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D 20 720 E 




OKTOBER 1978 

104. Jahrgang, Nummer 10 

Konferenz-Sonderausgabe 





Veröffentlichung 

der Kirche Jesu Christi der 

Heiligen der Letzten Tage 



Oktober 1978 
104. Jahrgang 
Nummer 10 



Erste Präsidentschaft: Spencer W. Kimball, N. Eldon Tanner, Marion G. Romney. 

Der Rat der Zwölf: Ezra Taft Benson, Mark E. Petersen, Delbert L. Stapley, LeGrand Richards, 
Howard W. Hunter, Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, Boyd K. Packer, Marvin J. Ashton, 
Bruce R. McConkie, L. Tom Perry, David B. Haight. 

Beratendes Komitee: Gordon B. Hinckley, Marvin J. Ashton, L. Tom Perry, Marion D. Hanks, 
James A. Cullimore, Robert D. Haies. Church Magazines: Dean L. Larsen, Herausgeber. 

Internationale Redaktion: Larry A. Hiller, Carol Larsen, Roger Gylling. 

Der Stern: Klaus Günther Genge, Übersetzungsabteilung, Grabenstraße 14, A-8010 Graz. 

Nachrichtenredaktion: Holger G. Nickel, Porthstraße 5-7, D-6000 Frankfurt /Main 50, Telefon 
0611/1534278. 



148. Frühjahrs-Generalkonferenz 

der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 



Die Sprecher der Konferenz in alphabetischer 

Anderson, Joseph 127 

Ashton, Marvin J. . 12 

Backman, Robert L 132 

Benson, Ezra Taft 59 

Brown, Victor L 162 

Clarke, Richard J 150 

Cook, Gene R 120 

Cullimore, James A 47 

Cuthbert, Derek A 130 

Haight, David B 42 

Hinckley, Gordon B 110 

Hunter, Howard W 65 

Kimball, Spencer W. . 5, 86, 139, 144, 175 

Lee, George P 50 

Maxwell, Neal A 17 

McConkie, Bruce R 21 

Monson, Thomas S 37 



Reihenfolge 

Packer, Boyd K 165 

Perry, L. Tom 97 

Petersen, Mark E 115 

Poelman, Ronald E 58 

Reeve, Rex C 134 

Richards, LeGrand 135 

Romney, Marion G 75, 93, 173 

SM, Sterling W 123 

Simpson, Robert L 68 

Smith, Barbara B 155 

Smith, Eldred G 65 

Stone, O. Leslie 106 

Tanner, N. Eldon 25, 80, 172 

Taylor, Henry D 72 

Tuttle, A. Theodore 158 

Vandenberg, John H 101 



Jahresabonnement : 

Bestellungen über den Sternagenten der Gemeinde: 

DM 20, — an Verlag Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 

Postscheckkonto Frankfurt 6453-604. 

sFr. 21 — an First National City Bank, Genf, Konto-Nr. 0/312750/007, Kirche Jesu Christi 

der Heiligen der Letzten Tage. 

ÖS 130,— an Erste Österreichische Spar-Casse, Wien, Konto-Nr. 000-81388, 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. 

USA und Kanada (nicht mit Luftpost): $ 8.00. 

© 1978 by the Corporation of the President of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints. 

All rights reserved. 

Verlag Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Porthstrasse 5-7, 

D-6000 Frankfurt am Main 50. 



INHALT 



Versammlung am Samstagmorgen, dem 1. April 1978 

Der wahre Weg zum Leben und zur Erlösung. Spencer W. Kimball 5 

Keine Zeit zum Streiten. Marvin J. Ashton 12 

Von Gott berufene Frauen. Neal A. Maxwell 17 

„Der Morgen naht, die Schatten fliehn". Bruce R. McConkie 21 

„Und [ihr] werdet die Wahrheit erkennen". jY. Eldon Tanner 25 

Versammlung am Samstagnachmittag, dem 1. April 1978 

Statistischer Bericht 1977 32 

Bericht des Finanzkomitees der Kirche 34 

Bestätigung der Beamten der Kirche 35 

Das glaubensvolle Gebet. Thomas S. Monson 37 

Die Primarvereinigung bereichert das Leben der Kinder. David B. Haight 42 

Betrüben wir nicht den Heiligen Geist, damit wir ihn nicht verlieren. James A. Cullimore 47 

Sich von der Welt unbefleckt halten. Georg P. Lee 50 

Entscheidungen. Eldred G. Smith 55 

„Ich bin nicht aus eigener Kraft an diese Stelle gelangt". Ronald E. Poelman 58 

„Möge das Reich Gottes ausgehen". Ezra Taft Benson 59 

Priestertumsversammlung am Samstag, dem 1. April 1978 

„Tu deine Schuhe an!". Howard W. Hunter 65 

„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe". Robert L. Simpson 68 

Offenbarung. Henry D. Taylor 72 

Aufgaben des Priestertums. Marion G. Romney 75 

Einer Empfehlung würdig sein. N. Eldon Tanner 80 

Werten wir die Familie — die Grundeinheit der Kirche — auf. Spencer W. Kimball 86 

Versammlung am Sonntagmorgen, dem 2. April 1978 

Gebet und Offenbarung. Marion G. Romney 93 

„Hoffe auf den Herrn". L. Tom Perry 97 

„Was ist Wahrheit?" John H. Vandenberg 101 

Erfolg in der Ehe. O. Leslie Stone 1 06 

„Sei nicht ungläubig". Gordon B. Hinckley 110 

Versammlung am Sonntagnachrnittag, dem 2. April 1978 

„Ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht". Mark E. Petersen 115 

Folgen Sie Ihrem geistigen Führer. Gene R. Cook 1 20 

Erfolgslyrik. Sterling W.Sill 123 

Eifrig wirken-. Joseph Anderson 127 

Was erwartet der Herr von mir? Derek A. Cuthbert 130 

Alles, was mir teuer ist. Robert L. Backman 132 

Unter dem Eindruck der neuen Berufung. Rex C. Reeve . 134 

Das Zweite Kommen Christi. LeGrand Richards 135 

Hören Sie auf die Propheten. Spencer W. Kimball 1 39 

Wohlfahrtsversammlung, Samstag, 1. April 1978 

Reinen Herzens werden. Spencer W. Kimball 144 

Das Lagerhaus-Hilfssystem. Richard Clarke 150 

Die Zeit des Alters. Barbara B. Smith 155 

Wohlfahrtsdienst beginnt bei Ihnen. A. Theodore Tuttle 158 

Auf Liebe begründet. Victor L. Brown 162 

Seelische Probleme nach des Herrn Weise lösen. Boyd K. Packer 165 

Wir sind seine Verwalter. N. Eldon Tanner 1 72 

Das königliche Gesetz der Liebe. Marion G. Romney 173 

Familien, die nach dem Evangelium leben. Spencer W. Kimball 175 



Bericht von der 

148. Frühjahrs-Generalkonferenz 

der Kirche Jesu Christi 

der Heiligen der Letzten Tage 



Reden vom 1. und 2. April 1978 
im Tabernakel auf dem Tempelplatz in Salt Lake City 



,, Horche, o du Volk meiner Kirche . . . 
Horchet ihr Völker in der Ferne, und 
ihr, die ihr auf den Inseln des Meeres 
seid, merkt alle auf!" (LuB 1:1). 

Die inspirierten Reden, die auf den 
Generalkonferenzen der Kirche gehal- 
ten werden, entsprechen dem Geist die- 
ser packenden Einleitung zum Buch 
, Lehre und Bündnisse'. Auch die dies- 
jährige Frühjahrs-Generalkonferenz - 
ihre offizielle Bezeichnung lautet „148. 
Frühjahrs-Generalkonferenz der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage" — wurde traditionell in diesem 
Geist abgehalten. 

Auf allen Versammlungen präsidierte 
Präsident Spencer W. Kimball, der auf 
der ersten Versammlung der General- 
konferenz am Samstagmorgen vier neue 
Brüder als Mitglieder des Ersten 
Kollegiums der Siebzig bestätigen ließ. 
Außerdem gab er die historisch bedeut- 
same Anordnung bekannt, daß es in der 
genealogischen Arbeit hinfort zwei 
Schwerpunkte geben soll. Die Mit- 
glieder werden aufgefordert: 



1. ihre Lebensgeschichte niederzu- 
schreiben und in einer Familien- 
organisation mitzuarbeiten 

2. das Vier-Generationen-Programm 
zu erfüllen 

Weitergehende Forschungen können 
nach seinen Worten durchgeführt wer- 
den, wenn die Betreffenden es wün- 
schen. Im Zusammenhang mit dieser 
erneuten Betonung des Vier-Generati- 
onen-Programms wird in der ganzen 
Kirche ein neues Programm eingeführt, 
in dessen Rahmen die Mitglieder Na- 
men aus genealogischen Aufzeich- 
nungen herausschreiben. 
Auf der Konferenz waren Führer der 
Kirche aus der ganzen Welt zugegen, 
darunter elf Gebietsbeauftragte, die 
außerhalb der Vereinigten Staaten le- 
ben, 183 Regionalrepräsentanten und 
900 Pfahlpräsidenten, die zu der Kon- 
ferenz eingeladen waren. 
Die Versammlungen fanden am Sams- 
tag, dem 1., und am Sonntag, dem 2. 
April, statt. 32 Generalautoritäten 
(gegenwärtig gibt es deren 66) haben 
Reden gehalten. Dadurch, daß vier neue 



Mitglieder in das Erste Kollegium der 
Siebzig aufgenommen worden sind, hat 
sich die Mitgliederzahl dieses Kolle- 
giums auf 47 erhöht. Die neuen General- 
autoritäten sind Ronald E. Poelman aus 
Kalifornien, Derek A. Cuthbert aus 
England, Robert L. Backman und Rex 
C. Reeve sen. aus Salt Lake City. 
Die Konferenzversammlungen wurden 
im Tabernakel auf dem Tempelplatz in 
Salt Lake City abgehalten. Zusätzliche 
Sitzplätze wurden in der Assembly Hall 
und im nahegelegenen Salt Palace 
bereitgestellt. Die Versammlungen fan- 
den am Samstag um 7 Uhr (Wohlfahrts- 
versammlung), 10 Uhr, 14 Uhr und 19 
Uhr (allgemeine Priestertumsver- 
sammlung) und am Sonntag um 10 Uhr 
und 14 Uhr statt. 

Die Versammlungen oder Ausschnitte 
davon wurden durch elektronische Me- 
dien in viele Teile der Welt übertragen: 
215 Sender und 125 Kabelsysteme über- 
nahmen die Übertragung in den Ver- 
einigten Staaten und in Kanada; 51 
Rundfunksender strahlten sie in den 
USA aus, 75 in Lateinamerika und 44 in 



Australien. Ein Kurzwellensender be- 
diente- Europa, Afrika und Latein- 
amerika. Über Kabel wurden die Ver- 
sammlungen in mehr als 300 Gemeinde- 
häuser in den Vereinigten Staaten und 
Europa übertragen. Die allgemeine 
Priestertumsversammlung wurde mit 
Hilfe von 1.360 Kabelstationen über- 
tragen. 

Zusätzlich zu den auf zwei Tage ver- 
teilten Konferenzversammlungen fand 
am Freitag, dem 31. März, im Amts- 
gebäude der Kirche ein Seminar für 
Regionalrepräsentanten statt. Dort gab 
Präsident Kimball bekannt, daß es in 
jedem Pfahl jährlich nur noch zwei 
Pfahlkonferenzen geben soll und daß 
von 1979 an einige Gebietskonferenzen 
in den Vereinigten Staaten stattfinden 
sollen. Weitere bedeutsame Belehrun- 
gen und Anweisungen Präsident Kim- 
balls hatten kirchliche, politische und 
staatliche Angelegenheiten zum Gegen- 
stand, daneben Fragen der Genealogie, 
der Missionsarbeit und der Vereinfa- 
chung des Programms und der Organi- 
sation der Kirche. 

Die Herausgeber 



Versammlung am Samstagmorgen, d. 1. April 1978 

Der wahre Weg zum Leben 
und zur Erlösung 

Präsident Spencer W. Kimball 




H« 



.eute, Brüder und Schwestern, trete 
ich mit dankbarem Herzen vor Sie, 
dankbar nicht nur dafür, daß wir uns 
wieder einmal in religiöser Freiheit ver- 
sammeln dürfen — ich weiß die Hingabe 
der treuen Heiligen in der Kirche zu 
würdigen — , sondern auch dafür, daß 
Sie meiner Aufforderung Folge geleistet 
haben, sich mehr anzustrengen. Diese 
Aufforderung bleibt auch weiterhin be- 
stehen. Viele von Ihnen haben fleißig 
gearbeitet und ihr Haus und ihren 
Garten verschönert. Andere haben den 
Rat befolgt, sich einen Garten anzu- 
legen, soweit dies möglich ist. Dies soll 
dazu dienen, daß wir die Bindung an den 
Ackerboden nicht verlieren und mehr 
Sicherheit gewinnen, indem wir zumin- 
dest einen Teil unserer Lebensmittel und 
dessen, was wir zum Leben brauchen, 
selbst erzeugen können. 
Produzieren Sie auf Ihrem Grundstück, 
falls Wasser vorhanden ist, so viele 
Nahrungsmittel wie irgend möglich. 
Beerensträucher, Weinstöcke und Obst- 



Das Wichtigste, was man den Menschen heute sagen kann, 
ist, daß Jesus Christus lebt und uns den Weg zum Leben 
weist. 



bäume sind am meisten zu empfehlen. 
Pflanzen Sie diese, sofern das Klima bei 
Ihnen dafür geeignet ist. Ziehen Sie auch 
Gemüse, und essen Sie solches Gemüse, 
das Sie im eigenen Garten produzieren. 
Auch wer in einer Miet- oder 
Eigentumswohnung lebt, kann im allge- 
meinen in Töpfen oder Kästen ein wenig 
Obst und Gemüse ziehen. 
Ich habe schon einmal erwähnt, daß sich 
die meisten Mitglieder der Kirche be- 
wußt sind, wie sehr uns die Missions- 
arbeit am Herzen liegt und wie oft wir in 
vielen Ländern dazu aufgerufen haben, 
sich der Evangeliumsverkündigung von 
neuem zu widmen und Missionare 
auszubilden, die allen Menschen die gute 
Nachricht von der Wiederherstellung 
des Evangeliums bringen können. Der 
Tempelarbeit für die Verstorbenen mes- 
se ich die gleiche Dringlichkeit bei wie 
der Missionsarbeit für die Lebenden, 
denn beides dient im Grunde demselben 
Ziel. Ich habe meinen Brüdern, den 
Generalautoritäten, gesagt, daß mich 
die Arbeit für die Toten ständig be- 
schäftigt. 

Unlängst haben die Erste Präsident- 
schaft und der Rat der Zwölf Apostel 
gründlich darüber nachgedacht, wie wir 
uns bei dieser ungeheuer wichtigen Auf- 



5 



gäbe mehr anstrengen können. Nun- 
mehr geben wir bekannt, daß wir zwei 
Schwerpunkte setzen: 

1 . Alle Mitglieder der Kirche sollen ihre 
Lebensgeschichte niederschreiben und 
in einer Familienorganisation mit- 
arbeiten. Außerdem möchten wir erneut 
Nachdruck darauflegen, daß jeder mit 
seiner Familie das Vier-Generationen- 
Programm erfüllen soll. Dies machen 
wir jedem Mitglied der Kirche zur 
Pflicht. Wenn eine Familie es wünscht, 
kann sie ihre Ahnentafel über die vier 
Generationen hinaus erweitern. 

2. Wir stellen hiermit ein für die ganze 
Kirche gültiges Programm vor, in des- 
sen Rahmen aus genealogischen Quellen 
Namen herausgeschrieben werden. Die 
Mitglieder der Kirche können jetzt im 
Sinne der Zweiten Meile einen wert- 
vollen Dienst leisten, indem sie mit- 
helfen, nach den Bestimmungen dieses 
Programms und unter der Weisung der 
Priestertumsführer Namen aus genea- 
logischen Aufzeichnungen herauszu- 
schreiben. Dies soll auf örtlicher Ebene 
geschehen; den Priestertumsführern 
werden dazu noch nähere Anweisungen 
zugehen. 

Bei mir zu Hause stehen auf einem 
Bücherregal in meinem Arbeitszimmer 
33 große, mit Eintragungen gefüllte 
-Tagebücher. Jedes Tagebuch umfaßt 
den Zeitraum eines Jahres. Diese Biblio- 
thek habe ich durch tägliche Ein- 
tragungen aufgebaut. Sie enthält Auf- 
zeichnungen über meine Reisen in viele 
Länder der Erde und über die dort 
abgehaltenen Versammlungen, die 
Menschen, die ich dort kennengelernt 
habe, und die Trauungen, die ich voll- 
zogen habe, dazu Notizen über alles, 
was für meine Familie und, wie ich 
hoffe, eines Tages auch für die Kirche 
von Interesse ist. 

Ich fordere alle, die zur Kirche gehören, 
dazu auf, sich ernsthaft um ihre 



Familiengeschichte zu kümmern. Jeder 
soll seine Eltern und seine Großeltern 
dazu bewegen, ein Tagebuch zu führen. 
Keine Familie soll in die Ewigkeit ein- 
gehen, ohne ihren Kindern, Enkeln und 
weiteren Nachkommen ihre Memoiren 
zu hinterlassen. Alle sind dazu ver- 
pflichtet, und ich ermahne jeden Heili- 
gen der Letzten Tage, seine Kinder dazu 
zu veranlassen, daß sie damit beginnen, 
ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben 
und Tagebuch zu führen. 
In der Aprilausgabe der Zeitschrift ,,Das 
Beste" ist in den Vereinigten Staaten 
und im deutschen Sprachraum ein 
besonderer Artikel erschienen, der sich 
aus dem Heft heraustrennen läßt. 
Es werden darin vier Eigenschaften 
beschrieben, die viele Eltern in ihrer 
Familie vermissen, und es wird ein Weg 
aufgezeigt, wie jeder seine Familie mit 
diesen Eigenschaften als Maßstab be- 
urteilen kann. Außerdem werden all- 
gemeine Hinweise dafür gegeben, wie 
man ein glücklicheres Familienleben 
führen kann. Es wird auch ein Beispiel 
für diesen Aktionsplan dargestellt. In 
der Zeitschrift „Das Beste" werden in 
diesem Jahr noch drei weitere Artikel 
dieser Art erscheinen. Ich empfehle es 




allen Mitgliedern der Kirche und allen 
Außenstehenden zur Lektüre. 
Vor kurzem hat uns ein hoher Beamter 
einen Besuch abgestattet und gesagt: 
„Die Familie ist von entscheidender 
Bedeutung. Sie bildet die Grundlage für 
die Stärke unserer Zivilisation — eine 
Tatsache, die man anscheinend ver- 
gessen hat. Die Familie ist so ungeheuer 
wichtig, denn von ihr hängen die körper- 
liche und die seelische Gesundheit des 
einzelnen entscheidend ab, und sie bietet 
uns den sichersten Schutz vor Not und 
Unglück. Als einzige Einrichtung garan- 
tiert sie uns eine Umgebung, wo der 
Fortbestand der Grundsätze und der 
Begriffswelt gewährleistet sind, die uns 
stark gemacht haben. 
Ich erinnere mich an einen Zeugen, der 
vor einem vom [amerikanischen] Kon- 
greß eingesetzten Komitee ausgesagt 
hat. Dieses Komitee befaßte sich mit der 
Familie. Hier die Worte des Zeugen: 
, Bevor Sie an der Familie herum- 
pfuschen, sollten Sie sich erst einmal 
klar darüber werden, daß in der über- 
lieferten Geschichte alle staatsähnlichen 
Gebilde es schließlich der Familie über- 
lassen haben, die Kinder großzuziehen. 
Ehe Sie versuchen, die Familie abzu- 
schaffen, sollten Sie lieber herausfinden, 
aus welchen Gründen alle Kulturen an 
ihrer Einrichtung festgehalten haben.' 
Ich halte es wirklich für außer- 
gewöhnlich, daß Ihre Kirche so großen 
Wert auf das Familienleben legt." 
Das Evangelium ist seit jeher eine Sache 
der Familie. Wir sollen uns ernsthaft 
bemühen, regelmäßig einen begeistern- 
den Familienabend zu halten und sorg- 
fältig zu planen, worüber wir an diesem 
Abend sprechen wollen. Dadurch setzen 
wir für unsere Kinder Maßstäbe, die 
während ihres ganzen Lebens richtungs- 
weisend für sie sein werden. Wenn wir 
uns in dieser Weise Zeit für unsere 
Kinder nehmen und für sie da sind. 



geben wir ihnen etwas, was sie stets 
schätzen werden. 

Der Familienabend-Leitfaden enthält 
eine Fülle von wertvollen Anregungen. 
Sie sollen den Eltern jedoch nicht die 
Aufgabe abnehmen, mit Hilfe von In- 
spiration darüber nachzusinnen, was an 
dem jeweiligen Familienabend ge- 
schehen soll, um auf bestimmte 
Erfordernisse einzugehen. Wenn wir 
unsere Familie zu Hause mit der geist- 
igen Speise des Evangeliums nähren, 
braucht sie nicht allein davon zu leben, 
was sie aus den Versammlungen der 
Kirche mitnimmt, sondern wird darin 
eine kostbare Ergänzung sehen. 
In der Familie wird die Anlage zu einem 
Heiligen ausgebildet. Leider gibt es nicht 
genug gute Familien. Noch immer wer- 
den Kinder von ihren Eltern miß- 
handelt. Sie finden zu Hause keine Liebe 
und werden dort nicht in der Wahrheit 
unterwiesen. 

Wir machen uns große Sorgen darüber, 
daß die Presse von immer neuen Kindes- 
mißhandlungen berichtet. Wir sind er- 
schüttert darüber, daß es einen Vater 
oder eine Mutter geben kann, die dem 
eigenen Kind Schaden zufügen. Der 
Herr hat kleine Kinder liebgehabt und 
gesagt: 

„Lasset die Kinder und wehret ihnen 
nicht, zu mir zu kommen; denn solcher 
ist das Himmelreich" (Matthäus 19:14). 
Kein Heiliger der Letzten Tage lade 
jemals die schreckliche Schuld auf sich, 
eines der von Christus so geliebten 
kleinen Kinder zu mißhandeln! 
Die neueste von der Regierung der 
Vereinigten Staaten erarbeitete Statistik 
zeigt, daß die Epidemie der Scheidungen 
weiter um sich greift und an Intensität 
noch zunimmt. 1975 wurden in den 
USA eine Million Ehen geschieden oder 
für nichtig erklärt. Dies ist die höchste 
bisher berichtete Zahl. 
Im vergangenen Jahr wurden fast halb 



so viele Ehen geschieden, wie neue Ehen 
geschlossen wurden. Es gab doppelt so 
viele Scheidungen wie 1966 und fast 
dreimal so viele wie 1950. Mehr als eine 
Million Kinder unter 18 Jahren dürfte 
von dieser Familienzerrüttung betroffen 
sein. Die seelischen und sonstigen Fol- 
gen sind für sie vielleicht noch schwer- 
wiegender als für die Eltern selbst. 
Auch wenn einige diese folgenschweren 
Tatsachen ignorieren, sind wir der Auf- 
fassung, fast jeder, der über die Ver- 
hältnisse nachsinnt, sollte zu dem 
Schluß kommen, daß die Nation zer- 
brechen muß, wenn die Familie zerrüttet 
wird. Es kann keinen Zweifel daran 
geben, und alle Historiker sowie Men- 
schen, die die Geschichte betrachten, 
sind zu der gleichen Erkenntnis ge- 
kommen. 

Wir können uns einer bösen Ahnung 
nicht erwehren: Es scheint uns, daß sich 
die Befürworter vieler Bestrebungen ent- 
weder nur wenig oder gar nicht um die 
Heiligkeit der Familie kümmern. 
Was uns besonders am Herzen liegt, ist 
die geistige, seelische und sittliche 
Gesundheit aller Familienmitglieder - 
der Kinder, der Jugendlichen und der 
Erwachsenen. 

Es heißt, daß 1974 in den Vereinigten 
Staaten über eine Million ungeborener 
Kinder durch vorsätzliche Abtreibung 
ihrer Lebensmöglichkeit beraubt wur- 
den. Dies ist, auf die letzten Jahre 
bezogen, eine enorme Steigerung. Aus 
diesem Grund bekräftigen wir noch 
einmal, daß wir Gegner der Abtreibung 
sind. Wir halten sie nur in besonderen 
Ausnahmefällen für gerechtfertigt. 

Ich möchte meiner Dankbarkeit für die 
großartigen Frauen in der Kirche Aus- 
druck geben. Wir lieben die Frauen in 
unserer Kirche. Sie bedeuten uns so viel 
wie unsere Ehefrau und unsere Mutter, 
unsere Großmütter, unsere Schwestern 
und unsere Freunde. Wenn einmal die 



vollständige Geschichte dieser und frü- 
herer Evangeliumszeiten erzählt wird, 
wird sie mit Berichten über beherzte 
Frauen angefüllt sein — über ihre Weis- 
heit, ihre Aufopferung und ihren Mut. 
Nach der Auferstehung des Herrn Jesus 
Christus trafen Frauen als erste an 
seinem Grab ein, und es scheint uns, daß 
auch unsere rechtschaffenen Frauen oft 
instinktiv das aus ewiger Sicht Ent- 
scheidende erfassen. Wir sind der glei- 
chen Ansicht wie jener weise Mann, der 
sinngemäß gesagt hat: Wir reden davon, 
daß uns die Sprache unserer Mutter auf 
Dauer prägt, während es doch die Liebe 
unserer Mutter ist, die uns nachhaltig 
beeinflußt. 

Aus diesem Grund bereitet uns der 
allgemeine Trend große Sorge, der den 
Wert der Mutterliebe in der heutigen 
Welt herabsetzt. Gott hat der Mutter 
den Auftrag gegeben, die Kinder in 
ihren ersten Lebensjahren zu lenken. Ein 
großer Teil dessen, was Einzelpersonen 
und Institutionen heutzutage unter- 
nehmen, um Menschen wieder auf den 
richtigen Weg zu bringen, geschieht nur 
deshalb, weil die Eltern bei der Erzie- 
hung versagt haben und diese Fehler 
hinterher ausgeglichen werden müssen. 
Umgekehrt spiegelt das glückliche Le- 
ben eines Erwachsenen zu einem großen 
Teil die gute Erziehungsarbeit der Mut- 
ter wieder, die alles für ihr Kind getan 
hat. 

Goethe hat gesagt: „Das Ewig-Weibli- 
che zieht uns hinan" (Faust, II. Teil, 5. 
Akt). 

Und in der Schrift heißt es: „Die Frau ist 
der Ruhm des Mannes" (1. Korinther 
11:7; frei nach dem griech. Urtext). 
Die Schrift erinnert uns auch an fol- 
gendes: „Frauen können ihren Unter- 
halt von ihren Männern beanspruchen, 
bis diese hinweggenommen werden" 
(LuB 83:2). Die Frau hat gegenüber 
ihrem Mann auch einen Anspruch dar- 



8 



auf, daß er sie voller Achtung und 
Rücksichtnahme behandelt und ihr die 
Treue hält. In der feinen, beglückenden 
Beziehung, die zwischen Mann und 
Frau herrschen soll, ist das Priestertum 
Teil der Partnerschaft. 
Wir sind sehr erfreut darüber, wie unsere 
Schwestern ihre Talente entfalten, und 
wir staunen über ihre Leistungen. Die 
Bemühungen der Kirche um die Bildung 
ihrer Frauen sprechen für sich selbst. 
Uns ist vielleicht mehr als jeder anderen 
von der Größe her vergleichbaren Grup- 
pierung daran gelegen, daß unsere 
Frauen ihre Fertigkeiten und Fähigkei- 
ten entwickeln, denn wir glauben daran, 
daß wir uns nicht nur für diese Welt 
Bildung aneignen, sondern für alle 
Ewigkeit. 

Gleich von Anfang an hat die Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage den Fortschritt der Frauen ge- 
fördert. Schon der Prophet Joseph 
Smith hat die Ideale des Frauentums 
gelehrt. Er war im wahrsten Sinne des 
Wortes ein Fürsprecher der Frauen, und 
er hat ihnen die volle Handlungsfreiheit 
dafür eingeräumt, daß sie sich als Müt- 
ter und Krankenschwestern, als Befür- 
worterinnen hoher Ideale im Gemein- 
wesen und als Beschützerinnen der Mo- 
ral entfalten konnten. 
Was könnte sich eine Frau mehr wün- 
schen. Was könnte ein Mann mehr für 
seine Frau wünschen? Was könnte ein 
Mann mehr begehren, als selbst auf 
ebenso hoher Stufe zu leben. 
Der Prophet Joseph Smith hat uns die 
Organisation der Frauenhilfsver- 
einigung gegeben, um die Frauen in der 
Kirche diesen hohen Zielen näherzu- 
bringen. Heute ist die Frauenhilfs- 
vereinigung eine weltweite Bewegung 
und Mitglied staatlicher und internatio- 
naler Organisationen, die für den Fort- 
schritt und die Entwicklung der Frauen 
eintreten. 



