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Full text of "Der Nimbus und verwandte Attribute in der frühchristlichen Kunst"

DER NIMBUS 



UND 



B§TRWANDTE ATTRIBUTE 



IN DER FRÜHCHRISTLICHEN KUNST 



INAUGURAL-DISSERTATION 



ZUR ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 



DER 



HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 



DER 



FRIEDRICH-ALEX ANDERS-UNIVERSITAT ERLANGEN 



VORGELEGT VON 



ADOLF KRÜCKE 



TAG DER MÜNDLICHEN PRÜFUNG: 12. DEZEMBER 1900. 



STRASSBUKG 

Universitäts-Buchdruckf.rei von J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mundel) 

iqo5. 




Die vollständige Arbeit mit 7 Lichtdrucktafeln erscheint als Heft 35 
von uZnj' Kunstgeschichte des Auslandes» im Verlage von J. H. Ed. 
Heitz (Heitz u. Mündel) in Straßburg. 



I 
/ 



Herrn Prof. D. Dr. NIKOLAUS MÜLLER 



UND 



MEINEM VATER 






\ 






VORWORT. 



Die eis/e Nicdcrschrifl der luirlic^o-cndoi Sliidic erfolgte schon 
vor mehreren Jahren auf Grund eines ^ji'.Tr tinifaiigreichen, aber nur 
aus mehr oder minder -ui-erlässii^en Ahbildunüen irewonnenen Materials. 
Inzwischen ist mii- Gelegenheit gegeben worden, den größeren Teil 
der aufgeführten frühchristlichen Denkmäler aus eigener Anschauung 
kennen ^// lernen und demnach die Grundlagen der Arbeit \u befestigen 
und ■^u ergänzen. So konnte ivenigstens ein I 'ersuch gemacht werden, 
an die Greifte erreichbarer Zuverlässigkeil nach Möglichkeit heran- 
zukommen; im einzelnen wird an manchem l'unkte die Entfernung vcm 
dieser (jren\e noch immer -iemlich bemerkbar sein. 

Es ist mir angenehme Pficht, an dieser Stelle allen denen meinen 
Dank aus-usprechcn, ohne deren Rat und Hilfe mir die l'ollenditng 
der Arbeit nicht möglich geivesen wäre. An erster Stelle gebührt 
dieser Dank Herrn Prof D. Dr. X. Müller: mn ihm habe ich die 
erste Anregung y« dieser Studie empfangen, er ist während der ganzen 
Zeit ihrer Ausführung es nicht müde geworden, mir seine persönliche 
Hilfe ■{Uteil werden ^u lassen, er hat mir in der liberalsten Weise 
die Benutzung der seiner Leitung unterstehenden christlich-archäolo- 
gischen Sammlung der Kgl. f'nirer.sität Berlin gestattet. 

In gan\ besonderer Weise hat mich ferner Herr Dr. K. Regling- 
lierlin yU Dank rerp/lichtet : er hat nicht nur die Mühe auf sich ge- 
nommen, Teil I meiner Arbeil einer eingehenden Durchsicht ^u unter- 
ziehen und rieles richtig ;u stellen, sondern er hat manche notwendige 
Nachforschung., die ich 7« leisten nicht imstande war, selbst au.igeführt 
und ihr lügebnis meiner Ttitersuchiing ^''g"/^' kommen lassen. 

Herrn Dr. .lohnenRom danke ich für -ahlreiche .Mitteilungen 
aus Rom. 



l'iir cin-^elnc Mit/cihiii^rii o.ici- für l 'eherlassiDiii r<»i AhhiLiinii^s- 
j'nrla^vn habe ich ;ii iicvilccii: den W'nvaltiiiif^eii der Kgl. Museen icnd 
des Ki^l. MiUr^hahinells in /lo-lin, des Ih-ilish Museum, der Wili- 
lianischen Biblialhek und den Herren l'rof. IXilnmnn-./erusalein, Dr. 
A. Haseloff' Berlni, Pfarrer Dr. l.essinp-l-'loren';, Archimandrit 
Mesrop I'er M<)wsessjan-FJschmiad:[in, Prof. F.. Petersen, Msgr. D. 
./. lVilper/-Unn, und Dr. (). Wulff-Perlm. 

Alt landsherg. Mai ignS. 



Der l 'er fasser. 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Vorwiii'i - . . . 

1. l>iT Nimhu-^ in iler \p;itanlikcn Kunsl 

II. Dk- fröhihnstlichen l>unkinillcr. auf ilencn der Nimbus verwende! i--t 
111 Der Kimbus und sein Verhflllnis zu den verschiedenen KunstKaltunfen 

Die Mosaiken ... . . . 

IJueiimalefei ... 

l'lastik . . 

Elfcnbeinwerkc 

Gewebe und Stickereien 

Kleinlvunst 

Mün/en und Siegel 

IV Die durch Nimbus usw. auspezcichneten Personen und Gestalten 

I. So! und Luna 

'J. Sonsii(;c Fcrsoniliktioncn 

•i. Der Ph«"tnix 

.1. Personen lUrstlichcn Standes 

5. Christus ... 

t). Das Lamm .... 

7. Gottvater 

M, Die Taube 

w. Die Itnjrel . . . . 

II). Die .Apostel 

II, Maria 

l'J. Johannes der 'l'auler. I)ie E\angelisten ... 

13. Evangelisiensxmhole 

14. Die Propheten .... 

Tl. Sonsiitie Personen des alten und neuen Testamentes 
1(.. Die Heiligen 

17. DischCife. Kirchenvater, (ieistliche 

LS. Weltliche WllnlentrilKer 

r» Sonsli;;e Personen 

V llrsprunjr und Hedeutun;: des Nimbus und iler verwandten .\iii il^uic 



Siiahlcnkran/ und Sirahlenknme . . 
■J, Nimbus 

I''oi nt uiul l''ail>e lies Nimbus .... 

.Monogramm- und Krcn/nimbus . . . 

Uesi.>ndrr>- b"i>rmen des tunden Nimbus 

Wechtecki^rer Nimbus 
;i. .Aureole 



Seile 



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DER NIMBUS IN DER SPATANTIKEN KUNST. 




I iif Denkmälern der hellenistischen und römischen Kunst sind 
öfters die Häupter von Göttern, Heroen und einigen anderen 
Gestalten von einer scheibenartigen KreisHäche, dem Nimbus, 
oder von einem Kranze von Strahlen oder auch von einem nach Art 
einer Tänie getragenen Kopfreife, an welchem Strahlen befestigt sind, 
der Strahlenkrone, umgeben. 

Verwendung, Ursprung und Bedeutung dieser Attribute innerhalb 
der griechisch-römischen Kunst hat Ludolf Stephan i /;um Gegen- 
stande einer eingehenden Untersuchung' gemacht. Danach sind sie 
als Erfindungen des griechischen (jeistes, nicht etwa der orientalischen 
Völker zu betrachten. Sie sind hervorgegangen aus der aus vielen 
Dichterstcllen zu belegenden Vorstellung von dem Lichte oder leuch- 
tenden Glänze, der sich um die (jestalten imd besonders die Häupter 
der Götter, Heroen, auch hervorragender Mensciien verbreite. Diesen 
übernatürlichen Lichtglanz sollen sie auf eine leichtverständliche Weise 
bildlich zum Ausdruck bringen. Strahlenkranz und Nimbus sind 
demnach zwar im Grunde dieselbe Sache, imd manche Gestalten 
erscheinen bald mit dem einen, bald mit dem andern Attribute; aber 
der Strahlenki'anz und Strahlenkrone dienten doch häufiger zur Kenn- 
zeichnung siderischer Wesen, während der bloUe Nimbus mehr zur 
Andeutimg des allgemeinen göttlichen Lichtglanzes verwendet wurde. 



' Ludolf S t c p li ;i 11 i , Nimbus unit Sunhlcnkrnn^ in den Werken der 
alten Kunst. Aus den Memoires de l'Aciideniie des Sciences de St. I'etershourj;. 
VI. .Serie Sciences |H)iiliiiues, histoirc, philolonie. T. IX. — l'elersburg 1S59. 



— 6 — 

Der Strahlenkranz wirJ auch in den späteren Jahrhunderten des 
Altertums mit ^'oriiebe den Lichtgottheiten — vor allem dem Sonnen- 
gott — und anderen Lichtwcsen wie dem Phönix verliehen; auch 
v\enn andere göttliche Wesen dadurch ausgezeichnet sind, kann doch 
kein Zweifel darüber herrschen, daß er das von diesen ausstrahlende 
übernatürliche Licht zum Ausdruck bringen soll. Er hat stets den 
ausgesprochenen Charakter als eigentliches Lichtsymbol behalten. 

Der strahienlose Nimbus dagegen hat im Laufe der Zeit von 
seiner ursprünglichen Bestimmung, den allen göttlichen Wesen an- 
haftenden Lichtglanz anzudeuten, viel verloren. Auf den Pompejanischen 
Wandgemälden ist er noch ein Vorrecht der Götter und Halbgötter,' 
Die Denkmäler der folgenden Jahrhunderte dagegen zeigen außer zahl- 
reichen nimbierten Göttern - eine ganze Reihe anderer nimbierter Ge- 
stalten, denen nur Göttlichkeit in untergeordnetem Maße zugesprochen 
werden kann. Das sind vor allem die Personifikationen von Zeiten 
und Oertlichkeiten.' Der Nimbus kennzeichnet sie ganz im allge- 
meinen als höhere Wesen, er ist ein äußerliches Mittel zur Andeutung,^ 
daß diese Gestalten keine gewöhnlichen Menschen darstellen sollen. 
Noch mehr verallgemeinert erscheint die Bedeutung des Nimbus auf 
spätägyptischen Geweben, wo er beispielsweise* die Köpfe tanzender 
Putten umgibt, und in den Miniaturen der Vatikanischen Handschrift 
des Vergil Nr. 3867* aus dem 5. Jahrhundert, in denen er zur Her- 
vorhebung der Hauptpersonen der Handlung dient. 

Zu dem gleichen Ergebnis einer sehr verallgemeinerten Verwendung 
und Bedeutung des Nimbus im ausgehenden Altertum führt die 
Betrachtung der Herrscherbildnisse, wie sie uns hauptsächlich auf den 



> Stephani, a. a. O., passim. — Weitere Beispiele s. H e 1 b i g, Wandgemälde 
der vom Vesuv verschütteten Städte. 

2 Stephanis Zusammenstellung der Denkmäler ist in dieser Beziehung schon 
etwas veraltet. Eine reiche Ausbeute von nimbierten Göttergestalten würden die 
spätrömischen Mosaiken ergeben. — Das Material s, bei Gaukler, Artikel Mu- 
sivum opus in Dictionnaire des antiquite's grecques et romaines von Daremberg etc. 
Bd. 111 a, S. 2o88ff. 

3 Beispiele, auPer den von Stephani angeführten : Die Jahreszeiten, Mosaik 
des Musee d'Alger, Georges D o u b 1 e t, Catalogue du Musee d'Alger; — Desgl., 
Relief, Petersburg, Sammlung üoienischeff. Strzygowski, Die christl. Denk- 
mäler Aegyptens R. Q. S. 1898, S. 6 ; — 5 Mosaikmedaillons mit Brustbildern der 
römischen Provinzen Gallia (s. Taf. I, 2), Spania, Makedonia, Raetia, Britannia aus 
der Nähe des heutigen Balkis in Mesopotamien. Berlin, Kgl. Mus. Antiquarium 
J. N. 7079—7082. 79o5. — Roma und Constantinopolis, Elfenbeindiptychon. 
Meyer, Zwei antike Elfenbeintafeln Nr. 4a und 4b. 

* Berlin, Kaiser Friedrich Mus. R. 341. 

5 Stephan Beissel, Vatikanische Miniaturen gibt fol. 100 (s. Taf. I, 1). 
Aeltere Abbildungen verzeichnet Stephani, a. a. O., S. 35. 



Münzen überliefert sind. Die Nachfolger Alexander des Großen hatten 
sich zum Zeichen ihrer in Anspruch genommenen Göttlichkeit die 
Strahienkron e beigelegt.' \'on den hellenistischen Keichen verbreitete 
sich die Sitte, die Könige mit riul3eren Zeichen der Apotheose abzu- 
bilden, einerseits nach dem fernen Osten, wo die indischen Könige 
des 1. und der folgenden Jahrhundertc n. (".hr. sich auf ihren 
Münzen fast immer bald mit Strahlenkranz, bald mit Nimbus darstellen 
ließen. - 

In ähnlicher Weise wanderten die Apotheosierungssymbole in 
.westlicher Richtung nach Rom. Zwar legten sich die ersten römischen 
Kaiser bei ihren Lebzeiten noch nicht die Strahlenkronc bei'; sie 
war ziniächst ein Voriecht der I)i\i, so schon bei Augustus.' Nero 
war der erste Römer, der noch während seines Lebens mit Strahlen- 
krone abgebildet wurde-', allerdings nur auf den vom Senat geprägten 
Bronze-Münzen. Nach Mommsen ' war es Caracalla. der ZLicrst aiich 
auf den vom Kaisei" selbst geprägten (iold- iiiul Silbermünzen die 
Strahlenkrone führte. Auf den .Münzen der letzten heidnischen Kaiser 
Roms wurde sie zu einem überaus liäuhgen Ausstattungsstück der 
Herrscherbildnisse.' 

Auch der Strahlenkranz winde in Rom als Zeichen der Gott- 
ähnlichkeit des Kaisers \er\\endet, z. B. auf Münzen des .\iuoninus 
Fius.« 

Der einfache Nimbus ist dagegen, wie es scheint, vor dem 3. Jahr- 
hundert als Herrscherattribut übeihaupt nicht im Abendlande gebraucht 



' l'toiemäus irr. Diadem mit Strahlen. Svoronos, ''x von'!3|i.otTa Toü xpdTO'j? 
TÖ)v llToXs|i.ato)v tf. X.\.\VI, 1-9. l>tülem;ms V, a. n. O., If. .XLI, i5 — 1^>. 

Aniiochus IV. Epiphancs, Strahlcnkionc. Brit. Mus. Cat. ; Grcck (loins, kings 
of Syria, S. J4, Nr. 6. lt. .XI, 5 ; S. 33, Nr. jo tt. XI, ti; S. 3;, Nr. 3i iC \II. ? 
u. s. f. 

Aniiochus VI, Dionysos, a. a. O., S. lij, Nr. 1 ff. il. \I.\, i II".; u. >. I. 

2 Drouin, l,c Nimbc et les sigiics d'apotheoso sur les monnaics des l<i>is 
Iiulo-Seylhes, Uevue Nuiiiism. ii)oi, S. j .''4 IV. A. C u n 11 i n l; h a 111 , Ooins of ihe 
Kushans, Num. Clhion. i«()i, S. 40 tl'. c)8 ff., pl, IV — XIV. 

•' Ueber die angebliche Strahlcnkrone Caesars, vgl. .\l o ni m s c 11 , Köm. ,'^taa^s- 
recht I, 3. Autl., S. 428, Anin. 1 und S. 427, Anm. 3. 

' Cohen, Description generale . . . I, S. 711, Nr. 87; t^. 77, Nr. <(.; ; S. 71), 
Nr. 109 u. s. 1. 

» Coh. I, S. 288, Nr. 126. 12/ u. s. I. 

5 Römisches M Unzwesen, S. 7S2. 

" Ueber die ,'>tralilenkriine der (lötter, besomlers .i."; S.l. vgl. S t e p h .1 n i , 
a. a. O., S. 1 I« ir. 

8 Coh. II, 3oi, Nr. 3iS. 



— 8 - 

worden.' Doch erfolgte die Hinfülirung des Nimbus für die Herrschcr- 
bilder nicht erst unter Konstantin dem Großen, wie vielfach angenommen 
worden ist, sondern er liil5t sich sicher schon auf einem Aureus des Geta -' 
nachweisen, auf dem das Haupt dieses Kaisers von einem strahleniosen 
Reif umgeben ist. Bei genauerer Nachforschung würde man wahrschein- 
lich noch einige weitere nimbierte Kaiserbilder aus dem 3. Jahrhundert 
finden, — mir sind gegenwärtig keine sicheren Beispiele bekannt.^ 

Dies Verhältnis jedoch — un,iählige Strahlenkronen gegenüber 
vereinzelten Nimben — ändert sich in der konstantinischen Periode 
ziemlich plötzlich zugunsten des Nimbus. Zwar ist die Chronologie 
der Münzen der konstantinischen Zeit noch nicht unbedingt sicher 
festgestellt, aber nach J. Maurice' eingehender Untersuchung über die 
verschiedenen Münzemissionen sämtlicher Prägstätten des Reichs in 
den Jahren 3o5 — 337 ' ^^^^ ^^'^^ folgendes als ziemlich gesichert auf- 
stellen : In den Münzstätten, welche im Besitze der heidnisch ge- 
bliebenen Kaiser waren, wurden dauernd Kaiserbildnisse mit Strahlen- 
kronen geprägt, darunter auch solche Konstantins des Großen.-' Aber 



' Die von Stephani, a. a. O., S. i3i und anderen angeführten nimbierten 
Kaiserdarstcllungen aas den ersten zwei Jahrhunderten sind unbeglaubigt. Nämlich 
bei dem von Si ekler u. Reinhart, Almanach aus Rom II, S. i ff. tt. 2 — 5 
veröllentlichten Fresko der Titusthermen, ist es zweifelhaft, ob hier überhaupt der 
Kaiser Titus dargestellt war ; der stehende Kaiser auf der Rückseite von Münzen 
des Antoninus Pius (Coh. II, ,S. 3oi, Nr. 3i8) hat stets den Strahlenkranz; Ste- 
phan! ist offenbar durch abgegriffene Stücke getäuscht worden, wie auch im Ber- 
liner Museum Stücke sind, auf denen die Strahlen nur schwer zu erkennen sind. 
Die gewaltigen Nimben aber, welche das Haupt des Kaisers auf den Rundmedaii- 
lons des Konstantinsbogens umgeben, stammen nicht aus trajanischer Zeit ; bei 
Nahsicht lassen sie, nach gefälliger mündlicher Mitteilung des Herrn Prof. E. 
i^etersen, deutlich erkennen, daP sie nachträglich in den Reliefgrund eingegraben 
sind ; es ist darum mehr als wahrscheinlich, daP sie hinzugesetzt sind, als die 
Medaillons für den Konstanlinsbogen verwendet wurden d. i. a. 3i5; vgl. Peter- 
sen, Die Rundmedaillons u. s. w. in Antike Denkmäler I, S. 3i; Ders. in Römische 
Mitteilungen 4, S. 3]4ff. Die beste Reproduktion geben Brunn-Bruckmanns 
Denkmäler Griechischer und römischer Skulptur. 

- Revue beige de numismatique 1902. Taf. VHI, Nr. 10. 

■'' Ob die zwei nimbierten Kaiser auf einem Bleimedaillon (Fröhner, Me- 
daillons Romains, S. 239) Diocletian und Maximian sind, ist nicht sicher. 

^ J. Maurice, Les aleliers monnetaires pendant la pe-riode Constanlinienne etc. 
Alexandrien, Numismatic chronicle 1902, S. 92 ff. ; Antiochien, Num. chron. 1S99, 
S. 208 ff.; Aquileja, Rivista italiana di numismatica 1901, S. 277 ff.; Carthago, Revue 
numismatique 1902, S. 2o3 ff. ; Konstantinopel, Rev. num. 1901,8. 174 ff".; London, 
Num. chron. 1900, S. 108 ff ; Nikomedien, Num. chron. igoS, S. 211 ff'.; Ostia, 
Riv. it. di num. 1902, S. 4; ff.; Rom, Rev. num. 1899, S. 338 ff., S. 461 ff. ; Tarraco 
Rev. num. 1900, S. 260 ff.; Thessalonich, Numism. Zeitschrift XXXIII, S. iiiff.; 
Trier, Memoires des antiquaires de France bi (VII, i), S. 127 ff., 62, S. 25 ff.; 
Sirmium, Riv. it. di num. 1904, S. 63 ff.; Siscia, Num. chron. igoo, S. 297 ff. 

s Coh. \'II, S. 235, Nr. 6S ; S. 262, Nr. 21)2 (aus den Jahren 317 — 324, vgl. 
Num. chron. 1902, S. i33 und i9o3, S. 252, I, 2), 



auch auf den in konstantinischen Münzstätten geprägten Münzen er- 
scheinen noch nach dem Siege über Maxentius sowohl Konstantin selber 
als seine Söhne mit der Strahlenkrone.' 

Nach der Besiegung des Licinius dagegen findet sich die Strahlen- 
krone nur noch auf drei Goldmünzen,' welche im Osten vermutlich 
gleich am Beginn der Alleinherrschaft Konstantins geprägt sind. Auf den 
späteren Münzen läßt sie sich außer auf einer völlig singulären Gruppe 



• Konst;intin I. trügt Strahlenkrone ,uif folgenden, in seinen Münzst.ltten ge- 
prägten Münzen : 

Ci)h. Vll, S. 281), Nr. 5io und .^11, beiJe vor 3i3 geprägt, vgl. kev niun. 1900, 
S. -280, VI und Mem. d. ant. d. France t")i, S. 1 5y, IV. 

Coh. S. 277, Nr. 409, vor 3 17, bis zu welchem Jahre Konst. I. den Titel 
l'rinceps Inventutis führt, vgl. Rev. nuni. 1900, S. 281, Vll. 

Coh. S. 3oö, Nr. tjiio, vor 320, vgl. Rev. nuni. 1899, S. 470, 1\'.; Coh. S. 289, 
Ur. 5 17, vor 32o, Num. chron. 1900, S. 327. 

Coh. S. 275, Nr. 401, datiert durch Cos VI, sechstes Kon.sLÜai des Konstan- 
tin I., in das Jahr 32o 

Coh. S. 287, Nr. 4q5, aus den Jahren 320 — 124 wie das ähnliche Stück Nr. 
4911, vgl. Riv. ital. 1904, S. 26, .KU. 

(^üh. S. 243, Nr. 128 und S 258, Nr. 260, Die Vota .\.\ weisen diese iMünzcn in 
die Jahre 320-24, ''H^- l^'^- ''^'- ".104, S. 72 tl'., Num. Zeitschrift .\.\\lll, S. 127. 

Coh. S. 3 14, Nr. 718. Trotz der Vota XXX wird dies Silbermedaillon in die 
Jahre 320-324 zu setzen sein, wie das ähnliche IVIedaillon Nr. 717, vgl. Riv. ital. 
1 90 1 , S 3o4, III. 

Coh. S. 255, Nr. 236 (s. Taf. I, 3), zwischen 3 1 3 und 32?, da zwei .Xugusli genannt 
werden. (Trotz dieser wichtigen .Angabe setzt iVlaurice, Mem. d. ant. d. France 1.2, 
,*>. 83, dies (joldniednillon in die Jahre 326 — 33i), vgl. gegen Maurice .Vrchäol. .An- 
zeiger zum Jahrb. d. Arch Inst. 1905, S. 3o. 

{^oh. S. 3 10,' Nr. 683 und S. 3oö, Nr. 653, vor 323, da ebenfalls zwei .Augusii 
genannt werden (die Vota .X et XX auf Nr. 655 bestätigen diesen Zeitansatz). 

(^oh. S. 319, Nr. 1, Zeitgrenzen 317 — 326, von der Krnennung des Crispus 
und Constantinus jun. zu Caesaren bis zum Tode des Crispus. 

Coh. S. 294, Nr. 5bri. Maurice, Mem. d. ant d. France 62, S. 65 III, 1 und 
-S. 6C1, möchte die in Trier geprägten Stücke mit der Legende übique victores in 
die Jahre 324 — 32Ö setzen, doch ist er seiner Sache nicht sicher; es steht nichts im 
Wege die Stücke in eine trübere Zeit zu setzen. 

Von Konstantins Söhnen erscheinen mit .Strahlenkrone: tlonstantinus jun. 
Coh. VII, Nr. S, i(), 218, 252-255, 26r, 262, sämtlich aus den Jahren 320—324, 
sämtlich in London gepr.ägi, z. T. auch in Trier (Nr. 252 und 261), vgl. Num. 
chron. 1900, S. 144, I, 2 und 142, III, 3; 145, 11, 5; 139, I, 6 und 8; 139, li, 'S; 
142, 1, 2; Mem. d. ant. d. France, ,S. 31"), III, 11; 34, III, 6. VVeitere Beispiele, s. 
Rev. num. mioo, S. 299, 111, 2 ; Riv. ii.il. i')02, S. 2-5 11., Nr. 64 und 7?; Mem. d. 
am. J. r rance 62, S. 36, III, 14. 

Crispus: (^oh. Nr. 154, aus den Jahren 3i6-32o; vgl. Rev. num. ii)oo. S. 
292, II, 4. 

2 Coh. S. 273. Nr. 391. l'rägort Nikoniedien. Zur D.itiermig vgl. N mii. chmn. 
1903, S. 267, III. 

Coh. S. 32 1, oben Nr. 1. l'rägort Nikomedien. Zur D.itierung vgl. Num. chron. 
1903, .S. 270. XI. 

Coh. S 32 1. unten Nr. 1. .\us vier gleichen Zeit und dem gleichen .Atelier 



10 

von Goldstücken ' nicht mehr nachweisen. Nur auf kurze Zeit taucht 
sie bezeiclmenderweise wieder unter Julianus Apostata auf, der sie 
auf seinen Münzen sehr liiuififj trägt.- Weilerhin verschwindet die 
Sirahlcukrone als kaiserliches Attribut gän/.lich.^ 

Die häuligere Verwendung des kaiserlichen Nimbus aber beginnt im 
Jahrzehnt vor dem erstmaligen Verschwinden der Strahlenkrone unter 
Konstantin, d. h. um das Jahr 314. Mir sind folgende Münzen mit 



wie der vorige. Die beiden letztgenannten (;ist nleichen Doppelsolidi scheinen nuf die 
am 8. Nov. J24 erfolgte Ernennung des Konstantins zum Caesar Bezug zu haben. 

' c;oh. 416, Nr. 87. Fl. Jul. Constans P. F. Aug. — Son buste radie 
K/. MNES (soll heiPen MTES, vgl. Z. f. Num. XIII, S. 7.)), 
Ancicn Catalogue OK. 4^ ; nebst Coh. 420, Nr. 1 10. TK dans le chanip, Ancien Ca- 
taloguc; Heilerin, Melanges I, tf. 6, g. 

C^üh. 4()4, Nr. 349. Consiantius P. F. Aug. — Son buste radie et drape a gauche 

R/ A )P' (o Caylus OR 100. 

Cnylüs, Numism. aurea Imper. Romanorum, Nr. 1129 gibt nur die Rückseite; die 
Vorderseite hat Cohen wohl wie ölter nach dem Ancien Catalogue der Pariser 
Sammlung beschrieben. 

Coh. 49-), Nr. 35o. Fl. Julius Constantius Nob. Caes. — Meme buste 
R/. Un petit globule dans le champ — Caylus OR 3o. 
Nach Caylus, Nr. 1 io3 deutliche Strahlenkrone. 

Diese Münzen gehören zu einer Gruppe, welche sich durch das gänzliche Fehlen 
von Darstellung und Legende der Rückseite auszeichnet. Diese wird entweder durch 
einen bloßen Punkt im Zentrum eingenommen (Coh. 494, Nr. 35o) oder durch die 
bloße Angabe der Münzstätte mitten im Felde (Coh, 416, Nr. 87 u. 420, Nr. i lu) 

oder durch das christliche Emblem A Nr co (Coh. 494, Nr. 349). Die ersten beiden 

Gruppen hat bereits v. Sallet Z. f. Num. XIII, S. 78 ff. besprochen und ihre Singu- 
larität hinsichtlich Rückseite und Gewicht hervorgehoben; so wird auch der Strahlen- 
krone einzelner Stücke dieser Gruppe besonderes Gewicht nicht beizumessen sein. 

" Coh. VIII2, Nr. 107, 110, ii3, 119, 121, i3d. 

ä Auf Mißverständnis beruhen folgende scheinbaren Ausnahmen: 

Sabatier, I, S. 16, Nr. 33 führt eine Kupfermünze Justins I. an, auf der der Kaiser 
radie dargestellt sei. Durch Vergleich der Abbildung bei Sab. tf. X, 14 mit Originalen 
des Berliner Münzkabinetts ergibt sich, daß die vermeintliche Strahlenkrone nichts 
anderes als das Haar ist, das in roher Ausführung aus einigen Parallelstrichen besteht. 

Coh. VIII, S. 180, Nr. 16/17 führt zwei Medaillons des Honorius an, auf denen 
der Kaiser radie dargestellt sei ; eines in Silber aus dem Wiener Kabinett — wie ein 
mir vorliegender Abdruck lehrt, trägt der Kaiser jedoch den bloßen Nimbus ohne 
Strahlen (s. Taf 1,8); eines in Gold nach Banduri. BanJuri beruft sich auf Mediobarbus 
und auf Gretser. Mediobarbus (Imper. Rom. numism. ab Occone congesta. Mailand 
i683, S. 526 unten) beruft sich auf Strada, bei welchem (Oct. de Strada, de vitis 
imper. et Caes. Rom. Frankfurt i6i5) das Medaillon, S. 208, Nr. 272 abgebildet 
ist; ein Blick auf die .Abbildung lehrt, daß auch hier keine Strahlenkrone, sondern 
ein einfacher Nimbus das Haupt des Kaisers ziert. Gretser andrerseits (de cruce 
et numis crucigeris, Ingolstadt 160S, III, S. 60) bildet die Münze ebenfalls ab, und 
auch hier trägt der Kaiser den bloßen Nimbus. Also beruht die angebliche Strahlen- 
krone lür Nr. 16 auf einem von Cohen übernommenen Fehler des Mediobarbus, 
für Nr. 17 auf einer Flüchtigkeit Cohens selber. L'eber die näheren Beziehungen 
von Nr. 16 zu Nr. 17 vgl. Berl. Münzblätter igoS, S. 7iff. 



nimbierten Kaiserbildcrn aus der Zeit von 014 bis zum Tode Kon- 
stantins des Großen bekannt : 

Goldmedaillon — Numisni. clironicie U)o3, S. 243, aus dem Jahre 
3 14 — Licinius Vater und Sohn mit Nimbus. 

Goldsolidus — O. Seeck, Kestmünzen usw., Zeitschr. (ür Numism. 
1898, S. 46, tf. II, 4 aus den Jahren 3i3 — 3 18 (vgl. Seeck, a. a. O.) 

— Konstantin der (iroße mit Nimbus. 

Goldsolidus — ebendort, tf. II, b — aus der gleichen Zeit — 
Konstantin der Große mit Nimbus (s. Tat'. I, 4). 

Üoppelsolidus — ebendort tf. III, 2 — aus dem Jahre 3i7 — 
Fausta mit Nimbus. (Nach Maurice. Mem. d. ant. d. France G2. 
S. jb, erst aus den Jahren 324 — 32(3) fs. Tat'. I. 5). 

Goldsolidus — Coh. VTI, S. 3ot), Nr. 0.^7 — aus den Jahren 
324 — 326, vgl. Maurice, a. a. O. Num. chron. 1903, S. 244. — Kon- 
stantin der Große mit Nimbus. 

4 Goldmedaillons — deren Rückseiten das gleiche Gepräge zeigen. 

— Seeck, a. a. ü., S. 3if. Nr. 1 — 4 tf. lll, 1. Coh., S. 2!S4, 
Nr. 480. Vgl. S. 37»3, Nr. 104, S. 386, Nr. 176. Maurice, Num. 
chron. 1903, S. 269 und Revue Numism. 1901, S. 187. — Nach 
Seeck, a. a. O., aus den Jahren 33o — 333. — Konstantin der Große 
mit Nimbus zwischen seinen zwei nicht nimbierten Söhnen. 

Bronzemedaillon mit dem nämlichen Gepräge. — (",üh., S. 2N4. 
Nr. 481. 

Auf den Münzen seiner Söhne und weiteren Nachfolger wird dann der 
Nimbus allmählich zu einem sehr gew öhnliclien kaiserlichen .Attribut.' 

Kann man aus der Geschichte der beiden .Attribute unter der 
Regierimg Konstantins einen Schluß auf die Bedeutung von Strahlen- 
krone und besonders des Nimbus ziehen .- 

Das Verscliw inden der Strahlenlu'Diie muß man mit «.ler Stellimg 
Konstantins zum Christentum iigeiuhv le \n Verbindimg bringen; es 
fällt zeitlich last genau zusammen mu seinem Siege über Licinius. 
mit dem Zeilpunkte, \on welehem ,ui ei' allein über das ganze Reich 



' Constnntiiis, Coh. VII, .S. .^oS, Nr. jo uiiil 2- (s. Tat', l, (i); S. 441, Nr. iii; 
S. 460, Nr. 137. 

Constantiniis IL, Coh. S. 447. Nr. .^1. C^instnnlius und tlonstan^, S. 414, 
Nr. 78. Const.iiuiiuis II. unil Constaiilius, S. 43s, 1 ; 43.), i. M.igncntitis, ("oh. 
VIII, S. li, Nr. 2(). Valens, (.",oh. S. 101, 1 ; io5, 1 .'> ; Valontini.in 1. (",oh. S. loti, 
24. Valens und Valcntinian, t^oh. S. 110, 48; 1 i(J, 82; iü3, 17. 

Gratian, Coh. S. 1 3o, iS. Gratinn und Valcntinian, l^oh. S. i3i, 38; 147, 
8ci. Valcntinian II, (loh. S. 140, 11'); 14', 18 und ly ; 14^, 2S. 

rhcodosius, Coh. Nr. iii. Ilunnrius. Coh. Nr. 1 ; u. s. »•., vyl. Sah.iiicr, Dcs- 
cription gen. des mon. hy/aruines. 



12 

herrschte und somit allein die Münzbilder im ganze Reiche bestimmte. 
Die Strahlenkrone teilt also das Schicksal anderer Münz-Embleme 
und Legenden, welche ebenfalls seit 325 nicht mehr auf den Münzen 
verwendet werden. Mag man nun über Konstantins Stellung zum 
Christentum noch so verschieden urteilen ' — selbst wenn man ihm 
jedes innere Verhältnis zur Religion überhaupt und speziell zum 
Christentum abspricht, muß man doch zugeben, daß er sich gegen 
den früheren heidnischen Kaiserkult, durch den die Herrscher als 
göttliche Wesen verehrt wurden, ablehnend verhielt. - 

Wenn darum seit der Zeit, wo niemand im Reiche mehr darüber 
im Zweifel sein konnte, daß an eine göttliche Verehrung des Herrschers 
in alter Weise nicht mehr zu denken sei, Konstantin im Osten wie im 
Westen nicht mehr mit Strahlenkrone dargestellt wird, so kann man da- 
raus einerseits entnehmen, daß die Strahlenkrone tatsächlich noch als ein 
heidnisches Attribut empfunden wurde, welches den Christen, die um des 
Opferns vor den strahlengekrönten Kaiserbildern willen solange Verfol- 
gung erlitten hatten, stets unangenehme Erinnerungen wachrufen mußte, 
andrerseits kann man darin die Absicht des Kaisers erkennen, alle an eine 
direkte Vergöttlichung seiner Person erinnernden Zeichen zu vermeiden. 
Daß man berechtigt ist, die Strahlenkrone in dieser Weise als heidnisches 
Apotheosierungssymbol aufzufassen, wird des weiteren durch das auf- 
fällige Wiederauftauchen des Attributs unter Julianus Apostata gesichert. 

Man könnte sich demnach höchstens darüber wundern, daß Kon- 
stantin die Strahlcnkrone nicht schon seit den Jahren ablegte, in 
welchen nach allgemeiner Annahme seine entschiedene Hinwendung 
zum Christentum erfolgte — d. h. seit '3i3. Eine solche Erwägung 
ist belanglos. Denn auch andere ausgesprochen heidnische, auf den 
Götterkult bezügliche Embleme werden in den Münzstätten, welche 
sich in den Händen Konstantins befinden, noch nach dem Jahre 3i3 
auf den Münzen geprägt. Der in der Zeit bis 32o noch sehr häufige 



• Vgl. V. Schultzc, Art. Konstantin in Real-Encyklopndie für protestan- 
tische Theologie und Kirche. 3. Aufl., Bd. lo, S. ySy ff. und die dort angegebene 
Literatur, besonders aber Burkhardl, Konstantin und seine Zeit. 2. Aufl. Leip- 
zig 1880. Th. Zahn, Konstantin der Große und die Kirche seiner Zeit. Hannover 
1876. T h. Brieger, Konstantin als Religionspolitiker, Zeitschr. für Kirchengesch. 

IV, 2. V. S c h u 1 1 z e, ebenda VII, 3 und VEQ, 4. B o i s si e r, La fin du paga- 
nisme, S. 12 ff. Schiller, Geschichte der röm. Kaiserzeit 11, Gotha 18S7. E. 
Beurlier, Le culte imperial etc. Paris 1891 u. s. w. 

-■ Eusebius, Vita C'.onstantini IV, 16. Mommsen, Die Inschrift von His- 
pellum, Berichte der kgl. sächs. Gesellschaft der Wissenschaften i85o, S. '99 ff. 

V. Sciiultze, Die Inschrift von Hispellum. Zeitschrift für Kirchengesch. VIT, 
S. 363. Sc hi 1 1 e r, a. a. O., S. 214. B eu rii er, a. a. O., S. 2S3 ff. 



— 10 — 

Sol Invictus Comes ' erscheint selbst noch in den Jahren 32o— 324 
auf Goldmünzen constantinischcr Prägstätten. - 

Daß aber in der Prägstätte Nikomedien, welche erst Ende 324 
in den Besitz Konstantins überging, noch kurz nachher der Kopf 
Konstantins mit Strahlenkrone geprägt wurde, erklärt sich dadurch, 
daß Konstantin in den Münzstätten der neugewonnenen östlichen Reichs- 
hälfte zunächst die unter seinem Vorgänger verwendeten Typen und 
Formeln ruhig weiter gebrauchen ließ, mit Ausnahme des Jupiter- 
bildes, welches zur Familie seines unterworfenen Gegners (der Jovii 
Licinii) in zu enger Beziehung stand. ^ 

Hat man demnach ein Recht zu der Annahme, daß Konstantin 
als christlicher Kaiser das Symbol der Göttlichkeit der Herr.scher, die 
Strahlenkronc, ablegte, ■* dann kann der Nimbus, welchen gerade er 
sich häuligcr beilegte als seine heidnischen Vorgänger, nicht wie bei 
den indischen Königen als ein Acquivalent der Strahlenkronc odc-r 
des Strahlenkranzes, also als eine Andeutung der Göttlichkeit des 
Kaisers gelten. Daß er bei den unzweifelhaft christlichen Kaisern 
nichts mehr mit Göttlichkeit zu tun haben kann, braucht nicht erst 
bewiesen zu werden. Aber auch in den früheren Jahren Konstantins, 
während derer außer ihm die sicher heidnischen Kaiser Licinius und 
dessen Sohn auf Münzen den Nimbus tragen, kann er nicht mehr zu 
der eigentlichen, heidnischen Vergöttlichung der Herrscher in Bezieh- 



•' Mnurice, l.';UclicT Je Komc, Kcv. iiuni. iSiiu, S. 474; de T.irr.i^one, l^ev. 
num. 1900, S. 287. 

3 Maurice, L'atiilior Je .Sirmiuni, Rivisi;i itiil. di num. H104, S. 74t. 

s Maurice, L'atiilier Je NicomeJie, Niuii. c'nron. igoj, S. 203. — Man kann 
als Analogon für dieses Beharrungsstreben der M Unztypen (auPer auf den Sol in- 
victus u. s. w., s, oben) auf Jas Londoner Atelier hinweisen, welches sich vor den 
andern seit 3ö6 konstantinischen Prägstätten durch zweierlei Besonderheiten 
hervortut, l'jstlich fehlen auf den Londoner MQnzen die gemeinhin als christliche 
in anspruch genommenen Zeichen (Num. chron. njoo, S. 1 3S, Anni. 33 ; \'oetter, 
Krste christliche Zeichen . . . Numismat. Zeitschr. iSq2, S. 41) und zweitens ist 
dort die Strahlenkrone bis ins Jahr 324 als Attribut des C^onstantinus junior noch 
überaus hiiulig (s. oben). 

■• Wenn es sich bestätigt, dali seit J. .1. 323 auf konstantinischen Münzen das 
Diadem als llerrscherattribut auftaucht, sein erstes Erscheinen nlso genau zu- 
sammentritTt mit dem Verschwinden der Strahlenkrone, so dUrlte es als gesichert 
betrachtet werden können, daP das Diadem geradezu an die Stelle der Strahlen- 
krone auf Anordnung des Kaisers getreten ist. Besonders die Stücke, welche den 
Herrscher bezw. seine Söhne aulier mit dem Diadem auch mit dem nach oben ge- 
lichteten Blick zeigen (s. 'I'al. I, 71 würden die neue Stellung Jos Kaisers, welche 
Konstantin J. (ir. nach der Hesiegung des Licinius als die ollizielle aulgefallt wissen 
wollte, gut zum Ausdruck bringen: der Kaiser ist nicht mehr ein (lolt, als welchen 
ihn frUherdieStrahlenkrone kennzeichnen sollte, sondern er ist der erhabene Herrscher 
(Diadem), der dankend und betend /u der ("lotlheit aufblickt (vgl. l). Seeck. /. t. 
Num. 1898, S. 2 311'.). 



