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Full text of "Der Hypnotismus"

Boston 

Medical Library 

8 The Fenway 



Der 



HYPNOTISMUS. 



Von 

Dr. med. Albert Moll 

in Berlin. 



Zweite -vermehrte und umgearbeitete Auflage. 






BERLIN. 

FISCHER's MEDICINISCHE BUCHHANDLUNG. 
H. Kornfeld. 

1890. 







J,J>£<8(* 



Vorwort zur ersten Auflage. 



Bei Abfassung dieses Buches leitete mich der Gedanke, dem 
Leser eine Uebersicht über das Wichtigste auf dem ganzen Ge- 
biete des Hypnotismus zu bieten. Während in ein und der anderen 
der gerade in letzter Zeit zahlreicher erschienenen ausführlichen 
Arbeiten über diesen Gegenstand, bald der therapeutischen, bald 
der forensischen Bedeutung desselben einseitig Eechnung getragen 
ist, habe ich mich bemüht, den Hypnotismus gleichmässig über- 
sichtlich, alles Ueberflüssige vermeidend, darzustellen und war, 
durch eigene Experimente unterstützt, in der Lage, Bekanntem 
manches Neue anfügen zu können. 

Herrn Professor Dr. August Forel, Director der kantonalen 
Irrenanstalt in Zürich, welcher mir einige seiner werthvollsten 
Versuche für dieses Buch zur Verfügung stellte, Herrn Dr. Max 
Dessoir in Berlin, welcher mich sowohl durch seine reiche 
Litteraturkenntniss auf dem Gebiete des Hypnotismus als auch 
anderweitig durch manchen guten Rath unterstützte, endlich allen, 
die mich sonst bei der Arbeit gefördert haben, spreche ich an 
dieser Stelle meinen herzlichsten Dank aus. 

Berlin, im April 1889. 

Dr. Moll, Arzt. 



Vorwort zur zweiten Auflage. 



Unter Berücksichtigung der neuesten Arbeiten und auf Grund 
eigener, bis in die letzte Zeit fortgesetzter Versuche habe ich die 
zweite Auflage wesentlich erweitert, wobei einzelne Abschnitte, 
z. B. der theoretische eine vollkommene Umarbeitung erfuhren. 
Den Wünschen, die in zahlreichen Besprechungen der ersten Auf- 
lage ausgedrückt wurden, bin ich bereitwilligst nachgekommen. 
Das an mich gestellte Verlangen Einiger, das Buch lediglich für 
Aerzte zu schreiben, kann ich indessen nicht befriedigen, weil 
meiner Ueberzeugung nach der Hypnotismus ein Gebiet der Psycho- 
logie ist, und daher Psychologen und Juristen ein eben so grosses 
Interesse an ihm haben, wie die Aerzte. Um jedoch die letzteren 
durch in den Text eingeschobene Uebersetzungen medicinischer 
Ausdrücke nicht zu ermüden, werde ich die Erklärung dieser in 
dem Sachregister geben, das sich am Schlüsse des Buches befindet. 

Es ist mir eine angenehme Pflicht, allen denen, die mir bei 
Abfassung der zweiten Auflage mit Rath zur Seite standen, meinen 
Dankestribut darzubringen. Insbesondere gebührt ein solcher Herrn 
Professor Dr. August Forel in Zürich, Herrn Dr. Eduard von 
Hartmann in Gross-Lichterfelde, sowie Herrn Dr. Max Dessoir 
und Herrn Dr. Arthur Sperling in Berlin. 

Berlin, im Januar 1890. 

Dr. Moll, Arzt. 



Inhalt. 



Seite 

Vorwort III 

I. Geschichtliches 1 

Empirische Periode (S. 1). Die ersten wissenschaftlichen 
Systeme (2). Mesmer (3). Der thierische Magnetismus in Frank- 
reich (4) und in Deutschland (5). Niedergang des thierischen 
Magnetismus (8). Braid und die Elektrobiologen (9). Gelegent- 
liche Arbeiten über den Hypnotismus (10). Der Hypnotismus 
in Deutschland 1880 (11). Die Schule von Nancy (11). Neueste 
Entwickelung des Hypnotismus in Frankreich (11), ausserhalb 
Frankreichs (12), in Deutschland (13). 

II. Allgemeines 15 

Beispiele von Hypnosen (15). 

Terminologie (18). 

Die Erzeugung der Hypnose (19). Psychische Mittel (19). 
Somatische Mittel (20). Combination mehrerer Mittel (24). 

Das Erwecken (26). 

Disposition zur Hypnose (28). Hypnoskop (28). Körper- 
liche (28) und geistige Fähigkeiten (29). Hypnose ohne Wunsch 
(32). Procentsatz hypnotisirbarer Personen (35). Grade der 
Hypnose (36). 

III. Symptomatologie 40 

Trennung in psychische und somatische Symptome (40). 
Definirung der Suggestibilität (41). 
1) Physiologie 45 

Willkürliche Muskulatur (46). Suggestionen (46). 
Fascination (49). Suggestivkatalepsie (51). Contracturen, auto- 
matische Bewegungen (53). Erscheinungen am Auge (54). In 
der Hypnose neu auftretende Eefiexe (57). Objective Ver- 
änderungen (66). Veränderungen der gewöhnlichen Eeflexe (68). 

Sinnesorgane (70). Sinnestäuschungen (70). Negative 
Hallucinationen (74). Hyperästhesie der Sinnesorgane (77). 

Gemeingefühle (80). Schmerzempfindung (81). Stim- 
mung (82). 

Unwillkürliche Muskulatur (82).. Puls und Athmung 
(83). Suggestionen (84). 

Secretion (86). 

Stoffwechesel (87). 

Anatomische Veränderungen (88). Foreis Versuche (92). 



VI Inhalt 

Seite 

2) Psychologie 95 

Gedächtniss (96). Posthypnotische Erinnerung (96). Sug- 
gestionen in Hypnose (101) und nach der Hypnose (106). 

Posthypnotische Suggestion (109). Terminhestiramung 
(111). Zustand während der Eealisirung (113). Zustand zwischen 
Erwachen und Eealisirung (119). Motivirung des ausgeführten 
Actes (120). Posthypnotische Suggestionen ohne Amnesie (126). 

Verstandesthätigkeit (127). Mechanische Associationen 
(127). Logisches Denken in Hypnose (127) Schneller "Wechsel 
suggerirter Ideen (130). Rapport (131). 

Bewusstsein und "Wille (132). Keine Bewusstlosigkeit 
in Hypnose (132). Widerstand gegen Suggestionen und dessen 
Ueherwindung (135). Sonstige Aeusserungen des Bewusstseins 
und Willens (140). 

Uebergangsformen der Hypnose (142). Dressur (149). 
IV. Verwandle Zustände 153 

Schlaf (153). Träume (154). Somnambulismus (160). 

Geistesstörungen (164). 

Neurosen (165). 

Suggestionen im wachen Zustand (167). 

Hypnose bei Thieren (171). 

Fakire (174). 

V. Theoretisches 175 

• Allgemeines (175). Die Gläubigkeit (178). Eintritt erwarteter 
Wirkungen (180). 

Bewegungstörungen (182). 

Sinnestäuschungen (185). 

Rapport (189). 

Negative Hailucina tionen (190). 

Gedächtniss (193). 

Posthypnotische Suggestion (197). Handlungen ohne 
(197) und gegen den Willen (198). Handlungen mit Amnesie 
des Befehles (199). Automatisches Schreiben (201). Einhalten 
des Termines (203). Weitere Analogien der posthypnotischen 
Suggestion (206). Posthypnotische Sinnestäuschungen (208). 

Sonstige psychologische Theorien (210). Hemmungsvorgänge 
in der Hypnose (211). Reactionszeit (213). 

Physiologische Theorien (215). Heidenhains Theorie (217). 
Blutcirculation im Gehirn (221). Speculation in der Physio- 
logie (223). 

VI. Zur Simulationsfrage 225 

Allgemeine Grundsätze (225). Differenzpunkt der Charcof- 
schen und der Nancyer Schule (227). 

Hauptpunkte zur Beurtheilung der Simulationsfrage (229). 
Grenzen für die Zuverlässigkeit der einzelnen Symptome (233). 
Psychische Symptome (234). Vermeintliche Zeichen der Simu- 
lation (235). 

VII. Medicinisches 240 

Empirische Suggestivtherapie (240). Die Suggestion als Kern 
der Hypnose (242). 



Inhalt. VII 

Seite 

Einwürfe gegen die Suggestivtherapie (244). Gegenstand der 
Opposition und die Gegner (244). Ewalds Einwurf (247). Die 
Gefahren der Hypnose und deren Verhütung (248). Weitere 
Einwürfe (256). 

Indicationen (260) und Contraindicationen (266). Deutung der 
Erfolge (267). Regeln für die Suggestivtherapie (269). 

Bedeutung der Suggestion (271). 

Bedeutung der Psychologie für den Arzt (274). 

Verwerthung des Hypnotismus für die Chirurgie (276) und 
Geburtshilfe (278). 

Pädagogische Verwerthung des Hypnotismus (278). 

Bedeutung des Hypnotismus für die Psychologie (280). 

VHI. Forensisches 281 

Geschichtliches (281). 

Verbrechen an Hypnotisirten (281). 

Verbrechen, durch Hypnotisirte begangen (285). 

Civilrechtliche Bedeutung der Hypnose (290). 

Retroaetive Hallucinationen (294). 

Forensische Verwerthung des Hypnotismus (295). Verweigerte 
Zeugenaussagen oder Geständnisse (295). Amnesie im wachen 
Zustand für in Hypnose erlebte Dinge (297). 

Allgemeine Gesichtspunkte bei der forensischen Beurtheilung 
der Hypnose (298). 

Gesetzesvorschläge (301). 

IX. Thieriscker Magnetismus etc 305 

Definition des thierischen Magnetismus (305). Mittel 
zum Magnetisiren (308). Theorien (308). 
Telepathie (310). 
Hellsehen (311). 

Sinnesverlegung (312). Heidenhains Versuche (313). 
"Wirkung des mineralischen Magneten in der Hypnose 
(314). Geschichtliches (314). Transfert (314). Polarisation 
(315). Beeinflussung der Athmung (316). 

Fernwirkung der Medicamente (317). 
Kritik der Versuche (318). Fehlerquellen (319). 
Schlusswort (322). 

Sachregister 325 

Namenregister 336 

Einige Litteraturangaben 351 



i 




MAY 




/ 



I. Geschichtliches. 



Um die allmähliche Entwicklung des modernen Hypnotismus 
aus dem thierischen Magnetismus zu verstehen, müssen wir zwei ver- 
schiedene Punkte auseinanderhalten : erstens nämlich den Glauben, 
dass es Menschen gebe, die auf andere einen persönlichen Einfluss 
ausüben können, sei es durch unmittelbare Berührung, sei es selbst 
aus der Entfernung, und zweitens die Thatsache, dass man durch 
gewisse Manipulationen besondere psychische Zustände beim Menschen 
herbeiführen kann. 

Dieses Factum war besonders bei den orientalischen Völkern 
schon lange bekannt und wurde dort zu religiösen Zwecken ver- 
werthet. Das frühere Wahrsagen durch Edelsteine glaubt Kiese- 
wetter auf Hypnose zurückführen zu müssen, die durch Fixation 
der Edelsteine hervorgerufen wurde. Ein Gleiches gilt vom Wahr- 
sagen durch Hinstarren auf Gefässe und Kristalle, wie es bei den 
Aegyptern schon lange Zeit geübt (R o s s i) und wie es später auch 
vielfach in Europa, z. B. durch Cagliostro, gezeigt wurde. Be- 
sonders aber findet man diese hypnotischen Erscheinungen schon 
vor mehreren Jahrtausenden bei den persischen Magiern (Fischer), 
sowie bis auf den heutigen Tag bei den indischen Yogis und 
Fakiren, die sich durch Fixation in hypnotische Zustände versetzen. 
Dasselbe geschah vom 11. Jahrhundert an in manchen christlichen grie- 
chischen Klöstern (Fischer). Am bekanntesten sind die Hesychasten 
oder Omphalopsychiker auf dem Berge Athos, die sich durch den 
Blick auf den Nabel hypnotisirten. Abgesehen von diesen religiösen 
Bräuchen war auch im Volke vielfach die Thatsache bekannt, dass 
man durch Fixation eines bestimmten Punktes z. B. der Nasen- 
spitze in Schlaf kommen könne. Bei Naturvölkern scheinen hypno- 
tische Zustände ebenfalls oft vorzukommen, wie aus den Berichten 
vieler Reisender deutlich hervorgeht, und wie es insbesondere der 
Altmeister der Ethnologie, Bastian, gezeigt hat, der ebenso wie 
St oll auf die "nahe Verwandtschaft vieler Erscheinungen bei Natur- 
völkern mit den hypnotischen Phänomenen hinweist. Bastian 
glaubt, dass durch genaueres Studium des Hypnotismus seitens 

Moll, Hypnotismus. 1 



2 Älterthum, Mittelalter. Naturvölker. 

einzelner Keisender der Völkerpsychologie ein grosser Dienst ge- 
leistet werden würde; es könnten alsdann die bei den Naturvölkern 
mitunter spontan auftretenden Zustände genauer untersucht und 
zum Hypnotismus in engere Beziehung gebracht werden. 

Unabhängig hiervon bestand zu allen Zeiten in vielen Kreisen 
der Glaube, dass einzelne Menschen durch besondere Kräfte andere 
beeinflussen könnten. Dieser Einfluss könnte sowohl zum Guten 
als auch zum Bösen verwendet werden. An das erstere erinnert 
uns das Händauflegen beim Segnen; ebenso die Heilungen, die durch 
Berührung mit den Händen schon bei den alten Aegyptern und 
anderen orientalischen Völkern erzielt wurden; zahlreiche alte 
Denkmäler weisen hierauf hin. Mag auch manches von ihnen nicht 
immer richtig gedeutet sein, so besteht bei anderen kaum ein 
Zweifel an der richtigen Auffassung. Auch der Papyrus Ebers, 
der die ägyptische Medicin vor dem Jahre 1552 v. Chr. darstellt, 
enthält eine Angabe, wonach das Auflegen der Hand auf den Kopf 
eines Kranken bei dessen Behandlung eine Bolle spielte. 1 ) Später 
sehen wir Aehnliches bei den Heilungen, die König Pyrrhus und 
Kaiser Vespasian erzielt haben sollen. Bekannt ist, dass Franz I. 
von Frankreich und andere französische Könige bis zu Karl X. 
(Perty) durch Handauflegen heilten. Wir sehen hier schon, dass 
gewöhnlich diese individuelle Kraft durch Berührungen sich 
äusserte; doch schien dies nicht immer nöthig, wie uns z. B. der 
lange Zeit hindurch verbreitete Glaube an Zauberer zeigt, die 
andere Menschen verzaubern könnten. Der Glaube an Zauberer 
weist darauf hin, dass keineswegs immer eine Berührung noth- 
wendig war, um einen Effect auszuüben, dass dieser vielmehr an- 
geblich selbst aus einer grossen Entfernung herbeigeführt werden 
konnte. 

Es handelt sich hierbei stets nur um einzelne Facta, in denen 
sich ein wissenschaftliches System nicht erkennen lässt; dieses 
wird uns erst nach dem Ende des Mittelalters geboten. Es ent- 
wickelte sich aus der Lehre von dem Einfluss der Gestirne auf 
den Menschen, welche sich bekanntlich in der Astrologie zeigt. 
Auch heute finden wir noch einen Rest davon, speciell in dem 
Glauben an den Einfluss, den der Mond ausüben soll. Es ist be- 
kannt, dass viele Leute, wenn der Mond abnimmt, das Verschwinden 
von Warzen und dergleichen erwarten; auch haben noch neuere 



2 ) Ich verdanke die Kenntniss hiervon einer Privatmittheilung des Herrn 
Dr. Heinrich Joachim in Berlin, der eine deutsche Uebersetzung des Papyrus 
Ebers vorbereitet. 



Paracelsus, Helmont, Maxwell, Santanelli. 3 

Psychiater den Einfluss des Mondes herbeigezogen, um einzelne 
periodische Geistesstörungen zu erklären. 

Damals, am Ende des Mittelalters, trat besonders Theo- 
phrastus Paracelsus (um 1 530) für die Wirkung der Gestirne 
auf den Menschen, besonders auch auf die Krankheiten desselben 
ein. Allmählich entwickelte sich hieraus der Glaube, dass nicht 
nur die Gestirne den Menschen, sondern diese gegenseitig sich 
beeinflussen, ein Glaube, der, wie wir soeben sahen, schon früher 
gelegentlich bestand. 

Van Helmont führte genauer aus, dass der Mensch eine 
Kraft in sich besitze, mittelst deren er auf andere, besonders auf 
Kranke, magnetisch wirken könne. Vielleicht hatte Helmont die 
Grundzüge seiner Lehre von Goclenius. 

Später behauptete der Schotte Maxwell (um 1600) etwas 
Aehnliches. Er mass den Excrementen, auch der Mumie des 
Menschen, eine Wirkung auf andere bei; sie könne zur Heilung 
von Krankheiten benützt werden (Sympathetische Curen); auch 
könne man sich von Krankheiten befreien, indem man sie auf 
Thiere oder Pflanzen übertrage. Ein Rest dieses von Maxwell 
entwickelten Systems besteht auch heute noch auf dem Lande, wo 
man sich gelegentlich selbst Auswurfsstoffe auf Wunden legt. 
Besonders aber nahm schon Maxwell einen allgemein verbreiteten 
Lebensgeist (spiritus vitalis) an, durch welchen alle Körper unter 
einander Beziehungen hätten. Dieser Lebensgeist scheint dasselbe 
zu bedeuten, was später Mesm er unter dem allgemein verbreiteten 
Fluidum verstand. 

Anfangs des 18. Jahrhunderts sehen wir ähnliche Behauptungen 
durch Santanelli in Italien vertreten. Alles Materielle enthalte 
eine ausströmende Atmosphäre, die magnetisch wirke. Es erkannte 
aber auch Santanelli den hohen Werth der Einbildung 
(Ave-Lallemant). 

Wenn nun auch hiermit zu der Lehre vom thierischen Magne- 
tismus der Grund gelegt war, so zog dieselbe doch erst die all- 
gemeine Aufmerksamkeit auf sich durch Mesmer, 1 ) einen Wiener 
Arzt (1734 — 1815). In seiner Dissertation studirte er den Einfluss 
der Planeten auf den menschlichen Körper. Anfangs wendete 



*) Man findet, dass statt , Mesm er' öfter .Messin er' geschrieben wird; 
es ist aber entschieden die Schreibweise mit einem sdie richtige. Wenigstens 
findet sie sich in dem von Mesmer selbst herausgegebenen Buch „Allgemeine 
Erläuterungen über den Magnetismus von Mesmer, Carlsrahe 1815"; ebenso 
haben Mesmers Freund Wolfart und sein Biograph Justinus Kerner die 
gleiche Schreibweise mit einem s angewendet. 

1* 



4 Mesmer. 

Mesmer in der Behandlung- der Krankheiten viel den Magneten 
an. Im Jahre 1775 versandte er ein Rundschreiben, besonders 
auch an mehrere Akademien. In diesem behauptete er die Existenz 
des thierischen Magnetismus, durch welchen Menschen gegenseitig 
auf einander wirken könnten; er trennte den thierischen Magne- 
tismus jedoch vollkommen vom mineralischen, den er später nicht 
mehr anwendete. Von den Akademien antwortete ihm nur die 
Berliner Akademie auf Sulz er s Veranlassung, und zwar ab- 
lehnend. Ungefähr gleichzeitig wurde Mesmer jedoch zum Mit- 
glied der Kurbaierischen Akademie ernannt. 

Mesmer wendete den „thierischen Magnetismus" viel zur 
Behandlung von Krankheiten an. Er heilte anfangs durch Be- 
rührungen, glaubte aber später, dass verschiedene Gegenstände aus 
Holz, Glas, Eisen u. s. w., gleichfalls den Magnetismus annähmen; 
daher benützte er diese als Mittel, um seinen Magnetismus zu 
übertragen, zumal später in Paris, wohin er sich 1778 hauptsächlich 
in Folge der Anfeindungen, die er in Wien fand, begab. In Paris 
construirte Mesmer das Baquet, welches von ihm magnetisirt 
war, und das den Magnetismus übertragen sollte. Bailly stellt 
es als einen sehr complicirten Apparat dar, als einen Eichenkasten 
mit Zubehör (Eisen u. s. w.). In Paris fand Mesmer viele An- 
hänger, — der dortige Arzt Deslon schloss sich ihm vor allem 
an, — aber er traf auch viele Gegner. Mehrere wissenschaftliche 
Commissionen, welche die Frage untersuchten, sprachen sich 1784 
gegen das Vorhandensein des thierischen Magnetismus aus, besonders 
die eine in dem Berichte von Bailly. Ein Commissionsmitglied, 
Jus sieu, machte jedoch einen Separatbericht, der nicht absprechend 
gehalten war. Die Thatsache übrigens, dass durch die Einbildungs- 
kraft weitgehende Effecte hervorgerufen wurden, leugnete niemand; 
man bestritt lediglich, dass es sich hier um ein dem mineralischen 
Magnetismus ähnliches physikalisches Agens handele. Trotz aller 
Angriffe machte Mesmer Schule. Seine Schüler und Nachfolger 
nennt man gewöhnlich Mesmeristen, die Lehre vom thierischen 
Magnetismus auch Mesmerismus, Lebensmagnetismus, Biomagnetismus 
oder Zoomagnetismus. 

Ich verzichte auf die traurige Rolle, in den Chor der berufsmässigen Yer- 
läumder Mesmers einzustimmen. Er ist todt und kann sich nicht mehr gegen 
diejenigen vertheidigen, die ihn verunglimpfen, ohne auf die Zeitumstände, unter 
denen er lebte, Rücksicht zu nehmen. Gegenüber den allgemeinen Behauptungen, 
dass er voller Geldgier gewesen sei, bemerke ich, dass er sowohl in Wien, als 
später in Paris und Mörsburg 1 ) den Armen stets unentgeltlich seine 



*) Der Ort wird auch Meersburg geschrieben. 



Mesmer; Puysegur. 5 

Hilfe zu Theil werden Hess. Ich glaube, dass er sich in seinen Lehren 
geirrt hat, halte es aber für richtig, diese und nicht seine Person zu bekämpfen. 
Mesmer wurde schon bei Lebzeiten viel verläumdet und diese Angriffe gegen 
ihn wurden bis in die neueste Zeit fortgesetzt. Betrachten wir doch aber ge- 
nauer — ich halte es für nöthig, die Ehre eines Todten zu vertheidigen — 
welches sein angebliches grosses Verbrechen gewesen ist. Er glaubte anfangs 
durch den Magneten, später durch eine persönliche ihm innewohnende Kraft, die 
er auf das Baquet übertragen könne, zu heilen. Dies war offenbar seine feste 
Ueberzeugung, und er hat niemals hieraus ein Geheimniss gemacht. Andere 
glaubten, dass bei den Patienten lediglich die Einbildung eine Rolle spiele, oder 
dass Mesmer mit irgend einem von ihm verheimlichten Mittel wirke. Nun bildete 
sich allmählich die Legende, dass Mesmer irgend ein Geheimniss besitze, durch 
welches er im Stande sei, Wirkungen auf Menschen z. B. Heilungen herbeizu- 
führen, dass er aber dieses Geheimniss nicht preisgeben wolle. In Wirklichkeit 
handelte es sich aber keineswegs um ein von ihm absichtlich zurückgehaltenes 
Geheimniss, da er über eine individuelle Kraft zu verfügen meinte, wie er stets 
betonte. Wenn er schliesslich seine vermeintliche persönliche Kraft dazu benützte, 
\im Geld zu verdienen, so hat er nichts Schlimmeres gethan als die modernen 
Aerzte und Anstaltsbesitzer, die gleichfalls nicht lediglich aus Nächstenliebe ihrem 
Beruf nachgehen, sondern die mit vollem Recht ihren eigenen Lebensunterhalt 
dadurch zu verdienen suchen. Mesmer hat nicht schlechter gehandelt, als die- 
jenigen, die irgend ein neues Medicament heute entdecken und dessen Fabrication 
gleichfalls als ein Mittel betrachten, sich selbst zu bereichern. Man sei doch 
endlich gerecht und verläumde nicht Mesmer, der eben nichts anderes gethan 
hat, als die eben genannten Männer, denen niemand aus ihrem Vorgehen einen 
Vorwurf macht, selbst wenn das Medicament eine wesentliche Heilkraft nicht 
ausübt. Dass übrigens die wenigsten, die Mesmer beschimpfen, seine Lehren 
kennen, dass die wenigsten sich mit seinen Lebensumständen bekannt gemacht 
haben, dies geht ganz klar aus einer ganzen Reihe von Büchern über den 
modernen Hypnotismus hervor. 

Ein Anhänger Mesniers, Chaatenet de Puysegur, an dessen 
bona fides nicht zu zweifeln ist (Dechambre), entdeckte 1784 einen 
Zustand, der als künstlicher Somnambulismus bezeichnet wurde. 
Ausser einigen wohl falsch aufgefassten Erscheinungen (Gedanken- 
übertragung, Hellsehen etc.) fand sich als Hauptcharakteristikum 
desselben ein Schlafzustand, in welchem die Ideen und Handlungen 
des Magnetisirten durch den Magnetiseur geleitet werden konnten. 
Ob Mesmer diesen Zustand gekannt hat oder nicht, ist ungewiss, 
doch dünkt es mir wahrscheinlich. Ungefähr gleichzeitig beschäf- 
tigte sich Petetin, ein Arzt in Lyon, mit dem Magnetismus; 
ausser der Katalepsie beschreibt Petetin Erscheinungen von 
Sinnesverlegung (Hören mit dem Magen). Die französische Revo- 
lution und die Kriege drängten die Beschäftigung mit dem Magne- 
tismus bald in Frankreich zurück und zwar etwa bis zum 
Jahre 1813. 

Was Deutschland betrifft, so wurde der thieriche Magnetismus 
hier gleichzeitig in zwei verschiedenen Gegenden bekannt: am 



6 Der tliierische Magnetismus in Deutschland. 

Oberrhein und in Bremen. Im Jahre 1786 machte Lavate reinen 
Besuch, in Bremen und zeigte hier die magnetisir enden Manipu- 
lationen mehreren Aerzten, besonders Wienholt, durch den 
Olbers, Bicker und später auch Heineken gleichfalls mit dem 
Magnetismus bekannt gemacht wurden (Sierke, Wienholt). Lange 
Zeit war Bremen ein Hauptherd für die neue Lehre; ja die Stadt 
war vielfach im übrigen Deutschland bei der grossen Abneigung, 
die man gegen den thierischen Magnetismus hatte, sehr verrufen. 
Ungefähr gleichzeitig wurde in der Rheingegend die Lehre vom 
thierischen Magnetismus von Strassburg aus bekannt; zumal Böck- 
mann in Karlsruhe und Ginelin in Heilbronn beschäftigten sich 
mit ihm; später schloss sich ihnen Pezold in Dresden an. Von 
Bremen aus ermuntert, machte man aber auch bald in anderen 
Gegenden Deutschlands gelegentlich Versuche; so stellte Seile 
in Berlin im Jahre 1789 eine Reihe von Experimenten in der 
Charite an, wobei er einen Theil der behaupteten Erscheinungen 
bestätigte, aber alles Uebernatürliche (Hellsehen), ausschloss. 

Trotz anfänglicher Abneigung gewann in Deutschland der 
Magnetismus schliesslich an Terrain. Besonders in den ersten 20 
Jahren des 19ten Jahrhunderts blühte der thierische Magnetismus 
in Deutschland sehr. Nur in Oesterreich hatte er wenig Glück, es 
wurde sogar für ganz Oesterreich i. J. 1815 das Magnetisiren voll- 
kommen verboten. Es fingen aber viele Aerzte im übrigen Deutsch- 
land an, sich mit der Frage zu beschäftigen und anfangs in ganz 
wissenschaftlicher Weise. Ich gehe auf die Lehren der Einzelnen 
nicht genauer ein, da sie mit dem Hypnotismus keine nähere Ver- 
wandtschaft haben. Im Grossen und Ganzen kann man zwei Rich- 
tungen unterscheiden , eine wissenschaftlich -kritische und eine 
mystische (Av e-L allem ant). Während die erstere anfangs die 
Oberhand hatte, trat später die letztere mehr hervor und grub 
dem Magnetismus das Grab. Unter den wissenschaftlichen Forschern 
nenne ich ausser den genannten: Tre vir anus, Schelling, Kieser, 
Passavant, Kluge, ausserdem Pf äff, der besonders das Hell- 
sehen bestreitet; ferner Stieglitz und Hufeland. Der letztere, 
anfangs vollkommener Gegner, erkannte später gewisse Thatsachen 
an, schloss aber alles Uebernatürliche aus. Er zog sich dadurch 
auch den Hass der Mystiker zu. Noch im Jahre 1834 sprach 
Hufeland sich ziemlich anerkennend über den thierischen Magne- 
tismus und seinen Heilwerth aus. Unter den Mystikern erwähne 
ich Ziermann, Eschenmayer, Justinus Kerner, den 
bekannten Dichter und Herausgeber der „Seherin von Prevorst"; 
speciell ist hier jedoch Wolfart in Berlin zu nennen. 



Der thiorische Magnetismus in Deutschland. 7 

Im Jahre 1812 sandte die preussische Regierung Wolfart zu 
Mesraer nach Frauenfeld, um sich dort über die Frage zu 
orientiren. Als unbedingter Anhänger Mesmers kehrte W o 1 f a r t 
zurück, führte die Magnetisirung in der Hospitalbehandlung ein 
und wurde später Universitätsprofessor. Eine Preisaufgabe, die 
auf Veranlassung der preussischen Regierung von der Berliner 
Akademie der Wissenschaften projectirt war und den thierischen 
Magnetismus zum Thema hatte, wurde, wie es scheint, zurückge- 
zogen. Jedenfalls aber florirte damals der Magnetismus in Berlin 
so, dass, wie Wurm mittheilt, Berliner Aerzte auf dem Grabe 
Mesmers in Mörsburg ihm ein Denkmal setzten. Wie der Magne- 
tismus damals in Berlin blühte, geht u. a. daraus hervor, dass 
hier auch Candidaten der Theologie Unterricht über Physiologie, 
Pathologie und Krankheitsbehandlung durch Lebensmagnetismus 
erhielten. Es war Mesmers Idee, die Geistlichkeit denselben zu 
lehren. Auch der bekannte Arzt Koreff, den Varnhagen von 
E n s e als einen der begabtesten Menschen bezeichnete und von dem 
C u v i e r sagte, man müsse ihn nach Paris zu kommen bitten, wenn 
er nicht schon dort wäre, interessirte sich sehr für den Magne- 
tismus und verwendete ihn, so lange er in Berlin lebte, oft zu 
Heilzwecken. 

Im übrigen Deutschland beschäftigte der thierische Magnetis- 
mus ebenfalls viele Forscher, an mehreren Universitäten wurden 
die Erscheinungen desselben durch Vorlesungen allgemeiner be- 
kannt gemacht z. B. in Berlin durch Wolfart, in Breslau durch 
Bartels. Wie mehrere Schriftsteller berichten, wurde im Februar 
1817 durch eine königliche Verordnung das Magnetisiren in Preussen 
zum Privilegium der Aerzte gemacht; in der offiziellen Gesetz- 
sammlung findet sich jedoch nichts darüber. Gleichzeitig wurden 
ähnliche Gesetze auch in andern Ländern erlassen. Ueberall, be- 
sonders in Russland, Dänemark, wurde der Magnetismus eingeführt. 
In der Schweiz und in Italien wurde er anfangs mit weniger 
Sympathie aufgenommen. 

Nachdem Mesmer Frankreich in der Revolutionszeit verlassen 
hatte, um sich nach längeren Reisen in seine Heimath am Boden- 
see zurückzuziehen, gewann der Magnetismus in Frankreich erst 
am Anfang dieses Jahrhunderts wieder an Bedeutung. In Deutsch- 
land waren es mehr Aerzte, die sich dem Studium thierischen 
Magnetismus zuwandten, während er in Frankreich zum grossen 
Theil in die Hände von Laien kam. Zu erwähnen ist hier unter 
den ernsten Forschern D e 1 e u z e. Einen Hauptstoss erhielt jedoch 
die ganze Lehre sehr bald durch den Abbe Faria, der aus 



8 Faria. Der Niedergang des thierischen Magnetismus. 

Indien nach Paris kam. Er zeigte 1814 und 1815 durch Versuche, 
deren Ergehnisse er 1819 veröffentlichte, dass eine fremde 
Kraft zur Herbeiführung der Erscheinungen nicht 
nöthig sei; die Ursache des Schlafes liege in dem, der ein- 
schlafen solle, alles sei subjectiv. Dies ist das Grundprincip des 
Hypnotismus und der Suggestion, die Faria bereits zum Ein- 
schläfern anwendete. In Frankreich sind von sonstigen Forschern 
B ertr an d und N o i z e t zu nennen, die entschieden die Suggestions- 
lehre trotz mancher Anlehnung an den thierischen Magnetismus 
vorbereiteten. Im Jahre 1820 begannen Experimente in Pariser 
Hospitälern wesentlich auf Veranlassung von du Potet. Auf 
Foissacs Vorschlag und auf Hussons Empfehlung hin, er- 
nannte die Pariser medicinische Akademie 1826 eine Commission, 
um die Frage des thierischen Magnetismus zu untersuchen. Die 
Commission arbeitete 6 Jahre und gab 1831 einen günstigen Be- 
richt ab; die Akademie wurde aber offenbar dennoch nicht über- 
zeugt. Trotz mehrerer anderer Versuche, z. B. Bernas, wurde 
ein anderes Besultat nicht erzielt. Gerade dadurch, dass man den 
Hauptnachdruck immer auf das Mystische legte, wurde den princi- 
piellen Gegnern des Mesmerismus, unter denen Dubois hervor- 
ragte, der Kampf wesentlich erleichtert. Den berühmten Burdin- 
schen Preis für Hellsehen konnten die Bewerber Pigeaire, 
Hublier und Teste nicht erhalten; 1840 lehnte die Akademie 
jede weitere Discussion der Frage ab. 

In Deutschland beschäftigte sich unterdessen noch eine Eeihe 
Forscher mit dem Mesmerismus. Im Grossen und Ganzen aber 
ging seit etwa 1820 der Glaube an den Magnetismus mehr 
und mehr verloren; auch mit den verwandten Erscheinungen be- 
schäftigte man sich bald nicht mehr. Dieser Eückgang wurde so- 
wohl durch das Emporblühen der exacten Naturwissenschaften als 
auch durch das unwissenschaftliche und kritiklose Haschen nach 
mystischen Phänomenen, das die ernsten Forscher abstossen musste, 
verursacht. Relativ am längsten blühte der Mesmerismus in Bremen 
und in Hamburg, wo Siemers, sowie in Baiern, wo Hensler 
und Ennemoser noch in den 30er und 40er Jahren für ihn ein- 
traten. Auch in einigen anderen Städten finden wir noch eine 
Reihe besonnener Forscher, die sich weder durch die Sucht nach 
dem Wunderbaren, noch durch die Angriffe der principiellen Gegner 
des Magnetismus beeinflussen Hessen, und die in vollkommen wissen- 
schaftlicher Weise ihren Standpunkt zu wahren suchten; erwähnt 
seien Most, Fr. Fischer und Hirse hei. Auch sei ausdrück- 
lich betont, dass eine Reihe von Philosophen, ohne dass man darauf 



Braid. 9 

allzu grosse Rücksicht genommen hätte, an der Realität der Er- 
scheinungen dauernd festhielten und sogar ganze wissenschaftliche 
Systeme damit begründeten: Schopenhauer, Carus, Pfnor. 
Sonst aber verlor der Magnetismus viele Anhänger in der wissen- 
schaftlichen Welt; im Volke jedoch bestand vielfach der Glaube 
an die geheimnissvolle Kraft fort. Je mehr sich die Wissenschaft 
zurückzog, um so schamloser wurde die Ausbeutung, wenn auch 
ein so ausgedehnter Schwindel wie in Frankreich bei uns in 
Deutschland nicht aufkam (Perty). Der Missbrauch wurde so 
stark, dass auch die katholische Kirche mehrfach dagegen auftrat. 
Je mehr aber der Schwindel und Betrug zunahm, um so weniger 
hatten ernste Männer Lust, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. 
In England konnte trotz der Bemühungen der Londoner Aerzte 
Elliotson und Ashburner der Magnetismus nicht festen Fuss 
fassen. Als der französische Magnetiseur Lafontaine 1841 in 
Manchester magnetische Versuche zeigte, trat Braid, ein dortiger 
Arzt, der Frage näher. Wie Faria, so zeigte er, aber mit mehr 
Methode, dass die Erscheinungen subjectiver Natur wären. Durch 
aufmerksames Fixiren irgend eines Objectes werde ein schlaf- 
ähnlicher Zustand erzeugt, den Braid „Hypnotismus" nannte. 

Doch ist dieser Name in sofern nicht ganz neu, als bereits früher Henin de 
Cuvillers schon von Hypnoskop und Hypnobat mit Bezug auf die magnetischen 
Zustände gesprochen hatte (Max Dessoir). 

Anfangs hielt Braid den ITypnotismus für identisch mit den 
mesmerischen Zuständen, gab diese Ansicht aber bald auf ; er meinte, 
dass die Zustände nur analoge wären und liessdenMesmerismus 
neben dem Hypnotismus selbständig bestehen. Braid 
kannte die kataleptischen Erscheinungen, gewisse Suggestionen, 
und verwerthete den Hypnotismus therapeutisch; besonders ver- 
wendete er ihn auch, um schmerzlose chirurgische Operationen 
auszuführen. Schon früher hatte man sich mehrfach des Mesmeris- 
mus zu chirurgischen Operationen bedient. In der Folge sehen 
wir ihn und den Braidismus, wie man gelegentlich den durch Braid 
untersuchten Zustand nennt, zu dem gleichen Zwecke von einzelnen 
benützen. Unter denen, die den thierischen Magnetismus oder den 
Hypnotismus chirurgisch verwertheten , verdienen Erwähnung: 
Loysel, Fanton, Toswel, Joly, Ribaud, Kiaro (nach Max 
Dessoir), Varges, Herzog. Eine allgemeine Ausbreitung fand 
der Hypnotismus aber nicht, trotzdem ein bekannter Physiologe 
Carpenter, sowie Laycock, James Simpson, Mayo u.a. die 
Thatsachen bestätigten. 

In Amerika hatte unterdessen der thierische Magnetismus 



10 Elektrobiologie. Azani. Liebeault, Richet, Charcot. 

Wurzel gefasst ; New-Orleans bildete lange Zeit ein Hauptcentrum. 
Wenige Jahre später als Braid, trat in Nord- Amerika Grimes 
auf, der, unabhängig von Braid, ähnliche Resultate erreichte wie 
dieser. Seine Methode war nicht wesentlich verschieden von der 
Braids; die von Grimes herbeigeführten Zustände nannte man 
elektrobiologische. Unter seinen Anhängern sind Dods und 
Stone zu nennen; 1850 kommt Darling aus Amerika nach 
England, woselbst er die Erscheinungen der Elektrobiologie zeigte ; 
bald erkannte man die Identität derselben mit dem Hypnotismus. 
Durand de Gros, 1 ) ein französischer Arzt, der in Amerika gelebt 
hatte, kehrte 1853 von dort nach Europa zurück, zeigte die Er- 
scheinungen der Elektrobiologie in mehreren Ländern, erregte 
aber wenig Interesse. 

Erst 1859 wurde Braids Entdeckung durch Azam in Bordeaux 
bekannter. Von Bazin ermuthigt, von anderen verspottet, machte 
Azam eigene hypnotische Versuche; die Eesultate theilte er Broca 
in Paris mit. Dieser brachte den Hypnotismus in der Academie 
des sciences zur Sprache. Man wandte ihn bald mehrfach an, um 
schmerzlose Operationen zu machen; besonders machten Versuche 
Velpeau, Follin, Guerineau. Andere Aerzte, Demarquay 
und Giraud-Teulon zeigten ebenso wie Berend in Berlin, 
Pincus in Glogau und Heyfelder in Petersburg den geringen 
Werth des Hypnotismus für die Chirurgie. Infolge dessen konnte 
er damals in die Medicin nicht Eingang finden. Lasegues Ver- 
suche im Jahre 1865, wo er kataleptische Erscheinungen durch 
Augenschluss erzielte, erregten kein besonderes Interesse. 

Unterdessen hatte Liebeault, der später nach Nancy über- 
siedelte, sich mit den Erscheinungen des Hypnotismus und thieri- 
schen Magnetismus vertraut gemacht. Den letzteren suchte er zu 
widerlegen und er ward der eigentliche Begründer der wissen- 
schaftlichen Suggestionstherapie. Sein auch heute sehr lesens- 
werthes Buch vom Jahre 1866 (Du Sommeil etc.) enthält seine 
Ideen; dasselbe wurde wenig bekannt, der Verfasser viel verspottet. 
Unabhängig von ihm trat Charles Richet in Paris 1875 für 
die Existenz des Hypnotismus, den er als „somnambulisme provoque" 
bezeichnet, ein. Im Jahre 1878 begannen Charcots Demonstra- 
tionen, bei denen er auf die körperlichen Zustände hysteroepilep- 
tischer Personen während der Hypnose hinwies; 1881 veröffentlichte 
Paul Richer in seinem Buch über die grande hysterie viele hyp- 
notische Versuche im Sinne Charcots. Unter den späteren 



l ) Schrieb unter dem Pseudonym Philips. 



Der Hypnotismns in Deutschland 1880. Bernheim. 11 

Schülern Charcots nenne ich: Bin et, Fere, Gilles de la 
Tourette, Babinski, Barth, Bourneville, Regnard. 

Ungefähr gleichzeitig beschäftigten sich in Deutschland, ver- 
anlasst durch die Schaustellungen Hansens, 1880 mehrere 
Forscher mit der Frage, besonders Wein hold, Opitz und Rühl- 
mann in Chemnitz, Heiden hain, Berg er in Breslau, ausserdem 
Möbius, Benedikt, Eulenburg, Senator, Adamkiewicz, 
Börner, Meyersohn, Bäumler. Die von Czermak 1872 
und nach ihm von Preyer veröffentlichten Untersuchungen über 
den Hypnotismus bei Thieren erregten kein nachhaltiges Interesse. 
Auch die Bewegung von 1880 liess bald nach, trotzdem Preyer 
öfter auf die Bedeutung des Braidismus hinwies. 

Auch die Char cot' sehen Untersuchungen regten wenig zur 
weiteren Verfolgung der Frage an, ebenso wenig wie das 1880 
erschienene Buch von Pros per Despine über den Somnam- 
bulismus. In einzelnen Krankenhäusern wurden zwar Unter- 
suchungen aufgenommen; besonders von Dumontpallier in Paris, 
Pitres in Bordeaux, auch von Ladame in Genf, später von 
Bins wanger in Jena; die Untersuchungen waren jedoch 
sporadisch. 

Erst als eine zweite medicinische Fakultät in Frankreich der 
Frage näher trat, nämlich die in Nancy, wurde das Interesse all- 
gemeiner. Professor Bernheim daselbst, der, durch Dumont 
veranlasst, den Hypnotismus bei Liebeault studirt und sich 
dessen Ansichten angeschlossen hatte, veröffentlichte 1886 ein 
Buch „De la Suggestion etc." Er gab darin Beispiele für die 
Heilwirkung des Hypnotismus, dessen Erscheinungen sämmtlich 
psychischer Natur seien. Ausserdem wurde in Nancy auch die 
Physiologie des Hypnotismus durch Beaunis, die forensische 
Seite durch Liegeois bearbeitet. Es folgte nun in Frankreich 
der noch nicht ganz erledigte Streit zwischen der Schule Char- 
cots und der von Nancy; letztere gewann aber immer mehr 
Terrain. 

Ebenso wie in Frankreich fing man, meistens auf Grund der 
Lehren der Nancyer Schule, an, sich in anderen Ländern mit dem 
Hypnotismus zu beschäftigen. Zwar hatte man, wie schon erwähnt 
wurde, gelegentlich bereits im Anschluss an Charcots Arbeiten 
in verschiedenen Ländern sich dem Studium des Hypnotismus zu- 
gewendet. Da aber in Folge des ziemlich einseitigen Standpunktes 
dieser Untersuchungen, die verschiedenen Forscher eine dauernde 
Befriedigung nicht finden konnten, so vermochte selbst der Name 
Charcots nicht, dem Studium des Hypnotismus eine allgemeine 



12 Die Schule von Nancy. 

Ausdehnung zu geben. Erst als die eben erwähnte Schule von 
Nancy dem Hypnotismus durch eine tiefere psychologische Auf- 
fassung eine sichere Basis schuf, erst da fing man auch ander- 
weitig an, sich in grösserem Massstab ihm zu widmen. In Frank- 
reich selbst wurde die Bedeutung der Nancyer Forscher mehr und 
mehr anerkannt; A. Voisin, Berillon und zahlreiche andere 
Experimentatoren beschäftigten sich mit der Frage und zwar selbst 
diejenigen, die anfangs Charcots Untersuchungen den Haupt- 
werth beigemessen hatten, schlössen sich jetzt mehr und mehr der 
Nancyer Schule an. 

In vielen andern Ländern fand der Hypnotismus Eingang und 
es scheint, dass zumal in dem Norden von Europa der Hypnotismus 
relativ mehr Forscher beschäftigt, als in Frankreich. In Belgien 
wurde ihm durch einen hervorragenden Psychologen Delboeuf 
in Lüttich die Bahn gebrochen; zahlreiche Aerzte, van Renter- 
ghem, van Eeden, de Jong u. a. verwerthen in Holland den 
H3 T pnotismus zu Heilzwecken. In Dänemark, Schweden und Norwegen 
finden wir gleichfalls eine Eeihe Forscher : Johanessen, Seil, 
Fränkel, Carlsen, Schleisner, Velander und ganz be- 
sonders Wetterstrand in Stockholm, der den Hypnotismus in 
weitestem Masse therapeutisch anwendet. Auch in Russland, wo 
Stembo und Tokarski zu nennen sind, in Griechenland, Italien 
und Spanien, wo schon Pulido viele Jahre vor Bernheim die 
Suggestion therapeutisch angewendet hatte, gewinnt der Hypno- 
tismus an Bedeutung. In England ist es eine Privatgesellschaft 
von Forschern, die Society for Psychical Research, die 
neben der Untersuchung gewisser mystischer Phänomene den Hj^p- 
notismus studirt; speciell sind hier G-urney und F. Myers zu 
nennen. Vorher hatte in England schon Hack Tuke mehrfach 
auf den Hypnotismus und auf dessen therapeutischen Werth auf- 
merksam gemacht. 

Auch in andern Erdtheilen, besonders in Amerika, erregte der 
Hypnotismus ein grösseres Interesse. Hier hatte zwar schon vor 
längerer Zeit Beard sich eingehend mit der Frage beschäftigt; 
leider aber sind seine Untersuchungen nicht in dem Masse bekannt 
geworden, wie sie es wohl verdient hätten. Auch in Nord- Amerika 
bildete sich, ähnlich wie in England, eine wissenschaftliche Gesell- 
schaft, die „American Society for Psychical Research". In mehreren 
südamerikanischen Staaten wenden sich ernste Forscher dem 
Studium der hypnotischen Phänome zu, z. B. Octavio Maira und 
David Benavente in Chile. 

Ganz besonders aber hatte unterdessen der Hypnotismus in 



Forel, Krafft-Ebing etc. 13 

der Schweiz durch Forel an Boden gewonnen, und von hier aus 
ging auch zweifellos die Hauptanregung für Deutschland aus. 
Obersteiner in Wien, Frank el in Dessau undMöbius hatten 
schon vorher versucht, durch klare und unparteiische Arbeiten resp. 
Referate, die Aufmerksamkeit in Deutschland auf den Hypnotismus 
zu lenken. Es waren auch schon kleinere therapeutische Versuche 
vorher gemacht worden, so von Creutz feldt, Wiebe, Fischer, 
Berkhan. Eine wirklich rege Thätigkeit ist aber erst in alier- 
neuester Zeit, seit etwa zwei Jahren in Folge der Publicationen 
Foreis erfolgt, die in deutschen Zeitschriften erschienen; sie be- 
wiesen die hohe Bedeutung des Hypnotismus für die Therapie. 
Man hatte früher die wesentliche Bedeutung der Suggestion gar 
nicht in der nöthigen Weise gewürdigt, und daher mögen auch viele 
hypnotische Versuche erfolglos geblieben sein. Viele andere 
Forscher haben in der letzten Zeit, dem Beispiel Forel s folgend, 
in Deutschland hypnotische Heilversuche gemacht; unter ihnen 
seien besonders genannt: Sperling, Nonne, Michael, Hess, 
von Schrenck-Notzing, v. Hösslin, Baierlacher, der 
durch die Entdeckung der Entartungs-Reaction bekannt geworden 
war und leider kürzlich verstorben ist, v. Corval, Schuster, 
Hirt, Ad. Barth, B r ü g e 1 m a n n. Ebenso finden wir eine Reihe 
von Aerzten in Oesterreich auf demselben Gebiete thätig, es seien 
genannt v. Krafft-Ebing, Freud, Frey, Schnitzler, F. Müller. 
Andere Männer z. B. Ziemssen, Seeligmüller, Köberlin 
wendeten sich allerdings sehr entschieden gegen die therapeutische 
Verwerthung des Hypnotismus. Andere Schriftsteller wiederum be- 
arbeiteten besondere mit dem Hypnotismus zusammenhängende 
Fragen, ohne gerade dessen therapeutischen Werth ausschliesslich 
zu betonen und hier sind die Arbeiten von Forel, v. Lilien thal 
und Rieger zu nennen, welche die forensische Seite durchforschten; 
v. Krafft-Ebing veröffentlichte eine sehr detaillirte experi- 
mentelle Studie über einen Fall, Max Dessoir stellte eine werth- 
volle Bibliographie des "modernen Hj'pnotismus zusammen, ferner 
seien noch genannt Bleuler, Hückel, Maack, Weiss, Sallis, 
Dreher. 

Trotz der grossen Bedeutung des Hypnotismus für die Therapie 
muss ich es für vollkommen verfehlt erachten, wenn einige Aerzte 
lediglich den therapeutischen Werth des H} r pnotismus als Massstab 
anlegen für dessen Beurtheilung, da hierbei ein anderer Factor, die 
Begründung einer experimentalen Psychologie vollkommen in Frage 
gestellt wäre. In der That haben eine ganze Reihe von Forschern 
die hohe Bedeutung des Hypnotismus gerade nach dieser Richtung 



14 Der Hypnotismus in der Gegenwart. 

hin erkannt, vor allem v. Krafft-Ebing, Forel, Max 
Dessoir, und es haben sich schon in Deutschland mehrere wissen- 
schaftliche Gesellschaften nach dem Muster der oben genannten 
englischen gebildet, in deren Programm ganz wesentlich die Be- 
nützung des Hypnotismus behufs Vornahme psychologischer Experi- 
mente eine Eolle spielt, so die psychologische Gesellschaft in 
München, und die Gesellschaft für Experimental-Psychologie in 
Berlin, der wir bereits eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten von 
Max Dessoir, Bastian, v. Hellwald und v. Bentivegni 
verdanken. 

Uebrigens hat der Hypnotismus bereits seinen Einzug in die 
Hörsäle mehrerer deutscher Hochschulen gehalten; es finden Vor- 
lesungen über ihn statt in Berlin, wo der bekannte Physiologe 
Preyer, und in Freiburg i. B., wo Münsterberg, ein aus- 
gezeichneter Psychologe, über ihn Vorträge hält. 

Um eine Auseinandersetzung über die wichtigsten Fragen auf dem 
Gebiete des Hypnotismus zu ermöglichen, fand im August 1889 ein 
Congress in Paris statt, auf dem fast alle Culturstaaten, unter 
ihnen auch Deutschland, vertreten waren, und wo über einige 
wichtige Punkte eine wesentliche Klärung der Ansichten er- 
reicht wurde. Im Allgemeinen kann man wohl sagen, dass die 
Anschauungen der Nancyer Schule hierbei den Sieg davon trugen. 

Jedenfalls hat der Hypnotismus augenblicklich eine grosse 
Bedeutung gewonnen, und man kann dies vielleicht auch daraus 
ermessen, dass er selbst auf die Belletristen seinen Einfluss 
ausübt. Aehnlich wie früher der thierische Magnetismus Alexandre 
Dumas, Balzac Stoff für Romane lieferte, ebenso haben in neuerer 
Zeit mehrere Autoren aus dem Gebiet des Hypnotismus ihr Thema 
gewählt. Am bekanntesten geworden sind Claretie, Belot, 
Meding, Epheyre. 

Endlich jedoch muss erwähnt werden, dass auch der thierische 
Magnetismus, aus dem der Hypnotismus sich entwickelte, einzelne 
Anhänger in der wissenschaftlichen Welt behalten hat, F. Myers, 
Richet, Langley, so dass wir gegenwärtig drei grosse Schulen 
mit vielen Ueb ergangen unterscheiden können (Max Dess oir): 
1. die Schule Charcots, 2. die Nancyer Schule, 3. die Schule der 
Mesmeristen. 



IL Allgemeines. 



Um dem Leser einen Begriff von den Erscheinungen des Hyp- 
notismus zu geben, ist es wohl das Beste, wenn ich zunächst einige 
Versuche schildere. Leichter als durch jede Definition dürften auf 
diese Weise die Erscheinungen klar werden. 

Versuch I. Ich beginne die Versuche mit einem 20jährigen 
jungen Manne. Ich fordere ihn auf, sich auf einen Stuhl zu setzen 
und gebe ihm einen Knopf in die Hand, um denselben mit den 
Augen fest zu fixiren. Nach drei Minuten fallen die Augenlider 
zu, der Herr bemüht sich vergebens, die Augen zu öffnen ; sie sind 
fest geschlossen, die Hand, die bisher den Knopf festhielt, ist auf 
das Knie herunter gefallen. Auf meine Frage an den Herrn, wie 
er sich fühle, erklärt er, dass er müde sei. Ich versichere ihm 
dass es ihm unmöglich sei, die Augen zu öffnen. (Der Herr macht 
vergebliche Bemühungen, die Augen zu öffnen). Ich sage ihm nun: 
„Ihre Hände haften fest am Knie; es ist Ihnen unmöglich, die 
Hände in die Höhe zu heben." (Er hebt seine Hände dennoch in 
die Höhe). Ich unterhalte mich weiter mit dem Herrn; ich linde, 
dass er volles Bewusstsein hat, und dass ich in keiner Weise sonst 
eine wesentliche Veränderung an ihm finde. Ich hebe einen Arm 
in die Höhe; sobald ich ihn loslasse, senkt der Herr ihn nach Be- 
lieben. Darauf blase ich der Person auf die Augen, sofort öffnen 
sich dieselben, und der Herr ist in demselben Zustand wie vor dem 
Versuch. Der junge Mann erinnert sich an alles, was ich mit ihm 
gesprochen habe. 

Das Einzige, was auffällt, ist mithin, dass er seine Augen nicht 
öffnen konnte und ein gewisses Müdigkeitsgefühl. 

Versuch II. Hier ist eine 53jährige Frau. Nachdem sie 
sich auf einen Stuhl gesetzt, stelle ich mich vor sie hin ; ich nehme 
meine Hände in die Höhe und bewege meine Handflächen stets 
parallel der Körperoberfläche der Person von oben nach unten; 
vom Scheitel etwa bis zur Magengrube. Ich halte die Hände so, 
dass ich die Person nicht berühre, sondern ein Abstand von 2 bis 
4 Centimeter zwischen Hand und Körper besteht. Sobald die 



16 Versuch I— III. 

Hände unten angelangt sind, führe ich sie in weitem Bogen mit 
ausgebreiteten Armen in die Höhe über den Kopf der Person. Ich 
mache dann genau dieselben Bewegungen, d. h. Striche von oben 
nach unten in der Nähe des Körpers; etwa 10 Minuten lang setze 
ich dies fort. Nach dieser Zeit sehe ich die Person mit ge- 
schlossenen Augen tief und ruhig athmend sitzen. Auf meine Auf- 
forderung, die Arme zu heben, hebt die Frau sie nur wenig in die 
Höhe; dann fallen ihr dieselben wieder schwer herab. Auf meine 
Anfrage, wie sie sich fühle, erklärt die Person, dass sie sehr müde 
sei. Die Augen verbiete ich ihr zu öffnen. (Sie macht vergebliche 
Anstrengungen, sie zu öffnen). Nun hebe ich den rechten Arm in 
die Höhe; derselbe bleibt in der Luft stehen, auch nachdem ich 
ihn losgelassen habe. Ich befehle der Person, den Arm zu senken, 
sie senkt ihn. Ich hebe ihn abermals in die Höhe, er bleibt 
wiederum stehen. Darauf fordere ich die Frau auf, den Versuch 
zu machen, den Arm zu senken, erkläre aber gleichzeitig, dass es 
ihr unmöglich sein würde. (Die Frau macht jetzt vergebliche An- 
strengungen dazu, der Arm bleibt hoch in der Luft stehen). Das- 
selbe geschieht mit dem anderen Arm. Bei meinem Verbot ist die 
Frau nicht im Stande, ihn zu senken ; ihren Namen kann die Frau 
nicht sprechen, sobald ich sage, sie sei stumm. (Sie macht nur 
noch Bewegungen mit dem Munde, ohne einen Laut herauszu- 
bringen). Ich sage ihr, sie könne jetzt sprechen. (Sofort ist die 
Sprache da). Ich sage ihr: „Sie hören doch die Musik". (Die 
Frau schüttelt mit dem Kopf, um zu zeigen, dass sie keine Musik 
hört). Ich wecke diese Person mittelst Handbewegungen, die ich 
von unten nach oben mache. Dieselben sind parallel der Körper- 
oberfläche der Frau; jedoch ist der Handrücken dem Körper der 
Frau zugewendet. (Sie öffnet nun die Augen und ist aller ihrer 
Bewegungen mächtig). 

Wir sehen hier also, dass während der Hypnose nicht nur die 
Augen geschlossen sind, sondern dass die verschiedensten Be- 
wegungen der Frau unmöglich werden, wenn ich sie ihr verbiete. 

Versuch III. Hier ist ein von mir mehrfach hypnotisirter 
junger Mann von 16 Jahren. Ich fordere ihn auf, mir scharf ins 
Auge zu sehen. Nachdem er dies einige Zeit gethan hat, fasse 
ich seine Hand und ziehe ihn an derselben mit mir fort. Ich 
lasse ihn nun los, unsere Augen bleiben aber auf einander ge- 
richtet. Ich hebe darauf meinen rechten Arm in die Höhe, (die 
Person thut dasselbe), ich hebe meinen linken Arm, (der junge 
Mann macht dasselbe). Ich deute ihm durch eine Geste an, dass 
er niederknien solle, (er thut dies). Er bemüht sich aufzustehen; 



Versuch IV. 17 

es gelingt ihm aber nicht, so lange ich ihn fixire und durch eine 
Handbewegung an den Boden fessele. Endlich unterlasse ich das 
Fixiren; der ganze Bann ist sofort gelöst. 

Wir sehen hier also einen jungen Mann, dessen Bewegungen 
den Charakter der Nachahmungsbewegungen tragen, dessen Augen 
dabei starr geöffnet und auf die meinen gerichtet sind. 

Versuch IV. Es ist ein 41 jähriger Herr X. bei mir. Er 
nimmt auf einem Stuhl Platz. Ich sage dem Herrn, er solle etwas 
zu sclüafen versuchen. „Denken Sie nur daran, dass Sie einschlafen 
sollen;" nach einigen Secunden fahre ich fort: „jetzt fangen Ihre 
Augenlider schon an zuzufallen, die Augen werden immer müder, 
die Lider zucken immer mehr, das ZAvinkern derselben nimmt zu. 
Sie spüren, wie im ganzen Körper eine Ermüdung eintritt, wie 
Ihre Arme einschlafen, wie die Beine matter werden, wie im 
ganzen Körper ein Gefühl der Schwere und des Schlafbedürfnisses 
entsteht. Es fallen Ihnen die Augen zu, der Kopf wird immer 
dumpfer; Ihre Gedanken verwirren sich immer mehr, jetzt können 
Sie nicht mehr widerstehen, die Augenlider schliessen sich jetzt, 
schlafen Sie!" Nachdem sich die Augenlider geschlossen, frage 
ich den Herrn, ob er sie öffnen könne; er versucht dies, doch sind 
sie ihm zu schwer. Ich hebe den linken Arm hoch. (Er bleibt in 
der Luft stehen und kann trotz aller Bemühungen nicht herunter- 
gebracht werden). Ich frage den Herrn, ob er schlafe. (Ja!) Fest? 
(Ja!) „Sie hören hier das Singen des Canarienvogels?" (Ja!) 
„Sie hören jetzt hier das Concert?" (Jawohl!) Ich nehme darauf 
ein schwarzes Tuch und gebe es ihm in die Hand. „Sie fühlen 
doch deutlich diesen Hund?" (Ganz deutlich!) „Sie können jetzt 
die Augen öffnen und werden den Hund ganz deutlich sehen, Sie 
werden dabei weiter schlafen und nicht munter werden, bis ich 
Ihnen sage, Sie sollen aufwachen." (Der Herr öffnet die Augen 
und sieht den imaginären Hund an und streichelt ihn.) Ich nehme 
das Tuch aus der Hand und lege es auf die Erde. (Der Herr 
steht auf und holt es sich). Der Herr, der in meinem Zimmer sich 
befindet, glaubt im Thiergarten zu sein, sobald ich ihm dieses 
sage; er sieht die Bäume u. a. m. 

Wir haben hier also einen Fall, wo X. dadurch in die Hypnose 
gebracht ist, dass ich das Bild des Schlafes in ihm erzeugte. Diese 
Methode zu hypnotisiren stammt aus Nancy und ist als Nancy er 
Verfahren zu bezeichnen. Der Herr selbst ist vollkommen 
willenlos. Es ist nicht nur leicht möglich, bei ihm durch ein- 
faches Verbot die verschiedensten Bewegungen unmöglich zu 
machen; auch seine Sinneswahrnehmungen werden von mir be- 

Moll, Hypnotismua. 2 



18 Versuch IV. Terminologie. 

herrscht. Er glaubt auf meine Versicherung hin, einen Canarien- 
vogel zu hören, Musik zu vernehmen; er sieht ein Tuch für einen 
Hund an und glaubt inmitten meines Zimmers, dass er im Thier- 
garten sei. Noch auffallender ist aber folgende Erscheinung: 
alles, was ich zu X. sage, hört er und lässt sich in jeder Weise 
von mir beeinflussen. Zwei andere Herren, A. und B., die anwesend 
sind, werden anscheinend von dem Hypnotisirten gar nicht bemerkt. 
A. hebt den Arm des Hypnosirten in die Höhe, der Arm fällt schlaft 
herunter; auch auf den Befehl des A. hin, der Arm bleibe in der 
Luft stehen, reagirt der Hypnotisirte gar nicht. Er gehorcht nur 
meinen Befehlen; er ist nur mit mir in Rapport. Um X. zu 
wecken, rufe ich ihm jetzt zu: „Wachen Sie auf!" Sofort erwacht 
er; er erinnert sich nur des Einschlafens; was während des 
Schlafes vorgegangen, davon weiss er nichts. 

Ich breche hiermit die Beschreibung der Versuche einstweilen 
ab; ich werde im Laufe der Arbeit noch andere schildern und 
werde auch gelegentlich auf die bereits beschriebenen zurückkommen. 
Ich will nur resumiren, dass man in allen diesen Versuchen, so 
verschieden dieselben auch sonst waren, stets die willkürlichen 
Bewegungen beschränkt sah, dass in dem einen Falle auch Sinnes- 
täuschungen hervorgerufen werden konnten, dass es mir ferner in 
allen Fällen möglich war, mit dem Hypnotisirten mich zu unter- 
halten, resp. zu verständigen. Ich wollte diese Beispiele nur an- 
führen, damit dem Leser in Ermangelung von Demonstrationen 
doch einigermassen klar werde, was für Zustände man unter dem 
Begriff Hypnose zusammenfasst, wie man dieselben herbeiführt und 
beendet. Die geschilderten Versuche sind typisch, und jeder, der 
richtig experimentirt, wird sie stets wiederholen können. 



Am Schlüsse dieser Versuche füge ich noch eine kurze 
Terminologie hinzu, die aber keineswegs vollständig ist, da 
einzelne Begriffe erst im weitern Verlauf der Arbeit erläutert 
werden können. 

Hypnose nennen wir den Zustand, in dem sich die Per- 
sonen während der eben geschilderten Versuche befinden. 

Hypnotismus nennen wir nicht den Zustand, sondern die 
ganze Wissenschaft, die sich mit den hierher gehörigen 
Phänomenen beschäftigt. 

Hypnotisirt, hypnotisch oder auch Hypnotiker heisst 
derjenige, der sich in Hypnose befindet. 



Psychische Hypnotisirungsmittel. 19 

Hypnotist wird derjenige genannt, der zu wissenschaftlichen 
Zwecken hypnotisirt, Hypnotiseur heisst derjenige, der berufs- 
mässig hypnotisirt. 

Die verschiedenen Befehle, die dem Hypnotisirten bei den ge- 
schilderten Versuchen gegeben wurden, alles was ihm eingegeben 
oder eingeredet wurde, bezeichnet man als Suggestion, ein Be- 
griff, auf den ich später noch genauer zurückkomme. 

Eine Suggestion geben, eine Eingebung machen, wird als 
suggeriren bezeichnet. 

Ist die Eingebung angenommen, so sagt man vom Standpunkt 
des Hypnotischen aus, er ist suggestionnirt. 



Wie man aus den obigen Beispielen ersieht, giebt es ver- 
schiedene Mittel, die Hypnose zu erzeugen. Wir theilen 
dieselben, um uns einen schematischen Ueberblick zu sichern, in 
zwei Gruppen ein, in die psychischen und somatischen. 

Die psychischen Mittel erzeugen die Hypnose dadurch, 
dass dem Vorstellungsinhalt der Versuchsperson eine besondere 
Richtung gegeben wird; dies geschieht entweder dadurch, dass 
die Aufmerksamkeit auf einen beliebigen Punkt con- 
centrirt wird (Braid) oder dadurch, dass das Bild der 
Hypnose in der Versuchsperson erweckt wird. Es er- 
folgt dies letztere am leichtesten durch Worte, wie wir oben beim 
vierten Beispiel gesehen haben. Das Verfahren stammt von 
Liebeault und verdient in erster Linie berücksichtigt zu werden, 
da unangenehme Nebenerscheinungen hierbei am sichersten aus- 
bleiben. Natürlich modificirt man die Methode ein wenig dem 
speciellen Falle angemessen, wie überhaupt das Individualisiren 
bei psychischen Zuständen eine ungleich grössere Rolle spielt, als 
bei gewöhnlichen physiologischen Untersuchungen. Natürlich kann 
man auch auf andere Weise, als durch Worte das Bild der Hypnose 
und dadurch diese selbst hervorrufen; hierauf beruht der Einfluss 
der Imitation. Dadurch, dass jemand bei anderen hypnotische Zu- 
stände sieht, wird gelegentlich dasselbe erreicht, wie bei Erzeugung 
der Hypnose durch Worte. In gleicher Weise wirkt auch die 
Erinnerung an frühere Hypnosen; darauf beruht das briefliche 
Hypnotisiren, ferner die Hypnose durch Telephon (Liegeois). 
Dass diese psychischen Einflüsse in der gesammten Hypnosigenese *), 

*) Trotzdem die bisherige Nomenclatur sehr mangelhaft ist, werde ich neue 

9* 



20 Autohypnose. 

d. li. in der Entstehung und Erzeugung- der Hypnose eine Haupt- 
rolle spielen, ist sicher. Ebenso steht es fest, dass sie in vielen 
Fällen genügen, um die Hypnose herbeizuführen, zumal wenn schon 
früher bei der betreffenden Person eine Hypnose erzeugt wurde. 
Bernheim nnd Forel halten sogar das psychische Moment für 
unentbehrlich zum Eintritt der Hypnose ; sie nehmen an, dass auch 
all die gleich zu erwähnenden anderen Methoden nur dann zum 
Ziele fuhren, wenn sie im Stande sind, die Vorstellung der Hypnose 
zu erwecken. Da nun unter Umständen, wie wir später sehen 
werden, die Hypnose eine momentane sein kann (d. h. sie kann sehr 
schnell vorüber gehen), und da sie ferner unter Umständen nur in 
einem einzigen erkennbaren Symptome zu bestehen braucht, so 
braucht die Vorstellung, die dazu nothwendig wäre, keineswegs ein 
sehr complicirtes Bild zu umfassen (v. Bentivegni). Es genügt 
z. B. unter Umständen etwa die Vorstellung, dass ein Arm be- 
wegungslos sei, um eine Hypnose herbeizuführen, in der gerade 
diese Bewegungslosigkeit das einzige oder doch ein vorwiegendes 
Symptom ist. 

Hierher gehört auch die Autohypnose oder Selbsthypnose. 
Bei ihr wird die Idee der Hypnose nicht durch eine andere Person 
erweckt, sondern der zu Hypnotisirende erzeugt die Idee selbst. 
Dies kann nun durch einen Willensact geschehen. Ebenso wie der 
Wille auch sonst im Stande ist, bestimmte Gedanken zu produciren, 
ebenso kann er auch die Idee der Hypnose so mächtig werden 
lassen, dass schliesslich eine Hypnose eintritt ; es ist dies aber eine 
Seltenheit. Gewöhnlich kommt die Autohypnose vielmehr durch 
irgend einen Zufall zu Stande, durch welchen die Idee der Hypnose 
erzeugt wird; es ist dieses letztere besonders bei öfterer Wieder- 
holung der Hypnose der Fall. Freilich ist ein scharfer Unterschied 
zwischen Autohypnose und gewöhnlicher Hypnose hier nicht immer 
zu machen. Vielleicht gehören einzelne als pathologisch aufgefasste 
Schlafzustände zur Autohypnose. 

Schon Faria bediente sich wesentlich eines psychischen Mittels, um Hypnose 
zu erzielen. Nachdem er die Aufmerksamkeit der Versuchsperson möglichst an- 
gespannt, ruft er ihr plötzlich zu: „Dormez!" (Schlafen Sie!) Wesentlich aus- 
gebildet und vervollkommnet wurde dieses Verfahren durch Liebeault; 
Bernheim machte dasselbe allgemeiner bekannt. 

Ich bespreche nunmehr die somatischen Mittel, die lange 
Zeit hindurch ausschliesslich angewendet wurden. Dieselben be- 

Ausdrücke nicht anwenden. Nur werde ich statt „hypnogen" und „Hypnogenese u 
stets „hypnosigen" und „Hypnosigenese - ' anwenden. Hypnogen stammt von imvos 
Schlaf und wird oft auch für schlaferzeugend gebraucht. Hypnosigen stammt von 
Hypnosis und schliesst Verwechselungen aus. 



Somatische Hypnotisirungsmittel. 21 

stehen darin, dass gewisse Reize bald auf das Auge, bald auf das 
Ohr, bald auf das Gefühl einwirken. Geschmack und Geruch 
(Binet, Fere) sind nur selten und gewöhnlich mit negativem 
Resultat untersucht worden. 

Am bekanntesten ist das sogenannte Braid'sche Verfahren. 
Hier wird durch längeres Fixiren irgend eines Objectes die Hypnose 
herbeigeführt. Ob der Gegenstand glänzt oder nicht glänzt (Gigot- 
Suard, Durand de Gros), ist ziemlich gleichgiltig. Auch gab 
Braid eine solche Annäherung des Objectes, dass dabei eine 
Convergenz der Augäpfel erzeugt wurde, später auf. Es gilt für 
vortheilhatt, das Object so hoch zu halten, dass die Augenlider 
möglichst angestrengt sind, um das Auge offen zu halten. Statt 
eines leblosen Objectes, wie es beim ersten Versuche oben an- 
gewendet wurde, lässt der Experimentator wohl auch seinen Finger 
fixiren, oder, wie es die Berufsmagnetiseure mit Vorliebe thun, sein 
Auge (du Po t et). In neuerer Zeit schlug Luys einen schnell 
rotirenden Spiegel vor, um dadurch eine recht starke Ermüdung 
des Auges herbeizuführen. Ganz ebenso wie auf das Auge kann 
man auf das Gehör wirken. Mit Vorliebe benützt man hier das 
Ticktack der Taschenuhr (Weinhold, Heidenhain). Bei wilden 
Völkerschaften werden bestimmte Instrumente zur Herbeiführung 
analoger Zustände benützt, z. B. bei den Lappen der Schall der 
Zaubertrommel; bei anderen Völkern die Monotonie einförmiger 
Rhythmik im Gesänge (Bastian). Statt dieser lang dauernden, 
monotonen, schwachen Sinnesreize sehen wir auch plötzliche und 
stark wirkende anwenden, z. B. in der Salpetiere, der Arbeitsstätte 
Charcots, den lauten Schall eines Tamtams oder den plötzlich 
einwirkenden Strahl des Drummond'schen Lichtes. Ob jedoch diese 
plötzlichen und starken Sinnesreize wahre Hypnose ohne jedes 
psychische Element herbeiführen können, ist mehr als fraglich. 
Vielleicht haben wir es hier mit Zuständen zu thun, die von den 
Schrecklähmungen nicht so weit entfernt sind; wenigstens haben 
derartig Hypnotisirte oft den Ausdruck des Schreckens im Gesicht 
(Rieh er). Auf den Tastsinn kann man gleichfalls wirken und 
zwar durch leichtes Streicheln der Haut oder auch durch Ausübung 
eines Druckes auf dieselbe. Schon Celsus giebt an, dass leises 
Streicheln der Haut Schlaf herbeiführe. Auch durch thermische 
Reize (warme Metallplatten) suchten einige Hypnose zu erzeugen 
(Berger). Ich erinnere hierbei an die bekannte Erfahrung, dass 
Wärme auch natürlichen Schlaf leicht herbeiführt, während Kälte, 
wenn sie nicht zu gross ist, ihn fernhält. 

Besonders erwähne ich hier die sogenannten mesmerischen, 



22 Mesinerische Striche. 

mesnierisirenden oder magnetischen Striche (passes), auf die 
Eichet einen grossen Werth legt. Ich habe sie bereits oben bei 
dem zweiten Versuche gezeigt und beschrieben, in welcher Weise 
sie gemacht werden; ich erwähne sie an dieser Stelle, obwohl die 
Frage, wie sie wirken, noch nicht endgiltig gelöst ist. Ob die 
Temperaturreize, wie Heidenhain und Berger annahmen, ob 
die leichte Bewegung der Luft oder der psychische Einfluss hierbei 
das Wirksame sind, ist nicht sicher. Für das Wahrscheinlichste 
halte ich es, dass es sich um eine combinirte Wirksamkeit handelt, 
dass aber das psychische Moment vorwiegt. Eine besondere Kraft 
(magnetisches Fluidum der Mesmeristen) anzunehmen, ist nicht 
nöthig. In letzterer Zeit ist eine ältere Hypothese von neuem aufge- 
taucht, nämlich die, dass es sich um eine elektrische Wirkung handele 
(Kostan, J. Wagner). Tarchan off hat gezeigt, dass bei 
ganz leichten Reizungen der Haut in dieser schwache elektrische 
Ströme entstehen, dass aber diese selbst bei starker Willens- 
concentration (in deren Folge stets Muskelcontractionen auftreten) 
entsteheD. Da nun die Mesmeristen während des Mesmerisirens eine 
starke Willensanstrengung seitens des Mesmerisirenden für nöthig 
halten, so entstehe vielleicht bei diesem eine periphere Elek- 
tricitätsentwickelung , die auf den Mesmerisirten wirkt. Es ist 
diese Annahme jedoch nur die Vermuthurig einzelner Forscher; 
etwas Sicheres wissen wir noch nicht. 

Es sei erwähnt, dass die ,mesmerische Striche' genannten Manipulationen von 
Mesmer nicht angewendet wurden; zwar suchte er auch durch Berührung zu 
beeinflussen, aber gerade diese eigenthümlichen gleichförmigen lange fortgesetzten 
Striche, die ich oben schilderte, kannte Mesmer nicht. 

Dass bestimmte Körperstellen für Hautreize besonders empfäng- 
lich sind, behauptet Pitres. Diese von ihm beschriebenen zones 
Irypnogenes sind bald ein-, bald doppelseitig vorhanden. Reizung 
derselben soll bei einzelnen Personen Hypnose erzeugen, wie auch 
anderweitig behauptet wird. Besonders werden unter diesen 
Körperstellen Scheitel, Nasenwurzel, Ellenbogen, Daumen u. s. w. 
genannt. Nach Chambard und Labor de soll leichtes Kratzen 
der Haut des Halses Hypnose herbeiführen. Ich selbst habe 
mehrere Personen gesehen, die behaupteten, nur dann hypnotisch 
zu werden, wenn ich ihre Stirn berührte. Dass Berührungen der 
Stirn ein eigenthümlich schläfriges Gefühl bei vielen erzeugen, 
wird oft angegeben (Purkinje, Spitta). Ein Engländer Catlow 
benützte leichtes Streicheln der Stirn zum Magnetisiren (Bäum lcr). 
Ebenso sind mir Personen bekannt, die, um leichter einschlafen zu 
können, sich andere Körperstellen leicht reizen lassen, z. B. Kopf 



Somatische Hypnotisirungsmittel. 23 

oder Fusssohle. Eulen bürg- behauptet, dass Druck auf die 
Nackenwirbel im Stande sei, Hypnose herbeizuführen. 

Endlich erwähne ich noch die Wirkung der Influenzmaschine, 
deren Elektricität nach Weinhold ähnliche Wirkungen hervor- 
bringen soll wie die mesmerischen Striche. Doch hält Weinhold 
in seiner mit kritischem Geiste geschriebenen Schrift den psychischen 
Einfluss hierbei nicht für ausgeschlossen. Wenn Eulenburg durch 
Galvanisirung des Kopfes einen lethargischen Zustand erzielt, der 
an die Hypnose erinnert, so ist dieser Versuch für die Hypnose 
nicht beweisend, weil die betreffende Person früher an lethargischen 
Anfällen litt. Dass manche Fälle, wo Hypnose angeblich durch 
Elektrisirung des Kopfes herbeigeführt sein soll, nur dadurch 
Hypnose darbieten, dass die Person glaubt, die Elektricität bewirke 
Hypnose, ist sicher. Hirt bedient sich nach dieser Richtung hin 
öfter der Elektricität, wobei er sich aber vollkommen darüber klar 
ist, dass nicht die Elektricität, sondern der Glaube an deren 
Wirkung seitens der Versuchsperson die Hypnose erzeugt. 

Zum Schlüsse erwähne ich noch Reizungen des Muskelsinnes, 
wie sie beim Schaukeln in der Wiege als Ein schlaf erungsmittel 
kleiner Kinder benützt werden ; ich lasse es dahin gestellt, ob man 
dadurch wirkliche Hypnose erzielen kann. Ich füge hinzu, dass 
ähnliche Zustände bei einigen Naturvölkern durch starke Dreh- 
und Tanzbewegungen auftreten sollen; dieselben sind allerdings 
von Musik und besonderen psychischen Erregungen begleitet. Am 
bekanntesten sind die A'issaouas in Algier (Figuier, Bert, 
Delphin). „Hauptsächlich treiben sie in der dortigen Stadt Con- 
stantine ihr Wesen. Durch Tanz und Gesang wissen sie sich in 
eine schwer zu beschreibende Extase zu versetzen, in welcher ihr 
Leib gegen äussere, mitunter schwere Verwundungen unempfindlich 
oder wie gefeit erscheint. Sie bohren sich spitze Eisen, scharfe 
Messer in Kopf, Augen, Hals und Brust, ohne Schaden zu nehmen" 
( v. H e 1 1 w a 1 d). Ein Gleiches wird von den buddhistischen Klöstern 
Tibets erzählt (v. Hellwald, Gabriel Hu c). Wie mir Herr 
Dr. Sperling privatim mittheilt, hat er selbst in Constantinopel 
Derwische gesehen, die ihm nach dem Ausdruck der Augen, nach 
dem sonstigen Aussehen, sowie durch die lange innegehaltenen 
eigenthümlichen Stellungen durchaus den Eindruck Hypnotisirter 
machten, die durch die Monotonie des Gesanges und gleichförmige 
Drehbewegungen in Hypnose kämen. Da gerade Herr Dr. Sp erlin g 
auf dem Gebiete der Hypnose eine ausserordentliche Erfahrung hat 
und zu den competentesten Personen auf diesem Gebiete gehört, 
so ist sein Urtheil von ganz besonderem Werth. 



24 Combination mehrerer Hypnotisirungsmittel. 

Icli habe bisher unter den somatischen Methoden nur Sinnes- 
reize besprochen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch das 
Fehlen von Sinnesreizen als hypnosigenes Mittel angegeben wird. 
Jendrässik in Budapest spricht die Ansicht aus, dass Fixation 
nur dadurch wirke, dass sie zu einer Ermüdung des Sehnerven 
und dadurch zu einer Eeizunempfänglichkeit führe. Vielleicht ge- 
hört hierher auch der Fall von Strümpell, der eine Person 
beobachtete, die beim Wegfall von Sinnesreizen sofort in Schlaf kam. 
Diese Trennung der hypnosigenen Mittel ist nur 
eine theoretische (Forel, Levillain); und zwar aus 
zwei Gründen. Erstens nämlich können wir Körper und Geist 
nicht als zwei Factoren betrachten, die von einander unabhängig 
sind. Sinnesreize, welche den Körper treffen, üben fast stets eine 
gewisse Einwirkung auf den Geist aus; diesen kann andererseits 
nichts beeinflussen, was nicht vorher durch eines der Sinnesorgane 
eingedrungen ist. Zweitens werden gewöhnlich in praxi mehrere 
hypnosigene Mittel gleichzeitig angewendet. Es wird dies ganz 
klar, wenn man die Versuchspersonen beobachtet; man sage einer 
Person, sie solle irgend eine Idee im Geiste festhalten, sie solle 
ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Schlaf concentriren , so wird 
sie, um dem Befehle nachzukommen, einen Punkt fixiren oder gleich- 
zeitig die Augen schliessen, um eine Zerstreuung der Gedanken 
möglichst zu verhindern. 

So benützt Bernheim gelegentlich ausser den psychischen 
Mitteln gleichzeitig die Fixation. Braid wiederum, der ganz 
wesentlich die Fixation anwendete, hält eine besondere psychische 
Thätigkeit dabei für nothwendig. Es ist dies desswegen besonders 
zu bemerken, weil einige heute glauben, dass sie Braids Methode 
anwenden, wenn sie dem Sujet sagen, es solle einen Gegenstand 
fixiren. In Wirklichkeit hat Braid eine gleichzeitige ein- 
seitige Anspannung der Aufmerksamkeit für unum- 
gänglich nöthig gehalten, wenn eine Hypnose erzielt 
werden sollte;- die Person musste fest an den Gegenstand denken, 
den sie fixirte und durfte sich durchaus nicht zerstreuen. Nach 
Braid kann man dann sogar im Dunklen hypnotisiren. 

Aber auch theoretisch können wir diese Dinge nicht immer 
auseinander halten. Der Augenschluss, ev. mit leichtem Druck 
auf die Augen verbunden, führt öfter, wie Lasegue zeigte, zu 
hypnotischen Zuständen. Wie diese eintreten, ob durch Fortfall 
der Sinnesreize oder durch die Idee des Schlafes, die der Augen- 
schluss doch gewiss leicht hervorbringt, ist nicht festzustellen. 

Nach diesen Ausführungen ist auch die viel discutirte Streit- 



Bestes Hypnotisirungsmittel. 25 

frage zu beantworten, ob eine Person, ohne eine Ahnung- von der 
Hypnose zu haben, hypnotisirt werden kann; ob jemand lediglich 
durch Sinnesreize in Hypnose versetzt werden kann, ohne dass sie 
das Bild der Hypnose erwecken. Ich kenne keinen sicher 
verbürgten Fall, wo ein Sinnesreiz die Hypnose 
herbeigeführt hätte, lediglich durch eine physio- 
logische Wirkung. Die meisten, an denen derartige Experi- 
mente gemacht werden, wissen, dass es sich um einen Hypnotisirungs- 
versuch handelt; man hat sie bereits früher hypnotisirt und der 
Sinnesreiz erweckt bewusst oder unbewusst das Erinnerungsbild 
der Hypnose; oder sie haben derartige Experimente bei anderen 
gesehen oder davon gehört. Selbst wenn das nicht der Fall ist, 
bleibt noch der von Bernheim und Forel gemachte Einwand 
zu berücksichtigen, dass der Sinnesreiz zu einem Müdigkeitsgefühl 
führe und dadurch die Idee der Hypnose mittelbar erzeuge. 

Welche von den oben erwähnten Methoden, resp. welche 
Combination für den praktischen Gebrauch die beste sei, ist eine 
Frage, deren Beantwortung doch nicht so einfach ist, dass jeder 
nach ein Dutzend Versuchen dazu berechtigt scheint. Wenn Richet 
mit den mesmerischen Strichen fast alle Leute in Hypnose zu ver- 
setzen meint, wenn Lieb eault mit dem erwähnten Nancy er Verfahren 
fast alle seine Patienten hypnotisirt, ebenso wie Bern heim und 
Forel, wenn Braid mittelst Fixation gelegentlich von 14 Per- 
sonen 10 lrypnotisirt, so sehen wir, dass verschiedene Methoden 
hier nahezu identische Resultate hervorbringen. Ich bin entschieden 
der Ansicht, dass in jedem einzelnen Fall diejenige Methode zu 
wählen ist, durch welche in der Versuchsperson mög- 
lichst lebhaft das Bild der Hypnose und die Ueber- 
zeugung von dem Eintritt derselben hervorgebracht 
wird. Ich hebe hervor, dass in einzelnen Fällen Personen gegen 
eine Methode refractär erscheinen, während eine andere zum Ziele 
führt. Ich fand Personen unempfänglich bei Anwendung der 
Fixation oder der Nancyer Methode, während ich mit mesmerischen 
Strichen zum Ziele kam. Selbstverständlich beweist dies nichts 
gegen die psychische Wirkung, da manche Person glaubt, sie könne 
nur durch ein bestimmtes Mittel beeinflusst werden. Andererseits 
sah ich, dass angestrengtes Fixiren mitunter Hypnose herbeiführte, 
wenn andere Mittel nichts nützen, vielleicht weil durch langes an- 
gestrengtes Fixiren viel eher die innere Ueberzeugung von dem 
Eintritt der Hypnose erweckt wird als durch Worte. Bei einzelnen 
wiederum ist es gut, schnell und durch eine gewisse Ueberrumpelung zum 
Ziele zu kommen (Sperling, Forel, vanEeden, van Renterghem). 



26 Erwecken aus der Hypnose. 

Erwähnen will ich an dieser Stelle noch, dass nach Landouzy, Proust, 
Ballet und Benedikt auch der Magnet eine hypnotisirende Wirkung haben soll; 
zahlreiche von mir gemachte Versuche waren jedoch durchaus erfolglos. Dass 
Zurückbeugen des Kopfes, wie Eulenburg annimmt, Hypnose herbeiführe, dürfte 
wohl auf Irrthum beruhen. 

Chambard rechnet zu den hypnosigenen Mitteln auch Chloroform, Aether etc. 
In dem durch diese Mittel herbeigeführten Schlaf sind allerdings mehrfach (Spring, 
Bifat, Herrero, Both) analoge Erscheinungen wie in der Hypnose beobachtet 
worden. Ich halte es aber für besser, diese Mittel von der Hypnose zu trennen 
(F. Myers). 

Das Erwecken aus der Hypnose (Dehypnotisiren) kann 
ebenfalls auf doppelte Weise geschehen, durch unmittelbare Ein- 
wirkung auf die Vorstellung oder durch einen Sinnesreiz; ganz 
ebenso wie ein Erwachen aus dem natürlichen Schlafe bald auf 
psychischem Wege erfolgt, z. B. durch Gewohnheit oder durch den 
Vorsatz, zu einer bestimmten Stunde aufzuwachen, bald auch durch 
stärkere Sinnesreize z. B. ein starkes Geräusch. Fast immer ist 
man im Stande, durch psychisch wirkende Mittel die Hypnose zu 
beendigen, d. h. durch die Aufforderung aufzuwachen oder bei einem 
bestimmten Signale aufzuwachen. Kaum jemals ist es nöthig, 
andere Mittel, wie Anblasen mit Luft, Reizung mit dem fara- 
dischen Strom, Bespritzen mit Wasser, starkes Anschreien und 
dergleichen zu benützen. Dass, wie einige behaupten, Kälte er- 
weckend wirke, kann ich nicht bestätigen. Ebenso wie die oben 
beschriebenen mesmerisirenden Striche Hypnose herbeiführen, sollen 
demesmerisirende, wie ich sie beim zweiten obigen Versuche an- 
wendete, die Hypnose zum Verschwinden bringen. Ob der kühle 
Luftzug, der fast immer dabei erzeugt wird, zum Erwachen führt 
oder, was ich für wahrscheinlicher halte, der Glaube der Ver- 
suchsperson, dass sie aufwachen solle, bleibe dahin gestellt. 
Pitres u. a. meinen, dass es Körperstellen gebe, deren Reizung 
zum Erwachen führe; man nennt sie zones hypno-frenatrices. Be- 
sonders werden hierzu die Ovarialgegenden gerechnet. Endlich 
erwähne ich das gewaltsame Oeffnen der Augen als Mittel, die 
Hypnose zu beendigen. Andere Mittel, die angegeben wurden, 
und die durch physikalische Wirkung das Erwecken herbeiführen 
sollen, wie Annäherung von Kohle, wirken nur psychisch, indem 
der Hypnotisirte dieselben als den Befehl zu erwachen auffasst. 
In seltenen Fällen führen diese künstlichen Erweckungsmittel nicht 
schnell zum Ziele; es besteht dann noch ein Müdigkeitsgefühl fort; 
dasselbe empfinden wir auch gelegentlich, wenn wir aus dem natür- 
lichen Schlafe erwachen. Auch kommt nach tiefen und langen 
Hypnosen ein Uebergangszustand vor, ähnlich der Schlaftrunkenheit, 
in welchem gewisse hypnotische Erscheinungen fortbestehen. 



Lethargische Zustände. 27 

Geschieht das Erwecken nicht künstlich, so pflegen Personen, 
die sich in leichter Hypnose befinden, wie etwa bei den zwei 
ersten Versuchen, nach kurzer Zeit, oft schon nach wenigen Minuten, 
ja Secunden, spontan zu erwachen; besonders tritt dies ein, wenn 
man die Fortdauer der Hypnose nicht ausdrücklich befiehlt. Einige 
erwachen in demselben Moment, wo der Experimentator sie ver- 
lässt, da sie sich dann nicht mehr unter dessen Einfluss glauben. 
Andere erwachen selbst aus tiefen Hypnosen bei irgend einem un- 
vermutheten starken Geräusch oder bei erregenden Träumen. So 
sah ich eine erwachsene Person durch ihr eigenes Schreien auf- 
wachen, als sie in Hypnose glaubte, ein kleines Kind zu sein und 
als soches zu weinen anfing. Merkwürdig und ganz unerklärt ist 
noch ein gelegentlich ohne jede weitere Veranlassung erfolgendes 
Erwachen (mouvement psychique). Dasselbe wird in ähnlicher 
Weise auch mitunter bei dem natürlichen Schlafe, besonders beim 
Beginne desselben beobachtet; 0. Rosenbach führt es hier auf 
eine Steigerung der Reflexe zurück. Das Gewöhnliche ist jedoch, 
dass die tiefen Hypnosen längere Zeit fortbestehen, wenn man sie 
nicht künstlich beendet. Es vergehen oft viele Stunden, ehe die 
Personen erwachen. 

Als ein seltenes Vorkommniss bei den Hypnotisirungsversuchen 
wird schon von den alten Mesmeristen (du Potet, Lafontaine) 
ein lethargischer Zustand beschrieben, aus welchem ein künstliches 
Erwecken nicht möglich ist. Es tritt nach einiger Zeit spontanes 
Erwachen ein, ohne dass sonst üble Nachwirkungen beobachtet 
würden. Guermonprez berichtete kürzlich von einer Person, 
die 3 Tage in Hypnose blieb, ohne dass jemand im Stande gewesen 
wäre, ein Erwachen herbeizuführen. Es scheint, dass diese Zufälle 
bei Anwendung von Sinnesreizen, z. B. der Fixation oder den mes- 
merischen Strichen häufiger eintreten. Ferner ist dieser Zustand, 
soviel mir bekannt, nur bei Hysterischen beobachtet worden. 
Bernheim glaubt, dass es sich hier um einen hysterischen Schlaf- 
zustand handelt. Auch ich glaube, dass diese Lethargie von der 
Hypnose getrennt werden muss, deren Hauptsymptome hier fehlen. 
Desswegen weil der Zustand durch ähnliche Proceduren herbei- 
geführt wird, wie die Hypnose, dürfen wir eine Identificirung nicht 
zulassen; diese darf sich nur aus einer Gleichheit der Symptome, 
nicht des Entstehungsmodus ergeben. Wenn eine Person einen 
Schlag auf das Ohr erhält, und hierbei eine Blutung unter der 
Haut entsteht, bei einer anderen auf einen ähnlichen Schlag das 
Trommelfell springt, so sind dies zwei verschiedene Verletzungen, die 
nicht dadurch identisch werden, dass sie eine gleiche Ursache haben. 



28 Hypnoskop. Disposition zur Hypnose. 

Wer ist hypnotisirbar? Um die Disposition zur Hypnose 
ohne hypnotische Versuche festzustellen, hat Ochorowicz ein 
eigenes Instrument, das Hypnoskop angegeben; es stellt einen 
ringförmigen Eisenmagneten dar; die zu untersuchende Person 
steckt ihren Finger in denselben hinein. Bei hypnotisirbaren Per- 
sonen sollen nun gewisse Hautempfindungen oder Muskelzuckungen 
auftreten, während bei nicht empfänglichen etwas derartiges nicht 
stattfinde. Untersuchungen anderer Forscher vermochten diese 
Behauptungen nicht zu bestätigen (Obersteiner, Gessmann, 
Grasset, Bottey). Andere Kennzeichen, die man glaubt, an- 
geben zu können, um die Hypnotisirbarkeit zu erkennen, muss ich 
als ganz unzuverlässig bezeichnen. 

Weder die Neurasthenie noch blasses Aussehen, weder Hysterie 
noch allgemeine Schwächlichkeit geben eine besondere Disposition 
für die Hypnose. Was die Hysterie betrifft, so ist sie nach meinen 
Erfahrungen nicht besonders geeignet zu hypnotischen Vesuchen. 
Unsere alltägliche Hysterie mit dem wechselnden Bilde: 
Kopfschmerz, Globus etc. mit dem hysterischen Charakter, dem Be- 
dürfniss, sich interessant zu machen, mit der Uebertreibung der 
Beschwerden, giebt nach meinen Erfahrungen eine ge- 
ringe Disposition zur Hypnose. Der Widerspruchsgeist, 
der bei derartigen Patienten so lebhaft ausgebildet ist, trägt nicht 
wenig hierzu bei. Der Irrthum, dass Hysterische oder Nervöse 
besonders empfänglich für Hypnose seien, kommt wohl daher, dass 
die meisten Aerzte nur an ihnen ihre Versuche gemacht haben. 
Ausserdem aber ist es sehr leicht, ' bei den meisten Menschen 
etwas zu finden, was als Zeichen der Hysterie gedeutet 
werden kann, wenn man daraufhin sein Bestreben richtet. 
Wenn man freilich, wie es Morand thut, jeden, der sich einem 
hypnotischen Versuch unterwirft, als nervös betrachtet, so kann 
natürlich auch nur der in Hypnose kommen, der nervös ist; doch 
ist wohl diese Ansicht nicht ernst zu nehmen. In Wirklichkeit 
muss man, wenn man pathologische Beschaffenheit des Organismus 
für eine Bedingung für die Hypnose annimmt, zu der Ueber- 
zeugung kommen, dass fast jeder Mensch einen Sparren hat und 
ein krankes Geschöpf sei (Sperling). Uebrigens haben schon 
zum Theil alte Mesmeristen (Wirth u. a.) die Behauptung auf- 
gestellt, dass nur die Hysterie zum magnetischen Schlaf befähige. 

Wenn ferner allgemeine Schwächlichkeit für ein prädispo- 
nirendes Moment hervorgehoben wird, so betone ich, dass ich viele 
sehr muskulöse Personen hypnotisirt habe. Es ist bekannt, dass 
Hansen, dessen praktische Erfahrung nicht werthlos ist, musku- 



Disposition zur Hypnose. 29 

löse Personen zu seinen Versuchen stets vorzog. Auffallend ist 
die grosse Empfänglichkeit der Tuberculosen (Bern heim). 

Was die geistigen Fähigkeiten betrifft, so glaubt Forel, dass 
jeder geistig gesunde Mensch hypnotisirbar sei. Er- 
wähnen will ich, dass nach Liebeaults Ansicht die Erblichkeit 
in der Disposition zur Hypnose eine grosse Solle spielt. Dass 
Geisteskranke, besonders Idioten, wenn auch nicht ganz unempfäng- 
lich, so doch viel schwerer zu hypnotisiren sind, als gesunde 
Personen, wird übereinstimmend berichtet. Doch giebt A. Voisin 
an, dass es ihm bei Anwendung der nöthigen Geduld gelungen sei, 
10 °/ aller Geisteskranken zu hypnotisiren. Was die Intelligenz 
anlangt, so sind intelligente Personen leichter hypno- 
tisirbar als die geistig schwerfälligen und stumpfsinnigen. Ich 
füge hinzu, dass aus den niederen Klassen die geistig hervor- 
ragenderen zweifellos besser hypnotisirbar sind, als andere. Ge- 
müthserregung verhindert leicht den Eintritt der Hypnose. Zum 
Theil mag damit auch die mehrfach u. a. von Wetterstrand 
und Eingier gemachte Beobachtung zusammenhängen, dass einzelne 
Personen zeitweise gegen die Hypnose refractär sind. Dieses zeit- 
weise Schwinden der Disposition zur Hypnose konnte auch ich in 
einer ganzen Reihe von Fällen constatiren. 

Für ganz irrig erkläre ich es, die Hypnotisirbarkeit für ein 
Zeichen von AVillenssch wache zu halten. Die Möglichkeit, 
sich in eine gewisse Passivität zu versetzen, wirkt freilich prä- 
disponirend. Daher kommt es, dass Soldaten im Allgemeinen eine 
gute Disposition zur Hypnose besitzen. Sehr günstig ist es auch, 
wenn jemand im Stande ist, seine Ideen in eine bestimmte Richtung 
zu leiten. Da wir gewöhnt sind, dieses letztere als ein Zeichen 
von Willensstärke zu betrachten, so würde hiernach die Disposition 
zur Hypnose eher ein Zeichen von Willensstärke, als von Willens- 
schwäche sein. Diese Fähigkeit, seinen Gedanken eine bestimmte 
vorgeschriebene Richtung zu geben, ist theils Anlage, theils Sache 
der Uebung, oft guter Wille. Dahingegen sind diejenigen, die in 
keiner Weise ihre Aufmerksamkeit fixiren können, die an fort- 
währender Zerstreutheit leiden, kaum zu hypnotisiren. Gerade 
unter den Nervösen findet man aber auffallend viele, die hierzu 
gehören, die keinen Gedanken festhalten können und bei denen eine 
fortwährende Gedankenwanderung vorherrscht. Auch ist Dispo- 
sition zur Hypnose nicht gerade gewöhnlich bei denen vorhanden, 
die sich sonst als leicht impressionabel erweisen. Es giebt be- 
kanntlich Leute, die man im Leben sehr leicht beeinflussen kann, 
die alles glauben, was man erzählt, auf die die unbedeutendsten 



30 Disposition zur Hypnose. 

Dinge einen Eindruck machen ; dennoch begegnet man hei ihnen oft 
einem sehr lebhaften Widerstände, wenn man Hypnose herbeiführen 
■will, und es gelingt nicht, deren typische Symptome hervorzurufen. 
Die Nationalität (Ewald) oder locale Verhältnisse der 
Bevölkerung (Brugia) haben k e i n e n Einfluss auf die Hypnotisir- 
barkeit. F o r e 1 in Zürich, Renterghemin Amsterdam, Wetter- 
strand in Stockholm haben gezeigt, dass Germanen ebenso hypno- 
tisirbar sind wie die Romanen. Letzterer konnte in Stockholm 
von 718 Personen nur 18 nicht hypnotisiren. Uebrigens beweisen 
schon B r a i d s Erfahrungen in England ziemlich dasselbe. In 
neuerer Zeit wird von mehreren Seiten auf die leichte Hypnotisir- 
barkeit der Russen hingewiesen, die nach Poirault und Drze- 
wiecki grösser sei, als die irgend eines anderen Volkes. Jeden- 
falls dürfte es wohl endgiltig feststehen, dass die Hypnotisirbarkeit 
kein besonderes Privilegium der romanischen Racen ist. Was das 
Alter anlangt, so sind Kinder unter 3 Jahren gar nicht, aber 
auch noch ältere, etwa bis zu 8 Jahren, schwer hypnotisirbar. 
Trotzdem dieselben sonst leicht beeinflusst werden, sind die Gedanken 
bei ihnen noch zu sehr zerstreut, sie können ein bestimmtes Bild, 
wie das der Hypnose, nicht festhalten. Das höhere Alter ist 
keineswegs refractär gegen die Hypnose. Nach den Erfahrungen 
der Nancy er, mit denen die meinigen übereinstimmen, behalten 
jedoch ältere Personen nach dem Aufhören der Hypnose öfter die 
Erinnerung an alles Vorgefallene, als jüngere. Was das Ge- 
schlecht betrifft, so übt es einen wesentlichen Einfluss nicht 
aus ; es ist ein Irrthum, anzunehmen, dass das weibliche Geschlecht 
geeigneter sei, als das männliche. 

Ausserdem werden noch von einzelnen Beobachtern (Bremaud, Maack) 
bestimmte Umstünde angegeben, die zur Hervorrufung der Hypnose günstig oder 
ungünstig sein sollen. Jener giebt z. B. Alkoholgenuss als günstig, dieser als un- 
günstig an. Man sollte aber nicht immer aus wenigen Beobachtungen allgemeine 
Schlüsse ziehen, da das nicht zu einer Aufklärung beiträgt. Aus dem gleichen 
Grunde bezweifle ich einstweilen auch die allgemeine Bichtigkeit einzelner Angaben 
Ringiers, dessen Bemerkungen im übrigen einen grossen praktischen AVerth 
haben ; nach diesem Autor soll im Winter die Hypnotisirbarkeit kleiner sein, als 
im Sommer, weil die Kälte hierfür ungünstig sei; so seien selbst Personen, die 
im Sommer leicht hypnotisirt wurden, im Winter refractär gewesen. 

Von hoher Wichtigkeit für die Frage ist die Häufigkeit, mit 
der man die Versuche bei derselben Person wiederholt. Während 
nach H ähnle bei dem ersten Versuch von 10 Personen nur 
1 empfänglich ist, nimmt die Zahl mit der Frequenz der Sitzungen 
enorm zu. Bei der psychischen Erregung, die viele anfangs zeigen, 
kann dies nicht verwundern. Da es ferner für den Eintritt der 



Nothwendige Bedingungen in der Umgebung u. von Seiten d. Experimentators. 31 

Hypnose sehr werthvoll ist, dass die Aufmerksamkeit nicht zer- 
streut werde, müssen viele erst die Gedanken concentriren lernen. 
Es giebt sogar Experimentatoren, die behaupten, dass bei längerer 
Fortsetzung der Versuche alle Menschen zu hypnotisiren sein. 
Ohne diese Annahme für falsch zu erklären, bemerke ich, dass ich 
bei mehreren Personen 40 und mehr Versuche gemacht habe, ohne 
eine Hypnose zu erreichen. Vielleicht wäre bei längerer Fort- 
setzung der Versuche schliesslich noch ein Resultat erzielt worden, 
wie ich es in der That auch mehrfach noch nach 40 
vergeblichen Versuchen erzielte. Es mag hier die Sache 
ähnlich liegen wie mit dem grossen Loos, dass jeder Mensch nach 
der Wahrscheinlichkeitsrechnung einmal gewinnt, wenn er lange 
genug lebt und spielt. 

Ausser diesen in der Versuchsperson liegenden Bedingungen 
giebt es noch einzelne, die ausserhalb derselben gelegen sind. 
So z. B. vermögen störende Geräusche bei den ersten Versuchen 
den Eintritt der Hypnose zu verhindern; sie lenken die Aufmerk- 
samkeit ab und verhindern dadurch den zur Hypnose nothwendigen 
psychischen Zustand. Später, wenn die Person die Concentrirung 
der Gedanken gelernt hat, sind Geräusche weniger störend. Für hyp- 
notische Versuche ist aber in der Umgebung die absolute Vermeidung 
irgend eines Zeichens von Misstrauen nöthig; das geringste Wort, 
eine Geste können jeden hypnotischen Versuch vereiteln. Da nun 
die Stimmung einer grossen Gesellschaft oft von Misstrauen be- 
herrscht wird, da ferner mitunter ein ganzes Zeitalter unter der 
Herrschaft von Misstrauen steht, so erklären sich schon hieraus 
die grossen Schwankungen, die die Disposition zur Hypnose zu 
verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten zeigt. Es kann 
demnach nicht mehr auffallen, wenn man gelegentlich von 10 Per- 
sonen alle hintereinander hypnotisirt, während bei einer anderen 
Gelegenheit sich 10 andere Personen sämmtlich refractär zeigen 
können. 

Von Seiten des Hypnoti sirenden ist die Kenntniss der 
psychischen Eigenschaften des Menschen und Erfahrung unerlässlich. 
Diese ist unentbehrlich; sie ist nothwendiger, als die Kenntniss 
der Anatomie und Physiologie. Durch die Erfahrung lernt man 
sehr bald individualisiren und auf die einzelnen Eigenschaften 
der Versuchsperson eingehen. Uebung und gute Beobachtungsgabe 
führen dazu, im richtigen Moment auf das Fixiren oder auf den 
Augenschluss den Nachdruck zu legen. Der erfahrene Experimentator 
weiss zu beurtheilen, ob es im einzelnen Falle nöthig ist, durch 
Worte die Hypnose zu erzielen, oder ob diese, wie es auch 



32 Nothwendige Bedingungen von Seiten des Experimentators. 

vorkommt, deren Eintritt selbst verhindern, und man auf das 
Fixiren u. s. w. den Hauptnachdruck zu legen hat. Wer leicht 
hypnotisirbar ist, kann von jedem, derjenige, der schwerer 
hypnotisirbar ist, nur von einem guten und erfahrenen Experimentator 
in Hypnose versetzt werden. Damit steht es keineswegs in Wider- 
spruch, dass der persönliche Eindruck des Experimentators sehr 
wesentlich sein kann und gleichfalls von Einfluss ist; daher kann 
es kommen, dass eine bestimmte Person A zwar von B in Hypnose 
versetzt werden kann, während sie bei den Versuchen von C 
refractär bleibt. Es kann andererseits vorkommen, dass eine Person 
D von C, nicht aber von B hypnotisirt wird. Es zeigt sich hierbei, 
dass der Einfluss, den eine Person auf eine zweite ausübt, von der 
Individualität beider abhängig ist. Den gleichen Vorgang finden 
wir recht oft im Leben, so in dem Verhältniss des Lehrers zum 
Schüler, und des Schülers zum Lehrer, in dem gegenseitigen Ver- 
hältniss von Freunden, in der geschlechtlichen Liebe u. s. w. Der 
Einfluss einer Person auf die andere ist hier stets von der 
Individualität beider abhängig. 

Dass es übrigens eine individuelle Beanlagung zum Hypnotisiren 
und zu dem später noch zu besprechenden Suggeriren giebt — auf 
die der Verfasser dieses Buches keinerlei Anspruch erhebt — ist 
sicher. Freilich dürfen wir uns eine derartige Anlage nicht im 
Sinne der alten Mesmeristen denken, welche annahmen, dass einzelne 
Menschen über eine besondere physikalische Kraft verfügten; wir 
müssen uns vielmehr diese Anlage ähnlich wie manche andere vor- 
stellen, bei der es sich um besondere psychische Fähigkeiten handelt. 
Ruhe, Geistesgegenwart, Geduld sind wesentlich, und man glaube 
nicht etwa, dass jeder über diese Eigenschaften verfügt. Täglich 
stundenlang sich mit einer Person behufs Hypnotisirung zu be- 
schäftigen, erfordert schon eine Ausdauer, die nicht jeder hat. Es 
ist hierzu eine ungleich grössere Geduld nöthig, als z. B. zum 
Schreiben von Recepten, von denen man in der gleichen Zeit 
mehrere Schock herstellen könnte. 



Nicht unwichtig ist die Frage, ob eine Hypnose ohne resp. 
gegen den Wunsch einer Person möglich sei. Es ist hierbei 
zu unterscheiden, ob sie die gestellten Bedingungen erfüllt, oder 
ob sie dies nicht thut. Erfüllt sie die gestellten Bedingungen, 
concentrirt sie z. B. genügend ihre Aufmerksamkeit, oder fixirt sie 



Hypnose ohne die Zustimmung der Versuchsperson. 33 

mit der notli wendigen Anspannung ihres Geistes, so kann eine 
Hypnose selbst bei dem ersten Versuche auch gegen den Willen 
der Versuchsperson erzeugt werden. Indessen ist zu berücksichtigen, 
dass jemand, der sich nicht Irypnotisiren lassen will, sich schwer 
in den nöthigen psychischen Zustand versetzen wird. Er wird ge- 
wöhnlich die Bedingungen nicht erfüllen, er wird fixiren, aber 
seine Aufmerksamkeit dabei zerstreuen. Dennoch glaube ich. be- 
haupten zu können, dass einzelne, die es gewöhnt sind, sich unter- 
zuordnen, auch ohne die nöthige angespannte Aufmerksamkeit 
schon beim ersten Versuche gegen ihren Wunsch in Hypnose ge- 
bracht werden können, wenn man ihnen den Eintritt derselben 
versichert; doch scheinen dies seltene Fälle zu sein. Dass, wenn 
sie öfter hypnotisirt wurden, bei vielen gegen ihren Wunsch und 
ohne dass sie sonstige Bedingungen absichtlich erfüllen, Hypnose 
zu erzielen ist, kann nicht bezweifelt werden. Dass Leute gegen 
ihren Wunsch hypnotisirt werden können, zeigen die Versuche von 
Heidenhain. Er bypnotisirte Soldaten, denen das Einschlafen 
von ihren Vorgesetzten streng verboten war, in Gegenwart der 
letzteren. Ein solcher Befehl eines Vorgesetzten ist wohl gleich- 
bedeutend für den Soldaten mit dem Wunsche, nicht in Hypnose zu 
gelangen. Die posthypnotische Suggestion, von der ich später be- 
richten werde, ist auch ein Mittel, Personen gegen ihren Wunsch 
zu hypnotisiren. Eine dritte Möglichkeit ist noch die, dass ein 
Wunsch weder nach der einen noch nach der anderen Bichtung 
hin besteht. Es können sich die nothwendigen Bedingungen zum 
Eintritt der Hypnose einmal zufällig und ohne dass dies der Person 
bewusst wird, zusammenfinden (Max Dessoir). Es fixirt jemand 
z. B. bei einer Arbeit sehr scharf einen festen Punkt ; dies genügt, 
eine Hypnose zu erzeugen, (zumal nach früheren unzweckmässigen 
Versuchen), ohne dass die Person daran denkt. Hier ist also der 
AVille weder pro noch contra betheiligt. Die Angabe Preyers, 
dass bei Photographen Personen zuweilen starr sitzen bleiben, 
nachdem die photographische Aufnahme beendet ist, wäre gleich- 
falls auf einen unvermutheten hypnotischen Zustand zu beziehen, 
der durch die feste Fixation hervorgerufen wurde. Es ist bekannt, 
dass in der Salpetiere in Paris bei einem starken unvermutheten 
Geräusch einzelne Insassen sofort in Katalepsie verfallen. In- 
teressant ist der Fall, wo ein öfter durch plötzliche Geräusche 
hypnotisirtes Mädchen an einen Schub ging, um sich aus ihm Photo- 
graphieen anzueignen. Der zufällige laute Schlag eines Tamtams 
versetzte die Person in Katalepsie, sodass sie mitten in der Aus- 
führung des Diebstahls stehen blieb und entdeckt wurde. Hack 

M o U , Hjrpnotismus. cj 



34 Erzeugung der Hypnose aus dem Schlaf. 

Tuke bedauert es, dass nicht alle Diebe so bequem gefasst werden 
können. 

Wie schon Bert r and erzählt, kann man einzelne aus dem 
natürlichen Schlafe in den magnetischen überführen. In neuerer 
Zeit sind eine ganze Reihe Versuche gemacht worden, Personen 
aus dem gewöhnlichen Schlafe in Hypnose überzuführen. Baillif, 
Grscheidlen, Berger, Bernheim, Forel haben derartige 
Experimente zum Theil selbst bei Personen gemacht, die noch gar 
nicht hypnotisirt oder vorher gegen die Hypnose refractär waren. 
Ich selbst habe nur eine Merfür gehörige Beobachtung machen 
können; sie betrifft einen Herrn, den ich schon öfter hypnotisirt 
hatte, und den ich aus seinem Nachmittagsschlaf, ohne dass er 
erwachte, mehrfach in Hypnose bringen konnte. Ob derartige Ver- 
suche bei Personen gelingen, die noch nichts von Hypnose gehört 
haben, ist zweifelhaft. 

Noch zweifelhafter scheinen die Angaben vonPitres zu sein, 
der es für möglich hält, dass in dieser Weise auch durch Reizung 
der zones hypnogenes ein hypnotischer Zustand herbeigeführt werde. 
Ich erwähne noch die Behauptung von Coste, dass man auch aus 
dem durch Chloroform und Morphium erzeugten Schlaf eine Hypnose 
erzeugen könne. Herrero hat sogar in neuerer Zeit die Be- 
hauptung aufgestellt, dass jede Chloroformnarkose in einem be- 
stimmten Stadium in Hypnose übergeführt werden könne, und dass 
man hierdurch ein Mittel besitze, anscheinend refractäre Personen 
zu hypnotisiren. Meine bisherigen Versuche in dieser Richtung 
fielen negativ aus. 

Jedenfalls aber ist die vorherige Einwilligung nicht unum- 
gänglich nöthig, um in Hypnose zu kommen, und andererseits giebt 
es Leute, die trotz des entschiedenen Wunsches, in Hypnose zu 
kommen, refractär sind (Preyer, Forel). Im Allgemeinen ist 
jedoch ein absichtlicher Widerstand der Person dem Eintritt der 
Hypnose hinderlich und zwar schon desshalb, weil in Wirklichkeit 
eine Person, die sich hypnotisiren lassen will, viel leichter die 
nöthigen Bedingungen erfüllt, als eine andere. Es kann daher auch 
nicht verwundern, dass Patienten, die zum Arzt kommen, um hyp- 
notisirt zu werden, zumal wenn sie mit dem vollen Vertrauen 
kommen, leichter zu hypnotisiren sind, als andere. Diese lassen oft 
einen Versuch an sich machen mit der stillschweigenden Absicht 
zu beweisen, dass sie „nicht 'rum zu kriegen sind", oder sie setzen 
sich, wie Nonne es nennt, „nur zum Spass" hin. Glaubt doch 
mancher, dass die Hypnotirsirbarkeit einen Defect des Willens 
oder der Intelligenz bedeute! 



Procentsatz der hypuotisirbaren Personen. 35 

Da uuu so viele Bedingungen auf den Eintritt der Hypnose 
von Einfluss sind, so kann es nicht verwundern, dass die Zahl der 
hypnotisirbaren Personen verschieden angegeben wird. Wenn 
Ewald im Berliner Frauen-Siechenhaus nur 2 Personen hypnotisiren 
kann, während Liebe au lt mehr als 92 °/ unter seinen Patienten 
hypnotisirt, so liegt dieser enormen Differenz die Ungleichartigkeit 
der Bedingungen zu Grunde; besonders ist hieran wohl auch die 
mangelnde psychische Vorbereitung der Versuchspersonen Ewalds 
Schuld. Bottey nimmt 30°/„, Morselli 70 % an, Delboeuf 
giebt über 80 °/ als empfänglich an ; seine Angaben scheinen mir 
desswegen von besonderem Werthe, weil sie offenbar mit grosser 
Kritik zusammengestellt sind, wie jeder, der Delboeufs Arbeiten 
liest, vorurtheilslos anerkennen muss. Er scliliesst auf das genaueste 
die Simulanten aus und ist in dieser Beziehung vielleicht noch 
skeptischer, als die Forscher von Nancy. Bernheim bestreitet 
allen Hospitalsärzten, die nicht mindestens 80°/ ihrer Patienten 
hypnotisiren können, das Recht, über Hypnotismus zu urtheilen; 
Forel stimmt dem voll und ganz bei. 

Je öfter hypnotische Versuche gemacht wurden, um so schneller 
pflegt die Hypnose einzutreten. Beim ersten Versuch dauert es 
oft etwas länger, 5 Minuten und mehr, wenn auch manchmal schon 
wenige Secunden genügen. Ist der Versuch einige Male gelungen, 
so genügen fast stets einige Momente, um den Erfolg zu sehen. 
Es kommt dies daher, dass das Erinnerungsbild der früheren Hypnose 
wesentlich den Neueintritt derselben begünstigt. Ausserdem ist 
durch die frühere Hypnose deren mächtigster Feind überwunden; 
es ist dies der Glaube der Person, dass sie gar nicht oder nur 
durch bestimmte Leute hypnotisirbar sei; er hindert oft den Ein- 
tritt der Hypnose. Die Sicherheit, mit der bekannte Hypnotiseure 
sehr leicht andere Personen Irypnotisiren, beruht theilweise darauf, 
dass die letzteren glauben, sie können von einem renommirten 
Hypnotiseur in Hypnose gebracht werden, von einem anderen nicht. 
Es kann auch die Disposition zur Hypnose wieder schwinden, wenn 
man die Versuche längere Zeit ausgesetzt hat. So sah ich einen 
hochgradig empfänglichen Herrn wieder refractär werden, als 6 
Monate hindurch keine Versuche bei ihm gemacht waren. Aehnliches 
beobachtete ich bei mehreren Personen ; doch wird alsdann gewöhn- 
lich nach kurzer Zeit die Disposition zur Hypnose wieder erzeugt, 
wenn man einig-e Versuche macht. 



3* 



36 Eintheilung der hypnotischen Zustände nach Forel. 

Aus den obigen Beispielen geht schon hervor, dass die einzelnen 
hypnotischen Zustände unter einander sehr verschiedenartig- sind 
und insbesondere, was die Tiefe der Hypnose betrifft, ausserordentlich 
variiren. Es lag desshalb nahe, um eine Uebersicht zu erhalten, 
eine Eintheilung zu versuchen. 

Am meisten bekannt geworden ist die Charcots, der 3 be- 
sondere hypnotische Stadien annimmt: das kataleptische, lethargische 
und das somnambule. Ich werde auf dieselben noch ausführlich zu 
sprechen kommen, bemerke jedoch schon hier, dass diese Eintheilung 
einen allgemeinen Werth nicht hat, wie übrigens Charcot 
selbst nicht behauptet. Die von G-urney stammende Ein- 
theilung in 2 Stadien (alert und deep stage) trifft meines Erachtens 
nur für wenige Fälle das Richtige. Ebenso sind die von Rieh et, 
Font an und Segard angegebenen 3 Grade für den praktischen 
Gebrauch nicht genügend charakterisirt. 

Auch die Eintheilung von Delboeuf erscheint mir nicht be- 
sonders annehmbar. Nach dieser werden zwei Stufen der Hypnose 
angenommen, die mit Analgesie und die ohne Analgesie. Da aber 
eine vollkommene Analgesie sehr selten ist, und da die Uebergänge 
wiederum zu vage sind, so erscheint mir die Analgesie kein ge- 
eignetes Characteristikum zu sein. Sehr bekannt geworden sind 
auch die Eintheilungen, die Liebeault, Bernheim und Forel 
machten. Da sie im Princip mit einander übereinstimmen und nur 
in der Zahl der Grade — nach Liebeault 6, nach Bernheim 
9, nach Forel 3 — von einander abweichen, so will ich nur 
Foreis Eintheilung anführen. 

Grad I Somnolenz; der Hypnotische kann nur mit grosser 
Anstrengung Suggestionen widerstehen. 

Grad II Hypotaxie (charme); die Augen sind fest geschlossen, 
können nicht geöffnet werden, der Hypnotische muss verschiedenen 
Suggestionen gehorchen. 

Grad III Somnambulismus; er ist charakterisirt durch die 
Amnesie nach dem Erwachen; d. h. der Hypnotische erinnert sich 
nach dem Erwachen nicht der Vorgänge während der Hj^pnose. 

Die Eintheilung Foreis, Liebeaults und Bernheims 
beruht wesentlich auf der Amnesie, indem eine besondere Gruppe 
(Grad III Foreis) von hypnotischen Zuständen mit Amnesie den 
anderen (Grad I und II Foreis), wo keine Amnesie besteht, 
gegenübergestellt wird. 

Diejenigen hypnotischen Zustände, bei welchen Amnesie besteht, werden von 
den genannten Autoren als Somnambulismus bezeichnet. Uebrigens hat schon 
"Wienholt sich dahin ausgesprochen, dass man die magnetischen Zustände mit 
nachfolgender Amnesie als Somnambulismus bezeichne. 



Eintheilung der hypnotischen Zustände nach Max Dessoir. 37 

Ich glaube jedoch, es ist besser, wenn wir die Beurtheilung 
des Grades der Hypnose nicht von der Amnesie abhängig machen, 
sondern von den Erscheinungen während der Hypnose selbst. Ich 
werde zeigen, dass die Erinnerung nach der Hj^pnose von vielen anderen 
Momenten abhängig ist, welche mit der Tiefe der Hypnose nichts 
zu thun haben. Der zufällige Anblick eines äusseren Objectes ver- 
mag eine ganze Kette von Erinnerungsbildern zu erwecken; wir 
werden sehen, dass die Erinnerung beeinflusst wird durch die 
Suggestion. Ich möchte desshalb die Tiefe der Hypnose nur nach 
den Erscheinungen während der Hypnose selbst beurtheilen. 
Delboeuf, der oft mit sehr tiefen Hypnosen Versuche machte, 
giebt dennoch an, dass die Sujets über die hypnotischen Vorgänge 
sich nach dem Erwachen Rechenschaft gaben. 

Die zahlreichen Unterabtheilungen , die Liebeault und 
Bern heim angeben, sind desshalb nicht gut zu verwerthen, weil kein 
Princip für die Eintheilung besteht (Max Dessoir). So ist z.B. 
der eine Grad durch. den absoluten Augenschluss, ein tieferer Grad 
durch Bewegungsstörungen in den Armen ausgezeichnet. Da aber 
diese bei offenen Augen vorkommen können (Max Dessoir), so 
sind sie nicht als eine Vertiefung jenes Zustandes mit Augenschluss 
aufzufassen. Denn bei einer Vertiefung müssen die Erscheinungen 
aller vorhergehenden, aller leichteren Zustände bei den tiefen 
gleichfalls vorhanden sein. 

Um diesen Schwierigkeiten zu entgehen, hat in neuerer Zeit 
Max Dessoir eine ebenso einfache wie übersichtliche und klare 
Eintheilung der hypnotischen Zustände veröffentlicht, Danach 
zerfallen diese in zwei grosse Gruppen, die sich durch die Aus- 
dehnung der Functionsstörungen von einander abgrenzen; ich will 
einstweilen diese Eintheilung gleichfalls acceptiren. In der ersten 
Gruppe zeigen lediglich die willkürlichen Bewegungen Ver- 
änderungen, in der zweiten Gruppe treten hierzu noch Abweichungen 
in der Function der Sinnesorgane. Es sind also in der ersten Gruppe 
lediglich diejenigen Functionen abnorm, die wir den centrifugalen 
Bahnen des Nervensystems zurechnen, während in der zweiten 
Gruppe auch die Functionen der centripetalen Bahnen gestört sind. 
Dieses Eintheilungsprincip war übrigens schon Kluge bekannt. 
Nur die wenigsten Versuchspersonen gehören zur Gruppe II ; wenn 
wir 75°/ im Ganzen als empfänglich annehmen, so gehören etwa 
55" zu Gruppe I und 20°/ zu Gruppe II. Nach Krön ist dieses 
Verhältniss vielleicht noch zu hoch gegriffen ; nach seiner Ansicht 
gehören zur Gruppe II relativ weniger Personen, als ich angebe. 
Indessen spricht Krön die Vermuthung aus, dass durch Uebung 
und andere Momente diese Zahlen wesentlich variiren können. 



38 Eintheilung der hypnotischen Zustände nach Max Dessoir. 

In diesen zwei Gruppen lassen sich nun selbstverständlich 
mancherlei Abstufungen und Typen unterscheiden. So z. B. sehen 
wir, dass mancher zur Gruppe I gehörige hypnotische Zustand 
lediglich durch den Augenschluss charakterisirt ist, wobei der 
Hypnotische die Augen willkürlich nicht öffnen kann, wie (S. 15) 
bei Versuch I. Man pflegte, wie erwähnt, diesen Zustand 
früher als einen besonderen Grad der Hypnose aufzufassen; 
doch stellt er sich nach den eben gemachten Ausführungen 
nur als eine besondere Form von Gruppe I dar. Man pflegte ihn 
gewöhnlich desswegen als einen besonderen Grad darzustellen, weil 
in sehr vielen Fällen die Hypnose durch einen Augenschluss ein- 
geleitet wird, während erst später andere Muskeln ergriffen werden. 
Indessen ist dies in der That nur ein reiner Zufall (Max D essoir) ; 
wir haben uns mehr und mehr daran gewöhnt, die Hypnose durch 
Einwirkung auf das Auge hervorzurufen und den Augenschluss 
möglichst schnell zu provociren; es ist dies aber nur eine Ge- 
wohnheit, die von der Identiflcirung der Hypnose mit dem Schlaf 
herrührt. Es giebt eine ganze Reihe von Hypnotisten, welche die 
Hypnose bei starr geöffneten Augen erzeugen, wie es bei der unten 
zu besprechenden Fascination der Fall ist, (vgl. Versuch III). Mir 
selbst sind mehrere Personen begegnet, bei denen man überhaupt 
nicht im Stande ist, im Auge eine Bewegungsstörung hervorzu- 
rufen, während die anderen Muskeln leicht beeinflusst werden. Aus 
diesem Grunde muss ich die Angabe Michaels für irrig erklären, 
man solle das Bestehen der Hypnose erst da annehmen, wo die 
Augen vollkommen geschlossen seien. Freilich hat Michael darin 
vollkommen Eecht, dass wir die Zustände, bei denen nach langem 
Fixiren, eine Ermüdung, vielleicht auch etwas Schwindelgefühl im 
Kopf eintritt, nicht zur Hypnose rechnen, wenn nicht andere für 
diese tj-pische Erscheinungen eintreten. 

Dass die zwei Gruppen nicht schroff von einander getrennt 
sind, ist selbstverständlich. Im Gegentheil, überall findet man 
ganz allmähliche Uebergänge, so dass ein Zustand dem andern 
recht ähnlich ist. Auch der Uebergang vom normalen Leben zur 
Hypnose ist ein stufenweiser und durchaus nicht so schroff, wie 
einige denken. Selbst bis zum einfachen Augenschluss, der doch 
gewiss eine tiefe Hypnose nicht bedeutet, finden wir viele Ueber- 
gänge: zuerst nur Schwere in den Augenlidern, alsdann das Be- 
dürfhiss, die Augen zu schliessen, dann Erschwerung des Oeffhens 
der Augen und endlich den absoluten Augenschluss. Alle möglichen 
Abstufungen zeigen sich, und es wäre nicht so schwer, hundert 
verschiedene Grade der Hypnose zu beschreiben. 



Allmähliche Uebergänge. 39 

Ferner wird nicht immer die volle Tiefe der Hypnose momentan 
erreicht; es werden oft erst die leichten Zustände durchlaufen, ehe 
die volle Tiefe eintritt. Genau den Eintritt der Hypnose zu be- 
stimmen, ist bei diesen allmählichen Uebergängen natürlich schwer. 
Ein tiefer Seufzer, der manchmal im Beginn der Hypnose eintritt, 
wird mit Unrecht von einzelnen Seiten als diagnostisch wichtiges 
Moment betrachtet, zumal derselbe durch Imitation sich sehr leicht 
weiter verbreitet (Delboeuf). Ebensowenig haben Schluck- 
bewegungen, die besonders beim längeren Fixiren vorkommen, 
irgend eine Bedeutung für die Hypnose. 



III. Symptomatologie; 

Ich komme jetzt zu dem wichtigsten und ausführlichsten Capitel, 
der Symptomatologie der Hypnose. Um eine möglichst übersicht- 
liche Darstellung zu geben, muss ich eine schematische Eintheilung 
*n die Physiologie und Psychologie machen. Man glaube aber nur 
nicht, dass es sich hier um eine wirkliche Trennung handelt; davon 
kann gar keine Rede sein. Denn die körperlichen Functionen, die ich 
unter Physiologie besprechen werde, zeigen lediglich in Folge des 
psychischen Zustandes Abweichungen von der Norm. Ebenso wie 
jemand, der durch Schreck gelähmt stehen bleibt, bewegungsunfähig 
ist infolge eines psychischen Chocs und nicht infolge einer Ver- 
letzung der Muskeln, ebenso wie religiös erregte Leute Visionen 
haben, nicht weil ihr Auge anders functionirt, sondern weil sie in 
einem abnormen seelischen Zustand sich befinden; ebenso functioniren 
in der Hypnose die Muskeln, die Sinnesorgane u. s. w. nur desshalb 
abnorm, weil der psychische Zustand ein anderer ist. Nur unter 
diesem Gesichtspunkt soll eine Trennung im Folgenden gemacht 
werden. 

Ob es in der Hypnose ausser den primären psychischen und 
den secundären somatischen Veränderungen überhaupt noch primäre 
somatische Abweichungen giebt, ist zweifelhaft. Es sind zwar oft 
auch solche beschrieben worden, worauf ich im Folgenden zu 
sprechen kommen werde; indessen kranken viele derartige Unter- 
suchungen schon daran, dass nicht streng genug geschieden wird, 
ob es sich um eine Folge der zur Erzeugung der Hypnose an- 
gewendeten Mittel oder um eine wesentliche Erscheinung der 
Hypnose handelt. Um zu erklären, was damit gemeint ist, nehme 
ich an, dass eine Person lange Zeit hindurch einen Knopf fixirt. 
Hierbei werden schliesslich die Augen zu thränen beginnen; die 
Augen thränen aber jedenfalls, ob die Hypnose eintritt oder nicht. 
Es ist mithin das Thränen der Augen nicht ein wesentliches 
Symptom der Hypnose, sondern lediglich die Folge eines zur Er- 
zeugung der Hypnose angewendeten Mittels. 

Bei dem engen Connex, der sich überall zwischen den psychischen 



Wirkung von Vorstellungen. 41 

und somatischen Erscheinungen findet, kann es nicht verwundern, 
dass ich bei Besprechung der letzteren öfter auf die ersteren mich 
beziehen muss und umgekehrt; eine ganz strenge Trennung ist 
nicht möglich. Um innerlich Zusammengehöriges nicht durch 
äusserliche Momente auseinander zu reissen, werde ich zuweilen 
von dem rein Schematischen abweichen. 

Eine besondere Eigenschaft des Bewusstseins werden wir sehr 
oft in der Hypnose finden: diejenige, die man als Suggestibilität 
oder besser als vermehrte Suggestibilität bezeichnet. Ich werde 
diese und damit zusammenhängende Wörter so oft brauchen, dass 
es gut ist, wenn wir uns erst über den Begriff klar werden. Zu 
diesem Zweck muss ich zunächst eine kleine Abschweifung machen. 

Jede Vorstellung im Menschen hat eine gewisse Wirkung, die 
sich bald in einem innerlichen, bald in einem äusserlichen Vorgange 
zu erkennen giebt. Um einige Beispiele anzuführen, so erwähne 
ich, dass auf Grund der verschiedenen Eeproductionsgesetze eine 
Vorstellung eine andere erweckt. Die Vorstellung von St, Helena 
erweckt sofort die von Napoleon I. Diese eigenthümliche Er- 
weckung von Vorstellungen durch andere wurde nun von einer 
grossen schottischen Psychologenschule (Th. Brown u. a.) als 
Suggestionsgesetz bezeichnet, und Paul Janet meint, dass durch 
diesen Ausdruck Braid dazu veranlasst wurde, für ähnliche Er- 
scheinungen — die unten noch zu besprechende Suggestion d'attitude 
— das Wort „suggeriren" einzuführen. Es kann aber ferner eine 
Vorstellung auch durch Erweckimg eines Gefühles eine Wirkung 
ausüben : stellt man sich einen verstorbenen Anverwandten vor, so 
entsteht das Gefühl der Trauer, die Vorstellung eines freudigen 
Ereignisses erweckt ein freudiges Gefühl. Ebenso werden Triebe 
hervorgerufen; die Vorstellung eines Gegenstandes, nach dem man 
ein- lebhaftes Verlangen hat, erweckt den Trieb, den Gegenstand 
zu besitzen. In ähnlicher Weise werden auch Empfindungen er- 
zeugt, Ein Beispiel liefert uns das Jucken, das viele Personen 
spüren, sobald vom Floh gesprochen wird. Die Vorstellung des 
Flohes erweckt hier die Empfindung des Juckens. Diese durch 
eine Vorstellung erweckten Vorstellungen, Gefühle, Empfindungen 
und Triebe bilden innere Vorgänge, die wir durch innere Erfahrung 
kennen. Es kann nun aber auch eine Vorstellung irgend einen 
nach aussen sich zeigenden Effect haben, z. B. es ruft die Vor- 
stellung bestimmte Bewegungen hervor. 

Sehen wir uns hier einmal einen Vorgang an, den man als 
Gedankenlesen bezeichnet, das in etwas modificirter Form als 
willing-game schon lange in England ein Gesellschaftsspiel war 



42 Gedankenlesen. 

und in Deutschland durch Gumberlands Schaustellungen populär 
wurde. Gewiss haben es die meisten schon gesehen; ich will aber 
den Vorgang noch einmal beschreiben. Eine Person A. wird ver- 
anlasst, das Zimmer zu verlassen; unter den Zurückbleibenden 
wird B. ausgewählt, sich einen vorhandenen Gegenstand zu denken, 
den A. finden soll. A. kommt zurück, fasst eine Hand von B. und 
fordert diesen auf, fest an den Ort, wo der gedachte Gegenstand 
sich befindet, zu denken ; nehmen wir an, es sei die Lampe. B. denkt 
fest daran, und man sieht nun, wie A und B zusammen auf die 
Lampe zugehen, bis A., aut die Lampe hinweisend, erklärt: „Dies 
war das Gedachte." So einfach dieser von Beard, Gley, Eichet, 
Obersteiner, Preyer in neuerer Zeit erklärte, von Chevreul 
schon vor 50 Jahren gekannte Vorgang ist, so räthselhaft erschien 
er anfangs vielen. Derselbe ist folgender: B. denkt fest an den 
Ort der Lampe und macht dabei mit seinem Körper, besonders 
auch mit dem Arme, Muskelzuckungen, die nach der Lampe zu ge- 
richtet sind. A. fühlt diese Muskelzuckungen und folgt ihnen; er 
lässt sich von diesen Zuckungen hinziehen und findet auf diese Weise 
den gedachten Gegenstand. B. hat natürlich die Bewegungen nicht 
absichtlich gemacht, mithin waren es unwillkürliche, er hat sie 
auch nicht bemerkt, es waren also auch unbewusste. Dennoch 
waren diese Bewegungen stark genug, um A. den Weg zu zeigen. 
An diesem Beispiel sehen wir nun Folgendes: B. hatte eine be- 
stimmte Vorstellung (nämlich die des Ortes der Lampe) im Kopf, 
und diese Vorstellung rief Bewegungen hervor. In dasselbe Gebiet 
ist das Bewegen der Lippen zu rechnen, das, wenn man intensiv 
an ein Wort denkt, entsteht (Stricker). 

Wir sahen also im Vorhergehenden, dass in uns erregte Vor- 
stellungen eine Wirkung hatten, die sich bald innerlich (als Vor- 
stellung, Empfindung etc.), bald äusserlich als Bewegung zeigte; in 
vielen Fällen, vielleicht immer, tritt eine innerliche und äusserliche 
Wirkung auf. Welcher Effect eintri tt, welche Vorstellung, welches 
Gefühl, welche Bewegung durch die erste Vorstellung bewirkt 
wird, ist abhängig von der Individualität der Person, von ihren 
Erinnerungsbildern, ihrem Charakter, ihren Gewohnheiten und von 
der Art der Vorstellung ; stets aber findet eine gewisse Wirkung statt. 

In vielen Fällen ist nun eine Person A. im Stande, eine ganz 
bestimmte Wirkung, die sie gerade beabsichtigt, zu erzielen, 
indem sie eine bestimmte Vorstellung in B. erweckt, und zwar 
wird die Wirkung oft unabhängig von dem Willen B.'s, ja sogar 
gegen seinen Willen erreicht. Sehen wir uns ein solches Beispiel 
beim Taschenspieler an ; er will mit der rechten Hand irgend einen 



Suggestion. 43 

Gegenstand greifen, ohne dass es das Publikum merkt. Um dies 
zu erreichen, sieht er nach irgend einem anderen Punkt, z. B. auf 
seine linke Hand; die Augen der Zuschauer folgen unwillkürlich 
den seinen. Durch seinen Blick nach der linken Hand hat der 
Taschenspieler es bewirkt, dass auch die Zuschauer nach derselben 
Sichtung sehen. Durch seinen Blick nach der linken Hand hat er 
nämlich fast blitzschnell in den Zuschauern die Vorstellung erweckt, 
dass an der linken Hand etwas stattfände, und diese Vorstellung 
hat auch einen Effect gehabt, nämlich den, dass die Zuschauer nach 
der linken Hand hinsahen. Der Taschenspieler weiss durch ähn- 
liches Vorgehen recht oft den Zuschauer zu beeinflussen; dieser 
wird durch jenen nicht selten veranlasst, nach einer Sichtung zu 
sehen, die der Taschenspieler wünscht, um an einer anderen nun nicht 
beobachteten Stelle Gegenstände zu vertauschen oder zu verbergen. 
Wir sehen also hier, dass der Taschenspieler einen Effect erzielte, 
den er wünschte, nämlich den, dass die Personen nach einer be- 
stimmten Sichtung sahen. Freilich aber hütet sich der Taschen- 
spieler, dem Zuschauer es zu sagen, dass er nach jener Sichtung 
sehen solle; würde dies gesagt werden, so würde der Zuschauer 
die Absicht merken und gerade nicht nach der Stelle hinsehen, die 
der Taschenspieler wünscht; es würde alsdann der gewünschte 
Effect nicht eintreten. 