Wir haben in der Kirche ein beliebtes 
Lied, das eine bedeutsame Lehre zum 
Ausdruck bringt: ,,0 mein Vater". Beim 
Singen dieses Liedes werden wir gewahr, 
daß hier das Höchstmaß mütterlicher 
Sittsamkeit angedeutet wird — die 
beherrschte, königliche Anmut unserer 
Mutter im Himmel. Wenn wir be- 
denken, wie dauerhaft unsere irdische 
Mutter unsere Persönlichkeit geformt 
hat, können wir dann annehmen, daß 
uns unsere Mutter im Himmel weniger 
beeinflußt, falls wir so leben, daß wir 
wieder zu ihr zurückkehren dürfen? 
Meine geliebten Brüder und Schwestern, 
Gott lebt, und ich lege davon Zeugnis 
ab. Jesus Christus lebt, und er ist der 
Urheber des wahren Lebens und der 
Errettung. 

Dies ist die Botschaft der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage. Es 
ist das Wichtigste, was man der heutigen 
Welt verkündigen kann. Jesus Christus 
ist der Sohn Gottes. Er wurde von Gott 
Vater zum Erretter dieser Welt aus- 
ersehen. Sein Erscheinen wurde schon 
Jahrhunderte vor seiner Geburt voraus- 
gesagt. Adam und Mose, Jesaja und 
Jeremia, Hesekiel und Lehi, Nephi und 
König Benjamin, Alma, Samuel und 
viele andere hatten Visionen vom Kom- 
men des Erlösers, und sie sahen auch 
Maria, seine ewige Mutter. 
Ein neuzeitlicher Prophet, der ver- 
storbene James E. Talmage vom Rat der 
Zwölf Apostel, hat folgendes über die 
Natur Jesu Christi geäußert: 
„Millionen verstorbener und lebender 
Menschen vereinigen sich zum feierli- 
chen Zeugnis, daß Er göttlich ist, der 
Sohn des lebendigen Gottes, der Hei- 
land und Erlöser des Menschen- 
geschlechts, der ewige Richter der Seelen 
der Menschen, der Erwählte und Ge- 
salbte des Vaters - - kurz, der Christus 

Jesus Christus war und ist Jehova, der 



Gott Adams und Noahs, der Gott 
Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott 
Israels, der Gott, auf dessen Ver- 
anlassung die Propheten aller Zeit spra- 
chen, der Gott aller Völker — Er, der 
dereinst als König der Könige und Herr 
aller Herren auf Erden regieren wird" 
(James E. Talmage, Jesus der Christus, 
S. 1, 3). 

Wozu wurde Christus gesandt? 
„Gott schuf den Menschen zu seinem 
Ebenbilde, zum Bilde Gottes schuf er 
ihn; und schuf sie als Mann und Weib" 
(1. Mose 1:27). 

So wurde der Mensch nach dem Bilde 
Gottes erschaffen und auf diese Erde 
gestellt, um das irdische Dasein 
durchzumachen ein Übergangs- 

stadium zwischen dem vorirdischen Da- 
sein und der Unsterblichkeit. 
Unsere Stammeltern, Adam und Eva, 
übertraten ein Gebot Gottes, indem sie 
von der verbotenen Frucht aßen. Da- 
durch wurden sie sterblich. Dies hatte 
zur Folge, daß sie und alle ihre Nach- 
kommen dem leiblichen und dem gei- 
stigen Tod unterworfen wurden. 
Wenn Adam seinen ursprünglichen Zu- 
stand wiedererlangen sollte (das heißt - 
ein Dasein in der Gegenwart Gottes), 
mußte für seinen Ungehorsam eine Süh- 
ne geleistet werden. Dementsprechend 
sah Gottes Plan einen Erlöser vor, der 
die Bande des Todes zerreißen und 
durch seine Auferstehung die Voraus- 
setzung dafür schaffen sollte, daß der 
Geist und der Körper aller Menschen, 
die auf der Erde gelebt haben, wieder 
miteinander verbunden werden können. 
Jesus von Nazareth war es, der vor der 
Erschaffung der Welt dazu auserwählt 
wurde, auf die Erde zu kommen und 
diesen Dienst für die Menschen zu 
leisten, nämlich den leiblichen Tod zu 
überwinden. Durch sein freiwilliges Op- 
fer sollte er die Sühne für Adams und 
Evas Sündenfall erwirken und die Mög- 



lichkeit dafür schaffen, daß der Geist des 
Menschen seinen Körper wieder- 
erlangen kann, so daß Geist und Körper 
wieder miteinander vereinigt werden. 
Niemand hat so einen starken Einfluß 
auf die gesamte Menschheit ausgeübt 
wie Jesus Christus. In einer Krippe 
geboren, mit einer irdischen Mutter und 
einem himmlischen Vater als Eltern, hat 
er 33 Jahre auf Erden gelebt. Von diesen 
33 Jahren hat er 30 damit verbracht, sich 
auf seine Sendung und sein Wirken 
vorzubereiten. Als er bereit war, ging er 
zum Jordan, um sich von seinem Cou- 
sin, Johannes dem Täufer, durch Unter- 
tauchen taufen zu lassen. Dadurch, daß 
er sich dieser symbolischen Handlung 
unterzog, machte er für jedermann deut- 
lich, daß man nur durch die Taufe in die 
Kirche Gottes aufgenommen werden 
kann. Gott Vater sprach vom Himmel 
und bekundete sein Einverständnis mit 
dieser wichtigen Handlung, indem er 
sagte: „Dies ist mein lieber Sohn, an 
welchem ich Wohlgefallen habe 1 " (Mat- 
thäus 3:17). 

Während der nächsten drei Jahre diente 
der Erlöser den Menschen. Er heilte 
Kranke und gab Blinden das Augenlicht 
zurück, trieb unsaubere Geister aus und 
weckte Tote auf, tröstete die Un- 
terdrückten und breitete die gute Nach- 
richt vom Evangelium der Liebe aus; er 
zeugte für seinen Vater, verkündigte den 
ewigen Plan der Errettung und schuf die 
Grundlage für eine Organisation, die 
sich der Erlösung des Menschen widmen 
sollte: seine Kirche. Es war nicht die 
Kirche Johannes des Täufers oder die 
Kirche des Petrus, noch war es Paulus' 
oder eines anderen Menschen Kirche. Es 
war die Kirche Christi, und er war ihr 
Oberhaupt. 

Daß Christus eine Kirche gegründet hat, 
läßt sich mit dem Neuen Testament gut 
belegen. Im Brief an die Epheser heißt 
es, die Kirche Jesu Christi sei „erbaut 



10 



auf den Grund der Apostel und Pro- 
pheten, da Jesus Christus der Eckstein 
ist" (Epheser 2:20). Zu Petrus hat der 
Erlöser gesagt: ,,Ich will dir des 
Himmelreichs Schlüssel geben, und al- 
les, was du auf Erden binden wirst, soll 
auch im Himmel gebunden sein, und 
alles, was du auf Erden lösen wirst, soll 
auch im Himmel los sein" (Matthäus 
16:19). 

Jesus Christus erwählte in seiner Kirche 
zwölf Apostel und einen Rat der Siebzig. 
Nachdem er ihnen Vollmacht gegeben 
hatte, sandte er sie mit dem Auftrag aus, 
zu verkündigen, daß Gott Vater seinen 
Sohn anerkannt habe. Als sich um den 
Tempel auf dem amerikanischen Kon- 
tinent eine große Menschenmenge ver- 
sammelt hatte und der Herr Jesus Chri- 
stus ihnen als Auferstandener erschien, 
hat der Vater erneut von ihm Zeugnis 
gegeben mit den Worten: 
,,Seht, mein geliebter Sohn, an dem ich 
Wohlgefallen habe, in dem ich meinen 
Namen verherrlicht habe — hört ihn!" 
(3. Nephi 11:7). 

Gegen Ende seines irdischen Wirkens 
führte der Erlöser seine geliebten Apo- 
stel Petrus, Jakobus und Johannes auf 
den Berg der Verklärung. In der Schrift 
wird dieses Geschehen so beschrieben: 
,,Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu 
sich Petrus und Jakobus und Johannes, 
seinen Bruder, und ging mit ihnen allein 
auf einen hohen Berg. 
Und er ward verklärt vor ihnen, und sein 
Angesicht leuchtete wie die Sonne, und 
seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 
Und siehe, da erschienen ihnen Mose 
und Elia; die redeten mit ihm. 
Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: 
Herr, hier ist für uns gut sein! Willst du, 
so wollen wir hier drei Hütten machen, 
dir eine, Mose eine und Elia eine. 
Da er noch redete, siehe, da über- 
schattete sie eine lichte Wolke. Und 
siehe, eine Stimme aus der Wolke 



sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an 
welchem ich Wohlgefallen habe; den 
sollt ihr hören! 

Da das die Jünger hörten, fielen sie auf 
ihr Angesicht und erschraken sehr. 
Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an 
und sprach: Stehet auf und fürchtet euch 
nicht! 

Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen 
sie niemand als Jesus allein" (Matthäus 
17:1-8). 

In unserer Evangeliumszeit hatte der 
Prophet Joseph Smith ein ähnliches 
Erlebnis, und er hat Zeugnis davon 
abgelegt. 

Zu Beginn einer langen Vision sah der 
Prophet Joseph Smith „zwei Gestalten, 
deren Glanz und Herrlichkeit 
[unbeschreiblich waren], über [sich] in 
der Luft stehen. Eine von ihnen sprach 
zu [ihm], [ihn] beim Namen nennend, 
und sagte, auf die andre deutend: Dies 
ist mein geliebter Sohn, höre ihn!'" (Jo- 
seph Smith 2:17). 

Dies ist ein weiterer Beweis dafür, daß 
Jesus Christus, unser Erlöser wirklich 
lebt. 

Immer wieder lege ich Zeugnis davon 
ab, daß Jesus Christus, der dem Pro- 
pheten Joseph Smith und den Nephiten 
erschienen ist, göttlicher Herkunft ist. 
Weiter lege ich Zeugnis davon ab, daß 
unsere Sache göttlichen Ursprungs ist 
und daß dies die wahre Kirche ist; daß 
die heiligen Handlungen in dieser Kirche 
von Gott eingesetzt sind und daß es für 
jeden Menschen von größter Bedeutung 
ist, gemäß den celestialen Gesetzen zu 
leben. Dies bezeuge ich Ihnen im Namen 
Jesu Christi, unseres Herrn. Amen. 



11 



Keine Zeit zum Streiten 



Marvin J. Ashton 




or wenigen Monaten erfuhren einige 
unserer Missionare auf einer abgelege- 
nen Insel im südlichen Pazifik, daß ich 
sie bald für zwei oder drei Tage besuchen 
würde. Als ich eintraf, warteten die 
Missionare bereits besorgt, denn sie 
wollten mir unbedingt einige gegen die 
Mormonen gerichteten Schriften zeigen, 
die in diesem Gebiet im Umlauf waren. 
Die darin ausgesprochenen Anschuldi- 
gungen beunruhigten sie, und sie waren 
sehr darauf bedacht, Vergeltungs- 
maßnahmen zu planen. 
Die Ältesten saßen nur auf dem Rand 
ihrer Stühle, während ich die von einem 
Geistlichen verfaßten Verleumdungen 
las, der sich anscheinend durch den 
Erfolg der Missionare bedroht fühlte. 
Beim Lesen einer Broschüre mit bös- 
willigen und lächerlichen Behauptungen 
mußte ich zum Erstaunen meiner jungen 
Freunde sogar lächeln. Als ich fertig 
war, fragten sie: „Was sollen wir jetzt 
unternehmen? Wie können wir solche 
Lügen am besten bekämpfen?" 
Ich antwortete: „Wir wollen nichts ge- 
gen den Verfasser unternehmen. Wir 
haben keine Zeit zum Streiten. Wir 
haben nur Zeit für die Belange unseres 
Vaters im Himmel. Streiten Sie mit 



„Können wir, wenn wir uns gegen die Mißstände der 
heutigen Zeit wenden . . . , unsere Auffassung äußern . . .. 
ohne Streit zu verursachen und ohne unseren Gesprächs- 
partner zu einer Abwehrhaltung zu veranlassen?'''' 



niemandem. Verhalten Sie sich wie ein 
Gentleman, und treten Sie ruhig und 
überzeugt auf. Dann werden Sie, das 
verspreche ich Ihnen, Erfolg haben." 
Die Worte, die wir im Buch Mormon, 
Helaman 5:30 finden, könnten diesen 
Missionaren und uns allen als Richt- 
schnur dienen: „Als sie diese Stimme 
vernahmen und hörten, daß es keine 
Donnerstimme war, auch keine lärmen- 
de, schreiende Stimme, sondern eine 
Stimme von vollkommener Sanftheit, 
fast wie ein Flüstern, das gleichwohl bis 
zum innersten Herzen durchdrang ..." 
Niemals ist es wichtiger gewesen als 
heute, daß die Mitglieder der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage einen festen Standpunkt einneh- 
men, entschlossen an ihrer Überzeugung 
festhalten und sich in allen Umständen 
umsichtig verhalten. Einige versuchen 
geschickt, die Menschen zum Streiten 
über aktuelle Fragen aufzustacheln. Wir 
dürfen uns von ihnen weder manipulie- 
ren noch zum Zorn reizen lassen. 
Wenn bei irgendeiner Streitfrage An- 
sichten vorgetragen werden, die Gottes 
Gesetzen widersprechen, so muß die 
Kirche ihren Standpunkt eindeutig dar- 
legen. Wir haben dies bisher getan und 
werden es auch weiterhin tun, wenn 
Grundprinzipien sittlichen Handelns 
angegriffen werden. Heutzutage gibt es 
einige, die schlechtes Verhalten und 



12 



Unmoral fördern, um Profit zu machen 
und populär zu werden. Wenn andere 
unserem Standpunkt nicht beipflichten, 
sollen wir uns nicht mit ihnen streiten 
oder es ihnen mit gleicher Münze heim- 
zahlen. Wir können ein gutes Verhältnis 
zu unseren Mitmenschen aufrecht- 
erhalten und Streitigkeiten mit ihren 
unangenehmen Folgen vermeiden, so- 
fern wir unsere Zeit und unsere Kraft 
vernünftig einsetzen. 
Wir müssen gewissenhaft darauf achten, 
daß wir andere durch unsere Äuße- 
rungen nicht verärgern. Ständig müssen 
wir uns daran erinnern, daß wir, wenn 
wir auch andere Menschen nicht ändern 
können, die Aufgabe haben, uns selbst 
zu vervollkommnen. 
Einige Menschen und Organisationen 
versuchen uns zum Streit her- 
auszufordern, indem sie uns verleum- 
den, uns etwas unterstellen oder etwas 
verzerren. Wie unklug handeln wir in 
der heutigen Gesellschaft doch, wenn 
wir uns zum Zorn reizen oder beirren 
lassen oder gekränkt reagieren — nur 
weil es anscheinend Freude bereitet, 
unseren Standpunkt oder unser Ver- 
halten verzerrt darzustellen. Unsere 
Grundsätze werden nicht dadurch er- 
schüttert, daß Streitsüchtige sie an- 
greifen. Unsere Pflicht ist es, unseren 
Standpunkt durch Argumente und ge- 
naue Fakten überzeugend, aber gütlich 
darzulegen. Wir müssen fest und un- 
nachgiebig bleiben, wo es um mo- 
ralische Fragen unserer Zeit und die 
ewigen Grundsätze des Evangeliums 
geht, ohne uns jedoch auf Streit mit 
Menschen oder Organisationen einzu- 
lassen. Zank führt nur dazu, daß Barrie- 
ren aufgebaut werden, während die 
Liebe alle Türen öffnet. Wir sind ver- 
pflichtet, uns Gehör zu verschaffen und 
die Welt zu unterweisen. Unsere Auf- 
gabe beschränkt sich nicht darauf, daß 
wir Streit vermeiden sollen; wir sollen 



auch darauf hinwirken, daß die Men- 
schen aufhören, miteinander zu streiten. 
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer 
den Geist der Zwietracht hat, ist nicht 
von mir, sondern vom Teufel, dem 
Vater der Zwietracht, und er reizt das 
Herz der Menschenkinder zum Zorn 
auf, gegeneinander zu streiten. 
Seht, es ist nicht meine Lehre, das Herz 
der Menschen zum Zorn gegeneinander 
aufzureizen, sondern es ist meine Lehre, 
daß solche Dinge aufhören sollen" (3. 
Nephi 11:29, 30). 

Wir müssen wieder darauf aufmerksam 
gemacht werden, was Streit eigentlich 
bedeutet: nämlich, daß man gegen- 
einander kämpft, hauptsächlich in Ge- 
stalt von Wortgefechten. Sich streiten 
heißt, daß man sich mit seinem Mit- 
menschen in aggressiver Form ausein- 
andersetzt. Streit ist noch niemals dem 
Fortschritt förderlich gewesen und wird 
es auch niemals sein. Man wird unsere 
Treue nie danach beurteilen, in welchem 
Ausmaß wir uns an Disputen beteiligt 
haben. Einige sind sich gar nicht darüber 
im klaren, was alles als Streit einzustufen 
ist, und sie sind sich der Gefahren des 
Zanks nicht bewußt. Viele von uns sagen 
allzu leicht: „Was, ich? Ich bin nicht 
streitsüchtig, und ich mache jeden fertig, 
der das von mir behauptet." Aber unter 
uns gibt es immer noch einige, die lieber 
einen Freund verlieren, als in einem 
Wortgefecht unterlegen zu sein. Wie 
wichtig ist es doch, daß man weiß, wie 
man eine abweichende Meinung äußert, 
ohne dabei weniger liebenswürdig zu 
sein. Es geziemt einem jeden von uns, 
sich an sachlichen Diskussionen und 
sinnvoller Suche nach Erkenntnis zu 
beteiligen, doch dürfen wir uns niemals 

auf erbitterte Dispute einlassen. 
Jeder Mensch kann durch Streit verletzt 
werden; ebenso kann jede Familie durch 
Zank Schaden nehmen. Es ist bedauer- 
lich, wenn Kinder in einer Familie 



13 



aufwachsen, wo ständig Streit herrscht. 
Ebenso traurig ist es, wenn eine Organi- 
sation die Zwietracht offen oder ver- 
steckt als Teil ihres Programms be- 
handelt. Wer aus einer Familie kommt, 
wo es nicht üblich ist, sich zu zanken, 
findet es im allgemeinen abstoßend, wie 
andere Tag für Tag miteinander hadern. 
Von allen Seiten wird heute die Ein- 
richtung der Familie bedroht. Konflikte 
innerhalb der Familie sind gefährlich 
und wirken sich oft schädlich aus. 
Streitigkeiten sind eine schwere Be- 
lastung für den Bestand und die Stärke, 
den Frieden und die Einigkeit der Fami- 
lie. Wo eine starke Familie aufgebaut 
werden soll, gibt es sicher keine Zeit, 
miteinander zu zanken. 
Anstatt es zu Auseinandersetzungen 
und Reibereien in der Familie kommen 
zu lassen, sollen wir uns gegenseitig 
erbauen, einander zuhören und ver- 
nünftig miteinander reden. Bei einer 
Fireside hat mir ein 1 5j ähriges Mädchen 
schriftlich die Frage gestellt: ,,Gibt es 
etwas, was ich tun kann, um das gegen- 
seitige Verhältnis in meiner Familie zu 
verbessern? Ich bin 15 Jahre alt und 
freue mich fast nie darauf, nach Hause 
zu kommen. Es kommt mir so vor, als 
würde jeder nur darauf warten, daß ich 
etwas Unpassendes sage, damit er über 
mich herfallen kann." 
Ein anderes junges Mädchen im Alter 
von 17 Jahren wurde gefragt, warum sie 
in einer Stadt mit ihrer Schwester 
zusammenlebe, anstatt bei ihren Eltern 
zu wohnen. Sie antwortete: „Wegen der 
ständigen Streitigkeiten zu Hause. Ich 
konnte es einfach nicht mehr aus- 
halten." Sie fuhr fort: ,, Immer gibt es 
dort Streit. Ich kann mich nicht er- 
innern, daß es jemals anders war. Jeder, 
vor allem meine Eltern, macht sich ein 
Vergnügen daraus, dem anderen Grob- 
heiten zu sagen." Ich will nur einige 
wenige Äußerungen nennen, die man 



zuweilen in einer Familie hört und die 
Kränkung und Streit herbeiführen: „Du 
weißt gar nicht, wovon du redest!" „Was 
soll denn dieser Unsinn schon wieder?" 
„Was hast du bloß schon wieder für eine 
Unordnung in deinem Zimmer!" „War- 
um tust du nicht, was ich dir sage?" 
Vor fast fünf Jahrhunderten lebte und 
wirkte in Italien ein schöpferisches Ge- 
nie namens Leonardo da Vinci. Heute ist 
er vorwiegend wegen seiner Gemälde — 
zum Beispiel der Mona Lisa — berühmt, 
aber er vermochte auch in Debatten und 
als Redner zu faszinieren, und seine 
Erzählungen lassen eine reiche Phanta- 
sie erkennen. Eine seiner Fabeln möchte 
ich Ihnen erzählen. Sie heißt einfach 
„Der Wolf. 

„Vorsichtig und behutsam verließ der 
Wolf eines Abends den schützenden 
Wald, angezogen vom Geruch einer 
Schafherde. Langsamen Schrittes kam 
er näher, indem er bei jedem Schritt die 
Pfote mit größter Vorsicht aufsetzte, um 
auch nicht das kleinste Geräusch zu 
verursachen, denn dieses würde den 
Hund aufwecken. 

Eine Pfote trat jedoch unachtsam auf ein 
Planke; diese knarrte und weckte den 
Hund. Dem Wolf blieb nichts anderes 
übrig, als mit knurrendem Magen wie- 
der davonzulaufen. So litt das ganze 
Tier, weil ein Glied des Körpers leicht- 
sinnig handelte" (nach Leonardo da 
Vinci). 

Ich möchte etwas anschneiden, was 
einigen vielleicht unwichtig erscheint, 
wovon ich aber glaube, daß es der 
Geistigkeit eines Heiligen der Letzten 
Tage abträglich sein kann. Die be- 
dauerliche Lage der beiden Mädchen, 
von denen ich gesprochen habe, weist 
daraufhin. Es verhält sich damit wie mit 
der unachtsam aufgesetzten Pfote des 
Wolfes; es verursacht unsägliches Leid, 
hindert viele daran, geistig zu wachsen, 
und untergräbt die Einigkeit in der 



14 



Familie. Ich meine Auseinander- 
setzungen und unüberlegte Äuße- 
rungen, die durch Zorn, Entrüstung und 
Unduldsamkeit verursacht werden. Wie 
traurig ist es doch, wenn jemand von zu 
Hause fortzieht, weil er die Reibereien 
nicht mehr ertragen kann. 
Oft wird von Geschehnissen berichtet, 
worin der Haß und die Erbitterung zum 
Ausdruck kommen, die die Folge von 
Streitigkeiten zwischen Nachbarn sind. 
Einige Familien müssen wegen ernster 
Konflikte sogar umziehen. Zwistig- 
keiten zwischen Nachbarn lassen sich 
oft nur dadurch beilegen, daß man die 
Zweite Meile geht und die andere Wange 
darbietet, den eigenen Stolz unterdrückt 
und sich entschuldigt. 
Der Erlöser hat die Ursache genannt, 
worauf sich jeglicher Hader zurück- 
führen läßt, ganz gleich, wo er auftritt, 
ob in der Familie, im öffentlichen Leben 
oder in der Schule: „Denn wahrlich, 
wahrlich, ich sage euch, wer den Geist 
der Zwietracht hat, ist nicht von mir 
sondern vom Teufel, dem Vater der 
Zwietracht, und er reizt das Herz der 
Menschenkinder zum Zorn auf, 
gegeneinander zu streiten" (3. Nephi 
11:29). Dies besagt, daß der Satan nur 
Macht über uns gewinnt, wenn wir ihm 
Zugang gewähren. Wir können uns frei 
entscheiden; wir bestimmen selbst, wie 
wir uns verhalten wollen. Der Prophet 
Joseph Smith hat einmal gesagt: „Der 
Teufel hat nur in dem Maße Macht über 
uns, wie wir es zulassen. Sobald wir uns 
gegen etwas auflehnen, was von Gott 
kommt, kann er über uns herrschen" 
(Lehren des Propheten Joseph Smith). 
Wenn man bedenkt, was für schlechte 
Gefühle und Mißhelligkeiten durch 
Streit entstehen, tut man gut daran, sich 
zu fragen: „Warum beteilige ich mich 
daran überhaupt?" Falls wir wirklich 
ehrlich vor uns selbst sind, könnte 
unsere Antwort etwa so lauten: „Wenn 



ich streitsüchtig bin, brauche ich mich 
nicht zu ändern, und ich habe dadurch 
die Möglichkeit, mich an dem anderen 
zu rächen." „Ich bin unglücklich, und 
ich möchte, daß sich andere ebenso 
elend fühlen." „Wenn ich mich streite, 
kann ich selbstgerecht sein. Dadurch 
kann ich mein Ich herausstellen." „Ich 
möchte nicht, daß andere vergessen, 
wieviel ich weiß!" 

Unabhängig von dem eigentlichen 
Grund für den Hang zur Zwietracht 
muß sich jeder vergegenwärtigen, daß er 
für sein Handeln selbst verantwortlich 
ist. Das Kernproblem ist im Grunde die 
uralte Neigung des Menschen zum 
Stolz: „Unter den Übermütigen ist im- 
mer Streit" (Sprüche 13:10). 
Wenn es dem Satan gelingt, uns dahin zu 
bringen, daß wir gewohnheitsmäßige 
Streithähne werden, fällt es ihm leichter, 
uns mit schweren Sünden zu binden, die 
uns vom ewigen Leben ausschließen 
können. Die Streitsucht kann fast jeden 
Lebensbereich beeinträchtigen. Ein in 
Hast und Zorn geschriebener Brief kann 
uns zuweilen noch nach Jahren wie ein 
böser Spuk verfolgen. Ein paar un- 
überlegte, haßerfüllte Worte können 
eine Ehe oder eine Freundschaft zer- 
stören und den Fortschritt des Gemein- 
wesens hemmen. 

Können wir, wenn wir gegen die heuti- 
gen Mißstände wie Abtreibung und 
Homosexualität, Unmoral und 
Alkoholmißbrauch, Drogensucht und 
Unehrlichkeit, Intoleranz und der- 
gleichen Stellung beziehen, unsere Auf- 
fassung vortragen, ohne dabei die Faust 
zu ballen, die Stimme zu heben und 
Streit zu entfachen? Können wir, ohne 
unsere Zuhörer herauszufordern, über 
die nützlichen Grundsätze des Evange- 
liums wie das Wort der Weisheit und die 
Sabbatheiligung, die sittliche Reinheit 
und andere Wahrheiten der Schrift spre- 
chen? Es ist nicht leicht, aber möglich. 



15 



\ 



Wir sind verpflichtet, unsere eigene 
Furche zu pflügen, unsere eigene Saat zu 
säen und zu pflegen und unsere eigene 
Ernte einzubringen. Dies läßt sich nicht 
allein am besten mit dem Pflug anstatt 
mit dem Schwert bewerkstelligen, son- 
dern auch dadurch, daß wir die nötigen 
Verpflichtungen eingehen, anstatt Streit 
zu suchen. 

Ich möchte Ihnen einige Ratschläge 
geben, wie man Auseinandersetzungen 
entschärfen kann: 

1. Beten Sie darum, daß Sie von der 
Liebe Gottes erfüllt werden. Zuweilen 
kostet dies große Mühe, aber der Geist 
des Herrn kann harte Gefühle mildern 
und einen abgestumpften Geist sanft 
stimmen. 

2. Lernen Sie, Ihre Zunge im Zaum zu 
halten. Es gibt dafür einen altbewährten 
Grundsatz: ,, Denke zweimal nach, ehe 
du redest, und dreimal, ehe du han- 
delst." 

3. Lassen Sie nicht zu, daß das Ge- 
spräch von Emotionen beherrscht wird, 
sondern reden Sie vernünftig mitein- 
ander. 



4. Lassen Sie sich nicht immer wieder in 
die gleiche Art von Zank und Konfron- 
tation hineinziehen. 

5. Üben Sie sich darin, mit leiser, ruhi- 
ger Stimme zu sprechen. Am besten 
kann nicht derjenige mit seinen Mit- 
menschen in Frieden leben, der mit 
„lärmender, schreiender Stimme" 
spricht, sondern derjenige, der dem 
Vorbild des Erlösers gemäß mit einer 
„Stimme von vollkommener Sanftheit" 
(Helaman 5:30) redet. 

Wir haben keine Zeit für Zank und 
Streit. Wir müssen jeden Tag den Willen 
und die Selbstbeherrschung aufbringen, 
die notwendig sind, um der Streitsucht 
Einhalt zu gebieten. Allen, die sich 
ernsthaft darum bemühen, verheiße ich, 
daß Gott ihnen helfen wird, diesen 
schrecklichen Feind zu bezwingen. Be- 
folgen wir die Worte des Herrn: „Höret 
auf, einer gegen den andern zu streiten; 
sprecht nicht mehr Böses voneinander" 
(LuB 136:23). Wir haben für nichts 
anderes Zeit als für die Werke unseres 
ewigen Vaters. Von dieser Wahrheit lege 
ich im Namen Jesu Christi Zeugnis ab. 
Amen. 