— 14 — 

iing gcsct;it werden. Man müßte sonst erklären, daß der Nimbus in 
wcni|?en Jahren vollständig seine Bedeutung gewechselt hätte, oder 
daß er bei dem einen Kaiser etwas versinnbildliche, was er bei dem 
andern sicher nicht andeuten kann; da, wenn er auch für Konstantin 
den Großen heidnische Bedeutung gehabt hätte, dieser sich seiner 
sicher geradeso wie der Strahlenkrone entäußert hätte. Beachtet man 
ferner, daß die häufigere Verwendung des Nimbus in den Jahren ein- 
setzt, in denen auf den Münzen neben und außer den z. T. noch 
beibehaltenen altüberlieferten Kmblemen solche großenteils neuerfundene 
erscheinen, die weder heidnisch noch christlich sind und niemanden 
verletzen konnten,' so wird man noch mehr geneigt sein, in dem 
kaiserlichen Nimbus des 4. Jahrhunderts sowohl vor als nach 325 ein 
gewissermaßen neutrales Attribut zu erblicken, das nicht mehr an den 
heidnischen Kaiserkultus erinnerte, also auch bei den Christen keinen 
Anstoß erregen konnte, aber trotzdem dazu bestimmt und geeignet 
war, die Erhabenheit des Herrschers und den Glanz seiner Würde 
zu versinnbildlichen. Denn wenn auch Konstantin das Opfern vor 
seinen Bildern verboten und damit eine göttliche Verehrung seiner 
Person abgelehnt hatte, so war er doch keineswegs gewillt, eine Ver- 
ehrung des Kaisers überhaupt zu untersagen. Vielmehr nahm der 
Kultus mit der Person des Herrschers seinen F"ortgang, nur wurden 
neue Formen erfunden oder nur solche alte beibehalten, die auch den 
christlichen Untertanen nicht anstößig waren. An Unterwürfig- 
keit und Ueberschwänglichkeit gab dieser neue Kaiserkult in Kon- 
stantinopel dem alten heidnisch-römischen nicht nach. Zwar galten 
die christlichen Kaiser nicht mehr als Götter, aber doch als Menschen 
höherer Oidnung, die hoch über gewöhnliche Sterbliche erhaben waren. - 

Man wird demnach nicht fehl gehen, weim man den Nimbus 
der Kaiser als ein Symbol ihrer erhabenen Würde und Hoheit ansieht. 

Der Sinn des kaiserlichen Nimbus deckt sich also mit der Be- 
deutung, welche auch dem Nimbus der Personifikationen und Heroen 
auf den Werken des 3. — 5. Jahrhunderts zukommt. Es handelt sich 
in keinem Falle mehr um Andeutung göttlichen Wesens, sondern der 
Nimbus soll den durch ihn ausgezeichneten Gestalten den Charakter 
höherer Würde und besonderer Bedeutung verleihen. 



1 Dahin gehören z. B. Beata tranquillitas, Providentiae Augustorum oder Cae- 
sarLim mit Kastell, Saeculi telicitas mit Altar, die Vota, Virtus .Augg. bzw. exercitus 
mit Kastell, Tropaion oder V'exillum. 

* Beurlier, Le eulte imperial, S. 283 ff., S. SiS. 



II. 



DIE FRÜHCHRISTLICHEN DENKMALER, AUF 
DENEN DER NIMBUS VERWENDET IST. 



achdcm die bislicrigcn Untersuchungen dem NiniLnis in der 
Sj^g gricchisch-römi.schen Kunst galten, verfolgen die nachstelien- 
™^"| den einen doppelten Zweck. Einmal wollen .sie feststellen, 
in welchem Maße und welcher Weise Nimbus, Strahlenkran/., Strahlen- 
krone und Aureole in der frühchristlichen Kunst Verwendung gefunden 
haben ; sodann wollen sie den Wegen nachgehen, auf welchen die 
frühchristliche Kunst zum fiebrauche dieser Attribute gekommen ist, 
und die Gedanken zu verstehen suchen, welche sie durch sie /um 
Ausdruck bringen wollte. 

Vorausgeschickt sei eine Zusammenstellung der christlichen Denk- 
mäler aus der Kpoche des christlichen Altertums,' auf denen die 
Attribute Verwendung gefunden haben. Für diese Zeit ist Vollständig- 
keit angestrebt, welche allerdings bei dem weit zerstreuten und oft 
schwer zugänglichen Material, besondeis bei den Erzeugnissen der 
Kleinkunst tatsächlich schwerlich erreicht sein dürfte. 



> Bckannilich werJen seit de Rossis Vorgehen in der chrisiiicheii .Archädliigie 
die ersten 7 Jahrimnderte unserer Zeitrcclinunj; als chrisilichcs Altertum be/eieluiet. 
Damit soll freilich nicht gesagt werden, daP das Jahr 700 als lirenzsclieide /u 
gelten hat; und aus ihesem Grunde bedart es wi>hl keiner l'.ntschul.ligung. wenn 
noch eine Anzahl von Monumenten aus dem 8. .lalirhiuidert herUcksichiigt wird. 
Umgekehrt wird man es wohl liilligen. wenn ich die ahirischen Denkmrder, soweit 
sie vor 700 entstanden sind, ausscheide, können sie doch lllglicherweise nur im 
Zusammenhang mit der altirischen Kunst, .lie in iler ll.uiptstchc schon dem Mittel- 
alter angehört, verstanden werden. 



— l() — 

Der UeliLTsichtliclikcit halber habe ich das MatL-rial tabellarisch 
aufgeführt. 

Spalte I enthält die laufende Nummer, unter welcher das 
betr. Denkmal in der weiteren Untersuchung auch zitiert wird. Die 
mit * bezeichneten Denkmäler sind auf den beigegebenen Tafeln ganz 
oder teilweise abgebildet. 

Spalte 2 gibt im Anschluß an die jeweiligen anerkannten Auto- 
ritäten die K nt s t e hungsze i t des Werkes an. Bei den kleineren 
Kunstwerken ist jedoch die oft noch recht unsichere Datierung meist 
beiseite gelassen. 

Spalte 3 gibt den Ort an, an welchem sich das Werk zurzeit 
befindet, und, wenn es nicht schon aus der Abschnittsüberschrift er- 
sichtlich ist, die nähere Bezeichnung des Kunstgegenstandes. 

In Spalte 4 wird möglichst für jedes der Kunstwerke eine 
neuere, gute Abbildung nachgewiesen; außerdem ist der Bequem- 
lichkeit des Nachschlagens halber noch nach (larrucci. Storia dcll' arte 
zitiert. Die sonstigen Literaturnachweise sind in die Kußnoten 
verwiesen. 

In Spalte 5 ist kurz Gegenstand und Inhalt der Dar- 
stellung bezeichnet. 

Spalte 6 enthält die Namen der Personen und Gestalten, 
welche auf der betr. Darstellung Nimbus oder eins der anderen 
Attribute tragen. Wenn nichts weiter vermerkt ist, handelt es sich 
stets um den einfachen runden Nimbus ; abweichende Form, Strahlen- 
kranz, Strahlenkrone, Aureole sind stets durch entsprechenden V^er- 

merk besonders angegeben. oder (^hinter einem Namen bedeutet, 

daß die betr. Figur einen Kreuznimbus oder einen Monogrammnim- 
bus trägt. 

Spalte 7 enthält die Angabe der Farbe der Attribute und 
einige Vermerke über ihre Form. Wo mir die Farbe nicht bekannt 
war, habe ich ein Fragezeichen gesetzt. Wo die Farben unkenntlich 
sind, ist dieses vermerkt. 

In Spalte 8 ist ersichtlich, welche Personen und Gestalten 
auf der betr. Darstellung keinen N i m b u s tragen — was zu wissen, 
für die Geschichte der V^erbreitung des Attributs wesentlich ist. 



III. 

DER NIMBUS UND SEIN VERHÄLTNIS ZU DEN 
VERSCHIEDENEN KUNSTGATTUNGEN. 




chon eine tlÜL-htifie Üuichsichi der Noranstelienden Tabelieu 
ergibt, daß die einzelnen Zweige der K'uiist und des 
Kunsthandwerkes sich in sehr verschiedenem .MalJe des 
Nimbus bedienten : eine Krscheinung, die nötigt, nacli einer l'!ri<lärunii 
für diese autluHige Tatsache zu suchen. 

Die Gemälde der Katakomben Roms kommen für die 
(leschichte des Nimbus zunächst insofern in Betracht, als sie die 
wichtigsten Zeugen dafür sind, daß auf keinem der bisher bekannten 
christlichen Denkmäler, weiche mit Sicherheit der vorkonstantinischen 
Zeit entstammen, der Nimbus bei spezifisch christlichen Figuren an- 
gewendet worden ist.' Denn zahli-eich sind die Gemälde aus den 
ersten drei Jahrhunderten, auf denen Christus, die .\postel, .Maria und 



' Auf dem vielumstrittcneii l'rcsko in der Sakramentsk.npello A 2 der K.illist- 
Katakombc (Nr. 2, Wip. 3i), 2) umj^ibt die ;uis dori Wolken hervorragende jugend- 
liche Hnibligur ein eiijentUmliche.s Oveil, und von ihrem Haupte gehen breite 
Strahlen schrSg aufwärts. Wilpt-rt (Sakranients-Kapclle, S. 2a; Malereien, S. 33) 
bezeichnet dies Oval samt den Strahlen als iStrahlennimbusu und sieht in der Figur 
eine Darstellung Gottvaters. Danach wäre also doch ein Nimbus in vorkonstan- 
tinischer Zeit bei einer «christlichen» Figur schon verwendet worden. Jedoch ist es 
besser, für dies Oval nicht die Bezeichnung Nimbus zu w.lhlen, da unter Nimbus nur 
diedas Haupt umgebende runde Scheibe bezw. Kreis verslanden werden soll; zweitens 
aber ist die Deutung als Gottvater wenig sicher. Andere erkennen in der JUnglings- 
gcstalt den .Sol, der auch sonst in der altchristlichen Kunst in sehr ahnlicher Weise 
von einem solchen Reif umschlossen dargestellt wird, z. ii. auf einem Sarkophag 
lies Lateranmuscums (Nr. 3o3, Gar. 3o7, 1). Vgl. O. M i i i u s , Jonas auf den 
Denkmälern des christlichen Altertums, S. 1 5 tV. 



— iH — 

andere später ninibierte Personen ohne Nimbus erscheinen (diese 
Gemälde sind in den Tabellen nicht auffieführt). 

Des weiteren sind es wiederum die Gemälde der römischen 
Katakomben, welche über die ersten Anfänfic der Nimbieriing christ- 
licher Figuren am besten Aufschluß geben. 

Von außerrömischen Cömeterialfresken verdienen die Gemälde 
der Grabkapellen von Kl Baghaouat besondere Beachtung als frühe 
Zeugen (ür die Verwendung des Nimbus im christlichen Orient. Für 
die weitere Entwicklung der Verleihung des Nimbus seit dem Ende 
des vierten und in den folgenden drei Jahrhmiderten kommen die wenigen 
aus dieser Zeit erhaltenen Fresken nur in zweiter Linie in Betracht;' 
an erster Stelle verdienen für diese Periode 

die Mosaike n 

Beachtung. Drei (Gründe sprechen für eine solche Be\'orzugung dieser 
Kunstgattung, i. Die .Mosaiken weisen \-erhältnismäßig häufig nini- 
bierte Figuren auf. 2. Die einzelnen musivischen Gemälde sind in 
den meisten Fällen der Zeit nach bestimmbar und bieten eine ziem- 
lich ununterbrochene Reihe zeitlich aufeinanderfolgender Zeugnisse ; 
3. Die Katakombenmalereien, Skulpturen und Erzeugnisse der Klein- 
kunst sind meist von einzelnen Privaten bestellt und von einzelnen 
Künstlern oder Kunsthandwerkern ausgeführt, und tragen daher einen 
mehr privaten Charakter. Die Mosaiken der christlichen Zeit dagegen 
sind in der Regel für ölTentliche Gebäude, namentlich Kirchen ver- 
wendet und sind entstanden auf Veranlassung oder Anregung von 
hohen geistlichen Würdenträgern, von Herrschern oder Personen 
fürstlichen Standes. Sie tragen darum ein mehr offizielles Gepräge. 
Die Verfertiger der Mosaiken konnten nicht so frei schaffen, wie etwa 
die Freskomaler oder Bildhauer, die höchstens auf die Wünsche ihrer 
jeweiligen privaten Besteller Rücksicht zu nehmen hatten, sondern sie 
waren eingeengt durch konventionelle Schranken, die ihnen nicht sowohl 
durch den Geschmack des betreffenden fürstlichen oder geistlichen 
Auftraggebers gesetzt waren, als durch die sich geltendmachende gesamte 
Geschmacksrichtung der betreffenden Zeit und des betreffenden Orts. 
Infolgedessen bieten die Mosaiken — ■ w ie in manch anderer Hinsicht, 



' Als instruktives, ausgeführtes Beispiel der Verwendung der Attribute auf 
Fresken des achten Jahrh. habe ich die Malereien des Innenraums von S. Maria 
Antiqua in die Tabellen noch vollständig aufgenommen (Nr. 70 ff.). Sie geben ein 
gutes Bild von dem Abschlüsse der Entwicklung, von Art und .Ausdehnung des Ge- 
brauchs des Nimbus am Ende der frühchristlichen Zeit. 



^ 19 — 

äo auch für die Geschichte des Nimbus sicherere Aniialtspunkte 
als die Denkmäler anderer Kunstgattungen. An sie hat man sich 
vorzugsweise zu halten, um den Gang der Entwicklung seit dem 
Ende des vierten Jahrh., die fortschreitende Zunahme der Verwendung 
des Nimbus festzustellen, die dem Charakter der Kunstgattung 
entsprechend im ganzen eine durchaus gleichmäßige und stetige ist 
und sich auf den Mosaiken aller Orten wesentlich gleichzeitig voll- 
zieht ; sprungweise Ausdehnung der Verwendung sowohl als Rück- 
schritte sind selten. Diese Bevorzugung, die die Mosaiken verdienen, muß 
jedoch z. T. nicht unbedeutend eingeschränkt werden; denn fast 
alle Mosaiken haben im Laufe der Jahrhunderte mehr oder minder 
starken Restaurationen unterlegen, und bei einigen ist es schwer zu 
entscheiden, welche Partien ursprünglich sind und welcher Zeit die 
verschiedenen restaurierten Stücke angehören. Daher sind die Mosaiken 
hin und wieder unzuverlässige Zeugen, deren Zeugnis mit Vorsicht 
aufgenommen werden muß. 

Ferner ist der Darstellungskreis der erhaltenen altchrisilichen 
Mosaiken ein ziemlich beschränkter; vor allem zur Feststellung der 
Verwendung des Nimbus in historischen Bildzyklen sind sie unzu- 
reichend, da nur zwei größere musivische Illustrationsserien, eine zlhu 
Alten Testament in S. Maria Maggiore in Rom* und eine zum 
Neuen Testament in S. .\pollinare nuovo in Ravcnna-, der N'ernichtung 
entgangen sind. Hier müssen daher die Erzeugnisse der 

Buchmalerei 

befragt werden, die uns eine große Reihe biblischer Illustrationsserien 
bieten. Sie zeigen deutlicher als die Mosaiken, daß der Nimbus in 
fortlaufenden historischen Szenen nach wesentlich anderen Grund- 
sätzen gebraucht wurde als in repräsentativen Darstellungen und bei 
Einzelbildern. 

Wenn man diesen Umstand nicht außer .\cht läßt, wird man die 
Nimbierung in den Miniaturen im allgemeinen in gleicher Weise 
gehandhabt linden, wie auf den gleichzeitigen großen ötVentlichcn 
Kirchenmosaiken und Fresken. Im einzelnen jedoch haben Individualität 
und wohl auch Laune der Künstler, die sich in der Buchmalerei weit 
mehr als in jenen betätigen konnten, ferner die verschiedene Schul- 
tradition, von der die Miniaturisten abhängig waren, manche Besonder- 



' Nr. io6 fr. Kichler and Taylor, I'hc gulJcn ;it;o, Tof. i — 3o. 
« Nr. 174. Gar. 248— 2.=i2, 2. 



— 20 — 

licitcn Lind Unregelm"il5igkcitcn bewirkt; lioch verfahren die einzelnen 
Werke in sich nach ziemlich festen Regeln, andäilige Abweicliungen 
und Inkonsequenzen kommen wohl \or, sind aber selten. 

Fresken, Mosaiken und Miniaturen pcben im wesentlichen ein 
einheitliches Bild von der Verwendung des Nimbus in frühchristlicher 
Zeit. Ganz anders dagegen wurde die Nimbierung auf den Werken der 

Plastik 

gehandhabt. 

Die heidnische griechisch-römische Kunst hat, wie es scheint, 
den einfachen Nimbus (ohne Strahlen) hei Rundtlguren nicht ver- 
wendet, ' wohl aus dem Grunde, daß sich an ihnen das Attribut schwer 
anbringen liel5, und wenn es angebracht worden wäre, einen plumpen 
Eindruck hervorrufen würde, wenig geeignet den lichten Glanz, den 
es andeuten soll, zum ÄLisdruck zu bringen. Auch bei Relieffiguren 
findet sich der Nimbus äußerst selten. - 

Die Verfertiger der altchristlichen Sarkophage folgten in dieser 
Beziehung zum großen Teile dem besseren Geschmacke der alten 
Künstler. An ganz au.sgearbeiteten oder in sehr hohem Relief gehaltenen 
Figuren, hinter denen der Reliefgrund durch Szenerie, Hintergrunds- 
köpfe oder Architekturteile besetzt ist, hätten die Nimben in Teller- 
form an den Köpfen selbst angebracht werden müssen. Dazu haben 
sich niu' wenige der altchristlichen Bildhauer entschließen können. 
Ein Heispiel eines solchen phuiipen Tellernimbus bietet ein Kalkstein- 
fries aus Achmim,' der sogar über den oberen Friesrand hinausragt; 
unschön ist auch der Teller, der das Haupt Christi auf dem Berliner 
Sarkophag 4 aus Konstantinopel umgibt (s. Taf. V, i) und mit seinem 
oberen Teile die Cjiebelornamente \erdeckt. Doch darf man annehmen, 
daß bei diesen und ähnlichen Denkmälern der unangenehme Ein- 
druck, das Haupt des Herrn umgebe ein schwerer Teller, nicht aber 
ein unkörperlicher lichter Schein, durch Verwendung von Vergoldung 
gemildert worden sei. 

Bei keinem einzigen Sarkophage habe ich Anzeichen dafürgefunden, 
daß ein etwa aus Goldblech oder sonstigem Material . angefertigter 
Nimbus an die Köpfe angesetzt worden wäre. 



' Vgl. Stephani, Nimbus, S. o5. 

2 Z. B. aut einem Reliet aus Milet aus dem dritten Jahrh. n. Chr. bei der F"igur 
des Apollo. Vgl. Sitzungsberichte der K. P. Akademie der Wissenschaften 1904 ^ 
.VXIII, S. 787. 

3 Nr. 328. Strzg., Catal. d. Mus. du Caire, .S. 26. 
* Nr. 3 12. Strzg., Orient oder Rom, Taf. II. 



— 21 — 

Aber auch da, wo ein Hacher Reliefgrund hinreichend Raum zur 
Andeutung des Nimbus bot und man ihn nach der Entstehungszeit 
des Werkes und nach der dargestellten Person wohl erwarten könnte, 
findet sich das Attribut keineswegs durchgängig. Auf den zahlreichen 
Sarkophagen Roms läßt sich seine Verwendung nur dreimal feststellen. 
Etwas häufiger ist sein Gebrauch in Gallien. Anders dagegen steht 
es in Ravenna. Auf den Sarkophagen dieser Stadt, welche meist auf 
großen Flächen nur wenige Figuren in nicht zu hohem Relief bieten, 
erscheint Christus mit wenigen Ausnahmen nimbiert. Das Attribut, in 
dem sich fast regelmäßig das Monogramm Christi befindet, ist hier 
entweder durch eingemeißelte Linien angedeutet oder man hat es in 
ganz tiachem Relief stehen lassen. 

Obwohl die seltene Verwendung des Nimbus bei Marmorskulp- 
turen zum großen Teil in der erwähnten Schwierigkeit der Anbringung 
des Attributs an Rundfiguren begründet ist, verdient es doch hervor- 
gehoben zu werden, daß die große Mehrzahl der Nimbcn auf Sarko- 
phagen sich bei Christus in der Szene findet, die ihn als Gesetzgeber 
oder kürzer als den erhöhten Herrn zwischen den beiden Apostelfürsten, 
einmal zwischen allen zwölf Aposteln ' darstellt, während er in 
historischen Szenen auch Christo selten verliehen ist. Von anderen in 
Betracht kommenden Personen, ist nur auf einem gallischen Sarkophag 
ein Engel ausgezeichnet, Maria, Petrus, Paulus usw. erscheinen stets 
ohne das Attribut. 

E I I e n b e i n w e r ke. 

Eine große Unregelmäßigkeit in der Ninibienmg herrscht auf den 
Werken der EIfcnbeinplastik. Im ganzen genommen findet sich auf 
ihnen der Nimbus selten. So zähle ich imter der großen Zahl Pvxidcn 
iiLU" zweie, die Nimben aufweisen, die eine bei Christus, die andere 
bei S. Menas. Mehr Beispiele bieten die Diptychen und ähnlichen 
Täfelchen, aber unnimbierte Figuren sind auch auf ihnen in ganz 
überwiegender Mehrzahl. Man kann die Elfenbeinwcrkc hinsicinlich 
der \'erwendung des NinUnis in drei Klassen einteilen. 

1. Werke, auf denen alle FigLuen ohne Nimbus ei'scheinen (sie 
sind in den Tabellen nicht aufgeführt . 

■2. Werke, auf denen regelmäßig alle die Personen den Nimbus 
tiagen, die wir auf den gleichzeitigen Mosaiken, Fresken und .Mimaturen 
dadurch ausgezeichnet zli sehen gewohnt sinvl. 



' Nr. 3oi. (j.ir. 304, 4. 



— 22 — 

3. Werke, auf denen dieselbe Person (Christus) bald mit bald 
ohne Nimbus dargestellt ist. 

Mir sind fünf KIfenbeinwerUe bekannt, welche die unter drei ge- 
nannte eigentümliche Unregelmäßigkeit darbieten. 

1. die vier Passionstäfelchen des British Museum' 

2. die zwei Tafeln des Mailänder Domschatzes - 

3. das Diptycln)n des Museo Tri\ulzio-Mailand ' 

4. die Tafeln der Kathedra des Maximian-Ravenna^ 
3. die Py.xis des Darmstädter Museums'' 

Letztere, auf welcher Christus zweimal mit dem Kreuznimbus, 
einmal ohne denselben erscheint, mag wegen ihrer zweifelhaften Her- 
kunft und Zeit außer Acht gelassen werden. 

Auf den Londoner Tafeln trägt Christus bei der Kreuzigung und 
in der Thomasszene den Nimbus, nicht aber bei der Kreuztragung 
und der Auferweckung des Lazarus (auf der Grabestür). Man könnte 
versuchen, dies aus rein technischen Rücksichten zu erklären. Die 
Szene auf der Grabestür ist so klein, daß man kaum den Nimbus 
noch anbringen könnte. Bei der Kreuztragung ist der Kopf Christi, 
hinter dem das Kreuz liegt, sehr weit von dem Reliefgrund entfernt; 
ein auf dem Grunde wie auf den zwei anderen Platten eingekratzter 
Nimbus würde darum gewissermaßen in der Luft schweben, und man 
würde nicht recht wissen, zu welchem Kopfe er gehören soll. Noch 
eine andere Möglichkeit könnte zur Erklärung der Unregelmäßigkeit 
herangezogen werden, daß nämlich auf keiner der Platten der Nimbus 
ursprünglich vorhanden war, sondern erst von späterer Hand hinzu- 
gesetzt wurde. Bei diesen beiden Möglichkeiten könnte man sich hin- 
sichtlich der Londoner Tafeln, welche die Forscher in eine frühe Zeit 
setzen, zu der auch auf Denkmälern anderer Kunstgattungen Christus 
in historischen Szenen nicht immer den Nimbus trägt, beruhigen. 
Das geht jedoch nicht an bei den drei übrigen Werken, auf denen 
die gleiche Unregelmäßigkeit wiederkehrt; denn sie sind in flacherem 
Relief gearbeitet und entstammen einer späteren Zeit. 

Auf der Kathedra des Maximian trägt Christus viermal den 
Nimbus: auf dem Brustbild der Rückenlehne und auf drei Tafeln mit 
historischen Szenen, davon einmal den Kreuznimbus, auf den übrigen 



> Nr. 336. Dalton a. a. O. 

2 Nr. 349. Gar. 454 u. 455. 

3 Nr. 3.^2. G;ir. 44g. 

* Nr. 354 ff. Gar. 414 ff. 

ä Nr. 345. Stuhlfauth, ElfenbeinplastiU, Fig. 7. 



- 23 — 

Tafeln trägt er ihn nicht. Einen durchschlagenden Grund, warum 
der Nimbus bald weggelassen, bald hinzugesetzt ist, wird man nicht 
finden können. 

Aehnlich ist das Ergebnis bei den Mailänder Tafeln, während 
hier das Lamm im Mittelfelde der ersten Tafel und auf beiden die je 
zwei Evangelistensymbole der oberen Eckfelder nach Ordnung und 
Regel nimbiert sind, ist andrerseits in den historischen Szenen kein 
Prinzip in Verwendung des Nimbus zu entdecken. Auf den historischen 
Feldern der Tafel i ist gar kein Nimbus zu sehen. Dagegen in den 
acht Szenen der andern Tafel erscheint Christus viermal mit dem 
Nimbus, die übrigen Male ohne ihn. Auch hier ist nicht ersichtlich, 
warum z. B. der Christus, der den Lahmen heilt, durch Verleihung 
des Nimbus vor dem Christus, der Lazarus auferweckt, bevorzugt 
sein sollte. 

Das Gleiche gilt endlich auch vom Dyptichon des Museo-Trivulzio : 
hier sind auf den Feldern der Grabestür drei kleine Szenen aus dem 
Leben Christi dargestellt, in der oberen (Auferweckung des Lazarus) und 
unteren (Heilung des Blinden) trägt der Herr einen deutlichen Nimbus, 
in der mittleren aber fehlt dies Attribut. 

Der (gebrauch des Nimbus ist zwar, wie weiter unten zu zeigen 
sein wird, in der altchristlichen Kunst noch nicht an feste Regeln ge- 
bunden. Aber eine solch starke Unregelmäßigkeit und Nachlässigkeit 
in Verwendung desselben auf den gleichen oder unzweifelhaft zu- 
sammengehörigen Kunstwerken und dazu bei der Figur Christi kann 
man den Elfenbeinschnitzern, die in ihrem künstlerischen Können und 
Empfinden den Miniaturisten nicht nachstehen, kaum zutrauen. Die 
einfache Feststellung des wechselnden Gebrauches des Attributes auf 
den genannten Tafeln befriedigt darum nicht. Nlui belehren uns aber 
manche Reste von Vergoldung und Farbe an Sarkophagen' und speziell 
an Elfenbeinwerken,- dal) die altchristliche Kunst von der Polychromie 
bei Skulpturen einen ziemlich ausgedehnten Gebrauch gemacht hat. 
Es ist daher aus jener scheinbaren UnregelmäUigkeit der Verwendung 
des Nimbus mit ziemlicher Sicherheit der Sclilul3 /.ii ziehen, daU auf 
allen infragestehenden Tafeln ursprunglich das Haupt Christi regel- 
mäßig von einem goldenen oder auch farbigen Nimbus umgeben war. 
Das Gold bezw. die Farbe ist im Laute der Zeit von den glatten 
Flächen abgegriilen oder sonst serschw umlen. und nur d.i^ \\i> der 



' l'ickcr, Altchristiicfie Bildwerke des L.itoraii, S. ()i lt. 

a (j r ;ie V II , Kllciibcinwcrkc, Serie 1, Nr. .< i und Serie II. Nr. (i^. 



— 24 — 

Schnitzer sich die Kreisfläche durch eine feine eingeritzte Linie (alle 
erhaltenen Nimbeii in historischen Szenen jener fünf Werke bestehen 
aus eingravierten Kreislinien) vorgczeiciinct hat, ist er bis heute noch 
erkennbar.' 

Auch auf einem ravennatischen Sarkophag (Nr. 3i3), auf welchem 
Christus einmal mit Nimbus, einmal ohne iiin erscheint, dürfte ur- 
sprünglich in beiden Szenen (Christus einen goldenen oder farbigen 
Nimbus getragen haben. 

Die Unregelmäßigkeit der Nimbierung auf einer Reihe von Skulp- 
turen und die daraus zu ziehende Folgerung der einstigen Polychromie 
macht es einerseits wahrscheinlich, daß auch die erhaltenen Nimben 
auf den anderen Marmor und Elfenbeinwerken vergoldet waren, 
andererseits erölVnet sie eine an sich unbegrenzte Möglichkeit, daß 
auf allen Skulpturen, auf deren Mehrzahl das Fehlen des Attributs 
sehr aulTallend ist, der Nimbus einst durch Gold oder Farbe aufge- 
tragen war — aber auch nur die Möglichkeit, ein sicherer Schluß, bei 
welchen Figuren in jedem einzelnen Fall der Nimbus hinzuzudenken 
ist, ist natürlich unmöglich. Doch werden sich außer den Grenzen, 
welche durch Vergleich mit dem Gebrauch des Nimbus auf Erzeugnissen 
anderer Kunstgattungen gezogen werden müssen, einige sonstige 
Grenzlinien feststellen lassen. 

1. In denselben oder in nach Größe oder Inhalt gleichartigen 
Kompositionen eines Werkes, in \\clchen der Künstler bei- einer oder 
mehreren F'iguren den Nimbus deutlich als erhabenen Diskus ange- 
bracht hat, sind die Figuren, die jetzt nicht nimbicrt erscheinen, es 
auch anfangs nicht gewesen. 

2. Rundfiguren trugen keinen Nimbus. 

3. Die jetzt unnimbierten Relieffiguren, hinter deren Köpfen die 
Stelle, an welcher der Nimbus hätte angebracht werden müssen, durch 
andere Figuren oder durch erhabene und keine hinlängliche gleich- 
mäßige Fläche bietende Szenerie- oder Architekturteile eingenommen 
ist, ist die Möglichkeit der ursprünglichen Anbringung des Attributs in 
Gold oder Farbe ausgeschlossen oder wenigstens sehr unwahrscheinlich. 



' Wie selbstverständlich dieser Schlul? bei profanen Kunstwerken gezogen 
wird, vergl. Petersen, Antike Denkmäler I, S. Sg : «Ein weiterer Beweis für die 
Bem^ilung (der acfit Kundreliefs am Konstantinbogen) sind sowohl manche, besonders 
bei fünf in überaus Hachem Relief gehaltene Teile, als besonders der Nimbus hinter 
dem Kopfe der Hauptfigur, indem er plastisch angedeutet ist nur bei i — 4, so daß 
er bei 5—8 ganz der Malerei überlassen sein muß, die auch bei jenem ersteren 
zu Hilfe kommen mußte, um die Scheibe, welche doch gerade gesehen sein sollte, 
deutlich zu machen. u 



— 25 — 

Für das über den Nimbus auf Skulpturen im allgemeinen Gesagte 
liefern die Holzreiiefs der Haupttür von S. Sabina auf dem Aventin ' 
einen weiteren Beleg. Nur auf zweien der Tafeln ^ sind Nimben als 
sehr Hache Disken erhalten, während auf allen übrigen selbst Christus 
nicht nimbiert erscheint. Die Reliefplatten der Holztüre sind, wie 
allgemein anerkannt wird, von verschiedenen Künstlern gefertigt; die 
zwei Platten mit diskenartigen Nimben werden aber ein und demselben 
Meister zugeschrieben, zu dessen Eigentümlichkeiten auch zu zählen ist", 
daß er die Nimben plastisch andeutete, während die übrigen Künstler, 
wie man annehmen muß, den Nimbus nur durch Farbe hervorgehoben 
hatten. Nam.entlich fällt das Fehlen der Farbe auf Platte 3 auf, wo 
von dem ursprünglichen Monogrammnimbus Christi nur das plastisch 
ausgearbeitete Monogramm stehen geblieben ist. 

Gewebe und Stickereien. 

Auf die wachsende Bedeutung dieser noch wenig bekannten Denk- 
mälergruppe für die altchristliche Ikonographie ist mit Recht von 
verschiedenen Seiten, besonders eindringlich von Strzygowski^ hin- 
gewiesen worden. In einer ihrer Bedeutung entsprechenden Weise 
können die Gewebe und Stickereien jedoch bis jetzt nicht für ikono- 
grapiiischc Untersuchungen gewertet werden : i. weil nur ein geringer 
Teil der in den verschiedenen Museen und Sammlungen angehäuften 
Stoffe veröffentlicht ist, 2. weil für eine genaue Datierung derselben 
bisher so ziemlich alle festen .\nhaltspunkte fehlen. Man muß daher 
rein referierend sich mit Hervorhebung der Besonderheiten begnügen, 
welche die figurierten Stoffe hinsichtlich der Verwendung des Nimbus 
von anderen altchristlichen Denkmälern unterscheiden. Zweierlei wäre 
zu sagen: i. die Gewebe und Stickereien zeigen unter allen altchrist- 
lichen Denkmälern den reichlichsten Gebrauch des Nimbiis, einzelne 
vt)n iimcn gehen di.n-ch Frteilung des Attributs z. B. an Lazarus im 
Grabe (s. Taf. IV, 3), an den Blindgeborenen, den Wassersüchtigen 
sogar weit über die sonst übliche \'erwendung desselben hinaus.' 2. die 



1 Ni-, j68. J. VVioiiiiiul, d.is iiluhristliclu' ll.iupt portal von S. S;ibina. 

» Wicgand, r^it. XVII u. Will. 

ii Orient oder Rom, S. yo 11'. 

< Eine Parallele zu dieser über das MaP hinausgehenden .Anbrini^unj; des 
Nimbus- bietet eine der rohen Tonreliefplatten aus NordalVika, auf der die Sama- 
riterin am Jakobsbrunnen nimbiert erscheint. — Uebrigens gibt es auch üewebe 
mit Darstellungen unnimbierter biblischer Gestalten (/.. B. gewirkter Kinsat/ mit 
den Figuren des Petrus und Paulus, Berlin, Kgl. Mus., Aegypi. .\bt.; Seidenstoff- 
rcste mit der Geschichte Josephs, Sens, Schatz der Kathedrale; Strzygowsky, Orient 



- 26 — 

für den Nimbus verwendete Farbenskala ist reichhaltiger als auf den 
Mosaiken und Malereien. 

Kleinkunst. 

Von den Erzeugnissen der Kleinkunst sind einige als früheste 
Zeugen für das Vorkommen des Nimbus bei christlichen Figuren in 
Anspruch genommen worden. Es sind dies die Goldgläser, von denen 
man einige mit nimbierten Christus- oder Marienbildern noch in die 
vorkonstantinische Zeit hat rücken wollen.' Das ist jedoch nicht an- 
gängig, denn die Goldgläser können keine Ausnahmeikonographie be- 
anspruchen. Wenn daher auf einem Goldglase eine nimbierte christ- 
liche Figur erscheint, so ist das ein Merkmal des jüngeren Alters des 
betr. Glases ; nicht aber kann umgekehrt gefolgert werden, daß der 
Nimbus schon früher, als auf Grund aller übrigen Denkmäler nach- 
gewiesen werden kann, in der christlichen Kunst bei Christus, den 
Heiligen usw. Verwendung gefunden habe, weil er schon auf einem 
Goidglase vorkomme. - 

Auch die große Menge der anderen Klcinkunstgegenstände ist zur 
Feststellung des Entwicklungsganges der Verwendung des Nimbus nur 
mit Vorsicht zu gebrauchen, denn einmal läßt sich bei ihnen Herkunft 
und Alter nur ganz im allgemeinen bestimmen, zweitens ist auf ihnen 
infolge Handwerkerlaunen oder sonstiger nicht zu ermittelnder und 
unberechenbarer Gründe der Gebrauch des Nimbus sehr schwankend, 
und drittens muß bei manchen von ihnen die Möglichkeit der Unecht- 
heit in Betracht gezogen werden. 

Münzen und Siegel. 

Die Münzen würden als sicher datierbare Zeugnisse für imsere 
Frage von höchster Bedeutung sein. Aber nur für den Nimbus der 
Kaiser und der Mitglieder des kaiserlichen Hauses kommen sie als 
Quelle und zwar als die wichtigste in Betracht; auf den Hauptteil 
der Frage geben sie dagegen leider keine Antwort, da sich auf ihnen 
Darstellungen biblischer Gestalten oder heiliger Personen erst in einer 



oder Rom, Abb. 45 u. 46, S. 1 1 3 bezw. i 17). Doch l."Jt sich bis jetzt nicht leststellen, 
ob diese etwa zu den ;1heren Geweben zu rechnen sind. Aus dem Fehlen des Nimbus 
allein wird man keinen Schluß auf höheres Alter ziehen können. 

* Vgl. de Waal in Real-Encyclop. II, S. 41*6; Kraus, Geschichte der christl. 
Kunst I, S. 220. 

2 Vgl. Vopel, a. a. O,, S. 24 u. 25. 



- 27 — 

Zeit finden, die kaum noch an die unterste, für die vorliegende Unter- 
suchung festgelegte Zeitgrenze heranreichen (nicht vor dem 8. Jahrh.)-^ 
Etwas mehr Auskunft erteilen die Siegel. Eine ganze Zahl von ihnen 
aus dem 5. — 7. Jahrh. weisen «heilige» Figuren auf, darunter manche 
noch ohne Nimbus. Sicher datierbar sind aber nur wenige unter den 
Siegeln, und diese wenigen stammen noch dazu erst aus dem 7. Jahrh. 
Die große Masse kann darum auch nur als Zeugnisse zweiten oder 
dritten Ranges geweriei werden. 



1 Vf;l. Siibatier, 11. a. O, p. 'i^ ff. 



IV. 

DIE DURCH NIMBUS usw. AUSGEZEICHNETEN 
PERSONEN UND GESTALTEN. 




1. S o 1 LI n d L un a.' 

ic altchristliche Kunst verwendete die Personifikation des 
Sonnengottes in einer Reihe von biblischen Szenen (Jonas- 
zyklus, Sonnenwunder, Josephs Traum, zusammen mit Luna 
bei der Kreuzigung und Himmelfahrt Christi), ferner in einer genre- 
haften Fischerszene und wieder im Verein mit der Mondgöttin als mehr 
dekorativer Kiemente an Sarkophagen und Elfenbeinwerken. Der 
Sonnengott wird dabei entweder als ganze Figur, als Halbfigur. 
Brustbild oder Kopf gebildet. In allen diesen Darstellungen wird er 
durch ein Lichtattribut als Sol gekennzeichnet. 

Auf dem ältesten bisher bekannten christlichen Denkmal, welches 
eine Darstellung des Sonnengottes darbietet, dem SchüTbruch des Jonas 
auf dem vielbesprochenen Fresko in der sogenannten Sakramentskapelle 
A2 der Kallist-Katakombe in Rom,- erscheint er als eine jugendliche, von 
ovalem Lichtreif umschlossene Halbtigur, von deren Haupte Strahlen 
schräg aufwärts gehen. Aehnlich ist in der gleichen Szene auf einem 
römischen Sarkophag ^ das Solbrustbild von einem Reif umgeben, 
statt der Strahlen, welche die Plastik nicht zum Ausdruck bringen 
kann, ziert das Haupt eine fünfzackige Strahlenkrone. Im Cub. III 
der Domitillakatakombe zu Rom* hat sich der Maler mit einigen 



1 Vgl. Piper, Mythologie der christlichen Kunst. 

2 Nr. 2. Wlp. 39, 2. 

* Nr. 3o3. Gar. 307, i. 

* Nr. 3. Wlp 56. 



