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Full text of "Der Rauchwaaren-Handel, Geschichte, Betriebsweise nebst Waarenkunde"

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DER 



RAUCHWAAREN - HANDEL. 



GESCHICHTE, BETRIEBSWEISE 



NKBST 



WAAliENKÜNDE 



HEINRICH LOMER. 






^X'^\ 



LEIPZia, 

EIGENTHUM DES VERFASSERS. 



n I 

7h • - 



VOKWORT. 



Der Raachwaarenhandel als einzelnes Glied der 
grossen Handelskette, die immer fester die getrennten 
Völker und Länder mit einander verbindet, ist bis jetzt 
nm* in sehr beschränkter Weise schriftlich erörtert worden. 
Die Geschichte dieses Handelszweigs, obwohl mit der 
allgemeinen Weltgeschichte, besonders in der Zeit ihrer 
frühesten Entwicklung , eng verknüpft, ist bisher fast nur 
in dem Gedächtniss der Betheiligten aufbewahrt gewesen 
und kann auch in der vorliegenden Schrift zum Theil 
nur nach mündlicher Ueberlieferung mitgetheilt werden. 
Die Statistik lieferten eigenes Wissen und Geschäfts- 
bücher, die Technik und Waarenkunde entspross 
aus Erfahrung und Erlerntem und es kann dieser Quellen 
halber weder auf Vollständigkeit noch auf Vermeidung 
aller Irrthümer Anspruch gemacht werden. Die Grund- 
sätze des Kaufmanns und Rauchwaarenhändlers , welche 



VI 



den Schluss dieses Buches bilden, sind aus vollster Ueber- 
zeugung geschrieben. Wohl stehen sie in der Brust aller 
rechtlichen Kaufleute eingeprägt, aber der Wunsch, dass 
sie noch mehr als heute Gemeingut werden mögen, und 
dass auf diesem geschäftlichen wie moralischen Grunde 
fortgearbeitet werden möge, gab Veranlassung sie hier 
darzulegen. 

Die stete Theilnahme und das dauernde Wohlwollen 
von Geschäftsfreunden, Lehre und Beispiel eines hoch- 
achtbaren Vaters, vor Allem der Segen des Allmäch- 
tigen, der sich durch Begabung mit Vorliebe und Eifer 
zu dem Berufe offenbarte, legten den Grund; hohes 
Interesse, welches dem Rauchwaarenhandel zu Theil 
wird, reiften den Entschluss zur Beschreibung desselben. 

In Gefühlen des tiefsten Dankes gegen die Vor- 
sehung widmet diese Schrift seinen hohen Gönnern und 
Freunden als Zeichen seiner Verehrung und Liebe 
imd bittet um wohlwollende Beurtheilung 

Leipzig, 1864. 

Der Verfasser. 



VII 



INHALT. 



Seite 

Ursprung des Handels 1 

Die Bedeutung des Handels. — Rauchwaaren, erste Handelsobjectc. — 
Asien, die Wiege des Handels. — Gang des Handels von Ost nach 
"West. — Japanesen, Chinesen, Phönizier. 

Geschichte des Rauchwaarenhandels 2 

1) Asien und Russland 3 

Sibirien. — Grosser Umfang des Rauchwaarenhandels in frühester 
Zeit. — Entdeckung Kamtschatka's und der Aleuten. — Russisch- . 
Amerik. Compagnie. — Hauptniederlassungen Kodjak und Sitka. 
Sitz derselben St. Petersburg. 

2) Nordamerika . . ■ 4 

Concurrenz zwischen den Europäern und Sieg der Engländer. — 
Zusammentreffen der Russen und Engländer, Tractat wegen der 
Grenze von Russisch -Amerika. — Grenze zwischen den Verein. 
Staaten und Brittisch -Amerika. 

ä) Canada 4 

Quebeck gegründet durch die Franzosen. — Bildung der 
Pelzcompagnie daselbst. — Concurrenz der englischen An- 
siedler in ,New-York% mit derselben. — Erfolglosigkeit des 
französischen Handels unter der Leitung der Regierung. — 
Abtretung der Hudsonsbay, Neuschottlands und Newfoundlands 
an England. — Einfuhr von Pelzfellen von Canada in 
Frankreich durch Rochelle. — Ueber^be Canada's an die 
Engländer. 



virr 



Seite 

6) New-Amsterdam — New-York 6 

Gründung durch die Holländer. — Handel mit den In- 
dianern. — Fort Orange von den Engländern erobert. — 
Fruchtlosigkeit des Monopols. — Zugänglichkeit der neuen 
Ansiedlungen. 

c) Die Hudsonsbay 6 

Entdeckung derselben von James Hudson. — Bildung 
einer Handelsgesellschaft unter dem Prinzen Ruppert. — 
Fort Charles. — Bestätigung der Hudsonsbay - Compagnie 
durch Charles II. — Das Monopolrecht der Compagnie an- 
gefochten. — Concurrenz der Canadisch - Französischen Mono- 
polgesellschaft. — Gründung der Nordwest - Compagnie. — 
Streit zwischen der Hudsonsbay- und Nordwest - Compagnie 
und endliche Vereinigung beider. — Vancouvers Insel. — 
Oregon-Gebiet. — Veränderung der Compagnie in neuester Zeit. 

d) Joh. Jac. Astor und sein Wirken 9 

3) Deutschland . . • 11 

Reiche Production in ältester Zeit. — Das Gewerbe der Kürsch- 
nerei älter als die Hansa. — Bemerkungen aus dem früheren 
Handel mit Russland. — Aufschwung des deutschen Handels in 
neuerer Zeit. — Der Messhandel. — Verkehr nach dem Aus- 
lande. — Ausdehnung des Handels mit amerikanischen und rus- 
sischen Erzeugnissen. — Internationaler Handelsverkehr. 

Betrieb des Rauchwaarenhandels 13 

1) Der amerikanische Rauchwaarenhandel 13 

a) In den Hudsonsbay-Territorien 13 

Feste Plätze zur Vermittelung des Tauschhandels. — Gegen- 
stände und Art und Weise des Handels. — Tauschtarif. — 
Beschränkung der Spirituosen als Tauschmittel. — Charakter 
der Indianer. — Ertrag der Hudsonsbay - Compagnie. — 
Verkaufsplätze der Compagnie: Montreal und London. — 
Auctionen in London. — Einfuhrliste Frühjahr 1864. — 
Einfuhrliste Frühjahr und Herbst 1863. — Verkaufsliste 
1729 und 1829 und Preise 1863. — Einfuhrliste 1723 — 1728, 
verglichen mit 1863. — Gesammt-Einfuhren in verschiedenen 
Zeiträumen 1844—1863. — Schilderung einer Auction. 

b) In Canada und den Verein. Staaten 17 

Geld als Tauschmittel. — Freie Concurrenz von Jägern, 
Indianern, Trappern. — Permanente Agenturen von New- 
Yorker Handelshäusern. — Kleinhandel im Innern. — 



1 ^ 


1 




Seite 

Ueberseeische Verbindung. — Leipzig. — London. — Auction 
von C. M. Lampson & Co. — Einfuhren in London in 
verschiedenen Zeiträumen 1844 — 1863. — Vorzüge des 
Leipziger Marktes. — Einfuhr von russischen und deutschen 
Producten in Amerika. 
2) Der russische Rauchwaarenhandel 28 






a) Begründung des Handels in Sibirien durch Wassiliewitsch IL 






— Tribute der unterworfenen Völkerstämme. 










b) Handel der russisch -amerikanischen Pelzcompagnie. — Ver- 










kauf ihrer Waaren in St. Petersburg. 










c) Handel nach Kiachta. — Thee als HaupttauschmitteL — 










Einfluss der Regierung auf den Handel. — Handelsverhält- 










nisse. -— Einfuhrliste von Rauch waaren in Kiachta 1817 bis 










1819 und 1841—1843. 










d) Handel auf den russischen Messen 32 










I. Irbit. — Communication durch Schlitten. — Gegenstände 










des Handels. — Einfuhr russischer Erzeugnisse in Irbit. 










— Liste. 










IL Messe in Nischny- Nowgorod. — Betheiligung an der- 










selben. — Einfuhrliste russischer Rauchwaaren daselbst. — 










Handelsusancen. 










e) Handel in den Hauptstädten 33 










I. St. Petersburg, gehoben durch den Sitz der Russ.-Amerik. 










Compagnie und die Zugänglichkeit für andere Nationen. — 










Bedeutender Umsatz in amerikanischen Artikeln. 










II. Mosco. — Umfangreiche Zufuhren von allen Länder- 










strichen. — Bedeutende Handlungshäuser. — Börse in 










Mosco. — Handelsgebräuche. 










3) Der skandinavische Rauchwaarenhandel 37 










Eigene Producte und; die der Colonien Grönland und Island. 










— Erzeugnisse Schwedens und Norwegens. — Dänemark 




1 






(Jütland und Seeland). — Transit der Waaren nach Russland 










durch Deutschland. — Königl. Dän.-Grönländische Compagnie 




i 






in Copenhagen. — Inspectorate. — Auctionen. — Einfuhr- 










liste der Grönl. Auctionen. 






1 




4) Der deutsche Rauchwaarenhandel 39 






Theilnahme an demselben. — Kürschnerei und Rauchwaaren- 






handel. — Der Gross- und der Kleinhandel. — Betrieb des 










Handels in den deutschen Städten. — Benachbarte Länder. 








— Frankreich. — Polen. — Landestrachten. — Messen. 







Seite 

Die Leipziger Messen 41 

Ostermesse. — Producte Deutschlands und der angrenzenden 
Länder. — Producte Russlands und Asiens. — Producte 
Skandinaviens. — Producte Amerika's. — Halbfabricate Eng- 
lands, Frankreichs, Hollands, Polens, Deutschlands. — ' Mi- 
chaelismesse. — Liste der Gesammteinfuhren in Leipzig. — 
Besuch der Messen durch Ausländer. — Einkauf und Ver- 
kauf. — Bedürfnisse der verschiedenen Käufer. — Die Ver- 
käufer 1) der deutschen Waaren, — 2) der amerikanischen ' • 
Waaren, — 3) der russischen Waaren. — Charakterisirende 
Bemerkungen. 

Die Productionsländer • ... 47 

a) Productionsliste Sibiriens und des russischen Amerika . . *. . 47 

6) Productionsliste Mitteleuropa's ' 48 

c) Productionsliste Nordamerika's 49 

d) Productionsliste des europäischen Russlands, Schwedens, Nor- 
wegens, Islands und Grönlands 50 

e) Productionsliste Süd -Amerika's, Süd- Asiens, Afrika's, Australiens 
und der Südsee - Inseln 50 

/) Jährliche Gesammtproduction unsers Erdkörpers .51 

Der Fang der Pelzthiere 52 

Stufenfolge der Pelzwerkbereitung 53 

Rang der Völker in der Civilisation nach der Vollkommenheit ihrer 
Werke. — Esquimaux. — Indianer Oregons. — Neuseeländer und 
Kaffern. — Grönländer. — Chinesen. — Europäer. 

Bereitung der Pelzfelle 56 

Bereitung der Wildwaaren. — Russische Bereitungsweise. — Bereitung 
von Lammfellen, Kaninchen, Eichhörnchen und Chinchillas in Deutsch- 
land. — Bereitung der Pelzseehunde in England. 

Waarenkunde 59 

Einleitung. — Reihenfolge der Pelzfelle nach ihrer Zusammen- 
gehörigkeit im Handel: 

Sibirische Zobel 60 

Amerikanische Zobel 61 

Nerze • 62 

Edelmarder 63 

Steinmarder 63 



XI 



Seite 

Iltis ■ . . 64 

Kolinsky . . , , .• 65 

Hermeline • 65 

Eichhörnchen 66 

Bisam 67 

Hamster 68 

Chinchillas 68 

Schwarz- und Silberfüchse 69 

Kreuzfüchse 71 

Blaufüchse 71 

Weisse Füchse 72 

Rothe Füchse . . . . : 72 

Griesfüchse 73 

Kittfüchse . 74 

Waschbären 74 

Virgin. Iltis 75 

Skunks , 75 

Opossum • • . . 76 

Bären 77 

Luchse 79 

Luchskatzen 79 

Wölfe 80 

Büffel • 80 

Vielfrasse 81 

Dachse . . . ,• 81 

Biber . 82 

See-Otter 83 

Otter 83 

Pelzseehunde 84 

Seehunde 85 

Koipu 85 

Hasen 86 

Kaninchen 87 

Hauskatzen 87 

Wilde Katzen 88 

Lammfelle 89 

Affen 90 

Löwen, Tiger, Panther, Leoparden u. s. w 91 

Schwäne und Gänse 93 

Grebes qr 



XII 



Seite 

Preisveränderung der Rauchwaaren 94 

Der Werth der Rauchwaaren abhängig von ihrer Nutzbarkeit und 
Seltenheit, von dem Reichthum und von der Mode unter den 
pekverbrauchenden Völkern. — Zunahme der Ausbeute. — Zu- 
nahme des Nationalreichthums. — Modewechsel, Kriege, Geldkrisen. 

— Beispiele. — Anmerkung über den Schleichhandel und Schutzzölle. 

— Preise in Kiachta im vorigen Jahrhundert. — Veränderung des 
Quantums der Rauchwaaren. 

Der Kaufmann und Rauchwaarenhändler 101 

Wissen und Können. — Organisationstalent. — Welt- und Menschen- 
kenntniss. — Umgang mit Menschen. — Waarenkenntniss. — Mo- 
ralische Kraft. — Handelstalent. — Geld! Geld? — Intelligenz. — 
Credit. — Rechtlichkeit. — Offenheit. — Unternehmungsgeist. — 
Muth. — Kosmopolitische Gesinnung des Kaufmanns. — Ora et 
labora. — Frohsinn. — Wohlthätigkeit. 



Ursprung des Handels. 




er Handel, der die Erzeugnisse ferner Länder zu 
unserm Nutzen und Gebrauch herbeischafft, dessen 
^A^^ ^ Sendboten den Erdball durchforschten und Länder und 
Welttheile entdeckt haben, darf mit Recht eine Trieb- 
feder der Cultur, das belebende Element des leiblichen und 
theils auch geistigen Wohlstandes der Völker genannt werden. 
Derselbe muss sich zu seinen ersten Tauschobjekten die Kleidung 
erkoren haben, als das den Menschen nächst den Nahrungsmitteln 
nothwendigste Lebensbedürfniss. Von der Natur aber war zur 
Kleidung als der trefflichste Stoff geboten die Häute und Felle 
der Thiere, in den nördlicheren Gegenden das feine und schöne 
Pelzwerk. 

Die Wiege des Handels, wie der Bildung überhaui^, ist 
nach unserer Geschichte Asien, und nach dieser Quelle hätten 
die Phönizier an der Spitze der handeltreibenden Völker der 
alten Welt gestanden. Wenn aber unsere Ueberlieferung von 



sechstausend Jahren erzählt, wenn die neuere Geschichts- und 
Natur-Forschung viele Jahrtausende hinzusetzen muss, wenn endlich 
die Chinesen eine fast dreissigtausendjährige Zeitrechnung haben: 
so dürfen wir wohl voraussetzen, dass der Handel, überein- 
.stimmend mit dem lange gewohnten Gange der Bildung, von 
Osten nach Westen sich zu wenden, von den Völkern Ostasiens, 
den Japanesen und Chinesen zu den Phöniziern gekommen ist.* 
Es ist also auch der Ursprung des Rauchwaarenhandels 
von Ostasien, von China, herzuleiten. Vermuthlich haben jene 
asiatischen Völker bei dem ersten Schritte zur Cultur, als sie 
anfingen, sich zu kleiden, und dann, sich zu schmücken, die 
rohen Felle von Tigern, Löwen, Bären etc. um ihre Schultern 
und Hüften gehängt, wie noch heute viele auf niederer Stufe 
der Cultur stehende Indianerstämme im Westen Amerika's thun. 



Geschichte des Rauchwaarenhandels. 

Diese fängt gleich nach dem Gebrauche des Pjoductes an. 
Wenn der kühne Jäger wilde Thiere erlegt hatte, tauschte er von 
Denjenigen, welche das Glück oder die Geschicklichkeit im 
Waidwerk nicht besassen, doch aber Verlangen nach einem 
Bärenfelle oder dergl. hatten, andere Gegenstände dafür ein. 
Diese zweite Stufe beweist den Scharfsinn des menschlichen 
Geistes weit erhabener, als Jagd und Raub, und stellt die In- 

* Wenn in der Industrie und den Künsten der Chinesen später Still- 
stand eingetreten ist, so mag dieser sich von der Zeit herdatiren, als sie sich 
von dem Verkehr mit andern Völkern abgeschlossen hatten. 



telligenz über den Instinct der Thiere, weil dadurch der Neben- 
menschen Nutzen, wie der eigene, gefördert wurde. 

Von der dreissigtausendjährigen Geschichte der Chinesen ist 
uns leider nur wenig überliefert; die ersten Daten aus der Ge- 
schichte des Rauchwaarenhandels , welche historisch begründet 
sind, bietet Russland, das nächst China am meisten Pelzwerk 
verbrauchende Land. Da nämlich die Russen Nützlichkeit und 
Schönheit an dem Pelzwerk erkannt hatten und sie in ihrem 
eignen Lande nicht genug Befriedigung darin fanden, trieb der 
Begehr danach sie weiter nach Osten und führte sie in der 
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Entdeckung* oder In- 
vasion Sibiriens, und schon 1558 nannte sich Iwan Wasiliewitsch IL 
Fürst aller Länder Sibiriens. 

Der Verbrauch in Pelzwerk und demnach der Handel mit 
demselben, muss, so sehr er auch in jenen Jahrhunderten auf 
Russland und China beschränkt gewesen sein mag, doch schon 
sehr bedeutend gewesen sein, und die Summe von Hundert- 
tausenden betragen haben. Nur langsam geschah jedoch das 
Vordringen in den kalten unwirthbaren Regionen; denn erst 
zweihundert Jahre später, zu Anfang des 18. Jahrhunderts, 
wurde Kamtschatka und um die Mitte desselben die Aleuten, 
Fuchsinseln, entdeckt. Im Jahre 1785 wurde die Russisch- 
amerikanische Pelzcompagnie begründet, welche 1799 vom 
Kaiser mit einigen Vorrechten** bestätigt ward. Die Compagnie 



* Von einem Lande, das seine Grenze von Norden bis Süden an das 
ganze russische Reich anschliesst, dürfte man wohl kaum von Entdeckung 
sprechen. 

** Zu diesen Vorrechten gehört die Erlaubniss der Einfuhr von sonst 
prohibirtem Pelzwerk; zur Zeit können fast alle Pelzwaarcn, gegen Zoll, von 
jedem Kaufmann I. u, II. Gilde in Russland eingeführt werden, und es ist 
nur noch die Einfuhr von Seeottern verboten. 



1* 



hat ihre Hauptniederlassungen auf den Inseln Kodjak und 
Sitka, von wo aus sie den monopolisirten Tauschhandel mit 
den Indianern betreibt. Ihr Sitz ist Petersburg. 

Auf Russland müssen wir bei Besprechung der Bezugs- 
quellen und des gegenwärtigen Handels zurückkommen; jetzt 
wenden wir uns nach dem zur Zeit am meisten Pelzwerk pro- 
ducirenden Erdtheile 

Nordamerika. 

Hier traten die Franzosen, Holländer und Engländer in 
Concurrenz, welche in Kampf zwischen den verschiedenen Na- 
tionen ausartete. Die Engländer siegten und machten sich zu 
Herren auch aller der Pelzländer, welche die Franzosen und 
Holländer beansprucht hatten, und erst als die vereinigten 
Staaten sich von ihnen losrissen, bekamen sie in diesen einen 
neuen Nebenbuhler. Die Europäer und deren Nachkömmlinge, 
die Amerikaner, schritten, nun vom Handel getrieben, eifrig vor, 
die Engländer und Amerikaner nach Westen, die Russen nach 
Osten, wo sie endlich auf ihren Entdeckungszügen gelegentlich 
auf einander stiessen. Im Anfange des 19. Jahrhunderts aber 
wurde durch einen Tractat die Grenze zwischen dem russischen 
und englischen Amerika auf den 140. Grad westlicher Länge, 
jedoch mit den Inseln Sitka und Neu -Archangel für russisch 
Amerika, festgesetzt. Zwischen dem enghschen Amerika und den 
vereinigten Staaten im Westen ist der 49. Grad nördl. Breite 
als Grenzlinie angenommen.* 

Die Franzosen, welche den Pelzhandel mit Canada be- 

* Diese Länderstriche , wo man die Grenzen durch Grade bezeichnet, 
sind noch bis heute nicht genau erforscht, viele Gegenden vielleicht noch nicht 
von Indianern, viel weniger von dem Fusse civilisirter Nationen betreten worden. 



gannen, gründeten 1608 die Hauptstadt Canada's, Quebeck. Eine 
Compagnie von 700 Theilnehmern betrieb (sie hatte das Monopol 
des Pelzhandels bekommen) den Handel in Tadoussac am St. 
Lorenzstrom und später in Trois-Rivieres und Montreal. Mo- 
nopol, — ein Verbot für Andere, machte diese um so eher 
lüstern; die englischen Colonisten in New -York bezahlten den 
Irokesen die Waaren besser, und es zog sich der Haupthandel 
nach New -York. Einige vorgeschobene Forts am Ontario- 
See, Niagara und dann am Toronto hatten nicht den für die 
Franzosen erwünschten Erfolg, und der freie Handel der Eng- 
länder gedieh besser. Ebenso wenig Gewinn brachte es, dass 
der König von Frankreich das Monopol des Pelzhandels selbst 
in die Hände nahm, indem man nur die schlechtesten Felle 
für ihn einkaufte. Als im Jahre 1713, nach dem Utrechter 
Frieden, Frankreich die Hudsonsbay, Neuschottland und Neu- 
foundland an England abtreten musste, verlor dasselbe den 
grössten Theil des Pelzhandels, so dass ihm nur die Erzeug- 
nisse von Canada übrig blieben. Der Handel war jedoch noch 
bedeutend, wie folgende Zahlen besagen: 
Einfuhr in Frankreich durch Rochelle im Jahre 1743. 

Otter 9000 Stck. 

Virgin. Iltis . . . 3500 „ 
Luchse .... 1220 „ 

Wölfe 1267 „ 

Vielfrasse .... 9 » 

. 10,700 Stck. 

Endlich in einem neuen Seekriege 1759, als die damahge 
Hauptstadt Canada's Quebeck von den Engländern genommen 
wurde, und als nach dem siebenjährigen Kriege ganz Canada 
an die Engländer überging, verlor Frankreich völlig seinen über- 
seeischen Rauchwaarenhandel. 



Biber . . . 


. 127,080 


Stck 


Bären . . . 


. 16,512 


n 


Waschbären . 


. 110,000 


V 


Zobel . . . 


. 30,328 


n 


Nerze . . . 


1700 
Füchse . 


n 



6 




Inzwischen hatten im Jahre 1610 die Holländer in dem 




jetzigen Staate New -York eine Niederlassung unter dem Namen 


1 


Neu- Amsterdam gegründet und 150 Meilen weiter im Innern 




das Fort Orange angelegt, um mit dem Stamme der Irokesen 





den Rauchwaarentausch zu betreiben. Auch sie verloren im 
Jahre 1664 ihre Besitzung an die Engländer, welche den Handel 
auf gleiche Weise fortzusetzen suchten. Das Handelsmonopol 
trug auch hier jedoch keine grossen Früchte, weil die Mono- 
pohsten in den neugegründeten Orten die europäischen Artikel, 
gegen welche sie Felle von den Indianern eintauschten, viel 
wohlfeiler einkaufen konnten, als man von Europa sie ihnen 
berechnete. In diesem Lande, welches von Canada wie von 
der See leicht zugänglich war und wo mehrere Nationen schon 
früher sich angesiedelt hatten, konnte ein solches Monopol nicht 
aufrecht erhalten werden; anders war es in den Ländern der 
Hudsons-Bay. 

Die Hudsons-Bay im Norden von Canada gelegen, neun 
Monate jeden Jahres durch Eis unzugänglich, war im Jahre 
1610 von dem Engländer Hudson entdeckt und nach ihm be- 
nannt worden. Ein halbes Jahrhundert später, als die Eng- 
länder durch den Franzosen Grosseilher auf den Pelzreichthuni 
dieser Gegend aufmerksam gemacht worden waren, bildete sich 
eine Gesellschaft unter des Prinzen Ruppert Hoheit, Christopher 
Herzog von Albemarle und William, Graf von Grawe, zusammen 
mit andern Kaufleuten auf gut Glück (Adventurers), um eine 
Expedition nach der Hudsonsbay unternehmen zu lassen. Es 
bekamen der erwähnte Grosseillier und der Engländer Gillam 
den Oberbefehl über dieselbe; sie gründeten das Fort Charles, 
und die Gesellschaft erhielt nach ihrer Rückkehr von dem 
Könige Charles IL im Jahre 1670 einen Freibrief (charter), 
der ihr den alleinigen Besitz der Hudsonsbay und aller westUch 



dahinter liegenden Länder gewährte, (dieselben werden, nach dem 
Prinzen Ruppert, Ruppertsland benannt) mit vollständiger Gerichts- 
barkeit über dieselben, dem Monopol des alleinigen Handels, 
nebst allen bis dahin entdeckten oder noch zu entdeckenden 
Minen. 

So geschah die Gründung der bis heute bestehenden Hud- 
sonsbay-Compagnie. Das derselben nunmehr seit fast zwei- 
hundert Jahren zuertheilte Privilegium ist in der Zwischenzeit 
von vielen Seiten angefochten' worden. Mit der Regierung hatte 
sie langwierige Prozesse zu bestehen, welche letztere allemal 
mit erneuerter Bestätigung seitens des Parlaments, doch nur 
auf den Zeitraum von 7 bis 10 Jahren endeten. Die Gegner 
der Compagnie behaupten, dass der königliche Freibrief nicht 
legalisirt, vom Parlamente bei der Ertheilung nicht bestätigt 
worden sei; die Compagnie hat zuletzt die Beweisführung ihren 
Gegnern überlassen, welche jedoch dieselbe bisher schuldig ge- 
bUeben sind. Die Franzosen, welche ohne Erfolg bemüht 
gewesen waren, die Engländer zu vertreiben, legten ein 
französisches Fort in der Nähe des Fort Charles an, und er- 
handelten Felle für Rechnung der Canadischen Monopol-Gesell- 
schaft. Beide Parteien rivalisirten bis 1713, als, wie schon 
gesagt, die Hudsonsbay gänzlich den Engländern zufiel. — 
Nicht ungestört blieb indessen die Hudsonsbay- Compagnie in 
ihrem Alleinhandel. Eine Gesellschaft Canadier hatte im Jahre 
1783 die Nordwest-Compagnie gebildet. Ihre ' Agenten und 
Trapper waren sehr eifrig; sie dehnten ihre Streifzüge immer 
weiter nach Westen und Norden aus, und es war kein Wunder, 
dass sie endlich mit den Pelzjägern der Hudsonsbay -Compagnie 
zusammenstiessen. Dies geschah 1793. Nun bekriegten beide 
Compagnien einander; nicht die Regierungen, von welchen sie 
Recht und Freibrief empfangen hatten, sondern sie selbst stellten 



Soldaten. Der erbitterte Krieg hatte lange Zeit nur den Er- 
folg, dass die grossen Kosten die Zinsen und das Einkommen 
der Theilnehmer auf Null brachten. Endlich gelang es der 
reicheren und mächtigeren Hudsonsbay-Compagnie , die Nordwest- 
Compagnie in sich zu vereinen; die Theilhaber der Nordwest- 
Compagnie wurden Actionäre der Hudsonsbay-Compagnie; 
erstere hörte auch dem Namen nach auf, und ihre sämmtlichen 
Jagdgegenden, darunter das bedeutende Oregongebiet am Flusse 
Columbia und die Insel Vancouvers fielen der Hudsonsbay- 
Compagnie anheim. Da das Gebiet Oregon seit dem Friedens- 
schlüsse mit England (1815) den Vereinigten Staaten gehört, 
seit welcher Zeit der Pelzhandel auch von andern Kaufleuten 
hier ausgebeutet wird, so wurde der Hudsonsbay-Compagnie 
Concurrenz geboten, welche sie indess bisher gut bestanden hat. 
Ganz neuerdings, im Monat July 1863, ist diese Compagnie in 
andere Hände übergegangen. Es hat sich nämlich in London 
eine Gesellschaft „The International Financial Society", eine Art 
von Credit mobiUer, gebildet, welche mit dem bisherigen 
Gouverneur und dem Directorium Vereinbarung getroffen hat, 
alles Eigenthum der Hudsonsbay-Compagnie, als: Actien, Waaren, 
Geld, Schiffe, Häuser, Land und Privilegien zu übernehmen 
und dagegen für alle Actien, welche nominell auf 100 Pfd. Sterl. 
lauteten und die man bisher schon 200 Pfd. Sterl. werthgeschätzt 
hatte, je 300 Pfd. Sterling zu bezahlen. Das Capital der Ge- 
sellschaft, zu 500,000 Pfd. Sterl. angesetzt, trug den Actionären 
seit den letzten vierzig Jahren jährlich 10 Procent Zinsen und 
alle 20 Jahre einen extra Bonus von noch 10 Procent ein. 
Noch vor wenig Monaten wurden Actien zu 195 Pfd. im Handel 
umgesetzt, die neue Gesellschaft zahlte nun für die 5000 Actien 
je 300 Pfd. Sterl., welches 1,500,000 Pfd. Sterl. ausmacht. Die 
grosse Liberahtät ist aber nur eine scheinbare, indem die 



Compagnie gleich nach dem Kauf erklärte , dass sie ihr neu- 
er\Yorbenes Eigenthum auf Zwei Millionen Pfund schätze, 
und nunmehr die Geldwelt und besonders die früheren Actionäre 
derselben Hudsonsbay- Compagnie zu einer Actienzeichnung auf 
diese Summe einlade. Das ganze Capital ist gezeichnet und 
auf diese Weise um 500,000 Pfd. Sterl. vermehrt worden. Ob 
das Land nunmehr besser verwaltet, ob Wege gebaut, Cultur 
und Christenthum eingeführt werden, ob die Welt im All- 
gemeinen von dieser Veränderung Gewinn haben werde, steht 
noch sehr in Frage, und man muss rasche Fortschritte be- 
sonders darum bezweifeln, weil eine mit Monopol geschützte 
Compagnie auch wieder den Alleinhandel wird aufrecht erhalten 
wollen. 