Von Gott berufene Frauen 

Neal A. Maxwell 

von der Präsidentschaft des Ersten Kollegiums der Siebzig 




B, 



'rüder und Schwestern, wir wissen so 
wenig über die Gründe, warum Mann 
und Frau, Mütter und Priestertums- 
träger verschiedene Pflichten haben. 
Diese Pflichten wurden von Gott zu 
einer anderen Zeit und an einem anderen 
Ort festgelegt. Wir sind es gewohnt, daß 
die Männer Gottes im Brennpunkt des 
Geschehens stehen, denn sie tragen das 
Priestertum, und sie sind die Führer. Mit 
dieser Vollmachtslinie geht jedoch ein 
rechtschaffener Einfluß einher, der von 
bemerkenswerten, im Dienste Gottes 
stehenden Frauen ausgeübt wird. Solche 
Frauen hat es in allen Zeitaltern und zu 
jeder Evangeliumszeit gegeben, auch in 
der unsrigen. Die Größe eines Menschen 
wird dadurch bemessen, wie viele Spal- 
ten ihm die Zeitungen oder selbst die 
heilige Schrift widmen. Die Geschichte 
der von Gott berufenen Frauen ist daher 
bislang ein noch nicht geschriebenes 
Schauspiel innerhalb eines Schauspiels. 
Wir Männer kennen die im Dienste 
Gottes stehenden Frauen als Ehefrauen 
und Mütter, Schwestern und Töchter, 
Bekannte und Freundinnen. Es scheint, 
daß die Frauen uns Männer bändigen 
und besänftigen, ja, unterweisen und 



Seit jeher geht mit der Führung durch das Priestertum ein 
rechtschaffener Einfluß einher, der von bemerkenswerten, im 
Dienste Gottes stehenden Frauen ausgeübt wird. 



aneifern. Wir bewundern Sie, die 
Frauen, nicht nur, sondern sind Ihnen 
auch von Herzen zugetan, denn die 
Rechtschaffenheit hängt nicht davon ab, 
daß man eine bestimmte Rolle innehat; 
ebensowenig ist die Güte eine Frage des 
Geschlechts. Im Reich Gottes arbeiten 
Männer und Frauen zusammen, jedoch 
ohne einander zu beneiden, denn sonst 
würde es dazu kommen, daß wir die 
naturgegebene Rolle von Mann und 
Frau vertauschen und dadurch ihre 
Möglichkeiten brachliegen lassen. 
Ebenso wie bestimmte Männer vor 
Grundlegung der Welt vorherordiniert 
wurden, wurden auch bestimmte 
Frauen zu gewissen Aufgaben aus- 
ersehen. Durch göttliche Absicht und 
nicht durch Zufall wurde Maria die 
Mutter Jesu. Joseph Smith, der junge 
Prophet, wurde nicht nur mit einem 
großartigen Vater, sondern auch mit 
einer vorzüglichen Mutter, Lucy Mack, 
gesegnet, die eine ganze Evangeliumszeit 
beeinflußt hat. 

Wenn wir die Liebe und die Treue in 
einem zwischenmenschlichen Verhältnis 
bewerten, sprechen wir dann nicht noch 
mehr von Ruth und Naemi als von 
David und Jonathan? Es verwundert 
nicht, daß Gott, der den Frauen so große 
Beachtung schenkt, so großen Nach- 
druck auf unsere Pflicht gegenüber den 
Witwen legt. 



17 



Eine Witwe hat uns mit ihrem Scherflein 
gezeigt, wie man den Zehnten bezahlt. 
Eine arme Witwe, die mit ihrem Sohn 
dem Hungertode nahe war, hat Elia mit 
ihrem letzten Mahl und ihrem letzten Öl 
bewirtet und uns damit gelehrt, wie man 
mit anderen teilt. Dank ihrer von Gott 
eingegebenen mütterlichen Instinkte hat 
eine ägyptische Frau Mose aus dem 
Schilf geborgen; dadurch hat sie die 
Geschichte entscheidend geprägt und 
gezeigt, daß ein Baby nicht eine Last, 
sondern eine Segnung ist. 
Hat es jemals ein Gespräch gegeben, 
worin mehr freudige Erwartung zum 
Ausdruck gebracht wurde als in jener 
Unterredung zwischen Elisabeth und 
Maria, wo sogar das Kind in Elisabeths 
Leib hüpfte, als es Maria erkannte? 
(Lukas 1:41). 

Können wir nicht Rückschlüsse auf die 
hohe Intelligenz der Frauen ziehen, 
wenn wir im Zusammenhang mit der 
Kreuzigung Jesu Christi auf Golgatha 
lesen: „Und es waren viele Frauen da, 
die von ferne zusahen" (Matthäus 
27:55). Die Gegenwart dieser Frauen 
hatte den Charakter eines Gebets, ihr 
Verweilen kam einem ständigen An- 
rufen Gottes gleich. 

Und wer kam zuerst zu <i?m leeren 
Grab, woraus Christus auferstanden 
war? Zwei Frauen. 

Wer war der erste Mensch, der den 
auferstandenen Erlöser gesehen hat? 
Maria Magdalena. Frauen, die sich Gott 
geweiht haben, besitzen ein besonderes 
geistiges Feingefühl, das ihre Hoffnung 
noch lange wachhält, nachdem viele 
andere bereits aufgegeben haben. 
Die Nächstenliebe einer guten Frau ist 
derart, daß sie sie nicht offen zur Schau 
stellt, um sich bewundern zu lassen. Eine 
gute Frau freut sich nicht, wenn andere- 
Fehler machen, und sie ist mit döfrn 
Dienst am Nächsten so beschäftigt,' daß 
sie es sich nicht leisten kann, herumzu- 



sitzen und darauf zu warten, daß man sie 
kränkt. 

Wie Maria denkt sie still und vertrauens- 
voll über das nach, was sie nicht ver- 
steht, anstatt sich wie andere davon 
zermürben zu lassen. Gott schenkt den 
Frauen soviel Vertrauen, daß er sie seine 
Geistkinder zur Welt bringen und auf- 
ziehen läßt. 

Im heutigen Reich Gottes ist es kein 
Zufall, daß die Frauen in der Frauen- 
hilfsvereinigung den Auftrag erhalten, 
Dienst am Nächsten zu leisten. Eine 
Frau leistet so oft instinktiv einen 
Dienst, wozu sich einige Männer erst 
nach langer Planung bereitfinden. Ge- 
rade deshalb, weil die Töchter Zions so 
außergewöhnlich sind, wird der Wider- 
sacher sie nicht in Frieden lassen. 
Ihnen, liebe Schwestern, gönnen wir von 
Herzen die Freude, die Sie empfinden, 
wenn ein Baby Sie das erste Mal an- 
lächelt und wenn Sie begierig zuhören, 
wie Ihr Kind von seinem ersten Schultag 
berichtet. So etwas zeigt, wie selbstlos 
eine Frau ist. Frauen nehmen viel leicht- 
er die Gefahren wahr, die entstehen, 
wenn jemand die eigene Entfaltung über 
die familiären Pflichten stellt. Eine Frau 
wiegt ein schluchzendes Kind in den 
Schlaf, ohne sich zu fragen, ob die 
gegenwärtige Welt nicht an ihr vor- 
übergeht, denn sie weiß, daß sie die Welt 
von Morgen fest in den Armen hält. 
Unsere Schwestern spenden so oft an- 
deren Trost, auch wenn sie selbst mehr 
zu leiden haben als diese. Diese Eigen- 
schaft entspricht der Großzügigkeit, die 
Jesus Christus noch am Kreuz an den 
Tag gelegt hat. Es ist eine göttliche 
Tugend, sich noch in tiefster Qual in 
andere hineinversetzen zu können. 
Ich danke unserem ewigen Vater dafür, 
daß sein einziggezeugter Sohn auf Gol- 
gatha nicht trotzig gesagt hat: ,,Mein 
Körper gehört mir!" Ich bewundere die 
Frauen, die sich der heutigen Mode, 



18 



Abtreibungen vornehmen zu lassen, 
nicht anschließen und es nicht zulassen, 
daß man ihren heiligen Mutterleib zu 
einem Grab verschandelt! 
Wenn einst die wahre Geschichte der 
Menschheit ganz an den Tag gebracht 
wird, wird man dann Kanonendonner 
oder die sanften Wiegenlieder in den 
Vordergrund stellen, die den Charakter 
des Kindes so entscheidend formten? 
Wird man die Eroberungen von 
Generälen preisen oder den von Frauen 
in der Familie zwischen Nachbarn ge- 
stifteten Frieden? Wird sich zeigen, daß 
an der Wiege und in der Küche letzten 
Endes ein größerer Einfluß zustande 
gebracht worden ist als in Kongressen? 
Wenn die Brandung der Jahrhunderte 



die großen Pyramiden zu Sand zer- 
mahlen hat, wird die ewige Familie noch 
immer bestehen, denn sie ist eine cele- 
stiale Einrichtung, die außerhalb der 
telestialen Zeit gebildet worden ist. Jede 
von Gott berufene Frau weiß das. 
Es nimmt nicht Wunder, daß die Mä- 
nner Gottes Sie, die Schwestern, in Ihrer 
besonderen Aufgabe unterstützen und 
Ihnen darin zur Seite stehen, denn wenn 
jemand seine Familie im Stich läßt, um 
die . menschliche Gesellschaft zu for- 
men, so handelt er genauso töricht, als 
wollte man bewußt eine Über- 
schwemmung herbeiführen, um die 
Menschen schwimmen zu lehren. 
Wir Männer wissen es zu schätzen, daß 
Sie auf Rücksichtslosigkeit mit 



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19 



Rücksichtnahme und auf Egoismus mit 
Selbstlosigkeit reagieren. Wir sind von 
Ihrem lebenden Beispiel zutiefst beein- 
druckt. Es erfüllt uns mit Dankbarkeit, 
daß Sie mit uns Männern Geduld haben, 
wenn wir uns nicht von unserer besten 
Seite zeigen, weil Sie uns ebenso wie 
Gott nicht nur um dessen willen lieben, 
was wir sind, sondern auch um dessen 
willen, was wir werden können. 
Besonders bewundern wir die unbe- 
fleckten alleinstehenden Frauen unter 
uns, die zwar von niemandem besungen 
werden, unter denen wir aber einen Teil 
der edelsten Töchter Gottes finden. 
Diese Schwestern wissen, daß Gott jede 
einzelne von ihnen in besonderer Weise 
liebt. Sie treffen eine weise Entscheidung 
hinsichtlich ihrer beruflichen Laufbahn, 
auch wenn sie die wertvollste Berufung 
einer Frau nicht erfüllen können. Zwar 
können sie sich in diesem, ihrem zweiten 

Stand nicht ihren größten Wunsch erfül- 
len, doch überwinden sie die Welt. Zwar 
erfreuen sie sich keiner eigenen ehelichen 
Bindung, doch können sie dafür oft 
andere Einrichtungen der menschlichen 
Gesellschaft bereichern. Sie behalten 

ihre Segnungen nicht einfach deshalb für 
sich, weil einige Segnungen ihnen vor- 
enthalten werden. Ihr Gottvertrauen ist 
ebenso stark wie das einer kinderlosen 
Ehefrau, die auf Kinder nicht freiwillig 
verzichtet hat und daher von einem 
gerechten Gott eines Tages besondere 
Segnungen empfangen wird. 

Zusammen mit meinen Brüdern im 
Priestertum spreche ich unseren ewigen 
Partnerinnen unseren tiefsten Dank aus. 
Wir wissen, daß wir ohne Sie nichts von 
Belang erreichen können, und wir wol- 
len es auch gar nicht anders. Wenn wir 
uns zum Beten niederknien, tun wir es 
gemeinsam. Wenn wir am Altar im 
heiligen Tempel auf unsere Knie gehen, 
geschieht auch dieses gemeinsam, und 



wenn wir schließlich an das Tor ge- 
langen, das von Jesus Christus selbst 
bewacht wird, werden wir, sofern wir 
getreu gewesen sind, gemeinsam hin- 
durchgehen. 

Der Prophet des Herrn, der heute unter 
uns sitzt, könnte uns von einer solchen 
engen Gemeinschaft berichten. Diese 
Gemeinschaft war lebendig, als seine 
überwältigende Berufung zum Apostel 
kam und er von seiner Frau, Camilla, 
getröstet wurde. Er wurde von dem 
Gefühl gequält, dieser Berufung nicht 
gewachsen zu sein, aber sie strich ihm 
über das Haar und sagte: ,,Du kannst es 
schaffen — du kannst es!" Und er hat es 
tatsächlich geschafft, aber nur mit ihrem 
Beistand. 

Brüder, achten Sie einmal darauf, wie 
alle Propheten ihre Frau behandeln und 
ihnen stets ehrerbietig begegnen. Eifern 
wir ihnen darin nach. 
Und schließlich möchte ich, daß Sie 
noch eines im Sinn behalten: Wenn wir 
eines Tages in unsere wahre Heimat 
zurückkehren, dann nur mit der gemein- 
samen Zustimmung derer, die in den 
königlichen Höfen in der Höhe herr- 
schen. Wir werden dort eine Schönheit 
vorfinden, wie sie kein irdisches Auge je 
gesehen hat, und wir werden die Klänge 
einer erhabenen Musik vernehmen, die 
noch in kein irdisches Ohr gedrungen 
sind (1. Korinther 2:9). Wäre eine so 
königliche Heimkehr möglich, wenn 
eine Mutter im Himmel nicht vorher 
entsprechende Maßnahmen ergreifen 
würde? Bis dahin müssen wir stets 
bedenken, daß es keine getrennten Wege 
zurück zu dieser himmlischen Heimat 
gibt. Nur ein schmaler und gerader Weg 
ist genannt, dessen Ende wir vielleicht 
nur in Tränen erreichen, der uns aber, 
wenn wir zum Ziel hindurchdringen, ein 
Höchstmaß an Freude bringen wird. 
Davon lege ich Zeugnis ab im Namen 
Jesu Christi. Amen. 



20 



„Der Morgen naht, die Schatten 
fliehn" 



Bruce R. McConkie 
vom Rat der Zwölf 




W, 



enn die Sonne untergeht und der 
Tag der Nacht weicht, regiert die Dun- 
kelheit. Während der Nacht herrscht 
Finsternis, und die Sicht ist vermindert. 
Niemand kann weit sehen. Wohl ist der 
Himmel von unzähligen Sternen über- 
sät, und der Mond, der die Nacht 
regiert, spendet geborgtes Licht, aber die 
Finsternis der Nacht vermögen sie nicht 
zu erhellen. 

Tiefe Schatten verbergen die Tiere des 
Waldes und des Feldes. Lautlos geht die 
Wildkatze auf Jagd. Das Geheul von 
Rudeln hungriger Wölfe, das näher und 
näher kommt, verbreitet unter ihren 
Opfern Angst und Schrecken. Kojoten 
heulen in der Ferne; irgendwo ertönt das 
Gebrüll eines Berglöwen. Und ein 
Schakal lauert in der tiefsten Finsternis 
auf seine Chance, einem anderen die 
Beute zu rauben. Die Schrecken der 
Nacht sind Wirklichkeit. 
Doch schließlich kündigt ein fernes 
Dämmern einen neuen Tag an. Die 
Morgensterne leuchten nun heller als die 
anderen. Am östlichen Himmel durch- 
brechen einige wenige Strahlen die 



„Seht, Zions Banner ist enthüllt. Es dämmert über jenen 
Höhn . . . zum schönen Tag der ganzen Welt."'' 
(Gesangbuch, Nr. 218). 



Dunkelheit. Noch ist der Himmel von 
Wolken bedeckt. Nicht viele Meilen von 
hier gebiert die Natur einen neuen Tag. 
Auf ihrer vorgeschriebenen Bahn rollt 
die Erde langsam dem Morgen ent- 
gegen. Die Dunkelheit flieht. Die Sterne 
verblassen, und der Mond versteckt sein 
Angesicht. Die Sonne erhebt sich, und 
das strahlende Licht des Himmels er- 
hellt die Erde. 

Wenn der Morgen anbricht und die 
Sonne scheint, beginnt sich die geplagte 
Kreatur der Nacht zu erholen. Der 
Löwe kehrt zu seiner Höhle zurück und 
der Fuchs zu seinem Bau. Das Heulen 
der Kojoten und Wölfe verstummt. 
Angst und Schrecken, die in der Dunkel- 
heit lauern, sind nun in den Felsen und 
Höhlen versteckt. 

Mit dem Morgen erwachen die Blumen 
des Feldes und die Bäume des Waldes zu 
neuem Leben. Das Vieh in den Ställen 
erwacht vom Schlaf, und die Vögel 
singen dem Herrn des Sabbats, dem 
Schöpfer des ersten Tages, ein Lied. Die 
Segnungen des Lebens und des Lichts 
werden überall offenbar. Und wieder 
beginnt ein neuer Tag — ein Tag der 
Freude, des Frohlockens und des Lich- 
tes. 

Als die Sonne des Evangeliums vor 
beinahe zweitausend Jahren unterging, 



21 



als das Priestertum hinweggenommen 
wurde und eine traurige Dämmerung 
über die Menschen hereinbrach, die das 
Licht gekannt hatten, als Licht und 
Wahrheit nicht mehr vom Himmel 
schienen und als der Mensch nicht mehr 
von Aposteln und Propheten unterwie- 
sen wurde, herrschte geistige Finsternis. 
Finsternis bedeckte das Erdreich und 
Dunkel die Völker (Jesaja 60:2). 
Ein finsteres Zeitalter hatte begonnen, 
und das Licht des Himmels schien nicht 
mehr im Herzen jener Menschen, die 
vorgaben, den zu verehren, dem wir 
gehören. 

Die Vision von allem Geistigen wurde 
wie die Worte eines versiegelten Buches 
(Jesaja 29:1 1). Die Propheten und Seher 
waren verstummt: die Schrift war der 
breiten Masse nicht mehr zugänglich; 
niemand konnte den Weg zur 
Vollkommenheit erkennen; niemand 
kannte den Weg, der zurück zum ewigen 
Gott führt. Der Mensch, der nun auf 
verbotenen Wegen wandelte, verirrte 
sich in der Finsternis der Nacht. 
Es ist richtig, daß der Himmel immer 
noch von unzähligen Sternen übersät 
war, und es gab viele weise und gute 
Menschen, die das Licht der Wahrheit 
und Güte, die sie besaßen, an andere 
weitergaben. Und Monat für Monat 
kam der Mond aufs Neue, um solche 
Wahrheiten des Himmels auszu- 
strahlen, die man durch Gefühl und 
Verstand ergründen kann. Da erhob 
sich ein Augustus, ein Maimonides, eine 
Jeanne d'Arc, ein Thomas Moore, ein 
Michelangelo, ein Galileo Galilei und 
viele andere, die wie der Mond mit 
geborgtem Licht schienen. Aber das 
Licht des Himmels erleuchtete nicht 
mehr den schmalen und geraden Weg, 
der zum ewigen Leben führt. 
Und es gab tiefe Schatten, in denen die 
Kreaturen der Hölle lauerten. Luzifer 
schlief nicht. Auf dem Konzil zu Nizäa 



und durch die Feder des Athanasios 
(Glaubensbekenntnis von Nizäa) wurde 
der wahre Gott des Himmels herab- 
gewürdigt und als eine unbegreifliche 
Substanz aus Geist hingestellt, das die 
unendlichen Weiten des Universums 
füllt. 

Und durch das Wort des römischen 
Kaisers Konstantin gelang es dem Sa- 
tan, aus einem heidnischen Weltreich 
eine sogenannte Weltkirche zu schaffen. 
Mit dem Schwert des Cortez drückte er 
heidnischen Völkern das Kreuz in die 
Hand und nannte sie dann Christen. 
Durch den Mund des Tetzel verkaufte er 
Ablässe, so daß — wenigstens ihrer 
Meinung nach — einem die Sünden für 
Geld vergeben wurden. 
In Spanien, Mexiko und Peru ließ der 
Teufel die Inquisition gedeihen und 
Tausende von Menschen wurden nieder- 
gemetzelt, um -- wie sie sie nannten — 
die Ketzerei zu unterdrücken. Die Huge- 
notten und andere, die sich gegen die 
herrschende Klasse wandten, wurden zu 
Tausenden ermordet. 
Die vorherrschende Religion war ge- 
kennzeichnet durch Furcht, Unwissen- 
heit und Aberglauben; eine durch das 
Schwert aufgezwungene Religion, die 
die Entscheidungsfreiheit des Menschen 
mißachtete. 

Es war eine lange schwarze Nacht. 
Schakale hatten sich im Schatten ver- 
borgen, Wölfe in den Wäldern und 
Kojoten waren überall. Der Löwe brüll- 
te, und die Giftzähne der Schlange 
drangen wieder und wieder ins mensch- 
liche Fleisch. Die Pest breitete sich über 
Europa aus. Überall tobte der Krieg. 
Sitte und Moral hatten nur wenige 
Befürworter. Die Schrecken der Nacht 
gab es wirklich und die Nacht war lang 
— lang und schwarz. 
Doch schließlich kündigte sich ein zartes 
Morgendämmern an. Da gab es einen 
Kalvin, einen Zwingli, einen Luther, 



22 



einen Wesley, es gab weise und gute 
Männer, es waren Morgensterne, die 
heller schienen als ihre Mitmenschen 
und die sich aus jedem Volk erhoben. 
Einsichtige und mutige Männer traten 
auf, die der Sünde und des Bösen der 
Nacht überdrüssig waren. Diese großen 
Geister feilten an den Ketten, mit denen 
die Massen gebunden waren. Sie waren 
bestrebt, Gutes zu tun und ihren Mit- 
menschen zu helfen, und zwar nach 
bestem Wissen. 

In Deutschland, Frankreich, England, 
der Schweiz und anderswo begannen 
sich Gruppen von der Kirche früherer 
Jahrhunderte zu lösen. Einige Strahlen 
des Lichts teilten die Finsternis des 
östlichen Himmels. 

Viele, die sich nach Freiheit sehnten, um 
Gott so zu verehren, wie es ihnen ihr 
Gewissen gebietet, wanderten nach 
Amerika aus. Und nun wurde nach dem 
Willen Gottes in Freiheit eine neue 
Nation geboren, in der jeder Mensch 
gleich sein sollte. Die Vereinigten Staa- 
ten von Amerika entstanden. Ein neuer 
Tag brach an. 

Während nun die Erde langsam auf 
ihrer vorgeschriebenen Bahn dem Mor- 
gen entgegenrollte und der Tag zu 
dämmern begann, gewährte die Ver- 
fassung der Vereinigten Staaten 
Religionsfreiheit; der Mensch mäßigte 
sich in seinen Empfindungen und be- 
gann, den Mitmenschen mit größerer 
Toleranz zu behandeln und ihn als 
gleichberechtigt anzusehen; die Bibel 
wurde von mehr Menschen gelesen, die 
Finsternis floh, und es wurde lichter: die 
Zeit für den Aufgang der Evangeliums- 
sonne war gekommen. 
Als diese Zeit gekommen war, der 
verheißene Tag der Wiederherstellung 
aller Dinge, sandte der Herr des Him- 
mels in seiner unbegrenzten Weisheit, 
Gnade und Güte aus seiner Gegenwart 
jenen ewigen Geist, der dazu vorher- 



ordiniert war, die Evangeliumszeit der 
Erfüllung einzuleiten. Joseph Smith trat 
sein irdisches Leben an. Man schrieb 
den 23. Dezember 1805. Die Sonne 
wurde nur noch von den Bergspitzen 
verborgen. 

Und dann, an einem glorreichen Tag im 
Frühjahr des Jahres 1820, nach unserer 
Vermutung war es der 6. April, kam die 
Sonne hervor. Mit Jesus Christus zu 
seiner Rechten stieg der ewige Gott vom 
Himmel hernieder und offenbarte sich 
persönlich in einem Wald im Staate New 
York. Er nannte Joseph Smith beim 
Namen und gebot ihm, sich keiner der 
bestehenden Kirchen anzuschließen, 
denn sie seien alle falsch. Er sagte ihm, 




23 



daß ihre Glaubensbekenntnisse dem 
Himmel ein Greuel und daß ihre Lehrer 
verderbt seien. Sie nahten sich dem 
Herrn mit ihren Lippen, aber mit ihrem 
Herzen seien sie ferne von ihm. Sie 
lehrten nichts als Menschengebot und 
übten scheinheilig Frömmigkeit, aber 
die Macht Gottes leugneten sie (Joseph 
Smith 2:19). 

Von diesem Zeitpunkt an schienen die 
Sterne nicht mehr, und der Mond ver- 
barg sein Angesicht. Ihr Leuchten wurde 
nicht mehr gebraucht, um die Dunkel- 
heit der Nacht zu erhellen. Gott im 
Himmel führte den Menschen in die 
Evangeliumszeit der Erfüllung ein. 
Engel kamen aus der Gegenwart Gottes, 
um die Lehren wiederherzustellen, 
Kraft, Vollmacht und das Priestertum 
zu übertragen und die Schlüssel- 
vollmachten des Reiches Gottes als Teil 
des heiligen Apostelamtes wiederzu- 
bringen, damit der sterbliche Mensch 
auf Erden binden kann, damit es in den 
Himmeln ewig gesiegelt sei. 
Innerhalb eines kurzen Jahrzehnts kam 
das Buch Mormon hervor; die Kirche 
und das Reich Gottes waren auf Erden 
wiederhergestellt; Offenbarung und 
Prophezeiung waren wieder an der 
Tagesordnung, und die Gaben des 
Geistes -- all die Zeichen und Wunder, 
die es in früheren Zeiten gegeben hatte 
— wurden auf die Glaubenstreuen aus- 
gegossen. Wieder erlebte der Mensch 
Visionen, sprach in Zungen und erfreute 
sich der Gabe des Prophezeiens. Kranke 
wurden geheilt, Lahme konnten wieder 
gehen, Taube wieder hören und Tote 
wurden zum Leben zurückgerufen. Es 
war unter den Heiligen der Letzten Tage 
wie zur Zeit der Heiligen der Ersten 
Tage. 

Zeile um Zeile wurden die Wahrheiten 
früherer Evangeliumszeiten wieder- 
hergestellt. Eine heilige Handlung und 
eine Verordnung früherer Zeiten nach 



der anderen wurde auf neue offenbart. 
Und bald leuchtete die Sonne des ewigen 
vollständigen Evangeliums, nämlich die 
Kraft Gottes, die den Menschen errettet 
und erhöht, in ihrer ganzen Herrlichkeit 
und Vollkommenheit. Die Evange- 
liumssonne, die untergegangen war, als 
Dunkelheit die Erde bedeckte, war zu 
einem neuen Tag der Wiederherstellung 
aufgegangen. 

Und mit dem Erwachen des neuen Tages 
und dem Ausbreiten des Evangeliums 
über die ganze Erde schwanden die 
Schrecken der Nacht dahin. Furcht, 
Aberglaube und Unwissenheit machten 
nun der Liebe, der Erkenntnis und 
wahrer Religion Platz. Furcht wandelte 
sich zu Erkenntnis, Aberglaube und 
falsche Tradition wurden durch Licht 
und Wahrheit des Himmels ersetzt. 
Bald werden die Wölfe des Bösen nicht 
mehr heulen und die Schakale der Sünde 
nicht mehr das aufstrebende Reich Got- 
tes beschleichen und der glorreiche Tag 
des Millenniums wird erscheinen. 
Dies ist der Tag, o Zion! „Mache dich 
auf, werde licht; denn dein Licht 
kommt, und die Herrlichkeit des Herrn 
geht auf über dir . . . 
Seine Herrlichkeit erscheint über dir. 
Und die Heiden werden zu deinem 
Lichte ziehen und die Könige zum 
Glanz, der über dir aufgeht . . . 
Man soll nicht mehr von Frevel hören in 
deinem Lande noch von Schaden oder 
Verderben in deinen Grenzen, sondern 
deine Mauern sollen ,Heü' und deine 
Tore ,Lob' heißen . . . 
Der Herr wird dein ewiges Licht und 
dein Gott wird dein Glanz sein" (Jesaja 
60:1-3, 18, 19). 

„Der Morgen naht, die Schatten fliehn, 
seht, Zions Banner ist enthüllt. 
Es dämmert über jenen Höhn . . . zum 
schönen Tag der ganzen Welt" (Ge- 
sangbuch, Nr. 218). 
Im Namen Jesu Christi. Amen. 



24 



„Und [ihr] werdet 

die Wahrheit erkennen 64 

N. Eldon Tanner, 

Erster Ratgeber des Präsidenten der Kirche 





.n diesem Vormittag haben wir 
wunderschöne Musik gehört, viele 
Wahrheiten wurden uns erklärt, und es 
gilt dasgleiche, was Jesus zu den Juden, 
die an ihn glaubten, gesagt hat: „Wenn 
ihr bleiben werdet an meiner Rede, so 
seid ihr in Wahrheit meine Jünger 
und werdet die Wahrheit erkennen, und 
die Wahrheit wird euch frei machen" 
(Johannes 8:31, 32). 
Wir konnten auch vom Profeten des 
Herrn, Spencer W. Kimball, hören, 
dessen Worte wir alle befolgen sollten. 
Unser Erlöser hat, kurz vor dem Verrat; 
dem darauffolgenden Tod und seiner 
Auferstehung viele heilige und feierliche 
Augenblicke mit seinen Aposteln ver- 
bracht, wo er sie tröstete und ihnen 
einige Ereignisse offenbarte, die ein- 
treten würden, auch wenn sie sie nicht 
ganz verstanden oder die Bedeutung 
seiner Worte nicht erfaßten. Nachdem 
er ihnen angekündigt hatte, daß er sie 
bald verlassen würde, sprach er von den 
Drangsalen der Welt, ermahnte sie aber 
getrost zu sein, da er die Welt über- 
wunden habe. Dann hob er seine Augen 
auf zum Himmel und sagte: 
,, Vater, die Stunde ist da: verherrliche 



„Und niemand empfängt eine Fülle, er halte denn seine 
Gebote. Wer seine Gebote hält, empfang Wahrheit und 
Licht, bis er in der Wahrheit verherrlicht ist und alle Dinge 
weiß. 1 ''' 



deinen Sohn, auf daß dich der Sohn 
verherrliche, 

wie du ihm Macht gegeben hast über 
alles Fleisch, damit er das ewige Leben 
gebe allen, die du ihm gegeben hast. 
Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, 
der du allein wahrer Gott bist, und den du 
gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 
Ich habe dich verherrlicht auf Erden und 
vollendet das Werk, das du mir gegeben 
hat, daß ich es tun sollte. 
Und nun verherrliche du mich, Vater, 
bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei 
dir hatte, ehe die Welt war. 
Ich habe deinen Namen offenbart den 
Menschen, die du mir von der Welt 
gegeben hast. Sie waren dein, und du 
hast sie mir gegeben, und sie haben dein 
Wort behalten. 

