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Full text of "Der Hodscha Nasreddin; türkische, arabische, berberische, maltesische, sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und griechische Märlein und Schwänke"

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I 




NARREN, GAUKLER UND VOLKSLIEBLINGE 
HERAUSGEGEBEN VON ALBERT WESSELSKI 
DRITTER BAND: DER HODSCHA NASREDDIN I 



15) 



f^^SY aA Otyi,^ A'i U/Lj^ h 



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DER HODSCHA 
NASREDDIN 

Türkische I arabische i berberischei 

maltesische, sizilianische , kalabrischei 

kroatische I serbische und griechische 

Märlein und Schwanke 



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1 

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Gesammelt und herausgegeben von A 

\ Albert Wesselski 

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? I. Band ? 



Alexander Dtmcker Verlag 
Weimar MCMXI 



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2 'i "T^ 



Alle Rechte vorbehalten. 









DIESES BUCH WURDE IM AUFTRAGE VON 

ALEXANDER DUNCKER VERLAG 

>n»i IN WEIMAR IN DER OFFIZIN VON ■oo.o 

OTTO WIGAND M. B. H. 

IN LEIPZIG IN EINER AUFLAGE VON 1000 
NUMERIERTEN EXEMPLAREN GEDRUCKT; 
AUSSERDEM WURDEN 50 EXEMPLARE AUF 
BÜTTENPAPIER ABGEZOGEN. DER EINBAND 

aaaaaooaaaaaa WURDE VON DER maaaaaooaaM 

LEIPZIGER BUCHBINDEREI A..G. 

VORM, GUSTAV FRITZSCHE ANGEFERTIGT. 



DIESES EXEMPLAR TRÄGT DIE 

NUMMER 



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Herrn Professor 
Dn theoL et phil* 

AUGUST WÜNSCHE 

in Verehrung 

und Dankbarkeit 

gewidmet. 



I 



I 



Die Motive der Märchen sind der Ausdruck EMeitung 

gewisser Vorstellungen, denen die Menschen ^** Heransiel 
irgendwo tind irgendwann angehangen haben 
müssen. Es müssen wohl einmali vielleicht auf 
der ganzen bewohnten Erde, wenn auch nicht zu 
derselben Zeit, das Tier, die Sonne, der Stein, die 
Wolke für den Menschen Dinge gewesen sein, 
deren Wesenheit er nicht von der seinigen tmter- 
schied, und sicherlich hat er sich von diesen 
Vorstelltmgen seines Kindheitsalters niu* sehr 
langsam emanzipiert« Unbestreitbar ist es wohl 
auch, daß solche, gewissermaßen religiöse An- 
schauungen, die viele Generationen überdauert 
haben mögen, nicht von allen Angehörigen eines 
Rudels oder Stammes gleichzeitig aufgegeben 
worden sind, und ebenso darf man annehmen, 
daß sich ganze Völker von manchen Anschau- 
ungen früher losgesagt haben als andere. Es ist 
nun nur natürlich, daß bei denen, die irgend- 
einen Standpimkt längst überwtmden hatten, 
Verwunderung und ein Überlegenheitsgefühl rege 
wurden, wenn sie auf andere stießen, die noch 
in dem alten Wahne befangen waren, und diese 
Empfindungen haben sich bei ihnen auch ein- 
stellen müssen, wenn sie auf naive Vorstelltmgen, 
die für sie etwa schon äußerer Umstände wegen 
unmöglich gewesen wären — zum Beispiele für 
Binnenvölker, daß die untergehende Sonne im 
Meere ertrinke — bei andern gestoßen sind. 
Nichts liegt ntm näher, als daß diese Empfin- 
dungen der Höherstehenden ihren vorläufigen 
Ausdruck in einem Verlachen oder Belächeln 
der rückständigen Vorstellung gefunden haben. 
Während wir bei jedem der an der Zahl immer 

IX 



geringer werdenden Naturvölker ganze Gruppen 
von ihm eigenen und ursprunglichen Vorstel- 
Itmgen noch unmittelbar vorfinden^ sind uns 
diese bei den alten Kulturvölkern nur in ihren 
Überlieferungen erhalten und zwar, primäri im 
Märchen, dann aber auch, mit einer Kritik ver- 
bunden, im Schwanke: das Märchen kennt keine 
oder nur eine falsche Logik; im Schwanke wird 
der Mangel der Kausalität belacht* 

Die Entstehtmg des Schwankes, der nur ein 
einziges Märchenmotiv braucht, das eben belacht 
wird, ist also zum Unterschiede von dem Mär- 
chen, das dasselbe Motiv verarbeitet, an eine 
Kulturstufe gebunden, die schon einzelne früher 
im Schwange gewesene oder anderswo noch 
geltende Meinungen als widersinnig, als falsch 
erkennt. Der Vater, der, als ihm ein Kind stirbt, 
ein zweites tötet, damit das erste nicht den 
langen Weg allein zu gehn brauche ^, kann erst 
dann verlacht werden, wann die Vorstellung, daB 
der Tote noch die Bedürfnisse des Lebenden hat, 
im allgemeinen überwunden ist, oder nur dort, 
wo sie nie existiert hat; der Haß gegen ein Bild' 
kann erst dann ein Gegenstand des Spottes 
werden, wann der Glaube, daß dem Bilde die 

^ Kathä Sarit Samara, ed.byTawney, Calcutta, 1880 f f., 
II, S. 58: There was once a foolish man, who was poor 
and had many sons. When one ol bis sons died, he killed 
another, saying, How could this child go such a long jour- 
ney alone? So he was banished by the people, as being a 
fool and a criminaL Thus a fool is as void of sense and 
discemment as an animal. 

^ Wesselski, Die Schwanke und Schnurren des Pfarrers 
'Arlotto (= Bd. I und II der Narren, Gaukler und Volks^ 
Heblinge), II, S. 51 ff. und 222 ff. 



Eigenschaften des Originals innewohneni seine 
Lebenskraft so ziemlich verloren hat, oder nur 
dorti wo er nie vorhanden war* 

Wenn diese Theorie richtig ist, dann ist die 
älteste Gattung des Schwankes die Erzählung 
von der Dummheit des andern oder der andern, 
und mit jeder menschlichen Anschauung, die, ob 
sie nun der einfachen Naturbetrachtung oder 
einer hohem Geistestätigkeit entsprungen ist, im 
Laufe der Jahrtausende ihre Berechtigung ver- 
liert, wächst ein neues Schwankmotiv zu; von 
dem Lachen über den, der ein Tier durch Strafen 
witzigen will wie ein ungehorsames Kind, bis zu 
dem Lachen fiber das Weib, das einem Vaganten 
glaubt, er komme schnurstracks aus dem Himmel, 
liegt eine Reihe von tmendlich vielen Gliedern. 
Der Schlauheitsschwank, der schon eine weitere 
Person einführt, die sich die Dummheit der ersten 
zunutze macht, darf keinen Anspruch auf das 
Alter des reinen Dummheitsschwankes erheben. 

Der Dummheitsschwank trägt aber schon, und 
sei er noch so primitiv, den Charakter einer be- 
wußten Verarbeitung eines freilich noch nicht als 
solches erkannten Märchenmotivs an sich, das er 
ims oft, indem er die Kuriosität der kindlichen 
Vorstellung demonstrieren will, in einer reinem 
Form als das Märchen überliefert; er ist ge- 
wissermaßen schon, wenn der Ausdruck gestattet 
ist, eine Art literarisches Erzeugnis, und diese 
Eigenschaft muß ihn befähigen, auch dort, wo 
für seine Grundlage, nämlich das betreffende 
Märchenmotiv, als eine für die Ortsverhältnisse 
ungereimte Vorstellung eine Neuverbreitung oder 
als eine in grauer Vorzeit überholte Vorstellung 

XI 



€ine Wiederverbreitung ausgeschlossen gewesen 
wäre« durch seinen absoluten Wert als Unter- 
haltungsstoff im weitesten Maße vorzudringen« 
Gar viele Märchenmotive^ und gerade die ur- 
sprünglichsten^ mögen erst durch den sie paro- 
dierenden Schwank auf fremden Boden ver- 
pflanzt oder auf dem eigenen zu neuem Leben 
erweckt worden sein« 

Von den außerordentlich zahlreichen Dumm- 
heitsschwänken^ die in der vorliegenden Samm- 
lung — vorläufig sei nur von ihrem ersten Teile 
die Rede — an einen einzigen Namen geknüpft 
erscheinen^ beruhen sehr viele auf so primitiven 
Vorstellungen« daß schon daraus erhellt« daß sie 
dem Manne« von dem sie erzählt werden« nur 
beigelegt worden sind. Wenn auch bei dem 
Mangel an alten Aufzeichnungen derartiger 
leichter tmd so lange mit Unrecht verachteter 
Geschichtchen viele Typen nicht sehr weit zu- 
rückverfolgt werden können« so müssen doch die 
obigen Erwägungen zu der Annahme eines ehr- 
livürdigen Alters genügen« umsomehr als es klar 
ist« daß von dem Auftauchen eines Dummheits- 
schwänkes bis zu seiner ersten Niederschrift eine 
geraume Zeit verflossen seih muß« in der er sich 
so wie das in ihm behandelte Märchenmotiv und 
oft mit diesem mündlich fortgepflanzt hat« Des- 
wegen aber die Existenz des nunmehrigen 
Trägers dieser Überlieferungen zu leugnen« hätte 
wohl keine Berechtigung; es wird ja auch nie- 
mand einfallen zu behaupten« König Franz L 
von Frankreich habe nie gelebt« weil Von ihm 
eine Schnurre erzählt wird« die schon im Conde 
Lucanor steht. 

XII 



Von dem Hodscha Nasreddin wird uns als 
von einem Zeitgenossen dreier wohlbekannter 
Fürsten gesprochen. Zuerst des Sultans Ala- 
eddin IIL (IL), des letzten Herrschers der 
Seldschukendynastie in Karamanien, der im 
Jahre 1392 Konia, das alte Iconium, und Aksche- 
hir, das alte Philomelion« an Bajazet L verloren 
hat, dann eben dieses Osniianensultans und 
endlich des tatarischen Eroberers Timur, der am 
20. Juli 1402 Bajazet in der Schlacht von Angora 
aufs Haupt geschlagen und gefangen genommen 
hat; dort, wo der betreffende Gewalthaber ein- 
fach Bei genannt wird, hat man die Wahl 
zwischen den drei genannten Fürsten und dem 
von Timur eingesetzten Bei von Karamanien, 
nämlich Mohammed, dem ältesten Sohne Ala- 
eddins HL, doch dürfte wohl meistens Timur 
gemeint sein, bei dem Nasreddin die Stelle eines 
lustigen Rates eingenommen haben solL In die- 
selbe Verbindung wird Nasreddin allerdings auch 
mit Bajazet gebracht, einmal von dem Historiker 
De la Croix ^ und dann noch von Karl Friedrich 
FlögeP; beide vermeiden es aber, ihre Quellen 
anzugeben. Von seinem Freundschaftsverhältnisse 
zu Timur berichtet hingegen schon Demetrius 
Cantimir oder Kantemyr, det 1723 verstorbene 
ehemalige Fürst der Moldau, das Mitglied der 
Berliner Akademie der Wissenschaften^, und 

^ Geschichte des osmanischen Reiches, deutsch von 
Schulz, Frankfurt, 1769 ff., I, S. 150 ff. 

^ Geschichte der Hofnarren, Liegnitz und Leipzig, 
1789, S. 176 ff. 

' Histoire de Vempire othoman, traduit par De Jonc- 
quieres, Paris, 1743 ff., I« S. 164 ff.; die im folgenden an- 
gezogene Stelle ist unten S. 227 abgedruckt. 

XIII 



dieser schickt nicht nur seinen Erzählungen von 
Timur tmd Nasreddin die Bemerkung voraus, daß 
sich Timur nach den Historikern drei Tage lang 
bei Jenischehir aufgehalten habe, um den Er- 
zählungen des türkischen Äsops zu lauschen, der 
ihm so lieb geworden sei, daß er ihm zuliebe auf 
die Plünderung dieser Stadt verzichtet habe, 
sondern sagt auch weiter, er entnehme die fol- 
genden Schnurren einem türkischen Buche. Dem 
Alter, das dieses Buch gehabt haben muß, ent- 
spricht das von mehrem Manuskripten, die 
Decourdemanche für seine große Ausgabe von 
Nasreddins Schwänken ^ benutzt hat, und deren 
eines schon um 1600 niedergeschrieben worden 
ist; daher müßte sich wohl die Annahme, daß 
Nasreddin eine mythische Person sei, auf andere 
Prämissen stützen als auf die Tatsache, daß mit 
seinem Namen uralte Schwankmotive verknüpft 
worden sind. Daran ändert es auch nichts, dLaß 
eine Sage wissen will, er habe schon zu der Zeit 
Harun al Raschids gelebt: Mohammed Nasr- 
eddin, der damals einer der weisesten Männer 
gewesen sei, habe sich mit seinen Lehren in einen 
Widerspruch zur Religion gesetzt tmd sei deshalb 
zum Tode verurteilt worden; um sein Leben zu 
retten, habe er sich wahnsinnig gestellt. Der 
ungarische Gelehrte Künos, der sie erzählt, hat 
sicherlich recht, wenn er die Entstehtmg dieser 
Sage darauf zurückführt, daß man versuchen 

^ Sotti9ier de Natr-Eddin'Hodja, Bruxelles, 1878; vgL 
unten S. 201 ff. Eine ältere Handschrift, die schon 1625 im 
Besitze eines Europäers war, wird in Leiden aufbewahrt; 
darüber und über andere Handschriften vgl. Rom im 
Keleti izemle, I, S. 67 ff. 

XIV 



wollte, manche Spaße des Hodschas zu recht- 
fertigen^. Nicht mehr Bedeutung darf einer 
persischen Überlieferung beigemessen werden, 
die Nasreddin als einen Zeitgenossen und Unter- 
tanen des Schahs Takasch (um das Jahr 1200 
unserer Zeitrechnung) nennt ^; hier war wohl der 
Wtmsch maßgebend, den berühmten Nasreddin 
als persischen Landsmann beanspruchen zu 
können« In beiden Fällen handelt es sich über- 
dies um ganz vereinzelte, von dem Massiv der 
übrigen Überlieferungen abseits stehende Anek- 
doten. 

Weniger als das hohe Alter der von den 
Historikern übernommenen Traditionen fällt bei 
der Frage, ob Nasreddin der Mythe angehört, der 



^ Nanzreddin hodsa trdfäi, Budapest, 1899, S. 3; leider 
nennt Künos seine Quelle nicht. 

^ Meherjibhai Nosherwanji Kuka, The Wit and Hu- 
mour of the Pernann, Bombay, 1894, S, 3 11. Die Erzäh- 
lung, deren Verfasser usw. Kuka eben so wenig wie bei 
den andern Stücken nennt, die sein Buch bringt, lautet: 
Nasreddin, ein Häuptling des Stammes von Kebud-Dscha- 
mah, hatte sich den Unwillen des Schahs Takasch zu- 
gezogen, und dieser schickte einen Mann, um ihn zu töten 
und ihm sein Haupt zu bringen; Nasreddin aber vermochte 
den Abgesandten, ihn lebendig an den Hof des Schahs zu 
bringen. Als der Schah Nasreddin am Leben vor sich sah, 
wollte er seine Wut an seinem Abgesandten auslassen, aber 
Nasreddin redete den Schah mit den folgenden Versen an, 
und die gefielen dem Schah so gut, daß er ihm nicht nur 
das Leben schenkte, sondern ihn auch umarmte und zu 
einem hohen Würdenträger machte: „Der Staub deiner 
Fußtapfen ist eine Salbe für die Augen meines Geistes. 
Mit mir bringe ich unzählige Geschichten und Gleichnisse, 
Den Kopf, den du verlangt hast, konnte ich niemand an- 
vertrauen; drum bringe ich ihn selber, freilich auf meinen 
Schultern." 

XV 



Umstand ins Gewicht^ daß der Hodscha Nasr« 
eddin im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts eine 
solche Berühmtheit genossen haben soll, daß einer 
seiner Nachkommen eben dieser Abstammung 
wegen ein kaiserliches Geschenk erhalten hätte« 
Wäre diese Geschichte tatsächlich, wenn auch 
nur in ihren Grundzügen und ohne das lustige 
Moment, von einem Historiker dieser Zeit be- 
zeugt ^1 dann wäre sie eine glückliche Illustration 
zu der Tatsache, daß damals schon Nasreddin als 
derselbe galt, als der er heute gilt, einer Tat- 
sache, die aber schon aus dem Alter des ältesten 
der von Decourdemanche benützten Manuskripte 
hervorgeht* 

Von nicht viel größerer Bedeutung für die 
Lösung jener Frage ist es wohl auch, daß noch 
heute in Akschehir das Grab des Hodschas Nasr- 
eddin gezeigt wird, wenn dieses auch schon um 
die Mitte des 17. Jahrhunderts von dem berühm- 
ten osmanischen Reisenden Evlija Tschelebi be- 
sucht worden ist ^, und obwohl ihm, wie von meh- 
rem Geschichtsschreibern bewährt wird, der Sul- 



^ Die Geschichte ist bequem nachzulesen bei Mehemed 
Tewfik, Die Schwanke des Naßr-ed-din und Baadern, über- 
setzt von MüUendorff (= Nr. 2735 der Reclamschen Uni- 
versal-Bibliothek), S. 7 ff.; nach Tewfik ist sie u. a. von 
Künos aufgenommen worden (Trefäi, S. 28 ff.), und der 
Verfasser der jüngsten türkischen Ausgabe von Nasreddins 
Schwänken, Behai, nennt bei der Mitteilung der Geschichte 
(S. 6 ff.) Tewfik geradezu als seinen Gewährsmann. Diese 
Ausgabe, Letaif i hodscha nasr ed-din, Stambul, 1325/27 
(1907/1909), die ich leider für den Text* nicht mehr be- 
nutzen konnte (die Kenntnis von ihr verdanke ich Herrn 
Dr. Theodor Menzel), ist im folgenden mit Letaif zitiert. 

^ Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches, Pest, 
1827 ff., I, S. 630. 

XVI 



tan Murad IV. (1623—40), der sich dort auf 
einem Feldzuge längere Zeit aufgehalten hat, die 
Anregung zu einem Gedichte verdankte \ 

Dieses Grab beschreibt der Grieche Walawani 
in einer dem Hodscha Nasreddin gewidmeten 
Monographie folgendermaßen ^: 

,,Gleich beim Eintritte in den Friedhof von 
Akschehir zieht den Blick des Besuchers ein son- 
derbares Bauwerk auf sich. Vier in die Erde ein- 
gerammte hölzerne Säulen tragen ein viereckiges, 
einem rechtwinkeligen Vierflächner ähnelndes 
baufälliges hölzernes Dach, das ein Grab schützt; 
über diesem Grabe befindet sich ein außerordent- 
lich großer Turban, der keineswegs aus Stein ist, 
sondern aus Leinwandbändem, die um das Grab- 
säulchen gewickelt sind. Drei Seiten des Grabes 
sind offen, und nur die dem Beschauer zu- 
gewandte, die nördliche, ist mit einer zweiflüge- 
ligen hölzernen Tür geschlossen, an der zwei 
ebenfalls hölzerne Schlüssel hangen. Das Bild 
des Grabes berührt wunderlich; der Beschauer 
wird nämlich gleich beim ersten Anblicke tmwill- 
kürlich von einem unbezähmbaren Gelächter be- 
fallen, weil er nicht sofort begreifen kann, warum 
das allen Winden preisgegebene Grab so sorg- 
fältig verschlossen wird. Indessen dauert es nicht 
lange, so kommt er darauf, daß es sicherlich die 
Absicht des oder besser der geistigen Schöpfer 
gewesen sei, den Witz jenes Mannes zu versinn- 
bildlichen, der auch noch im Tode Heiterkeit um 



1 Trefäi, S. 28. 

^ "Itoaxiifi BaXaßavtj, üfcx^ttcruvrixa, Athen, 1891, S. 150 ff, 
in dem Aufsatze 'O NaaQiddiy XmCag, 

Nasreddin, L ü XVII 



sich ausgießt tind ein Lächeln auf die Lippen 
zwingt; diese geistreiche Darstellung zu ersinnen 
war ein einziger^ und noch dazu ein Asiate nicht 
imstande/' 

Trotz Walawani kam man aber mit der Be- 
hauptung^ es sei ein einziger Mann und vdrklich 
ein Asiate gewesen^ der die Idee zu diesem Grab- 
male gefaßt und auch ausgeführt habe; und dieser 
eine sollte niemand anders als Nasreddin selber 
gewesen sein. Künos erzählt nämlich, leider 
wieder ohne Quellenangabe ^: 

,,Nasreddin verlangte einmal von Timur zehn 
Goldstücke, um sich ein Denkmal errichten zu 
lassen. In seiner gewohnten Freigebigkeit, aber 
auch aus Neugier erfüllte ihm Timur diesen eigen- 
tümlichen Wunsch. Der Hodscha ließ sich für 
die zehn Goldstücke ein Türbeh, ein Grabmal, 
bauen, das an drei Seiten offen und nur an der 
vierten durch eine Mauer geschützt war. In diese 
Mauer ließ er eine Tür machen, und an dieser 
ließ er ein Vorhängschloß anbringen« Das Türbeh 
trugen vier Holzsäulen, und er ließ es mit einem 
viereckigen Holzdache versehn, um darunter sei- 
nen Grabstein zu stellen. Den sonderbaren Bau, 
den er in dem Friedhofe von Akschehir aufstellen 
ließ, erklärte er, wie folgt: ,Den Nachkommen 
werden die großartigen Steinbauten Timurs nur 
Anlaß zu Tränen geben; Nasreddins Grab aber 
wird die Leute zur Heiterkeit stimmen und ein 
fröhliches Lachen auf ihre Lippen locken.' Und 
so geschah es auch. Der Hodscha wurde dort be- 
graben** usw. usw. 

1 Tr^fdi, S. 8 ff. 

xvin 



Einzelnes aus dieser Geschichte stimmt mit 
denü überein, was Cantimir aus seinem livre turc 
über Nasreddin mitgeteilt hat^; aber Cetntimir 
spricht von dem Bau einer einfachen Tür auf 
freiem Felde, und mit keinem Worte ist davon die 
Rede, daß sie dem Hodscha hätte als Grabmal 
dienen sollen« Diese Tür spukt auch in manchen 
Überlieferungen: die Serben erzählen von ihr, ver- 
suchen jedoch für die unklare Reminiszenz eine 
befriedigende Erklärtmg zu finden ^, und dasselbe 
tut der rumänische Dichter, der ja auch nur 
Volksüberlieferungen wiedergibt ^» Aber mit 
Nasreddins Grab hat das Türmotiv nichts zu tun, 
und die sich so hübsch lesende Beschreibung 
Walawanis entspricht samt ihrer erweiterten Be- 
arbeitung durch Künos keineswegs der Wahrheit. 

Die Fabel von der Tür hat schon der erste 
Engländer, der sich mit Nasreddin befaßt hat, 
William Burckhardt Barker, dem sie freilich in 
einer andern, immerhin aber den Kern bringenden 
Form erzählt worden sein muß, mit der Autorität, 
die der Augenschein verleiht, klar und deutlich 
abgelehnt^: „Among other contradictions related 

1 Siehe unten S. 190, Nr. 329, 

2 Siehe im IL Bande S. 144 IL, Nr. 467. 

* Anton Pann in dem Gedichte Cni ii place Unistire 
sa'si faca imprejmüire seines Nazdraoaniile Ini Nastratin 
Hogea (Opere complete, ed. Il-a, Bukarest, 1909, 1, S. 342) : 
Da der Hodscha einmal im Winter kein Holz hat, verheizt 
er nach und nach seinen Zaun, bis von diesem nur noch 
das Tor übrig bleibt. Als nun die Leute zu ihm von allen 
Seiten kommen, verweist er ihnen dies: das Tor sei eben 
deswegen stehn geblieben, damit man es benütze. 

^ Keading Book of the Turkish Language, London, 
1854 zu Beginn der Pleasing Tales of Khoja Nasr^il-deen 
Effendi, S. 27 der türkischen Paginierung. 

n» XIX 



of Nasr-il-deen Khojai the Turks say that «such 
were the contradictions in his character and 
throughout his whole life — sometimes appearing 
so leamed, sometimes so stupid« etc« — tiiat even 
after death these contradictions were kept up'; 
and that ,his tomb has now an iron grate, with a 
large gate and lock, but no railing round it/ The 
autor has, howewer, visited his tomb at Acksha- 
hir, and can attest that it is ,a vulgär eror,' and 
that it is a simple unassuming monument, with an 
iron railing round it, and a small gate and lock 
like the rest of the tombs of the Mosolmen 

Und ganz gegenstandslos wird die Fabel, 
wenn man die auch auf eigenen Wahmehmtmgen 
fußende Beschreibung liest, die der letzte Türke, 
der über Nasreddin geschrieben hat, von dem 
Grabmal gibt ^: „Das Grabmal trägt eine Kuppel, 
die auf vier glatten, hübschen Säulen ruht. In 
der Mitte steht der Sarg mit dem gestreiften Tur- 
ban, wie ihn die Hodscha zu tragen pflegen. Die 
Wände des Sarges sind auf den den Besuchern 
zugewandten Seiten voll einer großen Zahl von 
Aufschriften in Versen und Prosa/' Das ist alles; 
keine Spur von einer Tür, einem Vorhängschlosse 
oder einem Schlüssel. Im übrigen sei auf die in 
der Ausgabe Behais enthaltenen Lichtbilder ver- 
wiesen, die das Grabmal von innen und von 
außen tmd vor und nach seiner in den letzten 
Jahren der Regierung Abdul Hamids erfolgten 
Restaurierung wiedergeben. 

Ob das Grab überhaupt als das Nasreddins 

* Letaif, S. 9. 

XX 



befrachtet werden darf^ ist eine andere Sache. 
Zu Raupten des Sarges findet sich nämlich fol- 
gende Inschrift: 

Dies ist das Grab des Verewigten, 

dem Verzeihung gewährt worden ist, der bedarf 

des Erbarmens seines Herrn, des Verzeihenden, 

des hochehrwürdigen Nasreddin. 

Für seine Seele 

(bete) eine Fatiha« 386. 

Diese Jahreszahl macht Behai viel Kopfzer- 
brechens^; denn auch wenn man sie verkehrt liest, 
erhält man als Todesjahr Nasreddins — und das 
soll sie ja wohl bedeuten — spätestens 1285 
unserer Zeitrechnung, und Timur ist 1405 ge- 
storben, Bajazet 1^3. Aber weder von dem 
einen Herrscher, noch von dem andern wird ein 
Grab gezeigt; zu dem ihres Spaßmachers pilgern 
noch heute Tausende gläubiger Menschen. Was 
tut es diesen, wenn die JsSireszahl falsch ist? 
oder wenn das Grab wirklich nichts andres ist als 
die Frucht einer glücklichen Laune eines oder 
mehrerer Asiaten? Andächtig hängen die Wall- 
fahrer ihre Zeugfetzchen, die das Fieber ab- 
wehren sollen, an die Gitterfenster des Grabmals; 
tmd die Einwohner von Akschehir bringen dem 
Hodscha sogar Speiseopfer, und werden die ver- 
schmäht, so glauben sie, eine Hungersnot werde 
hereinbrechen ^« 

Die von Akschehir haben ja Nasreddins 
Macht, Wunder zu wirken, schon zu seinen Leb- 
zeiten verspüren müssen. Als sie ihn einmal er- 



* Letatf, S. 7. 
2 Letatf, S.IO. 



XXI 



zürnt hatten^ ging Nasreddin auf den Akschehir 
beherrschenden Berg« der, etwa durch ein Erd* 
beben vergangener Zeiten, gespalten ist; vor die- 
sen Spalt hing er einen kleinen Teppich, und da- 
mit machte er es den Winden unmöglich, über die 
Stadt hinzustreichen und die Wolken über sie zu 
schicken« Als der Regenmangel empfindlich zu 
werden begann, schickten seine Mitbürger eine 
Abordnung zu ihm mit der Bitte, er möge den 
verwunschenen Teppich von dem Spalte wegneh- 
men und seiner Vaterstadt einen Regen ver- 
gönnen. Der Hodscha ließ sich erweichen; und 
kaum hatte er den Rand des Teppichs ein klein 
wenig gehoben, so erquickte schon ein kühles 
Lüftchen die unter der Hitze schmachtende Stadt, 
und der Himmel säumte nicht lange, seine wohl- 
tätigen Schleusen zu öffnen ^. 

Der Hodscha ist aber noch immer ein leicht 
reizbarer Herr; wenn einer, der an seinem Grabe 
vorbeikommt, so verstockt ist, daß er durchaus 
nicht lachen will, so straft er ihn schier augen- 
blicklich mit seinem Zorne. Davon weiß der Ver- 
fasser der letzten türkischen Ausgabe ein Lied- 
chen zu singen^; geben wir ihm das Wort: „Als 
wir, nämlich ich, die arme Schreiberseele, die 

^ Walawani, der diese Legende berichtet (S. 143 ff.) 
fügt beif daß in Akschehir noch heute das Wetter aus 
diesem Spalte erforscht wird, indem man ihn unverwandt 
betrachtet; der Spalt ist denen von Akschehir wie ein 
Fenster« das einen Einblick in die Geheimnisse des Him- 
mels zuläßt, oder einfacher, er ist ihr Barometer, Künos« 
der nach Walawani erzählt, bemerkt (S. 14), daß er die 
Oberlieferung von diesem Wunder Nasreddins sogar in 
einer Zeichnung einer Stambuler Ausgabe der Schwanke 
erkannt habe. 

2 Letaif, S. 9 ff. 

XXII 



dieses Buch verfaßt hat^ mein Vater und der 
Gatte meiner Schwester, auf einer Reise die 
Straße nächst dem Mausoleum Nasreddins fuhreui 
ja dicht an diesem vorüberkamen, sagte mein 
Schwager: ,Wenn ich jetzt nicht über den Mann 
lache, wer weiß, was mir da schlimmes zustoßen 
wird/ So sprach er und hörte nicht auf uns, ob- 
wohl wir ihn inständigst baten. Als wir nun unter 
einem herabhängenden Aste einer alten Platane 
dahinfuhren, verfing sich dieser in dem Sommer- 
dache des Bauemwagens und riß es in Fetzen; 
die Pferde wurden scheu, und auf ein Haar wäre 
der Wagen umgestürzt. Das Weinen war uns 
näher als das Lachen/' 

Glücklicherweise können derartige Unfälle 
nicht oft vorkommen; denn es wird einem Türken 
recht schwer, bei dem Anblicke des Grabes, der 
die Erinnerung an Hunderte von Schwänken er- 
weckt, ernsthaft zu bleiben, und ein drastischer 
Beleg ist dafür eine Geschichte, die Künos in 
Aidin aus dem Munde eines Augenzeugen gehört 
hat ^: „Nach euerer Zeitrechnung war es im Jahre 
1832, daß wir, als wir unter der Führung Ibrahim 
Paschas in Kleinasien waren, um den Aufruhr in 
der Gegend von Konia zu ersticken, auch bei Ak- 
schehir vorübermarschierten. Unser Weg führte 
an dem Friedhofe vorbei, und da entging es dem 
Blicke des Paschas nicht, daß keiner von den Sol- 
daten, wenn ihre Blicke auf den Turban des Hod-^ 
schas ^ fielen, ein Lächeln verhalten konnte. Der 

1 Trefäi, S. 9 ff. 

* Der übergroße Turban — vgl. dazu unten S. 78 ff., 
Nr. 152 — ist demnach wohl das einzige, was axi dem 
Grabe unmittelbar lächerlich wirkt. 

XXIII 



Pascha ließ halten; als er nun erfuhr, warum die 
Soldaten lachten, ließ er tinter ihnen verlaut- 
baren, wer an dem Grabe vorbeigehn könne, ohne 
zu lachen, den werde er beschenken« Manchen 
gelang es auch, das Lachen zurückzuhalten; end- 
lich ging aber ein Albanese vorüber, der seinen 
Ernst um jeden Preis bewahren wollte« Kaum 
hatte er jedoch den sonderbaren Turban erblickt, 
so platzte er auch schon los, obwohl er seine 
Lippen und Zähne zusammengepreßt und die 
Augen fest geschlossen hatte, und schrie: ,So ein 
Mensch ist dieser Hodscha, daß er die Leute, 
wenn er es schon von oben nicht kann, so doch 
von unten zum Lachen bringt!' " 

Bei solchen Zeugnissen ist es denn nicht zu 
verMomdem, daß sich eine Legende gebildet hat, 
die eine Begründung zu geben versucht, daß das 
Lachen über den Hodscha die Jahrhunderte über- 
dauert hat und daß schon die Nennung seines 
Namens genügt, um es stets wieder hervorzu- 
rufen. Diese Legende, oder besser, dieses ätio- 
logische Märchen, das ich allerdings nur in einer 
einzigen, serbischen Fassung^ nachweisen kann, 
erzählt: 

Es lebte einmal ein Evlija, ein Heiliger; er 
hatte drei Söhne, die alle drei Imame waren. Sein 
ganzer Besitz bestand in einem Widder« Eines 
Tages fragten ihn die Söhne: „Was werden wir 
heute essen?" Der Evlija zeigte auf den Widder« 
Alsbald sprangen die Söhne auf, schlachteten den 



^ Nasradin-hodza njegove tale, dosetke i lakrdije u 
pripodjetkama od Mehmeda Tevfika, U Nuvom Sadu (Nea* 
satz), 1903, S. 6 ff. 

XXIV 



Widder und zogen ihm das Fell ab; dann brieten 
sie ihn und verzehrten ihn. Sie sammelten hierauf 
alle Knochen^ der Evlija stand auf, nahm den 
Koran in die Hand und betete über den Knochen, 
und die Söhne sagten Amen. Er betete, sie sagten 
Amen, er betete und sie sagten Amen, bis zuletzt 
der Widder wieder lebendig wurde. „Fährt ihn 
in den Garten," sagte der Evlija, und die Söhne 
führten den Widder in den Garten. 

Am nächsten Tage fragten wieder die Söhne: 
„Was werden wir heute zu Mittag essen?" und 
der Evlija deutete mit dem Finger in den Garten 
und sagte: „Den Widder." Die Söhne schlach- 
teten ihn wieder, brieten ihn und aßen ihn. Sie 
sammelten wieder die Knochen und der Evlija 
nahm wieder den Koran und betete; die Söhne 
sagten Amen. Er betete und die Söhne sagten 
Amen, und der Widder wurde wieder lebendig. 

Eines Tages ging der Evlija zu einem Grabe. 
Die Söhne ergriffen wie gewöhnlich den Widder, 
schlachteten ihn, brieten ihn tmd aßen ihn; auch 
die Knochen sammelten sie wieder. Einer von 
ihnen nahm den Koran tmd betete, und die 
andern zwei sagten Amen. Der eine betete und 
die andern sagten Amen, aber siehe da — der 
Widder wurde nicht lebendig. 

Unterdessen kam der Evlija heim, und er 
fragte seine Söhne: „Wo ist der Widder? was 
habt ihr mit ihm gemacht?" Sie zuckten die Ach- 
seln: tJ)n siehst ja selber, was wir mit ihm ge- 
macht haben." Der Evlija besann sich, wie eben 
ein Evlija, sofort; er wußte alles, und darum 
wollte er sie nicht erst schelten, sondern fragte 
sie nur: „Wer hat ihn denn getötet?" „Der da," 

XXV 



antwortete Nasreddin. Und der Evlija sagte: 
^Auch er soll getötet werden!" Und er fragte 
wieder: ,,Wer hat ihm denn das Fell abgezogen?'* 
„Der da/* antwortete Nasreddin. ^^Amen auch 
ihm! Und was hast du gemacht?" „He, he/' 
antwortete Nasreddin, „ich habe nur gelacht!" 
Nun sagte der Evlija: „Drum soll es geschehn, 
daß auch die Leute über dich lachen, und Gott 
gebe, daß alle Völker, weß Glaubens immer, über 
dich lachen, solange die Welt besteht!" ^ 

Das Volk hat den Hodscha Nasreddin nicht 
nur unter die Märchenhelden, sondern auch unter 
die Heiligen versetzt; er hat ja auch kurz nach 
seinem Hinscheiden die Gläubigen, die in einer 
nahe bei seinem Grabe gelegenen Moschee ver- 
sammelt waren, vor dem ihnen durch den Ein- 
sturz der Kuppel drohenden Tode errettet ^» Und 
dort, wo sein Grab ist, in Akschehir, gibt es kaum 
eine Gasse, einen Brunnen oder eine Dschami, 
woran sich nicht Überlieferungen von Nasreddin 
knüpften, und von jeder Moschee wird behauptet, 
Nasreddin habe in ihr gepredigt: man zeigt dem 
Fremden, wo er über die Allgegenwart Gottes 
die Worte gesprochen hat: „Wenn Gottes Hand 
nicht alles lenkte, dann müßte wenigstens einmal 
etwas geschehn, wie ich es wollte!" und mit be- 
sonderm Stolze führt man den Besucher zu der 



^ Zu dem Märchenmotive von dem aus den gesammel- 
ten Knochen wiederbelebten Tiere oder Menschen vgl. 
Köhler, Kleinere Schriften, Weimar (Berlin), 1898 IL, I, 
S. 273 und 586 ff., v. d. Leyen, Das Märchen in den 
GötterBagen der Edda, Berlin, 1899, S. 24, 40 und 81 und 
Dähnhardt, Natursagen, Leipzig, 1907 ff., III, S. 407 ff. 

s Siehe unten S. 144 ff., Nr. 241. 

XXVI 



Kanzelf auf der der Hodscha die berühmte drei- * 
geteilte Predigt gehalten hat, die unsere Samm- 
lung eröffnet ^. 

Mag immerhin einer oder der andere, weil die 
Kette der Beweise nicht lückenlos ist, behaupten: 
Nasreddin hat nicht gelebt; das eine wird nie- 
mand leugnen wollen: Nasreddin lebt. 

Über seinen Geburtsort gehn die Überliefe- 
rungen auseinander. Künos läßt die Entschei- 
dtmg offen zwischen Siwri-Hissar und Akschehir, 
Behai gibt Siwri-Hissar an, und Ali Nouri ^, der 
Pseudonyme Verfasser einer deutschen Ausgabe 
von Nasreddins Schwänken, sagt kurzer Hand, 
daß er in Akschehir geboren sei. Flögel neimt 
Jenischehir als Geburtsort; aber die von Ak- 
schehir, xlie förmlich mit Eifersucht alles hüten, 
was an den Hodscha erinnert, weisen es entschie- 
den zurück, daß er in Jenischehir jemals auch 
nur gewesen sei^. Wohl nur auf dem Schlüsse 
aus seiner Zeitgenossenschaft mit Timur und 
Bajazet beruhen die Angaben, daß er, wie Behai 
sagt, in der Regienmgszeit Sultan Orchans 
(1326 — 1359) oder, nach andern, um 1360 ge- 
boren sei. Kombination ist natürlich auch alles 
übrige, was über seine Lebensumstände erzählt 
wird, obwohl es im allgemeinen herzlich wenig 
ist; andere Quellen als die Schwanke gibt es 
ja nicht. Und bei dem jüngsten Biographen Nasr- 
eddins fühlt man leicht, daß der Wortschwall als 
Mittel verwandt wird, um die peinlich empfun- 

1 TrMi, S. 14 !f . 

^ Nasreadin Khodjas Schwanke und Streiche, Breslau, 
1904. 

• Trim, S. 14, 

xxvir 



dene Unwissenheit zu verdecken; immerhin sei 
mitgeteilt, was dieser zu berichten weiß ^: 

y,Nach der herrschenden Meinung hat sich der 
verewigte Hodscha in Akschehir und wohl auch 
in Konia dem Studium und der Vervollkommnung 
in den Wissenschaften hingegeben« Dann war er 
in einigen Städten und Bezirken in der Nähe von 
Akschehir Kadi. In seiner Vaterstadt Siwri- 
Hissar war er Prediger« In einigen andern Orten 
war er Lehrer an geistlichen Seminaren und Vor- 
beter. Auch hat er Amtsreisen unternommen in 
die Wilajete Konia, Angora und Brussa, sowie in 
einige andere angrenzende Provinzen« . « . Er ge- 
hörte zu den Juristen aus der Rechtsschule Abu 



^ Bezeichnend ist es, wonach Behai, der durch das 
Versprechen, den Einsendern von Schwänken Nasreddins 
einzelne Bogen oder ganze Exemplare seines Buches zum 
Geschenke zu machen [Letaif, S, 13), eine sehr zahlreiche 
Mitarbeiterschaft gewonnen haben dürfte, die Authenti- 
' zität der einzelnen Überlieferungen beurteilt; darüber 
schreibt er in seinem Schlußworte (S. 255 ff.) : „Wir haben 
uns Handschriften aufgehoben; aus ihnen geht hervor, daß 
man uns ziemlich viele Schwanke übersandt hat mit dem 
Bemerken, fünf bis zehn Personen hätten es übereinstim- 
mend bezeugt, daß sie wirklich von dem Hodscha stamm- 
ten. Wenn derartige Schwanke Stück für Stück durch die 
osmanische Welt gehn und von einem osmanischen Ge- 
lehrten nach dem andern übernommen werden, so ist das 
ein Beweis, daß sie auf den Hodscha zurückzuführen sind. 
Kamen uns aber Schwanke in die Hand, die nicht so wie 
diese bezeugt waren, bei denen uns kein Beweis vorlag, 
daß sie dem Hodscha zuzusprechen seien, so haben wir es 
vorgezogen, das Zeugnis derer gelten zu lassen, die, auch 
ohne Belege, ihre Authentizität behaupten; hiemach haben 
wir gemeint, in zweifelhaften Fällen sei es besser, die 
Authentizität auszusprechen. Und Allah mache es mit uns 
ebenso!" 

XXVIII 



Hanifas^ . « • Als er einmal von der Regierung 
in Staatsgeschäften nach Kurdistan geschickt 
wurde, sagte dort einer, der ihn erkannte: «Unser 
Hodscha versteht sich sogar auf Politik und 
Regierungskunst und ist darum ein ganzer Mann/ 
Ein andermal wurde er in AkscheMr mitten aus 
einer Versammlung herausgeholt; für die Regie- 
rung hatte sich nämlich die Notwendigkeit er- 
geben, sofort Eilboten dorthin zu schicken und ihn 
aufzufordern, so schnell wie möglich in die Haupt- 
stadt zu kommen. Meistens beschäftigte er sich 
mit der mohammedanischen, auf Koran tmd Über- 
lieferung gegründeten Rechtskunde/' 

Die Naivetät, die aus diesen Erzählungen 
spricht, wird noch übertroffen durch die groteske 
Art der Lobsprüche, die Behai dem Hodscha an- 
gedeihen läßt« Mit Entrüstung erfüllt es ihn, daß 
man versucht hat, unwahre Behauptungen über 
Nasreddin durch erfundene Geschichten zu 
stützen, und daß in einem von ihm nicht näher 
bezeichneten Buche der Ausspruch getan wird: 
„Der Hodscha zeigt manchmal den höchsten Grad 
von Freigeisterei; auch ist er nicht Wandermönch 
geworden« Es ist dem Gedächtnis überliefert, 
daß seine durch anderweitige Beispiele erwiesene 
fluchwürdige Gottlosigkeit gCMdß der als göttliche 
Strafe zu gewärtigenden Vernichtung würdig ist, 
und daß er Fragen der Jurisprudenz und der 
Theologie im Verkehre mit den* verschiedensten 
Klassen der Muselmanen unter der Verhüllung 

^ über Abu Hanifa, den Begründer der nach ihm ge- 
nannten orthodoxen Rechtsschule (680 oder 699 — ^767), vgl. 
Brockelmann, Geschichte der arabischen Litteratur, Wei- 
mar (Berlin), 1898 ff., I, S. 169 ff. 

XXIX 



durch Schwanke behandelt hat. Möge ihm Gottes 
Barmherzigkeit noch zu teil werden!" Dagegen 
donnert Behai' in folgender Philippika: ^Nirgends 
ist bei Sr« Hochehrwürden und Sr« Heiligkeit 
— nämlich Nasreddin — irgendein der Welt 
schmeichelnder Unglaube festzustellen« Seine Ge- 
rechtigkeit steht außer Zweifel, gemeine und 
niedrige Handlungen finden sich bei ihm nicht; 
ja nicht einmal in Gedanken hat er gesündigt. 
Freilich gibt es — das sei in aller Ehrerbie- 
tung gesagt — auch für den Hodscha eine 
Grenze, über die hinaus sein sittliche Kraft 
nicht reicht: da auch er nur ein Mensch war, 
da auch ein Muselman nicht ohne Sünde ist, 
hat wohl auch er in Sünde fallen können, 
und es ist möglich, daß er in seiner Kind- 
heitszeit und seinem Jünglingsalter unpassendes 
getan, ja eine Sünde begangen hat; nur allmählich 
vervollkommnete er sich, machte er Fortschritte 
in der Wissenschaft, in den Keimtnissen, in der 
sittlichen Vervollkommnung und in der Weisheit 
und bildete Körper und Charakter aus, bis er 
schließlich zu dem höchsten Grade der Ver- 
einigung mit Gottes Heiligkeit und seinem hei- 
ligen Geiste gelangt ist/' Und an einer andern 
Stelle heißt es: „Staunenswert war seine aske- 
tische Frömmigkeit; selbst im Schlafe hat er sich 
nie durch unreine Gedanken befleckt/' Und 
weiter: „Er zog es vor, sich betrügen zu lassen, 
ja sogar einen empfindlichen Schaden zuerieiden, 
als irgendeinem Menschen eine schändliche Lüge 
oder einen Betrug zuzutrauen , . . Se« Hochehr- 
würden, der verewigte Nasreddin war ein tief- 
gründiger Gelehrter, der der Weltlust und den 

XXX 



weltlichen Dingen entsagt hat; er war eine durch- 
aus reine und lautere Natur in des Wortes tiefster 
Bedeutung, er war geradezu eine Engelsnatur/' 

Der Leser soll nicht weiter gelangweilt wer- 
den; hoffentlich begleitet ihn aber die Erinnerung 
an diese Panegyriken bis zu der Lektüre der 
Schwanke« 

Ebenso schmerzlich wie den dem Hodscha ge- 
machten Vorwurf der Gottlosigkeit empfindet es 
Behai auch, daß dieser manchen nur als einfacher 
Spaßmacher gilt: „Wir zählen den vereMdgten 
Hodscha zu einer Art von Persönlichkeiten, die 
nur auf ein einziges Volk — nämlich das tür- 
kische — beschränkt geblieben ist; weder Behle- 
wal Dana in der Anfangszeit des Islams, noch der 
sprichwörtlich gewordene Mudschadib , noch 
Dschoha, noch Männer wie Abdal, die sich ihn 
zum Vorbilde nahmen, noch Abu Dulama von den 
Arabern, noch Talhak von den Persem, diese 
Schmarotzerseelen, noch irgendein anderer von 
den übrigen Völkern kaim mit unserm Hodscha 
verglichen werden/* ^ 

^ Letaif, S. 4, Von den hier erwähnten Kameraden 
Nasreddins erwähnt Behai unmittelbar vorher einen, näm- 
lich Abdal, als einen Hofnarren Timurs; vielleicht liegt 
hier oder an der unten S. 279 zu Nr. 326 zitierten Stelle 
aus den Vierzig Vezieren, die dann jedenfalls älter sein 
müßte als die Parallele mit Nasreddin als Helden« eine 
Verwechslung vor. Mit Ausnahme des sofort zu be- 
sprechenden Dschoha sind mir von all diesen Vertretern 
des Narreatums nur Abu Dulama und Talhak bekannt. 
Abu Dulama, ein Neger, war Hofnarr al Mansurs und ist 
777 gestorben; vgl. über ihn Brockelmann, I, S. 74. Ein 
Schwank von ihm ist unten im II. Bande, S. 237 erwähnt. 
Über Talhak, den Hofnarren Sultan Mahmuds von Ghasni, 
vgl. Hom im Keleti szemle, I, S. 70. 

XXXI 



Dieser Ausspruch ist nicht unwichtig; er be- 
weist, daß man auch in dein Volke, dem Nasr- 
eddin angehört, schon die Verwandtschaft er- 
kennt, die ihn mit andern Gestalten verbindet, 
die, ob historisch oder nicht, als wenig verschie- 
dene Typen die Helden des Dummheitsschwan- 
kes und oft zugleich des Schlauheitsschwankes 
darstellen« Von diesen haben wir uns hier noch 
mit Dschoha zu beschäftigen« 

Der Umstand, daß Dschoha viele sonst mit 
Nasreddin verbundene Schwanküberlieferungen 
auf sich vereinigt, hat einzelnen Gelehrten den 
Anlaß zu der Behauptung gegeben, Nasreddin 
und Dschoha seien einunddieselbe Person, und 
man hat sogar versucht, das arabische Wort 
Dschoha als eine Ableitung des türkischen Hod- 
scha zu erklären^. Diese Meinungen sind aber 
unhaltbar, da Dschoha als ein dem Hodscha Nasr- 
eddin ähnlicher Typus lange vor diesem be- 
legt ist. 

Schon der Fihrist des 995 gestorbenen ibn 
Ishak an Nadim, eine Bibliographie der damals 
vorhandenen arabischen Literatur, nennt unter 
den Schwankbüchem tmbekannter Verfasser ein 
von Dschoha handelndes ^; dieses ist ebenso wie 
die andern dieser Gruppe angehörenden Schrif- 
ten verloren« Die nächste Erwähnung Dschohas 
findet sich in dem Kitab madschma al amthal des 
1124 verstorbenen al Maidani, einer großen ara- 



^ Köhler, I, S. 508 ff.; Hartmann in der Zeitschrift des 
Vereins für Volkskunde, V, S. 48. 

^ R. Basset in der Einleitung (S. 4 ff.) zu A. Mou- 
li^as, Les fourberies de Si Djeh'a, Paris, 1892. 

XXXII 



bischen Sprichwörtersammlung ^; Maidani belegt 
einzelne oprichwörter, die mit d<ßm Namen eines 
Einfaltspinsels verknüpft sind, mit kleinen Erzäh- 
lungen von dem betreffenden, und so hat er auch 
drei Geschichten von Dschoha^* Dieser führt 
aber auch noch zugleich mit Nasreddin ein von 
ihm unabhängiges Dasein; der Thamarai dl aurak 
von ihn Hidschdscha al Hamawi (1366 — 1434) 
bringt von ihm einige Schwanke und sagt über 
ihn: ,,Manche behaupten, daß er der tmterhal- 
tendste Mensch von der Welt gewesen sei, daß 
es aber zMdschen ihm und den Leuten ZMdstig- 
keiten gegeben habe, und daß man ihm alle mög- 



^ Hartmann a. a, 0., S. 49, 

^ Die zweite dieser drei Geschichten ist im IL Bande, 
S. 183 ff. mitgeteilt; die beiden andern erzählen (Freytag, I, 
S. 403): Es sieht einer Dschoha außerhalb der Stadt Kufa 
graben und fragt ihn« was er mache, Dschoha antwortet, 
er könne eine Summe Geldes, die er dort vergraben habe, 
nicht wiederfinden. Als ihm nun der andere sagt, er hatte 
sich ein Zeichen machen sollen, erwidert er, das habe ei^ 
sowieso getan; jetzt sehe er aber die Wolke, die damals 
den Ort beschattet habe, nicht mehr, (Vgl. zu diesem 
Schwanke Kathä Sarii Sägara, II, S, 60ff,; Kuka, S. 175, 
Nr, 63; Liebrecht, Zur Volkskunde, Heilbronn, 1879, S, 117; 
Clouston, The Book of Noodles, London, 1888, S, 99 ff.). — 
Als Abu Muslim als Statthalter nach Kufa kommt, fragt 
er, wer Dschoha kenne, und befiehlt einem, der Jaktin 
heißt, ihn zu bringen, Jaktin führt Dschoha zu Abu Mus- 
lim, der gerade ganz allein ist; da fragt Dschoha seinen 
Begleiter: „Wer von euch beiden, Jaktin, ist denn nun 
Abu Muslim?" Alle drei Dschohageschichten Maidanis 
sind mit Dschoha als Helden in den Nawadir von al Kal- 
jubi (t 1658) übergegangen; danach hat sie Basset in der 
Revue des traditions populaires, XV, S. 40, 41 und 43 
übersetzt. 

Nasreddin. I. HI XXXIII 



liehen Geschichten beigelegt habe; andere sagen, 
er sei der leichtfertigste Taugenichts gewesen." ^ 
Bis zum fünfzehnten Jahrhunderte, oder wenn 
man auf die Tatsache, daß keine ältere Auf- 
zeichnung Nasreddinscher Schwanke erhalten ist, 
pochen Mdll, bis zum Ende des sechzehnten Jahr- 
hunderts können also die Überlieferungen des 
Dschohakreises als die altem nicht von solchen 
der Nasreddingruppe beeinflußt worden sein; daß 
aber später Dschoha und Nasreddin, die ja, der 
eine für die Araber, der andere für die Türken, 
gleichartige Typen des Narren und Volkslieblings 
darstellen, ineinander übergeflossen sind, ist 
leicht verständlich. Dem tragen die heute im 
arabischen Oriente außerordentlich verbreiteten 
Drucke Rechnung, die schon im Titel die beiden 
Personen identifizieren: Nawadir el chodscha 
ncisr ed'din effendi dschoha. Freilich läßt der 
Umstand, daß Nasreddin oft auch als Dschoha 
er-rumi, als rumelischer oder türkischer Dschoha 
bezeichnet wird ^, den Schluß zu, daß der Araber 
noch unmer zwischen den beiden unterscheide 
und durch diese Bezeichnung nur die Ähnlich- 
keit, die auch er zMdschen ihnen erkennt, aus- 
drücken wolle; dies erscheint aber als neben- 
sächlich, weil zur Ausstattung beider Volkslieb- 
linge der Schatz der alten Überlieferungen 
gleichmäßig geplündert worden ist und noch 
weiter geplündert Mord. Was man heute vorläufig 
nur von Nasreddin erzählt — abgesehn natürlich 
von dem genaimten oder ungenannten Schwank- 



^ Basset a. a. O., S. 5 ff. 

2 Basset, S.3fL; Hartmann, S.48, Note 2; LetaU, S. 12. 



XXXIV 



helden, von dem es zuerst berichtet worden ist — 
Mdrd morgen auch von Dschoha erzählt, und 
ebenso umgekehrt; klar ist es dabei, daß die 
Araber bei ihrer reichen Schwankliteratur meist 
die gebenden, die Türken die empfangenden sind. 

Die verschiedenen Ausgaben des Nawadir el 
chodscha nasr ed-din ef feudi dschoha, deren 
Inhalt so ziemlich identisch zu sein scheint, ent- 
halten fast alle Geschichten des noch zu be- 
sprechenden, zum ersten Male 1837 erschienenen 
türkischen Volksbuches von Nasreddin und in 
derselben Anordnung. Wenn der Schluß, den 
Basset aus dem das Jahr der Hidschra 1041 
zeigenden Chronogramme einer ihm vorliegenden 
Bulaker Ausgabe zieht, richtig ist^, wenn also 
der Nawadir in seiner heutigen Form schon im 
17. Jahrhunderte — das Jahr 1041 der Hidschra 
entspricht dem Jahr 1631 n. Chr. — abgefaßt 
worden ist, dann haben das türkische Volksbuch 
und der arabische Nawadir dieselbe Vorlage ge- 
habt, die allerdings im Nawadir fast auf das 
Doppelte erweitert worden ist; jedenfalls hat der 
Verfasser des Nawadir s neben der türkischen 
Quelle auch arabische und vielleicht andere be- 
reits niedergeschriebene Schnurren vor sich ge- 
habt: aus dem Mustatraf von al Abschihi (f 1446) 
sind zum Beispiele in den Nawadir ganze Seiten 
aufgenommen worden^. 

Durch die Araber ist Dschoha, und zwar 
dieser Dschoha des Nawadirs, die allbeliebte 
Schwankfigur auch im nordlichen Afrika ge- 



^ Basset, S. 8; Hartmann, S. 46, Note L 
2 Basset, S. 7. 

m* XXXV 



worden, und so wie die dem türkischen Volks* 
buche noch nicht angehörenden Dschohageschich- 
ten in die türkische Überlieferung übergegangen 
sind, so haben auch Erzählungen des Nasredd^- 
kreises zugleich mit Dschohageschichten oder als 
solche in dem Volksmunde des Maghribs Auf- 
nahme gefunden. Natürlich haben die Araber ihr 
sowieso beschränktes Eigentumsrecht an Nasr- 
eddin-Dschoha nicht behaupten können, sondern 
haben ihn mit den Berbern teilen müssen« Die 
Kabylen der Küste Algiers haben ihren Dscheha, 
die Beni Msab der Sahara ihren Dschoha, die 
Berbern von Tamazratt ihren Dschuha, die in der 
Oase Ghat ihren Schaha; und wie der tunisische 
und der tripolitanische Araber von Dschuha er- 
zählt, so hat sich der Nubier einen Dschauha 
geschaffen. Der Schwank von der Schüssel, die 
zuerst gebiert und dann stirbt, begegnet mit 
dem türkischen Nasreddin, mit dem türkisch- 
arabischen Nasreddin-Dschoha, mit dem arabi- 
schen Dschoha und mit dem berberischen Dscheha 
als Helden; schließlich kehrt er auch auf Malta 
wieder, und dort ist aus dem Dschoha ein 
Dschahan geworden^. 



^ Die meist aus den letzten Jahren stammende, aber 
schon ziemlich umfangreiche Literatur über Dschoha 
(Dscheha usw. und Dschahan) findet man, soweit sie vom 
Herausgeber benutzt werden konnte, rückwärts S. 199 ff. 
und gelegentlich bei den Anmerkungen zitiert; wegen der 
minder wichtigen Lehrbücher des algerischen Volks- 
arabisch, die gelegentlich als Lesestücke Dschohaerzah- 
lungen bringen, und wegen einiger belletristischer Reise- 
werke sei auf Basset, S. 12 verwiesen. Bemerkt sei hier 
nur noch, daß eine nicht unbedeutende Anzahl von an- 
scheinend auf Dschoha übertragenen Nasreddingeschichten 

XXXVI 



Gemeiniglich wird auch angenommen, daß der 
sizilianische Volksnarr Giufa oder Giucä, der in 
Piana de' Greci, in Palazzo Adriano und in 
andern albanesischen Ansiedelungen Siziliens 
Giu^ä heißt ^)« der nationalisierte arabische 
Dschoha sei; dem steht entgegen, daß auch in 
Toskana der bevorzugte Träger von Dummheits- 
schwänken Giucca, Giucco,^ Ciocco heißt. In 
jedem italiänischen Wörterbuche findet man neben 
sciocco auch giucco = Dummkopf, neben scioc- 
caggine, scioccheria usw. auch giuccaggine, giuc- 



von Mardrus in seine Ausgabe der Mille nuUs et wie nnit, 
Paris, 18991!« aufgenommen worden sind. Weiter sei er- 
wähnt, daß die syrischen Dschochiüberlieferungen bei 
M. Lidzbarski, Geschichten und Lieder aus den neu- 
aramäischen Handschriften der königlichen Bibliothek zu 
Berlin, Weimar, 1896, S. 249 ff. und das, was T. J. Bezemer 
in seiner Volksdichtung aus Indonesien, Haag, 1904, 
S. 196 ff. als Streiche des Djonaha, des Batakschen Eulen- 
spiegels erzählt , weder zum Nasreddin-, noch zum 
Dschohakreise gehören; es handelt sich in beiden Fällen 
um Varianten des so außerordentlich verbreiteten Unibos- 
märchens, die an sich allein, ohne weitere übereinstim- 
mende Behandlung gleicher Motive, noch nicht genügen 
können, um ihre Helden trotz dem anklingenden und wohl 
sicher von dem seinigen abhängigen Namen innerlich mit 
Dschoha zu identifizieren. Daran kann nichts ändern, daß 
auch von dem serbischen Nasreddin (Krauss, Anthropo- 
phyteia, Leipzig, 1904 ff., III, S. 366 ff.) und von dem nord- 
afrikanischen Dschoha (s. im II. Bande S. 41 ff.) Teile des 
Unibosmärchens erzählt werden; diese fügen sich ja dem 
übrigen keineswegs organisch an. 

^ Daß der Name Giu/a auch in Albanien vor- 
komme (Hartmann, S. 47 und öfter) ist ein Irrtum; vgl. 
Pitr^, Fiabe, nooelle e racconti popolari siciliani, Palermo, 
1875, III, S. 371, eine Stelle, die bei Monnier, Les contes 
populaires en Italie, Paris, 1880, S. 11 ungenau wieder- 
gegeben worden ist, woher denn das Mißverständnis rührt. 

XXXVII 



cheria usw. = Dummheit, und in Pitr&s Samm- 
lung toskanischer Volkserzählungen kommt eine 
moglie giucca, eine dumme Frau« vor, die ihrer 
Dummheit halber Giucca gerufen wird ^. Wahr- 
scheinlich ist ja eine oder die andere von den 
Giufägeschichten arabischen Ursprungs; ob man 
aber deswegen und wegen des flüchtigen Gleich- 
klanges eines aus der italiänischen Sprache 
ebenso gut erklärbaren Wortes mit einem arabi- 
schen Namen so weittragende Schlüsse ziehen 
darf, bleibe dahingestellt« 

Eher könnte man wohl eine Namensentlehnung 
bei dem entsprechenden kalabrischen Typus an- 
nehmen, dessen einer Name Hiohä — der andere 
lautet Juvadi oder Juva', was wieder zu Giufä 
stimmt — sicherlich mehr als Giufä an Dschoha 
erinnert; was die innerliche Verwandtschaft be- 
trifft, so findet man, auf diesen übertragen, sogar 
eine als reine Dschohageschichte nicht belegte 
Erzählung des Nasreddinkreises vor. 

Für das Verhältnis Nasreddins zu Dschoha 
ist die Feststellung wichtig,, daß aus der Zeit vor 
Nasreddins angeblichem oder wirklichem Leben 
noch keine einzige Dschohageschichte bezeugt ist, 
die als Quelle eines Nasreddinschen Schwankes 
angenommen werden müßte ^, während das sonst 



^ Pitr^, Novelle popolari toscane, Firenze, 1885, 
nov. 38; vgL ebendort S. 195. 

3 Die anscheinend dagegen sprechende Bemerkung 
Homs im Keleti szemle, I, S. 70, Z. 7 ff. beweist nichts; die 
dort erwähnte Erzählung Zakanis gehört wohl zu der Ver« 
sion im Nawadir und nicht zu der im Sottisier, wie andere 
Parallelen zu schließen erlauben. Die weiter von Hom mit 
„Basset, Tableau Nr. 120" bezeichnete Erzählung, nämlich 

XXXVIII 



Nasreddin zugeschlagene Gut wahrlich nicht 
gering ist« Eine ganze Reihe von Schnurren — 
es ist hier wieder nur von dem ersten Teile 
unserer Ausgabe die Rede, genauer ausgedrückt 
von den Numem 1 bis 331 — findet sich schon 
bei dem Perser Ubeid Zakani (f 1370 oder 1371), 
nicht so viele bei dem syrischen Bischöfe Bar- 
Hebraeus (1226 — 1286), und einige stehn schon 
in dem Kitab dl ikd al tarid von ihn Abdirabbihi 
(860 — ^940); daß äsopische Fabeln Verwendung 
gefunden haben ist weniger verwunderlich, als 
daß auch die unter dem Namen der Facetien von 
Hierokles bekannte, vielleicht schon im fünften 
Jahrhunderte verfaßte Sammltmg ausgebeutet 
worden ist. Auf vereinzelte Parallelen, wie sie 
sich zum Beispiele bei az Zamachschari (1074 bis 
1143) und al Habbari ja (f 1100) finden, sei hier 
nicht näher eingegangen. Daß von Nasreddin 
Geschichten erzählt werden, die auch Karakusch, 
dem Wesir Saladins, beigelegt worden sind, kann, 
da sie noch in keinem sicher dem ursprünglichen 
Verfasser der Karakuschanekdoten al Mammati 
(t 1209) zugehörigen arabischen Texte, sondern 
nur in einer viel spätem türkischen Bearbeitung 
nachgewiesen sind ^, nicht in Betracht kommen, 
und dasselbe gilt von den Erzählungen, zu denen 



Sottisier, Nr. 120 (unten S. 101, Nr. 187), hat mit Nasr> 
eddin gar nichts zu tun. 

^ Vgl. Hartmann, S. 50 ff.; P. Casanova in den Me- 
moires de la Mission archeologique frangaise au Caire, 
t. VI, fasc. 3, Paris, 1893, S. 447!!.; Decourdemanche in 
der zweiten Auflage seiner noch zu nennenden Übersetzung 
des türkischen Volksbuches von Nasreddin, S. 1131!. 

XXXIX 



sich Gegenstücke auch in den türkischen Vierzig 
Wesiren finden, deren arabisches Original noch 
nicht bekannt ist^. Mehrere Stoffe Nasreddins 
sind vor diesem von abendländischen Erzählern 
behandelt worden; hier darf wohl manchmal eine 
europäische Quelle angenommen werden-, zum 
Beispiele bei dem in den europäischen Über- 
lieferungen so oft wiederkehrenden und im 
Oriente nur mit Nasreddin belegten, schon von 
Boccaccio zu einer Novelle gestalteten Schwanke 
von den angeblich einbeinigen Gänsen oder 
Kranichen, die sich, als man sie erschreckt, auf 
beiden Beinen davonmachen. Mit jeder Spanne 
Zeit, tun die man überdies das erste Auftauchen 
eines Schwankes bei Nasreddin hinaufrückt — 
der Spielraum ist auch bei den schon in den 
ältesten Manuskripten enthaltenen immerhin fast 
zweihundert Jahre — wird eine Übertragung 
durch die Vermittlung der Literatur wahrschein- 
licher; und daß die heute noch nicht abge- 
schlossene Übertragung der mündlichen Über- 
lieferungen schon sehr zeitlich begonnen hat, ist 
bei Gestalten wie Nasreddin selbstverständlich« 
Die erste gedruckte Ausgabe der Schwanke 
Nasreddins ist 1837 in Konstantinopel erschienen 
und drei Jahre vorher hat J. Dumoret im Journal 
asiatique nach einem Pariser Manuskripte drei 
Erzählungen veröffentlicht, für deren Verfasser 
er Nasreddin hielt ^; vorher wußte man von 
diesem in Europa nicht mehr, als was Flögel und 



^ Behrnauer, Die vierzig Veziere oder weisen Meister, 
Leipzig, 1851, S. XIV, 

2 Vgl. unten S, 260 die Note zu Nn 211. 

XL 



die genannten Historiker berichteten und was 
Goethe im West-östlichen Diwan mitgeteilt hat K 
Goethe verdankt seine Kenntnis Nasreddins 
dem Berliner Orientalisten Prälaten von Diez« 
der für ihn fünf Schwanke übersetzt hat ^. Diez« 
der yyWÜrdige Mann" mit der «^strengen und 
eigenen Gemütsart*' hatte an Nasreddin kein 
sonderliches Gefallen; in einem vom 24« April 
1816 datierten Briefe an Goethe schreibt er: 
«,Fürs Weitere möchte ich Ihnen gern ein Paar 
Erzählungen von Nusreddin Chodscha mitsenden« 
der nicht sowohl ein Mdtziger Kopf als ein ziem- 
lich platter und unsauberer Schwänkemacher 
gewesen." Und am IL Oktober 1816: „Nussr- 
eddin Chodscha war nur ein ziemlich gemeiner 
Spaßmacher und Zotenreißer, Die Erzählungen 
die man von ihm hat, sind daher noch jetzt nur 
der Gegenstand der Unterhaltung gemeiner Leute 
in den langen Winterabenden. Er lebte im vier- 
zehnten Jahrhundert als Lehrer (Chodscha) auf 
einem Dorfe in Kleinasien, um die Zeit, als Timur 
oder Timurlenk, der lahme Timur (woraus man 
in Europa Tamerlan gemacht) in Asien auf Er- 
oberungen ausging. Timur fand Vergnügen an 

^ Freilich hat schon Antoine Galland in den Paroles 
remarquables . . . des Orieniaüx, Paris, 1694 einzelne Anek- 
doten ins Französische übersetzt, aber der Name Nasr- 
eddin kommt bei ihm nicht vor. Unter seinen Quellen 
nennt er „Deux Recueils de bons mots en Türe dont j'ai 
choisi ceux qui meritoient d'^tre publiez"; aber entweder 
haben diese Manuskripte den Namen Nasreddin nicht ent- 
halten, oder, was wahrscheinlicher ist, Galland hat ihn 
verschwiegen. 

^ Vgl. C. Siegfried, Briefwechsel zwischen Goethe und 
u. Diez im Goethe- Jahrbuch, XI, 1890, S. 24 ff. 

XLI 



den Schwänken und Einfällen des Mannes und 
führte ihn auch eine Zeitlang als Gesellschafter 
mit sich herum. Man hat mehrere kleine Samm- 
lungen seiner Einfälle« Mir ist aber niemals be- 
kannt geworden, daß man in Europa etwas davon 
übersetzt habe. Ich habe daher einige der züch- 
tigsten und besten Erzählungen in der Beilage 
wörtlich übersetzt, damit Ew. Hochwohlgeb. 
daraus den Geist des Mannes näher kennen 
lernen mögen. Wenn Timur ihn als Spielzeug 
gebrauchte, so mußte er sich auch manche Grob- 
heiten von ihm gefallen lassen/' 

Goethens Gesichtskreis war etwas weiter als 
der des Prälaten; in seiner Antwort an ihn, 
datiert vom 23. Oktober 1816, heißt es: „Die 
Stellung solcher Lustigmacher an Höfen bleibt 
immer dieselbe, nur das Jahrhundert und die 
Landschaft machen Abstufungen und Schattie- 
rungen, und so ist denn dieser sehr merkwürdig, 
weil er den ungeheuren Mann begleitet, der in 
der Welt so viel Unheil angerichtet hat und den 
man hier in seinem engsten und vertrautsten 
Zirkel sieht." Und in den Noten und Abhand- 
lungen zum Diwan hat Goethe aus den fünf ihm 
von Diez übersandten Erzählungen^ von dem 
„lustigen Reise- und Zeltgefährten des Welt- 
eroberers" den Schluß gezogen, „daß gar manche 
verfängliche Märchen, welche die Westländer 
nach ihrer Weise behandelt, sich vom Orient 
herschreiben, jedoch die eigentliche Farbe, den 
wahren, angemessenen Ton bei der Umbildung 



^ Heute in den Handschriften des Goethe-Archivs als 
Bl. 103. 

XLII 



meistens verloren"; und er fährt fort: „Da von 
diesem Buche das Manuskript sich nun auf der 
königlichen Bibliothek zu Berlin befindet, wäre 
es sehr zu wünschen, daß ein Meister dieses 
Faches uns eine Übersetzung gäbe« Vielleicht 
wäre sie in lateinischer Sprache am füglichsten 
zu unternehmen, damit der Gelehrte vorerst 
vollständige Kenntnis davon erhielte« Für das 
deutsche Publikum ließe sich alsdann recht wohl 
eine anständige Übersetzung im Auszug ver- 
anstalten/' Vorher hat er schon eine von den 
fünf Erzählungen abgedruckt und ihr die Be- 
merkung vorausgeschickt, wie er sich die Aus^ 
gestalttmg des im Diwan nur zwei Gedichte um- 
fassenden Buch des Timur gedacht hätte. 

Der Anregung Goethes ist, wohl unbewußter- 
weise, der erste Übersetzer der türkischen ge- 
druckten Sammlung, Camerloher, zum Teile 
nachgekommen, indem er einige Stellen, die ihm 
für den deutschen Leser zu frei schienen, latei- 
nisch übertragen hat^. Eine französische Aus- 
gabe des inzwischen in Konstantinopel oft auf- 
gelegten Volksbuches ist 1876 von Decourde- 
manche besorgt worden^, der später auch den 
schon erwähnten, auf einer Reihe von Hand- 
schriften beruhenden Sottisier de Nasr-Eddin* 
Hodja herausgegeben hat. Eine reiche Auswahl 
aus dem Volksbuche in türkischer Sprache mit 
einer interlinearen englischen Übertragung hat 
W. B. Barker seinem ebenfalls schon genannten 
türkischen Lesebuche beigegeben; er folgte damit 



1 S. unten S, 202. 

XLIII 



dem Beispiele Dietericisi der sieben Nasreddin- 
geschichten aus zwei Manuskripten Diezens in 
seine 1854 erschienene Chrestomathie ottomane 
aufgenommen hatte, und Malloufsi in dessen 
DMogues turcS'frangais, Smyma, 1854 (2« Auf- 
lage Konstantinopeli 1856) sich sieben Erzäh- 
lungen von Nasreddin finden. Sechs davon hat 
Mallouf in der Revue de VOrient, de VAlgerie et 
des Colonies von 1853 ins Französische übersetzt; 
die von Dieterici veröffentlichten hat H. EthS in 
seinen Essays und Studien, Berlin, 1872 zur 
Unterlage eines Aufsatzes über Nasreddin be- 
nutzt. 

Im Jahre 1299 der Hidschra (1883) hat 
Mehmed Tewfik in Stambul eine Sanmilung von 
71 Schwänken Nasreddins herausgegeben; wenige 
Monate später ließ er ihr 130 Schwanke von 
Buadem folgen. Buadem, zu deutsch: dieser 
Mann, ist eine von Tewfik erfundene Gestalt, zu 
deren Ausstattung er vorläufig viele Schnurren 
des Nasreddin-Dschohakreises verwandt hat. In 
geringerm Maße ist dies bei den % Schwänken 
festzustellen, die er seinem Buademwerke in der 
Ausgabe von 1302 beigegeben hat^. 

Nur zwei anscheinend neue Erzählungen, 
darunter eine von Timur, bringen die ihrer Ein- 
leitung halber schon oft zitierten Naszreddin 
hodsa trefdi, die Künos in Kleinasien aus dem 
Munde eines Aidiners aufgezeichnet hat; die 
Nummern 1 bis 123 finden sich, eine ausgenom- 
men, schon in dem 125 Gjeschichten enthaltenden 



^ S. oben S. XVI und unten S. 199. 

XLIV 



Volksbuche^ und auch die Reihenfolge ist bis auf 
zwei Ausnahmen beibehalten worden^. 

Schon 1872 ist in Athen eine griechische Aus- 
gabe der Schwanke Nasreddins erschienen mit 
dem Titel 'O NaarQuölv Xwvriag. J^iffi^nara atkov 
doTcta xal ncQlsqya ^. Sie ist mir trotz allen Be- 
mühungen unzugänglich geblieben, enthält aber 
angeblich denselben Text wie das bei Saliber in 
Athen erschienene Groschenbändchen 'O Näcq^ 
iMlv'XoT^ag %al tcc dcxela dvixdova av%ov. 

Dieses bringti augenscheinlich in Übersetzung, 
viele Stücke aus dem Volksbuche, daneben solche, 
die bei Tewfik wiederkehren, aber auch eine 
Reihe von Erzählungen, die sich weder im Volks- 
buche, noch bei Tewfik finden'. Daß übrigens 
Nasreddin bei den Griechen eine selbständige 
Existenz führt, zeigt auch das im IL Bande S* 250 
besprochene Märchen von Naxos ^» 

Die serbische Ausgabe, aus deren Einleitung 
oben das Märchen von dem Evlija und seinen 

^ Im Keleti szende, I, S. 177 bemerkt Karl Foy, daß 
die Künosschen Texte den Eindruck machen, als wären sie 
ijoindestens teilweise einer osmanisch-rumelischen Vorlage 
nacherzählt. 

2 Köhler, I, S. 483. 

' Erst Behai hat einige in seine Ausgabe der Letaif 
aufgenommen. 

* Künos zitiert [Trefäi, S. 12) eine 1896 in Athen er- 
schienene griechische Ausgabe mit einem ausführlichen 
Vorworte Walawanis. Dieses Buch aufzutreiben, war mir 
unmöglich. Nach den Zitaten von Künos ist das Vorwort 
Walawanis wohl identisch mit dem Aufsatze in den 
JÜ^XQaaucTixd^ den Künos nie erwähnt. Nebenbei bemerkt 
war auch alles Suchen nach der englischen Ausgabe, die 
nach Künos (ebendort) ein gewisser Konstantinidi in Vor- 
bereitung gehabt hätte, erfolglos. 

XLV 



drei Söhnen mitgeteilt worden ist, nennt Mehmed 
Tewfik als Verfasser und trägt auf dem Titel den 
Vermerk Prevod s nemackog, Übersetztmg aus 
dem Deutschen; dies ist aber nur ztun Teile 
richtig. Die Seiten 9 bis 48 enthalten zwar Über- 
tragungen aus Tewfiks Nasreddinausgabe, aber 
dazwischen sind einige aus dem Volksbuche ent- 
nommene Erzählungen eingeschoben, und manche 
beruhen überhaupt auf einer andern Quelle; der 
darauf folgende Abschnitt mit dem Titel Buadam 
bringt die 130 Buademsch wanke in ungeänderter 
Anordnung, fügt aber noch vier mit Buadam be- 
ginnende Schwanke hinzu, die bei Tewfik kein 
Gegenstück haben, und das letzte Drittel des 
Buches, bezeichnet mit Dodatak oder Anhang er- 
zählt neben einigen nach Camerloher übersetzten 
Geschichten eine lange Reihe von solchen, die 
dem serbischen Volksmunde entnommen sind, 
wenn sich auch etliche schon im Sottisier finden« 
In Serbien und in Bosnien laufen ja noch zahl- 
lose Überlieferungen von Nasreddin um: einige 
wenige sind wohl in südslawischen Zeitschriften 
und in der Anthropophyteia aufgezeichnet, 
andere werden nach einer gütigen Mitteilung von 
Hm. Dr. Friedrich S. Krauss alljährlich in Volks- 
kalendem erzählt; die meisten aber harren noch 
inmier einer Niederschrift, wie dies auch in den 
andern früher unter türkischer Herrschaft ge- 
wesenen Balkanländem der Fall sein dürfte ^. 