Ehe wir erzählen, wie der Handel in diesen Territorien 
betrieben wird, werfen wir in Anschauung des Handels in der 
letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch einen Rückbhck 
auf einen Mann, der damals als Einzelner so viel schaffte, 
als manche Compagnie, und Reichthum und guten Namen sich 
erworben hat: Johann Jacob Astor, ein Deutscher, gebürtig 
aus Walddorf bei Heidelberg. Nach London ausgewandert, war 
er bald nach dem Schauplatze der amerikanischen Revolution, 
nach New -York gereist. Er hatte seine geringe Baarschaft in 
englischen Waaren angelegt, welche er mit Recht glaubte in 
pen vereinigten Staaten gut verwerthen zu können. In der 
Cheasepeak-Bay vertauschte er sie gegen Pelzwerk, welches er 
in London mit reichem Gewinn verkaufte, und kehrte nach 
Amerika zurück, um sich daselbst niederzulassen. Er betrieb 
den Handel mit Kenntniss, Geschick und Eifer; wenn ihm auch 
mancher Plan misslang und er mit vielen Schwierigkeiten zu 
kämpfen hatte, so wurde er doch endlich einer der berühmtesten 
und reichsten Kaufleute Amerikas. Als die Mackinaw-Compagnie 



10 



ihm grosse Hindernisse in den Weg legte, und er glaubte, 
dass eine Compagnie • jener am besten entgegentreten könne, 
bildete er 1809 mit Genehmigung des Staates New -York eine 
Gesellschaft mit einer Million Dollars Anlage -Capital und über- 
nahm alle Actien derselben selbst, so dass er allein die Com- 
pagnie war. Besser als dieses Unternehmen wirkte der im 
Jahre 1811 vollzogene Ankauf der Actien der Mackinaw-Com- 
pagnie, wodurch letztere zu existiren aufhörte, ■ und unter Ver- 
schmelzung mit der seinigen von nun an Südwest-Compagnie 
von ihm genannt wurde. 1810 unternahm er die Gründung 
einer Niederlassung am Columbia -Flusse und bildete zu dem 
Zwecke die Compagnie des Pelzhandels am stillen Ocean. 
Er bestritt selbst die Ausrüstung im Belaufe von 400,000 Dollars 
und sandte im September 1810 ein Schiff ab, welches im März 
1811 anlangte, und auf der Landzunge, die Georgspitze , den 
Hauptposten unter dem Namen Astoria gründete. Dieses Unter- 
nehmen wurde jedoch nicht mit Glück gekrönt; die Nordwest- 
Compagnie feindete es an; das Schiif Tonquin wurde auf einer 
nördlichen Pelz -Expedition bei der Insel Vancouvers von den 
Eingeborenen überfallen, die Mannschaft ermordet, von einem 
Uebriggeblicbenen das Schiff aber in die Luft gesprengt. Eine 
Land -Expedition, im Juni 1810 von Astor abgeordnet, erreichte 
nach langen Leiden Astoria erst im Februar 1812. Ein von 
ihm zu Hülfe gesandtes Schiff scheiterte an den Sandwichs- 
Inseln. Im October desselben Jahres zeigte sich in Astoria 
dne bewaffnete Schaar, welche die Besatzung zwang, die Nieder- 
lassung mit allen Waarcn für ein Drittel des Werthes ihr zu 
verkaufen; endlich kam im Decembcr ein englisches Kriegsschiff, 
durch dessen Commandantcn Astoria in „Fort George" umgetauft 
wurde. Astor blieb dessen ohngeachtet reich, und sein von 
seinen Nachkommen fortgeführtes Haus bes'ass noch vor wenigen 



11 



Jahren am Mississippi 49 Forts, von welchen aus der Handel 
mit den Indianern betrieben wurde. 

Es haben sich in der Zwischenzeit noch andere Compag- 
nien in den vereinigten Staaten und in Canada gebildet, sind 
aber theils wieder erloschen, so dass gegenwärtig der Pelzhandel 
dieser Länder sich grösstentheils in den Händen einzelner 
mächtiger Handelshäuser befindet. 

Deutschland. 

In älterer Zeit haben die Deutschen vermuthhch nicht 
nur das viele Pelzwerk ihres noch heute in dieser Production 
so reichen Landes selbst verbraucht, sondern sie haben auch 
noch von den Schweden und den Russen ausländische kostbare 
Felle gekauft. Das Nibelungenlied aus dem 11. Jahrhundert 
sagt von vielerlei Pelzschmuck, als: Hermelin und Zobel und 
dergleichen Kleider, von Hüten von Zobel, von einem Kleide 
von buntgefleckten (schwedischen) Luchsen u. dgl. Dem Stifte 
Meissen wurde in der ersten kaiserlichen Schenkung vom Jahre 
983 u. a. der Pelzzehnten überwiesen. Wir sehen ferner 
an den Gemälden und Portraits der Deutschen Fürsten und 
Grossen der Vorzeit, dass sie fast immer reich in Pelz ge- 
kleidet waren; das Gewerbe der Kürschner mit seinen Privilegien 
datirt von älterer Zeit, als die Begründung der Hansa. Die 
Probearbeiten (Meisterstücke) im Süden und Osten Deutschlands 
mussten von Lamm-, Marder- und Fuchsfellen, die im Norden' 
und den meisten der Hansa angehörigen Städten vornehmlich 
von Feh (Russische Eichhörnchen) gefertigt werden. Den Handel 
mit Russischem Pelzwerk in Deutschland beweist auch eine Ver- 
ordnung des Magistrats zu Lübeck vom Jahre 1603, in welcher 
es wörthch heisst : 



12 



IV. Soll kein Pelzwerk oder andere Waare einzeln gekauft werden. 
V. Grauwerk soll zu 50, 250 bis 1000 Stück gekauft werden. 
VI, Die Marder, von denen 25 Stück zusammen verkauft werden, 

sollen zuerst sortirt, jede Art besonders gethan, und dann der 

Handel gemacht werden. 
VII. Gute Hermeline sollen zu 25 Stück gekauft werden, die geringen 

und schlechten sollen in besondere Pakete gethan werden. 

Von dem Umfange des damaligen Handels ist nichts be- 
kannt geblieben, auch haben Russische Kriege, sowie der Aus- 
bruch des dreissigjährigen Krieges und die 1630 erfolgte Auf- 
lösung der grossen Hansa, den Handel Deutschlands hundert 
Jahre lang in Stocken gebracht. Erst seit der letzten Hälfte 
des vorigen Säculums zeigt der internationale Pelzwaarenhandel 
in Deutschland neues Leben. Breslau und Gr. Glogau wurden 
wieder Hauptmärkte für Russische Rauchwaaren, besonders für 
Krimmsche Lammfelle und Grauwerk, Lübeck und Hamburg be- 
zogen aufs Neue Sibirische, Nordische und Isländische Waaren 
von Russland und Scandinavien. Auf den Messplätzen und be- 
sonders in Leipzig concentrirten sich die Producte Deutschlands, 
Ungarns, Polens und Russlands; der Handel mit Amerikanischen 
Waaren gewann mehr und mehr an Umfang. England kaufte 
Russische Felle von Deutschen Kaufleuten und Letztere in Eng- 
land Amerikanische Pelzfelle. Im ersten und zweiten Decennium 
unseres Jahrhunderts gewann der Messhandel an Lebhaftigkeit, 
Amerikanische und Deutsche Waaren nahmen ihren Weg regel- 
mässig über Leipzig nach Russland, wohin Brody in Gallizien 
und später Sklow in Westrussland die, grösstentheils prohibirte, 
Einfuhr vermittelte. Auch besuchten die Messen Griechische 
Kaufleute, welche Amerikanische und Deutsche Waaren für die 
Türkei einkauften. Dieser Handel wurde jedoch in Folge des 
Griechisch- Türkischen Krieges, 1821 bis 1830, fast zehn Jahre 
lang unterbrochen. Andrerseits bezogen Finnländische Kauf- 



13 



leute in den Jahren 1825 bis 1835 viele Deutsche Füchse und 
Fischottern von Lübeck und Hamburg. 

Deutsche Hcäuscr betheiligten sich stark bei den enormen 
Exporten von England nach Russland und China im Jahre 1814, 
obwohl zu ihrem grössten Nachtheil. Von 1820—1840 wurden 
Deutsche Felle von Mardern und Iltis und sibirische Feh be- 
sonders für England gesucht; in den letzten 20 Jahren haben 
die ersteren dieser Pelzgattungen vornehmlich ihren Zug nach 
Amerika genommen. Der Handel mit Russischen und Amerika- 
nischen Rauchwaaren in Deutschland, wiewohl bis zur Zeit fast 
nur Zwischenhandel, ist von jeher immer in Deutschen Händen 
gebUeben. Wir sind in den letzten Jahren einen Schritt weiter 
gekommen: Deutsche Kauf leute sind jetzt nicht blos in England 
ansässig, sondern sie haben auch ihre eigenen Verkaufcomptoire 
in Russland und Commanditen in Amerika, wodurch sie den 
internationalen Pelzhandel direct betreiben und den Engländern 
den Vorrang streitig machen. Ausführlicher sprechen wir darüber 
beim Betrieb des Handels. 



Betrieb des Rauchwaarenhandels. 



Der amerikanisclie Eauchwaarenhandel. 



Bei der Beschreibung des Handelsbetriebes wenden wir 
uns zuerst nach Ruppertsland, dem Districte, wo die Hud- 
son sbay-Compagnie bis auf den heutigen Tag durch Monopol 
und Alleinhandel den Geschäftsbetrieb in ursprünglicher Art bei- 
behalten hat. In diesem Territorium, grösser als Europa, existirt 



14 



kein Geld, es ist verboten. An der Küste, an den Flüssen 
und an sonst geeigneten Plätzen im Innern des Landes hat 
die Compagnie Festungen, kleine Forts und Ansiedelungen ge- 
gründet; die bedeutendsten sind Fort -York, -Moose, -Ma- 
kenzie River, -Grand Whale River, -Red River und im 
Westen Vancouvers Island. An diesen Orten hält sie ihre 
Comptoire und Lager von europäischen Waaren, die den In- 
dianern angenehm, nützlich und nothwendig sind, z. B. FUnten, 
Pulver, Bleikugeln und Schrot, Feuersteine und Feuerstahl, 
Aexte, Messer, Feilen, Taback, Dosen, Brenngläser, Hornkämme, 
Pfriemen, Messingknöpfe, Messing -Fingerringe, Thonpfeifen, kleine 
Spiegel in Papier gefasst, kleine Glasperlen, wollene Decken 
und Wamse, Hosen, baumwollene Hemden, Tücher, rothe Farbe 
und Rum. 

Mit solchen Artikeln und mit Vorräthen und Lebensmitteln 
für den eigenen Bedarf beladen, schickt die Compagnie jähi'lich 
zwei Schiffe nach der Hudsonsbay, eines nach Canada und 
eines nach der Vancouvers -Insel, während durch mehrere kleinere 
Schiffe der Küstenhandel betrieben wird. Zu den Niederlassungen 
.der Compagnie, den einzigen Orten in dem weitausgedehnten 
Lande, wo etwas Cultur herrscht, kommen die Schaaren der 
Indianerstämme. Diese haben mit den Waaren, welche sie 
bringen, weite Landstrecken zu durchziehen und Beschwerden 
mancher Art zu bestehen. Mit leichten Böten aus Birkenrinde 
passiren sie Seen und Flüsse und sind genöthigt, an Passagen, 
wo sich kein schiffbares Wasser ihnen darbietet, Tragplätze ge- 
nannt, neben ihren Waaren auch noch ihre Fahrzeuge zu tragen. 
Nicht viel minder grosse Beschwerden bieten sich den Agenten 
der Compagnie bei dem Transporte der zum Tausch bestimmten 
Artikel durch diese öden Distrikte zu ihren Comptoirs, Forts 
und Niederlassungen. — Die Vorräthe, welche die Indianer 



15 



dahin liefern, bestehen aus trockenen, sorgfältigst behandelten* 
Pelzfellen von Bibern, Bisam, Bären, Zobeln, Silber -Füchsen, 
Kreuz- Füchsen, rothen Füchsen, Weiss -Füchsen, Luchsen, Nerzen, 
Ottern, Wolfs-, Vielfrassf eilen und BüfFelhäuten. Gegen diese 
tauschen sie jene Sachen ein, welche, obwohl in Europa wohl- 
feil, doch Kostbarkeiten für sie sind. Bei Ankunft einer In- 
dianerschaar wird das Brückenthor geöffnet, nur der Häuptling 
mit einer kleinen Anzahl seiner Leute eingelassen und der 
Handel laut nachstehendem Tarif mit ihnen abgeschlossen. 
(Siehe Seite 16 Tauschtarif.) 

Anzuerkennen ist, dass die Compagnie bisher vielen Indianer- 
stämmen keinen Rum oder Branntwein** gegeben, und zu diesem, 
bei jener Nation alles überwältigenden Tauschmittel erst dann 
gegriffen hat, wenn sie durch Concurrenz anderer Compagnien 
dazu gezwungen worden ist. 

Von den mehr als fünfzig Indianerstämmen, über welche 
die Compagnie herrscht, sind zwar die meisten entweder geist- 
los und träge, oder tückisch und rechnen sich List, Dieb- 
stahl, Mord und Brand als Verdienst an; doch sind auch 
einige Stämme milderen Charakters und zeichnen sich durch 
die EigenthümUchkeit aus, weder zu stehlen, noch zu lügen, 
und unter keiner Bedingung Branntwein zu trinken; unter 
letzteren die Flachköpfe am Felsengebirge. 

* Die Indianer verstehen die rohen Felle besser, als selbst unsere 
Jäger zu behandeln. Sie blasen durch Federspulen die Haut vom Fleische 
los, so dass sie leicht, rein und ohne Zwischenhaut sich abstreifen lässt, 
sie spannen das Fell vortheilhaft auf und bestreichen es oft auch mit wohl- 
riechenden Ingredienzen. . 

** Branntwein „Fire water" den Indianern gegenüber genannt, veran- 
lasst diese, alle ihre Habe, selbst Weib und Kind, herzugeben; und wenn 
sie erfahren , dass ein Schiff an der Küste liegt , welches solchen Nectar birgt, 
so kommen sie in Schaaren , um ihre kostbarsten Vorräthe dagegen anzubieten. 



16 



Tauschtarif 
zwischen der Hudsonsbay-Compagnie und den Indianern. 



Kosten- 
preis. 


Gegenstände des 
Tausches. 


Biber. 
Zahl Werth 


z 

Zahl 


»bei. 
Werth 


Silber- 
Füchse. 
ZahllWerth 


Luchse. 
ZahllWerth 


Zahl 


Ottern. 
Werth 


s. d. 






£ s. 




£s. 




£ 




£s 




£ s. d. 


22. — 


1 Flinte. . . . 


20 


12.— 


60 


66.— 


5 


50 


20 


12.— 


20 


23. 10. - 


- VI, 


1 Maas Pulver . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


-12 


1 


1. 3. 6 


- IV4 


18 Bleikugeln . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


-H 


1 


1. 3. 6 


— 1 


8 Schrotladungen 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


-12 


1 


1. 3. 6 


— 1 


10 Feuersteine . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


1.6 


1 Axt ... . 


3 


1.16 


9 


9.18 


— 




3 


1.16 


3 


3.10. 6 


12. — 


1 Kupferkessel . 


16 


9.12 


48 


52.16 


— 


w 


16 


9.12 


16 


18. 16. — 


— 2 


1 Feuerstalil . . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


5- 


1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


— 4 


1 Scalpirmesser . 


1 


- 12 


3 


3. 6 


— 


M 


1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


— 6 


1 Feile .... 


2 


1. 4 


6 


6.12 


— 




2 


1. 4 


2 


2. 7.— 


— 9 


1 Tabacksbeutel 















, 










nebst Brennglas 


2 


1. 4 


6 


6.12 


— 


t3- 


2 


1. 4 


2 


2. 7.— 


— 2 


1 Hornkamm . . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


1 


1 


- 12 


1 


1. 3. 6 


— 21/2 


8 Pfriemen . . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


a 


1 


-12 


1 


1. 3. 6 


-31/2 


12 Messingknöpfe 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


? 


1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


- 3 


15 Messingringe . 


2 


1. 4 


6 


6.12 


— 


tt^ 


2 


1. 4 


2 


2. 7.— 


- 1 


6 Thonpfeifen . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


w 


1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


— 4 


1 kleiner Spiegel 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


5^ 

CD 


1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


— 10 


1 Pfd. Glasperlen 


6 


3.12 


18 


19.16 


— 


6 


3.12 


6 


7. 1.— 


-31/2 


6 Unzen Taback 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 


CD 


1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


5.9 


1 einf. Wolldecke 


10 


6.— 


30 


33.— 


— 


CD 

3 


10 


6.- 


10 


11.15.— 


7. — 


1 gestreifte „ . 


12 


7. 4 


36 


39.12 


— 


1 


12 


7. 4 


12- 


14. 2.— 


12. — 


1 Matrosenrock . 


12 


7. 4 


36 


39.12 


— 


CO 


12 


7. 4 


12 


14. 2. — 


5. 3 


1 Knabenrock 


5 


3.— 


15 


16.10 


— 




5 


3.- 


5 


5.17. 6 


-21/4 


6 Ellen Band . . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


6.6 


1 Paar Hosen 


9 


5. 8 


27 


29.14 


— 




9 


5. 8 


9 


10.11. 6 


1.9 


1 baumwoU. Hemd 


3 


1.16 


9 


9.18 


— 




3 


1.16 


3 


3.10. 6 


-43/4 


1 Tuch .... 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


— 3 


1 Unze rothe Farbe 


1 


- 12 


3 


3. 6 


— 




1 


— 12 


1 


1. 3. 6 


— 4 


1 Maas Eum . . 


1 


— 12 


3 


3. 6 


— 




1 


— 12 


1 


1. 3. 6 



17 



Ungeachtet des anscheinend grossen Gewinnes (denn die 
Compagnie giebt nach dem Tarif durchschnittlich nur den 
zwanzigsten Theil des Verkaufspreises für die Felle) und un- 
geachtet des grossen Umsatzes, der zwei- bis dreimalhundert- 
tausend Pfund jährhch beträgt, ist doch der Handel der 
Compagnie lange Jahre hindurch nicht einträglich gewesen, und 
erst seit den letzten vierzig Jahren ist etwas mehr als 10 Proc. 
jährhcher Gewinn für das Actiencapital erwachsen. Die Verkaufs- 
Comptoire der Compagnie sind Montreal in Canada für die 
BüfFelhäute und London für den Vertrieb aller feinen Pelzfelle. 
Dieselben werden gewöhnhch sorgfältig und musterhaft nach 
Qualität, Schönheit, Farbe und Werth sortirt und in drei jähr- 
lich wiederkehrenden Auctionen verkauft. Die Biber- und Bisam- 
felle aus den Ländern östlich vom Felsengebirge gehören der 
Januar- Auction an; alles andere feine Pelzwerk von ebendaher 
den März-Auctionen, und sämmthche Waaren des Oregon- Ge- 
bietes, die durch ihre Niederlassung auf Vancouvers Island ihr 
zugehen, der September- Auction. 

(Siehe die statistischen Listen Seite 18, 19, 20^ 21, 22.) 

Die von der Hudsonsbay- Compagnie zum Verkauf ge- 
brachten Waaren sind Partie- oder Loosweise in einem Cataloge 
verzeichnet, und liegen zehn Tage vor der Auction zur Ansicht 
aus, wo sie, von den Käufern, unterstützt durch die zahl- 
reichen Diener* der Compagnie, geprüft und geschätzt werden 
können. 

* Die Diener, „Warehousemen" der Compagnie bestehen grösstentheils 
aus ehemaligen Schiffsleuten und Anderen, die längere Zeit im kalten un- 
■wirthbaren Norden im Dienste der Gesellschaft gestanden haben; sie sind fast 
alle schwach und kränklich und haben das Aussehen, als ob ihr Blut und 
ihre Säfte einst erfroren gewesen wären. Freilich ist das englische Volk 
nicht wie das russische gewohnt, gegen Kälte sich durch Kleidung zu 
schützen: 



18 



Einfulir- Liste 
der Hudsonsbay-Compagnie für die Frühjahrs-Aiictionen 1864. 





YF. & MK. R. * 


MR. & EM. 


Canada. 
SD. 


Canada, 
GR. KP. M, LH. 


Total. 


Biber .... 


53971 


26619 


5326 


23475 


109391 


Bären . . 






3341 


482 


166 


273 


4262 


Bisam . . 






297382 


48115 


18279 


56380 


420156 


Virg. Iltis . . 






2286 


556 


644 


631 


4117 


Silber-Füchse 






331 


100 


9 


3 


443 


Kreuz- „ 






1190 


256 


52 


38 


1536 


Rothe „ 






3155 


521 


55 


567 


4298 


Weisse „ 






9070 


3269 


— 


— 


12329 


Kitt- 






2413 


— 


— 


— 


2413 


Luchse . . 






1443 


1356 


242 


1051 


4092 


Ottern . 








6122 


3733 


988 


1773 


12616 


Schuppen 








94 


— 


— 


410 


504 


Zobel . 








58486 


19478- 


4537 


6256 


88757 


Nerze . . 








26558 


5376 


2967 


5870 


40771 


Skunks . 








1133 


1216 


36 


41 


2426 


Wölfe . 








7614 


7 


— 


13 


7634 


Vielfrasse 








809 


37 


6 


2 


854 


Seehunde 








.28 


1178 


— 


— 


1206 


Dachse . 








1122 


— 


— 


— 


1122 


Kanin . 








2157 


37293 


— 


— 


39450 



Biber und Bisam kommen im Januar zum Verkaufe, alle 
übrigen Artikel im Februar und März. 



* YF. heisst York Fort, MK. R. Makenzie River, MR. Moose River, 
EM. East Maine, SD. South -District, GR. Grand River, KP. Kingspost, 
M. Maine, LH. Lake Huron. 



19 



Einfuhr -Liste 
der Hudsonsbay-Compagnie für die Frühjahrs- und Herbst- Auctioiien 

in London 1863. 











Frühjahrs 


-Einfuhr 




Herbst- 
Einfuhr. 


Total- 




YF.AMK.R. 


MR. & E.M. 


Canada. 
SD. 


Canada. 
GR. KP. M. LH. 


North-West 
Coast. 


Einfuhr. 


Biber ... 


48490 


43790 


5219 


17812 


18604 


113915 


Bisam . . . 




251239 


51072 


11091 


34355 


9147 


356904 


Bären . . . 




2692 


509 


99 


323 


3608 


7231 


Virgin. Iltis . 




3016 


781 


811 


476 


980 


6064 


Silber-Füchse . 




.319 


102 


25 


5 


139 


590 


Kreuz- „ 




1196 


241 


93 


28 


354 


1912 


Kothe „ 




5060 


425 


107 


441 


368 


6401 


Weisse „ 




2950 


299 


— 


2 


— 


3251 


Kitt- „ . 




5452 


— 


— 


— 


— 


5452 


Luchse . . . 




1606 


1299 


264 


928 


512 


4609 


Ottern . . 






5018 


3756 


868 


1694 


1826 


13162 


Seeottern . 






— 


— 


— 


— 


128 


128 


Schuppen 






23 


4 


— 


309 


3476 


3812 


Zobel . 






40100 


12526 


3595 


5379 


17186 


78786 


Nerze . 






13258 


4641 


1917 


4847 


19104 


43767 


Skunks . 






992 


916 


41 


20 


, — 


1969 


Wölfe . 






3290 


9 


— 


27 


589 


3915 


Vielfrasse 






863 


27 


4 


6 


514 


1414 


Dachse . 






1371 


— 


— 


— 


172 


1543 


Kanin . 






252 


18530 


— 


— 


— 


18782 


Seehunde 






27 


1254 


— 


112 


15950 


17343 



20 



Yerkaufs- liste 






der Hudsonsbay-Compagnie zu den Auctionen in Londor 


i 1729 und 


1829 nebst den Verkaufspreisen von 1863 


• 




Quantum 


Verkaufs- 


Quantum 


Verkaufs- 


Verkaufspreise 




1729. 


preise. 


1829. 


preise. 


Frühjahr 1863. 






in engl. 


(nur Früli- 










Valuta. 


jähr.) 




( pr. Pfd. 






pr. Pfd. 




pr. Pfd. 


) 3/2 -11/3 


Biber . . . 


62160 


4/ -6/«^ 


30248 


10/-45/3(? 


j = pr. St. 






pr. Stück. 




pr. Stück. 


'1/6-I6A 


Zobel . . . 


12480 


5/8-10/ 


82268 


2/6-16/8 


4/5-6O/3 


Ottern . . . 


340 


ca. 4/4 


10860 


7'6-26/ 


7/-45/, 


Luchse U.Katzen. 


560 


20/2—30/ 


11680 


3/2-14/1 


5/6-16/8 


Silber-Füchse . 


— 


— 


186 


20/— 174/ 


25/— ä^ 33. 5/ 


Kreuz- „ 


— 


— 


461 


15/— 47/ 


10/3 — 130/ 


Rothe „ 


130 


7/— 11/ 


1602 


3/-9/r 


4/4-19/ 


Weisse „ 


— 


— 


443 


3/1-8/5 


2/- 9/4 


Kitt- „ . 


— 


— 


4800 


1/5-1/6 


3/11-4/r 


VieKrasse . . 


330 


10/- 11/ 


381 


3/11 -6A 


8/6-14/4 


Wölfe . . . 


140 


6/10-25/4 


1358 


5/1-25/ 


3/8-49/ 


Bären, schwarze. 


340 


8/2-15/ 


— 


4/-^ 48/3 


10/3-130/ 


„ braune. 


— 


— 


— 


5/-55/6 


5/, -121/ 


„ graue . 


— 


— 


— 


5/— 30/3 


9/- 41/ 


Nerze . . . 


— 


— 


14479 


1/5-3/9 


7/^-18/6 


Virgin. Utis . 


40 

1 


9/xo 






2/« -36/« 



21 



Einfuhr der Hudsonsbay-Compagnie in London 

in den Jahren 1723 bis 1728 

verglichen mit dem Quantum von 1863. 



Jahr. 


Artikel. 


Frühjahrs- 
Auctionen. 


Herbst- 
Auctionen. 


Total. 


Preis 
in engl. Valuta. 


1723 


Biber 


39614 


19330 


58944 


4 5 — 5 5 8 (? pr. ^. 


1724 


do. 


36240 


15320 


51560 


6s2d—6s Gd^rM. 


1725 


do. 


21190 


17890 


39080 


4:s2d — 5slOd ,, „ 


1726 


do. 


39600 


19050 


58650 


Ss2d— IsSd „ „ 


1727 


do. 


29490 


22090 


51580 


ds^d—7s2d „ „ 


1728 


do. 


