischaffung eines 
dermalen noch kaum in den Umrissen vorhandenen Ma- 
terials. 

Von diesen Forderungen erscheint vorläufig die letzt- 
genannte die wichtigste. Wir haben ja in den Naturwissen- 
schaften stets die Erfahrung gemacht, dass mit dem Materiale 
sich die Methode der wissenschaftlichen Verwerthung ein- 
stellte. Man sollte daher, wie mir scheint, mit dem Tadel 
über die überall in erfreulicher Weise hervortretende Sammel- 
lust zurückhalten, welche doch nur den von grossen Vor- 
bildern ausgegangenen Anregungen folgt. Die unabweisbare 
Nothwendigkeit eines raschen Eingreifens ist angesichts un- 
serer Culturverhältnisse geradezu ausserhalb jeder Discussion.. 

Angesichts des Umfanges der Geisteswissenschaften und 
der Schwierigkeit einer inductiven Behandlung derselben ist 
eine Arbeitstheilung unerlässlich. Die Ethnologie beschreibt 
die verschiedenen Vorstellungen nach ihrer Erscheinung im 
realen Leben der einzelnen Volksgruppen. Auch ihre Be- 
mühungen concentriren sich vorläufig, wie jene der Mytho- 
logen, auf die primären Vorstellungen, nur fasst sie dieselben 



— XI — 

von einer anderen Seite an als von der rein sprachlichen, ohne 
gleichwohl die Bedeutung des linguistischen Standpunktes zu 
verkennen. Bezüglich Beschaffung des Substrates für ihre 
, comparativen Beobachtungen ist die Ethnologie dermalen 
grösstentheils auf sich selbst angewiesen. 

Der Umstand, dass die Gesichtspunkte, auf die es hier 
vorzugsweise ankommt, bisher kaum Beachtung fanden, 
nöthigt den Ethnologen wie den Prähistoriker zu Unter- 
suchungen, welche den classischen Philologen, Orientalisten 
oder Archäologen unstreitig viel näher Hegen würden. Die Mängel 
solcher auf fremde Gebiete übergreifenden Pionnierarbeiten 
sind evident, können jedoch bei der dermaligen Sachlage 
nicht vermieden werden. Die comparative Betrachtung lässt 
sich weder auf die »Naturvölker« noch auf die »Culturvölker« 
einschränken; diese Kategorien besitzen ja nur eine con* 
ventionelle Bedeutung. Es gibt keine feste Grenze zwischen 
ihnen. 

Dass die Unterschiede zwischen beiden Kategorien nicht 
qualitativer, nur quantitativer Art sind, wird durch den gegen- 
seitigen Austausch von Vorstellungen bewiesen, welcher that- 
sächlich immer stattfindet und stattgefunden hat. Wie das Ver- 
ständniss der höchsten Culturentwicklungen die Kenntniss ihrer 
prähistorischen Anfänge und der fremden Beeinflussungen 
unbedingt voraussetzt, so gibt es auch umgekehrt wahrschein- 
lich kein Naturvolk, welches nicht in stärkerer oder nur 
flüchtiger Weise von höheren Einflüssen gestreift worden wäre. 
Die Unterscheidung von autochthonen und erborgten Elementen 
eines Vorstellungskreises kann erst nach Abgrenzung der pri- 
märenVorstellungsschichteund deren gesetzlicher Entwicklungs- 
formen durch Beobachtung erfolgen. In diesem inductiven 
Stadium der Geisteswissenschaften erscheint daher der Nach- 
theil einer einseitigen, wenn auch noch so methodischen iso- 
lirten Betrachtung einzelner Volksgruppen grösser als die 
übersichtliche Zusammenstellung weit zerstreuter Thatsachen, 
welche, so viel sie vom Standpunkte der Quellenkritik zu 
wünschen übrig lässt, immerhin den Einblick in jene Wechsel- 
beziehungen differenter Culturkreise vertieft. Eine derartige. 



— XII — 

mit möglichster Berücksichtigung genetischer Momente ent- 
worfene Darstellung des nackten Thatbestandes wird jeden- 
falls die späteren exacten Forschungen einigermassen er- 
leichtern. Dass der entscheidende Abschluss nicht ohne 
kritische Durchforschung der Quellen gefunden werden kann, 
ist wohl Jedermann klar. Denn nur die methodische Ver- 
werthung des Materials ermöglicht es, wirklich Gleichartiges 
zu vergleichen. Diesem Postulate ist aber durch die blosse 
Einschränkung des comparativen Verfahrens auf Indogermanen 
oder Semiten durchaus nicht Genüge geleistet. Sie musste 
sogar schädlich wirken, weil sie dem Bestreben, geistige 
Species in den einzelnen Völkerfamilien zu sehen, Vorschub 
leistete. Der Missbrauch, der heutzutage vielfach mit den 
specifischen Vorstellungen aus der »Urzeit« getrieben wird, ist 
die schlagendste Rechtfertigung unserer auf die Erweiterung 
des Gesichtsfeldes zielenden Comparation, welche bei con- 
sequenter Durchführung jene willkürlichen Voraussetzungen 
auf das richtige Mass zurückführen muss. 

Ein Ueberblick über das hier vorgeführte Material offen- 
bart eine grosse Mannigfaltigkeit der dem Höhencult zu 
Grunde liegenden Vorstellungen. Dieselben entbehren jedoch 
nicht des inneren Zusammenhanges. Wenn Alexander v. Hum- 
boldt nur ein »dumpfes, schauervolles Gefühl von der Ein- 
heit der Naturgewalten« den wilden Völkern zugestehen wollte, 
dürfen wir behaupten, dass gerade die primitive Natur- 
anschauung eigensinnig an der Einheit und Einerleiheit der 
Natur festhielt. Eines der besten Beispiele hiefür sind die so 
weit verbreiteten Ansichten über die Einerleiheit der »beiden 
grossen Eltern«, Himmel und Erde, welche auf doppelte 
Weise ausgeführt werden. Die irdischen Verhältnisse werden 
auf den Himmel übertragen, oder es dienen umgekehrt die 
Himmelserscheinungen zum Massstabe für die irdische Welt. 
Beide Richtungen bilden wichtige Etappen der menschlichen 
Geistesentwicklung. In ähnlicher Weise lassen sich auch die 
Vorstellungen sondern, welche zu einer Bergverehrung führten, 
je nachdem dieselben von local-terrestrischen Gesichtspunkten 
ausgehen, oder einen kosmischen Charakter aufweisen. 



— XIII — 

In der ersten Vorstellungsgruppe erscheint ein bestimmter 
Berg oder ein Gebirge animistisch personificirt. Er wird als 
ein mit übernatürlichen Kräften ausgestattetes Individuum 
aufgefasst, als ein der menschlichen Seele verwandter Geist, 
der jedoch stärker und mächtiger ist als eine menschliche 
Seele. Der Berg ist ein Dämon oder beherbergt einen Dämon, 
der auf der Spitze oder im Innern des Berges wohnt und 
dem entsprechend einen gewissen Theil desselben, mit Allem 
was sich darin oder darauf befindet, als sein Eigenthum in 
Anspruch nimmt und vor fremden Angriffen schützt. Daher 
dürfen gewisse Berge gar nicht oder nur unter bestimmten 
religiösen Ceremonien betreten werden. Man darf auf den- 
selben nicht ausspucken oder andere respectwidrige Hand- 
lungen verrichten. Wer Kräuter sammeln oder Minerale holen 
will, hat den Berggeist zu entschädigen. Auf hohen Berg- 
spitzen, beim Ueberschreiten von Bergpässen, beim Um- 
schiffen von steil abstürzenden Vorgebirgen darf nicht laut 
gesprochen werden, um den Berggeist oder die Berggeister, 
welche daselbst hausen, nicht zu erzürnen. Eine andere 
Ehrenbezeigung für dieselben ist die Errichtung von künst- 
lichen Steinhügeln (Obo's). Die Berggeister sind theils guter, 
theils böser Art. Sie verursachen schreckliche Stürme, Erd- 
fälle, Lawinenstürze, Erdbeben, vulcanische Ausbrüche, giftige 
Gasausströmungen. Sie sammeln aber auch die Wolken zu 
wohlthätigem Regen. Man verdankt den Berggeistern heil- 
same Pflanzen; sie sind die Eltern der Flüsse und besitzen 
viele kostbare Dinge. Zur Erlangung dieser Gaben, zur Ab- 
haltung der schädlichen Einflüsse bedarf es fortgesetzter Opfer, 
welche, wie wir sehen werden, nicht selten zu Menschenopfern 
sich steigern können. 

Die Einheit der Natur bei aller Mannigfaltigkeit der Er- 
scheinungen, die Wechselwirkung der Naturkräfte, drückt die 
animistische Anschauung durch die specifische Einerleiheit 
einer ungezählten Geisterschaar, durch die unbestimmte Ab- 
grenzung der dämonischen Individualitäten sowie ihres Macht- 
bereiches, durch fast constant wiederkehrende Association der 
Verehrung verschiedener Geisterkategorien aus. Demgemäss 



— XIV — 

bietet der Höhencult zahlreiche Berührungspunkte mit den 
übrigen Naturculten, mit der Verehrung von Steinen, Pflanzen, 
Quellen, Flüssen, von Elementarkräften. Beispiele hiefür sind 
die Verehrung von Felsblöcken, Stromschnellen und Wasser- 
fällen, die Regenbeschwörung auf Bergen, die heiligen Haine 
auf Bergen. Auf dem Fichtelberg haust (Grimm, Myth. I, 397) 
der Waldgeist Katzenveit. Einzelne mythologische Gestalten, 
wie die Kentauren und Pane, sind Berg- und Waldgötter zu- 
gleich, deren Lebensäusserung die Bewegungen der Luft sind 
(Mannhardt). Eine ähnliche Verschmelzung von verschieden- 
artigen Personificationen, besonders mit denen der bewegten 
Luft, findet bei den »Blocksbergen« und anderen Bergen 
(Wazmann, da Waz althochdeutsch Sturm bedeutet) statt. Es 
fehlt auch nicht an Thatsachen, welche beweisen, dass die 
Bergdämonen, wie die anderen Naturgeister, öfters mit den 
Manengeistern zusammengeworfen werden. Daraus entspringt 
wahrscheinlich die Qualification vieler Berge als Schutz- 
berge, welche einzelne Familien, Stämme, wie ganze Länder 
und Völker zu beschützen im Stande sind; damit soll aller- 
dings nicht geleugnet werden, dass noch andere, später zu 
erwähnende Gebräuche ebenfalls zu der Vorstellung des 
Schutzberges beigetragen haben. 

Es soll hier keine Theorie des Animismus geliefert 
werden, dessen tiefe Bedeutung für das menschliche Geistes- 
leben von Tylor überzeugend erläutert wurde. Das Verdienst 
dieser Entdeckung wird durch die Bemerkung Max Müller's 
nicht geschmälert, dass mit der Aufstellung des ethnologi- 
schen Begriffes Animismus nur eine Thatsache constatirt wird, 
welche noch keine Erklärung ist. Liegt, was nicht zu be- 
zweifeln ist, der Ausgangspunkt dieser psychologischen That- 
sache in dem sinnlichen Eindrucke, welchen auffallende 
Bildungen der organischen und anorganischen Welt auf die 
menschliche Phantasie ausüben, so sind isolirte und schroffe 
Felsen, Bergmassen, steil abhängende Vorgebirge, hohe Berg- 
gipfel ganz besonders geeignet, als weithin sichtbare Sym- 
bole mächtiger Naturgewalten animistisch personificirt zu 
werden. 



- XV — 

Max Müller leitet bekanntlich den Mythus von einer 
Krankheit der Sprache her, gemäss welcher alte Namen auf 
neue Objecte übertragen werden. Diese Uebertragung soll 
ursprünglich als Gleichniss empfunden werden, die Ver- 
schmelzung beider Bedeutungen erst später erfolgen. Nun 
besitzen aber die durch eine sehr scharfe Beobachtungsgabe 
unterstützten Analogien und Vergleichungen , welche das 
wichtigste Hilfsmittel zur Erklärung der Naturvorgänge bilden, 
in den primitiven Geistesphasen einen sehr realen Untergrund. 
Für sehr viele Fälle wird der Müller'sche Satz geradezu um- 
gekehrt werden müssen. ' Das später folgende Material über 
den chinesischen und tibetanischen Höhencult liefert den 
handgreiflichen Beweis, wie eine minutiöse Beobachtung der 
äusseren Contouren von einzelnen Felsen, Bergen und der 
mannigfachen Gliederung ganzer Gebirgsstöcke zur Ver- 
gleichung mit Thier- und Menschengestalten und dadurch zur 
animistischen Individualisirung führen kann. Auch bei der 
Verknüpfung zahlreicher anderer physikalischer Wirkungen 
mit den Bergen waren doch immer Analogien massgebend, 
welche die Beobachtung lebender Wesen lieferte. Nur aus 
der richtigen Würdigung der primitiven, an der Hand der 
Compäration forttastenden Naturanschauung, welche die gesetz- 
mässige Vorstufe der Induction bildet, wird sich die Gleich- 
förmigkeit vieler Mythengebilde erklären lassen — eine Auf- 
gabe, welche die Müller'sche Hypothese in ihrer einseitigen 
Fassung bekanntlich ungelöst gelassen hat. 

Die andere Vorstellungsreihe geht von dem Verhältnisse 
der verticalen Gliederungen unserer Erdoberfläche zum 
Firmament aus. Die Berge tragen den Himmel, sie bilden 
eine natürliche Brücke zwischen Himmel und Erde. Das 
Firmament wird als ein Felsen oder Berg, als eine aus Erz, 
Stahl, Krystall, Glas (der gläserne Berg) bestehende feste 
Masse vorgestellt, welche nach der Hesiodschen Kosmogonie 
aus der Erde, hervorgegangen ist. So bildet das Himmels- 
gewölbe einfach die Fortsetzung der Gebirge. Diese letzteren 
empfangen in erster Linie die wohlthätigen Emanationen der 
Himmelsgötter und übermitteln dieselben weiter an die übrige 



— XVI — 

Erde. Die an den Berggipfeln hervortretenden Lichterschei- 
nungen, das wechselvolle Spiel der Wolken an den Höhen 
bezeugen gleichsam das innige Verhältniss der Berge zu dem 
Himmel. Dieser überirdische Charakter wird durch die 
Schwierigkeit der Annäherung, durch die über hohen Berg- 
spitzen ausgegossene erhabene Ruhe noch verstärkt. Als 
Symbol der Unendlichkeit und Ewigkeit, als bevorzugte 
Manifestationspunkte der das organische Leben beherrschen- 
den Kräfte werden die Berge zum Ausgangspunkt einer 
Weltanschauung, welche die unendliche Mannigfaltigkeit des 
Kosmos unter dem Bilde eines Himmel und Erde umfassenden 
Berges (Kosmischer Berg, Weltenberg, Götterberg) versinnlicht. 
Die kosmische Auffassung der Berge spielt unstreitig in 
den höheren Culturstadien eine grössere Rolle als die Berg- 
dämonen. Sie bildet einen wichtigen Bestandtheil der natio- 
nalen Mythologien und Kosmologien und gibt den Anlass zu 
zahlreichen späteren Localisirungen der Götterberge. Die 
Evolutionsfähigkeit dieser Vorstellungen ist fast unbegrenzt. 
Sie führt bei den Chinesen auf ein rein ethisches und mysti- 
sches Gebiet, in anderen Fällen wenigstens zu einer Ver- 
flüchtigung des physischen Charakters und zu einer fort- 
schreitenden Verhimmelung der Götterberge. In der Ilias 
bildet die höchste Spitze des irdischen Olymp den Wohnsitz 
der Hauptgötter. Völker*s Beweisführung, dass die ältere 
Auffassung streng zwischen dem Olymp und dem Himmel 
scheidet, wurde niemals umgestossen. Die späteren Philo- 
sophenschulen versetzen den Olymp in den Fixsternhimmel. 
Wir wissen zwar sehr wenig über die Geschichte der Meru- 
vorstellung; eine Fortentwicklung derselben nach der ab- 
stracten Richtung ist jedoch nicht unwahrscheinlich. Lehr- 
reich in dieser Beziehung ist auch die abstract-symbolische 
Darstellung des Kailasa im Linga-Purana. Auf die in die- 
selbe Kategorie fallende Darstellung des »himmlischen Jeru- 
salem« werden wir noch später zurückzukommen haben. 

Wir müssen jedoch im Auge behalten, dass auch diese 
entschieden höhere Vorstellungsweise ganz im Animismus 
wurzelt, da die Personification des sichtbaren Himmels sowie 



— XVII — 

die Vergeistigung aller Himmelsvorgänge sehr lange festge- 
halten wird. Ebenso klar tritt der Zusammenhang zwischen 
Himmels- und Sternengeistern und dem Manencultus bei 
einigen Völkern (Chinesen, Eraniern und anderen Indo* 
germanen) hervor. Selbst im höheren Polytheismus finden wir 
neben den grossen Himmelsgöttern eine complicirte Hierarchie 
von Sterngeistern und ausserdem die irdische Dämonenwelt 
Die primitivsten Anschauungen werden eben in der Con- 
currenz mit den höheren Vorstellungen kaum je vernichtet, 
nur zurückgedrängt Sie erhalten sich nicht bloss als Ueber- 
iebsel und Symbole. Die Tendenz, den Symbolen Realität 
unterzuschieben, stirbt niemals ganz aus. Der Entwicklung 
in aufsteigender Linie vom Concreten zum Abstracten steht 
die Neigung des Menschengeistes gegenüber, anthropomorphe 
Gestalten zu bilden und dieselben mit irdischen Locali- 
täten zu verknüpfen. Aus und neben den erhabensten Vor- 
stellungen entwickeln sich daher durch Degeneration oder 
durch Aufnahme fremder Elemente animistische Neubildungen, 
welche von den alten Formen nicht zu unterscheiden sind 
und nicht selten geflissentlich denselben substituirt werden, 
so dass alte Cultusformen neuen Inhalt erhalten. Wenn, 
wie es scheint, bei den Nordsemiten den irdischen Berg- 
göttern unter babylonischem Einfluss höhere Gestirngötter 
unterlegt wurden, so zeigen die indischen Religionen oder 
die Ausläufer der Wuotan -Vorstellung die Entwicklung in 
entgegengesetzter Richtung. Selbst bei einem verhältniss- 
mässig einfachen Naturculte, wie dies der Bergcultus ist, ist 
daher die Entscheidung, welcher der beiden Vorstellungs- 
reihen ein bestimmter Fall eigentlich angehört, oft sehr 
schwierig. Ebenso die Beantwortung der Frage, ob wir 
es mit primären oder secundären Berggeistern zu thun haben. 
Es schien in solchen Fällen nützlicher, sich mit der An- 
führung der blossen Thatsachen zu begnügen und die 
genetische Erklärung derselben den künftigen Detailstudien 
zu überlassen. 

Den eigentlichsten und ältesten Ausgangspunkt der 
Höhenverehrung wird man desungeachtet in der animistischen 

V. Andrian, Höhencultus. II 



— XVIII — 

Personification des Berges als einer localen Manifestation 
irdischer Naturgewalten suchen müssen. Thatsächlich kennen 
viele primitive Völker keinen anderen Cult als jenen der Berge, 
Flüsse, Bäume, Steine u. s. w. In anderen Fällen kommen 
zwar höhere Himmelsgottheiten neben den irdischen Local- 
geistern vor; diese letzteren gemessen jedoch trotz ihrer 
untergeordneten Stellung die eigentliche Verehrung, weil sie 
die gefürchtetsten sind. Dazu tritt der gewiss schwerwiegende 
Umstand, dass in den meisten Fällen, in welchen, wie am 
Adamspik und am Himalaya, differente .Göttergestalten auf 
einem und demselben Berge verehrt werden, der locale Berg- 
geist in den Legenden als der ältere erscheint. Dem gegen- 
über steht freilich das bis vor kurzem geltende Axiom, dass 
in der classischen Litteratur die Dämonengestalten relativ spät, 
als Degenerationen höherer Ideen auftreten. Damit wäre 
indessen noch- lange nicht bewiesen, dass diese Vorstellungen 
in den frühesten Geistesepochen der Griechen und Römer 
gefehlt haben. Neuere Forscher, wie Mannhardt und E. H.Meyer, 
erkennen ausdrücklich den Dämonenglauben als die primitivste 
Phase der mythischen Phantasie jener Völker an. J. Grimm 
bezieht die bekannte Stelle des Tacitus: lucos ac nemora 
consecrant, auf altgermanische Berg- und Waldgötter, so dass 
dessen Vermuthung, der Monotheismus sei die ursprünglichste 
Form der germanischen Religion gewesen, rein hypothetisch 
bleibt. 

Tylor's Bemerkung, dass dip Sonnenverehrung bei den 
Naturvölkern nicht allgemein verbreitet und als Product 
höherer Entwicklung aufzufassen sei, gilt wohl in verstärktem 
Maasse von den Vorstellungen, welche die Berge vom kosmischen 
Standpunkte aus auffassen. Finden wir doch selbst im Rigveda 
nur dunkle Anspielungen an die »Festigung der Berge«, was 
an die später ausführlich behandelte Idee einer Entstehung 
der Berge aus den Wolken erinnert. Wie oft auch die Be- 
nennung des Firmaments als Berg wiederkehren mag, so wird 
daraus eine weitere Beziehung zu irdischen Bergen nicht ge- 
folgert. Himmel und Erde heissen im Rigveda die beiden 
Hälften oder Schalen; aber die Vorstellung des Welten- oder 



— XIX — 

Götterberges tritt erst viel später auf. Zudem trägt die mit 
dieser Vorstellung verbundene Götterwelt bei allen Völkern den 
deutlichen Charakter einer weit vorgeschrittenen mytholo- 
gischen, nationalen und culturellen Entwicklung. Ich ver- 
weise in dieser Beziehung auf E. H. Meyer's Ausführungen. 

Wie weit verbreitet diese Vorstellungen auch sein mögen, 
so muss in Erwägung der angeführten historischen Momente 
und der auffallenden Lücken ihres Auftretens bei den ver- 
schiedenen Gliedern Einer Familie die noch neuerdings von 
Prof. Dillmann vertretene Hypothese zurückgewiesen werden, 
dass man es hier mit Erbtheilen aus der Urzeit zu thun hat. 
Je später aber derartige charakteristisch ausgearbeitete und 
auf ganz speciellen theoretischen Voraussetzungen beruhende 
Parallelen bei national differenzirten Völkern hervortreten, 
desto unbefriedigender erscheint auch die Annahme einer 
autochthonen Entwicklung derselben trotz aller Gleichförmig- 
keit menschlicher Grundanlage. Es sollen im Nachfolgenden 
einige Gesichtspunkte geltend gemacht werden, welche die 
Hypothese einer Uebertragung dieser kosmologischen Vor- 
stellungen für Europa und Asien wenn auch nicht erweisen, 
aber doch vielleicht discutirbar machen. 

Wir müssen uns zuvor noch mit den Vorstellungen be- 
schäftigen, welche das Leben nach dem Tode betreffen, in- 
soweit sie mit dem Bergcultus zusammenhängen. 

Tylor hat darauf hingewiesen, dass die Naturvölker die 
Welt der Todten häufiger auf oder unter die Erde verlegen 
als in den Himmel. In der finnischen Familie wurde durch 
Castr^n die Succession der beiden erstgenannten Vorstellungen 
nachgewiesen; bei den Germanen wird die »Hei« durch die 
Valhöllvorstellung gewissermassen in den Schatten gestellt. 
Dagegen lassen die Eranier, wie die Sänger des Rigveda, die 
abgeschiedenen Seelen in das Reich des unendlichen Lichtes 
eingehen. Im Rigveda, X, 15, 2, ist jedoch ausserdem noch 
von den Vätern die Rede, welche in der Luft, in der Erde, 
oder in schön bewohnten Dörfern verweilen. Auch wird man 
wohl der vielbesprochenen, unwillkürlich an animistische Seelen- 
wanderung mahnenden Stelle im RV. X, 16, gedenken müssen: 

II* 



— XX — 

»Zur Sonne gehe das Auge, in den Wind der Athem, zum 
Himmel und zur Erde gehe mit denjenigen Theilen, die ihrer 
Natur nach dahin gehören; oder in die Wasser gehe, wenn 
es dort dir bestimmt ist, in die Kräuter gehe mit deinen 
Gliedern.« Bei weitem die meisten auf die Existenz nach 
dem Tode bezugnehmenden Stellen entstammen den in chrono- 
logischer Beziehung verrufenen jüngeren Theilen des Rigveda 
oder dem Atharvaveda. Es liegt die Vermuthung nahe, dass 
die Inder der Vedenzeit das Eingehen in das himmlische Licht- 
reich den höheren Volksschichten, für welche ja ihre Religion 
überhaupt bestimmt war, reservirten, dass aber daneben noch 
eine Volksanschauung über einen weniger bevorzugten Auf- 
enthalt der Seelen vorhanden war. Damit würde allerdings 
zugegeben, dass die erstgenannte Vorstellung eine höhere 
Entwicklungsform darstellt, wie dies auch aus Tylor's Studien 
an den Naturvölkern hervorzugehen scheint. Von einem ge- 
meinsamen arischen Ursprung derselben wird man wohl in 
Hinblick auf die bei den Indogermanen so verbreitete Idee 
eines Hades absehen müssen. 

Die Berggipfel sind nach der kosmischen Vorstellungs- 
weise das Grenzgebiet zwischen Himmel und Erde; sie bilden 
den Eingang in den Himmel. In solche Regionen werden 
häufig die Wohnsitze der abgestorbenen Seelen, die Paradiese, 
verlegt. Nach den vorläufigen, den Gegenstand allerdings 
nicht erschöpfenden Zusammenstellungen Tylor's, wie nach 
den verschiedenen Ansichten der christlichen Kirchenväter 
scheint ein Vicariiren zwischen den Vorstellungen von einem 
irdischen Paradies * auf den Bergen und einem solchen im 
Himmel stattzufinden, so dass man auf eine nahe Verwandt- 
schaft beider Ideen schliessen kann. In denselben wird die 
Vorstellung von Paradiesen auf irdischen Bergen als specielle 
Localisirung des himmlischen Paradieses, als eine durch Ueber- 
tragung angeeignete oder aus der Speculation erzeugte, relativ 
junge Vorstellung gelten müssen, was übrigens auch die Analyse 
der betreffenden Fälle (bei den Malaien, Altaiern, Chinesen, 
Indern, Armeniern und den Schriftstellern des christlichen 
Mittelalters) grösstentheils klar ergibt. Die Leichenbestattung 



— XXI — 

auf Bergen wird wohl mit diesen Vorstellungen zusammen- 
hängen. 

Weniger klar ist die Grundvorstellung der germanischen 
»Entrückung in die Berge«, welche nach Grimm entweder 
auf die Unterwelt oder auf Elfen und Zwerge bezogen werden 
könnte. Grimm weist jedoch nach, dass die meisten und 
bekanntesten Sagen über Bergentrückungen auf Wuotan und 
Donar zu deuten sind, und dass die mit denselben verknüpften 
Vorstellungen von einem verwünschten Schatze ebenfalls auf 
das Erdinnere weisen, während die Elfen und Zwerge in 
Bergen und Felsen über der Erdoberfläche wohnen. Dies 
würde die germanische Idee den orientalischen Vorstellungen 
von den »Himmeln der Tiefen«, deren kosmischer Charakter 
wohl kaum bestritten werden kann, bedeutend näher bringen. 
Wir wissen jedoch noch viel zu wenig über die geschichtliche 
Entwicklung dieser Vorstellung, um uns ein Urtheil über deren 
eigentliche Bedeutung erlauben zu können. 

Gehören somit gewisse Formen des Höhencults der 
primitivsten Grundschicht menschlicher Naturanschauung an, 
so sollten sich dieselben überall endemisch vorfinden. So weit 
sind wir allerdings noch lange nicht. Noch immer weisen 
selbst die Beobachtungen über die Naturvölker grosse Lücken 
in dieser Richtung auf. Trotzdem ist bei dem heute bereits 
vorliegenden Thatbestand die Voraussetzung dieses Endemis- 
mus nicht allzu gewagt. Am schwierigsten gestaltet sich der 
Nachweis bei den Ariern, deren älteste Documente nur einen 
sehr mangelhaften Einblick in die primitivsten Verhältnisse 
der einzelnen Volksglieder gestatten. Trotz einer unläugbaren 
Anlage des indischen Volksgeistes für die Personification von 
Naturvorgängen lässt sich aus dem Rigveda, wie wir sehen 
werden, ein primär - animistischer Bergcult nicht beweisen. 
Selbst der Atharvaveda scheint uns, so weit man aus zweiter 
Hand urtheilen kann, in dieser Beziehung im Stiche zu 
lassen. Dasselbe Verhältniss waltet bei den Eraniern ob. 
Die Richtigstellung oder die eventuelle Erklärung dieser That- 
sachen müssen wir von den Quellenforschern erwarten. Sollte 
sich die Richtigkeit dieser unserer Annahme bestätigen, so 



— XXII -^ 

würde die schon öfters vorgebrachte Ansicht, dass weder der 
Rigveda, noch die ältesten Theile des Avesta die ältesten 
Stadien arischen Geisteslebens in ihrer Totalität darstellen, 
eine neue Stütze erhalten J) 

Bei den übrigen Gliedern der indogermanischen Völker- 
familie lässt sich allerdings die Existenz von uralten dämo^ 
nischen Berggöttern mehr oder minder sicher nachweisen. 
Die germanischen Riesen stehen nach J. Grimm in engster 
Verbindung mit Felsen und Bergen; ihre ganze Natur hängt 
mit dem Steinreich zusammen; ihre Eigennamen weisen auf 
Stein und Metalle; Steine und Felsen sind ihre Waffen. Die 
Schwarzelbe und Zwerge der altnordischen Quellen sind Berg- 
geister, denen nach Grimm eine bestimmte Verehrung zukam , 
sie bevölkern die Berge, welche öfters von ihren Stimmen 
erhallen ; ihre Schmieden liegen in Höhlen und Bergen. Auf 
solche Localgötter (Manen) weisen auch die gewissen Hügeln 
von den alten Nordgermanen beigelegten dämonischen Eigen- 
schaften.^) Die abgeschiedenen Seelen heissen auch Elfen. 
Sie bewohnen natürliche oder künstliche Hügel. ^) Das local- 
animistische Stadium des slavischen Bergcults wird schon 
durch die Existenz des slavischen Rybecal (Rübezahl), des 
Berggeistes des Riesengebirges, welcher analog dem germani- 
schen Gübis des Harzes ist, bewiesen. Hieher gehören 
wohl auch die südslavischen Vilen, wenngleich bei diesen die 
meteorologischen Attribute meist überwiegend hervortreten. 

E. H. Meyer's überaus gehaltvolle Arbeit über die »Ken- 
tauren« legt, wider die Absicht des Verfassers, ein deutliches 



^) Eine Bestätigung der hier vertretenen Auffassung über die Natur des 
indischen und eranischen Bergcults liefert Dr. Brunnhofer's Interpretation des 
Hiranyagarbha- Hymnus Rigv. X, I2i. Hiranyagarbha (Goldkeim) ist ein 
Lichtgott, zugleich aber ein Berggott, der auf den Sabeldn bei Arbedil ver- 
setzt wird. Aus dem Wortlaute des genannten Hymnus erhellt, dass hier von 
keinem Localgott die Rede ist, sondern von der Manifestation der Gottheit an 
dem Berge. Brunnhofe r, Iran und Turan 17g ff. 

2) Maurer, Bekehrung des norwegischen Stammes, I, 613, H, 243. 
An letzterer Stelle wird eines Fruchtbarkeitshügels (Arhango) gedacht. 

3) Corpus poeticum boreale I, 415. Die Bezeichnung Anse für einen 
Htigelgeist hat sich bis in das Mittelalter erhalten. L. c. 418. 



— XXIII — 

Zeugniss dafür ab, dass die Giganten und Kentauren ursprüng- 
lich animistische Bergdämonen repräsentiren, als deren Lebens- 
äusserungen die Stürme galten. Wir müssen Röscher bei' 
pflichten, wenn er den ständigen Aufenthalt der Kentauren 
in den Gebirgen, ihr. Kämpfen mit grossen Felsen u. s. w., 
nicht ausschliesslich auf das Natursubstrat des Windes zurück- 
führen will, können jedoch dafür die von diesem Autor vor- 
geschlagene Substitution des Giessbaches ebensowenig billigen. 
Das eigentliche Natursubstrat bleibt uns der Berg selbst, mit 
welchem eine Reihe von Naturwifkungen in causalen Zu- 
sammenhang gesetzt wird. 

Die bisher vorhandenen Andeutungen über den Bergcult 
der Thrako-Illyrier gestatten keine sicheren Schlüsse über die 
eigentliche Natur desselben. Mit der definitiven Einreihung 
der neuerdings bezüglich ihrer ethnischen Einheit verdächtig- 
ten Pelasger in diese Völkerfamilie wäre allerdings diese Frage 
einigermassen klargestellt, denn die altpelasgischen Götter 
waren locale Berg- und Feldgötter (Brandes). Herodot leitet 
bekanntlich die Mythologie der Griechen von den Pelasgern 
ab. Darüber scheint jedenfalls kein Zweifel obzuwalten, dass 
eine Anzahl animistischer Localculte der Griechen auf pelas- 
gischem Untergrunde ruhen. 

Schwieriger ist der Nachweis dämonistischer Berggötter 
für die Latiner, deren Culte der Genien, Manen, heiligen 
Bäume und Haine, Quellen und Flüsse gleichwohl alle Merk- 
male primitivsten Animismus tragen. Es fehlt jedoch nicht 
an Anhaltspunkten für die Annahme, dass auf dem Albaner- 
gebirge, dem SoractC) dem Tifata, dem Gebirge vor Algidum 
hinter Tusculum ursprünglich Localgeister verehrt wurden, 
welche dann später in den höheren Götterbegriffen aufge- 
gangen sind. Preller fordert gewiss mit Recht zur fleissigen 
Durchforschung der Nachrichten über die Stiftungen der ältesten 
Klöster und Kirchen Italiens auf, welche voraussichtlich manche 
Spur von älteren und späteren Localculten aufdecken würde. 

Die Verbreitungssphäre der kosmischen Vorstellungsweise 
deckt sich keineswegs mit jener der dämonistischen Vor- 
stellungen. Wie schon früher angedeutet, spielen die Be- 



— XXIV — 

Ziehungen der Berge zum Himmel eine verhältnissmässig 
geringe Rolle in dem Bewusstsein der asiatischen Naturvölker. 
Sie treten nur ausnahmsweise bei ihnen auf. Wo dies der 
Fall ist, wie bei den Buddagur, Todas, Gonds, Altajern, Finnen, 
ist eine Einschleppung aus den arisch-indischen Religionen 
nicht zweifelhaft. Die Bergbestattung tritt bei den Limbus, 
Kirantis, Garos, Khyengs, Karen ebenfalls in Verbindung mit 
solchen erborgten Vorstellungen auf. Dass die Malayen indi- 
schem Einflüsse ihre Ideen von irdischen Paradiesen auf Bergen, 
von dem Aufenthalte der Häuptlingsseelen und tugendhafter 
Abgestorbener auf Bergen verdanken, wird wohl schwerlich 
bestritten werden. 

Bei den Culturvölkern erscheint die Association von 
kosmischer Bergverehrung und Bergbestattung vielfach unter- 
brochen. Wir finden sie unter Anderen bei den Eraniern, 
Chinesen, Japanesen. Bei den Germanen liegen zwar die 
Hügelgi'äber oft auf Bergen, doch ist die Einwirkung religiöser 
Motive dabei immerhin noch zweifelhaft. Bei anderen Indo- 
germanen scheint die Bergbestattung gänzlich zu fehlen. Bei 
den Semiten sind Spuren vorhanden (Hebräer), doch wurde 
eine stärkere Entwicklung derselben bisher nicht hervorge- 
hoben. Künftige Studien müssen darüber mehr Licht verbreiten. 
Jedenfalls weisen diese auffallenden Discordanzen auf die 
differenzirende Wirkung der Culturprocesse. 

Untersucht man die Verbreitung der kosmischen Berg- 
verehrung und deren Ableger bei den Culturvölkern, so 
findet man vor Allem eine ethnographisch gewiss bedeutsame 
Lücke oder wenigstens eine sehr späte Form derselben bei 
den italischen Völkern. Die dem Olymp einigermassen cor- 
relate Valhöll ist nach SchuUerus ein Product der älteren 
Wikingerzeit. Ein höheres Alter wird man wohl kaum den 
heiligen Bergen in dem russischen mit christlichen Elementen 
versetzten Epenkreis von Wladimir zuschreiben können.^) Da- 
gegen besitzen alle asiatischen Culturcentren, denen sich 
Griechenland anschliesst, einen grossen Götterberg schon in 



^) Hapgood: Epic songs of Russia. 44, 324. 



— XXV — 

weit älteren Epochen ihrer Entwicklung. Mit dieser Vorstel- 
lung sind andere kosmische Vorstellungen verknüpft, deren 
nahe Verwandtschaft unmöglich eine zufällige sein kann. 
Uebrigens ist die Uebertragung dieser Motive von Volk zu 
Volk und deren nachträgliche Ummodelung^in vielen Fällen 
direct nachweisbar. So sind die indischen Götterberge mit 
den daran haftenden religiösen und kosmischen Vorstellungen 
in mannigfachster Verarbeitung jedenfalls über ganz Ost- und 
Nordasien gewandert. Weitere Ausstrahlungen gegen Osten, 
etwa durch Vermittlung der Malayen, fallen ausserhalb des 
Gebietes unserer Betrachtung. 

Der so mannigfach ausgebildete Höhencultus der Chi- 
nesen, dessen Umrisse bis jetzt kaum bekannt sind, beruht 
nur zum Theil auf autochthonem primärem Animismus und 
auf buddhistischen, grösstentheils leicht erkennbaren Einflüssen. 
Er scheint auch auf eine selbstständige Verbindung mit West- 
asien hinzuweisen. Die toistischen Lehren von dem Einflüsse 
der Gestirnwelt auf alle irdischen Verhältnisse, die Auffassung 
der irdischen Gegenstände als Symbole der Sterngötter, die 
Vorstellung von den Himmeln der Höhen und der Tiefen 
erinnern unwillkürlich, ebenso wie einige Attribute des chi-. 
nesischen Weltenberges, des Kuenlün, an die analogen An- 
schauungen der Babylonier. Wie dürftig die hier berührten 
Anklänge an westliche Ideen gegenüber den originellen chi- 
nesischen Zuthaten derselben für uns heute noch erscheinen 
mögen, so tragen sie immerhin zur Vermehrung des beiden 
Culturen gemeinsamen Inventars bei, um dessen Auffindung 
sich die englischen Sinologen, besonders Herr Terrien de 
Lacouperie, seit Jahren bemühen. 

Die seit Gesenius eingebürgerte Voraussetzung einer 
engen Verwandtschaft zwischen den Vorstellungen vom Meru, 
Alborj, Harmoad (Aralu) wird nun allerdings von dem letzten 
Bearbeiter der Kosmologie der Babylonier entschieden be- 
stritten. Die Keilschrifttexte sagen jedoch noch viel zu wenig, 
um eine so schroffe Ablehnung von immerhin auffallenden 
Parallelen zu rechtfertigen. Noch weniger vermag dies das 
vom Verfasser eingeleitete comparative Verfahren, welches 



— XXVI — 

denn doch auf eine breitere Basis gestellt werden muss, wenn 
es einen Erfolg beanspruchen will. Jedenfalls tritt die Ana- 
logie zwischen indischer und babylonischer Auffassung be- 
deutsamer hervor, wenn man, was Herr Jensen unterlassen 
hat, den Udaja^ und Asta, die beiden Gipfel des Mandara, 
heranzieht und die ältere Ansicht der Inder über die 
Lage des Meru im äussersten Norden berücksichtigt. Ein 
entscheidendes Argument für eine Identificirung jener kos- 
mischen Vorstellungen verdanken wir gerade Herrn Jensen 
in dem Nachweise, dass die . sieben concentrischen, durch 
> etwas dazwischen Liegendes« getrennten Weltzonen eine 
altbabylonische, von Eraniern und Indern aufgenommene 
Vorstellung sind. Beim kosmischen Alborj des Bundehesh 
hat man es offenbar mit einer relativ späten Verschmelzung 
verschiedener Elemente der diesen Völkern gemeinsamen 
Kosmologie zu thun, nämlich eines centralen Berges und 
eines Randgebirges, wodurch die Individualität des Taera, 
des eranischen Meru, allerdings unklar wird. Dass der Kaf 
aus dem dergestalt modificirten Alborj hervorgegangen ist 
und auch einen Theil der an ihn geknüpften Mythen über- 
nommen hat, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. 

Es lässt sich nicht verkennen, dass der Standpunkt zur 
Discussion solcher Fragen immer günstiger wird, je deutlicher 
die Culturbeziehungen der Semiten, besonders der Babylonier, 
mit den Völkern des Ostens und Westens hervortreten. Die 
Schriftzeichen sämmtlicher asiatischer Culturvölker sind semi- 
tischen Ursprungs, wie die europäischen Alphabete. Leitet 
doch Lacouperie selbst die chinesische Schrift aus altbaby- 
lonischen Zeichen ab. Die meisten Forscher betrachten die 
Babylonier als die ältesten Lehrmeister aller Culturvölker in 
der Astronomie. Herr Dr. C. F. Lehmann und Prof. Jo- 
hannesSchmidt haben die weite Vierbreitung babylonischer 



. ^) Nur Lacouperie bestreitet dieses und leitet die frühesten astronomi- 
schen Kenntnisse der Chinesen von einem arischen Centrum in Khorasmien 
her, welches durch die persische Eroberung mit Indien, Babylon und Arabien 
in Verbindung trat. Babylonian and Oriental Record III, 215; IV, 206. 



— XXVII — 

Masse und Gewichte, sowie des Sexagesimalsystems dargethan. 
Wenn auch der Einfluss des babylonischen Zahlensystems 
intensiver nach Westen als nach Osten gewirkt hat, so ist 
derselbe gleichwohl in China wie in Indien deutlich vorhanden. 
Unser höchstes Interesse muss Dr. Brunnhofer's Nachweis von 
vielfachen Berührungen der Arierstämme des Rigveda mit 
Babylon erregen, wodurch für die Interpretation dieser Lieder* 
Sammlung ganz neue Anhaltspunkte gewonnen werden. Auch 
der Wanderungen der babylonischen Fluthsagen sei hier gedacht, 
welche Lacouperie in jüngster Zeit bei den Chinesen aufge- 
funden hatJ) Dasselbe scheint von dem noch wenig bekannten 
Seitenstück des Weltenberges, dem »kosmischen Baume« der 
Babylonier, zu gelten.^) 

Wenn die Sprachvergleichung, wie Johannes Schmidt ge- 
zeigt hat, die Beeinflussung der Hellenen von Vorderasien her 
in helles Licht setzt, so gilt dies in noch weit höherem Grade 
von der gegenwärtig so emsig betriebenen prähistorischen 
und historischen Culturforschung. Angesichts der nicht mehr 
geleugneten hellenisch-semitischen Zusammenhänge in Kunst, 
Industrie, Litteratur, Mythus und Cultus, wird wohl ein ähn- 
liches Verhältniss für die griechische Kosmologie und Kosmo- 
gonie anzunehmen sein. Zu den schon längere Zeit als ge- 
meinsam erkannten Mythen über die vier Zeitalter und die 
Sintfluth treten die Anklänge an babylonische Weltbildungs- 
mythen bei Pherekydes auf, auf welche Jensen aufmerksam 
gemacht hat.^) Die Verfolgung dieses durch die Fortschritte 
der Assyriologie gebahnten Weges verspricht reiche Resultate. 
Nun fehlen allerdings dem Olymp die äusserlichen kosmo- 
logischen Attribute der asiatischen Götterberge. Dies Hesse 
sich auf verschiedene Weise erklären, ohne dass man den 
Gedanken an eine gemeinsame Quelle aufzugeben brauchte. 
Die ursprünglich kosmische Bedeutung des Olympus scheint 
aus den zwölf Göttern, welche daselbst wohnen, hervorzugehen. 



^) Babylonian and Oriental Record IV, 24 ff. 

2) Lacouperie: Babylonian and Oriental Record IV, 229. 

3) Jensen: Kosmologie der Babylonier. 183, 502. 



— XXVIII — 

Auch scheint die Zwölfzahl auf nordsemitischen Import zu 
weisen. *) 

Die nachfolgende Beschreibung des griechischen Götter- 
berges erinnert lebhaft an jene des Alborj im Zendavesta, 
Wir lesen Od. VI, 41—46: 

»Also redete Zeus blauäugige Tochter und kehrte wieder 
zum hohen Olympus, der Götter ewigem Wohnsitz, nie von 
Orkanen erschüttert, vom Regen nimmer befluthet. Nimmer 
bestöbert vom Schnee; die wolkenloseste Heiterkeit wallet 
ruhig umher, und deckt ihn mit schimmerndem Glänze, Dort 
erfreut sich ewig die Schaar der seligen Götter.« 

Keineswegs kann bei den heute für die Kritik der home- 
rischen Epen massgebenden Gesichtspunkten das Vorkommen 
des Olymps selbst in der Ilias als ein untrügliches Argument 
für ein sehr hohes Alter oder für acht hellenische Abkunft 
der Olympvorstellung gelten. Selbst jene orthodoxen Philo- 
logen, welche Müllenhoff's bekannte Ansicht über die der 
Ilias zu Grunde liegenden semitischen Elemente im Ganzen per- 
horresciren, räumen doch ein, dass diese Gedichte in den un- 
mittelbaren Contactzonen semitischer und griechischer Völker 
entstanden sind und aus heterogenen Bruchstücken sehr ver- 
schiedenen Alters bestehen. Die Sache Jener, welche einen 
gemeinsamen Ursprung der europäisch-asiatischen Götterberge 
vertreten, gestaltet sich somit trotz des Mangels positiver Beweise 
nicht mehr so hoffnungslos, als es vor relativ kurzer Zeit noch 
den Anschein hatte. 

In der germanischen Mythologie wird die kosmische 
Vorstellungsweise durch die Donnersberge und Wotan-Berge 
repräsentirt, welche den himmlischen Wohnort der genannten 
Götter versinnlichen. Ob diesen Göttern in ihrer primitivsten 
Gestalt Verehrung auf Bergen gezollt wurde, kann nicht ent- 
schieden werden. Ist ja Thor selbst vielleicht ursprünglich 
eine irdische Gottheit gewesen und erst später in den Himmel 
versetzt worden. Jedenfalls ist heute ziemlich anerkannt, 
dass der ausgebildete Wotanscult und die damit verbundene 

^) Maury: Hist. Relig. Grfece antique I, 64 über Zeus aoxtpioq und 
I, 54 über das Alter des griechischen Sterndienstes nach Plato. 



^ 



— XXIX — 

Valhöllvorstellung relativ jung und nicht echt nordischen Ur- 
sprungs sind. Controvers bleiben freilich die Provenienz und 
Geschichte dieser Vorstellungen. Mit Heranziehung des Paulus 
Diaconus, welcher Wotan des Morgens per fenestram orien- 
tem versus die Welt betrachten lässt, ist nichts gewonnen, 
da dies wieder auf jene fremde Quelle weist, aus welcher 
nach Grimm (D. Myth. I, 114) auch die Südslaven geschöpft 
haben. Die kosmischen Beziehungen der zwölf Götterburgen 
in der Valhöll sind längst hervorgehoben worden. Der da- 
gegen von Schullerus erhobene Einwand scheint weniger 
schwer zu wiegen,^) als dessen übrige scharfsinnige Unter- 
suchung der nordischen Quellen mit Bezug auf die Valhöll- 
vorstellung. 

Es fehlt leider an einer zusammenfassenden und kriti- 
schen Arbeit über die Kosmologie und Kosmogonie der Edda. 



^) Paul u. Braune: Beitr. z. Gesch. d. deutsch. Spr. u. Litt. XII, 275. 
Ich verdanke hierüber Herrn Dr. Detter folgende Notiz: Was Schullerus über 
die Zählung der Götterwohnungen in der Grimnismdl bemerkt, scheint mir 
durchaus nicht gesichert. Allerdings steht Str. 6 in Widerspruch zu den bei- 
den vorhergehenden Strophen, da 6 eine dritte Götterwohnung aufzählt, wäh- 
rend in 4 und 5 schon drei Götterwohnungen erwähnt wurden. Aber die 
beiden Strophen 5 und 6 scheinen mir überhaupt sehr verdächtig. In Str. 5 
werden zwei Götterwohnungen, Ullrs Ydalir und Freyrs Alfheim genannt, 
während sonst in jeder Strophe nur je ein Göttersitz genannt wird. Auch die 
Str. 6 weicht von den übrigen ab, da hier der Eigenthümer des Saales Vala- 
skjälf gar nicht genannt wird — es wird nur von dem A'ss ohne Namen ge- 
sprochen — was die übrigen Strophen nicht unterlassen. Ich möchte ver- 
muthen, dass Str. 6 ein späterer Einschub ist, und dass Str. 5 aus den ersten 
Strophenhälften zweier Strophen zusammengestellt wurde, während die zweiten 
Strophenhälften verloren gingen, so dass also ganz entsprechend dem übrigen 
Theile des Gedichtes in einer Strophe Ydalir, die Wohnung Ullrs, in der 
zweiten Alfheim, die Wohnung Freyrs, aufgezählt wurde. Schullerus sagt ferner: 
Den Umstand, dass die Alliteration niemals an das Zahlwort geknüpft ist, be- 
weise, dass die Zahlen erst später hinzugefügt wurden. Aber da die Allite- 
ration immer nur dasjenige Wort des Satzes trägt, das logisch am stärksten 
betont ist, so kann es nicht verwundem, wenn hier die Namen der Woh- 
nungen gegenüber den Zahlen bevorzugt wurden. Wenn in der Vafthrddnismäl 
oder Hävaroäl 145 ff. die Alliteration auf dem Zahlworte steht, so hängt dies da- 
mit zusammen, dass in Sätzen wie: »sag' mir das zum zweiten« u. s. w. oder 
»das versteh' ich zum zweiten« der logische Accent auf dem Zahlworte ruht. 



— XXX — 

In Hinblick auf diesen Umstand wäre es zu gewagt, über 
die Provenienz von sicherlich nicht primitiven Vorstellungen, 
wie z.B. von den neun Welten, ^) von deren Entstehung und 
Untergang, von den Höllenstrafen u. s. w. bestimmte Schlüsse 
zu ziehen. Doch ist schon viel durch den Nachweis erreicht, 
dass gerade die populärsten Mythen und Gestalten der 
Wikingerzeit niemals dem echten Volksglauben der Nord- 
germanen angehört haben. 2) Können auch die Sagen von 
der Wanderung Odins nach dem Orient und dem Ur- 
sprung der Äsen aus Asien vor einer strengeren Kritik nicht 
Stand halten, 3) so wird sich der von nordischen Forschern 
zuerst hervorgehobene Antheil des Christenthums an der 
Construction der wichtigsten mythologischen Gebilde der 
Wikingerzeit nicht mehr abweisen lassen. 

Der Uebergang semitisch-persischer Vorstellungen in das 
Abendland wird vor Allem durch die in ethnologischer Hin- 
sicht so bedeutsame Litteratur der Apokalyptik vermittelt. 
Die Bücher Daniel und Henoch, die christliche Sibyllen- 
dichtung, die Johanneische Apokalypse bewegen sich vielfach in 
Bildern, welche jenen orientalischen Ideenkreisen entstammen. 
Hieher gehören in der johanneischen Apokalypse: Die Bedeu- 
tung der Zahlen sieben und zwölf (sieben Sterne, sieben 
gute und böse Engel, zwölf Sterne, das Buch mit sieben 
Siegeln); die vier farbigen Reiter dürften wohl den Welt- 
hütern entsprechen; der Drache mit den sieben Köpfen spielt 
eine bedeutende Rolle in den asiatischen Mythologien; ebenso 
geläufig sind uns die Vorbilder für die Kämpfe der Engel 



^) Die neun Welten erinnern an die neun Sphären des Ptolemäus, 
welche auch viele Kirchenväter annahmen. Zö ekler: Theologie u. Naturw. 

I, I20ff. 

2) Vigfusson Corpus poeticum boreale. II, 459. 

^) Die Sage von dem Ursprung der Äsen aus Asien ist offenbar sehr 
jung und wird wohl auf Volksetymologie zurückgehen, indem man Äsen mit 
Asien verglich. Die Sage findet sich im Vorworte Snorris zu seiner Edda, 
das von solchen Etymologien wimmelt. Hier steht auch die Bemerkung, dass 
die »Asiamenn« später ^sier genannt wurden. Thor sei niemand anderer als 
Tror, der Sohn Mennons und der Troa (Tochter des Priamus). (Mittheilung des 
Herrn Dr. Detter.) 



— XXXI — 

mit dem alten Drachen, der für tausend Jahre in den Ab- 
grui>d im Innern der Erde gesperrt wird. Die Heuschrecken, 
welche nach IX, 3 — 11, skorpionähnlich sind, erinnern an die 
Skorpionenmenschen des Supuk sami. *) Auffallend ist auch 
eine gewisse* Analogie des Kampfes des Weibes mit dem 
Drachen (Apok. XII, i — 6) und des Traumes von Astyages 
bei Moses von Khorene. Die nähere Beurtheilung des gegen- 
seitigen Verhältnisses dieser letztgenannten Parallele mögen 
Berufenere durchführen. Alle diese assyrisch-babylonischen 
Ueberlebsel werden von der jüdisch-christlichen Darstellung 
in symbolischem Sinne verwerthet. Das Gottesreich auf dem 
Berge Sion, dessen Prämissen wir gut verfolgen können, wird 
noch höher idealisirt zum himmhschen Jerusalem, welches 
der Prophet »im Geiste von einem grossen und hohen Berge 
aus« aus dem Himmel herabsteigen sieht. Die Durchführung 
der Zwölfzahl, die Anwendung von kostbaren Steinen für den 
Aufbau der Mauern um die himmlische Stadt, und zwar von 
zwölf verschiedenen Edelsteinen für die zwölf Grundsteine 
derselben, das Lebenswasser, der Lebensbaum — alle diese 
Ausschmückungen weisen deutlich auf den Ursprung der in 
der Johanneischen Apokalypse verarbeiteten Vorstellungen. 

Die christlichen Schriftsteller des Mittelalters haben sich 
nicht begnügt, diese Ueberlebsel in fortschreitender Symboli- 
sirung zu verwerthen; die Kirche hat zwar die Elemente 
zurückgewiesen, welche auf eine Verschmelzung von orienta- 
Hschen und christlichen Vorstellungen ausgingen. Trotz ängst- 
lichster Unterwerfung unter die Autorität der Bibel haben aber 
doch. die Exegetenschulen noch längere Zeit an den kosmo- 
logischen Vorstellungen des Orientes festgehalten. So schil- 
dert einer der einflussreichsten Vertreter der assyrischen 
Schule, Ephraim der Syrer ^) (306 — 379), das Paradies als einen 
sehr hohen Ort oberhalb des .die Erdscheibe umfliessenden 
Oceans. Dasselbe besteht aus drei Stufen, über welchen 
auf der höchsten Spitze der Sitz der Gottheit selbst 
ist, wo sie in ihrem Glänze erscheint. Diese Theile gewinnen 

^) Jensen: Kosmologie der Babylojiier. 40. 

2) U hie mann in Ihle's Zeitschr. hist. Theol. I, 149 f. . 



— XXXII — 

nach Ihrer stufenweisen Folge an Glanz und Vorzügen. Die 
Aufnahme in die einzelnen Abtheilungen hängt von den auf 
Erden erworbenen Verdiensten ab, wie es schon beim Sinai 
der Fall war. Im Paradiese sind ausser dem Baume der Er- 
kenntniss und des Lebens noch andere Bäume; es sind dort 
Flüsse der Lieblichkeiten, Bäche aus denen Wein, Milch und 
Honig fliesst, und vor Allem herrliche Luft, sowie unendliche 
Fruchtbarkeit Darin sind auch leuchtende, aus Wolken ge- 
webte Wohnungen der Gerechten, der Kinder des Lichts, 
deren Schmuck und Grösse sind den Verdiensten ihrer Be- 
wohner angemessen; sie sind entweder niedrig und unansehn- 
lich, oder prangen in leuchtender Schönheit. 

Kosmas Indicopleustes ^) (6. Jahrh.) lehrt , dass das 
Firmament die Wohnungen der Heiligen von den unteren 
Orten scheidet Unterhalb dieses Gewölbes bewegen sich 
Sonne, Mond und Sterne um einen ungeheueren kegelförmi- 
gen Berg im äussersten Norden, den Wohnsitz der Gottheit 
Im Sommer steigt die Sonne hoch; dadurch entstehen kurze 
Nächte, weil die Sonne nicht lange hinter dem Berge stehen 
bleiben kann* Im Winter, wo die Sonne tiefer sinkt, ist es 
umgekehrt. 

In diesen Darstellungen glaube ich, im Gegensatze zu 
Kretschmar, Züge der asiatischen Götterberge erblicken zu 
sollen. Es kann nicht Wunder nehmen, dass gerade die 
syrische Schule solche Traditionen am längsten erhalten und 
christianisirt hat. 2) Ebenso leicht erklärlich ist die Beeinflussung 
des Nestorianismus ^ durch parsische Ideen, welche unter der 
Herrschaft der Sassaniden zu neuer Blüthe gelangten. Es 
scheint kaum zweifelhaft, dass die Vorstellung der nördlichen 
Bodenanschwellung (der nördlichen Krystallwarzen des heiligen 
Ephraim, oder des »allnächtlich von der Sonne umkreisten 
hochragenden Erdrückens« anderer christlicher Schriftsteller der 
syrischen Schule) in den Vorstellungen vom Alborj wurzeln. 



^)Montfaucon: CoUectio novall, 113 f. GeseniusComm. IsaiaslI, 525. 

2) Kretschmar: Phys. Erdk. im christl. Mittelalter, 131. 

3) Kretschmar: 1. c. 44. 



— XXXIII — 

welchen der Muhammedanismus als Kaf übernommen hatJ) 
Erst im 7. Jahrhundert, in welchem römischer Einfluss die 
abendländischen Schulen beherrschte, finden wir bei Isidor 
von Sevilla und seinem Nachfolger Beda dem Ehrwürdigen 
jene Ideen in griechischem Gewände: den Olymp, welcher 
in die reine Lichtatmosphäre ragt, ^ und die Ripäen als nörd- 
liches Randgebirge. Ob das allerdings mehr nach Osten ver- 
legte Jötenheim, der Aufenthalt der nordischen, auf den Bergen 
jenseits des Oceans wohnenden Riesen, hiemit im Zusammen- 
hang stehe, mögen spätere Studien entscheiden. 

Ich bin mir vollständig bewusst, dass die hier voraus- 
gesetzte Ideenfiliation im vollsten Sinne des Wortes noch 
hypothetisch bleibt. Das vorliegende Material berechtigt uns 
jedoch immerhin, nach einem solchen Zusammenhange zu 
suchen, der mit fortschreitender Erkenntniss der asiatischen 
Litteraturen immer wahrscheinHcher wird. Die Ausfüllung der 
zahlreichen Lücken unserer Beweisführung, vor Allem der 
empfindhchen Kluft zwischen der griechischen und nord- 
semitischen Kosmologie kann nur durch Mitwirkung der Special- 
disciplinen erfolgen. Ein rascher Ausbau der Assyriologie wird 
eines der wichtigsten Postulate für das tiefere Verständniss 
der asiatisch -europäischen Geistesentwicklung bleiben. 

Ein flüchtiger UeberbHck über die vorliegende Arbeit 
beweist die wichtige Rolle, welche die Erhebungen unserer 
Erdrinde in dem Geistesleben der Völker Asiens und Europas 
gespielt haben. Es gibt kaum ein hervorragenderes Gebirge, 
welches nicht unter irgend einer Form Gegenstand einer 
religiösen Verehrung gewesen wäre. Wichtiger als diese an 
und für sich in Hinblick auf die übrigen Naturculte vielleicht 
weniger überraschende Thatsache erscheint mir die succes- 
sive Entwicklung der Formen der Bergverehrung, welche zur 

') Auf andere Entlehnungen dieser Schule aus den orientalischen Kosmo- 
logien — den himmlischen Qcean, den himmlischen Ursprung einiger Flüsse — 
kann hier nicht weiter eingegangen werden. 

2) Die Luftatmosphäre reicht bis zum Monde, darüber ist die reine Licht- 
atmosphäre. Olympus sua celsitudine nee impetus ventorum, nee ictus fulminum 
sentit, quia nubes excedit. Karl Werner: Beda der Ehrwürdige, 115. 
V. Andrian, Höhencultus. jjj 



— XXXIV — 

naturwissenschaftlichen Induction, zur Erkenntniss des Kosmos 
hinüberleiten und ein gesetzmässiges Vorbereitungsstadium 
der letzteren bilden. Eine künftige Geschichte der physischen 
Weltanschauung wird über »die Naturweisheit wilder Völker« 
nicht mehr einfach hinübergleiten dürfen. In dieser unan- 
fechtbaren Thatsache, wie in der stets deutlicher hervor- 
tretenden geistigen Wechselwirkung der verschiedenen Völker- 
gruppen auf einander drückt sich am schlagendsten der Werth 
des in den letzten Decennien für die Erkenntniss mensch- 
licher Geistesentwicklung Gewonnenen aus. 



Arische Inder. 

A. Zeitalter der Veden. 

In den ältesten Gesängen der Inder, dem Rigveda, wer- 
den bekanntlich die Wolken fast immer metaphorisch als 
Berge bezeichnet. So heisst es 484, 7, 8 (Uebers. Ludwig); . 

»Deine beiden Falben, o Indra, haben nun sich an- 
strengend ghrita regnenden Schall ertönen lassen; ganz und 
gar breitete sich aus die Erde, es hielt auch still der beweg- 
Hche Berg. 

Niedersank unaufhaltsam der Berg, zusammen heulte er 
brüllend mit den Müttern« etc. 

In dieser lebendigen Beschreibung des Gewitters sind 
die Gewitterwolken der »Berg«, die Gewitter hingegen die 
»Mütter«. Nicht minder charakteristisch ist 518:^) 

»Du bist gross, Indra; Dir hat freigebig die Erde die 
Herrschaft und der Himmel zugestanden; nachdem Du den 
Vritra mit Kraft getödtet, liessest Du Ströme los, die der Drache 
verschlungen hatte. 

Bei Deines Glanzes des blendenden Geburt zitterte der 
Himmel, es zitterte die Erde aus Furcht vor dem Zorne ihres 
eigenen [Sohnes], in Erregung geriethen die starken Berge, 
weich wurden die dürren Wüsten, es fliessen die Wasser. 

^) Ludwig, Rigveda, II, 93. 
V. Andrian, Höhencultus. 



. — 2 — 

Er spaltete den Berg, mit Stärke schleudernd den Donner- 
keil, indem er sich anstrengend seine Gewalt zeigte; er 
tötete den Vritra mit dem Donnergeschoss frohlockend; es 
flössen die Wasser in Eile, deren Stier getödtet.« 

Die Wolken werden in den Veden mit parvata be- 
zeichnet, welche Benennung sonst nur auf steile Gebirge an- 
gewendet wird. Nach M. Müller bedeutet parvata seiner Ety- 
mologie nach knorrig, zerzaust J) In gewissen Fällen wird 
den Wolken besonders aber dem Himmel das Attribut des 
Starren beigelegt. Der letztere wurde wahrscheinlich, wie bei 
den Eraniern, als aus einer festen Masse gebildet, gedacht. 
So z. B. R. V., V, 56 (Uebersetzung Grassmann): 

»Des Himmels Felsen auch und den gewaltigen Berg 
erschüttern sie (die Maruts) durch ihren Gang.« 

Diese Festigkeit äussert sich besonders durch das Zu- 
rückhalten der Gewässer. Sie wird durch Opfersprüche über- 
wunden. So lesen wir R. V., V, 45 (Uebers. Grassmann): 

') Müller, Vorl. Wiss. Spr., D. Uebersetz., II, 13. Ich verdaDke Dr. 
Meringer diesbezüglich folgende Notiz: Altindisch pdrvan bezeichnet im Rig- 
Veda: Knoten; einen Zeitpunkt (Opferzeit . . .). Das Petersburger Wörterb. 
gibt an: »Zeitabschnitt, Mondwechsel, Opfer beim Mondwechsel.« Bei altind. fdr- 
vata constatirt das Petersburger Wörterb., IV. Bd., S. 583 folgende Bedeu- 
tungen: a) Gebirge, Berg, Höhe, Hügel, Fels (aus Knotenabsätzen bestehend); 
b) Stein, Felsstück; c) Wolke. (Dazu macht R. Roth die Bemerkung: »An 
vielen Stellen ist zwischen der ersten Bedeutung und der jedenfalls viel selte- 
neren dritten kaum zu entscheiden; z. B. in den Schilderungen von Indras 
Kämpfen, der sowohl Wolken als Berge spaltet, um die Gewässer zu be- 
freien u. s. w., od«r in den Bildern von den Marut, die auf Höhe und im 
Gewölk hausen, Berge und Wolken schütteln und zerreissen.«) Dazu adject. 
parvata^ feminin, pärvati, »Im Gebirge wachsend«, »dort wohnend«. 

Verwandte Wörter der idg. Sprachen sind leider sehr selten. Zu pdrvan 
hat man gewiss mit Recht das griechische Tcelpap gestellt. Vergl. CoUitz in 
Bezzenberger's Beiträgen zur Kunde der idg Sprachen, Bd. X, S, 60, Anm. 1. 
CoUitz nimmt als ursprüngliche Bedeutung von icecpap und altind pdrvan', 
»Knoten, dann Gelenk, Abschnitt, Glied, endlich Ende, Grenzer an. Auch Parvata 
(abaktrisch: paurvata) gehört zu itetpap (*TCepvaT-) hat also in arischer Zeit 
(indoeranische Spracheinheit) bedeutet: »knotig,« »gelenkig« und Aehnliches. 
Damach dürfte das indoeranische* parvata weder Wolke noch Berg bedeutet 
haben, sondern konnte metaphorisch von beiden gesagt werden. 



— 3 — 

»Für diesen Spruch eröffnen sich des Berges, 
der grossen Fluthen Schooss dem alten Stamme 
der Wolkenberg; sein Ziel erreich der Himmel 
und die Verehrer beuten aus die Erde.« 

In R. V., IV, i6 (Uebers. Grassmann) heisst es von Indra: 
»Der starke, kundig aller Mannesthaten, 
Hess frei die Wasser mit den Lust-Genossen, 
die selbst den Fels erbrachen durch Gesänge; 
den Kuhstall schlössen auf sie voll Begierde.« 

Der Himmel wird oft als hoher Berg aufgefasst; z. B. 
R. V., V, 43 (Uebers. Grassmann): 

»Zu unserm Opfer komme her vom Himmel, 

vom hohen Berg Sarasvati die hehre, 

die butterreiche Göttin höre willig, 

den Ruf vernehmend, unsre kräftige Rede.« 

Noch charakteristischer ist R. V., VIII, 53, 5: 
»Selbst jenen Berg, der hundertfach 
und tausendfach sich mächtig dehnt, 
Erbrächest für die Sänger du (Indra).« 

Im Apri-Lied, X, 70, 5 heisst es: 
»Berühret wird des Himmels Gipfel oder 
eröffnet weit auch nach dem Maass der Erde . . .« 

Bemerkenswerth ist auch, dass an einer Stelle sieben 
Berge erwähnt werden. R. V., IV, 19, 3: 

»Du Indra, trafst den nimmersatten Drachen, 
der ausgestreckt nicht wachend, nicht erweckbar, 
Entschlafen da lag auf den sieben Bergen, 
mit deinem Blitz durchbohrend ihm die Weichen.« 

In VIII, 85 ist von dreimal sieben Bergesgipfeln die Rede. 

Mag man mit M. Müller den Metaphern einen entschei- 
denden Antheil an der Ausbildung kosmogonischer Vorstel- 
lungen in mythischem Gewände einräumen oder diese letz- 
teren aus einer bei vielen stammverschiedenen Völkern auf- 
tretenden Grundanschauung über eine allmähliche Verdichtung 



— 4 — 

der Luft zu irdischen Stoffen ableiten, so steht jedenfalls 
fest, dass nach uralter Auffassung der Inder die Wolken sich 
auf die Erde gesenkt haben und dort in Berge umgewandelt 
wurden. Ludwig i) führt als Beleg hiefür Atharva V, 19 an, 
wo die göttlichen Eigenschaften des Kushthakrautes gepriesen 
werden. 

»Der A9vattha, der Göttersitz, am dritten Himmel von 
hier aus. 

Dort sieht man das Amrita, dort ward der Kushtha ge- 
boren. 

Am Himmel ging das goldne Schiff mit goldnen Tauen, 
dort, w^o Nävaprabhramgana (das Herabsinken des Schiffs oder 
der Wolke), wo das Haupt des Himavan.« 

Ludwig vermuthet, dass hier der Berg im Nordwesten 
Kaschmirs gemeint ist, der im Qat. Br. Manoravasarpanam 
(Abstieg Manu's), in den Epen Naubandhanam (Schiffsanbin- 
dung) genannt wird. 

Der Ausbau des kosmischen Hauses^) fällt vorzugsweise 
dem Indra zu. Er hat nach 483, 2 die schwankende Erde 
gefestigt, die wogenden Berge zur Ruhe gebracht, den Luft- 
raum ausgemessen, den Himmel gestützt.*^) Den geflügelten 
(Wolken) Bergen schoss Indra die Flügel ab, infolge dessen 
sie zur Erde sanken. ^) 

Diese Sage findet sich bereits in der Maiträyani-Sam- 
hitä: »Die Berge waren (zu Anfang) geflügelt; sie flogen um- 
her und setzten sich hin, wo sie irgend wollten. Die Erde 
aber schwankte da hin und her. Indra schnitt ihnen (den 
Bergen) die Flügel ab und machte dadurch die Erde fest. 
Die Flügel wurden zu den Gewitterwolken; darum schwim- 
men diese immer zum Gebirge hin.^) 

Diese Vorstellung ist bekanntlich in die spätere Litteratur 
übergegangen. So kämpfen im Mahäbhärata die Suras und 

') Ludwig, Mantralitt., 199. 

2) Wallis, Cosmology of the Rigveda, 22. 

3) Ludwig, Rigveda, II, 54. 
*) Ludwig, Mantralitt., 1. c. 

^) Leopold V. Schröder, Indiens Literatur, 142* 



Asuras um die Zertheilung des Amrita mit geflügelten Felsen, 
bis Nara mit vergoldeten Pfeilen die Berge spaltete.^) 

In dem Rämayana kämpfen die Titanen am Bundelgundh 
mit geflügelten Felsen, welche sie als Wurfgeschosse ge- 
brauchten. Der Svanu-Devandudru (Indra) schnitt zur Be- 
ruhigung der Rishi den Felsen die Flügel mit einem Diamant- 
schwerte ab, worauf dieselben wie Hagel auf die Erde herab- 
fielen und die Gebirge bildeten.') 

Herrn Dr. Haberlandt verdanke ich den Hinweis auf 
Qatapathabrähmana 3, i; 3, 12. Indra bildet den Berg Tri- 
kakud, den höchsten Gipfel des Himavat, aus dem Auge des 
erschlagenen Vritra (des Bedeckers, nach Ludwig). Dieser Dä- 
mon hatte sich zwischen Himmel und Erde gelagert und erst 
durch dessen Tödtung wird Himmel und Erde wieder ver- 
einigt (Grassmann, Rigveda, I, 324). 

Die Berge sind jedoch im Rigveda nicht immer Wolken, 
sondern auch wirkliche Gebirge. Neben den correlativen 
Begriffen von Himmel und Erde werden sehr häufig die 
wichtigsten Gestaltungen der organischen und unorganischen 
Natur collectiv aufgezählt. So 644, 10 (Ludwig, II, 254): 
»Indra verfügt über den Himmel und über die Erde, Indra 
über die Wasser und ebenso über die Berge; Indra ist unter 
den Verleihern des Gedeihens, Indra unter den Weisen, 



^) Mahdbh. Ädiparva, 82 (nach der Uebers. Troyer Räjatarangini^ I, 496. 

Die Asuras zermalmten mit unbezwingbarem Muthe und grosser Kraft 
die Heere der Suras durch Berge, welche, zu Tausenden bis zum Himmel ge- 
worfen, ähnlich den entflammten Wolken zurückfielen. 

So stürzten vom Firmament ungeheure Berge mit ihren Bäumen und 
steinigen Flächen, welche unter tausend Wolkenformen im raschen Falle mit 
Getöse aneinanderstiessen und Schrecken verbreiteten. 

Unter dem Schritte dieser festen Berge, welche überall hinfielen und 
in gegenseitigem Anpralle Donnerschläge erzeugten, wurde die Erde mit ihren 
Wäldern erschüttert; sie zitterte heftig. 

Da deckte Nara den Himmelsweg mit seinen mächtigen Pfeilen, dessen 
Spitzen ans glänzendem Golde bestanden; mit Hilfe dieser beflügelten Waffen 
spaltete er die Berggipfel ; ein grosser Schrecken bemächtigte sich der Truppen 
der Asuras. 

^) Rämdyana Sundarakanda. 



— 6 — 

Indra bei Ruhe und bei Anstrengung zu rufen«, oder 644, 13: 
»Die Monde, die Bäume, die Kräuter, die Berge, die lauten 
beiden Welthälften, die Wasser kamen Indra nach, als er 
geboren ward« Solche Wendungen lassen sich doch wohl 
nur im wörtlichen Sinne deuten, nicht metaphorisch. *) 

Diese Nebeneinanderstellung von Bergen, Pflanzen, Strö- 
men, Gestirnen, dem Firmament u. s. w., geht jedoch in den 
meisten Fällen über eine blosse Aufzählung hinaus, denn alle 
diese Theile des Naturganzen werden in animistischer Grund- 
anschauung personificirt. Man sucht sie günstig zu stimmen 
und ruft ihre Hilfe an, damit der Sänger und sein Stamm 
durch Gedeihen der Ernten und Heerden Reiehthum erwerbe. 
Offenbar erreichen die Loblieder erst durch sorgfältige Be- 
rücksichtigung aller einschlägigen Factoren ihre oft hervor- 
gehobene Eigenschaft, Reiehthum zu schaffen. 

Wir lesen z.B. 205, 11:*^) »Wie sollen wir sprechen zu 
des Rudra grosser Macht, wie zu Bhaga, der für Reiehthum 
sorgt? Die Wasser, die Kräuter sollen uns günstig sein, 
Dyaus (der Himmel), die Wälder und die baumbehaarten 
Berge.« Oder 238, 9:^) »Die dreimal sieben Wanderer, die 
Bäume, die Berge, Agni zur Hilfeleistung, Kri9änu unter den 
Schützen', Tishya zum Versammlungsorte, den kräftigsten 
^udra unter den Rudra's rufen wir.« 

235, 2 (Uebers. Ludwig); »Des Himmels und der Erde 
Gnade nehmen wir in Anspruch, der mütterlichen Ströme, 
der Berge, des Caryanävän. Freiheit vor Versündigung wün- 
schen wir von Sürya und Ushäs, Gutes bewerkstellige uns 
heute der gekelterte Soma.« Endlich sei noch 210, 3 (Ludwig, 
R. V., V, 46) angeführt, worin die Berge vollständig mit den 

') 670,4 (Uebers. Ludwig): »Meine Darbringung sollen Püshan, Vishnu, 
Sarasvat! und die sieben Ströme begünstigen, die Apas, Väta, die Berge, der 
Baum, es höre Prithivt den Ruf,c wird dagegen wohl im Sinne der neueren 
Mythologenschule zu deuten sein, da nur von einem Baume (Wolkenbaume?) 
die Rede ist. 

*) Rigveda, (Uebers. Ludwig.) Vgl. V, 41 (Uebers. Grassmann.) 
3) Vgl. X, 64, 8 (nach der Uebers, Grassmann ) Die Wanderer sind die 
sieben Flüsse. 



— 7 - 

übrigen Göttern gleichgestellt erscheinen: »Indra und Agni, 
Mitra und Varuna, Aditi, Svar (Sonne), Prithivi (Erde), Dyaus 
(Himmel), die Marut, die Berge, die Wasser rufe ich, Vishnu, 
Püshan, Brahmanaspati (den Gebetsherrn, Grassmann), Bhaga 
will ich preisen und Savitar zur Hilfeleistung.« 

Die Rolle des Gebirgs ist nicht immer eine für die Arier 
der Vedenzeit erwünschte. Der Himälaya beherbergte von 
diesen ältesten Zeiten an Völker, welche der arischen Cultur 
feindlich oder zum mindesten gleichgiltig sich gegenüber-^ 
stellten. Das Gebirge wird demgemäss als Schutz und Zu- 
flucht, als Freund jener feindlichen dem reinen Glauben un- 
zugänglichen Völker bezeichnet. Dasselbe wird aufgefordert,, 
sich von dem gottlosen Däsa abzuwenden und denselben in 
die Ebene zu treiben (R. V., Uebers. Ludwig, 613). 

In andern Hymnen wird dem Indra dafür gedankt, dass 
er dieses gethan hat, zum Heile der Arier. Am charakteristi- 
schesten ist hiefür R. V., I, 130, 7, die ich hier in der Ueber- 
setzung von Ludwig (472) folgen lasse: 

7. »Neunzig Burgen hast Du, Indra, dem Püru ge- 
brochen, dem Divodäsa der Grosses gegeben, o Tänzer mit 
dem Donnerkeil, dem spendenden, o Tänzer: dem Atithiya 
hat er, der Gewaltige, den Qambara vom Berge herab ge- 
bracht; grosses Gut verth eilend durch Deine Gewaltigkeit, 
alles Gut durch Deine Gewaltigkeit.« 

8. »Indra half in den Schlachten dem Arya, der opfert, 
er der hundert Hilfen hat, in allen Kämpfen, in den [Rettungs-] 
Licht gewährenden Kämpfen dem Manu [Abkömmling], strafend, 
die keine heiligen Werke verrichten, hat er die schwarze Haut 
preisgegeben; wie brennend dörrt er den Dörrenden, nieder- 
brennt er den Verserenden.« 

In R. V., VI, 26 (550, Ludwig) 5 heisst es: »Den Däsa 
^ambara schlugst Du vom Berge, mit wunderbarem Schutze 
halfst Du dem Divodäsa.« *) 



1) Ludwig, Mantraliteratar, i. Roth, Benfey u. s. w. fassen auch den 
(^ambara ursprünglich als Wolkendämon auf. Es wird jedoch, wie es scheint^ 
allseitig zugegeben, dass dieser Name auch den Feind im Allgemeinen bezeich- 
nen kann. In der angeführten Stelle wird schon aus dem Zusammenhang von 



— 8 — 

Wenn wir im Rigveda wenigstens nichts von einzelnen 
Bergen vernehmen, sondern nur von den Bergen im Allge- 
meinen, so stimmt dies vollkommen mit dem sinnlichen Ein- 
drucke überein, welchen die Himalayakette beim Bewohner 
des mittleren Indusgebirges hervorruft. Am Chinab, bei Hurri, 
vor Labore erscheint das Himalayagebirge als eine durchaus 
continuirliche, in ewigen Schnee gehüllte Massenerhebung, 
aus welcher, abweichend von dem Charakter des östlichen 
Himalaya, keine einzelnen Punkte hervortreten. 

Diese Nichterwähnung einzelner Berge lässt es zum 
Mindesten fraglich erscheinen, ob, wenigstens in der älteren 
Vedeiizeit, eine eigentliche Höhenverehrung vorkommt. Vor 
Allen fehlen klare Beziehungen der irdischen Berge zu den 
höheren Göttergestalten. 

Vishnu thront zwar auf dem Berge, doch ist dies, wie 
später ausgeführt werden soll, der Wolken- oder Himmels- 
Berg. Auch die Vorläufer des Vishnu, Varuna und Indra, 
treten niemals als eigentliche Berggötter auf. Als Personifica- 
tioneh kosmischer Kräfte und Verhältnisse werden Sie nur 
mit den Phänomenen des Weltraums in Zusammenhang ge- 
bracht. R. V., VIII, 53, 5 : »Selbst jenen Berg, der hundert- 
fach (und tausendfach sich mächtig dehnt), erbrächest für die 
Sänger Du«. 

Varuna, der Gott des gestirnten Himmels, erscheint am 
Abend auf dem (Himmels-) Berge,- von wo aus seine anzie- 
hende Kraft sich äussert. Die Bahnen der Morgenröthe 
(Ushäs) sind auf den Bergen (R. V., VI, 64). Sie thront auf 
Bergen (VI, 65). Hier könnten allerdings die irdischen Berge 



Nr. 7 und 8 die Beziehung auf feindliche anarische Stämme mit schwarzer Haut 
kaum zu verkennen sein, welche auch Ludwig annimmt. Es ist übrigens zu 
beachten, dass die angeführten Lieder den jungern Theilen der Sammlung des 
Rik angehören, doch enthält bereits R, V., VIII, 59, 1 1 eine ähnliche Wendung,^ 
welche jede andere Deutung ausschliesst : 

»Wer Götzen dient, unmenschlich ist, 

wer Opfer niciht noch Götter liebt, 

den stürz' herab der eigne Fels, auf den er traut, 

der Feind zu schnellem Tod der Fels.« (Uebers. Grassmann.) 



— 9 — 

gemeint sein, doch kommen dabei jedenfalls nur deren Be- 
ziehungen zu der aufgehenden Sonne in Betracht. So auch 
in R. V., VII, 70, 3 : »An welchen Orten ihr auch weilt, o 
Ritter (A9vins), in Himmelsfluthen, in Gewässern, Häusern, 
wenn auf dem Gipfel des Gebirgs ihr sitzet« u. s. w. 

Wenn es im R. V., (Uebers. Ludwig, 664) heisst: »Wie 
ein wild' Thier, das viel herumläuft, im Gebirge weilt, bist 
aus weiter Ferne gekommen,« so kann man doch darin nur 
eine poetische Umschreibung der Kraft Indra's erblicken. In 
Stellen wie R. V. (Uebers. Ludwig), 548: »weg von Dir, gleich- 
wie von eines Berges Rücken, Indra, wurden die Wasser 
durch Lieder und Opfer geleitet,« oder R. V., (Uebers. Lud- 
wig, 546): >(Wir flehen an Indra) dem der Schädiger nicht 
entgeht, den eilenden, auf dem Berge stehenden, von nicht 
trügender Rede, gedankenstärksten,« ist offenbar nur vom 
Wolkenberge die Rede, in welchem Indra's Wirksamkeit 
naturgemäss sich abspielt. 

Von den Maruts heisst es R. V., VIII, 83, 10: 

»Ich rufe nun die Marutschaar 

die starke, die auf Bergen wohnt. 

Zum Trünke dieses Soma's her.« 

Aus dem Zusammenhang mit den übrigen Strophen 
dieses Liedes ist es jedoch wahrscheinlich, dass auch hier 
die Wolkenberge gemeint sind. 

Ein Gleiches dürfte wohl von R. V., 685, 11 gelten, 
wo es in einem Hymnus an die Maruts heisst: »Den gold- 
farbnen Berggipfel gehen wir mit erhobenem Opferlöffel an- 
dachtsvoll um preiswürdige Gewährung an.« 

Wenn dagegen vom Soma, R. V., IX, 71, gesagt wird, 
dass. er die Berge liebe, so wird dies wohl im wörtlichen 
Sinne zu nehmen sein, weil die zu dessen Bereitung dienende 
Pflanze auf hohen Bergen wächst 

Der Rigveda enthält allerdings einige Stellen, in welchen 
nach Roth's Auffassung von einem Genius des Berges (par- 
vata) die Rede ist, welcher zugleich Wolkenbeherrscher ist. 
So heisst es: 



— 10 — 

I, 122, 3: Es soll uns Indra stärken und der Berggott. 
I, 132,6: Ihr beide, Indra und Parvata, möget jeden, 
welcher uns befeindet, hinwegschlagen. 

III, 53, I : O Indra und Parvata, fahrt Labungen her- 
bei . . ., o Götter! 

IV, 55, 5: Ich hab' erfleht des Berges und der Maruts 
. . . Hilfe. 

VI, 49, 14 : Dies unser Lied nehm' an der Wolkendrache, 
der Berg und Savitar . . . 

VII, 37, 8: Lass' zu uns kommen, Savitar, Geschenke 
und Gut zum Preise bei des Berges Gabe. 

X, 158, 3: cakshur na Uta parvatah . . . dadhätu. 

Des Zusammenhanges halber sei noch erwähnt, dass 
im Harivamsa, 11 539 Parvata als der fünfte der Vasu's auf- 
geführt wird. 

Wie zahlreich diese Stellen auch sind, so geben sie doch 
kein klares Bild von der Berggottheit, welche hier dem indi- 
schen Pantheon einverleibt wird. Es lässt sich nicht einmal 
beurtheilen, ob nicht unter der Bezeichnung parvata eher ein 
Wolkengott gemeint ist, als ein Dämon »des Berges«. Schon 
die ziemlich abstracte Bezeichnung einer allgemeinen Berg- 
gottheit würde vielleicht den Verdacht eines späteren Ursprungs 
derselben erwecken. Nun hat Grassmann, I, 132 (und zwar 
den ganzen Hymnus), III, 53, i, VII, 37, 8 überhaupt als »später 
angefügt« bezeichnet. Wir haben daher umsomehr Ursache 
in der Annahme einer selbständigen Berggottheit zur Veden- 
zeit uns vorläufig Zurückhaltung aufzuerlegen, als ja alle der 
Verehrung einer so wichtigen Gottheit gewidmeten Cultus- 
handlungen vollständig fehlen. 

Ludwig hat bereits betont, dass die Beziehung in R. V. 
X, 121, 4 auf den Himavat eine zweifelhafte ist, da in. der- 
selben nur von Schneebergen im Allgemeinen die Rede ist.^) 
Nach Grassmann, II, 398 gehört übrigens das Lied an Pra- 
jäpati, dessen vierte Strophe die betreffende Stelle bildet, ent- 
schieden zu den jüngeren Liedern des Rik. Der genannte 

') Ludwig, MantralL, 198. 



— II — 

Vers wiederholt sich in gleicher Form in der Taittiriya-Saip- 
hitä 4, I, 8, 4, in der Väjasaneyi-Samhitä 25, 12, im Atharva- 
veda, IV, 2, 5, und in etwas geänderter Form in der Maiträ- 
yani-Samhitä II, 13, 23 J) 

Dagegen scheint die älteste Stelle, in welcher eine Ver- 
ehrung des Himavat vorausgesetzt wird, in der Taittiriya- 
Saiphitä 5, 5, II vorzukommen. Es werden die Opferthiere 
aufgezählt, welche beim A9vamedha-Opfer in den von den 
21 Opferpfosten gebildeten 20 Zwischenräumen aufzustellen 
sind. Darunter befinden sich: dem (Gotte) Kshipra9yena eine 
Wachtel, dem Nilahgu ein Wurm, dem König Soma eine 
Antilope, dem Ocean einen Delphin, dem Himavat ein Ele- 
phant (im 13. Zwischenraum). Diese Vorschrift findet sich auch 
in der Maitrayani-Samhita III, 14, 11, und in der Väjasaneyi- 
Samhitä 24, 30.^) 

Diese Verehrung des Himavat wird durch dessen Er- 
wähnung im Atharva-Veda in helleres Licht gerückt. Die 
bereits übersetzten Bruchstücke dieses Veda führen uns nur 
Erdgeister, Krankheitsdämone, Hauskobolde, Gespenster, Zau- 
berer u. s. w. vor. Während die heiligen Flüsse hoch in 
Ehren stehen, ist von heiligen Bergen nirgends die Rede. 
Nur des Himavat wird insoferne gedacht, als derselbe kostbare 
und heilkräftige Kräuter erzeugt, denen auch sonstige mysti- 
sche Kräfte innewohnen. So das Kushthakraut, Soma's guter 
Freund, welcher ursprünglich im dritten Himmel wuchs (Costus 
speciosus).^) Ferner die Salbe vom Trikakud, vom höchsten 
unter den Bergen, welche das Fieber, die Schwindsucht und 
die Schlange bändigt, aber auch gegen alle bösen Zauber 
schützt.^ Von den Bergen kommen auch viel heilkräftige 
Gewässer. 

Die Annahme, dass es sich in der oben angezogenen 
Stelle Taittiriya-Saiphitä 5, 5, 11, nur um eine aus Nützlich- 
keitsgründen hervorgegangene indirecte Werthschätzung des 



^) Nach handschriftlichen Miitheilungen des Herrn Dr. Kirste. 

2) Göll, Atharvaveda, V, 4. Zimmer, Altindisches Leben, 63. 

3) Göll 1. c, IV, 9. Ludwig, IV, 507. 



12 — 

Himavat handelt, wird durch das Fehlen jeder sonstigen An- 
deutung über einen Cult des Himälaya in der Taittiriya-Sam- 
hitä, der Maitrayani-Samhitä und der Väjasaneyi-Samhita be- 
stätigt. Dasselbe gilt auch vom Atharva-Veda, so dass die 
früher geäusserte Ansicht von dem Fehlen einer eigentlichen 
Bergverehrung in der Vedenzeit auch bezüglich des Himälaya 
festgehalten werden muss. 

Im zweiten Buche der Atharva-Samhitä finden wir einen 
Spruch, durch welchen die Kanva (Dämonen der Blutflüsse) in 
den Berg verbannt werden sollen.^) In der Vernichtungs- 
formel gegen die Würmer 2) (Atharva-Samhitä, II, 31, 4) heisst es: 
»Die Würmer all, die in den Bergen, Wäldern, 
den Pflanzen, Thieren, drinnen im Wasser hausen, 
die in unsern Leib sind hineingefahren, 
ich tödte sie, all das Gezücht der Würmer.« 



B, Indisches Mittelalter. 

Bereits in der Jüngern Vedenzeit tauchen jene religiösen 
Motive auf, welche den Bergen in den Augen der Frommen 
besondere Wichtigkeit verleihen mussten. Weist schon der 
Yajurveda eine stets wachsende Werthschätzung der Opfer 
und eine auf das höchste gesteigerte Ausbildung des Opfer- 
rituals auf, so fallen anderseits die Ansätze für das dem Opfer 
in vollem Sinne gleichwerthige Einsiedlerleben in die Epoche 
der Aranyaka's und der ältesten Upanishads, welche letztere 
nach V. Schröder ungefähr bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. 
hinaufreichen. Die nach Bühl er älteste der kanonischen noch 
zur vedischen Literatur gerechneten Gesetzessammlungen, 



Weber, Indische Studien, XIII, 188. 

*) Weber, Indische Studien, XIII, 201. Ganz analog sind die Beschwö- 
rungen der »Würmerc (der giftigen Thiere oder der bösen Geister, welche in 
ihnen hausen) bei den Chinesen, nur dass bei denselben die damit verbundenen 
Operationen auf das sorgfältigste specialisirt sind. Es gibt da Kräuterkocher, 
Trommelschläger u. s. w. Vgl. Tscheu-li B. 37; vgl. Pfizmaier, Das Ereigniss 
des Wurmfrasses der Beschwörer. Sitzungsb. d, phil.-hist. Kl. d. Wiener Akad., 
1862. 



— 13 — 

das Dharma9ästra des Gautama, dessen Entstehung noch vor 
das Dharma9astra des Apastamba, also nach v. Schröder 
(1. c, 737), noch vor das 5. Jahrhundert v. Chr. fallt, findet 
Büsserthum wie Einsiedlerwesen offenbar schon ausgebildet 
vor, wenngleich die Werthschätzung des letzteren nach 
Bühl er hier noch etwas geringer ist, als in den späteren 
Qästras. ^) 

Es scheint, dass besonders in den ersten Stadien des 
Einsiedlerlebens häufig bewaldete Berge aufgesucht wurden. 
Unzweifelhaft bildeten sich solche Localitäten durch die Tra- 
dition zu allverehrten Wallfahrtsorten aus, deren Besuch als 
noch verdienstlicher galt, als die nur Reichen mögliche Dar- 
bringung kostspieliger Opfer. Dabei stand das Mass des da- 
durch erworbenen Verdienstes in einem gewissen Verhältniss 
zu den zu überwindenden Schwierigkeiten. So wurde durch 
den Besuch der so schwierig zugänglichen Tirtha's am Ur- 
sprung des Indus (Lassen, Ind. Alterthumsk., I, 701), ausser 
vielem Gold das Verdienst eines Pferdeopfers erworben. 

In dem Cap. XIX des Gautama Dharma9astra werden 
die Leistungen vorgeschrieben, welche zu erfüllen sind, wenn 
ein Mitglied der höheren Kasten sich durch eine schlechte 
Handlung verunreinigt hat. Der Sünder muss von Milch oder 
von Vegetabilien leben, Soma trinken, fasten, die Wahrheit 
reden, früh Morgens, des Mittags und Abends ein Bad neh- 
men, in nassen Kleidern stehen, auf der Erde schlafen und 
Spenden den Göttern darbringen. Als die geeignetsten Loca- 
litäten hiefür werden erwähnt : Alle Berge, alle Flüsse, heilige 
Seen, Wallfahrtsplätze, die Wohnstätten der Rishis, Kuhhürden 
und Tempel der Götter sind die Orte (welche die Sünden 
zerstören. '0 

Das ganze Vindhyagebirge wird als voll von an Wur- 
zeln und Früchten reichen Einsiedeleien gepriesen. -^ Wir 
dürfen wohl voraussetzen, dass darunter nicht blos die eigent- 



^) Bühler, Gautama, III, 2. Anm. 

2) Bühler 1. c, 273. 

3) Lassen, Ind. Altk., I, 571, 574. 



— 14 — 

liehe Vindhyakette, sondern auch das Vorland derselben, das 
Hochplateau von Malva und die Landschaft Harauti, viel- 
leicht sogar die südlich vom Tapti gelegene Bergkette Satpura 
gemeint sind. Dieser Complex von Erhebungen, welcher damals 
grösstentheils mit Wald bedeckt und von den Ureinwohnern 
occupirt war, musste durch seine physikalische Beschaffen- 
heit das Einsiedlerleben ungemein erleichtern. Die höchste 
Erhebung der äussersten Nordkette des Systems Arävalli reicht 
nur 5000 Fuss über das Meer; das Vindhyagebirge bietet da- 
her nicht die kolossalen Schwierigkeiten für die Existenz des 
Menschen, wie der obere Himälaya. Dabei wird es jedoch 
als äusserst zerrissen geschildert. Die dort auftretenden pluto- 
nischen Gesteine bilden eine grosse Anzahl von isolirten 
Tafelbergen, welche durch steile Abstürze von einander ab- 
getrennt sind. Tiefe Schluchten vermitteln den Zugang zu 
denselben. Nach Norden zu fällt dieses weit ausgedehnte Ge- 
birgsland allmälig in mehreren Stufen dem Tieflande des 
Ganges und der Yamuna zu. Mit den glücklichsten Natur- 
bedingungen ausgestattet, begünstigt das Vindhyasystem die 
Isolirung, ohne anderseits den zahlreichen Pilgerschaaren, 
welche die frommen Rishi's besuchten, zu grosse Hinder- 
nisse zu bereiten. 

Als der grosse Seher des Südens, Agastya, einst gewal- 
tige Busse geübt hatte, begann das Vindhyagebirge zu wachsen 
und drohte so gross zu werden wie der Meru. In seinem 
Uebermuthe verlangte Vindhya, dass die Sonne um ihn kreise, 
wie um den Meru. Da bekamen die Götter Angst und baten 
den Agastya, ihnen zu helfen. Dieser befahl dem Berge, ihn 
vorüber zu lassen, da er eine Reise nach dem Süden zu 
unternehmen beabsichtige. Erst nach seiner Rückkehr solle 
der Berg weiter wachsen. Agastya kehrte jedoch nicht zurück. 
Auf Geheiss des Brahma erwählte er sich den Berg Pothi- 
yamimalai zur Busse, wo er noch weilt mit vielen anderen 
Büssern, welche, nachdem sie den Agastya gesehen, nicht 
mehr zu den Menschen zurückkehren. ^) 



^) MahäbhdrataTirthayätrl Ziegenbalg, Geneal. d. malab. Götter, 220, 231. 



— 15 — 

Als der nordwestlichste Ausläufer des Vindhyasystems 
kann das Gebirge Arawalli gelten, dessen südwestliches Ende 
den berühmten Abu (Arbuda) Ritter als den Olymp von 
Rajputana bezeichnet; die höchste seiner Spitzen, der Guru 
Sithar, durfte früher nicht bestiegen werden. Er galt als der 
Sitz der heiligen Munis und Rishi's. Alle indischen Religionen 
haben den Abu für ihre Culte in Anspruch genommen, sowie 
andere Theile der Arawallikette. Eine der Inschriften führt 
allerdings den brahmanischen Cult auf den des ^iva und 
den Himälaya zurück J) 

Auf der Insel Cutch liegt ein Berg, an den die Volks- 
überlieferung die Austrocknung des Meeresarmes Runn of 
Cutch knüpft. Ein heiliger Fakir, dessen Sohne in der Haupt- 
stadt Puttun das Almosen verweigert worden war, verfluchte 
die Stadt und erlangte dadurch, dass er auf der Spitze dieses 
Berges zwölf Jahre auf dem Kopfe stehend zubrachte, die 
Fähigkeit, durch seinen Blick jede Gegend in eine Einöde 
umzuwandeln. Auf die Bitte der Weisen blickte er nach Nor- 
den und Osten, wo das Meer floss,^) welches dadurch aus- 
trocknete. 

Im Lande Kaiinga (Orissa nach Lassen) liegt der be- 
rühmte Mahendra, auf welchem Nachkommen der ältesten 
Rishi's, der Ahgiras, Vasishtha, Ka9yapa, Bhrigu und auch 
der Para9u-Räma wohnten.^ 

Der Ramagiri, auf dem der grosse Räma (Ramacandra) 
nach seinem Tode mit Sita weilt, liegt im Himmel (Wurm, 
Ind. Rel., 237). Doch gibt es auch viele indische Berge, 
auf welchen Räma auf seinen Wanderungen oder während 
seines Exils geweilt haben soll. So der Chitacut im Bundel- 
kund, der Ramtec (Ramtinci, Ramagiri Wilson) nördlich 
von Nagpore. Sie sind noch heute vielbesuchte Wallfahrts- 
plätze. ^) 



') Ritter, Erdk., IV, 2, 734- 

2) Postam, Acc. of the Känphats J. R. As. Soc, V, 264 ff. 

3) Lassen, Ind. Altk., I, 562. 
^) Wilson, Meghaduta, i. 



— i6 — 

Wie interessant diese Legenden und Localisirungen 
auch sein mögen, so geben uns dieselben keinen Aufschluss 
über die den arisch-indischen Höhencult bedingenden Grund- 
vorstellungen. Es bleibt immerhin sehr zweifelhaft, dass der- 
selbe in erster Linie vom Einsiedlerleben ausgegangen sei, 
weil doch im Ganzen mehr Gewicht auf die Aufsuchung des 
Waldes gelegt wird, als der Höhe, und weil später dieser 
Gesichtspunkt nachweislich noch mehr in den Hintergrund 
trat. Die Aufzählung im Cap. XIX des Gautama-Dharma9ästra, 
welche ausdrücklich die Berge von den Wohnstätten der Rishi's 
unterscheidet, scheint ein Argument für die Anschauung zu 
sein, dass die Heilighaltung der Berge nicht mit dem Ein- 
siedlerleben einfach zusammenfällt, sondern dass dafür selb- 
ständige Gründe vorhanden sind. 

Die früher angeführte Ableitung der Heiligkeit des Abu 
von dem Culte des ^iva auf dem Himalaya weist uns zugleich 
auf eine jedenfalls sehr wichtige Quelle der Höhenverehrung. 
Wir wenden uns daher vor Allem zur Betrachtung der mythi- 
schen Geographie des Himalaya, welche in dem grossen Epos 
enthalten ist. ^) 

Nach dem Bhishmakhanda des Mahäbhärata reichen 
sechs Gebirgsketten vom östlichen zum westlichen Meere. Es 
ist der Himavat, der Hemaküta (Goldgipfel), der beste der 
Berge Nishadha (Kailasa?), der Nila, welcher an Lapis 
lazuli (Beryll?) Ueberfluss hat, der ^veta, welcher weiss ist 
wie der Mond, und die Berge Qringavat (gehörnter), welche 
von allen Arten von Metallen zusammengesetzt sind. Diese 
sechs Berge sind der Aufenthaltsort der Siddha's '^) und der 
Cäranas. ^) Der Raum zwischen jeder dieser Bergketten misst 
tausend Yojanas, er enthält herrliche Königreiche. Diese Ab- 
theilungen heissen Varshas und werden von verschiedenen 
Gattungen von Geschöpfen bewohnt. Der eine, der Schau- 
platz des Gedichts, ist nach Bharata benannt. Auf ihn folgt 
gegen Norden der nach dem Himavat benannte. Das Land 

*) Ludwig, Mantralit., 199 f. 

*J Siddha von Wurzel sääk, sidhi der zum Ziele gelangte, Heilige. 

3) Carana der Wanderer, Pilger. 



— 17 — 

jenseits des Hemakuta heisst Harivarsha. Südlich von der 
Nilakette und nördlich vom Nishadha ist ein von Osten nach 
Westen reichendes Gebirge, Mälyavat. Im Norden von Mälyavat 
ist der Berg Gandhamädapa (durch Duft betäubend). Zwischen 
dem Mälyavat und dem Gandhamädana ist der runde Meru, 
ganz aus Gold. Er strahlt wie die Morgensonne, wie Feuer 
ohne Rauch. Er ist 84.000 Yojanas hoch und ebenso tief. 
Auf ihm ruhen die oberen, unteren und mittleren Welten. 
Um ihn herum liegen die vier Inseln Bhadrä9va, Ketumäla, 
Jambudvipa (Bharata) und Uttara-Kuru, der Wohnort der Per- 
sonen, welche das Ziel ihrer Busse erfüllt haben. Der Vogel 
Sumukha, der Sohn von Suparna, kam, als er sah, dass alle 
Vögel auf dem Meru goldene Federn hätten, zu dem Ent- 
schlüsse, diesen Berg zu verlassen, weil daselbst kein Unter- 
schied zwischen guten, mittelmässigen und schlechten Vögeln 
bestehe. Die Sonne, der Mond mit seinen ihm untergeord- 
neten Constellationen (den Nakshatras) und der Windgott 
umwandeln stets den Meru. Dieser Berg ist mit himmlischen 
Früchten und Blumen ausgestattet und mit Häusern aus 
blankem Golde bedeckt. Auf diesem Berge belustigen sich 
die Himmlischen, die Gandharvas, die Asuras, die Rakshasas, 
begleitet von Schaaren der Apsaras. Hier verrichten Brahman, 
Rudra und ^akra (Indra), die Häupter der Himmlischen, 
verschiedene Arten von Opfern mit reichlichen Gaben. Tum- 
buru, Närada, Vi9vavasu, die Hähäs und die Huhus verehren 
daselbst die Himmlischen mit verschiedenen Hymnen. Die 
hochsinnigen sieben Rishi's und Ka9yapa, der Herr der Ge- 
schöpfe, begeben sich hieher an jedem Parvatage (Tag des 
Voll- und des Neu-Mondes). Auf dem Gipfel dieses Berges 
unterhielt sich der Dichter U9anas mit den Daityas (seinen 
Schülern). Alle Juwelen, Edelsteine und Berge, welche kost- 
bare Steine enthalten, stammen vom Meru. Der vierte Theil 
derselben wird vom heiligen Kuvera benützt, welcher jedoch 
nur den sechzehnten Theil der darin befindlichen Schätze 
unter die Menschen vertheilt. An der Nordseite des Meru ist 
ein herrlicher Wald von Karnikäras, welcher eine Reihe von 
Bergen einnimmt, und von Blumen jeder Jahreszeit bedeckt 

V. Andrian, Höhencultus. 2 



— i8 — 

ist. Hifer belustigt Sich der eriauchte Pa9upati selbst, der 
Schöpfer aller Dinge, umgeben von seinen himmlischen Be- 
gleitern in Gesellschaft der Uttiä. Er trägt eine bis zu seinen 
Füssen reichende Kette von Karnikärablumen (Pterospermum 
acerifolium oder Cassia fistula) und blitzt mit seinen drei 
strahlenden, Sonnen gleichenden Augen. Wahrheitredende 
Siddhas, welche fromme Gelübde und strenge Büssungen ver- 
richten, können ihn daselbst sehen. Mahe9vara kann von 
Personen mit schlechtem Lebenswandel nicht gesehen wer- 
den. Von dem Gipfel dieses Berges stürzt die heilige Gangä, 
auch Bhägirath! genannt, wie ein Milchstrom mit schreck- 
licher Gewalt in den See von Candramas. Dieser heilige, 
einem Ocean ähnliche See, ist durch die Gangä selbst ge- 
bildet. Gangä, welche selbst die Berge nicht tragen konnten, 
ist loo.ooo Jahre hindurch durch den Träger des Pinäka 
(Bogen oder Musikinstrument des Qiva) mit seinem Kopfe 
aufgehalten worden. 

An der Westseite des Meru Hegen Ketumäla und Jam- 
bukhanda. Hier ist das Mass menschlichen Lebens lo.ooo 
Jahre. Die Männer sind von goldner Farbe, die Frauen wie 
Apsaras. Alle Bewohner sind hier ohne Krankheit, Kummer 
und Sorge. 

Auf den Höhen des Gandhamädana bringt Kuvera, der 
Herr der Guhyakas (Yakshas), mit vielen Räkshasis und 
Schaaren von Apsaras seine Zeit in Freude hin. Ausser dem 
Gandhamädana sind daselbst noch viele Bergabhänge. Das 
menschliche Leben währt dort ii.ooo Jahre. Die Männer 
sind hier alle fröhlich, mit grosser Stärke und Energie begabt, 
die Frauen sind sehr schön und von der Farbe des Lotus. 

Jenseits Ntla ist das Varsha Qveta; jenseits Qveta Hai- 
ranyaka; jenseits Hairanyaka ist Airävata, welches mit Pro- 
vinzen bedeckt ist. 

Von den sieben Varshas (Qveta, Hairanyaka, Ilävrita, 
Harivarsha, Haimavat -Varsha, Airävata, Bhärata) übertrifft 
immer das nördlicher gelegene das südlichere bezüglich seiner 
Attribute, das heisst bezüglich der Lebensdauer, Körpergrösse, 
Gesundheit, Rechtlichkeit, Freude und Wohlfahrt. 



— 19 — 

Der hohe Berg Hemaküta heisst auch Kailäsa. Hier 
brachte Vai^ravana seine Zeit in Freude mit seinen Guhyakas 
(Yakshas) hin. Unmittelbar im Norden des Kailäsa und nahe 
den Bergen von Mainäka ist ein hoher und schöner Berg, 
genannt Manimaya (der aus Juwelen besteht), mit goldenem 
Gipfel. Jenseits dieses Berges ist ein grosser, schöner See, 
genannt Vinusaras (Tropfensee), mit goldenem Sande an seinen 
Ufern. Hier wohnte König Bhagiratha, die Gangä betrachtend, 
welche seinen eigenen Namen trägt (einer der Quellarme heisst 
so), durch viele Jahre. Hier sieht man unzählige Opferpfähle 
aus Edelsteinen und Caityabäume aus Gold. Hier gewann 
der Tausendäugige und Berühmte seinen (ascetischen) Erfolg, 
indem er viele Opfer verrichtete. Hier wird der Herr aller 
Geschöpfe, der ewige Schöpfer aller Welten, der mit höchster 
Energie Begabte und von seinen Geisterschaaren Begleitete, 
angebetet. Hier sind Nara, Näräyana, Brahman, Manu, Sthänu, 
(die fünf grossen Weisen und grossen Büsser). Hier zeigt 
sich zuerst der göttliche Strom Gangä, der drei Quell- 
arme hat (einen himmlischen Mandäkini, einen irdischen 
Gangä, einen unterirdischen Bhogavatt) aus der Region des 
Brahman entspringend, und theilt sich dann in sieben Ströme 
Vasvaukasärä, Nalini, die sündenreinigende Sarasvatt, Jambu- 
nadt, Sita, Gangä und Sindhu. Hier sind Opfer dargebracht 
worden von Göttern und Rishi's bei tausend Gelegenheiten 
nach dem Ende des Yuga. 

Räkshasas residiren auf dem Himavat, Guhyakas (Jak- 
shas) auf dem Hemaküta, Schlangen und Nägas auf dem 
Nishadha, und Büsser auf dem Gokarna. Die Qvetaberge 
sollen der Wohnort der.Himmlischen und der Asuras sein. Die 
Gandharven wohnen stets auf dem Nishadha und die wieder- 
erstandenen Rishi's auf dem Nila. Auch die Berge von Qrin- 
gavat werden als Versammlungsort der Himmlischen be- 
trachtet. 

In den Puränas, welche sich ihren Quellen nach innig 
an das Mahäbhärata anschliessen, herrscht im Allgemeinen 
dieselbe schematische Anordnung, welche von nun an typisch 
wird für die indische Weltauffassung. Stets wiederholen sich 



— 20 — 

die sieben Dvlpas, die sieben Seen oder Meere, die näm- 
lichen Unterabtheilungen für Bhärata. Die Jainas zählen acht 
Dvipas, die Buddhisten deren sieben, rechnen jedoch den 
Meru zu keinen derselben. Nur in untergeordneten Einzel- 
heiten, sowie in Anordnung und der Nomenclatur finden Ab- 
weichungen zwischen den Puränas und dem Mahäbhärata 
statt. Am ausführlichsten behandelt das Väyu Puräna diesen 
Stoff, während andere denselben nicht berühren.^ Jene ent- 
fernten Gegenden werden mit allen möglichen paradiesischen 
Attributen ausgeschmückt; die Berge bestehen aus solidem 
Golde, aus Edelstein, aus Silber, Es gibt Flüsse und Seen 
gebildet aus flüssigem Ambra, aus geklärter Butter, aus 
frischer und geronnener Milch, aus Honig, Syrup, aus be- 
rauschenden Getränken. Die Hochebenen auf dem Meru 
(Ilävrita) und dessen umgebenden Gebirgsketten werden als 
Göttersitze und als Wohnort der Gerechten gepriesen (Vishnu 
Puräna, Wilson, 172); sie heissen das Paradies Svarga 
(Svargabhümi, die göttliche Erde, nach Wilford, As. Res., VIII, 
311), in welches die Bösen selbst nach hundert Wieder- 
geburten nicht eingehen. Auch die Varshas enthalten bevor- 
zugte Bewohner, welche 10,000 bis 12.000 Jahre leben, keine 
Sorge haben u. s. w. 

In den Puranas tritt mit immer grösserem Nachdrucke 
der Meru als Hauptrepräsentant des Himavat in den Vorder- 
grund. Er ist die Weltaxe, der Zenith, um welchen die sieben 
Zonen liegen, von ihm entströmen die vier Ströme, welche 
am Himmel entspringen, von dort auf den Gipfel des Meru 
herabfallen und sich dann theilen. Auf dessen Spitze liegt 
nach dem Vishnu Puräna die Stadt des Brahman, um welche 
die Städte des Indra und der acht Lokapälas (Indra, Käma, 
Varuna, Kuvera, Vivasvat, Soma, Agni, Vayu) liegen. Doch 
weicht nach Wilson die Vertheilung der Götter auf dem ge- 
sammten Bergsystem ziemlich stark in den verschiedenen 
Werken ab (Wilson, Vishnu Puräna, 169, Anm.). Auch über 
die Gestalt des Meru herrschen sehr verschiedene Vorstel- 



') Wilson, Vishnu Purdna, 167, 172. Anm. 



— 21 — 

lüngen. Nach Wilford wurde derselbe am häufigsten als Kegel 
gedacht. Könige errichteten häufig künstliche Hügel (Meru- 
?ringas, Gipfel des Meru), welche hoch verehrt wurden. Ein 
derartiger Hügel ist in der Nähe von Benäres ; er wurde nach 
einer hier gefundenen Inschrift von Vikramäditya im Jahre 
1027 erbaut als Darstellung des Meru.^ Nach dem Vishnu- 
Puräna hat der Meru die Gestalt eines umgekehrten Kegels ; 2) 
nach dem Brahmanda und Väyu Puräna ist er in der Mitte 
hohl, wie der Keim des Lotus. ^ Die Buddhisten von Ceylon 
betrachten ihn als eine Säule mit gleichem Durchmesser ; 
jene von Nepal nehmen eine trommeiförmige Gestalt an. 
Noch weitere Variationen zählt das Brahmända-Puräna auf 
(Wilford, As. Res., VII, 347), welcher dann hinzufügt: Jeder 
Rishi stellt diesen König der Berge dar, wie er sich ihm 
von seiner Station aus zeigt. 

Der Meru hat, nach den Puränas, an jeder seiner vier 
Seiten verschiedene Farben. So ist nach dem Linga Puräna 
gegen Osten dessen Farbe jene des Rubins, gegen Süden 
jene des Lotus, gegen Westen jene des Goldes, gegen Nor- 
den jene des Koralls. ^) Nach dem Brahmända-Puräna ist der 
Meru im Osten weiss, wie die Nachkommenschaft des Brahman, 
im Süden gelb wie die Vai9ya, im Westen wie trockene 
Blätter, gleich einem ^üdra, im Norden roth wie ein Ksha- 
triya.) Der Autor dieses letztgenannten Werkes setzt noch 
hinzu, die Wichtigkeit dieser vier Seiten sei dadurch be- 
gründet, dass dieselben die vier Pfade der fünf Leidenschaften 
sind, von welchen, da sie den fünfElementen entsprechen, 
alle lebenden Wesen hervorgebracht werden. 

Nur vorübergehend sei noch der sieben Sphären ge- 
dacht, welche sich über dem Meru nach den Puränen auf- 
thürmen. Nach Spence Hardy sind dieselben: i. Prajäpata 



1) Wilford, As. Res., VII, 289. 

^) Vishnu Purana, Ed. Wilson, 167. 

3) Wilford, As. Res., VII, 343 fr. 

*) Diese Angaben des Linga Purdna (vgl. Wilson, Vishnu Puräna, 
167) stimmen nicht ganz mit den den Beherrschern der vier Weltgegenden 
beigelegten Farben im Mahavanso, Ed. Upham, III. 139 ff. 



— 22 — 

oder Pitriloka, 2. Indraloka oder Svarga, 3. Marutloka oder 
Divaloka, der Himmel, 4. Gandharvaloka, der Wohnort der 
himmlischen Geister (Maharloka), 5. Janaloka, die Sphäre der 
Himmlischen, 6. Tapoloka, die Welt der sieben Weisen, 
7. Brahma (Satyaloka) die Welt unendlicher Weisheit. Nach 
dem Vishnu Puräna sind dieselben: i. Bhurloka (Barth and 
the lower regions), Heerführer, 2. Bhuraloka (Atmosphäre), 
3. Svarloka, 4. Maharloka, 5. Janaloka, 6. Tapoloka, 7. Satya- 
loka. Die drei unteren Sphären gehören noch zur Erde und 
werden durch Feuer einst zerstört werden. Maharloka wird 
dabei von seinen Einwohnern verlassen werden, nur die drei 
oberen bleiben ewig bestehen. 

Der Buddhismus hat die verticale Gliederung des Meru 
zu Gunsten seiner Lehre bedeutend erweitert, während die 
horizontale Gliederung der ursprünglichen Grundidee ent- 
sprechend beibehalten wurde. 

Sieben concentrische Kreise von Bergketten, die Gold- 
berge, die sieben Edelsteine, welche von Innen nach Aussen 
zu an Höhe abnehmen, wechseln mit sieben in derselben 
Richtung an Tiefe abnehmenden Meeren. Das äusserste der 
letzteren, das Weltmeer, enthält die vier grossen Erdth^ile 
(Welteilande, nach Koppen, Rel. d. Buddha, I, 233), welche 
in keinerlei Verbindung mit einander stehen. Auch die verti- 
cale Gliederung des buddhistischen Kosmus zeigt noch immer 
sehr beachtungswerthe Analogien mit dem Brahmanismus, 
welche sich jedoch nicht weiter als bis zum Himmel des 
Brahman erstrecken. Die Welt der Dhyanen, mit ihren un- 
zähligen grossen und kleinen Chiliokosmen, gehört ganz dem 
Buddhismus an. Dass die uns voriiegenden Weltenverzeich- 
nisse das Product einer langen Entwicklungsreihe sind, wird, 
wie es scheint, allseitig anerkannt. 

Der Wohnsitz der abgeschiedenen Seelen heisst im 
R. V., X, 14, »die seligen Höhen«. Dort »im höchsten Him- 
mel« befinden sich die Ahnen der frommen Arier, »in jener 
Flur, zu welcher den Weg ihnen Yama gezeigt hat«. Doch 

1) Koppen, Rel. d. Buddha, I, 262 ff. 



— 23 — 

auch andere Götter, Agni, Püshan u. s. w., sind des Weges 
zu den Orten kundig, auf welchen die Ahnen weilen (R. V., 
X, 17). 

In den späteren Evolutionen des indischen Denkens 
mussten sich jene einfachen Vorstellungen bedeutend modi- 
ficiren. Der den Seelen zufallende Wohnort ist von den 
Thaten der Verstorbenen abhängig. Es gibt sehr verschiedene 
Grade der Seligkeit mit bestimmten Localitäten des Himmels. 
Dem unerbittlichen Gesetze der Seelenwanderung, welches 
die ganze organische und unorganische Welt umfasst, sind 
auch jene Regionen, mit Ausnahme der höchsten, unterworfen. 
Nur die höchste Reinheit, Erkenntniss und Entsagung lassen 
das höchste Ziel, »das Verwehen der individuellen Seele im 
Weltall (Brahman)« erreichen. 

Der Himavat, der Mittelpunkt der irdischen und himm- 
lischen Welt, der Sammelpunkt der Geisterschaaren verschie- 
densten Grades, bildet das thatsächliche Verbindungsglied 
zwischen Erde und Himmel. 

Daher gehen die Pändu-Helden »des Leibes Hülle ver- 
lassend, freiwillig zu des Himmels Lust ein auf den schnee- 
igen Höhen des Himmelsberges Himavat«. Nachdem Dhrita- 
rashtra und Pändu den Duryojana auf den Thron gesetzt, 
traten sie die Reise nach dem Himmel an. 

»Nordwärts gerichtet, wanderten sie durch Thal und 
Schlucht den Berg hinan und über die ewig weissen Gefilde 
des Königs der Felsen, des Himavat, wo nichts mehr blüht, 
kein Gräschen grünt, und durch die Luft kein Vogel mehr 
sich schwingt, wo nichts Lebendiges sich regt, als der Wind 
allein, dort immer nordwärts, immer emsiger still wandernd, 
bis der Leib erstarrt zurückblieb und die Seele befreit sich 
in der Götter Gefilde schwang.« ') 



^) Holt z mann, Ind. Sagen. I, 30, 3g. Später wandern die fünf Pändu's, 
Yudhishjhira, Arjuna, Bhimasena, Nakula, Sahadeva, nachdem Parikshit die 
Enkel des Arjana zum König gesalbt, von ihrer gemeinschaftlichen Gemahlin 
Draupadt begleitet, auf den Himavat und Meru in der gleichen Absicht. Vgl. 
Darmestete r, Points de contact entre le Mahäbhdrata et le Shäh-Nämah 
Journ. As., I887. 



— 24 — 

Diese Stellen weisen zugleich auf die bei den From- 
men eingebürgerte Sitte hin, ihr Ende den Blicken der 
Welt zu entziehen, und allein oder in Gesellschaft weniger 
Freunde den Tod in den Schneegebilden des Himalaya auf- 
zusuchen. Diese Sitte wird in den Gesetzbüchern des Apa- 
stamba und des Manu förmlich codificirt. Im Manu B. VI, 31 
heisst es, nachdem die Pflichten eines dem Einsiedlerleben 
obliegenden Brahmanen aufgezählt wurden: »Er soll gehen, 
fest entschlossen, immer in nordöstlicher Richtung, von Wasser 
und Luft lebend, bis sein Körper zur Ruhe sinkt«. 32. »Ein 
Brahmane, welcher seines Körpers auf eine dieser von den 
grossen Weisen vollführten Arten ledig geworden ist, wird 
in die Welt des Brahman erlöst, frei von Sorge, Kummer 
und Furcht.« Zugleich bestimmt 35, dass dies nicht vor Er- 
füllung der drei Pflichten eines Brahmanen geschehen dürfe. 
Die Commentatoren bemerken zu 32, dass die von den Weisen 
sanctionirten Todesarten sind : ertrinken in einem Fluss, 
herabstürzen von einem Berge, sich selbst verbrennen, oder zu 
Tode hungern. Nach Bühler war es besonders die letztere 
Todesart, welche als das würdige Ende eines Einsiedlers galt. *) 

Wir wissen aus den Berichten englischer Reisender, dass 
dies Herabstürzen von einem Berge im Himalaya am Anfange 
unseres Jahrhunderts noch vielfach ausgeübt wurde. 

In der Nähe des Tempels und Klosters von Kedar Nath 
am Ursprünge der Kalt Gangä befindet sich der Pik Mahä 
Panth und die Felswand Bhyrawa Ihamp, zwischen Gangotri 
und Maha Panth der Brighu Pik, von welchen sich alljähr- 
lich viele Personen herabstürzten. 2) Doch gibt es noch viele 
andere Plätze hiefür. So der Fels Bhircalleh (Opferfels) 
auf der Insel Mundata im mittleren Nerbudda. ^) Ferner der 
Felsen Ganthimji bei Pertanbgur auf dem Malvaplateau. **) 



') Bühler, Apastamba, II, 23, 2. Manu, VI, 312 ff. 

2) Ritter, Erdk., II, 946. Diese Todesart heisst Bhrigu-pdta. 

3) Ritter, Erdk., IV, 2. Malcolm, Mem. Centn Ind. Dalamaine Ac. 
of Ongkar As. Journ. N. S., III, 207 ff. Ebenso der Gimär in Kdthyäwär. 

*) Malcolm, Mem. Centr. Ind., II, 210. 



— 25 — 

Als eine Erinnerung an den Todessprung scheint mir 
die im Gerwhal geübte Sitte aufzufassen zu sein, nach welcher 
^ein Seiltänzer, Badi, auf einem von einer Bergspitze ins Thal 
gespannten Seile mittelst eines hölzernen, mit Fett geschmierten 
Sattels herunterrutscht. Diese Ceremonie findet alljährlich zu 
Ehren des Qiva statt und soll die Fruchtbarkeit der Felder 
garantiren. ^) 

Der Mandara spielt eine ähnliche Rolle im Mahäbhärata 
wie der Himavat. Während des Kampfes mit Vritra und dessen 
Schaaren berathschlagen die Götter daselbst. Er heisst 
aber auch die Wohnung des Indra und Vai9ravana. Der 
Weise Märkandeya sah in einem Traume Qiva und Vishnu, 
jeden mit den Emblemen des andern geschmückt, auf der 
Nordseite des Mandara. Auf diesem Berge des äussersten 
Ostens verehren die Rishi's, Siddha, Sädhya die von ihm aus- 
gehende Sonne. Sonne und Mond kehren zu ihm, nachdem 
sie den Meru umwandelt, zurück. Der Weg zum Himmel des 
Indra, zum Svarga, führt über den Mandara. Arjuna ruft auf 
seiner Fahrt dahin den Berg mit den Worten an: »Durch 
Deine Gnade den Svarga erreichend, wandeln Brahmanen, 
Kshattrija und Vai9ya sorgenlos mit den Deva. 2) 

In einer anderen Stelle des Mahäbhärata heisst der Man- 
dara die Wurzel des Himavat.^ Man dachte sich denselben 
als Grundlage der Erde und dessen Ausläufer als Berg des 
Aufganges (Udaya) im Osten und als Berg des Unterganges 
im Westen (Asta). ^) Wir lesen z.B. im Mahäbhärata: »Da 
sank der tausendstrahlige Gott (der dieses Erdenrund erhellt) 
zum Ast hinab, am Schlüsse des Tages.« ^) Auf dem Mandara 
liegt ferner der Qvetavana, der weisse Wald, wo Mahädeva 
den Daitya Andhaka besiegt. ^) Er heisst auch der Sonnen- 
schirm des Varuna. Naraka, der von Vishnu bekämpfte und 



') Traill, Stat. Sketch of Kamoon As. Res., XVI, 224 f. 

'^) Muir, Sanscr. T. IV, 236. 

3) Lassen, Ind. Altk., I, 580. 

*) Lassen, Ind. Altk., I, 550. 

^) Holtzmann, Ind. Sagen, I, 229. 

^) Senart, Leg. d. Buddha, 107. 



— 26 — 

besiegte Dämon, hat denselben, sowie die Ohrgehänge der 
Aditi, aus welchen himmlischer Nektar träufelt, geraubt und 
in seine Festung auf dem Maniparvata geschleppt. ') 

Bei der Quirlung der Milchmeeres dient der Mandara 
als Quirlstock. 

Den zu den Wolken ragenden, 
mit allen Pflanzen und Bäumen bewachsenen, 
von Thieren und Vögeln jeder Art 
bewohnten, von den Göttern geehrten, 
berühmten Berg, den Mandara, 
den rissen die Götter und Dämonen aus 
und trugen sammt den Wäldern ihn, 
und sammt den Waldbewohnern fort 
und kamen an den Ocean.^) 
A. Kuhns geniale Auslegung des letztgenannten Mythus 
als eine Darstellung der Hervorbringung des himmlischen 
Feuers kann, wenn auch nicht als Ausgangspunkt, doch 
wenigstens als einer der Angelpunkte jener Theorie der ver- 
gleichenden Mythologie gelten, welche M. Müller die meteoro- 
logische nennt. Derselbe betrachtet den Mandara sammt seinen 
zahlreichen Attributen als mythologische Individualisirungen 
der Wolkengebilde und der in ihnen auftretenden meteorolo- 
gischen Phänomene. Die Kämpfe des Naraka mit Vishnu 
gelten als eine andere Version der Kämpfe des Räma mit 
Rävapa, d. h. des Sonnengottes mit den Wolkendämonen. ^) 
Dieser Auffassung steht die historische gegenüber, welche, 
von Lassen vertreten, im Mandara, dem Maiav8po(; der Grie- 
chen, das Muin-Mura Gebirge erblickt. Naraka und sein Land 
Prägjyotisha sind ihm concrete Gestalten ; letzteres nach 
der Schilderung seiner Erzeugnisse und späteren Zeugnissen 
deutlich als West-Bhutan und Vorder-Assam erkannt. In den 
genannten Kämpfen sieht Lassen historische Vorgänge. Nord- 

1) Senart 1. c, i86, 233 u. s. w. 

2) Holtzmann, Ind. Sagen, IT, 130. 

3) Senart 1. c, 40, 107. 

*) Senart 1. c, an vielen Orten. 
*) Lassen a. a. O., I, 665 f. 



— 27 — 

östlich vom Kailäsa gibt es einen hohen Berg, Naraka, dessen 
schneereicher Gipfel als aus den Knochen der von Krishna 
oder Väsudeva erschlagenen Helden gebildet betrachtet wurde. 
Auch Weber vertritt den historischen Standpunkt bezüglich 
des Naraka. Nach demselben Gelehrten bezeichnen uda- 
yagiri und astagiri im Ramayäna (an einzelnen Stellen) und 
in- späteren Zeiten überhaupt bestimmte Berge, im Mahäbhärata 
jedoch den östlichen und westlichen Horizont. ^ 

Dem Inder der Vedenzeit waren überhaupt Himmel und 
Erde vollkommen gleichwerthige, zusammengehörige und auch 
in ihrer Beschaffenheit höchst ähnliche Dinge, wie schon die 
oft wiederkehrende Zusammensetzung Dyäväprithivi beweist.^) 
Besonders charakteristisch ist der Hymnus (R. V., V, 84) an 
die Erde und das mit ihr zusammengedachte Wolkengebiet. 
Derselbe lautet nach Grassmann's Uebersetzung : 
>Ja du, o Erde, trägst fürwahr 
der hohen Berge schwere Wucht; 
Die holde du, an Höhen reich, 
das Land erquickst mit deiner Huld. 
Dich priesen, o durchwanderte, 
Loblieder in der Tage Glanz, 
Die schimmernde, den Regen du 
entsendest wie ein vriehemd Ross. 
Die, starke, du die Bäume auch 
mit Kraft in deinem Schoosse hältst, 
Wenn deiner Wolke hellem Blitz 
des Himmels Regenguss entströmt.« 
In ätr schönen Ode, R. V., I, 185 (Grassmann, II. 176), 
werden Nacht und Tag als Zwillingstöchter von Erde und 
Himmel betrachtet, welche sich beim Begegnen im Nabel 
der Welt küssen. Himmel und Erde sind die Eltern der 
Sonne und des Agni (R. V., I, 140). Sie sind die oft um 
Schutz und Hilfe angerufenen Göttereltern. 