^ In Albanien, wo bisher noch nichts aufgezeichnet zu 
sein scheint, gilt Nasreddin oder Nasra als der Erfinder 
der Schneereifen; vgl. Fr. Baron Nopcsa, Aus Sala und 
Klementi, Sarajevo, 1910, S. 55. 

XLVI 



In kroatischer Sprache ist 1857 in Zara ein 
Buch erschienen mit dem Titel Nasradin iliti 
Berioldo i njegoua pritanka domisljatost, him- 
benost i lukavstina; mir liegt es in einem um 
Rätsel, Sprichwörter und Gedichte vermehrten 
Neudrucke vor: Nasradin k starof matici pouracen 
i Nasradinic, U Zadru (Zara), 1903. Wie schon 
der ursprüngliche Titel andeutet, ist es nichts 
als eine kroatische Bearbeitung des italiänischen 
Volksbuches von Bertoldo und Bertoldino, dessen 
Helden durch Nasradin und Nasradinic ersetzt 
sind. Aber auch eine Ausgabe von Schwänken 
Nasreddins gibt es in der kroatischen Sprache; 
ich kenne nur die keine Jahreszahl tragende 
zweite Auflage Posurice i sale Nasredina, Zagreb 
(Agram)* Sie bietet eine nicht ganz vollständige 
Übersetzimg des Tewiikschen Nasreddin tmd der 
130 Buademschwänke — statt Buadem steht 
überall Nasredin — , aber anscheinend nicht nach 
der deutschen Ausgabe^; die Reihenfolge wird 
im allgemeinen beibehalten und nur gelegentlich, 
der beigegebenen Illustrationen halber, geändert. 
Dann und wann sind andere Erzählungen ein* 
gestreut, und von S. 64 an wechseln Schwanke 
aus dem Volksbuche mit andern, von denen ein 
Teil mit solchen aus der oben, S. XXVII zitierten 
deutschen Ausgabe von Ali Nouri übereinstinmit. 
Die Illustrationen sind dieselben wie bei Ali 
Nouri ^ 



^ Wenigstens ist hier der 32. Nasreddinschwank Tew- 
fiks zum Unterschiede von Müllendorff richtig wieder- 
gegeben. 

^ „Ali Nouri" schweigt sich über die von ihm benutzte 
Vorlage beharrlich aus; eine Stelle aber (s. unten S. 224), 

XLVII 



Verhältnismäßig wenig aus dem Volksbuche, 
sondern meistens selbständige Schnurren, von 
denen gleichwohl einige mit griechischen und ser- 
bischen Hodschageschichten übereinstimmen, ent« 
hält die schon einmal erwähnte Gedichtesamm- 
lung Nazdraüaniüe lui Nastratin Hogea von An- 
ton Pann, die zum ersten Male 1853 erschienen 
und oft nachgedruckt worden ist; in deutscher 
Sprache hat sich in einer poetischen Bearbeitung 
einiger, nur zum Teile dem Volksbuche angehö- 
riger Schwanke Nasreddins der in Kroatien ge- 
borene Franz von Werner, der schon in jungen 
Jahren in türkische Dienste getreten ist, unter 
dem Namen Murad Efendi versucht; sein Nassr- 
eddin Chodja ist 1878 in Oldenburg erschienen. 

Auch ins Armenische sind die Schwanke Nasr- 
eddins übersetzt worden« und sie haben ihren 
Weg weiter genonmien über Gebirge und Steppen; 
besonders sollen sie die Bewohner des Berglandes 
von Dagestan lieben, und nicht nur in Tiflis, 
sondern auch in Kasan erscheinen immer neue 
Ausgaben, die sich dem türkischen Volksbuche 
anlehnen. Nach Nikolaj Katanoff in Kasan ist 
Nasreddin sogar bei den Tarandschi an der 
sibirisch-chinesischen Grenze bekannt ^, und daß 
ihn auch die Perser kennen, haben wir schon 
gesehn. Freilich wechselt er dabei seine Volks- 
zugehörigkeit: im Kaukasus ist er ein Tscher- 
kesse, in Kasan ist er ein Tatare, in Persien ist 



die auch mit dem kroatischen Texte übereinstimmt« läßt 
auf eine griechische Vorlage schließen. War das vielleicht 
die von Künos zitierte Athener Ausgabe mit dem Vorworte 
Walawanis? 

1 Tr4fdU S. 28, . 

XLVIII 



er ein Perser, so wie er in Serbien ein Serbe 
geworden ist« Darum spiegeln die Schwanke, 
die in den verschiedenen Ländern an ihm haften 
geblieben sind, den Humor dieser Völker ab; am 
deutlichsten ist das Bild natürlich bei den Tür- 
ken, wo er den Nationalheros des Witzes darstellt: 
dort bilden die Nasreddinschen Schnurren nicht 
nur einen Unterhaltungsstoff in den Kaffee- 
häusern und bei den Abendgesellschaften, son- 
dern sie dienen auch in den Pausen der Gerichts- 
verhandlungen zu willkommenem Zeitvertreib; 
die Kinder erzählen sie schon einander, und die 
Erinnerung an sie wird durch zahlreiche Sprich- 
wörter^ lebendig erhalten* 

Mehrmals ist der Versuch gemacht worden, 
Nasreddins Wesen durch einen Vergleich mit 
einem bekanntem, abendländischen Vertreter 
seiner Gattung zu deuten; am nächsten liegt in 
solchen Fällen stets unser Eulenspiegel, und so 
ist denn Nasreddin schon von Hammer und später 
von Eth6, Barker, Wilhelm Schott und andern als 
der türkische Eulenspiegel bezeichnet worden. 
Dagegen hat sich Köhler gewandt: „Eulenspiegel 
ist stets ein durchtriebener Schalk, der nie etwas 
einfältiges oder dummes sagt oder tut, sondern 
stets wohl bereclmete Streiche und Possen mit 
vollem Bewußtsein ausfährt, um andere zu necken 
und zu verspotten; Nasreddin dagegen ist ein 
echter Narr, d. h« ein Gemisch von grenzenloser 
Einfalt und Dummheit und von Geist und Witz, 
etwa — wenn man einen Deutschen vergleichen 



^ Walawani, S. 151; Trefäi, S. 27; Bonnelli im Keleti 
szende, l, S, 317. 

Nasreddin, I. ly XLIX 



will — wie Klaus Narr/* Aber auch dieser Ver- 
gleich beruht nur auf dem wenigen gemeinsameUi 
läßt jedoch das viele ungleichartige unberücksich- 
tigt; und dasselbe ist es mit dem Vergleiche, den 
CantimiT anstellt, indem er Nasreddin einen tür- 
kischen Äsop nennt ^« Klaus Narr war kein Äsop, 
und Äsop war kein Abderit; Nasreddin ist aber 
Äsop und Abderit zugleich« 

Der erste, der sich mit den Schwänken Nasr- 
eddins wissenschaftlich befaßt hat, war der aus- 
gezeichnete Gelehrte Reinhold Köhler; er hat 
1862 im Orient und Occident das Camerlohersche 
Büchlein zum Gegenstande einer Abhandlung ge- 
macht^« Ihm folgte, nachdem Decourdemanche 
die Forschung nach Quellen und Parallelen Nasr- 
eddins als unnütz bezeichnet hatte', der Pro- 
fessor und derzeitige Dekan an der Universität 
Algier, RenS Basset, der den von A. Mouli^ras 
gesammelten und ins Französische übertragenen 
kabylischen Dschehageschichten eine groß an- 

^ S. oben S. XIV und unten S. 227. Auch Walawani 
nimmt den Vergleich mit Äsop auf, geht aber (S. 14411.) 
so weit, daß er Nasreddin geradezu für den Sammler der 
unter seinem Namen umlaufenden Erzählungen hält, die 
vielleicht Unterrichtszwecken hätten dienen sollen :%>'<^a>- 
7WC tavttjy (njr 4fQvy(ay) l<r/c naTQida, xai o NacQiddiy da 
ijjuoims iy TavTtj ijriytife x6 nqmxoy tb fpdic t^^ ^fii^aff, it xai 
yofuCofjiiy ori 6 NacQiddly "Km^ag vntJQ^e fiioyoy Int/ueX^c 
avXXixxtiff ndvtiay rtHy xara r^y Mtxgdy 'Aalay ^iQo^kytay 
/uv&toy, äy noXlovc fina naQaXXaytSy anayxüiifutv naga nokkaTc 
xai dvxtxtoxiQaie ^oigctiff. ^ JEvXXoyrf, ^y anriQXKftv — tcfog 
nqbs SidaaxaXUty xfoy fia^tjxoiy avxov — o NaogsMy XioxCafff 
iySygxo dtifioq>iX^g usw. 

^ Sie ist, mit wertvollen Zusätzen vermehrt, neu ge- 
druckt in Köhlers Kleinern Schriften, I, S. 481 ff. 

" Sottisier, S. XL 



gelegte kritische Studie gewidmet und diese 
durch viele gelegentliche Nachträge in der Revue 
des traditions populaires und durch einen Auf- 
satz im Keleti szemle ergänzt hat. Die Abhand- 
lung Homs in eben dieser Zeitschrift und be- 
sonders die timfassende Studie Hartmanns in der 
Zeitschrift des Vereins für Yolftskunde sind schon 
öfters erwähnt worden. 

In dem vorliegenden Buche hat der Heraus- 
geber versucht, sich die Resultate der von diesen 
Gelehrten geleisteten Arbeit zunutze zu machen 
und auf ihnen weiterzubauen. Die dazu notwen- 
dige Grundlage, die Schwanke, sind im ersten 
Bande dem alten türkischen Volksbuche, wie es 
in den Übertragungen von Camerloher, Barker 
und Decourdemanche vorliegt, dem Sottisier von 
Decourdemanche, den Historikern und den von 
Künos gesammelten Texten entnommen; der 
zweite Band bringt die von Basset in der Revue 
des traditions populaires übersetzten Geschichten 
des Nawadir el cfiodscfia nasr ed-din, die von 
Mardrus veröffentlichten Dschohageschichten, die 
arabischen und berberischen, hauptsächlich von 
Stumme und MouliSras gesammelten Schwanke 
derselben Gattung, die maltesischen Dschahan- 
schwanke, die Giuf ägeschichten Siziliens mit Aus- 
nahme der in der leicht zugänglichen Sammlung 
von Gonzenbach erschienenen, die kalabrischen 
Juvadigeschichten und die kroatischen, serbischen 
und griechischen Nasreddinschnurren. Im all- 
gemeinen ist es vermieden worden, gleichartige 
Behemdltmgen desselben Motivs aufzunehmen; 
die Bibliographie jedes Schwankes bildet, soweit 
sie in den Kreis der zu Nasreddin, Dschoha, 

IV* LI 



Dschahan usw. gehörigen Überlieferungen fällte 
den ersten Absatz der zu dem Schwanke ge- 
hörigen Anmerkung, die im übrigen die etwa vor- 
handene Literatur bringt und manchmal auch auf 
eine vergleichende Darstellung anderer Versionen 
des betreffenden Motivs eingeht« Recht getan 
glaubt der Herausgeber zu haben, daß er die hin 
und wieder im Soiiisier vorkonmienden Schwanke, 
die nicht von Nasreddin handeln, nicht von der 
Aufnahme ausgeschlossen hat; einmal werden 
viele von ihnen auch von Nasreddin oder Dschoha 
erzählt, und dann bieten sie auch an und für sich 
schon einen Beitrag zur Geschichte und zum Ver- 
ständnis der türkischen Schwankliteratur, der 
wohl, wenn er so nahe liegt, nicht zurückgewiesen 
werden soll. Ein Anhang bringt Mitteilungen 
über Schwanke, die aus mehrfachen Gründen in 
dem Texte keinen Platz finden konnten. 

Eine angenehme Pflicht ist es dem Heraus- 
geber, Herrn Professor Dr. Hans Stunmie und 
Frl. Berta Ilg seinen besten Dank auszusprechen 
für die Liebenswürdigkeit, womit sie ihm den Ab- 
druck einzelner Stücke aus ihren Büchern ge- 
stattet haben. 

T e t s c h e n a. £., im Juli 1911. 

Albert Wesselski. 



LH 



I. 



Türkische Überlieferungen 



Nasreddin, L 



1« Die hundertfünftmdzwanzig 

des Volksbuchs 



DEr Hodscha Nasreddin stieg eines Tages auf 1. 

die Kanzeli um zu predigeui und sagte: 
ifMuselmaneUi kennt ihr den Gegenstandi wovon 
ich mit euch sprechen will?" 

iiWir kennen ihn nicht," antwortete man aus 
der Zuhörerschaft« 

Da schrie der Hodscha; „Ja, wie sollte ich 
denn mit euch von etwas sprechen, das ihr nicht 
kennt?" 

Er stieg ein andermal auf die Kanzel und 
sagte: „Wißt ihr, meine Gläubigen, was ich euch 
sagen will?" 

„Ja, wir wissen es," war die Antwort« 

„Was brauche ich euch dann davon zu 
sprechen, wenn ihr es sowieso schon wißt?" 
Mit diesen Worten stieg der Hodscha von der 
KanzeL 

Die Gemeinde war betreten über sein Weg- 
gehn. Nun schlug ein Mann vor, daß, wenn der 
Hodscha wiederkomn^e, die einen sagen sollten: 
„Wir wissen es", und die andern: „Wir wissen 
es nicht"; und dieser Ratschluß drang durch. 

Wieder kam der Hodscha und er schrie, wie 
früher: „Wißt ihr, Brüder, was ich euch sagen 
will?" 

Sie sagten: „Einige von uns wissen es, die 
andern aber wissen es nicht/' 

„Gut also," antwortete der Hodscha; „da 
mögen es die, die es wissen, den andern mit- 
teilen." 

MUselmanen," rief Nasreddin, der Hodscha 2. - 

eines Tages, „dankt dem Allerhöchsten 
recht von Herzen, daß er dem Kamel keine 



Flfigel gegeben hat; denn dann käme es von oben 
auf unsere Häuser und in unsere Gärten herab 
und fiele uns vielleicht noch auf die Köpfe/' 

3. T^^^ Hodscha stieg eines Tages in einer ge« 
xJ wissen Stadt auf die Kanzel; und er sagte: 
,,Muselmaneni die Luft in euerer Stadt ist die- 
selbe wie in der meinigen." 

liWiesOf Hodscha?** sagte einer in der Ver- 
sammlung« 

„Das ist sehr einfach/' antwortete der Hod- 
scha; „zu Hause habe ich mich umgesehn« wie 
viel Sterne man sieht« tmd gerade so viel sind 
ihrer auch hier/' 

4. T^Ines Tages ging der Hodscha ins Bad« Dort 
Ej war er allein« und voller Freude darüber be- 
gann er ein paar Lieder zu singen. In dem engen 
Räume erschien ihm seine Stimme hübsch und 
angenehm, und er sagte: ««Sie ist eigentlich ganz 
lieblich; warum sollen sich ihrer nicht auch die 
andern freuen?" Damit verließ er das Bad und 
entfernte sich« Es waren aber schon einige 
Stunden des Vormittags vorbei« 

Ohne irgendwie zu verziehen, stieg der 
Hodscha auf das Minaret tmd rief zum Morgen- 
gebete« 

Da schrie unten einer: „Was ist denn das für 
ein Narr, der jetzt mit seiner garstigen Stimme 
unser Viertel zum Morgengebete ruft?" 

Und der Hodscha rief von der Höhe herab: 
„Ja warum findet sich denn kein gütiger Wohl- 
täter, der hier oben auf dem Minaret ein Bad 



baut, um diese Stimme, über die man sich be- 
klagt, zu ändern?*' 

Eines Nachts träumte der Hodscha, als er im 5. 

Bette lag tmd schlief, es gebe ihm einer 
neun Asper; und damit war er nicht zufrieden, 
sondern sagte: „Gib mir zehn," Unterdessen 
wurde er wach, tmd da fand er seine Hände leer« 
Das war ihm sehr leid; er schloß alsbald die 
Augen, streckte die Hand aus und sagte: „Ich 
habe mich anders besonnen; gib die neune her/' 

Eines Tages ging der Hodscha in einer ein- 6. 

Samen Gegend, als er von der andern Seite 
her etliche Reiter kommen sah; es mochten Diebe 
sein. In der Nähe war ein Grab; er kleidete sich 
hastig aus und eilte in die Grabeshöhlung. Aber 
die Reiter hatten ihn schon bemerkt und näherten 
sich ihm, „He Freund," riefen sie, „was machst 
du da drinnen?" 

Der Hodscha, der nicht recht wußte, was 
sagen, antwortete: „Das ist mein Grab; ich hin 
nur für einen Augenblick herausgegangen, um 
Luft zu schnappen," 

DEr Hodscha trat einmal in einen Garten, 7. 

Dort steckte er Möhren, Rüben und alles, 
was ihm unterkam, in seinen Sack oder in seinen 
Busen, Es kam der Gärtner, und der sagte, als 
er ihn dabei ertappte: „Was machst du da?" 

Erschrocken fand der Hodscha keine andere 
Antwort, als daß sich ein mächtiger Wind er- 
hoben und ihn dorthin geschleudert habe. 



i,Aber/' sagte der Gärtner, „wer hat denn das 
alles ausgerissen?" 

„Wenn der Wind", sagte der Hodscha, „stark 
genug war, mich von draußen da herein zu 
bringen, war er wohl auch imstande, dein Ge- 
müse auszureifien." 

Nun sagte der Gärtner: „Wer hat denn dann 
das ganze Zeug da in den Sack gesteckt?" 

„Das war es gerade," sagte der Hodscha, 
„worüber ich nachgedacht habe, als du daher- 
gekommen bist." 

8. A Ls der Hodscha-Effendi — Gottes Gnade 
JTa. sei mit ihm — in Konia war, trat er in den 
Laden eines Halwaverkäufers ^; und schon sagte 
er: „Im Namen Gottes" und begann von den 
Kuchen zu essen« Der Verkäufer aber schlug 
mit den Worten: „Was tust du da?" auf ihn los« 

Doch der Hodscha sagte: „Was für eine herr- 
liche Stadt ist doch dieses Konia! Mit Schlägen 
zwingen sie einen, daß man Halwa ißt!" 

9. TM Monate Ramasan verfiel der Hodscha auf 
JL den Gedanken, sich, um das den Gläubigen 
auferlegte Fasten beobachten ^zu können, einen 
Topf anzuschaffen, worin er jeden Tag ein Stein- 
chen tun wollte« Eines Tages warf aber sein 
Töchterchen eine Hand voll oteine in den Topf« 
Kurz darauf wurde der Hodscha gefragt, der wie- 
vielte sei« 

„Wartet einen Augenblick," sagte er; „ich will 
nachsehn«" 



^ Halwa ist eine Gattung Honigkuchen. 

8 



Er ging ins Haus^ schüttete den Topf aus und 
zählte die Steine; da fand er, daß es hundert- 
zwanzig waren« „Sage ich eine derartige Ziffer/* 
dachte er, „so werden sie mich für verrückt hal* 
ten/' Und so antwortete er den Fragenden: 
„Heute ist der fünfundvierzigste/' 

„Aber, Hodscha, ein ganzer Monat hat doch 
nur dreißig Tage, und du sprichst uns vom fünf- 
undvierzigsten/' 

Der Hodscha sagte: „Ich habe euch nicht viel- 
leicht leichtfertig geantwortet; wenn ihr euch an 
die Zeitrechnung des Topfes hieltet, so hätten 
wir heute den hundertundfünfundzwanzigsten/' 

DEr Hodscha wurde gefragt: „Von den zwei 10, 

Monden, dem neuen tmd dem alten, was ge- 
schieht mit dem, der sein letztes Viertel hinter 
sich hat?" 

Er antwortete: „Man zerbricht ihn, um Sterne 
daraus zu machen/' 

Eines Morgens beschloß der Hodscha, die 11. 

Stadt zu verlassen; da er ein Kamel besaß, 
sagte er sich: „Ich nehme es als Reittier; auf 
diese Weise werde ich angenehmer reisen/' 

So ritt er denn mit der Karawane dahin, als 
eines Tages das Kamel strauchelte, den Hodscha 
abwarf und auf ihn trat. Auf seine Schmerzens^ 
schreie kamen die Leute von der Karawane her- 
bei und hoben ihn auf. 

Kaum war er wieder zum Bewußtsein gekomT 
men, als er schrie: „Seht nur, Muselmanen, was 
mir dieses Kamel böses angetan hat. Seid doch 



so gut und bindet mir es fest; ich muß mich an 
ihm rächen." ^ 

ifAber Hodscha/' schrien die Leute; „furch« 
test du denn nicht Gott, daß du dich an dem Tier 
da rächen willst?" 

Der Hodscha antwortete jedoch: „Was soll 
das heißen? an einem Menschen kann man sich 
rächen, tind an einem Kamel sollte mans nicht 
können?" 

12. T^Ines Tages kaufte Nasreddin Eier, tmd zwar 
Eji neun um einen Asper; dann ging er an einen 
andern Ort und verkaufte zehn um einen Asper« 
Da wurde er gefragt: „Warum gibst du zehn um 
den Preis, den du für neun gezahlt hast?" 

Er antwortete: „Es ist zu meinem Nutzen, wenn 
man sieht, wie mein Geschäft vorwärts geht«" 

13. T^Ines Tages kleidete sich der Hodscha in sei- 
Ej nen neuen Kaftan und ging in die Moschee« 
Es kam der Augenblick, wo man sich mit dem Ge- 
sichte zu Boden neigen muß. Als nun der 
Hodscha also gebückt dastand, packte ihn der, 
der hinter ihm war, an den Hoden« Ohne sich zu 
besinnen, tat der Hodscha dasselbe mit dem 
Imam, der sein Vordermann war« 

Der fragte ihn: „Was tust du da?" 
„Nichts," antwortet der Hodscha; „darf ich 
denn nicht nehmen, was man mir nimmt?" 

14. T^ Er Hodscha saß einmal am Ufer eines Flusses, 
JLJ als er einen Trupp von zehn Blinden auf ihn 
zukomm en sah« Die trafen mit ihm die Ab- 

^ Sicherlich obszön zu verstehn. 

10 



machtmgi daß er sie, den Mann für einen Para, 
hinübertragen solle. 

Beim Hinübertragen fiel nun einer von den 
Blinden ins Wasser und iv^rde fortgerissen. 
Augenblicklich begannen die Blinden zu schreien« 

Aber der Hodscha sagte: ,,Warum schreit 
ihr? ihr zahlt mir einfach für einen weniger, und 
die Sache ist in Ordnung/' 

Einer, der ein Ei versteckt in der Hand hielt, 15. 

sagte zum Hodscha: „Wenn du errätst, was 

ich in der Hand habe, so gebe ich dirs, damit du 

dir einen Eierkuchen machen kannst/' 

Darauf sagte der Hodscha: „Sag mir, wie es 

aussieht, tmd ich werde dir antworten/' 
„Außen ist es weiß tmd innen gelb/' 
„O, ich weiß schon, was es ist," rief der 

Hodscha; „es ist eine ausgehöhlte Rübe, in die 

man Stückchen von einer Möhre gesteckt hat/' 

Eines Tages stahl der Hodscha ein Kalb, ohne 16. 

daß es der Eigentümer bemerkt hätte. Der 
Hodscha tötete das Kalb und versteckte das FelL 
Bald darauf ward der Bestohlene inne, daß sein 
Kalb verloren war; er lief durchs Viertel und 
schrie: „Muselmanen, mir ist mein Ochs gestohlen 
worden; was für ein Schaden!" 

So klagte er, als plötzlich der Hodscha das 
Kalbfell hervorzog: „Jetzt schäme dich aber, du 
Dieb; wie kannst du einen Ochsen für ein Kalb 
verlangen?" 

ALs der Hodscha auf dem Markte herumstrich, 17. 

kam einer auf ihn zu und fragte ihn: „Wie 
steht denn der Mond? Drei viertel oder voll?" 

11 



iilch weiß es nicht," sagte der Hodscha; „ich 
habe weder einen gekauft, noch einen verkauft." 

18. T^^^ Hodscha nahm eine Leiter auf seine Schul- 
xJ tem und ging, lehnte sie an eine Garten- 
mauer, stieg hinauf, legte sie an der andern Seite 
an und stieg hinunter« Der Gärtner, der ihn 
sah, rief ihn an: „Was machst du da, was suchst 
du?" 

Der Hodscha packte rasch die Leiter und ant- 
wortete: „Ich verkaufe Leitern." 

„Hier also ist der Markt für Leitern?" ver- 
setzte der Gärtner« 

Aber der Hodscha sagte: „Was für ein Dumm- 
kopf du bist! kann man denn nicht überall Leitern 
verkaufen?" 

19. T^Ines Tages nahm der Hodscha seine Hühn- 
XL chen eins nach dem andern her und legte 
ihnen jedem ein schwfarzes Badetuch um den 
Hals. Dann ließ er sie laufen. Das Volk sam- 
melte sich an und fragte ihn, warum er die Hühn- 
chen also herrichte. 

Er antwortete: „Sie tragen Trauer um ihre 
Mutter." 

20. T^ In Ochse war auf das Feld des Hodschas ge- 
Eji laufen; als ihn der bemerkte, packte er einen 
Stock und rannte auf ihn los, aber der Ochs ent- 
wich. Eine Woche war vergangen, als ihn der 
Hodscha wieder sah; diesmal war der Ochs an 
einen Bauemkarren gespannt. Augenblicklich 
erwischte der Hodscha einen Knüttel und ver- 
setzte dem Tiere eine tüchtige Tracht Prügel. Der 

12 



Bauer aber schrie, als er das sah: „Aber Freundi 
was hast du denn gegen meinen Ochsen?" 

„Laß mich machen, du Dummkopf; er weiß 
schon, was er angestellt hat/' 

Eines Tages verrichtete der Hodscha seine 21. 

Waschungen an dem Ufer eines Flusses; da- 
bei fiel ihm einer von seinen Pantoffeln ins 
Wasser, und er sah, wie ihn der Fluß mit sich 
fortführte« Da kehrte er dem Flusse seinen 
Rücken zu, ließ einen Wind^ und sagte: „Da 
nimm deine Waschung zurück und gib mir meinen 
Pantoffel wieder/* 

DEr Hodscha traf einmal seine letztwilligen 22. 

Verfügtmgen: „Wenn ich sterbe, so legt 
mich in ein altes Grab/' 

Die Anwesenden sagten: „Warum denn?" 
„Wenn dann die EngeP kommen, um mich zu 
fragen, werde ich ihnen antworten: ,Ich bin schon 
befragt worden; seht ihr denn nicht, daß mein 
Grab schon alt ist?* ** 

DEr Hodscha fühlte einmal das Bedürfnis, sein 23. 

Wasser abzuschlagen; er ging auf den Ab- 
tritt und blieb dort einen Tag und eine Nacht. 
In der Nähe lief ohne Unterlaß ein kleiner 
Brunnen, und das Plätschern dieses Brunnens 



^ Um sich in den Zustand der Unreinheit zurück- 
zuversetzen. 

' Die Frageengel Munkar und Nakir, die die Ver- 
storbenen im Grabe zur Rechenschaft über ihr Leben 
ziehen; von diesen Antworten hängt das Schicksal der 
Gläubigen im Jenseits ab. 

13 



ließ ihn meinen, daß er mit seiner Verrichtung 
noch nicht zu Ende sei. 

Da kam einer dazu und rief ihn an: »He 
Freund, du bleibst aber lange da!" 

„Ich muß doch zuerst fertig werden," ant- 
wortete der Hodscha, „bevor ich weggehe/' 

24. T^ Ines Tages wollte der Hodscha ein Pferd be- 
H§ steigen, aber das hielt sich so trefflich, daß 
er nicht hinaufkommen konnte; schließlich fing 
er zu fluchen an. 

Dann aber sah er hinter sich; und da er be« 
merkte, daß er allein war, stellte er diese Be- 
trachtung an: „Gestehn wir es uns nur, daß es 
unter uns noch schlechtere Kerle gibt als das 
Pferd da/' 

25. T^Inmal war der Hodscha im Bade; während 
üi ihn der Wärter hinüber und herüber abrieb, 
packte er ihn heftig bei den Hoden. 

„Was machst du denn?" fragte ihn der 
Wärter. 

„Ich habe dich nur gehalten," antwortete der 
Hodscha, „damit du nicht fällst." 

26. W^^ Hodscha hatte eines Tages die Knaben 
jLJ von Akschehir ins Bad zu führen. Die ver- 
bargen jeder ein Ei in der Achselhöhle; dann 
gingen sie alle mitsammen ins Bad, kleideten sich 
aus und setzten sich auf den runden Stein mitten 
im Bade. Und sie sagten: „Kommt alle her; wer 
jetzt kein Ei legt, bezahlt das Bad." 

Die Sache wurde so abgemacht; nun gluckte 
ein jeder, zerarbeitete sich, als ob er kreißte, und 
legte sein Ei auf den Stein. 

14 



Alsbald erhob sich der Hodschai der ihnen zu- 
gesehn hatte, schlug mit den Armen wie mit Flü- 
geln und krähte wie ein Hahn; und die Knaben 
sagten: «»Was machst du, Meister?" 

,,Nun, braucht es denn keinen Hahn für so 
viel Hennen?" 

Eines Tages verließ der Hodscha sein Haus in 27. 

schwarzen Kleidern. Den Leuten fiel das 
auf und sie fragten ihn, warum er also geklei- 
det sei. 

Er antwortete: „Der Vater meines Sohnes ist 
gestorben, und darum trage ich Trauer/' 

NAch einem langen Marsche hatte der Hod- 2i. 

scha Durst« Er sah tun sich tmd gewahrte 
einen Brunnen, dessen Öffnung mit einem Pflocke 
verschlossen wjar. Nach einem Trünke ver- 
langend, zog er den Pflock heraus; da schoß f 
auch schon das Wasser in mächtigem Strahle 
heraus tmd ihm über den Kopf. 

Voller Ärger schrie er: „Da hat mans, wie 
närrisch du fließt; drum hat man dir auch einen 
Pflock in den Hintern getrieben." ^ 

Eines Tages steckte der Hodscha etliche Pasti- 29. 

naken zu sich und ging ins Gebirge Holz 
fällen. Als er durstig ward, schnitt er eine an; 
er fand sie schal und warf sie weg. Er schnitt 
eine andere an und tat dasselbe, kurz, er schnitt 



^ Hier ist wieder, wie oben beim Kamele und wie 
in vielen künftigen Fällen, der Mißbrauch als Strafe für 
einen Fehler gedacht. 

15 



alle an« aß von einigen ein wenig und pißte auf 
die Stücke« die übrig blieben« 

Dann fuhr er fort« Holz zu fällen, und kurz 
darauf bekam er von neuem Durst. Nun nahm er 
die Köpfe der zerschnittenen Pastinaken und 
hierauf jedes einzelne Stückchen; und indem er 
sagte: ,,Das da ist benetzt« das nicht", aß er sie 
schließlich alle miteinander auf« 

30, A Ls der Hodscha einmal in die Stadt ging« be- 

dTA. gegnete er plötzlich zwei Männern; die 
fragte er: „Wohin geht ihr?" 

Sie antworteten: ««Wir sind erst am Anfang 
unserer Rute/* 

««Na« hoffen wir«" sagte der Hodscha« ««daß ihr 
am Abende bei der Eichel anlangt." 

^•'* T^^^ Hodscha Nasreddin - Ef feudi hatte ein 

jLJ Lamm. Seine Freunde dachten sich einen 
lustigen Streich aus« um es zu essen. Einer von 
ihnen kam ihm wie zufällig entgegen und sagte 
im Vorbeigehn zu ihm: ««Was willst du mit dem 
Lamme da? morgen ist der Tag des jüngsten Ge- 
richtes; komm« schlachten und essen wir es." 

Der Hodscha glaubte es nicht; er hörte auch 
kaum hin. 

Es kam ein zweiter und sagte dasselbe; kurz« 
sie kamen alle« einer nach dem andern oder auch 
paarweise« und behaupteten« wie es abgemacht 
war« daß am nächsten Tage das Ende der Welt 
sein werde. Schließlich stellte sich der Hodscha« 
als ob er es glaubte. 

««Wenn es so ist« so seid willkonunen« 
Freunde! Nun wollen wir hinaus aufs Feld gehn« 

16 



das Lamm schlachten und uns unsere letzten 
Augenblicke noch recht gut miteinander tmter- 
halten/* 

Alle waren dabei; sie nahmen das Lamm und 
zogen aufs Feld. 

Da sagte der Hodscha: „Ihr, meine Freunde, 
vergnügt euch; ich will mich daranmachen, das 
Lamm zu braten/' 

Er war mitten unter ihnen und so legten alle 
ihre Mützen und Turbane bei ihm nieder, um sich 
zu ergehen. Ohne zu verziehen, zündete der 
Hodscha ein großes Feuer an, warf alle ihre 
Sachen hinein und begann das Lamm zu braten. 

Bald darauf sagte einer von der Gesellschaft 
zu den andern.* „Sehn wir einmal nach, ob das 
Lamm des Hodschas schon hübsch braun ist; 
kommt es essen." 

Als sie hinkamen, wurden sie inne, daß der 
Hodscha alle ihre Kleider ins Feuer geworfen 
hatte. „Bist du ein Narr? warum hast du unsere 
Sachen ins Feuer geworfen?" 

„Ja, meine Herren," erwiderte der Hodscha, 
„glaubt ihr denn das nicht, was ihr mir früher 
erzählt habt? Wenn morgen das Ende der Welt 
ist, was braucht ihr da Kleider?" 

Einmal kam ein Dieb in das Haus des Hod- 32. 

schas, packte alles, was ihm unter die Hände 
kam» zusanmien, lud es sich auf den Rücken und 
ging weg. Kaum war er draußen, als der Hod- 
scha das übriggebliebene zusammenpackte und 
sich damit belud; dann folgte er den Spuren des 
Diebes bis zu dessen Haustür. 

Dort sagte der Dieb: „Was willst du von mir?" 

Nasreddin, I. 2 17 



„Wieso?" sagte der Hodscha; „bin ich denn 
nicht richtig bei dem Hause« wohin wir um- 
gezogen sind?" 

33. T^Ines Tages wurde der Hodscha gefragt: „Ver- 
XL stehst du nicht Persisch? Sprich ein wenig, 
damit wir uns überzeugen." 

Er antwortete ihnen in dieser Sprache: „Die 
GanSi die mein Grab höhlen soll, fliegt noch im 
Gebirge; es haben sich Leute versammelt, aber 
sie haben mich noch nicht in der Todesstarre 
gefunden." 

Da gingen sie eilfertig weg, ohne noch etwas 
weiter zu verlangen. 

34. T^Em Hodscha .war einmal Geld gestohlen 
jLJ worden. „O Herr," rief er aus, „bist du 
denn in Armut gefallen, daß du mir meine Er- 
sparnisse genommen hast?" Unter derlei Klagen 
g^g er 'm ^e Moschee; dort verharrte er im 
Gebete bis zum Morgen und dann ging er nach 
Hause. 

In derselbigen Nacht war es geschehn, daß 
ein Schiff auf dem Meere Sturmesnot litt, tmd 
die Seeleute hatten gelobt, wenn sie entrannen, 
dem Hodscha ein Geschenk zu geben. Der Herr 
ließ es zu, daß sie heil ans Land kamen; ihrem 
Gelübde treu, brachten sie nun dem Hodscha das 
versprochene Geld. 

„O Gott, o Gott," schrie da Nasreddin, „wozu 
hast du es mir zu nehmen brauchen, wenn 
du es mir nach einer außer Hause verbrachten 
Nacht zurückgeben wolltest?" 

18 



Eines Tages entlieh der Hodscha von seinem 35« 

Nachbar eine große Pfanne. Nachdem sie 
ihm ihren Dienst geleistet hatte, trug er sie zu- 
rück und brachte zugleich ein kleines Pfännchen. 

„Was soll denn das Pfännchen/' sagte der 
Nachbar, „das jetzt dabei ist?" 

„Ach/* antwortete der Hodscha, „die Pfanne 
war schwanger, und das ist das Junge." 

Der Nachbar nahm beides in Empfang. Kurze 
Zeit nach dieser Begebenheit ging der Hodscha 
die Pfanne noch einmal entleihen. Fünf Tage 
wartete der Nachbar vergebens, daß sie ihm 
zurückgestellt würde; dann pochte er an die Tür 
des Hodschas. Der öffnete und fragte ihn: 
„Was willst du?" ^ 

„Meine Pfanne." 

„Wohl ergehe es dir, aber deine Pfanne ist 
gestorben." 

„Ja kann denn eine Pfanne sterben?" 

„Natürlich; und warum solltest du es nicht 
glauben wollen, wo du doch geglaubt hast, daß 
sie ein Junges bekommen hat?" 



ALs der Hodscha einmal auf einem Begräbnis^ 36. 

platze herumging, sah er, wie ein riesiger 
Hund einen Grabstein besudelte. Empört wollte 
er ihn mit einem großen Prügel, den er in der 
Hand hatte, schlagen, aber der Hund machte 
Miene, ihn anzufallen. 

Da also der Hodscha sah, daß die Sache 
schief ging, rief er dem Hunde zu: „Mach nur 
weiter, Freund, mach nur." 



19 



yi. T^ Er Hodscha fing eines Tages einen Storch; 

\J er trug ihn nach Hause« nahm ein Messer, 
stutzte ihm den langen Schnabel und die langen 
Beine und setzte ihn auf einen erhöhten Platz. 
,,So/' sagte er; «Jetzt siehst du wenigstens 
einem Vogel ähnlich/' 

35. T^Ines Tages schluckte der Hodscha heiße 

Tld Suppe; er stieß einen Schrei aus und lief 
voll Aufregung auf die Straße hinaus: ,, Platz« 
Leute, Platz 1 ich brenne im Leibe." 

319 

T^In MoUa hatte Arabien, Persien, Indien und 

Xli alle Länder durchwandert, ohne daß es ihm 

gelungen wäre, eine gewisse Frage beantwortet 

zu erhalten. Schließlich wurde ihm der Hodscha 

genannt; augenblicklich machte er sich auf nach 

Akschehir. Auf dem Wege kaufte er um einen 

Asper Granatäpfel und steckte sie zu sich. Im 

Gefilde von Akschehir angekommen, sah er einen 

Mann in Sandalen und einem Filzmantel, der den 

Acker bearbeitete, gleichwohl aber das Aussehn 

eines gebildeten Menschen hatte; es war der 

Hodscha. Er trat auf ihn zu und grüßte ihn. 

Der Hodscha erwiderte den Gruß und sagte: 
„MoUa-Effendi, was gibt es neues?" 

„Ich will dir einige Fragen vorlegen; wirst du 
sie beantworten können?" 

„Sicherlich. Aber es hat einmal einer gesagt: 
,Ohne Geld hätte deine Mutter deinem Vater 
nichts bewilligt'; warum sollte ich dir einen Ge- 
fallen tun?" 

Der MoUa nahm die Granatäpfel aus seinem 
Busen und bot sie dem Hodscha an. Nun be- 

20 



gann der die Fragen des Mollas zu beantworten, 
wobei er einen Apfel nach dem andern verzehrte« 
Eben war er mit den Äpfeln fertig geworden, als 
der MoUa sagte; i,Nun habe ich noch eine Frage." 

,,Du täuschest dich, mein Freund; sind denn 
noch Äpfel da?" 

„Ach," sagte der Molla, „du scheinst mir ein 
tüchtiger Schelm zu sein; an derlei Weisen ist 
kein Mangel." Und damit machte er sich davon. 

DEr Hodscha sah einmal eine Menge Enten, 40. 

die sich in der Quelle eines Baches tum- 
melten. Er lief auf sie zu, um einige zu fangen, 
aber sie flogen weg. Da setzte er sich an die 
Quelle und tauchte das Brot, das er mitgebracht 
hatte, stückchenweise ins Wasser. Während er 
so das feuchte Brot aß, kam ein Fußgänger vor- 
über, und der fragte ihn: „Was ißt du?" 
„Ententunke," antwortete der Hodscha. 

DEr Hodscha wollte einmal eine Leber nach 41. 

Hause tragen; plötzlich aber schoß ein 
Sperber aus den Lüften auf sie herab und ent- 
flog mit ihr. Der Hodscha sah ihm nach, merkte 
aber, daß nichts mehr zu machen war. Augen- 
blicklich erstieg er einen erhöhten Ort; als er 
dann einen Mann kommen sah, der auch eine 
Leber in der Hand hielt, entriß er sie ihm und 
eilte damit auf die Spitze eines Felsens. 

Der Mann schrie: „Warum beraubst du mich 
so, Hodscha?" 

Der Hodscha antwortete: „Ich habe nur ver- 
sucht, wie ich es machen müßte, wenn ich ein 
Sperber wäre." 

21 



42. '7Uin Hodscha kam einer, um Stricke zu ent- 
£^ leihen« Der Hodscha ging ins Haus, kam 
aber sogleich zurück und sagte, daß sie voll Mehl 
seien, das auf ihnen trocknen solle. Der andere 
antwortete: „Trocknet man denn Mehl auf 
Stricken?" 

Nun sagte der Hodscha: „Je weniger gern 
man sie herleiht, desto eher läßt man darauf 
Mehl trocknen.*' 

43. "^TEben dem Hodscha ging einer; sie sahen sich 
xN gegenseitig an und traten jeder in dem- 
selben Augenblicke ein paar Schritte zurück. 
„Ist es erlaubt, Herr," sagte der Hodscha, „dich 
zu fragen, wer du bist? ich kenne dich nicht." 

Der andere antwortete: „Wieso bist du denn 
dann über meinen Anblick so erstaunt gewesen?" 

Der Hodscha erwiderte: „Ich habe gesehn, 
daß dein Turban ganz so ist wie der meinige und 
daß dein Mantel derselbe ist wie der meinige; 
da habe ich dich für mich gehalten." 

44. TM Hause d^s Hodschas war einmal jemand 
X krank, und man kam sich um sein Befinden 
erkundigen. 

Er antwortete: „Zuerst war er genesen, aber 
dann ist er gestorben." 

45. 'V\^^ Hodscha steckte seine Hühner in einen 
±J Käfig und ging damit nach Siwri-Hissar. 
Unterwegs sagte er sich: „Diese armen Tiere sind 
gefangen; ich will sie ein bißchen auslassen, 
o Herr." Als sie aber in Freiheit waren, liefen 
sie nach allen Seiten auseinander. Nun trieb 
der Hodscha den Hahn mit einem Stocke in der 

22 



Hand vor sich her und sagte zu ihm: „Was? 
mitten in der Nacht weißt du, daß es Morgen 
wfird, und am hellichten Tag kennst du den Weg 
nicht?" 

ALs der Hodscha eines Tages auf einem Be- 46. 

gräbnisplatze neben dem Wege ging, fiel er 
in ein altes Grab; nun sagte er sich: ,Jch will 
sehn, ob Munkar und Nakir kommen^" und legte 
sich der Länge nach nieder. Während er also 
wartete, hörte er ein Geklingel von Glöckchen, 
die sich näherten. Er dachte, der Tag der Auf- 
erstehung und des Gerichtes sei gekommen, und 
stieg aus dem Grabmale. Da sah er, daß eine 
Karawane hervorkam; bei seinem Anblicke 
voirden die Maultiere scheu und rannten nach 
verschiedenen Seiten davon. Die Treiber liefen 
auf ihn zu, jeder mit seinem Stocke bewaffnet, 
und fragten ihn, wer er sei. 

„Ich bin ein Toter.*' 

„Und was tust du da?" 

„Ich mache einen Spaziergang." 

„Nun, den wollen wir dir recht angenehm 
machen." Und damit warfen sie sich auf den 
Hodscha und prügelten ihn tüchtig durch; bald 
hatte er den Kopf zerschlagen und die Augen 
braun und blau. 

Als ihn seine Frau in dieser Verfassung heim- 
kommen sah, fragte sie ihn, woher er komme. 
Er antwortete: „Von den Toten; ich bin im Grabe 
gewesen." 

„Wie geht es denn in der andern Welt zu?" 

„Ach, Weib, vor einem hüte dich; mach nur 
ja die Maultiere nicht scheu, die man treibt." 

23 



^^* A^*^ hatte den Hodscha als Gesandten zu 

l^X den Kurden geschickt. Sofort nach seiner 
Ankunft luden sie ihn zu einem Festmahle ein; 
er zog seinen Pelzmantel an und ging hin« Mitten 
im Gespräch ließ er plötzlich einen Furz; da 
sagten sie zu ihm: f,Es ist eine Schande, MoUa- 
Effendi, also zu furzen." 

,,Was?*' schrie er; ,|Wie hätte ich denn denken 
sollen, daß es die Kurden verstehn, wenn man 
auf türkisch furzt?" 

48. T^Ines Tages ging der Hodscha mit seinem 
LLt Amad^ auf die Wolfsjagd. Dieser war eben 
in die Höhle gekrochen, als der Wolf unversehens 
zurückkam. Der Hodscha benutzte den Augen- 
blick, wo der Wolf in dem Loche verschwand, 
und packte ihn beim Schwänze. Daraufhin be- 
gann der Wolf mit den Beinen zu scharren; der 
otaub drang dem Amad in die Augen, und er 
schrie: „Hodscha, was ist das für ein Staub?" 

Der Hodscha antwortete: „Wenn sein Schwanz 
reißt, wirst du noch einen ganz andern Staub 
sehnl" 

49. T^Ines Tages stieg der Hodscha auf einen Baum; 
LLi dann begann er den Ast, auf den er sich 
gesetzt hatte, abzuhacken. Ein Vorübergehender 
sah dies von unten und rief ihm zu: „He Freund, 
weißt du denn nicht, daß du zugleich mit dem 
Aste, den du von dem Baume abschneiden willst, 
herunterfallen wirst?" 

Der Hodscha antwortete nichts; als er aber mit 



^ Vorzugsschüler. 

24 



dem Aste heruntergefallen war, begann er dem 
wohlmeinenden Ratgeber, der weiterschritti nach- 
zueilen« Und er rief ihn an: ,,He Freund, da du 
es vorausgesehn hast, wann ich herunterfallen 
werde, so mußt du mir zweifellos auch sagen 
können, wann ich sterben werde/' Und bei 
diesen Worten hielt er den Fremden fest« 

Der antwortete, um von ihm loszukommen: 
„Wann dein Esel, während er beim Ersteigen 
einer Anhöhe brällt, einen Furz läßt, so wird die 
Hälfte deiner Seele entweichen; wann er dann 
den zweiten läßt, so wird sie gänzlich von dir 
scheiden/* 

Der Hodscha setzte seinen Weg fort; und bei 
der zweiten Mahnung warf er sich zu Boden mit 
den Worten: „Ich bin tot/' 

Es versammelten sich Leute um ihn, und die 
brachten eine Bahre, legten ihn darauf und mach- 
ten sich auf den Weg nach seinem Hause. Da 
kamen sie an eine Pfütze, die es ihnen verwehrte, 
geradeaus weiterzugehn« Als sie nun einander 
fragten: „Wie sollen wir da hinüberkommen?'*, 
hob der Hodscha sein Haupt und sagte: „Als ich 
noch am Leben war, bin ich immer diesen Weg 
gegangen/' 

Einmal gedachte der Hodscha einen unter- 50. 

irdischen Stall zu machen ^. Nun sah er auf 
einem Spaziergange in dem Keller eines seiner 
Nachbarn eine Kuh und etliche Ochsen^ Hoch 



^ Wie das früher die Griechen dortzulande getan 
hatten. 

25 



erfreut darüber ging er wieder heim und sagte zu 
seiner Frau: 

,,Was gibst du mir für eine gute Neuigkeit? 
ich habe einen Stall voll Rinder gefunden, der 
noch so ist, wie er zur Zeit der Ungläubigen war." 



51. T^^^ Hodscha hatte zwei Töchter; die kamen 

XJ ihn einmal beide besuchen, und er fragte sie: 
„Wovon lebt ihr?" 

Die eine sagte: „Mein Mann ist Bauer; er hat 
viel Korn gesät, und wenn es regnet, wird er so 
viel haben, daß er mich kleiden kann." 

Die andere sagte: „Mein Mann ist Hafner; er 
hat viele Töpfe gemacht, und wenn kein Regen 
kommt, so wird er so viel haben, daß er mir 
Kleider kaufen kann." 

Nun sagte der Hodscha: „Eine von euch wird 
ja bekommen, was sie wünscht; aber welche, das 
weiß ich nicht." 



-^ T^Ines Tages kam der Hodscha nach Siwri« 

LLt Hissar; es war am Ende des Ramasans und 
man wartete, daß es Neumond werde, weil dann 
das Bairamfest beginnen sollte. Er sah eine 
Menge Leute versammelt, die alle den Mond be* 
obachteten, und da sagte er: 

„Was ist denn an dem Monde so bemerkens« 
wert? Bei uns zu Hause ist er so groß wie ein 
Wagenrad, und es kümmert sich kein Mensch um 
ihn; hier, wo er so dünn ist wie ein Zahnstocher, 
versammeln sich alle Leute, um ihn zu be« 
trachten!" 

26 



DEr Hodscha kam einmal in eine Stadt und 53. 

sah dort die großen Röhren einer Wasser- 
leitung. Da fragte er einen Vorübergehenden: 
„Was ist das?** 

Der antwortete: „Das ist das, womit wir 
Städter das Wasser ablassen/' 

„Daraus läßt sich schließen/* versetzte der 
Hodscha, „wie euere Frauen gebaut sein müssen/' 



Eines Tages ging der Hodscha in Akschehir 54. 

spazieren. „Herr Gott/* rief er aus, „gib mir 
tausend Goldstücke; eines weniger nehme ich 
nicht/* 

Dieses Gebet hörte ein Jude, der in seiner 
Nähe war; neugierig, was geschehn werde, tat 
er neunhundertneunundneunzig Goldstücke in 
einen Beutel und warf ihn durch das Rauchloch 
in die Hütte des Hodschas. 

Als der Hodscha den Beutel am Boden be- 
merkte, rief er aus: „0 Herr, du hast mein Gebet 
erhört/* Er öffnete den Beutel und zählte die 
Goldstücke; da fand er, daß eines fehlte. Und er 
sagte: „Der, der mir diese gegeben hat, wird mir 
auch noch das letzte geben; ich nehme sie an.*' 

Bei diesen Worten wurde der Jude unruhig; 
hastig klopfte er an die Tür des Hodschas: 
„Guten Tag, Hodscha-Ef feudi! Gib mir, bitte, die 
Goldstücke da; sie gehören mir.** 

„Bist du närrisch geworden, Krämer? Ich 
habe zu Gott, dem Untrügerischen — gepriesen 
sei sein Name — gebetet, und er hat mich erhört; 
wieso sollte dies Geld dir gehören?'* 

„Bei meiner Seele, es war ein Spaß.** 

27 



f,Den Spaß verstehe ich nicht/' 

„Ich habe es getan, weil ich dich sagen hörte, 
daß du eines weniger nicht nehmen werdest/' 

„Aber dann habe ich gesagt, daß ich sie 
nehme/' 

„Gehn wir zu Gericht/* 

„Zu Fuße gehe ich nicht hin/' 

Nun brachte der Jude dem Hodscha ein Maul« 
tier, aber der sagte: „Auch einen Pelz brauche ich 
noch/' 

Der Jude brachte ihm noch einen Pelz, und 
nun gingen sie aufs Gericht zum Kadi. Der 
fragte sie, was sie herführe, und der Jude sagte; 
„Der Mann da hat mein Geld genommen und 
Weigert sich, es zurückzugeben/' 

Der Kadi sagte zum Hodscha: „Was hast du 
darauf zu erwidern?" 

„Herr, ich habe Gott, den ewig wahrhaften 
— gepriesen sei sein Name — um tausend Gold- 
stücke gebeten, und er hat mich erhört; als ich 
dann nachgezählt habe, fand ich um eines 
weniger. Trotzdem bin ich nicht davon abgestan- 
den, sie zu nehmen, Herr« Nun fordert sie der 
Jude da als sein Eigentum ein, aber nicht nur sie, 
sondern auch den Pelz, den ich trage, und das 
Maultier, auf dem ich hiehergekonunen bin/* 

„Gewiß gehört alles mir, Herr," erwiderte 
augenblicklich der Jude. 

Aber der Kadi schrie: „Zum Teufel mit dir, 
Judel" Und unverzüglich wurde der Jude mit 
Stockprügeln hinausgejagt. 

Der Hodscha jedoch kehrte stillvergnügt mit 
Pelz und Maultier heim. 



28 



Eines Tages nahm der Hodscha an einem 55. 

Hochzeitsmahle teil; die Kleider , die er an- 
hatte, waren alt. Niemand kümmerte sich um 
ihn und es wurde ihm keine Aufmerksamkeit er- 
zeigt« Daraufhin ging er weg und lief nach 
Hause« um seinen Pelz anzuziehn« Dann kehrte 
er zurück, und kaum war er bei der Tür an- 
gelangt, als man ihn auch schon einlud, einzu- 
treten« „Setz dich, Hodscha-Effendi, wenn es 
dir beliebt, oben an die Tafel,'* sagte man zu 
ihm und überhäufte ihn mit Ehrenbezeigungen 
und Aufmerksamkeiten. 

Da faßte er die Ärmel seines Pelzes und rief: 
„Gebt, bitte, meinem Kleide zu essen/' 

Die Tischgenossen sahen ihn an und baten 
ihn, sich zu erklären. Und er sagte: „Mein Kleid 
ist es, dem die Ehre erwiesen wird; warum soll 
es nicht auch den Genuß haben?" 



ALs der Hodscha einmal eine Stadt betrat, traf 56. 

er das ganze Volk damit beschäftigt, zu 
essen und zu trinken. Man bemerkte ihn, be- 
grüßte ihn artig und brachte ihm Speise und 
Trank. Das Jahr war aber unfruchtbar. Wie 
nun der Hodscha so aß und trank, fragte er sich, 
wieso die Lebensmittel an diesem Orte so im 
Überflusse vorhanden seien. Schließlich bat er 
darüber um Auskunft. 

„Bist du verrückt?" war die Antwort. „Heute 
ist doch das Bairamfest, wo sich jedermann, je 
nach seinen Mitteln, mit Mundvorrat versorgt 
und aufkochen läßt; der Überfluß dauert nur eine 
kleine Weile." 

29 



Nun rief der Hodscha: ,, Wollte doch Gott, 
daß alle Tage Bairam wäre!** 



S7. T^Ines Tages brachte der Hodscha eine Kuh 

Xli auf den Markt; aber er mochte herumgehn, 
wie er wollte, er konnte sie nicht verkaufen« Da 
sagte einer, der vorüberging, zu ihm: „Warum 
führst du die Kuh herum und verkaufst sie 
nicht?" 

„Ach," sagte der Hodscha, „seit aller Früh 
lasse ich sie ansehn; aber wie ich sie auch an- 
gepriesen habe, verkaufen habe ich sie doch nicht 
können. 

Nun nahm ihm der Mann die Kuh ab und 
führte sie selber herum, wobei er rief: „Seht, wie 
jung sie ist, und dabei ist sie im sechsten Monate 
trächtig/* 

Im Nu kamen Kauflustige herbei, und bald 
hatte einer die Kuh um ein hübsches Stück Geld 
erstanden« Der Hodscha nahm das Geld und 
ging nach Hause, ganz verwirrt, als hätte er sich 
betrunken gehabt. 

Unterdessen waren zu ihm einige Frauen auf 
Brautschau gekommen; er hatte nämlich eine 
mannbare Tochter. Seine Frau sagte es ihm und 
setzte hinzu: „Du bist nicht gerade der geschei- 
teste. Mann, drum halte dich abseits. Ich will 
die Frauen empfangen und unsere Tochter loben, 
was ich nur kann; vielleicht entschließen sie sich, 
sie zu nehmen.** 

„Gib acht, Weib, was du sagst. Heute habe 
ich einen neuen Kunstgriff gelernt, und da 
will ich hineingehn; paß nur auf, wie ich es an- 

30 



packen werde« um sie herumzubekommen/' Mit 
diesen Worten trat er zu den Frauen hinein« 

ffWas willst du da?*' schrien sie^; «»hole uns 
deine Frau und deine Tochter/' 

„Meine Frau ist so mit Arbeit überhäuft, daß 
sie kaum weiß, w^s für Eigenschaften ihre Toch- 
ter hat; in unserer Familie sind es übrigens wir 
Männer, die die Gaben und Anlagen eines jeden 
beobachten und beurteilen, und so bin ich bereit, 
euch über alles genau Auskunft zu geben/' 

„So zähle uns ein paar Einzelheiten auf, damit 
wir wissen, woran wir sind/' 

Der Hodscha sagte: „Sie ist noch sehr jung 
und seit sechs Monaten, schwanger; wenn das 
nicht stimmt, so bringt sie mir zurück/' 

Die Frauen sahen eine die andere an und 
gingen weg. 

Nun sagte das Weib des Hodschas: „Warum 
hast du so einen Unsinn gesprochen? damit hast 
du sie vertrieben/' 

„Sei unbesorgt," antwortete er: „sie können 
weit und breit herumlaufen, ohne daß es ihnen 
gelänge, ein solches Mädchen zu finden; sie wer- 
den also wiederkonmien. Kein Mensch hätte 
meine Kuh gekauft, wenn ich sie nicht auf diese 
Weise angepriesen hätte/' 

DEr Hodscha wollte sich seinen Turban um- 58, 

winden, konnte aber die Enden nicht an- 
einanderbringen; er wickelte ihn auf und wickelte 



^ Weil er ins Frauengemach, den Harem, getreten 
war, obwohl dort fremde Frauen anwesend waren. 

31 



ihn ZU| doch stets war es umsonst« Voll Ungeduld 
ging er, um ihn versteigern zu lassen. 

Als es dazu kam« trat einer näher« der enU 
schlössen schieui ihn zu kaufen. Aber der Hod- 
scha machte sich an ihn heran und sagte heimlich 
zu ihm: „Hüte dich wohl, ihn zu kaufen; er ist 
viel zu kurz/* 

59. Tr\Em Hodscha wurde ein Sohn geboren; da 
XJ kam einer zu ihm, um ihm die frohe Nach- 
richt zu überbringen« 

Der Hodscha sagte; ,,Wenn mir ein Sohn ge- 
boren worden ist, so muß ich sicherlich Gott dafür 
danken; aber warum sollte ich auch dir erkennt- 
lich sein?" 

60. '7Um Hodscha kam einer, um dessen Esel zu 
£^ entleihen« „Warte," sagte der Hodscha, „ich 
will ihn erst einmal befragen; ist es ihm recht, 
so ist die Sache gemacht«" 

Er ging ins Haus, blieb einen Augenblick 
drinnen, kam wieder heraus und sagte; „Der Esel 
ist es nicht zufrieden; er sagt, er würde, wenn ich 
ihn herliehe, über die Ohren geschlagen werden, 
und mich würde man auslachen«" 

61. T^^^ Hodscha stieg einmal auf seinen Esel und 
XJ ritt in seinen Garten« Als er nun wegen eines 
kleinen Bedürfnisses abseits gehn mußte, zog er 
seinen Pelz aus und legte ihn auf den Sattel des 
Esels. Da kam ein Dieb, packte den Pelz und 
entwich« 

Der Hodscha kam zurück und sah, was ge- 
schehn war; unverzüglich nahm er dem Esel den 

32 



Sattel ab, um ihn sich selber aufzulegen, gab dem 
Esel einen Peitschenhieb und sagte: „Gib mir 
meinen Pelz wieder, und ich gebe dir deinen 
Sattel" 

Eines Tages ritt er wieder auf seinem Esel aus. 62. 

Wieder mußte er ein Bedürfnis befriedigen 
und wieder legte er seinen Pelz auf den EseL 
Ein Mann, der ihn beobachtet hatte, packte den 
Pelz und wollte damit weglaufen« In diesem 
Augenblicke begann der Esel zu brällen. 

„Du magst schreien und brällen,*' sagte der 
Hodscha, „nützen wird es nichts/' 

Der Dieb aber, der das hörte, legte in der 
Meinung, der Hodscha habe ihn gesehn, eiligst 
den Pelz wieder hin und entlief. 

DEr Hodscha hatte seinen Esel verloren und 63. 

er erkundigte sich um ihn. Da sagte einer: 
„Ich habe ihn dort und dort als Kadi gesehn/' 
„Das wundert mich gar nicht," sagte der Hod- 
scha; „denn wann ich Unterricht erteilte, spitzte 
er immer die Ohren dorthin, wo er mich sprechen 
hörte/* 

DEr Hodscha ging ins Gebirge Holz fällen; da 64. 

begegnete er einem Manne, der einen son- 
derlich lebhaften Esel ritt. Der Mann kam näher 
und ritt an dem Hodscha vorbei. Der rief ihm 
nach: „Warte ein bißchen; ich muß dich um etwas 
fragen." 

Der i^lann hielt an. 

Nun sagte der Hodscha: „Wieso läuft denn 
dein Esel so schnell? Der meinige geht nicht 
vom Flecke. Was wendest du an?" 

Nasreddin. I. 3 33 



fiWas gibst du mir/' antwortete der andere, 
„wenn ich dirs mitteile?" 

fiEinen Bienenstock/' 

,Jn der Stadt gibts jetzt roten Pfeffer. Da- 
von kaufe dir« Hierauf geh ins Gebirge, fälle 
dein Holz, nimm, wann du es dem Esel auf- 
geladen hast, ein wenig von diesem Pfeffer und 
stecke es ihm in den Hintern. Dann paß auf: 
du wirst sehn, wie schnell er laufen wird/' 

Auf der Stelle kehrte der Hodscha um, um 
unverzüglich in die Stadt zu gehn und roten 
Pfeffer zu kaufen. Dann ging er wieder ins Ge- 
birge, fällte Holz, belud den Esel und steckte 
ihm ein wenig Pfeffer in den Hintern. Sofort 
setzte sich der Esel in Galopp, und zwar so, daß 
ihm der Hodscha nicht folgen konnte. 

Er sagte sich: „Das Mittel dieses Menschen 
ist wahrhaftig gut; wenn ich es selber anwendete, 
sollte ich da nicht auch so feurig wierden? Ich 
will es versuchen." 

Mit diesen Worten steckte er sich ein wenig 
hinein; da verspürte er ein derartiges Brennen, 
daß er zu laufen begann wie das Feuer und den 
Esel überholte. So kam er zu Hause an. 

Seine Frau sagte zu ihm: „Was hast du 
denn?" 

„Jetzt ist nicht Zeit zu reden," antwortete der 
Hodscha. „Der Esel kommt nach; lade ihn ab. 
Inzwischen will ich noch ein paarmal durchs 
Dorf laufen." 

65. T^Inmal kam einer zum Hodscha und wollte 

Llä dessen Esel geliehn haben. Der Hodscha 
antwortete: „Er ist nicht zu Hause." 

34 



Katim waren diese Worte gesprocheoi als man 
den Esel drinnen brällen hörte. 

,,Aber Effendi/' sagte der Mann, ,|du sagst, 
der Esel sei nicht zu Hause, und er brällt 
drinnen/' 

,,Was?" antwortete der Hodscha, „dem Esel 
glaubst du, und mir Graubart glaubst du nicht? 
Du bist ein ganz sonderbarer Mensch." 



DEr Hodscha sagte eines Tages zu seiner Frau: 66. 

„Woran erkennst du es, daß ein Mensch 
tot ist?" 

Sie antwortete: „Daß seine Hände und Füße 
kalt sind." 

Etliche Tage darauf ging der Hodscha ins Ge- 
birge um Holz; unterm Gehn fror ihn an Hand 
und Fuß. Da schrie er: „Jetzt bin ich tot"; damit 
legte er sich unter einem Baume nieder. 

Es kamen Wölfe, und die begannen seinen 
Esel zu fressen. Nun sagte der Hodscha: „Das 
ist freilich eine hübsche Gelegenheit für euch, 
wenn der Herr des Esels gestorben ist." 



DEr Hodscha fällte einmal Holz in den Bergen, 67. 

als sich ein Wolf daranmachte, seinen Esel 
zu zerreißen; und der Hodscha bemerkte das 
nicht eher, als bis der Wolf seine Beute davon- 
schleppte. Nun rief ihm einer zu, er solle acht 
geben, was geschehe. 

Aber der Hodscha erwiderte: „Wozu schreist 
du jetzt? Gefressen hat der Wolf, was er wollte; 
warum soll ich ihn den Berg hinauf abhetzen?" 

3* 35 



68. T^^^ Hodscha wollte einmal seinen Esel ver- 
U kaufen und führte ihn auf den Markt; auf 
dem Wege beschmutzte sich der Esel seinen 
Schwanz mit Kot. Ohne zu zaudern, schnitt er 
ihm ihn ab und steckte ihn in den Sack. Als er 
dann den Esel zum Kaufe ausbot, kam einer und 
sagte: ,J)vLi dein Esel hat keinen Schwanz, man 
hat ihn ihm abgeschnitten/* 

Der Hodscha antwortete: „Kauf ihn nur ruhig; 
der Schwanz ist nicht weit/' 

69. T^^^ Hodscha kam von einem langen Ritte 
U zurück; sein Esel, der arg durstig geworden 
war, bemerkte ganz in seiner Nähe eine Pfütze, 
deren Ränder aber sehr steil abfielen. Kaum 
hatte er das Wasser gesehn, so sprengte er 
darauf zu; und er war schon daran, sich hinunter- 
zustürzen, als die Frösche, die dort hausten, zu 
quaken begannen. Erschreckt wich der Esel 
zurück. 

Der Hodscha lief hin, packte ihn und schrie: 
„Schönen Dank, meine lieben Sumpfvögel; da 
habt ihr auch etwas, um euch Kuchen zu kaufen." 
Und er warf ihnen ein Dreiparastück ins Wasser. 

70. 7^ ^^^ ^^^^ ^^ Hodschas Nasreddin-Ef feudi 
^ erstanden drei Mönche, ausgezeichnet in 
jeder Wissenschaft, und die reisten durch die 
Welt. Auf dieser Wanderschaft kamen sie auch in 
das Land des Sultans Alaeddin, und der lud sie 
ein, den Glauben anzunehmen. Sie sagten: „Wir 
haben jeder eine Frage; wenn uns die beant- 
wortet werden, so wollen wir euerm Glauben bei- 
treten." Und darauf einigte man sich. 

36 



Sultan Alaeddin versammelte seine Gelehrten 
und Weisen; aber keiner von ihnen war imstande, 
eine Antwort zu geben. Voll Zorn sagte Sultan 
Alaeddin: ,,So gibt es denn in meinem Lande 
keinen Weisen oder Gelehrten, der ihnen ant- 
worten könnte!"; und er war sehr bekümmert. 

Da sagte einer: ««Diese Fragen kann niemand 
sonst beantworten, als der Hodscha Nasreddin- 
Effendi; der kann es' vielleicht/' 

Alsbald befahl der König, zu Nasreddin- 
Effendi einen Tataren zu schicken. Der beeilte 
sich, zu dem Hodscha zu gelangen, und meldete 
ihm den Befehl des Padischahs; augenblicklich 
sattelte Nasreddin seinen Esel, nahm seinen Stock 
als Stütze, stieg auf den Esel, sagte dem Ta- 
taren: „Reite vor mir", und eilte geradewegs zum 
Serail Sultan Alaeddins. 

Als er vor das Angesicht des Padischahs trat, 
gab er ihm den Salam und empfing ihn wieder, 
und es wurde ihm ein Platz zum Sitzen gewiesen. 
Nachdem er sich gesetzt hatte, flehte er den 
Segen auf den Padischah herab; dann sagte er: 
„Was ist dein Wunsch, daß du mich gerufen 
hast?" 

Ntm erzählte Sultan Alaeddin, worum es sich 
handelte, un4 der Hodscha sagte: „Was sind 
euere Fragen?" 

Da trat einer von den Mönchen vor und sagte: 
„Meine Frage, ehrwürdiger Effendi, ist: ,Wo ist 
der Mittelpunkt der Welt?' " 

Sofort zeigte der Hodscha mit seinem Stocke 
auf den vordem Huf des Esels und sagte: „Hier, 
wo der Fuß meines Esels steht, ist der Mittel- 
punkt der Welt." 

37 



^ Der Mönch sagte: „Woher ist das bekeuint?" 

Der Hodscha emtwortete: i^Wenn du es nicht 
glaubst, so miß es aus; sollte es sich anders er- 
geben, so sprich demgemäß/* 

Darauf trat wieder ein Mönch vor und sagte: 
„Wie viel Sterne sind an dem Antlitze des 
Himmels?" 

Der Hodscha antwortete: „So viel, wie Haare 
auf meinem Esel/' 

Der Mönch sagte: „Woraus erhellt das?" 

„Wenn du es nicht glaubst, so zähle nach; 
kommen weniger heraus, dann sprich/* 

Der Mönch sagte: „Kann man denn die Haare 
des Esels zählen?" 

Der Hodscha sagte: „Kann man denn so viel 
Sterne zählen?" 

Der dritte Mönch trat vor und sagte: „Wenn 
du mir meine Frage zu beantworten verstehst, 
so wollen wir alle drei gläubig werden/' 

Der Hodscha sagte: „Sprich; wir wollen sehn/' 

Der Mönch sagte: „wie viel Haare sind in 
meinem Barte?" 

Der Hodscha antwortete: „So viele wie in dem 
Schwänze meines Esels/' 

Der Mönch erwiderte: „Woher ist das be- 
kannt?" 

Der Hodscha sagte: „Wenn du es nicht 
glaubst, Freund, so zähle nach/' 

Der Mönch sagte, mit diesem Vorschlage sei 
er nicht einverstanden. 

Nun sagte der Hodscha: „Wenn du es nicht 
zufrieden bist, so laß uns )e ein Haar aus deinem 
Barte tmd je eins aus dem Schwänze des Esels 
ausreißen, und wir wollen sehn, was sich ergibt/' 

38 



Der Mönch sah, daß das nicht redit anging. 
Und von Gott, dem Allmächtigen, kam ihm die 
Eingebung und er sagte zu seinen Reisegefährten: 
„Ich bin gläubig geworden/' Und er verkündete 
die Einheit, und auch die andern zwei wurden 
mit Herz und Seele gläubig. Und fortan waren 
alle dem Hodscha ergeben. 

Eines Tages wollte der Hodscha dem Bei 71. 

Tamerlan einen Besuch abstatten. Er ging in 
den Garten und pflückte einen Korb Quitten; da- 
mit machte er sich auf den Weg. Er begegnete 
einem Bekannten, und der sagte zu ihm: „Wohin 
gehst du, Hodscha?** 

Der Hodscha antwortete: „Es ist schon lange 
her, daß ich nicht bei Bei Tamerlan war; ich will 
ihn jetzt besuchen." * 

„Und was ist das?'* 

„Ein Geschenk für den Bei," sagte der 
Hodscha. 

„Aber Quitten", fuhr der Mann fort, „sind 
jetzt nicht das richtige; jetzt ist die Zeit der 
Feigen: bring ihm doch einige recht frische." 

Ohne weitere Worte ging der Hodscha wieder 
heim, warf die Quitten weg und nahm Feigen; 
freilich merkte er, daß sie noch grün und sauer 
waren. Er ging damit zum Bei und bot sie ihm 
nach dem Gruße auf einer Holzschüssel dar. 

Der Bei griff sofort um eine Feige, die ihm gut 
zu sein schien, und führte sie zum Mtmde; er ge- 
riet in Zorn und befahl, die übrigen dem Hodsdia 
an den Kopf zu werfen. Eine nach der andern 
traf den Hodscha ins Gesicht, aber er rief bei 
einer jeden: „Gelobt sei Gott!" 

39 



iiHodscha/' sagte der Bei, ihn unterbrechendi 
,,warum diese Danksagungen? soll ich sie als eine 
VerhShxma^ auffassen?" 

,,Meinen Dank sage ich deswegen, weil ich dir 
habe Quitten bringen wollen und mir einer, Gott 
sei gelobt, den Rat gegeben hat, lieber Feigen zu 
nehmen. Wenn es Quitten gewesen wären, wo 
wäre ich jetzt?" 



72. T7^^ andres Mal ging der Hodscha wieder ztun. 

Ca Bei. Der war eben daran, auf die Jagd zu 
reiten; er nahm den Hodscha mit, ließ ihn aber 
auf eine elende Mähre steigen. Es fiel ein Platz- 
regen, und jeder machte sich mit seinem Pferde 
im Galopp davon; der Hodscha jedoch konnte das 
seinige nicht von der Stelle bringen und mußte 
zurückbleiben. Ohne zu zaudern, zog er seine 
Kleider aus, brachte sie am Bauche des Pferdes 
ins Trockene und saß wieder auf. Als dann der 
Regen aufhörte, kleidete er sich wieder an und 
ritt zum Bei. Der verwunderte sich hochlich, 
ihn nicht im mindesten naß zu sehn. 

Der Hodscha erklärte es ihm: „Dieses Pferd 
ist gar wacker; es ist so schnell gelaufen, daß ich 
keine Zeit hatte, naß zu werden." 

Der Bei wies nun dem Pferde den ersten Platz 
in seinem Stalle an. Als er dann wieder einmal 
auf die Jagd reiten wollte, nahm er den aus- 
gezeichneten Renner selber und gab dem Hodscha 
ein andres Pferd. Es fing wieder zu regnen an; 
jeder eilte davon, um sich ins Trockene zu 
bringen, und der Bei, der auf der Mähre zurück- 
blieb, wurde bis auf (Ue Haut durchnäßt. Wütend 

40 



über die Antwort, die ihm der Hodscha gegeben 
hatte« rief er ihn am nächsten Tage vor sich. 

ifHältst du mich für deinesgleichen, daß du 
mich belogen hast?" 

iiWarum ärgerst du dich, Bei? Weißt du 
denn nicht, wie man es macht? Hättest du dich, 
wie ich es getan habe, ausgekleidet und wärest 
auf dem Pferde geblieben, so hättest du, als der 
Regen aufgehört hat, trockene Kleider gehabt/* 

Eines Tages ließ der Bei den Hodscha zum 73. 

Dscherid ^ einladen. Nun besaß der Hodscha 
einen prächtigen Ochsen; den sattelte und bestieg 
er und kam also auf den Platz, wo der Dscherid 
stattfinden sollte. Alle lachten, als sie ihn sahen. 

„Hodscha,** sagte der Bei, „das ist etwas 
neues, einen Ochsen reiten! aber laufen kann er 
nicht.'* 

Der Hodscha erwiderte: „Ich habe ihn schon 
schneller laufen sehn als ein Pferd; und dabei 
war er damals erst ein Kalb.** 

Eines Tages lud Tamerlan den Hodscha Nasr- 74. 

eddin zu einem Mahle ein; nach dem, was 
man ihm von ihm erzählt hatte, war er begierig 
geworden, sich seinem Gebete zu empfehlen. 

„Tamerletn,** ließ er ihm sagen, „der aus seinem 
Lande gekommen ist, will Nutzen ziehn von 
deinen Gebeten und Segnungen. Komm zu ihm 
und du wirst die Zeichen seiner Hochachtung 
empfangen.** Und die Boten fügten bei: „Tamer- 
lan wird dich mit Ehren überhäufen.** 



^ Lanzenwerfen zu Pferde. 

41 



Der Hodscha sagte: i,Sei es, wie immer es 
will/* Und er stieg auf seinen Esel und sagte zu 
seinem Amad: ,,Komm mit zu Timur/' 

Der folgte der Aufforderung und so begaben 
sie sich zu dem Tatarenherrscher. Sie trafen ihn 
sitzendi und er war höflich mit dem Hodscha und 
lud ihn ein, neben ihm niederzusitzen. Bald be- 
merkte Nasreddin, daß Timur, wie er so saß, seine 
Füße unter ein Kissen gesteckt hatte; da tat er 
ebenso die seinigen danmter. Dadurch fühlte 
sich Timur verletzt, und sein Ärger wuchs, je 
länger der Hodscha seine Füße neben den sei- 
nigen hatte. Und er sagte bei sich: „Sieh einmal, 
er will es mir gleichtun, mir, dem Padischah, und 
ohne sich zu entschuldigen!" Und er sagte zum 
Hodscha: „Was für ein Unterschied ist zwischen 
dir und deinem Esel?" 

„Was für ein Unterschied," erwiderte der 
Hodscha, „ist zwischen deiner /Majestät und dem 
Kissen da?" 

Der Zorn Timurs wuchs immerzu; und er hätte 
vielleicht den Hodscha mißhandelt, wenn nicht 
aufgetragen worden wäre. 

Plötzlich nieste Timur mitten unter dem 
Mahle neben dem Hodscha oder besser auf ihn; 
da sagte der zu ihm: „Das ist unschicklich« 
Padischah." 

„Bei uns nicht," antwortete Timur. 

Gegen Ende des Mahles ließ der Hodscha 
einen lauten Furz. „Was du da machst," sagte 
Timur, „ist das vielleicht nicht unschicklich?" 