23130 


31540 


54670 


45 8c?- 6s Qd „ „ 
höchster Preis:* 


1863 


Biber 


95311 


18604 


113915 


16slc?pr.St. = ll53c?pr.^. 


1726 


Zobel 




5680 


5680 


höchster Preis 10s pr. St. 


1727 


do. 


— 


5940 


5940 


„ „ 7sl0d„ „ 


1728 


do. 




9520 


9520 


?» U * ^ V 51 

höchster Preis: 


1863 


Zobel 


61600 


17186 


78786** 


60 s 3 c? pr. St. 



* Der höchste Preis, der jemals für Biber gezahlt wurde im Jahre 
1814 war 58 s pr. Pfd. (Siehe noch Seite 82.) 

♦* Im Jahre 1856 führte die Hudsonsbay-Compagnie die grosse Anzahl 
von 179186. Stück Zobel in England ein. 



22 



Einfuliren von Eauchwaaren durch die Hudsonsbay-Compagnie 

in London, 
in verschiedenen Zeiträumen zwischen 1844 und 1863. 





1844 


1848 


1851 


1853 


1856 


1861 


1863 


Schuppen . . 


1663 


2090 


1598 


1140 


1257 


2846 


3812 


Bären 






6024 


6086 


6128 


7421 


9141 


7427 


7231 


Biber . . 






38939 


36563 


50635 


55435 


72454 


105866113915 


Bisam 






545011 


254753 


194502 


493804 


258791 


205591 


356904 


Zobel . . 






72819 


150785 


64352 


72454 


179186 


74660 


78786 


Nerze . 






25700 


38103 


27705 


25079 


61332 


31018 


43767 


Ottern 






6703 


6616 


8916 


8950 


13740 


13195 


13162 


See-Ottern 






234 


195 


79 


174 


278 


102 


128 


Virg. Iltis 






4471 


5324 


6276 


5831 


5168 


5848 


6064 


Silber-Füchse 




540 


999 


523 


824 


602 


1051 


590 


Kreuz- „ 




1604 


3100 


1944 


2255 


1838 


3335 


1912 


Rothe „ 




4211 


7573 


5517 


6764 


7268 


8846 


6461 


Weisse „ 




1901 


2883 


899 


3929 


10267 


5057 


3251 


Kitt- 




1391 


5780 


1603 


2552 


3370 


2532 


5452 


Luchse & Luchs 
katzen . . 


- 1 

1 8199 


* 
31747 


20678 


5497 


11614 


15236 


4609 


Wölfe . . 




12039 


11249 


9713 


8470 


7546 


6009 


3915 


Vielfrasse 




1087 


908 


1377 


1250 


1103 


1394 


1414 


Skunks . 




— 


— 


572 


1586 


892 


1149 


1969 


Seehunde 






1566 


150 


— 


1208 


4804 


17025 


17343 



* Im lahre 1849 wurden 47,623 Stück, 1850 43,232 Stück Luchse von 
der Compagnie in London eingeführt. 



23 



Bei den Auciionen steht der Makler der CoMpagnie auf 
einem erhöhten Catheder; vor demselben sitzt an einem niedern 
grünen Tische der Gouverneur mit dem Hammer, neben ihm 
einige Directoren. Die Käufer, deutsche und englische Rauch- 
waarenhändler, Russen, Franzosen und andere, sitzen, Catalog 
und Feder zur Hand, jenen gegenüber auf erhöhten Bänken, 
so dass alle von dem Catheder aus gesehen werden können. 
Der Makler sagt: Meine Herren, 12096 Otter; meine Herren, 
Lot 1, 53 Stück; meine Herren, voriges Jahr gaben Sie 
25 Shilling; meine Herren, soll ich denselben Preis sagen, oder 
fangen Sie an mit 23? Ein Blick von einem bekannten 
Käufer dem Makler zugeworfen, gilt für ein Angebot, bei 
jedem von andern Käufern nachfolgenden Blicke legt der Makler 
3 Pence zu, er ruft dann: 23 Shilling, 23/3, 23/6, 23/9 u. s. w., 
eine Stimme aus den Käufern erschallt mit 26/-! Oho, heisst es, 
die Gebote werden lebhafter und rascher 27/-, 27/3, 28/-, 28/5, 
29/-, 29/6- — Niemand mehr? Zum ersten — zum andern — 
„30" ruft eine Stimme, — bis endlich, nachdem bei einem 
Gebot der Makler: „Zum dritten und letzten Male!" ausgerufen 
hat, der Gouverneur durch einen Hammerschlag den Kauf be- 
stätigt. * Wenn nun eine Reihe gleicher Loose zum Verkauf 
ausgeboten sind, so kommt es oft vor, dass mehr oder weniger 
hohe Preise für die einzelnen Loose bezahlt werden; der Unter- 
schied beträgt oft 5, 10, 15 auch 20 Procent und mehr. 
Der Kaufpreis muss bei Empfang der Waare und je- 
denfalls in Monatsfrist baar bezahlt werden. 

* Es ist eine altmodische Auctionswcisc , die bisher bei den Verkäufen 
der Hudsonbay - Compagnie beliebt geblieben ist; bei andern in London statt- 
findenden Auctionen bleibt das: „Zum ersten, andern, und dritten Mal!" 
weg; es sagt der Makler nur: Niemand mehr? oder er lässt auch diesen 
Ausdruck weg, betont das höchste Gebot, und wenn er keine Mehrbietenden 
sieht, schlägt er, den Hammer selber führend, zu. 



24 



Der Handel in Canada und den Yereinigten Staaten. 

In Canada und im Norden der Vereinigten Staaten, wo 
ausser den Indianern auch europäische Ansiedler und Amerikaner 
mit dem Fange des Pelzwildes sich beschäftigen, wo Geld als 
Kaufmittel und Werthzeichen besteht und der Verkehr frei ist, 
wird der Handel theilweise in andrer Art betrieben. Auch 
hier haben wohl die verschiedenen Compagnien Forts an den 
Grenzen der von Indianerstämmen bewohnten Länderstriche 
nördlich von St. Louis und an den Ufern des Missouri, doch 
können bei hier stattfindender freier Concurrenz Indianer, Jäger 
Trapper * ihre Waaren verkaufen, an wen sie wollen. An den 
Seen im Norden, in Michigan, Wisconsin , Illinois , Indiana und 
Ohio haben New Yorker Handelshäuser permanente Agenturen, 
welche contractliche Lieferungen mit den Indianer - Chefs ab- 
schliessen, oder die Felle von den Kleinhändlern ankaufen. 

Die kleinen Kaufleute und Waarenhändler in allen Städten 
und Flecken des Innern der Vereinigten Staaten führen zum 
Verkaufe Gegenstände der verschiedensten Art, — fast Alles, 
was in diesen Gegenden gebraucht werden kann; dagegen be- 
schäftigt sich wieder fast ein jeder mit dem Einkauf aller Er- 
zeugnisse des Landstriches; auch von ihnen kaufen die grossen 
Handlungshäuser. 

Die Pelz-Compagnien oder die grösseren Handlungs- 
häuser senden die amerikanische Waare entweder nach Lon- 
don, nach Leipzig oder auch nach New-York, von welchem 
letzteren Platze sie, in andere Hände übergegangen, auch ent- 
weder an Commissionshäuser und Makler nach London, oder 
nach Leipzig an Rauchwaarenhandlungen versandt wird. Von 

* Trapper d. i. Fallensteller. Von dem englischen trap, oder dem 
französischen trappe — Falle. 



25 



den Londoner Maklern werden die Waaren mehr oder weniger 
gut sortirt und in zwei oder dreimal jährlich wiederkehrenden 
grossen Auctionen, gewöhnlich im Anschlüsse an die Auction 
der Hudsonsbay-Compagnie, verkauft. Eines der grossen Lon- 
doner Commissionshäuser , welches seit 32 Jahren den grössten 
Theil der Waaren empfangen hat, ist das von C. M. Lamp- 
son * , eines viel Organisationsgeist besitzenden und energischen 
Mannes. 

Derselbe pflegt das Quantum in mehrere Auctionen einzu- 
theilen, und oftmals selbst, wenn er eine Ueberfüllung des 
Marktes fürchtet, Waaren jahrelang aufzusparen. Wird nun 
durch das lange Lagern die Waare einestheils unscheinbar, und 
müssen andererseits die Eigenthümnr lange Zeit auf vollständige 
Abrechnung warten, und ist es unmöglich, dass ein Londoner 
Haus, welches für Export -Waaren kaum 30 Käufer hat, den 
Markt so beurtheilen kann, wie ein Leipziger Haus, welches 
deren fünfhundert besitzt, so ist es auch hauptsächlich vielen 
Amerikanern klar geworden, dass durch die Kosten des Lon- 
doner Zwischenhandels, welche mehr denn 10 Procent betragen, 
die Waare um ebensoviel theurer wird. Dieses und die Sorg- 

* Curtis Miranda Lampson wurde vor 33 Jahren als 22jähriger mittel- 
loser Mann von der Südwest - Compagnie , der Nachfolgerin Astor's, nach 
London gesandt, um die zu den Auctionen gesandten Waaren zu überwachen. 
Nach seinen Berichten über die unordentliche Haltung der Waaren wurde der 
grösste Theil derselben streng limitirt und zurückgekauft; und da sie nach 
den damaligen Entrepot- Einrichtungen nicht von einem Londoner Waarenhaus 
nach dem andern verlegt werden durften, so wurden die Waaren nach New- 
York zurück und dann wiederum an C. M. Lampson nach London verschifft, 
welcher inzwischen durch Vereinbarung mit Londoner Bankhäusern und einem 
sehr reichen Makler in den Stand gesetzt worden war, die erforderlichen 
Vorschüsse zu leisten. C. M. Lampson ist reich geworden, er besitzt etwa 
400,000 £ und hat neuerdings als Theilnehmer der International - Financial- 
Society, welche die Hudsonsbay-Compagnie an sich kaufte, es dahin gebracht, 
Deputirter Gouverneur bei dieser zu werden. 



J 



26 



falt der Leipziger Handlungshäuser haben, zum grossen Theil 
erst in den letzten Jahren, dem Waarenzug eine directe Rich- 
tung gegeben. In Leipzig wird die Waare nach Platzusanzen 
verkauft; mehr darüber folgt weiter unten. 

(Siehe Seite 27: Liste der Einfuhr von Rauchwaaren etc.) 
Die grossen Handelsplätze der Vereinigten Staaten und 
Canadas importiren auf der andern Seite grosse Quantitäten 
russischen und deutschen Pelzwerkes. New- York, Philadelphia, 
Boston und Montreal wollen in Mode und Luxus den Haupt- 
städten Europa's nicht nachstehen, und es sind unsere ein- 
heimischen Edelmarder, Steinmarder und Iltisse in den letzten 
Jahren in Folge des Absatzes nach Amerika um mehr als das 
Doppelte theurer geworden. Man verbraucht viel französische 
und polnische Kaninchenfelle, viel sibirische Eichhörnchen, die 
in Deutschland zubereitet sind, auch Hermelin, gute russische 
Zobel und von den eigenen Producten eine grosse Anzahl guter 
amerikanischer Zobel, und seit den letzten Jahren die meisten 
Nerze. 



27 



Einfuhr 

von Rauchwaaren von den nord- amerikanischen Freistaaten in London 

in verschiedenen Zeiträumen zwischen 1844 und 1863. 





1844. 


1848. 


1851. 


1853. 


1856. 


1861. 


1863. 


Schuppen . 


420759 


419448 


545370 


506745 


434493 


525627 


462156 


Bären . . 


6062 


3661 


3470 


2860 


3243 


2027 


3368 


Biber . . 


151 


279 


2cS8 


11566 


12144 


7601 


21880 


Bisam . . 


213971 


225775 


723968 


1266261 


919099 


1611357 


1726202 


Zobel . . 


30311 


38922 


16837 


14869 


14616 


16155 


20388 


Nerze . . 


101666 


189962 


197357 


179684 


59915 


69049 


26998 


Ottern . . 


5846 


4442 


3854 


2994 


4929 


8121 


6481 


See -Ottern 


81 


81 


— 


44 


275 


269 


219 


Virgin -Utis. 


5370 


5066 


4810 


3485 


2655 


3284 


2741 


Silber-Füchse 


980 


422 


311 


337 


821 


599 


314 


Kreuz „ 


2739 


2070 


1394 


1514 


1930 


1464 


1072 


Rothe „ 


47313 


33748 


31346 


43372 


33841 


27959 


37518 


Weisse „ 


1382 


508 


570 


689 


3251 


2417 


35 


Kitt 


728 


3640 


— 


2711 


— 


4951 


4680 


Gris 


6167 


8217 


18339 


17882 


19971 


25373 


13496 


Luchse . . 


3852 


598 


8463 


1002 


1101 


2056 


3137 


Luchskatzen 


1914 


2826 


9516 


5059 


8171 


8174 


5272 


Wölfe . . 


375 


— 


— 


— 


' ' 


795 


1111 


Opossum . 


— 


— 


— 


14334 


83807 


51217 


57489 


Skunks 


— 


— 


— 


— 


— 


73333 


86348 



Von Süd- Amerika." 
Chinchillas. 11144901 565881 992381 426941 921171 52033 36066 

I I I I I ! I 

Der plötzliche Ausfall einiger Artikel, hauptsächlich der Nerze, 
in den letzten Jahren, hat seinen Grund in der. Zunahme des 
Verbrauchs dieser Gattungen im Productionslande , Amerika, selbst. 



Der russisclie Raucliwaareiiliaiidel. 

Es liegen uns hier officielle Nachrichten vor, wie unter 
Wasihewitsch I. (f 1505) ein Streifzug nach Sibirien bis an den 
Ob ohne Erfolg blieb, und wie erst unter Wasiliewitsch 11. es 
Russland gelang, dort seine Herrschaft zu begründen, durch 
Züge, welche den Pelzhandel zu Folge hatten, oder, richtiger, 
durch denselben veranlasst wurden, denn man nöthigte die be- 
zwungenen Tartarenhäuptlinge zu einem jährhchen Tribut von 
tausend oder mehr Zobelfellen. Von den sibirischen Gouverne- 
ments Tobolsk, Tomsk, Jenisseisk, Irkutsk, Jakutsk, 
Ochotsk und Kamtschatka werden der russischen Regierung 
noch alljährlich Zobel-, Kolinsky- und Eichhörnchenfelle 
tributmässig gehefert. Sie bestehen in sehr guter Waare; das 
Beste davon wird für den eigenen Bedarf des kaiserhchen 
Hauses verwendet und in der Kaiserlichen Cabinets- Kürschnerei 
verarbeitet, die übrigen Waaren aber durch Auction verkauft. 

Hiernächst ist der Handel der auch auf officieller Grund- 
lage bestehenden Russisch-Amerikanischen Compagnie zu 
berühren. Die militairische Besatzung und die Gerichtsbarkeit 
der Festungen auf den Inseln Kodjack und Sitka und des 
Festlandes von Russisch- Amerika, wo diese Compagnie ihren 
ausschliessUchen Handel treibt, ist nicht Sache der Pelz -Com- 
pagnie, wie im Hudsonsbay- Lande, sondern mrd von der rus- 
sischen Regierung besorgt; doch chartert die Compagnie für 
sich Schiffe, welche den Eskimo's und Indianern allerlei nütz- 
liche Mittel zuführen, und dagegen die Felle von See -Ottern*, 



* Der einzige Artikel, dessen Einfuhr z. Z. (wie schon oben erwähnt 
wurde) prohibirt ist. Wie nachtheilig die Beschränkung für den Handel mit 
solchen Artikeln ist, beweist die Thatsache, dass die Compagnie viel Mühe 
mit dem Verkauf dieser Felle hat, dass sie gelegentlich dieselben zur Aus- 



29 



Fluss-Ottern, Bibern, Luchsen, Zobeln, Bären, schwarzen, Kreuz-, 
rothen und weissen Füchsen und besonders viel Pelz -Seehunden 
nach St. Petersburg zurückbringen. Hier wird die Waare je 
nach Ansicht des Gouverneurs und der Direction in Auction 
oder privatim verkauft. Einen Theil ihrer Waaren, unter die- 
sen besonders See -Ottern und Biber, pflegt die Compagnie auch 
nach China zu senden. 

Wir haben nun zu beregen den 

Handel nach Ejachta. 

Kiachta, russische Grenzstadt, gegenüber der chinesischen 
Stadt Maimatschin , wo der Handel mit China vermittelt wird; 
dahin führen russische, besonders moscowische Kaufleute mit 
Karawanen auf weiten Landreisen: Eichhörnchen, Otter, Biber, 
See-Otter, Pelz -Seehunde, Füchse, Luchse, Fuchs- und Luchs- 
pfoten, Katzen und eine grosse Anzahl Lammfelle, im Ganzen 
jährlich für etwa anderthalb Millionen Silber-Rubel, um dagegen 
T h e e * einzutauschen. 

Der Handel wird hier von russischen Regierungsbeamten 
überwacht, die den Preis der Pelzfelle gegenüber dem Preis 

fuhr verkauft, in dessen Folge jedoch fast jedes Stück derselben auf ver- 
botenem Wege wieder nach Russland eingeführt, und dann ein Gegenstand 
lebhafter Speculation wird. Auch die gegen 400 Stück See - Otterfelle , welche 
die Küste von Californien jährlich liefert, werden, ungeachtet des Verbots, 
fast alle nach Kussland importirt. ^ 

* Der so eingetauschte Thee, Karawanen - Thee genannt, wird von den 
Kaufleuten nach dem europäischen Russland, besonders Mosco und St. Pe- 
tiersburg, zurückgeführt. Er wird für besser gehalten, und ist durch den 
weiten Landtransport viel theurer, als der Thee, welcher zur See von China 
ausgeführt wird, weil man annimmt, dass durch die Seereise der feine Ge- 
schmack leide. Uebrigens wird in Russland viel Thee verbraucht, der zur 
See nach England oder Hamburg gebracht und dann zu Lande eingeführt 
worden ist. 



30 



des Thees feststellen und vereinbaren, wohl auch die Chinesen 
veranlassen, solche russische Producte mitzukaufen, welche an- 
zunehmen sie lieber verweigert hätten. Der Handel mit russi- 
schen Rauchwaaren nach Kiachta hat sich aber sehr vermindert, 
wogegen der Verkehr mit amerikanischen Rauchwaaren, Tuchen 
und andern Manufactur-Waaren dahin zugenommen hat. 
Es wurden in Kiachta eingeführt: 

1824—1828. 1836—1840. 

Russische Rauchwaaren für SR. 3,160,702. 2,561,454 
Ausländische „ „ „ 176,078. 323,283 

■Tuche und andere Waaren „ „ 3,242,815. 5,464,683 



zusammen SR. 6,579,595. 8,339,420. 
(Siehe Seite 31 Einfuhr.) 



31 



Einfuhr 




von russsischen Rauchwaareii in Kiachta in den 


Zeiträumen von 


1817 — 1819 und 


1841 — 1843. 






1817—1819. 


1841—1843. 


Lämmerfelle, russische, Stück . . 


5806120 


2468133 


„ bucharische .... 


— 


143708 


Eichhörnchen 


16208205 


5580715 


Fisch- Otter, russische 


22286 


38634 

1 


„ fremde 


— 


15088 


Biber 


18975 


30826 


Hauskatzen 


1726712 


760186 


Steppenkatzen 


— 


6168 


Füchse, russische 


381029 


296438 


„ fremde 


— 


99520 


Luchse, russische 


6762 


7930 


„ fremde 


— 


31652 


Seebären ...... . ... 


31119 
114850 


28352 
327640 


Hermeline 


Bisamratten, russische 


325465 


41954 


„ fremde 





11524 


Iltis 


— 


20359 
3319 


Wölfe 


Vielfrasse 


— 


1807 

j 

245 

i 


Zobel 



32 



Der Handel auf den russischen Märkten (Messen) 
ist von grösstem Umfange und grösster Bedeutung; die Haupt- 
märkte sind der zu Irbit in Sibirien, und der zu Nischny- 
Nowgorod, östlich von Mosco an der Wolga. Zu dem erste- 
ren Markte, welcher im Februar jeden Jahres, also in der 
kältesten Zeit des Winters stattfindet, wann die Russen just 
in ihrem Elemente sind, und der allein im Schlitten besucht 
wird, führen zunächst die Siberiaken und andere Tartaren ihre 
Producte aus der Nähe sowohl, als auch aus viele hundert 
Meilen weiten Strecken; sie bringen hauptsächlich Eichhörnchen, 
Hermelin, Kolinsky, weisse Füchse und Zobel, und was nach 
Irbit geführt wird, ist in der Regel die beste Winterwaare. * 
Als Hauptkäufer reisen zu diesem Markte andrerseits von Mosco 
und St. Petersburg aus russische und deutsche Kaufleute mit 
amerikanischen und russischen Waaren, welche in der Tartarei 
und China gesucht sind, unter andern liauptsächHch viel Otter- 
und Biberfelle dahin führend. Weil der Handel hier meisten- 
theils nur per Cassa gemacht wird, müssen sie baares Geld 
und mehrstentheils Gold und Silber in ihrem Schlitten mit- 
nehmen, wodurch die Reise um so beschwerlicher wird In 
ihren Schlitten führen die Asiaten ihre erhandelten Otternfelle etc. 
in ihre Heimath, und ebenso werden die für Russland ge- 
brauchten Waaren alsbald nach Mosco befördert und die für 
das Ausland bestimmten über Mosco und St. Petersburg nach 

* Die Schnelligkeit, mit welcher die Siberiaken ihre Waaren sammeln 
und befördern, ist erstaunlich. Während die Hudsonsbay - Compagnie ein bis 
anderthalb Jahre gebraucht, ehe sie ihre Waaren zum Londoner Markt bringt, 
die Winterwaare der Vereinigten Staaten Amerika's meistentheils erst im Mai 
und Juni nach New -York kommen und unsere deutschen Producte oft erst 
spät im April zu der Leipziger Ostermesse gebracht werden, haben die Si- 
beriaken ihre Waaren sortirt und geordnet, und mittelst ihrer raschen 
Schlittenbeförderung schon im Februar zu Markte gebracht. 



33 



England oder nach Leipzig versandt. In letzterem Markte 
treffen sie, obwohl manchmal etwas spät, doch immer noch 
zur Ostermesse ein. 

(Siehe Seite 34 Einfuhr - Liste.) 

Der Nisclinyer Markt. 

An dieser, im Juli und August jeden Jahres stattfindenden 
Messe betheiligen sich die Rauch waarenhändler von Mosco, St. 
Petersburg, Sklow, Wilna, Riga und vielen anderen Städten 
in grosser Zahl; auch wird sie von deutschen Kaufleuten be- 
sucht. Es werden hier asiatische, russsische, armenische, 
amerikanische, nordische und deutsche Waaren in Masse 
zugeführt, und die meisten Kaufleute sind Verkäufer und 
Käufer zugleich; auch wird hier ausser dem Handel mit di- 
reet zugeführter Waare viel Zwischenhandel und Kauf und 
Verkauf, nicht nur von unbereiteter , sondern auch von halb 
und ganz gefertigter Waare betrieben. Die Handelsusanzen sind 
willkührlich ; es wird viel vertauscht, viel gegen baare Zahlung 
und mehr noch an bekannte Käufer auf Credit, zu theil weise 
langen Terminen verkauft. 

(Siehe Seite 35 Einfuhr - Liste.) 



34 



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86 



Neben den vorhin beschriebenen grossen und anderen 
kleineren russischen Märkten, wo nur zeitweilig ein grosser 
Umsatz bewirkt wird, sind die Hauptstädte St. Petersburg 
und Mosco fortdauernde Rauchwaaren-Märkte, St. Peters- 
burg wegen des Sitzes der russisch -amerikanischen Compagnie, 
wegen einer Anzahl dort ansässiger bedeutender Rauchwaaren- 
händler und besonders wegen der directen Einfuhr amerikani- 
scher Rauchwaaren. Bedeutender Kauf und Verkauf wird hier 
täglich bewirkt und es kommen die Moscoer Kaufleute oft nach 
St. Petersburg, um hier feine amerikanische, deutsche und nor- 
dische Rauchwaaren zu kaufen. 

In Mosco, im Herzen Russlands, ist der Pelzhandel am 
meisten allgemein und eingebürgert. Hier finden das ganze 
Jahr lang Zufuhren russischer, sibirischer, persischer, 
armenischer, deutscher und amerikanischer Rauchwaaren 
statt. Bedeutende Rauchwaarenhändler, die in mehreren andern 
Gouvernements Commanditen haben, und Kaufleute, die nach 
Sibirien und Kiachta handeln, so wie Armenier und Griechen 
haben hier ihren Sitz. Ein Moscoer Rauchwaarenhändler S. 
macht allein einen jährlichen Umsatz von mehr als ein und 
eine halbe Million Silberrubel. Er dehnt jedoch sein Geschäft 
selten auf das Ausland aus, sondern beschränkt sich auf den 
Umsatz im Lande selbst. 

Nachfrage und Angebot geschieht gewöhnlich an der Börse,* 
Abschluss eines Geschäftes wird aber gewöhnlich bei einem 



* An der Börse in Mosco stehen viele Kaufleute von früh 9 bis 
Abends 7 Uhr; die sorgsamen Geschäftsleute fürchten etwas zu versäumen, 
wenn sie eine Stunde fehlen. In das Börsengebäude, welches seit einigen 
Jahren im Winter geheizt wird, geht Niemand; man zahlt den Beitrag, meint 
aber, draussen stehen zu müssen. Freilich schützt man sich gegen die 
oft sehr strenge Kälte durch gute Pelze und Pelzstiefeln. 



87 



Glase Thee gemacht. Wenn der Käufer sagt: „Gehen wir Thee 
trinken," so pflegt das Geschäft schon halb fertig zu sein. 
Kussische, sibirische und nordische Rauchwaaren werden 
für Casse oder auf kurze Termine, ausländische, besonders 
amerikanische, oft auf Termine von 12 bis 18 Monaten 
verkauft. 

Der skandinavische Rauchwaarenhandel 

beschäftigt sich sowohl mit den eigenen Erzeugnissen, als mit denen 
seiner Colonien, Grönland und Island; auch wird eine grosse 
Anzahl feiner amerikanischer Rauchwaaren in den Hauptstädten 
dieses Ländercomplexes verbraucht. Zu den Pelzproducten Schwe- 
dens und Norwegens gehören nächst den Gattungen, welche 
in grossen Quantitäten ebenfalls in den übrigen europäischen 
Ländern vorgefunden werden, als: Füchse, Marder, Iltis, Dachse, 
Otter und Katzen, auch eine Anzahl schöner Felle von Luch- 
sen, Vielfrassen, sowie werthvoller Silber- und Kreuz- 
füchse. Auch die dänischen Länder, Jütland und Seeland, 
Hefem von den meisten Gattungen, sogenannter Landwaare, gute 
Qualitäten. Der grössere Theil dieser Erzeugnisse wird nach 
Deutschland und von da nach Russland ausgeführt, bei wel- 
chem Transithandel die Messen zu Leipzig eine bedeutende Rolle 
spielen. Ferner ist die Königl. Dan. Grönländische Com- 
pagnie zu erwähnen, bei welcher die Krone betheiligt ist, und 
die in Copenhagen ihren Sitz hat. Sie hält in Westgrönland 
zwei Inspectorate und verkauft die Producte in Copenhagen in 
zwei Auctionen, im November und Mai. Sie liefert von den 
von Grönland in Copenhagen eingeführten Erzeugnissen etwa 
eine Hälfte, während die zweite Hälfte, sowie die meisten is- 
ländischen Waaren, durch die Hände anderer Handelshäuser 

gehen. 

(Siehe Seite 38 Einfuhr - Liste.) 



38 



Einfuhr 

der Rauchwaaren von der Grönländischen Corapagnie zu 

den Frühjahrs- und Herbst -Auctionen in Copenhagen 

1853, 1857, 1860, 1863. 





1853 


1857 


1860 


1863 


1 
Seehundsfelle: 










Sattler .... 


4479 


962 


556 


274 


Gesprenkelte . . 


209 


150 


200 


— 


Blauseitige . . . 


3031 


2676 


1654 


1217 


Gemeine . . • 


48066 


24008 


36070 


37922 




55785 


27796 


38480 


39413 


Rennthierfelle . . . 


7427 


4705 


997 


— 


Blaue Füchse* 






1300 


896 


954 


349 


Weisse Füchse 






1365 


652 


683 


255 


Eisbären . . . 






64 


20 


18 


40 


Hunde . . . 






484 


— 


— 


— 


Eiderdaunen 






1250 Pfd. 


— 


— 


— 


Wallrosszähne . 






44 St. 


— 


— 


— 


Narwallhörner . 