Hingegen giebt es nun auch gewisse Fälle, wo man eine ge- 
wünschte Wirkung gerade dadurch erzielt, dass man den Eintritt 
der Wirkung ganz direct der Person versichert. In den meisten 
Fällen ist diese zwar im Stande, willkürlich den Eintritt solcher 
Wirkungen zu verhindern, aber doch nicht immer. Ein Beispiel, 
das Bonniot anführt, dürfte dies klar machen. Man sagt einer 
Person, die sich in Verlegenheit befindet: „Aber, Sie werden ja jetzt 
ganz roth im Gesicht!" Es ist bekannt, dass viele Personen dadurch, 
dass man in ihnen die Ueberzeugung vom Sothwerden erweckt, 
wirklich erröthen. Einen solchen Vorgang nun, bei dem 
man eine bestimmte Wirkung dadurch erzielt, dass 
man die Ueberzeugung von deren Eintritt in derPerson 
erweck t, nennt man eine Suggestion. Wir werden sie ausser- 
ordentlich oft in der Hypnose finden, und ich habe oben schon bei 
den Beispielen eine Anzahl solcher Suggestionen gezeigt. Das 
Nancyer Verfahren, um die Hypnose herbeizuführen, ist auch auf 
einen solchen Process zurückzuführen. Bei ihm sucht man die 
Ueberzeugung von dem Eintritt der Hypnose in der Versuchsperson 
und dadurch die Hypnose selbst zu erzeugen. 

Nun giebt es auch Fälle, wo die Vorstellung von dem Eintritt 



44 Autosuggestion; Fremdsuggestion; directe u. indirecte Suggestion. 

einer Wirkung nicht durch eine fremde Person erweckt wird, 
sondern wo man selbst diese Vorstellung- erzeugt. Es tritt nun 
auch hierbei sehr oft die entsprechende Wirkung ein, und zwar 
selbst gegen den eigenen Willen. Unter pathologischen Verhält- 
nissen finden wir diesen Vorgang sehr häufig; ein Stotterer z. B. 
kann, wenn er gar nicht daran denkt, dass er stottert, sehr gut 
sprechen, sobald er aber daran denkt, und sobald ihm die Ueberzeugung* 
kommt, dass er nicht würde ohne Stottern sprechen können, in dem- 
selben Augenblick fängt er an zu stottern. Da nun aber die Vor- 
stellung des Stotterns hier durch die Person selbst erzeugt wird, 
während die oben erwähnte Vorstellung von dem Erröthen durch 
einen Fremden erzeugt wurde, nennt man diesen letzteren Vorgang, 
wo der Fremde die Vorstellung erweckt, eine Fremdsuggestion 
oder Heterosuggestion (v. Bentivegni), den ersteren eine Selbst- 
suggestion oder Autosuggestion. 

Solche Autosuggestionen finden sich gar nicht so selten als 
pathologische Vorgänge. Hierher gehört die Platzangst oder 
Agoraphobie, die nichts ist als eine Autosuggestion. Der 
Patient wird hier von dem Gedanken beherrscht, dass er einen 
freien Platz allein nicht überschreiten könne; keine Vernunftgründe 
helfen hier. Der Patient erkennt deren Richtigkeit an, ohne jedoch 
sich durch sie beeinflussen zu lassen, weil seine Autosuggestion zu 
mächtig ist. Ueberhaupt ist meistens das logische Denken gegen- 
über diesen Autosuggestionen machtlos. Viele hysterische Läh- 
mungen sind gleichfalls Autosuggestionen; so kann mancher Patient 
die Beine nicht bewegen, weil er die Ueberzeugung hat, dass die 
Bewegung unmöglich sei; gelingt es,' ihn von dieser Ueberzeugung* 
abzubringen, so ist die Bewegung sofort ausführbar. 

Die Autosuggestionen können mitunter durch einen Anlass 
hervorgerufen werden, und dieser kann von aussen auf die Person 
einwirken und dadurch eine Autosuggestion herbeiführen. Einzelne 
traumatische Lähmungen führt Charcot auf einen derartigen Ent- 
stehungsmechanismus zurück, obwohl die Discussionen hierüber noch 
nicht geschlossen sind. Nach dieser Auffassung kann ein heftiger 
Stoss auf einen Arm infolge gewisser Störungen der Sensibilität 
in der betroffenen Person die Ueberzeugung hervorrufen, dass der 
Arm bewegungslos sei. Da der Stoss nun diese Ueberzeugung 
hervorrief, so steht dieser Fall etwa in der Mitte zwischen der 
Fremd- und der Autosuggestion. Wir wollen alle Fälle, wo die 
Autosuggestion nicht unmittelbar entstand, sondern durch irgend 
einen anderen Vorgang z. B. einen Stoss erzeugt wurde, als in- 
directe Suggestionen bezeichnen; im Gegensatze zu der directen 



45 

Suggestion, welche unmittelbar eine bestimmte Vorstellung- erweckt, 
wovon ich schon mehrere Beispiele gezeigt habe. Es ist übrigens 
nicht immer nöthig, dass bei der Suggestion eine bewusste Ueber- 
legung stattfindet; Individualität und Gewohnheit ersetzen diese 
mitunter und spielen eine grosse Rolle bei der noch zu besprechen- 
den Dressur. Hat z. B. irgend ein äusseres Zeichen, etwa ein 
Stoss auf den Arm, mehrere Male in Folge bewusster Ueberlegung 
die Autosuggestion bewirkt, dass der Arm gelähmt sei, so kann 
dieselbe später bei jedem Stosse sich mechanisch wiederholen, ohne 
dass eine genauere Ueberlegung über die Wirkung des Stosses 
stattfindet. 

Voraussetzung für das Auftreten aller Suggestionen ist, dass 
ein bestimmter psychischer Zustand vorhanden ist, der die Dis- 
position hierfür bietet. Die Disposition zur Suggestion wird als 
Suggestibilität bezeichnet; sie muss vorhanden sein, wenn die 
Suggestion gelingen soll und muss dieser vorausgehen (v. Ben- 
tivegni); die Person, die sich in einem derartigen Zustand be- 
findet, bezeichnet man als suggestibel. 

Wir werden nun sehen, dass wir in dieser Weise während der 
Hypnose viele Wirkungen durch Suggestion erzielen. Wir werden 
aber weiter sehen, dass wir nicht nur in der Hypnose selbst da- 
durch Wirkungen erzielen (hypnotischeoder intrahypnotische 
Suggestion), dass vielmehr diese Wirkungen sich auch auf die 
Zeit nach der Hypnose erstrecken. Wir nennen dies posthyp- 
notische Suggestion. Bei ihr sagen wir der Person in der 
Hypnose, dass nach dem Erwachen aus derselben ein bestimmter 
Erfolg eintreten wird. Man kann auch noch eine weitere Art 
unterscheiden, bei der man vor dem Eintritt der H3 T pnose etwas 
der Person eingiebt, was während der Hypnose eintreten soll: 
prähypnotische Suggestion (Maack). 



1) Physiologie. 

Gehen wir nun zur Besprechung der Functionen der einzelnen 
Organe über. Die Veränderungen, die wir hier in der Hypnose 
finden, betreifen die willkürliche und unwillkürliche Muskulatur, 



46 Willkürliche Muskulatur. 

sodann die Sinnesorgane und die Gemeingefühle, die Secretionen, 
den Stoffwechsel und in seltenen Fällen auch die organisirende 
Zellenthätigkeit. 

x^m häufigsten zeigt die willkürliche Muskulatur Ab- 
weichungen, und zwar übt auf deren Function während der Hyp- 
nose die Suggestion einen ausserordentlichen Einfluss aus. 

Fragen wir zunächst: wie verhält sich die Function der will- 
kürlichen Muskeln in der Hypnose, wenn keinerlei äussere Ein- 
wirkung stattfindet? Wir sehen hierbei die grössten Differenzen 
vorwalten, je nach der Methode, die zur Hypnotisirung gewählt 
wurde und je nach der Individualität der Versuchsperson. Einzelne 
sind im Stande, während der Hypnose sich vollkommen frei zu be- 
wegen, bis der Befehl des Experimentators irgend eine Bewegung 
inhibirt; mancher hingegen bietet den Eindruck einer schlafenden 
Person; hier sehen wir gar keine oder ganz seltene Bewegungen 
vorkommen, die noch dazu einen äusserst langsamen und schwer- 
fälligen Charakter haben. Wir werden bei Besprechung der 
Suggestionserscheinungen sehen, dass diese Bewegungsunfähigkeit 
in seltenen Fällen auch nicht durch den Befehl des Hypnotisten 
gehoben werden kann. Dass zwischen diesen Extremen der voll- 
kommen freien Beweglichkeit und der Bewegungsunfähigkeit alle 
Uebergänge vorkommen, ist selbstverständlich. Gleichviel nun, 
welcher von diesen Charakteren vorwiegt; fast stets ist die 
Muskelthätigkeit durch die Suggestion 1 ) in hohem Maasse zu be- 
einflussen. Durch sie können wir die vorhandenen Bewegungen un- 
möglich machen und vorher unmögliche Bewegungen hervorbringen. 

Ich habe (S. 16) bei der zweiten Versuchsperson gezeigt, wie 
leicht ich im Stande bin, deren Arm unbeweglich zu machen und 
zwar lediglich dadurch, dass ich in ihr die Vorstellung erweckte, 
dass der Arm bewegungslos sei. In ganz gleicher Weise nun 
lassen sich die Bewegungen der Beine, des Rumpfes, des Kehl- 
kopfes u. s. w. der Willkür der Versuchsperson entziehen. „Sie 
können ihren Arm nicht hoch heben, nicht die Zunge heraus- 
strecken;" dies genügt, und die verbotene Bewegung wird un- 
möglich. In einigen Fällen entsteht nun hierbei die Bewegungs- 
losigkeit dadurch, dass die Person willkürlich keinen Muskel 
contrahiren kann, so dass der Arm vollkommen erschlafft liegen 
bleibt, während in anderen Fällen eine Contractur der Antagonisten 
jede willkürliche Bewegung vereitelt (Bleuler). In gleicher 



] ) Ich werde im Folgenden der Kürze halber Suggestion stets für Fremd- 
suggestion brauchen, wenn nicht das Gegentheil ausdrücklich gesagt ist. 



Verhinderung u. Hervorbringung von Bewegungen durch Suggestion. 47 

Weise wird auf Befehl das Bein unbeweglich. Wir haben (S. 16) 
beim Versuch II. gesehen, wie man ebenso die Sprache nehmen 
kann. Ja man ist im Stande, die Function der Muskeln nur für 
eine bestimmte Leistung- zu gestatten. Man sage einem Hypnotischen: 
„Sie können nur Ihren Namen aussprechen, sonst aber sind Sie voll- 
kommen stumm;" mit vollster Sicherheit tritt der gewünschte 
Effect ein. Ebenso ist man im Stande, die Bewegungen des Armes 
für bestimmte Functionen auszuschliessen ; so kann man es einer 
Person unmöglich machen zu schreiben, während sie gleichzeitig 
alle anderen Arbeiten ausführen kann. Sie kann alsdann nähen, 
Ciavier spielen etc.; sobald sie aber zu schreiben versucht, sind 
alle Anstrengungen vergebens. Die Bewegungen werden meistens 
erst in dem Moment möglich, wo der Experimentator die Erlaubniss 
ertheilt. Auffallend ist, dass man bei einigen Personen diese, bei 
anderen jene Muskeln durch Suggestion leichter beeinflussen kann. 
So z. B. ist man im Stande, eine Person durch Suggestion stumm 
zu machen, während die anderen Muskeln trotz aller Suggestionen 
nach dem Willen der Person functioniren. Bei einer anderen 
wiederum werden zunächst die Arme unbeweglich, während die 
Sprache ungestört bleibt. 

In ganz gleicher Weise, wie durch Suggestion die Bewegungen 
von Muskeln verhindert werden, werden auch durch Suggestion 
gegen oder ohne den Willen der Versuchsperson Bewegungen hervor- 
gebracht. Wir haben (S. 16) gesehen, wie die dritte Versuchsperson 
auf Befehl niederkniete, mir folgte u. s. w. Einer anderen Person 
sage ich : „Ihr rechter Arm hebt sich und legt sich auf den Kopf;" 
es geschieht dies sofort. Ich hebe ausdrücklich hervor, dass ge- 
schieden werden muss, ob solche Bewegungen ohne oder gegen 
den Willen J ) der Person zu Stande kommen, da das letztere bereits 
eine Erhöhung der Suggestibilität beweist. Ich sage einer Person: 
„Ihr linker Arm wird sich jetzt in die Höhe heben" und, wie von 
einem Faden gezogen, hebt sich der Arm, ohne dass die Versuchs- 
person eine absichtliche Bewegung macht, aber auch ohne dass sie 
daran denkt, die Bewegung zu verhindern. An einer gewissen 
Grleichmässigkeit und Ruhe unterscheidet man oft diese, ohne den 
Willen hervorgebrachten Bewegungen, von denen, die gegen den 
Willen zu Stande kommen. Diese letzteren sind fast immer durch 



*) Um nicht allgemein verständliche Ausdrücke durch andere zu ersetzen, 
brauche ich hier und auch sonst gelegentlich das Wort „Wille", obwohl streng 
psychologisch vielleicht statt dessen „Willkür" oder „Wunsch" angewendet werden 
müsste. 



48 Suggerirte Lähmungen und Handlungen. 

starke Zuckungen und durch Zittern charakterisirt, worin sich die 
hochgradige Anstrengung, gegen ( den Willen des Hypnotisten zu 
handeln, zeigt. 

Ganz ebenso muss der Hypnotisirte auf Befehl husten, lachen, 
sprechen, springen u. s. w. 

Man ist ferner im Stande, durch Suggestion das Bild einer 
Lähmung einzelner Extremitäten zu erzeugen. Diese isolirten 
Lähmungen haben grosse Ähnlichkeit mit den ohne Hypnose ent- 
stehenden psychischen Lähmungen, wie sie 1869 Russell Reynolds 
als paralysis dependent on idea und später Erb als Lähmung 
durch Einbildung beschrieben haben. Die Schüler Charcots 
haben sich bemüht, objective Merkmale dieser durch Suggestion er- 
zeugten Lähmungen zu finden. Dass durch eine besondere Association 
von Symptomen derartige objective Veränderungen vorkommen 
können, ist zweifellos und ist auch von v. Krafft-Ebing be- 
stätigt. Wir müssen uns darüber jedoch klar sein, dass dies nicht 
als Regel aufgefasst werden darf. Nach Lober, G-illes de la 
Tourette und Rieh er ist der klinische Charakter dieser 
Lähmungen ausgezeichnet durch absoluten Verlust der Motilität 
und Sensibilität, Steigerung der Sehnenreflexe, Fussklonus, ev. 
Klonus an der Hand, vollkommenen Verlust des Muskelgefühls, 
d. h. der Fähigkeit, über die Stellung der Glieder und über die 
Thätigkeit der Muskeln Gewissheit zu haben, veränderte elek- 
trische Erregbarkeit, vasomotorische Störungen; diese letzteren 
sollen objeetiv besonders als lebhafte Röthung der Haut bei 
kleinen Reizen sich zeigen. Diese Art von Lähmungen kann 
sowohl hypnotisch wie posthypnotisch producirt werden. Ebenso 
wie diese schlaffen Lähmungen, bei denen die Muskeln voll- 
kommen erschlafft sind, können auch Lähmungen mit Contractur, 
bei denen die Muskeln sich in einem andauernden Contractions- 
zustand befinden, suggestiv hervorgerufen werden. 

In ganz gleicher Weise, wie die oben gezeigten einzelnen Be- 
wegungen, kommen auch sehr complicirte Bewegungen, ja Hand- 
lungen, wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf, bei solchen 
willenlosen Subjecten durch Suggestion zu Stande. Ich sage der 
Person: „Sie werden sich dreimal im Kreise drehen" oder auch 
„Sie holen diesen Gegenstand vom Tische herunter, Sie müssen 
hingehen, Sie können nicht anders handeln;" die Versuchsperson 
führt die anbefohlene Handlung aus. 

Die Suggestion selbst wird auf verschiedene Weise gemacht. 
Die Hauptsache ist nur, und darauf kommt alles an, dass die 
Versuchsperson richtig versteht, was der Ex- 



Fascination. 49 

perimentator will. Jedes Sinnesorgan kann als Eingangs- 
pforte der Eingebung- gelten. Das Häufigste ist natürlich unser 
gewöhnliches Unterhaltungsmittel, die Sprache (Yerbalsuggestion), 
mittels deren wir dem Sujet sagen, was wir wünschen. Sehr 
wichtig und viel wirksamer, wie Worte allein, ist die Begleitung 
derselben durch Ausführung der Bewegung seitens des Ex- 
perimentators, die der Hypnotische machen soll. Berufsmagnetiseure 
haben daher auch die Gewohnheit, Bewegungen durch Imitation zu 
veranlassen. Hei de nhain wurde dadurch anfangs zu der irrigen 
Meinung verleitet, dass alle derartigen Bewegungen von Hypno- 
tischen auf Imitation beruhten. 

Die Imitation tritt besonders bei dem hypnotischen Zustande 
auf, den einzelne Autoren (Bremaud, Morselli, Tanzi) ein- 
gehend studirt haben, bei der Fascination oder Captation 
wie sie Descourtis nennt. Ich habe (S. 16) bei dem Versuch HI. 
einen hierher gehörigen Fall gezeigt. Ein Berufsmagnetiseur, 
Donato, hat insbesondere diesen Zustand genauer demonstrirt, 
und Morselli sowie andere haben desshalb diese Form der Hypnose 
auch als Donatismus bezeichnet, Donato bedient sich, wie ich 
bei ihm in Paris sah, eines besonderen Verfahrens, um diesen Zu- 
stand hervorzubringen; dasselbe bezweckt wesentlich eine primäre 
forcirte Contractur aller Muskeln des Körpers, um dadurch die 
Willkürbewegungen möglichst zu beschränken; von Anfang an sind 
hierbei die Augen des Hypnotisten und des Sujets fest auf einander 
gerichtet. Das letztere folgt alsdann schliesslich jeder Bewegung 
des Experimentators ; weicht dieser zurück, so folgt jenes, geht er 
vor, so geht das Sujet zurück. Ebenso ahmt das letztere jede 
andere Bewegung des Experimentators nach, vorausgesetzt jedoch, 
dass es weiss, dass es die Bewe gung nachahmen soll; 
dies ist die Hauptsache. Hier sehen wir, wie oben beim Ver- 
such III, dass die Fascination primär entsteht. Man kann sie 
aber auch secundär aus den anderen hypnotischen Zuständen ent- 
stehen lassen, und dies ist das häufigere. Es kann der Experimen- 
tator, nachdem er das Individuum auf eine andere Weise hypnotisirt 
und die Augen hat öffnen lassen, diese scharf fixiren und nun die- 
selben Erscheinungen hervorbringen. Eine Abart der Fascination 
ist das Bannen der Augen des Sujets an irgend ein anderes Object, 
z. B. den Finger des Experimentators; hierbei folgt der Fascinirte 
allen Bewegungen, die mit dem Finger gemacht werden. 

Auch ausserhalb der Fascination spielt die Imitation in der 
Hypnose eine grosse Rolle. Es beruht dies darauf, dass der An- 
blick der Bewegung ein viel lebhafteres Bewegungsbild in dem 

Moll, HypnotiBmus. 4 



'KJ 



50 Saggestion durch Gesten und Musik. 

Hypnotischen erweckt, als der einfache Befehl; dieses aber ist die 
"Bedingung zum Gelingen der Suggestion. 

Ebenso sind auch andere Gesten im Stande, die Verbal- 
suggestion zu erleichtern. Um jemanden zum Mederknieen zu 
£7 zwingen, ist die Ertheilung des Befehles mit einer entsprechenden 
2E energischen Handbewegung sehr wirksam, wie bei Versuch III. 
Hierher gehört auch die Erscheinung, welche die Magnetiseure 
.-mit Vorliebe zu demonstriren pflegen; nämlich die Anziehung des 
Hypnotisirten durch den Experimentator. Handbewegungen, die 
dieser macht, deuten dem Hypnotisirten an, dass er sich dem 
Experimentator nähern solle. In gleicher Weise aber kann dieser 
den Hypnotischen fortstossen, indem er ihm andeutet, dass er fort- 
gehen solle; besonders geschieht dies durch abweisende Handbe- 
wegungen. Es ist hierbei gar nicht nöthig, dass der Hypnotisirte 
die Bewegungen des Experimentators sieht; es genügt ihm, sie zu 
erkennen, sei es, dass sie durch ein Geräusch, sei es, dass sie 
durch einen Luftzug sich verrathen; so gehorcht der Hypnotische 
dem Experimentator, selbst wenn er diesem mit dem Rücken zuge- 
kehrt ist. Auf der gleichen Erscheinung beruht die Anziehung und 
Abstossung einzelner Glieder des Hypnotischen, die gleichfalls 
durch Gesten, resp. durch deren Wahrnehmung seitens des Hypno- 
tischen geschieht. Es kann der Experimentator, ohne ein Wort zu 
reden, lediglich durch Zeichen mit seiner Hand die Hand des Sujets 
sich erheben und senken lassen; auch mit seinem Blick erreicht 
der Experimentator viele Wirkungen. Es ist nicht nöthig, wie bei 
der Fascination, die Augen des Hypnotischen zu fixiren. Jener sieht 
das Bein desselben an, sofort ist es unbeweglich. Der Hypnotische 
geht; plötzlich fixirt der Experimentator eine Stelle des Fuss- 
bodens, der Hypnotische bleibt hier festgebannt stehen. Es er- 
innern diese Erscheinungen lebhaft an den „Bösen Blick," an den 
Zauberblick und dergl., mittelst dessen man im Stande sein sollte, 
durch blosses Anblicken einen unheilvollen Einfluss auszuüben. 

Ich will auch schon hier erwähnen, dass nicht nur die Sprache, 
sondern auch das Hören von Musik suggestiv wirkt. Beim Spielen 
eines Tanzstückes tanzt der Hypnotische, dem Rhythmus folgend, 
den betreifenden Tanz, um eventuell beim Spielen eines neuen 
Tanzes den Schritt entsprechend zu verändern. Der Einfluss der 
Musik auf den Menschen ist schon lange bekannt und tritt in der 
Hypnose ganz besonders hervor. Ich füge hinzu, dass man während 
der Hypnose mittelst der Musik die verschiedensten Stimmungen 
und Gefühle erweckt, entsprechend der Art der Musik. Selbstver- 
ständlich muss der Hypnotische ein Verständniss hierfür haben, da 



Suggestivkatalepsie. 51 

ohne Erfüllung dieser Vorbedingung die Musik einen Einliuss nicht 
ausübt. Schon Mesmer kannte diesen Einliuss der Musik und 
benützte zur Erzielung der nöthigen Wirkung ein damals neu 
erfundenes Instrument, die Glockenharmonika. 

Eine besondere Besprechung als Eingangsweg der Suggestion 
verdient der Muskelsinn, der uns jederzeit über die Stellung unserer 
Glieder aufklärt. Er bewirkt die Erscheinung, welche die Nancyer 
als Suggestivkatalepsie 1 ) bezeichnen; sie findet sich auch ausser- 
halb der Hypnose, z. B. bei einigen Typhuskranken (Bern heim). 
Sie ist in der Hypnose sehr häufig und zeigt sich in dem folgenden 
Beispiel: ich hebe den Arm eines Hypnotischen auf, halte ihn in 
der Luft und lasse ihn dann los; der Arm bleibt stehen, wie ich 
ihn gestellt habe, ohne dass ich etwas sage. Warum geschieht 
dies? Weil die Versuchsperson glaubt, dass sie ihn 
stehen lassen soll, und weil diese Suggestion durch den Muskel- 
sinn ihr zugeführt wurde. Eine andere Person lässt den Arm 
fallen, ich hebe ihn nochmals in die Höhe und sage dabei: „Der 
Arm bleibt stehen;" das geschieht nun; ebenfalls nur, weil die 
Person jetzt weiss, dass sie ihn stehen lassen soll, während das 
einfache Hochheben von ihr nicht verstanden wurde. Kehren wir 
zur ersten Versuchsperson zurück; ich hebe den Arm nochmals in 
die Höhe und sage gleichzeitig: „Der Arm fällt herab," es ge- 
schieht dies in der That; offenbar nur, weil die Person glaubt, 
dass sie ihn jetzt herabfallen lassen soll. In ganz gleicher Weise 
können nun die Beine, Kopf, Rumpf u. s. w. in die verschiedensten 
Stellungen gebracht und in dieser gehalten werden; lediglich der 
Muskelsinn ist hier der Vermittler der Suggestion. Die Neigung 
der Versuchsperson, kataleptische Stellungen beizubehalten, ist so 
gross, dass Heidenhain den hypnotischen Zustand als eine künst- 
lich erzeugte Katalepsie auffasste. Die Suggestivkatalepsie 
hat mit physischen Veränderungen des Muskels gar 
nichts zu thun. 

Die Hauptsache, um die Katalepsie zu erreichen, ist, dass die 
Idee von der betreffenden Stellung seitens des Sujets angenommen 
wird. Mitunter muss die Idee sich erst festsetzen, ehe man das 
gewünschte Resultat erreicht. Man muss zu diesem Behüte durch 



*) Da über den Begriff „Katalepsie" die verschiedensten Ansichten bestehen, 
so bemerke ich, dass ich der Kürze halber hierunter, jeden Zustand bezeichnen 
werde, wo die Willkürbewegungen verloren gehen, und die Glieder in einer 
Stellung verharren, die ihnen vom Experimentator gegeben wird — ohne Rück- 
sicht darauf, wie lange die Zeit dauert, bis die Glieder frei beweglich sind oder, 
der Schwere folgend, herabfallen. 



52 Katalepsie durch mesmerische Striche. 

irgend welche Mittel eine Zeit lang die Idee einwirken lassen. 
Dies geschieht sowohl durch Worte wie durch andere Zeichen; 
viele Personen können erst dann zur Suggestivkatalepsie gebracht 
werden, wenn man die betreifende Stellung eine Zeit lang beibehält. 

An dieser Stelle verdienen auch eine besondere Erwähnung die 
mesmerischen Striche, die wir (S. 22) als Hj^pnotisirungsmittel kennen 
gelernt haben. Man kann nämlich die mesmerischen Striche in der 
Hypnose auch localisirt anwenden, z. B. längs eines Armes, um 
diesen kataleptisch zu machen. Die Wirkung derselben ist oft 
frappant; kataleptische Stellungen, die man durch Verbal- 
suggestionen gar nicht erreichen kann, treten auf diese Weise oft 
ein. Soweit ich diese Erscheinungen studiren konnte, ist es auch 
hier nicht nöthig, zur Erklärung eine besondere Kraft anzunehmen. 
Vielmehr ist nach meiner Ansicht die Wirksamkeit der mesmerischen 
Striche dadurch bedingt, dass durch sie die ganze Aufmerksamkeit 
des Subjects längere Zeit auf den Arm hingelenkt wird. Dadurch 
hat die Idee Zeit, sich festzusetzen. Man versuche es in dieser 
Weise, sich einen Arm oder ein Bein mesmerisiren zu lassen, und 
man wird finden, wie die ganze Aufmerksamkeit diesem Körper- 
theil zugekehrt ist und zwar viel stärker zugekehrt ist, als wenn 
man in anderer Weise auf diese Glieder die Aufmerksamkeit con- 
centrirt. Daher kommt es auch, dass die Contraction oft erst 
dann eintritt, wenn die mesmerischen Striche eine Zeit lang die 
Aufmerksamkeit auf den entsprechenden Körpertheil hingelenkt 
haben. Ganz ebenso wie die ohne Berührung vorgenommenen 
Striche wirken auch die mit Berührung vorgenommenen. Jeden- 
falls, und dies ist festzuhalten, findet die Wirkung derselben nur 
dann statt, wenn das Individuum eine Vorstellung von dem hat, 
was eintreten soll. Dass centrifugal gemachte Striche die Con- 
traction hervorrufen, centripetale sie zum Verschwinden bringen, 
ist eine oft angegebene Erscheinung; doch scheint es sich hierbei 
um eine unbeabsichtigte Suggestion zu handeln. Ich war übrigens 
oft im Stande, durch centripetale Striche dasselbe zu erreichen, 
wie durch centrifugale. 

In dieser Weise also, sehen wir, wirkt die Suggestion auf die 
Bewegungen. Eine bestimmte Stellung wird von der Person ein- 
genommen, weil ihr die Idee dazu vom Experimentator ein- 
gepflanzt wird. 

Eine derartige eingepflanzte Idee hat aber noch eine besondere 
Wirkung in der Hypnose. Sie hat nämlich oft die Neigung, 
sich festzusetzen und in Folge dessen eine längere Wirkung 
auszuüben. Diese Fortdauer der Wirkung kann sich in dreierlei 



Contracturen ; fortgesetzte Bewegungen. 53 

Weise äussern, einmal dadurch, dass ein bestimmter Contractions- 
zustand längere Zeit beibehalten wird, d. h. es tritt eine Con- 
tractur ein, zweitens aber auch dadurch, dass eine bestimmte 
Bewegung längere Zeit fortgesetzt wird, drittens dadurch, dass 
wenn die Muskeln erschlafft sind, eine Contraction derselben gar 
nicht oder nur schwer zu erreichen ist. Ich bin entschieden 
der Ansicht, dass man diese Erscheinungen im Gebiete der Muskeln 
von der Suggestion trennen muss, die zwar eine bestimmte Function 
herbeiführt, deren lange Dauer aber nicht erklärt. Mitunter ist 
es selbst nicht einmal möglich, durch eine neue Suggestion die 
Wirkung der ersteren zu unterbrechen. 

Ich gebe einer Person den Befehl, sie solle den rechten Arm 
stark ausstrecken. Der Arm wird ausgestreckt, und es ist der 
Person nicht möglich, ihn nun durch den eigenen Willen zu beugen, 
d. h. die Muskeln befinden sich in dem Zustande der Contractu r. 
In den meisten Fällen wird auf meinen Befehl, den Arm zu beugen, 
dies sofort erreicht. Aber es giebt doch einzelne Fälle, wo auch 
der Experimentator nicht im Stande ist, diesen Contracturzustand 
•schnell zu beseitigen, weil die frühere Idee noch nachwirkt. Je 
stärker die Muskelcontraction war, um so schwerer ist es zuweilen, 
den Contracturzustand momentan zu heben. 

Ebenso kann aber auch eine bestimmte Bewegung längere 
Zeit fortgesetzt werden. In dieses Gebiet gehören die sogenannten 
automatischen Bewegungen (Liebeault, Bernheim), 
oder fortgesetzte Bewegungen, wie sie Max Dessoir nennt. 
Dreht man die Arme eines Hypnotisirten um einander herum, so 
hat der Hypnotisirte die Neigung, diese Bewegung noch fortzu- 
setzen, auch wenn der Experimentator nicht selbst mehr dreht. Es 
geschieht dies gleichfalls, weil jener glaubt, dass ihm der Befehl 
zum Drehen gegeben ist. In manchen Fällen dreht er ganz passiv 
während er in anderen, besonders auf Aufforderung hin, einen 
möglichst starken Widerstand versucht, um die Arme anzuhalten. 
Dieser Widerstand ist jedoch erfolglos; gegen jede Willens- 
anstrengung wird die Bewegung fortgesetzt. In den meisten 
Fällen genügt eine neue Suggestion des Experimentators, dass die 
Arme stehen bleiben, um sofort die Bewegungen zu hemmen. Mit- 
unter ist die Idee so lebhaft eingedrungen, dass es dem Experimen- 
tator nicht möglich ist, durch einen Gegenbefehl den sofortigen 
Stillstand zu erreichen. Ich sah es in dieser Weise öfter, dass 
trotz meines Befehles die Bewegung noch eine ganze Weile fort- 
gesetzt wurde. In gleicherweise werden nun die verschiedensten 
Bewegungen fortgesetzt, wenn einmal der Anfang gemacht ist. 



54 Active und passive Hypnose. 

Ich hebe einen Arm in die Höhe und lasse ihn in leichte Beuge- 
bewegung im Ellenbogengelenk übergehen ; sobald ich ihn loslasse, 
setzt er die angefangene Bewegung fort. Wenn der Hypnotisirte 
gehen soll, aber dem Befelü nicht nachkommt, so ziehe man ihn ein 
kleines Stückchen vorwärts; sobald man ihn nun sich selbst über- 
lässt, setzt er automatisch die G-ehbewegung fort (Heidenhain). 
Hierher gehört auch das unwillkürliche Lachen, das ich öfter fand; 
es tritt auf Befehl oder auf leichte Veranlassung ein. Weder durch 
den Befehl des Experimentators noch durch den Willen des Hyp- 
notischen kann dasselbe beendet werden; Obersteiner, der in 
Österreich zuerst für das wissenschaftliche Studium des Hypnotismus 
eintrat, hat das hypnotische Lachen bei sich selbst beobachtet und 
beschrieben. Ebenso kann man als automatische Bewegungen ab- 
wechselnde Beuge- und Streckbewegungen im Armgelenk oder 
Kniegelenk erzeugen, dessgleichen Nick- oder Schüttelbewegungen 
des Kopfes u. s. w. 

In einzelnen Fällen ist übrigens die Passivität des Individuums 
so gross, dass die Idee einer Bewegung überhaupt sich nicht fest- 
setzt. Hier ist auch die Suggestion des Experimentators nicht im 
Stande, die Muskelschlaffheit zu überwinden. Derartige Personen 
lassen, wenn man den Arm hebt, ihn trotz aller Suggestion sofort 
wieder herabfallen. Fragen werden nicht beantwortet, oder nur 
ganz leichte Bewegungen mit den Lippen zeigen an, dass sie ge- 
hört wurden. Je nach dem Fehlen oder Vorwiegen dieser Muskel- 
schlaffheit kann man zwei verschiedene Charaktere der Hj^pnose 
unterscheiden, die als active und passive bezeichnet werden. 
Die letztere Form hat äusserlich grosse Aehnlichkeit mit dem natür- 
lichen Schlafe, während die erstere bei oberflächlicher Beobachtung 
leicht für einen wachen Zustand gehalten wird. Die passive 
Hypnose wird von einzelnen Autoren (Braid) nicht als eine Form 
der Hypnose angesehen, sondern zum Schlaf gerechnet, weil eben 
diejenige Eigenschaft fehlt, welche jene Forscher als das Charak- 
teristikum der Hypnose ansehen, nämlich die Katalepsie. Mir 
scheint diese nicht absolut nothwendig, um Hypnose anzunehmen. 
Die passive Hypnose zeigt sich oft schon bei Beginn als solche; 
sobald die Augen sich schliessen, senkt sich der Kopf nach vorn 
oder nach hinten, indem die stützenden Halsmuskeln erschlaffen. 
Dass übrigens zahlreiche Uebergänge zwischen activer und passiver 
Hypnose bestehen, dass man eine oft in die andere überführen kann, 
ist selbstverständlich. 

Eine besondere Besprechung erfordern an dieser Stelle die 
Bewegungsstörungen, die sich am Auge zeigen. Wir sahen schon 



Erscheinungen am Auge. 55 

oben, dass manche Hypnose nur durch den Augenschluss charak- 
terisirt ist, während er in vielen Fällen zu anderen Symptomen 
hinzukömmt. Er steht gleichfalls unter dem Einfluss der Suggestion, 
und es genügt in den meisten Fällen der Befehl des Experimentators, 
um das Oeffnen der Augen augenblicklich herbeizuführen. Der 
Augenschluss ist sehr günstig für den Eintritt anderer hypnotischer 
Phänomene, aber doch nicht unumgänglich nothwendig. Es giebt 
sogar Personen, die beim Fixiren in den tiefsten Grad der Hypnose 
kommen, ohne dass die Augen sich dabei geschlossen hätten 
(Gurney). 

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass bereits Heide nhain den Augenschluss 
als alleiniges Symptom der Hypnose kannte und anerkannte. Um so mehr ist es 
zu verwundern , dass die Kenntniss dieser leichten hypnotischen Zustände voll- 
kommen verloren ging. Als ich vor zwei Jahren eine Person aus dem Berliner 
Frauensiechenhause mittelst des Nancyer Verfahrens in diesen Zustand der 
Hypnose bei dem ersten Versuch versetzte, glaubte Herr Professor Ewald, der 
an derselben Person früher vergebliche Versuche mittelst Fixirens gemacht hatte, 
den Augenschluss für eine Simulation halten zu müssen. Es waren eben diese 
leichten Zustände damals ziemlich imbekannt. 

Trotzdem nun, wie wir sahen, ein Augenschluss nicht absolut 
nöthig ist, um eine Hypnose einzuleiten, so sind doch in den 
meisten Fällen die Augen geschlossen, und es ist oft nicht möglich, 
die Augen öffnen zu lassen, ohne dass dabei gleichzeitig die ganze 
Hypnose beendet würde. Selbst wenn unter Fortdauer derselben 
die Augen geöffnet sind, so besteht dennoch in vielen Fällen eine 
gewisse Schwere in den Augenlidern und das Bedürfniss, das Auge 
zu schliessen. Indessen liegt hier auch viel an der Methode, und 
speciell die primäre Fascination findet stets bei weit geöffneten 
Augen statt. Der Augenschluss selbst ist mitunter ganz leicht 
und nicht krampfhaft; in einer ganzen Reihe von Fällen sah ich 
jedoch, dass der Augenschliessmuskel krampfhaft contrahirt ist. 
Uebrigens machen schon Braid und Heiden hain darauf auf- 
merksam, dass, wo die Augenlider schliessen, auch bei der tiefen 
Hypnose, der Augenschluss nicht immer ein absoluter ist. Es 
bleibt oft eine kleine Spalte offen, die desswegen nicht unwichtig 
ist, weil mancher Versuch des Hellsehens, auch manches angebliche 
Lesen mit der Magengrube, auf dem Sehen durch diese kleine 
Spalte beruht. Jedenfalls ist der Augenschluss ein häufiges Vor- 
kommen bei der Hypnose, und speciell bei Anwendung des Nancyer 
Verfahrens das gewöhnliche. Jeder wird hier wohl daran erinnert, 
dass auch beim Eintritt des natürlichen Schlafes die Schwere in 
den Augenlidern, das Müdigkeitsgefühl um die Augen herum eines 
der ersten Symptome ist. 



56 Verschiedene Artea der Katalepsie. 

Während die Augen geschlossen sind, befinden sich nicht 
selten die Lider in einer vibrirenden, zitterartigen Bewegung; 
doch hat dieses Zeichen keinen wesentlichen diagnostischen Werth, 
da es einerseits mitunter fehlt, andrerseits aber ohne Hypnose oft 
eintritt. Während die Augen sich schliessen, sehen wir nicht selten 
die Bulbi nach oben rotiren. Während jedoch in einzelnen Fällen 
diese Rotation bestehen bleibt, kann in anderen Fällen unmittelbar 
nach dem Augenschluss der Bulbus seine natürliche Stellung ein- 
nehmen. Findet dies nicht statt, so erblickt man bei dem künst- 
lichen Heben der Augenlider nur die weisse Sclera. Die von 
einigen beschriebene Convergenz der Augäpfel in der Hypnose 
konnte ich nur in einem Falle von Hysteroepilepsie finden. Dass 
man gelegentlich Convergenz durch Suggestion erzielen kann, wird 
von B o r e 1 angegeben. Sind die Augen geöffnet, so soll, wie mehr- 
fach beschrieben ist, ein leichter Grad von Exophthalmus beobachtet 
werden; dieses Symptom scheint jedoch nur bei Anwendung der 
Fixationsmethode constatirt zu sein. 



Der willkürliche Bewegungsapparat steht also während der 
Hypnose, wie wir sahen, ganz wesentlich unter dem Einfluss der 
Fremdsuggestion. Eine weitere Eigenthümlichkeit ist, dass eine 
bestimmte Bewegung oder ein bestimmter Contractionszustand der 
Muskeln nicht immer schnell gehemmt werden kann, und endlich 
sahen wir, dass in einzelnen Fällen die Muskeln gar nicht oder 
nur wenig zur Contraction gebracht werden können. Irgend 
eine dieser Functionsstörungen der Muskeln besteht 
in jedem hypnotischen Zustande. Wenn dieselbe sich auch 
mitunter nur auf die Unmöglichkeit, das Auge zu öffnen, be- 
schränkt, so sehen wir in anderen hypnotischen Zuständen, dass 
auch die anderen Muskeln des Körpers von der Functionsstörung 
ergriffen werden. 

Durch verschiedene Combination der erwähnten Abnormitäten 
und durch die verschiedene Localisation in den Muskeln kommen 
nun die wechselndsten Bilder zu Stande. Die verschiedenen Arten 
der Katalepsie entstehen auf diese Weise. Bernheim unter- 
scheidet mehrere Formen von dieser Katalepsie, je nach der Leich- 
tigkeit, mit der man im Stande ist, die kataleptischen Stellungen 
zu ändern. Bald gelingt dies sehr leicht, bald schwerer, wie bei 
der tonischen Contracting die flexibilitas cerea bildet eine Mittel- 



Verschiedene Arten der Katalepsie. 57 

stufe. Diese verschiedenen Arten der Katalepsie sind Sache der 
Dressur und Suggestion (Berg er). Eine typische flexibilitas 
cerea habe ich, ausser wenn daraufhin gerichtete Dressur bestand, 
niemals deutlich in der Hypnose gesehen. Aus einer auf die 
flexibilitas cerea bezüglichen Bemerkung Nonne s scheint hervor- 
zugehen, dass Nonne mit Bezug hierauf andere Erfahrungen ge- 
sammelt hat. Ich betone desshalb, dass ich hier die typische 
flexibilitas cerea meine, bei der man deutlich das Widers tandsgefühl 
haben muss, als ob man Glieder aus Wachs biegt; dieses Wider- 
standsgefühl muss ferner stets gleichmässig sein, es darf nicht in 
dem einen Augenblick stärker sein, als im anderen. In dieser Be- 
deutung ist die flexibilitas cerea während der Hypnose nach meiner 
Erfahrung nur durch Dressur zu erreichen. Jedenfalls aber sind 
alle diese Erscheinungen lediglich psychischer Natur. 

Eines der bekanntesten Bilder in der Hypnose ist die Starre 
des gesammten Körpers. Es handelt sich hier um eine vollkommen 
tonische Contractur fast aller willkürlichen Muskeln, durch welche 
Kopf, Hals, Rumpf, Beine starr werden, wie ein Brett. Man kann 
sodann das bekannte Schaustück ausführen, den Kopf auf einen 
Stuhl, die Ferse auf einen andern zu legen, ohne dass der Körper 
zusammenknickt. Ja man ist alsdann im Stande, noch durch ein 
grosses Gewicht, z. B. das eines Menschen, den Körper zu belasten. 
Dass man diese Starre nicht immer durch Verbalsuggestion allein 
erreicht, dass man vielmehr die mesmerischen Striche gern zu Hilfe 
nimmt, kann nach dem, was ich über die Wirksamkeit derselben 
gesagt habe, nicht verwundern. Gewöhnlich genügt der Befehl des 
Experimentators oder irgend ein Zeichen desselben, die Starre zu 
lösen. 



Es fragt sich nun, ob sich im Gebiete der willkürlichen 
Muskulatur noch andere Abweichungen während der Hypnose zeigen. 
Es sind sehr oft Veränderungen, die nicht psychischer Natur seien, 
angenommen worden. Sehr häufig wird behauptet, dass die Reflex - 
thätigkeit in der Hypnose verändert sei, dass hier Reflexe auftreten, 
die unter normalen Verhältnissen nicht vorkommen. Unter denen, die 
ganz besonders diese Ansicht äusserten, sind Heidenhain und Char- 
cot zu nennen. Letzterer basirt seine Eintheilüng der hypnotischen 
Zustände auf der Veränderung der Reflexe ; ich will daher an dieser 
Stelle kurz die Hauptkennzeichen der drei Charcot'schen Stadien 
angeben. 



58 Charcots Stadien. 

Charcot unterscheidet einen grand hypnotisme und einen 
petit hypnotisme. Den letzteren schildert er nicht genauer, 
bei dem ersteren, der sich beij der Hysteroepilepsie findet, unter- 
scheidet er drei Stadien: 1) Das katalep tische Stadium, das unter 
dem Einfluss eines plötzlichen starken Geräusches entsteht oder auch 
durch Oeffnen der Augen aus dem lethargischen Stadium hervorgeht, 
zeigt bei geöffneten Augen eine grosse Leichtigkeit, die Stellungen 
der Körpertheile zu verändern. Jede Position, die man ihnen giebt, 
wird ziemlich lange beibehalten; aber auch vom Experimentator 
leicht geändert, ohne dass ein Widerstand besteht; also keine 
wächserne Biegsamkeit (flexibilitas cerea). Keine Sehnen- 
reflexe, keine Steigerung der muskulären Erregbarkeit, Es besteht 
Analgesie, aber vermittelst des Gesichts, Gehörs und Muskelsinnes 
gelingt es oft, einen gewissen Einfluss auf das Individuum zu ge- 
winnen. 2) Das lethargische Stadium; es kann durch Fixation 
primär oder durch künstlichen Augenschluss aus dem kataleptischen 
secundär erzeugt werden. Das Individuum ist bewusstlos und 
äusseren Einflüssen nicht zugänglich, Analgesie. Die Glieder sind 
schlaff und fallen der Schwere nach herab; Augen geschlossen, 
Sehnenreflexe gesteigert. Es findet gesteigerte Erregbarkeit der 
Muskeln statt, die sogenannte neuromuskuläre Hyperexcitabilität. 
Man zeigt diese Steigerung durch mechanische Reizung von Muskel, 
Nerv oder Sehne, Drückt man z. B. auf den Nervus ulnaris, so 
entsteht Contraction aller Muskeln, die von ihm versorgt werden, 
sodass eine ganz charakteristische Stellung der Finger zu Stande 
kommt; reizt man einen Muskel, so contrahirt sich dieser ganz 
allein. Man erreicht dabei dasselbe, wie unter normalen Ver- 
hältnissen durch localisirte Faradisation, die Duchenne zeigte. 
Während an den Extremitäten die Contraction in Contractur über- 
geht, d. i. dauernd wird, findet im Gesichte bei Reizung des Nervus 
facialis nur einfache Contraction statt, die bald nachlässt. Die 
Lösung der entstehenden Contractur wird durch Erregung der 
Antagonisten erzeugt; so z. B. wird die Beugecontractur des 
Handgelenks durch mechanische Erregung der Streckmuskeln be- 
seitigt; die Contractur eines Sternocleidomastoideus durch Reizung 
des anderen. Auffallend ist, dass man nach C harc o t die motorischen 
Hirnbezirke durch den Schädel hindurch mittelst des galvanischen 
Stromes reizen kann, sodass in den entsprechenden Muskeln Con- 
tractionen entstehen. 3) Das somnambule Stadium. Es entsteht 
bei einigen primär durch Fixation; bei allen kann es aus dem 
lethargischen oder kataleptischen durch leichte Reibung des 
Scheitels hervorgebracht werden. Die Augen sind halb oder ganz 



Charcots Stadien. 59 

geschlossen. Durch leichte Hautreize werden die darunter liegenden 
Muskeln in rigide Contraction versetzt; nicht aber wie im 
lethargischen Stadium durch Reizung der Muskeln, Nerven oder 
Sehnen. Auch schwindet nicht, wie in ihm, die Contractur durch 
Reizung der Antagonisten. Die im Somnambulismus durch Con- 
tractur herbeigeführten Stellungen der Glieder können auch nicht 
mit der Leichtigkeit, wie in der Katalepsie geändert werden ; viel- 
mehr ist ein gewisser Widerstand vorhanden, wie bei der flexibilitas 
cerea; kataleptoider Zustand nennt ihn Charcot. Um die Con- 
tracturen zu beseitigen, wendet man denselben Hautreiz an, mit 
dem man sie erzeugt hat, Im Somnambulismus sind viele äussere 
Einflüsse vermöge der Suggestion möglich, die ich später im 
Zusammenhang besprechen werde. 

Was diese Charcot' sehen Stadien betrifft, so bezweifeln die 
meisten Forscher, ob sie wirklich bestehen, und sie nehmen an, 
dass sie nur ein Kunstproduct sind, das durch eine zwar unbeab- 
sichtigte, aber dennoch angewendete Dressur erzeugt wurde. Auf- 
fallend ist es gewiss, dass, seitdem die Schule von Nancy hierauf 
hingewiesen, seitdem sie die vielen Fehlerquellen gezeigt hat, die 
vermieden werden müssen, die Charcot'schen Stadien immer seltener 
beobachtet wurden. Wetterstrand hat sie unter 3589 ver- 
schiedenen Personen niemals gefunden (Pauly); Experimentatoren, 
die sie gelegentlich constatirten, geben selbst an, dass sie erst nach 
zahlreichen Versuchen bei einzelnen Personen auftreten (Stembo). 
Ich selbst konnte ebensowenig, wie viele andere, die Char- 
cot'schen Stadien bei meinen Versuchen beobachten; doch sind 
selbst tausend negative Resultate nicht im Stande, ein positives 
Resultat Charcots umzustossen. Ich habe übrigens auch an 
mehreren hysteroepileptischen Personen oft experimentirt, konnte 
aber dennoch die Stadien nicht beobachten, trotzdem Rieh er 
meint, dass jeder, der an solchen Personen experimentire, 
identische Resultate wie Charcots Schule erreichen werde. 
Dennoch halte ich es für möglich, dass für einige wenige Fälle 
von Hysteroepilepsie die Stadien existiren. Nur beschränke man 
sie auf diese wenigen Fälle; man gebe ihnen keine weitere Be- 
deutung, als Charcot selbst, der eine Verallgemeinerung 
dieser drei Stadien keineswegs behauptet. Selbst die- 
jenigen Autoren, die im grossen und ganzen Charcots Stadien 
für richtig halten, geben übrigens manuichfäche Abweichungen zu. 

Charcot selbst legt den Hauptwerth auf die Veränderungen 
der Muskelerregbarkeit in den verschiedenen Stadien. Dumont- 
pallier und Magnin jedoch behaupten, dass die neuromuskuläre 



60 Abweichungen von Charcots Stadien. 

Erregbarkeitssteigerung keineswegs sich auf die Lethargie be- 
schränke, sondern in allen Stadien vorkomme. Ebenso haben sie 
darauf hingewiesen, dass es mannichfache gemischte Zustände 
(etats mixtes) gebe, bei denen theilweise die Symptome des einen, 
z. B. des lethargischen, theilweise die des andern, des katalep- 
tischen sich zeigten. Ei eher findet einzelne Fälle, in welchen 
die Katalepsie durch grössere Steifigkeit und Neigung zu Con- 
tracturen ausgezeichnet ist. Tamburini und Seppilli finden 
eine Lethargie mit Hyperästhesie der Ovarien. Jules Janet 
wiederum hat bei Wit, einer der berühmtesten Versuchspersonen 
Charcots, ein viertes Stadium erzeugt, das sich somatisch und 
psychisch von allen drei anderen unterscheidet, Auch sonst findet 
man in den Schriften von Charcots Schülern viele Abweichungen 
von dem Typus der drei Stadien. So beschreibt Eicher Formen 
von der Lethargie, in welchen die Versuchsperson auf Befehl Be- 
wegungen ausführe, Gilles de la Tourette eine lethargie lucide,. 
bei der keine Bewusstlosigkeit bestehe. Jedenfalls ist der Begriff 
der Stadien, da man alles Mögliche unter sie bringen wollte, etwas 
confus geworden. Jeder suchte die Stadien; wenn er sie nicht 
ganz genau fand, was das Gewöhnliche war, so glaubte er, gewisse 
neue Kennzeichen hinzufügen zu müssen. 

Die Mittel, um die verschiedenen Stadien herbeizuführen, haben 
einen sehr zweifelhaften Werth. Magnin behauptet, dass man 
durch einen bestimmten Eeiz, z. B. Druck auf den Scheitel, alle 
Stadien herbeiführen könne; welches Stadium eintrete, sei nur 
von der Dauer des Eeizes abhängig. Dumontpallier und 
Magnin haben ausserdem die Behauptung aufgestellt, dasselbe 
Mittel, welches ein bestimmtes Stadium erzeuge, bringe es auch 
zum Schwinden (L'agent qui fait defait): wird beispielsweise die 
Katalepsie durch einen grellen Lichtstrahl herbeigeführt, so schwindet 
sie auch, wenn ein neuer Lichtstrahl das Auge trifft. Etwas Aehn- 
liches hatte übrigens schon B r a i d behauptet (Max D e s s o i r). 

Die Hauptsache aber ist, dass nach Charcots Angaben, resp. 
denen seiner Schüler, Erscheinungen in dem Gebiete des Muskel- 
systems angegeben werden, die ohne jeden psychischen Einfluss zu 
Stande kommen sollen. So sollen, wie wir gesehen haben, durch 
Druck auf die Nerven während des lethargischen Stadiums Muskel- 
contractionen entstehen; während des somnambulen sollen durch 
Eeizung der Haut gleichfalls Muskeln in Contraction gesetzt 
werden, ohne dass dabei ein psychischer Act stattfindet, d. h. 
ohne dass die Person weiss, dass und welche Muskeln sie con- 
trahiren soll. 



Heidenhains Versuche. Somatische und psychische Reflexe. (51 

Ganz dasselbe hat Heiden liain angegeben; nur fand er 
keine Contracturen durch Druck auf den Nerven, sondern wesentlich 
nur durch die Reizung- der Haut. Heide nhain glaubt auch, 
dass diese Contracturen ohne jede Betheiligung des Bewusstseins 
zu Stande kämen, dass es sich um Reflexe handele, die durch 
Reizungen der Haut ausgelöst würden. Durch leichte Reizung 
sollten sich nach Heidenhains Annahme nur die darunter ge- 
legenen Muskeln, durch stärkere auch die benachbarten contrahiren, 
und sollte die hierbei auftretende Contractur immer weiter fort- 
schreiten, entsprechend der Stärke des Reizes. In dieser Weise 
fasst Heiden hain den in H}'pnose entstehenden Starrkrampf als 
einen Reflex auf. Heiden hain hat sich bemüht, neue Reflexe zu 
finden. Durch Reizung bestimmter Hautstriche sollten gewisse 
Bewegungen ausgelöst werden; so sollten durch Berührung des 
Nackens — analog dem Goltz sehen Quarrversuche — Laute aus- 
gestossen werden. Auch Born hat eine Reihe neuer Reflexe zu 
finden geglaubt, die bei dem Streichen bestimmter Hautstellen auf- 
träten. 

Die viel discutirte Frage, ob es sich bei Heiden hains resp. 
Charcots Versuchen wirklich um Reflexe handle oder nicht, ist 
desswegen nicht so leicht zu beantworten, weil sehr oft und gerade 
von vielen Physiologen zwei Arten von Reflexen nicht scharf genug 
von einander getrennt werden: die somatischen und die psy- 
chischen Reflexe. Um dies klar zu machen, muss ich eine 
kleine Abschweifung machen und einige Worte über die Reflex- 
thätigkeit sprechen. Unter Reflexthätigkeit der Muskeln verstehen 
wir diejenige Thätigkeit derselben, die durch Erregung eines 
sensiblen Nerven hervorgerufen wird, und wobei die Mitwirkung 
des Willens ausgeschlossen ist. Wenn z. B. ein Insekt in das 
Auge fliegt, so schliesst sich dasselbe ; dieser Augenschluss ist aber 
ein Reflex, weil er ohne den Willen entsteht. Wird bei einer 
anderen Gelegenheit das Auge willkürlich geschlossen, so ist das 
kein Reflex, sondern eine Willkürbewegung, so dass die gleiche 
Bewegung sowohl reflectorisch wie willkürlich ausgeführt werden 
kann. Nehmen wir nun folgenden Fall an: ich berühre das Auge 
einer Person A. ; dasselbe schliesst sich in Folge des Reizes reflec- 
torisch, d. h. ohne Betheiligung des Willens. Bei einer anderen 
Person B. nähere ich meine Hand dem Auge derselben ; noch lange 
ehe dieses berührt wird, schliesst es sich, und zwar nicht nur 
ohne, sondern auch gegen den Willen B.s. Der Augenschluss B.s 
ist gleichfalls reflectorisch: der Reiz wird hier auf den Sehnerven 
ausgeübt. Dennoch besteht zwischen dem Augenschluss von A. und 



(52 Somatische und psychische Eeflexe. 

B. ein grosser Unterschied. Während bei A. keinerlei psychische 
Thätigkeit vorhanden zu sein braucht, um den Reflex auszulösen, 
ist dies bei B. anders. Er schliesst — wenigstens der gewöhn- 
lichen Annahme gemäss — das Auge, weil er durch die Vorstel- 
lung dazu getrieben wird, es könnte das Auge berührt werden. 
Nähert B. seine eigenen Finger dem Auge, so schliesst es sich nicht, 
weil jene Vorstellung dann nicht entsteht. Jedenfalls aber findet 
bei B.s Augenschluss eine entschiedene psychische Thätigkeit statt, 
nicht aber bei dem A.s. Wir nennen desshalb den Augenschluss 
B.s einen psychischen, den A.s einen somatischen Reflex. Die 
psychischen Reflexe sind ausserordentlich häufig: das Bücken beim 
Pfeifen einer Kugel, das Lachen beim Anblick eines Clowns, das 
Brechen bei einem ekelhaften Geruch sind psychische Reflexe. Die 
ohne den Willen eintretende Muskelthätigkeit wird durch einen 
Reiz, der auf das Ohr, Auge, resp. den Geruch ausgeübt wird, ver- 
anlasst, nachdem der Reiz durch das Bewusstsein eine besondere 
Deutung erfahren hat. 

Die Eintheilung der Reflexe in somatische und psychische ist 
für uns nicht werthlos ; ich halte es. für richtig, vorläufig an dieser 
Eintheilung festzuhalten, obwohl sie nur ein Schema ist, und ob- 
wohl eine so hohe Autorität wie Lew es bei allen Reflexen eine 
psychische Thätigkeit annimmt. Gurney, Max Dessoir und 
Hü ekel haben treffend auf die Bedeutung der psychischen Reflexe 
für die Hypnose hingewiesen. Heidenhain und Charcot 
leugneten bei den von ihnen hervorgerufenen Contracturen jede 
psychische Thätigkeit; die Nancyer hingegen nehmen an, dass eine 
solche stattfindet, dass der Hypnotische weiss, was eintreten solle, 
dass sein Wille aber nicht im Stande ist, den Eintritt der Con- 
tractur zu verhindern; man nennt diesen Vorgang eine Suggestion, 
die demnach nur eine Art des psychischen Reflexes ist. Es wäre 
mithin die oben aufgeworfene Frage, ob Heiden ha ins resp. 
Charcots Contracturen Reflexe seien, dahin zu modificiren, ob es 
sich, wie diese Autoren annehmen, um somatische oder ob es sich 
um psychische Reflexe handelt. 

Ohne a priori behaupten zu wollen, dass die Heidenhain'schen 
und Charcot'schen Angaben falsch seien, constatire ich, dass die- 
selben mindestens eine exaete Nachprüfung beanspruchen würden, 
ehe sie anerkannt werden dürfen. Heute, wo wir durch Bernheim, 
Forel, Delboeuf u. a. wissen, dass diese Dinge alle oder fast 
alle durch Suggestion zu Stande gebracht werden können, d. h. 
dadurch, dass der Hypnotische glaubt, dass die Erscheinungen ein- 
treten sollen, müssen wir vermuthen, dass dies thatsächlich der 



Bemerkungen über Charcots und Heidenhains Behauptungen. (53 

Fall ist, wenn die Suggestion nicht streng bei den Versuchen aus- 
geschlossen ist. Heidenhains Experimente bieten in dieser Be- 
ziehung keine Garantie. Da man damals den Einfluss der Suggestion 
nicht kannte, so schloss man ihn auch nicht aus, und es scheint 
sogar nach Heidenhains Veröffentlichungen, dass man vor den 
Versuchspersonen über die zu machenden Versuche sprach. Wenn 
nun Heidenhain behauptet, dass die Contracturen gesetzmässig 
fortschreiten und zwar genau den von Pflüg er für die somatischen 
Reflexe aufgestellten Gesetzen entsprechend, so bezweifle ich dies 
nach meinen eigenen Erfahrungen; nach ihnen schreiten die Con- 
tracturen so fort, wie der Hypnotische den Befehl resp. Wunsch 
des Experimentators auffasst, sodass von einer Gesetzmässigkeit 
nicht die Rede ist. 

Was Charcots Behauptungen betrifft, so werde ich auf einzelne 
Punkte, z. B. die Bewusstlosigkeit in der Lethargie, noch ander- 
weitig zu sprechen kommen. Hier will ich nur bemerken, dass 
die meisten Erscheinungen gleichfalls durch die Suggestion erklärt 
werden können. Klar liegt die Sache bei den Contracturen des 
Somnambulismus. Nichts ist leichter, als durch Suggestion der- 
artige Contracturen hervorzubringen. Wenn dieselben ohne 
Suggestion zu Stande kommen sollen, dann wäre zunächst diese 
auszuschliessen. Die Ueberzeugung jedoch, dass sie ausgeschlossen 
war, wäre nur dadurch zu geben, dass man genauer als bisher und 
detaillirt die ersten Versuche, die an den Personen gemacht 
wurden, publicirt. Die unbewusste und unbeabsichtigte 
Suggestion ist die grösste Fehlerquelle, welche hyp- 
notische Untersuchungen darbieten. Ich vermuthe, dass 
die Contracturen des Somnambulismus nur durch eine psychische 
Thätigkeit zu Stande kommen. Das geht auch aus einer anderen 
Erscheinung hervor. Wir sahen oben bei Versuch IV, dass bei 
der tiefen Hypnose nur eine Person, der Experimentator, die 
Versuchsperson beeinflussen kann, mit ihr in Rapport ist, wie der 
terminus technicus lautet. Nur der Experimentator kann Muskel- 
contractionen hervorrufen; Reize von Seiten anderer Personen sind 
unwirksam. Würden die Contractionen ohne Betheiligung des Be- 
wusstseins zu Stande kommen, so wäre ein derartiges Verhalten 
ganz unbegreiflich. Auch Charcots Schüler sprechen von dieser 
Erscheinung; sie geben an, dass im Somnambulismus nur einige 
Personen die Muskelthätigkeit der Hypnotischen durch Hautreize 
beeinflussten; nämlich diejenigen, die mit der Versuchsperson in 
Rapport sind; dies spricht entschieden dafür, dass die Contracturen 
durch eine Thätigkeit des Bewusstseins zu Stande kommen ; freilich 



(34 Bemerkungen über Ckarcots Behauptungen. 

haben Charcots Schüler diesen naheliegenden Schluss nicht ge- 
zogen. 

Etwas complicirter liegt die Sache bei den Contracturen in 
der Lethargie; zumal bei denen, wo durch Druck auf den Nerven 
eine bestimmte Muskelgruppe, z. B. die des Nervus ulnaris, in 
Thätigkeit gesetzt oder bei denen irgend ein isolirter Muskel ge- 
reizt wird. Indessen wäre es auch liier nöthig, dass über die 
ersten Versuche etwas Genaues veröffentlicht würde. Denn 
dass bei häufiger Wiederholung derselben Versuche einzelne 
Aeusserungen geschehen, aus denen die Versuchsperson entnimmt, 
was sie zu machen hat, ist kaum zu vermeiden. Dass aber durch 
solche Aeusserungen auch ziemlich complicirte Bewegungen, z. B. 
isolirte Ulnariscontractur , entstehen können, d. h. lediglich auf 
dem Wege der Suggestion, unterliegt für mich gar keinem Zweifel. 
Bei der leichten Auffassungsgabe, die Hypnotisirte haben, können 
sie sehr leicht dazu gebracht werden; ich halte es keineswegs für 
etwas so Unwahrscheinliches, die wenigen Bewegungen durch Sug- 
gestion herbeizuführen, die Charcot gewöhnlich bei seinen Demon- 
strationen erzeugt. Ich erwähne übrigens ausdrücklich, dass selbst 
ein Anhänger Charcots, der seine Stadieneintheilung anerkennt, 
Jendrässik, gleichfalls meint, dass auch die Contractur der 
Lethargie lediglich auf dem Wege der Suggestion zu Stande komme. 
Ei eher behauptet allerdings ausdrücklich, dass bei diesen Ver- 
suchen, die tausendfach variirt wurden, die Eesultate stets identisch 
waren, dass Imitation ausgeschlossen war, und dass momentan die 
Reizung von Muskeln und Nerven die entsprechenden Contracturen 
hervorbrachte, die selbst nur wenige Aerzte absichtlich erzeugen 
könnten. Dass aber die Sache nicht so klar liegt, geht aus der 
Angabe von Vigouroux hervor, der den Musculus deltoideus von 
diesem Gesetze ausschliesst, sowie aus der Angabe von Gilles de la 
Tou rette, dass die Resultate erst nach längeren Vor versuchen 
erreicht würden. Ich möchte mir ein Endurtheil speciell über die 
Contracturen in der Lethargie nicht erlauben; die Frage ist meines 
Erachtens nicht gelöst, wie dieselben zu Stande kommen, ob mit, 
ob ohne Suggestion. 



In dieses Gebiet gehören auch die von Heidenhain und 
Berger seinerzeit beobachteten Erscheinungen der Echolalie. 
Nach Art eines Phonographen, wie Berger sich ausdrückt, sprechen 
die Hypnotisirten alles nach, was man ihnen vorsagt. Ja sogar 



Echolalie. Phreno-Hypnotismus. 65 

das, was sie in fremden Sprachen hören, wird mit einer gewissen 
Vollkommenheit nachgesprochen. Dass etwa nur bestimmte Bezirke 
der Körperoberfläche geeignet sein sollen (Heidenhain, Berg er), 
dieses Nachsprechen zu vermitteln, ist als ein Irrthum aufzufassen, 
der veranlasst wurde durch die mangelhafte Kenntniss der Sug- 
gestibilität seitens der Breslauer Forscher. Ich glaube, dass der 
Hypnotisirte nachspricht, wenn er glaubt, dass er nachsprechen soll. 
Dass einzelne, zumal nach der nöthigen Uebung, auch im Stande 
sind, grössere Leistungen hierbei zu zeigen, indem sie ihnen unbe- 
kannte Sprachen schnell und sicher nachsprechen, steht fest. Ob 
man hierbei gegen den Magen oder gegen den Nacken — dies 
sollten die empfindlichen Bezirke sein — oder gegen irgend einen 
anderen Körpertheil spricht, ist vollkommen gleichgiltig. Die Haupt- 
sache ist, dass der Hypnotisirte weiss, dass er nachsprechen soll. 
Auch gewisse Reflexe, die zu Stande kommen sollen durch 
Berührungen des Kopfes, das Entstehen von Aphasie oder von 
Zuckungen oder Contracturen im Arm oder Bein bei Berührung 
bestimmter Schädelstellen, ist wohl in genau derselben Weise auf- 
zufassen; derartige Angaben wurden von Heidenhain gemacht und 
in der letzten Zeit besonders auch von Silva, Binet und Fere. 
Diese glauben sogar einzelne Glieder dadurch in Somnambulismus 
zu versetzen, dass sie eine bestimmte Schädelstelle reizen und zwar 
diejenige, die dem motorischen Centrum des betreffenden Gliedes ent- 
spricht. Die Versuche sind wohl nicht mit der genügenden Vorsicht 
angestellt worden. Wie man durch jenen Druck auf die Schädelstellen 
das Resultat erreicht, ist unerklärlich und wird selbst dadurch 
nicht erklärlich, dass jene Autoren auf die Gall'sche Schädel- 
lehre hinweisen. Chalande will sogar auf diese Weise Physiologie 
des Gehirns studiren (Delboeuf). Was werden unsere Physiologen 
dazu sagen, dass man, um einen Bezirk des Gehirns zu reizen, 
nur den Schädel über der betreffenden Stelle während der 
Hypnose zu reiben braucht! Das Mittel wäre zwar wegen seiner 
Einfachheit recht praktisch; leider ist es auf ungenauen Be- 
obachtungen begründet und vollkommen unbrauchbar. AuchBraid 
beschrieb schon ähnliche Erscheinungen als Phreno-Hypnotismus. 
Er hat versucht, Erklärungen von allerdings sehr unverständ- 
licher Natur zu finden. Die eine Vermuthung Braids war, dass 
es sich um reflectorische Reizungen handelte. Durch Druck einer 
Schädelstelle werde ein Nerv gereizt, der reflectorisch einen Hirn- 
bezirk erregte und dadurch z. B. den Wohlthätigkeitssinn erregte ; 
durch Reizung einer anderen Schädelstelle werde ein anderer Nerv 
gereizt, der reflectorisch vom Gehirn aus den Ausdruck der Andacht 

Moll, Hypnotismus. 5 



t56 Halbseitige Hypnose. 

zu Wege brächte etc. Braid selbst gab wahrscheinlich später 
den Phreno-Hypnotismus auf (Preyer). 

Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass man im 
Stande ist, durch Suggestion halbseitige Hypnose (Hemi- 
hypnose) hervorzubringen, oder auch jede Körperhälfte in ver- 
schiedener Weise zu beeinflussen. Schon Braid war es bekannt, 
dass man durch Anblasen des einen Auges ein halbseitiges Er- 
wachen hervorbringen kann und zwar auf derselben Seite. In ver- 
schieden modificirter Weise wurden sodann die Versuche auf- 
genommen von Descourtis,Charcot, Dumontpallier,Berillon, 
Lepine, Strohl sowie auf Kaysers Veranlassung von Grützner, 
Heidenhain und Berg er, welch letzterer seine Ansicht später 
änderte. Wenn diese Autoren die halbseitige Hypnose als einen 
physiologischen Zustand betrachten, hervorgerufen durch ein- 
seitigen Augenschluss, oder durch einseitiges Eeiben der Kopfhaut, 
so sind diese Behauptungen heute nicht beweisend. Wir wissen, 
dass wir durch psychische Einwirkung alle diese Zustände 
hervorbringen können, und es müsste die Suggestion zunächst aus- 
geschlossen sein, wenn die Versuche beweisend sein sollten. Aus 
Heidenhains Veröffentlichungen geht aber mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit hervor, dass in Gegenwart der Versuchspersonen 
über die zu erwartenden Eesultate gesprochen wurde; das er- 
wartete Resultat braucht aber der Hypnotische nur zu ahnen, um 
in entsprechender Weise darauf zu reagiren. Die Angaben der 
verschiedenen Autoren sind übrigens hier so widerspruchsvoll, dass 
die Zweifel dadurch noch verstärkt werden. Bald soll Streichen 
der rechten Kopfhälfte die linke Körperseite hypnotisch machen, 
bald wird die rechte Seite davon befallen. Die von Heidenhain 
hierüber aufgestellten Gesetze sind nicht aufrecht zu erhalten. Die 
Hauptsache ist und bleibt, dass die Person weiss, was mit ihr ge- 
schehen soll, und welcher Effect von den Manipulationen erwartet 
wird. 



Wie aus dem Gesagten einleuchtet, fasse ich die functionellen 
Veränderungen, welche die willkürliche Muskulatur in der Hypnose 
zeigt, als central bedingt auf; eine suggerirte Idee bewirkt die 
Lähmungen, die Bewegungen der Glieder. Weiter wäre nun die 
Frage zu erörtern, ob durch diese suggestive centrale Thätigkeit 
Veränderungen in der Function der Muskeln auftreten können, 
die normaliter sich nicht finden, d.h. ob dadurch objective Ab- 



Langdauernde Katalepsie. 67 

weichungeu veranlasst werden, die durch den eigenen Willen des 
Hypnotischen nicht herbeigeführt werden können. 

A priori halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass objective Ver- 
änderungen eintreten, für nicht gross. Denn dass die Idee, die ich 
dem Sujet eingebe, mehr leisten soll, als die Idee, die es sich selbst 
macht, ist nicht so nahe liegend. Wenn nun dennoch gelegentlich 
sich objective Merkmale finden, so beweist dies, dass die durch 
Fremdsuggestion hervorgerufene Idee in anderer Weise auf die 
Functionen wirken kann, als eine Idee, die durch den eigenen 
Willen entsteht, oder dass in der Hypnose zur Suggestion noch 
etwas anderes hinzukommt, was die Muskeln beeinflusst; es ist 
dies insbesondere die Neigung zur Contracting über die ich oben 
gesprochen habe. Auf die eine oder die andere Art müssen wir 
die objectiven Erscheinungen auffassen. Ich habe schon von den 
somatischen Kennzeichen suggerirter Lähmungen gesprochen. Ich 
will hier noch einige andere Fälle erwähnen, wo die Suggestion 
die normale Leistungsfähigkeit der Muskeln erhöhte. 

Die kataleptischen Stellungen der Glieder werden mitunter 
ausserordentlich lange, selbst mehrere Stunden hindurch, beibehalten. 
Einmal blieb eine Person sogar 17 Stunden in dieser kataleptischen 
Stellung. Berg er berichtet einen Fall, wo ein junges Mädchen, 
das fortwährend beobachtet wurde, 7 Stunden ohne sichtbare Ver- 
änderung diese Stellung innehielt. In diesen Fällen fehlt auch das 
sonst bei starker Muskelanstrengung bestehende Müdigkeits- und 
Schmerzgefühl in den Muskeln; es ist ferner eine Seltenheit, dass 
nachher ein starkes Müdigkeitsgefühl auftritt, selbst wenn lange 
Zeit hindurch, z. B. eine Stunde, dieselbe Stellung beibehalten 
wurde. Hierher gehören auch einzelne Fälle von Echolalie, die 
gelegentlich sehr stark ausgeprägt ist. Braid erzählt einen Fall, 
wo ein hypnotisches Mädchen Lieder vollkommen nachsang, die die 
berühmte Sängerin Jenny Lind vortrug, trotzdem jenes Mädchen 
im wachen Zustande dazu gar nicht im Stande war. Braid führt 
diese Leistung auf die Feinheit des Gehörs und des Muskelsinnes 
in der Hypnose zurück. 

Wir finden übrigens in der Hypnose überall Anknüpfungspunkte 
an das normale Leben. Wir sehen, dass in der Hypnose ein Arm 
auf Befehl hin länger in einer bestimmten Stellung bleibt, als z. B. 
ein Bein, da auch sonst die Muskeln des Beines viel schwieriger 
dasselbe in einer bestimmten Stellung fixiren, als die Muskeln des 
Armes diesen; jenes sinkt durch die Schwere schneller nach unten. 

Auch dynamometrische Untersuchungen, d. h. Messungen 
der Muskelkraft wurden mehrfach während der Hypnose vor- 

5* 



(38 Dynamometrisclie und elektrische Untersuchungen. 

genommen. Ich. selbst habe eine ganze Keine diesbezüglicher Ver- 
suche gemacht, die grösstenteils mit den Erfahrungen von Beaunis 
übereinstimmen. Als der wichtigste Punkt erscheint mir der, dass 
in den meisten Fällen während der Hypnose die Muskelkraft ge- 
ringer ist, als vor derselben. Ich habe derartige Untersuchungen 
in den verschiedensten hypnotischen Zuständen gemacht; ich 
konnte nur selten eine Vermehrung finden. Uebrigens kommen 
auch hier Schwankungen vor, und ich sah gelegentlich auch die 
Kraft einer Hand zunehmen, die der anderen abnehmen. Auch fand 
ich bei derselben Person zu verschiedenen Zeiten verschiedene 
Resultate. Wo sich jedoch solche gelegentliche Schwankungen 
zeigten, waren sie stets von geringem Umfang; es haben dieselben 
um so weniger Bedeutung, als alle dynamometrischen Unter- 
suchungen an gewissen Fehlerquellen leiden. 

Hier wäre auch die elektrische Erregbarkeit der Muskeln 
und Nerven zu berücksichtigen, die bisher nur selten untersucht 
wurde. Steigerung der elektrischen Erregbarkeit in Hypnose findet 
Moriz Eosenthai. Tereg findet gleichfalls in einem allerdings 
ohne Galvanometer untersuchten Falle Veränderungen vor; ebenso 
Marina bei einer öfter hypnotisirten Person im wachen Zustande. 
Ich konnte indessen ebensowenig wie Heidenhain, Berger 
und Sieger etwas Wesentliches in dieser Sichtung finden. Ich 
habe über hundert einzelne Untersuchungen vorgenommen, ohne 
dass ich erhebliche Differenzen zwischen Hypnose und wachem Zu- 
stand gefunden hätte. Meine Untersuchungen machte ich mit dem 
galvanischen und faradischen Strom; ich wendete stets das Hirsch- 
mann'sche Galvanometer an ; die meisten meiner Experimente machte 
ich am Nervus ulnaris unmittelbar über dem Ellenbogen. Dass 
bei gewissen, Suggestionslähmungen die elektrische Erregbarkeit 
vermindert ist, habe ich schon gesagt; es scheint also, dass auf 
eine psychische Veranlassung hin in einzelnen Fällen die elektrische 
Erregbarkeit Veränderungen erfährt, deren weitere Untersuchung 
sehr interessant wäre. Ich glaube wenigstens nicht, dass es sich 
um primäre Veränderungen in den Muskeln oder Nerven handelt. 
Kurz erwähnt soll noch werden, dass nach Morselli und 
Mendelsohn die Muskeln in der Hypnose auf einen Seiz hin 
sich schneller contrahiren, als im wachen Leben. 



Ich habe im Vorhergehenden eine ganze Seihe von Er- 
scheinungen besprochen, die ich mit den Nancyern als Suggestions- 



Sehneureflexe. Pupillenreflex. (59 

Phänomene betrachte, von denen aber andere, z. B. Heidenhain, 
Charcot glauben, dass es sich um gewöhnliche Reflexe ohne jede 
psychische Thätigkeit handle. Ich habe gezeigt, dass die Echolalie, 
viele Contracturen, Heidenhains und Borns neuentdeckte 
Reflexe wahrscheinlich Suggestionserscheinungen sind. Neue Reflexe, 
die von der Suggestion unabhängig sind, scheint es in der Hypnose 
nicht zu geben; es sind wenigstens sichere Beweise hierfür noch 
nicht erbracht. Es fragt sich nun weiter, wie sich die gewöhnlichen 
Reflexe in der Hypnose verhalten. 

Ich habe nur gelegentlich von den Sehnenreflexen gesprochen, 
deren Steigerung wir in der Lethargie Charcots und bei ge- 
wissen suggestiven Lähmungen fanden. Auch Berger hatte 
Steigerung des Patellarreflexes beobachtet. Es scheint aber die 
Steigerung, wie ich öfter beobachtete, von der Art der Suggestion 
abhängig zu sein. Ich fand gleichfalls bei suggerirten Lähmungen, 
wenn die Muskeln vollständig schlaff waren, mehrfach Steigerung; 
andererseits bei kataleptischen Stellungen Verminderung der 
Sehnenreflexe. Es ist dies ein leicht erklärlicher Vorgang, der 
ganz analog dem Verhalten im wachen Leben ist, und nicht ohne 
Weiteres als charakteristische Erscheinung der Hypnose betrachtet 
werden darf; denn auch ohne Hypnose sind die Sehnenreflexe deut- 
licher, wenn die Muskeln erschlafft, als wenn diese contrahirt sind. 

Was das Verhalten der Pupille betrifft, so gab schon Braid 
einen Unterschied der Pupille zwischen Hypnose und Schlaf an. 
In diesem wird bekanntlich Verengerung der Pupille beobachtet, 
während Braid in der Hypnose oft Erweiterung fand, die auch 
Heidenhain constatirt. Ich habe diese letztere niemals beobachtet, 
ausser wenn ich die Fixationsmethode anwendete; sonst fand ich 
vielmehr sehr oft Verengerung der Pupillen. Dass während des 
Fixirens nicht selten Pupillenschwankungen vorkommen (Braid), 
kann ich bestätigen; Erweiterung und Verengerung wechselt hier 
lebhaft ab. Auch Accomodationskrampf ist öfter angegeben worden 
(Heidenhain, Cohn, Rumpf). Sehr häufig begegnet man der 
Angabe, dass der Pupillenreflex in der Hypnose Abweichungen 
zeigt. Auf Lichteinfall soll nämlich eine reflectorische Verengerung 
der Pupille zuweilen während der Hypnose nicht erfolgen. Ein 
vollkommenes Fehlen des Reflexes habe ich nie constatirt, wohl 
aber fand ich mehrfach sehr geringe Reaction, wenn ich längeres 
Fixiren zur Herbeiführung der Hypnose benützte. Ob das Fixiren 
oder die Hypnose das Bedingende waren, scheint mir zweifelhaft; 
doch neige ich der Ansicht zu, dass das lange Fixiren daran Schuld 
war. Sgrosso constatirte bei seinen zwei Versuchspersonen Er- 



70 Sinneswahrnehmungen iu der Hypnose. 

Weiterung der Pupille bei Eintritt der Hypnose, sowie verminderte 
Contraction während derselben. 



Wir haben bisher fast nur die Veränderungen kennen gelernt, 
die sich in dem willkürlichen Bewegungsapparate während der 
Hypnose zeigen. Es charakterisiren dieselben in verschiedener 
Mischung die zur ersten Gruppe (S. 37) gehörigen Hypnosen, finden 
sich aber auch stets bei der zweiten Gruppe. Die zu ihr gehörigen 
hypnotischen Zustände sind aber durch eine Vermehrung der Sug- 
gestionsfälligkeit ausgezeichnet. Besonders wird dadurch die 
Function der Sinnesorgane beeinflusst. Wie diese ohne Suggestion 
in der Hj^pnose functioniren, darüber lässt sich schwer etwas 
Sicheres sagen; die Angaben der Autoren sind sehr widerspruchs- 
voll. In den leichten Graden der Hypnose findet sich keine wesent- 
liche Veränderung in der Function der Sinnesorgane: der Be- 
treffende sieht, hört, riecht u. s. w., wie normal. In der tiefen Hj~p- 
nose sollen nach Liebe au lt zuerst das Gesicht und der Geschmack 
abnehmen, dann der Geruch, während zuletzt erst Gehör und Gefühl 
schwinden; wenn man aber die Fixationsmethode anwendet, so 
sollen die Augen zuletzt betroffen werden. Nach meinen Erfahr- 
rungen sind diese Angaben nicht ganz richtig; wenn wir sie mit 
denen anderer Autoren vergleichen, so finden sich auch viele Wider- 
sprüche. Ich glaube, dass diese grösstenteils dadurch bedingt sind, 
dass man nicht berücksichtigt, wie verschieden sich der Hypnotisirte 
verschiedenen Objecten resp. Personen gegenüber verhält. Er hört 
z. B. den, der ihn einschläfert, und andere nicht; er fühlt seine 
Berührungen, während er die anderer nicht fühlt. Aus diesem 
Grunde glaube ich auch, müssen wir von Anfang an den ganzen 
Zustand als einen lediglich psychischen betrachten. Braid unter- 
schied zwei Grade, je nach der Function der Sinnesorgane : in dem 
einen soll sich Erhöhung der Sinnesthätigkeit zeigen, in dem anderen 
Abschwächung; ich habe dies bei meinen Beobachtungen nicht be- 
stätigen können. 

Wir sind nun im Stande, durch Suggestion alle möglichen 
Sinnestäuschungen in der Hypnose zu erzeugen. Es wird dadurch 
das Bild so Wechsel voll, dass derjenige, der zum ersten Mal die 
Dinge sieht, ganz berechtigte Zweifel haben muss, betreffend die 
Ptealität der Erscheinungen. Wir haben uns so sehr daran ge- 
wöhnt, uns auf die Wahrnehmungen unserer Sinnesorgane zu ver- 



Sinnestäuschungen. 71 

lassen, in ihnen zuverlässige Zeugen für alles, was vorgeht, zu 
finden, dass wir in der That erstaunt sind, wenn wir sehen, dass 
ein Wort genügt, um den Hypnotischen in eine ganz andere Um- 
gebung zu versetzen. 

Man theilt bekanntlich die Sinnestäuschungen in Hallucinationen und Illusionen ; 
diese bestehen in der falschen Deutung eines äusseren Objectes, jene in der Wahr- 
nehmung eines Objectes an einer Stelle, wo sich nichts befindet. "Wird z. B. ein 
Buch für eine Katze, ein Schlag auf den Tisch für einen Kanonenschuss gehalten, 
so spricht man von einer Illusion, wird hingegen eine Katze an einer leeren Stelle 
wahrgenommen, so spricht man von einer Hallucination. Eine Hallucination liegt 
auch dann vor, wenn ein äusseres übject durch Association eine Wahrnehmung, 
verursacht. Ein Stuhl z. B., auf welchem jemand öfter eine bestimmte Person 
sitzen sah, kann, selbst wenn er einmal leer ist, durch Association die Gesichts- 
wahrnehmung jener Person hervorrufen; dies ist alsdann eine Hallucination. die 
mittelbar durch ein äusseres Object hervorgerufen wurde. 

In der Hypnose beobachten wir nun zahlreiche Hallucinationen 
und Illusionen. Wir haben bereits (S. 17) bei Fall IV gesehen, 
dass es genügt, das Vorhandensein eines Hundes zu behaupten, 
damit ein solcher anscheinend gesehen werde. Ein Tuch wurde 
für einen Hund gehalten; es war dies mithin eine Illusion. Sie 
ist leichter hervorzubringen, als eine Hallucination ; ohne ein solches 
äusseres Object, wie das Tuch, misslingt nämlich die Eingebung 
sehr oft. Biete ich nicht selbst ein derartiges äusseres Object, so 
sucht der Hypnotische es meistens selbst. Sind die Augen ge- 
schlossen, so sind Hallucinationen des Gesichtes leichter zu er- 
zeugen ; die Personen glauben dann, wie im Traume mit geschlossenen 
Augen, Personen und Objecte zu sehen. Sie meinen dabei, die Augen 
offen zu haben, ebenso wie wir während des Traumes uns des Augen- 
schlusses nicht bewusst sind. Um die Sinnestäuschungen für die 
Augen beim Oeffhen derselben zu erzeugen, ist es nöthig, schnell 
die Täuschung aufkommen zu lassen, damit kein Erwachen folge, 
während die Augen geöffnet werden. Es ist anzurathen, sofort 
einen bestimmten Punkt fixiren zu lassen (vgl. Versuch IV), während 
die entsprechende Sinnestäuschung suggerirt wird, damit bei dem 
absichtlichen Herumschweifenlassen der Augen die Person nicht 
erwache. Ebenso wie die Augen können wir andere Sinnesorgane 
zu dem Sitze der Täuschung machen. Ich klopfe auf den Tisch 
und erwecke die Vorstellung, dass man mit Kanonen schiesse; ich 
puste mit dem Blasebalg mehrere Male und mache die Suggestion, 
eine Locomotive komme angedampft. Ich erzeuge auch ohne jeden 
äusseren Reiz eine Gehörshallucination, z. B. die des Klavierspielens. 
Ebenso macht man Geruch, Geschmack und den Tastsinn zum Sitz 
der Täuchung. Bekannt sind die Beispiele, wo Hypnotisirte Wasser 



72 Sinnestäuschungen. 

und sogar Dinte für Wein trinken, wo sie Zwiebeln als Birnen 
essen, wo sie AmmoDiak für Eau de Cologne riechen u. s. w. 
Man sieht hierbei den Gesichtsausdruck, welcher der suggerirten 
Wahrnehmung entspricht, so täuschend nachgemacht, dass bei dem 
wirklichen entsprechenden Sinnesreiz ein besserer Effect schwer 
erzielt werden kann. Die Behauptung, man habe dem Sujet Nies- 
pulver in die Nase gethan, erzeugt Niesen. Alle Modalitäten des 
Tastsinnes, sowohl der Druck-, wie der Temperatursinn und die 
Schmerzempfindung können beeinflusst werden. Hier ist eine 
Person, der ich die Eingebung mache, sie habe ihre Füsse in 
Eis stecken. Sofort entsteht ein lebhaftes Frostgefühl. Sie 
zittert, klappert mit den Zähnen, hüllt sich fest in den Eock ein. 
Selbst Gänsehaut kann eintreten bei Suggestion eines kalten 
Bades (v. Krafft-Ebing). Jucken u. s. w. wird in gleicher 
Weise erzeugt. „Morgen um 3 Uhr wird Ihre Stirn jucken", 
sage ich einem Herrn. Die posthypnotische Suggestion realisirt 
sich; es juckt so stark, dass derselbe sich fortwährend kratzen muss. 
Mir scheint es, als ob Tastsinn und Geschmack leichter und häufiger 
beeinflusst werden, als die anderen Sinnesorgane. Einen bitteren 
Geschmack zu suggeriren gelingt beispielsweise gewöhnlich viel 
eher, als die Hervorrufung einer Gehörs- oder Gesichtstäuschung. 
Freilich pflegen sich solche Personen auch von der Täuschung sehr 
oft Rechenschaft abzulegen; sie empfinden z. B. ganz deutlich den 
bitteren Geschmack, sagen sich aber gleichzeitig, dass dieser nur 
eine subjective Empfindung sei, dass sich kein bitter schmeckender 
Stoff im Munde befinde. 

Die Suggestionen für die Sinnestäuschungen lassen sich in 
jeder Weise machen. Man ist im Stande, durch Worte das Sujet 
glauben zu lassen, dass es einen Vogel sehe. Man kann auch durch 
Handbewegungen, zumal nach einiger Dressur, dasselbe erreichen, 
wenn man z. B. anscheinend einen Vogel mit der Hand festhält. 
Die Hauptsache ist, dass das Sujet die Bedeutung der Geste er- 
kennt. 

Natürlich lassen sich diese Suggestionen gleichzeitig für 
mehrere Sinnesorgane hervorbringen. Ich sage jemandem: „Hier 
ist eine Rose" — sofort wird die Person die Rose nicht nur sehen, 
sondern auch fühlen und riechen. Einer andern Versuchsperson 
gebe ich angeblich ein Dutzend Austern ; sie verzehrt dieselben, 
ohne dass ich ihr eine besondere Suggestion zu machen brauche; 
die Suggestion betheiligt hier gleichzeitig das Auge, das Gefühl 
und den Geschmack. In vielen Fällen wird der Muskelsinn in auf- 
fallender Weise durch derartige Eingebungen beeinflusst. Ich gebe 



Sinnestäuschungen für mehrere Sinnesorgane. 73 

einer Versuchsperson ein Glas Wein zu trinken ; sie führt das vor- 
getäuschte Glas an den Mund und lässt hierbei zwischen Hand und 
Mund einen Zwischenraum, als ob sie ein wahres Glas in der Hand 
hielte. Auch ohne dass ich die Täuschung für jeden einzelnen 
Sinn präcisire, geschieht dies von Seiten der Versuchsperson ganz 
spontan. Die meisten Suggestionen ergänzt der Hypnotische in 
dieser Weise durch einen Process der zu den S. 44 beschriebenen in- 
directen Suggestionen gehört. Es bleibt die Fremdsuggestion nicht 
eine isolirte Erscheinung; sie giebt vielmehr je nach der In- 
dividualität der Hypnotischen und je nach der hypnotischen Dressur 
Anlass zu einer Reihe anderer Vorgänge. Ich sage einem Hypno- 
tischen: „Hier greifen Sie dies Fläschchen mit Eau de Cologne!" 
Trotzdem er in Wirklichkeit nichts erhält, glaubt der Hypnotische 
das Fläschchen in der Hand zu fühlen; ohne dass ich etwas sage, 
glaubt er das Fläschchen zu sehen, den Geruch wahrzunehmen u. s. w. 
Kurz und gut, es hat der Hypnotische sich die eine Suggestion in 
ganz selbständiger Weise weiter ergänzt. Dieser Vorgang ist sehr 
häufig. 

Uebrigens spiegelt sich die Täuschung, vorausgesetzt, dass sie 
eine vollkommene ist, in dem ganzen Mienenspiel sowie in allen Be- 
wegungen deutlich ab. Ein Gourmand kann beim Genüsse einer 
Delikatesse kein verklärteres Gesicht machen, als ein Hypnotisirter, 
wenn man ihm den Geschmack einer guten Speise suggerirt. Der 
Schrecken, der sich auf dem Gesicht eines Hypnotisirten abspiegelt, 
wenn er einen Tiger auf sich zustürzen glaubt, ist so täuschend, 
wie ihn wohl nur wenige künstlich nachahmen können. Ein 
Hypnotischer erhält mehrere Gläser Wein durch Suggestion, wobei 
sein Kopf roth wird, und er sich über einen heissen Kopf beklagt. 
Einem andern gebe ich ein Stück Kork als Zwiebel zum Riechen; 
sehr bald thränen die Augen von dem beissenden Geruch. 

Man kann auf diese Weise den Hypnotischen durch Suggestionen 
in jede beliebige Situation versetzen, mitunter einen Schluss darauf 
machen, wie er unter analogen Verhältnissen handeln würde 
und daraus seinen Charakter beurtheilen (Mors eil i). Doch ist 
grosse Vorsicht bei solchen Schlussfolgerungen nöthig, weil der 
Hypnotiker fast stets ein dunkles Bewusstsein von der wahren 
Umgebung behält, wenn er auch bei oberflächlicher Beobachtung 
ganz und gar in die suggerirte Situation hinein versetzt erscheint; 
ich komme später auf diese unvollkommenen Sinnestäuschungen 
ausführlicher zurück. 

Von einigen Autoren, Dumontpallier , Berillon ist besonders auf die- 
jenigen Suggestionen hingewiesen worden, die halbseitig auftreten. Man kann 



74 Negative Hallucinaüonen ohne Hypnose. 

z. B. rechts einen Vogel, links einen Bund sehen lassen u. s. w; es scheint dies 
aher nur Sache der Suggestion und Dressur zu sein. Weiter gehende Schlüsse 
daraus zu ziehen auf die unahhängige Arbeit der beiden Hirnhemisphären, ist 
werthlos. Hierher gehört auch der Fall von 31 agnin: eine Person mit hysterischer 
Schwachsichtigkeit des linken Auges glaubt in Hypnose, Gegenstände, die vor 
dem linken Auge sind, mit dein rechten zu sehen und objectivirt sie dem- 
entsprechend (allochirie.) 

Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen Sinnestäuschungen, 
die man wohl auch als positive bezeichnet, stehen die nega- 
tiven Hallucinationen oder negativen Sinnestäuschungen. Schon 
die alten Mesmeristen (Deleuze, Bertrand, Charpignon) 
haben viele hierher gehörige Beobachtungen veröffentlicht. Während 
bei den positiven der Hypnotische ein Object wahrzunehmen glaubt, 
das nicht da ist, nimmt er bei den negativen ein vorhandenes Object 
nicht wahr. Diese Art der Suggestionen, die anfangs für noch viel 
unglaublicher galt, als die positiven, hat dennoch, ebenso wie jede 
andere lrypno tische Erscheinung, ihr Analogon im nicht hypno- 
tischen Zustand. Gehen wir wiederum zu den Taschenspielern, 
welche mit grosser Raffinirtheit die wichtigsten psychologischen 
Gesetze praktisch verwerthen. Man sehe dem Taschenspieler auf 
die Hände, merke genau auf, und man wird sehen, wie er Gegen- 
stände verbirgt, wie er die Volte schlägt, wie er die Karten 
unmittelbar vor den Augen der Zuschauer untereinander austauscht. 
Der Taschenspieler weiss aber, durch geschickte Reden die Auf- 
merksamkeit der Zuschauer abzulenken, sodass selbst diejenigen, 
welche seine Hände sehen, nicht im Stande sind, sich von den Vor- 
gängen Rechenschaft abzulegen. Der Austausch der Karten z. B. 
fällt in den Gesichtskreis des Zuschauers, es findet der Sinnesreiz 
statt, aber er kommt nicht zum Bewusstsein. Wir finden auch im 
alltäglichen Leben ganz analoge Processe. Jedem ist es wohl 
schon passirt, dass er einen Gegenstand sucht, den er unmittelbar 
vor seinen Augen hat. Hier findet also das statt, dass ein Gegen- 
stand selbst nicht wahrgenommen wird, wo er im Gesichtskreise 
der Person ist, und diese gleichzeitig an ihn denkt. Es kann 
wohl unter diesen Umständen nicht mehr allzu unglaublich erscheinen, 
wenn wir analoge Processe auch in der Hypnose finden. Wenn 
wir im Stande sind, den Hypnotisirten Dinge sehen zu lassen, die 
nicht existiren, so kann es nach diesen Auseinandersetzungen nicht 
Verwunderung erregen, dass wir die Wahrnehmung äusserer Objecte 
durch die Suggestion verhindern können. 

Sehen wir uns ein Beispiel an. Hier ist Herr X. in Hypnose. 
Ausser mir sind noch zwei Herren gegenwärtig. Ich sage ihm: 
„Sie werden von jetzt ab nur noch mich sehen; die beiden anderen 



Negative Hallucinationen in Hypnose. 75 

Herren sehen Sie nicht mehr, trotzdem sie anwesend bleiben." 
Der Erfolg tritt ein. X. antwortet auf jede Frage, die an ihn von 
Seiten dieser Herren gerichtet wird; er fühlt ihre Berührung, 
aber er sieht sie nicht. Hier findet sich die negative Hallu- 
cination nur im Bereich des Sehorganes. Ebenso aber, wie man 
die positiven Sinnestäuschungen nach Belieben für einen oder 
mehrere Sinne erzeugen kann, ebenso findet dies für die negativen 
statt. Ich sage zu X. : „Jetzt sind die beiden Herren weggegangen; 
wir beide sind jetzt ganz allein!" Von diesem Augenblicke an 
werden die Herren weder gesehen noch gehört, noch durch irgend 
ein anderes Sinnesorgan wahrgenommen. Auf meine Frage, wer 
im Zimmer sei, antwortet X: „Nur Sie und ich!" In ganz gleicher 
Weise lässt man jeden beliebigen Gegenstand, auch Theile von 
Gegenständen oder Menschen verschwinden. Man kann alle An- 
wesende ohne Köpfe, ohne Arme etc. erscheinen lassen, man kann 
nach Art der Tarnkappe Leute unsichtbar machen, wenn sie sich 
einen bestimmten Hut aufsetzen. In jeder beliebigen Weise lässt 
sicjfc die Situation variiren. Forel hat in neuerer Zeit darauf 
hingewiesen, dass sich ähnliche negative Hallucinationen auch bei 
Geisteskranken öfter finden. Auch hat Forel darauf hingewiesen, 
dass der Hypnotische die negativen Hallucinationen beliebig er- 
gänzt und vervollständigt. So sage ich einem Hypnotischen X., 
während A. auf einem Stuhle sitzt: „A. ist jetzt fortgegangen; auf 
diesem Stuhl sitzt niemand." X. untersucht den Stuhl, findet an 
der Stelle, wo A. sitzt, eine Erhöhung und meint nun, dass ein 
Plaid auf den Stulü gelegt sei. Man sieht hier schon, wie die 
suggerirte negative Hallucination durch Autosuggestionen des Hyp- 
notischen allmählich in eine Illusion übergeht ; dieser Vorgang 
findet übrigens sehr oft statt. Genau genommen, können wir 
sogar jede Illusion als die Summe einer positiven und negativen 
Hallucination ansehen, da bei jeder Illusion etwas Vorhandenes 
nicht wahrgenommen und etwas nicht Vorhandenes wahrgenommen 
wird. 

Man ist ferner im Stande, gewisse Farben unerkennbar zu 
machen und durch Suggestion Farbenblindheit zu erzeugen. Es 
kann sich aber hier nur um eine mangelhafte Wahrnehmung der 
Farben handeln, nicht um eine Veränderung des von den Farben 
auf das Auge ausgeübten Reizes; die Störung ist lediglich psychisch 
(Schirme r). Die von C o h n aufgestellte Behauptung, dass anderer- 
seits bei einigen in Hypnose die Farbenblindheit schwinde, ist mit 
Recht von Königshöfer angefochten worden; es könnte sich 
höchstens nur um eine auf hysterischer Basis beruhende Störung 



7(3 Suggestive Blindheit, Taubheit etc. 

des Farbensinnes handeln, die in Hypnose sicli beseitigen lässt, 
nicht aber um eine solche, die in peripheren Veränderungen ihren 
Grund hat. 

Ganz ebenso aber wie diese negativen Hallucinationen erzeugt 
werden, kann man auch die Function eines bestimmten Sinnesorganes 
ganz ausfallen lassen. „Sie können nichts mehr hören, Sie sind taub 
oder Sie sind blind." Diese Worte genügen, um den Hypnotischen 
sofort der entprechenden Sinneswahrnehmungen zu berauben. Es 
fallt dann nicht nur die Erkennung eines bestimmten Objectes fort, 
sondern das Sinnesorgan ist für alles unempfänglich. Der Befehl, 
dass der Hypnotische wieder sehe, höre, fühle, genügt, um die 
Functionen sofort wieder herzustellen. Dass man auf diese Weise 
Blindheit, Taubheit etc. erzeugen kann, ist sicher ; doch ist diese 
natürlich nur eine psychische, indem genau genommen das ent- 
sprechende Sinnesorgan functionirt, aber der centrale Vorgang nicht 
bis zum Bewusstsein kommt. Ebenso lässt sich auch die Wahr- 
nehmung vermittelst eines Auges ausschliessen, trotzdem das 
andere functionirt; man kann also eine einseitige Amaurose 
schaffen (Borel). Selbst Hemianopsie ist in der Hypnose be- 
obachtet worden (Willy). 

Hierher gehören auch die xinästhesieen des Gefühls. Schleim- 
häute kann man gleichfalls dadurch gefühllos machen, dass man 
die Gefühllosigkeit suggerirt. Ammoniakdämpfe werden von der 
Nase, Kitzeln im Rachen nicht empfunden; man kann die Biüdehaut 
des Auges beliebig berühren, ohne dass ein entsprechender Reflex 
entsteht; selbst die Hornhaut des Auges soll spontan oder auf 
Suggestion hin gelegentlich unempfindlich werden. Preyer citirt 
den geradezu cyni sehen Versuch eines amerikanischen Arztes Little, 
der einem Hypnotischen, der im Verdachte der Simulation stand, 
eine Nadel durch die Hornhaut stach, um deren Unempfindlichkeit 
festzustellen. Uebrigens muss ich die letzteren Erscheinungen 
nach meinen Erfahrungen als Seltenheiten bezeichnen. Wenn diese 
Anästhesie der Bindehaut resp. Hornhaut besteht, so fällt der 
reflectorische Augenschluss fort; aber es ist das Ausfallen des 
Reflexes eine Folge der Anästhesie, nicht eine selbständige Er- 
scheinung (Gurney). 

Dass man übrigens im Stande ist, durch Suggestion auch das 
Muskelgefühl zu nehmen, bedarf nach dem Vorangegangenen 
wohl kaum der Erwähnung. Interessant ist das bei vollkommener 
Anästhesie eines Armes mehrfach beobachtete Fehlen des Muskel- 
sinnes bei vollkommener Intactheit der willkürlichen Bewegungen; 
es tritt hier ein Zustand ein, wie bei Tabikern. Derartige Leute 



Hyperästhesie der Sinnesorgane. 77 

sind im Stande, mit offenen Augen alles zu thun, richtig zu schreiben, 
während dies sehr mangelhaft geschieht, sobald die Augen geschlossen 
sind (William James und Carnochan). 



Ich habe oben gezeigt, dass durch Suggestion einzelne Sinnes- 
wahrnehmungen verhindert werden können ; ebenso giebt es in der 
Hypnose ganz bedeutende Hyperästhesien von Sinnesorganen. 
Ob dieselben durch Fremdsuggestion zu Stande kommen, ob auf 
andere Weise, ist an sich gleichgiltig und überhaupt nicht immer 
streng auseinanderzuhalten; die Hauptsache ist, dass sie vor- 
kommen. Wenn sie nun auch im Grossen und Ganzen nicht sehr 
häufig sind, so will ich doch nicht verfehlen, einige dieser Fälle, 
die in der That sehr merkwürdig sind, hier anzuführen. Man muss 
gerade auch diese selteneren Fälle genauer berücksichtigen, da 
sie uns den Schlüssel liefern zur natürlichen Erklärung mancher 
anscheinend übernatürlichen Erscheinung, besonders der Sinnes- 
verlegung und des Hellsehens. 

Verfeinerungen des Tastsinnes sind mehrfach beobachtet worden. 
Um den Kaumsinn zu prüfen, bedient man sich bekanntlich zweier 
Zirkelspitzen. Man untersucht nun, wie gross deren Abstand sein 
muss, damit sie noch getrennt als zwei Spitzen wahrgenommen 
werden. Auf diese Art lassen sich in der Hypnose Verfeinerungen 
finden, indem bei geringeren Distanzen während derselben zwei 
Spitzen unterschieden werden, als ohne Hypnose (Berger). Ich 
habe eine ganze Eeihe diesbezüglicher Versuche gemacht und 
kann B e r g e r s Angaben bestätigen. Ich fand auch dasselbe unter 
pathologischen Verhältnissen. Bei Tabikern mit weit vorgeschrit- 
tener Anästhesie fanden sich gleichfalls unter dem Einflüsse der 
Suggestion Verfeinerungen, die eine Zeit lang auch posthypnotisch 
bestehen können. So fand ich bei einem Tabiker: vor der Hyp- 
nose wurden am rechten Vorderarm bei 6,1 cm Distanz noch zwei 
Spitzen gefühlt, Während der Hypnose wurden durch Suggestion 
schon bei 4,9 cm, nach dem Erwachen sogar schon bei 4,1 cm 
Distanz zwei Spitzen wahrgenommen. 

Auch der Druck- und der Temperatursinn sind mitunter 
.sehr verfeinert, der Hypnotische erkennt Gegenstände in */t Zoll 
Entfernung von der Haut und zwar lediglich durch Abkühlung 
und Erwärmung (Braid). Er geht mit verbundenen Augen oder 
bei absoluter Finsterniss durch das Zimmer, ohne sich zu stossen, 



78 Hyperästhesie der Sinnesorgane. 

da er die Gegenstände am Luftwiderstande und an den Temperatur- 
differenzen erkennt (Braid, Poirault, Drzewiecki). Er- 
weiterung des Gesichtsfeldes erzeugt d'Abundo durch Suggestion. 
Einer der merkwürdigsten Fälle von erhöhter Sehfähigkeit 
ist von Bergson beschrieben worden. Gerade dieser Fall sollte 
zum Nachweis der übersinnlichen Gedankenübertragung benützt 
werden; doch führt Bergson die Scheinresultate auf die Hyper- 
ästhesie des Auges zurück. In dem erwähnten Falle war der 
Hypnotische im Stande, die Buchstaben eines Buches zu lesen, die 
3 mm hoch waren; das Lesen geschah aber lediglich durch das 
Spiegelbild, das diese Buchstaben in der Hornhaut des Experi- 
mentators bewirkten. Nach Berechnung konnte das Spiegelbild 
nur in der Höhe von 0,1 mm dem Sujet erscheinen. Dieselbe 
Person war auch im Stande, die Zellen eines mikroskopischen 
Präparates, die 0,06 mm Durchmesser hatten, ohne künstliche Ver- 
grösserung zu erkennen und zu zeichnen. Sauvaire vermuthete 
aus einigen allerdings nicht einwurfsfreien Versuchen eine derartige 
bedeutende Hyperästhesie des Gesichts, dass sonst undurchsichtige 
Spielkarten für den Hypnotischen genügend Lichtstrahlen durch- 
liessen, um erkannt zu werden. Gleichfalls eine bedeutende Ge- 
sichtshyperästhesie soll auch ein Fall von Taguet gezeigt haben, 
wo ein gewöhnlicher Carton als Spiegel diente; alle Gegenstände, 
die der Person so hingehalten wurden, dass die Lichtstrahlen von 
dem Carton in ihr Auge fielen, wurden deutlich erkannt. Derselbe 
Fall zeichnete sich auch durch bedeutende Steigerung des Geruches 
aus; eine Visitenkarte wird in eine Anzahl Stücke zerrissen, die 
angeblich lediglich durch den Geruch gefunden wurden; Stücke, 
die einer anderen Visitenkarte angehören, werden sofort als fremd 
erkannt. Handschuhe, Schlüssel, Geldstücke giebt die Person jedem 
zurück, dem sie gehören, lediglich durch den Geruch geführt. Die 
Hyperästhesie des Geruchsorganes wird auch sonst öfter berichtet. 
Carpenter theilt einen Fall mit, wo eine hypnotisirte Person 
unter 60 Personen diejenige fand, der ein bestimmter Handschuh 
gehörte. Einen ähnlichen Fall berichtet Sauvaire, wo eine 
hypnotisirte Person lediglich durch den Geruch feststellte, welcher 
von acht anwesenden Personen, deren Hände sie beroch, acht 
Taschentücher gehörten, trotzdem man sie auf jede Weise irre zu 
führen suchte. Braid und auch die alten Mesmeristen haben viele 
ähnliche Erscheinungen berichtet, Braid erzählt von einem 
Falle, wo die Versuchsperson unter einer Anzahl fremder Leute 
jedesmal dem Richtigen seine Handschuhe gab; bei Verstopfung 
der Nase misslang der Versuch jedesmal. Diese Feinheit einzelner 



Vermeintliche Hyperästhesie der Sinnesorgane. 79 

Sinnesorgane, insbesondere des Geruches findet sich bekanntlich 
normaliter bei vielen Thieren, z. B. bei Hunden, die ihren Herrn 
durch den Geruch erkennen. Die hypnotischen Versuche lehren 
uns, dass unter Umständen diese Schärfe des Geruches auch von 
einzelnen Menschen erreicht werden kann. 

Auch das Muskelgefühl bedarf noch einer kurzen Erwähnung; 
es giebt uns darüber Auskunft, wie in einem bestimmten Augenblick 
unsere Glieder stehen. Grössere Fertigkeiten, die man oft in tieferer 
Hypnose findet, beruhen zum grossen Theil auf eine Erhöhung des 
Muskelgefühls. Die ausgesprochene Echolalie glaubt Braid, wie 
schon erwähnt, hierauf zurückführen zu müssen. 

Bei Gelegenheit dieser Hyperästhesien der Sinnesorgane citire 
ich ein Experiment, das oft wiederholt wird; mit Unrecht wird 
es als ein Beweis grosser Sinnesschärfe hingestellt. Man nehme 
ein Spiel Karten, die natürlich sämmtlich die gleiche Bückseite 
haben, sodass, wenn man nur diese sieht, die Karten anscheinend 
nicht von einander unterschieden werden können ; man wähle nun 
eine beliebige Karte z. B. Coeur-As, halte dessen Rückseite vor 
die Augen des Hypnotischen und erzeuge durch Suggestion auf ihr 
eine bestimmte Photographie, etwa die eigene ; alsdann mische man 
die Karte mit der suggerirten Photographie in das Spiel und 
fordere den Hypnotischen auf, diese zu suchen, ohne dass er aber 
die Vorderansicht der Karten betrachten darf. Trotzdem die 
Karten die gleiche Rückseite haben, findet die Versuchsperson sehr 
oft die richtige Karte heraus. Man kann nun das Experiment 
auch mit Visitenkarten, mit anderen Blättern Papier in der Weise 
wiederholen, dass man auf der Rückseite sich irgend ein Zeichen 
macht, das der Hypnotische nicht sieht. Dieses Experiment macht 
einen grösseren Eindruck auf den Unerfahrenen, als es verdient. 
Die meisten Menschen sind nämlich im Stande, dies Experiment 
ohne jede Hypnose zu wiederholen; ich glaube nicht, dass für ge- 
wöhnlich eine besondere Hyperästhesie nöthig ist. Es finden sich bei 
genauem Zusehen ganz deutliche Differenzen auf der Rückseite aller 
dieser Blätter, Erkennungspunkte, points de repere (Bin et). Ich 
selbst habe oft mit Erfolg ohne Hypnose den Versuch gemacht ; derselbe 
hat somit auch bei der Simulationsfrage keine Bedeutung. Selbst- 
verständlich bestreite ich nicht, dass auch einmal ein Hypnotisirter 
hier ein Blatt findet, das der wache Mensch nicht finden kann; es 
kommen auch derartige Hyperästhesien vor. Ich will nur darauf 
hinweisen, dass dieser so oft als Beweis der Hyperästhesie demon- 
strirte Versuch meistens keine Hyperästhesie erfordert. Ich 
habe Gelehrte ersten Ranges gesehen, die in hohem Masse er- 



80 Vermeintliche Hyperästhesie der Sinnesorgane. 

staunt sind, wenn der Hypnotische anscheinend ganz identische 
Blätter von einander unterscheidet, und die nicht berücksichtigen, 
dass die Blätter wesentliche Unterschiede darbieten, die auch ohne 
Hypnose zur Unterscheidung genügen. Mit Eecht sagt Yung: 
„Es ist erstaunlich zu sehen, dass selbst wissenschaftliche Leute 
sich zuweilen durch anscheinend wunderbare Erscheinungen 
verblüffen lassen." Der Versuch selbst ist so zu deuten, dass die 
Wiedererkennungspunkte, die bei der Suggestion der Photographie 
von dem Hypnotischen festgehalten werden, sobald sie wieder von 
dem Hypnotischen gesehen werden, dasselbe Bild erwecken, welches 
bei der Suggestion entstand. Es haben sich diese Punkte dem 
Bilde fest associirt, sodass dieses sofort entsteht, wenn jene Punkte 
wahrgenommen werden. Bin et und Fere haben mit Recht 
darauf hingewiesen, dass das centrale Bild erst dadurch entsteht, 
dass die Erkennungspunkte es in die Erinnerung zurückrufen ; erst 
müssen diese gesehen werden. Daher wird das Bild bei einer 
grösseren Entfernung des Blattes vom Auge nicht wiedergefunden; 
hier sind eben die Erkennungspunkte noch unsichtbar. 

Interessant sind einige Versuche, die Binet und Fere ge- 
macht haben. Sie haben von solchen weissen Papieren, auf denen 
irgend ein Portrait durch Suggestion erzeugt wurde, photographische 
Aufnahmen gemacht. Hierbei zeigte sich, dass der Hypnotische 
stets die Vervielfältigungen als das gleiche Bild auffasste, weil 
die Wiedererkennungspunkte offenbar das gleiche Bild in der 
Phantasie entstehen Hessen. Aehnliches beobachtete Jendrässik: 
zeichnet man auf dem weissen Papier mit dem Finger ein d und 
suggerirt nun diesen Buchstaben als reell, so sieht die hypnotische 
Person das suggerirte d. Kehrt man das Papier um, so sieht sie 
p und im Spiegelbild q. Dies beruht auch darauf, dass gewisse 
Punkte auf dem Papier im Gedächtnisse festgehalten werden und 
bei der verschiedenen Stellung des Papiers auch die Punkte in 
anderer Lage erscheinen müssen. 



Ebenso wie die Function der Sinnesorgane werden durch 
Suggestion die Gemeingefühle beeinflusst. Von ihrer Seite 
findet sich eigentlich in der Hypnose nichts Bemerkenswerthes, 
wenn nicht die Suggestion mitspielt. Allenfalls wäre hier das 
Müdigkeitsgefühl zu erwähnen, welches viele Hypnotisirte haben; 
dasselbe tritt oft schon in den leichtesten Hypnosen auf und kann 



Gemeingefülile. Schmerzempfindung. 81 

in den tieferen gleichfalls bestehen. Wir sind nun im Stande, die 
Gemeingefühle in der Hypnose durch Suggestion ganz erheblich zu 
beeinflussen; es wird dies wohl am wenigsten Wunder nehmen, da 
wir wissen, dass gerade die Gemeingefühle unter dem lebhaftesten 
Einflüsse psychischer Vorgänge stehen. Ebenso, wie das Herunter- 
sehen vom Thurme Schwindel erregt, ebenso, wie der Gedanke an 
eine widerliche Speise Ekel erregt, ganz ebenso rufen wir diese 
und verwandte Erscheinungen durch die hypnotische Suggestion 
hervor oder lassen sie ebenso verschwinden. Gerade hier hat die 
Suggestion die glänzendsten Erfolge zu verzeichnen, da gerade 
von Seiten der Gemeingefühle, zu denen auch der Schmerz gehört, 
die häufigsten Klagen gehört werden. Ebenso, wie wir auf psy- 
chischem Wege derartige Dinge hervorbringen, ebenso sind wir oft 
im Stande, dieselben, wo sie bestehen, durch Suggestion zu beseitigen. 
Einem Hypnotisirten, der über Appetitlosigkeit klagte, sage ich: 
„Die Appetitlosigkeit ist geschwunden, Sie haben Appetit !" Einem 
andern mache ich Durst. Ebenso kann man das Wollustgefühl 
erregen. Umgekehrt hat Debove durch Suggestion Appetitlosig- 
keit gemacht, und zwar in einem solchen Grade und so anhaltend, 
dass eine Person 14 Tage hindurch keine feste Speise zu sich 
nahm. Man ist ferner in der Lage, bei tief hypnotisirten Personen 
bis zu einem gewissen Grade Durst und Hunger lediglich durch 
Suggestion, resp. suggerirte Speisen und Getränke zu bekämpfen, 
wie schon Fillassier angiebt. Nur schade, dass man bei recht 
wenigen Personen und bei ihnen nur in beschränktem Masse dies 
erreicht; unsere Politiker brauchten sich sonst nicht mehr die 
Köpfe über die sociale Frage und über die Ernährung des armen 
Mannes zu zerbrechen. 

Eine besondere Besprechung möchte ich an dieser Stelle der 
Schmerzempfindung widmen. Wie verhält sie sich in der 
Hypnose ohne, und wie verhält sie sich mit Suggestion? Ab- 
gesehen von einigen Hypnosen, wo Berg er vermehrte Schmerz- 
empfindlichkeit findet, constatirt man gelegentlich in der Hypnose 
Analgesie, und zwar in einem derartigen Masse, dass die ein- 
greifendsten chirurgischen Operationen in der Hypnose vorgenommen 
werden können. Dass man viele Leute in der Hypnose mit Nadeln 
stechen kann, ohne dass sie einen Schmerz fühlen, während sie 
gleichzeitig oft die Berührung fühlen, ist gleichfalls bekannt. Und 
dennoch ist eine vollkommene Analgesie in der Hypnose 
äusserst selten, wenn auch ein Autor es dem anderen oft abschreibt 
dass gewöhnlich in der Hypnose vollkommene Analgesie bestehe. 
Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man eine Person mit einer 

Moll, Hypnotismiia. 6 



82 Schmerzempfindung. Seelische Stimmung. 

Nadel sticht, oder ob man den faradisclien Pinsel nimmt. Die 
Schmerzhaftigkeit bei Anwendung des letzteren, zumal wenn man 
eine bedeutende Stärke des elektrischen Stromes anwendet, ist so 
gross, dass nur wenige Personen in der Hypnose ihn aushalten 
können, selbst wenn sie bei Nadelstichen keine Schmerzempfindung 
zeigen. Bei einigen, wo spontane Analgesie nicht auftritt, ist diese 
durch Suggestion zu erzielen. Viel häufiger aber ist eine gewisse 
Verminderung der Schmerzempfindlichkeit durch Suggestion zu 
erzeugen, während zu einer absoluten Analgesie auch die Suggestion 
nur selten ausreicht. Viele als vollkommen analgetisch beschriebene 
Fälle, z. B. der von Tamburini und Seppilli, zeigen bei 
genauerer Betachtung, dass es sich um eine vollkommene Analgesie 
nicht handelte, da starke Stromstärken schliesslich als Schmerz 
empfunden wurden. Dass man andererseits durch Suggestion jede 
Art des Schmerzes, sowohl den Schmerz einer Nadel wie den eines 
Messers, den Schmerz des Verbrennens sowie jede andere Art des- 
selben hervorbringen kann, bemerke ich nur kurz. Das Gesicht 
der Versuchsperson drückt dann das schwere Leiden derselben in 
einer Weise aus, dass ein Unbefangener schwerlich unterscheiden 
kann, ob der Schmerz nur suggerirt ist oder nicht. 

Die mit den Gemeingefühlen im engsten Zusammenhange 
stehende seelische Stimmung steht, wie ich hier schon erwähnen 
will, auch unter dem Einflüsse der Suggestion. Traurigkeit und 
Heiterkeit in und nach der Hypnose herbeizuführen, ist mitunter eine 
Kleinigkeit. Gelegentlich findet man die Ansicht verbreitet, dass 
der Hypnotische auffallend ernst sei; ich muss dies nach meinen 
Erfahrungen bestreiten; die meisten geben im Gegentheil ein eigen- 
thümliches Wohlbehagen an (Rieh et). Es ist hier die Art der 
Hypnotisirung von Einfluss. Ebenso wie die Stimmung beherrscht 
man bei einigen Hypnotischen auch die Triebe und Affecte. 
Liebe und Hass, Angst, Zorn, Schrecken werden dann mit grosser 
Leichtigkeit hervorgerufen und geben dem Gesichtsausdruck, der 
Stellung und Haltung des Hypnotikers das entsprechende Aussehen. 



Abgesehen von den Störungen der willkürlichen Bewegungen 
sind fast alle bisher beschriebenen Suggestionserscheinungen das 
ausschliessliche Privilegium der zweiten Gruppe der hypnotischen 
Zustände. Ich komme nun zu einigen anderen körperlichen 
Functionen, deren suggestive Beeinflussung gleichfalls schon eine 



Blutcirculation und Athmung. 83 

erhebliche Tiefe des hypnotischen Zustandes erfordert. Ich er- 
wähne hier zunächst die Erscheinungen im Gebiete der Muskulatur, 
die normaliter vom Willen unabhängig ist. 

Wir wollen hier besonders die Blutcirculation und Athmung 
betrachten, da diese ganz wesentlich eine Folge unwillkürlicher 
Muskelthätigkeit sind. Es sind in dieser Richtung eine ganze 
Reihe physiologischer Beobachtungen während der Hypnose gemacht 
worden, um festzustellen, wie sich Puls und Athmung ohne 
Suggestion verhalten. Bei der Leichtigkeit, mit der man den Puls 
fühlen kann, ist es fast selbstverständlich, dass dieser von jeher 
öfter untersucht wurde ; indessen sind doch die Angaben so wider- 
spruchsvoll, dass wir sie nur mit Vorsicht aufnehmen dürfen. 
Wenn einzelne geglaubt haben, in veränderter Herz- und Athmungs- 
thätigkeit objective Merkmale zu finden, so liegen dem doch sicher 
viele Uebertreibungen zu Grunde. Starke Beschleunigung des 
Pulses und der Athmung ist sehr oft bei Anwendung des Braid'schen 
Verfahrens, der Fascination (Bremaud) und der mesmerischen 
Striche (Ochorowicz) constatirt worden. Die Athmung, die 
normaliter etwa 18 in der Minute betrug, erhebt sich auf 50 und 
noch mehr. Ich habe über diesen Punkt selbst eine Menge Unter- 
suchungen gemacht und muss B e rn h e im und P r ey e r vollkommen 
beistimmen, wenn sie meinen, dass diese Veränderung nicht sowohl 
Folge der Hypnose, als Folge des Fixirens sei. Ich glaube, dass 
es nur die Anstrengung ist, durch welche diese Abweichungen 
hervorgebracht werden ; es sind auch wesentlich auf die Anstrengung 
oder psychische Erregung die Unregelmässigkeiten zu beziehen, die 
sich mitunter in der Athmung zeigen. Preyer erwähnt, dass bei 
Ansehen irgend eines mikroskopischen Objectes oft die Athmung 
sich wesentlich verändert; ebenso zeigt die Athmung oft Ab- 
weichungen, wenn eine Person sich beobachtet glaubt; ein tüchtiger 
Arzt untersucht desshalb die Athmung am liebsten zu einer Zeit, 
wo der Patient es nicht merkt. Jedenfalls sah ich ohne eine Spur 
von Hypnose nach längerem Fixiren eine erhebliche Beschleunigung 
des Pulses und der Athmung eintreten; ebenso wurde gleichzeitig 
die Athmung oft unregelmässig, ohne dass eine Spur von Hypnose 
vorhanden war. Tritt Hypnose ein, so pflegt nach kurzer Zeit 
schon die Beschleunigung und Unregelmässigkeit nachzulassen. Ich 
habe nur wenige Fälle gesehen, wo sie fortbestand, bin aber auch 
da keineswegs geneigt, dies als ein Zeichen der Hypnose zu be- 
trachten, da derartige Personen auch bei den geringsten Anlässen 
eine Beschleunigung des Pulses und der Athmung zeigen. Schon 
die Unterhaltung ist im Stande, bei ihnen die gleiche Beschleunigung 

6* 



34 Darmbewegungen, durch Suggestion beeinflusst. 

zu erzeugen; ich habe auch gesehen, dass Personen selbst durch 
eine sitzende, unbequeme Stellung Veränderungen des Pulses und 
der Athmung zeigten. Es kommt aber noch hinzu, dass viele 
' Personen durch die starken Muskelcontractionen bei den kata- 
leptischen Erscheinungen (Braid), zumal bei der tonischen Con- 
tractur (E u m p f), eine ganz erhebliche Beschleunigung des Pulses 
resp. der Athmung darbieten. Wenn ich derartige Personen ruhig 
hinlegte, jede Unterhaltung, jede physische Anstrengung und 
psychische Erregung vermied, so konnte ich niemals beobachten, 
dass eine dauernde Beschleunigung statt fand. Hingegen fand ich 
mehrere Male eine vertiefte und auch etwas verlangsamte Athmung, 
ebenso wie eine geringe Pulsherabsetzung in der Hypnose. Es 
waren dies jene Fälle, die äusserlich mehr an das Bild des Schlafes 
erinnerten, jene Fälle, die ich oben mehrfach erwähnte, bei denen 
eine erhebliche spontane Bewegung nicht stattfand, und bei denen 
auch die Suggestion grössere Schwierigkeiten fand, um Bewegungen 
hervorzurufen. Beaunis findet gelegentlich eine vermehrte 
Spannung des Pulses, ohne jedoch dem einen grossen Werth bei- 
zumessen; Horsley findet keine Veränderung der Pulscurve. 

Von sonstigen ohne sichtbare Suggestion abweichenden Func- 
tionen der unwillkürlichen Muskulatur ist wenig zu sagen. M. 
Eosenthai beobachtet Erbrechen, das er auf Eeizung der Hirn- 
rinde zurückführt; Uebelkeit wird gelegentlich bei Personen be- 
obachtet, die sich aufregen und furchtsam zeigen (Friedemann 1 )). 

Fragen wir uns nun: wie weit kann man durch Suggestionen 
auf die unwillkürliche Muskulatur wirken? Eelativ häufig sind 
die Darm bewegungen zu beeinflussen. Ich besitze verschiedene 
Erfahrungen darüber, mit welcher Sicherheit mancher Hypnotisirte 
sich seinen Stuhlgang suggeriren lässt. Ich sage dem einen: „In 
einer halben Stunde (ev. nach dem Erwachen) haben Sie Ihren 
Stuhlgang;" mit grosser Sicherheit tritt dies ein. „Morgen um 
acht haben Sie Stuhlgang;" der Erfolg tritt ein. „Morgen zwischen 
acht und neun haben Sie dreimal Stuhlgang;" genau derselbe Er- 
folg, trotzdem nach dem Erwachen keine Erinnerung besteht. 
Interessant ist es, dass man, wenn auch nur sehr selten, selbst die 
Wirkung von Abführmitteln durch entgegengesetzte Suggestion 
compensiren kann. Eine Person bekommt eine Dosis Eicinusöl, 
die genügt, einen reichlichen Stuhl zu schaffen; in Hypnose wird 
ihr aufgetragen, erst in 48 Stunden Stuhlgang zu haben; der Erfolg 
der Suggestion bleibt nicht aus, trotzdem dieselbe Person sonst nach 



J ) Privatmittheilung. 



Blutgefässe und Herz, durch Suggestion beeinflusst. 85 

der gleichen Dosis sehr bald reichlichen Stuhlgang hat (v. Krafft- 
Ebing). Oder man gebe dem Hypnotischen einige Tropfen Wasser 
mit der Behauptung, es sei das stärkste Drastikum; es erfolgt 
Stuhlgang. In ganz gleicher Weise wirken suggerirte Brech- 
mittel. Es kann dies schliesslich nicht so sehr verwundern, da 
wir wissen, dass diese und andere Functionen, wenn auch unab- 
hängig von unserm Willen, doch unter dem Einflüsse der Psyche 
stehen. Das Erbrechen beim Anblick ekelhafter Dinge, die be- 
rühmten mica panis-Pillen, als Abführmittel gegeben, beweisen das 
zur Genüge. 

In ähnlicher Weise sind auch, wie durch mehrere Versuche 
bewiesen ist, bei einzelnen Personen die Gefässe und das Herz 
zu beeinflussen. Erwähnenswerth sind hier einige Versuche, die 
Dumontpallier gemacht hat, und bei denen er unter dem Ein- 
flüsse der Suggestion eine locale Erhöhung der Temperatur bis zu 
drei Graden hervorrufen konnte. Locale Röthungen durch Suggestion 
beobachten auch Forel, Beaunis und F. Myers. Auch dies 
Phänomen kann nicht allzusehr überraschen, da wir sonst gleich- 
falls unter dem Einflüsse psychischer Zustände derartige vaso- 
motorische Störungen beobachten. Ich habe S. 43 schon von dem 
Erröthen gesprochen, das eintritt, wenn jemand sich in Verlegen- 
heit befindet; ich will hier nur noch das Gegentheil erwähnen, 
den Schrecken, der oft ein Erblassen zur Folge hat. Als Curiosum 
erwähne ich, dass bei spiritistischen Medien locale Hautröthungen 
(Carpenter, du Prel) öfter beobachtet sind und auch für über- 
natürliche Phänomene erklärt wurden. Da derartige Medien sich 
gleichzeitig oft in einem der Hypnose nahestehenden, vielleicht 
identischen Zustande, dem Trance, befinden, so wird jene Erschei- 
nung jetzt eine recht natürliche Erklärung finden. 

Es sind auch über den Einfluss der Suggestion auf die Herz - 
thätigkeit einige Beobachtungen gemacht worden. Ich selbst habe 
öfter bei bestehendem Herzklopfen oder sonst beschleunigtem Pulse 
durch Suggestion eine Frequenzabnahme erzielen können. Indessen 
rnuss man doch mit der Folgerung, dass die Suggestion direct auf 
die Herznerven gewirkt habe, etwas vorsichtig sein; die Wirkung 
ist vielmehr eine indirecte. Denn abgesehen davon, dass die Herz- 
thätigkeit bis zu einem gewissen Grade von der Athmung abhängig 
ist, steht sie auch sehr unter dem Einflüsse von Vorstellungen, die 
eine Alterirung des Gemüths bewirken. Solche Vorstellungen sind 
im Stande, die Herzthätigkeit zu beschleunigen oder zu verlang- 
samen ; es ist möglich, dass die Suggestion, die einen beschleunigten 
Puls langsamer macht, nur indirect durch Beseitigung der psychi- 



86 Herztliätigkeit und Athmung, durch. Suggestion beeinflusst. 

sehen Erregung dieses Eesnltat herbeiführt, oder umgekehrt durch 
Erregung die Pulsfrequenz erhöht. Meine in dieser Richtung ge- 
wonnenen Beobachtungen über Verlangsamimg, eventuell auch Be- 
schleunigung der Herztliätigkeit vermittelst der Suggestion lassen 
mich mehr an diesen Weg denken, als an die directe Beeinflussung 
der Herznerven resp. des Herznervencentrums durch die Suggestion. 
Jedenfalls ist es sehr schwer, diesen indirecten Weg ganz auszu- 
schalten, der auch sehr schnell wirken kann. Gleichviel aber, wie 
der Weg ist, B e a u n i s hat ohne Veränderung der Athmung durch 
die Suggestion bei mehreren Personen eine momentane Wirkung 
der Suggestion gesehen. Er sah die Pulsfrequenz von 98 auf Sug- 
gestion hin bis auf 92 Schläge herabgehen und sodann schneller 
werden bis zu 115 Schlägen. Beaunis schliesst auf eine directe 
Einwirkung der Suggestion auf das Hemmungscentrum des Herzens 
und glaubt, Vorstellungen, die das Gemüth beeinflussen, wie oben 
angedeutet, ausschliessen zu müssen, da die Wirkung der Suggestion 
stets eine momentane war. Doch sind seine bezüglichen Schluss- 
folgerungen nicht beweisend. 

Die Athmung, die eine gewisse mittlere Stellung einnimmt 
zwischen den willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen, 1 ) 
will ich gleichfalls hier erwähnen, da sie auch durch die Suggestion 
beeinfiussbar ist. Ich selbst habe derartige Versuche vorsichts- 
halber niemals länger als auf eine halbe Minute ausgedehnt. Ich 
gab der Person die Suggestion, dass sie nicht athmen könne; es 
entstand anscheinend völlige Athempause. Jendrässik berichtet 
von einem Fall, wo er im Stande war, die Athmung drei Minuten 
lediglich dadurch zu inhibiren, dass er der Person sagte, sie könne 
nicht mehr athmen. 



Betrachten wir jetzt die secretorischen Vorgänge während 
der Hypnose, so finden wir hier nur dürftige physiologische 
Untersuchungen. 

Schweisssecretion wird oft beobachtet (Gr. Barth, Demar- 
quay, Giraud-Teulon, Heidenhain, Preyer). Ich be- 
zweifle es, ob die Schweisssecretion abhängig ist von der Hypnose; 
ich glaube, dass sie vielmehr auch nur Folge des anstrengenden 
und erregenden Fixirens ist. Etwas mehr wissen wir schon über 



*) d. h. sie findet gewöhnlich unwillkürlich statt, kann aber bis zu einem 
gewissen Grade willkürlich beeinflusst, beschleunigt oder verlangsamt werden. 



Secretion. 37 

die Beeinflussung durch Suggestion. Burot zeigt, dass man 
Speichelsecretion, Bottej^, dass man Schweisssecretion durch sie 
hervorbringen kann, Charles Richet, dass man im Stande ist, 
Erection und sogar Samenerguss lediglich dadurch zu bewirken, 
dass man den Glauben an den Coitus erweckt. Dass man durch 
die Suggestion, der Betreffende rieche Zwiebeln, Thränen hervor- 
lockt, habe ich selbst beobachtet und oben schon erwähnt. 

Heidenhain konnte bei dem Kitzeln des Dammes Urin- 
entleerung erzielen. Ich glaube nicht, dass man die Erscheinung 
als somatischen Reflex auffassen darf; der Betreffende entleerte, 
vermuthe ich, den Harn, weil er glaubte, dass er ihn entleeren 
sollte. Preyer erwähnt den Vorgang bei den Secretionen; ich 
erwähne ihn hier, um das Irrthümliche dieser Auffassung hervor- 
zuheben. Der Betreffende hat nicht den Urin secernirt auf 
den äusseren Reiz oder Befehl hin, er hat ihn vielmehr nur ent- 
leert. Dies ist also eine motorische Suggestion. Ich war oft im 
Stande, dies gleichfalls zu erreichen; „Sie müssen nach dem Er- 
wachen innerhalb einer Stunde fünfmal Harn lassen." Der Be- 
treffende wundert sich nach der Hypnose, dass er so oft Urin 
lassen muss, thut dies aber. Ob man die Secretion des Harns 
durch Suggestion beeinflusst, darüber liegen noch wenig Unter- 
suchungen vor. Doch giebt Wetters trand derartige Resultate 
bei Nierenerkrankungen an, dass man fast den Schluss ziehen 
könnte, dass man bei einzelnen Personen im Stande ist, auch die 
Secretion des Harnes zu beeinflussen. Es ist dies nicht so 
wunderbar, wenn wir bedenken, dass man manche Krankheiten, 
bei denen vermehrte Urinsecretion stattfindet, auf nervöse Ver- 
anlassung zurückführt, und dass Angst, Schreck auch sonst Ein- 
fluss auf die Urinsecretion zu haben scheinen. 

Auf Vermehrung der Darmsecretion schliesst v. Krafft-Ebing 
aus einem Versuche. Er suggerirt bei einer Versuchsperson mit 
Erfolg profusen wässrigen Stuhl; dieser tritt ein. Da kurz 
vorher Blase entleert wurde und im Urin nur wenig Urate ge- 
funden wurden, glaubt v. Krafft-Ebing die Flüssigkeit als Ver- 
mehrung der Darmsecretion betrachten zu müssen. 



Es sind auch über den Stoffwechsel während der Hypnose 
einige specielle Untersuchungen gemacht worden; allerdings sollte 
man aus solchen Untersuchungen keinerlei Schlüsse ziehen. Brock 



88 Stoffwechsel. 

findet bei kurzer Hypnose von zwanzig Minuten mit theilweiser 
kataleptischer Stellung- der Extremitäten, dass im Harn die Summe 
der festen Bestandteile, auch der Phosphorsäure abnimmt, ähnlich 
wie es Strübing bei der Katalepsie beschrieben hat. Da jedoch 
Brock vergass, seine Versuchsperson unter analogen Verhältnissen, 
d. h. ruhig sitzend ohne Hypnose zu untersuchen (Preyer), so 
sind seine Untersuchungen nicht beweisend, Jedenfalls sollte man 
aus seinen Untersuchungen keinen Schluss auf die Gehirnthätigkeit 
ziehen; Brock schliesst auf verminderte Hirnarbeit, weil die Phos- 
phorsäure abnimmt. Viel vorsichtiger ist Gürtler in seinen 
Schlüssen. Auch er findet Differenzen für Phosphorsäure; er hat 
zwar auch nicht in genügender Weise vergleichende Untersuchungen 
bei derselben Person unter analogen Verhältnissen ohne Hypnose 
angestellt; er enthält sich aber endgiltiger Schlüsse, da hierzu die 
Darmentleerungen und die Respiration untersucht werden müssten. 
Hierher sind auch die Untersuchungen einzelner Forscher zu 
rechnen, die eine Veränderung der Körpertemperatur bewirkten. 
Besonders v.Krafft-Ebings Versuche sind geradezu überraschend; 
es gelang ihm bei seinem Sujet ganz beliebige Körpertemperaturen 
hervorzurufen. Am rätselhaftesten scheint mir hierbei der Um- 
stand zu sein, dass die Person den durch Suggestion befohlenen 
Temperaturgrad, z. B. 36 °, genau am Thermometer zeigte. Da 
dieses Messinstrument etwas ganz und gar ausserhalb der Versuchs- 
person Liegendes ist, so müssen wir bei dieser für die genaue 
Regulirung der Körpertemperatur eine Fähigkeit annehmen, die 
sehr auffallend ist. Interessant sind auch die von Mar es und 
Hellich vorgenommenen Versuche, denen es öfter gelang, die 
Körpertemperatur einer hypnotisirten Person in dem Zeitraum von 
24 Stunden von 37 ° bis auf 34,5 ° herabzusetzen ; diese Temperatur- 
veränderung fand nicht durch unmittelbare Suggestion statt, trat 
vielmehr dadurch ein, dass nur das Gefühl für Kälte und Wärme 
suggestiv genommen wurde. 