„Bei uns nicht," sagte der Hodscha. 

Als dann die Speisen weggenommen wkren 
und man den Scherbet getrunken hatte, stand 

42 



der Hodscha auf, um heimzukehren. Und auf 
dem Wege sagte sein Amad zu ihm: ,yAber Hod- 
scha, warum hast du dich in der erhabenen 
Gegenwart des fremden Padischahs auf diese 
Weise betragen und sogar einen Furz gelassen?** 
„Mach dir keine Sorgen,** antwortete der 
Hodscha« „Türkisch nennt man es ja so; aber 
in seiner Sprache bedeutet es gar nichts/* 

DEr Hodscha ließ einmal eine Gans braten und 75. 

brachte sie dem Sultan; da er aber auf dem 
Wege Hunger bekam, riß er ihr einen Fuß aus 
und aß ihn. Dann trat er vor den Padischah und 
bot ihm die Gans dar. 

Timurlenk merkte die Sache und sagte voller 
Zorn zu sich: „Der Hodscha macht sich lustig 
über mich." Und er sagte zu ihm: „Wo ist denn 
der andere Fuß?** 

„Hierzulande", antwortete der Hodscha, 
„haben die Gänse nur ein Bein; wenn du mir 
nicht glaubst, so sieh dort bei dem Brunnen eine 
ganze Herde Gänse.** 

Die standen nun wirklich alle nur auf einem 
Beine. Unverzüglich befahl Timur einem Pauken- 
schläger, einen Wirbel zu schlagen. Der nahm 
die Klöppel und schlug zu, und die Gänse stellten 
sich auf ihre beiden Beine. „Schau,** sagte Timur, 
„jetzt haben sie zwei.** 

„Mit den Klöppeln da", antwortete der Hod- 
scha, „könnte man sogar dich dazu bringen, auf 
allen vieren zu laufen.** 

ALs der Hodscha Kadi war, kamen zwei Leute 76, 

zu ihm, und der eine sagte: „Der da hat 
mich ins Ohr gebissen.** 

43 



i,Ich war es nicht/' sagte der andere; „er hat 
sich selber ins Ohr gebissen/' 

Der Hodscha sagte: i,Entfemt euch auf eine 
Weile; dann werde ich euch meine Entscheidung 
mitteilen/' 

Sie gingen weg und er schloß sich augenblick- 
lich ein und stellte allerhand Bemühungen an, 
sein Ohr zu erreichen und sich zu beißen. Seine 
Versuche endigten damit, daß er auf den Rücken 
fiel und sich den Kopf ein wenig verletzte. Er 
umwickelte ihn mit einem Stück Tuch und setzte 
sich wieder auf seinen Platz; die beiden Gegner 
kamen wieder vor ihn und nahmen ihren Streit 
von neuem auf. 

Nun sagte der Hodscha: ,,Wisset| man kann 
sich nicht nur selber ins Ohr beißen, sondern 
sogar dabei fallen und sich den Kopf verletzen." 

77. T^ Ines Nachts hörte der Hodscha, der im Bette 
da lag, einen Streit vor seiner Tür. „Steh auf, 
Weib," sagte er, „und mach Licht; ich will nach- 
sehn, was es gibt." 

Sie sagte: „Bleib doch." 

Aber ohne auf sie zu hören, nahm er die Bett- 
decke um und trat hinaus. Augenblicklich riß 
ihm einer von den Streitenden die Decke weg 
und machte sich damit davon. Vor Kälte zitternd 
kam der Hodscha wieder ins Haus und seine 
Frau sagte: „Worum ging denn der Streit?" 

„Um die Bettdecke; als sie sie hatten, war 
der Zank zu Ende." 

78. T^Ines Tages sagte die Frau des Hodschas zu 
JC^ ihm: „Trag das Kind ein bißchen herum; ich 
habe zu tun." 

44 



Der Hodscha nahm das Kind auf den Arm, 
aber es dauerte nicht lange, so bepißte es ihn. 
Augenblicklich tat ihm der Hodscha dasselbe, 
so daß es durch und durch naß wurde. Als dann 
die Frau zurückkam, fragte sie ihn: „Warum hast 
du das getan?" 

Und der Hodscha antwortete: „Hätte mich ein 
Fremder bepißt, so hätte ich ihm noch etwas ganz 
andres getan/' 

Eines Abends hatte die Frau des Hodschas 19. 

seinen Kaftan gewaschen und ihn im Garten 
aufgehängt. In der Nacht glaubte nun der 
Hodscha, einen Mann zu sehn, der die Arme aus- 
gebreitet habe; da sagte er zu seiner Frau: „Bring 
mir meinen Bogen und meine Pfeile.*' 

Die Frau brachte ihm das verlangte. Er nahm 
einen Pfeil und schoß ihn durch den Kaftan; 
dann schloß er die Tür und ging schlafen. 

Am Morgen sah er, daß er seinen eigenen 
Kaftan durchbohrt hatte; „Gott sei Dank,*' rief 
er aus, „daß ich nicht drinnen gesteckt habe; da 
wäre ich nun schon lange tot." 

DEr Hodscha begab sich einmal, von seinen 90, 

MoUa begleitet, in seine Schule; da kam 
ihm der Einfall, sich auf seinen Esel verkehrt zu 
setzen und ihnen also voranzureiten. Und sie 
sagten: „Wariun reitest du verkehrt, Hodscha?" 
Er antwortete: „Wäre ich wie gewöhnlich auf- 
gesessen, hätte ich euch den Rücken gezeigt; 
hätte ich euch vorangehn lassen, hätte ich euere 
Rücken gesehn: das beste ist wohl so, wie ich es 
gemacht habe." 

45 



81. T^^^ Hodscha lag einmal in der Nacht im Bette, 

Xy als er auf dem Dache einen Dieb gehn hörte. 
I)a wandte er sich zu seiner Frau und sagte zu 
ihr; ,|Als ich an einem der letzten Tage ins Haus 
wollte, habe ich ein Gebet gesprochen, die Mond- 
strahlen gefaßt und mich daran sanft henmter- 
gelassen/' 

Der Dieb auf dem Dache hörte diese Rede. 
Alsbald sprach er, wie der Hodscha gesagt hatte, 
ein Gebet und faßte die Mondstrahlen; und er 
fiel in die Hütte hinunter. Der Hodscha stand 
auf, packte ihn am Kragen und rief seiner Frau 
zu, sie solle ein licht anzünden. 

Nun sagte der Dieb: „Gemach, Ef feudi; dank 
deinem Gebete und meinem Witze werde ich dir 
wohl nicht so bald entlaufen können." 



82. T\ Er Hodscha hatte einen alten Ochsen, dessen 

±J Homer so weit voneinander abstanden, daß 
man hätte zwischen ihnen sitzen können; und so 
oft er ihn in der Herde sah, dachte er sich: 
„Wenn ich nur einmal zwischen seinen Hörnern 
sitzen könnte!" 

Eines Tages legte sich ntm der Ochs vor dem 
Hause nieder. Da sagte der Hodscha: „Die Ge- 
legenheit ist da", stieg ihm zwischen die Homer 
und setzte sich nieder; aber der Ochs sprang auf 
und warf den Hodscha ab, und der blieb bewußt- 
los liegen. Sein Weib kam und er war noch 
immer bewußtlos; endlich kam er zu sich und er 
sah, wie sie weinte. Da sagte er: „Weine nicht, 
Weib; ich habe ja viel gelitten, aber ich habe 
mein Begehren gestillt." 

46 



Einmal schlich sich ein Dieb in das -Haus; 83. 

augenblicklich machte die Frau den Hodscha 
darauf aufmerksam. Aber der sagte: ^^Sei still; 
vielleicht läßt ihn Gott etwas finden, und das 
kann ich ihm dann nehmen/' 

SEine Frau sagte eines Tages zum Hodscha: 84. 

,iDu könntest ein wenig weggehn/' 
Darauf ging er in die otadt tmd kam nicht 
mehr heim. Es waren schon einige Tage ver- 
gangen, als er einem seiner Freunde begegnete, 
und zu dem sagte er: „Sei so gut und geh meine 
Frau fragen, ob das schon genug ist, oder ob ich 
noch weiter weg gehn soll/' 

ER lag eines Nachts neben seiner Frau, als er 85. 

plötzlich rief: „Steh auf, Weib, und mach 
Licht; ich will einen Vers niederschreiben, der 
mir eingefallen ist/' 

Die Frau stetnd auf, zündete Licht an und 
brachte ihm Tintenfaß und Kalam. Nachdem er 
den Vers niedergeschrieben hatte, bat sie ihn, 
ihn ihr vorzulesen. 

„Paß auf," sagte der Hodscha und las: „Zwi- 
schen einem grünen Blatte und einem schwarzen 
Huhn ist meine rote Nase/' 

DEr Hodscha war krank und einige Frauen 86. 

kamen ihn besuchen; eine von ihnen sagte 
zu ihm: „Wenn du sterben solltest, wie möchtest 
du beweint werden?" 

„So weit sind wir noch nicht," antwortete er. 
„Aber schließlich," sagte eine andere, „wenn 
das Unglück doch einträfe, wie wäre es dir denn 
am liebsten, daß du beklagt würdest?" 

47 



Nun antwortete er: „Man soll mich also be- 
klagen als einen Mann, der von den Weibern nie 
um etwas andres, als um albernes Zeug, gefragt 
worden ist/' 

9^1. OOoft der Hodscha eine Leber nach Hause 

O brachte, zeigte sich seine Frau damit sehr 
zufrieden; wann es aber dann zum Nachtessen 
ging, setzte sie ihm eine Schüssel gekneteten 
Teigs vor. Da sagte er einmal zu ihr: „Sag, 
Weib, ich bringe dir alltäglich eine Leber; wohin 
kommt die?" 

Sie antwortete: „Die Katze stiehlt alles." 
Kurz darauf wollte der Hodscha weggehn, 
und da verschloß er seine Axt in einer Truhe. 
Seine Frau sagte: „Was soll das?" 

Er antwortete: „Ich tue es wegen der Katze." 

„Was hat die Katze mit der Axt zu schaffen?" 

„Ja, wenn schon um zwei Asper Leber vor 

ihr nicht sicher ist, wie dann etst eine Axt um 

vierzig Asper?" 



88. T^^^ Frau des Hodscha wollte eines Tages ins 
±J Bad gehn. Nun besaß er nicht mehr als 
einen einzigen Asper, den er vor seiner Frau 
versteckt hatte. Und da sagte er zu ihr: „Warte 
doch noch eine Weile; ich fühle mich gar nicht 
wohl und werde bald sterben." Und mit einem 
Blicke in den Winkel, wo der Asper lag: „Dort 
liegt dann mein ganzes Geld." 

89. T^^^ Hodscha und seine Frau wollten einmal 
MmJ in einem Teiche ihre Wäsche waschen; sie 
waren gerade dabei, sie zu befeuchten und ein- 

48 



zuseifen, als ein Rabe dahergeflogen kam, die 
Seife packte und wegflog. Die Frau rief: „Mann, 
komm, ein Rabe hat uns die Seife genommen/* 

Aber der Hodscha sügte: „Schweig, Weib, das 
macht nichts, laß ihn sich doch waschen; er hat 
die Seife wahrlich nötiger als wir/' 

DEr Hodscha und seine Frau machten einmal 90. 

miteinander aus, daß sie ihre eheliche 
Pflicht alle Freitage erfüllen wollten; als sie nun 
darüber einig waren, sagte der Hodscha: „Aber 
wie werde ich mich denn bei meinen Geschäften 
daran erinnern?" 

Die Frau antwortete: „Ich werde dir all- 
wöchentlich deinen Turban auf den großen 
Schrank legen; dann weißt du, daß es Freitag 
ist/* 

Eines Tages, es war aber kein Freitag, ge- 
lüstete es die Frau; augenblicklich legte sie den 
Turban auf den Schretnk« „Aber," schrie der 
Hodscha, „heute ist doch nicht Freitag!" 

„Freilich ist heute Freitag," antwortete die 
Frau. 

Da sagte der Hodscha: „Das geht nicht so 
weiter; entweder wartet der Freitag auf mich, 
oder ich auf den Freitag/' 

Eines Tages ging die Frau des Hodschas mit 91. 

der eines Nachbars zum Bache, um Unter- 
kleider zu waschen, und dorthin kam auch der 
Ajan^, der eben spazieren ging. Er trat näher 



^ Oberhaupt mehrerer Dörfer. 

Natreddin, L 4 40 



zu den Frauen heran und sah sie an« Da sagte 
die Frau des Hodschas; ^Was schaust du?" 

Der Ajan antwortete: ,,Nach der Frau dessen, 
den man den Hodscha nennt/' 

Am nächsten Tage ging er zu Nasreddin und 
fragte ihn: ^Ist dieunddie Frau bei dir?" 

iiJa. 

^iBringe sie mir her." 

„Wozu?" 

iJch habe eine Bitte, die ich besser ihr sage 
als dir." 

fiBitte nur einmal mich/' versetzte der Hod- 
scha; i,dann werde ich sie bitten/' 

92. TliT An zeigte einmal dem Sohne des Hodschas 
x^JL einen Eierapfel und fragte ihn: „Was ist 
das?" 

Der Knabe antwortete: „Das ist ein Kalb, das 
die Augen noch nicht offen hat/' 

,,Seht nur/' schrie der Hodscha, ,,das hat er 
von sich selber; ich habe es ihn nicht gelehrt/' 

93. T^Ines Tages kam ein Wagen, der nach Siwri- 
IZtf Hissar fuhr, beim Hause des Hodschas vor- 
über; sofort entschlossen, mitzufahren, lief er 
nackt heraus und dem Wagen nach, stieg auf und 
fuhr mit. Als sie in die Nähe Siwri-Hissars 
kamen, ließen die Mitfahrenden der ganzen Stadt 
die Ankunft des Hodschas verkünden. Die Ein- 
wohner kamen ihm entgegen; und als sie ihn 
nackt sahen, fragten sie ihn um den Grund. 

Er sagte: „Ich liebe euch so, daß ich vor lauter 
Sehnsucht, euch zu sehn, vergessen habe, mich 
anzukleiden/' 

50 



DEm Hodscha stieß es zu, daß er grindig 94. 

wurde. Er ließ sich scheren und gab dem 
Barbier einen Asper« 

In der nächsten Woche ließ er sich wieder 
scheren; als ihm dann der Barbier einen Spiegel 
reichte, sagte er: ^iMein Kopf ist doch zur Hälfte 
grindig; könntest du dich nicht mit einem Asper 
für zweimal scheren begnügen?" 

Eines Tages ging der Hodscha mit einigen 95. 

Leuten fischen; sie warfen das Netz aus, und 
augenblicklich sprang der Hodscha hinein« Da 
sagten sie: ,,Hodscha-Ef feudi, was hast du ge- 
tan?" 

Der Hodscha sagte: ,Jch dachte, ich müsse 
den Fisch machen." 

Die Knaben in der Nachbarschaft sagten eines 96. 

Tages untereinander: „Konmit, wir wollen 
machen, daß der Hodscha auf einen Baum steigt, 
und dann stehlen wir ihm die Schuhe." Sie 
stellten sich also unter einen Baum und schrieia: 
„Auf diesen Baum kann niemand steigen." 

Der Hodscha kam dazu und sagte: „Ich steige 
hinauf." 

Sie antworteten: „Du kannst es nicht." 

Der Hodscha steckte die Zipfel seines Ge- 
wandes in den Gürtel und seine Schuhe in den 
Sack und begann hinaufzuklettern. 

Da sagten die Kinder: „Wozu nimmst du 
denn die Schuhe mit?" 

Und er antwortete: „Vielleicht zweigt weiter 
oben ein Weg ab, der näher zu mir nach Hause 
ist; da will ich sie dann bei der Hand haben." 

4* 51 



97. T^ Ines Tages kam ein Bauer zum Hodscha und 
lld brachte ihm einen Hasen; der Hodscha be- 
hielt ihn über Nacht bei sich. Etwa vierzehn 
Tage später kamen mehrere Leute tmd baten den 
Hodscha um Gastfreundschaft; sie sagten: ««Wir 
sind die Nachbarn des Mannes, der dir vorige 
Woche einen Hasen gebracht hat/' 

Der Hodscha beherbergte sie gldchfalls, aber 
nicht ohne Widerstreben. Kaum waren einige 
Tage vtogangen, als wieder Leute kamen und 
sich als Gäste anmeldeten; sie sagten: „Wir sind 
die Nachbarn der Nachbarn des Mannes, der dir 
einen Hasen gebracht hat/' 

Der Hodscha nahm sie auf. Am Abende goß 
er ein wenig Wasser in eine Schüssel tmd setzte 
es ihnen vor; tmd mit den Worten: „Laßt es euch 
belieben" lud er sie ein, mit dem Mahle zu be- 
ginnen. 

Sie aber sagten: „Was ist das, Hodscha? 
das ist ja nichts zu essen; das ist doch klares 
Wasser." 

Der Hodscha antwortete: „Das ist die Tunke 
der Tunke des Hasen." 

98. T^^^ Hodscha sah einmal eine Schildkröte. Er 
\J sagte sich: „Das Tier gäbe einen guten 
Träger"; damit packte er sie tmd hing sich an 
ihren Rücken. Die Schildkröte bemühte sich, ihn 
von ihrem Rücken hertmterzubekommen. 

Er aber sagte: „Rühre dich, rühre dich nur; 
so wirst du dich daran gewöhnen, deine Last zu 
tragen." 

Das ist ein Sprichwort geworden tmd ist weit 
und breit bekannt. 

52 



DEr Hodscha machte einmal Hochzeit und ließ 99, 

dazu Einladimgen ergehn« Seine Nachbarn 
kamen und setzten sich zu Tisch, vergaßen abeti 
auch den Hodscha zu rufen. Geärgert darfiber, 
schrie er sie an: „Nun, seid ihr nodi nicht bald 
fertig?" 

Als sie weggingen, suchten sie ihn lange ver- 
geblich; sie folgten seiner Fußspur und fanden 
ihn endlich« Da sagten sie zu ihm: „Wo bleibst 
du? konmi doch endlich!" 

Aber der Hodscha sagte: „Wer gegessen hat, 
mag auch mit der Braut zu Bette gehn/' 

DEr Hodscha unternahm einmal mit einer 100. 

Karawane eine Reise in die Stadt; als halt 
gemacht wurde, banden alle ihre Pferde an. Am 
nächsten Morgen war nun der Hodscha außer- 
stande, sein rferd unter den andern heraus- 
zufinden. Alsbald nahm er Bogen und Pf dl und 
schrie: „Leute, ich habe mein rferd verloren." 

Alle lachten und jeder nahm sein Pferd, und 
das eine, das so fibrig blieb, erkannte der Hodscha 
leicht als das seinige. Er nahm den Bügel, setzte 
den rechten Fuß hhiein und schwang sich in den 
Sattel; da saß er ntm verkehrt, mit dem Gesichte 
zum Hintertdl des Pferdes. Und die andern 
schrien: „Aber Hodscha, warum steigst du ver- 
kehrt auf?" 

Er antwortete: „Ich bin nicht verkehrt auf- 
gestiegen; aber das Pferd scheint linkshändig 



zu sem." 



DEr Hodscha hatte unter seinen Schülern einen 101. 

Neger. Eines Tages goß ntm der Hodscha 
das Tintenfaß über seine Kleider und ging so zur 

53 



Schale; dort fragte man ihn: i,Was hast du denn 
gemacht?" 

Der Hodscha antwortete: ,Jch habe mich ver- 
spätet, tmd da haben wir uns sehr beeilt, der 
arme Teufel von Neger und ich; er hat geschwitzt, 
und was ihr hier seht, ist sein Schweiß/' 

102. T^ Ines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel 
IZtf tmd sagte: „Höret, Muselmanen, ich will 
euch einen Rat geben; wenn ihr Kinder bekommt, 
so gebt ihnen ja nicht den Namen Ejub ^/* 

Man fragte ihn, warum, und er sagte: „Weil 
die Leute immer Ejb ' sagen/' 

103. A Ls der Hodscha einmal seine Waschung vor- 
jnL nahm, reichte das Wasser nicht aus. Er 
fing zu beten an, stand aber dabei nur auf einem 
Beine, wie es die Gänse tun« Man fragte ihn: 
„Was tust du?" tmd er antwortete: „Dieses Bein 
hat keine Waschung bekommen«" 

104. T^Ines Tages kam einer zum Hodscha, um bei 
IZtf ihm zu übernachten. Als es dunkel wurde, 
legte sich der Hodscha nieder, und einen Augen- 
blick später löschte er das Licht aus. Da sagte 
der Fremde: „Das erloschene Licht steht rechts 
von dir; gib es mir her, damit ich es anzünde/' 

„Bist du verrückt?" antwortete der Hodscha; 
„wie soll ich denn in der Finsternis wissen, wo 
rechts ist?" 



1 Hiob. 
« Strick. 



54 



DEr Hodscha wurde einmal gefragt: i, Unter 105. 

welchem Sternbild bist du denn geboren?*' 
ffUnter den Böcken." 

,iAber Hodscha, das gibt es ja gar nicht/' 
„Als ich noch klein war, hat mir meine Mutter 
gesagt, ich sei unter den Zicklein geboren/' 
„Nun, Zicklein sind doch keine Bocke/' 
„Dummköpfe, die ihr seidl seither sind doch 
wohl vierzig oder fünfzig Jahre vergangen; sind 
da die Zicklein vielleicht nicht zu Böcken ge- 
worden?" 

IN der Zeit, wo der Hodscha Hatib ^ war, hatte 106. 

er einen Streit mit dem Unterbaschi ^, und der 
starb, bevor sie sich versöhnt gehabt hätten. Als 
er nun begraben werden sollte, gingen die Leute 
zum Hodscha und sagten zu ihm: „Komm ihm, 
Effendi, die Anweisung erteilen °/' 

Aber der Hodscha antwortete: „Das hat 
wenig Sinn; wer auf mich böse ist, achtet nicht 
auf meine Reden/* 

ES saßen zweie ihren Häusern gegenüber in 107. 

einer Bude und plauderten miteinander; ihre 
Häuser stießen aneinander. Da kam ein Hund 
und machte seinen Kot mitten in die Straße vor 
ihren Häusern. Der eine sagte: „Das ist auf 

^ Hatib heißt der, der den Hutbe oder das öffentliche 
Gebet für den Herrscher zu sprechen hat. 

> Baschi ist eine Art Obrigkeit in kleinen Orten. 

^ Die Ansprache an den Leichnam hat den Zweck, 
den Toten anzuweisen« wie er den Frageengeln Munkar 
und Nakir (s. S. 13), die sofort, wann er begraben ist, zu 
ihm kommen, zu antworten hat. 

55 



deiner Sdte/' Der andere sagte: ,|Es ist näher 
bei dir; du mußt es wegputzen/' 

Der Streit wurde hitzig und sie gingen aufs 
Gericht; kaum waren sie dort, so kam auch der 
Hodscha hin, der den Kadi besuchen wollte. Und 
der Kadi sagte spottisch zu ihm: „Hodscha, be- 
schäftige du dich mit dem Strdtfalle dieser 
Leute." 

Der Hodscha fragte sie: „Ist euere Straße 
eine Heerstraße?" 

Der eine antwortete: „Freilich ja." 

„Dann", sagte der Hodscha, „lautet mein 
Spruch, daß es weder an dir, noch an dir ist, 
den Kot wegzuputzen; das ist Sache des Kadis." 

108. T^Ines Tages lief das Kalb des Hodschas brül- 
XZtf lend bald hierhin, bald dorthin. Alsbald 
packte der Hodscha seinen Stock und schlug auf 
die Kuh los. Da sagten die Leute zu ihm: 
„Was hat denn die Kuh angestellt, daß du sie 
schlägst?" 

„An allem ist sie schuld," antwortete der 
Hodscha; „wüßte denn das Kalb, das erst jüngst 
zur Welt gekommen ist, überhaupt etwas, wenn 
sie es nicht unterwiesen hätte?" 

109. T\ Er Hodscha traf einmal, als er nach Derbend^ 
U ging, einen Schäfer; der fragte ihn: „Bist du 
ein Gesetzeskundiger?" 

„Jawohl." 

„Nun denn, paß auf: allen deinesgleichen habe 

^ Derbend, das persische und dann türkische Wort 
für Hohlweg, ist ein häufig vorkommender Ortsname. 

56 



ich eine Frage vorgelegt; aberwarte einen Augen« 
blicki damit wir einig werden: wenn du mir ant- 
worten kannsti so rede ich, wenn nicht, so 
sprechen wir gar nicht davon." 

Der Hodscha sagte: ,,Was ist deine Frage?" 

,,Also: anfangs ist der Mond klein; vierzehn 
Tage später wird er so groß wie ein Wagenrad, 
dann stirbt und verschwindet er. Hierauf kommt 
ein neuer und mit dem geht es ebenso. Was ge- 
schieht denn nun eigentlich mit den alten?" 

Der Hodscha antwortete: „Das ist freilich eine 
schwierige Sache. Die alten Monde werden zer- 
brochen und man macht Blitze daraus: hast du 
noch nicht gesehn, wie sie, wann es donnert, 
zucken, ähnlich wie Schwerter?" 

Der Schäfer anwortete: „Ausgezeichnet; du 
bist ein wahrer Weiser. Ich bin ganz und gar 
deiner Meinung." 

ALs er einmal allein zu Hause war, grub der 110. 

Hodscha ein Loch und verscharrte dort die 
kleine Stunme Geldes, die sein Vermögen aus- 
machte. Dann ging er zur Tür, und dort sagte 
er sich: „Ich keime den Platz; ich könnte mich 
daher selber bestehlen." Er nahm also sein Geld 
wieder heraus und vergrub es an einer andern 
Stelle. Aber auch damit beruhigte er sich nicht; 
er kam und ging und sagte immerfort: „Das ist 
auch noch nicht das richtige." 

Nun war gegenüber von seinem Hause ein 
Hügel. Er ging in seinen Garten, schnitt sich 
dort eine Stange, tat sein Geld in ein Säckchen, 
band das oben an die Stange und pflanzte sie auf 
den Hügel. Dann stellte er sich unten hin, sah 

57 



hinauf und sagte: ,,Die Menschen sind keine 
Vögel; dort oben kann es niemand erreichen: ich 
habe einen guten Ort gefunden." 

Aber ein schlechter Kerl hatte ihn beobachtet. 
Kaum hatte sich der Hodscha entfernt, so stieg 
der Kerl auf den Hügel, nahm das Säckchen von 
der Stange, beschmierte sie mit Kuhmist, pflanzte 
sie wieder auf und suchte das Weite. 

Bald darauf brauchte der Hodscha Geld tmd 
lief zu seiner Stange; da sah er, daß das Geld 
weg war, während opuren von Kuhmist über die 
Stange liefen. Und er schrie: „Ich habe gesagt, 
kein Mensch könne es dort oben erreichen, und 
jetzt ist eine Kuh hinaufgestiegen! Es ist wahr» 
haftig ein Wunder!" Und er sprach seinem Gelde 
das Totengebet: „Gottes Barmherzigkeit sei mit 
dir!" 

111. T^ Er Hodscha begegnete eines Tages auf seinem 

±J Heimwege einigen Taleb^, und zu denen 
sagte er: „Meine Herren, kommt zu mir essen, 
was es gerade gibt/* 

Die Taleb sagten: „Recht gern," tmd gingen 
mit dem Hodscha. Bei seinem Hause angelangt, 
lud er sie höflich ein, einzutreten; er ging in 
seinen Harem und sagte zu seiner Frau: „Weibj 
ich habe Gäste mitgebracht; gib uns Suppe." 

Sie antwortete: „Hast du etwas eingekauft 
und mitgebracht, daß du Suppe verlangst?" 

Nun sagte er: „Gib mir also wenigstens die 
Suppenschüssel." 

Er nahm sie, ging damit zu seinen Gästen und 

^ Studenten. 

58 



sagte zu ihSaen: ^Entschuldigt mich, meine Herren^ 
aber wemi wir Butter und Reis gehabt hätteui so 
hätte ich euch eine solche Schüssel voll Suppe 
vorgesetzt/' 

DEr Hodscha hatte einmal mit seiner Frau 112. 

einen Streit; er ließ sie stehn und ging sich 
im Keller verstecken. Ein paar Tage später kam 
eine Sklavin des Hauses in den Keller und fand 
dort ihren Herrn. 

Sie fragte ihn: ^^Was machst du da, Effendi?" 

Und der Hodscha antwortete traurig: ^Jch bin 

in die Verbannung gegangen und habe mich, um 

nicht mehr gequält zu werden, entschlossen, nie 

mehr in die Heimat zurückzukehren/' 



Eines Tages saß der Hodscha ruhig zu Hause; 113. 

da hörte er einen an die Tür pochen. Er 
rief: „Was willst du?" 

Der an der Tür, ein Bettler, sagte: „Komm 
herunter." 

Alsbald stieg der Hodscha herab und fragte 
ihn, was er wolle. 

Der Bettler antwortete: „Ich bitte dich um ein 
Almosen." 

Der Hodscha sagte: „Komm mit mir herauf/' 
Und als der Bettler mit ihm hinaufgestiegen war, 
sagte er zu ihm: „Ich habe kein Geld." 

Da sagte der Bettler: „Aber Effendi, warum 
hast du mir den Bescheid nicht unten gegeben?" 

„Und du," versetzte der Hodscha, „warum 
hast du durchaus haben wollen, daß ich herunter- 
komme?" 

59 



114. T^^^ Frau des Hodschas war in deä Wehen; 

jLJ schon saß sie seit einem oder zwei Tagen 
auf dem Gebärstuhli ohne entbinden zu können. 
Da riefen die Weiber zum Hodscha hinaus: 
„EthnSf weißt du kein Gebet, damit das Kind 
herauskommt?" 

Eiligst lief der Hodscha zum Krämer tmd 
kaufte Nüsse; damit ging er heim und sagte: 
,fLaßt mich hinein/' Und er schüttete die Nüsse 
vor dem Stuhle aus und sagte: ,|So; das Kind 
wird sie sehn und herauskommen, um damit zu 
spielen/' 



115. T^Em Hodscha wollte einmal seine Frau einen 

U Possen spielen und brachte die Suppe zu 
heiß auf den Tisch. Zufällig vergaß sie es aber 
und nahm selber einen Löffel davon und ver- 
brannte sich den Schlund, so daß ihr die Tränen 
in die Augen kamen. 

. Der Hodscha sagte: ,, Was liast du Weib? ist 
die Suppe vielleicht zu heiß?" 

„Ach nein, Effendi," erwiderte sie, „aber 
mein verstorbener Vater hat so gern Suppe ge- 
gessen, und das ist mir eben eingefallen; und da 
habe ich weinen müssen." 

Der Hodscha, der ihr glaubte, nahm einen 
Löffel Suppe; er verbrannte sich den Schltmd 
und begann zu weinen. Und seine Frau sagte: 
,4 Was hast du denn?" 

Er antwortete: „Ich bin bekümmert, daß deine 
verfluchte Mutter dich nicht mitgenommen hat, 
als sie gestorben ist." 



60 



Die Frau des Hodschas ging emmal eine Pre- 116. 

digt hören. Als sie nach Hause kanii fragte 
er sie, was der Prediger gesagt habe, und sie ant- 
wortete: ifWenn einer seine eheliche Pflicht mit 
der Gattin erfüllt, so baut ihm der Allerhöchste 
einen Kiosk im Paradiese; tmd das tut er allen/' 

Augenblicklich sagte der Hodscha: ifKomm, 
wir wollen uns einen Riosk im Paradiese bauen/* 

Sie taten sich zusammen; aber einen Augen- 
blick später sagte die Frau zu ihm: „Für dich 
hast du jetzt einen Kiosk gebaut; jetzt bau auch 



mir einen/' 



Der Hodscha sagte: „Dir ist das freilich leicht; 
aber sei nur ruhig. Du möchtest dann nach- 
einander Kioske für jedes einzelne aus deiner 
Familiei und schließlich müßte das den Bau- 
meister verdrießen; laß es gehn: für uns beide 
tut es auch einer/' 



DEr Hodscha begegnete eines Tages etlichen 117. 

Softa und sagte zu ihnen: „Wenn es euch 
beliebti so kommt zu mir/' Bei seinem Hause 
angekommen, bat er sie, einen Augenblick zu 
warten, während er hineingehe. Drinnen sagte 
er zu seinem Weibe: „Ich Utte dich, schaffe mir 
diese Leute vom Halse." 

Sie ging hinaus und sagte: „Der Hodscha ist 
noch nicht heimgekommen." 

Die Softa antworteten: „Er ist heimge- 
kommen." 

Daraus entspann sich ein Streit. Endlich 
steckte der Hodscha, der von oben zuhörte, den 
I^opf zum Fenster hinaus und sagte: „Wie könnt 

61 



ihr denn streiten? vielleicht hat das Haus zwei 
Türen, so daß er wieder weggegangen ist/' 

118. T^Em Hodscha wurde ein Sohn geboren und 
U man sagte ihm: i,Zerschndde du selber die 
Nabelschnur; deine Hand bringt Glück/' 

Der Hodscha sagte: nGem'; er zog an der 
Nabelschnur und riß alles aus, so daß ein Loch 
blieb« 

Die Leute schrien: nAber Effendi, was 
tust du?" 

Er antwortete: i,Wenn er anderswo kein Loch 
hatf so hat er jetzt wenigstens das dal" 

119. OEin Sohn sagte einmal zum Hodscha: ^Ich 
O weiß noch, Vater, wie du auf die Welt ge- 
kommen bist/' 

Geärgert sagte die Mutter: ,|Was redest du da 
zusammen?" 

Aber der Hodscha sagte: i,Du bist nicht recht 
bei Trost, Frau; warum soll denn das der Knabe, 
der doch so gescheit ist, nicht wissen?" 

120. T^Inmal hatte sich der Kadi von Siwri-Hissar 
IZtf in der Trunkenheit in einem Weingarten 
schlafen gelegt. An demselben Tage ging der 
Hodscha mit seinem Amad spazieren und sie 
kamen auch zu diesem Weingarten« Als der 
Hodscha den betrtmkenen Kadi sah, nahm er 
ihm den Mantel und zog ihn selber an; dann 
ging er. 

Bei seinem Erwachen sah der Kadi, daß sein 
Mantel verschwunden war. Er ging zurück und 
übergab die Sache den Schergen des Gerichtes. 

62 



Die bemerkten den Mantel auf dem Rücken des 
Hodschas; sofort griffen sie den Hodscha und 
fährten ihn vor den Kadi. 

ifHe, Hodscha/* sagte der Kadi, nwpher hast 
du denn den Mantel da?" 

Der Hodscha antwortete: , Jch bin mit meinem 
Amad spazieren gegangen; auf einmal hat er 
einen betnmkenen Würdenträger der Länge nach 
daliegen sehn mit unbedecktem Hintern. Mein 
Amad büßte zweimal seine Lust an ihm; dann 
nahm ich ihm den Mantel da und zog ihn an. Ist 
es der deine, so nimm ihn.** 

,,Geh nur/* schrie der Kadi, „es ist nicht der 
meinige.** 

Eines Tages streckte sich der Hodscha an dem 121. 

Ufer eines Flusses hin, um zu schlafen; er 
tat aber dabei, als ob er tot wäre. Da kam einer 
vorbei und der fragte ihn: „Weißt du vielleicht, 
wo hier eine Furt ist?** 

„Als ich noch lebendig gewesen bin,*' ant- 
wortete der Hodscha, „bin ich immer dort durch- 
gegangen; jetzt brauche ich mich nicht mehr um 
die Gelegenheit zu kümmern.** 

DEr Hodscha ließ sich eines Tages von einem 122. 

ungeschickten Barbier rasieren, der ihn bei 
jeder Bewegung des Messers in den Kopf schnitt 
und ihm dann immer Baumwolle auflegte. 

„Freund,** sagte der Hodscha zu ihm, „wenn 
du mir auf dem halben Kopfe Baumwolle an- 
baust, so will ich auf der andern Hälfte Flachs 



*. t( 
säen. 



63 



123. T^ Ines Tages wurde der Hodschn als Zeuge 
IZtf geführt. Als sie ihn zum Kadi brachteni 
richtete der das Wort an den Hodscha und sagte: 
yyDer Streit geht um Korn/* 

Der Hodscha antwortete: „Die Sache, die ich 
bezeugen soll, dreht sich um Gerste/' 

Seine Gesellen aber sagten: „Es ist aber 
Korn/' 

„Dummkopfe, die ihr seid," schrie ntm der 
Hodscha; „wenn schon gelogen sein muß, was 
verschlägt es, ob es über Gerste oder über Korn 
geschieht?" 

124. T^^^ Hodscha ging eines Tages zum Brunnen, 
U um Wasser zu schöpfen; da sah er drinnen 
das Spiegelbild des Mondes, als ob der hinein- 
gefallen wäre, und sagte: „Man muß ihn augen- 
blicklich herausziehen/' Er nahm einen Strick, 
woran ein Haken befestigt war, tmd ließ ihn in 
den Brunnen hintmter. 

Der Haken fing sich an einem Steine und der 
Strick riß, so daß der Hodscha auf den Rücken 
fiel; da sah er nun den Mond am HimmeL „Gott 
sei gelobt tmd gepriesen," rief er aus; „ich habe 
mir ja wehgetan, aber wenigstens ist der Mond 
wieder an Ort und Stelle/' 



125. T^Ines Tages stieg der Hodscha in einem frem- 

E^ den Garten auf einen Aprikosenbaum, und 
der Eigentümer kam dazu; der sagte: „Was 
machst du da?" 

„Siehst du denn nicht," antwortete der Hod- 
scha, „daß ich eine Nachtigall bin? ich singe/ 



I« 



64 



„Gut/' sagte der andere, „singe also; ich will 
dir zuhören/* 

Der Hodscha begann zu singen, und der 
Gartenbesitzer sagte unter schallendem Geläch- 
ter: „Ein nettes Gezwitscher/* 

Der Hodscha antwortete: „Eine ungelernte 
Nachtigall singt nicht anders/* 



Naireddin, I. 5 65 



'( 



2. Aus Manuskripten verschiedenen 

Alters 



DEm Hodscha entlief einmal ein Sklave; trotz 126. 

emsigen Nachforschungen konnte der Hod- 
scha keine Spur von ihm entdecken und kam 
heim, ohne daß ihm noch eine Hoffnung, ihn zu 
finden, geblieben wäre* Und seine Frau fragte ihn: 
„Hodscha, wohin ist denn der Sklave gegangen?'* 
Der Hodscha antwortete: „Es ist einerlei, wo 
er ist und wohin er fliehen wird: mein Sklave 
bleibt er doch; wäre er aber nicht weggelaufen, 
so hätte ich ihn freigelassen. Schaden hat er 
sich nur selber getan/* 

DEr Hodscha stand eines Tages an dem Fuße 127. 

des Minarets einer heiligen Moschee, und 
man fragte ihn: „Was ist das?" 

Nun betrachtete der Hodscha das Minaret 
aufmerksam und sagte; „Früher war es ein 
Brunnen; jetzt hat man ihn geräumt, um ihn aus- 
zutrocknen, und hat ihn dann aufgestellt/' 
So berichten es die Nachbarn. 

DEm Hodscha wurde einmal ein gesalzener 128. 

Käse gestohlen; augenblicklich lief er zum 
Quellbrunnen. Man fragte ihn: „Was suchst du 
denn hier in solcher Hast?" 

Der Hodscha antwortete: „Hierher kommt 
man allemal, sobald man gesalzenen Käse ge- 
gessen hat; ich tue es selber. So wird auch mein 
Dieb, wann er ihn gegessen hat, nicht verfehlen, 
ungesäumt herzukommen." 

Ein andermal legte man dem Hodscha Nasr- 129. 

eddin-Effendi eine Frage über den Apri- 
kosenbaum vor; „Was ist das für ein Baum?" 
fragte man ihn. 

69 



,,Urspränglicb'\ antwortete der Hodschai 
„trug er Eier; dann hat ihn der Hagel hart ge- 
troffen und das weiße heruntergeschlageni so 
dafi das gelbe bloß geblieben ist, wie ihr es jetzt 
seht;* 

130. T^^^ Hodscha Nasreddin spielte gut Schach 

ImJ und gab gelegentlich gern den Spielern Rat- 
schläge; einmal aber ärgerte er sich und schwur, 
seine Frau zu verstoßen, wenn er sich wieder 
mit seinen Ratschlägen einmengen werde. Ein 
paar Tage darauf kam er auf seinem Spazier- 
gange an einen Ort, wo gerade ein Spiel im 
Gange war; er trat näher und sah zu, und nun 
bemerkte er, daß der eine Spieler hätte anders 
ziehen sollen, als er getan hatte. Da riß ihm 
auch schon die Geduld und er sagte: „Aber 
Mensch, stell doch deine Konigin auf das nächste 
Feld, und du gibst ein Matt/' 

Da sagten die Leute dort: „Wieso getraust 
du dich zu reden, Hodscha? hast du nicht ge- 
schworen, deine Frau zu verstoßen, wenn dir das 
geschehn sollte?'* 

Der Hodscha antwortete: „Es war nur im 
Scherze, daß ich dreingeredet habe; geheiratet 
habe ich übrigens auch nicht anders/' 

13L TJ^Ines Tages saß der Hodscha unter einer 

Ca großen Pappel, und man fragte ihn: „Was 
für ein Baum ist das?'* 

Der Hodscha sah in die Hohe und sagte: „Wie 
schön der Baum istl'* 

In demselben Augenblicke ließ ein Rabe, der 
oben saß, seinen Kot auf den Hodscha fallen; 

70 



der sah nach und fand, daß es etwas weißes war« 
Nun nahm er das Gespräch wieder auf und sagte: 
„Ihr wißt also nicht, was für ein Baum das ist?" 

Die andern sagten: „Nein/* 

Und er sagte: „Also seht mich an: es ist ein 
Quarkbaum/' 

DEm Hodscha wurde einmal die Frage vor- 132. 

gelegt: „Ist es wahr, daß die Weüie ein 
Jahr ein Männchen und das nächste Jahr ein 
Weibchen ist?" 

„Meine lieben Freunde," antwortete er, „da 
müßt ihr einen fragen, der zwei Jahre lang eine 
Weihe gewesen ist/' 



D 



Er Hodscha wurde gefragt: „Welche Musik 133. 

ist dir am liebsten?" 
Er antwortete: „Die der Teller und Schüsseln/' 



Die Überlieferung berichtet, daß der Hodscha 134. 

tief gelehrt war in allen Wissenschaften, 
und daß sich daher viele Leute von ihm unter- 
richten ließen. Allwege aber war seine Gewohn- 
heit, die, die im Koran lesen zu lernen verlangten, 
das zu lehren; aber er weigerte sich, jemand in 
einem andern Buche lesen zu lehren. 

Die Schüler richteten sich nach seiner Weise 
und verlangten nur im Koran zu lesen. Wann 
sie dann einmal wußten, wie man liest, konnten 
sie, wenn sie wollten, gleichgültig in welchem 
Buche lesen. Diese Art der Unterweisung war 
wahrhaftig die gute. 

71 



135. 'KK An erzählti daß der Hodscha einmal einen 
JL^L Schuldner hatte. Als er ihm eines Tages 
begegnete, hielt er ihn an imd packte ihn am 
Kragen, indem er zu ihm sagte: „Gib mir mein 
Geld." 

In diesem Augenblicke kam einer dazu, und 
der wollte ihn, um den Schuldner zu befreien, 
übertölpeln und sagte: „Das ist ja gar nicht der, 
der dir schuldig ist; das bin ja ich." 

Aber der Hodscha drehte dieses Bekenntnis 
sofort zu seinem Vorteile und sagte zu dem An- 
kömmling: „Du bist nicht der einzige, von dem 
ich etwas zu fordern habe; der da ist mir auch 
schuldig." 

136. 'KM An erzählt, daß eines Tages ein Mann zum 
JL^L Hodscha gekommen ist und zu ihm ge- 
sagt hat: „Hodscha, mein Auge schmerzt mich 
fürchterlich; was soll ich denn tun?" 

„Reiß es dir aus," antwortete der Hodscha, 
„und du wirst Ruhe haben." 

„Aber Hodscha, ein Auge nimmt man sich 
doch nicht heraus." 

„Ich schwöre dir," antwortete der Hodscha, 
„neulich hat mir ein Zahn wehgetan, und ich 
habe nicht früher Ruhe gehabt, als bis er aus- 
gerissen war." 

137. T^^^ Hodscha hatte einmal eine solche Menge 
±J Flöhe im Hause, daß er es endlich nicht 
mehr aushielt und das Feld räumte. Bald darauf 
sah er sein Haus von einem Brande verzehrt und 
von den Flammen vernichtet; darüber freute er 
sich, klatschte in die Hände und schrie: „Das 

72 



Haus ist verbrannt! Endlich bin ich die Flöhe 
und die Mäuse los/' 

Und bei diesen Worten lachte er aus vollem 
Halse« 

ALs der Hodscha einmal von Land zu Land 138, 

reiste, bemerkte er eine große Schar von 
Frauen, die in Reihen hintereinander daher- 
kamen. Er ging näher hin und fragte, was es 
gebe. 

Man antwortete ihm: „Sie gehn eine Braut 
einholen. Das Mädchen und der Mann da, die 
von den Frauen umgeben sind, sollen heute Nacht 
ihre Sehnsucht stillen.'* 

„Allah, Allah," rief nun der Hodscha, „ich 
habe viele Länder durchwandert, aber noch nie 
habe ich eins gefunden, wo es so viel Kuppler 
gäbe wie hier," 

MAn erzählt, daß der Hodscha am Tage auf 139. 

seinem Felde Lauch gepflanzt, ihn aber bei 
Anbruch der Nacht wieder herausgezogen hat. 
Die Leute merkten das, und man fragte den 
Hodscha, warum er so tue. 

Er antwortete: „Heißt es denn nicht, daß man 
seine Schätze unter seinem Kissen verwahren 
soll?" 

Eines Tages wurde der Hodscha gefragt: 140. 

„Warum halten sich von den Bewohnern 
dieser Erde die einen an dem einen Orte auf und 
die andern an einem andern, anstatt daß sie alle 
an demselben Orte verweilten?" 

„Was, das versteht ihr nicht?" rief der Hod- 

73 



scha; „wenn sich alle Bewohner der Erde an 
einem Punkte vereinigten, würde die Seite« wohin 
sie gingen, das Übergewicht bekommen und sie 
würden herunterpurzeln/* 



141. A Ls der Hodscha einmal auf der Wander- 

schaft war, bemerkte er in der Feme eine 



A' 

Anzahl Leute auf seinem Wege; waren es viel- 
leicht Räuber? In seiner Nlühie war ein Grab* 
Hastig entkleidete er sich, steckte seine Kleider 
in die Höhlung des Grabmals und legte sich 
unten auf den Grabstein nieder. Die Reisenden 
kamen heran und sahen einen nackten Mann, 
ausgestreckt auf dem Steine. Und sie sagten 
zu üim: 

„Wer bist du, Freund?" 

Der Hodscha antwortete: „Ich bin ein Toter/' 

„Und was machst du da?** 

„Aus Angst vor den Frageengeln bin ich ge- 
flüchtet/* 

142. T^^'' Hodscha hatte ein schwarzes Huhn, und 

U das trug er einmal auf den Markt, um es 
zu verkaufen« Es kam einer und sagte: „Wenn 
das Huhn da weiß wäre, hätte ich es gekauft/* 

Der Hodscha antwortete: „Komme morgen 
wieder, und ich werde dir ein weißes geben/* 
Der Käufer war damit einverstanden und ging 
weg. 

Auf dem Rückwege kaufte der Hodscha zwei 
Stück Seife; daheim erhitzte er dann Wasser in 
einem Kessel und begann das Huhn zu waschen. 
Damit plagte er sich, bis die Seife verbraucht 
war; aber er stellte fest, daß die Farbe des Huhns 

74 



auch nicht ein bißchen heller geworden war» 
Geärgert schrie er: „Nach dem, was ich sehe, 
hat der Färber wahrlich die Farbe nicht gespart! 
Ein wackerer Mann, der es gefärbt hat!'* 

NAsreddin hatte von einem zehn Gänse über- 143. 

nommen, um sie aufs Feld zu treiben; als 
er sie nun weiden ließ, verlor sich eine davon« 
Als das Ende des Monats gekommen war, ging 
der Hodscha seinen Lohn fordern. Aber der 
Eigentümer sagte: „Da fehlt ja eine Gans; was 
ists mit ihr?" 

Der Hodscha zählte sie und sagte: „Sieh doch, 
es sind ja zehn/' 

Nun zählte sie der andere und fand, daß es 
nur neun waren« Es entstand ein großer Streit 
zwischen ihnen und schließlich sagte der Hod- 
scha: „Um zu einem Ende zu kommen, wollen 
wir zehn Leute holen und sie zu den Gänsen 
bringen; jeder nimmt eine, und wenn es sich 
zeigt, daß jeder eine hat, so ist alles in Ordnung." 

Der Eigentümer der Gänse nahm den Vor- 
schlag an: es geschah alles, wie es gesagt worden 
war, und einer blieb ohne Gans. Der wandte 
sich zum Hodscha: „Schau, für mich ist keine 
geblieben; was sollen wir da tun?" 

„Ja, Freund," antwortete der Hodscha, „du 
hättest eben eine nehmen sollen, solange ihrer 
da waren." 

« 

Eines Tages kam man dem Hodscha sagen, 144* 

daß ein Schüler ertrinke, und fragte ihn: 
„Wie sollen wir es anstellen, um ihn aus dem 
Wasser zu ziehen?" 

75 



Der Hodscha antwortete: fiEiner von euch 
wird doch einen Geldbeutel haben; den zeigt dem 
Ertrinkenden: er wird glauben, ihr wollt ihm 
Geld geben, und wird herauskommen/' 

145. A Ls der Hodscha einmal über den Markt 
XjL schlenderte, fand er einen Asper. Er hob 
ihn auf, stellte sich auf einen hohem Ort und 
sagte: „Warum hören die Leute nicht auf, zu 
kommen und zu gehn? es ist wirklich sonderbar; 
der verlorene Asper ist ja schon wieder ge- 
funden/' 

146. A Ls der Hodscha eines Tages auf den Markt 
XjL gehn sollte, umringten ihn seine Knaben 
und begannen ihn jeder um eine Flöte zu bitten; 
„Lieber Hodscha," schrie der eine, „bring mir 
eine Flöte mit", und „Bring mir eine Flöte mit", 
sagte der andere« 

„Jawohl, ihr Schlingel," antwortete er ihnen; 
„ich werde sie euch mitbringen, Kinder/' 

Unterdessen hatte ihm einer zugleich mit den 
Worten: „Bring mir eine Flöte mit" einen Asper 
gegeben; nun schrie der Hodscha: „Du bist es, 
der die Flöte blasen wird/* 

147. TJ^Iner kam zum Hodscha und sagte zu ihm: 
Ha „Hodscha, derundder hat in der Fastenzeit 
gegessen/' 

„So?" sagte der Hodscha; „und unterm Essen 
hat ihn wohl jemand eingeladen?" 

148. T^^^ Hodscha wollte auf seinen Esel steigen; 
U er erhob sich und versuchte sich in den 
Sattel zu schwingen, aber er fiel auf der andern 

76 



Seite herunter. Die Kinder, die um ihn herum 
waren, begannen zu lachen* 

Da sagte der Hodscha: „Warum lacht ihr, 
Schlingel? früher war ich auf dem Boden, jetzt 
bin ich es wieder: das ist das ganze/* 

Eines Tages kamen Leute zum Hodscha und 149^ 

erzählten ihm, dafi ein Mann auf einen 
Baum geklettert sei und nicht herabsteigen 
könne; darauf sagte er: „Habt ihr einen Strick? 
bringt ihn her/* 

„Freilich haben wir einen,*' antworteten sie 
und brachten ihn. Der Hodscha band ein Ende 
an die Hüften des Mannes; das andere gab er 
einem Kerl in die Hand, der dran ziehen sollte, 
und schrie: „Jetzt ziehl" Der Mann, der oben 
saß, fiel herunter und starb» Nun schrie das 
Volk: „Hodscha, was hast du getan?** Er ant- 
wortete: „Holt einen Richter/* Sie gingen weg 
und brachten einen Richter. 

Der Richter sagte: „Hodscha, mit dem hat es 
ein böses Ende genommen; es ist alles aus. Mit 
einem Wort, er ist tot.** 

„Aber Herr,*' sagte der Hodscha, „er hat 
einen dicken Bauch; sieh doch nach, ob er nicht 
etwa schwanger ist.'* 

Eines Tages sprach der Hodscha bei sich: 150^ 

„Wieso kommt es denn, daß alle diese 
Bäume Früchte bringen und ich nicht? Sicher- 
lich würde auch ich, wenn man mich einpflanzte, 
Früchte tragen.** Er sagte zu einigen Bauern: 
„Steckt mich in die Erde.** Und er zwang sie, 
ihm zu gehorchen. 

77 



Sie führten also den Hodscha an eine feuchte 
Stelle und steckten ihn mit den Füßen in die 
Erde« Als dann die Bauern gegangen waren, 
hielt sich der Hodscha dort eine Weile; bald aber 
begann ihn zu frieren und er sagte: ,|Das gefällt 
mir nicht/* Er strengte sich also an, sich loszu- 
machen, und mit schwerer Mühe gelang es ihm. 
Er kam ins Dorf, und die Bauern sagten: „Wie 
schnell du Frucht getragen hast, Hodscha! Aber 
wo ist die Frucht?" 

„Gewachsen ist sie ja schnell," antwortete der 
Hodscha, „aber sie hat so viel Frost gelitten, daß 
sie abgefallen ist." 

15L TJ^Ines Tages stieg der Hodscha im Gebirge auf 

Ha einen Baum. Während er die Äste ab- 
hackte, sah er nach allen Seiten herum, und da 
bemerkte er mehrere Züge Kamele, die auf ihn 
zukamen. Alsbald rief er die Kameltreiber von 
oben an: „Haltet, ich bitte euch; ich muß mit euch 
sprechen." 

Die Kameltreiber hielten und er stieg vom 
Baume und wandte sich zu ihnen: „Ich ersuche 
euch inständigst, ganz langsam vorbeizuziehn." 
„Wozu sagst du das? Was ist dein Grund?" 
„Ntm, meine Herren, es ist zu befürchten, daß 
euere Kamele, die noch nie ein Gebirge gesehn 
haben, erschrecken und an den Baum anlaufen, 
auf dem ich bin, und mich also herunterwerfen." 

152. A/r^'^ erzählt, daß Tamerlan einmal in die 

l^L Nähe der Stadt kam, wo der Hodscha 
lebte. Die Einwohner versammelten sich, gingen 
zum Hodscha und baten ihn, Tamerlan davon ab- 

78 



zuhalten, daß er durch ihre Stadt ziehe. Auf der 
Stelle machte sich der Hodscha einen Turban von 
der Größe eines Wagenrades, stieg auf seinen 
Esel und ritt Tamerlan entgegen. Er traf ihn« 
und der wunderte sich sehr über diesen Anblick 
und sagte: ,|Was ist das für ein Turban, 
Hodscha?" 

Der Hodscha antwortete: „Das ist meine 
Nachtmütze. Entschuldige mich, daß ich damit 
gekommen bin; aber der Turban, den ich sonst bei 
Tage trage, kommt hinten auf einem Wagen nach/' 

Erschrocken über die seltsame und unge- 
heuere Kopfbedeckung der Bewohner zog Tamer- 
lan nicht durch die Stadt. 

Eines Tages forderte der Bei Tamerlan den 153. 

Hodscha dringend auf, etwas auf der Baß- 
laute zu spielen; und er sagte: „Wir wollen dir 
zuhören.*' 

Man brachte die Laute. Der Hodscha wider- 
stand nicht mehr dem Drängen des Beis und 
nahm die Laute; aber er kniff nur eine Saite ein- 
mal und hielt inne. Da sagten sie zu ihm: 
„Warum spielst du nicht mehr, Hodscha?" 

„Es summt eine Mücke," antwortete er, „und 
der Lärm würde den Klang der Laute ersticken." 

Auf einer Reise kam der Hodscha in eine 154. 

Stadt; er war gerade außerordentlich hung- 
rig. Kaum hatte er sie betreten, so fragte man ihn 
um seinen Beruf und er sagte: „Ich bin ein Arzt." 
„Da du ein Arzt bist, so komm mit uns; wir 
führen dich zu dem Sohne des Beis, der lu*ank 
ist." Der Hodscha erwiderte: „Sehr gut." 

79 



Sie gingen mit ihm zum Bei; der behandelte 
ihn mit Ehrerbietung und fragte ihn: ««Was ver- 
ordnest du meinem Sohne?" 

„Gibts hier ein wenig Brot, Butter und 
Honig?" 

„JawohL" 

„Man bringe es/' sagte der Hodscha; „ich 
will mit einer ärztlichen Beschwörung beginnen 
und in der Folge ein vortreffliches Heilmittel her- 
stellen/* 

Alles, was er gesagt hatte, wurde gebracht* 
Sofort mischte er die Butter und den Honig zu- 
sammen; um dann die Wirkung dieser kräftigen 
Arznei zu versuchen, begann er davon zu essen. 
Einen Augenblick darauf horte er innen im 
Harem sagen: „Arzt, was machst du nur? das 
Kind ist gestorben/* 

„Wir wären schon alle zwei tot," antwortete 
er, „wenn ich nicht jetzt gegessen hätte/' 

155. T^^^ Hodscha reiste einmal in der Welt herum 

U und kam so in eine gewisse Stadt. Er fiel 
dort den Leuten auf, und sie fragten ihn um seinen 
Beruf. „Mit der Erlaubnis Gottes", sagte er, „er- 
wecke ich die Toten." Sie glaubten ihm; sie 
gaben ihm eine Frau und ließen es ihm nicht an 
Speise und Trank fehlen und so lebte er vergnügt 
etwa ein Jahr. 

Nun geschah es mit Gottes Willen, daß in der 
Stadt einer starb; es war ein Weber. Die Leute 
liefen zum Hodscha und sagten zu ihm: „Komm 
ihn erwecken." Er ging hin, stellte sich dem Toten 
zu Häupten und sagte: „Was war dieser Mann? 
Die um ihn antworteten: „Ein Weber." 

80 



(* 



„O weh/' sagte der Hodscha, ,,mit dem steht 
es schlimm/' 

„Wieso demi?" 

,,Ach, die Weber kaim man nicht vom Tode 
erwecken/' 

„Warum?" 

Und der Hodscha antwortete: „Solange der 
da am Leben war, hatte e.r schon die Beine in 
einer Grube; natürlich war es sein Los, einmal 
den Beinen folgen zu müssen/' 

IN einer Gesellschaft kam einmal ein Hafis an 156. 

einem geringem Platze als der Hodscha zu 
sitzen und das mißfiel ihm sehr; und er sagte zum 
Hodscha: „Wenn das Buch der Bücher und ein 
andres Buch an derselben Stelle liegen sollen, 
welches legt man oben, den Koran oder das 
andere?" 

Der Hodscha merkte die Absicht des Hafis 
und antwortete: „Man legt natürlich das heilige 
Buch über das andere, aber nicht über seine 
eigene Hülle/' 

Diese Worte ließen den Hafis verstummen^. 

DRei Leute reisten einmal in die ehrwürdige 157. 

Stadt Mekka; einer war aus Siwri-Hissar, 
der andere aus Mers-Hum und der dritte aus 
Tasch-Gwetscher« Auf dem Heimwege von der 
ehrwürdigen Stadt Mekka sagte nun der aus 



^ Zum Verständnis der witzigen Antwort Nasreddins 
sei bemerkt, daß Hafis ein Mann genannt wird, der den 
Koran auswendig weiß, also gleichsam eine Hülle des 
Korans ist. 

Natreddin, L 6 81 



Siwri-Hissarf um das Verdienst seiner Pilgerfahrt 
zu vergrößern: „Mein Knecht Koch-Kadem, der in 
meinem Hause und mein Eigentum ist, soll frei 
seinC Der aus Mers-Hum sagte: „Meine Sklavin 
Benefscheh« die in meinem Hause und mein 
Eigentum ist, soll frei sein!" Nun rief der aus 
Tasch-Gwetscher , ein tölpischer Bauer i der 
dümmer als die zwei andern war: „Was reden 
diese Schufte? In meinem Hause gibts keinen 
Knecht Koch-Kadem und keine Sklavin Benef- 
scheh; aber dafür soll die Mutter meines Sohnes 
Jakub von mir geschieden sein: zum ersten, zum 
zweiten und zum dritten Male, sie sei frei!" 

Da hat man also eine hübsche Probe, wie sich 
ein türkischer Bauerntölpel bewährt hat, um 
nicht hinter seinen Freunden zurückzubleiben. 

158. T^Ines Tages kochte seine Mutter große ujid 

Eät kleine Fische und der Hodscha beobachtete 
alles durch ein Loch in der Tür« Und seine 
Mutter sagte zu seinem Vater: „Jetzt wird bald 
der Hodscha da sein. Verstecken wir die großen 
Fische unterm Bett, und setzen wir die kleinen 
zum Essen auf den Tisch; wenn er dann fort ist, 
holen wir die großen hervor und essen sie/' 

In diesem Augenblicke trat der Hodscha ein 
und man sagte zu ihm: „Komm, Sohn, wir wollen 
Fische essen." 

Die kleinen Fische wurden aufgetragen; so- 
fort nahm der Hodscha einen und hielt ihn an 
sein Ohr. Da sagte sein Vater: „Aber Sohn, was 
machst du denn da?" 

Der Hodscha antwortete: „Ich frage den 
Fisch." 

82 



„Worum?" 

iJch habe von ihm erfahren wollen, was für 
ein Fisch das war, von dem Jonas verschluckt 
worden ist; aber er hat mir geantwortet: Jch 
weiß das nicht; unter dem Bett dort sind größere, 
die mußt du fragen/ " 

MAn erzählt, daß einmal der Hodscha mit 159. 

seinen Freunden Verstecken gespielt hat, 
und alle haben sie sich an verschiedenen Orten 
versteckt. Der Hodscha aber verließ Akschehir, 
lief bis Konia und versteckte sich dort in einem 
Minaret, und seine Freunde bekamen ihn mehrere 
Tage nicht zu sehn. Seine Gattin und seine 
Familie schrien allenthalben; „Hodscha, wo bist 
du?** Es verging Tag um Tag und man hatte 
ihn schon in der ganzen Umgebung gesucht, als 
von ungefähr eine Karawane aus Konia in 
Akschehir eintraf. Man fragte die Leute der 
Karawane, ob sie etwas vom Hodscha wüßten, 
und die antworteten: „Er ist in Konia; wir haben 
ihn dort gesehn." 

Daraufhin wurden etliche Männer nach Konia 
geschickt; sie kamen dort an tmd suchten den 
Hodscha überall. Der aber rief sie vom Minaret 
herab an und schrie: „Her mit dem Geld! ich 
habe gewonnen!" 

Die Männer trauten ihren Ohren nicht, bis er 
endlich herunterkam. 

Eines Tages ging der Hodscha aufs Feld, um 160. 

zu mähen. Als die Nacht einfiel, hörte er 
auf und ging heim. Seine Frau sagte zu ihm: 
4,Hast du heute viel gemäht?'* 

6* 83 



Der Hodscha anwortete: „Ich habe noch bis 
mo^en Mittag zu tun/* 

oie sagte: ^Setz doch dazu Jnscha Allah' ^/' 

Der Hodscha antwortete: ,,Wenn ich seinen 
Namen nicht anrufe, werde ich auch nicht weniger 
fertig bringen/' 

Am Morgen nahm er seine Sichel und ging 
aufs Feld. Auf dem Wege traf er etliche Reiter, 
und die zwangen ihn, ihnen vorauszugehn und 
ihnen den Führer zu machen; erst am Abende 
schickten sie ihn zuräck* Der Hodscha lief, was 
er nur konnte, und es war Mittemacht, als er 
zu Hause ankam und an die Tür pochte. Seine 
Frau ging hin und fragte: „Wer pocht um diese 
Stunde?" 

„Ich bins," antwortete der Hodscha, „ich bins, 
inscha Allah; mach auf/' 

161. O Eine Frau sagte einmal zum Hodscha: „Schenk 
O mir ein Kopftuch aus roter Seide/' Der 
Hodscha streckte beide Arme aus und sagte: „Ist 
es so lang genug? reicht diese Länge?" 

Er ging also auf den Markt tmd hielt auf dem 
Wege immerfort die Arme ausgebreitet; und als 
ihm einer entgegenkam, schrie er ihn an: „Gib 
acht, wo du gehst! Du wirst schuld daran sein, 
wenn ich mein Maß verliere/' 

162. T^^^ Hodscba war einmal in Gesellschaft eines 
±J andern auf der Reise, Von ungefähr kam 
ihnen ein Reiter entgegen; der wandte sich an den 

^ Vergl, im Koran den 23, Vers der 18. Sure: „Und 
sprich von keiner Sache: ,Siehe, ich will das morgen tun', 
es sei denn, du setzest hinzu: ,So Allah will/ " 

84 



Begleiter des Hodschas und sagte zu ihm: „Du 
mußt mit mir gehn und mir den Weg zeigen." 

Der antwortete: iJch bin der Knecht und 
Sklave desunddes Herrn/' Und so half er sich 
durch. 

Der Reiter sprach nun den Hodscha an und 
sagte zu ihm: „Dann mußt du mit mir gehn und 
mein Führer sein." 

Aber der Hodscha erwiderte: „Ich bin ein 
Diener und Sklave des Allerhöchsten." Kaum 
hatte er jedoch diese Worte herausgebracht, als 
der Fremde mit seiner Peitsche zum Schlage aus- 
holte. Der arme Hodscha versuchte nicht weiter, 
Widerstand zu leisten, sondern begann neben 
dem Pferde herzuschreiten und den Reiter zu 
führen. 

Wie er so dahinschritt, sprach er bei sich 
selber: „Wie ist denn das möglich, daß es der 
Schöpfer zuläßt, daß sich mein Gesell aus der 
Verlegenheit zieht, indem er angibt, er sei der 
Knecht eines winzigen Sterblichen, während es 
mir nichts nützt, daß ich sage, ich sei der Sklave 
des Allerhöchsten?" 

Solcher Art waren seine Gedanken, als er 
plötzlich einen Lärm hinter sich hörte, dem ein 
mächtiger Schrei folgte. Erschrocken fragte er 
sich, was das sein könne; da sah er, daS der 
Reiter, den er führte, von dem Pferde gefallen 
war und tot hingestreckt daneben lag. 

So lautet der echte Bericht der Freunde des 
Hodschas; welche Lehre man daraus ziehen kann, 
ist leicht zu sehn. 



85 



163. A Ls der Hodscha eines Tages ins Gebirge 

s\m ging, um Holz zu schneiden, nahm er eine 
Melone mit. Wie er nun so dahinging, entwischte 
ihm die Melone aus dem Arme und rollte in ein 
Tal hinab. Dort schlief ein Hase; der erschrak 
über die Melone und lief davon. 

„Da habe ich eine schöne Dummheit gemacht," 
sagte der Hodscha, als er den Hasen sah; „die 
Melone war trächtig, und es wäre sicher ein 
Maulesel geworden/' 

Damit entfernte er sich und machte sich un- 
verzüglich ans Holzschneiden. Als er dann 
heimkehrte, erzählte er seiner Frau sein Aben- 
teuer. 

Sie schrie: „O weh, Mann, du hättest ihn 
fangen und herbringen sollen, um auf ihm in den 
Garten zu reiten!*' 

Aber der Hodscha hatte schon einen Stock in 
der Hand und sagte: „Steig herunter; er ist noch 
zu jung. Du wirst ihm die Rippen brechen." 



164, 'hXAn erzählt, daß der Hodscha einmal auf 

I^jL dem Rücken ein Geschwür bekommen 
hat. Er sagte es seiner Tochter und bat sie, 
es anzusehn. „Vater," sagte sie, „es wird 
schwarz." 

Am nächsten Tage zeigte er es seiner Frau 
und die sagte: „Es wird weiß, Mann." 

Der Hodscha sagte: „Ich verwundere mich, 
daß es schon vergehn will. Ich weiß nicht, wie 
es in Wahrheit damit steht." 

Man sagt, daß davon seither das Sprichwort 
geblieben ist, das die ganze Welt kennt. 



86 



Eines Tages sagte sein Sohn zum Hodscha: 165. 

fiBei uns zu Hause ist etwas wie ein Mann 
in dem großen Topf mit Pikmes ^/' 

Der Hodscha schüttete den Topf aus und ver- 
schmierte mit dem Pikmes alle Löcher, die sich 
im Fußboden des Hauses fanden« Als er dann 
seinen Mann suchte, sah er in jedem Loche sein 
Bild, als ob überall Leute wären. Da nahm er 
seinen Säbel, stellte sich an der Tür auf und rief: 
„Wenn ihr keine Memmen seid, werdet ihr nur 
einer nach dem andern auf mich losgehn/' 

Einmal kam ein Mann ztun Hodscha und sagte 166. 

zu ihm: „Hodscha, dein Sohn ist vom Esel 
gefallen; er hat den Geist aufgegeben/' Auf 
diese Worte hin versank Nasreddin für einen 
Augenblick in tiefes Grübeln, so daß er gefragt 
wurde: „Was macht dich denn so nachdenklich, 
Hodscha?" 

„Ich habe darüber nachgedacht,'* antwortete 
er, „daß ja mein Sohn Adschib niemals einen 
Geist gehabt hat; wie hat er ihn dann aufgeben 
können?" 

EBenso erzählt man, daß einmal ein Arzt zu 167. 

einem Kranken gerufen worden ist; er hat 
ihm den Puls gefühlt und gesagt: „Ich vermute, 
daß du etwas Huhn gegessen hast« Das ist 
schlecht; nimm dich in acht und iß es nicht 
mehr/* 

Der Kranke sagte: „Es ist wahr; ich habe 
etwas Huhn gegessen/' 

^) Dickgekochter Traubensaft ; die Oberfläche glänzt. 

87 



Hochverwundert bezeugten die Anwesenden 
ihre Befriedigung. Als dann der Arzt das Haus 
verlassen hatte, sagte sein Sohn zu ihm: „Vater, 
macht das nur die Wissenschaft, daß du das 
gewußt hast?" 

Der Arzt antwortete: „Ursprünglich habe ich 
es durch die Wissenschaft erkannt, erhärtet durch 
mehr als eine Beobachtung. Obwohl ich es aber 
ursprünglich nur durch die Wissenschaft erkannt 
habe, sowohl aus dem Klopfen des Pulses, als 
auch durch andere Anzeichen, die ich be- 
obachtete, habe ich überdies, als wir in die Nähe 
des Hauses kamen, Hühnerfedem und Obst- 
schalen bemerkt tmd habe daraus geschlossen 
und die Diagnose abgeleitet, daß der Mann davon 
erkrankt ist, daß er das alles auf einem Sitz ge- 
gessen hat/* 

Diese Worte des Vaters gruben sich dem 
Sohne ins Gedächtnis. Nun geschah es, daß man 
sich einer Krankheit halber, da der Vater nicht 
zu Hause war, an den Sohn wandte; der sah, als 
er zu dem Kranken ging, in der ganzen Um- 
gebung des Hauses herum, bemerkte aber nichts 
andres als einen Eselssattel. Er trat zu dem 
Krsinken, fühlte ihm den Puls tmd sagte, mit 
dem Kopfe wackelnd: „Oweh oweh, du hast 
heute Eselsfleisch gegessen. Das ist schlecht; iß 
es nicht mehr, es macht für die Krankheit 
empfänglich." 

„Aber Arzt," schrie der Kranke, „du redest 
einen Unsinn. Kein Mensch ißt Eselsfleisch; 
mich ekelts ja davor." 

Nach diesen Worten geleiteten die Anwesen- 
den den Sohn des Arztes höflich zur Tür. 

88 



ALs die Frau des Hodschas eines Tages 168. 

Bulgur^ gekocht, Tarkhaneh^ bereitet und 
die Kuh gemolken hatte, kam es zwischen ihr 
und dem Hodscha zu Zärtlichkeiten, so daß sie 
ins Bad gehn mußte; drum sagte sie zum Hod- 
scha: „Hodscha, während ich im Bad bin, gib du 
acht auf das Kind in der Wiege und sieh zu, daß 
nicht die Vögel den Bulgur fressen; schlage 
Butter und quetsche in der Mühle noch etwas 
Bulgur, weil wir dann Pilaf ^ essen wollen/* 

Fürs erste nahm der Hodscha eine Mütze, die 
mit Schellen behängt w^r, und band sie sich auf 
den Kopf; daim befestigte er den Butterschlägel 
und die Wiege an seinem Rücken, und vor sich 
stellte er die Mühle, die er drehen sollte« Indem 
er nun den Kopf vorwärts und rückwärts warf, 
schaukelte er die Wiege und schlug Butter, hielt 
aber zugleich damit durch das Schellengeklingel 
die Vögel ab, den Bulgur zu fressen. Während 
nun der Hodscha also den Bulgur bewachte, die 
Mühle drehte, Butter schlug und an zwei oder 
drei Dingen auf einmal arbeitete, erwachte das 
Kind und begann in seiner Wiege zu weinen. 
Der Hodscha sah, daß es sich beim Wiegen nicht 
beruhigte, und sah sich daher gezwungen, es aus 
der Wiege zu nehmen. Er spreizte die Beine 
auseinander, setzte es dazwischen hinein, nahm 
ein gewisses Glied heraus und gab es ihm als 
Spielzeug in die Hand. Das Kind spielte auch 

^ Ein aus enthülstem und gestoßenem Korn gesottener 
Teig. 

> Geronnene Milch, die getrocknet worden ist. 

> Ein Gericht aus Reis oder zerriebenem Teig, über- 
gössen mit heißer Butter. 

89 



wirklich damit, während der Hodscha fortfuhr, 
sich völlig seiner Arbeit zu widmen. 

Unterdessen kamen etliche Frauen auf ihrem 
Wege durch diese Straße; als sie bei dem Hause 
waren, wo der Hodscha mif seinen Schellen, 
seiner Mühle und seiner Milch arbeitete, sagten 
sie: „Gehn wir schauen, wie sichs der Hodscha 
eingerichtet hat/' Sie überschritten die Schwelle 
und gingen weiter ins Innere; und sie fragten 
den Hodscha: „Warum hast du Schellen an der 
Mütze?" 

„Damit die Vogel nicht zum Bulgur kommen/* 

„Und warum hast du das am Rücken?" 

„Seht ihr denn nicht, meine Schönen, daß das 
der Schlägel ist, womit ich Butter schlage?" 

„Und was hast du vor dir?" 

„Das ist die Mühle, mit der ich den Bulgur 
quetsche/' 

„Und warum liegt das Kind nicht in seiner 
Wiege?" 

f^Es weinte, und da habe ich es heraus- 
genommen/' 

Nun merkten sie erst, was für ein Spielzeug 
das Kind in den Händen hielt, und da sagten sie: 
„Aber Hodscha, schämst du dich denn nicht? 
warum gibst du ihm denn den in die Hand?" 

Und der Hodscha antwortete: „Ihr naseweisen 
Dinger, die ihr seid( kommt nur mit mir in einen 
WiiiJcel ; da werden wir schon sehn, welche Hand 
die erste sein wird, die ihn herausnimmt/' 

169. T^ Inmal traf der Sultan Alaeddin Vorkehrungen 

Ca zu einem Feste, das er den ausgezeichnetsten 
Männern geben wollte; selbstverständlich lud er 

90 



auch den Hodscha ein, und dieser erschien in der 
Begleitung seines Amads* Der Sultan empfing 
ihn mit Höflichkeit und Ehren und bot ihm einen 
Apfel, den er in der Hand hielt. Der Hodscha 
nahm ihn an und machte sich ohne weiters daran, 
hineinzubeißen. Da nahm der Amad den Hod- 
scha beiseite und sagte zu ihm: f,Pfui Hodscha, 
wie kannst du einen solchen Verstoß begehn? 
Wenn einem ein Sultan einen Apfel gibt, so ißt 
man ihn nicht augenblicklich in seiner Gegen- 
wart/* 

Der Hodscha fragte noch: „Ist es also nicht 
anständig, vor ihm zu essen?" und der Amad 
antwortete ihm: „Nein; man muß es in seinen 
Busen stecken/' 

Nun wurde der Tisch bestellt und der Sultan 
ließ den Hodscha an seiner Seite sitzen. Als 
man dann den Gästen einen Hasen vorsetzte, der 
mit Joghurt Übergossen war, nahm der Sultan, 
um dem Hodscha eine Höflichkeit zu erzeigen, 
etwas Joghurt und legte einen Hasenlauf darüber 
und legte das ganze dem Hodscha vor. 

Ohne zu zaudern, packte der Hodscha das ihm 
dargebotene und schüttete es in seinen Busen. 

Als das der Sultan sah, sagte er: „Aber 
Hodscha, warum tust du das? das ist eine grobe 
Unschicklichkeit. ' ' 

„Sultan," antwortete der Hodscha, „ich habe 
mich nach dem gehalten, was mir mein Amad ge- 
sagt hat, daß man nämlich hier nicht essen soll." 