90 „ 


— 


— 


— 


Rennthierhörner 






30214 „ 


— 




— 



* Blaufüchse kosteten im Jahre 1853 16 — 17 dän. Rigsdaler, 1857 
24—30 dän. Rdk., 1860 21 — 22 dän. Rdlr., und 1863 12 — 13 dän. Rdlr. für 
Prima -Waare. 



39 



Der deutsche Raudi-waarenhandel 

ist in mehreren tausend Händen; zunächst betheiUgen sich dabei 
viele kleine Handelsleute und alle Kürschner. Die Kürschnerei kann 
vom Rauchwaarenhandel nicht getrennt werden, wenn auch wegen 
der Theilung der Arbeit der grosse Rauchwaarenhandel neben der 
Kürschnerei besteht. Der Kürschner in allen grossen und 
kleinen Städten Deutschlands kauft von dem Jäger sogenannte 
Wildwaaren, als Fuchsfelle, Edelmarder, Steinmarder, Iltis, 
Dachse und Otterfelle, von dem Landmann Lamm- und Ziegen- 
felle, von dem Städter Hasen-, Kaninchen- und Katzenfelle, 
welche Artikel er mehr oder weniger nicht selber verwendet 
und deshalb im unbearbeiteten Zustande wieder verkaufen muss. 
Von den Kürschnern und Handelsleuten, deren Handel von 
kleinerem Umfange ist, kauft der grössere Kürschner und Kauf- 
mann; er bezahlt höhere Preise, weil er bei der Grösse seines 
Umsatzes sich mit einem Gewinn von einigen Procenten begnü- 
gen kann.* 

Diese grösseren Kürschner und Kaufleute versorgen die 
Provinzen mit denjenigen Artikeln, welche daselbst gebraucht 
werden, und treiben Handel mit den benachbarten Ländern, 
z. B. Hamburg und Lübeck, welche ausser ihrem Speditions- 
handel mit amerikanischen und russischen Waaren auch grossen 
Handel mit grönländischen Seehundsfellen haben, die Rauch- 
waarenproducte von Norwegen, Finnland und Dänemark kaufen 
und nach diesen Ländern amerikanische, russische, deutsche und 
französische Waaren verkaufen. 

* Ein kleiner Kürschner einer Stadt, welcher eines Tages zwei Marder- 
felle, das Stück für zwei Thaler kaufte, und sie selbigen Tages zu vier 
Thaler wiederverkaufte, konnte sein Glück nicht bergen, erzählte es überall 
und — blieb ein kleiner Kürschner; aber sein Concurrent, welcher ihm den 
hohen Preis bewilligt hatte, wurde durch die grössere Anzahl von Waaren, 
welche man ihm zu Kauf brachte, ein wohlhabender Mann. 



40 



Bremen, welches durch seine Schiffahrt Rauch waaren von 
den Esquimaux über Honolulu bezieht, kauft die Erzeugnisse 
seiner Gegend und versorgt Stadt und Land mit amerikani- 
schem und russischem Pelzwerk. Wien liefert an Gahzien, 
Ungarn und Italien russische und amerikanische Rauchwaaren, 
verfertigt selbst vorzüghche Pelzwaaren und ist ein fortdauern- 
der Markt für türkische, ungarische und italienische Lammfelle. 
Berlin und Breslau haben bedeutenden Handel nach ihren 
Provinzen und auch besonders nach Polen und Russland. Die 
übrigen Haupt- und Residenzstädte, Königsberg, Posen, Lem- 
berg, Krakau, Dresden, Prag, München, Stuttgart, Köln, 
Mannheim, Carlsruhe, Braunschweig, Hannover und an- 
dere schhessen den vorhergehenden sich würdig an, indem sie 
ihre Umgebung mit denjenigen Pelzfellen, die entweder zur 
Landestracht* gehören, oder sonst dort Mode sind, versorgen, 
besonders aber reichen Vorrath halten von allen feineren Rauch- 
waaren, die dem Grossstädter zum Nutzen und zur Annehm- 
lichkeit dienen. Die Hauptstädte der benachbarten Länder 
Frankreichs, Polens und Ungarns sind in Betreff unserer 
Handelsbranchen Deutschland gleichzustellen. Paris giebt in 
verfertigter Waare die Mode an und die kostbarsten Pelze 
sind für die „haute monde" oftmals nicht zu theuer, wie auch 

* Zu den Pelzwerk - Landestrachten gehören für Herrenpelze in Ungarn 
persische und Astrachaner Lammfelle zu Besatz, in Bayern die Otterfelle zu 
Hauben für Landmädchen (man verwendet dazu die besten Otterfelle, mit 
goldgestickten Einlagen, so dass sie oft 30 und mehr Gulden kosten). Ein- 
zelne Münchener Rauchwaarenhändler kaufen häufig mehrere tausend Stück 
Otterfelle auf einmal. In Schlesien werden amerikanische Nerze und Bra- 
banter Silbercanine für die Frauenhauben der Landleute gebraucht. Früher 
trugen die Frauen auf dem Lande enge lange Pelze mit Steinmarder besetzt, 
welche Tracht jedoch, da die betreffenden Felle sehr im Preise stiegen, 
städtischen Moden Platz machte. Steigerung der Waarenpreise verdrängen 
vielfach die Landestrachten. 



41 



für andere Classen die geringste Waare nicht zu schlecht ist. 
Den eigentlichen Handel betreffend, sammelt Frankreich Wild- 
waaren (Sauvagine) so, wie es in Deutschland geschieht, be- 
schäftigt sich aber auch vorzugsweise mit der Bereitung und 
Färbung von Caninfellen. Warschau ist für unsere Handels- 
branche Klein -Mosco zu nennen; man weiss hier Alles, was 
Pelzwerk heisst, zu schätzen. Pesth und andere grössere 
Städte Ungarns sind für uns bedeutend, weil Pelzwerk zur 
National -Tracht gehört und das Land viel an Wildwaaren und 
besonders viel nutzbare Schaf- und Lammfelle producirt. Die 
Verarbeitung, die Kürschnerei, wird in Ungarn musterhaft 
betrieben. 

Um die Interessen aller Städte, aller Länder, ja aller 
Welttheile, welche am Rauchwaarenhandel betheiligt sind, zu 
vereinigen, gebrauchen wir die Messen, wo man alle Rauch- 
waaren findet, und wo man alle Rauchwaaren verkaufen 
kann. Wie die Messen von Frankfurt a. 0., Braunschweig, 
Frankfurt a. M. und andere für unsere Branche von geringerer 
und fast zu nur provinzieller Bedeutung herabgestiegen sind; 
so wächst der Rauchwaarenhandel Leipzigs, welcher zur Zeit 
bereits der Haupt-Weltmarkt geworden ist. 

Die Leipziger Messen. 

Zu der Leipziger Ostermesse werden zunächst alle 
Pelzfelle aus ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern 
gebracht, die der kurz vorhergegangene Winter geliefert hat, 
nämlich an Wildwaaren: Füchse, Edelmarder, Steinmarder, Iltis, 
Ottern, Dachse und Hasenfelle; dann Kaninchenfelle, schwarze 
und bunte Katzen- und Lammfelle in grosser Zahl; ferner die 
auf den grossen russischen Märkten und in Mosco für das 



42 



Ausland gekauften Feh (Eichhörnchen) und dergl. Schweife, Fehsäcke, 
Hermelin, Zobel, weisse und blaue Füchse, Hasenfelle, persische, 
astrachanische und russische Lammfelle und Taluppen etc. ; ingleichen 
die Waaren von Grönland, Schweden und Norwegen (sogenannte Nor- 
dische) als blaue, weisse und rothe Füchse, Edelmarder etc. ; alsdann 
die meisten Waaren des Hudsonsbay-Territoriums und fast alle Waaren 
Canada's und Nordamerika's, als Biber, Bisam, rothe Füchse, schwarze 
Füchse, Silberfüchse, weisse und blaue Füchse, Griesfüchse, Kittfüchse, 
Bären, Waschbären, Virginische Iltis, Zobel, Nerze, Chinchillas, Ottern, 
See-Ottern, Luchse, Wölfe, Vielfrasse etc.; aus England Biberseehunde 
und Nutrias; aus Frankreich Wildwaaren, bereitete und gefärbte 
Kanin; aus Holland Schwäne, Gänse, Grebes, Katzen, Iltis etc.; aus 
liissa in Posen Kanin-Felle und -Tafeln ; aus dem Harz Hamsterfutter ; 
aus dem umliegenden Städten Leipzigs die Halbfabrikate in Feh und 
Astrachan in grosser Zahl. 

Zu der Leipziger Michaelismesse wiederholt sich diese 
Waarenzufuhr in fast gleicher Weise , mit Ausnahme der deutschen 
Wildwaaren, welche regelmässig in der Ostermesse sämmtlich in das 
Ausland oder sonst zum Verbrauch in andere Hände übergehen. 

Siehe Seite 43, Liste der Zufuhren nach Leipzig. 



43 





Durchscilnittliche jährliche Zufuhren von 


Rauchwaaren 


! 


1 




in Leipzig. 




1) Amerikanische. 
Zobel . . . 


Anzahl. 


Werth. 


3) Mittelenropäisclie 
Edelmarder . 


Anzahl. 


Werth. 


30000 


250000; 


60000 


270000 




Nerze . . . 


25000 


loooool 


Steinmarder 




140000 


450000 






Bisam . . . 


2000000 


750000 


Iltis . . . 




250000 


320000 






Silber-Füchse . 


500 


50000; 


Füchse . 






125000 


180000 






Kreuz- „ 


2500 


300001 


Otter 






9000 


35000 




Weisse „ 


8000 


15000 


Dachse . 






15000 


12000 






Rothe „ 


40000 


lOOOOOi 


Katzen . 






400000 


100000 




Gris- „ . 


12000 


12000! 


Hasen . 






1000000 


160000 






Kitt- „ . 


7000 


7000| 


Kaninchen 






1500000 


250000 






Waschbären 
Virgin. Iltis . 
Skunks . . . 


400000 

8000 

75000 


400000 
65000 
60000 


Lammfelle 






1200000 
Thlr. 


350000 




3) Russische und 


2127000 






Opossum . . 


10000 


2500 


asiatische 










Bären . . . 


6000 


60000 


Zobel . . . 


10000 


175000 






Luchse und 






Nerze . . . 


20000 


30000 






Luchskatzen 


15000 


45000 


Hermelin . . 


160000 


40000 






Wölfe . . . 


3000 


6000 


Eichhörnchen (Feh) 


2000000 


350000 






Vielfrasse . . 


2000 


6000 


Blaue Füchse : 


1200 


20000 






Biber . . . 


70000 


300000 


Weisse „ 


8000 


8000 






See-Ottern . . 


200 


20000 


Dachse . . . 


10000 


6000 






Ottern . . . 


12500 


100000 


Hasen . . . 


1500000 


480000 






Pelzseehunde . 


20000 


120000 


Katzen . . . 


12000 


3000 






Seehunde . . 


50000 


50000 


Kolinsky . . 


20000 


20000 






Coipu . . . 


50000 


50000 


Pers. Lammfelle 


30000 


85000 






Chinchillas . . 


30000 
Thlr. 


24000 


Tartarische „ 


500000 
Thlr. 


165000 




2622500 


1382000 


Recapit 


ulation : 




Arne 


rikanische Rauchwaaren 2,622,500 Thlr. 






Mitt 


eleuropäische „ 2,127,000 „ 






Russ 


ische u. asiatische „ 1,382,000 „ 




t 


Gesa 


mmtwerth der Zufuhren 6,131,500 Thlr. 





44 



Zum Einkaufe sowohl, wie zum Verkaufe versammeln sich auf 
unserer Messe die vornehmsten Kaufleute, Rauchwaarenhändler und 
Kürschner aus allen Ländern: Nordamerikaner, Engländer, 
Franzosen, Italiener, Schweizer, Holländer, Schweden, 
Dänen, Tartaren, Russen, Griechen*, Polen, Wallachen, 
Ungarn und endlich Deutsche aus allen namhaften Städten. Wenn 
wir die Zahl von 2500 fremden Rauchwaarenhändlern annehmen, so 
glauben wir nicht zu hoch zu greifen. Die Waaren werden in den 
Häusern und Höfen des Brühls und der angrenzenden Strassen in mehr 
oder weniger geräumigen Niederlagen aufgespeichert. Fast jeder 
fremde Kaufmann , der zunächst die Waaren seines Landes zum Ver- 
kaufe bringt, ist Käufer für die Erzeugnisse vieler anderer Länder. 
Es kaufen hauptsächlich die Amerikaner von den Deutschen gear- 
beitetes Feh, Edelmarder, Steinmarder, Iltis, polnische Kanin, von den 
Franzosen gefärbte Kanin, von den Russen Hermelin, russische Nerze 
und weisse Hasen. Die Engländer kaufen rohes Feh, Hermelin, 
persische Lammfelle,- Marder, polnische Kanin und in letzterer Zeit 
auch nordamerikanische Waaren. Franzosen und Italiener kaufen 
bereitetes Feh, Hermelin, astrachanische und persische Lammfelle, 
polnische Kanin, russische und amerikanische Zobel, Chinchillas etc. 
Russen und Polen kaufen: Deutsche und nordische Füchse, Marder, 
Otter, amerikanische" Waschbare, virgin. Iltis, Bare, Skunk, Biber, See- 
Otter, Zobel, Chinchillas, Luchse, Bisam, Silber-, Kreuz- und rothe 
Füchse, Pelz-Seehunde, englische und französische Kanin etc. Grie- 
chen und Wallachen kaufen: Deutsche und amerikanische rothe 



* Von den Griechen (Albanesen und Armenier) die oft in einer Anzahl 
von 70 und mehr, unsere Messe besuchen, die durch ihre imposante Klei- 
dung, dem rothen Fez, und dem nationalen Pelze, Aufmerksamkeit erregen, 
treiben nur wenige im eigentlichen Griechenland Handel. Die meisten sind 
Kürschner und Kaufleute in Städten der Türkei, oder in Aegypten. Die 
Türken bekümmern sich um den Handel wenig, und überlassen diesen gern 
den Griechen. 



45 



Füchse, russische und amerikanische weisse Füchse, Luchse, Nerze, 
Zobel, Wölfe; deutsche und holländische schwarze Katzen, französische 
Kanin etc. Deutsche kaufen, je nach Bedeutung ihres Ortes, von fast 
allen Pelzgattungen, weil, neben dem ausgedehnten Verbrauche von 
jeder grösseren deutschen Stadt, Handel mit denselben nach dem 
Auslande getrieben wird. Das Messgeschäft in deutschen Waaren 
ist in mehr als tausend Händen ; der Zwischenhandel beschäftigt über 
hundert mehr oder weniger bedeutende Firmen ; der Handel mit aus- 
ländischen Pelzproducten zählt verhältnissmässig weniger aber um so 
bedeutendere Vertreter. Die grosse Menge der zur Messe gebrachten 
russischen und sibirischen Waaren hat vielleicht kaum 30 Eigenthümer, 
und das noch viel grössere Quantum von amerikanischen Pelzfellen 
gehört nur etwa 15 Kaufleuten. Einige der letzteren haben ihr Ge- 
schäft so ausgebreitet, dass sie von 500,000 bis 1,500,000 Thaler 
Waaren jährlich hier verkaufen. Leipzig hat für Pelzerzeugnisse aber 
nicht blos die Bedeutung des Messhandels, sondern es ist ein fort- 
dauernder Markt geworden, und wie die meisten fremden bedeu- 
tenden Rauchwaarenhändler sich hier etablirt oder hier Commanditen 
errichtet haben, so wird unser Platz auch ausser den Messen von 
Käufern vielfach besucht. 

Die russischen und sibirischen Waaren, die in England und 
Amerika gebraucht werden, gehen zum grössten Theile durch die 
Hände der Leipziger Kaufleute. Die Waaren der Verein. Staaten 
Nord-Amerikas und Canadas, die früher nur vermittelst der Londoner 
Auctionen hierhergekommen sind, kommen seit den letzten Jahren 
direct zu unserm Markt , aus welchem Allen hervorleuchtet , dass der 
Rauchwaarenhandel Leipzigs an Bedeutung zugenommen hat. — 

Der Handel in Leipzig wird theils direct, theils durch Commis- 
sionaire und Makler, deren es eine grosse Anzahl giebt, besorgt. Die 
Kaufleute sehen einander auf dem Brühl , welche Strasse einer fort- 
währenden Börse gleicht; sie besuchen einander gegenseitig in ihren 



46 



Lagern, fragen nach Waaren und bieten solche an. Diejenigen, welche 
die weiteste Reise zu machen hatten, unter ihnen die Griechen, pflegen 
sich zuerst einzustellen. Artikel, welche einen neuen Absatzmarkt 
gefunden haben, etwa nach Amerika oder nach China, gehen unter 
steigenden Preisen rasch ab ; deutsche Wildwaaren werden per Cassa, 
andere Waaren je unter Discont oder auf Termine verkauft. Die 
Besitzer russischer Waaren werden durch Makler aufgesucht und bei 
dem Handel mit ihnen walten fast immer Zweifel, ob sie verkaufen 
wollen oder nicht. — In den grossen Lagern amerikanischer Waaren, 
deren Eigenthümer durch den Umgang mit dem Westen der Welt 
und sonst kaufmännisch geschult sind, begegnet uns zuvorkommende 
Handlungsweise, achtunggebietende Ordnung und oft überwältigende 
Geschäftsausdehnung. 



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47 



Productions - Länder. 

Die nördlich gemässigte Zone unsers ganzen Erdkörpers erzeugt 
bei weitem das meiste Pelzwerk, nicht soviel die kalte, und noch weniger 
die südhch-gemässigte Zone. In der nördlichen Zone ist es wieder 
Sibirien, welches nebst den Aleuten, dem gegenüberUegenden russischen 
Amerika und China die grösste Anzahl werthvoller Pelzfelle liefert. 



Jährliche Production Sibiriens und des russischen Amerika. 




Sibirien mit dem 


Russ. Amerika 




Werth 




Norden China's. 


mit den Aleuten 


Total. 


in Thatern. 


Zobel ..... 


100000 
6000000 


9000 


109000 
6000000 


1450000 


Eichhörnchen 




. . 


900000 


Hermehn 






350000 


— 


350000 


90000 


Kolinsky . . 




. 


80000 


— 


80000 


80000 


Bisamratten 






150000 


— 


150000 


120000 


Schwarze u. graueFüchse 


3600 


2500 


6100 


65000 


Weisse „ 


50000 


4000 


54000 


50000 


Eothe „ 


40000 


5000 


45000 


105000 


Kitt- . „ 


30000 


— 


30000 


30000 


Luchse ..... 


15000 


— 


15000 


45000 


Bären . . 








1300 


400 


1700 


19000 


Wölfe . . 








6000 


— 


6000 


7500 


Murmelthiere . 








40000 


— 


40000 


10000 


Ottern . . 








2000 


2000 


4000 


20000 


See-Ottern . . 








300 


900 


1200 


170000 


Biber . . . 








10000 


20000 


30000 


75000 


Pelzseehunde 








5000 


20000 


25000 


100000 


Seehunde . 








10000 


120000 


130000 


130000 


Vielfrasse . 








100 


200 


300 


1000 


Katzen . . 








250000 


— 


250000 


60000 


Hasen . . 








2000000 


— 


2000000 


650000 


Persische Lammfelle 


. 




100000 


250000 


Tartarische „ 


• 


. • • 


600000 


225000 




10027300 


4652500 



48 



Die nächstgrösste Anzahl von Pelzfellen produzirt Mittel-Europa, 
nämlich die Türkei, Ungarn und Galizien, Frankreich, England und 
Italien, Holland, Dänemark, die Schweiz und besonders Deutschland. 

Jährliche Productioii Mitteleuropas. 





Türkei, 

Upgarn und 

Galizien. 


Frankreicli, 

England 
und Italien. 


Deutschland 
Dänemark, 
Holland und 
die Schweiz. 


Total. 


Werth 
in Thlr. 


Edelmarder .... 


20000 


25000 


75000 


120000 


540000 


Steinmarder . . 






100000 


40000 


110000 


250000 


825000 


Iltis 






60000 


40000 


280000 


380000 


450000 


Rothe Füchse 






10000 


40000 


90000 


140000 


210000 


Ottern .... 






500 


4000 


7500 


12000 


45000 


Dachse . . . 






20000 


1000 


9000 


30000 


25000 


Lammfelle . . . 






100000 


1200000 


700000 


2000000 


650000 


Katzenfelle . . 






30000 


70000 


400000 


1300000 


130000 


Hamster ... 






— 


— 


200000 


4420000 


2000 


Hasen .... 






180000 


320000 


800000 


500000 


200000 


Kaninchen . . . 






20000 


4000000 


400000 


200000 


720000 


Wölfe . . . 






500 


— 


— 


500 


500 


Seehunde . . . 








— 


20000 


20000 


20000 


Murmelthiere . . 










5000 


5000 


300 




9377500 


3817800 



Nord -Amerika nimmt nach dem Werthe seiner Pelzproducte die 
erste Stelle ein ; nach Anzahl der Felle erscheint es jedoch in dritter 
Reihe. Die Waaren werden bezogen hauptsächlich von dem Terri- 
torium der Hudsonsbay-Compagnie (im Norden des 49 " nördl. Breite) 
nebst Canada, dann von den Ländern der Vereinigten Staaten zwischen 
den Gebieten des Oregon und Maine und südlich bis Arkansas. 



49 






■ 
■ 

Jährliche Production Nordamerika's. 


1 

! 




Territorium 

derHudsonsbay- 

Compagiiie. 


Canada und 

die Vereinigten 

Staaten. 


Total. 


Werth 
in Thalern. 


Zobel 1 


90000 


40000 


130000 


1000000 




Nerze . . 








40000 


160000 


200000 


640000 


i 




Bisam . . 








350000 


2500000 


2850000 


880000 


1 




Silber-Füchse 








500 


1000 


1500 


IGOOOO 






Kreuz- „ 








1800 


2500 


4300 


50000 






Weisse „ 








5000 


3000 


8000 


15000 






Rothe „ 








5000 


55000 


60000 


160000 






Gris- 








— 


25000 25000 


25000 






Kitt- 








5000 


5000 


10000 


10000 






Waschbären 








3000 


597000 


600000 


600000 






Virg. Iltis . 








7000 


5500 


12500 


100000 






Skunks . 










2000 


98000 


100000 


80000 






Opossum 










— 


250000 


250000 


50000 






Bären 










8000 


7000 


15000 


150000 






Luchse . 










20000 


6000 


26000 


85000 




Wölfe . 










9000 


3500 


12500 


25000 






Büffel. . 










35000 


25000 


60000 


480000 






Vielfrasse 










2000 


500 


2500 


7500 






Dachse 










1500 


500 


2000 


1500 






Biber . . . 










100000 


30000 


130000 


500000 . 






See-Ottern 










120 


180 


300 


30000 






Ottern . 










13000 


7000 


20000 


190000 






Seehunde 










20000 


— 


20000 


20000 






Kanin 










80000 


500000 


580000 


80000 






Katzen 






.' 




— 


45000 


45000 


15000 






Murmelthiere 








5000 




5000 


250 


i 












5169600 


5354250 
4 



50 



In vierter Reihe erscheint die 

Jährliche Prodiiction des europäischen Russland, Schwedens und Nor- 
wegens, Islands und Grönlands. 



Europäisch. 
Kusslaiid. 



Schweden 

ii.Noiweiceii. 



Isliind und 
Grönland. 



Total. 



Werth 
in Thalern. 



Zobel . . 
Nerze . . 
Edelmarder 
Steinmarder 
Iltis . . . 
Hermelin . 
Eichhörnchen 
Silber- u. Kreuz-Füchse 
Blaue „ 

Weisse „ 

Rothe „ 

Bären . . 
Luchse . . 
Wölfe . . 
Murmelthiere 
Vielfrasse . 
Dachse . . 
Ottern . . 
Seehunde . 
Hasen . . 
Katzen . . 
Lammfelle . 



GOOO 
■ 55000 

45000 
150000 
•220000 

50000 
700000 

3500 

20000 

60000 

1500 

8000 

5000 

3000 

200 ! 

20000! 

70001 

20000! 

1000000 

200000! 
200000' 



150001 



300000 

100 

500 

1000 

25000 

500 

1000 

101)0 

2000 

500 

3000 

2000 

lOOOO 

100000 

5000 

30000 



250Ö 
2000 

(Eisbären)300 



300000 
100000 

100000 



6000 

55000 

60000 

150000 

220000 

50000 

1000000 

100 

6500 

23000 

85000 

2300 

9000 

6000 

5000 

700 

23000 

9000 

330000 

1200000 

205000 

330000 



3775600 



50000 

60000 

300000 

525000 

150000 

10000 

100000 

2000 

60000 

20000 

225000 

26000 

45000 

7000 

500 

2100 

14500 

50000 

330000 

180000 

30000 

200000 



2387100 



Fünftens endlich: 
Jährliche Production Süd -Amerikas, Süd-Asiens, Africa's, Australiens 
und der Südsee-lnseln. 



Weilh 
in Thalern. 



Chinchillas von Peru und Chile 

Pelzseehunde 

Seehunde 

Coipu (Nutria, Ragondain) 

Affen von Südamerika und Afrika . < . . 
Löwen und Tiger von Südafrika und Ostindien 
Opossum von Australien 



100000 

30000 

500000. 

3000000 

40000 

500 

30000 



3700500 



80000 
180000 
500000 
400000 

50000 
5000 

30000 



1245000 



51 



Jährliche G-esammtproductioii von Eauchwaaren. 



Asien 




und 


Mittel- 


russ. Nord- 


Europa. 


Amerika. 

1 





Nord- 
Araerilca 
und Süd- 
Amerika. 



Russland, 
Scliweden, 
Island und 
Grönland. 



Total. 



Werth 



Zobel .... 
Nerze .... 
Edelmarder . . 
Steinmarder 
Iltis .... 
Kolinsky . . . 
Hermelin . . . 
Eichhörnchen . 
Bisam .... 
Hamster . . . 
Chinchillas . . 
Silber-Füchse . 
Kreuz- „ 
Blaue „ 
Weisse „ 
Kothe „ 
Gris- 
Kitt- 

Waschbären 
Virgin. Iltis . . 
Skunks . . . 
Opossum . . . 
Murmelthiere . 
Bären .... 
Luchse . . . 
Wölfe .... 
Büffel . . . 
Vielfrasse . . 
Dachse . . . 
Biber .... 
See-Ottern . . 
Ottern .... 
Pelz-Seehunde . 
Seehunde . . . 

Coipu .... 
Hasen .... 
Kaninchen . . 
Katzen . . . 
Lammfelle . . 
Affen .... 
Löwen und Tiger 



109000 



80000 

350000 

6000000 

150000 



500 
5600 

54000 
45000 

30000 



40000 
1700 

15000 
6000 

300 

30000 
1200 
4000 

25000 
130000 



2000000 

250000 
700000 



120000 
250000 
380000 



200000 



140000 



5000 

500 

30000 

12000 
20000 



1300000 

4420000 

500000 

2000000 



130000 
200000 



6000 

55000 

60000 

150000 

220000 

50000 
1000000 
2850000 — 



*100000 
1500 
4300 

8000 

60000 

25000 

10000 

600000 

12500 

100000 

250000 

5000 

15000 

26000 

12500 

60000 

2500 

2000 

130000 

300 

20000 

*30000 

( 20000 

1*500000 

*3000000 

580000 
45000 

*40000 
*500 



100 

6500 

23000 

85000 



*30000 
5000 
2300 
9000 
6000 

700 
23000 



9000 
330000 

1200000 

205000 
330000 



245000 

255000 

180000 

400000 

600000 

80000 

400000 

7000000 

3000000 

200000 

100000 

2000 

10000 

6500 

85000 

330000 

25000 

40000 

600000 

12500 

100000 

280000 

55000 

19000 

50000 

25000 

60000 

3500 

55000 

160000 

1500 

45000 

55000 

1000000 

3000000 
4500000 
5000000 
1000000 
3030000 
40000 
500 



32050500 



2500000 

700000 

840000 

1350000 

600000 

80000 

100000 

1000000 

lOOOOOO 

2000 

80000 

200000 

77000 

60000 

85000 

700000 

25000 

40000 

600000 

100000 

80000 

80000 

11050 

195000 

175000 

40000 

480000 

10600 

41000 

575000 

200000 

305000 

280000 

lOOOOOO 

400000 

1030000 

800000 

235000 

1325000 

50000 

5000 



17456650 



* bezeichnet die Producte Süd - Amerika's , Süd -Asiens, Afrika's und 
Australien's mit den Südsee-Inseln. 