Ich komme nunmehr zu einigen Erscheinungen, die wohl am 
meisten Misstrauen erwecken werden, nämlich zu den durch Suggestion 
bewirkten anatomischen Veränderungen während der Hypnose. 
So räthselhaft dies an sich ist, so handelt es sich doch nur um 
quantitative Differenzen von Erscheinungen, die wir auch sonst sehen. 
Die Physiognomie gewisser Stände, z. B. der Pastorentypus, ist in 



Anatomische Veränderungen, durch Suggestion hervorgerufen. 89 

dieser Richtung doch eine kleine Andeutung - , wie psychische Vor- 
gänge allmälig auf die organische Bildung ihren Einfluss ausüben ; 
die geistige Beschäftigung und seelische Stimmung drückt, wenn 
auch langsam, der Physiognomie einen Stempel auf. 

Der gewöhnlichste und häufigste Versuch, den man in der 
Hypnose vorgenommen hat, war der, dass man in der Versuchs- 
person den Glauben erweckte, man habe ein Blasenpflaster auf- 
gelegt und nun versuchte, dadurch eine wirkliche Blase zu er- 
zielen. Die Beobachtungen, die hierüber gesammelt worden sind, 
sind jedoch sämmtlich nicht einwurfsfrei; da, wo genaue Versuchs- 
protokolle veröffentlicht sind, hat der Skeptiker genügende Be- 
denken; skeptisch soll aber nicht nur derartigen, sondern allen 
Angaben gegenüber jeder wissenschaftliche Mann sein. Den Grund 
zu Bedenken bildet bei diesen Versuchen in der Regel die un- 
genügende Ueberwachung des Sujets. Dennoch sind die diesbezüg- 
lich veröffentlichten Versuche, wenn auch nicht überzeugend, so 
doch beachtenswerth. Aprioristisch diese Dinge desswegen zu be- 
streiten, weil man sie selbst nicht gesehen hat, oder weil sie sehr 
selten sind, ist ein grundfalsches Princip; dasselbe sollte meiner 
Ansicht nach viel weniger vorkommen, als es thatsächlich noch 
der Fall ist. Denn es giebt Dinge, die selten sind, z. B. gewisse 
Missgeburten oder Drillingsgeburten, auch Millionäre, die aber 
nichtsdestoweniger vorkommen. Auch ohne dieselben gesehen zu 
haben, glaubt jeder an deren Existenz. Also weder die Seltenheit, 
noch der Umstand, dass man selbst etwas nicht gesehen hat, spricht 
gegen die Realität. Aus diesem Grunde sind auch seltene Be- 
obachtungen anderer von Bedeutung. 

Von den hierher gehörigen Versuchen erwähne ich zunächst 
die Fälle, in denen Blutung aus dem Uterus durch Suggestion er- 
zeugt oder zum Stillstand gebracht wurde. Dass man dazu bei 
geeigneten Individuen im Stande ist, ist nicht zweifelhaft, Forel 
hat eine ganze Reihe hierauf bezüglicher Versuche gemacht und 
auch zum Theil durch persönliche Untersuchung die Richtigkeit 
und die Wirkung der Suggestion festgestellt. Viele andere Experi- 
mentatoren haben gleichfalls den Einfluss der Suggestion auf die 
Menstruation bestätigen können (Sperling, A.Voisin, Gascard, 
Briand). Merkwürdig ist übrigens die Angabe Liebeaults, dass 
er niemals im Stande war, durch Suggestion Abortus herbeizuführen. 
So auffallend und wunderbar ist die suggestive Beeinflussung der 
Blutung aus dem Uterus nicht, wenn wir bedenken, wie sehr auch 
sonst psychische Einflüsse hierauf wirken. Dass die Periode z. B. 



90 Brandblasen und Blutungen, durch Suggestion hervorgerufen. 

oft Unregelmässigkeiten zeigt bei Personen, die einer chirurgischen 
Operation ausgesetzt sind, ist bekannt. 

Ich habe den Einfluss der Suggestion auf die Menstruation an 
dieser Stelle erwähnt, trotzdem diese Versuche, streng genommen, 
eine organische Beeinflussung nicht beweisen. Es könnte sich 
hier, und mir scheint dies wahrscheinlich, um eine vasomotorische 
Störung handeln, die erst secundär die organischen Veränderungen 
zur Folge hat. 

Jendrässik und v. Krafft-Ebing erzielten bei ihrer Ver- 
suchsperson unter dem Einfluss der Suggestion Brandwunden. 
Wenn des Morgens irgend ein Gegenstand auf die Haut gedrückt 
wurde, z. B. eine Zündholzschachtel, eine Scheere, eine Dose, eine 
Wäschemarke oder dgl., so war auf Suggestion hin, dass die Haut 
verbrannt werde, nachmittags eine Brandblase zu sehen in Form 
des betreffenden Objects. Die Folgen waren noch lange nachher 
sichtbar. Wenn man der auf der rechten Seite anästhetischen 
hysterischen Patientin den Gegenstand auf der linken Seite auf- 
drückte, so entstand die Brandwunde symmetrisch rechts und zwar 
ungefähr im Spiegelbild, wie man bei Buchstaben erkennen konnte. 
Jendrässik behauptet, dass eine Täuschung bei den Brandsug- 
gestionen absolut ausgeschlossen war. Uebrigens hat ein Derma- 
tologe, Lipp, bei einem Versuche es für unmöglich erklärt, die 
suggestiv erzeugten Läsionen künstlich mechanisch oder chemisch 
hervorzubringen. In der Salpetriere wurden Brandwunden durch 
Suggestion gleichfalls öfter beobachtet. Ebenso liegen die Ver- 
suche von Bourru, Burot und Berjon, die an derselben Ver- 
suchsperson wieMabille, Eamadier und Jules Voisin durch 
Suggestion Blutungen erzielten, wie sie ähnlich Puysegur 
schon gesehen hat. An jener Versuchsperson trat auf Commando 
Nasenbluten ein, dann aber auch zur vorher bestimmten Zeit Haut- 
blutungen. Wenn man mit einem stumpfen Instrument die Haut 
leicht berührt hat, um der Suggestion den Weg zu zeigen, so sollen 
auf Befehl Hautblutungen eingetreten sein, deren Spuren noch nach 
drei Monaten sichtbar waren. Interessant ist, dass bei diesem 
Individuum, das an einer rechtsseitigen Hemiplegie und Henii- 
anästhesie litt, auf der gelähmten Seite die Hautblutung nicht mit 
Erfolg suggerirt werden konnte. Die Beobachtungen Mabilles 
an jener Person sind besonders desswegen interessant, weil sie 
zeigen, wie das Individuum in der Hypnose selbst durch Auto- 
suggestion diese Blutungen bei sich hervorbringen kann. 

Leider geht aus den Berichten, die über diesen Fall vorliegen, 
nicht präcis genug hervor, ob auch sonst Berührungen leicht zu 



Stigmatisationen. 91 

localen Blutungen führten (F. Myers). Indessen ist zu berück- 
sichtigen, dass die Blutung nicht kurz nach der Berührung auftrat; 
dies musste der Fall sein, wenn diese nur mechanisch wirkte. 
Ausserdem waren nach Berjon Vorsichtsmassregeln getroffen, 
damit das Sujet sich vor der Blutung nicht den Arm selbst berührte 
und dadurch eine künstliche Verletzung veranlasste. 

Jeder wird wohl hier an die Stigmatisirten der katholischen Kirche 
erinnert. Bei ihnen sollen zeitweise Hautblutungen auftreten, die sich gewöhnlich 
an Stellen finden, die den Blutmalen Jesu entsprechen. In der neueren Zeit ist 
am bekanntesten geworden Louise Lateau in Bois d'Haine bei Monts, die im 
Jahre 1868 von sich reden machte. Aus der einschlägigen Litteratur geht hervor, 
dass der anatomische Prozess bei der Lateau etwas complicirter war (Virchow, 
Lefebvre). Es traten hier zunächst Blasen auf, nach deren Berstung die 
Blutung aus dem Corium stattfand, ohne dass eine Verletzung sichtbar war. Ohne 
auf die Frage, ob Betrug oder nicht, — den ein belgischer Arzt Warlomont 
nach persönlicher Untersuchung ausschloss — näher einzugehen, wollte ich auf 
diesen Unterschied aufmerksam machen. Delboeuf u. a. glauben übrigens, dass 
die Erscheinungen durch Autosuggestion zu Stande kämen. Die Lateau habe ihre 
eigene Aufmerksamkeit fort und fort denjenigen Körperstellen zugewendet die sie 
als Wundmale Christi kenne, und unter dem Einflüsse dieser angespannten Auf- 
merksamkeit entstände die anatomische Läsion, wie sonst durch die Fremdsuggestion. 
Virchow hat bekanntlich seinerzeit nur die Alternative offen gelassen: Betrug 
oder Wunder. Bei der bekannten Katharina Emmerich sollen seinerzeit die 
Blutungen aufgetreten sein, während sie aufmerksam das Crucifix betrachtete. 
Ohne über die Realität dieser Dinge zu entscheiden, da eine streng wissenschaft- 
liche Untersuchung nicht stattfand, wohl auch nicht stattfinden konnte, bemerke 
ich, dass die Möglichkeit einer natürlichen Erklärung heute nahe gelegt ist, wo 
durch Suggestion in geeigneten psychischen Zuständen Aehnliches experimentell 
erzeugt wurde. Es handelt sich hier auch um ähnliche Zustände; die Extase, in 
der sich die Lateau befunden haben soll, hat eine grosse Aehnlichkeit mit der 
Hypnose, wie überhaupt Extase und Hypnose mannigfache Berührungspunkte 
bieten, vielleicht gleiche Zustände sind (Mantegazza). 

Von Seiten der katholischen Geistlichkeit — die z. Th„ wie SanchaHervas 
den ganzen Hypnotismus verdammt — werden übrigens Einwendungen gegen die 
Identificirung der Stigmatisation mit den suggerirten Hautblutungen gemacht. 
Meric leugnet die Möglichkeit, einen Vergleich hier zu machen. Jedoch berück- 
sichtigt Meric nicht, dass eine Autosuggestion in der Extase ganz gleich wirken 
kann, wie eine Fremdsuggestion. Meric behauptet, dass die Stigmatisirten über- 
haupt nicht in einem abnormen Zustand seien, dass sie ganz wach seien. Was 
jedoch die Lateau betrifft, so war sie offenbar nicht in wachem Zustand — voraus- 
gesetzt, dass es sich nicht um eine Simulation handelte. Die Lateau sprach nur 
mit gewissen Personen; es war also sogar ein Rapport vorhanden, ähnlich wie in 
der Hypnose. 

In die Kategorie dieser organischen Läsionen gehören auch 
die Versuche Delboeufs, der gemeinsam mit Wini warter und 
Henrijean experimentirte. Delboeuf erzeugte symmetrische 
Brandwunden und machte die eine Wunde durch Suggestion schmerz- 
los. Hierbei wurde beobachtet, dass die 'analgetische Wunde viel 



92 Blasen, durch Suggestion erzeugt. 

grössere Tendenz zur Heilung und insbesondere keine Tendenz 
zeigte zu einer entzündlichen Ausbreitung in die Umgebung. Da 
aber kleine Unregelmässigkeiten dabei vorkamen, so sind die Ver- 
suche nicht vollkommen überzeugend. 

Ich komme jetzt zu einigen Versuchen, wo man der hypno- 
tischen Person sagte, man habe ihr ein Blasenpflaster auf- 
gelegt, während nur ein gewöhnliches Stück Papier aufgeklebt war. 
Wie Bin et und Fere berichten, ist ein solcher Versuch, durch 
Suggestion Blasen zu ziehen, bereits im Jahre 1840 von einem 
italienischen Arzt Prejalmini gemacht worden; wie du Prel 
berichtet, wurde bereits im Jahre 1819 bei einer von Celicurre 
de l'Aupepin magnetisirten Somnambulen mit einem gewöhnlichen 
Stück Leinwand eine Ablösung der Haut erzielt, trotzdem man 
jenes wie ein einfaches Pflaster aufgelegt hatte. In neuerer Zeit 
hat ein Apotheker Focachon in Charmes die Versuche wieder- 
holt. Theils allein, theils gemeinsam mit den Nancyer Forschern 
legte er Papierstücke auf, mit der Suggestion, es seien Blasen- 
pflaster; er soll dabei mehrfach Blasen hervorgebracht haben. 
Ueber einen derartigen Versuch hat Beaunis ein genaues Proto- 
koll veröffentlicht. Hier zeigte sich bei 21 stündiger Dauer der 
hypnotischen Suggestion nach Abnahme des Papiers eine Ver- 
änderung der Epidermis in folgender Art: dieselbe ist verdickt, 
abgestorben und gelblich verfärbt, woraus sich später (unter gleich- 
zeitigem Druck der Kleider?) mehrere kleine Blasen entwickelten. 
Auch das entgegengesetzte Experiment wurde von den Nancyer 
Forschern mit Erfolg gemacht, durch Suggestion die Wirkung 
eines echten Blasenpflasters zu vereiteln. Meunier hat einen 
derartigen in Nancy angestellten Versuch veröffentlicht. Forel 
in Zürich, der sich um die Entwickelung des Hypnotismus in der 
Schweiz und in Deutschland so viele Verdienste erworben hat, be- 
mühte sich vielfach, durch Suggestion organische Veränderungen 
zu erzeugen. So entstanden bei dem Versuche, durch Suggestion 
Blasen hervorzubringen, kleine Acnepusteln. Ausserdem hat Herr 
Prof. Forel noch einige andere Versuche gemacht, deren Veröffent- 
lichung er mir mit grösster Bereitwilligkeit gestattete. Ich sage an 
dieser Stelle nochmals Herrn Prof. Forel meinen herzlichsten Dank. 

Die Versuche wurden an einer 23jährigen Wärterin angestellt,. 
die keineswegs hysterisch ist. Sie stammt aus einer einfachen 
Familie vom Lande und war seit längerer Zeit in der von Forel 
geleiteten Irrenheilanstalt angestellt, Forel hält sie für eine 
tüchtige, brave Person, die keineswegs zu Betrug geneigt ist. Die 
Versuche selbst, die an ihr angestellt wurden, sind folgende. 



Blasen, durch Suggestion erzeugt. 93 

Auf die Brust oberhalb der Brustdrüse wird rechts und links 
ein guminirtes Etikettenpapier gelegt; dasselbe hat viereckige 
Form; der Klebestoff ist nicht irritirend, ebenso wenig wie bei 
dem folgenden Versuche. Um 12 Uhr Mittags giebt Forel die 
Suggestion, dass auf der linken Seite ein Blasenpflaster liege, um 
6 Uhr Abends war unter dem Papier auf dieser Stelle eine nässende 
Stelle entstanden; rings herum ist die Haut geschwollen und ge- 
röthet, rechts oben war gleichfalls etwas Entzündung entstanden, 
aber viel weniger. Forel vernichtet sofort die Suggestion. Am 
andern Tage zeigte sich auf der linken Seite eine Kruste. Forel 
hatte indessen die Wärterin zwischen 12 und 6 Uhr nicht be- 
obachtet, nur die Suggestion gegeben, dass sie nicht kratzen könne. 
Von anderen Wärterinnen wird bestätigt, dass die Versuchsperson 
die Hand nicht an die Brust bringen konnte und vergebens zu 
kratzen suchte. Später wiederholte Forel das Experiment: mittags 
ll 3 / 4 Uhr legt er das Papier auf und befahl Blasenbildung nach 
2 V- 2 Stunden. Es wird wenig Schmerz suggerirt, und die Wärterin 
klagt auch nur wenig. Um 2 Uhr sieht Forel rings herum um 
das Papier, auf der linken Seite, wo die Suggestion gegeben war, 
eine gewaltige Schwellung und Eöthung der Haut. Nur mit Mühe 
kann das Papier entfernt werden. Unter demselben zeigte sich 
nach dessen Fortnahme eine nässende Epidermisfläche genau in der 
viereckigen Form, wie das Stück Papier. Rechts war unter dem 
Papier gar nichts Besonderes. Forel suggerirt sofort Schmerz, 
Entzündung und alles andere weg. Trotzdem nässte und eiterte 
die Stelle noch acht Tage lang; es blieb noch lange eine Kruste 
bestehen. Noch zu der Zeit, wo Herr Prof. Forel mir dies mit- 
theilt, cl. h. l :3 / 4 Monate später, ist die betreffende Stelle braun ge- 
färbt. Die Wärterin wurde über das Experiment etwas unwillig 
und ängstlich; eine strenge Beaufsichtigung fand, während das 
Experiment im Gange war, nicht statt. 

Wenige Tage nach diesem Versuche machte Forel an der- 
selben Person zwei ganz leichte Kreuze mit der Spitze eines 
stumpfen Messers, die aber nicht bluteten; auf der Beugeseite 
beider Vorderarme wurde je eines gemacht, in der Gestalt von 
Figur I. Mehrere Aerzte wohnten dem Experiment bei; darauf 
suggerirt Forel Blasenbildung auf der rechten Seite. Schon nach 
fünf Minuten, während welcher die Person von Forel beobachtet 
wurde, sodass Betrug ausgeschlossen ist, war auf der rechten 
Seite eine nicht unbedeutende rosarothe Hautschwellung entstanden, 
a in Fig. II. Um das Kreuz c herum hatte sich eine kreuzförmige 
urticariaartige Quaddel b gebildet. Auf der linken Seite war nichts 



94 Foreis Versuche. 

zu sehen, als das künstlich gemachte Kreuz ohne jede Veränderung, 
wie Figur I. 




Fig. I (schematisch). 

Fig. II (schematisch). 

Die Quaddel der rechten Seite ähnelte einer kreuzförmigen Impf- 
pustel; es war aber eine echte nicht nässende Quaddel, wie bei 
Urticaria. Darauf suggerirt Forel Aufhören der Schwellung und 
der Qnaddel; ausserdem suggerirt er Erscheinen eines Bluts- 
tropfens nach einer Stunde. Nach dieser Zeit war ein ganz kleines 
Blutströpfchen zu sehen; hingegen waren Quaddel, Eöthung und 
Schwellung verschwunden. Da aber Forel die Wärterin während 
dieser Stunde nicht beobachtet hatte, legt er auf das Blutströpfchen 
keinen Werth, da ja ein Stich mit einer Nadel denkbar sei. 

Später wollte Forel das Vesicationsexperiment von Anfang 
bis zu Ende controliren. Es wurde aber hierbei die Person durch 
Gesten und Worte, welche ihr zeigten, dass man ihr nicht traue, 
stark aufgeregt und gekränkt. Dadurch ist nach Forel s Ansicht 
das Misslingen der Suggestion verursacht. Auch später trat, ob 
mit ob ohne strenge Beobachtung, eine Vesication nicht mehr auf; 
es gelang nur noch, leichte Hautröthungen zu erzeugen. Forel 
ist der sehr plausiblen Meinung, dass jene psychische Erregung 
auch die spätere Suggestibilität beeinträchtigt habe. Von den 
erwähnten Versuchen hält Forel für beweisend nur 
das Experiment mit der Quaddel. In Betreff der anderen 
Versuche macht Forel seine Reserve, da eine strenge Beauf- 
sichtigung bei ihnen nicht stattfand. 

Wichtig ist es noch, zu betonen, dass Forel durch einen 
leichten Eitz der Suggestion nur den Weg gezeigt hat. Die Ver- 
letzung als solche hat die Quaddel nicht bewirkt. Denn sonst 
hätte auch auf der anderen Seite etwas sich zeigen müssen. Man 
könnte hiergegen noch einwenden, dass vielleicht unabsichtlich die 
Verletzung beiderseits nicht gleich stark gemacht wurde. Indessen 
kommt hinzu — und das scheint mir beweisend — , dass die 
Wärterin nicht zu den Leuten gehört, die bei leichtem Hautreiz 
eine Quaddel bekommen. Die Wärterin hat ausser bei Mücken- 
stichen niemals derartige Quaddeln gehabt. Bei Hautabschürfungen 
zeigt sich wohl eine gewisse Disposition zu Röthung, aber nie 






Foreis Versuche. 95 

eine Quaddelbildung. Die Wärterin wird ausserdem von Geistes- 
kranken oft stark verkratzt, niemals aber wurde eine auffällige 
Reaction hierbei beobachtet. 

Es sei auch noch hinzugefügt, dass es einzelne Leute giebt, 
die unter dem Einfluss psychischer Erregungen ohne Hypnose 
Quaddelbildung zeigen. Mir wurde sogar von einem sehr zu- 
verlässigen Beobachter ein Fall mitgetheilt, wo eine Person in 
Folge der Furcht, die sie vor dem Gewitter hat, jedesmal beim 
Herannahen eines solchen eine mit rother Verfärbung einhergehende 
Quaddelbildung zeigt. 

Selbstverständlich müssen wir diesen Versuchen gegenüber, 
welche eine anatomische Läsion durch Suggestion betreffen, die 
grösste Vorsicht beobachten, und wir müssen dies um so mehr, als 
gerade diese Versuche von einer bestimmten philosophischen 
Richtung, z. B. du Prel, bereits jetzt als der experimentale 
Beweis dafür angesehen werden, dass die Seele nicht nur denkend, 
sondern auch organisirend sei. 



2) Psychologie. 

Wir haben im vorhergehenden Abschnitte die somatischen 
Veränderungen während der Hypnose kennen gelernt. Wir haben 
gesehen, wie die Suggestion in auffallender Weise die verschiedenen 
Functionen modificirt. Ich habe auch schon Gelegenheit gehabt, 
einzelne psychische Erscheinungen zu berühren, die im engsten 
Connex mit den körperlichen stehen. Im Folgenden werde ich 
umgekehrt mehrfach auf die somatischen Erscheinungen mich 
beziehen müssen; die Veränderungen derselben während der Hypnose 
sind lediglich die Folge veränderter centraler Vorgänge. Auf 
diese wiederum müssen wir aus den körperlichen Functionen unsere 
Schlüsse machen. 

Wir werden jetzt die Veränderungen kennen lernen, welche 
die psychischen Functionen während der Hypnose erleiden. 
Selbstverständlich werde ich hier nicht jede einzelne psychische 
Thätigkeit registriren; ich werde nur das,', was für unser Thema 
charakteristisch ist, erörtern. 



90 Gedacht aiss. 

Der praktischen Bedeutung nach muss ich zuerst das Ge- 
dächtniss besprechen, da dieses die Vorbedingung ist zu anderen 
psychischen Thätigkeiten. Ohne Gedächtniss giebt es keine Ver- 
standesthätigkeit; das Gedächtniss ist die Vorbedingung für eine 
selbständige Thätigkeit des Bewusstseins und des Willens. 

Das Gedächtniss im weiteren Sinne des "Wortes setzt sich aus dreierlei zu- 
sammen, erstens der Fähigkeit, Vorstellungen festzuhalten, zweitens der Fähigkeit, 
festgehaltene Vorstellungen zu reproduciren , drittens der Fähigkeit, die Vor- 
stellungen wieder zu erkennen und richtig in der Vergangenheit zu localisiren. 
Nehmen wir, um dies zu erläutern, irgend einen Vorgang, der in unserem Ge- 
dächtnisse haftet, z. B. eine Strafpredigt, die ein Lehrer uns in der Schule ge- 
halten hat, so leistet hierbei das Gedächtniss dreierlei: erstens wird der Inhalt 
der Strafpredigt ins Gedächtniss aufgenommen und festgehalten, zweitens wird 
später bei der Erinnerung die Strafpredigt im Geiste reproducirt, d. h. sie fällt 
uns wieder ein, drittens verlegen wir sie in eine bestimmte Zeit der Vergangenheit 
zurück, wir bringen sie in zeitliche Beziehung zu anderen Vorgängen, dem Schul- 
besuch u. s. w. Dass unter Umständen diese einzelnen Leistungen des Gedächt- 
nisses entweder jede für sich oder mehrere gleichzeitig durch die Hypnose Ab- 
weichungen zeigen können, wird aus dem Folgenden hervorgehen. 

Ueber das Festhalten von Vorstellungen während der Hypnose 
giebt es noch wenig Untersuchungen. Beaunis findet hier keinen 
wesentlichen Unterschied zwischen, der Hypnose und dem wachen 
Leben. Herr Dr. Max Dessoir hat gleichfalls solche Versuche 
gemacht, die er mir mittheilte. Aus ihnen geht hervor, dass eine 
Schwächung des Gedächtnisses in den tiefen Hypnosen statt- 
findet, wenn sie nicht durch Suggestion verhindert wird. Herr 
Dessoir sagt eine Anzahl Silben hintereinander, welche der Hyp- 
notische sich einprägen soll; indessen wird sorgfältigst jede An- 
deutung vermieden, dass das Gedächtniss stärker sein solle. Unter 
diesen Umständen nimmt der Hypnotische weniger Silben ins Ge- 
dächtnis auf, als das wache Individuum. Bei den alten Mesme- 
risten (Wienholt) findet sich hingegen die Annahme, dass das 
Gedächtniss im magnetischen Schlaf erhöht sei; es sollen in ihm 
Gedichte mit einer Schnelligkeit auswendig gelernt werden, die 
gar nicht zu vergleichen sei mit der im normalen Zustand dazu 
nöthigen Zeit. Indessen ist wohl kaum eine suggestive Beein- 
flussung von Seiten jener Forscher vermieden worden. 

Ist die Erinnerungskette des gewöhnlichen Lebens durch die 
Hypnose unterbrochen oder nicht? Diese Frage werden wir jetzt 
erörtern. Früher nahm man an, dass eine Unterbrechung der Er- 
innerungskette stattfinde, indem die Vorfälle der Hypnose nach 
dem Erwachen aus ihr von Seiten des Sujets stets vergessen seien. 
Doch hat sich diese Ansicht nicht als richtig erwiesen. 

In den leichteren hypnotischen Zuständen, also vorzugsweise 



Posthypnotiscke Erinnerung. 97 

in der ersten Gruppe, findet sich hier keinerlei Abweichung: die 
Versuchsperson erinnert sich während der Hypnose aller Vorgänge, 
die ihr im normalen Leben bewusst sind, und erinnert sich nach 
der Hypnose an alles, was während der Hypnose vorgegangen ist. 
In den tieferen hypnotischen Zuständen liegt die Sache wesent- 
lich anders; hierher gehören die meisten Hypnosen der zweiten 
Gruppe; hier besteht nach dem Aufhören der Hypnose Amnesie. 
Die Person ist ganz erstaunt, wenn sie hört, was sie während der 
Hypnose gemacht hat, dass sie herumgelaufen ist, dass sie Hallu- 
cinationen gehabt hat u. s. w. Oft allerdings besteht auch eine 
ganz dunkle Erinnerung, wie die Erinnerung eines Traumes: ich 
suggerire jemandem die Hallucination eines Vogels, der im Zimmer 
umherfliegt; der Hypnotiker sucht ihn zu fangen, beschäftigt sich 
lange Zeit mit ihm, spielt mit ihm, giebt ihm Zucker, setzt ihn in 
das imaginäre Bauer u. s. w. ; nach dem Erwachen erinnert sich 
das Sujet nur dunkel daran, einen Vogel gesehen zu haben; sonst 
weiss es davon nichts ; am allerwenigsten glaubt es, dass es seinen 
Platz verlassen hat. Es giebt indessen einzelne, denen sofort die 
ganze Situation klar bewusst wird, sobald man ihnen sagt, was sie 
während der Hypnose gemacht haben. 

In anderen Fällen giebt. es ein gutes Mittel, die Erinnerung 
sofort hervorzurufen, nämlich dieldeenassociation. Man macht 
dem Hypnotischen nach dem Erwachen nur eine Andeutung und 
sofort fällt ihm alles ein (Heidenhain). Bekanntlich findet etwas 
Aehnliches auch bei Träumen statt; es fällt uns sehr oft ein 
ganzer Traum ein, wenn wir ein äusseres Object wahrnehmen, 
das mit dem Traiun in irgend einer Verbindung stand (Delboeuf). 
Es ist ein Process ganz ähnlich dem, wo jemand ein Citat oder 
ein Gedicht sofort hersagen kann, wenn ihm die ersten Worte 
vorgesagt werden. Sehen wir uns ein Beispiel aus der Hypnose 
an. Ich suggerire einem Hypnotiker während der Hypnose ein 
grosses Concert, er hört verschiedene Stücke, darunter die Ouvertüre 
zur Oper Martha; er isst in diesem Concert sein Abendbrot, trinkt 
sein Bier und unterhält sich mit imaginären Personen. Nach dem 
Erwachen keine Spur von Erinnerung. Ich frage ihn sodann, ob 
er die Oper Martha kenne; dies genügt, um fast alle Vorgänge 
der Hypnose in seinem Gedächtnisse wieder aufzufrischen. In 
ähnlicher Weise pflegt mitunter kurz oder lange nach dem Er- 
wachen die Erinnerung wiederzukehren unter dem Einfluss eines 
äusseren rein zufälligen Anstosses. X. glaubt, bei mir in Hypnose, 
eine Reihe ihm bekannter Personen zu sehen, deren Gegenwart 
ich ihm suggerire. X. erlebt verschiedene Scenen mit ihnen, er- 

Moll, Hypuotiamus. 7 



'98 Posthypnotische Erinnerung. 

innert sich aber nach dem Erwachen an nichts. Erst mehrere 
Tage später, wo X. eine dieser Personen trifft, kommt ihm der 
ganze Vorgang in Erinnerung. Auf ein besonderes Mittel, die 
Erinnerung zu erhalten, macht Delboeuf aufmerksam; er meint, 
dass Hypnotisirte sich immer aller hypnotischen Vorgänge erinnern, 
wenn sie während einer Handlung geweckt werden; doch kann 
dies sicherlich nicht verallgemeinert werden (G um ey). Hingegen 
kömmt es öfter vor, dass für das zuletzt oder auch zuerst in der 
Hypnose Vorgefallene Erinnerung besteht, während diese für die 
sonstigen Vorgänge während der Hypnose fehlt. Dass in einzelnen 
Fällen eine absichtliche Bemühung des Hypnotikers, ein Nachdenken 
nach dem Erwachen die Erinnerung herstellen kann, wird öfter 
beobachtet (Bleuler, Pierre Janet). Einzelne erinnern sich 
aller hypnotischen Vorgänge während des nächtlichen Schlafes; es 
ist gar nichts Seltenes, dass die hypnotischen Träume in der Nacht 
noch einmal geträumt werden. 

In einzelnen Fällen jedoch, und oft gerade bei den tiefsten 
Hypnosen, kann eine Erinnerung durch die auseinandergesetzten 
Mittel nicht hervorgerufen werden, wenn auch nach Ansicht einiger 
ein geschickt geleitetes Gespräch die Erinnerung durch Ideen- 
association stets herstellen kann. Hier besteht vollkommene 
Amnesie im wachen Zustande. Eine derartige Person weiss ge- 
wöhnlich auch nicht, wie lange sie hypnotisirt war. Hingegen 
erinnert sich die Versuchsperson in der Hypnose genau alles 
dessen, was während früherer Hypnosen vorgegangen ist. Es 
können sogar dadurch noch Dinge in Erinnerung kommen, selbst 
wenn die frühere Hypnose um viele Jahre, ja um Jahrzehnte 
zurückdatirt, trotzdem im wachen Zustande vollkommene Amnesie 
für jenes besteht. Wolfart erzählt einen Fall, wo eine Frau 
noch nach 13 Jahren im magnetischen Schlaf sich alles dessen er- 
innerte, was 13 Jahre vorher gleichfalls im magnetischen Schlaf 
mit ihr vorgegangen war, und woran sie seitdem nie mehr er- 
innert worden war. 

Aber auch Vorgänge aus dem wachen Leben können in der 
Hypnose wiederum in Erinnerung gebracht werden, selbst wenn 
dieselben schon lange anscheinend vergessen sind. Diese ge- 
steigerte Erinnerungsfähigkeit nennt man Hypermnesie. 
Benedikt erzählt einen Fall. Es handelt sich um einen eng- 
lischen Officier in Afrika; derselbe wurde von Hansen hypno- 
tisirt und spricht in der Hypnose plötzlich eine neue Sprache; es 
stellte sich heraus, dass dieselbe die wallisische war, welche der 
Officier als Kind gelernt, später aber wieder vergessen hatte. 



Hypermnesie. 99 

Diese und ähnliche Fälle erinnern an andere, die in der 
Litteratur berichtet sind, z. B. an das berühmte, plötzlich hebräisch 
sprechende Dienstmädchen; dasselbe redete gleichfalls in einem 
abnormen Bewusstseinsznstande eine Sprache, die sie normaliter 
nicht kannte, die sie aber in früheren Jahren bei einem Pfarrer 
öfter hatte sprechen hören. Aehnliche Hypermnesien werden vom 
nächtlichen Traum berichtet. Maury, dessen Untersuchungen über 
die Träume klassisch sind, erzählt eine ganze Reihe von Dingen, 
die ihm in Träumen in Erinnerung kamen, obgleich er im wachen 
Leben nichts mehr daron wusste. Auf dieser in' der Hypnose ver- 
mehrten Reproductionsfähigkeit beruhen oft die gesteigerten Fertig- 
keiten der Hypnotiker, über die uns vielfach berichtet wird, und 
die wir mitunter auch bei Autohypnose beobachten; wir können 
in dieser Weise manche sonst als übernatürlich aufgefasste That- 
sache uns deuten. Ich erwähne hier die mitunter von frommen, 
aber ungebildeten Fanatikern in einem eigenthümlichen extatischen 
psychischen Zustande gehaltenen formvollendeten religiösen Reden, 
bei denen man eine Inspiration anzunehmen geneigt war und 
ebenso die von einzelnen spiritistischen Medien mitunter im 
Trancezustand ausserordentlich entwickelte Redegabe. Eine der- 
artige Steigerung von Fähigkeiten wird uns auch bei Naturvölkern 
in hypnotischen Zuständen geschildert (Bastian). In manchen 
Fällen mögen noch andere Momente ausser der Steigerung des 
Gedächtnisses hinzukommen, die den Hypnotischen zu besonderen 
Fähigkeiten veranlagen, Hyperästhesie der Sinnesorgane u. s. w. 

Auch Träume, also Vorgänge aus dem nächtlichen Schlafe, 
werden in der Hypnose mitunter reproducirt, während im wachen 
Zustande Amnesie besteht. Es ist selbstverständlich sehr schwer, 
nächtliche Träume auf ihre Richtigkeit zu controliren. Da aber 
Träume mitunter zu einem Sprechen im Schlafe führen, kann man 
auf Grund dessen Beobachtungen machen. Ich kenne einen der- 
artigen Fall, wo jemand durch Sprechen im Schlaf seine Träume 
verräth ; die hier nach dem Erwachen bestehende Amnesie schwindet 
in der Hypnose, und der Traum kommt in Erinnerung. Nach- 
träglich wurde durch Anfrage bei einem Schlafkameraden die 
Richtigkeit des reproducirten Traumes bestätigt. 

Abgesehen von diesen Fällen von Hypermnesie ist aber das 
Charakteristische für die tieferen hypnotischen Zustände, dass in 
ihnen Erinnerungsfähigkeit besteht für Erlebnisse in früheren 
Hypnosen und für Erlebnisse im wachen Zustand, während im 
wachen Zustand eine Erinnerung besteht nur für das, was im 
wachen Zustande vorgekommen ist; dieses Verhalten ist als 

7* 



100 Doppeltes Bewusstsein. 

„Doppeltes Bewusstsein" (Double conscience im weiteren 
Sinne des Wortes) bezeichnet worden. Es war offenbar schon den 
alten Mesmeristen, z. B. Kluge, Deleuze, wohlbekannt, wurde 
auch später von Braid beobachtet, der es anfangs allerdings 
nicht fand. 

Man begegnet dem Zustande des Doppelbewusstseins auch unter patholo- 
gischen Verhältnissen. Am berühmtesten ist der von Az am veröffentlichte Krank- 
heitsfall geworden. Es bandelt sich um eine Patientin, deren Leben schon 30 
Jahre hindurch in eine Eeihe von Perioden a, b, c, d, e, f zerfällt. In den 
Perioden a, c, e (condition normale) erinnert sie sich nur dessen, was in ibnen selbst 
vorgegangen ist, in den Perioden b, d, f (condition seconde) erinnert sie sich 
sowohl dessen, was in den Zeitabschnitten b, d, f, als was in a, c, e vorfiel. Der 
normale Zustand ist a, c, e, während b, d, f der pathologische ist. Zahlreiche 
werthvolle Beiträge zu dem doppelten Bewusstsein geben Max Dessoirs ge- 
dankenreiche Ausführungen über das Doppel -Ich; er zeigt, dass Andeutungen 
einer solcheu Bewusstseinsspaltung viel häufiger sind, als man gemeinhin annimmt ; 
Max Dessoir verweist hier auf Beispiele aus dem Traumleben und aus der 
Pathologie. Doch will es mir scheinen, dass Max Dessoir vielleicht für diese 
Zustände eine grössere Ausdehnung annimmt, als in Wirklichkeit feststeht; eine 
ähnliche Beserve macht auch v. Bentivegni. Ich komme auf das doppelte Be- 
wusstsein noch ausführlich im theoretischen Theile zurück. 

Auf der Erinnerung in späteren Hypnosen beruht noch eine 
Erscheinung, die ich mehrfach beobachtete. Wenn man nämlich 
in einer Hypnose jemanden eine ganze Eeihe von Scenen erleben 
lässt, so kann in einer späteren Hypnose ein geringer Anstoss 
genügen, um den Ablauf (deroulement) aller Scenen der früheren 
Hypnose herbeizuführen. Eine Person ist in der Hypnose auf 
einer Löwenjagd, tödtet den Löwen, verzehrt ihn, verwandelt sich 
alsdann durch Suggestion in einen General, dann in ein Kind. Nach 
dem Erwachen Amnesie. In einer späteren Hypnose hört die 
Person ein unbeabsichtigtes Geräusch; sie glaubt, in demselben 
das Brüllen des Löwen zu hören. Nun werden im Anschluss 
hieran alle früheren Scenen noch einmal erlebt, ohne dass das 
Geringste dabei fehlt. Man kann diesen Vorgang zu den indirecten 
Suggestionen rechnen, indem hier die Autosuggestion durch einen 
anderen Vorgang erweckt wird. Auf einem ähnlichen Vorgange 
beruhte auch die von Mabille gemachte Beobachtung, bei der 
die oben citirte Person durch Autosuggestion an sich dieselben 
Blutungen erzeugt, die man ihr früher durch Suggestion gemacht 
hatte. Die Person theilte sich dabei in zwei Personen, deren 
eine der anderen die entsprechenden Suggestionen machte, wie 
sich aus den Fragen und Antworten ergiebt. 

Die Erinnerung der Hypnotischen an alles, was sie in früheren 
Hypnosen erlebt haben, ist sehr wichtig; auf der Stärke dieser 



Retroactive Suggestionen. 101 

Erinnerung beruht die Dressur, beruhen auch die wesentlichsten 
Fehlerquellen, die bei neuen Experimenten sich bieten, da sie leicht 
durch frühere getrübt werden. Ich sage dem hypnotisirten X : „Sie 
werden jetzt Ihr linkes Bein hochheben." X. thut es. Während 
ich dies sage, fasse ich ihn ohne Absicht an die rechte Hand. Als 
ich bei einer späteren Hypnose wieder die rechte Hand anfasse, 
hebt der Hypnotische das linke Bein. Offenbar erinnert er sich 
jenes Vorganges und hält das Anfassen der Hand für den Befehl, 
das Bein zu heben. Auf diese Weise sind voraussichtlich die ver- 
meintlichen Reflexe zu Stande gekommen, die Born zu finden 
glaubte, und die oben erwähnt wurden. 

Wie ich bisher geschildert habe, liegt die Sache, wenn keinerlei 
Suggestion im Spiele ist; die Suggestion übt in lebhafter Weise 
einen Einfluss aus. Zunächst sind wir im Stande, durch Suggestion 
die Hypermnesie zu vermehren; doch bestehen meines Wissens 
hierüber genaue Untersuchungen noch nicht. Wohl aber besitzen 
wir zahlreiche genaue Untersuchungen über die Möglichkeit, falsche 
Erinnerungsbilder zu schaffen (Paramnesie), oder auch Erinnerungs- 
bilder ausfallen zu lassen (Amnesie), worüber schon Bertrand 
zahlreiche Beobachtungen sammelte. Diese Erinnerungsbilder 
können in früheren Sinneswahrnehmungen bestehen ; die suggestive 
Beeinflussung der letzteren wird oft beobachtet; man ^ann da- 
durch in dem Hypnotischen eine vollkommene Täuschung in Betreff 
seiner früheren Erlebnisse herbeiführen. Da diese Form von 
Suggestionen gewissermassen eine rückwirkende Kraft hat, so nennt 
man sie retroactive Suggestionen, oder da sie Sinnes- 
wahrnehmungen betreffen, die durch Suggestion in Sinnes- 
täuschungen verwandelt werden, retroactive Hallucinationen 
und zwar positive oder negative, je nachdem ein neues Erinnerungs- 
bild geschaffen wird, oder ein altes ausfällt. Einem hypnotisirten 
Herrn sage ich: „Sie erinnern sich doch, dass Sie gestern in Pots- 
dam waren, und dass wir dort zusammen eine Fahrt auf der Havel 
machten." Die Eingebung wird angenommen, und der betreffende 
Herr erzählt sofort alles, was er glaubt, mit mir in Potsdam erlebt 
zu haben. Dies ist eine retroactive positive Hallucination. Ebenso 
die folgende: „Sie sind jetzt eben fürchterlich gelaufen, l /a Meile 
im schnellsten Schritt." Hierbei ist die Erinnerungstäuschung so 
lebhaft, dass Herzklopfen und Athemnoth eintritt, als Folge des 
vermeintlichen schnellen Laufens (De lboeuf). Dies sind positive 
retroactive Hallucinationen, weil der Hypnotische glaubt, etwas 
erlebt zu haben, was in Wirklichkeit nicht statt fand. Das folgende 
wäre eine retroactive negative Hallucination, da der Hypnotische 



102 Amnesie; Aphasie. 

hier sich an etwas nicht erinnert, was er erlebt, hat. Ich sage 
einem Hypnotischen: „Sie haben heute nicht zu Mittag gegessen; 
Sie haben nicht gefrühstückt." Sofort wird der so Angeredete 
hungrig, da er noch ganz nüchtern sei. 

Wir können zu den Amnesien vielleicht noch viele Be- 
wegungsstörungen rechnen, von denen ich oben gesprochen habe. 
Wenn ich z. B. jemandem sage, er könne seinen Arm nicht heben, 
oder wenn ich jemandem sage: „Sie können nicht sprechen", so 
handelt es sich zuweilen um eine Art Amnesie, indem eine Bewegung 
dadurch unmöglich werden kann, dass das Erinnerungsbild der- 
selben nicht reproducirt werden kann. Ebenso ist dies der Fall 
bei jenen Lähmungen, welche einige französische Autoren (Bin et, 
Fere) als paralysies systematiques als System -Lähmungen 
bezeichnen. Eine System-Lähmung hat nicht die totale Functions- 
unfähigkeit einer Muskelgruppe zur Folge; vielmehr ist die 
Function nur für eine bestimmte Leistung gestört. Eine System- 
Lähmung könnte z. B. die Unfähigkeit, a zu sagen sein, oder die 
Unfähigkeit zu nähen; eine totale Lähmung kann vorliegen, wenn 
jemand gar nicht sprechen oder die Arme gar nicht bewegen kann. 
Man kann auf diese Weise z. B. für längere Zeit das Erinnerungs- 
bild a dem Betreffenden nehmen, so dass er den Buchstaben a weder 
sprechen noch schreiben kann. Recht deutlich werden diese Formen 
der Amnesie, wenn wir die suggestiv zu erzeugenden Störungen 
jener Zeichen betrachten, die wir zu gegenseitiger Verständigung 
benützen, d. h. der Lautsprache, der Geberden und der Schrift, 
Man ist im Stande, experimentell durch Suggestion fast jede Art 
von Aphasie zu erzeugen, wie sie so klar Kussmaul, Arndt 
u. a. beschrieben haben. Man kann jemanden eine Sprache, die er 
gelernt hat, z. B. die französische, vergessen lassen (F o r e 1, F r a n k) ; 
man kann Leuten ebenso das Schreiben unmöglich machen (Agraphie) ; 
ein Hypnotischer kann auf entsprechende Suggestion nicht mehr 
durch Mienen sich verständigen (Amimie). Man kann das Zeichnen, 
Nähen u. s. w., jede einzelne Thätigkeit durch Suggestion ver- 
hindern. 

Bekanntlich giebt es eine besondere Gruppe von Sprachstörungen, 
bei denen die Wortempfindung fehlt; man bezeichnet sie als sen- 
sorische oder amnestische Aphasie. Es pflegt hierbei der Wort- 
begriff noch nicht zu fehlen. Man erreicht aber hier, wenn auch 
selten, eine gewisse Steigerung in der Wirkung der Suggestion 
dadurch, dass man dem Betreffenden nicht nur die innere Empfindung 
eines Wortes oder Buchstabens und infolge dessen das Aussprechen 
resp. Schreiben von ihm, etwa von a unmöglich macht, sondern 



Amnesie für ganze Lebensabschnitte. 103 

den ganzen Begriff, den er mit a verbindet, nimmt. Es wird dieser 
Unterschied deutlich erkennbar in der Art, wie die Person sich be- 
nimmt; eine Person, die den Begriff noch behält, hat dabei voll- 
kommen das Bewusstsein, dass es sich um die Unfähigkeit zu 
sprechen handelt; sie erkennt, so zu sagen, den Unsinn, den sie 
spricht oder schreibt, indem das a fehlt, ja sie sucht Worte zu 
vermeiden, in denen dieser Buchstabe vorkömmt (Max Dessoir). 
Wenn jedoch der ganze Begriff ihr genommen ist, so wird sie sich 
gar nicht darüber wundern, wenn sie a nicht schreiben oder 
sprechen kann. Noch interessanter wird das bei den post- 
hypnotischen Suggestionen. Man ist im Stande, diese Amnesie 
auch posthypnotisch zu erzeugen und gleichzeitig einen Buchstaben 
durch einen anderen zu ersetzen. Einer Hypnotisirten sage ich, 
dass sie nach dem Erwachen statt a nur würde e sagen können. 
Aus der Hypnose erwacht, antwortet sie auf meine Frage, ob sie 
wach sei: „Je". Auf die Frage, was sie gemacht habe, antwortet 
sie: „Ich heb geschiefen". Sie lacht dabei, ist wohl auch etwas 
ärgerlich, dass sie a nicht sprechen kann, giebt sich Rechenschaft 
davon, dass sie Unsinn spricht. Wo jedoch der ganze Begriff fehlt, 
resp. durch den Begriff e ersetzt ist, würde eine derartige Person, 
ohne sich darüber aufzuhalten, e statt a sagen. 

Ich hatte oben gezeigt, dass man einzelne Erlebnisse den 
Hypnotischen vergessen lassen kann (negative retroactive 
Hallucination). 

In ähnlicher Weise lässt man durch Amnesie ganze Lebens- 
perioden für die Person aus dem Bewusstsein schwinden. Der 
einfache Befehl an einen 43jährigen Herrn X: „Sie erinnern sich 
jetzt nicht mehr, was von ihrem 30. Jahre bis zum heutigen Tage 
mit Ihnen vorgegangen ist — alles ist aus dem Gedächtnisse ent- 
schwunden!" — dieser eine Befehl genügt, um eine grosse Leere 
in X.s Bewusstsein entstehen zu lassen. Weder auf meine, noch 
auf anderer Frage ist X. im Stande, auch nur das Geringste aus 
dieser Zeit anzugeben ; er weiss nicht, wie er mich kennen gelernt 
hat, wie er in mein Zimmer gekommen ist; stets erfolgt auf der- 
artige Fragen ein Achselzucken und die Antwort: „Ich weiss 
nicht." 

Man kann aber in dieser Weise noch weiter gehen, indem man 
den Betreffenden direct in eine frühere Lebensperiode zurück- 
versetzt. Hierbei empfindet der Betreffende subjectiv keine Lücke 
im Gedächtnisse, er glaubt, in einer früheren Zeit zu leben und 
alles, was er irgend sieht, bringt er damit in Beziehung. Hier ist 
ein Mann, der im französischen Kriege bei St. Privat gekämpft hat. 



104 Verwandlung der Persönlichkeit. 

Ich mache den 41 jährigen Herrn durch Suggestion 19 Jahre jünger 
und versetze ihn in die Schlacht. Sofort richtet er sich auf, ertheilt 
militärische Commandos, befiehlt den Geschützmannschaften, Feuer 
zu gehen. Auf meine Frage, ob er einen Dr. Moll kenne, antworet 
er: „Nein, mein Arzt heisst R, ich kenne Dr. Moll nicht." Alle 
Ereignisse, die nach jenem Tage vorgefallen, sind ihm jetzt durchaus 
unbekannt; von seinem Rheumatismus, dessentwegen er in meiner 
Behandlung ist, hat er keine Ahnung; er erklärt sich für ganz 
gesund. Auf meine Frage, wer ich sei, erhalte ich nur die Ant- 
wort, er wisse es nicht. Interessant ist es, dass er auf keine Weise 
zum Zurückgehen zu bewegen war; ich versuchte es, ihn nur einige 
Schritte zurücktreten zu lassen, bekomme aber die Antwort: „Ohne 
Commando gehe ich nicht einen Schritt zurück." Ich lasse durch 
Suggestion den Feind immer näher kommen, zum Zurückgehen ist 
aber der Herr durch nichts zu bewegen. Sobald ich immer mehr 
und mehr ihn auf mich hinweise, ihm sage, er müsse wissen, wer 
ich sei, da ist plötzlich die ganze Situation verändert. Er erkennt 
mich, findet sich in seinem richtigen Alter, hat aber von dem, was 
eben vorgefallen ist, keine Ahnung. 

Eine Dame von 34 Jahren verlangt, von mir in das Alter 
von 8 Jahren zurückversetzt, ihre Puppe, spricht dabei mit kind- 
licher Stimme, weint, als sie glaubt, dass ich ihr die Puppe weg- 
nehmen will und ruft nach der Mama. 

In derselben Weise ist man schliesslich auch im Stande, 
jemandem zu sagen, dass er gar nicht geboren sei. Selbst diese 
Suggestion wird angenommen, und eine absolute Leere scheint im 
Bewusstsein zu herrschen. 

Gleichzeitig mit der Fortnahme dieser Erinnerungsbilder lassen 
sich neue Bilder schaffen. Dies ist der Fall bei jener Erscheinung, 
die von Charles Rieh et als „Objectivation des types" be- 
schrieben wurde. Hier glaubt der Betreffende, eine andere Per- 
sönlichkeit, ein anderes Wesen zu sein; es fehlen ihm nicht 
nur viele Erinnerungen, die mit seinem eigenen Ich in Verbindung 
stehen, er sucht auch alle zurückbleibenden Ideen auf die suggerirte 
Persönlichkeit zu beziehen. Diese Erscheinungen waren schon Durand 
de Gros bekannt; er scheint sie in Amerika kennen gelernt zu 
haben, wo sie bereits in den 40er Jahren beobachtet wurden. 

Ein Herr X., dem ich sage, er sei der Dr. Moll, und ich sei 
X., bittet mich, Platz zu nehmen, damit er mich hypnotisiren könne. 
Er hypnotisirt mich auch, resp. macht die nöthigen Manipulationen 
genau so, wie ich stets bei ihm, und vergisst nicht, mir einige an- 
genehme Suggestionen zu geben. 



Verwandlung der Persönlichkeit. 105 

Ich nehme einen anderen Mann, bei dem diese Erscheinungen 
sehr lebhaft auftreten. Alle Persönlichkeiten, die in seinem Ideen- 
kreise liegen, lassen sich mit dramatischer Lebhaftigkeit an ihm 
demonstriren. Ich sage ihm: „Sie sind Napoleon I.," sofort nimmt 
er die berühmte Stellung Napoleons nach der Schlacht bei Waterloo 
an, spricht aber deutsch, da er des Französischen nicht mächtig 
ist. Als Friedrich der Grosse geht er in der charakteristischen 
Haitang Friedrichs mit dem Krückstock; Eisenbahnen sind ihm 
vollkommen unbekannt. Auch in Thiere kann man auf diese Weise 
Hypnotische verwandeln; als Hunde bellen sie, als Frösche quaken 
sie. Selbst in todte Gegenstände kann man sie durch Suggestion 
umformen, in Oefen, Stühle, Tische. Als Stuhl nimmt X. eine 
kauernde Stellung ein, indem er sich auf beiden Beinen hält ; auf 
die Bemerkung, dass ein Stuhlbein zerbrochen sei, senkt X. das 
eine Knie zu Boden und hält sich nur auf einem Beine ; als Teppich 
legt X. sich bewegungslos auf die Erde. Man kann noch weiter 
gehen mit derartigen Suggestions versuchen. „Sie sind von Glas," 
sage ich einem Hypnotischen ; er bleibt ganz ruhig stehen. Einem 
andern sage ich, er sei aus Marmor, sofort bleibt er starr stehen 
und kann auch passiv nicht bewegt werden. Sobald er jedoch 
glaubt, aus Wachs zu sein, lässt er sich formen und alle möglichen 
Stellungen geben. 

Zu bemerken ist, dass das Sujet jederzeit, auch als todter 
Gegenstand, dem Experimentator gehorcht, Uebrigens sind die 
Hypnotischen bei diesen Versuchen keineswegs immer consequent, 
sie fallen oft aus der Eolle, wenn dies auch durch Dressur meistens 
leicht verhindert werden kann. Eine andere Person z. B., die ich 
in Friedlich den Grossen verwandle, fährt ruhig in einem Eisen- 
bahncoupe, da sie offenbar nicht daran denkt, dass es damals noch 
keine Eisenbahn gab. Eine andere, die ich in das Jahr 1864 
versetzte, spricht vom neuen deutschen Reich, von Kaiser 
Wilhelm I. u. s. w. Trotz einzelner solcher Inconsequenzen ist 
dennoch bei den meisten das Bild viel mehr geschlossen, als bei 
vielen Geisteskranken, die da glauben, ein König oder Prophet zu 
sein ; bei ihnen sind die Inconsequenzen viel grösser. Hypnotische 
gewöhnen sich diese auch schnell ab. Bei ihnen ist ferner, sobald 
sie eine bestimmte Persönlichkeit darstellen, die Erinnerung an 
frühere Erlebnisse bei weitem mehr geschwunden, als beim Geistes- 
kranken (Cullerre). 

Es sind die Persönlickkeitsänderungen der Hypnotischen öfter mit den 
Leistungen von Schauspielern verglichen worden. In der That würde der Schau- 
spieler am vollendetsten seine Rolle spielen, der sich von der Idee, die er sich 



106 Zoanthropie. Graphologische Untersuchungen. 

selbst durch seinen Willen erzeugt, vollkommen beherrschen lässt, wie die Schau- 
spielerin Dum enil meint; andere, z. B. die berühmte Clairon, haben allerdings 
mit Bezug hierauf eine andere Ansicht. Jedenfalls sind nur wenige im Stande, 
einer willkürlich erzeugten Idee, z. B. der, Julius Cäsar zu sein, sich so voll- 
kommen zu accomodiren und zu assimiliren, wie es der Hypnotiker thut. Dieser 
ist nicht durch die vielen Sinneswahrnehmungen zerstreut, während der vollendetste 
Schauspieler sich den Wahrnehmungen aus der Umgebung oft nicht entziehen 
kann. Bekannt ist es, dass einzelne Schauspieler, um ihre Bolle möglichst natur- 
getreu zu spielen, durch die Macht ihrer Vorstellung imaginäre Objecte erzeugten, 
um sich möglichst in die nothwendige Umgebung zu versetzen. 

Bei den Persönlichkeitsänderungen, resp. der Verwandlung der Hypnotischen 
in Thiere, werden wir lebhaft an die Zoanthropie erinnert, die im Mittelalter 
und auch noch später oft epidemisch herrschte, und die darin bestand, dass 
einzelne Menschen sich in Thiere verwandelt glaubten; am häufigsten war die 
Verwandlung in den Wolf. Solche Menschen fielen andere an, zerfleischten sie 
und zeigten überhaupt thierische Bohheit und thierische Triebe. Die Erscheinung 
galt damals gewöhnlich für Teuf eis werk; Johann Wier hat manche Einzel- 
heiten hierüber berichtet. Aehnliche Erscheinungen wie die Zoanthropie finden 
sich schon im Alterthume, wie uns Herodot und Plinius berichten. 

Von verschiedenen Seiten sind graphologische Unter- 
suchungen gemacht worden, um festzustellen, ob sich die Hand- 
schrift der Hypnotiker gleichzeitig mit der Persönlichkeit ändere, 
und ob die Veränderung in irgend einem Verhältniss zu der sug- 
gerirten Persönlichkeit stehe. Veränderungen wurden auch gefunden 
(Lombroso, Ferrari, Hericourt, Eichet, Varinard, 
Mayeras). Indessen nahm der Schreibsachverständige Ho et es 
an, dass die Schriftzüge niemals so unähnlich würden, dass er sie" 
nicht auf eine Person zurückführe. Ich habe bei Veränderungen 
der Persönlichkeit niemals deutliche Veränderungen der Hand- 
schrift wahrgenommen; nur wenn ich einige Hypnotische in ver- 
schiedene Lebensalter versetzte, wurde die Handschrift dem- 
entsprechend geändert. Als Kinder machten sie orthographische 
Fehler und schrieben auch sonst unbeholfen: bei Greisen wurde 
die Handschrift zitternd. Interessant sind die Schriftproben von 
v. Krafft-Ebings Patientin, die bei Suggestion verschiedener 
früherer Lebensperioden wechseln, leider aber nicht mit früheren 
echten Schriften, verglichen werden konnten. Die Angabe von 
Nuel, dass in der Hypnose die Handschrift stets verschieden sei 
von der im wachen Zustande und daher bei Unterschriften leicht 
als hypnotische Schrift erkannt werden könne, scheint mir zu 
weitgehend, wenn Nuel auch für manche Fälle Recht hat, in 
denen die Handschrift während der Hypnose einen etwas ungleich- 
massigen und ruckweisen Charakter zeigt. 

Ich will hier bemerken, dass man sämmtliche erwähnte 
Suggestionen, die das G-edächtniss beeinflussen, auch posthypnotisch 



Posthypnotische Erinnerungstäuschungen. 107 

machen kann. Man ist auch im Stande, in sänimtlichen Fällen 
von Hypnose die Erinnerungsfähigkeit posthypnotisch dadurch zu 
schaffen, dass man vor dem Erwachen zum Hypnotischen sagt: 
„Sie werden sich nach der Hypnose an alles erinnern." Ebenso 
ist es möglich, in einem Theil der hypnotischen Zustände noch 
vor dem Erwachen durch das Verbot der Erinnerung Amnesie zu 
erzeugen. Man ist ferner, wie wir schon sahen, im Stande, post- 
hypnotische Amnesie für bestimmte Vorgänge zu schaffen, z. B. die 
Eeproduction gewisser Buchstaben unmöglich zu machen Ebenso 
lassen sich die retroactiven Hallucinationen in das wache Leben 
hinüberführen. Einem Herrn, der bei mir ist, sage ich in der 
Hypnose: „Sie wissen doch genau, dass wir vorhin ein Paar 
Flaschen Wein getrunken haben, und dass wir hier gemeinsam 
ein Abendbrot, bestehend aus Gänsebraten, verzehrten." Auf die 
bejahende Antwort sage ich ihm, dass er sich auch nach dem Er- 
wachen genau daran erinnern würde. Er erwacht, giebt alles 
ganz genau an, was er mit mir erlebt; behauptet, dass sein 
Magen furchtbar voll, und der Kopf ihm vom Wein sehr schwer 
sei; er glaubt sogar, von dem vielen Wein etwas berauscht zu 
sein. Hier handelt es sich also um einen vermeintlichen Eausch, 
der durch die Suggestion erzeugt wurde. Noch interessanter ist 
übrigens die Mittheilung von Hytten, der einen wirklichen Eausch 
durch Suggestion entfernt haben will. 

Die erwähnten Erinnerungstäuschungen können nun Wochen 
und Monate hindurch bestehen bleiben. Ich habe in vielen Fällen 
jedoch gesehen, dass sie kurze Zeit nach dem Erwachen ver- 
schwanden. Ein Herr, der unmittelbar nach dem Erwachen auf 
Suggestion hin glaubt, dass er vor der Hypnose seine Mutter bei 
mir gesehen habe, erinnerte sich schon wenige Minuten später an 
nichts mehr. Wir hatten unterdessen von einigen anderen Dingen 
gesprochen, und es scheint, dass dadurch jenes schnelle Vergessen 
veranlasst war. In neuerer Zeit hat Bernheim gezeigt, dass in 
einzelnen Fällen der Hypnotiker nach dem Erwachen aus der 
Hypnose, selbst wenn ihm keinerlei darauf bezügliche Suggestion 
gegeben ist, nicht nur die Vorgänge in der Hypnose, sondern selbst 
das, was unmittelbar vor deren Eintritt vorfiel, vergessen hat. 

Diese in das wache Lehen hinühergenommenen Erinnerungstäuschungen 
werde ich noch hei Erörterung der forensischen Frage besprechen. Bernheim 
hat zuerst auf die grosse Bedeutung derselben hingewiesen und mit Recht auf 
deren Analogie mit vielen Vorgängen im wachen Lehen aufmerksam gemacht. 
Hierher gehören die Leute, die ein" Lüge so oft erzählen, bis sie selbst nicht 
mehr unterscheiden können, ob es sich um Wahrheit handelt oder nicht. Das 
betreffende Bild wird bei dem oftmaligen Erzählen immer von neuem reproducirt ; 



J_OS Guroeys Stadien. 

je öfter dieser Vorgang stattfindet, um so lebhafter wird es. Ebenso giebt es 
Leute, bei denen man im wachen Leben, auch ohne dass sie jemals hypnotisirt 
wurden, wie Bernheim nachweist, vollkommene Erinnerungstäuschungen er- 
zeugen kann. Es ist nur nöthig, mit Sicherheit derartigen Personen einen Vor- 
gang, als von ihnen erlebt, darzustellen, und sie sind nicht mehr im Stande, die 
Wahrheit von der Dichtung zu unterscheiden. 

Ich habe schon mehrere Fälle gezeigt, wo durch posthypnotische 
Suggestionen Veränderungen der Erinnerung im wachen Leben 
stattfinden. Ebenso kann man durch Suggestion auch das Ge- 
dächtniss in späteren Hypnosen beeinflussen. Man kann z. B. die 
erwähnten Amnesien und Paramnesien auch für spätere Hypnosen 
bestehen lassen. Man kann aber auch (ebenso wie man durch 
Suggestion die Erinnerung im wachen Leben nehmen kann für 
das, was in der Hypnose vorgefallen ist) ebenso zuweilen durch 
Suggestion verhindern, dass die Person in späteren Hypnosen sich 
dessen erinnert, was in einer früheren sich ereignet hat. Es 
genügt, ihr zu sagen, dass sie bei späteren Hypnosen dies oder 
jenes nicht mehr wissen würde. 

Ich hatte oben gesagt, dass sich Hypnotisirte in späteren 
Hypnosen dessen erinnerten, was in früheren Hypnosen vorgefallen 
ist. Dieser Satz bedarf jedoch, abgesehen von dem zuletzt Ge- 
sagten, noch einer weiteren Einschränkung, die ich jetzt geben 
will. Zunächst sehen wir, dass bei Persönlichkeitsänderungen ge- 
wöhnlich Amnesie besteht; als Napoleon erinnert sich eine von 
mir hypnotisirte Versuchsperson beispielsweise an nichts, was sie 
als Friedrich der Grosse gethan hat. Ich erwähne ferner kleine 
unbewusst gemachte Bewegungen, die auf keine Weise der Person 
in die Erinnerung zurückgerufen werden können ; ich sage zu einer 
Person: „In fünf Minuten werden Sie dreimal Ha! rufen." Der 
Erfolg tritt ein, aber die Person erinnert sich später absolut nicht 
mehr dieses Ausrufes. In gleicher Weise giebt es einzelne post- 
hypnotisch in neuer Hypnose ausgeführte Handlungen, die in einer 
späteren Hypnose die Person nicht mehr weiss, wie sich aus den 
späteren Ausführungen ergeben wird. 

Zum Schlüsse erwähne ich noch, dass Gurney zwei Stadien 
der Hypnose annimmt, die durch eine vollkommene Trennung des 
Gedächtnisses von einander geschieden sind. Solche Stadien wurden 
auch von den alten Magnetiseuren schon geschildert. Doch habe 
ich mich nicht überzeugen können, dass diese Stadien wirklich in 
der Eegel präexistiren, ich glaube vielmehr, dass dieselben ein 
Product der Dressur sind. Gurney unterscheidet zwei Stadien 
der Hypnose, a und b. In a weiss das Sujet nicht, was in b vor- 



Posthypiiotische Suggestionen. 109 

ging, in b nichts von dem, was in a passirte. Dass man bei 
einzelnen Personen, abgesehen vom Wachbewusstsein , mehrere 
scharf geschiedene Bewusstseinszustände trennen kann, soll von mir 
nicht bestritten werden ; es wird dies auch von v. Krafft-Ebing, 
Pierre Janet u. a. angegeben; ich wende mich wesentlich nur 
gegen die Verallgemeinerung. 



Ich habe schon mehrfach Gelegenheit gehabt, von der post- 
hypnotischen Suggestion zu sprechen. Es ist dies ein für die 
Medicin und Psychologie so wichtiges Capitel, dass es nöthig ist, 
hierauf ausführlich zurückzukommen. An der Realität der post- 
hypnotischen Suggestion wird wohl kein ernster Beobachter mehr 
zweifeln. Einzelne Fälle von posthypnotischer Suggestion waren 
schon den alten Mesmeristen bekannt. Mouillesaux befahl 1787 
einer Dame im somnambulen Zustande, sie solle am folgenden Tage 
einer bestimmten Person einen Besuch machen; der Befehl wurde 
pünktlich ausgeführt (du Prel); ähnliche Vorgänge erwähnen 
Kluge, Schopenhauer, Noizet. Die posthypnotische Suggestion 
wurde in neuerer Zeit studirt von Liebeault, Eichet, Bern- 
heim, Delboeuf und besonders vielseitig von Gurney und Forel. 
Es ist sicher, dass man zahlreiche Suggestionen posthypnotisch 
realisiren kann. Jendrässik sieht durch Eingebung in der 
Hypnose mehrere Tage hindurch während des wachen Lebens 
Lähmungen bestehen; v. Krafft-Ebing giebt ebenso einer 
Patientin oft mit Erfolg die Suggestion, eine bestimmte Körper- 
temperatur zu einer bestimmten Zeit zu haben. Auch Haut- 
röthungen sind durch posthypnotische Suggestion erzeugt worden. 
Alle Arten von Suggestion, die man in der Hypnose hervorbringt, 
kann man auch posthypnotisch hervorbringen, alle Bewegungen und 
Sinnestäuschungen; auch Jucken, Schmerz, Stuhlgang, Hunger, 
Durst u. s. w. In dieser Weise werden Träume beeinflusst. „Heute 
Nacht träumen Sie, dass Sie in Swinemünde sind; Sie werden auf 
der Ostsee eine Kahnfahrt mit sechs Leuten machen, der Kahn 
wird schaukeln, und Sie werden ins Wasser fallen, in dem Augen- 
blick werden Sie erwachen." Der Traum geht ganz genau in Er- 
füllung. Ebenso befreit man Leute von unruhigen Träumen, und 
die Nacht wird traumlos gemacht; wenigstens erinnern sich dann 
die Personen absolut nicht, dass sie geträumt haben. 

Man kann Suggestionen direct aus der Hypnose ins wache 



HO Continuirliulie Saggestion. Suggestion auf längere Verfallszeit. 

Leben hintiberfiihren; mau nennt sie dann auch continuir liehe. 
Ich suggerire auf einer Visitenkarte meine Photographie und gebe 
den Befehl, dass dieselbe auch nach dem Erwachen stets für die 
Person sichtbar sein werde. Die Person ist nach dem Erwachen 
fest überzeugt, dass eine Photographie dort vorhanden sei. So 
wurde nach L o n d e ein in Hypnose suggerirtes Portrait zwei Jahre 
lang für ein solches gehalten. Derartige aus der Hypnose herüber- 
genommene Suggestionen findet man zuweilen zufällig, wenn man vor 
dem Erwachen nicht alle Suggestionen entfernt hat. Eine Person 
trinkt bei mir einen suggerirten Pfefferminzliqueur ; ich erwecke 
sie, sie giebt aber noch eine Stunde nachher an, dass sie deutlich 
einen Pfefferminzgeschmack im Munde habe. Zu den continuirlichen 
Suggestionen gehört der sehr häufig gemachte Versuch: Ich sage 
dem Hypnotisirten : „Zählen Sie bis zehn, bei drei wachen Sie auf." 
Er zählt bis zehn, sodass er von vier bis zehn in wachem Zustand 
weiter zählt. 

In anderen Fällen hingegen tritt erst nach dem Erwachen die 
Wirkung der Suggestion auf. Ich sage zu einem Hypnotischen: 
„Nach dem Erwachen werden Sie Ihren rechten Arm nicht be- 
wegen können". X. wacht auf und kann ihn nicht bewegen, ist 
aber sonst ganz normal. Genau dasselbe kann aber auch noch 
nach Stunden, Tagen, Wochen und Monaten geschehen. Ich sage 
einem Hypnotisirten: „Wenn Sie heute über acht Tage zu mir 
kommen werden, werden Sie nach dem Eintritt in mein Zimmer 
nicht sprechen können." Er kommt nach einer Woche zu mir, tritt 
ein, ist vollkommen wach; ich frage ihn nach seinem Namen, er 
kann aber weder diesen noch sonst etwas anderes sprechen. Hier 
haben wir ein Beispiel, wo die Suggestion sich erst nach längerer 
Zeit realisirt. Man nennt diese Form Suggestionauflängere 
Verfallszeit, oder: Suggestion ä echean ee, Deferred 
Suggestion. 

Es ist ganz auffallend, dass gerade diese posthypnotischen 
Suggestionen anfangs so viel Misstrauen fanden, und doch scheint 
es mir, dass dieselben keineswegs etwas darstellen, was nicht sehr 
viele Anknüpfungspunkte im normalen Leben hätte; ich werde im 
theoretischen Theil dies genauer darthun. Freilich bieten sie auch 
wieder gewisse Besonderheiten dar, auf die ich gleichfalls noch 
zurückkommen werde. Wir können die posthypnotischen Sug- 
gestionen in zwei Gruppen theilen, die ich aber lediglich aus 
praktischen Gründen unterscheide, um die Besprechung zu er- 
leichtern: in diejenigen, bei welchen nach dem Erwachen aus der 
Hypnose keine Erinnerung an die Suggestion besteht und die- 



Bestimmung des Zeitpunktes für Realisirung der posthypnotischen Suggestion. 1 1 1 

jenigen, bei welchen sie vorhanden ist. Dass übrigens bei der 
ersten Gruppe die Erinnerung nur scheinbar fehlt, wird später im 
theoretischen Theil genauer auseinander gesetzt werden. Da 
übrigens diese Gruppe von posthypnotischen Suggestionen grösser, 
wichtiger und interessanter ist, als die zweite, wo Erinnerung be- 
steht, werde ich jene zuerst und genauer besprechen. 

Der Zeitpunkt für die Realisirung der postlrypnotischen 
Suggestion kann in mehrfacher Weise bestimmt werden. Hier 
ist ein Hypnotischer, dem ich sage: „Eine Stunde nach Ihrem 
Erwachen werden Sie eine Polka spielen hören, werden glauben, 
dass Sie auf dem Balle sind und werden auch sofort dann 
tanzen." Einem Zweiten, den ich um 8 Uhr wecke, sage ich: „Sie 
werden, wenn der Regulator 9 schlägt, die Wasserflasche vom 
Tische nehmen und mit ihr dreimal im Zimmer auf und ab gehen." 
Die Art, wie der Termin bestimmt wird, ist in beiden Fällen ver- 
schieden. In dem zweiten Falle sehen wir, dass sich die Sug- 
gestion bei einem concreten äusseren Zeichen realisiren soll und 
auch realisirt; im anderen Falle hingegen sehen wir, dass eine 
ganz abstracte Zeitbestimmung, nämlich eine Stunde, gegeben ist. 

Die Suggestion, die ein äusseres concretes Zeichen als Zeit- 
punkt für die Realisirung festsetzt, wie bei dem zweiten Beispiel, 
realisirt sich fast stets, wenn auch oft erst nach einer gewissen 
hypnotischen Dressur. Die Suggestion jedoch, die sich nach einer 
Stunde ohne äusseres Zeichen realisiren soll, gelingt seltener. Es 
giebt indessen einige Hypnotische, bei denen derartige Suggestionen 
sich auf das pünktlichste mit der Minute realisiren. Bei der 
grösseren Zahl jedoch findet nicht nur nicht eine derartige Pünktlich- 
keit statt, sondern es bleiben überhaupt viele Suggestionen un- 
ausgeführt, wenn nicht ein concretes äusseres Moment vorhanden 
ist; andere werden zwar ausgeführt, aber unpünktlich, zum Bei- 
spiel statt nach einer Stunde, nach 3 / 4 Stunden u. s. w. 

Auf eine sehr häufige Fehlerquelle bei derartigen Versuchen 
mit der Zeitbestimmung will ich noch hinweisen, nämlich auf das 
Verhalten der Anwesenden. Sie sehen nicht selten zur Uhr und 
geben im entsprechenden Moment durch irgendwelche Zeichen, ohne 
es selbst zu wissen, das Signal, dass die verlangte Frist abgelaufen 
sei. Ich mache desswegen darauf aufmerksam , weil bei meinen . 
Versuchen Anwesende, um die Zeit zu controliren, nicht so selten 
diese Fehlerquelle schufen. 

Es giebt nun noch eine dritte Art, den Moment der Realisirung 
einer posthypnotischen Suggestion zu kennzeichnen, auf die ich jetzt 
eingehen will, und die von Gurney und Pierre Janet einer 



112 Bestimmung des Zeitpunktes für Realisirung der posthypnotischen Suggestion. 

ausführlichen Untersuchung unterzogen worden ist. Sie ähnelt in 
mancher Beziehung der ersten Art, Ich sage einem Hypnotischen 
X. : „Wenn ich nach Ihrem Erwachen das zehnte Mal mit dem 
Fusse scharren werde, werden Sie plötzlich laut lachen!" Der 
Betreffende erwacht, ohne dass er sich meines Auftrages erinnert. 
Ich unterhalte mich mit X. und scharre mehrfach, ohne dass X. 
darauf Acht giebt; beim zehnten Mal lacht X. laut auf. Es hat 
sich mithin diese Suggestion vollkommen realisirt. Ein anderes 
Mal mache ich denselben Versuch. Als ich viermal gescharrt habe, 
frage ich X., ob er nicht habe scharren hören, erhalte aber eine 
verneinende Antwort. Dennoch tritt, nachdem ich sechsmal von 
neuem gescharrt habe, das verlangte Resultat ein, während ich 
mich ganz ruhig mit X. unterhalte. In den meisten Fällen war 
das Resultat keineswegs so genau. Zwar realisirte sich die post- 
hypnotische Suggestion, aber meistens nicht bei dem richtigen Signale. 
Viele Suggestionen auf längere Verfallszeit ähneln ausser- 
ordentlich in ihrer Terminbestimmung diesen Suggestionen, bei 
denen ein Abzählen von Signalen stattfindet (Gurney). Die post- 
hypnotischen Suggestionen auf längere Verfallszeit können nämlich 
in doppelter Weise gemacht werden. Ich sage jemandem, der 
täglich zu mir kommt, am 3. Mai: „Am 6. Juni werden Sie beim 
Eintritt in mein Zimmer mich vollkommen schwarz im Gesicht 
sehen und werden mich desswegen furchtbar auslachen." Die Sug- 
gestion realisirt sich. Hier ist aber, und D elb o euf hat besonders 
auf die Wichtigkeit hiervon hingewiesen, ein bestimmtes Datum 
genannt, das den Betreffenden auf die Ausführung der Suggestion 
hinweisen kann, ähnlich dem Schlagen der Uhr [in jenem erst- 
genannten Falle. Auch hier handelt es sich um etwas Concretes. 
Anders läge die Sache, wenn ich die Suggestion so gemacht hätte, 
dass ich sagte: „Von heute ab gerechnet, werden Sie am 35. Tage 
beim Eintritt in meine Wohnung mich im Gesicht vollkommen 
schwarz sehen u. s. w." Nach Gurneys Beobachtungen realisiren 
sich, (und ich kann dies durch allerdings nur wenige Versuche 
bestätigen), auch derartig gegebene Suggestionen. Ein Beispiel 
möge diese Form der Suggestion noch genauer zeigen; ich machte 
einmal der Versuchsperson X. in Hypnose die Eingebung: „Vom 
letzten Dienstag an gerechnet werden Sie am 16. Dienstag zu mir 
kommen, alle Anwesenden mit Schimpfworten anreden u. s. w." 
Diese Suggestion realisirte sich vollkommen, trotzdem, wie man 
sieht, kein bestimmtes Datum genannt war. Auf die Erklärung 
will ich erst später zurückkommen. 



Der Zustand während der Kealisirung einer posthypnotischen Suggestion. H3 

Ich habe bisher lediglich die Art besprochen, wie man der 
Versuchsperson den Zeitpunkt der Realisirung der posthypnotischen 
Suggestion bestimmt. Ich komme jetzt zu der Frage: in welchem 
Zustand befindet sich die Person, während sich die posthyp- 
notische Suggestion realisirt? So viel ich weiss, haben Dumont- 
pallier, Beaunis, Liegeois zuerst die Beobachtung gemacht, 
dass posthypnotische Suggestionen sich durchaus nicht im wachen 
Zustande realisiren, wenn sie auch nach dem Erwachen aus der 
Hypnose eintreten. Die Frage hat zu lebhaften Erörterungen 
bereits geführt, und haben Forel und Gurney in dieser Richtung 
die besten und zahlreichsten Beobachtungen angestellt, und ins- 
besondere haben sie gezeigt, dass die Realisirung der posthyp- 
notischen Suggestion in ganz verschiedenen Zuständen erfolgen 
kann. 

Um dem Leser einen Begriff davon zu geben, dass in ganz 
verschiedenen Zuständen die posthypnotischen Suggestionen aus- 
geführt werden, will ich einige Beispiele zeigen. Hier ist ein 
dreissigjähriger Mann X. in Hypnose. Ich sage ihm: „Nach dem 
Erwachen werden Sie, sobald ich mein rechtes Knie über das linke 
lege, das Tintenfass vom Tisch auf den Stuhl stellen". Der Be- 
treffende erwacht auf meinen Befehl; ich unterhalte mich mit ihm. 
Nach einiger Zeit lege ich ein Knie über das andere, der Herr 
sieht sofort starr nach dem Tintenfass und antwortet nur schwer 
auf meine Fragen. Er geht an den Tisch heran, nimmt das Tinten- 
fass und stellt es auf den Stuhl; ich suggerire X. darauf, dass er 
seinen Bruder sehe, dass er jetzt sein Mittagbrot esse u. s. w. X. 
nimmt auch alle neuen Suggestionen wirklich an. Ich muss ihn 
noch einmal erst wecken, ehe dieser neue Zustand der Sug- 
gestibilität zu Ende ist. Nach dem Erwachen erinnert sich der 
Herr absolut an nichts. Es ist also für diesen Fall charakteristisch 
die Amnesie für alles, was während dieses Zustandes geschah, 
ferner aber auch die Suggestibilität während des Zustandes selbst. 
Ich wüsste nicht, wie sich dieser Zustand von einer wahren 
Hypnose psychologisch unterschiede, und ich meine, dass für diesen 
Fall die Erklärung Delboeufs ganz richtig ist, der für viele 
Fälle meint: eine posthypnotische Suggestion geben, heisst soviel 
als den Befehl geben, in dem bestimmten Moment in eine neue 
Hypnose zu kommen und in derselben die verlangte Suggestion zu 
verwirklichen. 

Ganz anders liegt übrigens die Sache in anderen Fällen 
Hier ist ein hypnotisirter Herr. Ich sage ihm: „Sie werden nach 
dem Erwachen, sobald ich meine Hände aneinander reibe, Ihren 

Moll, Hj-pnotismus. g 



114 Wachsein während der Realisirung der posthypnotischen Suggestion. 

Namen nicht mehr wissen. Sobald ich meine Hände auseinander 
nehme, wird Ihnen der Name wieder einfallen." Alles realisirt 
sich nach dem Erwachen, wie befohlen; wir unterhalten uns; so 
oft ich aber meine Hände .aneinander bringe, ist der Betreffende 
nicht im Stande, seinen Namen zu nennen. Er ist dabei voll- 
kommen wach; ich bin nicht im Stande, ihm irgend eine sonstige 
Suggestion zu machen. Er weiss auch seinen Namen jedesmal, 
wenn ich die Hände auseinander nehme, und erinnert sich ganz 
genau, dass er ihn eben nicht gewusst hat. Sobald ich wieder 
die Hände aneinander reibe, fehlt ihm von Neuem die Mög- 
lichkeit, seinen Namen anzugeben. Ich entlasse den Herrn; nach 
mehreren Tagen sehe ich ihn wieder; er ist im Stande, seinen 
Namen zu nennen, ob ich meine Hände aneinander bringe oder 
nicht. Er erinnert sich auch ganz genau daran, dass er an jenem 
Tage mehrfach seinen Namen nicht nennen konnte. Er behauptet, 
dabei vollkommen wach gewesen zu sein. 

Es berechtigt doch gewiss nichts dazu, in einem solchen Falle 
von einer Hypnose zu sprechen. Psychologisch findet sich nicht 
das geringste Zeichen derselben; keine Amnesie, keine Suggestibili- 
tät, kein Müdigkeitsgefühl, auch nicht später das Gefühl, in einem 
Schlafzustand gewesen zu sein; es bleibt nichts anderes übrig, als 
diesen Zustand, abgesehen von dem einen Punkt, für voll- 
kommen normal zu erklären. Ob man den Zustand überhaupt im 
Allgemeinen für einen normalen betrachten kann, ist eine andere 
Frage, auf die ich im forensischen Theil zu sprechen komme, für 
den sie nach v. Bentivegni eine besondere Wichtigkeit hat. 

Aus diesen Beispielen geht schon hervor, dass der Zustand, in 
welchem sich die posthypnotische Suggestion verwirklicht, ein ver- 
schiedener sein kann. Zwischen diesen beiden Extremen — in dem 
ersten Falle alle psychologischen Kennzeichen einer neuen Hypnose, 
in dem zweiten keinerlei Symptome der Hypnose — liegen nun 
mehrere Zwischenstufen, die ich jetzt erörtern will. 

Ich will ein drittes Beispiel anführen. Hier ist eine Frau 
in Hypnose. Anwesend sind noch die Herren A. und B. Ich sage 
der Frau: „Sobald nach Ihrem Erwachen Herr A. zu Ihnen sprechen 
wird, werden Sie ihn furchtbar auslachen. Sobald B. zu Ihnen 
reden wird, werden Sie ihm die Zunge herausstrecken. Wachen 
Sie auf!" Die Frau erwacht. Alles vollzieht sich gemäss der 
Suggestion; A. spricht zur Frau; dieselbe lacht. Darauf frage ich: 
„Warum haben Sie eben gelacht?" „Ich habe doch nicht gelacht," 
antwortet sie; sie bestreitet es durchaus, gelacht zu haben. A. 
spricht von Neuem zu der Frau, dieselbe lacht wieder. Auf meine 



Veille somnambulique. 115 

erneuerte Frage, warum sie gelacht, bestreitet sie es abermals, ge- 
lacht zu haben. Sie streckt B. die Zunge heraus, als dieser zu ihr 
spricht. Einen Moment darauf von mir zur Kede gestellt, bestreitet 
sie es, die Zunge herausgestreckt zu haben. Ich versuche, eine 
Suggestion zu machen, indem ich ihr sage, dass sie einen Leierkasten 
spielen höre; sie hört keinen Leierkasten und ist auch für andere 
Eingebungen unempfänglich. Hingegen erinnert sich die Frau aller 
anderen Vorfälle, sie weiss genau, was ich mit ihr gesprochen habe. 
Aus der Erinnerung ist nur der posthypnotisch vollführte Act ge- 
schwunden, sowie das, was unmittelbar mit ihm zusammenhängt, 
nämlich auch die Worte, die A. und B. an die Frau richteten. 
Alle Vorgänge, die unabhängig sind von der posthypnotischen 
Suggestion, z. B. meine Anrede, ihre Antworten an mich, weiss die 
Person ganz genau anzugeben. Ueber die Zeit, während deren sie 
den posthypnotischen Act vollführte, weiss die Person nichts anzu- 
geben; sie fühlt auch nachher subjectiv keinerlei Lücke in der 
Erinnerung. 

Hier besteht also, wie man sieht, unmittelbar nachher Amnesie 
für den posthypnotisch ausgeführten Act, keinerlei neue Suggestibi- 
lität; die Amnesie erstreckt sich lediglich auf die posthypnotisch 
ausgeführte Handlung. Wir haben hier also bereits eine dritte 
Form, wie sich die posthypnotische Suggestion realisirt, und diese 
letzte Form ist gar nicht so selten. 

In anderen Fällen ist übrigens die Person während der Aus- 
führung der posthypnotischen Suggestion gleichfalls suggestibel, 
wird aber sofort nach Erfüllung der Suggestion vollkommen wach; 
sie erinnert sich nicht mehr, was sie gethan hat. Diese Fälle sind 
nur schwer von dem eben geschilderten Falle zu trennen ; ich will 
desshalb aus ihnen keine besondere Gruppe machen. Es scheint 
nämlich, dass solche Personen, die dem dritten Beispiele entsprechen, 
während sie die Suggestion realisiren, in Wirklichkeit stets sug- 
gestibel sind, dass aber in vielen Fällen die Ausführung der post- 
hypnotischen Suggestion zu schnell verläuft, um eine neue Suggestion 
zu machen. Der posthypnotisch ausgeführte Act ist durchaus ver- 
gessen, während die Person vor und nach der Ausführung voll- 
kommen normal war. Diesen Zustand glaubte Liegeois als 
einen besonderen bezeichnen zu müssen, den er condition prime 
nannte. Liegeois hat später diesen Namen aufgegeben und nennt 
jetzt den Zustand condition seconde provoquee; Beaunis bezeichnete 
ihn als veille somnambulique, Gurney als trance-waking. Indessen 
glaube ich, sind diese Zustände doch als wahre Hypnosen aufzu- 
fassen (Delboeuf). Offenbar ist in diesen Fällen die Idee so 

8* 



116 Der Zustand während der Eealisirung einer posthypnotischen Suggestion. 

mächtig, dass sie einen Zustand schafft analog dem Zustand, in dem 
sie eingepflanzt wurde. Sobald die Idee wieder verschwindet, ver- 
schwindet auch der Zustand. 

Ich will nun noch einen vierten Fall anführen. Ich mache 
X. die posthypnotische Suggestion, fünf Minuten nach dem Er- 
wachen den Stuhl zu nehmen und auf den Tisch zu stellen. Die 
Suggestion realisirt sich. Während X. den Stuhl daraufstellt, rufe 
ich X. schnell zu, ein Hund beisse ihn; er glaubt es und stösst 
den imaginären Hund weg. Darauf spontanes Erwachen. X. er- 
innert sich genau, dass er den Stuhl weggestellt hat, er erinnert 
sich des Hundes, aber er giebt an, der ganze Zustand sei ihm so 
wie ein Traum gewesen. 

Hier ist mithin ganz deutlich der Zustand während der Eea- 
lisirung der posthypnotischen Suggestion charakterisirt durch 
Suggestibilität, aber nachherige Erinnerung. Freilich meint X., es 
sei ihm wie ein Traum gewesen. X. hat auch das Bewusstsein, 
während der Ausführung geschlafen zu haben und nach Beendigung 
derselben erwacht zu sein. Dieses Bewusstsein, geschlafen zu haben, 
ist sehr wichtig (Delboeuf). Es passirt uns dies ja auch sehr oft, 
dass wir etwas im Traume erleben, nach dem Erwachen aber sofort 
wissen, dass es ein Traum war. Ich glaube sehr wohl, dass man 
diesen zuletzt beschriebenen posthypnotischen Zustand als eine Hyp- 
nose betrachten muss. Die Suggestibilität ist sehr charakteristisch. 

Um die Frage zunächst nicht zu compliciren, recapitulire ich 
das Wichtigste. Wir haben unter den posthypnotischen Zuständen 
kennen gelernt : 1) einen Zustand, in welchem während der Aus- 
führung der Suggestion eine neue Hypnose eintrat mit vollkommener 
Suggestibilität, nachheriger Amnesie, ohne spontanes Erwachen; 

2) einen Zustand, wo nicht das geringste Zeichen einer neuen 
Hypnose vorhanden war, wenn sich auch die Suggestion realisirt, 
d. h. diese Eealisirung erfolgt in vollkommen wachem Zustand; 

3) sehen wir einen Zustand, in dem die posthypnotische Suggestion 
sich verwirklicht mit absoluter Amnesie für den Act, mit oder 
ohne neue Suggestibilität, aber mit spontanem Erwachen ; 4) einen 
Zustand mit Suggestibilität mit darauf folgender Erinnerung. Als 
die Hauptkennzeichen zur Beurtheilung dieser Zustände habe ich 
hiermit angegeben: erstens die neue Suggestibilität und zweitens 
die nachfolgende Amnesie. Der Umstand, dass die Person bald 
spontan erwacht, bald von Neuem geweckt werden muss, scheint 
mir von untergeordneter Bedeutung für die Beurtheilung des Zu- 
standes zu sein, da auch bei der gewöhnlichen Hypnose spontanes 
Erwachen beobachtet wird. 



Anhaltspunkte zur Beurtheilung posthypnotischer Zustände. 117 

Auf einige praktisch besonders wichtige Kunstgriffe zur Be- 
urtheilung des psychischen Zustandes während der Ausführung der 
posthypnotischen Suggestion hat Gurney aufmerksam gemacht. 
Wir sahen, dass die erneute Suggestibilität sehr wichtig ist, um 
das Vorhandensein der neuen Hypnose festzustellen, und dies hat 
nun Gurney weiter benützt, um auch die Frage zu lösen mittelst 
der posthypnotischen Suggestibilität, Hier ist ein Mann X., der 
posthypnotisch ein Spiel Karten mischt. Um nun den Zustand zu 
erkennen, in welchem er dies macht, wird ihm, während er die 
Karten mischt, befohlen, er solle später, beim Schlagen der Uhr, 
dreimal in die Höhe springen. X. hat die Karten gemischt 
und ist nun vollkommen wach. Nichts verräth, dass er jetzt in 
einer Hypnose wäre; er ist in keiner Weise suggestibel. An den 
Act des Mischens erinnert er sich nicht; er bestreitet, dies gethan 
zu haben. Sobald aber die Uhr schlägt, springt er dreimal in die 
Höhe. Aus dieser posthypnotischen Suggestibilität nun lässt sich 
der Schluss ziehen, dass jener Zustand, während X. die Karten 
mischte, nicht ein normaler gewesen ist. Ob der Zustand eine 
Hypnose oder ein besonderer psychischer Zustand ist, wie ihn 
Beaunis und auch Gurney annehmen, ist eine besondere Frage. 
Ich neige mehr der Ansicht zu, dass es sich um eine wahre Hyp- 
nose handelte. 

Zu der weiteren Beurtheilung und genauen Charakterisirung 
dieser posthypnotischen Zustände zieht Gurney auch das Ge- 
dächtniss heran. Wir sahen schon oben, dass in einer späteren 
Hypnose Personen sich an das erinnern, was in einer früheren 
Hypnose vorgegangen ist. Würde nun während des posthypnotischen 
Zustandes Erinnerung an Ereignisse früherer Hypnosen auftreten, 
so wäre die Frage zu Gunsten einer neuen Hypnose entschieden. 
Sehr oft fand ich nun in der That, dass während der Realisirung 
der posthypnotischen Suggestion vollkommene Erinnerung bestand 
an das, was in früheren Hypnosen vorgefallen war. Auch dies 
spricht zu Gunsten der Annahme einer neuen Hypnose. 

Endlich füge ich noch hinzu, dass es Fälle giebt, in denen 
sich somatische Merkmale finden. Es wäre sehr interessant, zu 
beobachten, wie sich diese während der posthypnotischen Suggestion 
verhalten. Auch der starre Blick, der kalte Gesichtsausdruck sind 
oft während der Ausführung der posthypnotischen Suggestion zu 
finden und sprechen gleichfalls für Hypnose. 

Aus allem, was ich angeführt habe, dürfte hervorgehen, dass 
die posthypnotischen Suggestionen in ganz verschiedenen Zuständen 
ausgeführt werden können. Dies ist der Fall, wie ich hinzufüge, 



U3 Anhaltspunkte zur Beurtkeilung postkypnotischer Zustände. 

nicht nur, wenn wir verschiedene Personen mit einander ver- 
gleichen, sondern auch, wenn wir an derselben Person mittelst 
verschiedener Suggestionen Beobachtungen anstellen. Die Haupt- 
punkte, auf die es ankommt, sind 1) die Frage, ob die Person sich 
später des ausgeführten Actes, resp. während dessen Ausführung 
sich früherer hypnotischer Erlebnisse erinnert; 2) Ist die Person 
während der Ausführung suggestibel, sei es für Suggestionen, die 
sich sofort realisiren sollen, sei es für neue posthypnotische Sug- 
gestionen? 3) Wie verhält sich das Aeussere der Person? Ent- 
spricht der Blick, die Haltung, eventuell die somatischen Merkmale 
einer Hypnose oder nicht? 

Die Frage wird noch complicirter für diese posthypnotischen 
Suggestionen, wenn wir folgenden Versuch betrachten, wie ihn 
Forel gemacht hat, Forel sagt einer Wärterin: „So oft Sie 
den Assistenzarzt mit „Herr Doctor" anreden werden, werden Sie 
sich, ohne es zu merken, mit der rechten Hand auf der rechten 
Stirnseite kratzen". Die Wärterin thut dies, spricht aber während 
des Kratzens Dinge, die völlig vernünftig und klar sind. Das 
Kratzen merkt sie gar nicht. 

Hier sehen wir also, dass die Person sich ganz normal unter- 
hält, dennoch aber während der Unterhaltung die posthypnotische 
Suggestion mit vollkommener Amnesie derselben realisirt. Sollen 
wir nun, wenn diese eine Bewegung mit Amnesie vorgenommen 
wird, den Zustand als eine Hypnose oder als einen anderen Zu- 
stand bezeichnen? Ich glaube, dass wir hier den Zustand als 
einen normalen Theil des wachen Lebens charakterisiren müssen. 
Denn nur aus der Amnesie dieser einen Bewegung ohne jede Sug- 
gestibilität einen Schluss auf Hypnose zu ziehen, ist falsch. Die 
Amnesie allein kann, worauf Gurney hinweist, nicht ohne Weiteres 
für einen Beweis eines abnormen Zustandes gehalten werden, da 
wir auch im normalen Leben Handlungen ausführen und Dinge 
sehen, ohne uns derselben nachher zu erinnern. Wenn wir die- 
selben rein mechanisch ausgeführt haben, wie das Aufziehen der 
Uhr am Abend, so wissen wir oft nachher nichts mehr davon. 

Absichtlich habe ich in dem letzten Abschnitte nur Bewegungen 
oder Handlungen, die posthypnotisch ausgeführt werden, besprochen. 
Ich will nun hinzufügen, dass man posthypnotisch auch alle mög- 
lichen Sinnestäuschungen erzeugen kann, positive und negative, 
ganz nach Belieben. Man kann ganze Scenen posthypnotisch er- 
leben lassen. So lasse ich einen auf den Ball gehen oder ein 
imaginäres Diner einnehmen u. s. w. Das Verhalten, während 
sich eine Sinnestäuschung posthypnotisch realisirt, kann gleichfalls 



Einfluss der Suggestion auf posthypnotische Zustände. H9 

etwas verschieden sein. Doch ist nach meinen Erfahrungen fast 
die Regel, dass bei Erzeugung posthypnotischer Sinnestäuschungen 
eine neue Hypnose eintritt mit Suggestibilität und nachheriger 
Amnesie. 

Uebrigens ist man im Stande, durch Suggestion in jeder 
Weise diese Zustände zu beeinflussen (Forel), wenn man gleich- 
zeitig bei der Suggestion z. B. sagt: „Fünf Minuten nach Ihrem 
Erwachen werden Sie einen Hund sehen, Sie werden aber dabei 
ganz munter bleiben und sich nichts einreden lassen". Der Be- 
treffende kann dadurch vollkommen vor der Suggestibilität geschützt 
werden, so dass er zwar die eine Suggestion realisirt, im Uebrigen 
aber thatsächlich vollkommen wach scheint. Bei mir ist Herr X. 
undY.; den letzteren hypnotisire ich. Ich sage Y. in der Hypnose: 
„Nach Ihrem Erwachen wird X. auf dem Stuhle hier sitzen, Sie 
werden dabei ganz munter und wach sein." Nach dem Erwachen 
glaubt Y. in der That, den X. auf dem Stuhle zu bemerken, unter- 
hält sich mit der imaginären Person u. s. w. Ich zeige ihm darauf 
den wirklichen X. mit den Worten: „Welches ist denn nun der 
wirkliche X.? Einen sehen Sie dort auf dem Stuhl, den anderen 
sehen Sie doch vor sich stehen." Y. fühlt am Stuhle und an dem 
wirklichen X., um sich zu überzeugen, wo Luft und wo der wirk- 
liche X. sei. Er tastet überall herum und kommt schliesslich 
darauf zurück: „Hier auf dem Stuhle sitzt er." Für andere Dinge 
ist Y. dennoch nicht suggestibel. 



Im Vorhergehenden habe ich die Frage erörtert, wie der Zu- 
stand ist, während die posthypnotische Suggestion sich realisirt. Ich 
brauche nicht viel darüber mich aufzuhalten, wie der Zustand des 
Sujets zwischen dem Erwachen aus der Hypnose und der Aus- 
führung der Suggestion ist. Fast immer sind diese Leute in der 
Zwischenzeit vollkommen munter, nicht suggestibel, der Zustand 
ist genau derselbe, wie wenn die Person ohne posthypnotische 
Suggestion erwacht wäre. Indessen giebt es doch einige Fälle, 
wo ein vollkommenes Erwachen nicht statt hat, so lange eine 
posthypnotische Suggestion auf dem Sujet lastet, zumal wenn diese 
seinem Charakter und Willen sehr widerstrebt. Derartige Personen 
sehen müde und verschlafen aus, sie selbst geben auf Befragen 
oft an, dass sie noch nicht ganz erwacht seien, dass sie noch 
etwas schliefen. Ich habe mehrere Fälle gesehen, bei denen ich 



120 Zustand zwischen Erwachen und Eealisirung der posthypnotischen Suggestion. 

die Suggestion entfernen musste, um ein vollkommenes Erwachen 
zu erlangen. Niemals sah ich übrigens einen derartigen Zustand, 
wenn es sich um eine therapeutische posthypnotische Suggestion 
handelte, entstehen; ich sah sie nur, wenn es sich um Experimente 
handelte. Es scheint mir, dass hierbei das eigene Widerstreben 
der Person zum Theil mit Schuld ist. In anderen Fällen sah ich 
nicht ein Müdigkeitsgefühl, sondern ein subjectives Unbehagen, bis 
die Suggestion sich verwirklichte. Ein derartiges Unbehagen 
kommt auch vor, ohne dass die Suggestion sich realisirt. So sah 
ich eine Frau, die mit der posthypnotischen Suggestion erwachte, 
ein Buch auf die Erde zu legen, durch ein grosses Unbehagen 
belästigt; dass sie das Buch auf die Erde legen sollte, kam ihr in 
keiner Weise in den Sinn. Aber nachdem sie es auf meinen noch- 
mals im wachen Zustand gegebenen Befehl auf die Erde gelegt 
hatte, fühlte sie sich vollkommen wohl und erleichtert. Eine 
andere Person klagt über ein Zucken in dem Arm nach dem Er- 
wachen; ich hatte ihr in der Hypnose die posthypnotische Sug- 
gestion gemacht, mir nach dem Erwachen die Hand zu geben. 
Das letztere geschieht erst, nachdem ich im wachen Zustand die 
Person aufgefordert; vorher bestand nur das erwähnte Gefühl von 
Zucken. 



Da bei allen bisher beschriebenen posthypnotischen Suggestionen 
eine Erinnerung an den Befehl nicht besteht, so erregt es ein 
besonderes Interesse zu beobachten, wie die Personen die Aus- 
führung der Suggestion motiviren. Natürlich werde ich hier nur 
diejenigen Fälle berücksichtigen, bei denen die ausgeführte Hand- 
lung nicht sogleich vergessen wird, da bei den anderen Fällen eine 
Erklärung desswegen schon von der Person nicht gegeben wird, 
weil sie die Handlung vergessen hat. 

Nehmen wir ein Beispiel. Ich sage einer hypnotisirten Frau: 
„Nach dem [Erwachen werden Sie das Buch vom Tische nehmen 
und auf das Bücherregal legen." Sie erwacht und thut, was ich 
befohlen. Auf meine Frage, was sie eben gethan, giebt sie an, 
dass sie das Buch vom Tische auf das Regal gelegt habe. Nach 
der Ursache dieser Handlung gefragt, erwiedert sie: „Ich liebe es 
nicht, wenn alles so unordentlich ist; das Buch gehört in das 
Regal, und desshalb habe ich es dorthin gelegt." Hier ist ein Fall, 
wo die Person durch meine Suggestion eine Handlung ausgeführt 



Gefühl d. "Willensfreiheit, Gefühl d. Zwanges bei Ausf. d. posthyp. Suggestion. 121 

hat; sie erinnert sich nicht an meinen Befehl und glaubt, class sie 
aus freien Stücken, durch ihre Ordnungsliebe bewogen, die Hand- 
lung ausgeführt habe. Es ist diese Erscheinung sehr oft beobachtet 
worden (Richet) und ist bei der Eealisirung der posthypnotischen 
Suggestion so häufig, dass einzelne geradezu eine Regel aus diesem 
Verhalten gemacht haben. Doch kann man dies nicht thun (Forel). 
Fahren wir mit dem Versuch bei der Frau fort. Ich gebe ihr in 
einer neuen Hypnose ein, das Buch nach dem Erwachen vom 
Bügerregal wegzunehmen und unter den Tisch zu legen ; auch diese 
Suggestion wird ausgeführt. Ich frage die Frau nach der Ursache 
ihrer Handlung. Sie weiss keine anzugeben. „Es kam mir so die 
Idee, dies zu thun", ist die Antwort. Ich wiederhole den Versuch 
in ähnlicher Weise mehrere Male. Auf eine neue Frage nach dem 
Motiv der Handlung giebt die Person schliesslich an: „Es trieb 
mich etwas dazu, ich musste es weglegen." Wir sehen hier also 
einen Fall, wo eine Person, die anfangs ganz frei zu handeln glaubt r 
allmählich durch Selbstbeobachtung dazu gelangt, den Zwang zu 
erkennen; sie ahnt auch vielleicht eine Eingebung, aber sie weiss 
sie nicht. 

Gehen wir zu einem anderen Fall über. Hier ist ein Herr 
in Hypnose. Ich mache ihm die Eingebung: nach dem Erwachen 
zu mir ein Schimpfwort zu sagen. Der Herr erwacht ; nach einigen 
Secunden, wo man einen inneren Kampf auf seinem Gesichte sich 
abspielen sah, ruft er mir zu: „Hammel!" Gefragt, wieso er dazu 
käme, mich so zu schimpfen, bittet er mich vielmals um Ent- 
schuldigung und erklärt mir: „Es kam mir halt so, ich musste 
„Hammel" sagen." Hier handelte es sich also um eine paradoxe 
Handlung, bei der der Herr sofort erkannte, dass es ein Zwang 
war, der ihn dazu trieb, während jene Frau bei relativ einfachen 
Handlungen erst nach mehreren Versuchen dazu gelangte, den 
Zwang zu erkennen. 

Jedoch liegen die Dinge in einer grossen Zahl von Fällen 
anders. Hier ist ein Herr in Hypnose. Ich ertheile ihm den Be- 
fehl, nach dem Erwachen einen Blumentopf von dem Fensterbrett 
zu nehmen, in ein Tuch einzuwickeln, auf das Sopha zu stellen, 
und sodann dreimal eine Verbeugung vor dem Blumentopf zu 
machen. Alles wird pünktlich ausgeführt. Nach dem Grunde 
seines Handelns gefragt, erwiedert der Herr Folgendes: „Wissen 
Sie, so nach dem Erwachen sah ich dort den Blumentopf stehen, 
da dachte ich mir, es ist etwas kalt, ein derartiger Blumentopf 
muss etwas gewärmt werden, sonst geht die Pflanze zu Grunde. 
Ich wickelte ihn desswegen in das Tuch, und dann dachte ich mir r 



122 Das Gefühl der Willensfreiheit. 

das Sopha steht so hübsch nahe am Ofen, da werde ich den 
Blumentopf auf das Sopha stellen. Die Verbeugungen machte ich 
mehr aus Hochachtung vor mir selbst über die gute Idee, die ich 
gehabt habe." Der Herr erklärte auch, dass er etwas so Thörichtes 
in der ganzen Sache nicht finden könne, er habe ja seine guten 
Gründe dafür mir angegeben. Hier ist also ein Herr, der eine 
ganz lächerliche Handlung posthypnotisch ausführt ; er ist sich des 
Zwanges nicht bewusst, sucht vielmehr durch recht gesuchte An- 
gaben seine Handlungsweise zu motiviren. Es haben wohl die 
meisten Experimentoren dies beobachtet, dass selbst die dümmsten 
Handlungen, zu denen die VersuchspersonTgezwungen ist, mitunter 
durch falsche Motive erklärt werden. 

Wir sahen also, dass bei der Frage nach dem Motiv ihrer 
Handlung die Sujets verschiedene Antworten geben: entweder 
suchen sie, in dem Glauben, frei gehandelt zu haben, selbst ein 
Motiv für ihre Handlung oder sie geben an, dass sie einen inneren 
Zwang fühlten, der sie zu der Handlung trieb, oder sie wissen 
nichts anzugeben als „es kam mir so die Idee, dies zu thun." 
Uebrigens ist man auch hier im Stande, durch entsprechende Sug- 
gestion nach Belieben dieses Verhalten zu beeinflussen. Man kann 
der Person gleichzeitig mit der posthypnotischen Suggestion die 
Eingebung machen, dass sie an ihren freien Willensentschluss bei 
der Ausführung der Handlung glaube (Forel), oder dass sie die 
Handlung als eine Zwangshandlung auffasse. 

Welcher Fall nun ohne solche Suggestion eintritt, ob die 
Person den Zwang erkennt oder ein falsches Motiv sucht, ist ab- 
hängig von der Selbstbeobachtungsgabe der Person, ferner von der 
Häufigkeit, mit der die Versuche gemacht werden und insbesondere 
auch von der Absurdität der Handlung. 

Es ist das erwähnte Streben der Personen, ein Motiv für das 
vermeintlich freie Handeln zu suchen, sehr lehrreich, da sie sich 
in einem willensunfreien Zustande befanden, trotzdem sie glauben, 
frei gehandelt zu haben. Dieses irrthümliche Gefühl der Willens- 
freiheit ist in neuerer Zeit von mehreren Psychologen benützt 
worden, um überhaupt die Willensunfreiheit der Menschen zu be- 
weisen. Man sah hier einen Zustand experimentell erzeugen, in 
welchem die Person das Gefühl hat, dass sie nach Willkür ge- 
handelt habe, während in Wirklichkeit der Wille verher eindeutig 
bestimmt war, ohne dass sie es wusste. Ribot, Forel u. a. 
weisen hierauf besonders hin. Der Ausspruch Spinozas „Die 
Illusion des freien Willens ist weiter nichts als die Unkenntniss 
der Motive unserer Entschlüsse," scheint allerdings durch diese 



Das Gefühl der Willensfreiheit. 123 

hypnotischen Versuche eine Stütze zu finden (Forel); experimentell 
ist ja ganz gewiss durch dieselben der Beweis geliefert, dass eine 
der Hauptstützen der Willensfreiheit, das Gefühl nämlich, man 
habe anders handeln können, nicht genügt, um die Willensfreiheit 
wirklich zu beweisen. Recht deutlich zeigt dies das folgende Ex- 
periment, das ich in abgeänderter Form bei verschiedenen Personen 
wiederholte: ich gebe jemandem etwas in der Hypnose als post- 
hypnotische Handlung ein, z. B. einen Schirm auf die Erde zu 
legen; der Betreffende erwacht, und nun sage ich ihm, er solle 
irgend etwas thun, was er thun wolle, aber ganz nach freiem 
Willen handeln, gebe ihm aber gleichzeitig ein Stück zusammen- 
gefaltetes Papier, auf welches ich geschrieben hatte, was er thun 
würde. Das Sujet führt die suggerirte Handlung aus und ist sehr 
erstaunt, wenn es nachher den Zettel liest. Es versichert dann 
ganz ausdrücklich, dass es diesmal ganz sicher geglaubt habe, es 
würde etwas anderes thun, als was ich ihm suggerirt habe. 

Indessen, glaube ich andererseits, dass es trotz dieser hyp- 
notischen Experimente gut ist, mit endgiltigen Schlüssen etwas 
zurückzuhalten und verallgemeinernde Schlüsse auf die Willens- 
freiheit nicht ohne weiteres zu ziehen. Denn wenn auch die 
Hypnose ein pathologischer Zustand nicht ist, so ist sie doch 
immerhin ein Ausnahmezustand, aus dem wir generalisirende 
Folgerungen nicht machen dürfen. Es dürfte wohl nur wenige 
geben, in denen, wenn sie diese Versuche öfter gemacht haben, 
nicht gelegentlich subjective Zweifel an der Willensfreiheit sich 
regten; hiervon aber bis zu einem wissenschaftlichen Beweise ist 
doch ein enormer Schritt. Wir dürfen ferner nicht vergessen, dass 
wir diese tiefen Hypnosen mit der subjectiven Urtheilstäuschung 
keineswegs bei allen Personen finden. Im Gegentheil, es sind diese 
Zustände nur bei der kleineren Zahl der Hypnotisirten zu erzeugen. 
Wir haben auch ferner gesehen, dass nach häufigen Versuchen die 
Personen eine gewisse Selbstbeobachtung zeigen und sich gewöhn- 
lich der Unfreiheit bewusst sind, zumal wenn die Handlung ihrem 
Charakter und Naturell widerstrebt. Zu endgiltigen Folgerungen 
müsste man mehr Analogien aus dem gewöhnlichen Leben herbei- 
ziehen, wie es auch schon vielfach geschehen ist. Ich will hier 
wieder an die Taschenspielerkunst erinnern. Das bekannte Kunst- 
stück, eine Karte frei ziehen zu lassen und sofort zu errathen, 
beruht auch nur darauf, dass der Zuschauer frei zu wählen glaubt, 
während der Taschenspieler den Willen einseitig beschränkt und 
in eine bestimmte Richtung zwingt. Er erzielt das oft dadurch, 
dass er die zu wählende Karte so legt, dass sie möglichst bequem 



124 ' Zwangshandlungen durch posthypnotische Suggestion. 

erreichbar ist. Dass ich aber aus diesem Beispiel nicht auf eine 
wahre Willensunfreiheit schliesse, brauche ich kaum zu erwähnen 



Durch die Hypnose können wir nun mit sehr grosser Sicherheit 
mittelst posthypnotischer Suggestion zahlreiche Acte erreichen, 
welche die betreffende Person unter normalen Verhältnissen niemals 
ausführen würde; wir können demnach solche Acte als echte 
Zwangshandlungen betrachten. Ich bitte einen Herrn, eine 
Handlung zu nennen, die er nie ausführen würde. Niemals, er- 
wiederte er, würde er mir ein Sophakissen an den Kopf werfen. 
Auch diese Suggestion wird, nachdem ich sie ihm in der Hypnose 
eingegeben habe, realisirt, wenn auch mit einem gewissen an- 
fänglichen Widerstreben. Diese Art Zwangshandlungen haben eine 
grosse Aehnlichkeit mit den impulsiven Acten, wie wir sie unter 
pathologischen Zuständen mitunter beobachten. Bei dem Wahr- 
nehmen des Signals, durch welches die posthypnotische Suggestion 
ausgeführt wird, tritt ein Impuls ein ganz ähnlich, wie z. B. bei 
manchen Kranken, die beim Anblick eines Meeres oder eines 
Wassers den Impuls zum Selbstmord oder Mord erhalten (Cullerre). 
Auch bei diesen kann man mitunter einen gleichen Kampf be- 
obachten, um dem inneren Zwang zu widerstehen, wie bei den 
Hypnotischen. Die Analogie dieser pathologischen Zwangs- 
vorstellungen mit den erwähnten posthypnotischen Suggestionen 
hat v. Bentivegni in neuerer Zeit besonders dargethan. Ebenso 
wie die Patienten mit Zwangsvorstellungen sich ihres unglücklichen 
Zustandes vollkommen bewusst sind, dennoch aber von ihnen zum 
Handeln getrieben werden (Maudsley), genau in derselben Weise 
erkennt der von der posthypnotischen Suggestion Beherrschte oft 
deren unsinnigen Charakter, wird aber doch schliesslich von ihr 
zum Handeln gezwungen. 

Eine besondere Verwerthung finden die posthypnotischen Sug- 
gestionen noch, um eine zukünftige Hypnose zu erreichen oder auch 
zu verhindern. Man kann es auf diese Weise unmöglich machen, 
dass eine leicht hypnotisirbare Person durch eine andere hypnotisirt 
wird, und man hat in der posthypnotischen Suggestion ein ausge- 
zeichnetes Mittel, um leicht empfängliche Personen zu schützen, und 
sie gegen eine ungeahnte Hypnose zu sichern, wie schon Ricard 
mit Bezug auf den somnambulen Zustand angab. Ein von mir öfter 
hypnotisirter Herr X. konnte von einem anderen Herrn A., der ihn 



Langanhaltende posthypnotische Suggestionen. 125 

sonst öfter mit Erfolg hypnotisirt hatte, nicht mehr in Hypnose 
gebracht werden, nachdem ich X. mehrfach die Suggestion gegeben, 
er solle sich nur von Aerzten, nie mehr aber von jenem Herrn A. 
hypnotisiren lassen. Indessen glaube ich nicht, dass man hierdurch 
in allen Fällen einen absoluten Schutz gewinnt; dennoch wird die 
Hauptgefahr, welche nicht die Hypnotisirbarkeit, sondern die 
Hypnotisirbarkeit wider den eigenen Willen ist, dadurch bekämpft. 
Andererseits ist man durch posthypnotische Suggestion im Stande, 
jemanden unvermuthet in eine neue Hypnose zu versetzen. „Sie 
werden, sobald ich das Wort „heute" sage, sofort in eine neue Hyp- 
nose kommen," sage ich zu einem Hypnotisirten. Ich wecke ihn da- 
rauf, und der Betreuende bleibt vollkommen wach, bis ich das Wort 
„heute" ausspreche. In diesem Augenblick tritt eine neue Hypnose ein. 

Auf wie lange Zeit hinaus man posthypnotische Suggestionen 
geben kann, ist schwer zu sagen, da es sehr von der Individualität 
und der Art des Operirens abhängt. Die längste posthypnotische 
Suggestion, die ich gesehen habe, realisirte sich nach über vier 
Monaten, ohne dass in der Zwischenzeit eine Andeutung erfolgte. 
Die längste, die überhaupt beschrieben wurde, rührt meines Wissens 
von Liegeois und Liebeault her, bei der genau nach einem 
Jahre der Erfolg eintrat. Der S. 110 erwähnte Fall mit der Photo- 
graphie, wo zwei Jahre hindurch die Photographie sichtbar blieb, 
liegt wohl etwas anders, da in der Zwischenzeit, wie es scheint, 
die Suggestion öfter in Erinnerung gebracht wurde. Aehnlich läge 
vielleicht die Sache bei einem Falle von dal Pozzo, der einer 
vor dem G-ewitter sich fürchtenden Person die Furcht durch post- 
hypnotische Suggestion abgewöhnt, und wo noch nach 26 Jahren 
der Erfolg fortbestanden haben soll (Belfiore). 

Es sind diese Suggestionen auf lange Zeit hinaus nicht eben 
häufig, und von der Stärke des Gedächtnisses des Betreffenden ab- 
hängig. Es ist aber sicher, dass man auf Tage hinaus bei ge- 
schickter G-ruppirung der Ideenassociation sehr oft posthypnotische 
Suggestionen erreicht; ich habe sie bei fast allen Hypnosen der 
zweiten Gruppe beobachtet und bin erstaunt, dass Binswanger 
trotz seiner grösseren Versuchsreihen sie nur bei einer Person 
gesehen hat. 



Ich habe bisher nur von denjenigen posthypnotischen Sug- 
gestionen gesprochen, bei denen nach dem Erwachen aus der 



126 Posthypnotische Suggestionen bei erhaltener Erinnerung. 

Hypnose Amnesie besteht; es sind dies bei weitem die günstigsten 
Fälle für posthypnotische Suggestionen. Ich muss aber erwähnen, 
dass die Amnesie keineswegs nothwendig ist, dass auch bei leichten 
Hypnosen, bei denen vollkommene Erinnerung nachher besteht, 
posthypnotische Suggestionen reussiren. Auch diese, wenn auch 
selteneren Fälle bieten ein hohes Interesse dar, indem man hier 
den absoluten Zwang beobachten kann. Die Person sagt sich 
ganz genau: in der Hypnose ist die Eingebung gemacht worden; 
ich erinnere mich daran, aber ich kann mich den Folgen derselben 
nicht entziehen. Hier ist ein College von mir, ein Arzt; derselbe 
befindet sich in Hypnose; ich suggerire ihm mit Erfolg zahlreiche 
Bewegungsstörungen; Sinnestäuschungen gelingen nicht. Ich er- 
kläre ihm, dass er nach dem Erwachen, so oft ich meine Hand 
auf seine Stirn lege, seinen Namen nicht würde sprechen können, 
und dass er statt seines Namens immer den meinigen nennen würde. 
Meine Eingebung realisirt sich durchaus. Aus der Hypnose er- 
wacht, giebt der Herr, so oft ich meine Hand auf seine Stirn lege, 
an, er heisse Moll, er weiss auch seinen richtigen Namen, kann ihn 
aber nicht sprechen. Er erinnert sich ganz genau meines diesbezüg- 
lichen Befehles, er glaubt auch an keine übernatürlichen Kräfte, er 
weiss, dass es sich nur um einen psychischen Effect handelt, dem er 
sich nicht entziehen kann. Aehnlich liegt die Sache mit Sinnes- 
täuschungen; auch diese kommen posthypnotisch vor, trotzdem 
die Erinnerung an den Befehl besteht. Freilich werden die 
Folgen der Sinnestäuschung oft nicht sichtbar sein, weil das 
logische Denken in Folge der erhaltenen Erinnerung die Folgen 
vernichten kann. Indessen sind Sinnestäuschungen mit Erinnerung 
an die Suggestion desswegen schon seltener, weil Sinnestäuschungen 
bei Amnesie seltener sind, wenn auch durch Suggestion, wie wir 
gesehen haben, stets die Erinnerung wiederhergestellt werden kann. 
Jedenfalls sind sich bei erhaltener Erinnerung die Hypnotisirten 
viel mehr des Zwanges bewusst, den die Suggestion auf sie ausübt, 
als im andern Fall, wo, wie wir sahen, oft der Glaube besteht, frei 
gehandelt zu haben. Es wird auch die Suggestion selbst in Folge 
des persönlichen Widerstandes und der Controle des Selbstbewusst- 
seins viel schwieriger und öfters erst nach längerem Kampfe realisirt. 



Wir haben jetzt das Gedächtniss und die mit ihm unmittelbar 
zusammenhängenden posthypnotischen Suggestionen kennen gelernt 



Associative Processe in der Hypnose. 127 

Da, wie wir sahen, die Erinnerungsfähigkeit in der Hypnose eine 
nicht unbedeutende ist, so ist damit auch eine Hauptbedingung 
erfüllt für das Fortbestehen der Verstandes thätigkeit. 
Freilich ist dieselbe ganz wesentlich in der tiefen Hypnose durch 
die Suggestion eingeschränkt. 

Aber es besteht jedenfalls auch in vielen tiefen Hypnosen 
meistens eine gewisse Gesetzmässigkeit im Verlaufe der Vorstel- 
lungen, die durch die Associationsge setze bedingt ist. Wenn wir 
ausserhalb der Hypnose irgend ein Erinnerungsbild in uns erwecken, 
z. B. Tannenbaum, so werden im Anschluss daran eine Reihe anderer 
Bilder wachgerufen, z. B. Weihnachten, Christkind, Geschenke u. s. w. 
Ein ganz analoger Vorgang besteht gewöhnlich auch in der Hypnose. 
Eine suggerirte Vorstellung ist hier nichts ganz Isolirtes; sie 
erweckt vielmehr ohne weiteres in vielen Fällen neue Vorstel- 
lungen, die mit der suggerirten früher in einem Zusammenhang 
standen. 

Ich suggerire A.: „Hier ist ein Spiel Karten". A. glaubt 
dies. Das Erinnerungsbild der Karten erweckt gleich die Idee, 
dass er Seat spiele, gleichzeitig die Idee, in einem Restaurant mit 
den Freunden B. und C. zu sein. Die eine Suggestion der Karten 
hat mithin sofort genügt, um durch Association für A. eine ganze 
Scene zu schaffen. Durch eine neue Suggestion bin ich nun aller- 
dings alsbald im Stande, diese Associationen zu zerreissen, zu disso- 
ciiren. Ich sage A. gleichzeitig, während er die Karten zu haben 
glaubt, dass er auf der Eisbahn sei; damit ist der Zusammen- 
hang von Karten und Restaurant sofort zerstört. Dennoch aber 
besteht bei vielen Hypnotischen insofern ein gewisser vernünftiger 
Ideenzusammenhang, als an eine suggerirte Vorstellung sich so- 
gleich neue Processe anschliessen , die mit ihr in irgend welchem 
Zusammenhang stehen; auf diesem Princip beruhen eine Menge 
Erscheinungen in der Hypnose. Viele psychische Lähmungen, von 
denen ich S. 48 gesprochen, beruhen gleichfalls darauf; die Idee der 
motorischen Lähmung hat die Anästhesie, die vasomotorischen 
Störungen etc. zur Folge. Dass die letzteren unabhängig vom 
Willen sind, hat, wie ich ausdrücklich hervorhebe, gar nichts 
damit zu thun, dass sie eine indirecte Folge der Suggestion sind. 

In diesem mechanischen associativen Process zeigt sich 
in Wirklichkeit keine Verstandesthätigkeit. Indessen tritt diese 
doch schon dann hervor, wenn wir die natürlichen Associationen 
zerreissen und nun sehen, wie der Hypnotische sich bemüht, neue 
Gedankenverbindungen zu schaffen. In dem oben citirten Beispiel 
sagte ich dem Hypnotischen, während ich ihm Karten gab, dass 



128 Verstandesthätigkeit in der Hypnose. 

er sich auf der Eisbahn befinde. Um diese Ideen miteinander in 
logischen Zusammenhang zu bringen, erklärt die Versuchsperson A„ 
dass sie sich eben die Karten gekauft habe, um sie ihrem Freunde, 
den sie auf der Eisbahn träfe, zum Geburtstag zu schenken. 

Noch deutlicher zeigt sich, dass das Denken in der Hypnose 
nicht immer aufhört, in der Erscheinung, dass der Hypnotische 
zu gewissen Handlungen sich dann bewegen lässt, wenn man ihm 
einen Grund für die Handlung angiebt. Es ist sehr oft nöthig, 
in dieser Weise dem Hypnotischen eine falsche Prämisse zu sug- 
geriren, ehe er eine verlangte Handlung ausführt. X. kann auf 
keine Weise dazu gebracht werden, ein Glas Wasser in meine 
Stube zu giessen; sobald ich ihm aber sage, dass es brenne, thut 
er es sofort, um zu löschen. 

Dass andererseits selbst Sinnestäuschungen lediglich durch 
logisches Denken corrigirt werden, will ich hier auch schon 
erwähnen. So glaubt eine Person nicht, dass sie in meinem Zimmer 
einen Wolf sehe, oder vielmehr sie sagt, dass sie das Bild des 
Wolfes ganz genau vor sich sehe, sie könne zeigen, wo er sich 
befinde. Dennoch wisse sie ganz genau, dass es sich um eine 
Täuschung handle, denn in das Sprechzimmer würde ich nie einen 
Wolf eintreten lassen. Ich erinnere hier an die interessante An- 
gabe von Mac-Nish, dass man im Schlafe sich dadurch vor 
erschreckenden Träumen schützen könne, dass man sie im Schlafe 
durch das Denken bekämpfe. 

Eine recht interessante Erscheinung, welche die Verstandes- 
thätigkeit auch in der Hypnose zeigt, und die ich in den ver- 
schiedensten hypnotischen Zuständen, selbst in den tiefen beobachtet 
habe, ist folgende. Die Hypnotisirten sagen, während sie den 
Suggestionen gehorchen, dass sie ganz genau wissen, dass es sich 
nur um eine psychische Beeinflussung handelt. „Ich weiss es ganz 
genau", sagt mir einer, der den verschiedensten Sinnestäuschungen 
unterworfen ist, „dass Sie über besondere magnetische Fähigkeiten 
nicht verfügen, ich weiss es ganz sicher, dass es meine eigene 
Einbildung ist, die mich willenlos macht; meine eigene Einbildung 
zwingt mich dazu, Ihren Befehlen zu gehorchen, aber ich kann nicht 
anders handeln". 

In ganz gleicher Weise werden in einer grossen Zahl von 
Fällen die Leute auch in die Hypnose versetzt. Wenn vielleicht 
einzelne auch dadurch beeinflusst werden, dass sie an besondere 
magnetische Kräfte des Experimentators glauben, so sehen wir 
andererseits doch viele, die von der Subjectivität der Erscheinungen 
überzeugt sind und dennoch in die Hypnose kommen. Wenn eine 



Verstandesthätigkeit in der Hypnose. 129 

Person A. von B. mit Leichtigkeit hypnotisirt werden kann, wenn 
dieselbe Person für C. gar nicht oder nur schwer hypnotisirbar 
ist, so liegt dies keineswegs immer daran, dass die Person etwa 
glaubt, dass B. besondere Kräfte besitzt. Es ist vielmehr ein un- 
definirbarer und heute auch noch unerklärlicher psychischer Einfluss, 
der B. mit A. verbindet, ein Einfluss, den der Verstand nicht selten 
für eine Einbildung hält, der aber dennoch einen Zwang ausübt. 

Es ist genau dasselbe, was wir alle Tage im Leben sehen, und was uns z. B. 
in der geschlechtlichen Liebe bemerkbar wird. Wenn jemand sich zu einer Person 
hingezogen fühlt, von einer anderen abgestossen ist, so ist er sich über die wahren 
Gründe oft nicht klar. Nicht selten sagt ihm sein Verstand die Verkehrtheit der 
Neigimg ; und dennoch kann er sich dem mächtigen psychischen Einflüsse, der ihn 
an jene Person fesselt, nicht entziehen. De gustibus non est disputandum, sagt 
ein altes Sprichwort; es ist nicht über den Geschmack zu streiten, weil er nicht 
durch den Verstand, sondern durch ganz unbestimmte Agentien geleitet wird. Die 
Namen Sympathie und Antipathie, die so oft für ähnliche Dinge gebraucht werden, 
können uns natürlich das Eäthsel nicht lösen. 

Besonders interessant ist es aber zu beobachten, in welcher 
Weise der Hypnotische kleine äussere Eindrücke mitunter logisch 
verwerthet, Eindrücke, an deren Existenz kaum jemand denkt, und 
die dennoch den Hypnotischen oft auf den richtigen Weg leiten. 
Es entsteht manches scheinbare Hellsehen durch eine geradezu 
raffinirte Fähigkeit, Schlüsse zu machen. Mancher Hypnotische 
wird hier noch durch Hyperästhesien seiner Sinnesorgane unter- 
stützt, indem er durch sie Dinge erkennt, die im wachen Zustand 
übersehen werden. Nehmen wir einen sehr häufigen Versuch, den 
man oft zeigt, um die Existenz des thierischen Magnetismus zu 
beweisen, ich meine die Angabe des Magnetisirten, ob er vom 
Magnetiseur oder von einer anderen Person berührt werde. Es 
ist geradezu verblüffend, mitunter zu beobachten, mit welcher 
Richtigkeit derartige Sujets bei verbundenen Augen ihr Urtheil 
fällen. Ochorowicz, der aus anderen Gründen an den thierischen 
Magnetismus glaubt, giebt bei dieser Gelegenheit eine Reihe sehr 
hübscher Beispiele. Die geringsten Einzelheiten beachtet der Hyp- 
notische ; die Differenz in der Stärke des Druckes, die Temperatur 
der Hand, die Stellung des Berührenden, die Geräusche, die er mit 
seinen Manschetten eventuell hervorbringt, nichts wird übersehen, 
und ein logisch richtiger Schluss ist die Folge. Schon bei den 
alten Forschern auf dem Gebiete des Mesmerismus finden sich Be- 
obachtungen und Angaben über die im magnetischen Schlafe ge- 
steigerten intellectuellen Fähigkeiten; so hielt Leonard diese 
Steigerung geradezu für ein Charakteristikum des magnetischen 
Zustandes. Es kann übrigens hierbei vorkommen, dass Einzel- 
Mo 1 1 , Hypnotismus. 9 



130 Logische Schlüsse. 

heiten, die zu dem Endschlusse führen, der Versuchsperson selbst 
gar nicht klar bewusst werden ; eine Erscheinung, die auch im 
normalen Leben sehr häufig beobachtet wird. Nehmen wir z. B. 
einen Herrn, der einen Menschen zum ersten Mal sieht. Wie oft 
passirt es, dass er hier bei dem ersten Eindrucke auf den Charakter 
des Fremden einen Schluss zieht, dessen Einzelheiten ihm nicht 
bewusst sind. Oft errathen wir die Bedeutung einer Physiognomie, 
ohne die Ursache zu wissen; wir erkennen, ob jemand ein dummes 
Gesicht hat oder ein kluges; wir erkennen den Ausdruck der Freude 
und der Trauer im Momente, ohne dass wir uns über Einzelheiten 
hierbei Rechenschaft geben können. Die Gedankenübertragung^ 
über die ich später noch sprechen werde, ist häufig hierauf zu be- 
ziehen: selbst aus einer Geste, aus der geringsten Bewegung, aus 
der Richtung der Augen, aus unwillkürlichen Lippenbewegungen 
liest der Hypnotisirte den Wunsch und Gedanken des Experi- 
mentators ab (Carpenter), zumal wenn eine gewisse Dressur in 
dieser Eichtung bereits stattgefunden hat. 

Auf der logischen Verwerthung solcher unbedeutender Ein- 
drücke beruhen oft die Prophezeihungen und das Wahrsagen von 
Somnambulen oder ähnlichen Personen. Mitunter ist hierbei aller- 
dings nicht eine besondere Schärfe des Verstandes nöthig, wie 
jener Fall zeigt, wo einem Herrn von einer derartigen wahr- 
sagenden Person erklärt wird, er habe in der letzten Zeit einen 
herben Verlust in der Familie erlitten. Es erwies sich dies als 
wahr. Der Herr ist erstaunt über die Fähigkeit der Person, bis 
ihn ein Freund darauf aufmerksam macht, dass er einen Trauerflor 
trage, der jener Person als Anhaltspunkt gedient habe (Fonvielle). 

Diese hier erwähnte Verstandesthätigkeit sowie ganz besonders 
die oben geschilderten mechanischen Associationen zeigen sich am 
deutlichsten bei dem Wechsel der suggerirten Ideen. Welche 
Idee auch vorherrscht, es schliessen sich ihr neue an, wie ich oben 
zeigte. Aber gerade in der Schnelligkeit, mit welcher man den 
Hypnotischen aus einer Situation in die andere versetzt, und mit 
welcher er sich der suggerirten Idee in seinem ganzen Denken und 
Fühlen accommodirt, zeigt sich, dass er doch nur ein Spielball des 
Experimentators ist. Ganz ebenso, wie uns die Traumideen jeden 
Augenblick in eine andere Lage bringen können, ebenso hier die 
suggerirte Idee. Das Gefühl der Freude ist im Augenblick in das 
Gefühl des Schmerzes verwandelt ; eine Schnelligkeit des Stimmungs- 
wechsels findet statt, wie er sich sonst wohl nur bei Kindern zeigt. 
Der Hypnotische glaubt jetzt, in meinem Zimmer zu sein, und im 
nächsten Augenblicke schon meint er, im Bett zu liegen, kurz darauf 



Schneller Wechsel vorherrschender Ideen. 131 

wiederum im Wasser zu schwimmen; er glaubt jetzt, 90 Jahre alt 
zu sein, und ist im Augenblick darauf in sein 10. Lebensjahr zurück- 
versetzt ; er glaubt jetzt, Napoleon I. zu sein ; kurz darauf hält er 
sich für einen Tischler, dann für einen Hund u. s. w. Dieses 
schnelle Wechseln der Vorstellungen findet momentan statt ; durch 
Association schliessen sich sofort die entsprechenden Vorstellungen 
an. Es sind wohl nur wenige Leute im Stande, im wachen Leben 
dies zu leisten, selbst bei den besten schauspielerischen Anlagen. 
Nur selten wird in der Hypnose der Schnelligkeit dieses Wechsels 
der Ideen ein gewisser Widerstand entgegengesetzt. Dann kommt 
es vor, dass man öfter die Suggestion wiederholen muss, ehe der 
Betreffende sich aus dem früheren Ideenkreise herausreissen lässt. 
Der schnelle Wechsel derartiger vorherrschender Ideen und der 
ganzen Stimmung in der Hypnose ist so häufig, dass ich mit Ver- 
wunderung (bei Malten) lese, dass in Wien ein gerichtlicher Sach- 
verständiger Ferroni glaubte, aus der Schnelligkeit des Stimmungs- 
wechsels den Schluss auf Simulation ziehen zu dürfen. 

Wenn wir nun die Vorstellung, die besonders lebhaft augen- 
blicklich in dem Bewusstsein vorherrscht, und an welche sich die 
anderen anschliessen, als diejenige bezeichnen, der die Person die 
Aufmerksamkeit zugewendet hat, so würde diese Erscheinung der 
Hypnose als ein schneller Wechsel der Aufmerksamkeit zu be- 
trachten sein, der herbeigeführt wird durch die Suggestion des 
Experimentators, nicht aber spontan durch den Willen des Hyp- 
notischen. Am Anfang ist die Aufmerksamkeit desselben bei tiefen 
Hypnosen gewöhnlich nur einem Punkte zugewendet, nämlich dem 
Experimentator, der ihn hypnotisirt hat, so dass andere Objecte 
für den Hypnotischen zunächst nicht existiren. Ist diese Er- 
scheinung deutlich ausgeprägt, so sprechen wir von einem Rapport. 

Dieser Rapport ist eine wichtige Erscheinung des Hypnotis- 
mus. Wir haben (S. 17) schon bei dem vierten Versuch gesehen, 
dass der Hypnotische nur mir antwortete, während andere An- 
wesende anscheinend ignorirt wurden. Es ist dies bei tiefer Hyp- 
nose eine häufige Erscheinung, die man als Rapport bezeichnet. 
Es besteht also der hypnotische Rapport darin, dass die Versuchs- 
person nur auf die Befehle des Hypnotisten reagirt. Diese That- 
sache war schon den alten Magnetiseuren sehr gut bekannt, und 
es haben auch bereits einige objective Forscher, besonders Noizet 
und Bertrand, eine Erklärung des Rapports zu geben versucht, 
Sie meinten, dass die Person einschlafe mit dem fortwährenden 
Gedanken an den Experimentator, anf ihn sei die Aufmerksamkeit 
gerichtet, und nur die Vorstellung von ihm bleibe desswegen 



132 Rapport. 

während des Schlafes lebhaft im Bewusstsein. Daher kann auch 
nur er die Suggestionen hervorbringen. Da dieselben vorzugsweise 
durch den Muskelsinn und durch das Gehör vermittelt werden, so 
ist der Rapport am deutlichsten für diese Sinne erkennbar. Ich 
hebe den Arm eines Hypnotischen in die Höhe, er bleibt in Sug- 
gestionskatalepsie stehen; eine andere Person A. will mit dem 
anderen Arm den Versuch machen, erreicht aber kein Resultat, da 
der Arm stets schlaff herabfällt (vergl. Versuch IV). A. will nun 
den kataleptischen Arm beugen, eine starre Contractur verhindert 
dies, während es mir mit grosser Leichtigkeit gelingt. Ebenso 
haben wir oben (S. 63) schon gesehen, dass bei den anscheinenden 
Eeflexcontracturen durch Eeizung der Haut nur der Hypnotist 
diesen Erfolg erzielen kann. Auch kann nach Angaben der Schule 
von Charcot nur der Hypnotist im Somnambulismus eine be- 
stehende Contractur durch einen neuen Hautreiz aufheben. Dieser 
Versuch scheint, wie erwähnt, zu beweisen, dass diese Contracturen 
nicht zu Stande kommen ohne psychische Thätigkeit. Denn wenn 
es sich nur um somatische Eeize handeln würde, so müsste jeder 
dasselbe Resultat erzielen können. Noch deutlicher werden diese 
Dinge bei der Rapportübertragung. Der einfache Befehl des Ex- 
perimentators an das Sujet genügt, um Herrn A. und B. sofort mit 
dem Sujet in Rapport zu bringen. Der Reiz, den A. und B. vor- 
her ausübten, ist aber, rein physisch betrachtet, absolut derselbe, 
den sie auch nachher ausüben, und es ist ganz unmöglich, diese 
Dinge zu verstehen, wenn man nicht zu einer psychischen Thätig- 
keit beim Erzeugen der Katalepsie und der Contracturen seine 
Zuflucht nimmt. G-anz analog liegen die Verhältnisse bei der 
Verbalsuggestion. Sagt der Experimentator, nachdem er den Arm 
hochgestellt hat: „Jetzt beugt er sich, jetzt fällt er herunter, jetzt 
streckt er sich", so tritt das Resultat sofort ein. Der Befehl 
anderer geht vollkommen verloren, wenn sie nicht durch Suggestion 
des Experimentators mit dem Sujet sich in Rapport befinden. Ganz 
ähnliche Erscheinungen wie der Rapport in Hypnose werden auch 
im spontanen Somnambulismus beobachtet (Macario). 