^) Weber, Ind, Litteraturg., 205. 

2) Weber, Z. d. D. morg. Ges., IX, 284. 

3) Müller, Wiss. Spr. D. Ueb. II, 519. 



— 28 — 

Der Himmel wird gerade so wie die Erde eingerichtet 
vorgestellt. Indra hat die zwei Wohnstätten ausgemessen und 
gefestigt. Doch haben auch die andern Götter sich um Be- 
festigung und Ausschmückung des kosmischen Hauses ver- 
dient gemacht (Varuna, Savitar, Brihaspati, Vishnu, Tvashtar, 
die Ribhus); das Material dazu lieferte der Weltenbaum. Das 
kosmische Haus enthält zahlreiche hohe und weite Thore, 
durch welche die Götter aus und eingehen. Die Sänger des 
Rigveda sprechen von einem Gebälk des Himmels und der 
Erde. Der Regen wird in hölzernen Fässern aufbewahrt. *) 

Gemäss der Voraussetzung einer Identität der beiden 
»Weltschalen« werden alle Beobachtungen über die physische 
Beschaffenheit der Erde ohneweiters im Wege von Analogien 
auf den Himmel übertragen, und umgekehrt der Erde Eigen- 
schaften des Himmelraumes beigelegt. Wie einerseits die Erde 
als grenzenlos, 2) als vierspitzig (von den vier Weltgegenden), 
als gleich gross wie der Himmel aufgefasst wird, so finden 
wir der Wolkenregion dieselbe geographische Gliederung, ja 
dieselbe organische Bevölkerung zugetheilt, wie sie die Erde 
besitzt. Es ist von Gebirgen in derselben die Rede, von wel- 
chen die sieben Ströme abfliessen, die. sieben Schwestern des 
Varuna, nach R. V., VIII, 41. Auch die Ganga hat einen 
himmlischen Arm. Die sinnlichen Anhaltspunkte zu diesen 
Analogien gaben die stets wechselnden Formen der theils 
der Erde, theils dem Himmel zugewiesenen, theils auch selbst- 
ständig hingestellten Luftregion. 

Die Phantasie der Inder des Mittelalters hat an dieser 
Auffassung festgehalten und dieselbe mit äusserster Conse- 
quenz weiter gebildet. Sie fand daher auch keine Schwierig- 
keit in der Annahme, dass die indischen Gebirge in den 
Himmel reichen, sie construirte himmlische Gebirge, deren 
l^epräsentanten die indischen Gebirge sind. Je heiliger ein 
Gebirge ist, desto inniger ist dessen Zusammenhang mit dem 
Himmel ; daher erhöht sich ein Gebirge durch die Busse der 



^) Wallis, Cosmology of the Rigveda, 17 ff. 
2) Wallis 1. c, 112. 



— 29 — 

darauf weilenden Asceten, So reicht der Himälaya bis über 
die Sonne, ja nach Kälidäsa (Kumara Sambhava) über die 
Region der Fixsterne hinaus. Die irdischen Berge werden 
mit diesen ihren himmlischen Verlängerungen vollständig 
identificirt und erlangen dadurch einen überirdischen Cha- 
rakter, Himmels- und Erdengebirge werden collectiv erwähnt. 
So schweift der Menschenkönig Nahusha, nachdem er durch 
die Gewalt seiner Busse zum König über die Götter und die 
drei Welten geworden, »in seinem Uebermuthe in allen 
Himmelsgärten umher, im Götterhaine Nandana, auf den Ge- 
birgen Himavat, Kailäsa, Qveta, Mandara, Sahya, Mahendra, 
Malaya, an den Flüssen und des Meeres Strand, von Himmels- 
mädchen und allerlei göttlichem Gefolge umringt.« ^) 

In den mythologischen Vorstellungen, welche sich an 
die indischen Gebirge knüpfen, spiegeln sich zweifelsohne 
die sinnlichen Eindrücke ab, welche die irdische Gebirgs- 
welt hervorgerufen hat. Die grossartige Bodenanschwellung 
Mittelasiens steht hier in erster Reihe. Die unverkennbaren 
Anklänge an die Wirklichkeit, welche das Mahäbharata ent- 
hält, sind von Wilson u, A. discutirt worden. Das hervor- 
stechendste orographische Moment dieses Erdtheils, die An- 
scharung riesiger Gebirgsstöcke, findet hier immerhin einen, 
wenn auch unvollkommenen Ausdruck. Eine Betrachtung der 
V. Richthofen'schen »Karte der Gebirgszüge Centralasiens« zeigt 
allerdings, wie weit die thatsächlichen Verhältnisse von der 
indischen Auffassung abweichen, allein wir können doch 
ahnen, wie die von kolossalen Bergketten eingeschlossenen 
Stufenlandschaften und die durch flachwellige Linien be- 
grenzten Steppenbecken Centralasiens zum Begriff der Var- 
shas sich entwickeln. Wird auch die Bedeckung von ganz 
Centralasien durch das Meer in einer der jüngsten Epochen 
der Erdgeschichte von Richthof en entschieden in Abrede ge- 
stellt, so räumt dieser scharfsinnige Beobachter doch ein, dass 
die Wasserfläche zur Zeit des Erscheinens des Menschen 
noch ungleich grösser war als gegenwärtig, womit zugleich 



*) Holtzmann» Ind. Sagen, I, 326. 



— 30 — 

wesentlich günstigere klimatische Verhältnisse verbunden waren. 
Es gehören somit weder die Vorstellungen von den die Ge- 
birgsketten trennenden Meeren gänzHch in das Reich der 
Erfindung, noch etwaige Andeutungen über Cultur in den 
gegenwärtig von Nomaden durchschwärmten Gebieten. 

Die Bodenplastik hat zweifelsohne mächtig zur Mythen* 
bildung, wie zur Aufstellung localer Götter und Geister 
angeregt, wie z. B. des Himavat, Kuvera, der zahlreichen 
Bergdämonen, welche noch heutzutage daselbst verehrt wer- 
den. Vor Allem sind die Quellgebiete der grossen indischen 
Flüsse seit langer Zeit Gegenstand heiliger Scheu und Ver- 
ehrung, so jenes der Qatadru südlich vom Kailäsa, der Yamunä. 
An die Stelle des Tempels Gangotri (Gangavatri), wo die Ba- 
girathi Ganga schon in beträchtlicher Stärke zu Tage tritt 
(ihr Quellgebiet ist noch nicht erforscht), verlegt das Mahä- 
bhärata das berühmte Pferdeopfer des Daksha, zu welchem 
Mahädeva nicht eingeladen wirdJ) Mit dem höchsten Pik, wel- 
cher das Schneefeld Jamnotri (Jamunavatri) überragt, setzt die 
Legende Hanuman in Verbindung. Das Schneefeld selbst darf 
nicht betreten werden. 2) Es sollen sogai' Tempelbauten an 
diesen geheiligten Orten in alten Zeiten verboten gewesen 
sein. Die Vielseitigkeit solcher rein physischer Anregungen der 
Phantasie wird auch durch die Verehrung der Ammoniten 
(Salagrama) klargelegt, welche in gewissen Gebirgsschichten 
des Himälaya vorkommen. 

Die Darstellung des Mahabhärata greift jedoch weit über 
die irdischen Verhältnisse hinaus. Sie steht unter sichtbaren 
Einflüssen der brahmanischen Kosmologie, welche nach Roth's 
treffendem Ausdruck alle Höhen und Tiefen der Welt und 
Zeit in ihren Kreis zieht und schematisirt. Im R. V., I, 35, 8 
wird die Erde noch als aus acht Bergen, drei Continenten 
und sieben Strömen bestehend, beschrieben. Die Vedenzeit 
kennt auch nur zwei oder drei Welten (Erde und Himmel 
oder Erde, Luft, Himmel). Eine weitere Gliederung scheint 

») Ritter, Erdk., II, 664, 892, 1024, 1048. 

2) Andere verlegen dasselbe weit tiefer hinab an die Stelle des heutigen 
Hurdwar. 



__ 31 — 

nicht platzzugreifen, obwohl die Zahl sieben im Rigveda 
bereits eine bedeutende Rolle spielt. 

Auch die Eranier nehmen die Dreizahl der Welten an 
(Qpihar, A9man, Erde), sowie die Eintheilung der Erde in 
sieben Karshvare. Die letzteren finden sich nach Justi bereits 
in den ältesten Theilen des Avesta, in welchen von der Sieben- 
heit der Erde (bümyäo haptaithe) die Rede ist. ') Spiegel hat 
neuerdings betont, dass auch die Kosmogonie beider Cultur- 
kreise beachtenswerthe Berührungspunkte aufweist, welche 
jedoch nicht in die arische Epoche zurückreichen dürften. 
Diese gilt sicherlich auch von den sieben Varshas oder Kesb- 
vars, während die Dreiheit der Welten allerdings möglicher- 
weise arischen Ursprungs ist.'-^) 

Nehmen wir mit Weber, Justi u. A. an, dass die sieben 
Kreise in gewisser Beziehung zu den Planeten stehen, so er- 
klärt sich das relativ späte Auftauchen jenes Schemas bei den 
Indern, welche erst in der jüngeren Vedenzeit der Planeten 
gedenken.^) Diese Zonen stellen offenbar das irdische Gegen- 
stück dar zu den sieben Planetensphären, welche sich nach 
brahmanischer Auffassung über dem Meru aufthürmen, so dass 
die Concordanz zwischen Erde und Himmel gewahrt bleibt. 

Von andern Analogien zwischen eranischen und budd- 
histischen Vorstellungen sei besonders der vier Heerführer 
oder Könige gedacht (Lokapälas), denen die Aufsicht über die 
vier Weltgegenden anvertraut ist. Diese Analogie ist Spiegel 
nicht entgangen. Doch hält dieser Gelehrte die indischen Loka- 
pälas sowohl dem Namen als dem Wesen nach für von den 
bei den Eraniern als Gestirngottheiten aufgefassten Welthütern 
verschieden.^) Nun finden wir aber in dem vom Priester Jin- 
ch'an verfassten, vom Kaiser Wan-leih der Minydynastie 1573 
n. Chr. herausgegebenen buddhistischen Kosmos^) die An- 
gabe, dass den vier Königen 28 dienende Geister unterstellt 
sind, dass jeder von ihnen 91 kraftvolle Söhne besitzt, welche 

*) Justi, Beitr. z. alten Geogr. I^ers,, 1. Abth., S. 2. 

2) Spiegel, Arische Periode, 307 f. 

3) Zimmer, Altind. Leben, 355, 

4) Spiegel, Eran. Altk., II, 75. 
^) Beal, Catena of Buddhist scriptures, S. 72. 



— 32 — 

alle Könige heissen und im Stande sind, die zehn Regionen 
des Weltraums zu vertheidigen. Diese 28 dienenden Geister 
erinnern lebhaft an die Nakshatras und an die 28 Qortas der 
Eranier, welche bereits im Bundehesh aufgezählt werden. 
Die relativ späte Erwähnung dieser Hilfsgeister wird durch 
den von Beal ausdrücklich hervorgehobenen officiellen Cha- 
rakter des betreffenden Werkes und durch den Umstand com- 
pensirt, dass dasselbe auch bei den gelehrten Priestern Indiens 
in höchster Achtung stand» Darin liegt doch wohl eine Art 
von Gewähr, dass mit dieser Erweiterung nichts der buddhi- 
stischen Auffassung Fremdes eingeführt wurde. Es ist somit 
wahrscheinlich, dass auch den Lokapälas ursprünglich eine 
siderale Bedeutung zukam, woran sich ganz ungezwungen 
die Vergeistigung der Mondhäuser anschliessen konnte. 

Die annähernde Coincidenz der 33 Götter mit den 31 
ausgezeichnetsten Genien der Eranier, welche auch Plutarch 
aus der zahllosen Geisterschaar derselben hervorhebt, ^) wird 
gleichfalls kaum eine zufällige sein. Sie ist umso bemerkens- 
werther, als bekanntlich dieser Collectivbegriff an vielen Stellen 
des Rigveda, und zwar in den ältesten wie in den jüngsten 
Theilen desselben vorkommt. In der Verschiedenheit der 
Deutungen drückt sich die Unklarheit aus über die mit diesem 
Begriff ursprünglich verbundenen Grundvorstellungen. Die 
spätere Zeit erblickt darin nach Burnoufs Ausdruck einen 
Complex von atmosphärischen und elementaren Gottheiten, '^) 
welcher als solcher Eingang in den buddhistischen Kosmos 
fand. Ausser demselben gibt der vorerwähnte Kanon des 
Jin-ch'an noch jedem der vier Könige je acht Generale bei, 
welche in den vier Welttheilen die Anhänger des Buddha zu 
unterstützen haben. Der höchste derselben, Videha, wird be- 
sonders im Kampfe gegen Mära gerühmt^) (Beal 1. c, 73). 

Spiegel, Eran. Altk.; II, 41. 

^) Introd. ä l'histoire d. Bouddhism., 541. Vgl. Zimmer, Altind. Leben, 
354, Ueber die Bedeutung der Zahl 34. 

^) Ueber Mira vgl. Weber, Ind. Litteraturg., 323, Anm. Nach vielen 
Anzeichen zu schliessen, ist die Zeit nicht mehr ferne, in welcher die von 
diesem Gelehrten geforderten Anhaltspunkte für geistige Berührungen zwischen 
Iran und Indien in historischer Zeit vorhanden sein werden. Vgl. Brunnhofer, 
Iran und Turan. 



— 33 — 

Sie werden ausdrücklich als Sterngötter bezeichnet und haben 
ihren Wohnort unterhalb der 33 Himmel, in welchen letzteren 
übrigens die vier Könige mit ihrem Gefolge ebenfalls Dienst 
verrichten. Diese Einschiebung ist, so weit man aus Hardy's 
Material entnehmen kann, dem nördlichen Buddhismus eigen- 
thümlich und daher wohl relativ neueren Datums. Die bud- 
dhistischen Legenden machen den ausgiebigsten Gebrauch 
von der Zahl 32 (körperliche Merkmale des Buddha u. s. w.), 
während die Zahl 33 eine wichtige Rolle in den Schriften 
des Mazdeismus, dem Bundehesh und dem Maino-i-Khard 
spielt. Auch wirft die mongolische Bezeichnung des Indra, 
des Oberherrn der 33 Götter mit Chormuzda (Ormuzd) ein 
eigenthümliches Schlaglicht auf die Verflechtung von parsi- 
schen und buddhistischen Vorstellungen.^) 

Bei Erwägung dieser Parallelen kann man unmöglich 
übersehen, dass die ältesten Quellen für die Kenntniss der Ge- 
stirne wie für die Annahme eines Einflusses derselben auf 
irdische Verhältnisse, für die Vorstellung eines Kampfes der 
bösen Geister gegen den Himmel und der Sterne als des 
himmlischen Heeres in den semitischen Culturkreisen liegen.^) 
Die sieben verkündigenden Planeten, die sieben »chiefs of 
the week (mäsi)«, die dreissig berathenden Sterngötter der 
Babylonier sind wohl die unmittelbaren oder durch fremde 
Vermittlung eingedrungenen Vorbilder für die Kosmologie 
der Inder, welche zugleich mit der Kenntniss der Planeten 
vom Brahmanismus aufgenommen wurden, in noch weit 
höherem Grade jedoch im Buddhismus hervortreten. Die ver- 
schiedenen Farben der einzelnen Seiten des Meru erinnern 
lebhaft an die von Herodot erwähnte Burg in Ekbatana, deren 
sieben Mauern verschiedene Farben trugen. Neuere Funde 
weisen auf ähnliche Ausführungen in Babylonien. ^) Wie 



') Koppen, Rel. d. Buddha, I, 25. 

2) Oppert, Journ. As., 187 1, Die sieben Planeten heissen die sieben 
Sphären (1. c. 488). Sayce, Transact. of Soc. Bibl. Arch. III- 173. 

^) In Porsippa bei Babylon, einem Centrnm chaldäischen Gottesdienstes, 
war der von Nabucbadnezar errichtete Tempel des Nebo in sieben Stock- 
werken, von denen jedes eine andere Farbe hatte (Layard, Ninive and Babylon, 
V. Andrian, Höhencultus. 3 



— 34 — 

dürftig auch diese Zusammenhänge dermalen noch sind, so 
gewinnen sie dadurch an Bedeutung, dass wir dieselben noch 
weiter im Osten, in China, wiederfinden, und zwar, wie es 
scheint, in vorbuddhistischer Zeit.*) 

Die Wege, auf welchen der Buddhismus zu jenen Vor- 
stellungen gekommen ist, bleiben allerdings noch heute dunkel; 
wir können nur vermuthen, dass die stärksten Einschübe 
i'elativ spät unter Einfluss des Parsismus erfolgten J) In weit 
frühere Zeit führt uns die Erwähnung des Mahä-Meru im 
Käthaka-Theil des Taittiriya-Brähmana, welches den Anfang des 
Taittiriya-Aranyaka bildet. In diesem letzteren Werke tritt auch 
die wahrscheinlich den Planeten geltende Bezeichnung sapta 
süryäh zum ersten Male auf. 2) Auch beweisen die in dem- 
selben Brähmana enthaltenen Vorschriften über die bis dahin 
nirgends erwähnten Opfer für die Mondstationen eine weitere 
Ausbildung der Astrologie zu Ende der Vedenzeit, in welcher 
auch die ersten Anspielungen auf buddhistische Anschauungen 
(Maiträyani-Upanishad) auftauchen.^) Angesichts der sich meh- 
renden Beweise für fortgesetzte und sehr alte Verbindungen 
Indiens mit Westasien ^) Hessen sich die erwähnten Fort- 
schritte in der Himmelskunde und Astrologie ebenso aus den 
semitischen Culturkreisen ableiten, wie dies z. B. für die Mond- 
häuser und die indische Schrift längst geschehen ist. Die 



280). Diese Thürme, von denen jede chaldäische Stadt einen besass, hiessen 
Zikurrat, was Lenormant (Divination 35) mit Pic ä montagne übersetzt. Auch 
die indischen Stüpas und Meru-^riugas wären hier vielleicht beizuziehen. Vgl. 
Koppen, Rel. d. Buddha, II, 541. Bei den Dagobs sind die »sieben Kleinode« 
zu verwenden: Gold, Silber, Lasurstein, Krystall, rothe Perlen, Diamant, Ko- 
rallen (Lotus, 319). Selbst einigen Bergketten des Himdlaya werden bestimmte 
Farben beigelegt. 

^) Vgl. Koppen, Rel. d. Buddha, 11,28 bezüglich der Dhyana-Buddha's 
und Amithaba, welcher schon im Lotus de la bonne loi vorkommt. Ferner 
Spiegel, Avesta, p. 37 bezüglicu der tausend Buddhas, sowie dessen Zarat- 
hushtra und (Jakyamuni (Arische Periode, 289). Man ersieht daraus, dass be- 
sonders der nördliche Buddhismus einer intensiven Anpassung an den Parsis- 
mus in späterer Zeit unterworfen war. 

2) Weber, Ind. Litteraturg., 268. 

3) Weber, Ind. Litteraturg., 101 f. Schröder, Ind. Litt., 185. 
*) Weber, Ind. Litteraturg», 2, 221. 



— 35 — 

weiter sich daran anschliessende Frage, ob nicht überhaupt 
der Arälü, *) der Berg des Goldes, der Göttersitz, das Land 
der Seligen, das Vorbild für den Meru, wie für viele andere 
grosse Götterberge Asiens abgegeben habe, wird wohl aufge- 
worfen, jedoch bei dem heutigen Stande unserer Kenntniss 
der Litteraturen des Yajurveda und der Keilschriften noch 
kaum mit Aussicht auf Erfolg discutirt werden können. 

Bezüglich des Mandara als Berg des Ostens und Westens 
bietet nachfolgender chaldäischer Zauberspruch ^ an die sieben 
bösen Geister eine schlagende Parallele: 

»Die sieben auf dem Berge gegen Sonnenuntergang 

wurden sie geboren. 

Die sieben, auf dem Berge gegen Sonnenaufgang wur- 
den sie gross. 

In den Schluchten der Erde haben sie ihren Sitz, 

Zu den Höhen der Erde steigen sie empor.« 

Da, wie bereits früher erörtert, vor dem Auftauchen der 
Idee des Meru eine selbstständige Verehrung des Himälaya 
in seiner Totalität nicht nachweisbar ist, lässt sich die Ver- 
muthung nicht unterdrücken, dass die mythische und kosmo- 
logische Bedeutung des Himälaya sich parallel mit der des 
Meru unter der Anregung semitischer Vorstellungen heraus- 
gebildet hat und dann später dem Bedürfniss der verschie- 
denen Religionssecten angepasst wurde. ^) 

Für eine weitere Analyse der mythologischen Attribute 
des Meru und Himälaya ist die jeglicher Consequenz ent- 
behrende Darstellung des Mahäbhärata unbrauchbar. Der 
Meru wird mit den übrigen Theilen des Himälaya vielfach 
zusammengeworfen. Ueberhaupt stellt sich das Ganze als ein 
buntscheckiges Conglomerat von theilweise widersprechenden 
Angaben aus verschiedenen Zeitaltern dar. So wird dem 



^) Jeremias, Babyl.-Assyr. Vorst. v. Leben n. d. Tode, 59. Er heisst auch 
•das Berghaus der Länder, die Säule, welche Himmel und Erde verbindet u. s. w. 

2) Fr. Delitsch in Herm. Deutsch. Uebers. v. Georg Smith, Chaldäische 
Oenesis, 308. Vgl. auch Lenormant, Chaldean Magic, 168, über die wichtige 
Stellung der Berge des Ostens und Westens in der babylonischen Mythologie. 

3) Vgl. Dr. Ad. Hol tz mann, lieber das altindische Epos, 16. 

3* 



- 36 - 

Kuvera der vierte Theil des Meru, dann der Berg Gandha- 
mädana, und gleich darauf der Hemaküta zugetheilt. Qiva 
residirt auf dem Meru, wird aber auch auf dem Kailäsa an- 
gebetet. Die schon längst als spätere Einschiebungen er- 
kannten Stellen zu Ehren des Qiva haben die älteren Vor- 
stellungen vollständig überwuchert. Man wird aus denselben 
ebensowenig auf die ursprünglichen Vorstellungen schliessen 
können, als aus jener Einschiebung, in welcher die Freuden 
des goldenen Meru, des heiligen Gartens Mandara dem weisen 
Büsser Mudgala geschildert werden, jedoch mit dem unange- 
nehmen Beisatze, dass man nur in der allerhöchsten Sphäre 
Vishnu's vor stufenweisem Zurücksinken in die irdische Wieder- 
geburt bewahrt bleibe. 

Wie es sich auch mit dem Ursprung der Meru-Idee 
verhalten mag, so ist jedenfalls sicher, dass dieselbe zu einer 
der wichtigsten Quellen von Höhenverehrung in späterer Zeit 
geworden ist. Jede der grossen indischen Religionen hat sich 
ihren Götterberg construirt und denselben an zahlreichen ir- 
dischen Bergen localisirt. Der Himälaya selbst wurde unter 
dem Einflüsse dieser Vorstellungen zu einem riesigen Pan- 
theon, in welchem alle indischen Gottheiten und ebenso 
alle bedeutenden Gestalten der Sagenwelt ihren Platz fanden. 
Schon im westlichen Theil desselben finden wir zwischen 
dem Chinab und Indus Berge mit Namen Trikota (Tricota 
devi, heiliger Dreigottesberg) , Rumunpgur (Rama nagana 
Ritter). ') Das Gebiet zwischen Ladak, Kaschmir, Skando, eine 
ausgedehnte, grösstentheils mit Schnee bedeckte Hochebene, 
heisst bei den Einwohnern von Kaschmir Deo-Su (Götter- 
ebene) 2). Ritter erwähnt drei Kailäsa. 3) Ferner sei noch des 
im Osten von Gangotri sich aufthürmenden Riesengebirgs- 
stockes gedacht, dessen fünf Hauptspitzen die Namen Rudru- 
Himalleh, Brahmapuri, Vishnupuri, Udgarikantha, Swarga- 
rohini tragen.^) Ein schwer zu erreichendes Ziel der Pilger 



^) Ritter, Erdk., V, 84, 85. 
-) Moorcroft, Trac, II, 63. 
3) Ritter, Erdk., II, 13. 
*) Ritter, Erdk., II, 947, 95.2: 



— 37 — 

bilden ferner die Panch-Kedar. ^) Weiterer Localitäten im 
Himälaya wird noch später gedacht werden. 

Berggötter und Bergdämom im indisehen MitteMter. 

Mit der Verehrung gewisser Berge als Symbole des Kos- 
mos sind die um den Höhencultus gruppirten Vorstellungen 
der Inder nicht erschöpft. Im Verlaufe der weiteren Entwicke- 
lung des indischen Geistes scheint sich eine mehr animistische 
Verehrung der Berge ausgebildet zu haben, welche ursprüng- 
lich vollkommen unabhängig ist vom früher besprochenen 
Ideenkreise, jedoch später gewiss vielfach mit demselben ver- 
schmolzen wird. Bei der Verfolgung der Spuren animistischer 
Höhenculte begegnen wir allerdings gewissen, in dem allge- 
meinen Charakter der indischen Litteraturerzeugnisse begrün- 
deten Schwierigkeiten. Die in denselben enthaltenen zahl- 
reichen Personificationen der Berge können doch wohl nur 
als poetische Wendungen aufgefasst werden. So ruft die von 
Ravana entführte Sita Himmel, Erde, Berge, Flüsse zum 
Beistand an. Ebenso bekannt ist die folgende Stelle aus der 
rührenden Klage der von Nala im Walde heimlich verlasse- 
nen Damayanti : ^) 

Hier diesen hohen König dei* Felsen, 

den buntgefärbten, frage ich. 

Erhabner, Schutz verleihender Berg, 

Dir komme ich mit Verehrung nah. 

Erfahre, die sich vor dir beugt, 

ist Damayanti, weitberühmt, 

die eines Königs Tochter sich 

und eines Königs Gattin nennt. 

Hast du mit deinen ragenden Häuptern, 
o bester Berg im Wald umher. 
Den Nala, meinen Gatten, erblickt? 
O sag' es schnell, erbarme dich. 



1) Traill, As. Res., XVI, 167, 210. 

2) Holtzmann, Ind. Sagen, II, $^. 



- 38 - 

und tröste mich, von Kummer gequälte, 
als wäre ich dein eignes Kind* 

Die Gestalten des Himavat, des Kuvera u. s. w. sind 
dagegen immerhin derart individualisirt, dass wir darunter 
Schutzgeister der Berge erblicken dürfen, w^elche früher oder 
später ins indische Pantheon gelangten. Auch niedere Berg- 
geister wurden wohl schon früh durch Anrufung und Wall- 
fahrt geehrt. Man wird kaum annehmen dürfen, dass die Fülle 
von brahmanischen Legenden über die Geister der Felsen, 
Schluchten, Höhlen u. s. w., von welchen die Reisenden be- 
richten, alle aus neuerer Zeit stammen. In diese Kategorie 
müssen wir die 5,600.000 Bhairavas und Beirawi's in Nepal 
rechnen, ferner die Devatas der grossen Berge in Bhutan,, 
welche daselbst grosse Verehrung gemessen. *) 

Deutliche Anspielungen auf dieses Eindringen animi- 
stischer Höhenverehrung enthält das Gesetzbuch des Manu 
im Cap. IV. Die Wichtigkeit dieses Zeugnisses wird wohJ 
auch jetzt noch anerkannt werden müssen, wenn auch die 
neueren Forschungen das Alter dieses von allen Schulen an- 
erkannten Werkes bedeutend herabgesetzt haben. Manu, IV, 
60 schreibt nun vor: »Ein frommer Brahmane soll nicht in 
einem Dorfe wohnen, das von gottlosen Leuten bewohnt ist, 
gar nicht in einem Dorfe, das von Krankheiten stark heim- 
gesucht wird; er soll nicht allein auf die Reise gehen unä 
nicht lange auf einem Berge wohnen.« 2) 

Herr Professor Bühler, an den ich mich um Erklärung" 
dieser Stelle wandte, gab die folgende Auskunft: »Man soll 
deshalb nicht lange auf einem Berge wohnen, weil man dort 
nicht die vorgeschriebenen Waschungen — snäna, das Bad, 
welches nur in einem Teiche genommen werden darf, — 
vollziehen kann. Diese Vorschriften existiren nur für den 
Grihastha oder Hausvater, nicht für die Asceten«. Desgleichen 
erinnerte Professor Bühler auch daran, dass die Berge Wall- 
fahrtsorte sind, und das Wohnen bei Wallfahrtsorten arg 



^) Turner, Gesandtschaftsreise nach Tibet, 45, 57, iii. 
2) Bühl er, Laws of Manu, 138. 



— 39 — 

verpönt ist. Die Tirthaväsins oder bei Wallfahrtsorten Woh- 
nenden gehören zu den schlechtesten Leuten. » Der einheimi- 
sche Commentator lässt die Stelle unerklärt.« 

Diese Erklärung des berühmten Commentators der Ge- 
setzbücher scheint jedoch mit dem am Eingange dieses Ab- 
schnittes angeführten Cap. XV des Gautama Dharma9ästra, 
nach welchem gerade alle Berge als Orte angeführt werden, 
welche die Sünde zerstören, im Widerspruche zu stehen. 
Allerdings findet derselbe Widerspruch bezüglich der Wall- 
fahrtsplätze statt, doch ist dies letztere mit Hinblick auf die 
daselbst mit der Zeit eingebürgerte Lüderlichkeit und Beutel- 
schneiderei noch eher zu erklären, Erscheinungen, welche jedoch 
auf Berggipfeln zumeist nur selten auftreten. Aus dem Zu- 
sammenhange scheint mir obige Stelle eher auf Dämonen 
bezogen werden zu müssen, und zwar auf die Pi9äcas, die 
Dämonen der bösen Thaten, die Krankheitsdämonen und die 
Bergdämonen. Bezeugen uns doch viele Stellen aus Manu's 
Gesetzbuch, dass der Dämonenglaube ganz officiell war, wenn 
auch die brahmanische Religion sich von den Consequenzen 
desselben — der Zauberei — möglichst frei zu erhalten 
suchte. 

Nach dem Gesetzbuche des Gautama lebt der in der 
Wildniss wohnende Eremit von wildwachsenden Kräutern; 
er muss regelmässig die Götter, die Manen, die Menschen, 
die Bhütas und die Seher, welche den Veda geoffenbart haben, 
verehren. Auch viele andere Verhaltungsmassregeln stehen 
mit der Dämonologie im Zusammenhange. 

Uebrigens berichten Reisende, dass sie mit dem Motive 
der Dämonenfurcht nach erfolgter Besteigung von Berggipfeln, 
so des Adamspik, von den Führern schleunigst herunter- 
getrieben wurden (Ritter, Erdk., IV, 2, 209 — 217). 

In Manu IV, 46, 47 finden sich noch folgende bemer- 
kenswerthe Vorschriften: 46. Nie soll man seine Nothdurft 
verrichten auf gepflügtem Ackerland, im Wasser, in einem 
Ziegelhaufen, auf einem Berge, auf einem alten Göttersitze 



') Kern, Buddhismus D. v. Jacobi, II, 17. 



— 40 — 

und auf einem Ameisenhaufen. 47. Nicht in Löchern, welche 
von lebenden Wesen bewohnt sind, nicht gehend, nicht ste- 
hend, nicht in der Nähe des Ufers eines Ffusses, und nicht 
auf dem Gipfel eines Berges.« 

Der Commentar erklärt nur den Ziegelhaufen, der für 
das heilige Feuer bestimmt ist, alle andern Kategorien bleiben 
unerklärt. Wir wissen aber aus den Veden, besonders aus 
dem Atharvaveda, dass es sich hier um Objecte handelt, deren 
Verehrung wahrscheinlich seit ältester Zeit her dem indischen 
Volke geläufig war. *) 

Zu diesen heiligen oder bedeutungsvollen Objecten treten 
nun die Berge hinzu, und zwar was besonders wichtig er- 
scheint, alle Berge ohne Ausnahme. Dieselben werden übri- 
gens weder in den Verhaltungsregeln des Gautama, noch in 
denen des Väsishtha,^) welche denselben Gegenstand behan- 
deln, erwähnt. In den letztgenannten sind nur Flüsse, Pfade, 
Asche, Kuhdünger, das gepflügte oder angesäete Feld, Rasen- 
plätze und schattige Bäume als verbotene Orte bezeichnet. 
Nun hat Professor Bühler nachgewiesen, dass die Dharma- 
sütras des Gautama und des Väsishtha weit älter sind als das 
Manu-Smriti. Wenn auch die Chronologie der indischen 
Rechtslitteratur noch vielfach controvers und lückenhaft ist, 
so scheint doch auch selbst das Väsishtha Dharmasütra, das 
jüngere der beiden genannten Werke, sich näher an die altern 
Rechtsbücher der Vedenzeit anzuschliessen, als an das erst 
im 3. oder 4. Jahrhundert unserer Aera redigirte Gesetzbuch 



1) Vgl. Weber, Ind. Stud., XVIII, 153. Die Angaben über die Heilig- 
keit der Flüsse, an deren Ufern die Sterbenden ausgesetzt werden, sind sehr 
zahlreich. Eine Specialarbeit über die mythologische Bedeutung der Ameise 
wäre sehr erwünscht. Zählt doch Ziegenbalg, Geneal. d. malabarischen Götter, 
unter den zahlreichen Beinamen Isvara's auch den Ameisenhügel Buddidankon- 
daven und Valmikanätha, Ameisenerde mit dem Beisatze auf, dass aus letzterer 
der Mensch gemacht sei (1. c, 49). Vgl. Weber, Ind. Stud., XIII. Ueber- 
setzung des zweiten Buches der Atharva-Samhitd, wo der Hausherr die Zauber 
gegen Feldschaden ausübt und unter Anderm Gerste, Sesam, einen Erdklotz 
und einen Ameisenhaufen in den abgeschnürten Hoden eines castrirten Thieres 
einbindet. 

2) Bühl er, Sacred books ot the Aryas, II, 36. 



— 41 — 

des Manu, so dass der Zeitraum zwischen der Abfassung bei- 
der Werke jedenfalls ein beträchtlicher ist. Es ist somit kaum 
zweifelhaft, dass die in jenen Verboten ausgedrückte Scheu 
vor den Bergspitzen erst ein Product der späteren Entwick- 
lung oder späterer Einflüsse ist. 

Angesichts des relativ geringen Alters des dreissigsten 
Buches der Väjasaneyi-Samhitä, welche nach Weber*) einer 
ganz sekundären Epoche der vedischen Zeit angehört, ist es 
wohl erlaubt, hier die chaotische Liste der daselbst aufge- 
zählten Opfermenschen anzuziehen. Wir finden an der ersten 
Opfersäule festgebunden einen Waldmenschen, den (Berges-) 
Höhlen, ferner einen zerstörenden Wilden, den (Berges-) Höhen, 
endlich einen Waldmenschen, den Bergen geweiht. Die eigent- 
liche Bedeutung dieser Liste erscheint zwar trotz Weber's 
lichtvoller Erörterung noch nicht ganz aufgeklärt. Es wird 
sich jedoch schwerlich in Abrede stellen lassen, dass es sich 
hier um Anklänge an (factische oder symbolische) Menschen- 
opfer handelt, welche den Bergen dargebracht wurden. Da- 
bei erscheint es mir besonders charakteristisch, dass die da- 
für auserwählten Opfermenschen wilde Aboriginer sind. Sollte 
hier nicht an Menschenopfer gedacht werden dürfen, welche 
die Aboriginer ihren Berggöttern darbrachten? Später zu er- 
örternde Thatsachen machen eine derartige Annahme sehr 
wahrscheinlich. 

Die Auffassung, dass diese animistische Höhenverehrung 
auf den Einfluss der Religionen der »Aboriginer« zurückzu- 
führen sei, wird durch andere Thatsachen wesentlich unter- 
stützt, welche uns die Betrachtung der indischen Religion 
liefert. Wir gehen nun zu diesem Gegenstande über. 

Vishnu. 

Die Stellen des Rigveda, in welchen des Vishnu als 
Bergbewohners gedacht wird, lauten in Ludwig's Ueber- 
setzung wie folgt: 



') Weber, Ueber Menschenopfer in d. vedischen Zeit, Ind. Streif., I, 7 5 ff- 



— 42 — 

Hymne 150: 

»Des Vishnu Kraftthaten will ich nun verkünden, der aus* 
gemessen hat die irdischen Räume, | der der Höchsten Ver- 
sammlungsort stützte, dreimal ausschreitend der Weitschrei- 
tende. 

Gepriesen wird Vishnu vermöge seiner Kraft, wie ein 
furchtbares wildes Thier, das überall, wo es will, geht, das 
in den Bergen wohnt, auf des weiten dreifachen Schritten 
alle Wesen wohnen. 

Zu Vishnu erhebe sich als Kraft das Lied, dem auf dem 
Gebirge wohnenden, weitschreitenden Stiere, | der diesen lang 
ausgedehnten, gemeinsamen Ort er allein ausmass, und zwar 
mit drei Schritten. 

Des drei Orte von Madhu (Honig) voll unversieglich 
strömen von göttHcher Wesenheit | der das Dreifache, der 
Erde und Himmel, der sämmtliche \yesen allein hält. 

Diesen seinen lieben Ort möcht' ich erreichen, wo sich 
freuen die frommen Männer, | zugehörig zu diesem ist dort 
an des Vishnu, des weitschreitenden, höchstem Orte der Madhu- 
(Honig) Brunnen. 

In jene eure Wohnungen wünschen wir zu gehn, wo 
die vielhörnigen, raschen Rinder sind; | denn daher glänzt 
uns mächtig jenes weitschreitenden Stieres höchster Ort.« 

Der Anfang der nächstfolgenden Ode 151 lautet wie 
folgt: 

»Hervor mit eurem Trank dem an Euch denkenden, dem 
hohen Helden [und] dem Vishnu singt, | die unbethörbar auf 
der hohen Berge Rücken die beiden ihren Platz genommen 
haben, wie mit einem trefflichen Renner. 

Euern flammenden Angriff der beiden kraftvollen, o 
Indra und Vishnu hält ferne, der von eurem Safte trinkt, | dass 
ihr, was ja auf den Sterblichen gerichtet ist, [euerseits] abwehrt 
Kri9anu's, des Schützen, Pfeil.« 

Ueber die symbolische Bedeutung dieser Beziehungen 
Vishnu's zu den Bergen scheint niemals ein Zweifel bestanden 



— 43 — 

zu haben. Schon Yäska im Nirukta deutet darauf hin, dass 
auch hier Giri als Wolke genommen werden müsse J) 

Dagegen gab es über die Bedeutung der drei Schritte 
von Vishnu zwei Meinungen. ^ Nach der einen entsprechen 
sie der dreifachen Manifestation des Feuers auf der Erde, in 
der Atmosphäre und im Himmel. Die andere Auffassung ver- 
stand darunter die drei Stellungen der Sonne beim Aufgang, 
ihrer Culmination und beim Untergang. 

Diese letztgenannte Auffassung ist im Rämäyana Not. 
40, V. 54 in folgender Weise ausgedrückt: 

»Darüber ist der herrliche goldene Udaya parvata, der 
göttliche goldene Gipfel, von welchem die Sonne scheint, 
er berührt den Himmel (Sky) und ist hundert Yojanas hoch. . . 
57. Hier steht mit seinen Gipfeln (?) der feste goldne Sanma- 
nansaj eine Yojana breit und zehn Yojanas hoch. Als 
Vishnu die drei Schritte machte, setzte er seinen Fuss zuerst 
hieher und dann auf den Meru. Wenn die Sonne ihren 
Kreislauf nördHch von Jambudvipa vollendet hat, sieht man 
ihn meistens auf dieser luftigen Spitze.« 

In andern Stellen des Rämäyana ist Lanka der mittlere 
Schritt oder Sitz des Vishnu. 

An der Hand der unschätzbaren Zusammenstellung der 
einschlägigen Stellen aus der Vedenlitteratur und den Epen, 
welche wir Muir verdanken, verfolgt man die successive Er- 
höhung des Vishnu, dessen Aufnahme unter die Ädityas als 
jüngster, deren Kräfte er nicht blos in seiner Person ver- 
einigt, sondern noch weit übertrifft. Aus der Vorstellung, dass 
die Sonne die Feuchtigkeit anzieht, um dieselbe bei geeig- 
neter Zeit der Menschheit wieder zu Gute kommen zu lassen, 
ergibt sich die Entthronung des Indra, die Vereinigung 
Vishnu's mit Näräyana, der als Wassergott nach dem Vishnu 
puräna, das Brahman, der Grund und Schöpfer aller Dinge 
ist. So wird Vishnu aus dem den Kaipas unterworfenen 
Sonnengott allmählig das ewig unveränderliche Weltprincip, 



1) Muir, Sanskr., T. IV, 59. 

2) Muir 1. c, IV, 57. 



— 44 — 

die höchste Weltseele, der Welteber, welcher die Erde mit 
seinen Hauern auf die Gewässer gesetzt hat und sie dort er- 
hält. Diese Erhebung erfolgte nach Lassen zur buddhisti- 
schen Zeit. 

Für unsere Untersuchung ist der von Lassen geführte 
Nachweis sehr wichtig, dass mit der Erhebung Vishnu's zum 
höchsten Range die Aufnahme von mehreren Volksgöttern, 
vor Allem des Janärdana, später des Vasudeva, in den Begriff 
des Vishnu stattgefunden hat. Diese Volksgötter sollen bei 
den östHchen Völkern, welche zum Theil anarischen Ur- 
sprunges waren, verehrt worden sein. *) 

Nach Graul*^ ist Vithoba jedenfalls ein fremder, mit 
Vishnu identificirter Gott. Derselbe ist vielleicht mit dem 
Dämonenkönig Vetala zusammenzubringen. 

Als weiteres Anzeichen von der Einwirkung einer frem- 
den und primitiven Religion kann vielleicht die Verehrung 
des Vishnu unter der Gestalt eines Steines gelten. In Pan- 
derpun wird z. B. ein angeblich vom Himmel gefallener Stein 
unter dem Namen Vithobal (Vittal Swami) verehrt. ^) Die 
Hinducolonie zu Astrachan verehrte zu Pallas Zeit den Krishna 
unter der Gestalt eines schwarzen Steines mit Eindrücken 
von Bivalven.**) 

Auch heute noch wird von den meisten Vishnusecten 
der Calagräma, ein Ammonit, verehrt.^) 

Diesen Einwirkungen dürfen wir offenbar auch das Ein- 
dringen von Vorstellungen in den Vishnuismus zuschreiben, 
welche mit dem Höhencultus zusammenhängen, ohne jedoch 
eine Verwandtschaft mit den früher erwähnten Attributen des 
Vishnu als Sonnengott zu verrathen. Anstatt jener Symboli- 
sirungen des Sonnenlaufes erblicken wir vielmehr in der 
Krishna-Incarnation eine naturalistisch-animistische Tendenz, 
welche der früheren Bedeutung des Vishnu einigermassen 

^) Lassen, Ind. Altk., I, 608. 

2) Graul, Reisen in Ostindien, III, 76. 

3) Wilson, Makenzie Coli., I, 272. 

^) Low, Transact. R. As. Soc, II, 294. 
^) Wurm 1. c, 273. 



— 45 - 

widerspricht und aus dessen früherer Stellung als Localgott 
(Vasudeva?) herrühren dürfte. 

Nach dem Cap. X des Vishnu-puräna kam zur trock- 
nen Herbstzeit Krishna nach Vraja und fand die Kuhhirten 
eifrig mit den Zurüstungen für ein dem Indra darzubringen- 
des Opfer beschäftigt. Auf dessen Frage nach der Bedeutung 
dieses Festes erwiderte Nanda : ^atakratu (Indra) sei der Ge- 
bieter der Wolken und Wässer, durch welche alle körper- 
lichen Dinge bestehen, und somit auch die Kühe Kälber 
gebären und Milch gäben, die Erde reiche Früchte brächte 
und niemals Hunger unter den Menschen herrsche. Daher 
opferten am Ende der Regenzeit alle Fürsten dem Indra, und 
so handelten sie wie das übrige Volk. Darauf entgegnete 
Krishna: Wir sind weder Ackerbauer noch Kaufleute, wir 
sind weder in Thore noch in Wälle eingeschlossen, wir haben 
weder Feld noch Haus, wir wandern fröhlich mit unseren 
Wagen herum, wo es uns gelüstet. Wer die Gottheit eines 
Andern verehrt und darüber seine Schuldigkeit gegen die 
eigene Gottheit vergisst, hat kein Glück, weder in dieser noch 
in der andern Welt, Jenseits der Grenzen des bebauten Lan- 
des beginnt der Wald, der wiederum durch die Berge be- 
grenzt wird; dies ist unser Gebiet. Man sagt, die Geister 
dieser Berge schweifen durch die Berge in beliebigen Formen 
und jagen in ihrer eigenen Gestalt an den Abgründen. Wenn 
sie beleidigt werden durch Jene, welche die Wälder bewoh- 
nen, so werden sie, in Löwen und andere Raubthiere ver- 
wandelt, die Frevler bestrafen. Was haben wir mit Indra zu 
thun? Vieh und Berge sind unsere Götter. Brahmanen opfern 
unter Gebet; Ackerbauer verehren ihre Landmarken; wir, die 
unsere Heerden in Wäldern und Bergen haben, müssen diese 
verehren. Lasst uns daher Gebete und Opfer an den Berg 
Govardhana richten und ihm ein Opferthier in richtiger Form 
schlachten«. Die ganze Ansiedelung soll ohne Verzug ihre 
Milch sammeln, damit Brahmanen laben und Alle, welche 
daran Theil haben wollen. Wenn die Opfergaben dargebracht 
und die Brahmanen gesättigt sind, sollen die Gopas die mit 
Blumenkränzen geschmückten Kühe umkreisen. Wenn die 



- 46 - 

Schäfer auf meine Bemerkungen hören, werden sie sich die 
Gunst des Berges, des Viehes, sowie die meine sichern. 

So geschah es; die Einwohner von Vraja verehrten den 
Berg unter den von Krishna vorgeschriebenen Ceremonien. 
Auf der Spitze des Govardhana erschien Krishna selbst und 
sagte: »Ich bin der Berg«. Er versprach manche Gaben und 
verschwand hierauf. 

Nun befiehlt der erzürnte Indra den Wolken das Vieh 
des Nanda durch Regen und Wind zu schädigen : reitend auf 
seinem Elephanten will er den Sturm verstärken. Gewässer 
und Finsterniss erschrecken die Heerden auf das äusserste. 
Mit stillem Aechzen flehen die Kälber um Hilfe bei Krishna. 
Da hebt Krishna den Berg Govardhana in die Höhe und 
lässt das Volk mit seinen Heerden und seiner Habe, sowie die 
geängstigten Gopi's unter denselben kriechen. Alles staunt die 
Macht des Krishna an und bricht in Lobpreisungen aus. Sieben 
Tage und Nächte hindurch bemüht sich Indra, die Gokulas 
des Nanda zu vernichten, ohne etwas gegen dieselben aus- 
richten zu können, bis er endlich den Wolken befiehlt, ihre 
Regengüsse einzustellen. Der Himmel klärt sich, die Gokula 
kehren in ihre früheren Wohnplätze zurück und Krishna gibt 
dem grossen Berge Govardhana seine frühere Gestalt wieder. ^) 

Von dem Berge Govardhana (Girdhana), welchen der 
der Vergöttlichung des Krishna feindlich gesinnte Qi9upäla 
spöttisch einen Ameisenhaufen nennt, leitet sich das haupt- 



^) Vishnu-pur&na, Uebers. Wilson. Senart fasst den Berg Govardhana 
als Wolke auf, oder als den Arbre-parasol, welcher eine mythische Form der 
W^olke ist. Der Sonnengott tritt nach seinem Siege über Indra aus den Wolken 
heraus. Auch die Kuhmilch betrachtet er als Symbol der Dünste im Weltraum. 
Der Vorgang von Govardhana, welcher sieben Tage gedauert haben soll, ist 
ihm nur eine andere Form des siebentägigen Kampfes von Rdma mit Rävana, 
des Kampfes des Lichtes mit der Dunkelheit. Vgl. dessen Essai sur la legende 
de Buddha an vielen Stellen. Selbst wenn zugegeben würde, dass die Legende 
von den Jugendschicksalen Krishna's auf jenen älteren mythologischen Vorstel- 
lungen beruhe, so würden doch aus denselben die Verehrung des Berges und 
des Krishna auf dem Berge nicht erklärbar sein, da dieselbe dem älteren 
Sonnengott der Inder vollkommen fehlte. Uebrigens spricht der Wortlaut der 
citirten Stelle sq deutlich, dass jede Discussion wohl überflüssig ist. 



— 47 — 

sächlichste Epithel des Krishna (Kaniya) ab, nämlich Girdhan 
oder Gordhunath, Gott vom Berge des Reichthums. 

Eine Höhle am Govardhana war die erste Stätte von 
Krishna's Apotheose. Von dieser Höhle Gop'ha heisst er 
auch Gop'h'nat'h, Gott der Höhle. Bei dem jährlich am 
Girdhana gefeierten Feste wird der heilige Berg mit zahl- 
reichen Libationen von Milch gereinigt, für welche alle Kühe 
des Districts in Contribution gesetzt werden.^) 

Die Anbetung des Krishna fand in allen Zeiten in 
Höhlen überhaupt statt. Die berühmtesten waren jene von 
Girdhana in Vrij, Gaya in Behar, Gop'h'nat'h an den Küsten 
von Saurashtra, Jalindra am Indus. Jetzt ist, wie der Mukhia 
dem General Todd klagte, die Zeit der Wunder vorbei. Ein 
neues Rad hatte früher alljährlich jenes alte ersetzt, durch 
dessen Steckenbleiben der Wunsch Krishna's, in Nat'hdwara 
zu wohnen, ursprünglich angedeutet worden war. Dies hat 
schon seit einiger Zeit aufgehört. Nur ein altes Rad ist noch 
da; es wird hoch verehrt. Die Statue; welche noch heute in 
Nat'hdwana (Mewar) als Darstellung des Berggottes angebetet 
wird, soll mit jener identisch sein, welche Krishna zuerst 
in der Höhle Girdhana errichtete. Sie wurde dorthin von dem 
Hohenpriester Balba Acharya gebracht. 2) 

Gegen die Auffassung, dass der Bergcultus von fremder 
Seite späterer Zeit dem Vishnucult eingeimpft wurde, spricht 
wohl keineswegs die folgende Legende über das berühmte 
Vishnuheiligthum auf dem Tripattyberge, nordwestlich Madras.*"^) 
Dieses Gebirge wird in derselben als Sohn des Meru, genannt 
Venkatächala (Berg Venkata), dargestellt. Qesha, die grosse 
Schlange, und Väyu, der Gott der Winde, stritten um den 
Vorrang und versuchten ihre Kraft auf diesem Berge. Väyu 
blies denselben nach dem Dekhan, zugleich mit Qesha, der sich 
um den Berg herumgeschlungen hatte, um ihn festzuhalten. 



1) Todd, Relig. Etabl. Merwar Trans. R. As. Soc, II, 311. 

-) Todd 1. c, II, 311 ff. Senart sind die »Grotten« wiederum identisch 
mit »Berg« (Montagne ou grotte du nuage). Vgl. Essai, 259. Das Rad ist 
ihm das Symbol der Sonne. 

3) Wilson, Makenzie Coli., 254. 



- 48 - 

Nach der Wiedereinführung der Vedas durch Vishnu 
als Varäha fand er Qesha in Anbetung des Berges und 
willigte auf dessen Fürbitte ein, daselbst zu wohnen. 
Er brachte den Berg der Freude oder Krirächala, sowie ver- 
schiedene Heiligthümer von seinem eigenen Himmel oder 
Vaikuntha hieher, daher heissen verschiedene heilige Punkte 
dieses Berges Qeshacala, Krirächala, Varähatirtha, Svämi, 
Pushkarini etc. Später willigte auf die Bitte der anderen 
Götter, welche es müde waren, Vishnu in allen Theilen des 
Universums zu suchen, Mahävishnu ein, hier mit Lakshmi 
zu wohnen, als Qri-nivasa, der Sitz der Qrt, oder Qr! Svamin, 
der Gott der Qn. Unter den ersten Pilgern war Da9aratha. 
Durch sein Gebet an diesem Orte bekam er Söhne, Rama 
und seine Brüder. Kärttikeya sühnte hier die Sünde, den 
Taraka erschlagen zu haben. Die ersten Tempel wurden 
durch Tondaman Cakravartin am Anfang der Kali-Epoche 
erbaut, und jährliche Feierlichkeiten wurden hier gestiftet. *) 

Wir fassen nun noch die Frauengestalt, die Kali (Durgä), 
ins Auge, welche dem Vishnu beigesellt ist. Der anarische 
Ursprung dieser Göttin ist heute wohl bereits ausserhalb der 
Discussion. Der Umstand, dass Vishnuiten wie Qivaiten die- 
selbe in ihr Pantheon aufnahmen, ist ein starker Beweis 
für diese Anschauung und für die weite Verbreitung ihres 
blutdürstigen Cults. Ich glaube die Uebersetzung der betreffen- 
den Stellen des Mahäbhärata, nach Muir 1. c, IV, 364, hier 
anfügen zu sollen, da dieselben directe Beziehungen zum 
Höhencultus enthalten: Mähäbhar. Bhishma, v. 796 ff. : »Ehr- 
furcht dir, Siddhasenäni (Oberste der Siddhas), der edlen, der 
Bewohnerin des Mandara, Kumäri, Kali, Kapäli, Kapila, 
Krishnapingala. Ehrfurcht dir, Bhadrakali, Ehrfurcht dir, 
Mahakäli; Ehrfurcht dir, Candi, Chanda; Ehrfurcht dir, o 
Tarini (Befreierin), o Varavarnini (schönfarbige), o glückliche 
Kätyäyani, o Karäli, o Vijaya, o Jaya (Siegerin), die du einen 
Pfauenschweif zum Banner hast, geschmückt mit zahlreichen 



1) Graul, R. i. Ostind., IV, 80; IV, 121 



— 49 — 

Juwelen, bewaffnet mit vielen Speeren, Schwert- und Schild- 
Trägerin, jüngere Tochter (Schwester) des Oberhauptes der 
Kuhheerden,*) älteste in der Familie der Kuhheerde 
Nanda geborene, die du dich immer erfreust an Mahisha's 
Blut, Kau9iki mit gelben Kleidern, lachende, wolfmäulige, die 
du dich an Schlachten erfreust, o Uma, Sakambhari, du weisse, 
du schwarze, du Vertilgerin des Kaitabha. Ehrfurcht dir, o 
Hiranyäkshi, Virupäkshi, Dhumräkshi (golden- verdreht-schwarz- 
äugige), o Veda9ruti (Tradition des Veda), ganz reine, fromme. 
Jatavedasi (weibliche Agni)', die du stets wohnst auf (...?) 
Bergrücken und Opferplätzen. Du bist die Wissenschaft des 
Brahman (des Veda), der grosse Schlaf der körperlichen Dinge, 
o Mutter des Skanda, göttliche Durga, Bewohnerin der Wild- 
nisse<; ... 

Im Viräta-parva, 278 ff. preist Yudhishthira die Durgä 
und bemerkt, dass sie ihren festen Wohnsitz im Vindhya- 
gebirge habe, und sich an geistigen Getränken, Fleisch und 
Opfern erfreue. Sie ist offenbar eine Localgöttin des Vindhya- 
gebirges. 

Muir citirt noch Harivam9a, v. 3236 ff., wo Vishnu, in- 
dem er die Absichten des Kamsa auf Vernichtung der Kinder 
des Devaks zu vereiteln sucht, die Hilfe der Nitra-Käla- 
rupint (sleep in form of time) in Anspruch nimmt und ihr 
einen festen Wohnsitz auf dem Vindhyagebirge wie auch 
Thieropfer verspricht. In dem darauffolgenden Hymnus des 
Vai9ampayana an die Äryä (Durgä)^) bemerkt derselbe, dass 
sie die älteste Schwester des Yama sei und von den (wilden 
Stämmen) Qabaras, Barbaras und Pulindas verehrt werde. 
Ihre Vorliebe für Wein und Fleisch wird immer hervor- 
gehoben. 

giva. 

Wie verworren auch die Chronologie der religiösen 
Litteratur der Inder sein mag, so waltet doch, wie es scheint, 

^) Vgl. Muir 1. c, IV, 206. Anm. . 
2) Muir 1. c, IV, 369. 
V. A n d ri a n, Höhcncultus. 4 



— 50 — 

keiiie Meinungsverschiedenheit über das relativ junge Alter 
dieser Göttergestalt ob. Die früher aufgestellte Behauptung, 
dass dieselbe in der Vedenlitteratur nicht vorkomme, wird 
allerdings gegenwärtig auf den Rigveda eingeschränkt. Doch 
sind es immerhin nachv^^eisbar spätere Theile derselben, in 
welchen die Namen l9äna, Mahädeva sich finden. ^) Den 
modernen Charakter des ^ivaratrifestes, sowie der Puränas 
und Tantras, welche über dessen C^remoniell handeln, hat 
schon Wilson nachgewiesen. 2) 

Die mythologische Genealogie Qiva's ist noch keines- 
wegs aufgeklärt. Viele Forscher ^) betrachten ihn als einen 
ursprünglich anarischen Volksgott. Die von Weber u. a. ver- 
tretene Ansicht, dass Agni und Rudra, den Ausgangspunkt 
der neuen und vielfach fremdartigen Göttergestalt bilden, 
steht damit nur in theilweisem Widerspruche, weil ja Rudra 
selbst einer starken Aufnahme von anarischen Religionsele- 
menten verdächtigt wird. Den Kindern des Rudra wird ein 
niederer Ursprung zuerkannt, als dem Geschlechte der Aditi, 
des himmlischen Lichtes. Vor Allem werden immer die dämo- 
nischen Eigenschaften des Rudra hervorgehoben. Wir finden 
dieselben sorgfältig ausgeführt in dem i6. Buche der Samhitä 
des weissen Yajus. Er ist hochberühmt als Giftmischer und 
Heilkünstler. ^) Ein dem Rudra speciell zukommender Beiname 
ist Bhütapati.5) 

Der Mahädeva der Epen trägt ganz denselben Charakter 
wie der Rudra des Qatarudrija. ^) Er heisst auch But^sa, 



*) Weber, Vorl. ind. Litt., 49, 115. 

2) Wilson, Journ. As. Soc, London, IX, 95. 

8) Lassen, Ind. Alterthumsk., I, 783. 

*) Für die Stellung der Aerzte ist Cap. XIV des Väsishtha Dharma- 
sütra (Bühler, Sacred laws of the Aryas, II, 69 f.) überaus charakteristisch. 
Von Aerzten, Jägern, schlechten Weibern, Dieben, Eunuchen u. s. w. darf der 
»zweimal Geborene« weder Nahrung, noch Geschenke (Almosen) annehmen. 
Dies hängt offenbar mit dem Däujonenthum zusammen, denn die ältere Medicin 
beruht auf Zauberei. 

*) Weber, Ind. Stud., XIII, 138. 

6) Muir, Sanscr, T. IV, 159 f. 



— 51 — 

Butavan, König der Dämonen. ^) Für die nachepische Zeit 
in welche die eigentliche Grösse dieses Gottes und dessen 
steigende Wichtigkeit fällt, lassen sich allerdings jene Bezie- 
hungen des Qivacultes zu den anarischen Religionen ent- 
schieden nachweisen, welche wir für die früheren Epochen 
nur vermuthen können. Unzweifelhaft verdankt derselbe ge- 
rade diesem Umstände seine ungeheure Popularität bei allen 
Classen der indischen Bevölkerung. Freilich sind dabei die 
Assimilirung der primitiven Elemente und die Degenerirung 
der höheren Religion so weit vorgeschritten, dass die Mis- 
sionäre in Südindien kaum mehr eine Grenze zwischen dem 
^ivaismus und dem Dämonencult der niederen Classen auf- 
zufinden wissen. Die hauptsächlichsten der primitiven, in 
den Qivaismus eingedrungenen Elemente sind: i. der Dienst 
der Qaktis und Munis, 2. die Menschenopfer, 3. der Stein- 
cultus. 

Der, Dienst der Qakti, worunter theils die Frau des ^iva 
selbst, theils deren Dienerinnen verstanden werden, ist bei 
den Qivaiten noch häufiger als bei den Vishnuiten. Sogar 
die oberen Kasten nehmen daran heimlich theil, von den 
(^üdrakasten abwärts ist diese ganz gewöhnlich und wird von 
den Brahmanen geduldet. Die Qaktis wie die Muni sind 
destructive Localgottheiten der Aboriginer; bei beiden ist der 
Zusammenhang mit der Verehrung der Seelen der Abgestor- 
benen deutlich nachweisbar. Die Brahmanen betrachten sie 
als Diener des Qiva. Sie verrichten in Coimbatore den Qakti- 
dienst in den Qüdratempeln und entfernen sich nur, wenn die 



*) Stephenson hat hervorgehoben, dass die Darstellung (Jiva's, wie er 
auf einem Verbrennungsplatz der Todten sitzt, was für einen Brahmanen ein 
höchst unheiliger Ort ist — mit der des Dämon Maha Schon der ceylone- 
sischen Dämonologie übfereinstimmt. Diese Darstellung scheint jedoch mit den 
dem ^iva zu Grunde liegenden Vorstellungen des tosenden Feuers und der 
Zerstörung im Allgemeinen in Zusammenhang zu stehen. Auch ist immerhin 
der Zweifel möglich, ob nicht der Maha Schon eine degenerirte Form des (Jiva 
und nicht den Ausgangspunkt derselben darstellt, wie Stephenson voraussetzt. 
Die gleichen Attribute der beiden Gestalten scheinen mir auf die erstgenannte 
Alternative hinzudeuten. 



- 52 - 

blutigen Thieropfer beginnen. ^) In Malayalam (Karnata) wid- 
men sich niedere Brahmanenclassen dem Dienst der Qakti, 
uiid wird dies in den sogenannten »64 Missbräuchen von 
Kerala*; sogar officiell anerkannt. Im Tamullande verrichten 
wohl Qüdras diesen Dienst, doch findet man in einigen 
Tempeln des Eyenar, des dritten Sohnes des Qiva, >des Herrn 
der blutdürstigen Dämonen,« auch Brahmanenpriester. 2) 

Sowohl Qiva als Eyenar werden unter dem Emblem 
eines Steines verehrt. Graul führt eine hübsche, dem tamulischen 
Mütar Katei (Narrenerzählungen) entnommene Anekdote an, 
in welcher der Steincultus der (^ivaiten verspottet wird. ^) 
Eines der berühmtesten Steinembleme des Qiva befand sich 
im Tempel zu Somnath (Guzerate), welcher vom Sultan von 
Gazna, Mahmud I., 1024 geplündert und zerstört wurde. •*) 
Die Secte der Kaprias in Mhurr verehrt die Parvati als Kala 
Puri (Kaya Puri), in Cutch als Asa Puna und Mätä, unter der 
Gestalt eines grossen, sechs Fuss hohen und ebenso breiten 
Steinblockes, der nach ihrer Ansicht aus den Eingeweiden 
der Erde heraufgekommen ist. Ihren Gründer Lala Jas Raj 
verehren sie unter der Gestalt des Ling.^) 

Das Linga selbst ist eine Form des primitiven Stein- 
cultus. Stephenson^) vergleicht ihn mit dem Volksgott Mha- 
soba in Dekhan, welcher unter der Form eines runden, mit 
rother Farbe beschmierten Steines, eines natürlichen Linga, 
dargestellt wird. Anderseits bezeugt Kittel, dass das Linga 
zuweilen Bandi deva, d. h. Steingott, genannt wird. Allerdings 
schreibt er diese Benennung dem Sectenhass zu und ver- 



^) Buchanan Mysore, I, 250, 304, 242, II, 266 u, s. w. Das Werk bildet 
eine wahre Fundgrube von Einzelnheiten über dieses Thema, welches wohl 
eine erschöpfende Bearbeitung vom ethnographischen Standpunkte aus reich 
lohnen würde. 

*^) Graul, Reise in Ostindien, IX, 224; IV, 131. 

.3) Graul 1. c, II, 34, 36. 

*) Ritter, Erdk. IV, i, 551. 

^) Money, I. R. As. Soc. Lond., II, 172. 

*) Stephenson, I. R. As. Soc. Lond., VI. 



-- 53 - 

sichert, dass nichts Mysteriöses hinter derselben steckt. ^) Wir 
müssen in derselben einen Anklang an den bei den niedrigsten 
Classen Dekhans, den Corars,^ Becaderu, Batudam,^) Pulajer*) 
u. s. w. allgemein verbreiteten Steincultus erblicken. Erinnern 
doch auch die sthävara linga (stehende Linga) der gewöhn- 
lichen Qivaiten, welche aus einem grösseren, obeliskenförmigen, 
in den Tempeln oder auf freiem Felde aufgestellten Steine 
bestehen, an die von den Khassias u. s. w. errichteten 
Monolithe. 

Was die Menschenopfer anbelangt, so haben die neueren 
Forschungen wohl deren Existenz in den ältesten Zeiten 
auch für die indischen Arier sehr wahrscheinlich gemacht 
Es leidet jedoch keinen Zweifel, dass dieselben in der epi- 
schen Zeit bereits dem Bewusstsein derselben völlig entrückt 
und durch symbolische Opfer ersetzt waren. Das Wiederauf- 
leben der Menschenopfer knüpft sich an den Cult des Rudra- 
Mahädeva. Derselbe hat sich bis ins vorige Jahrhundert er- 
halten. 

Es wird heutzutage von Niemand bezweifelt werden 
können, dass das Wiederaufleben solcher gräulicher Ge- 
bräuche dem Eindringen des Zauberwesens der rohen Abori- 
giner in den hochentwickelten Brahmanismus seinen Ursprung 
verdankt. Die indischen Ethnologen haben längst bei den 
meisten Aboriginergruppen Indiens entweder directe Menschen- 
opfer noch in jüngster Zeit constatirt, oder Gebräuche, welche 
auf ein einstiges Vorhandensein derselben schliessen lassen. 
Unter den vielen Fällen, welche in dieser Hinsicht erwähnt 
werden, hebe ich nur hier die Gonds, die Bhagats,'"^) (eine 
Abtheilung der Oraons), die Schanar, die Aboriginer der 
Tamulländer^ hervor. 



*) Kittel, Urspr. d. Linga, 37. 

2) Buchanan, Mysore, TU, loi. 

3) Buchanan 1. c, III, 106. 

*) Graul, Reisen in Ostind., III, 241- 
5) Dalton, Descr. Ethn. Bcng,, 258. 
C) Graul 1. c, IV, 129. 



— 54 — 

Durch die vorstehenden Betrachtungen ist das Terrain 
für unser eigentliches Thema bereits vorbereitet, ^iva ist 
nämlich der indische Berggott xat' ISox*^^- ^^ theilt diese 
Eigenschaft mit Rudra,^) der im Qatarudriyam als Giriga, Giri- 
9.aya, Giritra, Bergt)ewohner, angerufen wird. Er heisst auch 
der Bergdurchstreifende, der Bergbeschützer. Nach Stephenson 
wurde Qiva ursprünglich Kedär genannt, was Berggott bedeutet. 

Diese letztgenannte Eigenschaft kommt dem Rudra nach 
der allgemeinen Ansicht als Personification des Sturmes zu. 
Wie kommt es aber, dass die Rudra's (Maruts) in der älteren 
Vedenliteratur, welche die Natureindrücke in naivster Un- 
mittelbarkeit wiedergibt, zwar als »bergstürzende Maruts« 
(R. V., Uebers. Ludwig, 688), jedoch nur selten, und zwar in 
dem Sinne nach zweifelhaften Stellen, als Bergbewohner be- 
zeichnet werden?. Im Rigv. II, 33, welches Lied so manches 
andere im Qatarudriyam wiederkehrende Epithet des Rudra 
enthält und überhaupt eine grosse Aehnlichkeit mit der Charak- 
teristik Rudra's im Qatarudriyam aufweist, vermisst man gleich- 
wohl jede Anspielung auf dessen Wohnung in den Bergen. 
Mit Rudra's Erhöhung zu einer selbst die unreinsten Misch- 
kasten beschützenden Gottheit tritt dagegen die Beziehung 
zu den Bergen auf, ohne dass gleichwohl der Himälaya spe- 
ciell genannt wäre. 

Erst in den Epen erscheint Rudra-Mahadeva als un- 
bestrittener Herr des Kailäsa, wofür auch Himavat im Allge- 
meinen gebraucht wird. Hier empfängt er die wiederholten 
Besuche des Krishna, welcher ihn einmal um seine himm- 
lischen Waffen zur Bekämpfung des Jayadathra und später 
um Gewährung von Nachkommenschaft für eine seiner Frauen 
bittet. 

Die Geburt des Skanda, des Sohnes von Rudra-Mahä- 
deva (als Agni), findet auf dem Kailasa statt. Derselbe wird 
gelegentlich der Darstellung dieses Ereignisses geschildert 
als umgeben von Palissaden von Pfeilen, beschützt von wunder- 
kräftigen siebenköpfigen Schlangen mit giftigem Blicke, von 



Weber, Ind. Stud., I, 426; II, 32, 159. 



— 55 — 

Räkshasen, Pi9acas und den Schaaren der Dämonen des Rudra, 
angefüllt mit Rakshasis, zahlreichen Thieren und Vögeln. 

Wie festgegründet aber die Stellung des Mahadeva als 
Herr des Kailäsa auch erscheint, so verdient doch ange- 
merkt zu werden, dass er diese Herrschaft mit dem Dämonen- 
könig Kuvera theilt. ^) Nach dem Rämayana empfängt Vai9ra- 
vana (Kuvera) daselbst einen Besuch Mahädeva's. 

Das Mahäbhärata versetzt Rävana und seine Brüder 
jtheils auf dem Qvetaparvata, theils auf den Kailasa. 

Aus dem Mythengewebe, welches die Epen um die 
Person des Kuvera geworfen haben (Muir bezeichnet manche 
der hierauf bezüglichen Angaben als confus),^) scheint doch 
noch immer die Thatsache hervorzuleuchten, dass Kuvera 
ursprünglich ein Localgott (oder vergötterter Herrscher) im 
Himälaya gewesen ist. 

Seine Herrschaft dehnte sich über die Umgegend des 
Kailasa aus, wo die heiligen Alpenseen Ravan'ahrada oder 
Lanka und Mänasa liegen. Sein Bruder Ravana scheint ihn 
verdrängt zu haben (vgl. Lassen, Ind. Alterthumsk., I, 34). 

Kuvera ist der Gott des Reichthums. Nun heisst es an 
verschiedenen Stellen des Mahäbhärata (vgl. Lassen 1. c, I, 
587), dass, wer auf den Vedis am Ursprung des Indus fünf 
Nächte wohnt, viel Gold erwirbt. Dies bezieht sich offenbar 
auf den Goldinhalt der Alluvial- oder Diluvialformation, welche 
das Hochplateau von Tibet Bedeckt und wohl auch in die 
Thäler hineingreift. Besonders in Sartol und Tok-Dschalun, 
unweit der Indusquellen, wie auch am Murnan wird Gold 
gefunden. Nain-Sing sah zwischen Ladak und Lhassa Gold- 
minen. ^) 



^) Ziegenbalg, Geneal. d. malab. Götter, erwähnt 59 einer anderen 
Legende, wornach I^vara einst dem Riesen Qüra wegen seiner 2000jährigen 
strengen Busse' die 14 Welten nnd, seine Residenz auf dem Kailasa abgetreten 
habe, so dass ihm kein Aufenthaltsort mehr übrig blieb. Auf Igvara's Bitten 
trat ihm Süra später wieder das Kailasa als Residenz ab. 

2) Muir 1. c, IV, 414. 

3) Pschewalsky, Reisen im Tibet, D. Uebers., 1884, S. 113. 



- 56 - 

Pschewalsky prophezeit dem südlichen Tibet die Zu- 
kunft Kaliforniens. In Khiu-lang-na (Kurana), in der Nähe 
von Badakschan im Bolor, . erwähnt Hiuen - Thsang Gold- 
gruben (Voyages, III, 200). Badaschkan enthält altberühmte 
Fundorte von Lapis-lt.zuli (St. Martin in Julien, Voyages, III, 
423). Herodot's goldgrabende Ameisen werden von Schiern 
als die goldgrabenden Tibetaner gedeutet. 

Dass in dieser Localität, in welche der Kailäsa versetzt 
wird, der »Gott des Reichthums« sitzt, ist offenbar kein zu- 
fälliges Zusammentreffen.^) Sein Ansehen erstreckt sich weit 
nach Norden. Zur Zeit des Hiuen-Tsang war er der Haupt- 
gott in Khoten (JuHen, Voyages, III, 224). Dieser fremde 
Ursprung würde auch die verhältnissmässig niedere Stellung 
erklären, welche Kuvera im indischen Pantheon einnimmt. 
Eine Analogie zu Kuvera bietet vielleicht der im Cabullande 
einst verehrte Berggott Tseu-na (Kschuna), welcher zur Zeit 
Hiueng-Tsangs auf dem Berge Hi-lo sass und aus Kapi9a 
dahin gekommen sein soll (Voyages, III, 188). Diese Gegend 
war bekanntlich seit dem Ende des Jahrtausends vor Christus 
stark mit turanischen Völkern vermischt. 

Nach Weber erscheint der Name des Kuvera Vai9ravana 
zuerst in dem 13. Kändam des Qatapatha-Brähmana, einem 
späteren Zusätze dieses Brähmana des weissen Yajus.^) Er 
wird dort König der Rakshas genannt,^) unter welchen nach 
der Ansicht vieler Forscher allerÖings oft mythologische Wesen 
aber auch, sowohl nördliche als südliche Aboriginer (Anarier) 
zu verstehen sind. Sie gelten schon in den Veden als An- 
hänger von tollen Göttern, schamlose Wüstlinge, Menschen- 
fresser. Die erstere Bezeichnung erinnert an schamanistische 
Gebräuche; auch werden menschenfressende Stämme, die 
Hloka's, von chinesischen Quellen aus dem südlichen Tibet 
erwähnt.'*) Der Gewohnheit des Menschenfressens scheint 
aber auch die Familie des Kuvera gehuldigt zu haben. Seiii 



i) Mtiir 1. C, 317. 

2) Weber, Vorl. Ind. Litt, 137. 

3) Muir, Sanskr. Texts. III, 384 ff. 

*) Klaproth, Nouv. Journ. As., III, 345. 



— 57 — 

Bruder Kumbhakarna soll sieben Apsarasen, zehn Verehrer 
des Indra, ausserdem viele Rishi's verspeist haben. ^) Aus 
der Furcht und dem Abscheu vor den Aboriginern hat sich 
eine Dämonologie entwickelt, in welcher die physischen 
und psychischen Eigenthümlichkeiten jener Naturvölker in 
phantastischer Weise verarbeitet erscheinen. Auch mit dem 
Schlangencult sind wenigstens einige Rakshas in nähere 
Verbindung gebracht worden. Turner^ sah bei dem Herbst- 
feste der Bhutaner, dem Durga-Puga, die Darstellung eines 
Kampfes Durga's mit dem Haupte der Racusse (Rakshasa's), 
welch' letztere unter Andern auch durch eine fürchterliche mit 
Schlangen umringte Figur personificirt wurden. ^ 

Die Nebeneinanderstellung von Qiva und Kuvera auf 
dem Kailasa lässt sich nur durch die Annahme erklären, dass 
der letztere ein älterer Localgott eines Volkes in der central- 
asiatischen Hochgebirgsregion war, dessen Ansehen durch 
die dominirende Stellung des grossen Gottes bedeutend herab- 
gedrückt wurde. Möglicherweise drückt sich darin auch die 
im Brahmanismus so beliebte Form der Assimilation des im 
Norden so mächtigen Schlangencults durch den Qivaismus aus, 
eines Processes, welcher jedenfalls durch die unleugbare Ver- 
wandtschaft des dämonischen Elementar-Gottes Rudra mit 
Schlangengöttern wesentlich erleichtert wurde. 

Mit Qiva's, durch das Entstehen des dritten Sonnen- 
auges symbolisirter Erhöhung zum Lichtgott, zum höchsten 



1) Muir, Sanskr. T., IV. 416. 

2) Turner, Gesandtschaftsreise, D. Uebers., 169. 

3) In den buddhistischen Palilegenden Qätaka ed. Fausböll, Lond. 1877, I) 
sind auch die Yakshas menschenfressende Dämonen, welche Einöden be- 
wohnen; die Rakshasas werden daselbst in den Himalaya versetzt und von 
Kuvera abhängig gedacht, welcher ihnen erlaubte. Alle zu fressen, welche in 
den Teich (den Wohnort des Rdkshasa) hinabsteigen, ausser , Jenen, welche 
wissen, was göttliche Naturen sind. 

Auch Senart betrachtet die Yakshas, die Hüter der Schätze des Kuvera, 
als sehr nahe mit den mythischen Schlangen verwandt, und der Gattung nach 
mit den Schlangen fast synonym. Essai, 409. Vgl. Moura Cambodge über 
schlangentragende Riesenstatuen in den Ruinen Cambodjas (II, 205). Somit 
auch hier eine enge Verbindung zwischen Neacs und Yeacs. 



- 58 - 

Wesen, zum Urquell aller niederen Gottheiten wie der ganzen 
Schöpfung in ihrem Entstehen und Vergehen, macht den Be- 
dürfnissen der brahmanischen Speculation entsprechend, die 
Ausschmückung der Residenz des Qiva auf dem Kailäsa 
immer weitere Fortschritte. Per Kailäsa wird, nach dem Vor- 
bilde des Meru für die Buddhisten, zum allumfassenden Sym- 
bole des Qivaismus. Dessen Darstellung befindet sich im 
Tschanna Puräna, dem kanaresisch geschriebenen Hauptwerk 
der Lingaiten. Die vom Missionär Würth angefertigte Ueber- 
setzung desselben wird im Archiv der Basler Missionsgesell- 
schaft aufbewahrt. Ich verdanke deren Mittheilung der Libera- 
lität des verehrten Vorstandes derselben, Herrn Dr. Ensinger. 
Nach dem genannten Puräna ist das All der goldene 
Tempel Qivas und Kailäsa die Juwelenurne darauf. Dieser 
Kailäsa hat die Gestalt einer grossen Stadt angenommen, 
die einen Raum von 400 Millionen Meilen einnimmt. Zu ihr 
führen, den acht Himmelsgegenden entsprechend, acht Thore, 
an deren jedem ein Bheirawa mit hundert Millionen Kriegern 
Wache hält. Jeder derselben hat vier Arme und drei Augen. 
Diese acht Bheirawas sind : 



Name 


Farbe des Körpers 


Ihr Vehikel 


Name ihrer Weiber 


Gunanetra 


golden 


Schwan 


Brähmi 


Canda 


w.d. Dämmerung 


Bock 


Mähe^väri 


Kopa 


wie Blut 


Pfau 


Kaumäri 


Unmatta 


gelb 


Löwe 


Vaishnavi 


Naya 


blau 


Büffel 


Värähi 


Käpäli 


wie Juwelen 


Elephant 


Mähendri 


Bhishana 


schwarz 


Rabe 


Camundri, 




wie eine Wolke 




Schutzgöttin v.Mysore 


Samhara 


wie gegoss. Gold 


Maus 


Kali 



In der Stadt selbst sind unzählige Sonnen- und Mond- 
strassen, Thürme und Häuser. In den verschiedenen Theilen 
der Stadt sind Befehlshaber von Truppen aufgestellt, um jene 



— 59 — 

Seligen in Ordnung zu erhalten, welche erlöst von der Sünde 
in die ewige Stadt aufgenommen worden sind. Die Stadt ist 
wie ein grosser Tugendhaufen. 

Wie der Mond unter den Sternen, so erglänzt der Palast 
Qiva's in der Mitte des Häusermeeres. Er hat einen Umfang 
von loo Millionen Meilen. Qiva-Tattva (die Lehre, dass Qiva 
allein in Wahrheit existirt) umgibt wie eine Mauer den Palast 
25.000 Meilen hoch in Wolkenfomi. Auf diesen wunderbaren 
Mauern ragen Juwelenthürme 200 Meilen hoch empor, Fröm- 
migkeit, Erkenntniss, Freiheit von Leidenschaften und Er- 
lösung sind die vier Thore, die in das Innere des Palastes 
führen. Die vier Veden sind die vier Thürme an den vier 
Himmelsgegenden, zwei Millionen Meilen hoch. Die vier 
Götter, Nandi, Vtrabhadra, Makäla, Nilahohita, sin d die Thor- 
hüter, die ein- und ausführen. Das unvergleichliche Vedanta 
ist das Innere des Palastes, und die herrliche Silbe »Om« 
der Empfangssaal, der einen Raum von 20 Millionen Men- 
schen einnimmt. 

In der Mitte dieses Saales ist der glänzende Thron ^iva's, 
der einen Raum von 200.000 Meilen einnimmt, und auf acht 
Füssen, den Erfordernissen des Königthums, ruht: Land, 
Reichthum, Heer, Elephanten, Pferde, Schirm, Fliegenwedel 
und Palankin. Darauf sitzt Qiva mit fünf Gesichtern, einem 
nach Osten, einem nach Westen, einem nach Mittag, einem 
nach Norden, und einem fünften über diesen vieren. Er be- 
sitzt zehn Arme und fünfzehn Augen und ist mit einer Ele- 
phantenhaut bedeckt, mit Schädelkränzen und mit einem 
Stück des Mondes geschmückt, mit Schlangen geziert und 
beschmiert mit der Asche des verbrannten Manmatha. Zur 
Linken, fast neben ihm, sitzt Pärväti, die Mutter des Alls, 
umgeben von den Schaaren der himmlischen Jungfrauen und 
all' den seligen Frauen, die im Glauben an ^iva gestorben 
und deswegen der Parvati gleich geworden sind. Alle frommen 
Lingaiten, die zur Belohnung ihrer Frömmigkeit gleiche Gestalt 
mit Qiva erlangt haben, preisen ihn mit ihren fünf Gesichtern. 

Zur Linken des Thrones steht Vishnu mit seinen Mil- 
lionen von Verehrern, die gleiche Gestalt mit ihm erlangt 



— 6o — 

hatten. Zur Rechten Brahman mit vier Gesichtern, sammt Allen, 
die ihm gleich geworden waren. Die heiligen Büsser, die 
Lehrer Brahman's, die Millionen Rudras, die die Welten zer- 
stören, neunzehn Befehlshaber von Heerschaaren, deren Jeder 
ein Heer von einer Billion Krieger hat und so fort von Indra 
und den übrigen Welthütern herab bis auf die Teufel — Alle 
waren da mit unzähligen Schaaren von Kriegern. Sogar die 
Berge, die Bäume, die Thiere, die Vögel und alle lebendigen 
und unbeseelten Wesen sind durch ihre Häupter daselbst 
vertreten. 

Die darauffolgende Schilderung der Organisation des 
Reiches von Qiva glauben wir hier übergehen zu sollen. 

Eine der letzten Evolutionen des Brahmanismus wird 
durch eine Darstellung repräsentirt, welche vorzüglich in der 
südindischen (tamulischen) Litteratur vertreten ist. ^) 

Dieselbe nimmt ein höchstes Wesen (Ens supremum) 
Parävaravastu, welches immateriell und gestaltlos sich in eine 
sichtbare Gestalt eingeführt hat, um materielle Dinge zu 
schaffen und von den Geschöpfen erkannt zu werden. Ein 
Ausfluss dieses höchsten Wesens ist die Trimürti, in welchem 
!f iva die Hauptrolle zu spielen scheint. Das obgenannte 
höchste Wesen wird als Mannweib abgemalt, welches durch 
alle vierzehn Welten geht und in ihren Händen die Waffen 
^iva's oder Vishnu's hält. Die zwei obersten Welten sind auf 
der Brust (Brahman und Devaloka). Weiter unten auf dem 
Leibe ist der Berg Vaikuntha mit Vishnu und dessen zwei 
Frauen. Darunter der Kailäsa mit Qiva, mit seinen Frauen 
und Söhnen u. s. w. Durch alle vierzehn Welten geht der 
Mahämeru, dessen Spitze über die Krone der ganzen Figur 
hervorragt. Er wird von acht Elephanten und acht Schlangen 
getragen, die auf einer Schildkröte stehen. Bei der Schild- 
kröte ragen die Füsse der Figur des höchsten Wesens her- 
vor. Rund um die Figur herum in dem äusseren Kreis ist eine 
Darstellung der sieben Meere und Inseln. 



1) Ziegenbalg, Genealogie der malabarischen Götter, Der Hauptautor 
scheint Sinavakyer zu sein. 



^ 6i — 

Die Anzahl der dem Qiva geheiligten Bergspitzen ist 
sehr gross. Im Himälaya befindet sich ausser dem Kailasa 
der fünfgipflige Rudru-Himalleh, ^ aus dessen Schneefeldern 
(den Haarbüscheln des Qiva) die heilige GaAgä entspringt. 
Die berühmten fünf Kedar im Himälaya werden von Anhän- 
gern der Lingasecte bedient.^ In Nepal ist das Ursprungs- 
gebiet der Trisul-Ganga, sammt dem Dschübdschibia dem 
Mahadeö geweiht. Die daselbst befindlichen Wasserbecken 
(Kund) gelten als von Qiva hervorgebracht, ebenso der Reis, 
der aus den dortigen Schneefeldern spriessen soll. Die Höhlen 
des Nepaler Himälaya (Urali) gelten als Lieblingssitze des 
Mahadeo. ^) 

Auch die Vindhyagruppe im weitesten Sinne trägt überall 
Spuren des Mahadeocults. Die Arawallikette, die Passhöhen 
der Terrassen der Harowtikette, sogar die Katarakten und 
Felsinseln der sie durchschneidenden Flüsse sind ihm heilig.^) 
In der Satpurakette befinden sich mehrere Mahadeoberge. Der 
östliche Theil derselben, der durch den Tapti durchschnittene 
grosse Gebirgsstock, ist auf der Karte von Malcolm mit Caly 
beat oder Caly Gong hill bezeichnet, was offenbar mit der 
Kali zusammenhängt. Am Tapti liegen der heilige Berg Ugga- 
janta und das berühmte Hörn des Dreizackführers (Lassen, 
Ind, Alterthumsk., I, 571 — 574). Auch die Benennung Deogur 
kommt hier vor. Im Hochlande von Gondwana und dem Ge- 
birge von Omerkunduk, dem Quelllande der Nerbudda und 
der Sone, wird Bhawani auf den Höhen verehrt, und ihr be- 
rühmtes Frühlingsfest Huly, jedoch ohne Mitwirkung der Brah- 
manen, gefdert.^) Die Gegend scheint voll von Legenden der 
Bhavani (als Nermada oder Nerbudda) zu sein.^) Ob') die 
Mondberge (Candragiri auf dem Plateau von Seringpatam) 



') Ritter, Erdk., II, 947, 952, 957. 

2) Traill, Stat. Sketch of Kamaon As. Res., XVI, 167, 210. 

3) Ritter, Erdk,, III, 39. 

*) Ritter, Erdk., IV, 801—812. 

*) Rittet-, Erdk., IV, 2, 455, 494- 

^) Stephenson, Journ. R. As. Soc. Lond., VI, 239. 

^ Forbes, Orient. Mem., I, 521. 



— 62 — 

mit dem Qivaismus izusammenhängen, *) möge dahingestellt 
bleiben. 

Vorspringende Höhen und isolirte Berggipfel sind viel- 
fach dem Qiva geweiht. So das Vorgebirge, welches Kanara 
von Tuluva scheidet, das berühmte Gokarna.^ Femer das 
südwestliche Ende der Bombayinsel, das Vorgebirge Malabar 
Hill. ^) Dasselbe trägt nahe seiner höchsten Spitze den 
Pilgerort Walukeschwar. Rama übernachtete dort, als er vom 
Gängeslande nach Lanka zog, und errichtete daselbst einen 
Linga aus Sand, bis ein frischer Linga aus Benares ankam. 
In den Tempel am Vorgebirge der Malabarküste Eli -Male 
(Mont d'Illy) Hessen die Brahmanen Graul gar nicht ein- 
treten. Es heisst, Niemand könne die Gipfel dieses Vorge- 
birges zählen und sich auf denselben zurecht finden. 

Die zwölf heiligen Plätze des Qiva befinden sich nach 
Wilson alle in schwer zugänglichen Gebirgsgegenden. *) Unter 
den fünf berühmtesten Linga -Tempeln Südindiens befindet 
sich der Feuer-Linga-Tempel zu Tiruvanämalei (Tiroonomalee, 
Heiliger, unnahbarer Berg^) auf einem isolirten Bergkegel des 
Gebietes von Askot. 

In der Umgegend von Bombay und der genannten Stadt 
selbst ist die gangbarste Form des Qiva von mehr dämoni- 
schem Charakter Khundoba. Er hat auch einen Tempel in 
Bombay. Man feiert dort alljährlich seine Vermählung mit 
Mharsla, Verkörperung der Devi (Mumba Devi, der Grama- 
Devata oder Ortsgottheit von Bombay, einer dämonenähnlichen 
Gottheit), womit Hackenschwingen und Tanzen auf Kohlen 
verbunden zu sein pflegt. Der Hauptsitz seiner Verehrung 
soll Mallika, ein Berg in Carnata, sein. Auch Djeduri, und 
zwar nach Stephenson der Berg Märgasirsha in dessen Nähe, 
Pali u. s. w., sind wegen des Khundobadienstes berühmt. ^) 

1) Ritter, Erdk., IV, i, 735. 

2) Lassen, Ind. Alterthumsk., I, 571 — 574. 

3) Graul, Reisen in Ostind., III, 50. 

*) Wilson, Relig. Festiv. of Hindus, I. R.As. Soc, IX, 95. 

*) Graul, Reisen in Ostind., IV, 327. 

6) Graul, Reisen in Ostind., III, 73, 323. 



- 63 - 

Wie Ganega bei den Indochinesen als mächtigster 
Schlangengott Neac-ta verehrt wird, ^) so hat der sechsköpfige 
Kriegsgott Kartikeya (Subhramanya oder Suppiramanijan), der 
Sohn des Qiva, dessen Stellung als Berggott ererbt. Er hat 
in Südindien fünf namhafte Plätze der Verehrung:^ Tiruppa- 
rankunram (Skandamali bei Madura), Paläni (Pyney), Tiruv^ra- 
kam,Tirussiraleiväj (Tritschendur) und Söleimalei (Alagarmali bei 
Madura). Als den sechsten rechnet man Kunrukal »die Hügel« 
im Allgemeinen^ als deren Schutzherr er gilt. Aus diesem 
Grunde ist er auch der Gott der meist auf Bergen gelegenen 
Burgen, und es krönt im Tamulenlande sehr häufig ein ihm 
geweihter Tempel die Spitze des Burgberges.^) 

Bei Tritschinopoly ist ein steiler Felsen, auf dessen 
halber Höhe der Haupttempel der Stadt, dem Qiva geweiht, 
erbaut ist. Ein bedeckter und mannigfach verzierter Gang aus 
Stein führt hinauf; dann windet sich der Weg frei am Felsen 
empor, und zwar so steil, dass vor einigen Jahren bei dem 
ungeheuren Menschenandrang während des geistlich-en Haupt- 
festes über 500 Personen mit einem Male das Leben ver- 
loren. Auf der Spitze des Felsens steht ein kleiner Tempel 
des Ganesa, des Sohnes des Qiva mit dem Elephantenkopfe, 
in dessen Namen alle Geschäfte des gewöhnlichen Lebens 
begonnen werden.^) 

An seinem Hauptfeste im Monat Kärtika (November und 
December). brennen Bergfeuer. Besonders an dem Abende, 
an welchem der Mond in den dritten Stern der Krtika-Con- 
stellation eintritt, erglänzen weit und breit auf allen Hügeln 
grosse Feuer. ^) 

Qiva ist nicht bloss Herr auf dem Kailäsa, er ist auch 
der Schwiegersohn des Himavat und tritt dadurch in ein sehr 
nahes Verhältniss zu einer der bekanntesten animistischen 
Gestalten des indischen Pantheons. Üeber den Ursprung der- 



^) Moura Cambodge, II, 200. 

2) Graul 1. c, IV, 334. Wilson, 1. R. As. Soc, III, 206. 

3) Mitth. des Hm. Dr. Haberlandt. 

*) Graul, Reisen in Ostind., IV, 40. 
^) Dr. Haberlandt (mündliche Mitth.V 



- 64 - 

selben vermögen wir dermalen nichts Näheres anzugeben. 
Wir wissen nicht einmal, ob er ursprünglich ein arischer 
oder anarischer Volksgott gewesen. Jedenfalls ist sein Rang 
ein relativ untergeordneter. 

Die für die Entwickelung des Rudra-ßegriffs so mass- 
gebende Väjasaneyi-Samhita erwähnt zuerst der Ambika, als 
Schwester des Rudra. Sie wird später als dessen Frau er- 
klärt, ^) Sie heisst auch Uma Haimavati, Pärvatt uad wurde 
auf der höchsten Bergspitze geboren. Kuhn und Weber gind 
geneigt, dieselbe Göttin mit der Sarasväti, der Göttin der 
Ströme und der Rede, zu identificiren. Nach dem Rämäyana, 
h 36, 13 (ed. Sihl) ist ihre Genealogie folgende; Himavat, 
der Bergkönig, der über viele Metallschätze gebietet, hatte 
zur Frau Menä, die Tochter des Meru. Er hatte von ihr zwei 
Töchter von unvergleichlicher Schönheit. Die älteste Tochter 
war Gangä, die jüngere Umä, Die letztere, durch strenge 
Ascese berühmt, wurde die Frau des Rudra. Nach dem Hari- 
vamsa, v. 940 ff., hatte Himavat drei wegen ihrer strengen 
Ascese gefürchtete Töchter, unter denen Gangä nicht genannt 
wird. Die älteste war die Umä, die Frau des Rudra-Mahädeva. 

Nach dem Bhagavata Furäna war Qivas Gemahlin (Sati) 
die Tochter des Daksha aus dem Geschlechte der Aditi. Die 
Gegnerschaft ihres Vaters ihrem Manne gegenüber veranlasste 
sie, ihren Körper zu verlassen. Sie wurde dann als Tochter 
des Himavat und der Menä wiedergeboren und heiratete 
den ^iva als Umä. 2) 

Die Pärvatisage ist episch durch Kalidäsa im Kumära- 
sambhara, dramatisch durch den Dichter Bäna im Pärvati- 
parinayanätaka behandelt worden, ^) Der Himavat ist darin 
der mit göttlicher Seele ausgestattete Berg Himälaya. Er 
besitzt ausgezeichneten Verstand zur Beherrschung der Drei- 
welt; dieser animistischen Personification unterliegen aber 



1) Muir 1. c, IV. 

2) Muir 1. c, IV, 356 flf. >Vcber, Ind. Stud., I, i86 ff. 

3 K. Glaser, Ueber Bana's Pärvattparinayanätaka, SitzuDgsb. der kais. 
Akad. d. W., Wien 1883. 



- 65 - 

auch die übrigen Gebirge. Zur Hochzeit der Parvat! sagen 
sich Meru, Mandara, Vindhya, Kailäsa und alle Gandharven an. 

Eine befriedigende linguistische und mythologische Deu- 
tung der zahlreichen Namen der Gemahlin des Qiva ist aller- 
dings noch nicht gelungen. Auch die Eigenschaften derselben 
stehen vielfach mit einander in Widerspruch. Die ethnolo- 
gische Comparation und ein intensiveres Studium der Volks- 
religionen werden vielleicht etwas mehr Licht bringen, da in 
dem Begriff der Gemahlin des Qiva offenbar mehrere Local- 
göttinen von sehr verschiedenem Ursprünge stecken. Bei der 
Parvati hat bereits Weber ein solches Verhältniss für wahr- 
scheinlich erklärt. 

Nun residirt aber die Bhadra-Kali auch vorzugsweise im 
Vindhyagebirge. Die Stadt Mirzapur (Sagala) kommt in den 
Sanskritwerken unter dem Namen Vindhyaväsini vor. Sie war, 
wie später Monghir, der Hauptsitz des Kalicults. In dem Devi- 
mahatmyam wird der Gemahlin des Qiva unter anderen zahl- 
reichen Titeln auch das Epithet Vindhyäcalaniväsini (den 
Berg Vindhya bewohnend) beigelegt, i) 

Buddhismus und Jainismus. 

Kou9agara (Räjagriha, Radigir), die älteste Hauptstadt 
von Mägadha, die Wiege des Buddhismus, liegt fünf Meilen 
südlich von Behar, in einer tiefen Schlucht jenes Granit- 
gebirges versteckt, welches, den Lauf der Mahänada beglei- 
tend, östlich von Gaya in der Richtung nach Nordosten hin- 
zieht und gegen die breite Alluvialebene des Ganges abfällt. 
Dieses Gebirge enthält schroffe Bergspitzen, mit dichten Wäl- 
dern bedeckte Abhänge, steil eingeschnittene, enge Thäler 
und zahlreiche Grotten. 2) 

Diese ganze Landschaft war zu Zeiten des Hiuen-Thsang 
mit Heiligthümem der Buddhisten förmlich bedeckt. Vor 
Allem erwecken unsere Aufmerksamkeit die in der Sanskrit- 



^) Troyer, Räjataranginl, I, 461. 

2) Vivien St. Martin in St. Julien, Voyages des P^lerins bouddhistes, 
III. 379. 
V. Andrian, Höhencultus. 5 



— 66 — 

litteratur hochberühmten fünf Berge, welche Kou9agara um- 
kränzen. Sie heissen im Mahäbhärata: Vaihära, Vahära, Vri- 
shabha, Rishigiri, Caityaka. ^) Die buddhistischen Quellen 
geben folgende Namen: Jighili, Vibhäro, Veputto, Pandavo, 
Ghedjhakato. Gegenwärtig heissen sie: Ratnagiri, Biplagiri, 
Baibhargiri, Sonagiri, Udayagiri. 2) 

Dieses Gebirge scheint auch den anderen Religions- 
bekennern Indiens zu allen Zeiten sehr heilig gewesen zu 
sein. Wir finden wenigstens innerhalb derselben Bergspitzen, 
welche die Namen Rishigiri, Rishi Vyasagiri, Palast der 
Asuren tragen.^) 

Hiuen-Thsang erwähnt eines Berges in dieser Kette, auf 
welchem ein der Sähkhyalehre folgender, berühmter »Ketzer« 
wohnte. ^) 

Buddha hat auf den fünf Bergen mit Vorliebe geweilt. 
Der Pandavo heisst aus diesem Grunde im Lalitavistara der 
König der Berge. ^) Vor Allem ist der Ghedjhakato (Gridhra- 
küta), heute Giddore genannt, geheiligt. Auf diesem mehr- 
gipfeligen, mit frischen Quellen, merkwürdigen Felsenpartien 
und schattigen Bäumen geschmückten Berge erklärte Buddha 
unzählige Sütras,*) verrichtete Wunder und erliess Prophe- 
zeihungen. Auf diesen Berg wird der Thron der vier Buddha's 
verlegt, von denen drei als Vorgänger des Qdkya gelten.') Hier 
empfing Buddha nach erlangter Buddhaschaft die Huldigung 
der vier Welthüter. Ein anderes Mal sass hier Bhagavat (Buddha) 
mit einer grossen Schaar von Heiligen, erklärte ihnen das Sütra 
und gab sich der Meditation hin, wo er und die Versammlung 
mit himmlischen Blumen überschüttet und die ganze Erde 



^) Lassen, Ind. Alterthumsk. II. 79 vermuthet, dass diese Namen erst 
nach Baddhas Tode diesen Bergen gegeben worden seien. 

') Vivien, St. Martin 1. c. 479. 

3) Vivien, St. Martin, 1. c. 378. 

*) St. Julien, Mem. Hiouen-Thsang, I, 442. 

*) Vivien, St. Martin 1. c. 279. 

•) St. Julien, Voyages, I. 154. 

^ Ueber die früheren Buddhas vgl. Wilson, Journ. R. As. Soc. Lond. 
XVI. S. 253. 



- 67 - 

des Buddha in sechs verschiedenen Weisen erschüttert 
wurde. '). 

Als der König von Magadha, Seniya Bimbisära, die 
80.000 Dorfältesten in den Ordnungen der sichtbaren Welt 
unterwiesen hatte, entliess er sie und sprach: »Ihr seid jetzt 
von mir, Freunde, in den Ordnungen der sichtbaren Welt 
unterwiesen, geht jetzt hin und naht Euch Ihm, dem Er- 
habenen; Er der Erhabene wird Euch in den Dingen des 
Jenseits unterweisen.« 

Da gingen die 80.000 Dorfältesten zur Geierspitze, wo 
der ehrwürdige Säugata dem Dienst des Erhabenen oblag. Auf 
dessen Bitte erscheint nun zwar der Erhabene auf dem Sitze, 
welcher im Schatten des Klosterhauses errichtet war. Allein 
die Aeltesten erkannten ihn nicht. Darauf befahl der Erhabene 
dem Säugata Wunder zu verrichten. Dieser schwebte in der 
Luft und verkündete ihnen, dass der Erhabene sein Meister 
sei, worauf die Aeltesten ihre Gedanken dann allein auf den 
Erhabenen richteten, der ihnen dann predigte. 3) 

Auch in den buddhistischen Märchen wird dieses Berges 
öfters gedacht. Nach der Lehre der Mahäyänisten im Sad- 
dharma-Pundarika wohnt Qäkyamuni eigentlich immer auf 
dem Geierberge, und ist es nur eine Sinnestäuschung der 
Menschen, wenn sie ihn an anderen Stellen gesehen zu haben 
glauben (Kern, Buddhismus D. v. Jacobi, II, 61). Daher ist 
der Schauplatz dieses heiligen Buches, welches in allen chine- 
sischen Buddhatempeln aufliegt, ebenso jener des Suvarna- 
Prabhäsa (d. h. Goldglanz) auf diesem Berge (Kern 1. c, II, 
509). Nach dem bei den Mongolen sehr heilig gehaltenen 
Buche Jum wohnt der Burchan Schak-dshi-tübi (Schigemuni) 
auf einem Berge, der den Vögeln zum Sammelplatz dient, 
mit 5000 Lamas (Timkowski, Reise n. China, Uebers. Schmidt, 
II, 368). 



^) Hardy, Manual, ^5. 

') Burnouf, Lotus de la bonne loi, i ff. 

3) Mahdvagga, V, i. Oldenberg, Buddha, 187. 



— 68 — 

Ein anderer berühmter Berggipfel befindet sich nord- 
östlich von Gaya, in der südwestlichen Verlängerung des 
vorbenannten Gebirges. Nach der Darstellung Hiuen-Thsangs ^ 
ist derselbe von dunklen Wolken bedeckt. Rishi's wohnen 
daselbst, giftige Schlangen und grausame Drachen bewohnen 
dessen Höhlen, Raubvögel hausen in seinen Wäldern. Auf 
dem Gipfel ist ein ungeheurer, von einem zehn Fuss hohen 
Stüpa gekrönter Stein. Hier hat sich Buddha der Meditation 
ergeben. Vom Himmel kommend, hielt er still, setzte sich auf 
diesen Stein, versetzte sich in vollkommene Ekstase und verblieb 
darin die ganze Nacht Die Götter und die Rishi's huldigten 
dem Ju-lai (Thagata), Hessen eine göttliche Musik ertönen und 
himmlische Blumen regnen. Nachdem Ju-lai aus der Ekstase 
getreten, bauten die Götter, von Liebe zu ihm erfüllt, einen 
Stüpa aus Silber, Gold und kostbaren Steinen. In der langen 
Zeit haben sich diese letzteren in gewöhnliche Steine ver- 
wandelt. Bis zu unserer Zeit (Hiuen-Thsangs) ist Niemand 
hinaufgegangen. Betrachtet man von weitem diesen hohen 
Berg, so sieht man eine Menge von grossen Schlangen und 
reissenden Thieren, welche ehrfurchtsvoll den Stüpa um- 
kreisen. Die Götter und Rishi's folgen ihnen in Schaaren, 
beten Buddha an und verkünden sein Lob. Auf dem Ost- 
kamm dieses Berges hat Ju-lai verweilt, um das Königreich 
Magadha zu betrachten. ^) 

In der südwestlichen Verlängerung derselben Bergkette 
finden wir den Kukkutapadagiri, den »Berg des Hahnen- 
füsses«, auf dem der grosse Ka9yapa, dem Buddha vor seinem 
Eintritt in das Nirväna die Obhut über die Gläubigen anver- 
traute, gelebt hat Als seine Zeit gekommen war, stieg 
Ka9yapa zum Gipfel hinauf, der aus drei Spitzen besteht. 
Durch die Macht seines Verlangens vereinigten sich die drei 
Spitzen und schlössen ihn ein. Zur Zeit des Maitreya erstieg 
eine Schaar hochmüthiger Menschen den Berg, um die Ruhe- 
stätte des Ka9yapa zu sehen. Maitreya schnalzte mit den 



^) St. Julien, Mem. de Hiouen-Thsang, 440 f. 
2) St. Julien, I.e. 



- 69 - 

Fingern, worauf sich die drei Spitzen wieder öffneten, und 
Ka9yapa sichtbar wurde. Er sprach mit Maitrfeya, übergab 
ihm Buddhas Gewand, erhob sich in die Lüfte und Hess ein 
Feuer erscheinen, an dem sich sein Leib verzehrte, worauf 
er in das Nirväna einging. Die Menge legte, als sie dies be- 
wundernd sah, ihren Stolz ab, öffnete ihr Herz und erhielt 
die Würde von Arhats. Zum Andenken hieran trägt die Spitze 
einen Stüpa. Diese heilige Localität wurde vom chinesischen 
Buddhapilger Fa-hian besucht.') 

Ungefähr hundert Li nordöstlich vom Berge des Hahnen- 
fusses ist der hohe und steile Berg Buddhavana. In einer der 
Höhlen desselben hat Buddha geweilt. Hier sind fünfhundert 
Arhats in das Nirväna eingegangen, welche noch immer man- 
chen Eingeweihten sichtbar sind und auch sonst hier noch 
manche Wunder verrichten (St. Julien, Voyages, III, 9 f.). 

In der nördlichen Verlängerung der fünf Berge scheint 
Indra9iläguhä (Höhle des Indra) zu liegen, ein Berg mit 
zwei Gipfeln und zahlreichen dunklen Grotten. In einer Höhle 
des Südgipfels ist ein grosses Haus in den Felsen einge- 
schnitten. Hier hat oft Ju-lai geweilt. Chi, der König der Götter 
(Qakra Devendra), schrieb auf einen Felsen 42 schwierige 
Fragen auf, welche Buddha löste. Man sah noch Spuren 
der Schrift zu Zeiten Hiuen-Thsangs. In der Nähe befindet 
sich auch die Stelle, wo die früheren vier Buddha's gesessen 
und spazieren gegangen sind. Sie haben Spuren ihrer Schritte 
zurückgelassen (St. Julien, Voyages, III. 59). 

Auf dem Berge Ling-kia (Lanka, Ceylon), welcher von 
Geistern und Dämonen bewohnt ist, hat Ju-lai den Ling- 
Kia-King (Lankävatara suti'a) erklärt (St. Julien, ibid. III. 144). 

Auf dem Berge Hiranyaparvata, südlich vom Ganges 
im Königreiche gleichen Namens, einem seit ältester Zeit von 
^ishi's und Weisen besuchten Orte, hat Ju-lai viel geweilt 
und gelehrt. Auch die drei früheren Buddha's haben dort ge- 
thront (St. Julien, ibid. IIL 66). 



^) Sykes Notes, Journ. R. As. Soc, VI, 310. 



— 70 — 

Auf einem kleinen Berge mit schroffem Doppelgipifel 
an der Westgrenze des genannten Königreiches hat Buddha 
drei Monate geweilt, um den Dämon Vakula, der dort hauste, 
zu bezwingen. Man sah noch dort auf einem Felsen die 
Spuren seines Körpers, seines Wassergefässes, ausserdem lioch 
die Fusspuren des Dämons, sowie des Buddha. Auf dem 
Gipfel erblickte man auch die alte Wohnung des Dämons 
(der hier Yaksha genannt wird). (St. Julien, Voyages, III. 70.) 

Ueberaus zahlreich sind die Legerideri über bergbewoh- 
nende buddhistische Heilige. So der bei der Cöntemplation 
vertrocknete Arhat, welcher nach seiner Wiederbelebung in 
den Himmel auffuhr. Der sehr hohe und steile Berg, an dem 
diese Begebenheit stattfand, würde zum Andenken an die- 
selbe mit einem Stüpa gekrönt^) 

Ananda, ein Lieblingsschüler Büddha's> bekehrte kurz 
vor seinem Tode in Benäres den Madhyamika,*) der später 
mit lOiOOO Arhats durch die Luft nach dem Berge Uctra 
flog, sich daselbst niederliess und Buddha's Lehre von da 
aus im Norden verbreitete. Von hier zog er dann später nach 
Kaschmir hinab, vertrieb von dort die Nägas und errichtete 
buddhistische Ansiedelungen. 

Oestlich von den Malayabergen, im Königreiche Mala- 
koüta (Tschimos) ist ein hoher Berg, dessen Zugang sehr 
gefahrlich ist. Auf dessen Gipfel ist ein klarer See, neben 
welchem ein Palast der Devas> in den Felsen eingehauen, 
sich befindet. Avalokite9vara Bodhisattva besucht ihn oft 
und wohnt daselbst. Die Gläubigen steigen mit Lebensgefahr 
hinauf, um ihn zu sehen. Doch erscheint er auch denen, 
welche nicht hinaufsteigen können, auf deren inbrünstiges 
Gebet, theils unter der Gestalt des l9vara Deva, theils unter 
jener eines Pämgupatas (^ivaiten, welche sich mit Asche 
reiben). '*) 



1) St. Julien, Voyages, III, 7 ff. 

2) St. Julien, Voyages, I, 275. Ein anderer Fall 1. c. III. 222 u. s. w. 

3) Wassiljew, Buddhismus, 43. 
*) St. Julien, Voyages, III, 123. 



— 71 — 

Die Beispiele für Klosteranlagen auf hohen und steilen 
Bergen sind so überaus zahlreich, dass eine specielle Anfüh- 
rung derselben wohl nicht nöthig erscheint. Neben dem 
Wunsche nach möglichster Isolirung, welcher wohl bei der 
Untersuchung der massgebenden Gesichtspunkte zuerst in 
die Augen springt, scheinen doch auch noch andere psycho- 
logische und religiöse Factoren dabei im Spiele gewesen zu 
sein. Rücksicht auf Localgeister scheint häufig deren Anlage 
bestimmt zu haben. Bei dem Baue derselben betheiligen sich 
Dämonen. Besonders wunderthätige Stüpa's innerhalb der 
Klöster werden Dämonen zugeschrieben (St. Julien, Voyages, 
III. 89). Auch sonst knüpft sich die Anlage von Klöstern in 
Magadha an wunderthätige Erscheinungen, welche auf Berg- 
gipfeln oder Hügeln stattgefunden haben (St. Julien, ibid. III. 62). 

Die Klosteranlagen führen uns zu einer der bekann- 
testen Eigenthümlichkeiten des Buddhismus, zu der in gröss- 
tem Masstabe betriebenen Aushöhlung der Berge. Nach Sykes 
finden sich viele Hunderte, um nicht zu sagen Tausende 
ausgehöhlter Berge in Indien. Diese Bauten erstrecken sich 
durch ganz Indien von Cuttak und Mahamalaipur an der 
Ostküste bis Ellora und Salsette an der Westküste. Die 
ältesten sind wahrscheinlich jene von Behar in der Nähe der 
alten Hauptstadt Räjagriha, Karna Chapura, Narjarjuni u. s. w. 
Daran sollen sich dem Alter nach anschliessen die Locali- 
täten Udyagiri und Kandagiri (Cuttar), während Mahamalaipur 
der spätesten Epoche angehört.*) 

Dass diese Stätten ebenso wie die Stüpa's in der Folge 
die Quellen unzähliger Wunderlegenden geworden sind, ist 
selbstverständlich. Sie bleiben die Sitze der Arhats, welche 
theils von da aus die Lüfte durchschneiden, theils daselbst 
ihre anderen übernatürlichen Kräfte entfalten (St. Julien, ibid. 
III. 222) oder auch in vollständiger Ekstase Jahrhunderte lang 
ihren Eingang in das Nirväna erwarten. 

Die Verehrung der Fusspur des Buddha findet bekannt- 
. lieh meist auf Bergen statt. Das berühmteste Beispiel hiefür 

*) Fergusson, Journ. R. As. Soc. Lond., VIII, 30 f. Sykes Notes, 
J. R. As. Soc, VI, 274. 



— 72 — 

ist der Adamspik. Andere Fälle sollen später Erwähnung 
finden. In Ermanglung von passend gelegenen Bergen wählte 
man auch künstliche Hügel hiezu. 

Die Siamesen nennen den goldenen (mythischen) Berg, 
welcher die heilige Fusspur Buddha's enthält, Khan Phra 
Puthi. Das berühmteste Phrabat dieses Volkes liegt auf einem 
künstlichen Hügel eines Flusses, welcher von Suwanaphon 
herabkommt. Nach Low soll dasselbe die Spur des rechten 
Fusses sein, während der Adamspik jene des linken Fusses 
enthält. 

Unter den zahlreichen Symbolen des Phrabat findet man 
mehrere heilige Berge, den Meru, den Himavat.^) Die Budd- 
histen Nepals kennen nach Burnouf^) sieben Könige der 
Berge, welche grosse und kostbare Dinge hervorbringen : den 
Himavat, Gandhamädana (Berg der Wohlgerüche), Vaipulya, 
Rishigiri, Yugandhara, A9vakarnagiri, Namundara, Cakrä- 
vada, Ketumat, Sumeru. B^aP) gibt aus chinesischen Quellen 
folgende Liste der Bergkönige (Parvataräjas), welche wohl 
theilweise mit der vorhergehenden stimmt: 

I. Kia-to-lo-schan (Gätra parvata), 
'2. Sien-jin-schan (Rishigiri), 

3. Fei-mO'Schan (V^ma parvata), 

4. Ta-fei-mo-schan (Mahavema parvata), 

5. Tschi-schwang-schan (Yugandhara parvata), 

6. Ni-min-to-lo-schan (Nemindhara parvata), 

7. Mutchilindi parvata, 

8. Mahamutchilindi parvata, 

9. Hiang-schan (Gandha parvata), 

10. Sineh-schan (Hima parvata). 

Die Jainas verehren den Siddha als obersten, allein 
unsterblichen Gott. Der Mensch kann auch Siddha werden. 
Die Tirthankaras oder vergötterten Räjas sind alle wegen ihrer 
guten Thaten Siddha's geworden. Alle anderen niederen 
Götter sind den Gesetzen des Carma, der Metempsychosis 

1) Low, Buddha and the Phrabat, Trans. Roy. As. Soc, III, 62. 

2) Btirnouf, Lotus de la bonne loi, 847. 
^) Beal, Catena, 102. 



— 73 — 

unterworfen. Die Hindugottheiten gehören unter die letzteren. 
Die dafür gebrauchten Namen sind: Vintrica(?), Vanvintrica(?), 
Devata, Pai9äca, Bhuta Yaksha, Rakshasa, Cinnara, Cim- 
purusha. ^) 

Auf den Bergen hat die Vergöttlichung der Ttrthankaras 
stattgefunden. Auf dem Gipfel des Pärasnäth haben zwanzig 
derselben das Nirvana erlangt. 

Auch die Devi's (Devata) wohnen auf einem hohen Berge. 
(Nach Andern im Svargam, der Fortsetzung des Meru.) 

Nach der Anschauung der Jaina entstanden bei der Re- 
production der jetzigen Welten aus früheren Zuständen vier- 
zehn Menschenpaare in einer Berghöhle. Sie waren nur i^/^ 
Cubit hoch. Diese Paare, Yugaliyas geheissen, erzeugten 
Zwillinge ; nur das letzte Paar hat einen Sohn Rishabha Deva, 
den ersten Tirthankara, der 2000 Cubits hoch war. In den 
Büchern der Jains werden die Yugalijas als vierzehn Paare in 
einer Reihe auf der Bergspitze abgebildet.^ 

Rishabha Deva, der erste König und Gründer der Jain- 
secte, legte die Regierung nieder zu Gunsten seines Sohnes 
Bharata. Während er unter dem heiligen Vatabaum stand, 
verliess ihn seine Seele und flog zum Kailäsa. Bharata errich- 
tete auf einem ausserordentlich hohen Berge vier goldene 
Tempel zu seinem Andenken und seiner Verehrung. ^) 

Der Hauptpriester von Chil ore, Muni Cunda Cund Acha- 
rya, wurde eines Tages von einem Deva auf den Bidchi-kshetra 
geführt, wo er den 2000 Cubits hohen Tirthankara (vergöt- 
terten Raja), genannt Mundir Swami, anbetete. Später reiste 
er nach Gujerat und Hess sich auf dem Berge Giranar zum 
Zwecke der Meditation nieder. Hier versammelten sich die 
(Jaina-) Secten Digambar und Qwetämbar, um den N^ma Näth, 
dessen Bild auf dem Gipfel war, anzubeten. Dabei geriethen 
sie in Streit um den Vorrang, bis eine Stimme vom Himmel 
zu Gunsten der ersteren entschied. •*) 



1) Miles, Trans. R. As. Soc, III, 349. 

2) DelamaiDe on Jains, Trans. R. As. Soc, I, 425. 
5) Delamaine 1. c, Trans. R. As. Soc, 422. 

*) Delamaine, On the Sräwars or Jains, Trans. R. As. Soc, I. 419. 



— 74 — 

Der berühmte Arbudaberg oder Abu ragt aus der Sand- 
ebene Rajputänas im Westen von Adipura bis zu 5000 Fuss 
ü. d. M. als isolirte Gebirgsinsel hervor. Er ist mit Tempeln 
und Inschriften der Jaina geschmückt^) 

General Miles zählt noch folgende Tempel und tirthas 
in Gujerat nach dem Mirat i Ahniadi auf: 

Qatrufijaya bei Pali-thanna (Jürai); die Andachtsstätte 
ist an der Spitze eines hohen Berges, dem Adhigvara Ris- 
habhadeva geweiht. Viele reich ausgeschmückte Tempel 
sind hier. 

Nimnatha, ein grosser Tempel auf dem Berge Girnar 
bei Junagarh, dem Nimnatha geweiht. 

Gauri Par9vanätha in der Nähe von Cutch. Nähere Be- 
schreibung fehlt. 

Sanca Par9vanatha im Dorfe Sankösüri. 

Ajitanätha auf dem Berge Täranga. 

Combana bei Amba, fünf Tempel. 

Stadt Hawi. 

In den Städten Narwara und Navanagarh. 

In Ahmadabad sind kunstvoll ausgehauene unterirdische 
Tempel, wahrscheinlich wegen der Verfolgung der Muham- 
medaner ausgeführt. ^ 

In dem Hause eines Banquiers in Ahmadabad ist die 
Darstellung eines Berges im Osten, genannt Samätsik'har, der 
sehr heilig ist und das Ziel vieler Jainawallfahrten bildet. Er 
ist bedeckt mit Figuren von Menschen und Thieren; eine 
grosse Anzahl von Qravakas von Surat u. s. w., welche die 
Reise dahin nicht unternehmen kann, bezahlt ihre Opfer dem 
hiesigen Vertreter.^ 

Dn Buchanan Hamilton beschreibt andere Tempel der 
Jainas in Südbihar und Bhagalpur, bei welchen die Bezie- 
hungen zum Höhencultus fehlen. Allerdings scheinen sie 



1) Osletrooke, Transact. R. As. Soc, I. Ritter, IV, i, 734 ff. 

2) Miles, On Jainas of Gujerat and Marwar, Trans. R. As. Soc, 

III, 348. 

3) Miles 1. c. 



— 75 — 

sehr modernen Ursprungs zu sein, da die Inschriften vom 
Jahre 1676 sindJ) 

Wir verdanken General Franklin und Dr. Feistmantel 
die Schilderung des berühmten Wallfahrtsortes von Par9va- 
näthä am Berge Samet Sikhar (Sammeya) an der Grenze von 
Ramgur. Die heiligste Stelle ist der westliche höchste Gipfel, 
wo Pär9vanätha sein Nirväna erreichte und in den Felsen 
eine Fusspur eindrückte. Der Berg selbst besteht aus meh- 
reren durch tiefe Schluchten durchrissenen Spitzen. In den 
Schluchten sind verschiedene von den Bergbächen umrauschte 
Felsen (der eine> mit Honig und Oel beschmiert, dem Gand- 
harva geweiht, der andere dem Hanuman) und kleinere Tempel. 
Auf den höchsten Punkten des Gebirgskammes sind zwanzig 
kleine Tempel der Jaina vertheilt; Man findet in ihnen die Vasu- 
Pädukas (heiligen Füsse), wie in dem Jaintempel in Campänagar, 
und in Pokharpuri, wo die Füsse des Mahävira dargestellt sind.*) 

Auch die Jainas haben grossartige Grottenwerke ausge- 
höhlt. Einige Stunden von Kuttak (Orissa) entfernt, liegen in 
einer Granitregion die isolirten Sandsteinberge Kand Giri. 
Sie sind nur 150 — 200 Fuss hoch und gänzlich von kleinen 
Höhlen und zusammenhängenden Grotten werken durchzogen. 
Der ganze Berg ist ein Aufenthaltsort von Eremiten. Auf 
ihrem höchsten Gipfel steht ein moderner Tempel Pär9va- 
natha's, des Gründers der Jainas, und eine Menge Idole der 
Nirwanas, welche die Jainas verehren. Hinter dem Tempel 
erhebt sich eine merkwürdige Terrasse Deo Sabha (Götter- 
versammlung), mit zahlreichen, an allen vier Ecken mit 
nackten Jaina-Idolen roh ornamentirten Steinpfeilern. ^ 

Bei den Jaina in Tuluva gibt es zwei Arten von Tem- 
peln; der eine ist bedeckt und heisst Busty, der andere ist 

1) Buchanan, Temples of the Jains Transact. R. As. Soc, I, 523 ff. 

2) W. Franklin, Trans. R. As. Soc., I, 527 ff. Globus LVI, 114, I34ff. 
Wie der Abu bildet der Pärasnäth eine isolirte Erhebung, welche aus der ben- 
galischen Ebene emporragt Die Platten mit den Fusseindrücken der Ttrthän- 
karas tragen übrigens ebenfalls meist die späte Jahreszahl 1768 n. Chr. Auf 
dem heiligen Bergrücken darf man nicht kochen, so dass die Pilger nicht da- 
selbst übernachten. 

3) Ritter, IV, 2, 551. 



- 76 - 

ein offener, mit einem Wall umgebener Platz, er heisst Betta 
(Berg in der Karnätasprache). *) 

Die vorliegenden Daten dürften allerdings, soweit sie 
den Buddhismus betreffen, sehr verschiedenen Phasen des- 
selben angehören. Eine Ergänzung derselben aus der älteren 
buddhistischen Litteratur würde für die Beurtheilung der Pro- 
venienz des Höheiicultus von hohem Werthe sein. Indessen 
beweist die Analogie mit dem nach Bühler ziemlich gleich- 
zeitigen, jedoch mehr localisirten Jainismus, dass die dem 
Höhencult zu Grunde liegenden Vorstellungen relativ früh 
von den beiden concurrirenden Religionen aufgenommen 
wurden. Die buddhistischen Legenden ermöglichen aber auch 
einen genauen Einblick in die Natur jener Vorstellungen, 
deren Provenienz, sowie in die Art und Methode, womit der 
Buddhismus sich den primitiven Dämonologien, welche er auf 
seinem Wege fand, anpasste. 

Der Schlangenkönig Mukalinda beschützt Buddha wäh- 
rend seiner Meditation unter dem Baume der Erkenntniss vor 
den andern Elementardämonen. Als Kalanta, der Besitzer 
eines Gartens, in welchem Buddha oft weilte, denselben dem 
Buddha verehren will, verjagen die Erdgötter durch allerlei 
Spuk die Ungläubigen aus demselben, so dass dadurch die 
rasche Durchführung des frommen Entschlusses von Kalanta 
erfolgen kann. ^) Die Berggeister beschützen buddhistische 
Klöster und ermöglichen dadurch deren ungestörte Benützung 
von Seiten der Gläubigen. Freilich ändern sie dann auch 
manchmal ihre Gesinnung, wodurch berühmte Culturstätten 
veröden.^ Der Berggeist Siang-kien des Berges Pi-lo-so-lo 
(Pilusära) im Königreiche Kapi9a lädt den Tathagata und 
1200 grosse Arhats zu sich ein, worauf Buddha sich zu ihm 
begibt und auf einem grossen Stein auf dem Berggipfel^) 
dessen Huldigungen empfängt. Die Grründung des berühmten 
Klosters Nälanda (Baragaon in Magadha) wird dem Einflüsse 



1) Buchanan, Mysore, III, 82; II, 128. 

2) St. Julien, Hist. Hiouen-Thsang, 155. 

3) St. Julien, 1. c, 188. 

*) St. lulien, Mem. Hiouen-Thsang, I, 54. 



— n — 

eines im benachbarten Brunnen lebenden Drachen zuge- 
schrieben. ^) Drachenkinder gehen Ehen ein mit Nachkommen 
der Qäkya,*) dafür werden Macht und Stellung der Nägas 
und Devas im buddhistischen Kosmos ausdrücklich anerkannt. 
Ihr officieller Rang wird fast dem von Indra gleichgestellt, 
die Geister der Bäume und Felsen, die Elemente werden 
als Stufen höherer Erkenntniss aufgefasst. Der aufgeklärte 
Pilger Hiuen-Thsang steht nicht an, die Macht der Berg- 
dämonen und Berggeister anzuerkennen. ^) Er erzählt uns die 
Legende, welche sich an den Berg 0-lu-nao (Aruna) im 
Königreiche Kapi9a knüpft. Dieser Berg wächst alle Jahre um 
einige hundert Fuss; sowie er die Höhe des Su-na-hi-lo im 
Königreiche Tsankuta erreicht hat, stürzt er zusammen. In 
alten Zeiten war nämlich ein Himmelsgeist Süna auf diesen 
Berg gekommen und wollte ausruhen, der Berggeist erschrak 
darüber und erschütterte die Thäler. Da sagte ihm der Himmels- 
geist: »Du willst mir kein Asyl gewähren, desswegen erschüt- 
terst Du die Thäler. Wenn Du mich als Gast empfängst, 
werde ich Dich mit Reichthümern überhäufen. Heute gehe ich 
auf den Berg Su-na-hi-lo im Königreiche Tsankuta; ich werde 
hieher alle Jahre kommen. Wenn ich die Gaben des Königs 
und seiner Minister in Empfang nehmen werde, musst Du 
Dich mir gegenüber aufstellen.« Daher wächst der Berggipfel 
des Aruna alljährlich und stürzt dann wieder zusammen.^) 

Auf einem isolirten Berge im Königreiche Andhra schrieb 
Djinna Bodhisattva eine Abhandlung In-ming-lun, mit dessen 
Studium sich dessen Schüler in einsamen Berghöhlen ver- 
gebens abmühten. Plötzlich erzittert der Berg, Wolken und 
Dünste verändern die Farbe, der Berggeist erhebt den Djinna 
Bodhisattva hoch in die Luft und preist dessen tiefe Kennt- 
niss von Buddha's Gedanken.^) 



1) Bdal, Catena, 416. 