Eines Tages brauchte der Hodscha einen ge- 170. 

richtlichen Bescheid. Er füllte einen Krug 
mit Erde und gab darüber eine dünne Schicht 

91 



Honig; damit ging er zum Gerichte den Kadi auf- 
suchen und erhielt leicht den gewünschten Be- 
scheid« Als der Kadi am Abende heimgekehrt 
war, schöpfte er ein paar Löffel Honig aus dem 
Kruge; da kam denn die Erde zum Vorscheine« 
Darum schickte er, kaum daß es Morgen ge- 
worden war, einen Gerichtsdiener zum Hodscha: 
,,Geh schnell zu ihm: wir haben ihm gestern einen 
Bescheid gegeben, bei dem ein Irrtum unterlaufen 
ist; bring ilm ztuiick und wir werden ihm einen 
andern schreiben/* Der Diener lief zum Hodscha 
und pochte an die Tür; der Hodscha kam heraus 
und der Diener des Kadis bestellte seine Bot- 
schaft« 

Und der Hodscha antwortete: „Bei aller 
schuldigen Ehrfurcht vor dem gestrengen Herrn 
Kadi habe ich doch den Bescheid vollständig in 
Ordnung gefunden; wenn aber schon ein Irrtum 
unterlaufen ist, so kann das nirgends sonst ge- 
schehn sein als beim Honig/' 



171. T^Ines Tages hatte der Hodscha einen Streit 

Hä mit einem andern, und sie gingen zum 
Richter. Dem machte der Hodscha ein Zeichen, 
indem er die Hand in seinen Busen steckte, und 
so geschahs, daß der Hodscha Recht bekam. Als 
dann sein Gegner weg war, wandte sich der 
Richter zu Nasreddin und sagte zu ihm: „So, 
jetzt gib her, was du mir versprochen hast«" 

Aber der Hodscha antwortete: „Ich habe dir 
kein Zeichen gemacht, daß ich dir etwas schenken 
würde; ich habe dir nur sagen wollen, daß ich 
dir, wenn du mir Unrecht gäbest, den Schädel 

92 



einschlagen würde mit den Steinen, die ich im 
Busen habe/* 

ALs der Hodscha einmal ins Bad kam, traf er 172, 

dort einen Bekannten, und der hatte nichts 
eiliger zu tun, als ihm einen Schlag ins Genick 
zu geben« Der Hodscha kehrte sich um und sah 
niemand sonst als diesen Bekannten« Augen- 
blicklich verließ er das Bad und schleppte den 
Menschen vor den Kadi; und zu dem sagte er: 
„Effendi, ich klage wider den da; er hat mir 
einen groben Schimpf angetan/' 

Der Angeklagte war aber ein Freund des 
Kadis; und er sagte zu ihm: „Untersuche, ob der 
Mann Recht hat; wir wollen hören, was er dar- 
legen wird/' 

Und der Hodscha fuhr fort: „Dieser schlechte 
Kerl hat mir einen Schlag gegeben/' 

Der Kadi sagte: „Für einen Schlag ist die 
Buße ein Pul ^. Ich fälle gegen diesen Mann das 
Urteil, daß er dir einen Pul geben soll/' 

Der Gegner des Hodschas suchte nach, hatte 
aber keinen Pul bei sich; er ging einen holen, 
blieb jedoch eine geraume Zeit aus. Der Hod- 
scha wartete und wartete, bis er endlich un- 
geduldig wurde. Da bemerkte er, daß der Kadi, 
der eben mit schreiben beschäftigt war, den Kopf 
gesenkt hielt; unverzüglich versetzte er ihm einen 
ochlag ins Genick. 

„Aber Hodscha," schrie der Kadi, „was soll 
das heißen?" 

Und der Hodscha antwortete: „Mir ist nichts 



^ Eine Münze von ganz geringfügigem Werte, 

93 



andres übrig geblieben; der Mensch kommt nicht« 
und ich habe dringend zu tun. Wann er wieder- 
kommt, so laß dir den Pul von ihm geben und 
behalte ihn für dich." 

Mit diesen Worten ging der Hodscha in aller 
Unbefangenheit hinweg. 

173. 7^ ^^^ ^^^^' ^^ ^^^ Hodscha Kadi war, kamen 
/l^ eines Tages ein Mann und eine Frau vor 
Gericht, und die Frau sagte: „Effendi, dieser 
Mann ist ein Teufel; er hat mich genonmien und 
geküßt. Ich will mein Recht haben, mein un- 
verbrüchliches Recht." 

Der Hodscha sagte: „Na, was werden wir 
denn da tun? Ein Kuß von dir wird den andern 
ausgleichen." 

174. T^Ines Tages schnitt der Hodscha im Gebirge 
Cäi Holz, und während er damit beschäftigt war, 
fraßen ihm die Wölfe seinen Esel. Als er nun 
ganz bekümmert ins Dorf zurückging, sah er 
einige Bauemkinder, die spielten; und er fragte 
sie: „Sagt, Kinder, spricht man im Dorfe davon, 
daß der Esel des Hodschas im Gebirge von 
Wölfen gefressen worden ist?" 

„Nein," sagten die Kinder, „das sagt man 
nicht." 

Und der Hodscha sagte: „O gäbe doch der 
Allmächtige, daß euere Worte wahr seien, daß 
euere Rede richtig sei(" 

175. T^Ines Tages ging der Hodscha ins Gebirge um 
Eät Holz. An einer abschüssigen Stelle fiel 
ihm ein Baum auf und er sagte sich: „Wenn 

94 



ich den da fällen kann, so brauche ich sonst 
keinen umzuschlagen/' Er begann auch sofort 
damit, nachdem er den Strick seines Esels um 
den Baum geschlungen hatte; als daim der Baum 
so ziemlich abgeschnitten war, ließ er den Esel 
geradeaus abwärts laufen, aber der Esel fiel und 
brach sich die Knochen. Als das der Hodscha 
sah, machte er sich voll Ärger und Kummer auf 
den Heimweg. Seine Frau fragte ihn, da sie 
den Esel nicht sah: „Was ist es denn mit dem 
Esel?" 

Der Hodscha antwortete: „Ach, Weib, als ich 
ihn zuletzt gesehn habe, ist er seinen Weg 
gegangen; seither weiß ich nichts mehr von 
üim/* 

Eines Tages sah der Hodscha Nasreddin eine 176. 

Windmühle. So etwas hatte er noch nie 
gesehn, und so wandte er sich an einen Bauer mit 
der Frage: „Wie nennt man denn das?" 

„Eine Windmühle." 

Und der Hodscha fragte weiter: „Und wo ist 
denn dann das Wasser?" 

„Es ist eine Windmühle." 

Und der Hodscha sagte: „Ich versteh dich 
schon, ich versteh dich schon; du hast recht. 
Aber wo ist denn das Wasser?" 

Auch diese Rede, die Tausenden von Leuten 
bekannt ist, ist zum Sprichworte geworden. 

DEr Hodscha hatte einmal einer Frau ihren 177. 

Zwimknäuel genommen, der ganz klein war; 
die sagte jedoch: „Ich hatte sehr viel Zwirn; es 

95 



war beinahe ein Batman^. Aber man hat ihn 
mir gestohlen/' 

Der Hodschai der dabei war, als sie das sagte, 
konnte nicht an sich halten; er zog den Zwirn 
hervor und sagte, ihn in der Hand haltend, zu 
der Frau: „Nun pack dich aber; geh deine 
Schande verbergen/* 

178. T^Ines Tages begegnete der Hodscha, als er 

Hä seine Straße zog, einem Turkmanen, und der 
sagte zu ihm: „Was bist du? bist du ein Faki '?" 

Der Hodscha antwortete: „Ja/' 

„Wir haben jetzt keinen Faki in unsem 
Zelten; komm mit, und du sollst sofort, wann du 
bei uns bist, unser Faki werden/' 

Der Hodscha machte keine Einwendung, und 
so gingen sie miteinander. Auf dem Wege farafen 
sie einen zweiten Turkmanen und der fragte den 
ersten: „Wer ist das?" 

„Das ist ein Faki und ich führe ihn in unsere 
Zelte/' 

Da sagte der andere: „Geh, schenk mir den 
Faki; wir haben keinen in unsem Zelten/' 

Nun erhob sich ein Streit zwischen den 
zweien: der eine packte den Hodscha bei der 
einen Hand, der andere bei der andern, und so 
zogen sie ihn hin und her, bis endlich der später 
gekommene seine Keule aus dem Gürtel riß imd 
schrie: „Jetzt schlage ich den Faki nieder; wann 



^ Der Batman, ursprünglich und auch Jetzt noch ein 
persisches Handelsgewicht, hat heute in der Türkei sechs 
Oka, also etwa siebenundeinhalb Kilogramm« 

' Ein Rechtsgelehrter. 

96 



er dann tot ist, wirst ihn du ebenso wenig haben 
wie ich/* 

Der Hodscha fiel vor Schrecken um, und wie 
er so dalag, sagte der erste; „Wenn du ihn nicht 
erschlägst, so bekommst du meinen großen 
schwarzen Hund; erschlägst du ihn, so bekommst 
du nichts/' 

Heutzutage weiß man nicht, was Wissen- 
schaft, Tüchtigkeit und Geschicklichkeit in Wahr- 
heit wert sind; man geht mit Leuten um, die noch 
weniger verstehn als man selbst, und weiß nicht 
mehr, was das Wissen wirklich bedeutet. Die 
Rede des ersten Turkmanen ist übrigens zum 
Sprichworte geworden. 

MAn erzählt, daß der Hodscha eines Tages 179. 

vom Dache gefallen ist; und seine Freunde 
sind gekommen, um sich um sein Befinden zu 
erkundigen. 

Da fragte sie der Hodscha: „Ist unter euch 
einer, der auch vom Dache gefallen ist?" 
„Niemand,*' antworteten sie. 
Nun sagte der Hodscha: „Ihr betrachtet mich 
also nicht als euem Kameraden." 

UM ihn auf seine Frau argwöhnisch zu machen, 180, 

sagte man eines Tages zum Hodscha: „Deine 
Frau geht viel aus." 

Er antwortete; „Sie konunt stets wieder heim 
von ihren Ausgängen." 

„Das ist es nicht, Hodscha; sie ist ein wenig 
zu frei." 

Der Hodscha antwortete; „Wenn sie zu frei 

Nasreddin, I. 7 97 



ist, so hat die Schuld daran ihr Schleier, der zu 
klein ist*" 

,iDas ist es auch nicht, Hodscha," sagten die 
andern; „sie geht bald hierhin, bald dorÜiin/' 

„Fürwahr," rief der Hodscha, „das ist mir 
sehr lieb, daß sie hierhin und dorthin geht/' 

Sie sagten: „Das ists noch immer nicht; sie 
geht mit Fremden bald hierhin, bald dorthin." 

„Na, und ich," antwortete der Hodscha, „bin 
denn ich vielleicht ihr Bruder oder ihr Vater?" 

181» A Ls der Hodscha einmal krank war, besuchte 

jL\m ihn ein reicher Mann, tun sich über sein Be- 
finden zu erkundigen, und der sagte zu ihm: 
„Hodscha , was ist denn dein heimlicher 
Wunsch?" Der Hodscha antwortete: „Ich mochte 
eine Schüssel Pilaf." 

Augenblicklich ließ der Reiche Pilaf bereiten 
und brachte dem Hodscha eine Schüssel voll; der 
Hodscha verschlang den Pilaf mit Heißhunger, 
so daß ihn der Geber fragte: „Wird es dir denn 
nicht schaden, wenn du so viel Pilaf ißt?" 

Der Hodscha antwortete: „Je weniger einem 
etwas schaden kann, desto weniger Freude hat 
man daran." 

182. T^Ines Tages fiel sein Sohn in einen Brunnen, 

Ht und die Leute kamen es dem Hodscha mel- 
den. Unverzüglich lief er zu dem Brtmnen und 
rief hinunter: „Sohn, bist du unten?" 

„Liebster Vater," antwortete unten der Sohn, 
„bring mir Sukkurs, damit du mir hilfst, heraus- 
zukommen." 

„Es ist ganz überflüssig," erwiderte der Hod- 

98 



scha, ffdsS ich erst Sukkurs hole; ich werde ein- 
fach nach Hause gehn um eine Leiter, und so 
werde ich dich schon herausbringen ^/' 

Einmal kam der Hodscha nach Malati je. Als 183. 

er dort durch die Straßen ging, sah er einen 
kleinen Knaben mit einem Dukaten spielen, den 
er gefunden hatte; da sagte er zu dem Knaben: 
„Komm, mein Sohn, ich gebe dir einen Asper; 
du gibst mir dafür das Stück Kupfer." 

Der Knabe antwortete: „Ich weiß, was ein 
Asper ist; brälle einmal wie ein Esel, und ich 
gebe dir das Kupferstück/' 

Von seiner Habgier gestachelt, begann der 
Hodscha zu brällen. Als er aber innehielt, sagte 
der Knabe: „Aber Freund, wenn ein Esel wie du 
weiß, was ein Dukaten wert ist, warum sollte es 
denn ein Knabe wie ich nicht wissen?" 

Einmal verließ der Hodscha sein Haus und be- 184. 

gaxm auf der Straße etwas zu suchen. Seine 
Frau s^ das tmd fragte ihn: „Was suchst du, 
Hodscha?" 

Er antwortete: „Ich habe meinen Ring ver- 
loren; jetzt suche ich ihn." 

Sie fragte weiter: „Wo hast du ihn denn ver- 
loren?" 

Der Hodscha antwortete: „Drinnen im Hause 
habe ich ihn fallen lassen." 

„Ja, warum suchst du dann heraußen?" 



^ Der Scherz beruht darauf, daß der Sohn kindischer- 
weise ein (arabisches) Fremdwort anwendet, das der 
Vater entweder nicht versteht oder nicht yerstehi^ wilL 

7* 99 



«iDiiimen ists finster tind heraußen licht. 
Wollte nur Gotti daß ich ihn schon wieder ge- 
funden hätte!" 

185. T^^^ Hodscha sah eines Tages eine Anzahl 
jlJ Bauern herankommen; da streckte er sich 
lang auf der Erde aus und blieb unbeweglich. So 
lag er noch, als einer von den Bauern hinkam; 
der, der ihn für tot hielti ging zu seinen Gesellen 
zurück und sagte zu ihnen: „Der arme Hodscha 
ist gestorben; wir müssen unter uns für sein Be- 
gräbnis sammeln." 

Sie besteuerten einander und brachten fünf- 
hundert Asper zusammen. Als sie dann alle 
um den Hodscha standen, sagten sie: „Um ein 
Leichentuch zu kaufen, sind hundert Asper ge- 
nug; wer will es denn übernehmen, die vierhtm- 
dert, die noch übrig bleiben, zu ihm nach Hause 
zu tragen?" 

Alsbald hob der Hodscha den Kopf und rief: 
„Gebt nur die vierhundert Asper her: ich will 
sie mit Vergnügen nach Hause tragen; so viel 
habe ich ja in meinem ganzen Leben nicht in der 
Hand, geschweige denn im Besitze gehabt." 

186. f^S^^^ ^^™' ^^^ ™^^ erzählt, war einmal ein 
±\ Kadi in trunkenem Zustande, als der Sultan 
Mehemed-Chan von ungefähr bei ihm eintrat. 
Und der Sultan sagte zum Kadi: „Fürchtest du 
nicht Gott und hast du keine Scheu vor dem Pro- 
pheten? Ist es denn möglich, daß ein gelehrter 
Mann tmd Kadi seinen weißen Bart also mit 
Wein besudelt?" 

„Padischah," antwortete der Kadi, „wenn 

100 



meine dürren Hände nicht zitterten, hätte mein 
Bart nicht einen Tropfen von meinem Weine be- 
kommen/' 

Der Padischah fand an dieser Antwort des 
Kadis ein solches Vergnügen, daß er ihm eine 
große Gnade erwies. 

ZU der Zeit, wo Harun al Raschid Chalif war, 1S7. 

gab sich einer für einen Propheten aus. 
Harun ließ seine Ärzte rufen und sagte zu ihnen: 
„Fühlt ihm den Puls; wir werden sehn, woher 
das kommt." 

Die Ärzte fühlten ihm den Puls und unter- 
suchten ihn; dann sagten sie: „Er hat Dinge ge- 
gessen, die ihm zu Kopf gestiegen sind und ihm 
den Verstand verwirrt haben." 

Harun sagte: „Man bringe ihm vierzig Tage 
lang leichte Gerichte aus meiner Küche; wenn es 
dem Allmächtigen gefällt, wird das eine Ände- 
rung und einen Wechsel in seinem Wesen herbei- 
führen." 

So wurde also der angebliche Prophet vierzig 
Tage lang genährt; und als sie abgelaufen waren, 
wurde er dem Chalifen von neuem vorgeführt. 
Der Chalif fragte ihn; „Bist du noch immer ein 
Prophet?" 

Er antwortete: „O Harun, nach den Herrlich- 
keiten, womit du mich überhäuft hast, erhebe ich 
keinen Anspruch mehr, ein Prophet zu sein, son- 
dern ein Gott." 

Ein Sultan verließ eines Morgens zu guter 188. 

Stimde seinen Palast; er zog in den Krieg. 
Auf dem Wege sah er, wie ihm ein Musikant ent- 

101 



gegenkam, der ein Instrument in der Hand hielt; 
und der hatte einen scheelen tmd halbstarrenBlick. 
Der Sultan versah sich von dieser Begegnung 
nichts guten; drum ließ er dem Musikanten vier- 
zig Stockstreiche geben und ihn in den Kerker 
werfen. Ein Jahr verstrich, und der Sultan 
kehrte, nachdem er sich zahlreiche Länder tmter- 
worfen hatte, als Sieger und ruhmbedeckt in seine 
Hauptstadt heim. Ntm kam ihm der Musikant 
wieder ins Gedächtnis; er ließ ihn aus dem 
Kerker holen und sich ihn vorführen. 

Der Musikant sagte; „Sieh, Herr, nun bist du 
als Sieger zurückgekommen. Als ich dir be- 
gegnet bin, sah ich im Geiste deine Eroberungen 
voraus. ,Gott sei gelobt,' sagte ich mir, ,daß ich 
dich sehe,' und nahm es als ein gutes Vorzeichen. 
Unterdessen, siehe, ist es jetzt ein Jahr, daß ich 
im Kerker bin; wie viel Ungemach und Kümmer- 
nis habe ich gelitten! Wer von uns war denn nun 
eigentlich dem andern ein böser Angang?" 

Der Sultan nahm die Rede des Musikanten in 
gutem auf, überhäufte ihn mit Wohltaten und ent- 
ließ ihn als zufriedenen Mann. 

Es ist, wie man sieht, notwendig, daß sich die 
Sultane und ihre Minister derer erinnern, die im 
Kerker schmachten, und sie sofort, wann sie ihnen 
ins Gedächtnis kommen, vor sich rufen. 

189. \X An erzählt, daß einmal in Konstantinopel ein 

lyjL Schneider lebte, der eine besondere Ge- 
schicklichkeit zeigte, beim Zuschneiden Tuch zu 
stehlen. Eines Tages waren etliche Meister seines 
Handwerks bei ihm, als man ihm einen Brokat- 
stoff brachte; um nun zu sehn, wie er es anstelle, 

102 



etwas verschwinden zu lassen, sagten sie zu ihm: 
««Schneide nur gleich zu/' 

Der durchtriebene Geselle merkte ihre Ab- 
sicht« ihm eine Falle zu legen« bemerkte aber 
auch, daß der Stoff sehr prächtig war; und er 
sprach bei sich selber: „Sollte ich es denn nicht 
verstehn« mir einen Teil dieses herrlichen Brokats 
anzueignen?" Indem er dieser Betrachtung nach- 
hing, überzeugte er sich, daß die andern Meister 
kein Auge von dem Stoffe verwandten. Da ließ 
er, ohne sich vom Flecke zu rühren, einen Wind. 
Die andern, die auf dem Diwan saßen, begannen 
so herzlich zu lachen, daß sie auf den Rücken 
fielen; und der Schelm ließ, ohne einen Augen- 
blick zu verlieren, ein Stück Stoff verschwinden. 

Sie schrien: „Haha, Meister, du bist also nicht 
nur ein Schneider, sondern auch ein Schalk; jetzt 
aber soll unsere Aufmerksamkeit nur dem Schnei- 
der gehören." 

Er ließ einen zweiten Wind. Wieder be- 
gannen sie zu lachen, und ein zweites Stück Stoff 
ging den Weg des ersten. 

Nun sagten sie: „Meister, das Spiel mag noch 
einmal angehn, dann muß aber Schluß sein; sonst 
platzen wir noch." 

Und der verschmitzte Bursche antwortete: 
„Ich würde euch ja wirklich gern euem Willen 
tun; sollte ich es aber noch ein drittes Mal 
machen, so würde der Stoff nicht mehr für einen 
Kaftan reichen." 

Einem Schneider träumte, daß der Tag des 190. 

jüngsten Gerichtes gekommen sei; er wurde 
auf dem Platze herumgeführt, und am Halse 

103 



hingen ihm alle die Tuchstficke, die er gestohlen 
hatte. Als er erwachte, zitterte er vor Furcht* 
Es wurde Morgen und er ging in seine Werkstatt; 
dort erzählte er seinen Traum den Gesellen und 
sagte ihnen: ,|Wenn ich mich wieder einmal nicht 
beherrschen kann, und wenn ihr seht, daß ich ein 
Stück Stoff für mich nehme, so sagt zu mir: 
,Meister, denk an den Kragen/ Mir wird dann 
die Erinnerung wiederkehren, und ich werde 
nichts unterschlagen/' 

Einige Zeit dsurauf brachten ihm etliche Leute 
einen herrlichen Stoff; er konnte der Versuchung 
nicht widerstehn und ließ geschickt ein Stück 
unter den Augen der Eigentümer verschwinden. 
Da schrie auch schon ein Geselle: „Meister, denk 
an den Kragen/' 

Aber er erwiderte: „Was habe ich mich daran 
zu erinnern? ein Stück wie das war gar nicht 
dabei/' 

191, T7^° Schneider verkaufte die Stücke Tuch, die 
Hä er stahl, einem alten Schuft von einem 
Juden. Nun kam einmal einer, der sich bei ihm 
hatte einen Kaftan machen lassen, und machte 
ihm einen Auftritt, weil er ihm Stoff gestohlen 
habe. 

Aber der Schneider antwortete: „Ich habe den 
Stoff nicht; der alte jüdische Schuft, der hat ihn/* 

192. T^Ine Kaufmannsfrau benutzte einmal die Zeit, 
±La wo ihr Gatte im Tidscharet^ war, tun ihre 
Gebete zu verrichten. Dabei entwischte ihr ein 



1 Ein arabisches Wort, das Handel und etwa Börse 
bezeichnet. 

104 



Wind, aber sie wußte nicht ganz genau, ob es 
wirklich ein Wind gewesen sei oder ob nicht viel- 
leicht das Geräusch von einem Seufzer hergerührt 
habe, den sie im Gebete ausgestoßen hatte. 
Darum ging sie um Rat zu einem weisen Greise; 
sie erzählte ihm den Vorfall und bat um Auskunft. 
Der Greis ließ nun auch einen Wind .und fragte 
sie: „War es so ein Geräusch?" 

„Nein," antwortete sie, „es war stärker." 

Er ließ einen zweiten; „War es so?" 

„Es war noch stärker." 

Da schrie der Greis: „Jetzt geh aber zum 
Teufel! ich habe mich beschissen." 

MAn erzählt, daß einmal ein Mann in Kon- 193. 

stantinopel zum Kadi von Jerusalem be- 
stimmt worden ist. Er traf ein Übereinkommen 
mit einem Schiffsherm und bestieg mit seinem 
ganzen Gefolge das Schiff. Eben wollte man die 
Anker lichten und in die See stechen, als ein Jude 
daherkam und an Bord ging; er brachte zwei 
Körbe mit, die dem Anscheine nach nichts sonst 
als Kleider enthielten, und bat den Kadi, sie mit- 
zunehmen. Der Kadi hieß den Juden, sie einem 
aus seinem Gefolge, der dabeistand, zu über- 
geben. Als sich der Jude entfernt hatte, sah der 
andere, daß in den Körben eine Menge Pasterma^ 
war, und schnitt sich sofort ein Stück ab; da er 
es nach seinem Geschmacke fand, versäumte er 
nicht, auf der ganzen Reise davon zu essen, so 
daß schließlich, als sie im Hafen von Jaffa an- 
kamen, nicht ein Stückchen davon mehr da war. 



^ Getrocknetes Fleisch. 

105 



Alle Reisenden stiegen aus und gelangten glück* 
lieh nach Jerusalem. 

Der Diener des Kadis machte sich zwar Vor- 
würfe^ daß er das Pasterma des Juden gegessen 
hatte^ tröstete sich aber damit, daß er sich vor* 
nahm, ihn auf die eine oder die andere Weise 
schadlos zu halten. Unterdessen kam schon der 
Jude herbei, und er sagte zu ihm: ,,Du, ich muß 
mit dir reden; mir ist etwas ärgerliches zu* 
gestoßen, das dich gewissermaßen angeht: mit 
einem Wort, ich habe das Pasterma gegessen, das 
in deinen Körben war. Sag mir, welchen Preis 
du dafür haben willst oder wie wir uns sonst aus- 
einandersetzen sollen.*' 

Bei dieser Rede begann der Jude zu wimmern 
und sich den Bart zu raufen; alsbald versammelte 
sich eine Menge Leute um sie und man fragte den 
Juden: „Was gibt es denn, Jude?" 

Für einen Augenblick hörte der Jude auf zu 
weinen, sich den Bart zu raufen und zu heulen, 
freilich ohne daß er etwas gesagt hätte; sofort 
aber begann er sich wieder auf den Kopf zu 
schlagen und den Bart zu raufen. Dann stieß er 
einen Schrei aus, packte den andern beim Kragen 
und schleppte ihn vor den Richter. 

Der fragte seinen Diener: „Was hast du dem 
Menschen da genommen?" 

Der Diener antwortete: „Gnädiger Herr, der 
Jude ist mit uns zu Schiffe gestiegen; er hatte 
eine gewisse Menge Pasterma bei sich. Davon 
habe ich jeden Tag etwas gegessen, so daß bei 
unserer Ankunft in Jaffa nichts mehr da war. 
Ich habe ihm die Sache erklärt und habe ihm zur 
Entschädigung Geld geboten; aber anstatt meinen 

106 



Vorschlag anzunehmen, rauft er sich Haare und 
Bart aus und hängt mir einen Rechtshandel an/' 

Nun sagte der Richter: nSprich, Jude, was 
beanspruchst du?" 

„Gnädiger Herr," sagte der Jude, „der Mann 
hat mir in dem, was auf dem Schiffe war, einen 
unersetzlichen Schaden zugefügt/' 

„Weiter," sagte der Kadi, „damit wir sehn, 
worum es sich handelt/' 

„Herr," sagte der Jude, „mein Vater, der ein 
reicher Kaufmann war, war erkrankt; als es ntm 
ans Sterben ging, hat er mir nachdrücklichst ans 
Herz gelegt, ihn in Jerusalem zu begraben. Dazu 
habe ich kein leichteres Mittel gefunden, als sein 
Fleisch von den Knochen zu lösen, Pasterma 
daraus zu machen und es in Körben zu verpacken. 
Als ich aber das väterliche Pasterma zurück- 
gefordert habe, hat sich herausgestellt, daß alles 
aufgegessen ist, alles sage ich, bis auf den letzten 
Bissen/' 

Der Kadi sah, daß in diesem Falle nichts zu 
machen war; er schickte den Juden weg und 
sprach seinen Diener ledig. 

Das also erzählt man von dem Rechtshandel, 
in dem ein Mann aufgetreten ist, der einen Juden 
ganz und gar aufgegessen hat. 

ES war einmal in Konstantinopel beim Iki-Kapu 194. 

im Viertel Kara-Agadsch ein Gassenjunge, 
Akinedschi-Sadeh mit Namen, der es gar trefflich 
verstand, auf eine bissige Rede schlagfertig zu 
antworten. 

Eines Tages verschloß einer seinen Laden und 
brachte innen das Schlagtürchen an. Akinedschi 

107 



ging hin und klopfte an das Türchen. Der andere 
sagte: „Was willst du?" 

iiKomm näher; ich muß dir etwas sagen." 

Daraufhin öffnete der andere das Türchen 
und sagte: „Was mußt du mir sagen?" 

Akinedschi antwortete: „Ich habe ein Ver- 
hältnis mit deiner Mutter; sag es aber niemand/' 

„Und dU| bist du nicht der Sohn einer Hure, 
die man ruft, wenn man sie braucht?" 

„Das ist eine Lüge/* antwortete Akinedschi; 
„meine Mutter ist ja nicht die deinige/' 

195. T^Inmal hörte einer predigen: „Wenn man bei 

Ht Einbruch der Nacht seine eheliche Pflicht 
erfüllt, so wird das belohnt werden wie die Opfe- 
rung eines Schafes. Geschieht es bei Tage, so 
wird es so viel gelten wie die Freilassung eines 
Sklaven. Und um Mittemacht wird es belohnt 
werden wie die Opferung eines Kamels." 

Der Zuhörer erzählte diese Rede, als er heim- 
gekommen war, seiner Frau. Die Nacht kam imd 
sie legten sich mitsammen nieder, und schon 
fühlte sich die Frau vom Verlangen gepackt. 
„Komm/* sagte sie zu ihrem Manne, „wir wollen 
den Lohn gewinnen, der für den Beginn der Nacht 
festgesetzt ist/' „Meinetwegen," sagte der Mann; 
und er befriedigte sie. 

Um Mittemacht fühlte sie sich wieder auf- 
gelegt und sagte zum Manne: „Wach auf, Mann, 
damit wir den Vorteil der Opferung eines Kamels 
erwerben/' Der Mann ermunterte sich und stillte 
ihr Begehren von neuem. 

Als der Morgen anbrach, sagte sie, noch 
immer stark erregt: „Auf, Mann; wir wollen den 

108 



Preis gewinnen^ der für die Freilassung eines 
Sklaven gilt/' 

Aber nun sagte der Mann: «^Gewinne ihn da- 
durch, daß du zuerst mich freiläßt« der ich ja dein 
Sklave bin/' 

Eines Tages pflückte Mewlana Dschami^ in 196. 

seinem Garten Pfirsiche, als der Sultan 
Husejn Bähadur zu ihm kam, begleitet von einem 
Kämmerling und seinem jungen Liebling Tschok- 
dar. In diesem Augenblicke hatte Mewlana 
Dschami vier Pfirsiche in der Hand; davon bot 
er sofort einen dem Padischah an, einen dem 
Kämmerling und zwei Tschokdar* 

Nun sagte der Sultan: „Warum hast du uns 
zweien jedem nur einen Pfirsich gegeben, dem 
Knaben aber zwei?'* 

„Ich habe ihm nur einen gegeben," antwortete 
Mewlana Dschami; „der andere ist nur geborgt'/' 

Ein Narr gab sich für einen Propheten aus; er 197. 

wurde festgenommen und vor den Sultan ge- 
führt. Der Sultan verhörte ihn in Gegenwart 
des Kadis und sagte dann zu diesem: „Der 
Mensch da ist von einer abgeschmackten An- 
maßung; was soll mit ihm nach dem Worte Gottes 
geschchn?" 

Der Kadi antwortete: „Wenn er hartnäckig 
bei seiner Behauptung bleibt und sich sie zu 
widerrufen weigert, soll er zum Tode verurteilt 
werden/* 



1 Der berühmte persische Dichter (1414 bis 1492). 

2 Im Türkischen wird das Wort Pfirsich als Synonym 
für Kuß gebraucht. 

109 



Nun s&gte der Sultan zu dem Angeklagten: 
,iDa du sagsti du seist ein Prophet, so laß uns ein 
Wunder sehn." 

Der angebliche Prophet antwortete: ,»Man 
bringe mir einen scharfen Säbel/* 

,iwas willst du damit?" 

,iDem Kadi den Kopf abschlagen; dann werde 
ich ihn vom Tode erwecken." 

Den Kadi erfaßte ein ungeheuerer Schrecken 
und er begriff die Absicht des Propheten; er ver- 
lor den Kopf und schrie: «»Ach, rreund, ich be- 
kehre mich als der erste zu deiner Lehre; nimm 
mich auf in die Zahl der Stifter." 

198. TVTIeder einmal gab sich einer für einen Pro- 

W pheten aus; er wurde vor den Pacüschah 

geführt und der fragte ihn: ,Jst es wahr, daß du 

Anspruch auf die würde eines Propheten er- 

hebst?"^^ 

yyJa," antwortete der Narr. 

,yGut," fuhr der Sultan fort; ,4^ uns ein 
Wunder sehn." 

„Sag mir, was du wünschest." 

In (Uesem Augenblicke brachte ein Diener dem 
Herrscher ein Schloß» daß man mit elf Schlüsseln 
nicht hatte aufsperren können; sofort sagte der 
Sultan zu dem Angeklagten: ,«Gut; sperre uns 
dies Schloß ohne Schlüssel auf." 

lyHabe ich mich", sagte der Wahnwitzige, 
„einen Propheten genannt oder einen Schlosser?" 

^99. \XAa erzählt, daß ein Muselman, der sein 

1^1. ganzes Leben lang die Vorschriften Moham- 
meds beobachtet gehabt hat, auf einmal im Rama- 

110 



San mit den Juden gegessen hat. Er sagte, er habe 
sich zu ihrem Glaubln bekehrt: aber im Bairam 
sagte er zu ihnen, er sei nicht mehr ihr Glaubens- 
genosse. Da schrien die Juden: „Was soll das 
heißen? bist du nicht einer der unsem?" 

„Was?" schrie der Bekehrte; „ich war dreißig 
Jahre im moslimischen Glauben, ohne ein rich- 
tiger Mohammedaner werden zu können, und ein 
Jude sollte ich werden können in dreißig Tagen? 
Das ist unmöglich/' 

ZU Nasreddin, dem Hodscha, kam einmal einer 200. 

und bat ihn, ihn zu beherbergen. Nun 
herrschte beim Hodscha eine solche Dürftigkeit, 
daß sogar die Mäuse vor Hunger ausgerissen 
waren. Als die Nacht kam, richtete der Reisende 
an den Hodscha die Frage, wo sie sich nach dem 
Abendessen schlafen legen würden. Der Hodscha 
antwortete: „Gegessen haben wir schon, bevor du 
gekommen bist; willst du dich jetzt niederlegen?*' 

Der Fremde lag noch nicht lange, als er den 
Hodscha anrief und sagte: „Gib mir eine Decke; 
mich friert sehr." 

Nasreddin antwortete: „Habe ich denn eine, 
die ich dir geben könnte? es ist übrigens nicht so 
kalt, daß du zittern könntest." 

„Schon gut," antwortete der Fremde, nach- 
dem er einen Augenblick gezögert hatte. 

Aber der Hodscha begann zu überlegen; 
schließlich sagte er: „Ich habe eine Leiter; willst 
du sie?" 

„Bring sie meinetwegen; es liegt ja nichts 
daran." 

Der Hodscha brachte die Leiter und legte sie 

111 



auf ihn. Aber bald sagte der Gast, dem noch 
immer nicht recht warm werden wollte: „Denk 
ein wenig nach; vielleicht hast du doch noch 
etwasi was du mir geben könntest/' 

Nach einem Augenblicke schrie der Hodscha: 
„Du hast recht; ich habe noch einen Trog: was 
sagst du dazu?*' 

„Bring ihn immerhin/' 

Nasreddin holte den Trog, der noch ganz voll 
Wasser war, und setzte ihn auf die Leiter. Als 
sich aber der Gast, den das Gewicht der zwei 
Dinge drückte, umdrehn wollte, kippte der Trog 
um und goß seinen Inhalt aus. Der also über- 
schwemmte rief den Hodscha von neuem an und 
schrie: „Nimm die Decken weg; ich bin schon 
ganz naß/' 

201. A Uf einer Reise, die er, um etwas zu lernen, 

X^ unternommen hatte, kam der Hodscha ein- 
mal in ein Land, dessen Bewohner den Brauch 
hatten, auf ihren Häusern für jeden Krug voll 
Gold, den sie besaßen, je eine Fahne aufzuziehen; 
man sah also Häuser mit einer, zwei, drei, vier 
und fünf Fahnen. Nachdem der Hodscha dort 
ein Jahr lang gelebt hatte, füllte er mehrere 
Töpfe mit Kieseln und pflanzte für jeden eine 
Fahne auf. Nun war es weiter in diesem Lande 
Sitte, daß im Bairam einer den andern einlud, 
und so kam die Reihe auch an den Hodscha. 
Nach dem Mahle ging man ins Bad; seine Gäste 
bemerkten die Töpfe, fanden sie aber alle voll 
Kiesel. Und sie sagten zu ihm: „Aber Hodscha, 
da sind ja nur Steine drinnen?" 

„Ob es Gold ist," antwortete der Hodscha, 

112 



,iOder Steine, das läuft auf dasselbe hinaus, wenn 
es nur dazu da ist, um in den Töpfen zu bleiben." 

IN der Fastenzeit des Bairams wurde ein 202. 

Kalender gefragt: „An welchen Tagen in 
diesem Monat ißt man und an welchen nicht?'* 
Scheinheilig antwortete er: „Ich weiß es nicht, 
an welchem Tage man fastet; denn ich esse nur 
einmal im Monat/* 



Ein Arzt fühlte einem Kalender den Puls; der 203. 

Kalender war aber gewohnt, dieses ein- 
schläfernde Mittel, das Bhang heißt, zu ge- 
brauchen. Der Arzt erkannte leicht, daß seine 
ganze Krankheit nur der Hunger war; drum ließ 
er alsbald eine Schüssel Pilaf bereiten und setzte 
sie dem armen Teufel vor. 

Nachdem der alles aufgegessen hatte, schrie 
er: „O du gütiger Arzt, ich kenne noch zwanzig 
andere Kalender, die an derselben Krankheit 
leiden wie ich; ich will sie dir bringen und du 
kannst an ihnen die Wirksamkeit deiner Arznei 
versuchen." 



Eines Tages kam ein Arzt auf seinem Wege an 204. 

einer Begräbnisstätte vorbei; alsbald schloß 
er die Augen. Sein Sohn fragte ihn: „Warum 
tust du so?" 

Der Arzt antwortete: „Ich will es vermeiden, 
die zu sehn, die hier sind; denn hier sind die 
begraben, die an meinen Tränkchen gestorben 
sind." 

Natreddin, I. 8 113 



205. T^^^ Hodscha war zum Lehrer und Hofmeister 

JL/ des Sohnes des Königs bestellt worden. 
Nun empfahl er sich bei dem Prinzen regelmäßig« 
wann zum Mittagsgebete gerufen wurde. Einmal 
aber fuhr der Hodscha trotz diesem Rufe mit der 
Brille auf der Nase fort zu lesen; da sagte der 
Prinz: ^Es ist das Zeichen zum Gebete gegeben 
worden; wir sind jetzt frei/' 

Der Hodscha antwortete: ,Jch habe es nicht 
gehört." 

nWenn das so ist/' sagte der Prinz, „dann 
hättest du die Brille über die Ohren nehmen 
sollen statt über die Augen." 

206« T7lnes Tages wurde ein junger Geck, Desdar 

J2# Oglu mit Namen, von einem reichen Manne 
zu Tische geladen. Es wurde aber weder Pilaf, 
noch Fleisch aufgetragen, sondern nur eine 
Suppe, bei der man mit dem Reis sehr sparsam 
umgegangen war; und der Geck fragte recht un- 
schicklich: „Was für eine Suppe ist das?" 

Darauf antwortete ihm einer: „Der Herr pflegt 
wohl häufig auf die Jagd zu gehn? Hunde hat 
er ja genug/' 

„Freilich," antwortete Desdar Oglu, „ich habe 
mehr als ich brauchte: der eine jagt das Rebhuhn, 
der andere die Wachtel, ein dritter das Hasel- 
huhn." 

Und der Schalk sagte weiter: „Da fehlt dir 
noch immer einer." „Welcher?" „Einer, der in 
dieser Suppe Reis aufspüren würde." 

207. T\^^ Hodscha kam heim und sagte zu seiner 

JL/ Frau: „Koch uns heute einen Pilaf, damit 
wir uns wohl gesättigt schlafen legen können; 

114 



heute fühle ich mich einmal frei von aller Traurig- 
keit/* 

Die Frau kochte den Pilaf; sie aßen ihn und 
gingen zu Bette. Kaum lagen sie aber^ als an die 
Tür gepocht wurde. Der Hodscha sagte zu seiner 
Frau: „Geh, sieh nach, wer es ist." 

Die Frau ging zur Tür und sagte: „Wer ist 
da?" 

„Meine Eselin hat geworfen/' sagte ein Nach- 
bar; „aber das Junge hat weder Schwanz noch 
Ohren." 

Nun fragte der Hodscha: „Was gibts denn?" 
und die Frau antwortete: „Uns geht es eigentlich 
nichts an; der Nachbar ist da: seine Eselin hat 
ein Junges ohne Schwanz und Ohren geworfen." 

Darauf sagte der Hodscha: „Ich kann nicht 
mehr liegen bleiben; meine Ruhe ist weg." 

„Was beschäftigt dich denn so sehr?" 

„Wenn dieser Esel", sagte der Hodscha, „zwei 
oder drei Jahre alt wird, und man führt ihn ins 
Holz, und wenn dann der Weg kotig ist, wo soll 
denn der Dreck an ihm haften bleiben, ohne 
Schwanz und Ohren, wie er ist? Das bringt 
mich um meine Ruhe; stehn wir auf, Weib/* 



DEr Hodscha ging einmal an den Rand eines 208. 

Baches und befriedigte ein gewisses Bedürf- 
nis; dann sah er, wie das, dessen er sich entledigt 
hatte, wegschwamm. Da schrie er: „Das Ende 
der Welt kommt heran und darüber kann es 
keinen Zweifel geben; denn das unreine Ding da 
lehrt uns schwimmen und über das Wasser zu 
setzen.' 



«i 



8* 115 



209. T\^^ Hodscha wurde gefragt: „Wann wird denn 
JL/ der Tag des Tumultes, der geweissagt ist, 
kommen?*' 

„Von welchem Tumult sprecht ihr?" ant- 
wortete der Hodscha; „von dem großen oder von 
dem kleinen?" 

„Was heißt das, der große und der kltine?" 
„Der kleine ist der, den meine Frau macht; 
der große kommt, wenn ich zornig werde/' 

210. T^ Ines Tages gingen der Sultan Murad und 
£# Husejn Pascha, der Narr, als Derwische 
verkleidet, den Bosporus entlang. Als sie an 
einen Ort kamen, wo die Leute zu lustwandeln 
pflegten, bekamen sie Lust auf Kaffe* Husejn 
rascha sagte: , J)a wir kein Feuer haben, will ich 
Holz sammeln gehn/' Als er es gebracht hatte, 
schichtete es der Sultan auf und begann das 
Feuer anzufachen; da er aber zerstreut war, ließ 
er es zu viel brennen* Husejn Pascha bemerkte 
das und schrie, wie er es mit seinem Knechte 
getan hätte, tun ihn zur Achtsamkeit zu mahnen; 
„Du Sklavenbengel, du Hurensohni", ohne zu 
denken, daß er damit auf die Abstammung der 
Sultane anspielte, die alle Kinder von Sklavinnen 
waren« 

„Dein Gluck," sagte der Padischah, „daß du 
das im Scherze gesagt hast; sonst hätte ich dich 
getötet." 

211. XT^^ junger Mann ohne Erfahrung hatte auf 
J2# einer Reise eine kleine Auswahl chinesischen 
Porzellans gekauft. Im Hafen angelangt und 
eben im Begriffe sich auszuschiffen, faßte er den 

116 



Plan, sein Porzellan wegtragen zu lassen, ohne 
den Träger für seine Mühe zu bezahlen. Er sagte 
zu einem Träger: ,»Was für ein Landsmann 
bist du?" 

Der antwortete: „Ich bin ein Anatolier und 
aus Tasch-Köprü/' 

„Aha/* dachte der junge Mann, „ein Dumm- 
kopf von einem Türken/* Und er sagte zu ihm: 
„Wenn du mir diesen Pack in mein Karawanserai 
trägst, so werde ich dir drei gute Ratschläge 
geben/' 

„Einverstanden," antwortete der Türke dem 
schlauen Gesellen. Er nahm die Last auf und 
trug sie in das Karawanserai; als er dort ein 

Eaar Stufen emporgestiegen war, sagte er: „Nun 
öre ich/* 

Der andere sagte: „Wenn man dir sagt, daß 
der Hunger der Sättigung vorzuziehen sei, so 
glaube es nicht/' 

„Ich verstehe," sagte der Träger und ging 
wieder ein paar Stufen weiter; dann sagte er: 
„Was hast du mir noch zu sagen?" 

„Wenn man dir sagt, die .^mut sei besser als 
der Reichtum, so glaube es nicht/' 

Der Träger ging weiter und bat ihn nach 
einigen Stufen wieder, zu sprechen. 

„Zum dritten: wenn man dir sagt, daß es 
besser ist, zu Fuße zu gehn als zu reiten, so 
glaube es nicht; das sind die Ratschläge, die ich 
dir zu geben habe." 

Der Träger stieg die Treppe vollends hinauf; 
und als er dben war, warf er seine Last hinunter. 

Der junge Mann schrie: „Was machst du da?" 

Und der Träger sagte: „Wenn man dir sagt, 

117 



daß in dem Pack da ein einziges Stück ganz ist, 
so glaube es nicht/' 

212. \XAn erzählt, daß Nasreddin-Effendi einen 

1^1. Bruder hatte; sie waren beide tmbeweibt, 
verlangten aber zu heiraten. Schließlich fanden 
sie zwei Mädchen nach ihren Wünschen; sie 
heirateten beide, und jeder gründete einen Haus- 
stand. Nun kam einmal der Bruder des Hod-. 
schas zu diesem auf Besuch; da sah er, daß des 
Hodschas Frau fröhlich war, lachte und scherzte, 
während die seinige außerordentlich ernst war. 
Und er sagte zu Nasreddin: „Du bist mein 
Bruder; sei also so gut und sage mir, wie du es 
angestellt hast, daß deine Frau so vergnügter 
Laune ist: ich will es dann mit der meinigen 
ebenso machen." 

„Umsonst verrate ich es dir nicht," sagte der 
Hodscha; „wenn du mir aber einen vollständigen 
Anzug gibst, so will ich es zuwege bringen, daß 
sie lacht." 

Der Bruder sagte: „Das verspreche ich dir." 

Und der Hodscha fuhr fort: „Lade mich also 
an einem Abende ein. Nachdem du ein bißchen 
verweilt hast, so laß dich wegholen; befiehl aber 
deiner Frau, daß sie sich nicht eher schlafen lege 
als ich, was immer ich sagen würde tmd wie 
dringlich auch meine Aufforderungen seien. 
Wann du ihr das gesagt hast, geh weg." 

Der Bruder lud den Hodscha vereinbarter- 
maßen ein; nach dem Rufe zum Abendgebete 
waren sie alle drei beisammen, als der Hausherr, 
wie abgemacht, geholt wurde. Er erteilte seiner 
Frau die besprochenen Anordnungen und ging 

118 



weg. Von nun an sprach der Hodscha kein Wort 
mehr mit seiner Schwägerin^ mit der er ganz 
allein war; sie wurde es bald müde, auf un- 
bestimmte Zeit aufbleiben zu sollen, und ver- 
spürte die ersten Anzeichen der Schläfrigkeit* 
Drum sagte sie zum Hodscha: ,,Gestatte, Ef feudi, 
daß dir ein Bett bereitet wird; du wirst dich ein 
wenig ausruhen/* 

Aber der Hodscha antwortete: „Ich will nicht 
schlafen/* 

„Warum denn nicht?" 

„Ich fürchte, daß, wann ich schlafe, die Mäuse 
kommen und mir den Kopf fressen/* 

„Und wie weichst du dem aus, wenn du zu 
Hause bist?*' 

„Wann ich zu Hause schlafen gehe, lege ich 
meinen Kopf in die Hände meiner Frau und sie 
läßt das Licht brennen; geht sie dann später 
selber schlafen, so nimmt eine Sklavin ihre 
Stelle ein/* 

Seine Schwägerin sagte: „Wir werden das- 
selbe tun/* Augenblicklich bereiteten die Skla- 
vinnen ein Bett und die Frau setzte sich nieder 
und nahm den Kopf des Hodschas in ihre Hände; 
da sie dessen bald müde wurde, rief sie eine 
ihrer Sklavinnen und übergab ihr dieses Geschäft. 
Bald darauf schliefen die Herrin und die andern 
Frauen ein. Nun stand der Hodscha leise auf, 
blies das Licht aus, nahm seinen Sik heraus, gab 
ihn der Sklavin in die Hand, legte sich nieder 
und begann zu piepen wie eine Maus. Auf das 
Geräusch erwachte seine Schwägerin; da sah sie^ 
daß das Licht erloschen und die Sklavin ein-^ 
geschlafen war. „Nichtsnutziges Ding,'* schrie 

119 



sie, „wie kannst du schlafen? Jetzt werden die 
Mäuse den Kopf des Effendis fressen/' 

Die Sklavin antwortete: „Ich weiß nicht, ob 
das nicht schon geschehn ist; er ist schon ganz 
klein/' 

Die Herrin begann das junge Mädchen zu be- 
schimpfen; als sie aber das Licht anzündete, sah 
sie, was die Sklavin in der Hand hatte. In dem- 
selben Augenblicke sprang der Hodscha auf, lief 
zur Tür und ließ seinen Bruder eintreten, und 
der sah nun, wie seine Frau aus vollem Halse 
lachte und keines Wortes fähig war« Da er 
aus ihr nichts herausbringen konnte, ging er 
wieder zum Hodscha, der draußen geblieben war, 
und fragte ihn: „Was hast du denn also getan?" 

„Ach," sagte der Hodscha, „wenn du das 
ganze gesehn hättest, du hättest wohl lachen 
müssen bis zu deinem letzten Stündlein/' 

213. T^Ines Tages versammelten sich die Mäuse, um 

Ca Rat zu halten, und sie sagten: „Was werden 
wir noch alles von der Katze leiden müssen, wenn 
wir kein Mittel entdecken, um uns vor ihr zu 
schützen?" Nachdem jede gesprochen hatte, 
überwog der Rat, ein Glöckchen zu verfertigen 
und es der Katze um den Hals zu hängen; „wenn 
wir das Geklingel hören," dachten sie, „wollen 
wir Reißaus nehmen/' 

„Ich liefere das Stückgut," sagte die eine. 
„Ich die Kohle," sagte die andere. „Ich das 
Kupfer," sagte die dritte. Nur eine alte Maus 
Terhielt sich ganz still, bis die andern sagten: 
„Rede doch auch du; du hast ja in diesem Lande 
schon so viele Jahre verrinnen sehn.' 

120 



•« 



Da sagte die alte Maus: ,Jhr habt bei euerer 
Überlegung etwas wesentliches vergessen: ich bin 
bereit, das Glöckchen ganz zu liefern; aber wer 
von euch wird es der Katze an den Hals hängen?" 

Einst wurde ein bejahrter Christ Muselman. 214. 

Sechs Monate nach seiner Bekehrung fährte 
ihn der Oebetsaufseher vor den Kadi und klagte 
ihn an, er erfülle nicht die verordneten Gebete; 
der Kadi, der derselbe war, in dessen Hände der 
Greis abgeschworen hatte, fragte ihn: „Warum 
unterziehst du dich nicht den vorgeschriebenen 
Gebeten?" 

„Effendi," antwortete der Angeklagte, „in 
deiner Gegenwart war es, daß ich meinem alten 
Glauben entsagt habe, und du hast damals zu 
mir gesagt: ,Nun bist du rein aller Sünden; du 
bist jetzt so, als ob du ein zweites Mal aus dem 
Mutterleibe gekommen wärest/ '* 

Der Kam antwortete: „Das sind meine 
Worte/' 

Und der Greis fuhr fort: „Freilich, und seither 
sind nicht mehr als sechs Monate verstrichen; 
betet denn ein Kind in diesem Alter?" 

ZWei Leute führten eines Rinds halber einen 215. 

Rechtshandel. Jeder ging, ohne daß es der 
andere gewußt hätte, zum Kadi und drückte ihm 
zweihundert Asper in die Hand, um ihn sich 
geneigt zu machen. Als dann der Spruch gefällt 
werden sollte, erschienen die Streitenden und 
brachten das Rind mit; und der Kadi fragte den, 
der es hielt: „Wieviel ist das Rind wert?" 
„Vierhundert Asper," war die Antwort. 

121 



Da sagte der Kadi: „Wenn dem so ist, was 
brauchen wir uns weiter damit zu beschäftigen? 
Jeder von euch hat mir zweihundert Asper ge- 
geben; damit ist also die Sache erledigt/* 

Die beiden Gegner befragten einander, als sie 
weggingen, und vernahmen also, daß sie jeder 
dem Kadi ein Geschenk von zweihundert Asper 
gemacht hatten; und sie sagten: „Es hat keinen 
Sinn, den Streit weiterzuführen; das Rind hat ja 
schon der Kadi aufgegessen/* 

216. T-T^ ^^^ einmal einer, der fühlte, daß er krank 
Ej war; da sich sein Zustand verschlinunerte, 
ließ er einen Arzt rufen« Der Arzt untersuchte 
ihn und sagte ihm, daß ihm in diesem Falle ein 
einjähriger Essig gut tun würde. Der Kranke 
ging also, um einen Freund darum zu bitten, und 
der sagte: „Es trifft sich gut, daß ich gerade 
einen solchen habe/* 

Einer, der vorbeiging, hatte ihr Gespräch ge- 
hört; deshalb sagte er: „Bnider, möchtest du 
nicht die Güte haben, mir auch etwas von diesem 
Essig zu geben?** 

Und der Freund antwortete: „Hätte ich einem 
jeden gegeben, der Bedarf danach gehabt hätte, 
so wäre er kein Jahr alt geworden/* 

217. T-T^'^ Sultan und Chalif von Bagdad pflegte die 
JlL Verse, die ihm gebracht wurden, abzuwägen 
und nach ihrem Gewichte die Dichter zu be- 
zahlen. Nun verfaßte ein Dichter, der diese Ge- 
wohnheit des Chalifen nicht kannte, einen Lob- 
gesang auf ihn in der Absicht, ihn ihm zu über- 
reichen. Da sagte ihm einer: „Du machst dir 

122 



umsonst viel Mühe; weißt du denn nicht, wie es 
unser Padischah zu halten pflegt? Er bezahlt die 
Dichter nach dem Gewichte ihrer Werke/' 

,,Danke schön/* sagte der Dichter; und er 
schrieb ein Gedicht auf einen großen Marmor- 
block. Den ließ er von Leuten, die ihn an einem 
Barren aufhängten, zum Palaste bringen und ging 
selbst mit, um ihn dem Padischah darzubringen. 
Der Padischah, der sofort sah, worum es sich 
handelte, sagte zu seinem Wesir: „Jetzt gilt es, 
sich auf eine anständige Art aus dem Handel 
zu ziehen/' 

„Wie das?** fragte der Wesir. 

„Wir werden uns**, antwortete der Chalif, 
„mit tausend Golddukaten ausgleichen/* 

Einmal sagte ein Kaufmann zu seinem indi- 218. 

sehen Sklaven: „Vorwärts, wir gehn auf den 
Abtritt.** 

Der Sklave füllte die Kanne mit Wasser ^, sah 
aber sofort, daß sie ein Loch hatte, weil alles 
Wasser auslief; da sagte er zu seinem Herrn: 
„Herr, die Kanne hält kein Wasser; wasch dich 
also zuerst, und dann geh erst dein Bedürfnis 
verrichten-** 

Einer begegnete einmal einem Dämon, der auf 219. 

seinen Schultern einen alten jüdischen Rabbi 
trug; und der Rabbi schlug und mißhandelte den 
Dämon und zwang ihn auszuschreiten. Und der 



^ Die Verrichtung der Bedürfnisse macht unrein, so 
daß eine Waschung vorgenommen werden muß. 

123 



Mann fragte ihn: „Warum trägst du einen« der 
dich schlägt und mißhandelt?" 

Darauf antwortete der Teufel — er sei ver- 
flucht — : fiEr gebraucht irgendeine verruchte 
Tücke, die meinen Verstand übersteigt; durch 
angestrengte Aufmerksamkeit wird es mir viel- 
leicht gelingen, dahinterzukommen." 

Der Fluch Gottes sei über ihnen beiden! 



220* Tpinmal hatte ein Schüler des berühmten Mew- 

Ej lana Dschami Gedichte verfaßt und sie in 
einem Diwan vereinigt. Mewlana Dschami sah 
das Buch durch und überzeugte sich, daß es von 
unzusammenhängenden Worten, von Nachlässig- 
keiten und von Albernheiten strotzte; da er ein 
solches Machwerk nicht loben konnte, sagte er 
ironisch: „Gott segne dichl du hast da einen ge- 
waltigen Diwan verfaßt." 

Der Dummkopf blähte sich über diese 
Schmeichelei und antwortete: „Es ist ein Diwan, 
den der heutige Dichtertroß gar nicht erfaßt." 

„Das stimmt," sagte Mewlana Dschami; „ich 
habe nicht ein Wort verstanden." 

22/, A Ls Bani-Tschokar einmal im Bade war, trat 

XjL ein Badediener, einer von denen, die nicht 
rasieren, zu ihm und wollte ihn mit dem Woll- 
handschuh abreiben; doch Bani sagte: „Ich will 
nicht geknetet werden; rasiere mir aber den Kopf." 
Bald merkte er, daß das Rasiermesser nichts 
schnitt; da sagte er zu dem Bader: „Gib acht! 
du wirst mich wirklich rasieren, wenn du nicht 
acht gibst." 

124 



Ein Kadi kam auf einer Bereisung in ein Dorf 222. 

in der Umgebtmg von Konia. Er befragte 
die Bauern über das Gebet und befahl einem von 
ihnen« der etwas weniger tmwissend schien als 
die andern, ihm zu sagen, wie oft man am Morgen 
beten solle; der antwortete: ,|ZwanzigmaL" 
„Schweig/* sagte der Kadi; „du bist ein Esel/' 
Da sagte ein anderer: „Man betet viermal/' 
Aber der erste sagte: „Ich habe ja schon 
zwanzig gesagt! das muß doch besser sein/' 

Eines Tages ging ein Bauer einer gewissen 223. 

Sache halber zum Kadi; er dachte aber, er 
werde bei diesem besonders gut ankommen, wenn 
er recht verschwenderisch mit den Titeln sei, tmd 
so sagte er beim Eintritte: „Heil über dich, 
gnädigster Herr Prophet!" 

Aber der Kadi sagte: „Schweig; du bist ein 
Einfaltspinsel/' 

„Habe ich denn in meiner Rede die Gesetze 
der Sprache verletzt?" 

Der Kadi befahl: „Züchtigt mir diesen Dumm- 
kopf!" Und die Schergen prügelten ihn durch. 

Nun sagte der Kadi: „warum sprichst du 
mich in dieser Weise an? Das ist die Rede eines 
nichtsnutzigen Menschen«" 

Und der Bauer antwortete: „Ich war verwirrt, 
du Schwein; ich war verwirrt/' 

Eines Tages ging ein Herr ins Bad; dort stahl 224. 

man ilun sein Tekjeh^ Als er wegging, 
sagte er zum Bademeister: „Du hast mir mein 
Tekjeh gestohlen/' 

^ Eine kleine baumwollene Mütze. 

125 



Der Bademeister antwortete ihm: „Du bist 
bloßköpfig ins Bad gekommen/* 

Da schrie der Bestohlene, indem er sich an die 
andern Anwesenden wandte: ««Hört, Leute, seht 
euch meinen Kopf an, und dann sagt, ob ich bloß- 
köpfig gekommen sein kann." 

Sein Kopf war ganz voll Grind. 

225. TN Adrianopel, der wohlbehüteten, war einmal 
JL ein Dichter, Silani mit Namen, tmd der trug 
eines Tages dem Volke ein ganz jämmerlich 
schlechtes Gedicht vor. Die Zuhörer begannen 
zu lachen. 

„Da sieht man," rief Silani, sich selber 
lobend, „daß meine Werke nicht zur weiner- 
lichen Gatttmg gehören." 

226. T7^^ Dichter, der einst der Günstling der Wesire 
JCf gewesen war, erblindete am Ende seiner 
Tage; ntm gab er Unterricht und ließ sich von 
seinem Knaben von Tür zu Tür führen. Da 
träumte einmal einem der Wesire, daß er ihn also 
herabgekommen sehe. Der Wesir rief sich alle 
Einzelheiten der Vergangenheit dieses armen 
Menschen ins Gedächtnis, und am Morgen ging 
er ihn aufsuchen und sagte zu ihm: „Kennst du 
mich?" 

„Warum sollte ich dich nicht kennen? wenn 
ich auch das Gesicht verloren habe, so ist mir 
doch das Gehör geblieben. Früher habe ich 
deine gütigen Wohltaten genossen; bist du nicht 
derundder Pascha?" 

Der Wesir fuhr fort: „Und dieser Knabe, ist 
er dein Sohn?" 

126 



,,Er ist mein Knabe und dein Diener." 

,,Kann er lesen?" 

„Freilich." 

„Und was liest er denn?" 

„Er sieht die jämmerliche Lage, worin sich 
sein Vater befindet; drum liest er Vierwün- 
schungen gegen die, die ihn ohne Unterstützung 
seinem unglücklichen Schicksal überlassen." 

Ein Kalender verabsäumte es, im Ramasan 227. 

die vorgeschriebenen Fasten einzuhalten; 
andererseits aber unterließ er es nicht, allnächt- 
lich kurz vor Sonnenaufgang zu essen. Man 
fragte ihn: „Da du bei Tage keineswegs fastest, 
warum ißt du dann vor Tagesanbruch?" 

Und der Kalender antwortete: „Wenn einer 
nicht nur das Gesetz, sondern auch die Überliefe- 
rung außer acht ließe, müßte denn der nicht zu 
den Ungläubigen gezählt werden?" 

ALs der Hodscha einmal ackerte, riß ein Rie- 22%. 

men. Sofort wickelte er seinen Turban ab, 
band ihn an die Stelle des Riemens an den Ochsen 
und den Pflug, packte den Stachel und trieb 
den Ochsen an; der nahm einen Ruck, so daß der 
Turban auf Stücke ging, und kehrte sich um. 
Da schrie der Hodscha: „So ein dummes Vieh! 
zieht es an einem Turban ebenso stark wie an 
einem Riemen!" 

DEr Hodscha erging sich eines Tages mit sei- 229. 

nem Sohne, als sie einem Leichenzuge be- 
gegneten; tmd hinter dem Zuge kam die junge 
Gattin des Verstorbenen, die ihren Schmerz in 

127 



bittem Klagen ausströmte: ^iNoch heute hat er 
gegessen, getnmken tmd unter der Decke ge- 
schlafen; und jetzt bringt man ihn an einen Orti 
wo es nichts zu essen gibt und nichts zu trinken, 
keine Decke, kein Bett, ja nicht einmal eine 
Matte/' 

„Vater,'* sagte der Sohn des Hodschas, „bringt 
man den Toten zu tms?*' 



230. TN einer fremden Stadt sah der Hodscha einmal 
JL einen Nußbaum. Da er einen solchen Baum 
nicht kannte, blieb er voll Verwundenmg stehn; 
endlich schlug er einige Nüsse in ihrer grünen 
Schale herunter tmd biß ohne weiters in eine 
hinein* Sie schmeckte gar bitter und er gewahrte, 
daß sein Mtmd anschwoll; da sagte er voller Un- 
ruhe: „Farbe tmd Form sind so wie bei den 
Zwetsdien; sollte ich vergiftet sein? Da steckt 
irgendeine Schurkerei dahinter* Ach, ihr Aus- 
sen ist recht trügerisch!" 

231. T7^ ^^^ einmal ein Geiziger, der jahraus, jahr- 
JCtf ein nichts andres aß als Hammelkopf; darum 
wurde er eines Tages gefragt: „Warum ißt du 
eigentlich weder im Sommer, noch im Winter 
etwas andres?" 

Er antwortete: „Siehst du denn nicht, wie 
billig so ein Hammelkopf ist? Wann ihn einmal 
der Diener vom Fleischer gebracht hat, braucht 
man nichts mehr an ihm herumzuschneiden; 
Kosten fürs Kochen hat man auch nicht, weil er 
schon gekocht verkauft wird. Und was hat man 
dann alles: die Haut, das Fleisch, die Augen, die 
Ohren, die Zunge, das Hirn; ebenso viel Gerichte! 

128 



Begreifst du jetzt, was für ein vorteilhaftes Essen 
so ein Hammelkopf ist?'* 

Ein Geizhals kam heim und bat seine Frau, ihm 232. 

zu essen zu geben; sie briet ein Huhn tmd 
brachte es ihm. In diesem Augenblicke pochte 
ein Bettler an die Tür und sagte: „Um Gottes- 
willen, schenkt mir etwas/' 

Der Geizige mißachtete diese Bitte und 
schickte den Armen mit leeren Händen weg. 

Im Verlaufe der Zeit fiel der Geizhals in Un- 
glück und fand sich bald von allen Mitteln ent- 
blößt; als er derart herabgekommen war, stritt er 
eines Tages mit seiner Frau und schied sich von 
ihr. Sie heiratete dann einen andern. Nun wollte 
es Gott, daß sie eines Tages ihrem zweiten Gatten 
ein Huhn kochte und es ihm just in dem Augen- 
blicke vorsetzte, wo ein Bettler an die Tür klopfte 
und sagte: „Um* Gotteswillen, schenkt mir 
etwas." 

Auf der Stelle nahm ihr Gatte das ganze 
Huhn, reichte es ihr tmd sagte: „Gib es dem 
armen Menschen." 

Die Frau gehorchte und erkannte in dem 
Bettler, den sie an der Tür fand, ihren ersten 
Mann. Sofort ging sie zu ihrem zweiten hinein 
und erzählte ihm von dieser sonderbaren Be- 
gegntmg. Und dieser sagte: „Liebes Weib, wisse, 
daß ich einmal betteln gegangen bin; ich war da- 
mals in der äußersten Not. Aber dein Mann hat 
mir nichts gegeben und ich bin mit leeren Händen 
weggegangen. Nun hat ihm der Allmächtige all 
sein Grut genommen, sogar so eine Frau, wie du 
bist, um alles mir zu geben; sein Glück ist zu mir 

Nasreddin, I. 9 J29 



gekommen und meine Armut zu ihm. Ich habe 
seiner bedurft; jetzt bedarf er meiner." 

So erzählt man diese Geschichte« Zieht 
daraus« Fretmde, den Nutzen, den ihr sollt. Dan- 
ken wir dem Höchsten, daß er uns die irdischen 
Güter zugesteht, und laßt uns, ob arm oder reich, 
seinen Namen nie ohne Ehrfurcht nennen! 



233. T7^^ Geizhals wiederholte, sooft er sich zu 

JCf Tische setzte, zweimal den Spruch: „Gott, 
beschütze mich!" 

Eines Tages fragte man ihn: „Warum sprichst 
du diese Bitte Tag für Tag doppelt?" 

Der Geizige antwortete: „Das erste Mal ist 
der Teufel — der Fluch sei auf ihm — gemeint; 
das zweite Mal gilt sie den Gästen, damit meine 
Küche von ihrem Besuche verschont bleibe." 



234. A Ls Tamerlan in Akschehir war, lud er einmal 

J^ den Hodscha ein, mit ihm ins Bad zu gehn, 
und der Hodscha nahm die Einladtmg an. Ta- 
merlan versah sich mit einem Badetuch, das hun- 
dert Goldstücke wert war, und sie gingen hinein; 
dort setzten sie sich neben der Kufe hin und 
unterhielten sich. Und Tamerlan sagte zum Hod- 
scha: „Wenn ich ein Sklave wäre und verkäuf- 
lich, wie viel gäbest du für mich?" 

„Kaum hundert Goldstücke." 

„Aber du Dummkopf, das Badetuch ist ja 
allein so viel wert." 

„Das habe ich wohl überlegt," sagte der Hod- 

130 



scha; ,, sonst gäbe auch niemand für dich ein 
Goldstück \" 

DEr Hodscha sagte einmal zu seiner Frau: 235. 

tiBereite eine hübsche Schüssel Joghurt, da- 
mit ich sie morgen Tamerlan bringe. Ich will sie 
aber schon zeitlich früh haben/* 

Die Frau bereitete den Joghurt und der Hod- 
scha ging mit der Schüssel, nachdem er sie in ge- 
stickte Handtücher gewickelt hatte, noch vor der 
Dämmerung weg; er kam bei Tamerlan an und 
überreichte ihm den also eingewickelten Joghurt. 
Timur fragte: „Was ist das?" 

Der Hodscha antwortete: „Diesen frischen 
Joghurt bringe ich dir, damit du ihn essest, und 
diese Tücher, damit du dich nach der Waschung 
abtrocknest." 

Timur band die Tücher auf und nahm sie, 
nachdem er den Joghurt herausgetan hatte, in die 
Hand, um die Stickerei zu betrachten; diese fand 
er aber jämmerlich schlecht, und so sagte er: „Ich 
mochte mich lieber an der Hand abtrocknen, die 
diese Tucher gestickt hat." 

Aber der Hodscha antwortete: „Die Hand, 
die sie gestickt hat, ist weit; aber die Tücher sind 
da und just zu dem Zwecke, den du sagst." 

Eines Tages fand sich der Hodscha so von 236. 

allem entblößt, daß ihm auch nicht ein Köm- 
chen Weizen oder Gerste geblieben war. Da legte 

^ Tamerlan war nicht nur, wie sein Name besagt 
(Tamerlan ist entstanden aus Timur-lenk, d. u Timur der 
Lahme), lahm, sondern auch sehr häßlich; über sein Ge- 
sicht zog sich eine schreckliche Narbe. Vgl. unten Nr. 327. 

9* 131 



er seinem Esel einen großen Sack auf« hängte 
seinem Sohne eine Trommel mn und ging von Tür 
zu Tür, um die Barmherzigkeit der Leute anzu- 
rufen« Kaum hatte er die Trommel geschlagen 
tmd sich in dieser Verfassung gezeigt, als mm' 
auch schon Männer und Frauen Gerste oder Korn 
brachten, der eine ein Nösel, der andere zwei; 
und der Hodscha schüttete alles in den Sack. 
Schließlich kam er zu einem großen Tor, dessen 
einer Flügel offen stand. Der Knabe schlug die 
Trommel, aber niemand trat heraus; er stieß den 
Esel in den Torweg, und da überzeugte er sich, 
daß auch innen völliges Schweigen herrschte. 
Nachdem sie den Esel im Stalle angebunden 
hatten, lehnten Vater und Sohn eine Leiter an 
das Haus und stiegen hinauf; sie kamen in einen 
Vorsaal und dann in ein Zimmer, ohne daß sie 
einen Laut gehört hätten. 

Plötzlich traf ein Geräusch das Ohr des Hod- 
schas; eine Frauenstimme sagte: „Jetzt wird der 
Effendi bald dasein," Das wollte heißen, daß die 
Herrin des Hauses an diesem Tage mit dem Kadi 
der Stadt ein verliebtes Stelldichein hatte. In 
diesem Augenblicke war sie im Bade, und sie 
sagte zu ihren Sklavinnen, daß sie rasch heraus- 
steigen müsse. 

Das hörte der Hodscha alles und er sagte sich: 
„Da gilt' es, einen hübschen Spaß anzustellen«'* 
Als er darum unverzüglich ein passendes Ver- 
steck suchte, sah er ihm gegenüber ein köstliches 
Zimmer, reich mit Gold verziert. Ohne zu zau- 
dern, trat er ein; dort fand er den großen Bett- 
schrank schier leer, und er versteckte sich mit 
seinem Sohne hinter den Vorhängen« 

132 



Einen Augenblick darauf stieg die junge Dame 
aus dem Bade; gestützt auf die Arme ihrer Skia« 
vinnen kam sie in das Zimmer und setzte sich auf 
den Ehrenplatz, um also die Ankunft des Kadis 
abzuwarten. Der war auch bald zur Stelle; die 
Sklavinnen führten ihn zu ihrer Herrin, die sich 
erhob, ihm einige Schritte entgegenging, ihn unter 
dem Arme faßte und ihm den Ehrensitz überließ. 
Es war im Sommer und an einem der heißesten 
Tage, so daß der Kadi etwas schwitzte; drum 
zogen ihm die Sklavinnen seine Kleider aus und 
er behielt nur die Unterhosen tmd ein Jäckchen 
und auf dem Kopfe eine Mütze. Die Kleider 
legten die Sklavinnen in eine Truhe. 

Nun mußte sich der Effendi zu seiner Be- 
quemlichkeit auf das Bett setzen und die Dame 
setzte sich, ebenso nur leicht gekleidet, neben 
seine Herrlichkeit« Nachdem sie dann ein 
leichtes Mahl eingenommen hatten, tranken sie 
einige Becher Wein; die Hitze tat das übrige, 
und so war der Kadi bald berauscht. Als &s 
die Dame sah, gab sie ein Zeichen; der Kadi 
wurde niedergelegt und die Sklaviimen ent- 
fernten sich, so daß ihre Herrin und der Kadi 
allein blieben. Der Hodscha verhielt sich immer- 
fort still. 

Die Dame war gut aufgelegt; sie und der Kadi 
umarmten sich und begannen zu tändeln und 
Küsse zu tauschen. Der Kadi benutzte den 
Augenblick und entledigte die Dame all ihrer 
Hüllen. Als das geschehn war, fand sie ihre 
Sprache wieder und sagte: „Weißt du, Effendi, 
wie die Liebe sein soll, die mein Herz be- 
gehrt?" 

133 



ifNein, Königin meiner Seele; ich keime auch 
keine andere als die bewegliche/' 

„Die, die ich liebe/* sagte die Dame, „ist die 
Kriegsliebe/' 

„Nach meiner Erfahrung*', antwortete der 
Kadi, „ist es die bewegliche, die den Preis ver- 
dient/* 

Nim sagte die verschmitzte Schöne: „Nennen 
wir mein Schloß die Weiße Burg und deinen 
Schlässel den Roten Prinzen. Wann ich mich 
niederlege, so daß die Weiße Burg zu sehn ist, 
laß du den Roten Prinzen hervorkommen; er soll 
die Weiße Burg angreifen, ohne viel Umschweife 
das Tor stürmen und als Sieger einziehen/' 

Bei diesen Worten sagte sich der Hodscha: 
„Sie beabsichtigen also einen Krieg; aber es fehlt 
ihnen der Spielmann, der zum Sturme das Spiel 
schlüge: wann sie so weit sind, werde ich trom- 
meln/* 

Da legte sich auch schon die Dame auf den 
Rücken tmd die Weiße Burg bot sich den Blicken 
des Kadis ; der holte tmverdrossen den Roten Prin- 
zen hervor und ließ ihn stürmen. Kaum war dann 
der Eingang erzwungen, machte Nasreddin seinem 
Sohne ein Zeichen und sagte: „Rühre die Trom- 
mel ; es gibt keinen ordentlichen Sturm, ohne daß 
das Spiel geschlagen würde/* 

Der Sohn nahm die Schlägel und begann den 
anbefohlenen WirbeL Als der Lärm in dem 
Schranke losging, bekamen der Kadi und die 
Dame Angst: mit den Worten „Das ist kein gutes 
Zeichen'* liefen sie aus dem Zimmer, und sie 
eilten durch den Vorsaal und blieben nicht eher 
stehn, als bis sie unten waren. Dann sahen sie 

134 



einander ganz betäubt an, und ohne ein Wort 
herausbringen zu könneui weil sie vor Bestürzung 
die Sprache verloren hatten. 

Der Hodscha aber sah in diesem Abenteuer 
eine Gelegenheit, Beute zu machen« Er verließ den 
Bettschrank, öffnete die Truhe und bemächtigte 
sich der Kleider des Kadis und dessen Turbans; 
dann stieg er ohne Verzug die Leiter hinunter, 
ging in den Stall, wo das Maultier des Kadis 
neben seinem Esel stand, legte die Kleider in den 
Sack, übergab den Esel seinem Sohne, band für 
sich selber das Maultier los, verschwand aus dem 
Hause und eilte heim. Dort stellte er das Maul- 
tier ein, verschloß den Turban und die Kleider 
und setzte sich nieder. 

Seine Frau fragte ihn: „Woher hast du diese 
Sachen und das Maultier?'* 

„Sie gehören mir; sie sind mir als Beute zu- 
gefallen." 

Während sich der Hodscha in seinem Herzen 
freute und der süßen Ruhe genoß, sagte die Dame 
tmd der Kadi, die, wie wir erzählt haben, voller 
Schrecken hinuntergelaufen waren; „Es muß ein 
Geist dasein." Da sie sich nicht fainaufzugehn 
getrauten, rief die Dame eine Sklavin und befahl 
ihr: „Geh hinauf und suche die Kleider des Herrn 
Kadi." 