— 2g — 

Strahlen begnügt, welche vom Kopfe des Sol schräg abwärts auf den 
ruhenden Jonas fallen. Einen einfachen blauen Nimbus ohne Andeu- 
tung von Strahlen trägt der in einem von zwei Rossen gezogenen 
Wagen stehende Helios in der Krypta des Trikliniarchen in der Kata- 
kombe des Petrus und Marcellinus in Rom ' (s. Taf. II, 2). Auf zwei 
römischen^ und einem gallischen^ Sarkophag haben sich die Bild- 
hauer mit einigen im Haar des Solkopfes angebrachten Zacken, welche 
Strahlen vorstellen sollen, beholfen. An einigen späteren Werken der 
Kleinplastik,* einer Tonlampe,* auf Monzaerölfläschchen " (s. Taf. VI, 3) 
und einer Miniatur des Rabula ' ist nicht deutlich erkennbar, ob die 
Künstler die Köpfe mit solchen Zackenstrahlen oder wirklichen Strahlen- 
kronen ausstatten wollten. Letztere d. h. ein um den Kopf gelegter Reif 
mit daran befestigten Strahlen, das gewöhnliche Attribut der heidnischen 
Kaiser, trägt der Sol auf zwei Miniaturen des \'atikanischcn Cosmas," 
wo er beidemale außerdem noch \'oii einem Liclitkreis umgeben ist, 
von dessen unteren Rande einige Strahlen ausgehen (s. Taf. VII, 3). 
Eine ähnliche Verbindung von Sirahlcnkrone und Strahlen findet sich in 
der Wienei' Genesis in der Darstellung \(ni Josephs Traumgesicht." 
Ein vollständiger Strahlenkranz endlich umgibt das Haupt des Sonnen- 
gottes auf einem Londoner Goldglase'" mit der Darstellung des 2. 
Kön. 20, berichteten Sonnenwunders. 

Die Mondgöttin erscheint in der Wiener Genesis " ähnlich einigen 
der genannten Soldarstellungen von einem in seiner unteren Hälfte 
die Mon'lsichel andeutenden nmden Lichtkreis umgeben, außerdem 
trägt sie hier und auf allen übrigen Denkmälern, auf denen sie in 
menschlicher Gestalt gebildet ist. einen kleinen Halbmond oben auf 
dem Haupte; eine Ausnahme macht die Luna auf einer Merliner 
Tonlampe,'- bei welcher die sonst gebräuchlichen .Attribute durch einen 
halbkreisförmig über dem Kopfe ausgebreiteten Schleier ersetzt sind. 
Irgend eine historische Entwicklung der \'erwendung der Lichtattribute 



I Nr. 5. Wlp. ibo. 2. 

ä Nr. Sojf. Gar. 40^, i) u. Nr. ioi. (iar. 35o, i. 

» Nr. 3n>. I c Ulaiit, SafLophiii-es il. 1. naulc Inl. I l\, 1. 

* Nr. 342. Vü{;i-, l^lcnbiinbildwerK, 1 al. 2 u. Nr. 3i'7, .Sir/i;., Hy/. hiiikni. I. 
Tal. I. 

* Nr. 32Ü. Gar. 474, 2. 

« Nr. 479 u. 480. Gar 434, .=> a u. 434, 2n u. 6 a. 

7 Nr. 258. Gar. Tii), 2. 

* Nr. 270 u. 277. Gar. 14S, 1 u. 1.^2, 2. 

9 Nr. 224. Ilartcl u. Wickhiill, Jic VViciKT Genesis, Tal. \\l\ 

'" Nr. 444. Gar. 171, u. 

" Nr. 224. a. a. (). 

'- Nr. 32ii. (lar. 424. 



- :^o - 

bei Sol Lind Luna in den ersten Jaiirlumderttn der christliciicn Kunst 
wird man wohl l<aum entdecken i<önnen. Die Handwerker und Künstler 
gebrauciiten je nacli ihier Vorlage oder ihrer Erinnerung bald das 
eine, bald das andere Attribut, bald mehrere •>ieich/.citig ; nur das 
Material, das sie zu beaibeiten hatten, hatte :i\\ ingenden KinHuß auf 
die Wahl des Attributs, denn Nimbus und Strahlenkranz ließen sich 
an riundligurcn schwer anbringen, iiir (icbrauch ist daher bei den 
Soldarstellungen auf die anJeien Kunst/weige beschränkt geblieben. 

2. Sonstige P e r s o n i fi k a t i o n e n. 

Die heidnische Kunst hat in der ausgehenden Kaiser/.eit die Per- 
sonifikationen von Zeiten und üertlichkeiten mit einer gewissen \'or- 
liebe durch den Nimbus gekennzeichnet. Die christlichen Künstler 
schlössen sich diesem Gebrauche zwar schon sehr früh, aber durchaus 
nicht häufig an. In den römischen Katakotnben erscheinen bereits im 
3. Jahrh. in der Orpheuskrypta,' die als weibliche Büsten gebildeten 
Jahreszeitenpersonifikationen niiteincm blaugrünen Nimbus fs. Taf. II, i) 
und am Anfang des vierten Jahih. sind im Cömeterium malus in 
Rom, über der Eingangstür zum Cubiculum I - zwei geflügelte 
Genien, die man allenfalls auch unter die Personifikationen rechnen 
kann, mit blauem Nimbus dargestellt. Das sind aus der äheren Zeit 
die einzigen FJeispiele, denn die von blauen oder grünen nimbusartigen 
Kreisen umgebenen Ornamentköpfe in den römihchen Katakomben ' 
kann man weder als Personifikationen autVassen, noch auch kann man 
in den sie umgebenden Kreisflächen Nimben sehen. Köpfe und Kreis- 
fläche sind rein dekorative Stücke. 

Die übrigen Personifikationen in den Katakomben tragen keinen 
Nimbus, ebenso ist die Mehrzahl dieser Gestalten aus dem 4. — 7. Jahrh. 
— die Euche, Eirene und Dikaiosyne in einer Grabkapelle in El 
Baghouat ■*, die «Reue» und die Quellnymphe in der Wiener Genesis -^ 
Eurcsis, Phronesis und Megalopsychia im Wiener Dioskorides, " der 
Jordan auf Mosaiken, ' die zahlreichen Berg- und Elußpersonifikationen 



' Nr. 4. Wlp. 100. 

2 Nr. 26. Gar. 60, 1. 

3 Nr. 1. Wlp. 8, 3. 

* Nr. 59. de Bock, M;Uerinux, Taf. XlII-XV. 

ä Nr. 223, von Hartel u. WickholV, Taf. II. .\III. XIV. 

* Ernst Dicz, Die Miniaturen des Wiener Dioskorides, Teil II der byzaniin. 
Denkm.'ler III, Wien ioo3. 

' Nr. \bb u. 17-.!. Gar. -ziü u. 241. 



— 3i - 

dei Jonasrolle' — ohne Nimbus dargestellt. Aus dem christiiclien 
Altertum sind mir außer den genannten nur noch folgende nim- 
bierte Personifikationen bekannt : Die Sophia auf dem Markusiitei- 
blatt des Codex Rossancnsis- und die Gestalten der Städte Ai, Gibeon 
und Jericho der Josuarolle. ■' Erst in der mittelbyzantinischen Kunst 
scheint der Nimbus bei den Personifikationen regelmäßiger verwendet 
worden zu sein. ' Im Bereiche der altchristlichen Kunst kam man 
über eine geleaentHche Verwendung des Attributs bei diesen Gestalten 
nicht hinaus. 

3. Der Phönix. 

Der Wundervogel Phönix ist eins der mythologischen Dekorations- 
stücke, welche die christliche Kunst von der griechisch-römischen 
übernahm und sinnreich und gern verwendete. Sie brachte ihn in 
den repräsentativen Szenen der Gesetzesübergabe an die Apostel- 
fürsten als eine fast notwendige Begleitfigur auf der Palme hinter 
Paulus an ;■' als Einzcisymbol erscheint der Vogel auf einem Bleisiegel, "^ 
in mehr ornamentaler Verwendung auf dem Kuppelmosaik von 
S. Giovanni in fönte in Neapel,' dem Gewände der hl. Agnes in 
S. Agnese in Rom** und dem Apsismosaik von S. Apollinarc in 
Classe;'' von Werken der Profankunst sei an eine Miniatur des 
Kalenderchronographen und zahlreiche Münzen der ersten christ- 
lichen Kaiser'" ermnert, auf welchen allen der Phönix auf der Welt- 
kugel in der Hand des Kaisers erscheint. 

Auf dreien der erwähnten Denkmäler trägt di:v Phönix einen 



1 Nr. 232. Gar. i37 11'. 

2 Nr. 238. HasL'loff, Cod. purp. Ross. 

3 Nr. i'}z, ;i. n. O. 

■i TikUanen. die l'salterillustralion im Mittelalter Bd. I, II, i, Fig. 3.*«. 
11. 2, KiL?. loq, ii5, i2r, i32, Taf. VIII, 2. '^ c li 1 u m b e r i; e r , Sii;illos;rapliie, 
-S. 257 u. 259; Melange."!, S. 232. 

ö Aul Mosaiken: ,S Cosnia e Damiano, Nr. 122, d. U. M. Lf. 5. S. IVassedc, 
Nr. i36 d. U. M. Li', b. Gar. 286. S, (',ccili;i, Nr. i5o. Gar. 2j2. Auf .Sarkophagen: 
Gar. 327, 2; 333, 1; 334, 2 u. 3, 335, 2; 341, 1. .■\uf einem Goldylas. Nr. 443. 
Gar. 180, 6; auf einer Medaille, Nr. 5()3. Gar, 4S0, 1. Vi;!, auch ilen Gar. 4S4, 14 
nach Marangoni, Acta S. Victorini, p. 42, ahgebildolen Grabstein ; das .Mnmblieh in 
Anagni sich behndende Original habe ich nicht gesehen. 

" Ficcoroni, Piombi antichi. 

' Nr. 1.S7. Gar. 269. 

8 d. R. M. Lf. 4. 

9 Nr. 190. Gar. 2b5. r. 

10 Coh. VHS, S. 259, Nr. 268. S. 406, Nr. 9 (auf der Abbildung bei Goh. fehlt 
der Strahlenkranz, Originale des Berliner MUnz-Kab. zeigen ihn aber durchweg). 
S. 445, Nr. 3t; S. 446, Nr. 3.''; Sabatier I. S. 1(17, 44; Coh. Vlll », S. 142. a^u.s.w. 



— 32 - 

Nimbus;' auf den Sarkophagen ist ihm gar kein Attribut gegeben 
wegen der schon erwähnten wohl technischen Schwierigkeiten. - 

Auch dem kleinen I^honix auf dem Gewände der hl. Agnes fehlt 
jedes Attribut, ^ In allen übrigen Fällen trägt der Phönix einen Strahlen- 
kranz, dessen b'orm und Größe zwischen dem mächtigen aus mehreren 
sich allmählich ins Himmelsblau verllüchtigenden Strahlen bestehenden 
Kranze in S. Cosma e Damiano und dem zierlichen goldenen gezackten 
Reif in S. Cecilia schwankt. 

4. Personen fürstlichen Standes. 

Nicht nur die Profaukunst zeichnete die Herrscher durch den 
Nimbus aus, sondern auch in den christlicheii Kirchen sind Kaiser 
und Mitglieder des kaiserlichen Hauses mit diesem Attribute dargestellt 
worden ; nach Ciampini* trug es Konstantin d. Gr. auf einem jetzt 
zerstörten Mosaik der Basilika Vatikana; in S. Apollinare Nuovo in 
Ravenna ist ein berühmtes nimbiertes Brustbild Justinian I.^ erhalten. 
Die Mosaiken im Chorraum von S. Vitale" zeigen den Kaiser Justinian 
(s. Taf. III, 4) und .seine Gemahlin Theodora (s. Taf. III, 5), beide 
von ihrem Hofstaate umgeben, mit dem Attribute geschmückt, und in 
S. Apollinare in Classe' tragen Kaiser Konstantin Pogonatus und 
seine zwei älteren Söhne den Nimbus, während sein jüngster Sohn 
Justinianus noch nicht nimbiert erscheint (s. Taf. IV, 1). 

Indessen die frühchristliche Kunst ging augenscheinlich durch den 
am kaiserlichen Hofe herrschenden Brauch beeinflußt noch weiter. Nicht 
nur den jeweilig regierenden Kaisern hat sie den Nimbus zuteil werden 
lassen, sondern ihn auch, selbst in historischen Szenen, Königen und 
Fürsten längst vergangener Zeiten beigelegt. Meichisedek in S. Vitale,' 
Hiskia und Merodach (s. Taf. VTI, 3) im Cosmas der Vatikanischen 
Bibliothek,' David und der junge Salomo ebendort,*'' letzterer auch 



' .'^. Giovanni-Nenpel ; S. Apollinare in Classe: Goldglas. 

2 S. oben ,'^. 20. Den Ausweg hier die Strahlenkrone als Ersatz des Strahlen- 
kranzes zu verwenden, haben die Bildhauer nicht betreten. 

3 Ich entsinne mich nicht, am Original einen Nimbus oder Strahlenkranz er- 
kannt zu haben, nach den .'\bbildungen und Beschreibungen des Mosaiks ist kein 
Attribut vorhanden. 

* De sacris aedibus a Constantino Magno constructis, Taf. II, 4. 
5 Nr. 178. Kurth, Mosaiken von Ravenna, Taf. 26, 1. 
ß Nr. 188 u. 189. Gar. 26_|, 1 u. 2. 
' Nr. ig5. Gar. 275, 2. 

8 Nr. 182. Gar. 262, i. 

9 Nr. 270. Gar. 148. 1. 
i'^ Nr. 267. Gar. 146, i. 



• — .•>.■) — 

auf zahlreichen Amuletten,' Nebukadnezar auf mehreren Tonlampen. - 
Herodes am Triumphbogen von S. Maria' Maggiore,^ auf einer 
Miniatur des Rabala/ und auf einem koptisciien Fresko in Ober- 
ägypten,"' nach Buonarruoti ''' auch Pharao auf einer Miniatur — sie 
alle tragen den Nimbus. 

Zu einem unerläßlichen Herrschcrattribut ist jedoch der Nimbus 
im Bereiche der aitchristlichen Ki.inst nicht geworden, denn eine Reihe 
von Denkmälern bieten auch unnimbierte Herrscherbildnisse; beispiels- 
weise Herodes in dem griechischen Evangeliar aus Sinope,' Nebu- 
kadnezar auf einer anderen Tonlampc," Salomo auf ähnlichen Amuletten 
wie den erwälinten,^ Melchisedck in S. Apollinare in Classe.'" 

5. Christus. 

Die erste rein dem christlichen Ideenkreise angehörende Gestalt, 
welcher die Künstler den Nimbus \ei'liehen, war Christus. Leider 
ist man zur Beantwortung der Frage, wann die Nimbierung Christi 
begonnen hat, fast allein auf abendländische Denkmäler angewiesen, 
denn die frühesten Christusdarstellungen des Orients, welche sämtlich 
den Herrn schon mit dem Nimbus bieten, reichen zeitlich nicht hoch 
genug hinauf, oder die Fragenach ihrer Kntsiehungszcit ist im Kample 
der Meinungen noch so wenig befriedigend beantwortet, dali sie als 
einwandfreie Zeugen kaum betrachtet werden können. Dafür läDt 
sich aber jetzt dank den Forschungen Wilpcrts die Kntwickkmg in den 
römischen Katakomben mit einiger Leichtigkeit übersehen. In den 
ersten drei Jahrhunderten erhielt ChristLis noch keinen Nimbus, auch 
aus dem Beginn des |.. Jahrh. Iäi3t sich keine nimbierte Dar- 
stellung des Herrn nachweisen. Indessen auch in der Folgezeit bleibt 
der Gebrauch des Nimbus auf den noch der Bestattungszeit angehörenden 
Katakombenfresken ein beschränkter. Nur bei den folgenden zwei 
Gruppen von Darstellungen trägt ihn Christus ziemlich regelmäßig: 
erstens wenn der Herr auf einem Thronsessel sitzend, sei es als Lehrer 



' Nr. Sog. Schlumboiycr. McLiiii^cs 117 11'. 
2 Nr. iig. (Jar. 476, 8. 

8 Nr. i\'}. Richter .iiul Tiiylor, T.il. ji u. 35. 
* Nr. ■•.io. Gar. i.>o, 2. 

ö Nr. (14. Bull. d. rinst. traue. J'nrch. oricnialo i<)<>i, Tut. I. II. 
6 Vctri antichi, .S. Si. 

' Nr. 233. l'ond. Eug. l'iot. mni. VII. Ial.-\\I 1'. 
8 Vgl. Nr. .Si(). (iar. 47(>, (>. 
» Vgl. Nr. 509. 
'0 Nr. i()4. Gar. iGü. .V 

KRÜCKK. 



- 34 - 

oder Gesetzgeber zwischen den Aposteln oder Evangelisten, sei es als 
Richter von Verstorbenen dargestellt ist, zweitens wenn x;r einzeln im 
Brustbilde erscheint. 

Zieht man sämtliche Darstellungen des thronenden Christus bis 
zum Jahre 410 in Betracht, so ergibt sich, daß ziemlich genau die 
Hälfte derselben (10)' den Herrn mit dem Nimbus zeigt; von der 
andern Hälfte ist es bei dreien^ ungewiß, ob Christus das Attribut 
trug, da sie undeutlich oder teilweise zerstört sind, die übrigen dagegen 
zeigen den Herrn deutlich ohne Nimbus. Von diesen stammen 
wiederum drei' noch aus dem 3. Jahrh., den Resf" weist Wilpert der 
ersten Hälfte des 4. Jahrh. zu. Von den zehn Darstellungen des 
thronenden, nimbierten Christus ist die früheste die in der Kryptader 
Evangelisten in der Petrus und Marcellinus-Katakombe* sie führt 
uns in die Zeit kurz vor 340," die anderen neun verteilen sich auf die 
Jahre von der Mitte des 4. bis zum Anfang des 3. Jahrh. 

Die sechs erhaltenen nimbierten Brustbilder des Herrn' entstam- 
men ebenfalls wahrscheinlich der weiten Hälfte des 4. Jahrh. Zwei 
von ihnen*^ stehen in enger Beziehung zu Darstellungen des thronenden 
Christus, sie befinden sich, das eine in der gleichen Krypta, das andere 
am gleichen Arkosol wie diese und können als eine vergrößerte aus 
der Gesamtszene herausgenommene Wiederholung der betr. Figur 
Christi angesehen werden; bei den andern Brustbildern ist eine solche 
Beziehung zwar nicht nachzuweisen, jedenfalls aber stellen auch sie 
nicht den auf Erden wandelnden, sondern den erhöhten Herrn dar. 

Außer auf den zwei besprochenen Gemäldegruppen läßt sich der 
Nimbus noch in vier bzw. fünf Fällen bei Christus nachweisen : Gleichnis 
von den zehn Jungfrauen" und Ansage der Verleugnung'" in Cyriaka, 
Erweckuug des Lazarus in Priscilla,'' drei Jünglinge im Feuerofen in 



1 Nr. 6, 7, 12, i5, 18, 20 (s. Taf. II, 3), 21, 22, 25, 29. W!p. ii5, 2; 22?, 1 ; 
162, 2; 243, 1; 252; 2o5 ; 206, 1; 206, 2; 245, 2; 247. 

2 Wlp. 196; 225, I ; i55, I. 

3 Wilpert, Zyklus christl. Gemiilde, Taf. I — IV; Wlp. 75 (76, 1); Wlp. 96. 
* Wlp. 125, 148, i52, 170, 177. 

5 Nr. 12. Wlp. 162, 2. 

6 Wlp. S. 123 u. S. 25o. 

' Nr. Q, 11, i3, 14, 16, 17, vgl. Nr. lo. Wlp. 23i, s i53, i (vgl. 2i5); d. R. 
Bull. 1877, "Taf. I, II; Wlp. 181, 1 u. 25i ; d. R. R. S. III, Taf. 38; Wlp. 210; 
vgl. 181, 2. 

« Nr. 9 u. 16. 
9 Nr. 23. Wlp. 241. 
•" Nr. 24. Wlp. 242, I. 
11 Nr. 28. Wlp. 25o. I. 



— 35 - 

Domitilla ' und Geburt Jesu in Sebastian- (jetzt fast ganz zerstört). 
Die Darstellung der Parabel von den zehn Jungfrauen hat inhaltlich und 
formeil nahe Verwandtschaft mit den Gerichtsszenen, man wird sie zu 
diesen hinzurechnen dürfen ; wenn man in dem den drei Jünglingen zu 
Hilfe gesandten Beschützer nicht einen gewöhnlichen Engel, sondern 
Christus erkennen will, so kann man in ihm wiederum nicht den 
historischen Christus, sondern den als Logos präexistent gedachten 
Herrn sehn. Es bleiben somit nur drei (davon die eine unkenntlich) 
rein historische Szenen, in denen Christus den Nimbus trägt, sie 
entstammen den späteren Jahrzehnten des 4. Jahrh. Ihnen steht eine 
erdrückende Mehrheit liistorischer Szenen des 4. Jahrh. gegenüber, in 
welchen Christus ohne das .\ttribut erscheint.^ 

Man würde also bei Annahme der Zeitbestimmungen Wilperts 
zu dem befriedigenden Resultate kommen, daß die Verfertiger der 
Katakombcngemälde seit dqm 3. Jahrzehnt des 4. Jahrh. Christus 
den Nimbus als ständiges Attribut dann beilegten, wenn sie ihn als 
den erhöhten Herrn, besonders als Lehrer, Gesetzgeber oder Richter 
darstellten. Da jedoch bei den gleichen Darstellungen mit unnimbicrtem 
Christus das Fehlen des Nimbus zum Teil schon als Beweis für die 
Herkunft aus dem Beginn des Jahrhunderts mit in Rechnung gesetzt ist, 
wird man sich vorsichtiger folgendermaßen ausdrücken müssen : seit 
dem 3. Jahrzehnt des 4. Jahrh. ting man in den römischen Katakomben 
an, den Herrn in den betr. Szenen durch den Nimbus auszuzeichnen, 
seit der Mitte des Jaiirhunderts scheint dies feste Regel geworden zu 
.sein, in historischen Szenen taucht der Nimbus jedoch erst gegen 
Ende des 4. Jahrh. auf. 

Das gleiche Resultat ergibt sich aus der Untersuchung der 
übrigen abendländischen Denkmäler des 4. Jahrh. Die Mosaiken in 
S. Constanza' inul S. Pudenziana,'' zwei Fresken der syrakusanischcn 
Katakonben," das Silberkästchen aus S. Nazaro' (dessen Echtheit aller- 
dings ungewiß ist), auf welchen allen C.hristus den Nimbus trägt, 
stellen ihn sämtlich als den erhcihten Herrn, Gesetzgeber oder Richter, 
dar. l'rotz der besprochenen Unzuxerlässigkeil der Skulpturen lür 



1 Nr. 8. WIp. 2'i:, i. 

■■i Nr. i;i, cl. H. Hüll. 1S77, l.il. I, II 

3 VVIp. 129, 137, I l>i), 142, 14.). I.)4, 147, r.->9, 11«^, II. .1, idi., iSi.. M|(i, ii)', i.)i\ 

i()8, !()(), 111, 2i(), 221), 227, 22S, 23 1, 232, 234, 2-^7i *•'''. ^40. J4i">, 248. 

* Nr. ii.S u.iKi. il. K. M. 1.1. 23. 
» Nr. 117. d. K. M. lt. i3. 14. 

* Nr. bb u. .''ii. 1 iilircr, .Sicili.i sotterane;), Till. X (Nr. ."»(i iiichl ^tl<nl>.;. 
' Nr. 4(')o. /. I. ehr. Kiinsi, iSon. 



— 36 — 

unsere Untersuchung (S. 20 tl.) ist es doch bemerkenswert, daß auch die 
wenigen Nimben auf Sarkophagen Roms und (ialliens sich mit einer 
Ausnahme' bei dem zwischen den Apo^teh^ b/w. ihren Repräsentanten 
Petrus imd Paulus thronenden oder stehenden (Christus finden. 

Ob im Orient der Nimbus bei (Christus zu gleicher Zeit und zu- 
erst in den gleichen Szenen wie im Westen in Gebrauch gekommen 
ist, läßt sich aLii' Orund des vorhandenen Materials nicht bestimmt 
feststellen, da hier Denkmäler, welche mit Sicherheit der vorkonstan- 
tinischen Zeit zugewiesen werden können, fehlen. Aber ein östlicher 
Zeuge, die sog. Konstantinsschale des britischen Museums- würde den 
Beginn der Ninibiening noch um ca. ein Jahrzehnt früher als in den 
römischen Katakomben nachweisen, wenn ihre Echtheit imd Her- 
kunft aus konstantinischer Zeit gesichert wäre.-' 

Auch ein Relief des Berliner K. F. -.Museum aus Konstantinopel,'' 
das den durch Kreuznimbus ausgezeichneten jugendlichen Herrn 



' Nr. 3oq. l-c BInnt. Sarcophages d. 1. Gaule, Tat". XVII, 4. 

2 Nr. .^40. Dalton, Taf. 33. 

8 Die Sehale zeigt den thronenden, durch Kreuznimbus gekennzeichneten, 
bärtif;en Christus, zu dessen Seiten die Fortrntköpfe Konstantins und seiner Ge- 
mahhn Fausta in Medaillons angebracht sind ; um diese Darstellung läuft die z. T. 
zerstörte Inschrift: VAL ■ COSTANTINVS • PIVS ■ FELI.K • .-WGVSTVS ■ CVM 
■ FLAV • MAX ■ FAVST(a Augustal. Strzygowski, der anfangs Zweifel an der 
Echtheit geäußert (Orient oder Rom, S. 64) sie jedoch später zurücknahm (Byzant. 
Zeitschrift 1901, S. 734), glaubte als Entstchungszeit der Schale die Jahre, aufweiche 
die Bilder Konstantiiis und seiner Gemahlin zunächst schließen lassen, d. h. die Jahre, 
vor dem Tode der Fausta (32g) annehmen zu müssen (Orient oder Rom, S. 62); 
die gleiche Ansicht vertritt Dalton (Catalogue of early Christ, antiquities, S. 161). 
Aber bei .Anerkennung der Echtheit ist man nicht gezwungen, das Alter der Schale 
so hoch hinaufzurücken. Zwischen der Alternative: entweder unecht oder idter 
als 329, gibt es einen sehr gangbaren IVIittelweg: Der Töptermeister, der die Schale 
verfertigte, hat die auftällige Darstellung Christi zwischen den Kaiserporträts nicht 
extra für sein Handwerksprodukt sejbst erfunden, sondern er würde nur ein sonst 
nicht überliefertes, auf eine Stiftung des Kaisers und der Kaiserin schließen- 
lassendes Kirchenmosaik oder Fresko, welches ihm- bekannt war, nachbilden. Das 
kann ein Handwerker aber sowohl bald nach Entstehung des Bildes getan haben, 
als auch in viel späterer Zeit. Daß seine vorauszusetzende Vorlage aber ebenfalls 
den Herrn mit dem Nimbus aufwies, ist wiederum nicht beweisbar, das .Attribut 
kann auch eine Zutat des Handwerker.'; sein im Sinne seiner event. viel späteren 
Zeit, in der er Christusbilder mit Nimbus zu sehen gewohnt war. Ein sicherer 
Schluß ist also leider auf Grund dieser Schale nicht zu ziehen; es läßt sich nur, 
vorausgesetzt daß sie echt ist, vermuten, daß es zu Lebzeiten der Fausta irgendwo 
im Reiche, wahrscheinlicher jedoch im Oste;i, ein vom Kaiser und der Kaiserin 
gestiftetes Bild des thronenden Christus zwischen den Porträtmedaillons des 
Herrscherpaares gab, auf weichem wahrscheinlich Christus durch den Nimbus aus- 
gezeichnet war. Das würde uns also in die Zeit vor 329 und nach 324 führen 
(die Jahre vor dem Siege über Eicinius kommen nicht in Betracht). 

* Nr. 3 1 2. Strzg. Orient oder Rom, Taf. U. 



- 3; - 



zwischen den nichtnimbierten Apostelfürsten zeigt (s. Taf. V. i), bringt 
uns selbst bei Strzygowskis frühem, aber keineswegs allgennein aner- 
kannten, Zeitansatz' jedenfalls nicht über das zweite Viertel des 4. 
Jahrh. hinaus. Ein ähnliches gilt von dem Fresko in der älteren Grab- 
kapelle von El Baghaouat- mit der Darstellung der drei Jünglinge im 
Feuerofen, auf der de Bock bei dem Beschützer der drei Jünglinge 
einen Nimbus zu erkennen glaubte.' Die Entstehungszeit des Ge- 
mäldes wird man bis jetzt auch nur im allgemeinen als ((4. bis 5. 
Jahrh.» bestimmen können. Auf allen diesen orientalischen Denkmälern 
weicht demnach der Gebrauch des Nimbus bei Christus von dem in 
Rom im 4. Jahrh. üblichen nicht ab.' 

Zu der Annahme, dal3 der Nimbus bei Christus im Orient weit 
früher auftauche als im Abendlande, berechtigen die erhaltenen 
Denkmäler also nicht. Diese machen es vielmehr wahrscheinlich, daß 
die Uebertragung des Attributs auf Christus, deren Anfänge sich im 
Westen mit ziemlicher Sicherheit verfolgen lassen, im ganzen Reiche 
ungefähr gleichzeitig und gleichartig vollzogen habe, so daß sich 
folgendes Resultat als für das gesamte Gebiet der altchristlichen Kunst 
mit Wahrscheinlichkeit gültig ergibt: Im zweiten Viertel des 4. Jahrh. 
begann man Christus durch den Nimbus auszuzeichnen, zunächst 
mit Vorliebe in den Szenen, welche ihn als den erhöhten Herrn, be- 
sonders als zwischen den Aposteln (bezw. Apostelfürsten) thronenden 
oder stehenden Richter, Lehrer oder Gesetzgeber darstellten; in der 
zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam die Sitte den Herrn zu nimbieren 
auch in historischen Szenen in Aufnahme. 

Sehr schnell scheint dann ins Allgemeinbewußtsein übergegangen 
zu sein, daß zu Christusbildern der Nimbus als ein notwendiges 
Attribut gehöre. Man kann jedoch dafür, daß es eine kurze Zeit des 
Schwankens und Beliebens gegeben habe, über die die heidnische Kunst 
bei l^rieilung des Nimbus niemals hinauskam, das Zeugnis eines Gold- 
glases anführen, welches ungefähr an der Wende des 4. zum .=^. jahrh. 



' Orient oder Rom, S. (ji. Die Berliner Museumsverwiiluini; setzt iia.< Kcliet 
auch nach der neuen Autstellung ins 5. Jnhrh. 

2 Nr. 57. de Rock, Materiaux, Ta(. I.\-.\1I. 

s S. Antn. zu Nr. 8. 

< Der Wunsch nach einer liestimmlercn .Antwort erweckt hier besonders das 
lebhafte Bedauern, daß die Üenkniäiert;rup|ie, welche diese Antwort vielleicht er- 
teilen könnte, die gewebten und gestickten SiutTe. noch so wenij; der Korschunj; 
zugänglich sind. Aiit Grund des bisher j^enügend publizierten .M.iteri.ds l.'ßt sich 
nur sagen, dal' auch auf den älteren Stollen sowohl deni erhöhten als dem histo- 
rischen Christus der Nimbus beigelegt wird. (Jb jedoch diese Stolfe, und welche 
von ihnen, noch di.ni 4. .lalirh. angehören, ist bis jetzt sehr zwcitelhaft. 



ü 



_ 38 - , 

entstanden sein wird.' Ks zeigt die bekannte Szene der Gesetzes- 
übergabe an Petrus und Paulus zwischen zwei Palmen, auf deren 
einer der Vogel Phönix sitzt. Nur letzterer trägt den Nimbus; dem 
Kunsthandwerker war also seine Verwendung nicht fremd. Daraus 
jedoch, Ja(5 er (Christus ohne das Attribut darstellte, folgt nicht, daß 
auf dem von ihm nachgebildeten Mosaik oder Fresko der Herr eben- 
falls unnimbiert war, sondern nur, daß für den Verfertiger des Gold- 
glases das neue Attribut noch nicin eine unbedingt notwendige Aus- 
statumg der ("Jiristusdarstellungen war; zu seiner Zeit konnte man 
sich Christus auch noch ohne Nimbus denken. Seit dem Beginn des 
5. Jahrh. konnte man das aber nicht mehr, die Verleihung des Attributs 
ist seit der Zeit feste Regel geworden; ob der Herrin repräsentativen 
oder in historischen Szenen erscheint, er trägt von da ab stets 
den Nimbus; in den folgenden Jahrhunderten kann man nur durch 
aufmerksames Suchen Ausnahmen entdecken, sie sind abgesehen von 
.ien Skulpturen, auf denen das Fehlen des Attributs andere Gründe 
hat (S. 20 ff.), sehr selten. Emige Male haben die Künstler den Nimbus 
weggelassen, wenn sie Christus im Brustbilde darstellten, das von 
einem Medaillon umschlossen ist; in diesen F'ällen sind Nimbus und 
Medaillon in eins geflossen und letzteres kann darum bei dieser Art 
von Christusbildern häutig als Ersatz des Nimbus angesehen werden. 
Die übrigen mir bekannten Ausnahmen von der Regel finden sich in 
Szenen kleinen z. T. winzigen xMaßstabes. Bei dreien von ihnen, 
Taufe Christi auf einer Bronzemedaille,- Geburt Jesu auf Alonzaer 
Fläschchen (s. Taf. VI, 4),^ Flucht nach Aeg\'pten auf einem Golden- 
kolpion,' wird man sich mit der Auskunft begnügen, daß eine Nach- 
lässigkeit der Handwerker vorliegt, die es für nicht der Mühe wert oder 
für zu schwierig erachten mochten, an den winzigen Köpfchen noch 
den Nimbuskreis anzubringen. Auffallender ist das Fehlen des Attributs 
in der kleinen Taufszene der Rabulaminiaturen,^ da der Maler bei den 
übrigen kleinen Bildchen den Nimbus nie vergessen hat. Einen 
tieferen Sinn oder eine Absicht des Malers wird man wohl kaum 
darin finden können. 

Zur deutlicheren Kennzeichnung und Unterscheidung Christi erfand 
die altchristliche Kunst, nachdem sie den Nimbus auch anderen bib- 



1 Nr. 443. Gar. 180, 6. 

2 Nr. 5o5. Gar. 480, i3. 

3 Nr. 471. Gar. 433, 8. 

4 Nr. 491. Strzg. Byz. Denkm. I, Taf. VU. 
* Nr. 246. 



- 39 - 

lisch en Gestalten beizulegen angefangen hatte, den Monogramm- und 
den Kreuznimbus, über deren erstes Auftreten, mutmaßliche Ent- 
stehung und verschiedene Formen ich in einem besonderen Abschnitte 
weiter unten zu handeln haben werde. 

Die Strahlenkrone kommt in der altchristlichen Kunst zur Aus- 
zeichnung Christi überhaupt nicht zur Verwendung, ebensowenig ein für 
sich allein auftretender Strahlenkranz; an letzteren wird man allerdings 
erinnert bei Betrachtung des Nimbus des gepanzerten Christus^ in der 
erzbischöfiichen Kapelle in Ravcnna, von dessen Rande kurze weiße 
Striche nach innen zu laufen. 

Sonst finden sich bei der Figur Christi Strahlen nur in Verbindung 
mit einem andern .\itribut, welches die altchristliche Kunst außer dem 
nur das Haupt umgebenden Lichtschein bei Darstellung des prä- 
existenten, verklärten, auferstandenen und himmlischen Christus ver- 
wendete, der den ganzen Körper imigebenden Aureole, über welche 
ich das Nähere ebenfalls für einen späteren Abschnitt aufspare. 

G. Das Lamm. 

Nicht viel später als bei Christus selbst, am Ende des 4. 
Jahrb., ist der Nimbus auch bei seinem Symbole, dem Lamm in 
Aufnahme gekommen. In S. Maria Maggiore, wo es in der Mitte 
der Mosaikfriese der beiden Langhausarchitrave- angebracht ist, und 
der Kapelle der Rufina und Sekunda im' Lateran crmangelt es noch 
des Nimbus. Dagegen trägt es ihn bereits auf dem .Mosaik der Apsis 
von S. Pudenziana ' aus dem letzten Jahrzehnt des 4. Jahrh. und 
auf dem Deckengemälde der Krypta der Heiligen in der Petrus und 
Marccllinus-Katakonibe-' aus dem ersten Jahrzehnt des 3. Jahrh. 
Auf den vielen Mosaiken der Folgezeit, die das Lamm auf dem Berge 
mit den vier Paradiesesströmen oder wie im Oratorium S. Giovanni 
Evangelista " im Mittelpunkte der ornamentierten Kuppel darstellen, 
erscheint es stets mit dem Nimbus versehen. Auch auf den Werken 
der anderen Kunstzweige ist die Nimbierimg des Symbols Christi mit 
bemerkenswerter Stetigkeit durchgelühn. ^Für das Fehlen des Nimbus 
auf einem Goldglase' gilt das gleiche wie das S. 38 über das Fehlen 



• Nr. 196. Gar. 222, 3. 

2 d. Rossi, Musiiici LI'. 24, 2 5. 

3 de Uossi, Miis.iici l.l'. 7. 

* Nr. 118. d. n. M. lA. i3, 14. 
& Nr. 19. VVlp. 232. 

« Nr. IM. d. U. M. LI. 16. 
'Nr. 443. Gar. i!So, 6. 



— .[O — 

düs AttribLits bei (^liristus gesagte.) AullalleiKl dagegen ist es, daß auf 
zwei Mosaiken, dem in SS. Cosma e Damiano' und S. Prassede," bei 
Darstellung der Etimasia dem auf dem Throne liegenden Lamme kein 
Nimbus erteilt ist, während beidemaie auf den gleichen Mosaiken das 
auf dem Berge stehende Lamm mit dem Attribut erscheint. Die betr. 
Partien des Mosaiks in SS. Cosma e Damiano sind allerdings nicht 
ursprünglich, aber da das Mosaik von S. Prassede eine ziemlich getreue 
Nachbildung desjenigen von S. Cosma e Damiano ist, liegt kein 
Grund zu der Annahme \or, der Nimbus des Lammes sei hier erst 
von dem modernen Restaurator weggelassen worden. Eine ausreichende 
Erklärung dieser Unterscheidung des Lammes auf dem Thronsessel 
von dem auf dem mystischen Berge habe ich nicht linden können; 
zufällig kann sie nicht gut sein. 

Wie der Nimbus Christi wurde auch der des Lammes durch ver- 
schiedenartige Monogramme oder ein Kreuz ausgezeichnet. 

Niemals haben die altchristlichen Künstler dem Lamme als 
Symbol der .\postel den Nimbus verliehen, sondern ihn durchaus dem 
Lamme als Sinnbild des P]rlösers vorbehalten. 

7 . G o 1 1 \' a t e r. 

Die altchristliche Kunst hat Gottvater nur äußerst selten in 
menschlicher Gestalt dargestellt, sondern sich zur Andeutung der Gott- 
heit meist mit der aus der Höhe herabreichenden Hand begnügt. 
Diese göttliche Hand wird dann gewöhnlich durch einen sie umge- 
benden Lichtkreis oder durch von ihr ausgehende Strahlen charak- 
terisiert. In manchen Fällen, wo die Hand bzw. wie in der Wiener 
Genesis der Arm Gottes von einem blauen Kreissegment .umschlossen 
ist, mag es zweifelhaft sein, ob die Künstler damit nur einen Himmels- 
ausschnitt andeuten oder ob sie die Vorstellung eines um die Hand 
sich verbreitenden Lichtscheines erwecken wollten. Ein besonderes 
eindrucksvolles Beispiel dafür, daß die Maler der Vorstellung, die 
Gottheit oll'enbare sich in blendendem Lichte, Ausdruck verleihen 
wollten, bietet die Cottonbibel in den Illustrationen zu Genesis 12 u. 
22, 2 u. 3. Die Hand Gottes erscheint dort in einem großen Strahlen- 
kranze, der aus mehreren konzentrischen, verschiedenfarbigen Viertels- 
kreisen und aus von der Hand sich verbreitenden StrahlcnbUndeln 
besteht.' 



" Nr. 123 und 124. d. R. M. Lf. 5. 