Bei vorstehenden Listen sind wir vorsichtig gewesen, die Zahl 
und den Werth nicht zu hoch anzugeben. 



4* 



52 



Der Fang der Pelzthiere. 

So schwer auch den wilden Pelzthieren wegen der ihnen 
angeborenen List und Scheu und des Erhaltungstriebes beizu- 
kommen ist, so giebt doch der Verstand des Menschen, durch 
welchen er 'Herr über die Thiere ist, die menschliche Klugheit und 
besonders die Erfindung des Feuergewehrs ihm die Mittel, die 
wilden Thiere zu erlegen und sie zu seinem Nutzen zu verwenden. 

Die Zobel werden fast in allen Ländern, wo sie vor- 
kommen , in Fallen gefangen , ebenso die Steinmarder * , Iltisse, 
Nerze, und Kolinsky. Edelmarder und Wildkatzen werden fast 
immer nur geschossen. Eichhörnchen werden in einigen Theilen 
Asiens mit vergifteten Pfeilen getödtet, in andern aber, und 
gerade da, wo sie am häufigsten vorkommen, durch die Nahrung 
vergiftet. Man streut nämlich in der strengern Jahreszeit Futter 
für sie in den Wald, nicht eiwa zum Zwecke, sie zu nähren, 
sondern nur um ihrer habhaft zu werden; denn, sobald eine 
Menge dieser Thiere an den Futterplatz sich gewöhnt hat, 
kommt für sie der unheilsvolle Tag: man wirft ihnen vergiftetes 
Futter hin, wonach man sie zu vielen Hunderten durch Gift 
getödtet und durch Kälte hartgefroren auffindet. — Bisamratten 
werden unter dem Eise, in welches man ein Loch gehauen hat, 

* Ein Bauer, welcher einem Kürschner ein frisch abgestreiftes Stein- 
marderfell zum Verkauf brachte, sagte, dass er in 5 Tagen noch ein solches 
bringen werde, und erzählte auf die Frage, warum er dasselbe nicht gleich 
mitgebracht habe, dass er ein Ei in der Falle aufstelle, dann sieben Pflaumen, 
eine jede einen Fuss von der andern entfernt, davorlege; der Marder hole 
jede Nacht nur eine Pflaume; jedoch sei er, nachdem er die erste gefressen, 
am achten Tage gewiss in der Falle. 



53 



mit Widerhaken gespiesst. Chinchillas, Waschbären und Skunks 
werden von eigens dazu abgerichteten Hunden gefangen. Für 
alle Arten von Füchsen gilt die Flinte; Fischottern werden vom 
Anstand geschossen, wenn sie eben den Kopf aus dem Wasser 
emporhalten. Die Indianer fangen sie in Fallen, oder vergiften 
sie durch Lockspeise. Dachse hetzt man mit Hunden; Biber 
werden in ihren Uferbauten aufgesucht und in Fallen gefangen, 
erschlagen oder geschossen. 

Eines der für den Jäger gefährlichsten Thiere ist der 
Luchs , weil , wenn er nicht auf den ersten Schuss fällt, 
er wohl den Jäger angreift und tödtet. Eisbären werden 
theils mit Harpunen, wohl aber auch, wenn bei sehr starker 
Kälte im Norden das Eisen weich wird, mit Lanzen von Holz, 
mit Eisspitzen versehen, erlegt. Für diese, wie für andere 
Bären und für Wölfe ist jede Waffe gut, mit welcher man 
das Thier tödten kann. Seehunde werden, während sie im 
Sonnenschein an den Ufern der Inseln schlafen, von dem Schiffs- 
volk zu hunderten mit Knittelschlägen betäubt und dann wird 
ihnen sogleich der Bauch aufgeschnitten. Hasen, wiewohl man 
sie bei uns nur schiesst, werden in Sibirien und der Tartarei, 
wo man das Fleisch nicht geniesst, in Fallen gefangen. 



Stufenfolge der Pelzwerkbereitung. 

Man wird nicht irren, wenn man die Bildungsstufe der 
Völker nach der geringeren oder grösseren Vollkommenheit ihrer 
Werke, und zunächst ihrer Kleider, abschätzt. Nach dieser 



54 



Richtschnur nehmen die niedrigste* Stufe ein: die Esquimaux 
und Indianer im westhchen Nord - Amerika. Die Esquimaux 
besitzen gute Zobel, Nerze, weisse, rothe, blaue, Kreuz- und 
Silber-Füchse , Eisbären , graue Bären etc. ; sie kleiden sich 
viel in Zobel- und Nerzfelle, welche sie jedoch ungereinigt, 
fast ohne alle Bereitung und ohne Ordnung zusammenheften. 
Die Indianer im Oregongebiet reiben ihre Bärenfelle nur mit 
hartem Holze, um sie etwas geschmeidig zu machen. Die nächste 
Stufe nehmen die Neu - Seeländer und die Kaffern ein; erstere 
stellen grosse Decken von Opossum, grauen Füchsen und Wild- 
katzen zwar ordentlich zusammen, doch fast ohne alle Bereitung 
des Leders; letztere wissen ihre Leoparden, Gepards, Hyänen, 
Wölfe, Springböcke und gestreiften Katzenfelle gut zu bereiten 
und zusammenzunähen, vereinigen diese Felle jedoch gewöhnUch 
in buntem, unregelmässigem Durcheinander. Auf die dritte Stufe 
der Vollkommenheit stellen wir die Grönländer: sie verwenden 
zu ihrer Kleidung zwar nur gemeine Seehunde und Rennthier- 
felle (ihre weissen und blauen Fuchsfelle werden ausgeführt), 
jedoch verfertigen sie ihre Kleider, namentlich von Seehundsfellen, 
mit grösster Sauberkeit. Ihre Röcke (Blousen, die Kopf und 
Oberkörper bedecken) sind fein und dicht mit Därmen, anstatt 
des Zwirnes, genäht, und meistentheils mit schwarz-, roth- 
und grüngefärbten Streifen garnirt, auch ihre Beinkleider und 
Stiefeln sind gut gearbeitet. Bei gleicher Tracht von beiden 
Geschlechtern tragen die kleinen Frauen so grosse weite Stiefel, 
dass sie in jedem eines ihrer Kinderchen beim Gehen mit fort- 
tragen. Auf der vierten und fast schon auf der höchsten Stufe 
stehen die Chinesen; sie wissen ihre Zobel, Eichhörnchen, Katzen, 

* Wir können hier die schwarzen Afrikaner, welche leider selbst einen 
Handelsartikel bilden und sich noch an gar keine Kleidung gewöhnt haben, 
nicht mitzählen. 



55 



Füchse, Luchse und Tigerfelle gut zu bereiten, die Zusammen- 
stellung der Felle ist musterhaft ordnungsmässig ; sie verstehen 
das bei den Kürschnern sogenannte Auslassen und Einlassen der 
Felle , wodurch man z. B. ein Zobelfell durch verschiedene Ein- 
schnitte noch einmal so lang oder noch einmal so breit machen 
kann, wie es von Natur war, ohne dass man auf der Haar- 
seite des Felles die Einschnitte und Näthe bemerkt. Die Chinesen 
treiben auch in Pelzwerk grossen Luxus; sie tragen z. B. Röcke 
ohne Aermel von drei Seeotterfellen die 800 bis 1500 Thaler 
werth sind; eine Art Stola von 40 Zobelfellen, 1000 bis 3000 Thaler 
kostend, sind bei den vornehmeren Klassen sehr gewöhnlich. 
Wenn wir nun zeigen, wie wahrscheinlich die Kultur vom Osten 
Asiens zu uns gekommen ist; wenn wir noch sicherer annehmen, 
dass wir die Bearbeitung des Pelzwerks von den Chinesen gelernt 
haben ( — von uns haben sie es wahrlich nicht gelernt, denn sie 
haben es tausend Jahre früher , als wir verstanden — ) : so müssen 
wir gestehen, dass wir die Kunst wenig vervollkommnet haben; 
denn wenn die Kürschnerarbeit auch über ganz Europa vielfach 
ebensogut, so wird sie doch nur sehr vereinzelt besser als in 
China angefertigt. Neben den chinesischen Kürschner -Arbeiten 
kennen wir als die besten: die Zobel- und Fuchsfutter aus 
der kaiserlichen Kabinets - Kürschnerei in St. Petersburg, die 
deutschen und französischen Galonage - Arbeiten im zweiten Dezen- 
nium unseres Jahrhunderts, die Pelzfärberei von J. Apold in 
London und die Bereitung von Feh (Eichhörnchen) und Chin- 
chillas in Weissenfeis, Naumburg und Leipzig. 



56 



Bereitung der Pelzfelle. 

Weil zu Pelzwerk in der Regel Winterfelle dienen, deren 
Haut dünn, und deren Haar dicht ist*, so ist die Bereitung 
des Leders mehr oder weniger leicht und einfach; von der Leder- 
gerbung ist sie besonders dadurch verschieden, dass das Haar 
nicht blos bleiben, sondern auch in seiner Schönheit erhalten 
werden muss. Die meisten Pelzfelle, nämlich alle Arten Füchse, 
Marder etc. werden, nachdem die Haut mit salzigem Wasser 
gut durchfeuchtet (nicht etwa durchnässt) ist, an einem im 
Achtel -Zirkel gebogenen, etwa eine Elle langen und eine viertel 
Elle breiten sogenannten Fleischeisen geschabt, damit die doppel- 
häutigen Theile entfernt werden. Dieses ist auch die erste Pro- 
zedur, die Haut geschmeidig und bewegUch zu machen, um sie 
nach Belieben breit oder lang dehnen zu können; unmittelbar 
darauf, um die Geschmeidigkeit zu erhalten, streicht man das 
Leder mit Fett, Butter oder Oel ein; dann wird etwas Mehl 
auf die Haut gestreut und das Fell halb abgetrocknet, worauf 
es abermals an einem weniger scharfen Eisen herumgezogen, 
gepakelt wird. Hierauf wird das Fell mit warmem Sand und Säge- 
spänen geläutert , d. h. mehrere Stunden lang in einer Tonne 
herumgedreht, mit Stöcken geklopft und endhch vor einem 
scharfen Eisen nochmals nachgeschabt (abgezogen). Viele Kürschner 
bestreichen die Felle mit fettigen Ingredienzen erst nachdem sie 
schon halb abgetrocknet sind, wodurch die Arbeit schwieriger 
wird. In Russland beizt man das Leder mit gesäuertem Hafer- 

* Im Sommer, wo das Haar der Pelztliiere dünn ist, ist die Haut 
gewöhnlich dicker. 



57 



schrot, welche Weise dasselbe zwar mild macht, doch auch das 
Haar schwächt. Man reinigt die Felle, indem man sie mit 
Sägespänen vermengt und in einer Tonne mit den Füssen aus- 
treten lässt. Lammfelle aller Art werden zunächst in Wasser 
eingeweicht, ganz durchnässt, dann gewaschen und nach dem 
ersten Abschaben (Fleischen) mit Gerstenschrot eingestreut; hierauf 
acht bis zwölf Tage in eine salzige Beize, scharf genug, um 
ein Ei zu tragen, gelegt, und nach dem täglichen Umwenden, 
welches das Heisswerden verhindert, getrocknet, darauf gepakelt, 
gereinigt und abgezogen. Kaninchen werden mit Alaun gebeizt. 
Eichhörnchen werden roh mit Butter bestrichen, vor dem Fleischen 
gewalkt und mit Sand und Gyps gereinigt. Chinchillas werden 
mit feinem Pudermehl durch Umschütten in einem Ledersack 
gereinigt. Pelzseehunde werden in eine Kalkbeize gelegt, bis 
eine Gährung eintritt, die das Ausschaben des Conturhaares 
erleichtert; mit einem scharfen Eisen schabt man das Haar des 
auf einen Gerberbaum gelegten Felles. Die Grundwolle aber ist 
einestheils so fein, dass das Eisen sie nicht greift, anderntheils 
geht sie auch nicht so tief durch die Haut, dass sie von der 
Gährung ergriffen werden könnte. Die Bereitung der Pelzseehunde 
wurde bisher in England am besten betrieben. In England 
werden diese und fast alle andern Pelzfelle, anstatt sie zu 
walken, mit menschlichen Füssen weich getreten, welche Methode 
ihre Vortheile hat, indem eine Beschädigung, die durch die 
harte Holzwalke vorkommt, hier nicht geschehen kann. Die 
Engländer haben diese Bereitungsweise von den Deutschen erlernt, 
aber schon seit vierzig Jahren wollen die deutschen Arbeiter 
ihre Füsse nicht mehr dazu hergeben. Die Engländer trinken 
ihren Pot Porter und treten auf den Fellen herum ; doch 
mehr als bei uns ist bei ihnen die Arbeit getheilt, jene Zu- 
richter fleischen nicht, und umgekehrt. 



58 



In Bezug auf die Industrie sind Kaufleute und Consumenten 
Kosmopoliten; die ersten müssen ihre Waaren von daher be- 
ziehen, oder dort arbeiten lassen, wo sie am schönsten her- 
gestellt werden; und der Consument zahlt dafür nicht mehr, 
noch zieht er geringere Waare vor, weil sie etwa im eigenen Lande 
gearbeitet wurde. 



69 



Waarenkunde. 

Rauchwaaren nennt man die Pelzfelle von Thieren, die 
grösstentheils zur Kleidung der Menschen dienen, und die, unter 
Belassung des Haares, nur auf der Fleischseite bereitet wer- 
den.* Der Werth derselben entsteht aus ihrer Brauchbarkeit, 
Qualität, d. i. Dichtigkeit und Feinheit des Haares, Farbe, 
sowie Seltenheit und Mode. Da die Natur die Thiere im kal- 
ten Clima zu dichterem Haarwuchs zwingt, so findet man in 
rauhen Gegenden, vorausgesetzt, dass es nebenbei ein frucht- 
bares Land sei, die besten Pelzfelle. Hoch im unfruchtbaren 
Norden sind weniger Thiere und deren Felle weniger schön, weil 
die Thiere ungenügende Nahrung haben.** 

* Zum Unterschiede von Thierhäuten, die zur Lederbereitung dienen, 
als Hirsch-, Reh-, Ziegen- und Schaffelle, Kalb-, Ochsen- und Pferdehäute. 

** Durch die Jahreszeiten werden die Pelzfelle fortwährend verändert. 
Es hat z. B. ein Edelmarder im Juli sein Sommerkleid, ein dunkelbraunes, 
glatt anliegendes struppiges Haar, welches er im September verliert, wann 
ihm eine kurze dichte Wolle mit kurzem Contur- oder Oberhaar wächst; 
im November ist dieses Haar schon stattlich lang und am schönsten in Farbe; 
im December und in der ersten Hälfte des Januar ist das Fell völlig aus- 
gewachsen, und demnach am besten. Im Februar verliert sich die Farbe, 



60 



Das brauchbarste und edelste Pelzwerk sind die Felle der 

sibirischen Zobel 

(lat. Mustela sibelUna, engl. Sable, franz. Zibeline, russ. Sobol), 

welche nach der Naturgeschichte zu den Raubthieren, und 
zwar zu den Mardern gehören, und an Grösse und Le- 
bensweise den deutschen Mardern gleichen. Sie sind ein 
höchst werthvolles Pelzwerk; der Preis variirt von 10 bis 
150 Thlr. per Stück. Ihre Farbe geht vom Hellbräunlichen 
bis in tiefes Dunkelbraun. Die dunkeln vollkommen rauchen 
und feinen Felle sind die theuersten. Die schönsten Zobel* 
liefern die östlichen Provinzen Sibiriens, Jakutsk und Ochotsk, 
weniger schön sind die vom Jenisei, von der Lena und vom 
Amur -Flusse. Die sibirischen Zobel werden in China zu einer 
Art Stola, in Russland zu Pelzfuttern, Kragen und Mützen, in 
New -York, Philadelphia, in Paris, Wien, und anderen Haupt- 
städten Europa's zu Garnituren für Damenpelze benutzt. Ehren- 
pelze von Zobel werden von Seiten des Kaisers von Russland 
verschenkt, und die Krone des Kaisers ist eine mit Juwelen 
und Gold verzierte Zobelmütze. 



und der Winterpelz beginnt, namentlich an den Bauchtheilen, Abnutzung zu 
zeigen; im März, in der Begattungszeit, wann die zärtlichen Thiere einander 
beissen und das Haar ausrui)fen, verliert das Fell fast allen Werth, worauf 
es durch die wärmere Jahreszeit zum Sommerkleide wird, welches gleichfalls 
fast werthlos ist. Bei einer Preisangabo kann daher nur von guten Winter- 
fellen die Rede sein. 

* Die kaiserl. Cabinetskürschnerei in St. Petersburg, welche überhaupt 
als Muster für gute Pelzarbeit gelten kann, verarbeitet vielfach die schönsten 
Zobel zum Gebrauche der kaiserlichen Familie. Man konnte in Stuttgart 
Zobelfutter sehen, die für die hohe Schwester des Kaisers, damals Königin 
von Würtemberg, angefertigt waren, und die den Werth von QOOO Thaler (für 
jedes Futter) hatten. 



61 



Amerikanische Zobel 

(lat. mustela canadensis, engl, märten, franz. Martre de Canada, 

russ. Udos) * 

sind gröber von Haar, als die russischen und sibirischen; ihre Farbe 
ist mehr ins röthliche Braun fallend, dabei jedoch in allen Graden von 
gelblich bis dunkelbraun; ihre Grösse ist gleichfalls wie die der 
Marder. Die schönsten amerikanischen Zobel kommen von den 
Küstenländern der Hudsonsbay, vom Grand Wale River, 
Little Wale River, von East-Maine, und von der Küste 
Labrador's, diese sind oft 25 Thaler per Stück werth, wäh- 
rend Zobel südlich vom St. Lorenzbusen oft nur 5 Thaler 
kosten. Fort York bezieht die Zobelfelle vom rauhen Norden, 
wo sie gröber im Haar sind; diese, sowie die Felle vom 
Makenzieriver und weiter südlich vom Moose River haben 
den Werth von 5 bis 15 Thaler. Von amerikanischen Zobeln, 
die wegen ihres massigen Preises in allen Ländern, auch in 
Russland, viel verbraucht werden, verwendet England allein die 
grosse Mehrzahl**, besonders vielleicht, weil die Engländer die 
blonde und hellbraune Farbe lieben. Im Allgemeinen jedoch 
bedingt die dunklere Farbe neben der Qualität den höheren 
Werth. Die Schweife*** der Zobel sind gleichfalls werthvoU; 
sie werden mit V2 bis 2 Thaler bezahlt und zu Besätzen für 
Damenpelze und zu Mützen der- polnischen Israeliten verwandt. 

* Mit dem Namen „amerikanische Zobel" (aMepHKaHCBKia Coöojb) be- 
zeichnen die Russen die Felle des virginischen Iltis. 

** Ein englisches Kürschnergeschäft, George Smith & Sons, kaufte allein 

eines Tages 30,000 amerikanische Zobel in einer Auction der Iludsonsbay- 
Compagnie. 

*** Der Rauchwaarenhandel hat andre technische Ausdrücke als die 
Jäger. 



62 



Nerze 

(lat. musiela lutreola* , engl, minh, franz. vison^ russ. norJca) 

gehören zu den Mardern, und sind an Grösse und Lebensweise 
denselben ähnlich. Sie haben einen feinen, glänzend braunen 
Pelz, jedoch von kürzerm Haar als der der Zobel, und wer- 
den überall, im nördlichen Europa am meisten in Russland 
gefangen; die beiweitem grösste Anzahl aber und zugleich die 
schönsten Felle dieser Art liefert Nord-Amei:ika und hier 
ist besonders die Ostküste, Neu-England, der Staat Maine, 
das Gebiet, welches die geringsten Zobel, jedoch die feinsten 
und dunkelsten Nerze liefert. 

Amerikanische Nerze gelten jetzt 3 bis 10 Thaler, wäh- 
rend russische nur 1 bis 2 Thaler per Stück werth sind. 
Erstere haben feineres und darum haltbareres Haar. Man 
kann das Haar der amerikanischen und russischen Nerze wie 
Seide und Zwirn vergleichen. Verbraucht werden Nerze in 
Deutschland zu Pelzfuttern und Kragen, in Frankreich zu Gar- 
nituren, in jüngster Zeit verwenden die Amerikaner ihre schö- 
nen Nerze fast alle selbst; während die Männer in politischen 
Unbilden und Kriegsgetümmel verwickelt sind, scheinen die 
Frauen sich in kostbarem Pelzwerk warm zu halten. 



* Die lateinische Benennung ist nicht massgebend, weil der Nerz mit 
den Ottern nichts gemein hat als allenfalls die Farbe und nicht im Wasser 
lebt; denn er hat keine Schwimmhaut und lebt, wie der Marder und Iltis, 
gern auf Bauerhöfen. Auch giebt es kein Thier, welches man Sumpfotter 
benennen könnte; alle Ottern sind viermal so gross und leben nur in klaren 
Teichen und See'n. wo sie am liebsten sich von Fischen nähren. 



63 



Edelmarder oder Baummarder 

(lat. mustela martes, engl. Baummarten, franz. Martre de Prusse, 

russ. Kunitza), 

auf dem ganzen europäischen Continent und in Asien in Wäl- 
dern lebend, ist von der Grösse der Zobel; jedoch ist sein 
Schweif länger, und, entweder weil die bräunliche Farbe dem 
Zobel gleicht, oder zum Unterschiede vom Hausmarder, hat 
man ihn Edelmarder genannt. Die Felle werden mit 5 bis 
10 Thaler per Stück befahlt. Die schönsten Edelmarder liefert 
Norwegen, die nächsten Schottland, und nun nach der Reihe 
Italien (das dunkelbraune etwas kurzhaarige Felle liefert), dann 
Schweden, Norddeutschland, die Schweiz und die bayrische Hoch- 
ebene, die - Tartarei , Russland, die Türkei und Ungarn.* Ame- 
rika hat weder Edelmarder, Steinmarder noch Iltis. Edelmarder 
ist ein leichter, warmer und angenehmer Pelz, und wird vor- 
nehmlich in Russland, wo man diese Eigenschaften zu schätzen 
weiss, zu Pelzfuttern verbraucht. 



Steimnarder 

(lat. mustela foina, engl, stonemarten, franz. fouine), 

in allen Gegenden, wie der Vorige, doch mehr auf Hühnerhöfen 
und in Mauern lebend, weniger in Wäldern, hat dunkelgraue 
Farbe, zweizöUiges , gröberes Haar und einen schwärzlichen 
8 Zoll langen Schweif. In Ungarn und der Türkei, wo es die 
am wenigsten schönen Baummarder giebt, findet man die schön- 



* Um diese Felle nach ihrem Werthe zu ordnen, musstcn wir sonder- 
bare Sprünge auf der Landkarte machen. 



64 



sten, dunkelsten und grössten Steinmarder. Ihr gegenwärtiger 
Preis ist SVa bis 4'/2 Thaler per Stück. 

Die P'elle werden meistentheils in Russland, in Polen, 
Amerika, England und Frankreich zu Pelzfuttern und Garnituren 
verbraucht; in England färbt man sie ähnlich dem Canada- 
Zobel, in Russland den sibirischen Zobeln gleich. 

ntis 

(lat. mustela piitorius, engl, fitch, franz. putois, russ. choriok), 

der gefürchtete Bewohner der Hühnerhöfe, heimisch in ganz 
Europa und Asien, hat IV2 zölliges Haar von gelblichem Grunde 
und schwärzlichen Spitzen, im Werthe von V2 bis 2 Thaler 
per Stück. Die besten Iltisfelle liefern die bayrische Hoch- 
ebene, dann Holland, Norddeutschland und Dänemark, weniger 
gute Ungarn und Polen, und die geringsten Russland und 
Asien. Russland liefert kleine, schwärzliche, sogenannte schwarze 
Iltisse, Asien hellgelbliche, sogenannte weisse, die sehr geringen 
Preis haben. 

Die Mehrzahl dieser Felle wird, wahrscheinlich weil sie 
im Verhältnisse zu ihrer Schönheit und Nutzbarkeit einen 
massigen Preis haben, in den Productionsländern selbst ver- 
braucht; doch wird eine grosse Anzahl nach Amerika und ein 
Theil sehr guter Felle nach Schweden und Finnland ausgeführt. 

Eine Untergattung bildet der in Russland vorkommende 

Perwitzky 

(lat. mustela sarmatica), 

welcher eine bräunliche Farbe, und überall gelbe kleine Flecken 
hat. Sein Pelzwerk ist von geringer Bedeutung im Handel. 



65 



Kolinsky 

(lat. mustela sibirica), 

tartarischer Marder, ist nur in Asien zu Hause, von gelbröth- 
licher Farbe und IV4 Zoll langem Haar. Sein jetziger Werth 
ist IV4 bis 1^/2 Thaler per Stück. Man verarbeitet ihn in 
Russland zu Pelzfuttern und verbraucht ihn in England gefärbt 
als Zobel; die Schweife sind V2 Thaler werth und liefern 
vorzügliche Malerpinsel. 

Hermeline 

(lat. mustela erminca, engl, und franz. ermine, russ. gornostai), 

mit unserm Wiesel verwandt, werden nur in Sibirien und 
Russland, jedoch in grosser Anzahl, gefangen. Die besten 
Gattungen kommen von Barabinsk und Ischim; geringe Sor- 
ten von Jenisei und Jakutsk. Das Hermelin ist von rein 
weisser Farbe* mit schwarz gespitztem Schweifchen. Der Preis 
ist je nach Schönheit nur 10 bis 30 Thaler per Zimmer von 
40 Stück, weshalb sie wohl weniger der Kostbarkeit als haupt- 
sächhch der glänzenden Weisse wegen als Fürstentracht gelten. 
In England und Frankreich sind sie seit 15 — '20 Jahren eine 
allgemeine Tracht geworden, neuerdings auch in Amerika, und 
seit einigen Wintern erscheinen auch unsere Damen in Assem- 
bleen und Concerten in diesem glänzend weissen Pelze, dem 
Spiegel der Reinheit. 



* Das Hermelin wechselt, wie andere Thiere, mehrmals seinen Pelz, 
der im Winter weiss, im Sommer aber graugesprenkelt oder bräunlich ist. 



66 



Eichhörnchen 

(lat. sciiü'us, engl, squirrel, russ. hiell'a, auch Feh, Veh oder 
Grauwcrl-, davon das franz. peMt gris), 

gehören in die Gattung der Nagethiere. Man findet sie überall 
im Norden, wo es Wälder giebt; Amerika liefert schwarze und 
graue, fast werthlose Felle, Schweden und Finnland röthliche, 
Russland und hauptsächlich Sibirien producirt jedoch Millionen 
dergleichen graue und schwärzlich graue, schöne brauchbare 
Felle. Die Eichhörnchen sind um so heller, je westlicher ihr 
Vaterland ist, die dunkelsten liefert der Osten Sibiriens. Die 
letzten, welche am höchsten geschätzt werden, konnnen aus 
Ochotsk, Nertschinsk, Jakutsk, Tunginsk und Irkutsk, 
die helleren Felle aus Kasan, Jenisei, Kusnetz und Wo- 
logda. Nur der Rücken ist grau, der Bauch weiss, der 
Schweif mehr oder weniger schwarz. Sie werden je nach Ur- 
sprung und Schönheit mit 8 Thaler bis 35 Thaler per 100 Stück 
bezahlt Die Felle dienen zu Pelzfuttern und Garnituren. Die 
Rücken liefern graue, die Bäuche bunte, d. h. grau und weisse 
Pelzfutter. Die Kürschner, welche im Norden Deutschlands und 
in Dänemark Bundfutterer, Bundmager heissen, mögen wohl 
von diesem Pelzwerke ihren Namen abgeleitet haben.* Der 
Name Kürschner entstammt dem altdeutschen Wort „küren" 
(auswählen); Auswahl und Zusammenstellung der Felle ist der 
Kürschner hauptsächlichste Kunst. Eichhörnchen werden überall, 
wo durch Bedürfniss und Mode zu Pelzkleidung Veranlassung 
geboten ist, verbraucht. China, Russland, Amerika, Deutsch- 

* Das Gewerbe war aber früher in zwei verschiedene Zweige streng 
geschieden, nämlich in Buntfiitterer und Pelzer, welche letztere aus- 
schliesslich Lamm- und Schaffelle bereiten, verarbeiten und verkaufen 
durften, wogegen den liuntfutterern der Handel mit diesen Fellen verboten war. 



07 



land, Fraiikreicli und England sind für diesen Artikel die 
Hauptconsunienten. Die Schweife, welche sowohl von diesen, 
als von den meisten andern Pelzthieren einen besondern Handels- 
und Verbrauchsartikel bilden, dienen zu Boas, zum Ausputz an- 
derer Pelzgegenstände und andererseits auch zu Malerpinseln. 