Alle bisher erörterten Erscheinungen dürften wohl das eine 
bereits gezeigt haben, dass von Bewusstlosigkeit x ) in der 

*) Psychologisch ist Bewusstlosigkeit ein Zustand, in dem keinerlei 
psychische Vorgänge stattfinden; im Strafgesetzbuch ist unter Bewusstlosigkeit 
Bewusstseinsstörung zu verstehen (Schwartzer, Casper, Liman). 



Keine Bewusstlosigkeit in der Hypnose. 133 

Hypnose nicht die Eede sein kann. Selbstverständlich meine ich 
den Begriff, wie er in der Psychologie aufgefasst wird. Wir 
haben gesehen, dass der Hypnotische sich in der Hypnose auch 
an Erlebnisse früherer Hypnosen erinnert. Mithin sind in diesen 
früheren Hypnosen die Eindrücke in das Bewusstsein aufgenommen. 
Amnesie nach dem Erwachen kann demnach nicht genügen, um 
von einer Bewusstlosigkeit zu reden (Forel), abgesehen davon, 
dass durch Suggestion noch vor. dem Erwachen die Amnesie aus- 
geschlossen werden kann. Diese zeitweise Amnesie ist ein all- 
täglicher Vorgang und reicht nicht hin, um desshalb im Leben eine 
Bewusstlosigkeit anzunehmen. Ich will gar nicht von den alltäglich 
ohne Aufmerksamkeit und mechanisch ausgeführten Bewegungen 
reden, deren wir uns kurz darauf nicht mehr entsinnen. Ich will 
einen ganz andern Fall nehmen, bei dem wir mit vollstem Bewusst- 
sein, mit vollster Aufmerksamkeit handeln. Ich wähle ein Beispiel 
aus meiner Erfahrung, wie es zweifellos schon jeder an sich be- 
obachtet hat. Ich nehme ein Buch, ich lege es an einen bestimmten 
Fleck in der Absicht, es hier gut zu bewahren, um es beim späteren 
Gebrauch sofort zu finden. Der Moment kommt, wo ich es brauche; 
es fällt mir aber nicht ein, wo ich es gelassen habe. Ich denke 
erfolglos nach. Erst in dem Augenblick, wo ich mich künstlich 
in jene Zeit zurückversetze (ein Mittel, das wohl jeder kennt), da 
fällt es mir ein. Dennoch habe ich trotz zeitweiser Amnesie jenes 
Buch nicht in einem bewusstlosen Zustande an einen andern Ort 
gelegt; es handelte sich vielmehr lediglich um einen andern Be- 
wusstseinszustand, in dem ich mich damals befand. Der Vorgang 
ist in mancher Beziehung analog der Hypnose, an deren Vorgänge 
mancher sich erst dann erinnert, wenn er sich in demselben Be- 
wusstseinszustand, d. h. in einer neuen Hypnose befindet. In allen 
diesen Fällen von Hypnose kann es sich also um einen bewusst- 
losen Zustand nicht handeln, da Eindrücke im Gedächtnisse bleiben. 
Man könnte aber fragen: vielleicht giebt es doch einzelne 
Zustände der Bewusstlosigkeit in der Hypnose? In Frage könnten 
meines Erachtens überhaupt nur die Formen der Lethargie kommen 
und zwar sowohl die Lethargie, die Charcot als solche beschreibt, 
als auch die Lethargie, die Bern heim als hysterische bezeichnet, 
und von der ich (S. 27) schon gesprochen habe. Was die letztere 
betrifft, so ist es wohl unbedingt nöthig, dieselbe von der Hypnose 
zu trennen ; sie hat mit den Erscheinungen der Hypnose gar nichts 
zu thun und ist jedenfalls eine extreme Seltenheit. Bei der 
Charcot'schen Lethargie liegt die Sache folgendermassen : ab- 
gesehen von den zahlreichen Fällen, die hier als Lethargie be- 



134 Keine Bewußtlosigkeit in der Hypnose. 

schrieben sind, und von denen selbst Charcots Schüler zugeben, 
dass sie mit Bewegungen, die auf Befehl erfolgen, verbunden sind, 
bleiben nur sehr wenige Fälle als der Berücksichtigung werth 
übrig. Ich bezweifle es aber, ob wirklich bei ihnen die Bewusst- 
losigkeit vorhanden ist, die Charcot angiebt. Die Fälle, die ich 
seiner Zeit in Paris gesehen habe, haben mich vom Gegentheil 
überzeugt; die Schnelligkeit, mit der diese Lethargischen, wenn 
Charcot nur ihre Augenlider berührt, in Katalepsie verfallen, 
hat in mir die Vermuthung erweckt, dass diese scheinbar bewusst- 
losen Personen mit grösster Aufmerksamkeit den Moment erwarten, 
wo sie in Katalepsie kommen sollen. Mir scheint demnach hier 
ein Zustand der Bewusstlosigkeit mehr als fraglich. Es ist dieser 
Punkt desswegen von besonderer Wichtigkeit, weil die Schüler 
Charcots behaupten, dass die in der Lethargie vorkommenden 
Erscheinungen auf dem Gebiete der Muskeln und Nerven nicht 
durch Suggestion zu Stande kämen. Die Experimentatoren nehmen 
an, dass der Zustand ein solcher der Bewusstlosigkeit sei, ohne 
es bewiesen zu haben, und es scheint aus ihren Berichten hervor- 
zugehen, dass sie in der Voraussetzung der Bewusstlosigkeit vor 
den Personen Aeusserungen über die Versuche nicht absolut ver- 
mieden. Selbstverständlich verlieren diese dadurch an Beweiskraft. 

Auch die (S. 54) erwähnten Zustände, bei denen auf Fragen 
und Befehle keinerlei Eeaction erfolgt, beweisen keine Bewusst- 
losigkeit; denn 1) kann man durch entsprechende Eingebungen 
posthypnotische Suggestionen machen, die sich realisiren, was 
beweist, dass Bewusstsein vorhanden war; 2) aber erwachen diese 
Leute sofort, sobald man ihnen die enstprechende Aufforderung 
ertheilt (Bernheim); dies beweist gleichfalls, dass Bewusstsein 
vorhanden war. 

Dies ist offenbar auch der Fall bei der Patientin von v.Kra fft- 
Ebing. Dieselbe sitzt vollkommen ruhig da, so lange sie sich 
selbst überlassen ist. „Wie eine Statue", sagt v. Krafft-Ebing; 
„bei noch so langer Beobachtung zeigen sich weder mimisch noch 
sonst motorisch irgend welche Spuren psychischer spontaner Vor- 
gänge." Und doch können wir, meine ich, nicht sagen, dass in 
dieser Person jede Aeusserung des Bewusssteins fehle. Gerade die 
Schnelligkeit, mit der sie auf Suggestionen des Experimentators 
reagirt, während sie in andern Fällen bei genau denselben Sinnes- 
reizen passiv bleibt, scheint doch darauf hinzuweisen, dass die 
Gedanken der Person, wenn auch in einem traumbewussten Zu- 
stande, dem Experimentator zugewendet sind, dass die Vorstellung 
von diesem in dem Bewusstsein der Hypnotisirten sich befindet. 



Willensherabsetzung ohne sonstige Bewusstseinsstörung. 135 

Andere geistige Vorgänge scheinen allerdings in der Person nicht 
stattzufinden. 

Wir können demnach meiner Ansicht nach niemals in der 
Hypnose von Bewusstlosigkeit reden, und es ist ein Irrthum, wenn 
mancher meint, dass der Hypnotische gewöhnlich bewusstlos sei; 
eine Bewusstlosigkeit, wie in einer Ohnmacht, findet in der Hypnose 
niemals statt. 

Dürfen wir demnach von einer Bewusstlosigkeit nicht sprechen, 
so müssen wir doch in der Hypnose eine Bewusstseinsstörung an- 
nehmen. Denn eine solche ist es sicher, wenn jemand Dinge zu 
sehen glaubt, die nicht da sind, wenn jemand Gegenstände nicht 
sieht, die vorhanden sind. Eine vollkommene Störung des Selbst- 
bewusstseins ist es, wenn ein 40 jähriger Mann glaubt, er sei 10 
Jahr alt, oder er sei ein anderes Individuum. Derartige Er- 
scheinungen finden wir stets in der zweiten Gruppe der Hypnosen ; 
wir müssen mithin hier eine erhebliche Bewusstseinsstörung an- 
nehmen. Dass nun hierbei der Wille gleichfalls nicht intact ist, 
brauche ich kaum zu erwähnen, da ohne normales Bewusstsein 
ein freier Wille nicht denkbar ist. Etwas anders liegt die Sache 
in der ersten Gruppe der Hypnosen. Wir müssen diese Zustände 
als eine Herabsetzung der äusseren Willensthätigkeit 1 ) auffassen, 
d. h. als eine Störung der willkürlichen Bewegungen ; eine sonstige 
Bewusstseinsstörung findet hier nicht statt. Die Person weiss ganz 
genau, wo sie ist, sie weiss, was man mit ihr macht, sie führt auf 
Befehl Bewegungen aus, weil sie sie nicht verhindern kann, ihre 
Glieder sind auf Befehl gelähmt. Man kann suggestiv eine voll- 
kommene Katalepsie hervorbringen, und doch giebt sich die Person 
von allem Rechenschaft, was vorgeht. Einige Versuchspersonen 
Hack Tukes, z. B. North, Physiologe in London, geben nach 
der Hypnose sehr schöne Auskunft über die während des Versuches 
bei ihnen auftretende Willenshemmung, die sie zu jedem Wider- 
stand unfähig machte bei sonst erhaltenem Bewusstsein. 



Es ist aber trotzdem ein grosser Irrthum zu glauben, dass der 
Hypnotisirte ein willenloser Automat sei, den der Experimentator 



J ) Die Willensthätigkeit zerfällt in zwei Arten, 1) die innere; sie zeigt sich 
darin, dass man willkürlich gewisse Vorstellungen, Erinnerungsbilder etc. er- 
wecken kann, 2) die äussere; sie zeigt sich in den äusseren Bewegungen, die 
vom Willen abhängig sind. 



^3ß "Widerstand gegen Suggestionen. 

nur in Bewegung zu setzen brauche. Im Gegentheil; der eigne 
Wille der Person äussert sich in mannigfaltigster Weise, und es 
ist selbstverständlich die Voraussetzung dieser Aeusserung des 
Willens, dass auch Bewusstsein vorhanden ist; denn ohne Bewusst- 
sein giebt es keinen Willen, wenigstens nicht in dem Sinne, den 
ich hier berücksichtige. Wir werden nun im Folgenden uns an- 
sehen, wie sich der Wille der Hypnotischen äussern kann. Wir 
können selbstverständlich hier sehr complicirte Bilder treffen, da 
der Wille zwar stets herabgesetzt, andererseits aber nicht aus- 
geschaltet ist. 

Nicht selten zeigt sich die Willensherabsetzung lediglich in 
einer Verlangsamung der Bewegungen. Jede einzelne Be- 
wegung kann hierbei ausgeführt werden, es dauert aber länger, 
als unter normalen Verhältnissen, bis der Hypnotische hierzu im 
Stande ist. Der Unerfahrene ist leicht geneigt, diese Dinge zu 
übersehen, die Hypnose zu verkennen; er glaubt meistens, dass 
sich der Experimentator täusche, wenn er diesen Zustand als Hyp- 
nose bezeichnet, Dass ferner bei vielen Personen nur bestimmte 
Muskeln durch die Suggestion beherrscht werden können, sahen 
wir schon (S. 47). In vielen Fällen ist es aber auch nöthig, die 
Suggestion oft zu wiederholen, ehe sie gelingt. Eine Person 
kann z. B. trotz des Verbotes des Hypnotischen sehr gut den Arm 
heben ; wird aber die Suggestion mehrere Male gegeben, dann wird 
die Hebung des Armes schliesslich unmöglich. Hier haben wir 
also schon Beispiele, wie sich der Widerstand gegen Sug- 
gestionen äussert. 

Psychologisch sind übrigens von dem grössten Interesse die- 
jenigen Willensäusserungen, die aus dem Charakter des Hypnotischen 
hervorgehen. Je mehr eine Handlung seinem Charakter wider- 
spricht (Forel), um so stärker ist der Widerstand, den der Hyp- 
notische ihr entgegensetzt. Die Gewohnheit und Erziehung spielen 
hier eine grosse Rolle; es ist im allgemeinen am schwersten 
jemandem erfolgreich etwas zu suggeriren, was mit lange ein- 
geübten und eingewurzelten Gewohnheiten in Widerspruch steht. 
So wird man z. B. auch einem gläubigen Katholiken vieles 
suggeriren können ; sobald aber etwas mit seinen Dogmen in Wider- 
spruch steht, wird es abgelehnt. Auch die Umgebung spielt hier 
eine Rolle. Suggestionen, die dem Hypnotischen ein gewisses 
lächerliches Aussehen gewähren, lehnt derselbe öfter ab, als andere. 
Eine weibliche Person, der ich mit Leichtigkeit verschiedene 
kataleptische Stellungen gebe und verschiedene andere Bewegungen 
suggerire, kann ich auf keine Weise dazu bringen, einem der An- 



Widerstand gegen Suggestionen. 137 

wesenden die Zunge heraus zu strecken. In einem anderen Fall 
wiederum gelingt mir dies wohl, aber erst, nachdem ich die Sug- 
gestion öfter wiederholt habe. 

Die Art, wie die Suggestion gegeben wird, ist von Einfluss. 
Bei einigen muss man sie oft wiederholen, ehe sie wirkt, andere 
Hypnotische deuten die häufige Wiederholung der Suggestion für 
ein Zeichen von Schwäche des Experimentators und eigener Wider- 
standsfähigkeit. Es ist eben nöthig, in allen Fällen genau zu in- 
dividualisiren. Oft gelingt es leichter, dadurch eine Handlung zu 
erzwingen, dass man die einzelnen Bewegungen suggerirt, anstatt 
die ganze Handlung als solche zu verlangen (Bleuler). Will 
man jemanden z. B. zwingen, ein Buch vom Tisch zu holen, so 
suggerire man der Reihe nach das Erheben, dann dass sich ein 
Bein vor das andere setze u. s. w. (Bleuler). 

Die Art, wie sich der Widerstand äussert, ist mitunter sehr 
interessant zu beobachten, sowohl bei hypnotischen wie bei post- 
hypnotischen Suggestionen. Beaunis hat beobachtet, dass hyste- 
rische Anfälle als Antwort auf widerstrebende Befehle erfolgen 
können. Ich selbst habe das interessante Phänomen beobachtet, 
dass Hypnotisirte geweckt zu werden verlangen, wenn ihnen eine 
Suggestion nicht convenirt. 

Ganz derselbe Widerstand wird auch mitunter geleistet, wenn 
es sich um eine posthypnotische Suggestion handelt. Es liegt 
dann die Möglichkeit vor, dass der Hypnotiker in der Hypnose 
selbst die Annahme der Suggestion ablehnt. Viele führen nur 
diejenige Suggestion postlrypnotisch aus, deren Ausführung sie 
durch bejahende Antwort versprochen haben (Pierre Jan et). 
Pitres erzählt einen interessanten Fall, wo ein hypnotisirtes 
Mädchen sich von ihm nicht wecken liess, nachdem er ihr die 
Suggestion gegeben, dass sie nach dem Erwachen nicht würde 
sprechen können. Sie erklärte ausdrücklich, dass sie nicht auf- 
wache, bevor er ihr nicht die Eingebung genommen habe. Aber 
selbst wenn die Suggestion als solche angenommen ist, so findet 
bei der Ausführung sehr oft posthypnotisch eine deutliche Aeusserung 
des Widerstandes statt. Dieser kann sich sowohl in einem langen 
Zögern, bis die Handlung ausgeführt wird, zu erkennen geben, als 
auch in einem vollständigen Ablehnen derselben. Je mehr sie 
dem Charakter widerspricht, um so eher wird sie unterlassen. Um 
Personen leichter posthypnotische Suggestionen ausführen zu lassen, 
ist es gut, einen äussern Beiz zu wählen, der die Idee der Sug- 
gestion immer wieder lebhaft in Erinnerung bringt: Herr X. er- 
hält die posthypnotische Suggestion, zu einem der Anwesenden 



138 Ueber windung des Widerstandes. 

„Schafskopf zu sagen, sobald die Uhr schlage. X. thut dies nicht; 
in dem Augenblick, wo die Uhr schlägt, taucht zwar die Idee in 
ihm auf, aber die Realisirung lehnt er ab. Wähle ich nun statt 
des Schiagens der Uhr einen anderen Reiz, der die Idee wachruft, 
und der vermöge seiner Dauer die Idee nicht schwinden lässt, so 
gelingt es mir, den gewünschten Erfolg zu erzielen. Die erwähnte 
Suggestion z. B. realisirt sich, wenn ich dem Betreffenden sage: 
„Sie werden nach dem Erwachen, sobald ich meine Hände aneinander 
reibe, zu jenem Herrn „Schafskopf sagen". Nach X.s Erwachen 
reibe ich die Hände aneinander ; sofort taucht die Idee in ihm auf; 
er bekämpft sie eine Zeitlang mit Erfolg. Ich reibe jedoch meine 
Hände immer weiter aneinander, länger als eine Minute; dadurch 
wird der Widerstand von X. immer schwächer, und schliesslich 
wird die Suggestion ausgeführt. 

In andern Fällen ist es gut, sobald ein Widerstand gegen eine 
befohlene Handlung entgegengesetzt wird, eine falsche Prä- 
misse zu suggeriren (wie ich S. 128 bei der Verstandesthätigkeit 
schon erwähnte), auf Grund deren der Befehl leichter befolgt 
wird. Ich will ein Beispiel von Liegeois wählen. Es soll 
jemand zu dem Diebstahle einer Uhr veranlasst werden; er weigert 
sich. Als ihm aber dargestellt wird, dass es seine eigene Uhr 
sei, die er sich nur wiedernehmen solle, führt er den Befehl sofort 
aus. Oder man sagt, dass die Gesetze geändert seien, dass dies 
nicht mehr strafbar sei u. s. w. 

Es giebt eine Anzahl Fälle, wo bei posthypnotischer Suggestion 
die suggerirte Handlung nicht ausgeführt wird. Aber die Idee 
und der Drang, sie auszuführen, ist so mächtig, dass die Versuchs- 
person ihn noch lange Zeit empfindet (Forel). Dieser Drang 
weicht oft erst dann, wenn entweder die Handlung ausgeführt ist, 
oder die Suggestion entfernt ist. 

Das, was ich bisher auseinandergesetzt habe, bezieht sich 
nicht ausschliesslich auf Bewegungen und Handlungen, sondern 
auch auf die Sinnestäuschungen, obgleich auffallender Weise tief 
Hypnotisirte oft Sinnestäuschungen weniger Widerstand entgegen- 
setzen, als Bewegungen und Handlungen. Ich habe dennoch öfter 
gesehen, dass unangenehme oder unwahrscheinliche Sinnes- 
täuschungen nicht angenommen wurden, während die entgegen- 
gesetzten reussirten. Man sieht hierbei geradezu, wie sehr das 
Bewusstsein und auch der Wille ihren Einfluss üben; sie siegen 
in einer ganzen Reihe von Fällen über die Macht des Experi- 
mentators. Bei einer 41jährigen Versuchsperson X. beispielsweise sah 
ich den Willen in folgender Weise sich äussern: ich sage X.: „Sie 



Unbeabsichtigte Vermehrung des Widerstandes. 139 

sind jetzt 13 Jahr alt." „Nein, ich bin 41 Jahr," ist die Antwort. 
Sofort nimmt die Person aber die Suggestion an, 12 oder 14 Jahr 
alt zu sein. Es ist jedoch ganz unmöglich für mich, ihr die 
Suggestion einzugeben, dass sie 13 Jahr alt sei; sie lehnt dies ab. 
Die Person ist abergläubisch und fürchtet sich auch sonst vor der 
Zahl 13 ; sie motivirt ihren Widerstand gegen die Suggestion damit, 
dass 13 eine Unglückszahl sei; sie wolle desshalb nicht 13 Jahr 
alt sein. 

Man kann den Widerstand mitunter unbewusst erhöhen, auch 
ohne es zu beachten, lediglich durch den Ton, in dem man spricht, 
Font an und Segard heben ganz richtig hervor, dass z.B. bei 
mancher Hypnose der Ton, in dem man spricht, die Hypnose 
beenden oder bestehen lassen kann. Sagt man dem Hypnotischen: 
„Suchen Sie die Augen zu öffnen, sie sind festgeschlossen, es ist 
Ihnen unmöglich, sie zu öffnen," so kann die Art der Betonung 
den Erfolg ändern. Wird mehr betont, dass das Sujet die Augen 
öffnen soll und sich Mühe geben soll, so wird die entgegenstehende 
Suggestion leichter überwunden, wie wenn man die Unmöglichkeit 
des Oeffhens stärker hervorhebt. Ganz dasselbe würde z. B. in 
folgendem Versuche statt haben. Ich sage zu jemandem: „Ver- 
suchen Sie den Arm zu heben, Sie können ihn nicht heben," er 
bleibt bewegungslos; jener ist sicherlich bis zu einem gewissen 
Grade beeinflusst, wenn er auch nachher glaubt, dass er zu Gefallen 
handelte. Füge ich nun aber noch in möglichst aufforderndem 
Tone hinzu: „Strengen Sie sich nach Möglichkeit an, setzen Sie 
alles daran, den Arm zu heben," so tritt plötzlich freie Bewegung 
ein. Gerade diese Zustände zeigen mit grosser Deutlichkeit die 
allmählichen Uebergänge von den leichtesten Graden bis zu den 
tiefsten. Hier ist ein Mann, dessen Arm ich hochhebe; der Arm 
bleibt in der Luft stehen, so lange ich nichts zu dem Manne sage. 
Sobald ich ihm sage, er solle versuchen, den Arm zu senken, es 
würde ihm nicht gelingen, thut er dies dennoch, wenn auch an- 
fänglich mit einer gewissen Steifheit. Schon daran lässt sich er- 
kennen, dass der Zustand kein ganz normaler war. Die Sache lag 
hier, wie in vielen anderen Fällen so, dass der Betreffende ganz 
passiv den Arm stehen lässt, wie man ihm anordnet; er strengt 
seinen Willen weder dafür noch wesentlich dagegen an. In dem 
Moment aber, wo ich durch jene Verbalsuggestion ihn zu einer 
Willensanstrengung veranlasse, thut er dies und zeigt dabei, dass 
-er mit derselben meinem Befehle entgegen handeln kann, wenn 
-auch die verlangsamte Bewegung deutlich zeigt, dass der Mann 
beeinflusst war. Ganz ähnlich liegt die Sache mit den fort- 



140 Selbstbeurtheilung Hypnotisirter. 

gesetzten Bewegungen, die bald ohne jeden Willensact passiv ge- 
macht werden, bald aber selbst mit der stärksten Willens- 
anstrengung nicht inhibirt werden können, wie ich oben (S. 53) 
auseinandersetzte. 

Manche Personen zeigen zeitweise wesentliche Schwankungen 
in der Suggestibilität. Der eine, X., erklärt jetzt, sein Name sei 
Moll, thut, was ich befehle; unmittelbar darauf ist er ganz sein 
eigener Herr, ohne dass eine bestimmte sichtbare Veranlassung* 
vorliegt, Er giebt nachher an, was auch andere sagen, dass er 
deutlich in sich zwei Willen spüre; der eine bekämpfe den andern, 
bald sei der eine, bald der andere siegreich. 

Einen anderen Beweis dafür, dass sie einen gewissen Grad von 
Bewusstsein haben, liefern uns die Hypnotisirten auch dadurch, 
dass sie gewöhnlich das Bewusstsein haben, dass sie schlafen, resp. 
dass sie in einem veränderten Zustande sind (Rieh et, Pierre 
J a n e t). Es kommt dies mitunter auch im gewöhnlichen Schlaf sehr 
deutlich vor. Während wir träumen, haben wir zuweilen das Be- 
wusstsein, dass wir schlafen, dass das ganze nur ein Traum ist. 
Dieses Bewusstsein zu schlafen empfinden fast alle Hypnotisirte 
der zweiten Gruppe, und es ist in der That merkwürdig, zu sehen, 
wie auf die Frage, ob sie schlafen oder wachen, fast stets die 
richtige Antwort ertheilt wird. Wenn, wie es beim Erwachen 
gelegentlich sich findet, dieses nur unvollkommen ist, dann er- 
klären sie auch sehr richtig, dass sie noch etwas schlafen, dass 
sie noch nicht ganz erwacht sind. Gewöhnlich kann man dann in 
der That die noch bestehende Suggestibilität feststellen. Davon, 
dass die Hypnotisirten mitunter geweckt zu werden verlangen, 
wenn sie sich irgendwie in der Hypnose nicht wohl fühlen, wenn 
es sich z. B. um unangenehme Suggestionen handelt, habe ich schon 
gesprochen. 

Hier betone ich noch, dass viele Hypnotisirte das Bewusstsein 
des Anderskönnens haben. Ich sage einem Hypnotischen X.: „Sie 
können Ihren Arm nicht heben!" „Doch, ich kann ihn heben/' ist 
die Antwort. Der Versuch zeigt, dass X. Recht hat. Aber auch 
das Umgekehrte findet statt; die Versuchsperson erkennt oft ganz 
genau den Augenblick, wann ihre Widerstandsfähigkeit zu Ende 
ist, und sie den Eingebungen gehorchen muss, wann sie nicht mehr 
anders handeln kann. Nach einiger Zeit giebt X. an, dass es 
soweit sei; „jetzt ist," sagt er, „die Hypnose tief genug". Einer 
öfters von mir hypnotisirten 30jährigen Person sage ich, nachdem 
sie sich empfänglich erwiesen für Hallucinationen : „Sie sind jetzt 
ein kleines Kind!" Ich erhalte die Antwort: „Es ist noch nicht 



Unbestimmte Suggestionen. 141 

so weit, Sie müssen noch etwas warten." Auf meine Frage erklärt 
die Person nach einiger Zeit, dass es jetzt soweit sei. Dieses 
Gefühl des mangelnden Willens und der erhöhten Suggestibilität 
haben sehr viele auch in tiefer Hypnose; sie sagen oft genau den 
Moment, wo die Suggestionen gelingen, wo nicht. 

Noch in anderer Weise kann sich Bewusstsein und Wille 
des Hypnotischen äussern, nämlich bei den unbestimmten 
Suggestionen (Suggestions indeterminees, wie sie Beaunis 
nennt). Dieselben bestehen darin, dass man nicht eine concrete 
Handlung anbefiehlt, sondern in einer gewissen Gruppe den Sujets 
die Wahl lässt. Hier ist ein Herr, der an einem starken Bronchial- 
katarrh leidet. Ich sage ihm in Hypnose, er solle irgend eine 
Handlung ausführen, die für seine Gesundheit zuträglich sei; sofort 
steht er auf, geht zu seiner Schachtel mit Catechu, um sich einiges 
herauszunehmen. Einem anderen Hypnotischen sage ich, während 
wir abends im Zimmer zusammensitzen, er solle eine recht thörichte 
Handlung nach dem Erwachen ausführen; er erwacht und pustet 
die Lampe aus. Es geht also hieraus hervor, dass der Betreffende 
ein gewisses Mass von eigener Ueberlegungsfähigkeit besass. 

Wenn auch die vorangegangenen Beispiele zeigen, dass in der 
Hypnose von einer vollkommenen Willenlosigkeit kaum je die Eede 
ist, so erhielt dabei doch der Wille irgend einen Anstoss von 
aussen. Sehen wir uns nun aber um, ob es nicht in der Hypnose 
eine Spontaneität, eine selbstständige Gedanken- und Willens- 
thätigkeit ohne äusseren Anstoss giebt. Die Frage ist sicherlich 
mit „ja" zu beantworten für die erste Gruppe der Hypnosen. Es 
würde sich hier lediglich um die tieferen Hypnosen handeln. 
Baillif, Obersteiner und andere beschreiben hier selbständige 
Hallucinationen, die ohne Fremdsuggestion auftreten. Doch wird 
die Frage einigermassen dadurch erschwert, dass wir nicht immer 
im Stande sind, äussere Eeize auszuschliessen, die auch im Schlaf 
sehr viele Träume hervorrufen. Hier ist ein von mir Hypnotisirter, 
plötzlich springt er ohne Suggestion meinerseits auf und behauptet, 
er hätte einen tollen Hund gesehen und gehört. Als Ursache 
stellte sich das unabsichtliche Knarren mit den Stiefeln seitens 
eines Anwesenden heraus. Ich hatte es gar nicht beachtet; so oft 
es sich aber wiederholte, kam stets dasselbe Eesultat zu Stande. 
Es handelte sich also hier um einen Gehörseindruck, den das Sujet 
falsch auffasste, und der nun einen bestimmten Gedankengang in 
demselben bewirkte. Aehnliche Erscheinungen sah ich nicht selten 
bei impressionablen und lebhaften Personen. 

Aber auch ohne Suggestion, und ohne dass ich im Stande war, 



242 Spontaneität in der Hypnose. 

Sinnesreize nachzuweisen, fand icli in der tiefsten Hypnose spontane 
Hallucinationen und Handlungen. Besonders waren es Vorkommnisse, 
die schon während des Wachens den Betreifenden lebhaft beschäftigt 
hatten, die auch während der Hypnose ihre Wirkung hatten. Einer 
z. B. erzählte mir Anekdoten, die er im Laufe der letzten Tage 
anderweitig gehört hatte. Solange er diese auf dem Herzen hatte, 
waren Experimente mit ihm gar nicht anzustellen; er fühlte sich 
hierbei ebenso unbehaglich, wie mancher Gesellschafter, der sich 
erst dann wohl fühlt, wenn er seinen ganzen Schatz von Anekdoten 
abgeladen hat, Dass es sich in diesen und in ähnlichen Fällen, 
die ich gesehen habe, um eine selbständige Thätigkeit handelt, 
glaube ich desswegen annehmen zu müssen, weil ich irgend einen 
äusseren Reiz hierbei nicht auffinden konnte. Natürlich bin ich 
nicht im Stande, mathematisch nachzuweisen, dass jene spontanen 
Handlungen ohne jeden äusseren Anstoss erfolgten. Denn dieser 
konnte irgend ein überhörtes Geräusch sein, und selbst die leichte 
Reibung der Haut durch die Kleider kann als äusserer Reiz schon 
gelten, der die betreffenden anscheinend selbständigen Handlungen 
bewirkt. Ich glaube es nicht, und auf mich hat es vielmehr den 
Eindruck gemacht, dass auch tief Hypnotisirte oft einen selb- 
ständigen Gedankengang haben. Ich will noch bemerken, dass 
Durand de Gros sogar eine Eintheilung der Somnambulen in 
solche mit und solche ohne Spontaneität machte. 



Absichtlich habe ich es bisher vermieden, allzusehr auf die 
Uebergangsform en einzugehen. Doch will ich jetzt noch einiges 
•davon sagen, da gewisse Uebergangszustände psychologisch sowohl 
wie wegen der Simulationsfrage von Wichtigkeit sind, jzumal sie 
auch ausserordentlich häufig vorkommen. Es ist ein hypnotisirter 
Herr hier, der auf meinen Befehl hin alle Bewegungen macht, die 
ich wünsche. Ich sage ihm : „Essen Sie dieses Beafsteak", er führt 
alle nöthigen Bewegungen mit den Händen und dem Munde aus. 
Ich sage ihm: „Stossen Sie doch den Hund hier weg", sofort ent- 
steht die betreffende Bewegung mit den Beinen. Und dennoch 
handelt es sich hierbei nur um suggerirte Bewegungen, während 
der Betreffende keineswegs an die Realität des Beafsteaks oder 
des Hundes glaubt, oder dieselben sieht. Es ist mithin dieser Fall 
zur ersten Gruppe der Hypnosen zu rechnen. Um die Erscheinungen 
richtig zu beurtheilen, haben wir zwei Wege: erstens die Be- 



Zwangsbewegungen ohne Sinnestäuschung. 143 

obachtimg des Versuches und zweitens die spätere Erinnerung des 
Hypnotisirten. Was zunächst die letztere betrifft, so sagt mir der- 
selbe, sobald ich ihn geweckt habe: „Ich wusste ganz genau, dass 
weder ein Hund, noch ein Beafsteak da war, ich sah nichts davon; 
indessen musste ich die anbefohlenen Bewegungen machen, ich 
konnte sie nicht unterlassen, trotzdem ich mir bewusst war, eine 
ganz lächerliche Rolle zu spielen." Wir haben hier also einen 
Fall von Willensherabsetzung bei sonst erhaltenem Bewusstsein. 
Dies wird uns auch deutlich bei genauerer Betrachtung der Ver- 
suchsperson während der Hypnose. Die Bewegungen erfolgen nicht 
mit der Schnelligkeit, die eine Hallucination hervorbringen würde ; 
sie haben vielmehr einen deutlich zwangsmässigen Charakter. Man 
sieht auch in dem Mienenspiel nichts, was auf eine Hallucination 
hinwiese. Der Hypnotische lacht nicht selten gleichzeitig, während 
er die unsinnige Bewegung ausführt, über dieselbe; er macht ent- 
sprechende Aeusserungen, wie z. B.: „Hier ist kein Beafsteak", 
schüttelt auch wohl mit dem Kopf. Dies alles kann darüber nicht 
den mindesten Zweifel lassen, dass es sich hier um eine Sinnes- 
täuschung nicht handelt. 

In anderen Fällen wiederum ist das Sujet so passiv, dass es 
alles ohne Widerstand thut, was der Experimentator ihm befiehlt, 
Auf jede Sinnestäuschung, die man ihm suggerirt, antwortet es ,ja"; 
es ist dies ein Zeichen seiner Passivität, die zu gross ist, um die 
Sinnestäuschung selbst zu acceptiren. Es wird auch z. B. durch 
die Versicherung, es sei ein Tiger da, in seinem Handeln gar nicht 
beeinflusst, flieht nicht, ist nicht erschreckt, antwortet aber, es sehe 
den Tiger. Hier wird also nicht die Sinnestäuschung, sondern nur 
die bejahende Antwort suggerirt, wie auch die spätere Erinnerung 
zeigt. Die Person giebt später an, dass sie nur „ja" gesagt habe, 
weil es ihr bequemer gewesen sei, dass sie aber einen Tiger nicht 
bemerkt habe. 

Liegt somit hier die Sache ziemlich klar, so können in anderen 
Fällen erheblichere Schwierigkeiten entstehen. Sie können ihren 
Grund darin haben, dass die Bewegungen selbst zum Auftreten von 
Sinnestäuschungen führen; es beruht dies auf dem bekannten 
Wechselverhältnisse von Bewegung und Vorstellung. Dass Vor- 
stellungen im Stande sind, bestimmte Bewegungen hervorzurufen, 
sowohl im wachen Leben, als in der Hypnose, haben wir bereits 
kennen gelernt. Hier handelt es sich darum, zu zeigen, wie um- 
gekehrt durch bestimmte Bewegungen bestimmte seelische Vorgänge 
auftreten (Dugald Stewart, Gratiolet). Um zunächst einen ge- 
wöhnlichen Fall aus dem Leben zu greifen, erwähne ich Folgendes: 



144 Suggestions d'attitude. 

man nimmt eine Stellung ein, die der des Zornes entspricht; sehr 
leicht entsteht dabei auch der Affect des Zornes, und es tritt dies 
noch deutlicher dann hervor, wenn die Sprache zu Hilfe genommen 
wird; dass Leute dadurch sich in Zorn reden können, ist bekannt. 
Wir haben hiermit einen Fall, wo ein besonderer psychischer 
Zustand durch Bewegungen bestimmter Muskeln im Körper, be- 
sonders auch durch das Sprechen, entsteht. Etwas ganz Aehnliches 
finden wir nun in der Hypnose. Hierauf beruhen die von Braid 
und Charcot beobachteten Suggestionen durch den Muskelsinn 
(Suggestions d'attitude oder Suggestions par attitude): hebt man 
die Arme einer hypnotisirten Person so in die Höhe, wie sie etwa 
beim Beten sich befinden, so tritt auch ein religiöser Gesichts- 
ausdruck hervor. Charcot zeigt mit Vorliebe Folgendes: bringt 
man die Hand einer Hypnotischen an den Mund, wie wenn sie einen 
Handkuss zuwerfen wollte, so entsteht ein Lächeln. Schliesst man 
die Faust und bringt den Arm in die Stellung des Zornes, so ent- 
steht ein zorniger Gesichtsausdruck. Charcot und Ei eher be- 
haupteten, dass auch das Umgekehrte der Fall sei. Reizt man 
z. B. mit dem faradischen Strom die Lachmuskeln, so dass ein 
lachender Gesichtsausdruck entsteht, so entsteht dieselbe Hand- 
bewegung wie beim Handkuss. Reizt man mit dem faradischen 
Strom diejenigen Muskeln des Gesichtes, die den Ausdruck des 
Zornes vermitteln, so nimmt nach Charcot auch der Arm die 
Haltung an, wie beim Zornausbruch. Dass diese Art Suggestionen 
übrigens zum grossen Theil eine Sache der Dressur sind, glaube 
ich mit Sicherheit behaupten zu können. 

Man kann aber die Bewegungen als ein Hilfsmittel, um Sinnes- 
täuschungen leichter gelingen zu lassen, mit Vortheil benutzen, und 
zwar dadurch, dass die Bewegungen einen Einfluss auf die Vor- 
stellungen ausüben. Ich gebe einem Hypnotischen angeblich ein 
Glas mit sehr bitterem Liqueur in die Hand. Jener antwortet, 
dass da kein Liqueur sei, seine Hand sei leer. Ohne mich an 
diese Einrede zu kehren, lasse ich die Hand durch Suggestion an 
den Mund herangehen, damit die Person den Liqueur trinke. Nur 
langsam und zögernd gehorcht die Person; sobald die Hand am 
Mund ist, finden Trinkbewegungen statt und gleichzeitig deutlich 
der Gesichtsausdruck eines unangenehmen Geschmackes. Auf meine 
Frage an die Person, was sie denn habe, antwortet sie, sie hätte 
einen bitteren Geschmack in dem Munde, sie hätte eben etwas 
Bitteres getrunken. Hier hat mithin anfangs volle Erkenntniss 
dafür bestanden, dass keinerlei Liqueur der Person gegeben sei; 
während der zwangsmässig ausgeführten Bewegung kam aber die 



Hervorrufung von Sinnestäuschungen durch Bewegungen. 14 5 

Suggestion zur Geltung, nachdem ohne diese Bewegung eine Wirkung 
nicht erzielt werden konnte. In einem anderen Falle Hess ich 
einen Hypnotisirten Fingerbewegungen wie beim Klavierspiel 
machen; gleichzeitig suggerire ich ihm, dass er Klavier spiele. 
Dies glaubt er nicht, setzt aber die Fingerbewegungen fort. 
Während er dies thut, tritt allmählig die Idee des Klavierspielens 
wirklich in ihm auf; und schliesslich macht er die Bewegungen in 
dem festen Glauben, Klavier zu spielen. Ich habe mehrfach gesehen, 
dass auf diese Weise durch begleitende Bewegungen Sinnes- 
täuschungen leichter hervorgebracht werden können, als mit der 
einfachen Verbalsuggestion, und ich möchte dieses Mittel in geeigneten 
Fällen zur Vertiefung der Hypnose empfehlen, wie ich selbst es 
hierzu mehrfach mit Erfolg angewendet habe. Sehr oft ist der 
Moment, wo die Sinnestäuschung eintritt, gar nicht festzustellen; ob 
diese schon wirklich vorhanden ist, oder ob noch zwangsmässig 
ausgeführte Bewegungen vorliegen, ist dann nicht zu entscheiden. 
Nichtsdestoweniger sind diese das Mittel, um jene zu erreichen. 

Besonders eignet sich hierzu auch der Einfluss der Sprache. 
Man lasse Personen, die nicht glauben, dass sie in einer bestimmten 
suggerirten Situation sich befinden, eine Zeitlang durch Suggestion 
so sprechen, als ob dies der Fall wäre. Die Sprache beherrscht 
man viel leichter, als die Sinneswahrnehmungen. Hierher gehört 
auch der folgende Fall: ich sage einer Person, sie solle den schönen 
Baum ansehen; sie glaubt nicht an dessen Existenz und antwortet 
auf meine Frage, ob sie den schönen Baum sehe, stets „nein". 
Mehrere nickende Bewegungen mit ihrem Kopf, die ich mache, 
rufen bei ihr allmälig die bejahende Antwort hervor, und es wird 
schliesslich diese ertheilt. Gleichzeitig treten aber auch alle 
Erscheinungen der Hallucination auf, die nun angenommen ist. 

Uebrigens kann, während die Sinnestäuschung schon besteht, 
eine Correctur derselben durch das Bewusstsein oder vielmehr 
durch das logische Denken stattfinden, wie ich (S. 128) schon 
hervorgehoben habe. Wenn dadurch auch die Sinnestäuschung 
oft schneller verschwindet, so kann in anderen Fällen sie selbst 
lange Zeit bestehen, trotzdem eine Correctur derselben durch den 
Verstand bewirkt wird. Ist die Correctur eine vollkommene, so 
werden auch die Folgen der Sinnestäuschung nicht hervortreten, 
es wird diese einen Einfluss auf das Handeln nicht erlangen. 
Dennoch besteht die Sinnestäuschung in voller Lebendigkeit. Ich 
bitte einen Herrn, bevor ich ihn hypnotisire, er solle mir irgend 
etwas nennen, was seiner Ansicht nach unmöglich in mein Zimmer 
kommen könne. Er antwortet mir, dass er nie glauben würde, 

Moll, Hypnotismus. 10 



146 Unvollkommene Sinnestäuschungen. 

dass in meinem Zimmer sich eine Eule befände. In der nun 
folgenden Hypnose mache ich ihm die posthypnotische Suggestion, 
dass in meinem Zimmer eine Eule sich befinden werde. Er erwacht 
und erklärt, deutlich die Eule zu sehen; sie sei mit dem Fuss an- 
gekettet; der Herr beschreibt genau das Aussehen. Trotzdem er genau 
weiss und dies auch erklärt, dass die Eule nur eine Sinnestäuschung 
sei, so ist ihm das Bild derselben so lebhaft, dass er fast zögert, 
seinen Finger auf die Stelle zu legen, an die er den Vogel projicirt. 
Es ist nicht immer leicht, genau den psychischen Zustand des 
Hypnotischen zu erkennen, zumal bei Suggestion von Sinnes- 
täuschungen. Denn es ist eben keineswegs nothwendig, dass eine 
Sinnestäuschung das Bewusstsein ganz und gar beherrsche. Wenn 
in vielen Fällen alles Denken und Handeln von der Sinnestäuschung 
abhängig ist, so können doch in anderen Fällen die Folgen mehr 
unvollkommen sein. Die meisten, glaube ich sogar, behalten, 
während die Täuschung besteht, ein dunkles Bewusstsein davon, 
dass es sich nur um eine fictive Situation und nicht um die Wirk- 
lichheit handelt. Nehmen wir ein Beispiel, um dies zu sehen. 
Ich gebe einem Hypnotischen ein, er sei in der Schlacht und solle 
kämpfen. Sofort beginnt er einen imaginären Kampf; er schlägt 
mit den Händen herum, aber immer nur in die Luft. Als ich ein 
Tuch auf dem Tische zum Feinde machte, wurde auf das Tuch 
losgeschlagen. Ich mache durch eine neue Suggestion eine an- 
wesende Person zum Feinde; bei der Fortsetzung des Kampfes 
hütet sich der Hypnotische sehr wohl, diese Person zu treffen. 
Selbstverständlich wird mancher hierbei an Simulation denken, 
und ich will nicht leugnen, dass auch ich anfangs dazu geneigt 
war. Indessen hat mich die Wiederholung ähnlicher Versuche 
schliesslich zu der Ueberzeugung gebracht, dass es sich hierbei 
um ganz echte, typische Hypnosen handelt, bei denen aber trotz 
der Sinnestäuschung ein dunkles Traumbewusstsein bestand, das 
den Hypnotischen in gewisser Weise beim Handeln beeinflusste. 
Dieses dunkle Bewusstsein, das den Hypnotischen über die wahre 
Umgebung orientirte, verbot ihm, den Menschen zu schlagen, 
hinderte aber nicht, dass er auf ein Tuch losschlug. Vielleicht 
betrachtet mancher dieses Verhalten des Hypnotischen als einen 
reinen Automatismus. Aehnlich wie wir, auf der Strasse gehend, 
automatisch den Passanten ausweichen, um sie nicht zu stossen, 
während wir gleichzeitig mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind, 
z. B. mit dem Lesen einer Zeitung, ebenso vermeidet der Hypnotische 
in jenem Falle, auf den Menschen loszuschlagen, trotzdem er ihn gar 
nicht oder nur mit einem ganz dunklen Bewusstsein erkennt. 



Deutung der negativen Hallucinationen. 147 

Ganz ebenso liegt die Sache bei negativen Hallucinationen. 
Ebenso wie bei der positiven Sinnestäuschung ein dunkles Em- 
pfinden dafür besteht, dass es sich eben nur um eine Sinnes- 
täuschung handle, so erkennt das Sujet bei der negativen Hallu- 
cination das wegsuggerirte Object, wenn dasselbe ihm auch nicht 
zum Bewusstsein kommt. Binet und Fere haben mit Eücksicht 
darauf einen Ausspruch gethan: „Man muss das Object erkennen, 
um es nicht wahrzunehmen". Die genannten Autoren haben zur 
Stütze ihrer Behauptung eine Reihe von Versuchen gemacht, die 
auch ich mit Erfolg wiederholen konnte. Nimmt man 10 weisse 
Blätter, wählt hiervon eines, das man auf der Rückseite sich 
zeichnet, und macht dieses zum Gegenstand einer negativen Gesichts- 
Hallucination, so glaubt der Hypnotische, nun nur 9 Blätter zu sehen, 
auch wenn das wegsuggerirte diesen hinzugefügt ist. Aufgefordert, 
die 9 Blätter zu geben, sucht der Hypnotische die 9 richtigen heraus, 
lässt aber das wegsuggerirte liegen, geleitet durch die Erkennungs- 
punkte. Er kann es mithin von den anderen Blättern unterscheiden, 
wenn ihm diese Unterscheidung auch nicht bewusst ist. 

Noch schöner sind in dieser Richtung eine Reihe von Cory 
vorgenommene Experimente, die ich zum Theil wiederholte, wobei 
ich dasselbe Resultat fand, wie Cory. Ich nehme ein Blatt weisses 
Papier und zeichne darauf eine Linie, die etwas unregelmässig 
ist. Nun suggerire ich dem Hj'pnotischen X., dass das Blatt leer 
sei, dass sich nichts auf ihm befinde. X. giebt an, nichts zu sehen. 
Dann zeichne ich noch 15 gerade Linien auf das Blatt und frage 
X., was sich auf dem Blatt befinde („15 Linien," ist die Antwort). 
Ich beginne das Experiment von Neuem, mache es aber jetzt so, 
dass die erste Linie nicht mehr unregelmässig ist, sondern ganz 
gerade wird; ich mache sie nun durch Suggestion unsichtbar. 
Darauf füge ich 20 ganz gleiche Linien hinzu und lasse X. nun 
die Linien zählen („21" antwortet X.). Es ist also die weg- 
suggerirte Linie nur dann für X. unsichtbar, wenn er sie von den 
anderen unterscheiden kann. Aehnlich liegt der folgende Versuch : 
ich nehme ein Streichholz, zeichne dasselbe durch einen am Ende 
angebrachten Fleck mit Dinte. Nun gebe ich die Suggestion, dass 
das Streichholz unsichtbar sei. Ich nehme dann 29 andere Streich- 
hölzer, lege die 30 Streichhölzer auf den Tisch so, dass der Dinten- 
fleck von X. gesehen wird. Auf meine Frage erklärt X., dass sich 
nur 29 Streichhölzer auf dem Tische befinden. Ich lege nun, 
während X. die Augen wegwendet, das wegsuggerirte Streichholz 
so, dass der Dintenfleck nach unten gerichtet und für X. unsichtbar 
wird. X. sieht nun hin und erklärt, dass sich 30 Streichhölzer auf 

10* 



148 Unvollkommene negative Hallncinationen. 

dem Tisch befinden. Es ist also hier das Streichholz nur so lange 
unsichtbar, als X. durch ein Zeichen es erkennt und von den 
anderen Streichhölzern unterscheiden kann. 

Durch diese und durch ähnliche Versuche lässt sich feststellen, 
dass das Object der negativen Hallucination von dem Hypnotiker 
erkannt wird und auf ihn einen centralen Eindruck macht, wenn 
auch eine Wahrnehmung nicht stattfindet. Auch durch das später 
zu besprechende automatische Schreiben lässt sich dies nachweisen 
(Pierre Janet), wie ich auf Grund zahlreicher, mit Herrn 
Director S ellin und Herrn Dr. Max Dessoir vorgenommener 
Experimente bestätigen kann ; ich will dies aber nicht ausführlich 
erwähnen, da es zu weit führen würde. Von der Stärke dieses 
Eindrucks hängt es ab, welches die Folgen der negativen Halluci- 
nation sind. Ist der centrale Eindruck sehr gering, dann werden 
die Folgen desselben so sein, als ob der Gegenstand nicht existirt. 
Besteht aber, und das ist das Gewöhnliche, ein gewisses dunkles 
Bewusstsein von dem Vorhandensein des Objectes, so kann dieses 
Object auf das Thun und Lassen seinen Einfluss ausüben trotz der 
entgegenstehenden Suggestion. Ich suggerire einer Person einen 
Tisch fort, der zwischen ihr und der Thür sich befindet; die Person 
geht vorwärts, um an die Thür zu kommen, vermeidet es aber 
vorsichtig, sich an dem Tische zu stossen. Ich mache durch 
Suggestion die Elektrode, die mit dem sehr schmerzhaften faradischen 
Pinsel armirt ist, unsichtbar. Nach dem Stromschluss setze ich den 
Pinsel der Versuchsperson auf, die lebhafte Schmerzempfindung 
äussert. Auf meine Frage, wovon sie denn Schmerzen habe, ant- 
wortet die Person, sie wisse es nicht, meine Hand sei leer. Dennoch 
hütet sich die Person, an die Stelle zu greifen, wo der Pinsel liegt, 
resp. sie thut es nur sehr zögernd und mit deutlichen Zeichen der 
Furcht, wohin ich auch den Pinsel lege, da die jedesmalige Be- 
rührung desselben lebhaften Schmerz bewirkt. Ich sage einer 
anderen Person, dass ich das Zimmer verliesse; sie sieht mich an- 
scheinend nicht und hört mich nicht. Dennoch wird jede Suggestion, 
die ich der Person jetzt ertheile, erfüllt. Ich befehle ihr, in zweiter 
oder dritter Person zu ihr sprechend, das Kissen vom Sopha zu 
nehmen und auf die Erde zu werfen. Der Auftrag wird ausgeführt, 
wenn auch erst nach einigem Zögern. Einem anderen mache ich, 
gleichfalls durch Suggestion abwesend, die Eingebung von Sinnes- 
täuschungen, von der Anwesenheit eines Hundes und dergleichen; 
jede Suggestion reussirt; offenbar doch, nur, weil meine Sprache 
gehört wird, trotzdem die Person glaubt, dass ich abwesend sei. 
Einem anderen sageich: „Jetzt sind Sie taub!" Er thut zunächst 



Dressur. 149 

nichts, was ich ihm befehle. Als ich ihm aber mehreremale gesagt 
hatte: „Sie hören jetzt wieder!" wurde jeder Befehl ausgeführt. 
Wir sehen in allen diesen Fällen, und ich könnte dieselben noch 
vermehren, dass das Sinnesorgan functionirt, dass sogar eine gewisse 
Beeinflussung stattfindet, dass aber die Eindrücke nicht zu klarem 
Bewusstsein kommen. Ich behaupte natürlich nicht, dass bei allen 
positiven oder negativen Hallucinationen dies der Fall sei; im 
Gegentheil, es giebt Fälle, wo die Täuschung eine vollkommene 
ist. Es hängt dies von der Individualität und auch wesentlich 
von der Art, wie die Suggestion gemacht wird, ab. Ich wollte 
lediglich die mehr unvollkommenen und bei weitem häufigeren 
Fälle kennzeichnen, da sie gelegentlich mit Unrecht für Simulation 
gehalten werden und bisher nirgends ernstlich berücksichtigt wurden. 



Alle Erscheinungen der Hypnose, von denen ich bisher ge- 
sprochen habe, sind sehr wechselnd. Ich habe absichtlich, um meine 
Ausführungen nicht zu lang werden zu lassen, nur das Häufigste und 
Wichtigste erwähnt. Eine besondere Besprechung aber muss ich 
der hypnotischen Erziehung oder Dressur widmen. Ich möchte 
jeden, der hypnotische Experimente sieht, bitten, stets 
auf die Dressur zu achten. Die gesammte Auffassung der 
Hypnose kann für den, der nur Experimente sieht, falsch werden, 
wenn er nicht die Dressur berücksichtigt. Es werden bei hyp- 
notischen Demonstrationen den Fernerstehenden fast immer nur 
solche Versuchspersonen gezeigt, die einer Dressur in bestimmter 
Richtung unterworfen waren, und da diese Richtung eine ver- 
schiedene sein kann, so sind auch die Resultate schliesslich ver- 
schieden. Der Experimentator A. berücksichtigt besonders ein 
Symptom a, und bei jedem neuen Versuche verstärkt er es; in 
gleicher Weise cultivirt der Experimentator B. das Symptom b. 
Im ersten Falle wird somit a zu voller Entwicklung gebracht, 
während b nur wenig ausgebildet wird ; im zweiten Fall geschieht 
das Umgekehrte. So sehen wir, um ein Beispiel anzuführen, dass 
die Breslauer Forscher die Nachahmungsbewegungen vervoll- 
kommneten, während andere die Einwirkung der Bewegungen auf 
die Gefühle (Suggestions d'attitude) besonders ausbildeten. Der- 
jenige, der nicht die Entwickelung, sondern nur die Endresultate 
sieht, ist zu dem Glauben geneigt, dass es sich in beiden Fällen 
um verschiedene Dinge handle, während in Wirklichkeit nur die 



150 Dressur. 

Dressur den anfangs identischen Zuständen ein verschiedenes Aus- 
sehen gab. Jeder Experimentator demonstrirt nun stets diejenigen 
Symptome, die er durch Dressur cültivirt hat, zumal durch diese 
häufig die interessantesten Erscheinungen, insbesondere gesteigerte 
Fertigkeiten, hervorgebracht werden. Dass diese nur durch Dressur 
erreicht sind, weiss der Fernerstehende nicht, der sich leicht irre 
führen lässt. Es liegt hier die Sache ähnlich, wie bei Kindern, 
die auch nur das Gedicht dem Fremden vordeclamiren, das sie 
besonders gut gelernt haben. Mit der Dressur erzeugen die Ex- 
perimentatoren ihre objectiven Merkmale, durchweiche derjenige, der 
die Dinge zum ersten Male sieht, bestochen wird. Jeder Experimentator 
erzeugt aber andere objective Merkmale, der eine langdauernde Kata- 
lepsie, der andere die exquisiteste Echolalie. Dem Fremden im- 
poniren diese Dinge; er würdigt nicht die daraufgerichtete Dressur. 
Durch sie kommt es, dass verschiedene Experimentatoren ver- 
schiedene objective Kennzeichen angeben. Die Frage der Dressur 
ist von ungeheurer Wichtigkeit. Weil die hypnotischen Zustände 
anscheinend so verschieden sind, haben viele schon an Simulation 
gedacht. Die Verschiedenheit ist in Wahrheit nur Folge 
der verschiedenen Dressur, von individuellen Differenzen 
abgesehen. Der Experimentator übt in dieser Beziehung einen 
Einfluss auf die Entwickelung der Hypnose aus (Delboeuf, 
Jendrässik). Unwichtige Erscheinungen, wie z. B. die Echolalie, 
werden möglichst gesteigert und schliesslich mit Unrecht für eine 
wesentliche Erscheinung der Hypnose gehalten. Die Dressur ist 
für den Experimentator die grösste Fehlerquelle des Hypnotismus, 
weil die Versuchsperson geneigt ist, den Intentionen des Ex- 
perimentators zu folgen und dadurch schliesslich diesen unbewusst 
irre führt. Ohne dass der Experimentator es ahnt, kann der Ton 
seiner Stimme den Hypnotischen dahinführen, gewisse Erscheinungen 
darzubieten, die jener erwartet. Auch die Umgebung und das 
Betrachten anderer Hypnotisirter ist hier von wesentlichstem Ein- 
fluss (Bertrand). Die Imitation macht sich hier in bemerkens- 
werter Weise geltend. X. ist von mir hypnotisirt, und ich nehme 
ihm durch Suggestion die Sprache, berühre dabei aber unabsichtlich 
seine linke Schulter mit meiner rechten Hand. Y. hat in Hypnose 
dies gesehen, und ist jedesmal unfähig zu sprechen, wenn ich seine 
linke Schulter mit meiner rechten Hand berühre. Y. glaubt, dass 
dieses Zeichen das Signal sei für den Verlust der Sprache und 
handelt darnach. Durch die Dressur ist das hypnotische Individuum 
im Stande, alles zu ahnen, was der Experimentator will. Er braucht 
nicht zu sprechen, bei der geringsten Bewegung weiss der Hyp- 



Dressur. 151 

notische den Wunsch des Experimentators. Man glaube nicht, 
dass zur Dressur eine besonders lange Zeit nöthig sei; wenige 
Stunden haben z. B. Delboeuf genügt, die Char cot 'sehen 
Stadien bei einer seiner Versuchsperson künstlich hervorzubringen. 
Ich habe diese Bemerkungen gemacht, um davor zu warnen, 
auf Demon strationen viel Gewicht zu legen, besonders 
wenn dieselben gewisse anscheinend objeetive, nicht 
simulirbare Symptome darbieten. Man berücksichtige 
hierbei stets, dass manches anscheinend unsimulirbare Symptom 
anerzogen ist und durch Uebung vielleicht ohne Hypnose nach- 
geahmt werden kann. 

Ich habe bisher unter Dressur nur die künstliche Cultivirung 
gewisser Symptome verstanden; man versteht aber unter Dressur 
auch diejenigen Modiflcationen der Hypnose, die sich bei öfterer 
Wiederholung derselben zeigen. 

Sehr oft ist es unentbehrlich, wie bereits erwähnt, mehrere 
Sitzungen abzuhalten, ehe überhaupt eine Hypnose eintritt, wie 
Husson schon 1831 von dem magnetischen Schlaf beschreibt. 
Diese kann noch sehr spät eintreten, wie ich (S. 31) schon hervor- 
gehoben habe. Ebenso tritt in einzelnen Fällen eine tiefe Hypnose 
erst ein, wenn eine gewisse Dressur durch mehrere Sitzungen 
stattgefunden hat. In einem Fall sah ich erst nach 80 Versuchen 
eine Hypnose mit Sinnestäuschungen entstehen, nachdem vorher nur 
leichtere Zustände zu erzielen waren. Auch wird durch Dressur 
die Hypnose nicht nur tiefer, sondern sie tritt auch schneller ein. 
Dass gelegentlich auch tiefe Hypnosen schon in der ersten Sitzung 
erzielt werden, ist keine Frage, und F o r e 1 hat vollkommen Recht, 
wenn er hier vor Uebertreibungen warnt. So sah ich einen Ver- 
wandten von mir beim ersten Versuche bereits nach einer Minute 
in so tiefer Hypnose, dass ich sofort posthypnotisch negative 
Hallucinationen erlangte. Gerade diese Versuchsperson ist das 
Muster eines gesunden jungen Mannes. 

In vielen Fällen ist es aber, wie erwähnt, nöthig, eine hyp- 
notische Erziehung dem Sujet zu geben, um den Zustand möglichst 
zu vertiefen. Hierbei möchte ich eine gewisse Methodik empfehlen, 
da sonst die Vertiefung oft ausbleibt. Man beginne stets mit ein- 
fachen Suggestionen, die das Sujet der Wirklichkeit nicht zu sehr 
entrücken. Man suggerire Dinge, die nicht gerade ausserhalb der 
Möglichkeit liegen und gehe erst dann durch allmähliche Steigerung 
weiter. Man wird dabei mehr erreichen, als wenn man sofort 
ganz unmögliche Situationen zu schaffen sucht, die das Sujet nicht 
glaubt. Ist eine Suggestion aber mehrfach nicht angenommen, so 



252 Individuelle Differenzen der Hypnose. 

entsteht sehr leicht bei dem Sujet die Autosuggestion, dass es re- 
fractär gegen diese Suggestion oder auch andere Suggestionen sei 
(Forel). Daraus geht oft ein dauernder Nacbtheil hervor, und 
auch in späteren Hypnosen besteht die Suggestibilität in geringerem 
Grade, als vorher. Ganz besonders empfehle ich bei po st hypno- 
tischen Suggestionen eine langsam beginnende und ansteigende 
Methodik. Vielleicht hat das Uebersehen dieser beiBinswangers 
Versuchen die posthypnotische Suggestion vereitelt. Hier ist ein 
Mann, der sich in der ersten Hypnose befindet. Ich suggerire ihm, 
dass er nach dem Erwachen zu mir ein Schimpfwort sage ; er thut 
dies nicht, ist aber sofort bereit, z. B. die posthypnotische Suggestion 
zu realisiren, mir die Versicherung seines Wohlbefindens zu geben. 
Während hier anfangs nur ein leichter Grad von Empfänglichkeit 
für posthypnotische Suggestionen besteht, ist nach öfterer Wieder- 
holung und langsamer Steigerung in den Versuchen schliesslich 
auch die Kealisirung sehr weitgehender Suggestionen möglich. 



Ich schliesse hiermit die Symptomatologie der Hypnose. Ich 
glaube, dass ich die wesentlichsten Erscheinungen genügend im 
Vorhergehenden skizzirt habe. Auf die Wichtigkeit einiger der- 
selben werde ich noch in den folgenden Capiteln hinweisen. Wir 
haben gesehen, dass die Symptome äusserst mannigfaltiger Natur 
sind, und ich will noch erwähnen, dass es kaum jemals zwei Per- 
sonen giebt, bei denen die Symptome der Hypnose ganz identische 
sind. Ebensowenig wie trotz aller Gesetzmässigkeit der Körper 
eines Menschen vollkommen dem eines zweiten gleicht, ebenso 
wenig wie im normalen Leben der Geisteszustand des einen 
genau derselbe ist, wie der eines anderen, ebensowenig ist dies 
in der Hypnose der Fall; der eine bietet dies, der andere jenes 
Symptom deutlicher ausgeprägt. Man wird niemals im Stande 
sein, einen Menschen zu finden, bei dem alle Symptome der Hyp- 
nose sich zeigen, ebensowenig wie wir einen Patienten finden, der 
alle Symptome der Krankheit darbietet, wie man sie etwa aus 
einer theoretischen Beschreibung beurtheilt. 



IV. Verwandte Zustände. 



Das Studium eines unbekannten und noch wenig durchforschten 
Zustandes sucht man stets dadurch zu fördern, dass man ihn mit 
anderen Zuständen vergleicht, deren Symptomatologie besser 
bekannt ist. Wir wollen desshalb untersuchen, wo wir An- 
knüpfungspunkte an die Hypnose finden. Freilich würde die Be- 
trachtung der verwandten Zustände eigentlich an eine spätere 
Stelle gehören, nachdem wir den Hypnotismus und insbesondere 
die Theorie desselben besprochen haben. Da ich aber gerade in 
ihr auf Punkte, die ich unter den verwandten Zuständen erörtern 
muss, zurückkommen werde, so will ich erst diese schildern. Wie 
schon der von Braid gewählte Name sagt, ist eine Aehnlichkeit 
zwischen dem Schlafe (Hypnos) und dem Hypnotismus vorhanden, 
und die Nancyer Forscher Liebeault, Bernheim, Brullard, 
sowie Forel in Zürich glauben geradezu, die Hypnose als einen 
gewöhnlichen Schlaf auffassen zu müssen : während derjenige, der 
spontan in den Schlaf kommt, nur mit sich selbst im Eapport sei, 
sei der Hypnotisirte im Eapport mit demjenigen, der ihn hypnotisirt 
hat; dies sei der Hauptunterschied von Schlaf und Hypnose. 

Jedoch glaube ich, dass wir nicht ohne Weiteres eine derartige 
Identificirung zulassen dürfen. Wir müssen hier zunächst die 
leichten und die tiefen Hypnosen unterscheiden. Wir sehen, dass 
in den leichten Hypnosen lediglich eine Willenshemmung stattfindet, 
die sich auf die Bewegungen erstreckt ; nachher besteht gewöhnlich 
vollkommene Erinnerung. Nun sind wir gewöhnt, beim Schlaf eine 
wesentliche Trübung des Selbstbewusstseins vorauszusetzen. Gerade 
dieses bleibt aber bei den leichten Hypnosen intact; hier ist die 
Person ganz und gar im Stande, alles zu erkennen, was man mit 
ihr vornimmt, und auch die nachherige Erinnerung ist gewöhnlich 
eine vollkommene. Ich glaube demnach nicht, dass wir die leichten 
Hypnosen mit dem Schlaf in nähere Beziehung bringen dürfen. 
Ich glaube auch nicht, dass ein fruchtbarer Vergleich möglich ist 
zwischen diesen leichten Hypnosen und den Zuständen, die dem 
Schlafe vorausgehen, Schläfrigkeit und Müdigkeit. Allerdings 



154 Hypnose und Schlaf. 

sahen wir, dass bei diesen hypnotischen Zuständen das Müdigkeits- 
gefühl nicht so selten ist. Ausserdem sahen wir aber als Haupt- 
erscheinung, dass die willkürliche Muskulatur dem Willen der 
Person entzogen ist. Kaum angedeutet finden wir dies in dem 
Zustande der Schläfrigkeit, wo allerdings ein allgemeines Er- 
müdungsgefühl in den Muskeln sich geltend macht, und eine Schwere 
in den Gliedern eintritt. Dennoch wird es dem Betreffenden möglich, 
willkürlich alle Bewegungen auszuführen, die er auszuführen 
wünscht; höchstens zeigt sich eine gewisse Schwerfälligkeit; aber 
die hochgradige Willensherabsetzung, wie sie in der Hypnose be- 
steht, fehlt vollkommen. 

Es unterscheiden sich ferner diese leichten hypnotischen Zu- 
stände von den Vorstadien des Schlafes dadurch, dass in diesen 
die sonstige Thätigkeit des Bewusstseins eine Einbusse erleidet. 
Der Verlauf der verschiedensten Vorstellungen, der Erinnerungs- 
bilder etc. entzieht sich hier schon theilweise der Controle des 
Willens, während in den leichten hypnotischen Zuständen nur die 
Willkürbewegungen eine Veränderung erfahren. Bei dem Vor- 
stadium des Schlafes werden die Sinneseindrücke nicht mehr in 
der gewohnten Weise zu bewussten Vorstellungen; vieles, was 
sonst unser Interesse, unsere Aufmerksamkeit erregt, wird überhört 
und übersehen, während oft eine vom Willen unabhängige Träumerei 
in uns beginnt. Alles dieses aber vermissen wir fast vollkommen 
in den leichten hypnotischen Zuständen. 

Ich will desshalb an dieser Stelle gegen die zum Theil ein- 
gebürgerte und bei vielen Aerzten verbreitete, aber nichts- 
destoweniger falsche Terminologie protestiren ; es wird sehr oft 
von Personen, die hypnotisirt sind, gesagt, dass sie schlafen, und es 
sind diese Begriffe zum Theil fast gänzlich miteinander identificirt 
worden. Ich halte dies für einen Missbrauch, da es wie auseinander- 
gesetzt ist, eine ganze Beihe von hypnotischen Zuständen giebt, 
bei denen auch nicht ein Symptom des Schlafes vorhanden ist, 
während aus der gebräuchlichen falschen Terminologie oft ganz 
falsche Schlüsse gezogen werden und infolgedessen Verwirrung an- 
gerichtet wird. 

Wesentlich anders wird die Sache in der tiefen Hypnose. Sie 
ist charakterisirt durch die zahlreichen Sinnestäuschungen; diese 
sind aber genau dasselbe, wie unsere nächtlichen Träume. Um 
hier einen Vergleich durchführen zu können, ist es vielleicht 
praktisch, die Entstehung der Träume während des gewöhnlichen 
Schlafes zu besprechen. Nach dem Entstehungmodus unterscheidet 
man zwei Arten von Träumen (Spitta): 1) die Nervenreiz- 



Entstehung der Träume. 155 

träume und 2) die Associations träume. Die ersteren, deren 
Gebiet bei weitem das grössere ist, kommen dadurch zu Stande» 
dass irgend ein peripherer Nervenreiz stattfindet und zum Gehirn 
geleitet wird. Hier wird der Nervenreiz zwar empfunden; ja es 
entsteht eine Wahrnehmung infolge der Erweckung irgend eines 
Erinnerungsbildes. Dieses entspricht aber nicht dem wirklichen 
Nervenreiz, der nur bei intacter Aufmerksamkeit richtig beurtheilt 
wird. Welches Erinnerungsbild erweckt wird, resp. welcher Traum 
entsteht, ist eine schwer zu beantwortende Frage, da dies von 
vielen Momenten abhängig ist, die unserer Beurtheilung noch ent- 
gehen. Die zahlreichen von Scherner nach dieser Richtung vor- 
genommenen Deutungs versuche sind nicht sehr überzeugend. 

Das auf die geschilderte Art durch den Reiz erregte Er- 
innerungsbild steht übrigens in einem Theil der Fälle in Zusammen- 
hang mit einem schon bestehenden Traum. „Wenn ein Redner im 
Schlaf eine Rede hält, so hält er jedes Geräusch in der Umgebung 
für den Beifallsausdruck seiner vermeintlichen Zuhörer" (Walter 
Scott). 

Man ruft durch Nervenreizung bekanntlich künstliche 
Träume hervor. Man bespritzt jemanden während des Schlafes 
mit Wasser; er träumt infolge dessen von einem Regenguss 
(v. Leixner). Hierher gehören eine Reihe von Versuchen, die 
Maury an sich selbst während des Schlafes gemacht hat; Eau de 
Cologne an seine Nase gehalten, lässt Maury träumen, dass er 
sich in einem Verkaufsladen von Farina in Kairo befinde. Aehn- 
liche Versuche sind von Preyer, Prevost, Hervey und vielen 
anderen veröffentlicht worden. 

Die zweite Art von Träumen sind die Associationsträume; 
sie sollen durch einen primären centralen Act zu Stande kommen. 
Ein Erinnerungsbild soll nicht durch einen peripheren Reiz, sondern 
durch primäre centrale Thätigkeit erweckt werden. 

Gewissermassen in der Mitte zwischen diesen Träumen stehen 
diejenigen, die ich als sugg er irte bezeichnen möchte. Bei ihnen 
wird auf den Schlafenden nicht ein Nervenreiz ausgeübt, den er 
beliebig nach seiner Phantasie ausarbeitet; sondern man sagt ihm 
geradezu, was er träumen soll. (Reil, Maury, Max Simon). 
Ein mir bekannter Herr versichert seiner schlafenden Tochter, 
dass sie Krähen sehe; sofort träumt sie davon und erzählt diesen 
Traum nach dem Erwachen ; andere Male missglückte der Versuch. 
Es scheint, dass gewisse Stadien des Schlafes für solche Träume 
geeigneter sind, als andere. Delboeuf z. B. glaubt, dass der 
Zwischenzustand zwischen Schlafen und Wachen am geeignetsten sei 



156 Entstehung der Träume. 

für suggestive Träume, ja er nimmt an, dass viele Nerven- und 
Geisteskrankheiten in einer natürlichen Suggestion ihren Ursprung 
haben, die in dieser Zeit gemacht werde und sich als posthypnotische 
Suggestion weiter entwickele. Mit dieser letzten Art von Träumen, 
mit den suggerirten sind die suggerirten Sinnestäuschungen der 
Hypnose, was die Entstehungsart betrifft, identisch. 

Aber auch die Entstehung von anderen Träumen des Schlafes 
ist hierin nicht wesentlich verschieden von denen der Hypnose. 
Besonders zeigt sich dies, wenn wir eine besondere Art von Sug- 
gestionen zum Vergleich heranziehen, die oben S. 141 erwähnten 
durch Nervenreizung entstehenden Hallucinationen, die vollkommen 
identisch sind den Nervenreizträumen. Nehmen wir ein Beispiel. 
Eine Person wird von mir hypnotisirt; mit einem Blasebalg puste 
ich mehrfach neben ihr, ohne etwas zu reden. Durch das Pusten 
findet eine centrale Erregung statt; es glaubt in diesem Falle die 
Person, durch das Pusten veranlasst, eine Lokomotive zu hören. 
Sofort knüpft sich daran ein vollkommener Traum von dem Eisen- 
bahnzug, den sie sieht, sie glaubt, in Schöneberg auf dem Eisen- 
bahnperron zu sein u. s. w. Es ist hier genau derselbe Fall, wie 
bei einem nächtlichen Nervenreiztraum, wo jemand, durch das 
Umfallen eines Stuhles veranlasst, einen Schuss zu hören glaubt, 
und nun von einer Schlacht träumt. Man sieht übrigens ganz 
ähnlich wie im Schlafe, dass auch in der Hypnose derartige 
Nervenreize vom Bewusstsein gewöhnlich enorm überschätzt werden, 
dass z. B. ein kleines Geräusch für einen Schuss, eine leichte Be- 
rührung mit der Hand für einen Hundebiss gehalten wird. Ich 
habe viele derartige Suggestionen in der Hypnose gemacht. Ich 
trommle auf den Tisch, ohne etwas zu sagen; der Hypnotische 
hört es und träumt sofort im Anschluss daran von dem Trommeln 
des Militärs, glaubt, Soldaten zu sehen, auf der Strasse zu sein u. s. w. 
Was bei solchen peripheren Reizungen geträumt wird, hängt von 
der Individualität ab, es häügt dies davon ab, welches Erinnerungs- 
bild durch den von aussen kommenden Eeiz erweckt wird, sei es 
im Schlaf, sei es in der Hypnose. Eines ersieht man schon aus 
dem von mir erwähnten Vergleiche, dass die Ansicht vieler, im 
Schlafe sei der Verkehr mit der Aussenwelt abgeschlossen, falsch 
ist. Es gewinnt sogar die Ansicht mehr und mehr Anhänger, dass 
bei weitem die meisten Träume durch Sinnesreize bedingt sind 
(Wundt). Dieses Offenstehen für Reize, die ohne Controle des 
Selbstbewusstseins dem Gehirn zugeführt und infolge dessen falsch 
aufgefasst werden, ist eine gleiche Erscheinung im gewöhnlichen 
Schlaf und in der Hypnose. 






Inhalt der Träume in Schlaf und Hypnose. 157 

Ausserdem aber ersieht mau wohl aus den letzten Aus- 
führungen, dass die gleichen Mittel, mit denen wir während der 
Hypnose die Fremdsuggestion machen, oft auch im Schlaf genügen, 
um Träume hervorzubringen. Es würde sich höchstens noch um 
einen quantitativen Unterschied handeln, indem während der 
Hypnose die meisten Sinnestäuschungen unmittelbar eingegeben 
werden, hingegen im Schlaf die meisten Träume durch irgend einen 
peripheren Reiz entstehen, der erst im Gehirn des Schlafenden 
eine specielle Ausarbeitung erfährt. 

Ist sonach die Entstehungsart der Träume des Schlafes und 
derer der Hypnose eine gleichartige, so ist der Inhalt ebenfalls 
nicht verschieden. Ich kann selbstverständlich nicht auf alle 
Einzelheiten eingehen. Aber das Gewöhnliche, dass wir uns 
während des Schlafes in einer anderen Situation glauben, dass wir 
Sinnestäuschungen aller Art begegnen, dies findet sich auch in 
der Hypnose. Ebenso wie wir ferner hier den Hypnotischen in 
eine frühere Zeit seines Lebens zurückversetzen können, ebenso 
findet sich dieser Traum auch im Schlafe. Bekanntlich träumen 
viele hier besonders häufig, dass sie sich im Abiturientenexamen 
befinden, selbst wenn viele Jahrzehnte seit demselben vergangen 
sind. Auch vollkommene Persönlichkeitsänderung findet sich im 
nächtlichen Traume. Ein Officier, der Hannibal sehr verehrte, 
erzählte mir, dass er in dem Glauben, Hannibal zu sein, des Nachts 
eine imaginäre Schlacht geschlagen habe. Ein anderer Herr ist 
noch ein wenig unbescheidener; ihm genügte nicht Hannibal; er 
träumt des Nachts einmal, dass er der liebe Gott sei und die 
AVeit regiere. 

Auch die Zahl der Träume in Hypnose und Schlaf kann durch- 
aus nicht als verschieden bezeichnet werden, und zwar einfach aus 
dem Grunde nicht, weil wir über die Zahl der Träume im Schlaf 
nichts Sicheres wissen. Während die einen Träume nur für eine kurze 
Periode des Schlafes zulassen, gehen andere, wie Kant, Forel, 
Exner und Simonin soweit, einen traumlosen Schlaf überhaupt 
zu leugnen; nach ihnen wird fortwährend geträumt, die meisten 
Träume aber würden vergessen. 

Wenn wir nun die gleiche Entstehungsart der Träume finden, 
ebenso wie den gleichen Inhalt derselben in Hypnose und im 
Schlaf, so folgt daraus schon mit Wahrscheinlichkeit, dass die 
hypnotischen Träume für die Gesundheit nicht nachtheiliger seien, 
als die Träume des Schlafes. 

Man könnte aber trotz alledem noch einen Unterschied zwischen 
den Erscheinungen der tiefen Hypnose und dem Schlafe in mehreren 



158 Gedankenverbindungen in Schlaf und Hypnose. 

Punkten finden: 1) in dem anscheinend logischen Zusammenhang 
zwischen den eigenen Gedanken des Hypnotischen mit der sugge- 
rirten Idee, 2) in den Bewegungen des Hypnotischen, besonders 
in dem Sprechen desselben, das sich als eine directe Unterhaltung 
zwischen Experimentator und Hypnotischem äussert (Wernich). 

Was den ersten Punkt betrifft, so sahen wir (S. 127 u. ff.), dass 
an eine bestimmte Vorstellung sich mitunter in logischer Weise 
eine Eeihe anderer Vorstellungen knüpft. Indessen ist der Unter- 
schied vom Schlaf nur scheinbar. So lange in der Hypnose die 
eine suggerirte Idee vorwaltet, schliessen sich andere allerdings oft 
logisch an. Dieses Anschliessen ist aber im Grossen und Ganzen 
ein nur mechanisches, das auf eingeübten Associationen beruht. 
Dieser logische Zusammenhang kann jeden Moment mit der grössten 
Leichtigkeit durch die Suggestion unterbrochen werden, wie ich 
oben zeigte, ebenso wie der ganze Vorstellungskreis jeden Moment 
wechseln kann. Schon daraus geht hervor, dass das Selbstbewußt- 
sein nicht im Stande ist, die Vorstellungen activ zu verbinden, da 
die geringste neue Einwirkung sofort den ganzen Ideenzusammen- 
hang zerreisst. Die oben erwähnte Logik besteht nur so lange, 
als der Experimentator es erlaubt. Im nächtlichen Traume kommt 
es überhaupt selten zu einem derartigen logischen Zusammenhange, 
weil nur selten in dieser Weise wie bei der hypnotischen Suggestion 
eine bestimmte Idee in den Mittelpunkt gestellt ist; ja ein so scharf- 
sinniger Beobachter wie Radestock führt die Täuschungen unserer 
nächtlichen Traumbilder auf eine Pause des logischen Denkens 
zurück. In der Hypnose ist die Aufmerksamkeit des Hypnotisirten 
dem Experimentator zugewendet; Ideen, die dieser eingiebt, werden 
aufgenommen, andere nicht. Im Schlaf jedoch werden die ver- 
schiedensten Empfindungen dem Gehirn zugeleitet; es kann hier, 
da der Schläfer gewöhnlich nicht einem speciellen Punkt seine 
Aufmerksamkeit zukehrt, viel weniger leicht eine bestimmte Idee 
die Oberherrschaft gewinnen. Dass übrigens, wenn einmal eine 
bestimmte Idee vorherrschend ist, auch im nächtlichen Traum ein 
gewisser logischer Zusammenhang bestehen kann, beweisen die 
Fälle, in denen das Traumbewusstsein eine zweckmässige geistige 
Arbeit verrichtete. Ich will auf Beispiele nicht eingehen; es ist 
bekannt, dass Voltaire Gedichte im Traum verfasste, dass Mathe- 
matiker mitunter des Nachts ihre Probleme lösen, dass der be- 
rühmte Physiologe Burdach manchen wissenschaftlichen Gedanken 
des Nachts im Schlafe verarbeitete. Auch hat Maury nachgewiesen, 
dass Traumideen, die anscheinend ganz zusammenhanglos sind, doch 
durch bestimmte Associationen einander verwandt sind. 



1 



Bewegungen in Schlaf und Hypnose. 159 

Als einen weiteren Unterschied erwähnte ich die Bewegungen 
in der Hypnose, im anscheinenden Gegensatz zum Schlaf. Sicherlich 
aber kann es sich hier um keinen qualitativen Unterschied handeln, 
da auch im Schlaf bekanntlich Bewegungen ausgeführt werden 
(Hans Virchow). Die Muskelthätigkeit im Schlaf kommt zum 
Theil dadurch zu Stande, dass die im Wachen begonnene automatisch 
fortgesetzt wird. Dies geschieht z. B. bei Leuten, die in den 
Schlaf kommen, während sie mit einer bestimmten Bewegung be- 
schäftigt sind. Diese setzen im Schlaf die entsprechende Bewegung 
fort, z. B. Kutscher, die im Schlaf kutschieren, Beiter, die die 
Zügel halten, ohne herunterzufallen; hier wirkt die angefangene 
Bewegung lebhaft genug, wenn auch unbewusst, um im Schlaf die 
betreffende Bewegungs- resp. Muskelthätigkeit andauern zu lassen. 
Ein Gleiches sehen wir bei Vögeln, die im Stehen einschlafen. 
In allen diesen Fällen hat die Muskelthätigkeit sicherlich eine 
grosse Aehnlichkeit mit den S. 53 beschriebenen Contracturen resp. 
automatischen Bewegungen. 

Aber ausserdem können durch bestimmte äussere Beize 
während des Schlafes Bewegungen hervorgerufen werden, von denen 
es mir wahrscheinlich dünkt, dass sie nicht ohne jeden Bewusst- 
seinsact stattfinden. Wenn eine Körperstelle unbedeckt ist, zieht 
der Schlafende die Decke herüber; kitzelt man ihn irgend wo, 
so kratzt er sich. Wenn man nun diese Vorgänge noch als 
somatische Reflexe ohne jede psychische Thätigkeit annimmt, was 
gar nicht bewiesen ist, so liegt doch die Sache wesentlich anders 
bei den Bewegungen, die Kinder im Sclüafe auf Befehl machen. 
Sagt man dem Kinde, es solle sich herumdrehen, so thut es dies, 
ohne zu erwachen (Ewald). Dies ist in der That ein Act, den 
man, wie es Ewald that, ganz passend mit den Erscheinungen 
der Hypnose vergleichen kann, in welcher ähnliche Bewegungen, 
Avenn auch in ausgedehnterem Masse, auf Befehl hin ausgeführt 
werden. Wir sehen hier also Beispiele, wo im Schlafe durch 
psychische, von aussen kommende Reize Bewegungen hervorgerufen 
werden. 

Noch deutlicher werden derartige Bewegungen, wenn sie nicht 
direct hervorgerufen werden, sondern lediglich die Folge eines 
Traumes sind. In der That finden sich gewisse Bewegungen im 
Schlaf sehr oft in Folge von Träumen. Dass besonders Kinder, 
aber auch Erwachsene, bei heiteren Träumen oft lachen, ist be- 
kannt, Aehnliches wird nicht selten beobachtet. Eine mir be- 
kannte Dame träumt von einer Lampe, die sie auspustet; hierbei 
führt die Person gleichzeitig blasende Bewegungen mit dem Munde 



160 Somnambulismus. 

aus. Während sie dies macht, wird sie geweckt und giebt nun 
ihren Traum an, der zweifellos jene Bewegungen des Mundes ver- 
anlasste. Dass viele, besonders Kinder, bei erregenden Träumen 
schreien, weiss jedermann. 

Wesentlich deutlicher werden die Bewegungen infolge von 
Träumen bei denjenigen Personen, die wir als Somnambule 
(Schlafwandler, Nachtwandler) bezeichnen, und deren Charakte- 
ristikum eben diese Bewegungen sind. Die Aehnlichkeit zwischen 
Hypnotismus und Somnambulismus ist so gross, dass man für beide 
auch den Namen Somnambulismus braucht (Eichet); den Hypno- 
tismus bezeichnet man dann als künstlichen, den anderen als natür- 
lichen oder, da auch der künstliche natürlich ist, wie Poincelot 
betont, als spontanen Somnambulismus. Bei ihm finden sich alle 
möglichen Bewegungen; man unterscheidet gewöhnlich drei Grade 
des Somnambulismus, 1) denjenigen, bei dem der Schlafende nur 
spricht, 2) denjenigen, bei dem er alle möglichen Bewegungen 
macht, aber sein Lager nicht verlässt, 3) denjenigen, wo der 
Schlafende aufsteht, herumgeht und die complicirtesten Handlungen 
ausführt. Die beiden ersten Grade finden sich nach meinen Er- 
fahrungen bei Personen, die entschieden nicht pathologisch sind, 
wenn sie auch ein mehr sanguinisches Temperament haben. Was 
den dritten Grad betrifft, so ist es durchaus noch nicht endgiltig 
entschieden, ob er nur bei pathologischen Personen vorkommt. Ja 
mir will es nach einzelnen Erfahrungen, die ich habe, scheinen als 
ob er gelegentlich, besonders bei Kindern, auch dann beobachtet 
wird, wenn eine krankhafte Constitution nicht vorliegt. Wenn 
man diese schliesslich nachweisen will, so kann man es auch beim 
Gesündesten stets thun. Was nun diese Bewegungen im Schlaf be- 
trifft, so sind meiner Erfahrung nach in der Hypnose diejenigen 
Personen am ehesten zu lebhaften Bewegungen geneigt, die im ge- 
wöhnlichen Schlafe gleichfalls lebhaft sind, sei es, dass sie sprechen, 
oder sich viel hin und her werfen. Jedenfalls zeigen sich, wie 
wir sehen, die Bewegungen auch im Schlaf; wenigstens müssen 
wir, meines Erachtens, die zuletzt beschriebenen Zustände ganz ent- 
schieden zum Schlaf rechnen, zumal die beiden ersten Grade des 
Somnambulismus. Es würden mithin die Bewegungen des Hyp- 
notischen, zumal wenn sie als Folge von suggerirten Sinnes- 
täuschungen auftreten, keineswegs einen fundamentalen Gegensatz 
zum Schlaf bilden. 

Auch der Umstand, dass der Hypnotische mit einer anderen 
Person sich unterhält, kann nicht genügen, die Hypnose vom 
Schlaf zu trennen, wenn auch Wernich irrthürmlicher Weise dies 



Sprechen in Schlaf und Hypnose. 161 

annimmt. Griebt es doch eine Anzahl Personen, die auch im Schlaf 
auf Fragen Antwort geben (Lotze), die Befehlen im Schlaf ge- 
horchen. Besonders leicht sind nach den Erfahrungen anderer 
und auch nach den meinigen einzelne Leute geneigt, im Schlaf 
Antworten zu geben, wenn eine Person, die in ihrem Gedächtniss 
einen hervorragenden Platz einnimmt, mit ihnen redet; so spricht 
das Kind zur Mutter, Schlafkameraden zu einander. Recht leicht 
entwickeln sich Gespräche, wenn der Wachende auf den im 
Sprechen des Schlafenden ausgedrückten Gedankengang eingeht 
und sich dadurch gewissermassen in das Bewusstsein des Schlafenden 
einschleicht (Brandis). Eine mir bekannte Dame A. träumt laut 
sprechend von einer Person X. Der mit Frau A. schlafende Gatte 
erhält von ihr Antworten, sobald er redet, als ob er X. sei; thut 
er das nicht, spricht er als Gatte, so wird er ignorirt. 

Ich erwähne zum Schluss noch, dass es eine ganze Reihe von 
Personen giebt, die in der Hypnose auch nur schwer zu Bewe- 
gungen veranlasst werden können, trotzdem man ihnen alle mög- 
lichen Träume erregen kann. 

Ich hoffe, in dem Vorhergehenden gezeigt zu haben, dass die 
Hypnose trotz ihrer scheinbaren Sonderstellung keineswegs voll- 
kommen vom Schlafe getrennt zu werden braucht. Ich erblicke 
den Trennungspunkt der tiefen Hypnose und des gewöhnlichen 
Schlafes lediglich in dem quantitativen Unterschied, der sich 
zwischen den leichter hervorzurufenden Bewegungen des Hypno- 
tischen zeigt, und den schweren, selteneren und langsameren Be- 
wegungen des Schlafenden. Die Aehnlichkeit beider Zustände geht 
noch weiter. 

Selbst die posthypnotische Suggestion findet im Schlafe ihr 
Analogon (Liebeault). Selbstverständlich können die nächt- 
lichen Träume in ihrer Wirkung auf den Organismus viel weniger 
leicht beobachtet werden, als die hypnotischen Suggestionen, da 
die meisten Träume aus dem Gedächtniss entschwinden. Um jedoch 
einige dieser Analoga zu erwähnen, so führe ich an, dass Leuten, 
die im Schlafe von einem Schuss träumen und von dem imaginären 
Schuss erwachen, selbst nach dem Erwachen noch deutlich die 
Ohren infolge dieser Hallucination dröhnen (Max Simon). Andere 
fühlen noch nach dem Erwachen den Schmerz, von dem sie ge- 
träumt haben (Charpignon). Nur kurz erwähnen will ich ähn- 
liche Erscheinungen, die man der continuirlichen posthypnotischen 
Suggestion an die Seite stellen kann, nämlich jene Träume, die in 
das wache Leben hinübergenommen werden. Es giebt bekanntlich 
Traumbilder, die durch ihre Lebhaftigkeit sich auszeichnen, und 

Moll, Hypnotismus. 11 



1^2 Analogie der posthypnotischen Suggestion im Schlaf. 

die selbst nach dem Erwachen noch für die Wirklichkeit genommen 
und nicht als Traum erkannt werden (Brierre de Boismont). 
Dass aber auch sonst Träume selbst auf die aufgeklärtesten Per- 
sonen einen Einfluss ausüben, ist sicher. Am Tage sind viele Leute 
missgestimmt, wenn sie des Nachts von beunruhigenden Träumen 
geplagt wurden. In neuerer Zeit noch haben die von Friedrich 
Heer wagen in Dorpat vorgenommenen Untersuchungen über Träume 
festgestellt, dass Personen, die viel träumen, am Morgen schlecht 
disponirt sind. Ich kenne Patienten, die stets am Tage viel stärker 
an ihrer Krankheit laboriren, wenn sie die Nacht vorher von ihr 
geträumt haben ; so stottert eine Person, die hieran leidet, besonders 
lebhaft, wenn sie des Nachts vom Stottern geträumt hat. Ueberall 
sehen wir die Analogie mit der posthypnotischen Suggestion. Be- 
kannt sind einige Fälle, wo Leute träumten, irgend ein Abführ- 
mittel genommen zu haben, das alsdann nach dem Erwachen seine 
Wirkung ausübte. 

Vielleicht könnte man hierher auch den Fall von Fere 
rechnen, wo ein Mädchen mehrere Nächte hintereinander träumte, 
dass es von Männern verfolgt würde. Das Mädchen wurde täglich 
matter, und es nahm die Schwäche der Beine immer mehr zu, bis 
eine hysterische Paraplegie beider Beine sich schliesslich zeigte. 
Eine analoge Ersheinung, die von Psychiatern mehrfach berichtet 
wird, ist die, dass gewisse Formen der Geistesstörung zuerst in 
Träumen auftreten. G-riesinger erzählt, dass Delirien sich oft 
im Traume zuerst zeigen, um erst später im wachen Leben auf- 
zutreten. Auch beim sogenannten impulsiven Irresein ist es be- 
obachtet (Esquirol), dass Träume sich zeigten, die dem Patienten 
das zu thun befahlen, was er später ausführte. Dies ist doch ge- 
wiss eine Analogie mit der posthypnotischen Suggestion. Tonnini 
erzählt einen allerdings nicht beweiskräftigen Fall, wo eine Frau 
eine Handlung ausführt, zu der sie durch einen Traum verlockt 
wurde. Es sind selbstverständlich solche Erscheinungen sehr 
schwer zu beobachten; es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei 
ganz gesunden Leuten Träume nachwirkende Folgen haben. 
TJebrigens sei noch erwähnt, dass schon Aristoteles behauptet, 
viele unserer Handlungen hätten in einem nächtlichen Traume ihren 
Ursprung. 

Es ist auch gelegentlich die Gleichartigkeit der Mittel, die 
den Schlaf und derer, die Hypnose herbeiführen, betont worden, 
um dadurch die Identität beider zu beweisen. Indessen ist hier 
doch einige Kritik nöthig. Monotone Reize, so sagte man, führen 
Hypnose herbei und ebenso den Schlaf. Desswegen hielt auch 



Schlaf aus Langeweile. 163 

Purkinje Braids Methode für ein Schlafmittel. Niemals aber 
darf man aus der Identität der Ursachen einen Schluss auf die 
Identität der Zustände ziehen. Es ist nöthig, die Identität der 
Symptome zu prüfen. Folgendes wäre der einzig richtige Weg, 
um die Frage zu entscheiden: ist eine Person, die ohne primäre 
psychische Thätigkeit durch solche monotone Sinnesreizungen in 
Schlaf kommt, suggestibel oder nicht? Ich habe einige wenige 
Fälle gesehen, wo Personen z. B. starr fixirten, dabei aber die 
Aufmerksamkeit nicht concentrirten. Der Zustand, der mitunter 
hierbei eintrat, war ein gewöhnlicher Schlaf, aus welchem die 
Leute sofort erwachten, wenn ich — selbst leise — zu ihnen 
sprach, um Suggestionen hervorzubringen. Aehnlich liegt nun die 
Frage, wenn es sich darum handelt, festzustellen, ob ein lang- 
weiliger Redner, der die Zuhörer ermüdet, sie hypnotisirt. Be- 
kanntlich werden viele dabei von einem Schlafbedürfnisse er- 
griffen, schlafen auch wohl ein. Leider ist der Versuch ziemlich 
schwer ausführbar, einem solchen eingeschlafenen Menschen eine 
Suggestion zu geben; nur dadurch wäre aber die Frage zu ent- 
scheiden, ob der Zustand identisch ist mit der Hypnose. Dass 
übrigens dieser Schlaf ohne einseitige Concentration der Gedanken 
zu Stande kommt, will ich noch betonen. Wenn der Betreffende 
auf den Redner seine Gedanken concentrirt, dann schläft er nicht 
ein; dabei entsteht vielmehr ein Zustand einseitig angespannter 
Aufmerksamkeit, der mit der Hypnose viel Aehnlichkeit hat. Ist 
derselbe ausgeprägt, so kann es zu ganz gleichen negativen Hallu- 
cinationen, z. B. für Geräusche in der Umgebung etc., kommen, wie 
während der Hypnose. Ich kenne mehrere hierhergehörige Fälle. 
Ebenso zweifelhaft wie bei dem Schlaf aus Langeweile ist es 
mir, ob man diejenigen Zustände, von Bewusstlosigkeit oder Be- 
wusstseinsstörung , die zuweilen bei Schwindelerregung, z. B. bei 
starken Drehbewegungen eintreten, zur Hypnose rechnen darf. 
In seiner bekannten geistreichen Weise hat Erdmann die Zu- 
stände, die bei Langeweile und die bei Schwindelgefühl entstehen 
einander identificirt. Ich möchte bei alledem immer bei der An- 
sicht beharren, es kommt nicht darauf an, wie die Zustände er- 
zeugt werden, sondern nur darauf an, ob die Symptome in den 
Zuständen die gleichen sind. Dies ist stets zu berücksichtigen; 
ich will hier darauf nochmals hinweisen, obwohl ich oben bei der 
Symptomatologie auch Erregungen des Muskelsinnes, wie sie bei 
Drehbewegungen stattfinden, als hypnosigenes Mittel anführte. 
Soviel über die Aehnlichkeit von Schlaf und Hypnose. 

11* 



1(34 Hypnose und Geistesstörung. 

Ausser mit dem Schlaf hat man mit Vorliebe die Hypnose 
in Beziehung gebracht zu den Geistesstörungen. Eieger 
und Semal sowie Hack Tuke (schon im Jahre 1865) glauben, 
die Hypnose als eine künstliche vorübergehende Geistesstörung 
bezeichnen zu müssen. Ich bemerke zunächst, dass es ganz gleich- 
giltig ist, wie man die Hypnose nennt; auf den Namen kommt es 
nicht an. Dieser würde selbst in Bezug auf die therapeutische 
Verwendung ganz gleichgiltig sein. Es wäre sonst etwa dasselbe, 
wie wenn man auf das Morphium verzichten wollte, weil es ein 
Gift ist, und weil der Morphiumschlaf eine Vergiftungserscheinung 
ist. Auf Worte kommt es durchaus nicht an, wie Rieger mit 
Eecht betont. Ich würde auch gar nicht widersprechen, dass wir 
die Hypnose als eine Geistesstörung auffassen, wenn wir den natür- 
lichen Schlaf, resp. Traum auch als eine solche betrachten. Und 
wir finden auch, dass wenn Psychiater ein Analogon für Geistes- 
störungen suchen, sie stets ihre Zuflucht zuerst zum Traum nehmen. 
Diese Aehnlichkeit ist vielen Beobachtern aufgefallen; behauptet 
doch ein Autor geradezu, dass, um von der Vernunft zum Wahn- 
sinn zu kommen, es nur nöthig sei, einzuschlafen. 

Wie wenig Klarheit hier besteht, geht wohl am besten daraus 
hervor, dass die verschiedenartigsten Geistesstörungen mit der 
Hypnose verglichen wurden; so z. B. behaupten Eieger und 
Konräd, die Hypnose sei nichts als eine künstliche Verrücktheit. 
Meynert behauptet, sie sei ein experimentell erzeugter Blödsinn. 
Luys vergleicht sie wiederum mit der progressiven Paralyse der 
Irren, andere mit der Melancholia attonita. Schon aus diesen ganz 
verschiedenen Vergleichungen dürfte hervorgehen, wie wenig jene 
Autoren in Uebereinstimmung sind; denn diejenigen Formen der 
Geistesstörungen, die wir als Blödsinn bezeichnen, sind denjenigen, 
die wir als Verrücktheit bezeichnen, so unähnlich wie eine Erbse 
etwa einer Eose; beide sind zwar Pflanzen, aber doch ganz ver- 
schiedene Arten. Ebenso giebt es wohl schwerlich Geistes- 
störungen, die einander unähnlicher sind, wie diejenigen, die man 
zur Verrücktheit und diejenigen die man zum Blödsinn rechnet. 

Bei diesem Vergleiche von Hypnose und Geistesstörung wird ge- 
wöhnlich vergessen, dass die Haupterscheinung der Hypnose die Sug- 
gestibilität ist. Dass aber die Suggestibilität eine wesentliche 
Erscheinung bei den Geisteskrankheiten sei, ist irrig. Man wäre 
sonst auch im Stande, durch Suggestibilität die Geisteskrankheiten 
zu heilen, was gerade fast niemals möglich ist. Die Suggestibilität 
ist ein Symptom des Schlafes, und durch die Suggestibilität sahen 
wir die Nervenreizträume zu Stande kommen. Durch die Sug- 






Hypnose und Geistesstörung. 165 

gestibilität in der Hypnose können wir Formen der Hypnose er- 
zeugen, die der Geistesstörung ähnlich sind, z. B. die primäre Ver- 
rücktheit oder die Melancholia attonita, auch wohl Formen von 
Blödsinn u. s. w. Wir können aber vermöge derselben Suggestibilität 
das Bild einer Lähmung, das des Stotterns hervorbringen; dess- 
wegen ist die Hypnose nicht ein Zustand der Lähmung oder des 
Stotterns. Wir können in der Hypnose eine Schmerzempfindung 
hervorbringen; desswegen ist die Hypnose nicht eine Schmerz- 
empfindung. Wie man schliesslich die leichten Zustände der Hyp- 
nose, wo man nur gewisse Bewegungsstörungen durch Suggestion 
hervorbringen kann, als Geistesstörung bezeichnen darf, ist mir 
nicht klar; oder sollte vielleicht auch eine Person, nur weil sie 
die Augen nicht öfinen kann, als geisteskrank bezeichnet werden? 
Aber selbst einige Geistesstörungen, wie Delirium tremens (Möli, 
Pierre Janet) oder die Kahlbaum'sche Katatonie (Jensen), bei 
denen eine gewisse Suggestibilität sich findet, kann man nicht ohne 
weiteres mit der Suggestibilität der Hypnose identificiren. Dem 
Hypnotisirten brauche ich nur zu sagen: „Wach!" und momentan 
ist alles vorbei; es giebt aber keine Krankheit, welche auf diese 
Weise geleitet und momentan beendet werden kann, wie die Hypnose. 

Selbstverständlich wird wohl kein Autor desswegen die Hyp- 
nose als Geistesstörung bezeichnen, weil sie als Wahnvorstellung 
auftreten kann. Mit Becht meint übrigens Freud, dass auch 
das Fleisch ja dadurch nicht an Wohlgeschmack verliere, dass die 
Wuth der Yegetarianer es als Aas bezeichnet; warum sollte die 
psychische Beeinflussung, als welche wir die Hypnose kennen ge- 
lernt haben, desswegen an Werth oder Ansehen verlieren, weil man 
sie als Geistesstörung bezeichnet? 

Wie willkürlich übrigens jede derartige Terminologie ist, 
erhellt aus einer Bemerkung von Griesinger, der das Nacht- 
wandeln bei kurzer Dauer zu den Schlafzuständen, bei langer 
Dauer zu den Geistesstörungen rechnet. 

Die Hypnose mit der Hysterie in Verbindung zu bringen 
und als künstliche Hysterie resp. als künstliche Neurose zu be- 
zeichnen, ist nicht neu. Demarquay und Giraud-Teulon 
haben auf die Analogien hingewiesen, und in neuerer Zeit hat 
Charcot seine drei Stadien als „grande nevrose hypnotique" 
beschrieben. Auch Dumontpallier hält die Hypnose für eine 
experimentelle Neurose. Ich möchte darauf dasselbe bemerken, 
wie bei den Geistesstörungen. Charcot hat durch Suggestion 
das Bild einer Neurose, und zwar der Hysterie, zu Stande gebracht. 
Dass bei seinen Fällen von „grande hysterie" dies relativ leicht 



16(3 Hypnose und Neurosen. 

war, kommt noch hinzu, da Erscheinungen, die bei einer Person 
im wachen Leben bestehen, in der Hypnose leichter hervorgebracht 
werden können, als andere (Grass et). Ich wiederhole: man 
kann genau bei andern die Suggestion des Stotterns machen ; wenn 
der Betreffende dann stottert, müsste man schliessen, dass die 
Hypnose ein Stottern ist. Uebrigens hat Charcot nie behauptet, 
dass die Zustände, wie sie ausserhalb seiner drei Stadien vor- 
kommen, und wie sie die Nancyer beobachten, eine Neurose dar- 
stellen; im Gegentheil, er schliesst sie direct hiervon aus. 

Auch andere Zustände sind gelegentlich mit der Hypnose ver- 
glichen worden. Ich erwähne kurz die Katalepsie, eine Krank- 
heit oder ein Krankheitssymptom, wo die Glieder jede beliebige 
Stellung annehmen, die man ihnen giebt; ich erwähne die Lethargie, 
einen eigenthümlichen Schlafzustand, bei welchem ein künstliches 
Erwecken schwer oder gar nicht möglich ist, und zu der die bei 
den westafrikanischen Negern beobachtete Krankheit Hypnosie 
zu gehören scheint. Auch die Thomsen'sche Krankheit, wo 
bei willkürlichen Bewegungen eine Muskelcontractur entsteht, 
wurde zum Vergleich herangezogen; ebenso epileptische 
Bewusstseinsstörungen. Ich übergehe die Intoxikations- 
erscheinungen des Alkoh ols, Chloroforms, Aethers, Opiums 
und besonders des Haschisch, die wegen der hierbei auftreten- 
den Sinnestäuschungen zur Hypnose in Beziehung gebracht wurden. 
Ich erwähne hier die Narkolepsie. Es ist dies eine Krankheit, 
die in periodischen Anfällen von Schlafsucht besteht, und die von 
Geline au, Eousseau, Ballet u. a. beschrieben worden ist. In 
das Gebiet dieser allerdings beliebig weit zu umgrenzenden Nar- 
kolepsie würden auch einige Fälle, deren Aehnlichkeit mit der 
Hypnose unverkennbar ist, gehören, die D r o s do w als M o r bu s 
hypnoticus bezeichnet. Man könnte die Zustände, wie (S. 20) 
schon angedeutet, als Autohypnose betrachten. Einen hierher 
gehörigen Fall von Autohypnose veröffentlichte Vizioli, dem es 
gelang, dem betreffenden Sujet die verschiedensten Eingebungen 
und sogar posthypnotische Suggestionen zu machen. Die Termi- 
nologie ist hier natürlich sehr willkürlich; man könnte die Zustände 
mit gleichem Recht zum spontanen Somnambulismus rechnen, der 
ausnahmsweise nicht aus dem gewöhnlichen Schlaf, sondern direct 
aus dem wachen Leben entstände. Hierher würde dann auch der 
berühmte Fall von Motet zu rechnen sein, der forensisch eine 
grosse Rolle spielte. Es handelte sich um einen Mann, der an 
autohypnotischen Zuständen litt, in denen er criminelle Handlungen 
ausführte. Auf Motets Gutachten hin erfolgte Freisprechung. 



Hypnose und Neurosen. 1(37 

Ein Fall von Dufay lag fast identisch. Höchst unlogisch wäre 
es übrigens, die Hypnose desswegen nun als einen krankhaften 
Zustand aufzufassen, weil das Bild der Hypnose uns anscheinend 
in manchen Formen des Morbus Hypnoticus als Krankheit ent- 
gegentritt. Dieser Schluss wäre genau ebenso verfehlt, wie wenn 
man etwa das Gähnen desshalb für eine Krankheit auffassen würde, 
weil es Personen giebt, die an Gähnkrämpfen leiden, wobei gleich- 
falls das Gähnen in abnorm gesteigertem Masse auftritt (Ocho- 
rowicz). Aehnlichkeit mit der Hypnose bietet vielfach die Lata 
(Bastian, O'Brien, Forbes). Eigentlich ist Lata die Be- 
zeichnung für den Patienten. Es ist dies eine bei den Malayen 
vorkommende Krankheit, bei der der Patient ähnlich wie bei der 
Fascination alle möglichen Bewegungen, die jemand macht, nach- 
ahmt. Eine gleiche Krankheit findet sich im Staate Maine in 
Nordamerika, wo sie als Jumping (Beard) und in Sibirien, 
wo sie als Miryachit (Hammond) beschrieben wurde. 

Ich erwähne hier nochmals, das Typische ist bei der Hypnose 
in erster Linie die vermehrte Suggestibilität. Durch sie kann man 
die verschiedensten Krankheitsbilder hervorbringen, die mit anderen 
identisch scheinen. Wir dürfen aber desshalb die Hypnose nicht 
mit diesen Krankheiten identificiren. Die Suggestibilität ist das 
Charakteristikum in der Hypnose, ebenso das beliebige schnelle 
Aufhören derselben. Beides vereint finden wir nicht in den Psy- 
chosen, nicht in den Neurosen, wohl aber im Schlaf, wo die Nerven- 
reizträume durch die Suggestibilität entstehen, und wo ein beliebiges 
Erwachen durch äussere Reize jeder Zeit erfolgen kann. Wenn 
nun aus den oben auseinandergesetzten Gründen eine Identificirung 
zwischen Hypnose und Schlaf dennoch nicht richtig ist, so muss 
ich nochmals trotz der anscheinenden grossen Verschiedenheit dieser 
Zustände auf deren sehr nahe Verwandschaft hinweisen; wenigstens 
dann, wenn es sich um eine Hypnose der zweiten Gruppe handelt. 



Wesentlich erschwert wird der Vergleich der hypnotischen 
Zustände mit anderen abnormen Zuständen dadurch, dass die ein- 
zelnen Erscheinungen der Hypnose auch im normalen wachen Leben 
beobachtet werden. Ein Symptom z. B., das bei A. im normalen 
Zustande nicht existirt, wohl aber in der Hypnose auftritt, findet 
sich bei B. im normalen wachen Leben. Es bezieht sich dies ins- 
besondere auf Suggestionserscheinungen, die, wie ich (S. 43) zeigte, 



I 

1(38 Suggestionen im wachen Zustand. 

normaliter existiren, aber bei dem einzelnen Individuum während 
der Hypnose eine Steigerung erfahren. Die Suggestibilität einzelner 
Personen ist im wachen Leben ausserordentlich verschieden; ich 
habe S. 43 schon von Suggestionen gesprochen, die wir im wachen 
Leben finden und aus denen wir keineswegs den Schluss auf Hypnose 
machen würden. Es sind aber ausserdem eine Reihe von Sug- 
gestionserscheinungen im wachen Zustand beschrieben worden, die 
man geneigt ist, für ein Privilegium der Hypnose zu halten. Unter 
denen, die auf diesem Gebiete Beobachtungen gemacht, sind zu 
nennen Braid, die amerikanischen Elektrobiologen, Heiden- 
hain, Berger, Richet, Levy, Bernheim, Beaunis, Lie- 
geois, Forel. 

Man findet derartige Erscheinungen im wachen Leben sowohl 
bei Personen, die früher hypnotisirt waren, als auch bei solchen, 
die noch niemals einem derartigen Versuche sich unterzogen haben. 
Man kann auf diese Weise Contracturen, Lähmungen, Stummheit 
und alle möglichen anderen Bewegungsstörungen schaffen. Ja man 
ist nach Angabe einiger Autoren im Stande, Hallucinationen ohne 
Hypnose zu erzeugen. 

Indessen scheinen mir viele Untersuchungen, namentlich die 
Schlüsse, die daraus gezogen werden, an zwei Fehlern zu kranken. 
Diejenigen, die von Suggestion im wachen Zustand (Suggestion ä 
veille) sprechen, vergessen dabei Folgendes: erstens, dass über- 
haupt ein Schlaf für viele hypnotische Suggestionen gar nicht nöthig 
ist Die Autoren verwechseln aber bei den Suggestionen im wachen 
Zustande oft Hypnose mit Schlaf. Wir haben gesehen, dass die 
leichten Hypnosen wesentliche Erscheinungen des Schlafes nicht 
darbieten. Von dem Begriffe „Schlaf können wir mithin es auch 
nicht abhängig machen, ob wir einen Zustand mit Contracturen u. s. w. 
als Hypnose bezeichnen oder nicht. Das zweite aber, was jene 
Autoren gewöhnlich vergessen, ist, dass sie bei diesen Suggestionen 
im wachen Zustande desswegen die Hypnose ausschliessen, weil sie 
ohne ihre sonst angewendeten Hypnotisirungsmittel zu Stande 
kommen. Nun sind diese aber zum Eintritt der Hypnose nicht un- 
bedingt nöthig. Wir dürfen die Frage, ob Hypnose vorhanden ist 
oder nicht, gar nicht abhängig machen von den angewendeten 
Mitteln. Es würde die ganze Wissenschaft auf den Kopf stellen, 
wenn wir das Vorhandensein eines bestimmten Zustandes nur da 
annehmen, wo ein bestimmtes Mittel angewendet wurde, das ge- 
wöhnlich diesen Zustand herbeiführt. Wir müssen meiner Ansicht 
nach vielmehr bei diesen Dingen stets den Zustand und die Symp- 
tome desselben für sich betrachten. Wenn wir nun einen gewissen 



Suggestionen in scheinbar wachem Zustand. 169 

Grad von Suggestibilität, Amnesie u. s. w. als Symptom der Hyp- 
nose auffassen, so bleibt uns nichts übrig, als viele, ich will nicht 
sagen alle jene Zustände gleichfalls als Hypnose aufzufassen, die 
meistens als Suggestion ohne Hypnose beschrieben wurden. Die 
wesentliche Erscheinung der Hypnose, so sehen wir, ist die, dass 
eine bestimmte aufgenommene Vorstellung die Neigung hat, sich 
umzusetzen in eine entsprechende Bewegung, Sinnestäuschung u. s. w. 
Wir sahen weiter, dass der Experimentator mit grosser Schnellig- 
keit im Stande ist, die den Hypnotischen beherrschende Idee 
wechseln zu lassen, d. h. die verschiedensten Dinge schnell hinter 
einander zu suggeriren. Wenn wir nun dasselbe auch anscheinend 
ohne Herbeiführung einer Hypnose erreichen, so müssen wir doch 
den Zustand als Hypnose bezeichnen, zumal wenn, wie es bei den 
Sinnestäuschungen gewöhnlich der Fall ist, nachher Amnesie be- 
steht. In Wirklichkeit wird auch ein hypnosigenes Mittel an- 
gewendet, und zwar in doppelter Hinsicht. 

Einmal sahen wir, ist es nicht unbedingt nöthig, um Hypnose 
herbeizuführen, dass die ganze Aufmerksamkeit auf die Hypnose 
concentrirt sei; es genügt vielmehr eine einseitig concentrirte 
Aufmerksamkeit. Diese einseitige Concentrirung findet aber gerade 
bei diesen Versuchen gewöhnlich statt. Um z. B. ein Keatalepsie 
des rechten Armes im wachen Zustand zu erreichen, macht der 
Experimentator oft mesmerische Striche längs des Armes. Dies 
führt aber, wie ich (S. 52) zeigte, zu einer Concentrirung der Auf- 
merksamkeit der Versuchsperson auf das zu erreichende Resultat. 
Jedenfalls geht aus vielen diesbezüglichen Versuchen klar hervor, 
dass die Aufmerksamkeit der Versuchsperson auf ein zu erreichen- 
des Resultat concentrirt ist. Diese Concentrirung ist aber an sich 
schon ein hypnosigenes Mittel. 

Hierzu kommt, dass bei einer derartigen Suggestion gewöhnlich 
der Versuchsperson das Bild einer früheren Hypnose in Erinnerung 
kommt ; die Idee der Hypnose genügt aber, um diese selbst herbei- 
zuführen. Es genügt desshalb oft, eine Suggestion zu machen, die 
in früherer Hypnose schon gemacht war, um den Neueintritt einer 
Hypnose zu erreichen (Marin). 

Dass in Wirklichkeit eine Hypnose eintritt, geht daraus hervor, 
dass man andere Suggestionen gewöhnlich mit derselben Schnellig- 
keit erreicht, wie in der wahren Hypnose, z. B. Lähmungen, 
Contracturen u. s. w.; bei den tieferen Zuständen, wo es sich um 
Sinnestäuschungen handelt, tritt gewöhnlich noch Amnesie hinzu. 
Es kommt oft ferner hinzu der veränderte Gesichtsausdruck der 
Person, der vollständig dem der Hypnose entspricht. Dass es sich 



170 Kennzeichen zur Beurtheilung des Zustandes. 

in vielen Fällen um wahre Hypnose handelt, folgt endlich daraus, 
dass die Person oft nur beeinflusst wird von einem, ganz ähnlich 
dem Kapport in der Hypnose. 

Aus den erwähnten Gründen glaube ich, viele derartige 
Zustände als wahre Hypnose auffassen zu müssen und nicht als 
Suggestion ohne Hypnose. Theilweise haben dies übrigens die 
Nancyer, z. B. Liegeois und Beaunis erkannt. Doch haben 
sie jedenfalls diesem Punkte nicht die Bedeutung beigemessen, die 
er verdient hat. Sie hielten manche dieser Zustände für eine 
Mittelform von Hypnose und wachem Zustand, die sie mit den 
(S. 115) beschriebenen Zuständen von veille somnambulique 
identificirten. 

Ich weiss es sehr wohl, dass aus dem, was ich gesagt habe, 
sehr leicht der Schluss gezogen werden könnte, als ob alle diese 
Suggestionen in einer Hypnose gemacht würden. In der That ist 
es auch sehr schwer, sichere Kennzeichen anzugeben, um im 
Einzelfall die Entscheidung zu treffen. Der Zweck meiner Aus- 
führungen ist lediglich der, darauf hinzuweisen, dass eine Hypnose 
durchaus bestehen kann, ohne dass die gewöhnlichen Hypnoti- 
sirungsmittel, z. B. das Nancy er Verfahren, angewendet wurden, 
um die Hypnose herbeizuführen. Ich habe übrigens stets meine 
ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet, die Suggestion im wachen 
Leben nicht aufkommen zu lassen, zumal Sinnestäuschungen 
unmöglich zu machen. 

An sich wird es oft schwer sein zu entscheiden, ob ein 
hypno tischer oder nicht hypnotischer Zustand vorhanden ist, weil 
die einzelnen hypnotischen Symptome sich bei einzelnen Leuten 
auch ohne Hypnose zeigen können. Selbst Sinnestäuschungen 
kommen gelegentlich ohne Hypnose, ohne Schlaf, ohne Geistes- 
störung vor, wenn nur gewisse Umstände den Geist in einer 
bestimmten Eichtung beeinflussen. Um nur einige Beispiele anzu- 
führen, so erwähne ich die so häufige Geruchshallucination. Nach- 
wirkungen von Gerüchen trotz Entfernung des riechenden Gegen- 
standes sind sehr häufig. Ebenso häufig sind Sinnestäuschungen 
des Auges. Viele Leute haben schon in der Dämmerung bei einer 
Wanderung durch den Wald Bäume für Menschen gehalten. Bekannt 
sind die Gesichtshallucinationen, die Go e the durch einen Willensact 
bei sich erzeugte. Delboeuf beschreibt gleichfalls eine Gesichts- 
hallucination von seiner verstorbenen Mutter, die er im wachen 
Leben hatte und die er durch die Verstandesthätigkeit voll- 
kommen corrigiren konnte. Wenn also selbst Sinnestäuschungen 
ohne hypnotischen Zustand vorkommen, so leuchtet wohl die 



Kennzeichen zur Beurtheilung des Zustandes. 171 

Schwierigkeit ein, aus einem einzelnen Symptome auf die Hypnose 
zu schliessen. 

Ich möchte als die Hauptpunkte, um die Frage zu entscheiden, 
ob Suggestion im nicht hypnotischen Zustande oder in Hypnose, 
folgende bezeichnen: 1) Welcher Art sind die Suggestionen; sind 
diese von der Art, dass sie normaliter nur selten vorkommen? 

2) Sind nach Gelingen einer Suggestion die anderen Suggestionen 
mit derselben Schnelligkeit zu erzeugen wie in Hypnose, oder ist 
für jede einzelne Suggestion eine längere Vorbereitung nöthig? 
Schnelles Gelingen der folgenden Suggestionen spricht für Hypnose. 

3) Ist die Versuchsperson nach Gelingen einer Suggestion im 
Stande, durch einen Willensact sich weiteren Suggestionen zu ent- 
ziehen oder nicht? Ist sie nicht dazu im Stande, so würde dies 
für hypnotischen Zustand sprechen. 4) Besteht ein Rapport, d. h. 
ist die Versuchsperson nur durch eine oder durch alle Personen 
zu beeinflussen? Rapport spricht für Hypnose. 5) Sind somatische 
Symptome vorhanden, welche die Hypnose beweisen? 6) Besteht 
nachher Amnesie für die Vorgänge? Amnesie spricht gleichfalls 
für Hypnose. 

Bei den vielen Uebergängen zwischen Hypnose und wachem 
Leben wird die Entscheidung oft schwer sein; von den eben an- 
geführten Punkten reicht keiner allein hin, um die Entscheidung 
zu geben. 

Wie wenig scharf Hypnose und waches Leben von einander 
getrennt sind, zeigt auch der Fall sehr deutlich, wo man Personen 
durch scharfes Fixiren zu irgend etwas zu veranlassen sucht. 
Ein Lehrer, der sich von dem Schüler belogen glaubt, fixirt ihn 
scharf, um die Wahrheit zu erfahren, ganz wie wir es bei der 
Fascination thun. Dieses scharfe Fixiren ist im Stande, eine ge- 
wisse Willenshemmung bei Personen zu erzeugen, ähnlich wie wir 
es in der Hypnose gesehen haben. Man wird hieraus die Analogie 
einestheils erkennen, andererseits aber auch die Schwierigkeit, zu 
entscheiden, wo die Hypnose anfängt und das wache Leben 
aufhört. 



Aehnliche, vielleicht identische Zustände, wie die Hypnose 
beim Menschen, kommen auch bei Thieren vor, und können 
leicht experimentell erzeugt werden. Der erste hierher gehörige 
Versuch wird auf den Jesuitenpater Kircher zurückgeführt; es 



^72 Hypnose bei Thieren. 

ist das sogenannte experiinentum mirabile Kircheri. Kirch er 
beschreibt 1646 diesen Versuch. Doch wurde schon mehrere Jahre 
früher (nach Preyer) von Schw enter das Experiment gemacht. 
Das Wesentliche dieses auch heute noch mitunter angestellten Ver- 
suches ist, dass man eine Henne mit der Hand auf dem Boden 
festhält; besonders drückt man den Kopf nach unten. Darauf 
zieht man, von dem Schnabel ausgehend, einen Kreidestrich auf 
dem Boden. Die Henne bleibt alsdann ruhig sitzen, ohne sich zu 
bewegen. Schon Kircher nahm an, dass es sich hierbei wesent- 
lich um die Einbildung des Thieres handele; dasselbe glaube, dass 
es gefesselt sei und bleibe desswegen ruhig sitzen. Czermak 
nahm die Versuche an verschiedenen Thieren auf und erklärte 
1872, dass ein hypnotischer Zustand bei vielen Thieren ebenso 
wie bei jener Henne erzeugt werden könne. Preyer begann 
kurz darauf, sich gleichfalls mit dieser Frage zu beschäftigen und 
machte auch ähnlich wie Czermak eine Reihe von Versuchen. 
Preyer unterscheidet jedoch zwei Zustände bei den Thieren, die 
Kataplexie, eine Schreckwirkung und die hypnotischen Zustände. 
Ausser den genannten Autoren beschäftigten sich noch mit der Frage 
Heubel, Eichet, Danilewsky und Eieger. 

Die Versuche wurden wesentlich an Fröschen, Krebsen, Meer- 
schweinchen und Vögeln gemacht. Ich selbst habe zahlreiche Ver- 
suche an Fröschen angestellt. Feststehend ist nun Folgendes: 
viele der genannten Thiere behalten eine bestimmte Lage un- 
beweglich bei, nachdem man sie in derselben eine Zeitlang fest- 
gehalten hat. Ueber die Auffassung dieses Zustandes jedoch sind 
die Ansichten verschieden. Preyer hält viele dieser Zustände 
für eine Schrecklähmung oder Kataplexie, die durch einen plötz- 
lichen peripheren Eeiz eintrete. Jedenfalls wird man hier lebhaft 
an die Katalepsie der Salpetriere erinnert, die auch bei einem 
starken äusseren Eeiz eintritt. Durch plötzliche Wirkung des 
Drummond'schen Kalklichtes soll auch beim Hahn eine ähnliche 
Wirkung zu Stande kommen, wie bei den Hysterischen (Ei eher). 
Im Allgemeinen jedoch ist der äussere Eeiz bei den Thieren ein 
tactiler, wie er beim plötzlichen Anfassen und Zugreifen ausgeübt 
wird. Heubel hält diese Zustände der Thiere für einen wirk- 
lichen Schlaf, der durch das Aufhören äusserer Eeize eintrete, und 
Wundt scheint sich dem anzuschliessen. Eieger hat speciell 
gezeigt, dass der Frosch nicht nur auf dem Eücken, sondern auch 
in aufrechter Stellung verharrt, wenn man ihn durch Anlehnen 
vor dem Umfallen schützt. Man kann die Hinterpfote des auf dem 
Eücken liegenden Frosches mechanisch ausstrecken, ohne dass das 



Hypnose bei Thieren. 173 

Thier dieselbe wie sonst zurückzieht. Nach Rieh et tritt ein 
solches Zurückziehen jedoch sofort ein, wenn unterhalb der medulla 
oblongata das Rückenmark durchtrennt wird. Interessant ist ferner, 
dass, wenn man einen „hypnotischen" Frosch in eine bestimmte 
Stellung bringt, er nach kurzer Zeit schon dieselbe verlässt; je 
öfter man aber das Experiment macht, um so längere Zeit bleibt 
schliesslich der Frosch liegen. Ich habe in dieser Weise stunden- 
lang Frösche in Rückenlage verharren sehen, ja ich sah mehrfach, 
ohne dass das Thier sich umgedreht hätte, in dieser Lage den Tod 
eintreten. Je tiefer der Zustand ist, um so weniger reagirte das 
Thier auf äussere Reize; dasselbe bleibt schliesslich auch bei ziem- 
lich starkem Geräusche, resp. Hautreizen liegen. Danilewsky 
hat eine Reihe von Untersuchungen angestellt, aus denen er be- 
sonders auf regelmässige Veränderungen der Reflexerregbarkeit 
schliesst; doch konnte Rieger dies nicht bestätigen. Danilewsky 
hat ferner in ähnlicher Weise in neuerer Zeit weitere Versuche 
gemacht, die ausserordentlich interessant sind, und die hoffentlich 
noch von ihm fortgesetzt werden. Es sollen nach ihm nach Fort- 
nahme der Hirnhemisphäre beim Frosch kataleptoi'de Stellungen 
leicht eintreten; es sollen ferner bei Thieren, die nach Verletzung 
der halbzirkelförmigen Canäle die sogenannten Reitbahnbewegungen 
gezeigt haben, diese in der „Hypnose" schwinden. Erwähnenswerth 
sind noch die Versuche von Harting, der nach wiederholten hyp- 
notischen Versuchen an Hühnern bei denselben hemiplegische Er- 
scheinungen beobachtete, wie Milne-Edwards in der Pariser 
Akademie der Wissenschaften mittheilte. 

Ich will die Frage nicht zur Entscheidung bringen, worum es 
sich bei diesen Thierversuchen handelt. Ich glaube auch nicht, 
dass dieselben irgendwie zur Aufklärung über die hypnotischen 
Erscheinungen beim Menschen etwas beitragen werden. 

Es Hessen sich vielleicht noch eine Reihe anderer Beobachtungen 
an Thieren, die mehr zu praktischen Zwecken gemacht wurden, an- 
führen, die man gleichfalls als hypnotische Erscheinungen betrachten 
könnte. Ich erwähne hier das sogenannte Baiassiren der Pferde, 
eingeführt von dem Rittmeister Bai assa, ein Verfahren, das heute 
noch in Oesterreich beim Hufbeschlag für die Armee gesetzlich 
eingeführt ist (Ob er st ein er). Es beruht dies wesentlich auf 
einem scharfen Fixiren der Pferde, ähnlich wie bei der Fascination 
des Menschen. Hier wären auch die zahlreichen Versuche von 
Wilson zu erwähnen, der in London im Jahre 1839 eine Anzahl 
Thiere, Elephanten, Wölfe, Pferde etc. hypnotisirt haben soll. Die 
Fascination finden wir auch bei vielen Thierbändigern, deren erstes 



174 Fakire. 

Princip eine scharfe Fixation des betreffenden Raubthieres ist. 
Das Festbannen der Vögel durch den Blick der Schlange führen 
viele heute auf eine Fascination zurück. Den Winterschlaf der 
Thiere glauben Liebeault und Forel als eine Autohypnose be- 
trachten zu müssen, ähnlich wie vielleicht die eigenthümlichen 
wochen- und monatelang andauernden Schlafzustände der indischen 
Fakire als solche betrachtet werden müssen (Fischer). 

Von diesen letzteren berichten uns übrigens eine Reihe glaub- 
würdiger Zeugen und Schriftsteller (Jacolliot, Hildebrandt, 
v. Hellwald) noch andere viel räthselhaftere Dinge, die zum 
Theil, wenn wir sie nicht einfach als Taschenspielerkunststücke 
betrachten wollen, einem Erklärungsversuch auf der Basis unserer 
heutigen Wissenschaft Hohn sprechen. So erzählt Hildebrandt 
u. a., er habe in einem Tempel der Hindus einen Fakir sitzen 
sehen, der in kauernder Stellung seinen linken Arm hoch auf- 
gerichtet gegen den Himmel hielt; aber der Arm war längst ab- 
gestorben und so vertrocknet, dass man die Haut hätte herunter- 
reissen können ; einem anderen Fakir war der Nagel des Daumens, 
den er gegen die Handfläche gestemmt hielt, bereits tief in das 
Fleisch hineingewachsen. Ferner sollen einzelne jener Leute im 
Stande sein, einen Einfluss auf das Wachsthum der Pflanzen aus- 
zuüben und dieses rapide zu beschleunigen, wie Görres schon 
früher berichtete. Hierher gehören auch die Fälle, wo Fakire an- 
geblich wochen- und monatelang begraben waren und dennoch später 
wieder zu normalem Leben zurückgekehrt sein sollen (?). Selbst- 
verständlich ist hier die grösste skeptische Zurückhaltung geboten. 
Indessen selbst ein so objectiver wissenschaftlicher Forscher wie 
v. Hellwald meint, dass zwar viel Taschenspielerei dabei sei, 
dass aber doch vielleicht ein gewisser Rest von Erscheinungen 
bestehen bleibe, den uns erst eine spätere Aufklärung wird ver- 
stehen lassen. 

Ich wollte diese Dinge und insbesondere die Thierversuche 
nur kurz erwähnen; auf Einzelheiten einzugehen würde zu weit 
führen. Wer sich hierfür interessirt, findet in Preyers Buch, 
„Die Kataplexie und der thierische Hypnotismus", genügend Material. 
Für die hypnotischen Erscheinungen beim Menschen können wir diese 
Zustände allenfalls als Analogien erwähnen ; einen weiteren Werth 
haben sie für unser Thema nicht. 



V. Theoretisches. 



Wir haben in dem Vorhergehenden gesehen, dass die Sympto- 
matologie der Hypnose eine ausserordentlich mannigfaltige ist, und 
es fragt sich nun : haben wir eine Erklärung für die Erscheinungen 
der Hypnose? Ehe wir auf diese Frage antworten, müssen wir 
uns über den Begriff „erklären" einigen. Erklären heisst: Un- 
bekanntes auf Bekanntes zurückführen. Da wir nun über das 
Wesen unserer seelischen Vorgänge nichts wissen, so ist es auch 
unmöglich, dass wir über das seelische Verhalten während der 
Hypnose eine befriedigende Auskunft erwarten. Es scheint daher 
für heute nöthig, dass wir als Erklärung der Hypnose es uns ge- 
nügen lassen, wenn es uns gelingt, Parallelerscheinungen für die 
Vorgänge der Hypnose mit solchen des nichthypnotischen Lebens 
nachzuweisen, ev. die wahren und scheinbaren Differenzen des hyp- 
notischen und nichthypnotischen Lebens festzustellen und sodann, 
was die Hauptsache ist, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen 
den besonderen Erscheinungen des Hypnotismus mit den zu ihrer 
Erzeugung angewendeten Mitteln zu finden. Ein Beispiel soll dies 
deutlicher machen. Ich nehme an, wir wollen eine Erklärung der 
negativen Hallucinationen des Auges in der Hypnose finden. Wir 
haben alsdann zunächst eine Parallelerscheinung in einem nicht- 
hypnotischen Zustande zu suchen. Haben wir nun einen Fall ge- 
funden, wo ausserhalb der Hypnose ein Object nicht wahrgenommen 
wird, trotzdem das Auge es sieht, so haben wir zu fragen, ob, resp. 
welcher Unterschied zwischen dieser Erscheinung und der der 
Hypnose besteht. Wir werden dann finden, dass in der Hypnose 
gerade diejenigen Gegenstände nicht wahrgenommen werden, deren 
Wahrnehmung der Experimentator verbietet; dass hingegen ohne 
Hypnose im wachen Leben solche Gegenstände mit grösster Sicher- 
heit wahrgenommen würden, deren Nichtvorhandensein man jemandem 
versichern würde. Diesen Differenzpunkt würde alsdann die eigent- 
liche Erklärung berücksichtigen müssen. Es wird sich dann her- 
ausstellen, dass er sich wesentlich durch einen eigenthümlichen 
Bewusstseinszustand, das sog. Traumbewusstsein erklärt; und es 



176 Studium der Uebergangszustände und Selbstbeobachtung. 

würde schliesslich nur noch zu fragen sein, wie die Entstehung 
dieses Traumbewusstseins durch die Hypnosigenese erklärt werden 
kann. Gelingt es nicht, irgendwo eine Parallelerscheinung für 
Vorgänge der Hypnose zu finden, so können wir für heute Er- 
klärungsversuche aufgeben. 

Ich glaube nun, dass wir bereits jetzt im Stande sind, in dem 
geschilderten Sinne für manche hypnotische Erscheinung eine Er- 
klärung zu geben. Jedenfalls ist es bereits gelungen, so mannig- 
fache Analogien zu den Erscheinungen der Hypnose zu finden, 
dass wir heute nicht mehr die Hypnose als etwas Mystisches auf- 
zufassen brauchen. Wir brauchen nicht mehr an die absolute 
Unbegreiflichkeit der hypnotischen Vorgänge zu glauben, wie es 
noch vor kurzem der Fall war. Dieser Fortschritt ist dadurch 
gemacht worden, dass wir das von Obersteiner empfohlene 
Mittel befolgten, d. h. auf das Genaueste die Uebergangszustände 
aus dem normalen Leben zur Hypnose studirten und verfolgten. 
Wir haben dadurch auch viele alltägliche Vorgänge zur Hypnose 
in Beziehung bringen können und viel mehr Anknüpfungspunkte 
mit dem normalen Leben gefunden, als man häufig annimmt. Ja 
ich glaube, wie erwähnt, dass wir auf dem Wege der Analogie 
bereits heute im Stande sind, einzelne hypnotische Phänomene zu 
erklären; ganz besonders glaube ich, im Stande .zu sein, für viele 
posthypnotische Suggestionen heute bereits eine Erklärung im 
obigen Sinne zu geben. 

Freilich bleibt noch sehr vieles zu thun übrig; es ist ins- 
besondere nöthig, dass eine Untersuchungsmethode mehr angewendet 
werde, als bisher, nämlich die Selbstbeobachtung. Ein unangenehmer 
und bedauerlicher Nachtheil ist es freilich oft, dass starke Selbst- 
beobachtung leicht den Eintritt der Hypnose verhindert; aber ich 
glaube andererseits, dass auch desswegen noch die Erklärung für 
viele hypnotische Erscheinungen dunkel ist, weil wir noch zu 
wenig selbst beobachten. Zuverlässige Forscher, wie Bleuler, 
Forel, Obersteiner, North, Heidenhain u. v. a. haben 
zwar durch ihre Angaben über das von ihnen während der Hypnose 
Wahrgenommene und Erlebte einen kleinen Beitrag geliefert; doch 
sollten gerade von intelligenten Personen öfter derartige Beobach- 
tungen vorgenommen und von Forschern verwerthet werden. 