Die Sklavin, die sich ebenso fürchtete, ging 
langsam tmd mit tausendfacher Vorsicht die 
Treppe hinauf, die zu dem Saale führte: sie 
schaute durch die Tür ins Zimmer hinein und sah 
niemand drinnen; sie öffnete den Bettschrank 
und die Truhe, ohne etwas zu entdecken, tmd 
kam wieder herunter. „Es ist niemand oben," 

135 



sagte sie zu der Dame und dem Effendi, i^weder 
ein Teufel, noch ein Geist/' 

Noch immer von tausenderlei Vermutungen 
betmruhigt, stiegen sie hinauf und setzten sich 
nieder; und der ICadi sagte: ,,Das war kein gutes 
Zeichen; verschieben wir unser Vergnügen auf ein 
andermal. Man bringe mir ungesäumt meine 
Kleider, daß ich mich anziehe und weggehe/' 

Die Dame befahl den Sklavinnen, die Kleider 
des Kadis zu bringen; aber die, die die Truhe 
öffnete, fand drinnen weder Kleider, noch Tur- 
ban« Sie meldete es ihrer Herrin, und die sagte 
es dem Kadi. Der Kadi versank in Nachdenken; 
er war völlig verwirrt und konnte sich nicht ent- 
rätseln, wie das zugegangen sein mochte: nackt 
war er ja vom Gerichtshause sicherlich nicht weg- 
gegangen. Endlich sagte er: „Was geschehn 
sollte. Liebste, ist geschehn; was sich erfüllen 
sollte, ist zur Wirklichkeit geworden." Dann 
schrieb er einen Brief an seinen Haushofmeister: 
„Gib dem Überbringer einen vollständigen Anzug, 
vom Kopf bis zum Fuß." Und indem er das 
Schreiben faltete, schloß und siegelte, bat er die 
Dame, damit jemand wegzuschicken. 

Die Dame ließ den Brief durch ihre Amme be- 
fördern. Die ging geradewegs ins Gerichtshaus 
und übergab ihn dem Stellvertreter des Kadis, 
dem Najb-Effendi. Er nahm Kenntnis von dem 
Inhalte und sah, daß der Kadi eine Mütze, einen 
Turban, Unterhosen und alles übrige haben 
wollte; er rief den Haushofmeister und teilte ihm 
alles mit. Dieser ließ sich, dem Briefe gemäß, 
im Harem einen vollständigen Anzug ausfolgen 
und übergab den Pack der Amme, und die brachte 

136 



ihn rasch dem Kadi. Der Kadi kleidete sich an, 
gärtete sich und band sich den Turban um; als er 
dann gehn wollte, erinnerte er sich des Maultiers 
und befahl es ihm vorzuführen. Eine Sklavin lief 
in den Stall; da sie es aber nicht vorfand« schrien 
sie: „Effendif das Maultier ist nicht da/' 

Der Kadi war zwar verdutzt über dieses neue 
Ereignis, nahm aber, ohne noch weiter zu ver- 
ziehen, von der Dame Abschied; er war so ver- 
stört, daß er auf dem ganzen Wege zum Gerichts- 
hause nicht vor und nicht hinter sich sah. Als er 
dann auf seinem Sitze ausruhte, rief er sich alles, 
was er tagsüber erlebt hatte, ins Gedächtnis zu- 
rück. Bald darauf ging er heim tmd legte sich, da 
es Nacht geworden war, schlafen. 

Am nächsten Tage verließ er seinen Harem 
schon in der Morgendämmerung und ging sein 
Amt als Richter versehn. Nachdem sich einige 
Freunde, die ihn zu unterhalten gekommen 
waren, entfernt hatten, wandten sich seine Ge- 
danken, wie er so allein war, wieder den Vorfällen 
des Abends zu; aber je mehr er nachdachte, desto 
mehr verwundert war er. 

Unterdessen zog der Hodscha Nasreddin die 
Kleider des Kadis an, wickelte sich dessen Tur- 
ban um und hüllte sich in dessen Mantel; und in 
dieser Tracht bestieg er das Maultier des Ef fen- 
dis und begab sich aufs Gericht. Den Dienern 
des Kadis entging es, als sie ihn ansahen, keines- 
wegs, daß er all die Kleider ihres Herrn trug und 
auch dessen Maultier ritt; sie liefen auch alsbald 
zum Kadi, um ihm das zu melden. „Herr," 
sagten sie, „Nasreddin-Effendi, der jetzt kommt, 
hat dich bestohlen; sieh dir nur die Kleider an, 

137 



die er am Leibe hat, und das Maultier, das er 
reitet." 

Aber der Kadi sagte: ,,Gebt acht, was ihr 
sagt; man darf niemand leichtfertig anklagen/' 

Inzwischen stieg der Hodscha ab, band das 
Maultier unten an der Stiege an, ging hinauf tmd 
begrüßte den Kadi« Der gab ihm den Gruß zu- 
rück, erhob sich tmd ließ den Hodscha« um ihm 
eine Höflichkeit zu erzeigen« den Ehrensitz ein- 
wehmen; er bot ihm einen vortrefflichen Kaffee an 
und überhäufte ihn mit ehrenvollen Aufmerksam- 
keiten. Schließlich ließ er alle lästigen Zuhörer 
entfernen und richtete geradeaus an den Hodscha 
die Frage: „Woher hast du diese Kleider, 
Hodscha-Effendi, und woher hast du das Maul- 
tier?" 

„Sowahr mir Gott helfe," antwortete Nasr- 
eddin, „gestern hat hier ein Kampf stattgeftmden: 
der Rote Prinz hat die Weiße Burg gestürmt. 
Als der Kampf am hitzigsten war, bemächtigte 
sich der Streitenden ein jäber Schrecken, und ich 
raffte die Beute auf, die auf dem Schlachtfelde 
verblieben war." 

Aus diesen Worten begriff der Kadi leicht, 
worum es sich handelte; er änderte seine Hal- 
tung und sagte zum Hodscha: „Da es deine Beute 
ist, ist es bilUg, daß du sie behältst; vielleicht muß 
sie sogar noch vergrößert werden, damit du, 
wenn man dich fragt: ,Hast du das Kamel ge- 
sehn?', antwortest: ,Es muß samt seinem Füllen 
verzehrt worden sein; ich habe weder das Kamel, 
noch das Füllen gesehn.' " 

Der Hodscha erwiderte: „Wenn das so sein 
soll, so gib mir den Preis des Kamels, damit sich 

138 



unser Mund so schließe, daß ihm auch nicht ein 
Wörtchen entfällt." 

Sowohl um den Wunsch des Hodschas zu er- 
füllen, als auch der eigenen Ruhe halber reichte 
ihm der Kadi zwanzig Goldstücke, indem er ihm 
noch eimnal ans Herz legte, ja nichts verlauten 
zu lassen« Und der Hodscha antwortete: „Wie 
sollte denn etwas bekannt werden? Alles bleibt 
unter tms, besonders wenn du mir statt des 
Kamelfüllens das Maultier geben willst; das ist 
dann alles, was ich von dir haben will/' 

„Einverstanden," sagte der Kadi, und er er- 
teilte seinen Dienern die entsprechenden Auf- 
träge. Die Diener führten dem Hodscha das 
Maultier vor und boten es ihm an; alsbald ver- 
abschiedete er sich von dem Kadi, stieg in den 
Sattel und ritt heim. . 

Von nun an trug er stets die Kleider, den 
Mantel und den Turban des Kadis und ritt stets 
das Maultier; außerdem hat er, nach dem, was 
erzählt wird, das Geheimnis keinem Menschen 
mitgeteilt. 

MAn erzählt, daß der Hodscha einmal ein 237. 

Kalb hatte; einen Tag tränkte und fütterte 
es seine Frau, am andern Tage er, an wen eben 
die Reihe kam. Nun wurde an einem Tage, wo 
es an der Frau war, diese Verrichtungen zu be- 
sorgen, ihnen gegenüber eine Hochzeit gefeiert, 
wozu man die Frau eingeladen hatte; qsl sagte 
sie zu ihrem Manne: „Wie werden wir es dies- 
mal halten?" 

Er antwortete: „Wir wollen ein Überein- 
kommen treffen; wer von uns zuerst ein Wort 

139 



spricht, muß dem Kalbe zu trinken tmd zu fressen 
geben/' 

nEinverstanden/' antwortete sie. 

Nach diesem Gespräche ging der Hodscha ins 
Haus und seine Frau ging zur Hochzeit. 

Nun hatte sich just an diesem Tage ein 
Zigeunertrupp vor der Stadt gelagert, und die 
Frauen hatten sich in den Straßen zerstreut und 
sahen rechts und links, ob es etwas zu stehlen 
gebe. Von ungefähr trat eine in das Haus des 
Hodschas; dort herrschte völliges Schweigen. Im 
Harem angelangt, sah sie den Hodscha, der 
durchaus stumm blieb. Augenblicklich machte 
sie sich daran, das Haus zu durchstöbern, las 
alles zusammen, was sie fand, und steckte es in 
ihren Sack; den Hodscha hatte sie leicht an- 
schauen: er verharrte in seinem Schweigen. Ohne 
weitere Bedenken nahm sie ihm die Mütze und 
den Turban vom Kopfe, und er verlor darüber 
kein Wort; „wenn ich spreche," sagte er sich, 
„muß ich das Kalb tränken." So schenkte er 
denn dem Treiben der Zigeunerin nicht die ge- 
ringste Aufmerksamkeit; sie benutzte das und 
machte sich davon. 

Inzwischen wurde im Hause des jungen 
Paares das Mahl aufgetragen, und die Frau des 
Hodschas belud eine Schüssel mit Speisen, um 
sie dem Hodscha zu bringen. Als sie heimkam, 
sah sie, daß man das Haus so gründlich aus- 
geplündert hatte, daß nicht einmal der Turban 
oder die Mütze auf des Hodschas Kopf verblieben 
war. Da brach sie das Schweigen und sagte: 
„Hodscha, wohin sind denn alle tmsere Sachen 
gekommen?" 

140 



„Du hast gesprochen/' schrie nun Nasreddin; 
„du mußt also heute unser Kalb tränken und 
füttem!" 

MAn ^zählti daß einmal in der Landschaft 238. 

Diarbekr ein kleiner Kaufmann war^ der 
sein Geschäft betrieb^ indem er von Dorf zu Dorf 
wanderte. Eines Tages trug er eine Last Trau- 
ben. Die Nacht fiel ein^ als er noch im Freien 
war^ aber niemand wollte ihm Gastfreundschaft 
gewähren. Schließlich sah er eine Frau, die vom 
Flusse kam. Er näherte sich ihr, als sie eben in 
ihr Haus treten wollte, und sagte ihr, daß ihm, 
weil er Trauben trage, niemand habe ein Nacht- 
lager geben wollen trotz der geheimen und ent- 
wickelten Vorteile, womit ihn die Natur aus- 
gestattet habe. Die Frau unterließ es keineswegs^ 
diese seine letzten Worte zum Gegenstande ihrer 
Überlegungen zu machen; tmver züglich trat sie 
ins Haus, ging zu ihrem Manne und sagte zu 
ihm: „Wie ich höre, ist gegenwärtig der Sohn 
meines Oheims im Dorfe; er ist, sagt man mir, 
ein herumziehender Händler. Warum hast du 
ihn nicht eingeladen?" 

Der Mann antwortete: „Aber wieso hätte ich 
denn von seiner Ankunft erfahren sollen?" 

Sie erwiderte: „Nicht einmal ein Hund wird 
sich getrauen, sich irgendwo einzufinden, wenn 
man ihn nicht gerufen hat." 

Nach diesem Gespräche ging der Gatte den 
Mann mit den Trauben suchen und lud ihn ein^ 
zu ihm zu kommen. Die Frau beeilte sich mit 
dem Empfange imd sagte zu ihm: „Willkommen, 
Vetter! Glück zur AnkunftI" und überhäufte ihn 

141 



mit Aufmerksamkeiten. Und als es Nacht wurde, 
bereitete sie ihm ganz nahe dem Schlafzimmer 
auf einem Sofa ein Bett Er legte sich nieder und 
die Eheleute taten desgleichen. Einen Augen- 
blick später schlief der Gatte, der sehr müde war; 
alsbald erhob sich die Frau geräuschlos und ging 
zu dem Kaufmanne. Sie unterhielten sich wohl 
miteinander; aber die Frau fand seine Waffen 
doch nicht so besonders, wie er früher gesagt 
hatte. Und sie sagte zu ihm: „Freund, du hast 
mir deine Vorteile arg übertrieben; es ist nichts 
da, was etwas wert wäre." 

„Ach, Frau," antwortete er, „ich habe mehr, 
als du siehst; aber ich war, es ist eine Zeit her, 
gezwtmgen, es zu verpfänden." 

Sie sagte voll Lebhaftigkeit: „Wie viel hast 
du darauf entlehnt?" 

Er antwortete; „Zwanzig oder dreißig Toman." 

Die gab sie ihm auf der Stelle und trug ihm 
auf, sein Pfand holen zu gehn und es ohne Fehl 
in der nächsten Nacht zu bringen. 

Am Morgen stand der Kaufmann auf und ging 
von neuem seine Trauben im Dorfe ausbieten. 
Als es Abend wurde, fragte er sich, wie er es 
anfangen solle, um seine Wirtin zufrieden zu 
stellen. In diesen Gedanken versunken, be- 
merkte er auf einmal, daß ein Bienenschwarm 
seine Regungslosigkeit benutzt hatte, um sich 
auf dem Korbe mit den Trauben zu ver- 
sammeln; da schrie er: „Ich habsl" Er nahm 
eine Biene tmd drückte sie auf das Werkzeug, 
das als zu geringfügig befunden worden war: die 
Biene versenkte ihren Stachel hinein; es zeigte 
sich eine Entzündung, und das Ding schwoll der- 

142 



maßen an, daß man schier nicht hätte erraten 
können, was es war. Das getan, ging er die Frau 
aufsuchen; sie war gerade allein zu Hause« Und 
sie fragte ihn: „Hast du es ausgelöst aus den 
Händen der Wucherer?" 

„Jawohl." 

Als es Abend war, ging man zu Tische; dann 
kam die Zeit, schlafen zu gehn. Alle drei legten 
sich so nieder wie in der Nacht vorher, und man 
hatte keine Acht darauf gehabt, das Bett des 
Fremden nicht neben dem Schlalfzimmer zu be- 
reiten. 

Kaum war ihr Gatte eingeschlafen, so kam 
schon die Frau zu dem Kaufmanne, den die 
Schmerzen kein Auge zutun ließen und der sich 
in seinem Bette wand wie auf einem Roste. Bei 
dem Anblicke, der sich ihr bot, glaubte die Frau 
vor Wonne zu vergehn; dabei kam ihr ein Wind 
aus. „Wie?" schrie der Fremde; und mit einem 
in Diarbekr üblichen Ausdrucke: „Deinem Mann 
in den Bart?" 

„O nein," sagte die Frau, „den armen trifft 
kein Vorwurf, aber dich desto mehr; hast du dich 
doch, obwohl du weißt, wie unschätzbar das ist, 
was du hast, nicht gescheut, es zu verpfänden!" 



Eines Tages sagte der Hodscha zu seinen 239, 

Freunden; „Ein Sommemachmittag ist so 
viel wert wie drei ganze Tage im Winter." 

Sie fragten ihn: „Wie das?", und er ant- 
wortete: „Ich weiß es aus Erfahrung: als ich 
meinen Kaftan im Winter gewaschen habe, 
brauchte er drei Tage, um zu trocknen; dann habe 

143 



ich ihn an einem Nachmittag im Sommer ge- 
waschen und da war er noch vor Nacht trocken/* 

240. T^Inmal sagte der Hodscha: ««Zwischen der 
E^ Jugend und dem Alter ist kein Unter- 
schied/' 

Man fragte ihn: „Wieso denn?", tmd er ant- 
wortete: „Vor unserer Tür liegt ein Stein; nur 
wenige Leute sind imstande, ihn zu heben. In 
meiner Jugend habe ich versucht, ihn zu heben, 
und es ist mir nicht gelungen; später und dann 
jetzt, wo ich ein Greis bin, ist mir das eingefallen, 
und ich habe es von neuem versucht, aber ich 
habe ihn wieder nicht heben können. Diese Er- 
fahrung ist es, warum ich sage, daß zwischen der 
Jugend und dem Alter kein Unterschied ist/' 

241. T^^^ Hodscha Nasreddin — Gottes Barmherzig- 
LJ keit üb^ ihn — war vor kurzem aus diesem 
vergänglichen Leben in eine bessere Welt abge- 
schieden; sein erlauchtes Grab war neben einer 
ehrwürdigen Moschee« Als nun an einem Frei- 
tage das Volk zum Gebete versammelt war, horte 
man plötzlich eine jauchzende Stimme: „Musel- 
manen, d^ Hodscha Nasreddin hat sein Grab 
verlassen; er reitet auf seinem Grabsteine, er 
schreit und ist lustig/' 

Auf diese Worte hin liefen die Gläubigen aus 
der Moschee, und augenblicklich stürzte hinter 
ihnen die Kuppel ein; niemand erlitt auch nur 
die geringste Verletztmg. 

Ihr erseht, meine Freunde, eine wie hohe 
Stelle d^ erlauchte und glorreiche Hodscha 
Nasreddin unter den Heiligen einnimmt, die Gott 

144 



den Allmächtigen umgeben^ da ihm erlaubt 
worden ist, sogar nach seinem Tode Wunder 
zu tun. 

Über ihn sind viele glaubwürdige Geschichten 
aufgezeichnet worden; aber noch zahlreichere 
sind mit Unwahrheiten behaftet. Gott weiß, wie 
es damit steht I Aber erinnern wird man sich 
seiner bis zu dem Tage des jüngsten Gerichtes I 

Die Barmherzigkeit Gottes sei mit ihm, die 
Barmherzigkeit und die Verzeihung! 

Eines Tages predigte der Hodscha Nasreddin 242. 

in Siwri-Hissar; und er sagte, mit dem Kopfe 
wackelnd: „Muselmanen, das Klima in dieser 
Stadt ist dasselbe wie in Kara-Hissar/' 

Man fragte ihn: „Wieso denn?", und er ant- 
wortete: „In Kara-Hissar habe ich mich entblößt 
und mein Glied betrachtet: es hing schlaff über 
dem Beutel; hier habe ich mich entblößt und es 
betrachtet: es war ebenso/' 

Eines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel 243. 

und predigte: „Danken wir, Muselmanen, 
dem wahrhaftigen und allmächtigen Gotte, daß 
er nicht wollte, daß wir den Hintern in der Hand 
hätten; sonst würden wir uns mehr als hundert- 
mal täglich die Nase schmutzig machen/' 

Wieder stieg der Hodscha auf die Kanzel 244. 

und begann zu sprechen: „Ewigen Dank 
müssen wir Gott sagen, Muselmanen, daß er das, 
was er uns für vorne gegeben hat, nicht hat 
hinten anbringen wollen; sonst hätte jeder schier 
unfreiwillig den Gesellen Lots gleich werden 

Nasreddin, I. IQ 145 



mfissen, indem er das getan hättei wovor sich nur 
Lot allein hat bewahren können/' 

245. A Ls sich der Hodscha eines Tages erging, 
t\ sah er einige Frauen, die Kleidungsstücke 
wuschen. Er trat näher an sie heran, und da 
entblößten sie sich. Und sie fragten ihn: „Wie 
heifit das?" 

Der Hodscha antwortete: „Auf Türkisch heißt 
es Am", ohne irgendeine Umschreibung zu ge- 
brauchen. 

Sie antworteten: „Jedenfalls ist es das Para- 
dies des Armen." 

Der Hodscha ging weg; er wickelte seinen Sik 
in ein Stück Leinwand wie in ein Leichentuch 
und legte einen Hobelspan herum, der die Stelle 
des Sarges vertreten sollte, und kam also zurück. 
Sie sagten zu ihm: „Was ist das, Hodscha?" 

„Das ist ein Armer, der gestorben ist; jetzt 
will er ins Paradies." 

Um diesen Wunsch zu erfüllen, nahm ihn 
eine in die Hand; der Beutel aber blieb außer- 
halb und sie sagte: „Was ist das?" 

Der Hodscha antwortete: „Das sind die Kin- 
der des Armen, die sein Grab besuchen ge- 
kommen sind." 

246. ^Wei Männer erschienen vor dem Hodscha 
jLj und der eine sagte: „Ich habe dem da Geld 
gegeben, und er gibt es mir nicht zurück." 

Der Hodscha sagte: „Warum bezahlst du ihn 
nicht?" 

Der gefragte antwortete: „Der Grund ist, daß 
ich kein Geld habe." 

146 



Der Gläubiger sagte: ,,Soll ich mich mit 
solchen Gründen bezahlen lassen, Effeüdi? 
Mach ihm doch ein bißchen Angst, ich bitte 
dich," 

Sofort hielt der Hodscha je einen Finger an 
seine Augen und einen an den Mund und schrie; 
,,Waur'i wie man tut, wenn man die kleinen 
Kinder schrecken will; ,,und jetzt gib ihm sein 
Geld." 

DEm Hodscha wurde ein Mann vorgeführt, um 2iT. 

verhört zu werden. Der Hodsdia ließ ihn 
auf die Folter spannen und ihn schließlich an 
den Armen aufhängen; dabei sagte er immerfort 
zu ihm: „Gesteh doch." 

Endlich wurde er der Sache überdrüssig und 
ließ ihn abnehmen; da schrie der gefolterte: 
„Noch einen Augenblick, und ich hätte alles 
gesagt." 

Trotzdem ließ ihn der Hodscha ruhig weg- 
gehn. 

MAn führte dem Hodscha, der damals Kadi 24%. 

war, einen Mann vor und sagte, um ihn zu 
verklagen: „Er hat eine Katze besprungen." Da 
Zeugen dafür dawaren, war ein Leugnen unmög- 
lich. Der Hodscha aber fragte ihn: „Wie hast 
du sie denn genommen?" 

„Ich habe, du weißt schon, was ans Pförtchen 
gebracht und habe mir, indem ich sie bei den 
Pfoten hielt, den Eintritt erzwtmgen; es ist so 
gut gegangen, daß ich es zweimal habe wieder- 
holen können." 

„Wahrhaftig," schrie der Hodscha, indem er 

10* 147 



ihn voll Bewunderung anblicktei „du bist wahr- 
haftig mein Meister in diesem 3piele; hab ichs 
doch schon mehr als dreifiigmal so wie du ver- 
sucht, ohne daß es mir auch nur einmal gelungen 



Wäre/* 



249. A^An brachte zwei Krüge zum Hodscha, der 
lyjL eine voll Sesamöl, der andere voll Urin; 
zugleich fährte ihm die Scharwache zwei Männer 
vor, deren jeder behauptete, das Ol gehöre ihm, 
und es handelte sich darum, es einem von den 
beiden zuzusprechen. 

Der Hodscha befahl: „Sie sollen beide ihr 
Wasser ablassen und zwar in verschiedene Ge- 
fäße; den Krug mit Ol soll dann der haben, der 
Ol pißt." 

250. T^^^ Hodscha schnitt sich die Nägel und man 
mJ sagte zu ihm: „Die Abschnitzel mußt du in 
einer Fußtapfe vergraben." 

Der Hodscha stand auf, ging sie vergraben, 
wie man ihm gesagt hatte, und verrichtete dar- 
über seine Notdurft. Als man ihn fragte: „Was 
machst du da, Hodscha?", antwortete er: „Ich 
will den Ort bezeichnen, damit ihr ihn leichter 
kennt." 

251. OEine Frau sagte zum Hodscha: „Ich gehe ins 
O Bad; gib, solange ich abwesend bin, auf das 
Kind acht." Kaum war sie gegangen, begann das 
Kind zu schreien. Nun hatte der Hodscha neben 
sich eine Schüssel Joghurt stehn; damit be- 
schmierte er seinen Sik und fand auf diese Weise 
ein Mittel, den Hunger des Säuglings zu stillen» 

148 



iiSehr gut, Hodscha/' sagte seine Fraui als sie 
zurückkam und das Kind schlafend fand; „sehr 
gut!" 

,,Acli| Liebste/' antwortete der Hodscha, i,bis 
du gekommen bist, habe ich ihn neunmal von 
diesem Sik Joghurt saugen lassen; wenn du das 
getan hättest, schliefest du auch/' 



HOdscha," sagte eines Tages seine Frau zu 252. 

ihm, „du gehst von mir geradeso weg wie 
vom Abtritt/' 

Als er nun einmal vom Abtritte wegging, ließ 
er wirklich einen Wind. Einer, der vorbäging, 
sagte zu ihm: „Das ist eine Schande/' 

Er antwortete: „Das ist diese Dirne, von der 
ich gelernt habe, aufzumachen, was man nicht 
soU/^ 



Eines Tages sagte der Hodscha zu seiner Frau: 253. 

„Koch mir Halwa/' Seine Frau breitete die 
Kuchen und gab sie ihm; er legte sie in &ne 
Schachtel. Als er nun damit auf dem Wege war, 
lockten ihn die Kuchen; er begann ein bißdien zu 
essen, dann noch ein bißchen, bis schließlich alles 
verzehrt war. So kam er zum Bei, und der 
schrie, kaum daß er ihn erblickt hatte: „Will- 
kommen, Hodscha!" 

„Gnädiger Herr," dagte Nasreddin, „ich habe 
dir eine Schachtel Halwa mitgebracht; wenn du 
mir nicht glaubst, so schau dir die Schachtel an, 
die ich dahabe/' Und er zeigte ihm die Schachtel. 

149 



254. JiK An brachte dem Sohne des Hodschas weiBen 
JL^L Halwa und fragte ihn: ««Was ist das?" 

Er besah die Kuchen von allen Seiten und 
sagte: „Das ist ein Topf mit weißen Zwiebeln." 

Da schrie der Hodscha: „Gott soll mich 
strafen« wenn er das von mir gelernt hat!" 

255. T^Ines Tages sah der Hodscha einen hübschen 
XL Esel; augenblicklich trat er an ihn heran 
und nahm ihn her. Kaum war er fertig, als zwei 
Männer daherkamen« und die fragten ihn: „Was 
machst du da, Hodscha?" 

„Seht ihrs denn nicht?" antwortete er; «4ch 
mache« daß ich von diesem Vieh wegkomme." 

256. T^Ines Tages besprang der Hodscha ganz nahe 
Xlf bei einer Moschee einen Esel; ein Mann« der 
vorbeiging, spuckte aus. Da schrie der Hodscha 
voll Unwillen: „Wenn ich nicht eben beschäftigt 
wäre, würde idi dich lehren, hier ausspuckenl" 

257. T^Ines Tages besprang der Hodscha seinen 
Xlf Esel; da er einen Mann herankommen sah« 
bedeckte er sich mit seinem Mantel. Der Mann 
trat näher; er hob einen Zipfel des Mantels und 
schrie: „Wer ist das?" 

Der Hodscha antwortete: „Sieh nach, bitte, 
was imstande gewesen ist, mich in diese Lage 
zu bringen; ich wenigstens weiß von gar nichts." 

258. T\^^ Hodscha hatte eines Tages seinen Esel 
Umt Schilf beladen. Da er bemerkte, daß die 
Last auf der einen Seite schwerer war als auf 
der andern, sagte er: „Ich will den schwerem 

150 



Bund anzünden; so wird sich das Gleichgewicht 
herstellen, und überdies werde ich mich, da mir 
sowieso kalt ist, wärmen können/' Kaum spürte 
aber der Esel die Wärme, als er davonzulaufen 
begann« Der Hodscha setzte ihm nach und 
schrie: „Hat man dich denn beim Füttern nicht 
getränkt, daß du es so eilig hast, zum Wasser 
zu kommen?*' 

ALs einmal der Hodscha seinen Esel verloren 259. 

hatte, sagte einer zu ihm: „Ich habe ihn 
dort und dort als Muezzin gesehn/' Der Hod- 
scha ging in die ihm genannte Ortschaft, und als 
er ankam, stieg eben ein Muezzin aufs Minaret, 
um zum Gebete zu rufen; und der Hodscha 
schrie, als er das sah: „Woher kommt denn der 
Unseliger* Dann nahm er seinen Sack vom 
Rücken, nahm eine Handvoll Gerste und zeigte 
sie, wie man es macht, wenn man einen Esel ruft, 
dem Muezzin und rief: „Tschosch, Tschoschl" 

Der Muezzin sah vom Minaret aus, daß ihm 
der Hodscha etwas anbot; er dachte, der Hodscha 
wolle ihn herunterlocken, um ihm einen Streich 
zu spielen, und so sagte er: „Du willst mich 
foppen; aber die Kosten wirst du bezahlen/' 

Über diese Antwort war der Hodscha ganz 
verdutzt. 

Eines Tages besprang der Hodscha seinen Esel 260^ 

und legte sich dann mitten auf dem Wege 
in der Sonne neben ihm nieder, den Sik entblößt. 
Ein Mann kam dazu, und der schrie: „Was 
machst du da? das ist schändlich!" 

„Ah," sagte der Hodscha, „warum sollte idi 

151 



ihn nicht trocknen lassen? wenn ich ihn bei 
meiner Frau gebraucht habei tue ichs ja auch/' 

26t . T\^^ Hodscha hatte acht Esel; auf dnen stieg 

JLJ er. Als er dann seinen Ritt gemacht hatte, 
zählte er sie, brachte aber nur sieben h^aus; er 
vergaß nämlich den, auf dem er saß. Nachdem 
er abgestiegen war, brachte er acht heraus; über 
diese Erscheinung war er ganz verdutzt, so daß 
ihn einer, der vorüberkam, fragte, worüber er 
sich wtmdere. Er schrie: „Früher waren es nur 
sieben; jetzt sind es auf einmal acht." 

„Der, auf den du gesessen hast, hat eben die 
Zahl vollgemacht." 

Und der Hodscha antwortete: „Ja, wie hätte 
ich denn sehn sollen, was ich am Hintern hatte?" 

262. TT^Ines Tages ging der Hodscha mit seinem 

XL Amad auf die Jagd. Er hatte einen Falken 
auf der Hand; sie ließen ihn steigen und er setzte 
sich auf einen Ochsen. Alsbald schlang der 
Hodscha einen Strick um den Kopf des Ochsen, 
zog ihn zu sich nach Hause und band ihn an. 
Der Eigentümer ging seinen Ochsen suchen und 
fand ihn schließlich beim Hodscha; da sagte er 
zum Hodscha: „Der Ochs ist mein; wieso hast 
du ihn hier angebunden?" 

„Potzteufel, Dummkopf," antwortete der Hod-. 
scha, „mein Falke hat ihn gebeizt; er ist meine 
Jagdbeute." 

Sie gingen mitsammen zum Kadi und er- 
klärten ihm den Fall. Der Kadi schrie: „Aber 
Hodscha, seit wann fängt denn ein Falke einen 
Ochsen?" 



152 



,,Nun/' antwortete Nasreddiiii ,«auf das Kamel 
zu beizeni ist gewiß nicht verboten; sollte denn 
zwischen einem Vieh tmd dem andern mehr 
Unterschied sein als zwischen ihnen tmd dir?" 

DEr Amad sagte eines Tages zum Hodscha: 263. 

i,Hodscha, du bist nicht imstande, dich, 
wenn man Speisen vor dich hinstellt, so zurück- 
zuhalten, wie die gebildeten Fremden tun, die 
nach ein paar Bissen zu essen aufhören." 

„Amad," antwortete der Hodscha, „ich werde 
mir einen Faden an die Zehe binden; wenn du 
bemerkst, daß ich zu viel esse, so ziehe daran." 

Dergestalt miteinander einig, wurden einmal 
der Hodscha und sein Amad zu einem Mahle 
eingeladen. Eben war das Auftragen beendigt, 
als eine Katze ihre Pfote auf den Faden legte, 
der an dem Fuße des Hodschas befestigt war; 
sofort hörte der Hodscha zu essen auf. 

Man fragte ihn: „Warum ißt du nichts, 
Hodscha?" 

„Warum ich nicht esse?" schrie er; „mein 
Amad zieht ja am Faden!" 

Eines Tages wollte der Hodscha der Liebe 264. 

pflegen; aber von ungefähr setzte sich eine 
Biene auf sein männliches Glied. Da schrie er: 
„Du weißt also ganz gut, was gut ist; es ist auch 
wahrhaftig eine Blume, die gewählt zu werden 
verdient, wenn es gilt, Honig zu bereiten!" 

Eines Tages legte man dem Hodscha die Frage 265. 

vor: „Was soll die Versammltmg tun, wenn 
der Imam einen Wind läßt?" 

153 



„Was sie tun soll/' antwortete der Hodscha; 
„aber es ist klar, sie muß scheißen." 

266. A Ls der Hodscha eines Tages auf dem Markte 
X^ war, besahen sich die Leute sein Geld be- 
sonders aufmerksam; da sagte er zu einem: „Was 
siehst du denn daran außergewöhnliches? ist es 
vielleicht das, das der Bankhalter deiner Mutter 
versprochen hat, um bei ihr zu schlafen?*' 

267. . T\Er Hodscha, der schon einen weißen Bart 

JLJ hatte, sah eines Tages eine Schar Frauen, 
die eine Braut dem jungen Gatten zuführten. Da 
verließ ihn seine Kaltblütigkeit tmd er tat ihnen 
einen Schimpf an. Sie sagten zu ihm: „Schämst 
du dich denn nicht? wie kannst du dich denn bei 
deinem weißen Barte so wenig zurückhalten?" 

„Frißt vielleicht", antwortete er, „ein weißer 
Hund weniger Dreck als ein anderer?" 

268. T^Ines Tages wollte der Hodscha in der Nach- 
Xlf barschaft einen Becher entleihen; da sagte 
seine Frau zu ihm, indem sie sich entblößte: 
„Nimm den da!" 

„Meinetwegen," antwortete er, indem er sich 
auch entblößte; „der Klotz da wird ihn schon in 
die richtige Form bringen." 

269. A Ls der Hodscha eines Tages in den Busch 
Xju ging, begegnete er einem reitenden Boten. 
Bald darauf sah er, nachdem er auf seinen Esel 
gestiegen war, nach allen Seiten herum, konnte 
aber den Reiter nicht erblicken; dann sah er ihn 
wieder und da schrie er: „He, MannI he, Mann!" 

154 



Der antwortete; „Du sollst nicht Mann sagen; 
du mußt Bote sagen/' 

Nach einer kleinen Weile sagte der Hodscha, 
sich über seinen Esel beklagend; „Da schau einer 
dieses Füllen anl" 

Der andere sagte; „Das ist kein Füllen; das 
ist ein ausgewachsener Eselshengst/' 

Und der Hodscha antwortete: „Ich habe meine 
Gründe, ihn nicht Esel zu nennen; mein^ Vater 
hat uns nämlich miteinander aufgezogen/' 

DEr Hodscha nahm eines Tages den Esel 270, 

seines Nachbars und ging mit ihm ins Ge- 
birge. Auf dem Wege kam er an einen Fluß, 
der über die Ufer getreten war; er versuchte ihn 
auf dem Esel reitend zu übersetzen, aber die 
Strömung packte den Esel und er konnte ihn 
nicht retten. 

Als er betrübt heimkam, fand sich der Eigen- 
tümer des Esels bei ihm ein und forderte ihn zu- 
rück. Und der Hodscha sagte: „Als ich über 
denundden Fluß setzte, hat ihn die Strömung mit 
sich fortgerissen." 

Der Herr des Esels ging weg, aber bald darauf 
wurde der Hodscha zum Kadi gerufen; und dem 
antwortete er: „Ef feudi, um diesen Esel wieder- 
zubekommen, heißt es sich an unsere Freunde 
wenden; der eine hat den Kopf, der andere den 
Schwanz und so weiter." 

Eines Tages sah der Hodscha auf dem Markte 271. 

eine Frau; er trat auf sie zu und fragte sie:. 
„Was hast du zu verkaufen?" 

„Was ich auf dem Rücken trage." 

155 



„Willst du nicht vielleicht einen tüchtigen 
Schwanz kaufen?" 

Sie schrie: ,,Du bist wahrhaftig verrückt!" 

Aber der Hodscha antwortete, ohne irgendwie 

ungehalten zu sein: ,,Glaub es mir: wenn du 

keinen Schwanz kaufen und kein Loch verkaufen 

willsti so hast du auf dem Markte nichts zu tun/' 

272. T^Ines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel 
XL und sagte: ,,Danken wir Gott, Muselmanen, 
daß er sich in seiner Allmacht einen Palast hat 
erbauen können ohne Säulen; denn sonst hätte 
er Steinbäume gebraucht, und deren Früchte 
hätten uns, je nachdem sie reif geworden wären, 
beim Herunterfallen erschlagen." 

273. A Ls der Hodscha einmal seine Straße ging, 
.^X fand er ein totes Huhn auf dem Wege 
liegen. Augenblicklich hob er es auf; er trug es 
heim, rupfte und kochte es und setzte es auf 
den Tisch« Da schrien die Leute, die dabei 
waren: „Aber Hodscha, das Huhn ist unrein; es 
hat ja sein Leben nicht durch die Hand eines 
Menschen verloren." 

„Ihr Narren," schrie der Hodscha, „soll es 
denn unrein sein, weil es Gott getötet hat und 
nicht ihr?" 

274. 'ppiner von den Nachbarn des Hodschas Nasr- 
Hä eddin war gestorben, und die andern luden 
den Hodscha ein, die vorgeschriebenen Bräuche 
zu vollziehen. Er sagte bereitMrillig zu; er be- 
gleitete sie, der Tote wurde gewaschen, ins 
Leichentuch gehüllt tmd auf den Friedhof ge- 
tragen und nach dem Gebete legte man ihn ins 

156 



Grab* Als sich dann die Leute anschickten, weg- 
zugehn, sagte der Hodscha: „Bezahlt mir, was 
mir für das Begräbnis zukommt/' 

„Das ist billig,*' sagten sie. 

Sie befriedigten ihn und zerstreuten sich. Als 
aber jeder zu seinem Geschäfte zurückgekehrt 
war, band er den Sarg zusammen und trug ihn 
zu einem Flusse und ließ ihn dort; bald erfaßte 
ihn die Strömung und riß ihn fort. Unterdessen 
ging der Hodscha im ganzen Viertel henmi und 
sagte: „Der Mann war reich an geheimen Ver- 
diensten; er hat, tot, wie er war, samt seinem 
Sarge das Grab verlassen und ist zum Himmel 
gefahren." 

Jedermann glaubte es und traute seinen 
Worten, bis eines Tages einer von den Dorfleuten 
von ungefähr einen Sarg sah, der an das Ufer ge- 
trieben war; andere Leute kamen dazu, und sie 
nahmen den Sarg aus dem Wasser, und bald 
wußten sie, woran sie waren. Da sagten sie: 
„Morgen verlangen wir vom Hodscha das Geld 
für das Begräbnis zurück; mindestens muß er 
etwas nachlassen." 

Sie gingen zu ihm und setzten ihm ihre 
Forderung umständlich auseinander; aber der 
Hodscha antwortete ihnen, ohne sich erst zu be- 
denken: „Gott hat ihn zuerst für einen guten 
Menschen gehalten, aber er hat sich getäuscht; 
als er dann seinen Irrtum inne geworden ist, hat 
er ihn wieder heruntergeworfen/' 

Eines Tages kamen etliche Frauen an das Ufer 275. 

eines Flusses, und sie wußten nicht, wie sie 
auf die andere Seite hinübergelangen sollten. Da 

157 



kam der Hodscha heran, und der fragte sie: 
„Worauf wartet ihr?" 

Sie antworteten: „Wenn du uns hinüber- 
bringst, geben wir dir jede einen Asper/' 

Augenblicklich legte der Hodscha Kleider und 
Hosen ab und stieg ins Wasser; und er trug eine 
nach der andern hinüber. Schließlich blidb nur 
noch eine alte Frau; die aber fühlte, wie er sie 
von dem einen Ufer ans andere trug, daß sie ein 
Gelüst ankam, und so sagte sie zu ihm: „Mir sind 
verliebte Gedanken gekommen, ich muß es schon 
gestehn; weißt du, wer ich bin, Hodscha?" 

„Nun wer denn?" 

„Ich bin die Mutter der Lust." 

„Und wenn du die Mutter des Imams wärest," 
antwortete der Hodscha, „so würde mich das 
nicht abhalten, dich herzunehmen wie einen 
Mann." 

Er entblößte sie, brachte sie in die richtige 
Stelltmg und besprang sie verwegen; und mitten 
darin ließ er einen Wind. Sie sagte: „Was 
machst du da, Hodscha?" 

Er antwortete; „Vor eitel Lust an dem, was 
du mir geöffnet hast, habe ich es an mir auch 
geöffnet." 

276^ A Ls der Hodscha eines Tages mit seiner Frau 

jt\. einen Fluß entlang ging, fiel sie ins Wasser, 
und die Strömung riß sie fort. Augenblicklich 
begann der Hodscha flußaufwärts zu laufen; das 
fiel den Leuten auf und sie fragten ihn: „Was 
suchst du, Hodscha?" 

„Meine Frau; sie ist ins Wasser gefallen." 
„Aber Effendi," erwiderten sie, „flußaufwärts 

158 



darfst du sie doch nicht suchen; der Fluß fließt 
ja hinunter und nimmt sie mit/' 

,,0 nein/' schrie der Hodscha; „meine Frau 
hatte ein so widerspenstiges Weseiii daß sie ent- 
schieden aufwärts treibt/' 

Einmal hatte der Hodscha Nasreddin aus ZIl. 

Ochsenfleisch Würste gemacht; aber es ver- 
gingen zwei oder drei Tage, ohne daß er auch 
nur etliche verkauft hätte, und so warf er sie 
alle den Hunden hin und sagte zu diesen; „In 
einem Monat werdet ihr mich bezahlen/' Als 
dann der Monat um war, fing er die Hunde und 
sperrte sie in einen Garten, um sie zur Zahlung 
zu zwingen. 

Und man fragte den Hodscha: „Was willst 
du von ihnen? es ist doch unerhört, Hunde ein- 
zusperren, damit sie zahlen/' 

„Sie haben meine Würste gegessen; warum 
soll ich nicht mit ihnen verfahren, wie es mein 
Recht ist?" 

Nach einigen auf diese Weise verbrachten 
Tagen begannen die Htmde unter dem Stachel 
des Hungers unruhig zu werden; und der Hod- 
scha schrie: „Nur Geduldl wir werden schon 
sehn, wie sie sich aus der Sache ziehen werden/' 

Nun war in dem Garten ein großer Stein, 
unter dem irgendjemand einen Topf voll Gold- 
stücke verborgen hatte. Diesen Stein schob ein 
Hund bei seinen Bemühungen, etwas für seine 
Zähne zu finden, weg und warf dabei den Topf 
um, so daß der zerbrach; das Gold ergoß sich 
auf den Boden. 

Der Hodscha las die Münzen auf; dann ent- 

159 



ließ er die Hunde und schrie: f,Ach, die armen 
Kerle: ich hab ihre Ehrlichkeit ungerecht in Ver- 
dacht gehabt; aber warum haben sie mich nicht 
zur Frist bezahlt?" , 

278. T^ Ines Tages sagte sich der Hodscha, als er auf 
Es den A&rkt ging: ,|Es heißt achtgeben, daß 
ich nicht bestohlen werde"; und er tat seine 
Kürbisse in einen Sack und warf ihn über seine 
Schultern. Auf dem Markte angelangt sah er 
ntm vor ihm einen Mann gehn, der früher hinter 
ihm gegangen war, und der trug auf dem Rücken 
einen Sack mit Kürbissen, der ebenso aussah wie 
der seinige* Da fragte er sich; „Wenn der, der 
da vorne geht, nicht ich bin, wer kann es dann 
sein? Wsdirhaftig, ich verstehe es nicht." 

279. A Ls der Hodscha eines Tages öffentlich das 
J^ Morgengebet sprach und zu der Lobpreisung 
Gottes kam, stellte er sich aufrecht hin und ver- 
kündete zwei- oder dreimal mit geläufiger Zunge 
die Anrufung: „Allah ist groß!" Da er aber auch 
dann nicht aufibörte, diese Worte immer wieder 
zu wiederholen, schrie endlich einer: „Aber Hod- 
scha, beim Morgengebete sollen doch nach der 
Anrufung, die du sprichst, zwei Verse aus der 
Überlieferung und zwei Gebote hergesagt werden; 
warum wiederholst du immerfort die Anrufung?" 

„Tue ich es öfter, als es nötig wäre," ant- 
wortete der Hodscha, „so bleibt eben Gott für 
das übrige mein Schuldner." 

280. T^^^ Hodscha brachte eines Tages eine Schüssel 
JLy Joghurt auf den Markt, um sie zu ver- 
kaufen. Nun kamen ganze Wolken von Fliegen 

160 



und setzten sich auf den Joghurt; da es ihm 
nicht gelang, sie zu verjagen, ging er zum Kadi, 
um gegen sie Klage zu führen, tmd der Kadi 
sagte zu ihm: „Nimm einen Schlägel und schlag 
die Fliegen tot, wo immer sie sitzen/' 

Der Hodscha holte sich einen Schlägel, ging 
damit wieder zum Kadi und sagte zu ihm: 
„Ef feudi, ist das ein richtiger Fliegenschlägel?" 

„Freilich," antwortete der Kadi; „der ist 
wahrhaftig geeignet, sie überall zu vertilgen, 
wohin sie sich setzen/' 

Just in diesem Augenblicke liefen etliche 
Fliegen über den Kopf des Kadis; kaum sah sie 
der Hodscha, als er sie auch schon mit seinem 
Schlägel auf dem Kopfe des Kadis erschlug, 
wobei freilich auch der Kadi tot auf dem Platze 
blieb. Alsbald wurde der Hodscha verhaftet, 
und die Leute, die dort waren, fragten ihn: 
„Warum hast du unsem Kadi getötet?" 

Und der Hodscha antwortete: „Wenn ich das 
Gesetz auch nur in einem Punkte verletzt habe, 
so lasse man mich die Strafe der Vergeltung er- 
leiden/' 

Sie führten ihn dem Mufti vor und dem sagte 
er; „Er hat mir gesagt, ich solle mit diesem 
Schlägel die Fliegen erschlagen, wo immer es sei; 
ich habe ihrer einige auf seinem eigenen Kopfe 
gesehn und habe sie erschlagen: er darf also, 
wenn er gestorben ist, niemand verantwortlich 
machen, als sich selber. Übrigens geschieht 
nichts, ohne daß es Gott zuließe. Das ist es, was 
ich vorzubringen habe/' 

„Wo hast du denn schon", fragte ihn der 
Mufti, „eine solche Rechtsprechung gesehn? 

Natreddin, L H Jg} 



Weißt du nicht, daß geschrieben steht: ,Wo keine 
böse Absicht ist, kann es keine Züchtigung 
geben?' " 

„Das ist es ja gerade, was mich rechtfertigt," 
antwortete der Hodscha; „man hätte wahrhaftig 
keine Schriftstelle finden können, die mir gün- 
stiger gewesen wärel" 

281. T^^^ Hodscha ging eines Tages ins Gebirge und 

JL^ belud seinen Esel mit Holz; dann sagte er 
zu ihm; „Nimm du diesen Weg, ich nehme den 
da/' Damit überließ er den Esel sich selber samt 
der Last, die er trug. 

Als er nach einem eilig zurückgelegten 
Marsche nach Hause kam, fragte er seine Frau, 
ob der Esel schon daheim sei; aber sie sagte: 
„Ich weiß nichts von ihm/' 

„Was?" sagte der Hodscha; „ich bin also 
zuerst gekommen?" 

Er ging auf dem nämlichen Wege zurück und 
fand seinen Esel dort weiden, wo er ihn verlassen 
hatte; weiter mußte er sehn, daß ein Mantel, den 
er ihm auf den Rücken gelegt hatte, fehlte: man 
hatte ihn gestohlen* Da schrie er den Esel an: 
„He, wo ist mein Mantel? du bists, mit dem ich 
rede!" 

Aber der Esel antwortete nichts — noch nie 
hat ja ein Tier gesprochen. Nun nahm ihm der 
Hodscha den Sattel vom Rücken und sagte: 
„Wenn du mir meinen Mantel zurückgibst, gebe 
ich dir auch deinen Sattel wieder/' 

282. T^^^ Hodscha kaufte einen Neger; dann kaufte 

JLJ er neun Stück Seife, um ihn damit weißzu- 
waschen. Er führte ihn ins Bad und verwusch die 

162 



netin Stück Seife; aber alles war umsonsti weil 
man eben einen Neger nicht weißwaschen kann. 
Ermüdet schrie der Hodscha endlich: i,Da ist mir 

B. ein Meisterstück einer Färberarbeit in die 
ände gekommen; es ist wirklich überflüssig, an 
einem fertigen Ding etwas ändern zu wollen/' 

Eines Tages sah der Hodscha im Bade zwei 283f 

verzinkte Schalen und die gefielen ihm sehr 
gut; er steckte sie unter sein Badetuch und ging 
damit weg. Zwei Bade jungen hatten ihn aber be- 
obachtet und sagten nun zu ihm: „Das Bad tut 
dir wohl, Hodscha-Effendi/' 

„Das Bad und die Schalen/' antwortete er. 

ES kam einer zum Hodscha, um ihn um Gast- 284. 

freundschaft zu bitten, und klopfte an die 
Tür; der Hodscha kam und fragte ihn: „Wer 
bist du?" 

„Ach, Ef feudi, kennst du mich nicht? ich bin 
der Amad Muzir-Effendis." 

„Sehr gut," antwortete der Hodscha; „warte 
einen Augenblick, ich will dich zu unserm ge- 
meinsamen Vater führen." 

Nasreddin schritt nun seinem Besucher vor- 
aus; und als sie zur Moschee gekommen waren, 
öffnete er die Tür, lud ihn mit einer Hand- 
bewegung ein, einzutreten, und sagte zu ihm: 
„So; so da sind wir bei dem gemeinsamen Vater 
der Gläubigen." 

Eines Tages bat ein Kurde den Hodscha um 285. 

Gastfreundschaft; und er sagte zu ihm: „Ich 
habe Hunger; bringe mir etwas zu essen." 

11* 163 



Der Hodscha ging, bereitete in einem irdenen 
Napfe ein Gericht Joghurt und holte Brot, und 
das wollte er dem Fremden vorsetzen, als er be- 
merkte, daß sich der niedergelegt hatte und ein- 
geschlafen war; da begann er Betrachtungen an- 
zustellen und sprach bei sich: „Wie soll ich es 
anfangen, um ihn im Schlafe essen zu lassen?*' 
Und schon nahm er mit einem Stückchen Brot 
etwas Joghurt und fuhr ihm damit über den 
Schnürbart. Einen Augenblick darauf erwachte 
der Kurde; und er schrie sofort: „Bring mir also 
etwas zu essen, mein Gastfreundl*' 

Und der Hodscha antwortete: „Aber du hast 
doch schon gegessen, während du schliefst! wenn 
du mir nicht aufs Wort glaubst, so schau dir 
deinen Schnurbart an; er ist noch ganz feucht/' 

Der Kurde griff nach seinem ochnurbart und 
überzeugte sich, daß er noch voll Joghurt war; 
und er schrie spöttisch: „Sehr gut, mein Gast- 
freund! habe ich gegessen tmd getrunken, so sei 
Gott gelobt/' 

286. T^Inmal hatte der Hodscha einen Streit mit 
Es seiner Frau; plötzlich stellte er die Wiege 
mit dem Kinde zwischen sein Bett und das ihrige 
und schrie: „Trennen wir uns! hiermit verstoße 
ich dich/' 

287. T^'^ Frau des Hodschas war schwanger. Als 
JL^ ihre Zeit gekommen war, fand sich die Weh- 
mutter ein; es war Nacht, und niemand war da, 
um ihr zu helfen. Da rief sie den Hodscha: 
„Bring eine Kerze; es handelt sich um dein 
Werk." 

164 



Er beeilte sich ihr eine Kerze zu bringen und 
blieb dann im Zimmer; als aber die Geburt vor- 
über war, nahm er die Kerze wieder und wollte 
damit weggehn. Da sagte die Wehmutter: „Bleib 
doch, Hodscha; es kommt noch eins/' 

„Was?" sagte der Hodscha, „sie will mir ein 
zweites schenken?" 

Er kam mit der Kerze zurück; wieder wurde 
ein Kind zur Welt gebracht, und wieder wollte 
sich der Hodscha mit der Kerze entfernen. Aber 
die Wehmutter rief: „Bleib doch; du sollst noch 
einen dritten Erben, haben/' 

Bei diesen Worten verlöschte er die Kerze» 
Und die Wehmutter fragte ihn: „Warum läßt du 
mich im Finstem?** 

„Wie sie das Licht sehn/' antwortete er, 
„kommen diese Kinder nacheinander wie die 
Mücken; jetzt ists wahrhaftig schon genug/' 

Einmal lud man den Hodscha im Ramasan zu 288. 

einem Iftar^, und es wurde eine außer- 
ordentlich heiße Suppe aufgetragen. Der Hod- 
scha nahm einen Löffel voll und fährte ihn zum 
Munde; da er sich ihn nicht zurückzugeben ge- 
traute, verschluckte er ihn. Dann aber nahm er 
seine Mütze vom Kopf, legte sie auf seinen Sitz 
und setzte sich darauf; tmd die andern fragten 
ihn: „Warum setzt du dich auf deine Mütze?" 

Er antwortete: „Damit nicht die Kissen Feuer 
fangen: ich brenne ja inwendig; wenn meine 
Mütze verbrennt, so schadet das wenigstens nie- 
mand." 



^ Ein Fastenmahl. 

165 



289. OOoft der Hodscha sein Leinenzeug waschen 
O wollte, begann es mit Gottes Zulassung zu 
regnen« Als er nun wieder einmal auf den Markt 
ging, um Seife zu kaufen, fielen wieder Regen- 
tropfen; da sagte der Hodscha zu dem Seifen- 
händler: „Gib mir eine Oka von diesem Käse/' 

„Das ist doch Seife," antwortete der Kauf- 
mann, „tmd kein Käse." 

„Ich weiß es wohl," versetzte der Hodscha; 
„ich nenne es aber Käse aus Angst, daß der 
Regen anhalten könnte." 

290. 'ppines Tages trieb der Hodscha seinen Esel vor 
JCd sich her; als er dann müde wurde, saß er auf. 
Eine kleine Weile später bemerkte er, daß der 
Esel nicht mehr vor ihm herging. Nun suchte er 
ihn bergauf tmd bergab, bis ein Wanderer bei ihm 
vorüberkam; den fragte er, ob er nicht seinen 
Esel gesehn habe, und der Wanderer sagte: „Du 
sitzt ja darauf." 

Der Hodscha stellte die Tatsache fest und 
freute sich; aber schon nach einem Augenblicke 
war er von neuem zerstreut tmd begann wieder 
zu suchen. Da sagte der Wanderer: „So gehn 
wir doch nach Hause, da du doch den Esel ge- 
funden hast." 

„Geh du nur," antwortete der Hodscha; „ich" 
— dabei dachte er an seinen verlorenen Esel — 
„muß noch dableiben, weil ich noch etwas zu 
suchen habe." 

291. 'PpTliche Leute fanden im Gebirge einen Igel; 
JCd sie konnten s;ch nicht enträtseln, was für ein 
Tier das sein sollte, und brachten ihn dem Hod- 
scha. „Was ist das?" fragten sie ihn. 

166 



„Ohne Zweifel", antwortete der Hodscha, „ist 
das eine alte Nachtigall, die von ihren Federn die 
Fahnen verloren hat/' 

DEr Hodscha hatte einen Dattelgarten, und 292. 

drinnen war ein Baum, auf den er jeden Tag 
stieg. Weiter hatte er eine Tochter und diese 
einen Geliebten, Eines Tages saß nun Nasreddin 
auf seinem Baume, als der Bursche mit seiner 
Tochter kam und mit ihr zu tändeln begann; an 
Verwegenheit ließ ers dabei nicht fehlen und 
schließlich sagte er zu ihr; „Stell dich hin; ich 
will es machen wie ein Hengst/' 

„Gut," sagte sie. 

Während er nun das Mädchen besprang, 
blickte er in die Höhe, und da sah er den Hodscha; 
augenblicklich ließ er sie und nahm Reißaus. 
Nun nahm sie etliche Datteln und lief dem 
Flüchtling nach; dabei rief sie: „Nimm doch!" 

Aber der Hodscha schrie vom Baume herunter: 
„Was fällt dir ein, ihn mit so etwas locken zu 
wollen? Glaubst du, er wird für drei Datteln 
zu einem so schamlosen Ding kommen, die den 
weißen Fluß hat, wie du? Zeig doch wenigstens 
eine Handvoll!" 

ALs der Hodscha eines Tages aus seiner Tür 293. 

trat, sah er einen Knaben vor dem Hause 
hocken und seine Notdurft verrichten; da schrie 
er mehrere Male hintereinander: „Was machst du 
da? Wessen Kind bist du?" 

Endlich antwortete der Bengel: „Ich bin der 
Sohn der Schwester des Stadtverwesers." 

Augenblicklich nahm ihn der Hodscha bei der 

167 



Hand und führte ihn vor das Haus des Stadt- 
verwesers; und dort sagte er: „Da ist der Ort, 
wo du deine Notdurft verrichten sollst/' 

294. T^Ines Tages sagte der Hodscha zu seinem 
JCj Bruder: i,Tu mir etwas zuliebe/' 

„Was denn?" 

„Erlaube mir, dich herzunehmen wie einen 
Knaben/' 

„Kannst du mich nicht um etwas andres 
bitten?" 

„Was?" schrie der Hodscha, „du bist doch 
mein Bruder; von wem soll ich es denn ver- 
langen, wenn nicht von dir?" 

295. T^Ines Tages erging sich der Hodscha mit sei- 
JZ« nein Amad; sie kamen aber am Abende lacht 
nach Hause, sondern verbrachten die Nacht unter 
freiem Himmel. Der Hodscha fragte den Amad: 
„Wem hast du deine Frau für die heutige Nacht 
zu hüten gegeben?" 

Der Amad antwortete: „Dem Softa, Alter/' 
Der Hodscha fuhr fort: „Und wem hast du 
die Tugend des Softas zu hüten gegeben?" 

296. T\^^ Hodscha wanderte einmal mit einem 
JLJ großen Sacke voll Joghurt auf dem Rücken, 
und der Joghurt wiegte sich in dem Sacke von 
der einen Seite auf die andere; endlich schrie der 
Hodscha: „Bleib du ruhig dahinten; sonst sollst 
du mit meinem, Menschenpflanzer Bekanntschaft 
machen/' 

Der Joghurt antwortete nichts, hörte aber 
auch nicht auf, sich zu wiegen. Unverzüglich 

168 



warf sich der Hodscha auf den Sack, machte ein 
Loch hinein und versenkte darein den besagten 
Menschenpflanzer. Als er ihn dann wieder 
herauszog, sah er, daß er voller Joghurt war, 
und da schrie er: „Wahrhaftig, du warst schon 
in Löchern genug; aber mit einem weißen Kopfe 
bist du noch nie herausgekommen!" 

Zufällig kam einmal der Hodscha vorbei, als 297, 

ein Jude mit erhobenen Händen Gott um 
einen Regen anflehte; es regnete aber keines- 
wegs. Da wandte sich der Jude zum Hodscha 
und sagte zu ihm: „Bete auch du; nach dem, 
wessen Gebet einen Erfolg haben wird, werden 
wir sehn, wer der wirkliche allmächtige Gott ist, 
der deinige oder der meinige/' 

Der Hodscha hob die Hände zum Himmel und 
betete. Und alsbald grollte der Donner, zuckten 
Blitze hernieder und begann ein starker Regen zu 
fallen. Der Hodscha entfloh und trachtete sich 
eiligst unter einem Felsen zu verbergen; aber idas 
Wetter schlug auch dort hinein und ging über den 
Hodscha nieder. 

Da schrie er: „Herr Gott, du hast mein Ge- 
bet schlecht verstanden; warum nähmest du dir 
sonst die Mühe, das Gewitter bis unter diesen 
Stein zu schicken, wo doch der Jude draußen 
steht?" 

Eines Tages ging der Hodscha weg, tmd nach- 298. 

dem er eine Zeitlang gewandert war, fand er 
nicht mehr nach Hause; da begegnete er einem 
Manne und den fragte er: „Bruder, hast du mein 
Haus gesehn?" 

Der Mann antwortete: „Ich habe einen grob- 

169 



knochigen Derwisch gesehn, der es wegtrug; 
wenn du mit mir gehn willsti so wollen wir ihn 
aufsuchen/' 

Der Hodscha glaubte es und kam sogar auf 
den Verdachti es handle sich um einen Greis, der 
Baba-Sultan genannt wurde. Er machte sich als- 
bald auf den Weg zu diesem Biedermanne; als 
er ankam, fand er ihn im Hofe seines Klosters* 
Er fragte ihn: i,Hast du mein Haus gesehn?" 

Der Alte antwortete: i,Man hat es hieher- 
gebracht; dann ist es aber wieder zurückgeschickt 
worden/* 

Der Hodscha wollte unverzüglich aufbrechen, 
aber die Derwische ließen ihn nicht weg: „Bleib 
bei uns heute Nacht/' sagten sie; „morgen früh 
gehst du dann/' 

Während er nun schlief, schnitten sie ihm 
Haare und Bart. Er stand noch in der Dämme- 
rung auf und ging weg, ohne etwas bemerkt zu 
haben; als er aber auf seinem Wege zu einem 
Brunnen kam, betrachtete er sich im Wasser und 
da erkannte er sich nicht wieder. 

„Diese Schufte," schrie er, „sie haben mich 
gegen einen Kalender vertauscht, den sie an 
meiner Statt ins Bett gelegt haben!" Und als er 
heimkam, sagte er zu seiner Frau: „Weib, man 
hat mich mit einem Kalender verwechselt; hast 
du keine Nachrichten von mir? Übrigens haben 
sie mir wenigstens, nach dem, was ich sehe, mein 
Haus zurückgebracht!" 

299. T^Inmal war der Hodscha Nasreddin in Ara- 

X2f bien. Die arabischen Weisen gaben ihm ein 
Fest, und als das mitten im Gange war, legten sie 

170 



ihm eine Streitfrage vor. Aber der Hodschai 
der ihnen keine Antwort schuldig bleiben wollte, 
sagte zu ihnen: ^Wenn ihr mir die Fragen, die 
ich an euch richten will, beantworten werdet, 
werde auch ich euch Antwort geben; wenn nicht, 
so gehe ich, wie ich gekommen bin." 

oie waren damit einverstanden, und nun sagte 
der Hodscha: „Wißt ihr, warum die Fische Rdß- 
aus nehmen beim Anblicke des Menschen, und 
warum die Sterne entfliehn, wann die Sonne er- 
scheint? Das sind meine Fragen," 

Die Araber fanden keine Lösung und erkann- 
ten seine Überlegenheit an. 

DEr Hodscha beobachtete eines Tages einen 300. 

Mann, wie er eine Summe Geldes irgendwo 
versteckte. Als sich der Eigentümer entfernt hatte, 
bemächtigte sich der Hodscha des Geldes; der 
Eigentümer hatte ihn aber bemerkt und verfolgte 
ihn. Der Hodscha flüchtete sich in eine Moschee, 
aber der andere lief ihm auch dorthin nach. Der 
Hodscha stieg aufs Minaret und der andere stieg 
auch hinauf. Als schließlich der Hodscha sah, 
daß er ihm nicht entwischen konnte, stürzte er 
sich von oben herab und erwachte augenblicklich; 
denn er hatte das alles nur geträumt. 

Ein Bader junge hatte sein Schermesser ver- 301. 

loren; weinend und das Gesicht in den Hän- 
den verborgen lief er herum und schrie: „Ach, 
das Schermesserl Ach, das Schermesserl" 

Der Hodscha, der dabei war und das hörte: 
sagte sich: „Zweifellos hat man diesem Diebe die 
Nase abgeschnitten I" 

171 



302. Y\^^ Hodscha war gestorben und man legte ihn 
U in ein altes Grab. Nachdem die Leute aus- 
einandergegangen waren« kamen Munkar und 
Nakir^i um ih^ zu befragen, und er sagte zu 
ihnen: ,|Wenn ihr wollt, daß ich sprechen soll, 
so gebt mir einen Aspen" 

Auf diese Rede versetzten sie ihm einen 
derben Streich. Nun schrie er: „He, Freunde, 
wenn ihr kein Geld habt, kommt ein andermal 
wieder/* 

Und damit erwachte er; denn alles war nur 
ein Traum. 

303. T\^^ Hodscha kam einmal in ein Dorf; die Ein- 
U wohner, denen er auffiel, sagten zu ihm: 
„Da du ein Würdenträger bist, so komm über 
einen Toten die Gebete zu sprechen." Er ging 
mit ihnen und verrichtete alles, was bei einer 
Leichenfeier geschehn soll; doch begnügte er sich 
damit, den Schlußausruf: ,Gott ist groß' nur ein- 
mal zu singen. Dessenungeachtet bezahlte man 
ihn und er entfernte sich. 

Nun machte ein Städter, der auch anwesend 
war, die Bauern aufmerksam, daß diese Anrufung 
über einem Toten viermal wiederholt werden soll. 
Da liefen sie dem Hodscha nach und erhoben, als 
sie ihn eingeholt hatten, ihre Einwendungen. 

Der Hodscha fragte sie: „Den wievielten haben 
wir heute?" 

„Den fünften." 

Und er sagte, um sie sich vom Halse zu 
schaffen: „yffetm heute der fünfte ist, wird das 



^ Siehe die Fußnote auf S. 13. 

172 



Totengebet nicht anders gesprochen, als wie ich 
es getan habe/' 

Eines Tages hatte die Frau des Hodschas den 304. 

Sik eines Mannes gesehn, und sie wurde von 
einem solchen Verlangen nach ihm erfaßt, daß sie 
krank wurde; und sie sagte: „Wohin ist denn der 
verschwunden, den ich gesehn habe? vielleicht 
fände er ein Mittel für mein Übel/' 

Der Hodscha ging den Mann suchen und 
brachte ihn ihr« 

Der Mann sagte: „Sie ist wahrhaftig krank/' 

„Das weiß ich, daß sie krank ist," antwortete 
der Hodscha; „aber was ist da zu tun?" 

„Wenn du etliche Knoblauchzehen hast, so 
bring sie/' 

Der Hodscha hatte just welche zu Hause; er 
holte sie und gab sie ihm. Der Fremde rieb sich 
nun damit das, was die Aufmerksamkeit der 
Frau angezogen hatte, tmd steckte es an den Ort, 
der für dieses Heilmittel empfänglich war; sodann 
zog er es wieder heraus. 

Als die Behandlung beendigt war, schrie der 
Hodscha: „Warum hast du mir nicht gesagt, was 
zu tun war? Das hätte ich ganz allein zustande- 
gebracht; es ist ein Verfahren, das mir nicht un- 
bekannt ist/' 

ALs der Hodscha eines Tages trübselig seine 305. 

Straße zog, begegnete er einer Frau und die 
fragte ihn: „Woher kommst du, Hodscha?" 
„Aus der Hölle," antwortete er. 
Und sie fragte weiter; „Hast du vielleicht dort 
meinen Sohn gesehn?" 

173 



„Ja; er ist als Schuldner gestorben und darum 
ist ihm der Eintritt ins Paracues versagt worden." 

„Und auf wieviel beläuft sich seine Schuld?** 

„Auf tausend Asper/' Und Nasreddin fügte 
hinzu: „Seine Frau ist im Paradiese; er aber 
kann nur hinein mit den tausend Asper/' 

Die Frau fragte noch: „Und wann gehst du 
zurfick?" und Nasreddin antwortete: „Augen- 
blicklich/* 

Da gab sie ihm die tausend Asper und bat 
ihn: „Eile nur, damit du die Sache unverzüglich 
zu einem Ende bringst/' 

Als sie heimkami sagte sie zu ihrem MannCi 
der zu Hause war: „Ich habe Nachrichten von 
unserm Sohne bekommen; da er nicht anders ins 
Paradies gelangen kann als mit tausend Asper, 
habe ich sie hergegeben/' 

„Wem hast du sie denn gegeben?" 

„Dem Hodscha/' 

Unverzüglich machte sich der Mann auf die 
Verfolgung des Hodschas. Der flüchtete sich, als 
er ihn kommen sah, in eine Mühle; und er sagte 
zu dem Müller: „Siehst du den Mann, der heran- 
sprengt? es ist ein Scherge, der dich greifen 
will/' 

„Was soll ich da tun?" fragte der Müller er- 
schrocken. 

„Nimm meine Kleider und ich will die deinigen 
nehmen; klettere auf den Baum und verstecke 
dich/' 

Der Kleidertausch war kaum vollzogen, und 
der Müller hatte sich kaum auf dem Baume ver- 
steckt, als der Mann ankam. Er sah niemand als 
den Hodscha in der Tracht des Müllers, und der 

174 



Hodscha blickte auffällig auf den Baum hinauf. 
Nun bemerkte der Mann den vermeintlichen 
Hodscha. Da er zu Pferde war, stieg er ab und 
übergab das Pferd dem falschen Müller; dann 
zog er seine Kleider aus, um sie nicht beim 
Klettern zu beschmutzen. 

Ungesäumt bemächtigte sich der Hodscha der 
Kleider und stieg auf das Pferd; und indem er 
davonritt, schrie er dem Gefoppten zu: ^Kennst 
du mich jetzt. Gesell?" 

Nun ließ der arme Mann von dem Müller ab, 
stieg vom Baume herunter und machte sich nackt 
und ohne Pferd auf den Heimweg. Und seine 
Frau fragte ihn, als er so ankam: „Was hast du 
gemacht?" 

„Ich habe den Hodscha eingeholt," sagte er 
und fuhr, um Scheltworten auszuweichen, fort: 
„Das, was er dir gesagt hat, war wahr; darum 
habe ich ihm auch zur Belohnung für seine guten 
Dienste mein Pferd und meine Kleider ge- 
schenkt." 

Eines Tages fragte man den Hodscha, um ihn 306. 

zu hänseln: „Wohin ist denn dein Grind ge- 
kommen?" 

Und der Hodscha antwortete: „Von euch habe 
ich ihn bekommen, und euch habe ich ihn zurück- 
gegeben." 

ALs der Hodscha eines Tages von der Mühle 307. 

heimkam, bemerkte er, daß kein Brennreisig 
dawar; drum nahm er die Axt und ging in den 
Busch, um welches zu holen. Es war schon 
finstere Nacht, als ihm auf einmal die Axt ent- 

175 



fiel; er suchte sie umsonst. Endlich schrie er: 
„Herr, wenn du mich die Axt wiederfinden läßt, 
so verspreche ich dir ein Achtel Gerste/' 

Kaum hatte er ausgesprochen, als er auch 
schon die Axt fand; nun schrie er: „Dank, Herr! 
Da es dir aber so leicht fällt, Bitten zu erhören, 
so laß mich auch ein Achtel Gerste finden; dann 
werde ich mich meiner Verpflichtung gegen dich 
entledigen!*' 

308. A Ls der Hodscha einmal in eine Moschee trat, 
SMm sah er hinter der Tür einen Hund sitzen; er 
gab ihm einen Stockhieb und das erschrockene 
Tier flüchtete sich auf die Kanzel. Da sagte der 
Hodscha zu ihm: „Bitte tausendmal um Ver- 
zeihung; ich kenne noch nicht alle Prediger, die 
zu dieser Moschee gehören/' 

309. Y\^^ Hodscha Nasreddin hatte eine Kuh, die 
U keinen Tropf Milch gab; da wollte er sie 
durch den öffentlichen Ausruf er verkauf en lassen, 
und der führte sie herum und pries sie schreiend 
an: „Wer will eine gute Milchkuh, eine Kuh, 
deren Milch ist wie Sahne?" 

„Wahrhaftig," schrie der Hodscha, als er sie 
also loben hörte, „da hätte ich mich schön über 
ihren Wert getäuscht!" 

Und damit nahm er sie dem Ausrufer aus der 
Hand und führte sie wieder heim. 

310. T^ Er Hodscha hatte einmal die Pilgerreise nach 
U Mekka gemacht, und an der Tür der Kaaba 
drängte sich das Volk. Auch ein Neger war 
darunter und die Leute schrien: „Herr, duldest 

176 



du denn hier die schwarze Fratze dieses Un- 
gläubigen?" 

Da sagte der Hodscha: „Warum beschimpft 
ihr ihn wegen seiner Farbe? Er ist wenigstens 
imstande, seine Sünden auf sein Äußeres zu 
schieben; wenn wir das täten, so wären wir, ihr 
und ich| schwärzer als er/* 

Eines Tages schrie der Sohn des Hodschas: 311. 

i,Komm, Vater! in dem Topfe da ist ein 
Mann und ich fürchte mich." 

Nachdem der Hodscha hingetreten war und 
im Topfe sein eigenes Bild gesehn hatte, sagte 
er zu dem Knaben: „Sei nur ruhig; das ist nur 
ein alter Mann, der die kleinen Kinder schrecken 
will/* 

DEr Sohn des Hodschas sprach eines Tages bei 312. 

sich: „Wenn die Dichter Verse machen, 
warum sollte ich nicht auch welche machen?" 

Ganz voll von dem Gedanken ging er weg, und 
er kam zu einer Quelle in der Nachbarschaft; 
nachdem er dort lange gesonnen hatte, gelang 
ihm endlich der Vers: 

Ein Baum, ein Baum steht am Rande einer 

Quelle. 
Ganz zufrieden mit diesem hübschen Gedichte 
trug er es seiner Mutter vor, und die wiederholte 
es dem Vater. Der sagte: „Wir müssen alle 
unsere Nachbarn versammeln und sie zu einem 
Festmahle einladen, damit wir Freude haben an 
unserm verständigen Sohne." 

Man lud alle Bewohner des Viertels ein und 
las ihnen nach dem Mahle den ausgezeichneten 

Natreddin, I. 12 J77 



Vers vor; da wollten alle vor Lachen bersten« 
Und voll Begeisterung über dieses Ergebnis schrie 
die Mutter: fiDes Todes will ich sein, wenn mein 
Sohn nicht die Sprache der Nachtigall hat!" 

Der Hodscha aber sagte: i,Hüte dich, Frau, 
vcH" derlei Beteuerungen; du wirst den Knaben 
noch verschreien." 

313^ T^Ines Tages gingen der Hodscha und seine 

X2f Frau zum Flusse, um Leinensachen zu 
waschen. Als nun die Frau unversehens ihren 
Fuß ins Wasser steckte, packte ihn ein Krebs. 
i,Zu Hilfe, Hodscha," schrie sie, „zu Hilfe!" 

Er sagte: „Setz dich, damit ich sehe, was 
es ist/' 

Er bückte sich, und da sah er, was für ein 
Tier es war; aber er beugte sich dabei, um besser 
zu sehn« so weit nieder, daß der Krebs mit der 
andern Schere seine Nase faßte« In diesem 
Augenblicke ließ die Frau, deren Schrecken noch 
mehr gewachsen war, einen Wind; der Hodscha 
jedoch schrie: „Das brauchst du nicht aufzu- 
machen, wohl aber die Pfoten dieses Viehs." 

314. T^Ines Nachts träumte dem Hodscha, daß er 

X2f auf einer Reise einen Schatz gefunden habe, 
und um den Ort zu bezeichnen, habe er dort ein 
natürliches Bedürfnis befriedigt. Als er dann er- 
wachte, fand er, daß nur das Ende des Traumes 
keine Einbildung gewesen war. 

Da schrie er: „Ach, Herr, warum hast du mir 
das da gelassen und das Gold genommen? dir 
hätte doch das eine auch nicht mehr genützt als 
das andere!" 

178 



DEr Hodscha ging sich einmal ein Paar Hosen 315. 

kaufen; für den Heimweg zog er sie schon 
an* Einige Freunde, die ihn damit sahen, setzten 
es sich in den Kopf, ihm einen Streich zu spielen; 
zu diesem Zwecke verteilten sie sich auf dem 
Wege, und der, der ihm als erster begegnete, 
sagte zu ihm nach Gruß und Gegengruß: „Was 
machst du mit den Hosen? du brauchst sie doch 
nicht; gib sie mir/' 

„Geh heim," antwortete der Hodscha, „und 
laß mich in Ruh/' 

Fünfmal hatte sich dieses Gespräch zmschen 
dem Hodscha und je einem von den Gesellen 
wiederholt, bis sich der Hodscha endlich stellte, 
als hätte er sich überreden lassen; er sagte zu 
dem, mit dem er sprach, indem er ihm das Bein 
hinhielt: „So nimm sie denn meinetwegen/' 

Als sich der Mann bückte, um ihm die Hosen 
abzuziehen, gab ihm der Hodscha einen Tritt, 
daß er sich auf dem Boden wälzte, und schrie: 
„Merk dirs doch einmal: Um Streiche zu spielen, 
bin ich da!" 

Auf einem Spaziergange kam der Hodscha zu 316. 

einem großen Baume; er betrachtete ihn 
und fragte sich, was für ein Baum das sei. 
Schließlich warf er, um sich darüber zu ver* 
gewissem, einen Stein in die Äste, und der fiel 
alsbald wieder herunter« 

„Jetzt weiß ichs," schrie er, „was du bist! 
ich kenne dich leicht an der Frucht/' 

Die Frau des Hodschas Nasreddin wusch das 317. 

Haus; in dieser gebückten Stellung be- 
trachtete er sie, und da sah er deutlich, daß sie 

12* 179 



zwei Löcher hatte. „Weib/' schrie er, „du hast 
also zweil das habe ich gar nicht gewußt; aber 
heute Nacht will ich sie alle beide hemdbmen, 
und um es ja nicht zu vergessen^ will ich den 
ganzen Tag kein Wort sagen, ohne hinzuzusetzen: 
Jch werde mich an beiden ergötzen/ " 

Kaum hatte er ausgeredet, als zwei Schüler 
kamen, und die fragten ihn: „Hodscha, willst du 
uns Gastfretmdschaft gewähren?" 

Er antwortete: „Meinetwegen; tretet ein, 
bitte/' Und er setzte hinzu: „Ich werde mich 
an beiden ergötzen." 