Es finden sich in China, Russland und Finnland auch 
fliegende Eichhörnchen, bei denen sich eine schmale, 2 Zoll 
breite Schwunghaut zwischen den Vorder- und Hinterfüssen aus- 
breitet. Ihr Haar ist feiner, länger und nicht so dicht, wie 
bei den gewöhnlichen Eichhörnchen; die Haut ist sehr dünn. 
Man findet sie nur in solcher Minderzahl, dass sie selten zu 
Pelzwerk gebraucht werden. 

Bisam 

(lat. lemmus sibetliicus , engl, musquash, musqrai, franz. rai 

musque), 

ein Erzeugniss Asiens, und besonders Nord-Amerika's, wo 
sie an den Seen jährlich zu Millionen gefangen werden. Sie 
haben weiches, einen Zoll langes Haar, und werden je nach 
Schönheit mit 25 bis 100 Thaler per 100 Stück bezahlt. Es 
giebt in Amerika hellbraune, dunkelbraune und schwarze Bisam, 
die schönsten P'elle der letztern Gattung jedoch in Russland. 
Diese sind besonders wegen der silbergrauen Bäuche sehr behebt. 
Vor 20 — 30 Jahren, als die Männer grösstentheils Hüte von 
Hasen-, Biber- und Bisanihaar trugen, wurden Bisamfelle zu 
Pelzwerk wenig oder gar nicht gebraucht. Erst, als die Mode 
sich den Seidenhüten zugewandt hatte und die Bisamfelle da- 
durch sehr billig geworden waren, nahm die Speculation sich 
dieser Felle für den Pelzwerkverbrauch an. Anfangs fand man 
den etwas moschusartigen Geruch nicht angenehm, man hat sich 
aber daran gewöhnt, und zur Zeit wird dieses Pelzwerk überall 



5* 



< 



68 



in Amerika, China, Russland, in der Türkei, in Aegypten, 
Italien, Frankreich und besonders in Deutschland viel getragen. 
Ueber 3 Millionen Stück werden jetzt jährlich zu weichen, war- 
men und gutaussehenden Pelzen, Kragen und Muifen verbraucht. 

Hamster 

(lat. cricetus\ 

zu den Nagethieren gehörend, leben in der gemässigten Zone 
Europa's und zum Theil in Sibirien. In Deutschland sind sie 
häufig in den Harzgegenden, und es bildet die Verarbeitung 
derselben zu Pelzfuttern in den Städten Quedlinburg und Hal- 
berstadt einen hervorragenden Industriezweig. Das Haar ist kurz 
und dünn, der Rücken goldig -grau, die Seiten gelb, der 
Bauch schwarz. Es kommen jährlich eine Anzahl von 6 — 800 
Dutzend Hamsterfutter in den Handel, die je nach der Grösse 
15 bis 36 Thaler per Dutzend kosten und in Deutschland, 
Italien, Frankreich und der Türkei verbraucht werden. In die- 
selbe Gattung gehören die Felle der Siebenschläfer (Billich- 
mäuse) wie die der Maulwürfe und anderer kleiner Pelzthiere, 
die jedoch, ihres geringen Werthes wegen, eigentlich keinen 
Handelsartikel bilden. 

Chinchilla 

(lat. eriomys Chinchilla)^ 

zu den wenigen Pelzerzeugnissen Süd-Amerika's gehörend, haben 
ihren Namen von dem Lande Chile, wo schwedische Kaufleute 
(das schwedische Wort „Chin" heisst Fell) sie wahrscheinlich 
zuerst gefunden haben. Nur in jenen regenlosen Landstrichen, 
auf feiusandigem Boden, kann ein so zarter Pelz wie der der 
Chinchilla sich erhalten. Das seidenweiche Haar misst IV4 Zoll, 



69 



die Farbe ist silbergräu und schwärzlich melirt. Der Preis ist 
15 bis 30 Thlr. per Dutzend. Es ist ein angenehmes, für 
Damen sehr kleidsames Pelzwerk, das bald in Paris, bald in 
London, New -York oder St. Petersburg zur ersten Modetracht 
erhoben, zur Zeit wieder in Paris in höchster Gunst ist. 
Neben den echten Chinchillafellen liefern dieselben Gegenden 
verschiedene Abarten dieser Felle, als: Chinchillone, die gross 
und schmutzig gelb sind, und Bastard-Chinchillas, die klein 
und kurzhaarig sind. Beide letztere Gattungen sind unschön 
und haben wenig Werth. * 

Wir wenden uns jetzt einer der am weitesten verbreiteten 
Familie von Pelzthieren zu, den Füchsen. 

Schwarz- und Silberfüchse 

(lat. canis argentatiis) 

nehmen durch ihre Schönheit und Kostbarkeit den ersten Rang 
ein. Dieselben finden sich hauptsächlich in Sibirien, auf den 
Aleuten und im nördlichen Theile Nord-Amerika's. Die 



* Als ein Beweis, wie gefährlich der Handel mit ^.auchwaaren bei 
Mangel an Waarenkenntniss ist, diene Folgendes: Ein englischer Pianoforte- 
Arbeiter in Chile schickte seiner Mutter in London vier Dutzend schöne 
Chinchillas. Als die Frau, welche eher arm als reich war, erfährt, dass 
die Felle den Werth von 48/ Sterl. per Dutzend haben, verkauft sie die- 
selben, anstatt sie für ihren Gebraucli verarbeiten zu lassen, und schreibt 
ihrem Sohn unter Dank für das Geschenk, dass der Erlös aus dem Verkaufe 
ihr von ungleich grösserm Nutzen gewesen sei, als die Felle selbst ilir hätten 
bieten können. Der Sohn hatte nur etwa den zehnten Theil des Werthes 
für dieselben bezahlt und berechnete nun, dass, wenn er seine Ersparungen 
von einigen hundert Pfund Sterling in solchen Fellen anlege, er ebensovielc 
Tausend Pfund haben würde, womit er in England dann ein Geschäft errich- 
ten könne. Aber statt der ächten kaufte er in seiner Unkenntniss diesmal 
Bastard -Chinchillas, deren Versendung nach England ihm nicht nur keinen 
Gewinn, sondern Schaden brachte. 



70 



amerikanischen sind bei weitem schöner und viermal so viel werth, als 
die sibirischen. Die schönsten Felle liefert das Hu dsonsbay- Terri- 
torium und die Labrador- Küste. Das Thier hat die Grösse un- 
serer rothen Füchse, das Fell ist aber glänzend schwarz oder 
silbrig; solche, welche gar keine oder wenig silbrige Haare haben, 
heisseu Schwarzfüchse und diese sind die kostbarsten, da ein 
solches Fell mit circa 300 Thalern bezahlt wird. Silbrige 
Felle kosten je nach Schönheit 50 bis 200 Thaler. Das Haar 
ist sehr dicht und fein, dabei 2V2 Zoll lang. Die äusserste 
Spitze des Schwanzes ist weiss. Die eigenthümliche Verschie- 
denheit des Haares an jedem Fell veranlasst die russischen 
Kürschner, dieselben zu zertheilen und die einzelnen Stücke 
des Nackens, der Kehle, des Bauches und des Rückens be- 
sonders zu Pelzen zusammenzustellen; so kann man nicht sagen, 
dass man aus 25 schönen Fellen einen schönen Pelz anfertigen 
könne, aber aus 120 Stück lassen sich fünf schöne Pelze her- 
stellen. Auch die Füsse und untern Theile des Schwarzfuchses 
liefern noch kostbares Pelzwerk. Die aus den Kehl- und 
Nackenstücken verfertigten Pelze sind am werth vollsten , und es 
kostet ein solcher oft 7 bis 8000 Rubel. Sie sind hauptsäch- 
Uch die Tracht des alten russischen Adels und weil sie sehr 
leicht sind, werden sie vornehmhch von den Frauen getragen.* 
Jedoch kleiden sich auch der Sultan der Türkei und und an- 
dere höchste und hohe Herren in solche Pelze. 

Die an Werth den Silber- und Schwarzfüchsen zunächst 
stehende Art, ist die der 

* Zu der Hochzeitsausstattung einer vornehmen Dame in Russland ge- 
hören vier oder fünf Pelze, nämlich einer von Schwarz- oder Kreuzfüchsen, 
einer von Blau- oder Rothfüchsen, einer von Zobeln oder Mardern, einer 
von Fehrücken oder Fehbäuchen. Andere Klassen tragen theilweise weniger 
kostbare Pelze; doch wer es irgend bezahlen kann, muss mehr als einen 
Pelz besitzen. 



71 



Kreuzfüchse 

(lat. caais crucif/era^ engl, crossfox, franz. renard croise, russ. 

siwadusclihi). 

Sie haben mit den vorhergenannten die Productionsländer 
gemein. Nord -Amerika liefert die schönsten Felle dieser Gat- 
tung, während die sibirischen grobhaariger sind. Der Rücken 
des Felles ist mehr oder weniger roth- oder gelbbräunUch und 
bildet ein dunkles, farbiges Kreuz; der Bauch und die Kehle 
sind schwarz. Die röthlichen Felle, wenn sie indess noch 
schwarze Bäuche haben, heissen im Handel Bastard fuchse 
und nähern sich den rothen Füchsen im Preise. Der Preis 
guter Kreuzfüchse ist 15 — 40 Thaler per Stück. Auch bei 
diesen Fellen werden die Nacken, Rücken, Kehlen und Bauch- 
theile, ein jeder Theil besonders, verarbeitet. Es liefern die 
Bäuche kostbare Frauenpelze, die Rücken schöne Männerpelze, 
welche ausschliesslich in Russland getragen werden. Die Pfoten 
werden von den Chinesen gekauft. 



Blaufüchse. 

Sie linden sich überall im hohen Norden. Die schönsten 
und grössten Felle dieser Gattung liefert das russische Gou- 
vernement Archangel am weissen Meere, nächstdem die La- 
brad orküste und die am nördlichen Eismeere gelegenen Länder 
Nordamerika's, dann Grönland und Island, von welchem 
letzteren Lande sie grobhaariger und geringer Qualität sind. 
Sie haben eigentlich eine mehr graue als blaue Farbe, liefern 
ein feines, leichtes Pelzwerk, und werden zu Pelzfüttern und 



72 



Kragen in Russland und Polen gern gebraucht. Der Zeitwerth 
dieser Felle ist 10 bis 25 Thaler per Stück. 

Weisse Füchse 

(lat. canis lagoptis) 

sind ebenfalls Erzeugnisse nördlicher Polargegenden, die besten 
liefert Labrador und Ruppertsland, weniger gute Asien, 
Russland, Grönland und Island. Sie ziehen in sehr kalten 
Wintern weiter südhch, wo sie von Indianern und Ansiedlern 
erlegt werden. Weniger kalte Winter liefern deshalb eine ge- 
ringere Anzahl weisser Fuchsfelle. Sie geben einen warmen 
leichten Pelz und werden in China in Russland, und beson- 
ders in der Türkei * viel als Dameupelzfutter getragen. Der- 
zeitiger Werth der weissen Fuchsfelle ist IV2 bis 4 Thaler 
per Stück. 

B,othe Füchse 

(lat. canis vulpes, engl, redfox, franz. renard rouge). 

Diese liefert die nördüche Hälfte der nördlich gemässigten 
Zone um den ganzen Erdkreis. Mit dem Fortschritt der Cultur 
und dem Anbau des Landes scheinen die Füchse sich nicht zu 
vermindern; nur in England sind sie selten geworden, doch 



* Ein griechischer Kürschner aus Constantinopel erzählt: Ein Türke 
habe bei ihm für eine seiner Frauen einen weissen Fuchspelz anfertigen 
lassen, und als er die nächsten vierzehn Tage bei einer andern gewohnt, 
habe auch diese sich einen solchen gewünscht. Der Türke, glaubend, dass 
weisse Hasen, welche wohlfeiler sind, wohl auch genügend seien, konnte sie 
mit solchem Pelze nicht befriedigen; er sah sich der grössten Heftigkeit 
seiner zweiten Frau ausgesetzt, und musste ihr auch ein weisses Fuchsfutter 
machen lassen.. 



73 



liefert Deutschland fast regelmässig jährlich etwa 100,000 Stück. 
Die besten rothen Füchse erhalten wir von der Labradorküste, 
von Norwegen und den Aleuten, ferner nach der Reihe von 
Canada, Schweden, dem Innern Russlands, Sibirien, 
Dänemark, der Schweiz, Bayern, Steiermark, Nord- 
deutschland, den Rheinländern, Frankreich, Italien und 
Spanien. Während die erstgenannten 5 bis 8 Thaler, deutsche 
Füchse IV2 bis i% Thaler kosten, sind die italienischen und 
spanischen kaum V2 Thlr. per Stück werth. Der Rücken ist 
heller oder dunkler röthhch feuerfarben, oft auch hellg^elb, — 
der Bauch weissUch oder grau, Läufe schwärzlich. Rothe Füchse 
werden am meisten in der Türkei, in Russland und Polen ver- 
braucht. Man macht besondere Pelzfutter je von den Nacken, 
den Kehlen, dem Kreuze, den Rücken und den Bäuchen der 
Fuchsfelle; auch werden die Füsse und Schweife* besonders 
verwendet. 

Gris-PüchLse 

(lat. canis cinereo-argenteus , engl, greyfox, franz. renard virginie). 

Sie werden nur in Canada und im Norden der vereinigten 
Staaten vorgefunden. Das Haar ist grob, der Rücken silbergrau 
gesprenkelt, die Seiten gelb und der Bauch aschgrau. Sie 
werden in Russland, Polen und Deutschland zu Pelzfuttern ver- 
wendet, namentüch zu Reisepelzen, zur Zeit auch, zu Frangen 
auf Tücher zerschnitten, in England verbraucht. Der Werth ist 
1—2 Thaler pr. Stück. 

* Die Schweife aller Füchse haben, weil sie grobwollig sind, nur sehr 
wenig Werth. Als Beweis des Strebens nach Mannigfaltigkeit in der Natur 
möge hier angeführt werden, dass die rotheu, die schwarzen und die Kreuz- 
Füchse eine weisse Spitze, die Gris- und Kittfüchse ein braunes, die Blau- 
und Weissfüchse ein kleines schwarzes Spitzchen am Schweife haben. 



74 



Kittfüchse 

(lat. canis caragan oder virginianus), 

auch Prairiefüchse und Steppenfüchse genannt, werden nur nord- 
westlich der Felsengebirge Nord-Amerika's und in der Tartarei, 
in beiden dieser Weltgegenden aber in grosser Anzahl gefunden. 
Sie sind kleiner, als andere Füchse; das Haar ist weich und 
dicht, der Rücken hellgrau, die Seiten gelb, Kehle und Bauch 
weiss. Der gegenwärtige Preis ist ly^ — 1% Thaler pr. Stück. 
Sie werden am häufigsten in China, in Polen und Deutschland 
zu leichten Pelzfuttern verbraucht. 



Waschbären (Schuppen) 

(lat. procgoH lotor, engl, raccoon, in Russland genott, in Frank- 
reich fälschlich marmottc, auch raton genannt). 

Sie sind Erzeugnisse Nord-Amerika's, weniger des hohen 
Nordens, als der Verein. Staaten und Canada's, und werden 
in grösster Anzahl in den Staaten Michigan, Wisconsin, 
Missouri, Illinois, Ohio, auch noch in Arkansas und 
Tenessee vorgefunden. Sie haben graubraunes, mehr oder 
weniger dunkles, dichtwolliges Haar; der 7 Zoll lange Schweif 
ist gelbbraun mit schwarzen Ringeln. Der Werth ist in 
vielen Stufen je nach Qualität und Farbe % bis '20 Thaler 
per Stück. Schuppenfelle bilden unter dem Pelzwerk einen 
Hauptartikel, der besonders in grossen Quantitäten nach Russ- 
land verkauft wird; dort, sowie auch in Deutschland, trägt 
man davon die allgemein bekannten und beliebten Reicspelze 
(Schuppenpelze). 



75 



Virginische Iltis 

engl, fisher, franz. pekan*, von den Russen ll/ca, auch ameri- 
kanischer Zobel genannt, 

kommen aus dem englischen Amerika und den nördlichen Ge- 
genden der vereinigten Staaten. Das schöne, etwas starke 
dunkelbraune Haar ist 1^4 Zoll lang, der 12 Zoll lange Schweif 
ist buschig und schwarz. Derzeitiger Werth ist 10 bis 20 Thlr. 
per Stück. Kaum eignet sich irgend ein anderes Fell besser zu 
Männerpelzen, doch kommen dieselben freilich etwas hoch zu stehen, 
nämlich auf 400 bis 1000 Thaler. In Russland bilden sie eine 
sehr geschätzte Pelzkleidung. Die Schweife, welche gleichfalls 
IV2 bis 3 Thlr. das Stück kosten, dienen den alt -frommen Juden 
im südlichen Russland zum Besätze der Feiertagsmützen**. 

Skunks 

(lat. mephitis putorius) 

werden nur im Norden der Vereinigten Staaten und in 
Brittisch- Amerika gefunden. Sie sind 16 Zoll lang, und 
8 Zoll breit, haben dunkelbraunes P/4 Zoll langes Haar und 
zwei mehr oder weniger markirte weisse Streifen der Länge 

* Die Naturgeschichte erzählt von diesem wichtigen Pelzthiere sehr 
wenig und alsdann unter dem französischen Namen Pekan. Mit dem deut- 
scheu Iltis hat er durchaus keine Aehnlichkeit. Er ist mehr als noch einmal 
so gross wie dieser, lebt in Wäldern und hat eher Aehnlichkeit mit dem 
Vielfrass. 

** Als der Kaiser Nikolaus diese Tracht verboten oder doch mit 
einer hohen Steuer belegt hatte, fiel der Preis der Virgin. Iltisschweit'e auf 
1/3 Thaler per Stück, und erst seit II/2 Jahren, während der milden, duld- 
samen und wohlwollenden Regierung des jetzigen Kaisers Alexander haben sie 
wieder ihren früheren Werth erreicht. 



76 



nach über den Rücken. Ein langer grobhaariger Schweif dient 
ihnen zur Waffe; derselbe ist ohne Werth. Diesen Thieren eigen- 
thümlich ist ein durchdringender Geruch, weshalb sie bis vor 
wenig Jahren vom Pelzhandel entfernt geblieben sind. Nachdem 
man aber gelernt hat, durch neuere Bereitungsweise den Geruch 
zu entfernen, sind sie ein brauchbares und in Russland und 
Polen beliebtes Pelzwerk geworden. Der gegenwärtige Preis ist 
IV4 bis 2 Vi Thaler per Stück, Von diesen Thieren giebt es 
in den Staaten Michigan, Illinois und besonders in Ohio eine 
grosse Anzahl, indess kann nur ein lohnender Preis die Jäger 
veranlassen, sich mit dem Fange derselben zu beschäftigen, Es 
kamen bis vor wenigen Jahren nur 1000 bis 2000 nach Europa; 
jedoch ist die Zahl im gegenwärtigen Jahre 1863 auf über 
120,000 Stück angewachsen. 

Opossum 

(lat. didelphys virginiana) 
leben in grosser Anzahl in Ohio, Arkansas und andern südlichen 
Staaten der amerikanischen Union; auch finden sie sich in geringer 
Menge in Austrahen. Die amerikanischen haben ein weissliches 
Flaumhaar mit langem, grobem, grauem Deckhaar, welche« die 
Amerikaner sehr schön den deutschen Mardern und Iltissen ähnlich 
zu färben wissen. Die australischen haben graues, mehr krauses 
dichtes Haar; die Neuholländer verarbeiten sie oft zu Decken 
und vertauschen sie an die Ansiedler, auf welche Weise sie 
gelegentlich in den Handel kommen, sie haben indess keinen 
festen Werth. Die amerikanischen sind zur Zeit sehr wenig 
begehrt und kosten etwa V4 Thlr. per Stück. Vor wenig Jahren 
hatte die Mode in Canada sie auf 1»/^ bis 2 Dollars gesteigert. 
Man verarbeitet sie zu Pelzfüttern, die gefärbten zu allerlei 
Galanterieartikeln. 



77 



Bären 

(lat. ursus, russ. medwied) 

sind die Bewohner der Wälder nördlicher Zone, der Eismeer- 
küste, theils aber auch der gemässigten Zone Amerika's und 
unseres europäischen Continents, einzelne sogar Südamerika' s. 
Wir unterscheiden schwarze, braune, graue und weisse 
Bärenfelle von den verschiedensten Grössen, und reden zuerst 
von den 

Schwarzen Bären 

. (lat. ursus americanus). 

Davon produzirt das engl. Nordamerika nicht nur die bei 
weitem grösste Anzahl, sondern auch die besten und feinsten 
Felle. Russische schwarze Bärenfelle, selbst die des Russischen 
Amerika sind grobhaariger und von dickerem Leder; diejenigen 
von Südamerika haben eine dicke Haut und borstenähnhches 
Haar. Man theilt die schwarzen Bärenfelle nach ihrem Zwecke 
ein, nämlich in grosse, starkhaarige (Armeebären) für den 
Gebrauch des MiUtärs, zu Calpacs, Grenadiermützen, die gerin- 
geren zu Schabracken und Decken; ferner in grosse, feinhaarige 
oder Pelzbären, deren Benennung schon den Zweck ausspricht, 
endlich in Cubbären*, eine kleine, feinhaarige und feiniedrige 
Gattung, welche feine, leichte Pelze liefert und nach Verhältniss 
der Kleinheit am theuersten ist. Wie man die schwarzen Bären 
in noch viel mehr Klassen bringen kann, so ist auch der Werth 
sehr verschieden und in allen Abstufungen von 8 bis 40 Thaler 
per Stück anzunehmen. 

* Unter Cubbären sind, obwohl sie klein sind, doch nicht junge Bären 
zu verstehen; denn es ist eine eigene Bärengattung Nordamerika's , welche so 
klein bleibt; junge Bären aller Art haben wegen des noch schwachen Haar- 
wuchses wenig Werth. 



78 



Braune Bären 

(lat. ursus arctos) 

kommen nur aus Brittisch - Nord - Amerika und sind heller 
oder dunkler isabellfarbig, mitunter von sehr feinem Haar. Von 
diesen werden die hellen, feinen Felle zum Zwecke der Frangen- 
bereitung für Damenshawls oft mit über 100 Thaler per Stück 
bezahlt. 

Graue Bären 

(lat. ursus ferox) 

sind eine von den vorhergehenden sehr verschiedene Gattung. 
Sie finden sich am meisten im hohen Norden Nordamerika's, 
doch auch viel in Russland und in kleiner Anzahl in Schweden, 
Ungarn und der Schweiz. Von diesen liefert Russland die 
schönsten Silber- und gold spitzigen Felle; letztere werden auch 
Goldbären genannt. Der Werth ist 15 bis 25 Thlr. per Stück. 

Weisse Bären (Eisbären) 

(lat. ursus maritimus) 

von der nördlichen kalten Zone und allen Ufern und Inseln 
^des nördlichen Eismeeres. Diese sind (neben den braunen 
Bären) die grössten und oft 12 Fuss lang. Das Haar ist stark, 
schneeweiss und 2'/.i Zoll lang. Sie dienen als Fussdecken in 
Zimmern, auch als Feldbetten, und werden je nach Schönheit 
von 20 bis 60 Thaler per Stück bezahlt*. 

* Da man in den Eismeer -Gegenden wegen der Kälte die Felle nicht 
wohl trocknen kann, so werden sie meistentheils frisch gesalzen, in Fässer 
gepackt und nach Europa gesandt. Bei diesem Prozesse . dringt aber oft Fett 
und Thran in das Haar, gelbe Flecke verursachend, die den Werth des 



79 



Luchse 

(lat. felis lynx, engl, lynx, franz. loup-cervier, russ. rys) 

werden in Sibirien, in China, Russland, dem Norden 
Amerika's, in Schweden und Norwegen und einzeln noch 
in der Schweiz gefangen Der Rücken ist von hell ziegelgrauer 
Farbe, der Bauch weisslich, theils schwarz gesprenkelt. Die bei 
weitem schönsten und grössten Exemplare, welche besonders 
wegen ihres schwarzgefleckten Bauches und gleichen Füssen sehr 
geschätzt sind, findet man in Schweden. Russische Luchse sind 
weniger gross und fein, Amerika liefert die meisten, jedoch ein- 
farbigen Luchse, bei denen die Zeichnung am weissen Bauche 
wenig markirt ist. Der Preis ist 4 bis 16 Thaler per Stück 
(letzterer wird jedoch nur für die schönsten schwedischen bezahlt). 
Die sehr weichen Felle werden in Russland und China zu Pelz- 
futtern, auch in der Türkei zu Damenpelzen verbraucht; in 
Aegypten werden besonders die besten schwedischen Luchse ver- 
arbeitet, hier sowohl, wie in den österreichischen Staaten auch viel 
in dunkelbraun gefärbtem Zustande. Die Pfoten werden von den 
Tartaren zu Mützenbesätzen verwendet. 

Luchskatzen 

(lat. felis rufa, engl, cat common, in Amerika wüd-cat, 
franz. Chat cervier) 

finden sich nur in den nördlichen Theilen der vereinigten 
Staaten und dem Oregon-Gebiet. Sie sind dem Luchse sehr 

Felles sehr herabsetzen. Um dieses zu verhindern binden dänisclie Grönlands- 
fahrer die Bärenfelle bisweilen hinten am Schiffe fest, um sie durch die See 
nach Hause zu schleifen. Dieses mag wohl die Fahrt um ein paar Tage 
verlängern; doch sind die auf diese Weise ankommenden Felle die schönsten 
und kostbarsten. 



80 



ähnlich, jedoch kaum halb so gross und kurz- und grobhaariger. 
Man verbraucht sie am meisten in der Türkei. Der Preis ist 
1 bis 2 Thaler per Stück. 

Wilde Katzen siehe, Seite 88. 

Wölfe 

(lat. canis lupus, engl, wolf, franz. loup, russ. wolle) 

sind in der nördlich gemässigten und kalten Zone der Erde 
weit verbreitet. Wir finden die grössten und schönsten Felle 
dieser Art an der Labradorküste und dem East- Maine- 
Gebiet, ferner in den von Esquimaux bewohnten Ländern in 
grosser Anzahl, jedoch weniger gross und schön sind sie in dem 
weiter westlich von der Hudsonsbay gelegenen Länderstriche, 
sehr häufig auch in Sibirien, Russland und Polen, sowie 
in der Türkei, weniger in Frankreich; in Deutschland sind 
sie gänzlich ausgerottet. Die hierhergehörenden Schakals endlich 
trifft man im Norden wie im Süden Afrika's, in Algerien sowohl, 
wie im Kaffernlande. — Wölfe sind 4 bis 8 Fuss lang, meisten- 
theils graubräunlich, es giebt jedoch unter den feinern Arten auch 
weisse, schwarze und graublaue Wölfe. Die guten Felle liefern 
warme Pelze , die viel in Ungarn verbraucht werden , auch 
benutzt man sie in Amerika, England und Frankreich zu Decken. 
Die . schönsten weissen und schwarzen Felle werden von den 
Griechen für die Türkei gekauft. Der Preis ist je V/^ bis 
20 Thaler per Stück. 

Büffel 

(lat. bos amcricanus). 

In verschiedenen Ländern und Welttheilen leben wilde BüiTel, 
welche im warmen Klima dünnes Haar bei sehr starker Haut 



81 



haben und nur zur Lederbereitung dienen. Hier ist indess 
nur von nordamerikanischen Büffeln die Rede, welche im 
Territorium der Hudsonsbay - Compagnie und auf den westlichen 
Prairien der vereinigten Staaten erlegt werden. Dieselben sind 
8 bis 12 Fuss lang und beinahe eben so breit, haben graubraunes 
dichtwolhges Haar und eine feine geschmeidige Haut, welche die 
Indianer trefflich zu bereiten wissen. Weil der Buckel heraus- 
geschnitten ist, so erscheint das Fell wie von zwei Theilen 
zusammengesetzt. Sie sind nützhch zu Reisedecken und Feldbetten 
und werden grösstentheils in Amerika gebraucht. Der Preis für 
Primafelle ist 15 Thaler, kleine und mittlere Qualität 10 Thaler, 
dritte Sorte 5 Thaler per Stück. 

Vielfrasse * 
(lat. gulo articus, engl, ivölverin, franz. glouton) 

nur im brittischen und russischen Nordamerika und in Nor- 
wegen vorgefunden, sind von hell- und dunkelbrauner Farbe 
und haben auf dem Rücken einen schwärzhchen Sattel. Das 
Haar ist 2V2 Zoll lang und ziemlich hart, der Preis 3 bis 
6 Thaler per Stück. Sie werden in Polen zu Männerpelzen, 
in Amerika und Frankreich zu Decken benutzt. 