Wenn wir nun auf Grund des bereits vorliegenden Materials 
zu einer Erklärung der Hypnose übergehen wollen, so müssen 
wir uns ohne weiteres sagen, dass wir das nicht in wenigen 
Worten bewirken können, da eben die Symptomatologie eine sehr 
mannigfaltige ist. Ich halte es überhaupt für wahrscheinlich, und 






Die zu erklärenden Erscheinungen. 177 

schon Braid u. a. hat diese Annahme ausgesprochen, dass man 
nnter dem Begriff „Hypnose" eine ganze Reihe verschiedener 
Zustände zusammenfasst, deren genaue Trennung heute zwar noch 
nicht möglich, sicherlich später aber durchgeführt werden wird. 
Unter diesen Umständen halte ich es für das Richtigste, die am 
häufigsten beobachteten und am sichersten festgestellten Erschei- 
nungen der Hypnose einzeln zu erörtern und womöglich zu erklären. 
Auf Vollständigkeit und auf Eingehen in Einzelheiten muss ich 
hier verzichten, um die theoretischen Erläuterungen nicht zu sehr 
auszudehnen; ich behalte mir dies für eine besondere Arbeit vor. 
Die Hauptsymptome nun, die ich im Folgenden zu deuten versuche, 
sind: 1) die Suggestionserscheinungen im Gebiete der will- 
kürlichen Bewegungen, 2) die positiven und negativen Sinnes- 
täuschungen, 3) der Rapport, 4) die Erscheinungen im Gebiete des 
Gedächtnisses, 5) die postlrypnotische Suggestion. Diese Punkte 
werde ich nun einzeln besprechen und in dem oben angedeuteten 
Sinne zu erklären versuchen. Bei oberflächlicher Betrachtung 
könnte man es als das Wichtigste annehmen, dass die Entstehung 
der Hypnose aus den angewendeten Mitteln, nicht aber die einzelnen 
Symptome erklärt werden ; der Streit, welcher Weg richtig ist, der 
letztere oder der erstere, wäre aber nur ein Streit um Worte, weil 
die Hypnose fast niemals plötzlich entsteht, sondern allmählich 
durch Eintritt auf einander folgender Symptome sich entwickelt. 
So schliessen sich, um ein Beispiel anzuführen, in einem Falle 
zuerst die Augen, dann tritt auf Suggestion hin eine Schwere im 
linken Arm, dann in ihm eine Lähmung ein ; sodann wird der rechte 
Arm gelähmt; hierzu tritt durch Suggestion eine Sinnestäuschung. 
In dieser Weise entwickelt sich fast immer, vielleicht sogar immer, 
die Hypnose, indem ein Symptom zu dem anderen hinzutritt. 
Daraus folgt, dass die Erklärung der einzelnen Symptome identisch 
ist mit der Erklärung der Hypnosigenese; der Leser wird in der 
That auch finden, dass beides fast vollständig zusammenfällt, und 
besonders wird er in der Erklärung der abnormen Muskelfimctionen 
diese Thatsache deutlich erkennen. 



Das Verständniss für die verschiedenen Symptome des 
Hypnotismus wird uns wesentlich erleichtert, wenn wir uns erst 
über zwei Erscheinungen klar werden, die wir fast als Regeln 
— freilich als Regeln mit vielen Ausnahmen — im psychischen Ver- 

Moll, Hypnotismus. 12 



178 Die Gläubigkeit. 

halten des Menschen aufstellen können; diese zwei Erscheinungen 
werden zwar gewöhnlich nicht genügend berüchsichtigt, sind aber 
von ausserordentlicher Bedeutung nicht nur für den Hypnotismus r 
sondern auch für die gesammte Psychologie, Physiologie und 
Medicin. Die zwei Eegeln, die ich meine, lauten: 1) Dem Menschen 
wohnt eine gewisse Neigung inne, sich von anderen durch 
Vorstellungen beeinflussen zu lassen und insbesondere* 
vieles ohne bewusste logischeSchlussfolgerung zu glauben. 
2) Ein vom Menschen in seinem Organismus erwarteter 
psychologischer oder physiologischer Effect hat die- 
Neigung einzutreten. 

Betrachten wir zunächst den ersten Punkt. Es giebt zwar 
Menschen, die der Ansicht sind, dass sie äusseren psychischen Ein- 
wirkungen entgehen können; dem ist aber nicht so, da die Be- 
obachtung zeigt, dass jedermann mehr oder weniger durch Vor- 
stellungen beeinflusst wird (v. Bentivegni, Bernheim). Das 
ganze Leben ist voll von solchen Einflüssen, und solange es noch 
geistige Thätigkeit unter den Menschen geben wird, werden diese- 
Einflüsse wirken. Der Geselligkeitstrieb, das Bedürfniss, gegen-' 
seitig Meinungen auszutauschen, beweist das Bedürfniss, andere 
und sich selbst durch Vorstellungen beeinflussen zu lassen. Wenn 
jemand einen politischen Gegner zu seiner Ansicht bekehren will,, 
so geschieht dies dadurch, dass er in ihm bestimmte Vorstellungen 
erweckt und ihn dadurch zu beeinflussen sucht. Man glaube nur 
nicht, dass es etwa Leute mit einem geistigen Defect seien, die- 
in dieser Weise Vorstellungen zugänglich sind. Jeder Mensch 
bietet eine Lücke, wo diese Vorstellungen eindringen können. 
Ist es doch eine bekannte Erfahrung, dass gerade die grössten 
Leute, die ausgezeichnetsten Gelehrten oft von einem unter- 
geordneten Individuum beherrscht werden, das eben diese Lücke 
kennt, wo die Vorstellung Eingang findet. 

Ebenso ist die Neigung, auch ohne zwingende logische Beweis- 
führung, Dinge zu glauben, bei allen Menschen vorhanden; wir 
wollen diese Eigenschaft der Menschen als Gläubigkeit be- 
zeichnen. Diejenigen, welche das Bestehen der Gläubigkeit bei 
den Menschen bestreiten, beweisen damit gerade, dass ihnen jede 
Ueberlegungsfähigkeit abgeht (Forel). Es giebt keinen Menschen, 
der nur das glaubt und für richtig hält, was er durch logische 
Schlussfolgerung ermittelt hat. Unsere Sinneswahrnehmungen, 
zeigen uns dies auf das Deutlichste; bei ihnen findet wohl fast 
niemals ein bewusster logischer Schluss statt, und dennoch ist das,, 
was wir für ein äusseres Object halten, lediglich ein in unserer 



Der Autoritätsglaube. [79 

Seele vorgehender Act, der sich in keiner Weise mit dem uns 
unbekannten Object, dem „Ding an sich", wie es Kant nennt, 
deckt. Die Vorstellung des Objectes, die wir in uns haben, wird 
von den meisten fälschlicher Weise mit dem Object verwechselt 
(Spencer). Dieser alltäglich bei den Sinneswahrnehmungen ge- 
machte Fehler beweist, dass das bewusste logische Denken hier 
fehlt. Ganz besonders aber wird die Gläubigkeit des Menschen klar, 
wenn man sein Verhalten gegenüber Autoritätsaussprüchen und 
gegenüber häufig wiederholten Behauptungen beobachtet. Die 
ersteren führen uns zum Autoritätsglauben. Er zeigt sich am 
deutlichsten in der Kindheit, aber es steht auch der Erwachsene 
unter seinem Banne. 

Da gerade in der Kindheit die Gläubigkeit vermöge des Autoritätsglaubens 
sehr deutlich ausgeprägt ist, und da die Gläubigkeit auch in der Hypnose sich 
besonders zeigt, so hat man diese nicht selten mit dem Kindesalter verglichen 
(Copin, Miescher, Cullerre, Wernicke). Doch wird mitunter bei diesem 
Vergleiche Säuglingsalter mit Kindheit verwechselt, wie ich hier richtig stellen 
will. Voraussetzung für einen derartigen Vergleich müsste sein, dass man das 
Kindesalter wählt, in welchem Vorstellungen dem schon bestehenden Bewusstsein 
einverleibt werden können und nicht das Säuglingsalter, dessen Bewusstsein noch 
zu wenig ausgebildet ist. 

Um den Autoritätsglauben der Kindheit zu beweisen, nehmen 
wir ein einfaches Beispiel. Wenn mir in der Schule gesagt wurde, 
das Nordcap sei Europas nördlichster Punkt, so fehlte doch für 
mich jeder logische Beweis. Dennoch glaubte ich es, weil es im 
Buche stand und ganz besonders auf die Autorität des Lehrers 
hin. Dass aber der Autoritätsglaube nicht nur bei Kindern, sondern 
auch bei den Erwachsenen eine mächtige Rolle spielt, ist sicher; 
bei ihnen übt auf die Gläubigkeit noch etwas anderes einen 
wesentlichen Einfluss, nämlich, wie schon angedeutet, die häufige 
Wiederholung der gleichen Behauptung. Gerade ein für uns 
interessanter Vorgang zeigt dies auf das Klarste. Noch vor 
wenigen Jahren glaubten sehr viele, dass die Hypnose überhaupt 
nicht existire und der Glaube an sie lediglich der Simulation 
seinen Ursprung verdanke. Seitdem ist ein völliger Stimmungs- 
wechsel eingetreten. Sowohl das Eintreten einzelner Autoritäten 
für die Kealität der hypnotischen Phänomene, wie insbesondere 
die von Tag zu Tag mehr und mehr wiederholte Behauptung- 
zahlreicher Forscher, dass die Hypnose wirklich existire, haben 
einen vollkommenen Umschlag herbeigeführt. Aerzte u. a., denen 
doch trotzdem jede zwingende logische Beweisführung fehlt, haben 
ihren Glauben inbetreff des Hypnotismus gewechselt, ausschliesslich 
beeinflusst durch das häufige Anhören und Lesen der gleichen 
Behauptungen und durch den Autoritätsglauben. 

12* 



280 Eintritt erwarteter "Wirkungen. 

Ich hoffe, dass die vorhergehenden Ausführungen, die jeder 
durch zahlreiche Beispiele aus der Erfahrung sich ergänzen kann, 
genügend beweisen, was ich oben behauptete, dass nämlich dem 
Menschen eine gewisse Gläubigkeit innewohnt. Ich komme jetzt 
zur Erläuterung des zweiten oben aufgestellten Satzes, nämlich 
dass ein vom Menschen in seinem Organismus lebhaft erwarteter 
Vorgang die Neigung hat einzutreten. Wir können sie im ge- 
wöhnlichen Leben bei einer ganzen Eeihe von Erscheinungen 
finden, die nur demjenigen auffallen können und mystisch erscheinen, 
der diese Neigung nicht berücksichtigt. Uebrigens wurde von 
einer ganzen Eeihe englischer Forscher z. B. Carp enter, Hack 
Tuke, dieser Erscheinung eine nicht unwesentliche Bedeutung ein- 
geräumt. Um sie nun zu demonstriren, will ich eine Reihe von 
Vorgängen schildern. 

Es sind mehrfach Versuche gemacht worden, Personen, die an 
Schlaflosigkeit litten, dadurch in Schlaf zu bringen, dass sie ein 
indifferentes Mittel erhielten, das sie aber für ein Schlafmittel 
hielten. Der Schlaf tritt bei diesen Personen desswegen ein, weil 
sie ihn erwarteten. Sobald sie erfahren, dass das indifferente 
Mittel kein Schlafmittel ist, werden sie den Schlaf nicht erwarten, 
und infolge dessen wird er auch nicht eintreten. Schon hieraus 
wird man übrigens ersehen, — was sonderbarer Weise mitunter 
übersehen wird — dass es etwas wesentlich anderes ist, einen Zu- 
stand erwarten und ihn herbeiwünschen. Den Schlaf wünscht sich 
gar mancher herbei, wenn er an Schlaflosigkeit leidet, aber dennoch 
tritt der Schlaf nicht ein, weil er ihn nicht erwartet. Andere 
Beispiele will ich nun zeigen, aus denen die oben genannte Er- 
scheinung in allgemeinerer Giltigkeit sich zeigt. Wir können hier- 
her das Müdigkeitsgefühl rechnen, das oft dann eintritt, wenn die Zeit 
des Schlafens naht. Hier zeigt sich auch, wieviel die Gewohnheit bei- 
trägt, indem bekanntlich Leute, wenn sie längere Zeit gewöhnt sind, zu 
einer bestimmten Zeit schlafen zu gehen, gewöhnlich zu derselben Zeit 
von Müdigkeit befallen werden (Forel). Wir finden die genannte 
Regel sowohl bei den Functionen der motorischen als auch anderer 
Organe wieder. Nehmen wir den Fall einer hysterischen Lähmung; 
es ist eine bekannte Erfahrung, dass hysterische Lähmungen oft in 
dem Augenblicke geheilt werden, wo gerade der Patient die Heilung 
erwartet. Viele mystische Wirkungen erklären sich auf diese 
Weise. Bekanntlich können Hysterische öfter es voraus sagen, 
wann ihre Lähmung weichen wird. Diese Prophezeihungsgabe 
kann uns jetzt nicht verwundern, wenn wir die obige Regel be- 
rücksichtigen, da eben der Zusammenhang ganz anders ist, als es 






Eintritt erwarteter "Wirkungen. 181 

sich die an die Prophezeihungsgabe Glaubenden vorstellen. Weil 
nämlich der Hysterische die Heilung zu einem bestimmten Augen- 
blick erwartet, tritt die Heilung ein, und daher wird sich mitunter 
die vorausgegangene Prophezeihung bewahrheiten. 

Dass die genannte Regel nicht unbegrenzte Wirkung hat, ist 
selbstverständlich. Ein Mann mit schwerer Myelitis kann noch so 
lebhaft die Wiederbewegung der durch sie gelähmten Beine er- 
warten, sie wird nicht eintreten, weil dem schwerere Hindernisse 
entgegenstehen, die durch jene Neigung des Organismus, den er- 
warteten Effect eintreten zu sehen, nicht überwunden werden. 
Auch sonst stellen sich dieser letzteren oft Hindernisse in den 
Weg, die natürlich nicht die Neigung als solche, sondern nur deren 
Wirksamkeit bekämpfen. 

Die oben genannte Eegel zeigt sich ferner in der Beobachtung, 
dass Personen erbrechen, wenn sie das Erbrechen zu einer be- 
stimmten Zeit erwarten, zumal wenn sie glauben, dass sie ein 
Brechmittel genommen haben; ferner in der bei einzelnen Leuten 
beobachten Impotenz beim coitus, wenn sie diese erwarten; hierher 
gehört auch das Stottern, welches oft dann eintritt, wenn der 
Stotterer es erwartet. 

Dass auch die obige Regel im Bereiche der Sinnesorgane unter 
gewissen Umständen Geltung hat, wird durch zahlreiche Beobach- 
tungen bewiesen; v. Bentivegni erwähnt folgenden von Car- 
p enter berichteten Fall. Es sollte einmal die gerichtlich an- 
geordnete Ausgrabung einer Leiche stattfinden; man hatte das Grab 
geöffnet und den Sarg bereits gehoben; der anwesende Staats- 
anwalt erklärte, dass er schon ganz deutlich den Verwesungs- 
geruch wahrnehme. Als man den Sarg öffnete, fand sich dennoch 
darin nichts, er war leer. Hier war also eine deutliche Sinnes- 
empfindung lediglich dadurch eingetreten, dass der Betreffende er- 
wartete, dass ein Körper da sei, der diese Sinnesempfindung her- 
vorrufen konnte. Zahlreiche Beispiele im alltäglichen Leben zeigen 
uns dasselbe. Yung hat eine ganze Reihe von Versuchen ge- 
macht und gezeigt, wie auch der Tastsinn und besonders das Wärme- 
gefühl Täuschungen unterworfen ist, wie bestimmte Empfindungen 
stattfinden ohne äusseren Reiz, wenn man sie erwartet. Ich selbst 
habe öfter folgenden schon von Braid, Weinhold u. a. ange- 
stellten Versuch gemacht. Ich liess Personen, darunter auch 
Aerzten, die Augen verbinden, oder ich liess nur die Augen fest 
schliessen. Alsdann wurde dem Betreffenden gesagt, dass er mes- 
merisirt werden solle; selbst wenn dieses nun in Wirklichkeit 
nicht der Fall war, so glaubte der Betreffende doch gewöhnlich? 



182 Entwickelung der Bewegungsstörungen in der Hypnose. 

deutlich den Luftzug- zu spüren; er glaubte, genau den Moment an- 
geben zu können, wann die mesmerisirenden Manipulationen be- 
gannen. Auch hier sehen wir wiederum, dass eine bestimmte Em- 
pfindung eintrat, wenn der Betreffende sie lebhaft erwartete. 
Ebenso giebt es viele Leute, die bei einer Operation den körper- 
lichen Schmerz fast früher fühlen, als das Messer angesetzt wird, 
lediglich weil ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Beginn der 
Operation und den Eintritt des Schmerzes angespannt ist. 

Auch in anderen Wirkungen zeigt sich die obige Regel. Hier- 
her gehört die von F o r e 1 und vielen anderen berichtete Be- 
obachtung, dass es gewisse Volksmittel giebt, um die Menstruation 
etwas zu verzögern. In einer Stadt ist es bei vielen jungen 
Damen Mode, sich ein Band um den kleinen Finger zu binden, 
wenn sie die Menstruation um einige Tage verzögern wollen, bei 
deren rechtzeitigem Eintritt sie vielleicht am Besuche eines Balles 
verhindert würden. Gewöhnlich tritt der erwartete Effect ein; 
sobald die Person an die Wirksamkeit dieses Bändchens nicht 
mehr glaubt, ist die Wirkung sofort verschwunden. 

Ich hoffe, dass die bisherigen Auseinandersetzungen auch die 
zweite oben genannte Regel genügend erläutert haben. 



Ich gehe nach diesen Erörterungen zu der Besprechung ein- 
zelner Erscheinungen der Hypnose über, und zwar komme ich zu- 
nächst zu den in den willkürlichen Bewegungen auftretenden 
Functionsstörungen. Diese sind, wie ich in der Symptomatologie 
gezeigt habe, in jeder Hypnose vorhanden; ja sie treten fast stets 
auch dann als erstes Symptom auf, wenn noch andere Ver- 
änderungen sich zeigen. Die Störungen der willkürlichen Be- 
wegungen lassen sich am leichtesten auf Grund der eben ent- 
wickelten Regel verstehen, dass eine erwartete Functionsstörung 
eintritt, wenn nicht der Eintritt durch schwere Hindernisse 
mechanischer oder anderer Natur gehemmt wird. Es ist aber für 
das Verständniss dieser Dinge nöthig, dass wir gleichsam eine 
Hypnose allmählich entstehen lassen, in der die Bewegungs- 
störungen recht deutlich hervortreten. 

Um nun bei irgend einer Person X., die sich in vollkommen 
normalem Zustande befindet, irgend eine Bewegungsstörung zu er- 
reichen, ist es nach den vorangehenden Erörterungen nothwendig, 
in erster Linie die Aufmerksamkeit von X. wirklich in der ge- 



Entwickelung der Bewegungsstörungen in der Hypnose. 183 

wünschten Weise und nach der gewünschten Richtung anzuspannen, 
•um den Effect recht lebhaft erwarten zu lassen, d. h. man muss in 
der Person die Ueberzeugung von dem Eintritt der Wirkung ganz 
•und gar in den Vordergrund, oder wie es Fechner und Wundt 
nennen, in den inneren Blickpunkt, vorzuschieben wissen. Wenn 
-es gelingt bei einer Person, z. B. die ganze Aufmerksamkeit 
dadurch zu captiviren, dass sie ganz fest die Lähmung eines Armes 
erwartet, so tritt diese in der That sehr oft ein. 

Ungünstig für den Eintritt dieses Symptonies muss es offenbar sein, dass 
während in dieser Weise die Aufmerksamkeit angespannt sein soll, die Person 
viel kritisirt und überlegt. Findet dies statt, so ist eben die wirkliche Con- 
centration der Aufmerksamkeit ausgeschlossen. Um in einer Person die Auf- 
merksamkeit durch die eine Vorstellung zu beherrschen, sind noch andere zahl- 
reiche Bedingungen nöthig ; es sind dies im allgemeinen dieselben Bedingungen, 
die ich unter Hypnosigenese als für den Eintritt der Hypnose günstig hingestellt 
.habe. Dass z. B. die Umgebung, Stimmung des Sujets, sowie das Auftreten des 
Experimentators eine Rolle spielen, ist darnach ganz klar: dass die Imitation 
günstig wirkt, ist ebenfalls leicht erklärlich. Denn wir haben es hier eben mit 
Einflüssen zu thun, die es wesentlich erleichtern können, dass der betreffende 
Effect von Seiten des Sujets lebhaft erwartet wird. Jemand z. B., der nach ge- 
wissen Manipulationen bei anderen Personen eine Lähmung des Armes eintreten 
sah, wird eher dazu neigen, bei gleichen Einwirkungen dasselbe Resultat dar- 
zubieten, als eine Person, die nichts derartiges gesehen hat. 

Nehmen wir nun an, es sei gelungen, einen derartigen Effect, 
wie die Lähmung eines Armes zu erreichen. 

Sobald nun aber einmal ein derartiger erwarteter Effect ein- 
getreten ist, ist das psychische Gleichgewicht in der Versuchs- 
person bereits gestört. Eine Person, die irgend ein Glied nicht 
mehr willkürlich bewegen kann, fühlt sich nun auch schon willens- 
schwach; es tritt dann ein psychischer Zustand ein, den Pierre 
Jan et oft als misere psychique bezeichnet, ein eigenthümliches 
Gefühl von Willensschwäche. Dieses Gefühl der Willensschwäche 
ist sehr wesentlich; durch dasselbe wird die weitere Widerstands- 
fähigkeit der Person immer mehr geschwächt Ist z. B. durch die 
-angespannte Aufmerksamkeit irgend ein Glied gelähmt, so wird 
die Lähmung eines anderen Gliedes viel leichter eintreten, als die 
des ersteren, weil eben die Person an ihrer eigenen Willensstärke 
"bereits zweifelt. Ist demgemäss ein Glied erst dem Willen der 
Person entzogen, oder ein Theil eines Gliedes nicht mehr willkür- 
lich von ihr zu bewegen, so ist damit für die weitere Suggestibilität 
ausserordentlich viel gewonnen, weil das Bewusstsein der Schwäche 
die spätem Suggestionen sehr wesentlich begünstigt. Wir werden 
uns demnach nicht sehr über die weitere Entwickelung der Sug- 
gestibilität wundern, nachdem wir den Schlüssel, um sie zu ge- 
winnen, gefunden haben. 



184 Entwickelung der Bewegungsstörungen in der Hypnose. 

Ich habe gleichsam in ihrer allmählichen Entwickelung die 
Störungen der Muskelfunctionen zu erklären versucht; diese Ent- 
wickelung ist in zahlreichen Fällen fast identisch mit der Ent- 
wickelung der Hypnose, die, wie wir gesehen haben, oft nur in der 
Functionsbeschränkung der willkürlichen Bewegungen besteht. 
Viele Methoden, die eine Hypnose herbeiführen, kommen in der 
That in dem einen Punkt zusammen, dass man die Aufmerksamkeit 
auf irgend eine Veränderung der Muskelfunctionen hinlenkt. Das 
Hypnotisiren nach der Nancyer Methode beruht in erster Linie 
darauf, dass man die Versuchsperson den Augenschluss möglichst 
intensiv erwarten lässt; freilich sucht diese Methode ausserdem 
das Traumbewusstsein zu erzeugen, von dem ich noch sprechen 
werde. In ganz gleicher Weise werden aber auch bei andern 
Methoden einzelne Glieder Abweichungen in den Functionen zeigen. 
Es wird z. B. ein Arm bewegungslos, wenn ich die Aufmerksamkeit 
des Sujets auf den Eintritt der Bewegungslosigkeit in ihm con- 
centrire, das Bein wird bewegungslos, wenn ich auf dieses die 
Aufmerksamkeit hinlenke. Es ist in der That vollkommen unnöthig, 
wie es die Nancy er thun, mit den Augen anzufangen, man kann 
mit jedem andern G-liede auch anfangen, wie MaxDessoir sehr 
richtig betont. 

Sachlich kommt es hierbei nun auf eines hinaus, ob die erste 
Bewegungsstörung darin besteht, dass irgend eine active Muskel- 
thätigkeit wider den Willen auftritt, d. h. indem man eine 
bestimmte Bewegung dem Hypnotisirten anbefiehlt oder in einer 
Muskelunthätigkeit, indem man eine bestimmte Bewegung verbietet. 
Die Hauptsache ist, dass man überhaupt genügenden Einfluss zu 
gewinnen sucht. Anfangen wird man allerdings mit der Störung, 
die möglichst leicht hervorzurufen ist, weil der weitere Einfluss 
durch die vorhergegangenen Störungen begünstigt wird. Leichter 
ist nun im allgemeinen irgend eine Thätigkeit zu verhindern, als 
hervorzurufen, wie uns die alltägliche Beobachtung zeigt. Ein 
Beispiel möge dies klar machen. Es hat jemand seinen Arm aus- 
gestreckt und man versichere ihm nach kurzer Zeit, dass er den 
Arm nicht mehr halten könne, dass er müde würde. Bei fast 
allen Personen sieht man alsdann, dass in der That ein momentanes 
Zucken nach unten eintritt, d. h. es besteht die Neigung den Arm 
zu senken. Dieses Beispiel beweist schon, dass die Suggestibilität 
auch ohne Hypnose besteht. Ich will kurz recapituliren : die in 
den willkürlichen Bewegungen während der Hypnose suggestiv 
erzeugten Störungen treten dadurch ein, dass der Experimentator 
die Aufmerksamkeit des Sujets möglichst stark auf den Eintritt 



Neigung zur Hallucination im wachen Zustande. 185 

irgend einer Bewegungsstörung hinlenkt. Ist es gelungen, eine 
Störung in den willkürlichen Bewegungen zu erzielen, so müssen 
infolge des bei dem Sujet bereits vorhandenen Gefühls der Wider- 
standsunfahigkeit andere Bewegungsstörungen um so leichter hervor- 
gerufen werden. 

Wohl nirgends zeigt sich die oben entwickelte Regel von dem 
Eintritt der erwarteten Wirkung deutlicher, als in den willkürlichen 
Bewegungen. Ja es ist oft gar nicht nöthig, dass eine Bewegung 
mit grosser Anspannung erwartet wird, es genügt die Vorstellung 
von der Bewegung, um die Bewegung selbst hervorzurufen. Man 
lasse jemanden seinen Arm im Ellenbogengelenk halb beugen, 
sodass der Arm ungefähr in der Mitte zwischen vollkommener 
Streckung und vollkommener Beugung steht, sodann soll nun der 
Betreffende sich nur vorstellen, dass sich der Arm lebhaft beugt, 
ohne dass er den Eintritt erwartet. Wenn er auf diese Vor- 
stellung seine ganze Aufmerksamkeit richtet, so tritt in der That 
sehr bald die Beugebewegung ein. Auch hieraus geht wiederum 
hervor, wie gross die Neigung zu einer bestimmten motorischen 
Function ist, wenn der Betreffende sie in den inneren Blickpunkt 
bringt, d. h. seine ganze Aufmerksamkeit darauf concentrirt. 
Kommt nun noch hinzu, dass der Betreffende auch den Eintritt der 
Bewegung erwartet, dann wird der Effect ein um so grösserer sein. 



Ich komme jetzt zur Besprechung und Erklärung der Sinnes- 
täuschungen, und zwar bespreche ich zunächst die positiven. Wir 
müssen in erster Linie uns fragen, ob wir nicht ganz ähnlichen 
Sinnestäuschungen wie in der Hypnose auch sonst ausgesetzt sind. 
Nehmen wir zunächst ein ganz einfaches Beispiel, wie es Max 
Dessoir anführt. Ich sage jemandem, der vollkommen wach ist: 
„Hinter Ihnen läuft eine Ratte". Der Betreffende wird sich zwar, 
wenn er sich nun umdreht, überzeugen, dass eine Ratte nicht da ist; 
es wird aber erfahrungsgemäss lediglich dadurch, dass ich zu ihm 
von der Ratte sprach, bereits einen Moment hindurch in ihm das 
Gesichtsbild der Ratte erzeugt, d. h. es besteht schon eine Spur 
von Hallucination. 

Im Anschlüsse an Männer wie Dugald Stewart und Taine nimmt die 
moderne Psychologie üherhaupt an, dass in jeder Vorstellung auch ein Bild ein- 
geschlossen ist; so enthält z. B. die Vorstellung von einem Messer gleichzeitig 
das Bild eines Messers. Da nun ferner jedes centrale Bild sich zu veräusserlichen 
strebt, wie insbesondere Stuart Mi 11 ausgeführt hat, so besteht, wenn irgend eine 



186 Verhinderung der Hallucination im wachen Zustande. 

Vorstellung erweckt wird, stets die Neigung das entsprechende Bild nach aussen 
zu verlegen, d. h. die Neigung zu einer Hallucination. Wir sind also an sich 
geneigt, die in uns erweckten Erinnerungsbilder alter Sinneswahrnehmungen 
für wirkliche Objecto zu halten (Binet, Fere). 

Bleiben wir nun bei dem obigen Beispiele, wo ich jemandem 
sagte: „Hinter Ihnen läuft eine Ratte," so entsteht nach den 
obigen Ausführungen stets eine schnell vorübergehende Hallu- 
cination Durch zweierlei aber wird deren Persistenz verhindert. 
Erstens nämlich wird die Person sich beim Umdrehen und Nach- 
sehen vermöge ihrer normalen Sinnesempfindungen davon über- 
zeugen, dass eine Ratte nicht da ist. Zweitens aber werden 
sie die ruhige Ueberlegung, die logische G-ruppirung alter Er- 
innerungsbilder von dem Nichtvorhandensein der Ratte über- 
zeugen. Beide Momente können genügen, um die Persistenz der 
suggerirten Sinnestäuschung zu verhindern. Dass die Sinnes- 
empfindungen nicht immer nöthig sind, um das Auftreten der 
Hallucination zu verhindern, zeigt eine einfache Erwägung. Man 
sage jemandem, der die Augen geschlossen hat, dass vor ihm eine 
Ratte laufe. Ohne dass er die Augen öffnete, ist er überzeugt und 
erklärt er, dass dies nicht wahr sei. Trotzdem einen Moment das 
Bild in ihm auftaucht, so kommt es dennoch nicht zu einer wirk- 
lichen ausgeprägten Sinnestäuschung, weil das Nachdenken und 
alte Erinnerungsbilder dies verhindern. Es haben dies nicht die 
Sinnesempfindungen bewirkt, sondern nur die ruhige kritische 
Ueberlegung, die also vollkommen hinreicht und oft wichtiger ist 
als die Sinnesempfindungen, um die Hallucination zu verhindern, 
die die Neigung hat zu entstehen. Wir haben jetzt also den 
Unterschied in der Wirkung einer suggerirten Sinnestäuschung 
zwischen wachem und hypnotischem Zustand kennen gelernt; wir 
haben gesehen, dass bei diesem kein absolut neues Moment hinzu- 
kömmt, um die Sinnestäuschung entstehen zu lassen. Diese 
gewinnen an Stärke und Persistenz, weil sie weder durch Sinnes- 
empfindungen noch durch kritische Ueberlegung an ihrer Ent- 
wicklung verhindert werden. Es fragt sich nun weiter : giebt es 
auch hierfür Zustände analoger Art? 

Wir müssen uns vollständig klar darüber sein, dass wir ein 
von dem wachen Bewusstsein vollkommen zu trennendes Traum- 
bewusstsein haben (Ed. v. Hartmann), in welchem Empfin- 
dung und Wahrnehmung keineswegs in derselben Weise verlaufen 
wie im wachen Zustande. Wir sind beim Erwachen aus dem nächt- 
lichen Schlaf im Stande, selbst bei bestehender Erinnerung das 
Traumbewusstsein vom wachen Leben zu unterscheiden. Wir er- 
kennen innerlich, ob das, was wir geträumt, nur ein Traum war, 



Das Traumbewusstsein. 187 

oder ob es Wirklichkeit war (v. Bentivegni). Zwar werden auch 
im Traume Vorstellungen reproducirt, Sinneseindrücke empfunden, 
aber es ist in doppelter Beziehung- (nach Wund t) dieses Bewusst- 
sein ein verändertes im Vergleich zum wachen Leben. Erstens 
besitzen die Erinnerungsvorstellungen einen hallucinatorischen 
Charakter, d. h. die in uns erweckten Erinnerungsbilder suchen 
wir im Traume nach aussen zu objectiviren, wir erkennen sie nicht 
wie im wachen Leben als Erinnerungsbilder, sondern wir glauben, 
das Object, dem sie entsprechen, vor uns zu sehen, zu fühlen etc.; 
ebenso führen äussere Sinneseindrücke nicht zu normalen Wahr- 
nehmungen, sondern zu Illusionen; zweitens aber ist im Traume 
die Apperception verändert, d. h. die Beurtheilung unserer im Be- 
wusstsein befindlichen Erlebnisse ist wesentlich alterirt. Eben 
diese von Wim dt angegebenen Eigentümlichkeiten des Trauni- 
bewusstseins finden wir in dem Bewusstsein derjenigen Hypnotischen, 
die Sinnestäuschungen auf Suggestion hin zugänglich sind. Ich 
brauche wohl das nicht des Näheren erst auszuführen, da es be- 
reits aus dem in der Symptomatologie und in dem „Verwandte 
Zustände" überschriebenen Capitel ausführlich erörtert ist. Die 
Hauptsache ist der hallucinatorische Charakter der Erinnerungs- 
bilder; normaliter schwach angedeutet, tritt er im Traumbewusstsein 
auf das deutlichste hervor und tritt auch in der Hypnose in Ver- 
bindung mit den gleichfalls im Traumbewusstsein begünstigten Illu- 
sionen auf. Halten wir nur fest, dass ein derartiges Traumbewusst- 
sein keineswegs etwas dem Menschen absolut Fremdes ist , da es 
sich oft im gewöhnlichen Schlafe findet, dass es vielmehr bei ihm 
vorgebildet erscheint, wie eben gezeigt ist. 

Dieses eigenthümliche Traumbewusstsein zu erzeugen, ist eine 
der Hauptfertigkeiten beim Hypnotisiren und es fragt sich nur, 
wie man das fertig bringt, ob wir einen Causalzusammenhang 
zwischen der Hypnosigenese und dem Traumbewusstsein finden. Ich 
habe es nicht nöthig, hier auf längere Erörterungen einzugehen, 
da wir wissen, dass Kinder auch gleichsam in den Schlaf ge- 
sprochen werden; ich setze hinzu, dass bei Erwachsenen ein Traum- 
bewusstsein in der Hypnose nur eintritt, wenn sie wirklich durch 
irgend ein ähnliches Mittel in Schlaf versetzt werden, wie man 
auch sonst zum Einschläfern benützt. Die Hypnose wird, wie wir 
sahen, gewöhnlich auf psychischem Wege erzeugt. Nun ist nach 
Forel, Liebeaul t und vielen anderen Forschern auch der natür- 
liche Schlaf unmittelbar die Folge eines psychischen Vorganges; 
dieser ist die Autosuggestion, dass der Schlaf eintreten werde. 
Die Ansammlung von Ermudungsstoffen im Körper mag unter Um- 



Igg Das Traumbewusstsein. 

ständen aucli Schlaf herbeiführen, ohne irgend eine Vorstellung zu 
erwecken; dies will ich nicht bestreiten. Thatsache aber ist, dass- 
wir wenigstens in vielen Fällen — ob immer, das lasse ich für 
heute dahingestellt — lediglich durch die Ueberzeugung und die 
Vorstellung des Einschlafens in Schlaf kommen. Wesshalb man 
nun nicht einzelne Leute ebenso sollte in Schlaf reden können,, 
wenn man sie hypnotisirt, da ja der Schlaf nur ein besonderer Be- 
wusstseinszustand ist, ist nicht ersichtlich. Wir können Leute in 
die verschiedensten Bewusstseinszustände durch Worte hineinreden ; 
es thut das alle Tage z. B. der Geistliche, jeder Volksredner. 
Warum sollte man nicht in ähnlicher Weise auch das Traum- 
bewusstsein zu erzeugen im Stande sein, wie man es thatsächlich 
beim Einschläfern der Kinder mitunter erzielt? 

Freilich kann in manchen Fällen das Traumbewusstsein in 
der Hypnose anscheinend durch Mittel herbeigeführt sein, die mit 
der Erzeugung von Schlaf nichts zu thun haben. Wenn z. B. ein 
Hypnotischer fest fixirt und es schliessen sich endlich seine Augen, 
so handelt es sich scheinbar nicht um die Herbeiführung eines 
Schlafzustandes. Dennoch bin ich der Ansicht, dass dieser selbst 
dann eintritt, wenn er nicht absichtlich suggerirt ist. Die Schwere 
in den Augenlidern z. B. vermag durch Association sehr wohl den 
Schlaf herbeizuführen (Forel), wie ja in der That einzelne, um in 
gewöhnlichen Schlaf zu kommen, einen Punkt fixiren und dadurch 
ein Müdigkeitsgefühl in den Augenlidern herbeiführen. Aus diesen 
Gründen, deren genaue Ausführung an dieser Stelle unterbleiben 
muss, glaube ich, dass wenn eine Hallucination in Hypnose auftritt, 
vorher stets irgend ein Mittel angewendet wurde, um den Zustand 
des Traumbewusstseins zu erzeugen. Selbst diejenigen Hypnosen, 
bei denen Hallucination en ohne vorhergehenden Augenschluss ein- 
treten, widersprechen dem nicht, da das Traumbewusstsein nicht 
vollständig an den Augenschluss gebunden ist, vielmehr auch bei 
geöffneten Augen vorkommt, wie uns die von spontanem Somnam- 
bulismus Befallenen oft genug beweisen. 

Wir können nach diesen Ausführungen in der Analogie dieser 
hypnotischen Zustände und dem Schlaf eine Deutung der Sinnes- 
täuschungen finden. Warum im gewöhnlichen Schlaf Sinnes- 
täuschungen auftreten, wissen wir allerdings nicht. Auf die ver- 
schiedenen Erklärungsversuche einzugehen, fehlt hier der Raum, 
und es wäre auch zwecklos. Mir scheint aber, dass wir uns bei 
der Hypnose einstweilen vollkommen damit behelfen können, dass wir 
uns sagen, die hypnotischen Zustände mit ausgesprochenen Sinnes- 
täuschungen entsprechen vollkommen in* ihrem Bewusstseinszustand 



Der Rapport. 189 

dem gewöhnlichen Schlafe mit seinem Traumbewusstsein. Ebenso 
wie hier gewisse von aussen erweckte Eindrücke (Erinnerungs- 
bilder oder einfache Sinnesreize) zur Sinnestäuschung führen, ebenso 
in der Hypnose, Es ist nur nöthig, dass der Schlafende von dem 
die Sinnestäuschung hervorrufenden Eindrucke genügend afficirt wird. 



Die letzten Ausführungen leiten zur Besprechung des 
Rapports; er ist die Ursache dafür, dass der Hypnotiker von 
gewissen Eindrücken stärker beeinflusst wird, als von anderen und 
in entsprechender Weise durch Eintritt von Sinnestäuschungen etc. 
reagirt. Da ich über den Rapport eine ausführliche Publication 
vorbereite, so will ich mich hier nur kurz fassen. NachNoizet, 
Bertrand, denen sich in neuerer Zeit Liebeault, Bernheim, 
Forel u. a. angeschlossen haben, handelt es sich, wie schon oben 
erwähnt, bei der Erscheinung des Rapports um ein Ein- 
schläfern, bei welchem die Aufmerksamkeit des zu Hypnotisirenclen 
fortwährend dem Hypnotisirenden zugewendet ist, so dass dieser 
während der Hypnose dem Hypnotisirten stets in Erinnerung 
bleibt, Bertrand verglich desswegen diese Vorgänge ganz be- 
sonders mit dem Einschlafen bei Kindern. Eine Mutter, welche 
bei der Wiege ihres Kindes einschläft, wacht selbst während ihres 
Schlafes über dasselbe, aber auch nur für das Kind. Sie hört 
sonst nicht die stärksten Geräusche, erwacht aber bei dem ge- 
ringsten Laut, den ihr Kind ausstösst. In dieser Weise wäre der 
eigenthümliche Einfluss, den der Hypnotisirende auf den Hypnotisirten 
hat, durch eine Analogie zu erklären. Der letztere ist, wie die 
Mutter mit dem Gedanken an das Kind, ebenso mit dem Gedanken 
an den Hypnotisirenden eingeschlafen, sodass er nur das wahr- 
nimmt, was dieser sagt, 

Dass sich dieser Einfluss im Verlauf der Dressur immer mehr 
und mehr erhöht, hat gleichfalls nichts Sonderbares, da wir auch 
unter normalen Verhältnissen sehen, dass der Einfluss, den eine 
Person auf die andere ausübt, um so grösser wird, je länger die 
letztere von der ersteren beherrscht wird. Irgend ein neues 
psychologisches Gesetz würde jedenfalls in der Hypnose sich nicht 
finden. 



190 Negative Hallucinationen. 

Gehen wir nunmehr zur Besprechung der negativen 
Hallucinationen über, so wird uns bei deren Auftreten in der 
Hypnose zweierlei auffallen: erstens dass der Hypnotiker gewisse 
Gegenstände nicht sieht, gewisse Geräusche nicht hört u. s. w., 
zweitens aber auch ganz besonders, dass er gerade diejenigen 
Gegenstände nicht sieht, die zu sehen ihm der Hypnotist verbietet. 
Dass auch unter normalen Verhältnissen viele Gegenstände nicht 
gesehen, viele Geräusche nicht gehört werden, wenn ihnen die Auf- 
merksamkeit nicht zugelenkt ist, das habe ich bereits oben er- 
wähnt. Diese Thatsache kann somit nicht besonders überraschen; 
nur die Art ihrer Entstehung in der Hypnose ist auffallend. Wenn 
ich einem wachenden Menschen, vor dem ein Stuhl steht, sage: 
„Hier an dieser Stelle steht nichts, kein Stuhl, kein Tisch, nichts 
dergleichen", so wird er dennoch den Stuhl wahrnehmen; anders 
der Hypnotische, er wird ihn nicht wahrnehmen, wenn er über- 
haupt empfänglich ist für negative Hallucinationen. Wir können 
uns nun den Vorgang bei dem Hypnotiker auch vorstellen als eine 
Ablenkung der Aufmerksamkeit, ganz ähnlich wie bei dem wachen 
Menschen, der gewisse, seine Sinne reizende äussere Objecte nicht 
wahrnimmt. 

Dies zeigen uns besonders diejenigen Hallucinationen, die in 
demselben Momente schwinden, wo die Aufmerksamkeit sehr auf 
das entsprechende Object hingeleitet wird. Man kann hier deut- 
lich erkennen, dass die negative Hallucination durch die Ablenkung 
der Aufmerksamkeit von dem Object bedingt war, und dass das 
Hinlenken der Aufmerksamkeit eine Gegensuggestion ist. Ich sage 
einem Hypnotischen: „Nach Ihrem Erwachen wird der anwesende 
X. fortgegangen sein." Auf die Frage, wie viel Personen anwesend 
seien, zählt die Versuchsperson nach dem Erwachen nur zwei, sich 
und mich. Ich sage ihr darauf, auf X. weisend, einmal nach jener 
Stelle zu blicken. Sofort sieht der Hypnotische den X., und die 
Suggestion hat ihre Wirksamkeit verloren. 

Auffallend ist aber jedenfalls die Entstehungsart, Denn ge- 
rade dadurch, dass ich jemandem sage, der Stuhl, der vor ihm steht, 
ist nicht mehr da, er sehe ihn nicht, gerade durch diese Aeusserung 
werde ich unter normalen Verhältnissen das directe Gegentheil von 
dem erreichen, was ich erreichen will. Durch diesen Versuch der 
Suggestion werde ich bei dem wachen Menschen gerade die Auf- 
merksamkeit auf den Stuhl hinlenken, er wird ihn, selbst wenn er 
ihn vorher nicht beobachtet hat, infolge meiner diesbezüglichen 
Aeusserung, dass der Stuhl nicht da sei, beachten und wahrnehmen. 



Entstehung 1 der negativen Hallucinationen. 191 

Wie können wir es uns nun vorstellen, wenn beim Hypnotiker ein 
absolut entgegengesetztes Eesultat erzielt wird? 

Nach Binet und Fere muss liier zur Ablenkung der Auf- 
merksamkeit, resp. um diese zu erreichen, noch ein anderes Moment 
hinzukommen; es ist dies die vorher dem Individuum eingepflanzte 
Ueberzeugung , dass der Stuhl nicht da sei. Ohne sie wird eine 
suggerirte negative Hallucination kaum eintreten. 

Dass eine derartige eingepflanzte Ueberzeugung in der That das Nichtwahr- 
nelinien von Gegenständen begünstigt , das ist eine feststehende Thatsache , die 
wir auch ohne Hypnose constatiren können Nehmen wir an, es sei jemand mit 
irgend einer Arbeit beschäftigt, er befindet sich in einem Räume, wo sonst kein 
Geräusch stattfindet und wo kein Geräusch von ihm erwartet wird; nehmen wir 
nun an , es würde ein leises Geräusch in einer bestimmten Stärke gemacht ; der 
Betreffende wird es nicht wahrnehmen. Indessen wird er bei gleicher Stärke des 
Geräusches dasselbe wahrnehmen , wenn er vorher und bei dem Eintreten des 
Geräusches in der Ueberzeugung lebt, dass das Geräusch eintreten wird. In ganz 
ähnlicher Weise wird jemand einen schwachen Lichtfunken nicht wahrnehmen, 
wenn er ihn nicht erwartet, wenn er vorher die Ueberzeugung hat, dass ein 
Lichtfunke nicht eintreten wird, er wird ihn aber viel eher wahrnehmen, wenn 
er den Funken erwartet wenn er die Ueberzeugung hat, dass der Funke ent- 
stehen wird. Wir haben hier also auch wiederum das bereits oben entwickelte 
Gesetz kennen gelernt, dass die Erwartung eines Effectes dessen Eintreten ausser- 
ordentlich begünstigt und wir haben hier wiederum eine Analogie hypnotischer 
und nichthypnotischer Vorgänge. 

Wir sahen also, dass unter normalen Verhältnissen die Ueber- 
zeugung von dem Nichtvorhandensein eines Objectes dessen Nicht- 
wahrnehmen begünstigt. Wenn wir nun, um die negativen Hal- 
lucinationen zu erklären, diesen Satz auf die Hypnose anwenden, 
so müssen wir uns fragen: wodurch gelingt es, dem Hypnotisirten 
eine solche Ueberzeugung einzupflanzen, dass ein Gegenstand nicht 
da sei? Hier müssen wir wiederum auf das subjective Gefühl der 
Willensschwäche und das Gefühl der Abhängigkeit, welches der 
Hypnotische in sich fühlt, zurückkommen. Bevor die negative 
Hallucination gelingt, sind fast immer schon eine ganze Reihe von 
Versuchen gemacht worden, durch welche der Hypnotiker die 
Ueberzeugung von seiner Schwäche gewonnen hat; er wird dem 
Hypnotisten, der für ihn Autorität geworden ist, immer mehr und 
mehr glauben, wenn er sich überzeugt hat, dass alles, was er ihm 
gesagt hat, in Wirklichkeit eintritt. Jener hat ihm gewöhnlich vor- 
her zahlreiche Suggestionen mit Bezug auf seine Bewegungen ge- 
macht, er hat ihm wohl auch schon positive Sinnestäuschungen, 
deren Erklärung ich oben gegeben habe, erregt. Der Hypnotisirte 
hat gesehen, dass alles eintraf, was der Hypnotist ihm gegenüber 
versicherte, und es kann demgemäss nicht allzusehr überraschen, 



192 Die Analgesie. 

dass er auch eine gewisse Neigung- hat, es nun zu glauben, wenn 
der Hypnotist ihm sagt, dass ein Gegenstand nicht vorhanden ist. 

Dennoch können diese zwei Momente, Ablenkung der Aufmerk- 
samkeit und die dem Individuum eingepflanzte Ueberzeugung von 
dem Nichtvorhandensein des Gegenstandes nicht genügen, um die 
negative Sinnestäuschung zu erklären. So sehr auch der Hyp- 
notist für den Hypnotiker Autorität geworden ist, soviel dieser 
auch glaubt, ohne die unter normalen Verhältnissen beanspruchte 
Motivationskraft, wie v. Bentivegni richtig betont — ein solches 
Fehlen der Sinneswahrnehmungen, wie es der Hypnotische bei den 
negativen Hallucinationen darbietet, kann uns auf diese Weise 
allein nicht erklärt werden. Ein vollkommen veränderter Be- 
wusstseinszustand muss hinzukommen, wenn wir die negativen 
Hallucinationen begreifen wollen; es ist dies wiederum das Traum- 
bewusstsein, das uns bereits bei der Erklärung der positiven 
Sinnestäuschungen unterstützte. Denn das Traumbewusstsein 
zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass alte Erinnerungsbilder 
als Hallucinationen erscheinen; es ist auch dadurch charakterisirt, 
dass Sinneseindrücke, die unter normalen Verhältnissen zu Em- 
pfindungen resp. Wahrnehmungen werden, im Traumzustand keine 
Empfindung oder Wahrnehmung veranlassen. 

Also um zu recapituliren, die negativen Hallucinationen werden 
durch drei Momente erzeugt, erstens durch das Traumbewusstsein, 
zweitens dadurch, dass dem Hypnotisirten die Ueberzeugung ein- 
gepflanzt wird, dass ein Gegenstand nicht da ist, und drittens durch 
die hieraus resultirende Ablenkung der Aufmerksamkeit. 

In ganz ähnlicher Weise können wir uns auch die Analgesie 
einzelner Hypnotiker erklären. Es ist bekannt, dass ein Schmerz, 
den man erwartet, viel leichter gefühlt wird, als ein Schmerz, der 
unvermuthet zugefügt wird. Wenn jemand nun glaubt, dass bei 
Einwirkung eines bestimmten Reizes eine Schmerzempfindung ein- 
treten wird, so wird er in der That viel eher eine Schmerz- 
empfindung haben, wie wenn er nicht an sie glaubt und ins- 
besondere sie nicht erwartet. Ein bekanntes Beispiel hierfür 
liefert uns der Schmerz bei Operationen, wo der Schmerz be- 
kanntlich viel stärker ist, wenn die Person den Schnitt erwartet 
resp. sieht, als wenn der Schnitt unvermuthet gemacht wird; ge- 
schieht das letztere, so hat bekanntlich in vielen Fällen eine 
wesentliche Schmerzempfindung überhaupt nicht statt. Aehnlich 
können wir uns nun die Analgesie in der Hypnose vorstellen. Ob 
es eine ganz spontane Analgesie giebt, die nicht durch Suggestion 
entsteht, ist mir noch zweifelhaft, obwohl ich sie oben angeführt 



Das Gedächtniss. 193 

habe. Jedenfalls ist das Gewöhnliche, dass die Analgesie durch 
Suggestion erzeugt wird. Auch dies können wir uns nun wieder 
in derselben Weise denken, dass der Hypnotische sich von dem 
Eintreffen vieler Suggestionen, vieler Behauptungen des Hypno- 
tisten bereits überzeugt hat, dass er dadurch ihm eine vielleicht 
unmotivirte Leichtgläubigkeit entgegenbringt. Wird nun von dem 
Hypnotisten die Analgesie stark versichert, so wird schon bei dem 
Hypnotisirten die Neigung bestehen, an die Analgesie zu glauben 
und sie zu erwarten. Die Ueberzeugung aber von dem Bestehen der 
Analgesie muss nach den oben bereits erwähnten Ausfuhrungen 
wiederum das wirkliche Bestehen der Analgesie ausserordentlich 
begünstigen. 



Ich komme jetzt zur Besprechung einiger Erscheinungen 
des Gedächtnisses. Eine derartige Störung der Gedächtniss- 
thätigkeit, wie sie in der Hypnose zuweilen statt hat, ist 
gewiss recht auffallend und doch wollen wir uns auch hier da- 
rüber klar sein, dass wir manche Analogie mit dem gewöhnlichen 
Leben finden. Diejenigen Fälle von Hypnose bei denen überhaupt 
eine Störung des Gedächtnisses nicht stattfindet, diese Fälle brauche 
ich natürlich in keiner Weise zu berücksichtigen. 

Erwähnung verdient aber der Umstand, dass es in der That 
Personen giebt, bei denen nach dem Erwachen aus der Hypnose 
eine Erinnerung für die Vorgänge während der Hypnose nicht besteht. 
Dass wir uns gewisser Vorgänge auch ausserhalb der Hypnose 
nicht erinnern, ist eine bekannte Thatsache. An automatisch aus- 
geführte Handlungen, wie z. B. das Aufziehen der Uhr am Abend, 
erinnert man sich bekanntlich gar nicht. Aber selbst Handlungen, 
die mit vollster Ueberlegung und vollstem Bewusstsein ausgeführt 
werden, werden mitunter vergessen, wie ich oben gezeigt habe. 
Wir sahen dort auch Handlungen, die mit vollstem Bewusstsein 
und sogar in der Absicht, sich später ihrer zu erinnern, ausgeführt 
wurden, und die doch in dem betreffenden Moment vergessen sind. 
Wenn nun der Hypnotische gewisse Handlungen ausführt, diese 
aber nachher nicht mehr angeben kann, so haben wir schon eine 
Analogie für ein solches Vergessen gefunden. Diese Analogien 
können aber in keiner Weise das plötzliche und oft fast genau 
durchgeführte regelmässige Vergessen der hypnotischen Vorgänge 
erklären. Wir haben oben bei der Besprechung des Gedächtnisses 
diese Erscheinung kennen gelernt, und wir sahen dabei gleichzeitig, 

Moll, Hypnotismus. 13 



194 Max Dessoirs Theorie. 

dass der Hypnotische sich während der Hypnose aller Vorgänge 
früherer Hypnosen nnd des wachen Lebens erinnerte; wir nannten 
dieses Verhalten „Doppeltes Bewusstsein". Dasselbe verdient eine 
besondere Besprechung. Es ist gewiss eine auffallende Erscheinung, 
wenn man bei einem Menschen zwei vollkommen und schematisch 
getrennte Bewusstseinszustände unterscheiden und hervorbringen 
kann, sodass in dem einen Bewusstseinszustand, d. h. im wachen 
Leben nur Erinnerung für die Vorgänge im wachen Leben, in dem 
anderen Bewusstseinszustand, d. h. im hypnotischen, Erinnerung an 
die früheren Hypnosen und an das wache Leben besteht. Denken 
wir uns das Leben eines solchen Menschen in mehrere Perioden 
zerlegt a, b, c, d, e, f, g, so besteht in den Zuständen a, c, e, g 
nur die Erinnerung für das, was in diesen selbst vorgegangen ist, 
sodass in dem Zustande c die Person sich nur dessen erinnert, was 
in a vorging, dass sie in e nur weiss, was in a und c vor- 
ging u. s. w. Hingegen besteht in den Zuständen b, d, f sowohl 
Erinnerung an das, was in diesen vorging, als auch Erinnerung 
an das, was in a, c, e vorfiel. Eine solche Erscheinung muss 
ausserordentlich überraschen, zumal wenn sie spontan, d. h. ohne 
Suggestion eintritt. 

Um dieses Doppelbewusstsein zu erklären, komme ich auf 
Max Dessoirs Theorie vom Doppel-Ich zurück, muss dieselbe 
aber erst genauer schildern, um sie auf unsern Gegenstand anwenden 
zu können. 

Max Dessoir nimmt mit Pierre Janet an, dass die 
menschliche Persönlichkeit nur in unserm Bewusstsein eine Einheit 
bildet, in Wirklichkeit jedoch sich aus mindestens zwei deutlich 
trennbaren Persönlichkeiten zusammensetzt, die jede für sich durch 
eine Erinnerungskette zusammengehalten werden. Um diesen Satz 
zu begründen, wählt Max Dessoir mehrere Wege. So werden 
nach ihm im Leben zahlreiche Handlungen ausgeführt, die alle 
Merkmale psychischer Bedingtheit tragen, aber in dem Augenblick, 
wo sie ausgeführt werden, von dem Individuum nicht gewusst 
werden, resp. ohne seine Kenntniss ausgeführt werden. Von zahl- 
reichen automatischen Bewegungen und Handlungen sehe ich ab, 
z. B. von dem automatischen Reiben der Hände, wenn sie kalt 
sind, von dem Kratzen, wenn man von einem Floh gebissen wird, 
welches stattfindet, ohne dass man darauf achtet und ohne dass 
man das Gespräch unterbricht. Complicirter ist schon der Versuch, 
den Barkworth ausgeführt hat. Er ist im Stande, während einer 
lebhaften Debatte grosse Zahlenreihen richtig zu addiren, ohne sich 
im mindesten von der Debatte ablenken zu lassen. Die erwähnten 



Max Dessoirs Theorie. 195 

Vorgänge zeigen, dass erstens eine nicht bewusste Intelligenz im 
Menschen vorhanden ist, wie schon das nicht bemerkte automatische 
Reiben kalter Hände zeigt, zweitens auch ein nicht bewusstes 
Gedächtniss; denn Barkworth z. B. muss mindestens zwei 
Zifferngruppen im Gedächtnisse haben, um aus ihnen eine dritte zu 
schaffen; er muss diese wieder behalten, um eine vierte hinzuzu- 
fügen ; diese Gedächtnisskette aber besteht bei ihm unabhängig von 
der Gedächtnisskette, auf der sich die Conversation aufbaut (Max 
Dessoir). Da nun nach Max Dessoir die beiden Elemente der 
Persönlichkeit Bewusstsein und Erinnerung sind, so nimmt er an, 
dass bereits in dem erwähnten Falle von Barkworth die Ele- 
mente einer zweiten Persönlichkeit gegeben sind. Die psychischen 
Vorgänge, die mit Kenntniss des Individuums geschehen, heissen 
das Oberbewusstsein, diejenigen, die ohne seine Kenntniss geschehen, 
das Unterbewusstsein ; das gleichzeitige Auftreten beider Bewusst- 
seinshälften Doppelbewusstsein oder „Doppeltes Bewusstsein" (Max 
Dessoir.) Es würde also in dem Falle von Barkworth die 
von ihm geführte Unterhaltung in das Oberbewusstsein zu ver- 
legen sein, die von ihm gleichzeitig automatisch ausgeführte Addition 
in das Unterbewusstsein. 

"Was Avir hier und von jetzt ab als Oberbewusstsein finden, wird gewöhnlich 
als Bewusstsein zusammengefasst. Um eine Verwirrung der Begriffe zu vermeiden, 
sei dies ausdrücklich erwähnt. Mit „Bewusstsein" bezeichnet man nämlich im 
Allgemeinen die Summe derjenigen psychischen Vorgänge, die in uns vorgehen, 
und die wir innerlich wahrnehmen. Wir haben jetzt das Bewusstsein viel weiter 
zu fassen als die Summe aller psychischen Vorgänge in uns; das Bewusstsein 
zerfällt dann in zwei Hälften, Ober- und Unterbewusstsein, von denen sich die 
erstere mit dem sonst üblichen Bewusstseinsbegriff decken würde. 

In den erwähnten Fällen bestehen nun die beiden Bewusstseins- 
hälften gleichzeitig. Sie lassen sich aber auch unter gewissen 
Verhältnissen zeitlich nebeneiander verlegen. MaxDessoir führt 
den Fall an, wo jemand in der zweiten Nacht fortfährt zu träumen, 
wo er in der ersten aufgehört hat. Hier zeigt also das Traum- 
bewusstsein bereits einen Ansatz zur Bildung einer zweiten 
Gedächtnisskette. Hierher rechnet der genannte Autor auch den 
Fall vonMacario: es handelt sich um ein Mädchen, das während 
eines Anfalles von natürlichem Somnambulismus vergewaltigt, beim 
Erwachen nichts davon wusste und erst im folgenden Anfall der 
Mutter das Vorgefallene erzählte. Dass sich ähnliche Fälle auch 
unter pathologischen Verhältnissen finden, ist bereits S. 100 erwähnt 
worden. 

Diese Fälle aus Traum und Pathologie zeigen also dasselbe 

13* 



196 ^ ax Dessoirs Theorie. 

nebeneinander, was zuerst z. B. in dem Fall von Barkworth 
miteinander verbunden war. Max Dessoir führt noch andere 
Beispiele zur Stütze seiner Ansicht auf, auf die ich aber hier nicht 
eingehen kann. 

Wir haben nun — um auf die Hypnose zurückzukommen — 
den Zustand des Doppelbewusstseins zu erklären, und da meint 
Max Dessoir eben, dass die Hypnose den verborgenen Theil 
unseres Seelenlebens, der als TJnterbewusstsein zu bezeichnen ist, 
der sich gelegentlich in dem täglichen Leben und noch deutlicher 
in den pathologischen Uebertreibungen bemerkbar macht, dass die 
Hypnose diesen Theil des Seelenlebens einfach experimentell 
darstellt. Es ist demnach nach Max Dessoirs Theorie der 
Zustand des Doppelbewusstseins keine absolut neue Erscheinung, 
sondern lediglich die experimentelle Darstellung eines bestimmten 
psychischen Verhaltens, wie es andeutungsweise selbst bei normalen 
Menschen schon gelegentlich beobachtet wird. Wenn ich auch 
glaube, dass Max Dessoir das Doppel-Ich viel zu weit 
fasst, so sind seine Ausführungen nichtsdestoweniger von hohem 
Werthe für die Beurtheilung des Doppelbewusstseins in der Hypnose. 
Für unsere Zwecke ist es gar nicht nöthig, eine Verallgemeinerung 
dieser Theorie anzunehmen, da ja gerade in der Hypnose die 
Erscheinung des doppelten Bewusstseins zwar mitunter beobachtet 
wird, aber durchaus nicht so häufig ist, wie einige Autoren 
annehmen. Ich werde noch mehrfach auf das Doppelbewusstsein 
zurückkommen, das ich allerdings nicht so schematisch auffasse, wie 
Max Dess oir. 

Wenn wir nun auch annehmen wollen, dass die Hypnose 
lediglich die experimentelle Darstellung der präexistirenden 
Erscheinung des Doppelbewusstseins ist, so bliebe nichtsdesto- 
weniger noch die Frage von dem Causalzusammenhang der 
Hypnosigenese und dieser Darstellung bestehen und unbeantwortet. 
Vielleicht können wir auch hier wieder an das Traumbewusstsein 
appelliren, das durch die Hypnosigenese erzeugt wurde und einen 
Theil des Unterbewusstseins ausmacht. Auch Delboeuf, der 
allerdings die scharfe Trennung des Ober- und Unterbewusstseins 
nicht annimmt, identificirt die hypnotischen Phänomene, was die 
spätere Erinnerung betrifft, vollkommen mit den nächtlichen 
Träumen. Wir können alsdann den Cansalzusammenhang zwischen 
Hypnosigenese und Auftreten des Doppelbewusstseins ähnlich wie 
bei den Sinnestäuschungen durch die experimentelle Darstellung 
des Traumbewusstseins erklären. 

Auf andere Erscheinungen im Gebiete des Gedächtnisses während 



Posthypnotische Suggestion. Handlungen ohne Willen. 197 

der Hypnose will ich hier nicht eingehen, da ich bereits in der 
Symptomatologie zahlreiche Analogien angeführt habe. 



Ich komme jetzt zur Besprechung der posthypnotischen 
Suggestion, die uns etwas länger beschäftigen wird, weil gerade 
für sie auf dem Wege der Analogie bereits eine Erklärung in 
gewissem Sinne gegeben werden kann. Zu diesem Zwecke wähle 
ich irgend eine durch posthypnotische Suggestion ausgeführte 
Handlung und nehme an, es handle sich um eine Hypnose ohne 
Amnesie, d. h. um eine Hypnose, an deren Vorgänge das Sujet 
nach dem Erwachen sich vollkommen erinnert. 

Hier ist ein analoges Beispiel aus dem wachen Leben. Es ist 
ein Herr X. bei mir zu Besuch. Ich gebe ihm einen Brief mit der 
Aufforderung, denselben in den Briefkasten zu werfen, wenn er 
beim Nachhausegehen einen solchen sähe. X. geht weg und wirft 
den Brief in den Kasten. 

Hier sehen wir einen Auftrag, den ich gebe, und der sich 
erst später erfüllt. Nehmen wir nun statt dieses Falles, wo es 
sich um keine Hypnose handelt, einen ganz gleichen Fall in 
Hypnose, etwa eine solche ohne nachfolgende Amnesie bei Y. Ich 
ertheilte Y. in der Hypnose genau eben denselben Auftrag, wie dem 
genannten X., d. h. den Brief beim Nachhausegehen in den Kasten 
zu werfen, wenn er einen solchen sähe. 

In beiden Fällen wird die von mir anbefohlene Handlung aus- 
geführt. Es würde sich hier nun um die Frage handeln: welches 
ist der Unterschied in beiden Fällen? In dem Fall der Hypnose 
wäre anscheinend ein Umstand auffallend, nämlich dass Y. den 
Auftrag ohne, vielleicht gegen seinen Willen ausführte. 

Dass Y. den Brief ohne seinen Willen in den Kasten wirft, 
würde sich von dem Falle des X., der im wachen Zustande dasselbe 
thut, nicht unterscheiden. X. geht mit einem anderen Herrn, z. B. 
Z., nach Hause und unterhält sich mit ihm, während er geht. Bei 
dieser Gelegenheit kommen sie bei einem Briefkasten vorbei. X. 
achtet gar nicht weiter darauf, unterhält sich weiter, wirft aber 
den Brief mechanisch in den Kasten. Einige Zeit später fällt es 
X. ein, dass er den Brief in den Kasten werfen sollte; dass er 
ihn hineingeworfen hat, ist ihm jetzt nur ganz dunkel in Erinnerung; 
X. überzeugt sich aber davon, dass er seinen Auftrag erledigt hat, 
indem er, um sich zu vergewissern, in seiner Tasche sucht, ob der 



198 Handlungen gegen den Willen. 

Brief noch in ihr ist. Wir sehen also, dass X. ohne Betheiligung 
des bewussten Willens den Auftrag ausgeführt hat. 

Mehr würde es schon auffallen, wenn X. eine derartige Hand- 
lung auch gegen den Willen ausführen würde. X., so sahen wir, 
hat den Brief in den Kasten geworfen, ohne daran besonders zu 
denken; sein Wille hat aber jedenfalls nicht dagegen angekämpft, 
den Auftrag auszuführen. Wäre dies der Fall gewesen, so hätte 
X. es unterlassen, den Auftrag auszuführen. Hätte aber, während 
X. ihn ausführte, sein Wille sich dagegen gesträubt, so musste er 
das Bewusstsein von dem Act haben, gegen den sein Wille sich 
sträubte. Dieses Bewusstsein ist nöthig, wenn der Wille in 
Thätigkeit treten soll, um etwas zu verhindern. Es muss die 
Idee von dem vorhanden sein, was ausgeführt werden soll. Bei 
der posthypnotischen Suggestion ist gerade das sehr auffallend, 
dass auch gegen den Willen dieselbe sich realisirt; dann weiss, 
wie selbstverständlich, die Person, was geschehen soll, sie hat die 
Vorstellung davon. Gerade diese Vorstellung bewirkt, dass bei 
der posthypnotischen Suggestion eine Handlung vollführt wird, 
gegen die der Wille ankämpft. 

Es fragt sich nun, ob wir im Leben auch hierfür Analoga 
finden können, ob wir hier finden, dass eine Vorstellung im Stande 
ist, einen motorischen oder anderen Effect gegen den Willen des 
Menschen herbeizuführen. Die Antwort lautet: sehr häufig. 

Wir haben oben bei der Suggestion im wachen Zustand ge- 
sehen, dass eine Idee mitunter genügt, um gegen den Willen der 
Person eine Bewegung oder einen bestimmten Zustand herbei- 
zuführen. Ich will aber hier schon zeigen, dass dies ein sehr ge- 
wöhnliches Vorkommniss im Leben ist. Nehmen wir eine Person 
A. an, die einen theuren Verwandten durch den Tod verloren hat. 
Es tritt ein Zustand voller Traurigkeit und Niedergeschlagenheit 
ein, die Person kann das Weinen und die Thränen nicht zurück- 
halten. Indessen vergehen Monate, und A. beruhigt sich. Da 
kehrt nach einem Jahr der Todestag des Verstorbenen wieder, und 
A. kommt in denselben Zustand der Gemüthsaufregung mit Trauer 
und Thränen, wie bei dem Tode selbst. Auch hier ist A. nicht 
im Stande, seine Thränen und seine Stimmung durch den Willen 
zu bekämpfen. Die lebhafte Vorstellung hat genügt, um A. gegen 
seinen Willen in einen bestimmten Zustand zu versetzen. 

Ganz ähnlich liegt der Fall z. B. bei dem Stotterer. Er ist 
zu Hause allein und kann hier sehr gut sprechen. Da kommt er 
zu einem fremden Herrn, und er stottert. Dies Stottern ist ledig- 
lich dadurch hervorgerufen, dass ihm der Gedanke kam, er werde 






Triebbewegungen. 199 

stottern. Sein Wille ist nicht im Stande, den Gedanken zu bannen 
oder das Stottern zu verhindern. Aehnliche Dinge sehen wir so 
oft im Leben, und gerade gewisse krankhafte Zustände werden 
vielfach nur dadurch erzeugt, dass der Gedanke vom Eintreten 
des Zustandes lebendig 1 wird, und gegen den "Willen der Zustand 
selbst eintritt, Wir werden uns demnach wohl nicht allzusehr 
wundern können, wenn auch eine posthypnotische Suggestion ge- 
legentlich sich gegen den Willen der Versuchsperson realisirt. 

Die grösste Aehnlichkeit haben übrigens diese posthypnotisch 
gegen den Willen — oder genau genommen nur gegen den Wunsch 
— ausgeführten Handlungen und Bewegungen mit den in der 
Psychologie genauer bekannten Triebbewegungen, deren Aus- 
führung oft nur zur Befriedigung eines Lustgefühles geschieht, 
welches eine Folge der ausgeführten Bewegung ist. Derartige 
Triebbewegungen sind vollkommen unabhängig von der Willkür; 
sie kommen gegen den Wunsch des Menschen zu Stande. So ist 
z. B. beim Schreck eine Triebbewegung vorhanden, wenn die Hand 
schützend gegen die drohende Gefahr ausgestreckt wird (Wim dt) 
Hierbei kann vollkommen die Vorstellung der Bewegung vor- 
handen seien, zu deren Ausführung die betreifende Person aber 
gezwungen ist durch innere psychische Vorgänge, wie es ähnlich 
bei vielen gegen den Willen posthypnotisch ausgeführten Hand- 
lungen der Fall ist. Ganz ähnlich liegt die Sache bei dem so- 
genannten impulsiven Irresein. Auch hier führen die Patienten 
Handlungen aus, deren Motive nicht klar bewusste Vorstellungen 
sind. Vielmehr scheinen die Patienten triebartig zu den Handlungen 
gezwungen, trotzdem sie sie mit Bewusstsein ausführen (Schule). 



Ich habe im Vorhergehenden die Frage besprochen, warum 
posthypnotische Suggestionen ohne, resp. gegen den Willen aus- 
geführt werden. Ich nahm hierbei den Fall an, dass das Sujet 
nach dem Erwachen sich des ihm in der Hypnose gegebenen Auf- 
trages erinnere, d. h. ich berücksichtigte bisher nur diejenigen 
Hypnosen, bei denen nach dem Erwachen keine Amnesie besteht. 
Eäthselhafter scheint nun die Frage, warum sich auch posthypno- 
tische Suggestionen realisiren, bei denen nach dem Erwachen 
Amnesie, mithin keine Erinnerung an den ertheilten Befehl besteht, 
und dieser anscheinend nicht in dem Bewusstsein der Person ist. 

Kehren wir zur Erklärung wieder zu dem oben erwähnten 



200 Bewusstseinssphären. 

Beispiele aus dem wachen Leben zurück, wo X. einen Brief in 
den Kasten werfen sollte. Ich weise zunächst darauf hin, dass 
auch X., dem ich den Brief gegeben, nicht fortwährend sich des 
Auftrages bewusst war, ja, wir sahen, dass X. anscheinend ohne 
Bewusstsein seiner Handlung den Brief in den Kasten warf; 
dennoch aber würde er ihn nicht in den Kasten geworfen haben, 
wenn er nicht meinen Auftrag im Gedächtnisse gehabt hätte. 

Ganz ebenso liegt nun die Sache bei der posthypnotischen 
Suggestion. Dieselbe sitzt im Gedächtnisse, und sie ist in Wirk- 
lichkeit nur scheinbar unbewusst. Alle posthypnotischen Sug- 
gestionen sind zwischen der Zeit des Erwachens und der Zeit 
der Eealisirung nur scheinbar unbewusst. Um dieses zu beweisen, 
schweife ich etwas vom Thema ab und komme auf das Ober- 
bewusstsein zurück, womit wir die in uns vorgehenden psychischen 
Vorgänge bezeichnen, die wir innerlich wahrnehmen, während die 
nicht wahrgenommenen als Unterbewusstsein bezeichnet werden. 

Der Zustand des Oberbewusstseins ist nicht dauernd derselbe; 
er ist im Gegentheil fortwährendem Wechsel unterworfen. In der 
einen Periode sind uns Vorstellungen bewusst, die uns in der 
anderen fehlen. Die eine Periode umfasst mehr, als die andere. 
Wenn wir nun die Summe von psychischen Vorgängen, die wir 
in dem einen Zustand innerlich wahrnehmen, als Bewusstseins- 
sphäre bezeichnen, so können wir eine ganze Anzahl solcher 
Bewusstseinssphären annehmen. Um jedoch die Sache nicht zu 
sehr zu compliciren, wollen wir nur zwei Sphären annehmen, da 
dieselben für unsern Zweck genügen. 

Wir haben oben bei der Besprechung des Gedächtnisses ge- 
sehen, dass der Hypnotische mit Amnesie im wachen Leben sich 
in der späteren Hypnose alles dessen erinnert, was in der früheren 
Hypnose vorging. Er erinnert sich in der Hypnose aber auch 
alles dessen, was im wachen Leben vorfiel, während er im wachen 
Leben sich nur dessen bewusst ist, was im wachen Leben vorgeht. 
Wir haben hier also zwei verschiedene Bewusstseinssphären. Die 
eine umfasst die Vorgänge von Hypnose und wachem Leben, die 
andere nur die des wachen Lebens. Hier haben wir also zwei 
Bewusstseinssphären zeitlich neben einander. 

Während des wachen Lebens befinden sich im Oberbewusst- 
sein von den Erinnerungsbildern nur solche aus dem wachen Leben; 
im Unterbewusstsein befinden sich die Erinnerungsbilder aus der 
Hypnose, d. h. es sind die Eindrücke der Hypnose aufgenommen, 
sie kommen aber nicht in das Oberbewusstsein. Man muss nun 
aber nicht etwa glauben, dass Ober- und Unterbewusstsein ganz 



Automatisches Schreiben. 201 

schematisch von einander getrennt sind. Eindrücke des Unter- 
bewusstseins kommen gelegentlich auch einmal ins Oberbewusstsein. 
Die durch Ideenassociation hergestellte Erinnerung, von der ich 
S. 97 sprach, beruht darauf. Dass Eindrücke der Hypnose auch 
während des wachen Lebens keineswegs verschwunden sind, dass 
dieselben vielmehr im Gehirn wirklich festsitzen, lässt sich auch 
beweisen. 

Um dies zu thun, muss ich wiederum etwas weiter abschweifen, und ich 
komme hiermit zudem automatischen Schreiben. Ich verdanke die Kennt- 
niss desselben Herrn Dr. Max Dessoir, dem ich für seine selbstlose, echt 
wissenschaftliche Unterstützung bei der Ausarbeitung dieses Buches nochmals 
danke. Es ist dieses automatische Schreiben von ausserordentlichem Interesse und 
von grosser Wichtigkeit. Es wird auch bei Naturvölkern beobachtet (Doolittle, 
Bastian). Sehen wir uns dasselbe genauer an. 

Ich hatte schon mehrfach Gelegenheit von automatischen Bewegungen und 
Handlungen zu sprechen. Um jede Verwirrung der Begriffe zu vermeiden, sei be- 
tont, dass ich hier nicht solche Bewegungen als automatische bezeichne, die 
Liebeault und Bernheim so nennen und die Max Dessoir richtiger als 
fortgesetzte Bewegungen bezeichnet (vergl. S. 53). Ich will hier unter auto- 
matischen Bewegungen solche bezeichnen, die im Augenblick ihrer Ausführung 
nicht gewusst werden, dennoch aber alle Merkmale psychischer Bedingtheit be- 
sitzen. Wenn ich irgendwohin gehe, so sind meine Gehbewegungen fast stets 
automatische Bewegungen; ich gehe, ohne im Augenblick der Ausführung die 
einzelnen Bewegungen zu wissen. 

Um nun auf das automatische Schreiben zu kommen, so sei erwähnt, dass 
es Menschen giebt, die während sie über irgend etwas nachdenken, oder mit 
jemandem sprechen, die Gewohnheit haben, mit ihren Fingern irgend welche Be- 
wegungen auf dem Tische auszuführen. Wenn solche Leute einen Bleistift in 
die Hand nehmen und auf das Papier setzen, so zeichnen sie auf diesem alle 
möglichen Kritzeleien, während sie über andere Dinge nachdenken, und ohne 
dass sie die Ausführung der Kritzeleien bemerken. Diese Kritzeleien können 
als Anfang des automatischen Schreibens gelten. Die Kritzeleien können aber 
auch eine gewisse vernünftige Form annehmen; so berichtet Schiller, er habe 
beim Nachdenken oft ganze Bogen mit Rössleins bemalt (Max Dessoir). Von 
anderen Personen werden in dieser Weise automatisch Buchstaben und Worte 
niedergeschrieben, und diesen Process nennt man eben automatisches Schreiben; 
dasselbe ist offenbar von einer gewissen Intelligenz geleitet, da ohne solche doch 
vernünftige Worte nicht niedergeschrieben werden können. Diese Intelligenz ist 
aber in der Person gelegen, wenn auch ihr nicht bewusst in dem gewöhnlichen 
Sinne dieses Wortes ; diese Intelligenz ist eben das in der Person gelegene Unter- 
bewusstsein, das in derselben Weise wie das Oberbewusstsein Handlungen und 
Bewegungen ausführt, trotzdem diese vom Individuum nicht bemerkt werden. 
Jedenfalls ist die betreffende Intelligenz dem Individuum innewohnend und ihm 
gehörend, nicht aber wie die Spiritisten, die das automatische Schreiben gleich- 
falls kennen, und als mediumistisches Schreiben bezeichnen, eine fremde Kraft, 
ein Geist. 

Ich bitte jetzt den Leser, mir bei einigen Versuchen mit dem automatischen 
Schreiben zu folgen. 

Ich gebe einer Person, die nicht in Hypnose ist, einen Federhalter oder 



202 Automatisches Schreiben. 

Bleistift in die Hand, trage ihr auf, irgend eine Frage durch Schreiben zu be- 
antworten, z. B. , was sie Tags vorher zu Mittag gegessen hat ; sie solle 
aber die Hand passiv lassen und nicht absichtlich schreiben, lüge ich 
hinzu; gleichzeitig setze ich die Bleistiftspitze auf ein Stück Papier. Dass 
die Person, welche fest daran denkt, mit der Hand niederschreibt, ist an sich 
nicht wunderbar. Es würde an die S. 42 geschilderten Versuche vom Gedanken- 
lesen erinnern. Die Person denkt z. B. an Kalbsbraten und macht mit der Hand 
entsprechende Bewegungen. Etwas abweichend wird der Process jedoch schon 
dadurch, dass ich mich mit der Person ganz ruhig unterhalte, während sie schreibt. 
Ich unterhalte mich mit ihr über das Theater, über das Wetter; unterdessen 
schreibt die Hand das Wort „Kalbsbraten" nieder. Es stellt sich heraus, dass die 
Person denselben am vorhergehenden Mittag gegessen hat. Es hat also hier die 
Hand geschrieben, ohne dass die Person die Gedanken concentrirte, und es weicht 
dies schon von dem gewöhnlichen Gedankenlesen ab. Es hat also die Person, 
während sie sich mit mir unterhielt, auf eine an sie gerichtete Frage eine ganz 
vernünftige und richtige Antwort niedergeschrieben. Da sie das Schreiben gar 
nicht bemerkte, so folgt daraus, dass die Person automatisch schrieb. Es ist 
dieses automatische Schreiben gewiss recht auffallend. 

Wenn nun die genannte Person auch nicht wusste, dass sie schrieb,, so 
wusste sie doch was sie, ohne es zu bemerken, schrieb ; denn sie wusste, dass sie 
Tags vorher Kalbsbraten gegessen hatte. Nun giebt es aber auch Personen, die 
auf Fragen mittelst des automatischen Schreibens Dinge beantworten, die sie gar 
nicht wissen. So z. B. schreibt eine Person auf die an sie gerichtete Frage, was 
sie in der letzten Woche täglich zu Mittag gegessen habe, alle Speisen für die 
einzelnen Tage automatisch nieder, obwohl sie selbst die einzelnen Gerichte nicht 
mehr weiss, d. h. nicht mehr im Oberbewusstsein hat. 

Auch in der Hypnose lassen sich derartige Versuche sehr schön machen und 
die oben geschilderten Sinnestäuschungen, insbesondere die negativen gewinnen 
dadurch wesentlich an Verständlichkeit, wie bereits S. 148 angedeutet ist. Ich 
suggerire X. in Hypnose, trotzdem ausser mir noch A. und B. anwesend sind, 
dass nur ich anwesend sei, A. und B. aber fortgegangen seien. X. reagirt gar 
nicht mehr auf Anreden und andere Einflüsse von A. und B; X. sieht sie nicht 
und hört sie nicht. Auf meine Frage an X., wer anwesend sei, erfolgt die 
Antwort: „Nur Sie und ich." Darauf gebe ich X. einen Bleistift in die Hand, 
setze ihn auf ein Papier und befehle X , mir mit dem Bleistitte die Frage zu be- 
antworten, wer anwesend sei. X. schreibt: „Herr Dr. Moll, Herr A., Herr B. und 
ich." Es hat mithin X. automatisch wiederum, ohne sein eignes Schreiben 
zu bemerken, eine ganz intelligente Antwort gegeben. Er hat sogar dadurch 
bewiesen, dass A. und B. zwar einen centralen Eindruck auf ihn gemacht haben, 
dass ihm dieser aber nicht bewusst war (vgl. S. 148) 

Kehren wir nunmehr zu dem Ausgangspunkt unserer Besprechung zurück, 
nachdem wir das automatische Schreiben kennen gelernt haben. 

Mittelst des automatischen Schreibens lässt sich in der That 
der Beweis führen, dass die Eindrücke der Hypnose wirklich im 
Gehirn festsitzen, und gerade hierüber haben Gurney, F. Myers 
und Pierre Janet eine Reihe sehr schöner Versuche gemacht. 
X. ist z. B. aus der Hypnose erwacht und kann nicht sagen, was 
während der Hypnose vorgefallen ist; X. erinnert sich an nichts, 
was man ihm gesagt hat. Aufgefordert, nunmehr automatisch nieder- 



Posthypnotische Suggestion mit Amnesie. 203 

zuschreiben, was ihm während der Hypnose gesagt wurde, thut X. 
dasselbe. Eine Menge Dinge werden mit diesem automatischen 
Schreiben von X. aufgezeichnet, die während der Hypnose vor- 
gefallen sind. Da X. nun diese Dinge nicht sagen konnte, dieselben 
sich also nicht im Oberbewusstsein befinden, so ergiebt sich aus 
diesen automatischen Schreibversuchen, dass diese Eindrücke dennoch 
vorhanden sind. Man sieht sogar, dass dieselben sich durch einen 
gewissen Act, durch automatisches Schreiben, kundgeben können. 
Es handelt sich nun darum, zu zeigen, wesshalb die posthyp- 
notische Suggestion sich realisirt, trotz der Amnesie. Wir haben 
nun gesehen, dass diese Amnesie nur insofern besteht, als die hyp- 
notischen Erlebnisse und auch die posthypnotische Suggestion sich 
lediglich in dem Unterbewusstsein befinden. Jedenfalls ist, wie 
ich jetzt nachgewiesen, die Amnesie nur eine scheinbare und die 
posthypnotische Suggestion sitzt im Unterbewusstsein, welches, wie 
ich gleichfalls durch das automatische Schreiben gezeigt habe, mit 
einer gewissen Intelligenz arbeitet, und in dem keineswegs ein 
wirres Durcheinanderlaufen der ihm angehörenden Gedanken statt- 
findet. 



Aus den vorhergehenden Ausführungen geht hervor, erstens 
warum eine posthypnotische Suggestion ohne und gegen den Willen 
ausgeführt wird, zweitens warum eine posthypnotische Suggestion 
trotz scheinbaren Vergessens des Auftrages sich realisirt. Eine 
weitere Frage ist nun die, woher kommt es, dass die posthypnotische 
Suggestion sich in dem richtigen Moment realisirt? Die Ant- 
wort lautet verschieden je nach der Art, wie der Zeitpunkt be- 
stimmt wird, in welchem sich die Suggestion realisiren soll. Wir 
sahen S. 111, dass der Zeitpunkt in mehrfacher Weise angegeben 
werden kann : entweder durch ein concretes äusseres Zeichen, z. B. 
das Schlagen der Uhr oder durch eine abstracte Zeitbestimmung 
oder durch Abzählen von Signalen oder Tagen. 

Da, wo die Uhr schlägt, werden wir irgend welche neue 
psychologische Gesetze nicht finden; wir finden hier einen Process, 
wie wir ihn vermöge der Ideenassociation im normalen Leben auch 
sehr häufig finden. Grade das Schlagen der Uhr erinnert uns sehr 
oft daran, was wir zu der bestimmten Zeit ausführen wollten und 
was wir auch dann ausführen. 

Wenn wir einen Knoten ins Taschentuch machen, um uns einer 
Sache zu erinnern, so findet derselbe Process statt. Es fällt mir 



204 Zeitbestimmung für posthypnotische Suggestionen. 

jetzt ein, dass ich morgen einen Brief schreiben muss; ich nehme 
mein Taschentuch und mache einen Knoten, um nicht das Brief- 
schreiben zu vergessen. Der Knoten und das Briefschreiben sind 
jetzt im Bewusstsein mit einander associirt. Sobald ich den folgen- 
den Tag den Knoten im Taschentuch sehe, kommt mir die Idee des 
Briefschreibens ins Oberbewusstsein, während sie vorher nur im 
Unterbewusstsein war. Es findet hier eine Erinnerung statt durch 
Ideenassociation. Dasselbe sehen wir nun auch bei dem Beispiel der 
posthypnotischen Suggestion (S. 111). Das Schlagen der Uhr brachte 
hier den Gedanken in Erinnerung, die Wasserflasche zu nehmen 
und mit ihr auf- und abzugehen. Dieser Associationsprocess ist 
oft so mächtig, dass er sogar bei unpünktlicher Erledigung der 
Suggestion noch wirkt. Ein Herr wird am Sonnabend von mir 
hypnotisirt. Ich sage ihm: „Wenn Sie Dienstag früh zu mir 
kommen und bei mir eintreten, werde ich dreimal husten. Sobald 
ich dies gethan habe, werden Sie mir ihre Hand geben mit der 
Bemerkung: Das ist zu dumm". Der Herr kommt aber Dienstag 
nicht zu mir, sondern erst Donnerstag; dennoch realisirt sich die 
Suggestion, lediglich infolge meines Hustens. 

Nehmen wir als zweiten Fall den, wo nicht ein concretes 
Zeichen, sondern eine abstracte Zeitbestimmung den Moment der 
Bealisirung der posthypnotischen Suggestion bestimmt. Hier bleibt 
die Idee im Unterbewusstsein liegen, bis sie sich in die ent- 
sprechende That umsetzt. In dem Unterbewusstsein findet hier eine 
ungefähre, aber nur ungenaue Berechnung statt. Auch hierfür 
haben wir viele Analoga im gewöhnlichen Leben. Ich sage A. : 
„Erinnern Sie mich in einer Stunde daran, dass ich einen Brief 
schreiben will." A. beschäftigt sich mit allem Möglichen, denkt 
gar nicht mehr an den Brief, erinnert mich dennoch nach einiger 
Zeit daran. Da er aber nicht zur Uhr gesehen hat, hat er die 
Zeit unpünktlich bestimmt; der Fall ist ganz analog wie bei der 
posthypnotischen Suggestion, wo gewöhnlich keine vollkommene 
Pünktlichkeit stattfindet. Für die wenigen Fälle, bei denen diese 
auffallende Pünktlichkeit eintritt, glauben einige Leute, eine innere 
Zeitrechnung annehmen zu müssen, die etwa ähnlich functionire 
und Zeiten schätzen könne, wie auch unser Puls und die Athmung 
unbewusst eine grosse Regelmässigkeit zeigen. Wie dem aber 
auch sein mag, es giebt einzelne Leute, die im wachen Zustande 
im Stande sind, die Zeit ziemlich genau zu schätzen, andere, die 
sie auch während des Schlafes taxiren können, wie jene Leute, die r 
ohne dass eine Uhr schlägt, zu einer bestimmten Zeit erwachen 
können. Jedenfalls wäre, was die Zeitbestimmung betrifft, es 



Abzählen von Signalen und Tagen. 205 

keineswegs nöthig, irgend eine besondere Fähigkeit Hypnotisirter 
anzunehmen, die sich sonst nicht fände. 

Gerade über die genaue Zeitrechnung- somnambuler Personen haben auch 
die alten Mesmeristen, z. B. Nasse und Eschenmayer, Untersuchungen an- 
gestellt; auch bei den alten Indern wurde dieses Problem schon eifrig studirt; 
man bezeichnet mitunter diese Fähigkeit innerlich die Zeit genau zu schätzen als 
Kopfuhr (du Prel). 

Ich komme jetzt zur Besprechung der dritten Art der Zeit- 
bestimmung, nämlich auf das Abzählen von Signalen oder Tagen 
(vgl. S. 112). Die Erklärung, die Gurney hierfür giebt, stützt 
sich wiederum auf die Trennung des Bewusstseins in Ober- und 
Unterbewusstsein, die ich oben auseinandergesetzt habe. Während 
sich der Experimentator mit dem Individuum unterhält, und das 
Oberbewusstsein dabei thätig ist, arbeitet das Unterbewusstsein 
selbständig weiter. Dieses trägt den Befehl im Gedächtnisse, und 
während die obere Bewusstseinssphäre bei dem Gespräche beschäf- 
tigt ist, zählt die untere Sphäre die gegebenen Signale, z. B. 
das Scharren des Fusses. Wenn das zehnte Signal gegeben ist, 
wird die Suggestion realisirt, ebenso wie sonstige Suggestionen 
auf ein bestimmtes Signal ausgeführt werden (vgl. Beispiel auf 
S. 112). 

In ganz ähnlicher Weise wie das Zählen der Signale, sucht 
nun Gurney auch manche Suggestionen auf längere Verfallszeit 
zu erklären. Auch diese können, wie wir sahen, mitunter so 
gegeben werden, dass man nicht ein bestimmtes Datum nennt, 
sondern eine Keine von Tagen oder Wochen angiebt, nach deren 
Verlauf die Suggestion ausgeführt werden soll (S. 112). Zur Er- 
klärung bieten sich zwei Wege. Vielleicht rechnet das Sujet sich 
das Datum aus, nachdem ihm die Anzahl der Tage oder Wochen 
bestimmt ist. Hiergegen spricht, dass derartige Personen bei 
Hypnosen in der Zwischenzeit das endgiltige Datum nicht angeben 
können. Gurney nimmt desswegen auch hier eine Thätigkeit 
des Unterbewusstseins an. Er meint, dass die Person ähnlich, wie 
wir im wachen Leben mit Bewusstsein Tage abzählen können, so 
mit dem Unterbewusstsein die Tage abzähle und vermöge dieser 
Abzahlung die Suggestion erfülle. Er nimmt dies umsomehr an, 
als bei den zwischen den beiden Terminen vorgenommenen Hypnosen 
die Person im Stande ist, die Anzahl der Tage anzugeben, die 
verflossen sind und noch verfliessen werden, nicht aber den End- 
termin anzugeben vermag. 

Man ist im Stande, mittelst dieser verschiedenen Bewusstseins- 
sphären die posthypnotischen Suggestionen, die sich bei voll- 



206 "Weitere Analogien der posthypnotiscken Suggestion. 

kommener Amnesie realisiren, am besten zu verstehen. Denn stets 
ist der suggerirte Befehl aufgenommen, wenn die Versuchsperson 
auch infolge der Amnesie ihn nicht weiss. Die pünktliche 
Erfüllung eines derartigen Befehles ist nur dann zu denken, wenn 
ausser dem gewöhnlichen Oberbewusstsein auch das Unterbe- 
wusstsein in uns mit Intelligenz arbeitet. 



Die vorhergehenden Ausführungen sollten wesentlich dazu 
dienen, die posthypnotische Suggestion nach Möglichkeit gewissen 
alltäglichen Vorgängen zu nähern. Um eine vollkommene Identi- 
ficirung handelt es sich hierbei wohl nicht. Denn zweierlei unter- 
scheidet scheinbar viele posthypnotische Suggestionen von allen 
bekannten Vorgängen des wachen Lebens. Es erinnert sich die 
Person nach Beendigung der Hypnose nicht des gegebenen Befehles ; 
von der Idee, denselben auszuführen, ist ihr anscheinend nichts 
bewusst; spricht man mit der Person nach dem Erwachen davon, so 
kann in ihr die Idee gleichfalls nicht wachgerufen werden; dennoch 
aber wird diese in einem vorher bestimmten Momente lebendig, 
trotzdem in der Zwischenzeit die Erinnerung dadurch, dass man 
mit der Person davon sprach, nicht zu erzielen war. Wir vergessen 
auch im gewöhnlichen Leben vieles; dass aber etwas erst in einem 
uns vorher bestimmten Moment in Erinnerung kommt, während in 
der Zwischenzeit weder durch Andeutungen noch sonst wie eine 
Erinnerung erzielt werden kann, dass scheint mir das eine 
Privilegium vieler posthypnotischer Suggestionen zu sein; das 
zweite ist anscheinend der Umstand, dass nicht der Befehl selbst, 
sondern oft nur die Idee der Ausführung desselben in Erinnerung 
kommt. 

Dennoch sind selbst diese anscheinend so auffallenden Phäno- 
mene keineswegs ein absolutes Vorrecht der Hypnose. Ich will 
zunächst an die oft pathologischen Zwangsvorstellungen er- 
innern, deren Ursprung meist unbekannt ist (v. Bentivegni). Be- 
kanntlich können solche Vorstellungen gleichfalls den Impuls zu 
Handlungen geben (v. Krafft-Ebing), welche schliesslich unter Um- 
ständen der Betreffende nicht unterdrücken kann. Die Quelle der 
Vorstellung ist oft nicht zu ermitteln weder durch Fragen noch 
durch irgend etwas anderes. Wenn wir nun an Lock es Satz 
festhalten: „Nil est in intellectu, quod non prius fuerit in sen- 
su," so werden wir doch annehmen müssen, dass irgend ein 



Weitere Analogien der posthypnotischen Suggestion. 207 

äusserer Vorgang- den Geist des von Zwangsvorstellungen Be- 
herrschten früher einmal beeinflusst hat, dass aber der Vorgang 
selbst nicht mehr in Erinnerung gebracht werden kann. Dennoch 
tritt die Wirkung ein, die sich bald als Zwangsvorstellung bald 
als eine von ihr veranlasste Handlung (Mord, Selbstmord, Brand- 
stiftung etc.) zeigt (v. Krafft-Ebing). Es findet also hier genau 
wie bei der posthypnotischen Suggestion weder in der Zwischenzeit 
Erinnerung an den äusseren veranlassenden Eindruck, noch auch 
selbst beim Auftreten der Vorstellung oder Handlung Erinnerung 
an deren Quelle statt, 

Aber nicht nur unter pathologischen Verhältnissen scheint mir 
der Vorgang aufzutreten, dass irgend eine von aussen in uns er- 
weckte Vorstellung uns beeinflusst, unser Handeln, Fühlen etc. tangirt, 
ohne dass wir uns durch irgendwelche Hilfsmittel genauer des 
Zeitpunktes erinnern, wann jene Vorstellung sozusagen uns ein- 
gepflanzt wurde. Nehmen wir ein kleines Kind an, etwa im Alter 
von 2 — 3 Jahren; dasselbe kommt öfter mit 2 Personen A. und B. 
in Berührung; A. ist nun recht gut und zärtlich zu dem Kinde, 
B. hart und unfreundlich. Infolgedessen entwickelt sich allmählich 
bei dem Kinde eine Zuneigung zu A., eine Abneigung gegen B; 
nehmen wir nun ferner an, dass das Kind längere Zeit nicht mehr 
mit A. und B. in Berührung komme; dennoch werden noch nach 
langer Zeit, wenn eine zufällige Begegnung wieder stattfindet, die 
Zuneigung zu A., die Abneigung gegen B. sich zeigen. Die Gründe 
für dieses Verhalten werden dem Kinde, das nun vielleicht schon 
mehrere Jahre älter ist, nicht klar sein, es erinnert sich gar nicht 
mehr daran, wie A. und B. sich früher zu ihm benommen haben; 
man konnte auch weder vorher noch jetzt durch Fragen die Er- 
innerung wieder herstellen. Dennoch besteht die Wirkung jener 
dem Kinde nicht bewussten früheren Eindrücke und zeigt sich in 
dem Verhalten des Kindes gegenüber A. und B. Dass in resp. nach 
der Kindheit dieser Vorgang oft stattfindet, ist sicher. Scharfsinnige 
Beobachter nehmen an, dass mancher Mensch seine Vorliebe für 
irgend einen Beruf, z. B. die Malerei durch irgendwelche Eindrücke 
in der Kindheit, z. B. die Beschäftigung mit Farben erhalten habe ; 
auch hier zeigt sich lediglich die Wirkung früherer Eindrücke, die 
als solche nicht mehr von dem Erwachsenen gekannt sind. 

Dass übrigens ein solcher Vorgang keineswegs auf die Kind- 
heit beschränkt ist, dass er sich auch bei Erwachsenen findet, ist 
sicher. Unbedeutende Aeusserungen , die wir hören, beeinflussen 
uns nicht selten, ohne dass wir uns später, wenn die Wirkung 
auch eintritt, uns jener Aeusserungen noch entsinnen könnten. Gar 



208 Posthypnotische Sinnestäuschungen. 

manchmal ist unser Verhalten gegenüber Personen, Ereignissen, 
Gegenständen durch frühere, nicht mehr bewusste Eindrücke bedingt. 
Da wir nun wissen, dass jene hypnotischen Zustände, in denen 
nach dem Erwachen Amnesie besteht, keineswegs Zustände von 
Bewusstlosigkeit sind, dass vielmehr die aufgenommenen Eindrücke 
höchstens unterbewusst bleiben, so kann die Thatsache auch nicht 
mehr allzu räthselhaft erscheinen, dass in der Hypnose auf- 
genommene Eindrücke das spätere Handeln des Hypnotikers be- 
einflussen, nachdem er längst aus der Hypnose erwacht ist, und 
ohne dass er sich der Quelle des Handelns erinnert. Er wird viel- 
mehr ebenso wie in den genannten Beispielen wacher Leute jenen 
äusseren Einfluss sich vollkommen assimiliren, sich desselben gar 
nicht mehr erinnern und später oft wie spontan handeln; oder er 
wird wie bei Zwangsvorstellungen gleichsam von einem Triebe be- 
herrscht, daher nachgeben, ohne dass die äussere Ursache jenes 
Triebes ihm bewusst wäre. 



Ich habe bisher nur von den posthypnotisch ausgeführten Be- 
wegungen und Handlungen gesprochen, und ich habe für die wich- 
tigsten Erscheinungen auf dem Wege der Analogie Erklärungen 
zu geben versucht. Ich habe nun noch einige Worte über die 
posthypnotischen Sinnestäuschungen zu sprechen, die sich nicht so 
einfach deuten lassen. Diejenigen zwar, bei denen eine neue Hyp- 
nose eintritt, scheinen kaum wesentliche Schwierigkeiten zu machen. 
Da wir nämlich gesehen haben, dass die Amnesie nach dem Er- 
wachen nur scheinbar besteht, dass mithin in Wirklichkeit die Idee 
im Bewusstsein, wenn auch im Unterbewusstseih, bleibt, so wird 
es gewiss nicht Verwunderung erregen, dass die eingegebene Vor- 
stellung zur festgesetzten Zeit sich in die Sinnestäuschung umsetzt 
mit neuer Hypnose, die sich an das Auftauchen der Vorstellung 
vermöge der Association anschliesst; wir haben dann das Auftreten 
der Sinnestäuschung mit dem Traumbewusstsein zu erklären, wie 
ich oben gezeigt habe. 

Wesentlich anders liegt die Frage, wenn die Sinnestäuschung 
ohne neue Hypnose auftritt; ich sage z. B. jemandem in Hypnose: 
„Wenn ich nach Ihrem Erwachen husten werde, dann werden Sie 
hier eine Taube auf dem Tische sitzen sehen, Sie werden dabei voll- 
kommen wach bleiben." Die Suggestion geht in Erfüllung; der 
Betreffende nimmt eine Taube wahr, obwohl keine vorhanden ist 



Erwartungsstimmung. 209 

es gelingt aber nicht, dem Betreffenden irgend eine weitere Ein- 
gebung zu machen. Er erscheint mit Ausnahme dieses einen Punktes 
durchaus normal. Ob trotzdem der geistige Gesammtzustand solcher 
Leute ein normaler ist, worüber v. Bentivegni sehr klar sich 
ausspricht, wird im forensischen Theile erörtert werden. Wie können 
wir uns nun diese eine Sinnestäuschung erklären? Das Traum- 
bewusstsein hier als Ursache anzusprechen, geht kaum an, da es 
anscheinend während der Realisirung der Suggestion nicht besteht, 
Wir finden aber unter anderen Verhältnissen ähnliche Vorgänge; 
ich will nicht an die Hallucinationen Geisteskranker erinnern, die 
sich gerade dadurch von jener Versuchsperson unterscheiden, dass 
noch andere Störungen zur Sinnestäuschung hinzukommen. Aber 
unter anderen Verhältnissen finden wir doch derartige Sinnes- 
täuschungen bei Personen, die aus irgend welchen Gründen „nicht 
disponirt sind, die Schöpfungen ihrer Einbildungskraft zu corrigiren" 
wie v. Krafft-Ebing meint. Dieser Autor erinnert an die Hal- 
lucinationen vieler berühmter Männer an die von Sokrates, der 
sich mit seinem Dämon unterhielt, an die von Luther, der dem 
Teufel das Dintenfass nachwarf, u. s. w. Die Ursache derartiger 
Hallucinationen ist oft ein lebhaft erwarteter Effect, worüber ich 
schon oben sprach. Recht deutlich tritt uns dies bei spiritistischen 
Manifestationen entgegen, die wohl zum grossen Theil auf Hal- 
lucinationen der Anwesenden zurückgeführt werden können, die 
Geister oder andere Objecte zu sehen glauben infolge centraler 
abnormer Gehirnvorgänge. Die Hallucinationstheorie des Spiritis- 
mus ist bekanntlich von Ed. v. Hartmann genauer erörtert wor- 
den, wenn auch die Entstehung der Hallucinationen nach diesem 
Autor auf besondere Weise erklärt wird. Jedenfalls können ohne 
Hypnose bei Personen, die sonst wach sind, Sinnestäuschungen für 
Ohr, Auge etc. entstehen; und zwar wird deren Entstehung 
wesentlich durch eine besondere psychische Stimmung hervorgerufen, 
die bei einzelnen als Erwartungsstimmung bezeichnet werden 
kann. Es scheint nun, dass bei Herbeiführung von Sinnestäuschungen 
durch Anwendung der posthypnotischen Suggestion bei dem Auf- 
tauchen der Idee ein seelischer Zustand geschaffen wird, der mit 
jener Erwartungsstimmung grosse Aehnlichkeit hat, ja vielleicht 
ihr identisch ist. In dieser Weise Hessen sich vielleicht diese 
Fälle von Sinnestäuschung gewissen uns schon längere Zeit be- 
kannten Vorgängen an die Seite stellen. 



Mull, Hypnotismna. 14 



210 Hemmungsvorgänge in der Hypnose. 

Es sind bereits früher von verschiedenen Seiten Erklärungs- 
versuche der Hypnose vom Standpunkte der Psychologie gemacht 
worden; dieselben haben aber gewöhnlich den Fehler, dass sie zu 
verschiedenartige Erscheinungen mit einem Begriffe zu erklären 
versuchten; dieser Begriff ist der der Aufmerksamkeit, deren 
Veränderung in der Hypnose am meisten auffiel. Auch ich habe 
früher in ähnlicher Weise die hypnotischen Erscheinungen zu 
deuten gesucht. Da man den verschiedenen Theorien, die hierauf 
Bezug nehmen, öfter begegnet, so will ich den entsprechenden 
Gedankengang im Folgenden noch entwickeln; die folgenden Aus- 
führungen stehen übrigens mit dem Vorhergehenden nicht in Wider- 
spruch, sie haben vielmehr durch dasselbe nur eine wesentliche 
Ergänzung gefunden, z. B. durch die schärfere Berücksichtigung 
des Traumbewusstseins. 

Wir haben gesehen, dass die Haupterscheinung des Hypnotismus 
die Suggestibilität ist. Wir haben gesehen, mit welcher Leichtig- 
keit eine Suggestion, die dem Hypnotischen eingegeben wird, sich 
realisirt. Die von aussen angeregte Vorstellung einer Bewegung 
führt, wie wir sahen, sofort zu dieser Bewegung, die Vorstellung 
eines Objectes führt sofort zur entsprechenden Sinnestäuschung. 
So sonderbar dies auch erscheint, so paradox auch die Symptome 
des Hypnotismus auf den ersten Blick uns dünken, so müssen wir 
uns doch darüber klar sein, dass es sich hierbei nicht um einen 
absoluten Unterschied handelt zwischen Hypnose und nicht hyp- 
notischem Zustand. Es scheint nämlich nach manchen neueren 
Erfahrungen der Psychologie, wie auch zum Theil in dem Vorher- 
gehenden auseinander gesetzt ist, dass eine gewisse Suggestibilität 
auch normaliter besteht. Wenn A. zu B. sagt, dass dieser seinen 
rechten Arm heben werde, so hat B. an sich die Neigung, den Arm 
zu heben. Dies wird nun dadurch verhindert, dass B. mit seinem 
Willen die von aussen erweckte Vorstellung durch das Hervor- 
tretenlassen einer entgegengesetzten Vorstellung bekämpft. Vielleicht 
macht das folgende Beispiel dies klarer. Wenn zwei Leute sich 
ansehen, so entsteht nicht selten sehr schnell ein Lachen beider, 
wenn der eine dem anderen recht fest das baldige Eintreten des 
Lachens versichert. Voraussetzung zum Entstehen des Lachens 
ist, dass irgendwie die Idee des Lachens auftaucht; je lebhafter 
die Idee des Lachens, um so schneller wird das Lachen ausbrechen. 
Man sucht das Lachen nun dadurch zu verhindern, dass man die 
entgegengesetzte Vorstellung, die des Nicht-Lachens, möglichst 
hervortreten lässt. Wahrscheinlich hat mancher von den Lesern 
schon dieselbe Beobachtung gemacht, wie ich an mir: ich bin im 



Hemmungsvorgänge in der Hypnose. 211 

Stande, wenn ich in dieser Weise zum Lachen geneigt bin, das 
Lachen dadurch zu unterdrücken, dass ich mir einen körper- 
lichen Schmerz zufüge, z. B. mich mit einer Nadel stark steche. 
Durch diesen Stich entsteht eine Schmerzempfindung, die die Idee 
des Lachens zurücktreten lässt und dadurch das Lachen verhindert. 
Wir sehen hier also ganz deutlich ein Beispiel, wo die Idee des 
Lachens zurückgedrängt wird durch eine entgegengesetzte Idee, 
die hier durch ein bestimmtes Gefühl, das des Schmerzes, erzeugt 
wurde. 

Es scheint nun, dass im Leben ein derartiger Vorgang fort- 
während statt hat, dass die in uns erweckte Vorstellung einer 
Bewegung sich in die Bewegung umsetzt (Joh. Müller), wenn 
nicht eine entgegengesetzte Vorstellung jene Idee sofort bekämpft. 
In- und ausserhalb der Hypnose hat also eine Bewegungsvor- 
stellung, die in der Vorsuchsperson erregt wird, die Neigung, eine 
Bewegung hervorzurufen. Im wachen Leben wird diese Vorstellung 
aber sehr bald bekämpft und unwirksam gemacht durch entgegen- 
gesetzte Vorstellungen, die der Mensch selbst erzeugt, in der 
Hypnose nicht, Wir können also sagen: der wache Mensch ist 
im Stande, durch bestimmte Vorstellungen, die er willkürlich 
erzeugt, die Bewegung zu hindern, die ihm suggerirt ist; der 
Hypnotisirte ist dazu nicht im Stande. Es findet also in der 
Hypnose die Hemmung gewisser Vorstellungen statt und zwar 
sind die Hemmungsvorstellungen gehemmt. Es ist Heidenhains 
Verdienst, zuerst auf die Wichtigkeit der Hemmungsvorgänge in 
der Hypnose hingewiesen zu haben. 

Es verhält sich nun ebenso natürlich mit suggerirten Läh- 
mungen. Hier wird die Idee des Nichtbewegenkönnes eingegeben. 
Im gewöhnlichen Leben sind wir im Stande, eine aufgenommene 
Idee sofort zu bekämpfen und unwirksam zu machen durch will- 
kürlich erzeugte entgegengesetzte Vorstellungen. Anders liegt die 
Sache in der Hypnose. Die aufgenommene Idee kann hier nicht 
durch die entgegengesetzte Idee ersetzt werden, sodass die auf- 
genommene Idee des Nichtbewegenkönnens sich umsetzt in eine 
wirkliche Unfähigkeit der Bewegung. 

Untersuchen wir nun, ob wir uns den Vorgang bei den 
Sinnestäuschungen ähnlich denken können. Meiner Ansicht nach 
ist dies möglich. Wenn wir z. B. „Hier ist ein Hund" hören, so 
besteht in uns, wie oben gezeigt, an sich eine gewisse Neigung, 
das zu glauben. Unsere Sinnesempfindungen, Wahrnehmungen, 
sowie Erinnerungsbilder verhindern jedoch sofort die eingegebene 
Vorstellung zu einer Wahrnehmung zu werden; sie bewirken da- 

14* 



212 Veränderung der Aufmerksamkeit in der Hypnose. 

durch, dass wir an die Anwesenheit des Hundes nicht glauben. 
Anders in der Hypnose. In ihr werden die Sinneseindrücke nicht 
in Empfindungen und Wahrnehmungen verwandelt, ausser den- 
jenigen Eindrücken, die der Experimentator zu bewussten Sinnes- 
vorstellungen sich umgestalten lässt; es findet auch in der Hyp- 
nose nicht der normale Verlauf und die richtige Beurtheilung der 
Erinnerungsvorstellungen statt. Jedenfalls aber erleidet hier der 
normale Verlauf der Vorstellungen eine Einbusse. Diese Be- 
schränkung in dem normalen Verlauf der Vorstellungen lässt nun 
die Idee des Hundes zu einer Wahrnehmung werden, weil sie nicht 
corrigirt werden kann. Ganz analog würde die Sache mit den 
negativen Hallucinationen liegen, die wir uns gleichfalls darstellen 
können als die Unfähigkeit, die Suggestion durch normal geleitete 
Vorstellungen zu bekämpfen. 

Nach diesen Auseinandersetzungen können wir jede Hypnose 
auffassen als einen Zustand, in welchem der normale Verlauf der 
Vorstellungen gehemmt ist. Ob die Vorstellungen sich auf Be- 
wegungen beziehen oder auf Sinneseindrücke, ist gleichgiltig. 
Stets, so sahen wir, erleidet der normale Verlauf der Vor- 
stellungen eine Hemmung. Besonders ist es dem Individuum, wie 
wir sahen, nicht möglich, fremde in ihm erregte Vorstellungen 
durch die eigenen zurückzudrängen, die letzteren besonders her- 
vortreten zu lassen; die fremden beherrschen vielmehr das Be- 
wusstsein. Da wir nun psychologisch unter Aufmerksamkeit 
diejenige Thätigkeit verstehen, mittelst deren der Mensch im Stande 
ist, gewisse Vorstellungen besonders hervortreten und dadurch 
wirken zu lassen, seien es Bewegungsvorstellungen oder andere, 
so können wir sagen, dass es sich bei dem Hypnotismus um eine 
Veränderung der Aufmerksamkeit handelt. 

Die Aufmerksamkeit kann aber eine spontane oder reflectorische 
sein (Ed. von Hartmann). Wenn von mehreren Vorstellungen 
eine durch einen Act der Willkür gewählt wird und man ihr nun 
die Aufmerksamkeit zuwendet, so handelt es sich um die spontane 
Aufmerksamkeit. Wenn aber unter mehreren Vorstellungen die 
eine durch ihre Intensität oder sonstwie bevorzugt ist und dadurch 
andere Vorstellungen zurückdrängt, resp. selbst dadurch die Auf- 
merksamkeit erregt, so handelt es sich um die reflectorische Auf- 
merksamkeit. 

Nun ist aber die Aufmerksamkeit in der Hypnose nur soweit 
alterirt, als sie eine spontane ist, d. h. die Fähigkeit des Individuums, 
willkürlich Vorstellungen vor die anderen zu schieben, ist gestört, 
während die reflectorische Aufmerksamkeit ungestört bleibt, 



Messungen der Reactionszeit. 213 

durch welche eben eine von aussen eingegebene Vorstellung be- 
sonders hervortritt, deren Wahl aber nicht dem Individuum über- 
lassen wird. In dieser Weise fassen in der That auch viele 
Forscher den Hypnotismus auf. Durands de Gros, Liebeaults 
und in neuerer Zeit Beards, Richets, Schneiders, Wundts, 
v. Bentivegnis Ausführungen laufen im Grossen und Ganzen 
auf diesen einen Punkt hinaus. 



Es ist übrigens zu hoffen, dass gerade über das Verhalten der 
Aufmerksamkeit in der Hypnose uns weitere Untersuchungen der 
numerischen 1 ) Psychologie aufklären werden. Messungen der 
Reactionszeit dürften hier in erster Linie stehen; dieselben sind 
bisher leider nur in ungenügendem Masse vorgenommen worden. 
Man versteht unter Reactionszeit die Zeit, welche verfliesst von 
dem Moment, wo ein Sinneseindruck stattfindet und dem Moment, 
wo die Wahrnehmung desselben durch ein bestimmtes äusseres 
Zeichen registrirt wird (Wim dt). Bekanntlich spielen sich 
während der Reactionszeit im Bewusstsein eine Menge ver- 
schiedener Processe ab. Auf sie gehe ich hier nicht ein, um so 
weniger, als die sonstigen Untersuchungen über die Reactionszeit 
während der Hypnose noch widerspruchsvoll sind. Marie und 
Azoulay haben nun die Reactionszeit für suggerirte Sinnes- 
täuschungen in der Hypnose gemessen; sie fanden hierbei, dass 
die Reactionszeit länger sei, als bei einem reellen Object. Es 
rührt dies vielleicht daher, dass die Wiedererkennungspunkte 
(S. 79) das suggerirte Bild erst erwecken müssen, ehe dasselbe 
wahrgenommen wird. Die Reactionszeit 2 ) kann hierbei nach 
meinen Erfahrungen so lange dauern, dass man — wenn ich auf 
das S. 79 erwähnte Experiment mit den Photographien zurück- 
komme — von einem Suchen nach dem Bilde sprechen kann. Der 
Hypnotische sucht so lange, bis er die Erkennungspunkte findet, 
diese bringen sofort das suggerirte Bild in Erinnerung. Dieses 
Suchen mag mitunter verbunden sein mit einem dunklen Bewusstsein, 



l ) Max Dessoir nennt in seiner Eintheilung der Psychologie den Theil 
..numerische Psychologie'', der sich u. a. auch mit der Messung der Reactionszeit 
heschäftigt. 

*) Ob man hier, streng genommen, noch von Reactionszeit sprechen kann, 
ist mir zweifelhaft, da dieser Ausdruck sich gewöhnlich nur auf die Wahr- 
nehmung realer Objecte bezieht. 



214 Messungen der Reactionszeit. 

das dem Hypnotisirten sagt, dass das Ganze nur eine Täuschung 
sei. Ich muss es aber für irrig erklären, aus diesem Suchen einen 
Schluss auf Simulation zu ziehen. 

Andere Experimentatoren haben in der Hypnose die Reactions- 
zeit für reelle Objecte untersucht. Stanley Hall fand eine er- 
hebliche Verkürzung derselben während der Hypnose bei reellen 
Objecten. 

Er fand vor der Hypnose: 0,328 Secunden, 

während der Hypnose: 0,193 „ 
1 / 2 Std. nach der Hypnose: 0,348 „ 

Hier ist also die Reactionszeit während der Hypnose erheblich 
vermindert; indessen sind die Untersuchungen Stanley Halls 
nicht bestätigt worden durch William James. Er fand im 
Gegentheil fast immer während der Hypnose Vermehrung der 
Reactionszeit und zwar zum Theil in sehr bedeutendem Masse. 
Einmal fand er als Durchschnittszahl 

vor der Hypnose: 0,282 Secunden, 
während der Hypnose sogar: 0,546 „ 
nach der Hypnose: 0,166 „ 

Da aber auch sonst manche Widersprüche in den einzelnen 
Untersuchungen von James sich finden, so ist dieser objectiv 
genug, um endgiltige Schlüsse zu unterlassen. Er glaubt im 
Gegentheil, die Widersprüche darauf zurückführen zu müssen, dass 
unter Hypnose verschiedene Zustände zusammengefasst werden, 
was schon Braid annahm, und dass es nöthig sei, vor Ver- 
allgemeinerungen sich bei einzelnen Beobachtungen zu schützen. 
Ebenso vorsichtig ist Beaunis. Er hat gleichfalls Versuche über 
die Reactionszeit gemacht. Der einzige Schluss, den er aus seinen 
einander theilweise widersprechenden Versuchen zieht, ist der, 
dass die Reactionszeit in der Hypnose durch Suggestion verkürzt 
werden kann. 

Nach allen den vorhergehenden Auseinandersetzungen dürfte 
es schon klar sein, dass die Erscheinungen der Hypnose viel mehr 
Anknüpfungspunkte an das sonstige Leben zeigen, als man aus 
einzelnen mehr dem Sensationsbedürfnisse genügenden Erörterungen 
und Artikeln schliessen würde. Einzelne Erscheinungen der Hyp- 
nose, z. B. Bewegungen ohne den eigenen Willen, können nur bei 
der alleroberflächlichsten Betrachtung als etwas Mystisches auf- 
gefasst werden; wir haben gesehen, dass schon die einfache Be- 
wegungsvorstellung genügt, eine Bewegung ohne jeden Willensact 
zu bewirken. Durch die vorhergehenden Ausführungen, die nur 
einen skizzenhaften Charakter tragen konnten, um das Capitel 



Hypnosen im normalen Leben. 215 

nicht zu sehr auszudehnen, haben wir die Hypnose sowohl dem 
wachen Leben wie dem nächtlichen Traumzustande wesentlich ge- 
nähert. Ja, jeder denkende Leser wird wohl den Eindruck ge- 
wonnen haben, dass Erscheinungen, die man als Privilegien der 
Hypnose aufzufassen geneigt war, z. B. Bewegungen ohne den 
eigenen Willen ganz spontan sehr häufig im Leben auftreten. Ich 
will desshalb schon hier meine Ueberzeugung aussprechen, dass 
jeder gut beobachtende Mensch alltäglich im Leben auch sonst 
„hypnotische Erscheinungen" finden kann, die gewissermassen spon- 
tan eintreten durch eine mehr zufällige Gruppirung und Zusammen- 
wirkung der nöthigen Ursachen. Die weiteren Analogien des Hyp- 
notismus, welche sich aus den vorausgegangenen Erörterungen leicht 
entwickeln Hessen, deren ausführliche Darstellung ich in einer 
monographischen Studie zu geben beabsichtige, dürften dann zeigen, 
dass viele Symptome der Hypnose sich oft spontan im gewöhn- 
lichen Leben darbieten oder, was dasselbe ist, dass das gewöhn- 
liche Leben oft Erscheinungen zeigt, die wir in der Hypnose 
wiederfinden. Die Hypnose oder wenigstens zahlreiche hypnotische 
Zustände sind lediglich ein Mittel, sicherer und leichter Symptome 
hervorzubringen, die sonst nicht leicht eintreten, weil die notwen- 
digen günstigen Bedingungen sich nicht immer zusammenfinden. 



Wenn nun aber auch in dem bisher geschilderten Sinne, d. h. 
im psychologischen Sinne eine Erklärung für die H3 r pnose bereits 
theilweise gegeben, theilweise für die nächste Zeit erwartet werden 
kann, so glaube ich doch nicht, dass sich alle mit einer Erklärung 
in diesem Sinne zufrieden geben werden. Insbesondere die Phy- 
siologen stellen an eine Erklärung der Hypnose doch wesentlich 
andere Anforderungen. Sie verlangen hierfür die Beantwortung 
folgender Fragen: 1) Welches ist der Zustand unseres Central- 
nervensystems, resp. anderer Organe während der Hypnose? 
2) Welches ist der Causalzusammenhang dieses Zustandes mit den 
Erscheinungen des Hypnotismus? 3) Welches ist der Causal- 
zusammenhang dieses Zustandes mit den Mitteln, welche die Hyp- 
nose herbeiführen resp. beenden? 

Leider aber ist gerade die Physiologie des Centralnerven- 
systems auf so schwankem Boden aufgebaut, dass wir von ihr heute 
eine Erklärung nicht erwarten dürfen und auf lange Zeit hinaus, 
vielleicht für immer, wie v. Leixner meint, darauf werden ver- 



216 Geringer Werth von Thier versuchen. 

ziehten müssen. Trotz aller grossen Fortschritte, welche die 
Physiologie gemacht hat, müssen wir uns doch darüber klar sein, 
dass wir über die psychischen Functionen der einzelnen Hirn- 
elemente viel weniger Sicheres wissen, als es nach den physio- 
logischen Lehrbüchern scheinen mag. Auch hypnotische Versuche 
an Thieren, worüber ich schon gesprochen habe, können hier nicht 
zum Ziele führen. Bei aller Genauigkeit, mit der die Thierversuche 
gemacht werden, ist es sehr gewagt, von Thierversuchen auf die 
psychische Thätigkeit der Menschen zu schliessen. Heidenhain 
glaubt, dass man die Aufklärung über Hypnose durch Thierversuche 
erzielen kann, da man Hypnose bei Thieren hervorrufen könne. 
Wenn man aber bedenkt, dass der ganze Hypnotismus ein wesent- 
lich psychischer Process ist, so kann man vom Thierversuch nicht 
viel erhoffen. Die Untersuchung seelischer Vorgänge kann, wie wir 
sahen, auf doppelte Weise gemacht werden: 1) dadurch, dass man 
das Individuum beobachtet und 2) dadurch, dass man die Erinnerung 
des Individuums zu Hilfe nimmt. Das letztere würde beim Thiere 
schon an sich vollkommen wegfallen. Aber auch die Beobachtung 
selbst wäre beim Thiere sehr primitiver Natur; wir können nur 
selten erkennen, welches die Bewusstseinsvorgänge sind, die sich 
im Thiere abspielen. Aus diesen Gründen glaube ich einstweilen 
nicht, dass der Thierversuch uns wesentliche Aufklärungen über 
den Hypnotismus wird liefern können. Wir sollten uns doch ferner 
endlich einmal darüber ganz klar werden, dass die erfolgreiche 
elektrische Reizung irgend eines Gehirntheils ganz und gar nicht 
beweist, dass an dieser Stelle ein Willensact seinen Ursprung hat. 
Heidenhain hat mit Bub n off eine Eeihe Versuche gemacht 
über die elektrische Hirnrindenreizung bei mit Morphium vergifteten 
Hunden. Wenn aber die Autoren aus elektrischen Reizversuchen 
Schlüsse ziehen wollen auf den Willensact des Menschen, so muss 
ich dies so lange als irrig erklären, bis nicht bewiesen ist, dass 
der Willensimpuls ein elektrischer Reiz sei. Wenn nun Heiden hain 
diese Versuche an den Hunden zu hypnotischen Experimenten beim 
Menschen in Beziehung bringt, so muss ich aus den erwähnten 
Gründen das als einen sehr gewagten Vergleich betrachten, aus 
dem wir keine Schlüsse ziehen können. 



Es ist übrigens mehrfach schon auf Grund der bisherigen Er- 
fahrungen der Physiologie der Versuch gemacht worden, eine un- 
gefähre physiologische Erklärung für den Hypnotismus zu geben. 



Heidenhains Theorie. 217 

In erster Linie ist hier Heidenhainzu nennen. Doch glaube 
ich, dass Heidenhains Theorie auf eine falsche Voraussetzung 
aufgebaut ist. Heidenhain vermuthet als Ursache des hyp- 
notischen Zustandes eine Thätigkeitshemmung der Ganglienzellen 
der Grosshirnrinde, herbeigeführt durch schwache anhaltende Reizung 
gewisser Nerven; diese Thätigkeitshemmung der Ganglienzellen 
stellt sich Heidenhain analog den Reflexlähmungen vor, bei 
denen gleichfalls durch periphere Reize Ganglienzellen in ihrer 
Functionsfähigkeit beeinträchtigt werden. 

Nehmen wir zunächst die Thätigkeitshemmung der Ganglien- 
zellen als wirklich bestehend an, so würde dennoch Heidenhains 
Theorie nicht den Zusammenhang zwischen der Thätigkeits- 
hemmung und den hypnosigenen Mitteln erklären. Denn 1) führt 
nach Ansicht der meisten Autoren das einfache Fixiren, ohne dass 
irgend eine Idee, eine Vorstellung damit verbunden ist, nicht zur 
Hypnose ; auch nach B r a i d s und B e r g e r s Ansicht nicht ohne 
concentrirte Aufmerksamkeit; 2) würden jedenfalls die rein 
psychischen Methoden hierbei in einen Causalzusammenhang mit der 
Hypnose nicht gebracht sein. 

Ausserdem aber geht Hei den ha in bei der Annahme von der 
Thätigkeitshemmung der Grosshirnganglienzellen von einer falschen 
Prämisse aus. Er schliesst auf die Thätigkeitshemmung aus der 
tiefen Depression des Bewusstseins während der Hypnose. Es 
finden aber in der Hypnose eine Menge Aeusserungen des Bewusst- 
seins statt. Nur scheinen die Bewusstseinsvorgänge mehr auf einem 
Punkt concentrirt, der vom Experimentator beliebig verschoben 
werden kann. Heidenhain behauptete, ähnlich wie Despine, 
dass den Hypnotischen die äussern Reize nicht bewusst würden. 
Heidenhain wurde zu dieser, heute noch von einzelnen Physio- 
logen z. B. Landois, festgehaltenen irrigen Auflassung wesentlich 
durch die Nachahmungsbewegungen geführt, die anfangs sein fast 
ausschliessliches Beobachtungsobject waren (Vgl. S. 16 Versuch 
III). Heidenhain nahm an, dass die Nachahmungsbewegungen 
dadurch zu Stande kommen, dass der Hypnotische von der Be- 
wegung einen Sinneseindruck erhält und, ohne dass dieser eine be- 
wusste Vorstellung werde, die gleiche Bewegung macht (wie bei 
der Fascination). Das ist aber eben das, was Heidenhain be- 
weisen müsste. Woraus schliesst Heidenhain, dass der Sinnes- 
eindruck nicht bewusst wird ? Aus der Amnesie ? Er selbst giebt 
aber an, dass die Leute sich nachher, wenn man ihnen Andeutungen 
giebt, sich oft alles dessen entsinnen, was vorgegangen. Selbst 
wenn dies nicht der Fall, so beweist eine Amnesie nicht, dass es 



218 Mangelhafte Begründung von Heidenhains Theorie. 

sich um eine ohne Bewusstsein statthabende Bewegung - handle 
(F o r e 1). Ausserdem erinnern sich die Hypnotisirten in derselben 
Hypnose gewöhnlich der Imitationsbewegungen, die sie gemacht 
haben ; auch in späteren Hypnosen wissen sie davon. Endlich aber 
ist man im Stande, durch vorherige Suggestion stets die Erinnerung 
an das Vorgefallene auch nach dem Erwachen fortdauern zu lassen. 

Schon 1880, als Heidenhain seine Anschauungen über die 
Nachahmungsbewegungen auseinandersetzte, erklärte 0. Rosenbach, 
dass es sich hier um entschieden psychische Vorgänge handle, und 
nicht, wie Heidenhain meinte, um somatische, ohne Bewusstsein 
stattfindende Reflexe. Leider führte 0. Rosenbach damals seine 
Ansichten nicht genauer aus. Viel später gaben auch andere, z. B. 
B e r g er zu, dass man es hier mit psychischen Processen zu thun habe. 

Die Nachahmungsbewegungen konnte ich gleichfalls studiren. 
Sie finden nur dann statt, wenn sie dem Hypnotischen zum Bewusst- 
sein kommen, und er weiss, dass er sie machen soll. Wenn es 
sich um Reflexe handelte, die ohne Bewusstsein statt hätten, so 
müsste die Person Bewegungen von allen nachmachen. Sie imitirt 
aber nur denjenigen, der für sie existirt, z. B. den Experimentator; 
und diesen imitirt sie, wie gesagt nur, wenn sie weiss, dass sie 
seine Bewegungen nachmachen soll. Vorbedingung hierfür ist 
zunächst eine klare Vorstellung von der zu machenden Imitations- 
bewegung. Sobald derartige Versuche öfter gemacht sind, mag 
vielleicht, ähnlich wie im wachen Leben ein derartiges Nachahmen 
später mechanisch wird, dies auch in der Hypnose später der Fall 
sein; dies will ich nicht bestreiten. Am Anfang jedoch ist eine 
klare Vorstellung nöthig; Vorstellungen aber verlegen wir in die 
Hirnrinde, und es ist gar kein Grund vorhanden, Vorstellungen 
in der Hypnose an einen anderen Theil des Gehirns zu verlegen, 
so dass jedenfalls von einer Ausschaltung der Hirnrinde nicht die 
Rede sein kann. Dies ist übrigens auch die Ansicht Foreis, 
der bekanntlich einer der gründlichsten Kenner des Gehirnes ist. 
Vielleicht aber finden auch in den subsorticalen Centren psychische 
Vorgänge während des wachen Lebens statt, über deren Ausdehnung 
wir allerdings nichts wissen. Jedenfalls aber liegt keine Veran- 
lassung vor, die psychischen Vorgänge in der Hypnose an einen 
anderen Ort zu verlegen, als die im wachen Leben. 

Aus den erwähnten Gründen weise ich auch den Vergleich 
der Hypnose und der enthirnten Taube von Flourens 1 ) zurück. 

') Flourens machte Versuche über das Verhalten von Tauben, denen er 
das Grosshirn entfernt hatte. Ungereizt, bleiben sie ruhig sitzen, angeregt 
machen sie alle möglichen zweckmässigen Bewegungen: Gehen, Fliegen etc. 



Mangelhafte Begründung von Heidenhains Theorie. 219 

Diese sitzt bekanntlich ruhig, bis sie angetrieben wird. Dann 
fliegt sie. läuft u. s. w. Aber es ist eine Antreibung, ein 
mechanischer Reiz nöthig, bei dem eine Vorstellung vielleicht 
nicht stattfindet. Es pflegt desshalb auch dasselbe bei allen 
Tauben einzutreten. Anders beim Hypnotischen. Er sieht die nach- 
zumachende Bewegung; dieser Reiz wirkt nur dann, wenn der 
Hypnotische weiss, dass er die Bewegung nachmachen soll; hat 
er z. B. gesehen, dass ein anderer Hypnotischer die Bewegung 
nicht nachmacht, so macht auch er sie nicht nach, weil er den 
Reiz als einen Befehl, die Bewegung nachzumachen, nicht auffasst. 
Dass der Hypnotisirte, wenn man ihn vorwärts bewegt, oft auto- 
matisch weiter geht, ist richtig. Dies beweist aber nicht, dass die 
Grosshirnrinde hierbei unthätig ist. Denn er geht auch nur vor- 
wärts, wenn er glaubt, dass er vorwärts gehen soll; wenn er die 
weiteren Schritte automatisch fortsetzt, so thut er dasselbe, wie 
wir im wachen Leben, — einmal in Bewegung, gehen wir auch 
weiter, ohne jeden einzelnen Schritt uns zu überlegen. Es ist 
mithin diese Erscheinung kein Grund anzunehmen, dass die Gross - 
hirnrinde bei Hypnotischen weniger thätig sei, als ohne Hypnose. 
Ich bemerke auch noch bei dieser Gelegenheit, dass eine von mir 
hypnotisirte einseitig gelähmte Person, deren Capsula interna 
meiner Ansicht nach durch eine Apoplexie eine Läsion erlitten 
hatte, in der Hj^pnose auf der gelähmten Seite ebensowenig Nach- 
ahmungsbewegungen machte, wie sie vor und nach derselben will- 
kürliche Bewegungen machen konnte. Hier war aber gerade der 
Theil ausgeschaltet, in welchem bewusste Bewegungsvorstellungen 
zu Stande kommen, nämlich die Hirnrinde; die ohne Bewusstsein 
Reflexe auslösenden Centren waren nicht ausgeschaltet. Wenn 
dennoch Nachahmungsbewegungen nicht stattfanden, so weist dies 
eben darauf hin, dass ohne diejenigen Hirntheile, welche Vor- 
stellungen hervorbringen, eine Nachahmungsbewegung nicht statt- 
findet. 

Ich möchte aber dennoch nicht ohne weiteres Heidenhains 
Behauptung von der Thätigkeitshemmung der Hirnrinde für falsch 
erklären. Ich wollte nur auseinandersetzen, dass Heide nhains 
Gründe die Theorie nicht rechtfertigen. Ich hielt diese Aus- 
führungen um so mehr für nöthig, als Heiden hains Annahme, 
dass unbewusste Sinneseindrücke den Hypnotischen beeinflussten, 
vielfach für richtig gehalten wird. Selbst ein so hervorragender 
Psychiater wie Mendel hat sich hierzu verleiten lassen. Daher 
kommen auch die falschen Auffassungen über die Suggestion, die 
Haupterscheinung der Hj'pnose zu Stande. Keine Suggestion 



220 Widerlegung von Mendels Auffassung der Hypnose. 

ohne B e w u s s t s e i n. Ob sie durch Imitation (Imitations- 
automatie) oder durch den Befehl (Befehlsautomatie Heiden hains) 
zu Stande kommt, ist hierbei vollkommen gleichgiltig (Max 
Dessoir). Wenn Mendel (dessen Symptomatologie der Hypnose 
nach meinen Erfahrungen den Thatsachen keineswegs entspricht) 
behauptet, dass die Hypnose ein Zustand sei, „in dem das Bewusst- 
sein für die während der Dauer jenes Zustandes stattfindenden 
Ereignisse erloschen ist," so muss ich dies als durchaus irrig 
zurückweisen. Man wird dies schon aus meinen Ausführungen 
bei Besprechung des Gedächtnisses und des Bewusstseins ersehen 
haben. Hier aber muss ich Mendel gegenüber betonen, dass der 
Kernpunkt der Suggestion der ist, dass gerade Bewusstsein für 
das besteht, was suggerirt ist. Denn ohne dieses Bewusstsein 
scheint mir eine Suggestion absolut undenkbar. Ich halte auch die 
Annahme von Bernheim keineswegs für richtig, der zum Ver- 
gleiche mit den Suggestionsphänomenen gewisse Functionen wie 
Athmung, Herzthätigkeit heranzieht, von denen wir gerade annehmen, 
dass sie ohne psychische Thätigkeit zu Stande kommen. 

Wenn ich trotz dieser, meiner Ansicht nach irrigen Auf- 
fassung Heidenhains und Mendels dennoch des ersteren Ansicht 
von der Thätigkeitshemmung der Grosshirnrinde nicht vollkommen 
verwerfe, so geschieht dies aus folgendem Grunde. Wenn auch 
nicht die einzelnen Vorstellungen, die einzelnen Bewusstseins- 
vorgänge während der Hypnose ausfallen, so ist doch der Einfluss 
des Willens auf den Verlauf derselben beschränkt. Nach den 
heutigen Anschauungen der Physiologie wird diese Herabsetzung 
des Willens aber gleichfalls in einer Functionsstörung der Hirn- 
rinde gesucht werden müssen. 

Cullerre glaubt, gestützt auf Ferriers Versuche, in dem 
vorderen Theil der Hirnrinde eine Functionsstörung während der 
Hypnose annehmen zu könneu. Hier sei der Sitz zwar nicht von 
Bewegungscentren; wohl aber von Centren, die auf Bewegungs- 
centren einen regulirenden Einfluss hätten; gerade dieser sei aber 
in der Hypnose aufgehoben. 

Andere suchen die Willenlosigkeit des Hypnotischen nicht an 
einem bestimmten Bezirk zu localisiren. So z. B. Bennett, der, 
wie Preyer berichtet, schon 1851 eine recht interessante physio- 
logische Theorie aufstellte. Bennett erkannte klarer, als viele 
heutige Forscher, dass nicht die Entstehung einzelner Vorstellungen 
in der Hypnose verhindert sei, sondern nur deren willkürliche 
Verknüpfung unter einander. Da nun die Vorstellungen selbst in 
den Ganglienzellen entständen, so glaubte Bennett, in den Ver- 



Blutcirculation im Gehirn während der Hypnose. 221 

bindungsfasern derselben eine Functionsstörung während der 
Hypnose annehmen zu müssen. Es werden diese Fasern bekanntlich 
als Associationsfasern bezeichnet. 

Auf einem ähnlichen Standpunkt steht heute Jendrassik. 
Wenigstens sucht er in einer Störung der Associationen das Wesen 
der Hypnose. 

Andere Forscher gehen noch weiter; sie fragten sich nicht 
nur: welche Theile des Gehirns sind unthätig? Sie suchten auch 
die Ursache der Unthätigkeit zu erforschen. Es lag natürlich 
ziemlich nahe, in einer veränderten Blutcirculation des Gehirns die 
Ursache zu finden. Hieran dachte schon Braid, der in veränderter 
Blutcirculation in Hirn und Rückenmark die Ursache der Er- 
scheinungen suchte. Carpenter nahm eine Anämie des Gehirns 
an, ähnlich wie Hack Tuke in neuerer Zeit einen partiellen Ge- 
fässkrampf vermuthet. Aehnlich spricht sich Rumpf aus. 