2 Nr. 137 und i38. Gar. 286. 

3 Nr. 23i. Tikkanen, Genesismosaikcn, Tat. IX, üb, S. 104. 



— 41 — 

Uebcr die Darstellungen Gottvaters in menschliciier Gestalt herrscht 
noch manche Unsicherheit. Ganz unanfechtbar sind die Bilder Gottes 
als eines alten, bärtigen Mannes im Ashburnham Pentateuch ;' er wird 
hier regelmäßig durch den Nimbus ausgezeichnet. In mehreren 
Illustrationen alttestamentlicher Szenen, in denen man nach dem bib- 
lischen Bericht eine Darstellung Gottvaters erwarten könnte, haben die 
Künstler in Uebereinstimmung mit der Auslegung der Kirchenväter, 
nicht Gottvater sondern Christus dargestellt; so vor allem in den 
Schöpfungsszenen der Cottonbibel, wo die jugendliche Gestalt des 
Schöpfer-Christus durch Kreuznimbus charakterisiert ist. Ebenso 
erscheint im Cosmas Indicopleustes bei den Berufungsvisionen des 
Jesaia und Ezcchicl- beidemalc Christus, in der ersteren ebenfalls 
mit einem Kreuz im Nimbus. .Man kann demnach im Zweifel sein, 
ob die in den Wolken erscheinenden Brustbilder eines bärtigen, aber 
immerhin jugendlichen Mannes auf den Langhausmosaiken von S. 
Maria Maggiore' Gottvater oder ebenfalls Christus darstellen sollen, 
auch diese Brustbilder tragen den Nimbus. Ebensowenig kann man 
unter die Zahl der unverhüllten Gottesbilder die Darstellungen der 
drei dem Abraham erscheinenden Männer rechnen, die schon im Lang- 
haus von S. Maria Maggiore* (s. Taf. III, -i), dann in S. Vitale^ 
und der Cottonbibel'' mit dem Nimbus ausgestattet wurden. Trotz der 
wahrscheinlich beabsichtigten Beziehung dieser drei Männer auf die 
Trinität käme man in V^erlegenheit, wenn man bestimmen sollte, unter 
welcher der drei Gestalten die Künstler sich Gottvater gedacht haben; 
alle drei sind auf den drei erhaltenen Denkmälern, welche diese Szene 
bieten, so dLU'chaus als jugendliche Engel gebildet, daß man diese 
drei Männer der altchristlichen Kunst eher zli den En^eldarstellungen 
zu rechnen geneigt sein wird; oder man wird in anbetracht der 
Aureole, durch welche der mittelste der Männer in S. Maria Mag"iorc 
hervorgehoben wird, in ihm gleichfalls Christus erkennen, in den zwei 
andern zwei ihn begleitende Engel. Die mutmaßlichen Darstellungen 
Gottvaters auf Sarkophagen' kommen hier nicht in Betracht, da bei 
ihnen als Skulpturen der Nimbus so wie so fehlt. 



' Nr. »So tr. (>. V. Gebliardt, The mini;ituros ol tho .\.-l'., Tai. II tl 

- Nf. 271 und .172. Gar. 14S, 2 und 149, 1. 

ä Nr. io6, 109, III). kichtcr and Taylor, Tat', ti ; Gar. 217, 1 und 221, 3. 

* Nr. 107 und 108. Richter and Taylor, Taf. 7, 1. 
'■' Nr. i83. Gar. 21J2, 2. 

" Nr. 227 und 22S. Tikkaiicn, Genesismosaiken, Fii;. 96, 79. 

• Kicker, Allchristl. liildwerke des Lateran, ,'^. .(4 und zu Nr. \'ii. 1 iti, 1(14, 
178, 1S4, lyi, 193. — Gur. 365. Kraus, Geschichte der chrisil. Kunst, .'^. iiS. 



— 42 — 
H. Die V a LI b c. 

Die Taube als Synil->ol des lieili^cii (leistes begegnet in clei' alt- 
ciiristliciien Kunst vereinzelt bei Darstellung der Etimasia, häufiger 
beider Taufe (Ihristi. Nach Bosio ' war sie schon auf einer gravierten 
Marmorplatte, welche einen taubenähnlichen Vogel auf der 
Rückenlehne enies Bischofsstuhles sit;^end zeigte, vom Nimbus um- 
geben; das Original dieser Platte ist jedoch verloren gegangen. Auf 
den erhaltenen Denkmalern der ersten 7 Jahrhundertc ist ihr 
weder bei der Ktiniasia (Mosaik in Capua".) noch bei der Taufe das 
Attribut verliehen worden. In letzteren Szenen erscheint sie aber 
ähnlich wie die Hand Gottes mit Strahlen, die von ihren^: Schnabel oder 
der Hand (lottes über ihr ausgehen ;■' auf einem Grabstein aus Aquileja' 
ist sie ganz von einem gestirnten Kreise umschlossen, dessen unteres 
Drittel wie eine Mondsichel gebildet ist. 

Erst in der späteren Zeit lassen sich nimbierte S_vniboIe des 
hl. Geistes auf erhaltenen Denkmälern nachweisen. In Rom auf 
dem Apsismosaik von S. Marco' aus der ersten Hälfte des g. 
Jahrb., im Orient in der Koimesiskirche zu Nicaea'' aus dem Ende 
des 8. Jahrb.; letzteres besonders merkwürdig, da hier der Nimbus 
der Taube gleich denen Christi und des Lammes durch ein Kreuz 
geteilt ist. 



ö 



9. Die Engel. 

Wann und wo man angefangen hat, die Engel mit dem Nimbus 
auszustatten, läßt sich nicht mit völliger Sicherheit feststellen. Stände 
die Herktmtt der Langhausmosaiken von S. Maria Maggiore, wo 
außer den drei Männern bei Abraham (s. Taf. III, 2 u. i) auch der 
dem Josua erscheinende Erzengel Michael und ein anderer «Engel 
des Herrn»' das Attribut trägt, aus der Zeit des Bischofs Liberius 
außer allem Zweifel, so wäre damit das Vorkommen des Nimbus der 
Engel schon bald nach der Mitte des 4. Jahrh. erwiesen. Zweifelhafte 
Zeugen sind auch die zwei Darstellungen der drei Männer im Feuer- 



• Roma sotteranea, p. 327; vgl. d. R. Bull. 1872, S. 134, Taf. I.K, 2. 
2 Nr. 1Ü4. Gar. 257. 

s Strzygowski, Ikonographie der Taufe Christi, S. 8, 11 f., i3 f., j8. 

* Nr. 335. Gar. 487, 26. 

= Nr. i53. d. R. M. Lf. i3. 

6 Nr. 216. Wulff. Koimesiskirche, Taf. I, i. 

" Nr. 112 und III. Gar. 221, i und 219, 4. 



- 43 - 

ofen aus dem 4- Jahrb., ' denn, wie schon erwähnt, kann man in dem 
liülfrciciicn nimbierten Jünglinge auch Christus sehen. 

In der Wiener Genesis, am Triumphbogen von Paolo S. fuori 1. m.. 
im Cambridge-Evangeliar'^ auf einem frühen ägyptischen Gewebe der 
Kathedrale zu Sens'-* fehlt den Engeln das Attribut noch. .Andrerseits 
hat man beim Anblick der großen Zahl nimbierter Engel am Triumph- 
bogen von S. Maria Maggiore' ("vgl. Tat. III, 3) aus der Zeit Sixtus 
III. (43'2 — 440) oder ebenfalls aus der Mitte des 4. .lahrli. dizn 
Eindruck, daß es den Veriertigern dieser Mosaiken bereits etwas ganz 
Gewohntes war, die Köpfe der Engel mit dem Nimbus zu umgeben. 

Jedenfalls werden sie seit dem 5. Jahrh. fast ausnahmslos nim- 
biert dargestellt, und zwar nicht nur auf den mehr repräsentatixen 
Kirchenmosaiken mid -Eresken, sondern auch in den historischen 
Bilderzyklen des alten imd neuen Testaments,^ in denen sie meistens 
die einzigen Eiguren sind, die die Auszeichnung der Nimbierung mit 
den Hauptpersonen des betr. Zyklus teilen. 

Nur auf SkulptLU'en wird man aiis den früher" besprochenen 
Gründen in der F<egel vergeblich nach nimbierten Engeln suchen.' 
.Vber auch auf \^'erken anderer KimstgatiLnigen tindet man gelcgentlicli 
noch F'.ngelgestalten ohne Nimbus. Unter ihnen sind am bemerkens- 
wertesten die sieben posaunenblasenJen Engel des Mosaiks von 
S. Michele in Africisco"* .zuseiten Christi und der beiden Erzengel 
Michael und Gabriel und die beim jüngsten Gericht anwesende Engel- 
schar im Cosmas-Indicopleustes." Bei ersteren merkt man die Absicht 
des Mosaizisten, durch Weglassung des Attributs den llangunter- 
schied zwischen gewöhnlichen mid Erzengeln hervorzuheben ; warum 
dagegen der .Miniatur des (^osmas, der im übrigen gar nicht sparsam 



' Nr. 8 und Sy. VVlp. j3 1, i und de Hock, M.itcriiiux. Tal. I.\. 

- Nr. 239. Giir. 1 41. 
■ * Strzygowski, Orient oder Rum, S. 117. 

■' Nr. u3. Richter iind I'aylor, Taf. 3r tf. 

•i S. ApoUinarc nuovo, Nr. 174. (Jar. J48H. ; C>)d(.x Kussanciisi.'», Nr. 233, Hasc- 
lotl. Cod Fioss. Tal.; i:od. syr. Nr. 33 1" der Bib'. Nat. in Paris, Nr. 261, Cod. Syr. 
l.aurcnz. (Knbula), Nr. 2.12 fr. Gar. 128 IT.; .Asliburnhani-Pcntateuch, Nr. 2 So ff. 
O. V. üebhardt, The niiniaturcs of ihe A.-P., Tal'. IX IT. ; Josuarolle, Nr. 232. Gnr. 
157 ir.; vgl. auch die Monzaer Kliischcben, Nr. 4(11) IT. G.ir. 433 IV. und die Gold- 
enkolpien des ottoman. Museums (Nr. 4861!'.) Sirzg., Byz. Denkin. 1, lal. \II. 

« S. 20 tf. 

' Zu den seltenen Beispielen ninibicrier Knyel nuf alleren plastischen Werken 
zahlen: Sarkopliaj; von l.e l'uy. Nr. 309 und Menaspvxis, Nr. 337. Le Blaut, a. n, 
O., Taf. XVII, 4 und Dalion, Taf. IX. 

■* Nr. 2o3. 

9 Nr. 270. Gar, i53, 2. 



— 44 — 

mit der Verlcihunfi des Attributs umgeht, es seinen Engeln in der 
genannten S/cne versagt hat, läßt sich nicht einsehen. Auf einem 
Monzacr Fläschclien' und cineniJaspis des Brit. Museums- findet das 
Fehlen des Nimbus seine Erklärung in der Verwendung der Engel 
als mehr dekorativer Figuren, in den übrigen mir bekannten Fällen, 
sämtlich auf Erzeugnissen der Kleinkiinst,' wird man es der Willkür 
der Handwerker zuschreiben dürfen. 

Diese Reihe von Ausnahmen, für die sich dazu meist ein zu- 
reichender Grund linden ließ, ist verschwindend gering gegenüber der 
großen Zahl nimbierter Engel des 5. und der folgenden Jahrhunderte. 
Man ist also nicht zu dem Urteile berechtigt, daß der Nimbus den 
Engeln »völlig nach Belieben gegeben oder nicht gegeben wurde», ^ 
sondern seit dem .S. Jahrh. ist es in der altchristlichen Kunst ziemlich 
feste Regel geworden, die Engel durch den Nimbus auszuzeichnen; 
das wird außer durch die Denkmäler auch durch den Ausspruch 
Isidors von Sevilla in seiner Etymologie bestätigt : Narn et lumen, 
quod circa angelorum capita pingitur, nimbus vocatur,^ aus welchem 
man ersieht, daß dem Isidorus die nimbierten Engeldarstellungen so 
gewohnt waren, daß ihm bei dem Worte nimbus eher diese als die 
gleichfalls nimbierten Bilder Christi oder der Heiligen in den Sinn 
kamen. 

10. Die Apostel. 

Die Nimbierung der Apostel beginnt im 3. Jahrh. Auf allen Denk- 
mälern des 4. und denen, welche mit einiger Wahrscheinlichkeit dem 
Beginn des 3. Jahrh. zugeschrieben werden können, ermangeln sie 
noch des Attributs.« Auch am Triumphbogen von S. Maria Maggiore 
tragen es die beiden Apostelfürsten zu selten des Thronsessels der 



1 Nr. 475. Gar. 433, 8. 

2 Nr. 314. Dalton, Nr. 91. 

3 Siegel, Neaplor Mus., Taufe Christi, R. Q. S. 1887, Taf. IV, 4; Bronzeen- 
kolpion, Nr. 449. Gar. 462, 11. Bergkristall des Brit. Mus. (Nr. 5i2, Dalton, S. i3 ; 
Sardonyx. Cammeo des Gab. d. Med. de France; vgl. Anm. zu Nr. 5 18. Gar. 
479, 14. 

4 Stuhlfauih, Die Engel in der altchristl. Kunst, S. 256. 

5 Etymologiarum üb. .XIX, cap. XX.XI. Migne, Bd. 4, 470, S. 698. 

6 Sämtliche Malereien der röm. Katakomben aus der Bestattungszeit; auch 
am Arkosol des Winzers im Coem. maius. (Nr. 25) sind Petrus und Paulus un- 
nimbiert. Mosaiken von S. Costanza (Nr. ii5 und 116) und S. Pudenziana (Nr. 117), 
Fresken der syrakusanischen Katakomben (Nr. 55 und 56) und der Nekropole von 
El Baghaouat (Nr. 59). d. R. M. Lf. 23; i3, 14; Führer, a, a, O,, Taf. X; de Bock, 
Mate'riaux, Taf, XIII ff. 



- 45 - 

Etimasia/ welche auf Ciampinis Zeichnung- nimbiert erscheinen, 
heutigentages nicht.' Die beiden Gestalten der Apostelfürsten am 
Triumphbogen von S. Paolo' tragen zwar Nimben, aber bei den starken 
Restaurationen, welchen das Mosaik unterworfen war, ist ein Schluß auf 
das ursprüngliche Vorhandensein derselben nicht möglich. .\uf den 
übrigen Mosaiken des 3. Jahrh. ermangeln sie des Attributs noch 
durchweg.-'' Dagegen wird man ein Goldglas (Nr. 438),*^ eine Grab- 
platte,' einige koptische Gewebe,** auf denen Apostel einen Nimbus 
tragen, dem 5. Jahrh. zuweisen können. 

Erst seit der Mitte des (). Jahrh. ist die altchristlichc Klium 
betr. der Nimbierung der Apostel zu einer ziemlich allgemein 
befolgten Regel gekommen. Danach werden die Apostel mit Nimbus 
dargestellt, wenn sie als Einzelliguren oder in der Umgebung des er- 
höhten Herrn erscheinen;' ohne Nimbus dagegen in den historischen 
Bilderzyklen. '" Schwankend ist die Verwendung des Attributs in solchen 
historischen Szenen, in welchen einer oder mehrere Apostel in be- 
sonderer Weise an der Handlung beteiligt sind. 

So erteilt es Rabula den drei bei der Verklärung anwesenden 
Jüngern," nicht aber dem Johannes unter dem Kreuze;'- den zwölf 
Aposteln bei der Ausgießung des hl. Geistes'-* \erleiht er es, und läßt 
es wiederum weg bei der Wahl des Matthias'' imd der Himmelfahrt 



■ ' Nr. 114. Richter mui TMylor, Taf. 34, i. 

- Vctera monimcnta I, Tat. IX. 

^ Die angeblich ninibiertcn beiden .Xpostciriirstcn, welche man auf de Uussis 
und (jarruccis .\bbildunf4 auf dem Giebel des Tempels im oberen Hildsireilen rechts 
sieht, sind {^ar nicht vorhanden, s. oben Nr. 11 3, Anm. 

* Nr. 120. d. R. M. Lf. 16. 

* S. Giovanni in fönte und Mausoleum der Galla l'lacidia in Ravenna, Nr. 1 ilti 
und 170. Gar. 22b und 23o, 23i; S. .'Xquilino in Maii.ind, Nr. iiii. Gar. 234; S. Gio- 
vanni in fönte in Neapel, Nr. 1 38. Gnr. atiy; vgl. auch die Goidgi.lser, Nr. 42(), 427, 
428, 432, 443; selbst noch S. Cosma e Damiano, (Nr. 122. Gar. 2.^3) aus dem 
6. .Jahrhundert. 

6 Nr. 438. Gilr. i83, ti. 

' Nr. 332. Gar. 483, 3. 

8 z. B. Nr. 371. Strzg., Orient oder Rom, Taf. \'. 

'■> S. Maria in Gosmcdin, Nr. 173. Gar. 241, S. Apollinue in. ovo, Nr. i-5, Gar. 
246, in Ravenna; .S. Loren/o, (Nr. i25. d. R. M. 3) in Rom usw. usw. s. die Ta- 
bellen. 

'" S. .\pollinare nuovo, Nr. 174. Gar. 248(1.; Kvanyel. aus Sinope, Nr. 233. 
Fon.l. K. Piot. VII, laf. .\VI ff. ; i;odex Rossanensis, (Nr. 2.i.^) ; c:amhridi,,e-liv,in- 
geliar, (Nr. 23i)); Die kleinen Illustrationen bei Rabula, (Nr. 24.^ und 264). 

11 Nr. 25 I. 

'« Nr. 253. Gar. i3>i, 1. 

" Nr. 260. Gar. 140, 1. 

1« Nr. 242. Gar 128, 1. 



- 4'') - 

Christi.' Paulus im Cosmas-Indicopicustes erscheint sowohl bei der 
Steinigung des Stcphanus- als bei seiner Bel<ehrung' mit dem Attribut. 
Johannes trägt es auf den meisten Kreuzigungsdarsteilungen,* auf 
einigen v\iederuni nicht.-' Petrus, Jakobus und Johannes .«^ind in der 
Verkhirungsszene des Marienklosters auf dem Sinai" unnimbicrt. in 
S. Nereo cd Achilleo' nimbiert. 

Eine Bevorzugung einzelner Apostel hinsichtlich der Nimbierung 
begegnet erst im frühen Mittelalter. So ist z. B. im Codex Kgberti 
in der Szene der Heilung des Wassersüchtigen der Apostel Petrus 
außer durch seine isolierte Stellung gleich hinter Christus auch durch 
den Nimbus aus der Schar der übrigen Jünger hervorgehoben." Das 
gleiche scheint der Fall zu sein auf den koptischen Fresken in Deir 
Abou Hennis,-' wo bei der Auferweckung des Lazarus ebenfalls die 
hinter Christus stehende Figur allein außer diesem durch den Nimbus 
ausgezeichnet ist. In der altchristlichen Zeit jedoch werden die Apostel 
sämtlich gleich behandelt; Petrus und Paulus erscheinen nur deswegen 
öfter mit dem Nimbus, weil sie überhaupt häufiger dargestellt wurden. 
Wo dagegen mehrere Apostel zugleich oder alle zusammen auftreten, 
tragen sie entw^eder alle den Nimbus oder er ist allen versagt.'" 

I i . Maria. 

Auf den Mosaiken des Triumphbogens von S. Maria Maggiore in 
Rom" sind das Jesuskind, die Engel und Herodes durch Nimben 
ausgezeichnet, noch nicht aber Maria, auch nicht in der feierlichen 



1 Nr. 238. Gar. i ig, 2. 

2 Nr. 274. Gar. i52, i. 
:' Nr. 275. Gar. 1 53, 1. 

•• Monzaer Flüschchen, Nr. 480. Gar 434, 2 u. ('1. Enkulpion, Nr. 401». Gar. 433, 3; 
S. Maria .Antiqua, Nr. 82; Hypogaum Jl-s Valentin, Nr. 36 R. Q. S. i8Sg, Taf. 5. 

ä Gewehe, Nr. 3g3. Forrer, Frühciir. Alt. Taf. 18, 3; Miniatur des Rabula, Nr. 
255. Gar. 1 3q, i. 

6 Nr. 2 14. Gar. 2Ü8. 

■ Nr. .33. d. R. M. Lf. 21. 

8 Kraus, Codex Egberti, Taf. XVIII; vgl. auch Tikkanen, Psalterillustration, 
Bd. I, H. I. Fig. 67, S. 54, 

* Nr. 68. Bull, d'arch. Orientale 1902, Taf. IV. 

'0 Auf Grund eines Fehlers seines Zeichners, der in der Skizze des Freskos 
der Nekropole Cassia bei Syrakus (Nr. 35) dem Petrus einen Nimbus gegeben hatte, 
nicht aber dem Paulus, hatte de Rossi (Bull. 1877, p. i 5o zu tav. 10—11) von einer 
Bevorzugung des Petrus gesprochen, die nach ihm auch sonst noch vorkommen 
soll (Bull. 1867, S. 43, 44). Auf dem syrakusanischen Fresko trägt aber weder Petrus 
noch Paulus den Nimbus (vgl. Führer, Nekropole Cassia, S. 287), und auch auf 
keinem andern altchristlichen Denkmal habe ich eine solche Unterscheidung der 
beiden Apostel gelunden. 

i> Nr. ii3. 



— 47 - 

Verkiindigungsszene. Nach der bisher geltenden Ansicht, daß diese 
Mosaiken unter Sixtus III. (402 — 440) zur Ehrung der Maria als 
0£OTox.or unter dem Eindrucke der Beschlüsse des ephesinischen Konzils 
hergestellt seien, hätte man somit eine ziemlich feste untere Zeitgren/e 
für den Beginn der Nimbierung Marias. Aber da die Datierung dieser 
Mosaiken nach Richters Versuch,' sie in eine weit frühere Zeit zu 
setzen, wieder unsicher geworden ist, können sie nicht nuhr sicher 
bezeugen, daß die Ausstattung Marias mit dem Nimbus erst nach der 
Zeit Sixtus III. Sitte geworden sei. 

Aber einige andere Denkmäler, welche ungefähr der ersten Hälfte 
des 6. Jahrh. zugewiesen werden können, bestätigen es, daß vor dieser 
Zeit der Maria nirgends der Nimbus erteilt wurde.- Zu diesen Denk- 
mälern gehören: die Fresken der jüngeren Kapelle von El Baghaouat,^ 
zwei Devotionsmedaillen der Bibl. V'aticana,-* mit Vorbehalt (wegen 
der Möglichkeit früher in Farbe vorhanden gewesener Nimben) der 
Ambon von Thessalonich'' und ein Sarkophag von Le Pun'." auf allen 
diesen Denkmälern trägt Maria noch keinen Nimbus, während er sei 
es dem Daniel, sei es Christus oder den Engein erteilt ist. 

Das erste abendländische Denkmal — soweit es sich um einiger- 
maßen sicher datierbare handelt — , auf dem Maria nimbiert dargestellt 
ist, ist der untere Mosaikbildstreifen im Langhaus von S. Apollinare 
nuovo in Ravenna' aus der Mitte des 6. Jahrh. Das ist jedoch 
kein Beweis, daß erst um diese Zeit der Nimbus bji Maria in Auf- 
nahme gekommen sei, — es läßt sich aber für das .Vbendland nicht 
genauer feststellen, wann die Nimbierung Marias begann, da im 
Westen aus der Zeit zwischen der Entstehung der Triuniphbt)gen- 
mosaiken von S. Maria Maggiore und Justinian I. keine größeren 
zeitlich bestimmbaren Mariendarstellungen erhalten sind; es ist also 
ein ziemlich großer Spielraum gelassen. Dieser scheint jedoch be- 
deutend eingeengt werden zu können durch ein orientalisches Denk- 
mal, das Mosaik der llavayta äyysVi/.TiaTo; auf Cvpern,* welches jeden- 
falls älter als der Bildstreifen von S. Apollinare nuovo ist. Es zeigt 



' s. oben Nr. loti, Anm. 

- Ucbcr (Jen Nimbus Mari..s auf GoMglj'isern, welche lUr bedoutead nlioi ac 
lullten wiirtlen sind, s. oben S. -lu. 

3 Nr. 59. de Hock, ii. n. ()., T;if. XI 11 H'. 

■« Nr. 3oo und 5o("). G.u-. 480, (> und 1 3. 

* Nr. 324. G;ir. 4211, 1. 

c Nr. 309. I.e Blant, a. ;i. ()., Tal. XVII. 4. 

' Nr. 1 7(). Gar. 244, 243. 

« Nr. 210. \Vi/.;int. Wreni. 1S97, T;\f. I. 



- 4« - 

eine stellende Madonna mit dem Jesuskinde zwischen den F.r/engeln 
Micliael und Gabriel. Alle Figuren tragen den Nimbus. Das wäre 
demnacli das älteste erhaltene iMosaikbild einer nimbierten Maria. Man 
wild also ungefähr die let/.tcn Jahrzehnte vor .Soo als die Zeit ansehen 
können, in welcher man anfing, der Maria den Nimbus zu erteilen. 

Seit der justinianischen Zeit aber begegnet man ihr sehr selten ohne 
das Attribut. Abgesehen von den Skulpturen, trägt sie es nicht nur 
aLii' den großen zciemoniöseii Kirciienniosaiken, sondern auch in i^i:^ 
historischen Zyklen in den Szenen der Verkündigung, Heimsuchung 
usw. Nur das (>ambridge-Kvangeliar bildet eine Ausnahme.' be- 
merkenswert ist auch, daß ihr Rabula, der den Nimbus sonst regel- 
mäßig bei Maria anbringt, bei der Hochzeit von F<ana,- wo sie mehr 
in der Zahl der übrigen Beteiligten verschwindet, nicht die Aus- 
zeichnung der Nimbierung zuteil werden läßt. 

Auch die Meister der Kleinkunst, die Vcrl'ertigcr son Enkolpien, 
Amuletten, Oelfläschchen, Geweben und Stickereien vergessen es höchst 
selten, die Mutter unseres Herrn durch den Nimbus auszuzeichnen. 
Einige Male wird ihr ganz ollenbar der V^orrang eingeräumt vor den 
Aposteln, indem sie bei Darstellung der Himmelfahrta durch den 
Nimbus aus der Schar der beteiligten Jünger herausgehoben wird, 
oder wenn auf einem Kreuzigungsbilde ' ihr der Nimbus erteilt, dem 
Johannes aber versagt ist. 

Bisher vereinzelt in der altchristlichen r<unst ist die Verwendung 
der Aureole für Maria auf dem Apsismosaik der riavayia Kava/.apia auf 
Cypern;'' es ist jedoch nicht wahrscheinlich, daß diese Aureole ihr 
allein gilt, sondern in erster Linie dem Jesuskinde auf ihrem Schöße, 
an dessen Glänze die Mutter teilnimmt. 

12. Johannes der Täufer. Die Evangelisten. 

In den älteren Darstellungen der Taufe Christi" trug Johannes 
noch keinen Nimbus. Auf größeren Taufbildern der folgenden Zeit' 



1 Nr. 239. Gar. 141. 

2 Nr. 246. 

ä Miniatur des Rabula, Nr. 258. Gar. i3g, 2; Monzaer H.'.schcheii, Nr. ^84. 
Gar. 433, 10; 434, 2; 435, I. 

* Miniatur des Rabula, Nr. 255. Gar. iSg, 1. 

•"i Nr. 211. Wiz. Wrem. 1897, Taf. II. 

^ S., Giovanni in fönte und S. Maria in Cosmedin in Ravcnna, Nr. 1 65 und 
172. Gar. 226 und 241. Der jetzige Nimbus des .lohannes auf ersterem Mosaik ist 
modern. 

" Katakomben von S. Gennaro in Neapel und S. Ponziano in Rom, Nr. 5o 
und 42. Gar. 94, 3 und VVlp. 259. Etschmiadzin-Evangeliar, Nr. 293. Strzg. Byz. 
Denkm. I. Taf. VI, 2. 



— 49 — 

erscheint er mit dem Attribut \crsehen, nicht so regelmäßig auf den 
Werken der Kleinkunst, wo er einige Male' wie Christus selbst un- 
nimbiert ist, manchmal'- aber von Christus durch das Fehlen des 
Attributs imterschicden ist. 

Auf Mosaiken und Miniaturen des 6. und der folgenden 
Jahrhunderte, wo der Täufer häufig als Einzeltigur oder im Chorder 
Apostel und Heiligen zuseiten des Herrn erscheint, trägt er stets den 
Nimbus. 

Ebenso wie Johannes in den letztgenannten Darstellungen werden 
die Evangelisten hinsichtlich der Nimbierung behandelt.^ Eine merk- 
würdige Ausnahme macht Rabula, der auf einem Blatte dem Marku.s 
und Lukas den Nimbus gibt, auf dem vorhergehenden aber dem 
Matthäus und Johannes nicht. ^ Einen Grund für diese Unterscheidung 
wird man schwerlich finden können, wenn man nicht auf Phantasie 
wegen gehen will. 

In historischen Szenen kommen die Evangelisten erklärlicherweise 
selten vor. Bemerkenswert ist der Zyklus \on Szenen aus der 
Missionswirksamkeit d;s Markus auf Elfenbeinplatten, wo dieser stets 
durch den Nimbus ausgezeichnet ist.' 

1 3. Die E V a n g e I i s t e n s y m b o I e. 

Die Evangelistensymbole, die in der zweiten Hälfte des 4. Jahrh. 
in die christliche Kunst eingeführt wurden, wurden anfangs nicht 
durch den Nimbus ausgezeichnet. In S. Pudenziana." am Triumph- 
bogen von S. Maria Maggiore,' im .Mausoleinn der Galla Placidia,* 
in S. Prisco in Capua'' sind sie ohne das Attribut dargestellt. Das 
erste datierbare Vorkommen nimbierter Evangelistensymbolc würde 
der l'riumphbogen von S. Paolo fuori 1. m.'" bieten, vorausgesetzt, daß 



' Miniatur des Rabula, Nr. 241'); Devolionsmeiiaille, Nr. 3o5. Gar. 480, 1 .■>. 

ä /.. B. Blcisicgol Jcs (",ampo ."^anto in Rom. R. (>. S. 1SS7, Tat. I\', i. 

3 Die 4 livanyelistcn in der na^h ihnen benannten Krypla der .Markus- und 
Marceilianus-Katnkombe tras;en naiUrlieh noch keinen Nimbus. Mit Nimbus er- 
scheinen sie in S. Vitale, Nr. i8i>, Gar. 263; S. .Apoilinare in Classe, Nr. i<)2. Gar. 
266; Codex Ros.sanensis, Nr. 237 und 238, llaseioH", a. a. O. ; Cosmas Indieopicustes, 
Nr. 271). Gar. i5i; Etschmiazin-Kvangelinr 287. Strzg. Byz. Ilenkm. 1, Tal'. III. 

■• Nr. 253 und 252. Gar. 1 36 und i 3.^. 

5 Nr. 3.^o; vgl. 341. Graeven, Elfenbein II, 42 IT. 

6 Nr. I 17. d. R. M. Lf. i3, 14. 

' Nr. 114. Richter and Taylor, Tal'. 34. 
8 Nr. 171. Gar. 2a(). 
« Nr. 164. Gar. 257. 
'0 Nr. 119. d. R. M. I.l. !(■>. 

KRÜCKE. 4 



— 5o — 

die beiden nicht von der neuesten Restauration iierrührenden Symbole, 
der Löwe und der Adler, ihre ursprüngliche Gestalt seit dem 5. Jahrh. 
unverändert bewahrt haben. Man kann aber an dieser Voraussetzung 
zweifeln. Jedenfalls sind bis zur Mitte des G. Jahrh. keine weiteren 
Denkmäler erhalten, auf denen alle vier Symbole Nimbus tragen,' 
wohl aber erscheint in S. Vitale,- in SS. Cosma e Damiano' und viel- 
leicht schon an der Fassade der alten Peterskirche' von den vier Sym- 
bolen nur das des Matthäus mit dem Nimbus. Diese auflallige Unter- 
scheidung und Auszeichnung ist kaum zufällig. Sie wird verständlich, 
wenn man das Matthäussymbol mit den Engeln auf den gleichen .Mosaiken 
vergleicht. Die Aehnlichkeit beider ist aull'ällig, nicht nur Körper- 
und Gesichtsbildung sind fast gleich, sondern der «Mensch» teilt auch in 
den meisten Fällen mit den Engeln in Rom die blaue, in Ravenna die 
silberne Farbe des Nimbus. Die Künstler dachten sich das Matthäus- 
.symbol auch als Engel und stellten es dementsprechend dar, wobei 
der Nimbus nicht fehlen durfte. Wenn man darum an der Ursprüng- 
lichkeit der Nimben des Adlers und Löwen in S. Paolo und am 
Zeugnis Ciampinis über die Mosaiken im Oratorium Johannes des 
Täufers zweifeln mag, würde sich die Entwicklung sehr durchsichtig 
gestalten. Zunächst hätte dann im 5. Jahrh. der «Mensch» den 
Nimbus erhalten, weil er bei seiner Engelsgestalt gewissermaßen ein 
Anrecht darauf hatte, erst später wäre das Attribut auch auf die drei 
Tiergestalten übergegangen. Seit der Mitte des (3. Jahrh. begegnet 
man allen vier Symbolen ziemlich häutig mit dem Nimbus,^' dagegen 
sind alle vier wieder unnimbiert in S. Venanzio in Rom'' und im 
Codex Amiatinus,' ebenso die zwei Symbole des Cambridge -Evangeliars 



' Die 4 Symbole sind unnimbiert; S. Fausta in Mailand, Nr. i 63. Gar. 235; 
S. Giovanni in fönte, (Nr. i6o) und Katakombe S. Gaudioso (Nr. 5 i) in Neapel. 
Gar. 270 und i o5. Dagegen trugen alle vier nach Ciampini Vetera monimenta 
tab. 74 (Gar. 239) im Oratorium Johannes des Täufers am Lateran den Nimbus. 

2 Nr. 1S6. Gar. 2b3. 

3 Nr. 124. d. R. M. Lf. 5. 

* Auf" der von Grisar R. Q. S. iSyS, Taf. II veröffentlichten Zeichnung der 
Fassade aus dem 1 t. Jahrh. umgibt das Haupt des "Menschen ■ ein nimbusartiger 
Kreis. Grisar bemerkt dazu, a. a. O., ?. 25q: «Keines der Symbole hat den Nimbus, 
denn was man bei dem geflügelten Menschen um das Haupt sieht, ist Andeutung 
des Haares^'. Trotzdem ist es mir nicht unwahrscheinlich, daß dieser uns vom 
Zeichner des 1 1. Jahrh. überlieferte Kreis ein Nimbus ist, der nach Analogie der 
zwei anderen genannten Mosaiken sehr wohl nur dem MatlhHussymbol gegeben 
sein konnte. 

5 S. Apollinare in Classe, Nr. igi. Gar. 205; S. Prassede in Rom, Nr. i38. 
Gar. 2b6 ; Elfenbeintafeln des Mailänder Domschatzes, Nr. 349. Gar. 4^4 und 453. 

6 Nr. 128. d. R. M. Lf. 1 3. 
' Nr. 285. Gar. 127, 1. 



— 5i — 

(Stier und Löwe'), auf dem späten Mosaik von S. Marco- trägt 
wiederum nur der Mensch das Attribut, und in der crzbischölliciien 
Kapelle in Ravenna' haben es Mensch, Löwe, Adler, nicht aber der 
Stier (was wohl auf Kosten unrichtiger Restauration zu setzen sein 
wird). 

Demnach ist es keineswegs feste Regel geworden, die Kvangclistcn- 
symbole durch den Nimbus zu charakterisieren, vielmehr unterliegt 
sein Gebrauch bei diesen F'iguren im Bereiche der altchristlichen 
Kunst großen Schwankungen. 

14. Die Propheten. 

Das früheste Beispiel der Verleihung des Nimbus an einen Pro- 
pheten des alten Bundes bieten die Fresken der jüngeren Grabkapellc 
in El Baghaouat,* vermutlich aus der ersten Hälfte des 5. Jahrh., wo 
von allen dargestellten Personen, unter denen sich auch Paulus und 
Maria befinden, allein dem zwischen den Löwen stehenden Propheten 
Daniel der Nimbus erteilt ist. Auch das Mosesgewebe des Kaiser 
Friedrich-Museums in Berlin, "^ auf dem Moses das Attribut trägt, wird 
man nicht später als ins 5. Jahrh. setzen können. Aber erst im G. Jahrh. 
wurde die Nimbierung der Propheten allgemeiner und nach den 
gleichen Regeln gehandhabt wie bei den Aposteln und Johannes dem 
Täufer, d. h. sie werden stets dann durch den Nimbus ausgezeichnet, 
wenn sie als Einzelfiguren erscheinen," auch dann, wenn wie in 
S. Vitale und im Cosmas das Einzelbild durcii einen für den betr. 
Propheten besonders charakteristischen Vorgang aus ihrem Leben er- 
setzt ist.' Eine Ausnahme macht allein der Prophet Jona, der weder 



1 Nr. 240 und 241. (i;ir. i.|.i. 

2 Nr. i.ss. d. R. M. 1.1. i3. 

3 Nr. 197. Gar. 223. 

4 Nr. 58. de Bock, a. n. O.. Taf. .XIll ff. 

ä Nr. 372. Strzg., Orient oder Rom, Tal. VI. 

" Codex Rossanensis (Nr. 236). Haselotf, :i. a. (). ; llandschrilt ;ius Sinopo, 
Nr. 234. Omont, a. a. (). ; Miniaturen des Ralnila, Nr. 24.''. Gar. 129 ff.; (das Weg- 
lassen des Nimbus beim IVophetcn Samuel und Daniel gehörl zu den nicht seltenen 
Inkonsequenzen des Rabula, s. S. 40). Cosmas Indieopleustes, Nr. 279. Gar. 142 IK; 
S. l'rassede, Nr. i3(). d. R. M. Lt. g ; .">. Maria in Domnica, Nr. 1 52. d. K. M. l.f. i5; 
S. Vitale, Nr. i.S.i. Gar. 261, 263. 

' Rerulun^; des Moses in S. Vitale (Nr. i85\ des Jesaia und Kzechiel im Cos- 
mas, Nr. 271 und 272. Gar. 148. 2 und 140, 1. Vision des Daniel, Nr. 273. G.ir. 
i5o, 1 ; Himmellnhrt des lilias ebendort, Nr. 268. Gar. 147, i. Auch die l»arsteilunf;en 
Daniels zwischen den Löwen kann man hierher rechnen, in denen der l'rophct meist 
den Nimbus u-ni;t : (Jewebc des Kunstgewerbemuseums in Herlin, Nr. 370. .'>lr/g., 
Orient oder Rom, Tai'. IV. lonlampen, Nr. 53o. U. Q. S. 1896, S. 3>io. Auf einem 
Bleisiei;el (-;. oln'ii) ist er nicht ninil>ierl. 



— 52 — 

bei Rabula.' der ihn unter der Kürbisstaude schlafend darstellt, noch 
im Cosmas,^ wo seine Geschichte in drei Momenten auf einem Bilde 
wiedergegeben ist, den Nimbus trägt. Ob diese Zurücksetzung auf 
die Erwägung der Künstler zurückzuführen ist, daß weder für einen 
schlafenden noch für einen vom Fisch verschlungenen Propheten die 
Auszeichnung des Nimbus passend sei, oder ob die getreue, aber ge- 
dankenlose NachbikUmg des frühchristlichen Jonastypus das Fehlen des 
Nimbus veranlaßt hat — mag zweifelhaft bleiben — ersteres hat mehr 
Walirscheinlichkeit, denn der ebenfalls auf einen uralten Typus zurück- 
gehende Daniel zwischen den Löwen ist meist nimbiert. 

In den Illustrationen zum Pentateuch hat Moses ebensowenig 
einen Nimbus wie die Apostel in den Illustrationen zum Leben Jesu. 
Auch auf den sicheren Darstellungen der Verklärung Christi fehlt das 
Attribut bei Moses sowohl wie bei Elias. ^ 

i5. Sonstige Personen des alten und neuenTestaments. 

Seit dem 6. Jahrb. wurde auch den weniger bedeutenden Personen 
der heiligen Gescliichte häufig der Nimbus erteilt-, jedoch ist ihre 
Nimbierung so wenig an allgemeingültige Regeln gebunden, daß es 
auf den ersten Blick so erscheint, als sei es ganz von dem Belieben 
und der Willkür der Künstler und Handwerker abhängig gewesen, 
das Attribut diesen Gestalten zu verleihen oder es wegzulassen. 

Doch wird es sich immerhin lohnen zur Ordnung dieser schein- 
barabsoluten Regellosigkeit die Denkmäler, auf denen erwähnte Personen 
zur Darstellung kommen, hinsichtlich der Nimbierung in mehrere 
Gruppen zu zerlegen. 

I. Am schärfsten hebt sich eine Reihe der Bilderbibeln ab, welche 
den Pentateuch oder das Leben Jesu illustrieren : Itala-Miniaturen, 
Wiener Genesis, Cottonbibel, Ashburnham-Pentateuch. natürlich auch 
die Mosaiken der Langhauswände von S. Maria Maggiore und die 
Fresken der linken Seiten wand in S. Maria Antiqua ; Codex Rossanensis, 
Handschrift aus Sinope der Bibl. Nat. in Paris, Cambridge-Evangeliar 
und die Mosaiken von S. Apollinare nuovo in Ravenna. In keiner 
dieser Illustrationsserien wird je irgendeiner der infragestehenden Per- 
sonen der Nimbus erteilt. 



1 Nr. 245. 

2 Nr. 269. Gar. 147, 4. 

3 S. Apollinare in Classe, Nr. 190. Gar. 265; Marienkloster auf dem Sinai, 
Nr. 21-1. Gar. 26S. SS. Nereo cd Achineo in Rom, Nr. i33. d. R. M. 21. 



LEBENSLAUF. 



Ich, Adolf Otto Hermann Krücke bin am 27. Oktober iH-5 in 
Ober-Wüsten im Fürstentum Lippe geboren als Sohn des Pfarrers 
Theodor Krücke und dessen Ehefrau Helene geb. Dresel. Ich bin in 
Altlandsberg im Kreise Nieder-Barnim beheimatet, ich bin preußischer 
Staatsangehöriger, evangelischer Konfession. 