Dachse 

(lat. meles taxus, engl, hadger, franz. blaireau) 

werden in der nördlich gemässigten Zone des ganzen Erd- 
balles gefangen. Sie sind 3 Fuss lang und 2 Fuss breit. Das 
3 bis 4y2 Zoll lange Haar hat weissen Grund und schwarz und 

* Der schwedische Name ist Filfras, von welchem Laute, obgleich 
das schwedische Wort keineswegs gleiche Bedeutung hat, die deutsche Benen- 
nung Vielfrass abgeleitet ist. 



82 



silberhelle Spitzen und wird lediglich zu Rasirpinseln verwendet. 
Die Haut dient zur Lederbereitung. Die ganzen Felle werden 
auch zu Militairtornistern und von den Frachtfuhrleuten zum Staate 
oder zum Schutze der Pferdegeschirre benutzt. Die deutschen 
Dachse sind die besten; dann folgen die dänischen, unga- 
rischen, russischen und tartarischen. Die amerikanischen 
Dachse haben weiches, nicht borstiges Haar und werden oftmals 
als Pelzwerk verbraucht. Werth der Dachse % bis 2 Thaler 
per Stück. 

Biber 

(lat. castor fiber, engl, beaver, franz. castor, russ. bohr) 

sind an den Flussufern des europäischen und asiatischen Con- 
ti nents selten geworden; eine grosse und seit Anfang dieses 
Jahrhunderts unverminderte Anzahl producirt Canada, Brittisch- 
Amerika und Russisch-Amerika; die schönsten Biber kommen 
von der Labradorküste. Die Gebirgsströme der Rocky- 
mountains in Brittisch -Nordamerika liefern eine Gattung 
Biber, welche gross und von guter Qualität und hellfarbig, ja 
häufig fast weiss sind. Die Felle sind 3 Fuss lang, 2 Fuss 
breit und haben ein 3 Zoll langes, braunes grobes Oberhaar, 
und eine dichte, feine, graublaue IVaZöllige Grund wolle. Wenn 
nach der Bereitung des Felles das Oberhaar abgeschoren oder 
gerupft ist, liefert es ein schönes, jetzt in Russland, Deutsch- 
land und China sehr beliebtes Pelzwerk. Nach China sind die 
Biberfelle schon zu Anfang dieses Jahrhunderts zu dem Zwecke 
der Pelzbereitung ausgeführt worden; in Europa wurden sie erst 
seit etwa 15 Jahren dazu verbraucht, als sie nicht mehr zu Biber- 
hüten verwendet wurden und dadurch auf den vierten Theil des 
früheren Preises gesunken waren. Der jetzige Preis ist 3 bis 
10 Thaler per Stück. 



83 



See -Ottern (Kamtschatkische Biber) 

(lat. lutra marina, russ. hamtscliatshy hohry, engl, sea- öfter, 
franz. loutre de mer) 

werden an den nördlichen Ufern des stillen Oceans, sowohl 
an der Küste Californiens als des russischen Amerika's 
Kamtschatka's und Nord-Asiens erlegt. Die Felle haben 
eine Länge von 4 bis 6 Fuss, eine Breite von 2 bis 3 Fuss, 
und ein braun -schwärzliches, silberglänzendes, anderthalbzölliges 
dichtes, sammetartiges Haar. Der Preis der guten bis zu den 
schönsten Exemplaren dieser Art ist zwischen 100 und 500 Thlr. 
per Stück. Man kann von einem solchen Felle 3 bis 5 Mantel- 
kragen machen, welche in ßussland von allen Vornehmen, beson- 
ders militärischen Personen, und auch in andern Ländern von 
wohlhabenden Leuten getragen werden. Auch zu Kopfbedeckungen 
werden sie in Russland verbraucht und die Mandarinen in China 
tragen ganze Röcke davon, welche aus 3 Fellen zusammengesetzt 
werden. 

Ottern (Fischottern) 
(lat. lutra, engl, otter, franz. loutre, russ. wiära) 

in der nördhchen und nördlich -gemässigten Zone überall wo es 
Flüsse, Seen und Teiche giebt zu Hause. Wir nennen die am 
meisten bekannten Sorten von der geringsten bis zu den besten: 
ostindische, mexikanische, spanische, französische, 
deutsche, russische, dänische, schwedische, die von den 
südlichen amerikanischen Freistaaten, von den nördlichen, 
vom westlichen Canada, die verschiedenen Gattungen der 
Hudsonsbay- Länder, endlich die von Neu -England und 



6* 



84 



Labrador. Sie sind 3 bis 5 Fuss lang und IV4 Fuss breit, das 
Haar ist dicht und die Farbe hellbraun bis zu bräunlich -schwarz 
und wie bei allen Pelzthieren, welche theilweise im Wasser leben, 
ist das Grundhaar sehr dicht und fein. Sie werden besonders 
viel in China zu Männermützen verwendet, aber auch in allen 
andern Pelzwerk verbrauchenden Ländern getragen. So braucht 
man sie in Bayern zu Hauben für Frauen, in Preussen zu 
Mützen der Husarenofficiere , in Canada zu langen Frauenhand- 
schuhen. Der Preis der Otternfelle ist 4 bis 20 Thaler per 
Stück. 



Pelzseehunde (Biberseehunde) 
(lat. phoca ursina, engl, für seals) 

sind eine oder mehrere Gattungen von Robben, welche sich durch 
Grundwolle, die unter dem harten Oberhaar befindlich ist, von 
den übrigen gemeinen Seehunden unterscheiden. Man findet 
sie an allen Ufern des stillen und indischen Oceans, auch 
südlich vom Aequator im atlantischen öcean. Es kommen 
die besten Felle von den Küsten Australiens, dann von den 
Lobos-Inseln, von den Falklands-Inseln, die geringsten vom 
Cap. Die dichte, feine, gelbe, seidenartige Grundwolle wird durch 
grobes, aschgraues Oberhaar verdeckt und geschützt. Sie werden 
im Handel nach der Grösse sortirt und in England mit folgenden 
technischen Namen bezeichnet: Wigs, welche oft 8 bis 9 Fuss 
lang und 4 Fuss breit sind, dann folgen dieLarges, Middlings 
und Smalls, darauf die Large Pups, Middling Pups und 
Small Pups, letztere etwa 3 bis 4 Fuss lang. Sie kommen in den 
Handel gewöhnlich gesalzen und ungetrocknet , werden alsdann von 
dem groben Oberhaar befreit, zubereitet und dunkel kastanienbraun 



85 



gefärbt*, auf welche Weise sie zu einem reich sammetartigen 
Pelzwerk gestaltet werden, das in Russland zu Männermützen 
und in England und Frankreich zu Mantillen und Westen für 
Damen sehr beliebt ist. Der Preis der Biberseehundsfelle ist 
6 bis 20 Thaler per Stück. 

Seehunde 

(lat. phoca, engl, seals, franz. veaux marins). 

Sie sind die Bewohner der europäischen Meere und 
des atlantischen Oeeans. Die Küsten von Grönland, La- 
brador und dem nördlichen Eismeer liefern davon eine grosse 
Anzahl in allen Farben und Grössen von 3 bis 10 Fuss Länge 
und 2 bis 6 Fuss Breite. Hauptsorten sind: Blaumänner, 
Whitecoats (junge Blaumänner), Sattler, blauseitige, ge- 
sprenkelte und ordinäre. Blaumänner und Whitecoats werden 
zum Theil gefärbt und für Militair- und Sattlerzwecke verbraucht, 
die grösste Zahl von Seehunden aber wird zur Lederbereitung 
benutzt. Der Preis ist zwischen Va ^^d 4 Thaler per Stück. 

Koipu 

(lat. castor coypus, engl, nutria, franz. rat gondain \ragonäin\). 

Diese findet man in grosser Anzahl in den La Plata- 
Staaten in Süd- Amerika. Es sind grosse biberartige Seeratten, 
welche ein dem Biberseehunde ähnUches Pelzwerk liefern, nachdem 
sie wie jene des Oberhaares entledigt sind. Die deutschen 
Kürschner nennen sie Aifenfelle, zum grössten Theile jedoch 
werden die Felle von den Hutmachern zu Hutfilzen benutzt 

* In diesem Zweige der Industrie steht England bis jetzt unüber- 
troffen da. 



/ 



86 



Der Preis für zu Pelzwerk bereitete Felle ist 1 bis 2V2 Thaler 
per Stück. 

Hasen 

(lat, lepus timidus). 

Man findet dieselben in Europa und den benachbarten 
Theilen Asiens; in Amerika allein an der Labrador- und 
Esquimaux-Küste. Von grauen Hasen, deren Haar lediglich 
zu Hutmacherzwecken benutzt wird, liefert das asiatische 
Russland die besten Felle; die demnächst vorgezogenen sind 
die der Ukraine und unseres Sachsens, dann folgen die der 
Krimm und Schlesiens, ferner die ungarischen, türkischen, 
englischen u. s. w. Weisse Hasen*, die etwas kleiner sind 
und weniger Grundwolle als die grauen haben, liefert besonders 
die Küste der russischen Länder am nördlichen Eismeer. 
Theilweise werden auch diese zu Hüten, anderntheils aber ent- 
weder naturell oder gefärbt in England, in Amerika und der 
Türkei zu Pelzwerk verbraucht. Der jetzige Werth grauer Hasen 
ist 80 bis 130 Thaler, der der weissen 60 bis 70 Thaler per 
Ballen von 500 Stück. 



* Naturgeschichten erzählen von veränderlichen Hasen, was aber von 
unbegründeter Ansicht herrührt. Die Jungen der weissen Hasen wie auch 
der weissen Füchse sind zwar im ersten Sommer ihres Daseins etwas grau, 
doch aber ist der weisse Hase eine andere Gattung als der graue und als 
selbst der russische halbgraue Hase. Der Beweis für diese Behauptung liegt 
aber, neben der Verschiedenheit der Productionsländer, in dem Haarreichthum, 
welcher bei den grauen viel grösser, bei den halbgrauen noch einmal so 
gross als bei den weissen ist, endlich darin, dass die weissen Hasen in der 
Kegel viel kleiner sind. Von dieser Regel bilden nur die weissen Hasen der 
Esquimaux- und Labrador-Küste eine Ausnahme, indem diese noch einhalbmal 
so gross wie alle übrigen Hasen sind. 



87 



Kaninchen 

(lat. lepus cimiculus, engl, rabhits, franz. lapins). 

Es giebt fast in allen Ländern der nördlich gemässigten 
Zone Kaninchen, die meisten aber in Frankreich, England 
und Polen. Im erstgenannten Lande wird eine besonders grosse 
und pelzreiche Gattung gehegt, von dieser werden etwa IV2 Million 
zubereitet und theils naturell, theils gefärbt in den Handel 
gebracht ; eine bei weitem grössere Anzahl wird zu Hüten ver- 
braucht. Die schönsten Kaninchen liefert England, nämlich 
wilde schwarze, silberspitzige, die in Wildgärten (tvarrens) 
besonders gehegt werden und ein in Russland sehr beliebtes 
Pelzwerk liefern; neben diesen hat England aber noch eine grosse 
Anzahl grauer wilder, wie auch grösserer zahmer Kaninchen. 
In Polen hat man nur eine kleine Sorte von dem dritten Theile 
der Grösse der französischen, darunter wenig farbige, fast lauter 
weisse, von welchen mehr als eine halbe Million jährlich von 
sorgsamen und fleissigen Kürschnern der Städte Lissa und 
Fraustadt in Posen bereitet und zu Pelzwerk hergestellt werden. 
Die amerikanischen kleinen, wilden Kaninchen sind von Farbe 
weisslich-grau und Hefern ein schwaches Pelzwerk von nur geringem 
Werthe. Kaninchen werden zu vielen Zwecken als biUiges Pelz- 
werk verwendet. Preise von den geringsten bis zu den feinsten 
sind V12 bis I'/a Thaler per Stück. 

Katzen (Hauskatzen) 
(lat. felis catus var. vulgaris). 

Bei allen civilisirten Völkern acclimatisirt , sind sie zunächst 
der Farbe nach als schwarze, graue, bunte, rothe und 



88 



weisse Katzen zu benennen. Die Schönheit des Felles dieser 
Thiere richtet sich weniger nach dem Klima, aus welchem sie 
stammen, als nach der Reinhchkeit der Häuser und der Pflege; 
desshalb liefert Holland* unter allen europäischen Ländern die 
vorzüghchsten , Russland die am wenigsten schönen Katzenfelle. 
Sie werden zu allen Zwecken, zu denen man Pelzwerk anwendet, 
verbraucht, in Nord- und Süddeutschland, in der Wallache! 
und Italien werden hauptsächlich die schwarzen, in Schle- 
sien und Galizien die grauen, in der Türkei weisse und 
rot he verarbeitet. Der Preis für schwarze Katzen ist 1 bis 
272 Thaler, für die anderen Sorten V4 bis % Thal er per Stück. 

Wilde Katzen** 

(lat. felis catus var. fera). 

Wir finden sie hauptsächlich in den Wäldern Russlands 
und Asiens, der Türkei, Ungarns, Süddeutschlands und 
Frankreichs. Sie gleichen in vieler Beziehung unsern grauen 
Cyperkatzen; doch sind sie grösser, das Haar ist fast noch 
einmal so lang, und der gelblich graue Schweif hat nicht wie 
bei unsern Hauskatzen schwarze Streifen, sondern vollständige 
schwarze Ringel. Sie geben ein weiches, doch wenig haltbares 
Pelzwerk und werden braungefärbt vielfach in der Türkei und 
Ungarn verbraucht. Der Preis ist % bis 1% Thaler per 
Stück. 

* In Holland und Norddeutschland werden viele verschnitten, wonach 
die Thiere gewöhnlich grösser und haarreichcr werden. 

** Die Wildkatzen, welche die vereinigten Staaten liefern (cat common), 
sind eine ganz andere Thicrgattung. Diese sind mit dicken Füssen und 
einem luchsähnlichen Schweife versehen, weshalb sie bei den Luchsen 
erwähnt worden sind. 



89 



Die Felle der ostindischen Zibethkatzen, welche gelbbraun 
und schwarzgefleckt sind, haben für den Handel nur geringe 
Bedeutung. Häufiger sind die Genetten, von ähnlicher Farbe, 
welche von Süd frank reich, Spanien und hauptsächlich von 
Nord-Afrika ausgeführt werden. 

LammfeUe. 

Lammfelle gehören, wiewohl nicht dem Wildwerk, doch 
aber, in soweit sie nicht zur Lederbereitung dienen, dem Rauch- 
waarenhandel an. Man verwendet zu Pelzwerk keine der fein- 
wolligen, sondern lediglich die haarigen und krausen Arten 
und von diesen vorzugsweise die schwarzen. Die schönsten 
schwarz glänzenden, fein- und dichtlockigen Lammfelle liefert 
Persien; auf diese folgen die Provinzen Astrachan, die Krimm 
und Ukraine. Von allen diesen Gegenden werden neben den 
schwarzen auch schöne graue Felle geliefert. Der Handel mit 
den genannten Gattungen befindet sich in Russland in den Händen 
der Tartaren, welche sie trefflich zu bereiten wissen. Ferner 
liefern Ungarn, die Türkei, besonders auch Italien, Süd- 
frankreich, Holland, Island, Seeland und endlich Nord- 
deutschland mehr oder weniger schöne nutzbare Sorten. Ver- 
wendet man die feinen persischen, astrachaner und krimmer 
Lammfelle zu Garnituren und Besätzen, mit welchen ebenso- 
wohl die ungarischen Patrioten, als die Pariser Damen sich 
schmücken, so bieten andrerseits die gewöhnhchen Lammfelle 
Gelegenheit, dass auch der Landmann sich in einem minder 
theuren , doch aber warmen Pelze gegen Kälte und rauhe Witterung 
schütze. Bei der grossen Verschiedenheit des Werthes dieser 
Felle bemerken wir nur, dass man für feine persische Lammfelle 
3 bis 5 Thaler, Astrachaner und Krimmer 1 bis 2 Thlr. per Stück, 



90 



für die verschiedenen andern kleinen schwarzen Lammfelle 25 bis 
80 Thaler per 100 Stück und für weisse kleine dergleichen 
12 bis 40 Thaler per 100 Stück bezahlt. Die Felle der grossen 
Schafe von Wales werden in England bereitet und in allen 
Farben: Roth, Blau, Grün, Gelb, Anilin, Orange, Schwarz u. a. m. 
gefärbt und dienen alsdann zu Fussdecken. Der Preis der letz- 
teren ist je nach Grösse und Schönheit 5 bis 9 Thaler. Die 
ganz rein weissen werden auch in Streifen zerschnitten und zu 
Boa's verarbeitet. Die Felle der persischen Ziegen oder 
Angora's führen wir ebenfalls über England, wo man die 
Bereitung am besten versteht, nach Deutschland und gelegentUch 
nach Russland. Man benutzt auch diese zu Muffen, zu Boa's 
und zur Quasten- und Franzenbereitung und zahlt für schöne 
Felle 12 bis 20 Thaler. 



Affen. 

Wenige Afi'engattungen liefern brauchbares Pelzwerk; es ist 
nur die Westküste Afrika's, von welcher eine Anzahl schwarzer 
lang-, dünn- und glatthaariger Afi'cn und eine kleinere Zahl 
perlgrauer ausgeführt werden; doch auch auf der gegenüber- 
liegenden Seite des atlantischen Oceans* in Mexiko kommen, 



* Man kann bemerken, dass unter demselben Breitengrade auch in den 
durch Weltmeere getrennten Ländern vielfach die nämlichen, selbst die sonst 
nirgends auf der Erde vorkommenden Thiergattungen , wenn auch durch 
klimatische Verhältnisse in ihrem Pelz verändert, vorgefunden werden. So 
z. B. finden sich die Alfen hier, wo die Rundung Afrika's vom Meerbusen 
Mexiko' s gespalten zu sein scheint; in Norwegen die Vielfrasse der La- 
bradorküste; in Lai)pland, in Island, in Grönland keine rothen, 
sondern nur blaue und weisse Füchse; Kittfüchse nur in den 
Prairien des westlichen Amerika und in den Steppen der Mongolei 
in Asien. 



91 



wenn auch selten, doch schwarze, pelzreiche, feinhaarige, 
dem schwarzen Fuchse ähnelnde Affen vor*. 

Die afrikanischen Affen, die schwarzen von den deutschen 
Kürschnern Scheitel äffen, die grauen Perlaffen genannt, werden 
zu Decken, in England vielfach zu Muffen verbraucht; der Preis 
ist 1 bis 3 Thaler per Stück. Von mexikanischen Affen 
kann man der kleinen Anzahl wegen einen Preis nicht angeben. 

Löwen, Tiger, Panther, Leoparden u. s. w. 

Von diesen Fellen aus der warmen und heissen Zone des 
südlichen Asiens und Afrika's haben wir, weil ihre Anzahl nur 
klein und der Nutzen beschränkt ist, nur wenig zu sprechen. 

Löwenfelle (lat. felis leo) erhalten wir am schönsten aus 
Asien. An Grösse sind sie den afrikanischen gleich, vom 
Kreuze bis unten glatthaarig, fast kahl, doch macht die Mähne, 
welche bei dem asiatischen männlichen Löwen bis auf den Bauch 
reicht, sie imposant. Vollständig erhalten, d. h. mit Kopf, Gebiss, 
und Klauen versehene Exemplare werden als Fussdecken für 
Zimmer von Vornehmen oft mit mehreren hundert Thalern bezahlt. 
Die Felle weiblicher Löwen sind ohne Mähne und werden 
wenig geschätzt. 

Der Königstiger (lat. felis tigris) aus Indien und der 
Tartarei, 6 bis 9 Fuss lang, mit 3 Fuss langem Schweif, ist 
braungelb mit schwarzen unregelmässigen Streifen von der Mitte 
des Rücken auf die Seiten hinablaufend und mit weissem Bauch. 
In der Regel bekommt man sie mit kurzem, glattanliegendem 
Haar, mit einer dicken Haut, welche vielfach durch den Fang 

* In einem Zeiträume von mehreren Jahren ist es uns nur gelungen, 
kaum 50 Felle dieser Gattung zu bekommen. 



92 



und durch Kugeln beschädigt ist; alsdann sind sie nur sehr 
wenig werth. Es giebt jedoch einzelne Felle, die mit schöner 
Farbe und Zeichnung, dichtem, einen Zoll langem Haar und 
feiner Haut, den Werth von über 100 Thaler haben. Sie kommen 
indess selten in den auswärtigen Handel, weil die Chinesen sie 
gern für sich behalten. 

Afrikanische Tiger oder Jaguars (lat. felis onca), sind 
bedeutend kleiner als die vorigen, gelb in Grundfarbe, mit 
schwarzen Flecken. Es kommen von diesen jährUch circa 300 Felle 
in den Handel und werden in England und Oestreich zu 
Pferdeschabracken für hohe Mihtärs verbraucht. Der Preis ist 
15 bis 40 Thaler per Stück. 

Leoparden und Panther (lat. felis leopardus und felis 
pardus) kommen aus Asien und Amerika, sind grösser als 
die vorigen, mit mehr oder weniger geschlossenen Ringelflecken 
und meistens sehr kurzhaarig. Man verwendet sie zu Pferde- 
und Schlittendecken. Es gehört ferner hierher der 

Kuguar oder Puma (lat. felis concolor) aus Mittel- 
Amerika, einzeln aus Canada. Derselbe hat eine rothgraue 
oder rothgelbe Farbe ohne jede Abzeichnung. Weil er demnach 
nicht schön ist, noch auch sein Pelz warm hält, wird sein 
Werth sehr gering geschätzt. Es kommen femer häufig aus 
Indien 

Ozelot und Tigerkatzen (lat. felis tigrind), welche in der 
Grundfarbe graugelb, durch ihre länglichen schwarzen Flecken, 
die auf dem Rücken mehrere gerade Linien bilden, schön ge- 
zeichnet erscheinen; sie werden zu kleinen Fussdecken und 
Schabracken verbraucht. 

Es schliesst mit diesen Fellen eigenthch die Reihe der 
Pelzthiere, doch bleiben uns noch einige Gattungen aus dem 
Reiche der Vögel zu erwähnen, deren Haut, wenn auch statt 



93 



der Haare mit Federn besetzt, doch zum Pelzwerk verbraucht 
wird. Die Felle der 

Schwäne und der Gänse. Es werden diese Thiere aus- 
schliesslich in Holland zu dem Zwecke der Pelzwerkgewinnung 
gehegt. Die Felle werden von den starken Conturfedern befreit, 
so dass nur die zarten Flaumfedern auf der Haut bleiben. 
Die Holländer und Franzosen verwenden besondere Sorgfalt auf 
die Bereitung und erhalten sie tadellos weiss und weich. Ferner 
kommt häufig eine Gattung von Tauchern unter dem Namen 
Grebes in den Handel, besonders ein Erzeugniss Hollands, 
der Türkei und der bayrischen Hochebene. Diese werden 
mit dem ganzen Gefieder d. h. jedoch ohne Flügel u. dgl. ver- 
arbeitet, und die silberweissen Bäuche bilden ein sehr schönes 
Pelzwerk, aus welchem auch allerlei Pelzschmuck gefertigt wird. 



94 



Preisverändemno: der Rauchwaaren. 



Steigen und Fallen derselben. 

Der Werth einer Waare hängt zunächst von ihrer Nutz- 
barkeit ab, und der Preis derselben von der verhältnissmässi- 
gen Seltenheit und besonders von dem Reichthume derjenigen 
Länder und Städte, wo solche Waaren behebt, zur Mode ge- 
worden und gesucht sind. 

Wir haben schon bewiesen, dass die Ausbeute feiner Pelz- 
felle in den letzten Jahrhunderten nicht geringer geworden, dass 
also feine Felle nicht seltener geworden sind, sondern dass die 
Zahl derselben von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zunimmt; vielmehr 
aber, als das Quantum der Jagdbeute, hat die Zahl der Men- 
schen, der Verbraucher, viel bedeutender hat die Mode, der 
Luxus, viel mehr hat der Nationalrcichthum aller civilisirten 
und pelzwerkverbrauchenden Länder zugenommen, und dieses 
so wie die Vermehrung des Geldes, insonderheit des Papier- 
geldes, sind die Ursachen, dass Pelzwaaren in dem Zeit- 
räume von 1720 bis 1820 durchschnittlich auf das doppelte, 



95 



in den letzten vierzig Jahren aber wiederum um das Dreifache 
gestiegen sind. 

Aber der Wechsel der Mode, Kriege und Geldkrisen ha- 
ben gelegentlich den Werth mancher Artikel um fast ebensoviel 
vermindert. Beispielsweise wurden bei der Londoner Auction 
der Hudsonsbay-Compagnie folgende höchste Preise bezahlt: 

Zobel Ao. 1729: 10/ — 1802: 5/ — 1829: 16/» d — 
1863: 35/ pro Stück. 

Nerze von Fort York 1802: 10/ — 1829: 3/^ d — 1863: 
184 d. 

Es sind demnach Zobel vor hundert Jahren theurer, als 
Anfangs dieses Jahrhunderts gewesen, dann aber nach und 
nach mehr in Mode gekommen, und theurer geworden. 1802 
galten Nerze noch einmal so viel als Zobel, in den dreissiger 
Jahren waren sie am billigsten, und jetzt gelten sie den theuer- 
sten Preis, besonders aus dem Grunde, dass die bei weitem 
grösste Anzahl derselben in Amerika selbst, welches sie haupt- 
sächUch producirt, verbraucht wird. 

Biber wurden bezahlt 1729: 4/ bis QU ä pr. Pfd. — 
18U: 24/ bis 58/ — 1829: 10/ bis 45/ — 1839: 4/ bis 6/ 
— 1844: 11/ bis 26/ — 1848: 3/ bis 6/ — 1851: 4/ bis 
ll/s d — 1863: 4/ bis IIV2/. 

Sie wurden bis in die dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts 
in Europa lediglich zu Hutstoffen, und zu diesem Zwecke 
namentlich in England verbraucht, und erhielten dadurch ihren 
hohen Werth; Ao. 1814 trieb die Speculation sie auf den 
höchsten Preis. Man glaubte damals, sie direct nach Kussland 
und China, in welchem letztern Lande sie zu Pelzwerk ver- 
braucht wurden, einführen zu können. Diese Unternehmungen 
brachten jedoch grossen Verlust. Nachdem im Jahre 1835 die 
Biberhüte auch in England aus der Mode gekommen waren 



96 



und den Seidenhüten Platz eingeräumt hatten, fiel der Preis 
binnen fünf Jahren nach und nach voij 30/ auf 5/. Nun erst 
bemächtigte der Rauchwaarenhandel sich dieses Artikels und 
derselbe ist erst seit dieser Zeit wieder bis auf ungefähr den 
doppelten Werth gestiegen. Aehnlich, wie mit Bibern, ist das 
Verhältniss mit Bisam. Auch diese wurden ehemals ausschliess- 
lich zu Hutstoffen, und erst seit den vierziger Jahren mehr 
zu Pelzwerk verwandt; sie galten den höchsten Preis 1814, als 
2/,o d per Stück bezahlt wurde; 1835: 8 cZ — 1863: 2/ per Stück. 
Auch Hasenfelle wurden im zweiten Decennium unseres Jahrhun- 
derts am höchsten, nämlich mit 20 guten Groschen per Stück bezahlt. 
Ukrainer Lammfelle kosteten bis 1835 selten über 
14 Thaler per 20 Stück, seit 10 Jahren haben sie sich fort- 
während in doppeltem Preise erhalten. Unsere deutschen Edel- 
marder wurden im Anfange dieses Jahrhunderts und noch 
1830 mit 55 Thaler per Zimmer von 40 Stück, jetzt mit 
250 Thaler per Zimmer bezahlt. Steinmarder galten damals 
40 Thaler, jetzt 160 Thaler, Iltis 12 Thaler, jetzt 80 Thaler. 
Das Steigen erfolgte aus dem Grunde, dass sie in der Zwi- 
schenzeit in England und in dem bis vor kurzem so empor- 
blühenden Nord -Amerika in Mode gekommen sind. Deutsche 
Füchse kosteten 1830 8 Thaler per 10 Stück, 1863: 18 Thaler; 
für diese und viele andere Arten Felle hat sich ein höherer 
Preis festgestellt, seit die Einfuhr in Russland nicht mehr ver- 
boten, und der Zoll* daselbst minder hoch ist. Der Werth 



* Hohe Zölle und Prohibitionen verhindern den Handel nicht, aber sie 
veranlassen das Verbrechen des Schleichhandels, nützen selten finanziell, 
sondern schaden der naturgemässen und gesunden Entwickelung der In- 
dustrie und der freien Bewegung des Handels; sie erschweren den Ver- 
brauch und den Nutzen der Waare, und drücken den Werth derselben nie- 
der. Die früher in Russland verbotenen, oder mit sehr hohem Zolle belegten 



97 




der Pelzwaaren in Russland .verändert sich in der Kegel weni- 




1 


ger durch die Mode, als durch Mangel, oder Ueberfluss an 






Waaren wurden schon damals in gleichen Quantitäten dahin eingeführt. 