Auch Heiden hain vermuthete anfangs, dass die Ursache der 
hypnotischen Erscheinungen eine Hirnanämie sei. Er gab diese An- 
sicht aber bald auf aus zwei Gründen: 1) Die ophthalmoskopischen 
Untersuchungen Försters vermochten während der Hypnose im 
Hintergrund des Auges keinerlei Veränderungen in den Gefässen 
festzustellen. Es zeigen sich aber hier gewöhnlich gleichzeitig die- 
selben Abweichungen, wie im Gehirn, wenn der Blutgehalt in diesem 
verändert ist. Ich kann auf Grund meiner ophthalmoskopischen 
Untersuchungen bestätigen, dass sich bei meinen Versuchen Ab- 
weichungen im Augenhintergrund nicht fanden. 2) Ausserdem sah 
Heidenhain trotz Einathmung von Amylnitrit, das Hyperämie 
im Gehirn veranlasst, Hypnose entstehen. Salvioli ebenso wie 
Bouchut wollen im Gegensatz zu den oben genannten Autoren 
eine Hyperämie im Gehirn während der Hypnose gefunden haben. 
Tamburini, Seppilli und Kaan machten gleichfalls Unter- 
suchungen über die Blutcirculation während der Hypnose, aber nur 
im Anschluss an die Charcot'schen Stadien. Sie bedienten sich 
hierbei mehrerer Methoden: 1) der Methode Mossos, der das Vo- 
lumen einer Extremität bestimmt und aus der Abnahme desselben 
auf einen verminderten Blutgehalt in ihr, auf einen vermehrten 
des Gehirns schliesst; 2) der Wirkung kalter und warmer Um- 
schläge auf den Kopf (Kaan), die eine Anämie resp. Hyperämie 
herbeiführen. Aus den darauf entstehenden Veränderungen, z. B. 
Aufhören der Hypnose oder Modificirung derselben, wird nun auf 
einen Causalzusammenhang dieser mit dem Blutgehalt des Gehirns 
geschlossen; 3) der ophthalmoskopischen Untersuchung der Netz- 
hautgefässe. Ich gehe auf die einzelnen Untersuchungen nicht ein, 



222 Cappies und Preyers Theorien. 

weil dieselben 1) nur für die Cliar cot 'sehen Stadien Geltimg 
haben; 2) die Untersuchungen theilweise den Einfluss der Dressur 
nicht genügend berücksichtigen, z. B. bei der Wirkung kalter und 
warmer Umschläge auf den Kopf; 3) weil Ursache und Wirkung 
nicht scharf genug getrennt wird. 

Der letzte Punkt wird überhaupt oft übersehen. Selbst wenn 
nämlich eine veränderte Circulation im Gehirn stattfindet und nach- 
gewiesen wird, so ist es ein logischer Fehler, ohne weiteres die 
veränderte Circulation als Ursache der veränderten Function zu 
erklären. Ebenso wie ein Muskel, wenn er arbeitet, mehr Blut 
braucht, aber nicht desswegen mehr arbeitet, weil mehr Blut zu 
ihm fliesst; ebenso wie der Magen, wenn er verdaut, viel Blut an 
sich zieht, hingegen, wenn er unthätig ist, wenig; ebenso ist es 
doch gerade nicht unwahrscheinlich, dass das Gehirn, wenn es 
arbeitet, oder bestimmte Gehirntheile , wenn sie thätig sind, viel 
Blut brauchen ; wenn sie unthätig sind, wenig. Also vorausgesetzt 
auch, dass die vasomotorischen Störungen nachgewiesen sind, so 
ist noch keineswegs nachgewiesen, ob dieselben Ursache oder Folge 
der Hypnose sind. 

Cappie schlägt auch in der That den umgekehrten Weg ein. 
Dieser Autor meint, dass die vermehrte Thätigkeit der motorischen 
Centren während der Hypnose zu viel Blut an sich ziehe und da- 
durch Anämie anderer Hirn th eile bewirke, die zum Bestehen des 
Bewusstseins nöthig seien. Selbstverständlich ist damit eine Er- 
klärung nicht gegeben ; abgesehen davon, dass der Autor sehr will- 
kürlich motorische Centren den zum Bewusstsein notwendigen 
Hirntheilen gegenüberstellt und abgesehen davon, dass in der Hyp- 
nose stets Bewusstsein besteht. Das Princip, von dem Cappie 
ausgeht, ist das von Brown-Sequard ausgesprochene. Er meint, 
dass der Hypnotismus sich aus einer Summe von dynamogenen 
und inhibitorischen Acten zusammensetze; d. h. dass die vermehrte 
Leistung einzelner Gehirntheile (dynamogener Act) eine schwächere 
Leistung anderer (inhibitorischer Act) nach sich ziehe. 

Zum Schluss erwähne ich noch die Theorie von Preyer, die 
zwar geistreich ausgesonnen ist, aber, wie Bottey betont, durch 
nichts bestätigt wird, und wie Bernheim hervorhebt, die Zustände 
nicht erklären kann. Preyer stellt sich die Sache in folgender 
Weise vor. Nur einseitig angespannte Gehirnthätigkeit lässt die 
Hypnose eintreten; die angespannte Aufmerksamkeit beim Fixiren 
bewirkt in den Gehirntheilen, die dabei activ betheiligt sind, eine 
rasche Anhäufung von Ermüdungsstoffen; dadurch wird ein rascher 
örtlicher Verbrauch des zugeführten Blutsauerstoffs bewirkt, In- 



Die Speculation in der Physiologie. 223 

folge dessen tritt, begünstigt durch die mangelnde Erregung der 
Sinnesnerven in der gewohnten wechselvollen Weise, ein partielles 
Erlöschen der Thätigkeit der Grosshirnrinde ein. Das partielle 
Erlöschen eines Theils erkläre aber alsdann auch die Steigerung 
anderer, weil die Hemmung wegfiele. Bernheim wirft dagegen 
mit Recht ein, dass die schneller eintretenden Hypnosen dadurch 
gar nicht erklärt wurden, denn dass so schnell Ermüdungsstoffe 
sich ansammelten, ist nicht gut denkbar. Besonders aber ist auch 
das schnelle Aufhören der Hypnose mit der Theorie nicht in Ein- 
klang zu bringen. Das einfache Wort: „Wach!" genügt, wie wir 
sahen, die Hypnose momentan zu beendigen. Wir müssen also der 
einen Idee des Aufwachens die Fähigkeit zusprechen, momentan alle 
Ermüdungsstoffe wegzuführen oder unwirksam zu machen. 



Ich glaube nicht, dass die bisher aufgestellten physiologischen 
Theorien genügen, oder auch nur annehmbar sind. So lange die 
Physiologen nicht den enormen Einfluss berücksichtigen, den eine 
Vorstellung, z. B. die durch das Wort „Wach!" erweckte, ausübt, 
so lange sind ihre Theorien nicht geeignet, die Erscheinungen zu 
erklären. Es ist hierzu durchaus nöthig, dass nachgewiesen werde, 
wie das eine Wort wirkt, wieso es genügt, den ganzen Zustand zu 
beenden. Ich glaube sogar, dass gegen die Art und Weise, wie 
einzelne in der Physiologie mit Worten um sich werfen, wie 
wenn das Räthsel des Bewusstseins nur Kinderspiel für sie wäre, 
auf das entschiedenste Front gemacht werden muss. Was soll denn 
ein Nichtmediciner von der Medicin denken, wenn mit einer die 
Grenzen der Wissenschaftlichkeit überschreitenden Sicherheit ein- 
zelne ihre Theorie sich zurechtmachen und mit einer Gewissheit aus- 
sprechen, wie wenn sie sie mit zwingenden logischen Gründen bewiesen 
hätten! Ein so objectiver Forscher wie Lotze soll einmal mit 
einer gewissen Ironie die Behauptung aufgestellt haben, dass, wie 
er sich statistisch berechnet, die grossen Entdeckungen der exacten 
Physiologie eine durchschnittliche Existenz von 4 Jahren besässen 
(Max De sso ir). Es mag dies wohl doch nicht so genau richtig 
sein, ich denke über die Physiologie höher. Aber wenn z. B. Mendel 
in Bezug auf den Hypnotismus und die Suggestionsphänomene er- 
klärt, es handle sich hierbei um eine zu starke Reizung der Hirn- 
rinde, wenn dann Ziemssen in Bezug auf die gleichen Zustände 
das absolute Gegentheil behauptet nämlich, es sei die Hirnrinde zu 



224 Di e Speculation in der Physiologie. 

wenig, die sübcorticalen Centren hingegen zu stark gereizt, so muss 
man doch bei solchen Widersprüchen stutzig werden und die Er- 
wartung aussprechen, dass in Zukunft weniger behauptet und mehr 
bewiesen würde. Solche Widersprüche wie der zwischen Mendel 
und Ziemssen wären ganz undenkbar, wenn nicht bei den Aus- 
führungen dieser Männer allzu viel Speculation vorhanden wäre, 
die gerade die Mediciner sonst der Philosophie zum Vorwurf machen. 



VI. Zur Simulationsfrage. 



Ich komme jetzt zur Simulations frage. Es ist bekanntlich 
noch nicht lange her, dass die Hypnose allgemein anerkannt ist. Der 
Skepticismus, der hier herrschte, und der ein Glück ist, sobald er 
nicht in Apriorismus übergeht, musste, gedrängt durch die Fülle 
der Thatsachen, den Hypnotismus anerkennen. Lange allerdings hat 
es gedauert, bis dies Resultat erreicht wurde. Nunmehr aber, wo 
doch allgemein zugegeben wird, dass am Hypnotismus „etwas daran 
ist," ist es nicht mehr nöthig, unter dem Capitel „Simulation" ge- 
nauer auf die Frage einzugehen, ob es einen Hypnotismus im all- 
gemeinen giebt. Wir haben vielmehr nur noch für den concreten 
Fall die Frage zu erörtern, ob es sich hier um einen hypnotischen 
Zustand handelt, oder um eine Simulation. 

Eine ganze Zeit wurden diejenigen, welche an die Realität der Hypnose glaubten, 
als Betrogene oder sogar als Betrüger angesehen. Gelegentlich wurde allerdings 
als mildender Umstand der angenommen, dass man bei dem Betreffenden, der sich 
mit Hypnotismus beschäftigte, eine Störung des psychischen Gleichgewichtes und 
der geistigen Gesundheit annahm, wie es z. B. einem unserer bekanntesten Forscher 
auf diesem Gebiete erging. Dass man durch derartige Angriffe indirect Männer 
wie Forel, v. Krafft-Ebing, Hirt, Mendel u. s. w. in der persönlichsten "Weise 
beleidigen muss, liegt auf der Hand. Jedenfalls können sich andere weniger be- 
rühmte Forscher trösten, dass sie sich bei solchen Angriffen in recht guter Ge- 
sellschaft bewegen würden. Solche Angriffe, wie die, dass man die Hypnotisten 
als Betrogene, Betrüger oder Geisteskranke betrachtet, kehren wohl heute glück- 
licherweise nicht mehr wieder. 

Zunächst bemerke ich nun, dass die Simulation viel 
seltener vorkommt, als die meisten glauben. Man hat sich 
zu sehr daran gewöhnt, ein oder das andere somatische Merkmal 
zu suchen und nach dessen Fehlen oder Vorhandensein die 
Simulationsfrage zu entscheiden. Und doch, widerspricht dieses 
Verfahren vollkommen demjenigen, das wir sonst bei Beurtheilung 
psychischer Zustände anwenden. Wenn es sich z. B. darum handelt, 
in einem bestimmten Fall die Diagnose zu stellen: handelt es sich 
hier um Psychose oder nicht? so wird wohl kein Psychiater allein 
auf das Fehlen eines somatischen Merkmales hin eine Simulation 

Moll, Hypnotismus. 15 



226 Grundsätze behufs Entscheidung der Simulationsfrage. 

annehmen. Er wird vielmehr stets das Gesammtbild berücksichtigen, 
er wird den Gesammteindruck erwägen. Selbst wenn jedes einzelne 
Zeichen für sich simulirbar ist, wird die Diagnose lediglich aus 
dem gegenseitigen Verhältnisse der Symptome zu einander gestellt. 
Wenn der Psychiater ausserdem noch ein unsimulirbares Zeichen 
findet, so wird er auch dieses verwerthen; aber er wird niemals 
durch das Fehlen dieses einen Zeichens sich bestimmen lassen, eine 
Simulation zu behaupten. Dadurch wird freilich die Ueberzeugung 
oft nur eine subjective, oder vielmehr nur für diejenigen 
klar werden, die sich mit den Psychosen beschäftigt 
haben. Der Fernerstehende kann oft den Einwand erheben, dass 
jedes einzelne Zeichen simulirt werden kann. Es lässt sich aber 
dadurch wohl kein Psychiater beeinflussen. 

Wenden wir nun dasselbe auf die Hypnose an, die auch ein 
psychischer Zustand ist, so folgt daraus: über die Diagnose 
kann nur derjenige urtheilen, der praktisch sich mit 
dem Hypnotismus beschäftigt hat. Es hat sich zwar all- 
mählich der Grundsatz ausgebildet, dass jeder sich berufen fühlt, 
über den Hypnotismus mit seinem Urtheil herauszurücken und 
dafür Geltung zu beanspruchen, auch wenn er vollkommener Laie 
im hypnotischen Experiment ist. Mit vollstem Eecht bekämpfen 
jedoch Krön und Sperling dieses Vorgehen. Aus dem Fehlen 
eines bestimmten somatischen Merkmales die Simulation zu 
diagnosticiren, ist beim Hypnotismus nicht richtig. Selbst wenn 
jedes einzelne Symptom der Hypnose simulirbar ist, so wird die 
Summirung derartiger Symptome, ihr gegenseitiges Verhältniss zu 
einander den erfahrenen Experimentator die Diagnose stellen 
lassen. Hat er nun ausserdem ein absolut unsimulirbares Symptom, 
so ist dies gewiss recht angenehm; dies giebt auch einen objectiven 
Beweis, der selbst denjenigen überzeugt, der mit dem Hypnotismus 
praktisch sich gar nicht beschäftigt hat. Wir müssen uns aber 
ferner darüber klar sein, dass objective somatische Merkmale bei 
der Hypnose seltener sich finden müssen, als bei den Geistes- 
krankheiten. Die erstere ist ein schnell vorübergehender psychischer 
Zustand, der viel schwerer eine objective somatische Veränderung 
hervorbringen wird, als Geisteskrankheiten, die Monate und Jahre 
dauern. 

Dennoch müssen wir natürlich auch bei der Hypnose somatische 
Zeichen suchen. Dies haben eine Reihe Autoren gethan, besonders 
C h a r c o t. Er hat — abgesehen davon, dass er mit seinem Namen 
für den Hypnotismus eintrat — das Verdienst, objective Symptome 
gesucht zu haben. Wir müssen aber hierbei berücksichtigen, dass 



Differenzpunkt der Charcot'schen und der Nancyer Schule. 227 

die Nancy er Schule hiernach gleichfalls suchte und auch objective 
Erscheinungen fand, aber andere als Charcot; ich erinnere an 
die durch Suggestion erzeugten Blasen, Hautröthungen u. s. w. Da 
trotzdem irrthümlicher Weise die Ansicht sich festzusetzen beginnt, 
dass der Differenzpunkt der beiden Schulen durch die Simulations- 
frage gebildet werde, indem die Nancyer keine objectiven Merk- 
male hätten, so will ich an dieser Stelle den wahren Unterschied 
der Schulen hervorheben. 



Um die Simulation auszuschliessen , suchen wir Zeichen, die 
durch Willkür nicht erzeugt werden können; ob diese durch 
Suggestion zustande kommen oder nicht, ist vollkommen gleich- 
giltig. Nun giebt es auch solche von der Willkür unabhängige 
Erscheinungen, die durch Suggestion hervorgebracht werden. Und 
hier ist die Hauptdifferenz zwischen den beiden Schulen. Die 
Nancyer glauben, dass alle, auch die vom Willen unabhängigen 
Zeichen Folge der Suggestion sind; während die Schule Charcots 
auch somatische Zeichen findet, die von Willen und Suggestion 
unabhängig sind. Der Differenzpunkt ist demnach lediglich die 
Suggestions frage. 

Dass dies sich von der Simulationsfrage wesentlich unter- 
scheidet, will ich nun zeigen. Es lehrt dies der Fall von Siemer- 
ling. Es handelte sich hier um eine Person, die eine Hemian- 
ästhesie hatte, die sich gleichzeitig auf Gefühl und Auge bezog, 
d. h. auf derselben Seite, wo die Haut gefühllos war, war auch 
das Sehvermögen beschränkt. Hier war das Gesichtsfeld concen- 
trisch verengt, sodass Gegenstände, die in einiger Entfernung von 
dem gerade fixirten Punkt sich befanden, nicht gesehen wurden. 
In der Hypnose fand nun auf Suggestion hin eine Wiederherstellung 
des Gefühls auf der hemianästhetischen Seite statt. Sobald aber 
die Sensibilität der Haut durch Suggestion wieder hergestellt war, 
wurde auch ohne directe Suggestion das Auge normal. Westphal 
und Siemerling betrachten dies als einen objectiven Beweis für 
die Hypnose, und in der That glaube ich, dass man auch bei etwas 
hochgespannten Anforderungen sich mit einem derartigen Beweise 
begnügen kann, da das Sehvermögen der Patientin vom Willen 
unabhängig ist. Dennoch ist dieses objective Symptom nur durch 
die Suggestion, wenn auch indirect bewirkt. Aehnlich liegt die 
Sache in dem Fall von v. Krafft-Ebing; lediglich durch Suggestion 
kommen dort psychische Lähmungen zu Stande mit objectiven Merk- 

15* 



228 Differenzpunkt der Charcot'schen und der Nancyer Schule. 

malen, wie sie übrigens bei psychischen Lähmungen gerade yon 
der Charcot'schen Schule angegeben werden. 

Es können also durch die Suggestion sehr wohl objective 
Zeichen zu Stande kommen. Ob diese ohne Suggestion zu Stande 
kommen, ist mir zweifelhaft. 

Es ist auch, wie wir sahen, gar nicht nöthig, dass die 
Suggestion etwa das objective Zeichen direct hervorbringt; das 
kann durch psychische, theilweise unbekannte Einflüsse auch 
indirect geschehen. Siemerling sagt z. B. seiner Patientin: 
„Jetzt werden Sie wieder fühlen;" wenn diese Patientin dann 
gleichzeitig mit der Wiederkehr des Gefühls wieder normal sieht 
mit dem bisher mangelhaft sehenden Auge, so ist dies eine indirecte 
Suggestion; hervorgerufen ist dieselbe durch einen besonderen 
psychischen Zusammenhang zwischen der Anästhesie der Haut und 
der des Auges. Beide Organe hatten eine gemeinsame Functions- 
störung, und diese gemeinsame Functionsstörung schwindet, wenn 
die eine Function durch Suggestion wieder hergestellt wird. 
Aehnlich liegt die Sache in dem Falle von v. Krafft-Ebing, so 
wie bei den von Charcots Schülern studirten psychischen 
Lähmungen in der Hypnose. Wenn hier der Person gesagt wird: 
„Ihr Arm ist gelähmt," so entstehen z. B. vasomotorische Störungen 
infolge irgend eines psychischen Mechanismus, dessen genauere 
Kenntniss uns noch entgeht. Da die Lähmung unmittelbar die 
vasomotorischen Störungen zur Folge hat, so ist es gar nicht 
anders denkbar, als dass ein psychischer Zusammenhang beide 
Erscheinungen auslöst. 

Kehren wir nun zu den Charcot'schen objectiven Merkmalen 
zurück, so sehen wir, dass gewisse somatische Erscheinungen in 
den drei Stadien bestehen. Der Differenzpunkt zwischen der 
Charcot'schen und der Nancy er Schule ist nun der: sind diese 
somatischen Merkmale eine Folge der Suggestion oder nicht? Ich 
glaube, wie S. 63 und 64 ausgeführt, dass die Suggestion bei den 
meisten Symptomen eine wesentliche Rolle spielt, behaupte aber 
damit keineswegs, dass die Merkmale nicht einen objectiven Werth 
haben, obwohl ich auch hier misstrauisch bin; denn es können, wie 
S. 151 ausgeführt, ev. auch ohne Hypnose durch Uebung Erscheinungen 
zu Stande kommen, die auf den ersten Blick wie unsimulirbar 
aussehen. 

Dies ist der Differenzpunkt zwischen den beiden Schulen. Ich 
habe ihn hier erörtert, um zu zeigen, dass objective Symptome 
durch Suggestion zu Stande kommen können, dass mithin die 
objectiven Symptome an sich jene beiden Schulen nicht trennen, 



Augenschluss, Gesichtsausdruck. 229 

wenn sie schliesslich auch theilweise verschiedene objective 
Symptome angeben. 



Fragen wir uns nun: welches sind die Merkmale, nach denen 
wir uns bei der Simulationsfrage zu richten haben? In erster 
Linie ist der Augenschluss zu berücksichtigen, die Art und 
Weise, wie die Augen zufallen, und wie sie die Person zu öffnen 
sucht, ist wichtig. Es ist dieser Augenschluss schwer zu beschreiben. 
Das allmähliche Zufallen der Augenlider, die Thätigkeit der Stirn- 
muskeln beim Oeffhen, ganz analog dem Oeffhen der Augen eines 
Verschlafenen, ist werthvoll; auch ist die convulsivische Aufwärts- 
rotirung der Augäpfel zu berücksichtigen, die man oft findet. Hin- 
gegen haben die fibrillären Zuckungen im Augenlide keinen Werth, 
da sie mit und ohne Hypnose vorkommen. Sehr wichtig ist in 
den Fällen, wo das Auge geöffnet ist, der Ausdruck desselben. 
Etwas eigenthümlich Starres und Kaltes liegt in dem Blick, der 
maskenhafte Gesichtsausdruck, die Haltung der Person sind oft 
gleichfalls charakteristisch. 

Mit auffallender Langsamkeit und Schwere bewegt sie auf 
Aufforderung hin die Glieder. Doch muss ich erwähnen, dass es 
einzelne Fälle giebt, besonders unter den leichten Hypnosen, bei 
denen diese Zeichen fehlen, und wo insbesondere auch die Bewegungen 
schnell und lebhaft ausgeführt werden. 

Der Gesichtsausdruck bei den verschiedenen Sinnes- 
täuschungen ist gleichfalls sehr wesentlich. Jedermann weiss, wie 
schwer es ist, sich so in bestimmte Situationen zu versetzen, dass 
der ganze Gesichtsausdruck, die Haltung und das Handeln unter 
dem Einfluss der einen Vorstellung stehen. Es ist die grösste 
Kunst für den Schauspieler, möglichst naturgetreu derartige Si- 
tuationen zur Darstellung zu bringen, und jeder weiss, wie selten 
ein Schauspieler lediglich durch den eigenen Willen im Stande 
ist, die betreffende Scene gut zur Darstellung zu bringen. Noch 
schwieriger aber ist es, momentan die Stimmung zu ändern, sich 
innerhalb einiger Secunden aus einer Situation in die andere zu 
versetzen. Gerade dies ist für den wachen Menschen äusserst 
schwierig, während der Hypnotische in vollkommener Weise dies 
zu leisten vermag. Es ist geradezu erstaunlich zu sehen, dass 
dieser schnelle und vollkommene Wechsel der Bilder beim Hyp- 
notischen Fernerstehenden simulationsverdächtig erscheint, wie 
seiner Zeit sogar ein Sachverständiger bei einem Wiener Process 



230 Uebertreibungen der Simulanten. 

angab (vergl. S. 131). Gerade dieses ist sicherlich eine der 
schwierigsten Leistungen, und es wäre sonderbar, dass alle die 
Personen, die man desswegen für Simulanten hält, sich der un- 
dankbaren Kolle der Simulation gewidmet haben, da sie durch ihr 
schauspielerisches Talent eine ganz andere Carriere in Aussicht ge- 
habt hätten. Der schmerzhafte Gesichtsausdruck bei der Suggestion 
von Schmerz, das Lachen bei der Suggestion der Freude, das 
Klappern der Zähne, das Zittern des Körpers bei der Suggestion 
des Frostes sind Dinge, die den Simulanten keine leichte Aufgabe 
stellen. Ebenso charakteristisch ist in vielen Fällen das Erwachen, 
das verwunderte und erstaunte Gesicht, mit dem der Betreffende 
sich umsieht, gleichsam als wollte er sich erst orientiren, wo er 
eigentlich ist. Auch sein Benehmen gegenüber den posthypnotischen 
Suggestionen ist wesentlich. 

Der Simulant pflegt zu übertreiben, ähnlich demjenigen, 
der eine Geisteskrankheit simulirt. Trotz des Wechsels aller 
Symptome des Hypnotismus liegt doch etwas Gesetzmässiges in 
der Entwickelung desselben. Der Simulant lässt sich gewöhnlich 
mit grosser Schnelligkeit alles suggeriren, während der erfahrene 
Experimentator weiss, dass in der Steigerung der Suggestibilität 
eine gewisse Regelmässigkeit besteht. Besonders leicht wird auch 
die Analgesie gegen leichte Schmerzeindrlicke simulirt, da sie mit 
Unrecht für ein häufiges Symptom gehalten wird. Eine un- 
vermuthete Schmerzempfindung löst die bekannten Reflexe im 
Auge und Gesicht aus; dennoch bestreitet der Simulant, dass er 
den Schmerz gefühlt habe. Aehnlich liegt die Sache mit Sinnes- 
täuschungen, die gewöhnlich in der ersten Hypnose nicht so 
momentan auftreten, bei denen es meistens nöthig ist, die Sug- 
gestion zu verstärken, um eine Wirkung zu erzielen. Auch hier 
findet man meistens, dass der Simulant zu Uebertreibungen ge- 
neigt ist. 

Betrachten wir nun noch einzelne, als besonders charakteristisch 
angegebene objective Zeichen. Charcot und seine Schüler legen 
einen grossen Werth auf die Muskel- und Athmungscurven in dem 
kataleptischen Stadium. Ein wesentlicher Unterschied in der 
Zeitdauer besteht nach Charcot nicht: eine kataleptische Person 
hält den Arm nicht viel länger hoch, als der Simulant, Wenn 
man aber Curven, sowohl von dem hochgehobenen Arm, als auch 
von der Respiration zeichnet, so findet sich ein wesentlicher 
Unterschied: der Simulant zeigt sehr bald durch wesentliche Un- 
regelmässigkeiten der Arm- resp. Respirationscurven an, dass er 
ermüdet; die hypnotische Person hingegen athmet von Anfang bis 



Objective Symptome nach Charcot. Prismen versuche. 231 

zu Ende ruhig und gleichmässig; ebenso zeigt der Arm keine er- 
heblichen Zitterbewegungen. 

Von anderen Seiten wiederum wird gerade berichtet, dass die 
kataleptische Stellung mitunter recht lange anhalte und dadurch 
einen gewissen objectiven Beweis liefere. 

Für die Lethargie giebt Charcot als besonders charakte- 
ristisch die gesteigerte neuromuskuläre Erregbarkeit an. Es ist 
nicht zu leugnen, dass dies einen äusserst frappirenden Eindruck 
auf jeden macht, der es zum ersten Mal sieht. Es ist gar nicht 
anzunehmeD, dass eine Person im Stande sei, willkürlich in dieser 
Weise die einzelnen Muskeln, auch die von einzelnen Nerven be- 
einflussten Muskelgruppen, in Contraction zu bringen. Doch hätten 
diese Contractionen nur dann Werth, wenn sie von Anfang an 
momentan auftreten. 

Auf die durch Hautreizungen entstehenden Contracturen im 
somnambulen Zustande scheint Charcot nicht viel Werth zu 
legen, und in der That scheint mir hier eine Simulation nicht 
schwer. 

Abgesehen von diesen für Charcots Stadien angegebenen 
Zeichen sind zur Beurtheilung der Simulationsfrage einzelne ab- 
norme Leistungen von Seiten der Muskulatur zu verwerthen, z. B. 
das Aufhören von Schwankungen bei Tabikern, wie es Berg er 
beschrieb, und wie auch ich es beobachten konnte, und ähnliche 
Erscheinungen. 

Besonderer Untersuchung wurden von Seiten Binets, Feres 
und Parinauds noch die Sinnestäuschungen im Gebiete des Auges 
unterzogen. Nach diesen Autoren sollte durch das Prisma eine 
Verdoppelung der Hallucination ebenso zu Stande kommen, wie ein 
wirkliches Object durch das Prisma verdoppelt wird. Es sollten 
ferner Hallucinationen von Farben die Complementärfarbe als 
Nachbild liefern, ebenso wie wenn ein wirkliches Sehen stattfände. 
Die Versuche sind jedoch von Charpentier und Bernheim 
widerlegt worden. Insbesondere sind die Prismenversuche wider- 
legt, deren Richtigkeit von Anfang an auch sehr unwahrscheinlich 
war. Die zuletzt genannten Autoren zeigten, dass die scheinbare 
Verdoppelung der Hallucination auf irgend einen Anhaltspunkt 
zurückzuführen ist, den der Hypnotische fand. Er sieht irgend ein 
reelles Object und schliesst daraus, da das Object mit dem 
Prisma verdoppelt wird, auf die Verdoppelung der suggerirten 
Hallucination. Jedenfalls ist die Hauptsache die, dass das Prisma 
nur dann eine Verdoppelung herbeiführt, wenn durch dasselbe auch 
ein wirkliches Object betrachtet werden kann. Ist ein derartiger 



232 Pupillenphänomen. Analgesie. Langweiligkeitsbewegungen. 

Anhaltspunkt nicht vorhanden, ist z. B. der Experimentator im 
dunklen Zimmer, oder nimmt er eine ganz weisse Wand, die der 
Hypnotische sieht, so tritt eine Verdoppelung des suggerirten 
Bildes nicht ein. Ebenso sollen nach Charpentier und Bernheim 
die Versuche mit den Complementärfarben nicht richtig sein ; ebenso- 
wenig andere Farbenversuche, die Bin et undFere machten, und 
aus denen sie darauf schlössen, dass suggerirte Wahrnehmungen 
von Farben, bei verschiedenen Mischungen der Farben, sich ebenso 
verhielten, wie wenn es sich um wirkliche optische Bilder handelte. 

Werthvoller, als diese Farbenversuche scheint mir das auch 
von Binet und Fere angegebene Pupillenphänomen. Man 
sieht bei Erzeugung einer Hallucination, z. B. eines Vogels, dass 
bei suggerirter Annäherung desselben Verengerung der Pupillen 
stattfindet, bei Entfernung jedoch Erweiterung. Gleichzeitig findet 
man bei Annäherung nicht selten eine Convergenz der Augaxen, 
ganz wie wenn ein reelles Object vorhanden wäre. Es ist jedoch 
zu berücksichtigen, dass es einzelne Personen giebt, die im Stande 
sind, durch lebhafte willkürliche Vorstellungen dies Phänomen zu 
erzeugen (Hack Tuke, Budge). 

Bernheim legt einen besonderen Nachdruck auf die Analgesie 
der Hypnotischen. Ich glaube auch, dass ein derartiges Zeichen 
einen hohen Werth hat. Berührt man einen vollkommen Analgetischen 
mit dem faradischen Pinsel, so tritt nicht die Spur einer Schmerz- 
empfindung ein. Es giebt wohl keinen Simulanten, der im Stande 
wäre, bei dem stärksten faradischen Strom jede Schmerzesäusserung 
zu unterdrücken, zumal wenn der Stromschluss unerwartet kommt. 
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine derartige hochgradige 
Analgesie in der Hypnose sehr selten ist. Diese wirkliche Anal- 
gesie ist natürlich wohl zu unterscheiden von der simulirten Anal- 
gesie, die ich (S. 230) erwähnte. Auch die Anästhesie der Schleim- 
häute, z. B. der Nasenschleimhaut, Ammoniak gegenüber, ist zu 
prüfen. 

Dass gewisse seltenere Phänomene, z. B. Thränen- und Schweiss- 
secretionen, Hautröthungen, Veränderungen der Herzthätigkeit, 
eventuell organische Veränderungen, durch Suggestion bedingt, 
einen ausserordentlichen Werth haben, ist selbstverständlich. 

Ich will noch zum Schluss auf das Fehlen einer Erscheinung 
hinweisen, welches gleichfalls nicht unwichtig sein kann, auf das 
Fehlen derjenigen Bewegungen, die ich als Langweiligkeits- 
bewegungen bezeichnen möchte. Bekanntlich sind die Menschen 
wachend nicht im Stande, irgend eine Lage längere Zeit inne zu 
halten, selbst wenn hierbei alle Muskeln erschlafft sind. Ist dies 



Relativer Werth der objectiveu Symptome. 233 

letztere der Fall, so kann es sich natürlich nicht um eine Ermüdung' 
bestimmter Muskeln handeln; vielmehr tritt bei längerer Dauer 
derselben Lage ein lebhaftes Unlustgefühl auf, das sich innerlich 
als Langeweile zeigt und, wie es mir scheint, zwangsmässig zu 
gewissen schwer zu beschreibenden Bewegungen führt, die sich 
eben als Langweiligkeitsbewegungen charakterisiren. Das Fehlen 
derselben spricht entschieden für Hypnose und scheint mir ein 
äusserst wichtiges, fast gänzlich unbekanntes Symptom zu sein. 
Man beobachtet die Langweiligkeitsbewegungen am besten, wenn 
man das Sujet längere Zeit sich selbst überlässt, nicht mit ihm 
sich beschäftigt. 



Alle erwähnten Zeichen haben jedoch in doppelter Hinsicht 
nur einen relativen Werth. Erstens nämlich ist das Vor- 
handensein derselben sehr wichtig und spricht für Hypnose, das 
Fehlen dieser Zeichen hat dagegen keine Bedeutung. Niemals 
ist aus dem Fehlen irgend eines bestimmten Symptomes 
ein Schluss auf Simulation berechtigt. Zweitens ist 
bei allen diesen Zeichen die Frage zu berücksichtigen, ob nicht 
durch Uebung ohne Hypnose das betreffende Symptom willkürlich 
erzeugt werden kann, und ob die Person die Möglichkeit hatte, 
diese Uebungen zu machen, oder ob nicht eine individuelle Ver- 
anlagung vorliegt für die willkürliche Erzeugung dieses Zeichens. 

Ich will zunächst über den ersteren Punkt bemerken, dass es 
z. B. kataleptische Stellungen giebt, bei denen erhebliche Zitter- 
bewegungen stattfinden, dass die Analgesie sehr selten ist, dass die 
neuromuskuläre Hyperexcitabilität nur bei sehr wenigen Fällen 
gefunden wird u. s. w. 

Was den zweiten Punkt betrifft, so wird dessen Wichtigkeit 
nicht selten übersehen. Denn es ist noch gar nicht ausgemacht, 
ob nicht eine oder die andere Person im Stande ist, sogar alle 
erwähnten Erscheinungen durch Uebung ohne Hypnose zu erzeugen. 
Es giebt vielleicht kein festgestelltes hypnotisches Symptom, das 
nicht bei dem einen oder anderen auch ohne Hypnose schon be- 
obachtet wäre. Ich erwähne z. B., dass die neuromuskuläre Hy- 
perexcitabilität sich bei Hysterischen selbst ohne Hypnose findet^ 
sodass dieses Zeichen auch nicht absolut genügt, die Hypnose zu 
erweisen. Ich erwähne, dass die künstlichsten kataleptischen 
Stellungen von Turnern durch Uebung erzeugt werden. Ich füge 
weiter hinzu, dass Fälle beschrieben worden sind, wo Leute ohne 



234 Relativer Werth der objectiven Symptome. 

Aenderung der Athmung die Herzthätigkeit beeinflussten ; aller- 
dings sollen sich hiernach Beaunis Differenzen finden, indem der 
Hypnotische momentan der Suggestion gehorcht; ausserhalb der 
Hypnose jedoch soll stets eine gewisse Zeit vergehen, ehe der Wille 
im Stande ist, den Einfluss auszuüben. Um gleich ein weiteres 
Extrem anzuführen, localisirte Röthungen, so erwähne ich M ante - 
gazza. Dieser behauptet, dass er zu einer bestimmten Zeit seines 
Lebens im Stande war, beliebig eine Hautröthung zu erzeugen, 
lediglich dadurch, dass er fest an die betreffende Stelle dachte; 
ja er fügt hinzu, dass es zu Quaddelbildung dabei kommen konnte. 
Dass Leute an beliebigen Stellen schwitzen können, ist mehrfach 
behauptet worden. Delboeuf erwähnt, dass er im Stande ist, 
durch seinen Willen, resp. durch Vorstellungen die Speichelsecretion 
zu beeinflussen. Dass diese auch sonst unter dem Einfluss von 
Vorstellungen steht, die einzelne sich beliebig machen können, ist 
bekannt. 

Absichtlich habe ich diese Bemerkungen gemacht, weil mit 
den objectiven Symptomen von mancher Seite viel gesündigt wird. 
Ich glaube desshalb, dass man zunächst stets die oben erwähnte 
Frage zu prüfen hat, ob durch Uebung ausserhalb der Hypnose 
die Person nicht dasselbe erreichen könnte. Ich weiss es sehr 
wohl, dass ich dadurch selbst den Werth meiner früheren Aus- 
führungen abschwäche. Ich halte es aber doch für ehrlicher, zu 
sagen, dass wir über die objectiven Zeichen der Hypnose nicht 
genügend wissen. 



Ich habe bisher wesentlich nur von solchen objectiven Symptomen 
gesprochen, die sich als eine körperliche Function zeigten; nach 
Ansicht von Pierre J an et kommt aber den körperlichen Symptomen 
z. B. Contracturen für die Simulationsfrage eine viel geringere 
Bedeutung zu, als den psychischen Symptomen und zwar besonders 
dem Gedächtnisse. Auch Gurney hat dem Gedächtnisse bei der 
Entscheidung der Simulationsfrage eine wesentliche Eolle zuge- 
wiesen. Die Annahme, von der diese Autoren ausgehen ist die, 
dass nach dem Erwachen aus der Hypnose Amnesie bestehe, dass 
mithin der Hypnotische nach dem Erwachen nichts von dem wisse, 
Avas während der Hypnose vorgegangen ist. Diese Amnesie soll 
nun benutzt werden, um die Simulationsfrage zu entscheiden; ich 
will ein Beispiel wählen, um dies klar zu machen. 

X. ist von mir hypnotisirt, ich sage ihm während der Hypnose, 



Psychische Symptome. 235 

er werde heute Abend, wenn er sich ins Bett lege, ein Handtuch 
nehmen, es in warmes Wasser tauchen und zweimal sich um den 
Hals legen. Ich erwecke den Betreffenden, er erinnert sich angeblich 
an nichts, was ich während der Hypnose ihm gesagt habe. Darauf 
wiederhole ich nach dem Erwachen dem X., er werde heute Abend, 
wenn er sich ins Bett lege, ein Handtuch nehmen, es in warmes 
Wasser tauchen und um den Hals legen. Auf meine Frage, was 
er hente Abend beim Schlafengehen thun würde, antwortet X.: 
„Ich werde heute Abend mir ein Handtuch nehmen, es in warmes 
Wasser tauchen und zweimal um den Hals legen". Wie jeder 
wohl sieht, habe ich der Versuchsperson während der Hypnose den 
Auftrag etwas anders gegeben, als nach dem Erwachen. Ich habe 
nämlich während der Hypnose zu X. gesagt, er solle das Handtuch 
zweimal um den Hals wickeln, habe das aber nach dem Erwachen 
nicht mehr erwähnt; dennoch hat X. es auf meine diesbezügliche 
Frage gesagt. 

Es würde sich hier nach der Ansicht von Pierre Jan et und 
Gurney wahrscheinlich um eine Simulation handeln. Denn X., 
der angeblich nach dem Erwachen aus der Hypnose völlig amnestisch 
war, hat dennoch einen Punkt erwähnt, den er nur dann wissen 
konnte, wenn er sich der hypnotischen Vorgänge erinnerte. Sollen 
wir aber wirklich diesen Fall als Simulation deuten? Ich glaube 
nicht, und ich berufe mich hier auf eine ganze Reihe von Versuchen, 
die ich gerade an den zuverlässigsten Personen, die mir zum Theil 
sogar somatische objective Merkmale darboten, anstellte; ich 
betrachte den Vorgang nicht als Zeichen von Simulation. Eine 
solche Angabe, wie die erwähnte, dass die Person sich zweimal 
das Tuch um den Hals wickeln werde, wird bei bestehender 
Amnesie zuweilen offenbar ganz automatisch gemacht, so dass sie 
selbst die betreffende Person nicht einmal bemerkt. Sie kann aber 
auch mit vollem Bewusstsein gemacht werden, da durch die S. 97 
erwähnte Ideenassociation eine vorher amnestische Vorstellung 
plötzlich ins Bewusstsein treten kann. 



Ich will nun der praktischen Wichtigkeit halber noch über 
einige Zeichen sprechen, die erfahrungsgemäss mit Unrecht von 
Fernerstellenden als Beweise für Simulation hingenommen werden. 
Ich bemerke vorher ausdrücklich, dass es nur sehr wenige Hyp- 
nosen giebt, die ein ideales abgeschlossenes Bild den Ferner- 
stehenden bieten. Wenigstens glauben diese sehr oft, dass der an- 



23(3 Vermeintliche Anzeichen der Simulation. 

scheinend Simulirende aus der Rolle falle, wenn ein oder das andere 
Zeichen auftritt, das nach Ansicht dieser Fernerstehenden in einer 
Hypnose nicht vorkommen dürfe. 

Zunächst führe ich das Lachen hypnotisirter Personen an. 
Es ist dies selbstverständlich, dass mancher Hypnotisirte ebenso 
lacht, wie der wache Mensch. Der Hypnotische ist sich in den 
leichten Graden der Hypnose, wie wir sahen, vollkommen bewusst, 
dass er eine etwas komische Solle spielt. Er begeht Handlungen 
und macht z. B. die Bewegungen, wie wenn er einen Apfel ässe; 
er muss die Bewegungen machen, ist sich aber genau bewusst, dass 
er einen etwas lächerlichen Eindruck macht. Dass ein solcher Mensch 
lacht, ist ganz selbstverständlich. Selbst in tiefen Hypnosen aber 
bleibt oft ein Eest von Bewusstsein übrig; die Person theilt sich 
gewissermassen in zwei Theile, deren einer die suggerirte Rolle 
übernimmt, während der andere Theil mehr beobachtet und lacht, 

Von den Zitterbewegungen Kataleptischer habe ich schon 
gesprochen. Ich füge hier noch hinzu, dass mitunter bei dem 
Hypnotischen Bewegungen vorkommen, die der Experimentator 
gar nicht voraussehen kann, durch welche aber die Suggestion 
nicht selten durchbrochen wird. Ich strecke einem Hypnotischen 
den Arm aus und suggerire ihm, dass er den Arm nicht bewegen 
könne. Dieser bleibt stehen. Kurz darauf setzt sich eine Fliege 
auf die Stirn der Person, im Moment wird der Arm gebeugt, und 
die Person kratzt sich. Ein derartiges Yorkommniss ist sehr häufig- 
und liegt sehr nahe. Das Kratzen beim Jucken ist ein Gewohn- 
heitsact geworden, der mit grosser Schnelligkeit und ohne weitere 
Ueberlegung verläuft. Ist nun die frühere Suggestion nicht mehr 
ganz lebhaft in Erinnerung, so wird die Stellung durch diesen 
momentan wirkenden Impuls geändert. Ebenso sah ich, dass Per- 
sonen, die niesen, obgleich im Moment vorher die Hand durch Sug- 
gestion unbeweglich war, dieselbe dem Gesicht näherten, wie man 
dies normaliter thut. Ueberhaupt werden zahlreiche Bewegungen, 
die durch Suggestion verhindert werden, sehr oft dann möglich, 
wenn der Hypnotiker gar nicht daran denkt; so ist er, wenn ihm 
das Aussprechen von „a" verboten ist, sehr wohl im Stande, es 
unbewusst zu verwenden, z. B. in Worten wie ja, kalt u. s. w.; aber 
er kann, sobald er daran denkt, den Buchstaben „a" nicht aus- 
sprechen (Laverdant, Hack Tuke, Max Dessoir). 

Hierher würden noch eine ganze Reihe ähnlicher Erscheinungen 
gehören. Ich sage dem Hypnotischen A.: „Sie sind ein Seiltänzer, 
Sie befinden sich jetzt auf dem Seil." Er glaubt nun, auf einem 
Seil zu sein; ich durchschneide dasselbe plötzlich angeblich, und 



Vermeintliche Anzeichen der Simulation. 237 

A. fällt hin; aber er fällt so zu Boden, dass er sich nicht schlägt. 
Dies beruht natürlich auf einem ganz normalen, stets in uns 
arbeitenden, fast unbewussten Mechanismus. Wenn wir hinfallen, so 
stützen wir uns automatisch so mit den Händen, dass wir uns nicht 
wehe thun. Dieser durch lange Gewohnheit in uns befestigte Me- 
chanismus wirkt nun in der Hypnose ganz unbekümmert um Sug- 
gestionen. Bekanntlich fallen hysterisch Gelähmte infolge eines 
ähnlichen Mechanismus oft so, dass sie sich nicht schlagen. Hack 
Tuke suggerirt einer Person in Hypnose, sie sei todt; auch sie 
fällt stets so, dass sie sich nicht schlägt. 

Ferner mache ich auf ein mitunter auftretendes schnelles 
Oeffnen der Augen aufmerksam. Ich habe dasselbe nur selten ge- 
sehen, kann es aber als sicher hinstellen, dass es bei ganz echten 
Hypnosen sich findet. Der Simulant öffnet auch oft die Augen, 
wenn er glaubt, dass er nicht beobachtet wird; bei dem Hyp- 
notischen sah ich es aber auch mitunter eintreten; ob er sich für 
beobachtet hielt oder nicht, war gleichgiltig. 

Ich muss auch auf diejenigen Sinnestäuschungen hinweisen, 
bei denen ein dunkles Traumbewusstsein zurückbleibt, das den 
vollen Effect jener Sinnestäuschung verhindert. Es werden dadurch 
mitunter Situationen geschaffen, die den Verdacht auf Simulation 
erregen, z. B. der (S. 146) erwähnte Fall, wo ein Hypnotischer 
einen Feind bekämpft, ohne ihn zu treffen. 

Ich erwähne ferner, dass mitunter eine etwas complicirte 
Suggestion falsch aufgefasst oder ungenau im Gedächtnisse behalten 
wird und infolgedessen sich nur mangelhaft realisirt. Eine post- 
hypnotische Suggestion kann z. B. nur dann reussiren, wenn sie 
wirklich im Gedächtnisse haftet; dies ist die erste Voraussetzung. 
Da nun das Gedächtniss die erste Bedingung zum Gelingen der 
Suggestion ist, so muss auch, je mehr das Gedächtniss einer Person 
ausgebildet ist (ceteris paribus), um so eher bei ihr eine post- 
hypnotische Suggestion zu erreichen sein. Wenn aber z. B. post- 
hypnotische Suggestionen fehlerhaft im Gedächtnisse haften, werden 
sie auch fehlerhaft ausgeführt, da das Gedächtniss Uebernatürliches 
nicht leistet. So einfach und selbstverständlich dies ist, so muss 
ich es erwähnen, weil ich schon Zweifel an dem Bestehen der 
Hypnose aussprechen hörte, lediglich weil hier Irrthümer vorkamen. 
Ein von mir hypnotisirter Mann erhält in Gegenwart von A., B., 
C, D. den Auftrag, posthypnotisch Folgendes zu thun: „Wenn A. 
spricht, rufen Sie ha! wenn B. spricht, he! wenn C. spricht, hü 
wenn D. spricht, ho!" Dies ist bei nur einmaligem Befehl eine 
keineswegs so leichte Aufgabe. Es ist nicht zu verwundern, wenn 



238 Der irrthümliche Glaube der Versuchsperson, simulirt zu haben. 

posthypnotisch eine Verwechselung vorkommt, z. B. beim Sprechen 
von A. he! und bei B. hü gerufen wird. Ueber eine solche Er- 
scheinung- kann man sich nicht wundern, wenn man berücksichtigt, 
dass es sich um Dinge handelt, die eben nur von der Stärke des 
Gedächtnisses abhängig sind und von der Art, wie dieses sie auf- 
bewahrt, resp. reproducirt. 

Endlich aber erwähne ich noch das spätere G-eständniss 
einer Person, sie habe simulirt, oder auch zu Gefallen gehandelt. 
Ein derartiges Geständniss ist mit sehr grosser Vorsicht zu 
beurtheilen. Sehr viele, die sich mit hypnotischen Experimenten 
beschäftigen, haben schon die Beobachtung gemacht, dass hypnoti- 
sirte Personen nach der Hypnose oft sagen, sie haben sich ver- 
stellt, während sie in Wirklichkeit unter einem Zwange standen. 
Ich will gar nicht erwähnen, dass es einzelne Personen giebt, die 
glauben, eine Willensschwäche gezeigt zu haben, als sie in 
die Hypnose kamen; sie sagen oft bewusst die Unwahrheit. 
Psychologisch interessanter ist eine andere Gruppe von Personen. 
Die Selbsttäuschung bei ihnen ist genau dieselbe, wie wir sie bei 
einzelnen Fällen von posthypnotischen Suggestionen bereits fanden. 
Es ist das Gefühl der betreffenden Person, sie habe anders handeln 
können (F. My e r s). H e i d en h ain erzählt den Fall, wo ein Arzt 
nach der Beendigung der Hypnose meinte, er hätte die Augen 
öffnen können, wenn er gewollt hätte; der Arzt wurde aber bei 
jeder neuen Hypnose ebenso willensunfrei, wie anfangs. Ich selbst 
verfüge über eine ganze Reihe derartiger Beobachtungen. Die eine 
bezieht sich auch auf einen Arzt, der anfangs öfter nach der 
Hypnose behauptete, er habe anders handeln können. Jede neue 
Hypnose jedoch führte genau zu demselben Resultat der Willens- 
hemmung. Schliesslich wurde er sich dessen auch bewusst, dass 
sein Wille wirklich herabgesetzt war. In einem andern Fall, X., 
habe ich mindestens zehn Mal eine neue Hypnose herbeigeführt, 
ehe der Betreffende zugab, dass die suggerirte Lähmung des Armes 
ihn unfähig gemacht habe, den Arm zu bewegen ; X. glaubte vorher, 
stets zu Gefallen gehandelt zu haben. 



Man wird aus alledem schon ersehen, wie schwer die Frage 
zu beantworten ist, ob Simulation vorliegt oder nicht. Relativ am 
häufigsten scheint mir die Simulation bei Kindern vorzukommen; 
doch sind die Uebergänge von Simulation zu wahrer Hypnose so 
allmählich, dass selbst ein erfahrener Beobachter unter Umständen 



Wissenschaftliche Beurtheilung der Simulationsfrage. 239 

ungewiss ist. Wenn z. B. jemand die Augen aus Bequemlichkeit 
schliesst, so ist dies nicht dasselbe, wie wenn er sie, um zu täuschen, 
schliesst; es hat jemand längere Zeit fixirt, und er spürt Ermüdung 
im Auge, kann aber vielleicht mit starker Willenskraft die Augen 
noch öffnen; dennoch lässt er sie geschlossen, weil ihm dies be- 
quemer ist. Dies mit Simulation zu identificiren, wäre eine voll- 
kommene Verkennung der Thatsachen. Andere wiederum handeln 
dem Experimentator zu Gefallen, nicht etwa in der Absicht ihn zu 
täuschen, sondern im Gegentheil nur in der Absicht ihm gefällig 
zu sein. Auch das ist keine einfache Simulation ; denn wenn gewisse 
Erscheinungen bei einer Person auftreten, so kann man von einer 
Simulation nur dann sprechen, wenn die Person die Absicht der 
Täuschung damit verbindet. 

Endlich wird die Frage dadurch noch viel complicirter, dass 
in der Hypnose Leute ganz ebenso simuliren, wie bekanntlich 
Geisteskranke simuliren. So giebt der Hypnotische an, er sehe 
einen suggerirten Gegenstand, ohne dass er ihn wahrnimmt. Es 
ist hierbei natürlich oft sehr schwer, die Frage zu entscheiden, 
wo die Simulation anfängt, und wo sie aufhört. Im Allgemeinen 
jedoch wird man durch Uebung dazu gelangen, mit einer ge- 
wissen Sicherheit den psychischen Zustand der Hypnotisirten zu 
beurtheilen. Dass schliesslich auch der Erfahrenste sich täuscht 
und täuschen kann, ist sicher; ebenso wie auch der erfahrenste 
Psychiater dem Irrthum ausgesetzt ist. Ebenso aber wie dieser 
durch Erfahrung erst der Diagnostiker wird, ebenso derjenige, 
der hypnotische Zustände beurtheilen will. Die Furcht vor der 
Simulation hat schon manchen abgeschreckt, sich mit dem Hyp- 
notismus zu beschäftigen. Und doch wird man nur dadurch auf 
diesem Gebiete weiter kommen, wenn man ohne Furcht vor Simu- 
lation die Frage prüft. Man kann und soll hierbei die nothwendige 
wissenschaftliche Reserve sich vollkommen bewahren. Man soll 
und muss die Simulationsfrage streng wissenschaftlich behandeln, 
wie bei Geisteskrankheiten. Unmögliches darf man nicht verlangen, 
um die Simulation auszuschliessen; dies würde keinen Skepticismus 
und wissenschaftlichen Sinn beweisen; dies zeugt in Wirklichkeit 
für Unwissenschaftlichkeit. Habe ich doch gesehen, dass ein „Ge- 
bildeter", der sich für einen wissenschaftlichen Skeptiker hält, beim 
Anblick eines Hypnotisirten erklärte: er würde an die Echtheit 
der Hypnose in diesem Fall nur dann glauben, wenn der Be- 
treffende durch sonst undurchsichtige Gegenstände hindurchsehen 
könnte, wenn er z. B. im Stande wäre, durch einen Menschen wie 
durch ein Glas zu sehen ! ! 



YI1. Medicinisclies. 



Dass das gegenwärtige Interesse für den Hypnotismus wesent- 
lich durch die therapeutische Verwendung desselben bedingt wird, 
ist sicher, wenn auch der Werth des Hypnotismus für die Ex- 
perimental-Psychologie von einsichtigen Forschern nicht unter- 
schätzt wird. Noch niemals vermochte der Hypnotismus so sehr 
die allgemeine Aufmerksamkeit der Aerzte zu erregen wie jetzt; 
trotz sonstiger Differenzen wird man sich doch in ärztlichen Kreisen 
immer mehr darüber klar, dass eine vorurtheilslose Prüfung noth- 
wendig ist. 

Wir haben schon oben gesehen, dass Bernheim undLiebeault 
das Wesen des Hypnotismus in der Suggestion finden, und sicher- 
lich ist sie auch das Hauptagens. Die Definition für Hypnotismus, 
die Bernheim giebt, erleichtert das Verständniss für dessen 
therapeutische Bedeutung. Darnach ist die Hypnose ein besonderer 
psychischer Zustand, in welchem die Suggestibilität erhöht ist. Es 
geht daraus schon klar hervor, dass es auch ohne Hypnose 
Suggestibilität giebt, und dass demnach die Suggestionstherapie 
mit Hypnose in keinem Gegensatz steht zu der ohne Hypnose; jene 
bildet nur die natürliche Ergänzung zu dieser. Gerade die Nancyer 
haben darauf hingewiesen, dass sehr viele Suggestionen ohne Hyp- 
nose vorkommen, und sie haben am allerehesten die therapeutische 
Wichtigkeit der rein empirischen Suggestion erkannt. 

Die Suggestivtherapie geht von der Annahme aus, dass eine 
Anzahl Krankheiten geheilt oder gebessert werden können lediglich 
dadurch, dass der Patient an den Eintritt der Besserung glaubt, 
dass er auf die Heilung fest vertraut, und dieser Gedanke in ihm 
Wurzel fasse. Jeder tüchtige Praktiker kennt diese Suggestiv- 
behandlung, und sie ist so alt, wie die Krankheiten. Die meisten 
Erfolge sind hierauf zurückzuführen, die man als Wundercuren 
preisen hörte; wir können sie heute als die Eesultate der empirischen 
und oft unbewussten Suggestion betrachten. Wir können wohl, 
zum wenigsten einen sehr grossen Theil der durch die Mesmeristen 
erzielten Erfolge auf die psychische Einwirkung zurückführen. 



Empirische Suggestivtherapie. 241 

Bekanntlich hat bereits im Jahre 1784 Bailly in seinem Bericht 
der Einbildungskraft gedacht, der seiner Ansicht nach die bei Des Ion 
beobachteten Erscheinungen zuzuschreiben wären. Ungefähr gleich- 
zeitig sprach John Hunter nach eigenen Versuchen die gleiche 
Ansicht aus. Auch sonst sahen wir von Alters her diese psychische 
Einwirkung vielfach in der Therapie mit Erfolg verwerthet. Die 
alte Medicin, die sich theilweise in den Händen der Priester befand, 
und bei der vielfach religiöse Bräuche in Anwendung kamen, ist 
voll von psychischen Einwirkungen. Der Tempelschlaf der 
alten Griechen und Aegypter war ein Mittel, die Suggestion wirken 
zu lassen. Hier legten sich die Kranken in den Tempel, um zu 
schlafen, und in dem Traume wurde ihnen von dem Gotte das Heil- 
mittel gezeigt, durch welches sie gesund werden sollten. In ähnlicher 
Weise finden wir vielfach noch den Einfluss der Suggestion wieder. 
Das Vertrauen, durch ein bestimmtes Mittel geheilt zu werden, ist 
stets ein mächtiger Heilfactor gewesen. Ich will nicht alle die 
Wunderthäter, die jedes Jahrhundert besass, anfuhren. Ich nenne 
nur noch aus der neueren Zeit den bekannten Greatrakes, dessen 
Curen im 17. Jahrhundert ganz England in Verwunderung ver- 
setzten. Er heilte durch Handauflegen, scheint aber die Verbal- 
suggestion schon angewendet zu haben. Aus dem Ende des vorigen 
Jahrhunderts nenne ich noch Gassner, den berühmten Teufels- 
beschwörer. In welcher Weise dieser durch Suggestion wirkte, 
geht klar aus den Berichten hervor. Denn dass die lateinische 
Sprache, deren er sich bediente, kein Hinderungsgrund war für die 
Patienten, das zu verstehen, was Gassner meinte, ist sicher; zumal 
sein berühmtes „Cesset" wurde wohl von niemandem missverstanden: 
jeder wusste, das dies der Befehl war, dass das Leiden, der Schmerz 
oder dgl. aufhören solle. Es war mir interessant, bei Sierke zu 
finden, dass G a s s n e r gelegentlich eine Patientin durch Suggestion 
einschläferte, indem er ihr zu schlafen befahl. Er befahl ihr, im 
Schlafe zu gehen, dann zur bestimmten Zeit aufzuwachen, erzeugte 
somit nach unsern heutigen Begriffen eine ganz reguläre Hypnose. 
Von den sonstigen Wunderthätern nenne ich aus dem Anfang 
dieses Jahrhunderts noch den Fürsten Hohenlohe, einen katho- 
lischen Geistlichen, der besonders in Bayern seit 1821 durch eine 
Reihe auffallender Heilungen Aufsehen erregte. Die Mesmeristen 
rechnen ihn zu denjenigen Menschen, die eine besondere mag- 
netische Kraft hätten, während von anderer Seite mehr der 
religiöse Glaube herangezogen wird, um die Heilungen zu er- 
klären. Eine eigenthümliche Mittelstellung nahm, wie ich hier 
einschalte, auch eine besondere Schule der Mesmeristen an, die 

Moll, Hypnotismus. 16 



242 Empirische Suggestivtherapie. 

Barbarins in Ostende. Barbarin behauptete, dass nur ein 
rein geistiger Einfluss stattfinde und hielt es für gut, um den 
magnetischen Schlaf des Patienten zu erzielen, am Bette desselben 
zu beten (Perty). Eine ähnliche Stellung nehmen auch heute 
noch viele Anhänger des Lebensmagnetismus ein, die den reli- 
giösen Glauben für sehr werthvoll und nothwendig halten, wenn 
ein Eesultat erreicht werden soll, z. B. Timmler. 

Ich möchte die Beispiele der Suggestionstherapie nicht all- 
zu sehr vermehren. Noch aus der neueren Zeit will ich auf die 
sicher constatirten Heilungen hinweisen, die an der Quelle von 
Lourdes und andern heiligen Orten vorgekommen sind. Ueberall 
und zu allen Zeiten gab es Mittel, in unbewusster Weise erfolg- 
reich die Suggestion wirken zu lassen. Wenn wir nun sehen, 
dass zu allen Zeiten gerade diejenigen Leute die grössten Erfolge 
hatten, die sich der Suggestion bedienten, so liegt es doch nahe, 
ihr auch in der modernen Therapie eine würdige Stellung zu 
geben. Denn dass Gassner und viele andere, die man — wenn 
auch ungerechter Weise — mit Vorliebe als Schwindler bezeichnet, 
ihre Erfolge hatten und grössere Erfolge hatten, als mancher 
wissenschaftliche Arzt, ist ganz zweifellos für jeden, der un- 
befangen die Krankengeschichten liest. Dass es zum Theil hyste- 
rische Krankheiten waren, mag sein, es kamen aber auch viele 
andere Leiden dabei vor. Sicher aber ist es, dass fast alle diese 
Krankheitsfälle solche waren, welche durch die gewöhnliche medi- 
camentöse Behandlung vorher nicht geheilt werden konnten. 

Es handelt sich nun, wie schon auseinandergesetzt ist, bei den 
Suggestionserfolgen darum, dass die Idee der Heilung in dem 
Patienten Platz greife, dass derselbe seine Heilung erwarte, dass 
man ihn an die Heilung glauben lasse. Die Idee der Heilung 
soll in den Patienten eindringen, und das Käthel ist nur, auf 
welche Weise man diese in ihm sich festsetzen lässt. Derjenige 
Patient, der nach Lourdes geht, in der festen Erwartung, geheilt 
zu werden, und dessen Erwartung durch die Berichte anderer und 
durch seinen katholischen Glauben angefacht wird, wird dort ein 
anderes Eesultat erzielen, als etwa jemand, der ohne den Glauben 
an die Heilung die Quelle benützt. 

Es hat auch nicht immer der Arzt, und wenn das Vertrauen 
zu ihm noch so gross ist, die Macht, die Idee der Heilung in den 
Patienten eindringen zu lassen. Für diese Fälle eben bietet uns 
der Hypnotismus ein Mittel, das trotz der anfänglichen Opposition 
schliesslich doch wird anerkannt werden müssen. Kein Patient, 
und sei er noch so intelligent, kann sich der Wirkung der hyp- 



Therapeutischer Werth der hypnotischen Suggestion. 243 

notischen Suggestion entziehen, wenn nur die Hypnose tief genug 
ist. Eine Idee, die in der Hypnose eingegeben wird, wird eben 
so fest Wurzel fassen, wie bei den gläubigen Katholiken das Dogma. 
Dem Patienten aber soll eben in der Hypnose der Gedanke der 
Heilung eingepflanzt werden. Wenn es zugegeben ist, dass die 
Idee der Heilung diese selbst wesentlich in vielen Fällen befördert, 
so muss man auch notwendiger Weise zugeben, dass die Hypnose 
ein integrirender Bestandtheil der Therapie werde. 

Das Verdienst, diesen Kernpunkt der Hypnose, die Suggestion 
zuerst in ihrer Bedeutung für die Therapie methodisch verwerthet 
zu haben, gebührt unstreitig Liebeault in Nancy. Gelegentliche 
Verbalsuggestionen finden wir zwar schon bei den alten Mesme- 
risten, bei Kluge, Lausanne, Jobard und vielen anderen, wie 
du Prel und Pick mit Recht hervorheben. Aber das Methodische 
fehlte vollkommen. Es wird auch oft behauptet, dass Braid die 
Bedeutung der Suggestion für die Therapie erkannt habe. Es ist 
dies aber ein Irrthum. Braid sah zwar die Suggestion, dies ist 
klar, aber er erkannte sie nicht. Wer sich die Mühe nehmen 
will, seine Arbeiten durchzulesen, der wird finden, dass er die the- 
rapeutische Wirkung des Hypnotismus gar nicht in der Suggestion 
suchte. Er glaubte vielmehr, durch kataleptisirende und andere 
Manipulationen einen Einfluss auf die Blutvertheiluug auszuüben, 
er hielt auch nervöse Veränderungen für wahrscheinlich. Aber so 
verdienstlich auch die Untersuchungen Braid s sind, deren Werth 
aber doch von Preyer übertrieben wird, so hat derselbe doch 
zweifellos den Werth der Suggestion, der psychischen Ein- 
wirkung für die Therapie nicht erkannt. Dass er sie im Hyp- 
notismus trotzdem unbewusst anwendete, ist wohl richtig. Dies 
hatten aber schon eine Eeihe von Forschern vor ihm gethan, in- 
dem sie die magnetischen Schlafzustände mit sicheren Erfolgen 
therapeutisch verwertheten. 

Ich will nicht vergessen zu bemerken, dass 1880 auch Fried- 
berg und ganz besonders Berger in der Hypnose ein therapeu- 
tisches Agens vermutheten. Berg er sah während der Hypnose 
einen Hemiplegiker Bewegungen ausführen, die ihm im wachen Zu- 
stande unmöglich waren. Er sah bei Tabikern die Schwankungen 
abnehmen, während und auch kurze Zeit nach der Hypnose. Freilich 
kam Berger nicht zu einer systematischen Anwendung der Hyp- 
nose. Es war ihm die vereinfachte Technik Liebeaults un- 
bekannt; er kannte weder die Nancyer Methode, noch die Verbal- 
suggestion, noch die wesentliche Bedeutung der Suggestion. Dass 
man vom ärztlichen Standpunkt aus einem Zustand, in dem man 

16* 



244 Einwürfe gegen die Suggestivtherapie. 

nach Belieben Contracturen und Lähmungen erzeugt, um sie ebenso 
nach Wunsch zu nehmen, in welchem man Analgesien und Schmerzen 
hervorbringt, in welchem man alle Arten von Empfindungen ver- 
ursachen kann, dass man einem solchen Zustand die grösste Be- 
achtung zuwenden musste, das hatte schon vielen, die Liebeault 
nicht kannten, nahegelegen; aber er fand erst den richtigen Weg, 
während Bernheim und Forel die Methode weiter ausbildeten 
und den Aerzten bekannt machten. Es muss durchaus Liebeault 
in Nancy als der wahre Begründer der methodischen Suggestion 
angesehen werden. 



Dass man anfänglich Einwürfe gegen die therapeutische An- 
wendung der Suggestion machte, kann nicht verwundern. Wenn 
wir die Geschichte der Medicin betrachten, so sehen wir auch selten, 
dass ein wesentlicher Fortschritt kampflos gemacht wurde. Jeder 
weiss, welche Kämpfe das Chinin, welche Angriffe die Impfung und 
die Brechmittel ganz besonders auch in Frankreich erfuhren. Jeder 
weiss, wie man einstens die Kaltwasserkur verwarf, welche An- 
griffe E. Eemak in Deutschland fand, ehe der Galvanismus Ein- 
gang in den Heilsschatz fand. Jeder weiss, wie man sich anfangs 
über die Massage moquirte. Und alle diese Mittel sind dennoch 
durchgedrungen, keine Opposition, kein kindisches Lachen ver- 
mochte es, dauernd zu siegen. 

Die Schwierigkeiten bei der Beurtheilung des therapeutischen 
Werthes der Hypnose^werden ausserordentlich durch die nicht genau 
abzugrenzende Bedeutung des Begriffes „hypnotische Suggestion" 
gesteigert. So sehen wir, dass in der That die einen sich über- 
haupt gegen die Suggestivbehandlung, die anderen sich gegen die 
hypnotische Suggestivbehandlung wenden, während die meisten sich 
in ihren Ausführungen bald gegen die Suggestion überhaupt, bald 
gegen den Hypnotismus aussprechen, z. B. Ewald, Mendel, 
S. Guttniann. Ich glaube, dass die letzteren von ihrem allerdings 
falschen Standpunkt aus das Bichtige treffen, weil in der That eine 
scharfe Abgrenzung von Suggestion und Hypnotismus nicht denk- 
bar ist. Ich will nochmals an meine bereits in den Capiteln IV. und 
V. gemachten Erörterungen erinnern und' abermals meine Ueber- 
zeugung aussprechen, dass die Begriffe Hypnotismus und 
Suggestivismus allmählich miteinander verschmelzen 
werden, weil sich spontane, schnell vorübergehende Hypnosen im 
Leben sehr oft darzubieten scheinen. 



Widersprach von Autoritäten. 245 

Es ist öfter die Frage aufgeworfen worden, woher es wohl komme, dass so 
viele Autoritäten sich gegen die Suggestivtherapie ausgesprochen haben. Darauf 
ist dreierlei zu erwidern: 1) Auch eine Autorität kann sich irren; ja es ist in 
Wirklichkeit nur der eine Autorität, der nicht an seine eigene Unfehlbarkeit 
glaubt. 2) Viele werden für Autoritäten gehalten, ohne dass sie es sind. 3) Viele, 
die auf einem Gebiete Autorität sind, brauchen es desshalb nicht auf einem anderen 
zu sein. Betrachten wir die beiden letzteren Punkte, die für die Medicin eine 
ausserordentliche Bedeutung haben, etwas genauer. 

Es giebt in jeder Wissenschaft neben den wahren Autoritäten Männer, die 
man zwar für Autoritäten hält, ohne dass sie es in Wirklichkeit sind. Es ist 
culturgeschichtlich von hohem Interesse, wie manche „Autorität' 1, mehr eine 
Modesache ist, als eine wirkliche wissenschaftliche Grösse. Jeder hält einen 
solchen Mann für eine Autorität und nennt ihn so; wenn man aber einmal nach 
den wirklichen Verdiensten fragt, begegnet man überall einem Achselzucken, da 
wirkliche Verdienste eben oft nicht vorhanden sind. Solche Pseudoautoritäten 
sind auch gern geneigt, über Dinge zu urtheilen, ohne sie zu prüfen. Solche 
Pseudoautoritäten hat es zu allen Zeiten gegeben ; sie sind der wahre Hemmschuh 
der Wissenschaft. Ihre Stellung und ihr Ansehen verdanken sie gewöhnlich einer 
Eigenschaft und Fertigkeit, welche kürzlich ein geistreicher Schriftsteller, Karl 
v. Thal er, als die Kunst der Selbst-Inscenirung bezeichnete. Das Urtheil 
derartiger Pseudoautoritäten hat selbstredend für uns keine Wichtigkeit. 

Nun meine ich nicht etwa, dass alle diejenigen, die sich gegen die therapeu- 
tische Verwerthung des Hypnotismus gewendet haben, Pseudoautoritäten seien; im 
Gegentheil, es haben wahre Autoritäten (Meynert u. a.) ganz entschieden da- 
gegen gesprochen. Hingegen muss ich doch Folgendes bemerken, und dies be- 
trifft den dritten, eben erwähnten Punkt. Es genügt keineswegs, Autorität in einem 
Fach zu sein, um auch in einem anderen ein autoritatives Urtheil zu beanspruchen. 
Es genügt z. B. keineswegs, ein grosser Historiker oder ein grosser Astronom zu 
sein, um über die Therapie ein Urtheil zu fällen. Nun sind aber viele jener 
Autoritäten, die gegen die therapeutische Verwerthung des Hypnotismus auftraten, 
gerade Autoritäten auf Gebieten, die mit der Therapie zunächst nichts zu thun haben. 
Dieser Gesichtspunkt geht nicht nur dem Laienpublikum, sondern 
auch den Aerzten leicht verloren. Es kann jemand z. B. Vorzügliches in 
der Histologie des Gehirns geleistet haben, und er kann doch incompetent sein in 
Bezug auf die Therapie. Die Histologie des Gehirns steht mit der Heilkunde 
heute in keinem grösseren Zusammenhange als die Astronomie. Wenn ich die 
Heilkunde eine Wissenschaft nennen darf, so ist die Histolologie des Gehirns 
beispielsweise etwas, was (wenigstens heute) vollkommen ausserhalb der Wissen- 
schaft der Heilkunde steht. Vielleicht wird es später gelingen, hier einen Zu- 
sammenhang zu finden; vielleicht wird es gelingen, die Histologie des Gehirns 
auch für die Heilkunde zu verwerthen, heute besteht ein solcher innerer Zu- 
sammenhang noch nicht. Ebensowenig nun, wie ich auf das Urtheil eines Astro- 
nomen über den Hypnotismus, resp. die psychische Behandlung ein grosses Ge- 
wicht legen würde, ebensowenig halte ich das Urtheil der Männer für massgebend, 
die in wissenschaftlichen Zweigen oder in Wissenschaften ihre Bedeutung haben, 
die gar keinen inneren Zusammenhang mit der Heilkunde besitzen, wie z. B. 
die eben genannte Histologie des Gehirns. Ich verwahre mich ausdrücklich da- 
gegen, die Untersuchungen jener Männer etwa herabsetzen zu wollen. Im Gegen- 
theil, die Untersuchungen beispielsweise über die Histologie des Gehirns sind noth- 
wendig und sind äusserst verdienstvoll, aber einen Einfluss auf die Heilkunde 



246 Zurückweisung einer Prüfung- der Suggestivtherapie. 

haben sie bis jetzt nicht geübt. Ob dies später der Fall sein wird, das wird die 
Zukunft zeigen. Schon v. Feuchter sieben, dem gewiss niemand eine Animosität 
gegen die Medicin oder Anatomie nachsagen wird, der im Gegentheil ihr eifrig- 
ster Verehrer war, sprach sich dahin aus, dass man nicht allzusehr die Kenntniss 
der Anatomie mit der Heilkunde verwechsele. 

Ich hielt die vorangehenden Bemerkungen, mit denen ich niemandem zu nahe 
treten möchte, für nöthig, um die so häufige Berufung auf Autoritäten in das 
richtige Licht zu stellen. 

Eine wissenschaftliche Opposition ist übrigens stets ein 
Glück für den Fortschritt der Wissenschaft gewesen. Durch eine 
ernste, vorurtheilslose Opposition wird die wissenschaftliche Ver- 
tiefung neuer Fragen angebahnt; nur muss man eine Prüfung über- 
haupt zulassen und nicht etwa, wie es beim Hypnotismus von einigen 
Seiten geschah, die Prüfung principiell verwerfen. 

Man sollte es eigentlich für selbstverständlich halten, dass 
jeder Forscher eine solche für unentbehrlich hält, wenn man über 
die Frage ein klares Urtheil gewinnen will. Dem ist aber leider 
doch nicht so. Als der Verfasser eine derartige Prüfung 
verlangte, damit man den Werth des Hypnotismus kennen 
lerne, wurde von mehreren wissenschaftlichen Forschern 
in der energischsten Weise gegen diese Forderung 
protestirt. Nur eine Prüfung hatte der Verfasser in mehreren 
Vorträgen über die therapeutische Verwerthung des Hypnotismus 
verlangt — ein Verlangen, zu dem man wissenschaftlichen Männern 
gegenüber berechtigt ist. Während aber Virchow u. a. eine 
Prüfung in ausgedehntestem Maase für nöthig erachteten, hatten 
andere bereits ihr aprioristisches Urtheil fertig, für das sie selbst- 
verständlich auch nicht den Schatten einer Begründung anführen 
konnten. Aber unbekümmert um das Verdammungsurtheil der 
Opposition traten stets neue Beobachter für den Heilwerth des 
Hypnotismus, resp. der mit ihm so eng verknüpften Suggestion und 
psychischen Behandlung ein. Als nun dieser therapeutische Werth 
nicht mehr so ohne weiteres zu bestreiten war und insbesondere 
die anfängliche absolute Zurückweisung einer wissenschaftlichen 
Untersuchung als unwissenschaftlich erkannt war, da suchte man 
das anfängliche aprioristische Urtheil durch falsche Behauptungen 
zu begründen. Man legt nämlich denen, die zuerst für den thera- 
peutischen Werth, resp. für dessen Prüfung eintraten, jetzt Falsches 
in den Mund, indem man sagt, sie hätten aus dem Hypnotismus ein 
Allheilmittel machen wollen. Es ist bedauerlich, dass selbst Männer, 
die doch als Vertreter der Wissenschaft die Wahrheit suchen sollten, 
jetzt diesen Weg einschlagen, um die anfängliche Zurückweisung 
anscheinend zu rechtfertigen. Diese Taktik ist bedauerlich und 



Ewald, von Forel widerlegt. 247 

verdient auf das Entschiedenste gebrandmarkt zu werden. Weder 
die Forscher in Nancy noch diejenigen Forscher in 
Deutschland, in der Schweiz, oder in Oesterreich, die 
überhaupt als ernst in Betracht kommen, haben je- 
mals ein Allheilmittel aus dem Hypnotismus machen 
wollen. 

Betrachten wir nun im Einzelnen die Einwürfe, die gegen den 
Hypnotismus als therapeutisches Agens gemacht wurden. 

Einen Haupteinwand erhob seiner Zeit Ewald in Berlin, der 
„ganz entschieden gegen die Bezeichnung der Suggestion als ärzt- 
liche Behandlung" protestirte. Ewald glaubte, im Interesse der 
Aerzte nicht annehmen zu dürfen, dass man die Suggestion als 
ärztliche Behandlung bezeichne. Die weiteren Ausführungen 
Ewalds werden aus der Antwort, die ihm Forel ertheilte, ein- 
leuchten. Ich glaube dadurch auch Ewalds Einwände besser 
widerlegt, als ich es je im Stande wäre zu thun. 

„Ewald protestirt gegen den Ausdruck „ärztliche Behandlung 
durch Hypnotismus". Zu einer solchen gehöre ärztliche Kunst und 
ärztliches Wissen. Hypnotisiren könne aber jeder Schäferknecht, 
Schneider und Schuster; nur etwas Selbstvertrauen gehöre dazu. 
Ich glaube mit mehr Recht, gegen diese Art der Behandlung einer 
wissenschaftlichen Frage protestiren zu müssen. Hat nicht die 
Medicin eine Unzahl ihrer Mittel aus der rohesten Empirie, aus 
den Traditionen der „Schäferknechte" u. a. m. gezogen? Kann 
nicht jeder Schuster Morphiumeinspritzungen machen, wenn man 
ihm die Spritze giebt, Klystiere und Abführmittel verordnen u. dgl. 
mehr? Doch verschmähen wir diese Mittel, das Massiren, die 
Bäder etc. nicht. Aber Herr Professor Ewald täuscht sich ge- 
waltig, wenn er vielleicht glaubt, dass ein feines Reagens auf das 
Nervensystem wie die Hypnose, ein Reagens, das direct unsere 
höchsten und feinsten Seelenthätigkeiten trifft und modificirt, richtig 
und zweckmässig von den Schäferknechten gehandhabt werden kann 
und denselben überlassen werden soll. Zu einer richtigen und 
erfolgreichen therapeutischen Verwendung gehören: medicinisches 
Wissen und psychologische Kenntnisse, gehört vor allem die 
Fähigkeit, Diagnosen zu machen, gehört auch Uebung. Zwar haben 
Laien damit Erfolge erzielt, ebenso wie auch Kurpfuscher in allen 
medicinischen Gebieten Erfolge erzielt haben und täglich noch er- 
zielen. Sollen wir ihnen desshalb die Medicin überlassen ? Lange 
genug, ja viel zu lange, hat die Wissenschaft die bedeutungsvollen 
Erscheinungen der Hypnose den „Schäferknechten und Consorten" 
überlassen; es ist nun allerhöchste Zeit, das Versäumte nach- 



248 Gefahren jeder Therapie. Gifte. 

zuholen, und einer Erscheinungsreihe, welche im höchsten Grade 
unsere Anschauungen über die Psychologie, über die Physiologie 
des Grosshirns zu vervollständigen im Stande ist, unser volles 
Augenmerk und eine streng wissenschaftliche Prüfung zu widmen. 
Die ärztliche Therapie darf nicht zurückbleiben, nachdem un- 
bestreitbare Erfolge vorliegen. Diese Erfolge können aber nicht 
ohne ein gründliches Studium der richtigen hypnotischen Methode 
erzielt werden." 

Ich will auf die von Ewald vorgebrachten Behauptungen 
nicht weiter eingehen. 

Ein zweiter Einwand betrifft die Gefährlichkeit des Hyp- 
notismus. Der Verfasser dieses Buches hat vor längerer Zeit 
auf diesen Punkt hingewiesen und besonders davor ernstlich 
gewarnt, die Hypnose für etwas absolut Ungefährliches anzu- 
sehen. Erst später behaupteten andere, z. B. Mendel das- 
selbe, wobei allerdings die Gefahren wesentlich übertrieben 
wurden. Mit vollem Eecht muss diesem Punkte die ernsteste 
Erwägung zu Theil werden. Indessen bemerke ich, dass es sich 
bei keinem Heilmittel darum handelt, ob es schaden kann; es 
handelt sich stets nur um die Frage, ob man durch richtige und 
gewissenhafte Anwendung den Gefahren entgehen kann. 
Rust behauptet, gerade mit Bezug auf den künstlichen Som- 
nambulismus: „Das höchste Prädicat, welches man der 
Wirksamkeit eines Heilmittels oder irgend einer 
Heilmethode beilegen kann, ist, dass sie auch zu 
schaden vermöge. Denn was nie positiv schaden kann, kann 
auch nie nützen." Mag dieser Ausspruch vielleicht übertrieben 
sein, so hat er doch sicher grosse Berechtigung. Denn das glaube 
ich behaupten zu können, dass es wohl nur wenige Mittel in der 
Medicin giebt, die nicht bei unrichtiger und unvorsichtiger An- 
wendung schaden. Ja es giebt Mittel, deren Gefahren wir selbst 
bei der vorsichtigsten Anwendung nicht immer hintanhalten können, 
da wir die Bedingungen, unter denen sie schaden, keineswegs 
genau kennen. Ich will gar nicht von den vielen Giften reden? 
von Morphium, von Strychnin, von Belladonna, deren 
Anwendung schon mitunter ohne Ueberschreitung der Maximaldosis 
sehr geschadet hat. Ich will gar nicht vom Tod beim Chloro- 
formiren sprechen, dessen Ursachen noch keineswegs auf- 
geklärt sind. Erst in allerneuester Zeit haben Thiem und 
P. Fischer mit anerkennenswerther wissenschaftlicher Offenheit 
einen Fall von tödtlicher Nachwirkung des Chloroforms veröffentlicht^ 
wo am 4. Tage nach der Narkose der Tod eintrat. Die genannten 



Chloroformtod. Gefabren jeder Therapie. 249 

Autoren nehmen auf 1000 Chloroforninarkosen mindestens 
1 Todesfall an! Ich will gar nicht die Gefahren erwähnen, die 
chirurgische Operationen darbieten ; ich will nur darauf hinweisen, 
dass die anscheinend harmlosesten Mittel vielleicht schon mehr 
Unheil angerichtet haben, als der Hypnotismus. Viele Todesfälle 
sind bekannt geworden als Folge des Gebrauches von Kali 
chlor icum, und bedauerlicherweise ist es noch immer gestattet, 
im Handverkauf ohne ärztliche Verordnung dieses Mittel zu 
verabreichen. Ich erwähne schwere Collapszustände , die nach 
Antipy ringebrauch beobachtet worden sind. Eines der 
modernsten Mittel will ich noch anführen, das Sulfonal, das 
angeblich ein ganz unschädliches Schlafmittel sein soll. Ueber die 
Unschädlichkeit desselben theilt mir ein Freund und College mit, 
dass er einmal Erscheinungen ernstester Art nach Sulfonalgebrauch 
gesehen hat, und dass er es einer gewissen Art von Patienten 
überhaupt nicht mehr gebe, aus Furcht, dass dieses „unschädliche" 
Mittel recht ernsten Schaden bringen könne. Um noch einige 
Beispiele anzuführen, so erwähne ich die in neuerer Zeit fast zur 
Mode gewordene Suspensionsbehandlung, die so sehr 
empfohlen wurde, und von der schon einige Enthusiasten in der 
That die Heilung der Tabes erwarteten. Dass nach dieser Suspen- 
sionsbehandlung nicht nur schwere Störungen, sondern sogar der 
Tod eintreten kann, ist jetzt festgestellt; es ist erst kürzlich 
ein solcher Todesfall bei der Suspensionsbehandlung veröffentlicht 
worden. Dass übrigens auch die Gegenwart des Arztes bei der 
Suspension nicht vor Unfällen schützt, zeigen mehrere publicirte 
Fälle. Sehen wir uns einmal die alltäglich verwendete Carbol- 
säure an. Erst kürzlich hat Billroth auf die grossen Gefahren 
der Carbolsäure aufmerksam gemacht. Wollten wir dennoch auf 
alle diese Mittel verzichten, so könnten wir lieber die ganze 
Medicin aufgeben, da es in ihr eben nichts giebt, was nicht auch 
schaden kann. 

Ich will das Capitel von den Gefahren der Arzneimittel nicht 
zu sehr erweitern; denn es handelt sich nirgends, wie ich schon 
erwähnte, darum, ob Gefahren vorhanden sind. Es fragt sich viel- 
mehr immer: 1) Kennen wir die Bedingungen, unter denen die 
Gefahren auftreten ? 2) Können wir die Bedingungen der Gefahren 
und damit diese selbst beseitigen? und 3) Wenn wir dazu nicht im 
Stande sind, ist der Vortheil, den wir erwarten, grösser, als die 
Gefahr, die der Patient bei Anwendung des entsprechenden Mittels 
läuft? Die Antwort auf diese Fragen lautet für den Hypnotismus: 
wir kennen die Bedingungen, unter denen er schädlich wirkt, voll- 



250 Trugschlüsse. 

kommen, während die Bedingungen, unter denen einzelne Medi- 
camente Schaden bringen, uns unbekannt sind; wir sind im Stande, 
im concreten Falle durch Anwendung der richtigen unschädlichen 
Methode diese Bedingungen und damit die Gefahren des Hyp- 
notismus auszuschliessen ; falls diese ganz harmlosen Methoden nicht 
zum Ziele führen, dann müssen wir uns fragen, ob wir die nicht 
ganz indifferenten Methoden in Anwendung bringen wollen, oder 
nicht. Ich glaube, dass die Unannehmlichkeiten, denen der Patient 
hierbei allenfalls ausgesetzt ist, ein kurz dauernder Kopfschmerz, 
Augenthränen, Benommensein, fast stets den Vortheilen gegenüber, 
die uns eine eventuelle Hypnose bringen kann, verschwindend klein 
sind. Die Zukunft wird auch hier ihre Entscheidung treffen; ich 
bemerke hier nur noch, dass fast alle jene Männer (Gilles de la 
Tourette, Ewald, Mendel, Rieger, Binswanger), die be- 
sonders von den Gefahren des Hypnotismus und auch sonst gegen 
ihn sprechen, sich keineswegs abhalten lassen, selbst zu hyp- 
notisiren. Damit geben sie zu, dass nicht der Hypnotismus als 
solcher, sondern seine fehlerhafte Anwendung das Schädliche ist. 

Ich werde nun im Folgenden die einzelnen Gefahren, welche 
der Hypnotismus in gesundheitlicher Beziehung bietet, besprechen; 
ich werde gleichzeitig die Ursachen der Gefahren erläutern und 
die Mittel, um denselben vorzubeugen. 

Zunächst behaupte ich, dass in der Darstellung der Gefähr- 
lichkeit enorme Uebertreibungen stattgefunden haben. Es wurden 
hier Schlüsse gemacht, ähnlich wie in jener kleinen Stadt, deren 
Einwohner keine Kartoffelsuppe mehr assen, weil eine Frau 1 / 2 Stunde 
nach dem Genuss der Kartoffelsuppe die Treppe herunter gefallen 
war und unglücklicher Weise das Genick gebrochen hatte. Die 
erschreckten Einwohner hielten das Essen der Kartoffelsuppe für 
die Ursache des Genickbruches; denn nach dem Genuss der Suppe 
fand das Unglück statt. Diese Argumentation findet man nicht 
selten im Leben wieder. Wenn jemand einmal hypnotisirt war und 
später irgend eine Beschwerde hat — flugs wird ein Causal- 
zusammenhang mit dem Hypnotismus hergestellt. In ganz gleicher 
Weise müssten wir sagen: Carlsbad macht Schlaganfälle; denn 
14 Tage nach seiner Rückkehr aus Carlsbad hatte Herr X. einen 
Schlaganfall; u. s. w. Mit solchen Beispielen Hesse sich gar 
manches beweisen. 

Kaum hätte ich es für möglich gehalten, dass man auch in 
ärztlichen wissenschaftlichen Kreisen in dieser Weise die Logik 
auf den Kopf stellen würde. Ich habe zwar schon öfter gehört, 
dass, wenn Patienten aus Bädern zurückkehren, ohne geheilt zu 



Gefabren des Hypuotismus und deren Verhütimg. 251 

sein — was ja zuweilen vorkommen soll — dass sie alsdann mit dem 
Trost entlassen werden, die Wirkung 1 der Bäder „komme nach". 
Ich habe das bisher immer als einen schlechten Scherz aufgefasst, 
allenfalls als einen Trost für den Patienten, habe aber nicht ge- 
glaubt, dass dieses Princip bereits ernstlichen Glauben in der 
ärztlichen Welt fände. Wenn ein Patient aus einem Badeorte 
ungeheilt zurükkehrt und nach einem halben Jahre eine Besserung 
oder Verschlimmerung des Leidens eintritt, so würde ich nicht 
ohne Weiteres geneigt sein, die Besserung oder Verschlechterung 
auf Eechnung des Bades zu setzen, da doch in dem einen halben 
Jahre zahlreiche andere Momente auf den Betreffenden eingewirkt 
haben können. Ich muss aus dem gleichen Grunde den Causal- 
zusammenhang , den manche, z. B. Binswanger, Ziemssen, 
zwischen Hypnose und den nach längerer Zeit auftretenden Be- 
schwerden construiren, zurückweisen, wie es auch schon Pauly 
gethan hat. Wenn ich übrigens diese Trugschlüsse, die Bins- 
wanger, Ziemssen u. a. machen, anerkennen wollte, so wäre es 
mir ein Leichtes nachzuweisen, dass die ganze moderne Medicin 
die Menschen krank macht; denn bei welchem Mittel wären nicht 
schon 1 / 2 Jahr später sehr schwere Erscheinungen aufgetreten? 
Welcher Arzt hat aber bisher in dieser Weise einen Causal- 
zusammenhang gewaltsam hergestellt! 

Indessen leugne ich, trotzdem ich mich gegen die Ueber- 
treibungen wende, keineswegs, dass gewisse Gefahren beim un- 
zweckmässigen Hypnotisiren bestehen. 

Dass eine allgemeine Nervosität die Folge des Hypnotismus 
sei, dass nervöse Leute nervöser und nicht nervöse nervös würden, 
wurde von Mendel behauptet; es ist das aber wohl nur ein Irr- 
thum, den Mendel, nach Ansicht von Forel und v. S ehren ck- 
Notzing dadurch beging, dass er nur das Braid' sehe Verfahren, 
nicht aber die Eingebung der Hypnose mit Worten kannte. Ich 
muss aus eigener Erfahrung bestätigen, dass ein langes aufmerk- 
sames Fixiren ziemlich unangenehm wirken kann. Eine gewisse 
nervöse Abspannung oder auch nervöse Erregung kann die Folge 
sein. Niemals jedoch sah ich, dass jemand „nervös" wurde, den ich 
lediglich mit Worten hypnotisirte, und dem ich keinerlei erregende 
Suggestionen machte. Auch dieses ist wichtig (Bertrand). Wer 
jemals den Unterschied zwischen einem Hypnotisirten gesehen, der 
erregende Suggestionen empfangen hat, und einem Hypnotisirten, 
dem durch beruhigende Suggestionen ein psychisches Wohlbehagen 
verschafft wurde, der wird zugeben, dass man durch gute Sug- 
gestionen nützen, dass man aber ebenso durch unzweckmässige 



252 Gefahren des Hypnotismus und dereu Verhütung. 

Suggestionen schaden kann. Wer freilich seine Hauptaufgabe darin 
sieht, den Hypnotischen ohne wissenschaftlichen Zweck, bloss um 
die Neugier zu befriedigen, zum Spielballe von Suggestiönchen zu 
machen, der darf sich nicht wundern, wenn er dabei Krankheiten 
fabricirt. Mit vollstem Recht warnt auch desshalb Sawolshs- 
kaja vor solchen Tändeleien. Sehen wir es nicht auch, dass Leute 
nach aufregenden Träumen sich Tags über sehr unwohl fühlen? 
Ich sah Patienten, die oft an den Tagen ihre Leiden am stärksten 
fühlen, wenn sie des Nachts vorher schwere Träume gehabt haben. 
Müssen wir uns da wundern, wenn Leute, die vielleicht während 
eines imaginären Feuers aus der Hypnose geweckt werden, sich 
nachher unwohl fühlen? Man lasse diese Suggestionen ganz, oder 
man wende sie nur mit grösster Vorsicht an und sorge auch dann 
stets dafür, dass ein vollkommenes Entfernen aller Suggestionen 
(Desuggestionniren) noch vor dem Erwachen stattfinde, dass 
der Betreifende vor dem Erwachen psychisch vollkommen beruhigt 
werde; denn dieses ist das Wichtigste. Ich glaube, dass man 
selbst während der Hypnose einen oder den anderen Missgriff 
machen kann, wenn man nur den Hypnotischen in vollkommen 
richtiger Weise erweckt, wie es die Nancy er thun, und wie es alle 
thun, die nach den Vorschriften der Nancy er operiren. Ich möchte 
diejenigen, die stets von den Gefahren der Hypnose sprechen, 
fragen, ob sie für ein derartiges vollkommenes Erwecken stets 
gesorgt haben. Im Gegentheil, ich habe mich davon überzeugen 
können, dass ein Desuggestionniren überhaupt den meisten 
vollkommen unbekannt ist. Man glaubt, die Leute durch 
Anblasen erwecken zu müssen und ist erstaunt, dass sie sich 
nachher nicht wohl fühlen. Ich bin geradezu erstaunt darüber, 
dass bei der mangelhaften Technik nicht noch viel mehr 
Unheil angerichtet wurde; denn die mangelhafte Technik ist ge- 
fährlich, nicht der Hypnotismus als solcher. Wer jene nicht kennt, 
muss natürlich unangenehme Erscheinungen oder Folgen beobachten. 
Es ist nöthig, ganz ebenso den richtigen Weg zu wählen, wie man 
es vermeiden muss, mit dem Katheter falsche Wege zu machen. 

Um gleich einen Begriff davon zu geben, in welcher Weise 
man dieses Desuggestionniren vorzunehmen hat, setze ich den Fall, 
es sei hier ein Hypnotisirter, der irgend eine psychisch erregende 
Suggestion erhalten hat und sich nun wesentlich erregt zeigt. 
Man wird einem derartigen Individuum etwa Folgendes sagen: 
„Alles, was Sie irgendwie erregt hat, ist jetzt weg; das war ja 
alles nur ein Traum, und Sie haben sich geirrt, dies für die 
Wirklichkeit zu halten. Werden Sie nur hübsch ruhig; wie Sie 



Gefahren des Hypnotismus und deren Verhütung. 



Zöö 



jetzt schon ruhig sind, und sich wohl fühlen; man merkt Ihnen 
schon ein allgemeines Wohlbefinden an." Nachdem man den Be- 
treffenden in dieser oder ähnlicher Weise psychisch beruhigt und 
sich davon überzeugt hat, dass keinerlei Erregung zurückgeblieben 
ist, erst dann fordere man ihn auf, zu erwachen. Es scheint Inh- 
aber gut, womöglich auch dies nicht allzu plötzlich vorzunehmen, 
sondern aus theoretischen Gründen halte ich es für zweckmässig, 
den Betreffenden auf das Erwachen vorzubereiten (Sallis); ich 
thue dies gewöhnlich in der Weise, dass ich ihm sage : „Ich zähle 
jetzt bis 3; bei 3 wachen Sie auf;" oder auch: „Zählen Sie bis 3 
und bei 3 wachen Sie auf." Ich füge noch hinzu (auch dies ist 
sehr wesentlich) : „Sie werden sich nach dem Erwachen sehr wohl 
fühlen, sehr munter, heiter und vergnügt sein." 

Später werde ich noch einige weitere Vorsichtsmassregeln 
angeben, die man vor dem Erwachen anwendet, um sich vor allen 
unangenehmen Folgeerscheinungen zu schützen. 

Ich habe von der Nervosität hier gesprochen, die angeblich 
durch den Hypnotismus erzeugt würde, und ich habe es versucht, 
die Ursache der Nervosität nicht auf den Hypnotismus, sondern 
auf eine fehlerhafte Anwendung desselben zurückzuführen. Speciell 
sind also die anzuwendenden Vorsichtsmassregeln: 1) Möglichste 
Vermeidung andauernder Sinnesreize; 2) möglichste Vermeidung- 
aller psychisch erregenden Suggestionen; 3) absolutes Desug- 
gestionniren vor dem Erwecken. Dass man bei richtigem Vorgehen 
Leute nervös machen wird, ist nicht anzunehmen ; der Hypnotismus 
ist bei richtigem Vorgehen viel weniger zu fürchten, als irgend eine 
andere Behandlung, z. B. die Elektricität, die wohl schon manchen 
„nervös" gemacht hat. So wurde eine mir bekannte Dame, die von 
einem sehr gewandten Arzt im Kehlkopf elektrisirt wurde, hierbei 
so nervös, dass sie das Elektrisiren aufgeben musste. 

Als eine besondere Gefahr des Hpynotismus wird auch an- 
gegeben, dass er Hysterie (Guinon) oder doch hysterische 
Krämpfe erzeuge und zwar selbst bei Personen, die noch 
niemals diese gehabt haben. Dass Hystero-epileptische mitunter 
einen hysterischen Krampf bei der Hypnose bekommen, ist nicht 
zu leugnen; dass aber die Hypnose die Krämpfe erzeuge, glaube ich 
ganz entschieden bestreiten zu müssen. Derartige Personen bekommen 
nämlich bei der geringsten psychischen Alteration den Krampf; 
sie haben ihn beim Elektrisiren ganz ebenso, sie bekommen ihn 
selbst bei einem Geräusch, wenn ein Buch zur Erde fällt, die 
Glocke schlägt und dergl. m. Es ist aber ganz verkehrt zu sagen, 
dass die Elektricität den Krampf hervorbringe; vielmehr wird 



254 Gefahren des Hypnotismus und deren Verhütung. 

derselbe hervorgebracht durch die psychische Erregung, die bei 
der Person entsteht, wenn sie sich zum Elektrisiren heransetzt; 
beim Elektrisiren bekommen ängstliche Patienten mitunter sogar 
Ohnmächten (E. Remak). Die Hauptfrage ist übrigens die, ob 
man dabei eine dauernde Vermehrung hystero- epileptischer 
Krämpfe hervorbringt oder nicht, und dies ist nach allen bisher 
bekannt gewordenen Erfahrungen nicht der Fall. Im Gegentheil, 
sobald eine gute Hypnose erreicht ist, hat man in dieser ein zuver- 
lässiges Mittel in der Hand, eine dauernde Verminderung der 
hysterischen Krämpfe zu erreichen. In Wirklichkeit hat auch ein 
hysterischer Anfall gar nicht die Bedeutung, die man ihm beimessen 
könnte, wenn man ihn als eine der Hauptgefahren des Hypnotismus 
hinstellen sieht. Werden doch hysterische Anfälle selbst künstlich 
producirt lediglich experimenti oder demonstrationis causa! 

Dass ein hysterischer Anfall übrigens an sich die hypnotische 
Behandlung nicht contraindicirt und bei richtigem Vorgehen ganz 
bedeutungslos ist, zeigen Fälle von Sperling und Krakauer? 
wo anfangs beim Hypnotisiren Anfälle entstanden, aber dennoch 
Heilung erreicht wurde. Ebenso zeigen diese Fälle, dass eine 
dauernde Vermehrung der Anfälle dabei keineswegs eintritt, selbst 
wenn bei dem ersten oder zweiten Hypnotisirungsversuch ein Anfall 
entsteht. Hätte Krakauer bei seinem Fall von hysterischer Taub- 
heit sich dadurch abhalten lassen von weiteren Versuchen, so wäre 
die Patientin vielleicht heute noch ebenso taub, wie vor zwei 
Jahren. Uebrigens will ich noch erwähnen, dass Mesmer und 
Deslon die hysterischen Krämpfe (crises) sogar für nothwendig 
hielten, um einen Erfolg von der Magnetisirung zu erwarten ; eine 
Ansicht, die sicher irrig ist. Dass übrigens bei einer Person, die 
noch niemals hysterische Krämpfe gehabt hat, bei Beachtung der 
oben aufgestellten Vorsichtsmassregeln Krämpfe infolge der Hyp- 
notisirung aufgetreten seien, ist, so viel ich weiss, nicht durch 
einen einzigen Fall festgestellt. 

Ich möchte nun aber einige kleinere Nebenbeschwerden, die 
mitunter nach der Hypnose sich zeigen, erwähnen, die wohl niemand 
als eine wahre Gefahr bezeichnen wird, und die auch mehr eine 
Folge der Autosuggestion sind (F o r e 1) oder der nicht richtig ge- 
leiteten Hypnotisirung ; es kann dann eintreten: eine gewisse 
Müdigkeit und Mattigkeit nach dem Erwachen, Schwere in den 
Gliedern u. s. w. Bei den tiefen Hypnosen gelingt es fast aus- 
nahmslos durch den einfachen Befehl, nach dem Erwachen voll- 
kommen munter zu sein, jede Müdigkeit zu beseitigen. Anders bei 
den leichten Hypnosen. Ich glaube zwar, dass gewöhnlich auch 



Gefahren des Hypnotismus und deren Verhütung. 255 

hier ein geschickter Operator mit der posthypnotischen Suggestion 
auskommen wird. In anderen Fällen aber scheint es mir besser, 
die Müdigkeit schon vor dem Erwachen durch Suggestion zu ent- 
fernen. Jedenfalls ist es vortheilhaft, von der ersten Sitzung an 
dieses Müdigkeitsgefühl verschwinden zu lassen, da es sich sonst 
durch Autosuggestion mehr und mehr fortbildet und schliesslich 
kaum noch zu bekämpfen ist. Es ist dies Müdigkeitsgefühl bei den 
leichten Hypnosen gerade so aufzufassen, wie dasjenige, das wir 
mitunter nach einem unvollkommenen Schlafe spüren. Jedenfalls 
sind diese Unannehmlichkeiten nach der Hypnose sehr gering und 
lassen sich meistens beseitigen. Wenn Drosdow aus diesen Er- 
scheinungen eine besondere Periode des hypnotischen Zustandes 
macht, charakterisirt durch Kopfschmerz, Schmerzen in den Gliedern, 
Uebelbefinden etc., so wurde dieser Experimentator zweifellos dazu 
durch die damalige (1881) Unkenntniss der Technik der Nancyer 
Schule verleitet. 

Die Hauptgefahren des Hypnotismus sind übrigens in 
Wirklichkeit ganz andere, als die eben angeführten, die selbst bei 
unzweckmässigem Verfahren relativ selten auftreten, während die- 
jenigen, die ich jetzt erwähne, viel leichter sich zeigen, wenn nicht 
vollkommen nach den Regeln der Technik verfahren wird. Diese 
Gefahren sind: die Vermehrung der Disposition zur Hypnose und 
auch die erhöhte Suggestibilität im wachen Zustande, d. h. die 
Möglichkeit, dass sehr leicht eine neue Hypnose eintritt gegen den 
Willen der Person, ja vielleicht ohne dass sie es ahnt (vgl. S. 33) 
und die Gefahr, dass sie auch ohne Hypnose fremden Eingebungen 
leicht zugänglich wird. Gerade die Gefahr der zu leichten Hyp- 
notisirbarkeit zeigt, wie vorsichtig man mit dem Braid'schen Ver- 
fahren sein soll. Denn gerade dieses ist es, das am häufigsten die 
Veranlassung dazu gegeben hat. Die zufällige Fixation eines 
Objectes ist nämlich im Stande, sehr schnell einen hypnotischen 
Zustand zu erzeugen, lediglich dadurch, dass die Idee der früheren 
Hypnose bei dem Fixiren besonders lebhaft wird. 

Den zuletzt erwähnten Gefahren begegnet man damit, dass 
man zeitweise der Person vor dem Erwachen entsprechende 
Gegensuggestionen giebt, die etwa lauten: „Niemand wird Sie 
gegen Ihren Willen und ohne Ihre Einwilligung jemals hypno- 
tisiren können, niemals werden Sie gegen Ihren Wunsch in Hyp- 
nose kommen, niemand wird im Stande sein, Ihnen im wachen Zu- 
stande etwas einzureden, derartige Sinnestäuschungen u. s. w., wie 
sie in der Hypnose vorkommen, haben Sie im wachen Zustande 



256 Gefahren des Hypnotismus und deren Verhütung. 

niemals zu befürchten, Sie sind vollkommen widerstandsfähig da- 
gegen". Man beugt damit am sichersten diesen Gefahren vor. 

Dies sind die Gefahren des Hypnotismus und die Mittel, 
ihnen entgegen zu treten. Man braucht sich durch sie, deren 
Gegengift die Suggestion ist, von der hypnotischen Behandlung 
nicht abhalten zu lassen. Bei richtiger Anwendung des Hypno- 
tismus lernt man die Gefahren vermeiden. 

Man könnte nun aber noch den Einwand machen, dass der 
Hypnotismus vielleicht zwar nicht bei kurzer, wohl aber bei jahre- 
langer Anwendung, resp. wiederholter Hervorrufung des Zustandes 
Schaden bringe. Dieser Einwurf ist ganz berechtigt. Ich möchte 
ihn aber auch gegenüber verschiedenen Heilmitteln erheben, von 
denen wir noch nicht wissen, ob sie nach längerer Anwendung 
nicht schwere chronische Vergiftungen hervorrufen werden. Was 
derartige Fragen betrifft, so giebt es nur ein Mittel zur Ent- 
scheidung; dies ist die Erfahrung. Nun sind in Frankreich von 
Liebeault, der schon fast 30 Jahre den Hypnotismus therapeutisch 
anwendet, Fälle lange Zeit beobachtet worden, ohne dass sich 
schlimme Folgen gezeigt hätten. Auch Forel hat ähnliche Er- 
fahrungen gemacht, wenn auch von etwas kürzerer Zeit; ich selbst 
habe Personen über ein Jahr hypnotisirt ohne jede ernste Folge. 
Im Gegentheil, es wurde die Hypnose immer tiefer und dadurch 
die Suggestion leichter. 

Auf rein theoretische Erörterungen über die Gefahren der 
Hypnose gehe ich nicht ausführlich ein. Mendel befürchtet von 
ihr eine Hirnrindenreizung, während Ziemsse n und Meynert das 
directe Gegentheil befürchten, nämlich eine Herabsetzung der Hirn- 
rindenthätigkeit. Man sieht, in wie schweren Widersprüchen sich 
die genannten Autoren bewegen; es gehört doch ein grosser Mangel 
an Ueberlegung dazu, anzunehmen, die genannten Autoren be- 
haupteten dasselbe. 

Ich habe im Vorhergehenden zwei Einwände besprochen und 
widerlegt, die gegen die therapeutische Anwendung der Suggestion, 
resp. des Hypnotismus gemacht wurden, und zwar erstens die Be- 
hauptung, dass der Hypnotismus überhaupt nicht als ärztliche Be- 
handlung bezeichnet werden dürfe und zweitens die, dass seine 
Gefahren ihn kaum praktisch anwenden Hessen. 

Es wird gegen den Hypnotismus ferner angeführt, dass sein 
mystischer Eindruck die Anwendung verbiete. Benedikt be- 
hauptet dies und tritt damit offenbar Mendel entgegen, der gerade in 
dem mystischen Eindruck den Heilwerth sieht. Hingegen meine ich, 
wie ich später auseinandersetzen werde, dass der mystische Eindruck 



Weitere Einwände gegen die Suggestivtherapie. 257 

überhaupt bei dem Heilwerth eine untergeordnete Rolle spielt; ich 
habe wohl im theoretischen Theil auch nachgewiesen, dass der Sache 
nicht soviel Mystisches anhaftet, als man gewöhnlich glaubt. Ab- 
gesehen davon, wäre es für den Praktiker ganz gleichgültig, ob ein 
Mittel durch seinen mystischen Eindruck wirkt oder durch Sug- 
gestion, oder durch chemisch-physikalische Einflüsse; die Hauptsache 
ist, dass es wirkt, nicht wie es wirkt. 

Wenn Benedikt behauptet, man solle, um den mystischen 
Eindruck abzuschwächen, nicht auf die gewöhnliche Art hypnotisiren, 
sondern mittelst des Magneten die Hypnose herbeiführen, so wäre 
es besser gewesen, dass Benedikt, anstatt diesen Rath zu geben, 
lieber die Möglichkeit bewiese, ihn zu befolgen. Denn dass der 
Magnet Hypnose herbeiführt, ist eine Behauptung, die Benedikt 
durch genaue von ihm geführte Versuchsprotokolle beweisen müsste; 
ich habe Hunderten von Personen den Magneten angelegt und niemals 
eine Hypnose erzielt. 

Würde ich übrigens glauben, dass in einem oder dem anderen 
Falle ein mystisch wirkendes Agens dem Patienten nützt, so würde 
ich nicht einen Moment zögern, es anzuwenden. Würde ich anders 
handeln, so würde ich eben meine Pflicht als Arzt verletzen, die 
jedem höher stehen sollte, als irgend ein wissenschaftliches Aus- 
hängeschild. Ich würde es beispielsweise auch in geeigneten Fällen 
für richtig halten, Patienten an irgend eine Wunderquelle z. B. 
nach Lourdes zu schicken, wenn sie dort ihre Heilung erwarten. 
Uebrigens sollen in der That aus der Salpetriere in Paris jährlich 
50—60 Patienten nach Lourdes geschickt werden (Constantin 
James). Jedenfalls würde, selbst wenn die Hypnose durch das 
Mysteriöse wirkte — was nicht der Fall ist — ihre Anwendung 
keineswegs contraindicirt sein. 

Von den sonstigen Einwänden gegen die Suggestiv-Therapie 
sei noch die Behauptung erwähnt, dieselbe liefere keine dauernde 
Besserung oder Heilung. Darauf ist Folgendes zu erwidern. Die 
Erfolge, die man erzielt, sind keineswegs immer vorübergehende. Im 
Gegentheil, es sind eine ganze Reihe dauernder Heilungen beobachtet 
und veröffentlicht worden. Auch der Verfasser sah mehrere Fälle 
mehrere Jahre hindurch ohneRecidiv bleiben. Höhere Anforderungen 
braucht man wohl nicht zu stellen. Der Einwurf, den man machte, 
dass die Heilung nur vorübergehend wäre, würde also hier keinerlei 
Berechtigung haben. Aber selbst in den Fällen, wo wir dem 
Kranken nur eine vorübergehende Erleichterung verschaffen können, 
müssen wir froh sein, ein solches Hilfsmittel in die Hand zu be- 
kommen (Purgotti, Schuster). Wenn wir einen Krankheitsfall 

Moll, Hypnotismus. 17 



258 Weitere Einwände gegen die Suggestivtherapie. 

haben, wie z. B. Menstruationsbeschwerden, so ist es ein grosser 
Gewinn, wenn es uns gelingt, auf einige Zeit die Schmerzen zu 
beseitigen. Kehren sie wieder, so kann man immer eine neue Hyp- 
nose anwenden; diese erschöpft sich nicht so leicht, und da sie 
meistens tiefer wird, je öfter sie ausgeführt wurde, so wird sie 
auch, wie Sperling mit Eecht hervorhebt, viel weniger leicht 
(selbst bei Bückfällen) versagen als Medicamente, deren Wirkung 
bekanntlich sich oft rapide abschwächt. Jedenfalls ist die Therapie 
noch lange nicht weit genug, um das Eecht zu geben, ein neues 
Mittel desswegen zu verwerfen, weil es nur symptomatisch und 
manchmal auch nur vorübergehend wirke. 

Wenn wir diejenigen Mittel zurückweisen würden, welche die 
Krankheitserscheinungen nur für einige Zeit unterdrücken, so 
könnten wir den grössten Theil, vielleicht die ganze Therapie auf- 
geben. Bei einzelnen Behandlungsmethoden wird übrigens gar 
nicht mehr erwartet, als eine vorübergehende Besserung, und diese 
wird dennoch als Haupttrumpf hingestellt, um die Bedeutung jenes 
Heilmittels zu erweisen. Wie oft kommt es doch vor, dass ein 
Patient, der ein Jahr früher in Carlsbad, Aachen oder in einem 
anderen Bade war, vom Arzte oder auch von anderen bei späterer 
Wiederkehr der Beschwerden den Eath bekömmt: er solle wieder 
jenes Bad besuchen, da es ihm im vergangenen Jahre so gute 
Dienste geleistet habe. Man sollte doch verschiedene Heilmittel 
nicht mit verschiedenem Massstab messen und beurtheilen. 

Ein anderer Einwand gegen die therapeutische Verwerthung 
des Hypnotismus ist, dass er nicht stets anwendbar sei, weil eben 
nicht alle Personen zu hypnotisiren seien. Ich möchte noch hinzu- 
fügen, dass sogar, selbst wenn die Hypnose erreicht wird, sie in 
vielen Fällen nicht tief genug ist, um ein wesentliches therapeu- 
tisches Eesultat zu erzielen. Auf diese beiden Schattenseiten der 
hypnotischen Therapie hat der Verfasser vor mehreren Jahren hin- 
gewiesen, ohne aber ihnen eine übertriebene Bedeutung beizumessen. 
Der genannte Einwurf besagt nicht viel, da es uns, wie Bleuler 
hervorhebt, mit anderen Mitteln ganz ebenso geht. Als ein ganz 
vorzügliches Heilmittel gilt doch beispielsweise unter Umständen 
eine Eeise an die Nordsee, oder eine schöne Gebirgsreise, auch 
vielleicht bei Collapszuständen einige Flaschen Sect. Ich glaube, 
dass bei unendlich viel mehr Leuten der Hypnotismus angewendet 
werden kann, als eine Badereise nach der Nordsee, zu der über- 
haupt nur wenige die Mittel haben. 

Als weiterer Einwand gegen die hypnotische Suggestions- 
behandlung wird angeführt, dass es auch Suggestionen ohne 



Suggestion ohne Hypnose. 259 

Hypnose gebe. Dies ist gerade aber der Standpunkt, den der 
Verfasser dieses Buches sowohl wie ganz besonders die Schule von 
Nancy stets eingenommen haben, trotzdem, wie ich oben gezeigt 
habe, die Begriffe Hypnose und Suggestion oft recht schwer aus- 
einanderzuhalten sind. Uebrigens sind wir hier gerade bei dem 
Kernpunkte der augenblicklichen Bewegung angelangt, die uns 
eben die ausgedehnte empirische Anwendung der Suggestion in 
der Therapie gezeigt hat. Hier ist auch der wahre Grund zu 
finden, wesshalb man gegen den Hypnotismus so heftig kämpft. 
Wir sind durch ihn auf die zahlreichen Suggestionen, die sich oft 
spontan im Leben und in der Praxis zeigen, hingewiesen worden. 
Der Hypnotismus mittelst dessen wir viele Suggestionen künstlich 
herstellen, zeigt uns, dass in der bisherigen Therapie oder vielmehr 
in deren Auffassung ein grober Rechenfehler gemacht wurde, indem 
man es unterliess, das psychische Element bei der Wirksamkeit 
einzelner Medicamente zu berücksichtigen. Man berücksichtigte 
immer nur deren physiologische Wirkung, vergass aber hierbei 
ganz und gar, dass manches Mittel nur einen suggestiven 
Werth hat, 

Wenn jetzt einzelne behaupten, dass man ohne Hypnose Sug- 
gestionen sähe, und dass die Suggestion in der Medicin nichts neues 
sei, so sei daran erinnert, dass erst kürzlich Ewald die Behauptung 
aussprach, dass man mit der Suggestion das Gebiet ärztlicher 
Behandlung überschritte und das der Psychologie beträte. Man 
sieht also, dass die Gegner der Suggestion zum Theil die psychische 
Behandlung überhaupt nicht als einen medicinischen Factor aner- 
kennen. Nach ihnen ist die Suggestion etwas, was den Arzt als 
solchen gar nichts angeht. Im Gegensatz zu ihnen behaupte ich, 
dass in erster Linie derjenige Arzt Erfolge hat, dass im Allgemeinen 
nur derjenige Arzt Gutes schaffen kann, derPsycho- 
loge ist, dass dies mindestens so wichtig ist, als das, was sonst 
als ärztliche Kunst und Wissenschaft bezeichnet wird. 

Es giebt also, wie die Schule von Nancy gezeigt 
hat, zahlreiche Suggestionen ohne Hypnose; die künstlich 
herbeigeführte Hypnose aber bietet trotzdem in vielen Fällen eine 
günstigere und leichtere Möglichkeit, Suggestionen wirken zu lassen, 
die ohne die Hypnose nicht gelingen. Wenn also jemand die hyp- 
notische Suggestiv-Therapie damit bekämpft, dass er sagt, es gebe 
auch Suggestionen ohne Hypnose, so bestätigt er in Wirklichkeit 
das, was die Schule von Nancy stets behauptet hat. Diese „Wider- 
legung" der hypnotischen Therapie würde übrigens ungefähr das- 
selbe sagen, wie wenn man sagen wollte: „Wir brauchen keine 

17* 



2C0 Mangelhafte Indicationsstellung' in der inneren Medicin. 

Geburtshelfer mehr, weil viele Geburten ohne Geburtshelfer und 
spontan recht gut verlaufen." 

Den vorübergehenden Zustand der Willenlosigkeit sieht wohl 
kaum jemand als einen Grund gegen die hypnotische Therapie an. 
Die Hauptsache bleibt immer, dass man sich einem zuverlässigen 
Experimentator gegenüber befinde. Ebenso lässt man sich auch 
nur von demjenigen chloroformiren, von dem man glaubt, dass er 
gewissenhaft und fähig ist, ohne Gefahr das Chloroform anzuwenden, 
und dass er den willenlosen Zustand nicht benutzt, um den Chloro- 
formirten gesundheitlich oder sonst zu schädigen. 



Ueber die Indicationen zur Suggestivbehandlung lässt 
sich etwas ganz Sicheres noch nicht sagen. Ewald will gerade 
desshalb der suggestiven Behandlung keinen gleichen Rang mit 
anderen Behandlungsmethoden einräumen, z. B. mit der Elektro- 
therapie, mit der medicamentösen Behandlung etc. Mendel tritt 
ganz entschieden Ewald entgegen und meint, die Indicationen 
ständen bereits fest; leider hat Mendel aber diese nicht bekannt 
gegeben. Ich glaube, dass zwar die Indicationen noch nicht ganz 
fesstehen, dass aber dies auch bei einer erst relativ kurze Zeit 
durchforschten Behandlungsmethode nicht zu beanspruchen ist. In 
einem Punkte aber irrt sich Ewald ganz entschieden, wenn er 
meint, dass es in der inneren Medicin sonst feste Indicationen 
gebe. Die innere Medicin ist zum bei weitem gross ten Theile ein 
Ausprobiren der Behandlungsarten. Stricte Indicationen bestehen 
nur in sehr wenigen Fällen, wie man aus dem Vergleiche der 
verschiedenen Lehrbücher und aus den zahlreichen Widersprüchen 
verschiedener Aerzte deutlich ersehen kann. Ich glaube, dass 
die Indicationen der Suggestiv-Therapie schon heute 
mindestens so genau sind, wie die der Elektrotherapie, 
der Massage, der medicamentösen Behandlung, der 
Balneotherapie, die alle angeblich eine grosse Zahl von 
Krankheiten, die genau genannt werden, zu heilen im Stande sind, 
wenn man den oft etwas einseitig geschriebenen Lehrbüchern 
und Aufsätzen in Zeitschriften Glauben schenken darf. Ich meine 
allerdings, dass dieser Glaube ausser bei Studenten der Medicin, 
die meistens die Macht der Therapie wesentlich überschätzen (TJ n - 
ver rieht), fast nirgends besteht. Wer in der Praxis sich nur 
etwas umgesehen hat, der überzeugt sich sehr bald, dass von den 



Begriffsbestimimuig der Hysterie. 261 

sogenannten stricten Indicationen leider in der Behandlung innerer 
Krankheiten und ganz besonders der Nervenkrankheiten nicht viel 
übrig bleibt. Damit steht nicht in Widerspruch, dass es einzelne 
Aerzte giebt, die mit genialem Blick im concreten Falle das 
richtige Mittel momentan finden. Dies ist kein Widerspruch; dies 
bestätigt vielmehr das obige und kommt daher, dass die Heil- 
kunde viel weniger eine Wissenschaft, als vielmehr 
eine Kunst ist, obwohl manche Vertreter der „exacten Medicin" 
das erstere annehmen. Leider wird dieser in früherer Zeit öfter 
ausgesprochene Gedanke nicht mehr genügend gewürdigt. Um 
übrigens jedes Missverständniss auszuschliessen, erkläre ich aus- 
drücklich, dass ich für einzelne Fälle in der internen Medicin 
stricte Indicationen anerkenne; nur sind diese im Vergleich zu der 
Unzahl von Krankheiten sehr vereinzelt. 

So viel man nun heute schon beurtheilen kann, so bilden im 
Grossen und Ganzen functionelle Neurosen das Hauptgebiet 
der Suggestivtherapie, d. h. die Nervenkrankheiten, die keine ana- 
tomische Grundlage haben. Man muss dies nicht ohne Weiteres 
mit der Hysterie oder mit der Neurasthenie verwechseln. Freilich 
sind diese Begriffe so verschwommen, und besonders der der Hysterie 
wird so mannigfach aufgefasst, dass man beinahe sagen kann: „Was 
man nicht definiren kann, das sieht man als hysterisch an." Der 
Begriff Hysterie wird in mehrfachem Sinne gebraucht; durch be- 
liebige Anwendung des einen oder anderen Sinnes werden alsdann 
Trugschlüsse construirt, die selbst viele Aerzte nicht durchschauen. 
Ich will hier nur zwei Bedeutungen des Wortes „hysterisch" anführen. 

Erstens sehen wir, dass man mit Hysterie eine Krankheit ohne 
anatomische Grundlage bezeichnet — und das ist der gewöhnliche 
Begiiff in Deutschland — , die sich durch eine grosse Zahl und 
schnellen Wechsel der Symptome auszeichnet, wobei heute dies, 
morgen jenes Symptom hervortritt, wo bald Kopfschmerz, bald Ovarie, 
bald Stechen in der Seite, bald Schwäche in den Beinen vorwiegt. 
Die Patienten bezeichnet man als „hysterisch" ebenso wie die 
Krankheitserscheinungen. Da mitunter derartige Patienten einen 
etwas eigensinnigen, launenhaften Charakter haben, ferner die 
Neigung besitzen, sich interessant zu machen, so hat das Wort 
„hysterisch" in diesem Sinne einen etwas unangenehmen Beigeschmack 
bekommen; ja einige Autoren gehen soweit, die Neigung zur Lüge 
und Heuchelei für das Hauptsymptom derartiger Hysteriker zu 
bezeichnen. Offenbar verallgemeinern diese Autoren in ungerecht- 
fertigter Weise. Jedenfalls ist ein Hauptcharakteristikum von 
„hysterisch" in diesem Sinne die Vielheit und der Wechsel der 



262 Begriffsbestimmung der Hysterie. 

Symptome. G-anz verschieden hiervon ist ein anderer Sinn des 
Wortes „hysterisch". 

Zw eitens nämlich wird als hysterisch von manchen Seiten jedes 
krankhafte Symptom bezeichnet, wenn ihm eine anatomische Basis 
nicht zu Grunde liegt, es also „rein nervös" ist, z. B. Kopfschmerz, 
Muskelschmerz, gewisse Zuckungen, manches Erbrechen etc. ; selbst 
wenn das Krankheitssymptom durch grosse Constanz ausgezeichnet 
ist und überhaupt das einzige Symptom ist. 

Wenn man nun hier ausser dem Krankheitssymptom auch die 
Patienten, die damit behaftet sind, als hysterisch bezeichnet, so 
haben wir für den Begriff „hysterischer Patient" zwei ganz ver- 
schiedene Bedeutungen gefunden, durch deren beliebige Vertauschung 
alsdann spitzfindige Sophismen zu Stande kommen. Je nach dem 
Bedürfnisse der Discussion wird nämlich der Begriff der Hysterie 
ganz beliebig aufgefasst. So z. B. sagt ein Autor an einer Stelle, 
man könne durch die Hypnose nur hysterische Krankheitssymptome 
beseitigen, d. h. solche, die sich durch ihren spontanen schnellen 
Wechsel auszeichnen. Das ist ungefähr der unter I geschilderte 
Begriff „hysterisch". Sobald nun bei einer späteren Discussion 
jemand kommt und sagt, er habe eine Person, die sonst gar keine 
hysterische Zeichen darbot, die aber über einen starken Muskel- 
schmerz, z. B. im Biceps klagte, von diesem Muskelschmerz durch 
Suggestion befreit, so wird dem Bedürfnisse der Discussion 
entsprechend Begriff II. für hysterisch herangezogen und nun gesagt, 
dass es sich doch nur um ein hysterisches Symptom handele. Dass 
dies aber wiederum eine Person war, die an einem ganz localisirten 
Schmerz litt, eine Person, die gar keine anderen hysterischen 
Zeichen darbot, mithin keine Hysterie im Sinne von No. I. hatte, 
dies wird wohlweislich verschwiegen. Man kann auf diese Weise 
mit dem Wort „Hysterie" alles behaupten und alles widerlegen. 

Um dies gleich, nochmals zu zeigen, komme ich auf einen Brief Charcots 
zurück, der in der letzten Zeit ein gewisses Aufsehen erregte, und in dem er be- 
hauptet, man könne nur Hysterie mit Hypnose behandeln. Wenn hiermit gemeint 
ist, dass man auch Hysterie im Sinne von Definition II hypnotisch behandeln kann, 
so wäre hiergegen nichts einzuwenden, und es würde sich sehr leicht eine Ueber- 
einstimmung der verschiedensten Autoren erzielen lassen. In der That fasst 
Charcot, wie auch Nonne betont, den Begriff „Hysterie" viel weiter, als es in 
Deutschland gewöhnlich geschieht. So hat Charcot gerade gegenüber zwei deut- 
schen Autoren Oppenheim und Thomsen, welche die Veränderlichkeit der 
Symptome für ein Charakteristikum der Hysterie hielten, erklärt, dass für ihn dieses 
nicht ein charakterisches Symptom der Hysterie sei. 

Uebrigens verdient eine kurze Erwähnung, um irrtümlichen Ansichten vorzu- 
beugen, dass Charcot niemals vorher — wenigstens nicht öffentlich — wesentlich 
für die suggestive Therapie eingetreten ist, dass er sie aber in seinem Briefe be- 



Brief Charcots. 263 

dingungsweise zulässt. Ja Charcot erklärt geradezu, dass man bei hysterischen 
Erscheinungen ein gutes Resultat erhoffen könne. Diese Stelle aus Charcots 
Brief über die Suggestiv behaudlung wurde freilich bei der Wiedergabe desselben 
mitunter fortgelassen, während jeder unparteiische Beobachter in diesem Passus — 
wenn hysterisch in dem zweiten, oben erläuterten Sinne gebraucht ist — viel 
mehr eine Verteidigung als eine Bekämpfung der Suggestivtherapie erkennen 
muss. Während übrigens Charcot ganz entschieden für die hypnotische Be- 
handlung der Hysterie eintritt, behauptet Ziems sen, der angeblich auf Char- 
cots Standpunkt sich befinden soll, dass man die Hysterie durch jene Behand- 
lung verschlimmere. Es tritt also kaum jemand Charcot mehr entgegen, als 
Ziemssen. 

Wenn man übrigens jetzt, wenn auch irrtümlicher Weise, die Autorität Char- 
cots anführt, um gegen die Suggestion Stellung zu nehmen, so darf nicht über- 
sehen werden, dass man sich noch vor ganz kurzer Zeit recht aggressiv, ja 
moquant über Charcot aussprach, dass man sich etwas lustig über seine hyp- 
notischen Versuche machte, dass z. B. Rieger in der allerheftigsten Weise das 
Hypnotisiren in der Salpetriere bekämpfte, dass Mendel die hypnotischen Ver- 
suchspersonen Charcots als „präparirt" bezeichnete u. s. w., dass nach Ewald 
die Versuchspersonen Charcots allerlei Vortheile durch ihre hypnotischen Ver- 
suche hätten (ohne dass damit von Simulation die Rede sei), dass Ewald in 
nicht gerade sehr anerkennender Weise über Charcots Versuche mit dem 
Magneten sich äusserte, dass er Charcots Versuchspersonen eine nicht sehr 
schmeichelhafte Herkunft zuerkannte u. s. w. Es geht doch aus alle dem ganz 
deutlich hervor, dass Charcot zum Theil von derselben Seite, auf der man ihn 
jetzt als Bundesgenossen gegen die Hypnose anzurufen sucht, kaum ein Jahr 
vorher in der heftigsten Weise bekämpft wurde. 

Nach dieser Abschweifung, deren Hauptzweck es war, uns über 
den Begriff „Hysterie" Klarheit zu verschaffen, komme ich auf 
die Frage zurück, welches die Indicationen zur Suggestivtherapie 
sind. Ich will dieselben im Folgenden, soweit ich selbst Erfah- 
rungen besitze, und auch im Anschluss an zuverlässige Autoren, 
besonders an Forel kurz anführen. Darnach sind besonders 
geeignet : 

Allerlei Schmerzen, die keine anatomische Grundlage haben 
(Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Ovarie, rheumatische Schmerzen, 
neuralgische Schmerzen), 

Schlaflosigkeit, 

Hysterische Störungen, besonders Lähmungen der Ex- 
tremitäten, Aphonie, 

Menstruationsstörungen, 

Spontaner Somnambulismus, 

Unruhige Träume, 

Appetitlosigkeit, 

Alkoholismus und Morphinismus, 

N eu ras theni sehe Beschwerden, 

Stottern (v. Corval, Bingier, Wetterstrand, Pauly), 



264 Iudicationen. 

Nervöse Sehstörungen (Forel, Moll er up, Chiltoff), 
Enuresis nocturna, 
Pruritus cutaneus nervosus, 

Conträre Sexualempfindung, wenn nicht angeboren 
(v. Krafft-Ebing, v. Schrenck-Notzing, Ladame), 
Ohrensausen, 

Verschleppte Fälle von Chorea, 
Raüway-Spine und Emotions-Neurosen (Hirt), 
Agoraphobie (de Jong), 
Schreibkrampf (wo centrale Ursache). 

Was die Hysterie (im Sinne von Definition I) betrifit, so ist 
dies eine Krankheit, die an sich nicht leicht heilbar ist. Hin- 
gegen bemühen wir uns gerade hierbei, so viel wie möglich, 
symptomatische Besserungen zu erzielen. Es scheint nach den 
bisherigen Erfahrungen, dass hier für symptomatische Besserungen 
der Hypnotismus und die Suggestion mindestens so günstig 
wirkt, wie irgend eine andere Therapie. Es hängt manches 
von der Tiefe der Hypnose, von dem Grade der Suggestibilität 
ab u. s. w. Dass Hysterische allerdings oft viel weniger 
suggestibel sind, als nicht Hysterische muss ich ganz 
entschieden behaupten. Forel meint, dass es überhaupt nöthig 
sei, mit einem gesunden Gehirn in der Hypnose zu arbeiten; je 
gesünder dieses sei, um so eher könne man auf einen Erfolg hoffen. 
Bei Hysterischen ist das Gehirn oft keineswegs gesund. Aus dem 
gleichen Grunde sind auch die Geisteskrankheiten für hypnotische 
Behandlung wenig geeignet. Indessen sind auch hier bei einigen 
leichteren Psychosen, z. B. von Melancholie, Manie, Besserungen 
erzielt worden (Forel, Burckhardt, A. Voisin, Seglas, 
Dufour.) Im Allgemeinen aber sind die Erfolge hier geringer, 
als bei den Neurosen. Es liegt dies zum Theil auch daran, dass 
gerade Geisteskranke wenig geeignet sind zur Hypnose (A. Voisin). 
Selbst wenn aber die Hypnose eine tiefe ist, so sind Wahnideen, 
Sinnestäuschungen viel schwerer zu beseitigen, als verschiedene 
nervöse Beschwerden, wie Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, die sich 
sehr häufig in Begleitung der Psychosen vorfinden (F o r e 1). Wenn 
es auch zuweilen organische Veränderungen sein mögen, welche die 
Geistesstörung bedingen, und durch welche der Widerstand gegen 
Suggestionen erklärlich wird, so ist der Hauptgrund doch wohl in 
der Festigkeit zu suchen, mit der die krankhaften Ideen haften. 
Wir können diese oft mit vollem Recht als Autosuggestionen be- 
zeichnen. Uebrigens wollen A. Voisin und Repoud auch bei 



Indicationeu. 26 5 

einigen schweren Geistesstörungen Erfolge gesehen haben, die aber 
Forel nicht beobachten konnte. 

Die therapeutischen Erfolge, die der Hypnotismus bei Neurosen 
bringt, sind von so vielfachen Seiten bestätigt worden, dass ein 
Zweifel bei der Zuverlässigkeit der Quellen schwer möglich ist. 
Ich nenne hier nur Forel, v. Krafft-Ebing, Obersteiner, 
Hirt, Bern heim. Diejenigen, die die Erfolge bestreiten, thun 
das gewöhnlich aus Apriorismus und nicht, nachdem sie in gewissen- 
hafter Weise und mit Geduld die Sache geprüft haben. 

Die Behauptung, dass nur solche Krankheitsfälle gebessert 
würden, die auch auf andere Weise zu bessern wären, ist irrig. 
Wenigstens muss ich nach eigenen Erfahrungen für eine Eeihe 
von Krankheitsfällen dies bestreiten, bei denen alle möglichen 
Curen, Kaltwasserbehandlung, Massage, Elektricität, chirurgische 
Operationen, Medicamente erfolglos applicirt wurden, während die 
Suggestion und besonders die hypnotische Suggestion Erfolg hatte. 

Uebrigens muss man, selbst wenn eine der anderen genannten 
Heilmethoden einen Erfolg herbeiführt, sehr vorsichtig mit der 
Schlussfolgerung sein, dass die Suggestion keinen Erfolg gebe, da 
zahlreiche Heilmittel eben nur suggestiv zu wirken scheinen, indem 
ihre Wirksamkeit lediglich darauf beruht, dass der Patient an sie 
glaubt, wie selbst Mendel, einer der entschiedensten Gegner der 
Suggestivtherapie, zuzugeben genöthigt wurde. Dass man durch 
Medicamente, selbst wenn sie nur suggestiv wirken, mitunter mehr 
erreicht, als durch Verbalsuggestion, liegt in der Natur der Sache, 
weil eben mancher sich durch anscheinend somatische Ein- 
wirkungen leichter beeinflussen iässt, als durch Worte. Ja es giebt 
einzelne sehr objective Forscher (v. Krafft-Ebing u. a.), die 
bei gewissen Krankheiten, z. B. Neurasthenie und Hysterie, über- 
haupt den Medicamenten nur einen suggestiven Werth beimessen. 

Was organische Erkrankungen betrifft, bei denen wir im 
Gegensatz zu den functionellen Leiden anatomische Veränderungen 
in den Organen treffen, so liegen eine Eeihe durchaus beglaubigter 
Beobachtungen vor, aus denen folgt, dass ganz erhebliche func- 
tionelle Besserungen ermöglicht wurden; d. h. es konnten die 
Folgen der Krankheit zum Theil durch die Hypnose beseitigt 
werden. So können trotz Bestehens einer Tabes dorsalis die hier 
auftretenden heftigen Schmerzen bekämpft werden (L 1 oy d- Tuckey). 
Man kann freilich den Einwurf machen, dass die Diagnose verfehlt 
war, dass dieselbe auf anatomische Läsion gestellt war, es sich in 
Wirklichkeit aber um eine functionelle Krankheit handelte. Dem 
widersprechen einmal Sectionsbefunde. So sah Bernheim eine 



266 Indicationen und Contraindicationen. 

Apoplexie mit Lähmung' lediglich unter dem Einflüsse der Suggestion 
rapide sich bessern. Ein später auftretendes schweres Lungen- 
leiden führte den tödtlichen Ausgang herbei. Die Obduction zeigte 
nun auch den früheren Krankheitsherd. Ausser dieser Bestätigung 
durch die Section haben wir doch aber noch Mittel, um gelegentlich 
eine zweifellose Diagnose zu stellen. 

Wenn wir z. B. einen chronischen Gelenkrheumatismus haben 
mit bedeutenden sichtbaren und fühlbaren Gelenkanschwellungen, 
so ist ein Zweifel an der Diagnose nicht möglich. Wenn es nun 
durch die Suggestion gelingt, hierbei den Schmerz zu beseitigen, 
so haben wir eine ganz wesentliche Besserung erzielt bei einer 
organischen Erkrankung. Derartige Fälle sind aber mehrfach 
veröffentlicht. Ich bin in der Lage, aus eigener Erfahrung dies 
gerade für den Gelenkrheumatismus zu bestätigen. 

Unter anderen mit anatomischen Läsionen einhergehenden 
Erkrankungen sah ich ein sehr schmerzhaftes Ekzem des Ohres 
bei einem 8jährigen Kinde durch posthynotische Suggestion voll- 
kommen schmerzlos werden. Ich machte die Beobachtung an 
diesem Kinde gemeinsam mit meinem Freunde und Collegen 
Friedemann in Cöpenick, durch dessen bereitwillige Unter- 
stützung, für die ich ihm an dieser Stelle meinen Dank sage, ich 
eine Anzahl interessanter Erfahrungen auf dem Gebiete des Hyp- 
notismus sammelte. Jenes Kind hatte ein so schmerzhaftes Ekzem, 
dass die geringste Berührung deutliche Schmerzesäusserung hervor- 
rief. Der in der ersten Hypnose gegebene Befehl, dass dasselbe 
schmerzlos sein werde, bewirkte nach dem vollen Erwachen eine 
so vollkommene Unempflndlichkeit der kranken Stelle, dass nicht 
nur Berührungen, sondern starker Druck ohne jedes Unbehagen 
vertragen wurde. 

Welches sind die Contraindicationen gegen die hypnotische 
Behandlung? d. h. welches sind die Bedingungen, welche die 
Anwendung des Hypnotismus verbieten? Ich wüsste nicht eine 
Contraindication zu nennen. Allenfalls können sich Contraindica- 
tionen aus einzelnen Fällen ergeben, wenn man z. B. gewisse auto- 
suggestive Nebenerscheinungen der Hypnose gar nicht entfernen 
kann. Wenn wir ein therapeutisches Resultat erlangen wollen, 
so ist dasselbe aber, verglichen selbst mit einem hysterischen An- 
fall oder anderen Nebenerscheinungen, gewöhnlich so unendlich viel 
höher stehend, dass wir dadurch im Allgemeinen uns nicht abhalten 
lassen dürfen. Jedenfalls lassen sich allgemeine Contraindicationen 
ebensowenig wie bei vielen anderen Behandlungsarten geben. 