2) St. Julien, Mem. s. 1. contr. Occ, I, 240. Nähere derartige Züge, 
ibid., I, 323, 326. 

') St. Julien, Mem. Hiouen-Thsang, II, 36; III, 246. 
*) St. Julien, ibid., 300. 
5) St. Julien, ibid., 106 f. 



- 1& ^ 

Dabei ist bemerkenswerth, dass die Berggeister eigent- 
lich, wo nicht ausdrücklich das Gegentheil berichtet wird, als 
tückisch und boshaft gelten. Wer ihnen opfert, kann ruhig 
in den Bergen umherwandern; wer jedoch die Gebete unter- 
iässt, oder rothe Kleider trägt, wird von Wind, Hagel oder 
Sandstürmen bedrängt (St. Julien, Mem., II, 207). Ferner wird 
ihnen die Eigenschaft beigelegt, beliebig die Gestalt verändern 
zu können. Der Geist des Berges im Königreiche Mahändra, 
auf dem das Kloster Purva9ilä samghäräma steht, nimmt bald 
die Gestalt eines Wolfes, bald die eines Affen an und er- 
schreckt alle Reisenden, weshalb das Kloster nicht mehr be- 
sucht wird (St. Julien, ibid., II, iii). / 

Die Duldung der fremden Geister hat deren Assimila- 
tion durch directe Uebernahme ihrer Functionen zur Folge 
gehabt. Nach dem Sutra Tai-yun-lun-tsing-u-king (Great-cloud- 
wheel-rain-asking) ^) übernimmt Buddha die den Nägas zu- 
stehende Function des Regenmachens. Wie die Fusspur 
des Tathägata an einem Felsen des nördlichen Ufers des 
Coubhavasta im Königreiche Udyana deren Beschauer nach 
Masstab seiner Tugenden grösser oder kleiner erscheint, so 
werden die meteorologischen Processe, nach Bastian's Aus- 
druck, abhängig von der Bilanz von Tugend und Laster für 
das sich demgemäss Lohn oder Strafe zuziehende Land.^) 
Nach dem Bodhisattva Sütra sind die Buddhas in ihrer un- 
übertrefflichen Weisheit im Stande, die Eigenschaften und 
gegenseitigen Verhältnisse aller Winde und Regen zu be- 
stimmen, aus denen die Erde und alle Wesen entstehen. Die 
Arhats besitzen übernatürliche Kräfte und fliegen durch die 
Luft. Bei den südlichen Buddhisten werden diese Fähigkeiten 
durch einen Cursus von 40 Karmasthänas (Gegenständen der 
Praxis) erworben, unter welchen die Uebungen mit farbigen 
Kreisen, sowie mit dem Erd-, Wasser-, Feuer-, Wind- oder 
Luftkreis die wichtigsten sind (vgl. Kern 1. c, I, 501 fif.). Die- 
selben müssen bei consequenter Durchführung Hypnotismus 
und Hallucinationen erzeugen. Der Ascet erlangt durch die- 

^) Beal, Catena, 406 ff. 

^) Bastian, Buddhismus, 67, 74. 



— 79 — 

selben das Vermögen, sich selbst zu vervielfältigen, durch 
die Luft zu schweben, auf dem Wasser zu wandeln. Regen, 
Dampf, Licht zu schaffen u. s, w. (Kern 1. c, I, 506). Eine 
der ärgsten Todsünden ist, wenn ein Mönch im Widerspruch 
mit der Wahrheit sich übernatürlicher Kräfte rühmt. Er wird 
von der Gemeinde ausgeschlossen (Kern 1. c, II, 41). 

Derartige Vorstellungen findet man in der Schule des Ma- 
häyäna ausgebildet, zugleich mit der Lehre von der schützen- 
den Kraft der Darani's. Diese angeblich von dem (auf dem 
Berge (^riparvata wohnenden) Nägärjuna gestiftete Schule 
soll in ziemlich erkennbarer Beziehung zum ^ivaismus stehen. 
Wenn auch ihr eigentlicher Ursprungsort noch unbekannt 
ist, so war sie sicherlich schon früh in China und Khotan 
verbreitet (Kern 1. c, II, 505). Sie hat jedenfalls die spätere 
Tantraperiode vorbereitet. 

In der Tantraperiode (Dynastie der Päla in Bengalen) 
waren die Klöster zugleich Schulen der Magie. Berühmt war 
das Kloster Vikramacila (Magadha), dessen Obere alle Mantra- 
Vajräcäryas (Meister der Magie) waren (Kern 1. c, II, 54). 
Die ursprünglich nur für die Indras bestimmten Zauberbücher 
(Tantra's) geben nach Kern in den letzten sieben Jahrhun- 
derten des Buddhismus den Ton an. 

Im Königreiche A-ki-ni (nördlich vom Lop-Nor) gerieth 
einst eine Karawane durch Wassermangel in grosse Bedräng- 
niss. Ein buddhistischer Mönch, der mit ihr reiste, versprach 
den Gefährten Wasser zu schaffen, wenn sie sich früher zum 
Buddhismus bekehren würden. Nachdem dies geschehen, stieg 
er auf einen Sandhügel und die Andern riefen ihn an: »Meister 
A-fu, lasst uns Wasser herabkommen, damit wir nach Be- 
dürfniss dasselbe schöpfen können«. Sogleich kamen grosse 
Wasserströme. Die Reisenden wollten sich bei ihrem Wohl- 
thäter bedanken, doch als sie auf den Hügel kamen, fanden 
sie, dass er bereits in das Nirvana eingegangen war. Seitdem 
fliesst die Quelle je nach Bedürfniss der Reisenden stärker 
oder schwächer.*) 



^) St. Julien, Hist. Hiouen-Thsang, 46. 



— 8o — 

Die Kalmüken verehren Otschirbani als den Burchan 
der Wolken. Er bringt Ungewitter und Stürme hervor und 
wird besonders gegen die Bezauberungen durch böse Geister 
angerufen. Seine Wohnung ist ein einsames, mit rothen San- 
deln bedecktes Gebirge. 

Wir müssen noch der spirit Rishis gedenken, welche 
nach dem Avatämsaka sutra') auf Bergen wohnen. Buddha 
erklärt dieselben als Menschen, welche die Kraft geistiger 
Ascese ausüben (samadhi), ohne zur höchsten Weisheit Zu- 
flucht zu nehmen. Sie besitzen dämonische Eigenschaften, 
verändern beliebig ihre Gestalt, vermögen ihr Leben um Tau- 
sende von Jahren zu verlängern u. s. w. 

Prof. Kern erblickt in dieser Degeneration des Buddhis- 
mus zum blossen Zauberdienst die letzte Evolution der schon 
im altbrahmanischen Ascetenthum implicite enthaltenen Vor- 
stellungen. Thatsache bleibt jedoch, dass der Brahmanis- 
mus officiell jede Betheiligung der Asceten an Zauberei per- 
horrescirte, und dass dieselbe erst mit der Duldung des Bhuten- 
dienstes der niederen Kasten sich weiter entwickelte, an dem 
sich nun, wie Graul und Buchanan berichten, auch Brah- 
manen heimlich oder sogar öffentlich betheiligen. Der Bud- 
dhismus war aber von vorneherein auf die Aufnahme und 
Verschmelzung von verschiedenartigen Elementen angelegt 
und hat diese Anlage durch die Aufstellung von zahlreichen 
höchst interessanten, leider noch wenig studirten Mischformen 
aus heterogenen Religionen bethätigt, in welchen dem Volks- 
aberglauben voller Spielraum blieb. 

Die zahlreichen Legenden, welche den Adamspik, eine 
der heiligsten Stätten des Orients, behandeln, liefern dafür 
einen so klaren Beweis, als er in solchen Dingen überhaupt 
möglich ist. Nach dem Raja Ratnacäri^ erschien bereits der 
erste Buddha, genannt Kukusanda, aus Mitleid mit den von 
einer bösen Krankheit heimgesuchten Ceylonesen auf dem 
Berggipfel Daivaküta in strahlendem, sechsfarbigem Lichte 



*) Bergmann, Streifereien unter d. Kalmüken, III, 70. 
2) Beal, Catena, 29 f. 

Räja-Ratnacäri, Ed. Upham, 2 ff. 



— 8i — 

und vertrieb die Krankheit, Der zweite Buddha, Cowawger- 
mana, mbekämpfte auf derselben Stelle, wo die Fusspur des 
ersten Buddha sich befindet, Hunger und Pest und brachte 
belebende Regenschauer daselbst hervor. Der dritte Buddha 
Ka9yapa schlichtete von dem Gipfel des Subaküta aus einen 
blutigen Streit der Inselbewohner, indem er das Land mit 
Finsterniss bedeckte und mit schrecklichen Blitzen durch- 
wühlte, so dass der Hochmuth und Zorn der Einwohner ge- 
bändigt wurden. 

Noch belehrender ist die Legende über den Besuch des 
Buddha Gautama auf dem Adamspik. ^ Vor Buddha's dritter 
Abreise kam der Schutzgott des Berges Samanküta, der Saman 
deva raja, zu Buddha und sprach zu ihm: O Buddha, sieh 
diesen hohen Berg, er scheint blau wie ein Saphir, und sein 
Gipfel reicht in die Wolken. Viele Buddhas haben hier ihre 
Reliquien gelassen; füge auch du ein Juwel hinzu und lasse 
die Spur deines Fusses zurück; sie wird der Segen der Insel 
sein. Da richtete Buddha seine Augen nach Osten und erblickte 
die krumme Spitze des hohen Berges, wie ein Weib der Insel 
mit erhobenem Haupte auf die Ankunft ihres Herrn wartend. 
War dieselbe doch schon zweimal ihrer erwarteten Mitgift ver- 
lustig geworden, nämlich der Fusspur des Buddha, welcher 
zweimal nach Ceylon gekommen war, ohne den heiligen 
Platz zu besuchen. In der Tiefe ihres Schmerzes hatte sie 
zwei Thränenströme aus ihren Augen herabgesendet, die 
Kalany Gangä und die Mahavali Gahgä, sie hatte sich ihres 
Schmuckes entäussert und denselben umhergestreut. Da be- 
gab sich Buddha mit 500 Begleitern durch die Wolken auf 
die Spitze des Berges und schwebte über der Stelle, an wel- 
cher die Fusstapfen des früheren Buddhas sich befanden. 
Der Felsen löste sich ab und erhob sich in die Luft, um den 
Eindruck des linken Fusses des Buddha zu empfangen, und 
fiel auf seinen jetzigen Platz zurück. Darauf tröstete sich die 
Tochter Ceylons, ein plötzlicher Regenschauer wusch ihre 
Thränen weg, sie kleidete sich in die glänzenden Farben, 



1) Räja Ratnacäri, 23 f. 
V. Andrian, Höhencultus. 



— 82 — 

welche dem Körper Buddhas entstrahlten. Darauf erfolgt ein 
Regen von Gold, von wohlriechenden Blumen, das Meer 
jauchzte vor Freude u. s. w. 

Uns interessirt dabei besonders die Rolle, welche der 
Saman Deva Räja bei diesem Anlasse spielt. Dieser offenbar 
vorbuddhistische Schutzgeist des Adamspik und Nationalgott 
Ceylons wird für seinen Eifer mit dem Haarbüschel des 
Buddha beschenkt. Er hält den Baum Keripaluruka über 
Buddha, als derselbe zu den Nagas eilt, welche sich im 
Kampfe um den Yü-Thron gegenseitig mordeten. Neben der 
auf dem höchsten Felsen befindlichen Fusspur des Buddha 
ist eine Nische, in welcher dem Saman Verehrung zutheil wird. 

Ein anderer Berg auf Ceylon, sechzig Meilen nördlich 
von der königlichen Residenz, hiess der >Berg der Sicher- 
heit«. Auch da befand sich nach Fabian^) ein Eindruck des 
Fusses von Buddha. Nach dem Mahävamsa Hess der König 
Walakanabhaya den hier gelegenen Tempel eines heidnischen 
Priesters Giri (wohl eines alten Berggottes) umstürzen und 
an dessen Stelle zwölf Tempel dem Sakya zu Ehren und 
ein Kloster daselbst errichten. 

Ausser den Berührungen mit dem Qivaismus und dem 
Mazdeismus bewirkte die Einführung des Buddhismus in China 
und die dadurch gegebene energische Concurrenz mit der 
Lehre des Tao die Aufnahme von altaischen Volksvorstel- 
lungen, ja sogar die Anpassung an chinesische Speculation. 

Pfizmaier berichtet, '0 dass während der Dynastie der 
Tsin (c. 280 — 420 n. Chr.) in China eine Menge von wandern- 
den Wunderthätern auftrat, welche oft zu hohen Stellungen 
an den Höfen gelangten. Die meisten derselben stammten 
aus dem westlichen China, einige besonders geschätzte waren 
Buddhisten aus Indien. Sie verbreiteten Buddha's Lehren und 
traten, wie die Eingabe Lang-wang-tos gegen den indischen 
Buddhisten Fü-thu-tsching beweist, als gefährliche Concur- 
renten der einheimischen Schamanen auf. Fü-thu-tsching war 



^) Foe-koe-ki, p. Remusat, 342. 

') Pfizmaier, Wundermänner China's, Sitzungsb. Wien. Akad., 1877. 



- 83 - 

zuletzt in China so gefürchtet, dass Niemand sich getraut 
hätte, nach der Gegend, wo er sich befand, sich zu schneuzen 
oder auszuspucken (Pfizmaier 1. c, 44), 

Nach Kern^) werfen die Qravakas (Altbuddhisten) den 
Mahäyänisten vor Allem die Lehre von der steten Specula- 
tion und vom Nichthandeln als eine Ketzerei von Diese 
Lehre bildet eben die Quintessenz des berühmten Buches von 
Lao-tseu, welches von sieben buddhistischen Commentatoren 
erläutert wurde, ^) Einige derselben lebten nachweislich zwi- 
schen dem 3. und 6, Jahrh. n. Chr., also ungefähr zu jener 
Zeit, in welche die Redaction des Kanon der Mahäyänisten 
von Kern versetzt wird.^) Auch fehlte es nicht an Ver- 
suchen, beide Religionen gänzlich zu verschmelzen.^) Jedenfalls 
waren die Buddhisten bestrebt, sich Vieles von dem Culte der 
Toisten anzueignen, wie die Benützung der Hauptlocalitäten 
des Toismus, zur Anlage von buddhistischen Wallfahrtsorten 
und Klöstern beweist. Die Stellung der Bodhisattva's, ihre 
Kenntniss »der Lüfte« erinnert vollkommen an die Taolehre. 
Es ist also die Annahme einer Entlehnung vieler Objecte 
des Höhencults aus dieser Quelle kaum mehr als Hypothese 
zu betrachten. 

Auch die Eigenthümlichkeiten der Bergrischi's weisen 
uns auf toistisches Gebiet, da sie gänzlich mit denen der 
untersten Classe der toistischen »Unsterblichen« stimmen, 
Räumen doch die Toisten den Buddhisten gerade denselben 
niederen Rang in der Geisterhierarchie ein. Nach William's 
Dictionary, S. 799, gebrauchen die chinesischen Buddhisten 
hiefür die Bezeichnung »Sien«, welche im Toismus eine so 
grosse Rolle spielt, und zählen die sämmtlichen fünf Classen 
von Sien, welche der Toismus unterscheidet, unter ihre moun- 
tain-Rischi's. Die Provenienz dieser Kategorie ist daher als 
aufgeklärt zu betrachten (vgl. Eitel, Handb. of Buddh.), 



^) Kern 1. c, U, 492. 

2) St. Julien, Livre de Lao-tseu, II, III, XXXVII, LXJV u. s. w. 

3) Kern 1. c, II, 515. 

*) Pfizmaier, Lösung der Schwerter, Sitzungsb. Wien. Akad., 1870. 

6* 



- 84 - 

Arier im nordwestlichen Himalaya und Hindukuch. 

Dr. Leitner hat einige Märchen der Dar du mitgetheilt, 
aus welchen erhellt, dass dieses Volk sich in denselben 
mythologischen Vorstellungen bewegt, wie die übrigen Indo- 
Germanen. So glauben sie an Dämonen (Yachas) von gigan- 
tischer Gestalt mit nur einem Auge auf der Stirn, welche 
ehemals über die Berge herrschten und sich der Bebauung 
des Bodens durch den Menschen widersetzten. Seit der An- 
nahme des Islams sollen dieselben ihre Besitzungen auf- 
gegeben haben. Man zeigt in der Nähe von Astor, bei einem 
Dorfe Bulent, fünf grosse Hügel, welche verwandelte Leder- 
säcke mit Getreide, welche die Dämonen einem Einwohner 
von Grukot gestohlen hatten, darstellen sollten. 

Nicht blos böse Dämonen hausen in den Bergen, son- 
dern auch gute Feen (Barai, Pens). Sie haben Schlösser auf 
den Bergen, z, B. auch ein Krystallschloss auf der Spitze des 
Nanga Parbat oder Dyarmul. Die Leute glauben es sehen zu 
können und nennen dasselbe Shal-batte-köt (Glassteinschloss). 
In diesem Schloss hausen ebenfalls unzählige Schlangen, wie 
jener Jäger, welcher einst den Nanga Parbat erstieg und das 
Schloss besuchte, zu seinem Schaden erfuhr. ^) 

Auch sonst glauben die Dardu an Drachen oder Schlan- 
gen, welche die Gilghitaner Hargin nennen. 

Zu dieser Abtheilung gehören auch die Kafirs. Ueber 
eine Abtheilung derselben, die Baschgali-Kafirs, welche dem 
Herrscher von Chiträl unterstehen, erfuhr Dr. Leitner durch 
Angehörige des Volks, »that they put a stone on a cairn on 
the top of a mountain to which they proceed once a year as 
a religious exercise«.^) Nach Spiegel werden die Leichen der 
Kafirs in wohlverschlossenen Särgen auf den Bergspitzen aus- 
gesetzt. ^) Dies letztere wird von Elphinstone ^) nicht erwähnt. 



') Ausland, 1875, S. 639. 

2) Dr. Leitner, Kafiristan, Journ. of the United Service Institution of 
India, 1871, S. 145. 

3) Spiegel, Eran. Alterth., I, 398. 
*) Elphinstone, Kaboul, 624. 



- 85 - 

Ahnencult und Verehrung indischer Götter in mögHchst dege- 
nerirter Form, besonders des ^iva unter der Form eines 
Steines (Darstellungen ihres Hauptgottes tragen immer den 
Dreizack), sind die hervorstechendsten Eigenthümlichkeiten 
ihrer Religion. 

Die Vergöttlichung als Mane kann schon bei Lebzeiten 
durch einige dem Dorfe dargebrachte Feste erworben werden. 
Daher ist auch nur der Hauptgott den Kafirstämmen gemein- 
sam, die untergeordneten Götter wechseln von Ort zu Ort. 



Anarische Bevölkerungen von Vorder- 
und Hinterindien. 

Die genealogische Bestimmung der anarischen Bevölke- 
rungen Indiens gehört bekanntlich zu den schwierigsten Pro- 
blemen der Ethnologie. Wir haben, vom physischen wie vom 
psychologischen Standpunkte aus betrachtet, lauter Misch- 
formen vor uns, deren Beschreibung trotz ruhmvoller Arbeiten 
noch immer lückenhaft ist. Unbestreitbar bleibt jedenfalls, 
dass selbst die untersten Glieder dieser langen Völkerreihe 
derart von arisch-indischem Einflüsse gestreift wurden, dass 
die specifischen Unterschiede zwischen den einzelnen Glie- 
dern eigentlich durch den Grad der Assimilation mit dem 
Hinduismus bedingt sind. Diese zersetzende Einwirkung des 
Hinduismus auf das anarische Volksthum hat jedoch den 
primitiven Animismus desselben nicht zu erschüttern vermocht. 
Der heute noch zu beobachtende Thatbestand berechtigt uns 
vollständig zur Behauptung, dass gerade bei den primitivsten 
Anariern der vorderindischen Halbinsel jene Vorstellungen 
endemisch sind, welche erst spät im Hinduismus Eingang 
fanden. Man darf sich dabei freilich nicht durch die indischen 
Namen anarischer Götter irreführen lassen, welche in Wirk- 
lichkeit sehr geringe Beweiskraft für die Frage nach deren 



— 86 — 

Abstammung haben. Erwähnt doch Buchanan ausdrücklich, 
dass die Angehörigen der niedrigen Kasten mit Zustimmung 
der Brahmanen den Namen eines beliebigen Hindugottes auf 
ihre Localgötter übertragen. 

Die grosse Mehrzahl jener unzählbaren Dämonenschaar, 
welche auf oder über der Erde sich aufhält und sämmtliche 
Naturvorgänge sowie die Existenz jedes Einzelnen beherrscht, 
sind Manengeister, deren Gemüthsart nach Umständen gut 
oder böse ist. Besonders jene der Europäer sind gefürchtet. 
Den bösen Geistern steht glücklicherweise eine grosse Anzahl 
männlicher und weiblicher Schutzgeister gegenüber, welchen 
durch Opfer und schamanistische Riten gehuldigt wird. So 
hat jede Localität ihre guten und bösen Geister. Dass die 
Berggötter zu den guten Schutzgeistern gehören, geht schon 
aus der besonders bei den Dravidas für dieselben gebräuch- 
lichen Bezeichnung »Mutter« hervor. 

Alle Berichterstatter sind darüber einig, dass der Dämonen- 
glaube an Intensität zunimmt, je mehr man von Central- 
indien aus nach Süden fortschreitet, und dass denselben das 
Bewusstsein der untersten Bevölkerungsschichten vollständig 
beherrscht, welche eben durch die Aboriginer gebildet werden. 
Unter diesen sind es wiederum die Dravidas, zu welchen be- 
kanntlich auch die Singhalesen und Weddas gehören, welche 
die prägnantesten Erscheinungen in dieser Richtung aufweisen, 
und bei welchen überhaupt die grösste Zersplitterung der reli- 
giösen Vorstellungen auftritt. 

Die Grundtendenz ethnographischer Forschung, das dis- 
ponible Material in möglichster Objectivität vorzuführen, gebot 
auch die Aufnahme jener Vorstellungen, welche direct auf 
arisch-indischen Einfluss zurückgehen (Bhills, Gond, Nilagiri- 
stämme, Dardu, Himalayavölker u. s. w.). Sie sind grössten- 
theils auf den ersten Blick erkennbar und vervollständigen 
anderseits in ihrer verhältnissmässig weiten Verbreitung selbst 
bei sehr rohen Völkern wesentlich das Bild der mannig- 
faltigen psychologischen Wechselwirkungen, welchen benach- 
barte Völker verschiedensten Ursprungs und noch so streng 
abgeschlossene Kasten immer unterliegen. 



- 87 - 

Hinduisirte Aboriginer. 

Unter dieser Bezeichnung fasst Dalton^) eine Anzahl 
von Stämmen zusammen, denen er theils turanischen, theils 
dravidischen Ursprung zuschreibt, welche die Sprache der 
Hindus angenommen, sich stark mit ihnen vermischt und 
indische Gebräuche, besonders bei den Heiraten und den 
Begräbnissen angenommen haben. Sehr eigenthümlich ist deren 
Gewohnheit »to take as priest the greatest barbarian they 
could find in the neighbourhood«. Sie motiviren diese damit, 
dass die Hügelstämme, als die ältesten Einwohner, am besten 
mit den Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten der Local- 
geister vertraut sind. Dies findet sogar bei den Khaurs statt, 
welche firüher die Witwenverbrennung begünstigten und noch 
heute die Gräber von Satis verehren. Die hinduisirten Bhuiyas, 
welche sich als »Qüdras« ausgeben, schliessen bei gewissen 
priesterlichen Functionen die Brahmanen aus. 

Die Kharwas opfern, wie die Kols, alle drei Jahre einen 
Büffel oder andere Thiere in dem heiligen Haine (Sarna) 
oder auf einem Felsen beim Dorfe, Ihre Dorfpriester heissen 
Prahu. Dabei verehren sie aber auch die blutige Kali als 
Candi (Dalton, 130). 

Die Kisans oder Nagesars in Moheri verehren neben 
den Vorfahren den Tiger als Ban raja^ Herren des Wildes; 
sie opfern dem Gott Shikaria deota Ziegen, und weisse 
Hühner der Sonne. Jedes Dorf hat einen Hain oder mehrere, 
Sa, von denen der eine der Gottheit Moihidhunia geheiligt 
ist, eine andere dem Mahadeo. Auch heilige Höhen gibt es 
hier (Pät), wie Bamonipät und Andaripät. ^ 

Die Parheyas in Pal am au haben die Verehrung von 
Waldgöttern (Dharti und Gohet) behalten, welche auf Bergen 
wohnen und sich des Blutes von Ziegen erfreuen.^) 

Die Nägbangsis in der Gegend von Jashpur haben nur 
theilweise brahmanische Neigungen. Sie haben ihre eigenen 

^) Dalton, Descr. Ethn. Bengal, 124 — 140. 
') Dalton, 132. 
3) Dalton, 131. 



— 88 — 

Dorfpriester oder Zauberer, Byga, welche die Localgötter ver- 
söhnen, und besonders jenen Gott, dem ein riesiger Felsen 
als Wohnort angewiesen ist. Er heisst Bura-deo. Ihm wird 
jedes dritte Jahr ein Büffelopfer gebracht.*) 

Die Boyärs geben Jarbund und Bakeswar als die Namen 
ihrer Hauptgottheiten an; sie werden unter Küsum-Bäumen 
verehrt. Ihren Hauptgott nannten sie Dülhadeo, und einige 
Boyärs behaupteten, dies sei der einzige Gegenstand ihrer 
Verehrung. Man opfert ihm Geflügel und Ziegen.*) 

Die hinduisirten Bhüiyas, welche bei Gangpur, Singbhum 
u. s. w., westlich vom Gangesdelta wohnen, werden von Stir- 
ling zu den Kols gerechnet, während Dalton sie eher zu den 
südlichen Dravidiem zu stellen geneigt ist. Diese dunklen, 
negerartigen Gestalten waren nach Dalton die Affen, welche 
dem Rama bei der Eroberung von Lanka beistanden. Die 
ganze von Bhüiyas bewohnte Gegend ist voll von Traditionen 
über den Helden Hanumän. Er ist der Lieblingsgott der hin- 
duisirten Bhüiyas.^) Hanumän, der General der Affenarmee, 



1) Dalton, 135. 

2) Dalton, 134. 

3) Hanumän wird abgebildet mit einem Berge in einer Hand und einer 
Keule in der andern; er tritt mit dem linken Fusse auf eine Riesin. Wilson, 
Macken zie Coli., II, 214. Aehnliche Darstellungen beschreibt Mouha von den 
Tempeln Cambodjas. Sie beziehen sich auf eine Episode des Reamoka (cam- 
bodjische Version des Rdmdyana), in welcher Rama dem Hanumän befiehlt, 
ein Heilkraut vom Berge Noreai-chac für seinen verwundeten Bruder zu holen. 
Hanumän kann, durch Dämonen in die Irre getrieben, die Pflanze nicht finden 
und trägt den ganzen Berg in Räma's Lager (Mouha, IL 456 f.). Er ist der 
Kämpfer gegen die Räkshasas. An einer andern Stelle ist H. abgebildet, wie 
er mit Rdma auf seinem Rücken durch die Luft fliegt. Er hält in der Hand 
einen Berg und ist im Begriff, ihn auf den Streitwagen des Rdvana fallen zu 
lassen (Mouha, Cambodge, II, 318). Die von Ravana durch die Luft nach 
Ceylon entführte Sttd sieht fünf Affen auf dem Berge Rishyamükä sitzen und 
wirft ihnen ihren Schmuck zu, damit derselbe dem Räma gebracht werde. Die 
Siamesen halten den Affen für unsterblich; wenn er alt wird, erhebt er sich in 
die Luft und lebt mit dem Hoalaman (Bock, Temple and Elephants, 27). 
Vgl. die Abbildung des Hoalaman oder Hanumän nach laosischer Auffassung 
bei Bock 1. c, 69. Er scheint daselbst noch immer in besonderer Verehrung 
zu stehen (Swinging-Feast zu Bangkok). 



- 89 - 

war Pawan-ka-püt, der Sohn des Windes^ die Bhüiyas süd- 
lich von Singbhüm nennen sich heute noch Pawanbans, die 
Kinder des Windes. ^) 

Nach Wilson, Mackenzie Coli., 1852, S. 129, ist Hanumän 
auf dem Berge Afijanä geboren und heisst auch Afijaneya, 
nach seiner Mutter Afijana. Ein Berg in Mysore heisst in der 
Umgegend Hanumad Malei. 

Die Bhuiyas in Bonai haben ihre eigenen Priester (Deosir), 
und ihre heiligen Haine, genannt »Deota Sara«, welche vier 
Gottheiten geweiht sind, Däsum Pät, Bämoni Pät, Koisar 
Pät und Boräm.*) Boräm ist die Sonne, die andern drei Gott- 
heiten werden durch Steine in der Sara dargestellt, Boräm, 
der Schöpfer, wird durch kein sichtbares Zeichen dargestellt, 
doch wird ihm zur Saatzeit ein weisser Hahn geopfert. 

Die Bhüiyas in Keonjhur, welche einen höheren socialen 
Rang einnehmen, verehren die Sonne als Dharam, und eben- 
falls den Boräm, welchen sie auch Bir nennen; diese Be- 
zeichnung wird von Dalton mit V!ra oder Mahäbir Hanuman 
interpretirt; die Hauptverehrung gilt jedoch der blutdürstigen 
Göttin Thäkuräni (wahrscheinlich Ursprung der Hindu'schen 
Kali), 3) welcher Menschenopfer dargebracht wurden und viel- 
leicht noch werden. 



Die Munda-Koihs oder Vindhyavölker. 

Juängs. Es ist bemerkenswerth, dass diese kleine Volks- 
gruppe, welche Dalton das primitivste Volk nennt, welches er je 
sah, und welches er für directe Nachkommen der Bewohner der 
Steinzeit hält, nicht den Geisterglauben der übrigen Kolhstämme 
kennt. Dasselbe besitzt in seiner Sprache überhaupt keinen 
Ausdruck für »Himmel«, »Gott«. Es opfert Geflügel der 
Sonne im Unglück und der Erde, um deren Früchte theilhaft 



') Dalton, 140. 

2) Dalton, 141; vgl. Bastian I.e., 126 und Dalton 231 wegen der 
Bedeutung von Pät (heilige Höhe auch Berggeist). 

3) Dalton, 147. 



— go — 

zu werden J) Die ihnen nahe verwandten K harr ias, ebenfalls 
ein sehr wildes Volk, verehren die Sonne unter dem Namen 
Bero. Das Haupt der Familie opfert immer gegenüber einem 
Ameisenhügel, der als Altar gebraucht wird. Bei den Hos und 
Mundas ist dieser »peculiar mode of sacrificing« bereits ausser 
Gebrauch gekommen, doch war er auch hier früher orthodox. 2) 

Die Mundas (Hos, Bhümij) haben keine Bilder von ihren 
Göttern und verehren keine Symbole derselben. Sie glauben 
jedoch, dass die Götter, obwohl unsichtbar dem sterblichen 
Auge, wenn sie durch Opfer günstig gestimmt werden, für 
eine Zeit ihre Wohnung in den ihnen geweihten Plätzen 
aufschlagen. Demgemäss haben sie ihre »Höhen« und ihre 
»Haine«. 

Die Sonne wird von ihnen als Singbonga angebetet. 
Seine Frau ist Chando Omol (Mond). Er ist ein wohlwollen- 
der Gott, der höchstens seine Kinder straft, wenn sie fehlen. 
Jedes Familienhaupt soll ihm während seines Lebens eine 
gewisse Anzahl von Opfern bringen. 



1) Dalton, 157. 

2) Dalton, 159; Bastian, 122. Die Inder betrachten Ameisenhaufen 
als sicheres Zeichen, dass sich Wasser nahebei im Boden befindet. Weber, 
Ind. Stud., XIII, 139. Nach dem Taittirtya Aranyakam, V, 10, 6 soll, wer 
Regen wünscht, den pravargya (heilige Feuer) auf Gräser setzen, die mit upa- 
dtka (Ameisen) behaftet sind* denn die Gräser sind die jüngeren Geschwister 
des Wassers, der pravargya als Symbol der Sonne lockt den Regen hervor, 
und das Wasser strömt stetig durch die Flur. Wenn die Ameisen ihre Eier zu- 
sammentragen, steht Regen bevor (Weber 1. c). Nach dem (Jatapatha Brdhrti. 
wurde die Gabe, auch in der Wüste Wasser zu finden, den Ameisen von den 
Göttern verliehen, weil sie auf der Götter Geheiss einst die Bogensehne des 
sinnenden Vishnu durchnagt hatten, worauf durch den auseinanderschnellenden 
Bogen dem Vischnu das Haupt abgeschlagen wurde (Muir, Sanscr. T., IV, 110, 
vgl. Rigveda. Uebers. v. Ludwig, 519, 9). 

Dieselbe Vorstellung herrscht in China. Fürst Hoan machte einen An- 
griff auf Kutscho. Hoan zog durch das Gebirge und hatte kein Wasser. Si-peng 
sprach : Die Ameisen wohnen im Winter an der Südseite der Berge, im Sommer 
wohnen sie an der Nordseite. Hoan richtet sich nach den Ameisenhaufen und 
hat Wasser. € Man grub nach und fand sogleich Wasser (Pfizmaie», Denkw. 
V. d. Insecten Chinas, Sitzungsb. Wien. Akad., 1874). Man sagt, die Ameisen 
wissen, wann es regnen wird (Pfizmaier I.e., 42). 



— 91 — 

Die andern Gottheiten sind dem Singbonga untergeord- 
net, haben ihre bestimmten Gebiete, dienen aber auch alö 
Vermittler bei Singbonga, wenn sie um etwas gebeten wer- 
den, was über ihre Macht geht. Sie scheinen als gefallene 
Engel betrachtet zu werden. Sie heissen theils Bonga, theils 
Bhüts und beherrschen die Höhen, die Tiefen, die Gewässer, 
die Haine.*) Der gefürchtetste ist der Marang bonga (Bürä 
bonga, Dalton), der Berggott, der im Marang buru (grossem 
Berge) oder überhaupt im höchsten Felsen der verschiedenen 
Localitäten wohnt. Er wird als der Regenspender angesehen. 
Alle drei Jahre werden ihm auf dem Marang buru beim Dorfe 
Lodhma (Chutia Nagpore) grosse Büffelopfer gebracht, an 
denen Kolhs, Hindus und Muhammedaner in gleichem Masse 
theilnehmen. Die übrigen jedes Jahr gespendeten Opfer für 
alle Götter werden von den »pahan« (Priestern) in den sorg- 
fältig geschonten, bei jedem Dorfe vorhandenen Hainen (Sarna) 
dargebracht. 

Aeusserst verbreitet ist der Glaube an die Kraft der bösen 
Geister und die Fähigkeit einzelner Menschen, dieselbe zu 
benützen. Die wilden Kharrias gelten im Singbhum als die 
gefürchtetsten Zauberer. Wir können darauf nicht näher ein- 
gehen und verweisen auf die interessanten Mittheilungen von 
Dalton.^) 

Die religiösen Vorstellungen der Santals (Sontal) zeigen 
vollkommene Analogie mit jenen der Mundas. Sie haben 
jedoch, trotz eines ostensiblen Antagonismus gegen die Brah- 
manen, mehr von hinduischen Gebräuchen angenommen, als 
die Mundas. Auch nehmen sie in manchen Dörfern an den 
durch die Brahmanen geleiteten Feieriichkeiten zu Ehren des 
Devi und der Göttin Holi theil. Ihre eigenen Opfer werden 
meist durch das Famihenhaupt dargebracht, doch finden sich 
auch Dorfpriester (Naia), deren Name sanskritischen Ur- 
sprungs ist.^) 



J) Dalton, 187. Jellinghaus, Berl. Zeitschrift f. Ethn., 1871, 326 ff. 
Bastian, Völkerst. a. Brahmaputra, 120. 
') Dalton, 199. 
3) Dalton, 213. 



- 92 - 

Die Opfer, welche alle drei, vier oder fünf Jahre dem 
Singbonga (Sonnengott) dargebracht werden, dienen dazu, das 
Gedeihen der Familie, besonders der Kinder zu erhalten. Die 
von den Naia zu Gunsten der Localdämonen (Bhüts) vollführten 
Opfer sollen die bösen Geister versöhnen. Sie werden deshalb 
meist dargebracht, wenn irgend ein Unheil eingebrochen ist. 
So dem Bagh Bhut, Tigerdämon, wenn ein Santal von einem 
Tiger gefressen wurde. 

Auch der Marang buru gehört zu jenen untergeordneten 
aber mächtigen Dämonen. Die Sontals haben im Allgemeinen 
keine klare Vorstellung von einem bestimmten Berge, der 
verehrt werden soll, verehren jedoch Marang buru als Herr- 
scher der Jungles. Merkwürdig ist die von Bägh Räi Parganait, 
einem intelligenten Häuptling, an Dalton mitgetheilte Wander- 
sage der Santals: Als die Santals vor den Birhors flohen, 
kamen sie nach Chütiä Nägpur, dem Lande der Mundas, und 
zu dem Marang buru, dem Gotte dieses Volkes. Sie beteten 
zu ihm, dass es den Birhors nicht erlaubt sein möge, die 
Santals zu vernichten. Marang buru schob seine grosse Berg- 
masse zwischen die Santals und ihre Verfolger und schützte 
dadurch die Santals. *) Seitdem wurden sie Verehrer desselben 
und sind es bis auf den heutigen Tag geblieben. Sie weisen 
ihm die Stelle in dem heiligen Hain zwischen Moniko (Manika, 
dessen Bruder) und Zaher-era (der ihm vermählten Schwe- 
ster) an.*) 

Die Asuras in Barwah verehren zwar den Singbonga 
als höchste Gottheit und wissen auch nichts von Marang buru 
als von einem Gotte, verehren jedoch die grossen Berge unter 
andern Namen. Sie sind hauptsächlich Eisenschmelzer. ^) 

Die Korwa's gehören zu den ältesten Bewohnern der 
Vindhyakette. Wo man einen Priester zur Besänftigung der 
Localgeister braucht, wählt man immer einen korwaischen 
Baiga."*) Ein Zweig derselben heisst Saonta (Santal); sie 

') Dalton, 2IO. 

2) Bastian 1. c, 126, 127. Dalton, 210. 

3) Dalton, 221. 
*) Dalton, 221. 



-- 93 - 

wohnen auf dem Hochplateau Mainpät. Sie haben einige 
Gebräuche von den Gonds und verehren den Dulhadeo als 
Hauptgott. Nur beim Begräbniss folgen sie ganz dem Ritus 
der Santal. ^) Sie verehren die Sonne als Bhagavan, und 
opfern ihr, wie die Kharrias, auf einem Ameisenhügel. Das 
Plateau Mainpät beten sie als Marang buru an. Sie haben 
die Hindusprache angenommen. 

Roher sind die Hügel-Korwas und die Korwas vom 
Khüria-Plateau.*) Ueber ihre Religion wollten sie keine Aus- 
kunft geben. ^ Ihre Priester heissen Baigas. Sie scheinen eine 
blutdürstige Göttin, ähnlich jener der Gonds, das Prototyp der 
indischen Kalt, in einer Höhle zu verehren. 

Die Kurs (Kurkus, Muäsis) im Staate Korea sind zwar 
Verwandte der Korwas, ihre Traditionen und Mythologie sind 
aber theilsgondischen,theils indischen Ursprungs. Ebendasselbe 
ist bei ihren Gebräuchen der Fall. Sie verehren das wolken- 
bedeckte Tafelland, welches sie umgibt, und geben ihm gon- 
dische und hinduische Namen. Ihre Priester und Geister- 
beschwörer heissen Baigas. ^) 

Zu der Familie der Munda-Kolhs gehören noch die 
Bhilla (Bhills).^) Sie verehren dem Namen nach die Hindu- 
Götter, besonders den Mahadeo, von welchem sie abstammen 
wollen, allein diese Verehrung ist auf einfache Versöhnungs- 
opfer beschränkt. Ausserdem werden viele niedere Dämonen 
gefürchtet und angebetet; unter andern erwähnt Malcolm einen 
Hallam, der von den Bhills von Malva durch eine jährliche 
Pilgerschaft auf den grossen Berg Retua Wal in Bariya ge- 
feiert wird. 



1) Dalton, 223. 

2) Dalton, 226. 

3) Dalton, 229. 

*) Dalton, 230, 232. 

5) Malcolm, Essay on the Bhills, Transact. R. As. Soc., I, 72 ft. Die 
Bhills sind theilweise sehr stark mit Hindublut gemischt. Es existirt eine 
Mischkaste zwischen ihnen und den Raiputen, genannt Bherlalah. Die niedrigste 
Abtheilung derselben dünkt sich hoch über den Qudras (s. Malcolm, Centr.- 
Ind., i). Man triflft sogar Muhammedaner unter den Bhills, welche um die 
Satpurakette wohnen (Malcolm, Essay on the Bhills 1. c, 181). 



— 94 — 

Die Legenden der Bhillsstämme in der Satpurakette 
berichten von einem ihrer Fürsten Kundra, dessen Vater 
Sedasiva war. Mit dessen Hilfe gelang es ihm, die Käjel Rani, 
eine Gottheit, welche in der Wolkenstadt M^ghpüri am Hofe 
ihres Vaters lebte, zu entführen. Aus seiner Ehe und von 
seinen vier Brüdern entsprang eine Familie von sechzig Mit- 
gliedern, welche als die sechzig Rawets zu eben so vielen 
Dongri devas (Berggöttern) erhoben wurden. Sie werden 
von den Bhills und den niederen Classen der Hindus in 
Nemar verehrt. Der berühmteste unter den Rawets ist der 
Berggott Bhillet, der Sohn von V^lam Göwala (Bruder von 
Könda Räna). Er verdankt diese hervorragende Stellung seinen 
magischen Kräften und dem Erfolge, welchen er mit Hilfe 
derselben auf einer gemeinschaftlich mit dem Gotte Bhairava 
(einem andern Sohne des Sedasiva) unternommenen Expedi' 
tion errang. Beide kamen nach Kamrup, wo der letztere als 
Opfer der dortigen Zauberer und Hexen in ein wildes Thier 
verwandelt wurde. Er wurde von Bhillet erlöst, welcher 
durch seine überlegene Kraft jene Zauberer besiegte, dem 
Bhairava wieder seine natürliche Gestalt zurückgab und ihn 
wohlbehalten nach Hause brachte. 

Es gibt bei den Bhills eine Classe von Menschen, Bar- 
wäs, welche durch den Einfluss der Berggötter, welche sie 
eifrig verehren, die erbliche Gabe der Inspiration besitzen. 
Diese Eigenschaft wird durch Musik angeregt. Sie werden 
deshalb stets von Musikern begleitet, welche zahlreiche Ge- 
sänge zu Ehren der Berggötter innehaben. Die Barwäs sind 
auch Heilkünstler, und verstehen es, die Dhakano oder Dä- 
monen zu entdecken. *) 



Dravidas. 

Die Oraons,^) welche auf dem Plateau von Chutia 
Nagpor mit den Mundas zusammenwohnen, haben neben 



^) Malcolm 1. c , 78. 
2) Dalton, 256. 



- 95 — 

ihrer dravidischen Religion die meisten Eigenthümlichkeiten 
der religiösen Vorstellungen der Mundas, allerdings in einer 
etwas niedrigeren Stufe, angenommen. Sie haben stets sicht- 
bare Symbole ihrer Gottesverehrung, einen Stein, einen Holz- 
pfahl, einen Erdklumpen. Dharmi oder Dharmesh ist ihr 
höchstes Wesen wohlthätiger Art, dessen gute Absichten 
jedoch stets durch die bösen Dämonen durchkreuzt werden. 
Deshalb halten sie es nicht für nöthig, zu ihm zu beten und 
ihm Opfer zu bringen. Nur die feindlichen Geister müssen 
gut gestimmt werden. Bei den hiebei eintretenden Beschwö- 
rungen ihrer Zauberer (Ojha) wird immer ein kleines Bild 
des zu besänftigenden Dämons präsentirt. Sie haben die Be- 
nennungen der Munda's für dieselben angenommen und ver- 
ehren sowohl MarangBuru als die übrigen Bongas der Munda's. 

Im westlichen Theile des genannten Plateaus, auf wel- 
chem wenige Munda's leben, kennen die Oraons die Bongas 
nicht. Dort verehren sie Darhä, die Sarna Burhi (Herrscherin 
der Haine) und verschiedene Dorfbhüts. Chanda oder Chandi 
ist der Gott oder die Göttin der Jagd, Ein Stück Felsen, ein 
Stein, der Vorsprung eines Felsens stellen diese Gottheit dar. 
Dem von den Munda's als Marang Buru verehrten Hügel 
bei Lodhma zollen die Oraons Ehrfurcht. Sie nennen den 
Geist desselben Baranda und opfern ihm Büffel u. s, w., da- 
mit er nicht die wohlthätigen Absichten des regenspendenden 
obersten Gottes durchkreuze.*) 

Die bei Lohardagga unter dem Namen Bhägats leben- 
den Oraons haben zwar ihre primitiven religiösen Gebräuche 
nicht ganz aufgegeben, doch tritt der Cultus des Qiva (Ma- 
hädeo) mehr in den Vordergrund.*) 

Die Kaste der Cad' Curubaru, ein roher Karnäta-Tribus, 
hat weder Häuptlinge noch Priester und Guru, und isst sogar 
Aas. Ihre Schutzgöttin ist Bettada Chicama, die kleine Berg- 
mutter (Betta = Berg).^) Sie bringen ihr Früchte als Opfer, damit 



') Dalton, 258. 

2) Dalton, ibid. 

3) Buchana n, II, 128. Die höher stehenden Handy-Curubaru verehren 
Bira Deva (Iswara) auf dem Curi-Batta (Schaf berg). 



- 96 - 

sie keine Krankheiten sende. Besondern Einfluss übt sie auf 
Elephanten aus; vor jeder Jagd wird ihr ein Opfer gebracht. 
Ihr Tempel steht nahe der Gruppe hoher Berge, der ihr be- 
sonders heiligen Chira Deva Betta. ^ Ein anderer Name für 
die Bergmutter bei den Karnätastämmen ist Gudada Umma. 

Von den meisten Abtheilungen der Pariaskaste wird da- 
gegen merkwürdigerweise kein auf den Höhencultus bezüg- 
licher Brauch berichtet. Die eigentlichen Parias, welche noch 
schlechter als die vorhergenannten Kasten sind, weil sie Rind- 
fleisch essen, haben eine eigene Schutzgöttin, Mariti, die nach 
dem Tode die Guten zu guten Genien, die Bösen zu bösen 
Dämonen macht. Das Bild der Mariti ist ein Stein, der in 
einer kleinen Hütte angebetet wird. Sie gehören zum Mayala- 
stamm. Vielleicht werden spätere Beobachtungen uns nähere 
Aufklärungen bringen.*) 

Die Arayas gehören zu den Urbewohnem der Westghats 
in Malayäla. Sie beten Teufel (Pe) an, welche auf gewissen 
Bergspitzen wohnen sollen. Ein Theil jenes Volksstammes 
wurde zum Christenthum bekehrt. ^ 

Noch ein anderer ungenannter Dravidastamm wohnt in 
den Wäldern der Westghats, südwestlich von den Palani- 
bergen. Er pflegt die Wälder von Pey-mali (Teufelsberg) zu 
besuchen. ^) 

Die Malayalis auf den Shevaroybergen verehren einen 
Hauptgott, Purinah genannt, in hölzernen Hill-top-Tempeln. ^) 

Die Erular (Erilingaru, Jrrelurs) am untersten Wald- 
saum des Nilagiri verehren eine Ackergöttin, Märi, unter 
der Form von rohen Steinen. Auch beten sie den 5841 Par. 
F. hohen Gipfel des Rangaswami an. Derselbe besteht aus 
einer Felsklippe mit ein par Höhlungen, in welche bei Festen 
brennende Lampen gestellt werden. Am Fusse des Berges 



^) Buchanan, II, 37. 

2) Ritter, Erdk., IV, i, 930. 

3) Baker, Proc. of the South Indian Missionary Conference 1868, S. 64. 
Kittl 1. c, 47. 

*) Madras Times, April 23, 1875. Kittl 1. c, 41. 
^) Pearse, Journ. Anthr. Soc, London 1873, S. 349. 



— 97 — 

ist ein dem Rangaswami geweihter Wald. Die Feier zu Ehren 
desselben findet im August und September statt. Viele Pilger 
aus dem ebenen Lande kommen hinauf, um daran theilzu- 
nehmen. *) 

Die Kurumbas, welche die höheren Schluchten des 
Nilagiri bewohnen, gelten auch bei den Tudas als Aboriginer 
desselben. Ueber ihren Bhutendienst wurde bereits berichtet. 
Die Kuricciyas, welche zu ihnen gehören, haben einen Gott 
Malakäri, d. i. der Schwarze vom Berge.*) 

DieKohata,^) die Musikanten des Berglandes, haben in 
jedem ihrer Dörfer zwei heilige Hütten, von denen die eine 
der Göttin Säcli, die andere dem Gotte Camataraya geweiht 
ist. J. Hough nennt den letzteren Kumbutaroyen, die Sacli 
Kummautarayen, und bemerkt, der erstere Name sei der eines 
hohen Berges bei Sittimurgal, nahe den Molosolbergen. Dies 
sei vielleicht ein Fingerzeig, woher die Kohata in die Nila- 
giri einwanderten. 

Die Buddagur,^) Vaddakar, Burghery, Badagas (Graul) 
= Nordleute, bezeichnen sich selbst als vom Malusol, einer 
Bergkette im Südosten von Mysore, eingewandert. Sie haben 
den durch Mysore weitverbreiteten Cult des Rangaswami, 
dessen hoher Pic am Nordostende des Nilagiri liegt. Ausser- 
dem legen sie dem höchsten Gipfel des Nilagiri, dem Doda- 
betta-Pic, ebenfalls den Namen Rangaswami-Koril, dass heisst 
Tempelberg des Ranga, bei. Ueberhaupt stellen sie sich die 
obere Welt als einen Berg vor, den sie Kanagiri, unsichtbarer 
Berg, nennen. Ein isolirter Bergkegel am Nordostende der 
blauen Berge heisst Nilagiri im engeren Sinne. Dort ist der 
Fluss, der die untere »Seelenwelt« mit der oberen Welt 
verbindet; die Brücke, die darüber führt, ist ein dünner Faden ; 
den Bösen, welcher hinüber will, schrecken Flammen und 
Ungeheuer. Diesseits des Flusses steht eine Art Zollhaus; der 
Zollbeamte ist ein Verstorbener. Seine Schwester Hess sich, 



i) Ritter, IV, i. 1017. 

2) Ritter. IV, i, 1818 ff. Kittel, Urspr. d* Lingacultus, 43. 

3) Ritter, IV, i, 1022. 

*) Buchanan, II, 246. Ritter, IV, i, 1026. 
V. Andrian, Höhencuhus. 7 



- 98 - 

eher sie die Brücke überschritt, Alles, was sie von unten auf 
sehen konnte, von ihrem Bruder erklären. *) Ausserdem haben 
sie verschiedene Gebräuche des Qiwadienstes, welcher über- 
haupt hier vor der muhammedanischen Eroberung durch Ein- 
wanderung und durch die Commandanten der hinduischen 
Bergfesten wesentlich begünstigt wurde. 

Dem »Mukutti-Pick« schreiben die Todas ganz beson- 
dere Heiligkeit zu. An diesem Orte, glauben sie, halte sich 
der Wächter der Himmelsthore auf. Ihr Gedanke ist, dass 
die Geister ihrer Verstorbenen in Gemeinschaft mit den Seelen 
der Büffel, welche von ihren Freunden in der Absicht ge- 
tödtet wurden, dass sie sie in den Himmel geleiten und dort 
mit Milch versehen, von jenem Punkte aus sich mit einem 
Sprunge in die himmlischen Regionen begeben, welche von 
ihnen das »andere Gebiet« genannt werden.'^) 

Dieses Gebiet heisst bei ihnen Amnor; es liegt da »wo 
die Sonne untergeht«. 3) Nach Pope lässt sich ein Ursprung 
aus dem Sanskrit für das obige Wort kaum nachweisen, was 
allerdings für viele andere Bezeichnungen religiöser Vorstel- 
lungen der P'all ist. 

Wir müssen ferner der zahlreichen Cairns gedenken, 
von welchen nicht blos die höchste Spitze des Nilagiri, son- 
dern auch die Gipfel der kleineren Erhebungen dieses Ge- 
bietes gekrönt sind. Sie enthalten menschliche Asche und 
zahlreiche Beigaben, aus welchen ein theilweise höherer Cultur- 
zustand der Urheber dieser Gräber hervorgeht, als ihn heute 
die Todas aufweisen. Die Letzteren stellen jeden Zusammen- 
hang mit dieser früheren Bevölkerung des Nilagiri in Abrede, 
während doch anderseits eine geistige Verwandtschaft schon 
in der beiden Volksschichten gemeinsamen Verehrung des 
Büffels (der Büffelglocke) hervortritt. Jedenfalls waren diese 
Vorgänger der Todas Verehrer der Höhen, und gewinnt die 

^) Graul, Reise i, Ostind., III, 491 flf. Zeitschrift d. D. morgenl. Ges., 
III, HO flf. : 

2) Metz, Volksstämme der NtUgiris, S. 18, 

3) Marshall, Phrenologist among the Todas, London, 1873, S. 126. 
Anhang: Pope, Grammar of the Tuda Longuhge. 



— 99 — 

Vermuthung Marshalls an Wahrscheinlichkeit, dass sie auch die 
Urheber des Boath, eines konischen, durch einen Stein ge- 
krönten Tempels, sind. Derselbe stellt einen echten Bethel 
dar und wird von den Todas als grosses Heiligthum be- 
trachtet. 

Die nachfolgenden, durchwegs zuverlässigen Gewährs- 
männern entnommenen Notizen werden den Nachweis ver- 
vollständigen, dass bei den meisten Dravidavölkern, sie mögen 
hinduischem Einflüsse unterworfen sein oder nicht, der Berg- 
cultus geübt wurde und noch wird. Dies gilt ebenso von den 
Telingas, wie von den Tamulen und den Camata's. 

Die Kaste der Siv' Acharya Woculigas, ein reiner Car- 
natastamm, verehrt Qiva und die ^aktis, jedoch die letzteren 
ohne blutige Opfer. Nach dem Tode kommen die schlechten 
Menschen in die Hölle Naraca, die guten auf den Berg Kailäsa 
zu den Füssen des Igvara, wo sie zu Göttern werden. ^) 

In den Gebirgen von Travancore wohnt ein Stamm des 
Malayala-Gebirgsvolkes, die Catalun oder Curumbalun. Sie 
gehören zu den untersten (Sklaven-) Kasten, halten sich jedoch 
für vornehmer als die Polian und Parian, welche, wie sie, der 
tamulischen Familie angehören. Ihren Gott nennen sie Malya- 
Devam (Berggott) ; er wird durch einen Stein auf dem Berge 
Turuta Malay dargestellt.^) 

Die Kaste der Niadis in Malabar, welche so unrein sind, 
dass kein Sklave sie berührt, bringt ihrer Göttin Mala Deiva 
im März Hühner zum Opfer. ^) 

Bei den Kannadas (Karnata) gibt es eine Maleyamma 
= Bergmutter.*) Sie sowie die Telugus verehren auch eine 
Poleramma = Wilde Höhenmutter. ^) 

Bei den Telugus und Tamulen finden wir einen Dämon 
Käteri = Waldes Höhe oder Hoheit. <5) 



^) Buchanan, II, 145, 

2) Buchanan, Mysore, II, 498. 

3) Buchanan 1. c, II, 414. 

*) Kittl, Ursprung des Lingacult, 44. Indian Antiquary, II, 13. 

5) Kittl 1. c, 44. 

6) Kittl 1. c, 44. 

7* 



lOO — 

Im Tamullande, wo besonders die unteren canaresischen 
Volksschichten, die Reis- und Palmbauern, die Fischer, bis 
auf die Holegers, die ehemaligen Sklaven, herab, eifrigst dem 
Bhutendienste obliegen, unterscheidet man Dushta d^vata 
(böse Gottheit), Bhüta (Dämon) und Sättän. Graul kennt 
123 von der ersten, 721 von der zweiten, 1003 von der dritten 
Kategorie. In der letzten befindet sich der Malei-Sättän, Berg- 
satan. 

Bei den zahlreichen dravidischen ^üdrakasten, welche 
officiell einer der Hindureligionen angehören, haben sich viele 
Reste der ursprünglichen Volksreligion in der Form einer 
Verehrung von Kastengottheiten und den Qaktis, besonders 
zu Zeiten einer Gefahr, erhalten. So verehren die Baydaru 
als Kastengott Trimula Devaru an einer ungeheuren Granit- 
masse, welche auf der Kuppe eines niederen Hügels ruht. 
Dieselbe enthält an einer Seite eine natürliche mit Ocker und 
Kalk beschmierte Höhle, in welcher ein Steinblock als Emblem 
des Gottes steht. Trimula soll der Name des Berges von 
Tripathi sein, welcher den berühmten Tempel des Vishnu 
trägt. 1) 

Ein Theil der Marawar, einer über den Schanar (Palm- 
bauern) stehenden Qüdrakaste, heisst die Atappakarar oder 
Kal'uku malei santana Kärar, d. h. die Abkömmlinge vom 
Kal'uku malei (Adlerberg(. Dort (nämlich im Gebiete des 
Zemindars von Ettijapuram in Tinnevelly) soll ihr Urtempel 
sein. 2) 

Eine andere ^üdrakaste, die Nattu-Kaller (Landes- 
Kaller), hat ihr Hauptheiligthum auf einem Hügel, Malla-Kottei 
genannt, den Gruppen von Usilbäumen (Mimosa amara) krönen. 
Hier wird mit blutigen und unblutigen Opfern an einem be- 
stimmten Tage des Jahres das Ochsen-Bandfest begangen. 
Dasselbe findet sich auch bei anderen Abtheilungen der 
güdras.3) 



^) Buchanan, Mysorc, I, 350. 

2) Graul 1. c, 33S. 

3) Graul 1. c, 179. 



^ — lOI — 

Beiden Gonds und den Kandhs, welche dem Buradeo 
(Bera-deo) oder der Tari (Erdgöttin) fürchterliche Menschen- 
opfer darbrachten, um Fruchtbarkeit der Erde zu erlangen,*) 
ist die animistische Verehrung der Höhen mehr in den Hinter- 
grund getreten. 

Allerdings zählt Captain Macpherson^) unter den ver- 
schiedenen Gottheiten der Khonds (Pennu genannt) ausser dem 
Pidzu Pennu, dem Regengotte, der im Range bedeutend höher 
steht, auch den Soro Pennu, the Hill God, eine niedere Gott- 
heit zweiten Ranges, auf, er bemerkt jedoch dazu, dass, ob- 
gleich jede Erhöhung den Namen dieser Gottheit trage, doch 
keine eigentliche Verehrung ihr gezollt wird. Dagegen wird 
dem Dungarri Pennu, dem Gotte der Vergangenheit, auf einem 
hohen Berge in Gegenwart einer grossen Anzahl von Gläu- 
bigen mit der Formel geopfert: Mögen wir immer so leben 
wie unsere Voreltern und mögen unsere Kinder nach uns 
ebenso leben. 

Dinga Pennu, der Todtenrichter, eine niedere Gottheit, 
wohnt auf einem grossen Felsen, genannt Grippa Vali (Lea- 
ping Rock), welcher in der Region jenseits des Meeres liegt, 
wo die Sonne aufgeht. Dieser Felsen ist ausserordentlich 
glatt und von einem unergründlich tiefen schwarzen Gewässer 
umgeben. Zu ihm gelangen die menschlichen Seelen nach 
dem Tode. Sein Name stammt von den verzweifelten An- 
strengungen, welche die Seelen machen müssen, um an dem 
Felsen Fuss zu fassen und auf den Gipfel zu gelangen, was 
ihnen immer misslingt. Sie ziehen sich dabei immer allerlei 
Verkrüppelungen zu, welche sie dann den nächsten von ihnen 
beseelten Wesen mittheilen. Auf diesem Felsen sitzt Dinga, 
notirt die guten und bösen Thaten der Menschen und theilt 
Belohnungen (durch Einlass zu den gesegneten Geistern) und 
Strafen (Krankheiten, Todesfälle, Verhängung von Lastern) aus.-^ 



\) Dalton, 275 ff. 

-) Macpherson, Religious opinions and observances of the Kandhs, J. R. 
As. Soc, VII, 187, 191. 

3) Macpherson, Acc. on the Religion of the Kandhs, J. R. As. Soc, 
XIII, 228 ff. 



— I02 

Ein hoher Berg, Boga Soro, bildet eine Art von localem 
Olymp der Khonds, auf dem die Götter eines grossen Districts 
ihre Berathungen pflegen. Der Berggott (hier Bogah Pennu 
genannt) hatte vor langer Zeit einen Sohn von düsterer Ge- 
müthsart, welcher ferne von seiner Familie lebte und sich 
um nichts kümmerte, als um ein Pferd und einen Elephanten, 
welche er beide leidenschaftlich liebte. Der darüber verzwei- 
felte Berggott beredete einst seinen Sohn zu einer Reise und 
verwandelte während seiner Abwesenheit die beiden Thiere 
in zwei Felsen, welche noch am Abhänge des Boga Soro zu 
sehen sind. Als der Jüngling zurückkehrte und dies vernahm, 
verfiel er in einen Paroxysmus von Wuth und bereitete sich 
vor, seine Familie für immer zu verlassen. Der Vater besänf- 
tigte ihn durch das Versprechen, ihm das erste Pferd und 
den ersten Elephanten zu geben, welche vorüberkommen 
würden. Der Sohn setzte sich auf den Weg und wartete. 
Allein, obgleich er in dessen Umgebung köstliche Schatten 
und herrliche Obstbäume schuf, alle Räuber und wilden Thiere 
verscheuchte, kamen niemals ein Pferd oder ein Elephant 
vorüber. ^) 

Anarische Himälayavölker. 

Westwärts schliessen sich an die Akas die Butias an 
der Nordgrenze von Bhutan an. Dieselben sind, ebenso wie 
die Leptscha's (welche sich selbst Rong nennen), zwar den 
Einwirkungen des Buddhismus ausgesetzt, der aber ihren alten 
Geisterglauben durchaus nicht ausgerottet hat. Das Volk 
glaubt an eine ungezählte Schaar von Geistern und opfert 
ihnen Blumen und allerlei Fetzen. ^) Die Priester der Leptscha 
führen zwar die buddhistische Gebetmaschine mit sich, sind 
aber zugleich Medicinmänner und Exorcisten.^) 

Bemerkenswerth ist das Auftreten der Sagen von der 
Sindfluth und vom Thurmbau bei diesen Volksgruppen: 



1) Macpherson 1. c, XIII, 2345. 

2) Dalton, 97. 

3) Dalton, loi. 



— 103 — 

»There is a hill, visible form Dorjeling, which as the tale 
hath it, when all the country was under water, arose and 
supported a ship containing a few persons, all other people 
being drowned. The hill rose up like a hom (hence its name 
tung-röng, röng = a hörn) and afterward, subsided to its pre- 
sent form. It is known to Europeens as the CameFs back. 

On te top of the lofty sung-li hlo, it is said, a foolish 
class of Lepchas (the na-söng) now extinct — endeavoured 
to raise a building high enough to reach the heavens. Rock 
and blocks of stones, as the ruins, are shown on the place.« 

Die Limbus und Kirantis (Kisantis) verbrennen ihre 
Todten auf den Spitzen der höchsten Berge, sammeln und 
begraben dann die Asche, legen eine Steinkiste darüber und 
stellen einen aufrechten Stein über dem Grab auf,0 auf dem 
die Angaben über die Freigebigkeit des Verstorbenen ein- 
gravirt sind. ^) 

Das Volk von Bissahir ^) ist eine Mischung von Hindus 
mit Aboriginern. Ihre Sprache ist ein verderbtes Hindustani. 

Auch indische Götter, z. B. die heilige Kuh, verehren 
sie; bei jedem Dorfe steht ein Tempel am Berge, dem Ma- 
hadeo {^iva) unter tausenderlei Namen und Metamorphosen 
geweiht, z. B. dem Gane9a, der Bhaväni, Kali u. s. w. geweiht. 
Daneben haben sie viele Localgötzen; auf jedem der Berg- 
pässe liegt ein geweihter Obo, bis zu den Quellen der Qatadru 
und Spiti hinauf, oder ein Steinpfeiler, eine Math oder kleine 
Kapelle, vor der jeder Pahari sich niederwirft. Alles ist voll 
von Geistern, Kobolden, Gespenstern guter und böser Art. Die 
Priesterschaft ist hauptsächlich durch Bettelorden vertreten. 
Gelehrte Brahmanen fehlen. 

Tibetaner. 

Es ist sehr zu beklagen, dass die Nachrichten über die 
vor der Einführung des Buddhismus in Tibet herrschenden 



') Mainwaring, Grammar of the Lepcha Language, XX. 
') Dalton, 154 f. Hodgson, Miscell. Essays, 402. 
3) Ritter, Erdk., II, 753. 



— 104 — 

religiösen Verhältnisse so überaus spärlich sind. Die in neuester 
Zeit von Chandra Das gelieferten Beiträge zur Kenntniss der 
Bon religion^) erwecken daher das grösste Interesse. Wir 
müssen den Wunsch aussprechen, dass der gelehrte Ueber- 
setzer der darauf bezugnehmenden Abschnitte des Dub-thah 
leg-shad sel-kyi m^lon auch den Inhalt derjenigen Schriften 
des Lama Choikyinima uns vermitteln wird, welche von an- 
dern tibetanischen in das buddhistische Pantheon aufgenom- 
menen Gottheiten handeln. 

Es scheint, dass die Bonreligion auf die locale Dämo- 
nologie mit Benützung von buddhistischen, vielleicht auch von 
eranischen Religionsideen aufgebaut worden ist. Interesse 
muss die Angabe erwecken, dass auch in Kashmir Bon- 
priester wohnten.'^) Der Umstand, dass die Buddhisten einen 
der achtzehn göttlichen Lehrer der Bonpo, S^n-rab, als Incar- 
nation des Buddha betrachten, spricht deutlich für die rela- 
tive Wichtigkeit dieser Religion. Diese Lehrer scheinen mit 
bedeutenden Wunderkräften, durch welche sie die Erddämonen 
bewältigten, ausgerüstet gewesen zu sein. Ein Knabe aus 
der Familie der Sen wird von einem Dämon entführt, auf 
verschiedene Plätze und Berge von Tibet und Kham ge- 
schleppt und in i3Jähriger Gesellschaft mit dem Dämon in 
alle Zauberkünste eingeweiht. Er kennt alle Wohnplätze der 
Geister, sowie die geeigneten Mittel zu deren Besänftigung. 
Er führt die mystischen Gebräuche ein zur Unterjochung der 
bösen Geister und der menschenfressenden Kobolde der nie- 
deren Region, die Anrufung der ehrwürdigen Götter der 
oberen Region, und die Hausgebräuche zur Besänftigung 
der bösen Geister der mittleren (Erdenregion). Der Zorn der 
letzteren wird besonders durch die »Befleckung des Herzens« 
erweckt. Die besonders einflussreichen Erdengeister heissen 
Sa-dag (Nagas).^) 



^) Baboo Sarat Chandra Das Contrib. on Religion, History etc. of 
Tibe Journ. Asiat. Soc. Beng., L, 187 ff. Vgl. Yule, Marco Polo, I, 315 fif. 

2) Chandra. Das 1. c, 198. 

3) Chandra Das 1. c, 196. 



— 105 — 

Das Bonpo-Sütra, »das weisse Näga-Hunderttausend«,^) 
gibt folgenden Aufschluss über die weite Verbreitung der 
Nägas: »In schwarzem Fels, mit krähengesichtähnlicher 
Spitze, wohnt ein Naga; auf einem Hügel, welcher einem 
liegenden Ochsen ähnlich ist, wohnt ein Naga; auf einem 
Vorsprung, welcher einem Kameelhals ähnlich ist, wohnt ein 
Naga. In einem Berge, der dem Hörn eines stossenden Ochsen 
ähnlich ist, wohnt ein Naga. In einem Felsen, der einem 
springenden Tiger oder Löwen ähnlich ist, wohnt eingNjan; 
in einer Tschaitja-ähnlichen Bergspitze wohnt ein Erdherr. In 
einem Erdgebilde, welches dem auf dem grossen gNjan- 
Felsen wohnenden ähnlich sieht, wohnt ein Erdkobold. Auf 
der schwarzen Wasserschlangenhöhe, welche einem Haken 
ähnlich ist, wohnt ein Naga; in dem schwarzen Felsen, wel- 
cher einer Schildkröte ähnlich ist, wohnt ein Naga; in einem 
Walde, welcher einer wüthenden Hyäne ähnlich ist, wohnt 
ein Naga; in Bäumen wohnen gNjans. In Berg- und Wald- 
strecken, welche einem wüthenden schwarzen Bären ähnlich 
sind, wohnen Nägas, gNjans und Erdherrn. In den von 
Kreuzwegen durchschnittenen Flüssen, in Seen und im Meere 
wohnen Naga-Unholdinnen ; in Bergen, welche einer liegen- 
den rothen Kuh oder einem liegenden rothen Ochsen ähnlich 
sind, wohnen Nägas. In Felsen, Wachholder, Silärpflanzen, 
Birken, Fichten, in Bäumen mit einem Stamm, in Doppel- 
bergen, in Doppelfelsen, in Doppelgletschern, in kleinen hellen 
Quellen, in lebenden Wesen, welche in blaurothen Wasser- 
pflanzen schwimmen, in Gazellen und Vögeln, welche kein 
Wasser trinkend durch den Anblick erschreckt werden, woh- 
nen staubartig kleine Näga-Arten u. s. w. Wenn man an den 
Stellen, wo diese wohnen, die wilde Erde gräbt, die wilden 
Bäume fällt, das wilde Wasser schöpft, das wilde Gras 
schneidet, die wilden Bäume fällend herauszieht, der Erde 
Schnepper, der Erde Moxa, der Erde einen heissen Pfriem, 
einen kalten Pfriem beigebracht, des Meeres Decke geschun- 
den, des Berges Bauch durchbohrt, die Nebengegenden zer- 

^) S Chief ner, Das Bonpo-Sütra >Das weisse Naga-Hunderttausend«, 
Mem. Acad. Petersb., XXVIII, Nr. i, 35. 



— io6 — 

störend Burgen eingenommen und grause Werke verrichtet 
hat, so machen sie den Körper schwach und starr, entwen- 
den das Vermögen, das Glück und das Leben.« 

Auch die Weissagung aus frischen menschlichen Schulter- 
blättern wird von den Bonpriestern getrieben. *) Bemerkens- 
werth sind die noch heute gebräuchlichen schamanistischen 
Riten zur Vertreibung der Unreinigkeit des Herzens. 

Die Aufzählung der Hauptgötter der Bon durch Chandra 
Das ist allerdings unvollständig, auch fehlt bei sehr vielen 
die Erklärung der Namen, so dass die Frage, ob darunter 
Berggötter sind, vorläufig nicht entschieden werden kann. 

Originell ist die Darstellung eines Streites zwischen einem 
buddhistischen Priester und einem Priester der Bonpo um den 
Besitz des Kailasa und des Sees Manasa. 2) Dieselbe entstammt 
einem angeblich 800 Jahre alten Documente und wirft ein 
helles Licht auf die zwischen den beiden Religionen be- 
stehende Concurrenz. 

Der ehrwürdige Je-tsun Melarepa kommt daselbst mit 
vielen Priestern an; er wird von den Localgottheiten ehr- 
furchtsvoll begrüsst und erhält von ihnen zum Geschenk den 
See Mapan und den Berg Tesi, um daselbst eine Einsiedelei 
zu errichten, und zugleich das Versprechen ihres Schutzes. 
Er begegnet darauf dem Bonpriester Naro-bonchhün mit seiner 
Schwester, welcher ihn um seinen Namen und sein Begehren 
fragt. Je-tsun nennt seinen Namen und sagt, er sei von 
einem der La-chhyi (Laphye) genannten Berge gekommen und 
wünsche auf der Spitze des Tesi der Meditation zu obliegen. 

Darauf erwidert Naro: Der schneeige Tesi, der See 
Mapan und Du sind darin gleich, dass in der Entfernung 
euer Ruf gross ist, jedoch in der Nähe alles Wunderbare von 
Euch abgestreift wird. Angenommen dieser Berg sei voll von 
Wundern, so befindet sich derselbe im Besitz der Bonpo. 
Wenn ihr hier leben wollt, müsst ihr die Gebräuche der Bon 
befolgen. Dagegen erwidert Je-tsun, dass nach der buddhi- 
stischen Offenbarung dieser Berg im Allgemeinen ein Wall- 

Chandra Das 1. c, 19S. 

') Chandra Das 1. c, 206 — 211. 



— 107 — 

fahrtsort der Buddhisten sei; ihm persönlich sei derselbe 
durch die Prophezeiung des weisen Marpa zum Orte seiner 
Einsiedelei bestimmt. Er fordert somit Naro auf, wenn er hier 
bleiben wolle, sich zum Buddhismus zu bekehren. 

Naro fordert hierauf den Je-tsun zum Wettkampf mit 
Wundern heraus. Er spricht in Versen den Tesi, den See 
Mapan-yu-tsho, den Mela-repa an, und zwar verhöhnt er den 
Letztern, dass er in seinem Alter halb nackend gehe und von 
einem eisernen Dreizack sein Heil erwarte. Endlich ruft er 
seine Götter an, Bon-yun-tunku Ye-sen, Tho-Gyal, den neun- 
köpfigen Vu-gupa u. s. w. 

Je-tsun setzt sich nieder, bedeckt den ganzen See Mapan, 
ruft den Dämon auf dem Gridhraküta Parvata an und for- 
dert nochmals den Bonpo auf, ihm den Tesi, den Fürsten der 
Weltberge, zu überlassen. 

Darauf schlägt Naro vor, Bon-kor zu machen, d. h. den 
heiligen Gipfel des Tesi von rechts nach links zu umschreiten. 
Je-tsun macht dagegen Chho-kor, d. h. er umschreitet den 
Gipfel nach buddhistischer Methode von links nach rechts. 
Sie begegnen sich bei einem grossen Felsen Phapon, und 
Jeder sucht den Andern auf seine Bahn zu ziehen, wobei 
sich ihre Fusstapfen in der Spitze des Felsens eindrücken. 
Nachdem Je-tsun den Naro in dem Werfen von grossen 
Felsen besiegt, setzt er sich in einer Höhle im Westen des 
Berges (Lotoshöhle) nieder und reicht mit seinen Füssen bis 
zu der am Ostabhange befindlichen Zelle Bonpo's, wo er eine 
Fusstapfe hinterlässt. Naro kann nicht einmal bis zur Hälfte 
von Osten nach Westen herüberreichen, worüber die im Him- 
mel befindlichen Asuras in schallendes Gelächter ausbrechen. 
Nachdem sie ihren Gang fortgesetzt, begegnen sie sich am 
Südabhang des Tesi, worauf heftiger Regen fällt. Je-tsun ruft 
den Felsen Thapon herbei, der ihm zum Schutze dient u. s. w. 

Endlich einigen sie sich, am 15. des Monats einen 
Wettlauf nach der Spitze des Tesi zu unternehmen; wer 
früher oben ankäme, sollte den Berg behalten. An dem be- 
stimmten Tage steigt Naro, in einen blauen Pelz gehüllt, 
unter Cymbalspiel auf einem Tambourin in die Luft auf, ver- 



— io8 — 

mag jedoch die obersten Felswände nicht zu ersteigen und 
fällt mit seinem Tambourin hinunter. Je-tsun setzt sich auf 
einen Sonnenstrahl und kommt mit der Sonne zugleich auf 
den Gipfel. 

Aus dieser Legende scheint hervorzugehen, dass die Bon- 
religion eine animistische Verehrung des Tesi (Kailäsa oder 
Meru) vor den Buddhisten kannte. Damit wäre auch der vor- 
buddhistische Mythos zu vergleichen, welcher die Abstammung 
der Tibetaner von dem Brag ssrin po und dessen Frau Brag 
ssrin mo (auch mkha groma genannt) ableitet.^) Der erstere 
dieser Namen bedeutet aber nach Koppen »Riesengeist des 
Gebirges«, der Name seiner Frau wird als »Luftwandlerin« 
übersetzt. Bezüglich der Buddhisirung dieser Sage sei auf 
Koppen verwiesen.^) 

Hieran seien einige Andeutungen über tibetanischen Höhen- 
cult in buddhistischem Gewände angeschlossen, welche den 
werthvollen Zusammenstellungen Köppen's entnommen sind. 

Aus der Ebene von Lhassa erhebt sich eine Viertel- 
stunde von der Hauptstadt der ungefähr 600 Fuss hohe Berg 
Potala.^) Er besitzt drei Gipfel, von denen der südwesthche 
der Eisenberg (Tschapori), der nordöstliche der Sauberg 
(Phag mori), der mittlere und höchste, der rothe Berg 
(d Mar pori) heisst. Ursprünglich eine alte Residenz tibetani- 
scher Fürsten (auf dem Marbori wurde Thisrong-lTe b Dsan, 
der berühmte Förderer des Buddhismus in Tibet, geboren) 
wurde er im 17. Jahrhundert in ein Kloster umgewandelt und 
zum Wohnsitz des Dalai-Lama erhoben. 

Von der Spitze des Berges Potala strahlt der Lichtglanz 
der Lehre von den zehn erhabenen Verdiensten nach allen 
Richtungen aus. Seine Benennung erhielt jedoch derselbe 
von einem mythischen Pötala, welcher aus dem westlichen 
Ocean sich erhebt und auf seinem Gipfel einen himmlischen 
Palast trägt. Dies ist die Herberge der Bodhisattwas auf ihren 

») Koppen, Rel. d. Buddha, H, 45. 

2) Koppen 1. c, 44f. 

3) Koppen 1. c, II, 341. Vgl. Ritter, Erdk. III, 243, Klaprot und 
P. Hyacinth, Nouv. Journ. As., VI, 243. 



— log — 

Wallfahrten. Ein dritter Potala ist auf der Insel Phu to (Puto) 
unweit King po, gegenüber Ting hai im chinesischen Meere. 

Der roth und weiss angestrichene Palast auf dem tibe- 
tanischen Pötala heisst der rothe Palast. Auch die beiden 
anderen Gipfel tragen grossartige Klöster. Auf dem Eisen- 
berge wohnte der grosse Doctor bTsong kha pa. 

Ausserdem sind in der Umgegend von Lhassa noch 
andere mit Klöster und Einsiedeleien besetzte Berge. Auf 
dem einen steht das Kloster Sse ra (golden), in dessen einem 
Tempel das Scepter des Qakyamuni, welches aus Hindustan 
nach Tibet durch die Luft flog, aufbewahrt wird. Ein anderes 
Kloster heisst Brass ss Pungss (Reishaufen), von der Form 
des Hügels, den es beherrscht. Ein dritter Berg ist der d Ga' 
IDan (Himmelsfreude) mit dem gleichnamigen Kloster, dem 
ältesten der Gelbmützen. Hier befindet sich die sterbliche 
Hülle des b Tsong Kha pa, unverweslich frei in der Luft 
schwebend. 

Hundert Stunden von Lhassa ist der Lha ri (Götterberg) 
mit dem gleichnamigen Kloster. 

Aus dem nördlichen Tibet hat Prschewalsky ^) zwei Sagen 
mitgebracht, welche sich an das Tanlagebirge knüpfen : 

Vor langer Zeit hauste auf dem Tanla ein böser Geist, 
der allen Karawanen Verderben brachte und durch kein Opfer 
besänftigt werden konnte. Endlich sei ein tibetanischer Hei- 
liger gekommen, der durch seine Gebete den bösen Dämon 
zum Buddhismus bekehrt habe, so dass derselbe nun als 
guter Geist die Karawanen beschützt. 

Vor vielen Jahren kam der chalkatische Chan Galdsu- 
Abute mit vielen Soldaten und wollte den Dalai Lama rauben. 
Da traten die Heiligen (vom Tanla) auf und Hessen einen 
Steinregen auf die Feinde fallen. Die meisten erlagen, und 
was am Leben blieb, wurde von wilden Yaks zertreten. Nur 
Galdsu Abute entfloh mit wenigen Getreuen, kam nach Lhassa, 
raubte einen Heiligen und führte ihn nach Naga, wo von 
dieser Zeit an immer ein grosser Kutuchta residirt. 



^) Prschewalsky, Reisen in Tibet. D. Uebers., 1884, S. 158. 



— HO — ■ 

Nach der Chronik des Ssanang Ssetsen Hess der König 
Thisrong 1 Te b Dsan aus Hindustan den m Khanbo-Bodhi- 
sattva berufen und besprach sich mit ihm über den Bau eines 
Buddhatempels auf dem Berge Chasburi. Derselbe erklärte 
sich für unfähig, die bösen Localgeister zu besiegen, was 
doch früher geschehen müsse, ehe ein Tempel d^rrichtet würde. 
Er rieth den Padma-Ssambhawa aus Udayana herbeizurufen, 
welcher nicht nur alle im sichtbaren Samsära befindlichen 
Geister, Rakshas, und die acht Classen der Schrecklichen 
sich zu Sclavendiensten unterwerfen könne, sondern auch alle 
geheimen Dhärani kenne. Dies geschah. 

Alsbald machte sich Padma-Ssambhawa auf den Weg. 
Während seiner Reise suchte ihn der ** Genannte (dessen 
Namen der Autor aus Furcht nicht nennt) zwischen zwei 
Bergen einzupressen. Aber der Bakschi schwang sich auf- 
wärts und am Himmel mit untergeschlagenen Beinen sitzend, 
sprach er, zwar voller Furcht, aber sich ermannend, die Be- 
schwörung aus und nannte den verborgenen Namen. Dar- 
nach kam ihm der ** zu Nennende in einen grossen schwarzen 
Stier verwandelt entgegen und erregte ein grosses Sturm- 
und Schneewetter, welches Alles erstarren machte, bis auf 
den Bakschi, welcher vor grosser Hitze stark schwitzte. Der 
Bakschi schlug den Stier mit dem neunzackigen eisernen 
Scepter auf die Stirne, worauf der Stier die Flucht in das 
Gebirge nahm. Alsbald hörte das Schneegestöber auf, die 
Berge schwärzten sich wieder, die blauen Felsen kamen bläu- 
lich schimmernd zum Vorschein und die Sonne leuchtete in 
hellem Glänze. Voll Furcht, aber ein Herz fassend, legte der 
Bakschi den Scepter hin, sprach die Beschwörung aus und 
nannte den verborgenen Namen. Nachdem er so die zwölf 
Batu-Ekes und alle im Lande Tibet befindlichen Besitzer der 
Orte und Drachengeister ohne Ausnahme gezähmt und sich 
die Geister und Kobolde zu Sclaven gemacht hatte, verband 
er sich mit dem Könige der Menschen Thisrong-1 Te-Dsang 
und dem Könige der Drachengeister Upanandi. ^) 



^) Ssanang Ssetsen, Gesch. d. Ost-Mong., übers, v. J. J. Schmidt, 40 f. 



— III — 

Als Nachkommen Buddha's werden drei Herrscher ge- 
nannt: Jeke Säkja, Sakja Lidschai Uri und Säkja Agholana 
Bada Jabudschi. Ein Nachkomme des letzteren Upadhi flüch- 
tete nach einer unglücklichen Schlacht gegen fremde Bar- 
baren in die Abhänge des Schneegebirges und wurde der 
Stammvater der tibetischen Fürsten von Jarlung. Zu gleicher 
Zeit wurde dem Könige des Volkes Pätsala, Namens Orog- 
holuktschi ein mit vielen merkwürdigen Zeichen behafteter 
Sohn geboren, den die Brahmanen zu tödten dem Könige 
riethen. In den Gangastrom geworfen, wurde der Knabe durch 
einen alten Bauern gerettet und aufgezogen. Als derselbe 
durch seinen Ziehvater die Geschichte seiner Rettung und 
seiner wunderbaren Erhaltung im Walde erfuhr, ging er zum 
hochbekränzten Götterberge und von demselben herab in die 
Thalfläche des Jarlung. Hier wird er vom Debschin-Bonbo 
des Himmels und dem Jang-Bonbo der Erde als Göttersohn 
erkannt, auf einem hölzernen Sessel auf den Schneeberg 
Schambu getragen und als Oberhaupt ausgerufen. ') 

Nach einem chinesischen Berichterstatter werden die 
Leichen in weite, aus Thierhäuten verfertigte Säcke eingehüllt 
und am achten Tage auf den höchsten Punkt des nächsten 
Bergrückens getragen, wo der Leichnam sodann in Stücke 
geschnitten, den Hunden vorgeworfen wird. Dies heisst die 
Erdbestattung. Bei Priestern oder Vornehmen werden die 
Knochen von den Hunden abgenagt, gesammelt, pulverisirt 
und hierauf in kleine Pillen verarbeitet, welche auf den Berg- 
gipfeln ausgestreut werden. Dies nennt man Himmelsbestat- 
tung (Ausland, 1889, S. 738). 

Barmanen und Lohitas. 

Die Urbewohner Asams sind schon früh buddhistischen, 
9ivaitischen und vishnuitischen Einflüssen unterworfen ge- 
wesen. Auch die Eroberer Asams, die zu den Lohitas ge- 
hörigen, Chutin (Kachari oder Bodo), scheinen dasselbe Schick- 

^) Ssanang Ssetsen, Gesch. d. Ost-Mong., übers, v. J. J. Schmidt, 22 f. 



— 112 — 

sal getheilt zu haben. Ihre Heiligen heissen Rischi. Der 
Rischi eines mit den Garo's verwandten Zweiges der Kachari 
der Rabhas wird in ganz Asam als Bura Buri verehrt. Er 
wohnt mit seinem Weibe im Himmel (Rongkorong). ') Einer 
der Erdgötter Dormong, welcher über dem Chorihashu, einer 
hohen Bergspitze am Ende der Garohügel, thront, wird von 
den Garos und Rabhas gemeinschaftlich verehrt. In Zeiten 
von Dürre opfert man eine schwarze Gais auf dieser Felsen- 
spitze, um Regen zu erflehen. 2) 

Auf einem über den Brahmaputra geneigten Hügel bei 
Tezbore^) wird der infolge eines Fluches versteinerte Web- 
stuhl Sita's (Rama's Gattin) gezeigt, sowie der Eindruck ihres 
Sitzes. 

Die Bilum wahrsagten aus den Knochen des Geflügels. 
Bei Dulbuggong findet sich der Saraideo-Purbutt (der Berg 
des Vogelgottes, sarai = Vogel); Sarai-deo galt als die älteste 
Hauptstadt Aslams.^j 

Die Lolo, die Aboriginer Yünnans, welche sehr gebir- 
gige Gegenden bewohnen, verehren drei Gottheiten: Lui-wo, 
A-pu-ko und Chua-ch^-po, von welchen die erstgenannte die 
bedeutendste ist. Alle drei wohnen auf dem Berge Omi (an 
dem linken -Ufer des Tong oder Ta-tu-hö in der Präfectur 
Kia-ting fu). Dieser Berg ist auch ein berühmter buddhisti- 
scher Wallfahrtsort und trägt buddhistische Tempel. Doch 
sind die Lolos selbst keine Buddhisten; ihr Cult wird von 
Zauberern oder Aerzten besorgt.^) 

Die Tu-lao (im südlichen Yünnan, auch als Schan-tze 
bezeichnet) werden von Deveria mit den Th6-16-man des 
Marco-Polo identificirt. ^) Ihre Völkerstellung ist noch nicht 



^) Der höchste Berg der Langtamkette heisst Dew bori. Ritter, Erdk., 
in, 344. 

2) Dalton 1. c, 87. 

3) Bastian, Völkerst. a. Brahmaputra 60. 
*) Bastian 1. c, 54. 

'>) Dev6ria Frontiöre sino-annamite d'apr^s des documents officiels 
Chinois, 150. 

^) Deveria 1. c, 114 f. 



— 113 — 

aufgeklärt; Garnier scheint sie zu den Lolo's zu zählen. 
Marco Polo berichtet von ihnen, dass sie die Todten ver- 
brennen, ihre Asche in kleine Körbe legen und in Höhlen 
auf hohen Bergen beisetzen. ^) 

Die Kocchi (Ahorn), in dem Yogini Tantra Mlecchas 
genannt (Hodgson, Mise. Essays, I, 109), welche Asam im 
13. Jahrhundert eroberten und infolge dessen mannigfache 
Einwirkungen der indischen Religionen erfuhren, opfern ausser 
ihrem obersten Gotte, welchen sie Rischi (sein Weib Jago) 
nennen, der Sonne, dem Monde und den Sternen, den Göt- 
tern der Wälder, Berge und Flüsse. Bei Unglücksfällen (Dürre, 
Krankheit) opferten die Räja von Asam*) unter Bäumen auf 
hohen Plätzen, mit Sprengen von Blut, dem Deo. Dabei wur- 
den Gebete in dem alten Idiom der Ahom gesprochen. 

Als Indra mit dem Monde (Sussi) nach dem Blumen- 
garten (Puloni bari) des Eremiten Bujistha-Muni (bei Sudya) 
kam, um sich zu ergötzen, wurde Indra von dem Fluche des 
Heiligen getroffen und durch ein schönes Weib verführt, 
welches ihm den Sohn Tenkam, den Vater des Kunglung 
und des Kunlai, gebar. Kunglung und Kunlai brachten neun 
Lacs der Ahorn (und andere Völker) mittelst einer goldenen 
Leiter, welche auf dem Himälaya stand, vom Himmel auf 
die Erde. Ein Nachkomme Kunlai's herrschte (um 1228 
p. D.) als erster König der Ahom. •^) 

Die mit den Kocchi verwandten Bodo und Dhimäl, 
welche die nördlichen und östlichen Ränder des Kocchgebietes 
bewohnen, verehren zwar Feuer, Wälder und Berge, die Erde 
und die Sonne, jedoch nur in untergeordnetem Masse gegen- 
über den Flüssen, welche die National- und Localgötter sind. 
Doch soll der Hauptgott der Bodo, Bäthö, eine Euphorbie 
sein. Sein Weib ist Mainong. 

Die Hauptgötter der Dhimäls heissen Waräng-B^rang 
(die Alten, die Väter der Götter), welche Flüsse sein sollen. 
Ausserdem haben sie zahlreiche Hindugottheiten, besonders 

*) Marco Polo, Ed. Yule, IJ, 107. 

2) Bastian, Volk. a. Brahmaputra, 60. Hodgson, Mise. Ess., I, iii f. 

3) Bastian 1. c, 51. Vgl. andere Version 1. c, 56. 
V. Andrian, Höhencultus. 



— 114 — 

die Kali aufgenommen.^) Ihre Priester heissen Deoshi und 
Dhami, ihre Zauberer Ojha. 

An den Ufern des Dihong, zwischen Asam und Tibet, 
treffen wir eine Reihe von nahe verwandten Volksgruppen, 
die Abors (Padam), Hill Miris, Dophlas, Akas. 

Die Padam, zu denen nach Bastian die Neyowlung- 
Naga gerechnet werden, glauben besonders an Waldgötter 
und Geister jeder Art, auch der Krankheiten. Ein Berg mit 
Namen Rigam ist als Lieblingsaufenthalt derselben verehrt. 
Seine Mysterien bleiben verschlossen, weil Niemand von dessen 
Gipfel zurückkehrt. Ihre Hauptgottheit scheinen sie von den 
Indiern entlehnt zu haben, ebenso wie die Vorstellung von 
einem Richter über die Verstorbenen, welchen sie »Jam« 
(Jama) nennen. Ihre Auguren heissen Deodars.^ 

Die Miris haben bereits brahmanischen Einfluss auf- 
zuweisen. Auch die HügÄl-Miris glauben an Jam Raja; doch 
spielen die W^aldgeister eine weit grössere Rolle. Die Bericht- 
erstatter melden auffallender W^eise nichts von Höhencult. 

Die Aka fürchten die hohen beschneiten Berggipfel, 
von welchen die Gewitter kommen, die reissenden Bergströme 
und die dichten Jungles. Dies sind ihre Götter. Sie heissen Fuxo 
den Gott des Jungle und der Gewässer, Firan und Siman 
die Götter des Krieges, und Salu den Schutzgott des Hauses 
und des Feldes. Ihre Priester heissen Deori. In neuester Zeit 
wurde der Cult Hari's eingeführt.^ 

Auf Höhencult bezügliche Angaben fehlen uns noch für 
die Na gas, wie für deren Verwandte, die Manipurs und Ku- 
puis. Doch deuten deren Gebräuche und sonstige Voi^el- 
lungen, sowie die Existenz von Zauberinnen (Maibis) bei den 
Manipurs, auf noch vorhandene Reste der primitiven Volks- 
religion. 

Die den Nagas nahestehenden Kuki's in Kachas er- 
kennen einen höchsten Gott, Puthen, sein W^eib Nongjar, einen 



') Hodgson, Mise. Ess., I, 124 ff. 

2) Dalton, Ethnol. Beng., 25. Bastian 1. c, 37. 

3) Dalton, jS. 




— 115 — 

bösen Geist Gumoishi, einen Hausgott Khomungno, und eine 
Menge anderer Götter für Wald, Flüsse, Berge und Felsen, 
sowie für jedes Metall. ') 

Die im District Tipperah zurückgebliebenen Verwandten 
derselben waren dem Qivadienste mit scheusslichen Menschen- 
schlächtereien ergeben. Die ebenfalls mit den Kuki's ver- 
wandten Mugs (Arakan) sind Buddhisten (Dalton). 

Die Kasyastämme (Khyi's), südlich von Brahmaputra, 
erkennen zwar ein höchstes Wesen an, zollen jedoch eine 
grössere Verehrung den niedrigeren Geistern, welche auf 
Bergen, in Felsschluchten oder in Hainen wohnen. Sie haben 
keine Tempel und Götzen, treiben dagegen hauptsächlich 
Wahrsagerei aus zerbrochenen Eiern. ^ Die Berge der Kasya 
tragen eine Menge von Grabdenkmälern, welche den Menhirs, 
Dolmen u. s. w. vollkommen gleichen und auch bei den Mun- 
das der Provinz Chutch nagpur, wie bei den Hos in Singh- 
bum vorkommen.^) 

Uebrigens ist auch unter ihnen indischer Einfluss nach- 
weisbar. Das Rajageschlecht der mit den Kasya engverwandten 
Jyntia hatte schon seit längerer Zeit brahmanische Culte 
angenommen. Im Südtheile des Jyntiagebirges finden wir 
Mahadeoberge. *) Nach Bastian gehören die Hindutempel unter 
den Jyntias meist Qiva, unter den Kasya dem Vishnu an.*) 

Gleiche Verhältnisse werden auch bei den westlichen, 
zum Theil mit ihnen verwandten Nachbarn der Kasyas, bei 
den Garo Stämmen, beobachtet.®) Die Vermischung von 
alten einheimischen mit den aus benachbarten Religionskreisen 
geschöpften Vorstellungen drückt sich klar in dem Schöpfungs- 
mythus der Garo aus: 

^) Dalton, 46. 

2) Dalton, 57. Vgl. Ritter, Erdk., IV, 391. Bastian, Völkcrst. a. 
Brahmaputra, 9 ff. 

5) Dalton 55. Bastian 1. c, li ff. 

*) Ritter, Erdk., IV, i, 395. 

^) Bastian, Völkerst. a. Brahmaputra, 10. 

^) Hamilton Buchanan, Acc. of Asam Ann. of Orient. Litt. I, 267. 
Ritter, Erd., IV, i, 399 ff. Dalton 1. c, 59. 

8* 



— ii6 — 

Rishi Salgong ist der oberste Gott; er lebt in dem 
Himmel (Rang). Apongma (Manim, nach Buchanan ; von ihm 
mit Mainong, dem Weibe des höchsten Gottes der Kacharis 
Bäthö verglichen) entfloh ihren himmlischen Eltern, um mit 
Salgong zu leben. Sie kamen zur Erde und lebten eine Zeit 
lang auf dem Tura (dem höchsten, auf 4000 englische Fuss 
geschätzten Berggipfel des Garosdistricts). Hier erzeugten sie 
zwei Kinder, einen Sohn, Namens Kengra, den Vater des 
Feuers und aller hiipmliscben Lichter, und eine Tochter, 
Mining Mija, welche den Sohn der Donjongma, der Mutter 
des Weltalls, heiratete. Mining Mija und ihre Tochter Ret 
Rebpng verloren ihre Gatten und residirten als Witwen auf 
dem Gipfel des Tura; Rishi Salgong und Apongma kehrten 
in den Himmel zurück. ^) Nach Buchanan bedeutet salgong 
oder saljang das Firmament oder den sichtbaren Himmel. 
Die. Himmelskörper Sonne, Mond und Sterne, sowie die 
Geister, welche über die Hügel, die Wälder und Flüsse herr- 
sphen, sind die Organe des Salgong, mittelst welcher der- 
selbe die Welt regiert. 

Nach andern Nachrichten *^) heissen die Geister der Garo's 
ip einem Theile ihres Districtes Dawhäpä, in dem andern 
Mitti. Der grösste der bösen Geister ist Schuschma. Seine 
beiden Söhne sind Rengra Belsa (Sonne) und Jajong (Mond). 
Luckmi, der Mutter des Reises, werden die meisten Opfer 
wegen der Ernte dargebracht. Abbett, ein Diener des 
Schuschma, der gefürchtetste Gott, hält sich bei fliessenden 
Wassern auf. 

Das »Jenseits« der Garo's ist der hohe Berg Chickmung, 
wo die Abgestorbenen für Schuschma arbeiten müssen, jedoch 

1) Auch die weitere Ausführung dieses Mythus zeigt aufs deutlichste dieses 
Verhältniss. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass in demselben die aus einem 
selbstbefruchteten Ei entsprungene Nushtoo, die Schöpferin der Welt, in ihrer 
Ehe mit Hiraman, dem Gotte der niederen Regionen, drei Töchter erzeugte, 
von denen die älteste die Mutter der Büthas, die zweite die Mutter der Garo's, 
und die dritte jene der »Feringis« war, welch' letztere doch den Garo's seit 
verhältnissmässig kurzer Zeit bekannt sind. Der Ursprung, der Bengalis ist nicht 
bekannt ! (D a 1 1 o n, 6 1 )♦ 

2) Esm6 »The Garos« C^leutta Review, 1885, 47 fff 



— 117 — 

reichlich Speise und Trank erhalten und daher sehr glück- 
lich sind. Die Unglücklichen, welche in die Macht von Abbett 
gefallen sind, werden — auch auf dem Chickmung — von ihm' 
gequält und durch Aufessen der Leber dfefinitiv vernichtet. Nur 
selten gelingt es den Verwandten, Schuschmä zur Einwir^ 
kung auf Abbett zu bestimmen, damit der Letztere sein ge- 
quältes Opfer freigebe. Geköpfte und Gehängte gehen nach 
dem Glauben einer Gegend nicht nach Chickmung ein; in 
einer andern Gegend sagt man, der Rumpf eines Geköpften 
gehe nach Chickmung und dessen Hals wachse so lange, bis 
der Kopf nachfolge. Jene, welche nicht nach Chickmung 
kommen (wegen Fehlens der Köpfe oder ganz besonderer 
Schlechtigkeit) bleiben in ewiger Dunkelheit, wandern um die 
Bäume herum, welche die Garo's »ülback« nennen, und leben 
von deren Saft. • ' 

Auf dem Wege zum Chickmung ist ein grosser Baum, 
wo die Geister die Speise nehmen, welche ihnen von ihren 
Verwandten für die Reise gespendet wird. Dann kommen sie 
an einen tiefen Fluss, über welchen eine schmale Rohrbrücke 
führt, von da nach dem Chickmung. 

In dem Grenzgebirge zwischen Chittagong und Arakan, 
vorzüglich in dem westlichen Theile desselben, wohnen die 
Lushai Kuki, welche ihre Stammverwandten nach Kachär 
trieben. ^) 

Bei den Lushai wird neben dem bösen Patyen die Gott- 
heit Kuavang verehrt. Sie wohnt in einem Dorf auf unzu- 
gänglichen Bergen und wird dort von der Seele (Tlarao) der 
in Verzückung gefallenen Seher (Kuavang-Dzawl) besucht.*) 

Die Khyeng sitzen in den Yumabergen, welche Arakan 
vom Thale des Irawaddi scheiden. Sie verehren einen Strauch, 
den sie Subri nennen. Bei jedem Gewitter forschen sie der 
Stelle nach, wo der Blitz niederfährt, und graben in die Tiefe, 
bis sie den heiligen Stein finden, der, als vom Himmel ge- 
fallen, übernatürliche Eigenschaften besitzen soll. Ihre erb- 



') Dalton, 113. 

2) Bastian, Völkerst. a. Brahmaputra, 36. 



— ii8 — 

liehen Priester (Passia) tragen dieselben. Die Gebeine der 
Reichen werden auf den heiligen Bergen Keyung natin (Ma- 
yeng-Matong) und Zehantoung beigesetzt (unter Anschnitzen 
eines Stabes) unter einer zum Forttreiben von Dämonen er- 
richteten Zauberhütte.*) Besonders der letztgenannte Berg 
gilt als heilig, da man von seiner Spitze aus die ganze Welt 
sehen kann. 

Die Vorfahren der Kyeng kamen aus einer Höhle im 
Lhoosai-Lande unter dem Häuptling Tlandlrok-Pah, bei dessen 
Heirat mit der Tochter Gottes alle Thiere (um Wege durch 
den Jungle zu eröffnen) berufen wurden. Das Faulthier (Gross- 
vater des Hulug-Affen), sowie der Regenwurm wurden ver- 
flucht, weil sie nicht erschienen. Bei dem dann ausbrechen- 
den Feuer zogen die Stämme nach der damals kühleren 
Küste, und da keine Thiere für Nahrung getödtet werden 
konnten, nahm ihnen Gott auf die Klage seiner Tochter die 
Sprache, damit sie nicht länger mit beweglichen Worten die 
Herzen der zu sterben Geneigten erweichen möchten. 

Neben Gott Patyen, dem Schöpfer der Welt, der im 
Westen der Sonne sitzt, wird als Schutzgott des Stammes 
Khozing verehrt, dessen Haushund, der Tiger, deshalb keinen 
Schaden anrichtet. Als Mittler für Khozing werden die Opfer 
verrichtenden Koa-rang, welche die Macht haben, den Tiger zu 
liebkosen, bezeichnet. Das Dorf Khozing's ist auf der Spitze 
eines Berges von Kopfjägern gesehen worden, entfernt sich 
indessen mit der Annäherung. Die Abgeschiedenen gehen 
nach dem Hügel des Ursprungs, von wo die Guten von 
Khozing zur Wiederbelebung von Körpern zurückgesandt, wäh- 
rend die Schlechten, trotz ihrer Klagen, daselbst behalten 
werden. 2) 

Im Thale des Irawaddy wohnen, und zwar von dessen 
Quellgebiet an, die Kha-Khyen (Fr. Müller). Die bekanntesten 
Glieder derselben sind die Singpho und die Karen. ^) 



') Traut, Not. on the Khyeng tribe, As. Res., XVI, 265. Bastian 1. c, 
40. Ritter, IV, i, 281. 

2) Bastian 1. c, 46. 

3) Vgl. Bastian I.e., 68. 



— iig — 

Die Sinhphos (nördlich von Sodija, zu beiden Uferseiten 
des unteren Noh Dihing) erzählen, ihre Urheimat sei auf dem 
Hochplateau des Berges Mujoi Singra Bhum (Bhum-Berg), 
zwei Monate Wegs von Sodija, zwischen dem Lande Bor 
Khamptis und der Grenze von China, gelegen gewesen. Dort 
waren sie noch unsterblich, hatten Umgang mit den Planeten 
und Himmelsgeistern, beteten in Reinheit das höchste Wesen 
an. Seitdem sie jedoch in die Ebenen hinabgestiegen seieny 
habe sie das Los der andern Menschen getroffen. Sie hätten 
ihre Hände im Blut der Menschen und Thiere zur Selbst- 
erhaltung gefärbt und den Gottesdienst und Aberglauben 
ihrer Nachbarn angenommen.^) 

Die Schöpfungstraditionen der Karen, besonders der 
Sgan- Karen, sind theilweise mit hinduischen, theilweise je- 
doch auch mit christlichen Vorstellungen versetzt. Eigen- 
thümlich bleibt ihnen der Glaube an zahllose locale und 
persönliche Genien, Kelah oder La genannt. Jedes Object, 
jeder Mensch hat seinen La. Nach dem Tode des Individuums 
geht sein La entweder zum Himmel oder zur Hölle (Unter- 
welt) ein. Andere schweifen als böse Geister auf der Erde 
herum. Ausserdem haben die bösen Eigenschaften und Leiden- 
schaften ihre eigenen Kelah, deren Einwirkung der Mensch 
unterworfen ist. 

Der Gott Phi-pho sitzt in einer Art von Fegefeuer und 
sendet die guten Schatten in den Himmel, die schlechten in 
die Hölle. Ein wohlwollender Gott, Phibi-Ya, sitzt auf einem 
einsamen Strauch und wacht über das Gedeihen der Korn- 
felder. 2) 

Ihre Priester, Bukho und Wi genannt, sind theils Zau- 
berer und Aerzte, theils Propheten und Orakelverkünder. 

Ehebrecher lassen bei den Karen das Blut des ge- 
opferten Schweines in eine Grube fliessen und bitten den 



^) Ritter, Erdkunde, III, 379. 

2) Dalton 1. c, uy. Latham Descr. Ethn., I. Bastian, 64. Laidlay, 
J. As. Soc. Lond., XVI, 61. 



— 120 — 

Herrn der Hügel und Berge, nicht länger die Fruchtbarkeit 
der Erde, die durch die Sünde zerstört ist, zu hindern.^) 

Die Todten werden meistens verbrannt und die gesam- 
melten Reste später auf dem sogenannten Knochenhügel 
(Loede) niedergelegt, von denen es mehrere in der Provinz 
Yunzaleh gibt. ^ 

Ein aus Pegu gebürtiger Kare erzählte Bastian von 
einem besonders heiligen Berge Akyoungtaun, wo die mit 
den Gebeinen niedergelegten Kostbarkeiten durch Bilu (Un- 
geheuer) bewacht werden. Die Annäherung an diese geweihte 
Stätte ist deshalb sehr gefürchtet, und es kostet den Hinter- 
bliebenen immer schweres Geld, ehe sie einen Waghals fin- 
den, der die Knochen ihres hingeschiedenen Verwandten nach 
dem Begräbnissplatz zu tragen kühn genug ist. ^) 

Birmanen. Unterhalb Frame liegt am Irawaddy ein 
schroffer Felsen, Tarupnguh, welcher früher die Grenze zwi- 
schen Birma und Pegu bezeichnete. Jeder, welcher diese 
Teufelsspitze zuerst umfährt, muss dem Dämon derselben zu 
Ehren einen Tanz aufführen. Er heisst Tasaun-Hat oder der 
Gott, der den Berg wäscht. Die Bootsleute erzählten Bastian, 
dieser Berg sei voll von Bilu oder Ungeheuern, welche die 
Elephanten und Büffel aufessen, aber wie ein Schatten ver- 
schwinden, wenn man sie packen wolle. In die Wand war 
eine Menge von Nischen gehauen, von denen jede eine 
sitzende Figur Gautama's enthielt. Auch fehlte es nicht an 
Opfergaben und Inschriften der Frommen, welche diese Pa- 
goden errichtet hatten.^) Wir haben hier vielleicht einen 
alten Localcult der Aboriginer (Karen?) vor uns, welchen 
deren Nachfolger aufgenommen haben. 

In der Nähe von Prome, am linken Ufer des Irawaddi, 
ist der isolirte und steile Berg Anaupettaun, welcher die 
Pagode Tanjindan trägt. Von demselben soll Gautama auf 



^) Bastian, Völkerst. a. Brahmaputra, 65. 

2) Bastian, Zeitschr. d. Berl. Ges. f. Erdk., 1866, 131. 

3) Bastian 1. c, 1866, 131. 
*) Bastian. Reisen, II, 29. 



— 121 — 

äas damals noch unbewohnte Land niedergeblickt und die 
künftige Gründung Prome's prophezeit haben. Bastian fand 
daselbst zwei Pre's in Stein ausgehauen, menschenähnliche 
Geschöpfe mit stumpfer Schnauze, welche Bastian mit Bibern 
vergleicht. Diese letzteren sollen auch in Kambodja unter 
den mit Nath und Naga zusammenlaufenden Namen Neakh 
eine ähnliche Rolle spielen wie bei den amerikanischen In- 
dianern. ^) 

Bei Mandalay befindet sich der Berg Schwe-u-daun mit 
einem berühmten Tempel. Derselbe ist der Prinzessin Mih- 
schweh-u geweiht, welche dort Panpie-Blumen pflanzte, von 
einem Tiger gefressen und in einen Dämon verwandelt 
wurde. 2) 

In Arakan, dem alten Stammsitz der Birmanen, scheinen 
sich dagegen nur buddhistische Vorstellungen zu finden. Die 
ganze Bergreihe, welche die alte Hauptstadt Arakans umgibt, 
ist mit Pagoden besetzt, deren vergoldete Thürme von jeder 
Anhöhe herab im Sonnenstrahl erglänzen. Auf der Passhöhe 
des Gebirgsstockes, welcher das Küstenland vom Irawaddi- 
thale scheidet, ist ein goldener Katsch, eine vielbesuchte 
Pagode mit den Phrabats, von welchen der eine auf dem 
Gripfel, der andere am Fusse des Berges verehrt wird.^) 

Auch in Tenasserim trägt fast jede auffallende Anhöhe 
ihre Pagöde, der Hauptpass der Grenzkette von Martapan 
gegen Siam deren drei.'*) 



Thai- (Schan-) Völker. 

Siamesen. Am linken Ufer des Menam, zwischen die- 
sem Flusse und dem River Sak, befindet sich ein berühmter 
Phrabat-Berg, zu welchem während der trockenen Jahreszeit 



') Bastian, Reisen, III, 43 f. 
3) Bastian 1. c, III, 167. 
3) Ritter, Erdk., IV, i, 337. 
*) Low, J. As. Soc. Lond., II, 254. 



— 122 — 

viele tausend Siamesen wallfahrten. Nach Crawfurd ist ein 
berühmter Phrabat in Laos auf dem Gipfel eines Berges, wel- 
cher am Ufer eines Sees Hegt. Ein weiterer ist zwischen 
Prisori und Meruni; der berühmteste liegt eine Tagereise 
östlich von Aynthia, der alten Hauptstadt Siams. In Bang- 
Kok *) wird der Phrabat in einem Tempel des Buddha verehrt ; 
es befindet sich darin die Darstellung eines höhlenreichen 
Berges, dessen oberster Gipfel den Phrabat trägt. 2) 

Berghöhlen findet man öfters in Tempel umgewandelt. 
So in einem Berge bei Petschaburi, dessen Spitze überdies 
von einem Buddhatempel gekrönt ist.^) Auch Crawfurd be- 
schreibt solche Grottentempel in einer schmalen aber steilen 
Küstenkette zwischen den Hafenstädten Touran und Faifo. ^) 
Die Grranitkette der Halbinsel von Touran trägt ebenfalls 
kleine Buddhatempel, mit Bildnissen des Gottes und eines 
seiner Finger aus sehr feinem Porzellan.*) 

Auf seiner Reise von Hue nach Turan fand Crawfurd 
nicht blos längs der Strasse kleine Tempel mit Volksgaben, 
sondern auch solche Volksgahen an den Felsgipfeln aufge- 
hängt. Auf dem Gipfel eines Berges in tiefem Walde war 
eine Säule aufgerichtet, an welcher ein Brett mit einer 
Menschenfratze und einer heiligen Inschrift angebracht war. 
Dies sollte zur Verscheuchung des besonders boshaften Berg- 
geistes dienen, welcher hier spukt und vor Allem einsame 
Wanderer belästigt. Am meisten wurde derselbe bei stürmi- 
schem Wetter gefürchtet.^) 

Goddard sah, als die Pocken in Anghin grassirten, für 
einen nahe gelegenen heiligen Berg Opfergaben von Reis, 
Wasser und Früchten auf einen Felsblock gestellt.'') 



1) Carl Bock, Temple and Elephants, I, 117. 

2) Ritter, Erdk., III, Ii73f. «ach Crawfurd. 

3) Bock 1. c, 81. 

*) Crawfurd, Tagebuch, 441. 
5) Crawfurd 1. c, 439. 
^) Crawfurt 1. c., 432. 
'^) Bastian, Reisen, III, 292. 



— 123 — 

Die Laosvölker sind Buddhisten. In ihren Tempeln, so 
wie bei jenen der Khmers findet sich sehr häufig am Haupt- 
eingang eine Löwenfigur des Rakshasi, des Königs der Thiere. 
Nach ihrer Mythologie stammt er von einem Bären ab. Sein 
Thron befand sich auf dem Gipfel eines von oben bis unten 
gespaltenen Berges, an dessen Fusse ein klarer Strom floss. 
Sein Reich waren die Jungles; er war vor Allem bestrebt, 
die Thiere an jeder Verbindung mit den Menschen zu hin- 
dern. Der Hund unternahm es, den hochmüthigen König zu 
entfernen. Er beredete ihn, sich an den Abgrund zu stellen, 
wo Rakshasi sein eigenes Bild in dem klaren Strom erblickte 
und in der Meinung, einen Nebenbuhler vor sich zu haben, 
sich hinabstürzte. Vor seinem Tode hatte er einen Theil seiner 
Gewalt den Albino's von gewissen Thierspecies übertragen, 
z. B. dem weissen Elephanten. Später wurde er wiedergeboren 
und nach mancherlei Transmigrationen zum Gott erhoben. 

Die Furcht vor den Dämonen ist bei allen Laosstämmen, 
wie es scheint, sehr gross. Vor Allem wird der böse Geist 
Phi gefürchtet. Es scheinen hauptsächlich Elementargeister, 
besonders der W^ind, als Krankheitserreger zu gelten. Die 
durch Phi-ka Besessenen müssen auswandern. Vor einer Reise 
ins Gebirge wird dem Berggeiste geopfert.^) 

Die Mussus, ein ganz roher Laosstamm, behaupten, auf 
bestem Fusse mit allen diesen Geistern zu stehen und daher 
in den W^äldern schlafen zu können. Die ganze Natur ist 
nach ihrer Anschauung von Geistern belebt, Bäume, Steine, 
wohl auch Berge. Sie haben keine Idole und führen nur ein- 
oder zweimal im Jahre Geistertänze auf, bei welchen sie 
Thiere opfern. 2) 

Ich kann es mir nicht versagen, an dieser Stelle ein 
Beispiel von der Verarbeitung der Meru -Vorstellung bei den 
Laos zu geben, deren Kenntniss uns ein moderner Reisender 
vermittelt hat.^ Es scheint mir um so gerechfertigter, als 



') Carl Bock, Temples and Elephants an vielen Orten. 

2) Bulletin, Soc. Geogr., 1875. Globus, XXVIII, 198 ff. 

3) Carl Bock. Temples and Elephants, London 1884, I99^' 



— 124 — 

wahrscheinlich diese Auffassung weiter nach Osten gedrungen 
ist und auch sonst in ethnographischer Beziehung interes- 
sant erscheint. 

Bei den Laos ist der Berg Zinnalo das Centrum der 
Welt; Um die im Wasser befindHche Hälfte desselben ist ein 
ungeheurer Fisch geschlungen. Wenn er schläft, ist die Erde 
ruhig, wenn er sich bewegt, entstehen Erdbeben. Der Zinnalo 
ist voll Höhlen, von welchen die unterseeischen von den 
Drachen (Naks), die überseeischen von den Engeln (Thewedas) 
bewohnt werden. Sonne, Mond und Sterne sind die Zierathen 
der auf dem Berge befindlichen himmlischen Tempel. 

Auf jeder der vier Seiten des Berges führen sieben Berge 
als Stufen zur Höhe, welche die Seele der- Verstorbenen zu 
ersteigen hat und nur bei gehörigem Verdienst überwindet. 

Auf dem Gipfel des Berges ist die Wohnung der guten 
Geister und eines Königs, genannt Phya Wett So'wan. 

Auf der nächsten Stufe leben die Personen, welche auf 
Erden Salas und Wohnungen für die Priester gebaut haben. 
Jeder derselben darf 16.000 Weiber haben. 

Die nächsten drei Stufen enthalten Personen von immer 
steigenden Verdiensten. Während das Contingent von Weibern 
auf der niedrigsten (der dritten) 30.000 beträgt, steigt es auf 
der sechsten auf hundert und fünf Millionen per Person. 

Darüber befinden sich drei Himmel (A, B, C), von wel- 
chen jeder wieder in drei Abtheilungen (a, b, c) zerfällt. 

Aa, Poma tewa, ist für beide Geschlechter, welche 
grössere Verdienste haben als »Indra«. Ab für Männer und 
Weiber höchsten Ranges; hier residiren die vier Könige des 
Himmels (Maha pom ma). A c, Poma palo pitta, für beide 
Geschlechter. Sie besorgen die Aufsicht über den Himmel. 

Die Abtheilungen von B sind für jene, welchen wegen 
ihrer Verdienste gestattet ist, noch eine Zeit »das Glück« zu 
geniessen, ehe sie in das Nirvana eingehen, a) ist für Männer, 
b) für Priester, c) für Frauen. 

C ist für die vollkommensten Engel bestimmt. Sie 
wohnen hier, ehe sie Götter werden und über die Menschen 
herrschen, wie Buddha. 



— 125 — 

Darüber ist die äusserste. Firisterniss oder das Nirwana, 
welches als ein place of comfort aufgefasst wird, wo keine 
Sorge besteht. 

Annamiten. 

In Tongking hat nach Landes jeder Felsen, jede Pa- 
gode ihre Legende, doch ist es sehr schwer, gegenwärtig 
unmöglich, aus denselben die originell nationalen von den 
durch Import aus China gewonnenen Vorstellungen der An- 
namiten zu sondern. Es bleibt vorläufig nichts übrig, als 
das auf Berge bezügliche Material aufzuführen und späteren 
Zeiten dessen kritische Verarbeitung zu überlassen. Behufs 
Gewinnung eines allgemeinen Standpunktes sei nur im Vor- 
hinein bemerkt, dass die Dämonologie der Annamiten voll- 
ständig auf dem Ahnencultus und auf der Solidarität aller Natur- 
reiche beruht, wie jene der Chinesen oder der Inder. Menschen- 
seelen gehen in Thierleiber ein, Schlangen werden Menschen 
und umgekehrt. Thiere (z. B. alte Schweine) werden nach 
dem Tode Dämonen. Die Verehrung der letzteren scheint 
sogar mit Menschenopfern verknüpft gewesen zu sein. ^) Viele 
Götter entstammen geschichtlich beglaubigten Persönlichkeiten, 
welche sich Verdienste um das Land erworben haben. Die 
Canonisirung und Erhöhung derselben geschieht durch Decrete 
der Herrscher. Der Name der Dämonen Tien entspricht dem 
chinesischen Sien (Himly). 

Dies gilt auch von den Berggöttern. So befindet sich 
auf der Grenze zwischen den Provinzen Hä tinh und Nfgh 
ein grosser Berg, Dai ngan, auf welchem unter der Dynastie 
Le ein Mandarin Ly khäc von einem Tiger getödtet wurde. 
Sein Leichnam wurde in der Provinzhauptstadt begraben, 
jedoch von den Tigern und Elephanten des Berges zurück- 
geholt, so dass L,f khäc zum Schutzgeist der Bergwälder 
ernannt wurde, in dessen Tempel die Holzhauer alljährlich 



^) Landes, Contes et Legendes Annamites, 4. 



— 126 — 

Opfer darbringen. Er ist im Volke als »Greis vom Hamak« 
bekannt. *) 

In der Provinz Hä-n6i ist ein Berg, Tanvifen, dessen 
Höhe Niemand .kennt. Seine höchste Stufe ist roth, ebenso 
die zweite; die dritte ist den Menschen zugänglich. Auf der 
letzteren befindet sich eine steinerne Pagode mit einem stei- 
nernen Tisch und einer Bildsäule aus demselben Material. 
Die Macht dieses Berggeistes offenbarte sich zuerst unter der 
Dynastie L^, 2) als die Chinesen das Land besetzten. Damals 
erschien er und verkündete ein Orakel, welches die Chinesen 
so erschreckte, dass sie umkehrten. Der König von Annam 
brachte ihm feierliche Opfer dar, doch kennt Niemand seinen 
Namen. Jedesmal, wenn das Reich in Gefahr ist, schickt der 
König einen tugendhaften Minister ab, um diesen Genius zu 
befragen. Er erscheint unter der Gestalt eines Mannes, einer 
Frau, eines Greises oder Kindes, händigt eine Schrift dem 
Abgesandten ein und verschwindet. Sein Orakel trifft stets 
ein. Am 30. Tage des zwölften Monats werden ihm alljährlich 
hundert eiserne Aexte dargebracht. Die Aexte der früheren 
Jahre verschwinden stets. Dieser Genius warnte einst den 
Statthalter Nguy6n dang giai, der auf einem Feldzug gegen 
Rebellen begriffen war, umzukehren, weil seine Lebenszeit 
abgelaufen sei. Der Gouverneur Vifem wollte die mittlere 
Stufe ersteigen und Hess sich hiezu einen Weg durch drei- 
hundert Soldaten bahnen. Nach fünftägiger Arbeit waren sie 
noch nicht weit vorgerückt, als der Genius des Berges dem 
Gouverneur erschien und ihm befahl, umzukehren, da der 
Berggipfel der Wohnort der Geister sei und von Menschen 
nicht betreten werden dürfe. Wer dawider handle, müsse 
sterben. Vifem kehrte um. 

Es gibt auch weibliche Berggeister. In der Provinz Binh 
thuän wohnt auf einem Berge an der Strasse, welche von 
Baria nach Binh thuän und Hufe führt, ein weiblicher Geist, 



^) Landes, Contes 7 ff . 

2) Landes 1. c, 19. Es gibt zwei Dynastien Ly, die eine 541 — 603, 
die spätere loio— 1225 (Landes, 12). 



— 127 — 

Hi, welchem die Reisenden grosse Verehrung bezeugen und 
opfern. Wenn Jemand, mit schönen Kleidern angethan, vor- 
übergeht oder hochmüthige Worte in deren Nähe ausspricht, 
so wird er gestraft. *) 

Eine andere berühmte Pagode in der Provinz Ninh 
binh ist der Berg Than phu, auf welchen zur Zeit des Le 
thai to (des Gründers der Dynastie Le, c. 1428) die Tochter 
des Himmelskaisers, die Prinzessin Lieu, verbannt wurde. ^) 
Sie gebar dort den wegen seines Witzes durch viele Sagen 
berühmten trang (Doctor ersten Grades) Quinh. Ihr wurde 
später auch ein Tempel auf dem Berge Cung däne (Palais 
des amours) errichtet, an welch letzterem Orte sie vielfach 
ihre Macht ausübte. 

In der Provinz Nghe an findet sich beim Dorfe H6a 
duc ein Berg, Däutu9ng^) (Elephantenkopf), in unmittelbarer 
Nähe des Meeres. Auf diesem Berge steht ein Felsen von 
der Form einer Glocke, ein anderer ist wie eine Cymbel ge- 
staltet. Ein Freigeist schlug im Vorübergehen auf dieselben, 
so dass sie einen lauten Klang gaben. Da stieg aus dem 
Wasser ein Mann von schrecklichem Aussehen, mit einem 
rothen Kleide und einem Säbel in der Faust und hypnotisirte 
den Frevler zur Strafe und Warnung, so dass er versteinert 
wurde. Ein gleiches Schicksal erlitt ein gewisser Ngü, weil 
er frevelhaft von zwei anderen Felsen desselben Berges, von 
denen der eine phallische Gestalt besitzt, gesprochen hatte. 

Auf dem Berge Hoanh so'n (Provinz Quang binh) wächst 
ein kostbarer Baum, der weisse Chö (sao? Landes). Die 
Fürsten der Unterwelt erregen alljährlich Stürme, um die 
entwurzelten Stämme sammeln zu können. Wegen der Vor- 
liebe der höllischen Mächte für diese Holzgattung wird die- 
selbe nicht zu Bauten verwendet. Nach M. Aymonnier wird 
das Eichenholz, genannt Koki, von den Laos nur zu Kähnen 
und Särgen verwendet.-*) 



') Landes 1. c, 97. 
') Landes 1. c, 71. 
^) Landes 1. c, 47. 
*) Landes 1. c, 86. 



— 128 — 

Als Himmel und Erde zu existiren anfingen,^) lebten 
der Herrscher Khong-16 und die Frau Giäc hai. , ,Khong-16 
wollte Giäc ha! heiraten und machte ihr seine Aufwartung. 
Die Frau sagte ihm: Wenn Du mich heiraten willst, musst 
Du in 4rei Tagen einen Berg errichten, der so hoch ist, dass 
man von seinem Gipfel aus die ganze Erde sehen kann. Ich 
werde auch einen solchen errichten und Dich heiraten, wenn 
der Deine ebenso hoch ist wie der meine. 

Khong 16 ging auf den Vorschlag ein und errichtete in 
drei Tagen den Berg; die? Frau hatte ihrerseits auch einen 
solchen aufgebaut, doch erwies sich der des Khong 16 als 
etwas niedriger, worauf die Frau ihn mit Fusstritten zerstörte 
und dem Khong 16 befahl, einen neuen aufzubauen. Sie selbst 
zog sich auf ihren Berg zurück, um Busse zu üben. 

Dies ist der Ursprung des Berges Täyninh. Er heisst 
auch Nui bä Den, Berg der Frau Den (den, schwarz), und ist 
der höchste Berg von Untercochinchina.^) Die daselbst befind- 
liche Pagode, ein altes Hinduheiligthum, steht hoch in Ehren 
und wird viel besucht. Die Bewohner des Täyninh wie die Pilger 
sprechen nicht das Wort den aus, sondern ersetzen dasselbe 
durch thäm. Gläubige Pilger mit reinem Herzen fühlen sich 
bei der Annäherung an das Heiligthum neu belebt; die An,- 
dern sehen dasselbe in stets weiterer Entfernung. Man nennt 
dasselbe Di^n bä (Palast der Frau); die Zauberer und Prie- 
sterinnen behaupten, dort Busse verrichtet zu haben. 

Dem Khong-16 wird auch die Errichtung von neun 
anderen Hügeln zugeschrieben. Sie sind aus den Resten der 
für den grossen Berg verwendeten Erde durch Abreissen 
der Stricke, an welchen seine Körbe hingen, entstanden. 

Khong-16 machte der auf ihren Berg zurückgezogenen 
Frau neue Heiratsanträge. Sie willigte unter der Bedingung 
ein, dass er, von hundert Personen begleitet, um sie freien 
solle. Khong 16 machte sich mit seinem Gefolge auf den 
Weg, wurde jedoch durch einen Fluss aufgehalten. Er reichte 



') Landes 1. c, I2i. 
'-) Landes 1. c, 344. 



— 129 — 

einen Stock über denselben, mittels dessen fünfzig ohne 
Schaden hinüberkamen. Dann entstand eine unerwartete Er- 
schütterung, durch welche die übrigen in den Fluss stürzten 
und von der Frau gerettet wurden. Sie befahl nun dem Khong- 
16, einen grossen Kieselblock herbeizuschaffen, auf dem sie 
sich trocknen sollten, verweigerte jedoch die Heirat. Da zog 
Khong-16 wüthend ab und errichtete überall Berge. Dies ist 
der Ursprung der Berge von Untercochinchina. 