„Wahrhaftig," sagten die zwei jungen Leute, 
„der Hodscha macht einen Spafi/' 

„Weib," sagte er, „bereite das Mahl und dreh 
der Gans da den Kragen ab/' Und wieder setzte 
er hinzu: „Ich werde mich an beiden ergötzen/' 
Die Gans legten sie aber beiseite, um sie am 
nächsten Tage zu essen. 

„Weib," sagte wieder der Hodscha, „mache 
die Betten." Und wieder setzte er hixizu: „Ich 
will mich an beiden ergötzen." Dann legte er 
sich nieder. 

Nun sagten die beiden Schüler zueinander; 
,«Der Hodscha macht keineswegs einen Spaß; er 
will uns jedenfalls so behandeln, wie er sagt. 
Wir müssen abwechselnd wachen, damit, was 
immer auch geschieht, der, der wach ist, den 
andern wecken kann." Sie lösten sich also 
pünktlich ab und schliefen und wachten, wie 
jeden die Reihe traf. 

Auf einmal begann nun der Hodscha, der an 
nichts sonst dachte, als daß er sein Vorhaben 
ins Werk setzen werde, zu schreien: „Wahrhaftig, 

180 



zuerst will ich mich an dem einen ergötzen, und 
dann will ichs mit dem andern versuchen«" 

i,Da wir zwei sind/' sagte sich erschrocke<i 
der Wachende« „weiß ich nicht, bei welchem et 
anfangen wird." Durch diesen Gedanken erregt, 
weckte er seinen Gesellen, und der stand alsbald 
auf« Nun sagten sie: „Sputen wir uns; wir dürfen 
nicht mehr dasein, wann er uns überfallen will/' 

Sie schnürten augenblicklich ihre Bündel, 
hakten die Gans los, die am Fenster hing, und 
liefen, was sie ihre Beine trugen; und vielleicht 
laufen sie noch immer. 



Eines Tages saB der Hodscha daheim bei seiner 318. 

Frau; traurig betrachtete er ihre geheimen 
Reize, und endlich sagte er: „Frau, was ist das? 
ich sage ihms zum ersten, zum zweiten und zum 
dritten Male: ich verstoße dich/' 
„Was sagst du da?" 

„Geht es denn nicht an, daß ich mich auf 
diese Weise dessen, was mir an dir am meisten 
mißfällt, entledige?" 

Die Frau des Hodschas Nasreddin war kntnk; 319. 

nach drei oder vier Tagen der Pflege fühlte 
er, daß ihn sduie Kräfte verließen, und er sagte 
zu ihr: „Steh auf, meine Liebe, oder laß mich 
etwas essen gehn/' 

Sie begann zu weinen tmd der Hodscha ging 
weg. Sie benutzte seine Abwesenheit und stand 
hastig auf; als er vom Bade zurückkam, fand er 
das Haus gekehrt, das Mahl bereitet und die 
Betten aufgeschüttelt. Seine Frau, die alles in 
Ordnung gebracht hatte, ruhte aus. Als er sie 

181 



sah, lehnte er sich an die Tür, die Hände schlaff 
und den Kopf schwankend, und schrie: „Ach« 
jetzt ist sie totl O meine lieben Knäblein, o meine 
lieben kleinen Mädchen, jetzt könnt ihr nicht 
mehr geboren werden I" 

320. A Ls die Frau des Hodschas einmal allein war, 
JTlL entblößte sie sich, betrachtete sich und 
sagte: „Ach, du mein teuerer Schatz, warum habe 
ich nicht drei solche wie du! was für eine herr- 
liche Sache wäre dasT* 

Von ungefähr kam in diesem Augenblicke der 
Hodscha heim; er hörte alles und sah, an wen 
sie ihre Rede richtete. Er blieb draußen, ent- 
blößte sich gleicherweise und sagte weinend: 
„Was für Unheil hast du mir schon auf den Hals 
geladen! wieviel Mißgeschick habe ich schon 
deinethalben erleiden müssen!" 

Als die Frau draußen seufzen hörte, sah sie 
nach und fand, daß es der Hodscha war; und sie 
sagte: „Worüber jammerst du denn?" 

„Ich habe", antwortete er, „darüber geklagt, 
daß wir Männer dort, wo ihr Frauen einen Schatz 
habt, eine Quelle unzähliger Übel und Qualen 
habea/' 

321. T^Ines Tages schlich sich der Meister in einen 
Xlf Weingiuien und begann Trauben zu essen; 
der Eigentümer kam dazu und fragte ihn: „Was 
machst du da?" 

„Ich bin hergekommen, um mir hier meinen 
Bauch zu erleichtem." 

„So; und wo ist dann das, was du gemacht 
hast?" 

182 



Nasreddin blickte umsonst nach allen Seiten 
umher; er sah nichtsi was ihn hätte rechtfertigen 
können. i,Da ist es/* schrie er endlich, als er 
einen Eselsdreck sah. 

Aber der Eigentümer sagte: i^Das ist ja von 
einem Esel/* 

Und der Hodscha antwortete: ,,Wenn es nicht 
von mir ist und nicht von dir, dann weiß ich 
wahrhaftig nichti von wem es stammen kann/* 

ETliche Christen sagten zum Sohne des Hod- 322. 

schas: »Bete den Messias an oder geh aus 
der Stadt/* 

Er antwortete: ,,Wann der Messias kommt« 
werde ich gehn/* 

DEr Hodscha zog einmal den Imam, während 323. 

der im Gebete auf dem Boden lag« beim 
Ohrläppchen; gleich darauf sagte der Imam das 
feierlichste Gebet, nämlich den Absatz vom 
Throne. 

Da sagte der Hodscha: „Wenn du den Absatz 
vom Throne schon sprichst, wann man dich bäm 
Ohrläppchen zieht, was wirst du denn sprechen, 
wann man dir die Hoden drückt?'* 



Eines Tages berieten der Hodscha und seine 324. 

Nachbarn miteinander, wohin sie lustwan- 
deln gehn sollten; endlich sagte der Hodscha: 
f,Gehn wir zum Flusse und schauen wir den 
Frauen baden zu/' 

Sie waren einverstanden und gingen mit ihm: 
Als sie zu den Frauen gekommen waren, ent- 
blößte sich eine von ihnen, die sah, daß sie be- 

183 



obachtet wurden; daraufhin sagte einer zum 
Hodschai um ihn zu hänseln: ,|Wirst du diese 
Gelegenheit nicht benutzen?" 

Ohne zu zaudern« schob der Hodscha seine 
Kleider weg, reckte den bewußten in die Luft und 
schrie: „Seht« meine Freunde, mich findet man 
niemals unvorbereitet; wie ein Baum habe idt- 
immer, meinen Nachbarn zu gefallen, einen 
strammen Ast bereit, auf dem manklettemkann!" 

So sahen die, die sich auf seine Kosten lustig 
zu machen gedacht hatten, ihren Scherz zu ihrer 
Beschämung ausschlagen* 

325. A N einem Tage, wo der Hodscha Nasreddin 
SMm predigen sollte, sagten die Gläubigen unter- 
einander: „Wann er kommt und uns begrüßt, 
geben wir ihm den Gruß nicht zurück; wir wollen 
sehn, was er tun wird/' 

Der Hodscha kam und grüßte die Gemeinde; 
aber niemand antwortete ihm. Da sagte er, nach- 
dem er nach allen Seiten umhergeblickt hatte: 
,^ Wahrhaftig, ich bin ganz allein; kein Mensch ist 
gekommen." Mit diesen Worten ging er weg und 
überließ die Versammelten ihrem Unmut über 
den Ausgang ihres Streiches. 

326. A Ls der Hodscha Nasreddin das erste Mal vor 
SMm Tamerlan erschien, sprach dieser Eroberer 
bei sich: „Ich muß ihn verderben; ich will ihm 
jFragen stellen, und wenn er auch nur eine nicht 
beantwortet, lasse ich ihn töten. Und er fragte 
den Hodscha: „Wer bist du?" 

Der Hodscha antwortete: „Ich bin der Gott 
der Erde." 

184 



Nun war Tamerlan, der ein Tatare war« von 
den schönsten jungen Leuten seines Volkes um- 

5 eben, die, wie es bei ihnen zutrifft, sehr kleine 
Lugen hatten. 

Tamerlan fuhr fort: „Gut also, Gott der Erde, 
hast du dir diese hübschen Knaben betrachtet? 
was sagst du zu ihnen?'* 

„Ich habe sie betrachtet; aber ihre kleinen 
Augen sind nicht hübsch/' 

„Da du Gott bist," erwiderte Timur, „so tu 
mir den Gefallen tmd mach sie größer/' 

„Padischah, ich bin nur Gott der Erde, und 
darum kann ich nur die Augen größer machen, 
die sie tmter dem Gürtel haben; <£e, die sie oben 
haben, die gehn den Gott des Himmels an." 

Timur freute sich herzlich über diese Antwort 
tmd erkannte, mit was für einem Schalke er es 
zu tun hatte: „Da du so ein lustiger Gesell bist, 
so schwöre ich, daß ich mich nicht mehr von dir 
trennen werde/' 

„So sei es," antwortete der Hodscha; „du bist 
der Herr/' 

TAmerlan war sehr häßlich; er hatte nur ein ' yn. 
Auge und einen eisernen Fuß. Als er nun 
einmal mit dem Hodscha saß tmd sich mit ihm 
tmterhielt, fuhr er mit der Hand an den Kopf 
und ließ den Barbier rufen. Der kam augen- 
blicklich; nachdem er ihm den Kopf geschoren 
hatte, reichte er ihm einen Spiegel. Timur be- 
trachtete sich, tmd da er sah, wie häßlich er war, 
begann er zu weinen. Seinem Beispiele folgend, 
zerflossen auch der Hodscha und der ganze Hof 
in Tränen und Seufzern, und das dauerte eine 



oder zwei Stunden« Endlich gelang es den Hof- 
leuten« indem sie einige hübswe Geschichten er- 
zahlten« Timur zu zerstreuen und ihn seinen 
Kummer vergessen zu machen« tmd er hörte zu 
weinen auf; aber der Hodscha weinte nur umso 
stärker» Und Timur sagte zu ihm: ««Ich habe 
mich im Spiegel betrachtet« tmd da habe ich mich 
so abscheulidbi gefunden« daB ich einen schweren 
Kummer litt« weil ich« der Padischah« der Herr 
so vieler Sklaven« so häßlich sein muß; ich habe 
also mit vollem Rechte geweint. Aber warum 
weinst denn du noch zu dieser Stunde« tmd warum 
hörst du nicht auf« zu klagen?" 

Der Hodscha antwortete sofort: ««Du hast dich 
nur einmal im Spiegel gesehn« tmd dieser kturze 
Augenblick hat genfigt« dich zwei Sttmden lang 
weinen zu machen; was ist denn wunderbares 
dabei« wenn ich« der ich dich den ganzen Tag 
sehe« länger weine als du?" 

Ober diese Rede fiel Timur in ein unatislösch- 
liches Gelächter. 



186 



3. Angeblich hi 



DA Nasreddin durch diese Geschichte ^ mit 328. 

Tamerlan besser bekannt geworden war, 
nahm er sich bald darauf die Freiheit, ihm ein 
andres Geschenk zu machen, nämlich zehn zarte, 
frischgepflückte Gurken; dafür erhielt er von ihm ^ 

zehn Goldstücke. Als dann die Gurken nicht 
mehr so selten waren, lud er ihrer einen Wagen 
voll, um sie Tamerlan zu bringen. Der Türhüter 
aber, der sich der großen Belohntmg für die 
ersten zehn erinnerte, weigerte sich ihn einzu- 
lassen, wenn er nicht verspreche, die neue 
Gegengabe mit ihm zu teilen. Der Handel wurde 
so abgeschlossen, und Nasreddin wurde vor- 
gelassen. Auf die Frage Tamerlans, was ihn 
herführe, antwortete er, er bringe ihm viel mehr 
Gurken ab das andere Mal; als aber Tamerlan 
diese außerordentlich große Menge sah, befahl er 
ihm ebenso viel Stockstreiche zu geben, wie es 
Gurken seien. Und es waren fünfhundert Stück. 
Nasreddin mußte sich fügen tmd erlitt geduldig 
zweihtmdertfünfzig Hiebe; dann aber begann er 
zu schreien, er hal^ nun seinen Teil, tmd er hoffe, 
der König werde auch dem Türhüter sein Recht 
widerfahren lassen. Der König fragte ihn, was 
das heißen solle, tmd Nasreddin antwortete ihm: 
„Ich habe mich mit dem Türhüter verglichen, daß 
er die Hälfte von dem haben solle, was ich als 
Geschenk bekäme, und dafür hat er mich vor- 
gelassen." Der Türhüter wurde gerufen; da er 
sich gezwungen sah, den Handel anzuerkennen, 
mußte er auch seinen Teil auf sich nehmen und 



1 Nämlich die oben als Nr. 71 mitgeteilte. 

189 



die andern zweihundertfünfzig Stock- 
streiche« 

329. nPAmerlan begann nun so viel Gefallen an 

X Nasreddin zu findeui daß er ihn mit dem 
Versprecheni ihm nichts zu verweigenii ermutigtei 
zu verlangen, was er wolle. Nasreddin verlangte 
nichts weiter als den mäßigen Betrag von zdm 
Goldstficken« tun davon ein Denkmal für die 
Nachwelt zu erbauen« Als ihm das Geld aus- 
gezahlt worden war, errichtete er mitten auf 
nreiem Felde ein großes Tor mit Schloß und 
RiegeL Darüber gabs denn ein allgemeines 
Staunen und man fragte ihn tun den Grund; da 
antwortete er: ,,Die allerspäteste Zukunft wird 
die Erinnerung an diese Tür ebenso getreu be- 
wahren wie die an die Siege Tamerlans; während 
aber die Welt bei diesem Denkmal, das die 
Streiche Nasreddins ins Gedächtnis zurückruft, 
lachen wird, wird das Andenken der Taten 
Tamerlans Tränen hervorrufen von einem Ende 
der Erde zum andern/' 

330* T^ Ajazet war einmal gegen seine vornehmsten 

J3 Offiziere sehr auf gefaucht tmd hatte schon 
den Rat versammelt, der ihnen das Urteil 
sprechen sollte; da nun die Herren vom Rate in 
ihrem Schrecken und ihrer Bestürzung nicht 
wußten, wie sie den Unglücklichen das Leben 
retten konnten, bot sich ihnen Nasreddin an, um 
ihnen zu helfen. Und er sagte zu Bajazet: 
„Sultan, laß die Leute nur henken; sie sind alle 
Verräter." Bajazet war damit einverstanden und 
Nasreddin fulu: fort: „Wozu sind sie uns auch 

190 



nütze? wenn jetzt Timur mit seiner Annee 
kommt, so nimm du die Standarte und ich werde 
die Trommel schlagen; wir wollen ihm ein Treffen 
liefenii und wahrhaftig, wir zwei werden den 
Tataren genug zu schaffen machen/' Bajazet 
antwortete nichts; wenige Augenblicke darauf 
gewährte er aber den Schuldigen seine Gnade. 

NAsreddin hatte den Zorn Bajazets erregt tmd 331. 

Bajazet befahl, ihn hinzurichten; er mußte 
auf einen sehr hohen Baum auf freiem Felde 
steigen, und den sollten die Soldaten umhauen, 
damit Bajazet sehe, was für Luftsprünge Nasr- 
eddin machen werde. Trotz dem inständigen 
Flehen Nasreddins getraute sich niemand, Baja- 
zet für ihn um Gnade zu bitten, so daß er sich 
selber zu helfen versuchte; er ließ oben auf dem 
Baume die Hosen herunter und venmreinigte die 
Soldaten. Darüber mußte Bajazet herzlich lachen, 
tmd er erlaubte ihm, herabzusteigen. 



191 



4. Moderne Volkserzähltmgen aus 
Nasreddins Heimat 



Natreddin. I. 13 



Eine Frau kam einmal zum Hodscha, gab ihm 332, 

einen Brief imd bat ihn, ihn ihr vorzulesen^ 
Nun konnte der Hodscha gar nicht lesen; da er 
sich aber schämte, dies einzugestehn, nahm er 
den Brief und las: ,,Hochwohlgeboreneri ehren- 
werter Herr" usw., wie ein Freund einem andern 
zu schreiben pflegt* 

Die Frau sagte darauf, daß das kein Brief 
eines Bekannten, sondern der Steuerzettel ihres 
Hauses sei. Und der Hodscha antwortete: 
„Warum hast du mir das nicht früher gesagt? 
dann hätte ich ihn anders gelesen/' 

Eines Nachts schlich der Hodscha zu der 333. 

Sklavin seines Vaters. Die Sklavin wachte 
auf und fragte: „Wer ist da?" 

„Pst," antwortete der Hodscha, „ich bin mein 
Vater." 

DEr Sohn des Hodschas hatte ein Haus gebaut 334. 

und lud seinen Vater ein, es zu besichtigen^ 
Der Hodscha sah sich alles gut an, sowohl unten, 
als auch oben; und als ihn der Sohn fragte, ob 
das Haus schön sei, antwortete er: „Alle Räum- 
lichkeiten sind schön; nur in dem kleinen Zimmer 
zu ebener Erde ist die Tür so eng, daß kein Eß- 
tisch hineingeht." 

Er hatte den Abtritt für ein Zimmer angesehn. 

DEr Hodscha kaufte einmal eine Oka Datteln 335. 

tmd aß dann die Datteln mit den Kernen« 
Als man ihn fragte, warum er sie mit den Kernen 
verschlucke, antwortete er: „Ich habe sie mit den 

13* 195 



Kernen gekauft, und so hat man mir sie zu- 
gewogen« 

336. T^^^ Hodscha hatte ein Haus gemeinsam mit 
JLß einem andern, tmd mit diesem hatte er 
immerfort Streit. Darum ging er einmal auf den 
Markt und wollte seine Hälfte verkaufen. Man 
fragte ihn tun den Grund und er antwortete, daß 
er mit seinem Hausgesellschafter zu viel Streit 
habe, und daß er mit dem Gelde, das er ffir seine 
Hälfte bekommen werde, die andere dazukaufen 
wolle. 

337. \X An fragte einmal den Hodscha, wer älter sei, 
JL^l. er oder sein Bruder. Der Hodscha ant- 
wortete, daß zwar er um ein Jahr älter sei, daß 
aber im nächsten Jahre sein Bruder das Jahr ab- 
gelebt haben werde und daß sie dann gleich alt 
sein wfirden. 

338. T^^*^ Hodscha kam einmal zu Timtur. Der Khan, 
U der ihn sehr gern hatte, fragte ihn, wie groß 
seine Familie sei. Der Hodscha antwortete: 
„Zehn Köpfe." Timtur befahl, ihm für jeden ein- 
zelnen hundert Akscha auszuzahlen. Der Hod- 
scha nahm die tausend Akscha in Empfang, ging 
zu Timur zurfick und sagte ihm, daß er ^nen 
zu wenig angesagt habe. Timur fragte um den 
Namen des Ausgelassenen. 

Der Hodscha antwortete: „Nasreddin-Effendi.'^ 



196 



Anmerkungen 

literatur- und stoffgeschichtlichen Inhdts 



Verzeichnis der im folgenden häufiger 

zitierten Bücher^ Aufsätze und 

Zeitschriften 

Anthropophyteia = 'AvS-gwioq^vieia , Jahrbücher 
für Folkloristische Erhebungen und Forschungen 
zur Entwicklungsgeschichte der geschlechtlichen 
Moral, herausgegeben von Dr. Friedrich S. Krauss. 
I— VIL Leipzig, 190411. 

Archivio =i Archivio per lo studio delle tradizioni po- 
polari, ed. Pitrg, Palermo, 188211. 

Barker = A Reading Book of Turkish Language, by 
William Burckhardt Barker, London, 1854 (enthält 
von S, 27 bis 106 der türkischen Paginiernng Plea- 
sing Tales of Khoja Nasr-il-Deen Ef feudi in tut' 
kischer Sprache mit englischer Übersetzung). 

Ba,ssei RTP = die von Basset in der Revue des tradi- 
tions populaires, XVI ff., aas dem Nawadir fs, d.) 
übersetzten Stücke, 

B o n e 1 1 i == Luigi Bonelli, Saggi del Folklore deH'isola 
di Malta, V: Voci infantili. Facezie di Gahan im 
Archivio, XIV, S. 457 ff . 

Buadem = Buadem. Hundertunddreißig Anekdoten 
aus seinem Leben von Mehemed Tewf ik in Nr. 2735 
der Reclamschen Universal-Bibliothek, S. 39 — 93, 
Die Kenntnis der Nr. 131--226 der Baadern- 
schwanke Tewfiks, die bisher noch in keiner earo- 
päischen Sprache erschienen sind, verdanke ich der 
Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Theodor Menzel, 
der mir das Manuskript seiner deutschen Über- 
tragung zur Durchsicht überlassen hat. 

Cantimir i^ Cantimir, Histoire de l'empire othomani 
traduit par De Joncquieresi Paris, 1743 ff. 

Clouston, Flowers i^ Flowers from a Persian Gar- 
den, and other Papers by W. A. Clouston, London, 
1890. 

Clouston, Noodles = The Book of Noodles by 
W. A. Clouston, London, 1888. 

Crane = Italian Populär Tales by Thomas Frederick 
Crane, London, 1885. 

19? 



De la Croix = De la Croix, Geschichte des osma- 
nischen Reiches, deutsdi von Schulz, Frankfurt« 
1769 ff. 

Doran = The History of Court Pools by Dr. Doran« 
London, 1858. 

£th6 = Essays und Studien von Dr. Hermann Eth6, 
Berlin, 1872; darin S. 23^-^254: Ein türkischer 
Eulenspiegel. 

F 1 ft g e 1 = Geschichte der Hofnarren von Karl Friedrich 
Flögel, Liegnitz und Leipzig, 1789. 

Fourberiea = Les Fourberies de Si Djeh'a, contes 
kabyles, recueillis et traduits par Auguste Mou- 
li6ras. Traduction fran^aise et notes avec une 
^tttde sur Si Dieh'a et les anecdotes qui lui sont 
attribu^es, par M. Ren6 Basset, Paris, 1892. 

Galland = Les paroles remarquables, les bons mots, 
et les maximes des Orientaux fptir Ant. Galland), 
A la Haye, 1694. 

G a z e a u = Les Bouf f ons par M. A. Gazeau, Paris, 1882. 

Gonzenbach = Sicilianische Märchen. Aus dem 
Volksmunde gesammelt von Laura Gonzenbach. 
Mit Anmerkungen Reinhold Köhler's und einer Ein- 
leitung herausgegeben von Otto Hartwig. Leipzig, 
1870. 2 Bände. 

Griechisch=:*0 Naa^My-XotCae xal tä dmiZa dyix^ia 
«vre«. ISm *A&^y»»g^ BtßkmntAj^Uv Jtfijjra^A JSahßigfnf. 

Hammer = Hammer, Geschichte des osmanischen 
Reiches, Pest, 1827 ff. 

Hartmann == M. Hartmann, Schwanke und Schnurren 
im islamischen Orient in der Zeitschrift des Ver- 
eins für Volkskunde, V, S. 40 ff. 

Ilg = Maltesische Märchen und Schwanke. Aus dem 
Volksmunde gesammelt von B. Ilg. Leipzig, 1906. 
2 Bände. 

ICöhler = Kleinere Schriften von Reinhold Köhler, 
herausgegeben von Johannes Bolte, Weimar (Ber- 
lin), 1898 ff. 3 Bände; darin I, S. 481--509: Nasr- 
eddins Schwanke. 

ICroatisch =: Posurice i sale Nasredina. Drugo 
izdanjf. Zagreb, L. Hartman. 

Kuka = The Wit and Humour of the Persians by 
Meherjibhai Nosherwanji Kuka, Bombay, 1894. 

200 



Mango = F. Mango, La leggenda dello sciocco nelle 
novelline calabre im Archivio X, 5. 45 ff. 

Mardrus = Le livre des Mille nuits et une nuit, tra- 
duction litt^rale et compl^te du texte arabe par le 
Dr. J. C. Mardrus. Tome XV, Paris, 1904; darin 
5. 93 — 118: Quelques sottises et th^ories du maitre 
des devises et des ris. 

Monnier = Les contes populaires en Italie par Marc 
Monnier, Paris, 1880. 

M u r a d =^ Nassreddin Chodja. Ein osmanischer Eulen- 
spiegel von Murad Efendi fd. i. Fr. v. Werner), 
Vierte Auflage, Oldenburg (Die erste Ausgabe ist 
1878 erscfiienen). 

Nawadir = Nawadir el chodscha nasr ed-din ef feudi 
dschoha, Kairo, o. J. 

N i c k = Fr. Nick, Die Hof- und Volks-Narren, Stuttgart, 
186L 2 Bände. 

Nouri = Nasreddin Khodjas Schwanke und Streiche. 
Türkische Geschichten aus Timurlenks Tagen er- 
zählt von Ali Nouri, Breslau, 1904. 

Pann = Anton Pann, Opere complete. Editia Il-a, 
VoL I, Bucuresti, 1909; dann S. 327-^356: Nazdra- 
vaniile lui Nastratin Hogea (ist zuerst 1853 er* 
Bcfiienen). 

Pharaon = Spahis, Turcos et Goumiers par Florian 
Pharaon, Paris, 1864; das 9. Kapitel, Les r^unions 
de Turcos, enthält eine Anzahl Dschehageschichten. 

Pitri = Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani, 
raccolti ed illustrati da Giuseppe ritr^, Palermo, 
1875. 4 Bände; darin III, S. 353—379: Giufä. 

Roda Roda ^ Roda Roda, Der Pascha lacht. Morgen- 
ländische Schwanke, Berlin und Leipzig, 1909; 
darin S. 121 — 125: Von Nassr'eddin. 

RTF = Revue des traditions populaires, Paris, 1885 ff. 

Serbisch == Nasradin-hodza, njegove sale, dosetke i 
lakrdje u pripodjetkama od Mehemeda Tevfika« 
Prevod s nemackog. U Nuvom Sadu, 1903. 

Sottisier^ = Sottisier de Nasr-Eddin-Hodja, Bouffon 
de Tamerlan, suivi d'autres fac^ties turques, tra- 

1 tyber die Quellen, die Decourdemanche für die einzelnen Stucke benutzt 
hat, sei nach seinen Angaben folgendet mitgeteilt: Die Nummern 1 — 179 be- 
ruhen auf einem Manuskripte l^yptischer Herkunft, von dem er meint, daß 

201 



duits sur des manuscrits in^dits par J. A. Decourde- 
manchef Bruxelles, 1878. 

Stumme, Malta = Stunmie, Maltesische Märchen« 
Gedichte und Rätsel, Leipzig, 1904. 

Stumme, Studien = Stumme, Maltesische Studien« 
Leipzig, 1904. 

Stumme, Tamazratt = Stumme, Märchen der Ber- 
bern von Tamazratt in Südtunisien, Leipzig, 1900. 

Stumme, Tripolis = Stumme, Märchen und Gedichte 
aus der Stadt Tripolis in Nordafrika, Leipzig, 1898* 

Stumme, Tunis = otumme, Tunisische Märchen und 
Gedichte, Leipzig, 1893. 

Tewfik = Die Schwanke des Naßr-ed-din. Aus- 
gewählt und ergänzt von Mehemed Tewfik in 
Nr, 2735 der Reclamschen Universal - Bibliothek, 
S. 5-^38. 

Tr4fäi = Naszreddin hodsa tr^fdi. Török (kisdsziai) 
szöveg6t gyüjtötte, forditässal 6s jegyzetekkel 
elldtta Dr. Künos Ign&cz. Budapest, 1899 {Die 
Schwanke 1 — 136 auch hei Radioff, Die Sprachen 
der türkischen Stämme, Petersburg 1866 ff., L Ab- 
teilung, VIII, S. 408-^36). 

Volksbuch = 1. Les Plaisanteries de Nasr-Eddin 
Hodja, traduites du Türe par J.-A. Decourde- 
manche. Seconde 6dition, augment^e de Naivet^s 
de Karacouch. Paris, 1908 (Die erste Ausgabe 
ohne die Karakuschanekdoten ist 1876 erschienen). 
2. Meister Nasr-eddin's Schwanke und Räuber und 
Richter. Aus dem türkischen Urtext wortgetreu 
übersetzt von Wilh. von Camerloher, und resp. Dr. 
W. Prelog in Konstantinopel, Triest, 1857 (Das Vor- 
wort Camerlohers ist von 1855 datiert). 



et Cardonne gehört habe, und dessen Papier, ein französisches Fabrikat, 
die Jahreszahl 1757 aufweist, die Nummern 180—210 auf einem zu Ende des 
16. oder zu^Anfan^ des 17. Jahrhunderts niedergeschriebenen Manuskripte, 
die Nummern 211 — 214 auf einem Manuskripte des 19. Jahrhunderts, die 
Nummten 215—224 auf einem Manuskripte mit alter arabischer Schrift, die 
Nummern 225 — 238 auf einem Manuskripte in ägyptischem Arabisch, die 
Nummern 239 — 268 auf einem Manuskripte vom Janre 1089 der Hldschra 
(■■ 1678 u. Z.), die Nummern 269 — 279 auf einem Manuskripte des 19. Jahr- 
hunderts, die Nummern 280 — ^292 auf einem Manuskripte, das das Ankaufs- 
datum von 1614 tritft, die Nummern 293—295 auf Dietericis Chreglomathie 
Oitonumt und die Nummern 296—321 auf dem Volksbuche. 

202 



Walawani = ^Imaxel/ji BaXaßartiy MtxqaffKaixdf lAd'ijtnjat^ 
1891; darin S. 140^159: '0 Nao^iidiyXeStCa^ f dieser 
Aufsatz ist schon 1888 im BvCayuyoy 'ELfu^oXoywVt 
S. 297-^310 erschienen). 

ZW = Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Berlin, 
1890 ff. 



203 



L Türkische Überlieferungen 

1. Die hundertfünfundzwanzig Schwanke 

des Volksbuchs 

1. Volkabnch, Nr. 1 1; Barker, S. 27 ff.; Sottisier, Nr. 1 
(erster Teil); Tewfik, Nr. 30; Nouri. S. 19 ff.; Trifdi, Nr. 1; 
Nawadir, S. 2 (Basset RTP, XVII, S. 93); Meißner, Neu- 
arabische Geschichten aus dem Iraq, Leipzig 1903, S. 56 
und 57, Nr. 3: Eine Schnurre vom Chawadfa Nasreddin; 
Kiika, S. 222; Griechisch, Nr. 11; Serbisch, S. 11 ff.; Kroa- 
tisch, S. 10 ff.; Miirad, Nr. 3. 

Nick, I, S. 151; Köhler, I, S. 484 3; Clouston, Flowers, 
S. 66; Gazeau, S. 193; Fourberies, S. 19; Hartmann, S. 65ff. 

In der RTP, XVII, S. 94 zitiert Basset eine ukrai- 
nische Version aus der Krvptadia, VIII, Paris, 1902, 
S. 391: Pourguoi les raskolniks oni la tonsure; eine rumä- 
nische steht bei Ispirescu, Snöoe sau Povesii Populäre, 
ed. 2-a, Bukarest, 1875 (M. Gaster im Magazin für die 
Literatur des Auslandes, XCVI, S. 564). Vgl. auch eine 
Schnurre in dem aus dem 16. Jahrhunderte stanmienden 
Liher facetiarum oder Libro de chistes von Luis de Pinedo 
(A. Paz y M6lia, 5a/«s espanolas, I, Madrid, 1890, 
S. 266 ff.), die nur eine Parallele zu Nasreddins dritter 
Predigt bietet, und den Schluß der 8. Facetie Arlottos in 
meiner Ausgabe (= Bd. I und II der Narren, Gaukler und 
Volkslieblinge), I, S, 28 und 188. 



2. Volksbuch, Nr. 2; Barker, S. 30; Sottisier, Nr. 1 
(zweiter Teil); Tewfik, Nr. 66; Nouri, S. 21; Tr4fdi, Nr. 3; 
Mardrus, S. 94; Nawadir, S. 2 (Basset RTP, XVI, S. 463); 
Griechisch, Nr. 12; Serbisch, S. 33; Kroatisch, S. 27. 

Fourberies, S. 17; Trefäi, S. 21. 

Vgl. auch unten die Nrn. 243 und 244. 



^ Der zuent genannte Titel ist der der benutzten Fassung. Der erste Ab- 
satz der Noten tfiot die TextsteUen, der zweite und dritte geben Verweise 
und Literatumacnweise. 

2 Die an dieser Stelle gebrachten Nachweise gehören fast s&mtlich 
zu der 3. Facetie Arlottos (I, S. 7 ff. und 174 ff.). 

205 



3. Volksbuch, Nr. 3; Barker, S. 30 f!.; Tewfik, Nr. 67; 
Trifdi, Nr. 2; Nawadir, S. 2 (Basset RTP, XVI, S. 464); 
Griechisch, Nr. 13; Kroatisch, S. 27. 

Gazeau, S. 193; Trefdi, S. 21. 
Vgl. auch unten Nr. 242. 

4. Sottisier, Nr. 81; Volksbuch, Nr. 4; Barker, S.31!f.; 
Tewfik, Nr. 53; Tr4fäi, Nr. 4; Nawadir, S. 3 (Basset /?rP, 
XVII, S.34); Griechisch, Nr. 14; Serbisch, S. 27; Kroatisch, 
S. 23. 

Fourberiea, S. 41. 

5. Sottisier, Nr. 10; Volksbuch, Nr. 5; Barker, S. 32 ff.; 
Nouri, S. 216 !f.; Trifdi, Nr. 5; Nawadir, S. 4; Kuka, 
S. 214; Griechisch, Nr. 6; Serbisch, S. 108; Kroatisdi, S. 85. 

Fourberies, S. 30. 

Der Schwank findet sich mutatis mutandis in der 
Disciplina clericalis von Petrus Alphonsi (hg. v. Fr. W. V. 
Schmidt, Berlin, 1827, S. 82); der Verfasser scheint aus 
dem Kitab al ikd al farid von Achmed ihn Abdirabbihi 
(t 940) ^ oder aus dessen Quellen geschöpft zu haben« 
Die Erzählung Abdirabbihis hat Basset in der RTP, XVII, 
S. 95 übersetzt. Näher den obigen Versionen steht aber 
der folgende, wahrscheinlich noch um 500 Jahre ältere 
Abderitenschwank fPhilogelos, Hieroclis et Philagrii 
Facetiae, ed. Eberhard, Berlin, 1869, S. 30, Nr. 124): 

kxojoy. Moyzoc di ttroff mvj^xoyra, /u^ ßovXofiiivos XaßeZv^ 
divnyun, xa/ufAvaac oiy xai t^y Z^^'^ nqotüvac^ ehiv dos 
xay TU niPt^xot^a, 

Vgl. auch die von St. Julien im Journal asiatique, IV, 
1824, S. 100 aus dem chinesischen Buche Siao li Siao 
übersetzte Erzählung. 

6. Volksbuch, Nr. 6; Barker, S. 33 ff.; TrMi, Nr. 6; 
Nawadir, S. 5 (Basset RTP, XVII, S. 94); Basset, £tude 
sur la Zenatia du Mzah de Ouargla et de VOued-Rir', 
Paris, 1893, S. 102 ff., Nr. 2: Les excuses de Djoh'a; Grie- 
chisch, Nr. 15. 

Gazeau, S. 194. 

< V^LBrockelaianii, Ge$ehiehie der arabiidten LUteraiur, l, Weimar, 
1898, S. 154 ff. 

206 



7. Volksbuch, Nr. 7; Barker, S.34ff.; Soitisier, Nr. 38; 
Tewfik, Nr. 21; Nouri, S. 193 ff.; Trefdi, Nr. 8; Nawadir, 
S. 5 (Basset RTP, XVII, S. 35); Basset, Zenatia, S. 109, 
Nr. 7: Djoh'a ei U maitre d'nn jardin; Griechisch, Nr. 103; 
Serbisch, S. 24 ff.; Kroatisch, S. 80 ff. und 9. 

Clouston, Noodles, S. 11 ff.; Gazeau, S. 194; Fonrbe- 
ries, S, 35; Hartmann, S. 63; Tr^fäi, S. 19. 

Hom bringt (S. 69) eine jedenfalls ältere Version aus 
der Herzerfreuenden Schrift des Persers Ubeid Zakani 
(t 1370/71) bei, die wohl identisch ist mit Kuka, S. 189, 
Nr. 202; als Parallele sei noch Krauss, Zigeunerhnmor, 
Leipzig, 1907, S. 87 ff.: Der Knoblauch genannt. Vgl. auch 
die unten (II, S. 125 ff.) als Nr. 441 mitgeteilte Juvadi- 
geschichte. 

8. Barker, S. 35 ff.; Volksbuch, Nr. 8; Sottisier, Nr. 6; 
Tewfik, Nr. 22; Nouri, S. 140 ff.; Tr4fdi, Nr. 9; Nawadir, 
S. 5 (Basset RTP, XVII, S. 96ff. und XIX, S. 20) ; Griechisch, 
Nr. 82; Serbisch, S. 29; Kroatisch, S. 82 ff. und 9. 

Fourberies, S. 29. 

9. Volksbuch, Nr. 9; Barker, S. 36 ff.; Sottisier, Nr. 41; 
Tewfik, Nr. 68; Trifdi, Nr. 10; Nawadir, S. 5 (Basset RTP, 
XVII, S. 97); Griechisch, Nr. 38; Kroatisch, S. 26 ff.; Mu- 
rad, Nr. 16. 

Köhler, I, S. 484; Gazeau, S. 195; Fourberies, S. 35. 

Etwas ähnliches erzählen G. Finamore im Archivio, 
IX, S. 157 ff. von dem Pfarrer ZiTanghe in Gamberale 
(um 1700) und Ispirescu, S. 86 [Magazin, XCVI, S. 595) ; 
derlei sonderbare Zeitrechnungen kehren auch 
wieder in Wickrams Rollwagenbächlein, Nr. 47 (Boltes 
Nachweise S. 375), im Sackful of News (Hazlitt, Shakes- 
peare Jest'Books, II, London, 1864, S. 186), bei Monnier, 
S. 216 ff. und in der Anthropophyteia, I, S. 81 ff. Bei 
Galland, S. 54 zählt ein Schneider in Samarkand die 
Toten, die auf den Friedhof geschafft werden, indem er 
bei jedem ein Steinchen in einen Topf wirft; als er dann 
selber stirbt, sagt ein Nachbar: „Nun ist auch er in den 
Topf gefallen wie die andern." Vgl. auch die 117. Facetie 
Arlottos, II, S, 98 und £. J. Bronner, Bayerisches Schel' 
men-Bächlein, Diessen, 1911, S. 61 ff. 

207 



Dem Schlüsse der Facetie Nasreddins steht sehr nahe 
die folgende Schnurre aus Campbell, Populär Tales of the 
Wesi'Sighlands, New Ed., London, 1890, II, S. 399, 

The Assynt man once went to Tain to buy meaL Out- 
side the town, a man asked him if he knew wnat o'clock it 
was. „Last time it was 12. If it is striking still, it must be 
at 50." 

10. Volksbuch, Nr. 10; Barker, S. 38; Sottisier, Nr. 20; 
Tewfik, Nr. 59; Trifdi, Nr. 11; Mardrus, S. 98; Nawadir, 
S. 9 (Basset RTP, XVII, S. 481); Griechisch, Nr. 39; Wala- 
wani, S. 67 und 155; Serbisch, S. 32; Kroatisch, S« 36; 
Murad, Nr. 4. Vgl. auch Nr. 109. 

£th6, S. 239; Köhler, I, S. 484 ff. und 505; Gazeau, 
S. 194; Fourberies, S. 31. 

Zu der von Köhler angezogenen Stelle aus Heines 
Reisebildern [Die Bäder von Lucca, Kap. 13) vgl. die Ver- 
wendung, die sie im Gendre de M. Poirier von E. Augier 
und J. Sandeau, 2. Akt, 1. Szene, gefunden hat. Mit der 
Nasreddinschen. Version stimmt vollständig eine von 
Straf forello in der Sapienza del mondo, Torino, 1878 f f. , 
II, S. 462 mitgeteilte. 

11. Sottisier, Nr. 240; Volksbuch, Nr. 11; Barker, 
S. 38 ff.; Trefäi, Nr. 12; Griechisch, Nr. 83; Serbisch, 
S. 161. 

Gazeau, S. 195. 

Wie sich hier Nasreddin an dem Kamel rächen will, 
so strafen im Philogelos, Nr. 111 die Abderiten einen Esel, 
lassen aber bei der Exekution alle Esel der Stadt an- 
wesend sein, damit sie sich ein Beispiel nähmen; ähnlich 
machen es bei Zincgref-Weidner, Teutsche Apophtegmata, 
Amsterdam, 1653 ff., IV, S. 280 deutsche Städter und bei 
Blad6, Contes populaires de la Gascogne, Paris, 1886, III, 
S. 359 ff.: La truie pendue die Einwohner von Marsolan 
mit einem bösen Schweine und der Sieur Gaulard in Ta- 
bourots Contes facecieux du Sieur Gaulard (Ausgabe Paris, 
1662, S. 191) mit einem schlimmen Pferde. Wohl nach 
Tabourot erzählen Zincgref-Weidner, V, S. 114 ff. und Chr» 
Lehmann, Florilegium politicum, 1630, S. 731 ff.; s. auch 
Albrecht Keller, Die Schwaben in der Geschichte des 
Volkshumors, Freiburg, 1907, S. 267 ff., wo allerdings die 

208 



.Hinrichtung des Farrcn aus einem andern Grunde erfolgt, 
wo aber auch alle Rinder Exekutionszeugen sein müssen. 
Wir werden dem Motive der Strafe von Tieren« 
das sich auch in der Rechtsgeschichte verfolgen laßt, noch 
öfter begegnen; vgl, besonders Nr. 356. 

12. Volksbuch, Nr. 12; Barker, S. 39; SotiiBier, Nr. 13; 
Tewfik, Nr. 17; Nouri, S. 221; Trefäi, Nr. 13; Nawadir, 
S. 9; Griechisch, Nr. 84; Serbisch, S. 28; Kroatisch, S. 8. 

Gazeau, S. 195 ff. 

13. Sotiisier, Nr. 241; Volksbuch, Nr. 13; Trifdi, Nr. 14; 
Nawadir, S. 9; Serbisch, S. 165 fi (nicht obszön). 

Gazeau, S. 196; Fourberies, S. 60. 

14. Volksbuch, Nr. 14; Barker, S. 39 ff.; Sotiisier, 
Nr. 54; Tewfik, Nr. 54; Nouri, S. 186 ff.; Tr4fdi, Nr. 15; 
Nawadir, S. 10 (Basset jRrP, XVII, S. 482); Fourbwies, 
Nr. 11; Griechisch, Nr. 28; Serbisch, S. 22; Kroatisch, S. 23. 

Gazeau, S. 196. 

15. Volksbuch, Nr. 15; SotHsier, Nr. 27; Tewfik, Nr. 48; 
TrMi Nr. 17; Nawadir, S. 10 (Basset RTF, XVII, S. 483); 
Griechisch, Nr. 29; Serbisch, S. 44 (anders S. 109); Kroa- 
tisch, S. 17. 

Gazeau, S. 196. 

Eine hübsche persische Variante steht bei Kuka, S. 186, 
Nr. 96. 

16. SotHsier, Nr. 247; Volksbuch, Nr. 16; Barker, 
S. 40 ff.; Nouri, S. 190; TrMi, Nr. 16; Griechisch, Nr. 25; 
Serbisch, S. 39 und 168. 

Von diesem Schwanke bringt beinahe jeder Heraus- 
geber einen andern Text und der des serbischen Volks- 
buchs zweie; der hier mitgeteilte ist wohl die beste 
Fassung. Vgl. auch Nr. 177. 

17. Volksbuch, Nr. 17; Barker, S. 41; SotHsier, Nr. 39; 
Tewfik, Nr. 46; Trefäi, Nr. 18; Nawadir, S. 10 (Basset RTF, 
XVII, S. 484); Griechisch, Nr. 26; Serbisch, S. 129 und 42; 
Kroatisch, S. 17. 

Natreddtn, L 14 209 



18. Volksbuch, Nr. 18; Barker, S. 41 H.; Sotiisier, 
Nr. 40; Tewfik« Nr. 47; Nouri« S. 206; Trifäi, Nr. 19; Na- 
wadir, S. 14; Griechisch« Nr. 27; Serbiach, S. 166 f{. und 27; 
Kroatisch, S. 17. 

Gazeau, S. 196£{.; Hartmann, S. 163; Basset in der 
RTP, XI, S. 496 IL; Hom, S. 69 (eine ältere Version steht 
bei Zakani). 

19. Volksbuch, Nr. 19; Barker, S. 42; Sotiisier, Nr. 35; 
Tewfik, Nr. 23; Trifdi, Nr. 20; Nawadir, S. 14; Griechisch 
Nr. 153; Serbisch, S. 35; Kroatisch S. 9. 

Vgl. dazu die 39. Facetie im Philogelos, besonders mit 
der dort, S. 14, unter dem Striche gegebenen Lesart:^ 

fiiXeuya cQ^iy^ %ln%¥ ' d^Xipk, fhrtae lavr^ff 6 dUxiiOQ dnid^ayi ' 
Mal diä rovro fiiXMya ividvnato, 

20. Volksbuch, Nr. 20; Barker, S. 42 f{.; Soitisier, 
Nr. 55; Tewfik, Nr. 33; Trifdi, Nr. 21; Nawadir, S. 14; Grie- 
chisch, Nr. 137; Serbisch, S. 14; Kroatisch S. 13. S. oben 
Nr. 11. 

21. Volksbuch, Nr. 21; Soitisier, Nr. 29; Tewfik, Nr. 49; 
Tr4fdi, Nr. 22; Griechisch, Nr. 141; Serbisch, S. 27; Kroa- 
tisch, S. 17. 

22. Volksbuch, Nr. 22; Barker, S. 43 ff.; Sotiisier, 
Nr. 227; EUi6, S. 241; Tr4fdi, Nr. 23; Nawadir, S. 14; Grie- 
chisch, Nr. 136; Serbisch, S. 168 ff. 

Gazeau, S. 197; Fourberies, S. 59; Hom, S. 70 (Zakani). 
Krauss, Zigeunerhumor, S. 7: Wie ein Zigeuner die 
„TeufeV um seine Seele geprellt. 

23. Volksbuch, Nr. 23; Sotiisier, Nr. 57; Tr4fdi, Nr. 24; 
Nawadir, S. 14; Griechisch, Nr. 138; Serbisch, S. 162. 

Köhler, I. S. 485; Fourberies, S. 37; TrMi, S. 12. 

Vgl. weiter meine Ausgabe von Heinrich Bebeis 
Schwänken, München, 1907, if, S. 150 ff.; zu den dortigen 
Nachweisen kommen noch Merkens, Was sich das Volk 
erzählt, Jena, 1892, S. 162, Nr. 193 g und J. Fleurv, Litte- 
rature orale de la Basse-Normandie, Paris,. 1883, o. 204. 

24. Volksbuch, Nr. 24; Soitisier, Nr. 251; Trifdi, Nr. 25. 
210 



25. Volksbuch, Nr. 25; SotHsier, Nr. 252; Trifdi, Nr. 26; 
Nawadir, S. 14; Griechisch, Nr. 139. 

Prym und Socin, Der neU'Oramaeische Dialekt von 
Tür 'Abdin, Göttingeiv 1881, II, S. 288. 

26. Volksbuch, Nr. 26; Soiiisier, Nr. 171 (hier wird der 
Schwank von Timtir angestiftet); Tewiik, Nr. 50; Nouri, 
S. 24 f{.; Tr6fäi, Nr. 27; Aiardrus, S. 101; Nawadir, S. 14; 
Fourberies, Nr. 13; Griechisch, Nr. 17; Serbisch, S. 22!!.; 
Kroatisch, S. 103 und 18. 

Fourberies, S. 52; Hartmann, S. 64. 

Von Harun al Raschid und dem bekannten Schalke 
Abu Nuwas erzählen die Geschichten asch Schirwani im 
Nafhat al jaman ^ (Basset in der RTF, XIV, S. 441 ff. und 
den Fourberies, S. 186), Veiten, Märchen und Erzäfdungen 
der Suaheli, Stuttgart, 1898, S. 17 ff. und Rückert, Erbau- 
liches und Beschauliches aus dem Morgenland [Werke, 
Hesse, IV, S. 340 IL] : Der Hofpoei; von Kaiser Akbar dem 
Grofien von Hindustan (1542 — 1605) und seinen beiden 
Günstlingen berichtet sie Kuka, S. 254 ff. 

Eine merkwürdige Parallele steht in Aurbachers 
Volksbächlein (II, S. 138 ff. der Reclamschen Ausgabe): 
Der Hahn im Korb, 

27. Volksbuch, Nr. 27; Barker, S. 44; Sotiisier, Nr. 255; 
Tewfik, Nr. 24; Trifäi, Nr. 28; Nawadir, S. 14; Griechisch, 
Nr. 81; Serbisch, S. 36; Kroatisch, S. 9. 

28. Volksbuch, Nr. 28; Barker, S. 44 ff.; Sottisier, 
Nr. 106; Tewfik, Nr. 71,- Tr4fäi, Nr. 29,' Nawadir, S. 14; 
Griechisch, Nr. 158; Serbisch, S. 20; Kroatisch, S. 29. 

Die Strafe, 'die hier als an der Quelle vollzogen ge- 
dacht wird (vgl. auch Nr. 296), entspricht dem griechischen 
Rhaphanizein, wozu man außer Juvenals 10. Satire, 
V. 317 ff. noch die folgenden Verse in CatuUs 15. Epi^ 
gramm vergleiche: 

Ah tum te miserum, malique fati. 
Quem, attractis pedibus, patente porta, 
Percurrent raphanique mugilesque. 
S. auch die zu Nr. 71 angezogene serbische Erzählung. 

1 Vgl Brockehaaiui, II, S. 502. 

14* 211 



29. VMdmch, Nr. 29; Soiiigier, Nr. 296; Trifdi, Nr. 30; 
Nttwadir, S. 15; Griechisch, Nr. 36. 

30. Volksbuch Nr. 30; Sofdfitr. Nr. 297; Trc/dj« Nr. 31. 

31. Sottiümr, Nr. 18; VolkMbncK Nr. 31; Barker, 
S. 45 ff.; Nouri, S. 101 ff.; Trifäi, Nr. 32; Nwadir, & 15; 
^ourhtrif, Nr. 32 (hier verkauft D^eha die Kleider 
feiner Freunde); Griechisch« Nr. 16; Serbisch, S. 133 ff* 
und 170 ff.; Kroatisch« S. 83 ff.; Murad« Nr. 21. 

Köhler, I, S. 485; Gazeau, S. 197 ff.; Clouston, Populär 
Tales and Fieiiotu, Edinburgh, 1887, II, S. 35 ff.; Fourbe- 
riea, S. 31. 

32. Volksbuch, Nr. 32; Biurker, S. 47 ff.; Sottisier, Nr. 3; 
Eth^ S. 241 ff.; Nouri, S. 202 ff.; Trifdi, Nr. 33; Nawadir, 
S. 18 (Basset RTF, XVII, S. 349); Fourberies, Nr. 31; 
Griechisch, Nr. 165; Walawani, S. 157; Serbisch, S. 121« 
Kroatisch, S. 94 ff.; Murad, Nr. 14. 

Gazeau, S. 198; FoprbeHeB, S. 29; Trifäi, S. 20. 

Eine sicherlich ältere Fassung dieser Schnurre bildet 
die 665. der LuBÜgen Geschichim des syrischen Mönches 
Bar-Hebraeus (f 1289) ; s. The Laughable Siories collected 
by Mär Gregory John Bar-Hebraeus, ed. by E. W. Budge, 
London, 1897, S. 167 ff. 

Cristoforo 2Uibata, Diporto de' uiandanti (1. Ausg. 
1589), Venetia, 1610, S. 66: 

Vn ladro, rubando in Toledo la bottega di vno che 
si chiamaua Pietro {1 negro, huomo piaceuole e faceto, 
s'abbatte incontrarlo, che gli portaua via una caßa piena 
di merci, ilquale andando in comflagnia del ladro, fu dal 
detto domandato, perche gli andaua dielro, alquale esso 
rispose: io vengo per vedere, doue mi tramutate. 

Vgl. auch Kuka, S. 185, Nr. 94 und Pitr^ Novelle 
popolari ioecane, Firenze, 1885, S. 311, Nr. 74: // Fagiqli 
e i ladri. 

33. Sottisier, Nr. 258; Volksbuch, Nr. 33; Tre/df, Nr. 34; 
Griechisch, Nr. 164. 

34. Sottisier, Nr. 262; Volksbuch, Nr. 34; rrtf/di,Nr.35; 
Griechisch, Nr. 155; Serbisch, S. 132 fi 

212 



35. Volk$bttch, Nr. 35; Barker, S. 48!!.; Sottiner, 
Nr. 111; Etli^ S. 246 f{.; Nouri« S. 177«.; Trifdi, Nr. 36; 
Mardrus, S. 98 ff.; Nawadir, S. 18; Stumme, Tnni9, 1, S. 78 
und II, S. 130 ff.; Pharaon, S. 179 ff.; FourberieB, Nr. 16; 
B. Ilg, MaltegUche Legenden nnd Sckufänke, Nr. 8: Dacha- 
han und das Keseelchen in der ZW, XIX, S. 312; Grie- 
chisch, Nr. 156; Walawani, S. 155 ff.; Serbisch, S. 150 ff.; 
Kroatisch, S. 73 ff.; Mtirad, Nr. 1. 

Köhler, I, S. 485 ff.; Clouston, Flowere, S. 67; Gazeaii« 
S. 198; Fourberiee, S. 45; Hartmami, S. 56; Trifdi, S. 16. 

Büttner, Anthologie aue der SuahelULiteraiur, Berlin, 
1894, I, S. 88 ff. und II, S. 88 ff.; Roda Roda, S. 148 (von 
einem Zigeuner). 

36. Volkebuch, Nr. 36; Barker, S. 50 ff.; Trefai, Nr. 37; 
Nawadir, S. 19; Fourberies, Nr. 30; Griechieeh, Nr. 112; 
Serbisch, S. 178. 

Vgl. unten Nr. 308. 

37. Volksbneh, Nr. 37; Barker, S. 51; Sottisier, Nr. 14; 
Tewfik, Nr. 60; Trifdi, Nr. 38; Nawadir, S. 19; Mardrus, 
S. 93 ff. (= unten Nr. 377); Griechisch, Nr. 37; Serbisch, 
S. 43; Kroatisch, S. 25. 

Fonrberies, S. 30 und 79. 

38. Yolhebnch, Nr. 38; Sottisier, Nr. 298; Tewfik, 
Nr. 58; Trifdi, Nr. 39; Nawadir, S. 19; Griechisch, Nr. 157; 
Serbisch, S. 42; Kroatisch, S. 24. 

Fourberies, S. 67. 

Ahnlich ist folgender Schwank bei (Wolfgang Bfitner) 
Yon Claus Narren (1. Ausg. 1572), Franckfort, 1602, S. 7: 

Als er (Clauß) von einem sawren Merrettich aß, vnd 
im starck in der Nase roch, schrey er abermal: O Fewr, 
Fewr ist in meiner Nasen auffgangen, wer wird mirs 
dämpffen vnnd leschen, dafi mir der Kopff nicht ver- 
brennet. 

Genauer stimmt zu der Nasreddinschen Fassung eine 
im Democritus ridens, Amstelodami, 1649, S. 127; 

Bonus quidam postquam cibos multo sale et pipere 
conditos sumsisset, media nocte lecto exsurgens, et capite 
e fenestra prospidens, quanta maxima potuit voce excla- 
mavit: Ad ignem, ad ignem. Territi hac voce vicini accur- 

213 



runt; ac quaerentibus, ubinam ardaret, In mea gula« 
respondit, In mea gula. 

39. Volksbuch, Nr, 39; Sottisier, Nr. 299; Nouri, 
S. 218 ff.; Trefäi, Nr. 40; Nawadir, S. 19; GriechUch« 
Nr. 73; Kroatisch, S. 85 ff. 

Gazeau« S. 198 ff. 

40. Volksbuch, Nr. 40; Barker, S. 51 ff.; Sottisier, 
Nr. 33; Nouri, S. 204 ff.; Tr4fdi, Nr. 41; Nawadir, S. 19; 
Griechisch« Nr. 61; Serbisch, S. 187 ff. 

41. Volksbuch, Nr. 41; Sottisier, Nr. 9; Trifdi, Nr. 42; 
Nawadir, S. 19 ff. (Basset RTP, XIX, S. 250) ; Griechisch, 
Nr. 74; Serbisch, S. 132 (anders). 

Gazeau, S. 200. 

Die älteste Fassung ist wohl die 257. Facetie im Philo- 
gelos, zit. Ausg. S. 55: 

SX^XaattMoe dj^o^daac XQiaCf ßa<rrd(iüy avro a;rif^/cro 
sie to¥ ohor aitov, Xavn^c ik ^^^orf ^Qnainr avro I« r^c 
rei^f avtov. « 6i iip^' iic cv yiyto/uaif av fi^ ndyto n^i- 
^tfft» «vro aXXip. 

42,Volksbuch,l^r.42; Sottisier, Nr. 237; Tewfik,Nr.^; 
Nouri, S. 225; Trifdi, Nr. 43; Nawadir, S. 20; Pharaon, 
S. 194; Fourberies, Nr. 58; Griechisch, Nr. 77; Serbisch, 
S. 23; Kroatisch, S. 16 ff.; Pann, S. 331. 

Gazeau, S. 200; Fourberies, S. 60; Hom, S.69 (Zakani). 

43. Volksbuch, Nr. 43; Sottisier, Nr. 260; Buadem, 
Nr. 112; TrMi, Nr. 44; Nawadir, S. 20; Griechisch, Nr. 78; 
Serbisch, S. 91 ff.; Kroatisch, S. 60; unten Nr. 278. 

Sich selber nicht kennen: In einer Novelle 
Sercambis (Novelle inedite, ed. Renier, Torino, 1889, Nr. 2, 
S. 17 ff.) hat der Einfaltspinsel Ganfo im Bade Angst, er 
könnte sich unter den vielen nackten Menschen nicht er- 
kennen, und legt sich daher auf die rechte Schulter ein 
Kreuz aus Strcm. Als dieses wegschwimmt und an der 
Schulter eines andern haftet, hält er diesen für sich selber: 
Tu sei io et io son tu. 

Hierzu vergleiche den Schwank von dem arabischen 
Narren Habamudca, den Hartmann, S. 49 nach Maidani 

214 



(Arahum prooerbia, ed. Freytag, Bonn, 1838 ff., I, S. 392 ff.) 
erzählt und schon bei dem im Jahre 719 oder 728 ver- 
storbenen Dichter al Farazdak ^ nachweist. Cimlich 
glaubt in der 68. Facetie Poggios ein Dummkopf, daE 
einer, der seine Stimme nachahmt, er selber sei. 

Eine hübsche Variante bietet eine Erzählung bei Do- 
menichi, Facetie, 1562, S. 169 ff., deren gekürzte lateinische 
Übersetzung im Democriius ridens, S. 235 ff. mitgeteilt sei: 

Eques quidam Montricensis ^, haud magna cum re, ut 
ille ait, ambitiosus tamen et conservandi sui cupidus, 
famulum conduxerat, Martinum nomine, hominem mirifice 
somnolentum. Habebat ille amicum, non procul ab urbe 
rusticantem; quem invisere volens, ante villae portam ex 
equo descendit et Martino equum custodiendum tradit. 
Is, manui implicitis habenis, mox in gramen se prostemit,. 
et profundo somno occupatur. Praeteribat forte lavemio 
quidam, et ab occasione invitatus, ubi hominem altum 
stertere animadvertit, et abscissis habenis, quas Martinus 
brachio circumplicatas tenebat, ac novis e cingulo suo 
factis, equum conscendit, cumque eo sese subducit. Non 
multo post Martinus evigilans, ac semisomnis adhuc cir- 
cumspiciens, Ego, inquit, aut Martinus sum, aut non sum. 
Si Martinus sum, heri mei equum amisi; si non sum, habe- 
nas has lucrifeci. Quod postea in proverbium abiit. Huic 
mandes, si quid recte curatum velis. 

Hierzu vergleiche man die Erzählung Verloren oder 
gefunden in Hebels Schaizkäsilein des Rheinischen Haus- 
freundes [Werfte, Hesse, IV, S. 177 ff.) und folgende eng- 
lische Version aus Delighi and Pasiime or Pleasani Diver- 
sion for boih sexes . . . ., London, 1697 bei Ashton, Humour, 
Wii, and Satire of ihe Seoentcenih Century, New York, 
1884, S. 72: 

A pleasant Fancy of an Italian by name Trivelino, 
who falling asleep one Day, with his Horse's Bridle twisted 
in his Arm, another came who unbi:idled his Horse and got 
away, Trivelino beintf awaked« and missing his Horse 
began to feel himself about, saying: Either I am Trivelino, 
or not: If I am Trivelino my Horse is lost; If not, I have 
got a Bridle, but know not how. 



1 Brockelmanii« I, S. 53 ff. 

2 Soll wohl MnünnuU heißen. 



21S 



Diese Schnurre, zu der eine sehr nahestehende Paral- 
lele in — Timhuktu erz&hlt wird (Basset, Conies popU' 
Imr— tTAhigne, Paris, 1903, S. 163 IL), Termittelt den 
Übergang zu der als Nr. 298 mitgeteilten und ihren in den 
Noten beigebrachten Varianten. 

44. SoitUier, Nr. 259; Volksbuch, Nr. 44; Barker, S. 52; 
Trifdi, Nr. 45; Griechisch, Nr. 79; Serbisch, S. 153. 

45. Barker, S. 53; Volkshuch, Nr. 45; Soiiisier, Nr. 53; 
Trifäi, Nr. 46; Nawadir, S. 20; Griechisch, Nr. 80; Ser- 
bisch, S. 159. 

46. Volksbuch, Nr. 46; Sottisier, Nr. 75 (Schluß); 
Nouri, S. 167 {f.; Trifäi, Nr. 47; Nawadir, S. 20; Grie- 
chisch, Nr. 48; Serbisch, S. 36 ff. und 111 ff.; Kroatisch, 
S. 75 ff.; Murad, Nr. 29 (Schluß). 

A.C. Lee, The Decameron, Its Sources and Analogues, 
London, 1909, S. 97. 

Zu dem Motive vom eingebildeten Toten vgl. 
unten die Nrn. 49, 66, 121, 141 und 382. 

47. Volksbuch, Nr. 47; Sottisier, Nr. 92 (nicht von Kur- 
den, sondern von Arabern); Nouri, S. 146; Trifdi, Nr. 48; 
Nawadir, S. 21; Griechisch, Nr. 93; Serbisch, S. 153 ff. 

Köhler, I, S. 485. 

Anthropophyteia, III, S. 79 ff. und 380 ff. 

48. Volksbuch, Nr. 48; Sottisier, Nr. 90; Trefdi, Nr. 49; 
Griechisch, Nr. 91; Serbisch, S. 174 ff. 

Clouston, Noodles, S. 91. 

49. Volksbuch, Nr. 49 und Barker, S. 53 ff.; SotHsier, 
Nr. 175; Nouri, S. 195 ff.; Trifdi, Nr. 50; Nawadir, S. 21; 
Griechisch, Nr. 92; Serbisch, S. 143 ff. und eine Variante 
S. 163 ff.; Kroatisch, S. 88ff.; Pann, S. 343 ff. 

Köhler, I, S. 486 IL und 505 ff.; Gazeau,S. 20011.; Foar- 
heHes, S. 53; Trifdi, S. 12; Arehio für slawische Philologie, 
XXIX, S. 452; Lee, The Decameron, S. 96 ff. 

Das Schema dieser Geschichte läßt sich folgender- 
maßen darstellen: 1. das Abhacken des Astes, 
auf dem man sitzt, 2. der dritte (zweite, achte) 
Wind des Esels, Pferdes oder Maultiers oder des 

216 



Gefoppten selber als Todeszeichen für diesen und 3. das 
Sprechen des we^etragenen vermeintlichen Toten. 

Zu 1 vgl. das sechste Abenteuer des Guru Param&r« 
tan, kombiniert mit dem bei Nr. 66 angegebenen Zuge 
(österley in der Zeitschrift für vergleicliende Literatur^ 

fescfiicfite, l, S. 53 ff. und 67 ff.) und eine Anekdote, die 
achariae in der ZW, XIII, S. 218 aus T&ranäthas Ce- 
scfiiclite des Bnddfiismns mitteilt; femer: Grillenoertreiber, 
Franckfurt am Mayn, 1603 (v. d. Hagen, Narrenbucfi, 
Halle, 1811, S. 477); P. Sen^quier, Blason popnlaire pro» 
vengal in der RTP, XII, S. 75; endlich eine Erzählung bei 
ihn Arabschah, Fakifiat al fwlafa^ (Chauvin, Bibtio- 
grapfiie des ouvrages arahes, Li^ge, 1892 ff., II, S. 201, 
Nr. 47). 

Zu 1 und 2: Schleicher, Litaniscfie Märcfien, Spricfi' 
Worte, Rätsel und Lieder, Weimar, 1857, S. 41 ff.; Blad^, 
Contes populaires de la Gascogne, III, S. 128 ff. (hier 
verstopft Jean l'Imbecile dem ^sel nach dem zweiten 
Winde den Hintern mit einem Pflocke; der Esel l&ßt den 
dritten, der Pflock durchbohrt den Dummkopf, und er 
stirbt. Vgl. Köhler, III, S. 50 ff.); Ch. Swynnerton, Ro- 
mantic Tmes from tfie Panjäb with Indian Nights' Enter» 
iainment, London 1908, S. 272: Of a credulous weaver 
(hier soll der Weber an dem Tage sterben, wo sein Mund 
bluten wird). 

Zu 3: unten Nr. 121. 

Zu 1 und 3: Eine indische Erz&hlung des Bfiarataka 
Doätrin^ikä, über^tzt von A. Weber in den Monats^ 
beriefiten der BerL Akademie, 1860, S. 71 ff. (österley in 
der Z. f. vgl. Litg., I, S. 53; Clouston, Noodles, S. 158 ff.); 
Pitr^, III, S. 144 ff., Nr. 150: La Pariannisi. 

Zu 2 und 3; Prym-Socin, Tür 'Abdin, II, S. 249 ff.; 
P. S^billot, Contes <f« la Haute-Bretagne, Nr. 14 und 15 in 
der RTP, S. 442 ff. und 443 ff.; Anihropophyteia, III, 
S. 400 ff. 

Zu 1, 2 und 3: Haltrich, Deutsche Volksmärchen aus 
dem Sachsenlande in Siebenbürgen, 4. Aufl., Wien, 1885, 
S. 250 ff.; J. Vinson, Le Folklore du Pays Basqne, Paris, 
1883, S. 93 ff.; 0. Knoop, Schnurren und Schnaken aus 
Rügen, Nr. 1 in Am Ür-Quell, IV, S. 72 ff. = Merkens, 



1 Brockclmaim, II, S. 29; 

217 



II, S. 148 {f., Nr. 177. Weiter sei verwiesen auf die letzte 
der unten (II, S. 128 ff.) mitgeteilten Geschichten von 
Juvadi (Nr. 447), die wieder so ziemlich mit Pitr^, No- 
velle popolari ioscane, S. 182 ff. (Nachweise S. 196) von 
Giucca übereinstimmt. 

50. Volksbuch, Nr. 50; SoHisier, Nr. 300; Tewfik, 
Nr. 43; Nouri, S. 213; TrifdU Nr. 51; Nawadir, S. 21; Grie- 
chisch, Nr. 94; Serbisch, S. 45; Kroatisch, S. 16. 

51. Volksbuch, Nr. 51; Sottisier, Nr. 301; Trifäi, 
Nr. 52; Nawadir, S. 22; Griechisch, Nr. 40; Murad, Nr. 20. 

Köhler, I, S. 490 (die Geschichte ist identisch mit der 
166. Äsopischen Fabel in Halms Ausgabe: Jlari}^ xal 
^vyaTiQig); vgl. auch die 377. Erzählung im 1. Buche von 
Kirchhofs Wendunmuth (hg. v. österley, I, S. 412 ff.). 

52. Volksbuch, Nr. 52; Barker, S. 56; Sotiisier, Nr. 48; 
Nouri, S. 147; Tr^fii, Nr. 53; Nawadir, S. 22; Griechisch, 
Nr. 41; Serbisch, S. 189; Kroatisch, S. 64. 

Memminger Mond: In einem außerordentlich 
interessanten Exkurse, den Seb. Pauli in den Modi di dire 
ioscani (1. Ausg. 1740), Venezia, 1761, S. 212 ff. der 
Redensart Non conosce la luna di Bologna widmet, 
heißt es: 

Roberto Tizio nel Üb. 8. de' Luogi confroversi al capi- 
tolo 9S riferito dal Menagio^: „Neminem ignorare arbi- 
tror, jocoso dicterio quosdam illudendi morem esse, quod 
faciles pacatosque se praestent ad quodvis credendum. 
lis enim occinere consuevimus, non vero ipsos lunam, quae 
Bononiae lucet, cognitam habere: quasi vero luna, quam 
hie Florentiae spectamus, alia sit atque diversa ab ea, 
quam Bononienses, atque adeo omnes ubique populi, in- 
tuentur. Manavit autem hie sermo a veteribus, ne quis 
domi nostrae nuper natum existimet. Reperi namque 
apud Plutarcum in commentario De exilio eundem irri- 
dendi modum usurpatum, ubi cum plura adduxisset, quae 
exilii incommodum extenuarent, nisi etiam tollere possent. 



> D. i. Roberti Titii Burgensit Loeorum iewttrovenorum Ühri X, Floren- 
tiae, 1583. 

s D. i. Mfoftge, Origini dtUa Nngaa iiaÜana, Geneva, 1685. 

218 



demum subdit: Aiqui stuliiiiam ejus irridemus, qui lunam 
Athenis meliorem nitidioremque esse dicat, quam quae 
Corinthi^. Et tarnen in idem quodammodo vititun mentis 
incidimus, cum peregrinantes terram, mare, aer, coelum ut 
diversa aliaque a consuetis esse contendimus." II volgo 
conta aver avuto origine questo dettato da un scolare 
gaglioffo, che dallo studio di Bologna, ove erasi trattenuto 
piü anni, riduttosi in patria con fama di savio, domandö, 
se quella luna, che ivi luceva, fosse la stessa solita vedersi 
a Bologna, II Monosini^ da a questa maniera di dire 
un' altra spiegazione: Accedente aliquo ad aliquorum com- 
mercium, qui diutius ab Ulis oisus non sit, iunc dicere 
solet aliquis: Ecco la luna da Bologna. 

Titius und Manage hätten noch eine andere altgrie- 
chische Belegstelle heranziehen können, und zwar die 
49. Facetie von Hierokles [Philogelos, S. 16): 

Z^oXaauxos r^y aeX^vfjy Ma>f', invyS-ayiro rov natQos 
il xal Talg aXXatff noXtai Toutvrat aeX^yai tiai. 

Auch Bar-Hebraeus hat eine ähnliche Schnurre (ed. 
Budge, S. 142, Nr. 549): 

A certain simpleton looked at the moon when it was 
fourteen days old, and said, „Blessed month." And when 
it was Said to him, „How is it thou didst not see the moon 
before?" he answered, „I was not in the city having only 
just come." 

Kuka bringt zwei hiehergehörige Geschichten (S. 166, 
Nr. 38 und S. 182, Nr. 84), von denen die erstgenannte 
folgen möge: 

A person from Hajäz had come to Shiraz. On the eve 
of the iirst day of the month of Ramazdn he saw the new 
moon which ushers in every month. The sight of it aggra- 
vated our sage, who said angrily to the moon, — „Hast 
thou come back to torment and annoy mankind by obli- 
ging them to keep fasts? May God kill me, if I do not 
avoid thy malign influence by departing immediately from 
this City!" 

Vom Sieur Gaulard erzählt Tabourot S. 258 ff.: 

Se promenant sur le pont de Dole, et voyant la lune 



1 Pltttarch, De «xUio. 6: KaCroi yiXüjuty i^y aßfXrfgUty rov 

^aaxoyrogf iv ji&ijyatff ßeXrUya a§liy>jy tiyai w^c iy Kogly^, 

2 D. s. Angeli Monotinü FloriM UaUeat tinguM libri nooem, VenettU, 1604. 

219 



pleine, apparente proche Thorison« qui se monstroit fort 
grande« Je tous asseure, dit-il« que nous sommes bien- 
neureux en ce pais; car nostre lune est plus grande que 
Celle de Paris. II pensoit qu'il y en auoit vne pour cha- 
que Tille. 

Ahnliche Geschichten finden sich sehr häufig, z. B. 
L, Aurbacher, Ein Volksbächlein, I, S. 152, Merkens, I« 
S. 14, Nr. 17, II, S. 17 ff., Nr. 22 und III, S. 10, Nr. 10, 
Keller, Schwaben, S. 139 (wo auf Boners Edelstein, Nr. 99 
hingewiesen wird). Bronner, Bayerisches Schelmen-Buch' 
lein, S. 115 ff., L. F. Sauv^, Le Folk-lore des Hanfes- 
Vosges, Paris, 1889, S. 74, G. Calvia, Facezie sopra gli 
abitanti di Sorso in Sardegna, Nr. 4 im Archivio, XXI, 
S. 378, Strafforello, II, S. 460 usw. Vgl. auch den SchluB 
der zu Nr. 110 mitgeteilten Stelle aus Eyerings ProverbiO' 
tum copia, 

53. Volksbuch, Nr. 53; Sottisier, Nr. 245 (anders) r 
Trefdi, Nr. 54; Nawadir, S. 22; Griechisch, Nr. 42 (ohne 
Obszönität). 

54. Volksbuch, Nr. 54; Barker, S. 56 ff.; Sottisier, 
Nr. 19; Nouri, S. 67 ff.; Trefdi, Nr. 55; Nawadir, S. 22; 
Kuka, S. 215 ff.; Stumme, Tripolis, S. 176 ff.; Fourberies, 
Nr. 20; Griechisch, Nr. 43; Serbisch, S. 121 ff.; Kroatisch, 
S. 68 ff.; Murad, Nr. 27. 

Köhler, I, S. 490 ff.; Fourberies, S. 31 und Bassets 
Nachtrag in der RTF, XI, S. 496; Trefdi. S. 12 und 20 ff. 

Vgl. die altfranzösische Farce des deux saoetiers, über 
die P. Toldo in den Studj di Hlologia romanza, IX, S. 199 
und in der ZW, XIII, S. 420 ff. handelt; weiter Arienti, 
Porretane (1. Ausg. 1483), Venetia, 1531, Bl. 45a ff., 
Not. 20: Messer e Lorenzo Spazza, caualiero araldo, se 
fa conuenire denanti al pretore da ano ]noiaro, Üquai* 
e- dimostrato non esser in bono sentimento, et messer 
Lorenzo libero se parte lasciando il notaro schernito e 
desperato; Le piaceuoli e ridiculose facetie di M, Poncino 
della Torre, Cremonese (1. Ausg. 1581), Brescia, 1599, 
Bl. 17b ff. = Zabata, Diporto, S. 90 ff.; (G. Sagredo), 
L'Arcadia in Brenta (1. Ausg. 1667), Bologna, 1693, 
S. 168 ff.; Juan de Timoneda, El Patranuelo (1. Ausg^ 
1576), patr. 18 in der Biblioteca des antares espanoles, 

220 



3.a ed./ Madrid, 1850, S. 158 ff. (Dunlop - Liebrecht^ 
S. 271 und D, M. Menindez y Pelayo, OrigeneM de la 
Nooela, II, Madrid, 1907, S. LH) ; J. F. de Memel, Neu- 
vermehrt und augirte Anmuihige lustige CeselUfhaiH, 
Zippel-Zerbst, 1701, S. 91, Nr. 208; C. A. M. ▼, W., Neu- 
außgebutzter, kurtzweiliger Zeitvertreiber, 1685, S. 244 IL; 
G. Georgeakis et L, Pineau, Le Folk-lore de Letboe, Paris« 
1894, S. 111 ff. : U juif et le chretien; Ik, II, S. 70 IL, 
Nr. 113: Die Geschichte von den neunundneunzig Gold» 
stächen. Mit Ausnahme der zwei zuletzt genannten Fas- 
sungen kommt die Schuld des Schalkes an den Gläubiger 
auf eine andere Weise zustande. 

Unter den Pschohageschichten bei Mardrus ist eine 
(S. 101 {{.), die der unsern, aber nur in ihrem ersten Teile 
entspricht, w&hrend diesem in der Nasreddinerzahlung bei 
Walawani, S. 156 ff. ein anderer Schluß beigefügt ist^^; 
ein interessantes Gegenstück hat dieser erste Teil in den 
Facette et motti arguti, Fiorenza, 1548, die von L. Dome- 
nichi herausgegeben sind, und zwar in dem Absdinitte 
(Bl. Ffb), der, wie ich bei Arlotto, II, S. 308if. nach- 
gewiesen habe, auf einem im Jahre 1479 niedergeschrie- 
benen Manuskripte beruht: 

Vn pouero huomo s'inginocchiaua ogni mattina k un 
Crocifisso, pregandolo, che gli facesse trouare cento du- 
cati, e dicendo: se io trouaßi un meno, non gli torrei. 
Vno che lo senti, ne uolle fare la pruoua, e gettogli quiui 
di nascosa una borsa con nouanta noue ducati; colui pre- 
sala, gli annouero, e disse: a Dio, Christo; hamene a 
dare uno. 