Ich habe das Kgl. Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin besucht 
und dort am 21. Februar iSqS das Zeugnis der Reife erhalten. Ich habe 
10 Semester Theologie und Archäologie studiert, davon 3 Semester 
in Erlangen, i in Lausanne, 2 in Halle, 4 in Berlin. Archäologische 
^'o^lesungen hörte ich bei den Professoren Flasch, Robert, Kekule, 
Graef und N. .Müller. 

Ich habe beide theologische Examina in Berlin gemacht. 

In den Jahren 1901 und 1902 war ich Hilfsprediger der deutsch- 
evangelischen Gemeinde in Neapel. Hei'b>t 1902 bis Herbst ioo3 
machte ich als Stipendiat des kais. archäol. Instituts eine Studienreise 
durch die .Mittelmeerländer. 



- 53 - 

2. In eine zweite Gruppe kann man die Denkmäler einreihen, 
die eine Serie von Szenen aus dem Leben eines Mannes vor Augen 
führen. In ihnen wird die Hauptperson (oder die Hauptpersonen) 
durch den Nimbus aus der Zahl der übrigen Figuren hervorgehoben : 
so Josua in der Josuarolie, Zacharias (und Elisabeth r) in dem Zacharias- 
zyklus in Deir Abou Hennis,' Joseph und sein Vater Jakob auf einer 
Gewandverzierung mit der Geschichte Josephs,- der Evangelist Markus 
auf Elfenbeintafeln.'' 

3. Zu einer dritten Gruppe kann man eine große Zahl meist orien- 
talischer Denkmäler zusammenstellen, auf welchen allen biblischen Ge- 
stalten, die sich durch fromme Gesinnung, heiligen Wandel, Glaubens- 
mut oder sonst eine christliche Tugend ausgezeichnet haben, der Nimbus 
dann verliehen wird, wenn sie als P^inzeltiguren dargestellt sind oder in 
einer Szene auftreten, in welcher sie irgend eine große Rolle spielen. 
Dahin gehören die Miniaturen des Cosmas, die .Monzaer-OelHäschchen' 
(s. Taf. VI), die (ioldcnkolpien des ottomanischen Museums.'' ein 
großer Teil der ägyptischen Gewebe ; die Mosaiken der Apsiswände 
des Doms von Parenzo," wahrscheinlich auch die Fresken der Seiten- 
wände der Hauptapsis von S. Maria Antiqua.' 

Die Personen, die auf diesen Denkmälern Nimbus tragen sind: 
Abraham (Opferung Isaaks), die Priester Zacharja und Abbia, Abel, 
Noah, Enoch, Isaak, Juda, Jakob, Aaron, Anna-, Simeon, Zacharias, 
Elisabeth, Ananias (Bekehrung des Paulus), Stephanus (Steinigung) — 
sänfilich im Cosmas. Habakuk, der dem Daniel Speise bringt auf 
einem Gewebe:* die beiden Marien am Grabe Jesu auf Monzaer 
Fläschchen,-' einem Bronzeamulett des Cabinet d. .Medaillcs de 
France;'" Elisabeth auf Monzaer Fläschchen," den Goldenkolpien,"* 
den Mosaiken von Parenzo,''' einem Diptychon in Bologna,'* auf ägyp- 



' Nr. 69. Bull, d'arch. Orientale igoi, I al. V. 

* Nr. 378. Slrzg., Orient oder Rom, S. ii3. 
3 Nr. 35o. Üraeven II, Nr. 42 11". 

* Nr. 469 ff. Gar. 433 ff. 

» Nr. 486. Strzg., Byz. Denkm. I. lal. VII. 

* Nr. 207 und 208. 
' Nr. 81. 

8 Nr. 370. Strzg., Orient oder Rom, Tat. IV. 

9 Nr. 474 und 482. Gar. 433, S. 434, i 11. 4.;3, 
'* Nr. 5o8. Schiumbcrger, Melangcs. 

" Nr. 470. Gar. 433, 8. 

1» Nr. 489. a. a. O. 

•ä Nr. 207. a. a. O. 

1' Nr. 348. Graeven II, 0. 



- 34 - 

tischen Ticvscbcii,' Juscpli .iliI tlcii (iijl(.lcnl<ijlpieii iiin.i in S. Maria 
AntiqLia.- 

.|. Mine An/.alil mindcrw crtif^cr Handwerkserzeugnissc, auf denen 
wahllos und sinnlos allen dargestellten Personen der Nimbus ver- 
liehen ist. Dahin gehören zwei ägyptische Gewebe^ und einige figu- 
rierte Tonplatten aus Nordafrika. ■* Auf dem ersten der Gewebe trägt 
der Wassersüchtige (oder sonst ein vou Christus (ieheilter), auf dem 
anderen der Rlindgcborene und sogar der tote Lazarus (s. Taf. IV, 3) 
genau den gleichen Nimbus wie (>hristus ; auf den Tönplatten er- 
scheinen außer Christus und den Aposteln auch die Saniariterin am 
Jakobsbrunnen und Adam und Kva beim Sündenlall mit dem Nimbus. 

Nach Abzug dieser vier Gruppen, inneihalb deren die Nimbierung 
der unbedeutenderen biblischen Gestalten einigermaßen einheitlich und 
nach Regeln gehandhabt wird, bleibt aber eine immerhin noch breite 
Sphäre des Schwankens und der Willkür. Rabula z. B. gibt dein 
Zacharias den Nimbus, während er ihn bei Johannes d. Täufer weg- 
ließ v^ auf dem Blatte mit der Darstellung der Kreuzigung und Aufer- 
stehung," auf welchem der Apostel Johannes nicht nimbiert ist, trägt 
Maria Magdalena das Attribut, die andere Maria wiederum nicht. 
Unter den alttestamentlichen Männern erscheinen bei ihm außer den 
Propheten auch noch David, Salomo, Aaron und Hiob mit Nimbus, 
Josua dagegen ohne.' Im Etschiniadzin-Evangeliar ist Abraham bei 
der Opferung haaks*' nimbiert, Zacharias bei der Verkündigung' un- 
nimbiert. Die drei hebräischen Jünglinge vor Nebukadnezar erscheinen 
auf Tonlampen bald mit, bald ohne das Attribut.'" 

Bemerkenswert ist dies willkürliche Verfahren bei der Gestalt 
Josephs;" bei Rabula, auf den Goldenkolpien des ottoman. Museums, '- 
einer Glaspaste aus Aegypten,'^ in S. Maria Antiqua" nimmt er an der 



1 Nr. 382. Forrer, TextilfunJe, Taf. XIV. 

2 Nr. 8i. 

3 Nr. 373 und 384 IT. Strzg., Orient oder Rom, Taf. VII und Forrer, Textil- 
fundc, Taf. .\VI f. 

* Nr. 536 und 538. La Blanchere et Gaukler, Mus. Alaoui, Taf 3y, 5 u. 38,6. 

5 Nr. 247 und 246. 

s Nr. 255 — 257. Gar. 139, 1. 

' Nr. 245. 

8 Nr. 28g. Strzg., Byz. Denkm., Taf. IV, 2. 

9 Nr. 290. a. a.'o., Taf. V, 1. 
1» Nr. 529. Gar. 476, 8 und 6. 
" Nr. 249. 

1? Nr. 491. a. a. O. 

'ä Nr. .453. Forrer, Altertümer, Taf .XIII, 10. 

H Nr. 81. 



— 55 — 

Nimbierung der biblischen Personen teil, dagegen im Oratorium 
Joiiannes V'II. in Rom,' auf Monzaer Fläschchen,- einer Elfenbeintafel 
des South Kensington Museums. 3 alles Denkmäler, welche im übrigen 
mit der Verleihung des Nimbus nicht sparsam umgehen, ist ihm das 
Attribut versagt. Diese Zurücksetzung entspricht der untergeordneten 
Rolle, die die gesamte altchristliche Kunst dem Joseph zuteilt. 

Auffallend ist es, daß eine Dreizahl von Männern, welche auch 
im 5. — 8. Jahrh. häutig und gern dargestellt wurden, stets ohne Nimbus 
auftreten : Die Magier. Mir ist wenigstens kein Denkmal aus dieser 
Zeit bekannt geworden, auf dem ihnen das Attribut erteilt wäre.' 

i6. Die Heiligen. 

Außer auf die biblischen Gestalten hat die altchristliche Kunst 
den Nimbus noch auf eine andere große Klasse gern von ihr dar- 
gestellten Personen übertragen : auf die Märtyrer und Heiligen der 
alten Kirche. 

Schon im 5. Jahrh. läßt sich der Nimbus vereinzelt bei einem 
besonders hochverehrten Märtyrer nachweisen: bei dem hl. Laurentius 
im Mausoleum der Galla Placidia" aus der Mitte des 5. Jahrh. 
Vielleicht gehören noch demselben Jahrhundert die beiden nimbierten 
b'rauengestaltcn auf dem sog. ürpheusmosaik in Jerusalem " an ; doch 
ist CS nicht sicher, daß die inschriftlich als Theodosia und Georgia 
bezeichneten Frauen Heilige oder Märt\rerinncii sind - die Möglich- 
keit, in ihnen fürstliche Personen zu erkennen, ist nicht ausgeschlossen. 

Das sind jedoch auf größeren Kunstwerken die einzigen Beispiele 
aus dem 5. Jahrh. Die übrigen Mosaiken dieser Zeit, die im Westen 
sowohl wie im Osten (S. Giovanni in fonte-Neapel,' S. Fausta- 
Mailand," S. Georgios-Thessalonich '•') bieten noch keine nimbierten 
Heiligen; selbst noch in SS. Cosma e Damiano in Rom,'" S. Michele 



' Nr. i3i. d. K. M. Lt. 23. 

8 Nr. 471. Gar. 433, 8. (s. Taf. VI, 4). 

3 Nr. 340. Maskell, S. 52. 

* Die aiificblichcn Striihlciikruncn der drei Mai;icr auC einer (iar. 478, 38 ab- 
gebildeten und VI, S. 120 beschriebenen, ietzt im Kaiser l'ricdr. Mus. in Berlin 
belindlichen, ovalen Gemme sind nichts als das llnar der M.-igicr. 

* Nr. 1(19. Gar. 233. i. 

ß Nr. 21 3. Revue biblique .\, S. 436. 
' Nr. lOo. Gnr. 270. 

8 Nr. i63. Gar, 235 f. 

9 Texier and Pullan. Ryzaut. .\rchiieclurc. 
10 Nr. 122. d. U. M. 1,1. '5. 



— M ) — 

ans l<a\ ciina,' in Jlt ci/liisLliollichcii Kapc'lc in lia\enna' ans dem 
(). Jahrh. ersclicincn sämtliche Heilige noch ohne Jas Attribut, auch 
anl' den Goldgläsern =• sinJ auUer der hl. Agnes' alle Heiligen noch 
nnnimbiert dargestellt. 

Eist wieder die vielen Heiligen dei" beiden unteren Bildstreifen 
in S. Apollinarc niiovo, welche anf den thronenden Christus und die 
thronende .Maria /.nschieiten, aus der Mitte des G. Jahrh., tragen 
sämtlich den Nimbus.' 

Seit der Zeit wird er auf Mosaiken Lmd FresUen ein ständiges 
Attribut der Heiligen. Nicht so regclmal3ig auf den Werken der Klein- 
kunst. So erscheinen auf b\v.antinischen Siegeln manche Heilige noch 
ohne Nimbus (z. B. Siegel der Zirkusfraktion der Blauen mit dem Bilde 
des hl. Thcodosius "), die bekannten Tondäschchen mit der Figur des 
S. Menas zwischen zwei Kamelen' zeigen den Heiligen ebenso häufig 
mit wie ohne Nimbus (jedoch ist die .Möglichkeit in Betracht zu ziehen, 
daß diese Fläschchen vielleicht bemalt waren und der Nimbus darum 
überall da verschwunden ist, wo er nicht plastisch angedeutet war). 

Ob in historischen Bilderzyklen die Nimbierung der Heiligen 
ähnlich gehandhabt wurde wie die der Apostel usw. in den Bilder- 
bibcln, läßt sich nicht zur Genüge feststellen, da P'olgen von Martyriums- 
darstellungen aus dem 4. — 7. Jahrh. nicht erhalten sind. Auf dem 
Gemäldezykius in der linken Seitenkapelle von S. Maria Antiqua,'' 
welcher das Martyrium der hl. Quiricus und Julitta vor Augen führt, 
tragen beide Märtyrer regelmäßig den Nimbus (also nach Analogie der 
Gruppe 2, S. 53). In der Fvapelle der 40 Märtyrer dagegen sind die 
Heiligen nur auf dem Bilde, welches sie in der Gemeinschaft des 
himmlischen Christus darstellt, nimbiert;'-' während ihnen beim Mar- 
tyrium selbst das Attribut noch nicht verliehen ist.'" Die gleiche 
Unterscheidung des noch auf Erden lebenden von dem in die Selig- 
keit aufgenommenen Heiligen scheint auf der Menaspyxis!' des British 
Museum angewandt zu sein, wo ebenfalls in der Szene der Hinrichtung 



1 Nr. 204. Gar. 267. 

ä Nr. 200. Gar. 225. 

3 Nr. 424 ff. 

•i Nr. 441 und 442. Gar. 191, 3. Westdeutsche Z. 1S84, Taf. VI(, i. 

5 Nr. 176 und 177. Gar. 242 — 24?. 

s S. oben. Schlumberger, Sigillographie, S. 144. 

1 Nr. 53 1. z. B. Gar. 435, 4. 

8 Nr. 77. ■ 

3 Nr. 104. 

10 Nr. io3. 

11 Nr. 337. Dalton, Taf. I.\, vgl. jedoch oben S. 24. 



— n' 



der Heilige (S. Menasj noch licinen Nimbus tr'igt, wohl aber in dem 
folgenden Bilde, das ihn in der gewohnten Stellung als Orans zwischen 
zwei Kamelen zeigt. 

[7. Bischöfe, Kirchenväter, Geistliche. 

Kirchenväter und geistliche Würdenträger wurden bis ins 7. Jahrh. 
ohne Nimbus dargestellt, gleichgültig ob sie zur Zeit der Herstellung 
der betr. Kunstv\crke noch lebten oder vor lang oder kurz gestorben 
waren, ob sie zu den Heiligen zählen oder nicht: (in Rom: Felix IV. 
in SS. (^osma e Damiano;' Pelagius in S. Lorenzo;- Symmachus 
und Honoriuii in S. Agnese ;» Johann IV. und Theodorus in S. Venan- 
zio;' ein lesender KircheiiViiter (Augustinus?) im Hause an der Scala 
sancta.^ In Mailand: Ambrosius in S. Fausta.''" In Ravenna: Ecclesius 
und Maximianus (s. Taf. III, 4) in ^. Vitale;' Ecclesius, Severus, 
Ursus und Ursicinus in S. Apollinare in Classe ; ' bei Rabula : 
Eusebius \on Caesarea und Ammonius von Alexandrien."). 

Dagegen ist auf zwei Taufdarstellungen ''^ des 3. oder (3. Jahrh. 
dem die Taufe vollziehenden Priester, der in beiden Fällen wohl keine 
bestimmte Person oder Heiligen sondern ganz allgemein einen Geist- 
lichen vorstellt, der Nimbus verliehen worden. 

Der erste und einzige Bischof, welcher sich selbst auf einem von 
ihm gestifteten Mosaik mit dem runden Nimbus darstellen ließ, war 
Erzbischof Reparatus von Ravenna — er erscheint an der linken 
Seitenwand der Apsis von S. Apollinare in Classe " mit dem .\ttribute, 
neben den ebenfalls nimbierten Kaisern Konstantin Pogonatus, Hera- 
clius und Tiberius'- (s. Taf. I\', 1). 



■ Nr. 122. d. R. M. I.l. 5. 
••i Nr. 125. d. R. M. LI. 3. 

3 Nr. 126. d. R. M. Lf. 4. 

4 Nr. 127. d. R. M. Lf. i3. 

^ P h. Lauer, Les fouilles de Snncta Sanctorum au Latran. Mclanges d'ar- 
cheologie et d'histoire. Ecole Irancaise de Rom, ,\X, 1900. S. 25i ff., Tal. I.K .\. 
8 Nr. i63. 
' Nr. 179 und 188. 

8 Nr. 193. 

9 Nr. 244. 

10 Grabstein aus Aquileja, Nr. 333. Gar. 487, 26; i^raviertes Glasi;efiiP der Bibl. 
Vat., Nr. 451. Gar. 4Ü4, i. In karolingischer Zeit ist der Nimbus in analoger Weise 
im Sakramentar von Autun verwendet als Auszeichnung der sieben Vertreter der 
sieben Ordines vom Bischof bis herab zum E-Korzisten. 

" Nr. 195. Gar. 275, 2. 

'S Man hat aus dem Nimbus des Reparatus den Schhiß ziehen wollen, dnli das 
Mosaik erst nach seinem Tode fertiggestellt sei in der Voraussetzung, daß der 
Nimbus nur einem in die Seligkeit aufgenommenen Bischöfe zukommen könne. 



— 5S — 

Im 8. Jalirh. sind d;inii in S. Maria Antiqua die Kirchenväter 
und hervorragenden Bischöfe vergangener Zeiten ebenso durch den 
Nimbus ausge/.eichnet wie die Apostel, Patriarchen und die Heiligen. 

In Rom ließen sich die jeweilig lebenden Bischöfe seit Gregor I., 
in deutlich beabsichtigter Unterscheidung von dem runden Nimbus, mit 
einem neuen ähnlichen Attribut darstellen, einer das Haupt um- 
gebenden rechteckigen oder quadratischen Scheibe, welche meist als 
rechteckiger Nimbus bezeichnet wird. Diese Sitte blieb außer in Rom 
selbst besonders auf dem Monte (>assino und den Nachbarklöstern 
für die dortigen Aebte und auch niedere Geistliche mehrere Jahr- 
hunderte in Gebrauch, sie fand vereinzelt auch im übrigen Italien und 
in Deutschland Verwendung (das Nähere hierüber behandle ich im 
Abschnitt «rechteckiger Nimbus»). 

i8. Weltliche Würdenträger. 

Ob der runde Nimbus in altchristlicher Zeit außer den Kaisern 
und den Mitgliedern der kaiserlichen F'amilie auch andern weltlichen 
Würdenträgern oder Personen adeliger Geburt beigelegt wurde, muß 
zweifelhaft bleiben. Sichere Beispiele sind mir nicht dafür bekannt. 
Vielleicht aber zählen die beiden nimbierten Frauengestalten des 
Orpheusmosaiks in Jerusalem hierher.' 

Der rechteckige Nimbus dagegen muß in Rom in den letzten 
Jahrhunderten des ersten Jahrtausends als eine ziemlich allgemeine 
Au.szeichnung solcher Personen in Gebrauch gewesen sein. Die er- 
haltenen Denkmäler bieten uns mehrere Beispiele einer solchen Ver- 
wendung des eigentümlichen Attributs. In der Kapelle der SS. Qui- 
ricus und Julitta in S. Maria Antiqua erscheint sowohl der Stifter 
der Kapelle Theodotus wie seine beiden Kinder mit dem rechteckigen 
Nimbus,- und in der Kapelle des hl. Zeno in S. Prassede Theodora, 
die Mutter des Papstes Paschalis. ^ 



In dieser Weise den Nimbus als Zeitbestimmungsmittel zu benützen, ist :iber gerade 
im gegebenen Falle wenig angebracht, da doch auf dem gleichen Mosaik der Kaiser 
und seine zwei Söhne, welche alle drei zur Zeit der Anfertigung des Mosaiks am 
Leben waren, dasselbe Attribut tragen. Eine Auszeichnung, welche lebenden fiirst- 
lichen Personen unbeiJenklich verliehen ist, kann nicht gleicher Zeit bei einem 
geistlichen Würdenträger ein Zeichen dafür sein, daß er aus der Reihe der Leben- 
den geschieden ist. Ob tot oder lebend, selig oder nicht, Reparatus trägt den 
Nimbus in jedem Falle in seiner Eigenschaft als Erzbischof von Ravenna. 

1 Nr. 21 3. Revue biblique X, S. 436. 

2 Nr. 76, 78, 79. 

3 Nr. 148. Gar. 290. 



— D^J — 

Außerhalb Roms ist m. VV. bisher kein Denkmal bekannt ge- 
worden, auf welchem ein Laie den quadratischen Nimbus trägt. 

19. Sonstige Personen. 

Vereinzelt ist der Nimbus einigen anderen Personen erteilt worden, 
welche nicht in eine der besprochenen Ciruppen eingereiht werden 
köntien. 

Im (lubiciilum I des Coemet. malus' ist an der Hinterwand eines 
Arkosols ein Mahl \on sieben Personen dargestellt, von denen die 
mittelste durch einen grünen Nimbus ausgezeichnet ist. Da kein 
Grund vorliegt, diese Mahlszene auf eine der im neuen Testament 
berichteten zu beziehen und demnach in der nimbierten Gestalt 
Christus zu erkennen, wird man sich mit der Auskimft begnügen 
müssen, daß der Nimbus hier ganz im allgemeinen die Hauptperson 
unter den am Mahle Beteiligten kennzeichnet. 

Auf einer Grabplatte der Galleria lapidaria des \'atikan,- welche 
vom Grabe eines im kindlichen Alter verstorbenen Mädchens Benerosa 
herrührt, ist neben der Inschrift das Bild der Verstorbenen in Oranten- 
stellung eingraviert; ihr Haupt umgibt ein deutlicher Nimbus, der 
eine Verwechslung mit einem Schleier oder sonstiger e\entuell ver- 
zeichneter Kopfbedeckung ausschließt. Das ist das einzige bisher be- 
kannte sichere Beispiel der Verleihung des Nimbus an einen gewöhn- 
lichen Verstorbenen. 

Auf koptischen (irabsteinen ist der Kreis, der die Köpfe einiger 
Verstorbener umgibt, sicher als Schleier zu efkennen ; auch auf zwei 
nordafrikanisclicn Giabstcinen ist es mir nach genauer Besichtigung 
der Originale ebenfalls wahrscheinlicher, daß die das Haupt der betr. 
Oranten umgebenden eigentümlichen Kreisilächen Schleier sind aber 
keine Nimben.'' 

Die koptischen Gewebe bieten manche mehr oder minder sonder- 
bar gestaltete nimbierie Figin-en,' deren Deutung nicht sicher ist. Man 
braucht aber nicht anzunehmen, daß die Handwerker irgendwelche 
besondere Wesen darstellen wollten; sie mögen teils Kngel teils Heilige 
oder Apostel vorstellen, deren Zeichnung nur stark mißglückt ist. 

Auf einem Bronzeamulett des British Museum ' ist ein mit Mantel 



' Nr. 27. Gar. 60, 2. 

2 Nr. 333. R, Q. S. iSgC), S. j36. 

' Vgl. Anui. zu Nr. 322. 

■* Vgl. bes. Nr. 402 und 40}. Foircr. .MicitUmcr, S. 20 und T.il. .Wll, 2. 

» Nr. 5i 1. l);ilt<in. Nr. 555. 



— ()0 — 

bekleidetes menschliches Wesen dargestellt, welches über eine nackte 
vor ihr sich duckende Figur eine Peitsche schwingt, es trägt einen 
Nimbus. Ob diese nimbierte Figur irgend ein zum Schutz oder zur 
Zauberei angerufener oder verwünschter Dämon oder irgend ein 
Heiliger sein soll, ist zweifelhaft; jedoch ist letzteres wahrscheinlicher 
nach Analogie des von Schlumberger besprochenen Elfenbeinsiegels 
mit einer ähnlichen Figur der hl. Marina.' 



Gdzettc ai-chcol. VIII. S. 1 5o. 



URSPRUNG UND BEDEUTUNG DES NIMBUS UND 
DER VERWANTDEN ATTRIBUTE. 




trahlcnkranz und Krone, Nimbus und Aureole wurden auch 
in der aitchristlichen Kunst als Lichtsymbole verwendet; sie 
sollen irgendwie einen Glanz, darstellen, der sich von den 
mit einem oder mehreren dieser Attribute ausgestatteten Gestalten ver- 
breitet. Wie jedoch die christliche Kunst zu diesen .\ttributen gekommen 
sei und welche Gedanken sie durch dieselben sum Ausdruck bringen 
wollte: diese zwei P>agen sind bisher sehr verschieden beantwortet worden. 

I . Strahlenkranz und S 1 1' a h 1 e n k r o n c. 

Wenig oder gar kein Zweifel kann über Ursprung und Be- 
deutung von Strahlenkranz und Straiiienkrone herrschen. Beide linden 
sich nur bei solchen Gestalten, welche die chri•^tliche Kunst von der 
heidnischen ohne weiteres entlehnte: beim Sonnengott und beim 
Phönix; zugleich mit diesen Gestalten hat sie auch ihre .Attribute 
ohne Umformung übernommen; sie legte ihnen auch keinen neuen 
spezifisch christlichen Sinn unter, sondern Strahlenkranz und -kröne 
sind nach wie vor ein .\u>drnck des strahlenden, hellen Lichtes, das 
sich von der Sonne sowohl wie auch nach der mythischen Ueber- 
lieferung vom Vogel Phönix verbreitet. 

■2. N i ni b u s. 

Ursprung und Ikvieutung des christlichen Nimbus sind nicht so 
klarliegend ; die von den l-'orschcrn gegebenen Antworten bewegen 
sich darum auch auf ziemlich weiter Flache, deren üulJere (iren/en 



— fyl — 

durch folgende verschiedene Ansichten bcstimnn werden : der Ur- 
sprung ist allein in der Bibel zu suchen • — er ist allein in der 
hellenistischen Kunst zu suchen ; der Nimbus ist nichts als ein von 
den Malern mißverstandener Schutzdeckel der Statuen gegen Vogel- 
schmutz — er ist ein Symbol alles Göttlichen und Himmlischen. 

Zunächst scheidet ein Teil der von dei* altchristlichen Kunst mit 
Nimbus dargestellten Gestalten von vornherein aus jeder weiteren 
Untersuchung aus, da für ihre Nimbcn die richtige Antwort schon in 
dem bisher Ausgeführten gegeben ist: die Personifikationen und die 
Herrscherbilder. Bei ihnen ist die Austattung mit dem Attribut eine 
unmittelbare Fortsetzung der in der Profankunst für die entsprechenden 
Gestalten gleichfalls üblichen Nimbierung. 

Die Genien, Jahreszeiten, Städtefiguren auf christlichen Denk- 
mälern sind samt ihrem Nimbus direkte Nachbildungen heidnischer 
Vorlagen, da bedurfte es keiner großen Ueberlegung mehr, auch die 
reinchristlichen Personifikationen, wie die Sophia und Prophetia mit 
dem gleichen Attribute auszustatten. Auch in dem unregelmäßigen 
Gebrauche des Nimbus bL-i diesen Gestalten, der bald hinzugesetzt, 
bald weggelassen wird, folgten die christlichen Künstler den Heiden. 
Eine irgendwie neue, christlich beeinflußte Symbolik wird man ebenso- 
wenig im Nimbus der Personifikationen suchen wollen, sondern wie 
in der heidnischen Kunst soll er auch hier zum Ausdruck bringen, 
daß die damit ausgestatteten Figuren keine gewöhnlichen Menschen, 
sondern bedeutungsvolle Gestalten sind, welche nach Stephanis Aus- 
druck, einer höheren idealen Welt angehören. 

Daß vereinzelt auch dem Sonengotte und dem Phönix in der 
älteren Zeit (4. Jahrh.) statt des Strahlenkranzes der Nimbus gegeben 
worden ist, ist einmal ein Zeichen, daß auch die christlichen Künstler 
im 4. Jahrh. sich der Verwandtschaft der beiden Attribute noch be- 
wußt waren, dann aber ist es wiederum ein Zeugnis für den engen An- 
schluß an heidnische Urbilder; denn auch in der griechisch-römischen 
Kunst wurde gelegentlich mit dem Attribut gewechselt.' 

Für den Nimbus der Herrscherbilder auf altchristlichen Kunst- 
werken waren die nimbierten Darstellungen der römischen Kaiser 
maßgebend. Demnach hat auch bei ihnen das Attribut nichts mit 
Göttlichkeit oder dergleichen zu tun, sondern es ist ein Ausdruck der 
höheren Würde der Fürsten und Könige ; besonders deutlich tritt 
das bei den christlichen Darstellungen solcher Herrscher zutage, die 



7. B. bei Apollo, Stephani, Nimbus S. 23; bei Zeus, a. a. O., S. i3 f. 



- 63 — 

nach normalchristlichem Urteile sehr wenig Anspruch auf Heiligkeit, 
Seligkeit oder einen Funken göttlichen Geistes machen können, wie 
Herodes oder Merodach. 

Für eine weitere Untersuchung bleibt also nur der Nimbus der 
eigentlich christlichen Gestalten d. h. Christi, der Engel, Apostel, 
Heiligen usw., über dessen Ursprung und Bedeutung allerdings noch 
manche Zweifel und Unklarheiten herrschen, die nicht ohne weiteres 
gelöst werden können. 

Vor dem P^intreten in die demnach noch notwendige Untersuchung 
lasse ich an dieser Stelle einen kurzen Ueberblick über die bisherigen 
Erklärungen des «christlichen» Nimbus folgen. 

Den Ikonographen des Mittelalters lag der Gedanke an einen 
möglichen Zusammenhang des «Heiligenscheins» mit dem Nimbus 
der Alten ganz fern; man warf ihn zusammen mit Krone und 
Diadem als ein Zeichen der den Heiligen bezw. Christo oder den 
Aposteln von seiten Gottes erwiesenen Ehrung, und deutete ihn auf 
Grund seiner schildartigen Form aus der Bibel. In diesem Sinne 
spricht sich Durandus über den Nimbus aus: Sic et omnes sancti 
pinguntur coronati (nimbicrt) quasi dicat: Filiae Jerusalem, veniie et 
videte martyres cum coronis aureis, quibus coronavit eos Dominus; et 
in libro Scientiae: Justi accipient regnum decoris, et diadema specici 
de manu Domini (Sap. 5). Corona autem huiusmodi depingitur in forma 
scuti rotundi, quia sancti Dei protectione divina fruuntur, unde cantant 
gratulabundi : Dominc ut scuto bonae voluntatis coronasti nos (Ps. 5).' 

Merkwürdig genug, wird diese mittelalterliche Erklärung noch in der 
Revue de l'artchretien 1859 8.227- und sogar noch iiSNö S. (jj^ gebilligt. 

Von den Archäologen der neueren Zeit versuchte nur noch Sab.itier. 
trotzdem er Stephanis Untersuchung kennt und erwähnt, die Entstehung 
des Nimbus allein mit Rücksicht auf seine Schildform zu erklären.' 



' Rationale ilivin. ofiic. Lib, I, C^ip. III, 19 und 20 (oJ. Ncapoli iSix), p. 211). 

- La couronne ou MurJolo des saints est rcpresentce snus la forme d'un liou- 
LÜer rond, parcequc les saints sont sous la proieclioii speciale de l.i divine l'ro- 
vidence et qu'ils cliantent avcc joie : Seij;neur, \iuis nous ,ivez cdiivlti de votrc 
amour comme d'un bouelier. 




- (H - 

Der erste, der eine Monof^raphic über den Gegenstand schrieb, 
.loh. Nicolai,' sah nur in dem Nimbus der Maria eine Reminiszenz 
an antike Vorbilder ; '-' i'ür den Nunbus Christi weist er den Zusammen- 
hang mit dem Nimbus der Alten zurück Lmd erklärt ihn aus biblischen 
Vorstellungen (Matth. 17 und Apokalypse),-' ebenso den der Engel;'' 
den Nimbus der Apostel macht er sich durch symbolische Ausdeutung, 
verständlich ;■' den der Heiligen dagegen, denen er sichtlich nicht 
freundlich gesinnt ist, führt er auf jenes erwähnte Mißverständnis der 
Maler zurück." 

Auch Marangoni vertrat die Ansicht, die alten Christen hätten 
nicht den Nimbus der Heiden übernommen und in ihrem Sinne ver- 
wandt, sondern sie hätten das Attribut selbständig aus der hl. Schrift, 
besonders aus dem Bericht von Moses leuchtendem Angesicht und 
von der Verklärung Christi und aus der Apokalypse als einen Aus- 
druck des göttlichen Glanzes erfunden.' 

Ciampini erkannte den Nimbus als eine Entlehnung aus der heid- 
nischen Kunst an, sah in ihm aber ein Symbol der seligen Ewigkeit. ** 

Die meisten übrigen Erklärer des christlichen Nimbus stimmen 
in zwei Punkten überein : erstens, daß das Attribut von der heid- 
nischen Kunst übernommen sei, und zweitens, daß es die Andeutung 
eines Glanzes sei, der sich um das Haupt einer damit geschmückten 
Person verbreite. Aber hinsichtlich der speziellen S3'mbolik, die 
dieser Glanz zum Ausdruck bringen soll, gehen ihre Meinungen ziem- 
lich auseinander. 

Einige, die nach sorgfältigerer Prüfung zu der Einsicht kamen, 
daß eine allgemeine Erklärung, wie «Zeichen von Heiligkeit» oder 



1 Johannes Nicolai, Disquisitio de nimbis antiquorum, Imaginibus Deoium, 
Imperatorum olim et nunc Christi, Apostolorum et IVIariae capitibus adpictis. 
Jena 1699. 

2 a. a. O., S. ]3o. Qui nimbum circularem capiti Mariae addunt, respiciunt 
ad antiquorum Heroum Coronas, quas pretiosis lapidibus radiatos reddebant. 

* a. a. O., p. 108. 

* a. a. O., p. I 3 I. 

ä a. a. O., p. 123. ... quod veluti Luna radiüs a Sole accipiat, ita illi (die 
Apostel) radios a Sole Christo habeant. 

" a. a. O., p. 84. Id Circo n^viaysA imponebantur statuis, ne ab avibus conspur- 
carentur. Hi |j.yjvia)(Oi. adhuc. hodieque in templis Christianorum imponuntur 
capitibus statuarum. Cujus tarnen rei causam ignorantes pictores, dum putant 
honoris causa imponi debere, non solum omnibus statuis imponunt, sed et ima- 
ginibus quoque pictis adhibuerunt, quae tarnen illis opus non habent, ut staluae. 

" Cose gentilesche e protane . . . cap. XXXV, S. 145. Roma 174.1- 

** Vetera Monimcnta I, S. 1 1 5. 



— bb — 

«Göttlichkeit» nicht ausreichend sei, kamen darauf, dem Nimbii'^ mehrere 
Bedeutungen beizulegen. 

Boldetti sieht in dem Nimbus der Engel, Apostel und Heiligen 
ein äußeres Merkmal «per dinotare in essi il lume di quella gioria che 
loro fu conceduta», in dem Nimbus Christi dagegen ein Zeichen seiner 
Göttlichkeit.' 

Didron, der sich sehr ausführlich über den Nimbus ausgesprochen 
hat,' unterscheidet Verwendung und Bedeutung desselben im Morgen- 
lande und im Ahendlande; im (3ccident sei er l'attribut de lasaintete; 
im Orient dagegen «le nimbe caracterise l'cnergie physique aussi bien 
que la force morale, la puissance civile ou politique aussi bien que 
l'autorite religieuse». In den Fällen, wo er auch im A.bendlande die 
letztere Bedeutung annehmen mußte, witterte er orientalische Einflüsse.^ 

Mit größerer historischer Treue verfuhr Grimouard de St. Eaurent.* 
indem er die Bedeutung des Nimbus in der altchristlichen Kunstepoche 
als wesentlich verschieden von der im späteren Mittelalter und in 
der Neuzeit erkannte. Er faßt seine Untersuchung über den Nimbus 
dahin zusammen, daß derselbe in den ersten Jahrhunderten seines 
Aufkommens in der christlichen Kunst verwendet wurde «comme un 
attribut propre ä la divinite et quelquefois attribue aux anges ; . . . . 
ii semble en eilet qu'alors par le nimbe on ait voulu exprimer quel- 
que chose venant du ciel,»'' aber mit Rücksicht auf die Nimbierung der 
Herrscher setzt er hinzu: «il fut aussi compris comme im signe 
d'elevation, d'autorite et de force.»'"' 

Garrucci stellt das Vorkommen des Nimbus bei drei Gruppen von 
Gestalten fest. Erstens dalle persone divine e dallc sostanze Celeste 
(Christus, Gott, Engel) zweitens bei den Heiligen (nimbo distintivo di 
santitä) und drittens bei den Herrschern zum Zeichen ihrer Macht.' 
. Auf eine einhciiliche Grundbedeutung zurückzugehen, die für alle 
in der altchristlichen Kunst mit dem Nimbus ausgestatteten Gestalten 
anwendbar sei, war erst möglich auf Grimd Stephanis eingehender 
Untersuchung über den Nimbus in der griechisch-römischen Kiuist, 



' Osserviizioiii II, S. 2o3. 

2 Iconographie clirJtieniU'. Ilisloiro ilc Dien, .<?. 4 IT. 

s a. il. ()., S. 65. 

* Du nimbe, Kcviio de liiii chictini MI. (V^l. (iuiile Jf l'art chrcticn II, 
S. öll. I\iiis i«73.) 

•■■ il. :i. (),, S. 78. 

" ,n. ;i. Ü., S. 81. — Vgl. ferner d. .Ailikel «Nimlic» in .\I.iiii>;n\ , |)i. ii..nii iiii> .Ics 
iintiquitüs chrctienncs. 2. AuH. if<77, S. 498 ff. 

' Garrucci, .^toria dcll' .irto T, S. loS 11. 

KKÜCKK. 5 



— m — 

nacli welcher die Künstler und Handwerker des ausgehenden Alter- 
tums den Nimbus zur Andeutung höherer Natur überhaupt verwandten 
für alle über das cGemein-Menschliche hinausliegenden Gestalten«.' 

Dieser AuHassuiig entsprechend nennt de Ilossi den altchristlichen 
Nimbus ein indizio di natura superiore all'umana.'-' 

Ihm folgten die meisten neueren Archäologen. De Waal bezeiciinet 
des Attribut als ein «Symbol einer das gewöhnliche Menschliche über- 
ragenden Grolle und Krhabenheit».-' F. X. Kraus äußerte sich unbe- 
stimmtei' dahin, daß der Nimbus «zunächst niu^ einen allgemeinen 
Vorzug, nicht den Charakter der Heiligkeit ausdrücken sollte».' N. 
Müller kam zu dem ähnlichen Resultate, daß die altchristlichen Künstler 
durch den Nimbus den betr. Gestalten das «Gepräge größerer Bedeutung, 
Würde tmd Hoheit aufdrücken wollten»! Der Nimbus sei somit «der 
Ausdruck eines Hoheitsideals ähnlich dem zu gleicher Zeit aufkom- 
menden Bart').'' 

Während die letztgenannten aber den Nimbus durchaus als ein 
Erbstück der griechisch-römischen Kunst ansehen, möchte neuerdings 
Koloman Andrassy die Bibel wieder als Hauptquelle des christlichen 
Nimbus betrachten." 

Die Vorstellung von dem leuchtenden Glänze, der die Gestalten 
und besonders die Häupter der Götter und Heroen umgeben sollte, 
hatte die griechische Kunst zur Erfindung des Nimbus geführt als 
eines bequemen äußeren Ausdrucksmittels jenes Glanzes. 

Die biblischen Bei'ichte über Gotteserscheinungen sind denen der 
griechischen Dichter durchaus ähnlich. Dem ganzen alten Testamente 



I Stephani, a. a. O., S. gS tT. — S. 63. An letzterer Stelle, an der Stcphani 
den zitierten Ausdruck gebraucht, spricht er dem Wortlaute nach allerdings nicht 
direkt vom Nimbus, sondern vom Strahlenkranz. St. macht jedoch zwischen den 
beiden Attributen hinsichtlich ihrer Bedeutung und auch sonst keinen scharfen 
Unterschied, .außerdem ist der an betr. Stelle besprochene Strahlenkranz nur auf 
der Zeichnung vorhanden, die Stephani vorlag; tatsachlich aber handelt es sich 
um einen einlachen Nimbus. (Die nNvx» im griech. Psalter der Hibl. Nat. zu Paris 
Gr. 139.) 

-' Bull. 1876, S. 10. 

■' Artikel «Nimbus» in Kraus, Real. Encyklopädie II, S. 4g6. 

■1 Geschichte der christl. Kunst I, S. 220. — Vgl. lerner Detzel, Christliche 
Ikonographie. Freiburg iSg4, S. 47 ff. . 

5 Artikel «Heiligenschein" in Hauck, Real-Encyklopädie für Protestant. Theo- 
logie. 3. Aufl. Bd VII, S. 562. 

5 Koloman Andrassy, Der Nimbus in der christlichen Kunst. Compte rendu 
du IViime Congres scientifique internationale des Catholiques, .Art chretien, Archeo- 
logie, Epigraphie. Fribourg (Suisse) 1898. (Im Abschnitt U, Seitenzahl habe ich 
nicht notiert.) 