Wir finden auch bei den Annamiten jene chinesischen 
Vorstellungen, vermöge welcher die Unebenheiten der Erd- 
rinde mit den Repräsentanten des männlichen und weiblichen 
Naturprincips, dem bläulichen Drachen und dem weissen 
Tiger in Verbindung gesetzt werden. Die Körper, Glieder, die 
Adern des Drachen werden durch die Höhenzüge dargestellt. 
Es gilt, die günstigsten Stellen nicht blos für die Häuser, 
sondern auch für die Gräber auszusuchen. Dies sind jene 
Körpertheile, in denen die Lebensenergie der Drachen am 
lebhaftesten und von anderen Einflüssen ungestört ist. Für 
diesen Standpunkt ist die »Geschichte des Cao Bi^n« sehr 
lehrreich, welche Landes, 25 ff. mittheilt. Dieser Zauberer 
trägt, um König zu werden, die Asche des Vaters seines 
Schwiegersohnes nach Annam und lässt dieselbe durch einen 
Schüler in ein in einem Flusse gelegenes Drachenmaul legen. 
Doch wird er von diesem betrogen. Der Schüler legt die 
Gebeine seines eigenen Vaters in das Maul, die von Cao Bi^n 
ihm übergebene Asche in die Ohren des Drachen, wo die- 
selbe von Wind und Wellen sofort zerstreut wird. Der 
Schwiegersohn wird dadurch, dass seine Frau ihm drei Dä- 
monen gebärt, zur Missachtung der von Cao Bi^n ihm er- 
theilten Vorschriften verleitet, worauf Cao Bi^n ihn sowie den 
verrätherischen Schüler tödtet. Er sucht dann alle für Zauber- 
künste günstigen Höhlen Annams auf, um ihre magische Kraft 
zu zerstören. Er geht nach Ngh^ und in die an der Spitze 
eines »Drachenhaupt« genannten Berges gelegene Höhle und 
entzaubert sie, so dass jedes Leben auf dem Berge erstarb, und 
nichts darauf wuchs. Den Drachen, in dessen Maul die Asche 
des Vaters seines Schwiegersohnes hingelegt wurde, tödtete 

V. Andrian, Höhencultus. 9 



— 130 — 

er mit den Worten: Wenn ich nicht König werden kann, 
soll Niemand es werden. Nur in der Provinz Thankhoa, wo 
sich auch eine Höhle mit einem lahmen Drachen befand, 
welcher seiner Meinung nach keinen König machen konnte, 
wurde nichts angerührt. Aus dieser Höhle stammen alle an- 
namitischen Dynastien. 

Berge und Berghöhlen sind aus den angeführten Grün- 
den Gegenstände abergläubischer Verehrung, weil von ihnen 
magische Einflüsse auf die in deren Nähe wohnende Bevöl- 
kerung ausgehen. Bei dem Dorfe Hünle ist ein Berg, welcher 
die Gestalt eines liegenden Elephanten hat und Elephanten- 
kopf heisst. Dieses Dorf hatte unter der Dynastie Le acht- 
zehn Generale geliefert; diese kriegerische Anlage der Bevöl- 
kerung wird der Einwirkung des Berges zugeschrieben. Da- 
mit das Dorf nicht ferner Krieger liefere, Hess der Eroberer 
von Tongking, Gia long, die Ohren des Elephantenkopfes 
abschneiden und einen Canal durch den Berg führen, aus 
dem die ganz rothen Gewässer ablaufen. Es entstand eine 
Höhle, welche von einem Einwohner von Hura le besucht 
wird. Er findet ein junges Mädchen, welche eine Nenuphai'- 
blume hält. Sie übergibt ihm diese Blume, worauf er sich 
von wilden Thieren und Dämonen umringt sieht. ') Zahlreiche 
andere Legenden enthalten auch Anspielungen auf Höhlen, 
welche mit Schätzen gefüllt sind. 

Es ist daher wohl erklärlich, wenn wir bei gewissen Heilig- 
thümern sogar künstliche Grotten finden. So z. B. auf dem 
bereits erwähnten Berge Täyninh das eigentliche Sanctuarium 
der Göttin Ba den. Die daselbst überlieferte Tradition behauptet, 
dass dasselbe von den Annamiten, von den Cambodjen und 
noch früher von den Cham benützt worden sei. Ueber der jetzt 
besuchten Pagode befinden sich andere Löcher, welche Hang- 
Cham, Löcher der Cham, heissen.^) Es wäre daher möglich, 
dass wir es hier mit einem uralten, den späteren Anschauungen 
der Chinesen angepassten Cultus der Aboriginer zu thun haben. 



') Landes 1. c., 270. 
2) Landes I. c, 384. 



— 131 — 

Khamen (Khmer). 

Nach der Ansicht der Khmer sind Wälder, besonders 
aber Berge von bösen Dämonen bewohnt. Sie erregen denen, 
welche daselbst verweilen, unheilbare Krankheiten. ^) 

Die Prinzen und hohen Würdenträger von Cambodja 
schwören in die Hände der Brahmanen (nicht der buddhisti- 
schen Priester) den Eid der Treue gegenüber dem Monarchen. 
Dabei werden als Zeugen angerufen nicht blos Brahma, 
Vishnu, Qliva, Kali, sondern auch die Geister der Wälder, 
des Meeres, der Flüsse, der Inseln, der Berge, die Dämonen, 
Riesen, Sonne, der Mond, das Feuer, der Regen, der Wind, 

U. S. W.2) 

Die oft bei den Khmers vorkommende Benennung Cüc 
(Grotte) für ihre Tempel leitet Moura aus einer Epoche ab, 
in welcher die Gottheiten in Höhlen verehrt wurden.^) In 
einer Höhle am Abhänge des Phnom-banan (Battambang) be- 
findet sich das Idol des Praa-tuc (des Wassergeistes). "•) 

Bei den Khmers findet man Buddha, Vishnu und Qiva 
neben den Neac-tas (Nagas) verehrt, obwohl der Buddhismus 
die officielle Religion ist. 

Eines der ältesten Feste der Cambodjen, ^) bei welchem 
jedoch nicht die Bonzen, sondern die Baku (Brahmanen, Guru) 
interveniren, ist von Moura, Cambodge, I, 182 ff. unter dem 
Namen >la tonte du toupet des enfants« beschrieben. Es wurde 
nach der Tradition von Qiva gestiftet, der diese Ceremonie 
auf dem Kailäsa (Phnom-Keylas) an seinem Enkel, dem Sohne 
von Ganesa, vornahm. Es kann im 11., 13., 15. Jahre des 
Kindes gefeiert werden (gerade Jahre und Tage sind unglück- 
bringend). 

Im Ehrenhofe des königlichen Palastes wird ein künst- 
liches Relief des Kailäsa errichtet. Auf dem obersten Plateau 

*) Moura, Royaume du Cambodge, I, i8o. 

2) Moura 1. c, II, 222. 

3) Moura 1. c, II, 297. 
*) Moura 1. c, II, 397. 
5) Moura 1. c, I, 183. 

9* 



— 132 — 

desselben steht ein Pavillon, um welches eine geweihte Baum- 
wollenschnur gespannt ist, damit die bösen Geister die Cere- 
monie nicht stören können. Bezüglich der weiteren, mit dem 
Höhencultus nicht in Verbindung stehenden Details dieses 
Festes sei auf das Original verwiesen. 

Ungefähr 300 Meter südlich der alten Hauptstadt Cam- 
bodjas, Angcor-thom, liegt ausserhalb der Stadtmauer der 
Berg Phnom-bakheng (Berg Bakheng), welcher auf seinem 
Gipfel einen Lingatempel trug. Er heisst daher in einem 
chinesischen Gesandtschaftsberichte des 13. Jahrhunderts der 
Berg Linkaa-po-pho. Gegenwärtig sieht man daselbst nur 
mehr eine Darstellung des Ganesa, des mächtigen Neac-ta, 
unter einem Laubdache. 

Nicht weit davon findet man einen Phrabat und sechzig 
buddhistische Stupas, ausserdem eine Kolossal-Statue des 
Brahma und mehrere gemauerte Thürme, welche noch gegen- 
wärtig als Columbarien von der Bevölkerung benützt werden.^) 

Solcher Berge, welche Tempel tragen, gibt es viele in 
der Umgegend von Angcor-thom. Einige Meilen im Osten 
der Hauptstadt liegt der Berg Phnom-boo mit einem aus drei 
Thürmen bestehenden Heiligthum; dasselbe enthielt eine sehr 
schöne Brahmastatue, welche gegenwärtig im Mus^e Khmer ist.^) 

Die kleine Sandsteinkette Phnom-culen (culen = letschi, 
eine aus China importirte Pflanze) ONO. Angcor-thom ist 
zum Theile zu kolossalen Darstellungen des Buddha, des 
Phrabat und anderer buddhistischer Embleme ausgearbeitet. 
Solche Sculpturen finden sich theils an den Abhängen, theils 
am Fusse des Berges. Das Gleiche ist bei einem Ausläufer 
des Phnom-culen, genannt Phnom-thnam (Berg der Medica- 
mente) der Fall. An letzterem findet sich eine Statue des 
aussätzigen Königs (Kuvera?).^) 

Der Phnom-crom (umgestürzter Berg), am Nordende des 
Sees Tonli-sap, trägt ein Heiligthum des Brahma, ganz ähn- 
lich jenem des Phnom-boo. Es soll der Berg sein, welchen 

*) Moura, Cambodge, II, 367 ft. 
-) Moura 1. c, II, 372. 
») Moura 1. c. II, 372 f. 



— 133 — 

Hanuman in das Lager des Rama brachte und mit der Spitze 
nach unten fallen liessJ) 

In dem gegenwärtig zu Siam gehörigen Vicekönigreiche 
Battambang finden sich noch viele Monumente der Khmers, 
von denen viele auf Bergen gelegen sind (Banan u. s. w.).^ 

In der südlich der jetzigen Hauptstadt gelegenen Pro- 
vinz Bati liegen auf natürlichen und künstlichen Erhebungen 
alte Heiligthümer des Vishnu, Ganesa, Kuvera, Qiva, Brahma, 
der Kali, welche jedoch fast immer auch Embleme des Bud- 
dhismus aufweisen.^ 



Malayen. 



Reichen die anthropologischen Verwandtschaften der 
Malayen nach Bastian über die indischen Halbinseln hinauf 
bis nach Assam, so können die Analogien für deren religiöse 
Vorstellungen noch weiter gegen Norden verfolgt werden. Der 
Ahnencult bildet den Angelpunkt der malayischen Religionen. 
Die Verehrung der Elementargeister wird nach den Gesetzen 
des Animismus direct mit dem Ahnencult zusammengeworfen. 
Die. Elementargeister heissen an vielen Orten Mantus (Anitos). 
Wie Taylor bezüglich der Polynesier, vermuthet Blumentritt, 
dass die Verehrung der Ahnen die eigentliche Religion der 
Malayen der Philippinnen gewesen sei, und dass deren Götter 
die Stammväter-Ahnen der einzelnen Stämme sind. Die man- 
nigfachen Wandlungen der »Devata's« bei den Batta's, Dajak, 
Bissayiem u. s. w., der Anito's auf den Molukken und den 
Bandainseln u. s. w., die greifbaren Uebergänge des Ahnen- 
begriffs in die Vorstellungen einer obersten Gottheit dürften es 
gestatten, eine solche Erweiterung des primitiven Animismus 
zu höheren polytheistischen Gestalten auch für einen grösseren 
Theil der Malayen anzunehmen. 



') Moura, Cambodge, II, 374. 
2) Moura 1. c, II, 378. 
^) Moura 1. c, II, 356 flf. 



— 134 — 

Eine selbstständige und consequente Fortentwickelung 
des nationalen Ahnencults können wir jedoch bei den Malayen 
kaum voraussetzen. Es dürfte nicht über Anläufe zu einer 
solchen hinausgekommen sein, da die grösseren Volksgruppen 
derselben früh fremden culturellen und religiösen Einflüssen 
ausgesetzt waren. Der Qivaismus, der Buddhismus, sowie die 
Lehre des Muhammed, auch das Christenthum (bei den Al- 
furen, nach Riedel) haben in grösserem oder geringerem Grade 
zur Ausbildung zusammenhängender Kosmogonien wie höherer 
Göttergestalten beigetragen. Diese Religionen konnten aller- 
dings nur in gänzlicher Degeneration und mit möglichster 
Anpassung an die primitiven Volksreligionen Eingang finden. 
Analog den bereits oft geschilderten Variationen der physi- 
schen Beschaffenheit der Malayen, ergibt sich eine durch geo- 
graphische, sociale und historische Momente bedingte ausser- 
ordentliche Zersplitterung der völkerpsychologischen Formen, 
deren Verständniss nur durch genauesten Einblick in die De- 
tails möglich sein dürfte. 

Wir treffen die zwei differenten Vorstellungsschichten 
bezüglich der Berge an, welche wir bei anderen Völkern 
kennen gelernt haben. Die Berggeister sind auch bei den 
Malayen Naturgeister und Seelen abgestorbener Menschen. 
Einige Formen der Manenverehrung knüpfen dagegen offen- 
bar an indische Vorstellungen und Mythen an. So ist vor 
Allem der Mythus von der Butterung des Oceans zu einer 
Kosmogonie über die Entstehung der Berge Javas verarbeitet. 
Die Sitze der Seelen der Vornehmen auf hohen Bergen 
dürften der Idee vom Kailäsa entsprungen sein. Dem Brah- 
manismus angehörige Vorstellungen werden wir bei den Orang- 
bukit begegnen. Der Sinnalu auf Celebes ist mit dem gleich- 
namigen Repräsentanten des Meru bei den Laos identisch. 
Ob dasselbe für den Kinnibalu in Nord-Borneo gilt, mag da- 
hingestellt bleiben. 

Der Schlangencult der Malayen, welcher nach Blumen- 
tritt überhaupt auf den Philippinnen fehlt, hat jede Beziehung 
zu den Wolken eingebüsst. Die Näga's gelten als Repräsen- 
tanten der vulkanischen Kräfte unter der Erde. Doch sollen 



— 135 — 

in chinesischer Weise die Bergformen manchmal auf Drachen 
gedeutet werden (Waitz, Naturv., V, 167). 

Als erstes Beispiel wählen wir die Battas auf Suniatra, 
deren Beeinflussung durch den Buddhismus bereits von W. 
V. Humboldt erkannt wurde. ^) Bezüglich der obersten Götter- 
welt derselben, der Gliederung des Himmels wie der Erde 
in die sieben Zonen, deren oberste jenen zum Wohnsitz die- 
nen, kann auf Hagen '^) und Waitz, ^) sowie auf die bei diesen 
Autoren aufgezählte Litteratur verwiesen werden. 

In den unteren Himmeln wohnen niedere Götter, gute 
und böse Geister, welche die eigentliche Weltregierung führen. 
Auch die Unterwelt wird von bösen, besonders gefürchteten 
Geistern bewohnt. Von diesen niederen Gottheiten sei nur 
der oberste böse Geist mit seinem Begleiter, dem Vogel 
Garuda, der im zweiten Himmel wohnt, hervorgehoben. Der 
weibliche böse Geist bewohnt den ersten Himmel. Unter 
diesen Göttern stehen die eigentlichen Naturgeister der Berge, 
Wälder, Höhlen, Gewässer u. s. w. 

Als Vermittler im Verkehre mit den Göttern dient der 
Guru. 

Von den bösen Geistern sind die Begu die gefürch- 
tetsten. Sie repräsentiren die Zwietracht und die Hauptkrank- 
heiten und schweifen, ebenso wie die Seelen der Bösen, 
ruhelos unter verschiedenen Gestalten umher, halten sich 
jedoch oft und mit Vorliebe auf niederen Bergen auf. 

Die zwei im Körper wohnenden Seelen der guten Men- 
schen gelangen, sowie jene von grossen Häuptlingen, alsSuman- 
gots auf die Spitzen hoher Berge und leben daselbst in einem 
unsichtbaren Lande. Das Gleiche gilt von den Seelen Jener, 
die nicht natürlichen Todes gestorben sind (Junghuhn). Diese 
guten Geister steigen zwar zuweilen herab von ihren Bergen 
und kehren zurück in ihre frühere Wohnung, besonders wenn 
Jemand von ihren Angehörigen krank ist, um ihnen Gutes 
zu erweisen und den Begu, dessen Gewalt geringer ist als die 

^) W. V. Humboldt, Kawi-Sprache, I, 246. 

') Vgl. Hagen, Beitr. z. Kenntn. d. Battareligion, 9. 

^) Waitz, Anthr. Naturv., V, 192 und Hagen 1. c. 



— 136 — 

ihrige, zu vertreiben. Sie werden jedoch auch als launische 
Geister gefürchtet, und Niemand wagt es, ihr Gebiet, d, i. die 
Bergspitze zu besteigen.') 

Nach Hagen wohnen auch die Seelen derer, welche 
weder gut noch böse gelebt haben, auf Baumwipfeln und 
Bergspitzen, jedoch nicht für ewig. Nachdem Debada sieben- 
mal die Form, in welche die Seele gefahren ist, zerbrochen 
hat, können jedoch auch sie in die ewigen Freuden ein- 
gehen/^) Bemerkenswerth ist auch, dass die Seelen der bei 
der Geburt verstorbenen Kinder als Batara-Guru bezeichnet 
werden. ^) 

Ausser den S chutz geistern (Bagar) gibt es noch eine 
selbstständige Gruppe des Geisterreiches, die Sombaons. Es 
sind weise und mächtige Geister von verschiedenem Range, 
von denen Jeder ein bestimmtes Gebiet, eine Bergspitze, 
einen Baumwipfel, einen Wald u. s. w. innehat. Die Leute, 
welche von den Vulcanen Pusuk (übelriechend) Bukit (Berg) 
und Simanabum Schwefel holen, nehmen stets als Opfer 
für die daselbst hausenden Sombaons einen weissen Ziegen- 
bock mit. Als Hagen den Vulcan Gunong Sipaiak besteigen 
wollte, musste er versprechen, oben ein weisses Huhn zu 
schlachten. Als Junghuhn den Lubu Radja, den höchsten 
Berg der Battaländer, bestieg, musste er vorausgehen. Der 
Gipfel wurde mit Benzoe geräuchert und eine feierliche An- 
rede an den Gott Boru (weiblichen Sombaon) gehalten. 

Auf einem Berggipfel können mehrere Sombaons und 
noch andere Geister wohnen. Auf dem Vulcan Pusuk Bukit 
wohnt ein vornehmer Geist, ein Anak (Kind Gottes) Nebata, 
ferner ein geringerer, welche beide den Berg hüten. Ein 
dritter böser Geist, Radja Persoangan, hütet die daselbst be- 
findlichen Schwefelfelder. ^) Alle Berggipfel ohne Ausnahme 
sind von solchen Geistern bewohnt.^) 



^) Junghuhn, Battaländer, II, 249 ff. 

-) Hagen, Beitr., 17 f. 

'^) Bastian, Molukken, X, nach Hagen. 

*) Hagen 1. c, 32. 

5) Hagen, Rapport über eine 1883 unternommene Reise a. d. Tobasee,45. 



— 137 — 

Die Sombaons, welche in der Tiefe der Seen leben, 
werden auch Naga genannt, i) Im Tobasee sind deren zwei, 
ein männlicher und ein weiblicher. 

Die Passumaher, im südlichen Sumatra, werden von 
Junghuhn zu den Batta's gestellt; sie selbst halten sich für 
die Abkömmlinge von Javanen aus Palembang. Die bösen 
(Djin) und guten Geister (Dewas) sind unsterblich gewordene 
Seelen ihrer Vorfahren, welche sich rächen, wenn die von 
ihnen eingesetzten Gebräuche vernachlässigt werden. Beide 
wohnen auf Bergspitzen, doch auch in Wäldern, Strömen 
und der Ficus religiosa. Auf dem Gunung Dempo wohnen 
zwanzig Devas.*) In schwierigen Zeiten steigen sie auf den 
Kraterrand und bringen daselbst eine bis zwei Nächte zu; 
alle drei Jahre begibt sich eine Anzahl nach der Sawah 
(Platz unter dem Kegel), um zu opfern, •^) weil im Durchschnitt 
alle drei Jahre ein verheerender Schwefelregen fällt. Diese 
Anhäufung von Devas ist um so bemerkenswerther, als nach 
einer Chronik des Sejara Malayu der Maha Meru ebenfalls 
in die Palembang gegen Südwest begrenzende Vulcankette 
verlegt wird, ein Fluss Malayu von demselben entspringen 
soll, und der Name des Malayenvolkes hievon abgeleitet 
wird. *) 

Einer der seltsamsten Berge Sumatras, der Cerillo Pik, 
am linken Ufer des^Inim, wird nach Forbes (1. c, I, 205) mit 
abergläubischer Furcht betrachtet. Die Eingebornen machen 
weite Reisen, um den daselbst hausenden Deva zu sprechen. 
Da dessen schroffe Spitze unzugänglich ist, ersteigen sie die 
höchste erreichbare Stelle und verrichten dort ihre Ceremo- 
nien. Auch der Vulcan Kaba in Palembang hat einen be- 
rühmten Deva (Forbes). Bezüglich des Palakir vergleiche man 
Bastian's Reisen, V, 139. 



') Hagen, Beitr., 32. 

-) Junghahn I.e., II, 308. 

3) Forbes, Wanderungen, I, 213. 

*) Waitz, Anthr. Naturv., V, i, 116 



- 138 - 

Von den Orang Kubu ^) und von den Niassern^) wissen 
wir vorläufig nur, dass sie ebenfalls gute und böse Geister, 
ganz besonders aber die Geister ihrer Vorfahren verehren 
und bei der Bestattung der Vornehmeren Menschenopfer dar- 
bringen. Auch sind die südlichen Niasser Kopfschneller, die 
nördlichen nicht. Ueber Höhencultus konnte ich nichts finden, 
obgleich die Bewohner der Insel Niassa auch in neueren 
holländischen Arbeiten wiederholt geschildert wurden. Nach 
Junghuhn (Battaländer, II, 302) glauben die Niasser, dass sich 
die Todten in der Unterwelt aufhalten. Der Sitz ihrer obersten 
Gottheit Lubu langi ist der Wind. Die Gottheit selbst wird 
als ein im Luftrauni schwebender Baum gedacht, dessen 
Früchte, wenn sie ins Leere fallen, Geister werden; die auf 
die Erde gefallenen wurden die Stammeltern der gegen^ 
wärtigen Bevölkerung. ^) 

Die Bewohner der Insel Banca haben trotz ihrer Be- 
kehrung zum Muhammedanismus ihren alten Naturdienst bei- 
behalten. Wälder, Berge, Felsen, Flüsse haben ihre beson- 
deren Nantus (Geister), denen geopfert und mit welchen durch 
Zauberformeln der Verkehr unterhalten wird. (Beziehungen 
zu den Orang benua wahrscheinlich.)^) 

Besonders primitiv scheinen die Vorstellungen der Be- 
wohner der Mentawi-Inseln und von Engano zu sein. Doch 
deutet der auf der erstgenannten Gruppe gebräuchliche Name 
für die so gefürchteten Elementargeister Sinatu noch immer 
auf den Zusammenhang mit den anderen Malayen (Anitu), 
obwohl weder von Ahnen- noch von Bergcultus berichtet 
wird. In Engano ist besonders ein Steinblock gefürchtet. Wer 
daran stösst, bekommt einen Leibschaden. ^) Auch die Schlange 
wird gefürchtet. 

Besonders zuverlässige und ausführliche Angaben hat 
Metzger über die religiösen Vorstellungen der Javanen und 

') Waitz 1. c, 180. 

2) Junghuhn, Battaländer, 11, 302. 

3) Rosenberg, Malayische Archipel, 174 ft. 
*) Waitz, Anthr. Th., V, i, 182. 

'») Rosenberg 1. c, 198, 216. 



— 139 — 

Sundanesen geliefert J) Sie stellen die höchste Entwicklungs- 
stufe malayischer Mythologie in ihrer Verschmelzung mit 
brahmanischen Anschauungen dar und verdienen daher eine 
eingehendere Besprechung. 

Nach den kosmogonischen Vorstellungen der genannten 
Volksgruppen ist die Erde aus einem Chaos der Elemente 
entstanden, in welchem das Weltei schwebte. Wiseso, wel- 
cher die höchste übernatürliche Kraft besass, wie sie nur 
durch die strengste Absonderung erhalten wird, Hess aus 
dieser Kugel Himmel und Erde, Sonne und Mond, Tag und 
Nacht entstehen, und gab ihnen Namen. Dem Tag (Manik) 
schenkte Wiseso die Herrschaft über die Welt und die Kraft, 
um Alles zu erzeugen. Er sollte heissen Sang-iwang Guru, auch 
wurden ihm viele andere Namen, unter anderen der Name 
Bathoro Guru zu Theil. Unter des letzteren Herrschaft trennten 
sich Erde und Luft, die Erde blieb den Wellen und den 
Winden, die aus der Luft und dem Innern der Erde kamen, 
zum Spiel; es trennte sich Java los und wurde in der Mitte 
der Erde festgenagelt (der Hügel Tidar bei Mageban ist der 
Nagel), Sonne und Mond bekamen ihren jetzigen Lauf. 

Nun wurden durch Wiseso, auf die Bitte Bathoro Guru's, 
neun Söhne und vier Töchter und andere Götter geschaffen. 
Unter diesen letzteren ist Hempo Romadhi (Vulcan); seine 
Werkstatt war da, wo jetzt der Vulcan Merapi liegt. Auch 
wurde das Land verdickt, es entstanden sieben durch Dä- 
monen bewachte Unterwelten. Sie alle werden von Honto- 
bogo, der grossen Schlange, beherrscht, welche die Welt auf 
dem Rücken trägt; eine Bewegung von ihr erzeugt Erdbeben. 

Auch die Berge wurden geschaffen. Um das bisher von 
den Meereswellen überspülte Land zu erhöhen, schuf Bathoro 
Guru im Westen der Insel einen Berg, der aber so gross 
ausfiel, dass die Thiere des Waldes daran in die Höhe klet- 
terten und die Sterne raubten. Der westliche Theil der Insel 



1) Metzger, Globus, XLIV, 184 ff. Vgl. Bastian, Molukken, X: »Ba- 
tara Guru entspricht auf der höheren Stufe Sang- Yang Wiseso's derjenigen Form 
(Jiva's im Maha-Rüsi, welche durch Maha-Muni in Sakyamuni überleitet.« 



— 140 — 

senkte sich unter dessen Last so, dass der östliche Theil fast 
zum Himmel reichte. Nun rief Bathoro Guru die anderen 
Götter herbei, um ihm zu helfen, den Berg wieder abzu- 
brechen. Der eine derselben machte sich zur Trage, der 
andere zum Tragstock, der dritte zum Tau, Bathoro WiSnu 
(einer der ältesten Söhne) verlängerte sich bis an die Spitze 
des Berges, um dieselbe abzubrechen. Die Arbeit und die 
scharfen Blicke des Sonnengottes Suryo ermüdeten die Götter. 
Als sie aus einem an dem Berge herabrieselnden Bache 
tranken, fielen sie todt nieder; nur Bathoro Guru gab den 
vergifteten Trunk wieder von sich und bekam einen Fleck 
am Hals davon, weshalb er den Namen Nilo Kontho (Blau- 
hals) erhielt. Bathoro war nun allein und irrte rathlos um 
den Berg. Da stieg Wiseso aus dem Himmel und zeigte ihm 
eine andere Quelle und sagte: Dies ist das Lebenswasser 
und daneben wächst der Lebensbaum, die beide bestanden, 
ehe die Götter existirten. Bis jetzt sind letztere noch Krank- 
heit und Tod unterworfen gewesen, weil sie das Lebens- 
wasser noch nicht kannten; wenn sie aber davon getrunken 
haben, werden sie unsterblich sein und keine Krankheit mehr 
zu fürchten haben. Bathoro Guru trank davon, bespritzte die 
todten Götter, welche wieder lebendig wurden, und die Arbeit 
wurde wiederum begonnen. Mit grösster Anstrengung wurde 
der Berg von seiner Stelle entfernt, während der Fortbewe- 
gung fielen Brocken ab, so erhielt Java seine gegenwärtige 
Gestalt. Die Erde, welche an der Bruchstelle sitzen geblieben 
war, bildete die Berge in West-Bantam, den Karang, Tompo 
und Pulusari; ein Theil, welcher abfiel, ehe man noch Ban- 
tam verlassen hatte, bildete den Gedeh; andere Brocken bil- 
deten den Tjirelah (Tjermai), den Pragaoto (Slamat), den 
Dieng, die Zwillingsvulcane Sumbing und Sindoro. 

Als die Götter nach der Mitte von Java gekommen 
waren, ruhten sie ermüdet aus; der Seh weiss floss in Strömen 
von ihrem Körper und bildete die Flüsse Ello und Progo. 
Auf neues Zureden des Bathoro Guru und Versprechen des 
Lebenswassers wurde die Reise fortgesetzt; losgelöste Brocken 
bildeten die Berge Merapi und Miripei (auf der Werkstatt 



— 141 — 

Hempo Romadhi's), den Lawu, den Wilis, endlich warfen 
die ermüdeten Götter den Rest nach dem Osten und Norden 
vor sich hin, wodurch die anderen Berge Javas entstanden. 
Die Spitze des Berges setzten sie auf den Mahameru; so 
entstand der heutige Smeru, der höchste Berg Javas, dessen 
Spitze den Himmel erreicht. Auf diesem Berg Hess sich Ba- 
thoro Guru ein Schloss, den Himmel, erbauen, welches der 
Wohnung Sang-iwang Wiseso's im Suroindro buwono (dem 
obersten Himmel) gleichkam. 

Neben dieser Kosmogonie gibt es noch andere Sagen 
über die Entstehung einzelner Berge. So sollen die Berge, 
welche Krawang von den Preangern trennen, durch den Sohn 
eines Fürsten von Galu, Sang Kuriang, gebildet worden sein. 
Derselbe hatte sich in seine Mutter verliebt und wollte sie 
heiraten; die Mutter legte ihm unmögliche Leistungen als Be- 
dingung zu ihrer Einwilligung auf. Als er dies erkannte, ver- 
barg er sich aus Aerger hierüber in dem Gunung Bohong 
(den Berg des Betrugs) und verwandelte die bereits fertig 
gemachten Gegenstände in Hügel und Berge. ') 

Unter den zahllosen bösen und guten Geistern, welche 
die Javanen und Sundanesen, trotz des Islam, verehren, ge- 
hören die Berggeister zu den gefürchtetsten, d. h. bösesten 
Geistern. Dies gilt besonders von denen, welche die Krater 
der Vulcane bewohnen. Auf dem Tjerimai machte Metzger 
den Versuch, in den einige hundert Fuss tiefen Krater hinab- 
zusteigen, aber er konnte keinen Eingebornen bewegen, ihn 
zu begleiten, bis er nicht den Kratergeist durch ein Opfer 
einiger in den Krater geworfener blanker Silberstücke besänf- 
tigt hatte. Kein Eingeborner wagte es, oben auf den Krater- 
rändern einiger Vulcane ein natürliches Bedürfniss zu befrie- 
digen. Er stieg lieber ziemlich weit den Berg herab und 
wieder hinauf; wenn aber die Sünde nicht vermieden werden 
konnte, wurden die Excremente in einem Bambu aufgefangen, 
was sonst ganz gegen die Gewohnheit auf Java verstösst, wo 
man durchaus keine Gefässe für einen derartigen Zweck 



») Metzger 1. c, i86. 



— 142 — 

kennt. Der genannte Bambu wurde mit über die Grenze des 
Gebietes getragen, welches vom Kraterfürsten beherrscht wird. 

Durch die Triangulirungsarbeiten wurden verschiedene 
Berggipfel bekannt, deren höchste Spitze künstlich zur Opfer- 
stätte vorbereitet war; dies wird wohl auf die Hinduperiode 
zurückgeführt. Allein Metzger bemerkt mit Recht, *) dass dies 
selbst durch die daselbst aufgefundenen Hindubilder noch 
nicht erwiesen ist, da der Javane es sehr liebt, seinen Gott 
unter einem äusseren Zeichen zu verehren, und jedes Bild, 
was er bekommen kann, ihm für diesen Zweck dient. 

Nach Bastian ^) besteht auf Java die Tradition, dass auf 
jeder Bergspitze ein Einsiedler oder Tapa lebte. Wenn zwei 
Berge nahe zusammen stehen, nennen die Javanen den einen 
läki-laki (männlich), den andern pramoear (weiblich). Den 
Zalahberg in Buitenvory liebt der Sedeh. Für die Verschmel- 
zung differenter Ideenkreise ist charakteristisch, dass der Berg 
Gunung Prahu auf Java als Sitz Anjuna's, Bhima's und an- 
derer Helden betrachtet wird. Ebenso die Legende : Als Hanu- 
man sich nach Ravana's Tode nach Java zur Busse zurück- 
zog, setzte er sich auf den Hügel Kandali Gada im District 
von Ambarava bei Samarang fest, an einer noch durch einen 
Pfahl bezeichneten Stelle. In der Umgegend vermeidet man 
es stets, im Wayang die auf Rama bezüglichen Stellen auf 
die Bühne zu bringen, weil Hanuman sonst mit Steinen werfen 
würde. ^) 

Ueber den bedeutendsten der den Gurung purang bil- 
denden Felsen wurde Metzger vom Häuptling des Districts 
folgende Sage mitgetheilt: 

Deutsche Bergleute hatten dort 1722 einen Schacht auf 
Gold geschlagen. Der Berggeist war darüber ergrimmt und 
vereitelte ihre Arbeit. Als sie trotzdem dieselbe fortsetzten 
und bereits Erfolg hatten, schloss der Berggeist während 
eines in der Grube gefeierten Festes den Eingang und bannte 
die Bergleute mit Weib und Kind in den Berg, wo sie noch 

*) Metzger 1. c, 313. 

2) Bastian, Reisen, V, 138 f. 

3) Bastian 1. c, V, 153. 



— 143 — 

leben und sich denen zeigen, welche in der Nacht vom 
Donnerstag auf den Freitag in der Nähe schlafen, wie der 
Häuptling selbst erlebte. 

Einer der mächtigsten Geister ist die Njai (Ratu) Loro 
Kidul, die jungfräuliche Fürstin der Südküste, die mächtige 
Herrscherin des Indischen Oceans. ^) Sie ist der Mythe nach 
eine Tochter des Fürsten Prabu Munding Wangi, des Herr- 
schers von Padjadjaran und wurde nach dem Kumbang- 
gebirge verbannt, weil sie alle Freier abgewiesen hatte. Eine 
schmerzliche Krankheit ergriff sie daselbst und sie flehte, da 
die Götter ihr die Hilfe versagten, die bösen Geister um Lin- 
derung ihrer Schmerzen an. An der Südseeküste stieg sie 
auf einen Felsen und rief Siwa, den Vertilger, an. Da nah- 
men die bösen Geister, welche auf dem Meeresgrund hausen, 
sie auf, erwählten sie zur Königin und erbauten ihr einen 
Palast. Mit abnehmendem Monde wird sie schwach und ver- 
liert ihre Kraft; wenn er voll wird, verjüngt sie sich und 
steht in voller Schönheit und Macht da. Die Vogelnest- 
klippen und die Höhlen in den Felsen des südlichen Ge- 
stades gehören ihr. Ihr Lieblingsaufenthalt ist eine Höhle des 
Upallflusses. 

Zu den Berggeistern gehören endlich auch die Geister 
der Verstorbenen. Sie spielen als Fürsten der Berge eine 
Rolle. Auch betont Metzger, dass für Viele der Kraterschlund 
der Ort für Vollziehung der Höllenstrafen ist. 

Ein ehemaliger Fürst südlich von der Wijnkoopsbai 
(Java), Namens Boros Ngoro, soll gegenwärtig auf dem 
Berge Hiur sich aufhalten. Solcher Geister gibt es in Java 
allein viele Hunderte.^) 

Bei den Baduwis, dem von fremden Einflüssen ver- 
hältnissmässig weniger berührten Bergvolke Inner- Javas, er- 
wähnt Metzger eigentlich nichts von Höhencultus, wenn man 
nicht die terrassenweise gegliederte Hochfläche am Ufer des 
Tjiudjung als Repräsentanten desselben ansehen will, auf 

*) Metzger 1. c, 315. Vgl. auch Bastian, Reisen, V, 138. 
'^) Metzger, Baduwis auf Java, Globus XLIII, 266. 



— 144 — 

welcher, und zwar sowohl auf den Terrassen als auf dem 
Plateau mitten im dichtesten Urwalde, Steine von verschie- 
dener Grösse als Bilder ihrer Götter und Heiligen und als 
Grabsteine für ihre Ahnen vertheilt liegen und theilweise auf- 
gerichtet stehen. 1) Nach Forbes verrichten die Baduwis zu ver- 
schiedenen Jahreszeiten geheimnissvolle Ceremonien vor rohen 
Steinblöcken, welche auf Terrassen vor ihren Dörfern stehen.^) 

Auch die Karangs (Kalangs), ein vielleicht mit den Badu- 
wis verwandter Stamm Inner- Javas, verehren Steine auf Ter- 
rassen, welche um einen Hügel gebaut sind. Sie haben einen 
heiligen Hain auf dem Krsalaberge, an den sich buddhistische 
Legenden knüpfen. Man findet in demselben auch rohe Pfeiler 
im Mittelpunkt von kreisförmigen Steinhaufen, und runde Steine 
auf Platten, was auf Embleme von Qiva und Vishnu deutet. •"*) 

Auf dem Berge Dangka (Bantam) und auf den Gipfeln 
mehrerer benachbarter Höhen finden sich Vertiefungen, welche 
Felsblöcke enthalten. Die Träger, welche Forbes beglei- 
teten, wollten sie nicht betreten, weil sie fürchteten, von 
Krankheiten oder Unglück befallen zu werden. Sie sagten, 
es seien Patapahäan, Plätze für Busse und Anbetung, ge- 
weihte Orte, wohin ihre Vorväter flohen, um nicht Muham- 
medaner zu werden, und wo sie sich in unsichtbare Gestalten 
auflösten. Wenn irgend ein Unglück sie befällt, Missernte 
oder Kinderlosigkeit, begeben sich die Einwohner von Bantam, 
besonders während des Ramadan, zu diesen Höhen und 
leben daselbst tagelang in Fasten und heiliger Scheu. In 
schwerer Krankheit lassen sie als letzte Hilfe Flechten von 
den heiligen Steinen durch die verachteten Kalangs und 
Baduwis holen und glauben, dass ein Absud dieser Pflanzen 
sie von ihrem Leiden befreien werde. ^) 

Nach Bastian^) gibt es kaum eine Bergspitze auf dem 
Sundaarchipel, welche nicht einen Patapaan hätte, einen Platz 

') Metzger, Baduwis auf Java, Globus, XLIII, 281. 

'^) Forbes, Wanderungen e. Naturf. i. Malayischen Archipel, 109. 

3) Forbes 1. c, I, 104 ff., wo auch die Litteratur angegeben ist. 

*) Forbes 1. c, I, 109. 

'-*) Bastian, Reisen, V, 138 



— 145 - 

der Busse und des Gebets. Rohe Plussteine, Balai genannt, 
sind daselbst aufgehäuft. Sie sollen den Platz bezeichnen» an 
welchem jene Stammeshäuptlinge zu Geistern wurden^ 

Auf dem Gunung Danka befindet sich auch ein »ir4i- 
sches Paradies«.^) Selbst die Mohammedaner in dessen Um* 
gebung (Sadschina) lassen bei Todesfällen oder Leichen* 
b^ängnissen die Seele feierlich den Allah abschwören und 
den Weg nach dem Wohnort der Seelen ihrer Vorfahren 
einschlagen: 

»Schreite hinauf das Bett des Flusses, 

steige über des Berges Nacken, 

wo die Arenbäume stehen zu Häuf und 
die Pinangs in einer Reihe, 

dorthin richte deine Schritte und verwirf 
den Laillahglauben!« 

Jonathan Rigg hatte zehn Jahre unter diesen Leuten 
gelebt und hatte nie etwas von diesem Paradiese erfahren. 
Als er endlich davon hörte, stieg er hinauf und fand auf dem 
Gipfel nur einige Flussteine, welche zu einem heiligen Stein- 
haufen zusammengehäuft waren (Balai). Der Volksglaube, dass 
ein Tiger die Häuptlinge verschlingen würde, welche eine 
solche Verletzung des heiligen Ortes erlaubten, erhielt bald 
die Bestätigung. Wenige Tage nach Rigg's Besteigung wur- 
den zwei Kinder zerrissen. 

Von den Bewohnern Borneos seien vor Allem die Dajak 
(Oloh ngadju) ins Auge gefasst. Wie zersplittert auch die ein- 
zelnen Abtheüungen dieses Volkes sind, so kommen nach 
Waitz ^ die verschiedenen Stammessagen darin überein, dass 
sie die älteste Heimat ihres Volkes in das Innere der Insel, 
auf die Berge, verlegen. Im Süden wie im Westen ist die 
Ueberlieferung verbreitet, dass ihre Voreltern in einem gol- 
denen Fahrzeuge die Insel erreicht und zuerst sich auf den 
höchsten Berggipfeln niedergelassen hätten. Man sieht daher 



') E. Taylor, Anf. d. Cult. D. Uebers., U, 60, wo aooh die Litteratur 
angegeben. 

■'') Waitz, Anthr. Naturv., V, i, 47. 
V. Andrian, Höhencultus. 'O 



— 146 — 

oft an den Thüren der Häuser ein Schiff von wunderlicher 
Gestalt angemalt. 

Kessel ') unterscheidet die Vorstellungen der Dajaks 
von Nord- und Central-Bomeo von denen der Bewohner des 
östlichen Theiles. Bei der erstgenannten Kategorie herrscht 
neben zahlreichen aber verworrenen buddhistischen Remini- 
scenzen der Glaube an gute und böse Geister, Hantus (Anito's), 
vor. Die Anito's jagen, bauen Häuser, arbeiten wie die leben- 
den Dayaks.^) Als der Aufenthaltsort der mächtigen Geister 
werden die hohen Gebirge betrachtet. Man bringt ihnen dort 
Opfer von Hühnern und sonstiger Speise dar. Bei besonders 
wichtigen Unternehmungen bringt man drei Tage und Nächte 
auf solchen Bergen, zu, fastend und den Schutz der Geister 
anrufend. Im günstigen Falle erscheint der Gott selbst, was 
als grosse Gnade betrachtet wird. 

Die Bewohner der Gebirge Nord-Born eos, die »treu- 
losen und falschen« Dusuns,^ welche von den Malayen als 
Menschenfresser bezeichnet werden, halten den grossartigen, 
9000 Fuss hohen Gebirgsstock Kinibalu für heilig. Ein grosser 
See soll auf seinem Gipfel liegen, der von einem Naja 
(Drachengott) bewacht wurde. In der Mitte des Sees auf 
einer Insel wohne eine schöne chinesische Prinzessin, die 
vom Naja in strengster Haft gehalten wird. Viele schöne 
Prinzen haben gesucht, sie zu befreien und sich zu dem Ende 
in Vögel, Fische u. s. w. verwandelt; sie waren jedoch stets 
von dem Naja verschlungen worden. Nur einem sehr Mäch- 
tigen sei es bestimmt, die Prinzessin zu befreien. Aber dann 
droht den Dusuns grosse Gefahr, denn dann werde der See 
überfliessen und der Berg in Trümmer zerfallen. Der An- 
führer Kiniharingan, welcher die Dusuns ins Land gebracht, 
wohnt ebenfalls auf dem Berge und beschützt von dort seine 
Kinder. Die Bewohner des Dorfes Koom, das auf dem Berge 



*) Kessel, Volksst. Bomeos, Bari. Zeitschr. für Erdk., N. F., III, 395. 
Müller, Ethnogr., zweite Aufl., 353. 

*) Bastian, Timor, 109. 

') Claude de Crespigny, Reis. i. nördl. Th. v. Borneo, Berl. Zeitschr. 
. Erdk., N. F., V, 335 ff. 



— 147 — 

liegt, geben sich für die Wächter desselben aus und lassen 
Niemand hinauf. 

Die den District Dusson Timor im Südosten von Borneo 
bewohnenden OlonMaanjan (Oloh Patai, Oloh Sihong) sollen 
von den Dajaks verschieden sein; ihre Zusammengehörigkeit 
zu der malayischen Rasse wird jedoch nirgends angezweifelt. 
Hier ist der Höhencult ganz untergeordnet. ^) Der Hauptgott 
Diwata ist ein Wassergott. Ausserdem fürchten die Maanjan 
noch Wald- und Luftgeister. Unter den letzteren wird beson- 
ders der Donnergott Nanju (Nauro) geehrt. Ihm wird besonders 
ein hoher Waldbaum geweiht, und ausserdem findet man in 
jedem Hause ein ihm geweihtes Häuschen. Allerdings gibt 
es auch Geister, die in dunklen Wäldern, unzugänglichen 
Sümpfen, auf einzelnen dicht bewaldeten Bergen, Grabstätten 
u. s. w. hausen. Viele Dinge sind ihnen heilig und dürfen 
nicht gebraucht werden, d. h. sie sind padi, unerlaubt. 

Auch vom Ahnencult ist in der obenerwähnten Darstel- 
lung Grabowsky's nicht besonders die Rede, so complicirt auch 
die Leichenfeierlichkeiten dieses Volks sind. Nach der defi- 
nitiven Verbrennung (Djamä) gehen die abgeschiedenen Seelen 
in die Todtenstadt ein, kehren jedoch nach sieben Geschlech- 
tern wieder auf die Erde zurück. Bemerkenswerth ist die 
Nachfeier des Djamä, Siwah genannt, deren Haupttheil in 
einem Blutbade von geschlachteten Thieren besteht. 

Die Olon Lowangan (Südosten Borneos), welche zwi- 
schen den Olon Maanjan und den Orang Bukit die Mitte 
einnehmen, haben ein ähnliches Todtenfest, bei welchem die 
Seelen der Verstorbenen durch Tänze und Sprüche von den 
Blians (Priester) nach dem Himmel geleitet werden. Der Ein- 
gang des Himmels befindet sich auf dem Gunung Lomot, 
einem der höchsten Berggipfel des Meratusgebirges. 2) 

Bei den Orang bukit oder Bergmenschen von Mindai, 
im Südosten Borneos, treffen wir ebenfalls Gebräuche, welche 



*) Grabowsky, Ausland, 1884, 470. 
2) Grabowsky, Ausland, 1888, 583. 



— 148 ~ 

sich auf den Höhencult beziehen. Grabowsky ^) betrachtet 
diesen Stamm als versprengte Nachkommen der Olon maan- 
jan, welche die malayische Sprache angenommen haben. Sie 
glauben an einen guten allmächtigen Gott, Bahatara, der 
die Menschen, wenn sie Unrecht thun, mit Krankheit bestraft. 
Der Tod wird durch die bösen Geister Djukuts bewirkt, 
welche im Walde, in der Nähe der Begräbnissplätze Pasa- 
raaän leben. Die Todten werden auf diese Plätze getragen, 
welche meist auf einer Bergspitze im Urwalde liegen. Vom 
Eintritt des Todes bis zum Begräbnis^ wird von Zeit zu Zeit 
ein Klagegeheul angehoben, wobei die Worte tudjuh gunung 
Allau-Allau gerufen werden, d. h. gehe zum Berge Allau- 
Allaü. Von dieser vielleicht höchsten (circa 6000 Fuss hohen) 
Spitze des Meratusgebirges, die sehr weithin sichtbar, in der 
Nähe des Berges Kilai liegt, glaubten die Bukits, führe der 
Weg in den Himmel (Surga). Diese letztere Bezeichnung 
für den Himmel hängt offenbar mit dem indischen svarga 
zusammen. 

Die Rambai und Sebroeang Dajaks (zwischen dem 
Smitan und Stoengoel, linken Seitenflüssen des Kapuas) haben 
ebenfalls die Vorstellung von (guten und bösen) Hantu's. Die 
Seelen der Verstorbenen kommen auf den Berg Belimbing, 
und zwar werden die, welche hier auf Erden arm und gering 
waren, dort reich und angesehen. Sie haben Jene zu Sclaven, 
welche hier reich und angesehen waren. 2) 

Die Anito's der Philippinen Völker wohnen in Bäumen, 
im Rohrdickicht, in den Leibern von wilden (Kaiman, Wild- 
schweinen u. s. w.) und unschädlichen Thieren (Aale bei den 
Igorroten), in den Hütten, welche sie bei Lebzeiten einge- 
nommen hatten und wenigstens bei den Tagalen auf gewissen 
Bergen. Bei den Tagalen und Pampangos des 18. Jahrhun- 
derts galten auch Termitenhaufen als Wohnorte von Nonos 
(Anito's). Auffällige Felsen, Klippen, Riffe, in das Meer vor- 



») Ausland, 1885, 784. 

^) Tromp, Tjidschr. voor Ind. Taal-Land en Volkenk. XXV, 114. 



— 149 — 

springende Landspitzen galten bei den Indicrn der Conquista 
ebenfalls als Anitositze. 

Sowohl die Tagalen der Conquista als auch der Gegen- 
wart betreten kaum einen Wald oder einen Berg, ohne dass 
sie den dort hausenden Nono um Erlaubniss bitten; diese 
Ceremonie heisst pasing tabi sa nono. Von den Apostaten der 
Tagalen und Pampangos erwähnt Moyo, dass sie nicht eine 
einzige Frucht oder sonst etwas von jenen Wäldern und 
Bergen, welche als Anitositzc gelten, wegnehmen, ohne 
zuvor mit Phrasen tiefer Ehrfurcht um Erlaubniss gebeten 
zu haben, und wenn sie an einem der erwähnten heiligen 
Bäume oder Termrtenhaufen vorbeigehen, so sagen sie jedes- 
mal tapibo, d. h. mit deiner Erlaubniss, weil sie glauben, 
dass im Unterlassungsfalle der erzürnte Geist ihnen Krank- 
heit oder Tod bringen würde.^) 

Nur vorübergehend sei hinzugefügt, dass mit dem Anito- 
cult die Menschenopfer in verschiedenen Formen enge ver- 
bunden sind, und zwar nicht blos als Todtenopfer, sondern 
auch bei verschiedenen anderen Gelegenheiten. Auch ist 
charakteristisch, dass, wenigstens auf den Philippinen, die 
Anito's meistens als böse Geister gelten, die ohne Unterlass 
durch Opfer zu versöhnen sind. 

Die Verehrung der Götter tritt bei den meisten philip- 
pinischen Malayen ganz in den Hintergrund, das Umgekehrte 
findet nur bei den Manobos auf Mindanao statt. ^) 

Interessant ist der Nachweis Blumentritt's, dass der 
Glaube an böse Dämonen nur den Malayen der zweiten In- 
vasionsperiode eigen ist, zu welchen dieser Autor die Tagalen, 
Pampangos und Vicols auf Luzon, und die Visayer im gleich- 
namigen Archipel, sowie auf der Nord- und Ostküste Minda- 
naos rechnet. 

Allerdings scheint aus der nachfolgenden Darstellung 
des Dr. Montano hervorzugehen, dass der Cult einiger Dä- 
mone durch die dabei beobachteten Menschenopfer grosse 

*) Blumentritt, Mitth. d. Wiener geogr. Gcsellsch., i66. 
*) Blumentritt 1. c^ 167. 
3) Blumentritt 1. c, 176. 



- ISO - 

Aehnlichkeit mit dem Anitocultus hat. Nach Montano') er- 
kennen die Bagobos (ein Visayerstamm um den Vulcan Apo) 
ausser der höchsten Dreifaltigkeit (Tighiama, Manama, Tod- 
lay), von der man aber nie reden hört, drei niedere Gott- 
heiten: Limbucun (heilige Turteltaube), Mandarangan (Teufel) 
und Dewata (Hausgott = Anito). Vor Allem liebt Dewata, 
nach dem Ausdrucke der Bagobos, das Blut, eine Neigung, 
welche durch die nie ruhende Blutrache und durch die bei 
allen Gelegenheiten stattfindenden Menschenopfer reichlich 
befriedigt wird. Die gleiche Ehrenbezeigung wird dem Man- 
darangan zu Theil, welcher auf dem Gipfel des Vulcans Apo 
haust. Die Bagobos bringen ihm häufig Menschenopfer dar, 
entweder wenn sie glauben, dass er ihnen zürnt, oder wenn 
sie beabsichtigen, Schwefel daselbst zu sammeln. Vor Allem 
sind es die Solfataren, vor welchen sie sich fürchten. Mani, 
der Dato eines der widerharigsten Bagobastämme, suchte 
allen Europäern den Zugang zu diesem Göttersitz zu ver- 
wehren, da die Krone von Dämpfen, welche dessen Spitze 
stets umgibt, ein sicheres Zeichen der Anwesenheit des ge- 
fürchteten Gottes ist. Der gegenwärtige Gouverneur von 
Davao benützt Mani's Unterwerfung zur Besteigung des 
Berges. Als er in Begleitung des Dr. Montano oben ankam, 
behaupteten die begleitenden Bagobas, sie hätten Manda- 
rangan aus dem Krater herauskommen und durch die Wolken 
fortfliegen gesehen. Jedenfalls knüpft sich an diese erste Be- 
steigung die Hoffnung an ein Aufhören der Menschenopfer 
zu Ehren dieses Dämons.^) 

Nach dem Glauben der Bisayas (Philippinen) 3) gehen 
die Seelen der Verstorbenen (früher Humalagar, jetzt Divatas, 
Davatas) auf einen Berg der Provinz Oton, welcher Medias 
heisst, wo sie sehr gut bedient und bewirthet werden. 

*) Montano, Le Golfe de Davao Bull., soc. G^ogr. Paris, 1881, 552 ff. 
Globus B. 46, Nr. 22. Ausland, 1883, S. 219. 

2) Dr. Montano, R. n. d. Philippinen. Globus, XLVI; Nr. 22. Ausland, 
1883, 219. 

3) Nach Müller, Ethnogr., zweite Aufl., 326 mit den Tagalas identisch. 
Jagor, R. n. d. Philippinen, 235. 



— 151 — 

Ueber den Vulcan Mayon (Luzon) scheinen ähnliche 
abergläubische Vorstellungen bei den Eingebomen existirt zu 
haben. Nach den Registern des Franciscanerordens*) soUeir 
im Jahre 1592 zwei Mönche, um die Eingebornen von ihrem 
Aberglauben in Betreff des Vulcanes zu heilen, die Erstei- 
gung versucht haben ; der erste kam nicht weit, der zweite, 
Pater Esteran Solis, erreichte zwar nicht den Gipfel, da drei 
tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die blosse 
Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hunderte von 
Eingebornen zum Christenthum. 

Mit diesen Vorstellungen hängen auch die Gebräuche 
der alten Bisayer bei der Todtenfeier und der Bestattung der 
Leichen zusammen. Sie bestatteten dieselben ih den Höhlen 
von hervorragenden Felsen. Die Südküste von Samar, welche 
aus einem sehr jungen Kalk besteht, enthält bei Nipa-Nipa 
eine Menge von Felsenhöhlen in den Geisterfelsen, in wel- 
chen die Leichen begraben wurden. Dieselben wurden vor 
kurzer Zeit von einem Geistlichen förmlich gestürmt. Aehn- 
liche Localitäten finden sich auf der Insel Andog bei Boron- 
gan u. s. w. ^) 

DieAlfuren auf Nordcelebes glauben an gute und böse 
Geister, welche im Busch und auf Bergen wohnen, haben 
Berge nach denselben benannt und verrichten auf ihnen 
Opfer. So heisst ein Berg Empoeng, was Gottheit (Ahnen- 
seele) bedeutet.^ Auch Lokan ist der Name eines Geistes, 
welcher auf dem gleichnamigen Berge hausen soll. Auf dem 
Berge, über welchen der W^eg von Manado nach Tovendano 
geht, befindet sich ein Steinblock, in welchem nach der An- 
sicht der Eingebornen ein Gott wohnt. Hier wird gerastet 



^) Jagor 1. c, 71. 

^) Jagor 1. c, 206 fif. Die Battas setzen ihre Leichen in Särgen auf 
Felsen im Meere ans. Bemerkenswerth sind die früher dabei beobachteten 
anthropophagischen Gebräuche, welche von malayischen Volksgliedem, von 
Papuas u. s. w. berichtet werden (Yule, Travels of Marco Polo, II, 240 ff.) 

3) Minahasa en 1825 Tijdschr. vor Ind. Taal, Land en Volkenkunde, 
XVIII, 471 f. 



— 152 — 

und beim Ansteigetn des Berges geopfert. Auch der Berg 
Binoerian trägt den Namen van dnem Geiste^ der, wenn 
Krieg ist, Acht gibt, dass Niemand zurückkehrt. 

Auf dem bedeutenden Berge Papaloempoengan befindet 
sich ebenfalls ein (von dem Gottc bewohnter) Stein, bei wel- 
chem die Einheimischen Gras opfern. 

Der erloschene Vulcan Sopoetan trägt den Namen 
»Peuerspeier« nach dem Empoeng, welcher der Ueberüefe- 
rung gemäss früher den Berg bewohnte. 

Die schrecklichsten Erzählungen sind über die Geister 
und riesenhaften Schlangen im Umlauf, welche den eigen- 
thümlich geformten Gipfel des Sinnalu (Celebes) bewohnen, 
und im Norden von Celebes, der so reich an Grotten ist, 
glaubt man, dass jede derselben der Aufenhaltsort eines 
Geistes, gewöhnlich eines sagenhaften Prinzen ist. Wenn man 
einzelne Vorgebirge im Schiff passirt, darf nicht gesprochen 
werden. *) 

In der Minahasa wohnt zur Beschützung des Dorfes auf 
einem Hügel daneben die Seele des ersten Stifters als Si- 
Manembo. ^) 

Die Ureingebomen des centralen Celebes (die Namen 
ihrer 21 Stämme bei Riedel 1. c.) glauben aus dem Rotang 
entsprungen zu sein, dessen Gipfel damals an das Himmels- 
gewölbe reichte, während sein Fuss auf der Erde lag. An- 
dere leiten ihren Ursprung geradezu vom Himmel ab.^) 

Die Ureinwohner der Halbinsel Malacca zeigen degene- 
rirte Züge von verschiedenen Religionen. So will der Missio- 
när Borie^) bei den Mantoas Spuren von christlichen Tradi- 
tionen, der Fluthsage u. s. w. gefunden haben, doch herrscht 
der primitive Dämonenglaube bei weitem vor. So hat nach 



^) Koor^MiaaB, Ind. Gids, 1883. Globus, 1SS3, i^^* 
^) Bft«t&«&, Tunor, lo«. 

3) Ried<el, Bijdrt^eii tot dm TsLtd-Lamd ea V<»lkeakiiAde vaa NederUadsch 
lAdk, i«S6. A«sUiid, i88f, 681 U 

*) Tijdschr. voor Ind. Taal-Land en Volkcnkunde, 1861, 413 ff. 



— 153 — 

ihrer Ansicht jeder Berg seinen guten wod bösen Dämon; 
jeder Berg ist ein Ort, mo man Wünsche der Gottheit aus- 
spricht (place de d6sir). Der berühmteste dieser Orte ist auf 
dem Gipfel des Berges Barmun in der Landschaft Songei- 
oudyong. Dieser Berg ist sehr hoch; dicke Wolken bedecken 
seinen Gipfel; an einem seiner Abhänge befindet sich ein 
See. Wenn jemand auf einen Ort der Wünsche geht, nimmt 
er zwei weisse Hennen mit und alle Gattungen von Nahrung; 
er legt das Ganze in einen Korb und hängt den letzteren 
auf einen Baum oder legt ihn auf den höchsten Punkt des 
Biarges; dann tödtet er die eine Henne und lässt die andere 
in Freiheit; darnach richtet er in Gedanken alle seine Wünsche 
an den Berggeist und verzehrt sein Mahl auf dem Platxe. 
Wenn das, was er wünscht, nicht eintrifft, so wird derselbe 
Ort dreimal besucht; im negativen Falle wird ein anderer 
Berggeist angerufen. Zu den faochberühmten Wunschplätzen 
gehören der Felsen Batou-tr6, den die Mantoas seit undenk- 
lichen Zeiten zu besuchen pflegen. Wer zu diesem Felsen 
geht, darf kein Feuer mit sich tragen, weil, wenn ein Funken 
auf den Felsen fiallen würde, derselbe sofort Feuer fangen 
und verbrennen würde. Auf diesem Felsen wächst eine Pflan«c, 
genannt Chinkani, die man sonst nirgends findet. Nur Frauen 
können sie pflücken. Deren Besitz verleiht eine magische 
Anziehungskraft, Frauen, welche sie besitzen, werden von einer 
Menge von Liebhabern verfolgt. Axtch den Männern ver- 
schafft sie die gleiche Begünstigung von Seite des weiblichen 
Geschlechts, denn wenn Männer die Pflanze auch nicht 
pflücken können, so vermögen sie doch dieselbe zu stehlen. 
Die Orang Benua (Malacca) betrachten Pirman, auch 
l\ihan Allah, als Schöpfer und Regierer der Welt. Er zer- 
brach einst die Haut, von welcher die Erde umschlossen 
war, worauf aus der Tiefe die mächtigen Berge aufstiegen, 
welche die Erde zusammenhalten. Darauf setzte er das erste 
Menschenpaar in eine Praum, welche längere Zeit auf dem 
Wasser schwimmen musste. Zwischen ihnen und den Men- 
schen stehen die Djins, deren mächtigster der böse Erd- 
geist Djin Bumi ist. Ihm untergeordnet sind die Geister 



— 154 — 

(Hantus) der Bäume, Flüsse, Berge etc. Ihre Zauberer rufen 
bei den Beschwörungen Jewajewa (Dewadewa) an. Nach 
Logan heisst Vishnu im südlichen Indien Pirmal. *) 

Als eine merkwürdige Degeneration des Buddhacults 
wird wohl die Verehrung der heiligen Fusspur eines Hundes 
neben dem Bilde desselben aufzufassen sein, welche die Ma- 
layen von der Halbinsel Malacca ausüben. Diese Fusspur 
heisst Räetin. Sie befindet sich an einem Felsen am Nord- 
ende der Insel Junk Ceylon. 2) 

Bei den Bewohnern von Timorlaut, welche Forbes als 
ein Mischvolk von Malayo-Polynesiern mit Papuas ansieht, 
findet man nur sehr geringe Spuren einer auf Höhencultus 
deutenden Vorstellung. Die eines natürlichen Todes Verstor- 
benen werden in einer Prahu auf Felsen oder künstlichen 
Plattformen an der Küste ausgesetzt. Jene, welche im Kriege 
fallen oder überhaupt sonst wie getödtet werden, werden be- 
graben. ^) Auch Riedel ^) erwähnt nichts vom Höhencult, son- 
dern nur die Verehrung von Schutzgeistern, welche von ver- 
storbenen Helden und den Ahnen stammen. Ihr Hauptgott 
wohnt in der Sonne und repräsentirt das männliche Princip, 
welches sich mit dem weiblichen, das die Erde ausdrückt, 
verbindet. Die Todten gehen auf die Insel Noesa Nitu, wo 
Niemand zu landen wagt. 

Werfen wir noch einen Blick auf die westlichsten Glieder 
der malayischen Völkerfamilie, auf die Bewohner von 



Madagascar. 

Die Aboriginer dieser Insel werden bekanntlich ^) zu 
den Kaffern gerechnet, während die herrschende Bevölkerung, 
die Madegassen (Malgaschen), malayisch ist. Die wichtigsten 

>) Waitz, Anthrop., V. Th., 171. 

*) Low, On Buddha and the Phrabat, Trans. R. As. Soc, III, 65. 
3) Forbes, On the Ethnology of Timor-laut, Joum. Anthropol. Instit. 
G. Britain, 1883, 13. 

^) Metzger, Ausland 1884, 692. 
*) Fr. Müller, Ethnogr., 183. 



— 155 — 

Stämme derselben, ^) deren Sprachverwandtschaft unzweifel- 
haft festgestellt ist, sind die Hovas, Betsilas, Bära, Tanäla, 
Tankäy, Sihanaka, Betsimisäraka. 

Vor der in jüngster Zeit erfolgten Einführung des 
Christenthums herrschte daselbst die echt malayische Ahnen- 
verehrung, und zwar wurden gerade die Gräber der ver- 
drängten Ureinwohner, der Vazimba, durch Opfer und andere 
Ceremonien verehrt. Es gab nach der Ansicht der Madegassen 
gute und böse Vazimba, die theils im Wasser (besonders im 
Itäsy-pa), theils auf dem Lande wohnten. Dieselben hatten 
ihre tabuirten Gegenstände. An den Wegen fanden sich 
häufig Haufen von Steinen, Stöcken, Gras und anderem Un- 
rath, auf welche jeder Vorübergehende etwas zu werfen pflegte. 

Die Wohnstätte der Geister der Verstorbenen heisst 
Ambrondromb^.2) Es ist ein hoher mit Wald bedeckter Berg 
am Hochlande zwischen dem Betsileo-Gebiete und dem tiefer 
gelegenen Tanäladistrict. Sibree beschreibt ihn als einen langen 
Berg von regelmässiger Gestalt, der sich als tiefer Bogen 
von Nord nach Süd und weit nach Osten hinzieht. Sein 
Gipfel ist oft von Wolken verhüllt. Das Volk der Umgegend 
wagt sich nicht in seine Nähe und erzählt von lautem Kanonen- 
donner, der daselbst erschallt, sobald ein Geist aus könig- 
licher Familie dahinkommt. 

Nach der Schilderung von G. A. Shaw, ^) der trotz des 
Widerstandes der Bevölkerung zuerst den Gipfel bestieg, ist 
er ein aus mehreren Gipfeln bestehender Bergstock. Aus der 
Disposition der Gipfel ergibt sich das Verhältniss, dass der 
Ostwind, welcher mit grosser Gewalt um die nördliche Ecke 
über den Gipfel und in die drei tiefen Längsthäler hineinbläst, 
nur durch die schmale Mündung an der südwestlichen Ecke 
einen Ausgang findet. So bilden die Hügel hier eine Art 
natürlicher Posaune, so dass Shaw während seines Aufent- 
halts daselbst öfters ein lautes Brausen und Heulen hörte, 



^) Sibree, Madagascar, 136 ff. 

2) Sibree 1. c, 352. 

3) Sibree 1. c, 353. 



- 156 - 

tpotzdem sich an semem Lagerplatre kaum ein Lüftchen 
regte. Ek* ist daher überzeugt, dass der Wind der grosse 
Geistererwecker von Ambändromb^ ist. 



Chinesen. 

Nach der ältesten Anschauung der Chinesen gab es 
drei Classen von Geistern. Die erste und höchste (der oberste 
Herr Schang-ti) begreift Sonne, Mond und die fünf von alters 
her bekannten Planeten; diese letzteren entsprechen den fünf 
Weltgeistem, unter welchen die fünf Himmelsregionen stehen. 
Die zweite Classe — die Schutzgötter des Reiches — begreift 
die früheren Fürsten und Minister. Die dritte umfasst ein 
zahlloses Heer von Local- und Elementargeistem. ^) 

Diese Kategorien wurden jedoch als nur graduell, nicht 
spedfisch von einander verschieden aufgefasst. Götter und 
Geister werden von den altern Schriftstellern meist coUectiv 
erwähnt; die Bezeichnungen für beide gelten fast als syno- 
nym. Die gegenseitige Stellung dieser Kategorien lässt sich 
nach dem Tscheu-li aus den bei den verschiedenen Anlässen 
zu gebrauchenden Gebetsformeln beurtheilen. 

Diese Gebete sind meistens an den Himmel und den 
Erdgeist, an das Hohe und Niedere, an die Himmelskörper, 
an die drei Ordnungen der Geister, oder an die gesammte 
Geisterwelt und die Ahnen coUectiv gerichtet. Auch in den 
Sagen spielen die obersten Himmelsgeister keine von jenen 
der übrigen Geister wesentlich verschiedene Rolle. Sie sind 
primi inter pares und bleiben ihrer Wirksamkeit nach auf 
ihr Gebiet beschränkt. Es wird daher stets grosses Gewicht 
darauf gelegt, dass in der gesammten Oetsterwelt aller Grade 
Einigkeit herrsche. Wenn dies nicht der Fall, so entstehen 
sechs Arten von gefährlichen Uebeln.^) 

1) Tscheu-li, Ucbcrs. Biot. I, C. 18. Anm. 4. PUth, R«l. u. Cult. d. 
alt. Chincs. Abh. Bayr. Akad. I. Cl , Bd. IX, Abth. III. 
, 2) Tscheu-li, II, 86, Anm. 



— 157 — 

Ein weiteres Argument hiefür bietet die Vorschrift de» 
Tscheu-li über die bei der Geisterbeschwörung anzuwenden- 
den Melodien. Wie im nordsibirischen Schamanismus, wird 
jede Geisterkategorie durch eine zoologische Gruppe symbo- 
lisirt. Mittelst einer Melodie kann man die befiederten Gat- 
tungen (Geister der Seen imd FKisse) rufen. Zwei Melodien 
rufen die nackten Gattungen (Berg- und Waldgeister). Drei 
Melodien rufen die Panzerthiere (Küstengeister), vier Melodien 
setzen in Verbindung mit den behaarten Gattungen (den 
Geistern der Ebenen und Plateaus); fünf Melodien ziehen die 
Schalthiere (Erdgeister) herbei. Um die Himmelsgeister zu 
rufen, bedarf es sechs Melodien.*) 

Diese Einerleiheit erklärt sich aus dem innigen Zu- 
sammenhange der chinesischen Geisterwelt mit den Manen. 
Bei weitem die meisten, wahrscheinlich alle chinesischen 
Götter und Geister sind Seelen verstorbener Menschen. Der 
Genius der Erde ist Keu-long, Sohn von Kong-Kong; der 
Geist der Feldfrüchte Ki =^ Hen-tsi, der Minister von Yü. 
Die vier Elemente sind die Geister von vier Ministern, welche 
Söhne von Chao-hao waren. 2) Ihr Rang wird durch die 
Anciennität bestimmt. König Wu von Lu empfängt den Be- 
such von Göttern, denen er zu ihrer Labung heisse Grütze 
geben lässt. Dabei entschuldigt er sich, da er die göttliche 
Rangordnung nicht kenne: »ich kenne noch nicht die Aelteren 
und die Jüngeren, von wo soll ich beginnen?« worauf ihm von 
Seite der Götter die nöthige Belehrung wird. Die Geister werden 
sehr häufig »Aelteste« genannt (Aelteste des Flusses u. s. w.).^) 

Auch die zahllose Reihe von Localschutzgeistern, welche 
jedoch auch ganze Provinzen beschützen, wird von historisch 
bekannten Persönlichkeiten abgeleitet; kein hoher Mandarin 
oder Prinz stirbt, ohne durch kaiserliches Decret ein Amt in 
der Geisterwelt zu erhalten.^) Die »Geschichte des Suchens 
der pötter« sagt: »Es kommt vor, dass Tsiang-tse-wen aus 



1) Tscheu-li, II, 42 ff. 

2) Tscheu-li, XVm, 6, Anm. 

3) Pfizmaier, Geisterglaube i. alten China, 19. 
*) Du Bosc Dragon, Image and Demon, 362. 



- 158 - 

Kuang-ling sich die Erhöhung zum Localgott des »Berges der 
Weingefässe« dadurch erzwang, dass er den Menschen In- 
secten in die Ohren kriechen Hess und Feuersbrünste er- 
regte. Obgleich er den Wein und das Vergnügen geliebt 
hatte, wurde dessen Reingeistigkeit erklärt.«)^) 

Die Geschichte der »neun Dreifüsse« und das »Buch 
des grünen Reingeistigen« sagen, dass es sowohl bei Men- 
schen als bei lebendigen Wesen, wenn sie sterben, einen Geist 
gibt. Nun bestimmte eine, wie es scheint, sehr alte Vor- 
schrift, 2) dass der Sohn eines Landesfürsten nicht den Namen 
seines Landes erhalten durfte, nicht den Namen der diesem 
Lande eigenthümlichen Obrigkeiten, noch seiner Berge und 
Flüsse. Der Name darf ferner keine Krankheiten bezeichnen, 
weil hiedurch eine böse Vorbedeutung entsteht. Die erst- 
genannten Verbote werden dagegen folgendermassen erläu- 
tert: Unter der Dynastie Yin und noch früher gab es keine 
Vorschriften hinsichtlich des Namens der Verstorbenen. Die 
Menschen der Dynastie Tscheu verehrten zuerst die Geister, 
indem sie den Namen der Vorfahren mieden. Wenn einmal 
der Name vermieden worden, so darf derselbe nicht mehr 
ausgesprochen werden. Nennt man somit nach den oben- 
erwähnten Kategorien, so müssen dieselben nach dem Tode 
des betreffenden Prinzen andere Namen erhalten, was bereits 
öfters eingetreten war. 

Nach Cap. 24 des Tscheu-li gab es uralte Zauberbücher, 
welche als Grundlage dienten für die von den Grossauguren 
geleitete Wahrsagerei aus den Sprüngen einer erhitzten Schild- 
krötenschale. Sowohl die Meer- als die Flussschildkröten 
wurden als alte Dämonen betrachtet, welche Dürre und 
Krankheiten erregen können.^) Ihr Manen Charakter erhellt 
z. B. aus der Beschwörungsformel, in welcher die Schildkröte 
der vermittelnde Mensch genannt wird. Der Grossaugur 

^) Pfizmaier, Geisterglaube, 36. 

2) Pfizmaier, Die Zeiten der Fürsten Hoan, Tschnng und Min von Lu. 
Sitzungsb. d. Akad. d. W., Wien 1854, 12. Sept. 

3) Pfizmaier, Ueber einige Gegenstände des Taoglaubens, Sitzungsb. 
d. Akad. d. W., Wien 1875, 69. 



— 159 — 

spricht die Schildkröte an und fordert sie auf, ihre Meinung 
über gewisse Angelegenheiten abzugeben. Ausserdem existiren 
Sagen, in welchen gewisse Manen in Gestalt der Schildkröte 
erscheinen. Dieselbe wird daher geradezu als Gott mit gün- 
stigem Erfolge verehrt und gilt als Lehrer der Menschen für 
überirdische Leistungen. Die Flusschildkröte heisst auch der 
den Geschäften nachgehende Aelteste des Flusses. *) Einen 
anderen Dämon der Dürre scheint der Dachs vorzustellen.*) 

Einen gleichen Ursprung haben nachweislich ein grosser 
Theil jenes wahrhaft zahllosen oberen und unteren Götter- 
heeres, welches alle Naturerscheinungen, Wind, Donner, 
Licht, Regen, Hagel, Frost, Reif, Wolken, alle Krankheiten 
personificirt. Die Vorsteher des Regens, In-chi, und der 
Aelteste des Windes, Fon-chi, werden als Sternbilder gedacht. 
Nach dem Schu-King gibt es Sterne, die den Wind lieben, 
und Sterne, die den Regen lieben. Je nachdem der Mond 
einem solchen Sterne folgt, gibt es Regen oder Wind.^ Die 
die Sterne bewohnenden Geister werden überhaupt als die Vor- 
steher und Heerführer der Geister und Manenwelt aufgefasst. 

Kiang T'aikung, der im 12. Jahrhundert v. Chr. lebte, 
soll seine gefallenen Generale als Herrscher über die 33 guten 
und die 79 bösen Sterne eingesetzt haben. *) 

Uns interessirt besonders der Geist der Wolken, der 
Drache. ''^) Das Schuö-wen sagt: Der Drache ist der Aelteste 
der Schuppeninsecten. Er kann sich verdunkeln, er kann sich 
erhellen. Er kann sich verkürzen, er kann sich verlängern. 
Zur Zeit der Theilung des Frühlings steigt er in den Him- 
mel. Zur Zeit der Theilung des Herbstes steigt er in den 
Wirbel. Als regenspendende Wolke wird der Drache zum 
Symbol des Wassers. Im Buche 42 des Tscheu-li heisst es: 
Das Wasser wird durch die Figur des Drachen dargestellt. 



*) Pfizmaier, Gegenst. des Taoglaubens. Sitzungsb. d. Akad. d. W., 
Wien 1875, S. 68. 

2) Pfizmaier, Geisterglaube, 37. 

3) Plath 1. c, I. Abth., 72. 
*) Du Böse 1. c, 417. 

^) Pfizma er, Gegenst. des Taoglaub., 55. Plath I. c , I. Abth., 69. 



— i6o — 

Bei erfolgreidien Regenbeschwörungen erscheinen als Vor- 
boten des kommenden Wassers am Himmel Wolken, auf 
Erden dagegen einer oder mehrere blaue oder weisse Dra- 
chen. ^) Todte Drachen können durch längeres Einweichen 
in Wasser wieder lebendig und tauglich gemacht werden, hei 
gCÄigneter Beschwörung Regen zu erzeugen. Ein Drache, 
der noch nicht in den Himmel gestiegen ist, heisst Tan-lung 
»der gekrümmte Drache«. Er schwimmt immer stromabwärts 
und geht ins Meer. Er ist giftig. 

Es gibt auch einen Dämon der Bäume und Steine, 
welcher einem Drachen gleicht und einfüssig ist. ') 

Das von Pfizmaier gesammelte Rohmaterial^) scheint 
zu beweisen, dass Schlangen und Drachen nicht absolut 
identisch, wenngleich nahe verwandt sind. Auch die Schlangen 
bringen häufig Wasser hervor; sie wohnen zum Theil in 
Sümpfen und erscheinen in Brunnen. Bei grossen Ueber- 
schwemmungen werden plötzlich riesige Schlangen sichtbar.^) 

Aus dem Teiche des Drachenhauptes kommt auf das 
Gebet des Kaisers Yuen-tsung (712 n. Chr.) eine rothe Schlange 
hervor, worauf die Wolken sich ausbreiten und Regen erfolgt. 
Das Buch Schint-se sagt: »Die Götterschlange lustwandelt im 
Nebel, der fliegende Drache ersteigt die Wolken. Wenn die 
Wölken schwinden, der Nebel sich verzieht, sind jene mit 
dem Regenwurme gleich. Es ist, weil sie das verlieren, wor- 
auf sie steigen«.^) 

Für die Individualisirung der mannigfachen Wolken- 
bildungen genügt jedoch ebensowenig wie für Donner und Licht 
Ein Dämon. Es ist auch unter Anderem von rothen Vögeln die 
Rede, welche zeitweilig die Sonne angreifen. Die Geister er- 
scheinen den Sterblichen gerne in Gestalt von rothen Vögeln. 

^) Pfizmaier, Wundermänn. in China. Sitzb. d. Ak. d.W., Wien 1877, 45. 

2) Pfizmaier, Geisterglaube, 37. 

') Pfizmaier, Gegenst. d. Taoglaubens, 1875, 4^ ff. 

*) Pfizmaier, Seltsamkeiten a. d. Zeiten d. Thang. Sitzungsb. d. Akad. 
d. W., Wien 1880, 317. 

5) Pfizmaier, Denkw. v. d. Insecten Chinas. Sitzungsb. d. Akad. d.W., 
Wien 1874. 



— i6i — 

Es gab eine eigene Behörde für das Studium der Wolken- 
bildungen und die Erklärung der in denselben hervortretenden 
Figuren. Sie hatte die Aufgabe, die Menschen über die der- 
gestalt vom Himmel angekündigten Unglücksfälle aufzuklären 
und zu beruhigen (Tscheu-li, VIII, 24). 

Die Thatsache tritt sehr klar hervor, dass Schlangen 
und Drachen, wie die Schildkröte, als Seelen abgestorbener 
Menschen betrachtet wurden. Man bezeichnet sie direct als 
alte Gespenster. Nach Plath trägt der Drache auf alten Ab- 
bildungen einen Menschenkopf (vgl. Plath 1. c, Fig. 231 a). 
Kaiser Wen wollte die Götteraltäre (den Behörden?) übergeben; 
die Provinzen und Reiche meldeten, dass dreizehn gelbe 
Drachen erschienen seien. Kaiser Ming Hess jetzt kupferne 
gelbe Drachen giessen, welche vier Klafter hoch waren; er 
stellte sie vor der Vorhalle auf. ^) Die Kaiserin, von dem 
Geschlechte Khie, Gemahlin des Kaisers Wu, verwandelte 
sich nach ihrem Tode in einen Drachen. 2) Auch in Schlangen 
verwandeln sich Menschen nach dem Tode. Das Tödten von 
Schlangen bringt daher in vielen Fällen Unglück. Sowohl 
Drachen wie Schlangen (wie die Schildkröte) prophezeien den 
Menschen, verschaffen ihnen Arzneien, vermitteln den Ueber- 
gang von tugendhaften Menschen in die Himmelsregionen 
und helfen ihnen auch sonst in mannigfachen Fällen. 

Nach Mayer's Chinese Readers Manual, 451, gibt es 
Himmelsdrachen, welche die Götterwohnungen bewachen, 
Geisterdrachen, welche Wind und Regen erzeugen, Erd- 
drachen, welche die Läufe der Flüsse regeln, und Drachen 
der verborgenen Schätze. 

Dass mit dem Drachen- und Schlangencult einst Men- 
schenopfer verbunden waren, wird angesichts der von Pfiz- 
maier übermittelten Nachrichten über den Brunnen von Ling 
mit dem Tempel der Edelsteintochter, ferner über die grosse 



^) Pfizmaier, Gegenst. d. Taoglaubens, 1875, 49. 
2) Pfizmaier, 1. c, 51. 
V. A n d r i a n, Höhencultus. 



— 102 — 

menschenverzehrende Boa im westlichen Gebii'ge der Provinz 
Scho (Pfizmaier, Geisterglaube d. Chinesen, 22 f.), nicht be- 
zweifelt werden können. Auch von Menschenopfern für Fluss- 
götter wird berichtet. ^) 

König Wü war im Sterben. Sein Bruder, der Herzog 
von Kau, will sich an seiner Stelle opfern und betet zu den 
>drei Königen«, seinen unmittelbaren Vorahnen, sie möchten 
ihn an Stelle seines Bruders nehmen. Er motivirt dies damit, 
dass er mancherlei Künste und Fertigkeiten besitze, welche 
ihn zum Geisterdienste tauglich machten, während dies bei 
seinem kaiserlichen Bruder nicht der Fall sei (Schu-King, 
Uebers. Legge, V, 6). 

Die animistische Grundanschauung ist durch die reli- 
giöse Speculation der Chinesen in verschiedener Weise weiter 
gebildet worden, am consequentesten durch die Lehre des 
Lao-tse. Die Geister werden zum Ausfluss des »Reingeistigen«, 
der Tao, der Nährmutter aller Wesen. Alle sichtbaren Wesen 
sind Formen des tiefen, dunkeln, unsichtbaren, ewigen, un- 
veränderlichen Tao; sie kehren zum Tao zurück wie die Ge- 
w^ässer zum Meere. Die Vereinigung der menschlichen Seelen 
mit den unsterblichen Reingeistigen ist abhängig von der 
durch Demuth und Leidenschaftslosigkeit erlangten Kenntniss 
des »Wegs«, welche überdies langes Leben verleiht. »Die 
Seelen jener, welche in jungen Jahren nicht Gelüste und 
Leidenschaft beherrschen, und die an Krankheit sterben, werden 
Dämonen. Sie sind zwar unsterblich, gehen jedoch nicht nach 
P'ung und Ying (den Inseln der Unsterblichen) ein. Bios in 
dem hingeworfenen Mutterleibe beziehen sie ein Haus; es ist 



^) Weitere Beispiele für die Identificirung von Thieren mit Manen 
entnehme ich Pfizmaier, Denkwürdigkeiten von den Insecten Chinas, in 
Sitzungsb. d. Akad. d. W., Wien 1874: Menschenähnliche kleine Insecten von 
rother Farbe, Grillen, Fliegen, besonders grüne Fliegen, Mücken, Schmetter- 
ling (Dämonenwagen), die Maulbeerraupe werden mit den Worten beschworen: 
>Sei mein Bild«. Die Fledermaus (die Ratte der Unsterblichen), einige Ameisen, 
Kröten, Bienen u. s. w. 



— i63 — 

Alles.« *) Nur auf diese niederste Stufe der Unsterblichen 
können die Buddhisten gelangen. 

Die Einheit der Geisterwelt wird durch die Lehre des 
Lao-tse nur scheinbar aufgehoben. Es trennt sich allerdings 
eine niedere Dämonenwelt ab, gegen deren Cult Herrscher 
wie Gelehrte — ohne reellen Erfolg — auftreten,^ da deren 
Basis durch den Toismus zwar verrückt, aber nicht erschüt- 
tert, sondern im Gegentheil ausdrücklich anerkannt wurde. 
Wenn auch die alten Lehrer desselben den höhern specula- 
tiven Standpunkt festhalten, bildet sich der Toismus ziemlich 
rasch zu einem höchst verworrenen Mysticismus aus, in 
welchem die »Reingeistigen« fast nimmer von den Dämonen 
zu trennen sind. 

Der Name für den Toismus heisst auch Sien-Kiao (Elfen- 
lehre). Das Hauptbuch für den späteren Toismus heisst Schön- 
sien-tschuan (Ueberlieferungen von Göttern und Elfen). Der 
Autor desselben, sowie des Pao-po-tse ist Ko-hung, der im 
4. Jahrh. n. Chr. lebte (Wylie, Notes on Chinese Litt. 175). 

Eine grosse Rolle spielen im Toismus die pa sien (acht 
Genien), als Beschützer der Künste (Fechten, Blumensammeln, 
Schauspiel, Musik, Gelehrsamkeit, Haushalt). Die Aufstellung 
dieser geschlossenen Zahl führt nach Mayer (Chinese Readers 
Manual) nicht über die Mongolenherrschaft zurück, obgleich 



*) Lao-tse, übers, v. Stan. Julien. Pfizmaier, Chin. Begründ. d. Tao- 
lehre, Sitzungsb. d. Akad. d. W„ Wien 1875. 

') Das Buch Pao-po-tse (4. Jahrhund. n. Chr.) sagt: Das Kind mit dem 
Haarschopf kehrt tausend Pfund Goldes den Rücken und verfolgt den Schmet- 
terling. Die Menschen von Yue verwerfen die acht Kleinode und finden Ge- 
schmack an Schildkröten und Schlangen (Pfizmaier, Insecten Chinas, 21). 
Ueber die Weiber als Trägerinnen des Dämonenglaubens vergl. Pfizmaier, 
Geisterglauben, 26. In Sung-Kiang lernte man wenig, aber man glaubte an 
Zauberer und Dämonen. Kiün errichtete daselbst Schulen und verbot die über- 
mässigen Opfer. — Aehnlich wird auch der im Khang-hi Wörterbuch citirte 
Ausspruch des Yang-Hiung, eines Gelehrten aus dem ersten Jahrhundert v. Chr., 
zu deuten sein, von welchem die Fa-yen (Musterworte) erhalten sind: »Der 
heilige Mensch stellt nicht den Sien als Muster auf« (K. Himly). 



— 164 — 

die meisten Mitglieder dieser Grruppe schon vor dieser Zeit 
in toistischen Sagen berühmt waren. 

Dass der Himmelssohn verantwortlich ist für die Ord- 
nung im Reiche und in der Natur, ist eine Consequenz seiner 
stets festgehaltenen Abstammung von dem Himmelsherrscher. 
Wenn es früher im Allgemeinen hiess: »Mit einem Staate, 
in dem Tugend, Strafe, Regierung, Angelegenheiten, Gesetze 
und Gebräuche sich nicht ändern, darf man sich nicht messen,« 
so lehrte Lao-tse : Wenn der Fürst nach dem Tao das Reich 
regiert, so werden die Manen keine Dämonen.^) Auch die 
dämonischen Einwirkungen fallen dem Regenten zur Last. 
Wenn Schneesturm und Kälte zur unrechten Zeit eintreten, 
so wird das dahin gedeutet, dass der Gebieter der Menschen 
in Strafen hart und ausschweifend sei. Wenn man keine Ver- 
dienste hat, aber Gehalt bezieht, so verderben die Heuschrecken 
das Volk. Die früheren Gelehrten meinten: Wenn der Vor- 
gesetzte der Menschen die Gebräuche ausser Acht lässt, zorn- 
müthig und quälerisch ist, so entsteht Dürre. Die Fische und 
Schalthiere verwandeln sich in Insecten und Heuschrecken. 2) 
Mencius lehrt :^) Bringt ein Fürst die Schutzgötter in Gefahr, 
so ist er abzusetzen. 

In dem Zeiträume Tsching-Kuan (627 bis 649 n. Chr.) 
war in Tschung-nan und in einzelnen anderen Districten 
Heuschreckenplage. Kaiser Thai-tsung kam in den Garten 
und sah die Heuschrecken. Er las deren mehrere zusammen 
und beschwor sie mit den Worten : Das Volk hält die Korn- 
frucht für sein Leben, ihr aber verzehret sie. Dieses heisst: 
meine hundert Geschlechter schädigen. Wenn die hundert 
Geschlechter etwas verbrochen haben, so liegt die Schuld 
daran in mir, dem einzigen Menschen. Ihr, die ihr Geistig- 
keit habt, ihr sollt nur mich verzehren, nicht die hundert 

1) Lao-tse, II, 60, nach der von St. Julien abweichenden Uebersetzung 
von Plath 1. c, i. Abth., 54. 

2) Pfizmaier, Seltsamkeiten 1. c, 324 ff. 

3) Faber, Mencius, 60. 



- i6s - 

Geschlechter schädigen. Er wollte sie verschlucken. Die auf- 
wartenden Diener fürchteten, er könne sich eine Krankheit 
zuziehen. Sie kamen sogleich herbei und hielten ihn durch 
Vorstellungen ab. Thai-tsung sprach: Bei der Uebertragung 
des Unheils, die ich wünsche, welcher Krankheit sollte durch 
mich, den Kaiser, aus dem Wege gegangen werden? Er ver- 
schluckte sie sofort. Seit dieser Zeit richteten die Heuschrecken 
kein Unheil an. ^) 

Schon diese Verantwortlichkeit den Naturereignissen 
gegenüber musste den Herrscher bestimmen, das Zauber- 
wesen in einem gewissen Grade zu dulden. Unter diesem 
Gesichtspunkte erklärt sich aber auch die anscheinend 
kleinliche Systematik des chinesischen Opferceremoniells, 
dessen genaue Einhaltung allein die regelmässige Func- 
tion der Naturkräfte nach dieser Anschauung verbürgen 
kann. 

Das nun folgende Material über den chinesischen Höhen- 
cult wird seinen Grundzügen nach durch das Vorhergehende 
ziemlich verständlich. Eine sehr wünschenswerte kritische Durch- 
arbeitung desselben kann nur an der Hand der Quellen er- 
folgen. Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, dass eine 
derartige Arbeit bei der Fülle und der relativen Durchsich- 
tigkeit des Stoffes unsere Kenntniss von den Vorstellungs- 
kreisen Asiens wesentlich fördern müsste. Die vorliegende 
Zusammenstellung muss auf eine genetische Ableitung der 
Vorstellungen wegen Mangels an Vorarbeiten verzichten ; sie 
verfolgt nur den Zweck, die berufenen Kreise zum Eingreifen 
anzuregen. 

Wir beginnen mit den vier heiligen Bergen Yo, von 
welchen schon in den ältesten chinesischen Quellen die Rede 
ist. Deren Lage ist vielfach unsicher. Dieselben sind Tai- 
schan (östlicher Yo in Shan-tung), Hwä-schan (westlicher Yo in 
Schansi), Heng-schan (südlicher in Hü-nan), Heng-schan (nörd- 



1) Pfizmaier, Seltsamkeiten 1. c, und Insecten Chinas, 76. 



— i66 — 

lieber Yo in Tschi-li. ^) Dazu kam später ein fünfter, der Wai- 
fang (Sung-schan), welcher sich im Südosten von Ho-nan-fu 
erhebt, als Berg der Mitte (Mittelpunkt des Reiches)/^) 

Auch gibt es noch vier weitere, sehr heilige Berge 
Tschin. Es sind: der Hoei-ki in Yang-tscheu, der I-schan 
in Tsing-tscheu, der I-wu-liu in Yeu-tscheu, der Yo-schan 
in Ki-tscheu.^) 

Von den neun grossen Abtheilungen des Reiches 
haben die fünf ersten Berge Yo, die vier anderen Berge 
Tschin. 

Angesichts dieser möglichst gleichförmigen Vertheilung 
von heiligen Bergen auf die Provinzen erscheint mir Legge's 
Ableitung der Verehrung der Berge Yo von ihrer Eigenschaft 
als Grenzen des einstigen Reiches zweifelhaft.^) Der im 
Schu-king oft genannte Präsident der vier Berge gilt Legge 
als erster Minister. Damit scheint jedoch seine Stellung als 
officielles Oberhaupt der Feudalprinzen nicht recht im Ein- 
klänge zu stehen. Viel wahrscheinlicher ist Richthofen's Deu- 
tung, welcher den Meister der vier heiligen Berge als Gross- 
meister der religiösen Ceremonien auffasst, wodurch eine 
uralte religiöse Bedeutung jener Berge sich ergeben würde.^) 

Nach dem Wörterbuch des Khang-hi bedeutet Tschin 
»beschützen«.'») Der Commentator B. des Tscheu-li definirt 
Tschin als die berühmten Berge, welche die Tugend eines 
Landes beschützen. Andere verstehen darunter die Berge, 
welche die Grenzen des Reiches beschützen. 



^) Legge, Shu-king Sacred books of the East, III, 5 

2) Richthofen, China I, 307, 311, 313. 

3) Tscheu-li, B. 22, 36 Comm. 

*) Mit der Eintheilung des Reiches in Provinzen geht immer die Er- 
nennung von Schutzbergen Hand in Hand. So heisst es im Canon of Shun: 
Er (Shun) führte die Theilung des Reiches in zwölf Provinzen ein und er- 
richtete Altäre auf zwölf Hügeln in denselben. Der von Yü durchgeführten 
Eintheilung in neun Provinzen entsprechen neun Schutzberge. 

5) Richthofen, 1. c, 289. 

6) Tscheu-li, XXXVIU, 3, Anm. 



— 16/ — 

Derartige Schutzberge gab es aber eine ganze Menge. 
Jede Localität hatte einen solchen, lieber das relative Alters- 
verhältniss jener Localschutzberge zu den obenerwähnten 
neun grossen Schutzbergen wage ich, bei dem Mangel an 
positiven' Daten, keine Behauptung auszusprechen. Doch muss 
betont werden, dass schon im Shu-king überall von der Ver- 
ehrung der »Berge und Flüsse« die Rede ist. Es könnte so- 
mit sehr wohl der Cultus der grossen Schutzberge aus der 
localen Bergverehrung sich entwickelt haben, und zwar, wie 
Biot (Tscheu-li, Cap. XXXIII, 3, Anm.) anzunehmen scheint, 
dadurch, dass der bedeutendste, von Alters her verehrte Berg 
zum Hauptschutzberg durch kaiserliche Verfügung erhoben 
wurde. 

Beim Sonnenopfer am Morgen trug der Kaiser im 
Gürtel ein aus Seide gefertigtes Abzeichen, genannt Kuei 
der Allmacht (Tschin Kuei, tablette de la toute puissance 
oder Kuei des monts protecteurs). Auf demselben sind vier 
Felshaufen abgebildet. ^) 

Dass hierdurch nicht etwa eine mythische Beziehung 
zur Sonne, sondern nur die Wichtigkeit dieser Schutzberge 
im Allgemeinen symbolisirt wird, scheint mir auch durch 
folgende Vorschrift des Tscheu-li, B. 22, 36 erwiesen: Wenn 
eine Sonnen- oder Mondesfinstemiss eintritt, ein Einsturz auf 
den vier Bergen Tschin oder den fünf Bergen Yo ein Wun- 
der, ein ausserordentliches Ereigniss stattfindet, wenn ein 
Lehensfürst stirbt, befiehlt der Kaiser, dass die Musikinstru- 
mente des Palastes entfernt, respcctive verhüllt werden. 

Die grossen Schutzberge haben ihre Schutzgötter. Der 
Gott (Gebieter) des grossen Berges der östlichen Gegend 
führt den Geschlechtsnamen Yuan (rund). Sein Name ist 
Tschang-lung, der beständige Drache. Der Gott des Berges 
Heng der südlichen Gegend führt den Geschlechtsnamen Tan 
(Mennig). Sein Name ist Ling-tsch'hi (der reingeistige, schroffe 
Berg). Der Gebieter des blumigen Berges der westlichen Ge- 



1) Tscheu-li, XX, 36, Anm. 



— i68 ^ 

gend führt den Geschlechtsnamen Hao (Wasserfluth). Sein 
Name ist Yo-scheu (die düstere Winterjagd). Der Gott des 
Berges Beng der nördlichen Gegend führt den Geschlechts- 
namen Heng (emporsteigen). Sein Name ist Seng (Bonze). 
Der Gott des Berges Sung der mittleren Gegend führt den 
Geschlechtsnamen Scheu (Langjährigkeit). Sein Name ist 
Yi (müssig). Wenn man ihn in Scharen anruft, bewirkt man, 
dass der Mensch nicht erkrankt.^) 

Die Epitetha dieser Berggötter sind ohne weitere Er- 
läuterungen, welche, ebenso wie die nähere Quellenangabe, 
leider fehlen, nicht verständlich. Wenn schon, wie Legge und 
Richthofen gezeigt haben, die Identificirung mehrerer dieser 
heiligen Berge im Laufe der Zeiten unsicher geworden ist 
und jedenfalls gewechselt hat, so dürfen wir dies umsomehr 
von den Attributen der mit diesen Bergen verbundenen 
Schutzgötter erwarten. Bei der später ausführlicher zu be- 
sprechenden Neigung, die Sterne in Beziehung zu den Bergen 
zu setzen, könnte man auch hier an Sterngötter denken. 
Doch sind die fünf Welt- oder Himmelherrscher mit ihren 
verschiedenen Farben, welche den Planeten entsprechen, ^) 
von den Schutzgöttern der heili gen Berge ebenso verschieden, 
wie jene der vier Meere. Die zweite der von Pfizmaier (eben- 
falls ohne Quellenangabe oder sonstigen Zusatz) mitgetheilte 
Stelle über die fünf göttlichen Heerführer der grossen heiligen 
Berge lautet wie folgt: 

Der Heerführer des grossen Berges der östlichen Ge- 
gend führt den Geschlechtsnamen Thang (grosssprecherisch). 
Sein Name ist Tschin (Diener). Der Heerführer des Berges 
Hö der südlichen Gegend führt den Geschlechtsnamen Tschü 



*) Pfizmaier, Geisterglaube im alten China. 5. Sep. 

2) Das Gespenst des grasgrünen Kaisers der östlichen Gegend (Jupiters) 
ist ein grüner Drache; jenes des rothen Kaisers des Südens (Mars) ist ein hell- 
rother Vogel; der gelbe Kaiser der mittleren Gegend (Saturn) hat zum Ge- 
spenst das Einhorn; der weisse Kaiser des Westens (Venus) einen weissen 
Tiger; das Gespenst des schwarzen Kaisers des Nordens (Merkur) ist das ur- 
sprünglich kriegerische. Pfizmaier, Geistergl., 4. 



— 169 — 

(hellroth). Sein Name ist Tan (Mennig). Der Heerführer von 
Hoa-yin der westlichen Berghöhe führt den Geschlechtsnamen 
Tseu (das Reich). Sein Name ist Schang (schätzen). Der 
Heerführer des Berges Heng, der nördlichen Berghöhe, führt 
den Geschlechtsnamen Mo (Niemand). Sein Name ist Hoei 
(Güte). Der Heerführer des hohen Berges Sung, der mitt- 
leren Berghöhe, führt den Geschlechtsnamen Schi (Stein). 
Sein Name ist Yuen (Ursprung). 

Im Schi-king, III, 3, 5 heisst es: Wie hoch ist doch der 
Yo; sein Gipfel reicht bis zum Himmel, aber vom Yo stieg 
dessen Schutzgeist Schin herab, um Fu und Schin, die Stützen 
der Tscheu, geboren werden zu lassen.^) 

Nach dem Buche der Thang erschien der Abgesandte 
des Gottes des Berges Hö einst dem Kaotsu und kündigte 
ihm den Zeitpunkt an, in welchem der seine Kriegsoperatio- 
nen hemmende Regen aufhören werde. 2) Dieser Gott heisst 
Thai-Töng und wird im Schan-Hai-king als Mensch mit einem 
Tigerkopf abgebildet. 

Einer der ältesten heiligen Berge, nach den chinesischen 
Büchern das Oberhaupt der fünf heiligen Berge, ist der Berg 
Tai in der Provinz Shantung in Nordchina. Schon der Kaiser 
Shun kam im ersten Jahr seines Reiches, 2255 v. Chr., hieher, 
um zu opfern; während 120 Menschengenerationen wvurde dieser 
Berg bestiegen. Er wurde dem Himmel gleich gestellt und 
heisst der Herr dieser Welt. Er bestimmt Geburt und Tod, 
Glück und Unglück, Ehre und Schande, grosse und niedere 
Dinge. Daher hat auch sein Gott einen hohen Rang und 
besitzt zahlreiche Tempel. Sein Ruf hat besonders im letzten 
Jahrhundert zugenommen. Er gilt als der Gott des Tags des 
jüngsten Gerichtes.^) 

Es werden jedoch nicht blos die grossen heiligen Berge 
von Göttern und Geistern bewohnt und beschützt gedacht, 



1) Plath, Relig. u. Cult. d. alt. Chines., I, 48 f. 

2) Pfizmaier. Geisterglaube, 17. 

^) Hambden C. du Böse, Dragon, Image and Demon, 387. 



— 170 — 

sondern sämmtliche Gebirge ohne Ausnahme. Daher gibt es 
in China unzählige Berggötter, unter welchen die Schutz- 
götter der Yo den obersten Rang einnehmen. Nach der Sage 
erschien der oberste Berggott zur Zeit des Kaisers Yao, ab 
dessen Premierminister die Berge der Provinz Setschuen 
trennte und dabei den Berggöttem begegnete.^) 

Die Auffassung, dass die Berge von Geistern bewohnt 
sind, hängt offenbar mit der Verehrung der Manen zusammen. 
Schon zur Zeit der Chowdynastie (11 22 v. Chr.) war es Sitte, 
dass das gemeine Volk in der Ebene, die Fürsten in niederen 
Hügeln, die Kaiser dagegen auf einer hohen Bergspitze unter 
Grabhügeln begraben wurden. 2) Die damit verbundenen Ge- 
bräuche (Verbrennung von Menschenfiguren aus Stroh, später 
aus Holz) ^) deuten entschieden auf Menschenopfer, welche 
auch in Thsin bei dem Begräbnisse des Fürsten Wu (678 
V. Chr.), des Fürsten Mo (621 v. Chr.) und des ersten Kaisers 
wieder auflebten.^) 

Die auch für die Berggeister gebrauchte Collectivbezeich- 
nung »Götter und Geister« beweist, dass man sich jeden Berg 
als von verschiedenen Kategorien von Geistern bewohnt 
dachte. Die höhere Kategorie sind die Schutzgeister der Berge, 
denen der einzelne Berg gewissermassen gehört, sammt Allem 
was darauf oder darin ist. Jedermann, der den Berg betritt, 
selbst der Kaiser, muss dessen Schutzgeiste Ehrfurcht be- 
zeugen; selbstverständlich Jeder, welcher etwas auf dem 
Berge Befindliches benützen will. Dies schreibt schon der 
Li-ki (vgl. Plath 1. c, 74) vor. Auch Pfizmaier weist in seinen 
Beiträgen zur Geschichte der Edelsteine und des Goldes 
(Sitzungsb. d. Akad. d. W., 1868) darauf hin. Die Wirksam- 
keit der Schutzgeister erstreckt sich auf Alles, was in ihrem 



') Hambden C. du Böse 1. c, 72. 
*) Eitel, Feng-Shui, 62. 
3) Tscheu-li, Cap. 21, 46. 

*) Pfizmaier, Anf. d. Aufstandes gegen das Herrscherhaus der Thsin. 
Sitzungsb. d. Akad, d. W., Wien 1859. 



— 171 — 

Bezirke vorgeht. So sagt das Buch der Tsin : Fu-kien machte 
einen Einfall und plünderte J) Tao-tse, König von Kuei-ki, 
Hess mit Schaustellung der Macht trommeln und blasen, 
indem er den Geist des Glockenbergcs suchte. Er bot ihm 
den Namen eines Reichsgehilfen an. Als Kien nach Scheu- 
tschün eindrang, sah er, dass die Bäume nnd Pflanzen der 
acht Fürsten Aehnlichkeit mit göttlichen Gestalten hätten. 
Es war, als ob sie göttliche Macht besässen. 

Vor Allem sind jedoch die Schutzgeister der Berge die 
Vermittler jener physischen Vorgänge, welche mit den Bergen 
im Zusammenhange stehen. 

Unter den im Cap. 24 des Tscheu-li erwähnten Zauber- 
büchern heisst das erste derselben Lien-schan, was Biot mit 
liaison des montagnes übersetzt. Der Comm. B. erklärt dies 
als das Buch über die Emanationen, welche von den Bergen 
ausgehen und dieselben afficiren.^) Welcher Art diese Emana- 
tionen sind, ersehen wir aus dem Li-ki, Cap. Tsi-fa, 18:^) 

»Berge, Wälder, Flüsse und Hügel können Wolken 
ausgehen lassen und Wind und Regen machen.« Die An- 
nalen aus den Zeiten der Thang geben uns ein anschauliches 
Bild von den steten Kämpfen der Bevölkerung gegen die 
verheerende Gewalt der Gebirgswässer, welche fast alljährlich 
unzählige Menschenleben vernichteten. Diese Unglücksfälle 
wurden auf Rechnung der mit Recht (wegen unterlassener 
Opfer) oder ohne triftigen Grund erzürnten Berggötter gesetzt, 
daher die stets wiederkehrenden Opfer, welche den Bergen 
und Flüssen, dargebracht werden. 

Beim zweiten (täglichen) Opfer wird seit dem Kaiser Yü 
das »Gefäss des Berges« (Schan-tsun oder Schan-lui) gebraucht. 
Auf demselben ist eine Wolke gemalt, welche auf einem 
Berg ruht.^) 



^) Pfizmaier, Geisterglaube, 13. 

2) Tscheu-li, IL, 70 f. 

3) Plath 1. c, 51. 

*) Tscheu-li, XX, 15. Anm. 



— 172 — 

Wir verstehen auch vollkommen aus dem Zusammen- 
hange der meteorologischen Vorgänge, warum, wie Plath *) 
hervorhebt, im Schu-king der Cultus der Berge und Flüsse 
immer mit dem des Schang-ti verbunden ist, weil eben 
Himmel-, Fluss- und Berggeister als dabei betheiligt ge- 
dacht werden. Mit der Wichtigkeit jener Verhältnisse steht 
der hohe Rang in Einklang, welcher den Berggöttern einge- 
räumt ist. 

Das nachfolgende, von Barrow^) mitgetheilte Edict des 
Kaisers Kien-long illustrirt die Anschauungen der Chinesen 
in Bezug auf Wettergebete und beweist zugleich die enge 
Verbindung von Berg- und Drachencult: 

Der gnädige, schützende Tempel des Königs der 
Drachen auf dem Berge Yu-chun hat sich bei jeder 
vorfallenden Dürre unseren Gebeten um Regen günstig er- 
wiesen, wie es in unsern heiligen Registern gebührend be- 
merkt worden ist. Von der Sommer - Sonnenwende dieses 
Jahres an mangelte es sehr an Regen; daher wir bewogen 
wurden, am 17. dieses Monats in dem besagten Tempel per- 
sönlich unser Gebet und unser Opfer darzubringen. Noch an 
demselben Tage bemerkte man einen leisen Regen oder Thau, 
und an den folgenden Tagen wurde das Land durch häufigen 
Regen von seiner Noth befreit. Dieser neuere Beweis der 
Kraft unserer Gebete vermehrt unsere Verehrung, und um dies 
zu beweisen, befehlen wir, dass der Tempel der gnädigen 
Gottheit nach einen Titel erhalte und bei allen triftigen 
Gelegenheiten genannt werden soll: 

Der Gnädige im Beschützen und der Wirksame im Er- 
halten, der Tempel des Königs der Drachen. 

Unser Wille werde vollzogen! 

Aus der Pekinger Zeitung, den 23, Tag des 5. Mondes, 
im 6. Jahr des Kia-king. 



1) Plath, 1. c, 74. 

2) Barrow, R. i. China, 259. 



— 173 — 

In späteren Zeiten wird dieses Verhältniss der meteoro- 
logischen Processe zu den Bergen in noch umfassenderem 
Sinne verwerthet, beim »Wahrsagen und Erspähen nach den 
Regeln des Yin und des Yang,« bei welchem die Kenntniss 
der Windrichtungen die Hauptsache istJ) Als der rebellische 
Statthalter Tschin-kung eine Festung angreifen wollte, befragte 
er den Zauberer Tschin-hiün (Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr.) 
um Rath. Dieser steigt auf den Berg Nieu-tschü, beobachtet 
die Luft und räth ab. Ein anderer (in der ersten Hälfte des 
4. Jahrhunderts n. Chr. lebender) Zauberer Tai-yang, der mit 
zwölf Jahren starb, jedoch nach fünf Tagen wieder lebendig 
wurde, erzählt: Als er gestorben war, habe der Himmel ihn 
den Dienst eines Angestellten der Weinkammer versehen 
lassen. Man habe ihm ein Abschnittsrohr (sie, Pfizmeier) 
und ein Verzeichniss übergeben, ein Gefolge von Angestellten 
und die Zeichenfahnen verliehen. Er habe in Begleitung die 
Berge Pung-Iai, Kuen-lün, Tsi-schr, den Tai-schT, den Heng, 
Liü und Heng erstiegen. Hierauf habe man ihn zurückge- 
schickt. . . . Als er erwachsen war, verstand er sich alsbald 
auf die Ricthungen des Windes. 

Aus der lichtvollen Darstellung von E. J. Eitel über das 
dem Choo-he (innerhalb der Sung- Dynastie, 11 26 bis 1276) 
zugeschriebene Fe ng-Shui ersieht man, wie im Verlaufe der 
chinesischen Geistesentwicklung die Bedeutung der Berge 
immer zugenommen hat. Sie werden als Repräsentanten der 
Himmelskörper aufgefasst. Die neun Sterne des nördlichen 
Büschels, die Planeten, die Zodiacalsterne , überhaupt wie 
es scheint, alle wichtigen Sterne, haben ihre Repräsentanten 
in den irdischen Bergen. Dasselbe gilt von den fünf Ele- 
menten, welche als Ausfluss der Planeten Jupiter (Holz), 
Mars (Feuer), Saturn (Erde), Venus (Metall), Merkur (Wasser) 
aufgefasst werden. Es ist die Kunst der Wahrsager, zu er- 
kennen, welchem Sterne jeder einzelne Berg entspricht. Dies 
scheint wenigstens bezüglich der Planeten nicht so sehr 



^) Pfizmaier, Wundermänner Chinas. Sitzungsb. d. Akad. d.W., Wien 
1877, 5» 7 ff. 



— 174 - 

schwierig zu sein. ^) Steigt ein Berg kühn und senkrecht auf 
und läuft er in eine scharfe Spitze aus, so wird er mit Mars 
identificirt und als Repräsentant des Feuers aufgefasst. Ist 
dagegen die Spitze bei sonst gleicher Gestalt abgebrochen, 
ein enges Plateau bildend, so ist der Berg eine Verkörperung 
von Jupiter und eine Darstellung des Elementes Holz. Ein 
in ein weites Plateau auslaufender Berg stellt den Saturn 
dar, und das Element Erde wohnt daselbst. Ein hoher Berg 
mit sanft abgerundeter Spitze stellt Venus und das Element 
Metall dar. Ein Berg mit kuppeiförmiger Spitze verkörpert 
den Merkur und das Element Wasser. 

Am linken Ufer des Westflusses (Ta-kiang, westlich von 
Canton), in der Nähe der Stadt Tschao-king, befinden sich 
sieben fast senkrecht aus der Ebene aufsteigende, in einem 
Halbkreise zusammenliegende und wild zerklüftete Marmor- 
felsen, die letzten Ausläufer eines von Ost nach West strei- 
chenden mit der Bergkette Ting-u-schan zusammenhängenden 
Gebirges. Sie sind ein Ziel von Pilgern, und heissen die 
»sieben Sternberge«. *^) 

Wie schwierig und ungünstig sich nach dieser Auf- 
fassung die Verhältnisse beim Zusammentreffen mehrerer 
Berge gestalten können, mag folgendes Beispiel beweisen. 
Der Pik von Hongkong besitzt die Contouren des Jupiter 
und steht daher unter dem Einflüsse des Elementes Holz. 
An dem Fusse dieses Berges befindet sich aber ein Hügel, 
Taip'ingshan genannt, mit den Contouren des Mars, welcher 
somit das Feuer repräsentirt. Es ist daher nicht zu wundern, 
dass die meisten Feuersbrünste in Honkong gerade im Districte 
Taip'ingshan ausbrechen ! Da bleibt nun oft nichts Anderes 
übrig, als die Formen der Berge in zweckmässiger Weise zu 
corrigiren, was sehr oft geschieht. 

Die Vergeistigung der Dinge der Aussenwelt geht so- 
weit, dass die Natur im Ganzen als ein ein- und ausathmen- 



1) Eitel, Feng-Shui, 57. 

2) H. Schröter, R. n. Kwang-si, Globus LIV, 26. 



— 175 — 

des Wesen aufgefasst wird, dessen Athem Erde und Himmel 
und jegliches Geschöpf Leben und Dasein verdanken.*) Der 
Athem der Natur enthält ein zweifaches Element, welches 
Eitel treffend mit den zwei magnetischen Strömungen ver- 
gleicht. Der Chinese bezeichnet sie als männlich und weib- 
lich und symbolisirt dieselben durch die Vorsteher des öst- 
lichen und westlichen Himmelsquadranten, durch den himmel- 
blauen Drachen und den weissen Tiger. Wo der Athem der 
Natur die Erdoberfläche durchdringt, sind die Körpertheile 
des Drachen in den Unebenheiten des Bodens nachzuweisen; 
wo keine solchen vorhanden sind, fehlt der belebende Hauch 
der Natur. Allein auch im entgegengesetzten Falle bedarf es 
einer bestimmten Anordnung der Berg- und Hügelketten, da- 
mit die in der Umgegend des Drachenherzens am stärksten 
entwickelte Lebensenergie nicht zerstreut und verflüchtigt 
werde. Nur Plätze, an welchen der Odem der Natur durch 
Anhöhen von beiden Seiten zusammengehalten wird und 
welche überdies durch einen in mannigfachen Windungen 
sich hinschlängelnden Wasserlauf durchschnitten werden, sind 
eines steten Vorrathes an Lebenskraft sicher. Wer hier ein 
Grab oder ein Haus errichtet, sichert sich und seinen Nach- 
kommen Glück, Reichthum und Ehre. 

Es gibt aber auch Plätze, an welchen durch eine Dis- 
harmonie der planetarischen Einflüsse und einen Gegensatz 
der Elemente die Ausströmungen des Lebensodems verderb- 
lich wirken. 2) Dies gilt sehr häufig für Plätze mit äusseriich 
günstigen Contouren, in denen nur der Compass den ver- 
borgenen Zwiespalt verräth. Doch gibt es auch äusserliche 
Kennzeichen. Schroff'e Berge, welche kein stufenförmiges An- 
steigen aufweisen, alle geraden Linien, besonders wenn sie 
auf den gewählten Ort direct zulaufen, daher auch gerad- 
linige natürliphe oder künstliche Wasserläufe, isolirte und 
unbewachsene Felskuppen — bringen böse Einflüsse hervor. 
In der Nähe von Hongkong bei Wanchai befindet sich am 



^) Wegen der Erazelnheiten sei auf Eitel, Feng-Shui, Cap. IV verwiesen. 
2) Eitel, 1. c, 54 ff. 



— 176 — 

Rande eines Hügels ein auffallender Fels ; die Chinesen nen- 
nen ihn »das böse Weib« und glauben fest, dass alle Im- 
moralität von Hong-kong und alle Laster Von Taip'ingshan 
von diesem bösen Felsen herrühren. Diejenigen, welche aus 
den immoralischen Gewerben Nutzen ziehen, beten noch 
heute zu diesem Felsen, opfern daselbst und verbrennen dort 
Weihrauch. Niemand wagt es von diesen Felsen etwas ab- 
zuschlagen. Die Mittel, um diese bösen Einflüsse abzuwehren, 
bestehen in der Anlage von Baumpflanzungen hinter dem 
Hause, von Brunnen oder Teichen, von Pagoden vor dem- 
selben. Auch die Anbringung von Symbolen des männlichen 
und weiblichen Princips, der acht Diagramme, von steinernen 
Löwen oder Drachen aus gebranntem Thon vor dem Hause 
oder an der Spitze des Felsens, thut gute Dienste. Das weit- 
aus beste Mittel jedoch besteht in der Anstellung eines Zau- 
berers und in der stricten Befolgung seiner Weisungen. 

Die Fülle von mythologischen und abergläubischen Mo- 
tiven, welche sich aus den im Vorhergehenden angedeuteten 
Grundvorstellungen entwickelt, ist so gross, dass es unmög- 
lich ist, dieselbe auch nur annähernd zu erschöpfen. Das 
Schan-hai-king verzeichnet viele Berge, welche Manengeister 
mit den absonderlichsten Gestalten, ferner eine fabelhafte 
Fauna und Vegetation beherbergen, welche auch wieder 
eigenthch Manen sind. So werden die Bäume Luan auf dem 
Yün-Yü-tschi-tschan (Wolkenregenberg) als Geister bezeichnet, 
die in dieser Form wiedergeboren sind. Auf dem Berge Fa- 
Kiu-Kiu-Schan (westlich von Threhang, in etwa 36^ nördl. B. 
und 113^ östl. L. auf Richthofens Karte) ist ein Vogel Tsing 
Wei, der eine im Meere ertrunkene Tochter des Kaisers 
Schön-hung ist u. s. w. 

Es folgen nun einige Angaben über niedere Bergdämonen 
nach chinesischen, von Pfizmeier übersetzten Quellen. 

In den Gebirgen der westlichen Gegenden gibt es eine Art 
menschenähnlicher Geschöpfe. Dieselben sind einen Schuh lang, 
haben entblösste Schultern und fangen Hummern und Krabben. 
Sie haben jedoch keine Furcht vor den Menschen. Sie halten 
vor den Nachtlagern und nähern sich dem Feuer derselben, 



— 177 — 

an dem sie Hummern und Krabben braten. Sie warten den Augen- 
blick ab, wo die Menschen nicht da sind, worauf sie das Salz 
derselben stehlen, um damit die Krabben zu verzehren. Sie 
heissen Schan-sao (Sao des Berges). Mit ihren Stimmen rufen 
sie einander. Die Menschen legen gewöhnlich Bambus in 
das Feuer. Sobald dieses Hitze verbreitet, erscheinen die 
Schan-sao. Ihnen etwas zu Leid thun, bewirkt, dass die 
Menschen Hitze und Kälte empfinden.^) 

Im Norden von Liang liegt der Erdhügel von Li. Da- 
selbst befand sich ein wunderbarer Dämon, der sich daran 
ergötzte, die Gestalt der Söhne, Neffen und Brüder der Men- 
schen anzunehmen, welche er necken und quälen wollte. 2) 

Weitere Dämonen der Anhöhen sind die Sin mit der Ge- 
stalt eines gehörnten Hundes und buntglänzenden Streifen, und 
der Kuei (Teufel mit zwei Auswüchsen an der Stirne), ein Un- 
gethüm der Bäume und Steine, welches einem Drachen gleicht. 

Ein anderes Wesen lebt in dem Gebirge des Districtes Tung- 
tschang. Es ist vier bis fünf Schuh hoch, nackt und von seinem 
Haupthaar bedeckt. Es kann pfeifen und schreien, jedoch nicht 
sprechen. Als Holzfäller, bei deren Feuer er Krebse röstete, 
um sein Junges zu ernähren, ihn angriffen, rief er eine Schaar 
niederer männlicher und weiblicher Wesen herbei, welche die 
Menschen mit Steinen bewarfen.^) 

In den Bergen von Lint-schuen gibt es ungeheuer- 
liche Wesen. Dieselben kommen gewöhnlich mit Sturm 
und Regen. Sie haben eine pfeifende Stimme und können 
die Menschen mit giftigen Pfeilen beschiessen. Das Männ- 
chen derselben ist schnell, das Weibchen dagegen langsam. 
Das Schnelle bleibt nicht länger als einen Tag. Das Langsame 
bleibt über Nacht. Die Menschen jener Gegenden haben ge- 
wöhnlich etwas, um sie aufzusuchen. Wenn es ein wenig 
spät ist, sterben sie. Es ist die Sitte, sie aufzusuchen. Ihr 
Name ist: die mit dem Messer arbeitenden Dämonen.-*) 



1) Pfizmaier, Geisterglaube in China. Sitzungsb. d. Ak. d. W., WieniSyi. 

2) Pfizmaier, 1, c, 34. 

3) Pfizmaier, 1. c, 41. 

*) Pfizmaier, Geisterglaube, 49. 
Andrian, Höhencultus. 12 



— 178 — 

In Nan-Khang gibt es Geister, die Schan-tu (die Haupt- 
stadt des Berges) heissen. Dieselben sind gestaltet wie Men- 
schen, rothäugig, ihr Haupthaar ist gelb und bedeckt den Leib. 
Das Nest gleicht der Form nach den Eiern des Farben- 
Vogels. Es ist drei Schuh hoch, innerlich sehr prächtig und 
von einem frischen Glanz der fünf Farben. Sie fügen zwei 
Stück aneinander, so dass sie in der Mitte zusammenhängen. 
Die Menschen des Gebietes sagen, das obere sei das Wohn- 
haus des Männchens, das untere sei das innere Haus des 
Weibchens. Seitwärts bringen sie immer eine Oeffnung an, 
von der aus sie spähen. Diese Geister sind im Stande sich zu 
verwandeln, man sieht selten ihre Gestalt. Sie sind nämlich 
eine Art Baumgäste und Sao des Berges. ^ 

Nach einem anderen Autor (Ten-te-ming) gleicht der Schan- 
tu von Gestalt den Menschen des Kuen-lün. An seinem ganzen 
Körper wachsen Haare. Wenn er Menschen sieht, schliesst er 
ohneweiters die Augen und sperrt den Mund auf, als ob er lachte. 
Er verweilt gern an tiefen, von Bergen eingeengten Flüssen. Er 
stürzt daselbst die Steine um und fängt Krebse, die er verzehrt. 2) 

In den westlichen Gebirgen lebt ein zehn Fuss hoher Dä- 
mon, bei dessen Anblick man ohnmächtig wird. Man will be- 
obachtet haben, dass das Krachen von Feuerschwärmen ihn 
verscheuche. Daher stammt deren Gebrauch bei gottesdienst- 
lichen Verrichtungen.^) 

Auf dem Muzart (Musur-Ling), einer Kette des Tien- 
schan, haust der Geistadler. Im Si-yü-schui-tao-ki heisst es, 
dass, wenn man auf dem Eispasse (ping-ling) mit Sturm und 
Schnee zu kämpfen habe und in Gefahr gerathe, den Weg zu 
verlieren, man nur dadurch gerettet werde, dass der Geistadler 
fliege und kreische, und man in der Richtung des Schreies 
den Pfad suche. Dort überfallen, wie dieselbe Quelle berichtet, 
wilde Drachen die Reisenden. Jene, welche diesen Weg ein- 
schlagen, dürfen keine zinnoberrothe Kleidung tragen, keine 
Kürbisflaschen mit sich führen, noch laut schreien (Himly). 

i) Pfizmaier, 1. c, 55. Ueber die Baumgäste vgl. Pfizmeier, ibid. 54. 

') Pfizmaier, 1. c, 54. 

3) Du Böse, Dragon Image and Demon, 339. 



— 179 — 

Toismus. 

Wenngleich im Vorhergehenden vielfach toistische Vor- 
stellungen berührt wurden, müssen wir uns nun etwas spe- 
cieller mit den neuen und höchst originellen Motiven beschäf- 
tigen, welche die Lehre der »Anhänger des Wegs« in den 
chinesischen Höhencult eingeführt hat. Die hier zu Tage 
tretende Vergeistigung der Berge, deren Genesis nicht zu 
schwer verfolgt werden kann, wird wohl kaum wo anders zu 
finden sein. So ist z. B. die ethische Bedeutung der Berge, 
welche in deren zahlreichen Beziehungen zu den »wahren 
Menschen« und den Unsterblichen verschiedenen Grades zu 
Tage tritt, offenbar ganz verschieden von der idealen Auf- 
fassung der Berge in der Lehre des Zoroaster, welche allen- 
falls ein Seitenstück dazu abgeben könnte. Freilich ergibt 
sich aus dieser relativ hohen Entwicklungsphase menschlicher 
Vorstellungen durch die den Chinesen eigenthümliche starre 
Festhaltung animistischer Verehrung der Manen und Natur- 
kräfte ein neues Feld für Aberglauben und wüstes Zauber- 
wesen. 

Die Weltordnung liegt nach dem Toismus in den Hän- 
den des Himmelskaisers und der höchsten Unsterblichen, 
d. h. der Manen von jenen Menschen, welche während ihres 
Lebens den Weg des »höchsten Wahren« gewandelt sind. 
Die himmlische Hierarchie, die Existenzbedingungen der Un- 
sterblichen, sind auf das genaueste den analogen Verhältnissen 
auf der Erde nachgebildet. 

Die Gliederung des Himmels ist sehr complicirt. Man 
unterscheidet 8i Himmel des Yang und 36 »Himmel der 
Tiefen«. Der höchste ist der Himmel »des grossen Unschein- 
baren« (eines Sternbildes) mit 24 Lüften, aus deren Mischung 
auch himmlische Unsterbliche entstehen. Die Wege der Un- 
sterblichen sind die Bahnen der Sonne, des Mondes, der Ge- 
stirne; auf ihnen bewerkstelligen sie das Niedersteigen in das 
»innere Haus«. Die Thätigkeit der Unsterblichen besteht in 
der Aufrechterhaltung der kosmischen Harmonie, welche so- 
mit noch immer als von den Manen hervorgebracht gedacht 

12* 



— i8o — 

wird. Zur Ausschmückung der Himmelsräume werden alle 
Hilfsmittel der chinesischen Phantasie aufgewendet. 

Die Berge sind nach der Taolehre die Vorstufe des 
Himmels. Man kann wohl behaupten, dass sie schon zum 
Himmel gehören. Auf ihren Spitzen wohnen unzählige Un- 
sterbliche niederen Grades, welche aber successive in die 
himmlischen Wohnungen eingehen. Die Berge sind die Träger 
der Paradiese, der kostbaren Dinge, welche zum Paradiese 
führen, sowie der Nahrungsmittel, welche die Unsterblichen 
geniessen. .Deswegen heisst es: »Die das Leben verlängern, 
dem göttlichen Geiste Bestand geben, sind die Freunde der 
Berge und Gewässer.«^) 

Nach Hoai-nan-tse liegt ein Paradies auf dem Gipfel 
des Tien-schan. Es weht stets ein sanfter Wind darin, wel- 
cher die Blätter der schönen Bäume Tong bewegt, von denen 
der Garten umgeben ist. Derselbe wird von der gelben Quelle 
der Unsterblichkeit bewässert u. s. w. Ein gegenwärtig ^^) auf 
Veranlassung der kaiserlich russischen geographischen Ge- 
sellschaft durchforschter, 24.000 Fuss hoher Gebirgsstock des 
Tien-schan führt den bezeichnenden Namen Chan-Tengri. 

In einem der ältesten, jedoch in den späteren Bearbei- 
tungen mit buddhistischen Elementen versetzten Documente der 
chinesischen Litteratur, dem mit dem Shu gleichalterigen Shan- 
Hai-King oder »Canon of Land and Sea«, wird bereits er- 
wähnt, dass der Kuen-lün die Residenz vieler göttlicher Wesen 
bildet. Sie stehen unter der Aufsicht der »Königsmutter des 
Westens«, welche daselbst auf einem Berge von Jade ihren 
Palast hat. Dieser Mythus knüpft, nach de Groot, ^) an den 
Kaiser Muh (Mo) der Tscheu-Dynastie (10. Jahrh. v. Chr.) an, 
welcher angeblich eine Expedition nach den fernen west- 
lichen Ländern ausführte. Er wurde später durch viele Schrift- 
steller, besonders aber durch Lieh-Yü-Kheu (4. Jahrh. v. Chr.) 
ausgebildet und ist auch in ernste Geschichtswerke, wie das 



1) Pfizmaier, Taolehre, Sitzungsb. d. Akad. d. W., Wien 1869, 222. 