Denn die Worte, die du mir gegeben 
hast, habe ich ihnen gegeben; und sie 
haben's angenommen und erkannt 
wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen 
bin, und glauben, daß du mich gesandt 
hast . . . 

Heiliger Vater, erhalte sie in deinem 
Namen, den du mir gegeben hast, daß 
sie seien gleichwie wir" (Johannes 17:1- 
6,8, 11). 

Diese Worte enthalten einige der größ- 
ten Wahrheiten, die jemals zum Wohle 
und zum Segen der Menschheit ausge- 
sprochen worden sind. Wir erfahren, 
daß Jesus bei seinem Vater gelebt hat, 



25 



ehe die Welt erschaffen worden ist; daß 
er vom Vater mit einem besonderen 
Werk betraut und auf die Erde gesandt 
wurde, um dieses Werk durchzuführen; 
daß ihm die Ereignisse offenbart worden 
sind, die mit seiner Kreuzigung, seinem 
Tod und seiner Auferstehung in 
Zusammenhang stehen; daß seine Apo- 
stel vom Herrn berufen wurden, bei 
diesem Werk zu helfen; daß sie an die 
Worte glaubten, die der Vater ihnen 
durch den Sohn sagen ließ; und daß es 
völlig klar war, daß Gott Vater und Gott 
Sohn, auch wenn sie zwei getrennte 
Wesen waren, eins in ihren Absichten 
sind; und er betete darum, daß es auch 
seine Apostel sein würden. 
In seiner Bitte an den Vater, legte Jesus 
dar, was ewiges Leben ist: „Das ist aber 
das ewige Leben, daß sie dich, der du 
allein wahrer Gott bist, und den du 
gesandt hast, Jesus Christus, erkennen" 
(Johannes 17:3). Bei einer anderen Ge- 
legenheit sagte er: „Dies ist mein Werk 
und meine Herrlichkeit die 

Unsterblichkeit und das ewige Leben 
des Menschen zustande zu bringen" 
(Moses 1:39). 

Warum ist es für uns so wichtig, diese 
Wahrheiten zu verstehen und anzu- 
erkennen? 

Weil wir ohne sie nicht hoffen können, 
erhöht zu werden oder ewiges Leben zu 
erlangen. Die geistige Seite in unserem 
Leben muß an erster Stelle stehen. 
Als Jesus sagte, er habe die Welt über- 
wunden, meinte er, daß er seinen Glau- 
ben bewahrt habe und daß er den Vater 
verherrlicht und alles getan habe, was 
von ihm verlangt worden war. So war er 
frei von den Banden des Todes und 
bereit, unsterblich zu werden und ewig 
beim Vater zu wohnen. 
Diese Verheißung gilt für alle. Wir lesen 
in Johannes: 

„Da sprach nun Jesus zu den Juden, die 
an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet 



an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit 
meine Jünger 

und werdet die Wahrheit erkennen, und 
die Wahrheit wird euch frei machen" 
(Johannes 8:31, 32). 
Freiheit beruht auf Wahrheit und kein 
Mensch ist wirklich frei, solange ein Teil 
dessen, woan er glaubt, auf Irrtum 
beruht, denn dadurch wird sein Geist 
gebunden. Deshalb ist es so wichtig, daß 
wir die ganze Wahrheit aus allen uns zur 
Verfügung stehenden Quellen in uns 
aufnehmen. Es ist besonders wichtig für 
uns, in den heiligen Schriften zu lesen, 
denn die darin enthaltenen Worte füh- 
ren uns, wenn wir sie annehmen und 
danach handeln, zum ewigen Leben. 
Die heiligen Schriften beweisen uns, daß 
es Gott und seinen Sohn Jesus Christus 
wirklich gibt. Um richtig an Gott zu 
glauben, ist es notwendig, sein Wesen 
und seine Eigenschaften zu verstehen. 
Unser Glaube an ihn muß auf wahren 
Grundsätzen beruhen. Unser Glaube 
wird uns nichts nützen, wenn er auf 
falschen Voraussetzungen beruht. Zum 
Beispiel haben einige der frühen ameri- 
kanischen Kolonisten den Indianern 
Schießpulver gegeben und ihnen ver- 
sprochen, sie könnten damit ein Ge- 
wächs züchten, das Schießpulver 
hervorbringt. 

Die Indianer pflanzten vertrauensvoll 
das Schießpulver, ernteten aber natür- 
lich trotz ihrer Bemühungen nichts, weil 
ihr Glaube auf Unwahrheit beruhte. 
Wir werden angespornt, zu lernen, zu 
beten und nach Weisheit zu trachten und 
einander zu belehren. Im Buch , Lehre 
und Bündnisse' lesen wir: „Und ich 
gebiete euch, einander in der Lehre des 
Reiches zu belehren. 
Lehret fleißig, und meine Gnade wird 
euch begleiten, damit ihr vollkommener 
unterrichtet werdet in der Lehre, den 
Grundsätzen und Vorschriften und im 
Gesetz des Evangeliums und in allen 



26 



Dingen, die zum Reiche Gottes gehören 
und die zu verstehen euch nützlich sind, 
damit ihr in allen Dingen vorbereitet 
seid, wenn ich euch senden werde, die 
Berufung, wozu ihr berufen seid, und die 
euch übertragene Sendung zu ehren. 
Sehet, ich habe euch ausgesandt, Zeug- 
nis zu geben und das Volk zu warnen, 
und es gebührt jedermann, der gewarnt 
worden ist, seine Mitmenschen zu war- 
nen. 

Dann haben sie keine Entschuldigung, 
und ihre Sünden ruhen auf ihren eigenen 
Häuptern. 

Wer mich aufsucht, wird mich finden 
und wird nicht verlassen sein. 
Verbleibet in der Freiheit, wodurch ihr 
frei geworden seid. Verwickelt euch 
nicht in Sünde, sondern bewahrt die 
Hände rein, bis der Herr kommt" (LuB 
88:77, 78, 80-83, 86). 
Wir müssen die Gesetze kennen und 
verstehen, um gehorsam sein zu können, 
und wir müssen gehorsam sein, um frei 
sein zu können. Das gilt für die Gesetze 
Gottes und für die staatlichen Gesetze. 
Zu oft sehen wir Freiheit nur als eine 




Eigenschaft oder als einen Zustand an, 
in dem man frei von Beschränkungen 
oder Zwang von außen und dem Willen 
eines anderen nicht Untertan ist, wo man 
frei wählen kann und jeder tun kann, 
was er will, unabhängig von den Folgen, 
die es für ihn oder andere mit sich bringt. 
Brigham Young hat folgendes gesagt: 
,,Es gibt niemand unter uns, der nicht 
sofort bereit ist zuzugeben, daß Gott 
absoluten Gehorsam seinen Weisungen 
gegenüber verlangt. Wenn wir nun die- 
sen absoluten Gehorsam leisten, wer- 
den wir dann zu Sklaven? Nein, denn es 
ist der einzige Weg, wie Sie und ich frei 
werden können; und wenn wir eine 
andere Richtung einschlagen, werden 
wir ein Sklave unserer Meinungen und 
denen des Bösen . . . und Diener des 
Teufels" {Journal of Discourses, 
18:246). 

Die Lehren Jesu Christi, die uns zu 
unserem Segen und zu unserer Führung 
gegeben worden sind, gründen sich auf 
die Zehn Gebote, die Bergpredigt und 
die Seligpreisungen. Interessanterweise 
sind fast alle staatlichen Gesetze dem 
gleichen ethischen Kodex entnommen. 
Gottes Gesetze beruhen auf Wahrheit 
und sind unveränderlich, und der 
Mensch kann sie nicht verbessern. Je 
nachdem, wie wir sie befolgen, werden 
wir gesegnet oder bestraft. 
Es gibt bestimmte unveränderliche 
Naturgesetze, die, wenn sie übertreten 
werden, entweder Krankheit oder vor- 
zeitigen Tod mit sich bringen. An- 
dererseits können wir von der Wissen- 
schaft erforschte Gesetze dazu nutzen, 
arbeitssparende Geräte, schnellere und 
bequemere Transportmöglichkeiten, 
zweckdienliche Nahrungsmittel und 
synthetisches Material für Kleidung und 
Haushaltsgeräte herzustellen. All dies 
hilft uns, Zeit und Mühe zu sparen, und 
wir sollten die gewonnene Zeit und 
Energie für Gottes Werk verwenden. 



27 



Dadurch können wir unsere Dankbar- 
keit für seine Güte ausdrücken. 
Wir lernen aus der heiligen Schrift, daß 
alle Wahrheit durch das Licht Christi 
offenbart wird. „Dieses Licht geht von 
der Gegenwart Gottes aus, um die 
Unendlichkeit des Raumes zu füllen. 
Es ist das Licht, das in allen Dingen ist, 
das allen Dingen Leben gibt, welches das 
Gesetz ist, wodurch alles regiert wird" 
(LuB 88:12, 13). 

Demnach wurden die Wahrheiten, die 
Isaac Newton, Thomas Edison und 
Albert Einstein entdeckt haben, ihnen in 
Wirklichkeit durch das Licht Christi 
offenbart. Solche offenbarten Wahr- 
heiten haben viel dazu beigetragen, die 
Menschen von der Sklaverei und Unwis- 
senheit zu befreien, und sie haben unser 
Wissen vom Universum erweitert. Auf 
die gleiche Weise wurden durch die 
Macht des Heiligen Geistes Wahrheiten 
hinsichtlich der Beziehung des Men- 
schen zu Gott und über die Mission Jesu 
Christi verständlich gemacht. 
Zu wissen, daß Gott Vater ein Wesen 
mit einem Körper und Gefühlen ist und 
daß Jesus Christus sein einziggezeugter 
Sohn im Fleisch ist und unter den 
Menschen mit den körperlichen Eigen- 
schaften eines Menschen gelebt hat, sind 
Wahrheiten, die dem Leben einen Sinn 
verleihen und alle, die daran glauben, 
von den Rätseln befreien, die sich um 
den Ursprung des Menschen ranken. 
Alle, die die Wahrheit über das Sühn- 
opfer und die Auferstehung des Erlösers 
verstehen, sind frei von den Rätseln und 
Zweifeln über das schließliche Schicksal 
des Menschen, und sie wissen, daß sie, 
wenn sie sich nach der Wahrheit richten, 
ewigen Fortschritt machen und sich der 
herrlichen Segnungen des ewigen Le- 
bens erfreuen können. 
Dr. Henry Eyring, Mitglied der Kirche 
und führender Wissenschaftler, hat 
folgendes gesagt: 



,,Je mehr ich mich bemühe, die Rätsel 
der Welt, in der ich lebe, zu lösen, desto 
mehr komme ich zu der Einsicht, daß es 
eine über allem stehende Macht gibt — 
Gott. Man kann zu dieser Ansicht 
durch Beten und durch das Zeugnis des 
Heiligen Geistes gelangen oder weil es 
keine andere Erklärung für die Einheit 
und das Wunder des Universums gibt, 
oder man kann zu dieser Überzeugung 
durch die pragmatische wissen- 
schaftliche Methode kommen, die der 
Erlöser schon lange vorher vorge- 
schlagen hat: , Versuch es, und du wirst 
es wissen.' 

Mir wurde oft diese Frage gestellt: ,Dr. 
Eyring, wie können Sie als Wissen- 
schaftler offenbarte Religion aner- 
kennen?' Die Antwort ist ganz einfach. 




28 



D as Evangelium verpflichtet uns nur zu 
Wahrheit. Die gleichen praktischen Me- 
thoden des Prüfens, die in der Wissen- 
schaft Anwendung finden, sind auch auf 
die Religion anwendbar. Versuche es.' 
Funktioniert es? Die Vorstellung, daß 
Gott das Weltall regiert und sich darum 
kümmert, daß es funktioniert, ist für 
mich unmöglich ohne die Begleit- 
erscheinung, daß er sich für den Men- 
schen, das bemerkenswerteste Phäno- 
men in der Welt, interessiert. Wenn er an 
dem Menschen interessiert ist, ist es ganz 
natürlich, daß er für die Entwicklung 
und für das Wohlergehen des Menschen 
Sorge trägt und das geschieht durch das 
Evangelium Jesu Christi . . . 
Das bezeichnende Merkmal eines Wis- 
senschaftlers ist dies: er erwartet einfach, 
daß die Wahrheit gewinnt, weil es die 
Wahrheit ist . . . In der Wissenschaft ist 
das Ist eine Tatsache, und weil es so ist, 
kann es niemand übelnehmen. Wenn 
etwas falsch ist, kann niemand etwas 
dafür tun, und wenn es richtig ist, kann 
niemand es davon abhalten, zu ge- 
winnen. 

Genauso ist es mit dem Evangelium" 
(Henry Eyring, The Faith of a Scientist, 
S. 103, 105). 

Wenn man weiß, daß Gott, der ewige 
Vater, alle Wahrheit kennt und danach 
handelt, erklärt dies, warum er gestern, 
heute und für immer derselbe ist. Alles, 
was er tut, ist, daß er sich an die 
unveränderlichen Wahrheiten des Uni- 
versums hält. Sein Sohn Jesus Christus 
hat dieselben Eigenschaften wie er, er ist 
„voller Gnade und Wahrheit" (Johan- 
nes 1:14). 

Einer der größten Unterschiede zwi- 
schen Gott und dem Menschen ist, daß 
Gott eine größere Kenntnis der Wahr- 
heit besitzt, was ihn frei macht, Welten 
zu schaffen und das Universum zu 
beherrschen. 
Wir glauben an folgendes: „Wie der 



Mensch jetzt ist, war Gott einst und wie 
Gott jetzt ist, kann der Mensch einst 
sein" (Lorenzo Snow, 11. Januar 1892). 
Dabei soll sich der Mensch während 
seines ganzen Lebens bemühen, sein 
Wissen zu erweitern und alle Wahr- 
heiten zu erfassen, die er nur erfassen 
kann. Er soll erkennen, daß das Evange- 
lium Jesu Christi alle Wahrheit in sich 
schließt, wo immer sie auch gefunden 
werden mag, und daß er, wenn er sich 
Wissen und Wahrheit aneignet, diese 
seinen Nächsten lehren soll. 
Besonders die Eltern haben die Aufgabe, 
ihre Kinder zu belehren. Einem Kind 
muß der Unterschied zwischen dem was 
richtig und dem was falsch ist, gelehrt 
werden. Wenn es sich allein überlassen 
bleibt, lernt es vielleicht nur das Falsche 
kennen. Es muß darin geführt und 
unterwiesen werden, welche Folgen sei- 
ne Entscheidungen haben können — 
warum er für etwas gesegnet und für das 
andere bestraft wird. 
Vergessen wir niemals, daß wir die 
Gestalter unseres eigenen Schicksals 
sind. Gott ist nicht für die Folgen 
unserer Handlungen verantwortlich. Er 
gibt uns durch sein Wort die Wahrheit 
und die Regeln, die wir befolgen sollen, 
und die Möglichkeit, zu lernen, zu 
handeln und Fortschritt zu machen. Mir 
gefällt das, was David O. McKay dar- 
über gesagt hat, sehr gut: 
„Ich glaube daran, daß Gott voller 
Liebe ist, daß er unser Vater ist und sich 
wünscht, daß seine Kinder glücklich 
werden und ewiges Leben erlangen . . . 
Er hat den Menschen auf die Erde 
gestellt und . . . gewährte ihm, nach 
eigenem Gutdünken zu handeln" (LuB 
29:35). Die Menschen können das Rich- 
tige oder das Falsche wählen; sie können 
in Finsternis oder im Licht wandeln; 
und vergessen Sie nicht: Gott hat seine 
Kinder nicht ohne das Licht gelassen. Er 
hat ihnen in den verschiedenen Evange- 



29 



liumszeiten das Licht des Evangeliums 
gegeben. Wenn sie in diesem Lichte 
wandelten, brauchten sie nicht zu stol- 
pern, sondern konnten Frieden und das 
Glück finden, das er sich als liebender 
Vater für sie wünscht. Der Herr nimmt 
ihnen aber dabei nicht ihre Entschei- 
dungsfreiheit. 

Gott bedauert jetzt die unvermeidlichen 
Folgen der Torheiten, Übertretungen 
und der Sünden seiner widerspenstigen 
Kinder, aber wir können ihn genauso- 
wenig dafür die Schuld geben wie einem 
Vater, der zu seinem Sohn vielleicht 
sagt: ,Es gibt zwei Straßen, mein Sohn, 
eine führt nach rechts, die andere nach 



links. Wenn du die zur linken nimmst, 
wird sie dir Elend, Unglück und viel- 
leicht den Tod bringen. Wenn du die zur 
rechten nimmst, wird sie dich zum 
Erfolg und Glück führen, aber es bleibt 
dir überlassen, welche du wählst. Du 
mußt selbst die Entscheidung treffen; 
ich werde dir deinen Weg nicht auf- 
zwingen.' 

Der junge Mann beginnt seine Reise und 
sieht die Verlockungen und den Reiz der 
linken Straße. Da er glaubt, es sei eine 
Abkürzung zu seinem Glück, beschließt 
er, sie zu wählen. Der Vater weiß, was 
aus ihm werden wird, er weiß, daß nicht 




weit vom Blumenpfad ein Sumpfloch 
ist, in das der Junge fallen wird, er weiß, 
daß er, nachdem er sich aus dem Sumpf 
herausgemüht hat, in einen Morast 
fallen wird ... Er konnte das lange 
vorher sehen, noch ehe der Junge diese 
gefährlichen Stellen erreicht hatte, und 
deshalb konnte er es voraussagen. Der 
Vater liebt den Jungen wie vorher, und 
er warnt ihn weiterhin und fleht ihn an, 
auf den rechten Pfad zurückzukehren. 
Gott hat auch der Welt durch seine 
Propheten in den vergangenen Zeiten 
gezeigt, daß viele seiner Kinder, einzelne 
wie auch Völker, den Weg gewählt 
haben, der zu Elend und Tod führt, und 
er hat es vorausgesagt; aber die Ver- 
antwortung liegt bei denen, die Gottes 
Worte nicht befolgten, und nicht bei 
Gott" (Lewellyn McKay True to the 
Faith, S. 86, 87). 

Aber Gott hat für jene, die nicht den 
richtigen Weg wählen, die sich von der 
Wahrheit abwenden, in seiner un- 
endlichen Liebe und Güte Vorsorge für 
ihre Erlösung getroffen, nämlich durch 
den herrlichen Grundsatz der Buße. 
Buße bedeutet, seine Übertretungen zu 
erkennen, sie zu bereuen und den Vor- 
satz zu fassen, sie zu überwinden. Der 
Herr hat gesagt: 

„Daran könnt ihr erkennen, ob ein 
Mensch für seine Sünden Buße getan: 
sehet er wird sie bekennen und ablegen" 
(LuB 58:43). 

Seit dem Beginn der Zeit hat Gottes 
Liebe für und Sorge um seine Kinder ihn 
veranlaßt, sie vor den Versuchungen des 
Feindes der Wahrheit und des Lichts, 
den Satan, zu warnen, der entschlossen 
ist, mit seinen Nachfolgern die Mensch- 
heit zu vernichten und den Plan Gottes, 
er will seine Kinder retten, zu vereiteln. 
Wir können ruhig auf unsere Zeit die 
Worte eines Propheten aus dem Buch 
Mormon beziehen, der dazu vom Geist 
des Herrn bewegt wurde: 



„Ja, wehe diesem Volk, weil die Zeit 
gekommen ist, wo es die Propheten 
verstößt, verspottet, steinigt und tötet 
und ihnen wie vor alters Böses jeder Art 
zufügt. 

Du böses und verkehrtes Geschlecht, du 
hartnäckiges und verstocktes Volk, wie 
lange wirst du glauben, daß der Herr 
Geduld mit dir haben wird? Wie lange 
wollt ihr euch von törichten und ver- 
blendeten Führern leiten lassen? Ja, 
wie lange wollt ihr dem Lichte die Fin- 
sternis vorziehen?" (Helaman 13:24, 
29). 

Aber er hat auch die Zusicherung ge- 
macht: 

„Wenn ihr aber Buße tut und zum 
Herrn, eurem Gott, zurückkehrt, will 
ich meinen Zorn abwenden, spricht der 
Herr. Ja, so spricht der Herr: Gesegnet 
ist, wer Buße tut und zu mir zurück- 
kehrt, doch wehe dem, der nicht Buße 
tut" (Helaman 13:11). Mögen wir uns 
alle nach Weisheit und nach Wahrheit 
sehnen, damit wir das Reich Gottes 
ererben und uns der verheißenen Seg- 
nungen erfreuen können, denn er hat 
gesagt: „Der Geist der Wahrheit ist von 
Gott. Ich bin der Geist der Wahrheit, 
und Johannes zeugte von mir, indem er 
sagte: Er empfing eine Fülle der Wahr- 
heit, ja, aller Wahrheit. 
Und niemand empfängt eine Fülle, er 
halte denn seine Gebote. 
Wer seine Gebote hält, empfängt Wahr- 
heit und Licht, bis er in der Wahrheit 
verherrlicht ist und alle Dinge weiß" 
(LuB 93:26-28). 

Mögen wir alle Gott als unseren Vater 
und seinen Sohn Jesus Christus als 
unseren Erlöser anerkennen, und mögen 
wir seine Gebote halten und weiterhin 
nach der Wahrheit streben, die uns frei 
machen wird und uns zum ewigen Leben 
führt. 

Ich erbitte dies demütig im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



31 



Versammlung am Samstagnachmittag, den 1. April 1978 

Statistischer Bericht 1977 

Vorgelegt von Francis M. Gibbons 
Sekretär der Ersten Präsidentschaft 



/ur Information der Mitglieder der 
Kirche hat die Erste Präsidentschaft den 
folgenden statistischen Bericht über das 
Wachstum der Kirche und ihren Stand 
am 31. Dezember 1977 herausgegeben: 



Einheiten der Kirche 




Pfähle Zions 885 


Priestertum 


Missionen 157 


Diakone 


Gemeinden 


Lehrer 


(über die ein Bischof 


Priester 


präsidiert) 5917 


Älteste 


Selbständige Gemeinden in den Pfählen 


Siebziger 


(mit Gemeindepräsidenten) 1549 


Hohepriester 


Gemeinden in den 


Dies bedeutel 


Missionen 1694 


Priestertumst 



Sozialstatistik 

Geburtenziffer auf je tausend 
Mitglieder 31.66 

Eheschließungen auf je tausend 
Mitglieder 13.25 

Sterbefälle auf je tausend 
Mitglieder 4.14 



142.000 
112.000 
201.000 
338.000 
28.000 
129.000 



Hieraus ergibt sich ein Zuwachs von 541 
Gemeinden im Jahr 1977. 

Länder, in denen es organisierte 
Gemeinden gibt 54 

Mitgliederzahl 

Gesamtzahl der Mitglieder nach Be- 
richten aus Pfählen, Missionen und 
Büros der Kirche 

Ende 1977 3,966.000 

Bei bleibender Wachstumsrate wird ge- 
schätzt, daß die Mitgliederzahl jetzt 4 
Millionen übersteigt. 

Wachstum der Kirche 1977 

Kindersegnungen 95.000 

Taufen eingetragener Kinder 62.000 

Taufen von Bekehrten 167.939 



Vollzeitmissionare 25.300 

Wohlfahrtsdienste 

Anzahl derer, die unterstützt 

wurden 99.600 

Anzahl derer, denen die Soziale Hilfe 

geholfen hat 15.000 

Anzahl derer, denen Arbeit vermittelt 

wurde 16.000 

Anzahl der unbezahlten Arbeitstage für 

das Wohlfahrtsprogramm 427.000 

Nahrungsmittel (in Pfunden), die von 

den Vorratshäusern 

verteilt wurden 750.000 

Genealogische Gesellschaft 

Namen, die 1977 für heilige Handlungen 

im Tempel freigegeben 

wurden 3,374.000 



32 



Die Genealogische Gesellschaft sam- 
melt in 36 Ländern Daten und besitzt 
949 000 Rollen Mikrofilm zu je 30 
Metern, was 4,517.000 Bänden zu je 300 
Seiten entspricht. 

Tempel 

Anzahl der Endowments 1977 

Für Lebende 47.037 

Für Tote 3,555.118 

Benutzte Tempel 14 

Tempel, die geplant sind oder sich 

im Bau befinden 6 

Tempel, die renoviert werden 2 

1977 wurden 180.362 mehr Endow- 
ments vollzogen als 1976, obwohl 2 
Tempel nicht zur Verfügung standen. 

Bildungseinrichtungen der Kirche 
Gesamtzahl der eingeschriebenen 
Schüler im Schuljahr 1976/77: 



Seminare und Religionsinstitute sowie 
besondere Programme 288.000 

Kirchenschulen und -Colleges 74.000 



Todesfälle 

Alma Sonne vom Ersten Kollegium der 
Siebzig; Ina J. Ashton Richards, Gattin 
LeGrand Richards' vom Rat der Zwölf; 
Jeanne N. Smith, Gattin Eldred G. 
Smith', des Patriarchen der Kirche; 
John Harold Müllen, Präsident des 
Pfahles El Paso in Texas; Ollie Richard 
Crichton, Präsident des Pfahles Apia auf 
Samoa; Dr. Sidney B. Sperry, Schrift- 
steller und Erzieher; Edward Oliver 
Anderson, Architekt des Tempels in 
London, in der Schweiz und in Los 
Angeles; Dr. Florence J. Madsen, Kom- 
ponistin, Erzieherin und Leiterin aller 
Aktivitäten für „Singende Mütter"in 
der Kirche. 




33 



Bericht des Finanzkomitees der Kirche 

Der Ersten Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

vorgelegt von Wilford G. Edling, 

dem Vorsitzenden des Finanzkomitees der Kirche 

Wi 



ir haben den Jahresfinanzbericht 
der Kirche bis zum 31. Dezember 1977 
und die finanziellen Angelegenheiten für 
das Jahr 1977 überprüft. Die finanziel- 
len Angaben und Unternehmen, die das 
Komitee überprüft hat, schließen im 
allgemeinen Fonds der Kirche und ihr 
unterstehender Organisationen ein, de- 
ren Finanzen von der Finanzabteilung 
der Kirche verwaltet werden. Wir haben 
ebenfalls die Haushaltspläne, die Buch- 
führung und Buchprüfung und die Art 
und Weise, wie Geld für die Fonds 
eingenommen und ausgegeben wird, 
geprüft. Wir haben festgestellt, daß die 
Ausgaben für die allgemeinen Fonds der 
Kirche von der Ersten Präsidentschaft 
genehmigt worden waren. Die Geneh- 
migung des Haushaltsplans untersteht 
dem Rat für die Verwaltung des Zehn- 
ten, dem die Erste Präsidentschaft, der 
Rat der Zwölf und die Präsidierende 
Bischofschaft angehören. Das Aus- 
gabenkomitee der Kirche beschließt 
in wöchentlichen Sitzungen über die 
Ausgabe von Mitteln, die dem Haushalt 
unterstehen. 

Die Finanzabteilung und die anderen 
Abteilungen nutzen moderne Geräte für 
ihre Buchhaltung, um mit dem schnellen 
Wachstum der Kirche Schritt zu halten. 
Das Finanzkomitee und die Rechts- 
abteilung der Kirche beschäftigen sich 
mit allen Angelegenheiten im Zu- 
sammenhang mit der Besteuerung der 
Kirche seitens der Bundesregierung der 
Vereinigten Staaten, der einzelnen 
Bundesstaaten und der Regierungen an- 
derer Länder. 

Die Buchprüfungsabteilung der Kirche, 
die von allen anderen Abteilungen un- 



abhängig ist, nimmt regelmäßige Buch- 
prüfungen bei allen Abteilungen und 
Organisationen der Kirche vor; die Be- 
richte darüber bewahrt die Finanz- 
abteilung auf. Diese Buchprüfungen 
umfassen auch die Missionen und die 
Aktivitäten der einzelnen Abteilungen 
im Ausland. Die Buchprüfungs- 
abteilung trägt ebenfalls die Ver- 
antwortung für die Überprüfung der 
Computersysteme, die die Kirche ver- 
wendet. Ausmaß und Umfang ihrer 
Prüfungen, die die Mittel der Kirche 
schützen sollen, steigern sich ent- 
sprechend dem Wachstum der Kirche. 
Die Buchprüfung der einzelnen Gemein- 
den und Pfähle ist den Pfahl-Buch- 
prüfern übertragen. Eingetragene 
Gesellschaften, die Eigentum der Kirche 
sind und deren Finanzverwaltung nicht 
der Finanzabteilung der Kirche unter- 
steht, unterstehen der Buchprüfung ent- 
sprechender Firmen oder staatlicher 
Stellen. 