- ()7 - 

ist CS eine gcläurigc \'orstcllung, daß Gott und seine Engel sich im Licht, 
im Feuer, Blitz oder einer leuchtenden Wolke otl'enbaren.' Diesen 
göttlichen Lichtglanz dachte man sich so stark, daß ein Mensch, der 
Gottes unverhülltes Angesicht oder das eines Engels gesehen habe, 
dem Tode verfallen sei.-' oder daß er selber wie .Moses nach dem 
Schauen Gottes mit solch übernatürlichem Glänze ausgestattet würde. ^ 
Die gleichen \'orstellungen gingen auch ins neue Testament über, wo 
es von den Engeln, die den Hirten das Evangelium verkündigen, 
heißt: «die Klarheit des Herrn umleuchtete sie»* und vondem Engender 
den Stein von der Grabestür entfernte «seine Gestalt war wie der 
Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee».' Die Berichte von der 
Verklärung (>hristi heben hervor, daß sein .\ntlitz weiß wie der Schnee 
glänzte und daß auch Moses und^Elias ><in Klarheit» erschienen.'^ Die 
Apostelgeschichte erzählt, daß Paulus von dem Lichte, daß ihn um- 
leuchtete, als sich ihm auf dem Wege nach Damaskus der Herr olVen- 
barte. geblendet \\au\ie, so daß er drei Tage nicht sehen l<onnte.' 

Besonders häufig ist dieser Vorstellung in der Apokalypse Aus- 
druck verliehen. Von dem, der zwischen den sieben l>euchtern thront, 
heißt es in der ersten Vision, «sein .\ntlitz leuchtete wie die Sonne»," 
dasselbe wiid c. lo, i von einem Engel ausgesagt. In der großen 
Vision im 4. Kap. wiid der zwischen den 24 .\eltesten thronende 
C^iristus in den leuchtendsten Farben geschildert: «er war gleich anzu- 
sehen wie der Stein Jaspis und Sardis, und ein Regenbogen war um 
den Stuhl gleich anzusehen wie ein Smaragd». " 

In ganz analoger Weise spreciien die patristischen und apokryphen 
Berichte über Gottes- und Engelerscheinungen.'" 

Gäbe es in der vorchristlichen Kunst keinen Nimbus, so lüge der 
Gedanke ohne weiteres nahe, den Nimbus der christlichen Kunst aus 



' Gott : Gen. 1 5. 17; Ex. 3, i fl".; i3, 2 1 f.; i^, 24; 19, nJ — 18 ; 20. iS ; 24. 10 f., 
i5— 18; 34, b; Num. 9, nC: 12, 3; 14, 14; Deut. 4, 12,24,33, 36; 5,4!"., 2j— 2t); 
9, 3, i5; 10, 4; Jes. 3o, 3o ; 66, i5; lizech. 1, 27; Vgl. r, 4 und i3; Mal. 3, 2; 
Ps. 5o, 3. Engel: luil. 6, 21 — >.3; Tj, 20; l's. 104, 4; Dan. 10, 5 und 6. 

- Ex. 3, 6; 33,20,23; Num. 17, i3; Deut. 4,33; 5, 24-16; Jes. 6, 5. Engel: 
lud. 6, 21 —23 ; I 3. 21. 

^ Ex. 34, 29 ff. ; 2. Kor. 3, 7 und i3 

* Luk. 2, y. 

■' Mntth. 28, 3. 

" Malth. 17. 1 If. ; Mark, .j, 2 ff.; I.uk. 9, 28 ff. 

' .\ct. 9, p — 9. 

* Apok. 1 , i(). 

'■> Apük. 4, 'i. vf^l. ferner 12, 1 ; 14, 14; iS, 1 ; 19, 1.:. 

I" E. von Dobsehütz, Glirisiushiider, Ecip/ii; 1S99. S. .So, .Viun. 1; .'s. 63; lii 
usw. .Siuhll'.uith, Die ICuLjel, S. ii4 ('. Dietrich, Nekyi 1. 



— GH — 

diesen biblischen Vorstellungen abzuleiten und ihn dementsprecherid 
als einen Ausdruck göttlichen Liclilglanzes anzusehen. Aber auch bei 
Beachtung des hellenistischen Nimbus wird man trot/.dem leicht ge- 
neigt sein, in den erwähnten biblischen Berichten, besonders in denen 
von der Verklärung Christi und den apokalyptischen . Visionen, in dem 
das Leuchten des Antlitzes Christi ausdrücklich hervorgehoben wird, 
die Quelle zu suchen, aus der die Künstler wesentlich selbständig d. h. 
Luiabhängig von dei' heidnischL'ii Kunst, Idee und l'V)rm des Nimbus 
geschöpft hätten. 

Nun hat aber die altchristliche Kunst, bevor sie den Nimbus 
Gotte, Christus und den Engeln verlieh, ihn bei solchen Gestalten 
verwendet, die mit der Bibel gar nichts zu tun haben, sondern aus 
der Profankunst samt den ihre Köpfe umgebenden Nimben entlehnt 
wurden. Man könnte also höchstens sagen; der Form nach ist der 
Nimbus von den Heiden übernommen, aber was die christlichen 
Künstlei" veranlaPte, ihn auf (>hristus usw. zu übertragen, das 
waren jene Vorstellungen der lilg. Schriften. Aber auch das trifft 
nicht zu. Denn in den Darstellungen solcher Szenen und Vorgänge, 
bei denen die Bibel einen übernatürlichen Lichtschein besonders er- 
wähnt, haben sich die Künstler anderer Mittel bedient, um den Glanz 
des Göttlichen zum Ausdruck zu bringen. In alttestamentlichen Szenen 
meist einer leuchtenden Wolke oder Strahlen; bei der Verklärung 
geben sie Christus zwar auch den Nimbus wie in allen andern Szenen, 
außerdem aber umrahmen sie ihn mit einer leuchtenden Aureole, 
während sie bei Moses und Elias, von denen es doch auch heißt, daß 
sie «in Klarheit» erschienen, den Nimbus sogar weglassen,' den die 
beiden Propheten sonst ziemlich häufig tragen. Ebenso ist Christus 
auf den in Anlehnung an die große Vision der Apokalypse kompo- 
nierten Gemälden außer vom Nimbus noch von einer Aureole in den 
Regenbogen färben umgeben. Der Nimbus, der sich in allen andern 
Szenen in gleicher Weise bei Christus findet, ist demnach nicht das 
Besondere; nicht er also, sondern Strahlen und Aureole sind in allen 
diesen Darstellungen der bildliche Ausdruck der Bibelworte, der 
Nimbus dagegen ist ein von ihnen gänzlich unabhängiges Element. 
Für den Nimbus der Heiligen aber oder der biblischen Personen wie 
■z. B. der Elisabeth oder des Josua finden sich gar keine Anhalts- 
punkte in der Bibel. 

Der Nimbus der christlichen Gestalten hat also seinen Ursprung 



" Vgl. Nr. i33, 190, 214. d. R. M. 21; Gar. 265, i; Gar. 268. 



- 69 - 

weder der Form noch dem Inhalte nach in den heiligen Schriften, dieser 
ist vielmehr ebenfalls in der griechisch-römischen Kunst zu suchen. 
Dagegen wird man wohl sagen können, daß jene in der Bibel so häutig 
ausgesprochene, im allgemeinen Menschenbewußtsein gegründete Vor- 
stellung, sich Gott und das Göttliche im Lichte zu denken, der 
Herübernahme des Nimbus aus der heidnischen Kunst und seine Ueber- 
tragung auf Christus usw. nicht hinderlich gewesen ist. 

Aber die Antwort, daß der «christliche« Nimbus aus der «heid- 
nischen» Kunst übernommen ist, ist zu allgemein und genügt noch 
nicht, um alle Zweifel über seine Bedeutung auszuschließen. Es lassen 
sich aber mit ziemlicher Deutlichkeit an einigen Punkten die Ver- 
bindungslinien genauer nachweisen, welche im einzelnen zwischen dem 
Nimbus christlicher Gestalten und solchen der spätantiken Profan- 
kunst bestehen. 

Nachdem früher der Versuch gar nicht gemacht worden war, 
diese Verbindungslinien zu finden, hat zuerst N. Müller sich für 
einen näheren Zusammenhang des Nimbus Christi mit dem kaiser- 
lichen Nimbus entschieden.' Die Gründe, welche er hierfür anführt, 
finden in dem Denkmälerbestand ihre Bestätigung. Denn, wie sich aus 
der oben S. 5b ü'. gegebenen Untersuchung über das erste Auftreten des 
Nimbus bei christlichen (Gestalten ergab, begannen die christlichen 
Künstler im zweiten Viertel des 4. Jahrh. das Attribut zunächst bei 
Christus in den Szenen zu verwenden, welche ihn der Krde entrückt, 
umgeben von den zwölf Aposteln oder einem Teil von diesen, ge- 
wöhnlich nur von Petrus und Paulus, auf einem Thronsessel sitzend 
oder auf erhöhtem Standorte stehend, zur Darstellung brachten, während 
sie ihm in historischen Szenen zunächst noch nicht den Nimbus bei- 
legten. 

Was kann sie veranlaßt haben, gerade den erhöhten Herrn seit 
jener Zeit so zu kennzeichnen ? 

Daß es ihnen nicht darauf ankommen konnte, die Göttlichkeit des 
himmlischen C^hristus auf diese Weise zu versinnbildlichen, scheint 
sich schon daraus zu ergeben, daß für einen solchen Zweck der 
Nimbus in jener Zeit wenig geeignet war, da er nur noch in sehr 



' Artikel « Heilif^enschcin« in Hauck, Keal-Encyklopädie. 3. Aufl., Bd. VII, 
S. 56i f. Der Gedanke O. Seecks. (Zeitschrift lUr Numismoiik iSqS, S. ^t'O, daP der 
Nimbus iler Kaiser spüter nuf die Heiligen Ubertranen sei twej-en der Macht, die 
maa ihren Reliquien zutraute» ist nur eine i;eiei;eniliche, der näheren BeijrUndun}; 
ermangelnde .Aeul'erung, ilie das zeitlich IrUhere Auftauchen dos Nimbus bei 
Christus, den l'^ngeln, Jen .Aposteln nicht berücksichtigt. 



- lo — 

«bgcschwiiclncm MaI3c ct\v;is mit Göttlichkeit zu tun hatte iS. 6). 
Der Nimbus wäre in diesem Falle ein ziemlich nichtssaj^endcs Attri- 
but für (Christus, dan/, anderen Wert gewinnt die Auszeichnung des 
eiiiöliten licrrn durch den Nimbus, v\'enn man das Attribut bei iiim 
in dem gleichen Sinne gelten Hißt wie bei den römischen Kaisern des 
4. .lahrh., nämlich als ein Zeichen von Hoheit und Würde. 

Diese Krwägung ist es jedoch nicht allein, die den Gedanken an 
einen Zusammenhang des Nimbus des erhöhten Herrn mit dem 
kaiserlichen Nimbus nahelegt; dal'iu' sprechen vielmehr mehrere andere 
Gründe. Zwischen den Darstellungen der Kaiser aus jener Zeit, wie 
z. B. der Maiestas, Liberalitas und der Allocutio einerseits und denen 
des «erhöhten» Herrn, sei es des thronenden sei es des auf erhöhtem 
Standorte stehenden, andrerseits bestehen gewisse Beziehungen und 
formale Verwandtschaften, welche nicht wohl zufällig sein können ; 
sondern sie werden sich dadurch erklären lassen, daß die christliche 
Kunst sich bei der Schaffung des erst seit der konsiantinischen Zeit 
auftauciienden Darstellungstypus des «erhöhten» Christus in formaler 
Hinsicht an jene Herrscherdarstellungen angelehnt haben. Kann man 
doch seit Konstantins Uebertritt zum Christentum füglich sogar von 
einer HotTähigkeit des Christentums reden, und dies auch insofern, 
als nunmehr die Christen in ganz anderer Weise mit dem Kaiserhofe 
in Verbindung traten und wohl auch mit ganz anderen Augen als 
vorher das dort übliche Zeremoniell betrachteten. 

Was speziell die Darstellung der Kaiser seit Konstantin d. Gr. 
angeht, so war gerade bei ihnen der Nimbus zu einem beliebten 
Attribute geworden ; — nicht lange darauf taucht er auch bei Christus 
in den genannten Szenen als ziemlich regelmäßiges Attribut auf. 
während ihm vor dieser Zeit dieses Attribut niemals verliehen worden 
war. Unter diesen Umständen kann man sich der Schlußfolgerung 
schwerlich entziehen, daß auch der Nimbus Christi von den Kaiser- 
darstellungen entlehnt wurde. Besteht aber dieser Zusammenhang, 
dann bedarf es weiter keiner Untersuchung, welchen Gedanken die 
christlichen Künstler durch Erteilung des Nimbus an Christus Aus- 
druck verleihen wollten. Bei den Kaiserbildern war das Attribut 
zum Zeichen der höchsten Würde unJ Hoheit geworden, auch bei 
Christus kann es darum keinesfalls eine Andeutung seiner Göttlichkeit 
sein, sondern den Christen kam es darauf an, bei jenen Darstellungen 
des erhöhten Christus die Erhabenheit und Würde ihres Herrn und 
Meisters durch den Nimbus hervorzuheben und zum Ausdruck zu 
bringen. 



- 7' - 

Daß die christlichen Künstler sich bei der Verwendung des 
Nimbus von dem Grundsatze leiten ließen, den betr. Gestalten den 
Charakter höherer Bedeutung und Würde aufzuprägen, ergibt sich 
in gleicher Weise an einem anderen Punkte, an welchem sich eben- 
falls die Beziehungen zwischen dem Nimbus der spätantiken Profan- 
kunst und dem Nimbus christlicher Gestalten mit einiger Deutlichkeit 
verfolgen lassen. Das ist der Fall in den bibli^chen Bilderzyklen, wie 
sie vor allem die Miniaturen darbieten. Die heidnisch-profanen 
Parallelen zu diesen biblischen Bilderserien bieten die Illustrationen 
zu Homer und Vergil, die uns in einigen Exemplaren erhalten sind. 
In diesen war es im Laufe des 4. und. 5. Jahrh. in steigendem Maße 
Sitte geworden, alle aus dem gemeinen Menschenhaufen hervorragenden 
Gestalten mit dem Nimbus auszustatten; der typische der Vernichtung 
entgangene Vertreter für diese Handhabung der Nimbierung ist der 
Vergil der Vatikanischen Bibliothek (Nr. 3807). Diese spätantiken 
Klassikerillustrationen sind in formaler Hinsicht vielfitch als die 
Vorlagen der altchristlichen Bilderbibeln zu betrachten, so werden 
sich letztere auch in Art und Weise der Verwendung des Nimbus an 
jene angelehnt haben. Deutlich tritt dies Abhängigkeitsverhältnis in 
der Josuarolle zutage, deren kriegerische Szenen gerade so gut vor 
den Mauern Trojas wie im heiligen Lande Palästina zu denken sind. 
In ihr erscheinen drei Klassen nimbierter Gestalten: die Städte- 
personifikationen, Josua und der Engel Michael. Die Personifikationen 
haben ihren Nimbus, wie oben S. 3o f. ausgeführt, weil in den pro- 
fanen Kunstwerken die gleichen Gestalten ebenfalls nimbiert wurden. 
Josua aber trägt das Attribut als der Held, der in der Geschichte die 
Hauptrolle spielt, — genau wie im Vergil der Vaticana die Haupt- 
personen Aenaeas, Dido usw. mit dem Nimbus erscheinen. Wenn 
man nicht imstande ist, für die Ijigel eine genaue Parallele heran- 
zuziehen, so kann das nicht wunder nehmen, da die ganze .\nschauung 
von Engeln und dem ihnen von Gott übertragenen Dienst als \'er- 
miitler der Antike naturgemäß fremd ist. Jedenfalls aber ist ersichtlich, 
daß es dem christlichen Künstler, der den Josua illustrierte, darauf 
ankam, nach dem N'orbilde seiner heidnischen .Muster alle die 
Gestalten, welche etwas Hedeutimgsvolles und Hervorragendes reprä- 
sentieren, duich den Nimbus in augenfälliger Weise hervorzuheben. 

Der Nimbus wird also hier in gleicher Weise als .Ausdrucks- 
mittel fiu die gleiche Sache gebraucht, wie bei den Darstellungen des 
erhöhten Herrn, d. h. als ein Zeichen höherer Würde und Bedeutimg. 
Im gleichen Sinne wurde auch dem Herodes und .Mcrodach und 



anderen Fürsten und Königen das Attribut erteilt, Und auch die Be- 
deutung des Nimbus der Personiliiiationen stimmt damit überein. — An 
allen Punkten also, wo sich der Zusammenhang des christlichen Nimbus 
mit dem spätantiken Nimbus der Profankunst mit einiger Deutlichkeit 
veriolgen ließ, kommt man zu dem gleichen Resultat; so wird es als 
gesichert betrachtet werden können, daß bei allen in der frühchrist- 
lichen Kunst mit dem Attribut ausgestatteten Gestalten dem Nimbus 
jener Sinn zukommt, nämlich, daß die Künstler die Absicht verfolgten, 
allem Bedeutenden, dem entweder dem Wesen nach oder nur für den 
gegebenen Fall der Charakter des Hervorragenden anhaftet, durch 
den Nimbus höhere Würde beizulegen und es aus der bedeutungslosen 
Masse hervorzuheben. Es kam nur auf den Maßstab an, nach welchem 
sich bestimmte, ob eine Gestalt würdig genug wäre, die Auszeichnung 
des Nimbus zu erhalten oder nicht. Dieser .Maßstab war natürlich 
nicht mehr der antik-heidnische, sondern christlich orientiert. Auch 
war er nicht von Anfang an derselbe, sondern zunächst ein ziemlich 
strenger, erst im Laufe der Zeit setzte man die Ansprüche, die ein 
Recht auf Ausstattung durch den Nimbus gaben, herab. 

Als man anfing, den Nimbus auf christliche Gestalten zu über- 
tragen, geschah dies dementsprechend zuerst bei der würdigsten und 
höchsten, die christliche Künstler überhaupt darstellten, nämlich beim 
erhöhten Christus. 

Bald darauf erscheint Christus auch in den historischen Szenen, 
in welchen er ja in allen Fällen, wo er überhaupt auftritt, die 
würdigste und wichtigste Figur ist, mit dem Attribut geschmückt. 
Zu den Gestalten, die nächst Christo in jeder Beziehung den An- 
sprüchen, welche ein Recht auf Auszeichnung durch den Nimbus 
geben konnten, gehören die Engel, denn der Charakter des Besonderen 
und Bedeutungsvollen haftet ihnen als den Abgesandten Gottes ihrem 
Wesen nach überall an, wo sie erscheinen. Darum ist es verständlich, 
wenn sie früh (wohl schon im 4. Jahrh.) und fast regelmäßig, besonders 
auch in den historischen Bildzyklen, mit dem Attribut erscheinen. 

Das Gleiche würde in noch höherem Maße von den Darstellungen 
Gottvaters in Menschengestalt gelten, wenn anders die betr. oben 
besprochenen Darstellungen sicher auf ihn zu beziehen sind.' Auf 
der gleichen Linie wie die Uebertragung des Nimbus auf Christus 
in den neutestamentlichen Zyklen liegt weiter seine Verwendung bei 
den jeweiligen Hauptpersonen andrer Illustrationsserien, wie bei Josua 



1 S. oben S. 40 f. 



- 73 - 

in der JosuaroUe, bei Joseph auf einer Petersburger Gewandverzierung,' 
bei Markus auf Elfenbeinplatten,- bei Zacharias auf den Fresken in 
Deir Abou- Hennis.^ 

In der Zwischenzeit war freilich der Maßstab noch im 5. Jahrh. 
wesentlich erweitert worden, indem man auch in für sich bestehenden 
Einzelszenen bei besonders geschätzten Personen durch den Nimbus 
den hohen Grad der Verehrung, die sie bei den Christen genossen, 
auszudrücken suchte. Die besten Zeugen für diesen Gang der Ent- 
wicklung sind der Daniel in der jüngeren Grabkapelle von El Baghaouat' 
(i. Hälfte des .S. Jahrh. j und der hl Laurentius im Mausoleum der 
Galla Placidia^ (Mitte des 3. Jahrh.)- Beide tragen den Nimbus, 
während dagegen an den gleichen Stellen andere biblische Gestalten, 
— in El Baghaouat außer anderen besonders Maria und Paulus, in 
Ravenna die Apostel — das Attribut noch nicht tragen. Auch einige 
Denkmäler des 5. Jahrh., auf denen Petrus und Paulus, und ein zyp- 
risches Mosaik, auf dem Maria den Nimbus tragen, wird man an 
dieser Stelle einreihen müssen."^ 

Diese immermehr fortschreitende Vergrößerung des Kreises der Ge- 
stalten, die des Nimbus gewürdigt wurden, geht im Laufe des 5. Jahrh. 
weiter und lindet gegen die Mitte des b. Jahrh. ihren Höhepunkt 
und vorläufigen Abschluß. 

In der antiken Kunst hatte selbst in der spätesten Zeit die Mehr- 
heit der Künstler den Nimbus mit einer gewissen Zurückhaltung ver- 
wendet und nur die Minderheit gebrauchte ihn überreichlich. Auf den 
Werken spezifisch christlichen Inhalts dagegen hat seine Verbreitung 
gegen das Ende der altchristliclien Zeit einen solchen Umfang ange- 
nommen, daß seine ursprüngliche Bedeutung kaum mehr zu erkennen 
ist und er von seiner auszeichnenden Kraft viel eingebüßt hat. Er 
ist in den letzten Jahrhunderten des christlichen Altertums ein fast 
ständiges Attribut für alle die Gestalten geworden, deren Träger den 
Menschen in irgend einer Beziehung bedeutend und hervorragend er- 
schienen. Die höhere VVertimg moralischer i-"igenschaften und christ- 
licher Tugenden brachte es mit sich, daß ncb^n den göttlichen Personen, 
den Herrschern und den ihrem Wesen nach einer höheren Ordnung 
angehörenden Gestalten, wie den I'"ngeln, l'iersvnibolen und Personi- 



' Nr. 378. Strzg., Orient oder Uoni, S. 11.1. 

- Nr. 35o. Graovcn 11, S. 4^ ff. 

3 Nr. 69. Bull, li'aivli. Orientale looi, Tat'. V. 

* Nr. 58. de Bock, a. a. O., Tai'. XllI II. 

* Nr. 169. Gar. 2 33, 1. 
6 S. S. 43 und S. 47, 



— 74 - 

flkalioncn, vor allem diejenigen der Auszeichnung teilhaftig wurden, 
die durch Glaubensmut, fromme Gesinnung, heiligen Wandel als ver- 
ehruugsvvürdig betrachtet wurden, d. h. die Personen der biblischen 
Geschichte und die Märtyrer und Heiligen. Wenn außer den genannten 
noch hin und wieder Vertreter des geistlichen Standes, nämlich zwei- 
mal der die Taufe vollziehende Priester* und einmal ein Erzbischof 
von Ravenna^ nimbiert dargestellt sind, so gilt auch in diesen Fällen 
das Attribut der Würde des Amtes. 

Durchaus \ erständlich erscheint es auch, daß vereinzelt gewöhnliche 
Leute aus dem Volke die Bilder ihrer verstorbenen Lieben mit dem 
Nimbus ausstatteten,'' und dadurch in naiser Weise ihrem Glauben 
Ausdruck verliehen, daß sie, die im Leben nichts bedeudet hatten, 
wenigstens im Tode der Stufe der bedeutungslosen Menge enthoben 
und der Gemeinschaft der Großen, der Apostel und Patriarchen würdig 
seien. 

Indessen wurde die Sitte der Nimbierung keineswegs so sehr 
verallgemeinert, daß alle in Betracht kommenden Gestalten unter allen 
Umständen das Attribut erhielten; so weit gingen nur wenige Ver- 
fertiger minderwertiger Handwerkserzeugnisse ; — sondern das Hinzu- 
setzen oder Weglassen des Nimbus ist doch noch an gewisse Beding- 
ungen geknüpft, die sicli in der Hauptsache kurz dahin bestimmen 
lassen: Jede der in Betracht kommenden Gestalten muß für jeden 
gegebenen Fall den Charakter des «Bedeutungsvollen» tragen. Nahe- 
zu immer oder doch nur mit verschwindenden Ausnahmen erhalten da- 
'rum den Nimbus: Christus und sein Symbol, Gottvater, wenn er in 
menschlicher Figur erscheint, die oströmischen Kaiser, die Engel und 
in der späteren Zeit Maria, die Mutter des Herrn. Anders verhält 
es sich bei den Patriarchen, Propheten, Aposteln und anderen heiligen 
Gestalten der Bibel und den Märtyrern und Heiligen. Sie erscheinen . 
mit großer Regelmäßigkeit nur in folgenden Fällen mit dem Nimbus : 
I. wenn sie als Einzelgestalten dargestellt sind, in diesem Falle ist 
der Nimbus das Zeichen, an dem man unzweideutig erkennt, daß sie 
zur Klasse der Bedeutenden gehören ; 2. wenn sie in der Umgebung 
des erhöhten Herrn auftreten — der Nimbus unterscheidet sie dann 
von den gewöhnlichen Menschen, die als Donatoren oder an der betr. 
Stiftung Beteiligte ebenfalls vor dem Herrn erscheinen, und von der 
Masse der Seligen; 3. in solchen historischen Einzelszenen, die 



' Nr. 335 und 451. Gar. 487, 21") und 464, 

- Nr. ig5. Gar. 275, 2. 

3 Nr. 333. R. Q. S. 1S96, S. 2jü. 



einen für die betr. Person besonders charakterisiisclien Vorgang dar- 
stellend, an Stelle des bloßen Einzelbildes getreten sind. In anderen 
historischen S/cenen dagegen richtet sich ihre Nimbierung in der 
Regel danach, ob sie darin eine besondere Rolle spielen oder nicht. 
Sobald einer von ihnen Hauptperson oder mehr als andere an der 
Handlung beteiligt ist, erhält er den Nimbus, sobald er jedoch in der 
Menge der weniger Beteiligten verschwindet, wird er nicht durch den 
Nimbus hervorgehoben. 

Durchaus schwankend ist die Verwendung des Nimbus nur bei den 
Evangelistensynibolen, den Personilikationen imd denjenigen Hcit- 
schern, welche nicht dem byzantinischen Kaiserhause angehören. 

Selten ist der Nimbus bei geistlichen Würdenträgern und \'^er- 
tretern des geistlichen Standes, vereinzelt bei einer Verstorbenen und 
einigen unbedeutenden biblischen Gestalten. 

Diese allgemeinen Regein gelten aber wiederum nur für den Durch- 
schnitt der Denkmäler, von dem sich nicht wenige nach der einen 
oder nach der anderen Seite mehr oder weniger entfernen. Die 
scheinbare Regellosigkeit, die infolgedessen auch unter lierücksichtigung 
obiger Regeln noch bestehen bleibt, tindei jedoch ihre teilweise Er- 
klärung in der weiteren j\.bhüngigkeit der Nimbierung von einigen 
anderen Kaktoren. Unter diesen ist der wichtigste das Material. Das 
eigentliche Gebiet des Nimbus sind naturgemäß die Kunstgattungen, 
welche Karbe verwenden : Mosaiken, F'resken, Miniaturen, Gewebe 
und Stickereien; auf ihnen ist der Gebrauch des Nimbus am häufigsten 
und geregclsten. Am unregelmäßigsten und seltensten ist er auf den 
Werken der Plastik; das ergibt sich z. T. aus der Schwierigkeit 
das Attribut an ihnen anzubringen, außerdem ist besonders bei Elfen- 
bein- und Holzskulpturen, wie oben' bemerkt ist, die Wahrscheinlich- 
keit einstiger, jetzt verschwimdener ik'makmg in Betracht zu ziehen. 

Des weiteren ergibt ein Blick aLif die Gesamtheit der erhaltenen 
Denkmäler, daß das Abweichen \on den Dtnvhsthnittsregcln in um- 
gekehrtem Verhältnis zu dem offiziellen Charakter und zu der Güte 
der einzelnen Kunstwerke steht. Je weniger ihre Herstellung von 
der Laune der Künstler abhängig war imd je Ivünstlerisch höher sie 
stehen, desto fester und enger ist der .Vnschluß an die aufgestellten 
Grundsätze über Hinzusetzen und Weglassen des Nimbus. Am gleich- 
mäßigsten ist demnach das Verfahren auf den .Mosaiken und Ercsken 
öifentlicher Gebäude besonders der Kirchen, weniger einheitlich schon in 



' S. i 1 rr. 



- 76 - 

den Miniaturen, geradezu unregelmäßig aber auf den Erzeugnissen 
der Kleinkunst, vor allem, denen, welche in rein handwerksmäßigem 
Betriebe hergestellt wurden. 

Endlich ist der Gebrauch des Nimbus auch bedingt durch die 
Heimat der Kunstwerke. Die unter diesem Gesichtspunkte sich er- 
gebenden Verschiedenheiten reihen sich wie so manche andere dem 
Gegensatze des Ostens zum Westen ein. Da ist es zunächst in die 
Augen fallend, daß man im Osten, besonders aber in der Südostecke 
des Reiches eine ausgesprochene Vorliebe für überreiche Verwendung 
des Attributs hegte. Alle die Erzeugnisse der Kleinkunst aus jenen 
Ländern, unter denen die äg3'ptischen Gewebe und die Monzaer Oel- 
Häschchen (s. Tai'. VI) vor allen genannt werden müssen, zeigen einen 
weit ausgedehnteren Gebrauch des Nimbus als abendländische Werke. 
Eine andere Frage ist es aber, ob man darum berechtigt ist, den Orient 
überhaupt als die Heimat des christlichen Nimbus anzusehen. 

Die Frage kann in unserm Falle natürlich nicht dahin gestellt werden, 
ob der Ursprung des Nimbus überhaupt im Osten zu suchen ist. 
Denn das erste Auftreten des Attributs liegt vor der für uns in Be- 
tracht kommenden Zeit. Es ist sogar gleichgültig, ob man Stephanis 
Ansicht zustimmt, daß der Nimbus eine Erfindung des griechischen 
Geistes sei, nicht aber der eigentlichen orientalischen Völker, welche 
ihn erst von den Griechen übernommen haben ; denn in der Zeit, 
welche für unsere Untersuchung in Betracht kommt, w^ar jedenfalls 
der Nimbus in der heidnisch-profanen Kunst schon in allen Ländern 
des Mittelmeeres, in allen Teilen des Reichs verbreitet, wir rinden 
ihn in Pompei und Herculaneum, wie am Euphrat und in Mauretanien. 

Die Frage kann nur sein, wo, ob im Osten oder im Westen die 
christlichen Künstler angefangen haben, den Nimbus zu verwenden. 

Die ganz nach heidnischen Vorbildern geübte Verwendung des 
Attributs bei Personifikationen läßt sich in Rom schon im 3. Jahrh. 
nachweisen,' ob sie im Osten früher erfolgte, ist ungewiß, da die 
Zeugnisse dafür fehlen. Die Uebertragung des Attributs auf den «er- 
höhten» Christus geschah im Westen nicht vor dem Siege des Christen- 
tums, aber noch in konstantinischer Zeit ; für den Osten ergab sich 
mit einiger Wahrscheinlichkeit, daß auch dort um die gleiche Zeit 
dem erhöhten, bezw. dem thronenden Christus der Nimbus gegeben 
wurde ;"^ ob schon in früherer Zeit läßt sich durch die Denkmäler 



S. oben S. 3o. 
■ S. oben S. 36 f. 



- 77 - 

nicin erweisen. Vielmehr machte es die Ableitung des Christusnimbus 
vom Kaisernimbus wahrscheinlicher, daß die erste Uebertra<iung des 
Attributs für den Osten und Westen gleichzeitig und gleichmäßig 
erfolgte. 

Eine weitere Frage ist es jedoch, ob das endgültige, restlose Auf- 
gehen des heidnischen Nimbus in die christliche Kunst, die Ueber- 
tragung auf die Engel, .Vpostel, Propheten. Heiligen früher im Osten 
als im Westen vor sich ging. Zunächst sprechen einige Denkmäler 
auch in diesem Punkte für eine im ganzen Reiche im allgemeinen 
gleichmäßige Entwicklung. In El Baghaouat erscheint in der älteren 
Kapelle von allen P^iguren nur der den drei .lünglingen zu Hilfe 
eilende Engel nimbiert,' das gleiche läßt sich in Rom um dieselbe 
Zeit oder doch nicht viel später nachweisen.- Weiter weist die 
jüngeie Kapelle in El Baghaouat* einen sehr sparsamen Gebrauch des 
Nimbus — selbst Maria und Paulus tragen noch kein Attribut; dem 
vereinzelten Vorkommen des Nimbus bei Daniel kann man das eben- 
so vereinzelte und frühzeitige Auftreten des Attributs bei S. Laurentius 
im Mausoleum des Galla Placidia in Ravenna^ entgegenstellen — 
welches man im Verhältnis zu den oberägyptischen doch wohl als ein 
westliches Denkmal betrachten darf. In S. Georgius in Thessalonich 
sind die Einzelfiguren der Heiligen ebensowenig nimbiert wie die 
gleichzeitij^en in Neapel, Rom und Mailand. 

Diesen Beispielen, welche als Zeugen einer im Osten und Werten 
gleichzeitigen Verbreitung des Nimbus angerufen werden können, 
stehen jedoch einige andere gegenüber, welche zu der .Vnnahme be- 
rechtigen, daß die Weiterverbreitung des Nimbus im Orient in 
schnellerem Tempo erfolgte. Als solche Zeugen muß man ein oder 
das andere ägypti-sche Gewebe mit niinbierten biblischen Gestalten an- 
sehen, welche doch wohl im b. .lahrh. entstanden sind. Umgekehrt 
kann man das Apsismosaik von SS. Gosma e Damiano.'' auf dem 
alle Personen außer Christus noch unnimbiert sind, als Zeugnis für eine 
etwas langsamere Ausbreitung des Nimbus im .\bendlande anführen. 

Nachweisen läßt es sich demnach nicht, daß der Orient dem 
Abendlaiide hinsichtlich der Aufnahme des Nimbus vorangegangen ist ; 
— eine schnellere Verbreitimg fand aber das Attribut wahrscheinlich 



' Nr. 37. de Bock, n. a. ()., T:il. l\ f. 

2 Nr. 8. Wlp. 23 1, I. 

■■* Nr. 58 uiul b(j. de Bock, :i. ;\. (>.. r;il'. \lll il. 

* Nr. 169. Gar. 233, 1. 

•' Nr. 122 tr. d. R. M. ':■. 



- -N - 

im Osten, uiul jedenfalls m.ichtc in der Häufung iinJ iihci reichen 
Verwcndnni^ der Nimben das Morgenland den Anfang. 

Form urn^l l-'arbe des Nimbus. 

Mit Ausnahme der wenigen Fälle \on sog. rechteckigen Nimben, 
sind die Nimben in altchristlicher Zeit nmd, polygonale Formen 
kommen noch nicht vor. Der Durchmesser dci Nimben kommt im 
allgemeinen ungefähr der Schuiterbrcite der Personen gleich, die ihn 
tragen; doch ist die Zahl der Attribute, die hinter diesem Durch- 
schnitte zurückbleiben, größer als die, welche die Schultcrbreite be- 
trächtlich iibcrschrciten. Die verschiedene Größe der Nimben ist aber 
jedenfalls kein Gradmesser für eine von den Künstlern eventuell be- 
absichtigte größere oder geringere Aus/x'iciimmg.' Innerhalb dieser 
Grenzen ist die Form durch die Kunstgattung bedingt. Auf Fresken, 
Mosaiken, Miniaturen, Geweben ist der Nimbus mit wenigen Aus- 
nahmen eine einfarbige Kreisfläche, die meist von einem oder zwei 
andersfarbigen Kreislinien oder Streifen umrahmt wird : letztere haben 
keinen anderen Zweck, als die Nimbusfläche von der Umgebung ab- 
zugrenzen und abzuheben. Ein Ersatz der Kreisfläche durch eine 
bloße Kreislinie oder durch farbige Reifen ist auf Mosaiken und 
Fresken selten.- Mehr Beispiele solcher leuchtenden Kreislinien bieten 
die Miniaturen und Gewebe 3 dar. 



1 Wo ein nuffälliger Unterschied in der Ausdehnung der Attribute besteht, 
wie z. B. bei den Gestalten Justinians und Theodoras in S. Vitale (Nr. 188 u. i8i|. 
Gar. 264, s. Tat. III, 4 und 5) liegt ein rein äuCerlicher Grund dafür vor; im an- 
geführten Falle ist es die beträchtliche Höhe des Kopfputzes der Theodora, welcher 
vom Nimbus mitumscfilossen werden mufite. 

2 Graublaue Kreislinie bei Christus: Markus- und Marcellinus- Katakombe. 
Nr. 12. Wlp. 162, 2. — Blaugruner und rotbrauner Reit bei Christus; Petrus- und 
Marcellinus-Kat. Nr. 18. Wlp. 253. — Breiter weililicher Reif bei Christus und zwei 
Engeln, S. Venanzio in Rom, Nr. 127. d. R. M. i3. — Grauer Reif bei Christus 
bzw. Gottvater, S. Maria Maggiore, Nr. 110. Gar. 22r, 3. — Schwarzer Reif bei 
S. Gennaro, Katakombe S. Gennaro in Neapel, Nr. 48. Gar. 102, 2. Auf den gold- 
grunJigen Mosaiken, wo ebenfalls die leuchtende Kreisfläche durch bloße Kreis- 
linien ersetzt zu sein scheint, ist trotzdem der Nimbus als ganze goldene Fläche 
zu denken, welche sich nur nicht von der ebenfalls goldenen Umgebung abhebt. 

3 Im Cod. Rossanensis: blaue Linie bei Markus und Sophia. Nr. z'iS. Hase- 
loff, a. a. O., bei Rabula : grüne Linie bei den drei der Verklarung beiwohnenden 
Jüngern (Nr. 25 1), blaue Linie bei den zwölf Jüngern beim Pfingstwunder, (Nr. 
260. Gar. 140, I), rote Linie bei Christus .auf Bl. VII u. VIII (Nr. 246).— Auf dem 
Daniel- (s. Taf. IV, 2) und dem Petrusgewebe : goldgelbe Linie bei allen Figuren. 
Nr. 370 und 3;]. Strzg., Orient oder Rom, Taf. IV und V. — .^uf dem Moses- 
und dem Leipzigergewebe : doppelte weiPe Linie bei allen Figuren. Nr. 372 u. SyS, 
ebendort Taf. VI und VII. — Auf einem Tafelgemälde des K.-F. Mus.: roter Reif, 
(Nr. 299). 



Auf den farblosen KunsiwcrUen ist der Nimbus entweder als 
diskusartige Scheibe aus dem Material herausgearbeitet, oder er ist 
durch einen erhabenen Reif oder eine eingeschnittene Linie angedeutet. 

Zur Füllung der Kreistläche haben die Maler und Weber im 
ganzen genommen wenig Farben verwendet. Am häufigsten finden 
.sich Gold b/.w. Gelb und Blau, letzteres allerdings in vielen Ab- 
stufungen : himmelblau, graublau, biaugrün. selten direktes grün und 
violett oder lila. Weniger häufig sind silber, silbergrau und weiß; 
vereinzelt trilTt man rot. Für die Ränder sind mehr Farben ver- 
wendet worden: schwarz, weiß, rot, blau, grün, gelb, gold, grau, 
braun; ihrem Zwecke, der .\bhebung der Nimbusfiäche, entsprechend 
sind sie entweder auffallend heller, oder auffallend dunkler als diese 
gehalten; bei zwei Rändern ist der innere schmälere fast stets 
weiß, der äußere breitere schwarz, oder rot. selten dunkelblau, 
oder grün. 

Ks ist die Frage aufgeworfen.' ob sich die Künstler bei Auswahl 
der Farben nach bestimmten Grundsätzen gerichtet haben und ob sie 
sich dabei \on einer eventuellen Farbensymbolik leiten ließen. .Meine 
Bemühungen, die Farben möglichst vollständig zusammenzustellen, 
haben jedoch keine bcdeutcn^len I^esultatc gezeitigt, ich \erzichte darum 
auf eine detaillierte Aufzählimg imd Griippierung an dieser Stelle, 
teile nur das Wesentlichste mit mid \cr\\cise im übrigen aul die 
Tabellen. 

Die sichersten Anhaltspunkte liefern auch in dieser Beziehung die 
Fresken und Mosaiken. Auf ihnen läßt sich zunächst deutlich eine 
historische Entwicklung verfolgen. Die älteren Fresken (3. — 4. Jahrh.) 
bieten durchweg bläuliche (blau, blaugrün, blaugrau, grün) Nimben, 
ebenso herrschen auf den älteren Mosaiken die graublauen Töne vor; 
oft sind hier die Nimbcntlächen nicht ganz im gleichen Ton gehalten, 
sondern verschiedene Nuancen des Graublau sind zonciiweise derart 
angeordnet, daß unmittelbar am Kopfe die hellste Zone liegt, die dann 
nach dem Rande zu in dunklere übergehl- (s. Taf. III, 1); oder die 
Mosaizisten haben sii.h k-cmiihi die graubläulichen Nimben als durch- 
schimmeiiKl erscheinen zli lassen, was sie dadurch zu erreichen 
suchten, daß sie auch die durch die Nimbustläche verdeckten Gegen- 



' Vgl. .'^ti.-plinni, Nimiius .S. i|(). 