2) Globus, LI, 31. 

3) de Groot, Buddhist masses for the dead at Amoy Actes du VI. Con- 
grhs des Orientalistes, IV. Th. 



— i8i — 

Shi-ki des berühmten Sie-Ma-Tshien, und in die taoistische 
Litteratur, wie in die »Records of the Great Light« des Philo- 
sophen Liu Ngan, welcher im 2. Jahrhundert v. Chr. lebte, 
übergegangen. Neuere chinesische Schriftsteller heben da- 
gegen hervor, dass der Name der Königsmutter Si Wang Mu 
sowohl den Herrscher als eine Region des fernen Westens 
bedeutet. In dem sechsten Capitel eines alten vor Confucius 
abgefassten chinesischen Wörterbuches kommt dieser Name 
unter anderen Bezeichnungen westlicher Gegenden vor. Hier- 
aus, sowie aus einer Analyse der ideographischen Zeichen 
für viele andere chinesische Worte, schliesst de Groot, dass 
die Vorstellungen von Glückseligkeit mit denen von westlichen 
Gegenden, der Urheimat der Chinesen, vielfach verbunden 
sind, und dass diese Verknüpfung zu dem Aufbau des taoisti- 
schen und später des buddhistischen westlichen Paradieses 
geführt habe. 

Es folgen nun einzelne aus den Abhandlungen von Pfiz- 
maier geschöpfte Details über den Kuen-lün und über die 
»Königsmutter«. 

Die verborgenen Entscheidungen der »steigenden 
Wahren« (i. e. der wahren Menschen) sagen: 

Die marmorne Erdstufe des Kuen-lün ist der Ort, wo 
man die wahren Bücher einritzt und berichtigt. Die höchste 
Classe der drei Wahren befindet sich bei den höchsten Reinen 
und ist so geehrt, wie der erhabene Kaiser. Die mittlere 
Classe weilt auf dem mittleren Wege und besitzt die Rang- 
stufe der Fürsten und Reichsminister. Die unterste Classe 
befindet sich am Ende der drei Ursprünglichen und hat die 
Geltung der Grossen des Reiches. Sämmtliche Bücher der 
Classen der drei Wahren haben Eintheilungen und Ord- 
nungen. ^) 

Die Einritzung der Edelsteintafeln ^) und die Verzeichnung 
der Namen der Unsterblichen geschieht am Tage der Thei- 



1) Pfizmaier, Wahre Menschen. Sitzb. d. Ak. d W., Wien 1869, 228, 

2) Vgl. damit die Stelle in der von Rawlinson aus den Ecken des Birs 
Nimrod hervorgeholten Bauurknnde, in welcher Nebokadnezar den Gott Nebo 
bittet, er möge seine Tage als gesegnete in die Columnen der ewigen Tafeln 



— l82 — 

lung des Frühlings am Mittag; jeder Jahreszeit sind be- 
stimmte richterliche und administrative Functionen der Un- 
sterblichen zugewiesen, ebenso wie jedem Monat. 

Die »Verzeichnisse des sich sammelnden Unsterblichen« 
sagen: »Die Königsmutter ist die goldene Mutter des Schild- 
krötenberges. Sie ist durch die Verwandlung der äusserst 
wundervollen Luft der westlichen Blumen entstanden. Die 
goldene Mutter entstand und flatterte umher. Sie weilt bei 
dem ursprünglich Verborgenen der Gipfelung. Ihre Rangstufe 
ist gleich derjenigen der vier Gegenden. Sie nährt als Mutter 
die geschaarten Ordnungen. Die Thorwarte des Palastes, wo 
sie wohnt, befindet sich auf dem Berge Tschung, in dem 
Fruchtgarten des Kuen-lün, in dem Thiergarten des Sang- 
fung. Daselbst sind Stadtmauern in einer Höhe von tausend 
Weglängen, zwölf Stockwerke. Ohne Sturmwindwagen und 
Flügelräder kann man nicht dorthin gelangen. Haupthaar 
von Stabwurz, Tigerzähne sind nicht die wahre Gestalt der 
Mutter des Westens; sie ist nämlich eine Gottheit der west- 
lichen Gegenden.« *) 

In dem Buche der Schang heisst es : Das Reich der Königs- 
mutter befindet sich in der Wüste des Westens. Diejenigen, 
welche den Weg erlangen und Anweisungen hierüber hinter- 
lassen, huldigen der Königsmutter an der Thorwarte des Kuen-lün. 

König Mö von Tscheo machte Fische und Schildkröten 
zu einer Brücke, setzte auf ihnen über das schwache Wasser 
und erstieg den Kuen-lün. Auf dem Fels des ursprünglichen 
Fruchtgartens, des Thiergartens Lang, hatte er eine Zusammen- 
kunft mit der Königsmutter. Er sang das Lied der weissen 
Wolken des Westens, ritzte zur Erinnerung eine Schrift in 
Stein auf der Höhe des Berges Yen und kehrte zurück. "') 

Unter den Bergen des grossen Schnees findet sich 
der Berg der Kostbarkeiten. Daselbst entstehen sämmt- 
liche sieben Kleinode. Man kann sie dort holen. Bios 



einschreiben, welche die Geschicke des Himmels und der Erde aufgezeichnet 
enthalten. 

^) Pfizmaier, Taolehre des wahren Menschen 1, c, 235. 

2) Pfizmaier, Wahre Menschen, 87. 



- i83 - 

das Glas entsteht auf hohen Berggipfeln und ist schwer zu 
erlangen. ^) 

Auf dem Berge Kuen-lün ist ein Palast von scharlach- 
rothem und lasurblauem Glase. Es ist derselbe, den man mit 
Namen die »Halle der sieben Kostbarkeiten« nennt (Buddhi- 
stisch ?).2) 

Auf dem Berge Kuen-lün gibt es eine Thorwarte von 
Krystall. 

Zur Seite des Berges Kuen-lün findet man die Erdhaufen 
des Yao-Steines. Auf der Höhe derselben findet man die 
Edelsteine Lang-kang und Khien-lin. Wenn man diese siedet, 
kann man aus ihnen Fett bereiten.^) 

Die alte Stadt des Kuen-lün war am Hofe nicht vertreten. 
Man bat, dass man aus den Mineralien Khien-lin und Lang-kan 
Haarnadeln und Ohrgehänge des Tributs verfertigen und 
Khien-lin und Lang-kan im Werthe von tausend Pfunden 
fordern dürfe. Man könnte dann bewirken, dass der achttausend 
Weglängen messende Kuen-lün an dem Hofe erscheine.^) 

Das Buch Hoai-nan-tse sagt: 

Zur Seite der Erdhöhe des Kuen-lün befindet sich ein 
Brunnen mit Edelsteinglanz. Die vier Gewässer an seiner 
nordwestlichen Ecke sind die göttlichen Quellen des Kaisers. 
Man einigt durch sie die hundert Arzneistoffe. Man bringt 
durch sie Gedeihen den Zehntausenden des Volks. 

Die Verzeichnisse der sich sammelnden Unsterblichen 
sagen: In dem ursprünglichen Fruchtgarten des Kuen-lün 
sah man den »wahren Menschen des richtigen Einzigen«. Der- 
selbe mühte sich ab, betete und hütete sich, las die richt- 
schnurmässigen Bücher und ehrte den Weg. ^) 

Tsai-tan von U-yuen trat in das Gebirge und kehrte 
zurück. Er behauptete trügerischer Weise zu dem Kuenlün 
gekommen zu sein. Daselbst gebe es Edelsteinpfirsiche, die von 



^) Pfizmaier, Beitr. z, Gesch. d. Edelsteine und des Goldes. Sitzungsb. 
d. Akad. d. W., Wien 1868, 204. 

2) Pfizmaier, Edelsteine, 204. 

3) Pfizmaier, Edelsteine, 212. 

*) Pfizmaier, Lösung der Leichname, 1870, 68. 



— 184 — 

Gestalt den gewöhnlichen Pfirsichen gleichen. Nur dringe ihr 
Licht durch tiefe Höhlen und an Härte halte man sie für 
Edelsteine. Wenn man sie in Brunnenwasser wasche, seien 
sie sofort weich und können gegessen werden. *) 

Diese Pfirsiche spielen in den Legenden verschiedener 
Zeitalter eine Rolle. Sie stammen vom Kuen-lün und verleihen 
Unsterblichkeit den glücklichen Sterblichen, welchen dieselben 
durch die Königsmutter bescheert werden. 

Hier mag auch die Beschreibung des Paradieses auf 
dem Kuen-lün angereiht werden. Dieselbe entstammt dem 
vierten Capitel des obenerwähnten Werkes des Philosophen 
Liu-Ngan oder Hwai-Nan-Tsze, d. h. des Philosophen vom 
Süden des Hwai-Flusses (eines Seitenflusses des Hoangho).*^) 

In der Mitte befinden sich Bergwände in neunfachen 
Abstufungen, welche sich zu einer Höhe von 11.000 Meilen, 
114 Schritten, 2 Fuss und 6 Zoll aufthürmen. Auf dem Kuen- 
lün wachsen Kornbäume ^) von 5 Faden Länge. Bäume aus 
Perlen, Bäume aus Jade, Bäume aus Edelsteinen^) und Un- 
sterblichkeitsbäume wachsen auf dessen Westseite; Holzäpfel 
und weisse Korallen auf der Ostseite, hochrothfarbige Bäume 
im Süden, ^) der Pi-Baum^) und der Yao-Baum"^) im Norden. 
An den Seiten (des Gebirges) befinden sich 440 Thore, 



^) Pfizmaier, Früchte Chinas. Sitzungsb. d. Ak. d. W., Wien 1874, 223. 

2) Die nachfolgende Beschreibung wurde de Groot's Buddhist masses 
und Mayer's Chinese Readers manual, 330 f. entnommen. Einzelne Theile 
derselben entstammen offenbar dem Shan-hai-king, doch scheint, nach den von 
Herrn Himly für mich freundlichst besorgten Auszügen zu urtheilen, in dem 
älteren Werke die Vertheilung der mythischen Vegetation von der Darstellung 
des Hwai-nan-tze etwas verschieden zu sein. Die Anklänge an den Buddhismus 
werden nicht übersehen werden. 

^) tree-grain (de Groot). 

*) Bäume und Früchte aus Edelsteinen werden häufig erwähnt. Vergl. 
damit die Angaben der Taf. IX des Nimrodepos über das von Izdubar-Nimrod 
besuchte Land mit herrlichen Bäumen, deren Früchte Edelsteine sind. Jere- 
mias 1. c, 85. 

5) Kiang, nach Williams = deepred like the petals of the shoe- 
flower or Hibiscus rosa Sinensis. 

^ Der Pi-Baum; pi = grüner Nierenstein, Serpentin (Himly). 

"') Yao = Chrysopras oder Jade (Mayer). 



- i85 - 

und zu diesen führen vier Hauptstrassen, welche neun Ruthen 
von einander entfernt sind; eine Ruthe ist einen Faden und 
fünf Fuss lang. An den Rändern sind überdies neun Brunnen, 
an deren nordwestHchen Ecken Trommeln befestigt sind. 
Berge mit verschiedenen Namen liegen innerhalb der Thore 
des Paradieses, in dem Mittelpunkte des Kuen-lün. Hier sind 
dessen zerstreute Gälten, deren Teiche von dem gelben 
Wasser*) gespeist werden, welches, nachdem es dreimal cir- 
culirt hat, wieder zu seiner Quelle zurückkehrt. Es heisst 
das Wasser vom Steine des Philosophen; wer davon trinkt, 
wird unsterblich. 

Das »schwache Wasser« (Zho Schwei), welches unfähig 
ist, auch nur das Gewicht einer Feder zu tragen, schliesst 
den Aufenthalt der Si Wang Mu ein ; es kommt aus einem 
hohlen Felsen und fliesst in die bewegliche Sandwüste (liu 
scha) (Mayer). 

Dem Kuen-lün entströmen nach den vier Himmelsrich- 
tungen vier Flüsse, der blaue, weisse, rothe und schwarze 
Fluss. »Diese vier Ströme sind die geistigen Flüsse des himm- 
lischen Herrschers. Er bringt durch dieselben Harmonie in 
die heilkräftige Pflanzenwelt und beglückt durch dieselben alle 
lebenden Wesen. Zweimal so hoch als die Spitze der Kuen- 
lün-Berge ist der sogenannte Berg der kühlen Winde. Wer 
ihn besteigt, wird nicht sterben. Eine nochmalige Verdoppe- 
lung dieser Höhe führt zu den sogenannten schwebenden 
Gärten. Wer sie besteigt, wird zur reingeistigen Substanz und 
geschickt, um Wind und Regen zu beherrschen. In wiederum 
verdoppelter Höhe befinden sich die höchsten Himmel. Steige 
auf zu denselben und du wirst ein göttliches Wesen sein. 
Hier ist die sogenannte Residenz des grossen Herrschers.« 

Nach anderen Tao-Schriften soll der Kuen-lün mit Sien 
bevölkert sein, welche auf seinen Stufenländern Sesamfelder 
und Koriandergärten bauen, deren Producte von den An- 
hängern der Langlebigkeit statt gewöhnlicher Nahrung ge- 



^) Tan-scliwei (Wasser des tan, Mennig). Kin-tan, Goldmennig oder 
Stein der Weisen. 



— i86 — 

nossen werden. Daselbst stehen auch zwölf Yao-thai (Chry- 
sopras oder Jade-Thürme), alle aus dem fünffarbigen Nieren- 
stein gebaut. 

Auf dem Kuen-Lün steht auch der Kiung-Baum (Kiung = 
rothe Jade). Dieser Baum soll lo.ooo Fuss hoch sein und 30 
Armspannen im Umfange haben. Seine Frucht verleiht dem, 
der sie isst, Unsterblichkeit. Nach dem Khang-hi Wörter- 
buch soll der Kiung-Baum aus Korallen bestehen. Si Wang 
Mu soll Blätter und Blüthen davon ihren Anhängern gegeben 
haben. ^) 

Nach dem Lie Sien Tschuan (Ueberlieferung von alten 
Elfen), welches nach Williams aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. 
stammt, soll Tschi-Sung-tze, ein Regenpriester aus der Zeit 
des Sehen Nung (2737 v. Chr.), des Nachfolgers des Fu Hi,**^) 
diesen Kaiser in Zauberkünsten unterwiesen und dann sich 
zu der Si Wang Mu in ihre Höhlen unter den Gipfeln des 
Kuen-lün begeben haben, gefolgt von einer Kaisertochter, die 
durch seine Hilfe unter die Sien aufgenommen wurde. 

Die Freunde des Wegs, die gesonnen sind, die gött- 
lichen Unsterblichen zu suchen, sollen früher beten, sich 
hüten und einen Berg ersteigen. Einst betete und hütete sich 
Tso-thse durch drei Monate. Er verbeugte sich, bezeigte seine 
Ehrfurcht auf dem Berge Ling. Er erschöpfte die Wahrheit 
durch drei Jahre, dann erst zog der Gebieter der zwei (Berge) 
Miao herbei und trat vor ihn.^) 

Folgende Erklärung gibt hiefür »das Buch des Frie- 
dens«. Die unsterblichen Menschen sagen, dass die reinen 
Geister der Menschen immer weilen an den leeren und un- 
zugänglichen Orten. Sie weilen nicht an den schmutzigen 
und trüben Thoren. Will man bewirken, dass die Geister sich 



^) Mayer, 1. c, 317. 

2) Nach handschriftlicher Mittheilung des Herrn Himly ist dem Sch^n- 
hung der Ackerbautempel in Peking geweiht, wo jährlich der Kaiser ein kleines 
Stück Land pflügt und Thieropfer bringt. Er soll der Sohn der Prinzessin 
Ngang Töng und eines Drachen sein. 

3) Pfizmaier, Lösung der Leichname. Sitzungsb. d. Akad. d. W., "^'ien 
1870, 67. 



- i87 - 

nach der Rückkehr sehnen, so muss man jedenfalls beten 
und sich hüten in dem wohlriechenden inneren Hause. Die 
hundert Krankheiten werden dann von selbst hinweggenom- 
men. *) 

Li führte den Jünglingsnamen Tse-yen und war ein 
Eingeborner von Khioschni in Pö-yang. Sein Vater fasste den 
verborgenen Lichtglanz der Tugend und wohnte auf dem 
Berge Heng. Der Frühgeborene des Geschlechtes Kieu, von 
dem Berge Hoa-schan, übergab ihm die Kunst der zurück- 
kehrenden Geister. Er wurde ein wahrer Mensch der mitt- 
leren Berghohe.'-^) 

Ying war ein Eingeborener von Hien-yang, der den 
Grad der wahren Menschen unter der Anleitung des Gebie- 
ters von dem Geschlechte Wang, und durch den Genuss 
der Bergdistel erreichte. Er wurde nach einigen Jahr- 
zehnten, zu den Zeiten des Kaisers Yuen von Han, durch 
die Obrigkeiten des Himmels zum wahren Menschen des 
grossen Ursprünglichen, zum obersten Minister der östlichen 
Berghöhe und zum göttlichen Gebieter des Vorstehers des 
Lebensloses ernannt.^) 

Wang-pao lief die steilsten Berge hinauf wie ein flie- 
gender Vogel, übersetzte reissende Gewässer ohne Brücke 
oder Fürth. Han-wei-yen, der wahre Mensch des Gebirges 
der neun Zweifel, konnte seine Gestalt verändern und befindet 
sich gegenwärtig auf dem Berge Sung.-*) 

Von einer Menge von Unsterblichen des Himmels wird 
berichtet, dass sie auf einem Gebirge als Unsterbliche ver- 
schwanden. So die Kaisertochter von Nan-yang auf dem Ge- 
birge Hoa-yin, Tschan-schin aus der südlichen Provinz auf 
dem Gebirge Kung-tung, Yen-tsing aus Kuei-ki auf dem Ge- 
birge Hö, der Königssohn Kiao-tsin auf dem Berge Sung, 
Ken auf dem Gebirge des Hahnenhauptes, Yin-tschang-seng 



^) Pfizmaier, 1. c, 1870, 68 f. 

') Pfizmaier, Taolehre vom wahren Menschen, Sitzungsb. d, Akad. d. 
W., Wien 1870, 243. 

3) Pfizmaier, Taolehre vom wahren Menschen, 244 f. 
*) Pfizmaier, Wahre Menschen, 246 f. 



— i88 — 

auf dem Berge Ping-tu, Yün-fang auf dem Gebirge Tai-ho, 
Tung-kö-yen-nien auf dem Kuen-lün, Wang-tschin auf dem 
Berg Niü-ki (Mädchenbank) u. s. w. ^) 

Auch die Unsterblichen der Erde machen meistens ihre 
Schule im Gebirge durch und verschwinden im Gebirge. So 
Fung-kiün-ta aus Lungsi im Gebirge des Erdhügels des Tigers, 
Tsching-tse-hoang im Gebirge Hö u. s. w. Der Berg Keu-khiö, 
welcher früher Altar des gekrümmten Goldes hiess, wurde zu 
den Zeiten von Han von drei Gebietern des Geschlechts Miao 
bebaut, welche den Weg erlangt hatten (Pfizmaier 1. c, 270). 

Die Unsterblichen wohnen jedoch nicht allein auf den 
Gipfeln der Berge, sondern auch in deren Inneren, welche auf 
das mannigfachste ausgeschmückt werden. Die Berge werden 
als durch verborgene Gänge verbunden gedacht; so hängen 
die Berge des Westens mit denen von Yuen-tscheu und dem 
Kuen-lün zusammen. Der Gebieter von dem Geschlechte Pei 
und der Gebieter von dem Geschlechte Tscheu wohnen dort 
getrennt in dem Innern. In den Tiefen des Mennigberges 
der rothen Stadtmauern befinden sich die versteckten Fersen 
der Sonne und des Mondes; das Licht der drei Gestirne 
leuchtet in denselben.^) 

Der »Berg des Walddaches« hat im Umfange vierhundert 
Weglängen. Derselbe heisst auch der umfassende Berg. Er 
liegt in dem grossen See. An dem Fusse desselben befinden 
sich Tiefen, die im Verborgenen mit den fünf Berghöhen in 
Verbindung stehen. Sie heissen: der besondere Palast der 
Himmelskönigin. Yü von Hia ordnete die Gewässer und hatte 
den Frieden. Später verbarg er hier fünf Beglaubigungsmarken, 
Es sind dieselben, die erlangt wurden, als Kö-liü, König von 
U, den Stabträger Lung-wei in das Gebirge treten hiess. ^) 
An dem Fusse des umfassenden Berges befindet sich ein 
Felsenhaus mit silbernen Gemächern. Dasselbe misst hundert 
Weglängen in der Runde. Ferner befindet sich daselbst die 



^) Pfizmaier, Taolehre vom wahren Menschen, an vielen Orten. 
2) Pfizmaier, Taolehre vom wahren Menschen, 269. Die Analogie mit 
dem Hades im Innern des Aralu ist wohl kaum zu verkennen. 
') Pfizmaier, 1. c, 270. 



— iSg — 

verborgene Quelle der weissen Unsterblichkeitspflanze. Das 
Wasser der Quelle ist von purpurner Farbe.*) 

In der »grossen Ladung« (Name eines Berges Heu-tai) 
befinden sich sechsunddreissig Himmel der Tiefen. In den 
Bergen, die es innerhalb der acht Meere gibt, befinden sich 
ebenfalls Paläste der Tiefen. Einige derselben messen tausend- 
fünfhundert Weglängen. Sie gehören nicht zu der Classe der 
sechsunddreissig Himmel der Tiefen. ') 

Die fünf Berghöhen, die berühmten, heiligen Berge, besitzen 
Paläste der Tiefen, welche göttliche Unsterbliche beherbergen. 
Nach der »Geschichte der berühmten Berge« messen die 
Tiefen der berühmten Berghöhen (fünf heilige Berge?) hun- 
dert Weglängen. Dieselben befinden sich zwischen Tschung- 
nan und Tai-yT. Sie heissen auch : der Palast von Kuei-yang. 
Sie enthalten viele göttliche Merkwürdigkeiten. 3) 

Die Tiefen des »Berges des Königsdaches« heissen auch 
die kleinen vorhandenen Himmel des leeren Reinen. Die 
inneren Ueberlieferungen von dem Gebieter des Geschlechtes 
Wang sagen: Sie befinden sich an der Grenze des Districts 
Tsin-schui in Ho-nei, an der Quelle des Flusses Thsi. Im 
Norden liegt der Tai-hang. Im Südosten liegt der Pe-mang 
und der Berg Sung. In den Himmel der inneren Tiefen kehrt 
man sich zu Sonne, Mond, zu den Gestirnen und zu der 
Wolkenluft. Die Pflanzen und Bäume, die zehntausend Arten 
der Dinge zeigen keinen Unterschied. Die Thorwarten der 
Paläste beleuchten sich gegenseitig. Es gibt Gold, Edelstein, 
Grabstichelwerk und Zierrathen. Sie werden von Unsterb- 
lichen der Erde bewohnt, sie sind der Aufenthaltsort des Ge- 
bieters der Edelsteine des reinen Leeren. Nach den »Kund- 
machungen des Wahren« sind diese Himmel die sogenannte 
Stufe des Yang. 4) 

Die Tiefen des Berges Kö-thsang haben im Umfange 
dreihundert Weglängen. Die östliche Berghöhe unterstützt 



^) Pfizmaier, 1. c., 270. 

2) Pfizmaier, 1. c, 271. 

3) Pfizmaier, ibidem. 

*) Pfizmaier, 1. c, 271. 



— igo — 

das Lebenslos. Dieselbe befindet sich im Südosten des Kuei- 
ki und ist der Ort, wo sämmtliche Kaiser lustwandeln. Auf 
dem Berge gibt es viele göttliche Merkwürdigkeiten. Ferner 
liegen daselbst die Berge: die Halle der blassrothen Wolken, 
der verwaiste Berggipfel, die Bergtreppe der geraden hoch- 
ragenden Felsen, der vereinzelte Häuptling der glänzenden 
Vorzüge. In dem Gebirge, an einer erhabenen Stelle der 
Bergtreppe Miao-yen's vergrub der Vorsteher des Lebensloses 
sechzig Pfund mennigrothen Sandes in einer Tiefe von zwei 
Klaftern und füllte den oberen Raum mit Felsstücken aus. 
Die Quellen zur Rechten und Linken des Berges sind von 
schwacher rother Farbe. Die Menschen, welche davon trinken, 
erreichen ein hohes Alter. Die Altarsteine des Himmelskaisers 
auf dem Berge Miao sind genau in der Mitte der Himmel 
der Tiefen, oberhalb des ursprünglichen Fensters. Einst be- 
stieg ein Gebieter, der grüne Jüngling des östlichen Meeres, 
den Wagen der fliegenden Räder des Sturmwindes und zog 
forschend durch die Himmel der Tiefen. ^) 

In dem Gebirge Tai-wu befindet sich ein Palast der 
Tiefen. Dessen Edelsteinthüren befinden sich auf dem Berge 
Ngo-mei (Kreis Kien-ting in Sse-tschuen). Die Namen der 
Wahren und Unsterblichen, die den Weg erlangten, sind 
reihenweise in diesem Palast eingegraben. ^) 

Die wahren Menschen des höchsten Reinen haben die 
Leitung als grosse Vorsteher der Pferde für die Unsterblichen, 
als Lehrer der Vorschriften für das lange Leben. Sie besteigen 
den dem grossen Kaiser geweihten Berg des (Flusses) Thsang- 
lang. In den beiden Edelsteinhöhlen der Erdstufe der Thal- 
tiefen trinken sie zum Vergnügen den Saft der purpurnen, 
glänzenden Pflanze der Unsterblichen.^) 

Auf dem Berge Miao befindet sich eine kleine Höhle, 
deren Mündung mit Steinen ausgefüllt ist. Bios wenn man 



^) Pfizmaier, Taolehre vom wahren Menschen, 272. 

2) Pfizmaier, 1. c, 221. 

3) Pfizmaier, 1. c, 222. 



— igi — 

mit reinem Herzen betet und sich hütet, kann man es dahin- 
bringen, dass man in ihr lustwandelt. Im Osten des Miao 
ist ebenfalls eine kleine Höhle, deren Mündung gleich der 
Oeffnung einer Hundshütte ist. Je mehr man vordringt, 
desto mehr erweitert sie sich. Auswendig ist die Mündung 
durch Felsstücke verdeckt. Die übrigen früher vorhandenen 
kleinen Oeffnungen sind von der Grösse eines Trinkbechers. 
Sie werden durch die Geister des Berges bewacht. Diese 
Felsstücke öffnen sich auch zu gewissen Zeiten. Wenn man 
ernstlich betet, sich hütet und sie sucht, kann man ihnen 
folgen und leichter als gewöhnlich in die Mündung der Tiefe 
eintreten. ^) 

Die in Stein gegrabene verborgene Inschrift der er- 
habenen höchsten Reinheit der Edelsteine lautet: Der Berg 
der Hauptstadt Fung liegt im Norden. In ihm befindet sich 
eine hohle Tiefe. In der Tiefe befinden sich sechs Paläste. 
Wer diese Inschrift an der nördlichen Wand des Palastes 
niederschreibt, ordnet und beschränkt sämmtliche Uebel, er 
heisst sie nicht bedrücken das geborene Volk. ^ 

Ausser dem reinen und tugendhaften Lebenswandel führen 
nach der Lehre der Anhänger des Wegs zur Unsterblichkeit 
noch gewisse Arzneimittel, Luft, Mennig, Goldsaft, Edelstein- 
fett, Frauenglas, Fichtenharz, Stechwinde, Bergdistel und die 
hundertzwanzig UnsterbHchkeitspflanzen u. s. w. Die eigent- 
Hche »grosse Arznei« ist im Laufe der Zeiten verloren ge- 
gangen. Man findet ein ausführliches Verzeichniss dieser 
Mittel bei Pfizmaier, Gegenstände des Taoglaubens, Sitzungsb. 
d. Akad. d. W., Wien 1875. 

Die Wirkungen dieser Arzneien sind theilweise rein 
medicinischer, theilweise übernatürlicher Art. Ausser der Ver- 
längerung des Lebens und ewiger Jugend erhält man durch 
deren Gebrauch die Fähigkeiten, die Wolken zu ersteigen, 
auf dem Wasser zu gehen (weil der Körper leicht wird), im 



*) Pfizmaier, Lösung der Leichname. Sitzungsb. d, Akad. d. W., 
Wien 1870. 

2) Pfizmaier, Wahre Menschen, 233. 



— 192 — 

Feuer nicht zu verbrennen, unsichtbar zu werden, zu glänzen, 
den Dämonen Aufträge zu geben, Todte zu erwecken u. s. w. 

Bei der Herstellung des langen Lebens handelt es sich 
nach der Lehre des Tao um die grossen Arzneimittel; sie 
wird nicht durch Opfer bestimmt. Die beiden Herrscherhäuser 
Thsin und Han betrieben im grossen Massstabe Gebet und 
Anrufung. Dem sie opferten, waren Wesen, wie die fünf Kaiser 
des grossen Einzigen, die acht Götter der dargelegten Kost- 
barkeiten. In ihren Unternehmungen verausgabten sie hundert- 
tausend Zehntausende. Sie hatten davon durchaus keinen 
Nutzen. Wie erst der gemeine Mann, der ohne Tugend mit 
drei Opferthieren vergeblich die Götter anrufen und um die 
Verlängerung seiner Jahre flehen wollte! Der Irrthum wäre 
auch ein sehr grosser.^) Nadh Pfizmaier*) brachte der erste 
Kaiser aus dem Geschlechte Thsin, nachdem die Selbst- 
ständigkeit der Reiche vernichtet worden, den grössten Theil 
seiner Zeit damit zu, dass er in den verschiedenen Ländern 
herumreiste und zu den verschiedenen Gottheiten, sowie zu 
den berühmten Bergen betete, wodurch er eine unbegrenzte 
Dauer seines Lebens zu erreichen hoffte. 

Die Wegmänner des Alterthums, die im Fluge die 
Arzneistoffe läuterten, mussten in die berühmten Gebirge 
treten. Sie untersuchten ferner die Bücher über das Betreten 
der Gebirge, sie konnten dadurch geistig denken und die Lock- 
speisen ordnen. Diese Arzneistoffe finden sich auf dem grossen 
blumigen Berge, dem Heng, dem Sung, auf dem kleinen 
inneren Hause, dem Tai-pe, dem Tschung-nan, der Mädchen- 
bank, der Erdlunge, dem Königsdache, dem umfassten Kalbe, 
dem ruhigen Erdhügel, dem Hung, dem Tsien, der grünen 
Feste, dem Ngo-mei, der Erdstufe der Wolken, dem Lo-feu, 
dem Yang-kia, dem gelben Golde, dem grossen und kleinen 
Thien-tai, dem Hö, dem Bambus, dem zusammengeschnürten 



*) Pfizmaier, Lebensverlängeningen der Männer des Weges. Sitzungsb. 
«. Akad. d. W., Wien 1870, 353. 

2) Pfizmaier, Anfang des Aufstandes gegen den Herrscher aus Thsin. 
Sitzungsb. d. Akad. d. W.. Wien 1859, 274. 



— 193 — 

Grasgrünen. Wenn man von den vier Gegenden nach den 
Gebirgen blickt, so findet man in ihnen die richtigen Götter. 
Auf ihren Höhen wächst die Unsterblichkeitspflanze. Man 
kann dadurch ausweichen der grossen Kriegsnoth, den grossen 
Wasserfluthen. Wenn die den Weg Besitzenden sie ersteigen, 
so leisten die Götter dieser Berge ihnen gewiss Beistand 
und bringen Segen. Die Arzneimittel kommen gewiss zu 
Stande. Gleichwie auf diesen Bergen, kann man auf den 
in dem Meere befindlichen grossen Inseln die ArzneistofFe 
vereinigen. *) 

Wenn die Tugend zu den Bergen und Erdhöhen ge- 
langt, so bringen die Erdhöhen schwarzen Mennig hervor. ^) 

In dem Districte Tschang-ping liegt der Berg des Stein- 
fettes.^) Derselbe hat von Weitem das Aussehen von Reif- 
frost und Schnee. Ferner besteht eine Berghöhe im Osten 
aus Silbererz. Im Süden ist sie Eisenerz. Im Westen ist sie 
Zinnober, im Norden Kupfererz. 

Die zahlreichen Abarten der Unsterblichkeitspflanze 
wachsen gegenwärtig auf den Bergen; früher sollen einige 
derselben auch an anderen Orten gefunden worden sein. So 
wächst die Unsterblichkeitspflanze des Edelsteinfettes auf den 
Bergen, welche Edelsteine enthalten, und zwar immer auf 
überhängenden und gefährlichen Stellen. Die Unsterblichkeits- 
pflanzen des siebenfachen Lichtes und des neunfachen Glanzes 
sind Steine ; sie finden sich auf hohen über Gewässer ragen- 
den Bergen, zwischen felsigen Uferhöhen. Jene des Stein- 
zimmts und Steinhonigs wachsen in Felsenhöhlen. Die Un- 
sterblichkeitspflanzen der Wagen und Pferde, des Nachtglanzes, 
des Tigers, des Menschen u. s. w., wachsen an der Südseite 
der berühmten Berge. Auf dem Berge Keu-khiö finden sich 
fünf Species von Unsterblichkeitspflanzen. ^) 



^) Pfizmaier, Lebens Verlängerungen 1. c, 354. 

2) Pfizmaier, Gegenst. des Taoglaubens. Sitzungsb. d. Akad. d. W., 
Wien 1875, 14. 

3) Pfizmaier, ibidem, 21. 

*) Pfizmaier, ibidem, an mehreren Orten. 
V. Andriaa, Höhencultus. ^3 



— 194 — 

Will man Unsterblichkeitspflanzen suchen und in die 
berühmten Gebirge treten, muss man dieses im dritten und 
neunten Monate thun. ') Dies sind die Monate, in denen die 
Gebirge sich erschliessen und die göttlichen Arzneimittel zum 
Vorschein bringen. Man bediene sich keiner Gebirgstrommeln. 
Als Tag wähle man die Himmelsstütze. Um diese Zeit ist 
die Zusammenkunft der drei wunderbaren Dinge am besten, 
und diese kommen aus dem Thore der drei wunderbaren 
Dinge hervor. Wenn man vor dem Gebirge ankommt, muss 
man an dem Tage der sechs Schatten, um die Stunde der 
lichten Halle ein Abschnittsrohr der reingeistigen Kostbarkeit 
an dem Gürtel tragen, einen weissen Hund an einem Stricke 
ziehen, ein weisses Huhn in den Armen halten und ein 
Nössel weisses Salz und das die Gebirge eröffnende Ab- 
schnittsrohr und die Schrifttafel auf einen grossen Stein legen. 
Man erfasst ein Bündel Pflanzen von U und Thang und tritt 
damit ins Gebirge. Der Gott des Berges hat Freude daran 
und man findet gewiss die Unsterblichkeitspflanze. Die ge- 
wöhnlichen Menschen, deren Vorsätze und Wandel unrein, 
deren Tugend gering, finden sie niemals, sie erkennen und 
sehen nicht, auch wenn sie auf dieselbe treten. 

Die Bergdistel heisst wegen ihrer mystischen Kräfte 
auch das Geistige des Berges. 

Anschliessend hieran mögen auch einige Angaben über 
himmlische Früchte der Unsterblichen folgen, welche auf 
Bergen vorkommen. Dieselben sind Pfizmaier's Abhandlung 
über: Denkwürdigkeiten von den Früchten Chinas. Sitzungsb, 
d. Akad. d. W., Wien 1874, entnommen: 

Im Süden des Berges King-yang befindet sich der Garten 
der hundert Früchte. Die Früchte finden sich in gesonderten 
Waldgruppen. Jeder Wald hat eine Halle. Es gibt daselbst Brust- 
beeren der unsterblichen Menschen. Dieselben sind fünf Zoll 
lang. Wenn man sie erfasst, treten beide Köpfe zugleich 
hervor. Die Kerne sind fein wie Nadeln. Wenn Frost einfällt, 
sind sie reif. Sie lassen sich sehr gut essen. Die gewöhnliche 

^) Pfizmaier, Gegenst d. Taogl. 1. c, 35. 



— 195 — 

Ueberlieferung sagt, sie seien von dem Kuen-lün gekommen. 
Einige nennen sie die Brustbeeren der Königsmutter des 
Westens. 

Die vorzüglichste Arznei der Unsterblichen sind die 
scharlachrothen Damascenerpflaumen der runden Erdhöhe. 

In dem Fruchtgarten oder King-yang gibt es Pfirsiche 
der unsterblichen Menschen. Ihre Farbe ist roth, das Innere 
und Aeussere durchdringend von Glanz. Wenn der Reif auf 
sie fällt, so zeitigen sie. Sie kommen ebenfalls von dem 
Berge Kuen-lün. Sie heissen auch: die Pfirsiche der Königs- 
mutter des Westens. 

Auf dem Edelsteinberge in Nan-khang ist ein steinerner 
Hund. Die alten Leute sagen; Einst gab es kalte Pfirsiche, 
die auf der Berghöhe wuchsen. Ein verborgener vorzüglicher 
Mann, der einen Hund bei sich hatte, nahm die Früchte. 
Dabei wurde der Hund in Stein verwandelt. 

In der Felsenhöhle des Berges Knei-mei in Nan-khang 
waren süsse Pomeranzen, wilde Pomeranzen und Pompelmus. 
(Pfizmeier.) Man ging hin, um die Früchte zu essen. Man nahm 
davon nach Wunsch und zur Genüge. Wer sie ablöste und 
damit heimkehrte, begegnete sofort grossen Nattern. Manche 
der Suchenden stürzten kopfüber und verloren den Fusspfad. 
Die Menschen des Hauses, welche sie kosteten, erkrankten. 

Eine anziehende Schilderung des vierzehn Meilen von 
Canton gelegenen Berges Lofou verdanken wir dem Mis- 
sionär R. Krone. ') Dieser Berg bildet keinen einzelnen Gipfel, 
sondern einen mächtigen Bergstock, in welchem die Phantasie 
der Chinesen 430 bedeutendere Gipfel, 980 Wasserfälle und 
eine Menge von Thälern zählt. Es gibt da den Gipfel der 
fliegenden Wolken, der Tiger und Drachen, der weissen 
Störche, der alten Leute, der Wolkenmutter, der Priester- 
schüssel, der edelsteinernen Gänse, der hellen Schafe. Unter 
den Thälern rühmt man: das der Schmetterlinge und gelben 
Drachen, der fünf Genien, der Gesänge, der nächtlichen 
Musik, der feenhaften Plätze. Die Fauna enthält sehr merk- 



^) Petermanri's Mitth^, 1864, 283 ff. 

13* 



— 196 — 

würdige Species, z. B. den stummen Tiger, das fünffüssige 
Huhn u. s. w. Auch die Flora soll sehr eigenthümlich und 
jene des Loberges von der des Fou verschieden sein. Auf 
dem Gipfel des Lo sollen eine Anzahl Zimmtbäume und auf 
dem Fou ein grosser Teich sein ; beide sind der Aufenthaltsort 
der Genien. Die beiden Bergspitzen Lo und Fau (Fou) sind 
durch eine eiserne Brücke verbunden (Thit khin). 

Der Lofou ist besonders durch die Toisten berühmt 
geworden. Nach ihrer Darstellung kam der Fau aus dem 
Feenlande dahergeschwommen und vereinigte sich mit dem 
Lo. Der Gipfel ist der Tummelplatz der Unsterblichen, welche 
von hier aus zum Juk sheangtei, dem edelsteinernen Gott, 
emporsteigen. Goldene und silberne Paläste, dem sterblichen 
Auge verdeckt, finden sich in den einsamen Schluchten und 
in den Tiefen (dem Innern) des Gebirges, welche fünfhundert 
Weglängen im Umfange messen. Sie sind nur zuweilen, so- 
wie die Geister selbst, dem Menschen sichtbar. Die daselbst 
wohnenden Geister sind wohlthätiger Art; sie erscheinen meist 
in der Kleidung der To-Priester und bringen den Menschen 
oft Hilfe in der Noth. Darüber gibt es eine Menge von Legen- 
den. Viele wunderthätige Schamanen liegen dort begraben. 
Es gibt daselbst noch mehrere toistische Klöster, von denen 
jedes seine eigenen Mythen hat, ausserdem Einsiedeleien und 
Altäre. Ein Regenaltar ist daselbst, wo einst ein Kaiser der 
Thong-Dynastie durch Beamte zur Zeit einer grossen Dürre 
opfern Hess. Das Volk fuhr dann fort, an diesem Platze um 
Regen zu beten. Ein anderer Altar in der Nähe der Spitze 
ist sämmtlichen Genien gewidmet. 

Die Heiligen des Lofau besitzen wunderbare Eigen- 
schaften. Wind, Wolken und Gewitter, Tiger, Drachen, Vögel, 
sowie die Geister folgen und dienen ihnen. Einige können 
täglich neunmal essen, dann lange Zeit ohne Speise aus- 
kommen, täglich 400 Meilen (li) gehen, sich unsichtbar machen, 
im Monde spazieren gehen. Andere sind am hellen Tage in den 
Himmel gestiegen u. s. w. Besonders nützlich ist die dem Lofau 
zugeschriebene magische Kraft, durch welche die dort Studi- 
renden beim Examen mehr Glück hätten als andere Candidaten» 



— 197 — 
Begräbniss und Bergopfer. 

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass in den 
ältesten Zeiten die Anlegung von Gräbern auf hohen Bergen 
ein Privilegium der Herrscher -Familien gewesen zu sein 
scheint. Nach dem Buche Hia des Sse-ki wurde Kaiser 
Yü im Hoei-ki (Kuai-ki) im Kreise Schao-king begraben. Der 
Berg hatte früher Miao geheissen. Das topographische Werk 
Ti-li-tschi sagt: Auf dem Berge befindet sich der Brunnen 
Yü's und Tempel Yü's. Nach verschiedenen Ueberlieferungen 
wird geglaubt, dass an dem Fusse des Berges die Vögel die 
Felder jäten. Fünf Meilen nördlich von Peking liegt der Berg 
Thien-sheu mit kaiserlichen Gräbern. 2) 

Als der Kaiser Schi (Thsin) auf der Reise nach Süden 
den Strom Siang abwärts schiffte, gelangte er zum Berge 
Siang-san, wo sich ein Tempel der »Gebieterin des Siang« 
befand. In diesem Augenblicke erhob sich ein so heftiger 
Sturm, dass es ihm fast unmöglich wurde, zum Tempel hin- 
überzusetzen. Der Kaiser fragte die ihn begleitenden Ge- 
lehrten, was für eine Göttin die Gebieterin des Siang sei. 
Man antwortete ihm: Es ist die Tochter des Kaisers Yao, 
die Gemahlin des Kaisers Schün, sie ward begraben auf 
diesem Berge. Der Kaiser war hierüber erbittert und Hess die 
Bäume des Siang-san durch dreitausend Sträflinge fällen — 
ein Beweis seines Grössenwahns ! ^) 

Einst schiffte Wen, Lehensfürst von Wei, auf dem west- 
lichen Flusse und fuhr abwärts in der Mitte der Strömung. 
Er blickte zurück und sagte zu U-khi: »Wie herrlich die 
Feste des Flusses und der Berge! Dieses ist die Kostbarkeit 

^) Die Himmelssöhne allein werden in einem Grabe beigesetzt, zu wel- 
chen ein unterirdischer Gang (Su'i) führt; der nach oben offene Gang Yen-täo 
gebührt den Lehensfärsten und anderen Würdenträgern (Tscheu-li, Cap. 2i, 46, 
Anm). Als König Siang von Tscheu durch Hilfe des Lehensfürsten Wen von 
Tsin (63 s V. Chr.) wieder in die Herrschaft eingesetzt wordten war, erbat sich 
Fürst Wen zur Belohnung einen >Erdgang«, was- ihm jedoch vom Himmelssohn 
verweigert wurde (Pfizmaier, Zeiten des Fürsten von Lu. Sitzungsb. d. Akad. 
d. W., Wien 1854, 485). 

2) Pfizmaier, Ueb. d. Hoei-ki. Sitzungsb. d. Ak. d. W., Wien 1859, 12. 

3) Pfizmaier, An f. d. Aufst. gegen d. Thsin 1. c, 274. 



— 198 — 

des Reiches Wei. Ich Hebte nach meiner Gemüthsart die 
Hauptstadt Lö (die alte Hauptstadt Lö-yang in Ho-nan). So 
oft ich ging, kam, aus- und eintrat, blickte ich auf den Berg 
Meng. Welch eine Freude, er ist das Fussgestell von zehn- 
tausend Geschlechtsaltern.« 1) (Dieser Berg enthält nach Pfiz- 
maier viele Grabstätten vornehmer Menschen.) 

Der erste Kaiser des Hauses Thsin ward auf dem Berge 
Li begraben. Der Verstorbene hatte schon zur Zeit seines Regie- 
rungsantrittes, als er noch König von Thsin war, auf diesem 
Berge grosse Durchgrabungen vornehmen lassen. Nachdem 
er zur Würde des Himmelssohnes gelangt, wurden die Ar- 
beiten, zu denen man siebenhunderttausend Menschen ver- 
wendete, noch eifriger betrieben. In Folge der Durchbre- 
chungen entstanden drei Quellen. Um diese zu verstopfen, 
Hess man geschmolzenes Kupfer in die Tiefe hinab und baute 
auf diese Weise einen für den äusseren Sarg bestimmten 
unterirdischen Palast mit Fernsicht. Vor der Bestattung wur- 
den alle merkwürdigen Geräthe, alle Kostbarkeiten und wunder- 
baren Gegenstände, die durch die Obrigkeiten aufzutreiben 
waren, nach diesem Räume geschafft und daselbst aufgespei- 
chert. Die Künstler erhielten den Auftrag, kunstvolle Arm- 
brüste und Pfeile anzufertigen, welche die Vorrichtung be- 
sassen, dass, wenn Jem.and die Erde aufgraben und sich 
dem Orte nähern sollte, ein solcher Eindringling von den 
Geschossen getroffen wurde. Man bildete aus Quecksilber die 
hundert kleinen Flüsse, den Strom Jang-tse, den gelben Fluss, 
ferner das Meer, die, sämmtlich durch Maschinen bewegt, aus 
den Ufern traten und einander zugeführt wurden. In der 
Höhe des Raumes wurden die Sterne in der Ordnung, die 
sie an dem Himmel einnehmen, angebracht, die Tiefe zeigte 
ein vollständiges Bild der Erde mit den verschiedenen Ab- 
theilungen der Länder. Man beleuchtete den Ort mit Lampen, 
die mit dem Fette des Menschenfisches gefüllt waren, indem 
man glaubte, dass dieselben nicht erlöschen. 2) 

^) Pfizmaier, Geisterglaube, 30. 

-) Pfizmaier, Anf. d. Aufst. gegen d. Herrscherhaus Thsin. Sitzungsb. 
d. Akad. d. W., Wien 1859. 



— 199 — 

Als der erste Kaiser begraben wurde, äusserte der Kaiser 
des zweiten Geschlechtsalters: Dass die Bewohnerinnen der 
Rückseite des Palastes des früheren Kaisers, welche kinderlos 
sind, wieder austreten, will sich nicht ziemen. In Folge dessen 
ward Befehl gegeben, sämmtliche Bewohner der genannten 
Abtheilung des Palastes mit dem Kaiser zu begraben. Der 
Menschen, welche auf diese Weise den Tod fanden, war eine 
sehr grosse Menge. Als dieselben schon begraben waren, 
sprach Jemand zu dem Kaiser: Die Künstler und Handwerker, 
welche die Kunstwerke verfertigt und die kostbaren Gegen- 
stände verborgen haben, sind von Allem unterrichtet. Die 
verborgenen Gegenstände sind von hohem Werthe, und jene 
werden die Sache verrathen. Nachdem die Feierlichkeit be- 
endet und sämmtliche Gegenstände niedergelegt warien, schlös- 
sen die bei den Arbeiten verwendeten Personen die Mitte des 
Erdganges, wo sich die Grabstätte befand, ab. Als sie jedoch 
wieder hinaustreten wollten, fanden sie die äusseren Thüren 
des Erdganges verschlossen und von allen Künstlern und 
Handwerksleuten, welche die verschiedenen Gegenstände zur 
Grabstätte geschafft hatten, erblickte kein Einziger mehr das 
Tageslicht. Nach einer Stelle des Buches der früheren Han 
ward die Zahl der mit dem ersten Kaiser Begrabenen auf 
zehntausend berechnet. 

In dem District Jen-cheu-fu, bei der Stadt Ki-cheu, liegt der 
Berg Fang, welcher die Gräber der Eltern von Confucius trägt.^) 

Später ist das Privilegium der kaiserlichen Familie zum 
Gemeingut aller Wohlhabenden geworden. Die hiefür mass- 
gebenden Gesichtspunkte wurden bereits erörtert; deren Durch- 
führung wird unter Anderen von einem verlässlichen Beob- 
achter aus dem 17. Jahrhundert bezeugt. ^) 

Die Chinesen sind nach dem Zeugniss des Jesuiten 
Martin sehr abergläubisch in Erwählung der Berge, weil sie 



^) Pfizmaier 1. c, 277. 

~) Dapper, Beschr. d. Kaiserth. Sina, Amsterdam 1676, loi. 

3) Dapper 1. c, 100; das Capitel über die Berge Chinas enthält eine 
Menge für unser Thema interessanter Einzelnheiten, auf welche hiemit ver- 
wiesen wird. 



— 20Ö — 

von dem Wahne befangen sind, als ob ihr ganzes Glück und Un- 
glück aus den Bergen komme und dass dieselben von Drachen, 
denen sie alles Gute und Böse zuschreiben, bewohnt werden. 
Wohlhabende Leute erwählen, wenn sie sich Gräber machen 
lassen wollen, nicht allein Berge dazu, sondern sie erforschen 
auch deren Gestalt und Beschaffenheit, durchsuchen alle Adern 
genau; sie lassen sich keine Mühe und Unkosten verdriessen, 
um eine glückliche Erde, nämlich das Haupt, den Schwanz 
oder das Herz eines Drachen zu erlangen. Denn sie glauben 
fest, dass dann den Nachkommen des Verstorbenen alles 
glückliche Wohlergehen widerfahre. Man findet durch ganz 
China sehr Viele, welche sich für Meister in dieser Kunst 
ausgeben und, wenn man Berge zu Gräbern erwählen will, 
dieselben im vorhinein gegen Bezahlung wohl erforschen und 
durchsuchen. Unter den Büchern, welche von der Glückselig- 
keit der Berge handeln, wird übrigens das Feng-Shui beson- 
ders hervorgehoben. 

Die Berge dienen auch als Repositorien für besonders 
geheiligte Gegenstände. So wurden die goldenen Glocken und 
ähnliche Gegenstände, welche den Kaisern von Han bis Wang- 
mang als Geschenk dargebracht wurden, auf der Höhe des 
kleinen Berges Miao vergraben, i) 

Die »eigene Einleitung des Gebieters von dem Geschlechte 
Yin« sagt: Im ersten Jahre des Zeitraumes Yen-kuang von Han 
(122 n. Chr.) empfing der Sohn des aus Sin-ye stammenden 
Schan-pe die »umschränkenden Entscheidungen des götthchen 
Mennigrothes des Gebieters der UnsterbUchen«. Nachdem er 
den Weg zu Stande gebracht, entfernte er sich aus dem Zeit- 
alter und übermittelte das Buch den berühmten Bergen. Der 
Gebieter von dem Geschlechte Yin zerriss jetzt >das Buch des 
abgeschriebenen Mennigrothes des gelben Ungeschmückten«. 
Ueber einen Theil machte er einen Umschlag von gestreiften 
Steinen und hinterlegte ihn auf einen hohen Berggipfel des 
Sung. Einen anderen Theil hatte er auf das Pech der 
Schrifttafeln von gelber Weide geschrieben. Er verzierte 



1) Pfizmaier, Gesch. d. Edelst. Sitzungsb. d. Ak. d. W., 1868. 



— 201 — 

den Einband mit grünen Edelsteinen und legte ihn auf dem 
grossen blumigen Berge nieder. Einen Theil hatte er ge- 
schrieben, indem er ihn in Schrifttafeln von gelbem Golde ätzte. 
Er machte darüber einen Umschlag von weissem Silber und 
legte ihn offen auf dem geradlinigen Berge von SchÖ nieder. 
Einen Theil hatte er auf dicken Atlas geschrieben. Er bildete 
daraus ein Heft und übermittelt« es seinen Schülern.^) 

Auf dem Berge Kiao sind die Krone und die übrigen 
Insignien des Kaisers Koang-li begraben.') 

Werfen wir noch einen Blick auf die Opfergebräuche. 

Die Basis des ganzen in den Hauptsachen seit den 
Zeiten der Tscheu geregelten Opferceremoniels ist der Grund- 
satz: »Die Geister trinken nicht das Opfer, ausser von ihrem 
Geschlechte. Das Volk bringt nicht das Opfer, ausser für 
seines Gleichen.«^) 

So opfert^) der Kaiser dem Himmel und der Erde; die 
Vasallenfürsten (Tschu-heu) opfern dem Genius der Erde und 
der Feldfrüchte; die Grosseh (Ta-Fü) den fünf Hausgöttern. 
Der Himmelssohn opfert den berühmten Bergen, grossen 
Flüssen und den fünf Yo (grossen Bergen) des Reiches mit 
dem Ceremoniell, das er gegen die drei Minister (San-kong) 
beobachtet, den vier Hauptflüssen mit dem Ceremoniell, 
welches er gegen die Vasallenfürsten beobachtet. Die Vasallen- 
fursten opfern nur den berühmten Bergen und Flüssen, die 
in ihrem Lande sind, auch den Genien der Erde und der 
Feldfrüchte ihrer Gebiete, sowie ihren Ahnen. Die Ss^ (Gra- 
duirten) opfern nur ihren Ahnen. Diese Opfer finden in der 
Regel einmal im Jahre statt. 

Häufiger werden die Himmelsopfer dargebracht. So lehrt 
Confucius in seiner Physik, es sei höchste Pflicht eines Fürsten, 
im Namen seiner Unterthanen dem Tien Opfer zu bringen, 



^) Pfizmaier, Zur Lösung der Leichname und Schwerter. Sitzungsb. d. 
Akad. d. W., Wien 1870, 16 f. 

2) Dapper, Beschreibung von Sinn, Cap. von den Bergen. 

3) Pfizmaier, Zeiten des Fürsten Hi von Lu. Sitzungsb. der Akad. d. 
Wissensch. Wien 1859, 442. 

*) Plath, Rel. u. Cult. der alt. Chines., II, 32, 39. 



— 202 — 

besonders zur Zeit der Nachtgleichen, um gedeihliche Saat- 
zeit und reichliche Ernte zu erhalten. Beim Regierungsantritt 
der Kaiser, in Zeiten der Noth oder um Dank auszu- 
sprechen u. s. w., wird ebenfalls dem Himmel geopfert. 

Bezüglich der Einzelnheiten, welche die Opfer begleiten,') 
muss auf den Tscheu-li verwiesen werden. Für unseren Zweck 
sei nur die Thatsache hervorgehoben, dass die Opfer für 
den Himmel (Tien) ursprünglich auf hohen Bergen, und zwar 
auf Steinhaufen, welche deren Gipfel krönten, dargebracht 
wurden. Der Sinn dieser Massregel erhellt aus dem Comm. C, 
ad §20, Buch 22, des Tscheu-li; Um den Himmel zu ehren, 
wählt man einen erhöhten Ort. Um die Erde zu ehren, wählt 
man einen tiefgelegenen Ort, wie die Mitte eines Teiches 
oder eines Sees oder einer Grube. 

Aus diesen Steinaltären sind die Tai (thurmartige Tempel 
mit mehreren Stockwerken) entstanden, welche die Hügel 
und Berge der chinesischen Landschaften vielfach schmücken. 

Der Tscheu-li bezeugt auch die hervorragende Rolle, 
welche die Bergopfer in dem alten Ceremoniell einnehmen. Das 
Staatsoberhaupt theilt sich mit den ersten Beamten in deren 
Vollziehung. Sie werden in regelmässigen Terminen oder 
bei besonderen, freudigen oder traurigen Gelegenheiten, bald 
mit dem grossen, bald mit dem kleinen Ceremoniell, bei 
welch' letzterem der Kaiser ebenfalls intervenirt, vollzogen. 
Wir finden meistens die Bergopfer mit jenen für Wälder und 
Flüsse collectiv erwähnt. Bei den grossen Opfern werden 
Gebirge, Wasserläufe mit den Geistern ausgezeichneter Vor- 
ältern zusammen angerufen.'^) Nach einer siegreichen Schlacht 
wird den grossen höheren Intelligenzen (den Geistern des 
Lagerplatzes, den vier Regionen, den heiligen Bergen), sowie 
den Bergen und Wasserläufen der Gegend geopfert, wo die 
Armee sich aufhielt. 

Bei den Berg- und Flussopfern bediente man sich eines 
mit aromatischen Kräutern versetzten Weines. Eine Platte 



^) Eine Uebersicht über dieselben findet man im Tscheu-li, Buch 25. 
2) Tscheu-li I, 249. 



— 203 — 

aus Jade von vorgeschriebener Form, »der halbe Kuei mit 
einer am Rande hervortretenden Spitze,« diente für die ge- 
wöhnlichen Berg- und Flussopfer J) Nur bei aussergewöhn- 
lichen Opfern für die vier entfernten Dinge (die heiligen 
Berge und Seen) wird der »doppelte Kuei mit gemeinsamem 
Centrum« gebraucht.') Bei gewissen Ceremonien zu Ehren 
der höheren Geister, unter welche ebenfalls viele Berggeister 
gehören, wurde ein von den beiden früher erwähnten ver- 
schiedenes Jadestück gebraucht.^) 

Zu Ehren der Geister wird aber auch getanzt. Hiezu 
existiren bestimmte Melodien. Die eine dieser Tanzmelodien 
heisst Yun-men, was Biot mit porte de nuages übersetzt. 
Sie wird bei den Opfern für die Himmelsgeister angewendet.^) 
Eine andere heisst Ta-hia (grande exaltation); sie soll vom 
Kaiser Yü nach seinen grossen Austrocknungsarbeiten com- 
ponirt worden sein und wird bei den Opfern für Berge und 
Flüsse gebraucht.^) Die mit den Tänzen verbundenen Vor- 
richtungen standen unter der Oberleitung des Ta-ss6-yo (Grand 
directeur de la musique). Ausserdem werden im Tscheu-li auch 
professionsmässige Zauberer (Nau-Wu) mit einem Oberhaupte 
(Ss^-Wu) erwähnt, welche Geister beschwören, besonders bei 
Dürre den Regen rufen und dabei tanzen.^) 

Mencius citirt des Hia Sprichwort : Wandert unser König 
nicht, wie erlangen wir Wohlstand? Die Herrscher hatten 
die Pflicht, viel im Reiche zu reisen, um sich von dem Walten 
der Beamten persönlich Einsicht zu verschaffen. Der Tscheu- 
li ') enthält zahlreiche Andeutungen über die bei diesem Anlasse 
beobachteten Gebräuche. Bei den grossen Jagden (die eine Art 
Vorspiel für den Krieg bildeten), ebenso wenn derKaiser einen 
grossen Berg oder Flusspassirte, wurde ein gelbes Füllen geopfert. 



») Tscheu-li I, 488. 
'^) Tscheu-li I, 487. 

3) Tscheu-li I, 434, Anm. 

4) Tscheu-li II, 29 ff. 
s) Tscheu-li II, 31. 
^) Mencius, 217. 

'^) Tscheuli, Cap. 32. 



— 204 — 

Der Kaiser nimmt die Zügel, der Kutscher (Grosskutscher 
Ta-Yü) steigt ab und beschwört den Berggeist. Nach Comm. B 
wird an dieser Stelle ein Erdhügel errichtet und ein Gesträuch 
als Sinnbild des Geistes darauf gesetzt Nachdem der Kutscher 
wieder aufgestiegen, opfert er dem Wagen mit Wein und fährt 
dann über die durch das Gesträuch bezeichnete Opferstelle hin- 
weg. Aus dem Zusätze des Comm. B : »Wenn man so verfährt, 
ist nichts zu fürchten« erhellt die Richtigkeit der Deutung 
von Plath,^) dass man sich zur Ueberwindung von schwie- 
rigen Bergübergängen der Hilfe des Berggeistes zu versichern 
pflegte. 

Buddhistische Berge. 

Auf eine ausführlichere Behandlung der mit Bergen ver- 
knüpften Andachtsstätten der chinesischen Buddhisten glaube 
ich, unter Hinweis auf das vorgeführte Material über buddhi- 
stischen Höhencult, vorläufig verzichten zu dürfen. Nur der 
wichtigsten Localitäten sei hier in Kürze gedacht. 

Auch von den Buddhisten wurde der Lofau besiedelt, 
und zwar soll der erste Buddhist bereits um die Zeit des 
Kaisers Wu-ti von der Leong-Dynastie (502 n. Chr.) daselbst 
gelebt haben. Es gibt dort mehrere buddhistische Klöster, 
ebenso wie eine Menge buddhistischer Legenden, auf welche 
hier nicht eingegangen werden kann. 

Die berühmtesten Lama- Klöster der Buddhisten sind 
nach Koppen 2) auf dem fünfgipfeligen Bergstocke Wu-tai-schan, 
Berge der fünf Dynastien,^ in Schan-SL Es sind auf dem- 
selben hochheilige und vielbesuchte Wallfahrts- und Begräb^- 
nissorte. Die fünf Gipfel sind dem Manjus'ri, dem Gotte der 
Weisheit und Gerechtigkeit, als dessen Incarnation der Kaiser 
von China gilt, geweiht. Pusa-t'ing (Halle des Bodhisattwa) 
ist der Name des Haupttempels, der das wunderthätige Bild 
Manjus'ri's nebst anderen Heiligthümern beherbergt. Viele 



1) Plath, 1. c, 76. 

2) Koppen, Rel. d. Buddha, II, 374. 

3) Richthofen, China, 1, 64. Diese Dynastie regierte zwischen 907 bis 
960 n. Chr. 



— 205 — 

tausend gläubige Mongolen strömen alljährlich dahin, um ihre 
Andacht zu verrichten. Eine jede der fünf Spitzen besitzt einen 
Jamyang in einer der fünf heiligen Farben als specielle Schutz- 
gottheit. Die Lamas behaupten, dass auf jedem dieser fünf 
Gipfel eine äusserst wohlriechende Blumenspecies vorkomme, 
deren Farbe mit der des entsprechenden Jamyangs überein- 
stimmt. Diese Blumen sollen sonst nirgends auf der Welt zu 
finden sein. Sie werden gesammelt und getrocknet, um den 
Pilgern aus der Mongolei für theures Geld verkauft zu werden. 
Man bereitet aus ihnen einen Weisheit verleihenden Trank. *) 
Andere heilige Berge der chinesischen Buddhisten sind 
der Ngo-mei in Setschuan, die Berginsel Putu im östlichen 
Ocean. Ferner der 120 Li nordwestlich von Turfan gelegene 
Ling-Schan (Ritter, Erdk., I, 2, 353) mit seinen hunderttausend 
Heiligen. Die Achatgeschiebe, mit welchen dessen Abhänge 
bedeckt sind, sollen die Knochen jener Heiligen sein. Die Ein- 
wohner behaupten, Buddha (Fou) selbst sei da zum Unsterb- 
lichen geworden. 



Japaner. 



Als Himmel und Erde noch nicht hervorgebracht waren, 
schwammen Land und Erdboden im Kreise umher, wie Fische 
im Wasser. Es entstand ein schilfknospenähnlicher Gegen- 
stand am Firmament. Derselbe wurde sofort zu einem Gotte 
Kuni-no toko-tatsi-no Mikoto. Zunächst entstanden acht Ur- 
götter, von denen Izanagi und Izanami die letzten waren. 



*) Edkins, Religion in China, 244 f. Fand er, Das lamaische Pantheon. 
Berl. Zeitschr. f. Ethn., 1889, II, 53 f. 

2) Vorstehende Angaben wurden Pfizmaier's Abhandlungen: Die 
Theogonie der Japaner, Sitzungsb. d. Akad. d. W., Wien 1864, Die Be- 
herrscher Japans im Sagenzeitalter, Sitzungsb. d. Akad. d. W., Wien 
1875, Die ergänzte Japanische Sage, Denkschr. d. Akad. d. W., Wien, 
Bd. XIV, XV entnommen, auf welche ich bezüglich des Nachweises der dazu 
benützten Quellen hiemit verweise. 



— 206 — 

Diese letztgenannten festigten mit Hilfe der Korallenlanze 
das Seewasser, aus dessen Gerinnen die Insel Ono-goro^) 
entstand. Dann erzeugten sie die Inseln Jamato, Jyu, Tsuku-si, 
Oki und Sado, Kosi, d. h. das Reich der acht Inseln, ferner 
den Gott der Berge, ^) die Götter der Flüsse, Pflanzen und 
Bäume, dann den Gott der Sonne, des Mondes, den Blut- 
egelsohn, den Gott Susanowono u. s. w., kurz die Götter der 
zehntausend Dinge oder, wie die Auslegung Tairo-no Owo- 
Firas annimmt, die achthundertmal zehntausend Götter. Bei 
der Geburt des Feuergottes wurde Izanami verbrannt und starb. 
Izanagi zerhieb ihn mit dem Schwerte; aus den Körper- 
theilen und dem Blute entstanden wieder eine Menge Götter. 
Die fünf Körpertheile wurden in fünf Götter der Ehrfurcht 
des Berges (die grosse, mittlere, äusserste, richtig gestellte, 
mannigfache Ehrfurcht des Berges) verwandelt. 

Nach >den richtigen Worten der Göttergeschlechter« 
entstand aus der Brust des von seinem Vater gebildeten Kagu- 
dzutsi der Gott Odo-jama-tsumi-no Kami (die Ehrfurcht des 
erschreckenden Berges), aus dessen Bauch der Gott Oku-jama- 
tsumi-no Kami (die Ehrfurcht des tiefen Gebirges), aus dessen 
linker Hand der Gott Sigi-jama-tsumi-no Kami (die Ehrfurcht 
des Schnepfenberges); aus dessen rechter Hand der Gott Fa- 
jama-tsumi-no Kami (die Ehrfurcht des Flügel berges); aus 
dessen linkem Fusse Fara-jama-tsumi-no Kami (der Gott, die 
Ehrfurcht des Berges der Ebene) ; aus dessen rechtem Fusse 



^) Andere Quellen machen noch detaillirtere Angaben bezüglich der 
Insel Ono-goro. Die beiden Gottheiten errichteten darauf einen riesenhaft auf- 
strebenden Bergzacken, auf dessen Spitze sie die Himmelsbrücke legen konnten. 
Dieser Berg wurde zum Mittelpunkt der Erde. Die Vereinigung der beiden 
Götter geschieht so, dass Isanagi von links her, Isanami von rechts her den 
Berg umwandeln. Brauns, Jap. Märchen, 98. 

2) Die Namen für den Berggott sind: Jama-tsumi-no Kami (Pfizmaier, 
Theogonie, 37), Owo jama-tsumi (Pfizmaier, Auslegungen z. d. Nachr. von d. 
Söhnen des I-za-nagi, 31). Eine dritte Bezeichnung scheint Taka-o Kami zu 
sein (Pfizmaier, Auslegungen, 31). Bezüglich der Entstehung dieses Berg- 
gottes herrscht einige Verwirrung in den Quellen. Vgl. Pfizmaier, Aus- 
legungen, 31 f. 



— 207 — 

der Gott To-jama-tsumi-no Kami (die Ehrfurcht des Berges 
der Thüre).!) 

Iza-nagi besucht seine Schwester Iza-nami. Gegen ihr 
ausdrückliches Geheiss bHckt er sie Nachts bei Licht an; er 
findet sie stark geschwollen, auf ihr befanden sich acht Donner- 
götter (Feuerdonner, Erddonner, junge Donner, schwarze 
Donner, Bergdonner, Felddonner, zerreissende Donner). Er 
muss fliehen. Bei seiner Reinigung von dem Schmutze der 
Unterwelt entstehen die letzten Götter. Dann übergibt er die 
Herrschaft seinen drei Stammsöhnen, der den Himmel er- 
leuchtenden grossen Gottheit, dem Geehrten der nächtlichen 
Erscheinung des Mondes, dem geehrten Su-sa-no Wo, und 
zieht sich in den Himmel zurück. 

Hieran reihen sich die Mythen über die Gründung des 
japanischen Reiches bis zur Einsetzung des ersten geschicht- 
lichen Herrschers (660 v. Chr.). Dieser Zeitraum wird von 
vier göttlichen Herrschern ausgefüllt, deren letzter als der 
Gründer der jetzigen japanischen Dynastie gilt. 

Owo-na-mudzi (der Gott, der grosseVornehme der Höhle) ^) 
hat das Reich gestaltet und aufgebaut, die Pflanzepdämonen 
bezwungen, die Vorschriften zur Heilung der Krankheiten, 
zur Beschwörung des Unglücks durch Vögel, Thiere und 
kriechendes Gewürm gegeben. Trotz seiner grossen Erfolge 
scheint er jedoch mit der Bezwingung der Dämonen nicht 
ganz fertig geworden zu sein, denn der oberste Himmelsgott, 
der Grossvater Taka-mi-musubi-no mikoto, sah sich genöthigt, 
einen andern Gott zur vollständigen Lösung dieser Aufgabe 
herabzusenden. Die Ueberlieferung sagt: In diesem Lande 
jedoch gab es viele gleich Glühwürmern glänzende Götter, 
ferner gleich Fliegen grausame Götter, es sprachen ferner 
sämmtliche Pflanzen und Bäume eine Sprache. Der 
Himmelsgott berief daher sämmtliche Götter zu einer Ver- 
sammlung und stellte an sie die Frage: >Ich gedenke, die 
grausamen Götter inmitten der Schilfebenen niederzuhalten. 



') Pfizmaier, Erg. Jap. Sage, I, 21. 
') Pfizmaier, Beherrscher Japans, I, 5. 



— 208 — 

Was für einen Gott kann ich füglich schicken? Möget ihr, 
o Götter, nicht geheim halten, was ihr wisset.« Nun wird 
Ame-no fo-fi-no mikoto abgeschickt, um dem Owo-na-mudzi 
seine Absetzung anzukündigen. Doch richtet dieser die Bot- 
schaft nicht aus, ebensowenig wie sein Sohn Owo-se-fi-mi- 
kuma-no-usi. Nun wird Ame-waka-fiko entsendet, der eben- 
falls seine Mission vergisst. Der Himmelsgott schickt einen 
Fasan, um ihn zu mahnen, doch erschiesst Ame-waka-fiko 
auf Rath der bösen Göttin Ama-no saku-ma den Vogel mit 
dem Federpfeil der Federn des Himmels. Der Pfeil fliegt 
bis zum Himmelsherrscher und tödtet, von diesem zurück- 
geworfen, den Ame-waka-fiko. .Es werden hierauf Fu-tsu-nusi 
und Take-mika-dzutsi entsendet, denen Owo-na-mudzi nach 
Befragung seines Sohnes Koto-siru-nusi die Herrschaft über- 
gibt und sich »sofort verbirgt«. 

Die beiden Stammgötter straften die bösen Götter und 
brachten selbst Pflanzen, Bäume, Felsen und ähnliche Gegen- 
stände gänzlich zur Ruhe. Der Einzige, der keinen Gehorsam 
leistete, war der Gott der Sterne, Namens Ka-ka-sewo. Als 
man aber noch den unterdrückenden Gott Taka-fa-dzutsi-no 
Mikoto aussandte, unterwarf sich jener. Die beiden Stamm- 
götter stiegen hierauf in den Himmel. Owo-mono-nusi wird 
der bewachende Gott des geehrten Enkels. 

Nun stieg Amatsu fiko-fo-no ni-ni-go-no bei dem Berg- 
gipfel Kusi-fi-taka-tsi-fo in Fin-muka vom Himmel herab, 
nahm das Reich in Besitz und heiratete die schöne jüngere 
Tochter des grossen Berggottes, welche A-ta-ka-asitsu-fime 
hiess. Sie schenkte ihm zwei Söhne, von denen der jüngere 
die Regierung übernahm. 

Der japanische Commentator hat bereits bemerkt, dass 
in diesen Sagen die Menschen des Götterzeitalters zu Göttern 
werden. Diese Götter sind daher alle sterblich, und ihre 
Geister gehen in den Himmel. Sie werden auf der Erde be- 
graben, und zwar sehr oft auf Bergen. 

Izanami verbarg sich, als sie durch die Geburt des 
Feuers verbrannte, auf dem an der Grenze der Reiche Idzumo 
und Fawa-ki liegenden Berge Fi-ba. 



— 209 — 

Andere von Pfizmaier in seiner »Ergänzten japanischen 
Sage« benützte Quellen gebrauchen statt der Bezeichnung 
»verbergen« direct »begraben«. Dieselbe Auffassung theilt 
Taira-no-owo-firoJ) Von Izanagi heisst es blos: Er baute sich 
in dem Reiche Awa-dzi das erhabene Haus und begab sich 
zur Ruhe. Ebenso unsicher ist die Nachricht, dass Sukuna- 
fiko-na-no zu der steilen Anhöhe von Kuma-nu sich begab 
und sofort zu dem Reiche der ewigen Geschlechtsalter über- 
setzte. Der von dem göttlichen Pfeile getödtete Ame-waka- 
fiko wird im Himmel aufgebahrt und beklagt. Sein Freund, 
der Gott Adzi-suki-taka-fiko-no, steigt ebenfalls in den Himmel, 
um ihn zu beweinen. Wegen seiner AehnUchkeit mit dem 
Todten wird er mit ihm verwechselt. Aus Aerger hierüber 
hieb Adzi-suki-taka-fiko-no das Trauerhaus nieder; es fiel herab 
und verwandelte sich in den Berg Mo-jama in dem Reiche 
Minu. Nach Pfizmaier bedeutet Mo-jama den Berg der Trauer 
um den Todten. 2) 

Von Owo-na-mudzi sagt eine Urkunde : er verbarg seinen 
Leib »an den hundertfach unzureichenden achtzig Buchten.«*) 
Der göttliche Enkel Ama-tsu-fiko-fiko fo-ni-ni-gino stieg als 
Gott empor und wurde auf der lieblichen Berghöhe von Fi- 
muka in Tsuku-si begraben. 

Sein Sohn Tiko-fo-fo-de-mi-no mikoto verschied göttlich 
und ward auf dem Abhänge des Berges Taka-ja in Fi-muka 
begraben. (Taka-ja bedeutet »das hohe Haus«, Pfizmaier). Nach 
anderen Angaben befindet sich dieses Grabmal an der west- 
lichen Seite des Berges Taka-tsi-fo (die hohen tausend Korn- 
ähren).^) 



^) Pfizmaier, Ausleg. z. d. Nachr. v. d. Gotte I-za-nagi, Jap. 47. Ein 
anderer von Pfizmaier, Theogonie d. Japaner, übersetzter Text sagt, dass sie 
sich in dem Dorfe Arima in Kumanu (dem heutigen Ki-J) verborgen habe, wo 
noch heute das »Felsenhaus der Blumen« besteht. 

2) Pfizmaier, Erg. Jap. Sage, II, 8. 

3) Pfizmaier, Beherrsch. Jap., I, 28. Erg. Jap. Sage, II, 15. 
*) Pfizmaier, Beherrsch. Jap., I, 34. 

5) Pfizmaier, Erg. Jap. Sage, II, 48. Zu d. Sage von Fo-Wo-De-Mi- 
No. SitzuDgsb. d. Akad. d. W., Wien 1867, 79. 

V. Andrian, HÖhencuItus, I^. 



— 2IO — 

Bei der Leichenfeier der Göttin Izanami wurden Blumen 
geopfert, Trommeln gerührt, Flöten geblasen, Fahnen aufge- 
stellt, es wurde gesungen und getanzt. DerCommentator bemerkt 
hiezu: Dies wird geschehen sein, um den Geist der Göttin 
zu trösten und zu erfreuen. Er fügt hinzu: »Auch die in der 
alten Zeit herrschende Sitte, dass man bei dem Tode eines 
Menschen den Klang der Gegenstände deutete (der tönende 
Stein dient bei den Chinesen dazu, um die Manen zu rufen) 
und sich belustigte, wird eine Nachahmung des alten Vor- 
ganges sein, wo man zur Zeit, als man in ewiger Nacht 
wandelte, vor der Thüre des Felsenhauses Gaukelspiele auf- 
führte ; dies geschah, um den Geist des Verstorbenen herbei- 
zurufen, wie es auch in den »Ueberlieferungen der alten 
Geschichte« gesagt wird.« 

Es lassen sich somit aus den Sagen und Gebräuchen 
der Japaner sehr charakteristische Züge des Manencults zu- 
sammenstellen. Bezüglich weiterer höchst interessanter Details 
bei der Leichenbestattung und den Trauerfeierlichkeiten ver- 
weise ich auf Pfizmaier.i) 

Was speciell den Bergcultus anbelangt, so wird man 
wohl annehmen dürfen, dass unter den fünf aus dem Körper 
des Feuergottes entstandenen Berggöttern die Geister der 
Vulcane gemeint sind, deren Cult auch in den chinesischen 
Quellen*) erwähnt wird. »In dem Reiche Wo liegt der 
Berg 0-su. Es ist der Berg, von dessen Steinen ohne Ur- 
sache Feuer aufsteigt und sich an den Himmel legt. Man 
pflegt dies für eine Seltsamkeit zu halten. Deswegen geht 
man hin, betet und opfert.« 

Unter buddhistischem Einflüsse werden die Vulcane zu 
Höllen bergen. So der Bandai-san in Mutsu, östlich vom 
See Inawaschirono. Er wird als flammender, steiler Berg be- 
schrieben, mit einem Strudel, wo die Hölle sein soll. Es gibt 
dort giftige Steine, welche Menschen und Thieren tödtlich 

') Pfizmaier, Zur Sage von Owo-kuni-nusi. Sitzangsb. d. Akad. d. W., 
Wien 1867. 

2) Pfizmaier, Die fremdländ. Reiche zu den Zeiten der Sui. Sitzungsb. 
d. Akad. d. W., Wien 1881, 18. 



— 211 — 

sind. ^) In dieselbe Kategorie werden wohl auch die Donner- 
berge gehören, z.B. der Ikadzu-tschino-dake in Yamato, wo 
der Sage nach der Donnergott als grosse Schlange von dem 
Helden Kami-naso-tori (Donnerfänger) gefangen wurde und 
der Ikadzutschi-yama in Kotsuke, an dessen Abhang ein See 
ist, aus welchem bei goldenem Regen aus einem Vorhange 
das Drachenlicht auf die Drachenlichthöhen steigen soll.*) 

Dass der Cultus der Berge nicht auf die Vulcane allein 
beschränkt blieb, beweist die folgende Stelle aus den Aus- 
legungen des Tairo-no-Owo-fira:^) »Die Bewohner des Reiches 
Idzumo sagen: An einem Orte, der das Dorf von Fi-je ge- 
nannt wird, befindet sich der Berg des Schwertes. Der Gott, 
den man in jener Gegend verehrt, heisst der grosse glänzende 
Gott des Schwertes.^) An einer Stelle dieses Berges, wo Felsen 
sich steil erheben, welche auf einer Seite flach sind, befindet 
sich eine tiefe Höhle. Zur Zeit, wo man dem Gotte des Ortes 
opfert, opfert man auch der Höhle. Indess geschieht es nicht. 



\) Aus dem San-sai-tsu-ye, nach schriftl. Mittheilungen des Hrn. Himly. 

'^) San-sai-tsu-ye (Himly). 

3) Pf iz maier, Auslegungen zu den Nachrichten von dem Gotte I-za-nagi. 
Sitzungsb. d. Akad. d. W., Wien 1865. Sep. 85 ff. 

*) Als Faja-su-sano-wa-no mikoto die achtleibige grosse Schlange erlegte 
und ihren mittleren Schweif zerhieb, bekam die Klinge seines Schwertes Scharten. 
Indem er hierüber staunte, spaltete er ihn mit der Spitze seines Schwertes. Als 
er hierauf hinblickte, fand sich daselbst ein in Haufen abmähendes Schwert. 
Er nahm dieses Schwert, das er für einen wunderbaren Gegenstand hielt, und 
überreichte es, indem er zugleich die Meldung brachte, der den Himmel er- 
leuchtenden grossen Gottheit. Dies ict das pflanzenausrottende Schwert. (^Pfis- 
maier, Ergänzte Japan. Sage, I, 51). Die beiden Stammgötter, welche Owo- 
no-mudzi dessen Absetzung verkünden, pflanzen beim Betreten des japanischen 
Bodens das zehngriffige Schwert verkehrt in den Boden und knieen vor dessen 
Spitze (Pfizmaier, Beherrscher Japans im Sagen Zeitalter, I. Abth., 24). Das 
Schwert heisst überhaupt der Blättermäher, gilt somit als Symbol des Acker- 
baues, des Kampfes gegen die Dämonen der Pflanzen und Bäume, welche 
»tausend Klingen gegen Owo-na-mudzi zucken« (Pfizmaier, Beherrscher Japans, 
I. Abth., 21). Nach Brauns 1. c, 190 erhielt das Schwert des Sosanoo den 
Namen Grasmäher zum Andenken an die wunderbare Errettung des Helden 
Yamato-Dake aus einer öden Moorlandschaft, in welcher ganz besonders böse 
Geister hausten. 



— 212 — 

dass man in das Innere dieser Höhle dringt. Vor hundert 
Jahren jedoch drang ein Vorsteher der göttlichen Dinge, mit 
Namen der Grosse Fi-je-no utsi-sono genannt, nachdem er 
zu diesem Zwecke wie gewöhnlich durch sieben Tage ge- 
fastet, in das Innere dieser Höhle. Als er sich daselbst um- 
sah, befand sich an den abgelegensten Orten ein vornehmer 
Greis, der ihm verbot, von dem, was er im Innern gesehen, 
den Menschen etwas zu sagen. Als Fi-je-no zurückgekehrt 
war und später die Beschwörung vornahm, setzten ihm die 
Menschen wieder mit Fragen zu, wobei es ihm unmöglich 
sein mochte, sich zu weigern. Als er jedoch sprechen wollte, 
starb er, ehe er noch ein Wort hervorgebracht hatte, eines 
plötzlichen Todes. So die Erzählung der Bewohner.« 

Mit dieser Sage wäre jene vom »Erdbebenfisch« zusammen- 
zustellen. ^) Dieses Thier, welches den Grund der Erdbeben 
bildet, wird vom mächtigen Gott Kaschima bewacht, welcher 
auf dem Rücken desselben lastet. Wenn dies zu seiner Be- 
ruhigung nicht mehr ausreicht, so ergreift der Gott sein mäch- 
tiges Schwert, das er einst in der Landschaft Hidatschi in 
die Erde stiess, und dessen Griif einen mächtigen Felsen 
bildet, den Grundpfeiler der Insel Nippon, welcher der Kaname- 
felsen heisst. Dieses Schwert vermag nur Kaschima zu heben ; 
erfasst er es, so ergreift Furcht den grossen Erdbebenfisch, 
und ohne dass Kaschima es wirklich zu zucken braucht, be- 
ruhigt sich der Fisch, und das Erdbeben hört auf. 

Der »duftige Berg des Himmels«^) ist derjenige, der 
sich in Jamato befindet. Dieser duftige Berg stieg später vom 
Himmel herab. Zur Zeit, als er herabstieg, trennte er sich in 
zwei Theile. Der eine Theil wurde der in Jamato befindliche 
duftige Berg des Himmels. Der andere Theil wird in dem 
auf das Reich I-jo bezüglichen »Buche des Windes und der 
Erde« erwähnt. Die hier auftauchende Vorstellung erinnert 
an indische Ideen über die Entstehung von Bergen aus den 
Wolken. 



^) Brauns, Japan. Märchen und Sagen, 154. 

2) Pfizmaier, Erklärung der Sonnennachfolge in Japan. Sitzungsb. d.. 
Akad. d. W., Wien 1866, 53. 



— 213 — 

Sie führt uns aber auch zu der nun zu besprechenden 
Auffassung der Japaner, dass die Berge eine Art Uebergang 
zum Himmel bilden. Die Analogie mit den hierauf bezüg- 
lichen Vorstellungen des Toismus scheint mir sehr klar. Wir 
folgen der ausführlicheren Darstellung der von Pfizmaier über- 
setzen Urkunde : *) 

Der Geehrte, der allgebietende Enkel (Ama-tsu fiko-fiko- 
fo-no ni-ni-gi-no mikoto) schlug, als er vom Himmel in das 
Land der Schilfebenen geschickt wurde, den folgenden Weg 
ein: Von der auf dem Berge Kusi-bi-futa-kami befindlichen 
schwimmenden Brücke des Himmels ausziehend, stand er 
auf der Fläche von Uki-zimari, drang, indem er das Reich 
suchte, durch das öde Land von So-zisi über Fita-wo und 
gelangte zu der steilen Anhöhe Naga-ja-no Kasa-sa in A-ta. 
Daselbst befand sich ein Gott, Namens Koto-katsu-kuni-katsu- 
naga-sa. Der Geehrte, der erhabene Enkel, fragte ihn: Gib 
es hier ein Reich oder nicht? Er antwortete: Es gibt hier 
ein Reich, du kannst nach deinem Belieben dahin gelangen. 
Der Geehrte, der allgebietende erhabene Enkel, hielt daher 
an diesem Orte an. Zu diesem Berichte bemerken einheimi- 
sche Erklärer: »Die schwimmende Brücke des Himmels hing 
zwischen dem Berggipfel So-no taka-tsi-fo und dem Himmel. 
Es wird geglaubt, dass die Namen Taka-tsi-fo und Kusi-bi- 
futa-kami einen und denselben Ort bedeuten.« Ferner wird 
darauf hingewiesen, dass der Gott Koto-katsu-kuni-katsu- 
naga-sa ein Gott des Landes gewesen und dass sein Name 
eigentlich der Name von Gebieten ist. 

Die Wolken bilden somit schwimmende Brücken zum 
Himmel, welche auf den irdischen Berggipfeln ruhen oder 
auch frei im Weltenraume schwimmen, daher für den letz- 
teren Fall die Commentatoren Moto-Wori und Owo-firu den 
Vergleich mit einem Schiffe heranziehen. 

Die obenerwähnte Stelle liefert uns auch den Beweis 
für die Existenz von älteren Landesgöttern, welche auf Bergen 



') Pfizmaier, Beherrscher Japans im Sagenzeitalter, I. Sitzungsb. d. 
Akad. d. W., Wien 1865, Sep. 30. 



— 214 — 

verehrt wurden. Es wird sich wohl auch hier um Manen 
handeln, welche zu Schutzgeistern der Berge erhoben 
wurden. Von dem bisher aus dem Himmel vertriebenen Sohne 
I-za-nasi's, dem Gotte Su-sa-no-wo-no heisst es ebenfalls, dass 
er auf dem Berggipfel Kuma-nasu wohnt und zuletzt in das 
Reich der Wurzeln (die Unterwelt) auswanderte. Auf diesem, 
in der Sagengeschichte Japans hochberühmten Berggipfel 
(Kuma-nu), welcher im Reiche Idzumo liegt, wird dem ge- 
nannten grossen Gotte geopfert.^) 

Jimmu Tenno, der erste Kaiser von Japan, hat böse 
Kämpfe gegen die unbändigen Berggeister zu bestehen, deren 
Herrscher in der Gestalt eines gewaltigen Bären erscheint.') 
Er vermag nur mit Hilfe des heiligen Schwertes zu siegen. 
Ebenso seine Nachfolger, vor Allem der gefeierte Lieblings- 
held der Japaner, der Sohn des Keiko-ten-O, welcher um 
das Jahr 70 unserer Zeitrechnung auf den Thron gelangte, 
Yamato-dake-no Mikoto. ^) Dieser tödtete den Gott des Aschi- 
garapasses, der von Sagami nach Suruga führt und nicht weit 
vom Fuji-yama liegt. Dieser Gott war in der Gestalt eines 
weissen Hirschen zu ihm gekommen ; Yamato-dake warf einen 
Stengel weissen Lauchs nach ihm, traf ihn ins Auge, worauf 
durch die dem Lauch innewohnende Kraft dieser böse Dä- 
mon vernichtet wurde. Auch mit dem Berggotte des Schinano- 
passes hatte er einen siegreichen Kampf. Dagegen gelingt es 
ihm nicht, den mächtigen Berggeist des Ibuki (an der Grenze 
der Landschaften Omi und Mino) zu tödten, weil er im thö- 
richten Uebermuthe sein göttliches Schwert zurückgelassen 
hatte. Dieser Berggott, welcher aus der grossen Schlange 
Yamatano-orotschi verwandelt war, kam unter der Gestalt eines 
ungeheuren weissen Ebers ihm entgegen, Hess, als Yamato- 
dake schon nicht mehr fern vom Gipfel war. Eis in grossen 
Massen auf ihn herabfallen, zwang ihn dadurch zur Umkehr 



') Pfizmaier, Erg. Jap. Sage, I, 85. 

2) Brauns 1. c, 175. 

3) Yamato =a jenseits der Berge, alter Name Japans; take (dake) hoher 
Berg, chin. yo (Himly). 



— 215 — 

und vernichtete des Helden Gesundheit, so dass er beim Vor- 
gebirge von Otsu starb J) 

Charakteristisch ist, dass ein solcher Berggeist gewisser- 
massen als Schutzgeist eines Gottes auftritt:*) Owo-na-mudzi 
gelangte zum Reiche Idzumo und rief mit lauter Stimme: 
Derjenige, der jetzt dieses Reich aufbaut, bin ich allein. Sollte 
es keinen Gott geben, der mit mir zugleich das, was unter 
dem Himmel ist, aufbaute? Als er dies gesagt, leuchtete 
wunderbar die Meeresfläche, und ein Gott kam plötzlich her- 
vor, der sprach : Wenn ich nicht wäre, würdest du wohl dieses 
Reich aufbauen können? Nur weil ich bin, magst du deine 
Verdienste begründen. Der Gott Owo-nui mudzi fragte hier- 
auf: Wer bist du also? Er antwortete: Ich bin dein glück- 
licher Geist, dein wunderbarer Geist. Der Gott Owo-na-mudzi 
fragte : Also bist du mein glücklicher, mein wunderbarer Geist 
geworden. An welchem Orte gedenkst du jetzt zu wohnen? 
Er antwortete: Ich gedenke auf dem Berge Mi-moro-jama in 
dem Reiche Jamato zu wohnen. Hier wird ihm ein Palast 
gebaut und er wohnte von nun an daselbst. Dieser Gott 
heisst Owo-mi-wa-no kami. 

Auch von Kämpfen der Berggeister unter einander wird 
berichtet. So bekriegte einst der Gott des Futara-yama (Nan- 
taisan) den Akagi, einen Gott von Bergen in Kotsuke, und 
schlug ihn auf der Ebene Otana-Batake (grosses Blumenfeld), 
welche aber auch Senjo-no-hara (Kampfplatzebene) heisst. 
Hiedurch kam diese Ebene, welche den Nikko-See (worin 
eine kleine Insel noch jetzt den Namen Kotsuke-shima trägt), 
an Shimotsuke. ^) 

Die im Vorhergehenden angezogenen Göttersagen bilden 
bekanntlich die Basis des Shintoismus. Schon die Namen 
dieser Nationalreligion (Shinsien, Kamilehre) weisen auf eine 
mit dem Toismus gemeinsame Quelle, welche im nordasiati- 



*) Braun 1. c, 191 ft. 

2) Pfizmaier, Beherrscher Japans in dem Sagenzeitalter, I, Sitzungsb^ 
d. Akad. d. W., Wien 1865, 5. 

3) Rein, Naturwissenschaft!. Reisestudien in Japan. Mittheil. d. D. Ges. 
f. Natur- u. Völkerk. Ostasiens, 1875, 24. 



— 2l6 — 

sehen Animismus liegt. Ob sich die höheren Göttergestalten 
dieser Religion aus dem Dämonenglauben autochthon ent- 
wickelt haben oder ob dieselben durch höher stehende Er- 
oberer vom westlichen Festland her importirt wurden, ist hier 
nicht zu erörtern. Dass die alte Kamilehre zahlreiche fremde, 
besonders buddhistische Elemente aufgenommen hat (Soku- 
sinto, populäre Kamilehre), ist längst bekannt. Für einen ge- 
wissen Antagonismus zwischen Himmelsgöttern, von welchen 
sich die kaiserliche Familie ableitet, und den Erdengöttern, 
den Stammeltern der Aboriginer (den Ebissu), scheint die von 
Kempermann ^) mitgetheilte Sage aus dem Nihonki (im Jahre 
720 n. Chr. abgefasst) zu sprechen, wornach der Erdengott 
Oku-nitama nur einen Nachkommen der Erdengötter als 
Priester in seinem Tempel dulden wollte. 

Ohne gegenüber dem für die Deutung der japanischen, 
wie so vieler anderer Göttergestalten bestehenden Gegensatze 
zwischen historischer und rein mythologischer Auffassung 
Stellung nehmen zu wollen, dürfte es gleichwohl gestattet 
sein, aus dem Gesammtinhalt der mitgetheilten Mythen die 
Annahme abzuleiten, dass die animistischen Berggötter der 
Japaner, die hartnäckigen Gegner der Himmelsgötter, einem 
primitiven Vorstellungskreis angehören und dass diese Ge- 
stalten von jenen Formen der Bergverehrung genetisch zu 
trennen sind, welche mit den Himmelsgöttern zusammen- 
hängen. 

Als einen solchen Rest jener primitiven Anschauungen 
werden wir somit jene Berggeister zu betrachten haben, deren 
in den Märchen und Fabeln der Japaner öfters gedacht wird. 
Innig verwandt mit den Oni, welche in Dickichten und 
Sümpfen hausen, oder mit den Tengus, den Waldkobolden, 
wohnen sie auf hohen Felsen oder im Innern derselben, in 
dunklen Höhlen. Ihre Gemüthsart ist meistens bösartig; nur 
selten werden gute Berggeister erwähnt. Sie nehmen alle 



') Kempermann, Mittheil, über die Kamilehre. Mittheil. d. D. Ges. f. 
Natur- u. Völkerkunde Ostasiens, Yokohama 1874, 30 flf. Feigl, Oest. Zeitschr. 
f. d. Orient, 1889, 121. 



— 217 — 

möglichen Thiergestalten an. Vor Allem bemerkenswerth sind 
die Sagen über menschenverzehrende Berggeister. So tödtet 
ein junger Held mit Hilfe eines grossen Hundes Schippeitaro 
einen grossen Berggeist, der in der Gestalt eines riesigen 
Katers gekommen war, um seinen jährlichen Tribut, eine 
Jungfrau, zu verzehren. Mit dessen Tode hörten die Menschen- 
opfer auf, welche alljährlich dem Berggeiste dargebracht 
wurden. 

Auch die berüchtigte, in den Sagen vielfach erwähnte 
Schlange Orotschi, welche in den Bergen von Etschigo ge- 
lebt haben soll, die stärksten Zauberkräfte besass und durch 
den Helden Iraija erlegt wurde, 2) scheint ein Berggeist ge- 
wesen zu sein. Nicht viel dem Wesen nach davon ver- 
schieden dürfte der Tausendfüsser gewesen sein, ^ welcher auf 
dem Berge Mikami, beim Biwasee in der Provinz Omi, hauste, 
und dem alljährlich eine Menge von Menschen zum Opfer 
fielen. Andere Sagen versetzen diesen Tausendfüsser (Mukade) 
auf einen Berg in der Nähe der grossen Brücke über den 
Yokatagawa, beim Dorfe Tschitta in der Provinz Totomi. 
Dieser Berg erhielt von demselben den Namen Mukadeberg. 
Der Held, welcher ihn erlegte, heisst Towara Töda Hidesato. 
Ein bemerkenswerther Zug ist, dass der Mukade selbst die 
Drachenbrut verzehrt, welche im Wasser unter der Brücke 
wohnt. Nach Chamberlain soll dieselbe Sage bei den Ainos 
bekannt sein; doch fassen sie das Unthier als eine Schlange 
mit acht Köpfen auf, was an indische Vorstellungen erinnert. 

Hieher gehört auch die Sage vom Nebelberg von Dewa, 
im Norden Japans. In demselben befindet sich eine durch 
eine Mauer geschlossene Höhle, in welcher sich eine riesige, 
fortwährend sich ringelnde Schlange befindet. Niemand hat 
Kopf und Schwanz derselben gesehen, ausser einem Diener 
des Drim, welcher den Nebelberg seinem Gebiete einverleibt. 



^) Brauns 1. c, 59. Eine ganz bestimmt lautende Angabe über Men- 
schenopfer auf Bergen ist mir leider verloren gegangen. 

*) Brauns 1. c, ii. Die Orotschi wird wohl mit der menschenverzeh- 
renden Boa der Provinz Scho identisch sein. Vgl. S. 161. 

3) Chamberlain, Mem. of Litt. Coli. Imp. Univers. Japan, I, 2^* 



— 2l8 — 

Er wusste nicht genug davon zu erzählen, wie ungeheuer 
der Kopf der Schlange sei, *) 

Hieran mögen sich nun die wenigstens bis in die neuere 
Zeit verehrten Berggötter reihen/) obwohl für alle diese 
höheren Göttergestalten ein gleichmässig alter Ursprung nicht 
mit Bestimmtheit behauptet werden kann. So werden am A-So- 
San in Higo der Take-Zwa-Tatsumo-Kami (Gott des Drachens 
vom hohen Felsen), am Yoschi-no-Yama wegen seines Gol- 
des der Sa-0-Gon-Gen (Schatzgott), am 0-ya-ma (grossen 
Berge) der Dai Gongen Dai-Ten-Gu und der Scho-Ten-Gu 
(grosse und kleine Himmelshund) verehrt. Der letztere stammt 
offenbar aus China; er wird im Schan-hai-king als Bewohner 
des In-schan abgebildet und kommt auch unter den Sternen 
vor (Argo Williams). 

In der Jeddo-Encyklopädie finden sich auch Abbildungen 
von Umzügen, welche zu Ehren des Bergkönigs San-0 (Schan 
Wang) des Berges Hiyoschi am 14. und 15. des sechsten 
Monats jedes zweiten Jahres in Jeddo abgehalten werden. In 
Kawa-saki bei Jeddo findet dieses Fest am 13. bis 16. des 
sechsten Monats statt, in Madzu dagegen am 20. des neunten 
Monats. Auch auf einem Berge der Nikko-San-Gruppe ist ein 
Heiligthum des San-0. 

Als älterer Ort der Verehrung des San-0 wird im San- 
sai-tsun-ye das Dorf Han-Hou (Saka-Mota) im Bezirke von 
Asai in Omi aufgeführt, wohin Tschenschi-Ten-0 zuerst (668 
bis 671) eine Besatzung legte. 791 sollen die Umzüge mit dem 
Mikoscho -Wagen veranstaltet worden sein. Nach 791 soll der 
Name San-0 aufgekommen sein. 

Die nachfolgenden Vorstellungen dürften wohl zumeist 
späteren, durch den Toismus und Buddhismus beeinflussten 
Stadien des Sh in toismus angehören. 

Nach Brauns^) ist die Lage des japanischen Paradieses 
(der glückseligen Inseln des ewigen Lebens) dermalen voll- 

^) Brauns 1. c, 362. 

2) Herr K. Himly hatte die Güte, für meine Zwecke das im 17. Jahr- 
hundert verfasste San-sai-tsu-ye zu durchforschen. 

3) Brauns 1. c, 146 ff. 



— 219 — 

kommen unbestimmt. In früheren Zeiten scheint dies inso- 
ferne anders gewesen zu sein, als man dasselbe auf hohe 
Berge zu verlegen geneigt war, wenn auch bezüglich der 
Wahl eines bestimmten Berges keine Uebereinstimmung 
herrschte. Nach dem San-sai-tsu-ye wird das P'ong-Lai-schan 
(Elfenreich), welches auch Ho-Rai-san ausgesprochen wird, 
an drei verschiedene Stellen versetzt, und zwar: 

I.Auf das Kuma-No-yama, Bären-Felsgebirge, in Ki-I 
(zwischen Osaka und Yokohama). Bei der Brücke Tema-ye- 
no-baschi, »Edelstein-Strombrücke«, befindet sich ein Grrab, von 
dem es heisst, es sei das des Sü-Fu; südöstlich davon sei der 
Ho-Rai-san mit dem Heiligthum des Sü-fu. Das Hauptheilig- 
thum Japans (Nippon-no-itschi-no-miya) soll auch dort sein, 
wo die sieben Himmel und die fünf Erdengötter, darunter 
besonders Izanami, verehrt werden. 

2. Auf den Fuzi-san (Fuzi-no-yama), den höchsten 
Berg Japans, der alljährlich von tausenden von frommen Pil- 
gern besucht wird, welche Segen für sich und die Ihrigen vom 
heiligen, schneebedeckten Gipfel holen. ^) Die Sage verlegt 
seine Entstehung in das Jahr 376 nach der Gründung des 
japanischen Reiches. Bei der Erhebung desselben soll gleich- 
zeitig der Bima-See durch riesige Senkungen entstanden sein.*) 
Sü-Fu soll auch dorthin gekommen sein und seine Nach- 
kommen noch damals (im 17. Jahrhundert, wo das San-sai- 
tzuye verfasst wurde) Hata geheissen haben, was die japanische 
Lesung des Zeichens für Thsin ist (Himly). 

3. Atsu-ta (Warmfeld) in Owari, wo der betreffende Berg 
Ho-nai-san genannt wird. Eine Pagode dort soll der be- 
rühmten Yang-Mwei-fei, der Geliebten des Thang-Kaisers Ming- 
Hwang, geweiht sein. Dort werden auch Amatera und Sosa-no 
verehrt. 

Unter der Bezeichnung mitake (mi == kaiserlich, take = 
Gipfel) werden ausser dem Fuzinoyama der Schirayama und 
noch weitere sieben heilige Berge aufgeführt. 

') Pfizmaier, Die Reise zu dem Berge Fu-zi. Sitzungsb. d. Akad. d. 
W., Wien 1880, 557 ff. 

2) Brauns 1. c, 329. 



— 220 — 

Der Schira-yama (weisse Berg) liegt in Etschizen auf 
der Grenze von Kaga und hat seinen Namen von seinem 
Schneegipfel. Auf diesem ist zur Zeit der Schneeschmelze der 
Midori- (grüne) See. Das San-sai-tsu-ye erwähnt zwei Feuer- 
ausbrüche desselben, bei dem letzten sei die Hölle hervor- 
getreten. Der Schira-yama-na-gongen hat daselbst sein Heilig- 
thum. 

Die sieben heiligen Berge sind; i. der Hiyei-san in 
To-tomi. 2. Hirano-Yama, ebenda. 3. Kuki-san in Mino. 
4. Atago-San in Yamaschiro, an der Grenze gegen Tamba. 
Hier werden Isanami, die dort vom Feuer verzehrt sein soll, 
und der Feuergott Kaku-dzu-tschi verehrt. 5. Kimbusan 
(Yoshinoyama, Koganeno-midake) in Yamato. Er soll auf 
lauter Gold stehen. Ein Buddhamönch suchte einst hier Gold 
zur Anfertigung von Buddhabildern. Da sagte ihm der Gott 
Kura-0-Gongo, hier müsse er nicht suchen, sondern in Omi 
am Ischi-no-yama (Steinberg), dem Wohnsitze der Zu-i-lun- 
kuan-yin; wenn er sich dorthin im Gebete wendete, würde er 
sicher Gold erlangen. Dort sei ein Greis auf einem Felsen, 
Fische fangend, gesessen und habe sich als den Herrn des 
Berges bezeichnet, auch darauf hingewiesen, dass daselbst 
die Seele des Kwan-Yin verweile. Darauf sei er verschwunden. 
Der Mönch baute hier ein Kloster und erhielt zuerst Gold 
aus Mutsu. 6. Zimbosan, nördlich von Ozaka, in Setsu. 
7. Katsuraki-yama in Yamato. Hier wird Sozans Sohn 
Kadzurakino-kami verehrt. 

Die Shintos (Kamimitzi) haben einen geistlichen Orden, 
genannt die Jammabos = Soldaten der Berge. Ihr Name rührt 
davon her, weil sie verpflichtet sind, für die Götter und die 
Religion eventuell zu kämpfen. Die Secte soll ungefähr im 
6. Jahrhundert unserer Aera gegründet worden sein. Sie be- 
steht aus Einsiedlern, welche die Berge, besonders die Um- 
gegend des Fusi Jamma, bewohnen. Ihre Anhänger theilen 
sich in zwei Abtheilungen. Die einen müssen alljährlich den 
Gipfel des Fikusan (Provinz Busen) besteigen, was als sehr 
gefährlich gilt, nicht blos, weil der Weg äusserst schwierig 
ist, sondern auch, weil Jeder, welcher den Berg im Zustande 



— 221 — 

der Unreinheit besteigt, unfehlbar närrisch wird. Reinheit 
des Herzens wie des Körpers bildet nämlich das Haupt- 
postulat der Sittenlehre wie des Cults des Shintos. Die Mit- 
glieder der anderen Secte (Fonsanfa) besteigen alljährlich 
das Grab des Ordensstifters. Dasselbe liegt auf dem Gipfel 
eines hohen Berges Omine (steiler Berggipfel) in der Provinz 
Jostsijno. Der Unreine springt in den Abgrund oder wird von 
einer unheilbaren Krankheit befallen. Die Jammabos sollen 
übrigens gegenwärtig sehr degenerirt sein und fungiren als Zau- 
berer. Auch haben sie manches Buddhistische angenommen. ^) 

Nach Kämpfer sind die Friedhöfe der Japaner gewöhn- 
lich auf Bergspitzen oder auf Hügeln angelegt. Dies dürfte 
sich hauptsächlich auf Angehörige der Shintoreligion beziehen. 
Wir finden nämlich in dem von Mitford mitgetheilten Bruch- 
stücke aus dem buddhistischen Schorei Hikki das Vorurtheil 
getadelt, dass durch die Nichtbeachtung der glücklichen Lage 
und Plätze für die Beerdigung der Todten auf die Nach- 
kommenschaft Unheil herabgezogen würde.*) 

Namentlich sind hohe Berge für die Kaisergräber ge- 
wählt worden, wie denn überhaupt der chinesische Grund- 
satz: Je höher der Rang, desto höher der Begräbnissplatz, 
auch für Japan giltig gewesen sein soU.^) Dies erstreckt sich 
aber auch auf die heiligen Thiere. Zur Zeit Kämpf er 's ge- 
hörte der Hund dazu, weil der damals regierende Kaiser in 
der durch dieses Thier bezeichneten Abtheilung des zwölf- 
jährigen Cyclus geboren war. Ein Japaner, welcher einen 
Hund den steilen Weg hinauf tragen musste, murrte über 
den Geburtstag des Kaisers und dessen unsinnige Befehle. 
Schweig still, erwiderte ihm sein Kamerad, danke vielmehr 
den Göttern, dass der Kaiser nicht unter dem Zeichen des 
Pferdes geboren ist, sonst wäre die Last noch viel grösser. ^) 

^) Kämpfer, Histoire du Japon, I, 200. 

2) Mitford, Geschichten aus Alt-Japan, D. Uebers., II, 305. 

3) Knobloch, Mittheil. d. D. Ges. f. Natur- u. Völkerk. Ostasiens, 1874, 
5. Heft, 40. 

*) Kämpfer 1. c, I, 109. 



222 



Altaier. 

Man hat unter dem Begriff »Schamanismus« die primitive 
Religion der verschiedenen Glieder der altaischen Völkerfamilie, 
sowie der Arktiker u. s. w. zusammengefasst. Das Material 
über dieselben ist, Dank den Bemühungen der russischen 
Ethnographen, in raschem Wachsen begriffen. Den Arbeiten 
RadlofFs schliessen sich in rascher Folge jene von Agapitow 
und Schangalow über den Schamanismus der Buräten, von 
Priklonsky und Popow über jenen der Jakuten an. 

Der nähere Einblick in die schamanistischen Vorstel- 
lungen bringt nun allerdings eine jener Ueberraschungen, an 
denen die vergleichende Ethnologie so reich ist Man wird 
in Zukunft wohl von schamanistischen Gebräuchen, jedoch 
kaum von dem Schamanismus als einer specifischen Reli- 
gionsform sprechen können, da der Manencult, den Radioff 
als das charakteristische Merkmal desselben ansieht, die Basis 
aller Naturreligionen ist. Nur auf eine traditionelle Form des 
Verkehrs mit den Manen werden wir den Begriff des Scha- 
manismus beziehen müssen. 

Schon der tiefblickende Hodgson^) hatte »fuUy aware 
of the opinions oppose« behauptet, dass der Schamanismus 
Nordasiens nichts anderes sei, als der Buddhismus der Tantra- 
epoche. Jedenfalls steht derselbe auf einer weit höheren Ent- 
wicklungsstufe als bisher angenommen wurde. Bei aller Gleich- 
heit der primitiven Anlage weisen die verschiedenen schama- 
nistischen Systeme der altaiischen Völker sehr merkwürdige 
Abweichungen auf, in welchen sich die Einflüsse aller Cul- 
turen spiegeln, mit denen diese Wandervölker jemals in Be- 
rührung getreten sind. Bei den Tungusen hat der Buddhis- 
mus das Hauptmaterial für die höheren Göttergestalten ge- 
liefert; bei den Mongolen tritt dazu als oberster Gott Ormuzd ; 
die Buräten sprechen von östlichen und westlichen Göttern, 



^) Hodgson, Tribes of Northern Tibet, Essays London 1874. 



— 223 — 

wie die chinesischen Schriftsteller der späteren Zeit, die Jakuten 
erkennen als obersten Gott Aj-toen, was an den chinesischen 
Tign erinnert. Welches dieser Systeme noch das relativ primi- 
tivste ist, kann dermalen nicht beurtheilt werden. Wir haben 
allen Grund, eine kräftige Verfolgung der Sammelarbeit und 
die systematische Verarbeitung des Materials mit den Hilfs- 
mitteln vergleichender Sprachforschung zu wünschen. 

Den Kitt dieser disparaten geistigen Elemente scheint 
allerdings der Buddhismus, und zwar der degenerirte Bud- 
dhismus geliefert zu haben, mit welchem jene Völkerschaften 
wenigstens seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. in ununterbrochener 
Wechselwirkung standen. 

Radioff hat die schichtenförmige Anordnung der sieben 
Himmel des Lichtreiches, welche sich im System der Tun- 
gusen (auch anderer Altaier) findet, aus dem Anblick der 
Bergschichten zu erklären gesucht. Dieselbe entstammt jedoch 
der buddhistischen Vorstellung über die sieben Himmel (Sphäre), 
welche sich auf dem Gipfel des Summer Oola (Meru) aufbauen. 
Die Trennung des eigentlichen Himmels von dem Weltraum, 
in welchem Sonne, Mond und Sterne sich befinden, ist echt 
indisch. Das Paradies in der dritten Himmelsschichte erinnert 
an das westliche Paradies der chinesischen Buddhisten. Die 
Riesentanne im Nabel der Erde, welche bis zum Hause des 
Baä Algön reicht, ist identisch mit dem Riesenbaum auf dem 
Summer Oola der Lamaisten. Erlik, Maitärä, Mandischirä 
sind lauter buddhistische Gestalten. 

Der buddhistische Einfluss zeigt sich auch in der Entleh- 
nung indischer Gestalten für den schamanistischen Ritus. Der 
tungusische Schamane braucht eine Gans zum Aufstieg in 
die Himmelsrä^ume. Die Gans ist das Fuhrwerk des Brahma 
und der Sarasvati. Sie findet sich auch als buddhistisches 
Emblem. ^) Vor Allem aber weist darauf die Entlehnung des 
Wortes Samana (Pali), Sramana (Sanskrit) für die Bezeich- 
nung der Vermittler des Verkehrs mit der Geisterwelt. 



') Lassen, Ind. Alterthumsk., I, 786. Weber, Ind. Stud., 1, 345. 
Chapmen, J. R. As. Soc. Lond., XIII, 171. 



— 224 — 

Diese Entlehnung ist übrigens noch nicht genügend 
erklärt. Sie wurde sogar von Schott gänzlich in Abrede ge- 
stellt, welcher das mandschurische saman aus sa, d, h, wissen, 
sehen, abzuleiten sucht; doch gibt dieser berühmte Sprach- 
forscher zu, dass das Suffix man sich im Mandschu nicht 
findet J) Ebensowenig ansprechend erscheint uns C. v. Harlez's 
Versuch, aus samdamhi (trommeln) die ursprüngliche Bedeu- 
tung für saman (Zaubertrommeln) abzuleiten. 2) Nach d'Ohsson 
hiessen die Zauberer der Mongolen in frühesten Zeiten Kams, 
was Harlez wohl mit vollem Recht aus Kami (Geist) ableitet.^) 
Die Berg-Kalmüken, die türkischen Balkiren, Sagaier und 
Katschingen halten noch heute an derselben Bezeichnung 
fest. Dagegen hiessen die Priester der Hakas (Kirghisen) 
Gan-khun (Klaproth)^) oder Kan-hoen (Visdelou).^) Gegen- 
wärtig gebrauchen die Mongolen und Buräten den Namen 
Bo,^ die muhammedanischen Kirghisen Baksu,"^) die Jakuten^) 
Ojun; die Schamanin heisst bei den letzteren Udagan. Im 
Tscheu-li werden die Zauberer mit den entsprechenden Func- 
tionen Nan-Wu genannt. 

Es wäre denkbar, dass die Anwendung des ehrwürdigen 
Namens Sramana auf die altaiischen Zauberer ursprünglich 
von den auf den Buddhismus eifersüchtigen Taopriestern aus- 
gegangen sei, gerade wie die Lamas noch heute die taoisti- 
schen Priester in China mit Vorliebe Bonpa's nennen, ^) eine 
Bezeichnung, welche, soweit ich aus Pfizmaier's Schriften 
urtheilen kann, in den Schriften der »Anhänger des Wegs« 
nicht vorkommt. 



1) Schott, Abh. Berl. Ak., 1862, 46 fr. 

2) Harlez, Relig. nat. Tart., 1857, 29. 

3) Harlez 1. c, 176. 

*) Ritter, Asien, I, 961, 1088. 
5) Ritter 1. c, 1133. 

») Globus, LH, 250. Nach Timkowsky, R. v. China, I, 288, heissen 
die Schamanen bei den Mongolen Beg. 
■^) Radi off, Sibirien, H, 59. 

8) Ausland, 1887, 884. 

9) Pander, Gesch. d. Lamaismus, Zeitschr. f. Ethnol., Berlin 1889, 199. 



— 225 — 

Von künftigen vergleichenden Forschungen erhoffen wir 
tiefern Aufschluss üher die Zusammenhänge der nord- und ost- 
asiatischen Religionen, welche, abgesehen von andern schla- 
genden Analogien,, schon in der weiten Verbreitung des 
Wortes Kami angedeutet liegen. Auch kann ich mich nicht 
enthalten, die vielleicht nur scheinbare, jeden£aUs merkwür- 
dige Aehnüchkeit des Mandschuwortes Hutu (böse Geister,. 
Kobolde, auch Manen), mit den Anitus der Malayen hervor* 
zuheben. 

Das Material über den im sibirischen Schamanismus 
vorkommenden Höhencultus ist nicht gerade reichlich. Ueher 
dessen Deutung wird wohl kein begründeter Zweifel erhoben 
werden. Dies gilt sowohl von der sehr charakteristisch aus- 
gebildeten primitiven Vorstellungsschichte altaiischer Berg- 
verehrung, als auch von den Vorstellungen, welche dem 
Buddhismus entstammen. 

Ich schliesse hieran RadlofPs vortreffliche Uebersicht 
über die Götterwelt der Tungusen, welche wohl als eines 
der ausgebildetsten Ausläufer des altaüschen Schamanismus 
gelten kann. 

Siebzehn obere Schichten bilden den Himmel, das Reich 
des Lichts. Tengere Kaira Kan, der höchste der Götter, 
bewohnt die siebzehnte Schichte und leitet von da die Ge- 
schicke der Welt. Aus dem Kaira Kan entstanden durch Ema- 
nation die drei höchsten Gottheiten: Bai Uelgön, der auf dem 
goldenen Berge in der sechzehnten Himmelsschichte wohnt 
und dort auf goldenem Throne sitzt; Kysagan Tengere, der 
Mächtige, der in der neunten Himmelsschicbt seinen Wohn- 
sitz hat, und der Allweise Mergen Tengere, der in der sie- 
benten Himmelsschicht sich aufhält, wo auch die Mutter 
Sonne sich befindet. In der dritten Himmelsschicbt wohnen 
die Söhne des erhabenen Bai Uelgön, der Jajyk (Mai-änä) 
und Mai-tärä, der schützende Gönner der Menschheit. Hier 
ist der Süt-ak-köl, der milchweisse See, der Urquell alles 
Lebens, und in seiner Nähe der Berg Sürö, der Wohnsitz 
der sieben Kudai (sieben Götter), die hier unter ihren Unter- 
gebenen, den Jajutschi, d. h. den Schöpfern, den Schutzengeln 

V. And rinn, Höhencultus. le 



— 226 — 

und Begleitern, den Menschen lenken. Hier ist auch das 
Paradies (ak, d. h. das Weisse), wo die Seligen und Gerechten 
(aktu) ein glückliches Dasein führen. 

Die Erde selbst wird personificirt als eine für die Mensch- 
heit wohlthätige Geistergemeinschaft (Erdengeister), und wird 
als solche von den Menschen unter dem Namen Jär-su (Erde 
— Wasser) verehrt. Unter Jär-su wird die Gesammtheit der 
siebzehn hohen Chane (Fürsten) verstanden, deren Anzahl 
offenbar jener der Himmelsschichten nachgebildet ist. Diese 
Fürsten der Quellgebiete wohnen auf den Schneegipfeln der 
grossen Berge, bei den Quellen der das Land befruchtenden 
Ströme. 

Die Himmelsgötter und die Erdengeister sind die Schöpfer, 
Erhalter und Beschützer der Menschheit. Am nächsten stehen 
den Menschen die Gottheiten des Jär-su. An die Himmels- 
götter und an die Götter der Unterwelt wendet sich dagegen 
der Mensch nur durch Vermittlung der im Paradies wohnen- 
den Vorfahren. Nicht alle Manen besitzen die Kraft einer wirk- 
samen Hilfe; nur die Geschlechter der Schamanen können 
den Verkehr mit den Lichtgöttern und den Geistern der 
Unterwelt vermitteln. 

Der mächtigste dieser 17 Kane ist der Jö Kan. Er 
wohnt im Nabel der Erde, dem Mittelpunkte, wo der höchste 
aller Erdenbäume wächst, eine riesenhohe Tanne, deren Gipfel 
bis zum Hause des Bai Uelgön reicht. Die zwei Söhne des 
Jo Kan heissen So Kan und Temin Kan. Auch sie gehören 
zu den Erdenfürsten. Der vierte derselben ist Talai Kan 
(Jajyk Kan), der Fürst des Meeres, der Schützer der Ver- 
storbenen, welcher an der Mündung aller siebzehn Meere 
wohnt und alle Gewässer der Erde beherrscht. Der fünfte 
Fürst ist Adam Kan (eine durch Vermittlung der Khirghisen 
von den Muhammedanern entlehnte Persönlichkeit). Der 
sechste ist Mordo Kan oder Abakan Kan, der Herrscher des 
Abakan-Stromes, der an den Quellen dieses Flusses, östlich 
vom Teletzkischen See seinen Wohnsitz hat, wo er als Regen- 
spender verehrt wird. Der siebente Fürst ist Altai Kan, der 
Wohlthäter des Altai -Volkes, welcher bei den Quellen der 



— 227 — 

Katunja, der himmelhohen Belucha, seinen Sitz hat. Der 
achte Kan ist Kyrgys Kan, der reiche Wirth des Kemtschik, 
des Quellgebiets des Jenissei. Der neunte Kan ist Jabasch 
Kan, der zehnte Edär Kan, Uebei* die Wohnsitze und Be- 
deutung der übrigen sieben Fürsten konnte Radloff nichts 
Näheres erfahren.^) 

Ein von Radloff notirtes Dankgebet eines Teleuten- 
Schamans beginnt in folgender Weise: 

Der du in der Höhe wohnest, 

Himmelsherr Kan Abyjasch, 

Der auf Erden Gras hervorrief, 

Und die Blätter auf den Bäumen, 

Der am Schenkel Fleisch geschaffen 

Und die Haare auf dem Haupte. 
Bei einer Beschwörung wendet sich der Schaman an 
die mächtigen Fürsten des Abakan und Altai, welche Mit- 
glieder des Jär-su sind, mit den Worten: 

O, des Abakanes Helden, 

Ihr in weissen, seidnen Pelzen, 

Ihr auf rothen mächtigen Pferden, , 

Kommet her zu meiner Seite! 

Mordo Kan, du mächtiger Herr! 

Bei des Abakanes Quelle, 

Auf dem Berg mit tausend Gipfeln 

Wohnest du, o Mordo Kan. 

Komme jetzt an meine Seite! 

Höre du, o Fürst, mein Wort u. s. w.^) 



^) Radloff,. Aus Sibirien, II, 7, E)ie Tataren unterschieden zwischen 
dem obersten Himmelsgott und dem Erdgotte Natigay, welch letzterer beson- 
dere Verehrung genoss, da er über Rinder, Vieh und Ernte wachte. Book of 
Marco Polo ed. Jule, I, 249. Yule ist geneigt, den Natigay mit jenen mächtigen, 
aber niedriger stehenden Geistern zu identificiren, welche die Tungusen Ongot, 
die Buräten dagegen Nugait, Nogat, nach Erman Ongotui nennen, 1. c, I, 250. 
Gegenwärtig verehren die Buräten eine ähnliche Gottheit unter dem Namen 
Dsaiagachi (oberster Herr des Glückes), welche auch in dem buddhistischen 
Pantheon Eingang fand. 

2) Radloff, 1. c, II, 31. 

15* 



— 228 — 

Die Wunderdoctoren (Baksu) der muhammedanischen 
Kirgisen, welche durch den Einfluss der MuUa's aus ihrer 
Stellung als Schamanen verdrängt wurden, rufen nach Be- 
endigung eines stark mit muhammedanischen Motiven ver- 
setzten Gebetes vor Beginn der »Beschwörung« eine Anzahl 
Heiliger an, welche an den Jär-su der Altaier erinnern: 

Tschyngys Kan, du Heiliger! 

Auf dem rothen Bergesgipfel, 

Ihr die Mädchen-Heiligen! 

Auf des Ochsenberges Gipfel, 

Ihr die Ochsen-Heiligen! 

Auf des Widderberges Gipfel, 

Ihr die kahlköpfigen Heiligen! 

Auf dem Berg des Elenthieres, 

Auch der Drache, der hervorkam, 

Aus des Berges düsterm Innern, 

Bak Asyt, des Bekpän Vater, 

Der nicht todt, nenn' ich ihn todt auch, 

Lebend nicht, nenn' ich ihn lebend.^) 
Die Schamanen erfahren auch nach ihrem Tode noch 
Auszeichnungen. Ihrem Wunsche gemäss begräbt man sie 
auf erhabenen Orten oder an den besuchtesten. 2) 

Die Altaier nennen noch heute die Schutzgeister der 
Berge und Gewässer Tu-ijäsi, Su-ijäsi, den Wirth des Berges, 
den Wirth des Wassers.^) Man vergleiche diese Bezeich- 
nung mit der Benennung ojäsi für die bösen Geister der 
Aino's. 

Tungusischer Zweig. Die Tungusen errichten 
Stangen, an denen Stücke von Pelzwerk oder zusammen- 
gewickelte Lappen, auch Büschel von Thierhaaren oder 
Knochen von Opfermahlzeiten aufgehängt sind. Man findet 
dieselben gewöhnlich auf Berghöhen und wüsten Stellen in 
Wäldern.^) Nach Jadrinzew bringen sie den hohen Bergen 



1) Radi off, Aus Sibirien, II, 64. 

2) Stuhr, Religionssysteme d. Völker d. Orients, 251. Lippert, I, 280. 

3) Radioff, Aus Sibirien, I, 132. 

4) W. Parschin, Erm. Arch., IV, 7. Hickisch, Tungusen, loi. 



— 229 ■— 

Zobel, Eichhörnchen, Hermeline oder Füchse dar, um nicht 
von denselben auf der Reise aufgehalten zu werden. Diese 
Sitte haben die turuchansker Kosaken und die Promyschlen* 
niki (Fangmänner, Jäger, Fischer) angenommen. Wenn sie 
auf der Nischnaja Tunguska an dem sogenannten Berge Za- 
panina Ssopka vorüberfahren, so fürchten sie, dass irgend 
ein Schreckwesen desselben Zapan, Geifer genannt, ihr Boot 
aufhalten möchte, und setzen am Fusse desselben Opfergaben 
aus. ^) Auch den Obo's bezeugen die Tungusen Ehrfurcht. 2) 

Die Tungusen halten den Tschokondo (Sochondo) für 
den Sitz einer bösen Gottheit, welche täglich den Nebel, die 
Wolken und Stürme an ihm hervorbringt und Niemand 
zu sich lässt. Sie halten ihn daher für unerstei glich und 
betrachteten SokolefPs Besteigung desselben als Frevel. Seine 
glückliche Rückkehr von dieser Expedition erschien ihnen 
als ein Wunder.^ 

Starben die Eltern eines Mu-lly (Mongolen oder Tun- 
gusen) im Frühling oder Sommer, so begruben sie dieselben 
auf Anhöhen und bauten ein Häuschen über dem Grabe, um 
dasselbe gegen Regen und Nässe zu schützen. Starben sie 
aber im Herbst oder Winter, so bediente man sich ihrer 
Leichname als Lockspeise für die Marder.^) 

Die Wiege der Mandschustämme (Khitan, Yutschi, 
Mandschu) ist der grosse Gebirgsknoten, welcher die nörd- 
liche Grenzmauer von Korea bildet. Derselbe besteht aus zwei 
enge verbundenen Bergketten, dem Tschan-pei-shan (langem 
weissen Gebirge) und der Jwulierikette. Der Archimandrit 
Palladius bezeugt, dass die heilige Bedeutung des weissen 
Gebirges im fernen Osten seit Jahrhunderten anerkannt ist. 
Es soll früher bukhisches Gebirge geheissen haben, welche 
Bezeichnung auf das mongolische Buckhan (Gottesberg) zu- 
rückgeführt wird.^) 



') Jadrinzew, Sibirien, deutsch v. Petri, 50. 

2) W. Parschin, 1. c, 7, 

3) Ritter, Erdk., II, 265. 

*) Castrfen, Ethn. Vorl. über Alt. Volk., 27. 

^) Howarth, Journ. Asiat. Soc. Lond., VlI, II. 306. 



— 230 — 

Nach den neuesten Berichten ist der 8000 Füss hohe 
weisse Berg ein erloschener Vulcan, dessen Krater einen 
blauen See enthält. Der letztere soll mit dem Meere in Ver? 
bindung stehen ; er ist dem Regengotte geheiligt. Dieser See 
heisst Lung-wang-tan, Pfuhl des Drachenfürsten. An diesem 
Gebirge entspringen zahlreiche Hauptzuflüsse -des Amur, welch 
letzterer bei den Chinesen der schwarze Drachenfluss heisst.') 