Unsere Überprüfung der Jahres- 
finanzberichte und anderer Unterlagen 
hat zusammen mit ständigen Be- 
sprechungen mit dem Personal der Fi- 
nanz-, Buchprüfungs- und Rechts- 
abteilungen ergeben, daß die Ein- 
nahmen und Ausgaben innerhalb der 
allgemeinen Fonds der Kirche für das 
Jahr 1977 im Einklang mit den Richt- 
linien getätigt worden sind. 

Hochachtungsvoll 

Das Finanzkomitee der Kirche 

Wilford G. Edling 

Harold H. Bennett 
Weston E. Hamilton 

David M. Kennedy 
Warren E. Pugh 



34 



Bestätigung der Beamten der Kirche 



N. Eldon Tanner 

Erster Ratgeber des Präsidenten der Kirche 




B f 



►ei der letzten Konferenz hatten wir 
eine Gegenstimme, und es hat deswegen 
einige Mißverständnisse gegeben. Man 
hat gesagt, ich hätte den Betreffenden 
sehr schroff behandelt. Ich möchte des- 
halb nur kurz erklären, was geschieht, 
wenn einer oder eine Gruppe gegen 
einen Vorschlag stimmt. Wir geben den 
Leuten die Möglichkeit, zu einer 
Generalautorität zu gehen und diesem 
Bruder zu erklären, warum der, der 
vorgeschlagen wird, ihrer Meinung nach 
nicht würdig ist. Wenn wir feststellen, 
daß der Betreffende tatsächlich nicht 
würdig ist, unternehmen wir die not- 
wendigen Schritte. 

Zur Bestätigung schlagen wir vor Präsi- 
dent Spencer W. Kimball als Propheten, 
Seher, Offenbarer und Präsidenten der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage. Wer dem zustimmt, hebe 
bitte die Hand. — Wer dagegen ist, zeige 
dies durch dasselbe Zeichen. 
Nathan Eldon Tanner als Ersten Rat- 
geber des Präsidenten der Kirche und 
Marion G. Romney als Zweiten Rat- 
geber des Präsidenten. Alle, die dem 
zustimmen, mögen bitte die Hand he- 
ben. - - Wer dagegen ist, desgleichen. 



Zur Bestätigung schlagen wir vor Ezra 
Taft Benson als Präsidenten des Rates 
der Zwölf Apostel. Wer dem zustimmt, 
hebe die Hand bitte. Wer dagegen ist, 
desgleichen. 

Als Rat der Zwölf Apostel: Ezra Taft 
Benson, Mark E. Petersen, Delbert L. 
Stapley, LeGrand Richards, Howard W. 
Hunter, Gordon B. Hinckley, Thomas 
S. Monson, Boyd K. Packer, Marvin J. 
Ashton, Bruce R. McConkie, L. Tom 
Perry, David B. Haight. Wer dem zu- 
stimmt, hebe bitte die Hand. Wer 
dagegen ist, desgleichen. 
Als Patriarchen der Kirche Eldred G. 
Smith. Wer dem zustimmt, hebe bitte 
die Hand. Wer dagegen ist, des- 
gleichen. 

Die Ratgeber des Präsidenten der Kir- 
che, die Zwölf Apostel und den Patri- 
archen der Kirche als Propheten, Seher 
und Offenbarer. Wer dem zustimmt, 
hebe bitte die Hand. — Wer dagegen ist, 
desgleichen. 

Spencer W. Kimball als Treuhänder der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage. Wer dem zustimmt, hebe 
bitte die Hand. Wer dagegen ist, 
desgleichen. 

Als Präsidentschaft des Ersten Kollegi- 
ums der Siebzig und die Mitglieder des 
Ersten Kollegiums der Siebzig: Franklin 
D. Richards, James E. Faust, J. Thomas 
Fyans, A. Theodore Tuttle, Neal A. 
Maxwell, Marion D. Hanks und Paul H. 
Dünn. Wer dem zustimmt, möge dies 
kundtun, wer dagegen ist, desgleichen. 
Als Mitglieder des Ersten Kollegiums 



35 



der Siebzig: Alma Sonne, Sterling W. 
Sill, Henry D. Taylor, Theodore M. 
Burton, Bernard P. Brockbank, James 
A. Cullimore, Joseph Anderson, Wil- 
liam H. Bennett, John H. Vandenberg, 
Robert L. Simpson, O. Leslie Stone, 
William Grant Bangerter, Robert D. 
Haies, Adney Y. Komatsu, Joseph B. 
Wirthlin, S. Dilworth Young, Hart- 
mann Rector jun., Loren C. Dünn, Rex 
D. Pinegar, Gene R. Cook, Charles A. 
Didier, William R. Bradford, George P. 
Lee, Carlos E. Asay, M, Russell Ballard 
jun., John H. Groberg, Jacob de Jager, 
Vaughn J. Featherstone, Dean L. Lar- 
sen, Royden G. Derrick, Robert E. 
Wells, G. Homer Durham, James M. 
Paramore, Richard G. Scott, Hugh. W. 
Pinnock, F. Enzio Busche, Yoshihiko 
Kikuchi, Ronald E. Poelman, Derek A. 
Cuthbert, Robert L. Blackman und Rex 
C. Reeve. Wer dem zustimmt, hebe bitte 
die Hand. — Wer dagegen ist, des- 
gleichen. 

Als Präsidierende Bischofschaft: Victor 
L. Brown, Präsidierender Bischof, H. 
Burke Peterson als Erster Ratgeber und 
J. Richard Clarke als Zweiter Ratgeber. 
Wer dem zustimmt, hebe bitte die Hand. 
— Wer dagegen ist, desgleichen. 
Als Regionalrepräsentanten: Alle 
Regionalrepräsentanten des Rates der 
Zwölf, wie sie zur Zeit berufen und 
eingesetzt sind. 

Für die Frauenhilfsvereinigung: Barba- 
ra Bradshaw Smith, Präsidentin; Janeth 
Russell Cannon, Erste Ratgeberin, und 
Marian Richards Boyer, Zweite Rat- 
geberin; mit allen Mitgliedern des 
Hauptausschusses, wie sie zur Zeit 
eingesetzt sind. 

Für die Sonntagsschule: Russell M. 
Nelson, Präsident; Joe J. Christensen, 
Erster Ratgeber; William D. Oswald, 
Zweiter Ratgeber; mit allen Mitgliedern 
des Hauptausschusses, wie sie zur Zeit 
eingesetzt sind. 



Für die Organisation der Jungen Män- 
ner: Neil D. Schaerrer, Präsident; Gra- 
ham W. Doxey, Erster Ratgeber; Quinn 
G. McKay, Zweiter Ratgeber; mit allen 
Mitgliedern des Hauptausschusses, wie 
sie zur Zeit eingesetzt sind. 
Für die Organisation der Jungen Da- 
men: Ruth Hardy Funk, Präsidentin; 
Hortense H. Child, Erste Ratgeberin; 
Ardet G. Knapp, Zweite Ratgeberin; 
mit allen Mitgliedern des Haupt- 
ausschusses, wie sie zur Zeit eingesetzt 
sind. 

Für die Primarvereinigung: Naomi 
Maxfield Shumway, Präsidentin; Col- 
leen Bushman Lemmon, Erste Rat- 
geberin; Dorthea Lou Chritiansen Mur- 
dock, Zweite Ratgeberin; mit allen Mit- 
gliedern des Hauptausschusses, wie sie 
zur Zeit eingesetzt sind. 
Der Bildungsausschuß der Kirche: 
Spencer W. Kimball, N. Eldon Tanner, 
Marion G. Romney, Ezra Taft Benson, 
Gordon B. Hinckley, Thomas S. Mon- 
son, Boyd K. Packer, Marvin J. Ashton, 
Neal A. Maxwell, Marion D. Hanks, 
Paul H. Dünn, Victor L. Brown, Barba- 
ra Smith. 

Wer dem zustimmt, hebe bitte die Hand. 
— Wer dagegen ist, desgleichen. 
Das Finanzkomitee der Kirche: Will- 
ford G. Edling, Harold H. Bennett, 
Weston E. Hamilton, David M. Kenne- 
dy, Warren E. Pugh. 
Der Tabernakelchor: Oakley S. Evans, 
Präsident; Jerold D. Ottley, Dirigent; 
Donald H. Ripplinger, Zweiter Diri- 
gent; Robert Cundick, Roy M. Darley 
und John Longhurst, Organisten. Wer 
dem zustimmt, hebe bitte die Hand. — 
Wer dagegen ist, desgleichen. 
Präsident Kimball, ich glaube, die 
vorgelegten Beamten sind einstimmig 
bestätigt worden. 



36 



Das glaubensvolle Gebet 



Thomas S. Monson 

vom Rat der Zwölf Apostel 




U, 



nser Herz ist berührt von dem 
wunderbaren Gesang dieser Jungen und 
Mädchen der Primarvereinigung. Alle 
Kinder, die heute Nachmittag hier mit- 
singen, haben die Möglichkeit, mit an- 
deren Kindern gleichen Alters einmal in 
der Woche zur Versammlung der 
Primarvereinigung zusammenzukom- 
men. Es gibt aber auch Kinder — ebenso 
kostbar und rein wie diese, denen dieses 
Glück nicht beschert ist. 
Als ich vor einigen Jahren die Mission in 
Australien besuchte, bin ich auch mit 
dem Missionspräsidenten nach Darwin 
geflogen, wo wir den ersten Spatenstich 
für das erste Gemeindehaus der Kirche 
in dieser Stadt feiern wollten. Zum 
Auftanken mußten wir in der kleinen 
Bergwerksstadt Mt. Isa zwischenlanden. 
Am Flughafen begrüßte uns eine Mutter 
mit ihren zwei Kindern, die im PV-Alter 
waren. Sie stellte sich als Judith Louden 
vor und erwähnte, daß sie und ihre zwei 
Kinder die einzigen Mitglieder der Kir- 
che in dieser Stadt seien. Ihr Mann, 
Richard Louden, war kein Mitglied. Wir 
sprachen kurz mit der Frau. Ich erklärte 
ihr, wie wichtig es sei, jede Woche eine 
Heim-PV abzuhalten. Ich versprach ihr, 



Das Wunder ausdauernden Betens hat den Ungläubigen 
bekehrt, Menschen in Gefahr geschützt und dem 
Strauchelnden wieder Halt gegeben. 



ihr das Material für die Heim-PV zuzu- 
schicken, um ihr die Arbeit zu er- 
leichtern. Die Schwester war fest ent- 
schlossen; sie wollte beten, sie wollte mit 
den Kindern zusammenkommen und 
sie wollte im Glauben Ausdauer zeigen. 
Bei meiner Rückkehr nach Salt Lake 
City half mir die damalige Präsidentin 
La Vera Parmley, und man schickte der 
Frau das Material für die Heim-PV 
sowie ein Abonnement des „Children's 
Friend" (frühere Zeitschrift der Kirche 
für Kinder). 

Jahre später erwähnte ich auf einer 
Pfahlkonferenz des Pfahls Brisbane Au- 
stralien während der Priestertums- 
versammlung die Lage dieser gläubigen 
Frau und ihrer Kinder. Ich sagte: ,, Eines 
Tages würde ich gerne erfahren, ob diese 
Heim-PV ein Erfolg gewesen ist, und ich 
würde gerne den Ehemann und Vater 
dieser guten Familie kennenlernen, der 
kein Mitglied war." Einer der Brüder in 
der Versammlung stand auf und sagte: 
„Bruder Monson, ich bin Richard Lou- 
don, der Mann dieser guten Frau und 
der Vater dieser kostbaren Kinder. Das 
Gebet und die PV haben mich in die 
Kirche gebracht." Die Macht des Ge- 
bets wurde mir auch im vergangenen 
Winter wieder besonders bewußt. Ich 
hatte viele tausend Kilometer im Süden 
in der schönen Stadt Buenos Aires eine 
Pfahlkonferenz zu besuchen. Dabei hat- 



37 



te ich etwas Zeit, um in den historischen 
Palermo-Park zu gehen, der sehr schön 
mitten in der Innenstadt liegt. Mir kam 
in den Sinn, daß dies geheiligter Boden 
war, denn dies war der Ort, wo am 
Weihnachtstag 1925 Melvin J. Ballard, 
ein Apostel des Herrn, ganz Südamerika 
für die Verkündigung des Evangeliums 
geweiht hat. Und wie ist hier ein in- 
spiriertes Gebet in Erfüllung gegangen, 
wenn man heute sieht, wie das Wachs- 
tum der Kirche in diesen Ländern alle 
Erwartungen übertrifft. 
In diesem Park steht auch ein großes 
Denkmal von George Washington, dem 
Vater und ersten Präsidenten der Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika. Als 
ich mir dieses Denkmal ansah, wander- 
ten meine Gedanken zu einem anderen 
historischen Ort zurück, an dem das 
Gebet eine wichtige Rolle gespielt hat — 
nämlich Valley Forge. Hier war es, wo 
dieser Washington seine übel zuge- 
richteten hungrigen und schlecht beklei- 
deten Truppen in die Winterquartiere 
führte. 

Heute steht in Valley Forge in einem 
stillen Wald ein großes Denkmal von 
Washington. Man sieht ihn aber nicht 
auf einem stürmenden Roß oder wie er 
als Held über ein Schlachtfeld blickt - 
man sieht ihn in demütigen Gebet auf 
den Knien, wie er den Gott des Himmels 
um Hilfe anfleht. Beim Anblick dieses 
Denkmals fallen einem die oft gehörten 
Worte ein: ,,Ein Mensch steht nie größer 
da, als wenn er auf den Knien betet." 
Männer und Frauen mit Charakter- 
stärke und Zielstrebigkeit haben immer 
eine höhere Macht als sich selbst an- 
erkannt und durch das Gebet danach 
gestrebt, von dieser Macht geführt zu 
werden. So ist es immer gewesen, und so 
soll es immer sein. 

Ganz am Anfang erhielt unser Vater 
Adam das Gebot, daß er Gott immerdar 
im Namen seines Sohnes anrufen solle. 



Adam hat gebetet. Abraham hat ge- 
betet. Isaak hat gebetet. Mose hat ge- 
betet, und so hat jeder Prophet zu Gott 
gebetet und von ihm Kraft erhalten. Wie 
der Sand, der durch die Sanduhr rinnt, 
sind Generationen von Menschen ge- 
boren, haben gelebt und sind gestorben. 
Schließlich trat jenes glorreiche Ereignis 
ein wovon Psalmisten gesungen haben 
und für das Märtyrer gestorben sind und 
worauf die ganze Menschheit gehofft 
hat. 

Die Geburt des göttlichen Kindes in 
Bethlehem war überwältigend in ihrer 
Schönheit und einzigartig in ihrer Be- 
deutung. Jesus von Nazareth hat die 
Prophezeiungen erfüllt. Er reinigte Aus- 
sätzige, öffnete Augen von Blinden und 
die Ohren von Tauben, stellte Leben 
wieder her, lehrte die Wahrheit und 
errettete alle Menschen. Und in dem 
allen hat er den Vater im Himmel geehrt 
und uns allen ein Beispiel gegeben, dem 
wir nacheifern sollen. 
Mehr als irgendein anderer geistiger 
Führer hat er uns gezeigt, wie wir beten 
sollen. Wer könnte seine Seelenqualen 
und sein inbrünstiges Gebet im Garten 
Gethsemane vergessen: „Mein Vater, 
ist's möglich, so gehe dieser Kelch an 
mir vorüber; doch nicht wie ich will, 
sondern wie du willst" (Matthäus 
26:39). Und sein Gebot: ,, Wachet und 
betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet" 
(Matthäus 26:41). 

Wir erinnern uns auch an seinen Rat: 
„Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein 
wie die Heuchler, die da gerne stehen 
und beten in den Synagogen und an den 
Ecken auf den Gassen, auf daß sie von 
den Leuten gesehen werden . . . Wenn 
du aber betest, . . . bete zu deinem Vater, 
der im Verborgenen ist; und dein Vater, 
der in das Verborgene sieht, wird dir's 
vergelten öffentlich" (Matthäus 6:5, 6). 
Diese Anleitung hat vielen, die sich in 
innerem Aufruhr befanden, den Frieden 



38 



entdecken helfen, nach dem sie so in- 
brünstig verlangt und auf den sie so 
ernsthaft gehofft haben. 
Leider werden manche Menschen durch 
Wohlstand, durch Ansehen und durch 
das Lob der Welt zu einem falschen 
Gefühl der Sicherheit und zu einer 
hochmütigen Sicherheit geführt, und sie 
sind nicht mehr geneigt zu beten. Umge- 
kehrt ist es so, daß Prüfungen und 
Leiden, Krankheit und Tod die Burgen 
des menschlichen Stolzes brechen, den 
Menschen auf die Knie zwingen und ihn 
veranlassen, nach Kraft aus höherer 
Quelle zu streben. 

Ich glaube, daß sich in den Schrecken 
des Zweiten Weltkrieges mehr Men- 
schen Zeit zum Beten genommen haben 
als zu irgendeiner anderen Zeit in unse- 
rer Geschichte. Wer kann das Bangen 
der Mütter, Frauen und Kinder er- 
messen, die um den Schutz des All- 
mächtigen für die Söhne, Männer und 
Väter im tödlichen Kampf gebetet ha- 
ben. Gebete werden gehört. 
Herzergreifend ist das Beispiel einer 
Mutter in Amerika, die für das Wohl- 
ergehen ihres Sohnes betete, der mit dem 
Schiff auf dem blutigen Kriegs- 
schauplatz des Pazifiks unterwegs war. 
Jeden Morgen erhob sie sich vom Gebet 
und ging als Freiwillige in die Fabrik, wo 
Rettungsseile und -ringe für die Männer 
auf dem Schlachtfeld erzeugt wurden. 
Könnte es sein, daß sich die Arbeit einer 
Mutter irgendwie direkt auf das Leben 
ihres Sohnes auswirken würde? Alle, die 
sie und ihre Familie kannten, waren 
ergriffen von dem, was ihr Sohn, Elgin 
Staples erzählt hat. Sein Schiff war am 
Guadelkanal gesunken. Staples ging 
über Bord; aber er überlebte dank eines 
Rettungsrings, den, wie eine spätere 
Untersuchung ergab, seine eigene Mut- 
ter zu Hause in Akron, Ohio, geprüft, 
gepackt und abgestempelt hatte. 
,,Ich weiß nicht, auf welche einzigartige 



Weise, aber dies weiß ich: Gott erhört 
unser Gebet. Ich weiß, daß er sein Wort 
gegeben, daß mein Gebet stets von ihm 
vernommen und früher oder später 
erhört wird. Und so warte ich ruhig und 
bete." (Eliza M. Hickock, „Prayer", in 
„The Best Loved Religions Poems", S. 
160.) Mit Recht könnte nun die jüngere 
Generation die Frage stellen: „Aber wie 
sieht es heute aus? Hört Gott uns immer 
noch?" Worauf ich prompt erwidere: 
„Die Ermahnung des Herrn an uns, zu 
beten ist nicht zeitlich befristet. Wenn 
wir an ihn denken, wird er auch an uns 
denken." 

In den meisten Fällen wehen keine 
Flaggen und spielen keine Militär- 
kapellen, wenn ein Gebet erhört wird, 
Seine Wunder werden oft auf stille und 
natürliche Weise vollbracht. 
Als ich vor einigen Jahren eine Pfahl- 
konferenz in Grand Junction, Colorado, 
besuchte, fragte mich der Pfahl- 
präsident, ob ich mit einer besorgten 
Mutter und einem besorgten Vater spre- 
chen könne, deren Sohn angekündigt 
hatte, er wolle das Missionsfeld ver- 
lassen, nachdem er gerade eben dort 
eingetroffen war. Als die Menge der 
Konferenzbesucher sich zerstreut hatte, 
knieten wir still an einem ruhigen Ort 
nieder-- Mutter, Vater, Pfahlpräsident 
und ich. Als ich für alle betete, konnte 
ich das unterdrückte Schluchen der 
traurigen Mutter und des enttäuschten 
Vaters hören. 

Als wir uns erhoben, sagte der Vater: 
„Bruder Monson, glauben Sie wirklich, 
unser Vater im Himmel könnte die 
angekündigte Entscheidung unseres 
Jungen, vor Beendigung seiner Mission 
nach Hause zu kommen, ändern? Wie 
kommt es bloß, daß meine Gebete jetzt, 
wo ich mich so sehr bemühe, das Rechte 
zu tun, nicht erhört werden?" 
Ich fragte nur: „Wo arbeitet denn ihr 
Sohn?" 



39 



„In Düsseldorf in Deutschland", er- 
widerte der Vater. 

Da legte ich meine Arme um diese Eltern 
und sagte zu ihnen: „Ihre Gebete sind 
schon erhört worden. Heute wurden 
mehr als achtundzwanzig Pfahl- 
konferenzen abgehalten, bei denen 
Generalautoritäten zu Besuch gewesen 
sind, und ich bin gerade Ihrem Pfahl 
zugeteilt worden. Und von all den 
führenden Brüdern bin gerade ich es, der 
den Auftrag hat, am kommenden 
Donnerstag mit den Missionaren in der 
Mission Düsseldorf zusammenzu- 
kommen." 

Ihre Bitte war vom Herrn gehört wor- 
den. Es gelang mir, mit ihrem Sohn zu 
sprechen. Er ging auf den Wunsch seiner 
Eltern ein. Er blieb im Missionsfeld und 
erfüllte sehr erfolgreich seine Mission. 
Einige Jahre später besuchte ich wieder 



den Pfahl Grand Junction in Colorado. 
Noch immer war der Vater nicht so weit, 
daß er seine große und wunderbare 
Familie an sich siegeln lassen konnte, 
damit seine Familie eine ewige Familie 
werden konnte. Ich sagte ihnen, wenn sie 
ernsthaft darum beteten, könnten sie es 
schaffen. Ich ließ sie wissen, daß ich 
gerne bei dieser heiligen Handlung im 
Tempel Gottes amtieren würde, wenn es 
soweit sei. 

Die Mutter betete ständig, der Vater 
strengte sich an, die Kinder drangen 
auch in ihren Vater, und alle zusammen- 
beteten sie. Das Ergebnis? Lassen Sie 
mich Ihnen aus einem Brief vorlesen, 
den ihr kleiner Sohn Todd am Morgen 
des Vatertages unter das Kopfkissen des 
Vaters gelegt hat. 
„Lieber Papa! 




40 



Ich liebe Dich für das, was Du bist, und 
für das, was Du nicht bist. Warum hörst 
Du nicht auf zu rauchen? Millionen 
Menschen haben es geschafft . . warum 
kannst Du es nicht? Es ist schädlich für 
Deine Gesundheit, für Deine Lungen 
und für Dein Herz. Wenn Du das Wort 
der Weisheit nicht befolgen kannst, 
kannst Du nicht mit mir, Skip, Brad, 
Marc, Jeff, Jeannie, Pam und ihren 
Familien in den Himmel kommen. Wir 
Kinder halten uns an das Wort der 
Weisheit. Warum kannst Du es nicht? 
Du bist doch stärker, und Du bist ein 
Mann. Papa, ich möchte Dich auch im 
Himmel sehen. Wir alle möchten das. 
Wir wollen eine ganze Familie im Him- 
mel sein — nicht nur eine halbe. 
Papa, Du und Mama, ihr solltet Euch 
zwei gebrauchte Räder besorgen und 
anfangen, jeden Abend durch den Park 
zu fahren. Du lachst vielleicht jetzt 
darüber, aber ich würde an Deiner Stelle 
nicht lachen. Du lachst über die alten 
Leute, die im Dauerlauf durch den Park 
laufen, mit dem Fahrrad fahren oder 
Spazierengehen, aber diese Leute werden 
älter werden als Du. Weil sie etwas für 
ihre Lunge, für ihr Herz und für ihre 
Muskeln tun. Sie werden zuletzt lachen. 
Bitte, Papa, sei lieb — rauche und trinke 
nicht mehr, und tu nichts mehr gegen 
unsere Religion. Wir wollen, daß Du bei 
unserem Schulabschluß dabei bist. 
Wenn Du mit dem Rauchen aufhörst 
und Dich mit guten Dingen befaßt wie 
wir, dann können Du und Mama mit 
Bruder Monson in den Tempel gehen 
und ihr könnt Euch aneinander und wir 
uns an Euch siegeln lassen. 
Komm, Papa, schieb es nicht länger auf 
— Mama und wir Kinder warten nur auf 
Dich. Wir wollen für immer mit Dir 
leben. Wir lieben Dich. Du bist der 
Größte, Papa. 

In Liebe 
Dein Todd 



PS Und wenn ein anderer von uns einen 
solchen Brief geschrieben hätte, hätte er 
das gleiche geschrieben. 
PPS Mr. Newton hat mit dem Rauchen 
aufgehört. Du kannst es also auch. Du 
stehst doch Gott näher als Mr. New- 
ton!" 

Diese inständige Bitte, dieses Gebet des 
Glaubens, wurde erhört. Es war ein 
unvergeßlicher Abend, als diese Familie 
sich vollzählig in einem heiligen Raum 
in einem schönen Tempel vereinte. Der 
Vater war da. Alle Kinder waren da. 
Heilige Handlungen von ewiger Trag- 
weite wurden vollzogen. Ein demütiges 
Dankgebet brachte diesen lang- 
ersehnten Abend zum Abschluß. 
Mögen wir immer daran denken . . . 

„Der Seele Wunsch ist das Gebet, in 
Schmerzen oder Lust, gleich Feuer lodernd, 
still es steht und zitternd in der Brust. 

Es ist des Christen Lebensbrot, es ist des 
Christen Luft, sein Losungswort bis hin zum 
Tod, mit ihm tritt er zur Gruft."" 

(Gesangbuch der Kirche, Nr. 109.) 

Jesus Christus hat uns gelehrt, wie wir 
beten sollen. Daß jeder von uns dies 
lernen und es auch tun möge, das ist 
meine ernsthafte Aufforderung und dar- 
um bete ich aufrichtig im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



41 



Die Primarvereinigung bereichert das 
Leben der Kinder 



David B. Haight 

vom Rat der Zwölf Apostel 




D 



'er Heiland, der jede kostbare 
Gelegenheit benutzte, um seine An- 
hänger zu belehren, wurde einmal mit 
einer strittigen Frage konfrontiert. Seine 
Jünger wollten gerne wissen, welche 
Stellung sie einmal einnehmen würden. 
Einer von ihnen fragte: „Wer ist doch 
der Größte im Himmelreich?" Sogleich 
rief der Herr ein Kind zu sich, stellte es 
mitten unter sie und fragte: „Wenn ihr 
nicht umkehret und werdet wie die 
Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmel- 
reich kommen." Und dann sagte er 
noch: „Wer nun sich selbst erniedrigt 
wie dies Kind, der ist der Größte im 
Himmelreich." 

Hat nicht der Heiland bei diesem Vorfall 
von den Erwachsenen verlangt, daß sie 
ihre Kindheit wiederfinden sollten, daß 
sie ihre Schwächen oder alles Böse 
ablegen müßten? Der Glaube der Kind- 
heit muß wiedergewonnen werden. 
„Und wer ein solches Kind aufnimmt in 
meinem Namen, der nimmt mich auf." 
Und vielleicht drückte der Heiland das 
Kind an sich, als er sagte: „Wer aber 
Ärgernis gibt einem dieser Kleinen, die 



Aus einem bescheidenen Anfang in einer kleinen 
Mormonenstadt ist eine große Organisation zum Segen der 
Kinder hervorgegangen . 



an mich glauben, dem wäre besser, daß 
ein Mühlstein an seinen Hals gehängt 
und er ersäuft würde im Meer, wo es am 
tiefsten ist" (Matthäus 18:1, 3-6). 
Es kostet einen erschreckenden Preis, die 
Reinheit kleiner Kinder zu zerstören; ihr 
Recht auf Wahrheit und Liebe ist ein 
unveräußerliches Recht, ganz gleich, 
was mit ihnen in späteren Jahren ge- 
schehen mag. 

Letztes Jahr im Oktober hat die Pfahl- 
PV in Bountiful, Utah, die Kinder 
aufgefordert, sich Geld zu verdienen, 
um damit Exemplare des Buches Mor- 
mon zu kaufen - - sie sollten das Geld 
durch eigene Arbeit verdienen und da- 
von die Bücher kaufen. 
Die Kinder schrieben alle ihr Zeugnis 
auf die Innenseite und klebten ihr Foto 
dazu. 620 Exemplare des Buches Mor- 
mon mit Bildern und Zeugnissen wur- 
den an die Missionen geschickt. 
Vor ein paar Tagen bekam nun eins 
dieser PV-Kinder, die kleine Sarah Ri- 
chards, folgenden Brief von Mrs. Earl 
Mock aus Tucson, Arizona: 
„Liebe Sarah, vielen herzlichen Dank 
für das Buch Mormon mit deinem Foto 
auf der Innenseite, das Du uns geschickt 
hast. Du bist ein hübsches Mädchen und 
ein sehr nettes. Ich werde das Buch und 
Dein Foto und Dein Zeugnis immer in 
Ehren halten. 