'^ S. Costiinza, Nr. ii5 und 1 uv. il. \i. M. ^3; S. Mari.i Miii;^iorc, Nr. iqS ii. 
112. Kichtcr, Tiif. 7, I und Tal. 1, sp'icr noch in S. Micholc in At'ricisco, Nr. aii3, 
Gar. 267 und Parcnzo, (Nr. »09), umgekehrt innen dunkul, nuPon hell, wie es 
scheint in ('vpcin, Nr. 210. VVi/. Wrenin. 181)7, ' •''^ '• 



— So - 

stände mehr oder minder deutlich andeuteten.' Diese bläulichen 
Nimbcn der älteren Zeit sind von einem einfachen dunkelblauen bis 
schwarzen oder hellgrauen bis weißen Rande umralimt. 

Schon gegen Ende des 4. Jalirh. ist aber atif dem Mosaik \on 
S. Pudenziana zur Füllung der Nimbusfläche (jold \er\\endet ; im 
Laufe des S. Jahrh. tritt dann das Gold durchweg an Stelle des Blau, 
welches nur noch bei den Kngeln, den Evangelistensj'mbolen und 
dem Lamme ziemlich häufig gebraucht wird. Daneben kommt be- 
sonders in Ravenna gern silber oder silbergiau zur Verwendung. 
Doch sind im 6., 7., H. Jahrh. die goldenen Nimben auf den Mosaiken 
aller Orten bei weitem in der Ueberzahl. Diese auf den Mosaiken 
vor sich gegangene Verdrängung des Blau durch Gold hat auch die 
Freskomalerei beeinflußt, auf deren Erzeugnissen ebenfalls im Laufe 
des 5. und 6. Jahrh. die blauen Nimben verschwinden und die gold- 
gelben die unbeschränkte Herrschaft antreten. Besonders in die Augen 
fallend ist das auf den Malereien der römischen Katakomben : im 
4. Jahrh. sämtliche Nimben blau, bezw. blaugrün, blaugrau, in den 
späteren Jahrhunderten alle Nimben ausnahmslos gelb. Auch mit den 
Einfassungsrändern ging gleichzeitig eine Wandlung \or sich ; die 
doppelten Ränder werden mit der Zeit häufiger: für die abendländischen 
Mosaiken und Fresken aus der zweiten Hälfte des 6., aus dem 7. und 
8. Jahrh. kann man die goldenen und gelben, von einem inneren 
schmalen weißen und einem äußeren breiten dunklen (schwarz, rot, 
auch blau, braun) Rande umrahmten Nimben als ein Charakteristikum 
betrachten. 

Eine ähnliche historische Entwicklung läßt sich bis jetzt auf den 
Miniaturen nicht nachweisen. In die Augen fallend ist aber, daß auch 
auf ihnen Gold die vorherrschende Farbe ist. So sind im Codex 
Rossanensis, der Evangelienhandschrift aus Sinope, dem Cosmas, 
dem Cod. Amiatinus (wahrscheinlich auch im Ashburnham-Pentateuch) 
die Nimben mit verschwindenden Ausnahmen- sämtlich golden. Die 
Ränder sind im Rossanensis und der Sinopehandschrift eine dünne 
schwarze Einfassungslinie (auch in dieser unbedeutenden Einzelheit 
verraten die beiden Handschriften ihre Verwandtschaft) im Cosmas sind 
sie in verschiedenen Farben gehalten (rot, blau, grün, schwarz). Auch 



' S. Maria Maggiore-Triumphbogen, fünf Engel in der Szene oben links, Nr. 
1 1 3. Richter, Taf. 3 1 ; vgl. aus späterer Zeit die breiten, weißen Reifen in S. Venanzio, 
durch die die Hintergrundswolken hindurchleuchten, Nr. 127. d. R. M. Lf. i3. 

2 Blaue Kreislinie im Codex Ross. bei Markus und Sophia, (Nr. 238). — Rote 
Nimben im Cosmas bei den 14 Engeln des Tierkreises (Nr. 278). 



— 8i — 

in der Cottonbibcl waren die Nimben z. T. golden; bei einigen 
waren jedoch über die andersfarbigen Nimbenflächen goldene Strahlen 
gemalt. Im Cambridge-Evangeliar sind die Attribute teils gelb, teils 
rot; im Etschmiadzin-Evangeliar ist die kleinere Hälfte goldgelb mit 
rotem Randstreifen, die andern sind Zonennimben, bestehend aus 
einem inneren blauen, mittleren gelben und äußeren roten Streifen. 
In der Josuarollc waren die Nimben weiß mit braunem RanJe, nur 
zweimal trägt Josua einen blauen Nimbus (s. Taf. VII, 2j, der dadurch, 
daß die Farbe in der das Gesicht umgebenden Partie weit heller ist als 
am Hinterkopf, an jene älteren graublauen Zonennimben erioncrt. 
Am freiesten schaltet Rabula mit der Auswahl der Farben; neben den 
schmutziggelbbraunen Nimben, die mehr als die Hälfte ausmachen, 
finden sich goldene, dunkelblaugrüne, einmal rosa ' und solche, die 
durch einfache grüne, graue oder rote Kreislinien ersetzt sind. 

Größere Abwechslung in der Farbe der Nimben als die Malereien 
bieten die Stickereien und Gewebe. Gelb herrscht allerdings auf ihnen 
vor, nächstdem ist Blau, Violett, Grün, auch Rot verwendet. Die 
Ränder sind bald schwarz, bald weiß, braun, gelb, violett, llcischlarben ; 
einige der größeren Gewebe zeigen ausschließlich gelbe oder weiße 
Kreisliniennimben. 

Nach dieser kurzen Uebcrsicht über die verwendeten Farben kann 
die Frage nach der eventuellen Absicht der Künstler bei Auswahl 
derselben verhandelt werden. Haben sie überhaupt eine Absicht ge- 
habt :— folgten sie nur ohne L'eberlegung einer Gewohnheitsregel r — 
oder verfuhren sie ganz willkürlich : 

Zunächst wird sich in zwei Fällen mit einiger Leichtigkeit und 
Sicherheit feststellen lassen, daß die betr. Künstler durch die Farbe 
der Nimben etwas zum Ausdruck bringen wollten : von den beiden 
Engeln zuseiten des die Böcke von den Schafen scheidenden Christus " 
im oberen Bildstreifen von S. Apollinare nuovo ist die ganze Gestalt 
des Engels zur Rechten des Herrn bei den Schafen) hellrot und 
ebenso auch sein Nimbus rot, in gleicher Weise ist der Engel zur 
Linken bläulich und sein Nimbus dunkelblau; — es ist ersichtlich, 
daß hier rot als Farbe des Lichts und das düstere Blau als Farbe der 
Finsternis gewählt ist. * Im zweiten Falle handelt es sich tun den 
Nimbus des thronenden Christus in der Krypta der Heiligen in der 



> Nr. 245. 
2 Nr. 174. 

•' Ueber die gleiche isymbolik von Rut iinJ Hl.m vgl. Tikknueii, (iciicsis- 
mosuikcn, S. 14 f. 



■— H2 — 

t*etrus und Marcciliinis-Katakombe (s. Taf. II, 4),' er besteht aus 
einem inneren breiten, blauen und einem äußeren breiten, rot- 
braunen Reif; es ist wahrscheinlich, daß der Maler bei diesen Farben 
an einen Regenbogen gedacht hat, wobei ihm die l'>innerung an 
eine der Visionen der johanncischen Apokalypse vielleicht vor- 
schwebte. 

Dies sind m. W. die einzigen Beispiele, die eine bestimnue, eng- 
umgrenzte Absicht von seilen der Maler in der Wahl der Farbe ver- 
raten. Doch wird sich mehr im allgemeinen noch manches über die 
Farben sagen lassen. Wenn in der älteren Zeit die bläulichen Töne 
mit Vorliebe für die Nimben verwendet werden, so ist das in erster 
Linie daraus zu erklären, daß auch auf den profanen Fresken und 
Mosaiken die Nimben meist graublau gehalten sind. Doch kann man 
eben aus der Wahl des bläulichen Tons die Absicht des Malers 
herausempfinden, die Nimben als einen dunstartigen, nebelhaften, un- 
körperlichen Schein erscheinen zu lassen; daß sie diesen Eindruck 
hervorrufen wollten, bezeugen besonders die Zonennimben, die am 
Kopfe heller sind als an der Peripherie, und die durchschimmernden 
Nimben, hinter denen die dahinterliegenden materiellen Gegenstände 
sichtbar sind. 

Daß später auf den Mosaiken und Miniaturen fast ausschließlich 
Gold gebraucht wurde, wird man daraus erklären müssen, daß 
diese Farbe von allen am geeignetsten war, die beabsichtigte Wir- 
kung eines sich um die betr. Köpfe verbreitenden leuchtenden 
Glanzes hervorzurufen ; ( — das Gelb der Fresken ist nur ein Er- 
satz des Goldes) aus dem gleichen Grunde sind Silber, Weiß, Silber- 
grün und auch wohl das seltene Rot gewählt. Daß außerdem lokale 
Traditionen mitwirkten, zeigt die häufige Verwendung von Silber bezw. 
Silbergrau in Ravenna, welche den Mosaiken dieser Stadt eigentüm- 
lich ist. 

Ob sich jedoch außer mit diesen allgemeinen Grundsätzen die 
Farbe der Nimben mit der Natur oder dem Wesen der verschiedenen 
nimbierten Gestalten in Zusammenhang bringen läßt, erscheint mehr 
als zweifelhaft, denn man kann so ziemlich alle überhaupt verwendeten 
Farben — natürlich in der durch die besprochenen allgemeinen Regeln 
bedingten Häufigkeitsabstufung — bei allen in Betracht kommenden 
Gestalten nachweisen. Beispielsweise:- bei Christus : gold, gelb, blau. 



1 Nr. 18. Wlp. 233. 

* Nur für die weniger häufigen Farben gebe ich besondere Nachweise. 



— cS3 - 

grün,' silher,- weiß,» rot,* rote Kreislinie;'^ beim Lamme: ^old/' silber.'' 
blauv'~ bei den Engeln: blau, grau, silber.'' gold,'" rot,*' weil? oder weiß- 
lich;'- bei den Aposteln: gold, gelb, blau,'' silber," grüner Reif;'* bei 
anderen biblischen Gestalten: gold, gelb, blau,'" rosa," blaue Kreis- 
linie,'^ weiß;'-' bei den Heiligen: gold, gelb, silber,^" grau,-' blau.-* 
Die Frage nach einer solchen auf die Natur der nimbierten Ge- 
stalten sich beziehenden Farbensymbolik wäre demnach gar nicht erst 
aufzuwerfen, wenn nicht in aulTälliger Weise, allerdings hauptsächlich 
nur in Rom, bei den Engeln die blauen Nimben auch auf Werken 
des 6., 7. und <S. Jahrh. vorherrschen. Warum aber die Kimstler 
gerade bei ihnen die ältere Uebung, die Nimben in bläulichen Tönen 
zu hallen, fortsetzten, wird sich kaum feststellen lassen, wenn man 
sich nicht in leicht zu findenden Phantasien ergehen will. 

Monogramm- und Kreuznimbus. 

Erfindungen der ahchrisilichcn Kunst sind der Monogramm- und 
der Kreuznimbus. 



' Kiiptisclics Gcwclic, Nr. 401». Forrer, .Mlert., Tnf. .W'l, 12. 

2 Kiivenna, S. Apolliniirc nuovo, Nr. 174. ("liir. 248 IT, 

3 S. Maria Antiqua, Nr. -j'i. 

* Cambridge- Evangcliar, Nr. aSg. Gar. 141. 

s Miniaturen des Uuhula, Nr. 246. 

« S. Vitale, Nr. 181. Gar. 260; S. Marco, Nr. 154. d. 1*. M. 1.1. 

' SS. Cosma e Damiano, Nr. i2'3. d. R. M. 5. 

8 Oratorium S. Giovanni Evgl., Nr. 121. d. K. .\1. c("i; S. Zenono, Nr. 147. 
Gar. 290; S. Cecelia, Nr. i5o. Gar. 2<)'''. 

9 S. Apollinare nuovo, Nr. 174. Gar. 248 II. 

'" S. Maria Maggiorc, (Gabriel bei der \erkUndiL;uni; .MariH, Nr. ii3i, S. 
Michelc i. Atr., Nr. 2or. Gar. 267, 2; Koimcsiskirclie in Nicaea, Nr. 216. Wulll, 
a. a. O., Pal. II; Kahuia, Nr. 256. (}ar. i3(), 1. 

" S. Apollinare nuovo (Gerichtsengel, Nr. 174), CÄismas indicopl. (14 Engel 
des Tierkreises), Nr. 278. Gar. 152, 3; S. Maria Antiqua (Magierszonc), Nr. Si; 
Deir Abou Hennis, Nr. 69. Bull, d'arch. Orientale 1902, Tal. V. 

'2 llo(vri('.a fiYYs'/vOXT'.a-co;, Nr. 210. VViz. VVrem. 1807, Taf. I. 

'ä Arianischcs Bapiisicrium in Kavcnna, Nr. 173. Gar. 241 ; S. (icnnaro-Kata- 
kombe in Neapel, Nr. 49. Gar. io3, 2. 

1* S. Paolo luori 1. m., Nr. 120. d. K. M. 10. 

1" Rabula, V'erklärungss/.ene. Nr. 25 1. 

'" Josuarolle (Josua in zwei Szenen), (Nr. 232). 

" Rabula, (Moses), (Nr. 243). 

•* Cod. Rossanensis, (Markus). (Nr. 238). 

"" Josuarolle (Josua), (Nr. 232). 

'■:» S. Apollinare nuovo, Nr. 175. Gar. 241. f.; S. Vitale (d. hl. Vitnlis), Nr. 179. 
Gar. 258. 

'•ä' K.ipelle der 40 Märtyrer (die 40 Märtyrer), (Nr. n>(). 

»8 Acgyptische Gewebe, Nr. 403. 398; Forrer, Altert., Inl. WII, .■. 



- 84 - 

Bei beiden läßt sich Entstellung unJ erstes Auftreten nicht un- 
bedinj^t sicher nachweisen, wenigstens nicht für das ganze Reich. Im 
Abcndiande kann man jedoch beides ziemlich sicher feststellen 
und auf Grund der erhaltenen Denkmäler recht gut den Weg ver- 
folgen, der hier zu den ausgebildeten Formen dieser Art Nimben 
führte. 

Zunächst muß es als gesichert betrachtet werden, daß (im Abend- 
lande) im 4. Jahrh. nur der einfache Nimbus bekannt war. 

Sodann lassen sich hier die beiden Elemente deutlich erkennen, 
die zunächst jedes für sich bestehend, sich im 3. Jahrh. zum Mono- 
gramm- bezw. Kreuznimbus verbanden. Das eine ist natürlich der 
einfache Nimbus; das andere bilden die kleinen Kreuze oder Mono- 
gramme, welche auf, über oder neben dem Haupte Christi und des 
Lammes (s. Taf. IV, 4) auf Werken des 4. und beginnenden 5. Jahrh. 
angebracht wurden.' 

Eine Vereinigung beider Elemente führte in der ersten Hälfte 
des 5. Jahrh. zunächst zu jenen seltenen und eigentümlichen Mono- 
gramm- und Kreuznimben ,. bei denen -E- oder + unmittelbar auf 
dem oberen Rande des Nimbus Christi und des Lammes oder auf 



' J£~ auf dem Hnupte Christi, Sarkophag in Arles, Le Blant .\.\.VII. Gar. 
342, 3. 

-f- auf dem Haupte des Lammes, Sarkophag der Vatikanischen Grotten 
Gar. 33o, i. •^. Taf. IV, 4). 



>^ 



unmittelbar über dem Haupte des Lammes, zuseiten des Hauptes A 



Sarkophag in Salona. Bull. d. arch. e storia Dalmata 1893, Taf. IL 

-H auf dem Haupte des Lammes, Mosaik der Kapelle der hl. Rufina und 
Secunda, de Rossi, Mus. Lf. 9. 

-t- auf dem Haupte des Lammes, verlorener Sarkophag aus der Basilica 
Vaticana, Gar. 334, 2 nach Bottari XXH. 

-(- auf dem Haupte des Lammes, verlorener Sarkophag aus der Lucina- 
Katakombe, Gar. 041, 2 nach Bottari L. 

Weitere Denkmäler, auf denen Kreuz, Monogramm oder A (o in geringerer 
oder größerer Entfernung vom Haupte Christi und des Lammes angebracht sind, 
so bei N. Müller, Artikel A o) Hauck, Realencyklopädie. 3. Aufl. I, S. 3. 

Das Gar. 189, 1 abgebildete Goldglas mit dem Kopfe des hl. Laurentius, 
hinter welchem nach Garruccis Zeichnung ein Monogramm angebracht ist, habe 
ich in der Bibl. Vatic, wo es sich befinden .soll, nicht gefunden. 

Das Eltenbeindiptychon Gar. 448, g gehört nicht hierher, weil hier das Mono- 
gramm nicht hinter dem Kopfe der betr. Gestalt schwebt, sondern den gesamten 
Reliefgrund einnimmt. 



— 85 — 
ihrem Kopfe innerhalb des Nimbus sich befinden (s. Taf. II, 4; 

III, 3y 

Die Herrschaft dieser Formen war jedoch nur von beschränkter 
Dauer, sie scheinen hauptsächlich in der ersten Hälfte des 5. Jahrh. 
beliebt gewesen zu sein, doch findet sich noch auf dem Mosaik von SS. 
Cosma e Damiano ein derartiger Nimbus bei dem Lamme auf 
dem mystischen Berge (Nr. i2'i) (das Vorhandensein eines solchen 
Monogramm- oder Kreuznimbus auf irgend einem altchristlichen 
Denkmal berechtigt also keineswegs zu dem sicheren Schluß, daß es 
aus der i. Hälfte des 5. Jahrh. stamme). 

Der einmal beschrittene Weg einer Vereinigung von Nimbus und 
Kreuz bzw. Monogramm mußte dann dazu führen, beide Dinge eine 
mehr organische Verbindung eingehen zu lassen und sie zu einer 
Einheit zu verschmelzen, welche leicht in der gewöhnlichen Form der 
beiden Arten Nimben gefunden wurde; bei ihnen sind Nimbus und 
Kreuz bzw. Monogramm konzentrisch angeordnet und die Arme des 
Kreuzes bzw. Monogrammes reichen genau bis an die Peripherie der 
Nimbuskreisfläche heran, wobei dann natürlich der mittlere und untere 
Teil von Kreuz und Monogramm, soweit der Kopf der nimbierten 
Gestalt reichte, überflüssig wurde. 

In der westlichen Rcichshälfte scheint der ausgebildete Monogramm- 
nimbus etwas eher in allgemeinere Aufnahme gekommen zu sein als 
der Kreuznimbus. Regelmäßig begegnet er auf den ravennatischen 
Sarkophagen bei Christus und dem Lamme (Ausnahme Nr. 3i5 u. 3 16), 



-f- auf 



if dem Haupte Christi, zusciten des Nimbus A (o, Fresko der Petrus- 
P und Marccliinus-Katakombe, Nr. 18. Wlp. 253 (s. Taf. 11, 4). 
~f- auf dem Haupte Christi, Knochenmedaillon der f^ibl. Vatic, Nr. 3(>i. 
Kanzler Avori, Taf. X, 7. 

A £- ») über dem Haupte des Lammes (sämtlich innerhalb des Nimbus), Petrus 

und Marcellinus-Katakombe, Nr. 19. Wlp. 252. 

■^ auf dem Haupte Christi — Fresko der Vigna Cassia-Kntakombe in 

Syrakus (von Führer, a. a. O., nicht erwähnt ; vgl. Wilpert, Malereien, S. 396, 

F'g- 34). 

4- auf dem Haupte des Jesuskindes, I riumpbbogen von S. Mari.i Maggiore, 

in der Szene der Darreichung der Geschenke durch die Magier und der Szene im 

oberen Streifen rechts. Nr. ii3. Anm. Richter, Titf. 3i und 35. (s. laf. III, 3.) 

-t- auf tlem Rande des Nimbus des Jesuskindes, cbendort, D.irstellung im 

Tempel. 

-f. auf dem Haupte Christi, Kiseneimer der Bibl. Vatic. Car. 42U, J. 

Nach de Rossi, Bull. 1S76, S. 49 war auch auf dem nimbierten Haupte Christi 

in der Apsis des Oratorio privato auf dem Monte della tjiuslizia ein Monogruriiin 

angebracht. Vgl. auch Car. 484, 14. 



— S6 — 

meist mit der gewöiinliciicn Form des konstantinischcn Monogramnis,' 
einmal mit hinzugesetzten A <■> - (s. Taf. V, -z) mit kleinen Varianten 
zweimaP (s. Taf. V, 3), er llndet sich ferner bei Christus auf dem 
Apsismosaik von S. Aquiüno in Mailand* mit A w imd auf der Holz- 
türe von S. SabinaJ' wo jedoch nur noch das Monogramm sichtbar 
ist, während der Nimbus selbst, der in Farbe aufgetragen war, ver- 
schwunden ist. Ausnahmsweise ist auch anderen Gestalten der Mono- 
grammnimbus verliehen worden : dem hl. .lanuarius in der gleichnamigen 
Katakombe in Neapel" und soviel ich feststellen konnte auch dem 
Matthäussymbol auf einem Kapitell aus der Basilica Ursiana in 
Ravenna' (jetzt im Erzbischöti. Palast). 

In späteren Jahrhunderten i.st der Monogrammnimbus selten,^ er 
ist seit dem (i. Jahrh. überall vom Kreuznimbus verdrängt worden, 
wie ja auch sonst in der späteren Zeit das Monogramm weniger häufig 
verwendet wurde als im 4. und 5. Jahrh. ^ 

Als Monogrammnimbus kann man auch die Nimbcn der Maria mit 
zuseiten ihres Kopfes eingezeichneten M A bezeichnen, welche an der 
Grenze der altchristlichen Zeit aufzutreten beginnen. Frühe Beispiele 
dafür bieten ein Goldtäfelchen und eine GoldagralTe.'" 

Der ausgebildete Kreuznimbus läßt sich auf abendländischen 
Denkmälern nicht vor der Mitte des 3. Jahrh. nachweisen. Das Mosaik 
im Oratorium S. Giovanni Evangelista im Lateran'' bietet das erste 
autdatierbare Beispiel. In der Folgezeit wurde seine Verwendung bei 
Christus und dem Lamme sehr häutig, fast allgemeine Regel. 

Die kurz skizzierte Entwicklung, die zum Kreuznimbus führte, er- 



1 Nr. 3i3, 3i4, 3i7, 3iS, jig. Gar. 3 1 i, 2; 332, 2; 336, 4; 344; 34D, i. 

•i Nr. 314b. Gar. 332, 4. 

■•! >|C Nr. 320. Gar. 346, 2 '^ Nr. 32 1. Gar. 35.% 2. 

« Nr. 162. Gar. 234. 

5 Nr. 368. Wiegand, Taf. VI. 

•> Nr. 48. Gar. 102, 2. 

^ Nr. 327. Gar. 408, 3. Erwähnt sei auch, daß, worauf Strzygowski Z. D. P. V. 
1901, S. 142 aufmerksam macht — auf der Photographie des Orpheusniosaiks in 
Jerusalem (Nr. 21 3), im Nimbus der Theodosia einige Linien zu erkennen sind, die 
an ein Monogramm erinnern könnten ; - ob es sich jedoch wirkUch um einen 
Monogrammnimbus handelt, iäPt sich leider nicht feststellen, da das Mosaik gleich 
nach der Entdeckung wieder zugeschüttet worden ist und, wie mir Herr Prof. 
Dalmann mitteilte. Näheres nicht mehr zu ermitteln ist. 

8 Er findet sich noch beim Lamme in S. Cecilia, (Nr. i 5o. Gar. 292) und S. 
Marco, (Nr. 154. d. R. M. i3) in Rom. 

9 Vgl. N. Müller, Artikel A cü, a. a. O. 

■ 11' Nr. 465 und 4G7. Forrer, Altert., Taf .KIII, 3 und Fig. 14. 
n Nr. 121. d. R. M. 16. 



- 87 - 

scheint durchaus durchsichtig und verständlich. Doch kann sie nur 
für das Abendland gelten; — ob sie im Orient in analoger Weise 
stattgefunden hat, ist zweifelhaft, da die Zeugnisse dafür fehlen. Auf 
Grund einiger östlicher Denkmäler ist es sogar gänzlich in Frage ge- 
stellt worden, daß man von einer «Entwicklung» im Abendlande reden 
könne, und als selbstverständlich hingestellt worden, daß der Kreuz- 
nimbus als ein fertiges Attribut aus dem Orient importiert sei.' Die 
Hauptzeugen sind wiederum der Sarkophag aus Konstantinopel im 
Kaiser Friedrich Museum in Berlin- (s. Taf. V, i), und die sog. Konstan- 
tinsschalc des British Museum.' Ersterer muß sicher als eins der 
frühesten Beispiele für das Vorkommen des Kreuznimbus betrachtet 
werden — ob man ihn jedoch bis in die ersten Jahrzehnte des 4. Jahrh. 
zurückdatieren kann, muß bis auf weiteres höchst zweifelhaft bleiben. 
Daß die Konstantinsschale ein unsicherer Zeuge ist, ist oben schon 
besprochen' — selbst wenn sie, wie auch mir wahrscheinlich, ein 
Mosaikbild des nimbicrten, thronenden Christus aus konstantinischcr 
Zeit in den allgemeinen Umrissen und der Anordnung richtig wieder- 
gibt, so beweist sie doch in keiner Weise, daß das Kreuz im Nimbus 
Christi auf dem Urbilde vorhanden war, — die Willkür der Hand- 
werker in Nachbildung berühmter Kunstwerke ist hinlänglich bekannt. 
Auf ihr Zeugnis ist also wenig zu geben. Man kann demnach nur 
sagen, daß im Orient der Kreuznimbus früher aufgetreten ist als im 
Westen, um wie viel früher ist ungewiß; — doch kann es sich nicht 
um Jahrhunderte, sondern nur um Jahrzehnte handeln. Die Möglichkeit 
bleibt aber natürlich nicht ausgeschlossen, daß gleich in konstantinischer 
Zeit der Nimbus Christi durch das Kreuz gekennzeichnet wurde, — 
aber wahrscheinlicher ist es doch, daß man auch im Orient erst im 
Laufe der Zeit, als anderen christlichen Gestalten ebenfalls der Nimbus 
verliehen wurde, den Nimbus (Christi durch das Kreuz von den 
andern unterschied. 

Nachdem der Kreuznimbus einmal bei Christus und dem Eamme 
in Aufnahme gekommen war, verbreitete er sich sehr schnell ; seit dem 
6. Jahrh. werden diese beiden Figuren fast stets durch ihn charak- 



■ ' WeiP-Liobersdorf, ChristuslnKIcr, S. 26. "Man muP niinilich wissen, d;iP 
typische [•'ormcn, wie der Krcuznimhiis, aus dem Orient kommen unii dort erheb- 
lich früher [d. h. nach WeiPL. in vorkonstantinischer Zeit] aulgetreten sein 
dürften als in Kom.» — Nicht so Ubcrzeugungsfreudig hat sich Sirzygow^ki, <">rient 
oder Rom, S. öi gcäuPert. 

2 Nr. 3 12. Strzg., Orient oder Rom, Taf. II. 

3 Nr. 540. Dalion, Taf. .K.\.\III. 
♦ s. S. 36, 



— s.s — 

icrisiuii. 13ocli isi ci keineswegs ihr unbedingt notwendiges Attribut 
geworden ; eine ganze Reihe von Denkmälern zeigen im h. und auch 
npch im 7. .lalirh. Christus und das Lamm mit dem einfachen Nimbus, 
z. B. Christus : die Mosaiken von SS. (]osma e Damiano, S. V^c- 
nanzio, S. Stefano Uotondo in Rom,' von S. .Maria in Cosmcdin in 
Ravenna;- das Lamm: Mosaik des Altarraums von S. Vitale, der Apsis 
von S. Michele in Africisco;' der Mönch Rabula' gebraucht durch- 
gehend nur den einfachen Nimbus.'' Zeugen genug, die vollauf dazu 
berechtigen, das Fehlen des Kreuzes im Nimbus Christi oder des 
Lammes aus der Reihe chronologischer Anhaltspunkte für hohes Alter 
eines Denkmals zu streichen. 

In altchristlicher Zeit ist der Kreuznimbus ein ausschließliches Vor- 
recht Christi und seines Symbols des Lammes geblieben — mit einer 
einzigen Ausnahme:''' auf einem Silbcrkännchen der ßibl. \'atic.'' 
umgibt die Köpfe Petri und Pauli ein nicht wegleugbarer Kreuz- 
nimbus. Wie uneriiört diese Ausnahme erscheint, mag daraus ersehen 
werden, das F. X. Kraus den von ihm in seiner Geschichte der 
christl. Kunst (S. 5i8. Fig. 410) abgebildeten Pauluskopf wegen des 
Kreuzniinbus für einen Christuskopf erklärte. Es kann aber kein 
Zweifel darüber bestehen, daß die beiden Apostelfürstcn dargestellt 
sind. Um diesen ikonographischen Anstoß zu beseitigen bleibt nur 



' Nr. 122, 127, 129. d. R. M. 5, i3, i5. 

2 Nr. 172. Gar. 241. ' 

3 Nr. 181 und 202. Gar. 260 und 267, 2. 
* Nr. 243 ff. Gar. 12S ff. 

5 Weitere Beispiele: für Christus: Miniatur im Cosmas Indicopl., Nr. 272. 
Gar. 149, i; syrische Evangelienhandschrift der Ribl. Nat. in Paris (Nr. 261). — 
Aegyptische Gewebe: Nr. 38o, 383 ff., 394, 406, 409, 418. Forrer, Altert., Taf. 
XVI, 22; XVI, XVm, 8; XVII, 8; XVI, 12; XVIII, 7. - Für das Lamm: Silbor- 
kreuz des Justinus, Nr. 455. Gar. 43o, 4 und 5. Die EÜ'enbeinwerke können nicht 
als Zeugnisse angeiührt werden, da auf ihnen in die erhaltenen einfachen Nimben 
das Kreuz durch Farbe eingetragen gewesen sein kann. 

'^ Die übrigen Angaben über Kreuznimhen bei anderen Gestalten beruhen auf 
Versehen oder fehlerhalten Zeichnungen. Das Matthäussymbol im Erzbischöfi. 
Palast in Ravenna (Nr. 327) trägt Monogrammnimbus nicht Kreuznimbus (gegen 
Gar. 408, i). — Das angebliche Kreuz im Nimbus des Laurentius in der Katakombe 
von Albano (Nr. 44) ist nur ein länglicher Fleck (gegen Gar. 89, 3). Aus welchem 
Grunde Piccolomini, (Nuovo Bull. VI, S. 257 f.) den Nimbus der Maria auf einem 
Bronzekreuz (Nr. 494) als Kreuznimbus bezeichnet, ist nicht ersichtlich. Derbetr- 
Nimbus ist einfach, ohne Kreuz, nur weicht er dadurch, daß er des Raumes wegen 
eiförmig gestreckt ist, von der normalen kreisrunden Form etwas ab. Bei dem 
angeblichen Kreuznimbus des S. Menas auf einem koptischen Gewebe (Forrer, 
Frühchristi. Altertümer, Taf. XVIII, 9, jetzt im Kaiser Friedrich-Mus.) handelt es 
sich höchstens um grüne Punkte im Nimbus. Wahrscheinlicher ist es mir jedoch 
nach Betracfitung des Originals, daß der Heilige hier überhaupt keinen Nimbus trägt. 

' Nr. 457. Gar. 435, 2. 



- 89 - 

der Ausweg, an der Echtheit des Kännchens, welche nicht durchaus 
erwiesen sein soll, zu zweifeln, — wobei es allerdings nicht aufgeklärt 
wird, wie der Falscher zu dem ungewöhnlichen Kreuz nimbus ge- 
kommen ist. 

Erst im Mittelalter wurde der Kreuznimbusauch auf die andern Per- 
sonen der Trinität übertragen. Die Anfänge dieser Ausdehnung seines Ge- 
brauchs liegen aber noch an der Grenze der frühchristlichen Zeit; m. \A'. 
zum ersten Male erscheint auf dem Mosaik der Koimesiskirche in Ni- 
caea' beim Symbol des hl. Geistes, der Taube, ein Kreuz im Nimbus. 

Man hat über eine besondere symbolische Bedeutung des Kreuz- 
nimbus mancherlei gesagt. Didron meinte die Arme des Kreuzes seien 
als Ausstrahlungen der vornehmsten Teile des Kopfes, nämlich der 
Stirn und der beiden Schläfen, zu denken. - 

Was auf solche Ausdeutereien zu geben ist, mag aus den Aus- 
führungen Kondakolfs und Berthiers über den tieferen Sinn des Kreuz- 
nimbus ersehen werden. Ersterer erklärt den wechselnden Gebrauch 
von einfachem und Kreuznimbus in der älteren Zeit dadurch, daU bei 
Rabuias comme ä St. Sabine ainsi que dans les catacombes et sur 
tous lesautres monuments de l'art chretien primitif, der einfache Nimbus 
verwendet wurde chaque fois qu'on est en presence d'une scene qui se 
passe apres la resurrcction.^ Berthier dagegen bemerkt zu dem ein- 
fachen Nimbus Christi in der Verklärungsszene der Holztür von S. 
Sabina: II porte le nimbe mais non pas le nimbe cruciferc, il n'a 
donc pas encore soullert la croi.\ ni conquis sa gloire par sa mort.* 
Berthier sagt also ungefähr das genaue Gegenteil wie KondakolV, und 
doch hat keiner recht. 

Derlei tiefe symbolische Gedanken kann man ohne Schwierigkeit 
den altchiistliclien Künstlern in imbegrenzter Zahl unterschieben. 
Einstweilen mu(3 zur l'.rklärung des Kreuznimbus die Erwägung ge- 
nügen, daß er sich als ein sehr verständliches, charakteristisches 
Attribut für (Christus und das Lamm empfahl, als der einfache Nimbus 
anfing, an auszeichnender Kraft zu verlieren. 

Besondere I'ormen des runden Nimbus. 
In das Gebiet von Laune oder Spielerei muß man den Nimbus 
des Lammes auf einer der Mailänder Elfenbeintafeln-' rechnen, auf 

1 Nr. 216. Wulff, lat. I, i. 

2 Histoirc du Uicu, S. 19. 

' HistoiPL' de l'art byzamin. S. 1-8. 

* I a porte de .S. Sabine, S. 70 I. 

* Nr. 349. Gar. 433. 



— 90 — 

der statt der Scheibe oder Kreislinie den Kopf des Lammes ein kreis- 
förmig gebogener Palm/.wcig umgibt. Daß sich der Kunsthandwerker 
dabei etwas gedacht hat, ist sicher; aber es hieße sich aufs Raten 
verlegen, seiner Spielerei eine bestimmte Deutung geben zu wollen. 
Durchsichtiger scheint mir die Entstehung einer anderen eigen- 
artigen Nimbusform, die auf orientalischen Elfenbeinwerken' einige 
Male verwendet ist, des sog. Muschelnimbus. Die .Muschel, Concha, 
wurde auf profanen und christlichen Werken in mannigfacher Weise 
gebraucht. Auf vielen Sarkophagen heben sicii die Köpfe der Darge- 
stellten Personen \ on den als Arkadenfüllung verwendeten Conchen 
ab.- Auf einigen Denkmälern, wo die Muschel ganz dicht hinter den 
betr. Köpfen angebracht ist, gleicht sie fast vollständig der oberen 
Hälfte eines Muschelnimbus (z. B. an der Vorderseite der Maximians- 
kathedra^) besonders wenn sie, wie auf einem Consulardiptychon 
(Meyer Nr. ib] fast ganz von der Architektur losgelöst ist und nur 
am Kopfe befestigt erscheint. Wollte man einen solchen Kopf noch 
mit dem Nimbus versehen, so war es leicht die Concha gleich mit 
dem Nimbus zu verschmelzen, man brauchte dann nur die Verbindung 
mit der Hintergrund-Architektur gänzlich wegzulassen und der .Muschel- 
nimbus war fertig. Eine Zwischenstufe wird man in dem dreiviertel 
Muschelnimbus des Jesuskindes auf einem Relief aus Theben* sehen 
dürfen. Von den Skulpturen, wo er allein verständlich ist. ist der 
Muschelnimbus im frühen Mittelalter in die Buchmalerei übernommen 
worden, wo er sich noch sonderbarer ausnimmt.^ 

Rechteckiger Nimbus. 

Noch in das Ende der altchristlichen Zeit fällt das Aufkommen 
eines eigenartigen Attributs, das in gleicher Weise wie der gewöhn- 
liche Nimbus die betr. Köpfe umgibt, aber nicht rund sondern recht- 
eckig ist; — es ist der sog. rechteckige oder quadratische Nimbus. 
Was die Einführung dieses sonderbaren Attributs veranlaßte und 
welche Gedanken es zum Ausdruck bringen soll, ist noch wenig auf- 
geklärt. 



1 Taf. des South Kensington Museum (Nr. 340. Maskell, S. 32) bei Marin und 
Christus; Tafel der Bibl. Vatic, (Nr. 338. Kanzler, Taf. IV) bei Christus und 
zwei Engeln. 

■' Gar. 347, 2. 3. 4; 34S, 2. 3. 4. 5. 

3 Nr. 355. Gar. 414 ff. 

4 Nr. 33o. Strzg., Catal. d. Mus. du Caire, S. io3. 

5 z. B. Cod. Vatic. Pal. lat. 3o. Beissel, Vatikanische Miniaturen, Taf. V. In 
der Adahandschritt. Die Trierer .A.da-Handschritl bearbeitet und herausgegeben 
von K. Menzel etc. Leipz. 1889. 



— 91 — 

Die Denkmäler geben zunächst folgenden Aufbchluß: 

Das älteste Beispiel der Verwendung des rechteckigen Nimbus 
soll sich nach der von de Rossi Bull. iHbb veröiTentlichten Zeichnung 
in den Katakomben von Alexandrien auf dem Fresko, welches die 
wunderbare Speisung' darstellt, finden. Hier umgibt das Haupt des 
Andreas ein breiter rechtwinklig gebrochener, grauer Streifen, der 
einem normalen Bilderrahmen nicht unähnlich ist, bei dem die untere 
Leiste fehlt. Den späteren, sicheren, gut erhaltenen rechteckigen 
Nimben gleicht dieser Rahmen wenig. Der jetzige Zustand der Fresken 
läßt leider auch keinen sicheren Schluß zu. Es muß demnach zweifel- 
haft bleiben, was dieser Streifen zu bedeuten hat, ob er überhaupt 
so, wie ihn die Zeichnung gibt, vorhanden war; um einen rechteckigen 
Nimbus wird es sich aber kaum handeln. 

Dagegen ist es als gesichert zu betrachten, daß sich Gregor der 
Große (590—604) im Andreaskloster in Rom mit einem rechteckigen 
Nimbus darstellen ließ, das geht aus der genauen Beschreibung dieses 
Bildes, die uns Johannes Diaconus in seiner Vita S. Gregorii über- 
liefert hat, hervor. - 

Aus dem ganzen 7. Jahrh. sind keine rechteckigen Nimben er- 
halten. Erst wieder seit Johann \'II. (70.^—707) begegnet man ihm 
häufiger in Rom und auf dem .Monte Gassino, selten im übrigen 
Italien und nur vereinzelt in Deutschland.' Bisher sind aus dem 8. 
und (). Jahrh. folgende mit rechteckigem Nimbus ausgestatte Bildnisse 
bekannt : 

z. 705 — 707 Johann VH. — in seinem Oratorium in der alten 
Peterskirche (Nr. i'ii. d. R. M. 23). 

3. Ein Papst (Johann VH.?) — Hauptapsis von 
S. Maria Antiqua (Nr. 83). 

4. 741— 7.'i'2 Zacharias — Kapelle der hl. Quiricus und Jiilitta 

in S. Maria Antiqua (Nr. 70) (s. Taf. VH, 1). 

5. Theodotus, der Stifter der Kapelle — ebenJort 
(Nr. 7h u. 79) (s. Taf. \ll.. 

I Nr. Gl. 

'- Vita S. Gicgori Magni IV, S4. Mignc l'atrol. lal. I.WV, lii. — Die betr. 
Worte lauten: Circa veniceni vcro tabuinc similiiUvliiK-m, quinl vivontis insjk;nc 
est, praelerens. non coronam. — V_nl. ilie Uekonstruktionsversuchc liieses Hilii- 
nisses : J. Kunh, Die christliche Kirnst unter Gregor d. Gr. Heidelberger Disser- 
tation 18117, Tal. I. — Wuescher-Becchi. Sulla Ricostruzione di tre dipinti etc. 
Nuovo Bull. 1900, S. 23^ II., Tat. VII — 1.\. 