Der Preis war ausserhalb Russlands viel niedriger; dort aber ist er ziem- 






lich gleich geblieben; den grossen Unterschied hat der Schleichhandel gekostet. 




Russischer Zolltarif vom Jahre 1857. 


Nener ZoU. 


Alter Zoll. 


Virgin. Iltis, Bären, Löwen, Panther, Leoparden, Zebra 


SR. 


Cop. 


SR. 


Cop. 




pr. Pfd. russ 


— 


50 


1 


50 






Flussbiber und Landottern 


1 


20 


verboten 






Seebiber (See -Ottern) . . . . 


verbf^tflTi 








Meerkatzen (Pelzseehunde) 




60 


verboten 






Füchse mit Ausnahme der schwarzen .... zur See 


— 


40 


— 


75 






zu Lande 


— 


30 


— 


50 






Füchse aus Finnland 


— 


20 


— 


45 






Schwarze Füchse, Chinchillas und Zobel 


3 


50 


8 


50 






Bisamratten 


— 


15 
40 


m See — 
blande — 


15 

80 




Schuppen 










50 






Wölfe, Luchse, Schaffelle, Angoras, Schwäne und 














Alles nicht benannte . . . • 


— 


40 


— 


75 




Fertige Pelzwaaren zahlen 50% mehr wie die Felle, 




aus denen sie angefertigt. 














Zwanzig Jahre früher waren die meisten Zölle doppelt 














so hoch, als vor Ao. 1857. 














Als noch vor 20 Jahren Nerze zum Verbrauch in ; 


England 10 Pence 


Zoll 






kosteten, wurden die Nerze vom Columbia -Fluss lediglich für das Ausland, 






demnach transito gekauft, und zu 6 Pence pro Stück bezahlt. Zwei Jahre 












2 Shilling pro Stück, und erzielten noch Gewinn dabei.* In unserm Zoll- 












Zoll von 20 Ngr. pro Centner für die meisten Rauchwaaren, nicht gestört, 












Die Unterschiedzölle jedoch, als Ausfuhrzoll von Hasen- und Lammfellen 






ä 15 Ngr., Einfuhrzoll für Angorafelle ä G Thlr., und für verfertigte Kürschner- 






arbeit ä 20 Thlr. bereiten dem Handel einige Beschwerden, bringen der In- 






dustrie sicher weder Schutz noch Gewinn und die Erhebungskosten dürften 






den finanziellen Ertrag aufwiegen. 












Y 







98 



einzelnen Artikeln. Folgende Liste, welche um so mehr für 
richtig gelten kann, als der Werth so verschieden angemerkt, 
ist, bezeichnet Preise, welche den heutigen vielfach gleichkommen. 

Preise in KiacMa 
in den Jahren 1770 bis 1772, 

a) Canadisches Pelzwerk: 

Biber das Stück zu 7 bis 10 Rub. Ottern 6 bis 25 R. Schwarze 
Füchse von 1 bis 100 R. Gemeine SVa bis 6 R. Eisfüchse 2 R. 

b) Russisches Pelzwerk: 

See-Ottern, alte, 90 bis 140 R. Mittlere 30 bis 40 R. Schwänze von 
See-Ottern das Stück 2 bis 7 R. Gemeine Biber ohne Bäuche 4 bis 
6V2 R- Junge Flussbiber 1/2 bis 4 R. Biberbäuche der Sack 25 bis 
44 R. Fluss-Ottern das Stück 2 bis 11 R. Bäuche von denselben -das 
Stück 30 Cop. Bärenhäute 2 bis 4 R. Wolfsbälge 2 bis 8 R. Luchs- 
bälge 4 bis 16 R. Vielfrasse 3 bis 4 R. Schwarze Füchse mit eis» 
grauen Haarspitzen 4 bis 180 R. Frühfüchse 1/2 bis 10 R. Feuerrothe 
80 Cop. bis 9 R. Weisse 2 R. Fuchsbäuche das Paar 75 Cop. bis 

1 R. Fuchshälse das Paar 1 R. bis 140 Cop. Fuchspfoten das Paar 
10 Cop. bis 4 R. Fuchsschwänze 4 Cop. Vertragene P^uchspelze Vi 
bis 18 R. Zobel, gemeine, 21/2 bis 10 R. Säcke von dergl. Zobel- 
rücken 120 R. Zobelbäuche das Paar 58 Cop. Zobelpfoten der Sack 
20 bis 50 R. Zobelschwänze das Stück 25 bis 50 Cop. Marderfelle 
90 Cop. bis 3 R. Pfoten 90 Cop. bis 3 R. Kehlen der Sack 7 R- 
Schwänze das Stück 20 Cop. Hermeline das Stück 20 Cop. Wiesel 

2 bis 10 Cop. Feuergelbe 25 bis 27 Cop. Iltis 11 bis 15 Cop. Grau- 
werk das Tausend 70 bis 152 R. Weisse Hasen das Stück 11 bis 
12 Cop. Seehundsfelle 140 Cop. bis 2 R. Junge Seebären I1/2 bis 
6 R. Jakutenpelze von Seebären 30 bis 70 R. Dergleichen Felleisen 
4 bis 20 R. * Dergl. Matratzen 89 R. Junge Rennthierfelle 4 bis 51/2 R. 
Katzenfelle 14 Cop. Sortirte Katzenrücken der Sack 2 bis 15 R. 
Schwarze Lämmerfelle das Stück 30 bis 110 Cop. Andere dergl. 
20 Cop. bis 1 R. Schaffelle 25 bis 80 Cop. Ziegenfelle 12 bis 40 Cop. 
Hundefelle 50 bis 100 Cop. Vieler anderer und geringer Pelzsorten 
und Felle zu geschweigen. 

Ebenso veränderlich, wie der Werth und Preis der 
Pelzfelle, ist auch das jährlich gewonnene Quantum. Die Zahl 



99 



der in Sibirien erlegten Eichhörnchen variirt zwischen fünf 
und zehn Millionen, und ist abhängig von der mehr oder we- 
niger reichlichen Nahrung; wenn demnach viele Buchennüsse 
wachsen, erhält man viele Eichhörnchen und umgekehrt. Russ- 
land producirt manchmal nur 2000 Ballen Hasen ä 500 Stück 
und zu andern Zeiten 5000 Ballen, welche Mehr- oder Min- 
derzahl aus günstiger oder ungünstiger Witterung in der 
Wurfzeit resultirt. Von Bären lieferte die Hudsonsbay-Com- 
pagnie im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts jährlich 40,000 
Stück, obgleich das gewöhnliche Quantum etwa 10,000 beträgt. 
Die Compagnie hatte einen höheren Fangpreis bewilligt, weil die 
Felle damals für den Militairgebrauch sehr theuer bezahlt wur- 
den; der hohe Preis schaffte die Waare aus den Urwäldern 
herbei. Luchse, von welchen seitens der Hudsonsbay-Compagnie 
durchschnittlich etwa 5000 Stück jährlich geUefert wurden, er- 
schienen bei der Londoner Auction im Jahre 1848 in Anzahl 
von 30,000 Stück. Der Gouverneur der Compagnie erklärte 
bei dieser Gelegenheit, dass man, in der Ueberzeugung, dass 
die Luchse den feinen Pelzthieren, namentUch den Zobeln, viel 
Schaden zufügten, ein höheres Fanggeld für Luchse ausgesetzt 
habe; er glaube diese Felle der Speculation empfehlen zu dür- 
fen, weil, da so viele Luchse getödtet worden seien, die fol- 
genden Jahre wenig davon liefern würden. Der Gouverneur 
irrte sich, denn das Jahr 1849 brachte 46,000 und das Jahr 
1850 wieder 41,000 Luchse. Aus dieser Zahl möge man sich 
eine Folgerung von dem noch unergrüudbaren Pelzreichthum 
jener Gegenden bilden. 

Von weissen Füchsen liefert die Hudsonsbay-Compagnie 
durchschnittlich jährlich 3000 Stück; das Jahr 1856 brachte 
10,267, 1864 — 12,339 Stück; das grosse Mehrquantum erfolgt 
bei sehr strengen Wintern; dann fliehen selbst die Thiere die 



7* 



100 



grimmen Eisregionen, und kommen in von Menschen bewohnte 
Gegenden, wo sie erlegt werden können. 

Von Hudsonsbay- Zobeln, deren Durchschnittszahl 80,000 
Stück ist, lieferten die Jahre 1848: 121,000 Stück — 1855: 
109,000 Stück — 1856: 149,000 Stück — 1863: 63,000 Stück 
— 1864: 88,000 Stück, welche Unterschiede von dem der 
Jagd mehr oder minder günstigen Wetter herrührten. 

Die Durchschnittszahl der Hudsonsbay- Wölfe ist 6000 Stück; 
1855 lieferte 13,754, 1862 und 1863 nur 3300, 1864 wiederum 
7634 Stück. Die Thiere waren in der Zwischenzeit vielfach 
durch Gift ausgerottet worden. 

Pelz-Seehunde sind von einigen Inseln der Südsee, wo 
sie vor 30 Jahren in übergrosser Zahl angetroffen wurden, 
ganz verschwunden, -doch unerachtet des oftmals leicht gelingen- 
den Fanges (siehe Seite 53) dürften sie schwerlich daselbst 
ausgerottet sein; sie sind nach andern Eilanden gezogen, denn 
es werden noch jährhch genügende Quantitäten erlegt. 



101 



Der Kaufmann und Rauchwaarenhändler. 



Wissen und Können sind die Eigenschaften, die der 
Mann am Manne am meisten achtet; sie sind auch die Grund- 
lagen des kaufmännischen Berufes! „Viel, recht viel davon" 
ist in unserer, in der Bildung vorgeschrittenen Zeit für den 
Kaufmann erforderlich. 

„Schreiben* ist gut, aber Rechnen ist besser"; mit die- 
sem Sprüchworte glaubte man im vorigen Jahrhundert für die 
Erfordernisse des Kaufmanns weit genug zu gehen. Orthogra- 
phisch, schön, in gutem und gewandtem Style schreiben**, cor- 
rect und schön Buch führen, mit grosser Uebersicht, richtig 
und schnell alle Rechnenvorlagen lösen, müssen auch wir neben 
specieller Fachkenntniss den übrigen Erfordernissen vorausschicken; 

* Einem Commis, welcher sich zu einer Stelle meldete, sagte der 
Chef: „Schreiben Sie mir." Der junge Mann schrieb, ohne sich zu besinnen 
mit einer vor ihm liegenden Feder, die, vielleicht absichtlich, mehr die 
Eigenschaft eines Schwefelhölzchen, als die einer Feder hatte, in höflichem 
und gutem Style; er erhielt die Stelle und machte in Folge dessen eine 
gute Carriere. ^ 

** Der beste kaufmännische Brief ist derjenige, welcher in den kürze- 
sten aber höflichen Worten die Absicht des Schreibers darlegt. 



102 



demnächst aber sind dem Kaufmanne unentbehrlich: Erd-, Länder- 
und Völkerkunde, Naturwissenschaft, Volkswirthschaft und besonders 
die Kenntniss der lebenden Sprachen, als Englisch, Franzö- 
sisch, Italienisch, Spanisch, Schwedisch und Russisch. 
Mögen andern Kaufleuten die beiden erstgenannten genügen, der 
Rauchwaarenhändler soll auch die letzteren sich zu eigen machen. 

Wenn all dieses Wissen lebendig geworden ist in Wort 
und Schrift, in Sprache und Correspondenz-, wenn es verbunden 
ist mit guten Sitten, Treue und Fleiss, dann haben wir „einen 
guten — Commis" aber noch keinen Kaufmann. 

Der Chef einer Handlung muss nothwendig und thatsäch- 
lich Alles besser können und wissen, als seine Commis. Ihm 
sind erforderlich: Organisationstalent, damit im Kleinen wie 
im Grossen ein jedes Ding und jede Kraft, die ihm zu Ge- 
bote steht, ordnungsmässig und da angewandt werde, wo sie 
am nützlichsten ist. Er braucht Weltkenntniss, dass man 
sein Wissen achte, Menschenkenntniss, um seinen Einfluss 
zu benutzen und sich vor Schaden und Betrug zu bewahren, 
Umgang mit Menschen aller Classen, hoch und niedrig, um 
den Character eines jeden zu verstehen und ihn danach zu 
behandeln. 

Wie der Spediteur die Transportmittel und Wege, der 
Banquier den Credit, die Börsen und die Politik zu beobachten 
hat, so richtet der Blick des Kaufmanns sich auf den ganzen 
Erdball; er überschaut Production und Consumtion. Der Rauch- 
waarenhändler gebraucht Waarenkenntniss, damit bei der 
Ansicht einer Waare die vollständige Geschichte derselben sich 
ihm klar vor Augen stelle; neben der Benennung, die sich von 
selbst versteht, das Vaterland, die Jahreszeit der Gewinnung, 
der Werth auf den verschiedenen Handelsplätzen, der Ver- 
brauch der Waare, der Markt, wo sie zu verkaufen ist, und 



103 



die Geld-, Credit- und Prosperitäts- Verhältnisse des Verkauf- 
marktes. 

Moralische Kraft, die wir unter allen Erfordernissen und 
unter allen Gütern des Kaufmanns am höchsten stellen. Sie 
besteht in der Ueberzeugung der Kenntniss eines Un- 
ternehmens und des aufrichtigen Willens, rechtlich ge- 
gen Jedermann seine Schuldigkeit zu thun. Man ge- 
langt dazu durch unaufhörliches Lernen (denn man weiss 
nie genug) — und durch das Streben, anderen Menschen 
und der Welt Nutzen zu schaffen. Wer im Handel nur 
für seinen eigenen Erwerb zu arbeiten meint, ist zu vergleichen 
mit dem Menschen, der da lebt, um zu essen, anstatt dass 
er essen soll, um zu leben. Sein Geschäft dünkt ihm eine 
Last; er wird träge, wenn er glaubt, genug erworben zu haben; 
oder habsüchtig und geizig, wenn er grosse Güter ansammeln 
will. Selbst verschuldete Verluste schreibt er den Umständen 
zu und bei ihm begegnendem Unglück wird er leicht verführt, 
für sich behalten zu wollen, was Anderen gehört. Der Kauf- 
mann, welcher arbeitet um Andern zu nützen, der Eifer 
und Vorliebe hat für seinen Beruf, wird des Zieles seines 
Strebens, der Vervollkommnung der irdischen Dinge sich 
bewusst; ihm offenbaren sich die Vorzüge des menschlichen 
Geistes. Er hat Freude an seinem Berufe; darum arbeitet er 
mit Lust und ohne Unterlass; das Misslingen eines Unternehmens 
oder Verluste schreibt er seiner eigenen Unvollkommenheit zu; 
aber Gewinn und Gelingen eifert ihn an zu neuem Streben. 
Zwar Mancher, der nur reich zu werden strebt, erreicht auch 
Erfolg und schafft der Welt Nutzen, aber unbewusst in Betreff 
des Zweckes seines Daseins. 

Ferner bedarf er Handelstalent. Wenn es auch Menschen 
giebt, die fast in jedem Berufe Nützliches würden leisten können, 



104 



SO steht es doch fest, dass viele nur zum Lehrstande, andere 
nur zum Wehrstande und wieder andere nur zum Nährstande, 
dem der Kaufmann angehört, taughch sind, und dass alle ver- 
schiedenen Stufen und Abtheilungen dieser Stände nöthig sind, 
um manchen Einzelnen ihren Wirkungskreis anzuweisen*. — 

Handelstalent, welches nicht gar viele besitzen, ist die 
Eigenschaft und Fähigkeit, gegebene Verhältnisse in Waaren, 
Wechseln, Geld und andern Gütern durch Austausch 
zunächst Andern und dadurch sich selbst nutzbar zu 
machen. In jedem Orte und unter allen Verhältnissen weiss 
das Handelstalent zu finden, wie der Handel besser betrieben 
werden könne; je ausgedehnter das Feld, je grösser die Pro- 
sperität des Landes, desto bessere Gelegenheiten und Vortheile 
bieten sich ihm dar, sein Ziel ist, die Vervollkommnung zu 
erstreben, deren alle irdischen Dinge fähig sind. Wer dieses 
versteht, dem wird reicher Geldgewinn nicht ausbleiben und er 
wird des noch höheren Lohnes, der Ueberzeugung nützlichen 
Strebens , theilhaftig werden. 

Geld! Geld? Wir wiederholen das Wort mit einem Frage- 
zeichen. Nach Geld schreien alle Diejenigen, welche weiter Nichts 
als Geld besitzen. Diejenigen, welche kein Geld oder keine 
Fähigkeiten besitzen und Diejenigen, welche der Welt weder 
nützen wollen noch können. Geld ist allerdings zum Handel 
eines der vielen Mittel; aber als Güter, die es ersetzen und 

* Einem strebsamen Geschäftsmanne , der das Ziel seines Berufes kennt, 
dürfte es schwer werden, für allgemeine Angelegenheiten, Communal- und 
Regierungsgeschäfte die nöthige Zeit zu finden, weil fast ein jedes Fabrik- 
und Handelsgeschäft einer Ausdehnung fähig ist, in welcher der Chef 
allein mehr als eine grosse oder kleine Stadtgemeinde zu verwalten hat. 
Vielfach dürften daher diejenigen Geschäftsleute, die ihre Zeit vornehmlich 
dem öffentlichen Wohle widmen, in ihrem geschäftlichen Berufe nicht an 
ihrem Platze sein. 



105 



deren "Werth höher zu schätzen ist, sind zu bezeichnen: In- 
telligenz, Kenntnisse, Fähigkeiten, guter Name und der 
daraus folgende Credit. Es wird nicht oft eine Handlung mit 
' grossem Capital gegründet; man sagt: „das Geld soll werben"; 
es werben aber auch die Kenntnisse und Fähigkeiten des Mannes 
und wenn es in der von uns bezeichneten treuen, rechtUchen 
Weise geschieht: so muss man dieses Werben ein ehrenvolles 
Streben nennen. 

i 

Rechtlichkeit. Der Kaufmann muss darin strenger sein 

als die meisten andern Stände, als jedes Gesetzbuch; sie muss 
ihn auf jedem Pfade des Lebens begleiten; sie ist ihm zunächst 
I bei der Begründung eines Geschäfts, und zu dieser Epoche vor- 
nehmlich bei der Benutzung des Credits nöthig. Einem 
jungen Kaufmanne mit gutem Namen fehlt es selten an genü- 
genden Credit, und hier gilt die Klugheit, nicht mehr davon 
zu benutzen, als mit seiner Geschäftskenntniss und seiner mora- 
lischen Kraft vereinbar ist. Er muss sein Wort halten*, denn 
ein gebrochenes Versprechen raubt den guten Namen. Nicht zur 
rechten Zeit und Stunde zahlen zu können, entnimmt den Credit 
und das Schlimmste, was dem Kaufmanne widerfahren kann, 
ist nicht etwa der Verlust seines Eigenthums, sondern der 
Verlust des Eigenthums, das Andern gehört. Mögen auch die 



* Wenn ein Banquier bei Vorzeigung eines fremden Wechsels gefragt 
wird, ob solcher Wechsel gut sei; so M'ird er durch seine Antwort ,ga" sich 
rechtlich für verpflichtet halten, den Wechsel zu bezahlen, selbst wenn er 
die ganze Summe verliert; er müsste denn dem „Ja" die Bemerkung: „ohne 
meine Verbindlichkeit" hinzugesetzt haben. — Wir erinnern unter vielen andern 
nur an einen Fall, als an der Börse in Lübeck ein Kaufmann gefragt wurde, 
ob ein gewisses Hamburger Haus für 10,000 Mark gut sei. Als er die Frage 
bejaht hatte und zwei Tage später erfuhr, dass jenes Hamburger Haus fallirt 
habe, bezahlte er auf sein „Ja" hin ohne weiteres die 10,000 Mark. Er war 
damals nicht reich, aber er hat bis heute seine Ehre bewahrt. 



106 



Andern den Verlust ertragen können, er verliert dadurch seine 
Ehre, und man könnte sagen, es wäre ihm besser, nie geboren 
zu sein — denn nur in dem seltenen Falle, dass es ihm gelingt, 
in ferner Zeit Capital und Zinsen wiederzuerstatten, kann er die 
Ehre wiedererlangen. 

Der rechtliche Kaufmann soll sein Licht leuchten lassen. 
Im Dunkeln wandeln die Finsterlinge und herrscht der Betrug. 
Ein offenes Gesicht ist dem Kaufmann ein Freibrief durch die 
Welt und ein freimüthiges Wesen gewinnt ihm Zuneigung. Kennt- 
nisse und Geschicklichkeit allein nützen nicht; der Handel will 
auch betrieben und empfohlen* sein, empfohlen durch Wort und 
Schrift (ein jeder Brief muss der betreffenden Handlung zur 
Empfehlung dienen) — durch Ankündigungen, Umlaufsschreiben, 
die der Handlungsweise entsprechen. 

* Ein Schuliwichsfabrikaut in London, der überzeugt war, die beste 
Schuhwichse anfertigen zu können, legte fast sein ganzes Capital zur Verfer- 
tigung dieses Artikels an. Darauf kündigte er seine Waare in Zeitungen und 
Briefen an; aber Niemand kümmerte sich um seine Wichse; er hatte keine 
Käufer. Als er sah, dass er bald kein Geld zum Lebensunterhalte mehr 
haben würde, fiel ihm noch ein Mittel zu Bewirkung des Verkaufs ein Er 
zog seine besten Kleider an, ging zu allen grossen Londoner Handlungshäusern 
und fragte nach einer grossen Partie Schuhwichse; er verlangte aber Waare 
von Day dt Martin (so hiess seine Firma), von welcher man ihm noch keine 
liefern konnte. Nun erst ward Nachfrage für seine Wichse laut; man suchte 
sie, kaufte sie, pries sie an, die Waare entsprach der Empfehlung, er konnte 
bald kaum genug Wichse liefern. Der Mann ist durch diesen einfachen Artikel 
reich geworden; ein grosses Haus in Holboru, das ihm gehört, trägt die Firma 
„Day <& Martin"'. Oft sieht man 3 bis 4 eiserne Lastwagen hintereinander 
durch Londons Strassen ziehen, jeden mit vier glänzend schwarzen starken 
Pferden bespannt, neben jedem Wagen einen Fuhrmann und einen Knecht mit 
weissen Schürzen; diese Lastwagen und Leute gehören Day (& Martin; sie 
holen von den Speichern die Ingredienzen der Schuhwichse, oder sie bringen 
grosse Fässer voll Wichse zu den Schiffen, die nach überseeischen Häfen 
gehen. Auch eigene Schiffe besitzt der Mann, die von Indien Specereien 
bringen und dorthin Schuhwichse führen. 



I 

I 



107 



Es darf dem Kaufmanne nicht fehlen an Unternehmungs- 
geist, der mit dem Wissen, der Klugheit und Vorsicht zu- 
sammengeht. Wenn der Preis der Waaren und Werthsachen 
steigt oder fällt wegen Mangel oder Ueberfluss, durch den 
Wechsel der Mode oder durch friedliche oder kriegerische Er- 
eignisse, duixh Prosperität oder schlechte Geldverhältnisse der 
Productions- oder der Verbrauchsländer, so ist dem Kaufmanne 
Alles zu wissen von grossem Vortheil. Ist nun die Waare 
wohlfeil zu den Verhältnissen des Verbrauchsmarktes, den er 
kennt, so kauft er viel und benutzt auch wohl seinen Credit, 
fördert billige Waare dahin, wo sie gesucht ist und schafft 
dadurch Nutzen und sich selbst Gewinn. Wird aber solche 
Waare zur Mode in einem glücklicher Verhältnisse sich erfreuenden 
Lande, so kauft er viel, auch zu hohem Preise, bei gleichem 
Erfolge. Unternehmungsgeist ist wohl zu unterscheiden von 
Speculation, die nicht auf Wissen, sondern nur auf Hoffen und 
Glauben beruht, die nur ein Glücksspiel ist und aus dem kauf- 
männischen Wörterbuche gestrichen werden sollte. 

Muth gehört dazu, die Welt in allen den Theilen zu 
erobern und sich unterthan zu machen, die seinen gemeinnützigen 
Zwecken dienen können. Der Kaufmann scheut auch auf Reisen 
nicht Gefahr, mag auf der See es stürmen und toben. Wie 
der Schiffer das wogende Element zu bewältigen strebt, so über- 
wältigt auch er jede Furcht, denn er ist in seinem Berufe. 
Sein Muth erstreckt sich vornehmlich auch auf die Wahrung 
seiner Ehre, die er mit allem Vermögen vertritt und mit allen 
ihm zu Gebote stehenden Waffen schützt. 

Der Kaufmann und Rauchwaarenhändler sollte Kosmopolit 
sein; er dient allen Nationen und alle müssen ihm dienen; 
keine Völker und Menschen sind als solche seine Feinde. Er 
bezieht Waaren von dem Lande, wo sie am besten sind, und 



108 



muss arbeiten lassen da, wo die Fabrikation am weitesten vor- 
geschritten ist, weil er anders seinen Beruf, der Welt zu nützen, 
nicht würde erfüllen können; nur unter gleichen Bedingungen 
zieht er sein engeres Vaterland vor. Er ist nach seiner poli- 
tischen Gesinnung zuerst Weltbürger, und wenn er in Deutsch- 
land und in Sachsen wohöt, zuerst Deutscher, dann Sachse, 
aber unter diesen Voraussetzungen nicht . Engländer , Fi-anzose, 
Preusse oder Oestreicher. 

Im Verfolg seines Ziels, nändich in ' dem Streben nach 
Vervollkommnung ist er dem Fortschritte und der Verbesserung 
des Bestehenden, besonders der freien Entwickelung des 
Handels und der Gewerbe, freier Wege und Stege, 
Verminderung und Aufhebung der Zollschranken, mit 
einem Worte dem Freihandel zugethan; er ist überzeugt, dass 
der Handel vor allen andern Dingen vollkommene Freiheit 
vertragen kann; dass derselbe, wo sie waltet, am besten 
gedeiht und derselben auch würdig ist. Aber er vergisst 
auch nicht, dass der Handel neben der Freiheit „der Sicher- 
heit" bedarf und achtet Gesetz und Ordnung. 

Ora d labora. Der Kaufmann muss fromm sein im 
ernsten Sinne; er muss von Frömmelei weit entfernt und ohne 
äusseren Schein all sein innerstes Wollen, und Streben im 
demüthigen Gebete Gottes Rath anheimstellen. Nur zu leicht 
kann er bei dem GeHngen seiner Unternehmungen, beim An- 
wachsen seines Vermögens sich dem Wahne hingeben, dass 
dieses Alles sein eigenes Werk und Verdienst sei und leicht 
kann er darüber seines Schöpfers vergessen, der ihm Intelligenz 
und Fähigkeiten verliehen hat; aber, sein Vermögen ist so un- 
sicher wie der Meeressand, den eine Hochfluth angehäuft und 
den die nächste Ebbe hinwegreisst ; seine Grundsätze sind wie 
das schwache Rohr, das der Wind hin und her weht. Nur 



109 



Gebet und Gottvertrauen neben treuer Pflichterfüllung können 
ihn sicher auf dem gefahrvollen Lebenspfade geleiten. Mit Gott 
steht er sicher wie ein Fels! Wie aber auch ein Fels fallen 
kann, so auch er; aber er fällt dann mit dem Bewusstsein, 
dass dem Laufe des Irdischen Genüge geschehen ist und sein 
Geist, der Ewigkeit angehörend, hebt sich vertrauend wieder 
empor durch Nacht zum Licht. 

Der Kaufmann ehrt seinen König als die SpitSe der Landes- 
verhältnisse und liebt ihn um so mehr, wenn neben hohen 
Regententugenden Weisheit und Wissen ihn verehrungswürdig 
machen. Er achtet sein engeres Vaterland, das er niemals 
verleugnet und für dessen Ehre er Alles einzusetzen bereit ist. 

Er pflegt auch gerne des Frohsinns, wenn das Familien- 
glück ihm Rosen streut; und freigebig und wohlthätig 
sein zu können, dünkt ihm der Lohn und Segen seiner 
Arbeit. 



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