Der König des goldenen Reiches (Kin) Oulo* erklärte 
1172 das lange weisse Gebirge zum König, der das Reich 
erhoben und Wunder verrichtet hat (Hing-Koue ling yng wang). 
Sein Vorgänger, der Tyrann Tikou-ai, hatte bereits 11 53 den 
Hügel Leao-che-khang zum »wundervoll erhörenden Könige« 
erklärt,' weil die Loose in dem auf demselben errichteten 
Tempel ihm den Thron in Aussicht gestellt hatten. 2) 

Gegenwärtig ist der laiige weisse Berg den Ahnen der 
regierenden Dynastie Chinas geweiht. Ihn zu betreten, gilt 
als Sakrileg, was indesisen nicht hindert, dass dieses Gebirge 
von zahlreichen Colonisten besiedelt ist, deren Existenz die 
Mandarinen nach Oben hin verheimlichen.^) 

Nach dem Aisin Gurun-i Suduri' Bithe ^) Hess Kaiser 
Sitzong bei einer anhaltenden Dürre im Jahre 1164 die un- 
gerechter Weise Eingesperrten befreien und die Spiele im 
Palaste einstellen; dann befahl er dem Präsidenten Wang 
Jing, nach dem hergebrachten Ritus die Opfer um Regen auf 
dem Berge des Nordens zu verrichten, worauf ergiebiger 
Regen eintrat.^) 

Türkischer Zweig. Der Wohnsitz des Herrschers der 
Östlichen Tu-kiu, welche von 552 — 745 ein selbstständiges 
Reich bildeten, lag am Berge Du-gin. 500 Li davon liegt ein 
hoher Berg, auf dessen Gipfel sich weder Pflanzen noch Bäume 
befinden. Er heisst Bodun-in-li, was auf chinesisch den Schutz- 
geist der Erde bezeichnen soll. Die Tu-kiu verehrten einen 



') Ausland 1887, 57. 

2) Plath, Völker d. Mandschurei, I, 6, 215. 

^) Globus, LH, 254; 

*) Harlez,'Hist. de l'Empire Kin, lia 



— 23X — 

Tengri des Himmels und einen solchen der Erde (Po-tengri), 
ausserdem viele Tengris (das Feuer), *) 

DieUiguren hatten vor den Khitan und den Mongolen 
als Residenz den Berg Ho-lin (beim alten Karakorum). Ihr 
Fürst Ko-le-ti-kin hatte eine chinesische Kaiserstochter zur 
Frau. Er residirte zu Ho-lin-piei-li-po-li-tha (auf dem Berge, 
wo die Braut wohnt). In dessen Nähe war der Berg Thien- 
ko-li-jun-tha-ha, der Berg himmlischer Weisheit. Gegen Süden 
lag der Berg Hou-li-tha-ha, d. h. der Berg der Glückseligkeit. 2) 

Man theilte Radioff bei den Bugu (an dem Karkava- 
flusse) mit, dass in der dortigen Gegend drei Orte existiren, 
welche den schwarzen Kirgisen für heilig gelten : der Berg 
Küngrämän an der Schuquelle, der Berg Tschulpassa am 
Flusse Koisu, und der Berg Ala-Baschy-Ata am Tess; dies 
ist um so bemerkenswerther, als sich die Karakirgisen für 
strenge Mohammedaner halten.^ 

Die Katschinzen im Gebiete von Krasnojarsk ge- 
hören zur Turkfamilie, sie haben jedoch viel Mongolisches 
in Sitte und Sprache angenommen. Sie haben zum Opfer- 
platz einen Berg am Ufer des Undat, auf dem sie sich all- 
jährlich versammeln und ein weisses Füllen opfern. Dies gilt 
dem guten Geiste Ulu-Khudai, dem bösen wird am Frühlings- 
feste (Tan) ein Rappe, Grauschimmel oder Fuchs geweiht.^) 

Die Tartaren begraben ihre Todten immer an hohen 
Stellen und lassen es sich sehr angelegen sein, dass sämmt- 
liche Grabhügel der gemeinsamen Begräbnissplätze in einer 
Linie fortlaufen, sowie dass jedes Grab die Richtung von Ost 
nach West habe,^) In ähnlicher Lage beschreibt Klaproth 
das Grab des Fürsten der kubanischen Nogai im Thale 
Kuschbschaga. '*) 



') Radioff, Aus Sibirien, 1, 132. Ritter, Asien, I, 1137. 

•) Ritter, Asien I, 558. 

3) Radi off, Aus Sibirien, I, 529. 

*) Ritter, Asien, I, 1196. 

^) Castr^n, Reiseerinnerungen 1845 — '849, 301. 

^) Klaproth, Reise i. d. Kaukasus, J, 543. 



— 232 — 

Die Basianen (basianischen Tartaren), am Nordfusse 
des Kasbek, haben, mit Ausnahme der Charatschai, welche 
Mohammedaner sind, eigentlich gar keine bestimmte Religion, 
Sie verehren Gott (nennen ihn Tägri, nicht Allah) als den 
Geber alles Guten, und den Propheten Elias, von dem sie 
behaupten, dass er sich oft auf den Gipfeln der höchsten 
Berge zeige, und dem sie unter Gesang und Tanz Lämmer, 
Milch, Butter, Käse, Bier opfern. Auch haben sie heilige 
Quellen, in deren Nähe keine Bäume gefällt werden dürfen. 
Sie wahrsagen aus den Schulterblättern von Schafen.^) 

Sie erzählen, wie auch die Karatschai, sehr viele Ge- 
schichten von Dämonen und Kobolden, die im Gebirge hau^ 
sen, und zwar von männlichen und weiblichen, ^j 

Von den Jakuten hat schon Wrangel berichtet, dass sie 
sehr strenge auf die Verehrung des Berggeistes auf Anhöhen 
halten, um sich denselben geneigt zu erhalten, obgleich sie 
sich zur christlichen Religion bekennen. ^) Neuere Aufschlüsse 
über das Schamanenthum derselben verdanken wir Herrn 
V. L. Priklonskij , ^) dessen Arbeit durch Herrn Director 
A. Bastian, sowie durch Herrn Dr. F. S. Krauss dem deutschen 
Publicum zugänglich gemacht wurde. 

Die Schamanen lehren, über das ganze Weltall herrsche 
Jut-tas oder, wie man ihn noch nennt, Ajbit-aga (der schaf- 
fende Vater), Aj-toen (der Herr). Er ist unsichtbar und uner- 
reichbar; er lebt auf dem siebenten Himmel und steht im 
Verkehr mit der Erde durch Vermittlung der Götter, die auf 
den niederen Himmeln leben. Es gibt im Ganzen sieben 
Himmel. In der Unterwelt herrscht der Herr der Finsterniss. 

»Aj-Toen (Gott der Herr) wollte im Zorne den frechen 
Schamanen An-Argyl-Ojun wegen Gotteslästerung zusammen- 
brennen, da aber Ojun's Leib aus einer Masse Gewürm be- 
stand, so rettete sich noch ein Fröschlein und siedelte sich 



') Klaproth, Reise i. d. Kaukasus, I, 507. Vgl. den Cult des Elias 
bei den Osseten. 

2) Klaproth 1. c, 523. 

3) Wrangel, Reise a. d. Nordk. v. Sibirien, 145. 

*) Priklonskij, O Samanstoje v Jakut ov. Jakutsk, 1886. 




— 233 — 

auf dem höchsten Berge an. Aus diesem Fröschlein sind alle 
mächtigen Dämonen hervorgegangen, welche nun die Jakuten 
mit Schamanen versorgen.« 

Der einzuweihende Schamane wird auf einen hohen 
Berg geführt (oder in Ermanglung eines solchen auf ein 
freies Feld) und spricht folgendes Gelöbniss einem älteren 
Schamanen nach: 

»Ich werde die Dämonen verehren, die auf den Gipfeln 
der hohen Berge hausen, und schwöre, ihnen mit Leib und 
Seele zu dienen. Ich werde verehren, mich beugen und die- 
nen dem höchsten, dem mächtigsten unter ihnen, dem Dä- 
mon, der über allen Dämonen steht, dem Gebieter der drei 
Dämonensippen, die auf den Bergesgipfeln wohnen.« 

An den nördlich von Jakutsk sich hinziehenden Heer- 
strassen ist kein Hügel, keine Anhöhe, kein einzelnstehender 
Baum, kein See, kein Fluss und kein Busch, die nicht ihren 
Schutzgeist hätten. Die hervorragenderen unter ihnen nennt 
mäh kurzweg nur Ebja-Chotun (Frau Mütterlein). 

Diese auch bei den Koriäken vorkommende Bezeich- 
nung bezieht sich auf die ^Erdmutter«, die Slota Baba. Alte 
Darstellungen derselben in Steinbüsten finden sich in den 
Sajanschen Steppen. Die Tataren erklärten dieselben als ver- 
steinerte Statthalter, welche sich in wildem Trotze gegen 
Kudai empört hatten. ^) 



Mongolen. Nach Ssanang Ssetsen wurde der Leich- 
nam Tschingis-Khans in der Gegend Jeke-Uetek zwischen 
der Schattenseite des Altai-Khan und der Sonnenseite des 
Kentai-Khan beigesetzt. Dieser mongolische Altai, der goldene 
Berg, lag nach Ritter in der Nähe des alten Holin (Kara- 
korum). Nach M. Polo wurden daselbst alle Grosskhane 
vom Geschlechte Tschingis-Khans begraben, wenn sie auch 
noch so entfernt, hundert Tagreisen weit von demselben 
verstorben sein sollten. Dieser Berg wird wohl identisch sein 



') Bastian, Steincultus, Arch. f. Anthr., 11 1, 3. 
-) Ritter, Asien, I, 481. 



— 234 — 

mit dem Burkhan Kaldun, welcher mit den frühesten Tradi- 
tionen der Mongolen verknüpft ist, und auf dessen Gipfel das 
Grab Tschingis-Khans verlegt wurde. ^) Auf den Berg Darkhan, 
im nördlichen Theile der Gobi, dem Gebiete der Ostmon- 
golen, verlegt die Sage den Amboss des Tschingis-Khan, ^ 
während seine Esse auf dem weiter im Osten gelegenen 
Toro, wo auch dessen Jurte gestanden sein soll, lag. Bei 
den grossen Felsen Gurbün tulgotü, in d^r Gobi, soll er im 
Kriege gegen China sein Lager gehabt haben. ^) Alljährlich 
ziehen die Mongolen im Sommer auf die erstgenannten mit 
grossen Obo*s besetzten Bergspitzen, um das Andenken ihres 
Nationalhelden zu feiern. Der Besitzer dieser Landschaft 
bringt Opfer auf dem Berggipfel.^) 

Von grossem Interesse sind Pallas' Angaben über die 
auch bei den Tibetanern und Himaläyavölkern gebräuchlichen 
»Obo«.^) Sie werden hauptsächlich in gebirgigen Gegenden 
den Schutzgeistern der Berge, Erde und Gewässer, dem Za- 
gan-Ebugen, auch Dällekin - Eser, geweiht. Die wolgischen 
Kalmüken, welche Steppen bewohnen und diesen Geistern 
nicht nahe zu sein glauben, sollen sie nicht errichten. Aus 
der Thatsache, dass die Tungusen u. s. w. auf den Haupt- 
gebirgen, welche die Gewässer theilen, ihre Obonen errichten, 
schHesst Pallas mit Recht, dass dieser Gebrauch aus der 
primitiven Religion der Altaier in den Buddhismus einge- 
drungen ist. Jeder Vorübergehende wirft einen Stein darauf, 
damit das heilige Gebirge wachsen möge. Die Obonen wer- 
den errichtet zum Schutze der Heerden oder des Landes in 
Kriegszeiten, zur Besänftigung der Schutzgeister der Erde 
und Berge bei Seuchen u. s. w. Die richtige Wahl des Ortes 
hiezu gilt als sehr schwierig. Besonders hervorragende und 

') Howarth, Origines pf Mongols, Journ. Roy. As. Soc. London, III, 
ser. II, 221 ff. 

-) Ritter, Erdkunde, Asien, II, 350. Timkowsky, I, 141. 

3) Timkowsky, I. 298. 

*) Ritter 1. c, II, 350. 

^) Obo soll nach Ag'apitow (Globus, LH, 250) auf mongolisch und 
burätisch »Grenzgebiet« bedeuten. 



— 235 — 

auffallende Bergklippen werden hiezu mit Vorliebe ge- 
wählt, i) 

Als Abwendungsmittel der Gefahr bei Gewittern gilt den 
Mongolen (wie in Tibet) Indra (Ingdrä). Auf hohen Stellen 
wird ein hölzernes Kreuz errichtet und mit Kräutern um» 
wickelt. Auch die Tungusen errichten solche Kreuze, und 
zwar klafterhohe, an welchen ein Schwan, Taube, eine Ente 
u. s. w. mit ausgebreiteten Flügeln befestigt sind (Doi); den 
kleineren (Böse) sucht man die Gestalt von Kopf und Armen 
zu geben. 

Die Buräten opfern hauptsächlich bei Unglücksfällen, 
bei Krankheiten, auf Reisen; sie füttern dann, nach ihrem 
Ausdruck, die Berge und Flüsse, nehmen Schafe mit, welche 
sie nach der ersten Tagereise auf Berghöhen schlachten, und 
verrichten ihre kurzen Gebete mit vielen Verbeugungen gegen 
die Sonne. ^) 

Besonders verehren sie einen hohen Felsenberg am 
Ufer des Baikal. Wer einen Eid abzulegen hat, besteigt den 
Berg und schwört auf dem Gipfel. Meineidige werden oben 
getödtet.^) Ausserdem haben sie noch andere heilige Berge, 
welche Tailga heissen und ohne Opfer nicht betreten werden 
dürfen. ^) 

Nach Agapitow und Changalow") sind bei den Buräten 
Andeutungen von Schlangencult zu erkennen. Eine viel- 
köpfige Schlange (Mogoi) erscheint in vielen Sagen. Ein 
buntes Schaf wird dem Schlangenkönig Altan-toli und seiner 
Frau geopfert, indem man die Knochen, sowie einen Theil 
des Fleisches, welches mit vielfarbigen seidenen Streifen um- 
wickelt ist, verbrennt. Bei der Beschwörung, wenn der Scha- 

*) Pallas, Sammlung histor. Nachr. über d. mongol. Völkerschaften, IT, 
214—217. 

-) Pallas, 1. c., II, 33(^—337- 

3) Ritter, Erd., II, 373. 

*) Istrand, Voyage au Nord, VIII, 64. Pallas, Mongol. Völkersch. 
I, 218. 

^) Georgi, Reise, I, 316. 

^') Scham anenthum d. Buräten d. Gouv. Irkutsk, Globus, LH, 250 ff. 



— :^36 — 

mane die Gottheit anfleht, das Opfer gnädig aufzunehmen, 
erzählt er, dass das Oberhaupt der Schlangen Taischa (Cescha?) 
auf dem Berge Tamiri-Ulan wohne. 

Die 74 Himmelsschmiede, die Erfinder der Gewerbe 
(der erste hiess Dadaga-chara-darchan) gehören zu den west- 
lichen Himmeln und Hessen sich einst auf den hohen Berg 
Mundarga (Berge von Tunkinsk) herab. ^) 

Südlich von Jelessetu (Gobi) ist ein Gebirge Ongon. 
Dies ist jedoch der Name für eine mongolische Hausgottheit, 
welche die Familien und Heerden schützt. 2) 

Die Bergkalmüken im Altai begraben niemals ihre 
Todten in die Erde, wie die alten Tschuden. Schangin fand 
viele ihrer Leichen in voller Kleidung mit allem Reiter- 
geschirr in Höhlen, auf erhöhten Felsen oder Stangen- 
gerüsten. ^) 

Die Stellung des Lamaismus gegenüber den mongoli- 
schen Berggöttern erhellt schon aus RadlofiTs Beschreibung 
eines Buddhistentempels in Kobdo, dessen einer Seitenflügel 
den Erdgeist Mu-di, dessen anderer dagegen den Berggeist 
Schan-schin (als wilden Jäger mit prächtigem Gewände dar- 
gestellt) enthielt. 4) 

Nach der Vernichtung der Oolöth (1696) wurde der Sitz 
des Hutukhtu der Khalkas auf die rechte Seite des Tola- 
flusses, nach Urga, verlegt. Gegenüber liegt der waldige Berg 
Khan Oola, welcher durch die Nähe dieses Priesters auch 
eine Art Verehrung geniesst. Auf seiner Westseite trägt er 
eine Inschrift von kolossaler Grösse in Mandschu, chinesi- 
scher, tibetischer und mongolischer Sprache, welche so viel 
heisst, wie »himmlische Freude«. An dessen unterem Theile 
sah Timkowsky Wächterhäuser, um die Besteigung zu ver- 
wehren. Drei grosse Versammlungen werden jährlich daselbst 



') Agapitow, 1. c, 251. 

2) Timkowsky, R. n. China. D. Uebers., I, 288. 

3) Ritter, Asien, I, 971. 

*) Radi off, Aus Sibirien, II, 223. 



- 237 — 

abgehalten, auf welcher alle Streitigkeiten geschlichtet und 
sonstige Vorschläge discutirt werdend) 

Eine der dominirenden Höhen des östlichsten Altai, die 
AI. V. Humboldt den Culminationspunkt des russischen Altai 
nennt, heisst bei den Kalmüken Alas-tu, kahler Berg, oder 
auch Ijik-tu, d. i. Gottesberg; er darf nicht bestiegen werden.^) 

Die uns wohlbekannte Verquickung von Manencult mit 
dem Bergcult zeigt sich auch in den mongolischen Sagen 
über Gesser-Khan, einen mongolischen Heerführer des zweiten 
Jahrhunderts n. Chr., der vom Kuku-nor herstammte und 
gegen die Chinesen focht. Trotzdem betrachtet ihn die jetzige 
Mandschudynastie als ihren Schutzpatron. Auch dem mongo- 
lischen Hutukhtu in Urga soll sein Geist hilfreich zur Seite 
gestanden sein. In dem Gebiete der östlichen Ssunniten 
der Wüste Gobi liegt ein Berg Charbatü (Schützenberg). Der 
Name rührt davon her, dass Gesser-Khan auf diesem Berge 
ein Ziel aufsteckte und von einem andern eine Tagereise 
davon entfernten Berge darnach mit dem Pfeile schoss, ohne 
jemals das Ziel zu verfehlen.^) 



Uralier. 

Die Verehrung von hohen Bergen und Felsen, sowie 
von Flüssen, Seen, Quellen, war nach Castr^n ^) bei den Ura- 
liern allgemein. Allerdings ist dieser Forscher der Meinung, 
dass diese Gegenstände nicht als einzelne Schutzgötter ver- 
ehrt wurden, wie dies bei den Altaiern der Fall war. Doch 
hatten auch die Finnen vor gewissen Steinen eine grosse 
Ehrfurcht und betrachteten sie als Aufenthalt von Göttern 
und Dämonen. Hatte doch selbst die Gottheit des Meeres 
ihren Sitz in einem bunten Steine am Meeresgrund. Fast von 



') Timkowsky, R. n. China, D. Uebers., 124. Ueber die Bedeutung 
dieses stets wiedergebornen Heiligen vgl. Pander, Gesch. d. Lamaismus, Berl. 
Zeitschr. f. Ethn , 1889, 202. 

■) Ritter, Asien, I, 800. 

3) Timkowsky, R. n. China, D. Uebers., 1, 261 ff. 

*) Castrfen-Schiefner, Vorl. finn. Myth., 200. 



— 238 — 

jedem seltsamen Steine gibt es eine wunderbare Erzählung 
im Lande. 

In einem Flusse (vermuthlich im Tuonela oder Todes- 
flusse) gab es einen Felsen oder einen Berg, ^) der sich an 
einer Stelle, wo drei Flussarme zusammenflössen, aus dem 
Wasser erhob. Dieser Felsen heisst in den Runen Kipu-Kiri 
(Krankheitsstein) oder Kipu-vuori (Krankheitsberg), auch Kipu- 
maki (Schmerzensberg). Die dritte Tochter Tuoni's (des Todes), 
Kipu-tyttö (die Krankheitstochter), sitzt darauf und dreht den 
Berg, so dass die Krankheitsgeister gleichwie zwischen zwei 
Mühlsteinen gemahlen werden (Kalevala Rune 45 v. 270 bis 
274). Sie hat diese bösen Krankheitsgeister in ihrer Gewalt 
und wird in Krankheitsfällen angerufen, damit sie diese Dä- 
monen einfange und in einen blauen Stein einsperre oder in 
die Tiefe des Meeres versenke. 

In derselben Rune wird ein wohlthätiger weiblicher 
Genius Kivutar (Wammatar) angerufen. Er soll von dem 
Kranken die Plagegeister verscheuchen, dieselben in eine 
kupferne Schachtel einschliessen und sie zum Gipfel des 
Kipu-vuori bringen, in einem kleinem Kessel kochen und sie 
endlich durch ein in dem Berge befindliches Loch treiben. 
Castr^n vermuthet, dass Kipu-tyttö und Kivutar ein und das- 
selbe Wesen ausmachen. 2) 

Ukko^ herrscht über Wind, Wetter, Regen, Schnee, 
Hagel. Er hat das Wachsthum der Saaten als Regengott in 
der Hand. Zur Zeit der Frühlingssaat wurde ein Fest ge- 
feiert, bei dem Ukko's Schale (sein Wohl) getrunken wird. 
Bei dieser Gelegenheit wurden Speisen und andere Gaben 
auf hohen Bergen und Anhöhen ausgesetzt, welche Ukko 
geheiligt waren. In Finnland tragen verschiedene Berge den 
Namen Ukonvaara. 

Der mächtige Zauberer und Sänger Wainämoinen singt, 
dass Sonne und Mond herunterkommen, um seinem Gesänge 



^) Castr^n, 1. c, 132. 
2) Castrfen, 1. c., 133. 
•^) Castrfen, 1. c, 44. 



— 239 — 

zu lauschen. Aber Louhi, die Frau des Nordlandes Pohjola, 
ergreift sie und 

Birgt den Mond, dass er nicht scheine, 

In dem Fels mit bunter Rinde, 

Bannt die Sonn', dass sie nicht leuchte, 

In dem stahlgefüllten Berge. *) 
Der Para^ (schwedisch Bjäran, Bare) ist ein Dämon 
niederer Gattung, der den Menschen zu Diensten steht. Der 
Besitzer dieses Wesens hat immer Ueberfluss an Milch und 
Käse. Ihm gilt das Lied: 

Bringe Butter, bringe Milch her. 

Bringe Butter, Bergesmutter, 

Saure Milch, o kauf es, Wirthin! 

Saure Milch lass' aus der Presse, 

Süsse aus der Macht der Säure. 
Die Götterbilder der Finnen waren auf Bergen, an Flüssen 
und Seen aufgestellt. Diese Gegenden wurden daher als hei- 
lig angesehen und tragen die Namen »passe« oder »pyhä«. 
In Finnland kommen Benennungen pyhäjoki (heiliger Fluss), 
pyhävaara (heiliger Berg) vor. 3) In Esthland hat man pühha 
ärve (heiliger See), pahha maggi (heiliger Berg, Beerdigungs- 
platz). 4) 

In Esthland ^) (Esthen, Liven, Kuren), in dem wirländi- 
schen Kreise, bei der Stadt Wirönia, war ein schöner, wal- 
diger Hügel, woselbst nach der Sage der Einwohner ein grosser 
Gott, Tharapyha, geboren und nach der Insel Oesel geflogen 
war. Hier war die Burg Mona oder Mone, der heilige Ort 
und als die Einwohner von den Deutschen (1225) unterjocht 
wurden, riefen sie beständig den Gott und seinen Wald an. 
Als dieser umgehauen wurde, wunderten sie sich, dass kein 
Blut herausfloss. 



') A. Schiefner, Helsingfors 1852, Rune 47. 

2) Castrfen, Vorl. Finn. Myth., 167. 

3) Castr^n-Schiefner, Vorl. Finn. Myth., 132. 
*) Castrfen, 1. c, 211 ff. 

^) Mone, Gesch. d. Heidenth. 67. Grimm, D. Myth., 40. 



— 240 — 

HainC) Berge und Gewässer waren tu heiligen Steuert 
ausersehen, und es reichen die Spuren ihrer Vfeffehrurig zum 
Theil bis auf den heutigen Tag. Unter den heiligen Bergen 
ist vorzüglich der Schlossberg der Stadt Odupah merkwürdig, 
auf welchem die heilige Burg stand. Nähe bei ihm ist der 
Finnberg, der die Witterung verkündet, denn wenn es Regen 
gibt, so steigen aus der Quelle am östlichen Abhang des 
Berges nebliche Dämpfe auf. Auf Hügeln scheinen auch die 
heidnischen Altäre gestanden zu haben, welche Herpal an- 
führt. Dahin gehören auch die heiligen Höhlen bei Salisburg, 
Meaden, Mengen und an anderen Orten in Livland, worin 
meistens von den Einwohnern kleine Gaben für die Götter 
niedergelegt wurden. Sogar Menschenopfer wurden auf Bergen 
dargebracht (Flussberg bei Uppeldorf auf Oesel). ^) 

Noch heute halten die Esthen bewaldete Anhöhen für 
heilig und begraben daselbst, trotz der darauf gesetzten Strafe 
ihre Todten. Solche Anhöhen sind jedesmal mit einer Menge 
von dürrem Reisig, Fetzen u. s. w. bedeckt. Sogar Geld findet 
sich daselbst. Wird die Anhöhe auf Befehl des Gutsherrn 
abgeräumt, so findet sie sich den andern Tag ebenso voll 
wie früher. Weder durch Vorstellungen, noch durch Dro- 
hungen lässt sich der Esthe zwingen, einen Baum auf einer 
solchen Höhe zu fällen.--) 

Die Ostjaken heben kleine Steine aller Art auf und ver- 
ehren sie als ihre Schutzgötter. Einige Völkerschaften haben 
die Sitte, kleinere Steine mit sich zu führen, welche sie als 
Götter verehren. Andere dagegen schreiben solchen Gott- 
heiten, weil sie von gar zu geringen Dimensionen sind, ein 
geringes Vermögen zu. Doch müssen alle Gegenstände, die 
in ihrer natürlichen Gestalt ein Gegenstand der Verehrung 
werden können, entweder in ihrer Form oder in materieller 
Hinsicht von sehr seltener oder eigenthümlicher Beschaffen- 
heit sein. Ausserdem gehört es auch zur Sache, dass sie in 
irgend ein glänzendes Kostüm gethan werden. — Nur die 
Götter, die unter freiem Himmel stehen, werden gewöhnlich 

1) Verh. Esthn. Ges. zu Dorpat, VII, 2, 76. 

2) Petri, Esthland, II, 121. 



— 24^ — 

nackt gelassen, da man die hübschen Kleider nicht der Ein- 
wirkung der Luft aussetzen will. 

Endlich verehren die Ostjaken auch hohe Berge und 
Felsen, zumal wenn sie eine spitze dem Kopfe der Götterbilder 
ähnliche Form habend) 

Ein Geschlecht der Ostjaken verwahrt gern seine Götter- 
bilder in einer Jurte, doch in Ermanglung einer solchen 
in einem Zelt oder unter freiem Himmel auf irgend einem 
entfernten Waldhügel. Ueberhaupt wollen die Ostjaken ihre 
Götterbilder nicht den Blicken fremder Menschen blossstellen 
und haben deshalb ihre heiligen Jurten oder Tempel in un- 
besuchten entfernten Gegenden aufgebaut.^ 

Auch die Wogulen verehrten früher meistens ihre 
Götter in Felsenhöhlen, über hohen Felswänden, auf hohen 
Bäumen oder Bergen. Zur Zeit von Pallas fanden Erzsucher 
zwischen der Soswa und der Loswa an einer hohen Fichte 
ein kupfernes Menschenbild mit einem Jagdspiesse. Zu Gme- 
lins Zeit fand man auf der Spitze des Berges Blagodat auf 
einer hohen Fichtenstange einen eisernen Jagdspiess als 
Götzen. ^) 

Die Religion der Glieder der Wolga-Familie (der Mord- 
winen, Tschuwaschen und Tscheremissen) weist insoferne 
Anklänge an die Lehre des Zoroaster auf, als der Antagonis- 
mus zwischen guten und bösen Gottheiten sehr im Vorder- 
grund steht. Die mordwinische Sage erzählt hierüber Folgen- 
des:^) Der höchste Gott Tscham Pas schwamm im Anfang 
auf den Gewässern und spie im *Aerger über sein Alleinstehen 
auf das Wasser. Der Speichel verwandelte sich in einen 
grossen Berg, welcher, ein Erzeugniss seines Zornes, beständig 
hinter ihm her schwamm. Tscham Pas schlug nach dem 
Berge mit seinem Herrscherstabe, konnte ihn jedoch nicht 



*) M. A. Castr^n, Vorlesungen über die finnische Mythologie, übers, v. 
A. Schiefner. Petersburg 1853, 231. 

2) Castr^n, Vorlesungen, 109, iio. 

3) F. H. Müller, Ugrische Volksstämme, I, 171. Gmelin, Reise d. 
Sibir., IV, 433. 

*) Roskoschny, Die Wolga, 144 f. 
V. Andrian, Höhencultus. 10 



— 24a — 

vernichten. Aus dem Berge entsprang Schaitan. Tscham 
Pas nahm denselben freundlich auf, Hess ihn am Schöpfungs- 
werk sich bethätigen, doch durchkreuzte der böse Geist überall 
die Absichten des guten Geistes. Tscham Pas befahl ihm, 
die auf dem Boden des Meeres liegende Erde emporzuholen, 
Schaitan behielt aber einen Theil derselben im Munde, den 
er später auf die glatte ebene Erde ausspie, wodurch die 
Berge und Hügel, die Schluchten und Abgründe entstanden. 
Als Tscham Pas den Himmel schuf, bedeckte Schaitan das 
azurblaue Himmelsgewölbe mit unfruchtbaren schwarzen 
Wolken. Tscham Pas füllte das Innere der Berge mit kost- 
baren Steinen, Hess die Bäche und Flüsse in den Schluchten 
dahinfliessen und versah die schwarzen Wolken mit befruch- 
tendem Regen. Als der Mensch geschaffen war, beeilte sich 
Schaitan, demselben seinen bösen Geist einzuhauchen. Er 
wurde zwar bald von Tscham Pas vertrieben, welcher dem 
Menschen auch seinen Geist einhauchte, doch bHeben Krank- 
heit und böse Eigenschaften neben den guten beim Menschen 
zurück. Als Schaitan sah, wie die Gottesmutter Ange Patjai 
aus dem heiHgen Feuerstein, den Tscham Pas ihr geschenkt, 
Funken schlug, welche sich in gute Geister verwandelten, 
nahm er einen andern, aus dessen Funken er böse Geister 
erzeugte. 

Bei den Lappländern verehrte jeder Hausvater seinen 
Tiermes (Thor), Storjunkare und seine Baiwe (Sonne) an 
einem heiligen Orte in der Umgebung seines Hauses. Die 
Bewohner ganzer Landstriche hatten nur insoferne einen 
gemeinsamen Gottesdienst, als sie hohe Felsen, Höhlen und 
Bergspitzen, sowie Inseln der Seen als Göttersitze ver- 
ehrten, welche ein jeder Hausvater auch geheiligt hätte. 
Solche heiligen Stellen waren sehr viele. In der Lulea Lapp- 
mark kannte man im 16. Jahrhundert noch über siebzig. 
Die meisten waren auf sehr hohen Berggipfeln und Felsen, 
und dem Tiermes heilig, von dem sie auch genannt wurden. 
So hiess ein Berg Akiakik-Wari, des Alten Berg; aber meistens 
wurden die Berge nach dem Namen des Rennthieres zugleich 
benannt, z. B. Styren Alda, das Rennthier des Berges Styre. 



— 243 — 

Andere Stellen waren in den Wasserfallen der Flüsse oder 
auch an Bergen neben Seen, oder noch andere auf den In- 
seln der heiligen Flüsse und Seen, wo auch gewöhnlich heilige 
Bäume mit eingeschnittenen Bildern standen.^) 

Ein neuerer Berichterstatter 2) meldet: Die Götterbilder 
heissen bei den Lappen »Seida«. Es gab Baum-Seida's und 
Stein-Seida's, 

Einige Seida's (auch die Baum-Seida's) werden von einem 
ganzen Dorfe, andere von einzelnen Individuen verehrt. Tor- 
näus erzählt, dass die dem Dorfe gemeinsamen Seida's auf 
einem hohen hervorragenden Platze, Privat-Seida's dagegen 
auf einem schönen Grasboden am Strande eines Sees auf- 
gestellt waren; nach anderen Nachrichten aber hätten es die 
Berglappen gern gehabt, ihre Seida's auf hohen Bergen auf- 
zustellen. 

Die Lappen haben weder Tempel noch irgend einen 
anderen Verehrungsort für ihre Götterbilder gehabt, sondern 
diese haben gewöhnlich unter dem offenen Himmel gestan- 
den, bisweilen auch in Bergspalten. 

Es scheint bei den Lappen der Glaube geherrscht zu 
haben, dass mächtige Götterwesen sich dort aufzuhalten 
pflegen, wo die Natur von grossartiger Beschaffenheit war. 
Besonders gern stellte man die Bilder auf hohe Berge, an 
reissende Wasserfälle. Wo nur immer ein solches Bild auf- 
gestellt war, sah man die Gegend ringsum für heilig an und 
nannte sie »passe«. Deshalb findet man noch heutzutage viele 
Gegenden, die den Namen »passe waare« (heiliger Berg) 
führen. 

Die Lappen wohnten nicht in der Nähe dieser Berge, 
damit die Götter nicht durch das Weinen der Kinder beun- 
ruhigt würden. Sie schliefen an keinem solcher Orte, weil sie 
es für eine Geringschätzung der Götter hielten. Aus eben 



') Mone, Gesch. d. Heidenth. im nördl. Europa. 23. 
-) Castrfen, Vorlesungen über finnische Mythol., übers v. C. Schiefnrr, 
Petersb. 1853, 203 fif. 

16* 



— * 244 — 

diesem Grunde enthielten sie sich auch des Schreiens oder 
Lärmens. Die Frauen sehen nicht einmal nach einem solchen 
Platze, sondern halten sich die Hände vor die Augen. ^) 

Die Lappen dachten sich die Erde, mindestens aber die 
skandinavische Halbinsel, als eine Insel (suolo), in welcher 
der grosse Gebirgsstock im Norden den Rücken bildete. Da- 
her heissen noch jetzt einige der hohen Berge suolo tschielgge, 
Inselrücken. 

Nach der Sage, die Högsteiner berichtet, hat Jubmel 
einst die Erde umgewälzt, so dass sich alles Wasser über 
dieselbe ergoss und die Menschen ertranken, mit Ausnahme 
eines Jünglings und eines Mädchens, welche Jubmel unter 
den Arm nahm und auf den heiligen Berg trug. 

In Lappland lebt ein grosser Berggeist (Aroma-telles), 
dessen Grösse alle Kiefernbäume überragt. Er geht mit seinen 
Hunden, welche die Grösse von Ochsen haben, auf die Jagd 
des grossen weissen Rennthieres mit schwarzem Kopfe und 
goldenen Hörnern. Diese Jagd dauert nun schon viele Jahre 
und wenn Aroma-telles' erster Pfeil das weisse Rennthier 
treffen wird, wird das erste Erdbeben stattfinden. Dann wer- 
den alle alten Felsengebirge bersten und Feuer speien, die 
Flüsse werden rückwärts fliessen, das Wasser, die Seen werden 
hinwegströmen, das Meer wird austrocknen. Wenn dann Aroma- 
telles' zweiter Pfeil das weisse Rennthier in die schwarze Stirn 
zwischen die beiden goldenen Hörner treffen wird, dann wird 
Feuer die ganze Erde umgeben, die Berge werden kochen 
wie Wasser, an der Stelle des Meeres werden sich andere 
Berge erheben und sie werden wie Fackeln brennen und die 
Polarländer, zu denen jetzt von dort aus Eis und Nordwinde 
kommen, erleuchten. Wenn sich aber die Hunde auf das 
Rennthier stürzen und es zerreissen werden, wenn Aroma- 
telles sein Messer in dessen zitterndes Herz stossen wird, dann 
werden die Sterne vom Himmel fallen, der alte Mond wird 
dann verlöschen, die Sonne weit, sehr weit von hier ertrinken, 



^) Lippert, I, 259. Vgl. die daselbst angegebene Litte ratiir. 
*) L. Passarge, Ausland, 1881, 561. 



— 245 — 

und auf der Erde nichts Lebendes verbleiben. Es wird dies 
das Ende der Welt sein.*) 

Vor vielen Jahren lebten in den Bergen, welche den: 
Imandra-See umgeben und die ganze Halbinsel durchziehen, 
die Tschudj. Da kamen dann die Getauften (Christen), schlu- 
gen die Tschudj, und diese verbargen sich in den Felsen, wo 
sie noch jetzt leben. Sie rufen einander zu und unterhalten 
sich mit dumpfer Stimme. Während der Nacht singen sie 
Lieder; es gibt aber auch Tage, wo die Tschudj aus den 
Felsen herauskommen, in der vollen Freiheit sich belustigen 
und durch Schneebauten und Rennen sich die Zeit ver- 
treiben. 2) 

Zuweilen führten aufragende Felsen auf Vorgebirgen 
den Namen »Finnekirken«, »Lappenkirken«. ^ 

Die alten Merier wählten mit Vorliebe für ihre Grab- 
stätten hochgelegene Punkte und vermieden niedrige und 
sumpfige Gegenden. Bei den Seen von Rostof und Pereslaf 
tragen nur die Erhöhungen solche Gräber (Uvaroif, M^riens). 
Uvaroff schreibt dem bei den Finnen so verbreiteten Stein- 
und Höhencult das Vorhandensein vieler Gegenstände in den 
menschen Gräbern zu. Es sind Idole aus Thon und Stein, 
auch blos ganz einfache runde Steine, Petrefacten u. s. w. 

Der vornehmste Gott der Wotjaken ist Inmar, der 
Gott des Himmels. Ihm wird bisweilen das Beiwort vylys 
(hoch, in* der Höhe, der Höchste) beigelegt. In der Schilde- 
rung der Religionsgebräuche derselben von Dr. Max Buch 
findet sich kein näherer Hinweis auf irgend eine Form des 
Höhencultus. 

Nach Georgi (Beschreibung aller Nationen des russi- 
schen Reiches, 58) sollen dagegen die den Keremets entspre- 
chenden Opferplätze oder heiligen Haine, die »lud« genannt 
werden, immer auf Höhen gelegen sein und aus Tannen- 
wäldern bestehen. 



^) Albin Kohn, Lappländische Sagen, Globus 1876, 248. 
*) Ibidem. 

^) Lippert, Allg. Gesch. Priesterth., I, 256. Gunner Knud Lee ms, 
Nachrichten v. d. Lappen, 222. 



— 246 — 

Ein Schutzgott (der Samojeden) Namens »ja jieru Hahe«') 
(des Landes Herr Habe) befindet sieb nocb heutzutage auf 
der Mitte der Insel und besteht aus einem Stein, der an 
einer Erdhöhle gelegen ist. Der Sage nach soll dieser Stein 
früher nicht hier gewesen sein, sondern erst später durch 
ein unerklärliches Wunder hieher gekommen sein. Seiner 
Gestalt nach hat er grosse Aehnlichkeit mit einem Menschen, 
der Kopf aber soll spitz sein. Dieser Stein wurde später als 
Gott verehrt. Nach Islawin wäre es aber nicht dieser Stein, 
sondern ein anderer, am Strande befindlicher Fels, der auf 
übernatürliche Weise zum Vorschein gekommen wäre 
und göttliche Verehrung erhalten hätte. Er spricht auch 
von einem mitten auf der Insel befindlichen Stein, der 
göttliches Ansehen geniesst, unter dem Namen »Njebe-hahe« 
(Mutter-Habe) vorkommt und als Wesako-hahe's Frau be- 
zeichnet wird. 

Der dritte der auf der Insel Waigatz vorkommenden 
Schutzgötter befindet sich auf einer Landspitze an der Nord- 
westseite der Insel und besteht aus einem Felsen. Castr^n 
hörte ihn »ja mah habe« (Landsende-Hahe) bezeichnen; bei 
Islawin kommt er jedoch unter dem Namen »Nju-hahe« (Sohn- 
Habe) vor. Der letztgenannte Schriftsteller erzählt (HcjiaBHHi», 
Caaicfe^si BT» ^0HaHeM'i> h oömecTBeHHOMi» öbixy, Die Samo- 
jeden in ihrem häuslichen und bürgerlichen Leben, 116 f.), 
dass dieser Habe von Wesako-hahe und Njebe-hahe erzeugt 
war, welche ausserdem noch drei andere Kinder haben, näm- 
lich: I. Minisei, eine Höhe am Ukal, 2. Salmal, eine Halb- 
insel westlich von dem Ob-Busen, 3. einen Stein, der 20 Werst 
von Mesen gelegen ist und früher von vielen Holz- 
bildern umgeben war, welche die Missionäre verbrannten. 
Von einem solchen Verwandtschaftsverhältnisse der einzelnen 
Götter hat Castr^n nichts erfahren, dagegen wurde ihm 
mitgetheilt, dass die Samojeden allen seltsam gestalteten 
Felsen und Steinen, wo sie auch vorkommen, Verehrung 
zollen; wenn sie wegen ihrer Grösse nicht Eigenthum 



') Castr^n -Schiefner, Vorl. f. Myth., 223. 



— 247 — 

des Einzelnen werden können, werden sie allgemeine Schutz- 
götter des Volkes. 

Die Dubo, welche von den Chinesen zu den nördlichen 
Uiguren gerechnet wurden, jedoch von Radioff mit den So- 
joten und Koibalen identificirt werden, legten ihre Leichen 
in Särge und stellten dieselben auf Berge oder Bäume J) 

Am Götzencap auf Waigattz, dem Sitze des früher hoch- 
geehrten Ja-jieru-Hahe (des Landes Herrn Habe) sah Finsch, 
trotzdem hier alle Götzen verbrannt und an ihrer Stelle 
Kreuze errichtet wurden, neben letzteren wieder zahlreiche 
Opfergaben niedergelegt. 

Der Samojede Haiwai erzählte Finsch, dass er und 
seine Landsleute alljährlich im Herbste nach dem Arka-Pai 
(Ural) aufbrechen und hier bei einem grossen Steine, Ren, 
Fische u. s. w. opfern.^) 

Hofmann fand solche Opferplätze am Ural, z. B. auf 
dem 1075' hohen Jedemi und im Pae-Choi. 



Hyperboräer. 



Ein Theil dieser wenig zahlreichen Völkerschaften, die 
Jukagiren, Tschuktschen, sind bekanntlich durch die Russen 
dem Christenthum zugeführt worden. Doch ist dieser Ein- 
fluss auf die Vorstellungen derselben noch äusserst gering, 
jener des Schamanismus wohl weit überwiegend. Auch die 
Berichte über die übrigen Hyperboräervölker scheinen zu 
beweisen, dass der Bergcultus Allen gemeinschaftlich war 
und noch ist. 

Die Korjaken glauben an ein höchstes gutes Wesen, 
welches in der Sonne wohnt, und welches sie weder fürchten 
noch anbeten. Mit ihm theilt die Herrschaft über die Natur 
ein böser Geist, Kutka, die Quelle alles Bösen. Dieser wird 



^) Radioff, Aus Sibirien, I, 134. 

2) Finsch, Reise n* W. Sib., 559 flf. Vgl. Globus, 1877, 119. 



— 248 — 

sorgfältig verehrt. Ausserdem gibt es noch Untergötter und 
Dämonen, welche die Berge, Wälder und Flüsse bewohnen.^) 

50 Werst von Jamsk am Penschinischen Meerbusen ist 
einer der höchsten Berge im Lande, dem die Korjaken den 
Namen Babuschka (Grossmutter) gegeben haben. Sein Gipfel 
ist, wie sie sagen, das Grab einer alten, berühmten und 
furchtbaren Zauberin. Sie hängen Stücke Tabak, Fische, Eisen 
u. s. w. als Opfer auf dessen Spitze auf.^ 

Auch die Kamtschadalen^) fürchten die Dämonen, 
welche die hohen Berge, die Vulkane, die kochenden Quellen 
und die Wälder bewohnen, viel mehr als ihre Götter. 

Die Berggötter nennen die Kamtschadalen (Itulmen) 
Kamusi oder kleine Seelen. Diese wohnen auf den hohen 
und besonders den brennenden und rauchenden Gebirgen. 
Daher gehen sie niemals in die Nähe dieser Berge, noch 
weniger besteigen sie dieselben. Sie behaupten, dass diese 
Geister in den brennenden Bergen wohnen, sich vom Wal- 
fischfang ernähren, indem sie Nachts durch die Luft in die 
See gehen. So wollen sie Nachricht haben, dass man auf den 
Gipfeln solcher Berge ganze Haufen von Walfischknochen 
antreffe. So oft sie an so einem Berge oder einer Quelle 
vorübergehen, werfen sie ein Stück Fisch oder einen Lappen 
als Opfer dahin. 

Genauere Nachrichten über die Religion der Aino's ver- 
danken wir dem unermüdlichen Pfizmaier, welcher die werth- 
vollen Beobachtungen von M. M. Dobrotworsky aus Sachalin 
aus dem Russischen übersetzt und mittelst seiner Kenntniss 
der Ainosprache erläutert hat.'*) 

Das Wort Kamui bedeutet Gott und zugleich geister- 
haftes Thier. Es ist identisch mit dem japanischen Kami, 



^) Lesseps, Reise durch Kamschatka und Sibirien, Magazin merkw. 
Reisebeschr., Berlin 1791, IV. Vgl. Kracheninnikoff, Hist. et dcscript. du 
Kamtchatka, I, J770. 

-) Lesseps 1. c. 

3) Steller, Beschr. v. Kamtschatka; 266. 

*) Pfizmaier, Untersuchungen über Ainogegenstande. Sitzungsb. d. Ak. 
d. W., Wien 1883. 



— 249 — 

welches »oben* und »Gott« bedeutet. Ob dieses Wort japa- 
nischen oder Aino-Ursprungs ist, lässt sich nicht nachweisen, 
doch sind alle übrigen Bedeutungen dieses Wortes, welche 
mit Kami = oben zusammenhängen, wie Kamui, älteste 
Obrigkeit, mosiri Kamui, Statthalter der Insel, japanischen Ur- 
sprungs. Das Ainowort für »oben« ist käske oder ri6ta. 

Die zahlreichen Zusammensetzungen des Wortes Kamui 
= Gott, beweisen, dass die Aino's zahllose Geisterwesen ver- 
ehren, weiche in Thieren, Wäldern, in einzelnen Localitäten 
hausen. Ihre guten Götter sind hauptsächlich die Lichtgötter, 
der Berggott, die Meergötter, die Feuergötter (Götter des 
Herdes), die Hausgötter, der Erdgott, die Schamanen- 
götter (Tusu-Kamui); ^) die Gründer der Niederlassung, die 
Jagdgötter, die Schutzgötter (Sikasma-Kamui). Jede dieser 
Kategorien, besonders die letztgenannte, zerfällt in unzählige 
Individuen, welche jedoch sehr mangelhaft charakterisirt wer- 
den. Der Berggott wird für einen beinahe oder ganz ebenso 
grossen Gott gehalten, wie der Grott der Lichter. Er erhält 
alljährlich ein Opfer im Monat November durch das Tödten 
des Bären, der als sein Sohn gilt. Auch der Erdgott, der 
Gott der Erdbeben, ist ein grosser Gott; er wohnt in der 
Unterwelt. Die sonstigen Beziehungen dieser Götter zu ein- 
ander, ihr Leben u. s. w., sind dem Aino ganz unbekannt. 
Nur der Schamane sieht gewisse Götter, ruft sie und beschwört 
sie. Ein Mensch, der einen Schamanengott sieht, muss augen- 
blicklich sterben. 

Zu den bösen Göttern gehören: Ojäsi (Dämon), Wen- 
Ojäsi (der böse Dämon, auch Wen-Kamui genannt), Kanna- 
Kamui, der Donnergott. Sie bringen Krankheiten, Wahnsinn. 
Als Mittel gegen dieselben gilt die Steinkohle. Den bösen 
Göttern wird nicht geopfert. 



^) Die Aufstellung dieser gesonderten Kategorie weist auf einen Import 

des Schamanismus. Jacobsen hebt hervor, dass bei den Ainos auf Sachalin 

nicht Mitglieder dieses Volkes den Scharaanismus ausüben, sondern Orokos, 

d. h. Tungusen. Er nimmt daher ebenfalls eine religiöse Einwirkung der letz- 

-^eren auf die Ainos an. Globus, 1888, 29. 



— 250 — 

Die Hauptopfer für die guten Götter sind die Ina-u, 
Bäume, Stäbe und Stäbchen mit Hobelspänen. Sie werden 
den verschiedenen Göttern bei verschiedenen Gelegenheiten, 
auch Krankheiten, dargebracht. Die Ina-u symbolisiren nach 
Dobrotworsky entschieden den menschlichen Körper. So die 
Hobelspäne das menschliche Haar. Ausserdem gab es einen 
Kopf, Hände, Hals u. s. w. an jedem Ina-u. Sie werden auch 
als Flaggen dargestellt, deren einzelne Theile vom mensch- 
lichen Körper hergenommene Benennungen tragen. Dobro- 
tworsky deutet daher die Ina-u als Ueberbleibsel ehemaliger 
Menschenopfer. Er erhielt übrigens zuverlässige Nachrichten, 
dass die Cunka-untara (die Bewohner des östlichen Theiles 
von Yesso) im Geheimen noch jetzt in den Wäldern an dem 
Ursprünge der Flüsse Menschen opfern. Auch wird ein In- 
strument erwähnt, mit dem sie ihre Opfer, vorzüglich Fremde 
und Kranke, ersticken. Man unterscheidet Feuer-Ina-u, Berg- 
Ina-u, Haus-Ina-u. 

Wenn man über einen Berg geht, wirft man dem Berg- 
gotte einen Finger voll Tabak hin. Sonst werden auch Thiere 
des Waldes ihm dargebracht.*) 

Nach Siebold hat der grosse Geist der Aino,^) der 
Kamui, keine besondere Opferstätte; Alles und Jedes in der 
Natur: Meer, Wald, Fluss, Berg, Sonne und Mond u. s. w., 
wird als dessen Verkörperung aufgefasst. Gewisse Berge, 
welche sich der »Kamui« als seine zeitweiligen besonderen 
Wohnsitze erwählt, dürfen gar nicht oder nur von Männern 
bestiegen werden (wie in Japan). 

Auch glauben sie an gewisse unheilbringende Thiere, 
besonders an eine im Innern der Berge sich aufhaltende un- 
geheure Schildkröte (Moajepu) mit einem breiten Schwänze. 
Dieselbe soll ihre Opfer auf die höchsten Berge schleppen 
und sie dort verzehren. 



*) Jacobsen berichtet, dass die Ina-u, nachdem es gelungen ist, einen 
Seehund zu tödten, in dessen Blut getaucht und auf dem Gipfel eines der vielen 
als Opferstätten geltenden Berge aufgestellt werden. Globus 1885, 29. 

2) Heinr. Siebold, Ethnolog. Studien üb. d. Aino's auf d. Insel Yesso. 
Zeitschr. f. Ethnologie, Berlin 1881, Supplement. 



— 2SI — 

Yositsuni, der jüngere Bruder des Yositomo, des Be- 
gründers der letzten Schagundynastie, wird von den Aino fast 
göttlich verehrt und Kurumi Kamoi, göttlicher Mann, genannt. 
Man zeigt noch mehrere Berge, auf welchen er sich längere 
Zeit aufgehalten haben soll. 



Koreaner. 

Die Koreaner haben seit alter Zeit den Bergcultus ge- 
übt. In der 985 n. Chr. erschienenen Encyclopädie Tai-ping- 
yü-lan heisst es bei der Beschreibung des Reiches We-pe: 
Im Süden des Reiches befindet sich der Berg Si-tai, vor dem 
man nach Landessitte grosse Ehrfurcht hat. Die Menschen 
dürfen die Höhen des Berges nicht verunreinigen. Diejenigen, 
welche an dem Berge vorübergehen, füllen die Erde in Be- 
hältnisse und führen sie weg. ^) 

In Su-schin liegen die Berge, wo die Steine für die 
Pfeilspitzen gefunden werden, im Nordosten des Reiches. 
Wenn man sie nimmt, betet man früher zu den Göttern. 2) 

Auch heute bildet noch die Grundlage der Religion der 
Koreaner der Schamanismus. Unsichtbare Geister im Himmel 
wie auf Erden werden verehrt. Die Luft wird bevölkert ge- 
dacht von unsichtbaren Geistern. Am populärsten sind die 
Geister, deren Wohnsitz auf Hügeln gedacht wird. Dahin 
werden zahlreiche Wallfahrten, wenigstens einmal jährlich, 
veranstaltet. Die Verehrung der Abgeschiedenen wird nament- 
lich seit Confucius stark gepflegt, dessen Lehren seit dem 
15. Jahrhundert das ganze Volk durchdrungen haben, wäh- 
rend vom II. bis 14. Jahrhundert der Buddhismus vorherrschte. 
Die Tempel stehen meistens auf Hügeln oder hohen Bergen 
und sind wie feste Schlösser anzusehen.^) 



*) Pf iz maier, Nachr. von den alten Bewohnern d. heut. Korea, 520. 

2) Pfizmaier 1. c, 518. 

3) Ausland, 1885, 73. 



— 252 — 

Semiten. 

Eine Betrachtung des semitischen Höhencults kann an 
grösstentheils bekannte Thatsachen anknüpfen. Derselbe ist 
ein charakteristisches Merkmal des semitischen Polytheismus. 
Die Wohngebiete der Semiten haben offenbar zu allen Zeiten 
das wichtigste Centrum für die Verehrung der Berge gebildet. 
Den Gebrauch, die Cultushandlungen auf Anhöhen (die Bämot 
des alten Testamentes) zu verlegen, treffen wir wohl in dieser 
Ausdehnung bei keiner anderen Völkerfamilie der Erde. 

Die Semiten haben den Höhencult in viele andere Län- 
der verpflanzt. Besonders klar liegen die Verhältnisse für die 
Mittelmeerländer. ^) Wo phönikische Seefahrer gelandet sind, 
an den Küsten Spaniens, Afrikas, Italiens, Griechenlands und 
Kleinasiens, trifft man auffallende Vorgebirge und Höhen 
mit Götternamen bezeichnet, welche entweder direct auf 
semitischen Ursprung hinweisen oder einen solchen trotz 
griechischer Benennung doch vermuthen lassen. Sind durch 
phönikische Einflüsse mehrere Berggötter in die griechische 
Religion eingedrungen, so fand auch mit der Ausdehnung 
der römischen Herrschaft auf semitische Gebiete die Aner- 
kennung und Assimilirung von semitischen Berggöttern durch 
die Sieger statt. 

Trotz dieser relativ günstigen Umstände war jedoch bis 
in die jüngste Zeit eine tiefere Beurtheilung des semitischen 
Höhencults nahezu unmöglich. Dies lag einerseits an der 
äusserst mangelhaften Kenntniss der semitischen Quellen, be- 
sonders der Keilschriftenlitteratur. Die richtige Würdigung 
der ethnologisch verschiedenartigen, in den mächtigen Cul- 
turen Mesopotamiens verschmolzenen Elemente ist heute noch 
überaus unsicher, wie die Anläufe von Lenormant beweisen. 

Ausserdem hatte sich die Anschauung als fast undiscutir- 
bar festgesetzt, dass die Semiten ursprünglich Monotheisten 
waren, dass ihnen jene Fähigkeit zur Ausbildung von anthro- 
pomorphen Gestalten überhaupt gefehlt habe, wie sie in den 
Mythologien und Religionen anderer Völker, besonders der 



') Baudissin, Studien, II, 247 — 250. 



— 253 — 

Arier, in so reichem Masse zu Tage tritt. Aus der in den 
verschiedenen Richtungen der Litteratur und Kunst hervor- 
tretenden Einseitigkeit der semitischen Geistesanlage, welche 
sie zu abstracten und transscendentalen Gottheiten führte, er- 
gab sich anscheinend ganz ungezwungen die Erklärung der 
eigenthümlichen weltgeschichtlichen Rolle dieser Völker. Dieser 
Standpunkt hat einen leicht erkennbaren Einfluss^) auf die 
bisherigen Darstellungen der semitischen Geistesentwicklung, 
und zwar bis in die kleinsten Details derselben hinein, aus- 
geübt. 

Die Fortschritte der Assyriologie und die Vermehrung 
des Beobachtungsmateriales über verschiedene Glieder der 
semitischen Völkerfamilie haben jedoch in jüngster Zeit nam- 
hafte Forscher zu etwas abweichenden Anschauungen geführt: 
Aus einer unbefangenen Betrachtung der primitiven Vorstel- 
lungen sowie des Rituals der Nord- und Südsemiten folgert 
W. R. Smith, dass die Anfänge der Religionen bei den Semiten 
wie bei den Ariern auf dem Princip leiblicher Verwandtschaft 
beruhen.-) Die wichtige Rolle der weiblichen Gottheiten in 
dem semitischen Heidenthum steht mit dem »Mutterrecht« 
in Verbindung, die Laren der Semiten doch höchst wahr- 
scheinlich mit dem Ahnencult.^) Von grosser Tragweite ist 
die Auffassung desselben Gelehrten über die ursprünglich 
irdische und ganz locale Bedeutung der semitischen Götter, 
besonders des Baal.*) 

Je näher die primitive Götterwelt der Semiten zu irdi- 
schen und echt menschlichen Verhältnissen tritt, desto grös- 
seres Verständniss gewinnen v^r auch auf Grundlage der 
überaus mühevollen und exacten neueren Forschungen für 
die Dämonologie dieser Völker, sowie für die derselben zu 
Grunde liegende Naturanschauung. Lässt man auch vorläufig 



^) Vgl. die in der Academie des Inscriptions et belies lettres bei dem 
Vortrage des Herrn v. Vogue über nordsemitischen Höhencult stattgefundene 
Discussion, Comptes Rendus, V, 63 ff. 

2) Robertson Smith, Lect. on Relig. of Semit. Vorl. II, 52 ff. 

5) Well hausen, Reste arabischen Heidenthums, 179. 

*) Robertson Smith 1. c., 96 ff. 



- 254 - 

die Dämonenwelt der Babylonier und Assyrier wegen ihrer 
starken unsemitischen Beimischungen ausser Betracht, so lehrt 
doch das von Baudissin, Vogue, W. R. Smith, Wellhausen 
u. A. beigebrachte Material, dass auch bfti sorgfältigster Aus- 
scheidung von späteren und importirten Elementen noch 
immer ein nicht semitischer paläozoischer Vorstellungskreis 
vorhanden ist, der von dem Animismus der anderen Völker 
nicht unterschieden werden kann. 

Es bleibt sehr zu bedauern, dass Herr Robertson Smith, 
welcher uns die ideelle Verwandtschaft von Thier, Mensch, 
Dämon und Gottheit bei den Semiten so treffend zu schildern 
vermochte und auch bei der Beurtheilung der semitischen 
Verehrung von Gewässern und Bäumen sich auf den Stand- 
punkt der vergleichenden Ethnologie stellt, des Höhencults 
nur ganz sporadisch gedenkt. Er scheint sogar denselben mit 
der Wahl der »Höhen« für die Opferstätten zu identificiren 
und von der in eine spätere Periode zu verlegenden Ein- 
führung der Brandopfer abzuleiten. ') Eine spätere fast aus- 
schliessliche Verwendung der Bämöt kann sehr wohl zuge- 
geben werden, ohne gleichwohl den prähistorischen Ursprung 
der Verehrung der Berge anzutasten. Verweist uns doch der- 
selbe Autor auf arabische Legenden, welche z. B. die Ahnen 
des Stammes Beni Sokhr in den Sandsteinfelsen um Madäin 
Sälih suchen, 2) was direct auf eine animistische Ver- 
ehrung von Bergkuppen hinüberleitet. Die von Smith öfters 
hervorgehobene und auch belegte Anschauung der Semiten, 
dass Götter und Geister gewisse einsame Plätze besuchen, 
welche in Folge dessen für heilig gelten, kann ebenfalls als 
Anknüpfungspunkt für eine Verehrung von Bergspitzen gelten. 

Doughty 3) sah noch heute vom Landvolke benützte 
»Wunschplätze« bei Damascus, welche in Hainen von 
immergrünen Eichen bestehen. Die uralte Verehrung ge- 
wisser Bergspitzen lässt sehr wohl eine analoge Deutung zu. 



1) Smith 1. c, 470. 

2) Smith 1. c, 86. 

3) Doughty, Trav. i. Arab. desert, I, 450. 



— 255 — 

Graf Baudissin hat in ganz entsprechender Weise *) 
»heilige Gewässer, Bäume und Höhen« zusammengestellt 
und auch hervorgehoben, dass die heiligen Bäume mit den 
Höhen im alten Testamente sogar direct zusammengeworfen 
werden. Graf Vogue verknüpft den semitischen Bergcult mit 
dem Steincult.2) Die gegenseitigen Anlehnungen dieser Culte 
sind uns nichts Neues oder Künstliches. Sie entspringen au§ 
den Wechselbeziehungen der Naturerscheinungen, deren In- 
dividualisirung die gemeinsame Quelle aller jener Culte ist. 

Baudissin verwahrt sich allerdings ganz entschieden 
gegen die Annahme, »dass die heiligen Bäume, Steine und 
Höhen als Reste von altem Fetischismus zu gelten haben«. 
Er erblickt vielmehr in der Verehrung derselben eine Bestä- 
tigung der anderweitig gewonnenen Anschauung von den 
semitischen Religionen als ausschliesslichem Himmels- oder 
Gestirnsdienst. Bei der sehr schwankenden Bedeutung des 
Begriffes Fetischismus wird derselbe vielleicht besser durch 
den weit klareren und umfassenderen Begriff »Animismus« 
zu ersetzen sein, über welchen eine Verständigung weit leichter 
ist. Ergibt doch Baudissin's sorgfältige Analyse des ihm zur 
Verfügung gestandenen Materials überaus klar, dass die Semiten 
die Gewässer, Bäume, Steine u. s. w. als beseelte Wesen auf- 
fassten. Wenn die Hebräer von »lebendem Wasser« reden, so 
ist dies nicht blos symbolisch zu deuten. Wir lesen von 
orakelspendenden Quellen und Bäumen u. s. w. Ueber die 
animistische Basis dieser Culte kann somit kein Zweifel be- 
stehen. Sie wird durch die versuchte Ableitung derselben aus 
dem Gestirndienst nicht im geringsten erschüttert. 

Philo Byblius berichtet, dass die Phönikier und Canaaniter 
in alten Zeiten die Pflanzen der Erde als Götter mit Liba- 
tionen und Opferungen ehrten, weil eine lange Reihe von 
Generationen ihnen den Lebensunterhalt verdanke. Solche An- 
schauungen haben sich bei den Semiten durch alle Zeiten 
erhalten. Sie finden sich heute noch bei syrischen Christen 
wie bei muhammedanischen Arabern. Ziehen wir dazu die 



1) Baudissin, Stud. z. semit. Religionsgesch., II, 145. 
") Vogue, Compt. Rend. Acad. Inscr., V, 64. 



— 256 — 

bereits angeführte von W. R. Smith bewiesene Thatsache vom 
irdischen Ursprünge des Baal in Betracht, so müssen wir sehr 
bezweifeln, dass der Gestirndienst der älteste Ausdruck des 
religiösen Bewusstseins bei den Semiten gewesen ist 

Weist doch Baudissin selbst den Weg comparativer Be- 
obachtung, indem er betont, dass sich die Verehrung der 
genannten Naturobjecte bei den meisten Völkern finde. Wer 
würde sich aber getrauen, bei allen diesen Völkern den Him- 
mels- oder Gestirnsdienst als ausschliessliches Leitmotiv ihrer 
religiösen Anschauungen nachzuweisen? Die Conformität aller 
dieser Culte führt uns vielmehr in fast gebieterischer Weise 
zu noch primitiveren und allgemeiner verbreiteten Formen 
des animistischen Denkens, als sie der Gestirndienst darstellt. 

Wenn wir somit auf Grundlage der neueren Forschungen 
die Vermuthung wagen, dass die »Baalshöhen« ursprünglich 
animistische Localgeister der Berge waren, sollen spätere 
Beziehungen des Höhencults zum Gestirncult durchaus nicht 
in Abrede gestellt werden. Weist doch die besondere Heilig- 
keit der »sieben Brunnen«, die Aufrichtung von sieben Altären 
auf dem Peor u. s. w., auf solche Beziehungen hin. Auch 
dürfte wohl die Idee des »Weltenberges« und deren zahl- 
reiche Ausläufer mit dem Gestirnsdienst in Verbindung stehen. 
Das mir hierüber zur Verfügung stehende Material wird an 
den geeigneten Stellen gebracht werden. 

Die von Vogue u. A. wiederholt aufgestellte Behauptung, 
dass die Berge ursprünglich als Wohnsitze der Götter und 
später als Götter selbst verehrt wurden, wird wohl niemals 
erwiesen werden können. Die Macht der primitiven Götter 
ist an bestimmte Localitäten gebunden. Diese letzteren müssen 
nothwendigerweise an der den Göttern dargebrachten Ver- 
ehrung participiren. Es liegt somit eine Verwechslung der 
Substrate der Verehrung ausserordentlich nahe ; dieselbefindet 
auch ohne Zweifel in allen Religionen und zu allen Zeiten 
statt. Man wird daher kaum zugeben können, dass die Ver- 
ehrung der Gottheit auf dem Berge und des Berges selbst 
als Gottheit zeitlich wesentlich geschieden waren, wenngleich 
die erstere Idee eine weit höhere geistige Stufe darstellt. Der 



— 257 — 

Name des in Gen. 32, 31 und Rieht. 8, 4 erwähnten Berges 
Pniel = Peni-El bedeutet Gottes Angesicht; ebenso heisst 
ein Vorgebirge des Libanons in der Nähe von Tripolis bei 
Strabo ') ösoö irp6ao)7rov. Diese Benennung kann in beiden der 
genannten Richtungen ausgelegt werden. Dagegen wird man 
aus der Stelle des Tacitus:'^) »Est Judaeam inter Syriamque 
Carmelus, ita vocant montem Deumque, nee simulacrum Deo 
aut templum situm tradidere majores: aram tantum et veren- 
tiam« — wohl schwerlich etwas anderes herauslesen, als dass 
der Berg zugleich den Gott darstellt. Dasselbe behauptet 
offenbar das Etymologicum magnum vom Libanon: Soxoöat oE 
looSalot oXov slvat Tiveöfia xal ^söv, ävoötpav^c; yap sativ, 8^v xal 
aoTÖv o^ßoooi. 3) Diese, in späteren Zeiten verbreiteten Darstel- 
lungen wären nun, deren Richtigkeit vorausgesetzt, allerdings 
als Beweis für ein Wiederaufleben des primitiven Stadiums 
der Verehrung localer Berggötter aufzufassen. 

Bei der Betrachtung der Einzelnheiten, welche die Gruppe 
der Aramäer und die Phönicier betreffen, dient uns Bau- 
dissin als zuverlässigster Führer. 

Im Deuteron. 12, 2 wird den Israeliten geboten: »Zer- 
störet alle Orte, wo die Völker, die ihr in eure Gewalt be- 
kommen werdet, ihren Göttern dienten auf hohen Bergen 
und auf Hügeln und unter allen grünen Bäumen.« 

Besonders häufig wird hervorgehoben der Cult des Baal 
Peor auf der Spitze des Peor im Lande der Moabiter. Hier 
lässt der Seher Balaam, der Israel verfluchen soll, vom Moa- 
biterkönig Balak sieben Altäre errichten; desgleichen auf einem 
Gipfel desPisga, sowie auf der Spitze des Berges Phogor.^) 
Eine Spitze des Gebirges Abarim ist der Berg Nebo,^) auf 
dem Moses starb. Er liegt Jericho gegenüber. In Isaias lib. i 



1) Strabo, lib. XVI., Cap. 2. 

2) Tacitus, Hist. II., 78 (vol. II, pag. 79, ed. Halm.). 

3) Movers, Phönikier, I, 668, Baudissin 1. c, II, 236 weisen beide 
darauf hin, dass die hier auf die Juden übertragene Vorstellung für die Syro- 
Phönikier gilt. 

*) Num, 23; Baudissin 1. c, II, 232. 
*) Deuter. 32, 46. Baudissin, II, 233. 

V. Andrian, Höhencultus. 17 



— 258 — 

wird unter den bei der Zerstörung Babylons durch Cyrus 
vernichteten Götzen ein Gott gleichen Namens aufgeführt, 
woraus Baudissin mit Recht auf einen Cult des Nebo schliesst. 

Der Heiligkeit des Libanons wurde bereits gedacht. Aber 
auch der Antilibanon (Dschebel el Scheikh), dessen hervor- 
ragendste Spitze der Hermon bildet, scheint zu allen Zeiten 
bis in die christliche Epoche hinein verehrt worden zu sein. 
Nach Movers hatte derselbe seinen Baal. ^) Unzweideutig ist 
die Angabe des Eusebius im Onomasticon: ^acA tk szi vöv 
'Asp[iü)v 8pog övojJiaCea^ai, xal w«; tspov Tijiaa^at &7rö twv I^vwv. 
Der späteren Vorstellung von Hermon als einem Blocksberg 
wird bei der Besprechung des Buches Henoch gedacht 
werden. 

Von besonders heiligen Bergen erwähnt Philo Byblius 
ausserdem noch den Brathy und den Kassios. Der erstge- 
nannte Bergname hat noch mit keinem anderweitig bekannten 
Berge identificirt werden können. Baudissin vermuthet, dass 
die Schreibung des Namens corrumpirt ist, und scheint eine 
Beziehung desselben zu »Tabor, Atabyrion« nicht vollkommen 
abzulehnen.'-^) Er sucht diesen Berg auf phönikischem oder 
syrischem Gebiet. Die Annahme jener Ableitung würde auf 
den Berg Tabor in Palästina führen, welcher offenbar ein 
altkanaanischer Cultusort war, auf dessen zeitweilige Ver- 
ehrung durch Israeliten Hos. 5, i anspielt.^ 

Nach Movers^) stammt der Cult des Jupiter Cassius ur- 
sprünglich von Dschebel Akra am Orontes. Später gab es 
zwei berühmte Berge dieses Namens, von denen der eine, 
der Dschebel Akra, an der syrischen Küste im Süden von 
Antiochia, der andere an der Bucht von Pelusium lag. Der 
Name rührt nach Vogue ^) von einer in nabatäischen In- 
schriften vielfach vorkommenden Gottheit Qa9iu her, welche 



1) Movers, Phönikier, I, 668. 

2) Baudissin, II, 247. 

3) Baudissin, II, 248, 254. 
*) Movers, Phönikier, I, 669. 

^) Vogue, Compt. Rend. Acad. Inscr., V, 



— 259 — 

Baudissin mit KoC^, einem Gotte der Idumäer, identificirt. *) 
Die Bedeutung dieser Gottheiten ist noch nicht klargestellt, 
doch wird ein altsemitischer Cult des Kasius wohl voraus- 
gesetzt werden dürfen. 

Bezüglich der zahlreichen Angaben über den Cassius in 
den classischen Schriftstellern verweise ich auf Baudissin.*) 
Ebenso bezüglich der Verpflanzung dieses' Cults auf die grie- 
chische Insel Korkyra. 

Auch derCarmel ist eine altsemitische Cultusstätte ge- 
wesen, auf welche das alte Testament (IIL Rom., i8) den 
Wettkampf zwischen der Religion Jehovah's und dem Baal- 
dienst verlegt. Noch in den letzten Tagen des Heidenthums 
waren dessen Haine unberührt, wie zu den Zeiten des alten 
Testaments, und ein sicherer Zufluchtsort für den Flüchtigen. 
Pythagoras soll hier der Meditation obgelegen und Vespasian 
das daselbst befindliche Orakel befragt haben. ^) Die waldige 
Beschaffenheit desselben besteht noch heute. Das von Seetzen 
beschriebene, daselbst gefeierte Fest des h. Elias wird von 
R. Smith mit den alten kanaanitischen Festen verglichen. 

Zu den syrischen Berggöttern rechnet Movers auch den 
Elagabal, dessen Cult Kaiser Heliogabal nach Rom verpflanzte. 
Der Name dieses Gottes wird von Movers als El-Gabal, der 
Berg, gedeutet.^) Dieser Gelehrte weist auch ausser auf die 
bereits genannten Berge noch auf den Morijah als alten 
kanaanitischen Göttersitz hin. 

Dass auch der Amanus einer Gottheit geweiht war, er- 
sehen wir aus der später anzuführenden Inschrift des Sar- 
danapal. Auch bezeugt der Cult der Kybele, >der grossen 
Mutter vom Gebirge«, bei den Phrygern das Uebergreifen 
von semitischen Vorstellungen bei den Bevölkerungen Klein- 
asiens. ^) 



^) Baudissin, II, 239. 

^) Baudissin, II, 239 — 243. 

3) Baudissin, II, 234. Smith, Lectures, 146. 

*) Movers, Phönicier, II, 679.; vgl. dagegen Baudissin, II, 246. 

5) Baudissin, II, 206. 

17* 



— 200 — 

Im Herzen von Palästina, zwölf Stunden nördlich von 
Jerusalem, liegt das Städtchen Nablus') (Flavia Neapolis), 
welches früher Sichem hiess. Es lehnt sich an den bis zu 
seinem Gipfel fruchtbaren Berg Garizim, ihm gegenüber liegt 
der kahle Ebal, von Schakalen bewohnt. Nach dem Gebote 
Mosis sollte das Volk Israel, wenn es den Jordan überschreiten 
würde, auf dem Garizim den Segen, auf dem Ebal den Fluch 
aussprechen. 

Die seit Esra von den Juden abgetrennten Samaritaner^) 
hatten ihr Hauptheiligthum auf dem Berge Garizim, bis das- 
selbe durch den Maccabäer Johannes Hyrcanus, 130 v. Chr., 
zerstört wurde. Sie haben im 2. und 5. Buch Moses am 
Schlüsse der zehn Gebote einen langen Zusatz bezüglich dieses 
Berges aufgenommen, welcher folgendermassen lautet: Wenn 
dich der Herr, dein Gott, in das Land der Kanaaniter bringen 
wird, wohin du kommst, es zu besitzen, so sollst du dir 
grosse Steine aufrichten und sie mit Kalk tünchen und selbst 
auf die Steine schreiben alle Worte dieses Gesetzes. Wenn 
ihr nun über den Jordan geht, so sollt ihr solche Steine auf- 
richten, davon ich euch heute gebiete, auf dem Berge Gari- 
zim. Und sollst daselbst dem Herrn, deinem Gott, einen stei- 
nernen Altar bauen, darüber kein Eisen führt. Von ganzen 
Steinen sollst du den Altar des Herrn bauen und Brandopfer 
darauf opfern dem Herrn, deinem Gott. Und sollst Dankopfer 
opfern und daselbst essen und fröhlich sein vor dem Herrn, 
deinem Gott. . . . 

Der Ebal, der Berg der Flüche, wird von den Samari- 
tanern vermieden. Der Hohenpriester Amrän versicherte Peter- 
mann, dass er ihn noch nie betreten, war jedoch nicht ab- 
geneigt, in Petermann*s Gesellschaft ihn zu besteigen. 

Der Garizim ist der reine heilige Berg Tür berik; auf 
oder über ihn wird das Paradies gesetzt; von ihm sollen alle 
befruchtenden Regen ausgehen. Hier lebte Adam, dessen 
Wohnsitz jedoch Andere nach Serendib (Ceylon) verlegen, 



^) H. Petermann, Reisen im Orient, II, 264. 
2) H. Petermann 1. c, 11, 285. 



— 201 — 

WO noch sein Fussstapfen gezeigt wird(!). Auf dem Garizim 
wird noch die Stätte gewiesen, auf welcher Adam und dessen 
jüngster Sohn Seth Altäre bauten; dies soll auch der Ort 
sein, wo Abraham das Opferthier sah. Er ist ihnen auch der 
Ararat; sie kennen noch die Stelle, an welcher Noah aus 
der Arche stieg und den Altar errichtete, ebenso die sieben 
Stufen, welche zum Altar hinaufführten und auf deren jeder 
Noah ein Thier opferte. Auch zeigen sie den Altar Abrahams, 
wo er den Isaak opfern wollte, den Ort, wo Jacob auf der 
Flucht vor Esau schlief und die Himmelsleiter im Traume 
sah, daher er ihn Bethel nannte. Wo nach ihrer Angabe 
Josua den ersten Altar errichtete, zeigen sich noch die zwölf 
Steine, auf denen das Gesetz Moses geschrieben stand. Hier 
bauten sie ihren Tempel. Alle diese Stellen werden auf dem 
obersten Plateau des Garizim gezeigt; für jede derselben be- 
stehen besondere Gebete; sie werden dreimal im Jahre, am 
Pesachfest, am Wochenfest und am Laubhüttenfest, besucht. 
Die Samaritaner ') betrachten die Blüthezeit des Garizim- 
cults seit dessen Einrichtung durch Josua als die »Gnaden- 
zeit« oder das goldene Zeitalter. Dasselbe bildet den zweiten 
grossen Zeitraum der samaritanischen Zeitrechnung und um- 
fasst von der Einwanderung ins gelobte Land bis zum Tode 
des Königs Simson 260 Jahre. Das Ende dieses' Zeitraumes 
und der Anfang des dritten wird durch den Abfall der Israe- 
liten vom Garizimcult bezeichnet. Wegen dieses Abfalles 
»zürnte ihnen der Herr, nahm seine Gnade von ihnen und 
dem heiligen Berge«, und es begann eine Periode nationalen 
Unglückes, Unglaubens und von Zwietracht, welche bis heute 
fortdauert. 



Assyro-Babylonier. 
Die neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Keil- 
schriftenlitteratur haben eine uralte babylonische Kosmologie 
enthüllt, deren allmählich hervortretende Umrisse unser höch- 



^) Kohn, Sprache, Litterat ur u. Dogmat. d. Samaritaner, Abh. f. d. K. 
d. Morgenl., V, 4, 47. 



— 202 — 

stes Interesse erregen müssen. Leider unterliegt die Inter- 
pretation der betreffenden Texte noch grossen Schwierigkeiten, 
deren endgiltige Lösung wohl hauptsächlich aus der Ver- 
mehrung des disponiblen Materials und der fortschreitenden 
Entwicklung der Assyriologie überhaupt sich ergeben wird. 

Wir verdanken Fr. Delitsch neben Fr. Lenormant die 
Entdeckung der für unsere Betrachtung so wichtigen Idee 
des »Weltenberges«. König Sargon ') erzählt in der Khorsäbäd- 
Inschrift, dass er eine Stadt gebaut und ihr den Namen Dür- 
Sarruken gegeben habe. In dieser Stadt hätten die Götter 
Ea^ Sin', Samas, Raman, Nineb und ihre hehren Gemahlinnen, 
welche in der Behausung des grossen Länderberges 
Aralu von Ewigkeit geboren wurden, freundlich glänzende 
Tempel und kunstvolle Gemächer gegründet. 

Nach der bisherigen Ansicht der meisten Forscher woh- 
nen die Götter auf dem Berge Aralu und beherrschen von 
da aus die irdische Welt. Diesen Aufenthalt theilen mit den 
Göttern noch andere bevorzugte Seelen, unter anderen jene 
der Herrscher. Daher heisst auch der Aralu der Berg der 
Versammlung oder Harsag-Kurkura (Behausung des Länder- 
berges) oder das wohlgebaute Haus. '^) 

Der Aralu ist die Säule, welche Himmel und Erde ver- 
bindet, die Axe, um welche sich das Himmelsgewölbe mit 
den Sternen dreht, sie ist höher als alle anderen irdischen 
Berge. ^ Man stellt ihn vor als von Gold strahlend. Auf 
ihn deutet Fr. Delitsch, Job,, 37, 22: »Aus dem Norden kommt 
das Gold.« Nach Schrader^) kommt sä d Aralu in einer Liste 
von Bergen und Gebirgen vor, wo sich Nuräsu-Gold findet. 
Nach seiner Auffassung ist das Gebirge Aralu das nach dem 



^) Fr, Delitsch, Wo lag das Paradies? 117 f. Oppert-Menan, Les 
factes de Sargon, 155 ff. 

2) Fr. Delitsch 1. c, iiS. 

3) Lenormant, Comm. Berose, 317. Später, Chaldean Magic, 152, 
unterscheidet L. das Land Aralli von dem Charsall Kurkurra, der Weltaxe, 
während Delitsch 1. c, 118 beide Benennungen für äquivalent hält. 

*) Schrader, Keilinschr. u. d. alte Test., 1883, 389. 



— 263 — 

Lande Aralli benannte Gebirge, dessen höchsten Gipfel der 
Charsaggalkurkura bildet. 

Der Götterberg Aralu wurde bisher stets nach Norden 
verlegt, und mit demselben der Har-m6ad (montagne de Tas- 
semblee, Lenormant) identificirt. Der Verfasser von Isaias, 
XIV, 13 ff. sagt: 

13. Du sprachst in deinem Herzen: »zum Himmel werde 

ich aufsteigen,« 
ȟber die Sterne Gottes setzen meinen Thron; woh- 
nen auf dem Versammlungsberge im äussersten 
Norden«. 

14. »Ich steige auf der Wolken Höhen, dem Höchsten 

stelle ich mich gleich.« 

15. Ja, zur Unterwelt fährst du hinab, zur tiefsten Gruft. 

Die Vorstellung vom »Länderberg« erscheint auch deut- 
lich illustrirt in dem Hymnus an den Bei, IV, R. 27, Nr. 2 
(nach Jensens Uebers.): ') »Grosser Berg (des?) Bcäl »Himmels- 
berg«, dessen Gipfel den Himmel erreicht, dessen Fundamente 
im klaren Apsu (Urwasser) gegründet sind. In den Ländern 
wie ein leibhaftiger Wildochse lagert er.« 

Diese Anschauungen werden nun von P. Jensen aller- 
dings vielfach modificirt und theilweise gänzlich in Abrede 
gestellt. Der Harsag-(gal)kurkura bezeichnet nach ihm ur- 
sprünglich die ganze Erde, welche als Berg aufgefasst wird. 
Später sei daraus möglicherweise die Vorstellung eines »Berges 
auf der Erde« geworden. Als Versammlungsort der Götter 
werde derselbe nirgends bezeichnet, sondern, wie später er- 
wähnt werden wird, eine Localität im Berge des Ostens. Aus 
diesen und anderen Gründen wird eine Identität des babylo- 
nischen Länderberges mit dem Har-m6ad (wie mit dem Meru 
U.S.W.) entschieden abgelehnt. 2) 

Die Entscheidung dieser Controversen gebührt den Fach- 
männern. Niemand wird im Hinblicke auf die Schwierigkeit 

^) P.Jensen, Kosmol. Babyl., 207. Boscawen Academy, 1875, 574» 
Jeremias Bab. Ass. Vorst. v. Leb. n. d. Tode, 60. 

-) Jensen, Kosm. Babyl., 201 f. Vgl. auch ibid. 185. 



— 264 — 

der Interpretation der hier in Frage kommenden vieldeutigen 
Benennungen und auf das dürftige zu der Beweisführung verwen- 
dete Material, sowie auf unsere so überaus rudimentäre Kennt- 
niss der babylonischen Kosmologie überhaupt, ^) diesen weit- 
tragenden Gegenstand für abgethan ansehen, schon deshalb, 
weil gerade die späteren, für uns vorzugsweise wichtigen Ent- 
wicklungen des Begriffes des Länderberges noch nicht in 
Betrachtung gezogen werden konnten. 2) Jensen ist durch seine 
eigenthümliche Auffassung des Harsag-(gal)Kurkura und der 
mit demselben in nächster Verbindung gedachten Götterwelt 
unter andern auch gezwungen, die nördliche Lage desselben 
in Abrede zu stellen, doch lässt sich das Vorkommen dieser 
Orientirung bei den Szabiern wie das Zeugniss des Isaias 
kaum anders erklären, als durch die freilich dermalen noch 
hypothetische Annahme eines babylonischen Ursprunges der- 
selben. 

Jedenfalls wird der Ethnologe für die namhafte Förde- 
rung dankbar sein, welche die Vergleichung der asiatischen 
Kosmologien durch die scharfsinnigen und originellen Arbeiten 
Jensens erfahren hat. Für unsere Zwecke erscheint aus leicht 
begreiflichen Gründen besonders willkommen dessen Nach- 
weis, dass die alten Babylonier den Weltenberg von sieben 
Parallelzonen umschlossen dachten, welche durch Erhöhungen 
irgend welcher Art von einander getrennt waren. Dass die 
Siebenzahl der Planeten diese Vorstellung erzeugt hat, ^) wird 
wohl Niemand mehr bezweifeln. Ebensowenig, dass die Glie- 
derung der Unterwelt durch dieselbe Analogie bedingt ist. 



*) Wissen wir ja nicht einmal das Gebirge Masu zu deuten (vgl. Jensen 
1. c, 213, 256 Anm.), welches für etwaige Parallelen von der grössten Wichtig- 
keit ist. 

2) Es fehlt nicht an Beispielen, dass ursprünglich chthonische Gottheiten 
zu himmlischen werden, und wäre dies nach Smith gerade für den Baal der 
Nordsemiten anzunehmen; dass aus dem irdischen »Länderberg« unter dem 
Einflüsse der babylonischen Astrologie ein kosmischer Berg wurde, sind wir 
fast gezwungen, anzunehmen, im Hinblick auf das Bestreben Erde und Himmel 
in immer nähere Verbindung und die irdischen Gestaltungen in Abhängigkeit 
von der Gestirnwelt zu bringen. 

3) Jensen 1. c, 174. 



— 265 — 

Die Accader und nach ihnen die Babylonier waren der 
Ansicht, dass die Götter nur hochgelegene Erdenpunkte be- 
suchten. ^) Die irdischen Berghäuser derselben hiessen fikuras, 
und zwar sowohl bei den Babyloniern wie bei den Assyriern.^) 
Die Bezeichnung »Höhenhaus, Tempel« wird übrigens auch 
für die daselbst wohnende Gottheit, speciell für die männ- 
lichen Gottheiten, besonders für den Gott Anu gebraucht.^) 
Nach Lenormant hiessen übrigens in späteren Zeiten gewisse 
Tempel Arali (Fragm. Berose, 395). 

Jeder babylonische Tempel hatte einen Thurm (Ziggurat), 
an dessen Spitze der Altar des daselbst verehrten Gottes an- 
gebracht war. Die Bergspitze, an welcher die Arche von 
Tamzi nach der Sintfluth stille stand, heisst der Ziggurat des 
Berges von Nizir. Hier baute Sisusthrus nach der Sintfluth 
den ersten Altar, welcher zur Wiege der neuen Civilisation 
wurde. ^) 

Die bekanntesten Reste solcher Ziggurats sind vor Allem 
der berühmte babylonische Thurm von Borsippa, welcher 
auch der Tempel der sieben Planeten, das ewige Haus von 
Borsippa heisst, und von Strato und Arrian als Heiligthum 
Apollo's und der Artemis bezeichnet wird.^) Ferner die von 
Layard entdeckte Pyramide von Nimrud (Kalah), sowie der 
Thurm von Khorsabad. ^) 

Ich vermag es nicht zu beurtheilen, ob der von Bosca- 
wen erwähnte Tempel des Weltberges, in welchem die »Wasser 
des Stromes« aufstiegen, mit dem Birs-Nimrud, der ja auch 
der Tempel der sieben Sphären heisst, identisch ist. Das 
Steigen des Wassers wurde am zweiten Tage des Monats 
Nisan durch einen hierzu bestellten Beamten, den Amil-Ku- 
rugal, gemessen. '^) 

^) Sayce, Trans. Soc. Bibl. Arch., 151. 

2) Fr. Deutsch 1. c, 119. 

3) Ibidem. 

*) Sayce 1. c., 229. 

5) Er heisst heute Birs-Nimrud. Oppert, Exped. scient. Mesop., I, 20off. 

^) Layard, Ninive and Babylon, 654. 

'^) Boscawen, Academy, 1875, 57^- 



— 266 — 

Die hohe Bedeutung der Ziggurats erhellt auch aus dem 
Umstände, dass der Titel der Könige des letzten Chaldäer- 
reiches die Bezeichnung »Restaurateur du Temple du Chef (der 
Pyramide von Babylon) et du Temple de la main droite« (des 
Thurmes von Borsippa) enthält. ^) 

Bezüglich der weiteren Details verweise ich auf Lenor- 
mant^) und füge nur noch hinzu, dass nach Boscawen das 
oberste Stockwerk dieser Thürme häufig grosse Spitzen oder 
Hörner getragen haben soll, welche dieser Gelehrte als Nach- 
bildung der Spitzen des Harsagkurkura (Länderberges) deutet.^) 

Dagegen glaube ich, den Farben der einzelnen Stock- 
werke der Ziggurats wegen ihres hohen Werthes für die Ver- 
gleichung anscheinend scharf getrennter Vorstellungskreise , 
der verschiedenen Völker Asiens einige Worte widmen zu 
sollen. 

Die verschiedenen Farben der Planeten und ihrer Gott- 
heiten rühren offenbar von den Beziehungen her, welche 
zwischen den Planeten und gewissen Metallen vorausgesetzt 
wurden. Aus der Stelle im Buche Daniel, V, 4, in welcher 
von goldenen, silbernen, kupfernen, eisernen, hölzernen und 
steinernen Göttern der Babylonier die Rede ist, schliesst 
Chwolson^) wohl mit Recht, dass die Wahl des Stoffes für 
gewisse Götterbilder auf besonderen religiösen Gründen be- 
ruhte. Derselbe Autor weist die Vertheilung der Metalle unter 
die verschiedenen Planeten, an welcher die Szabier wie die 
späteren Alchymisten festgehalten haben, der älteren Chal- 
däerzeit zu. Es gehört das Gold der Sonne, Silber dem Monde, 
schwarze Blei dem Saturn, Zinn dem Jupiter, Kupfer der 
Venus, Eisen dem Mars. Ueber die Reihenfolge der einzelnen 



^) Oppert, Expdd. Mesopot, II, 94. 

2) Fr. Lenormant, Comment. Berose, 379. 

3) Boscawen 1. c, 578. Hier sei noch bemerkt, dass Jensen 1. c, 255 
die kosmische Bedeutung der etagenförmigen Thurmtempel bestreitet und die- 
selben als die Symbole der Erde zu erklären sucht. 

*) Chwolson, Szabier, II, 658 ff. Auch die verschiedenen Formen der 
einzelnen Planeten geweihten Tempel sind sehr zu beachten. Vgl. Chwolson, 
II, 381 ff. 



— 267 — 

Farben an den genannten Ziggurats ist bei Rawlinson und 
Oppert nachzusehen. *) 

Im Osten des Weltmeeres (Apsu) und der Erde befindet 
sich der »Berg des Ostens«, welchem, wie es scheint, eben- 
falls grosse Bedeutung beigelegt wird. Unter ihm befindet 
sich, nach Jensen,^ der Duazag, welcher auch der »Ort der 
Geschicke« heisst. Der Duazag ist ein Theil des Ubsugina, 
in welchem nach Nebukadnezar's IL grosser Inschrift^) »zu 
Jahresanfang am 8. und am 11. Tage der (Gott) König sich 
niederlässt, und die Götter über Himmel und Erde das Schick- 
sal der Zukunft bestimmen«. Der Gott Nabu, der Gott von 
Duazag, heisst auch der Gott des Wachsthums, weil die Sonne, 
die das Wachsthum bringt, im Osten aufgeht.^) Auch die 
Sonne, Marduk, hat die innigsten Beziehungen zum Duazag. 
Der Tisritu heisst der »Monat des Duazaga«. 

Das Gegenstück zum »hellen Berg« des Sonnenauf- 
ganges bildet der »dunkle Berg« des Westens, der jedoch, 
wie es scheint, weniger scharf charakterisirt wird. Die »bösen 
Sieben«, die »schonungslosen Dämonen« werden auf ihm 
geboren, dagegen in dem Berge des Ostens grossgezogen. ^) 

Der Länderberg Aralu enthält in seinem Innern das 
Reich der Todten, die Unterwelt, welche Arali heisst. Am 
Berge Aralu ist die Pforte der Unterwelt, welche von sieben 
festverriegelten Thoren verschlossen ist. Diese Pforte liegt 
nach Fr. Delitsch nicht nach Westen, wie Lenormant meint, 
sondern im Norden. Der Götterberg ist also nicht allein der 
Berg der Versammlung der Götter, sondern auch jener aller 
Seelen. Die Unterwelt heisst bei den Babyloniern die grosse 
Stadt, das Haus der Versammlung oder, wie Jeremias an- 



*) Rawlinson, I. R. As. Soc. Lond., XVIII, 1—34. Oppert, Expdd. 
Mesopot, I, 207. Herodot, I, 98. Vgl. H. Rawlinson's Anmerkungen in 
G. Rawlinson's Herodot, I, 241 ff. Lenormant, Comment, Berose, 370. 

2) Jensen, Kosmologie d. Babylonier, 237. 

^) Jensen 1. c, 238. 

*) Jensen 1. c, 239. 

5) Jensen 1. c , 238. 

ß) Jensen 1. c, 38. 



— 268 — 

nimmt, Berg des Todtenreiches. ^) Die Seen und die »Ge- 
wässer des Todes« bespülen die Arälü und umgeben gleich 
einem Gürtel die ganze Erde. Daher heisst auch die Unter- 
welt das »Wasserhaus«, während Nergal, die Hauptgottheit 
der Unterwelt, »König der Wassertiefe, des Todtenflusses, der 
grossen Stadt« u. s. w. heisst. Von der Göttin Allatu, seiner 
Gemahlin, vermuthet Prof. Hommel, dass ihr Name aus Ar- 
latu = Arälatu entstanden sei. 2) Wir können somit die etwas 
sonderbare Angabe von Diodorus Siculus^) doch einigermassen 
begreifen, dass die Chaldäer die Erde unter der Gestalt eines 
(umgestürzten) Bootes sich vorgestellt hätten. 

Nach Jensen^) bezeichnet Aralü keinen Berg, sondern 
die untere Erde, welche hohl ist und die von sieben Mauern 
umschlossene Todtenstadt enthält. Der Eingang zu derselben 
ist im Westen. ^) In der Höhlung und darunter sind die Wasser 
des Weltmeeres des Apsu. 

Ueber die anderen Objecte des assyrisch-babylonischen 
Höhencults haben wir nur ganz unbestimmte Angaben. Jere- 
mias^) bemerkt, es scheint, als habe die religiöse Volks- 
vorstellung, abgesehen von dem Arälü, dem allgemeinen Götter- 
sitz, jedem einzelnen Gotte einen Berg als speciellen Wohn- 
sitz beizugeben. So ist die Rede von einem »Berge des Gottes 
Bei«. Von Samas heisst es: »wenn du heraustrittst aus dem 
grossen Berge«; zugleich heisst dieser Wohnort von Samas 
»Berg des Quellortes«, »Ort der Geschicke«. 

Nach Boscawen findet man oft auf chaldäischen Siegeln 
die Götter zwischen zwei Bergspitzen stehend abgebildet; 
manchmal auch auf dem Rücken eines Stieres.'') 

Prof. Sayce ^) erwähnt eine in alten Listen vorkommende 
Benennung Dipara, den Berg des Stiergottes. Dieser Gott 

^) Jeremias 1. c, 6o. 

2) Jeremias 1. c , 66. 

3) Diod. II, 31. 

*) Jensen 1. c, 2300., 257. 

^) Jensen 1. c, 228. 

^) Jeremias 1. c, 69. 

'^) Boscawen, Academy, 1875, S. 578. 

^) Hibbert, Lectures, p. 289. 



— 269 — 

war aber Merodach, der in der alten astronomischen Litte- 
ratur Gudi-bir heisst, der Stier des Lichtes. Er sucht diesen 
Berg im südlichen Babylonien und setzt den Stiergott von 
Dapara in enge Verbindung mit der Stadt Eridu, weil die 
grossen Gottheiten dieser Stadt von einer Leibgarde von gött- 
lichen Stieren bedient worden sein sollen. Auch mit dem 
Uknü, vielleicht Yade, soll dieser Berg in Beziehung stehen, i) 

Auf eine Verwandtschaft der assyro-babylonischen Vor- 
stellungen mit denen der übrigen Semiten deutet auch die 
Anerkennung der fremden Berggötter durch die Herrscher 
jener grossen Reiche. So rühmt sich Sardanapal III. (922 bis 
899 V. Chr.) in der grossen Inschrift des Monoliths von Nimrud 
(Kalach) der auf dem Libanon und Amanus dargebrachten 
Bergopfer. ^) 

Einen Nachklang jener altbabylonischen Vorstellungen 
finden wir bei den Mandäern (Szabiern), deren Sprache nach 
Nöldeke die des unteren Babylonien ist, und deren Religion 
in ihren älteren Theilen auf chaldäische Mythologie und Kos- 
mogonie aufgebaut ist.^) Die Erde (Tibil) liegt zwischen der 
oberen Welt des Lichtes und der unteren der Finsterniss. 
Die Tibil ist im Norden durch ein hohes Gebirge mit dem 
Lichtreiche in Verbindung. Dort, im hohen Norden, sitzt der 
erhabene Lichtkönig, die gesegnete Argä, die Uträ's und 
Könige. Dort ist ein Paradies ohne schädliches Gethier, mit 
ewig blühenden und fruchttragenden Bäumen. Die Meere der 
Lichtregion sind still und ruhig, und es gibt darin keine 
Räuber. Die Jordane der Lichtregion sind weisse Wasser, 
voll, weisser als Milch u. s. w. Alles Gute geht von dieser 
Region aus. Von hier kommt der Ajarwind, durch den alle 
Wesen leben und athmen. Ebenso alles Licht, welches von 
da den Gestirnen zugeht. Auch das lebende Wasser, die 
Quelle, die Flüsse. Vom Süden gilt gerade das Gegentheil. 
Dort ist die Welt der Finsterniss; heisse, schädliche Winde 
kommen von dort, die Menschen sind schwarz wie Dämonen. 



^) T. de Lacouperie, Babyl. and Orient Records, II, 159. 

2) Oppert, Expdd. Mesop., I, 327. 

3) Brandt, Mandäische Religion, 69 ff. 



— 270 — 

Daher ist die Qibla der Mandäer gegen Norden orientirt. 
Das Gotteshaus hat den Eingang auf der Südseite, damit der 
Eintretende gleich das AntHtz gegen Norden gerichtet habe. 
Die Todten werden mit den Füssen nordwärts begraben, so 
dass auch sie nach dieser Himmelsgegend schauen. ') 

Im Cultus der Mandäer spielen die bei den mannig- 
fachsten Anlässen ^) zu wiederholenden Taufen und Waschungen 
die grösste Rolle, da dieselben die zur Seligkeit erforderliche 
Reinheit und Sündenvergebung vermitteln. Da di» süssen 
Wässer vom nordischen Lichtreich abstammen, stellen Jordan 
und Taufbrauch die Gemeinschaft der Tibil-Erde mit der 
höheren Welt dar.^) 

Unter diesen Umständen ist es allerdings auffallend, dass 
gerade die ältesten Documente des Mandäismus, z. B. die 
Theogonien, der nördlichen Lage des Göttersitzes nicht er- 
wähnen. •*) 

Nach El-Nedim ^) zogen die Szabier an einem bestimmten 
Tage auf einen bestimmten Berg, begrüssten dort die Sonne 
und die Planeten und brachten dort Opfer dar. 

Hier dürften wohl auch am passendsten die Nosairier 
angeschlossen werden, welche aus dem Euphratthale in die 
Gebirge des nördlichen Syrien eingewandert sind. Sie ver- 
legen ihre Andachtsorte und die Gräber ihrer als Heilige ver- 
ehrten Ahnen auf hohe Berge und in des Waldes Dickicht.^) 



Hebräer. 

Gegenüber den täglich sich mehrenden Beweisen für 
die Gleichartigkeit der primitiven Vorstellungen der Hebräer 
mit jenen der übrigen Semiten, besonders der Araber, ist die 



*) Brandt I.e., 70. 

2) Brandt I.e., 95. 

3) Brandt 1. e., 67. 
*) Brandt 1. e., 71. 

^) Chwolson, Szabier, II, 30. 

^) Ritter, Erdkunde, XVII, i, 992. Baudissin 1. c., II, 246, 



— 271 — 

neuerdings von Baethgen wieder aufgenommene Behaup- 
tung,^) dass der bei den Hebräern vorkommende Höhencult 
aus deren Berührung mit den Kanaanitern herstamme, vom 
ethnologischen Standpunkte wenigstens, kaum mehr discutir- 
bar. Unter Hinweis auf die jedem Interessenten sattsam be- 
kannte Litteratur muss die Thatsache unbedingt festgehalten 
werden, dass die Israeliten in den frühesten Stadien ihrer 
Geistesentwicklung Quellen, Bäume und Höhen verehrten 2) 
und die Ueberlebsel dieser primitiven Culte in ihre höhere 
religiöse Entwicklungsstufe herübergenommen haben. 

Ob Abraham, der Vater vieler Völker, mit dem assyri- 
schen Abu Ramu, »Vater der Höhen«, identisch ist, mögen 
die Berufenen entscheiden. •"*) Unzweideutig ist dagegen der 
Befehl Gottes, Mos., 1,22,2: >Nimm, Isaak, deinen einzigen 
Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija 
und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, 
den ich dir sagen werde.« Auf dem Gebirge Gilead^) bringt 
Jacob das Opfer für den mit Laban geschlossenen Bund dar. 
Die Stelle ist noch heute, wie in der alttestamentlichen Zeit, 
Zufluchtsort für die von der Blutrache Bedrohten. ^) 

Die tiefe Verehrung der Hebräer für den Horeb oder 
Sinai, als den eigentlichen Gottesberg, führt uns auf allgemein 
semitische Vorstellungen, da dieser Berg seit den ältesten 
Zeiten allen semitischen Völkern heilig war. Der Name Sinai 
lässt sich vielleicht (Baudissin) von Sin, dem Mondgott der 
Babylonier und Gimjaren, ableiten.^) Die nordarabischen 
Stämme pilgerten bis in die ersten Jahrhunderte unserer Zeit- 
rechnung nach Feiran und auf den Serbäl, die höchste 
Spitze des Sinaimassivs. Diese Opfer dauern bis heute fort.'') 



^) Baethgen, Beitr. z. semit. Religionsgesch., 213. 
^) Baudissin 1. c, II, 223 ff. 

3) Sepp, Beil. Augsb. AUg. Zeit., 1876, Nr. 184. Schrader, Kcilinschr. 
u. d. alte Testam., 200. 

*) Baudissin. 'II, 252. Gen. 31, 54. 

5) Baudissin, II, 253. 

® Baudissin, II, 233. 

7) Glaser, Münchn. Allg. Zeit., 1888, Nr. s^S, 



— 272 . — 

In dem Namen Serbal hat man sogar den Baal finden 
wollen. ^) 

W. R. Smith betont gewiss mit Recht, ^ dass die Heilig- 
keit des Sinai nicht die Folge, sondern die Vorbedingung 
war für die wichtige Rolle, welche dieser Berg in der älteren 
Religionsgeschichte der Israeliten spielt. Er heisst nach 
Renan ^) auch der Berg der Elohim, welche daselbst wohnen 
und sich in schrecklichen Gewittern offenbaren. Der Gebrauch 
dieser Pluralform für die Bezeichnung der Gottheit scheint 
auf eine Substitution von Geistern niederer Gattung durch 
einen individuelleren Localgott hinzudeuten.^) Jedenfalls be- 
weist III, Kön., 19, dass die Vorstellung von der besonderen 
Gegenwart Jehovahs auf dem Sinai noch lange nach der 
Niederlassung der Israeliten in Kanaan festgehalten wurde, 
wenngleich (Exod. XX, 24) der Herr dem Moses bei der Ver- 
kündung der zehn Gebote zugesagt hatte : an jeglichem Orte, 
wo mein Name gefeiert wird, will ich zu dir kommen und 
dich segnen. Der Arafel, die dunkle Wolke, bildet den Schleier, 
welcher die göttliche Majestät, welche Niemand erblickt, ohne 
zu sterben, verhüllt. Gewisse Theile des Berges durften nur 
mit blossen Füssen betreten werden.^) 

Die wichtigsten Momente, welche auf den Sinai oder 
in die unmittelbare Nachbarschaft desselben verlegt werden, 
sind: die Berufung von Moses durch den Engel im brennen- 
den Dornbusch (Exod. 3, 2 ff.), die Begegnung von Moses und 
Aaron (Exod. 4, 27); die Labung des dürstenden Volkes durch 
Wasser aus dem Felsen Horeb (Exod. 17, 6), die Besprechung 
Gottes mit Moses, die Enthüllung der Gesetze (Exod. 21 — 24), 
die neuerliche Besteigung des Berges durch Moses, Aaron, 
Nadab, Abiu und siebenzig der Aeltesten Israels (Exod. 24), 
der erste vierzigtägige Aufenthalt von Moses auf dem Berge 
zur Regelung des Gottesdienstes (Exod. 25 — 31), zweiter vierzig- 



^) Baudissin, II, 2ii. 

2) W. R. Smith, Lectures, in. 

3) Renan, Hist. du peuple d'Israel, 142 ff. 
*) W, R. Smith, Lectures, 426. 

^) Renan 1. c, 183. 



-* 273 — 

tägiger Aufenthalt des Moses behufs Entgegennahme der neuen 
Gesetzestafeln, Erscheinung Gottes, Erneuerung des Bundes 
Gottes mit Israel (Exod. 34). 

Weitere heilige, von Moses auf Bergen vorgenommene 
Handlungen sind (nach Baudissin): das Gebet um den Sieg 
Israels über Amalek (Exod. 17, 9), die Uebergabe des hohen- 
priesterlichen Amtes an Eleazar auf dem Berge Hör u. A. 
Dazu käme noch die Beschneidung der Söhne Israels mittelst 
»steinernem Messerc durch Josua nach der Ueberschrei- 
tung des Jordan am »Hügel der Vorhäute« (Jos. 5, 3). 

Besonders charakteristisch ist das Verscheiden von Moses 
auf dem Berge Nebo, das des Aaron auf dem Berge Hör 
(Deuter. 34 ff.). 

Für spätere Zeiten ist allerdings der Einfluss des kanaa- 
nischen Götzendienstes bei der Wahl von israelitischen Cultus- 
stätten unverkennbar. So in Rieht. 6. 26, wo Gideon auf Be- 
fehl Gottes auf einem Felsgipfel einen Altar an der Stelle 
eines Baalaltars errichtet. Vor Allem gilt dies gewiss von dem 
Carmel, wo nach I, Kön., 18 der berühmte Wettkampf des 
Elias mit den 450 Baalpriestern stattfand. Auch beim Tabor 
scheint eine derartige Verschmelzung von heidnischer und 
israelitischer Höhenverehrung stattgefunden zu haben.*) 

Bei diesen mannigfachen Berührungen zwischen Mono- 
und Polytheismus sind die häufigen Rückfälle der Israeliten 
in den primitiven Naturdienst sehr leicht zu erklären. Die 
Stätten des Jahwedienstes tragen denselben Namen wie jene 
der umwohnenden, mit den Hebräern verwandten Götzen- 
diener, nämlich Bäm6t (heilige Höhe). 2) Sie entsprechen auch 
ihrer Lage nach dieser Bezeichnung sowohl bei den recht- 
gläubigen wie bei den götzendienerischen Israeliten, '^ und 
bei den andern semitischen Völkern. 

In dem Kriege Ahabs gegen Benhadad, den König 
der Aramäer, schlug der letztere sein Lager bei Aph^g auf> 



^) Baudissin, II, 254. 
') Baudissin, II, 256. 
3) Baudissin, II, 255 ff., 26of. 
Andrian Höhencultus. lg 



— 274 — 

um in der Ebene einen Sieg zu erfechten, da er nach einer 
gegen die Israeliten verlorenen Schlacht in dem gebirgigen 
Samaria der Meinung war, der Gott Israels sei ein Berggott, 
dessen Macht sich nicht auf die Ebene erstrecke. Die Israe- 
liten lagerten ihm gegenüber hoch auf den südlich angren- 
zenden Bergen. Durch die prophetische Verheissung ermuthigt, 
dass sein Gott kein blosser Berggott sei, errang Israel einen 
vollständigen Sieg. ') 

Das erstarkte Königthum -) und die Priesterschaft mussten 
im Hinblicke auf diese Sachlage die wirksamste Waffe zur 
Aufiechterhaltung der reinen Gottesidee in der Abschaffung 
des Höhencults und in der Concentrirung des Cults von 
Jahwe beim Tempel von Jerusalem erblicken. Dieser Stand- 
punkt ist auch bei beginnender Auflösung des Reiches behufs 
Erhaltung der Einheit des Cults festgehalten worden. Das 
Nationalheiligthum wurde auf den Berg Sion verlegt, dessen 
geringe Höhe im Vergleiche zu den altberühmten Andachts- 
stätten deren symbolische Bedeutung gegenüber animistischer 
Verehrung hervortreten Hess. Doch hat schon Baudissin auf 
Jes. 2, 2 und Mich. 4, i aufmerksam gemacht, welche auch 
eine physische Erhöhung des Sion für die letzte Zeit, d. h. 
für die Ankunft des Messias in Aussicht stellen. 

Ganz sterben bekanntlich die animistischen Anschauungen 
bei einem Volke niemals aus. Auch die altberühmten Berge 
blieben noch lange Zeit ein Gegenstand der Verehrung. Vor 
Allem aber möchten wir auf den Cult des heiligen Elias hin- 
weisen, der so vielfach mit altberühmten Bergspitzen in Ver- 
bindung gesetzt wird. Die weite Verbreitung dieses Cults im 
ganzen Orient, die greifbare Verknüpfung desselben mit alten 
animistischen Culten würde eine Monographie über diesen 
Gegenstand wohl rechtfertigen. Derselbe hätte sich auch auf 
unsere Länder zu erstrecken, da ja, wie bekannt, bei den 
Südslaven Elias vielfach an die Stelle des alten Donnergottes 
getreten ist. 



1) Ewald, Gesch. Isr., III, 208. 

2) Ewald 1. c, III, 36. Baudissin, II, 260 f. Anm. 



— 275 — 

Hier sei nur seiner Verbindung mit dem Carmel gedacht. 
An dem Fusse dieses Berges wird eine Höhle gezeigt, in 
welcher Elias geboren sein soll. ^) Auf dem Gipfel des der Ort- 
schaft Safed (nördlich vom See Genesareth) gegenüber liegen- 
den Berges soll er einst wieder erscheinen und die Ankunft 
des Messias, welche auf dem Oelberg erfolgen wird, ver- 
künden. 2) 

Wenn auch die Verfolgung der Ausläufer jener Vorstel- 
lungen in der nachkanonischen Litteratur der Juden berufe- 
neren Kräften überlassen bleiben muss, sei doch noch des 
in vielen Beziehungen so merkwürdigen Buches He noch ge- 
dacht, welches, wie die nach den alten Traditionen der Than- 
naim im i. Jahrhundert unserer Aera zusammengestellte Kab- 
bala,*^) eine seltsame Verquickung von chaldäischen, persischen 
und griechischen Anschauungen mit dem Standpunkte der 
kanonischen Bücher darstellt. 

Die Engel des Himmels versammeln sich unter der 
Führung ihres Obersten Semjäzä auf dem Ardis, dem Gipfel 
des Hermon, und verschwören sich daselbst unter gegen- 
seitigen Verwünschungen, den Umgang mit Weibern der 
Menschenkinder aufzusuchen und mit ihnen Kinder zu er- 
zeugen. ^) 

Beim letzten Gerichte wird Gott auf dem Berge Sinai 
mit seinen Heerschaaren in der Fülle seiner Macht er- 
scheinen. ^) 

Weniger klar sind dagegen die in den Reiseberichten 
Henochs enthaltenen Beziehungen zu den Bergen. So wird 
Henoch auf einen Berggipfel geführt, den Ort des Sturm- 



^) H. Petermann, R. i. d. Orient, I, 296. 

*) H. Petermann 1. c, 159. 

3) Franck, La Kabbala, 50, vgl. Cb. V. 

*) Dillxnann, Das Buch Henoch, Abschn. II, 6. Hierauf bezieht sich 
wohl die Bemerkung des Hilarins Pictaviensis zu Psalm 132: Fertur autem id 
de quo etiam nescio cuius Über extat, quod angeli concupiscentes filias homi- 
num cum de coelo descenderent, in hunc mpntem conveneriat. Certe hodie 
gentes montem hunc profana religione veneFanttu*. 

5) Buch Henoch, I, 4. 

18* 



— 276 — 

windes, dessen Spitze in den Himmel reicht. Auf diesem 
Gipfel finden sich die Werkzeuge des Gewitters, Donner, 
Blitz, feurige Bogen u. s. w. aufbewahrt. ^ 

Weiters ist von sieben Bergen die Rede, *) welche gegen 
Süden und Osten liegen. Von den östlichen ist einer von 
farbigen Steinen, einer von Perlstein, einer von Spiessglas; 
die gegen Süden gelegenen drei Berge sind von rothen Steinen. 
»Der mittlere aber reicht bis in den Himmel, wie der Thron 
Gottes von Alabaster und die Spitze des Thrones von Saphir.« 
Diese Beschreibung wird noch später wie folgt ergänzt:^) 
»Von da ging ich an einen anderen Ort der Erde, und er 
zeigte mir ein Gebirge von Feuer, das Tag und Nacht loderte. 
Und ich ging auf dasselbe los, und sah sieben prächtige 
Berge, jeder verschieden vom andern, und prächtige (edle) 
Steine, Alles prächtig, von herrlichem Aussehen und schönem 
Aeussern : drei gegen Osten, einer über dein andern befestigt, 
und drei gegen Süden, einer über den anderen "befestigt, 
und tiefe gewundene Thäler, von denen keines mit dem an- 
deren zusammenstiess. Und der siebente Berg war zwischen 
diesen; in ihrer Höhe aber glichen sie alle einem Thronsitze, 
der umgeben war von wohlriechenden Bäumen. Und unter 
ihnen war ein Baum, wie ich noch nie einen gerochen hatte, 
weder von jenen, noch von andern; noch kam dem seinigen 
irgend ein anderer Duft gleich; seine Blätter und Blüthen 
und Holz welken in Ewigkeit nicht, und seine Frucht ist 
schön; es gleicht aber seine Frucht der Traube einer Palme.« 

Man wird trotz einzelner Abweichungen wohl nicht um- 
hin können, in der vorstehenden Beschreibung eine allerdings 
höchst einseitige Verarbeitung der Vorstellung vom »Welten- 
berge« zu erblicken, dessen siebenfache Gliederung der Pla- 
netensphäre nachgebildet ist. Dies würde uns auf dieselbe 
Quelle führen, aus der Henöchs Vorstellungen über Belebung 
der Sterne, gute und böse Sterne, Anführer der Sterne, Him- 
melsthore u. s. w. offenbar geschöpft sind. 

^) Buch Henoch, Cap. 17, 2, 3. 
2) Buch Henoch, Cap. 18, 6. 
3 Buch Henoch, Cap. 24, 1—6. 



— 277 — 

Die im Cap. 26 erwähnten Berge »in der Mitte der Erde« 
sind bereits von Dillmann •) auf die Umgebung des heiligen 
Jerusalem, und zwar auf den heiligen Zion-Moriah, sowie auf 
den Oelberg bezogen werden. An dem Fusse des in V. 4 
vorkommenden »niedrigen Berges«, des »Berges vom bösen 
Rath«, liegt das Thal Hinnom, der künftige Verdammnissort. 
Bezüglich der so unsicheren und für unseren Zweck uner- 
heblichen Identificirung der weiter von Henoch auf dessen 
Reise nach Osten zum irdischen Paradiese, welches an dem 
Ende der Erde liegt, berührten Berge muss ich auf Dill- 
mann 2) verweisen. Charakteristisch für diese Weltauffassung 
ist, dass auf die östlichen Berge die grösste Fülle der Flora 
und Fauna, ^ über dieselben das Paradies (der Garten der 
Gerechtigkeit) verlegt wird, während im äussersten Westen^) 
von sechs Bergen die Rede ist, von welchen je einer aus 
Eisen, Kupfer, Silber, Gold, Tropfmetall (Quecksilber, Zinn?) 
und Blei besteht. Im Westen auf einem grossen hohen Ge- 
birge mit harten Felsen und vier schönen Plätzen ist auch 
der Versammlungsort der Seelen der Todten bis zum Tage 
des Gerichts.^) 



Araber. 

Die Araber glauben an orakelspendende Steine, Felsen, 
Bäume und Quellen. Ob diese Objecte den Geist selbst dar- 
stellen oder nur eine Art von Absteigquartier für dieselben, 
ist meistens zweifelhaft. Jedenfalls sind in jedem Wandergebiet 
der Stämme vom nordwestlichen Arabien einige solcher menhel 
(descending places of the angels, nach Doughty) vorhanden,^ 



1) Dillmann 1. c, 130 f. 

2) Dillmann 1. c, 133 f. 

3) Buch Henoch, Cap. 29—33. 
*) Buch Henoch, Cap. 52, 2 — 9. 
*) Buch Henoch, Cap. 22, i — 14. 

ö) Doughty, Travels in Arab. Desert., I, 449. 



— 278 — 

in deren Nähe auch Gräber häufig angelegt sind. Es scheinen 
meistens Haine zu sein. Bezüglich der zahlreichen isolirten 
Kuppen von plutonischen, vulcanischen und sedimentären 
Gesteinen, welche aus der E^ene Centralarabiens emporragen, 
fehlt es sehr an Angaben. Doughty erwähnt allerdings, dass 
die Namen von Bergkuppen mit denen von berühmten Stäm- 
men zusammenfallen, •) und dass die letzteren sehr häufig 
ihren Ursprung von gewissen Bergen ableiten. Der Vulcan- 
kegel 'Anäz der Harra Aueyrid heisst bei den Arabern sheykh 
el-Aueyrid, den am südöstlichen Ende derselben Harra ge- 
legenen Vulcan J. Usshub nennen sie den Vetter des früher 
genannten. 2) Dabei finden sich auf verschiedenen hervor- 
ragenden Punkten dieser Harras künstliche Anhäufungen von 
Blöcken, welche verschiedenartig gedeutet werden*) und den 
Gedanken an irgend eine religiöse Bedeutung derselben wohl 
aufkommen Hessen. Jedenfalls verdient dieser Punkt schon 
mit Rücksicht auf die früher mitgetheilte Legende die Be- 
achtung künftiger Reisender. 

Die vorislamitischen Localgötter der Araber werden von 
Muhammed und dessen Schule in die vorsündfluthliche Zeit 
versetzt. Als Adam gestorben war, erzählt Ibn al Kalbi von 
seinem Vater, ^) setzten ihn die Banu Scheth bei in einer 
Höhle des Berges, auf den er (bei der Vertreibung aus dem 
Paradiese) herabgestürzt war, im Lande Hind^); der Berg 
heisst Nod und ist der fruchtbarste Berg in der Welt; man 
sagt im Sprichwort: futterreicher als Nod und gewundener 
als Barahut: letzteres ist ein Thal in Hatramant. Nun be- 
suchten die Banu Scheth den Leichnam Adams in der Höhle, 
erzeigten ihm Ehre und sagten: Gottes Barmherzigkeit 

^) Doughty 1. c, 1 41 8 erklärt dies mehr aus der fortificatorischen Be- 
deutung dieser Berge für die Behauptung der einzelnen Gebiete. Doch scheint 
daraus nicht erklärbar, dass diese Namen auch dann noch hartnäckig haften, 
wenn der betreffende Stamm längst fortgezogen ist. 

2) Doughty, 402. 

3) Doughty, 402, 43h 432. 

*) Well hausen (nach Jäküt), Reste arab. Heidenth., 11 ff. 
5) Nach Kazwin's Kosmogr. Ucbers. Ethe, I, 335 ist dies der Sarandib 
(Adamspik) auf Ceylon, der noch Adams Fussspur zeigt. 



— 279 — 

sei über ihm. Aus Eifersucht hierüber schnitzt ein Mann von 
den Banu Quäbil (Kain) ein Götzenbild. Derselbe Stamm 
verlor in einem Monate Wadd, Suva, Jaghuth, Ja'ug und Nasr. 
Die Abbilder derselben wurden in den späteren Generationen 
mit steigender Inbrunst verehrt. Die Mahnung des Propheten 
Henoch, zum Dienste des einen Gottes zurückzukehren, wurde 
nicht berücksichtigt, worauf Gott diesen Propheten nach einem 
hohen Orte entrückte. In der Sündfluth ging dieses Geschlecht 
zu Grunde; das Wasser stürzte jene Bilder von dem Berge 
Nod herunter auf die Erde und trug sie in den Nerad von 
Dschedda, von wo sie Amr b. Luhaij nach der Vertreibung 
der Gurhum auf den Rath seines Jiü Abu Thumäma holte 
und deren Cult in Tihama einführte. 

Ohne auf diese mit biblisch-apokryphischen Elementen 
verbrämte Legende ') viel Gewicht zu legen, müssen wir doch 
die mit unseren Anschauungen gar wohl vereinbare Ableitung 
des vorislamitischen Götzendienstes aus dem Ahnencult be- 
achten. Ebenso die von Ibn al-Kalbi bei dieser Gelegenheit 
hervorgehobene Unterscheidung zwischen dem Dienste der 
fünf noachischen Idole und dem altarabischen Steincult. 
Nach Wellhausen besitzen übrigens drei dieser Idole, näm- 
lich Wadd, Jaghuth und Ja'ük, durch die wahrscheinliche Ver- 
breitung ihres Cultes eine über blosse Localgötter hinaus- 
gehende Bedeutung. 

Gerade für die genannten drei Idole sind aber Bezie- 
hungen zum Höhencult, wenn auch nicht direct nachzuweisen, 
doch wahrscheinlich. 

Vom Wadd (Wudd) berichtet nämlich Jäküt,'*) dass Einige 
sagen, es sei der Name eines Berges, wie z. B. in dem Verse 
des Imru'1-Kais: »Und sie (die Wolke) lässt, wenn sie zu 
regnen aufhört, den Berg Wadd erblicken, sie verdeckt ihn 
aber, wenn sie Regen entsendet.« Andere sagen, es sei der 
Name eines Berges in der Nähe von Dschufäf ath-tha*labijja. 

Die von al-Kalbi (dem Vater des Ibn al-Kalbi) gegebene 
Beschreibung des Wadd, als eines sehr grossen Mannes mit 

^) Wellhausen 1. c, 13. 

2) Krehl, Rclig. d. vorislam. Arab., 61. 



— 28o — 

zwei Gewändern, einem Schwert, Bogen und einer Lanze 
u. s. w., würde damit nicht im Widerspruch stehen, da sich 
sehr leicht Verhältnisse denken Hessen, wie sie später beim 
Idol al-Fuls beschrieben werden sollen. 

Der Jaghuth^) befand sich auf einem Hügel, genannt 
Madhhig, dessen heilige Bedeutung dadurch documentirt wird, 
dass die Ahnen einer Anzahl von kriegerischen Stämmen nach 
ihm benannt sind. Nach Wellhausen muss angenommen wer- 
den, dass dieser Hügel sich in der Nähe der Stadt Gurasch 
befand, der wichtigsten Stadt des nördlichen Yemen. Die Be- 
deutung dieses Gottes als Schutzgott ergibt sich schon aus 
dessen Namen. Ob das Symbol dieses Gottes ein Felsblock 
war oder nicht, wissen wir nicht, jedenfalls musste dasselbe 
leicht getragen werden können, da es in dem Kampf gegen 
die Murad von den Besitzern des Idols mitgenommen wurde. 

Ueber den Standort des Ja'ük haben wir nur die An- 
gabe von Hal^vy: La colline en face de la ville de Ghayman 
est appelÄe Djebel Yaouq.^) 

Von den vorislamitischen Culten der Araber fällt vor 
Allem die Steinverehrung ins Auge, während die Angaben 
über Bergverehrung weniger klar sind. Die mir zugänglichen 
Andeutungen über die letzteren mögen hier folgen. Vor Allem 
sei auf die uralten Pilgerfahrten der Beduinen zum Berg 
Sinai hingewiesen. Ferner wäre zu erwägen, ob die beiden 
kleinen Höhen a9-Qafä und al-Marwa, welche ausserhalb des 
jetzigen Hofes der Ka'ba, jedoch noch innerhalb des dazu 
gehörigen heiligen Gebietes des Haram liegen, wirklich ur- 
sprünglich » Steingottheiten € symbolisiren, wie Jä*küt anzu- 
nehmen scheint. 3) Beide Höhen sind durch die heilige Lauf- 
strasse (Mas'ä) verbunden, welche, als Rest von präislamiti- 
schen Opferstätten, in den heiligen Umgang der Muhamme- 
daner (Tawäf) um die Ka'ba aufgenommen wurde. Bei der 
Opferstätte von al-Marwa hat sogar Muhammed noch ge- 
schlachtet. Dieses, einem alten Culte wenn auch widerwillig 



^) Wellhausen 1. c, 17. 

2) Hal^vy, Voy. au Nedjrän, p. 31 bei Wellhausen 1. c., 20. 

3) Wellhausen 1. c, 72. 



— 28l — 

gemachte Zugeständniss steht in offenbarem Widerspruche 
mit der späteren Legende, welche die genannten Anhöhen 
mit einem zur Strafe für in der Ka'ba begangene Unzucht in 
Stein verwandelten Paare in Verbindung setzt. *) 

Nach Ihn al-Kalbt^) soll der Stamm Tajj, der früher in 
Yemen, später nördlich von Medina in der Nähe der Berge 
Adschä und Salmä wohnte, das Gestirn Suhail (den Cano- 
pus), später aber das Idol al-Fuls (al-Fals) verehrt haben. 
Dies war eine rothe Felsspitze mitten auf dem Berge Adschä, 
einer Menschengestalt gleich, mit zwei berühmten Schwertern 
umgürtet, deren eines al-Mihdam und deren anderes Rasüb 
hiess, welche der ghassänitische König Häkit ihn Abu Samir 
dem Idol geschenkt hatte. Der Prophet schickte 'Ali dahin, 
welcher das Idol zerstörte. Die Schwerter brachte 'Ali dem 
Propheten, welcher eines umgürtete und dasselbe dann dem 
'Ali schenkte. Dies ist das Schwert, welches 'Ali fortan in 
Gebrauch nahm. 

Bezüglich der weiteren Nachricht, wie der Priester 'Adi 
ihn Hätim durch die Thatsache, dass der Götze Fuls die 
Verletzung seines Territoriums durch Malik ungerächt Hess, 
zum Christenthum und später zum Islam bekehrt wurde, sei 
auf unsere Quellen verwiesen. 

Von grosser Bedeutung für uns ist der Cult des Dhu'sch- 
Scharä. Leider ist derselbe noch nicht klargestellt. 

Suidas^) berichtet, die Einwohner der Stadt Peten in 
Arabien hätten den Gott Ares unter der Gestalt eines schwarzen, 
viereckigen, unförmigen Steines, welcher auf einem goldenen 
Sockel stand, verehrt. Hesychius nennt diesen Gott Aooodpiri 
und identificirt ihn mit Dionysos. Stephanus Byzantius sagt 
über ihn: »Dusare ist ein erhaben gelegener Ort in Arabien, 
so von dem Dusare genannt. Dieser wird nämlich von den 
Arabern und Dracharenern verehrt. Die Einyvohner heissen 
Dusareni wie Dachareni.« Nach Ed. Pococke ist Dusare iden- 



^) Wellhausen 1. c, 73. Kaswini, Kosmogr., Uebers. Eth6, I, 339. 

2) Krehl 1. c, 15. Wellhausen, 48. 

3) Krehl 1. c , 48 ff. de Vogue, Comptes Rendus de l'Acad. des In- 
scriptions et belies lettres, T. V, 73. Wellhausen, 45 — 48. 



— 282 — 

tisch mit dem . von den arabischen Schriftstellern erwähnten 
Dhu'sch-Scharfi". Dieser Dhu'sch-ScharS war nach Jäküt u. A. 
das Idol des Stammes Daus. Ein heiliges Territorium war 
ihm vorbehalten. Sein Cultus wurde durch den Islam unter- 
drückt. (Dhu'l-Kaflfain, der Zweihändige, ist nach Krehl iden- 
tisch mit Dhu'sch-Scharä). 