42 



Ich habe das Buch gerade ganz durch- 
gelesen, und ich glaube auch, daß es 
wahr ist. Es hat mir sehr gefallen, und 
ich werde es noch viel öfter lesen. 
Noch einmal herzlichen Dank, und 
möge Gott Dich segnen." 
Die Primarvereinigung. Wie ist sie ent- 
standen? Hat der Herr den Heiligen in 
Kirtland nicht verheißen, wenn sie Ge- 
duld und Glauben hätten, würde alles 
zum Guten für sie zusammenwirken, 
und in dem Maße, wie das Evangelium 
sich entfalten würde, würde er ihnen 
Zeile um Zeile und Vorschrift um Vor- 
schrift geben? (LuB 98:2, 3, 12). 
Aurelia Rogers aus Farmington, Utah, 
erhielt vor einhundert Jahren die In- 
spiration, daß es eine Kinderstunde 
geben solle. Es bestand ein Bedürfnis, 
die Kinder ihrem Verständnis ent- 
sprechend in den Grundsätzen des 
Evangeliums zu unterweisen und sie 
zudem noch gutes Benehmen und 
Sauberkeit zu lehren. 
Im Jahre 1878 war Farmington in Utah 
ein kultiviertes Gemeinwesen mit über 
1 200 Einwohnern und einer schönen 
steinernen Kirche. Sie hatten eine 
Frauenhilfsvereinigung, eine Literari- 
sche Gesellschaft für Junge Männer und 
eine Gemeinschaftliche Fortbildungs- 
vereinigung für Junge Damen und eine 
Blaskapelle. 

Aber trotz all dieser geistigen und 
kulturellen Einflußmöglichkeiten hatte 
Farmington, wie andere Gemeinden 
auch, seine Probleme mit der heran- 
wachsenden Generation - - kleine Jun- 
gen, die spät abends noch auf den 
Straßen waren und in der Dunkelheit 
Schelmenstreiche begingen. Es mußte 
etwas dagegen unternommen werden. 
Bischof John W. Hess, ein Veteran des 
Mormonenbataillions, berief eine Ver- 
sammlung der Eltern ein und forderte 
diese dringend auf, mehr auf ihre Kinder 
aufzupassen. Diese Zustände machten 



auch Aurelia Rogers Sorgen. Sie dachte 
sehr viel darüber nach und betete. 
Im März 1878 besuchten Eliza R. Snow 
und andere Frauen eine FHV-Kon- 
ferenz in Farmington. Aurelia Rogers 
schrieb später darüber: ,,Nach der Ver- 
sammlung kamen diese Schwestern auf 
dem Weg zum Bahnhof noch bei mir 
vorbei. Unsere Unterhaltung drehte sich 
um die jungen Leute und die rauhe und 
gleichgültige Art vieler junger Männer 
und Jungen. Ich stellte die Frage: ,Wie 
sollen denn unsere Mädchen einmal 
einen guten Mann finden, wenn sich das 
Benehmen nicht bessert? Könnte es 
nicht eine Organisation für kleine Jun- 
gen geben, in der sie geschult werden, 
einmal bessere Männer zu werden?"' 
(Aurelia Rogers, „Life Sketches", S. 
207-208). 

Eliza R. Snow schien von dieser Frage 
tief beeindruckt und sagte, sie wolle mit 
den Führern der Kirche darüber spre- 
chen. 

Brigham Young war ein paar Monate 
vorher gestorben. Die Zwölf mit John 
Taylor als Präsidenten des Rates präsi- 
dierten über die Kirche. 
Kurze Zeit später erhielt Bruder Hess, 
der Bischof, die Genehmigung, eine 
neue Organisation für Kinder zu schaf- 
fen. Bruder Hess fragte Aurelia Rogers, 
ob sie bereit sei, die Leitung einer 
solchen Organisation zu übernehmen. 
Sie war bereit. 

Aurelia Rogers dachte nun über die 
Möglichkeit einer Organisation für Jun- 
gen nach. Darüber schrieb sie: „Ein 
Feuer schien in mir zu brennen. Dann 
bewegte mich die Frage, ob es nicht eine 
Organisation für kleine Jungen geben 
könnte, wo sie alles Gute lernen konn- 
ten, und wie man sich benimmt" (Ro- 
gers, S. 207). 

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die 
kleinen Mädchen noch nie erwähnt 
worden, aber Schwester Rogers hatte 



43 




das Gefühl, daß die Kinderstunde ohne 
die Mädchen nicht vollständig wäre. Die 
Organisation erhielt den Namen 
,, Primarvereinigung". Am 11. August 
1878 wurde Aurelia Rogers von Bruder 
Hess als Leiterin dieser ersten Primar- 
vereinigung eingesetzt. Auf seinen Vor- 
schlag hin besuchte Aurelia Rogers und 
ihre beiden neuen Ratgeberinnen Louisa 
Haight und Helen Miller, alle Familien, 
um sich die Namen aller Kinder geben 
zu lassen und zu sehen, ob die Eltern 
bereit waren, ihre Kinder in die Primar- 
vereinigung zu schicken. Nach dieser 
sorgfältigen Vorbereitung kamen am 25. 
August 1878 115 Jungen und 100 Mäd- 
chen zur ersten Versammlung der 
Primarvereinigung ins Gemeindehaus. 
Die Bürger, die an diesem denkwürdigen 
Tag am Gemeindehaus vorbeikamen, 
hörten die Kinderstimmen singen: 

„In die Kirche unsres Herrn 
kommen alle Kinder gern, denn sie möchten 
seihen Willen immer tun. Sie sind 
aufmerksam und still, hören zu, wie Gott es 
will, um zu leben nach dem Evangelium. 

Horch, horch, horch, die Kinder singen! O, 
wie singen sie so schön, wenn sie liebevoll 



und rein wie die Engel wollen sein und mit 
Andacht und voll Freud zur Kirche geht.''' 
(„Sing mit mir", B- 24.) 

Heute ehrt die Kirche eine gläubige und 
hervorragende Pionierfrau. Aurelia Ro- 
gers ist durch Not, der sie von Kindheit 
an ausgesetzt gewesen ist, und Prüfun- 
gen, durch Entschlossenheit und Liebe 
gewachsen. Ihr Glaube hat von Erlebnis 
zu Erlebnis und von Prüfung zu Prüfung 
zugenommen. Wie war ihr Werdegang? 
Orson Spencer und seine sechs Waisen- 
kinder fuhren mit der Fähre über den 
Missouri und zogen in aller Eile in ihr 
noch nicht fertiges Blockhaus in Winter- 
Quarters ein. Ihre Mutter war ge- 
storben, kurz nachdem die Familie nach 
Nauvoo gezogen war. 
Die Familie mußte sich dort eingelebt 
haben, bevor ihr Vater nach England 
fuhr — er war von Brigham Young 
berufen worden, dort eine Zeitung für 
die Kirche herauszugeben. Orson Spen- 
cer hatte seine beiden ältesten Töchter, 
die 14jährige Ellen und die 12jährige 
Aurelia, so geschult, daß sie für die vier 
jüngeren Geschwister die Rolle von 
Vater und Mutter übernehmen konnten. 



44 



Er kaufte acht Kühe, damit sie genug 
Milch zum Trinken und zum Verkaufen 
hatten. Außerdem hatten sie noch ein 
Pferd, das sie notfalls verkaufen konn- 
ten, um sich Lebensmittel zu kaufen. 
Der Winter, der nun kam, war lang, kalt 
und einsam. Viele Menschen starben in 
Winter-Quarters. Aurelia schrieb in ihr 
Tagebuch: „Den ersten Teil des Winters 
überstanden wir ganz gut. Unser Pferd 
und alle unsere Kühe bis auf eine waren 
gestorben . . . , wir hatten also keine 
Milch und keine Butter mehr; unsere 
Lebensmittelvorräte waren auch fast 
erschöpft. Wir litten wirklich Hunger. 
Teilweise hatten wir nichts anderes als 
Maismehl, das wir mit Wasser ver- 
rührten und auf dem Backblech aus- 
backten. So manche Nacht bin ich ohne 
Abendbrot ins Bett gegangen und mußte 
warten bis ich genügend Hunger hatte, 
um unser kärgliches Mahl zu essen" 
(Rogers, S. 48, 50-51). 
Eines Tages besuchte Brigham Young 
die aus einem Raum bestehende Block- 
hütte der Familie Spencer und fand sie 
ordentlich und die Kinder sauber vor. 
Ihr Vater war jetzt ein Jahr von zu Hause 
weg. Die Heiligen fingen gerade mit den 
Vorbereitungen für ihren Auszug nach 
dem Westen an. 

Die Kinder erzählten Präsident Young, 
daß ihr Vater ihnen oft schrieb und 
ihnen Anweisungen gab, was sie an- 
ziehen und wie sie sich kämmen sollten, 
was sie tun sollten, wenn sie krank 
wurden, und wie sie füreinander sorgen 
sollten. Präsident Young las den letzten 
Brief des Vaters. Dann sagte er zu den 
Kindern, er müsse ihnen eine sehr wich- 
tige Frage stellen, über die sie nach- 
denken sollten. Er fragte: „Was würdet 
ihr sagen, wenn euer Vater mindestens 
noch ein Jahr in England bliebe? Wir 
brauchen ihn dort dringend." 
Die Kinder sahen sich an und warteten 
dann ab, was Ellen sagen würde, da sie 



die älteste war. „Wenn Sie es für das 
Beste halten", sagte Ellen bescheiden, 
„dann haben wir auch nichts dagegen, 
denn wir möchten gerne das tun, was am 
besten ist" (Rogers, S. 62). 
Sie glaubten an ihren Vater, an seinen 
Rat und an den Vater im Himmel. Im 
Frühjahr 1848 zogen die Kinder ent- 
schlossen und dankbaren Herzens mit 
den Heiligen nach dem Westen. 
In den zwei Jahren, die der Vater von zu 
Hause weg war, hatten die Kinder viel 
durchgemacht — sie haben die Prärien 
Nordamerikas durchquert und sind 
nach Salt Lake City gekommen. Dort 
haben sie zuerst im alten Fort gewohnt, 
später sind sie in ein Einzimmerhaus aus 
Ziegelsteinen gezogen. Verwandte und 
Freunde kümmerten sich um die Kin- 
der, aber die Hauptverantwortung hat- 
ten die beiden ältesten Mädchen, Ellen 
und Aurelia, getragen. 
Schließlich kehrte Orson Spencer, der 
frühere Baptistengeistliche aus Neu- 
england, nach Hause zurück. Mit lauten 
Rufen, mit Umarmungen und Küssen 
wurde er von seinen heldenhaften Kin- 
dern begrüßt. Orson Spencer wurde zum 
Rektor der neuen Universität Deseret 
ernannt. Seine Tochter Aurelia war 
kurze Zeit auch Studentin, aber schon 
vorher, bei der Fahrt durch die Prärien, 
hatte Aurelia Thomas Rogers, einen 
jungen Gespannführer kennengelernt 
und sich in ihn verliebt. Sie heirateten 
und gründeten ihren Hausstand in einer 
Blockhütte in Farmington. Hier, an den 
Ausläufern des Wasatch-Gebirges, mit 
Blick auf den Großen Salzsee, ver- 
brachte Aurelia Spencer Rogers den 
Rest ihres Lebens. Hier brachte sie zwölf 
Kinder zur Welt, von denen sie jedoch 
fünf schon in ihrer Kindheit begraben 
mußte. Als ihre Kinder älter wurden, 
machte sie sich in zunehmenden Maße 
Gedanken über den Mangel an ver- 
nünftigen Aktivitäten für die Kinder - 



45 



und das war der Beginn der Primarver- 
einigung. 

Aurelia Rogers war ein echtes Kind aus 
des Schmelzers Feuer (Maleachi 3:2). 
Mosiahs Gebot ,,ihr werdet nicht zu- 
geben, daß eure Kinder hungrig oder 
nackend gehen . . . , das Gesetz Gottes 
übertreten . . . sondern ihr werdet sie 
lehren, auf den Wegen der Wahrheit . . . 
zu wandeln . . ., einander zu lieben und 
zu dienen" (Mosiah 4:14, 15), war ein 
Teil ihres Lebens. 

Aus diesem bescheidenen Anfang in 
einer kleinen Mormonenstadt ist eine 
weltweite Organisation für die Kinder 
hervorgegangen. Alle Teile unseres PV- 
Programms stehen im Einklang mit den 
Lehren Christi. Ausgewogenheit und 
Tugend, gutes Benehmen, Dienst am 
Nächsten und Liebe — dies ist der 
Zweck und die Kraft der Primarver- 
einigung, deren hundertjähriges Be- 
stehen wir dieses Jahr begehen. 
Zu Beginn der Primarvereinigung gab es 
keine Leitfäden für den Unterricht und 
keinen Lehrplan. Man lehrte die Kinder 
Gehorsam, Glauben an Gott, Beten, 
Pünktlichkeit, gutes Benehmen und das 
Wort der Weisheit. Eine Schriftstelle 
muß Aurelia Rogers besonders viel 
Kraft gespendet haben, nämlich: „Wer- 
det deshalb nicht müde, Gutes zu tun, 
denn ihr legt den Grund zu einem 
großen Werke, und aus dem Kleinen 
entspringt das Große" (LuB 64:33). 
Die Primarvereinigung wird auch in 
Zukunft ihren Zweck erfüllen und das 
Leben der Kinder bereichern - nicht 
nur zum Segen des einzelnen Kindes, 
sondern auch zum Segen seiner Familie 
und seiner Freunde. Jedes Kind muß 
wissen, daß es einen Vater im Himmel 
hat, der es liebt. Jedes Kind muß 
Glauben an Jesus Christus entwickeln, 
und es muß von dem Willen beseelt sein, 
nach seinem Evangelium zu leben, um 
dem Druck und den Problemen der 



heutigen Welt standhalten zu können. 
Die Primarvereinigung ist für die Kinder 
da. Aurelia Rogers hat in ihrem Buch 
geschrieben: „Warum sollte irgend et- 
was vor die heiligste Pflicht der Eltern 
treten dürfen, nämlich die Pflicht, sich 
um die geistige Wohlfahrt der Kinder zu 
kümmern? Das war die Frage, die mir 
immer wieder durch den Kopf ging" 
(Rogers, S. 206). 

Die Primarvereinigung trägt zwar eine 
große Verantwortung, aber die Auf- 
gabe der Eltern ist noch größer. Es gilt 
gegen so vieles anzukämpfen: gegen 
schlechte Sendungen im Fernsehen, das 
Drogenproblem, die Verherrlichung 
von Gewalttätigkeiten und die beson- 
ders für Kinder verderbliche Pornogra- 
phie. Untersuchungen haben ergeben, 
daß viele amerikanische Kinder oft den 
halben Tag fernsehen. Bis zu ihrem 12. 
Lebensjahr werden sie dabei den gewalt- 
samen Tod von 18.000 Menschen ge- 
sehen haben. Sie werden 10.720 Stunden 
vor dem Fernseher verbracht haben und 
selbst bei hundertprozentiger Anwesen- 
heit nur 352 Stunden in der Primarver- 
einigung. 

Heute ehren wir nicht nur Aurelia 
Rogers, sondern alle PV-Beamtinnen 
und -Lehrerinnen, die uns in den ersten 
hundert Jahren unterrichtet haben. Au- 
relia Rogers Motto war: 
„Unsere Kinder sind unsere Edelsteine. 
Wir haben die Kosten wohl berechnet. 
Mögen die Engel immer über sie wa- 
chen, daß nicht ein Kind verlorengehe." 

Rogers, S. III 

Mögen wir als Eltern und geistige Füh- 
rer verstehen, was der Herr gemeint hat, 
als er sagte: „Wenn ihr nicht umkehret 
und werdet wie die Kinder, so werdet ihr 
nicht ins Himmelreich kommen" (Mat- 
thäus 18:3). Im Namen Jesu Christi. 
Amen. 



46 



Betrüben wir nicht den Heiligen 
Geist, damit wir ihn nicht verlieren 



James A. Cullimore 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




„Wir haben einen Freund, wenn wir ihn nicht durch Sünde 
vertreiben; dieser Freund ist der Heilige Geist.'" 



M, 



.eine Brüder und Schwestern, ich 
bringe Ihnen die Grüße der Mitglieder in 
Großbritannien und Südafrika. Es ist 
eine Freude zu sehen, wie das Werk 
Gottes in diesen Ländern vorangeht. Es 
gibt jetzt 27 Pfähle in Großbritannien 
und einen in Südafrika. Die Führung ist 
im allgemeinen stark, und das Werk 
geht voran zum Segen der Menschen. 
Und es muß schon etwas Besonderes für 
die Mitglieder dort sein, daß sie nun eine 
Generalautorität aus ihrem eigenen 
Land haben. Bruder Cuthbert. ich glau- 
be, ich kann mir das Recht nehmen, 
Ihnen die Glückwünsche und den Segen 
der Mitglieder in Ihrer Heimat zu über- 
bringen. Wir beglückwünschen Sie. 
Es ist mir eine Freude, in diesem Gebiet 
dem Herrn zu dienen. Wenn ich jedes 
Wochenende die Pfähle besuche, frage 
ich den Pfahlpräsidenten oft, was seine 
größte Sorge im Pfahl sei. Und oft lautet 
die Antwort: „Der Mangel an Hingabe 
bei den einzelnen Mitgliedern, der Man- 
gel an Entschlossenheit, das Werk des 
Herrn an die erste Stelle in ihrem Leben 



zu setzen." Dabei muß ich an die Worte 
Nephis denken: 

„Und ich hörte eine Stimme vom Vater 
sagen: Ja, die Worte meines Vielgelieb- 
ten sind wahr und getreu. Wer bis ans 
Ende ausharrt, wird selig werden. 
Und nun, meine geliebten Büder, möchte 
ich euch fragen, ob alles getan ist, 
nachdem ihr diesen geraden und engen 
Weg betreten habt? Sehet, ich sage euch: 
Nein, denn ihr seid nur durch das Wort 
Christi so weit gekommen, durch uner- 
schütterlichen Glauben an ihn, indem 
ihr euch ganz auf die Verdienste dessen 
verließet, der mächtig ist, selig zu ma- 
chen. 

Daher müßt ihr mit Standhaftigkeit in 
Christus vorwärtsstreben und voll- 
kommen klare Hoffnung und Liebe zu 
Gott und allen Menschen haben. Wenn 
ihr daher vorwärtsstrebt und euch an 
dem Wort Christi weidet und bis ans 
Ende ausharrt, sehet, dann sagt der 
Vater: Ihr sollt ewiges Leben haben" (2. 
Nephi 31:15, 19, 20). 
Wie wichtig ist es doch, das Licht des 
Heiligen Geistes zu haben, das uns die 
Richtung weist. Der Heilige Geist, der 
durch das Priestertum wirkt, kann unser 
Leben so viel reicher machen. 
„Und das Licht, das jetzt leuchtet, das 
euch Licht gibt, kommt durch ihn, der 



47 



eure Augen erleuchtet, und ist dasselbe 
Licht, das euer Verständnis belebt. 
Dieses Licht geht von der Gegenwart 
Gottes aus, um die Unendlichkeit des 
Raumes zu füllen" (LuB 88:11, 12). 
Der Herr hat zu Frederick G. Williams 
gesagt: 

„Sei deshalb getreu, wirke in deinem 
Amte, das ich dir gegeben habe; stärke 
die Schwachen; stütze die Hände, die 
erschlaffen, und kräftige die schwachen 
Knie. 

Und wenn du bis ans Ende getreu bist, so 
wirst du in den Wohnungen, die ich im 
Hause meines Vaters vorbereitet habe, 
eine Krone der Unsterblichkeit und des 
ewigen Lebens erlangen" (Lub 81:5, 6). 
Gott gibt jedem seiner Kinder seinen 
Geist, um ihnen zu helfen, die Gebote zu 
halten und den Zweck ihres Lebens zu 
erfüllen. Aber wie geschrieben steht: 
„Was kein Auge gesehen hat und kein 
Ohr gehört hat und in keines Menschen 
Herz gekommen ist, was Gott bereitet 
hat denen, die ihn lieben. 
Uns aber hat es Gott offenbart durch 
seinen Geist; denn der Geist erforscht 
alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit 

Wir aber haben nicht empfangen den 
Geist der Welt, sondern den Geist aus 
Gott, daß wir wissen können, was uns 
von Gott geschenkt ist. 
Und davon reden wir auch nicht mit 
Worten, welche menschliche Weisheit 
lehren kann, sondern mit Worten, die 
der Geist lehrt" (1. Korinther 2:9, 10, 12, 
13). 

Von Präsident Lorenzo Snow erfahren 
wir folgendes darüber, welchen Nutzen 
es uns bringt, nach dem Geist zu trach- 
ten: 

„Es gibt einen Weg, wie man sein 
Gewissen vor Gott und den Menschen 
rein halten kann. Es besteht darin, daß 
man den Geist Gottes bei sich behält, 
der der Geist der Offenbarung für jeder- 



mann ist. Er offenbart einem selbst bei 
einfachsten Fragen, was man tun soll, 
indem er einem Hinweise gibt. Wir 
müssen versuchen, das Wesen dieses 
Geistes zu ergründen, damit wir seine 
Hinweise verstehen; dann werden wir 
immer imstande sein, das Rechte zu tun. 
Das ist das Recht eines jeden Heiligen 
der Letzten Tage. Wir wissen, daß es 
unser Recht ist, jeden Tag vom Geist 
geführt zu werden. Der Geist ist in jedem 
Menschen, so daß sie es überhaupt nicht 
nötig haben, in der Finsternis zu wan- 
deln, und es ist gar nicht notwendig, daß 
sie immer zum Präsidenten der Kirche 
oder zu den zwölf Aposteln oder den 
Ältesten Israels kommen, um sich Rat 
zu holen; sie haben ihn in sich. Von dem 
Zeitpunkt an, wo wir das Evangelium 
annehmen, uns taufen und im Anschluß 
daran die Hände auflegen lassen, um die 
Gabe des Heiligen Geistes zu empfan- 
gen, haben wir einen Freund, wenn wir 
ihn nicht durch Sünde vertreiben. Dieser 
Freund ist der Heilige Geist, der an den 
Dingen Gottes teilhat und sie uns zeigt. 
Es ist ein großes Hilfsmittel, das uns der 
Herr bereitet hat, damit wir das Licht 
erkennen und nicht ständig in der 
. Finsternis umherirren müssen" 
(Generalkonferenz April 1899). 
Der Apostel Paulus hat uns ermahnt, 
den Heiligen Geist nicht zu betrüben, 
damit wir ihn nicht verlieren. Er hat 
gesagt: 

„Und betrübet nicht den heiligen Geist 
Gottes, mit dem ihr versiegelt seid auf 
den Tag der Erlösung. 
Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn 
und Geschrei und Lästerung sei ferne 
von euch samt aller Bosheit. 
Seid aber miteinander freundlich, herz- 
lich und vergebet einer dem anderen, 
gleichwie Gott euch vergeben hat in 
Christus" (Epheser 4:30-32). 
Harold B. Lee hat gesagt: „Ich habe 
etwas gelernt, was mich der Geist Gottes 



48 




gelehrt hat, und ich weiß jetzt, daß 
Sicherheit auf dieser Welt nicht an einem 
bestimmten Ort zu finden ist; es spielt 
also keine so große Rolle, wo wir leben; 
sondern das Entscheidende ist, wie wir 
leben. Und ich habe festgestellt, daß 
Israel nur dann in Sicherheit leben kann, 
wenn es die Gebote hält, wenn es so lebt, 
daß es sich der Begleitung, der Führung 
und des Trostes des Geistes des Herrn 
erfreuen kann; wir müssen bereit sein, 
auf die Männer zu hören, die Gott 
hierher gesetzt hat, um als seine Spre- 
cher zu präsidieren, und wir müssen die 
Ratschläge der Kirche befolgen" 
(Generalkonferenz, April 1943). 
Das Herzblut der Kirche ist der Heilige 
Geist, der durch das heilige Priestertum 
wirkt. Die Kirche wird bei jedem ihrer 
Schritte durch Offenbarung geführt. 
Der Herr hat zu Oliver Cowdery gesagt: 
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: So 
wahr der Herr lebt, der dein Gott und 



Erlöser ist, so sicher wirst du Erkenntnis 
von allen Dingen erlangen, worüber du 
mich im Glauben und aufrichtigen Her- 
zens fragen wirst, vertrauend darauf, 
daß du . . . erhalten werdest. 

Ja, siehe, ich will es deinem Verstand 
und deinem Herzen durch den Heiligen 
Geist verkünden, der über dich kommen 
und in deinem Herzen wohnen wird. 
Siehe, dies ist der Geist der Offenba- 
rung" (LuB 8:1-3). 

Auf diese Weise erhält auch der Präsi- 
dent der Kirche seine Weisungen. 
Es ist derselbe Geist, der auch dem 
Pfahlpräsidenten, dem Bischof der 
Gemeinde und dem einzelnen Mitglied 
der Kirche den Weg weist. 

Meine Brüder und Schwestern, ich habe 
ein Zeugnis von diesem großen Werk. 
Ich habe dieses Zeugnis auch durch den 
Heiligen Geist erhalten. Im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



49 



Sich von der Welt unbefleckt halten 



Georg P. Lee 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




M, 



.eine lieben Brüder und Schwestern, 
ich will meine Worte an die jungen 
Menschen der Kirche richten. Ich liebe 
die Jugend der Kirche. Ich glaube auf- 
richtig, daß die jungen Leute von heute 
die auserlesensten jungen Leute sind, die 
je auf Erden gelebt haben. Einer der 
Gründe, warum ich das weiß, sind die 
außergewöhnlich hingebungsvollen 
Missionare, die ich in der Mission Arizo- 
na Holbrook leite. Die Missionare von 
heute sind besser vorbereitet, sind reifer 
und sind geistiger eingestellt als je zuvor. 
Sie, die Jugend von heute, zählen zu den 
Tapfersten, sie gehören zu den erlesen- 
sten aller Geister im vorirdischen Da- 
sein; und Gott hat Sie zurückbehalten, 
um in dieser gefahrvollen Zeit, in den 
Letzten Tagen, für einen von Gott 
bestimmten Zweck auf die Erde zu 
kommen. Die auserwählten Geister, die 
heute auf die Erde kommen, waren 
schon im vorirdischen Dasein aus- 
erwählt, bevor sie hierherkamen. Und 
der Grund, warum sie im Himmel 
auserwählt waren, war der, daß sie 
gehorsam und tapfer waren und sich 
genau an die Gesetze gehalten haben. Im 
Himmel habt ihr im Schauen gelebt; mit 



„Man kann nicht gleichzeitig dem Satan und Gott die 
Hand halten; eine Hand muß man loslassen." 



anderen Worten, ihr habt mit den Au- 
gen eures Geistes gesehen, ihr habt Gott 
gesehen, ihr habt Jesus Christus, euren 
ältesten Bruder, gesehen, und ihr habt 
den Satan gesehen. 

Als der Satan in jenem Streit im Himmel 
rebellierte und euch zu überreden ver- 
suchte, ihm zu folgen, da habt ihr für 
den Herrn gefochten. Ihr ward treu und 
standhaft. Ihr habt euch genau an die 
Gesetze Gottes gehalten und genau das 
getan, was der Herr von euch erwartet 
hat. 

Und heute, in diesen Letzten Tagen, in 
dieser kritischen und gefahrenvollen 
Zeit, braucht der Vater im Himmel 
junge Leute wieder, um sein Werk 
voranzutragen. Er braucht euch, die ihr 
die Prüfung im Himmel bestanden habt, 
euch, die ihr erprobt worden seid, euch, 
die ihr treu und standhaft gewesen seid. 
Von euch hofft er, daß ihr allen Erschei- 
nungen des Bösen auf dieser Welt wider- 
steht, daß ihr hier genauso treu und 
standhaft seid, wie ihr es vorher gewesen 
seid, auf daß ihr in Vorbereitung des 
Zweiten Kommens seines einzig- 
gezeugten Sohnes, Jesu Christi, eures 
ältesten Bruders, eures Erlösers und 
Erretters, sein Werk vorantragen möget. 
Ihr müßt euch vorbereiten, damit der 
Herr euch gebrauchen kann. Dazu 
möchte ich folgende Anregungen geben, 
um euch zu helfen, euch von der Welt 
unbefleckt zu halten: 



50 



1. Geliebte Jugend, es ist der Wille 
Gottes, daß ihr tugendhaft seid. Ihr seid 
besonders auserlesen und auserwählt, 
ihr seid Söhne und Töchter Gottes. Ihr 
seid imstande, tugendhaft zu sein. Der 
Herr hat gesagt: „Laß Tugend un- 
ablässig deine Gedanken schmücken" 
(LuB 121:45). 

Vor allem, was ihr besitzt, ist die Tugend 
das Wichtigste. Sie ist eine kostbare 
Perle. Der Mensch kann sein ganzes 
Leben nach Ruhm und Reichtum stre- 
ben und dafür arbeiten und schwitzen, 
aber euer größter Reichtum und euer 
größter Ruhm kommt durch ein tugend- 
haftes Leben. Dieser Reichtum und 
dieser Ruhm sind innerer Friede und 
Friede mit euren Mitmenschen und mit 
Gott, die Freuden und das Glück eines 
rechtschaffenen Lebens. Der Ruhm, daß 
euer Name in Gottes Buch des Lebens 
aufgezeichnet ist als eines Menschen, der 
treu und standhaft ist und den Herrn 
liebt, ist viel wichtiger als alles Lob und 
alle Herrlichkeit der Welt. 
Laßt Tugend und Reinheit euer Schild 
und eure Bewaffnung sein, dann werdet 
ihr unbesiegbar sein. Aber so kostbar die 
Tugend auch ist, ihr müßt sie offen 
tragen und nicht im Keller verstecken 
wie Kronjuwelen. 

Der Apostel Paulus hat erklärt: „Wenn 
jemand den Tempel Gottes verdirbt, den 
wird Gott verderben, denn der Tempel 
Gottes ist heilig; der seid ihr" (1 . Korin- 
ther 3:17). 