Diese Geschichte, die auch in den spätem Ausgaben 
der Domenichischen Facetien (1562, S. 257, 1581, S. 317 
usw.) wiederkehrt, hat Parallelen in den wahrscheinlich 
vor der Mitte des 16. Jahrhunderts zum ersten Male er- 
schienenen Jests of Scogin, und zwar in dem Schwanke 



üff ro ^iJcaaTj^que, dixaUaaig tov JCtur^a, öutnirefii^QV owi na^a 
jov *AXXoy iiiiJtjae xai eXaße to noffoy, xai on ilyai advrator 
rä naQaoa^&^ in tti^tcxnai ay&Q<anoc, xai /ddlufra 'EßgaTo^y 
dvvaMvoc rä 7tal(p joifovfor xwJvyudiff fjtsta t£r rg^ßtanay 



221 



Eow Seogin prayed to a Roode for an Hundred French 
Crownee (Hazlitt, II, S. 128 iL) und bei Krauss, Zigeuner- 
humor, S. 12 ff.: Der Zigeuner epaßi nicht mit Gott Zu 
dem zweiten Teile unserer Erzinlung stimmt wieder der 
SchluB des 7. Märchens der Grimmschen KHM: Der gute 
Handel und seiner kroatischen Variante bei Krauss« Sagen 
und Märchen der Sädslaoen, Leipzig, S. 244 f!., Nr. 52: 
Bauer und Jude, 

55. Volksbuch, Nr. 55; Barker, S. 60 ff.; Soitieier, 
Nr. 21; Eth^, S. 242; Tewfik, Nr. 52; Nouri, S. 200 ff.; 
Trifäi, Nr. 56; Nawadir, S. 23; Bonelli, S. 458 ff.; Ilg, II, 
Nr. 92; Griechisch, Nr. 75; Serbisch, S. 29 ff.; Kroatisch, 
S. 86 ff. und 22 ff.; Gonzenbach, I, S. 258 ff.; Papanti, 
Dante eecondo la tradizione e i nooellatori, Livorno, 1873, 
S. 73 ff.; Pitr^, III, S. 365 ff. (== unten Nr. 432); Murad, 
Nr. 17; Pann, S. 335. 

Köhler, I, S. 491; Crane, S. 296 und 380; Gazeau, 
S. 201; St Prato, RTF, IV, S. 167 ff.; Fourberiee, S. 31 ff.; 
Köhler-Bolte, ZW, VI, S. 74; TrMi, S. 18; Wesselski, 
Mönehüatein, Leipzig, 1909, S. 226 ff.; Papini, La leggenda 
di Dante, Lanciano, 1911, S. 74 ff. 

Vgl. ferner zu dem Zuge des Dankes an die 
Kleider: Bandello, Novelle, III, Nr. 38, Widmungsbrief 
(Firenze, 1832, S. 612); Schupp, Salomo oder Regenten- 
Spiegel, Cap. 10 [SchHfHen, Hanau, 1663, S. 108 ff.) ; Zeit- 
vertreiber, S. 65 ff.; Memel, S. 104 ff., Nr. 238 (nach 
Melander, Jocoeeria, I, Nr. 264, Lichae, 1604, S. 207); 
Harsdörfer, i4Lrs apophiegmatica, Nürnberg, 1655, S. 420, 
Nr. 1975; Gladwin, The Fersian Moonehee, 2. ed., Calcutta, 
1799, II, S. 24, Nr. 63; Pharaon, S. 208 ff.; A. Lecov de la 
Marche, L'esprit de noe aleux, Paris, o. J., S. 56 ff., Nr. 32; 
Biegleisen, Jüdisch-deutsche Erzählungen aus Lemberg, 
Nr. 2 in der ZVV, IV, S. 209 ff. 

56. Volksbuch, Nr. 56; Barker, S. 61 ff.; Sottisier, 
Nr. 302; Trefdi, Nr. 57; Nawadir, S. 23; Griechisch, Nr. 44; 
Serbisch, S. 170. 

Fourberiee, S. 184 ff. 

Vgl. weiter die 72. Facetie im Fhilogelosr ^ 

ihitr, tvtv^iSff xal a§l tavra ^fiag nouTy, 

222 



57. Volksbuch, Nr. 57; Soititier, Nr. 266; Trefdi, 
Nr. 58; Nawadir, S. 23; Stumme, Tripolis, S. 17811. = unten 
Nr. 381; Griechisch, Nr. 85 + 169; Sferbisch, S. 139 ff. 

Fourberies, S. 62. 

Vgl. Reinisch^ Di0 Nuba-Sprache, Wien, 1879, I, 
S. 183 ff. 

58. Volksbuch, Nr. 58; Barker, S. 62 ff.; Sotiisier, 
Nr. 31; TreMi, Nr. 59; Nawadir, S. 24; Griechisch, Nr. 161. 

Gazeau, S. 201. 

59. Volksbuch, Nr. 59; Sottisier, Nr. 303; Tr4fdi, 
Nr. 60; Griechisch, Nr. 162. 

60. Volksbuch, Nr. 60; Barker, S. 63 ff.; Sottisier, 
Nr. 100; Buadem, Nr. 113; Nouri, S. 62; Trifdi, Nr. 61; 
Nawadir, S. 24; Fourberies, Nr. 34; Griechisch, Nr. 163; 
Serbisch, S. 92; Kroatisch, S. 60. 

Fourberies, S. 44. 

61. Barker, S. 64 ff.; Volksbuch, Nr. 61^ Sottisier, 
Nr. 223 = unten Nr. 281 (nur der Schluß); Tewfik, Nr. 18; 
TrMi, Nr. 62; Nawadir, S. 24; Griechisch, Nr. 102; Ser- 
bisch, S. 25; Kroatisch, S. 8. 

Trifdi, S. 16. 

Ahnlich straft Klaus Narr sein Pferdchen, das sich 
unanständig betragen hat, indem er ihm den Sattel ab- 
nimmt und es „zu FuO laufen läßt"; vgl. Pauli, Schimpf 
und Ernst, hg. v. österley, Stuttgart, 1866, Anhang, Nr. 2, 
Hans Sachs, oämtliche Fabeln und Schwanke, hg. v. Goetze 
und Drescher, IV, Halle, 1903, S. 246 ff. mit den Noten der 
Herausgeber und Btitner, Von Claus Narren, S. 201. Das- 
selbe tut Triboulet, der Hofnarr König Franz I. von 
Frankreich, in der Nov. 68 des Recueil des plaisantes et 
facetieuses nouoelles, Lyon, 1555, S. 212 ff. = Les joyeuses 
aoentures et facetieuses narrations, Lyon, 1556, S. 242 ff., 
nov. 71.^, die dann von 1568 an als 98. Stück in die Nou- 
velles ricriations et joyeax devis von Bonav. Des Periers 



1 Ober dMM beiden Sammlttiigeo vgl WeseeUld, MSndmIaMn, S. 199 
uad FirenzuoU, Ncodhn und Gcjprioft«, ibers. t. WetseUId, Mfiachen 1910, 
S.176fi 

223 



aufgenommen worden ist (6d. par P. L. Jacob [Paul 
Lacroix], Paris, 1658, S. 333<f.); vgl. weiter P. L. Jacob 
[Paul Lacroix]« CurioMiii» de Vhitioire de Franee, Paris, 
1858, S. 116 ff. und A. Canel, Recherehes hietoriquee sur 
les fou$ dee raU de France, Paris, 1871, S. 107 ff, 

62. Barker, S. 65; Volksbuch, Nr. 62; SoUisier, 
Nr. 304; Griechisdi, S. 119. 

63. Volksbuch, Nr. 63; Barker, S. 65ff.; SofHsier, 
Nr. 243; Nouri, S. 53 ff. (hier ist der Esel ein „Despot", d. h. 
ein Bischof geworden); Trifdi, Nr. 63; Nawadir, S. 24; 
Stumme, Tunis I, S. 79 ff. und II, S. 133 fi = unten 
Nr. 385; Griechisch, Nr. 101; Serbisch, S. 131; Kroatisch, 
S. 67 ff. (Despot) ; Murad« Nr. 28; Pann, S. 341. Vgl. auch 
unten Nr. 259. 

Köhler, I, S. 491; Bolte in der ZW, VII, S. 93 ff.; 
Fourberies, S. 61; Chauvin, VII, S. 170 ff.; Basset in der 
RTF, XIX, S. 56; Archiv für slawische Philologie, XIX, 
S. 267, XXII, S. 305 und XXIX, S. 453. 

Clouston, Noodles, S, 104; Swynnerton, S. 43 ff.; 
Yakoub Artin Pacha« Contes populaires de la vallie du 
Nil, Paris, 1895, S. 51 ff. (verquickt mit dem Motive von 
Nr. 487) ; Veckenstedt, Sztukoris, der Till Eulenspiegel der 
Litauer und Zamaiten, Leipzig, 1885, S. 32 ff.; AnikropO' 
phyteia, I, S. 25 ff. 

64. Volksbuch, Nr. 64; Sottisier, Nr. 99; Buadem, 
Nr. 87; Trifdi, Nr. 64; Nawadir, S. 25; Griechisch, Nr. 32; 
Serbisch, S. 123 ff. und 81 ff. 

Vgl. P. S^billot, Contes et Ugendes de la Haute- 
Bretagne, Nr. 100: L'äne du Jaguen in der RTP^ XXIV, 
S. 202 ff. 

65. Vo/i^s6ac^, Nr. 65; Barker, S. 66; Sottisier, Nr. 235; 
Eth^, S. 243; Tewfik, Nr. 12; Nouri, S. 55 ff.; Trefdi, 
Nr. 65; Mardrus, S. 94 ff.; Nawadir, S. 25; Kuka, S. 216 ff.; 
Fourberies, Nr. 29; Griechisch, Nr. 120; Walawani, S. 156; 
Serbisch, S. 24; Kroatisch, S. 100 und 6 ff.; Murad, Nr. 5; 
Pann, S. 331. 

Köhler, I, S. 491; Gazeau, S. 201 ff.; Fourberies, S. 60; 
TrMi, S. 12 und 16; Basset im Keleti Szemle, I, S. 221 ff. 

224 



Die Schnurre ist nichts als eine glückliche Steigerung 
der Anekdote von Scipio Nasica und dem Dichter Ennius, 
die bei Cicero, De oratore, II, 68, 276 erzählt wird und 
ohne Namen im Philogelos als Nr. 193 wiederkehrt. Vgl. 
zu dieser Fassung, wo der Besucher zwar der Magd oder 
dem Diener, aber nicht dem Herrn selber glaubt, daß dieser 
nicht zu Hause sei, die Nachweise österleys zu Kirchhofs 
Wendunmuih, III, Nr. 139, femer CastigUone, // Corte- 
giano, II, c. 75 (hg. ▼. Wesselski, I, S. 207 und 321), Lodo- 
vico Carbone, Facezie, ed. da Abd-el-Kader Salza, 
Livomo, 1900, S. 34, Nr. 29, Guicciardini, Detti, ei fatii 
piacevoH ei gravi (1. Ausg. 1565), Venezia, 1581, S. 153 ff., 
Talee and Quicke Answeres (ca. 1535), Nr. 112 (Hazlitt, 
I, S. 126 ff.), The Jesie of Scogin, S. 140 ff., The Pleaeani 
Conceiiee of Old Hobson ihe Merry Londoner (1. Ausg. 
1607), Nr. 35 (Hazlitt, III, S. 51), Oxford Jesie Refined 
and Enlarged, London, 1684 bei Ashton, Humour, Wii and 
Satire, S. 235, Caspar Lucas Hidalgo, Dialogos de apacible 
entreteniemento (1. Ausg. 1605), diäl. I, cap. 2 in Extra- 
oagantes, Barcelona, 1884, S. 31 usw. 

Parallelen zu unserer Version stehen bei Juan de Ti- 
moneda, Sobremesa y alivio de caminantes (1. Ausg. 1563), 
p, II, c. 62 in der Biblioieca des antares espaholes, III, 
S. 182, nach diesem bei Zabata, Diporto de' viandanii, 
S. 80, in der Arcadia in Brenta S. 397 ff.^ bei Casalicchio, 
L'utile col dolce (1. Ausg. 1671), c. I, d. 8, a. 4, Venezia, 
1708, S. 144, bei Baraton, Poesies diverses, Paris, 1705, 
S. 189, in den Pantagruiliques (1. Ausgabe 1854), Turin, 
1870, S. 58, bei Büttner, Suaheli-Literatur, I, S. 88 und II, 
S. 87 ff. und bei Roda Roda, S. 222 ff. 

66. Volksbuch, Nr. 66; Barker, S. 66 ff.; Sottisier, 
Nr. 75 (1. Teil); Trifäi, Nr. 66; Nawadir, S. 25; Griechisch, 
Nr. 95. 

Köhler, I, S. 488 ff.; Gazeau, S. 202; Fourberiee, S. 41. 

Vgl. das 6. Abenteuer Guru Param&rtans, wo einem 
Schüler Gurus mitgeteilt wird, daß sich Gurus Tod durch 
das Erkalten seiner Lenden anzeigen werde (österley in 
der Z. f. vgl. Lüg., I, S. 67 ff.). Bei W. F. O'Connor, Falk 
Tales from Tibet, 2. ed., London, 1907, S. 30 ff.; The story 
of the foolish young mussulman werden gelbe Fußsohlen 
als Todeszeichen angegeben, 

Natreddin. L 15 225 



Zu dem Zuge vom eingebildeten Toten vgl. 
die Nrn. 46, 49, 121, 141 und 382. 

67. Volksbuch, Nr. 67; Soiiisier, Nr. 305; Tewfik, 
Nr. 35; Tr4fäU Nr. 67; Griechisch, Nr. 96; Serbisch, S. 109 
und 35; Kroatisch, S. 13. 

68. Volksbuch, Nr. 68; Barker, S. 67 ff.; Soitisier, 
Nr. 102; Tewfik, Nr. 34; Trifäi, Nr. 68; Nawadir, S. 26; 
Griechisch, Nr. 97; Serbisch, S. 14 ff.; Kroatisch, S. 13. 

Trifdi, S. 16. 

69. Volksbuch, Nr. 69; Barker, S. 68 ff.; Tr4fdU Nr. 69; 
Nawadir, S. 26; Griechisch, Nr. 99; Serbisch, S. 189. 

Köhler, I, S. 492 ff.; Tr^fäi, S. 12. 

Fröschen Geld gegeben: Dazu vgl. außer 
der bei Köhler, III, S. 14 und im Archiu für slauische 
Philologie, XXII, S. 304 und 309 angegebenen Literatur 
noch Krauss, Sagen und Märchen der Sädslaven, S. 244 ff., 
Pitr^, Novelle popolari toscane, S. 180 (Giucca), Landes, 
Contes et legendes annamiies, Saigon, 1886, S. 320, Mer- 
kens, I, Nr. 39, und Keller, Schwaben, S. 98 ff. 

70. Barker, S. 69 ff.; Volksbuch, Nr. 70; SoHiner, 
Nr. 68; Nouri, S. 123 ff.; Trifdi, Nr. 70; Nawadir, S. 26; 
Kuka, S. 217; Griechisch, Nr. 98; Kroatisch, S. 18 ff.; 
Murad, Nr. 22. Die erste Frage allein als Inhalt einer 
selbständigen Erzählung: Tewfik, Nr. 51; Serbisch, S. 31. 

Köhler, I, S. 492 ff.; Gazeau, S. 202 ff.; Fourberies, 
S. 39; Hartmann, S. 64 ff. 

Die auOerordentlich reiche Literatur über das Motiv 
der dre^Fragen hat A. L. Jellinek im Euphorion, IX, 
S. 159 zusammengestellt; dazu kommen noch: De Puy- 
maigre im Archivio, III, S. 98 ff.; Basset, Loqmän berbere, 
Paris, 1890, S. LXIff.; Ad. Rittershaus, Die neuisländischen 
Volksmärchen, Halle a. S., 1902, S. 404 ff.; Letterio di 
Francia, Franco Saccheiii novellaiore, Pisa, 1902 (= vol. 16 
der Annali della jR. scuola normale superiore di Pisa, Pilo- 
logia e filosofia), S. 112 ff.; Meißner, Neuarabische Ge- 
schichten aus dem Iraq, S. 89 ff.; Menendez y Pelayo, 
Origenes de la Novela, II, S. LVIII ff. 

226 



71. Soitisier, Nr. 61; Cantimir S I, S^ 164; De la Croix, 
I, S. 153 ff.; Flögel, S. 176 ff.; Hammer, I, S. 629 ff.; 
Doran, S. 73 ff.; Nick, I, S. 147 ff.; Murad, Nr. 24. An allen 
diesen Stellen handelt es sich um Feigen, die der Hodscha 
statt der zuerst in Aussicht genommenen Quitten dem 
Sultan Timur überbringt. In den fol^nden Fassungen 
variieren die als Geschenk gebrachten Früchte und statt 
Timurs ist es der Bei, Hegemon, Beg, Pascha oder Kaid, 
der sie erhält: Volksbuch, Nr. 71; Barker, S. 77 ff.; Nouri, 
S. 151 ff.; Trifäi, Nr. 71; Nawadir, S. 26; Fourberies, 
Nr. 25; Griechisch, Nr. 100; Serbisch, S. 141 ff. und 186 ff.; 
Kroatisch, S. 77 ff.; Pann, S. 333 ff. 

Köhler, I, S. 494 ff.; Gazeau, S. 203 ff.; Fourberies, 
S. 37 ff.; Trefdi, S. 6 ff.; vgl. femer Cloustons Abhandlung 
„Luckily, they are not peaches" in den Populär Tales and 
Fictions, II, S. 467 ff. 

In der Anmerkung zur 68. Facetie Arlottos (I,S.226ff.) 
ist der Anfang einer Erzählung des Midrasch Wafikra 
rabba mitgeteilt worden, die eine Parallele zu diesem 
Schwanke Nasreddins darstellt; hier folge nunmehr der 
Schluß: 

Der König befahl, daß man ihn vor das Tor des 
Palastes setze und jeder Aus- und Eingehende ihn mit 
seinen Feigen ins Gesicht werfen solle. Am Abende 
wandte er sich von da weg und ging nach Hause und er- 
zählte seinem Weibe: „Alles, was mir begegnet ist, habe 
ich dir zu danken." „Geh," sprach sie zu ihm, „schwatze 
es deiner Mutter vor; gut, daß es nur Feigen und nicht 
Ethroge und daß sie reif und nicht unreif waren." 

Die älteste abendländische Version dieser Schnurre, 
die auch bei Kuka, S. 217 ff. wiederkehrt, scheint eine der 
Cento nouelle antiche zu sein; in Gualteruzzis Texte ist 
sie die 74., in dem Borghinis die 73. (Ausgabe Milano, 



^ Cantimir schickt der Erzählung folgende Worte voraus: Nos Histo- 
riens ajoutent encore une drconstance bien capable de convaincre; c'est 
qu'avant l'engagement (gemeint ist die Schlacht von Aogora am 20. Juli 1402, 
in der Bajazet von Timur geschlagen und gefangen genommen worden ist) Tamer- 
lan qui iimt ctanpi assez pr&s de Jenisnehir, c'est Neapolis de l'Asie mineure, 
passa trois jours i teouter Nasruddin Hoja: ce bouffon, ou plutöt cet Esope 
Türe charma si fort le Prince avec ses fahles, qu'fl lui fit oublier de sac- 
ca^er la vüle. le dois quelque chose i la curiositi de mon Lecteur, et je 
vais par maniere de digression l'amuser de quelques particularit^ au sujet 
de cet homme-U: je les prends d'un livre Türe. 

15* 227 



1804 = voL I d^ Raccolia di Novelle, S, 193 f f., wo nach 
D. M« Manni eine Parallele gegeben und auf das Sprich- 
wort Maneo male, ch'elle non furon peeche verwiesen wird; 
ed. Biagi, Firenze, 1880, S. 107 ff.; ed. Sicardi, Straßburg, 
o. J., S. 95 ff.) Eben diese Novelle, zu der man D'Ancona, 
Romania, III, S. 180 vergleiche, wird von Seb. Pauli in der 
Modi di dire toscani, zit. Ausg., S. 259 ff . nach Manage 
zur Erklärung des Sprichwortes Fortuna che non haron 
peeche herangezogen und mit der auch von Clouston, 
a. a. 0. zitierten Geschichte von dem Feigentribute von 
Poggibonsi zusammengestellt. Denselben Stoff behandeln 
Tomaso Costo in einer Novelle des 5. Tages seines zuerst 
1596 erschienenen Fuggilozio, deren Argument lautet: // 
re Francesco donando a molii gli oien portata una soma 
di zucche da un malizioso eoniadino, a cui son iraiie per 
la testa (Venetia, 1604, S. 331 ff.) und die Areadia in 
Brenia, S. 36 ff.; mit einem andern Motive ist er verquickt 
bei D'Ouville, L'Elite des contes (1. Ausg. 1641), Paris, 
1873, S. 48 ff.: Autre näiveti. 

Eine serbische Variante in der Anihropophyteia, III, 
S. 363 ist deshalb bemerkenswert, weil sie an die oben, 
S. 211 erwähnte Strafe des Rhaphanizein erinnert. 

Zweifellos scheint es mir zu sein, daß dieser Schwank 
und die bekannte Fabel von der Eichel und dem Kürbis 
(s. unten Nr. 513) in einem Zusammenhange stehn. 

72. Volksbuch, Nr. 72; Barker, S. 78 ff.; Sottieier, 
Nr. 65 (hier wieder von Timur) ; Trefdi, Nr. 72; Griechisch, 
Nr. 104; Serbisch, S. 175 ff. 

Trifdi, S. 8. 
Köhler, I, 416 ff. 

73. Volksbuch, Nr. 73; Soiiisier, Nr. 64 (von Timur); 
Trifäi, Nr. 73; Griechisch, Nr. 105; Serbisch, S. 110. 
Anders E. Sachau, Skizze dee Fellichi'Dialekts von Mosul, 
Berlin, 1895, S. 70, wo dem Molla Nasreddin eingeredet 
wird, sein junger Stier sei ein Pferd. 

74. Sottisier, Nr. 224; Volksbuch, Nr. 74 1; Trefdi, 
Nr. 74; Mardrus, S. 110; Griechisch, Nr. 106; Kroatisch, 



1 S. dazu unten die Anmerkung zu Nr. 265. 

228 



S. 90 ff. Die Frage, wodurch sich Nasreddin von einem 
Esel unterscheide, die bei Mardrus fehlt, als Nr. 25 bei 
Murad« 

Köhler, I, S. 496. 

75. Volksbuch, Nr. 75; Barker, S. 80 ff.; Sottisier, 
Nr. 62; Tewfik, Nr. 39; Nouri, S. 114«.; Trefdu Nr. 75; 
Griechisch, Nr. 107 und 154; Tu 52 JlaQUfMvd^ia^ Athen, o. J., 
S. 81 ff., Nr. 33: 'O Bo^ßodae xai 6 NaatQadiy Xeyr(ac; 
Serbisch, S. 16; Kroatisch, S. 15; Murad« Nr. 15; Pann, 
S. 334 ff. 

Köhler, I, S. 496; Fourberies, S. 38; Hartmann, S. 63; 
Trefäi, S. 12. 

Die ausgiebigsten Nachweise zu dieser oft behandelten 
Geschichte, die der Hauptsache nach mit der 4. Novelle 
des 6. Tages im Dekameron (übersetzt von Wesselski, 
Leipzig, 1909, II, S. 228 ff.) übereinstimmt, gibt Holte in 
seiner Ausgabe der Schwankbucher von Montanus, Tü- 
bingen, 1899, S. 613 ff. und abgedruckt sind sie bei Lee, 
The Decameron, S. 177 ff.; einige Nachträge bei Hans Sachs, 
Sämtliche Fabeln und Schwanke, III, S. 255. Es sei noch 
auf folgende Parallelen verwiesen: Le Parangon des NoU" 
velles honnesfes et delectables (1. Ausg. 1531), Paris, 1865, 
S. 36 ff.: De la grue qui n'avoit qu'une cuisse; Garibay, 
Cuentos (Mitte des 16. Jahrhunderts) bei Paz y Melia, 
Sales espanolas, II, S. 61; Melchor de Santa Cruz, Floresta 
espanola (1. Ausg. 1574), Bruxellas, 1598, p. II, c. 2, Nr. 62 
(vgl.Mentodez y Pelayo, Origenes de la Noüela,U,Ss'XLUl], 
schlecht ins Deutsche übersetzt bei Chr. Lehmann, Exilium 
melancholiae (1. Ausg. 1643), StraOburg, 1669, £, Nr. 75, 
S. 122 ff.; England'sJestsReHn'dandImprov'd, 3rd Edition, 
London, 1693 bei Ashton, S. 291 ff.; Zincgref -Weidner, IV, 
S. 184; Harsdörfer, Ars apophtegmatica, S. 198, Nr. 918; 
Merkens, I, S. 65 ff., Nr. 77. 

Die Antwort Nasreddins: „Hierzulande haben die 
Gänse nur ein Bein" entspricht der Antwort, die in der 
75. Novelle der Gualteruzzischen Ausgabe der Cento no^ 
velle antiche (ed. Biagi, Firenze, 1880, S. 108 ff., ed. Si- 
cardi, Straßburg, o. J., S. 96 ff.) der Spielmann dem Herr- 
gott gibt: „E non änno emioni quelli (chavretti) di questo 
paese". Zu dieser Erzählung vgl. Bolte bei Montanus, 
S. 562 ff. 

229 



76. Barker, S. 82 iL; Volksbuch, Nr. 76; SottUier, 
Nr. 97; rr^/di, Nr. 76; Griechisch, Nr. 108; Serbisch, 
S. 167 ff. 

Basset in der RTP, XI, S. 498; Trefdi, S. 20; Hom, 
S. 71 (Karakttsch); Volksbuch (Decouidemanche), S. 126 ff. 
(Karakttsch). 

Clottston, NoodUi, S. 86 ff. 

77. Volksbuch, Nr. 77; Barker, S. 83 ff.; Sotthier, 
Nr. 73; £th6, S. 247 ff.; Tewfik, Nr. 38; Nouri, S. 159 ff.; 
Tr4fäi, Nr. 77; Nawadir, S. 26; Griechisch, Nr. 47; Wala- 
wani, S. 154; Serbisch, S. 126 ff. und 15; Kroatisch, S. 14 ff.; 
Pann, S. 341. 

Köhler, I, 4%; Clouston, Flowers, S. 69; Fourberies, 
S. 40 ff.; Tr4fdi, S. 27. 

78. Volksbuch, Nr. 78; Sotiisier, Nr. 191; Tewfik. 
Nr. 6; Tr4fäi, Nr. 78; Mardrus, S. 97 ff.; Nawadir, S. 27; 
Fourberies, Nr. 6; Griechisch, Nr. 140; Serbisch, S. 34. 

79. Volksbuch, Nr. 79; Barker, S. 84 ff.; Sottisier, 
Nr. 229; Tewfik, Nr. 65; Nouri, S. 172 ff.; Trefdi, Nr. 79; 
Nawadir, S. 27; Kuka, S. 218; Fourberies, Nr. 57; Griechisch, 
Nr. 21; Serbisch, S. 20 ff.; Kroatisch, S. 25 ff.; Murad, 
Nr. 26. Vgl. auch unten Nr. 495. 

Clouston, Noodles, S. 90; Gazeau, S. 204; Fourberies, 
S. 59; Basset in der RTF, XI, S. 498; Hartmann, S. 52. 

Vgl. die 1. Karakuschgeschichte im Volksbuch (De- 
courdemanche), S. 116, die wieder mit einer Dschoha- 
geschichte im Nuihat al udaba (Basset im Keleti Szende, 
I, S. 221, Nr. 1; Basset in der RTF, XI, S. 498) überein. 
stimmt. Als älteste Version darf aber wohl die TB, Facetie 
im Fhilogelos gelten: ^ 

SroXtunixov lir at^ljfHQu xvmr tSaxiP. 6 Sk ilntr * si 
ro l^anoy inUcety^ iaxuf/uiyoy ay^y. 

80. Volksbuch, Nr. 80; Barker, S. 85 ff.; Sottisier, 
Nr. 50; Nouri, S. 22 ff.; Tr4fdi, Nr. 80; Nawadir, S. 27; 
Griechisch, Nr. 51 ; Serbisch, S. 181 ff. 

Hartmann, Der islamische Orient, I, Berlin, 1905, S. 182 
aus dem zentralasiatischen Volksbuche von Meschreb, dem 
weisen Narren, 

230 



81. Volksbuch, Nn 81; Sottisier, Nr. 32; Eth6, S. 243; 
Nouri, S. 222 ff.; Trifäi, Nr. 81; Nawadir, S.27; Griechisch, 
Nr. 52; Kroatisch, S. 79 ff. Vgl. auch unten Nr. 510, 

Köhler, I, 4% ff.; Fourheries, S. 33 ff.; Trefäi, S. 12. 

Die Literatur über den Dieb auf dem Mond- 
strahle ist zusammengestellt bei Chauvin, II, S. 84 und 
IX, S. 31; dazu Kuka, S. 238 ff. 

82. Barker, S. 86 ff.; Volksbuch, Nr. 82; Sottitier, 
Nr. 104; Nouri, S. 170 ff.; Tr4fäi, Nr. 82; Nawadir, S. 28; 
Griechisch, Nr. 53; Serbisch, S. 173 ff.; Kroatisch, S. 99 ff. 

83. Sottisier, Nr. 7; Volksbuch, Nr. 83; Trefäi, Nr. 83; 
Griechisch, Nr. 54. 

Trefäi, S. 19 ff. 

Vgl. die allerdings von unserer Fassung etwas ab- 
weichende, aber mit Buadem, Nr. 133 übereinstimmende 
658. Erzählung bei Bar-Hebraeüs, S. 166, die mit Wesselski, 
Mönchslatein, Nr. 134 zusammenzustellen ist; zu den dort, 
S. 247 und bei Bebel, I, S. 132 ff. gegebenen Nachweisen 
kommen noch: Kuka, S. 161, Tales and Quicke Answeres, 
Nr. 83' (Haziitt, I, S. 101), Domenichi, Facetie, 1548, 
Bl K4b (nach Gastius), Doni, / Marmi, Vinegia, 1552, II, 
S. 49 ff., Archie Armstrong' s Banquet of Jests (1. Ausg. 
einfach als Banquet of Jeasts 1630), Edinburgh, 1872, 
S. 218 ff., Certayne Conceyts and Jests, Nr. 23 (1. Ausg. 
1609), bei Haziitt III, S. 11, Lehmann, Exilium melan- 
choliae, D, Nr. 14, S. 85, Harsdörfer, Ars apophtegmatica, 
S. 94, Nr. 416, Schupp, Schrifften, S. 372, Joe Millers Jests, 
London, o. J. (ca. 1750), S. 96, Nr. 547 und Swynnerton, 
S. 300 ff. 

Eine Geschichte der kroatischen Ausgabe, S. 102 er- 
zählt folgendes: 

Als Nasreddin einmal mit seinem Sohne in einem 
Bette schlief, hörten sie mitten in der Nacht, wie sich 
zwei Diebe ins Zimmer schlichen, und der eine ging auf 
die eine Seite, der andere auf die andere. Nasreddin stieß 
seinen Sohn und sagte ihm ins Ohr: „Das sind Dumm- 
köpfe; sie werden gar nichts finden." 

„Ich werde sie erschreckeh," sagte der Sohn. 

„Nein, du mußt schweigen; ich habe eine stärkere 
Stimme und werde so schreien, daß sie erschrecken, und 

231 



yielleicht verliert dann einer etwas, was er an4erswo ge- 
stohlen hat und was wir brauchen kSnnen." 

Ahnlich ist folgende Facetie bei Domenichi« 1562, 
S. 55 (1581, S. 66) : 

Ghino pouero inuitö vna notte Spachino a dormire 
seco, et la notte mentre dormiuano, entrö vn ladro in 
casa, e andaua ruspando per rubare qualche cosa« II che 
sentendo Spachino toccö Ghino (dicendo): e vn ladro? 
Disse allhora Spachino: lo vu6 gridare, che lorse gli 
caderä qualche cosa. 

Mit dieser Schnurre stimmt der Zigeunerschwank bei 
Roda Roda, S. 156 überein. 

84. Soüiüer, Nr. 79; Volksbuch, Nr. 84; Nouri, S. 93; 
Tr4fäi, Nr. 84; Griechisch, Nr. 55. 

Vgl. Pauli, Schimpf und Ernst, Anhang, Nr. 35, 
S. 413 ff.; Hans Sachs, Schwanke, IV. Nr. 302, S. 100 ff.; 
Wickram, RoUwafenbächlein, Nr. 91, S. 118 ff.; Kirchhof, 
Wendunmuth, I, Nr. 373, S, 410; Aurbacher, Volktbnchlein, 
I, S. 125 ff. 

85. Volksbuch, Nr. 85; Sottisier, Nr. 267; Tr4fdi, Nr. 85; 
Griechisch Nr. 56. 

86. Sottisier, Nr. 268; Volksbuch, Nr. 86; Trefäi, Nr. 86; 
Griechisch, Nr. 57. 

.87. Volksbuch, Nr. 87; Barker, S. 87 ff.; Sottisier,' 
Nr. 279; Nouri, S. 92; Trifäi, Nr. 87; Nawadir, S. 28 
(Basset RTP, VI, S. 304); Griechisch, Nr. 45; Serbisch, 
S. 118 ff. 

Galland, S. 17; Fourberies, S. 64. 

88. Volksbuch, Nr. 88; Trefdi, Nr. 88; Nawadir, S. 28; 
Griechisch, Nr. 46. 

89. Volksbuch, Nr. 89; Barker, S. 88 ff.; Sottisier, 
Nr. 80; Eth6, S. 242 ff.; Nouri, S. 96; Trildi, Nr. 89; 
Nawadir, S. 28; Fourberies, Nr. 26; Griechisch, Nr. 49; 
Serbisch, S. 38 ff.; Kroatisch, S. 87. 

Gazeau, S. 204; Fourberies, S. 41; Trefdi, S. 22. 

232 



90. VolktbucK Nr. 90; Sotfiner, Nr, 163; Trefdi, Nr. 90; 
Nawadir, S. 28; Griechisch« Nr. 50; Murad« Nr. 6. 

Vgl. Recüeti, 1555, S. 83 fi, nouv. 14: D'un superstmeivc 
medecin, qtd ne üouloif rire avee sa femme, si non quand il 
plottooii, et de la bonne fortune de ladicte femme apres 
8on trespas (deutsch bearbeitet von Kirchhof, Wendnnmuth, 
B. III, Nr, 241) == Aventwres, 1556, S. 108ff., nov. 18 = Les 
joyeuses Aventures et nouvellee Recreations, Paris, 1577, 
Bl. 46a ff., devis 13 = Des Periers, S. 289 ff., nouv. 95. 

91. Volksbuch, Nr. 91; Sottisier, Nr, 306; Trefdi, Nr. 91; 
Griechisch, Nr. 121. 

92. VolhsbueK Nr. 92; Sottisier, Nr. 1%; Trefäi, Nr. 92; 
Mardrus, S. 116 ff.; Nawadir, S. 29; Griechisch, Nr. 122. 

Gazeau, S. 204 ff. 

93. Volksbuch, Nr. 93; Sottisier, Nr. 307; Trefdi, Nr. 93; 
Nawadir, S. 29; Griechisch, Nr. 133; Serbisch, S. 187. 

94. Volksbuch, Nr. 94; Barker, S. 89; Sottisier, Nr. 308; 
Trefdi, Nr. 94; Nawadir, S. 29; Fourberies, Nr. 28; 
Griechisch, Nr. 123; Serbisch, S. 179. 

95. Volksbuch, Nr. 95; Barker, S. 90; Sottisier, Nr. 309; 
Tr4fdi, Nr, 95; Nawadir, S. 29; Griechisch, Nr. 132; 
Serbisch, S. 112. 

96. Barker, S. 90 ff.; Volksbuch, Nr. %; Sottisier, 
Nr. 17; Nouri, S. 26 ff.; Tr4fdi, Nr. 96; Nawadir, S. 29; 
Fourberies, ür, 44; Reinisch, Nuba-Sprache, I, S. 162 
(= Basset, Contes populaires d'Afrique, S. 137: Joha et 
les souliersh Griechisch, Nr. 134; Serbisch, S. 171 ff.; 
Kroatisch, o. 65 ff, 

Fourberies, S. 31 und 79; Trifdis, S. 27. 

Vgl. folgende Schnurre bei Doni, Rime del Burchiello, 
Vinegia, 1553, S. 148: 

Batista de Peruzzi fu un ceruello ombroso, onde la 
State quando s'andaua a bagnare, come s'era spogliato 
nudo, si cigneua un pugnale sfoderato dietro alle reni, et 
entraua sotto acqua. Vna volta gli f u domandato, per che 
portaua Tanne sotto l'acqua. 0, disse egli, tu sei sciocco, 

233 



a colui che gne ne dimandö; che diauol so io, chi ci sia 
qua sotto. 

97. SottUier, Nr. 47; Volksbuch, Nr. 97; Barker, 
S.91 ff.; Nouri, S. 214 ff.; Tr4fäi, Nr. 97; Mardrus. S.lOOff.; 
Nawadir, S. 29; Pharaon« S. 204 ff.; Fourberies, Nr. 18; 
Griechisch, Nr. 135; Serbisch, S. 140 ff. 

Köhler, I, S. 497; St. Prato in der RTF, II, S. 503 H.; 
Gazeau, S. 205; Fourberiet, S. 36; Tr4fdi, S. 17. 

Ispirescu, S. 3 (Gaster im Magazin, XCVI, S. 564). 
Chauvin (VIII, S. 158) stellt diesen Schwank mit der 
groOen Reihe von Erzählungen zusammen, wo es sich um 
eine Scheinzahlung für eine Scheinleistung 
handelt. 

Eine ahnliche Ableitung des Anspruchs, als nahe- 
stehender zu gelten, findet sich im Nuzhai al udaba 
(Basset in der RTF, XIII, S. 667) : 

Man erzählt, dafi ein Parasit zu einer Hochzeit ge- 
kommen, aber weggejagt worden ist. Da schrie er: „Un- 
glück über euch, einen Menschen, wie ich bin, wegzu- 
jagen!" „Und wer bist du denn?" „Ich bin der Nachbar 
des Tischlers, der den Leisten für den Schuster gemacht 
hat, der den Schuh der Braut genäht hat!" 

98. SottUier, Nr. 112; Volksbuch, Nr. 98; Barker, S. 93; 
Trefdi, Nr. 98; Griechisch, Nr. 111; Serbisch, S. 174. 

99. Volksbuch, Nr. 99; Barker, S. 93 ff.; Sottisier, 
Nr. 310; Tr4fdi, Nr. 99; Nawadir, S. 30; Griechisch Nr. 126. 

Tr4fdi, S. 23. 

100. Barker, S. 94 ff.; Volksbuch, Nr. 100; Trefdi, 
Nr. 100; Griechisch, Nr. 127. 

Der zweite Teil für sich allein: Buadem, Nr. 8; Ser- 
bisch, S. 54; Kroatisch, S. 31. 

Der Reiter, der sein Pferd nicht kennt 
usw. kehrt in der 90. Facetie Poggios wieder: Jocatio 
cuiusdam Veneti qui equum suum non cognoüerat; auf 
dieser beruhen die Nr. 72 der Tales and Quicke Answeres 
(Hazlitt, I, S. 91 ff.), die Nr. 19 der Fleasant Conceites of 
old Hobson the Merry Londoner (Hazlitt, III, S. 33 ff.) 
und der erste Teil des 40. Kapitels des Laienbuchs (v. d. 

234 



Ha^en, Narrenbuch, S. 197 ff.; Das Laienbuch, Stuttgart, 
1839, S. 142). Vgl. auch die 24. Novelle bei Des Periers, 
zit. Ausg. S. 112 ff. 

Der zweite Teil des Schwankes (Verkehrt auf- 
sitzen) hat zwei Parallelen in Costos Fuggilozio, zit. 
Ausg. S. 118: Gofferia d'un Veneziano caualcando, e tua 
accorta risposta und S. 163 ff.: Risposta mordace d'un 
Buffone, deren zweite eine obszöne Begründung bringt. 

101. Sottisier, Nr. 82; Volksbuch, Nr. 101; Barker, 
S. 95 ff.; Nouri, S. 38; Trifäi, Nr. 101; Griechisch, Nr. 128. 

Gazeau, S. 205. 

102. Volksbuch, Nr. 102; Barker, S.96; Tr4fäi, Nr. 102; 
Griechisch, Nr. 129. 

103. Volksbuch, Nr. 103; Barker, S. 97; Sottisier, 
Nr. 311; Trifäi, Nr. 103; Nawadir, S. 30; Griechisch, 
Nr. 130; Serbisch, S. 112. 

104. Volksbuch, Nr. 104; Barker, S. 97 ff. (anders); 
Sottisier, Nr. 312; Tewfik, Nr. 27; Nouri, S. 97; Tr4föi, 
Nr. 104; Nawadir, S. 30; Griechisch, Nr. 131 und 21; Ser- 
bisch, S. 23; Kroatisch, S. 10. 

Clouston, Noodles, S. 91; Gazeau, S. 205 ff.; Foor- 
beries, S. 68; Hartmann, S. 65. 

105. Volksbuch, Nr. 105; Sottisier, Nr. 313; Trefäi, 
Nr. 105; Nawadir, S. 30; Griechisch, Nr. 86. 

Köhler, I, S. 497; Fourberies, S. 68 (die Schnurre 
findet sich schon in dem Rabi al abrar des 1143 verstorbe- 
nen Zamachschari). 

Vgl. die von Bolte zu Wickram, Nr. 39, S. 372 zu- 
sammengestellte Literatur. 

106. Volksbuch, Nr. 106; Sottisier, Nr. 314; Tewfik, 
Nr. 26; TrMi, Nr. 106; Nawadir, S. 30; Griechisch, Nr. 64; 
Serbisch; S. 29; Kroatisch, S. 10. 

Hom, S. 69 (eine ältere Version bei Zakani). 

107. Volksbuch, Nr. 107; Sottisier, Nr. 190; Nouri, 
S. 144 ff.; Trefäi, Nr. 107; Mardrus, S. 116; Nawadir, S. 30; 
Griechisch, Nr. 65; Serbisch, S. 41 ff. 

235 



106. VolkBbueh, Nr. 106; Sottisier, Nr. 108; Baadern, 
Nr. 26; Trifdi, Nr. 106; Nawadir, S. 30; Griechisch, Nr. 64; 
Serbisch« S. 29; Kroatisch, S. 10. 

109. Volksbuch, Nr. 109; Softitier, Nr. 315; Tr4fäi, 
Nr. 106; Griechisch, Nr. 67; Serbisch, S. 185; Vgl. auch 
oben Nr. 10. 

TrMi, S. 18. 

Vgl weiter Reinisch, Die Nuba-Sprache, I, S. 179 11. 
und A. de Motylinski, Dialogue et textet en dialeete de 
Djerba, Paris, 1898, S. 24 fl. = Basset, Contee popülaires 
d'AMque, S. 231!. 

110. Volksbuch, Nr. 110; Sottisier, Nr. 264 + 290; 
TrMi, Nr. 110; Griechisch, Nr. 62; Serbisch, S. 115 ff. 

Gazeau, S. 206. 

Am nächsten den occidentalen Varianten der im 
zweiten Teile des Schwankes erzählten Geschichte steht 
Panns Gedicht, S. 351 If., dessen Inhalt kurz ist, wie folgt: 
Da der Hodscha Nastratin Geld hat, schickt er seinen 
Sohn in die Fremde studieren, und der kommt zur Freude 
seiner Eltern mit den besten Zeugnissen heim. Als er nun 
die erste Nacht im väterlichen Hause verbringt, sieht er 
auf der Decke Kuhmist kleben« Es ist ihm unerklärlich, 
wie es die Kuh angestellt haben müsse, um dort oben ihren 
Mist abzulagern; er sieht in der Mechanik, in der Mathe- 
matik und in andern Büchern nach, kann aber die Lösung 
nicht finden. Am Morgen kommt sich seine Mutter er- 
kundigen, wie er geschlafen habe, und da erzählt er ihr, 
welche Überlegungen ihn um seinen Schlaf gebracht 
hätten. Auf die Antwort der Mutter, dafi das Brett früher 
im Hofe gelegen habe, wo es wahrscheinlich von irgend- 
einem Rinde beschmutzt worden sei usw. meint er, dafi 
man ihm auf den fremden Schulen die Dinge nie so gut er- 
klärt habe wie seine Mutter, die den besten Professor für 
ihn abgegeben hätte. Sie ist nunmehr überzeugt, daß ihr 
Sohn ein ebensolcher Dummkopf bleiben werde wie sein 
Vater Nastratin. 

Zu dieser Form des Schwankes haben Köhler, I, 
S. 497 ff., Bolte in der ZW, VH, S. 465 ff. und XI, S. 76, 
Basset in den Fourberies, S. 65 und Waas in den Quellen 

236 



der Beispiele Bonere, Dortmund, 1897« S. 71 Parallelen 
beigebracht. Ich nenne dazu noch die folgenden: The 
Jette of Scogin bei Hazlitt, II, S. 71; Archie Armstrongs 
Banquet of Jests, S. 359; Lehmann, Florilegium politicum, 
S. 738; V. Brunet, Faeeties normandes, Nr. 5 in der RTF, 
II, S. 108 ff.; A. Harou, FacHies des eoperes de Dinant, 
Nr. 2 in der RTF, IV, S. 482 ff.; Ch. Beauquier, Blason 
popuiaire de la Franche-Comte in der RTF, XI, S. 646; 
G. Calvia, Facexie sopra gli ahitanti di Sorso in Siir«4 
degna, Nr. 6 im Archivio, XXI, S. 380, und Anthropo- 

Shyteia, V, S. 338 ff. Weiter folge hier die oben bei 
fr. 52 angezogene Stelle aus Euch. Eyering, Froverhiorum 
copia, Eißleben, 1601, S. 591 ff.: 

Hernach bald an dem dritten tag 
Der Doctor biß vmb neune lag, 
Vnd lag verjrt in seinem bett, 
Sich eins Kuhdrecks verwundem thet, 
Des er gewar wurd an der deck, 
Klebt oben an der dil der dreck, 
Wist nicht, wie die Kuh kommen nauf f. 
Vnd als er jetzt gstanden auff, 
Fragt er den Vater vmb bericht. 
Der ward traurig vnd zu jm spricht: 
Du geck, wie magstu darnach fragen; 
Do solche dil im hoff noch lagen. 
Die Kuh drüb ging vnd darauff schiß, 
Vnd also nauff genagelt iß. 
Eins mals trat er für seine Thür, 
Hengt aus vnd zinselt von Natur, 
Vergaß des Cuius vnuerwart. 
Sah an die Sonn vnd dran vemart, 
Gieng nein vnd thet zum Vater jehen, 
Wie er die Sonn jtzt drauß gesehen; 
Sprach: Vater, wie ich drauß thet stan. 
Die Sonn eben gesehen an, 
Bedüncket mich in alle meim Sinne, 
Sie gleich der zu Venedig drinnen. 
Der Vater schrack des noch viel mehr. 
Sprach: Wo ist deine Kunst und lehr? 
Ach weh meins Gelts, du nerrisch Kind, 
Meinstu, das auch zwo Sonnen sind? 

237 



Von dir wird man^ diß Sprichwort sagen« 
Ein Ganfi sey vbers Meer geflogen, 
Ein Ganß auch wider kommen dar, 
Die singt jtzt Gack Gack gleich wie vor. 

Endlich sei noch auf Lehmanns Exilium melancholiae, 
R, Nr. 99, S. 377 verwiesen, das analog wie Bütner, Von 
Claut Narren, S. 154 ff. (Zincgref-Weidner, V, S. 151 iL] 
folgendermaßen erzählt: 

Ein Pennal, als ihm einer Roßfeigen in die Schuch 
gelegt, verwundert er sich darüber, wie nur das Pferd muß 
in die Schuch kommen seyn. 

111. Barker, S. 98 ff.; Voiktbuch, Nr. 111; Sottitier, 
Nr. 58; Trifdi, Nr. 110; Nawadir, S. 31; Griechisch, Nr. 63; 
Serbisch, S. 119 ff. 

112. Sottisier, Nr. 230; Volksbuch, Nr. 112; Tewfik, 
Nr. 14 = Tr4fdi, Nr. 146; Nawadir, S. 31; Griechisch, 
Nr. 125; Serbisch, S. 39 ff.; Kroatisch, S. 7. 

113. Volksbuch, Nr. 113; Barker, S. 99 ff.; Sottisier, 
Nr. 295; Ethö, S. 249 ff.; Nouri, S. 211 ff.; Trifdi, Nr. 111; 
Nawadir, S. 31; Kuka, S. 218 ff.; Fourberies, Nr. 45; Grie- 
chisch, Nr. 58; Serbisch, S. 38; Kroatisch, S. 81. 

Gazeau, S. 206; Clouston, Flowers, S. 68; Fourberies, 
S. 66; Trifdi, S. 22. 

Der Schwank ist nur eine Variante einer Erzählung 
aus Tausend und einer Nacht (übertragen von Henning, 
Leipzig, 1895 ff., II, S. 77 ff.) ; vgl. dazu Chauvin, V, S. 159. 

114. Volksbuch, Nr. 114; Sottisier, Nr. 59; Trefdi, 
Nr. 112; Nawadir, S. 31; Griechisch, Nr. 59; Serbisch, 
S. 120. 

115. Volksbuch, Nr. 115; Nouri, S. 83 ff.; Trifäi, 
Nr. 113; Nawadir, S. 32; Griechisch, Nr. 60; Serbisch, 
S. 154. 

Köhler, I, S. 498; Clouston, Flowers, S. 69 ff.; Trefdi, 
S. 83 ff. 

Vgl. A. L. Stiefels Abhandlung Der Schwank von den 
drei Mönchen, die sich den Mund verbrannten in der ZW, 

238 



XIII, S. 88 ff. (Arienti. nov. 46; Pauli, Nr. 672; Agricola, 
Nr. 505; Waldis, Esopus, III, Nr. 90 und A Hundred Mery 
Taiys, Nr. 97). Arienti bietet aber nicht die älteste Dar- 
stellung; vielmehr zitiert S. v. Arx, Giovanni Sabadino 
degli Arienti und seine Porretane, Erlangen, 1909, S. 85 
zwei ungefähr dasselbe wie Arientis Novelle erzählende 
Oktaven aus Luigi Pulcis Morgante, c. 16 (zuerst ge- 
druckt 1482, aber zwischen 1460 und 1470 verfaßt). 

116. Volksbuch, Nr. 116; Sottisier, Nr. 129; Trefdi, 
Nr. 114; Mardrus, S. 106 ff.; Nawadir, S. 32. 

117. Volksbuch, Nr. 117*; Barker, S. lOOff.; Sottisier, 
Nr. 316; Nouri, S. 33 ff.; Trifäi, Nr. 115; Nawadir, S. 32; 
Kuka, S. 219; Griechisch, Nr. 87; Serbisch, S. 130 ff.; Kroa- 
tisch, S. 66 ff. 

Trifäi, S. 22. 

118. Volksbuch, Nr. 118; Sottisier, Nr. 317; Trefäi, 
Nr. 116; Nawadir, S. 33; Griechisch, Nr. 88. 

119. Volksbuch, Nr. 119; Sottisier, Nr. 318; Tr4fäi, 
Nr. 117; Nawadir, S. 33; Griechisch, Nr. 89; Serbisch, 
S. 118. 

120. Volksbuch, Nr. 120; Barker, S. 101 ff.; Nouri, 
S. 137 ff.; Treläi, Nr. 118; Nawadir, S. 33; Fourberies, 
Nr. 17; Griechisch, Nr. 90. 

Clouston, Flowers, S. 68 ff.; Basset, Zenatia, S. 172; 
Hartmann, S. 64. 

121. Volksbuch, Nr. 121; Sottisier, Nr. 75 (Schluß); 
Tewfik, Nr. 45; Trefäi, Nr. 119; Griechisch, Nr. 68; Ser- 
bisch, S. 26; Kroatisch, S. 17. 

Vgl. oben die Nrn. 49, 46 und 66, ferner unten Nr. 141 
und 382. 

Eine serbische Erzählung (S. 137 ff.) lautet: 
Eines Morgens stand der Hodscha Nasreddin sehr früh 
auf und wollte in Geschäften ins Dorf gehn. Die Nach- 
barn hatten sich aber besprochen, sich mit ihm einen 
kleinen Spaß zu machen. Als er sein Haus verließ, fragten 
sie ihn: „wohin gehst du, Hodscha?" 

239 



„Ins Dorf." 

„Wie kannst du denn ins Dorf gehn, wo du doch 
gestern Abend gestorben bist? Wir sind gekommen« um 
dich wegzutragen und zu begraben« wie es unsere Pflicht 
als Nachbarn ist, und du willst ins Dorfl*' 

„Lafit mich nur gehn«" sagte Nasreddin; „wenn ich 
zurückkomme, dann meinetwegen." 

„O nein," schrien alle; „wie könnten wir das zu- 
geben? Geh sofort wieder heim, damit wir dich ffir das 
Begräbnis herrichten/' 

Nasreddin konnte sich nicht von ihnen losmachen. 
Die Nachbarn wuschen ihn tüchtig, wie man einen Leich- 
nam wäscht, legten ihn in einen Sarg und trugen ilm zur 
Moschee. Unterwegs begegnete ihnen ein Bekannter, ein 
gesetzter Mann; er hatte wenig Zeit und eilte in seinen 
Geschäften. Die Nachbarn wollten ihn zwingen, mit ihnen 
zu gehn, er aber entschuldigte sich, dafi er eine notwendige 
Verrichtung habe, und Gott werde es ihm nicht verübeln, 
daß er an dem Leichenbegängnis nicht teilnehmen könne. 

Aber das half ihm nichte, und als er sich durchaus 
losmachen wollte, hob der Hodscha den Kopf aus dem 
Sarge und sagte zu ihm: „Du versuchst vergebens, Freund« 
dich ihrer zu erwehren; das gelingt niemand. Ich habe 
wirklich eine wichtigere Arbeit gehabt als du; aber was 
tut das, wenn mich diese Horde nicht einmal reden läfitl" 

Zu dem Motive vom eingebildeten Toten 
siehe weiter aufier Bebel, I, S. 169 ff. (dazu hauptsächlich 
Clauvin, VIII, S. 98, femer Rittershaus, S. 359 ff.) die 
Noten auf S. 265 ff. meiner Ausgabe von Morlinis Nooellen, 
München, 1908 und die 149. Facetie Arlottos (II, S. 151 fL); 
eine eigentümliche Variante bietet die 10. Adventure bei 
Mackenzie, The Marüellous Adüenturet and Rare Conceift 
of Master Tyll OwlglaMS, London, 1890, S. 50 ff. 

122. Volksbuch, Nr. 122; Barker, S. 103; Soitisier, 
S. 319; Trifdi, Nr. 120; Nawadir, S. 33; Griechisch, Nr. 69; 
Serbisch, S. 42 ff. 

Vgl. Buadem, Nr. 140. 

123. Volksbuch, Nr. 123; Soitisier, Nr. 320; Buadem, 
Nr. 115; Nouri, S. 188 ff.; Triföi, Nr. 121; Nawadir, S. 33; 
Griechisch, Nr. 70; Serbisch, S. 92 ff.; Kroatisch, S. 63. 

240 



124. Volksbuch, Nr. 124; Sotiider, Nr. 28; Nouri, 
S. 226 ff.; Trifäi, Nr. 122; Naumdir, S. 34; Kuka, S. 219 
(zwar nidit von Nasreddin, aber mitten unter den auf ihn 
bezüglichen Anekdoten); Griechischt Nr. 71; Serbisch« 
S. 172 ff. 

Köhler, I, S. 498; Gazeau, S. 207; Clouston, Noodles, 
S. 92; Fourberies, S. 33; Basset in der RTF, XI, S. 4%; 
Trefäi, S. 11 ff. 

Zu der Rettung des Mondes vgl. weiter: 
Müllenhoff, Sagen, Märchen und Lieder der Herzogihämer 
Schleswig Holstein und Lauenburp 4. Aufl., Kiel, 1845, 
Nr. 111, S. 95 (nur erwähnt); E. Meier, Deutsche Sagen, 
Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart, 1852, II, 
Nr. 402, S. 361 = Merkens, I, S. 16, Nr. 21; Bronner, 
Bayerisches Schelmen-BäcMein, S. 105 ff., 189 ff. und 190; 
Am Ur-Quell, III, S. 29 (jüdisch aus Chelm) ; V. Brunet, 
Faceties normandes, Nr. 11: La luneprise au piege in der 
RTF, II, S. 211 ff.; J. de Chesnaye, Blasons populaires de 
la Vendie, Nr. 1 in der RTF, XXII, S. 88; G. Amalfi, 
J. Chiochiari nel mandamento di Tegiano im Archivio, 
VII, S. 132; Ispirescu, S. 103 (Gaster im Magazin, XCVI, 
S. 613 ff.); Veckenstedt, Zamaiten, I, S. 235 ff.; Jacobs, 
English Fairy Tales, 3rd Ed., London, 1907, S. 13 ff. 

In andern Versionen wird ein Esel getötet, weil man 
meint, er habe den Mond, der sich im Wasser gespiegelt 
hat, ertrunken: Ortoli, Les contes populaires de lile de 
Corse, Paris, 1883, S. 252 ff.: U Bastelicacciu et son äne; 
Blad^ Contes populaires de la Gascogne, III, S. 142 ff.; 
L'äne de Montastruc; vgl. hierzu Köhler, I, S. 498 und 90 
und Clouston, Noodles, S. 45. Hierher gehört auch fol- 
gende Historia von Klaus Narr, S. 478 ff. (gekürzt bei 
Zincgref-Weidner, V, S. 171): 

Clauß stund in einem Fenster im Saale, am abend da 
der Mond schiene vnnd der Himmel voll Sternen stund, die 
sähe er klar vnd hell in dem Wasser herwider leuchten, 
vnd dachte, der Himmel mit den Sternen würde ersauffen, 
gieng von demselben Fenster hinweg, an ein anders, vnd 
sähe die Sternen im Wasser wie vor, doch nicht alle, vnd 
sprach: Es wird der gantze Himmcj, als ich sehe, nicht 
ersauffen. Zu letzt kam er an ein Fenster, von dem er 
nicht in das Wasser sehen kondte, vnnd sähe auch keinen 
Sternen mehr, da rieff er: Zu Beth, lieben Brüder, zu Beth, 

Natrcddin, I. 16 241 



die Liechter am Himmel sind alle verbronnen, aber die 
Sternen sind alle wider aufi dem Wasser, vnnd ist nicht 
einer verbrennen. 

In dem 26. Stücke der von E. Chavanne übersetzten 
Fahlen et contet de rinde, extraits du Tripitaka chinois 
(Actes du XlVt eongres intemationtd des orientalietes, 
Paris, 1906, Sect. V, S. 138 iL) und bei Schiefner, Tibetan 
Tales, translated by W. R. S. Ralston, London, 1906, 
S. 353: The monkeys and the moon bilden Affen, um den 
Mond ans einem Brunnen zu ziehen, eine Kette, indem 
sich einer an den andern hängt; als dann der Ast bricht, 
woran sich der oberste hält, fallen alle ins Wasser. In 
ahnlichen Erzählungen, wo, um den Mond zu fangen, eine 
solche Kette ^ gebildet wird, geschieht die Katastrophe, 
weil sich der oberste in die Hände spucken will: Am 
Ur-Quell, II, S. 192 (von den Büsumem); Ch. Beauquier, 
Blason populaire de la Franche^Comti in der RTF, XI, 
S. 649: Les fous de Tseheroä. 

Schließlich sei noch eine Anspielung auf eine Orts- 
neckerei erwähnt, die sich in dem Widmungsbriefe der 
26. des III. Teils von Bandellos Novelle findet (zit. Ausg., 
S. 584): Signori miei, voi cercate, come fanno i Modonesi, 
la luna nel pozzo .... 

125. Volksbuch, Nr. 125; Barker, S. 104 ff.; Sottisier, 
Nr, 321; Tewfik, Nr. 57; Nouri, S. 185; Tr4l4i, Nr. 123; 
Griechisch, Nr. 72; Serbisch, S. 31 ff.; Kroatisch, S. 24. 
Vgl. Murad, Nr, 13. 

Hartmann, S. 63. 



^ Das Motiv von der lebenden Kette kommt natürlich auch in 
andern Verbindungen vor, worüber man Köhler I, S. 113 vergleiche« ferner 
Hant Sackt, IV, S. 73 ff., M. Lidzbartki, Gt§ehidiim und JJeder an« dm ntU' 
arwnäiaehm Handaehritim dtr KgL BibUoÜttk xn Btrlin, Weimar, 1896, 
S. 71 ff., Bolte in der Z / . vgl Lätg., XI, S.233 und Archiu für ^aoische 
PhäologU, XXI, S. 281 und XXVI, S. 462; weiter aufier den an diesen Stellen 
M<^«Ben Verweisen: The KaÜiA SarU Sägara, transl. by C.H.Tawney, Cal- 
cutU, 1880fL, II, S. 111 ff.; The Sackhl of Nws bei Hazlitt, 11, S. 185; 
P. S^biUot, LäUraian ondt da la Hanh-Bretagne, Paris, 1881. S. 255; Bronner, 
Bayeri»dt9B Sdtfbnen'BüddHn, S. 164. 



242 



2. Aus Manuskripten verschiedenen Alters. 

126. SotiiMier, Nr. 2. 

127. Sotiisier, Nr. 4; vtfL Buadem, Nr. 36 (Serbisch, 
S. 63; Kroatisch, S. 38). 

Eine ähnliche Geschichte steht im Nafhat ql jaman 
von asch Schirwani (Basset, RTP, II, S. 502) ; der Gedanke 
findet sich aber schon bei Bar-Hebraeus, S. 152, Nr. 605: 

Another lool seeing an Arab minaret from which men 
were calling to. prayer, said to bis companion, „How very 
tall the men who built this minaret must have beenl" His 
friend replied, „O silly man, how could any man be as tall 
as this? They built it first of all on the ground, and then 
set it up." 

Dem entspricht eine persische Erzählung (Kuka, 
S. 175, Nr. 65), wo das Minaret durch ,a very high tower* 
ersetzt ist. 

128. Sotfitier, Nr. 5; Serbisch, S. 47. 
Clouston, NoodUs, S. 91 ff. 

Der Schwank liest sich wie eine Parodie auf die fol- 
gende Erzählung, die in Gladwins Pertian Mooruhee, II, 
S. 15, Nr. 34 steht: 

Somebody seized a Dirveish's turband, and ran away 
with it. The Dirveish repaired to the churchyard, and 
there seated himself. The people said to him, „the man 
who took your turband went towards the orchard; why 
are you sitting in the curchyard, what are you about? ' 
He answered, „he too must come here at last, and there- 
fore I have seated myself in this place." 

Tatsächlich wird auch diese Geschichte von Nasreddin 
erzählt (Serbisch, S. 169). 

129. Sottisier, Nr. 8. 
iZO. Sotiisier, Nr. 11. 

131. Sottitier, Nr. 12. 

132. Sottisier, Nr. 15. 

16* 243 



133. SottiMier, Nr. 16; £th6, S. 253 IL 
Clooston« NoodUs, S* 93; Foorberies, S. 30« 

Sehr ähnlich ist die 192. Facette Potf^ios De sono (der 
angendimste Klang ist der der Tischglc^e) ; zu den zwei 
Bearbeitungen bei NoSl, II, S. 187 noch Der edle Fineken- 
Ritter, o. O. u. J. („Gedruckt in der jetzigen Welt"), S. 62. 
Nr. 365. 

134. Sottisier, Nr. 22; Volksbuch, [nur bei Camer- 
loher), Schluß; Barker, S. 104; Tewfik, Nr. 30; Serbisch« 
S. Hfl.; Kroatisch, S. 1011. 

135. SotHeier, Nr. 23. 

Eine ähnliche Erzählung steht in Tausend und einer 
Nacht, XIX, S. 15 II.; vgl. Chauvin, VIII, S. 106. 

136. Sottisier, Nr. 25; Galland, S. 1611. (Un bon 
homme de Sivri-Hissar....). 

Hom, S. 6911. (Zakani). 

137. Sottisier, Nr. 26. Ein Schwank in der serbischen 
Ausgabe (S. 181) lautet: 

.Der Hodscha Nasreddin hatte lür sich und seine 
Freunde, wenn ihn die besuchen kämen, einige Winter- 
vorräte aulbewahrt, aber die Mäuse machten sich darüber 
und Iraßen allmählich alles aul. Als er das gewahr wurde, 
wufite er in seinem Zorne nicht, wie er die Mäuse langen 
sollte, und noch weniger, wie er sie aus dem Hause treiben 
könnte. Und also zornig schrie er: „Wartet, wartet, ihr 
Abscheulichen und Söhne von Abscheulichen I ich werde es 
eudb schon zeigenl" Er schallte ein Bündel Stroh ins 
Haus, zündete es an und schlofi die Tür. Als das Haus 
brannte, Hngen die Mäuse zu schreien an, und Nasreddin 
riel Iröhlidb: „Ahal ahal so ists recht, daß ihr einmal 
merkt, wem ihr Schaden machen dürltl" 

Eine Variante steht ebendort, S. 186. 

Zu der Verbrennung eines Hauses des 
Ungezielers halber siehe die Noten östeirleys zu 
Pauli, Nr. 37, S. 477 und Boltes zu Schumanns Nacht- 
buchlein, Nr. 1 (Tübingen, 1893, S. 384 und hinter Freys 
Gartengesellschaft, S. 276), lerner Hans Sachs, Schwanke, 
V, S. 229; weiter vgl. die 6. Erzählung in den Mery Tales 

244 



of the Mad Men of Gotham (Hazlitt« III, S. 9), die bei 
Clouston, Noodles, S. 41 aus der Tale of Beryn ab- 
gedruckten Verse, und das folgende Stück (Nr. 306) der 
Exempla of Jacques de Vitry, ed, by Crane, London, 1890, 
S. 128: 

Quidam ita pusillanimes sunt quod ictibus inimici 
statim cedunt malentes peccatis consentire et vastari 
quam tentationibus molestari, similis cuidam fatuo qui,. 
cum muscis valde inf estaretur, domum propriam combuscit 
ut muscas pariter combureret. Ita multi dum muscas 
sustinere nolunt igne luxurie se vastari et incendi per- 
mittunt. 

138. SoUitier, Nr. 30. 

139. Soüisier, Nr, 34. In einer entsprechenden ser- 
bischen Erzählung (S. 110) sagt Nasreddin:* „Es ist genug, 
daß sie (die Zwiebeln) tagsüber wachsen; was einer hat, 
soll er bewahren, und was mir gehört, soll bei mir bleiben." 

140. Soüisier, Nr. 36. 

D'Herbelot [Orientalische Bibliothek, Halle, 1785 ff.« 
I, S. 524) erzählt ähnliches von Bahlul, dem Hofnarren 
Harun al Raschids; nach D'Herbelot steht die sicherlich 
verdorbene Schnurre bei Flögel, S. 172. 

Eine hübsche Variante bringt Kuka, S. 192: 

In Ispahan there was a madman who, standing in the 
bazär, used to beat the passers-by, saying „Why don't 
you all take one side of the road?" As he would not 
listen to reason, and as using force against him was out 
of the question, owing to the Persians regarding a madman 
as one rapt in Divine ecstasy, a wise man advised the men 
to bring forward another madman to argue with this one. 
This was done; and when the first madman asked the 
above question to the passers-by, the other replied, „You 
know, the earth is like a shield floating on water. If all 
the people were to go on one side, that part would become 
too heavy, and the earth would be overtumed." 

Strange to say, this reply satisfied the first madman, 
and he gave up annoying the passers-by. 

245 



141. SoUiüer, Nr. 37. 

Vtl. oben die Nrn. 49, 46, 66, 121 und 382. 

142. SoHiBier, Nr. 42; Serbuch, S. 37. 
Vgl. Nr. 282. 

Eme bübtdie Analogie bietet ein Schwank in Bronners 
BayerUchem Schelmen-Bäehlein, S. 79 f!.: Die Stier- 
wa$cher, der aber auch als Neckgeschichte für eine Reihe 
salzburgischer Orte erzlhlt wird. 

143. SotHiier, Nr. 43; Serbisch, S. 162 ff. 

144. Sottiner, Nr. 44; Nouri, S. 77 ff.; KroatUch« 
S. 76 ff. 

145. SotiiMier, Nr. 45. 

146. Soiii$ier. Nr. 46; Tewfik, Nr. 32 r= Triiäi, Nr. 141 
= Serbisch« S. 29 (an allen drei Stellen ist der Text ver- 
dorben); Griechisch, Nr. 23; Kroatisch, S. 12 ff.; Pann« 
S. 346 ff. 

Dieselbe Geschichte wird bei Gonzenbach, I, Nr. 37, 
S. 260 von Giofi erzlhlt; vgl. die Nachweise dazu von 
Köhler und Holte in der ZVV, VI, S. 74. 

Vgl. weiter die 122. Facetie Arlottos und meine Noten 
dazu (II, S. 105 ff. und 234 ff.). 

147. SottiBier, Nr. 49. 

148. SoUitier, Nr. 51. 

149. SoUiBier, Nr. 52. 

150. SoUiBier, Nr. 56. 

151. SoUiBier, Nr. 60. 

152. SoUiBier, Nr. 63. Für sich allein kommt der 
Schwank nur hier vor; in allen andern Darstellungen ist 
er mit Nr. 326 zusammengezogen: Dieterici, ChreBiomaUde 
OUomane, Berlin, 1854, S. 31 ff. IFourberiee, S. 38 und 65) ; 
Eth6, S. 244; Trifdi, Nr. 137; Kunos bei Radioff, Die 

246 



Sprachen der türkischen Stämme, Petersburg, 1866 !f., 
VIII, S. XIX f!.; Mardrus, S. 107!!.; Sachau, Skizze des 
Fellichi-Dialekis von Mosul, S. 71 !!. (eben!all8 von Nasr- 
eddin), 

153. Sottisier, Nr. 66. 

154. Soitisier, Nr. 67; Buadem, Nr. 31; Serbisch S. 62; 
Kroatisch, S. 37. 

155. Soitisier, Nr. 69. 

156. Soitisier, Nr. 70. 
Galland, S. 21. 

157. Soitisier, Nr. 71; Serbisch, S. 157!!. (wirklich von 
Nasreddin), 

Fourberies, S. 3 und 39 !!. (die Geschichte steht auch 
in dem Thamarat al anrak von ihn Hidschdscha (f 1434) ^. 

158. Soitisier, Nr. 72; Buadem, Nr. 17; Serbisch, S. 57; 
Kroatisch, S. 33 !!. 

Köhler, I, S. 506; Fourberies, S. 40. 

Vgl. weiter Köhler, II, S. 633 !!., Bebel, I, S. 177 und 
Papini, La leggenda di Dante, S. 84 !!. Zu den an diesen 
Stellen gegebenen Parallelen kommen noch: Kuka, S. 179; 
Facette, motti, buffonerie, et burle del Piovano Arlotto, 
del Gonnetta et del Barlacchia, Firenze, 1565, S. 129!!. 
(von Barlacchia); danach !ranzösisch G. Chappuis, Les 
Facitieuses lournies, Paris, 1584, L V, n. 9, Bl. 154 a!!.; 
Garzoni, La piazza universaie di tutte le professioni del 
mondo (1. Ausg. 1579), Venezia, 1616, S. 331; Sagredo, 
L'Arcadia in Brenta, S. 383!!.; Garibay, Cuentos in den 
Sales espanolas, II, S. 52; Seb. Mey, Fäbulario, Fäb. 56 
(Men^ndez y Pelayo, II, S. CIX!!.); Eyering, I, S. 85!!.; 
Melander, Joco-Seria, deutsch, Lieh, 1605, II, S. 423, Nr. 377 
(nicht in den lateinischen Ausgaben); Lehmann, Exiliam 
melancholiae, F, Nr. 31 ; Gerlach, Eutrapeliae, Leipzig, 1656, 
I, Nr. 952; Harsdör!er, Ars apophtegmatica, S. 626, Nr. 2982; 



1 S. Brockelmann, 11, S. 15 ff. 

247 



Ja€ke of Dooers Quesi of Inqnirie bei Hazlitt, II, S. 322 II.; 
Joe Müler's Jesin, S. 17, Nr. 97. 

159. SotHtier, Nn 74. 

160. Sottisier, Nr. 76; Nawadir, S, 46; Griechisch, 
S. 110; Serbisch, S. 125; Pann, S. 33611. Vgl. unten 
Nr. 394. 

Fourberiea, S. 41; Hom, S. 70 (Zakani; die Erzählung 
aus dem Mesnewi von Dschelaleddin Rumi [transl. by 
E. H. Whinlield, 2. ed., London, 1898, S. 130], aul die 
Hom verweist, hat nur ganz allgemeine Beziehungen). 

Eine entlemte Ähnlichkeit hat eine Schnurre im 
Nttzhat al ndaba, die bei Hammer, RoMenöl, II, Stuttgart, 
1813, S. 302, Nr. 177 fibersetzt ist; zu ihr stimmt einiger- 
maßen die Geschichte von dem Plarrer von Mößkirch, die 
nach der Zimmeriachen Chronik, 2, AulL, Freiburg i. B., 
1881, II, S. 439 zu dem Sprichworte Anlaß gegeben hat: 
„Das walt Gottf sprach plall Fetter, do stig er uf die 
magt." 

161. Sottisier, Nr. 78; Buadem, Nr. 88; Serbisch, S. 82; 
Kroatisch, S. 51. 

Clouston, Noodles, S. 90. 

Gesteigert ist die Komik in lolgender persischer 
Schnurre l^i Kuka, S. 157: 

A Syrian went to a carpenter's Workshop, and asked 
him to make a door lor him. The carpenter wanted to 
know the length and breadth ol the door, whereupon the 
Syrian went home, measured the breadth ol bis doorway 
with bis extended arms, and, keeping the arms so 
outstretched, began to retum to the carpenter. But on 
bis way back he encountered a wag, who, by way ol a 
practical joke, tripped him up, and laid him Hat on bis 
back, on the ground. Even then, the Syrian would not 
make use ol bis arms, but kept them extended, and being 
unable to rise in this ppsition, went on abusing the man 
and requesting the passers-by to pick him up. When some 
one oflered to raise him, he shouted out, „Don't take hold 
of my arms or you would destroy the measurement ol my 
door. Take me up by the beard." So he was picked up 
in the way suggested by himsell; and he went away quite 

248 



a happy man a£ the thought« that in spite ol all difficulties 
he had preserved the measurement o£ his door. 
Merkens, II, S. 13 ff., Nr. 14. 

162, Sotfi$i9r, Nr. 83. 

Merkwürdige Parallelen zu diesem Schwanke bieten 
im Jacke of Dover die Erzählung von dem Foole of NoU 
tingham (Hazlitt, II, S. 326 ff.) und die folgende aus 
Archie Arnutronjg^s Banquei of Jesta, S. 184 ff.: 

A Gentleman Walking somewhat late in the night, was 
taken by the Watch, and had before the Lanthome; where 
they very strictly demanded who hee was, and whom hee 
served: he answered, that hee was, as they say, a man, 
and that hee served God. I, say you so, quoth the Con- 
stable, then carry him to the Counter, if hee serve no body 
eise: yes sir: replied the Gentleman, I serve my Lord 
Chamberlaine. My Lord Chamberlaine? (saith the Con- 
Stahle) why did you not teil me so before? Marry, quoth 
the Gentleman, because I had thought, thou loved God 
better than my Lord Chamberlaine. 

163. Soitisier, Nr. 84; Fourheries, Nr. 39; vgl. auch 
Serbisch, S. 110 ff. 

FourherieB, S. 42 ff.; Basset in der RTF, XI, S. 497 ff. 

Die Literatur über das Motiv von dem Kürbis etc. 
als Pferdeei (Eselsei etc.) findet man zusammen- 
gestellt in Boltes Noten zu Freys Gartenfeselhchaft, 
S. 214 ff., im Archiv für slavische Fhilologie, XXII, S. 301 
und 309 und XXIX, S. 452 und bei M. Böhm, LMische 
Schwanke, Reval, 1911, S. 111; dazu noch Keller, Schwa^ 
ben, S. 136 ff. und Bronner, Schelmen-Bächlein, S. 113 ff. 
Über das Motiv von den Luftschlössern, das in der 
Erzählung des Soüieier (nicht in der der Fourberies) den 
Schluß bildet, vgl. die von mir im Euphorion, XV, S. 7 ff. 
verzeichnete Literatur, hauptsächlich Bolte zu Wickram, 
S. 391 und zu Montanus, S. 603 ff., femer J. Hertel, Tari" 
träkhyäyika, Leipzig, 1909, II, S. 148 ff. und I, S. 140. Es 
komimt aber auch in einer Erzählung von Nasreddin selb- 
ständig vor, und zwar in der serbischen Ausgabe, S. 48, 
in einer eigentümlichen Variante: 

Eines Tages fand der Hodscha Nasreddin auf der 
Straße ein Hufeisen. Außer sich vor Freude, lief er nach 

249 



Haute und tagte zu teiner Frau: „Schau nur, wat ich tfe* 
funden habe! Dietet Huleiten muiBt du gnt aufheben; bis 
ich noch dreie gefunden habe« dann kaufe ich ein Pferd 
und dann reiten wir miteinander nach Mekka." 