3 Das Vorkoiiinien des rechteckigen Nimbus in Deutschland erklSrl sich durch 
die engen Bezieluingeii der Persönlichkeil, bei der er allein dort verwendet ist, /u 
Italien. Vgl. Sauerland und llaselwll, Der Psalter Ingberts v. frier, S. 5a. 



— (,2 — 

G. 7. Zwei Kinder des Thcodotiis — ebcndort (Nr. 78). 

S. l^l^l^'^l l'^i^il 1- — Apsis von S. Maria Antiqua (Nr. 87). 
(). 772 — -ijb Hadiiaii 1. (.') — Atrium von S. Maria Antiqua 
(Nr. 102). 

10. 795 — 8i() Leo III. — in dem von ihm errichteten Tricli- 

nium im Lateran (Originalmosaik vom Kardinal 
Barberini zerstört) (vgl. Gar. 283, 2). 

11. Karl der Große — ebendort' (vgl. Gar. 283, 2). 

12. N17— 824 Paschalis L — S. Prassede (Nr. i3(). d. R. M. 5). 
i3. derselbe — S- Cecilia (Nr. i5o. Gar. 292). 

14. derselbe — S. Maria in Domnica (Nr. i5i. d. R. 

M. i5). 
i3. Theodora, seine Mutter — Kapelle des hl. Zeno 

in S. Prassede (Nr. 148. Gar. 290). 

16. 827—844 Gregor IV. — S. Marco (Nr. i53. d. R. M. Ti). 

17. 826—843 Abt Epifanius — S. Vincenzo al Volturno (Bertaux, 

L'art d. ritalie meridionale, pl. III). 

18. Ein Mönch (der Maler der Fresken) — ebendort 
(Bertaux, a. a. O., Fig. 34, S. 97). 

ig. 835 Erzbischof Angilbert v. Mailand — Goldaltar von 

S. Ambrogio (Venturi, Storia II, S. 233). 

20. 847—855 Leo IV. — S. demente in Rom. 

Aus den folgenden zwei Jahrhunderten sind mir noch folgende 
Beispiele bekannt. 

21. qi5 — q34 Abt Johannes von Montecassino — Miniatur des 

Cod. Cassin. Nr. 175, 241 — (Piscicelli, Taf. 4). 

22. 977 — 993 Erzbischof Egbert von Trier — Miniatur des 

Codex Egberti (Kraus, Codex Egberti, Taf. II). 
23. 24. derselbe — Zwei Miniaturen des Psalters Egberts 



1 Auf der Kopie dieses Mosaiks in der offenen Halle an der Scala sancta und 
der zur Zeit der Zerstörung angefertigten Zeichnung (Gar. 283, 2) trägt auch Kon- 
statin d. Gr. einen quadratischen Nimbus. Daß ein Irrtum des Zeichners und der 
Kopisten vorliegt, ist gewiß. Denn, da der betr. Teil des Mosaiks, aut dem sich 
jetzt die Figur Konstantins befindet, schon zur Zeit Barberinis nicht mehr vor- 
handen war, läßt sich gar nicht feststellen, was und wer ursprünglich an der betr. 
Stelle dargestellt war. Es ist möglich, daß die ganze Szene, wie sie jetzt ist, (dec 
thronende Christus übergibt Sylvester den Schlüssel und Konstantin das Labarum) 
eine Erfindung der Zeichner ist. — Abgesehen davon ist es verdächtig, daß auf 
Zeichnung und Kopie die linke Seite des rechteckigen Nimbus durch ein Stück 
des Labarumschaftes gebildet ist, während gegenüber bei Karl d. Gr. Lanzenschaft 
und Nimbus deutlich geschieden sind. 



— gS — 

(Sauerland und Haseloll', der Psalter Egberts von 
Trier, Taf. II und III). 

25. loio Bischof Warmundus von Jvrea fgest. loio) — 

Miniatur des Cod. Eporediensis LXXXVT. (Cos- 
tanzo Gazzera, Delle Iscri/.ioni Cristiane Antiche 
del Piemonte — Torino 1840 — tav.) 

26. 11. Jalirli. Mönch Grimoald — Miniatur des Cod. Cassin. 

Nr. 109, 25 (Piscicclii, Taf. 6). 

27. Abt Desiderius von Montecassino • — Miniatui' des 
Cod. Cassin. gg, 2o(), Taf. I (Piscicelli). 

10. .lahrh. nDer Priester» — Miniaturen des Pontilicaic des Landolf 

der Bibl. Casanatense (zwei Miniaturen abgeb. z. B. 
L'arte II, S. 2(), Fig 23). 

11. .lahrh. Erzbischof, Priester und Diakonen — Miniatiuxn der 

Exultet-Rolle der Bibl. \'ai. 'Bertaux, pl. \T : L'arte II. 
S. 32, Eig. 23 aj. 
II. Jahrh. Der Lehrer S. Benedikts — Miniatur der Scrmoncs Monte 
Cassino scripti. Cod. 'Vat. 1202 (Beissel, Vatikan. .Minia- 
turen, Taf. VIII). 
Dreierlei ergibt sich demnach aus dem Bestand der Denkmäler: 

1. im 7. 8. u. g. Jahrh. erhielten nur bestimmte historische Per- 
sönlichkeiten den rechteckigen Nimbus. 

2. und zwar auf Denkmälern, die zu ihren Lebzeiten, meist auf 
ihre Veranlassung oder Stiftung ausgeführt wurden. 

3. Erst im 10. und 11. Jahrh. wurden außerdem die Bilder von 
Repräsentanten des geistlichen Standes, die keine bestimmte Persön- 
lichkeit darstellen, durch rechteckigen Nimbus charakterisiert und 
schließlich auch ein der Vergangenheit angehörender Kleriker 

Zieht man den Stand uml die Stellung «.ler Personen inbetracht. so 
ergibt sich folgendes : das Attribut lindet sich clfmal bei römischen 
Bischöfen, fünfmal bei anderen Bischöfen, dreimal bei Aebten, zweimal 
bei Mönchen, einmal bei einem deutschen Kaiser, einmal bei der 
Muttci eines römischen Bischofs, einmal bei einem vornehmen oder 
reichen römischen Laien, zweimal bei Kindern dieses Römers. Es 
sind also überwiegend Kleriker, denen das Attribut erteilt ist. Aber 
daß sie in der Ueberzahl sind, liegt nicht daran, daß sie ein besonderes 
Anrecht auf den rechteckigen Nimbus hatten, sondern erklärt sich 
aus dem Umstände, daß sie auf den Denkmälern jener Zeil öfter 
dargestellt sind als Laien. Auch hohe Stellung oder sonstige hervor- 
ragende Eigenschaften sind kein wesentliches lüMordernis für die 



— 04 — 

Auszcichnurif]; durch den rechteckigen Nimbus, denn auch Kindern und 
gewöhnlichen Mönciien ist er verliehen; sondern der springende Punkt 
bis zum 10. Jahrh- ist allein, daß die betr. Personen zur Zeit der Hei- 
stellun^ ihres niliinisses am Leben sein nuilJten, was ja auch ausdrücklich 
durch Johannes Diakonus, der im (). Jahrli. schrieb, bestätigt wird. 

Während also die äußerliche formelle Verwandtschaft mit dem 
normalen Nimbus dafür spricht, dal3 auch der rechteckige Nimbus 
einen ähnlichen (iedanken wie jener zum Ausdruck bringen soll, d. h. 
den damit ausgestatteten Personen den (Iharakier höherer Bedeutung 
und Würde aufzuprägen, scheint das Vorhandensein des Attributs bei 
Kindern und gewöhnlichen Mönchen anzuzeigen, daß es mit dem 
eigentlichen Nimbus gar nichts zu tun hat und nur ein äußeres, 
sichtbares Zeichen ist, daß die dargestellten Personen als noch Lebende 
gekennzeichnet werden sollten. 

Wie ist dann aber die Entstehung des sonderbaren Attributs zu 
erklären? In Ermangelung eines besseren Auswegs wird sich folgende 
Erklärung empfehlen : Zur Zeit des Aufkommens des Attributs 
— sagen wir zu Gregor d. Gr. Zeit -- hatte man sich in Rom schon 
daran gewöhnt, in dem runden Nimbus ein Vorrecht überirdischer 
Gestalten und «heiliger^ Personen der Vergangenheit zu sehen; 
darum scheute sich Gregor d. Gr., sich von den Malern, die ihn 
porträtieren sollten und denen vielleicht die Bildnisse der nimbierten 
öströmischen Herrscher etwas ganz Bekanntes waren, mit dem runden 
Nimbus als Zeichen seiner VVürde darstellen zu lassen — wie es 
etwas später Erzbischof Reparatus v. Ravenna tat — er verschmähte 
aber die Auszeichnung eines Nimbus nicht durchaus, ließ ihn aber, 
um ihn von dem Attribut der würdigeren Gestalten augenfällig zu 
unterscheiden, rechteckig bilden (tabulae similitudinem praeferens, non 
corönam), wobei die Wahl der Form durch irgend eine Beziehung 
des Rechteckigen zu dem noch am Leben sein veranlaßt sein mag.' 



' An Versuchen, eine solche Beziehung herauszufinden, liat es nicht gefehlt. 
z. B. Didron, a. a. O., S. 55; Le carre est inlc-rieur au rond dans les idees de 
Pythagore et des Ne'oplatoniciens. Suivant ces idees, le carre est l'expression 
symbolique donne par la geometrie ä lerre; le rond est le svmbole du ciel. Le 
rond est un carre perlectionne; le carre est un rond brise ou diminue, suivant 
l'expression heraldique. Acta. S. S. maii tom. l, p. L.XII : Erklärung der Bol- 
Inndisten zu der erwähnten Miniatur von Monte Cassino, (Nr. 21); Vides gemma- 
tum utrique (Johannes u. S. Benedikt) circa caput ornatum, cum hac diversitate, 
quod S. Benedicto. ut aeternitatem felicem adepto, caput ambiat circulus, aeterni- 
tatis symbolum ; Johann! vero, ut adhuc viventi, quadratum quid post caput sit, 
quo creditur fimiitas fidel, velut quadro lapide immobiliter nixi repraesentari. 
Andere Erklärungen, s. bei Didron, a. a. O. 



- 9-^ - 

In der folgenden Zeit vergaß man jedoch, daß diese Art tabula 
ein abgeänderter Nimbus war und beachtete nur, daß sie ein Attribut 
für noch lebende Menschen sei ; und kam so dazu, sie überhaupt als 
bildlichen Ausdruck zur Andeutung dafür, daß die abgebildete Person 
noch am Leben sei, zu verwenden. Noch später (im lo. Jahrh.) wurde 
dann von Miniaturisten des Monte Cassino die ursprüngliche Be- 
schränkung des rechteckigen Nimbus auf lebende Personen aus Un- 
kenntnis außer acht gelassen, und da sie ausschließlich Kleriker mit 
ihm dargestellt gesehen hatten, gebrauchten sie ihn aus Mißverstand 
als ein Attribut für Geistliche überhaupt. 



3. Aureole. 

Außer dem Nimbus, der nur das Haupt umgebenden leuchtenden 
Scheibe, verwendete die altchristliche Kunst, allerdings bei w^eitem 
seltener, noch ein anderes verwandtes Attribut: den den ganzen Körper 
umgebenden meist bläulichen Lichtschein, für den sich die Bezeichnung 
Aureole eingebürgert hat. Diese Aureole im engsten Sinne ist ein 
Vorrecht der Gottheit ; sie findet sich nur bei deren Symbolen und 
bei Christus in solchen Szenen, in denen seine göttliche Natur in 
besonderer Weise sich ollcnbart oder zum Ausdruck gebracht wer- 
den soll. 

Während aber über die Entlehnung des Nimbus aus der hellenistisch- 
römischen Profankunst kein Zweifel bestehen kann, kann man die 
Aureole als eine Erfmdung der altchristlichen Kunst betrachten, 
freilich nicht in dem Sinne, daß sie sie ganz selbständig aus sich 
selbst heraus geschalVen habe, sondein sie hat auch in diesem Punkte 
mehrere vorher getrennte Elemente, die sich auch in der Profankunst 
nachweisen lassen, mit Verschmelzung von .\llgemcin-menschlichcm 
und von spezitisch (Christlichem bzw. Biblischem zu einem neuen 
Ganzen vereinigt. 

Die Voraussetzung für die l''nistehuiig eines so merkwürdigen 
Attributs ist die allgemeine in der menschlichen Natur begründete 
Vorstellung von dem Lichtglanze, in dem die Gottheit wohne und 
sich oll'enbare; daß sie auch in der Bibel sehr häufig ausgesprochen 
ist, ist oben S. 67 ausgeführt. Der einfachste bildliche .\usdruck für 
diesen göttlichen Lichtglan/. sind Strahlen; auch die altchristliciie 
Kunst hat sie des öfieien \crwendct bei den Symbolen der Gottheit, 



— (,l. — 

der Hand' und der Taube,- uiil \'orliebe beim Kreuz fbzw. Mono- 
gramm)/ dessen übernatürlicher Glanz auch in der Legende eine 
große Rolle spielt.' 

Lange vor diesen Darstellungen hatten aber christliche Künstler 
in Anlehnung an heidnische Vorbilder die Gestalt des Sol mit einem 
ganzen Lichtreif umgeben, der in der Sakramcntskapelle A 2 der 
Kallist-Katakombe in Rom-' entsprechend der Halbligur des Sonnen- 
gottes oval, auf einem Sarkophag des Laterans" dem F3rustbilde ange- 
paßt rund ist. In diesen Lichtreilcn muß man die direkte, formale 
Vorstufe für die Aureole erblicken, die zum ersten Male in ausge- 
bildeter Form sich auf einem der Langhausmosaiken von S. .^L^•ia 
Maggiore findet ; " sie umgibt dort den mittelsten der drei dem Abraham 
erscheinenden .Männer, in welchem wir Christus zu erkennen haben 
(s. Taf. in, '^)- Sie besteht aus einem elliptischen, graubläulichen, 
durchschimmernden Oval ; zur Verstärkung des Eindrucks, daß der sich 
um die (iottheit verbreitende leuchtende Dunstkreis angedeutet werden 
soll, gehen von der Figur des Mannes mehrere parallele, weißliche 



' S. oben S. 40. 

2 S. oben S. 42. 

3 Das .nusgebildetste Beispiel bietet das Mosaik der Koimesiskirche, Nr. 216, 
Wulff, Taf. I, I. — S. Vitale, Mitte der Vorderseite der Apsis : an Stelle des ganzen 
Monogramms nur ein A, von welchem acht Strahlen ausgehen, Nr. 180. Gar. 258. 
— Grabstein aus Metz: Kreuz zwischen dessen Armen die .Anfangsbuchstaben des 
Alphabets A B C D E stehen, von Strahlenkreis umschlossen. (Museographie der 
Westdeutschen Zeitschr. igoS, Abb. 12), (s. Taf. IV, 5). — Den bekannten großen 
Darstellungen des Kreuzes in S. Apollinare in Classe und des Monogramms in 
S. Giovanni in Neapel liegt die gleiche Vorstellung zu Grunde. Vgl. auch das 
Kreuz in der Felixbasilika in Nola. R. Q. S. 1890 und im koptischen "weiPenn Kloster, 
Bock, Materiaux, Taf. X.KII, 2. — Fast an eine ausgebildete Aureole erinnert der 
den gekreuzigten Christus umgebende gelbliche Streifen auf einem koptischen Ge- 
webe des Kaiser Friedrich-Museums (Nr. 394), wo zur Hervorhebung des von 
Golgatha ausgehenden Lichtes sich hinter dem Haupte Christi außerdem ein gelbes 
Strahlenbündel fächerartig erhebt. 

* Nachweise aus den Apostellegenden bei Lipsius, Die apokryphen Apostel- 
geschichten und Apostellegenden, Erg.'nzungsheft, Braunschweig 1890, S. 212 unter 
dem Stichwort Kreuz, Lichtkreuz. — Am bekanntesten ist das leuchtende Kreuz, 
das dem Konstantin in den Wolken erschien : axauovj "zo'jTMWI sx 'icox'jc auviaToinsvov. 
Euseb. Vita Const. I, 26 — 3i. Vgl. ferner die Kreuzauifindungslegende, wonach 
sich das Kreuz Christi von denen der Schacher durch von ihm ausgehende Strahlen 
unterschied. Nestle, Byzant. Zeitschr. iSgS, S. 33r. Nach Cyrill Hier. 1 1G9 hatte 
man in Palästina im Jahre 346 das Phänomen eines Kreuzes beobachtet, das 
zwischen Golgatha und dem Oelberg stand. (Ich habe diese letzten beiden Notizen 
aus Wulff, Koimesiskirche, S. 341 und 243 entnommen). 

^ Nr. 2. Wlp. 39, 2. 

6 Nr. 3o3. Gar. 307, i. 

'Nr. 107. Richter, Taf. 7, 1. 



— 97 — 

Strahlen bis zum Rande des Ovals.' In der Form und dem Sinne 
nach analoger Weise ist die Aureole dann nur noch bei den Darstel- 
lungen der Höllenfahrt verwendet, bei denen allen in äiinlichcr Weis«; 
wie hier durch Strahlen und Lichtovai der Eindruck des Unkörper- 
iichen der Lichtgestalt Christi hervorgerufen wird.- 

Von diesen Darstellungen unterscheiden sich alle übrigen, auf 
denen die Aureole Verwendung gefunden hat, durch ein gemeinsames 
Merkmal : die von der Aureole umgebene Person (Christus) befindet 
sich auf ihnen entweder geradezu im Mittelpunkte oder doch in der 
Mittellinie des Bildes und wird durch sie in augenfälliger Weise aus der 
ganzen Komposition herausgehoben. Diese Art der Aureole soll aller- 



' Zweifelhaft ist es mir, ob man auch als eine Aureole das eigentümliche 
Oval betrachten kann, welches auf einem andern der Langhausmosaiken, von der 
in der Höhe erscheinenden Hand Gottes ausgehend, Moses, Aaron und Kaleb 
bergend umgibt und sie gegen die Angriffe der erbosten Juden so wirkungsvoll 
schützt, dal* deren gegen die drei Männer geschleuderten Steine kraftlos abprallen. 
An sich ist es durchaus wahrscheinlicli, daß der betr. Mosaizist habe bildlich dar- 
stellen wollen, wie ein übernatürlicher Lichtschein gleich einer körperlichen 
Schutzwand die Wut der Juden machtlos gemacht habe. Line ."hnliche Vor- 
stellung findet sich z. B. in den hierapolitanischen Pliilippus-Akten : die Schwester 
des Philippus Mariamne erscheint zu ihrem eigenen Schutze plötzlich «wie ein 
von blendendem Lichte erfüllter Glaskasten», so daß niemand sie anblicken, ge- 
schweige sich ihr nahen kann. (Lipsius, Apostellegenden. F.rgiinzungsheft, S. 8). 
— Trotzdem kann man nicht eigentlich von einer Aureole reden; sondern man 
muß das (")\al entweder als einen Komplex gebogener Strahlen ansehen, die sich 
von der Hand Gottes verbreiten, oder als eine bergende Wolke. Letzteres ent- 
spräche am besten dem Septu-igintaie\t : y.w. r, Vj^i x'jO'/j'j m-f >>/, iv ri-, '>v:^ik\ irX Tyj; 
jX.r,vYj;; die ^o;« /upii/j wäre d.um durch die Hand angedeutet. Der Wort- 
laut der l^ibelstelle, (Num. 14, lo): Als nun die ganze Gemeinde nahe daran war 
sie zu steinigen, da erschien die flerrlichkeit Jahwes vor allen Israeliten am 
Ofl'enbarungszelt. Vulg. : (Arnique clamaret omnis multiludo, et lapidibus eos vellet 
opprimere, apparuit gloria Domini super tectum foederis cunctis filiis Israel, kann 
hier jedoch nicht entscheiden, da der Künstler sich nicht genau an ihn gebunden 
hat; denn danach werden die Juden durch die plötzlich Über der Stifishütte er- 
scheinende i^oc'z ftso'j erschreckt und von ihrer bösen Absicht. Moses zu steinigen, 
abgehalten, währeiul auf dem Mosaik ihre schon in Tat umgesetzte .Absicht durch 
die Strahlen bezw. die Wolke, welche die drei Männer unmittelbar vor der Stifts- 
hütte umschließen, wirkungslos gemacht wird. Die Bezeichnung «Gloria Domini» 
für Aureole, welche de Waal, K. Q. S. |(»ö2. S. 38 auf (Jrund dieser Bibelstelle 
bevorzugt wissen mochte, läßt sich gerade aus ihr nicht gut ableiten, da es, wie 
gesagt, nicht sicher ist, (jb das Oval in diesem Falle eine .Aureole ist. und ob der 
M<>saizi>t unter Gloria Domini die Haiul Gottes verstanden hat oder die von ihr 
ausgehenden Strahlen be/w. Wolke. Daß die Bezeichnung Gloria Domini für den 
die Gottheit umgebenden l.ichiglanz im übrigen gut altkirchlich wäre, ist dagegen 
unzweifelhatl. 

' S. Zenone, iNi. 1411) Mr)nzaer Knkolpien (Nr. 4i)ö), Unterkirche von S. de- 
mente. Spätere Heispiele s. de VVaal, Zur Ikonogr.iphie der Trnnsliguration. R. 
(.). S. u)02, .S. j(). Die Hüllenfahrt in S. Mari.i Antiiiua (Nr. 73) ist eine der wenigen 
ohne Aureole. 



- ..,8 - 

dinf^s ebenfalls den göttlichen l^iclitglan/. versinnbildlichen, aber in 
formaler Hinsicht hat sie eine andere Darstellungsart zur Voraussetzung, 
die in dei' heidnischen Kunst sehr gebräuchlich war: es sind die sog. 
Iniagines clipeatae.' Diese waren \ on der christlichen Kunst schon 
längst übernommen ; aLif Sarkophagen linden sie sich häutig, wo die 
Clipei namentlich zur Auhiahme der Brustbilder zweier Vermählter 
dienten. Aehnlicli wurden auf Fresken, Mosaiken und anderen Kunst- 
erzeugnissen die Brustbilder Christi, der Apostel usw. auch das Mono- 
gramm oder Kreuz in ein Medaillon eingestellt (Imagines clipeatae in 
weiterem Sinne). In diesen runden Medaillons schon Aiu'eolcn zusehen, 
ist man dainmi keinesfalls ohne weiteres berechtigt.^ Dagegen kann 
man als ein Mittelding zv\ischen C.lipeus lmkI .Vureole z. H. die von 
Engeln gehaltenen Medaillons in S. Vitale und auf einer KIfenbeintafel 
der Bibl.. Vatic. ansehen;-^ in der Mitte des ersteren schwebt em A, 
von dem acht Strahlen ausgehen ; das zweite gleicht einem Muschel nimbus, 
dessen einzelne Rillen als Strahlen geJacht sind, die sich von dem atif 
ihm ruhenden Kreuze verbreiten. Aber von eigentlichen Aureolen 
kann man bei Jen kreisrunden MedaillonbilJern zunächst und unbe- 
zweifelt nur in Jen Fällen reden, wo der Künstler deutlich durch 
verschiedengefärbte l.-ichtkreise seine Absicht zu erkennen gibt, daß er 
der Vorstellung Jes göttlichen Lichtglanzes bildlichen Ausilruck ver- 
leihen v\ollte. Das hat tin •: weideuiig Jer Mosaizist des Triumphbogens 
von S. Paolo fuori I.' m. getan; er hat das Brustbild des nimbierten 
Christus in ein rundes .Medaillon eingestellt, dessen freie Fläche von 
einer inneren hellgrünen und einer äußeren dunkelblauen Zone aus- 
gelüllt ist, derart, daß sie als ein von der Figur des Herrn ausstrahlenckr 
farbiger Dimstkrcis erscheinen ; neun am Rande Jes Nimbu-^ ansetzende' 



1 Mommsen und Mnrt]u,irdt. H.indbuch tier röm. Altertümer VII, 2. Autl., 
S. 244, Anm. 4. 

2 Auch die Lorbeer- oder Blumenkränze, welche die Figur Christi (Holz- 
tür \. ,S. Snliino, Nr. 368, Tafel des South Kensins^ton-M us. Nr. 340) oder das 
M()not;r;mim (S. (iiovanni in fönte, Neapel Nr. \iy) umgeben, und der stern- 
besäte Kreis um das Kreuz (S. Apollinare in Classe, Nr. 190) oder die Taube 
(Grabstein aus .Aquileja, 'Nr. 335), können ebenfalls nicht als .Aureolen im engeren 
Sinne bezeichnet werden. Vgl. Wiegand, a. a. O.; Maskell, S. 52; Gar. 209; 265, i; 
487, 26. 

3 Nr. 180 und iSg. Gar. 258 und 457, 2. 

* Die Strahlen sind nicht als vom Nimbus ausgehend gedacht, sondern sie 
sind durchaus ein Bestandteil der Aureole, in deren Zentrum ihre Verlängerungen 
nach innen zusammentreffen wurden. Der Nimbus ist als ein von der Aureole unab- 
hängiges, für sich bestehendes Attribut auch dadurch zu erkennen, daß die farbigen 
Zonen nicht mit ihm konzentrisch sind. 



— 99 — 

bis über den Rahmen des xMedaillons hinausgehende Strahten verdeut- 
lichen die beabsichtigte Wirkung.' 

Aber gleich bei dieser ersten sicheren Medaillon-Aureole ist ersichtlich, 
dall außer den schon genannten Kiementen noch ein weiteres und zwar 
ein biblisches zu ihrer vollständigen Ausbildung mitgewirkt hat. Denn 
die Farben der verschiedenen Zonen, die an einen Regenbogen erinnern 
sollen, verraten deutlich, daß der Künstler sie in enger Anlehnung an 
die Schilderung der apokalyptischen Vision (Apok. 4) auswählte, die 
der ganzen Komposition des Triumphbogenmosaiks von S- Paul zu 
(irunde liegt; dort heißt es v. 3: Und der da saß, war gleich anzusehen 
wie der Stein Jaspis und Sardis ; und ein Regenbogen war um den 
Stuhl, gleich anzusehen wie ein Smaragd». 

In ganzgleicher Weise wie in S. Paul istdie runde .Medaillon-Aureole 
in einer (irabkammer inSofia ((>. — 7. Jahrh.) verwendet; dort zeigt ein 
Fresko »ein größeres \ ier Strahlen aussendendes, edelsteingeschmücktes 
Kreuz zwischen zwei kleineren, inmitten einer sich nach innen lichtenden 
dreifVichen Glorie».'^ Von diesen sicheren Beispielen rückschließend, 
wird man auch das blaue Medaillon, das auf dem Triumphbogen- 
mosaik von S. Maiia Maggiore den Thronsessel dei' Ktimasia umgibt, 
als Aureole auffassen können.^ 

Die Regenbogenfarben sind in der altchristliclien Zeit ein not- 
wendiger Bestandteil der Aureole geblieben, sie erscheinen mehr oder 
minder vollständig in allen l''üllen, — natürlich soweit es sich um 
Malereien handelt.' 

Die rLuide Medaillon-Auieole war als Umrahmung einer ganzen 
menschlichen Figur unbequem (so nur in Cosmas. Vision des Kzechiel 
Nr. 272), um sie dieser besser anzupassen, mußte man sie eliptisch gestal- 
ten, wodurch sie dann dem schimmernden Lichtoval, wie es den minelsien 

1 Nr. 1 19. d. K. M. 16. 

- Wulff, Koimcsiskirchc, S. 24J luich .Ai'imIov, Die liclleiiisi. Gi imai.ij;i.ii Jor 
christl. Kunst, S. i<j8. 

^ Nr. M^. Kichtif iind l'nylor, l'nf. 3^, 1. 

* Nur bhuigrUn : S. Ncrco od Achilleu, Nr. ii.\ d. H. M. 21; .*s. iNLirui in Doiii- 
iiicii (Nr. i52. d. U. M. i3), wo :dicr iUillcrdcm der Rogcnho^cn scllisi duri;li eine 
dünne l^inic, .uif der <;hiisliis silzl, ;ini;cdLnuct ist. — l'l;iu.>.cli«;irz mit wiiPcin 
l<;nid und rigenl>o,m.'n;iitit;cn ."nllereii Streifen: llavd-(!C( xavax^pia, Nr. 211. V\'i/. 
Wreni. 1807, 1 iif. II. — BLiu mit duiikelblMuein Kiindst reifen : .•*. Zcnonc, Nr. 1411. 
Cjiir. 289, 2. — Blau mit weil>eui und gr'Onem Kand : Knbula, Nr. a.'iS. Gar. 1 J9, a. 
— Innere liellblaue und äußere dunkelblaue /onc : ('.osmas, fol. 89. Nr. 27t). Gar. 
i53, 2. — Blau, dunkelf;rUn, k.irniinrot, ebciidoit fol. 74. Nr. 272. Gar. 141). 1. — 
S. C;ienionte, bei Christus über M.iria Tod : blau mit weil'em Uande, bei t.hrisius 
in iler Viirhölle : drei Zonen von versohicvleneni Ulau, unii'ndert von grUnen und 
hellroten .Streifen. 



1 f)0 

der "drei Männer» in S. .M:nia Ma^^inrc unii;iln. aucli loi mal j^änz- 
Hcl) nkicli wnr^ic. In tlicscr cliptischen Form stellt sich die Aureole 
am denllichsten als Verschmelzung der \ier l'llemente dar. die an 
ihrer l^ntwickhiiii; beteiligt waren : der Voistelkmg von dem Licht- 
glanze der Gottheit, des antiken Solliclitreit's, des Clipeus be/vv. 
Medaillons der Imagines clipeatae und des Rcgenbogens der Apo- 
kalypse. 

Diese eliptische Medaillon-Aureole wurde ausschließlich für die Figur 
Christi ver« endet in den Darstellungen derVerklärung,' der Himmelfahrt, ' 
der Ausgießung des Geistes,' des jüngsten Gerichts,' des c iiimmlischen» 
(vhristus'' Luid des göttlichen Kindes aLif'dem Schöße der Maria." Bei der 
letztgenannten Gruppe von Mutter und Kind hat die Anbringung der 
Aureole aber Schwierigkeiten bereitet, die von den altchristlichen 
Künstlern in sehr wenig befriedigender Weise gelöst wurden. In der 
älteren Zeit umrahmte man die ganze Gruppe mit der Medaillon- 
Aureole, ließ also die Mutter an dem IJchtqlan^e ihres göttlichen Sohnes 
teilnehmen — das Mosaik der zavayix /.■m-x/.-j.qva auf Cypern aus dem 
6. — 7. Jahrh. bietet dafür ein schönes Beispiel. Später aber iührte die 
Erwägung, daß die Aureole dem Kinde selbst zukomme, und die Ab- 
sicht, seine göttliche Natur schärfer zum Ausdruck zu bringen, zu 
jenen sonderbaren Darstellungen der Madonna, welche die Aureole, 
in der sich das Jesuskind befindet, mit beiden Händen auf ihrem 
Schöße oder auf ihrer Brust h'ili. Dieser Art von Aureole haftet also 
noch die ganze Körperlichkeit ihres Urbildes des Clipeus an. was 
besonders aul den Denkmälern aus Metall unangenehm, fast lächerlich 
wirkt, auf denen der wesentlich nur durch die Farbe hervorzurufende 
Eindruck des leuchtenden Glanzes gar nicht zum Ausdruck kommen 



1 S. Nereo ed Achilleo, Nr. i33; Marienkloster auf dem Sinai, Nr. 214. 
Gar. 268. 

'•i Rabula, Nr. 258; iVlonzaer Oeltläschchen. Nr. 484, z. B. Gar. 433, 10; Nr. 
475 (s. Tat. VI, 4); IJnicrlsirciie von S. demente in Rom. 

■i Monzaer OeiHäscliehen, Nr. 485. Gar. 43.4, 3. (s. Taf. VI, i). 

* Cosmas, toi. 89. Nr. 276. 

4 S. Maria in Ooninica, Nr. i32. 

" IlavafW Kavaxpia anf Cypern, (Nr. 211), die Aureole umgibt Maria samt 
dem Jesuskind. — S. Maria Antiqua, (Nr. 90); S. Vincenzo al Volturno (Bertaux, 
l.'art dans l'Italie meridionale, fig. 34, S. 97). Etschmiadzin-Evangeliar, (Nr. 292). 
Strzg., Byz. Denkm. 1, Taf. VI, 2. — GoldagrafFe des Kaiser Friedrich-Museums, 
(Nr. 465), in die Aureole sind zweimal die Buchstaben I C eingeschrieben. — 
Goldpl.'ttchen (Nr. 468), in die .\ureole sind IC .K C eingeschrieben. (Forrer. 
Altert., Taf. .\III, 3 und Gar. 479, 4). Auf den Siegeln des Phokas und Heraclius 
(Schiumberger, S. 418 und 420) ist in verkürzter Darstellung nur das Brustbild 
des Kindes von der Aureole umschlossen. 



lOl 

IwUin. Kbenso ist es auch aul einigen der anderen Darstellungen den 
Künstlern nicht gelungen, jene vier Elemente so iiiiteinandei' zu ver- 
binden, daß sie nach Inhalt und Form ein einheitliciies Ganze bilden, 
in dem keines der l-demente sich unangenehm vordrängt. Auf den 
Monzaer OelHäschcheii mid im Codex Laurentianus (auch in S. demente) 
wird die Aureole von Engeln emporgetragen, genau wie die antiken 
Clipei von Viktorien oder (ienien gehalten wurden ; der Clipeus hat 
dadurch dermal3en das Uebergewicht, dai3 die doch beabsichtigte 
(iesamtu irkung, als schwebe der verklärte Leib Christi auf übernatür- 
liche Weise in dem von ihm selbst ausstrahlenden Eichte empor, fast 
gänzlich aufgehoben wird. 

Aber trotz der vom Clipeus übriggebliebenen Körperlichkeit muß 
man die die F'igur Christi umschließenden ovalen Medaillons in allen 
Fällen als .\ureolen im eigentlichen Sinne auflassen, auch wenn die 
entsprechenden P'arhen fehlen. 

Schwieriger ist es aber zu entscheiden, ob und in welchen 
Fällen man auch bei den häufigen einfarbigen Medaillons mit Brust- 
bildern Christi, der Apostel oder anderer Gestalten, bei denen sich nicht 
in unzweideutiger Weise wie in S. Paul durch Regenbogenfarben die 
.Vbsicht des Künstlers verrät, trotzdem voraussetzen darf, daß das 
Medaillon als Aureole gedacht ist. Zunächst verringert sich die Zahl 
der in Betracht kommenden Medaillonbilder um ein Bedeutendes 
durch die Erwägung, daß die Aureole ein ausschließliches A'orrecht 
der Goiilieit ist; es kann sich also nur um die Brustbilder Christi 
und um göttliche Symbole handeln, bei allen andern Figuren .steht es 
von vornherein fest, daß der ihre Brustbilder umrahmende Kreis keine 
Aureole sein kann. BetrclV der (>hristusmedaillons wird man aber 
folgendes sagen können : l^s handelt sich bei ihnen iin/w cilelhaft stets 
daim um Auiecjlen. wenn sie in si)lchen S/enen X'erwenduns sefunden 
hat, in denen lür gewöhnlich an der entsprechenden Stelle des Bildes 
(Christus in unverkürzter Gestalt in ovaler Aureole erscheint, und 
wenn dabei Christus außerdem einen Nimbus trägt. Letztere Ein- 
schiänkung ist nötig wegen der aulfälligen Tatsache, daß gerade bei 
den Medaillonbildern der Nimbus nicht selten fehlt. Wo dies aber der 
l"'all ist — wie z. B. bei dem Bnistbilde in der .Mitte des großen 
Kreuzes in S. .\pollinaie in Classe' — könnte man mit gleichem 
Kecht wie \on einer \ eiklcinericn .Vureole von einem erweiterten 
Nimbus reden ; besser jedoch wird man annehmen dürfen, daß hier 

' Nr. lyo. Gnr. 2ti5, i. 



102 — 

Nimbus Lind Auix-olc ineinander f^eHosscn sind. In gleicher Werse 
iiat eine Versclimeizung beider Attribute auf dem Fresko in der 
Kapeile der |o Märtyrer am römischen Korum' stattgefunden, auf 
welchem dci' himmlische (>hrisius inmitten der in seine Gemeinschaft 
aufgenommenen Märtyrer in verkürzter Form, nur im Brustbilde, er- 
scheint; dieses ist von einer kreuzgeteilten runden Medaillon-Aureole 
Lungeben, der Nimbus fehlt. - 

Andere kreuzgeteilte Medaillons mit dem Brustbilde des nimbus- 
losen (Christas, bei denen nicht wie bei den eben erwähntet) durch 
den Inhalt djr Darstellung der Anlaß zum Verleihen der Aureole ge- 
geben war, sind dagegen nur als Ersatz des Kreuznimbus bezw. eine 
Vereinigung dieses mit dem Medaiilonkreise aiifzufassen.^ 

Hat demnach bei den Brustbildern (Christi sicher einen Ersatz 
des Nimbus durch das xMedaillon stattgefunden, so erhebt sich die 
Frage, ob das Gleiche auch bei nimbuslosen Imagines clipeatae 
andrer Personen, denen sonst gewöhnlich der Nimbus verliehen ist. 
anzunehmen ist. Eine sichere allgemeingültige Antwort wird man 
nicht geben können, sondern man muß von Fall zu Fall entscheiden. 
Wenn beispielsweise am Gurtbogen des Altarraums von S. Vitale * 
sich bei 14 der Medaillonbrustbilder, denen der 12 Apostel und 
des Gervasius und Protasius, kein Nimbus findet, wohl aber bei 
dem fünfzehnten, welches Christus darstellt, so dürfte anzunehmen 
sein, dal5 der Mosaizist die 14 Medaillons der erstercn nicht als Ersatz 
des Nimbus gedacht hat. Wo aber, wie an der Außenwand von 
S. Zenone,^ außer den Brustbildern der Heiligen auch das Christi 
nur vom Medaillon und zwar vom kreuzgeteilten Medaillon umrahmt 
wird, muß man alle Medaillons zugleich als erweiterte Nimben ansehen. 
Nicht so sicher, aber wahrscheinlich gilt das gleiche von den Medaillons 
der Apostel in der Apsis von S. Maria Antiqua,^ da für sie die 
gleiche Farbe und Umrandung verwendet ist, wie bei fast allen 
Nimben der zahlreichen Ganztiguren von Heiligen etc. in derselben 
Kirche (gelb, mit schmalem weißen und breiterem schwarzen Rande). 



1 Nr. 140. 

2 Vgl. auch das enkuustische Gi.-niälde, Nr. 296, wo jedoch das Kreuz Ichli. 

•' Kapelle der .|.o M.'rtyrer am römischen Forum, Wandtläche hnks der .Apsis. 
S. Zenonc, Aulienwand. (iar. 2S7, 1. — Diptychon des Justinus, Meyer, Nr. 3i. — 
Monzaer Oelfläschchen, Nr. 48;. Gar. 404, 7 und .|35, 1 (s. Tat. VI, 3). — Onyx- 
Cammeo, Moskau, Nr. 5 18. üar. 47.;), i3. — Sardonyx-Cammeo, l^aris. (Vi;l. Anm. 
zu N. 3 18). Gar. 479, 14. 

* Nr. 187. Gar. 259. 

5 Gar. 287, 1. 

ö Nr. 81. Anm. 



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Daß aber die Künstler in dieser Weise Medaillon und Nimbus in- 
einander überuelicn ließen, hat einmal einen rein äußerlichen Grund : 
innerhalb des Rahmens des Medaillons war häutig kein Platz, mehr 
für den Nimbus. 

Darin aber, daß sowohl der Nimbus wie die Aureole mit dem 
Clipeus bczw. dem Medaillon verschmolzen werden konnten, dermaßen, 
daß man häutii^ genug nicht entscheiden kann, ob der ein Brust- 
bild umschließende Kreis eine zusammengeschrumpfte Aureole oder 
ein erweiterter Nimbus sein soll, offenbart sich ferner auch etwas 
von der Verwandtschaft der beiden Attribute: Zwar wurde der 
Nimbus im ausgehenden christlichen Altertum oft nur noch als ein 
bequemes äußeres Mittel verwendet, um in irgend einer Beziehung 
bedeutende und hervorragende Gestalten als solche zu charakterisieren ; 
und die Aureole erinnert manchmal mehr an einen schweren Schild als 
an einen unkörperlichen Lichtschein; wohl verraten also jene Bedeutung 
des Nimbus und diese Form der ALircole in keiner ^^'eise eine gemein- 
same Herkunft der beiden Attribute ; aber das Bewußtsein von ihrer 
Verwandtschaft, daß beide ursprünglich aus der gleichen Vorstellung 
von dem Lichte, welches sich um alles (iöttliche. Uchcrnatürliche 
und Uebcrmcnschliche verbreitet hervorgegangen sind, ist --tets erhalten 
geblieben ; darum konnte gegebenenfalls das eine Attribut für das 
andere eintreten oder beide in eins verschmelzen.