Nach Krehl findet sich der Cult dieses Gottes nicht 
bloss in den nördlichsten Theilen Arabiens, bei den Verfas- 
sern der sinaitischen Inschriften, und bei den Nabatäern in 
Peten, welch letztere nun auch als Araber gelten, sondern 
auch in Yemen, wo Ptolemäus und Stephanus von Byzanz 
eine Völkerschaft Dusareni kennen. Auch Tertullians Bemer- 
kung (ApoL, Cap. 24): »unicuique etiam provinciae et civi- 
tati suus est Deus, ut Syriae Astarte, Arabiae Dusares« be- 
weist die weite Verbreitung des Dhu'sch-Schara-Cults. 

Nach Levy, ^) Ed. Pococke u. A. hat dieser Gott seinen 
Namen von der grossen Bergkette, welche sich von Yemen 
nordwärts bis nach Syrien zieht. Diese führt bei den alten 
arabischen Schriftstellern den Namen Scherä (Sarä).'^) 

Dusares wurde mit orgiastischen Gebräuchen verehrt, 
welche nach W. R. Smith zu dessen späterer Identificirung 
mit Dionysius geführt haben. ^ 

Es hat aber gewiss noch andere Berggötter gegeben, 
deren Entdeckung künftiger Forschung vorbehalten bleibt. 
So macht Wellhausen auf den Berg Rammän im Lande der 
Tajj aufmerksam, dessen Name der eines aramäischen Gottes 
ist. Es lag dort das Grab eines berühmten Helden.^) 



Zeitschr. d. D. Morg. Ges., XIV, 465 ff. 

2) Krehl 1. c, 52. Wellhausen, 47 scheinen allerdings die Deutung 
des Dusares als Berggott abzulehnen, doch citirt Wellhausen 1. c, 45 aus dem 
Hadtth: Dhu'sch-Schara war ein Götze der Daus und al Hina war im Hima, wel- 
ches ihm geweiht war, und darin war ein Born von Wasser, das von einem 
Berge herabstürzend sich dort sammelte. Da liegt es vielleicht nahe, an den 
Fels von Dusares zu denken, von dem Steph. Byz. spricht. W. R. Smith, Lec- 
tures, 193. 

3) W. R. Smith I.e., 244. 
*) Wellhausen 1. c, 7. 



— 283 - 

Die Kosmographie von Kaswini •) hat interessante Züge 
arabischen Volksaberglaubens und Höhencults aufbewahrt, 
deren altheidnischer Ursprung trotz der monotheistischen Um- 
deutungen grösstentheils kaum zweifelhaft ist, wenigstens in 
den auf semitische Localitäten bezüglichen Ueberlieferungen. 

Wer auf dem Berge des Abu Kubais bei Mekka ein ge- 
bratenes Kopfstück isst, ist sicher vor Kopfschmerzen. Der 
Arwend und der Sabalän enthalten eine der Paradiesquellen. 
Auf dem Berge Thabir bei Mekka hat sich der Widder nieder- 
gelassen, den Gott zur Lösung des Ismail bestimmt hatte. 
Sein Hörn war an der Pforte der Ka'ba bis zu deren Zer- 
störung aufgehangen. In einer Höhle des Berges Thaur athal 
in der Nähe von Mekka hielt sich der Prophet mit Abu Bekr 
nach seiner Flucht aus Mekka auf. In einer Höhle des Berges 
Hira, drei Meilen von Mekka, in welcher fromme Mekkaner 
die Tahannut (Entsündigung) zu üben pflegten, brachte der 
Prophet, ehe noch die göttliche Offenbarung zu ihm kam, 2) 
alljährlich einen Monat zu. Dort besuchte ihn der Engel 
Gabriel. In eine Höhle des Berges Haudkuwwir, zwischen 
Hadhramaut und 'Oman, muss man gehen, wenn man die 
Zauberkunst erlernen will. Doch muss man zuvor Muhammed 
verläugnen. Auf dem Berge Rubwa bei Damascus soll Jesus 
geboren worden sein. Vom Berge Radhwa, der sieben Stationen 
von Medina liegt, sagt der Prophet: Der Berg Radhwa, dem 
Gott gnädig sein möge, hat uns gerne und wir haben ihn 
gerne. . . . Die Secte der Kaisaniten behauptet, Muhammed 
ihn el-Hasan Ibn el-Hanifijja wohne noch lebend in ihm und 
werde einst wieder kommen, um die Erde mit Gerechtigkeit 
zu erfüllen. Von dem Berge Errakim (bei Damascus), heisst 
es im Ko'^an : Hast du wohl bedacht, dass die Bewohner der 
Höhlen und Errakims eines unserer wunderbaren Zeichen 
verehren? Es soll derselbe der Berg der Siebenschläfer sein. 

Der Lampenberg (Dschebel-es-sirädsch) soll der Zufluchtsort 
derDschinnen sein. Auf dem Berge Scharaf elbagh auf dem Wege 



*) Kaswini, Kosmographie, Uebers. Dr. H. Eth^, I, 310 — 357. 
2) Sprenger, Muhammed n. d. Koran, 8. 



— 284 — 

nach Syrien, von Medina aus, sind zwei grosse Häuser für 
Götzen mit wunderbaren in Stein gehauenen Bildwerken. 

Die beiden Berge Eddil'ain liegen auf dem Wege von 
Basra nach Mekka nach der Seite von Hima Darijja hin. Der 
eine von beiden heisst die Rippe (eddil') der Banü Malik (der 
Bewohner von Mekka), welche einen Stamm von muslimi- 
schen Dschinnen bilden; der andere heisst die Rippe der 
Banü Schaisabän, eines ungläubigen Stammes der Dschinnen. 

Auf dem Gipfel des Timäm bei Hadhramaut ist eine 
Höhle, in welcher ein Schwert liegt. Wer dasselbe fortnehmen 
will, wird mit Steinen beworfen. 

Bezüglich des Tür (Tabor), des Oelberges, Sinai, Aarons- 
berges verweise ich auf Kaswini. Ich will nur noch des Käsijün 
bei Damascus gedenken, welcher die Fussspuren der Pro- 
pheten enthält, sowie eine Höhle (Bluthöhle), in welcher Kain 
den Abel getödtet haben soll. 

Die Vorstellung vom Gebirge Käf scheint schon früh 
in den islamitischen Ideenkreis gedrungen zu sein, da sie sich 
schon in den ältesten Commentaren zum Koran findet. Die 
»Encyklopädie der lauteren Brüder c enthält allerdings in den 
von Dieterici übersetzten Theilen nichts davon, während gleich- 
zeitige und spätere Kosmographen diese Idee wohl kennen. 
Wir fassen vor Allem den betreffenden Artikel ausjäküt') ins 
Auge, ohne jedoch dessen Etymologie des Wortes »Käf« 
einen andern als einen historischen Werth beizulegen. 

»Käf, mit der Aussprache des Käf, des Buchstaben des 
Alphabetes. Wenn es arabisch ist, so ist es genommen von 
dem Zeitwort der Vergangenheit von ihrem (i. e. der Araber) 
Worte : käfa athrahu (i. e. er verfolgte seine Spur), jaküfuhu 
kaufan (i. e. er verfolgte sie [die Spur] ein Verfolgen). ^ Das 



*) Jdküt geogr. Wort. F. Wüstenfeld, IV, 18. Die Uebersetzung hat 
Herr Dr. W.Hein freundlichst besorgt. Ich verdanke diesem kenntnissreichen 
jungen Arabisten gleichfalls den Hinweis und die Uebersetzung der Stelle aus 
Ibn-al-Faklh. 

-) Der Araber pflegt bei der Erklärung eines jeden Wortes sowol Im- 
perfect als Infinitiv neben dem Perfect anzugeben, z. B. Perf. : käfa, Imperf.: 
jaküfu, Inf.: kauf. 



— 285 — 

ist: er verfolgte seine Spur; also: Dieser Berg verfolgte die 
Spur der Erde und lief um sie herum. Was das im Koran 
genannte käf anbelangt,') so geht die Meinung der Erklärer 
dahin, dass es das die Erde umschliessende Gebirge sei. Sie 
sagen, es sei aus grünem Sabärdschada (Smaragd) und das 
Grün des Himmels stamme von seinem Grün. Man sagt, die 
Anfänge aller Gebirge gehen von der Wurzel des Berges Kaf 
aus. Einige behaupten, dass zwischen ihm und dem Himmel 
die Grösse der Gestalt eines Mannes sei (d. h. er ist über dem 
Berge einen Mann hoch erhaben) ; es wird gesagt (von Ande- 
ren): nein, der Himmel ist unmittelbar über ihm gelagert. 
Einige behaupten, dass hinter ihm Welten und Geschöpfe sind, 
die nur Gott, der Erhabene, kenne. Es gibt Leute, welche 
behaupten, dass zu dem, was hinter ihm liegt, der jüngste 
Tag und sein Gericht gezählt seien, und dass die Sonne in 
ihm verschwinde und aus ihm hervorgehe, und dass er der- 
jenige sei, der sie vor der Erde verberge. Die Alten nannten 
ihn Eiburs.« 

Ganz gleichlautend ist die Definition des Käf in der 
Kosmographie von el-Kazwlni^) : 

Die Interpreten sagen: »Das ist ein die ganze irdische 
Welt umgebender Berg, und zwar aus grünem Smaragd be- 
stehend, und von ihm rührt die Grüne (d. h. nach unseren 
Begriffen die Bläue) des Himmels her. Hinter demselben 
wohnen Menschen und Geschöpfe, die nur Gott allein kennt. 
Andere sagen: Es gibt keinen einzigen Berg unter allen 
Bergen der Welt, dass nicht eine seiner (unterirdischen) Ab- 
zweigungen mit dem Berge Käf zusammenhinge. Und wenn 
Gott irgend ein Volk vernichten will, so befiehlt er dem über 
diesen gesetzten Engel, irgend eine seiner Abzweigungen in 
Bewegung zu bringen, damit sie mit diesem Volke versinke, 
und so geschieht es.« 



^) Im Kordn trägt die 50. Sure an der Spitze den Buchstaben käf, ohne 
dass in derselben darüber irgend etwas gesagt würde. Die Commentatoren 
sind daher in der Erklärung desselben nicht einig. 

-) Kaswini, Kosmographie, Uebers. Ethe, T, 347. 



— 286 — 

Nach Hamdalläh KazwinT, (gest. 1349) im Nuzhat al 
Kulüb, ist der Kuh Alburz') »ein immenses Gebirge, anliegend 
dem Bab al abuab (Derbend am Kaukasus), viele Berge 
hangen mit ihm zusammen, so dass er von Turkestan bis 
Hedschas (Arabien) eine Kette bildet von tausend Farsang 
(1800 Stunden), mehr oder weniger, und darum sehen ihn 
auch mehrere, sagt Kaswini, für das Gebirge Käf an. Im 
Westen steht er in Verbindung mit den Bergen von Gurjestan 
(Georgien) und heisst Kuh Lagzi (der Lazi, d, i. der westliche 
Kaukasus); da gebe es, sagt das Werk Sur al akalim, ver- 
schiedenartige Völkerracen, so dass über siebzig verschiedene 
Sprachen darin im Gebrauche sind. In diesem Gebirge sind 
wunderbare Dinge, da wo es Schemschat (Samosata) und 
Malatiah erreicht, heisst es Kali kala, zu Antakiah (Antiochia) 
und Sakeliah aber Lekam. Da theilt es Sham (Syrien) und 
Rum. Da wo es zwischen Hems und Demeschk (Damaskus) 
sich ausbreitet, heisst es Libnan (Libanon), und bei Meccah 
und Medinah Arekh. Seine Ostseite verbindet sich mit den 
Gebirgen von Arran und Aserbaidschan und heisst Keik. Wo 
es Ghilan und Irak erreicht, nimmt es den Namen Terkel 
diz Kuh an; wo aber Kumesch und Mazanderan, da wird es 
Mawz genannt. Wenn dieser Alburz die Provinz Khorasan 
erreicht, heisst er Sunej«. 

Noch heute heisst der Kaukasus Käf käss = Käf des 
Satans (Hein). Wir dürfen vermuthen, dass die im Folgen- 
den anzuführende Stelle des Ibn-al-Fakih al Hamadhäni über 
dieses Gebirge auch dessen Identificirung mit dem Käf = Al- 
burs zur Voraussetzung hat, und dass dieselbe soimt für das 
zehnte Jahrhundert sichergestellt ist. Interessant ist es da- 
bei zu beobachten, wie unter dem mächtigen Einflüsse der 
ptolomäischen Weltanschauung der Arburz alle seine astro- 
logischen Beziehungen, welche wir bei den Eraniern kennen 
lernen werden, eingebüsst hat, während in den sieben Meeren 
von el-Kaswini, welche die Erde umringen, doch noch eine 
Spur solcher Beziehungen erkennbar ist. 



1) W. Ouseley, Trav., lll, App. 5 9. Ritter, Erdk., VllI, 554. 



— 287 — 

Es heisst bei Ibn al-Fakih^): 

Im Gebirge el-Kabk (= Kaukasus) gibt es 72 Sprachen; 
der Kundige einer Sprache kann nur mittels eines Dol- 
metsch eine andere verstehen. Es ist 500 Parasangen 
lang, geht vom byzantinischen Gebiete bis an die Grenze 
der Khasaren und Alanen, weiter bis zu den Slaven. Man 
sagt, dass dieser Berg der Berg el-*Ardsch ist, welcher 
zwischen el Medina und Mekka nach Syrien zieht, mit 
dem Libanon von Emessa und dem Sanir von Damascus 
zusammenhängt und überseht in das Gebirge von Antiochien 
und Mopsuestia (el-Massisa), wo er el-Lukäm heisst. Daran 
schliesst sich das Gebirge von Malatia und Schimschät und 
Kalikalä bis zum Khasarenland. In ihnen befindet sich das 
Thor der Thore (Bab el-abwab); dort heisst er el-Kabk. 

Das zähe Festhalten an der Tradition wird durch fol- 
gende Stelle aus dem grossen, 1870 in Beirut gedruckten 
Wörterbuch Mühit el-Muhit = das Umfassende des Um- 
fassenden, bewiesen*): Käf ist ein Berg, welcher die Erde 
umschliesst, er besteht aus Zumurrud (Smaragd). Es wird 
gesagt, dass es kein Land gebe, in welchem nicht eine 
Wurzel von ihm wäre, und dass auf ihm ein Engel 
wäre. Wenn Gott ein Volk verderben will, so befiehlt er 
ihm, da schüttelt er, und es verschwindet. 



Eranier. 

Nach Herodot's Zeugnisse verachteten die Perser jene 
Völker, welche in Tempeln ihren Gottesdienst abhielten, an- 
statt auf den Höhen und an den dem Himmel genäherten 
Orten» Es erschien ihnen als Frevel, die im ganzen 



1) Kitäb al-boldän von Ibn al-Fakih al-Hamadhänt, Bibl. geogr. ed. de 
Goeje, V, 295. 

2) Muhit el-Muhit, II, 1775. Nach der Uebersetzung von Dr. Hein. 



— 288 — 

Universum vorhandene Gottheit innerhalb Mauern einzu- 
schliessenJ) 

Graf Gobineau^) hat einen derartigen Andachtsort in 
der unmittelbaren Nachbarschaft der uralten Stadt Demavend 
beschrieben. Es sind dort Reste einer Construction (Terrasse) 
im Cyklopenstyl auf dem obersten Plateau eines hohen, 
überaus steil abfallenden Berges. Die Dimensionen und 
sonstigen Verhältnisse lassen den Gedanken an eine Be- 
festigung absolut nicht aufkommen. Nach der localen Tra- 
dition befand sich hier die Nakhor^-Khan^h, »die Tribüne für 
die Tambours von Zohak«. Hier hätten täglich beim Auf- 
und Niedergange der Sonne Männer mittelst Trommeln und 
langen kupfernen Trompeten Fanfaren aufgeführt. Es soll 
dieser Gebrauch noch heute beobachtet werden. 

Aehnliche auf den Gestirncult bezogene Plattformen auf 
hohen, steilen, meist isolirten Bergen, wie am Elwend, am 
Zingiv, Kala u. s. w. hat Porter beobachtet.^) Nach Herodot 
wurde der eranische Gestirncult auf Bergen ausgeübt. 

Auch die heiligen Feuer, wenigstens die berühmtesten 
derselben, wohnen auf Bergen.-*) 

Das erste ist Adar-Frobä; es wohnt auf einem Berge in 
Chorasnien, welcher der »glänzende« genannt wird. Unter 
der Regierung des Königs Gushtäsp veränderte dieses Feuer 
seinen Standpunkt und Hess sich auf dem Berge Rosan 
(Roshan, der glänzende) in Kabulistan nieder. Nach den Glossen 
zum Siroz heisst dieser Berg Kankara. Das genannte Feuer 
wird mit den Priestern in Verbindung gesetzt. 

Das zweite, noch berühmtere Feuer heisst Adar-gashasp, 
gehört den Kriegern an und wohnt auf dem Berge A9navanta 
in Atropatene, welchen Spiegel mit dem Savelän in der Ge- 
gend von Arbedil identificirt. Dieses Feuer folgte dem Könige 
Kai-Khosru und verhalf ihm zum Siege über seinen Neben- 
buhler Afräsiäb, sowie zur Zerstörung des Götzentempels in 



1) Herodot, I, 131, 132. Strabo p. XV. 

2) Gobineau, Hist. d. Pcrses, I, 31 ff. 

3) Kert Porter, Reise, 11, 548. 

*) Spiegel, Eran. Alterthk., I, 57, 621, 623 f. II. 45 f. 



~ 289 — 

der Umgegend des Sees Caecast, an dessen Stelle der oben 
genannte Feuertempel errichtet wurde. 

Das dritte Feuer, das Feuer der Ackerbauer, Burztn 
mihr, war heimatlos durch die ganze Welt geirrt und 
Hess sich unter Gushtasp's Regierung auf dem Berge Raevafita 
in Khorassan, östlich von Ni^apur, an der Ebene gleichen 
Namens nieder. 

Ausser diesen giebt es noch viele andere berühmte, als 
Wallfahrtsorte benützte Feuerberge. Spiegel erwähnt deren 
einige^), denen ich noch den Koh6 Gubs in Beludschistan 
und den in dessen Nähe gelegenen Koh^ Gwanka anschliesse. 
Beide gelten noch heute als gefürchtete und deshalb ge- 
miedene DämöiTensitze.^) 

Der Feueseult scheint auch häufig in hoch gelegenen 
Höhlefl' ausgeübt worden zu sein. Man findet solche Höhlen 
in den Gebirgen um den Urumiah und den Wansee, sowie 
in der Nähe \o& Artaxata, der alten Hauptstadt Armeniens. 3) 

Spiegel hat dargethari, dass die Verehrung des Feuers 
in ihren ältesten Formten sich bei den Ariern fast vollständig 
deckt und daher unzweifelhaft in die vorarische Zeit hinauf- 
reicht.**) Sie lässt sich allerdings auch bei den turanischen 
Stämmen, wie z. B. bei den Jakuten, nachweisen. Die ausser- 
ordentliche Ausbildtmg dieses Cults bleibt jedoch eine speci- 
fische Eigenthümlichkeit der eranischen Religion. H. Raw- 
linson ist geneigt, dieselbe dem Einflüsse des Magismus zu- 
zuschreiben, welcher innerhalb der turanischen Urbevölke- 
rungen von Armenien, Kurdistan, Luristan, Persien und 
Mesopotamien entstanden sein soll.^) 

Es lässt sich nicht läugnen, dass innerhalb dieser Ge- 
biete natürliche Factoren für eine Steigerung des Feuercults 



^) Spiegel, Eran. Alt., II, 47. 
^) Pottinge r. Reise in Beludschistan, 219. 
3) Kert Porter, II, 490. 
*) Spiegel, Arische Periode, 142 ff. 
^) Ausland 18S7, S. 883. 

^) H. Rawlinson, I. R. As. Soc, Lond., XV, 347. G. Rawlinson^ 
Five Monarchies, II, 345, 

V. Andrian, Höhencultus. ig 



— 290 — 

gegeben sind. Auf der Halbinsel Apscheron, in Medien wie 
in Mesopotamien strömen an vielen Punkten brennende Gase 
aus Spalten heraus. So beobachtete Stephan bei der Alpe 
Tyfendagh, nahe der Quelle des Chodjal-schai, im Haupt- 
kamme des Kaukasus, einen hohen, steil abfallenden Felsen- 
kamm, an dessen Spitze ein ewiges Feuer brennt^) Plinius 
erwähnt, dass in Baktrien alle Nächte der Gipfel des Cophan- 
tus brenne, welcher in Medien liegt, an der Grenze von 
Persien und Sittacene.^) Ammianus Marcellinus behauptet, 
dass der Name Naphta medischen Ursprunges sei.^). 

Wenn nun auch der Einfluss des ursprünglich tura- 
nischen Magismus auf die Entwicklung des Feuercultus im 
Allgemeinen zugestanden werden muss, so kann die Feu.er- 
verehrung auf Bergen keineswegs als directer Ausfluss 
turanischer Vorstellungen gelten. Wie verbreitet die Ver- 
ehrung der Berge und des Feuers bei den Turaniern 
auch ist, so finden wir bei ihnen die Verschmelzung beider 
Culte nur verhältnissmässig selten, und zwar bei Vulcanen. 
Dass diese Quelle der Bergverehrung auf die eranischen 
Bergfeuer nicht anwendbar ist, hat Spiegel dargethan.-*) Ein 
etwaiger turanischer Einfluss könnte somit nur durch Ein- 
schmuggelung von turanischen Localgottheiten (Bergdämonen) 
gewirkt haben, welche dann später mit den Feuergenien ver- 
schmolzen worden wären. 

Es ist nicht zu verkennen, dass die Umstände für die 
Erörterung derartiger Fragen dermalen noch äusserst un- 
günstig liegen. Der Werth unserer Hauptquelle, des Avesta, 
ist jedenfalls ein sehr bescheidener in dieser Richtung, da 
die älteren Anschauungen darin schon ganz verblasst er- 
scheinen. Wir entdecken dieselben nur mühsam in den 
zahlreichen Verwünschungen der Zauberer, in den flüchtigen 
Andeutungen über das Herunterzaubern des Verethragna, in 



1) Eichwald, B. 7, Casp. Meer, 1, i8.-'. 

2) Plinius, Nat. bist. IL 237 (I. p. IJ9 ed. Jan.) 

'■) Ammian. XXIII 6 38 (p. 284 ed. Eyssenhardt.) 
*) Spiegel, Zendavesta, III, Einl. 16. 



— 291 — 

den Anrufungsformeln der Götter. Es ist von Sünden gegen 
die Metalle, Bäume und gegen das Wasser, auch von einer 
Sprache der Vögel die Rede. Man kann vielleicht die Aus- 
schliessung der »Verfolger, Springer und Schreier« von dem 
Cult der Anahita auf ältere. Formen (schamanistischer) Dä- 
monenverehrung beziehen. 

Nun, finden sich jedoch in der nach gewissen Rieh-, 
tungen so reich bevölkerten Welt der guten und bösen 
Geister der Eranier weder Bergdämonen, noch überhaupt 
Dämonen, welche bestimmten Gliederungen der Erdoberfläche 
zugeschrieben wurden. Dies fällt umsomehr auf, als die 
Akkader, welche ein Glied jener turanischen Urbevölkerung 
3ein sollen, Dämonen der Berge, der Sümpfe, des Meeres^ 
der Wüste u. s. w. gekannt haben. ') Nach Spiegel's licht- 
voller Charakteristik der eranischen Genien und Dämonen 
gibt es bei den Eraniern Geister der Luft, des Wassers, der 
Winde, der Gewitter, der Dürre, der Krankheiten, des Asma 
u. s. w. Wenn sie auch zuweilen. Thier- und Menschengestalt 
annehmen (was Pott auf ursprüngliche Vorstellungen über 
Wolkenbildungen zurückführt), so sind sie doch weit abstrac- 
terer Natur, als die turanischen Geister. Sie werden ohne 
bestimmte Localisirung in den unendlichen Lichtraum oder 
in die anfangslose Finsterniss (die Hölle) versetzt. Etwas 
schärfer individualisirt sind die Fravashis, die Manen, welche 
von den Sternen aus die sämmtlichen Details der Weltord- 
nung überwachen. Sie schützen ihre Familien und Stamm- 
localitäten, doch ist ihre Thätigkeit von der Erde weg in 
den Himmel verlegt, so dass für unseren Zweck nichts Posir 
tives zu gewinnen ist. Sie wirken nämHch, wie Spiegel be- 
merkt, nur indirect, indem sie die Urquellen, aus welchen 
Wasser, Bäume, Winde entspringen, gegen die Angriffe der 
feindlichen Deyas beschützen und dadurch alle zahllosen, 
von bösen Geistern ausgehenden Wirkungen paralysiren. 



') Vgl. Lenormant, welcher in Chaldean Magic, S. 183 übersetzt: 
May the evil destiny depart into the desert and high places. 
') Vg^- Spiegel, Avesta, III, Farvardin-yast. 

19* 



— 292 — 

Jedenfalls dürfte Beachtung verdienen, dass die Fravashis 
(Farvardin-yast, Spiegel, Avesta III, iiif.) mit Bäumen und 
Wasser collectiv angerufen werden, aber nicht mit Bergen. 

Die Beziehungen von Geistern zu gewissen Bergen 
fehlen allerdings nicht gänzlich. So wird nach Spiegel die 
rein eranische Gottheit Arstät im Siroza mit dem berühmten 
Berge Ushi-darena angerufen, welcher nach dem Bundehesh 
in Segestän liegen soll.O Auch der Genius Zamyad,^) welcher 
über den zehnten Monatstag gesetzt ist, wird im Zamyad-yast 
(Khorda-Avesta 35) in Verbindung mit sämmtlichen grossen 
Bergen angerufen. Nach Aufzählung derselben folgt folgende 
charakteristische Stelle : »7: Es gibt also, o heiliger Zarathustra, 
vier Berge und vierzig und zwei hundert und zwei tausend. 
Wenn nun nachgeht den Bergen ein Reisender, so soll er 
immer ein Brot opfern für den Priester, den Krieger, die 
thätigen Ackerbauer. 8. Wegen ihres Glanzes und ihrer 
Majestät will ich ihr opfern mit hörbarem Preise : der starken 
königlichen Majestät mit Gaben etc.« In beiden genannten 
Fällen ist somit von keiner Localverehrung des betreffenden 
Gottes die Rede. 

Zweifelhafter ist das Verhältniss bei Apanm napät. Der- 
selbe ist eine männliche Wassergottheit, welche die Wasser 
vertheilt u. s. w. Anderseits ist jedoch Apanm napät ein Berg, 
und zwar kein mythischer Berg, sondern der Npat (Niphates) 
der Armenier, an dem der Tigris entspringt.^) Nun be- 
merkt Spiegel von diesem Gotte, der die Menschen ge- 
schaffen haben soll , dass derselbe ein Stück alt-arischen 
Glaubens repräsentirt, welcher in die majdaya9nische Religion 
hineinragt. Angesichts der von Spiegel beigebrachten That- 
sachen aus der indischen Mythologie-*) ist an dem arischen 
Ursprung dieser Gottheit kaum zu zweifeln, welche (wie die 
Drachen) in den Wolken oder in irdischen Gewässern verweilt. 



i) Spiegel, Eran. Alt. II. io8 f. 

2) Spiegel, Eran. Alt. II, iii. 

3) Spiegel, Eran. Alt., II, 5 f. 

*) Spiegel, Arische Periode 192. 



— 293 -- 

Sie steht in Beziehungen theils zum Arburj*)» theils zu dem 
Vouru-Kasha.^) Dass die Bezeichnung Apanm napat, Nabel 
der Gewässer, von den Eraniern einer für sie wichtigen 
Localität, dem Quellgebiete eines grossen Stromes, bei- 
gelegt wurde, vermögen wir leicht zu begreifen, ohne 
hieraus weitere Schlüsse über einen eigentlichen Bergcult zu 
wagen. Ist doch das Wesen der diesen Namen führenden 
Gottheit überhaupt nach Spiegel's Geständniss noch ganz 
unklar. Die Localisirung derselben auf einem Berge ist wohl 
spätem Ursprungs und somit der Gedanke an eine alt-arische 
Berggottheit gänzlich ausgeschlossen. 

Können wir somit die niedersten animistischen Formen 
des Bergcults bei den alten Eraniern nicht mehr nachweisen, 
so müssen wir die andern Gesichtspunkte aufsuchen, welche 
der efanischen Bergverehrung allenfalls zu Grunde liegen 
können. 

Die Berge sind nach Spiegel') die Knochen der Erde. 
Sie werden häufig im Avesta angerufen. So finden wir in 
in dem ältesten Theile desselben, den Gatha's (Ya9na, XLI, 
21), die Berge als Wasserspender gepriesen zusammen mit 
den Varas (nach Spiegel Wasserquellen und die dieselben 
umgebenden Oasen, Avesta, II, 141 Anm.). Spiegel be- 
trachtet allerdings die Stelle als späteres Einschiebsel (II, 142, 
Anm. 3). Die Vorstellung, dass die Berge Wolkensammler 
sind, findet sich insbesondere im Bundehesh, wo z. B. die 
Wolken um den Berg Hosindun sich sammeln, um von da 
auf die Erde niederzusteigen (Cap. XIII.). Im Cap. 46 
des Mainyo-I-Khard antwortet der Geist der Weisheit auf 
die Frage des Weisen : Warum die Berge geschaffen wurden ? 
folgendermassen: Die Berge, welche auf der Welt sind, mas- 
sigen und halten zurück die Winde; sie sind der Aufenthalts- 
ort und der Ruheplatz der Regenwolken ; sie zerstören Ahar- 



^) Spiegel, Avesta, 111, Abän-yast 72. Spiegel, Eran. Alt, 11, 51 ff. 
Nach Spiegel Zendavesta, II, 37 Anm. trägt Apanm napaj in den späteren Schriften 
den Namen Burj und die Bezeichnung berezat. 

■~) Yt. 19, 51. Spiegel, Zendavesta IIl, Einl. 19 f. 



— 294 — 

man und die Dämonen, bewohnen und beleben die Schöpfung 
des OrmuzdJ) Im Bakräm-yast 15 des Khorda-Avesta^) heisst 
es, dass die wasserreichen Wolken sich auf die Berge herab- 
senken. 

Wichtiger sind die Beziehungen der Berge zu den 
kosmischen Lichterscheinungen. Sie bilden die charakteristi- 
sche Eigenthümlichkeit des eranischen Höhencults und werfen 
zugleich ein gewisses Licht auf dessen Provenienz aus dem 
Gestirncult. Im Ya9na wiederholt sich öfters die Stelle: 
Ich wünsche herbei mit Preis (heiligen Gegenständen, Singen 
der Gathäs u. s. w.) : »für den Berg Ushi-darena, den von 
Mazda geschaffenen, mit reinem Glänze versehenen, für alle 
Berge, die mit reinem Glänze versehenen, mit vielem Glänze 
versehenen y von Mazda geschaffenen.« Ueber die Natur 
dieses Glanzes werden wir im 19. Fargard des Vendidad 92 
belehrt: »Wenn auf die Berge mit reinem Glänze sich setzt 
der siegreiche Mithra.« Im Mihr-yast des Khorda-Avesta 45 
wird Mithra gepriesen, dessen acht (?) Freunde auf allen 
Höhen, auf allen Warten spähend sitzen für Mithra, den 
Mithratrüger erspähend. Jene anschauend, Jene erinnernd, 
welche vormals den Mithra betrogen, die Pfade derer be- 
wachend, nach denen verlangen die Mithratrüger, die offen- 
bar die Reinen tödten, die Schlechten.^) Spiegel findet in 
dieser Stelle die spätere Anschauung vorbereitet, dass die 
tausend Ohren und zehntausend Augen des Mithra nichts 
Anderes sind als ebensoviel Freunde, welche für ihn das 
Amt des Sehens und Hörens versehen. 

Hieraus erklärt sich wohl ungezwungen die Verbindung der 
Berge mit dem Qarenö, der Majestät, im Zamyad-yast. Da 
Mithra, das geschaffene Licht, zugleich oberster Vermittler 
zwischen Ahura Mazda und den Menschen, Schützer der 
Verträge ist, lässt sich auch begreifen, warum einzelne Berge, 
z. B. Ushidao, als Sitze des Verstandes bezeichnet werden.^) 



1) Mainyo-I-Khard, Uebers. v. West 179. 

2) Spiegel, Avesta, III, 147. 

3) Spiegel, Avesta, III, 87. 

*) Spiegel, Eran. Alt, II, iii. 



— 295 — 

Ob dasselbe auch vom Berge Ushi-darena gilt, welcher be- 
wirkt, dass der menschliche Verstand an der rechten Stelle 
bleibt,^) ob dies aus dessen Verbindung mit dem Genius 
Arstät, oder endlich aus dem besonderen Verhältnisse her- 
rührt, in welchem die eranischen Herrscher zu jenem Berge 
gesetzt werden, mag vorläufig dahingestellt bleiben. Er steht 
an Bedeutung dem Alborj zunächst. 

Wegen der anderen, den Eraniern wichtigen Berge ver- 
weise ich auf das Zamyad-yast, sowie auf den 12. Abschnitt 
des Bundehesh. Für die Bestimmung der hier vorkommenden 
Bergnamen haben Spiegel und Justi das Möglichste ge- 
leistet.'^) 

Diese Berge werden einzeln angerufen oder collectiv. 
Das letztere z. B. im Berggebet (Khorda-Avesta LIX): Alle 
meine Sünden bereue ich mit Gebet (Patet). Alle Berge 
preisen wir, die mit einem Glänze, mit vielem Glänze ver- 
sehenen, von Mazda geschaffenen, reinen, Herrn des Reinen.^) 

Die Berge werden endlich auch als Träger der Haoma- 
pflanze gepriesen. So lesen wir im Cap. IX. des Ya9na 6: 

6. Ich preise die Wolke und den Regen, welche 

deinen Körper wachsen machen auf den Gipfeln 
der Berge. 

7. Ich preise die Berge, die hohen, wo du, o Haoma, 

wuchsest. 
Ferner 27 ff.: 

Dich, den grossen Spender der Weisheit, setzte 
ein kunstreicher Gott nieder 

28. auf hohen Bergen, dann haben dich von dort die 

mit heiligen Kennzeichen versehenen 

29. Vögel , die überall hinfliegenden , hinweggetragen, 

die hochfliegenden, zu den Höhen oberhalb der 
Adler. 



^) Spiegel, 1. c. 109, Khorda-Av. Ormuzd-yast heisst er, > der Verstand 
verleihende Berge 

2) Spiegel, Eran. Altk., I, 196. Avesta, III, Trad. Litt. Pars. 107. 
Windischmann, Zoroastr. Stud. i flf. Justi, Beitr. z. alt. Geogr. Pers. 

3) Spiegel, Avesta, 111, 4, 250. 



— 296 — 

30. Hin zu den Klippen, den Spitzen der Klippen, vor 

den Zacken, vor zackigen Wegen, hin zu den 

Gipfeln, den Wegen für die Vögel, hin zu den 
weissfarbigen Bergen. 

31. Daher wächsest du auf diesen Bergen in vielerlei 

Arten, o Haoma, süsser, goldner. 

Nach alteranischer Vorstellung^) ist die Erde, das Karesh- 
vare Qarinatha, von Wasser umgeben, dem Meere V6uru- 
Kasha. Ein mächtiges Randgebirge, die Hara-berezaiti, um- 
gibt dieses Meer und hindert dasselbe, auszulaufen. Die 
Hara-berezaiti oder der Arburz, der grosse Herr, der Nabel 
der Gewässer, bildet aber auch gleichsam das Rückgrat der 
Erde, da alle übrigen Gebirge mit ihm in unterirdischer Ver- 
bindung stehen oder, nach dem Ausdrucke des Bundehesch, 
aus dessen Wurzeln herausgewachsen sind. Nach Cap. VIII 
Bundehesh kamen beim Emporwachsen des Arburz alle Berge 
in Gang. Der Arburz reicht bis in den Himmel ; er ist nach 
dem Pehlvi-Mythus in zweihundert Jahren bis zum Sternen- 
himmel, in den nächsten zwei Jahrhunderten bis* zum Mond- 
himmel, in den späteren zwei Jahrhunderten bis zum Sonnen- 
lichte und endlich in der vierten gleich langen Periode bis 
zum Urlichte emporgewachsen.*') 

Der östliche Gipfel der Hara-berezaiti ist der Hukairya, 
von dem die berühmte Quelle Ardvi-^üra herabströmt. 3) Nach 
dem Bundehesh liegt hoch oben auf dem Hukairya ein See, 
von welchem das Wasser (die Ardvi-9Üra) gereinigt nach 
dem Vouru-kasha abfliesst.^) 

Ein anderer Gipfel der Hara-berezaiti ist der Taera, um 
welchen Sonne, Mond und Sterne kreisen und an dem sie 
aus- und eingehen. Er heisst im Räm-yast der »aus Eisen 
zusammengefügte« Berg^), nach Geiger »Erz enthaltend«. 



1) Spiegel, Eran. Altk., I, 191 ff. 

2) Spiegel, Eran. Altk., I, 191. Trad. Litt. Parsenll, 107. Windisch- 
mann, Zoroastr. Stud. 

3) Just i, Beitr., 7, Alt. G^eogr. Pers. 5. 

*) Bundehesh, 12,4—5; 22, ii. Geiger, Ostir. Cult, 48. 
5) Spiegel, Eran. Altk., I, 191. 



— 297 — 

Taera (Taira) heisst nach Geiger »dunkel«,*) dagegen ver- 
muthet Keiper, dass taera für taeghra = tighra stehe und 
somit »der spitzige c bedeute. 

Der Arborj (Albory), das Urland des Ahura-Mazda, ist eine 
Wohnung des Lichtes und des Glückes. Er enthält die weiten 
Triften des Ueberflusses; zu ihm steigen weder Nacht noch 
Finsterniss, weder kalter noch heisser Wind, weder Auf- 
lösung, die vielen Tod nach sich zieht, noch von den Devas 
geschaffener Schmutz, noch Wolken auf (Khorda-Avesta 
Rashnu-yast 15). An den zu ihm führenden Brücken ist der 
Stern Vanand als Wächter aufgestellt, damit die Devs, Fryas 
und Drujas die Bewegung der Himmelskörper nicht hindern 
können. Nach Vd. XIX führt am dritten Morgen nach 
dem Tode ein schönes Mädchen die Seele der Frommen 
auf der Brücke Cinvat über den Hara-berezaiti hinweg nach 
dem Himmel. 

Der Arborj ist der Wohnort der drei Gotter Mithra, 
^raosha, Rashnu. Sie sind die Götter der Gerechtigkeit, die 
Beschützer der Länder, die Todtenrichter. Von diesem seinen 
Wohnort her führt Mithra den Beinamen »weite Triften be- 
sitzender«. Er herrscht auf der »höchsten Höhe des hohen 
Berges, welcher den Namen Hukairya führt«, und umfasst 
von diesem, durch Ahura-mazda geschaffenen, durch die 
Amesha9pentas gefertigten Wohnhaus aus die ganze bekörperte 
Welt Von da steigt Mithra als der erste himmlische Yazata 
über die Hara vor der unsterblichen, mit schnellen Rossen 
begabten Sonne und umfasst zuerst mit goldner Gestalt die 
schönen Gipfel, dann den ganzen Ariersitz. Auf dem Hukairya 
verehrte Haoma den Mithra. Von hier aus bekämpft Mithra 
die Devas mit seinen mächtigen , ) stets bereitstehenden 
Waffen (Bogen, Pfeilen, Lanzen, Messern, Wurfspiessen, 
Keulen). 

Höchst innig sind die Beziehungen der ältesten 
Gestalten aus der eranischen Sagenwelt zum Alborj. Der 

1) Geiger, Ostir, Cult. 44. 

2) Vgl. Spiegel, Khorda-Avesta, Mithra-yast, ^rosh-yast. Rashnu-yast. 



— ^98 — 

erste mythische König, nach Spiegel und Hamza der erste 
Mensch überhaupt, Gayomard, wohnt am Arborj, obwohl der 
Berg nicht ausdrücklich genannt ist. Menschen und Thiere 
versammeln sich daselbst um ihn und bringen ihm ihre 
Verehrung dar. ') Nach Tabari soll Gayomard auch Gershäh, 
Herr des Berges, geheissen haben.*") Der erste König der 
im Avesta Paradhäta genannten Dynastie Haoshyagha(Husheng), 
der den Gebrauch des Eisens und des Feuers gelehrt haben 
soll, wohnte nach dem Avesta auf dem Berge Taera.^) Ueber 
den Wohnort des, übrigens semitischen Ursprunges verdäch- 
tigen Tahmurath erfahren wir ausser seinem während 30 Jahre 
auf dem unterjochten Ahrimah täglich vollführten Ritt um 
den ganzen Arborj (nämlich um die Welt) nichts Näheres, 
dagegen schliesst Spiegel aus Yt, 5, 25, dass Yem auf dem 
Arborj gewohnt habe, weil er am Hukairya opfernd darge- 
stellt wird.^) Nach Firdosi soll dieser Herrscher des gol- 
denen Zeitalters die vier Stände eingerichtet und dabei den 
Priestern den ersten Rang gegeben haben. Er wies ihnen 
die Berge als Wohnplätze; das Gebet als ihr vorzüglichstes 
Geschäft an.-^) Fredun wird, um den Vorstellungen des Dahak 
zu entgehen, nach dem Arborj von seiner Mutter gebracht. 
(Spiegel I, 539.) Auch Zal, der mit weissen Haaren zur Welt 
gekommene Sohn des Sam, wird wegen dieses Fehlers von 
seinem Vater arri Arborj ausgesetzt und wächst daselbst im 
Neste des Wundervogels Simurgh zu einem stattlichen Helden 
heran. 

Auch die zweite eranische Königsdynastie, der Kaiänier, 
leitet ihren Ursprung vom Arborj ab. Der Held Rustem holt 
deren Ahnherrn Kaiqobäd vom Arborj herunter.^) Dessen 



1) Spiegel, Eran. Altk., I, 508 flf. 

2) Spiegel, 1. c. I, 514 Anm. 

3) Spiegel, Eran. Altk., I, 514. Nach Spiegel ist Hushieng weder 
historische Person, noch Erzeugniäs der Volkspoesie, sondern eine dürre be- 
wusste Abstraction. 

*) Siegel, Eran. Altk., I, 519. Einl. Trad. Sehr, der Parsen, 11, 317. 
^) Spiegel, Eran. Altk., I, 525 f. 
6) Spiegel, Eran. Altk., I, 581. 



— 299 — 

Sohn Kaikäus, welcher nach seinen glücklichen Feldzügen 
nach Masenderan und Hämäverän (bis zum Berge Käf am 
Ende der Welt) die Herrschaft über die Dämonen, wie über 
die Menschen errungen hatte, baut mit Hilfe der Dämonen 
gewaltige Schlösser am Arborj,^) an einer mathematisch be- 
stimmten Stelle, wo Tag und Nacht immer gleich waren, 
mithin ein ewiger FiKihling herrschte. 

Der grösste Theil der Forscher erblickt in der Vor- 
stellung vom Arborj eine mythische Verarbeitung von sinn- 
lichen, durch eine grossartige Gebirgswelt hervorgerufenen 
Eindrücken. Wilhelm Geiger sucht das Lichtland, den Wohn- 
sitz des Mithra, im central-asiatischen Gebirgsplateau,'^) ohne 
zu verkennen, dass Hara-berezaiti später ein Wandername 
geworden ist, welcher sowohl am Arborj des Kaspischen Meeres, 
als am Kaukasus haftet.^) 

Nach Geigerist die Rolle, welche der Arborj in der Kosmo- 
logie des Bundehesh spielt, im Avesta noch vollkommen un- 
bekannt. Dieser Name kommt überhaupt in dem allseitig 
als ältesten anerkannten Theile des Avesta, den Gathas, nur 
einmal vor (Yt. XLI, 24), und zwar an einer Stelle, welche 
Spiegel als später interpolirt ansieht,^) da sie Vorstellungen 
enthält, welche entschieden der späteren Parsenreligion an- 
gehören. Nach demselben Gelehrten theilt die indische Sprache 
das Woit hara keineswegs mit dem Eranischeni Eine solche 
gemeinsame Bezeichnung ist Giri = Gairi (Avesta).^) Ein 
"Zusammenhang von hara mit dem hebräischen har (Berg) 
wurde von Spiegel früher mit grösserer Bestimmtheit ange- 
nommen, als dies in dessen neuester PubHcation der Fall ist.^) 

Spiegel, Eran. Altk., I, 594. 

2) J. W. Geiger, Ostiran. Cult. 42 ft. Vgl. Burnouf, Comm. s. 1. 
Yagna 239. 

3) Geiger, I.e. 43; Geiger, Vaterl. u. Zeitalt. d. Avesta. Sitzungsb. 
d. Münch. Akad. 1884, 331. 

*) Spiegel, Avesta, II, 142 Anm. 3. 
*) Spiegel, Ar. Per., 26. 

ö) Spiegel, Avesta, II, 37 f., Anm. 4. Arische Per. 29. Windischmann 
hat bekanntlich diesen Zusammenhang in Abrede gestellt. (Zor. Stud.) 



— 300 — 

Wenn somit der Arborj keineswegs dem ältesten Vorstel- 
lungskreise der Eranier angehört, dürfte wohl auch der Ver- 
muthung Darmesteters eines arischen Ursprunges der auf 
den Arborj bezüglichen Mythen der Boden entzogen sein. 
Nach Darmesteter ist der Hara-berezaiti identisch mit der 
Wolke und mit dem Meere Vouro-kasha. »Der Berg, wo die 
Sonne aufgeht, der Berg, wo die heiligen Feuer ruhen, das 
Meer, wo das himmlische Licht ruht, sind ihm nur drei 
verschiedene Formen desselben Objectes, der Wolke.« ^) 

Charakteristisch bleibt es, dass der gelehrte Verfasser 
nicht im Stande ist, auch nur eine Stelle aus dem Avesta 
beizubringen, aus welcher der Charakter des Arborj als 
Wolke klar hervorgeht, und welche somit den vielen dies- 
bezüglichen Stellen des Rigveda an die Seite zu setzen 
wäre. So weit mir bekannt, fehlen übrigens im Eranischen 
auch die linguistischen Voraussetzungen'^) für die metaphorische 

*) Darmesteter, Ormuzd et Ahrimao, 139. Wie leicht diese Schule 
manchmal sich die Deutungen macht, mag man I. c. 137 entnehmen: Ȥ 11 7. 
Quand Ahriman fit son invasion et per^a la terre, les montagnes parurent sur 
la terre (Bundehesh Cap. 8). Traduction en langage mythique: Quand la 
lutte orageuse commence, les montagnes se dressent.« Hier ist doch offenbar 
von einer Durchbrechung der Erdrinde die Rede, somit von Spaltenbildungen, 
aus denen Dampf und allerlei schädliche Emanationen hervorbrechen. Die 
Berge werden als aus derselben Quelle hervorgequollen betrachtet. Wir haben 
also eine plutonische Hypothese in mythischem Gewände vor uns, zu deren 
Aufstellung die Beobachtung der Vorgänge von Demavend wohl die besten 
Anhaltspunkte darbot. 

-) Paurvata im Avesta zweimal belegt: 

1. Yasht XIX, 3 (vgl. Westergaards Ausgabe v. 280); (bei Geldner 
noch nicht erschienen): ädaranagca bayana^ca ishkatäca upäiri-^a^na kaQO-tafedhra 
vafrad va hamankuna paurvata ashta vagnopaurvata ashta aurvanto frä- 
vaükavo cathwdr6 vidhwana kaopho. 

(Spiegel übersetzt): Und Adawaua, Bazaua, Iskata, der oberhalb der 
Adler ist, Katigotafedhra, Vafra, zwei Berge Hamankuna, acht Berge 
Vagna, acht starke Berge Fravanku, vier Vidhwana, 

2. Ya^na, X, 31 (Westergaard, X, 12, S. 31); Geldner- Ausgabe, siehe 
52, I : fiat ähva paurvatähva pourugaredho veraodhah^. 

(Spiegel übersetzt): Daher wächsest Du auf diesen Bergen. (Anm. be- 
sagt »oder an diesen vielen Orten«.) 

An diesen beiden Stellen ist also eine Bedeutung Wolke geradezu 
ausgeschlossen. (Handschriftliche Mittheilung des Herrn Dr. Meringer.) 



— 301 — 

Verwechselung von Berg und Wolke, wie sie im Alt-Indischen 
durch die doppelte Bedeutung von parvata allerdings ge- 
geben sind. Wird doch an verschiedenen Stellen ausdrücklich 
betont, dass zum Arborj weder Dünste (Nebel) noch Wolken 
aufsteigen. Es kann somit von einer Auffassung dieses Ge- 
birges als Wolke keine Rede sein. Auch beweist das viel- 
fach angezogene Zamyad-yast, dass dem Arborj die gleiche 
Natur wie den übrigen Bergen zugeschrieben wurde. 

Da, wie wir gesehen haben, der Arborj bis zum an- 
fangslosen Licht hinaufreicht, fällt dessen oberer Theil mit 
dem Himmelsgewölbe, dem Himmelsberge, zusammen. Es 
ist das Wohnhaus des Mithra, »welcher so breit als die Erde 
festgesetzt ist, in der mit Körper begabten Welt, gross, un- 
beengt, hoch, breit, weiten Raum darbietend«. Nach dem 
Bundehesh hat der Arbory 360 Thore, durch welche die 
Sonne bei ihrem Auf- und Niedergange hindurchgeht Nach 
Spiegel wird auch in späteren Büchern die Vorstellung fest- 
gehalten, dass der Himmel aus einem festen, glänzenden 
Gesteine gebildet sei. Er heisst a9man, asman (Neup. 
äsman), was dem Sanskritwort agman = Stein entspricht. 
Auch im Avesta (Visp. 12, 10) findet sich nach Spiegel viel- 
leicht noch diese Bedeutung ; im Adjectiv a9mana, steinern, 
ist dieselbe erhalten. Im Farvardin-yast wird der Himmel 
wie folgt beschrieben : 2. Durch deren (der Fravashi's) Glanz 
und Majestät erhalte ich (Ahura- Mazda) jenen Himmel, o 
Zarathustra; der nach oben glänzt und schön ist, der diese 
Erde rings umgibt. 3. Er ist einem Vogel vergleichbar, der 
dasteht durch Himmlische gebildet, fest, ferne Grenzen habend, 
mit einem Körper von glänzendem Erze, glänzend auf den 
(der Erde), welchen Ahura -Mazda mit einem stern- 
besetzten Kleide bekleidet. . . . Nach späteren Ansichten ist 
der Himmel aus Stahl."^) Er ist nach dem Avesta von Ahura 
Mazda im Kampfe gegen Ahriman geschaffen worden und 



^) Spiegel, Eran. Altk., II, 109 f. Avesta III, 112. Avesta, Ter., 30. 
2) Spiegel, Eran. Altk., II, 109. 



— 302 — 

wird von den Fravashis vertheidigt, so dass Ahriman nicht 
mehr in die Geisterwelt eindringen kann.') 

Ueber die Provenienz und den Ursprung der Vorstel- 
lung vom Arborj kann freilich dermalen nichts Sicheres aus- 
gesagt werden. Dass trotz aller Verschiedenheiten eine ge- 
wisse Analogie mit dem Meru und dem um denselben grup- 
pirten Kosmos besteht, ist kaum zu bezweifeln. Der Ta^ra*^) 
hat dieselbe Bedeutung als Mittelpunkt der Welt wie der Meru. 

Anderseits wird wohl nicht verkannt werden, dass die 
eranische Bergverehrung im Allgemeinen weniger auf der 
Phantasie als auf der Reflexion beruht, und dass sie mit 
der Vorstellung von Arborj in Zusammenhang steht. Eine 
nähere Discussion des Ursprunges des eranischen Höhen- 
cults ist wohl enge mit der Frage nach der Provenienz des 
eranischen Gestirncults verknüpft. Sehr berufene Forscher 
sind wohl geneigt, für den letzteren, wie für die Idee von 
Qarenö einen semitischen Ursprung anzunehmen. Die im 
ersten Bande der Uebersetzung der Avesta von Spiegel ange- 
führten Momente verdienen gewiss volle Beachtung; leider 
ist es, wie Spiegel neuerdings betont, noch nicht gelungen, 
an der Hand positiver Thatsachen die Frage weiter zu 
bringen. 3) 

Mag auch zugegeben werden, dass der Mythus von 
Adar Gushasp aus der arischen Zeit stammt und für die 
Verehrung besonderer Feuer spricht,^) so gehört doch die 
eigentliche Ausbildung des Feuercults nachweislich nicht den 
ältesten Epochen* der eranischen Religionsgeschichte an. 
Werden doch die berühmten drei Feuer weder in den Keilin- 
schriften, noch im Avesta erwähnt.^) In noch höherem 
Grade muss dies von der Localisirung dieser Feuer auf 
Bergen gelten. Ich vermag in derselben nur einen wohl- 
durchdachten Synkretismus zu erblicken, ein Bestreben, den 



1) Vispered, B. 5, 8, 15. Spiegel, Eran. Altk., iio. . 

2) Justi, Beitr. z. alt. Geogr. Pers., 1, 6. 

3) Spiegel, Eran. Altk., II, 75. 

4) Spiegel, Ar. Per., 1671 
5 Spiegel, Ar. Per. 166. 



— 303 — 

Lichtcult mit dem Feuercult zu verbinden und zu ver- 
schmelzen. 

Endlich sei noch einiger mythologischen Züge ge- 
dacht, welche sich an einzelne Berge knüpfen. Auf dem 
Berge Manos, welchen Spiegel zu den zahlreichen Gipfeln 
des Arpagin (des Paropamisos nach Rawlinson) rechnet,^ ist 
Manoshcihr, Sohn des Manu, geboren. Auf diesen König 
aus dem ältesten eranischen Königsgeschlechte wird aber, 
der Stammbaum des Zarathustra zurückgeführt.^) 

Nach Shahrastani hat Ahura Mazda den Fravashi des 
Zoroaster in einen Baum (Haoma?, Spiegel) gethan, den er 
im obersten Himmel wachsen Hess und dann auf den Gipfel 
eines Berges in Adarbaijan verpflanzte; welcher Ismuvicär 
heisst. Spiegel hält jedoch diesen Namen für verschrieben 
statt Asnavandgar und vermuthet, dass hier der Savelän ge- 
meint sei. Dort habe Gott den Fravashi des Zoroaster mit 
Kuhmilch vermischt, welche von dem Vater Zoroasters ge- 
trunken wurde. Daraus sei dann Samen und dann ein Stück 
Fleisch in dem Leibe von Zoroasters Mutter geworden.*) 

Nach späteren Nachrichten ist die Wohnung des Pou- 
rushä9pa, des Vaters von Zoroaster, auf dem Berge Zebär.^) 

Die Unterredungen Zoroasters mit Ahura Mazda^) fanden 
nach Vendidad XXII, 53 statt auf »dem Berge, auf welchem 
die heiligen Fragen geschehen, der Höhe, wo die heiligen 
Fragen geschehen«. Während ältere Quellen berichten, Zoro-. 
aster habe aus Liebe zur Weisheit und Gerechtigkeit sich 
auf einen Berg zurückgezogen, wissen spätere Schriftsteller, 
dass er auf einem Berge bei Ardebil (Savelän?) geweilt und 
von da mit dem Avesta zurückgekommen sei. Der Berg 
soll während des Aufenthaltes von Zoroaster auf demselben 



') Spiegel, Avesta, lll, 250 und 4. 

2) Spiegel, Eran. Altk., I, 553. Just, Beitr., 2, u. 74. 

3) Spiegel, Eran. Altk., I, 687. 
*) Spiegel, Eran. Altk., I, 687. 
^) Spiegel, Avesta, II, 72. 

®) Spiegel, Avesta, I, 264. Altk. I 697. 



— 304 — 

in Flammen gerathen sein ; Zoroaster trat jedoch unversehrt 
aus dem Feuer heraus. 

Wie die Eranier behaupteten, dass ihre Könige vom 
Himmel gekommen seien, so sind sie auch bestrebt, dieselben 
nach dem Tode möglichst nahe an ihrem Ursprungsorte bei- 
zusetzen. Nach Diodor wurden die Könige der Perser in 
der Nähe von Persepolis in hohen, unzugänglichen Felsen- 
grotten begraben, in welche der Leichnam mittelst eigens 
zu diesem Zwecke construirter Maschinen hineingeschoben 
wurde. ^) 

Im Vendidad VI, 93 wird die Frage: Wohin sollen wir 
die Körper der Todten tragen, o Ahur Mazda, wo sollen 
wir sie niederlegen? dahin beantwortet: An den höchsten 
Orten, o heiliger Zarathustva. 94. Wo sie am meisten be- 
merken die fleischfressenden Hunde und Vögel. 95. Es 
sollen diese Mazdaya9nas diesen Todten befestigen an seinen 
eigenen Füssen und Haaren. 96. Mit Eisen, Stein oder Blei 
u. s. w. 

Dies wird noch heute bei der Anlage der parsischen 
Todtenthürme festgehalten, welche stets auf die höchsten 
Punkte gestellt werden, was oft grosse Kosten verursacht. 

Am schlimmsten ist es den Leichenbestattern selbst er- 
gangen. In dem dritten Fargard des Vendidad heisst es : 
Wenn er (der Leichenbestatter) alt, gebrechlich und zeugungs- 
unfähig wird, so sollen ihn die Mazdagläubigen so energisch, 
rasch und (des Weges) kundig als möglich auf den höchsten 
Punkt des Gebirges bringen und seinen Kopf um die ganze 
Haut (d. h. rings herum) einwickeln und ihn den Aasgeiern 
preisgeben.'^) 

Einen bemerkenswerthen Zug der eranischen Religion 
bildet der Umstand, dass auch die bösen Geister einen Berg 
als Versammlungsort haben. Sie steigen aus dem Reiche 
der Finsterniss unter der Erde herauf auf den Berg Arezura. 
Im Vendidad II, 22 fragt Zarathustra den Ahura Mazda : 



1) Chardin, Voy. en Perse, VIII, 383, 

2) Nach Geldner's Uebers. Studien zum Avesta, S. 153. 



- 305 — 

»Was ist zum Ersten dieser Erde am unangenehmsten?« 
Hierauf erfolgt die Antwort : »Die Ergreifungen (Empfängniss 
nach Spiegel) des Arezüra; wenn auf ihm die Daevas mit 
den Drujas von den Höhlen aus zusammenkommen.« Nach 
Vendidad 19, 140 kamen daselbst die Daevas zusammen, 
um zu berathen, wie sie Zoroaster, die Waffe, mit welcher 
man die Daevas schlägt, umbringen könnten. 

Der Arezura ist bekanntlich identisch mit dem Dema- 
vend. Die physischen Eigenthümlichkeiten dieses grossartigen 
Vulcans mussten die erwähnte Vorstellung wesentlich be- 
günstigen. Der grosse, nach Th. Kotschy^) 378 Schritt 
im Umfange messende, über 2 Meter tiefe Krater desselben 
stellte sich als Eingang zur unterirdischen Welt, als »Thor 
der Hölle« dar. Als Ausfluss derselben konnten die von den 
Besteigern des Gipfels am meisten gefürchteten ausserordent- 
lich starken Gasausströmungen gelten, welche nach Kotschy 
bereits im Thale von Sejale, oberhalb der Quelle Besmitschal 
auftreten und heftige Kopfschmerzen, sowie Reiz zum Er- 
brechen verursachen. 

Die Erdbeben, welche so häufig Masenderan erschüttern, 
sind das Werk des in Demavend von Frödun angeketteten 
Dahäk. Die Ueberwindung desselben wird noch heute in 
der uralten, von Erinnerungen an Dahäk angefüllten Stadt 
Demavend unter allgemeinem Jubel am 31. August ge- 
feiert.'^) 

Die Mythen von Dahäk führen uns auf das Gebiet des 
vielgestaltigen Schlangencultes ; Dahäk gehört zu jenen 
bösen Schlangengestalten, deren mächtigster Vertreter Ahriman 
selbst ist. Er heisst Azhis Dahäka und wird im Avesta als 
Schlange mit drei Köpfen beschrieben.^) 

Die Schlange und Eidechse ist dem Eranier ein 
schädliches und unreines Thier, das Symbol des Bösen. Nach 
dem Vendidad V, 120 schlägt sie lebend das Wasser, lebend 



') Kotschy, Pet Mittb. 1859, 49 flf. 
'-) Ritter, Erdk., II, i, 563. 
3) Spiegel, Eran. Altk. I, 530 ff. 
Andrian, Höhencuhus. 20 



— 30Ö — 

löscht sie das Feuer aus, lebend führt sie das Vieh den 
unrechten Weg, lebend schlägt sie dem reinen Manne einen 
Schlag, der das Lebensbewusstsein und die Lebenskraft be- 
schädigt. Wenn sie todt ist, verunreinigt sie nicht den, 
der sie getödtet hat. Im Khorda-Avesta (Farvardin-yast) wird 
Thraetona angerufen zum Widerstand gegen Krankheit, Fieber- 
hitze, Unreinigkeit, kaltes Fieber, gegen die Pein, die von 
der Schlange verursacht ist 

Die eranische Ausbildung der Schlangenvorstellung ist 
jedenfalls von der indischen sehr verschieden. Spiegel hat mit ge- 
wohnter Objectivität die früher geäusserte^) Ansicht, dass 
Dahäka der arischen Periode angehöre, aufgegeben und 
nachgewiesen,'') dass zwischen den Mythen über Dahäka und 
Vrtra so gut wie keine Analogie bestehe, ebensowenig wie 
zwischen dem erwähnten Varena, dem Wohnorte des Thrae- 
taona (Frödün), und dem indischen Varuna. Desto zahlreicher 
sind die Berührungspunkte mit dem Westen. (Zeus — Typhon, 
Apollo — Python, Hercules — Hydra.) Das Verbindungsglied 
werden wohl hier wie in so vielen anderen einschlägigen 
Fragen die Semiten liefern, deren Mythologie noch ver- 
hältnissmässig wenig bekannt ist (Tephön, phönicisch Cephün, 
Lenormant, Origines, 571). 

Fehlen den eranischen Schlangengestalten die speciellen 
Beziehungen zu atmosphärischen Vorgängen,^) so müssen 
wir auch ein Gleiches von ihrem Verhältnisse zu den Höhen 
der Erdrinde behaupten. Die Rolle, welche der Demavend 
dabei allenfalls spielt, beruht auf ganz anderen naturalistischen 
Elementen, nämUch auf der Voraussetzung, dass die Welt 
des Angromainyus die Finsterniss, das dunkle Erdinnere, ist. 
Die fast immer dem Menschen verderbliche »Reaction des 
Erdinnern gegen die Erdoberfläche« erschien dem Eranier 

Spiegel, Eran. Altk., I, 530. 

2) Spiegel, Ar. Per. 257 flf. Der Stern Tistrya ist der Regenspender. 

3) Es gibt allerdings eine Schaar von Dämonen, welche die schädlichen 
Wirkungen der Atmosphäre repräsentiren, doch wird ihnen nicht speciell die 
Schlangennatar beigelegt. So erscheint Apaoska, der Genius der Dürre, in 
Gestalt eines schwarzen Pferdes. Spiegel, Eran. Altk., II, 133. 



— 307 — 

als sichtbarster Ausdruck der finsteren Thätigkeit Ahrimans. 
Das Moment der Finsterniss war wahrscheinlich auch aus- 
schlaggebend, wenn man sich (phönicischer Typhon) die 
Wohnung von Schlangengöttern in finsteren Berghöhlen 
dachte. 

Dass desungeachtet die Vorstellung von auf Bergen 
vorhandenen Drachen nicht gänzlich gefehlt hat, beweist die 
Aufgabe, welche Lohrasp einem griechischen Edlen, Ähren, 
stellt, als derselbe um die jüngste Tochter des Kaisers an- 
hielt. Er sollte einen grossen Drachen erlegen, der auf dem 
Berge Sequilä seinen Aufenthalt hatte — eine That, welche 
Gushtasp an seiner Stelle vollführte.^) 

Aus der Vorstellung, dass die Daevas unter dem Dema- 
vend in der Hölle wohnen, ist oifenbar viel später die Locali- 
sirung der Divs unter zahlreichen einzelnen Bergen hervor- 
gegangen. So besitzen sie unter dem Berge Zemzem (SSO. 
von Wan) eine Stadt, 2) zu welcher die Höhlen der Um- 
gegend führen. Im Inneren des Berges kräht von Zeit zu 
Zeit ein verzauberter Hahn; es öffnet sich eine Thür und man 
kann eintreten, wenn es noch Morgen ist. Zu einer anderen 
Zeit verirrt man sich. 

Dagegen werden die weissen Divs, unter welchen die 
Heldensage wohl ausser den Naturverhältnissen auch die 
Gebirgsbewohner Masenderans in mythologischer Gestalt be- 
greift, später mit Vorliebe auf hochgelegene Punkte versetzt^). 
Man zeigt an vielen Orten deren Schlösser an steilen, schwer 
zugänglichen Felsen. Nach W. Ouseley wurde in der Nähe 
des Hochpasses des Eiburs Sewad Kuh der gewaltige Felsen 
Khaneh: Div-i-Sefid und eine hoch an demselben gelegene 
Höhle gezeigt. Sie- soll der Lieblingssitz des weissen Div 
gewesen sein. Noch jetzt sieht man daselbst seine Tochter in 
ewig jugendlicher Gestalt. In der Nähe befindet sich der Berg 
an welchem Rustem seine erste Schlacht gewonnen haben 



Spiegel, Eran. Altk., 1, 667. 

-) Wilbraham de Koch, D. kauk. Länder, 175. 

3) Chardin, Voy., VIII, 393. 



- 3o8 - 

soll. Die Häuptlinge dieser Bergbevölkerungen führen noch 
heute den Namen DivJ) 



Armenien. 

Die centrale Stellung des armenischen Hochlandes zu 
den antiken Culturen hat bereits Karl Ritter in schöpfe- 
rischem Blicke erkannt und scharf charakterisirt.^) Die tiefe 
Bedeutung dieses tektonischen Verhältnisses drückt sich auch 
in der Thatsache aus, dass die armenischen Gebirge zum 
Sammelpunkt von eranischen und semitischen Sagen 
geworden sind, welchen sich noch andere — turanische oder 
altajische, jedenfalls auch griechische Reminiscenzen beige- 
sellt haben. Ueberwiegend war in religiöser und cultureller 
Beziehung wohl der eranische Einfluss. Ueber die ältere 
Geschichte und die ethnographischen Verhältnisse Armeniens 
lässt sich selbst nach der Entzifferung der in assyrischer 
Keilschrift geschriebenen Inschriften der . Könige von Wan 
durch Sayce nichts Positives aussagen. 3) Es bleibt uns somit 
nur eine kurze Erwähnung der Mythen übrig, welche sich 
an die Gebirge Armeniens knüpfen, und zwar gebührt dabei 
die erste Stelle dem Ararat und seinen Verzweigungen. 

Moses von Khorene hat eine Variante der Dahäk- 
sage in armenischem Gewände unter der Gestalt des 
medischen Königs Astyages überliefert. Er bemerkt, dass 
Aitahag im Armenischen > Drache« bedeutet, und identificirt 
Astyages mit Piarasb (Dahäk)^). Nach Spiegel hängt Astyages 
mit Azhis Dahäka (azdehd, Schlange, Drache) zusammen.^) 



1) Ritter, Erdk., VI, i, 488 f. 

2) Ritter, Erdk., 364. 

3) E. Meyer, Gesch. d. Alt. 295 ff. 

*) Vgl. Mar Apas Catina. Hist. anc. d'Arm^nie. Coli. Langlois 
16, 40. 

*) Spiegel, Ar. Per. 261, 



— 309 — 

Dem Astyages wird ein schlechter, hinterlistiger Charakter 
beigelegt. Auch der Traum, welcher ihm sein bevorstehendes 
Schicksal verkündigt, ist dem persischen Original analog. Er 
träumt nämlich von einem hohen, mit Eis bedeckten Berge, 
auf dessen oberster Spitze eine purpurbekleidete Frau mit 
einem himmelblauen Schleier sitzt. Sie ist in Geburtswehen 
und gebärt drei Helden, von denen der eine, auf einem un- 
geheuren Drachen sitzend, sich auf das medische Reich 
stürzt. Astyages selbst deutet den Berg als den Sitz der 
Abkömmlinge des Haig, des Stammvaters der Armenier, 
d. h. den Ararat oder den freien Massis. Tigranes, der 
Ueberwinder des Astyages und der Anuisch, der Mutter der 
Drachen, trägt ebenso wie sein Sohn Vahaken den Beinamen 
» Drachentödter« . 

Astyages wird jedoch nicht in einem Berge angekettet, 
sondern einfach erschlagen. Dagegen findet sich der König 
Artavazd im Ararat angekettet, was Spiegel veranlasst, auch 
die Artavazdsage mit jener des Dahäk in Verbindung zu 
bringen. 

Der sonst den alten Mythen seines Volkes mit augen- 
scheinlicher Verachtung gegenüberstehende Moses schliesst 
das Cap. XXX seiner Geschichte mit den Worten: Bewun- 
derst du hier nicht unsere geschichtliche Wahrhaftigkeit, 
sowie dass es geglückt ist, das Geheimniss zu enträthseln 
über die Drachen, welche den freien Massis bewohnen? 

Ueber den geringen Werth der Darstellung des ge- 
nannten Schriftstellers sind alle competenten Beurtheiler voll- 
kommen einig. Aus dessen Schlussworten scheint jedenfalls 
hervorzugehen, dass der Ararat zu seiner Zeit als eine Heimat 
von Drachen und Schlangen galt, und dass Moses den Ver- 
such gemacht hat, diese Auffassung mit Anwendung der persi- 
schen Sage zu erklären. Dass sich um den Ararat eine 
Anzahl von Schlangensagen noch heute gruppirt, wird uns 
von Haxthausen berichtet^) Es wäre möglich, dass dieselben 
in die älteste Zeit hinaufreichen. Vor Allem verdient es 



^) Haxthausen, Transcaucasia, I, 315. 



— 310 — 

Beachtung, dass hier von Schlangen auf einem Berge ge- 
sprochen wird, welche Combination der eranischen Mythologie 
ziemlich fremd ist, oder doch nur sehr untergeordnet auftritt. 

Es gibt übrigens noch andere Schlangenberge in Ar- 
menien. So erzählt Haxthausen eine hübsche Sage von 
llan-Dagh (arm. Otzegar, Schlangenberg) am Araxes, südlich 
von Nachtschan.') 

Bekanntlich knüpfen die meisten Sagenkreise de» Se- 
miten über die Sündfluth an die Gebirge Armeniens an. Die 
mosaische Tradition nennt keinen speciellen Berg, I, 8, 4, 
sondern spricht nur von »Bergen der Landschaft Ararat« 
(Urartu der Keilinschriften). Die Localisirung auf dem Massis 
(Ararat) kommt jedoch schon in dem bei Josephus Flavius 
erhaltenen Fragment des Nikolaus von Damascus, eines Zeit- 
genossen des Augustus, vor.^) Sie ist in die Septuaginta, 
in die officielle armenische Kirche und wahrscheinlich dadurch 
in das allgemeine Volksbewusstsein eingegangen. Noch heute 
hegen nach Parrot die meisten Arnnenier die feste Ueber- 
zeugung von der Anwesenheit der Arche Noahs auf dem 
Gipfel des Ararat, welcher aus diesem Grunde nicht bestiegen 
werden darf. Die gelungene Besteigung des Gipfels durch 
Parrot wurde später allgemein abgeläugnet. In der armenischen 
Kirche zu Entschmiadsin wird ein Stück der Arche als Reli- 
quie aufbewahrt. Die damit verbundene Legende bestätigt 
die Unnahbarkeit des Berges.^) Uebrigens hörte Bor^, als 
er den Sepuh besuchte, denselben auch für den wahren 
Massis oder Ararat und das Asyl zur Zeit der Sündfluth 
erklären.'*) 

In dem babylonischen Sündfluthberichte des Berosus, 
sowie in den durch Smith entdeckten Keilinschriften wird 
der Berg, an dem das Schiff still stand, der Berg von Nizir 
genannt. In Col. VII, 33 (der Uebersetzung von H. Delitsch) 
heisst es: »Der Berg Nizir hemmte das Schiff und darüber 



\) Haxthausen, 1. c. I, 124. 
») Ritter, Erdk. X, 359, 363 f. 
3) Parrot, Reise z. Ararat, 135. 
*) Ritter, Erdk. X, 782. 



— 311 — 

hinfahren war ihm nicht möglich.« Unter dieser Bezeichnung 
ist der Djebel Djudi (Djebel Kardu) gemeint, welcher das 
mesopotamische Tiefland nach Norden begrenzt und den 
Schlüssel desselben . wie des kurdischen und armenischen 
Gebirgslandes bildet. Dieser Berg gehörte noch zum alten 
Armenien und es widerspricht demnach dessen Deutung als 
das Apobaterion Noahs nicht dem Wortlaute der Bibel, ') 
Diese Tradition hat sich nun bei allen syrischen Secten, bei 
den Orthodoxen, den Nestorianern u. s. w. erhalten. Sie ist 
ohne Zweifel, wie St. Martin vermuthet,^) durch die in Baby- 
lon heimischen Juden aus den chaldäischen Legenden ge- 
schöpft und auf die in dem Umkreise dieser Localität 
lebenden Völker und deren Religionen übergegangen. So 
behauptete Hussein Aga dem Reisenden J. Rieh, dass er mit 
eigenen Augen auf dem Djebel Djudi die Reste der Arche 
gesehen habe. Ein Dorf Nahrawan, welches sich an dem- 
selben befindet, soll seinen Namen von der Sündfluth haben. 
Nach syrischen Quellen soll auf dem Gipfel des Berges 
ein Kloster bestanden haben, in welchem zur Zeit des 
heil. Epiphanias noch Reste der Arche vorhanden waren.^) 

Auch an den Sipan Dagh, am Nordufer des Wan-Sees, 
knüpft die Localsage, dass die Arche Noahs sich erst an 
diesem Berge niederliess, ehe sie auf dem Ararat stehen 
blieb.'*) Nach einer anderen Sage soll an der Stelle des 
Sipan Dagh eine reiche Stadt gestanden haben. Sie wurde 
wegen der Sünden ihrer Einwohner durch drei Berge, welche 
später zu einem verschmolzen, verschüttet. 

Wir haben somit vier Berge in Armenien, welche mit 
der Sündfluthsage verknüpft sind. 

Bekanntlich ist auch das Paradies des Buches Moses I 
nach Armenien verlegt worden. Zu den verschiedenen hiefür 
in Anspruch genommenen, zum Theil durch Volkssagen belegten 
Localitäten tritt noch der mit dem Ararat durch den Alatag zu- 



1) Ritter, Erdk., XI, 721. 

2) St. Martin, Mem. d. l'Arm., I, 261 ff. Ritter, Erdk., IX, 722. 
.3) Ritter, Erdk., IX, 72 ff., XI, 154. 

*) Richard Wilbraham u. Koch, Kaukasische Länder, 173. 



— 312 — 

zusammenhängende Bing-Göhl-Dagh. Aus dessen Umgebung hat 
Koch*) folgende, in mannigfacher Beziehung merkwürdige Sage 
aufgezeichnet : 

Auf dem Bing-Göhl-Dagh (Berg der tausend Mann) 
sollen Adam und Eva in kindlicher Unschuld mit den damals 
noch harmlosen Thieren gewohnt haben. Nachdem sie aus 
demselben vertrieben waren, bewachte ein Engel den Ein- 
gang zum Paradiese. Ein Nachkomme Kains erstieg den 
heiligen Berg und erlegte den Lieblingsschwan des Hüters. 
Als Gott denselben wieder belebte, erschoss der wilde Kains- 
Sohn ihn zum zweiten Male. Da versetzte Gott den schönen 
Garten mit seinem duftigen Schmucke in eine andere, den 
Menschen unzugängliche Gegend, der See versiegte und mit 
ihm die vier Ströme, welche demselben entsprangen. Auf die 
Bitten der Menschen sickerten Quellen aus den Stellen empor, 
wo das Blut des heiligen Vogels vergossen war, und es 
bildeten sich die tausend Seen, welche nun wieder die vier 
Ströme speisten. 

Die Accommodation des Christenthums an die magistische 
Höhenverehrung drückt sich auch dadurch aus, dass der 
heil. Gregor, welcher Armenien dem Christenthum zuführte, 
den Berg Sepuh als Asyl erwähnte. Es wird ihm eine Höhle 
desselben als Hauptwohnort zugeschrieben; dieser Berg ist 
ihm speciell geweiht. Gregor selbst heisst in den Haisma- 
vurs (Biographie des Heiligen) der Berg von Taranghi.^) 
Eine Gefährtin desselben, welche ebenfalls eine Höhle in 
diesem Berge bewohnte, Santa Mane,^) ist schon von Hammer 
mit Göttin Nana identificirt, welche ursprünglich akkadischen 
Ursprunges, von den Chaldäern, Persern und Armeniern (bei 
letzteren als Anaitis) aufgenommen wurde. ^) Dieselbe hatte 
einen viel besuchten Tempel am Berge Sepuh. 



^) Karl Koch, Der Kaukasus, 5. 

2) Ritter, Erdk., X, 775. 

3) Ritter, Erdk, X, 779. 

*) Lenormant, Magie chez les Chaldeens, 105. Spiegel, Eran. Altk. 
II, 58 ff. 



- 313 — 

Kaukasusvölker. 

Der Kaukasus war den Griechen das Ende der Welt, 
die Wiege der Götter nach der deukalionischen Fluth. 
Das Geschlecht des Deukalion, des Sohnes von Prometheus, 
stammt vom Kaukasus. Am Fusse desselben, der Lager- 
stätte des Boreas, lag das Sonnenland Kolchis, das Ziel des 
Argonautenzuges, welcher nicht bloss den frühen Verkehr 
der Griechen mit dem Osten, sondern auch die. aus diesem 
Verkehre entsprungenen kosmischen Vorstellungen der Hellenen 
symbolisirt. 

Wie nach Peloutis, Histoire des Celtes, die kaukasischen 
Scythen eine wohlthätige Gottheit, Fromtheut, verehrt haben, ') 
so geht die Prometheussage noch heute bei den Ossen 
herum. ^) Sie zeigen die Stelle, wo in grauer Vorzeit ein 
Mann, der aus weiter Ferne gekommen war und ihnen viele 
Wohlthaten erwiesen hatte, von dem Padischah der bösen 
Geister zur Strafe dafür, dess er die Menschen dessen Heri;- 
schaft entzogen, an einen Felsen geschmiedet wurde. 

Zur Würdigung der vorgriechischen und ethnologisch 
gewiss bedeutsamen Vorstellungsschichten in der kaukasischen 
Bevölkerung muss die geographische Stellung des kaukasi- 
schen Isthmus in Betracht gezogen werden. Diese gross - 
artige Erdanschwellung bildet die natürliche Schirmmauer 
der eranischen Hochländer und Kleinasiens mit ihren Welt- 
culturen gegenüber den nördlichen, dem Nomadenthum lange 
preisgegebenen Tiefländern. Gerade dieses Verhältniss hat 
den Kaukasus den Einwirkungen der grössten Culturcontraste 
ausgesetzt, welche wir kennen, während anderseits seine Lage 
zwischen den beiden asiatischen Binnenmeeren den Conti- 
nentalhandel zwischen dem Osten und Westen an seinen 
nördlichen Abhängen entlang lenkte. Wir finden daher in 
diesen Gebieten, besonders im Daghestan,der Kurebene, im west- 
lichen Theile, eine bunte Menge von heterogenen Volkssplittern 



1) Haxthausen, Transkaukasien, I, 26. 

2) Koch, R. n. d. kauk. Isthmus, I, 220. 



— 314 — 

aus den nördlich und südlich angrenzenden Ländern, 
wie aus dem fernen Osten. Von ihren Verwandten und 
deren Weiterentwicklung abgeschnitten, durch die Gebirgs- 
natur ihres Wohnortes gegen die Absorbirung von Seite 
ihrer Nachbarn geschützt, blieben die meisten derselben in 
primitiven socialen Zuständen und erhoben sich nur zeitweilig 
und vorübergehend über dieselben unter der Einwirkung der 
benachbarten Culturkreise. 

Wenn auch die Fragen nach der Völkerstellung der 
Kaukasier im engeren Sinne und der Zeitpunkt der Einwan- 
derung auch der meisten ethnologisch bestimmbaren Völker- 
fragmente dieses Gebirges noch ungelöst sind, so können 
wir kaum bezweifeln, dass gewisse turanische Elemente seit 
uralter Zeit im Kaukasusgebiet vorhanden waren. Abgesehen 
von der »turanischen Urschichte« Mediens, welche sicherlich 
auch hier vertreten sein musste, kennen wir in historischer 
Zeit die Einfälle der ugrischen Chasaren (7. Jahrh. n. Chr.) 
und die wiederholten Einbrüche altajischer Völker bis ins 
17. Jahrhundert hinein, welche insgesammt mit Colonisationen 
endigten. 

Schon Buttmann hat die Medea, sowie ihren Vater 
Aeetes und ihre Mutter Persis, welche die Argonautensage in 
das Kaukasusgebiet verlegt, als Repräsentanten asiatischer 
Völker betrachtet.^) Er stützt sich hiebei besonders auf deren 
Charakter als Zauberer, welcher dieser ganzen Familie bei- 
gelegt wird. Dieser schamanistische Grundzug ist aber von jeher 
ein charakteristisches Erbtheil der Turanier gewesen.^) Weniger 
deutlich ist allerdings die specifisch turanische Provenienz der 
anderen mythologischen Ueberlebsel bei den heutigen Kaukasiem, 
des Glaubens an die Krankheitsdämonen,^ der Mantik aus 
den Schulterblättern der Schafe,^) des Waldcultus bei den 
besonders mit Finnen stark vermischten Tscherkessen, 
welche überdies noch heute Götter des Donners, Feuers, der 



^) Buttmann, Mythologus, II, 191. 

2) Lenormant, Magie chez les Chald^ens. 

3) Bayer, Berl. Zeitschr. f. Ethn. 18S4, S. 292. 
*) Ermann, Arch. 1842, S. 123. 



- 315 — 

Winde und Wässer kennen, und endlich des im Nachfolgen- 
den zu besprechenden Bergcultus, welche uns als Gemeingut 
primitiver Völker gelten. 

Die Namen der Argonautensage führen uns aber auch 
auf eranische Einflüsse, welche von jeher in den Kaukasus- 
ländern thätig waren und, wie es scheint, daselbst überhaupt 
alfe höheren Daseinsformen hervorgebracht haben. Diese 
Einflüsse sind erst spät der Cultur des Abendlandes gewichen, 
welche unter der Königin Thamar 1 174 — 1206 dem Kaukasus 
gi'osse Blüthe brachte. Im 16. Jahrhundert setzte sich endlich 
der Muhammedanismus fest. 

Die Folge dieser geschichtlichen Vorgänge besteht in 
einer überaus verworrenen religiösen Auffassung der Berg- 
stämme, welche zahlreiche Anklänge an die höheren Reli- 
gionen, jedoch in steter Anpassung derselben an den Elementar- 
cultus aufweist. Der heil. Elias wird der Donnergott, der heil. 
Johannes der Gott der Winde und des Wassers ; die heiligen 
Bäume erhalten Kreuze, welche verehrt werden, ohne dass 
das Volk noch deren Bedeutung kennt. 

Der Elbrus heisst bei den Russen Schat-gosa, bei den 
Tscherkessen Nasch' hamako (heilige Berg), bei den Abchasen 
Orfi If'gub, bei den Suanen Passa, bei den Karatschai Mingi 
Tau. Ganz allgemein scheint bei diesen Völkern der Glaube 
verbreitet zu sein, dass Niemand seinen Gipfel ohne besondere 
göttliche Erlaubniss erreichen könne. Deswegen legen die 
Anwohner einer Besteigung desselben grosse Hindernisse in 
den Weg. Auf dem Gipfel des Elbrus soll die Arche Noah's 
zuerst Grund gefunden haben. Als aber der Berg sich neigte und 
die Arche wieder in dieFluthen hinunterglitt, verfluchte Noah den 
Berg und segelte weiter, bis er dann zuni Ararat getrieben wurde. 

Die Abchasen behaupten, man höre aus den tiefen Felsen- 
klüften des Elbrus heraus oft Kettengeklirr und klagende 
Seufzer. Einst sei ein Mann ihres Volkes hinuntergestiegen und 
habe einen gewaltigen Riesen gefunden, der zu ihm sprach: 
>Du Menschenkind der Oberwelt, der du es gewagt hast, 
zu mir herabzusteigen, berichte mir, wie das Menschengeschlecht 
dort oben lebt. Ist das Weib noch dem Manne treu? Ist die 



— 3i6 — 

Tochter noch der Mutter gehorsam, der Sohn dem Vater?« Als 
der Abchase dies bejaht, da knirschte der Riese mit den Zähnen 
und jammerte: >So muss ich denn noch weiter hier unten 
eine Zeit seufzen und klagen.«^) 

Der Elbrus ist, sowie der Kasbek vorzugsweise der Sitz 
der Divs, jenes mächtigen Geschlechtes, welches vor Adam 
die Erde bewohnte, aber in Sünde verfiel und darauf von Gott 
hieher verbannt wurde. Nach einer persischen Sage wurden 
diese Divs von Haschenk auf einem Rosse mit zwölf Füssen 
bekämpft. Sie schleuderten Felsen auf ihn und tödteten ihn. 
Er liegt im Kaukasus begraben.^) 

Wie unzählige böse Dämonen auch nach der Ansicht 
der muhammedanischen Kaukasier den Kaukasus bevölkern, 
so haust deren Fürst Dschin Padischah besonders auf dem 
Elbrus. Hier finden wie auf dem Blocksberge die nächt- 
lichen Zusammenkünfte der Dämonen statt. ^) 

Als Kolenati im Jahre 1844 Anstalten machte zur Be- 
steigung des Kasbek, sagten ihm die Bewohner des Dorfes 
Kasbek und Görgetis: »Zwei volle Monate hindurch regnete 
es nicht; jetzt aber, weil du den Kirwan-Zweri besteigen 
willst, regnet und donnert es ; dadurch will dir Stani stai 
zeigen, dass dein Vorhaben Frevel ist.« Schon im vorigen 
Jahre hatte man ihm im Kloster Zminda Sameba gesagt: 
»Wenn du fasten wirst und Opfer bringst, so lässt dich der 
reine M e n s c h (Zani stai) hinauf«. Die Bewohner Gör- 
tschetis, welche weder Christen noch Muhammedaner sind, 
jedoch das Kreuz schlagen, kein Schweinefleisch geniessen, 
baten Kolenati, kein Schweinefleisch auf die Expedition mit- 
zunehmen, da die ihnen heiligen Orte des Kasbek dadurch 
verunreinigt würden.-*) 

In der Nähe von Görtscheti befindet sich ein Berg 
(257 M. über der Station Kasbek hoch), auf welchem eine vor 



^) H axthaus en, Transkaukasien, I, 26. 

-) Haxthausen, 1. c, I, 29. 

3) Klaproth, Reise, 298 ff. 

**) Kolenati, Bereisung Hocharmeniens und v. Elisabethopol, 27 u. ff. 



— 317 — 

787 Jahren von der georgischen Fürstin Tamara der heil. 
Dreifaltigkeit zu Ehren erbaute Kirche, Zmind Sameba, steht. •) 
Vier Werst davon auf steilem, mit Alpenrosen bedecktem Ge- 
birgskamme ist ein den Georgiern, wie den Osseten und In- 
guschen heiliger, durch eine Steinpyramide bezeichneter Ort, 
der Bethlem heisst Er ist durch einen Steinkreis abge- 
schlossen.2) An einem vom Kasbek östlich sich hinziehenden 
Felskamme befindet sich eine Höhle, welche Monastir ge- 
nannt wird, und in welcher sich die Eingebomen die Wiege 
Christi, Mariens Kleider und grosse Schätze versenkt 
denken.^ 

Die Osseten nennen den Kasbek Zeristi Jub (Christiberg); 
die Georgier dagegen Mquinvari (Eisberg). Auf ihn wird von 
Manchen die Prometheussage verlegt. Auf seinem Gipfel 
soll ein krystallnes Schloss stehen und dabei ein Tempel, in 
dessen Mitte eine goldene Taube schwebt. In den Felsen, 
unter der Region des ewigen Schnees, soll man unzählige 
künstliche Höhlen sehen, Wohnungen der Troglodyten oder 
späterer frommer Einsiedler. Eine Kette, die aber nur be- 
sonders fromme und begünstigte Leute sehen können, hängt 
herab. An ihr steigt man hinauf zum Zelte Abrahams und 
zur Wiege Christi.^) 

Ebenso wie am Elbrus haben am Kasbek die Divs 
gehaust, und gilt der letztgenannte Berg als besonderer Wohn- 
ort der Dschin.^) 

Ein dritter Fels des Prometheus ist der steile Kalkberg 
Quamli in der Randzone des Kaukasus Letschekum (Imere- 
tien). Sein Name soll im Georgischen >Rauch« bedeuten.^ 

Ausserdem gibt es im Kaukasus noch viele andere 
heilige Berge, welche Heiden, Muhammedaner wie Christen 
verehren. Ein solcher ist der Brutsabseli (heilige Scheuer, sonst 



') Kolenati, 1. c, 276. 

2) Kolenati, 1. c, 279. 

3) Kolenati, 1. c, 279. 

*) Haxt hausen, Transkaukasien, I, 26 f. 

*) Haxthausen, 1. c, 27. 

^) Dubois, Voyage II an mehreren Orten. 



- 3i8 - 

auch Dwaltha-Mta, besonders die höchste Spitze Sikara). Er ist 
den Osseten noch heiliger als der Kasbek. Niemand kann ihn 
ersteigen; Leute, welche die daselbst angehäuften Schätze rauben 
wollten, wurden mit Blindheit gestraft. Wo auf demselben 
Eis und Schnee liegt, waren einst üppige Pflanzen. Auf ihn 
werden mythische Könige gesetzt, welche einen Stern vom 
Himmel aufheben mussten, um das Glück ihrer Unterthanen 
zu sichern. Auch die Königin Thamar soll hier ein Schloss 
gehabt haben. Eine Dienerin öffnete in ihrer Abwesenheit 
das Kästchen, welches den Stern enthielt, so dass derselbe 
zum Himmel flog, worauf dann unendlicher Schnee fiel und 
die grünen Matten des Brutsabseli bedeckte. Auch die Fluth- 
sage wird daselbst in ähnlicher Weise wie beim Elbrus lo- 
calisirt.^) 

Wir wenden uns nun zur Betrachtung einzelner Frag- 
mente aus dem im Kaukasus angehäuften Völkerconglomerate. 

Vorerst sei des eranischen Gliedes dieser Bevölkerung ge- 
dacht, der Osseten. Schon Grimm bezeichnet es als sehr 
merkwürdig, dass dieselben den h. Elias als Donnergott ver- 
ehren. Sie preisen einen Blitzerschlagenen als glücklich und 
glauben, Elias habe ihn zu sich genommen. Die Hinter- 
bliebenen erheben ein Freudengeschrei, singen und tanzen 
um den Leichnam, Alles strömt hinzu, schliesst sich dem 
Reigen an und singt: Ellai Ellai eldaer tschoppai (o Elias, 
Herr der Felsengipfel). Neben dem Steinhaufen des Gras- 
hügels wird eine grosse Stange mit dem Felle eines schwarzen 
Ziegenbockes aufgerichtet. Sie flehen den Elias an, ihre 
Felder fruchtbar zu machen und den Hagel abzuwenden. 
SelbvSt die Muhammedaner nennen in ihren Gebeten zur Ab- 
wendung eines Gewitters den Namen Iljas.^) 



') Koch, Reise, VI, 65. 

2) Grimm, D. Myth., 4. Aufl., I, 145. Klaproth, Voyage, II, 260. 
Ol aar i US, Reisebeschr., 1647, 527. Dazu noch folgende Parallelen aus 
Bosnien durch Dr. Fr. S. Krauss gesammelt: 

Der Ort, wo ein Blitz eingeschlagen, wurde mit einer steinernen 
Mauer ehedem eingehegt. Jeder Vorübergehende warf noch einen Stein 
dazu. Die Donnerkeule galt aber seit jeher als besonders heilkräftig. 



— 319 — 

Nach Klaproth^) haben die Osseten ausser den Ueber- 
resten alter Kirchen in den Gebirgen heilige Orte, Höhlen, 
Felsen und Steinhaufen an gefährlichen Stellen, wo sie beten 
und sich von den Greisen wahrsagen lassen. Diese Orte 
sind besonders dem heil. Elias, ausserdem dem heil. Georg, 
heil. Nikolaus oder dem Erzengel Michael geweiht. Wenn 
einer derselben einer Gefahr entronnen, oder wenn die Osseten 
sich zu einer grossen Unternehmung vorbereiten, kniet der 
Ortsvorstand an einem dieser Orte nieder, betet, opfert Speise, 
besonders gesalzenen Fisch, oder ein Stück Gewand. In den 
dem heil. Elias geweihten Höhlen opfert man Ziegen, deren 
Fleisch gegessen wird, während man das Fell auf einem 
grossen Baume aufspannt. An dem Festtage des heil. Elias 
werden diese Felle besonders verehrt, damit der Prophet den 
Hagel vertreibe und reiche Ernte gewähre. Die Osseten be- 
geben sich oft zu jenen Stätten, berauschen sich mit dem 
Rauch des Rhododendron caucasicum, schlafen dort ein und 
betrachten ihre Träume als Vorbedeutungen, nach welchen 
sie ihre Handlungen regeln. Ueberdies haben sie Auguren, 
welche die heiligen Felsen bewohnen und, gegen ein Ge- 
schenk, ihnen die Zukunft enthüllen. 

Eine der heiligsten Eliashöhlen befindet sich in einem 
steilen Felsen auf einem Plateau, welches einen Seitenbach 
des Kisil-don begränzt.^) Sie heisst Wats-Ilia-leghett^ (Höhle 
des Propheten Elias). Die Osseten erzählen von ihr viel 
Wunderbares. Ihr oberer Theil soll grün sein; innerhalb 



Nach dem Volksglauben schlägt kein Blitzstrahl in ein Haus, wo 
Schwalben unter dem Dache nisten. 

Vom Blitz gelähmte Menschen erfuhren immer eine grosse Verehrung 
oder auch das Gegentheil davon, sie erweckten Hass und Abscheu. 

Ein durch Blitzschlag entzündetes Haus mag Niemand gerne löschen, 
dienn Gott wollte den Besitzer des Hauses züchtigen. 

Auch den Litthauem gilt es ebenso wie den Osseten für etwas Heiliges, 
vom Blitze erschlagen zu werden. Dubois, Voyage autour du Caucase, 
IV, 452. 

') Voyage au Caucase, II, 253 ff. 

2) Klaproth 1. c, II, 137 ff. Vgl. Haxthausen, Transkaukasien, 

II, 17. 



— 320 — 

derselben befindet sich ein hoher Steinblock; in einer Ver- 
tiefung desselben ein silberner Becher mit Bier. Den 
Eingang kennt nur jene Person, welche jährlich daselbst die 
Opfer darbringt im Namen des Volkes. Um den Felsen 
herum weiden Heerden, ohne jegliche Aufsicht, nur durch 
den Heiligen beschützt. Tod und Erblindung würden Jeden 
treffen, welcher dieselben zu berauben wagte. Der Aufstieg 
gegen diese Höhle gilt wie ein feierlicher Schwur. 

Das Haupt einer Familie, deren Ahnherr einst auf 
wunderbare Art aus der Gefangenschaft errettet und in diese 
Gegend versetzt wurde, wallfahrtet jährlich zu dieser Höhle 
im Zustande vollkommener Reinheit, mit neuen selbstgefer- 
tigten Kleidern angethan. Während des von ihm darge- 
brachten Opfers erblickt er ein heiliges Licht; wenn der 
Becher mit Bier überläuft, weissagt er reiche Ernte, Ruhe, 
Frieden. 

Die Einwohner von Jimara, die Tagauren, die Osseten 
von Kurbat und Saka, feiern unterhalb dieser Höhle all- 
jährlich ein grosses Fest, bei welchem dem heil. Elias Bier, 
Ochsen und Hammel geopfert werden und der Priester dem 
Volke die verschiedenen Verheissungen verkündet, welche 
ihm zu Theil wurden. 

Eine ähnliche Höhle gibt es nach Klaproth an dem 
Gnal-don; sie heisst Gnala-Farnighidage. 

Um die Ruhe der Seelen ihrer Verstorbenen zu sichern, 
haben die Osseten einen sehr sonderbaren Brauch, welchen 
sie Dogh nennen. Zwei oder drei Reiter erklimmen von 
einer Entfernung von ungefähr lo Werst einen steilen Berg. 
Derjenige, welcher zuerst den Gipfel erreicht, wird geehrt 
und von den andern bewirthet. Alle Anwesenden drücken 
ihre Freude durch Tänze und Schmausereien aus.') 

Wenngleich der heil. Elias eigentlich im ganzen Kau- 
kasus am höchsten steht, so haben einzelne Ossetenstämme, 
wie z. B. die Digoren, den heil. Nikolaus als Schutzpatron. 
Auch dieser wird wie der heil. Georg in Höhlen verehrt. 



*) Klaproth, Voyage, II, 260 f. 



— 321 — 

Einer heiligen Nikolaushöhle erwähnt Koch beim Dorfe 
Donifor, einer solchen des heil. Georg am Fiag beim Dorfe 
Dschigwiss.^) 

Auf der Höhe Tatar-Tup, am rechten Ufer des Terek, 
befinden sich Ruinen, welche die Osseten für heilig halten. 
Auch die auf der Spitze befindliche Waldung ist heilig. Nie- 
mand darf sie verletzen. Noch vor 150 Jahren war es üb- 
lich, gegen Ende August eine Wallfahrt zu diesem Berge zu 
machen, um Opfer zu bringen. Die Opfergaben bestanden 
aus Seide, Watte und Silbermünzen. Dieser Opferbrauch 
dauert noch heute. Man legt Alles um einen schönen Baum, 
der dort wächst. Alle Osseten sollen diesen Tag feiern ; den 
Berg besteigen aber immer die Einwohner von Aul Ardon 
und von Jellchott; sie feiern diese Besteigung mit einem 
Schmaus oben an der Spitze, zu dem sie Brennholz mit- 
bringen.2) 

An der Grenze von Ossien und Radscha, der nörd- 
lichen Provinz Imeriens,. liegt in der Nähe des Dorfes Zedisi 
der ungefähr 1000 Fuss hohe Elion-Mta, ein schroffer, uner- 
steiglicher Fels aus Thoneisenstein. Eine bedeutende Höhle 
ist in demselben, welche dem Elias gehörige Schätze ent- 
hält. Dieselben werden von Kobolden bewacht. Dies hin- 
dert jedoch die Einwohner nicht, dai-aus Eisenstein zur Ver- 
fertigung ihrer Werkzeuge zu gewinnen. 3) 

Von christlichen Kirchen im Ossetenlande erwähnt Du- 
bois jene des Ghergeti auf dem Gifpfet des Khveneche-Mta. 
Ghergeti war ein Heiliger oder eine Heilige (die Osseten 
haben das Geschlecht vergessen), welcher auf diesem Berge 
viele Wunder verrichtete. Die Kirche scheint von der Epoche 
der Königin Thamar herzurühren. Sie heisst auch Trininda 
Sam^ba, Kirche der heu. Dreifaltigkeit, und wurde früher nur 
am Ostertage geöffnet. Noch heute steuert jede Familie des 



^) Koch, Reise, II, 120. 

') W. Dolbescheff, Areh. Torscli. im u. Kaukasus, Berl. Zei(tschr. f. 
Ethnol. 1884, 5» 140- 

3) Koch, Reise, II, 84. 

V. Andrian, Höhencultus. 21* 



— 322 — 

Kh^vithales ein gewisses Mass von Gerste für den Unterhalt 
der dahin wallfahrtenden Pilger.') 

Auch die christlichen Osseten opfern noch vielfach in 
Höhlen, heiligen Hainen, auf uralten Altären und auf hohen, 
künstlich aufgethürmten Steinhaufen. Haxthausen theilt ein 
höchst merkwürdiges, in der Form einer Litanei abgefasstes 
Gebet derselben mit, in welchem nach Anrufung Gottes, 
des heil. Georg, des heil. Michael, der Mutter Gottes folgender 
Passus vorkommt: 

Ihr Bergkirchen! Erbarmt euch unser! 

Ferner : 

Ihr Brussabsdi (die hohen Scheunenberge in Ossetien) 
und Ihr Apostel und Engel, die Ihr auf ihnen sitzt, wir grüssen 
euch und bitten, erbarmt euch derer, die euch grüssen und 
suchen !'-*) 

Georgier. Von ihrer ältesten Religion weiss man 
wenig; nur soviel ist bekannt, dass sie auf Bergen und ge- 
heiligten Höhen sogar Menschenopfer brachten ; Eltern opferten 
daselbst ihre Kinder; an Festtagen wurden Tänze und Spiele 
aufgeführt. Dann kam eranischer Einfluss, bis die heil. Nino die 
Altäre des Heidenthums stürzte. Auf die heiligen Höhen wurden 
christliche Kirchen und Kreuze gesetzt; christliche Feiertage 
und Heilige traten an die Stelle der heidnischen. Der grusini- 
sche Schutzheilige ist der Drachentödter Georg (Kerki); die 
heidnischen Tänze und Spiele blieben.^ Diese Metamorphosen 
des Höhencultus drücken sich deutlich in der Verwendung der 
Berge, welche die alte Hauptstadt Mtzkh^tha umgeben, aus.^) 
Der Berg Armasi trug einst den Namen von dem ersten 
Könige Georgiens, Karthlos, welcher auch auf dessen Spitze 
begraben liegt. Pharnabad errichtete daselbst ein Idol des 
Armasi (Ormuzd) und auf dem Gipfel des benachbarten Zeda- 
ds^ni ein Idol des Zaddni. Der letztgenannte Berg trägt 



') Dubois, Voyage, IV, 269 f. Koch, Reise, 11, leitet den Namen 
von Kerki (Georg) her. 

2) Haxthausen, Transkaukasia. II, 19 f. 

3) Haxthausen, Transkaukasia, I, 100. 
*) Dubois, Voyage, IV, 239 ff. 



— 323 — 

gegenwärtig das Kloster Djvaris-Monastiri, dessen Namen 
von einem hölzernen Kreuze abgeleitet wird, welches die 
heil. Nino an die Stelle des Idols Zadeni setzte. Einige 
Namen von Bergen am linken Ufer des oberen Aragwithales, 
wie z. B. Kreuzberg, das Vorkommen von zahlreichen und 
viel besuchten Wallfahrtskirchen auf den Spitzen derselben,^) 
lassen vermuthen, dass ähnliche Verhältnisse in ganz Geor- 
gien obwalteten. So ist ganz nahe von Tiflis nach Koch ein 
noch stark besuchter heiliger Berg. 

Aus einem von Radde mitgetheilten Liede^) erhellt, dass 
die Grusiner noch heute an einen bösen Berggeist glauben. 

In Grusisch- Armenien befindet sich hart an dem Weiler 
Wortaplur ein kegelförmiger, mit Laubholz bewachsener 
Trachytberg. Auf ihm liegt eine im ii. Jahrhundert erbaute, 
dem heil. Sarkis geweihte Capelle, zu welcher an gewissen 
Tagen die gläubigen Armenier pilgern. 3) 

Die Dido (nach der georgischen Sage von Alexander 
dem Grossen vertriebene Einwohner von Mtskhetha) verehren 
die hohen Felsen, obwohl ein Theil derselben zum muham- 
medanischen Glauben übergetreten ist.**) 

Die T Uschi (im Tuscheti), welche, wie die Georgier, der 
griechischen Kirche angehören, verehren ebenfalls den heil. 
Elias auf hohen und steilen Felsen, opfern ihm Kühe und 
Hammel und werfen sich vor jenen Gesteinsmassen zu Boden, 
Dabei weissagen ihnen die Priester.^) 

Ueber Höhencultus beiden Tscher kessen habe ich 
keine positiven Angaben gefunden. Doch verehren sie auch 
den heil. Elias, und obgleich sie keinen Donnergott haben, 
glauben sie doch, es sei ein Zeichen von besonderer Heilig- 
keit, wenn Jemand vom Blitze getroffen wird, da dies eine 
Engelsbotschaft bedeute. Man begräbt den Todten feierlich, 
und die Verwandten beglückwünschen einander ob der ihnen 



*) Dubois, Voyage, IV, 255. 

2) Biologisch-geographische Unters, i. d. Kaukasusländern, S. 98. 

3) Koch, Reise, II, 359. 

*) Klaproth, Voyage, II, 74. 
*) Klaproth 1. c, II, 72. 

21* 



— 3^4 — 

wMterfahrenent Ehre. Weno der Engel längere Zeit ausgeblieben 
ist, werden Gebete um dessen baldige Wiederkunft verrichtet*) 

Leider sind auch die Angaben über Höheneultus in 
der Monographie Radde's über die Chews'uren überaus spär- 
lich. Nur beiläufig wird nebem der bei ihnen wie bei den 
Tscherkessen charakteristischen Verebirung von heiligen Hainen 
und Opferplätzen die* Vorstellung von Bergengeln erwähnt.^) 
Ausserdem scheint aus der Sage von Karati-dshwaxi her- 
vorzugehen, dass es auch bei den Chews'uren hoch gelegene 
heilige Orte gibt.^) Auch die alten Begräbnissplätze, besonders 
die Todtenhäuser, scheinen;, aa*ch den mitgetheilten Beschrei- 
bungen zu sehliessen, auf der Kuppe von steilen, zum Theil 
isolirten Felsen zu liegen.^) 

Bei den den Chews'uren nahestehenden Inguschen findet 
uaan Opferplätze an vielen gefährlichen, d. h.. steilen Stellen 
ihres Gebietes. Sie haben heilige Felsen und schwören 
bei denselben. Sie werfen Hörner von Thieren oder Stöcke 
auf dieselben. Auch wallfahrten sie jährlich nach heiligen 
Orten, welche sehr oft Reste von alten christlichen hoch ge- 
legenen Kirchen sind, und opfern daselbst Schafe, Bier Uv s. w. 
Ein alter Mensch, den sie Z^nin stag,. reiner Mensch, nennen, 
hat allein das Recht, die Opfer und Gebete an den heiligen 
Orten zu vollziehen. Die bei den meisten Kaukasusvölkern 
vorkommende Reminiscenz an d^s Christenthum., das Fasten 
zu gewissen Epochen, findet sich auch bei ihnen. ^) 

Auch die basianiscben Tartaren sind: einst durch die 
Königin Thamar christianisirt worden Sie beobachten noch 
gegenwärtig im Frühlinge ein siebenwöcteutliches, zu Ende 
des Sommers ein neunwöchentliches Fasten, während welcher 
sie weder Fleisch, noch Butter, noch Milch geniessen. Wie 
so viele Kaukasus^völker haben sie gegenwärtig keine be- 
stimmte Religion. Si^ nennen Gott Tägrl Ausserdem». 



*) Dubois, Voyage, I, 137 f. 

2) Rad de, Chew&'ur«>, 98» 

3) Radde, Chews'uren, 109. 
*) Radde 1. c, 271. 

^) Klaproth, Reise, I, 612, 616. 



— 325 - 

verehren sie den Propheten Elias (Nebillia), von dem sie 
behaupten, dass er sich oft auf den Gipfeln der höchsten Berge 
zeige, und dem sie unter Gesang und Tanz Lämmer, Milch, 
Butter, Käse und Bier (Ssra) opfern. Sie essen Schweine- 
fleisch. Es gibt bei ihnen heilige Quellen, in deren Nähe 
keine Bäume gefällt werden dürfen. Auch findet sich bei 
ihnen die für die Tartaren charakteristische Wahrsagerei aus 
den Schulterblättern von Schafen,^) 

Die christlichen Mingrelier haben noch Massenopfer in 
den heiligen Hainen, woselbst sie dem heil. Georg oder der 
heil. Nina zu Ehren Thiere schiachten. Auf dem Berge Urta 
ist ein prachtvoller uralter Eichenwald, wo sie sich am 
Georgsfeste in grosser Menge einfinden. Nachdem das Biut 
der Thiere von dem kleinen improvisirten Altar geflossen, 
und die zahlreichen Wachslichter angezündet worden, setzt 
sich Alles zum fröhlichen Mahle. Der Tag hat mit 
Gebet begonnen und endet mit Gelage, Gesang und Tanz; 
die Schädel der Opferthiere werden im Halbkreise um den 
Baum, an dem geopfert wurde, aufgestellt und bleiben dort 
als Wahrzeichen.^) 

Südlich von Atina, im Lande der Lazen, liegt der 
Khatschkhar-dagh, Heldenberg, in einer Höhe von wenigstens 
I2.000 Fuss. Man hat eine Menge Sagen von ihm, die aber 
alle an jene vom Ararat und Kasbek erinnern. Auf seinem 
Rücken soll ein mit Mauern umschlossener Raum sein, der 
von den Gebirgsbewohnern besonders heilig gehalten wird. Eine 
Kirche von seltener Schönheit soll hier gestanden haben, 
welche jedoch bei der Verdrängung des Christenthums durch 
den Islam plötzlich verschwand. Viele Christen und Nicht- 
christen pilgern dahin und die wildesten Gebirgsbewohner 
wagen es nicht, die offen auf dem geheiligten Orte umher- 
liegenden, von frommen Opferspettden herrührenden Geldstücke 
zu berühren. 



^) Klaproth, Reise, I, 507. 

2) Baron Suttner, Aus Mingrelien, Ausl. 1885, S- 7*5- 

3) Koch, Die kaakasischen Länder, 107. 



326 



Taurier. 

Dubois betrachtet die Taurier als eine versprengte, durch 
natürliche Vortheile geschützte Insel von Finnen, welche 
von ihren nordischen Verwandten durch indo-germanische 
Horden abgeschnitten war (Kimmerier). Er vergleicht sie 
mit einigen kaukasischen Völkerschaften und stützt sich dabei 
hauptsächlich auf die Aehnlichkeit der religiösen Gebräuche, 
besonders auf die bei den nördlichen Finnen lange gebräuch- 
lichen Menschenopfer. 

Die neueren Forschungen widersprechen insoferne nicht 
dieser Auffassung, als selbst, wenn die arische Abstammung 
der Kimmerier (als Illyrier) und ihrer Nachfolger, der Scythen, 
zugegeben wird, doch immer noch zwischen diesen Völkern 
heterogene anarische Volkssplitter erwähnt werden (Neuroi, 
Androphagoi), welche als Reste der den Indo- Germanen 
in Europa vorangehenden »hochasiatischen Race« gelten 
könnten J) Zu diesen Resten mögen immerhin auch die Taurier 
gehören, wenngleich die von Dubois vorausgesetzte Identität 
von Tauriern und Kaukasiern heute nicht mehr aufrecht 
erhalten werden kann. Anderseits ist jedoch zu beachten, 
dass die Taurier die Sitte, Menschen durch Herabstürzen von 
steilen Felsen zu opfern, auch mit einigen indogermanischen 
Völkern theilen. 

Die Taurier verehrten bekanntlich eine jungfräuliche 
Göttin, zu deren Ehren alle an den Küsten landenden Fremd- 
linge geopfert wurden. Sie hatten mehrere Heiligthümer 
derselben auf verschiedenen Anhöhen der taurischen Küste. 
Alle diese Tempel stehen nach Dubois am Rande von furcht- 
baren Abgründen, von wo aus die Opfer fast bis zum Meere 
geschleudert werden konnten. Das parthenische Vorgebirge (Aia 
burun, das heilige Kap) scheint das Hauptheiligthum getragen 



*) Friedrich Müller, Ethnographie, 84. 



— 327 — 

zu haben, in welchem Iphigenie ihres Amtes zu walten hatte. 
(Dubois.) 

Auf dem Plateau, dessen hervorspringende Spitze das 
genannte Kap (Ain-Dagh) bildet, liegt das Dorf Kisiltasch.*) 
In der Nähe desselben befinden sich auf den rothen Schiefern 
riesige erratische Blöcke von Granit (?). Der eine davon ist 
80 Fuss hoch und ungefähr 2 — 300 Fuss lang. Er heisst 
Gelinkaia oder auch Kisiltasch (rother Stein). Die Tartaren 
erzählen von demselben, dass sich eine Jungfrau vor den 
Verfolgungen eines Verliebten durch Herabspringen von 
diesem Felsen rettete, wobei sie unversehrt ankam. Die um- 
liegenden Bewohner hätten in Anerkennung dieses Wunders 
den Platz Gott geweiht und ein Kloster daselbst errichtet. 
Da nun keine Spur eines Bauwerkes auf dem genannten 
Felsen ist, vermuthet Dubois mit umsomehr Recht einen Zu- 
sammenhang dieser Sage mit dem Cultus der taurischen 
Göttin, als auch eine andere Version dieser Legende auftritt. 
Nach derselben wohnt eine Jungfrau auf der Spitze dieses 
Felsens; am Sonnabend jedes Johannitages erscheint sie den 
Vorübergehenden, gibt ihnen zu trinken und erwartet den 
Auserwählten, dem es gegönnt sein wird, die von ihr ge- 
hüteten Schätze mit ihr zu theilen. 

Dubois vergleicht damit die ganz ähnliche Sage, welche 
sich an den berühmten Tumulus des »goldenen Berges« 
(Altun-obo) knüpft. Es ist dies ein 100 Fuss hoher Kegel 
auf dem 323 Fuss hohen Kamme der Bergkette bei Kertsch. 
Er stellt einen Riesenbau von cyklopischem Mauerwerk dar, 
dessen Centrum ein grosser runder Thurm bildet Die griechische 
Sage nennt ihn das Grab des Mithridates. Seinen Namen 
verdankt dieses Bauwerk der Tradition von ungeheueren 
Schätzen, welche daselbst verborgen sein sollen.^) 

Oberhalb Jalta befindet sich ein grosser Hügel, welcher 
durch cyklopisches Mauerwerk eingefasst ist. Auf dem höchsten 
Punkte desselben befindet sich ein viereckiges Gebäude. 

') Dubois, Voyage, VI, 37 ff. 
') Dubois, Voyage, V, 186 ff. 



— 32& — 

Die Tartaren benennen diese Localität Palekure (iraXaioc 
alt, xo6p7]-x6p7j Jungfrau.)') 

Auch die Benennung des Caps Aia, der südwestlichen 
schroffen Spitze der Krimm, bezieht unser Autor auf ein 
Heiligthum der taurischen Göttin.) 

Ein anderes derartiges Heiligthum stand bei der Stadt 
Cherson, an der Stelle des heutigen Klosters des heil. Georg. ^) 
Es scheint an dieser Stelle in griechischen Zeiten statt der 
taurischen Jungfrau Hercules verehrt worden zu sein« In 
der Nähe des Klosters, auf dem Plateau eines schroffen, 
gegen das Meer überhängenden Felsens finden sich ebenfalls 
die Reste eines viereckigen Gebäudes im Cyklopenstile. 



Slaven. 

Bei den Nordslaven war, wie es scheint, die Vereh- 
rung auf natürlichen oder künstlichen Höhen weit verbreitet. 
Die alten Preussen opferten ihren Göttern auf heiligen Bergen 
(Hühnenberg bei Ekritten (Grimm D. Myth. II. 807). Die wen- 
dischen Tempelorte erscheinen vielfach an die Burgwälle 
geknüpft, z. B. in Mecklenburg. Ein solcher Tempelprt war 
unter Anderen Goderak bei Tritenwinkel. *) Auch das berühmte 
Svante Wustrow soll ein solcher gewesen sein. Ein Riese soll 
mit Hilfe eines Schimmels den ganzen Berg, auf dem die 
Kirche steht, zusammengefahren haben.^) Nun hat allerdings 
die neuere Forschung nachgewiesen, dass der wendische 
grosse Gott Svantevit, auf welchen Grimm diese Anlage 
zurückführt, eine Fälschung aus dem vorigen Jahrhundert 
ist. Ueber slavische Donnerberge ist bei Grimm nachzusehen^); 
(Hromolan bei Milleschau, Grimming vgl. slav. grmi, es 
donnert). Nach Mone heisst der höchste Berg der Oberlausitz 

1) Dubois, Voyage, VI, 58. 

2) Dubois 1. c, VI, 108. 

3) Dubois 1. c, VI, 192. 

*) Lisch, Meckl. Jahrb., XXI, S. 53. 

5) Lisch, 1. c, 1862, S. 189. 

6) Grimm, D. Myth. 3. Aufl. L 142. 



— 329 — 

Kaczna, die Schlange. Man fand noch vor hundert Jahren 
viele Ueberbleibsel von alten Bauten daselbst vor, welche als 
Altäre gedeutet wurden. Die letzteren bestanden aus grossen 
Steinen. Nahe dem Kaczna war ein anderer Berg, der »grosse 
Stein« genannt, auf welchem auch ein« Opferstelle gewesen 
sein soll. 

Im Samland, Sudauen etc. siiid eine Menge isolirter 
Hügel, welche beim Volke Schloss- oder Blocksberge heissen, 
und welche der Volksglaube von meist gütigen Dämonen 
bewohnen lässt. Ein im ganzen ziemlich gleichförmiger Sagen- 
kreis von vormaligem Reichthume, von wohithätigen Riesen, 
von verwünschten Schlössern umgibt sie alle. ') 

Weitere Einzelnheiten liefert die schöne Arbeit von 
W. V. Schulenburg über Wendisches Volksthum. Bei den 
Wenden der Lausitz spielen vor Allem die Jungfemberge 
eine gewisse Rolle. Sie tragen verwünschte Schlösser, in 
denen veiivünschte Jungfern hausen, die nur in seltenen 
Zeiträumen erscheinen. Sie sind theils alt, theils jung, und 
erwerben in letzterem Falle nicht selten die Liebe von jungen 
Dorfbewohnern. ^) 

Die Graben (graby, Grafen), eine Gattung Riesen mit 
Pferdefüssen, welche vor der Ankunft der Wenden die Lau- 
sitz bewohnt haben sollen, lebten ausser im Walde und auf 
der Haide in Höhlen und auf Bergen. Sie lebten meistens 
vom Menschenraub,^) 

Der Nachtjäger (nocny hanik, nocny jagar), ein ver- 
wünschter Geist, ein Reiter ohne Kopf, auf einem Schimmel, 
streicht gern über die Berge. Die Babina gora (Weiberberg, 
bei Liskau) ist ein Lieblingsaufenthalt desselben. Nach der 
Aussage der Bewohner von Liskau leitet dieser Berg alle 
von Osten gegen Liskau kommenden Gewitter ab. *) Auch auf 
anderen Höhen (Wotfowe u. s, w.) ist der Nachtjäger oft.'^) 



^) Preuss. Provinzialblätter, 1839, Seite 100. 

2) W. V. Schulenburg, Wcnd. Volksth., 5, 13, 83, 

3) Schulenburg, 1. c., 64. 
*) Schulenburg, 1. c, 61. 
5) Schulenburg, l. c, 63. 



— 330 — 

Die Hexen ziehen besonders in der Walpurgisnacht 
(na hobergu) herum. Auf Ofengabeln, noch mehr auf Back- 
ofenkrücken reiten sie auf die Blocksberge (blosberg). ') 

Eigenthümlich ist auch die Vorstellung, dass der Ein- 
gang zur Hölle in einem grossen Berge, welcher von dichtem 
Walde umgeben ist, führt. Er ist mit einer eisernen Thüre 
verschlossen. Nach einer anderen Version ist sogar der ganze 
Berg von Eisen. 2) 

Ein sehr berühmter Berg ist der Marienberg bei Gross- 
Kölzig. Es stand auf demselben eine katholische Capelle. 
Daselbst ist ein grosses Sandloch. Alle Jahre zu Johanni 
zwischen 12 und i Uhr öffnet sich der Erdboden. Wer hin- 
einsteigt, sieht daselbst die zwölf Apostel von reinem Golde. ^) 
Nach einer anderen Version ist daselbst ein Schatz, der nur 
am Charfreitage, wenn der Berg sich öffnet, gehoben werden 
kann. *) 

Bei den C zechen Böhmens und Mährens finden wir die 
Vorstellung von der Entrückung ihrer Helden in die Berge. 

In dem Berge Blanik (NO. Launiowitz vier Meilen von 
Tabor) sitzen die von den Taboriten erschlagenen Helden. 
Der Berg öffnet sich am Johannistage. Im mittleren Theile 
von Böhmen werden die Ritter in den Berg Rip (Georgiberg) 
verlegt, welcher südlich von Rakonitz liegt. Im Berge Rad- 
host bei Roznau schläft das Gojmagoj-Regiment. Von dem 
Gipfel dieses Berges wird übrigens auch anderer Zauberspuk 
berichtet. 

Daran knüpfen sich noch manche Sagen über Schatz- 
berge, deren Inhalt von verwunschenen Geistern gehütet 
wird. (Neutitscheiner Berg, Mähren). Es sind dies haupt- 
sächlich mit Burgruinen gekrönte Berge (Skflekergrund bei 
Römerstadt, Florianberg bei Bisenz, rother Berg bei Liban 
u. s. w.). Der Besitz der Springwurzel ermöglicht meistens 
den Eingang in dieselben. 



^) Schulenburg, 1. c, p. 14. 

2) Schulenburg, 1. c, p. 31. 

3) Schulenburg, p, 91. 
*) Schulenburg. p. 92. 



— 331 — 

Wie bei den Polen überhaupt die Reste alter mythologi- 
scher Vorstellungen ziemlich spärlich sind, so ist auch die Aus- 
beute, welche Dr. Krauss bei der Durchmusterung von Lud. 
Jego zwyczaje, sposöb, mowa etc., przedstavil Oskar Kol- 
berg. Serya IX. Krak. 1877 gewann, nichtsehr reichlich aus- 
gefallen. Ich lasse dieselbe zugleich mit dessen Anmerkungen 
folgen. 

Wyszyna oderwyszka wurde jede Anhöhe genannt, auf 
welcher die Polen in heidnischer Zeit ihren Göttern Opfer 
darbrachten. 

In der Nacht des hl. Johannes des Täufers werden auf 
Feldern und Höhen Feuer angezündet. Durch und über diese 
Feuer sprangen Burschen und Mädchen. Fiel ein Mädchen 
infolge eines zu kurzen Sprunges ins Feuer hinein, so hiess 
es, sie sei eine Zauberin (ciota oder czarownica). Dieser 
Brauch hat sich bis gegen das Jahr 1800 erhalten.^) 

Die Hexen (czarownice) halten ihre Zusammenkünfte 
auf hohen Bergen ab. Gewöhnlich Donnerstag (cswartek 
wieczorem) reiten die Hexen auf den Kahlenberg (lyse 
göry) und nach wilden Gegenden (bezdroÄa). In der Nacht 
des hl. Johannes des Täufers (am 24. Juni) versammeln sie 
sich auf dem Kahlenberge (Lysa göra) zur Hauptbesprechung. ^) 

Lysa Göra, das Kahlengebirge im Sandomirer Kreise, 
erstreckt sich als höchstes Gebirge in Polen ungefähr fünf 
Meilen weit. Die höchste Bergspitze ist die, worauf das 
Kloster Swiety Krzyz (h. Kreuz) steht. Vielleicht wurde das 
Kloster darum hingebaut, weil der Gipfel schon in vorchrist- 
licher Zeit als heilig galt. 

Man sagt polnisch Lysa Göra im allgemeinen für 
Blocksberg oder Hexenberg. (Krauss.) 

Gnesen liegt gleich der Hauptstadt der (alten) Welt 
(Rom) auf sieben Hügeln ; wohl liegen ähnlich je auf sieben 



') Lud. von O. Kolbcrg, 1. c, B. X. 1876. S 204 f. 

') Lud. l. c. III, 102. Bei den mährischen Czechen (Hochwald, Roznau 
etc.) substituirt die Johannisfeier, an der auch die benachbarten Slovaken 
theilnehmen, jene des ebenfalls auf Bergen verehrten altslavischen Gottes 
Radho^t. Ulmann, Altmähren II, 501. 



— 332 — 

Hügeln auch ander« polnische Städte, z. B. Lublin, Kijöw, 
Owrucz u. s. w. Mit Uebei^ehang der Mythen, wdch« 
davon erzählen, warum die ei'sten Gründer den Ort dort 
aufgebaut, möge hier blos die Aufzählung* der Hügel folgen, 
auf welchen Gnesen sich erhebt: i. Berg des hl. Laurentiüs, 
2. Berg des hl. Petrus, 3. Berg des hl. Michael, 4. göra 
(Berg) Lechicka, 5. göra Jarna, 6. Franziskanerberg, 7. Kreux- 
berg (göra krzyzacka). Auf dem Lechicka-Berge stand einst 
ein Heiligthum der Lela. Die Bruchstücke vofi der öra- 
nitmauer in der Kirche des hl. Georg (ö. Jerzy) in der Nähe 
der Kathedralkirche sind den Ruinen dieses Heiligthums 
ähnlich. In dieser Kirche befinden sich Karyatiden, die 
man irrthümlicherweise als altheidnische Gottheiten ange- 
sehen hat, während sie thatsächlich einer jüngeren Zeit 
entstammen. 

Von dieser Lechicka göra ist die Hauptgottheit der alten 
Polen in die Tiefen des heiligen Sees gestürzt worden, der 
sich etwas mehr in der Niederung ausbreitet. Die Namen 
Lei und PoleP) leben noch gegenwärtig in der Erinnerung 
der Ländbewohner. Man gedenkt noch eines anderen Gottes 
Swist Po^wist^ sowie des Terum Poterum.'^) Dies wären 
die einzigen Spuren vom einstigen Vorhandensein dieser Gküü- 
heiten. Bei Bauernhochzeiten ist noch der Brauch erhalten, 
dass, wenn die Leute die gebratene Gans ins Zimmer bringen, 
man die Gans mit dem Zuruf, begrüsst Lelum-Polelum.*) 



^) Der Lexikograph Arkössy erklärt Lei Polel mit »Rastor und 
Polluxc. Das ist entschieden unrichtig. Bei den Südslaven ist Lei ja (weibl.) 
eine regenspendende Frühlingsgottheit, welcher zu Ehren mit filtunen ge- 
schmückte Mädchen Reigen tanzen. Lei ist ein masculinum. Polel bedeutet 
dasselbe nur in verstärkter Bedeutung (so z. B. im Deutschen: Druck — 
Nach druck). (Krauss.) 

^) Swist heisst bedeutender Wind, Sturm\\ind, ?*ostirist verstärkt 
brausender Wind. (Krauss.) 

3) Terum Potertim. Der Stamm ter (u. f. t-erjati ahsl. treiben, 
p e 1 1 e r e) wäre demnach etwa mit Treiber, »starker Treiber« s» übersetzen. 
(Kraoss.) 