Deutung der Erfolge. 267 

Wie haben wir uns die Erfolge des Hypnotismus zu deuten? 
Einige meinen, dass der Hypnotismus schon als solcher heilend 
und wohlthätig wirke (Beaunis). Die gewöhnliche Anschauung 
aber ist die, dass die Suggestion das therapeutische Princip sei. 
Dass diese das Wesentliche ist, glaube auch ich annehmen zu 
müssen. 

Um die Sache einigermassen klar zu machen, will ich ein 
einfaches Beispiel wählen : eine Person mit Kopfschmerz. Es handelt 
sich darum, den Kopfschmerz dadurch zu beseitigen, dass man in 
ihr die Idee erweckt, der Kopfschmerz sei fort. Im wachen Zu- 
stande werden die meisten gegen die Einimpfung dieser Idee un- 
empfänglich sein, weil die spontane Eeflexion sie bekämpft. Anders 
liegt die Sache in der Hypnose. Hier kann man, wie wir sahen, 
bestimmten Vorstellungen viel leichter Eingang verschaffen. Nimmt 
nun die Person in der Hj^pnose die Eingebung an, dass der Schmerz 
fort sei, so sind wir zunächst sicher, dass die Person in der Hyp- 
nose sich frei von Schmerzen fühlt. Dass die Person diese Idee 
annimmt, kann nicht verwundern, nachdem wir oben gesehen, dass 
man dem Hypnotisirten die verschiedensten Ideen eingeben kann. 
Er besitzt eine gewisse Neigung, alles zu glauben, was der Ex- 
perimentator ihm sagt, zumal in der tiefen Hypnose. Es handelt 
sich nun darum, den Schmerz auch nach dem Erwachen zu be- 
seitigen. Zwei Wege schaffen die Möglichkeit hierzu. Erstens die 
posthypnotische Fremdsuggestion, zweitens die Auto- 
suggestion. Wir können eine bestimmte Idee durch Eingebung 
in der Hypnose auch nach dem Erwachen fortbestehen lassen, wie 
oben bei der posthypnotischen Suggestion gezeigt wurde. Es ist 
mithin nicht wunderbar, dass wir auch die Idee, der Schmerz sei 
weg, nach dem Erwachen fortexistiren lassen. Selbstverständlich 
braucht und soll diese Idee keine bewusste sein in dem Sinne, dass 
der Patient sich ihrer erinnere. Im Gegentheil, je weniger dies 
der Fall, um so intensiver wirkt sie, weil sie durch keine Ke- 
flexionen bekämpft werden kann (Forel). Der zweite Weg, der 
die Schmerzlosigkeit nach dem Erwachen bestehen lässt, ist die 
Autosuggestion. Der Patient, der in der Hypnose sich ohne Schmerz 
befindet, gewinnt dadurch die intuitive Ueberzeugung, dass er ohne 
Schmerz sein kann, und diese Ueberzeugung, dass der Schmerz nicht 
eine unumgängliche Folge seines Zustandes ist, kann unter Um- 
ständen mächtig genug wirken, um die Wiederkehr des Schmerzes 
zu verhindern. 

Je leichter man im Stande ist, eine Idee in die Person ein- 
zupflanzen, um so eher kann man einen therapeutischen Effect er- 



2(38 Deutung der Erfolge. 

zielen. Je tiefer die Hypnose ist, um so leichter kann man aber 
der Person Vorstellungen eingeben. Es wird mithin, je tiefer die 
Hypnose ist, um so besser der therapeutische Erfolg werden. Ich 
kann v. Schrenck-Notzing nicht beistimmen, wenn er meint, 
dass die tiefen Grade im Allgemeinen unnöthig wären; im Gegen- 
theil, je tiefer die Hypnose ist, um so besser. Freilich folgt daraus 
nicht, dass man die leichten Grade unberücksichtigt lassen soll. 
Abgesehen davon, dass die leichteren hypnotischen Zustände nicht 
selten sich erst später in tiefere verwandeln, so sind auch die 
leichteren mitunter, besonders wenn es sich um motorische Störungen 
handelt, therapeutisch recht wohl zu verwerthen. Es hängt hier 
vieles von der Individualität ab. A. ist z. B. schon in leichter 
Hypnose so suggestibel, wie B. in der tiefen Hypnose. Dennoch ist 
nicht zu bestreiten, dass beim einzelnen Individuum die Suggesti- 
bilität mit der Tiefe der Hypnose zunimmt. 

In dieser methodischen Suggestion liegt der Schlüssel der 
hypnotischen Therapie. Wenn der Patient die Suggestion nicht 
annimmt, wenn er sie in der Hypnose zurückweist, was vorkommt, 
dann kann der mystische Eindruck noch so gross sein; kaum 
jemals wird ein therapeutisches Resultat erzielt sein. Ich habe 
Personen hypnotisch behandelt und mit Erfolg behandelt, die 
keineswegs die Sache mystisch auffassten. Man beeinflusst Leute 
hypnotisch oder suggestiv, die gar nicht glauben, dass sie hypno- 
tisirt sind; sie sind oft ganz erstaunt, nachher zu hören, dass sie 
hypnotisirt waren. Dass in einzelnen Fällen es der mystische Ein- 
druck ist. der eine gewisse Wirkung hat, will ich damit nicht be- 
streiten; keineswegs ist dies aber Regel. 

Ebenso wenig ist es das Vertrauen an sich, dem der Erfolg 
zuzuschreiben ist. Freilich spielt dieses eine sehr grosse Rolle. 
Es ist aber gerade das Misstrauen gegen die hypnotische Be- 
handlung durch irrthümliche Darstellung so sehr geweckt worden, 
dass von Vertrauen bei uns einstweilen nicht die Rede sein kann. 
Aber es zeigt sich gerade hier recht klar die grosse Macht der 
hypnotischen Suggestion, dass sie in einer ganzen Reihe von Fällen 
dem grossen Misstrauen gegenüber doch noch Erfolge hat; denn 
Misstrauen ist eine grosse Autosuggestion; die Autosuggestion 
aber ist der grösste Feind der Fremdsuggestion. Die Erfolge 
der hypnotischen Behandlung werden um so grösser werden, je 
mehr das Misstrauen schwindet, und wenn man erst erkannt haben 
wird, dass der richtig angewendete Hypnotismus ebenso unschädlich 
ist, wie die richtig angewendete Elektricität, dann erst werden 
wir ein objectives Urtheil gewinnen können über die Macht der 



Deutung der Erfolge. 269 

hypnotischen Therapie. Wie das Urtheil ausfallen wird, ist mir 
wenig zweifelhaft. Der Hypnotismus und die Suggestion werden 
manches Heilmittel überleben, dessen Ruhm heute die Spalten 
medicinischer Blätter füllt 

Um Missverständnissen vorzubeugen, gebe ich hier noch kurz 
an, in welcher Weise man sich die Besserung bei anatomischen 
Krankheiten durch Irypnotische Suggestion zu erklären hat (nach 
Bernheim). Ich erwähne dies nur, weil Binswanger und 
Seeligmüller es irrthümlicher Weise so darstellen, als hätte 
Bernheim durch Suggestion den anatomischen Krankheitsherd 
wiederherzustellen behauptet (v. Corval). Ich nehme das Beispiel 
der Apoplexie. Wenn ein Theil a im Gehirn zerstört worden ist, 
dann können die von a versorgten Nerven nicht mehr functioniren. 
Nun ist es aber eine bekannte Erfahrung, dass die Zerstörung 
eines Theiles a oft eine functionelle Beeinträchtigung anderer 
Hirntheile. z. B. von b herbeiführt. Dadurch werden auch die 
von b versorgten Nerven ausser Function treten; b selbst ist 
jedoch nicht anatomisch zerstört; nur die Function ist gehemmt. 
Die Suggestion ist nun im Stande, diese Function herzustellen. Sie 
kann mithin eine functionelle Besserung auch bei einer organischen 
Krankheit hervorbringen. Jedenfalls braucht man nicht anzunehmen, 
dass die Suggestion einen unmittelbaren Einfluss auf die organische 
Läsion habe, um die functionelle Besserung bei organischen Krank- 
heiten zu erklären. Bernheims Erklärung kann mutatis mutandis 
auch für andere Fälle herangezogen werden. Sperling glaubt, 
dass auch die Elektricität bei Apoplexien, nur dadurch günstig 
wirkt, dass sie anatomisch erhaltene Theile, die in ihrer Function 
gehemmt sind, wieder functionsfähig mache. Sperling, der be- 
kanntlich auf dem Gebiete der Hypnose und der Elektrotherapie 
eine gleichgrosse Erfahrung und Competenz besitzt, wie wohl nur 
wenige andere, glaubt nicht daran, dass etwa bei einer Apoplexie 
der zerstörte Theil durch die Elektricität wiederhergestellt würde. 



Im einzelnen für die hypnotische Behandlung Regeln auf- 
zustellen, würde zu weit führen. Baierlacher, Bernheim, 
Forel haben dies schon gethan. Ich bemerke nur, dass man vor- 
bereitende und therapeutische Versuche unterscheiden kann. 
Die persönliche Uebung wird im concreten Falle die Entscheidung 
treffen lassen, ob die Hypnose tief genug ist, um therapeutische 



270 Regeln für die hypnotische Behandlung. 

Versuche zu machen, oder ob noch einige weitere Vorversuche 
nöthig sind, um die Empfänglichkeit für therapeutische Suggestionen 
zu erhöhen. Meistens sind einige Vorversuche nöthig. Die ersten 
Versuche setze man nicht lange fort; nur einige Minuten etwa. 
Kommt man damit nicht zum Ziel, dann hat man immer noch Zeit, 
die forcirten Methoden, z. B. das lange Fixiren anzuwenden. 

Da ferner lebhafte Schmerzen eine Hypnose anfangs oft un- 
möglich machen, ist es angezeigt, zu den ersten Versuchen wo- 
möglich eine schmerzfreie Pause zu wählen. Spätere Hypnosen 
werden dann auch bei den heftigsten Schmerzen mit Leichtigkeit 
eintreten. Es ist ferner nach der Heilung oder Besserung ge- 
wöhnlich nöthig, noch zeitweise die Suggestion zu wiederholen, um 
Rückfällen vorzubeugen. 

Jedenfalls glaube man nicht, dass der Hypnotismus stets rapide 
Erfolge herbeiführen müsse. Ist eine tiefe Hypnose da, so wird 
man allerdings oft mit der grössten Schnelligkeit ein Resultat er- 
reichen; in anderen Fällen muss man langsamer und methodisch 
vorgehen, man muss auch gewisse Rücksichten nehmen auf die 
Dauer der Krankheit. Je mehr die Idee des Schmerzes Wurzel 
gefasst hat, um so schwieriger wird er bekämpft. 

Es ist mir unerklärlich, wesshalb man den Hypnotismus mit 
ganz anderem Massstabe misst als andere Behandlungsmethoden. 
Bei der Elektrotherapie ist der Arzt oft zufrieden, wenn er nach 
vielen Wochen oder Monaten ein Resultat erreicht. Eine Anstalts- 
behandlung muss oft viele, viele Monate fortgesetzt werden, wenn 
ein Resultat erreicht werden soll. Und doch, wie oft bleibt es 
sogar trotz monatelangen Ausharrens der Patienten aus! Warum 
soll denn an die Suggestivtherapie die Anforderung gestellt werden, 
dass sie in einem Tage Erfolg geben müsse! Oft wird dieser nur 
durch Geduld von Seiten des Arztes und des Patienten erreicht. 

Ich kann es auch nicht zugeben, dass man den Hypnotismus 
grundsätzlich als letzten Versuch bei der Behandlung von Krank- 
heiten betrachte. Diese pflegen um so schwieriger geheilt zu 
werden, je länger sie dauern, je mehr die Vorstellung von der 
Krankheit sich festgesetzt hat. Wer zugiebt, dass der Hypnotismus 
bei richtiger Anwendung unschädlich sei, dessen Pflicht ist es, 
ihn anzuwenden, sobald die Indication vorliegt, dessen Pflicht ist 
es, dieses Heilmittel zu versuchen, ehe es zu spät ist. Denn es 
giebt Krankheiten, die lediglich dadurch unheilbar werden, dass 
die richtige Therapie im Anfang versäumt wird. Die Krankheit 
wird zu einer Autosuggestion, die der Patient sich macht, und die 
nicht mehr beseitigt werden kann. Je länger und je mehr jemand 



Wichtigkeit der Suggestivtherapie. 271 

Gelegenheit hat, an einen Schmerz zu denken, je weniger es ge- 
lingt, im Anfang seine Aufmerksamkeit von ihm abzuziehen, um 
so mehr setzt sich der Schmerz fest, und um so weniger ist es 
später möglich, ihn zu beseitigen. Man könnte allenfalls schwanken, 
ob man längere Zeit vorbereitende Versuche machen soll, um eine 
Hypnose bei schwer hypnoti sirbaren Personen zu erzielen (Grasset). 
Jedenfalls verlange ich, dass wenn die Hypnose selbst leicht her- 
beizuführen ist, und wenn eine Indication vorliegt, dass man dann 
zur hypnotischen Therapie seine Zuflucht nehme, ehe 100 andere 
Mittel vergebens angewendet werden, deren Probirstein abzugeben, 
dem Patienten keine angenehme Aufgabe stellt. 

Es ist die Frage aufgeworfen und erörtert worden, ob durch 
den Hypnotisraus, resp. die mit ihm ganz innig verknüpfte Sug- 
gestion der Heilkunde ein grosser Dienst geleistet wird. Wir 
müssen diese Frage dadurch zur Entscheidung bringen, dass wir 
erörtern, ob durch Anwendung der Suggestion eine wesentlich 
grössere Zahl von Patienten geheilt resp. gebessert wird, als bei 
ausschliesslicher Anwendung physikalischer und chemischer Ein- 
wirkungen. Hier ist die Entscheidung nicht leicht zu treffen. 
Ich habe oben die functionellen Neurosen als Hauptfeld der Sugge- 
stivtherapie gekennzeichnet, und ich will desshalb an dieser Stelle 
nur von ihnen sprechen. Wenn wir annehmen, dass durch die 
nichtsuggestive Therapie 50°/ aller Patienten gebessert oder ge- 
heilt werden — was aber keineswegs der Fall ist — und wir nehmen 
an, dass durch die suggestive Behandlung noch 2°/ geheilt oder 
gebessert werden, so würde selbstverständlich diese Zahl nicht viel 
besagen, da alsdann die Zahl der gebesserten Personen von 50 nur 
auf 52 °/ steigen würde. Wenn wir hingegen annehmen, dass durch 
die nichtsuggestive Therapie nur l°/ aller functionellen Neurosen 
gebessert oder geheilt wird — was der Wahrheit schon näher 
käme — und wir nehmen an, dass durch die suggestive Therapie 
wiederum 2°/ gebessert oder geheilt werden, so würde dies einen 
enormen Fortschritt bedeuten, da wir hier von 1 °/ sofort auf 3 °/ 
kommen würden; d. h. wir würden die Zahl der erfolgreich be- 
handelten Patienten sofort verdreifachen. Ich habe hier zwei 
Extreme gewählt, um zu zeigen, wie wenig leicht die Frage zu 
entscheiden ist. Ich meine nun allerdings, dass von den vielen 
Neurosen — und diese will ich zunächst nur berücksichtigen — 
nur sehr wenige durch nicht psychische Einwirkung geheilt oder 
gebessert werden; vielleicht ist ein Procent noch zu hoch gegriffen. 

Freilich sind derartige Fragen nur schwer zur Entscheidung zu bringen, weil 
wir eben nicht mit festen Grössen rechnen. Ich habe absichtlich nicht bloss von 



272 Wichtigkeit der Suggestivtherapie. 

Heilung', sondern auch von Besserung gesprochen, weil der Begriff der Heilung- 
recht verschieden aufgefasst wird. Mendel bezeichnet ein Schwinden der Krank- 
heitssymptome als Heilung, ohne Rücksicht auf die Zeit, wie lauge die Symptome 
geschwunden sind So z. B. erklärte er einen hypnotisch behandelten, periodisch 
taubstummen Menschen für vollkommen geheilt, als dieser einige Tage sprach und 
hörte — ohne Rücksicht darauf, dass schon wenige Tage später ein Rückfall ein- 
trat. Die meisten Praktiker würden dem vielleicht beistimmen. Ich würde den 
Begriff der Heilung wesentlich davon abhängig machen, dass auch die Disposition 
zum 'Widerauftritt der Krankheit geschwunden ist. Doch ist dies ein mehr 
wissenschaftlicher theoretischer Begriff, während der erstere eben dem praktischen 
Bedürfnisse entspringt. 

Jedenfalls glaube ich, dass bei wenigen functionellen Neurosen 
ohne suggestive Einwirkung ein wesentliches Resultat erreicht 
werden kann; v. Krafft-Ebing, F.Müller u. a. sprechen sich 
ähnlich aus. Desshalb halte ich die Suggestion nach dieser 
Richtung hin für einen ausserordentlich grossen Fortschritt, sowohl 
die Suggestion ohne als auch die mit künstlich herbeigeführter 
Hypnose, die oft dann noch die Suggestion wirken lässt, wenn die 
Suggestion ohne Hypnose nicht hinreicht. Ich glaube, dass der 
Fortschritt, der durch die methodische Suggestion in der Behand- 
lung der Neurosen gemacht wurde, recht bedeutend ist, und dass 
für die Heilkunde — von der Chirurgie abgesehen — kaum eine 
der neuesten Entdeckungen in der Medicin eine solche "Wichtig- 
keit hat, wie das Studium der Suggestion. Ich werde in einer 
späteren Arbeit dies noch genauer nachweisen. Jedenfalls ist die 
Annahme berechtigt, dass weder der Hypnotismus noch die Sug- 
gestion wieder von der Bildfläche in der Medicin verschwinden 
werden. Es ist diese Hoffnung umsomehr begründet, als wir in 
Deutschland eine Eeihe objectiver, von jedem Enthusiasmus entfernter 
Aerzte haben, die die Suggestion studiren und die nicht wie manche 
andere nach Momentserfolgen und Aufsehen erregenden „wunder- 
baren" Heilungen haschen, die sorgsamer, als mancher Gegner der 
Suggestion ihre Krankheitsfälle beobachten und verfolgen, um auch 
über die Recidive ein Urtheil zu gewinnen. Dies ist der einzig 
richtige und wissenschaftliche Weg, den gerade die lautesten 
Gegner nicht immer gegangen sind. 

Nothwendig ist es natürlich, ebenso wie bei jeder andern 
Therapie, richtig zu individualisiren. Ebenso wenig wie ein 
Mensch dem andern körperlich gleicht, eben so wenig findet sich 
eine Gleichheit im psychischen Verhalten. Ja, ich glaube, dass die 
psychischen Differenzen viel grösser und viel wichtiger sind, als 
die körperlichen. Es kann uns daher nicht verwundern, wenn 
Aerzte mit psychologischen Kenntnissen und Berücksichtigung der 
Psychologie Resultate erzielen, die andere durch das unglückliche 



"Wichtigkeit der Suggestivtherapie. 273 

schablonenhafte Behandeln nicht erreichen. Was für Resultate 
durch geschickte Anwendung der Suggestion erzielt werden können, 
zeigen uns die Untersuchungen vieler Autoren, die selbst prognostisch 
sehr ungünstige Krankheitsfälle hypnotisch sehr gut beeinflussen 
konnten. Ganz besonders zeigen uns dies aber die Veröffentlichungen 
von Forel, dessen therapeutische Erfolge als ausserordentliche zu 
bezeichnen sind. Freilich wird auch nicht jeder im Stande sein, 
in der Weise zu experimentiren, wie Forel. Ich muss es aber 
als unwissenschaftlich bezeichnen, nach eigenen Misserfolgen die 
Erfolge anderer zu bestreiten. Vielleicht ist es gut, hier daran zu 
erinnern, dass ein hervorragender schwedischer Psychiater Oedniann 
erklärt, er erkenne die Erfolge der Suggestivbehandlung bei Alko- 
holismus an; da er aber nicht im Stande sei, sie selbst zu erreichen, 
so sende er die betreffenden Patienten zu Wetterstrand (v.Corval). 

Dass übrigens Erfahrung der beste Lehrmeister sei, ist 
zweifellos. Es ist geradezu unverständlich, wie einige den thera- 
peutischen Werth des Hypnotismus lediglich desswegen leugnen, 
weil sie selbst nach wenigen Versuchen Resultate nicht sahen. 
Es liegt hier die Sache ähnlich wie mit jedem Instrument. Der 
geübte Operateur heilt mit demselben Instrument den Patienten, 
mit dem der andere, der keine Uebung hat, verstümmelt. Ebenso 
wird der geübte und gewissenhafte Hypnotist Krankheiten durch 
Suggestion entfernen, der ungeübte durch mangelhaftes Experi- 
mentiren erzeugen. Dass Personen, die leicht zu hypnotisiren und 
suggestibel sind, von jedem beeinflusst werden können, ist sicher. 
Wenn aber die Sache etwas schwieriger liegt, dann wird der mit 
psychologischen Kenntnissen und Erfahrungen ausgestattete Arzt 
zu Resultaten kommen, die anderen unerreichbar sind. 

Natürlich ist es keineswegs nöthig, bei Anwendung des Hyp- 
notismus andere therapeutische Mittel fortzulassen (Sperling); 
im Gegentheil, man muss sich in dem speciellen Falle ganz nach 
den Indicationen richten. Kein Heilmittel wird durch den Hyp- 
notismus verdrängt werden, vorausgesetzt, dass es sich in praxi 
bewährt hat. Die Suggestion wird die sonstige Therapie nicht 
ersetzen, sondern ergänzen (Bourdon). 

Selbstverständlich muss bei der Suggestiv-Therapie alles ver- 
mieden werden, was die Prognose verschlechtern und die Suggestion 
unwirksam machen könnte. Hierher gehört vor allem die Furcht 
vor der Hypnose. Dass diese viel schädlicher ist und viel eher 
ungünstige Folgen herbeiführt, als die Hypnose selbst, ist zweifellos. 
Es ist desshalb auch anzurathen, Hypnose so lange nicht ein- 
zuleiten, wie der Patient erregt ist und Angst vor derselben hat; 

Moll, Hypnotismus. 18 



274 Allgemeine medicinisclie Bedeutung der Suggestion. 

auch Tokarski spricht sich ähnlich aus. Aber auch andere psy- 
chische Erregungen sollen möglichst vermieden werden. Der Fall 
von v. Krafft-Ebing zeigt sehr deutlich, dass stärkere Er- 
regungen die Suggestion unwirksam machen können. 



Ich glaube ferner, dass das Studium des Hypnotismus auch in 
anderer Weise unseren Gesichtskreis wesentlich erweitern wird. 
Wir werden jetzt manches Eäthsel lösen können, das uns bisher 
grosse Schwierigkeiten bereitet hat. Nachdem jetzt experimentell 
festgestellt worden ist, dass man sogar organische Veränderungen 
lediglich durch Suggestion produciren kann, sind wir dazu ge- 
zwungen, auch im normalen Leben den psychischen Einwirkungen 
eine ganz andere Bedeutung beizumessen, als bisher. Ich glaube, 
nicht fehl zu gehen, wenn ich heute schon behaupte, dass die Krank- 
heiten, die man als eingebildete bezeichnet, viel häufiger sind, als 
man annimmt. Ich glaube, dass durch Ungeschicklichkeit der Um- 
gebung viele Krankheiten erzeugt oder verstärkt werden. Es giebt 
nur wenige Leute, auf die es nicht einen gewissen Eindruck macht, 
wenn ihnen ihr krankes Aussehen von verschiedenen Seiten recht 
oft versichert wird, und ich glaube, dass in dieser Weise durch 
einen accumulativen psychischen Process schon mancher ebenso 
schwer geschädigt worden ist, wie durch chemische Gifte. Ebenso 
wie wir sahen, dass die Suggestion Schmerzen nimmt und Be- 
schwerden beseitigt, ebenso werden diese durch Suggestion ge- 
schaffen oder verstärkt. Es ist ein geringer Trost, wenn man 
diese Schmerzen alsdann als eingebildete bezeichnet, ein Ausdruck, 
der ausserdem noch einen schlechten Beigeschmack hat. Wenn 
aber der Schmerz auch „nur" eingebildet ist, so belästigt er den 
Patienten ebenso, wie ein nicht eingebildeter. 

Ausserdem glaube ich, dass dieser Ausdruck „eingebildeter 
Schmerz", den man nicht nur bei Laien, sondern auch bei Aerzten 
findet, wissenschaftlich falsch ist. Es sind die „eingebildeten 
Schmerzen" von einem Autor ganz treffend einmal mit den Hal- 
lucinationen verglichen worden. Wir können nun wohl sagen, dass 
der Gegenstand der Halluciuation eingebildet ist, es ist aber falsch 
zu sagen, dass die Wahrnehmung eingebildet ist; diese ist cen- 
tralen Ursprungs. Ganz unabhängig davon, ob das Object nur 
eingebildet ist oder nicht, bleibt er derselbe. Ebenso besteht der 
Schmerz nur dann, wenn er empfunden wird, d. h. wenn ein be- 



Allgemeine medicinische Bedeutung der Suggestion. 275 

stimmter centraler Process stattfindet. Es ist aber ganz gleich- 
giltig, ob dieser centrale Vorgang durch einen peripheren Reiz, 
z. B. einen Stich ausgelöst wird, oder ob er durch Suggestion, durch 
einen primären psychischen Act hervorgerufen wird. Der Schmerz 
als solcher besteht in beiden Fällen und ist nicht eingebildet. 
Sollte in dem letzteren Falle derjenige, welcher den Schmerz hat, 
ihn auf einen peripheren Vorgang beziehen, so wäre dieses eine 
Täuschung, aber der Schmerz selbst kann als eine subjective 
Empfindung nicht eingebildet sein. 

Mag man nun einen solchen Schmerz ohne objective Symptome 
nennen, wie man will; man muss sich jedoch darüber klar sein, 
dass ein derartiger Schmerz eine Folge centraler Vorgänge ist, 
dass er nothwendig aus ihnen hervorgehen muss. Ebenso wie 
ein eingetretener Dorn zur nothwendigen Consequenz den Schmerz 
hat, ebenso gewisse subjective Vorstellungen. Die Bekämpfung und 
Entfernung dieser ist ganz ebenso Sache des Arztes, wie das 
Herausziehen des Domes aus dem Fuss. 

Wie weit übrigens psychische Einwirkungen ohne Hypnose 
gehen können, zeigt v. Krafft-Ebings Fall. Die Patientin befand 
sich liier, vollkommen wachend, in dem irrigen Glauben, an einer 
Stechapfelvergiftung zu leiden. Es entstand ein äusserst gefähr- 
licher Collaps, den schliesslich nur die hypnotische Suggestion be- 
seitigen konnte. 

Es wird uns aber die Suggestion nicht nur den Schlüssel 
liefern für die Entstehung und Verschlimmerung von Krankheiten, 
sie wird uns auch aufklären über die Wirkung von Arzneimitteln. 
Wenn dieselben Medicamente, von verschiedenen Aerzten verordnet, 
verschiedene Wirkung haben, so brauchen wir nicht nur in einer 
chemischen Wirkung den Unterschied zu finden. Wir müssen uns 
vielmehr fragen, ob nicht die Art der Verordnung, der Eindruck 
des Arztes und andere psychische Momente hier mitwirken, deren 
grosser Einfluss in vielen Fällen bereits nachgewiesen ist. Jeder 
Arzt wendet die Suggestion an, nicht nur bewusst, sondern oft, 
ohne es zu wissen und zu ahnen. Der Einfluss dieser unbewussten 
Suggestion wird in Zukunft in ganz anderem Masse berücksichtigt 
werden müssen, als bisher. Ganz kurz sei hier noch hingewiesen 
auf die zuweilen einen enormen psychischen Einfluss ausübenden 
chirurgischen Operationen, den besonders L. Landau zu wieder- 
holten Malen hervorgehoben hat ; es sei hingewiesen auf den durch 
die Elektricität ausgeübten psychischen Einfluss, den Möbius be- 
tont. Wenn einige heute die Wirksamkeit der Homöopathie in 
der Suggestion finden — wogegen Roth entschieden protestirt — 

18* 



276 Bedeutung der Psychologie für den Arzt. 

so glaube ich, dass auch die allopathische Behandlung viele Er- 
folge und Misserfolge auf das Conto der Suggestion zu setzen hat. 
Wenn aber erst die praktische Bedeutung der psychischen 
Einwirkungen allgemein anerkannt werden wird, dann werden wir 
Aerzte auch die Wichtigkeit der Psychologie ganz ebenso zugeben 
müssen, wie die der Physiologie. Die Psychologie ist für den 
Arzt eine ebenso nothwendige Grundlage seines Wirkens, wie die 
Physiologie. Die Psychologie resp. Psychotherapie wird die Basis 
geben müssen für eine rationelle Therapie der Neurosen. Um 
die Psychotherapie werden die anderen Heilmittel sich gruppiren 
müssen; sie wird das Centrum werden, sie wird nicht immer das 
Aschenbrödel bleiben, zu dem sie herabgewürdigt wurde durch eine 
sehr einseitige wissenschaftliche Richtung, die nur den Einfluss des 
Körpers auf den Geist, nicht aber den des Geistes auf den Körper 
und den Geist anerkennen wollte. 



Die chirurgische Verwerthung des Hypnotismus habe ich schon 
oben erwähnt. Die Anwendung desselben zur Herbeiführung der 
Analgesie ist nicht neu; ja ein findiger Kopf glaubt sogar, an- 
nehmen zu müssen, dass, als Gott Adam die Rippe nahm, dies 
wohl nur in einem hypnotischen Zustande geschehen konnte, da 
Adam schlief, er aber aus dem natürlichen Schlafe zweifellos 
erwacht wäre. Methodisch scheinen die ersten chirurgischen 
Operationen im magnetischen Schlafe 1821 begonnen zu haben. 
In diesem Jahre führte Recamier schon chirurgische Opera- 
tionen im magnetischen Schlafe aus. Unter Leitung des Baron du 
Potet wurden damals in mehreren Pariser Hospitälern öfter der- 
artige Operationen gemacht. Man sieht alsdann zeitweise immer 
wieder zu diesem Zwecke den Mesmerismus verwerthet. 1829 macht 
Cloquet derartige Operationen. In der französischen medicinischen 
Akademie theilt Cloquet seine Erfahrungen mit, wird aber von 
Lisfranc, dem berühmten Chirurgen, für einen Betrüger oder 
einen Betrogenen erklärt. Auch Oudet findet 1837 in derselben 
Akademie keine günstige Aufnahme, als er über Zahnextractionen 
im magnetischen Schlaf berichtet. Um 1840 sehen wir Esdaile 
im Mesmeric Hospital zu Kalkutta eine Menge chirurgischer 
Operationen mit mesmerischer Analgesie machen. Es sollen 
übrigens die Wunden auch auffallend schnell geheilt sein. Auf 
die schnelle Heilung der bei arabischen Büssern in hypnotischem 






Verwerthung des Hypnotismus in der Chirurgie. 277 

Zustande hervorgerufenen Wunden weist auch v. Hellwald hin. 
In London ist es Elliotson, der den Mesmerismus gleichfalls 
hierfür verwerthet. Auch Braid, den Esdailes Resultate sehr 
frappirten, wendete den Hypnotismus für die Chirurgie an. Uebrigens 
hörte man schon damals die Ansicht aussprechen, die auch heute 
noch einzelne Vertreter hat, dass mesmerische Striche vielleicht 
sicherer Analgesie herbeiführten, als der Hypnotismus resp. Braidis- 
mus. Von Braid kam dann die hypnotische Analgesie, wie wir 
S. 10 gesehen haben, durch Azam nach Paris, von hier auch nach 
Deutschland, konnte sich aber keinen grossen Anhang verschaffen. 
Wie Preyer mittheilt, scheinen übrigens öfter Militärärzte und 
andere empirisch hypnotisirende Methoden angewendet zu haben, 
um bei kleineren Operationen, z. B. beim Zahnziehen, Analgesie 
herbeizuführen. In neuerer Zeit machten chirurgische Operationen 
mit hypnotischer Analgesie u. a. Forel, v. Voigt, Till aux, le Fort. 

Die Bedeutung des Hypnotismus zur Herbeiführung der Schmerz- 
losigkeit ist nicht allzugross. Wir haben gesehen, dass es nur sehr 
selten möglich ist und auch dann oft erst nach längeren Versuchen, 
eine vollkommene Analgesie zu erzielen. Die Aufregung vor der 
Operation wird die Hypnotisirung noch mehr erschweren. Die 
Fälle, wo man den Hypnotismus brauchen kann, um schmerzlos 
eine grössere chirurgische Operation auszuführen, sind jedenfalls 
sehr selten; man sieht dies auch schon daraus, dass jeder derartige 
vorkommende Fall sorgfältig von der Tagespresse registrirt wird. 
Zudem haben wir heute so sichere Mittel, Analgesie zu erzeugen, 
Aether, Chloroform, das allerdings mitunter den zu Operirenden in 
den Todesschlaf hinüberleitet, dass wohl der Hypnotismus hierzu 
kaum noch Verwendung finden dürfte. Wenn zufällig es einmal 
sich findet, dass ein sehr empfängliches Individuum operirt wird, 
und man diese Empfänglichkeit für Hypnotismus kennt, so wird 
gewiss nichts dagegen einzuwenden sein, dass man die Hypnose 
benützt. Ganz besonders aber meinen Hack Tuke und Forel, 
wäre es bei einzelnen Fällen angezeigt, den Hypnotismus statt 
des Chloroforms anzuwenden, in denen dessen Anwendung eine 
Lebensgefahr in sich schliesst. Forel glaubt übrigens nicht, dass 
die zur Operation nöthige Analgesie so selten eintritt, wie ich 
annehme ; ich halte es übrigens auch nicht für ausgeschlossen, dass 
ein gewandter Hypnotist nach dieser Richtung hin viel bessere 
Resultate erreicht wie ich. 

Einmal habe ich einen Furunkel in der Hypnose geöffnet, die 
ich in der Absicht, Schmerzlosigkeit zu erzeugen, einleitete. Diese 
erreichte ich nun zwar nicht, wohl aber eine absolute Unmöglich- 



278 Verwerthung des Hypnotismus in der Geburtshilfe. 

keit des Patienten, stärkere Bewegungen zu machen, so dass ich 
in voller Ruhe die kleine Operation vornehmen konnte. 

Ein mehr theoretisches Interesse beanspruchen Fälle, bei denen 
man durch posthypnotische Suggestion die Analgesie erzeugte und 
nun im wachen Zustand ungestört die Operation vornahm (Boursier). 

Aehnlich wie mit der Verwerthung des Hypnotismus in der 
Chirurgie liegt die Sache in der Geburtshilfe. Von den Mesmeristen 
haben Lafontaine und Fillassier Geburten im magnetischen 
Schlaf vorgehen lassen. Auch Liebeault that dies im hypnotischen 
Zustande. In neuerer Zeit sind eine Reihe von Fällen in dieser 
Richtung veröffentlicht worden (Pritzl, Mesnet, Secheyron, 
Auvard, Thomas, Varnier, v. Voigt, de Jong). Die Resultate 
waren nicht ungünstig. Es fanden sich regelmässige und starke 
Wehen, die man oft durch Suggestion beeinflussen und auch schmerz- 
los machen konnte. Interessant ist die Angabe Freyers, dass ein 
bedeutender Geburtshelfer aus dem Anfang dieses Jahrhunderts, 
Jörg, es für unmöglich hielt, dass im magnetischen Schlaf ohne 
schnelles Erwachen aus ihm eine Geburt vorkommen könne, eine 
Ansicht, die jetzt als widerlegt gelten darf. 



Es ist auch über die pädagogische Verwerthung des Hyp- 
notismus gesprochen worden. Indessen schlagen die hierher ge- 
hörigen Fälle wohl schon in das Gebiet der Pathologie, wenn auch 
derartige Trennungen ziemlich willkürliche sind. Nehmen wir z. B. 
ein Kind, das dadurch an Chorea erkrankt, dass es anderen daran 
leidenden Kindern die Bewegungen nachmacht. Wann hier die üble 
Angewohnheit aufhört, und wann die Krankheit beginnt, ist nicht 
leicht zu sagen. Wenn nun Berillon verschiedene kleine Unarten 
und üble Angewohnheiten bei Kindern durch hypnotische Suggestion- 
bekämpft, so könnten wir diese Fälle schon in das Gebiet der 
Krankheiten rechnen. Ob man nun hier davon spricht, dass man 
den Hypnotismus zur Behandlung der Krankheit anwendet oder im 
Interesse der Erziehung, ist ziemlich gleichgiltig ; die Hauptsache 
ist, dass wir wissen, was gemeint ist. In dieser Weise haben 
aber die ernsten Beobachter es stets gemeint. Sie wollten keines- 
wegs, dass man den Hypnotismus in der Schule einführe, sondern 
dass z. B. bei Kindern mit schlechten Trieben ein Arzt durch 
suggestive Behandlung diese bekämpfe. Nur ein Autor, Decroix, 
trat unter allseitigem Widerspruch dafür ein, dass auch Nichtärzte 



Verwerthung des Hypnotismus in der Pädagogik. 279 

solche Suggestionen machen dürften; die einstimmige Opposition 
von Forel, Dekhtereff u. v. a. zeigt deutlich die Richtigkeit 
meiner Ausführungen. Wenn ein deutscher Anonjmus a ) glaubt, die 
Frage ins Lächerliche ziehen zu dürfen, oder auch die französischen 
Autoren damit zu widerlegen, dass er den Hypnotismus aus der 
Schule verbannen will, so hat er etwas widerlegt, was jene nie 
behauptet haben. Auch andere Autoren haben sich der über- 
flüssigen Mühe unterzogen, nie aufgestellte Behauptungen zu wider- 
legen; wahrlich, eine leichte Arbeit! Die französischen Autoren 
(Berillon, Hement, Netter, Leclerc, A. Voisin, Collineau) 
haben niemals anders die Anwendung des Hypnotismus in der 
Pädagogik verstanden, als dass sie gewisse Fehler von Kindern, 
die nach den Ansichten vieler und auch nach der meinigen bereits 
in das Gebiet der Pathologie fallen, durch ärztliche hypnotische 
Suggestionen bessern wollten, zumal wenn andere Heilmittel sich 
als erfolglos erwiesen hätten. 

Die mehrfach gemachten Einwürfe (Blum, Seeligmüller), 
dass man dadurch die Kinder in Maschinen verwandeln würde, 
nicht in selbständige Wesen, sind irrig. Es findet bei der hyp- 
notischen Suggestion vielmehr ganz ebenso wie bei der nichthyp- 
notischen stets das gleiche Ziel statt, den Willen der betreifenden 
Person einseitig zu determiniren. Sie soll das Gute thun, nicht 
indem sie es unbewusst, mechanisch thut, sondern indem sie mit 
Bewusstsein, aber mit dem Willen dieses thut, der einseitig be- 
schränkt wurde durch die hypnotische Suggestion oder durch die 
nichthypnotische Erziehung. Die einseitige Determinirung des be- 
wussten Willens findet bei der hypnotischen Suggestion ebenso 
statt wie bei der Erziehung. 

Die Erziehung ist nur dann gut, wenn das, was anerzogen 
wird, zu einer Autosuggestion wird, d. h. im concreten Fall soll 
die gut erzogene Person mit Bewusstsein, aber mit dem durch die 
Erziehung nach der guten Seite hingelenkten Willen das Gute thun. 
Die hypnotische Suggestion ist aber auch dann nur eine gute, wenn 
sie zur Autosuggestion wird (Forel), d. h. es findet genau dasselbe 
statt, wie ohne Hypnose. Auch hier zeigt sich wieder, dass die 
falschen Ansichten daher kommen, dass die hypnotische Suggestion 
für einen Vorgang gehalten wird, der ohne Bewusstsein vorgeht, 
eine Annahme, die ich (S. 218) schon widerlegt habe. 

In dieses Gebiet würden wohl auch die Fälle von chronischem 
Alkoholismus gehören, der mit Erfolg von mehreren Experi- 



] ) In der Schrift: „Der Hypnotismus in der Pädagogik, 1 ' Heusers Verlag. 



280 Bedeutung des Hypnotismus für die Psychologie. 

mentatoreii (Forel, A. Voisin, Ladame, Widmer, Wetter- 
strand, v. Corval) durch hypnotische Suggestion bekämpft wurde. 
Zweifellos wird man auch hier ein Urtheil nur durch ernste 
Prüfimg gewinnen, wie es die zuletzt genannten Männer thaten. 



lieber den sonstigen wissenschaftlichen Werth des Hypnotis- 
mus will ich mich kurz fassen. Er wird zweifellos eine hohe Be- 
deutung für die Psychologie gewinnen, obgleich bei uns in 
Deutschland die Psychologen noch wenig geneigt scheinen, der 
Sache näher zu treten. Im Ausland existiren schon eine Reihe 
Arbeiten, die das psychologische Gebiet betreffen und den Hypno- 
tismus zur Grundlage haben. Beaunis geht so weit, zu behaup- 
ten, dass der Hypnotismus für den Psychologen das bedeute, was 
für den Physiologen die Vivisection sei; ähnlich sprechen sich 
Forel und v. Krafft-Ebing aus. Ganz besonders hat auch 
Max Dessoir mit treffenden Ausführungen die hohe Bedeutung 
des Hypnotismus für die Psychologie öfter dargethan. 

In der That glaube ich, dass einige der bereits constatirten 
Thatsachen von ausserordentlichem Interesse sind; ich erinnere 
z. B. an die vermeintliche Willensfreiheit hypnotisirter Personen 
bei posthypnotischen Handlungen. Der Psychologe findet in dem 
Hypnotismus eine Fundgrube für seine Forschung. Ist doch, wie 
wir gesehen haben, die ganze Hypnose nur ein psychischer Zustand. 
Wenn man bedenkt, dass von jeher die Psychologen in erster Linie 
den Traum benützt haben, um das Seelenleben zu erforschen; wenn 
man ferner bedenkt, dass ganz anders, als im Schlaf, experimentelle 
Untersuchungen während der Hypnose gemacht werden können, da 
sie beliebig regulirbar ist, dann darf man dem Hypnotismus eine 
eminente Bedeutung für die Psychologie nicht absprechen; v. Krafft- 
Ebing hat erst in allerneuester Zeit auf den hohen Werth des 
Hypnotismus zur Erforschung des Bewusstseins hingewiesen. 

Ich will nicht weiter auf die Vortheile, die andere Wissen- 
schaften vom Hypnotismus erhoffen können, eingehen. Ich hoffe 
zuversichtlich, dass das Studium desselben uns über bisher dunkle 
Gebiete des Seelenlebens aufklären wird, dass es uns von dem Alp 
des Aberglaubens befreien, nicht aber diesen vermehren wird. 



VIII. Forensisches. 



Wenden wir uns nun zur Besprechung der Fragen, die ein 
besonderes forensisches Interesse bieten. Schon einzelne der 
alten Anhänger des thierischen Magnetismus haben die forensische 
Bedeutung der Frage erkannt, allerdings z. Th. unter anderem Ge- 
sichtspunkte als wir. Auch gab eine Commission, die seinerzeit bei 
Deslon Untersuchungen anstellte, ausser dem officiellen Gutachten 
noch einen Privatbericht an den König ab, der, wie es scheint, 
durch die französische Revolution an die Oeifentlichkeit kam; man 
hob besonders die Gefahren, die der Sittlichkeit drohten, hervor. 
Auch die Mesmeristen in Deutschland, z. B. Ki eser, berührten die 
forensische Frage des Magnetismus. In neuerer Zeit hat sich 
Charpignon mit dieser Frage beschäftigt, seine Erörterungen 
haben indess für Deutschland keinen Werth. Sodann hat Lie- 
beault in Nancy schon 1866 in seinem Buche ausführlich die 
Frage erörtert, und seine Ausführungen sind auch heute noch von 
grosser Wichtigkeit, In allerneuester Zeit haben ausser Gilles 
de la Tourette und Liegeois besonders Forel, Eeden, 
v. Lilienthal, v. Bentivegni die forensische Seite des Hyp- 
notismus bearbeitet. 

Wir wollen zunächst das Verhältniss des Hypnotismus zum 
Verbrechen besprechen. Es sind sowohl die Verbrechen, welche a n 
Hypnotisirten begangen werden, als auch die, welche durch Hyp- 
notisirte begangen werden, zu erörtern. Betrachten wir zunächst 
die ersteren. 

Selbstverständlich kann man an Hypnotisirten alle Verbrechen 
begehen, die man auch an anderen begehen kann, Diebstähle u. s. w; 
doch haben diese keinerlei besondere forensische Bedeutung. 
Wichtig sind jedoch die Sittlichkeitsverbrechen, deren Opfer 
Hypnotisirte werden können; es sind bisher nur wenig Fälle zur 
gerichtlichen Kenntniss gekommen. Möglicherweise sind es dess- 
wegen nur wenige, weil bei vielen infolge der Amnesie Unkenntniss 
des Verbrechens bestand; dies nimmt F. C. Müller an. Wahr- 
scheinlicher dünkt mir jedoch Foreis Annahme, dass darum 



282 Sittlichkeitsverbrechen an Hypnotisirten. 

criminelle Handlungen an Hypnotischen nur selten vorkommen, 
weil die Experimentatoren genau wissen, dass die Amnesie nur 
eine zeitweise ist, dass der Hypnotisirte unvermuthet sich aller 
früheren Erlebnisse während der Hypnose erinnern kann. In 
Deutschland wurden zur Zeit, wo der thierische Magnetismus blühte, 
eine Anzahl von an Magnetisirten begangenen Sittlichkeitsverbrechen 
zur gerichtlichen Kenntniss gebracht. 

Einen solchen veröffentlichte 1821 Wolfram. Es handelte 
sich um einen Arzt, der den magnetischen Schlaf zu einem Noth- 
zuchtsact benützt haben sollte. Die darauf folgende Schwanger- 
schaft suchte jener durch einen künstlichen Abortus zu beenden; 
dies führte ihn vor Gericht, wo aber Freisprechung erfolgte. 

Aus der neueren Zeit sind mehrere Fälle aus Frankreich am 
bekanntesten geworden. Eine genauere Literaturzusammenstellung 
findet man in dem Buche von Liegeois (De la Suggestion etc.). 
Der eine Fall betrifft einen Heilmagnetiseur in Marseille, der 
1853 gegen ein von ihm behandeltes Mädchen einen Nothzuchtsact 
im magnetischen Schlaf beging. Die Sachverständigen Co ste und 
Broquier, deren Urtheil sich die bekannten Aerzte für gericht- 
liche Medicin, Devergie und T a r d i e u anschlössen, gaben ihr 
Gutachten in dem Sinne ab, dass gegen ihren Willen, event. ohne 
Bewusstsein von dem Act, eine magnetisirte Person genothzüchtigt 
werden kann. 

Bekannter ist der Fall Castellan, den Prosper Despine 
berichtet, und der 1865 spielte. Es handelte sich um einen Fall 
von Nothzucht im offenbar hypnotischen Zustande, der übrigens 
sicherlich kein Zustand der Bewusstlosigkeit war. Liegeois sucht 
den Fall auf Suggestion zurückzuführen: Castellan, der Atten- 
täter, habe der von ihm missbrauchten Person, Josephine H. die 
Suggestion gegeben, ihn zu lieben, ihm zu vertrauen etc. Castellan 
wurde auf das Gutachten von Roux und Auban, das durch die 
Aerzte Heriart, Paulet und Theus bestätigt wurde, zu 
12 jährigem Zuchthaus verurtheilt, 

Interessant ist noch der Fall Levy, der im Jahre 1879 spielte. 
Es handelte sich um einen Zahnarzt Levy, der in Bouen ein 
Mädchen im magnetischen Schlafe notzüchtigte. Der Fall ist 
dadurch sehr merkwürdig, dass die Mutter des Mädchens gegen- 
wärtig war während des Nothzuchtsactes, diesen aber nicht be- 
merkte. Levy hatte seinen Untersuchungsstuhl so gestellt, dass 
er ungesehen sein Verbrechen ausführen konnte. Der Fall wurde 
seiner Zeit durch Brouardel gerichtlich begutachtet; der Atten- 
täter wurde zu lOjähriger Freiheitsstrafe verurtheilt. 



Strafrechtliche Beurtheilung der Sittlichkeitsverbrechen. 283 

Kurz erwähnt sei noch ein Fall, den Bellanger berichtet, 
wo eine Frau im magnetischen Schlafe von einem Arzte ge- 
nothzüchtigt und geschwängert wurde, sowie ein Fall, den Ladame 
in Genf 1882 begutachtete; der vermeintliche Attentäter wurde 
freigesprochen, da eine bewusste fälschliche Anschuldigung für 
möglich gehalten wurde. Luys erwähnt einen Fall, wo sogar 
syphilitische Infection der weiblichen Person bei dem Nothzuchts- 
acte erfolgte. 

Einige andere Fälle findet man bei L i e g e o i s , inGoltdammers 
Archiv 1863, sowie in F. C. Müllers Buch „Die Psychopathologie 
des Bewusstseins". Die Litteratur könnte noch ein wenig ver- 
mehrt werden, wenn einzelne autosomnambule Zustände gleichfalls 
hierher gerechnet würden. 

Die gerichtliche Beurtheilung derartiger Fälle würde, wenn 
die Sachlage klar wäre, keinerlei Schwierigkeiten begegnen. Es 
würden dieselben Strafparagraphen in Anwendung kommen, die 
beispielsweise gegen Missbrauch in der Chloroformnarkose bestehen. 

Es sind dies die folgenden Paragraphen des Straf-Ges.-B. 
§ 176, Abs. 2: 

Mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren wird bestraft, wer: 

2) eine in einem willenlosen oder bewusstlosen Zustand befindliche , oder 
eine geisteskranke Frauensperson zum ausserehelichen Beischlaf missbraucht. 

§ 177 des Straf-Ges.-B.: 

Mit Zuchthaus wird bestraft, wer durch Gewalt oder durch Drohungen mit 
gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine Frauensperson zur Duldung des 
ausserehelichen Beischlafes nöthigt, oder wer eine Frauensperson zum ausser- 
ehelichen Beischlaf missbraucht , nachdem er sie zu diesem Zweck in einen 
willenlosen oder bewusstlosen Zustand versetzt hat. 

§ 178 des Straf-Ges.-B.: 

Ist durch eine der im § 176 und § 177 bszeichneten Handlungen der Tod 
der verletzten Person verursacht worden, so tritt Zuchthausstrafe nicht unter 
10 Jahren oder lebenslängliche Zuchthausstrafe ein. 

Dass diese Paragraphen vollkommen genügen würden, ist keine 
Frage. Es sind hier Nothzuchtsacte, die an Personen, die in einem 
willenlosen oder bewusstlosen Zustande sich befinden, mit Strafe 
bedroht. Es würde sich nur darum handeln, ob wir den hypnotischen 
Zustand hierunter subsumiren können. Wir haben allerdings 
gesehen, dass es sich in Wirklichkeit nur um eine Bewusstseins- 
störung handelt, und dass auch die Willenlosigkeit ihre Grenzen 
hat. Wir müssen uns aber hier an den Sprachgebrauch des Straf- 
gesetzbuches halten, der von dem psychologischen erheblich abweicht. 
Nach der Auffassung, die Casper, Lim an dem Begriff Willen- 
losigkeit geben, würden sich Schwierigkeiten nicht herausstellen. 



284 "Weitere Verbrechen an Hypnotisirten. 

Danach will das Gesetz durch Anwendimg dieses Begriffes gerade 
Personen schützen, die vermöge ihres geistigen Zustandes das 
strafrechtliche Unterscheidungsvermögen für die qu. Handlung nicht 
besitzen. Hierunter würden mit grosser Leichtigkeit Personen zu 
subsumiren sein, die sich in hypnotischem Zustande befinden. Die 
Willenlosigkeit, die in diesen Paragraphen gemeint ist, bezieht 
sich wesentlich auf einen psychischen Zustand. Sollte übrigens 
der Begriff der Willenlosigkeit nicht genügen, so wäre der der 
Bewusstlosigkeit zu berücksichtigen, da auch in dem gleich 
zu erwähnenden § 51 des Straf- Ges. -B. (wenn auch irriger 
Weise) unter Bewusstlosigkeit lediglich Bewusstseinsstörung ver- 
standen wird. 

Von sonstigen Verbrechen, denen Hypnotisirte besonders aus- 
gesetzt sind, wären noch zu erwähnen: absichtliche Gesundheits- 
schädigungen, die durch posthypnotische Suggestion in einzelnen 
Fällen erzeugt werden können. Wir sahen oben, dass man auf 
diese Weise alle Arten von Lähmungen, Amnesien u. s. w. herbei- 
führen kann, ja dass es sogar einzelne Lähmungen mit objectiven 
Symptomen giebt: die S. 48 genannten psychischen Lähmungen. 
Dass diese posthypnotischen Suggestionen jemals forensische Be- 
deutung erreichen, ist nicht gerade wahrscheinlich; noch unwahr- 
scheinlicher erscheint mir die Annahme von Lafforgue, dass 
etwa jemand, um dem Militärdienst zu entgehen, sich würde eine 
Krankheit suggeriren lassen. Eventuell würden diejenigen Para- 
graphen des Straf-Ges.-B. zur Anwendung kommen, welche die vor- 
sätzliche Körperverletzung behandeln. 

Dass auch fahrlässige Körperverletzung bei Ausser- 
achtlassung der nothwendigen Cautelen möglich ist, brauche ich 
kaum auszuführen; ebensowenig die Frage der Freiheits- 
beraubung, die bei gegen den Willen des Sujets herbeigeführten 
Hypnosen vorliegen würde. 

Es ist, wie ich beiläufig hinzufüge, auch die Frage aufge- 
worfen worden, (Eoux-Freissineng), ob nicht jemand durch 
Suggestion sogar zu einem Selbstmord veranlasst werden könnte; 
eine Frage, die ich ohne Weiteres mit „ja" beantworten würde, 
wenn die Suggestion geschickt gemacht wird. 

Gerade nicht unmöglich ist es, dass jemand den hypnotischen 
Zustand dazu benütze, um sich einen rechtswidrigen Vermögen s- 
vortheil zu verschaffen. Hypnotisch und posthypnotisch kann 
man durch Suggestion jemanden zwingen, einen Schuldschein, eine 
Schenkungsurkunde u. dergl. zu unterschreiben. Ich habe bei Ge- 
legenheit eines Vortrags im preussischen Medicinalbeamtenverein 



Verbrechen, durch Hypnotisirte begangen. 285 

einen Herrn vorgestellt, der in dieser Weise posthypnotisch dem 
Verein eine Schenkung- versprach und ausdrücklich schriftlich er- 
klärte, dass er dies aus freien Stücken thäte, nachdem ich ihm die 
Suggestion vorher gegeben hatte, das Gefühl der Willensfreiheit 
zu haben. In ähnlicher Weise könnte man die Abfassung von 
Testamenten beeinflussen. 

Die civilrechtliche Bedeutung derartiger Acte werde ich später 
im Anschluss an v. Bentivegni ausführlich besprechen. Ob man 
strafrechtlich in solchen Fällen einschreiten würde, wage ich nicht 
zu entscheiden. 



Was nun die Verbrechen betrifft, die man durch Hypnotisirte 
ausführen lassen kann, so bestehen über die Bedeutung dieser 
Frage wesentliche Meinungsdifferenzen. Liegeois, der in wissen- 
schaftlicher Weise auf die forensische Bedeutung des Hypnotismus 
hingewiesen hat, hält die diesbezüglichen Gefahren für sehr gross, 
während Gilles de laTourette, Pierre Janet, Benedikt u. a. 
sie ganz und gar leugnen. 

Dass man im Studirzimmer durch Suggestionen alle möglichen 
imaginären Verbrechen hervorbringen kann, ist zweifellos. Ich 
selbst habe in dieser Hinsicht nur wenig eigene Erfahrungen; ich 
habe fast gar keine derartigen Suggestionen gemacht. Einmal ist 
das fortwährende Wiederholen derselben Suggestionen überflüssig. 
Wenn man nicht die Versuchsbedingungen ändert, ist ein derartiges 
Nachtreten, das lediglich den Zweck hat, feststehende Thatsachen 
zu bestätigen, überflüssig. Und von diesen criminellen Suggestionen 
wurde ich speciell dadurch abgeschreckt, dass dieselben einen nicht 
ganz angenehmen Eindruck machen. Ich glaube zwar nicht, dass 
durch sie dem moralischen Gefühl des Betreffenden ein Schaden 
zugefügt würde; ich bin vielmehr überzeugt, dass man durch rich- 
tiges Desuggestionniren die Sache in Vergessenheit gerathen lassen 
kann, sodass ein dauernder Schaden nicht hervorgerufen wird. 
Sicherlich aber beweisen diese im Laboratorium angestellten Ver- 
suche nichts, da hierbei gewöhnlich ein Rest von Bewusstsein be- 
steht. Dasselbe sagt dem Hypnotischen sehr oft, dass das Ganze 
doch nur eine Comödie sei (Franck, Delboeuf); dadurch wird der 
Hypnotische naturgemäss viel weniger Widerstand entgegensetzen; 
er wird mit einem Stück Papier einen Mordversuch viel leichter 
ausführen, als mit einem wirklichen Dolch, da eben, wie oben 
gezeigt wurde, fast stets ein dunkles Empfinden für die wahre 



286 Praktische Bedeutung der Frage. 

Situation auch bei dem tief Hypnotisirten besteht. Diese im Studir- 
zimmer von Liegeois, Foureaux u. a. angestellten Versuche 
können demnach einen Beweis für die Gefahren nicht bieten. 

Hingegen hat Liegeois einige diesbezügliche Versuche mit 
allen äusseren Zeichen des Ernstes, selbst mit Betheiligung von 
Gerichtsbeamten angestellt. Er hat derartige Versuche sowohl 
hypnotisch, wie posthypnotisch und sogar durch Suggestion im 
wachen Zustande ausführen lassen. So sah er, dass ein Mädchen 
einen Revolver, den es für geladen hielt, gegen die eigene Mutter 
abschoss; dass eine andere ein vermeintliches Arsenikpulver einer 
Verwandten ins Wasser that. Es lässt sich demnach die Möglich- 
keit, dass in dieser Weise einmal ein Verbrechen begangen werde, 
gar nicht bestreiten, wie Liegeois und Forel betonen. Ich 
glaube auch aus theoretischen Gründen, eine derartige Möglichkeit 
für einzelne Personen annehmen zu müssen. Dass manche Ueber- 
treibung vorliegen mag, ist wohl richtig. So sind z. B. nur wenige 
Personen ohne wiederholte Hypnotisirung so suggestibel, dass man 
ihnen eine criminelle Snggestion geben kann. Dass viele selbst 
nach langer Dressur das Verbrechen nicht ausführen würden, ist 
auch richtig (Delboeuf). Gilles de la Tourette betont 
ausserdem, dass der Verbrecher, der eine criminelle Suggestion 
giebt, dadurch vor der Entdeckung nicht leichter geschützt wäre, 
als wenn er selbst das Verbrechen ausführen würde. Sicherlich 
ist ja ein Hypnotiker gerade kein bequemes und vortheilhaftes 
Instrument, um ein Verbrechen ausführen zu lassen. Es kommt 
ferner hinzu, dass, wer auf hypnotische Suggestion hin ein Ver- 
brechen beginge, gewöhnlich schon nicht den ehrenhaftesten 
Charakter besitzen dürfte, da entschieden ethisch defecte Personen 
eher dazu gebracht werden können, als Personen mit festen sitt- 
lichen Grundsätzen (Forel). Dennoch ist aber die Möglichkeit 
crimineller Suggestionen nicht vollständig ausgeschlossen. Forel 
hält übrigens mit Eecht für die grösste Gefahr die, dass der Hyp- 
notiseur gleichzeitig mit der criminellen Suggestion die Eingebung 
machen kann, dass die Versuchsperson an ihren freien Willens- 
entschluss glaube, dass sie den Zwang gar nicht bemerke. Freilich 
dürfte gerade dieses nur bei ethisch defecten Personen möglich sein. 

Liegt nun einmal forensisch ein derartiger Fall vor, so würde 
sich der Sachverständige nach folgenden Ausführungen zu richten 
haben. Wie oben erwähnt, können alle Suggestionen, und ebenso 
natürlich auch die criminellen, hypnotisch und posthypnotisch ein- 
gegeben werden, und es würde danach auch die gerichtliche Bc~ 
urtheilung "verschieden sein. 



Strafrechtliche Beurtheilung der durch Hypnotisirte begangenen Verbrechen. 287 

Wird, was wohl schwerlich je der Fall sein dürfte, das Ver- 
brechen durch hypnotische Suggestion ausgeführt, so würde der 
§ 51 des Str.-Ges.-B. in Betracht kommen: 

Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn der Thäter zur Zeit 
der Begehung der Handlung sich in einem Zustand der Bewusstlosigkeit oder 
krankhafter Störung der Geistesthätigkeit befand, durch welchen seine freie 
Willensbestimmung ausgeschlossen war. 

Unter Bewusstlosigkeit ist hier nach Schwär tzer, Casper, 
Li man Bewusstseinsstörung zu verstehen, da in einem Zustande 
der Bewusstlosigkeit eine strafbare Handlung überhaupt nicht be- 
gangen werden kann. Es war gerade die Absicht des Gesetzgebers, 
gewisse Zustände unter Bewusstlosigkeit zusammenzufassen, die 
sich nicht ohne Weiteres als krankhafte Störung der Geistes- 
thätigkeit auffassen lassen, also Rauschzustände, gewisse Affecte, 
somnambule Zustände u. dgl. (Casper. Li man), so dass nicht die 
geringste Schwierigkeit sich ergiebt, wenn wir auch den Hyp- 
notismus darunter rechnen. Ich habe ausserdem S. 164 schon die 
Gründe auseinandergesetzt, wesshalb die Hypnose nicht leicht als 
Geistesstörung, resp. krankhafte Geistesstörung zu bezeichnen ist. 

Wird jedoch die strafbare Handlung durch posthypnotische 
Suggestion ausgeführt, so läge die Sache anders. Wir haben S. 113 
gesehen, dass der psychische Zustand, in welchem posthypnotische 
Suggestionen sich realisiren, verschieden ist; entweder ist es ein 
vollkommen normaler Zustand oder es ist ein abnormer. Ob wir 
diesen abnormen Zustand als eine gewöhnliche Hypnose betrachten, 
ob wir ihn auffassen als einen besonderen Zustand, wie Liegeois, 
Beaunis, Gurney, ist vollkommen gleichgiltig für die forensische 
Bedeutung, da jederzeit der § 51 Anwendung finden könnte. 

Ob für diejenigen Fälle, in denen die Suggestion sich in 
wachem Zustande realisirt, der § 52 des Str.-Ges.-B. ausreichen 
würde, der Handlungen für nicht strafbar erklärt, wenn der 
Thäter durch unwiderstehliche Gewalt dazu genöthigt wurde, die 
Entscheidung darüber überlasse ich den Juristen. Es scheint mir 
jedoch, dass principielle Bedenken hier nicht entgegenstehen würden. 

Ich habe hier und auch früher (S. 114) denjenigen Zustand, bei dem die 
posthypnotische Suggestion sich realisirt, ohne dass mit Ausnahme dieses einen 
Punktes eine Abweichung des psychischen Zustandes erkennbar wäre, als wachen 
Zustand angenommen. Ich that dies aber nur, um die Erörterungen nicht zu sehr 
zu compliciren ; man ging früher über diesen Punkt ziemlich gleichgiltig hinweg ; 
doch hat v. Bentivegni in neuerer Zeit ihm besondere Aufmerksamkeit zu- 
gewendet. Ich will desshalb jetzt die Frage besprechen, ob es denn einen psy- 
chischen Zustand giebt, den man als normalen Zustand gelten lassen kann, wenn 
er in einem Punkte eine Abweichung zeigt, wie es etwa bei in anscheinend 
normalem, wachem Zustande realisirter posthypnotischer Suggestion der Fall wäre. 



288 Forensische Beurtheilung posthypnotischer Suggestionen. 

Nehmen wir zunächst einen einfachen Fall, wo ich zu X. in Hypnose sage: 
„Nach dem Erwachen werden Sie dem anwesenden A. einen Stoss in den Bauch 
geben." X. erwacht und führt triebartig die anbefohlene Handlung aus. Er er- 
innert sich ihrer nachher genau ; weder vor, noch während oder nach Ausführung 
derselben gelingt es, X. irgend eine weitere Suggestion zu machen. Es scheint 
demgemäss, dass X. mit Ausnahme dieses einen Punktes ganz normal ist. Die 
moderne Psychiatrie und besonders auch die forensische Psychopathologie be- 
streitet aber ganz entschieden, dass jemand in einem Punkte psychisch abnorm, 
sonst aber normal sein könne; vielmehr ist nach ihr eine geistige Störung, die 
sich in einem Punkte zeigt, lediglich Symptom einer allgemeinen geistigen Störung 
(v. Krafft-Ebing, v. Bentivegni, Morel, Maudsley). Es würde sich dem- 
gemäss, auch bei scheinbarem normalen Zustande während der Realisirung der 
posthypnotischen Suggestion, in Wirklichkeit um einen abnormen Geisteszustand 
handeln, wie v. Bentivegni betont. Nun meint aber dieser Autor weiter mit 
Becht, dass man trotzdem dies keineswegs für jede posthypnotische Suggestion 
annehmen könne ; man müsste sonst schliesslich auch jeden, der eine therapeutische 
posthypnotische Suggestion erhalten hat, für psychisch anormal erklären, während 
er diese realisirt. Nehmen wir folgenden Fall: Y. ist in meinem sehr warmen 
Zimmer hypnotisirt und erhält von mir den Befehl, in einer halben Stunde mir 
zu sagen: „Es ist furchtbar warm in Ihrem Zimmer." Vorausgesetzt nun, dass es 
wirklich so warm in meinem Zimmer ist, würde diese Angabe, d. h. die Erfüllung 
jener posthypnotischen Suggestion in keiner Weise genügen, um desshalb einen 
neuen abnormen Zustand während der Realisirung der posthypnotischen Suggestion 
anzunehmen. 

Wir haben also gesehen, dass diese — es sind nur die Fälle berücksichtigt, 
wo sonst kein Zeichen eines neuen abnormen Zustandes eintritt — bald mit einer 
Veränderung des gesammten psychischen Zustandes, bald bei vollkommener Nor- 
malität desselben sich realisirt. Es fragt sich nur, wonach sollen wir die Ent- 
scheidung treffen, welche dieser beiden Eventualitäten eintritt. Es ist schwer, ein 
festes Kriterium hierfür zu finden; indessen will es mir scheinen, dass das von 
v. Bentivegni angegebene, so vage es auch sonst ist, das einzige ist, nach dem 
wir uns für heute richten können, v. Bentivegni sagt: „Es kann der Zustand 
während der Realisirung einer posthypnotischen Suggestion nur dann als normal 
gedacht werden, wenn die hierbei entwickelte Motivationskraft der Suggestion sich 
auch aus den normalen Anlagen des Individuums erklären lässt, und wenn sie 
sich nicht derart mit der Wirklichkeit in Widerspruch setzt, dass derselbe von 
dem normalen Individuum sofort entdeckt und berichtigt werden muss." Nach 
diesem letzteren Passus würden posthypnotische Sinnestäuschungen selbst ohne 
neue Suggestibilität ohne Weiteres einen abnormen Seelenzustand begründen ; nach 
dem ersten Passus würde für zahlreiche posthypnotisch ausgeführte Acte gleich- 
falls ein abnormer Bewusstseinszustand angenommen werden müssen, selbst wenn 
keine neue Suggestibilität auftritt. Freilich ist das Urtheil darüber im einzelnen 
Falle oft kaum abzugeben, ob ein Individuum die Motivationskraft des posthypno- 
tisch ausgeführten Actes seinen normalen Anlagen entnimmt oder nicht. Dennoch 
haben wir durch v. Bentivegni doch einen Anhaltspunkt zur Beurtheilung jener 
zweifelhaften posthypnotischen Zustände gefunden. 

Ich wende nun auf die beiden oben gewählten Beispiele das zuletzt Gesagte 
an. Die eine posthypnotische Suggestion bezog sich darauf, dass X. nach dem 
Erwachen dem A. einen Stoss in den Bauch geben sollte. Nehmen wir nun an, 
dass X. ein Triedfertiger Mensch ist, der gegen A. gar keine böoen Gedanken hat, 






Strafrechtliche Beurtheilung der durch Hypnotisirte begangenen Verbrechen. 289 

so würde X. bei Ausführung der Suggestion den Act aus seinen normalen Anlagen 
nicht motiriren können; mithin würde nach v. Bentivegni dieser posthypnotische 
Zustand ein abnormer sein. Anders in dem Falle, wo Y. (S. 288) nach dem Er- 
wachen sich über die grosse Hitze wundert. Es ist nicht gerade unnatürlich, 
dass Y. zu einer derartigen Aeusserung veranlasst wird, vorausgesetzt, dass es 
wirklich so warm ist. Mithin läge hier keinerlei Grund vor, aus dem posthyp- 
notisch ausgeführten Act auf einen allgemeinen abnormen Seelenzustand zu schliessen. 
Dass in vielen Fällen die Frage dennoch schwer zu entscheiden ist, unterliegt 
keinem Zweifel, weil eben der Begriff „normale Anlagen des Individuums" kein 
leicht zu bestimmender ist. Dennoch hat v. Bentivegni uns in der Beurthei- 
lung posthypnotischer Zustände einen grossen Schritt weiter gebracht. 

Nachdem wir in dieser längeren Abschweifung die Beurtheilung 
posthypnotischer Zustände, bei denen Zeichen neuer Hypnose nicht 
auftreten, kennen gelernt haben, kehren wir zur strafrechtlichen 
Bedeutung solcher Fälle zurück. Wir haben gesehen, dass post- 
hypnotische Verbrechen in scheinbar normalem Zustande begangen 
werden können, und wir sahen, dass wahrscheinlich der § 52 des 
Str.-Ges.-B. derartige Personen vor Strafe schützen würde, da sie 
durch unwiderstehliche Gewalt dazu genöthigt wurden. Nach den 
Ausführungen v. Bentivegnis könnte aber auch unter Um- 
ständen der § 51 des Str.-Ges.-B., den ich oben citirt habe, straf- 
ausschliessend für solche Fälle wirken. Denn auch hier könnte 
man im Sinne des Strafgesetzbuches unter Umständen einen Zustand 
von Bewusstlosigkeit, resp. Bewusstseinstörung annehmen, wie wir 
soeben gesehen haben. 

Derjenige, der die criminelle Suggestion gegeben, würde unter 
Umständen als Anstifter zu beurtheilen sein. 

Desjardins in Frankreich spricht übrigens die sonderbare 
Ansicht aus, es solle jeder, wenn er durch hypnotische oder post- 
hypnotische Suggestion ein Verbrechen vollführt, strafbar sein, 
weil er die Möglichkeit dieser Suggestion habe voraussehen müssen. 
Doch ist ein derartiger Standpunkt nach v. Lilienthal voll- 
kommen unhaltbar. Es wäre wohl jedenfalls eine auffallende Ge- 
richtsbarkeit, die jemanden bestraft, der ein Verbrechen in willens- 
unfreiem Zustand begangen hat, ohne das Verbrechen zu beabsichtigen. 

Anders läge die Frage, wenn der Hypnotische lediglich, um 
sich die criminelle Suggestion geben zu lassen, die Herbeiführung 
der Hypnose verlangt hat, etwa in der Absicht, mehr Muth bei 
Ausführung des Verbrechens zu haben. In diesem Falle wäre 
nach v. Lilienthal der Hypnotische strafbar. Die Selbstbe- 
stimmungsfähigkeit war eine normale im Augenblick des Entschlusses. 
Die Verursachung des Erfolges beginnt aber mit der Herbeiführung 
der Hypnose, infolge dessen müsse Bestrafung des Hypnotischen 
erfolgen (v. Lilien thal). 

Moll, Hypnotismus. 19 



290 Strafrechtliche Beurtheilung der durch Hypnotisirte begangenen. Verbrechen. 

Canipili, der ausführlich die verschiedenen forensischen 
Fragen, die sich an den Hypnotismus knüpfen, erörtert, trennt 
hierbei den Standpunkt der 2 Schulen: der klassischen und der 
anthropologischen. 1 ) Nach jener sei Strafbarkeit in dem letzt- 
erwähnten Fall nicht vorhanden, da bei Ausführung des Verbrechens 
keine Ueberlegung bestand; nach dieser müsse Bestrafung eintreten 
wegen der Gefährlichkeit derartiger Personen. 

Selbstverständlich würde nicht jedem, der in der Hypnose eine 
criminelle Suggestion erhalten hat und diese realisirt, der Schutz 
der §§ 51 und 52 zukommen. Es wäre wesentlich, dass die Tiefe 
der Hypnose hinreichte, um dem Eelativsatz des § 51 zu genügen, 
d. h. es müsste die Hypnose so tief sein, dass dadurch die freie 
Willensthätigkeit ausgeschlossen war; andererseits würde bei An- 
wendung des § 52 zu berücksichtigen sein, dass die G-ewalt wirklich 
eine unwiderstehliche war. Ein leichter hypnotischer Zustand 
würde hier keineswegs genügen, ebensowenig wie eine leichte An- 
getrunkenheit genügt, um ohne Weiteres strafausschliessend zu 
wirken. 

Würde man übrigens die Hypnose als Geisteskrankheit be- 
trachten, dann müssten alle in irgend einem hypnotischen Zustand 
ausgeführte Handlungen straffrei bleiben. Es wäre wenigstens ein 
Novum, wenn eine im geisteskranken Zustand ausgeführte Hand- 
lung strafbar wäre. Dem widerspricht der heutige Brauch, wenn 
auch nach dem Buchstaben des Gesetzes ein Hinderungsgrund 
nicht vorläge. 



Die civilrechtliche Bedeutung der Hypnose ist früher gar 
nicht ernstlich untersucht worden. Die meisten Forscher gingen 
über diese Frage in der Annahme hinweg, dass der Hypnotismus 
forensische Bedeutung nur mit Bezug auf das Strafrecht gewinnen 
könne. Doch hat v. Bentivegni in einer sehr ausführlichen 
Arbeit dargethan, dass unabhängig vom Strafrecht der Hypnotismus 
sehr wohl auch eine civilrechtliche Bedeutung erlangen könne. Ich 
bin leider zu wenig Fachmann, um mir in dieser Frage ein Urtheil 
zu erlauben. Die Hauptpunkte, die in Folgendem besprochen werden, 



*) Es sei kurz bemerkt, dass in Italien diese 2 Schulen sich schroff gegen- 
überstehen; die klassische Schule erkennt vollkommen die Willensfreiheit an, 
die anthropologische nicht. Dennoch lässt auch diese Schule eine Bestrafung 
zu, aber nur desswegen, weil das betreffende Individuum gemeingefährlich ist, 
nicht aber, weil es das Verbrechen selbst in willensfreiem Zustande ausgeführt hat. 



Die Geschäftsfähigkeit Hypnotisirter. 291 

sind desshalb der Arbeit v. Bentivegnis entlehnt, die übrigens 
auch sonst in Bezug auf den Hypnotismus zahlreiche neue Gesichts- 
punkte darbietet. 

Es unterscheidet v. Bentivegni bei der civilrechtlichen Be- 
deutung des Hypnotismus die Geschäftsfähigkeit und dieDelicts- 
fähigkeit. Jene bezeichnet denjenigen Grad von Willensfreiheit, 
der erforderlich ist für die Handlungsfähigkeit mit Bezug auf 
Rechtsgeschäfte; die Delictsfähigkeit umfasst denjenigen Grad von 
Willensfreiheit, welcher die Verantwortlichkeit für unerlaubte 
Handlungen herbeiführt. 

Was die Geschäftsfähigkeit anlangt, so genügt nach 
v. Bentivegni schon das Bestehen der hypnotischen Suggestibilität, 
um die Geschäftsfähigkeit auszuschliessen, da hier das Vermögen mit 
Vernunft und Ueberlegung zu handeln fehlt. Freilich kommt nach 
v. Bentivegni auch der Grad der Hypnose in Betracht, da ein ganz 
leichter hypnotischer Zustand kaum genügen würde, um die Geschäfts- 
fähigkeit auszuschliessen. Wichtig ist, dass nach v. Bentivegni im 
Gegensatz zu früher bestehenden Ansichten nicht nur diejenigen Ge- 
schäfte ungiltig sind, die durch hypnotische Suggestion abgeschlossen 
werden, dass vielmehr das Bestehen der hypnotischen Suggestibilität 
unter Umständen allein genügt, um jede Geschäftsfähigkeit zu be- 
seitigen, auch insofern sie nicht suggerirte Geschäfte anlangt. 

Ganz ebenso liegt nach v. Bentivegni die Sache für manche 
posthypnotische Suggestion, für welche er mehrere Fälle unter- 
scheidet. Alle jene Geschäfte, welche in einem posthypnotischen 
Zustande abgeschlossen werden, bei dem die hypnotische Suggesti- 
bilität von neuem eingetreten ist, sind ungiltig. Auch schliesst der 
Zustand bei Erfüllung einer posthypnotischen Suggestion, der mit 
nachheriger Amnesie des posthypnotisch ausgeführten Actes ver- 
bunden ist, ohne bestehende Suggestibilität, nach v. Bentivegni 
die Geschäftsfähigkeit aus. Wir haben aber ferner S. 114 gesehen, 
dass eine Person anscheinend vollkommen wach sein kann und 
trotzdem eine posthypnotische Suggestion sich realisirt, selbst ohne 
dass jene es merkt, ohne dass sie in neue Hypnose kommt und so 
dass sie ganz ruhig dabei ihre begonnenen Gespräche fortsetzt. Es 
fragt sich nun, ob derartige posthypnotische Suggestionen die Ge- 
schäftsfähigkeit beeinflussen; v. Bentivegni beurtheilt dies nach 
dem Charakter der posthypnotischen Suggestion. Wenn die Er- 
füllung der posthypnotischen Suggestion sich lediglich auf Be- 
wegungen oder Thätigkeiten erstreckt, welche die Person auch sonst 
ganz automatisch ausführt, so liegt keine Veranlassung vor, die 
Geschäftsfähigkeit zu bezweifeln. Es giebt z. B. Personen, die die 

19* 



292 Die Geschäftsfähigkeit Hypnotisirter. 

Gewohnheit haben, auf Papier zu kritzeln. Wenn die Person nun 
solche Bewegungen posthypnotisch ausführt, so ist nach v. Benti- 
vegni eine Geschäftsunfähigkeit nicht vorhanden. Diese tritt aber 
ein, sobald eine Thätigkeit suggerirt wird, welche die Person unter 
normalen Verhältnissen nicht ausführen würde. Sehr schwierig ist 
nach v. Bentivegni die Frage dann, wenn die posthypnotische 
Suggestion in anscheinend vollkommen wachem Zustande ausgeführt 
wird, d. h. ohne jede Suggestibilität und ohne jede Amnesie. Nach 
v. Bentivegni kommt, wie wir S. 288 schon sahen, es hierbei ganz 
und gar auf den Charakter der posthypnotischen Suggestion an. 
Es fragt sich: ist der Inhalt derselben ein solcher, dass sich ihre 
Aufnahme in das Bewusstsein und ihre Motivationskraft mit dem 
übrigen Bewusstseinsinhalt der Person verträgt, oder ist dies nicht 
der Fall? v. Bentivegni erzählt folgende zwei Beispiele, um 
Eventualitäten zu zeigen. 1) A. ist B. 500 Mark schuldig, hat es 
aber vergessen ; in der Hypnose wird A. der Befehl ertheilt, B. bei 
nächster Gelegenheit die geschuldeten 500 Mark zurückzugeben. 
A. kommt diesem posthypnotischen Befehl nach. 2) Dem C, der sich 
in schlechten Vermögensverhältnissen befindet, wird in der Hypnose 
befohlen, nach dem Erwachen dem ihm unsympathischen D. sein 
gesammtes Mobiliar zu schenken. C. erwacht, die suggerirte Vor- 
stellung taucht in ihm auf, sobald er den D. sieht; er sträubt sich 
anfangs gegen dieselbe, unterliegt aber schliesslich und führt den 
erhaltenen Befehl in aller Form aus. Im Beispiel I. ist nach 
v. Bentivegni weder die Zurechenbarkeit der einzelnen Handlung 
noch die Geschäftsfähigkeit im Allgemeinen anzuzweifeln, weil die 
Suggestion hier alle Elemente bereits im Bewusstsein antraf, welche 
sie zu ihrer Motivation bedurfte. Anders im Beispiel IL Hier musste 
in dem Bewusstsein des C. eine gewaltige Umwälzung vorgehen, 
ehe er die seinen Interessen so sehr widersprechende Suggestion 
erfüllte. Hier ist nach v. Bentivegni die Geschäftsunfähigkeit 
mindestens für die einzelne Handlung anzuzweifeln. 

In anderen Fällen geht die Geschäftsunfähigkeit noch viel 
weiter, da man Personen durch posthypnotische Suggestion eine 
Wahnvorstellung suggeriren kann, und da doch diese zweifellos, 
so lange sie besteht, Geschäftsunfähigkeit herbeiführt, ähnlich wie 
Wahnvorstellungen bei Geisteskranken ; es schlägt v. Bentivegni 
vor, einstweilen anzunehmen, dass die Geschäftsfähigkeit einer 
Person, die im wachen Zustande von einer posthypnotisch sugge- 
rirten Vorstellung beherrscht ist, dann ausgeschlossen werden 
muss, wenn diese Vorstellung bei spontanem Auftreten partiell 
oder ganz die Geschäftsfähigkeit beseitigen würde. 



Die Delictsfähigkeit Hypnotisirter. 293 

Endlich bespricht v. Bentivegni ausser den posthypnotischen 
Suggestionen, welche das Bewusstsein nicht störend beeinflussen, 
und denen, welche das Bewusstsein nach Art der Wahnvorstellung 
umgestalten, noch eine dritte Kategorie von Suggestionen. Eine 
solche wäre z. B. die jemandem in Hypnose gegebene unwahre 
Suggestion, dass ein gewisser Stahlstich ein Oelgemälde sei. Hier 
würde rechtlich der Irrthum in Betracht kommen, d. h. die Un- 
kenntniss des wirklichen Sachverhaltes. Es ist aber ferner die 
Frage wichtig, ob ein suggerirter Irrthum entschuldbar ist; im 
Allgemeinen nach v. Bentivegni wohl. Wenn der Irrthum ein 
entschuldbarer ist, so würde Schadenersatzpflicht nicht bestehen. 

Ausser der Geschäftsfähigkeit erörtert v. Bentivegni die 
Delictsfähigkeit. Delict ist zurechenbares, Unrecht, seine Be- 
gehung verpflichtet den Thäter civilrechtlich zum Schadenersatz. 
Nach dem Preussischen Landrecht sind alle beschädigenden Thätig- 
keiten unzurechenbar, welche in einem Zustande ausgeübt wurden, 
während dessen jemand seiner Vernunft nicht mächtig war, daher 
nicht in der Lage war, seine Handlungen normal zu gestalten, 
willkürlich zu handeln. Es gelten mithin die Eesultate, die wir 
nach v. Bentivegni über die Geschäftsunfähigkeit kennen lernten, 
auch für die Delictsunfähigkeit. Sie besteht für alle Thätigkeiten 
während des Bestehens einer hypnotischen Suggestibilität, wie sie 
bei der tiefern Hypnose und einigen posthypnotischen Zuständen 
mit Suggestibilät auftritt, ferner für die posthypnotischen Zu- 
stände, an die sich Amnesie schliesst. Ist durch eine posthypno- 
tische Suggestion eine derartige Spaltung entstanden, dass un- 
abhängig von der normalen Thätigkeit ein anderer suggerirter 
Act ausgeführt wird; also ein suggestionnirtes Sujet nach der Hyp- 
nose, aber unter dem Einfluss einer posthypnotischen Suggestion 
einer andern Person einen Schaden zufügt, so wird das Sujet dann 
nicht ersatzpflichtig, wenn es nach den vorigen Auseinander- 
setzungen nicht geschäftsfähig ist. Es muss aber derjenige, der 
sich in die Hypnose lediglich desshalb versetzen lässt, um in diesem 
Zustand ungestraft zu delinquiren, für jeden Schaden aufkommen, 
wie sich aus einer Bestimmung des Allgemeinen Landrechts er- 
giebt (v. Bentivegni). 

Endlich weist v. Bentivegni noch auf die folgenden Para- 
graphen aus dem Allgemeinen Landrecht hin: 

Wer eines anderen unwillkürliche Handlung, wodurch derselbe sich selbst 
oder einem Dritten schädlich geworden ist, aus Vorsatz, grobem oder massigem 
Versehen veranlasst hat, haftet für den dadurch verursachten Schaden. 



294 Suggestive Fälschung von Zeugenaussagen. 

Wer wissentlich etwas geschehen lässt, was er zu verhindern schuldig und 
vermögend gewesen, hat ehen die Verantwortung, als ob er solches befohlen hätte. 

Darnach kann der Hypnotiseur für den, vom Hypnotisirten 
während der Hypnose oder deren Folgezustände angerichteten Schaden 
unter Umständen ersatzpflichtig- werden. „Die straffe Handhabung 
jener beiden Paragraphen würde eventuell ein sehr wirksames Mittel 
gegen die Unzuträglichkeiten sein, welche aus dem leichtsinnigen 
Hypnotisiren und aus der etwaigen Verwerthung der Hypnose als 
Gesellschaftsspiel entstehen können" (v. Bentivegni). 

Ich konnte selbstverständlich nicht auf alle Punkte hier 
eingehen ; ich habe, wie man schon aus den vielen Citationen ersieht, 
alle Hauptpunkte, welche von der civilrechtlichen Bedeutung der 
Hypnose handeln, der tiefgründigen Arbeit von v. Bentivegni 
„Die Hypnose und ihre civilrechtliche Bedeutung" entnommen. 
Wer sich eingehend über die Frage unterrichten will, dem sei diese 
Arbeit empfohlen. 



Eine grosse Wichtigkeit haben forensisch die retroactiven 
Hallucinationen. Sie können verwendet werden, um Zeugen- 
aussagen zu fälschen. Man ist dadurch im Stande, Leute glauben 
zu machen, dass sie gewisse Scenen, event. auch Verbrechen gesehen 
haben, u. s. w. Ebenso wie ich oben bereits auf die xAnalogie 
dieser retroactiven Suggestion mit manchen Erscheinungen des 
normalen Lebens hinwies, ebenso thue ich es hier nochmals. Das 
Abrichten von Zeugen glaubt v. Lilienthal als eine ähnliche 
Erscheinung deuten zu müssen, ebenso wie F o r e 1 die Bearbeitung 
gerichtlicher Parteien durch die Anwälte. Aehnlich spricht sich 
über diese Frage auch Max Dessoir aus. Bernheim und Motet 
glauben, dass der Tisza-Eszlarer Process das Product einer der- 
artigen retroactiven Suggestion war, die bei Moritz Scharff ohne 
Hypnose hervorgerufen wurde. Bekannt ist, dass vor Gericht und 
auch im sonstigen Leben oft zwei Parteien absolut Entgegen- 
gesetztes behaupten, dass sie dies aber, ohne bewusst eine Unwahrheit 
zu sagen, thun. „Der Wunsch ist der Vater des Gedankens" lautet 
ein altes Wort; und jede Partei stellt sich die Sache so dar, wie 
sie sie zu sehen wünscht. Daraus geht dann allmählich eine 
wirkliche Erinnerungstäuschung hervor. 

Bernheim giebt ausdrücklich einige Vorsichtsmassregeln an, 
durch die es verhindert werden soll, falsche Aussagen vor Gericht 



Forensische Verwerthung des Hypnotismus. 295 

in Zeugen hinein zu examiniren. Er meint besonders, dass es gut 
sei, die Suggestibilität des Zeugen zu prüfen, man könne dies 
dadurch thun, dass man absichtlich in ihn eine Antwort hinein- 
examinirt, deren Unrichtigkeit leicht erwiesen werden könne. Dieser 
auch von Forel unterstützte Rath mag an sich sehr selbstver- 
ständlich scheinen, ist aber wichtig. Er hat jedenfalls einen 
eminenten praktischen Werth. Wie leicht unter dem Einflüsse der 
psychischen Erregung vor Gericht Irrthümer vorkommen können, 
liegt auf der Hand. Jeder Erregungszustand vermindert an sich 
die kaltblütige Ueberlegung, die für einen zuverlässigen Er- 
innerungsact nothwendig ist. 

Es ist Bernheims Verlangen gewiss nicht so unbegründet, 
wenn man bedenkt, dass er selbst eine ganze Reihe von Versuchen 
gemacht hat, in denen es ihm gelang, durch Suggestion ohne 
Hypnose vollkommene Erinnerungstäuschungen zu erzeugen, das 
Gedächtniss von Personen direct so zu beeinflussen, dass diese 
glaubten, Zeugen bei Ereignissen, z. B. bei Diebstählen gewesen 
zu sein, die nur in der Einbildung bestanden und in der Wirk- 
lichkeit keinen Boden hatten. 



Ich komme nun zu der Frage: kann der Hypnotismus vor 
Gericht irgendwie praktisch verwerthet werden? So fernliegend 
manchem die Frage scheinen mag, so ist gar nicht in Abrede zu 
stellen, dass dieselbe jeden Moment praktische Bedeutung erlangen 
kann. Ist nun eine Hypnotisirung vor Gericht unter heutigen 
Verhältnissen zulässig ? Sicher zu bestimmten Zwecken und unter 
gewissen Bedingungen (v. Lilie nthal). 

Die gelegentlich aufgeworfene Frage, ob mau den Hypnotismus 
verwerthen dürfe, um Zeugenaussagen zu erhalten, die ein An- 
geklagter oder Zeuge im wachen Zustande nicht geben will, ist 
allerdings nach der heutigen Strafprocessordnung zu verneinen. 

Was übrigens den praktischen Werth eines derartigen Ver- 
fahrens anlangt, so sind hier viele Uebertreibungen verbreitet. 
Zunächst sind, wie (S. 33) auseinandergesetzt wurde, nur wenige 
Personen gegen ihren eigenen Willen zu hypnotisiren, zumal wenn 
sie die nöthigen Bedingungen nicht erfüllen. Dass aber ein nicht 
geständiger Verbrecher sich dazu hergeben würde, die Bedingungen 
zu erfüllen, ist gerade nicht anzunehmen. 



296 Forensische Verwerthung des Hypnotismus. 

Ausserdem aber ist es nach meinen Erfahrungen ein Irrthum 
zu glauben, dass der Hypnotische ohne Weiteres seine Geheimnisse 
ausplaudere. Dies ist eine falsche Annahme, die aus einem Buch 
in das andere übergeht, die aber dadurch nicht richtig wird. Man 
stützt sich immer auf einige wenige Fälle, die in dieser Richtung 
bekannt geworden sind, u. a. den von Giraud-Teulon und 
Demarquay, die eine Dame aus der Hypnose wecken mussten, 
weil dieselbe anfing, Geheimnisse auszuplaudern, sowie einen Fall 
von Brierre deBoismont, der Aehnliches von einer durch einen 
Arzt mehrfach magnetisirten Dame erzählt. Ohne die Realität 
einzelner derartiger Fälle bestreiten zu wollen, muss ich betonen, 
dass jedenfalls ein solches spontanes Ausplaudern eine seltene Er- 
scheinung ist. Ich habe es nie beobachtet. Der Hypnotisirte behält 
nach meiner Erfahrung auch in der Hypnose seine Individualität 
bei; Dinge, über die er nicht sprechen will, verschweigt er. Die 
weitere Frage, ob man den Hypnotischen durch Suggestion zum 
Sprechen veranlassen kann, ist wohl für einzelne Fälle mit „ja" 
zu beantworten. Ich besitze in dieser Richtung fast gar keine 
eigenen Erfahrungen. In einem Falle sah ich einen heftigen Kinn- 
backenkrampf eintreten, als der Hypnotische fürchtete, dass ihm ein 
Wort entschlüpfen möchte. Der Krampf war so stark, dass es nicht 
möglich war, ihn künstlich zu lösen. 

Viel leichter, als durch eine einfache Suggestion kommt man 
jedenfalls auf Umwegen zum Ziel und zwar ähnlich, wie wir 
(S. 128) schon besprochen haben, dadurch, dass man eine falsche 
Prämisse suggerirt. Man suggerire z. B. dem Hypnotischen die 
Anwesenheit einer Person, der er die Sache ausplaudern würde, 
oder die Abwesenheit von Personen, vor denen er eine Auskunft 
nicht geben will. Auf diese Weise kommt man in vielen Fällen 
sicher zum Ziele. 

Doch muss man alle derartigen Angaben mit grosser Vorsicht 
aufnehmen. Denn das eine kann ich mit Sicherheit behaupten, dass 
hypnotisirte Personen ganz ebenso lügen, als wenn sie wach 
wären, dass die raffinirtesten Lügengewebe in der Hypnose ersonnen 
werden. Lombroso hat bei einem Falle den Versuch gemacht, 
in der Hypnose das Geständniss des erwiesenen, aber stets ge- 
leugneten Verbrechens zu erhalten. Doch war sein Versuch erfolg- 
los. Dasselbe Lügengewebe wie im wachen Zustande wurde ihm 
dargeboten. Aehnliches berichten Algeri und Laurent. Jeden- 
falls also würde man Aussagen in der Hypnose nur mit grosser 
Vorsicht aufnehmen müssen; man würde in ihnen nur einen Hin- 
weis, niemals aber einen Beweis erblicken dürfen. 



Forensische Verwerthung des Hypnotismus. 297 

Ich habe jedoch einzelne Versuche noch in einer anderen 
Richtung gemacht. Angeregt durch die automatischen Schreib- 
versuche von Herrn Dr. Max Dessoir, suchte ich auf diesem 
Wege ein Resultat zu erreichen. Ich machte die Versuche mit 
einer Person, deren Einwilligung ich vorher erhalten hatte. Ich 
gab ihr einen Bleistift in die Hand und setzte denselben auf einen 
Bogen Papier; ich befahl ihr, bestimmte Fragen zu beantworten; 
jedoch wurde ihr aufgetragen, nicht etwa absichtlich zu schreiben. 
Hierbei zeigte sich nun die auffallende Erscheinung, dass die 
Person alles schrieb, was ich ihr gebot, jede Frage beantwortete, 
jedes Geheimniss verrieth; sie theilte mir auf diese Weise, ohne 
es zu wollen und ohne es zu merken, zahlreiche Familiengeheimnisse 
mit. Während sie schrieb, merkte sie nicht, dass sie schrieb. Auf 
die Einzelheiten dieser Versuche gehe ich nicht ein, da es zu 
weit führen würde. 

Eine weitere Möglichkeit, den Hypnotismus forensisch zu ver- 
werthen, läge dann vor, wenn es sich darum handelte, die Hypno- 
tisirbarkeit einer Person festzustellen, oder Aussagen zu erhalten, 
die der Angeklagte oder Zeuge im wachen Zustande nicht geben 
kann. Ein derartiger Fall kann sehr wohl eintreten und hat 
auch thatsächlich schon praktische Bedeutung gehabt. 

Aussagen in einer derartigen Hypnose würden darauf beruhen, 
dass Hypnotisirte sich in späteren Hypnosen alles dessen entsinnen, 
was in früheren Hypnosen vorgefallen ist. Liegt nun der Verdacht 
vor, dass jemand in der Hypnose das Opfer oder das Werkzeug 
eines Verbrechens geworden ist, es fehlt aber im wachen Zustand 
die Erinnerung daran, sowie sonstige Zeugenaussagen, dann liegt 
eine H3'pnotisirung vor Gericht sicherlich sehr nahe. Denn es 
würde bei einer derartigen Untersuchung eine Hypnotisirung am 
ehesten zu einer Aufklärung führen können. 

Freilich liegt nun hier wieder nach v. Lilienthal eine wesent- 
liche gesetzliche Beschränkung vor. Nach ihm ist die Hypnoti- 
sirung eines Zeugen oder Angeklagten gesetzlich gestattet, wenn 
von diesem die Einwilligung ertheilt wird. Aber es ist die Hyp- 
notisirung nur gestattet, um die Hypnotisirbarkeit festzustellen, 
während nach seiner Ansicht eine Vernehmung in der Hypnose 
gesetzlich ausgeschlossen ist. Doch scheinen mir keineswegs die 
Bestimmungen der Strafprocessordnung hierüber so klar zu sein, 
um nicht im concreten Falle auch eine Aussage in der Hypnose 
im Beweisverfahren zu verwerthen; sicher würde unter Umständen 
eine solche Aussage recht wichtig sein. Denn mit der Fest- 
stellung der Hypnotisirbarkeit wäre bei der grossen Zahl empfang- 



298 Forensische Yerwerthung des Hypnotismus. 

licher Personen wenig* gewonnen. Nach v. Lilienthals Ansicht ist 
eine derartige Vernehmung- unzulässig*, weil die Vernehmung- eines 
unvereidigten Zeugen nur in bestimmten Fällen zu gestatten sei, 
einen Hypnotisirten zu vereidigen gehe aber nicht an. Ebenso- 
wenig sei es möglich, ihn nach dem Erwachen auf die Aussagen 
zu vereiden, die in der Hypnose gemacht wurden. Ein An- 
geklagter dürfe in der Hypnose ebensowenig vernommen werden, 
da er wider seinen Willen zu Aussagen nicht angehalten werden 
dürfe. Hierbei scheint mir jedoch v. Lilienthal den Umstand zu 
übersehen, dass es schliesslich nicht eine Aussage wider seinen 
Willen ist, wenn ein Angeklagter, der sich im wachen Zustande 
an die criminelle Suggestion nicht erinnert, eine Hypnose verlangt, 
um in ihr Aussagen zu machen, die er im wachen Zustande nicht 
machen kann. Es ist dies keine Aussage wider Willen, sondern 
höchstens eine ohne seinen Willen. Ob dem juristische Bedenken 
entgegenstehen, wage ich nicht zu entscheiden. Ebenso will ich 
über die Frage, ob die Aussagen von Zeugen in der Hypnose ge- 
setzlich unzulässig sind, ein Urtheil nicht abgeben, da ich mich 
hierzu nicht competent fühle. 

Die Streitfrage der Hypnotisirung zu forensischem Zwecke rief 
schon einmal eine Discussion vor Gericht hervor zwischen Ver- 
theidiger und Staatsanwalt bei einem Process, der vor 26 Jahren 
in Verona spielte, worüber G-oltdammer berichtet. Es handelte 
sich um einen Nothzuchtsact im magnetischen Schlaf. Im wachen 
Zustand war Amnesie vorhanden. Der Verth eidiger widersprach 
dem Antrage des Staatsanwalts, eine Magnetisirung der genoth- 
züclitigten Person vorzunehmen , doch gab der Gerichtshof dem 
Staatsanwalt nach, da er die Herbeiführung des magnetischen 
Schlafes lediglich als ein Beweismittel betrachtete. In dem nun 
herbeigeführten künstlichen Schlafe machte die betreffende Person 
wichtige Aussagen, auf Grund deren eine Verurtheilung erfolgte. 



Erörtern wir nun, nachdem wir die Frage der Hypnotisirung 
vor Gericht kennen gelernt haben, welcher Weg einzuschlagen 
wäre, wenn von dem Angeklagten der Einwand gemacht wird, er 
hätte das Verbrechen durch hypnotische oder posthypnotische Sug- 
gestion ausgeführt, oder wenn jemand behauptet, er wäre in der 
Hypnose das Opfer eines Verbrechens geworden. Ohne solchen 
Einwand wird wohl die Hypnose vor Gericht niemals in Betracht 



Gerichtliches Verfahren. 299 

kommen. Die bedenkliche Seite ist freilich, und darauf weist — 
wie erwähnt — Forel hin, dass man jemanden zur Begehung- 
eines Verbrechens durch Suggestion bringen und ihm gleichzeitig 
die Eingebung machen kann, zu glauben, er habe in willensfreiem 
Zustande das Verbrechen ausgeführt. So sehr auch ein derartiger 
Fall möglich ist, so würde heute eine Berücksichtigung desselben 
zu den ungeheuerlichsten Consequenzen führen. Wenn man darauf 
Rücksicht nehmen wollte, so wäre es nöthig, bei jedem einzelnen 
Straffall die Möglichkeit zu berücksichtigen, dass das Verbrechen 
die Folge einer hypnotischen Suggestion sei. Theoretisch liegt die 
Möglichkeit stets vor, besonders wenn der Angeklagte von dem 
Verbrechen keinen Vortheil erwarten konnte (Delboeuf). Von der 
praktischen Seite betrachtet aber ist augenblicklich — ob mit 
Eecht oder Unrecht, bleibe dahingestellt — gar nicht daran zu 
denken, dass dieser Punkt stets vor Gericht erwogen werde. Wir 
müssen desshalb bei dem Falle bleiben, dass der erwähnte Einwand 
erhoben worden sei, der allerdings für manchen Angeklagten sehr 
bequem sein kann (Riant). 

Nehmen wir an, ein Angeklagter erhebe den Einwand, er 
habe die qu. Handlung durch Suggestion begangen; er habe bei 
Begehung des Verbrechens einen inneren Zwang gespürt, er sei 
auch öfter hypnotisirt worden, er erinnere sich aber nicht, die 
Suggestion erhalten zu haben. 

Gerichtlich wäre nun festzustellen, 1) ob der Betreffende wirk- 
lich hypnotisirt war, 2) ob ihm in diesem Zustand eine criminelle 
Suggestion gegeben wurde, 3) der Urheber der Suggestion, 4) der 
Grad der Suggestibilität (Max Dessoir). 

Wenn nun durch Zeugenangaben hierauf ein Schluss nicht zu 
machen ist, so liegt eine Hypnotisirung nahe. Wie man aber 
schon sieht, würde natürlich mit der Hypnotisirung gar nichts 
gewonnen sein. Ich setze nun den Fall, dass gesetzlich die Er- 
laubniss für Aussagen und Versuche in der Hypnose besteht. Die 
Erinnerung in der Hypnose benützend, wäre zunächst zu fragen, 
ob, event, von wem in der Hypnose die criminelle Suggestion ge- 
geben wurde. Wird hierüber eine Angabe nicht gemacht, da von 
dem Urheber der Suggestion Amnesie des Urhebers suggerirt sein 
kann, so wendet man ein mehr indirectes Verfahren an, wie es 
Liege ois angegeben hat, indem man durch bestimmte Associationen 
den Urheber zu ermitteln sucht, wenn man einen bestimmten 
Verdacht hat. Man giebt z. B. dem Hypnotisirten die Eingebung, 
beim Anblick des Urhebers oder der Photographie desselben oder 
beim Hören des Namens desselben zu husten, zu lachen etc. Ich 



300 Gerichtliches Verfahren. 

halte es für höchst wahrscheinlich, dass man auf diese Weise den 
Urheber stets ermitteln würde. Hier aber handelt es sich schon 
um Anhaltspunkte, da bereits ein bestimmter Verdacht bestehen muss. 

Besteht gar kein Verdacht auf jemanden, so läge noch die 
Möglichkeit, sogar die Wahrscheinlichkeit vor, auf andere Weise, 
z. B. durch automatisches Schreiben, den Namen des Urhebers zu 
ermitteln. 

Dass man auf diese Weise trotz aller suggerirten Amnesie 
durch fortgesetzte Suggestionen schliesslich seinen Zweck erreichen 
würde, halte ich für sicher; denn eine suggerirte Amnesie wird, 
wenn in der Hypnose fortwährend entgegengesetzte Suggestionen 
gemacht werden, schliesslich schwinden. Endlich aber, sagte ich, 
wäre noch der Grad der Suggestibilität zu ermitteln. Dies könnte 
nur durch neue Suggestionen geschehen, denen in der Hypnose der 
weiteste Spielraum gegeben ist. 

Ein wirklich bedenklicher Fall würde übrigens vorliegen, 
wenn Unmöglichkeit der Hypnotisirung durch andere von dem 
Autor des Verbrechens suggerirt wäre; das könnte, wie wir S. 124 
sahen, geschehen. Trotzdem aber hierüber endgiltige Versuche noch 
nicht vorliegen, ist es mir nach meinen bisherigen Erfahrungen 
doch sehr wahrscheinlich, dass durch häufig erneute Hypnotisirungs- 
v ersuche die entgegenstehende Suggestion unwirksam gemacht 
werden könnte, vorausgesetzt, dass man die Wiederholung der 
letzteren verhindert. 

Ganz ebenso würde die Frage liegen, wenn jemand angiebty 
dass er das Opfer des Verbrechens gewesen sei; auch hier würde 
eventuell eine neue Hypnotisirung vorzunehmen sein, und bei be- 
stehender Amnesie wäre es nöthig, durch Aussagen in der Hypnose 
die Sache aufzuklären, die gesetzliche Erlaubniss vorausgesetzt. 

Aus alle dem ersieht man schon die grossen Schwierigkeiten, 
die sich ergeben würden, wenn einmal die Hypnose forensische 
Bedeutung erlangte. Man würde stets auch durch den Versuch 
der Hypnotisirung nur bis zu einem gewissen Wahrscheinlichkeits- 
beweise kommen, da, wie wir gesehen haben, in der Hypnose 1) 
absichtlich gelogen wird, 2) durch frühere Suggestionen die Aus- 
sagen beeinflusst sein können, 3) sehr leicht die Antworten durch 
die Fragestellung beeinflusst werden, 4) wie wir sehen, eine Hypnose 
selbst durch Suggestion sehr schwierig werden kann. 

Aus alle dem folgt, dass Aussagen in der Hypnose nur auf 
einen bestimmten Weg leiten, niemals aber einen Beweis liefern 
können. Danillo hält die Aussagen sogar für so unglaubwürdig, 
dass er vorschlägt, principiell darauf zu verzichten. 



Gerichtliches Verfall reu. 301 

Dass man alle Einzelheiten selbstverständlich ebenso berück- 
sichtigt, wie sonst, sowohl die That selbst, wie die Frage, wer 
von dem Verbrechen eventuell Vortheil erwarten konnte, ferner 
ob die qu. Person oft hypnotisirt war, ist selbstverständlich. Dies 
würde auch der einzige Untersuchungsweg sein, wenn die Person, 
die vermuthlich unter dem Einfluss einer Suggestion einen Act 
vollführte, schon todt ist, wie es bei Abfassung eines Testaments 
denkbar wäre; dieser Fall scheint mir übrigens keineswegs aus- 
geschlossen und kann unter Umständen ebenso bedenkliche Folgen 
haben, wie die Aufklärung des Sachverhaltes schwer wäre. 

In allen Fällen würde selbstverständlich bei einer forensischen 
Hypnotisirung stets auch an die Simulation zu denken sein, wie 
auch an absichtliche falsche Beschuldigungen (Ladame). Bei 
der Simulationsfrage würden jedoch keineswegs die von der 
Char cot 'sehen Schule angegebenen somatischen Merkmale aus- 
schliesslich allein in Betracht kommen, da diese relativ selten sind. 
Gilles de la Tou rette misst vom forensischen Standpunkt den 
Charcot'schen Stadien und deren Symptomen eine Bedeutung bei, 
die ihnen keineswegs zukommt. 



Zum Schluss sei noch die Ansicht Foreis erwähnt, der für 
weit gefährlicher, als diese directen criminellen Handlungen unter 
Benützung der Hypnose die indirecte Ausbeutung derselben hält, 
die einem übelwollenden Experimentator nicht so schwer wäre, 
ohne dass er mit dem Straf-Gesetzbuch in Conflict käme. 



Mit Rücksicht auf die Gefahren, die der Hypnotismus sowohl 
vom gesundheitlichen wie sittlichen Standpunkte aus in sich birgt, 
sind öfter Vorschläge gemacht worden, um allen ungünstigen Folgen 
vorzubeugen. Delacroix in Frankreich verlangt eine gesetzliche 
Regelung in der Richtung, dass nur Aerzte hypnotisiren dürften, 
aber auch nur, wenn ihrer mindestens zwei zugegen sind. 
Friedberg verlangte schon 1880, dass nur in Gegenwart eines 
Arztes hypnotische Versuche gemacht werden dürften; 1 ) Grasset 
u. a. schliessen sich dem an. 



*) Nach einer kurzen Notiz der D. Med. Ztg. ist in einem Theile Russlands 
iedem Arzt, der hypnotisiren will, befohlen worden, noch 2 andere Aerzte hinzu- 



302 Gesetzesvorschläge. 

Es wäre sicherlich sehr wünschenswerth, dass man mit einem 
Gesetz allen Gefahren vorbeuge. Es werden sich aber erhebliche 
Schwierigkeiten schon dadurch ergeben, dass der Begriff „Hyp- 
notismus" ein sehr vager ist und kaum genau definirt werden kann. 
Ausserdem aber würde eine gesetzliche Regulirung auch desswegen 
Schwierigkeiten bereiten, weil mancher sich selbst hypnotisiren 
kann (Preyer). 

Es ist aber andererseits der Hypnotismus auch gar nicht so 
gefährlich, wie man aus dem einen oder anderen Roman, dessen 
Verfasser sich natürlich die seltenen und möglichst sensationellen 
Erscheinungen zum Stoffe sucht, annehmen sollte. Es giebt in der 
That Dinge, die vom hygienischen Standpunkt doch wichtiger sind, 
als der Hypnotismus. Ich würde es beispielsweise für sehr ver- 
dienstlich halten, wenn Aerzte und Nichtärzte, die mit 
nachweislich diphtheritiskranken Kindern zu thun 
haben, genaue gesetzliche Vorschriften über die eigene 
Desinfection erhalten, und wenn man die Nicht- 
befolgung der Vorschriften auf das Strengste ahnden 
würde. Ich will nicht genauer auf diesen Punkt eingehen, er 
scheint mir unendlich wichtiger, als die hygienische Bedeutung des 
Hypnotismus. Wie viele Menschen durch mangelhafte Desinfection 
Dritter bereits mit Diphtheritis und anderen Krankheiten angesteckt, 
wie manches Familienglück bereits dadurch zerstört wurde, ohne 
dass man den Schuldigen dem Strafrichter überantwortet hätte, 
entzieht sich allerdings der Berechnung! 

Für unumgänglich nöthig halte ich es, dass die Wissenschaft 
sich des Hypnotismus bemächtige. Man wird dadurch am leichtesten 
allem Missbrauch vorbeugen. Wenn ich sage, die Wissenschaft 
solle sich des Gegenstandes bemächtigen, so meine ich selbst- 
verständlich sowohl die Medicin, als auch die Psychologie. Denn 
ohne wissenschaftliche psychologische Basis kann der Hypnotismus 
ein medicinischer Factor nicht werden. Ebenso wie das chemische 
Studium nöthig ist, um unsere Arzneimittel zu prüfen, ebenso wie 



zuziehen. Dieser Vorschlag' — Genaueres fand ich über ihn nicht — zeigt als 
Herkunftsort recht deutlich den grünen Tisch, an dem die praktische Erfahrung 
fehlt. Ich könnte auf Grund meiner Erfahrungen diesem Vorschage gegenüber 
eine Anzahl Fragen auf werfen, begnüge mich aber mit den folgenden: 1) "Wer 
bezahlt denn die 2 Aerzte, die lediglich als Zuschauer fungiren? 2) Soll viel- 
leicht der hypnotisirende Arzt, wenn er einen Unbemittelten behandelt, ausser 
der unentgeltlichen Behandlung noch 2 Aerzte bezahlen? 3) Wenn in dem be- 
treffenden Ort nur 1 Arzt wohnt, soll er dann erst in 1 oder 2 andere Orte 
schicken, um eine Hypnose einzuleiten, die vielleicht täglich wiederholt 
werden muss? 



Aufgaben der "Wissenschaft. 303 

die Physik nöthig ist, um den elektrischen Strom zu untersuchen, 
ebenso ist die Psychologie nöthig, um seelische Zustände zu er- 
forschen. In gleicher Weise aber, wie die Medicin die Erforschung 
der chemischen und physikalischen Reagentien theilweise den Ver- 
tretern anderer Wissenschaften überlassen musste, ebenso werden 
wir die Durchforschung des Hypnotismus auch den Psychologen 
nicht nur gestatten, sondern diese geradezu darum ersuchen 
müssen. Ebenso aber, wie es nöthig ist, um rationell die Arznei- 
mittel zu verordnen, gewisse physikalische und chemische Kennt- 
nisse zu haben, wird es für den Arzt nöthig sein, gewisse psycho- 
logische Kenntnisse zu besitzen, um den Hypnotismus auszuüben. 
In einer Zeit, wo die stolzen Säulen der angeblich auf die exacte 
Medicin aufgebauten Therapie immer mehr zusammenbrechen, wo 
die angeblichen festen Indicationen — die manche für ein Privi- 
legium der nicht psychischen Therapie halten — immer mehr An- 
griffe erfahren, wo Männer wie Unverricht, Arndt, Hugo 
Schulz die Irrthümer, die Irrwege und Trugschlüsse der an- 
geblich von sicheren Indicationen geleiteten Therapie aufdecken, 
wo die „exacte" Fiebertherapie der letzten Jahrzehnte immer mehr 
verlassen, und die Fieberlehre auf den Standpunkt des Hippo- 
krates zurückzuführen scheint, da sollte man doch der Psycho- 
logie gegenüber nicht so feindselig sein. Heute, wo die ohne 
sichere Grundlage aufgebaute Therapie immer mehr Anfeindungen 
nicht nur bei Laien, sondern auch bei Aerzten erfährt, da sollte 
man nicht, wie es erst kürzlich geschah, die Behauptung aufstellen: 
„Wer psychisch behandelt, verlässt das Gebiet der Medicin, 
weil bei psychischer Behandlung feste Indicationen fehlen." Es 
ist vielmehr die Psychotherapie ein integrirender Bestandtheil der 
ärztlichen Behandlung, und da die hypnotischen Studien ein Gebiet 
der Psychologie sind, so sollte man jene nicht vornehm zurück- 
weisen; man sollte vielmehr auch in ärztlichen Kreisen den Hyp- 
notismus als ein wissenschaftliches Gebiet betrachten, wie irgend 
ein anderes. 

Von diesem Gesichtspunkt aus sollten Medicin und Psychologie 
sich zusammenthun zu gründlichem Studium der Frage. Jedenfalls 
ist der Weg schon gebahnt. Die öffentlichen Schaustellungen haben 
zwar einerseits die Wissenschaft auf jene Zustände aufmerksam 
gemacht, andererseits auch manchen abgehalten, sich mit ihnen 
näher zu beschäftigen, so lange eben die Sache einen etwas 
charlatanhaften Anstrich hatte. Aus diesem Grunde ist auch das 
Verbot der Schaustellungen, wie es in Preussen auf ministerielle 
Veranlassung erfolgte, mit Freuden zu begrüssen. Es liegt nichts 



304 Verbot der Schaustellungen. 

mehr im Wege, der Sache jetzt wissenschaftlich näher zu treten. 
Den Vogel Strauss spielen und den Hypnotismus nicht sehen wollen, 
geht nicht mehr an. 

Ich will hiermit die Verdienste derer, die durch öffentliche 
Schaustellungen die Aufmerksamkeit auf diese hypnotischen Zustände 
lenkten, nicht herabsetzen. Ebenso wenig wie ich in das allgemeine 
Verdammungsurtheil gegen Mesmer einzustimmen vermag, ebenso 
bemühe ich mich, auch Leuten wie Hansen, Bollert u. a. gegen- 
über meinen objectiven Standpunkt zu bewahren. Mögen diese 
Männer durch egoistische Motive zu ihren Schaustellungen ge- 
trieben worden sein, wie ich selbst annehme — es ist sicher, dass sie 
der Wissenschaft durch sie einen grossen Dienst geleistet haben, 
da ohne sie diese eigenthümlichen Zustände uns wahrscheinlich 
heute noch ganz unbekannt wären. Zur Ehrenrettung der Ge- 
nannten, denen man allenfalls noch Donato anreihen könnte, sei 
ausdrücklich erwähnt, dass sie alle drei in ehrlichster Weise sich 
den Vertretern der Wissenschaft behufs wissenschaftlicher Unter- 
suchungen zur Verfügung stellten. Heidenhain, Michael, 
Wernicke, Morselli und viele andere haben dies ausdrücklich 
anerkannt. Dennoch muss ich mich aus dem genannten Grunde 
gegen derartige Schaustellungen aussprechen, und ich kann die 
Annahme Delboeufs, dass gerade öffentliche Schaustellungen das 
beste Mittel seien, um die Kenntniss des Hypnotismus zu verbreiten 
und dadurch dessen Gefahren zu vermindern, nicht so viel Werth 
beimessen, um die Schaustellungen zu rechtfertigen. 



IX. Tliierischer Magnetismus etc. 



Zweck des folgenden Capitels ist es, dem Leser einen Begriff 
von einigen Erscheinungen zu geben, die oft im Zusammenhang 
mit dem Hypnotismus genannt werden, trotzdem meistens jeder 
sachliche Connex fehlt; dieser ist vielmehr nur durch die historische 
Entwickelung gegeben. Die zu besprechenden Erscheinungen sind 
meiner Ueberzeugung nach Resultate von falsch gedeuteten 
Beobachtungen. Da dieselben aber oft citirt werden, und es nöthig 
ist, die Begriffe wenigstens zu kennen, so will ich diese in dem 
folgenden Abschnitt erläutern. Ich glaube nicht, dass die an die 
Beobachtungen geknüpften Schlüsse richtig seien, bin aber durch- 
aus der Ansicht, dass man alles vorurtheilslos prüfen muss. Durch 
wissenschaftliche Widerlegung leistet man der Wahrheit einen 
grösseren Dienst, als durch principielle Negation; einige der zu 
erwähnenden Dinge sind übrigens von ganz bedeutenden Beobachtern 
mitgetheilt worden. Ebenso wie Virchow einst die Erscheinungen 
bei der Louise Lateau untersuchen wollte, wenn die nöthigen 
Bedingungen erfüllt würden, ebenso ist hier eine Untersuchung am 
Platze. Das, was wir Naturgesetz nennen, sagt Virchow, ist 
veränderlich gemäss unseren täglichen neuen Erfahrungen. 

Die Erscheinungen, die ich hier besprechen will, sind: 1) der 
thierische Magnetismus, 2) die übersinnliche Gedankenübertragung, 
Telepathie (Suggestion mentale), 3) gewisse übernatürliche Leistungen 
im Somnambulismus, 4) die Wirkung des Magneten auf den Hyp- 
notisirten, 5) die Wirkung von Medicamenten bei Berührung oder 
Annäherung derselben. 



Bei dem thi er i sehen Magnetismus spielt die Hauptrolle 
ein persönlicher Einfluss, den ein Mensch A. auf den anderen B. 
ausübt, ohne dass jedoch dieser Einfluss durch die Suggestion zu 
Stande käme, Folgende Beispiele werden dies deutlicher machen. 

Moll, Hypnotismus. 20 



306 Thierischer Magnetismus. 

A. sagt zu B. : „Sie können nicht mehr sprechen," B. hört 
dies und ist stumm; dies ist nichts als eine Suggestion. Wenn A. 
einige mesmerische Striche an dem Arm von B. macht — und 
hier tritt nun eine Analgesie ein — so kann dies gleichfalls auf 
dem Wege der Suggestion geschehen. B. weiss, dass A. Striche 
macht, und es kann hier also auf dem psychischen Wege, durch 
die Einbildungskraft von B. das Besultat erreicht werden. Nehmen 
wir nun an, es kommt eine Person C, macht gleichfalls Striche 
an dem Arm von B., und es tritt Analgesie nicht ein. Dies kann 
auch durch die Suggestion erklärt werden. B. glaubt, dass nur A. 
Analgesie erzeugen kann, daher tritt bei A.s Manipulationen Analgesie 
auf, B. glaubt, dass C. ihn nicht beeinflussen kann, infolge dessen 
entsteht keine Analgesie. Dies sind Erscheinungen, die von vielen 
beobachtet, die heute natürlich durch die Suggestion erklärt werden 
müssen. Anders liegt die Sache, wenn B. nicht weiss, ob A. oder 
C. die Striche macht. Nach Ansicht der Anhänger des thierischen 
Magnetismus, den sogenannten Mesmeristen, tritt alsdann dennoch 
bei Magnetisirung durch A. Analgesie ein, nicht aber bei Magne- 
tisirung durch C. Es meinen nun die Mesmeristen, dass A. einen 
persönlichen Einfluss ausübe, der nicht durch die Suggestion erklärt 
werden kann. Dieser Einfluss soll durch eine nur gewissen 
Personen innewohnende Kraft zu Stande kommen, und nur diese 
Personen sollen im Stande sein, gewisse andere zu magnetisiren. 
Ich habe dieses Beispiel gewählt, um den Lesern einen Begriff 
davon zu geben, was man unter thierischem Magnetismus (Lebens- 
magnetismus, Biomagnetismus, Zoomagnetismus) oder Mesmerismus 
heute versteht. 

Nach Ansicht der Mesmeristen ist derjenige, der eine solche 
Kraft besitzt, fähig, durch dieselbe lokale oder allgemeine Analgesie, 
Contracturen zu erzeugen. Er soll aber auch fähig sein, 
Krankheiten auf diese Weise zu heilen, eben vermittelst seiner 
Kraft. Insbesondere soll er im Stande sein, auch kleine Kinder, 
sogar unter einem Jahre, zu magnetisiren und therapeutisch zu 
beeinflussen. Liebeault, der Begründer der Nancyer Schule, der 
Begründer der Suggestionsmethode, der 1866 jeden magnetischen 
Einfluss bestritt, ist später ein überzeugter Anhänger desselben 
geworden; 1883 veröffentlichte er ein Buch, in welchem er die 
Heilung von Krankheiten bei kleinen Kindern unter drei Jahren 
berichtete; gerade durch sie hat er sich zu seinen jetzigen An- 
schauungen bekehrt. Wenn auch das meiste, so meinte Liebeault, 
durch die Suggestion zu erklären sei, so bleibe doch noch ein Rest 
übrig, der eine besondere Erklärung verlange, und hierfür zieht 



"Wirkungen des thierischen Magnetismus. 307 

er den thierischen Magnetismus oder Zoomagnetismus — ein Name, 
den Bartels schon im Anfang unseres Jahrhunderts brauchte — 
heran. In neuester Zeit scheint Liebeault vom Glauben an den 
thierischen Magnetismus wieder zurückgekommen zu sein. 

Ausser den genannten Wirkungen: Erzeugung von Analgesie, 
von Contracturen, Heilung von Krankheiten, Beeinflussung kleiner 
Kinder, werden noch andere Effecte dieser angeblichen magnetischen 
Kraft angegeben, und gerade die hat man oft als Hauptstütze für 
das Vorhandensein der Kraft selbst angeführt. So giebt du Prel, 
ein entschiedener Anhänger des thierischen Magnetismus, folgende 
Wirkungen desselben an. Erstens ist man im Stande, mittelst 
desselben Thiere zu magnetisiren, bei denen nach seiner Ansicht 
sicherlich die Suggestion fortfällt, Ich verweise jedoch mit Bezug 
auf diesen Punkt auf die geschilderten hypnotischen Versuche an 
Thieren. Ein wirkliches Vorhandensein einer Kraft kann aus 
solchen Thierversuchen in keiner Weise geschlossen werden. Ein- 
mal ist es gar nicht ausgeschlossen, dass Thiere suggestibel sind; 
wesshalb soll ein Thier, das man z. B. eine Zeitlang festhält, nicht 
daraus die Vorstellung ableiten können, dass es fest gebannt sei, 
selbst nachdem man es schon in Wirklichkeit losgelassen hat, eine An- 
nahme, die übrigens hervorragende Experimentatoren ausgesprochen 
haben; ferner können sehr wohl durch gewisse Reize auf Haut- 
nerven Bewegungen unmöglich gemacht werden, ohne dass dieser 
Hautreiz irgend welcher besonderen Kraft seinen Ursprung ver- 
dankt, Auch der fascinirende Blick, den die Klapperschlange 
beispielsweise auf gewisse Vögel ausübt, kann nicht als ein Beweis 
in du Preis Sinne gedeutet werden, ebenso wenig wie wir bei 
dem fascinirenden Blick eines Menschen ohne Weiteres auf eine be- 
besondere ihm innewohnende physikalische Kraft schliessen können. 
Zweitens giebt du Prel magnetische Versuche an, die an 
Schlafenden vorgenommen wurden, d. h. an Personen, die doch nicht 
merkten, dass sie magnetisirt werden. Indessen muss hier betont 
werden, dass Schlaf nicht gleichbedeutend mit absoluter Bewusst- 
losigkeit ist, mithin eine Suggestion im psychologischen Sinne 
durch den Schlaf allein nicht ausgeschlossen wird. Ebenso wie 
schlafende Personen kann man aber auch nach demselben Autor 
drittens Personen magnetisiren, ohne dass sie etwas davon 
wissen, z. B. aus der Entfernung, wobei gleichfalls die Suggestion 
ausgeschlossen sein soll. Viertens ist man nach du Prel sogar 
im Stande, Pflanzen zu magnetisiren und dadurch einen Einfluss 
auf ihr Wachsthum auszuüben, wie auch von den Fakiren (vgl. S. 174) 
berichtet wird. Fünftens könne die magnetische Kraft sogar 

20* 



3Q8 Polarität der Menschen. 

todten Gegenständen niitgetheilt werden, die alsdann ebenso wirkten, 
wie der Magnetiseur. Sechstens führt du Prel die gleich 
zu besprechende übersinnliche Gedankenübertragung als einen 
Beweis für den thierischen Magnetismus an. 

Vermittelt wird der magnetische Einfluss durch gewisse 
Manipulationen, die bereits oben genannten mesmerischen Striche, 
auch wohl durch Berührung oder gegenseitige Fixation, Anhauchen 
(Barety), sowie nach Ansicht einiger auch durch Concentration 
der Gedanken und des Willens auf das zu erreichende Resultat 
(Puysegur, Nasse). 

Am häufigsten sieht man die magnetischen oder mesmerischen 
Striche, wie ich sie S. 15 beim zweiten Versuch beschrieben habe, 
anwenden, um den magnetischen Rapport zu erreichen und dadurch 
den Einfluss zu gewinnen. Man findet in den Büchern der Mes- 
meristen eine Menge Angaben über die Richtung der Striche. Je 
nachdem dieselben aufwärts oder abwärts gemacht werden, je 
nachdem man den Handrücken oder die Handfläche nimmt, soll 
die Wirkung verschieden sein, ohne dass die Suggestion dabei 
eine Rolle spiele. Auch die rechte und die linke Seite sollen 
nicht gleich wirken. Ueberall findet man die Anlehnung an die 
Polarität des mineralischen Magneten. Diese Polarität wurde in 
der That auch für den Menschen angenommen von Fludd, Hell, 
M e s m e r. In neuerer Zeit sehen wir ganz ähnliche Behauptungen 
aufgestellt von Chazarain, Decle, Durville und de Rochas; 
in ähnlicher Weise spricht sich Barety aus. Indessen finde ich 
über die Verth eilung der Pole bei den verschiedenen Forschern 
so entgegengesetzte Angaben, dass ich bis auf Weiteres die 
angebliche Polarität für eine Folge der unbewussten Dressur halte. 

Es sind von den Mesmeristen eine ganze Anzahl Theorien 
aufgestellt worden, um diesen persönlichen Einfluss zu erklären. 
Ich übergehe die meisten, da es zu weit führen würde. Ich will 
aber hier die Theorie von Mesmer erwähnen, weil über dieselbe 
viele falsche Ansichten verbreitet sind. Das ganze Universum ist 
ausgefüllt von einem Fluidum, das feiner ist, als der Lichtäther; 
ebenso wie dieser feiner ist, als die Luft und ebenso wie diese 
feiner ist, als das Wasser. Dieses Fluidum überträgt Bewegungen 
ebenso wie der Aetber, die Luft und das Wasser. Sowie die 
Bewegungen des Lichtäthers das Licht, die der Luft die Töne 
fortpflanzen, so werden durch Bewegungen jenes allgemeinen 
Fluidums andere Erscheinungen hervorgebracht. Der gegenseitige 
Einfluss, den Unbestrittenermassen die Himmelskörper aufeinander 
und auf die Erde ausüben, wird bewirkt durch Bewegungen in 



Theorien. 309 

diesem Fluidum. Durch Bewegungen dieses Fluidums wirkt ein 
thierischer Körper auf einen andern, und eben diese Bewegung wird 
von Mesmer für den thierischen Magnetismus gehalten. 

Diese Fluidumstheorie Mesmer s wird oft verwechselt mit 
einer anderen Fluidumstheorie. Mesmer dachte an ein überall 
verbreitetes Fluidum. Eine andere Theorie nimmt an, dass nur 
in den Nerven ein Fluidum sich befinde, das durch Bewegung 
nach aussen befördert würde. Diese Behauptung stellte Alb recht 
von Haller auf, der berühmte Physiologe des vorigen Jahrhunderts, 
der sogar gegenüber Mesmer Prioritätsrechte geltend machte, 
obwohl ihre Theorien keineswegs mit einander identisch sind. Schon 
daraus dürfte man ersehen, dass es sich keineswegs hier um Dinge 
handelt, die nur bornirte Köpfe oder Schwindler vertheidigt oder 
erfunden haben. Dass die sensible Nervenfaser eine fernwirkende, 
wenn auch nicht auf sehr grosse Entfernung wirkende Kraft besitzt, 
nahmen viele bedeutende Köpfe an, z.B. A.v. Humboldt. Aehnlich 
sprach sich auch der bekannte Kliniker und Anatom Reil aus. Jeden- 
falls können sich die Mesmeristen hierbei auf die Aussprüche hervor- 
ragender Gelehrter stützen, die ein Nervenfluidum supponirten, das 
den Menschen umgebe. Auch in neuester Zeit hat der Mesmerismus 
noch unter den hervorragendsten Gelehrten einzelne Anhänger be- 
halten, wie oben schon erwähnt ist. So ist auch Ed. v. Hartmann 
ein überzeugter Anhänger desselben und gründet seine Anhänger- 
schaft u. a. auf persönliche Erfahrungen. 

Andere Theorien, die zur Begründung des thierischen Magne- 
tismus aufgestellt wurdeD, übergehe ich; es sei nur erwähnt, class 
viele überhaupt nicht an ein Fluidum glaubten (Nasse, Barbarin). 

Die Mesmeristen behaupten, dass es nicht nöthig sei, immer 
einen Schlafzustand zu erzeugen, um Personen magnetisch zu be- 
einflussen; dieselben könnten dabei vollkommen wach bleiben, und 
dies unterschiede den Mesmerismus von dem Hypnotismus. Indessen 
bemerke ich, dass auch ein wirklicher Schlaf beim Hypnotismus 
keineswegs immer vorhanden ist. Die leichteren hypnotischen Zu- 
stände waren übrigens offenbar den Mesmeristen von jeher wohl- 
bekannt und wurden auch von ihnen als magnetische Zustände 
bezeichnet. Ebenso bedienten sich die Mesmeristen keineswegs bloss 
persönlicher Mittel, sondern auch todter Gegenstände zum Magne- 
tisiren, wie das Baquet von Mesmer, sowie der von Puysegur 
mit Vorliebe benützte magnetisirte Baum beweisen. Freilich, so 
meinten sie, müsse das Object vom Magnetiseur die magnetische 
Kraft vorher erhalten. Aber auch sonst sind die Mesmeristen nicht 
verlegen. Wenn kein Magnetiseur das Object in der Hand gehabt 



310 Telepathie. 

hat, wie bei Anwendung des Braid' sehen Verfahrens, dann werde, 
so meint Moricourt, beim Fixiren das eigene Fluidum der Ver- 
suchsperson an dem fixirten Object reflectirt, und die Person werde 
durch ihr eigenes Fluidum beeinflusst. 

Eine praktische Bedeutung hat der sogenannte thierische Magnetismus in 
der Verwerthung durch Heilmagnetiseure gefunden, die angeblich damit Krank- 
heiten zu heilen im Stande sind. Bei der ausserordentlichen Kritiklosigkeit jener, 
die keine wissenschaftliche Discussion aufkommen lässt, muss ich darauf verzichten, 
eingehend hierüber zu sprechen, obwohl meiner Ueberzeugung nach noch kein 
einziger von den Heilmagnetiseuren wissenschaftlich den Beweis geliefert hat, 
dass er wirklich über eine besondere Kraft verfüge, die nicht suggestiv wirke. 
Es sind im G-egentkeil von einer ganzen Beihe von Autoren, z. B. von Göler 
v. Bavensburg, die gröbsten Fehlerquellen nachgewiesen worden, so dass wahr- 
haft kindlicher Glaube nöthig wäre, um die Behauptungen jener Leute ernst zu 
nehmen. 



Dem thierischen Magnetismus nahestehend und oft mit ihm 
zusammengeworfen sind die Erscheinungen der übersinnlichen Ge- 
dankenübertragung, Suggestion mentale, Telepathie, oder 
wie sie Mayerhofe r passend nennt, Telästhesie. Man ver- 
steht unter Telepathie die Uebertragung der Gedanken, Gefühle, 
Empfindungen etc. einer Person A. auf eine Person B., ohne dass 
jedoch hierbei B. durch eine der anerkannten Perceptionsarten die 
Gedanken von A. kennen lerne. Es sind mithin ausgeschlossen die 
(S. 42) als Gedankenlesen geschilderten Erscheinungen, da hierbei 
die eine Person die Gedanken der andern durch die gefühlten 
Muskelzuckungen erräth, d. h. durch eine anerkannte Perceptions- 
art. Es steht übrigens die Telepathie in einem gewissen Zusammen- 
hang mit dem Mesmerismus (Ochorowicz). 

Die Versuche werden oft in der Weise gemacht, dass B., der 
die Gedanken errathen soll, zunächst von A. mesmerirt wird, damit 
ein mesmerischer Schlafzustand entstehe, der die Gedankenüber- 
tragung erleichtern soll. Einige englische Experimentatoren, be- 
sonders Guthrie haben Versuche in vollkommen wachem Zustande 
beider Personen vorgenommen. Die Uebertragung der Gedanken 
soll gewöhnlich lediglich durch starke Gedankenconcentration A.s 
auf den zu übertragenden Gedanken entstehen. Ebenso sollen Sinnes- 
wahrnehmungen A. s auch von B. aufgenommen werden. B. solle 
durch einen Act der Sympathie Stiche, die A. empfindet, gleichfalls 
empfinden; wenn A. einen salzigen Geschmack hat, soll B. auch 
einen salzigen Geschmack haben u. s. w. Es solle aber auch A. 
den B. zu Handlungen bringen können, lediglich dadurch, dass er 



Hellsehen. 311 

seine Gedanken auf die auszuführende Handlung concentrirt. Andere 
legen den Hauptwerth auf die Concentration des "Willens ; der Wille 
von A. soll im Stande sein, B. zu Handlungen zu bringen. Per- 
ronnet behauptet sogar, dass es möglich sei, durch derartige Willens- 
anstrengungen telepathisch den Puls zu beeinflussen und ebenso 
vasomotorische Veränderungen hervorzubringen. Je näher A. sich B. 
befindet, um so eher soll die Gedankenübertragung möglich sein; 
doch soll dieselbe auch auf die Entfernung von mehreren Kilo- 
metern hin beobachtet sein. Ja es ist angeblich sogar möglich, 
auf grosse Entfernungen einzelne Personen durch Gedankenconcen- 
tration zu hypnotisiren, wie es bei den Versuchen in le Havre 
gelungen sein soll. Von Autoren, die für die Realität der Telepathie 
eintreten, und deren Experimente Beachtung verdienen, erwähne ich 
Charles Richet, Ochorowicz, Pierre Janet, Gibert, 
F. Myers, A. Myers, Gurney, Birchall, Guthrie, Max 
Dessoir. Dennoch lässt sich auch an diese Versuche manches 
Bedenken knüpfen. Die von du Prel, v. Schrenck-Notzing, 
v. Mensi, Welsch veröffentlichten Versuche über Telepathie ent- 
halten so wenig Angaben über die Versuchsbedingungen, dass sie 
bei einer Beurtheilung der Frage schwer zu verwerthen sind. 



Ferner erwähne ich das Hellsehen (clairvoyance), sowohl 
das zeitliche, wie das räumliche. Der Glaube daran ist so alt, wie 
die Geschichte reicht; du Prel erinnert an die Orakel. Die 
Weissagung der Pythia in Delphi giebt Zeugniss dafür ab, dass 
man schon damals daran glaubte. Aus den geschichtlichen Ueber- 
lieferungen scheint auch hervorzugehen, dass der Zustand der Pythia 
tiefen hypnotischen Zuständen ähnlich war, wenn vielleicht auch 
bei der Pythia toxische Wirkungen stattfanden; Kluge, Ed. v. Hart- 
mann u. a. rechnen in der That den Zustand der Pythia zu dem Som- 
nambulismus. Aehnlich liegt die Sache mit der Sibylle in Cumae. 

Die Mesmeristen halten das Hellsehen und die gleich zu be- 
sprechende Sinnesverlegung für eine Erscheinung, die sich bei 
magnetisirten Personen findet. Ob Mesmer selbst die Erscheinungen 
kannte, steht nicht fest; es scheint mir aber aus einem Briefe 
Mesmers hervorzugehen (den du Potet veröffentlicht), dass er die 
Dinge kannte, aber auf sie nicht näher einging, weil sie ihm un- 
erklärlich erschienen. Erwähnen will ich, dass die sehr häufig 
vorgenommenen Untersuchungen von Commissionen über das Hell- 
sehen meistens misslangen, dass aber viele grosse Geister, z. B. 



312 Hellsehen. 

Schopenhauer, daran glaubten. Selbst Braid, über dessen An- 
sichten so grundfalsche Meinungen verbreitet sind, glaubte an die 
Eealität des Hellsehens. Es sei dies desswegen besonders er- 
wähnt, weil aus Preyers Darstellung der Lehren Braids der 
Schluss gezogen werden muss, dass Braid das Hellsehen bestritt. 
Ich muss diese Stelle in dem Buche Braids (Neurypnology S. 22) 
in durchaus entgegengesetztem Sinne deuten. Preyer hat offenbar 
jene Stelle missverstanden. Braid hielt das Hellsehen für bewiesen, 
trotzdem er es nicht selbst gesehen hatte und nicht selbst erzeugen 
konnte; aber er hielt einen Theil von jenen, die für die Eealität 
des Hellsehens eintraten, für wahrheitsliebend und wissenschaftlich 
genug, um ihnen Glauben zu schenken; er erklärt dies an jener 
Stelle ausdrücklich, und es ist gar kein Zweifel darüber möglich. 
Die magnetischen Zustände, bei denen sich derartige Erscheinungen, 
wie Hellsehen, Gedankenübertragung u. s. w. finden, werden von 
Mesmeristen mitunter als Somnambulismus 1 ) bezeichnet. 