Spottet nicht Gott, ihr jungen Leute. Die 
Tugend ist das Gesetz Gottes. 

2. Meine jungen Freunde, es ist der 
Wille Gottes, daß ihr ohne Unterlaß 
betet. In meiner Kindheit in der Navajo- 
Reservation habe ich oft in unserer 
bescheidenen Hütte auf den Knien ge- 
betet. Meine Prüfungen waren nicht 
wenige. In diesen Augenblicken habe ich 
zum Vater im Himmel gebetet, er möge 
mir Glaube, Kraft und Mut geben, um 



den Versuchungen widerstehen zu kön- 
nen. Und oft, wenn ich auf den Knien 
betete, haben meine eigenen Brüder sich 
über mich lustig gemacht und gelacht 
und gespottet und durch die Spalten der 
Hütte gerufen, aber ich habe mich 
dadurch nicht ärgern lassen. 
Die jungen Menschen, die schon sehr 
früh in ihrem Leben niederknien und 
Gott im Glauben um Mut bitten, um der 
Versuchung widerstehen zu können, 
werden merken, daß die Versuchungen 
viel von ihrem Glanz verlieren, und 
dann ist die Versuchung nur wenig 
anziehend. Ebensowenig, wie man voll 
ausgewachsen auf die Welt kommen 
kann, kann man auch nicht gleich ein 
voll ausgewachsenes Zeugnis erhalten, 
daß Gott lebt und daß die Kirche wahr 
ist. Man fängt klein an, aber man 
wächst, wenn man konsequent weiter- 
macht. 




Euer Glaube braucht Nahrung durch 
das Beten. Trainiert die Muskeln des 
Glaubens, bis er so stark ist, daß er euch 
trägt und stützt. Liebe Jugend, geht auf 
eure Knie. Der Herr hat ein Zeugnis für 
jeden einzelnen von euch bereit - - ein 
Zeugnis, das genau eurer Größe und 
euren Bedürfnissen entspricht — aber 
ihr müßt darum bitten, daß ihr es 
bekommt. 

Jeder junge Mann und jedes junge 
Mädchen soll beten, bevor sie zu einer 
Verabredung ausgehen. Ein Navajojun- 
ge aus sehr einfachen, bescheidenen und 
armen Verhältnissen ist zu einem ge- 
schliffenen Werkzeug Gottes geworden, 
weil er auf den Knien gebetet hat. Ein 
betender Junge wird zu einem betendem 
Mann; und ein betender Mann wird zu 
einem Gott. 

3. Meine jungen Freunde, es ist der 
Wille Gottes, daß ihr für den Herrn 
Jesus Christus, für die Kirche und für 
seine Gerechtigkeit kämpft und sie ver- 
teidigt. Josua nahm eine klare Haltung 
ein und verkündete sie für alle, als er 
sagte: ,, Wählt euch heute, wem ihr 
dienen wollt . . . Ich aber und mein Haus 
wollen dem Herrn dienen" (Josua 
24:15). 

Liebe Jugend, ihr müßt das gleiche tun. 
Ihr müßt die gleiche Entscheidung tref- 
fen. Bei jeder neuen Versuchung müßt 
ihr bereits wissen, wie eure Ent- 
scheidung oder Reaktion aussieht, näm- 
lich, daß ihr dem Herrn dienen wollt. Ihr 
müßt nach Gottes Lob und nicht nach 
dem der Menschen trachten. 
Als Navajojunge, der in einer Reserva- 
tion aufgewachsen ist, und als einziger 
Mormone in der Familie wurde ich viele 
Male von Freunden auf die Probe ge- 
stellt, deren Wertmaßstäbe nicht so 
hoch waren wie meine. Selbst mein eigen 
Fleisch und Blut, meine eigenen Brüder 
und Schwestern, haben mich auf die 
Probe gestellt. 



Zwei, drei, vier meiner Brüder waren so 
entschlossen, daß ich auch nach ihrem 
Lebensstil leben sollte, daß sie mich 
eines Tages angriffen und versuchten, 
meine Arme und Beine zu fesseln. Wenn 
ich mich dann nicht mehr wehren konn- 
te, wollten sie Wein und Bier in mich 
hineinschütten. Aber ihr Vorhaben miß- 
lang ihnen. Ich wehrte mich mit allen 
Kräften und allem Mut, den ich hatte. 
Es gelang mir, ihnen zu entkommen. 
Aber ich liebte sie dennoch und bat den 
Vater im Himmel, ihnen zu vergeben. 
Geliebte Jugend, ihr müßt es ebenso 
machen; ihr müßt für den Herrn ein- 
treten, selbst gegen euer eigen Fleisch 
und Blut, selbst gegen eure eigenen 
Brüder und Schwestern, selbst gegen 
eure Familie und eure Freunde, wenn es 
notwendig ist. 

4. Geliebte Jugend, es ist der Wille 
Gottes, daß ihr nur ihm dient und nicht 
dem Bildnis eures eigenen Gottes nach- 
geht. Der Herr hat gesagt: ,,Sie suchen 
nicht den Herrn, um seine Gerechtigkeit 
aufzurichten, sondern jedermann geht 
seinen eigenen Weg nach dem Bilde 
seines eigenen Gottes, dessen Bild dem 
der Welt gleicht und dessen Wesen das 
eines Götzen ist" (LuB 1:16). 
Geliebte Jugend, man kann nicht gleich- 
zeitig dem Satan und Gott die Hand 
halten; eine Hand muß man loslassen. 
Wenn ihr harte Rockmusik oder irgend- 
einen anderen weltlichen Götzen mehr 
verehrt als Geistiges, dann haltet ihr die 
Hand des Satans und wandelt in der 
Finsternis. Ihr werdet gefühllos gegen- 
über den Einflüssen des Geistes. Ihr 
werdet das Interesse und die Motivation 
verlieren, zur Kirche zu gehen oder eine 
Mission zu erfüllen. Zweifel und Ängste 
werden euren Verstand umnebeln. Ihr 
werdet anfangen, euren eigenen Weg 
nach dem Bildnis eures eigenen Gottes 
zu gehen, „dessen Bild dem der Welt 
gleicht und dessen Wesen des eines 



52 




Götzen ist". Das Bildnis einiger Sport- 
asse, Filmstars und Rockstars mit ihrem 
Geld und Sportwagen gleicht dem der 
Welt, und ihr Wesen ist das eines 
Götzen. Betet sie nicht an. 
5. Geliebte Jugend, es ist der Wille 
Gottes, daß ihr gehorsam seid. Erzieht 
euch selbst zum Gehorsam gegenüber 
euren Eltern, euren Priestertumsführern 
und dem Herrn. Gehorsam führt zu 
Erfolg und wahrer Freude; Ungehor- 
sam zu Auflehnung und geistigem Ver- 
fall. Wenn eure Eltern euch den Rat 
geben, nicht auszugehen, bis ihr sech- 
zehn seid, dann hört auf sie und folgt 
ihrem Rat. Wenn eure Priestertums- 
führer euch den Rat geben, keusch zu 
sein, dann befolgt ihren Rat. Wenn der 
Herr jedem jungen Mann rät, eine 
Mission zu erfüllen, dann hört auf 
diesen Rat und befolgt ihn. Denn der 



Herr hat gesagt: „Ich, der Herr, bin 
verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage: 
tut ihr es aber nicht, so habt ihr keine 
Verheißung" (LuB 82:10). 
6. Junge Freunde, es ist der Wille 
Gottes, daß ihr eifrig in den heiligen 
Schriften forscht. Lernt schon früh im 
Leben die Schrift zu lieben. Sehet zu, 
daß ihr selbst alle heiligen Schriften 
besitzt. Die Schrift erleuchtet den Ver- 
stand und bringt uns Kraft und Mut, 
Frieden und innere Ruhe. 
Schlechte weltliche Literatur verfinstert 
den Verstand und den Geist. 
Die Schrift bereitet den jungen Mann 
auf eine Mission vor und hilft ihm, eine 
erfolgreiche Mission zu erfüllen. Die 
Schrift hilft den jungen Frauen, sich auf 
ihre Rolle als Mutter vorzubereiten und 
liebevolle Mütter in Zion zu werden. Die 
Schrift wird euch mehr als irgendetwas 



53 



anderes helfen, die Welt zu überwinden, 
und euch befähigen, Götter und Göt- 
tinnen, Könige und Königinnen in der 
celestialen Welt zu werden. Der Herr hat 
gesagt: 

„Was ich, der Herr, gesprochen habe, 
das habe ich gesprochen und ich ent- 
schuldige mich deshalb nicht; und ob- 
wohl Himmel und Erde vergehen wer- 
den, wird doch mein Wort nicht ver- 
gehen, sondern es wird alles erfüllt 
werden, sei es durch meine eigne Stimme 
oder durch die meiner Diener" (LuB 
1:38). 

Junge Leute, wie die Versuchung auch 
sein mag, ihr müßt euren Standpunkt 
beziehen und für den Herrn eintreten. 
Ihr seid zu auserwählt, zu unschuldig 
und zu rein, als daß ihr verlieren könn- 
tet. Geht den Versuchungen aus dem 
Weg. Die schlimmsten Versuchungen 
sind die, die ihr selbst plant und selbst 




vorbereitet. Wenn die Welt euch haßt 
und euch einen „Spießer" nennt, dann 
denkt daran, was der Herr gesagt hat: 
„Wenn euch die Welt hasset, so wisset, 
daß sie mich vor euch gehaßt hat. 
Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt 
das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der 
Welt seid, sondern ich euch aus der Welt 
erwählt habe, darum hasset euch die 
Welt" (Johannes 15:18, 19). 
Tut nicht, was die Welt tut, ihr jungen 
Leute. Seid ruhig für die Welt ein 
„Spießer". Es macht Spaß, nach dem 
Maßstab der Welt ein „Spießer" oder 
„seltsam" zu sein. Eure Mission besteht 
darin, die Welt zu überwinden, die 
Sünde zu überwinden, Haß und Vor- 
urteil zu überwinden, Entmutigung zu 
überwinden, den fleischlichen Menschen 
zu überwinden, und wieder treu und 
standhaft zu sein, wie ihr es im vor- 
irdischen Dasein gewesen seid. Im vor- 
irdischen Dasein habt ihr eine Prüfung 
bestanden. Ihr ward standhaft und 
gehorsam. Der Herr erwartet von euch, 
daß ihr hier auf Erden genauso seid — 
gehorsam und standhaft. 
Jemand hat einmal gesagt: „Kein 
Mensch gelangt mit einem einzigen 
Sprung in die Hölle." Meine jungen 
Freunde, ich bete darum, daß ihr stark 
genug seid, jeder Versuchung zu wider- 
stehen, die auf euch zukommen mag, 
und daß ihr schon die erste Erscheinung 
des Bösen meidet und sehr wachsam 
seid. Heute seid ihr schön, auserwählt 
und rein, aber das Morgen hängt von 
euch ab. Eure Zukunft ist hell und voller 
Segnungen. Jugend ist Macht. Geson- 
dert betrachtet, ist die Jugend die größte 
Kraftquelle der Kirche und die wichtig- 
ste Kraftquelle des Volkes. 
Gott liebt euch. Ich liebe euch. Ich danke 
Gott jeden Tag für junge Leute wie euch. 
Und ich bete darum, daß er für immer 
über euch wachen möge, im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



Entscheidungen 

Eldred G. Smith 
Patriarch der Kirche 




Ach möchte das, was ich heute sagen 
will, mit einem Wort zusammenfassen: 
„Entscheidung". Entscheidungen sind 
das Ergebnis der Ausübung der von 
Gott gegebenen Entscheidungsfreiheit. 
Einige Menschen wollen ihre Ent- 
scheidungen anderen aufzwingen. 
Einige wollen keine eigenen Ent- 
scheidungen treffen. 
Einige haben die Gabe, schnelle und 
genaue Entscheidungen zu treffen. Wie 
bei allen anderen Gaben erfordert auch 
das Treffen von Entscheidungen eine 
gewisse Übung. Je mehr wir tun, desto 
leichter wird es. 

Man sagt, man kann den Charakter 
eines Menschen daran messen, was er in 
seiner Freizeit tut. Das ist nämlich die 
Zeit, wo er allein seine Entscheidungen 
trifft. 

Einer der Hauptzwecke dieses irdischen 
Lebens ist der, daß wir lernen, Entschei- 
dungen zu treffen. Wer im Geschäfts- 
leben, in der Kirche oder in der Familie 
Menschen gut führen will, muß gute 
Entscheidungen treffen können. Denk- 
en Sie einmal an die Entscheidungen, die 
ein Bischof oder ein Pfahlpräsident zu 
treffen hat. 



„Suchen Sie bei Ihren Entscheidungen die Führung des 
Herrn, aber nutzen Sie auch das von Gott gegebene Recht 
auf Entscheidungsfreiheit ." 



Der Herr hat gesagt: „Dies ist mein 
Werk und meine Herrlichkeit — die 
Unsterblichkeit und das ewige Leben 
des Menschen zustande zu bringen" 
(Mose 1:39). 

Als Lorenzo Snow der Evangeliumsplan 
erklärt wurde, faßte er den ganzen Plan 
in einer kurzen Aussage zusammen: 
„Wie der Mensch jetzt ist, war Gott 
einst; wie Gott jetzt ist, kann der Mensch 
werden." 

Wenn der Mensch also einmal so werden 
will, wie Gott jetzt ist, muß er lernen, aus 
eigener Initiative wichtige Ent- 
scheidungen zu treffen. 
Viele Menschen denken, daß der Herr 
alle Fragen für uns beantworten wird, 
entweder durch das Gebet oder durch 
einen Priestertumssegen. Einige junge 
Menschen wollen, daß der Herr ihnen 
sagt, welche Fächer sie studieren sollen, 
welche Schule sie besuchen sollen, wel- 
chen Beruf sie ergreifen sollen und 
welche freie Stelle auf dem Arbeitsmarkt 
sie annehmen sollen. Ja, wir können 
zwar durch das Beten oder durch einen 
Segen große Hilfe erhalten, aber die 
endgültige Entscheidung liegt bei uns. 
Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß 
sich der Herr nicht so sehr darum 
kümmert, was wir studieren oder wel- 
chen Beruf wir ausüben, solange wir 
ehrlich unseren Lebensunterhalt ver- 
dienen. Er interessiert sich aber für 



55 



unsere Unsterblichkeit und unser ewiges 
Leben - oder unsere Erhöhung. 
Jeder Mensch hat bestimmte Gaben und 
Talente, die ihm mitgegeben sind. Fin- 
den Sie durch Erforschung Ihrer Vor- 
fahren die Talente heraus, die Sie geerbt 
haben. Stellen Sie fest, was einige Ihrer 
Vorfahren gerne gemacht haben und 
was Sie gerne machen und was Ihnen 
leichtfällt. Und werden Sie dann ein 
Experte oder Spezialist in einem Teil- 
bereich dieses Gebiets. Der Herr wird 
dann Ihre Bemühungen in Ihrem Studi- 
um und bei Ihrer täglichen Arbeit seg- 
nen. 

Der Herr hat Oliver Cowdery folgenden 
Schlüssel zur Offenbarung gegeben: 
„Doch siehe, ich sage dir: Du mußt es in 
deinem Geiste ausstudieren und dann 
mich fragen, ob es recht sei, und wenn es 
recht ist, will ich dein Herz entbrennen 



lassen, und dadurch sollst du fühlen, ob 
es recht ist. 

Ist es aber nicht recht, so wirst du kein 
solches Gefühl haben, sondern deine 
Gedanken werden verwirrt werden, wo- 
durch du vergessen wirst, was unrichtig 
ist" (LuB 9:8, 9). 

Das sollte uns bei all unseren wichtigen 
Entscheidungen als Anleitung dienen. 
Wir treffen ständig jeden Tag Ent- 
scheidungen, entweder im Geiste oder 
mit Worten. Das ist die Ent- 
scheidungsfreiheit — das Recht, eine 
Entscheidung zu treffen. 
Angesichts des heutigen Wachstums der 
Kirche sehen wir die Weisheit in einer 
Offenbarung, die 1 831 in Jackson Coun- 
ty, Missouri, gegeben wurde: 
,,Denn sehet, es geziemt sich nicht, daß 
ich in allen Dingen gebieten sollte; denn 
wer zu allem angetrieben werden muß, 
ist ein träger und nicht ein weiser Diener; 




56 



deshalb empfängt er keine Belohnung. 
Wahrlich, ich sage: Die Menschen soll- 
ten in einer guten Sache eifrig tätig sein, 
viele Dinge aus freien Stücken tun und 
viele gerechte Taten vollbringen. 
Denn die Kraft ist ihnen, nach freiem 
Willen zu handeln, und wenn der 
Mensch Gutes tut, wird es ihm nicht 
unbelohnt bleiben" (LuB 58:26-28). 
So sagen wir heute, was auch Mose 
gesagt hat, als er vom Berg Sinai her- 
abkam: „Her zu mir, wer dem Herrn 
angehört" (2. Mose 32:26). 
Und wie auch Josua dem Volk zuge- 
rufen hat: ,,So fürchtet nun den Herrn 
und dient ihm treulich und rechtschaffen 
. . . wählt heute, wem ihr dienen wollt" 
(Josua 24:14, 15). 

Gebrauchen Sie Ihre Entscheidungs- 
freiheit, um sich für die Ehrlichkeit und 
gegen die Unehrlichkeit zu entscheiden 
und um Ihren Mitmenschen zu dienen 
und das Reich Gottes aufzubauen. 
Fassen Sie schon früh im Leben den 
Entschluß, auf Mission zu gehen. Viele 
junge Männer, die auf Mission gehen 
sollten, gehen nicht, weil sie nicht früh 
genug den Entschluß dazu gefaßt und 
nicht dementsprechend geplant haben. 
Dann erscheinen ihnen später andere 
Ziele wichtiger. 

Fassen Sie den Entschluß, Ihr ganzes 
Leben das Evangelium zu verkünden, 
und nicht nur die zwei Jahre. Die zwei 
Jahre Mission reichen gewöhnlich ge- 
rade dafür, selbst zu lernen, wie wir 
anderen das Evangelium erklären sollen. 
Dann sollten wir den Rest unseres 
Lebens damit verbringen, das Evangeli- 
um zu verkünden. 

Lehren Sie es durch Ihre Taten. Leben 
Sie ein gutes und reines Leben. Ent- 
scheiden Sie sich gegen die Unmoral. 
Entscheiden Sie sich gegen die Porno- 
graphie. Entscheiden Sie sich dafür, ein 
reines Leben zu führen, damit Sie wür- 
dig sind, im Tempel des Herrn die Ehe 



für Zeit und Ewigkeit zu schließen. 
Entscheiden Sie sich nicht nur dafür, 
würdig zu sein, sondern entscheiden Sie 
sich, im Haus des Herrn zu heiraten. 
Entscheiden Sie sich dazu, nach dem 
Gesetz der celestialen Ehe zu leben. Bei 
der Ehezeremonie wird uns geboten, 
fruchtbar zu sein und uns zu mehren. Im 
Buch , Lehre und Bündnisse' sagt der 
Herr folgendes — und er spricht hier von 
den Segnungen der celestialen Ehe und 
von der Beziehung zwischen Mann und 
Frau, und er sagt unter anderem: ,, . . . 
Und wenn sie meinen Bund halten und 
keinen Mord begehen, wodurch un- 
schuldiges Blut vergossen wird" (LuB 
132:19). Was meinen Sie, wovon der 
Herr hier wohl redet? Könnte es sein, 
daß er hier die Abtreibung gemeint hat? 
Denken Sie einmal darüber nach! Gibt 
es ein unschuldigeres Leben als das eines 
ungeborenen Kindes? Und warum wird 
hier von Mord geredet, wo der Herr 
doch über die Ehe spricht? Die 
Empfängnis ist ein Vertrag mit Gott, 
daß wir einen Körper erschaffen wollen, 
und Gott verpflichtet sich dabei, den 
Geist des Lebens in diesen Körper zu 
pflanzen. Ein Bündnis mit dem Herrn 
kann nicht gebrochen werden, ohne daß 
dies eine Strafe nach sich zieht. 
Entschließen Sie sich, die heiligen Schrif- 
ten zu studieren. Lernen Sie den 
Evangeliumsplan kennen, und gehen Sie 
ganz darin auf. 

Entschließen Sie sich, die Gebote des 
Herrn zu halten. Wirken Sie am Aufbau 
seines Reiches mit als Vorbereitung auf 
sein Zweites Kommen. 
Suchen Sie bei Ihren Entscheidungen die 
Führung des Herrn, aber gebrauchen Sie 
auch die von Gott gegebene Ent- 
scheidungsfreiheit. Dann werden auch 
Sie wissen, so wie ich es weiß, daß dies 
seine Kirche ist, die Kirche Jesu Christi, 
und dies bezeuge ich Ihnen im Namen 
Jesu Christi. Amen. 



57 



„Ich bin nicht aus eigener Kraft an 
diese Stelle gelangt 64 



Ronald E. Poelman 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




U, 



nser aller Erlöser lädt jeden ein- 
zelnen von uns ein, zu ihm zu kommen, 
und er fordert uns auf, ihm ein demüti- 
ges Herz und einen zerknirschten Geist 
als Opfer darzubringen. Nie zuvor habe 
ich die Bedeutung dieser Einladung und 
Aufforderung so empfunden wie gerade 
jetzt. Zugleich empfinde ich auch eine 
Woge von Kraft und innerer Erneue- 
rung, für die ich zutiefst dankbar bin. 
Ich nehme diese Berufung mit Glauben 
und Hoffnung an. Wie die kleine Schild- 
kröte, die plötzlich feststellte, daß sie 
oben auf einem Zaunpfahl saß, weiß ich, 
daß ich nicht aus eigener Kraft an diese 
Stelle gelangt bin. 

Für meine liebe Familie, meine Freunde 
und Lehrer, meine Führer und Mit- 
arbeiter empfinde ich tiefe Dankbarkeit 
und Hingabe — tiefer, als ich es in Worte 
fassen kann. Wenn ich mein bisheriges 
Leben betrachte, scheint es mir viel 
schwieriger und viel erfüllter gewesen zu 
sein, als ich hatte erwarten können. Ich 
bete nur darum, daß die gesammelten 
bisherigen Erfahrungen mich auf 
irgendeine Weise auf das vorbereitet 
haben, was vor mir liegt. Denn jetzt bin 



ich vom Propheten Gottes berufen wor- 
den, meine ganze Zeit und mein ganzes 
Leben im Dienste des Erlösers zu arbei- 
ten. Angesichts dieser Aufgabe spüre ich 
meine Unzulänglichkeit, und ich erke- 
nne, daß die Vorbereitung auf diesen 
Dienst gerade erst begonnen hat. 
Für Präsident Kimball, für die anderen 
Führer der Kirche und gegenüber Ihnen 
allen empfinde ich eine große Dank- 
barkeit für Ihre Bestätigung, und ich 
verspreche Ihnen, daß ich bei allen 
Aufträgen, die auf mich zukommen 
mögen, mein Bestes geben will. 
Vor fast dreißig Jahren habe ich nach 
ernsthaftem Forschen nach Wahrheit 
und nach inbrünstigem Gebet durch den 
Heiligen Geist die Bestätigung erhalten, 
daß Jesus von Nazareth der Sohn Got- 
tes, der Heiland und Erlöser jeder ein- 
zelnen Seele ist. Aus dieser Überzeugung 
und durch denselben Geist ist mir die 
Erkenntnis erwachsen, daß das Evange- 
lium ewig wahr ist und daß es auf Erden 
wiederhergestellt worden ist; daß die 
heiligen Schriften, die ich so liebe — das 
Buch Mormon eingeschlossen 
schriftliche Zeugen göttlichen Ur- 
sprungs sind; daß Joseph Smith und 
seine Nachfolger, einschließlich Spencer 
W. Kimball, Propheten Gottes sind und 
daß der Vater im Himmel jeden ein- 
zelnen von uns liebt. Für diese Erkennt- 
nis sage ich Dank und bezeuge Ihnen, 
daß dies alles wahr ist. Im Namen 
unseres Erlösers, des Herrn Jesus Chri- 
stus. Amen. 



58 



„Möge das Reich Gottes ausgehen" 



Ezra Taft Benson 
vom Rat der Zwölf 




.ls ich kürzlich in Europa weilte, hielt 
ich mehrere Pressekonferenzen ab. Die 
Reporter waren ein wenig über die 
Kirche informiert und schienen — vor 
allem, was die steigende Zahl der Be- 
kehrungen betrifft — über den Wachs- 
tum und Fortschritt der Kirche erstaunt 
zu sein. Ich sagte zu ihnen: „Wir freuen 
uns darüber, daß die Zahl der Mitglieder 
so rasch ansteigt. Aber noch mehr 
freuen wir uns, daß auch der Glaube und 
die Geistigkeit der Mitglieder gewachsen 
sind." Ich nannte dann einige stati- 
stische Zahlen, um diese Behauptung zu 
bekräftigen. Als ich 1943 in den Rat der 
Zwölf berufen wurde, besuchten durch- 
schnittlich 20 Prozent der Mitglieder die 
Abendmahlsversammlung — unseren 
Gottesdienst am Sonntag. Heute liegt 
der Durchschnitt auf der ganzen Welt 
bei 41 Prozent. Ich erklärte den Repor- 
tern, daß das Wachstum, der Fortschritt 
und die erhöhte Geistigkeit der Mit- 
glieder der Kirche kein Zufall sind: Es ist 
vielmehr die Folge dessen, daß die 
Kirche auf ewiger Wahrheit aufgebaut 
ist. 

Jesus lehrte die Apostel der früh- 
christlichen Kirche, daß dies eines der 



„Seit Jahrhunderten haben Christen auf der ganzen Welt 
darum gebetet, daß das Reich Gottes kommen möge; wir 
erklären nun nachdrücklich: Der Tag ist jetzt gekommen!' 1 



Zeichen der Zeit sein würde. Er sagte: 
„Und es wird gepredigt werden dies 
Evangelium vom Reich in der ganzen 
Welt zum Zeugnis für alle Völker, und 
dann wird das Ende kommen" (Mat- 
thäus 24:14). 

Heute bringt die Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage diese ange- 
kündigte Botschaft von der Wieder- 
herstellung des Evangeliums jeder Na- 
tion, die uns ihre Grenzen öffnet. So 
erfüllt sich die Vision und Offenbarung 
Daniels des Propheten, „der die Auf- 
richtung des Gottesreiches in den Letz- 
ten Tagen voraussah und vorhersagte — 
das nimmermehr zerstört und auch 
keinem anderen Volk gegeben werden 
soll" (Joseph F. Smith, Vision von der 
Erlösung der Verstorbenen, Vers. 44). 
Er verglich das Entstehen dieses Reiches 
mit einem kleinen Stein, der ohne Zutun 
von Menschenhänden von einem Berg 
losgerissen wurde. Dieser Stein sollte 
herabrollen, bis er zu einem großen Berg 
heranwuchs, der die ganze Erde füllte 
(Daniel 2:34, 35, 44, 45). 
Diese Auslegung wurde vom Propheten 
Joseph Smith vom Herrn mit folgenden 
Worten bestätigt: 

„Die Schlüssel des Reiches Gottes sind 
Menschen auf Erden übergeben worden, 
und von nun an soll das Evangelium bis 
an die Enden der Erde ausgehen gleich 
dem Stein, der ohne Hände vom Berg 
losgerissen wurde und herabrollen wird, 



59 



bis er die ganze Erde erfüllt" (LuB 65:2). 
Das ist die vom Himmel beschlossene 
Bestimmung der Kirche — des Reiches 
Gottes. 

Nicht alle Menschen werden jedoch die 
Hand des Herrn in diesem Werk der 
Letzten Tage wahrnehmen. Jesus er- 
klärte Nikodemus: „Es sei denn, daß 
jemand von neuem geboren werde, so 
kann er das Reich Gottes nicht sehen" 
(Johannes 3:3). Ohne Führung und 
Inspiration vom Heiligen Geist werden 
einige Menschen im Fortschritt der 
Kirche nichts weiter als eine Kuriosität 
der Gesellschaft sehen. 
Man kann erwarten, daß die Recht- 
schaffenheit der Heiligen und der Fort- 
schritt des Reiches Gottes unvermindert 
anhalten werden, aber es wird nicht 
ohne Widerstand gehen. Der Rat der 
Zwölf erklärte im Jahre 1845: ,,Da 
dieses Werk weiter voranschreiten und 
mehr und mehr politisches und religi- 
öses Interesse erwecken wird . . . werden 
kein König und Herrscher, kein Unter- 
tan, kein Gemeinwesen und kein ein- 
zelner Mensch neutral bleiben. Alle 
werden entweder von dem einem oder 
von dem anderen Geist beeinflußt wer- 
den und werden entweder für oder gegen 
das Reich Gottes Stellung nehmen" 
(James R. Clark, Messages of the First 
Presidency of The Church of Jesus 
Christ of Latter-day Saints, 1 :257.) 
Ja, der Herr hat gesagt: „Zion muß an 
Schönheit und Heiligkeit zunehmen, 
seine Grenzen müssen erweitert, seine 
Pfähle verstärkt werden" (LuB 82:14). 
Nicht nur die Rechtschaffenheit wird 
zunehmen, sondern auch das Böse. Den 
Beweis sehen wir um uns. Manchmal ist 
das für die Heiligen ein Grund zur 
Verzweiflung. Wir können jedoch ver- 
sichert sein, daß der Herr sich darum zu 
seiner Zeit und auf seine Weise küm- 
mern wird. Hören Sie seinen Beschluß: 
„Ich, der Herr, bin zornig über die Bösen 



Ich habe in meinem Zorn geschworen 
und Kriege über die Erde beschlossen; 
und die Bösen werden die Bösen er- 
schlagen, und es wird auf jedermann 
Furcht fallen. 