*) Die gebratene Gans als Sinnbild des Segens. Der Ruf als Erinnerung 
aus alter Zeit knüpft eben, wie in Anm. *) hervorgehoben, an die Vor- 



— 333 — 

Auf dem Berge Wawel bei Krakau hauste ein fürchter- 
licher Drache (straszny smok), der Menschen und Thiere 
frass. Der mythische König Krakus besiegte ihn und grün- 
dete am Abhänge des Berges die nach ihm benannte Stadt 
Krakau. ^) 

In der altpolnischen Chronik des Dlugos« Frokosz (p. 113 
der lat. Abdg.) findet sich folgende Angabe über den Cult des 
slavischen Gottes Zywie; divinitati Ziwie fanum extructum 
erat in monte ab ejusdem nomine Ziwies dicto, ubi primis 
diebus mensis maii innumerus populus pie conveniens preca- 
batur ab ea, quae vitae (Zywy == lebendig) auctor habebatur, 
longam et prosperam valetudinem. Praecipue tamen ei lita- 
batur ab iis, qui priiDum cantum cuculi audivissent, omi- 
nantes superstitiose, tot annos se victuros, quoties vocem re- 
petiisset.*-^) 

Wir gehen nun auf den süds lavischen Höhencult 
über. L. II id berichtet im Narodni slavonski obißaji. Zagreb. 
1846. S. 140 fP.): 

Zu Christi Himmelfahrt (na spasov dan, d. h. am Tage 
des Heils, der Erlösung) ziehen die. Hirten m festlichen Auf- 
zügen hinaus auf die Berge und Flureö, wo die Heerden 
das Jahr über weiden; sie singen,, jofal^a und scheuchen die 
Wölfe. Man hetzt sich dabei bis zur Ermüdung ab. Manche 
pflegen mit Weihwasser die Weidjepätze einzusegnen. Auf 
einem Weideplatze wird endlich Halt gemacht, und ein Im- 
biss eingenommen (Brod und Käse). Hierauf wird das Vieh 
mit Weihwasser besprengt, raraii;i v^rri-chtet knieend ein 
Gebet und zieht dann wieder fort in^ Gebirge (odpute se 
u brdine). Während sie so durclöÄ Feld oder über das Ge- 
birge mit dem Kreuze ziehen, siugen die Hirten ijnter vielen 
anderen auch folgende Lieder: 

Molimo se visnjjem hogu 
Vojno le, dgdo te! 



Stellung an, dass L e l Polel eine Gottheit sej, die Segen (durch Regen 
Fruchtsegen) den Menschen verleiht (Krauss). 

J) Lud, Y. 1871.. S. 9 f. 

2) Grimm, Deutsche Myth. IL 565 f. 



— 334 — 

Da popune vihar vitar, 

Vojno le, dodo le! 
Da udari tiha ki>a, ^) 

Vojno le, dodo le! 
Da porosi riasa polja (brda) 

Vojno le, dodo le! 
I travicu litinicu, 

Vojno le, dodo le! 
Da nam marva pa§e ima, 

Vojno le, dodo le! 
(Beten wir zum obern Gotte, 

Held, o he! dodo he! 
Blasen soll ein schneller Windhauch, 
Soll ein sanfter Regen fallen, 
Soll bethauea unsre Fluren (Berge) 
Und das Gras, die Sommerfechsung 
Unser Vieh soll Weide haben.) 

Ein anderes Lied lautet; 

Koliko je zlatno stado 

Na vedru nebu, 
Nuz njeg hodi zamiäljeno 

Samoöobanöe : 
Da popase plavo nebo, 

Sve za jednu no6, 
AI je brdo pokvaseno 

Sa rosnom ki^om, 
I narasla sitna trava 

Za mlado stado. 
To ne bilp zlatno stado 

Na vedru nebu, 
Vec to bilo runo stado 

Na travnom brdu. 
Nuz njeg hodi zamisljeno 

Mara majkina. 



*) Ist ein nasses Jahr, so singt man: Da prosiue sjajno sunce: Es er- 
glänz' die helle Sonne! 



— 335 — 

Da napase runo stado 

Sve za jedan dan; 
Sumä bo je pokvaäena 

Sa rosnom ki<om, 
I narasla sitna trava 

Za na§e stado. 
Welch' 'ne grosse gold'ne* Heerde 

An dem Himmel klar! 
Nebenher geht traumverloren 

Ganz allein der Hirt. 
Will den Himmel blau abweiden 

Ganz in einer Nacht, 
Doch der Berg ist voll von Nässe 

Von dem Regenthau 
Und gewachsen für die Heerde ^) 

Ist ein feines Gras. 
Das war keine gold'ne Heerde 

An dem Himmel blau, 
Das war eine woll'ge Heerde 

Auf dem gras'gen Berg 
Nebenher geht traumverloren 

Mütterchens Marie, 
Will die woll'ge Heerde weiden 

Ganz in einer Nacht, 
Denn der Wald ist voll von Nässe 

Von dem Regenthau, 
Und gedieh'n für uns're Heerde 

Ist ein feines Gras. 
Nach L. Ilic (Narodni slavonski obiöaji 1846, S. 161 f.) 
klettern am Johannistage in Velika und Radovanjci 
(PoÄegaer Comitat, Pfarre Velika) die Leute mit brennenden 
Fackeln versehen auf die Berge hinauf, und zwar auf alle. 
Daselbst singen und tanzen sie und erlustigen sich. Die 
Betlemagi (Betlehemer) — die Nordseite von Velika heisst 
Betlem — begeben sich ins Badehaus (toplice) und erheitern 



^) Im Text für die junge Heerde. (Krauss.) 



— 336 — 

sich. Die Männer besteigen mit brennenden Fackeln die alte 
Burg und springen auf den Ruinen herum, ohne sich zu 
fürchten, dass sie vom hohen Gemäuer in die steil abfallende 
Tiefe hinabkollern. Andere wieder springen von kahlem Fels- 
grat zu Felsgrat wie Gemsen und beleuchten den ganzen 
Berg. Hier verweilt man solange als die Fackeln brennen, 
dann kehren die Burschen und Mädchen singend und tanzend *) 
heim. Sobald die Mädchen merken, dass sich ihnen die 
Burschen im Dunkeln nahen, zünden sie Strohbüschel an, 
werfen die Büschel den Burschen entgegen und rufen ihnen 
zu: Evo doraci! evo 6oraci (da siiad die Blinden, da sind 
die BHnden !). 

L. Ili6 erzählt in den Skvonski narodni okicaji Agram 
1846, S. 277: 

»Im Jahre 1807 kam meinem Freuade, Fraujo Hrani- 
lovi6, der damals erster Vicegespan der Pozegaer Gespan- 
schaft war, die Kunde zu Ohren^ dass auf den Ruinen der 
alten Burg ViSkovci die Vile jeden Samstag Abends tanzen 
und sich vergnügen. Schon seit undeiaklieher Zeit wagte es 
Niemand diesen Berg zu besteigen. Da entschloss sich Hra- 
nilovid, einmal dieser nächtlichen Gesellschaft einen Besuch 
abzustatten. An einem Samstag Abend begab er sich 
denn im Geleite von z,wei treuen, wohlbewaffoeten Pan- 
duren an den gedachten Ort. Dort stellte er sich wohlbe- 
waffnet hinter einen Eicbenbaum auf die Lau^. Nach einer 
Weile nahte die Gesellschaft der Vile und der Vilovnjaci 
(Gefährten der Vile); di« trugen Wein, Fleisch, Backwerk und 
noch andere Speisen mit, fachten ein Feufir an, brieten 
Fleisch und fingen zu tajozen an. Herr Hranilovic hielt es 
nun an der Zeit zu erscheinen:: er trat mit seinen Begleitern 
uater die nächtliche Gesellschaft^ die sich eben am Nacht- 
essen der Dor£vile„ d. h. der Mädchen aus dem Dorfe, güt- 



*) Wie luftn dea Berg hinabtanzen kann, begreife ich nicht. Der Berg, 
ist so furchtbar steil, dass man mit Händen und Füssen genug zu thun hat, 
um sich am Gestrüpp festzuhalten, sonst stüret man in den tieien> Abgrund 
hinab. Die Aussicht von der alten Burg ist grossartig. Es ist ein wahres Lug- 
insland. (Krauss.) 



— 337 — 

lieh thun wollten. Der Grundherr schalt die Vilc tüchtig aus 
und; verbot ihnen, künftighin als Vile umzugehen (da ne 
viluju).« 

Dr. Fr. Krauss hat ebenfalls diesen Berg besucht. Von Ple- 
temica aus kommt man daselbst in drei Stunden an. Noch 
gegenwärtig gilt es als eine Vermessenheit, denselben zu be- 
steigen. Es sollen dort, wo der runde Thurm steht, grosse 
Schätze vergraben sein. Doch hat jeder Schatzgräber seine 
Kühnheit noch mit dem Leben büssen müssen; man zeigte 
Dr. Krauss einen taubstummen Ziegenhirten, der von den 
Vile bestraft worden. ** 

Zwischen Odvorce und Zagragje auf der StravSse von 
Brod nach Pozega befindet sich auf einem steilen kegelför- 
migen Berge eine katholische Capelle. Vor etwa 50 Jahren 
standen daselbst die Ruinen einer (wohl türkischen) Burg; 
dieselbe wurde eben in eine Kirche umgebaut, weil das.Volk 
in Zeiten der Düne seit jeher auf den Kegel hinauf wall- 
fahrtete, um Regen vom Himmel zu erbitten. 

Nicht weit davon, etwa vier Stunden entfernt, oberhalb 
des Dorfes Podvinje steht auf dem Berge die Capelle der 
hl. Petka. (rievrexoon^.) Merkwürdiger Weise wallfahrten da- 
hin nicht blos Katholiken, sondern auch Altgläubige und 
Mahomedaner, um Regen zu erflehen. 

In Varasdin ist nach Mittheilungen des Herrn Prof. Valjavec 
der hl. Medardus (sv. Medard) der Patron der Berge, insbe- 
sondere der Weinberge. 

Am Palmsonntag hackt man Zweige vom Kornelkirsch- 
baum ab, verfertigt daraus kleine Kreuze und lässt diese in 
der Kirche einsegnen. Noch am selben Tage trägt man diese 
Kreuze auf die Felder oder in die Weinberge und steckt sie 
in den vier Winkeln (nach den vier Weltgegenden) in die 
Erde, damit der Schauer den Berg verschone. 

Die Festfeuer (Kresovi) werden daselbst zu verschiedenen 
Zeiten angezündet; die einen am Johannistage. Da scheut 
man sich drei Tage vorher und drei Tage nachher irgend 
welche Arbeiten im Weinberge zu verrichten. Diese Festfeuer 
heissen vinski Kresovi (Weinfeuer). Die Feuer am. Tage 

V. Andrian, Höhencultus. 22 



- 338 - 

des hl. Elias ^) heissen postavski kresovi (Unterfutterfest- 
feuer), weil man zu dieser Zeit keinerlei Leinwand abkocht 
oder laugt (??). In Paraöin nennt man die kresovi goreSt- 
nici (die auf Bergen seienden) und zündet sie am Tage des 
hl. Elias an.*) 

Es folgen noch weitere Mittheilungen über das Höhen- 
fest am Johannistage in Kroatien bei Samobor nach 
handschriftlichen Aufzeichnungen des Prof. Valjavec in 
Agram, deren Mittheilung ich ebenfalls Dr. Krauss verdanke. 

Schon drei Tage vor dem Johannisfeste bereiten die 
Hirten Holz, um die Feuer (kres)^) auf dem Berge PuSkena 
gorica (na bregu P. g.; P. g. bedeutet zu deutsch Flinten- 
anhöhe, puska aus dem Deutschen Büchse). Sie .hacken mit 
Vorliebe Tannenholz an und lassen es trocknen, damit sie 
den Kr es desto besser anschüren können. Nachdem sie hin- 
reichend Holz gefällt und es zur Genüge getrocknet, führen 
sie Alles am Vortage des Johannisfestes auf einen Haufen 
zusammen und schichten es zum Kres auf. Vor Allem rammen 
die Hirten vier Pfähle ein und werfen drei vier Blähen Hobel- 
späne in die Mitte, damit der Stoss desto eher Feuer fange. 
Auf die Hobelspäne legt man die Tannenhölzer. Ist der Holz- 
stoss schon so hoch, dass man mit den Händen nicht mehr 
auflegen kann, so bringt man eine Leiter und lehnt sie an 
einen der vier Pfähle an. Der älteste Hirte steigt auf die 
Leiter hinauf, um den Stoss noch höher zu machen, doch 
legt er kein Tannenholz, sondern Eichen- und Buchenreisig 
(Kitje) auf. Diese Reiser werden den Hirten auf der Leiter 
immer nur von drei anderen Hirten hinaufgereicht, und zwar, 
wie man sagt, geschieht dies deshalb, weil Gott aus drei 

^) Der hl. Elias ist an Stelle Peru n's, des Donnergottes, getreten. 
Vgl. Mitth. der Wien, anthrop. Ges. B* XIII, S. 239. Anm. 

*) M. Gj. Miliceviö im Glasnik srpskogucenog drustva, B. XXII. 
S. 105.) 

3) Altsl. Kriesb xpoir^, temporum mutatio; letisch gr^st = wenden; 
m^nes gr62i-Mondwechsel. Ursprünglich bedeutete kres Wendung (vgl. das 
Ztw. Kreta ti, wenden, k. se = sich umdrehen). Weil man bei dem Wechsel 
der Jahreszeit Feuer anzündete, nannte man später die Feuer selbst kres, 
ignis festivalis, wie der Lexikograph Habdeliö, ein Slovene, sagt. Dr. (Krauss). 



— 339 — 

Personen besteht, also helfen im Namen Gottes nur drei. 
Alle übrigen Hirten aber halten die Leiter. Kann der Hirte 
auf der Leiter mit den Händen keine neuen Reiser mehr 
hinauflegen, so ist der Stoss genug gross. Höher dürfen sie 
ihn nicht aufführen, denn es würde ihnen so ergehen, wie 
den Babyloniern bei dem Thurmbau, als ihnen Gott zur 
Strafe die Zunge verwirrte. Nun geht der jüngste Hirte fort, 
sammelt an dreissig Farrenkrautblumen und ebenso viele 
Johannesröschen und bindet Alles zu einem Buschen. Dieser 
Busch wird auf der Spitze des Holzstosses befestigt, zum 
Zeichen, dass der Holzstoss zum Kres fertig sei. Hierauf 
vereinbaren die Hirten, um welche Stunde der Nacht sie sich 
hier versammeln werden, und was jeder von ihnen zum 
Essen und zum Braten mitzubringen hat. Einer von den 
Hirten bleibt bei dem Holzstoss als Wache, damit nicht 
jemand aus Bosheit den Stoss in Brand stecke. Indessen 
treiben die übrigen ihre Heerden heim. Auf der Heimfahrt 
steckt sich jeder an den Hut drei oder vier Johannesröschen 
zum Zeichen, dass er zu der Gesellschaft gehöre, welche den 
Kres anzünden wird. Wenn an diesem Tage einem solchen 
Hirten ein anderer Hirte begegnet, der nicht zur Festgesell- 
schaft gehört, so will niemand aus der Gesellschaft sich mit 
ihm unterhalten, sondern man fährt ihn an mit den Worten: 
»Schau, dass Du weiter kommst, Du gehörst nicht zu un- 
serer Gesellschaft, Du bist ein Heide.« Wenn die Hirten die 
Heerden nach Haus getrieben, so wollen sie daheim nicht 
zu Abend essen, sondern es bittet jeder die Hausfrau, ihm 
etwas zum Essen mitzugeben. Keine Hausfrau schlägt dem 
Hirten die Bitte ab, sondern gibt ihm nach Möglichkeit von 
dem, was sie im Hause hat : Eier, Käse, Speck u. s. w. An 
diesem Abend ist der Hirte ganz frei. Der Herr und die Frau 
versehen selbst des Hirten Dienst. Ist der Herr etwas ver- 
mögender, und der Hirte ein braver Junge, so lässt der Herr 
eine Henne oder einen Kapaun schlachten und gibt ihn dem 
Hirten, damit er sich den Braten beim Kres bereite. Auch 
gibt er ihm gewöhnlich eine Feldflasche Wein mit. Die 
Hirten erwarten mit Ungeduld die achte Abendstunde. Darauf 

22* 



— 340 — 

versammeln sie sich auf der PuSkena gorica, wo der Stoss 
aufgeschichtet ist. Jeder ist mit einer Pistole und mit Pulver 
versehen, mancher sogar mit einem Mörser. Sie machen ein 
Feuer an der Seite des Kres an und bereiten sich hier ihr 
Nachtmahl. Sie braten Enten, Hühner, Kapaunen und kochen 
Schinken, jeder was er mit hat. Wann ihr Nachtmahl gar ist, 
füllen sie zwei Mörser mit Pulver und stecken sie an zum 
Zeichen, dass nun das Nachtmahl anfange. Jetzt setzen sich 
alle zusammen zum Essen hin, und nachdem sie abgespeist, 
laden sie von neuem alle Mörser und Pistolen, schiessen sie 
auf einmal ab und stecken dann den Kres auf vier Seiten in 
Brand. Der Kres brennt so hoch, dass man ihn in ganz Sa- 
mobor sieht. Während der Ki'es brennt, singen die Hirten 
allerlei Lieder und stossen in grossmächtige Ochsenhörner, 
schiessen fortwährend, solange der Kres brennt, aus den 
Mörsern und Pistolen. Früher war es hier Brauch, dass die 
Hirten durchs Feuer sprangen; doch vor einigen Jahren ge- 
schah ein Unglück dabei. Ein Hirte sprang nicht weit genug, 
fiel in den Kres hinein und verbrannte. Seit der Zeit pflegt 
man bei Samobor nicht mehr durch den Kres zu springen. 
Nachdem der Kres niedergebrannt ist, gehen die Hirten froher 
Dinge heim schlafen, bringen aber am nächsten Tage auf 
die Weide genug zu essen und zu trinken, und so verbringen 
sie festlich und guter Dinge das Johannisfest (Ivanje). 

An einem anderen Orte bei Samobor, wo auf dem 
Berge die alte Ruine steht, zünden die jungen Leute (Hirten) 
gleichfalls einen Kres an, und zwar sind es lauter Gesellen, 
Diese schicken bei Tage Arbeiter in den Wald, um Holz zu 
sammeln und einen Kres aufzuschichten. Der Kres muss so 
hoch sein, dass, wenn er in Brand gesteckt wird, die Flammen 
über die Mauern der alten Stadt weit übers Land gesehen 
werden. Gegen Abend versammeln sich die Gesellen in der 
alten Burg, bringen an jedem Fenster derselben eine 
Lampe aus buntem Papier an und zünden die Kerzen in 
diesen Lampen an, damit die Leute, welche hinaufkommen, 
den Weg nicht verfehlen. Die Burschen braten ein ganzes 
Lamm, nehmen einen Eimer Wein mit, essen und trinken 



— 341 — 

beim Kres, singen und schiessen Polier ab. Nachdem der 
Kres niedergebrannt, geht man vor das Thor der alten Burg 
hin, lässt Raketen aufsteigen, zündet Fackeln an, und dann 
geht jeder seines Weges heim. 

An einem dritten Orte, und zwar auf dem Berge Kor- 
eiö, wird gleichfalls ein Kres angezündet, aber nur von den 
Besitzern der umliegenden Weinberge. Nach altem Brauche 
lassen sie den Kres aus lauter Rebenstöcken durch ihre 
Diener aufschichten. Dorthin bringt jeder von Hause Wein 
mit, lässt sich ein Gollasch bereiten, fünf bis sechs Kapaunen 
braten; an gekochtem Schinken darf es nie fehlen. Auf dem 
Berge wird nun. zu Nacht gegessen. Um den Kres herum tanzen 
die Herren mit ihren Frauen, die gleichfalls hinaufgekommen 
sind. Man schiesst aus Flinten und Pistolen, spielt auf Hand- 
pauken, singt Lobgesänge zu Ehren des heiligen Johannes, 
damit er ihre Weinberge segne, so wie er einst Christus am 
Flusse Jordan getauft. Sie lassen gleichfalls Raketen steigen. 
Um die elfte Stunde gehen alle gemeinschaftlich singend urtd 
schiessend nach Hause. 

In den Sagen und Märchen der Südslaven, welche 
Dr. F. S. Krauss gesammelt hat, finden sich folgende Züge, 
deren Analogie, mit den Vorstellungen anderer indo-germanischer 
Völker keiner näheren Erörterung bedarf: 

P. 132. (»Glück im Alter.«) 

Auf dem Ackerfelde befand sich ein Steinhügel (eine 
mogila). Aus demselben vernahm er eine Stimme, die ihm 
zurief: »Willst Du lieber Glück im Alter oder in der Jugend?« 

IL P. 139. (Warum die Adler nie sterben.) 

Die Adler kennen irgendwo im Hochgebirge eine Quelle, 
aus der lebendes Wasser hervorquillt. Wird ein Adler alt 
und grau, so fliegt er an diese Quelle hin und wird verjüngt. 
Wo sie sich befindet, weiss kein Mensch, nur die grauen 
Adler und die Samodirs. Wer einen Schluck von diesem 
Wasser thut, stirbt niemals. 

P. 140. (»Die beschlagene Hexe.«) 

»Dein Weib ist eine Hexe. Jeden Freitag im Neumond 
reitet sie auf den Kiek hinauf zum Teufelsreigen.« 



— 342 — 

P. 222. (»Der Nande Ende.«) 

Am dritten Berge sah er einen Reigen wunderherrlicher 
Mädchen. Im ersten Augenblicke däuchte ihm, es seien die 
Vile aus dem Berge. (Es waren die Nande.) 

IL P. 300. (»Mittel gegen Behexungen.«) 

Er hörte, der Aufenthalt der Lindwürmer wären die 
höchsten Gipfel der Berge, und dass sie unter den Wolken 
flögen, wann aber die Sonne untergeht, da Hessen sich auch 
sie nieder und ruhten auf den Bergesgipfeln aus. 

P. 364. Auf dem Gipfel jenes Berges befindet sich ein 
goldbehaartes altes Weib, das sitzt Tag und Nacht auf einer 
und derselben Stelle und hält ein Vöglein im Schosse. Wem 
es glückt, dieses Vögleins habhaft zu werden, erlangt die 
grösste Glückseligkeit auf dieser Welt. 

Ueber den bosnischen Höhencultus verdanke ich Herrn 
F. S. Krauss werthvolle Originalmittheilungen, welche ich 
hier unverkürzt folgen lasse. 

Bei Travnik heisst der höchste Berg Vilönica (Vilen- 
heim). Man vermeidet es, den Berg zu besteigen, weil die 
Sage geht, der Besteiger werde vom Blitz aus klarem 
Himmel getödtet. Die Vilenica ist reich an grossen Höhlen. 
Während sonst solche Höhlen von den Ziegenhirten als 
Zufluchtsstätte gegen Unwetter aufgesucht werden, mag keiner 
in einer Höhle der Vilenica übernachten. 

Man erzählt, ein Ziegenhirte wäre einst in eine Höhle 
der Vilenica hineingerathen. Nach sieben Jahren sei er erst 
wieder zum Vorschein gekommen. An Gestalt und Aussehen 
wäre er nicht im Mindesten verändert gewesen, dafür habe er 
von den Vile der Vilenica Heilkunde (vraöanje) gelernt und 
sei als vraö (Arzt) zu grossem Reichthume gelangt. 

Wenn man im Freitag des Neumondes einem Hahn 
auf der Vilenica den Kopf abschneidet, so gibt es Hagel- 
wetter. Ein altes Weib habe einmal so gezaubert, um ihren 
Beg zu schädigen. Die Aussaat ging wohl zu Grunde, doch 
das alte Weib erblindete bald darauf. 



— 343 — 

Die katholischen Bauern von Travnik und Dölce 
wallfahrten in Zeiten grosser Trockenheit auf die Cardak- 
planina und dann auf einen hohen Berg bei Janjiöe, um da- 
selbst Bittgebete um Regen zu verrichten. 

Hinter dem Franziskanerkloster von Sutjeska, zwei 
Stunden von der Stelle, wo die Burg Bobovac gestanden, 
ist eine gewaltige Schlucht, die auf beiden Seiten von sehr 
hohen, steil abfallenden Höhen begrenzt wird. Hoch oben 
auf der linken Berglehne gewahrt man drei Höhlen. Jedes 
Jahr am Georgitage vermummen sich die Bauern, alt und 
jung, Burschen und Mädchen, erklimmen, wohl nicht ohne 
Lebensgefahr, den steilen Abhang zur mittleren, der grössten 
Höhle, braten oben in der Höhle einen Hammelbock, lassen 
sich den Braten gut schmecken und den Raki munden, und 
singen und tanzen bis zur späten Abendstunde auf dem recht 
engen Räume in und vor der Höhle. 

Die Franziskaner haben es schon zum öfteren versucht, 
diesen Brauch abzustellen, weil es nicht selten zu Unglücks- 
fällen gekommen ist, aber noch immer vergeblich. Sie konnten 
nur das Eine durchsetzen, dass alte Leute sich nicht mehr 
maskirten. 

Der alleinstehende, unförmliche Berg Hum in Mostar, 
nach welchem das ganze Hinterland Zahumlje genannt wird 
war ehedem für die slavischen Mahomedaner ein Wallfahrts- 
ort in Zeiten der Dürre. Man wallfahrtete auch nach einem 
Berge des PodveleSje und auch auf den Berg hin, welcher 
auf dem rechten Neretvaufer, gegenüber dem Kloster Zito- 
misli6i gelegen ist. Ein griechischer altgläubiger Mönch er- 
zählte Dr. Krauss, auf letzterem Berge müsse einst eine Burg 
gewesen sein. Er wäre einmal oben gewesen und hätte eine 
Menge Scherben daselbst gefunden. 

Südlich vom Dorfe Breäke, vier Stunden von Srebrenik 
heisst ein Berg Ilijno brdo (Eliasberg). Von dort aus ge- 
niesst man eine herrliche Fernsicht bis nach Kisela voda und 
Dragunja. Der Glavar von Dragunja erzählte Dr. Krauss, in 
Zeiten grosser Dürre wallfahrten die Bauern von Gornja und 
Doljna Dragunja und von Breske auf diesen Berg hinauf. 



— 344. — 

Der Pfarrer lese dann Messe, um Regen vom Himmel zu 
erbitten. Der jetzige Pfarrer von Breäke, ein Franziskaner- 
mönch, habe vor einigen Jahren den alten Brauch nicht be- 
folgen wollen und wäre darum bei dem Volke verhasst 
geworden* Dr. Krauss begab sich mit dem Glavar und seinem 
Diener auf das Ilijno brdo und entdeckte dort sechs alt- 
bostiische Grrabsteine, die übrigens schon halb verwittert sind. 
Dass daselbst je eine Kirche gestanden, ist nicht ausge- 
schlossen, obgleich nicht die geringste Spur von Mauerwerk 
zu finden ist. 

Auffällig ist es, dass hier ausnahmsweise die Grabstätten 
auf der höchsten Spitze angelegt sind, während man sonst 
regelmässtg die Gräber an Bachufern oder an den Abhängen 
kleiner Hügel, wo Quellen entspringen, antrifft. 

In Doljna Tuzla stand noch vor 200 Jahren auf dem 
Berge hoch oben eine Kirche, die dem heiligen Elias ge- 
weiht war. 

Neun hündische Lamien (devet kuöki lami) Hessen 
sich nieder auf die Gefilde von Ohrid, vergifteten des Kaisers 
Brunnen und verzehrten den weissen Weizen. Der alte hei- 
lige Elias (star svjeti Ilija) begibt sich nun ins Dorf Kaneo 
(bei Ohrid) zu einer armen Witwe, die ein Kind an der Brust 
säugt. Das ist ein posthumes Kind (moäko dete, po tatka 
posmoröe)^ Das Kind begibt sich auf die PerinO planina 
(Peters (?) Hochgebirge), passt den neun Lamien auf und 
tödtet ihrer acht, die neunte entflieht und findet Zuflucht in 
der Kirche des heiligen Erzengels. 

Von dem Hochplateau aus^ auf welchem das Städtchen 
Vlasenica gelegen ist, erblickt man nördlich den höchsten 
Gebirgsstock der Treskavica planina, die Kamjenica, »det 
Steinfels« genannt. Während sonst die ganze Treskavica zum 



^) Dazu folgende AnrocrkuBg des Dr. Krauss: Ob niclit hinter Perin 
ein Perun zu suchen ist? Die wolkenumhüllten Spitzen des Balkan, wo oft 
Blitze leuchten und Donner rollt, dürften ja leicht in alter Zeit als Sitz des 
Donnerers (Perun =: Ilija) gedacht worden sein, sowie man gegenwärtig die 
Sitze der Samovili und Samodivi dorthin verlegt. 






Theil mit Urwald bedeckt ist, ragt die Kamjenica kahl und 
trostlos bis in die Wolkenregion hinein. 

Niemand mag den Berg besteigen. Man sagt, oben be- 
fände sich eine grosse Steinsäule, in welche zwei Eisenringe 
•eingerammt seien. Auch gäbe es dort viel Mauerwerk aus 
grauer Vorzeit. Da wäre die Burg der Divi (Hünen) gestan- 
den. Vilen aus den Wolken hätten die Divi getödtet und die 
Burg zerstört. Von der Kamjenica komme der Regen übers Land. 

Vor vielen, vielen Jahren habe sich ein Ziegenhirte 
hinauf auf die Kamjenica verirrt, als er nach einer verlorenen 
Ziege auf die Suche aus war. Nach drei Tagen sei der Hirte 
stumm und sprachlos heimgekehrt und bald darauf an allen 
Gliedern gelähmt gestorben. Die Vile von der Kamjenica 
hatten es ihm angethan. 

Zwei Stunden von Graßanica und dem Flüsschen 
Spreßa, eine halbe Stunde von den Ruinen der Burg So kol, 
erhebt sich als Ausläufer der Majevica planina der steile, 
vollständig dachförmige Berg- Molj (oder häufiger Monj ge- 
nannt). Der Rücken • dieses Berges bildet eine ganz eben- 
massige Fläche, von welchem die Längeseite etwa 350 Meter, 
die Schmalseite an 40 Meter breit ist. Der nördliche Theil 
ist terrassenartig etwas über die übrige Fläche erhöht, 
aber auch dieses kleine Plateau ist ganz eben, bis auf eitien 
etwas grösseren Steinhaufen im nordwesdichen Winkel. Es 
unterliegt keinem Zweifel, dass die grossen Steine dort mit 
Mühe hinaufgeschleppt worden sind und dann zu einer Art 
Altar in alter Zeit aufgeschichtet wurden. Der Berg mit dieser 
oberen Terrasse ist nämlich ein bedeutender Cultusort, wo 
das Volk zu Zeiten grosser Dürre weit von allen Selten hin- 
strömt, um Regen zu erbitten. 

M o n j scheint die ältere Bezeichnung des Berges zu 
sein und ist nach Dr. Krauss wahrscheinlich auf das lateinische 
Mons zurückzuführen. Spuren von römischen Bauten finden 
sich auf dem Monj wohl nicht, dagegen führen auiF diesen 
Berg an 400 Stufen hinan, einst ordentlich iti dem Felsen 
ausgehauen, gegenwärtig freilich sehr stark abgebröckelt und 
verwittert. 



— 346 — 

Auf dem Monj wächst kein Baum noch Strauch, denn 
der Berg gilt als den Vilen heilig. Weder Mahomedaner, noch 
Katholiken, noch Altgläubige würden auf dem Monj Nothdurft 
verrichten wollen, denn sie halten es für gewiss, dass sie in 
diesem Falle den Schluss des Jahres nicht erleben würden. 
Ueberhaupt scheuen es die Leute, diesen Berg zu besteigen. 
Dr. Krauss wurde vom Zäimbeg von Spionica hinauf be- 
gleitet. Derselbe erzählte ihm, auf der oberen Terrasse wäre 
die Arche Noah's gelandet. Darum sei dieser Berg allen 
Menschen heilig. Einst hätten die Leute eine Moschee dort 
oben aufbauen wollen, aber die Arbeiter wären durch Donner 
und Blitz verscheucht worden. 

Im Jahre 1876 habe im Sommer eine fürchterliche 
Trockenheit geherrscht. Da hätten sich alle HodXe und Had- 
zije vom Tuzlaer und Bjelinaer Kreis auf dem Monj versam- 
melt und wären in grosser Procession auf dem Plateau auf 
den Knieen herumgerutscht, um Regen zu erflehen. Auf ein- 
mal seien schwere schwarze Gewitterwolken auf dem Himmel 
aufgestiegen, es habe zu schauern und zu regnen angefangen, 
dass Alle flüchteten. Der Regen währte drei Tage. 

Vier Stunden von Trebinje nordwestlich erstreckt sich 
der 2abljak, Froschberg, dessen höchste Spitze mit dem 
abgeplatteten Plateau Vilinska ploöa (Vilen-Platte) genannt wird. 
Es ist dies angeblich ein mächtiger Block aus weissem 
Marmor, und zwar regelrecht behauen. Nächst dem Blocke 
befindet sich, erzählten mehrere Bauern von Tasovci und 
Gabela, ein ungeheurer Erdschlund. Selten versteigt sich ein 
Hirte bis dahin, doch im Sommer an gewissen Tagen ver- 
sammeln sich Mädchen und Burschen um die Vilinska plo6a, 
singen und führen Reigentänze auf. Abends werfen die Mäd- 
chen Blumen und Sträusse, die Burschen eigens geschnitzte 
und verzierte Stöcke in den besagten Abgrund hinab. 

Vor einigen Jahren, als grosse Dürre in der Hercego- 
vina herrschte, musste ein griechisch - altgläubiger Pfarrer, 
Mönch des Klosters Zitomislici auf der Vilina plo6a, vor dem 
Volke eine Messe celebriren. Er bekam dafür vom Archi- 
mandriten einen scharfen Verweis, denn der Priester müsse 



— 347 — 

derartigen heidnischen Culten entgegenarbeiten, nicht aber 
den Irrthum fördern. Die Messe dürfe nur in der Kirche ge- 
lesen werden. 



Rumänen. 

In alten Zeiten hausten die Ismeus (Teufel) in den Ge- 
birgen. Sie wohnten in einer Höhle. Ihr Tanzplatz war der 
Räuberstein (piatra tabharinlui). Von hier aus fuhren sie in 
glänzenden Kutschen, deren Geleise noch sichtbar sind, den 
steilen Berg gegen ihre Höhle herunter. Als sie bei einer 
langjährigen Dürre einst die Wolken verschluckten, um ihren 
Durst zu löschen, wurden sie von Gott mittelst des Donner- 
keils vernichtet. ') Die in der Belenyescher Höhle liegenden 
Knochen sind die Reste der Ismeus. 

Auch an andere Berge knüpft der Rumäne Vorstellungen 
von deren Beziehungen zu Teufeln. So an den Galgenberg. 
Der Teufelsstein bei Kapolna ist sogar der in Stein verwan- 
delte Teufel. 2) 

Der Butschetsch^ bei Kronstadt ist einer der höchsten 
Berge Siebenbürgens. Seine Spitze wird von einem mächtigen 
Felsen gebildet, der den Namen Nann (Om) führt. Man er- 
zählt, dass ein Hirte sich dort einmal verirrt habe und, da er 
keinen Ausweg finden konnte, in gotteslästerliches Fluchen 
ausgebrochen sei. Zur Strafe dafür habe Gott ihn in jenen 
Stein verwandelt. 

Die Rumänen kennen zwei Gattungen von »Drachen«. 
Der eine Drache ist ein teufelartiges Wesen, dessen Wohnung 
auf hohen Felsen ist. Es tauscht die Kinder aus und wird 
von Gott immer verfolgt, von armen Menschen und Zigeunern 
oft überiistet. Der andere, Belaüer, ist ein Wesen mit Drachen- 
körper. Er wohnt in Gewässern (Wassermann) und lauert 
beim Aufgang des Abendsterns (Lucaferul) an Teichufern 

^) Dr. Müller, Siebenb. Sagen 209, 213. 

2) Dr. Müller, 1. c. 210 ff. 

3) Dr. Müller, 1. c, 215. 



- 348 - 

und Höhlenmündungen auf seine Beute. Er ist manchmal 
so gross, dass sein Kopf in einem Teiche oder Sumpf, sein 
Schwanz aber in einer entfernten Höhle ist. Dieses Wesen 
verursacht den Regen und wird durch verschiedene Zauber- 
mittel besänftigt. ^) Eine dritte Gattung Drachen (Imeu) wohnt 
in Bäumen, besonders Pflaumenbäumen, in welche häufig 
der Blitz einschlägt. 



Germanen. 

Dass die Römer bei den Germanen und Gelten Höhen- 
cultus vorfanden, erhellt aus der Verschmelzung desselben 
mit ihrer eigenen Religion, demzufolge wir einen Jupiter 
O. M. Poeninus auf dem grossen St. Bernhard, einen J. O. M. 
Culminalis in der Steiermark finden, neben welchen sogar 
die Wege und Stege göttlich verehrt wurden. 2) Die nachfol- 
genden Thatsachen geben weitere Belege hiefür, sollen jedoch 
nur als Andeutungen gelten, welchen eine systematische Ver- 
arbeitung des vorhandenen Stoffes von berufener Seite hof- 
fentlich bald nachfolgen wird. 

Der Vater der Götter, der Luft- und Sturmgott Odin 
(Wuotan) legt sich selbst den Beinamen »Mann vom Berge« ^) 
bei. ^) Er nimmt . den Hochsitz in Walhall ein und schaut 
durch ein Fenster zur Erde nieder. (Grimm.) Der Himiliel 
der Äsen lag ursprünglich auf dem Berge und ward erst 
später in höhere Sphären gerückt. Alle Götter der Äsen 
thronen auf Bergen (daher Asberg). Dagegen scheinen die 
Wanengötter in dem Berge, im Schosse der Erde zu wohnen.^) 

Dass der Cultus Odins auf Bergen ausgeübt worden, 
beweisen die zahlreichen Bergesnamen mit der Wurzel Odin, 
wie der Orensberg (Vogesen), der Othensberg, der Ossenkopf 



') Oscar Mailand Ausland, 1887, Nr. 52. 

2) Preller, Rom. Myth. L, 241, Grimm, D. Myth. 154. 

3) Simrock, D. Myth., 189. 

*) Fr aas, Münchn. Allg. Zeit. 1888, Nr. 142, Beil. 
^) Simrock, 1. c, 189. 



— 349 — 

im Fichtelgebirge, der Odenberg in Niederhessen, der Oden- 
wald. Ebenso führt Holzmann *) eine Reihe von Bergnamen 
mit der Wurzel Wuotan an. Vor dem Kampfe mit Karl d. G. 
versprachen die Sachsen dem Wodan alle Gefangenen auf 
seinem heiligen Harzberge zu opfern. 2) Auch Selbstopferung 
zur Vereinigung mit Odin durch Herabstürzen von einem 
Felsen ist unzweifelhaft vorgekommen.^ 

Das Christenthum hat an die Stelle Wuotans u. a. den 
Erzengel Michael gesetzt, dessen Capellen bekanntlich sehr 
häufig auf Höhen liegen (Beispiele bei Holzmann, 52). Am 
St. Michaelsfeste wird in der Umgebung von Witich (Mosel) 
von den Jünglingen und Knaben ein brennendes Rad von 
den Bergen hinunter gerollt. Die jungen Leute selbst jagen 
mit brennenden Fackeln demselben nach, wobei die Fackel 
nicht erlöschen soll.^) 

In dem auf Wuotan bezogenen Theile des österreichi- 
schen Sagenschatzes findet man allerdings nur wenige An- 
deutungen von Höhencultus. Vernaleken theilt aus Am- 
stetten eine Sage mit, in welcher dieselben sehr klar dar- 
gelegt sind. Arme Leute werden von einem Mann auf einem 
Schimmel gedungen, um einen kleinen Hügel auf dem 
Gipfel eines Berges aufzuwerfen. Sowie dies geschehen, bleibt 
lange Jahre der Gipfel des Berges mit Wolken verhüllt. 
Wenn ein Gewitter kommt, steht der Berg in Feuer. Wenn 
Regen kommt, wird der Mann auf weissem Rosse sichtbar. 
Noch immer sagt man, wenn Nebel auf dem Berge ist, »der 
Mann ist oben«.^) 

Obgleich Wuotans Sohn, ist Thor (Donar) nach Grimm 
der ältere Gott. Er ist Berggott, Felsengott, thronet in Wäl- 

) Holzmann, D. Myth., 51, Grimm, D. Myth., 103. 
~) Pröhle, A. d. Harz, 80. 

3) Maurer, Bekehr. Norweg. f. Christ. II. 93. 

4) Wolf, Zeitschr. f. D. Myth., I, 85. Nach Budinsky (Beil. Münchn. 
AUg. Zeit., 1890, Nr. 70) ist der Monte Gargano die Wiege des Michael-Cults 
im Abendlande. Als der heilige Autbert im 7. Jahrhundert an der Grenze der 
Normandie und Bretagne auf dem vom Meere umspülten Mont St. Michel 6in 
Kirchlein baute, wurde ein Stück vom Felsen der Grotte auf dem M. Gar- 
gano geholt. 

5) Vernaleken, Myth. und Bräuche in Oesterreich, 25. 



— 350 — 

dern und auf Berggipfeln. Nach ihm sind viele Berge benannt. 
Wir kennen den Donnersberg in der Pfalz, den Donnersberg 
bei Teplitz (alias Mileschauerberg), ferner alle mit mons Jovis 
bezeichneten Berge, vor Allen den St. Bernhard (Grrimm, Myth., 
VI, 4), endlich die Berge, welche »Grossvater«, »Altvater« 
(Sudeten) heissen u. s. w. Auch der Altkönig (Taunus) stammt 
von dem eddischen Beinamen Thors Atli (= Attila, Etzel). *) 

Auch den Namen von Thors Mutter, Jördh, Hlodyn und 
Fiörgyn finden wir in Gebirgsnamen. Im Gothischen bedeutet 
Fyörguni Berg, das Erzgebirge wird Fregunna genannt, Vir- 
gunin heisst der Gebirgszug zwischen Ansbach und Ellwangen. 
Wolfram stellt Schwarzwald und Virgunt zusammen. ^) Grimm 
spricht, Wörterbuch I, 1052, die Ansicht aus, dass Griechen 
und Römer aus Fergunna Hercynia gemacht haben. 

Tyr, auch Zir (Jupiter, Marspiter, Jispiter), ist in der 
Edda ein Sohn Odins, in Wirklichkeit aber ein älterer Him- 
melsgott, der vor Odin später zurücktrat. Ihm waren Berge 
unter allen Namen heilig.^) Tybiery (Seeland), Ziesberg 
(Eibgegend), Ziefel (Eifelgau), Zingsheim (Zülpichgau), Zissen 
(Maiengau), Zissenheim (Acelgau) erinnern an ihn. 

Eine der ältesten Göttinnen, Frau Harke (Harfe, 
Harkje, Halke, Hirke, Hurke), wird von Kuhn als die Tochter 
Zirs angesehen. Die Benennung Hercynia silva wird von 
Simrock auf diese Göttin bezogen. Im Havellande lag der 
Harkenstein, ein gewaltiger Granitblock, in welchem die 
Unterirdischen wohnten. In eine Höhle des Berges trieben sie 
Nachts ihre Hirsche, Rehe und andere wilde Thiere. Auch 
in Westphalen ist ein Harkenstein (Herchenstein). Da sie 
häufig als Riesin gedacht wird, bringen wir weiter unten 
auch einige auf sie bezügliche Sagen. ^) 

Die »weisse Frau« ist theils die segenspendende 
Göttermutter (Berchta), theils aber eine Erlösung suchende 
Jungfrau, welche in den Berg (oder in das verzauberte 



^) Simrock, D. Myth., 233, Holzmann, D. Myth., 66. 
^) Simrock, 1. c, 235. Grimm, D. Myth. I. 143. 
3) Simrock, 1. c, 76, Grimm, Myth., I. 164 f. 
*) Simrock, Deutsche Myth., 4. Aufl., S. 381. 



— 351 — 

Schloss) verwünscht ist. Der Zugang zu dem Berge wird 
'durch die blaue Blume (Springwurzel) gefunden. *) 

Hol da, 2) die milde gnädige Göttin, wahrscheinlich identisch 
mit der Berchta, wohnt häufiger im See, im Teich, in Lin- 
denbäumen; aber doch auch in hohen Bergen, im Venusberge, 
im Hörseiberge. Im Kyff häuser ist sie Kaiser Friedrichs Aus- 
geberin, anderwärts des im Berge schlafenden Gottes Ge- 
mahlin, und im Holleberg hausen die Oelken oder Aulken, 
die nichts Anderes sind als die Geister der Verstorbenen. 

Holle sitzt weinend auf der hohen Acht, oder auf den 
drei Brotsteinen oder in dem Frau Hollenstein bei Fulda, 
in welchem man Furchen sieht. Sie soll so bittere Thränen 
um ihren Mann geweint haben, dass der harte Stein davon 
erweichte. ^ 

Jene um ihren Mann klagende Holle vervielfältigt sich 
in den Klagefrauen. Die eine davon nennt sich Tutursel 
(Urschel); diese Urschel ist nach dem Berge benannt, in dem 
sie wohnt; auch die Tulosel kann nach einem Berge heissen, 
da Oselberge nebst dem Hörseiberge, vielleicht einst Asen- 
berg, vielfach bezeugt sind.^) 

Im unteren Berge bei Hasloch am Main (Unterfranken) 
wohnt die Frau Hulda (,Frau Hulli* in anderen Dörfern 
mainaufwärts ,Frau Holle* oder , Holla*). Sie ist ein schönes, 
geisterhaftes, den Menschen geneigtes Wesen, das sich ge- 
wöhnlich in einem langen weissen Gewand zeigt. 

Am Fusse des unteren Berges nahe am Mainufer liegt 
ein flacher Fels, genannt der Frauhullistein. Bei diesem 
Steine ruhte Frau Hulda jedesmal au§, wenn sie ermüdeten 
Mädchen, welche zu schwer mit Gras, Streu oder Holz be- 
lastet waren, die Klötze abgenommen und getragen hatte. 
Weil sie dies jedesmal an derselben Stelle that, so drückten 



^) S im rock, Deutsche Myth., 395. 

2) Simrock, 1. c, 385. 

3) Simrock, 1. c, 395, wo auch die Literatur angegeben ist. 
*) Simrock, 1. c, 346. 



— 352 — 

sich endlich im Laufe der Zeit zwei Löcher in den Stein 
ein, die noch zu sehen sind.^) 

Eine alte Frau trug ihren Vettern Speise, die im untern 
Berg im Walde arbeiteten. Als sie vom Steigen ermüdet war, 
kam Frau Hulda mitleidig aus dem Berge, um der Alten zu 
helfen. Sie aber wollte nicht und nannte Frau Hulda eine 
Hexe. Da verschwand diese und die Alte verirrte sich im 
Walde auf den Felsen herum, bis sie die Vettern erblickten 
und riefen: »Klärle, wo 'naus?« Dies Beschreien brach den 
Zauber. 2) 

Vor Zeiten sah man die Frau Hulda bei Mondschein 
oft auf einem Felsen sitzen, der oberhalb des Karthäuser- 
weinberges am Waldrand lag. Hier sang sie. Man darf aber 
nicht darauf hören, sonst muss man mit der Frau Hulda bis 
zum jüngsten Tage im Walde herumfahren. Ein Jüngling 
stieg hinauf, um ihr zuzuhören, und starb drei Tage darauf. ^) 

»Es sei umb acht Jahr, dass ihme Weib und Kinder 
gestorben, darüber er sehr bestürzt worden, da habe er 
sich geleget und geschlaffen, und nachdem er erwacht, 
befunden, dass er in Fraw Venus Berg gewesen, hette er 
mancherlei Sachen und dass Fraw Holt (Holl) einen Kessel 
mit Wasser ubergehengt, und sonsten gesehen, dass etz- 
liche im Feuer gesessen. — — — — Fraw Holt die führ 
voranen in den Berg, deren folgten Leut, die man aber 
nicht kennen kont, dan sie praesentirten sich nurent als 

ein Schein — . Es were einer im Berg, wie ein 

Pfarrer, mit deme redete Fraw Holt, aber nicht viel, dar- 
nach waschete und verbinde sie die Leut, so lam und Man- 
gel an Schenkeln betten; uff Befragen, wes sie dan redeten, 
sagt er, der Berg were gross, dass man nurent den Schall 
hörete; es weren auch Leut darinnen, die schon brenten. — 
— — — Die Fahrt in Venusberg geschehe >uff den neuen 
Jahrs Tag, er wüste selbst nicht, wie er darein keme« (an 
einem anderen Orte: wan die Zeit keme, müste er fort und 



^) Wolf, Zeitschr. f. d. Mythologie, I, p. 23 f. 
2) Wolf, 1. c. 26. 
^) Wolf, 1. c, 27. 



— 353 — 

lege da gleichsam als ob er tot wäre). — — »Fraw Holt 

were von forn her wie ein fein Weibsmensch, aber binden 
her wie ein holer Baum von rauhen Rinden.'^)« 

Die Frau Holle scheint auf dem ganzen Harze bekannt 
zu sein, 2) ebenso in den Alpenländern (Hollenstein im Ybbs- 
thale u. s. w.), hier jedoch meistens als Berchta. Am ersten 
Sonntag im Fasching geschieht in Tirol das Scheiterschlagen 
ihr zu Ehren. Die Jugend des Dorfes schlägt brennende 
Scheiter iii die Luft und rollt glühende Räder bergab.^) 

Das Anzünden der sogenannten Holer- oder Holepfann- 
feuer auf Anhöhen unter freiem Himmel ist in der Umge- 
gend von Meran, sowie in Ulten, Passeir und Vintschgau bei 
der Abenddämmerung des ersten Sonntags nach dem Fasching, 
in der Gegend von Bozen und am Eisack in den letzten Fa- 
schingstagen noch üblich. Man lässt auch bisweilen bren- 
nende Reisig- oder Strohbündel über die Saatfelder hinab- 
rollen, was man in Ulten das Kornaufwecken nennt. ^) 

Der Cult der noch räthselhaften Göttin Ostara gehört 
ebenfalls hieher. Er erstreckt sich nach Grimm (D. Mythol.,. 
S. 384) über ganz Niedersachsen, Westphalen und Nieder- 
hessen, wahrscheinlich auch über Friesland, Jütland, Seeland. 
In allen Städten,^) Flecken und Dörfern des Landes wird 
gegen Abend des ersten (zuweilen dritten) Ostertages auf 
Bergen und Hügeln ein grosses Feuer aus Stroh, Wasen und 
Holz unter Zulauf und Frohlocken des Volkes jährlich ange- 
zündet. An der Weser, zumal im Schaumburgischen pflegt 
man ein Theerfass auf einer strohumwundenen Tanne zu be- 
festigen und es in der Nacht zu entzünden. Knechte, Mägde 
und wer dazu kommt, tanzen jubelnd und singend um die 
Flammen, Hüte werden geschwenkt, Tücher in das Feuer 
geworfen. Alle Gebirge im Umkreise leuchten. An einigen 
Orten zog man mit weissen Stäben auf den Berg, stimmte 



Wolf, 1. c. I, 273. 

2) H. Pröhle, p. 195. 

3) Dr. Freitag, Zeitschr. d. d. Alpenver. 1881. 

*) Thaler in Wolfs Zeitsch. f. d. Myth., I, 285. 
*) Grimm, D. Myth., S. 348. 
V. Andrian, Höhencultus. 23 



— 354 — 

christliche Osterlieder an und schlug beim Halleluja die Stäbe 
zusammen. 

In eine Höhle am Meissner (Hessen) tragen am zweiten 
Ostertage die Jünglinge und Mädchen der benachbarten 
Dörfer Blumensträusse und schöpfen sich dann duftendes 
Wasser. Ohne Blumen mitzubringen, wagt es Niemand hinab- 
zusteigen. ') 

Im Wechselgebiete (Krummbach, Nieder - Oesterreich) 
werden Abends nach der Auferstehung Osterfeuer ringsherum 
auf den Höhen angezündet.*) 

Dasselbe geschieht am Pfingstsamstag Abends. Die 
Halterbuben zünden die Feuer an und schnalzen dabei mit 
Peitschen. (Pfingstfeuer, Heiligengeistlicht.) ^) 

Am allgemeinsten verbreitet sind die Johannisfeuer. 
Angesichts der hierüber allgemein bekannten Thatsachen kann 
von einer weiteren- Besprechung derselben Umgang genom- 
men werden. Dass die von J. Grimm vorausgesetzte Ab- 
grenzung der Osterfeuer auf den Norden, der Johannisfeuer 
auf Süddeutschland nicht vorhanden ist, erhellt aus der 
früher mitgetheilten Beobachtung. 

Die Bergriesen wohnen in unzugänglichen Felshöhlen 
auf Bergen, auf Höhen und führen Steinkeulen und Stein- 
schilde, auch . wohl Eisenstangen und Kolben zu Waffen. Sie 
heissen steinalt, sie sind alt wie das Steinreich, wie der 
Westerwald, der Böhmerwald. König Watzmann ist ein Riese. 
Auch das Riesengebirge hat von ihnen den Namen.-*) Manche 
Berge tragen von ihnen den Namen »Unholde f. In manchen 
Ortsnamen hat sich, z. B. in Island, das Andenken an die 
Unholde (Riesen, Troll) erhalten. Ein Felsberg zwischen 
dem Hrappadalo und Hittadalo trägt den Namen Trölla- 
kirkja (Unholdenkirche) und noch andere Berge mehr.^) 



1) Grimm, D. Myth., 36. 

2) Nach Mittheilungen von Dr. P. Robert W^eissen hof er. 

5) Dr. Weissenhofer durch das Pfarramt Winzerdorf nächst Wiener- 
Neustadt mitgetheilt. 

*) Simrock, Myth^, 409. 

^) Maurer, Isl. Sagen, Lisch, 460, S. 36 ff. Derselben Quelle S. 39 
V)is 47 entstammen die auf S. 355 folgenden Daten. 



- 355 - 

Am Skessuhom, d. h. Riesinnenhorn, einem hervor- 
ragenden Felsberge des unter dem Namen Skardhseidi zwi- 
schen dem Borgarfjörde und Hvalfjörde sich hinstrecken- 
den Gebirgszuges, sollen Riesinnen gewohnt haben. Mit we- 
nigen Schritten sprangen sie von hier aus auf den Bergpfad 
hinab, welcher sich eben hier über die Felsen windet, und 
fingen sich Reisende, um sie zu verzehren. 

Auf Grimsey hauste bis in die neueste Zeit herab ein 
böser Geist (illrandi) in einer Höhle. 

Bischof Porläkr weihte verschiedentliche Berge, um sie 
von ähnlichen Unholden frei zu machen. Als er den Lätraberg 
im Westlande weihte, Hess sich eine Stimme im Berge hören, 
die sprach: einhversstadar verda vondir ad vera (irgendwo 
müssen doch auch die Bösen sein). Da Hess der Bischof 
eine kleine Stelle am Berge ungeweiht und dort wagt seit- 
dem Niemand sich herabzulassen. Die SteHe, 

welche ungeweiht bHeb, nennt man Heidnaberg (Heidenberg), 
eine Benennung, welche auch anderwärts vorkommt, wie denn 
z. B. zwischen Fagridalr und Budardalr ein weiteres Heidna- 
berg liegt, in welchem freilich älfar, nicht troll wohnen 
sollen. 

Als Torleifr in der Noth einem unbekannten Manne 
sein Kalb verspricht, dieses aber später, weil es zu wild wird, 
tödtet, wird er zur bestimmten Zeit auf geheimnissvolle Weise 
selbst abgeholt. Man findet am nächsten Tage Blutspuren 
von seinem Hause bis zum nächsten Hügel. 

In dem Bezirke undir Eyjafjöllum wird ein Berg ge- 
zeigt, in welchem ein purs (die Riesen heissen ferner jötnar, 
skessur, flögd, gygjur) verstorben sein soll. So erzählte der 
treifliche hreppstjöri (Gemeindevorsteher) des Bezirkes. Die 
ältere Sage weiss von Riesen, welche in Berge eingegangen 
sind, z. B. Bardr Snaefellsäss, Armann. 

In dem Berge Skessuhali (Schweif der Riesin; sollte 
es etwa heissen Skessuhallr, Riesinnenstein?) am See Myvatn 
befindet sich eine Höhle, in welcher eine Riesin Namens 
Kräka wohnte, sie holte sich von einem benachbarten Hofe 
einen Knecht, mit dem sie sehr treu lebte. 

23* 



— 35^ — 

Vor alter Zeit wohnte auf dem Stoellenschen Berge 
eine grossmächtige Riesenfrau, mit Namen Frau Harke, oder 
auch Harfe, die hat einmal mit einem grossen Stein den 
Dom zu Havelberg zerschmettern wollen, er entglitt ihr aber 
aus der Hand und fiel auf die Stöllensche Feldmark, wq. er 
lange gelegen ist. Man hat die Löcher sehen können, wo 
sie ihn mit den Fingern angepackt hat, so auch Streifen, die 
daher kamen, dass ihn Frau Harke in der Wüth gebissen 
hat. Andere erzählen, Frau Harke hätte den Stein wirklich 
nach Havelberg hingeworfen, doch wäre der Wurf etwas zu 
kurz gewesen und der Stein daher vor dem Dom niederge- 
fallen, wo er noch lange nachher gelegen. Da hätte, der 
Havelberger Bischof einen anderen Stein genommen und 
nach den Stoellenschen Bergen geworfen, seit der Zeit sei 
dann Frau Harke, die eine gewaltige Zauberin gewesen und 
dort auf dem Berge gewohnt, verschwunden.^) 

In Nagy-Harsäny an der Ebene unter dem Berge wohnte 
eine alte Hexe (v^n banya), sie hatte eine schöne junge 
Tochter mit Namen Harka, die der mit der bösen Mutter im 
Bunde stehende Teufel zu heiraten wünschte. Die Mutter 
sagte zu, doch stellte sie die Bedingung, dass der Teufel den 
Harsänyer Berg in einer Nacht mit einer Henne oder Ziege 
aufackere. Der Teufel ging darauf ein, doch eben als er vor 
12 Uhr die letzte Furche zu machen hatte, ging Harka her- 
aus in den Hof und ahmte den Hahnenruf nach, worauf der 
Teufel die Arbeit gleich aufgeben musste. In seiner Wuth 
schleuderte er aber einen seiner Stiefel nach Beremend, den 
anderen gegen Siklös zu und aus dem herausgeschütte- 
ten Sand entstanden die zwei Berge bei Beremend und 
Siklös. 2) 

Die Gleichberge in Sachsen bestehen aus Basalt, wel- 
cher sich auch ins bayrische Gebiet erstreckt und,, hie und 
da die aufgelagerten jüngeren Bildungen durchbrechend, vom 



^) Kuhn, Märkische Sagen, und Wolf, 11, 255. 
2) Friebeis, Ebetk^pek 1847, Wolf, II, 255. 



— 357 — 

Volke der Riesenpfad, auch die Hei mau er, von der 
schwarzen Farbe des Basalts genannt wird. ?) 

Bei Duderstadt ist ein Berg, der die Form eines Kegels 
hat und von einem Riesen dorthin geschüttet ist. Als dieser 
nämlich einst spazieren ging, that ihm der Fuss sehr weh, 
und er zog seinen Schuh aus, weil er dachte, irgend ein 
Steinchen sei in demselben und verursache ihm die Schmerzen. 
Und richtig: ein wenig Sand war ihm in den Schuh gekom- 
men, er schüttete ihn aus und das ist der spitze Berg, den 
man noch immer sehen und besteigen kann, wenn man von 
Duderstadt nach Nordhausen geht. (Von einem Geistlichen 
aus Duderstadt.) 2) 

In isländischen Volksmärchen ist oft von Riesen die 
Rede, welche in und auf Bergen hausen. Nur ein Bei- 
spiel möge folgen.^) 

Ein altes Ehepaar hatte drei Töchter, Als das Peuer 
in der Hütte einst erlosch, ging die älteste, solches zu holen, 
Sie kam an einem Hügel "vorüber und hörte, dass im Innern 
desselben Jemand sagte: »Willst Du mich lieber mit Dir 
oder gegen Dich haben ?< Das war ihr ganz gleichgiltig, Sie 
bekam aber kein Feuer. Ebenso die zweite. Die Dritte aber 
wollte den Sprechenden lieber mit sich haben, und als sie 
in die Höhle kam, woher sie das Feuer holen sollte, kam 
ein gewaltiger Riese, der aber ganz freundlich mit ihr war. 
Des war ein verzauberter Prinz. 

Am Eingange des Schwarzathales auf der Höhenkoppe 
wohnt eine Hünin mit ihrer Tochter.^) Die Hünin fand auf 
dem Gemeindeberg einen feldpflügenden Bauer, that ihn mit 
Pflug und Ochsen in ihre Schürze und trug der Mutter den 
kleinen Kerl mit ihren Kätzchen hin. Zornig befahl die Mutter, 
Mann, Thiere und Pflug augenblicklich wieder an Ort und 



^) Panzer, Beitrag I, 371. 

2) Wolf, Zeitschr. f. d. Myth., II, p. 108 f. 

3) Maurer, Island. Volksmärchen, p. 119, 181 und 287. 

^) Grimm, D. Myth., 313. Vgl. auch die Hünensagen aus Siebenbürgen 
Dr. Fr. Müller, Siebenb. Sagen, S. 8 ff* 



- 358 - 

Stelle zurückzutragen: sie gehören zu einem Volke, das den 
Hünen grossen Schaden zufügen kann. 

Rabelais und Fischart haben die Fabel von Gargantua 
verherrlicht. Gargantua, ein ungeheurer Fresser und Säufer, 
steht mit jedem Fusse auf einem hohen Berge und trinkt, 
sich niederbeugend, den dazwischen herlaufenden Fluss aus* 
Eine ähnliche Sage ist auch aus Westphalen bekannt 

Zwei Hünen wohnten, der eine auf dem Eberstein, der 
andere auf Homburg. Sie hatten zusammen nur eine Axt, 
mit der sie ihr Holz spalteten. Wollte der Ebersteiner Hüne 
an die Arbeit gehen, so rief er hinüber nach der Homburg, 
die anderthalb Stunden fern lag; sogleich warf der Hom- 
burger Hüne die Axt herüber, ebenso geschah es umgekehrt. ') 
Ebenso stark waren die Riesen, welche auf dem Untersberg 
hausten. *) 

Nach Grimm lässt sich keine scharfe Grenze ziehen 
zwischen Riesen und den wilden rauhen Waldgeistern. Im 
Gasteiner Thale, erzählt Muchar, S. 137, wohnten seit Men- 
schengedenken noch wilde Männer, deren Geschlecht seitdem 
ausstarb. Sie besassen Riesenstärke und wohnten in einer 
unzugänglichen Höhle am linken Achenufer zu Eingang der 
Klamm. ^) Auf einer Alpe bei Innsbruck haust eine Riesen- 
königin. Auch auf der hohen Salve hausen Riesen (Verna- 
leken, 1. c.) 

Am Röllaberg bei Ruprechtshofen in Niederösterreich 
trug bei einem Kirchenbau die Tochter eines Riesen in ihrer 
Schürze einen 2 — 3 Centner schweren Stein auf das Mauer- 
gerüste. Diesen Stein sieht man noch..^) 

Wie die Riesen als Feinde der Götter erscheinen, so 
sind die Elfen den Göttern verbunden, sie dienen und 
schmieden für sie. Zu ihnen gehören auch die Zwerge (Erd- 
geister). Berühmte Zwergkönige sind Laurin, dessen Bruder 

^) Griinm, Deutsche Mythologie, 314, führt noch mehrere derartige 
Sagen an. 

') Alpenburg, Alpensagen, 2. 

3) Grimm, D. Myth,, 322. 

^) Mitth. des Herrn Prof. Weissenhofer in Seitenstetten. 



— 359 — 

Sinneis von Palakers bei dem Lebermer, Giebich, Rübezahl 
u. s. w. ^) 

Die meisten Zwerge wohnen in den Schluchten und 
Höhlen des Gebirges. 

Laurin's Rosengarten liegt bei Algund, seine Krystall- 
burg im Innern eines Berges. Ein anderer Rosengarten lag 
um den Schiern herum. Er wurde durch den neidischen Riesen 
vom Glunkexenberg zerstört. 2) Auch nach Gübich sind Gibi- 
chenheim und Gibichenkoppe benannt. Rübezahl ist der 
Berggeist des Riesengebirges und des Brockens.^) Auch der 
Taunus wurde von einem mächtigen Berggeist »Riebe« be- 
herrscht und bewohnt. ^) Die Venediger Mannin, welche in den 
Centralalpen nach Erz und Goldstaub suchten, sind, wie 
einige Forscher behaupten,^) als verkappte germanische 
Zwerge aufzufassen. Dvergmäl (sermo nanorum) ist der alt- 
nordische Ausdruck für das Echo. Dem gegen den Berg hin 
laut redenden Menschen antwortet gleichsam der Zwerg. ^ 
Auch im Polauergebirge (Mähren), am Kammerbichl, im' Un- 
tersberge, im Erzgebirge, in den Sudeten u. s. w. hausen 
Zwerge, meist in Höhlen. ') 

Die nordischen Eiben (alfar, älfakyn, älfakonur: Elbe, 
Eibengeschlecht, Eibenweiber; huldufölk, huldumädr, huldu- 
kona, Ijüflingr) wohnen in Steinen und Erdhügeln. An ver- 
schiedenen Orten werden Elbenhügel gezeigt, z. B. ein Alfa- 
höll und Alfaholsvatn am Hrutafjardarhäls, ein Alfahöll auf 
Hrappsey, ein Stein zwischen Stadr auf Reykjanes und Reyk- 
hölar, in welchem Elbe wohnen. 

Zahlreiche Sagen erwähnen, dass die Elbe in Hügeln 
wohnen, z. B. : ^) 



1) Simrock, Myth., 432. 

2) Zöhrer, Oest. Sagen- und Märchenb., 27 f. 

3) Rübezahl, seine Begründung im deutschen Mythus. Hohenelbe 1S44. 
*) J^^g Regierungsbez. Wiesbaden, 1870, 14. 

5) Vgl. Literatur bei Simrock, 433. 

6) Grimm, D. Myth., 255. 

■^ Vernaleken, Myth. u. Br. Oest., 201, an vielen Orten. 
^) Maurer, isländ. Volkssagen, p. 2, 5, 41. 



— 36o — 

Zwei Leute treiben Pferde und kommen an einen klei- 
nen Hügel; da werden die Pferde scheu und der eine, von 
beiden behauptet auf dem Hügel drei Eibenweiber zu sehen. 

Einer Kirche gegenüber ist ein Hügel, in welchem 
Eiben wohnen. Während des Gottesdienstes sieht der Pfarrer 
durch die offene Kirchenthüre hindurch den Elbehügel offen 
und die Eiben ihr Unwesen treiben; die Kirche musste ver- 
legt werden. 

Oft sieht man an höheren Festtagen die beleuchteten 
Fenster im Berge. 

Es lebte ein alter Mann mit seinem alten Weibe in 
einer schlechten Hütte. Der Mann fischte, das Weib spann 
mit einer Spindel, auf der ein goldener Knopf war. Nicht 
weit von der Hütte war ein grosser Hügel, von dem die 
Leute glaubten, dass sich darin ein Elb aufhalte, den man 
Kidhus nannte, und vor dem man sich gut in Acht nehmen 
niüsse. 

Als einst die Alte ihren goldenen Knopf verlor, hatte 
ihn Kidhus genommen. 

Nach dem heutigen Standpunkte der mythologischen 
Wissenschaft sind die Hexen Personificationen der atmosphä- 
rischen Vorgänge, besonders von schweren Gewittern etc., 
die Berge sind auch der Versammlungsort der Hexen. Der 
Ruf einzelner Hexenberge erstreckt sich über ganze Reiche. 
So der Brocken (Blocksberg). Andere Hexenberge sind der 
Huiberg bei Halberstadt, der Horselberg bei Eisenach, Insel- 
berg bei Schmalkalden u. s. w. ^) 

Der Freibodenberg an der Weser ist der Berg der 
Riesen und Hexen. 2) 

Auf dem Oetscher (Niederösterreich) halten die Hexen 
ihre Versammlungen und Tänze ab. ^) Auch der Blocksberg j 

•bei Budapest wird seinen Namen derselben Vorstellung 
verdanken. Man vergleiche die Liste der Hexenberge in 

# ») Grimm, D. Myth., 591 ff. . 

^) Simrock, D. Myth^ 469, 
3) Mitth. Prof. Weissenhofer's in Seitenstetten. 



— 301 — 

Vorarlberg.^) In Norwegen nennt man die Zusammenkunfts- 
orte der Hexen böse Felder (balvolds, campus malus). Sie 
liegen auf Bergen, z. B. Trommenfjeld', auf einem Berge 
der Insel Tromsöe, oben an der Finnmark, oder auf BlaküUa, 
einem einsamen Meeresfelsen zwischen Seeland und Oeland. 
In Dänemark geht der Zug der Hexen (in der Nacht des 
ersten Jahrestages) zum Hekla auf Island (Hekkelfjeld, Hae- 
kenfeld), welcher Name des Hexenberges sich merkwürdiger 
Weise in Niedersachsen vorfindet.^) 

Bei Lengfurt an einer bogigen Krümmung des Mains 
liegt der Dielberg, eine niedere Höhe mit breitem Rücken^ 
die mit Ausnahme der Abhänge jetzt grossentheils angebaut 
ist. Auf dieser Höhe treiben die Hexen, noch mehr aber 
der Marehans ihr Unwesen. Letzterer war zu seinen Leb- 
zeiten ein erzliederlicher Kerl gewesen. Weil ihn aber des- 
halb jedermann verachtete, so zog er sich endlich in eine 
einsame Hütte auf dem Dielberge zurück und schreckte da 
die vorübergehenden Leute oft mit seinem langen Bart und 
seiner Pelzkleidung. Zuletzt erhängte er sich aus Verzweiflung, 
weil gar niemand von ihm etwas wissen wollte, an einer 
sehr grossen Eiche, die genau an der Stelle sich befand, wo 
jetz das hohe Crucifix von Stein steht. Seitdem geht er da 
um und treibt vielfältigen Unfug. Unfern von dem erwähnten 
Kreuzesbilde befindet sich das »Hexenbrünnlein< und schleicht 
am nördlichen Abhänge des Dielberges hinab. Hier halten 
die Hexen auf Walpurgis ihre grosse Zusammenkunft, ausser- 
dem aber tanzen sie auch jede Samstagnacht daselbst.^) 

Der deutschen Mythologie vorzüglich, wenn auch nicht 
ausschliesslich eigenthümlich ist die Idee der Entrückung, 
welche Grimm so schön entwickelt hat. . Der deutsche 
Volksglaube versetzt die entrückten Gegenstände (Personen 
oder Sachen) gerne in Berge (in den Alpenländern auch auf 
Moose)*) und lässt die Erde zu deren Aufnahme sich öffnen. 



*) Vonbun, Sagen Vorarlbergs, i6o f. 

2) Beyer, Erinn. a. nord. Myth., Mecklenb, Jahr]3. f. Gesch., 1855, S. 193. 

3) Dr. A. Fries, Wolf, Z. f. d. Myth., I,. p. 298 f. , - 

*) Dr. Freitag, Zeitschr. d. d. u. öst. Alpenv., 1881, S. 18 U 



— 302 — 

Frau Holda, Frau Venus sind mit ihrem Gesinde in 
Berge entrückt und harren dort der Zeit ihrer Rückkehr 
unter die Menschen. König Karl wohnt im Odenberg. Sieg- 
fried und andere Helden wohnen im Bergschlosse Geroldseck. 
Friedrich Rothbart schläft auf dem Kj^ffhäuser oder in einer 
Felsenhöhle bei Kaiserslautern, oder im Untersberg. 

Nicht blos Götter (Wuotan) und Helden werden in den 
Berg bis zum Eintritt gewisser Ereignisse gebannt; auch 
andere göttliche und halbgöttliche Wesen wohnen dort, die 
von Zeit zu Zeit den Menschen sichtbar werden. Solcher Sagen 
erwähnt Grimm von dem Lahnberg, der Boyneburg, dem 
Otomannsberg beim Dorfe Geismer u. s. w. Im Oselberg 
bei Dinkelsbühl haust eine Schlange mit Frauenhaupt und 
Schlüsselbund am Hals. Im goldenen Berge haust die ver- 
wünschte Jungfi'au als Schlange» Zuweilen zeigt sie sich 
einen Tag als Jungfrau, den andern als Schlange, wie z. B. 
auf dem Berge des Schlosses Landeck. *) 

Hieran grenzt nun unmittelbar die Vorstellung männli« 
eher Schlangen oder Drachen, die entrückte Schätze bewa- 
chen. (Nibelungenhort auf dem Drachenstein.) ^) 

Man erzählt von einem Schwan, der auf dem See eines 
hohen Berges schwimmend im Schnabel einen Ring halte, 
und wenn er ihn fallen lasse, geht die Erde unter. ^ 

Ueber die Auffassung der nordischen Völker gibt 
Dr. Maurer sehr erschöpfende Aufschlüsse. 

Die Heiden wählen die schlechtesten Leute, um sie 
ihren Göttern zu geben, und opfern sie mit einem abscheu- 
lichen Tode. Sie stürzen sie von Bergen herab oder in Fels- 
schluchten.*) 

»Auf dem Vorgebirge steht ein Berg, an den Berg hatte 
Thorolf so grossen Glauben, dass Niemand ungewaschen 
dahin schauen sollte, und nichts sollte man auf dem Berge 
tödten, weder Vieh noch Menschen, es sei denn, dass es 



^) Grimm, 1. c, 542. 

2) Grimm, 1. c, 542. 

3) Grimm, 1. c, 241. 

*) Dr. Konr. Maurer. Die Bekehrung des norweg. Stammes, 1355.1.426. 



. — 363 — 

selbst abginge. Den Berg nannte er Hellgafell (Heiligen- 
berg) und meinte, dass er dahin fahren werde, wenn er sterbe, 
und alle seine Freunde auf dem Vorgebirge, wo Thor an das 
Land gekommen war, Auf der Spitze des Vorgebirges Hess 
er alle Gerichte halten, und setzte da ein Bezirksding (her- 
adsping) ein; da war auch eine so grosse Friedensstätte 
(helgistadi), dass er den Boden da in keiner Weise wollte 
beschmutzen lassen,*) 

Der Glaube des alten Königshauses der Hebriden war, 
dass die versterbenden Angehörigen desselben in die um- 
liegenden Berge gelangen und in diesen fortleben würden. 2) 

Im 12. Jahrhundert sind die Heiden bereits so weit mit 
dem Christenthum befreundet, dass sie auch wohl den Chri- 
stengott um Hilfe anrufen.^) Nicht nur der heidnische Brodir 
ist ein Zauberer, er holt Orakel, trägt in der Schlacht sein 
Nothhemd ; auch der christliche Sigurd Jarl und seine Be- 
gleiter, darunter selbst der Wallfahrer Rafn, glauben fest an 
die dämonische Kraft seiner Fahne. Walkyijen regieren nach 
dem Volksglauben noch immer das Glück der Schlachten. 
Todte gehen und holen ihre Genossen zu sich in 



^) Maurer, II, S. 206, Citat ans der Eyrbyggad, c. 4, S. 10 f. 

2) Maurer, II, 92. Des Autors Anmerkung lautet: ,Das Obige ist ent- 
nommen aus Landnama II, c. 16. S. iii: Audr hatte ihre Gebetstelle zu 
Krossholar (bei den Kreuzeshügeln); da liess sie Kreuze aufrichten, denn 
sie war getauft und fest im Glauben. Ein Altar wurde dort errichtet, als die 
Opfer zunahmen. An diese Hügel hatte später dann ihre Verwandtschaft grossen 
Glauben. Sie glaubten, dass sie in die Hügel verstürben und Thordr Gellir 
wurde in diese hineingeführt, ehe er zu Mannesehren gelangte, wie dies in 
seiner Sage erzählt wird. Der Familienglaübe an das Versterben in gewisse 
Berge lässt sich auch sonst in Island mehrfach nachweisen. So meinte die Ver- 
wandtschaft des Selthorir in die Thorisbjörg zu versterben, Landnama, II, c. 5, 
S. 78; die Thorsnesingar glaubten nach Hellgafell entrückt zu werden. Eyrbyggja 
III, c. 4, S. 10-12 und c. II, S. 26-2S, vgl. Landnama III, c. 12, S. 97. So 
verstarb femer Kraku-Hreidarr in das Mali feil. Landnama III, c. 7, S. 192. 
Svanr ging in das Kallbakshorn, Njala S. c. 14, S. 25., und es kommt 
auch wohl vor, dass ein Bergriese die dem Tode Verfallenen zu sich in den 
Berg ruft. Ebd. c. 134, S. 2 11- 12. 

3) Maurer, IL S. 66. 



— 364 — 

den Berg, die verschiedensten Wundergeschichten finden 
noch immer gläubige Ohren, 

Wilde Jagd, Die Sage vom »wüthenden Heer« steht 
im innigsten Zusammenhange mit dem Wotanglauben und 
daher auch mit dem Bergcultus. Die an die Stelle Wotans 
getretenen Lieblingshelden des deutschen Volkes ziehen -aus 
einem der Berge, in welche dieselbe mit ihrem Heere ge- 
sunken sind, aus, ehe ein Krieg ausbricht. Gleichen Ursprung 
weist -auch die Sage von der wilden Jagd auf. Wenn auch 
bei den verschiedenen Varianten derselben der Hinweis auf 
den Bergcultus weniger auffallend ist, so fehlt er doch nicht 
gänzlich, wie einige Beispiele beweisen mögen. 

Die wilden Jäger fahren allezeit von ihrem beständigen 
Sitz auf dem Hartkogel (Steiermark bei Judenburg) aus, dann 
nordwärts auf den Türk, die Hochalpe, den Rötheistein, Zin- 
ken, über das Elendgebirg der verfallenen Alm zu, auf die 
Spitze alldort und über den Koppenkarstein auf den Hohen- 
kamp, setzen auf den Grimming üßer, dann auf die Taup- 
litzalpen, den Lawinenstein, in die Hochalpen und kehren 
von dort wieder auf den Hartkogel zurück.^) 

Am Brenerberg (Hessen) sieht man einen Stein, der 
steht da zum Gedächtniss eines Ritters, der ein so leiden- 
schaftlicher Jäger war, dass er des Waidwerks selbst an 
Sonn- und Feiertagen pflog. Zur Strafe dafür wurde er von 
den Hirschen auf der Jagd getödtet und geht seitdem als 
wilder Jäger um. 2) 

Der Bergcultus hat dem deutschen Mythus eine Reihe 
seiner populärsten Gestalten geliefert, deren unverwüstliche 
Beständigkeit durch alle Culturphasen hindurch erhärtet 
werden kann. Die Volksphantasie sieht in manchen Bergen 
noch die Spuren von den Tritten der Riesen, welche die 
mächtigen Felskolosse aufgethürmt haben. Im Herbste neh- 
men nach dem Abzüge der Sennerinnen Geister, z, B. die 
Alpbutze in Vorarlberg, von den Almhutten unserer Alpen 



1) J. G. Seidl Wolf, Zeitschr. f. d. Myth., II, 1855, p. 34. 

2) A. Nodnagel J. W. Wolf. Zeitschr. f. d. Myth., B. i. 



— 365 — 

Besitz und werden die Viehheerden von ihren Weideplätzen, 
in der Nacht durch geheimnissvolle Mächte entrückt, oder 
die schlafenden Senner durch das Lärmen des vorübersau- 
senden »wilden Gejaid« (Gejaidstein am Dachsteinplateau, 
geweckt. ^) Die Gletscher erschienen als Strafe für den Ueber- 
muth der Besitzer von fruchtbaren Alpen. Die Höhlen in 
den hohen Alpengipfeln enthalten Schätze (Horte), welche 
von Zwergen, Norygen oder Hexen gehütet werden. Mancher 
einsame hochgelegene Alpensee, dessen Grund mit Schätzen 
gefüllt ist, beherbergt gefährliche Hexen, ^) oder, wie die Seen 
auf dem Kachel und dem Hetscherlberg,^ 3) verwunschene 
Menschen. Die hoch auf den Bergen vertheilten Burgruinen 
spielen dieselbe Rolle, abgesehen von den Geistern ihrer 
Besitzer, welche dort umgehen. Charakteristisch für diese 
Anschauungen sind die. so häufig vorkommenden »Teufels- 
berg, Teufelsloch, Teufelskanzel, Teufelswiese« u. s. w. Die 
Walser sagen : Als Gottvater die gefallenen Engel aus dem 
Himmel warf, so fielen nicht alle in die Hölle; einige der- 
selben sind auf Berggräben und Alpen hängen geblieben und 
zu Alpbützen geworden.^) An die einsam in den höchsten 
Alpenregionen oder in den hintersten Schluchten gelegenen 
Bauernhöfe knüpfen sich nicht selten geheimnissvolle Tradi- 
tionen von dem Verkehr ihrer Besitzer mit höheren Mächten 
(Hexen, selige Fräulei u. s. w.) Sogar die einsamen Bergkirch- 
lein weisen manche verdächtige Beziehungen auf, da ja 
manche derselben durch Kobolde gebaut wurden. Die in 
ihnen verehrten Heiligen sind in vielen Fällen directe Nach- 
folger heidnischer Gottheiten. Das Andenken an die heidni- 
sche Gottesverehrung auf den Bergen konnte nur durch 
christliche Capellen und »Wetterkreuze« vertilgt werden. 
Die christlichen Heiligen erschienen 9.1s Wetterherren und 
Wetterfrauen«, z. B. S. Johann der Täufer, S. Ursula, S. Ka- 



1) Steub, Beil. Allg. Z. Münch. 1885, Nr. 184. 

2) Uebelsee auf Stuls, Menghin, Südtirol, 51, 

3) Vernaleken, Myth. u. Br. Oesterr., 155. 
*) Vonbun, Sag. Vorarlb., 30. 



— 366 - 

tharina, S. Vigil, S. Paulus, S. Maximus u. s, w. Daher der 
Volksspruch aus dem Passaier Thale: 

S. Ursula auf der Platt, 

S. Kathrin in der Schart 

Und S. Vigil'n aufm Joch, 

Halten alle Wetter auf 

Und treiben die Hexen ins Loch. 
Die Drachen (Bergstutz, Toll- und Springwürmer, Tetzel- 
würmer) halten sich auf hohen Felsen (Pilatus) auf, in un- 
bewohnten Wüsteneien^) oder in Seen. Im Alpengebiete 
haben sie manche Spitze bevölkert. So brach einmal aus 
dem Schneeberggebiet ein solches Ungethüm hervor und unge- 
heure Wassermassen stürzten ihm nach.^) Dieser Zusatz 
charakterisirt die Bedeutung der Lindwürmer als Personifi- 
cation von schweren Regenwolken (Schlangengottheiten?). 
Nun ist aber anderseits der Schneeberg der Sitz eines mäch- 
tigen Zwergkönigs. Man sah ihn nach einem seiner Besuche 
im Thale beim frühen Morgen in Nebel aufgelöst an den 
Abstürzen des Schneeberges hinanschweben. Vorwitziges Be- 
steigen des Gipfels wurde durch Herabstürzen von riesigen 
Blöcken (ein solcher liegt im Buchberger Thal und heisst Zwer- 
gelstein), bestraft und die Zwerge zogen fort.^) Man erkennt 
hieraus wohl unzweifelhaft die innere Verwandtschaft dieser an 
und für sich so differenten mythologischen Gebilde.*) So wird 
wohl kaum noch bezweifelt werden dürfen, dass das duftige, 
um die deutschen Gebirge geschlungene Sagengewebe 
grossentheils auf der Fortbildung von Vorstellungen beruht, 
welche aus der Beobachtung des Wirkens der Naturkräfte 
in den Bergen entsprungen sind. 

') Menghin. Aus dem deutschen Südtirol, S. i6 ff. 

2) Steub, 1. c, 1884, Nr. 184. 

3) Mündl. Mitth. des Prof. Weissenhofer in Seitenstetten. 

*) Vernaleken, 1. c., vgl. Alpenburg, Alpensagen 161. Drachen am 
Elbingeralp, wo auch der Drache in Verbindung mit Wassermassen steht. Die 
Alpenseen sind häufig der Aufenthalt von Drachen. 



Register. 



Aaron 272. 

Aaronsberg 284. 

Abakan 227. 

Abakan Kan 226 f. 

Abchasen 315. 

Abraham 261, 271, 317, 

Abu 15, 74. 

Abu Bekr 283. 

Abu Kubais 283. 

Abu Ramu 271. 

Accader 265. 

a9-Qafa 280. 

A9man 31. 

A9navanta 288. 

A9vattha 4. 

Adam 260, 278, 312, 316. 

Adam Kan 226. 

Adamspik XVIII; 72, 80. 

Adar-Frobd 288. 

Adar-gashasp 288. 

Aditi 64. 

Adschä 281. 

Adzi-suki-taka-fikono 209. 

Aeetes 314. 

Agastya 14. 

Ahab 273. 

Ahriman 301. 

Ahura Mazda 294, 297, 301, 303 f. 

Aia burun 326. 

Ain-Dagh 327. 

Ainos 248 ff. 

Aitahag 308. 

Ajbit-aga 232. 



Ajitandtha 74. 

Aj-toen 223, 232. 

ak 226. 

Aka 114. 

Akagi 215. 

Akiakik-Wari 242. 

aktu 226. 

Akyoungtaun 120. 

Ala-Baschy-Ata 231. 

Alas-tu 237. 

Alborj XXV. ff., 286, 295 ff. 

Alfahöll 359. 

Alfaholsvatn 359. 

al-Fuls 28 !• 

Alfuren 151. 

Algund 359. 

'Ali 281. 

Allatu 268. 

al-Marwa 280. 

Alpbutze 364. 

Altai 227. 

Altaier XXIV. 

Altai Kan 226, 233. 

Altan -toli 235. 

Altkönig 350. 

Altun-obo 327. 

Altvater 350. 

Ama-tsu-fiko-fiko fo-ni-ni-gino 209. 

Ama-tsu fiko-fiko-fo-no ni-ni-gi-no 

mikoto 213. 
Amanus 259, 269. 
Ambika 64. 
Ambrondromb6 155. 



368 - 



Ameshagpentas 297. 

Ame-waka-fiko 208 f. 

Amnör 98. 

Amrdn 260. 

Amr b. Luhaij 279. 

Amrita 4. 

An-Argyl-Ojun 232. 

Anak (Kind Gottes) 136. 

Ananda 70. 

Anaupettaun 120. 

AnÄz 278. 

Andaripät 87. 

Andog 151. 

Ange Patjai 242. 

Anitos 146. 

Anitus 225. 

Antilibanon 258. 

Anuisch 309. 

Apanm napdt 292. 

Apo 150. 

Apollo 306. 

Apsaras 17. 

Araber 277 ff. 

Arafel 272. 

Aralu XXV., 262 ff. 

Aramäer 257. 

Ararat 261, 308 ff. 

Arawalli (Bergkette) 61. 

Arayas 96. 

Arbuda 74. 

Arburz- V. Alborj. 

Ardebil 303. 

Ardis 275. 

Arekh 286. 

Arezura 304. 

Argonauten 313 ff. 

Arhats 70 f., 78. 

Arka-Pai 247. 

Armasi 322. 

Armenien 308 ff. 

Aroma-telles 244. 

Arstät 292. 

Artavazd 309. 

Aruna 77. 



Anvend 283. 

Asberg 348. 

Äsen 348. 

Assyro-Babylonier 261 ff- 

Asta XXVI. 

Astyages 308. 

Asuras 17, 92, 107. 

Atabyrior> 258. 

Atag;o-San 220. 

Atsu-ta 219. 

Audr 363. 

Aueyrid 278. 

Baal 256, 258. 

Baal Peor 257. 

Babina gora 329. * 

Babuschka 248. 

Ba den 130. 

Baduwis 143. 

Bagar 136. 

Bagobos 150. 

Bahatara 148. 

Baibhargiri 66. 

Baikal 235. 

Bai Uelgön 225 f. 

Baiwe 242. 

Baksu 224, 228. 

Bäl 263. 

Balaam 257. 

Balai 145. 

Balak 257. 

Bamonipät 87. 

Bdmöt 252, 273. 

Bandai-san 210. 

Barbaras 49. 

Bardr Snaefellsäss 355. 

Barmun 153. 

Basianen 232. 

Bäthö 113. 

Bathoro Guru 139 f. 

Battas 135. 

Batudam 53. 

Becaderu 53. 

Begu 135. 

Bei 268. 



369 — 



Belimbing 148. 

Beng 168. 

Benhadad 273. 

Beni-Sokhr 254. 

Berchta 350 f. 

Beremend 356. 

Berg der Sicherheit 82. 

Bergengel 323 

Bergriesen 354. 

St. Bernhard 350. 

Bethel 261. 

Bethlem 317. 

Betlem 335. 

Betta 76. 

Bettada Chicama 95. 

Bhadrd9va 17. 

Bhagats 53. 

Bharata 73. 

Bhawani 61. 

Bheirawas 58. 

Bhilla 93. 

Bhircalleh 24. 

Bhüiyas 88. 

Bhuraloka 22. 

Bhurloka 22. 

Bidchi-kshetra 73. 

Bilum 112. 

Bing.-Göhl-Dagh 312. 

Biplagiri 66. 

Bisayas 150. 

Bissahir 103. 

Blagodat 241. 

Blakulla 361. 

Blanik 330. 

Blocksberg XIV, 329 ff., 360. 

Blocksberg (Buda-Pest) 360. 

Bo 224. 

Bobovac 343. 

Bodhisattva's 83. 

Bodo 113. 

Bodun-in-li 230. 

Bogah Pennu 102. 

Boga Soro 102. 

Bonreligion 104. 

V. Andrian, Höhencultus. 



Boreas 313. 
Boros Ngoro 143. 
Borsippa 265. 
Boru 136. 
Böse 235. 
Boyärs 88. 
Boyneburg 362. 
Brag ssrin mo 108. 
Brag ssrin po 108. 
Brahma 14, 131, 223. 
Brahman 17, 19. 
Brahmapuri 36. 
Brass ss Pujiggs 109. 
Brathy 258. 
I Brenerberg 364. 
Brodir 363. 
Brocken 360. 
Brussabsdi 322. 
Brutsabseli 317. 
Buckhan 229. 
Buddagur XXIV, 97. 
Buddhavana 69. 
Bugu 231. 
Bukit 136, 
Bura-deo 88. 
Burkhan Kaldun 234. 
Burzin mihr 289 
Busty 75. 
Butias 102. 
Butschetsch 347. 

^abaras 49. 
Caityaka 66. 
fakra 17. 
^aktis 51, 99. 
^dkya 77. 
Calagräma 44. 
Caly-beat 61. 
Candragiri 61. 
Candramas 18. 
Cao Bi^n 129. 
Carmel 259, 273, 275. 
Catalun 99. 
Cerillo Pik 137. 



24 



— 370 — 



^esha 47 f. 

Chao-hao 157. 

Charbatü 237. 

Charsaggalkurkura 263. 

Chasburi iio. 

Cljerson 328. 

Chews'uren 324. 

Chickmung n6. 

Chinesen XXV, 156 ff. 

Chira Deva Betta 96. 

Chö 127. 

Choo-he 173. 

Chorihashu 112. 

Chormuzda 33. 

Chow 170. 

Christus 317. 

Chutin (Kachari oder Bodo) iii. 

giva 15, 49 ff., 65, 85, 99, 131, 144. 

f ivardtri (Fest) 50. 

Cophantus 290. 

Corars 53. 

Qpihar 31. 

^raosha 297. 

^ravakas 83. 

fringavat 16. 

Qriparvata 79. 

Cüc 131. 

Cung ddne 127. 

Cunka-untara 250. 

Cutsch 15. 

Qveta 16, 29. 

fvetaparvata 55. 

Qwetämbar 73. 

Cyrus 258. 

Dadaga-charadarchan 236. 

Dahdk 305; 308 f. 

Dai Gongen Dai-Ten-Gu 218. 

Dai ngan 125. 

Daivakatü 80. 

Dajak 145. 

Daksha 64. 

Damayanti 37. 

Dangka 144. 



Darani's 79. 

Dardu 84. 

Darkhan 234. 

Däsa 7. 

Daus 282. 

Ddutuong 127. 

Demavond 305. 

Deogur 61. 

Deo-Su 36. 

Deva Rdja 82. 

Devatas 133. 

Devis 73. . 

Devas 137, 291, 297. 

dGa' 1 Dan 109. 

Dharti 87. 

Dhimdl 113. 
I Dhu'l-Kaffain 282 
; Dhu'sch-Scharä 281 f.- 
I Dido 323. 
I Dielberg 361. 

Di^n bä 128. 

Digambar 73. 

Digoren 320. 
' Dinga loi. 
! Dinga Pennu loi. 
\ Dionysos 281. 
' Divs 316 f. 

Diwata 147 
' Djebel Djudi 311. 

Djeduri 62. 

Djin 137, 153, 283, 317. 

Djinna Bodhisattva 77. 

Djukuts 148. 

Djvaris-Monastiri 323. 

d Mar pori 108. 

Dodabetta Pic 97. 

Doi 235. 

Donar XXI, 349. 

Dongri devas 94. 

Donifor 321. 

Donnersberg 350. 

Dormong 112. 

Aoüocxpfj 281 f. 

Drachenstein 362. 



— 371 — 



Dravidas 94. 
Drujas 297. 
Dsaiagachi 227. 
Dschebel Akra 258. 
Dschebel el Scheikh 258. 
Dschebel-es-sirddsch 283. 
Dschigwiss 321. 
Dschin Padischah 316. 
Duazag 267. 
Dubo 247. 
Du-gin 230. 
Dülhadeo 88. 
Durgd 49. ' 
Dür-Öarruk^n 262. 
Dusuns 146. 
Dvtpas 19. 
Dvergmdl 359. 
Dwaltha-Mta 318. 
Dyarmul 84. 

Ebal 260. 

Eberstein 358. 

Ebissu 216. 

Ebja-Chotun 233. 

Edär Kan 227. 

Eddirain 284. 

fekuras 265. 

Elagabal 259. 

Eiben 359. 

Elbenhügel 359. 

Elbrus 307, 315 f. 

Elendgebirg 364. 

Elfen 358. 

Elias 259, 273, 315, 318 f„ 

338. 
Eli-Male 62. 
Elion-Mta 321. 
el-Kabk 287. 
Elwend 288. 
Empoeng 151. 
Errakim 283 
Erular 96. 
Erzgebirge 359. 
Esau 261. 



323» 325, 



Esthen 239 f 
Etschigo 217. 
Eva 312. 
Eyenar 52. 

Paja-su-sa-no-wa-no 211 

Fa-Kiu-Kiu-Schan 176 

Fang 199. 
; Fara-jama-tsumi-no Kami 206. 

Fau 196. 

Fei-mo-schan 72. 
, Feng-§hui 173. 

Fi-ba 208. 
i Fichtelberg XIV. 

Fi-je-no utsi-sono 212 

Fikusan 220. 
I Fimuka 209. 
j Finnberg 240 
I Finnekirken 245. 
[Finnen XXIV, 

Fiörgyn 350. 
1 Florianberg 330 
, Franciskanerberg 332. 

Frauhullistein 351. 

Fravashis 291 f., 303. 
I Fr6dün 305 f. 
I Fregunna 350. 
I Freibodenberg 360. 

Fromtheut 315. 

Fryas 297. 

Fu Hi 186. 

Fuji-yama 214. 

Fu-kien 171. 

Fung-kiün-ta 188. 

Fung 191. 

Futara-yama 215. 

Fü-thu-tsching 82. 

Fuxo 114. 

Fuzi-no-yama 219. 

Fuzi-san 219. 

Fyörguni 350. 

Gabriel 283. 
Gajgenberg 347. 

24'*' 



— 372 — 



Gandhamddana 17 f. 
Gandharvas 17. 
Gandharven 19. 
Gandharyaloka 22. 
Gangi 18 f., 28 f., 61. 
Gan-khun 224. 
Ganthimji 24. 
Gargantua 358. 
Garizim 260 f. 
Garos XXIV, 115. 
Gautama Dharmasutras 40. 
Gaya 47. 
Gayomart 298. 
Geismer 362. 
Gelin kaia 327. 
Georg 319, 321, 322, 328. 
Georgier 322 f. 
Germanen 348 ff. 
Geroldseck 362. 
Gesser Khan 237. 
Ghedjhakato 66. 
Ghergeti 321. 
Gide hai 128. 
«Gibichenkoppe 359. 
Gilead 271. 
Giranar 73. 
Girdhana 47. 
Giri9a 54. 
Giri9aya 54. 
Giritra 54. 
Gleichberge 356. 
Glunkexenberg 359. 
Gnala-Farnighidage 320. 
Gnesen 331. 
Goderak 328. 
Gohet 87. 
Gokarna 62. 
Gonds XXIV, loi. 
Gondwana 61. 
Gop'h'nat'h 47. 
göra 332. 
göra Jarna 332. 
Govardhana 46. 
Graben 329. 



Grimming 364. 
Gudi-bir 269. 
Grimsey 355. 
Grippa Vali loi. 
Grossvater 350. 
Gudibir 269. 
Gunung Bohong 141. 
Gunung Danka 145. 
Gunung Dempo 137. 
Gunung Lomot 147. 
Gunung Prahu 142 
Gunong Sipaiak 136. 
Gurbün tulgotü 234. 
Gurhum 279. 
Guru 135. 



Haig 309. 

Hakas 224. 

Halle der sieben Kostbarkeiten 

Han 192. 

Hang-Cham 130. 

Hantus 146, 148. 

Hanumad Malei 89. 

Hanumän 88 f. 

Han-wei-yen 187. 

Hao 168. 

Haomapflanze 295. 

Hara 297. 

Hara-berezaiti 296. 

Harfe 356. 

Hari 114. 

Harke 350, 356. 

Harowti (Bergkette) 61. 

Harsag-Kurkura 262, 266. 

Harsanyer Berg 356. 

Hartkogel 364. 

Haudkuwwir 283. 

Heidnaberg 355. 

Hekla 361. 

Hellgafell 363. 

Heimauer 357. 

Hemaküta 16, 19. 

Hempo Romadhie 139. 



183. 



— 373 — 



Heng i68, 173, 192. 
Heng-schan 165. 
Henoch 275 ff. 
Herchenstein 350. 
Hercules 306. ^ 

Hercynia 350. 
Hermon 258, 275. 
Heu-tai 189. 
Hi 127. 
Hia 188. 
Hiang-schan 72. 
Hien-yang 187. 

Himdlaya XVIII, 7, 29, 35 ff., 113- 
Himavat 16, 23 ff., 29, 38. 
Hing-Koue ling yng wang 230. 
Hinnom 277. 
Hirä 283. 
Hirano-Yama 220. 
Hiranyaparvata 6g. 
Hittadalo 354. 
Hiuen-Tsang 56. 
Hiur 143. 
Hyei-san 220. 
*Hlodyn 350. 
Hö 168, 187, 188. 
Hoanh so'n 127. 
Hoa-schan 187. 
Hoa-yin 187. 
Hochalpe 364. 
Hohenkamp 364. 
Höhenkoppe 357. 
Holda 351 ff., 362. 
Ho-lin 231. 

Ho-lin-piei-li-po-li-tha 231. 
Hollenstein 351, 353. 
Homburg 358. 
Ho-nan-fu 166. 
Ho-nei 189. 
Hong Kong 174 f. 
Hör 273. 
Ho-Rai-san 219. 
Horeb 271 f. 
Horselberg 360. 
Hörselberg 351. 



Hosindun 293. 

Hou-li-tha-ha 231. 

Hrappadalo 354. 

Huiberg 360. 

Hügel-Korwas 93. 

Hühnenberg 328. 

Hukairya 296 f. 

Hum 343. 
j Hü-nan 165. 
I Hutu 225. 
j Hutukhtu 236 f. 
I Hwai-Nan-Tsze 184. 
: Hwd-schan 165. 

Hydra 306. 
1 

I Ibn el-Hassan Ibn el-Hanifijja 283. 
I Idzumo 214 f. 

Ijik-tu 237. 

I-jo 212. 

Ikadzu-tschino-dake 211. 

Ikadzutschi-yama 211. 

Ilan-Dagh 310. 

Ilijno-brdo 343. 

Ina-u 250. 

Indra i ff., 235. 

Indra9ildguhd 69. 

Indraloka 22. 

Inguschen 324. 

Inmar 245. 

Inselberg 360. 

Iphigenie 327. 

Iraija 217. 

Isaak 261. 

Itulmen 248, 

Izanagi 205 ff. 

Izanami 205 f. 

I-za-nasi 214. 

Jabasch Kan 227. 

Jacob 261. 

Jaghuth 279 f. 

Jago 113. 
I Jainas 72. 
1 Ja jieru Hahe 246 f. 



— 374 



Jajutschi 225. 

Jajyk 225. 

Jajyk Kan 226. 

Jakuten 232. 

Jalindra 47. 

ja mdh hähe 246 

Jamato 212. 

Jambudvipa 17. 

Jammabos 220. 

Janaloka 22. 

Jär-su 226 f. 

Ja'ük 279 f 

Jedemi 247. 

Je-tsun Melarepa 106 f. 

Jighili 66. 

Jimmu Tenno 214. 

Jiü Abu Thumdma 279. 

Johannes 315. 

St. Johann der Täufer 365. 

Johannisfeuer 354. 

Jo Kan 226. 

Jördh 350. 

Josua 261. 

Judngs 89. 

Jubmel 244. 

Jungfernberg 329. 

Jupiter Cassius 258. 

Jupiter O. M. Culminalis 348. 

Jupiter O. M. Poeninus 348. 

Jut-tas 232. 

Jwulieri 229. 

Jyntia 115. 

Ka9yapa 68. 

Kaba 137. 

Kdf XXVI, XXXIII, 284 f., 299. 

Kafirs 84. 

Kdfkdss 286. 

Kahlenberg 331. 

Kaildsa 29, 55, 99, 134. 

Kain 312. 

Kala 288. 

Kalany Garigd 81. 

Kdit 48. 114, 131. 



Kali kala 286 

Kallbakshom 363. 

Kal'uku malei 100 

Kami 225, 248. 

Kami-naso-tori jjii. 

Kamjenica 344 f. 

Kammerbichl 359. 

Kams 224. 

Kamtschadalen 248. 

Kamui 248. 

Kamusi 248. 

Kan Abyjasch 227. 

Kanamefelsen 212. 

Kandagiri 71. 

Kandali Gada 142. 

Kand Giri 75. 

Kandhs loi. 

Kan-hoen 224. 

Kanna-Kamui 249. 

Kannadas 99. 

Kaprias 52. 

Karangs 144. 

Karati-dschwari 324. 

Karatschai 232. 

Karen XXIV, 119. 

Kareshvare Quarinatha 296. 

Karna Chapura 71. 

Karthlos 322. 

Kdrtika 63. 

Kartikeya 63. 

Kasbek 316. 

Kaschima 212. 

Kdsijün 284. 

Kasius 259. 

Kassios 258. 

Kasya 115. 

Käteri 99. 

St. Katharina 366. 

Katschinzen 231. 

Katsuraki-yama 220. 

Katunja 227. 

Katzenveit XIV. 

Kau 162. 

Kaukasus 313 ff. 



375 — 



Keik 286. 
Keiko-ten-0 214. 
Ken 187. 
Kentai-Khan 233. 
Kentauren XIV, XXII f. 
Keremets 245. 
Keshvars 31. 
Ketumdla 17. 
Keu-khiö 188, 193. 
Keu-long 157. 
Keyung natin 118. 
Khan Oola 236. 
Khan Phra Puthi 72. 
Khaneh; Divi-Sefid 307. 
Kharrias 90. 
Khatschkhar-dagh 325. 
Khie 161. 
Khien-Ün 183. 
Khong-lö 128. 
Khioschni 187. 
Khundoba 62. 
Khveneche-Mta 321. 
Khyeng 117. 
Khyengs XXIV. 
Kiang J'aikung 159. 
Kiao 201. 
Kiao-tsin 187. 
Kia-to-lo-schan 72. 
Kien-long 172. 
Kieu 187. 
Ki (Hen-tsi) 157. 
Kimbusan 220. 
Kimmerier 326. 
Kin 230. 
King-yang 194 f. 
Kiniharingan 146. 
Kinnibalu 134, 146. 
Kipu-Kiri 238. 
Kipu-maki 238. 
Kipü-tyttö 238. 
Kipu-vuori 238. 
Kirantis XXIV, 103. 
Kirgisen 228. 
Kirwan-Zweri 316. 



Kisans 87. 

Kisiltasch 327. 

Kiung-Baum 186. 

Kivutar 238. 

Knei-mei 195. 

Koang-li 201. 

Kocchi (Ahorn) 113. 

Kohata 97. 

Koh6 Gubs 289. 

Koh6 Gwanka 289. 

Ko-hung 163. 

Kolchis 313. 

Ko-le-ti'kin 231. 

Ko-liü 188. 

Kong-Kong 157. 

Koom 146. 

Koppen karstein 364. 

Koreaner 251 ff. 

Korjaken 247 f. 

Korsiö 341. 

Korwa's 92. 

Ko-thsang 189. 

Kqto-katsu-kuni-katsu-naga-sa 213. 

Koto-siru-nusi 208. 

Kou9agara 65. 

Kräka 355. 

Kraku-Hreidärr 363. 

Krakus 333. 

Krawang 141. 

Kreuzberg 332. 

Krishna 45 f. 

Krossholar 363. 

Krsala- 144. 

Kuang-ling 158. 

Kudai 225. 

Kuei 167, 177. 

Kuei-ki 171, 187. 

Kuei-yang 189. 

Kuen-lün 173, 180 ff., 188, 195. 

Kuh Alburz 286. 

Kukis 114. 

Kniki-san 220. 

Kukkutapadagiri 68. 

Kukusanda 80. 



376 



Kuma-nasu 214. 

Kuma-No-yama 219. 

Kuma-nu 214. 

Kumdrasambhara 64. 

Kumbang 143. 

Kunglung 113. 

Kung-tung 187. 

Kuni-no toko tatsi-no Mikoto 205. 

Kunlai 113. 

Kunrukal 63. 

Kurs 93. 

Kurumbas 97. 

Kusi-bi-futd-kami 213. 

Kusi-fi-taka-tsi-fo 208. 

Kushtha 4. 

Kutka 247. 

Kuvera 38, 55. 

Kybele 259. 

Kyffhäuser 362. 

Kyrgys Kan 227. 

Kysagan Tengere 225. 

I>a 119. 
La-chhyi 106. 
Lahnberg 362. 
Lamaismus 236. 
Lamien 344. 
Lang 182. 
Lang-kang 183. 
Lanka 55. 
Laos 123. 
Lappenkirken 245. 
Lappländer 242. 
Laren 253. 
Lätraberg 355. 
Laurentiusberg 332. 
Laurin 358 f. 
Lawinenstein 364. 
Lawu 141. 
Lazen 325. 
Leao-che-khang 230. 
Lechicka 332. 
Lekam 286. 
Lei 332. 



Leptscha's 102. 

Li 177, 187, 198. 

Libanon 258, 269, 286. 

Lieu 127. 

Limbus XXIV, 103. 

Ling 161, 186. 

Linga 52. 

Ling-kia 69. 

Ling-tsch'hi 167. 
I Linkaa-po-pho 132. 
I Lint-schuen 177. 
; Liü 173. 

I Liu-Ngan 181, 184. 
! Lha-ri 109. 

Lö ig6, 198. 

Lodhma 95. 

Lofau 204. 

Lofou 195 f. 

Lokan 151. 

Lokapdlas 31. 

Lolo 112. 

Lu 157. 

Lubu Radja 136. 
Lud 245. 
Lungsi 188. 
Lung-wang-tan 230. 
Liing-wei 188. 
Lushai 117. 
Lushai Kuki 117. 
Ly khäc 125. 
Lysa G6ra 331. 

Kadäi'n Sälih 254. 
Mahädeva 50. 

Mahamutchilindi parvata 72. 
Maha-pom-ma 124. 
Maharloka 22. 
Mahdvali Gahgd 81. 
Mahäyänisten 83. 
Mahendra 29. 
Mainong 113. 
Mai-tärä 225. 
Maitreya 68. 
Malabar 62. 



— 377 



Malakoüta 70. 
Malaya 29. 
Malayalis 96. 
Malayen XXV, 133 ff. 
Malei-Sdttdn 100. 
Maleyamma 99. 
Mälifell 363. 
Malla-Kottei 100. 
Mallika 62. 
Malya-D6vam 99. 
Mdlyavat 17. 
M4nasa 55. 
Mandäer 269. 
Mandara 25, 29. 
Mandschustämme 229. 
Manjus'ri 204. 
Manos 303. 
Manoähcihr 303. 
Mantoas 152. 
Manu 19. 
Mapan See 106. 
Marangbonga 91. 
Marang buru 91. 
Marawar 100. 
Marduk 267. 
Marehans 361. 
Märgasirsha 62. 
Marienberg 331. 
Marutloka 22. 
Maruts 54. 
Massis 309 f. 
Mawz 286. 
St. Maximus 366. 
Mayon 151. 
Meaden 240. 
Medardus 337. 
Medea 314. 
Meissner 354. 
Menä 64. 
Meng 198. 
Mengen 240. 
Merapi 139 f. 
Meratus 147 f. 
Mergen Tengere 225. 



Merodach 269. 

Meru XXV f., 17 ff., 20, 35 ff., 123, 
134» 302. 

Mhasoba 52. 

Miao 186, 190 f., 200. 

Miao-yen 190. 

Michael 319, 322, 349. 

Michaelsberg 332. 

Mikami 217. 

Mileschauerberg 350. 

Mi-moro-jama 215. 

Mingi Jau 315. 

Mingrelier 325. 

Minisei 246. 

Miripei 140. 

Miris 114. 

Mirzapur 65. 

Mitake 219. 

Mithra 294 ff., 297. 

Mlecchas 113. 

Mo 170, 182. 

Moajepu 250. 

Mogoi 235. 

Mo-jama 209. 

Molj (Monj) 345 f. 

Mona 239. 

Monastir 317. 

Mongolen 233 f. 

Monj 345 f. 

mons Jovis 350. 

Mordo Kan 226 f. 

Mordwinen 241. 
j Morija 271. 
' Morijah 259. 

Moses 272 f. 
\ Mountain-Rischi's 83. 

Mquinvari 317. 

Mu-di 236. 

Mugs 115. 

Muh 180. 

I Muhammed 283 f. 
' Mujoi Singra Bhum 119. 
I Mukadeberg 217. ^ 
' Mukalinda 76. 



- 378 - 



Mu-Uy 229. 

Mumba Devi 62. 

Munda-Kolhs 89. 

Mundarga 236. 

Mundas 90. 

Muni Cunda Cund Acharya 73. 

Munis 51. 

Musur-Ling 178. 

Mussus 123. 

Mutchilindi parvata 72. 

Muzart 178. 

Vabu 267. 
Nablus 260. 
Nachtjäger 329. 
Nägas 105. 
Nägbangsis 87. 
Nagesars 87. 
Nakhor6-Kan6h 288. 
Nala 37. 

Nanga Parbat 84. 
Nanju 147. 
Nan-Khang 178. 
Nann 347. 
Nan-Wu 224. 
Nan-yang 187. 
Nara 19. 
Naraka 27. 
Ndrayana 19. 
Narjarjuni 71. 
Nasch'hamako 315. 
Natigay 227. 
Nattu-Kaller 100. 
Neac-ta 63. 
Nebata 136. 
Nebo 257 f., 273. 
N6ma Näth 73. 
Nerbudda 61. 
Neutitscheiner Berg 330. 
Ngo-mei 190. 
Niadis 99. 
Niassern 138. 
Nieu-tschü 173. 
Nikolaus 319 f. 



Nikolaushöhle 321. 

Nikko-San 218. 

Nikko-See 215. 

Nila 16. 

Nilagiri 97. 

Ni-min-to-lo-schan 72. 

Nimrud 265. 

Nipa-Nipa 151. 

Nischnaja Tunguska 229. 

Nishadha 16. 

Niü-ki i88. 

Nizir 310. 

Njai (Ratu) Loro Kidul 143. 

Njebe-hahe 246. 

Nju-hahe 246. 

Noah 261, 310, 315. 

Nod 278 f. 

Nongjar 114. 

Nonos 148. 

Nosairier 270. 

Obo XIII, 229, 234. 

Odenberg 349, 362. 

Odenwald 349. 

Odin XXX, 348. 

Odo-jama-tsumi-no Kami 206. 

Odupah 24c. 

Oelberg 275. 

Oetscher 360. 

Ojäsi 228, 249. 

Ojun 232. 

Oku-jama-tsumi.no Kami 206. 

Oku-nitama 216. 

Olon Lowangan 147. 

Olon Maanjan 147. 

0-lu-nao 77. 

Olymp XXIV, XXVII f., XXXIII. 

Om 347. 

Omerkunduk 61. 

Omi 112. 

Omine 221. 

Ongon 236. 

Oolöth 236. 

Orang Benua 153. 



379 — 



Orang bukit 147. , 
Orang Kubu 138. 
Orensberg 348. 
Orfi If gub 315. 
Ormuzd 222, 322. 
Orotschi 217. 
Oselberg 362. 
Ossen 313. 
Ossenkopf 348. 
Osseten 3 1 8 f. 
Ostara 353. 
Ostjaken 240. 
0-su 210. 
Othensberg 348. 
Otomansberg 362. 
Otschirbani 80. 
Oulo 230. 

Owo-mono-nusi 208. 
Owo-na-mudzi 207 ff., 215 
Owo-na-mudzi 211. 
Owo-nui mudzi 215. 
Otana-Batake 215. 



Pa9upati 18. 
Padam 114. 
Palakir 137. 
Paläni 63. 
Palekure 328. 
Pampangos 149. 
Pan XIV. 
Panch-Kedar 37. 
Pandavo 66. 
Pdndu-Helden 23. 
Pao-po-tse 163. 
Papaloempoengan 152. 
Pardvaravastu 60. 
Pdr9vanätha 75. 
Parheyas 87. 
Pdrvati 64 f. 

Pärvatiparinayandtaka 64. 
Pasamaän 148. 
Passa 315. 
Passe waare 243. 



Passumaher 137 

Patapaan 144. 

St. Paulus 366. 

Pe 96. 

Pei 188. 

Pe-mang 189. 

Peor 257 

Perin planina 344. 

Persis 314. 

Perun 338. 

Petka 337. 

Petrusberg 332. 

Pey-mali 96. 

Phag-mori 108. 

Phi 123. 

Phibi-Ya 119. 

Phi-pho 119. 

Phnom-bakheng 132. 

Phnom-banan 131. 

Phnom-boo 132. 

Phnom-crom 132. 

Phnom-culen 132. 

Phnom-thnam 132. 

Phogor 257. 

Phönicier 257. 

Phrabat-Berg 121. 

Phya Wett So'wan 124. 

Pik von Hong Kong 174. 

Pi-Baum 184. 

Pidzu Pennu ioi. 

Pilatus 366. 

Pi-lo-so-lo 76. 

Ping-tu 188. 

Pisga 257. 

Pniel 257. 

Podyelesje 343. 

Polauergebirge 359. 

Polel 332. 

Polen 331. 

Poleramma 99. 

Poma palo pitta 124. 

P'ong-Lai-schan 219. 

Potala 108. 

Praa-tuc 131. 



38o 



Prajäpata 21. 

Prometheus 317. 

Pühha mäggi 239. 

Pulajer 53. 

Pulindas 49. 

P'ung 162. 

Punk-lai 173. 

Purva9ild samghÄrdma 78. 

Puskena gorica 338 ff. 

Pusuk 136. 

Puthen 114. 

Pyhävaara 239. 

Python 306. 

Qua9iu 258. 
Quamli 317. 

Radhost 330. 
Radhwa 283. 
Radigir 65. 

Radja Persoangan 136. 
Raevanta 28g. 
Räjagriha 65, 71. 
Räkshasas 17. 
Rdma 26. 
Ramagiri 15. 
Rammän 282. 
Rangaswami 96 f. 
Rangaswami-Koril 97. 
Rashnu 297. 
Ratnagiri 66. 
Räuberstein 347. 
Rävana 26, 55. 
Rip 330. 
Riesenpfad 357. 
Rigam 114. 
Rischi 113. 
Rishabha Deva 73. 
Rishi 5. 
Rishigiri 66. 
Rishis 80. 
Rishi Salgong 116. 
Röllaberg 358. 



Rongkorong 112. 
Rosan 288. 
Rotang 152. 
Rötheistein 364. 
Rother Berg 330. 
Rübezahl XXII, 359. 
Fubwa 283. 
Rudra 17. 

Rudru-Himalleh 36. 
Rumänen 347 f. 
Rumunpgur 36. 
Rüstern 298. 

Sabaldn 283, 303. 
Sa-dag 104. 
Sahya 29. 
Salisburg 240. 
Salmä 281. 
Salmal 246. 
Salve hohe 358 
Samana 223. 
Samanküta 8i. 
Samaritaner 260. 
Samätsik'har 74. 
Samet Sikhar 75. 
Samland 329. 
Sang-iwang Guru 139. 
Sang Kuriand 141. 
San-0 218. 
Santals 91. 
Sa-0-Gon-Gen 218. 
Saraideo-Purbutt 112. 
Sarasvati 223. 
Sardanapal 269. 
Sargon 262. 
Satpura (Bergkette) 61. 
Satyaloka 22. 
Säugata 67. 
Schaitan 242. 
Schambu iii. 
Schamanismus 247, 251. 
Schanar 53. 
Schang-ti 156. 
Schan-pe 200. 



- 38i 



Schan sao 177. 

Schan-schin 236. 

Schansi 165. 

Schan-tu 178. 

Schan-tung 165. 

Schan-tze 112. 

Schan- Wang 218. 

Scharaf elbagh 283. 

Schat-gotsa 315. 

Sch6n Nung 186. 

Scherä 282. 

Scheu 168. 

Schira-yama 220. 

Scho 162. 

Schön-hung 176. • 

Schön-sien-tschuan 163. 

Schö-Ten Gu 218. 

Schu-king 172. 

Schuschma 116. 

Schwe-u-daun 121. 

Scythen 313, 326. 

Seida 243. 

Selthorir 363. 

Semiten 252 ff 

Seng 168. 

Senjo-no-hara 215. 

S6n-rab 104. 

Sepuh 112, 310. 

Serbäl 271. 

Serendib 260. 

Seth 261. 

Sewad Kuh 307. 

Shal-batte-k6t 84. 

Shan-tung 165. 

Shikaria deota 87. 

Siang-kien 76. 

Siang-san 197. 

Sichern 260. 

Siddha 72. 

Sien 125, 185» 

Sien-jin-schan 72. 

Sien-Kiao 163. 

Sigi-jama-tsumi-no Kami 206. 

Sigurd Jarl 363. 



Sikasma-Kamui 249. 

Siklös 356. 

Simanabum 136. 

Simurgh 298. 

Sin 177. 

Sinai 271 f., 275, 280, 284. 

Sineh-schan 72. 

Sinhphos 119. 

Sinnalu 134, 152. 

Sion 274. 

Sipan Dagh 311. 

Sisusthrus 265. 

Si-tai 251. 

Sitzong 230. 

Siv'Acharya Woculigas 99. 

Si Wang Mu 181, 186 f. 

Skanda 54. 

Skessuhali 355. 

Skessuhorn 355. 

Skflekergrund 330. 

Slaven 328 ff. 

Slota Baba 233. 

Smeru 141. 

So Kan 226. 

Sokol 345. 

S61eimalei 63. 

Sombaons 136 f. 

Somnath 52. 

Sonagiri 66. 

Sone 61. 

So-no taka-tsi-fo 213. 

Sopoetan 152. 

Soracte XXIII. 

Soro Pennu loi. 

Sramana 223. 

Sse ra 109. 

Stani stai 316. 

Sthänu 19. 

Storjunkare 242. 

Styren Alda 242. 

Subri 117. 

Sudeten 359. 

Su-ijäsi 228. 

Su-na-hi-lo 77. 



— 382 



Sunej 286. 

Sutig 168, 187, 189, 192. 

Sung-schan 166. 

Sürö 225. 

Su-sa-no-wo-no 214. 

Süt-ak-köl 225. 

Svanr 363. 

Svantevit 328. 

Svante Wustrow 328. 

Svargam 73. 

Svarloka 22. 

Swarga-rohini 36. 

Swiety Krzyz 331. 

Swist Poswist 332. 

Szabier 269. 

Tabor 258. 273. 

Taera 296 f. 

Ta-fei-mo-schan 72. 

Tagalen 149. 

Tagauren 320. 

Tägri 232, 324. 

Tai-hang 189. 

Tai-ho 188. 

Tailga 235. 

Taip'ingshan 174. 

Tai-schan 165. 

Tai-schi 173. 

Tai-wu 190. 

Tai-yang 173. 

Tajj 281 f. 

Taka-ja 209. 

Taka-tsi-fo 209; 213. 

Take-Zwa-Tatsumo-Kami 218. 

Ta-kiang 174. 

Talai-Kan 226. 

Tamulen 99. 

Tan 167, 169. 

Tanla 109. 

Tan-lung 160. 

Tanviön 126. 

Tao 82. 

Tao-tse 171. 

Tapoloka 22. 



Tartaren 231, 324. 

Tarupnguh 120. 

Tatar-Tup 321. 

Taunus 359. 

Tauplitzalpen 364. 

Taurier 326 ff. 

Täyninh 128, 130. 

Telugus 99. 

Temin Kan 226. 

Tengere Kaira Kan 225. 

Tenkam 113. 

Terkel 286. 

Tenim Poterum 332. 

Tesi (Berg) 106. 

Tetzelwürmer 366. 

Thabtr 283. 

Thai-tsung 164. 

Thamar 318. 

Thang 168. 

Than phu 127. 

Tharapyha 239 

Thaur athal 283. 

Th6-16-man 112. 

Thor XXVIII, 349. 

Thordr Gellir 363. 

Thorisbjörg 363. 

ThQTolf 362. 

Thors Atli 350. 

Thraetona 306. 

Thsang-lang 190. 

Thsi 189. 

Thsin 192. 

Tibil 269. 

Tien 125, 201, 223. 

Tien-ko-H-jun-tha-ha 231. 

Tien-schan 180. 

Tiermes 242. 

Tifata XXIII. 

Tigranes 309. 

Tiko-fo-fo-de-mi-no mikoto 209. 

Tikou-ai 230. 

Timdm 284. 

Timorlaut 154. 

Tirthankaras 72 f. 



383 - 



Tiruppärankunram 63. 
Tirussirsdeivij 63. 
Tiruvanämalei 62. 
Tiruv^rakam 63. 
Tisritu 267. 
Tjerimai 141. 
Tobasee 137. 
Todas XXIV, 98. 
Tong 180. 

Towara Töda Hidesato 217. 
Trikota 36. 
Trimula 100. 
Trimürti 60. 
Tripatty (Berg) 47. 
Tritschinopoly 63. 
Troll 354. 
Tröllakirkja 354. 
Trommenßeld 361. 
Tsai-tan 183. 
Tscham Pas 241 f. 
Tschang-lung 167. 
Tschang-ping 193. 
Tschan-pei-shan 229. 
Tschan-schin 187. 
Tschao-king 174. 
Tschapori 108. 
Tschenschi-Ten-0 218. 
Tscheo 182. 
Tscheremissen 241. 
Tscherkessen 323 f. 
Tscheu 158, 188. 
Tschi-li 166. 
Tschin 166, 168. 
Tsching-Kuan 164. 
Tschingis-Khan 228, 233 f. 
Tschin-hiün 173. 
Tschin-kung 173. 
TschJng-tse-hoang 188. 
Tschi-schwang-schan 72. 
Tschi-Sung-tze 187. 
Tschokondo 22g. 
Tschü 168. 
Tschudj 245. 
Tschulpassa 231. 



Tschung-nan 164. 
Tschuwaschen 241. 
Tse-yen 187. 
Tsiang-tse-wen 157. 
Tsing Wei 176. 
Tsin-schui 189. 
Tsi-schi 173. 
Tsotse 186. 
Tu-lao 112. 
Tu-ijäsi 228. 
Tung-kft-yen-nien 188. 
Tung-tschang 177. 
Tungusen 223, 225, 228. 
Tunkinsk 236. 
Tu-kiu 230. 
Tür 284. 
Tura 116. 
Tür henk 260. 
Türk 364. 
Tuschi 323 
Tusu-Kamui 249. 
Tutursel 351. 
Tybiery 350. 
Tyfendagh 290. 
Typhon 306 
Tyr 350. 



Ubsugina 267. 
Ucira 70. 
Udaja XXVI. 
Udayagiri 66. 
Udgarikantha 36. 
Udyagiri 71. 
Uggajanta 61. 
Uiguren 231. 
Uknü 269. 
Ukonvaara 238. 
Ulu-Khudui 231. 
Vmi 18, 64. 
Uma Haimavati 64. 
Untersberg 358 f. 
Urschel 351. 
St. Ursula 365. 



384 - 



Urta 325. 
Ushidao 294. 
Ushi-darena 292, 294. 
Uttara-Kuru 17. 
U-yuen 183. 

irai9ravana 19, 55. 

Vaihdra 66. 

Vaikuntha 48. 

Vahaken 309. 

Vahdra 66. 

Valhöll XXIV, XXIX. 

Vdjasaneyi-Samhitd 41. 

Vanand 297. 

Varena 306. 

Varshas 18, 31. 

Varuna 8, 306. 

Vdsishtha Dharmasütra 40. 

V4yu 47 f. 

Venediger Mannin 359. 

Venus 362. 

Veputto 66. 

Vibhdro 66. 

Vicols 149. 

St. Vigil 366. 

Vikramacila 79. 

Vile 336. 

Vil^nica 342. 

Vilovnjaci 336. 

Vindhya (Berg) 14, 49. 

— (Person) 14. 

Vindhydcalanivdsini 65. 

Vindhya vdsini 65. 

Virgunin 350. 

Visayer 149. 

Vishnu 7 ff., 41—49» 131» 144- 

Vishnupuri 36. 

Viskovci 336. 

Vithoba 44. 

Vrishabha 66. 

Vritra 2, 306. 

Wadd 279 f. 
Wai-fang 166. 



Walakanabhaya 82. 

V^alhall 348. 

Walukeschwar 62. 

Wan 308. 

Wanchai 175. 

Wang-pao 187. 

Wang-tschin 188. 

Waräng-B6rang 113. 

Wats-Ilia-leghett6 319 

Watzmann XIV, 354. 

Wawel 333. 

Weltenberg 256, 262. 

Wen 161, 197. 

Wenden 329. 

Wen-Kamui 249. 

Wen-Ojäsi 249. 

Wesako-hahe 246. 

Wilis 141. 

Wiseso 139 f. 

Wogulen 241. 

Wotjaken 245. 

Wotfowe 329. 

Wortaplur 323. 

Wü 157, i6Tf., 170. 

Wuotan XVII, XXVIII, 348, 362, 364- 

Wu-tai-schan 204. 

Wyszyna 331. 

Yachas 84. 

Yade 269. 

Yaksha 70. 

Yamatano-orotschi 214. 

Yamato-dake-no Mikoto 214. 

Yang 173- 

Yao 170, 197- 

Yao-Baum 184. 

Yao-thai 186. 

Yem 298. 

Yen 182. 

Yen-tsing 187. 

Yi 168. . 

Yin 158, 173, 200. 

Ying 162, 187. 

Yin-tschang-seng 187. 



385 



Yo 165, 170, 201. 
Yo-scheu 168. 
Yositomo 251. 
Yositsuni 251. 
Yuan 167. 
Yu-chun 172. 
Yuen-tsung 160. 
Yü 157, 171, 188, 197. 
Yün-fang 188. 
Yun-men 203. 
Yuen -tscheu 188. 
Yün-Yü-tschi-tschan 176. 

Zabljak 346. 
Zad6ni 322. 
Zagan-Ebugen 234. 
Zalah 142. 
Zamyad 292. 
Zapan 229. 
Zapanina Ssopka 229. 
Zebdr 303. 



Zehantoung 118. 
Zeristi Jub 317. 
Zeus 306. 
Zho-Schwei 185. 
Ziesberg 350. 
Ziefel 350. 
Ziggurat 265 f. 
Ziggurat von Nizir 265. 
Zimbosan 220. 
! Zingiv 288. 
Zingsheim 350. 
Zinken 364. 
Zinnalo 124. 
Zion-Moriah 277. 
Zir 350. 
Zissen 350. 
Zissenheim 350. 
Zmind Sameba 317. 
Zoroaster 241, 303 f. 
Zwerge 358. 
Zywie 333. 




THZ8 BOOK 18 DUE OK THS LABT DATB 
8TAMPED BELOW 



AN INITIAL FINE OF 26 CENTS 

WILL BK ASSBSSBD FOR FAILURK TO RmiRN 
THIS BOOK ON THE DATK DUK. THK PENALTY 
WILL INCREASE TO SO CENTS ON THE FOURTH 
DAY AND TO SI.OO ON THE SBVENTH DAY 
OVERDUE. 



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