Das zeitliche Hellsehen soll darin bestehen, dass die betreffende 
Person zukünftige Dinge voraussieht, das räumliche Hellsehen 
besteht darin, dass die Person Dinge sieht, die den räumlichen 
Umständen nach nicht gesehen werden können, sei es, dass die- 
selben sich hinter einer undurchsichtigen Wandung befinden, sei es, 
dass sie weit genug entfernt sind, um nicht gesehen zu werden. 
Zu dem räumlichen Hellsehen gehört auch die in Paris häufig 
sich findende Benützung somnambuler Personen, um Krankheits- 
diagnosen zu stellen. Ein sehr häufig vorgenommenes Experiment 
ist besonders dies, dass somnambule Personen ihre eigene Krankheit 
diagnosticiren, deren Verlauf voraussagen und die zur Heilung noth- 
wendigen Medicamente angeben. 



Als weitere Erscheinung führe ich die Sinnes Verlegung 
(transposition des sens) an. Es sollen hierbei Keize, die normaliter 
nur ein bestimmtes Sinnesorgan erregen, in gleicher Weise einen 
anderen Körpertheil erregen. So z. B. sollen Buchstaben mit der 



1 ) Wir haben mithin das Wort Sornnarnbulisrnus in mehrfachem Sinne 
kennen gelernt: 1) bezeichnet man damit oft ein Stadium der Charcot'schen 
Eintheilung (S.58) ; 2) die Nancyer nennen Somnambulismus diejenigen hypnotischen 
Zustände, wo nach dem Erwachen Amnesie besteht (S. 36); 3) Einige identifi- 
ciren Hypnotismus und Somnambulismus ; 4) ist Somnambulismus ein mit vielen 
Bewegungen resp. Handlungen einhergehender Schlaf (S. 184); 5) nennt man 
Somnambulismus die oben geschilderten Zustände der Mesmeristen. 



Sinnesverlegung. 3X3 

Haut gelesen werden können, statt mit dem Auge, ohne dass es 
sich nur nm eine Steigerung 1 des Tastsinns handelt, etwa wie bei 
Blinden. Im Gegentheil, auch wenn keinerlei Hyperästhesie des 
Gefühls vorhanden sei, soll eine Reizung des betreffenden Haut- 
bezirkes durch die Lichtstrahlen statthaben, sogar ohne directe 
Berührung. Dadurch unterscheidet sich die angebliche Sinnes- 
verlegung von der Hyperästhesie des Tastgefühls. Eine der häufigsten 
Erscheinungen, die angegeben wird, ist die, dass Personen mit der 
Magengrube lesen können oder auch mit dem Magen hören. Ich 
sah eine Person, die angeblich mit den Nasenflügeln lesen konnte 
und zwar in der Entfernung von mehreren Fuss. Wenn die Nasen- 
flügel mit Watte bedeckt waren, so misslang der Versuch; es ist 
wohl ziemlich sicher, dass die Person mit dem Auge sah. Denn 
trotzdem dasselbe ziemlich stark mit Watte bedeckt schien und 
einen Verband trug, so mache ich darauf aufmerksam, dass nachBraid 
alle derartigen Verbände einen nur sehr zweifelhaften Werth haben. 

Ich will bei dieser Gelegenheit einige Versuche Heidenhains 
erwähnen, die vielfach miss verstanden wurden und allerdings leicht 
miss verstanden werden können. Heidenhain behauptete, dass 
seine Versuchspersonen in Hypnose bei Reizung des Magens das, 
was er ihnen vorsage, nachsprechen ; man inuss eben nur gegen den 
Magen sprechen, um ihn zu reizen. Heiden hain giebt sogar an, 
dass man den Bezirk genau abgrenzen könne, und dass er genau 
der Magengegend entspreche. Der Nervus vagus sollte nach 
Heidenhain Schallschwingungen aufnehmen und das phonetische 
Lautcentrum reizen, woselbst ein Ton ausgelöst würde, der voll- 
kommen jenem, der gehört wurde, entspräche. Aber es wurde nach 
Heiden hain der Ton durch das Ohr gehört und nicht etwa 
durch den Magen; dessen Nerven sollten nur das Lautcentrum 
reizen und daher das Nachsprechen von dem durch das Ohr Ge- 
hörten vermitteln. Aus manchen Darstellungen von Heidenhains 
Versuchen müsste man schliessen, Heidenhain habe geglaubt, 
dass seine Versuchspersonen mit dem Magen hörten; dies lag 
Heidenhain ganz fern. Auch Prey er scheint hier Heidenhain 
misszuverstehen. Dass übrigens Heiden hain sich in seiner An- 
nahme wahrscheinlich geirrt hat, ist bereits S. 65 erwähnt. 

Es wäre mit der Sinnesverlegung das Gesetz von der 
specifischen Energie der Sinnesorgane *) verletzt. Indessen glaube 



*) Nach diesem Gesetz werden die einzelnen Sinnesorgane nur durch einen 
specifischen Keiz erregt, nicht aber durch einen anderen, während dieser specifische 
Reiz andere Körpertheile nicht erregt; z. B. wird durch Licht nur das Auge 
erregt, nicht aber der Tastsinn oder der Magen. 



314 Wirkung des Magneten. 

ich, class die Versuche der Sinnesverlegung nicht beweisend 
sind. 



Ich komme jetzt zu der Wirkung des Magneten, speciell 
während der Hypnose. Der Glaube an die Einwirkung des 
Magneten auf die Menschen ist sehr alt. Schon die alten Magier 
im Orient wendeten den mineralischen Magnetismus zur Heilung 
von Krankheiten an. Bei den Chinesen und Indiern war er vor 
langer Zeit schon im Gebrauch. AlbertusMagnus im 13. Jahrh. 
und später Paracelsus, van Helmont, Kircher bedienten 
sich des mineralischen Magnetismus. Dasselbe that Ende des 
18. Jahrh. der Astronom und frühere Jesuitenpater Maximilian 
Hell in Wien. Bei ihm soll Mesmer die Wirkung des Magneten 
auf den Menschen kennen gelernt haben. Wir sahen (S. 4), dass 
Mesmer ihn anfangs anwendete. Auch erwähne ich, dass schon 
damals viele Aerzte, z. B. D ei mann in Amsterdam, die thera- 
peutische Wirkung des Magneten leugneten, und wie andere heute 
behaupteten, Messingplatten thäten dasselbe. Später wendet Beil, 
der bekannte Kliniker, den Magneten therapeutisch an; 1845 tritt 
Reichenbach mit der Behauptung auf, es gäbe sensitive Personen, 
die gewisse Empfindungen hätten, wenn man sie mit dem Magneten 
bestriche. Ebenso behauptete er, dass an den Polen des Magneten 
gewisse Personen Lichterscheinungen wahrnähmen, das sogenannte 
Odlicht; eine Behauptung, die zwar für widerlegt gilt, aber vor 
kurzer Zeit in London von Barrett von Neuem ausgesprochen 
wurde. In neuerer Zeit ist es besonders Maggiorani in Italien 
gewesen, der für die therapeutische Verwerthung des Magneten 
eintrat (Belfiore). In der allerneuesten Zeit ist es ferner die 
Schule Charcots, die den Einfluss des Magneten auf einzelne 
Menschen hervorhebt. 

Von der Anlegung des Magneten, um Hypnose herbeizuführen, 
habe ich oben gesprochen, ebenso von der Wirkung des Hypnoskops. 

Was nun die Einwirkung des Magneten während des hyp- 
notischen Zustandes betrifft, so sind zu erwähnen: erstens die 
Erscheinungen des Transfer! Nach Charcots Schule versteht 
man unter Transfert die Ortsveränderung gewisser Erscheinungen, 
wie sie speciell unter dem Einfluss ästhesiogener Mittel, besonders 
des Magneten stattfinden soll. Es ist bekannt, dass Charcot das 
Vorkommen derartiger Erscheinungeu bei Hysterischen behauptet 
hat. So sollten unter dem Einfluss des Magneten Contracturen 
von der rechten Seite auf die linke verlegt werden können. Charcot 



Transfort. 3 \ 5 

hält diese Transferterscheinungen durch den Magneten für absolut 
bewiesen; ebenso eine Reihe anderer Experimentatoren, darunter 
Preyer, während sonst in Deutschland von Anfang an mehr das 
psychische Moment in den Vordergrund gedrängt wurde. Man nahm 
an, dass nicht sowohl der Magnet, als die Erwartung der Person, 
dass der Transfert eintreten solle, diesen bewirkte, dass genau 
dasselbe wie der Magnet, z. B. (nach Westphal) Siegellack, 
Knochen u. s. w. leisteten, vorausgesetzt nur, dass die Person den 
Effect erwartet. Dieselben Transferterscheinungen wie im wachen 
Zustand sollen nun nach Angabe der C h a r c t ' sehen Schule 
auch in der Hypnose eintreten. Die Gesetze, die hierüber Bin et 
und F e r e aufgestellt haben, sind folgende. Hat man durch Schluss 
des einen Auges halbseitige Lethargie und halbseitige Katalepsie 
hervorgebracht, dann entsteht bei Annäherung des Magneten an 
die lethargische Seite auf dieser Katalepsie, auf der bisher kata- 
leptischen Seite Lethargie. Ebenso soll, wenn halbseitig Somnam- 
bulismus und halbseitig Katalepsie, resp. Lethargie besteht, der 
Magnet gleichfalls einen Transfert zu Stande bringen. Es sollen 
aber auch in jedem besonderen hypnotischen Stadium einseitige 
Symptome durch den Magneten auf die andere Seite übertragen 
werden, z. B. die einzelnen Contracturen in der Lethargie, bestimmte 
Gliederstellungen in der Katalepsie. Im Somnambulismus sollen 
in dieser Weise durch Transfert verlegt werden sowohl die 
Contracturen, wie halbseitige Hallucinationen und Hemianästhesien. 
Nach der Behauptung von Binet und F ere sollen Hypnotisirte 
unter dem Einfluss des Magneten, wenn sie rechts schreiben, eine 
Umdrehung der Schriftrichtung zeigen bei gleichzeitig entstehendem 
Schreiben mit der linken Hand. 

Eine zweite Beeinflussung durch den Magneten ist als 
Polarisation beschrieben. Sie besteht in der Umwandlung eines 
functionellen Zustandes (Belfiore). Der Magnet soll im Stande 
sein, z. B. eine durch Suggestion erzeugte Contractur zu lösen 
(motorische Polarisation). Er soll eine suggerirte Hallucination 
zum Verschwinden bringen: es sollen die Bilder von Farben durch 
Annäherung des Magneten in die der entsprechenden Complementär- 
farbe umgewandelt werden. Wenn jemand „blau" zu sehen glaubt, 
soll ihm, indem der Magnet ihm genähert wird, die Farbenempfin- 
dung „gelb" erscheinen (sensorielle Polarisation). Der Magnet soll 
eine freudige Stimmung in eine traurige umwandeln (psychische 
Polarisation). Wenn geradezu eine Umkehrung des bisherigen Zu- 
standes stattfindet, wenn z. B. „blau" in „gelb" verwandelt wird, 
d. h. in die Complementärfarbe , dann spricht man wohl auch von 



31o Polarisation. 

Polarisation im engeren Sinn und nennt dann eine beliebige Ver- 
änderung des Zustandes, z. B. die Verwandlung' von „gelb" in 
„roth" Disporalisation (Lombroso, Ottolenghi). Die Ver- 
suche der Polarisation stammen von Binet, Fere und wurden 
bestätigt von Bianchi und Sommer, deren Experimente jedoch 
keine Gewähr bieten, dass genügende Vorsichtsmassregeln getroffen 
waren. Wenigstens habe ich in den Publikationen hierüber nichts 
linden können. Auch haben Lombroso und Ottolenghi das 
Vorhandensein der Polarisationserscheinungen gleichfalls behauptet. 

Die Erscheinungen der psychischen Polarisation wurden von 
einer besonderen Commission des Aerzte-Congresses in Pavia ge- 
nauer untersucht. Die Erscheinungen wurden jedoch nicht be- 
stätigt; wenigstens konnten sie nicht auf die Magnetwirkung be- 
zogen werden. Besonders wendet sich auch Tanzi dagegen und 
glaubt, alles auf unbewusste und unbeabsichtigte Suggestion zu- 
rückführen zu müssen. 

Venturi und Ventra machten einen therapeutischen Ver- 
such im Anschluss an diese Erscheinungen. Sie wollen eine fixe 
Idee, eine Autosuggestion im wachen Zustand mit dem Magneten 
bekämpft haben (?). In dieses Gebiet gehören auch einige Versuche 
von Eaggi, der behauptet, dass in der Hypnose durch Annäherung 
des Magneten manchmal ein subjectives Unwohlsein herbeigeführt 
werde. In anderen Fällen soll der Magnet die Hypnose beendet 
haben. 

Eine dritte Möglichkeit, mit dem Magneten den Hypnotischen 
zu beeinflussen, wurde von Tamburini undSeppilli angegeben. 
Es sollte nach ihrer Ansicht durch den Magneten eine Beeinflussung^ 
der Athembewegung zu Stande kommen, wenn der Magnet an die 
Magengrube genähert würde. Später fand Tambur ini gemeinsam 
mit Righi, dass der Magnet nicht allein wirke, dass andere 
metallische Körper dasselbe herbeiführten; die Grösse des Effects 
sei aber abhängig von der Grösse des Metallkörpers. Der Elektro- 
magnet soll ganz gleich wirken, ob der Strom geöffnet oder ge- 
schlossen ist; Tambur ini vermuthete selbst später, dass nur die 
Temperatur des Magneten wirksam sei, dass die magnetische Kraft 
vielleicht ohne jeden Einfluss sei. 

Zum Schluss erwähne ich noch die Versuche Babinskis, 
die auf einer Verbindung des thierischen Magnetismus mit dem 
Mineralmagnetismus beruhen. Nimmt man eine hypnotisirte Person 
und setzt eine kranke Person dos-ä-dos gegen die erste, so sollen, 
bei Annäherung des Magneten zwischen beiden Personen, Krank- 
heitserscheinungen der zweiten auf die hypnotisirte Person über- 



Babinskis Versuche. 317 

tragen werden. In dieser Weise sind hysterische Stummheit, Con- 
tracturen übertragen worden. Aber auch Symptome von organischen 
Erkrankungen, z. B. von multipler Sclerose, sollen dadurch auf die 
hypnotisirte Person übergehen. Selbstverständlich sollen die Er- 
scheinungen nicht durch die gewöhnliche Suggestion zu Stande 
kommen. Es soll die hypnotische Person keine Ahnung davon 
haben, welches die Krankheitssymptome der anderen Person sind. 
Aehnliche Versuche wurden von Luys mit gleichem Erfolge ge- 
macht. 

Alle diese Einwirkungen des Magneten sind sehr räthselhaft 
und meiner subjectiven Ueberzeugung nach irrthümliche Beobach- 
tungen. Eigenthümlich ist es gewiss, dass von so vielen verschie- 
denen Autoren und zu den verschiedensten Zeiten die Magnet- 
wirkung stets behauptet worden ist. 

Ueber die Art, wie man sich die Wirkung zu erklären hat, 
wird wenig Sicheres angegeben. Obersteiner vermuthet die 
Möglichkeit eines besonderen magnetischen Sinnes, der bei manchen 
während der Hypnose in Thätigkeit trete, und der vielleicht loka- 
lisirt ist in gewissen Endorganen, deren Function heute noch un- 
bekannt ist. 



Ich komme jetzt zu den Erscheinungen, die man als Fern- 
wirkung der Medicamente bezeichnet. Sie gilt augenblicklich 
für widerlegt, wird aber von einzelnen Autoren aufrecht erhalten. 
Auch diese Dinge sind nicht ganz neu. Es bestand z. B. schon 
früher vielfach der Glaube, dass einige Personen mittelst der 
Wünschelruthe Quellen finden oder auch Erzlager entdecken 
könnten, vermöge eines fern wirkenden Einflusses des Wassers, 
resp. der Metalle. Die Metalloskopie und Metallotherapie von 
Burq, bei der allerdings eine directe Berührung durch Metalle 
stattfand, zeigt uns etwas Aehnliches. Auch hier sollten einzelne 
Leute durch bestimmte Metalle, z. B. durch Kupfer, besonders be- 
einflusst werden ; ja es sollten durch Berührung mit diesen Metallen 
Krankheitssymptome verschwinden. Die neueren Untersuchungen 
über die Fernwirkung der Medicamente bewiesen angeblich, dass 
gewisse Stoffe, ev. in hermetisch verschlossenen Eöhren, bei 
einfacher Annäherung an den Menschen Wirkungen hervorbrachten, 
die ihrer physiologischen Wirkung bei innerer Verabreichung ent- 
sprechen. So sollte Strychnin Krämpfe auslösen, Ipecacuanha zu 
Erbrechen, Opium zu Schlaf, Alkohol zur Berauschung führen. 
Die Versuche wurden zuerst vorgenommen von G-rocco in Italien, 



31 S Fernwirkung der Medicamente. 

von Bourru und Burot in Rochefort. Diese führten die Versuche 
bei Personen im wachen und hypnotischen Zustande aus; Luys 
und Dufour wiederholten die Versuche bei hypnotisirten Personen 
und bestätigten die Resultate jener Experimentatoren, ebenso wie 
Duplouy und Alliot. Luys ging- noch weiter; er fand Differenzen, 
je nachdem er z. B. Ipecacuanha rechts oder links anwendete. Be- 
kanntlich sind die Versuche von vielen anderen Seiten, z.B. Jules 
Voisin, Forel, Seguin, Laufenauer, ohne Erfolg wiederholt 
worden; Luys brachte in der Pariser medicinischen Akademie die 
Frage zur Sprache; dieselbe ernannte eine Commission (Brou- 
ardel, Dujardin-Beaumetz u. m. a.), welche die Luys- 
schen Versuche in dessen Gegenwart prüfte, aber zu einem ent- 
gegengesetzten Resultat kam, als Luys. Eine viel bessere und 
wissenschaftliche Widerlegung jener Versuche hat Seeligmüller 
gebracht, und zwar auf einem Wege, der mir der einzig richtige 
zu sein scheint, um über etwas zu urtheilen. Er besteht darin, 
dass man die Versuc Iisbedingungen prüft; Commissionsberichte 
haben keinen besonderen Werth. Wenn man die Geschichte des 
thierischen Magnetismus betrachtet, so findet man stets, dass 
Commissionen das finden, was sie finden wollen; dass stets das 
Resultat erzielt wird, das die Commissionen erwarten. Commissionen 
stehen ganz besonders unter dem Einfluss von Autosuggestionen. 



Wenn ich in diesem Capitel eine Reihe Erscheinungen be- 
sprochen habe, die an das Räthselhafte grenzen, so that ich es 
nicht, weil ich etwa die Realität derselben behaupten wollte; ich 
verwahre mich ausdrücklich nochmals dagegen. Ich glaube aber 
bei dem historischen Zusammenhang, in dem sie mit der Geschichte 
des Hypnotismus stehen, sie kurz erwähnen zu müssen, damit jeder 
weiss, was damit gemeint ist. Ich that es aber ferner ganz be- 
sonders desshalb, um auf die mannigfachen Fehlerquellen bei diesen 
Untersuchungen hinzuweisen, und gerade was diese betrifft, so sind 
jene Experimente grösstentheils recht mangelhaft. 

Als wichtige Bedingung bei derartigen Untersuchungen möchte 
ich die hinstellen, dass ein jedes Wort, das gesprochen wird, auf 
das Sorgfältigste von einer eigens dazu angestellten Person nieder- 
geschrieben wird. Ein Wörtchen, und sei es noch so unbedeutend, 
kann genügen, um dem Haupteinwand gegen alle jene Versuche 
Geltung zu verschaffen, dem der Suggestion. 

Auch sind die Versuche zum Theil geradezu kritiklos zu nennen. 



Kritische Bemerkungen. ;319 

Wenn eine Person geschlossene Bücher liest, von denen nicht nach- 
gewiesen ist, dass sie nie davon Kenntniss gehabt hat, so scheint 
es doch mehr als naiv, hier von einem Hellsehen zu sprechen; 
wenn der Magnet den Transfert herbeiführt bei Personen, die genau 
wissen, dass der Magnet Transfert-Erscheinungen macht, so beweise 
man, dass die Person die Annäherung des Magneten mittelst der 
anerkannten Sinnesorgane nicht bemerkt, Wenn man mit dem 
Magneten die Empfindung ,.blau" in „gelb"' verwandelt, so zeige 
man erst, dass die Person die Annäherung des Magneten nicht 
merkt, Denn dass die Annäherung des Magneten ihre Farben- 
empfindung verändern soll, weiss die genügend dressirte Person. 
Wenn man behauptet, dass Medicamente in verschlossenen Röhren 
eine Wirkung ausüben, so mache man Versuche mit Bern heims 
Bedingungen, deren wichtigste die ist, dass niemand im Zimmer 
sei, der Kenntniss von dem Inhalt des Gläschens hat. Wenn man 
behauptet, dass einzelne Personen besondere Kräfte besitzen, mittelst 
deren sie im Stande seien, andere, zu magnetisiren und zu beein- 
flussen, so schliesse man die Suggestion aus. Der Eindruck, den 
A. auf B. macht, ist oft ganz unberechenbar, und wenn A. im 
Stande ist, B. zu beeinflussen, C. aber den B. nicht beeinflussen 
kann, so zeige man, dass der Erfolg eintrete, ohne dass B. wisse, 
wer ihn magnetisirt. Dies ist natürlich sehr wesentlich. Denn 
dass einzelne Leute durch die Art des Auftretens und durch bessere 
Kenntniss der Technik der Suggestion Personen beeinflussen und 
hypnotisiren können, die für andere refractär sind, ist sicher. Dies 
involvirt aber keineswegs eine besondere magnetische Naturkraft, 
die dem einen inne wohnt; dies ist vielmehr auf die Suggestion 
zurückzuführen. 

Die Hauptfehlerquellen, die bei den in dem letzten Capitel be- 
schriebenen Versuchen zu berücksichtigen sind, wären folgende: 

1) Die absichtliche Simulation der Versuchsperson mit 
oder ohne Hypnose. Die Simulation der Hypnose ist hier offenbar 
viel weniger zu fürchten, da es schliesslich gleichgiltig wäre, ob 
eine Person, die ohne Vermittelung der Augen sehen würde, in 
Hypnose ist oder nicht; die Hauptsache wäre das erstere, nicht 
die Hypnose. Dass aber, wenn diese auch vorhanden ist, der Ex- 
perimentator vor Simulation des Sujets nicht geschützt ist, unter- 
liegt keinem Zweifel, da eben auch selbst in tiefer Hypnose simulirt 
und gelogen wird. 

2) Die unabsichtliche Simulation, wenn ich diesen 
eigentlich unrichtigen Ausdruck gebrauchen darf. Die Person 
nimmt z. B. äussere Eindrücke durch das- Ohr wahr, ohne sich 



320 Fehlerquellen. 

dieser Eingangspforte des Sinnesreizes bewusst zu sein, wie es bei 
Personen der Fall ist, die Töne durch den Magen zu hören scheinen 
und das selbst glauben. Oder es tritt, um ein anderes Beispiel 
anzuführen, bei Annäherung des Magneten eine Transferterscheinung 
auf, nachdem das Sujet infolge der Dressur dahin gebracht worden, 
stets bei Annäherung des Magneten den Transfert darzubieten. 
Die Person achtet gar nicht mehr auf diese und ist sich derselben 
gar nicht mehr genau bewusst; dennoch tritt die Wirkung ein. 
Ebenso lernt bei den Versuchen der Gedankenübertragung das 
Sujet die Gedanken des anderen durch irgendwelche Zeichen wahr- 
nehmen, ohne sich selbst dessen genau bewusst zu sein. Eine 
Hauptsache scheinen mir hierbei immer die Muskelzuckungen zu 
sein, die jeder, der die Gedanken stark concentrirt, unwillkürlich 
macht, und die dem Sujet die Gedanken verrathen; eine Fehlerquelle, 
auf die ganz besonders auch Wernicke hingewiesen hat. 

Auch beim Hellsehen ist diese Fehlerquelle genau zu berück- 
sichtigen, da oft Personen gegenwärtig sind, die das „ohne Augen zu 
sehende Ding" kennen und unwillkürlich durch Muskelzuckungen etc. 
dem Sujet einen Anhaltspunkt gewähren. Selbst Göler v. Ravens- 
burg, der sonst so objectiv ist, erkennt die Wichtigkeit dieses 
Punktes nicht genügend an. 

3) Die Grösse der Wahrscheinlichkeit. Da viele Versuche 
misslingen, so ist darauf zu achten, ob die Zahl der gelungenen 
Versuche höher ist, als die Wahrscheinlichkeitsrechnung ergiebt, 

4) Die Coincidenz. Ein gedachter Befehl wird z. B. aus- 
geführt lediglich, weil durch Zufall oder auch äussere Einflüsse 
Experimentator und Sujet denselben Gedanken haben. Hierfür ist 
charakteristisch, dass der erste Befehl bei der Telepathie fast stets 
der ist, den rechten Arm zu heben. Diese Fehlerquelle ist ebenso 
gross wie interessant. Insbesondere ist sie in neuester Zeit von 
einigen Mitgliedern der American Society for Psychical Research 
genauer untersucht worden, z. B. von C. S. Minot. Es hat sich 
hierbei die interessante Thatsache herausgestellt, dass jede Person 
gewisse Lieblingszahlen etc. hat, die bei ihr auffallend oft trotz 
anscheinend freier Wahl wiederkehren. Würde es sich nun um 
einen telepathischen Versuch handeln, bei dem A. an eine Zahl 
fest denkt, die B. errathen soll, ohne durch eine der bekannten 
Perceptionsarten hierzu zu gelangen, so muss nach Minot die 
Frage aufgeworfen werden, ob nicht beide Personen dieselben 
Lieblingszahlen, denselben number-habit haben. Auch bei Karten- 
versuchen, wo, wie mir scheint, auffallend oft an Coeur- As gedacht 
wird etc., wäre diese Fehlerquelle zu berücksichtigen. Man sieht 



Fehlerquellen. 321 

wohl hieraus schon, wie vorsichtig man mit Schlussfolgerungen sein 
muss, und wie uns das Studium auch „mystischer" Vorgänge auf 
hochwichtige Gesetze hinführt. 

5) Die Hyperästhesie der Sinnesorgane ist zu berück- 
sichtigen, die es den Sujets erlaubt, Dinge wahrzunehmen, die 
anderen entgehen. 

6) Die erhöhte Fähigkeit, Schlüsse zu machen, von der ich 
schon gesprochen habe, muss gleichfalls in Betracht gezogen werden. 

Die Annahme von Münsterberg, dass bei den Versuchen 
der Gedankenübertragung die übertragende Person durch die Con- 
centration der Gedanken in Hypnose käme und im hypnotischen 
Zustand, ohne nachher sich dessen zu erinnern, einfach alles der 
anderen Person mittheilt, diese Annahme halte ich nach zahlreichen 
Versuchen, denen ich beigewohnt, und die ich selbst gemacht habe, 
nicht für richtig. Ebenso zweifelhaft scheint mir die Annahme 
W ernicke s, wonach verschiedene Gedanken, verschieden riechende 
Hautausdünstungen verursachten — ohne dass W ernicke sich 
sonst auf G. Jägers Standpunkt stellt — aus denen schliesslich 
das genügend dressirte Sujet die Gedanken des Uebertragenden 
errathen lerne. 

AVenn man nun bei allen veröffentlichten derartigen Experimenten 
den Masstab der Kritik anlegt, wie ich sie eben angedeutet habe, 
so bleiben nur wenige übrig, die sehr ernster Beachtung werth sind. 
Es sind dies besonders einige Versuche über die Gedankenübertragung 
(Telepathie), angestellt von Guthrie und Birchall in England, die 
von der Society for Psychical Kesearch veröffentlicht wurden. Was 
diese telepathischen Versuche betrifft, so vermochte ich Fehlerquellen 
in den Veröffentlichungen nicht zu entdecken. Da ein bewusster 
Betrug doch ausgeschlossen ist, so ist die Annahme, dass absichtlich 
die Versuche anders veröffentlicht seien, als sie stattfanden, durch- 
aus zu verwerfen. Indessen vermisse ich auch hier einen regel- 
mässigen Protokollführer. Aber auch sonst habe ich die subjective 
Ueberzeugung, dass Fehlerquellen bei jenen Versuchen übersehen 
wurden, und dass die Suggestion doch irgendwie im Spiele war. 
Ich möchte gerade desswegen die Aufmerksamkeit der Leser auf 
jene Versuche hinlenken. Wahrscheinlich wird es dem einen oder 
andern gelingen, irgend welche Fehlerquellen zu entdecken, die 
mir entgangen sind. Uebrigens sind die Mitglieder jener Gesellschaft 
viel zu wissenschaftlich und ehrlich, um nicht Fehlerquellen an- 
zuerkennen, wenn dieselben nachgewiesen werden. 



Moll, Hypnotismus. 21 



322 Schlusswort. 

Au sich ist gar nichts dagegen zu sagen, dass man gewisse 
heute unerklärliche Dinge untersucht. Fast alle grossen Fort- 
schritte in der Naturwissenschaft sind lediglich dadurch zu Stande 
gekommen, dass der eine oder der andere den Muth fand, gegen 
bestehende Ansichten anzukämpfen, selbst auf die Gefahr hin, sich 
selbst den Fluch der Lächerlichkeit zuzuziehen. Harvey hat 
viele Jahre gegen die Vorurtheile seiner Collegen ankämpfen 
müssen, ehe der von ihm entdeckte Blutkreislauf allgemein an- 
erkannt wurde. Lange Zeit wurde das Herabfallen von Meteoren, 
die von andern Himmelskörpern stammen, bestritten. Es wurde 
die moderne Anatomie von einem Manne begründet, von Andreas 
Vesal, der (oft mit unlauteren Mitteln) gegen das Vorurtheil seiner 
Zeit ankämpfte. Der Umstand, dass etwas bestehenden Gesetzen 
widerspricht, darf von der Prüfung nicht abhalten. Der Wider- 
spruch ist oft nur ein scheinbarer, und die Naturgesetze selbst 
ändern sich, wieVirchow sagt und wie oben schon hervorgehoben 
ist, Tag für Tag. Theorien sind niemals vor den Thatsachen vor- 
handen ; erst kommt die Beobachtung, und nach ihr macht man die 
Theorie. Der elektrische Strom bringt Muskeln nicht zur Zusammen- 
ziehung, weil es im Buch steht; es steht vielmehr im Buch, weil 
der Strom die Contraction bewirkt. Stets kommt zuerst die Er- 
fahrung, wie H. Spencer ausführt, und dann die Theorie. 

Es mag nicht nach jedermanns Geschmack sein, diesen erwähnten 
Dingen näher zu treten. Aber man verdenke es andern nicht, 
wenn sie nach dem Principe einer vorurtheilslosen Prüfung sich 
mit ihnen beschäftigen. So lange die Wissenschaft nicht vor- 
urteilslos und objectiv alles prüft, wird der masslose Schwindel, 
dem der thierische Magnetismus u. s. w. dient, fortbestehen. Wenn 
es einer vorurtheilslosen Prüfung gelingt, die Fehlerquellen nach- 
zuweisen, dann wird der Charlatanismus seine Hauptunterstützung 
verloren haben. Diese Hauptstütze des Charlatanismus ist von 
jeher die Indifferenz der Vertreter der Wissenschaft gewesen. Die 
Hauptstütze des Betruges und Schwindels ist die Furcht vieler, 
Dinge zu untersuchen, die man in schlechter Gesellschaft findet; 
und doch wie viel mehr leistet derjenige, der objectiv dieselben 
studirt und der auch das Unwahrscheinlichste prüft, um es event. 
zu widerlegen! Die wahre Aufklärung des Volkes wird nur auf 
diesem Wege erreicht werden. 

Es ist mir geradezu unverständlich, dass selbst Männer der 
Wissenschaft diejenigen, die sich mit dem Hypnotismus beschäftigen, 
als wundersüchtig bezeichnen. Wer sich ernstlich mit ihm be- 
schäftigt, der wird im Gegentheil finden, dass gar manches sonst 



Sclüusswort. 323 

für wunderbar und übernatürlich gehaltene Phänomen durch die 
neueren hypnotischen Untersuchungen aufgedeckt und in natürlicher 
Weise erklärt worden ist. Ich erinnere nur an die Stigmatisationen; 
ich erinnere an die oben geschilderten Versuche über das auto- 
matische Schreiben, das in den meisten wissenschaftlichen Kreisen 
fast gänzlich unbekannt zu sein scheint, und das eben infolge 
dieser mangelhaften wissenschaftlichen Durchforschung dem Aber- 
glauben, dem Spiritismus eine mächtige Stütze wurde. Die Spiritisten 
halten das automatische Schreiben für den Beweis dafür, dass 
eine fremde Macht schreibt, weil eine so zweckmässige geistige 
Arbeit, die unabhängig von der Kenntniss des schreibenden Indi- 
viduums stattfindet, nur durch eine fremde Macht, einen Geist 
producirt werden könne. Es ist jetzt aber Dank den Unter- 
suchungen von Taine, F. Myers, Gurney, Pierre Jan et, 
Max Dessoir das automatische Schreiben in ganz anderer Weise 
erklärt, ähnlich wie einst das Tischrücken durch Faraday. 
Ebenso geht es mit vielen anderen bisher dem Aberglauben 
dienenden Phänomenen. 

Wer die Schriften der Heilmagnetiseure und der Spiritisten 
liest, der wird sehen, wie gross deren Erbitterung gerade gegen 
diejenigen ist, die sich mit dem Hypnotismus beschäftigen, wie sehr 
die Magnetiseure gerade gegen die Forscher auf dem Gebiete der 
Suggestion wüthen, die ihrem Treiben den Boden zu entziehen droht 
(Forel). 

Die wahrhaft grossen Männer suchen sich auch stets trotz 
allen wissenschaftlichen Zweifels von Dogmen und Apriorismen 
fern zu harten. Wenn sie auch nicht selbst alles prüfen können, 
so halten sie eine wissenschaftliche Prüfung auch des Unwahr- 
scheinlichsten für richtig. Nur ein Beispiel, das Delboeuf an- 
führt, sei erwähnt, Darwin wollte, so erzählt man, einst den 
Einfluss der Musik auf das Pflanzenwachsthum prüfen, da ihm 
gegenüber von einem solchen Einfluss gesprochen wurde; er be- 
auftragte infolgedessen jemanden, mehrere Tage hindurch vor 
Bohnenkörnern, die in die Erde gepflanzt waren, Fagott zu spielen. 
Wenn diese Anekdote vielleicht auch nicht wahr ist, so ist sie 
sicherlich gut erfunden. Die Prüfung auch der mystischen Phä- 
nomene wird die Bekämpfung des Aberglaubens viel wirksamer 
werden lassen, als aller Apriorismus. Die Wissenschaft unter- 
scheidet sich eben dadurch vom blinden Glauben, dass 
sie ein Dogma nicht anerkennt; es ist aber ein Dogma, 
wenn man die Unmöglichkeit von Thatsachen behauptet, 

21* 



324 Schlusswort. 

weil sie in Widerspruch stehen mit anerkannten 
Naturgesetzen. 

Andererseits bemühe man sich aber, niemals in den Fehler zu 
verfallen, übernatürliche Kräfte für sich selbst zu beanspruchen 
und anderen abzusprechen. Wenn mir — wie es vorkam — ein 
sonst ernst zu nehmender wissenschaftlicher Mann in Berlin, X., 
sagt, Foreis resp. Bern heims Versuchspersonen simulirten, 
wenn X. dies sagt, ohne es zu beweisen und ohne die letzteren 
gesehen zu haben, so verfällt der Betreffende hierbei in den Fehler, 
für sich die Fähigkeit des räumlichen Hellsehens zu bean- 
spruchen, das er trotzdem sonst grundsätzlich bestreitet. Wie 
oft habe ich ähnliche Inconsequenzen beobachten können! 

Die Kenntniss der Naturgesetze steckt noch in den Kinder- 
schuhen. Hat uns schon jemand aufgeklärt, in welcher Weise der 
elementarste psychische Vorgang zu Stande kommt? Hat uns 
schon jemand darüber aufgeklärt, warum das befruchtete Ei, das 
ohne Seele ist, sich zu einem beseelten Wesen entwickelt? Hat 
uns schon jemand aufgeklärt, in welcher AVeise das Gehirn durch 
die Nerven die Muskelfaser zucken lässt? Hat uns schon jemand 
aufgeklärt, warum der Apfel zur Erde fällt? Ueberall, wohin wir 
blicken, sind uns die elementarsten Vorgänge unerklärlich ; und sie 
scheinen den meisten nur desshalb nicht unerklärlich, weil sie 
sie täglich sehen. Es hat ein Autor mit Eecht behauptet, dass 
man die Träume ebenso als Schwindel darstellen würde, wie man 
lange den Hypnotismus als solchen bezeichnet hat, wenn sie nicht 
täglich vorkämen. 

Trotz der sehr grossen Fortschritte, die gerade die exacten 
Wissenschaften gemacht haben, müssen wir uns doch darüber klar 
sein, dass der innere Zusammenhang zwischen dem Körper und 
den seelischen Vorgängen uns gänzlich unbekannt ist. Unter 
diesen Umständen sollte man auch die Prüfung von unerklärlich 
Scheinendem nicht von der Hand weisen. Freilich stelle man 
strenge Bedingungen; durch keine Autorität lasse 
man sich hinreissen, Thatsachen ohne Beweise anzu- 
erkennen. 



I. Sachregister. 

Die fettgedruckten Zahlen bezeichnen die Hauptstellen. 



Aberglaube 280, 323, 324, s. Mystik und 
Wundersucht. 

Abführmittel 84, 85, 162. 

Abortus (Fehlgeburt) 89, 282. 

Abstufungen, s. Uebergangszustände. 

Accommodationskrampf 69. 

Active Hypnose 54. 

Aegypter 1, 2, 241. 

Aesthesiogen (das Gefühl herstellend) 
314 

Aether 26, 166, 277. 

Affecte 82, 287. 

Agoraphobie (Platzangst) 44, 264. 

Agraphie (Unvermögen zu schreiben) 102. 

Aissaoua 23. 

Akademie. Berliner, 4, 7. 

Akademie, Kurbaierische, 4. 

Akademie, Pariser, 8, 10, 173, 276, 318. 

Aknepnsteln (Finnen) 92. 

Alert stage 36. 

Alkohol 166, 317. 

Alkoholismus 30, 263, 279, 280. 

Allheilmittel 246, 247. 

Allochirie 74. 

Allopathie 276. 

Alter 30, 103, 104, 106. 

Amaurose (Blindheit) 76. 

American Society for Psychical Research 
12, 320. 

Amimie (Unvermögen, sich durch Mienen 
und Geberden zu verständigen) 102. 

Amnesie (Verlust des Gedächtnisses) 36, 
37, 84, % ff., 101 ff, 107, 108, 110, 
111, 113, 115, 116, 118 ff., 126, 133, 
161, 169, 171, 197, 199, 202, 206, 208, 
217, 218, 234, 235, 267, 281, 284. 288, 
297, 299, 300; s. Gedächtniss. 



Amnestisch = ohne Erinnerung. 

Amylnitrit 221. 

Anämie = Blutleere, s. Blutgehalt. 

Anästhesie (Empfindungslosigkeit) 76, 
127, 232, s. Analgesie. 

Anästhetisch = empfindungslos. 

Analgesie (Aufhebung des Schmerz- 
gefühls) 23, 36, 58, 81, 82, 91, 192, 
193, 230, 232, 233, 244, 266, 276, 277, 
278, 306, 307, s. Chirurgie. 

Analgetisch = empfindungslos gegen 
Schmerz. 

Anatomie 246, 322. 

Anatomisch, s. organisch. 

Animalisch, s. thierisch. 

Anstaltsbehandlung 270. 

Anstifter 289, 299, 300. 

Antagonisten = Muskeln mit entgegen- 
gesetzter Function, z. B. Strecker im 
Verhältniss zu den Beugern. 

Antipathie 129. 

Antipyrin 249. 

Anziehung, magnetische, 50. 

Aphasie (Störung des Sprachvermögens) 
65, 102, 103, 114, 126, 150, s. Stottern, 
Stummheit. 

Aphonie (Verlust der Stimme; nicht mit 
Verlust der Sprache zu verwechseln) 
263. 

Apoplexie (Schlaganfall;, 219, 265, 269. 

Apperception 187. 

Appetitlosigkeit 81, 263. 

Arzneimittel, s. Medicamente. 

Associationen 48, 71, 80, 127, 130, 131, 
158, 208, 221, 299, s. Reproduction* 

Associationsfasern 221. 



326 



Sachregister. 



Associationsträunie 155. 

Astrologie 2. 

Athniung 83, 84, 86, 101, 204, 220, 
230, 231, 316. 

Aufmerksamkeit 19, 20, 24, 29, 31, 33, 
52, 104, 131, 133, 155, 158, 163, 169, 
182 ff., 190, 192, 210, 212, 213, 217, 222. 

Auge 15, 16, 17, 21, 24, 32, 37, 38, 54 ff., 
58, 71, 74, 76, 77, 91, 139, 184, 188, 
229, 237, 238, 239. 

Aussagen, s. Zeugenaussagen. 

Autohypnose (Selbsthypnose) 20, 99, 
166, 174. 

Automatische Bewegungen 94, 118, 133, 
146, 193, 194, 197, 200, 201, 218, 219, 
235, 237, 291, s. fortgesetzte Be- 
wegungen. 

Automatisches Schreiben 148, 201 ff., 
297, 300, 323. 

Autorität 179, 191, 245, 246, 324. 

Autosomnambulismus (spontaner Som- 
nambulismus) 283, s. Somnambulismus. 

Autosuggestion 44, 45, 75, 90, 91, 100, 
152, 187, 254, 255, 264, 267, 268, 270, 

279, 316, 318. 

Baiassiren 173. 

Balneotherapie (Lehre von der Heilung 

durch Bäder) 260. 
Bannen 49, s. Fascination. 
Baquet 4, 5, 309. 
Befehlsautomatie 220. 
Beispiele von Hypnosen 15 ff., s. die 

einzelnen Abschnitte. 
Belladonna (Tollkirsche) 248. 
Belletristen 14. 

Berührungen 1, 2, 4, 21, 22, 52, 129. 
Bewegungen 16, 17, 18, 20, 37, 38, 46 ff., 

83 ff., 87, 102, 110, 135, 142, 144, 

145, 153, 158, 159, 160, 165, 168, 169, 
182 ff., 210, 211, 214, 215, 229, 236, 
238, 278. 

Bewegungen im Schlaf 159, 160. 
Bewusstlosigkeit 58, 60, 63, 132 ff., 135, 

163, 208, 282 ff., 287, 289, 307. 
Bewusstsein 73, 76, 96, 109, 136 ff., 143, 

146, 148, 154, 159, 175, 179, 195, 198, 
213, 216 ff., 220, 222, 235, 236, 279, 

280, 292, 293, s. Traumbewusstsein 
und Gedäehtniss. 



Bewusstseinsspaltung 291 ff., s. Doppel- 

bewusstsein. 
Bewusstseinssphären 200. 
Bewusstseinsstörung 132, 135, 163, s. 

Bewusstlosigkeit und Bewusstsein. 
Biceps , Musculus (Hauptbeugemuskel 

des Ellenbogens) 262. 
Bindehaut 76. 
Biomagnetismus , = Thierischer Mag- 

netimus. 
Blick 50. 

Blasenpflaster, s. Vesication. 
Blindheit 76. 
Blödsinn (Geistesstörung mit Schwäche 

der geistigen Functionen) 164, 165. 
Blutcirculation 83 ff, 322. 
Blutgehalt des Gehirns 221, 222. 
Blutung 90, 91, 94, 100. 
Blutung aus d. Uterus, s. Periode. 
Böser Blick 50. 
Braidismus = Hypnotismus 9. 
Braids Methode, s. Fixationsmethode. 
Brandwunden 90, 91. 
Brechmittel 244, s. Erbrechen. 
Brief Charcots 262, 263. 
Buddhisten 23. 

Capsula interna (Faserzug im Gehirn, 
der u. a. die Fasern für die willkür- 
lichen Bewegungen von der Gross- 
hirnrinde nach der Peripherie leitet) 
219. 

Captation 49, s. Fascination. 

Carbolsäure 249. 

Charakter 42, 73, 130, 136, 286. 

Charite in Berlin 6. 

Charme 36. 

Chinesen 314. 

Chinin 244. 

Chirurgie 9, 10, 265, 275 ff. 

Chloroform 26, 34, 166, 248, 249, 260, 
277, 283. 

Chorea (Veitstanz) 264, 278. 

Civilrecht 285, 290 ff. 

Clairvoyance = Hellsehen. 

Coincidenz (Zufälliges Zusammentreffen 
zweier Ereignisse) 320. 

Coitus 87. 

Collaps (Plötzlicher Eintritt von be- 
drohlicher Herzschwäche) 249, 258, 275. 



Sachregister. 



327 



Commissionen 4. s, 281, 311. 316, 318. 

Combinirte Methode 24, 25. 

Condition normale 100. 

Condition prime 115. 

Condition seconde 100, 115. 

Congress 14. 

( 'onjunctiva = Bindehaut des Auges. 

Contraction = Muskelzusammenziehung. 

Contractur 46, 48, 49, 53, 56 ff., 61 ff, 
67, 69, 84, 132. 159, 168, 211, 227, 228, 
231, 234, 244, 306, 307, 315, 317. 

Conträre Sexualempfindung 264. 

Contraindicationen 266. 

Convergenz 21, 56, 232. 

Corium (die tiefere Hautschicht) 91. 

Criminelles, s. Forensisches 

Orises 254. 

Dämon des Sokrates 209. 

Darm 84. 

Darmsecretion 87. 

Deep stage 36. 

Deferred Suggestion 110, s. Suggestion 
auf Verfallszeit. 

Dehypnotisiren, s. Erwecken. 

Delictsfähigkeit 291, 293. 

Delirium tremens 165. 

Demesmerisirende Striche 16, 26. 

Denken, s. Verstandesthätigkeit. 

Deroulement 100. 

Derwische 23. 

Desuggestionniren 252, 282. 

Diebstahl 33, 138, 281. 

Dispolarisation 316. 

Disposition zur Hypnose 28 ff., 35, 255. 

Dogmen 136, 243, 323. 

Donatismus 49. 

Doppelbewusstsein 99, 194 ff, 297, 299. 

Drastikum, s. Abführmittel. 

Dressur 45, 57, 59, 73, 101, 108, 111, 
144, 149, 189, 222, 286, 308, 319 ff. 

Drucksinn 77. 

Durst 81, 109. 

Dynamogen 222. 

Dynamometrische (Muskelkraft-) Unter- 
suchungen 67, 68. 

Echolalie 64, 65, 67, 69, 79, 150, 313. 
Einbildung 4, 5, 23, 48, 128, 129, 172, 
209, 241, 274, 295, 306. 



Eintheilung der Hypnose 36 ff. 

Ekel 81. 

Ekzem (Hautausschlag) 266. 

Elektricität 22, 23, 68, 216. 253, 260, 
265, 268, 269, 270. 275. 

Elektrobiologen 10, 168. 

Emotionsneurosen (Neurosen, die durch 
seelische Erregung entstanden) 264. 

Enuresis nocturna (Nächtliches Rett- 
nässen) 264. 

Epidermis (oberflächliche Hautschicht) 
92. 

Epilepsie 166. 

Erblichkeit 29. 

Erbrechen 84, 85, 181. 

Erection 87. 

Erinnerung 19, 25, 35, 37, 96 ff., 118, 
137, 143, 153, 169, 186, 194. 195, 204, 
206, 207, 218, s. Gedächtniss u. Amnesie. 

Erinnerungstäuschungen, s. retroactive 
Suggestion. 

Erkennungspunkte 79, 80, 213. 

Erklärung, s. Theoretisches. 

Ermüdung, s. Müdigkeit. 

Erröthen 43, 73. 

Ersatzpflicht, s. Schadenersatz. 

Erwachen 115, 116, 119, 137, 140, 165, 
230, s. Erwecken. 

Erwecken 26 ff., 55, 71, 98, 110, 116, 
134, 166, 252, 253, 316. 

Erwartete Wirkung 180 ff, 185, 191, 
209, 315. 

Erwartungsstimmung 209. 

Erzeugung der Hypnose, s. Hypno- 
sigenese. 

Erziehung 136, s. Dressur u. Pädagogik. 

Etats mixtes 60. 

Exophthalmus (Hervortreten der Aug- 
äpfel) 56. 

Experimental-Psychologie, S.Psychologie. 

Experimentuni mirabile 172. 

Extase 23, 91, 99. 

Fakire 174, 307. 

Faradisation (bestimmte Art der Elektri- 

sirung) 26, 58, 68, 82, 232. 
Farbenblindheit 75, 76. 
Farbenempfindung 75, 231. 232. 
Fascination 16, 17. 38, 49, 55, 83, 173, 

174, 217. 307. 



328 



Sachregister. 



Fasten 81. 
Fehlerquellen 319 ff. 
Fernwirkung 307, s. Telepathie. 
Femwirkung von Medicamenten 305, 

317 ff. 
Fiebertherapie 303. 
Fixationsmethode 15, 21, 24, 25, 27, 31, 

33. 39, 40, 55, 56, 58. 69, 70, 83, 87, 

163, 217, 251, 255, 270, 310. 
Flexibilitas cerea 56 ff. 
Fluidum 3, 22, 308 ff. 
Forensisches 11, 13, 166, 281 ff. 
Fortgesetzte Bewegungen 53, 139, 140, 

159. 
Freiheitsberaubung 284. 
Fremdsuggestion 44, s. Suggestion. 
Freundschaft 32. 
Furcht 84, 95, 125. 
Furcht vor Hypnose 273. 
Furunkel 277. 

Gähnen 166. 

Galvanismus (eine Art der Elektricität) 
58, 68, 244, s. Elektricität. 

Galvanometer 68. 

Geburtshilfe 278. 

Gedächtniss 15, 18, 30, 96 ff., 117, 133, 
177, 193 ff., 200, 220, 234, 237, 238, 
s. Amnesie, Erinnerung, Bewusstsein. 

Gedankenconcentration 42, 308, 310, 311, 
321. 

Gedankenlesen 41, 42, 202, 310, 320. 

Gedankenübertragung, s. Telepathie. 

Gefässe 85, s. Vasomotorische Störungen. 

Gefahren der Hypnose 33, 124, 125, 157, 
248 ff., 273, 285 ff., 302. 

Gefahren von Heilmitteln 273. 

Gefühl, s. Anästhesie, Analgesie, Sinnes- 
organe, Tastsinn. 

Gefühle 41, 50. 

Geheimnisse 296, 297, 298. 

Gehör 21, 132. 

Geisteskranke 29, 75, 105, 209 v 239, 292. 

Geistesstörungen 3, 156, 162, 164, 165, 
225, 226, 230, 264, 265, 288, 290. 

Gelenkrheumatismus 266. 

Gemeingefühl 80 ff. 

Gerichtlich, s. forensisch. 

Gerichtliche Hypnotisirung 295 ff. 

Gerichtliches Verfahren 298 ff. 



Geruch 71, 72, 170. 
Geschäftsfähigkeit 291 ff. 
Geschichtliches 1 ff., 109, 241 ff., 276 r 

277, 281, 314. 
Geschlecht 30. 

Geschlechtliche Liebe 32, 129. 
Geschmack 71, 72. 

Gesellschaft für Experimental -Psycho- 
logie 14. 
Gesetz 7, 301, 302. 
Gesichtsausdruck 72, 73, 82, 88, 89, 117,. 

130, 144, 169, 229. 
Gesichtsfeld 78. 

Geständniss der Simulation 238. 
Geständnisse, s. Geheimnisse. 
Gesten 16, 31, 50, 72, 130, s. Suggestion 

d'attitude. 
Gestirne 2, 3. 
Gesundheitsschädigung 274, 284, s. Ge-r 

fahren. 
Gewalt 287, 290. 
Gewohnheit 26, 45, 180, 237. 
Gewohnheitsacte 136, 236. 
Gläubigkeit 178 ff., 192, 193. 
Globus (eigenthümliches Gefühl am Halse, 

ähnlich dem Hochsteigen einer Kugel) 

28. 
Grade der Hypnose 36 ff., 70, s. Gruppen 

und Tiefe der Hypnose. 
Grande hysterie, s. Hysteroepilepsie. 
Grand Hypnotisme 58. 
Graphologie 106. 
Griechen 241. 

Grosshirnrinde, s. Hirnrinde. 
Grund 128. 
Gruppen der Hypnose 37, 38, 70, 82, 97,. 

125, 135, 140, 141, 142, 143, 153, 154 T 

167. 

Halbseitige Hypnose 66, 315. 

Halbzirkelförmige Canäle (ein Theil des 
inneren Ohres, dessen Zerstörung Be- 
wegungsstörungen veranlasst) 173. 

Hallucinationen 71, s. Sinnestäuschungen. 

Handbewegung, s. Geste. 

Handlungen 48, s. Bewegungen und. 
Verbrechen. 

Handschrift, s. Graphologie. 

Harn, s. Urin. 

Haschisch 166. 



Sachregister. 



329 



Hass 82. 

Hautröthungen 227, 232, 234, s. Vaso- 
motorische Störungen. 

Ha vre, Experimente in le, 311. 

Heilkraft 306, 307. 

Heilmagnetiseure 310, 323. 

Heilmittel, s. Medicamente und Medi- 
cinisches. 

Heilung 2, 3, 5, 7, 92, 257, 271, 272, 
314, s. Medicinisches. 

Hellsehen 6, 8, 55, 77, 129, 311, 312, 
319, 320, 324. 

Hemianästhesie (Empfindungslosigkeit 
einer Körperhälfte) 90, 227, 315. 

Hemianästhetisch = empfindungslos auf 
der einen Körperhälfte. 

Hemianopsie (Ausfall der einen Hälfte 
des Gesichtsfeldes) 76. 

Hemihypnose, s. Halbseitige Hypnose 

Hemiplegie (Lähmung der einen Körper- 
hälfte) 90, 173, 243. 

Hemmungen 210 ff., 223. 

Heredität 29. 

Herzthätigkeit 83 ff., 101,. 220, 232, 234. 

Hesychasten 1. 

Heterosuggestion 44. 

Himmelskörper 308. 

Hindu 174 

Hirnrinde 84, 216 ff.. 223, 256. 

Histologie 245 

Homöopathie 275. 

Hunger 81, 102, 109. 

Hyperämie (vermehrter Blutgehalt), s. 
Blutgehalt des Gehirns. 

Hyperästhesie (vermehrte Empfindlich- 
keit) 70, 77 ff, 129, 313, 321. 

Hyperexcitabilität (gesteigerte Erregbar- 
keit) 58 ff., 231, 233. 

Hypnobat 9. 

Hypermnesie (Steigerung des Gedächt- 
nisses) 98, 99, 101. 

Hypnosie 166. 

Hypnosigenese (Erzeugung der Hypnose) 
15, 16, 17, 19 ff, 125, 128, 162, 163, 
168 ff, 175, 176, 177, 182 ff, 187, 
188, 196, 215, 217, 241, 257. 

Hypnoskop 9, 28. 

Hypnotisirungsmittel. s. Hypnosigenese. 

Hypotaxie 36. 



Hysterie 28, 165, 172, 180, 233, 237, 
242, 253, 261 ff., 264, 265, 314. 

Hysterische Anfälle 137, 253, 254, 266. 

Hysteroepilepsie (Hysterie mit epi- 
leptischen Anfällen) 10, 56, 58, 59, 

165, 253. 

Ideenassociatiou 97, 98, 125, 201, 203, 

204, 235, s. Associationen. 
Idioten 29. 

Dlusionen 71, 75, s. Sinnestäuschungen. 
Imitation 16, 17, 19, 49, 64, 149, 150, 

167, 183, 217 ff., s. Fascination. 
Imitationsautomatie 220. 
Impfung 244. 
Impotenz 181. 
Impulsive Acte 124. 
Impulsives Irresein 162, 199. 
Inder 8, 205, 314. 
Indicationen 260 ff, 303. 
Individualisiren 19, 31, 137, 272. 
Inhibitorisch 222. 
Intelligenz 29. 
Intoxication = Vergiftung. 
Ipecaeuanha 317. 
Irrtimm 293. 

Jahreszeiten 30. 
Jogis = Yogis. 
Jucken 41, s. Pruritus. 
Jumping 167. 

K. s. ('. 

Kali chloricum 249. 
Kaltwasserkur 244, 265. 
Katalepsie 5, 9, 10, 33, 51, 52, 54, 56, 
57, 67, 69, 84, 88, 132, 134 ff., 150, 

166, 169, 233, 243. 
Kataleptisches Stadium 36, 58 ff, 172, 

230, 231, 315. 

Kataleptoid 59, 173. 

Kataplexie (Schrecklähmung) 172. 

Katatonie, Kahlbaum'sche (Geistes- 
störung, wobei ausser den psychischen 
Symptomen sich kataleptische Er- 
scheinungen in den Muskeln zeigen) 
165. 

Katharina Emmerich 91. 

Katholische Kirche 9, 91. 

Kinder 30, 179, 207, 238, 279, 306, 307. 



330 



Sachregister. 



Klonus (eine Art Krampf) 48. 
Körperverletzung 284. 
Kopfschmerz 250, 255, 263, 267. 
Kopfuhr 205. 
Kurpfuscher 247. 

Lachen 54, 210, 211, 230, 236. 

Lähmungen 44, 48, 68, 69, 102, 109, 
127, 165, 168, 169, 180, 183, 211, 227, 
228, 237, 244, 263, 284. 

Langeweile, Schlaf aus 163. 

Langvveiligkeitshewegungen 232, 233. 

Lata (h) 167. 

Lehensgeist 3. 

Lehensmagnetismus, s. thierischer Mag- 
netismus. 

Lehrer 32. 

Lethargie 23, 27, 133, 166. 

Lethargie lucide 60. 

Lethargisches Stadium 36, 58 ff., 63, 64, 
69, 133, 134, 231, 315. 

Lider, s. Auge. 

Liehe 82. 

Lieblingszahlen 321. 

Logik, s. Verstandesthätigkeit. 

Lokalisation, zeitliche, 96. 

Louise Lateau 91, 305. 

Lourdes 242, 257. 

Lügen 107, 296, 300. 

Magenschmerzen 263. 

Magier 1, 314. 

Magnet 4, 5, 26, 28, 257, 263, 305, 308, 
314 ff., 319, 320. 

Magnetische Kraft 3, 128, 241, 309, 319, 
s. Persönlicher Einfiuss. 

Magnetischer Schlaf 8, 28, 34, 96, 98, 
151, 243, 276, 278, 282, 283, 298, 310. 

Magnetischer Sinn 317. 

Magnetische Striche, s. Mesmerische 
Striche. 

Magnetiseur 5, 21, 49, 50, 108, 129, 309, 
s. Mesmeristen. 

Magnetismus, s. Thierischer Magnetis- 
mus. 

Manie (Geistesstörung, die sich u. a. 
durch Erregung, beschleunigten Ab- 
lauf der Vorstellungen etc. kennzeich- 
net) 264. 

Massage 244, 260, 265. 

Mechanisch, s. Automatisch. 



Medicamente 5, 242, 248, 249, 250, 256, 
258, 259, 260, 265, 269, 273, 275, 303, 
s. Fern Wirkung der Medicamente. 

Medicinisches 4, 9, 10, 11, 12, 13, 120, 
164, 178, 240 ff., 302, 303, 316. 

Mediumistisches Schreiben 201. 

Medulla oblongata (unterster Theil des 
Gehirns) 173. 

Melancholia attonita (Form der Melan- 
cholie, wo ausser der melancholischen 
Gemüthsstimmung abnorme Erschei- 
nungen in den Muskeln sich zeigen, 
Katalepsie etc.) 164, 165. 

Melancholie 264. 

Menstruation = Periode. 

Menstruationsstörungen 258, 263. 

Mesmerische Striche 15, 16, 21, 22, 23, 
25, 27, 52, 57, 83, 169, 181, 182, 277, 
306, 308. 

Mesmerismus, s. Thierischer Magnetis- 
mus. 

Mesmeristen 4 ff., 14, 22, 27, 28, 32, 74, 
78, 96, 100, 109, 129, 131, 240, 278, 
281, 306, 308, 309, 311, 312. 

Metalloskopie 317. 

Metallotherapie 317. 

Meteore 322. 

Methodik 151, 152. 

Mica-Panis-Pillen (Pillen aus Brod- 
krumen) 85. 

Miryachit 167. 

Misere psychique 183. 

Misstrauen 31, 268. 

Mord 2, 3. 

Morbus hypnoticus 166, 167. 

Morphium 34, 154, 216, 248. 

Morphinismus 263. 

Motilität — Bewegungsfähigkeit. 

Motive 120, 121, 122, 288, 292. 

Motorisch, s. Bewegungen. 

Mouvement psychique 27. 

Müdigkeit 15, 25, 26, 38, 55, 67, 80, 120, 
153, 154, 180, 254, 255. 

Multiple Sclerose (Nervenkrankheit mit 
Veränderungen in Hirn und Rücken- 
mark) 317. 

Muskelkraftmessungen, s. Dynamometri- 
sche Untersuchungen. 

Musculus delto'ideus (Hauptmuskel zur 
Hebung des Armes) 64. 



Sachregister. 



331 



Musik 51, 52. 

Muskelsinh (orientirt uns über die je- 
weilige Stellung unserer Glieder) 23, 
51, 67, 72, 73. 76, 79, 132, 163. 

Muskulatur, s. Bewegungen. 

Myelitis (Rückenmarksentzündung) 181. 

Myriacb.it, s. Miryachit. 

Mystik 6, 8, 12, 176, 180, 214, 256, 257, 
268, 321, 323, 324. 

Nachahmung, s. Imitation. 

Nachsprechen, s. Echolalie. 

Nachtwandeln 165. s. Somnambulismus. 

Nancyer Schule, s. Schule. 

Nancyer Verfahren 17, 19, 25, 43, 170, 
184, 243. 

Narkolepsie 166. 

Narkose, s. Chloroform. 

Nationalität 30. 

Naturgesetz 305, 322, 324. 

Naturvölker 1, 2, 21, 23, 99, 201. 

Nervenkrankheiten 156. 

Nervenreiz, s. Sinnesreiz. 

Nervenreizträume 154, 155, 156, 164. 

Nervosität 29, 251 ff., s. Neurasthenie. 

Nervus facialis (Bewegungsnerv des Ge- 
sichtes) 58. 

Nervus ulnaris (ein Hauptnerv des 
Armes) 58. 64. 

Nervus vagus (Nerv, der u. a. den Magen 
versorgt) 313. 

Neuralgie 263. 

Neurasthenie 28, 261, 263, 265. 

Neuromuskuläre Hyperexcitabilität, s. 
Hyperexcitabilität. 

Neurosen (Nervenkrankheiten ohne ana- 
tomische Grundlage) 165, 261, 264, 
265, 271, 272, 276. 

Nothzucht, s. Sittlichkeitsverbrechen. 

Number-habit 320. 

Oberbewusstsein 195, 200 ff. 

Objectivation des types, s. Persönlich- 
keitsänderung. 

Objective Symptome 66, 67, 83, 150, 151, 
225 ff., s. Simulation. 

Odlicht 314. 

Ohnmacht beim Elektrisiren 254. 

Ohrensausen 264. 

Omphalopsychiker 1. 



Operationen 90, 192, s. Chirurgie. 

Ophthalmoskopische (Augenspiegel-) Un- 
tersuchungen 221. 

Opium 166, 317. 

Orakel 311. 

Organische Krankheiten 265, 266, 269. 

Organische Veränderungen 88 ff., 274. 

Ovarie (Schmerz in bestimmten Stellen 
des Unterleibes) 261, 263. 

Ovarien (Eierstöcke) 60. 

Pädagogik 278, 279. 

Panacee, s. Allheilmittel. 

Papyrus Ebers 2. 

Paramnesie (falsches Erinnerungsbild) 
101, 108. 

Paraplegie (Lähmung beider Körper- 
seiten) 162. 

Passes, s. Mesmerische Striche. 

Passive Hypnose 54, 84, 134, 161. 

Pathologie 278, 279. 

Periode 89, 90, 182, s. Menstruations- 
störungen. 

Perioden, s. Stadien. 

Persönlicher Einfluss 1, 2, 5, 32, 129, 
189, 305, 306, 308, 319. 

Persönlichkeit 194. 

Persönlichkeitsänderung 104 ff., 157. 

Petit Hypnotisme 58. 

Pflanzenwachsthum 174, 307. 

Photographie, Experiment mit, 79, 80, 
110, 125, 213, 214. 

Philosophie 8, 9, 224. 

Phreno-Hypnotismus 65, 66. 

Physiognomie, s. Gesichtsausdruck. 

Physiologie 11, 45 ff.. 178, 215 ff. 

Platzangst, s. Agoraphobie. 

Points de repere, s. Erkennungspunkte. 

Polarisation 315, 316. 

Polarität 308. 

Prismen, Versuche mit, 231, 232. 

Procentsatz der Hypnotisirbarkeit25, 35. 

Progressive Paralyse (schwere Form von 
Geistesstörung mit Abnahme der In- 
telligenz,Bewegungsstörungenetc.)164. 

Pruritus cutaneus nervosus (nervöses 
Hautjucken) 264. 

Psychisch == seelisch, geistig. 

PsychischeHypnotisirungsmittel 19, 22 ff., 
s. Hypnosi genese. 



332 



Sachregister. 



Psychische Reflexe 61, 62. 
Psychologie 13, 14, 40, 178, 240, 247, 

248, 259, 272, 273, 276, 280, 302, 303. 
Psychologie der Hypnose 40, 95 ff., 

176 ff. 
Psychologische Gesellschaft 14. 
Psychosen, s. Geistesstörungen. 
Puls 83 ff., 204, 311. 
Pupillen 69, 70, 232. 
Pyrrhus 2. 

Quaddeln 93, 94, 95, 234. 

Quarr versuch, Goltz'scher (darin be- 
stehend, dass ein enthirnter. Frosch 
seine Stimme ertönen lässt, sobald 
man seine Rückenhaut streichelt) 61. 

Railway-Spine (Nervenkrankheit, die in 
Folge von Eisenbahnunfällen entsteht) 
264. 

Rapport 18, 63, 64, 91, 105, 131, 132, 
134, 153, 170, 171, 177, 189, 308. 

Raumsinn 77. 

Rausch 107, 287. 

Reactionszeit 213, 214. 

Reflexe 27, 48, 57 ff., 61 ff, 65, 69, 
70, 76, 87, 101, 132, 173, 218, 219. 

Reflexiähmungen 217. 

Reiz, s. Sinnesreiz. 

Reproductionsgesetze 41, s. Associationen 
und Erinnerung. 

Retroacti ve Suggestion, s. Suggestion, retr. 

Rheumatische Schmerzen 263. 

Röthungen 85, 109, s. Vasomotorische 
Störungen. 

Salpetriere 21, 33, 90, 172, 257, 263. 

Samenerguss 87. 

Schadenersatz 293, 294. 

Schädel, Reizung des, 65. 

Schauspieler 105, 106, 131, 229, 230. 

Schaustellungen 42, 303, 304. 

Schenkung 283, 284. 

Schläfrigkeit 153, 154. 

Schlaf 20, 21, 24, 26, 27, 34, 38, 54, 55, 
69, 84, 98, 116, 128, 140, 153 ff, 164 ff, 
172, 180, 186 ff., 204, 255, 307, 309, 
s. Traum und Traumbewusstsein. 

Schlaflosigkeit 180. 

Schlaftrunkenheit 26. 

Schlafwandler 160, s. Somnambulismus. 



Schluckbewegungen 39. 
Schmerzempfindung 48, 72, 81, 82, 109, 

148, 165, 182, 192, 211, 230, 244, 263, 

270, 271, 274, 275, s. Analgesie. 
Schmerzlosigkeit 278, s. Analgesie. 
Schreck 40, 73, 82, 85, 87, 199. 
Schrecklähmung 21, 172. 
Schuldscheine 284. 
Schule 32, 278, 279. 
Schule, anthropologische, 290. 
Schule, klassische, 290. 
Schule von Charcot 10, 11, 14, 58, 59, 

60, 63, 64, 227, 228, 301, 314, 315. 
Schule von Nancy 11, 12, 14, 30, 35, 

59, 62, 68, 91, 227, 228, 252, 255, 

259, 312. 
Schule der Mesmeristen 14, s. Mesme- 

risten. 
Schreibkrampf 264. 
Schweis"ssecretion 86, 232, 234. 
Schwindel 38, 81, 163. 
Sclera = die weisse Augenhaut. 
Secretion 86, 87, 234. 
Segnen 2. 

Sehuenreflexe 48, 58, 69, s. Reflexe. 
Sehstörungen 264. 
Selbstbeobachtung 122, 123, 176. 
Selbstbeurtheilung 140, 141. 
Selbstbewusstsein 135, 153, 156, 158. 
Selbsthypnose, s. Autohypnose. 
Selbstmord 284. 

Selbstsuggestion, s. Autosuggestion. 
Selbsttäuschung 121, 122, 237, 285, 286. 
Sensibilität — Empfindungsfähigkeit. 
Seufzer 39. 
Sibylle 311. 

Signale, Zählen von, 112, 205. 
Simulation 35, 55, 79, 131, 142, 146, 179, 

214, 225 ff., 301, 319, 320. 
Sinnesorgane 37, 49, 70 ff., 149, 178, 

313. 
Sinnesreize 21, 24 ff., 141, 142, 155, 156, 

159, 172, 173, 212, 217, 219, 223, 313. 
Sinnestäuschungen 17, 70 ff., 97, 128, 

138, 141, 142, 144, 145, 146, 154, 156, 

157, 166, 169, 170, 177, 181, 185 ff., 

196, 209, 210, 211, 213, 229, 230 ff., 

264, 274, 275, 315, s. Traum. 
Sinnestäuschungen, einseitige, 73,74, 315. 
Sinnestäuschungen, negative, 74, 75, 



Sachregister. 



333 



147 ff.. 163. 168, 175. 177. 190 ff., 

202, 212. 
Sinnestäuschungen, posthypnotische, 118, 

119, 126, 208, 209, 288. 
Sinnestäuschungen, unvollkommene, 73, 

146 ff. 
Sinnesverlegung 5, 55, 77. 312 ff.. 320. 
Sittlichkeitsverbrechen 281 ff., 298. 
Society for Psychical Research 12, 321. 
Somatisch = körperlich, leiblich. 
Somatische Mittel 20 ff., s. Hypnosige- 

nese. 
Somatische Reflexe 61, 62, 159, 218. 
Somnambules Stadium 36, 58 ff., 63, 

65. 231, 315. 
Somnambulismus 5, 10, 11, 36, 109, 124, 

132, 142, 160, 166, 188. 195, 248, 263, 

287. 305, 311, 312. 
Somnolenz 36. 
Speculation 223, 224. 
Speichelsecretion 87, 234. 
Spiritismus 85, 99, 201, 209, 323. 
Spiritus vitalis (Lebensgeist) 3. 
Spontaneität 141, 142. 
Sprache 49, 144. 
Sprachstörungen 47. 
Sprechen in Hypnose 145. 158, 160. 
Sprechen im Schlaf 99, 160, 161. 
Stadien Charcots 36, 57 ff., 151, 165, 

222, 301, 312. 
Stadien Gurneys 108. 109. 
Starrkrampf 57, 61. 
Statistik 25, 35. 
Sternocleidomastoideus (ein den Kopf 

bewegender Muskel) 58 
Stigmatisation 91, 323. 
Stimmung 50, 82, 89, 130, 183, 198, 229. 
Stoffwechsel 87, 88. 

Stottern 44, 165, 166, 181, 198, 199, 263. 
Strafrecht 281 ff. 
Striche, s. Mesmerische Striche. 
Strychnin 247, 317. 
Stuhlgang 84, 85, 87, 109. 
Stummheit 16, 168, 306. 317. 
Subcorticale Centren (im Gegensatz zur 

Hirnrinde tiefer liegende Massen von 

Ganglienzellen) 218. 224, 256. 
Suggestibilität 41, 45, 47, 115 ff., 140, 

152, 164, 165. 167, 169, 183, 210, 230, 

240, 255, 288. 291, 293, 295, 300. 



Suggestion 8, 9. 11, 12, 13, 19, 36, 37, 
43, 219, 220, 227, 228, 243, 258, 25», 
267, 282, 296, 306, 310, 316, 317, 319, 
322, s. die einzelnen Capitel und 
Unterabtheilungen besonders in der 
Symptomatologie. 

Suggestion ä echeance oder auf Ver- 
fallszeit 110, 205. 

Suggestion, continuirliche, 110, 161. 

Suggestion d'attitude 41, 144, 149. 

Suggestion, directe, 44. 

Suggestion, hypnotische oder intrahyp- 
notische, 45, s. Suggestion. 

Suggestion indirecte 44, 73, 100, 227, 
228. 

Suggestion mentale, s. Telepathie. 

Suggestion ohne Hypnose 43, 108, 167 ff., 
184, 198, 255, 258, 259, 286. 

Suggestion, posthypnotische, 33, 45, 48, 
103, 107, 108, 109 ff., 134, 137, 138, 
146. 152, 166, 176, 177, 197 ff., 230, 
237, 254, 267, 278, 284, 286 ff., 291 ff., 
298. 

Suggestion, posthypnotische, im Schlaf 
156, 161, 162. 

Suggestion, prähypnotische, 45. 

Suggestion, retroactive, 101, 107, 108, 
294, 295. 

Suggestion, unbestimmte, 141. 

Suggestionsgesetz 41. 

Suggestivismus 244. 

Suggestivkatalepsie 51, s. Katalepsie. 

Suggestivtherapie, s. Medicinisches. 

Sulfonal 249. 

Suspensionsbehandlung 249. 

Sympathetische Curen 3. 

Sympathie 129, 310. 

Systemlähmung 102. 

Tabes dorsalis (Rückenmarksschwind- 
sucht) 76, 77, 231, 243, 249, 265. 

Tactil (auf den Tastsinn bezüglich) 172. 

Tarnkappe 75. 

Taschenspieler 42, 43, 74, 123, 124. 

Tastsinn 21, 72, 77, 181. 

Taubheit 76, 148, 149, 254. 

Taubstummheit 272. 

Telästhesie, s. Telepathie. 

Telepathie 2, 78, 130, 305, 310, 311, 
320, 321. 



334 



Sachregister. 



Telephon 19. 

Tempelschlaf 241. 

Temperatur 85, 88, 109. 

Temperatursinn 22, 72, 77, 78, 181. 

Terminbestimmung 111, 112, 203 ff. 

Terminologie 18, 19, 20, 43, 44, 45, 154. 

Testament 285, 301. 

Theoretisches 175 ff., 308, 309. 

Therapeutisches, s. Medicinisches. 

Thierbändiger 173, 174. 

Thierischer Magnetismus 1 ff, 129, 276, 
277, 282, 305 ff., 316, 318, 322. 

Thierversuche 11, 171 ff, 216, 307. 

Thomsen'sche Krankheit 166. 

Thränen 40, 73, 87, 232. 

Tiefe der Hypnose 36 ff, 70, 80, 81, 83, 
97, 98, 126, 151, 153, 154, 258, 268, 
290, 291, 309. 

Tischrücken 323. 

Tisza-Eszlar, Process von, 294. 

Tod durch Chloroform 248, 249, 277. 

Tod durch Kali chloricum 249. 

Tod durch Suspension 249. 

Toxisch (giftig) 311. 

Träumerei 154. 

Trance 85, 99. 

Trance-waking 115. 

Transfert 315, 319, 320. 

Transposition des sens,s.Sinnesverlegung. 

Traum 27, 71, 97 ff., 109, 116, 128, 130, 
140, 141, 154 ff, 164, 195, 215, 252, 
263, 280, 324, s. Traumbewusstsein. 

Traumatische Lähmungen (Lähmungen, 
durch ein Trauma, z. B. Stoss hervor- 
gerufen) 44. 

Traumbewusstsein 175, 176, 184, 186 ff, 
192, 196, 208 ff. 

Triebbewegungen 199. 

Triebe 41, 82, 208. 

Trugschlüsse 250, 251, 261, 262. 

Tuberculös (mit Tuberculose behaftet) 29. 

üebelkeit 84. 

üebergangszustände 26, 38, 39, 139, 

142 ff., 17«, 238, 239. 
Ueberrumpelung 25. 
Uebertreibung 230. 
Universitäten 7, 14. 
Unterbewusstsein 195, 196, 200, 201, 

203 ff., 208. 



Unwillkürliche Muskulatur 83 ff. 

Urheber, s. Anstifter. 

Urin 87, 88. 

Urticaria (Quaddelausschlag) 93, 94. 

Uterus = Gebärmutter. 

Vasomotorische Störungen (Störungen in 
der Quantität des in einem Organ 
circulirenden Blutes) 48, 85, 90, 127, 
228, 311. 

Vasomotorische Störungen des Gehirns 
221, 222. 

Vegetarianer 165. 

Veille somnambulique 115, 170. 

Veitstanz, s. Chorea. 

Verbalsuggestion (Suggestion mittelst 
der Sprache) 49, 57, 72, 132, 145, 243, 
265. 

Verbrechen an Hypnotisirten 281 ff., 298. 

Verbrechen durch Hypnotisirte 285 ff. ,298. 

Vergessen, s. Amnesie. 

Verlangsamung von Bewegungen 136, 
139, 229 

Vermögensvortheil 284. 

Verrücktheit (Geistesstörung mit Wahn- 
ideen, Verfolgungswahn, Grössen- 
wahn etc.) 164, 165. 

Verstandesthätigkeit 44, 96, 127 ff., 138, 
145, 158, 170, 321. 

Versuche, s. Beispiele. 

Vertrauen 34, 268. 

Vesication (das Ziehen einer Blase) 89, 
92 ff, 227. 

Vespasian 2. 

Visionen (Sinnestäuschungen im Gebiete 
des Auges besonders religiösen In- 
halts) 40. 

Vivisection 280. 

Vorsichtsmassregeln 251 ff. 

Vorstellungen 41 ff., 127, 178, s. ein- 
zelne Capitel. 

Wacher Zustand 114, 119, s. Sug- 
gestion ohne Hypnose. 
Wärme 21, s. Temperatur. 
Wahnideen 264, 292. 
Wahrsagen 1, 130, s. Hellsehen. 
Wahrscheinlichkeit 320. 
Warzen 2. 
Wechsel der Ideen 130, 169. 



Sachregister. 



335 



Widerstand 126, 131, 136 ff. 

Wiedererkennungspunkte s. Erkennungs- 
punkte. 

Wiederholung der Suggestion 136, 137. 

Wille 20, 42, 44, 47, 61, 67, 96, 127, 
135 ff, 153, 154, 170, 171, 197 ff., 
210, 216, 220, 234, 238, 260, 279, 283, 
284, 295, 298, 311. 

Willensfreiheit 121 ff, 126, 280, 285, 
290, 299, 320. 

Willensschwäche 29. 

Willing-ganie 41. 

Willkür 47, 227, 232, s. Wille. 

Willkürliche Muskulatur 46 ff., s. Be- 
wegungen. 

Winterschlaf 174. 

Wollust 81. 

Wünschelruthe 317. 

Wunden 3, 23, 276, 277. 

Wunderkuren 240 ff, 272. 

Wundersucht 322. 

Wunsch 32 ff.. 47, s. Wille. 



Yogis 1. 

Z s. 0. 

Zahlen 321. 

Zauberblick 50. 

Zauberer 2. 

Zeitpunkt, s. Terminbestimmung. 

Zeugenaussagen 294 ff. 

Zitterbewegungen 236. 

Zoanthropie 106. 

Zones hypnofrenatrices 26. 

Zones hypnogenes 22, 34. 

Zoomagnetismus, s. Thierischer Mag- 
netismus. 

Zorn 82, 144. 

Zustand während Realisirung der posth. 
Suggestion 113 ff, 287 ff, 291, 292. 

Zwang 121, 122; 126, 299. 

Zwangshandlung 124, 199. 

Zwangsvorstellungen 124, 206 ff. 



II. Namenregister. 



Für Zusendung von Berichtigungen oder Ergänzungen zu den folgenden 
kurzen biographischen Notizen -würde ich jedem dankbar sein. 

Eine einzelne Jahreszahl in dem Eegister bezeichnet das Jahr, in welchem 
die auf den Hypnotismus bezügliche Arbeit oder Hauptarbeit des Autors erschien ; 
zwei Jahreszahlen bedeuten die Lebenszeit des Betreffenden. Die Autoren, denen 
keine Jahreszahl beigefügt ist, veröffentlichten fast sämmtlich ihre Arbeiten 
innerhalb der letzten 10 Jahre. 

Die fettgedruckten Zahlen beziehen sich auf die Hauptpunkte. 



d'Abundo, Arzt in Neapel. 78. 

Adam kie wie z, 0., Prof. f. allgem. Pathologie in Krakau. 11. 
Albertus Magnus, 1193 — 1280, hervorragender Gelehrter, Philosoph. 314. 
Alger i, G., italienischer Psychiater. 296. 
Alliot, französischer Arzt. 318. 

Aristoteles, 384—322 v. Chr., griechischer Philosoph, Psychologe, Natur- 
forscher. 162. 
Arndt, Rudolph, Psychiater, o. Professor in Greifswald. 102, 303. 
Ashburner, John A., um 1834, Arzt in London. 9. 
Auban, 1865, französischer Arzt. 282. 
Aupepin, Celicurre de 1', Magnetiseur. 92. 
Auvard, Geburtshelfer in Paris. 278. 
Ave-Lallemant, Friedrich, 1881, Jurist in Lübeck. 3, 6. 
Azam, Prof. in Bordeaux, Chirurg. 10, 100, 277. 
Azoulay, Leon, französischer Arzt. 213. 

Babinski, Neurologe in Paris. 11, 316. 

Bäumler, Ch., o. Prof. für innere Medicin in Freiburg i/B. 11, 22. 

Baier lacher, Eduard, Arzt in Nürnberg, f 1889. 13, 269. 

Baillif, L. E., 1868, französischer Arzt. 34, 141. 

Bailly, P. R., 1784. 4, 241. 

Balassa, Constantin, 1828, österreichischer Rittmeister. 173. 

Ballet, Gilbert, Prof. agrege in Paris, französischer Neurologe, Psychiater und 

Kliniker. 26, 166. 
Balzac, Honore de, 1799 — 1850, berühmter französischer Romanschriftsteller. 14. 
Barbarin, Chevalier de, 1786 in Ostende. 242, 309. 
Barety, A., Arzt in Nizza. 308. 

Barkworth, Thomas, Chigwell in Essex. 194, 195, 196. 
Barrett, W. F., Professor für Experimentalphysik in Dublin. 314. 



Namenregister. 337 

Bartels, Ernst, 1812, o. Prof. in Breslau, Physiologe. 7, 307. 

Barth, Adolph, Ohrenarzt in Berlin. 13. 

Barth, Georg, 1852. Arzt und Magnetiseur in London. 86. 

Barth, Henry, Arzt in Paris, Kliniker. 11. 

Bastian, Adolf, ao. Prof. in Berlin, Begründer der modernen Ethnologie, Director 

des ethnologischen Museums in Berlin. 1, 14, 21, 99, 167, 201. 
Bazin, 1859, Prof. in Bordeaux, Psychiater. 10. 

Beard, George Miller, 1839—1882, Neurologe in New- York. 12, 42, 167, 213. 
Beaunis, Prof. d. Physiologie in Nancy. 11, 68, 84, 85, 86, 92, 96, 113, 115, 

117, 137, 141, 168, 170, 214, 234, 267, 280, 287. 
Belfiore, Giulio, 1887, Arzt in Neapel. 125, 314, 315. 
Bellanger, Nicolas, 1854, Arzt in Paris. 283. 
Belot, Adolphe, französischer Schriftsteller. 14. 
Benavente, David, Arzt in Santiago. 12. 

Benedikt, Moriz, ao. Prof. in Wien, Neurologe. 11, 26, 98, 256, 257, 285. 
Bennett, John, 1812—1875, Physiologe und Kliniker in Edinburg. 220. 
Bentivegni, Adolf v., Jurist in Berlin. 14, 20, 44, 45, 100, 114, 124, 178, 181, 

187, 192, 206, 209, 213, 281, 285, 287, 288, 289, 290, 291, 292, 293, 294. 
Berend, 1860, Arzt in Berlin. 10. 
Berger, Oskar, 1844—1885. ao. Prof. in Breslau, Neurologe. 11, 21, 22, 34, 57, 

64. 65, 66, 67, 68, 69, 77. 81, 168, 217, 218, 243. 
Bergson. H., in Clermond-Ferrand (Frankreich). 78. 
Berillon, Edgar, Arzt in Paris, Redacteur der „Revue de l'Hypnotisme u . 12, 

66, 73, 278. 279. 
Berjon, französischer Arzt. 90, 91. 
Berkhan, Oswald. Arzt in Braunschweig. 13. 
Berna, 1837, Magnetiseur in Paris. 8. 
Bern heim, Prof. für innere Medicin in Nancy. 11, 12, 20, 24, 25, 27, 29, 34, 

35, 36, 37, 51, 53, 56, 62, 83, 107, 108, 109, 133, 134, 153, 168, 178, 189, 

201, 220, 222, 223, 231, 232, 240, 244, 265, 269, 294, 295, 319, 324. 
Bert, Paul, 1830-1886, französischer Physiologe und Politiker. 23. 
Bertrand, Alexandre, 1823, Arzt in Paris. 8, 34, 74, 101, 131, 150, 189, 251. 
Bianchi, Leonardo. Neurologe in Neapel. 316. 
Bicker, Georg, 1787, Arzt in Bremen. 6. 

Billroth, Theodor, o. Prof. in Wien, hervorragender Chirurg. 249. 
Binet, Alfred, Prof, Psychologe in Paris. 11, 21, 65, 79, 80, 92, 102, 147, 186, 

191, 231, 232, 315, 316. 
Binswanger, Otto, ao. Prof. in Jena, Psychiater. 11, 125, 152, 250, 251, 269. 
B irchall, James, Secretär der Litterarischen und Philosophischen Gesellschaft 

in Liverpool. 311, 321. 
Bleuler, Karl, Psychiater und Neurologe, Director der Pflegeanstalt Rheinau, 

Zürich. 13, 46, 98, 137, 176, 258. 
Blum, Prof. d. Philosophie am Lyceum von St. Omer. 279. 
Böckmann, Joh. Lorentz, 1787, Arzt in Carlsruhe. 6. 
Bollert, Theo., f 1889, Hypnotiseur in Charlottenburg. 304. 
Börner, Paul. 1829—1885, Arzt in Berlin, medicinischer Schriftsteller und 

Hygieniker. 11. 
Bonniot, Paul de, katholisch-orthodoxer Schriftsteller. 43. 
Borel, belgischer Arzt. 56, 76. 
Born, G., ao. Prof. in Breslau, Anatom. 61, 69, 101. 

Moll, Hypnotif ins. 22 



338 Namenregister. 

Bottey, Ferd., Arzt in Paris. 28, 35, 87, 222. 

Bouchut, Emest, 1875, berühmter Kinderarzt in Paris. 221. 

Bourdon, Arzt in Meru (Oise, Frankreich). 273. 

Bourneville, Neurologe und Psychiater in Paris. 11. 

Bourru, Prof. an der Ecole de medecine navale in Rochefort, Kliniker. 90, 318. 

Boursier, A., Arzt in Bordeaux. 278. 

Braid, James, 1795—1860, Arzt in Manchester. 9, 10, 19, 21, 24, 25, 30,41, 53, 
55, 60, 65, 66, 67, 69, 70, 77, 78. 79, 84, 100, 144, 153, 168, 177, 181, 214, 
217, 221, 243, 277, 312, 313. s. Fixationsmethode. 

Brandis, Joachim Dietrich, 1762—1845, Prof., Arzt und königl. Leibarzt in 
Kopenhagen. 161. 

Bremaud, französischer Marinearzt in Brest. 30, 49, 83. 

Briand, Psychiater in Paris. 89. 

Brierre de Boismont, Alexandre, 1798—1881, bedeutender Psychiater in Paris. 
162, 296. 

Broca, Paul, 1824—1860, bedeutender Chirurg und Physiologe in Paris. 10. 

Brock, H., Arzt in Berlin. 87. 

Broquier, 1853, Chirurg in Marseille. 282. 

Brouardel, Prof. in Paris, Forscher auf dem Gebiet der gerichtlichen Medicin. 
282, 318. 

Brown, Th., 1778—1820, schottischer Psychologe. 41. 

Brown-Sequard, Prof. in Paris, Physiologe. 222. 

Brügelmann, Arzt in Paderborn. 13. 

Brugia, Rof., Psychiater in Lucca, Italien. 30. 

Brullard, französischer Arzt. 153. 

Bubnoff, N., 1881, in Breslau. 216. m 

Budge, Julius, 1855, Anatom und Physiologe, o. Prof. in Greifswald f. 232. 

Burckhardt, G., Director der Maison de Sante de Prefargier (Schweiz). 264. 

Burdach, Carl Friedrich, 1776 — 1847, o. Prof. in Königsberg, berühmter Anatom 
und Physiologe. 158. 

Burdin, der Jüngere, 1837. französischer Arzt, Mitglied der Academie de mede- 
cine. 8. 

Burot, Prof. an der Ecole de medecine zu Rochefort. 87, 90, 318. 

Burq (auch Burcq geschrieben), 1823—1884, Begründer der Metallotherapie. 317. 

Cagliostro, Graf Alexander von, 1743—1795, bekannter Abenteurer, Wunder - 

arzt und Geisterseher. 1. 
Campili, Giulio, italienischer Jurist. 290. 
Cappie, James, 1886, M. D., in England. 222. 
Carls en, dänischer Arzt. 12. 

Carnochan, M., Gouverneur in Cambridge, Nordamerika. 77. 
Carp enter, William, 1813-1885, Physiologe in London. 9, 78, 85, 130, 180, 

181, 221. 
Carus, Carl Gustav, hervorragender Arzt, Philosoph und Maler. 9. 
Casper, Joh. Ludwig, 1796—1864, Prof. in Berlin, Forscher auf dem Gebiet der 

gerichtlichen Medicin. 132, 283, 287. 
Catlow, englischer Magnetiseur um 1845. 22. 
Celsus, römischer Gelehrter und Arzt, lebte unter Augustus. 21. 
Chalande, Arzt in Toulouse. 65. 
Chambard, französischer Psychiater. 22, 26. 



Namenregister. 339 

Charcot, Jean Martin, Prof. in Paris, berühmter Neurologe. 10, 11, 12, 21, 36, 
44, 48, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 66, 69, 132, 133, 134, 144, 165, 166, 
226, 227, 228, 230, 231, 262, 263, 314. s. Stadien und Schule von Charcot. 

Charpentier, Prof. der Physik in Nancy. 231, 232. 

Charpignon, 1815—1886, Arzt in Orleans. 74, 161, 281. 

Chazarin, Arzt in Paris. 308. 

Chevreul, f 1889, berühmter über 100 Jahr alter französischer Chemiker. 42. 

Chiltoff, Arzt in Charkow. 264. 

Clairon, Ciaire, Hippolyte, 1723—1803, hervorragende französische Schauspielerin. 
106. 

Claretie, französischer Eomanschriftsteller. 14. 

Cloquet, Jules, 1829, Chirurg und Prof. in Paris. 276. 

Cohn, Hermann, 1880, ao. Prof. in Breslau, Ophthalmologe. 69, 75. 

Coli ine au, französischer Schriftsteller. 279. 

Copin, Paul, französischer Schriftsteller. 179. 

Corval v., Arzt in Baden-Baden. 13, 263, 269, 273, 280. 

Cory, Charles, B., in Boston. 147. 

Coste, 1853, Director an der Ecole de Medecine in Marseille. 282. 

Coste de Lagrave, französischer Arzt. 34. 

Creutzfeldt, Otto, Arzt in Harburg. 13. 

Cullerre, A., französischer Psychiater. 105, 124, 179, 220. 

Cumberland, Stuart, „ Gedankenleser". 42. 

Cuvier, 1769—1832, hervorragender Naturforscher, Zoologe in Paris. 7. 

Cuvillers. 9. 

Czermak, Johann Nepomuk, 1828 — 1873, Physiologe und Laryngologe in Leipzig. 
11, 172. 

Danilewsky, Prof., Physiologe in Charkow. 172, 173. 

Danillo, S. N., russischer Privatdocent. 300. 

Darling, 1850. 10. 

Darwin, Charles, 1809—1882, berühmter Naturforscher, Begründer der Descen- 

denzlehre. 323. 
Debove, Prof. agrege in Paris, Kliniker. 81. 

Dechambre, Amedee, 1812 — 1886, medicin. Schriftsteller und Arzt in Paris. 5. 
Decle, Ch., f 1888, französischer Ingenieur. 308. 
Decroix, französischer Militärthierarzt. 278. 
Deimann, J. R., um 1775, Arzt in Amsterdam. 314. 
Dekhtereff, Hygieniker in St. Petersburg. 279. 
Delacroix, Frederic, Mitglied am Cour d'appel in Besancon. 301. 
Delboeuf, J., Prof. in Lüttich, Psychologe. 12, 35, 36, 37, 39, 62, 65, 91, 97, 

98, 101, 109, 112, 113, 115, 116, 150, 151, 155, 170, 196, 234, 285, 286, 299, 

304, 323. 
Deleuze, 1753—1835, Naturforscher in Paris. 7, 74, 100. 
Delphin, G., Prof. ä la chaire publique d'Arabe in Oran (Algier). 23. 
Demarquay, Jean, 1811—1875, französischer Chirurg. 10, 86, 165, 296. 
Descourtis, französischer Arzt. 49, 66. 
Desjardins, Arthur, französischer Jurist. 289. 
Deslon (auch d'Eslon), Charles, f 1786, Leibarzt des Grafen von Artois, Arzt in 

Paris. 4, 241, 254, 281. 
Despine, Prosper, Psychiater und Psychologe in Marseille. 11, 217, 282. 

22* 



340 Namenregister. 

Dessoir, Max, Psychologe iu Berlin. III, IV, 9, 13, 14, 33, 37, 38, 53, 60, 62, 
96, 100, 103, 148, 184, 185, 194, 195, 196, 201, 213, 220, 223, 236, 280, 294, 
297, 299, 311, 323, 351. 

Devergie, Marie Guillaume Alphonse, 1798—1879, hervorragender Forscher auf 
dem Gebiet der gerichtlichen Medicin in Paris. 282. 

Dods, J. B. 10. 

Donato, Magnetiseur aus Belgien. 49, 304. 

Doolittle. 201. 

Dreher, früher Priv.-Doc. der Philosophie in Halle. 13. 

Drosdow, W. J., 1881, Priv.-Doc. in St. Petersburg, Arzt, 166, 255. 

Drzewiecki, Stephan, Techniker in St. Petersburg. 30, 78. 

Dubois, d'Amiens, Frederic, Mitglied der Academie de Medicine, Arzt. 8. 

Duchenne, 1806 — 1875, französischer Neurologe in Boulogne und Paris, Be- 
gründer der Behandlung mit dem faradischen Strom. 58. 

Düfay, Arzt in Blois (Frankreich). 167. 

Dufour, Psychiater und Chefarzt an der Anstalt St. Robert (Isere). 264, 318. 

Dujardin-Beaumetz, Arzt, Kliniker und medicin. Schriftsteller in Paris. 318. 

Dumas, Alexandre, der Aeltere 1803 — 1870, französischer Romanschriftsteller. 14. 

Dumesnil, 1711 — 1802, berühmte französische Schauspielerin. 106. 

Dumont, 1882, Vorstand des physikalischen Kabinets in Nancy. 11. 

Dumontpallier, Amedee, Kliniker in Paris. 11, 59, 60, 66, 73, 85, 113, 165. 

Duplouy, Chirurg und Chefarzt am Militärhospital zu Rochefort. 318. 

Dupotet s. du Potet. 

Duprel s. du Prel. 

Durand de Gros (Philips), französischer Arzt, unter Napoleon III. verbannt. 
10, 21, 104, 142, 213. 

Durville, H., Magnetiseur in Paris. 308. 

Eeden, F. van, Arzt in Amsterdam. 12, 25. 

Elliotson, John, 1788—1863, hervorragender Arzt in London.' 9, 277. 

Ennemoser, Joseph, 1787 — 1854, Arzt und Prof. in Bonn und München. 8. 

Epheyre (Pseudonym für eine wissenschaftliche Grösse). 14. 

Erb, W., o. Prof. in Heidelberg, bedeutender Neurologe. 48. 

Erdmann, 1852, Prof. in Halle, Psychologe. 163. 

Eschenmayer, Karl August von, 1768—1852, Philosoph, Arzt, Psychiater, 

Prof. in Tübingen. 6, 205. 
Esdaile, um 1840, Arzt in Kalkutta in Vorderindien. 276, 277. 
d'Eslon s. Deslon. 

Esquirol, Jean, 1772—1840, hervorragender Psychiater in Paris. 162. 
Eulenburg, Albert, Prof., Priv.-Doc. in Berlin, Neurologe. 11, 23, 26. 
Ewald, K. A., ao. Prof. in Berlin, Kliniker. 30, 35, 55, 159, 244, 247, 248, 250, 

259, 260, 263. 
Exner, Siegm., ao. Prof. in Wien, Physiologe. 157. 

Fanton, Arzt in London. 9. 

Faraday, 1791—1867, bedeutender Naturforscher auf dem Gebiete d. Physik. 323. 

Faria, abbe de, Theologe und Philosoph, ex-professeur, Portugiese, lebte in Goa 

(Vorder-Indien) und Paris. 7, 8, 9, 20. 
Fechner, Gustav, 1801—1887, hervorragender Physiker u. Psychologe. 183. 



Namenregister. 341 

Fere, Ch., Neurologe und Kliniker in Paris. 11, 21, 65, 80, 92, 102, 147, 162, 
186, 191, 231, 232, 315, 316. 

Ferrari, Henri, in Paris. 106. 

Ferrier, David, hervorragender Neurologe in London. 220. 

Ferroni, Wiener Arzt. 131. 

Feuchtersieben, Ernst Freiherr, 1806—1849. Arzt in Wien. 246. 

Fi guier, Louis, franz. Schriftsteller. 23. 

Fill assier, 1832. 81, 278. 

Fischer, Engelbert Lorenz, 1883, in Wurzburg. 1, 13, 174. 

Fischer, Fr., 1839, Prof. in Basel. 8. 

Fischer, P., Arzt in Cottbus. 248. 

Flourens, Pierre, 1794—1867, Physiologe in Paris. 218. 

Fludd, Eobert, f 1637, Mystiker, Arzt in London. 308. 

Focachon, Apotheker in Charmes. 92. 

Förster, Richard, o. Professor in Breslau, Ophthalmologe. 221. 

Foissac, P., 1825, Arzt in Paris. 8. 

F ollin, E., 1860, französischer Chirurg. 10 

Fontan, J., 1887, französischer Marinearzt in Toulon. 36, 139. 

Fonvielle, W. de, französischer Schriftsteller. 130. 

Forbes, Henry 0., 1886, Naturforscher, Zoologe und Reisender in Aberdeen. 
167. 

Forel, August, o. Prof. in Zürich, Psychiater, Psychologe, Histologe. III, IV. 
13, 14, 20, 24, 25, 30, 34, 35, 36, 62, 75, 85, 92, 93, 94, 102, 109, 113, 118, 
119, 121, 122, 123, 133, 136, 138, 151, 152, 153, 157, 168, 174, 176, 178, 
180, 182, 187, 188, 189, 218, 225, 244, 247, 251, 254, 256, 263, 264, 265, 
267, 269, 273, 277, 279, 280, 281, 286, 294, 295, 299, 301, 318, 323, 324. 

\e Fort, Chirurg in Paris. 277. 

Foureaux, Advocat in Charmes. 286. 

Frank el, dänischer Arzt. 12. 

Fränkel, Moritz, Arzt in Dessau. 13. 

Franck, Membre de l'Institut. 285. 

Frank, Arzt in Zürich, Psychiater. 102. 

Freud, Sigm., Neurologe, Arzt in Wien. 13, 165. 

Frey, Arzt in Wien. 13. 

Frey er, Moritz, Kreisphysikus in Darkehmen. 278. 

Friedberg, Hermann, 1817—1884, ao. Prof. in Breslau, Forscher auf dem 
Gebiet der forensischen Medicin. 243, 301. 

Friedemann, Julius, Arzt( in Cöpenick. 84, 266. 

Gall, Franz Joseph, 1758—1828, Arzt in Wien, später in Paris, hervorragender 

Anatom und Physiologe, Begründer der Gehirn-Lokalisationslehre und der 

Phrenologie. 65. 
Gascard, Arzt in Paris. 89. 
Gassner, Joh. Jos., 1727—1779, katholischer Geistlicher, bekannter Teufels- 

beschwörer in Regensburg, Ellwang etc. 241, 242. 
Geline au, 1880, französischer Arzt. 166. 
G essmann, G., in Wien. 28. 
Gibert, Arzt in le Havre. 311. 
Gigot-Suard, Jaques, 1860, Dermatologe, Baineologe, Badearzt in Cauterets 

(Hautes-Pyrenees). 21. 



342 Namenregister. 

Gilles de la Tou rette, Neurologe in Paris, Assistent von Charcot. 11, 48, 

60, 64, 250, 281, 285, 286, 301. 
Giraud-Teulon, 1816—1887, Ophthalmologe in Paris. 10, 86, 165, 296. 
Gley, Eugene, Physiologe in Paris. 42. 
Gmelin, Eberhard, 1753-1809, Physiker in Heilbronn. 6. 
Goclenius, Eudolph, 1572—1621, Arzt, Prof. d. Physik in Marburg. 3. 
Göler v. Ravensburg, Kunsthistoriker in Berlin. 310, 320. 
Görres, Jak. Jos. v., 1776—1848, Prof. in München, Romantiker. 174. 
Goethe, Joh. Wolfgang v., 1749—1832 170. 
Goltdammer, Ober-Tribunalsrath. 283, 298. 
Goltz, o. Prof. in Strassburg, Physiologe. 61. 

Grasset, Prof. in Montpellier, Neurologe und Pharmakologe. 28, 166, 271, 301. 
Gratiolet, Louis Pierre, 1815 — 1865, Arzt und Zoologe, Forscher auf dem Gebiet 

der vergleichenden Anatomie in Paris. 143. 
Greatrakes, Val., um 1770, „Heilkünstler" in Irland. 241. 
Griesinger, "Wilhelm, 1817—1868, Psychiater u. Kliniker in Berlin. 162, 165. 
Grimes, 1848, in Neu-England (Nordamerika). 10. 
Grocco, 1882, italienischer Arzt. 318. 

Grützner, P., o. Prof. in Tübingen, Physiologe (1880 Priv.-Doc. in Breslau). 66. 
Gscheidlen, R., 1842—1889, ao. Prof. in Breslau, Hygieniker, Chemiker. 34. 
Guerineau, 1860, Arzt in Poitiers. 10. 
Guermonprez, Prof., Arzt in Lille. 27. 
Gürtler, 1880, Arzt in Sagan. 88. 
Guinon, Neurologe in Paris. 253. 
Gurney, Edmund, 1847—1888, Secretär der Society for Psychical Research; 

Psychologe in London. 12, 36, 55, 62, 76, 98, 108, 109, 111, 112, 113, 115, 

117, 118, 202, 205, 234, 235, 287, 311, 323. 
Guthrie, Malcolm, Kaufmann in Liverpool. 310, 311, 321. 
Guttmann, S., Arzt in Berlin. 244. 

Hack Tuke s. Tuke. 

Hähnle, Karl, Arzt in Reutlingen (Würtemberg). 30. 

Hall, Stanley, Universitäts-Prof. in Clark (Nordamerika), hervorragender Physio- 
loge und Psychologe. 214. 

Haller, Albrecht v., 1708—1777, Prof. Anatom und Physiologe in Bern und 
Göttingen. 309. 

Hammond, Prof., Neurologe u. Psychiater in New- York. 167. 

Hansen, dänischer Magnetiseur. 11, 28, 98, 304. 

Harting, 1882, Prof. in Utrecht. 173. 

Hartmann, Eduard von, bekannter Philosoph in Gross-Lichterfelde bei Berlin. 
IV, 186, 209, 212, 309, 311. 

Harvey, William, 1578 — 1658, Arzt und Physiologe in London. 173. 

Heer wagen, Friedrich, cand. phys. in Dorpat. 162. 

Heidenhain, August, Arzt in Steglitz. 176. 

Heidenhain, R., o. Prof, in Breslau, hervorragender Physiologe. 11, 21, 22, 
33, 49, 51, 53, 55, 57, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 68, 69, 86, 87, 97, 168, 211, 
216, 217, 218, 219, 220, 221, 238, 304, 313. 

Heineken, Joh., 1761—1851, Arzt in Bremen. 6. 

Hell, Maximilian, Jesuitenpater, Astronom. 308, 314. 

Hellich in Prag. 88. 



Namenregister. 343 

Hellwald, Friedr. v., Culturhistoriker in Tölz, Bayern. 14, 23, 174, 277. 
Helmont, Joh. Baptist van, 1577 — 1644. hervorragender Arzt in Amsterdam 

und Brüssel. 3, 314. 
Hement, Felix, Membre du Conseil superieur de l'instruction publique. 279. 
Henrijean, Chirurg in Lüttich. 91. 

Hensler, Philipp Ignaz, 1795 — 1861, o. Prof. in Würzburg, Physiologe. 8. 
H e r i a r t , 1865, französischer Arzt. 282. 
Hericourt, J., in Paris. 106. 

Herodot, 484—424 v. Chr., griechischer Geschichtsschreiber. 106. 
Herrero, Ahdon-Sanchez, Prof. der Medicin in Valladolid. 26, 34. 
Hervas, Sancha, Bischof in Madrid. 91. 
Hervey. 155. 
Herzog, 1853. 9. 

Hess, Julius, Arzt, Neurologe in Hamburg. 13. 
Heubel, Em., 1877, Docent in Kiew. 172. 
Heyfelder, Johann, 1798 — 1869, Chirurg und medicinischer Schriftsteller in 

Petersburg. 10. 
Hildebrandt, Eduard. 174. 

Hippokrates, 460—364 v. Chr., Vater der Medicin. 303. 
Hirse hei, Bernhard, 1840, Arzt in Dresden. 8. 
Hirt, ao. Prof. in Breslau, Neurologe. 13, 23, 225, 264, 265. 
Hoctes. 106. 

Hö sslin, v., Arzt in Neuwittelsbach bei München. 13. 
Hohenlohe, Fürst, 1821, katholischer Geistlicher in Bayern. 241. 
Horsley, Victor, Chirurg in London. 84. 
Hub Her, 1839, Arzt in Bordeaux. 8. 
Huc, Gabriel, 1813—1860, französischer Missionar. 23. 
Hü ekel, A., Arzt, Priv.-Doc. in Tübingen. 13, 62. 
Hufeland, Christoph Wilhelm, 1762—1836, o. Prof. in Berlin, hervorragender 

Arzt. 6. 
Humboldt, Alexander von. 1769 — 1859, berühmter Naturforscher in Paris und 

Berlin. 309. 
Hunt er, John, 1728 — 1793, bedeutender englischer Chirurg und Anatom. 241. 
Husson, Henri Marie, 1831, Arzt in Paris. 8, 151. 
Hytten. 107. 

Jacolliot, Louis, französischer Beisender, Schriftsteller auf dem Gebiet des 

Occultismus u. Sanskritforscher. 174. 
Jäger, Gustav, Zoologe in Stuttgart. 321. 
James, Constantin, französischer Arzt. 257. 
James, William, Prof. in Cambridge, Nord- Amerika. 77, 214. 
Jan et, Jules. 60. 

Janet, Paul, Philosophischer Schriftsteller in Paris, Membre de l'Institut. 41. 
Jan et, Pierre, Psychologe, Prof. in le Havre. 98, 109, 111, 137, 140, 148, 165, 

183, 194, 202, 234, 235, 285, 311, 323. 
Jendrässik, Ernst, Arzt in Budapest. 24, 64, 80, 86, 90, 109, 150, 221. 
Jensen, Julius, Psychiater in Charlottenburg. 165. 
Joachim, Heinrich, Arzt in Berlin. 2. 
Jobart. 243. 
Jörg, Joh., 1779—1856, o. Prof. in Leipzig, Geburtshelfer. 278. 



344 Namenregister. 

Joly, Arzt in London. 9. 

Johannessen, dänischer Arzt. 12. 

Jong de, holländischer Arzt. 12, 264, 278. 

Jussien, Antoine Laurent, 1748 — 1836, Prof., Mediciner und Botaniker in Paris. 4. 

Haan, Hans, 1885, Arzt in Graz. 221. 

Kant, Immanuel, 1724 — 1808, grösster deutscher Philosoph. 157, 179. 

Kays er, Eichard, 1880, Arzt in Breslau. 66. 

Kern er, Justinus, 1786 — 1862, lyrischer Dichter und Arzt in Weinsherg. 3, 6. 

Kiaro, Arzt in Poitiers. 9. 

Kies er, Dietrich Georg, 1779—1862, o. Prof. in Jena, Psychiater. 6, 281. 

Kiesewetter, Culturhistoriker, Schriftsteller in Meiningen. 1. 

Kircher, Athanasius, 1601 — 1680, Jesuitenpater, Aegyptologe. 171, 172, 314. 

Kluge, Karl, 1782—1844, Arzt und Prof. in Berlin. 6, 37, 100, 109, 243, 311. 

Köberlin, Hermann, Psychiater in Erlangen. 13. 

Königshöfer, Ophthalmologe in Stuttgart 75. 

Konräd. Eugen, Psychiater in Hermannstadt. 164. 

Koreff, David, Ferdinand, 1783 — 1851, hervorragender Arzt in Berlin u. Paris. 7. 

Krafft-Ebing, B. v., o. Prof. in Wien, hervorragender Psychiater u. Forscher 
auf dem Gebiet der forensischen Psychopathologie. 13, 14; 72, 85, 87, 88, 
90, 106, 109, 134, 206, 207, 209, 225, 227, 228, 264, 265, 272, 274, 275, 
280, 288. 

Krakauer, Ohrenarzt in Berlin. 254. 

Krön, Arzt, Neurologe in Berlin. 37, 226. 

Kussmaul, früher o. Prof. und Kliniker in Strassburg, jetzt in Heidelberg. 102. 

La bor de, französischer Arzt. 22. 

Ladame, Priv.-Doc. in Genf, Neurologe. 11, 264, 280, 283, 301. 

Lafforgue, französischer Arzt. 284. 

Lafontaine, Ch., französischer Magnetiseur. 9, 27, 278. 

Landau, Leopold, Gynäkologe und Geburtshelfer in Berlin. 275. 

Landois, o. Prof. in Greifswald, Physiologe. 217. 

Landouzy, Prof. agrege, Kliniker in Paris. 26. 

Langley, J. N, Physiologe in Cambridge (England). 14. 

Lasegue, Gh., 1816—1883, Kliniker in Paris. 10, 24. 

Laufenauer, o. Prof. in Budapest, Psychiater. 318. 

Laurent, Emile, Arzt in Paris. 296. 

Lausanne, 1819, Magnetiseur. 243. 

Lavater, Job. Casp., 1741—1801, Theologe und Physiognomiker in Zürich. 6. 

Laverdant 236. 

Laycock, 1860, Prof., Kliniker und Psychologe in Edinburg. 9. 

Leclerc, französischer Advocat. 279. 

Lefebvre, Ferd., Prof. in Löwen, Pathologe. 91. 

Leixner, 0. v., Schriftsteller in Gross- Lichterfelde bei Berlin. 155, 215. 

Leonard, 1834. 129. 

Lepine, E., Prof. in Lyon, Kliniker. 66. 

Levillain, Arzt in Paris. 24. 

Levy, E., Arzt in Nancy. 168. 

Lew es, hervorragender Psychologe, Philosoph u. Schriftsteller in London. 62. 



Namenregister. 345 

Liebeault, Arzt in Nancy. 10, 19, 20. 25, 29, 35, 36, 37, 53, 70. 89, 109. 125. 
153, 161, 174, 187, 189, 201. 213. 240, 243. 244, 256, 278, 281, 306, 307, 

Liegeois, Jurist, Prof. in Nancy. 11. 19, 113. 115, 125, 138, 168, 170, 281, 282, 
283, 285, 286, 287, 299. 

Lilienthal, C. v.. o. Prof. in Marburg, Jurist. 13, 281, 289, 294, 295. 297,298. 

Li man. K., ao. Prof. in Berlin, Forscher auf dem Gebiet der gerichtlichen Medicin. 
132, 283, 287. 

Lipp, ao. Prof. in Graz. Dermatologe. 90. 

Lisfranc. Jaques. 1790—1847. hervorragender Chirurg in Paris. 27b. 

Little. amerikanischer Arzt, 76. 

Lloy d-Tuckey, Arzt in London. 265. 

Lober. 1849—1888, Prof. agrege und Kliniker in Lille. 48. 

Locke. John, 1632—1704. hervorragender Philosoph. 206. 

Lombroso, Cesare, Prof. in Turin, Psychiater. Anthropologe. 106, 296, 316. 

Londe. Chemiker. Assistent von Charcot. 110. 

Lotze. Eudolph Hermann. 1817—1881. Prof. in Göttingen und Berlin, Psycho- 
loge. 161, 223. 

Loysel, 1845. Arzt in Cherbourg. 9. 

Luther. Martin. 1483—1546. 209. 

Luys. Psychiater und Neurologe in Paris. 21, 164. 283, 317, 318. 

Maack. Ferd.. Arzt in Kiel. 13, 30, 45. 

Mabille, H.. Psychiater am Asile de Lafond (Charente-Inferieure). 90, 100. 

Macario. 1857, Lyon. 132, 195. 

Mac-Nish (oder ilacnish), Robert. 1801—1836, Arzt zu Glasgow. 128. 

Maggiorani. Carlo. Kliniker und Prof. in Rom. 314. 

Magnin. Paul, französischer Arzt. 59. 60. 74. 

Maira. Octavio, Arzt in Santiago. 12. 

Malten. E.. 1880. 131. 

Mantegazza. Paolo, Prof., Anthropologe und Ethnologe in Florenz. 91, 234. 

Mares, in Prag. 88. 

Marie, Pierre, Neurologe in Paris. 213. 

Marin, Paul. 169. 

Marina, Allessandro, R, 1887, Arzt in Triest. 68. 

Maudsley, bedeutender englischer Psychiater. 124, 288. 

Maury, Alfred, Archäologe in Paris. 99, 155, 158. 

Maxwell, William, um 1600, schottischer Arzt. 3. 

M a y e r a s. 106. 

Mayerhofe r, österreichischer Arzt. 310. 

Mayo Herbert, 1854, englischer Chirurg und Physiologe. 9. 

Meding, Oscar, Romanschriftsteller. 14. 

Mendel, ao. Prof. in Berlin, Psychiater. 219, 220, 223, 224, 225, 244, 248, 250 T 

251, 256, 260, 263, 265, 272. 
Mendelsohn. 68. 

Mensi, Alfred v., Schriftsteller in München. 311. 
Meric, Elie, Prof. an der Sorbonne, Theologe. 91. 
Mesmer, Friedr. Anton, 1734—1815, Arzt in Wien, o, 4, 5, 7, 22, 51, 254, 

304, 308, 309, 311, 314. 
Mesnet, Ernest, Psychiater und Kliniker in Paris. 278. 
Meunier, Victor, französischer Schriftsteller. 92. 



346 Namenregister. 

Meyer solin, Bernhard, 1880, Arzt in Schwerin i/M. 11. 

Meynert, o. Prof. in Wien, Psychiater. 164, 245, 256. 

Michael, J., Arzt in Hamburg. 13, 38, 304. 

Miescher, F., o. Prof. in Basel, Physiologe. 179. 

Mi 11, John Stuart, 1806—1873, englischer Philosoph und Nationalökonom. 185. 

Mi Ine, Edwards H., Physiologe in Paris. 173. 

Mi not, Charles Sedgwick, Boston. 320. 

Möbius, Paul Julius, Priv.-Doc. in Leipzig, Neurologe. 11, 13, 275, 351. 

Möli, Karl Franz. Priv.-Doc, Psychiater in Dalldorf bei Berlin. 165. 

Möllerup, dänischer Arzt. 264. 

Morand, J. S., französischer Arzt. 28. 

Morel, berühmter französischer Psychiater. 288. 

Moricourt, J., Arzt in Paris. 310. 

Morselli, Prof. in Turin, Psychiater. 35, 49, 68, 73, 304. 

Mo sso, Aug., Prof. in Turin, Physiologe. 221. 

Most, G. F., 1842, Arzt in Stadthagen. 8. 

Motet, Arzt in Paris. 166, 294. 

Mouillesaux, 1787, französischer Magnetiseur. 109. 

Müller, F., Priv.-Doc, Neurologe in Graz. 13, 272. 

Müller, F. C, Arzt in Alexandersbad. 281, 283. 

Müller, Johannes, 1801 — 1859, bedeutender Anatom und Physiologe, o. Prof. in 

Bonn und Berlin. 211. 
Münsterberg, Hugo, Priv.-Doc, Psychologe in Freiburg i/B. 14, 321. 
Myers, A., Arzt in London. 311. 
Myers, Frederic M. A, Psychologe in Cambridge (England) 9, 20, 75, 81, 105, 

176, 251, 311. 

Nasse, Christian Friedrich, 1778 — 1851, o. Prof. in Halle und Bonn, Kliniker. 

205, 308, 309. 
Netter, A., Universitätsbibliothekar in Nancy. 279. 

[Noizet, französischer General, 1820, in Stenay und Paris. 8, 109, 131, 189. 
Nonne, Arzt, Neurologe in Hamburg. 13, 34, 57, 262. 
North, AV., Docent f. Physiologie in London. 135, 176. 
Nuel, o. Prof. in Lüttich, Ophthalmologe. 106. 

Obersteiner, H, ao. Prof. in Wien, Psychiater und Histologe. 13, 28, 42, 53, 

141, 173, 176, 265, 317. 
O'Brien. 161. 

Ochorowicz, Julian, Psychologe in Paris. 28, 83, 129, 167, 310, 311. 
Oedmann, Psychiater in Lund, Schweden. 273. 
Olbers, 1758 — 1840, berühmter Astronom und Arzt in Bremen. 6. 
Opitz, Wilh. Martin, 1880, Arzt in Chemnitz. 11. 
Oppenheim, Hermann, Psychiater, Priv.-Doc. in Berlin. 262. 
Ottolenghi, Salvatore in Turin. 316. 
Oudet, Jean Etienne, 1837, Zahnarzt in Paris. 276. 

Paracelsus, Theophrastus, 1493 — 1541, hervorragender Arzt in Basel und vielen 

anderen Orten. 3, 314. 
Parinaud, Ophthalmologe in Paris. 231. 
Passavant, Job. Karl, 1821, Arzt in Frankfurt. 6. 



Namenregister. 347 

Paul et, 1865. französischer Arzt. 282. 

Pauly, Arzt in Wiesbaden. 59, 251, 263. 

Perronnet, Claude, früher Prof. der Philosophie. 311. 

Perty, Maximilian, 1804—1884. 0. Prof. in Bern. Naturforscher und Philosoph. 

2, 9, 242. 
Pe tetin, 1787, Arzt in Lyon. 5. 
Pezold, 1739—1813. Arzt in Dresden. 6. 

Pf äff, Christoph Heinrich, 1817, 0. Prof. in Kiel, Kliniker und Chirurg. 6. 
Pflüger. E., 0. Prof. in Bonn, hervorragender Physiologe. 63. 
Pfnor, Friedrich, 1784—1867, Philosoph in Baden-Baden. 9. 
Philips, Pseudonym für Durand de Gros. 
Pick, A., 1885. Psychiater, 0. Prof. in Prag. 243. 
Pigeaire, J., 1839, Arzt in Paris. 8. 
Pincus, 1860, Arzt in Gr.-Glogau. 10. 
Pitres, A.. Prof. in Bordeaux, Kliniker. 11, 22, 26, 34, 137. 
Plinius, der Aeltere, 23—79, römischer Gelehrter. 106. 
Poincelot. Achille, Philosoph in Paris. 160. 
Poirault, Georges, Student der Medicin in Paris. 30, 78. 
du Potet de Senne voy, Baron, Med. Dr., Magnetiseur in Paris und London. 

8, 21, 27, 276, 311. 
dal Pozzo, Errico. Prof. der Physik in Perugia. 125. 
Prejalniini, 1840. italienischer Arzt. 92. 
du Prel, Philosoph, Schriftsteller auf dem Gebiet des Spiritismus in München. 

85, 92, 95, 109, 205, 243, 307, 308, 311. 
Prevost in Genf. 155. 
Preyer, William, Prof., Priv.-Doc. in Berlin, Physiologe. 11, 14, 33, 34, 42, 66, 

76, 83, 86. 87, 155, 172, 174, 220, 222, 243, 277, 302, 312, 313, 315. 
Pritzl, Geburtshelfer in Wien. 278. 
Proust. Kliniker in Paris. 26. 
Pulido. Arzt in Salamanka. 12. 
Purgotti. Luigi, 1887, Arzt in Pavia. 257. 

Purkinje, Johannes, 1787 — 1869, 0. Prof., Physiologe in Breslau und Prag, 22, 163. 
Puysegur, Marquis Chastenet de. 1784. französischer Officier in Busancy bei 

Soissons. 5. 90. 308, 309. 

Radestock, Paul, 1879, Psychologe. 158. 

Eaggi, Antigono, italienischer Psychiater. 316. 

R am ad i er, J., Psychiater im Asile de Lafond (Charente-Inferieure). 90. 

Recamier, J. C. A., 1821, Prof. der Medicin, Kliniker in Paris. 276. 

Reden, Benno. 281. 

Regnard, französischer Arzt. 11. 

Reichenbach, Carl Friedr. von, 1788— 1869, Naturforscher, Chemiker in Leipzig. 
314. 

Reil, Johann, 1759—1813, 0. Prof. in Halle, Kliniker und Anatom. 155, 309,314. 

Remak, Ernst, Priv.-Doc. und Neurologe in Berlin. 254. 

Remak, Robert. 1815 — 1865, ao. Prof. in Berlin, Histologe und Neurologe. Be- 
gründer der Galvanotherapie. 244. 

Renterghem. A. W. van, Arzt in Amsterdam. 12, 25, 30. 

Repoud, Psychiater, Director der Irrenanstalt Marsens, Kanton Freiburg. 264. 

Reynolds, Russell. Neurologe in London. 48. 



348 Namenregister. 

Riant, A., französischer Arzt, Forscher auf dem Gebiet der Hygiene. 299. 

Ribaud, Arzt in Poitiers. 9. 

Ribot, Th., Prof. in Paris, Psychologe. 122. 

Ricard, 1841, Magnetiseur. 124. 

Richer, Paul, Neurologe in Paris, Assistent von Charcot. 10, 21, 48, 59, 60, 

64, 144, 172. 
Richet, Charles. 10, 14, 22, 25, 36, 42, 82, 87, 104, 106, 109, 121, 140, 160^ 

168, 172, 173, 213, 311. 
Rieger, ao. Prof. in Würzburg, Psychiater. 13, 68, 164, 172, 173, 250, 263. 
Rifat, Arzt in Salonichi. 26. 
Righi, italienischer Arzt. 316. 

Ringier, Gr., Arzt in Combremont-le- Grand, Schweiz. 29, 30, 263. 
Rochas, A. de. 308. 

Rosenbach, Ottomar, 1880, ao. Prof. in Breslau, Kliniker. 27, 218. 
Rosenthal, Moriz, f 1889, ao. Prof. in Wien, Neurologe. 68, 84. 
Rossi, E., 1860, Leibarzt beim Prinzen Halim Pascha in Kairo. 1. 
Rostan. 22. 

Roth, Arzt in der Schweiz. 26. 
Roth, Mathias, Arzt, Homöopath in London. 275. 
Rousseau, 1881, französischer Psychiater in Auxerre. 166. 
Roux, Jules, 1865, Marinearzt in Toulon. 282. 
Roux-Freissineng, Advokat in Marseille. 284. 
Rühlmann, Richard, 1880, Prof., Gymnasiallehrer in Chemnitz. 11. 
Rumpf, ao. Prof. für intern. Medicin in Marburg. 69, 84, 221. 
Rust, Joh. Nepomuk, 1775—1840, o. Prof. in Berlin, Chirurg. 248. 

Sallis, Joh. G., 1888, in Baden-Baden. 13, 253. 

Salvioli, Gaetano 1887, Histologe in Turin. 221. 

Santanelli, Ferdinand, 1723, Prof. der Medicin in Neapel. 3 

Sauvaire, C. 78. 

Sawolshskaja, russischer Arzt. 252. 

Schelling, 1775 — 1854, bekannter Philosoph, Begründer der Naturphilosophie. 6. 

Scherner, Carl Albert, bis 1879 Priv.-Doc. in Breslau. 155. 

Schiller, Friedrich v., 1759—1805. 201. 

Schirmer, R., o. Prof. in Greifswald, Ophthalmologe. 75. 

Schleisner, dänischer Arzt. 12. 

Schneider, G. H., 1880. 213. 

Schnitzler, Arthur, Arzt in Wien. 13. 

Schopenhauer, Arth., 1788—1860, Philosoph in Frankfurt a. M. 9, 109, 312. 

Schrenck-Notzing, Albert Freiherr v., Arzt in München. 13, 251, 264, 268r 

311. 
Schule, Heinrich, hervorragender Psychiater in Illenau, Grossh. Baden. 199. 
Schulz, Hugo, o. Prof. in Greifs wald, Pharmakologe. 303. 
Schuster, Arzt in Aachen. 13. 

Schwartzer, Otto, 1878, Psychiater in Budapest. 132, 287. 
Schwenter, 1636. 172. 

Scott, Walter, 1771—1832, schottischer Schrittsteller und Dichter. 155. 
Secheyron, Arzt in Paris. 278. 

Seeligmüller, ao. Prof. in Halle, Neurologe. 13, 269, 279, 318. 
Segard, Ch., 1887, Arzt in Toulon. 36, 139. 



Namenregister. 349 

Seglas, J., Psychiater in Paris. 264. 

Segnin, Prof., Neurologe in New- York. 318. 

Seil, dänischer Arzt. 12. 

Seile, 1789, Philosoph, Arzt in Berlin. 6. 

Seilin, Albrecht W., Coloniedirector a. D., Steglitz bei Berlin. 148. 

Semal, Francois, Psychiater an der Irrenanstalt in Mons (Belgien). 164. 

Senator, ao. Prof. in Berlin, Kliniker. II. 

Seppilli, Gius., 1881, in Modena. Psychiater. 60, 82, 221, 316. 

S g r s s , italienischer Arzt. 69. 

Siemerling, Psychiater und Priv.-Doc. in Berlin. 227, 228. 

Siemers, J. F., 1835, Arzt in Hamburg. 8. 

Sierke, Eugen, 1874, Schriftsteller in Berlin, Redakteur der „Täglichen Rund- 
schau ". 6, 241. 

Silva, B., italienischer Arzt. 65. 

Simon, Max (fils), Psychiater, Chefarzt der Irrenanstalt von Bron (Rhone). 155, 161. 

Simonin, Amedee H. 157. 

Simpson, James, 1811—1870, berühmter Geburtshelfer in Edinburgh. 9. 

Sokrates, 470—399, bekannter griechischer Philosoph. 209. 

Sommer, G, 1886, italienischer Marinearzt. 316. 

Spencer, Herbert, bedeutender englischer Philosoph. 179, 322. 

Sperling, Arthur, Neurologe in Berlin. IV, 13, 23, 25, 28, 89, 226, 254, 258. 
269, 273. 

Spinoza, 1632—1677, bekannter Philosoph. 122. 

Spitta, H, ao. Prof. in Tübingen, Psychologe. 22, 154. 

Spring. 26. 

Stembo, Neurologe in Wilna. 12, 59. 

Stewart, Dugald, 1753—1828, berühmter Philosoph in Edinburgh. 143, 185. 

Stieglitz, Johann, 1816, Leibarzt in Hannover. 6. 

Stoll, Otto, Docent für Geographie und Ethnologie am Polytechnikum und an 
der Universität in Zürich. 1. 

Stone, 1852, in Boston. 10. 

Stricker, 0. Prof. in Wien, Pathologe. 42. 

Strohl, Apotheker in Fontaines. 66. 

S trübin g, Paul, 1880, Arzt, ao. Prof. in Greifswald. 88. 

Strümpell, 0. Prof. in Erlangen, Kliniker. 24. 

Sulzer, H. J., 1720—1779, Aesthetiker in Berlin. 4. 

Taguet, Psychiater, ärztlicher Director des Asile de Lesvellec (bei Vannes). 78. 

Taine, Hippolyte, französischer Psychologe u. Litterarhistoriker. 185, 323. 

Tamburini, August, 1881, Prof. in Modena, Psychiater. 60, 82, 221, 316. 

Tanzi, Eugenio, Psychiater in Turin. 49, 316. 

Tarchanoff, Jean de. 22. 

Tardieu, Ambroise, 1818—1879, Forscher auf dem Gebiet der forensischen 

Medicin in Paris. 282. 
Tereg, Docent in Hannover. 68. 
Teste, Alphonse, 1840, Arzt in Paris. 8. 
Thal er, Karl v., Schriftsteller in Wien. 245. 
The us, 1865, französischer Arzt. 282. 
Thiem, Arzt in Cottbus. 248. 
Thomas, Chefarzt der Marine in Toulon. 278. 



350 Namenregister. 

Thomsen, Robert, Priv.-Doc., Psychiater in Bonn. 262. 
Tillaux, Chirurg am Hötel-Dieu in Paris. 277. 
Tim ml er, Julius Eduard, 1873, in Altenburg. 242. 
Tokarski, Arzt in Moskau. 12, 274. 
Tonnini, 1887, Arzt in Girifalco in Calabrien. 162. 
Toswel, Arzt in London. 9. 
Tourette, s. Gilles de la Tourette. 

Treviranus, 1776—1837, renommirter Arzt und Phisiologe in Bremen. 6. 
Tuke, Daniel Hack, hervorragender Psychiater und Psychologe in London. 12, 
34, 135, 164, 180, 221, 232, 236, 237, 277. 

Un verriebt, o. Prof. in Dorpat, Kliniker. 260, 303. 

Varges, 1853. 9. 

Varinard. 106. 

Varnhagen, von Ense, 1785—1858, bekannter Biograph, Schriftsteller in 

Berlin. 7. 
Varnier, Arzt in Paris. 278. 
Velander, Arzt in Yönköping. 12. 

Velpeau, Alfred, 1795—1867, hervorragender Chirurg in Paris. 10. 
Ventra, italienischer Psychiater. 316. 

Venturi, Silvio, Prof., Psychiater in Nocera Inferiore bei Salerno. 316. 
Vesal, Andreas, 1514—1564, Arzt und hervorragender Anatom. 322. 
Vigouroux, Romain, Neurologe und Elektrotherapeut in Paris. 64. 
Virchow, Hans, ao. Prof. in Berlin, Anatom und Histologe. 159. 
Virchow, Rudolph, o. Prof. in Berlin, Pathologe, Anthropologe in Berlin. 91, 

246, 305, 322. 
Vizioli, Franc, Neurologe in Neapel. 166. 

Voigt, Hermann von, Arzt in Hochweitzschen (Sachsen). 277, 278. 
Voisin, A., Psychiater in Paris. 12, 29, 89, 264, 279, 280. 
Voisin, J., Psychiater in Paris. 90, 318. 
Voltaire, 1694—1778, französischer Dichter und Schriftsteller. 158. 

Wagner, J., amerikanischer Arzt. 22. 

Warlomont, Evarist, Ophthalmologe in Brüssel. 91 

Wein hold, Adolf F., Prof., Lehrer für Physik a. d. technischen Staatslehr- 
anstalten in Chemnitz. 11, 21, 23, 181. 

Weiss, M., Arzt in Prag. 13. 

Welsch, Hermann, Arzt in Kissingen. 311. 

Wernich, Med.-Rath in Cöslin. 158, 160. 

Wer nicke, Alexander, Priv.-Doc. a. d. technischen Hochschule in Braunschweig, 
Schriftsteller auf dem Gebiete der Physik und Philosophie. 179, 304, 
320, 321. 

Westphal, Karl Friedrich Otto, o. Prof. in Berlin, Psychiater und Neurologe. 
227, 315. 

Wetterstrand, Arzt in Stockholm. 12, 29, 30, 59, 87, 263, 273, 280. 

Widmer, Arzt in Lausanne. 280. 

Wiebe, 1884, Arzt in Freiburg i/B. 13. 

Wienholt, Arnold, 1749—1804, Arzt in Bremen. 6, 36, 96. 

Wier, Johann, 1515—1558, Arzt in Arnheim, Gegner der Hexenprocesse. 106. 



Einige Litteraturangaben. 351 

Willy, Charles, Ophthalmologe in Chaux-de-Fonds (Schweiz). 76. 

Wilson, Arzt in London. 173. 

Winiwarter, Alexander v., Prof. in Lüttich, Chirurg. 91. 

Wirth, J. A., 1836. 28. 

Wolfart, Karl Christian, 1778—1832, Prof. und Arzt in Berlin. 3, 6, 7, 98. 

Wolfram, Johannes (Pseudonym), 1821. 282. 

Wandt, Wilhelm, o. Prof., Psychologe in Leipzig. 156, 172, 183, 187, 199, 213. 

Wurm, Wilhelm, 1857, Arzt in München. 7. 

Yung, E., Prof. in Genf. 80, 181. 

Ziemssen, o. Prof. in München, Kliniker, Neurologe. 13. 223, 224, 251, 256, 263. 
Ziermann J. C. L.. 1819, Arzt in Hannover. 6. 



Einige Litteraturangaben. 



Da ich fast alle von mir citirten Autoren im Original gelesen habe, würde 
eine ausführliche Litteratur angäbe einen sehr grossen Baum beanspruchen; aus 
diesem Grunde verzichte ich auf sie. Für einzelne Perioden findet man genaue 
Verzeichnisse : von M ö b i u s in Schmidts Jahrbüchern für die Bewegung von 1880. 
in Max Dessoirs Bibliographie 1888, für die neuere Periode; die Fortsetzung 
der Bibliographie findet sich in der periodisch erscheinenden Bevue de l'Hyp- 
notisme. Um den Wünschen einiger entgegenzukommen erwähne ich im Folgenden 
einige besonders empfehlenswerthe Werke. 



Belfiore, L'Ipnotismo. Napoli 1887. (Enthält zahlreiche historische Angaben, 

deren Mangelhaftigkeit in den meisten französischen Werken auffällt.) 
v. Bentivegni, Die Hypnose und ihre civil rechtliche Bedeutung. Leipzig 

1890. 
Bernheim, [De la Suggestion et de ses applications ä la therapeutique. Paris 

1888. (Zeigt die weittragende Bedeutung der Suggestion mit und ohne 

Hypnose, für Aerzte geschrieben.) 
Bin et et Fere, Le Magnetisme animal. Paris 1887. (Behandelt den Hypnotismus 

vom Standpunkt der Schule Charcots.) 
Dessoir, Max, Das Doppel-Ich. Leipzig 1890. (Kurze psychologische, theilweise 

auf hypnotischen Experimenten beruhende Studie.) 
Ennemoser, Der Magnetismus. Leipzig 1819. (Enthält zahlreiche historische 

Notizen über den thierischen Magnetismus.) 
Forel, Der Hypnotismus. Stuttgart 1889. (Kurze, sehr klar geschriebene Arbeit, 

aus der die allgemeine Bedeutung der Suggestion hervorgeht.) 
G u r n e y , Pecularities of certain post-hypnotic states ; Abhandlung in den 

Proceedings of the Society for Psychical Besearch, Volume IV, 23. April 



352 Einige Litteraturangaben. 

1887. (Die Arbeit enthält musterhafte Versuchsprotokolle, wie fast alle 
Arbeiten Gurneys und seines Freundes Frederic Myers.) 

Jan et, Pierre, L'automatisme psychologique. Paris 1889. (Sehr ausführliche 
psychologische Untersuchung über das menschliche Bewusstsein ; seine Zer- 
legung durch die Hypnose etc.) 

v. Krafft-Ebing, Eine experimentelle Studie auf dem Gebiete des Hypnotismus. 
II. Auflage. Stuttgart 1889. (Enthält eine eingehende Darstellung vieler 
somatischer und psychischer Symptome in der Hypnose; anknüpfend an 
einen interessanten Fall.) 

Liebeault, Du Sommeil. Paris 1866. Neue Auflage 1889. (Psychologische 
Analyse des gewöhnlichen und des hypnotischen Schlafes. Zahlreiche 
casuistische Mittheilungen.) 

Liegeois, De la Suggestion et du somnambulisme dans leurs rapports avec la 
jurisprudence et la medecine legale. Paris 1888. (Etwas breitgeschriebene, 
, aber viel Anregendes enthaltende Arbeit.) 

v. Lilienthal, Der Hypnotismus und das Straf recht. Sep. Abdruck a. d. 
Zeitschrift für die ges. Strafrechtswissenschaft 1887. (Die Arbeit basirt 
ganz auf der Charcot'schen Schule.) 

Morselli, II Magnetismo animale. Torino 1886. (Interessantes, vom Stand- 
punkt eines Deterministen geschriebenes Buch ) 

Ochorowicz, De la Suggestion mentale. Paris 1887. (Obwohl das Buch nicht 
überzeugend die Telepathie nachweist, ist es doch mit wissenschaftlichem 
Ernst, viel Geist und sehr anregend geschrieben). 



Berichtigung. 

Seite 106, Zeile 2, lies Dumesnil statt Dumenil. 



Druck von H. Sielin g in Naumburg a|S. 



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