„Ja«" antwortete die Frau« ««und auf der Rückreite 
betuchen wir meine Eltern/' 

««Du hatt wirklich kein Herz«" fiel ihr Natreddin ins 
Wort; ««du willtt wohl dat Pferd nicht ein bißchen ver- 
tchnaufen lattenl" 

164. SottiMier, Nr. 85. 

Vgl. Behmauer« Die vierzig Veziere, Leipzig« 1851« 
S. 233 ff. 

165. SoUisier, Nr. 86. 

Löcher mit Speite vertchmieren: t. unten 
Nr. 444. 

Spiegelbild verkannt: t. unten Nr. 311. 

166. Soiiisier, Nr. 87. 

Vgl. Domenichi« Facette, 1548« Bl. C^b (1562« S. 138« 
1581« S. 171): 

Dicendoti da alcuni Saneti« che in vn certo cato 
occorto i Fiorentini haueuano perduto il ceruello« ditse 
Cotmo: E' non lo pottono gii perdere eßL Forte voleua 
tattargli di non hauerlo mai hauuto. 

Ahnlich itt Hartdörfer« Ars apophtegmaiica, S. 35« 
Nr. 159. 

167. Soiiisier, Nr. 88. 
Köhler« I« S. 506. 

Vgl. meine Nachweite zu Morlinit Nov. 32, S. 287 ff. 
und zu Monchdaiein, Nr. 13« S. 204; dazu noch: Carbone« 
Facezie, S. 59 ff.« Nr. 84; Catalicchio« C. I« d. 4« a. 5, 
S. 252 ff.; Pitri« HI« S. 324 ff.« Nr. 180; Crane« S. 287 ff.; 
G. Amalfi« XII facezie e moiii raccolii in Piano di Sor* 
renio, Nr. 9 im Archivio, XXI« S. 366 ff.; // medico e 
Vamalaio; Eyering« Proverhiorum eopia, I« S. 42 ff.; Leh- 
mann« Exilium melancholiae, S, Nr. M« S. 398; Hartdörfer» 
Ars apophtegmaiica, S. 99« Nr. 442; Merkent« HI« S. 127 ff., 
Nr. 103; Tales and Quicke Answeres, Nr. 50 (Hazlitt« I« 
S. 65 ff .) ; Archie Armstrongs Banguei of Jests, S. 95 
(ebento wie Mönchslaiein, Nr. 13 kombiniert mit dem unten 

250 



Nr. 439 erwähnten Motive von der Heilung durch Lachen) ; 
Clouston, Noodles, S. 168 !f.; G. Georgeakis et L^on 
Pineau, Le Folk-lore de Leabos, S, 131 iL: Les deux ami8. 

168. Sottisier, Nr. 89. 

169. SottiMier, Nr. 91. 

Der Schwank von dem Einfältigen« der den 
für einen gewissen Fall erhaltenen Be- 
fehl bei einem andern Anlaß, der ein 
andres Benehmen erfordern würde, buch- 
stäblich befolgt, existiert, auch auf Nasreddin 
übertragen, noch in einer deutlidbem Form; wie Künos 
in der Einleitung zu Naszreddin hodaa frefäi S. 26 be- 
merkt, hat nach tatarischen Quellen Iwanitzky ein „Reise- 
erlebnis" des Hodschas ins Russische übersetzt, und dieses 
folge hier nach dem ungarischen Texte: 

Es geschah einmal, daß Nasreddin auf seinen Wegen 
Totengräbern begegnete, und die begrüßte er mit dem 
Gruße: „Friede sei mit euchl" Die Totengräber prügelten 
ihn weidlich durch, weil er nicht so hätte grüßen sollen, 
sondern beide Hände erheben und für den Frieden der 
Toten bitten. Der Hodscha merkte sich das und ging 
weiter. 

Er traf eine Menge Leute, die singend und tanzend an 
ihm vorüberzogen. Kaum hatte er die bemerkt, so erhob 
er beide Hände und begann das Totengebet. Sie prügelten 
ihn ebenso, weil man eine Hochzeitsgesellschaft nicht mit 
diesem Gebete empfangen, sondern mit ihnen springen und 
tanzen solle. Auch das merkte sich der Hodscha. 

Auf seinen weitern Wegen begegnete er einem Jäger, 
der gerade einem Hasen auf der Spur war. Er begann zu 
springen und zu tanzen, und verscheuchte mit diesem 
Lärme den Hasen, Der Jäger fiel über ihn her und 
prügelte ihn mit dem Gewehrkolben durch, weil er nicht 
auf den Fußspitzen gegangen sei, bald geduckt und bald 
aufrecht. Auch das merkte er sich. 

Sein Weg führte ihn bei Hirten vorüber, die eine, zahl- 
reiche Schafherde vor sich hertrieben. Da duckte er sich 
bald, bald ging er aufrecht; darob erschraken die Schafe 
so, daß sie nach hundert Richtungen auseinanderliefen, 
und auch dafür mußte er büßen. 

251 



Vgl. dazu Bebel, I. Buch, Nr. 26 und 27 samt den 
I, S. 128 begebenen Nachweisuntfen, hauptsächlich Boltes 
Noten zu Frey, Nr. 1, a, S. 212 ff., ferner Archiv für da- 
vUch% Philologie, XXII, S. 309. Ähnliche Darstellungen, 
die wohl zu unterscheiden sind von denen, wo es sich 
einfach um dumme Streiche eines Sohnes oder Ehemannes 
handelt, sind noch: P. S^billot, lAUiratttre orale de la 
Hante-Bretagne, Paris, 1881, S. 92 ff. und 102 ff., derselbe, 
Uttiraiure orale d'Auuergne, Paris, 1898, S. 84 ff., Clouston, 
Noodles, S. 123 ff. (auch zum folgenden), Jacobs, English 
Fairy Tales, S. 152 ff.: Lazy Jach, und S. 249 und Böhm, 
Lettische Schwänhe, S. 52 ff., Nr. 32 und teilweise S. 54 ff., 
Nr. 33. 

Oft bezieht sich der mißverstandene Befehl auf die 
Worte der Ansprache oder die Begrüßung, 
wie z. B. in dem von Pitr^ III, S. 362 ff. als Nr. 7 seiner 
Giuf&geschichten mitgeteilten Schwanke (Monnier, S. 13 ff.), 
zu dessen Anfange die unten als Nr. 435 gebrachte Hioha- 
erz&hlung eine Parallele bildet; dazu vergleiche Köhler, 
I, S. 87 ff. und 50, Boltes Noten zu Montanus, Garten- 
gesellschaft, Nr. 50, S. 602, Rittershaus, S. 429 ff. und 
Archiv für slavische Philologie, XXII, S. 304 und 309. An 
weitern Versionen seien angegeben Merkens, I, S. 124 ff., 
Nr. 131, Wilhelm Busch, üt dler Welt, München, 1910, 
S. 35 ff., Nr. 16, L. L^ger, Recueil de conies populaires 
slaves, Paris, 1882, S. 231 ff., H. Camoy, Littirature orale 
de la Picardie, Paris, 1883, S. 186 ff., Blad6, Contes popu- 
laires de la Gascogne, III, S. 137 ff., Louis Dart, De mal 
en pis „Comme Tribuei", Conte Champenois in der RTP, 
XI, S. 321 ff., eine nordfranzösische Erzählung, Jean tinno- 
cent, mitgeteilt von Ed. Edmond ebendort, XX, S. 94 ff., 
Denis Bressan, Conies populaires de La Bresse, Nr. 3, 
ebendort, XXIII, S. 350 ff., Jacobs, More English Fairy Tales, 
London, 1894, S. 195 ff. und 242, ein japanischer Sdhwank, 
Der dumme Tempo, erzählt von Iguchi im Globus, 69, Nr. 3, 
abgedruckt bei Aug. Seidel, Anthologie aus der asiatischen 
Volkslitteratur, Weimar, 1898, S. 44 ff. und J. Hinton 
Knowles, Folh-Tales of Kashmir, London, 1888, S. 189 ff. 

170. Sottisier, Nr. 93. 

Ein ähnlicher Schwank aus Bosnien, ebenfalls von 
Nasreddin, wird in der Anthropophyteia, IV, S. 385 ff. er- 

252 



zählt; eine Parallele dazu« aber nicht von Nasreddin« steht 
bei Roda Roda, S. 40 ff* Eine andere Version, deren An- 
fang an den von Nr. 262 erinnert« steht in der serbischen 
Ausgabe« S. 182 ff.: 

Einmal ging der Hodscha Nasreddin mit dem Sultan 
auf die Jagd; alle hatten Falken mit« nur Nasreddin eine 
Krähe. Im Felde angelangt« ließen alle ihre Falken 
steigen« und auch Nasreddin ließ seine Krähe aus. .Die 
ging auf einen Stier nieder« und den band Nasreddin sofort 
an den Hörnern an und führte ihn mit sich« als ob der 
Stier jetzt ihm gehören würde« weil ihn seine Krähe erjagt 
habe. Aber der Besitzer wollte ihm den Stier nicht lassen; 
obwohl ihm der Sultan selber sagte« daß er ihn ihm lassen 
solle« ging er zum Kadi und klagte wider Nasreddin. 

Als Nasreddin davon hörte« lief er schnell zum Kadi 
und versprach ihm ein Geschenk« wenn ihm der Stier nach 
seinem Spruche zufalle. Der Kadi sagte es zu« und als 
beide Streitteile vor Gericht kamen« der Besitzer sowohl« 
als auch der Hodscha Nasreddin« sagte er: «,Die Krähe des 
Hodschas hat den Stier erjagt« und was einer erjagt« das 
ist sein"; und damit ließ er den Besitzer des Stiers hinaus- 
werfen. 

Am nächsten Tage nahm der Hodscha einen Topf 
und füllte ihn fast bis zum Rande mit Stiermist« darüber 
legte er ein Kohlblatt und auf dieses gab er ein wenig 
Butter; und diesen Topf schickte er dem Kadi als Ge- 
schenk. Der Kadi kam des Nachts nach Hause und sagte« 
weil er gerade Lust auf Butter hatte« seiner Frau« sie 
solle ihm den Topf bringen. Die Frau brachte ihn und er 
nahm einen Löffel« fiihr damit in die Mitte hinein und 
kostete. Aber et riß den Löffel sofort wieder aus dem 
Munde und rief: ««Pfui Teufel!" Dann sah er nach« was es 
sei. Er ärgerte sich grimmig und ließ Nasreddin rufen; 
und er sagte voller Zorn zu ihm: ««Womit hast du mich ge- 
füttert« du niederträchtiger Kerl?" «,Du hast dich selber 
gefüttert« erhabener Ka<&«" antwortete der Hodscha; «,aus 
dem Topfe hast du schon gegessen« als du das Urteil ge- 
sprochen hast. Wie könnte denn eine Krähe einen Stier 
erjagen?" Und damit ging er. 

171. Sotüsier, Nr. 94; Serbisch« S. 25 ff.; Pann« S. 332. 
Krauss« Zigeunerhumor, S. 47 ff. 

253 



172. Sotiisier, Nr. 95; Serbisch, S. 149 ff. 

Ebenso Gladwin, Peruan Moonshee, II, S. 19 £f«« 
Nr. 50 und Krauss, Zigeunerhumor, S. 48 ff.; sehr nahe 
stehn auch die Novellen 3 und 4 in Arientis Porreitane, 
zit. Ausg., Bl. 8b ff. und 10a ff. und der auf der einen be- 
ruhende Schwank in der Arcadia in Brenta, S. 170 ff. Vgl. 
auch Montanus, GartengeBelUchaft, Nr. 19 (die Nachweise 
Boltes S. 597). 

173. Soitisier, Nr. 96; Serbisch, S. 40 („Küß ihn zwei- 
mal; ich werde ihn halten, damit er nicht ausreißen 
kann"). 

Vgl. eine Stelle im Kitab al ikd al farid von Abdi- 
rabbihi, die Basset in der RTP, XVII, S. 94 übersetzt hat; 
dort ist die Anspielung auf den 49. Vers der 5. Sure des 
Korans deutlicher ausgedrückt. 

174. Sottisier, Nr. 98. 

175. SoiiiBier, Nr. 101; Serbisch, S. 180 ff. (Schluß 
geändert). 

176. SottiBier, Nr. 103. 

177. Sotiisier, Nr. 105; vgl. oben Nr. 16. 

178. Soiiisier, Nr. 107. 

179. SottiBier, Nr. 109. 

Es gibt eine große Zahl Geschichten von Nasreddin, 
die alle denselben Eingang, aber eine verschiedene Pointe 
haben: Tewfik, Nr. 56 (= Trefdi, Nr. 165 [sUtt 166] und 
Serbisch, S. 21), Nouri, S. 163 ff. (= Kroatisch, S. 74 H.) 
und Serbisch, S. 45; die beste ist jedoch die folgende (Ser- 
bisch, S. 127): 

Eines Tages hatte der Hodscha Nasreddin so viel ge- 
trunken, daß er sich nicht mehr auf den Beinen halten 
konnte, imd er schlief ein. Als er ganz matt erwachte, 
wollte er vors Haus gehn, konnte aber die Treppe nicht 
finden und fiel in ein Loch; dort blieb er liegen. Sein 
Weib kam gelaufen und fragte ihn, ob er noch lebe; er 
antwortete: „Laß mir die Popin rufen." 



Sie meinte, er sei nicht recht bei Sinnen, und lief um 
einen Arzt. Als der Arzt kam, ließ ihn sich der Hodscha 
£ar nicht nahe kommen, sondern fragte ihn, kaum daß er 
ihn sah: „Bist du schon jemals über eine Treppe gefallen?" 

„Noch nie," antwortete der Arzt. 

„Dann kannst du mir auch nicht helfen," sagte Nasr- 
eddin; „geh zum Teufel! Und du, Weib, laß mir sofort die 
Popin rufen; die hat ihren Popen schon öfter von dieser 
Krankheit geheilt." 



180. SoUisier, Nr. 110; anders Tewfik, Nr. 29, Trifdi, 
Nr. 153 (statt 154) und Serbisch, S. 35. 

181. Sottisier, Nr. 113. 

182. SotHsier, Nr. 114. 
Fonrberiea, S. 46. 

183. SotÜBhr, Nr. 115. 

184. SotUsier, Nr. 116. 

185. SoUisier, Nr, 117. 

186. SoUisier, Nr. 119. 

187. Sottisier, Nr. 120. 
Galland, S. 15 ff. 

188. SotHsier, Nr. 121. 
Fourberies, S. 46 und 186. 

Ähnliche Geschichten stehn bei Sachau, FeUichi' 
Dialekt von Mosnl, S. 67 und bei Lidzbarski, Nen^ara^ 
maische Handschriften, S. 152 ff. Lidzbarski weist u. a. 
eine Parallele bei ihn Arabschah, Fakihat al hultda nach; 
vgl. dazu Chauvin, II, S. 204 ff. und 214. Eine Version aus 
al Abschihi, Muitatraf^ hat Basset in der RTF, XIII, 
S. 483 übersetzt Siehe femer Chauvin, V, S. 160, Note 
und Kuka, S. 162, Nr. 31. 



< S. Brockebnann« II, S. 56. 

255 



189. SoUisier, Nr. 122. 

190. SoUiMi9r, Nr. 123. 

Köhler« I« S. 506 fl.; Fourb^ries, S. 47. 

Eine ältere^ Version dieser Erzählung steht in dem 
Latihh ntuneh des 1531 verstorbenen Tfirken Lamii; sie 
ist bei Cardonne, Melange» d» Littiratar» Orientale, Paris, 
1770, II« S. 82 übersetzt (VersocAe der Orientalischen 
Liiteratur, Breslau, 1771, S. 22211.). Eine noch ältere ist 
uns in der 65. Facetie Arlottos (I, S. 151 ff. und 221 ff.) 
bekannt. Hans Sachs hat den Stoff zweimal behandelt: 
am 5. Mai 1550 als Meistergesang Der Schneider mit dem 
paner, dann am 21. Juli 15(3, mit einer andern Erzählung 
verbunden, als Sprucfagedicht Der Schneider mit dem 
panier (Schwanke, V, S. 74 ff. und II, S. 472 ff.); die 
jüngere Fassung ist breiter ausgeführt als die ältere. 

A. L. Stiefel hat in den Hans Sachs-Forschungen, 
Nürnberg, 1894, S. 80 ff. als Quelle Hans Sachsens die 
Facetie Arlottos bezeichnet; dies wohl nur in Unkenntnis 
der Abhandlung Cloustons The Tailor's Dream in den 
Populär Tales and Fictions, II, S. 79 ff. Dort wird nämlich 
unter anderm die humoristische Schilderung eines Turniers 
zwischen einem Schneider und einem Schuster angeführt, 
die den 1520 verstorbenen schottischen Dichter William 
Dunbar zum Verfasser hat; und das Banner des Schneiders 
wird also beschrieben: 

His banner bome was him before, 
Wherein were clouts a hunder score, 

Ilk ane of divers hue; 
And all stolen out of sundry webs; — 
For while the sea flood fills and ebbs, 

Tailyors will never be true. 

Wenn nun auch Clouston von der falschen Annahme 
ausgeht, die Facetien Arlottos seien erst 1520 zum ersten 
Male in Druck erschienen, so scheint mir doch das 
Resultat seines Schlusses richtig, daß nämlich die Verse 
Dunbars auf ein altes Mönchsexempel zurückgehn, und 
dies um so mehr, als wir bei der Untersuchung von Ar- 



1 Vgl die oben auf Seite 201 ff. gemachten Angaben über das Alternder 
im Soütidtr benützten Manuskripte. 

256 



lottos Quellen gesehn haben« daß bei Arlotto eine ^anze 
Reihe von Predugünärlein bearbeitet ist. Dieses Märlein 
kann dann aucn in letzter Instanz die Quelle Hans 
Sachsens gewesen sein, und diese Lösung ist sicherlich 
befriedigender als die Annahme Stiefels, wonach Hans 
Sachs an der Facetie Arlottos ziemlich viel geändert 
haben müßte. 

Ein Gedicht von John Harrington (f 1612), Of a Pre- 
eise Tailor ist aus The most Elegant and Wiitie Epi- 
grams, London, 1633 bei Ashton, S. 32 ff. und Clouston, 
a. a. 0., S. soff, abgedruckt. Weitere Nachweise geben 
Bolte bei Frey, S. 256, Note und Chauvin, HI, S. 38; einige 
stehn auch bei Hans Sachs, V, S. 74. Eine moderne ita- 
liänische Version findet sich bei J. Nieri, Racconii popO' 
lari lucchesi, Castelnuovo di Garfagnana, 1891, S. 157 ff., 
Nr. 43; Patron Bandiera, 

191. Sottisier, Nr. 124. 

192. Sottisier, Nr. 125; Mardrus, S. 107. 

193. Sottider, Nr. 126. 

Köhler, I, S. 506; Fourberies, S. 47. 

Die Geschichte ist so ziemlich identisch mit der 
132. Facetie Poggios: De Judaeo mortuo asmmpto igno' 
ranter in eibum per Florentinum, die Seb. Brant in 
Esopi appologi, Basileae, 1501, BL Debff. bearbeitet hat; 
vgl. dazu Hans Sachs, Schwanke, H, S. 540 ff. (auch 
S. XXni und IV, S. 493 ff. Fast ebenso wie im Sottisier 
wird im Nuzhat al ndaba (Basset in der RTP, XV, S. 671) 
erzählt. 

194. Sottisier, Nr. 127. 

195. Sottisier, Nr. 128; Mardrus, S. 104 ff. 

196. Sottisier, Nr. 130. 

197. Sottisier, Nr. 131. 

Im Nuzhat al udaba findet sich folgende Schnurre 
(Basset in der RTP, XV, S. 286) : 

Nasreddin, I. 1? 257 



Man erzählt von einem Manne« der sich für einen Pro- 
pheten ausgab; zu dem sagte einer seiner Freunde« der 
einäugig war: ««Was ist das Zeichen deines Propheten- 
tums? was sind deine Wunder?" ««Mein Wunder ist 
dieses: du bist einäugig; ich will dir auf der Stelle das 
gesunde Auge herausnehmen und den Herrn bitten« auf 
daß du sehest." Der andere antwortete: ««Ich glaube« daß 
du ein Prophet bist." 

AI Abschihi erzählt im MuMiatraf (Basset in der RTP, 
XIII, S. 490 ff.): 

Zur Zeit al Mamuns^ gab sich ein Mann für einen 
Propheten aus« und zwar wollte er Abraham sein« der 
Freund Gottes. Der Chalif sagte zu ihm: ««Abraham hat 
Wunder und Zeichen getan." ««Was für Zeichen?" ««Man 
zündete ein Feuer an für ihn, und sie warfen ihn hinein; 
aber die Flamme ward ihm eine Kühlung und eine Seg- 
nung >: wir wollen für dich einen Scheiterhaufen anzünden 
und dich hineinstürzen; wenn es dir so geht wie ihm« 
werden wir an dich glauben." ««Ich möchte lieber etwas 
leichteres." ««Die Zeichen von Moses?" ««Was sind das für 
Zeichen?" ««Er warf seinen Stab hin« und der wurde zur 
Schlange *« er schlug das Meer, und es teilte sich \ und er 
steckte seine Hand in den Busen« und sie war weiß<^." 
««Das ist noch schwerer für mich als das erste Zeichen." 
««Die Zeichen von Jesus?" ««Was sind die?" ««Die Toten 
zu erwecken *." ««Du sagst das richtige: ich will dem Kadi 
Jachfa ihn Aktani den Kopf abschlagen und werde ihn 
dir im Augenblicke wieder zum Leben erwecken." Da 
schrie der Kadi: „Ich bin der erste« der an dich glaubt." 

Als älteste Version zitiert aber Basset an der zuletzt 
genannten Stelle das Kitab al ikd al farid von Abdirabbihi. 
Andere Parallelen stehn bei Clouston« Flowera, S. 35 ff. 
(Saadi)« Gladwin, The Persian Mooruhee, II« S. 16, Nr. 37 
und Galland« S. 20; vgl. auch zu der Erzählung Abschihis 
Roda Roda« S. 40. 

198. SoUisier, Nr. 132. 



1 833 gestorben. 

s Koran, 21, v. 68 u. 69. 

> Koran, 20, v. 68—72. 
4 Koran, 20, v. 79. 

> Koran, 20, v. 23. 
^ Koran, 3, v. 43. 



258 



199. SoüiBier, Nr. 133. 

200. Sottisier, Nr. 134. 

Vtfl. die 51. Facetie Arlottos (I« S. 130!!.). 

201. Sottisier, Nr. 135. 

Von dieser Geschichte gilt wohl dasselbe« was Bolte 
bei Hans Sachs, III, S. XI von dem Meistergesänge Die 
leren gelteeck (ebendort, S. 369 fl.) sagt, daß sie nämlich 
in letzter Instanz auf die 412. Fabel Aesops: 0daQyvgo 
zurückgeht; vgl. dazu noch Aesopi Phrygis et aliorum 
fabulae, Venetiis, 1539, Bl. 97 a: AwaruSt Camerarius, 
Fabulae aesopicae, Lipsiae, 1570, S. 106: Aoanu, schließ- 
lich auch die 194. Novelle Sacchettis und weiter Clouston, 
Populär Talee and Fictionsp I, S. 61 ff. 

202. Sottieier, Nr. 136. 

203. Sotfisier, Nr. 137. Anders: Buadem, Nr. 44; Ser- 
bisch, S. 65 ff.; Kroatisdh, S. 40. 

Galland, S. 24ff. 

204. Soitisier, Nr. 138; Buadem, Nr. 74; Serbisch, 
S. 77; Kroatisch, S. 48. 

Die Geschichte findet sich schon in Dschamis Bäha^ 
rUian (Der Frählings^arten von Mewlana Abdurrhaman 
Dschami. Aus dem Persischen übertragen von O. M. 
Frh. V. Schlechta-Wssehrd, Wien, 1846, S. 86 fL); danach 
steht sie bei Cardonne, I, S. 119 (deutsch, S. 69). Auf 
derselben Quelle beruht wohl auch Gladwin, The Persian 
Moonshee, S. 18, Nr. 40. 

205. Soitisier, Nr. 139. 

206. Sottieier, Nr. 140. 

Vgl. die 105. Facetie Arlottos (II, S. 75). 

207. Sottisier, Nr. 141. 

208. Sottifier. Nr. 142. 

209. Sottisier, Nr. 143. Vgl. dazu Tewfik, Nr. 2; 
Trifäi, Nr. 147; Griechisch, Nr. 159; Serbisch, S. 46. 

17* 259 



210. Soiiitier, Nr. 144. 

211. Soiiifier, Nr. 146. Mit Nasreddin als traurigem 
Helden: Notiri« S. 18111.; Serbisch« S. 14711.; Kroatisch« 
S. 181 II. 

Zu der Version des Sottigier stimmt die dritte der 
drei Geschichten, die Julien Dumoret aus einem tür- 
kischen Buche: „Nasser eddin khodjah", für dessen Ver- 
lasser er Nasreddin hält« im Journal asiatique, XIII« 
S. 488 fibersetzt hat^; während der Eingang verschieden 
ist« sind die drei Ratschläge des Geistlichen und der des 
Trägers so wie im Sottisier, Anders ist der dritte Rat des 
Geizhalses (««Wenn dir einer sagt« es gebe noch einen 
Lastträger« aer dfimmer wäre als du« so glaube es nicht") 
in einer Erzählung des Hadikat al afrah von asch Schir- 
wani« die Basset in der RTP, XIV« S. 216 fibersetzt hat; 
diese wieder ist last identisch mit der 485. der Laughable 
Stories von Bar-Hebraeus (Budge« S. 12611.)« die die älteste 
Fassung darstellen dfirlte. Ihr stehn die drei oben- 
genannten Versionen« deren Held Nasreddin ist« und eine 
Bsrsische Geschichte bei Kuka, S. 16711. sehr nahe, 
eutsch ist der Schwank bearbeitet von Roda Roda« 
S. 21211. 

Entlemter stehn ein Schwank bei Clouston« Flowers, 
S. 105 II. und das 43. Kapitel im Wegkürzer von Montanus; 
vgl. Boltes Nachweisungen S. 581 und Chauvin« VIII« 
S. 139 (Parodien zu Nr. 136). 

212. Sottisier, Nr. 147. 

213. Sottisier, Nr. 148. 

Köhler« I« S. 507; Fourberies, S. 49. 
S. Arlotto« II« S. 64 II. und 226 II. 



1 In der Vorbemerkung sagt Dumoret: „Les trois petits contet qu'on 
▼a lire tont extraiti de Nasser eadin khodjah appell6 vulgairement Nazireiin 
ytodjah. Cet 6crivain fac^tieux a compot^ un livre d'histoires ^critei en 
turc, parmi leiquellei on en trouve quelques unes d'assez plaisantes et 
d'assez originales. En gtoßral le style de Naz6r6tin est simple et naturel, 
Sans 6tre priv^ n^anmoins de cette grAce qui fait le merite du conteur. Son 
recueil qui est trte-rfoandu en Orient, eziste 4 Paris parmi les manuscrits 
de la Biblioth^que du RoL Nous avons eu pendant longtemps k notre dis- 
position un.petit manuscrit des oeuvres de cet auteur ..." Bemerkt sei 
hier noch, dau die erste der drei von Dumoret mitgeteilten Erzählungen eine 
ziemlich genaue Parallele zu Arlotto, Nr. 171 (II, S. 179 ff. und 253 ff.) bietet. 

260 



214. Sottisier, Nr. 149. 
Galland, S. 22. 

215. Sottisier, Nr. 150. 

216. Sottisier, Nr. 151; Tewfik, Nr. 16; Kroatisch, S. 7£f. 
Hom, S. 69 (Zakani) ; TrMi, S. 19. 

217. Sottisier, Nr. 152. 

Galland« S. 2611.; Hammer, Rosenöl, II, S. 7811., 
Nr. 44; Clouston, Flowers, S. 10911.; Roda Roda, S. 214 ff. 

218. Sottisier, Nr. 153; Tewfik, Nr. 20; Trifäi, Nr. 151; 
Serbisch, S. 35. 

219. Sottisier, Nr. 154. 

Fourheries, S. 50; zu den dortigen Nachweisungen zu 
dem Motive von dem Dämon (Menschen) als 
Reittier noch Chauvin, VII, S. 23 ff. 

220. Sottisier, Nr. 155. 

221. Sottisier, Nr. 156. 

222. Sottisier, Nr. 157. 

Vgl. zu diesem Schwanke den folgenden, Jen J. F. 
Campbell in den Populär Tales of ihe West Highlands, 
II, S. 398 erzählt: 

He (the Assynt man) once took his child to be bapti- 
zed; the minister said he doubted if he were fit to hold 
the child for baptism. 

„Oh, to be sure I am, thought it was as heavy as a 
stirk." 

This answer shewing little wit, the minister asked him 
how many commandments there were. 

„Twenty," he said boldly. 

„Oh, that will never ao; go back and leam your 
questions" (Shorter Catechism). 

Half way home he met a man. 

„How many commandments will there be? There 
must be thirty, for the minister was not content with 
twenty." 

261 



He was sei to rights on this point, and tuming back 
(it was Winter), he thonght the clergyman would not refuse 
him this time etc« etc. 

Eine weitere Parallele steht bei Il£, II, S. 91 ff^ 
Nr, 131. 

223. SoitiBier, Nr. 158. 

224. Sotiisier, Nr. 159. 

225. SoiHBier, Nr. 160. 

226. Sofiitier, Nr. 161. 

227. Sottisier, Nr. 162. 
Galland, S. 14. 

■ 

228. Sotiitier, Nr. 164. 

229. Sotiisier, Nr. 165; Buadem« Nr. 5; Serbisch, S. 53; 
Kroatisch, S. 31. 

Eine hfibsche Parallele zu dieser Schnurre steht in 
Mendozas Lazarülo de Tormes, trat. III (Biblioteca des 
autores espanoles, III, S. 8611.]: 

O sefior, dije yo, acuda aquf, que nos traen un 
muerto. ^C6mo asf? respondiö ^1. Aquf arriba le en- 
contr6, y venia diciendo su muier; marido y sefior mio, 
^adönde os Uevan? ^A la casa löbrega y oscura? ä la 
casa triste y desdichada? ä la casa donde nunca comen 
ni beben? Acä, sefior nos le traen. 

Auf dem Lazarülo beruht Casalicchio, c. I, d. 9, a. 2, 
S. 161 ff. und vielleicht auch in letzter Instanz die sizilia- 
nische Volkserzfihlung Lu Cavaleri Assicca-hlttuH im 
Archiüio, III, S. 93 ff. Nfiher der Fassung im Sotiisier 
steht der 49. Schwank bei Swynnerton, S. 300. 

Eine entferntere Variante bieten Zincgref-Weidner, II, 
S. 53 und das Exäinm melancholiae, A, Nr. 48, S. 15: 

Ein armer Bürger zu Elverfeld, mit Kindern beladen, 
ward gefragt, wie es in seinem Hauß stfinde? gab seine 
Armnth durch diese höffliche Antwort verblümter weise 
zu verstehen: Es gienge wie im Himmel. Gefragt: Wie so? 
Antwortet er: Im Himmel isset und trinckt man nicht. 

262 



230. Sottisier, Nr. 166. 

231. Sottisier, Nr. 167. 

Ein Gegenstück dazu stellt die 105. Facetie im Phüo' 
gelos, S.^ 26 dar: 

^ikoQyv^C igwifojuiyoc 6ta xl äXlo ov6iy ^IjJth fioyoy 
ikaiag icdUii Mfpn' tya ro f^ky f^iod-^y dytl o^ov €;|fa>, ro Sk 
wnovy aytl ^vXov ' <paymy di, alff T^y iaviov »fffai^y «moy* 
ytaecfdtyosy kovtQov ov* inMofiat, 

232. Sottisier, Nr. 168. 

Zu dem Motive von dem Bettler bei dem 
Gatten seiner ehemaligen Frau ist die Lite- 
ratur zusammengestellt von Basset, Zenatia, S. 107 ff. und 
RTP, XXII, S. 221 ff. und von Chauvin, II, S. 174. Nr. 16 
und VIII, S. 180, Nr. 212. 

233. Sottisier, Nr. 169. 
Galland, S. 29 ff. 

234. Sottisier, Nr. 170. 
Galland, S. 191; Fourberies, S. 52. 

Nick, I, S. 152; Roda Roda, S. 70 (verdorben). 

235. Sottisier, Nr. 172. 

236. Sottisier, Nr. 173; Pharaon, S. 177 ff. 

Eine ausführliche Studie hat dem Stoffe Köhler (II, 
S. 594 ff.) gewidmet; dazu vgl. meine Nachträge bei Mor- 
lini, S. 309 und Rittershaus, S. 366 ff. 

237. Sottisier, Nr. 174; Tewfik, Nr. 61; Nouri. S. 85 ff.; 
Griechisch, Nr. 2; Serbisch, S. 117 ff. und 16 ff.; Kroatisch, 
S. 19 ff. 

Köhler, I, S. 507; Fourberies, S. 52 ff. 

Über das Motiv der Schweigwette handelt ein 
Aufsatz von Clouston, The silent conple, in den Populär 
Tales and Fictions, II, S. 15 ff.; Clouston betrachtet als 
Quelle der unzähligen, diesen Stoff behandelnden Ge- 
schichten eine tamulische Erzählung,, die französisch bei 
J. A. Dubois, La Pantcha-tantra etc., Paris, 1826, S. 363 ff. 
steht und von der er im Book o/ Noodles, S, 171 ff. eine 

26a 



Übertragung gibt. Der Inhalt ist, soweit er uns hier an- 
geht, kurz der: Vier Brahmanen werden auf der Land- 
straße von einem Soldaten gegrüßt. Es entspinnt sich ein 
Streit unter ihnen, wem von ihnen eigentlich der Gruß 
gegolten habe, und schließlich laufen sie dem Soldaten 
nach, um ihn darüber zu befragen; der Soldat antwortet 
ihnen, sein Gruß gehöre dem größten Narren unter ihnen. 
Nun beschließen sie, diese neuerliche Frage, wer nämlich 
von ihnen der größte Narr sei, dem Gerichte von Dharma- 
puri vorzulegen, und dieses trägt ihnen zur leichtem Ent- 
scheidung auf, daß jeder ein bemerkenswertes Erlebnis 
erzähle, um seinen Anspruch auf die Würde des größten 
Narren zu rechtfertigen. Der dritte Brahmane erzählt dann 
die Geschichte, wie er mit seinem Weibe gewettet habe, 
wer es am längsten aushalten werde, zu schweigen usw. 

Eine merkwürdige Übereinstimniung mit der Ge- 
schichte der vier Brahmanen bieten zwei süditaliänische 
Überlieferungen, wo sich drei Dummköpfe streiten, wem 
von ihnen ein Gruß zukomme: die eine stammt aus Neapel 
und ist von V. della Scala im I. Jahrgänge des Giamhattista 
BasiU unter dem Titel 'O cunfo d' 'o soluto d' 'e tre cafune 
veröffentlicht, die andere steht als Nr, 6 unter den von 
G. Amalfi gesammelten XII facezie e motu raccolti in 
Piano di Sorrenfo im Archivio, XXI, S. 360 ff. ^; in beiden 
Fällen entspricht die Erzählung des dritten Bewerbers um 
den Dummheitspreis der des dritten Brahmanen ^. An die 
Stelle des fiktiven Gutes, des Grußes, tritt in der 1. No- 
velle der 8. Nacht in Straparolas Piacevoli noffi ein 
wirkliches und zwar ein Kleinod, das von drei Findern 
dem gehören soll, der der faulste ist; die Erzählung des 
dritten bringt dann die Schweigwette. 

Obwohl das Motiv von dem Wettstreite der drei 
Paulen ungeheuer verbreitet ist^ kommt doch die 

1 Die neapolitanische Version kenne ich nur aus den Zitaten Amalfis 
a^ a. O. und den G. Ruas im Giomale Mtorico della leUenäura iialiana, XVI, 
S. 257. 

s Ebenfalls um einen Grufi streiten sich drei dumme Schulmeister in 
einer Geschichte im Madachmu ax zarf von Abu Madjan (Ende des 12. Jahr- 
hunderts; v^. Brockehnann« I, S. 438), die Basset in der RTF, XXI, S. 441 ff. 
übersetzt hat; der zweite Schulmeister erzählt, wie ^ch seine Schüler und 
•er selbst im Brunnen gesehn haben usw., wozu oben Nr. 165 und unten 
Nr. 311 zu yergleichen sind. 

' Nachweise geben Grimm in den KHM, III, S. 233 ff., österley zu 
Paulis Sthimpf und Emtit Nr. 261 und zu Getto Romanorum, Nr. 9t, Lieb« 

264 



Schweigwette in den bekannten Versionen nirgends sonst 
vor als bei Straparola; in der Form einer selbständigen 
Erzählung begegnet sie Jedoch außerordentlich häufig. 
Siehe darüber Pitr^, III, S. 326 ff. und IV, S. 443, Crane, 
S. 284 ff. und 378, Clouston, Noodles, S. 107 ff., Landes, 
Conies et Ugendes annamifes, S. 317, Rua a. a. O., Basset 
in der RTP, XII, S. 412 und XV, S. 283 ff., Amalfi a. a. O., 
Bolte, Das Danziger Theater im 16, und 17. Jahrhundert, 
Hamburg, 1895, S. 226 ff., Köhler, II, S. 576 ff., Lidzbarski, 
S. 179 und 184, dazu Bolte in der Z. /. ügl. Littg., N. F., 
XIII, S. 234, Brie, Eulenspiegel in England, Berlin, 1903, 
S. 118, Chauvin, VIII, S. 132 und Dähnhardt, Natursagen, 
Leipzig, 1907 ff., I. S. 233 ff. 

238. Sottisier, Nr. 176. 

Vgl. die bei Bolte zu Montanus, S. 578 ff. und bei 
G. Rua, Novelle del „Mambriano" del Cieco da Ferrara, 
Torino, 1888, S. 56 ff. angegebenen Schwanke, die ein deut- 
liches Bild geben, wie beliebt derartige Erzählungen bei 
unsem Altvordern waren. Zu der 39. Novelle im Grand 
parangon des nouüelles nouuelles von Nicolas de Troyes, 
Paris, 1869, S.148 ff.: IXune Hlle qui ne vouloit point aooir 
de mary qui eust genitoires, die Rua zitiert, wäre auf das 
Gedicht Von dem striegelein in den von A. v. Keller 
herausgegebenen Erzählungen aus altdeutschen Hand» 
schiften, Stuttgart, 1855, S. 412 ff. zu verweisen gewesen. 

Zu der in Diarbekr üblichen Redewendung vgl. fol- 
gende Stelle in der 103. Facetie Poggios, zu der die harm- 
lose Erklärung des Sprichworts Alia barba bei Seb. Pauli, 
S. 268 ff. nicht recht stimmen will: Est communis loquendi 
modus, cum quis ventris crepitum edidit, ut circumstantes: 
Ad barbam ejus, qui nihil cuiquam debet, dicant. 

239. Sottisier, Nr. 177. 

240. SotHsier, Nr. 178; Buadem, Nr. 94; Kuka, S. 213fL; 
Serbisch, S. 84 ff.; Kroatisch, S. 57. 



recht in Zar VoAdbrncfr, Heflbroim, 1879, S. 119, Bolte zu Schumanns 
NadilhüchUtin, Nr. 43 mit den Nachträgen bei Frey, S. 285, Goetze-Drescher 
bei Hans Sachs, V, S. 249 und Rua a. a. O.; dazu noch T. Garzoni, La 
sinagoga dt iVignoranÜ (1. Ansil. 1589), Venetia« 1605, S. 70 ff. («appreßo 4 
Hlarco**). Um vier Penny, die dem närrischesten tfdiören sollen, streiten 
Tier Weber bei Swynnerton, S. 252 ff., No. 37: Oftht four foolith wtaoert. 

265 



Eine Variante steht in der serbischen Ausgabe S. 47 ff.: 
Einmal wollte der Hodscha Nasreddin einen kleinen 
Tümpel fiberspringen. Er nahm einen Anlanf und sprang« 
kam aber nicht hinüber, sondern fiel mitten in den Tümpel. 
„O Jugend« schon bist du vorüber!" seufzte er und sah 
sich um. Und als er bemerkte, daß niemand in der Nfthe 
war, fuhr er fort: „Übrigens habe ich auch in meiner 
Jugend nie besonders gut springen können." 

241. Sottisier, Nr. 179. 

242. SotÜBier, Nr. 180; Mardrus, S. 110. Vgl. auch 
obep Nr. 3. 

243. SofÜBier, Nr. 181; Mardrns, S. 110 ff. 

244. Soiiisier, Nr. 182; Mardrus. S. 111 (bei der Über* 
tragung benutzt). 

245. Sottitiw, Nr. 183; Mardrus, S. 112 ff. 

246. Sottisier, Nr. 185. 

Dasselbe Motiv kehrt wieder bei Domenichi, 1562, 
S. 11 ff. (1581, S. 14], im Democritus ridena, S. 220ff. (Über* 
Setzung nach Domenichi), in der Arcadia in Brenta, S. 114 ff. 
(wieder nach Domenichi) und in Jacke of Dooers Quest of 
Inguirie, bei Hazlitt, II, S. 342: The Foole of Winchester 
(eine Bearbeitung des ersten Teils der Facetie Dome- 
nichis). 

247. Sottisier, Nr. 186. 

248. Sottisier, Nr. 187; Mardrus, S. 115 ff. 

249. Sottisier, Nr. 188. 

250. Sottisier, Nr. 189. 
Fourberies, S. 54. 

251. Sottisier, Nr. 192; Mardrus, S. 113 ff. 

252. Sottisier, Nr. 193. 

266 



253. SotHsier, Nr. 194. 

254. Soitisier, Nr. 195. 

255. Soititier, Nr. 197. 

256. SotHtier, Nr. 198; Mardrus, S. 114. 

257. Soitisier, Nr. 199. 

258. Soitisier, Nr. 200. 

259. Soitisier, Nr. 201. Vgl. oben Nr. 63. 

260. Soiiisier, Nr. 202. , 

261. SoiHsier, Nr. 203; Pann, S. 339 !f. Vgl. auch 
Nr. 290. 

Köhler, I, S. 506; Gazeau, S. 199 ff.; Fowberies, S. 55. 

Die älteste Darstellung der Geschichte von dem 
vermeintlich verlorenen Esel bietet wohl Bar- 
Hebraeus, der (Budge, S. 145 ff., Nr. 569) folgendermaEen 
erzahlt: 

Another simpleton, who was a servant, had ten asses 
which he hired to certain people, and when they came 
bade to their places he took his asses and counted them« 
(and found them to be] ten. Then he mounted one of 
them and rode some distance and came back, and as he 
was going away he counted those that were before him, 
and found them (to be) nine; and he was angry, and 
alighted and counted them over again, and found them 
(to be) ten. And he mounted an ass again, and counted 
the others and found them (to be) nine; thereupon he 
dismounted and counted (them), and found them (to be) 
ten. Then he said, „Verily there is a devil with me, for 
whenever I mount an ass 1 lose one of them; therefore I 
must not ride lest I lose one altogether. 

Die älteste abendländische Bearbeitung ist die 55. Fa- 
cetie Poggios: Fabula Mancini, auf der wieder eine 
türkische des 16. Jahrhunderts beruht, nämlich die 97. der 
Fahles iurques, trad. p. J. A. Decourdemanche, Paris, 1882, 
S. 199 ff.: Le muletier et sa femme. Weiter gehören in 

267 



diese Verzweigung: Brant, Esopi appologi, BL D39.iL; 
Hans Sachs, IV, S. 70 ff.; Schumann, Nachfbächlein, Nr. 24 
(mit Boltes Nachweisungen ebendort, S. 402 ff. und hinter 
Freys GartengeselUchaH, S. 282] ; Montanus, GartengeseU- 
schaff, Nr. 70 (Boltes Nachweise, S. 610 ff.); Tales and 
Quicke Answeres, Nr. 60 bei Hazlitt, I, S. 80 ff.; Lehmann, 
Exilium melancholiae, E, Nr. 91, S. 127; Das kurtzweüige 
Lehen von Clement Marott (1. Ausg. 1660], o. O., 1663, 
S. 55 ff.; Prym und Socin, Tür 'Abdin, II, S. 183 ff.; Krauss, 
Zigeunerhumor, S. 202; Roda Roda, S. 209. Eine An- 
spielung auf die Geschichte bringt der Schluß des 5. Kap. 
im 11. Buche des Don Quixote. 

Nahe verwandt mit dieser Schnurre ist die, wo sich 
eine Gesellschaft von Einfaltspinseln, oft nachdem sie ein 
meistens wirkliches, manchmal auch nur eingebildetes 
Wasser durchwatet hat, zählt, ob noch alle da sind, und 
wo der Zählende stets sichselber mitzu- 
zählen vergißt; dazu vgl. das erste Abenteuer Guru 
Paramärtans (Österley in der Z. /. vgl. Liffg., I, S. 50 ff. 
und 55 ff.], das 10. Kapitel der Mery Tales of the Mad 
Men of Gotham (Hazlitt, III, S. 12 ff. und Jacobs, More 
English Fairy Tales, S. 209 ff.), femer Campbell, II, 
S. 391 ff., V. d. Hagen, Narrenbuch, S. 478 ff., Clouston, 
Noodles, S. 28 ff. und 32 ff. und Swynnerton, S. 436 ff. 

Bisweilen wird die Zahl dadurch festgestellt, daß die 
Dummköpfe ihre Nasen in einen Sandhaufen stecken und 
dann diese Löcher zählen: Müllenhof f, S. 94 ff., Nr. 111 
=: Merkens, I, S. 54 ff., Nr. 70; Kopisch, Histörchen von 
den Bäsumern in den Gesammelten Werken, Berlin, 1856, 
I, S. 280; Am Ur-Quell, II, S. 192; Köhler, I, S. 112 ff.; 
Böhm, Lettische Schwanke, Nr. 35, S. 58 ff., dazu S. 119. 
An die Stelle des Sandhaufens tritt ein Kuhfladen oder 
etwas noch unappetitlicheres bei Birlinger, Volksthäm- 
liches aus Schwaben, Freiburg, 1861 ff., I, S. 437 und 461 
= Merkens, I, Nr. 7 und 16; De Colleville et de Zeppelin, 
L4gendes danoises, Nr. 44 in der RTF, VIII, S. 388 ff.; 
L. Brueyre in einer Erzählung aus Languedoc in der RTF, 
I, S. 335; Ispirescu, S. 105 [Magazin, XCVI, S. 613); 
Ch. Beauquier, Blason populaire de la Franche-Comt4 in 
der RTF, XI, S. 650. Durch die Weglegung der Mützen 
geschieht die Zählung bei J. H. Knowles, Folk-Tales of 
Kashmir, S. 322 iL 

268 



Sehr nahe verwandt ist das Motiv von den ver- 
wechselten Füßen, manchmal auch Armen: Waldis, 
Esopns, IV, Nr. 90, v. 5011.; Zimmerische Chronik, I, 
S. 315; Laienbuch, Kap. 29, S. 118 ff. (v. d. Hagen, Narren- 
buch, S. 163 ff.) ; Jacobs, More Celtic Fairy Tales, London, 
1894, S. 104 ff.; Campbell, II, S. 391 ff. und 401 ff.; Bladd, 
Contes populaires de la Gascogne, III, S. 136; Georgeakis 
et Pineau, Le Folk-lore de Lesbos, S. 116. Das aus den 
Nugae docfae Gaudentii Jocosi, Solisbaci, 1713, S. 66 in 
Am Ur-Quell, IV, S. 181 abgedruckte Stück Pedes baculo 
percussi ist wörtlich exzerpiert aus Melanders Jocoseria, 
I, Nr. 75: De Fatuis quibusdam (Lichae, 1604, S. 71; 
deutsche Ausgabe Lieh, 1605, S. 48, Nr. 50], wo als Quelle 
angegeben wird: Musculus in Explicatione Psalmi 9, 
pag. 92; gemeint sind damit jedenfalls die Enarrationes 
in totum Psalterium et in Esaiam, die zuerst 1551 in Basel 
erschienen sind. Hieher ^hört schließlich auch Rückerts 
Gedicht Die Tanzfuhre [Werke, II, S. 57). Vgl. weiter 
Boltes Nachweisungen zu Schumann, Nr. 8, S. 391 und bei 
Frey, S. 279, femer Keller, Schwaben, S. 144. Bei Knoop, 
Volkssagen, Erzählungen usw. aus dem östlichen Hinter- 
pommern, Posen, 1885, S. 47, Nr. 90 = Merkens, III, 
S. 33 ff., Nr. 49 ist in den Schwank auch das Motiv von 
der lebenden Kette verwoben; s. dazu oben S. 242. 

262. Sottisier, Nr. 204. 

Eine serbische Variante haben wir oben zu Nr. 170 
mitgeteilt; eine andere, die weniger Interesse bietet, steht 
in der serbischen Ausgabe S. 156 ff. 

263. Sottisier, Nr. 205. 

Vgl. U. Jahn, Schwanke und Schnurren aus Bauern 
Mund, Berlin, 1890, S. 106 ff. 

264. Sottisier, Nr. 206; Mardrus, S. 117. 
Anthropophyteia, I, S. 94 ff. 

265. Sottisier, Nr. 207; Mardrus, S. 114. Außerdem 
steht die Schnurre zum Schlüsse der Nr. 74 des Volks- 
buches, anstatt deren oben Sottisier, Nr. 244 wieder- 
gegeben ist; ebenso Trefäi, Nr. 74 (und S. 27 ff.) und 
Griechisch, Nr. 106. 

269 



266. Soititier, Nr. 208. 

267. Sotiiiier, Nr. 209. 

268. Sotüiier, Nr. 210. 

269. Soitiiier, Nr. 211. 

270. Sotiisier, Nr. 212. 

271. SottUier, Nr. 213. 

272. Sotiisier, Nr. 214. 

273. Soiiisier, Nr. 215. 

274. SoiHiier, Nr. 216; Eth^ S. 250 f!.; Nouri, S. 29 !f. 

275. Soiiisier, Nr. 217. 

276. SoiHsier, Nr. 218; Mardrui, S. 115. 
Köhler, I, S. 506; Fourberies, S. 56 1!. 

Die Verbreitung dieses Schwankes ist so oft behandelt 
worden, daß es wohl überflüssig ist, hier noch einmal 
darauf einzugehn; bemerkt sei nur, daß er auch in Indien 
im Volksmunde lebt (Swynnerton, S. 273). 

277. Soiiisier, Nr. 219; Anihropopkyiheia, V, S. 327 ff. ^ 
Dem Motive von dem Fleischverkaufe an 

die Hunde werden wir unten bei Nr. 412 noch einmal 
begegnen; festgestellt sei hier nur, daß es in der Form, 
die in diesem Schwanke vorliegt, eigentlich nur eine 
Variante zu dem unten zur Nr. 407 behandelten Motive 
ist. Ähnliches wird bei Haltnch, S. 226 ff. erzfihlt. 

Eigentümlich ist eine arabische Überlieferung aus 
Algier, die bei Pharaon, S. 174 ff. erzählt wird: Si 
Dscheha wird von seiner Mutter auf den Markt ge- 
schickt, um einen Hammel zu kaufen; er soll aber einen 
wählen, der nicht mehr gehn kann. Anstatt nun einen zu 



1 Die darin unterer EnJÜüunt voraagehende hat eine Parattele in 
der terbischen Ausgabe, S. 178 ff. 

270 



kaufen« bei dem das wegen seines Fetts zutrifft, bringt 
er einen heim, der vor Schwäche nicht mehr gehn kann. 
Dscheha schlachtet ihn und breitet die Fleischstücke auf 
einem Brette aus. Als es Nacht wird, ohne daß sich 
jemand um ihn und seine Ware gekünunert hätte, ver- 
kauft er sie an eine schwarze Hündin, der er sagt, er 
werde wegen der Bezahlung mit ihr zu ihrem Herrn gehn. 
Er verfolgt auch die Hündin und stürzt hinter ihr in ein 
Haus mit dem Rufe: „Gebt mir mein Geld!" Die Herrin 
dieses Hauses ist eben mit einem Nachbar mitten in einer 
galanten Unterhaltung, und dieser Nachbar wirft Si 
Dscheha, den er für einen Gläubiger der Dame hält, seine 
Börse zu. {Caum hat Dscheha das Geld genommen, als die 
schwarze Sklavin der Dame meldet, daS ihr Gatte heim- 
kommt. Nun muß sich der Geliebte unten, Si Dscheha 
oben in dem Bette verstecken. Der Gatte teilt seiner Frau 
mit, daß er verreisen müsse, und sagt, die Hände zum 
Himmel erhebend: „Ich empfehle dich dem da oben." Da 
hebt Si Dscheha den Vorhang und ruft: „Herr, ich habe 
mit deiner Frau nichts zu schaffen; empfiehl sie lieber dem 
unten: ich bin nur um mein Geld hergekommen." Damit 
entflieht er in der allgemeinen Verwirrung. ^ 

Ganz auffallend stimmt mit dieser Geschichte die 
30. Novelle Morlinis überein; ja sogar der Zug von dem 
Fleischverkaufe an einen Hund ist rudimentär erhalten. 
Den Übergang zu einer Erzählung in Tausend und einet 
Nacht (übertragen von Henning, XXHI, S. 222 ff.) stellt 
die unten als Nr. 386 wiedergegebene Geschichte aus 
Tunis dar. 

278. Soitisier, Nr. 220; sehr ähnlich Serbisch, S. 108. 
Vgl. Nr. 43 und Nr. 299. 

279. Sottisier, Nr. 221. 

280. Soitisier, Nr. 222; vgl. die als Nr. 428 mitgeteilte 
Giufägeschichte samt den Anmerkungen dazu. 

^ Zu dem Motiv« Seitfneur dettus, teigneur detteut vjfl. 
WMseltki im Euphorion, XV. S. 12. Nr. 42 und Köhler, m. S. 167. Die auf 
der Novelle Moriinit beruhende Novelle Straparolas ist die Quelle ffir das 
19. Kapitel des Ctnnan Rogae (Brie, Ealmspiegel in England, S. 119): auf die 
33. der Cent noamUn nonotUts gehen RfcueÜt 1555. S. 131 ff., nouv. 33, Äjorn' 
tarn, 1556. S. 160 ff., nov. 36 und AvmtartB, 1577. Bl. 71b ff., devis 26 zurfick. 

271 



Köhler, I, S. 507; Fourberies, S. 57 ff. 

Weitere Nachweise findet man bei Chauvin, II, S. 118, 
Nr. 99 und 100, bei Rittershaus, S. 349 ff. (dazu S. 357), 
im Archiv für ilavische Philologie, XXIX, S. 451 und bei 
Wesselski, Die Novellen Morlinis, S. 278 ff. Dazu sind 
noch zu nennen Dschelaleddin Rumi, Meenewi, zit. Ausg. 
S. 85 fi; E. B. Cowell, The Jätaka or efories of the 
Buddha' s former births, Cambridge, 1895 ff., I, S. 116 ff.: 
Makasa- Jätaka und S. 117 ff.: Rohini-Jataka; Chavanne, 
Fables et contes de l'lnde, S. 91, Nr. 4 und S. 92 ff., 
Nr. 5; Sw^inerton, S. 437; Aurbacher, Volksbächlein, II, 
S. 141 ff.; Roda Roda, S. 158 ff. 



281. Sottisier, Nr. 223. 

Das Heimschicken von Tieren oder Dingen 
ist ein in den Volksüberlieferungen außerordentlich häu- 
figer Zug: Um einen Dreifuß handelt es sich in den fol- 
genden Versionen: Mery Tales of the Mad Men of Gotham, 
Nr. 5 (Hazlitt, III, S. 8; Clouston, Noodles, S. 36 ff.); 
Montanus, Gartengesellschaft, Nr. 4 (Noten« S. 591); 
Cosquin, Contes populaires de Lorraine, Paris, 1886, 11« 
S. 178 und 179 ff.; S^billot, Littirature orale de la Haute- 
Bretagne, Paris, 1881, S. 98; Derselbe, Contes de la Haute- 
Bretagne, Nr. 13: Jean le Fou in der RTF, XI, S. 439 ff.; 
L. Morin, Contes Troyens, Nr. 2: Jean-Bete, ebendort, 
S. 460 ff.; Camoy, Litt4rature orale de la Picardie, 
S. 179 ff. Um Käse: Mad Men of Gotham, Nr. 4 (Hazlitt, 
III, S. 6 ff.; Jacobs, More English Fairy Tales, S. 206 ff.; 
Clouston, Noodles, S. 34 ff.); Campbell, II, S. 399, Nr. 8; 
Grimm, KHM, Nr. 59. Um ein Spinnrad: Campbell, II, 
S. 398 ff. Um ein Schwein: S^billot, Litterature orale de 
la Haute-Bretagne, S. 92 und 98. Um ein Kalb: Grimm, 
KHM, Nr. 61. Bei Pitr^, Novelle popolari toscane, S. 188 
schickt Giucca Mehl mit dem Winde heim. Verwandt ist 
auch eine Schnurre der Contes du Sieur Gaulard, S. 223 ff.« 
wo ein Diener ein Pferd als Wegweiser erhält. 

Ein Gegenstück zu dem Schlüsse dieser Facetie, der 
identisch ist mit der Nr. 61, bietet der als Nr. 490 mit- 
geteilte Schwank, wo Nasreddin dem Esel, auf dem er 
reitet, eine Last abnimmt und sich selber auflädt, damit 
sie der Esel nicht zu tragen brauche. 

272 



282. Sottisier, Nr. 224. 

Vgl. Nr. 142; Basset, Loqmän herbere, S. 80 ff.; Chau- 
vin, III, S. 31, Nr. 17. 

Bronner, Schelmen-Bächlein, S. 29 ff. 

283. Sottisier, Nr. 225. 

284. Sottisier, Nr. 226. 

285. Sottisier, Nr. 228; Nawadir, S. 15 (hier ist 
Dschoha der leidende Teil). 

Fourberies, S. 59; den dort zitierten Schwank aus dem 
Mustatraf von al Abschihi hat Basset in der RTF, XIII, 
S. 478 übertragen. 

286. Sottisier, Nr. 231. 

287. Sottisier, Nr. 232. 

288. Sottisier, Nr. 233. 
Vgl. Nr. 38. 

289. Sottisier, Nr. 234. 

290. Sottisier, Nr. 236. 
Vgl. Nr. 261. 

291. Sottisier, Nr. 238. 

292. Sottisier, Nr. 239. 
Anthropophytheia, I, S. 179 ff. 

293. Sottisier, Nr. 242. 
Fourberies, S. 60 ff. 

294. Sottisier, Nr. 246. 

295. Sottisier, Nr. 248. 

296. Sottisier, Nr. 249. 

297. Sottisier, Nr. 250. 

Nasreddin, I. 18 273 



298. Sottiner, Nr. 253; vgl. Buadem, Nr. 167. 

Das sich nicht erkennen wegen einer 
äußerlichen Veränderung, ein Zug, auf den 
schon oben in der Anmerkung zu Nr. 43 einigermaßen 
eingegangen worden ist, findet sich schon im Philogelos, 
S. 17 ff., Nr. 56 in einer Darstellung, die dem in Rede 
stehenden Schwanke auffallend ähnelt: 

JS^olacjiKos »al ipaXaxQog Xfti xov^vc ovroStvoncc xl» 

gtmv^aai xai ja a*tv^ ixacroc r^Q^aai. lUf dk iXa^s zf 
»ovQft TfQtoTtp ipvXa^ai, fikWOQiaSiivat ^-SXtoy rhr c^ohtaiutov 
xa&ivdoria i^voi xai j£y tÜQur nhiQtad-tunSr 6ivnytff€r. o d& 
ü^olaatixog ^9ij[my de äno vnrav r^y xeqtaX^y xai eCgiay 
iavToy y^tloy^ f*fy^ xa^^fia^ wtjaly^ 6 xovqbvc * nXayti^ie 
yäg ay% ijnov rov tpaXaxqoy i^vnytaty. 

Eine moderne Variante dieser Facetie steht bei Mer- 
kens, S. 129 ff., Nr. 138. 

Eine Schnurre von dem Narren Lobelin, der sich im 
neuen Kleide nicht kennt, habe ich im Mönchslatein„ 
S. 193, Nr. 152 nach der Mensa philosophica übersetzt. 

Wichtig ist ein englisches Kinderlied von einer Frau^ 
die sich nicht mehr kennt, als ihr im Schlafe die Röcke 
abgeschnitten worden sind (Jacobs, ifor« English Fairy 
Tales, S. 59 ff.: Lawkamercyme und die Noten auf S, 226; 
Campbell, II, S. 397; Archivio, IX, S. 437 ff.]; hierzu ver- 
gleicne man den Schluß der Nr. 34 und 59 der Grimmschen 
KHM, Haltrich, S. 252 ff., Asbjömsen, Fairy Tales front 
the Far North, transl. by H. L. Braekstad, London, 1897^ 
S. 69 ff., Franco, Rose e spine, Monteleone, 1889, S. VIII 
(zit. im Archivio, IX, S. 118 ff.), Rittershaus, S. 354, Archiü' 
für slawische Philologie, XIX, S. 256 und XXI, S. 283ff. und 
Böhm, Lettische Schwanke, S. 14 ff., Nr. 15 mit den Nach- 
weisungen auf S. 112. Interessant ist noch eine Notiz von 
Loys Brueyre in der RTF, II, S. 297, die den Zusammen- 
hang einer Farce des Palais Royal mit der 14. der Fad- 
ties normandes von V. Brunet: Le Sourdin et le negre^ 
[RTF, II, S. 213] und damit auch mit unserm Stoffe über- 
haupt feststellt. 

Verwandt ist das in Rede stehende Motiv mit dem 
Zuge, daß einem Einfaltspinsel eingeredet wird, er sei ein 
anderer, das wieder dem Motiv von dem Dummkopf nahe 
steht, der zu dem Glauben, er sei tot, gebracht wird^ 

274 



worüber schon zur Genüge gehandelt worden ist. Poten- 
ziert ist der erstgenannte 2ug, dessen bekannteste Be- 
arbeitung die Novella del Grasso legnafuolo ist, in der 
Trinnzia Firenzuolas, wo der „dottore sciocco" Messer 
Rovina am Schlüsse der 1. Szene des 5. Aktes seine Er- 
lebnisse also zusammenfaßt [Opere, Milano, 1802, V, 
S. 92): 

r vo' veder, se da me a me i' mi sapessi ritrovare: 
i' ero Messer Rovina, e fu' per diventar un altro: poi mi 
vestl a uso di donna, e non diventai donna; ch' i' pisciai 
pur come gli uomini: poi fu' preso co' panni del Golpe, 
e non diventai Golpe; che s' i fussi diventato, i birri m' 
arebbon ritenuto: andai dipoi in piazza e trovai il Dormi, 
e non fu piü Messer Rovina: e' bisogno adunque ch' i' mi 
perdessi per la via. 

299. Sottisier, Nr. 254. 

Vgl. Pauli, Schimpf and Ernst, Nr. 97, S. 74 und 484; 
Arlotto, Fac. 54, I, S. 133 und 213 ff. 

300. Sottisier, Nr. 256; vgl. Nr. 302. 

301. Soitisier, Nr. 257. 

302. Soiiisier, Nr. 261; vgl. Nr. 300. 

303. Sottisier, Nr. 263. 

304. Sottisier, Nr. 265. 

305. Sottisier, Nr. 269. 

Köhler, I, S. 507; Fourberies, S. 63. 

Der Schüler aus dem Paradies: Zu diesem 
Schwanke vgl. die von mir zu Bebel, II, Nr. 50, Bd. I, 
S. 189 angegebene Literatur und davon hauptsächlich t 
Boltes Noten zu Frey, Nr. 61 und Wickram, Nr. 107, femer 
Köhler, I, S. 383 ff. Zu den an diesen Orten beigebrachten 
Nachweisungen kommen noch: PasguiVs Jesi» wiih the 
Merrimenis of Moiher Bunch, London, o. J., bei Ashton, 
S. 168 ff. (nicht in Hazlitts Neudruck); Filleul P^tigny, 
Conies de la Beaace et da Perthe, Nr. 16 in der RTP, 
XIII, S. 634 ff.; Kerbeuzec, Conieg ei Ugendeg de la Haate- 

18* 275 



Bretagne, Nr. 92, ebendort, XXIII, S. 341; Ilg, II, S. 30 £U 
Nr. 88; Rittershaus, S. 35211.; Busch, Ut 61er Welt, S. 821!., 
Nr. 33; Böhm, Lettische Schwanke, S. 25 ff. und 68 ff., 
Nr. 22 und 41, Noten S. 113 und 120. 

Zu dem Schlüsse vom getäuschten Verfolger 
vgl. Schumann, Nachtbüchlein, S. 288 ff. zu Nr. 46, P. S^- 
billot, Contes de la Hante-Bretagne, Nr. 1 in der RTF, XI, 
S. 299 ff. und Krauss, Sagen und Märchen der Südslaven, 
II, S. 249. 

306. Sottisier, Nr. 270. 

307. Sottisier, Nr. 271. 

308. Sottisier, Nr. 272. 
Vgl. oben Nr. 36. 

309. SotHsier, Nr. 273; Roda Roda, S. 125. Vgl. unten 
Nr. 488. 

Kuka, S. 80; Ispirescu, S. 110 [Magazin, XCVI, S. 614). 

310. Sottisier, Nr. 274. 

311. Sottisier, Nr. 275. 
Fonrheries, S, 63 ff. 

Zu dieser Fassung des Motives vom verkannten 
Spiegelbilde, dem wir schon oben bei Nr. 165 be- 
gegnet sind, bietet Bar-Hebraeus, S. 148, Nr. 583 eine 
rarallele: 

Another simpleton looked into a vessel of water, and 
he went and said to his mother, „There is a thief in the 
▼essel." And when his mother came and had looked in 
also she saw her own face in the water by the side of that 
of her son. And she said to her son, „Verily it is a thief, 
and there is, besides, a whore with this cursed fellow; 
stand thou here that they may not come out and escape 
until I can call the neighbours." 

Witziger ist folgende persische Geschichte (Kuka, 
S. 175): 

A boy saw his own Image while looking into a well. 
He immediately ran to his mother and said, „Mother, come 
with me: there is a thief in the well." The mother came 

276 



to the well, and looking into it observed« «,By GodI thou 
art right: and look, there is an old hag, too, with him." 

In der 33* Facetie des Phüogelos hält der Beschauer 
sein Bild, das sich im Brunnen spiegelt, für den Hausherrn 
des Brunnens; dazu bietet Kuka, S. 187, Nr. 99 eine 
Parallele. Swynnerton, Nr. 11 (S. 153) ähnelt wieder der 
Version von Bar-Hebraeus, zu der auch noch Alice Ferm^, 
Contes recueillis en Tunis, Nr. 1: La banne femme sötte 
in der RTP, VIII, S. 28 zu vergleichen ist. 

Eine merkwürdige Modernisierung hat die Schnurre 
in den Contes du Sieur Gaulard, S. 2^ erfahren: 

„Or comme il (le Sieur Gaulard) entendit dire qu'on 
auoit mis rafraischir vne bouteille de vin dans vn puits, 
il fut curieux d'y aller regarder: apperceuant son ombre 
dans l'eau, qui le representoit, il appella ses compagnons, 
et leur dit: Helas, Messieurs, venez viste m'aider ä retirer 
nostre vin, car il y a lä bas des Antipodes, qui boiront tout 
nostre vin, si nous n'y mettons ordre. II auoit peur que 
son ombre ne beust son vin sans luy: ou bien il pensoit 
que les Antipodes habitassent dans des puits. 

Deutsch steht dieser Schwank im Exilium melan- 
choliae, S, Nr. 16, S. 383, früher aber schon bei Lundorf, 
Wißbadisch Wisenbränlein (I), Franckfurt, 1610, S. 168 ff. 
als Historia 79: Von einem der sich vor den Antipodihus 
förchtete; Lundorf gibt als Quelle das 1602 erschienene 
Convivium eüangelicum von Christophorus Marianus an. 
Augenscheinlich nach Tabourot erzählt d'Ouville, II, 
S. 299 ff. Vgl. noch die oben S. 264 in der Fußnote er- 
wähnte Erzählung Abu Madjans. 

312. Sottisier, Nr. 276. 

313. Sottisier, Nr. 277. 

Schier dieselbe Geschichte erzählt schon die 208. No- 
velle Sacchettis, deren Argument lautet; Mauro pescatore 
da Civitä nuova, recando granchi marini, gli mette nella 
reie sul letto; escene uno fuori la notte, e piglia la donna 
nel luogo della vergogna, e Mauro, soccorrendo co' denti, 
e preso dal granchio per la bocca; e quello, che ne seguita. 
An französischen Bearbeitungen seien genannt Bouchet, 
Les Serees, 1. I, s. 6 (^d. C. E. Roybet, Paris, 1873 ff., II, 
S. 36 ff.), Beroalde de Verville. Le Mayen de parvenir, 

277 



c. 49 (^d. P. L. Jacob, Paris, 1841, S. 169 ff.) und ein Ge- 
dicht Le cancre de mer von Epiphane Sidre<ioulx in den 
Contes en vers imitis du Mayen de parvenir, Paris, 1874« 
S. 99 ff. Ein lateinisches Gedicht von Bemard de La Mon- 
noye und ein französisches des Abb6 Bretin zitiert Francia« 
S. 281 ff. Eine serbische und eine bosnische Variante, die 
unserer Fassung sehr nahe stehn, bringt die Anthropo- 
phyteia, I, S. 151 ff. und 152 ff. 

314. SoitUier, Nr. 278; Buadem, Nr. 146. 

Vgl. meine Nachweisungen zur 216. Facetie Arlottos, 
II, S. 267 und Ilg, II, S. 99, Nr. 111. 

315. Sottisier, Nr. 280. 

316. SottUier, Nr. 282. 

317. Soitisier, Nr. 283. 

Zu dem ersten Teile vergleiche Poggius, Fac. 5: De 
homine insvlso gut exisiimavii dnos cunnos in uxore, 
M. Lindener, Kaizipori, Nr. 31, hg. von Lichtenstein, Tü- 
bingen, 1883, S. 91 ff., Costo, // Faggilozio, g. II: Vn pazzo 
giouane non ouol moglie, se non troua vna donna con due 
eotali etc., zit. Ausg., S. 73 ff., Hermotimus, Additamenia, 
S« 280 ff.: De Rusiico existimante Vxorem enam dnos 
cunnos habere und Reinisch, Die 'Afar-Sprache, Wien, 
1885, I, S. 41 ff. 

Eine Parallele zum zweiten Teile ist die 34. Novelle 
im Heptameron, bearbeitet bei d'Ouville, I, S. 83 ff.: De 
deux eordeliers = Les R4er4ation8 fran^oises, Utopie, 
1681, I, S. 58 ff. Weitere Nachweise gibt Bolte in seiner 
Ausgabe von Wickrams RoUwagenbächlein, S. 379, wozu 
noch Monnier, S. 354 ff. und zwei sehr an den von dem 
Hodscha erzählten Schwank gemahnende Stücke in der 
Anthropophyiheia, II, S. 430 ff. und 433 ff. zu nennen sind. 

318. Sottisier, Nr. 284. 

319. Sottisier, Nr. 285. 

320. Sottisier, Nr. 286; Mardrus, S. 111 ff. 

278 



321. Sottisier, Nr. 287; Mardrus, S. 112 (mit anderm 
Schlüsse). 

Außer der modernen serbischen Variante aus Süd- 
ungarn in der Anthropophyteia, V, S. 335 ff. ist noch be- 
merkenswert eine alte spanische bei J. de Timoneda, 
Sobremesa y alivio de caminantes, p. I, c. 65 [Biblioteca 
des autores espaholes, III, S. 174): 

Un caminante entrö en una yiiia por comer uvas. 
Eständolas comiendo vino la guarda, y pidiöle prenda. 
Respondiö el caminante: „hermano, yo no soy entrado 
aquf para comer, sino para cagar." Dijo la guarda: „pues 
mostrad dönde habeis cagado." Cansadas los dos de ir 
por la viila, encontraron con un deposito de buey; dijo el 
caminante: „heis aquf dönde cagu^." Respondiö la 
guarda: f^no es verdad, porque esa mierda es de buey.'* 
Dijo el caminante: „I fuerte cosa esl Si quiero cagar 
mierda de buey, i vedärmelo heis?" 

322. SoUiiier, Nr. 288. 

323. Sottisier, Nr. 289. 

324. SoUiiier, Nr. 291. 

325. Sottisier, Nr. 292. 

326. Sotiisier, Nr. 293; Nawadir, S. 35; s. oben die 
Anmerkung zu Nr. 152. 

Kohler, I, S. 504. 

Eine fast identische Geschichte steht in den Vierzig 
Vexieren (Behmauer, S. 150); eine hübsche Variante hat 
al Abschihis Musiairaf (Basset in der RTP, XIII, S. 492). 

327. Sottisier, Nr. 294; Goethe, West-östlicher Diwan 
[Sämtliche Werke, hg. v. L. Geiger, V, S. 171); Eth^, 
S. 244 ff.; Nouri, S. 112 ff.; Mardrus, S. 109 ff. 



279 



3. Angeblich historisches 

328. Cantimir, I, 166 !!.; De la Croix, I, S. 154; Flögel, 
S. 178 ff.; Hammer, I, S. 630; Doran« S. 74 ff.; Trifdi, S. 7ff. 

Vgl. zu diesem außerordentlich verbreiteten Schwanke 
meine Noten bei Bebel, I, S. 190 ff., femer Francia, 
S. 109 ff.; Basset, Nouoeaax contes herberes, Paris, 1897, 
S. 354 ff.; Basset in der RTF, XII, S. 675 ff.; Katona, 
Temewdri Pelbäri p4lddi, Pest, 1902, S. 39; Chauvin, V, 
S. 282; Archiv für slawische Philologie, XIX, S. 256, XXI, 
S. 288 und 295. Nachzutragen sind noch: Hisioire liiie- 
raire de la France, XXIV, o. 509; Eyering, Proverbiorum 
copia, I, S. 527 ff.; Sagredo, L'Arcadia in Brenia, S. 383; 
Baraton, Poesies, S. ^9 ff.; Krauss, Sagen und Märchen 
der Sudslaven, I, S. 246 ff.; Monnier, S. 235 ff.; P. E. Guar- 
nerio im Archivio, II, S. 499 ff.; Harsdörfer, Ars apophteg- 
matica, S. 625 ff., Nr. 2980; Busch, üt 6ler Welt, S. 36 ff., 
Nr. 17; Roda Roda, S. 249 ff. (kombiniert mit Buadem, 
Nr. 2 =: Serbisch, S. 51 ff. und Kroatisch, S. 29 ff.). 

329. Cantimir, I, 167 ff.; Hammer, I, S. 625; Trefdi, 
S. 8 ff. 

330. De la Croix, I, S. 150 ff.; Flögel, S. 177 ff.; Doran 
S. 74; Nick, I, S. 149. 

331. Flögel, S. 179; Nick, I, S. 151 ff. 

Flögel gibt keine Quelle an, und bei den sonst von 
ihm benützten Autoren ist die Geschichte nicht zu finden; 
wohl aber steht sie, allerdings nicht von Nasreddin, schon 
im Deniocritus ridens, S. 232 ff.: 

Bajasites I. Turcorum tyrannus (et talis proprie fuit) 
utebatur quodam aethiope apud Indos nato familiarissime 
et suavissime; eumque ob facetias et lepores plurimum 
diligebat. Accidit aliquando ut Bajasites castra metatus 
in planitie tentorium figi juberet ad arborem quamdam 
sublimem. Hanc intuens, „Bre Areb," inquit (hoc est, 
„Heus aethiops") „si me amas, in hujus arboris verticem 
conscende." Statim aethiops, exutis vestibus, paret et 
scandit. Ad fastigium ubi pervenerat, Bajasites mandat 
Solachiis (satellites sunt, qui circa Sultanum equitantem 
in albis subuculis cursitare solent) ut admotis securibus 

280 



mox arborem continuis ictibus dejiciant et prosternant, 
Quibus strenue heri imperium exsequentibus, aethiops, 
arbore prope tota jam resecta, anxius et praecipitio proxi- 
mus Sultani Consiliarios infra arborem stantes obtestatur, 
ut apud Bajasitem intercederent et vitae gratiam impetra- 
rent. Sed frustra eorum sollicitabat • intercessionem, 
qui nee prodire in conspectum Bajasitis, ne dum unico 
verbulo eum compellare audebant. Aethiops itaque con- 
silio ex tempore et re nata capto, stratagemate extremum 
vitae periculum antevertit, et subito solutis f eminalibus seu 
subligaculis, ventris sordes, quas ipse timor non panun 
propellebat, excernit in satellites, qui arborem secabant. 
Hisce vero ad tam inopinam sordium grandinem ab opere 
diff ugientibus, aethiops ex arbore se dimittit, et appellatis 
Sultani Consiliariis, qui spectaculo praesentes adstabant, 
„Utinam Consiliariis vestris similibus idem hoc usu veniat," 
inquit, „ut conspurcenturi quorum verba tantum non valent 
quantum meae sordes." Proverbio dicuntur, Turdi malum 
sibi cacare; at hie sibi salutem. Tanti est a se ipso et 
consilium et opem petere. 



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