Und selbst die Heiligen werden kaum 
entrinnen. Doch ich, der Herr, bin mit 
ihnen und werde aus der Gegenwart 
meines Vaters vom Himmel herab- 
kommen und die Bösen mit unlösch- 
barem Feuer verzehren" (LuB 63:32- 
34). 

Wir sind vielleicht nicht mehr sehr weit 
von dem Tag entfernt, den Heber C. 
Kimball, der Großvater Spencer W. 
Kimballs und Mitglied der Ersten 
Präsidentschaft, prophezeit hat: 
,,Die Heiligen werden erprobt werden, 
und nur die Besten werden stand- 
halten. Der Druck wird so groß werden, 
daß die Rechtschaffenen unter ihnen 
Tag und Nacht den Herrn anrufen 
werden, bis sie errettet werden" („Pro- 
phecy of Heber C. Kimball, Deseret 
News, 23. Mai 1931, S. 3). 
Aber denken Sie daran, was der Herr in 
einer neuzeitlichen Offenbarung gesagt 
hat: „Seid ihr aber vorbereitet, so 
braucht ihr nichts zu fürchten" (LuB 
38:30). Sind wir vorbereitet? Gott möge 
uns helfen, auf die kommenden Prüfun- 
gen vorbereitet zu sein. 
Diese prophetischen Warnungen und 
Versicherungen und die sichtbaren Be- 
weise für den wachsenden Einfluß des 
Bösen bewegen die Mitglieder der Kir- 
che zu fragen: „Warum unternimmt die 
Kirche nicht mehr, um das Schlechte in 
unserer Gesellschaft bloßzustellen?" 
„Hat sich das Böse verschworen?" „Was 
kann ich tun, um falsche Philosophien 
zu bekämpfen, die in unser Schulsystem 
und in unserer Gesellschaft im all- 
gemeinen Eingang gefunden haben?" 
„Soll ich meine Söhne und Töchter bei 
der gegenwärtigen unsicheren politi- 
schen und wirtschaftlichen Lage auf eine 



60 




Universitätsausbildung und zukünftige 
Berufslaufbahn vorbereiten?" „Ist die 
Kirche das einzige Mittel, das wir zur 
Lösung der Probleme unserer Umwelt 
anbieten, oder gibt es noch etwas an- 
deres, was wir tun können?" 

Man kann leicht verzweifeln, wenn man 
sieht, wie die Grundlagen der Gesell- 
schaft ins Wanken geraten. Wir müssen 
jedoch daran denken, daß. der Herr seine 
Heiligen in die Welt gesandt hat, „der 
Welt ein Licht und den Menschen Er- 
retter zu sein" (LuB 103:9). Jetzt ist die 
Zeit, wo '„Zion . . . sich erheben und 
seine schönen Gewänder anziehen [muß] 
(LuB 82:14). Der Unterschied zwischen 
der Kirche und der Welt wird in Zukunft 



immer drastischer werden, und wir hof- 
fen, daß dieser Kontrast die Kirche in 
den Augen jener immer anziehender 
werden läßt, die den Wunsch verspüren, 
nach dem Plan Gottes für uns, seine 
Kinder, zu leben. 

Die Kirche wird immer für das eintreten, 
was rechtschaffen, tugendhaft, wahr 
und lobenswert ist. Ein solch ent- 
schiedenes Eintreten für Recht- 
schaffenheit setzt voraus, daß man alles 
Böse und alle falschen Philosophien 
ablehnt. Die Erste Präsidentschaft und 
das Kollegium der Zwölf sind gegenüber 
falschen Philosophien und dem Bösen 
nicht blind und werden weiterhin ständ- 
ig die Welt und die Heiligen warnen, wie 
es der Herr anordnet. 



61 



Ja, es gibt eine Verschwörung des Bösen. 
Der Urheber dieser Verschwörung ist 
der Satan mit seinen Heerscharen. Er 
hat große Macht über die Menschheit 
und kann alle nach dem Willen 
gefangenführen, die nicht auf die Stim- 
me des Herrn hören würden (Moses 
4:4). Der Satan kann seinen Einfluß 
durch die Regierungen ebenso ausüben 
wie durch falsche pädagogische, politi- 
sche, wirtschaftliche, religiöse und 
gesellschaftliche Weltanschauungen; 
durch geheime Verbindungen und 
Organisationen und durch unzählige 
andere Mittel. Seine Macht und sein 
Einfluß sind so groß, daß er, wenn 
möglich, sogar die Auserwählten be- 
trügen würde. Je näher das Zweite 
Kommen des Herrn rückt, desto mehr 
verstärkt sich der Einfluß des Satans 
durch zahllose hinterhältige Täuschun- 
gen. 

Auch Eltern müssen für alles, was recht- 
schaffen, tugendhaft und lobenswert ist, 
eintreten. Das Familienoberhaupt hat 
die Pflicht, alles zu unterstützen, was 
einen guten Einfluß auf seine Kinder 
ausüben könnte; sei es politisch, in der 
Schule, in der Familie, in der Nachbar- 
schaft, im Geschäftsleben, in der Kunst. 
Die Eltern haben die Pflicht, darauf zu 
achten, daß ihren Kindern die Freiheit 
bewahrt bleibt und daß die gegenwärtige 
Generation nicht zukünftige durch 
Schulden und verschwenderische Aus- 
gaben belastet. 

Das Reich Gottes kann nur in Freiheit 
gedeihen. Jeder Erwachsene ist ver- 
antwortlich dafür, wem er bei einer 
Wahl die Stimme gibt: denn der Herr 
hat gesagt: „Ich, Gott der Herr, mache 
euch frei, deshalb seid ihr wirklich frei 
. . . Wenn aber der Gottlose herrscht, 
seufzt das Volk. Daher sollte man fleißig 
nach ehrlichen und weisen Männern 
suchen" (LuB 98:8-10). 
Es ist äußerst wichtig, daß ein stärkerer 



rechtschaffener Einfluß auf die öffent- 
lichen Angelegenheiten jedes Gemein- 
wesens und jedes Staates ausgeübt wird. 
Jede Seite des öffentlichen Lebens hat es 
zum Guten nötig. 

Viel zu viele Familienväter nehmen 
keinen Anteil an den Angelegenheiten 
ihres Gemeinwesens, weil sie meinen, 
daß die Führer der Kirche sie nicht 
speziell dazu aufgefordert haben. Der 
Herr hat aber gesagt: 
,,Es geziemt sich nicht, daß ich in allen 
Dingen gebieten sollte; denn wer zu 
allem angetrieben werden muß, ist ein 
träger und nicht ein weiser Diener . . . 
Die Menschen sollen in einer guten 
Sache eifrig tätig sein, viele Dinge aus 
freien Stücken tun und viele gerechte 
Taten vollbringen. 

Denn die Kraft ist in ihnen . . . , und 
wenn der Mensch Gutes tut, wird es ihm 
nicht unbelohnt bleiben" (LuB 58:26- 
28). 

Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: 
,,Es ist unsere Pflicht, unseren ganzen 
Einfluß darauf zu verwenden, das, was 
vernünftig und gut ist, bekannt- 
zumachen und das, was unvernünftig 
ist, unbeliebt zu machen" (History of the 
Church, 5:286). 

Wir müssen uns selbst fragen: Tun wir 
alles, was in unserer Macht liegt, um 
aktiv für die Erhaltung unserer Freiheit 
zu kämpfen, indem wir einen positiven 
Einfluß ausüben und indem wir der Flut 
des Bösen widerstehen, die die ganze 
Menschheit zu überschwemmen droht? 
Eine der wichtigsten Aufgaben des 
Familienoberhauptes ist es, den jungen 
Menschen zu helfen, sich auf die Zu- 
kunft vorzubereiten. Durch eindrucks- 
volle Familienabende werden ihnen die 
Evangeliumsgrundsätze gelehrt, und die 
Jugendlichen werden für die Zukunft 
gerüstet. Man muß sie voller Glaube 
und Optimismus belehren und ihnen 
Zeugnis geben. 



62 



Die Mission der Kirche ist es, das 
Evangelium des Reiches Gottes der 
ganzen Welt zu verkünden, unseren 
verstorbenen Vorfahren den Weg zur 
Erlösung öffnen und die Heiligen zu 
vervollkommnen. Niemals zuvor in der 
Geschichte der Kirche hat es einen 
solchen Aufwand an Zeit, Planung und 
Mitteln zur Erfüllung dieser Mission 
gegeben. Letzten Endes bedeutet dieses 
Bemühen, die einzige Lösung für die 
Probleme der Welt. 

Als Jesus vor Pilatus stand, fragte ihn 
der römische Statthalter, ob er ein 
König sei oder nicht. Es war eine 
politische Frage. Der Erlöser erwiderte: 
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt" 
(Johannes 18:36). Seine Antwort paßt 
für die heutige Zeit: Das Werk seines 
Reiches ist vor allem geistig. Die wirt- 
schaftlichen, politischen und gesell- 
schaftlichen Probleme, denen dieses 
Land wie auch andere Länder 
gegenübersteht, werden nur mit der 
Hilfe Gottes gelöst werden. 



Die kommenden Tage werden schwer 
sein und den Glauben der Heiligen auf 
die Probe stellen. Aber wir können uns 
Kraft aus dem holen, was uns der Herr 
durch neuzeitliche Offenbarungen ver- 
heißen hat. Ich zitiere: 
„Deshalb wird er die Gerechten durch 
seine Macht erhalten . . . Daher brau- 
chen sich die Gerechten nicht zu fürch- 
ten . . . , sie [sollen] errettet werden 
und wenn es durch Feuer sein müßte" (1 . 
Nephi 22:17). 

„Ich will eure Schlachten schlagen" 
(LuB 105:14). „Keiner Waffe, die gegen 
dich bereitet ist, soll es gelingen ... Da 
ist das Erbteil der Knechte des Herrn" 
(3. Nephi 22:17). 

„Große Trübsal soll unter den 
Menschenkindern sein; aber mein Volk 
werde ich erhalten"' (Moses 7:61). 
Das Reich Gottes wird nicht seinen 
Zweck verfehlen; es wird nicht zerstört 
werden; es wird keinem anderen Volk 
übergeben werden; es wird für immer 
bestehen bleiben, bis „die Reiche der 




Welt unsres Herrn und seines Christus 
geworden sind" (Offenbarung 11:15). 
„Niemand kann den Fortschritt dieses 
Werks aufhalten; es mag sich Ver- 
folgung erheben, der Pöbel zusammen- 
rotten, Heere mögen aufgestellt und 
allerlei Lügen verbreitet werden — aber 
die Wahrheit Gottes wird kühn und edel 
vorwärtsschreiten, bis sie jeden Kon- 
tinent durchdrungen und jedes Land 
erreicht hat und von jedem Ohr ver- 
nommen worden ist, ja, bis die Ab- 
sichten Gottes erfüllt sein werden und 
Jehova sagen wird, daß das Werk voll- 
bracht sei" (HC, 4:540). 
Auf der ganzen Welt haben Christen seit 
Jahrhunderten darum gebetet, daß das 
Reich Gottes kommen möge; wir er- 
klären nun nachdrücklich: der Tag ist 
jetzt gekommen. 

Den Heiligen der Letzten Tage auf der 
ganzen Welt sagen wir: Euer Herz 
fürchte sich nicht. Halten Sie die Ge- 
bote. Hören Sie auf seinen Propheten, 
und achten Sie darauf, daß Sie seine 
Weisungen nicht durch Ihre persönli- 
chen Ansichten verfälschen. Lehren Sie 
Ihre Kinder, rechtschaffen vor dem 
Herrn zu wandeln. Beten Sie morgens 
und abends bei sich zu Hause. Beten Sie 
für Ihre Regierung, selbst dann, wenn 
Sie nicht mit ihr übereinstimmen. Beten 
Sie für die Führer der Kirche. Beten Sie 
darum - - wie Sie aufgefordert worden 
sind — , daß sich die Tore aller Länder 
dieser Welt für die Evangeliums- 
verkündigung öffnen mögen. Befolgen 
Sie die Gesetze des Landes; lehnen Sie 
sich nicht gegen die Behörde auf. Er- 
füllen Sie Ihre Pflicht als Bürger. „Gib 
dem Bösen nicht nach, sondern be- 
kämpfe es immer mit Gutem" (Vergil). 
Allen, die dem Reich Gottes treu sind, 
rufen wir zu: „Trachtet am ersten nach 
dem Reich Gottes" (Matthäus 6:33). 
„Erhebt euch und laßt euer Licht leuch- 
ten, daß es den Völkern ein Panier sei 



und daß die Sammlung im Lande Zion 
und seinen Pfählen wie ein Schutz und 
eine Zuflucht vor dem Sturme und dem 
Zorn sein möge, wenn dieser ohne Maß 
über die ganze Erde ausgegossen werden 
wird" (LuB 115:5, 6). 
Ja, „rufet den Herrn an, daß sein Reich 
sich über die Erde ausbreiten möge und 
ihre Bewohner es empfangen und sich 
auf den künftigen Tag vorbereiten wer- 
den, an dem des Menschen Sohn vom 
Himmel herniederkommen wird, an- 
getan mit dem Glanz seiner Herr- 
lichkeit, um dem Reiche Gottes, das auf 
Erden errichtet ist, zu begegnen. 
Darum möge das Reich Gottes aus- 
gehen, damit das Himmelreich komme" 
(LuB 65:5, 6). 

Ich lege demütig davon Zeugnis ab, daß 
die Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage heute das wieder- 
hergestellte Reich Gottes auf Erden ist. 
Gottes Botschaft und seine Segnungen 
sind für alle Kinder unseres Vaters 
bestimmt. Es ist die Wahrheit, von der 
ich dankbar Zeugnis gebe. Im heiligen 
Namen Jesu Christi. Amen. 




64 



Tu deine Schuhe an! 66 



99 



Howard W. Hunter 
vom Rat der Zwölf 




ausende junge Männer überall auf 
der Welt haben sich heute abend mit uns 
zu dieser Priestertumsversammlung im 
Tabernakel in Salt Lake City ver- 
sammelt. Ich werde heute zu diesen 
jungen Männern sprechen, aber ihre 
Väter und Großväter können auch zu- 
hören, wenn sie wollen. 
Vor einigen Jahren las ich im Jugendteil 
unserer Zeitschrift „Improvement Era" 
einen Artikel, der hieß: „Tu deine Schu- 
he an." Es handelte sich um die un- 
rühmliche Laufbahn eines jungen Man- 
nes, der dem Football-Team eines 
kleinen Gymnasiums auf dem Land 
angehörte. Es gelang diesem jungen 
Mann in die Mannschaft aufgenommen 
zu werden, aber es war ganz eindeutig, 
daß er nie ein Spitzenspieler sein würde. 
Eigentlich sah es eher danach aus, als ob 
er, außer vielen Schrammen und Beulen, 
nichts erreichen würde. Er war der dritte 
von drei Ersatzspielern, und es war 
höchst unwahrscheinlich, daß er über- 
haupt jemals spielen würde. 
Als die Saison schon am Ende war, hatte 
er die Hoffnung aufgegeben, jemals 
aufgefordert zu werden, mitzuspielen. 
Beim letzten Spiel des Jahres zog er seine 



Der Jugend in der Kirche sage ich: „Bereitet euch vor, habt 
Glauben, seid bereit; sagt, tut oder seid nicht etwas, was 
euern Dienst im Reich Gottes beeinträchtigen könnte." 



Schuhe aus, wickelte eine Decke um sich 
und setzte sich bequem hin, um seinen 
Kameraden zuzusehen. 
Mitten im Spiel hörte er auf einmal den 
Trainer seinen Namen rufen. Er war 
erstaunt und fragte sich, ob er sich wohl 
verhört habe. Nein, da war es wieder: 
„Du! Komm her und beweg dich!" 
Was sollte er tun? Sein erster Impuls 
war, in Ohnmacht zu fallen. Sein zweiter 
vorzugeben, nichts gehört zu haben. 
Sein dritter war zu sagen: „Moment, ich 
muß erst meine Schuhe anziehen." Er 
tat das einzige, was ein richtiger Mann 
tun würde. Er lief geradewegs zu seiner 
Mannschaft hin und zog unterwegs noch 
seinen Kopfschutz an. Seine Füße mit 
den weißen Socken leuchteten den Spie- 
lern beider Mannschaften, den Zusehern 
und dem Trainer entgegen, der zu die- 
sem Zeitpunkt wahrscheinlich auch ein- 
er Ohnmacht nahe war. 
Der Schock, sein erstes Spiel spielen zu 
dürfen, war für den Jungen wohl zu 
groß. Als er nämlich den Ball in die 
Hände bekam, hatte er völlig vergessen, 
in welche Richtung er damit laufen 
sollte. Die übrigen in seiner Mannschaft 
liefen nach rechts, während er nach links 
rannte. Dort fand er sich, völlig allein 
auf sich gestellt, plötzlich der gegne- 
rischen Mannschaft gegenüber und ging 
in der Menge der heranstürmenden 
Spieler sang- und klanglos unter. 



65 



Er sagte später: „Keiner hat von mir 
erwartet, daß ich ein paar Punkte für die 
Mannschaft herausholen würde; selbst 
daß ich in die falsche Richtung lief, war 
noch zu verstehen, aber es gab keine 
Entschuldigung für einen Spieler ohne 
Schuhe." 

Ich möchte heute die jungen Männer 
auffordern, ihre Evangeliumsschuhe 
anzubehalten und an ihre Zukunft zu 
glauben. 

Ich muß daran denken, was Abraham 
Lincoln sagte, als er eine Wahl nach der 
anderen verlor und sich abmühte, etwas 
zu leisten. Er sagte einfach: „Ich werde 
mich vorbereiten, und vielleicht kommt 
einmal meine Chance." Er lebte lange 
genug, um zu erfahren, was jeder lernen 
muß, daß jemand, der sich vorbereitet, 
immer mehr Chancen hat als ein an- 
derer. 

Ich weiß so sicher wie sonst nichts, daß 
ihr jungen Männer gebraucht und in den 
kommenden Jahren berufen werdet, 
dem Reich Gottes zu helfen. Tatsächlich 
rufen wir euch jetzt schon dazu auf. Wir 
brauchen eure Gesellschaft und eure 
Freundschaft, euren Dienst und eure 
Grundsätze. Manche Berufung scheint 
euch vielleicht unbedeutend zu sein, aber 
sie ist sehr wichtig, und sie bereitet euch 
auf größere Aufgaben vor. 
Oliver Cowdery war einer jener, der nur 
für einen Moment seine Schuhe auszog, 
als das Spiel noch im Gange war; das 
führte zu einem der enttäuschendsten 
Erlebnisse in der Geschichte der Kirche. 
Als das Buch Mormon übersetzt wurde, 
hatte er für den Propheten Joseph Smith 
als Schreiber fungiert, und der Herr 
sagte ihm, daß auch er mit der Gabe der 
Übersetzung gesegnet werden würde 
(LuB 6:25). 

Oliver Cowdery war nicht so bereit, wie 
er es hätte sein können — oder wie er 
einst war. Sein Glaube an sich und an 
dieses große Werk in den Letzten Tagen 




hatte nur ein wenig gewankt, und er rief 
aus: „Wartet, bis ich mich bereit- 
mache." Aber er lernte, daß ein ewiges 
Werk selten lange warten kann. Der 
Herr antwortete ihm schließlich: „Weil 
du nicht fortfuhrst . . . , wie du an- 
gefangen, habe ich dir dieses Vorrecht 
genommen . . . , jetzt aber ist die Zeit 
vorüber, und es ist nicht mehr ratsam" 
(LuB 9:5, 11). Er hatte die Gelegenheit 
seines Lebens nicht wahrgenommen, 
und sie würde niemals wiederkehren. 
Ich hoffe, Präsident Kimball hat nichts 
dagegen, wenn ich ein paar persönliche 
Worte von ihm wiedergebe. Ich möchte 
auf seine Bereitwilligkeit und Vor- 
bereitung hinweisen. Bei Harold B. Lees 
Begräbnis sagte er voller Liebe und 
Anteilnahme: „Präsident Lee ist ver- 
schieden. Ich hätte nie gedacht, daß dies 
jemals eintreten könnte. Ich wollte nie, 
daß es geschieht. Ich bezweifle, ob 
jemand in der Kirche derart beharrlich 
und inständig um ein langes Leben und 
um das allgemeine Wohlbefinden Präsi- 
dent Lees gebetet hat wie meine Frau 



66 



und ich. Ich bin nicht ehrgeizig gewesen. 
Ich bin vier Jahre älter als Bruder Lee 
(bis auf den Tag genau, am 28. März). 
Ich habe erwartet, daß ich lange vor ihm 
gehen würde. Mein Herz weint um ihn. 
Wie sehr haben wir ihn geliebt!" 
(Ensign, Februar 1974, S. 86). 
Gewiß war Präsident Kimball nicht 
bestrebt, Präsident der Kirche zu wer- 
den, aber als er dazu berufen wurde, 
anscheinend ganz unerwartet, war er 
bereit. In all den Jahren, in denen wir 
Präsident Kimball kennen, war er im- 
mer bereit. Er hat niemals seine Schuhe 
ausgezogen, während das Spiel noch lief 
— niemals. Er mußte niemals sagen: 
„Wartet, bis ich mich vorbereitet habe. 
Wartet, bis ich bereit bin." Obwohl er 
vielleicht nie davon geträumt haben 
mag, eines Tages diese Berufung zu 
erhalten, hat er sich trotzdem sein gan- 
zes Leben lang darauf vorbereitet. 
Ich möchte noch ein Beispiel anführen, 
um zu veranschaulichen, wie Präsident 
Kimball schon vor vielen Jahren damit 
begonnen hat, sich vorzubereiten. Als er 
vierzehn Jahre alt war, besuchte ein 
Führer der Kirche eine Pfahlkonferenz, 
auf der Präsident Kimballs Vater präsi- 
dierte. Dieser Bruder forderte die an- 
wesenden Mitglieder auf, die heiligen 
Schriften zu lesen. 

Präsident Kimball erinnerte sich mit 
folgenden Worten an dieses Erlebnis 
„Ich erkannte, daß ich noch nie die Bibel 
gelesen hatte, und so ging ich am 
gleichen Abend, als die Rede zu Ende 
war, zu unserer Wohnung, die einen 
Straßenblock entfernt lag, stieg hinauf 
in mein kleines Dachzimmer und zün- 
dete eine kleine Petroleumlampe an. 
die auf dem kleinen Tisch stand. Dann 
las ich die ersten Kapitel des 1 . Buches 
Mose. Ein Jahr später schloß ich die 
Bibel, nachdem ich jedes Kapitel dieses 
großen und herrlichen Buches gelesen 
hatte . . . 



Ich fand, daß es bestimmte Teile gab, die 
für einen 14jährigen Jungen schwer zu 
verstehen waren. Es gab einige Seiten, 
die mich nicht besonders interessierten; 
als ich aber 66 Bücher und 1 . 1 89 Kapitel 
und 1.519 Seiten gelesen hatte, spürte ich 
eine glühende Befriedigung, daß ich ein 
Ziel geschafft und daß ich es erreicht 
hatte. 

Ich erzähle euch diese Geschichte nicht, 
um zu prahlen. Ich benutze dies nur als 
Beispiel, um damit zu zeigen, daß ihr es 
bei elektrischem Licht tun könnt, wäh- 
rend ich es bei Petroleumlicht tun mußte. 
Ich bin immer froh darüber gewesen, 
daß ich damals die Bibel ganz durch- 
gelesen habe" (Der Stern, September 
1974, S. 380). 

So und auf tausenderlei andere Weise 
hat sich der junge Spencer Woolley 
Kimball still und erfolgreich vorbereitet, 
ohne von dem zu träumen, was vor ihm 
liegen würde. 

Ich möchte nochmals der Jugend in der 
Kirche zurufen — bereitet euch vor, 
habt Glauben, seid bereit; sagt, tut oder 
seid nicht etwas was euern Dienst im 
Reich Gottes beeinträchtigen oder euch 
dafür überhaupt unfähig machen könn- 
te. Seid bereit, wenn ihr berufen wer- 
det, denn das werdet ihr sicher. Laßt 
eure Evangeliumsschuhe an, oder, wie 
Paulus den Ephesern schrieb: „So stehet 
nun, ... an den Beinen gestiefelt, als 
fertig, zu treiben das Evangelium des 
Friedens" (Epheser 6:14, 15). Der Herr 
würde heute das sagen, was der Engel 
vor langer Zeit zu Simon Petrus gesagt 
hat: „Stehe behende auf! ... Tu deine 
Schuhe an . . . und folge mir nach" 
(Apostelgeschichte 12:7, 8). 
Wie wunderbar ist es doch, das Priester- 
tum tragen zu dürfen. Gott lebt und 
Jesus Christus ist sein Sohn — unser 
Herr und Erlöser. Ich bezeuge, daß es 
heute einen Propheten Gottes auf Erden 
gibt. Im Namen Jesu Christi. Amen. 



67 



„Nicht mein, sondern dein Wille 
geschehe 66 



Robert L. Simpson 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




M, 



. eine lieben Brüder im Priestertum, 
mein Herz fließt jedesmal beinahe über, 
wenn wir alle sechs Monate zu dieser 
wunderbaren Priestertumsversamm- 
lung der Kirche zusammenkommen. 
Glauben Sie mir, keine andere Macht 
auf Erden kann sich mit der Macht so 
vieler Männer messen, die sich hier 
wegen des Priestertums Gottes ver- 
sammelt haben. 

Dank der Wunder der Technik wie 
Transistoren und Satelliten sind Tausen- 
de andere in der Lage, uns an weit 
entfernten Orten zu hören. 
Ich kann mir vorstellen, daß in Perth, 
Australien, auf der anderen Seite der 
Welt, von Salt Lake City aus gesehen, 
Bruce Opie, der Missionspräsident, mit- 
ten unter seinen Missionaren sitzen und 
mit ihnen an dieser Priester- 
tumsversammlung an der Küste des 
Indischen Ozeans teilnehmen wird. Bei 
ihnen ist schon Morgen. 
Dann gibt es den jungen Carlos in 
Argentinien, dort ist es Mitternacht; 
aber wer kümmert sich um ein paar 
Stunden verlorenen Schlafes, wenn man 



„Vier Milliarden Menschen brauchen, was wir haben. 
Machen wir uns bereit, es ihnen zu bringen!' 1 



von einem Propheten unterwiesen wer- 
den kann? Wissen Sie. Carlos bereitet 
sich darauf vor, zwei Jahre seines Lebens 
als Missionar für den Herrn zu inve- 
stieren. 

Weil ich gerade von Investieren spreche: 
Als ich gestern die Main Street hinunter- 
ging, sah ich viele Schilder, auf denen die 
Leute aufgefordert werden, ihr Geld zu 
investieren. Jede Bank bot 6 bis 8 
Prozent Zinsen, je nachdem unter wel- 
chen Bedingungen die Anlage getätigt 
würde. 

Im folgenden spreche ich über die Zin- 
sen oder Dividenden, die der Herr 
zahlt, wenn man zwei Jahre als Mis- 
sionar in seinen Dienst investiert. Ein 
Missionar, der vor einigen Monaten 
entlassen wurde, schrieb: 
„In erster Linie habe ich gelernt, wie 
wichtig das Beten ist und welche Macht 
es hat. Ich habe gelernt, mit dem Herrn 
zu sprechen und wie ich seine Antworten 
erkennen kann — sogar, wenn er nein 
sagt. Ich habe gelernt, absoluten Glau- 
ben und unbedingtes Vertrauen auf den 
Herrn zu haben, etwas, was ich vorher 
nie besaß. Ich habe gelernt, auf die 
Eingebungen des Heiligen Geistes zu 
achten. Ich habe die Gabe der Unter- 
scheidung entwickelt. Ich habe sie bis zu 
einem gewissen Grad vorher besessen, 
aber auf dem Missionsfeld lernte ich, sie 



68 



richtig anzuwenden. Aber die Haupt- 
sache von allem ist, daß ich mich selbst 
kennenlernte, daß ich lernte, was ich 
wirklich tun konnte. 
Ich habe gelernt, wie man mit anderen 
Menschen umgeht", fährt er fort, „und 
das war wirklich etwas sehr Wertvolles 
für mich. Seitdem ich von meiner Mis- 
sion zurück bin, kann ich mit hoch- 
erhobenen Kopf über das Universitäts- 
gelände gehen und anderen gerade in die 
Augen blicken. Es fällt mir leicht, mit 
Menschen umzugehen; ich kann schwie- 
rige Situationen meistern. Ich habe kei- 
ne Angst davor, zu sagen, was ich denke 
— und ich kann mich verständlich 
ausdrücken. Ich plane alles besser und 
bin ordentlicher geworden — meine 
Mutter kann es nicht glauben, daß ich 
das sein soll! Ich kann schwerer arbeiten 
und mehr leisten. Ich habe mich immer 
um andere gesorgt, aber jetzt weiß ich, 
wie ich meine Anteilnahme zeigen kann. 
Ich werde nicht mehr so schnell ent- 
mutigt, wie es vorher bei mir der Fall 
war: so man kann fraglos behaupten, 
daß ich mich dank meiner Mission 
bedeutend geändert habe." 
Und noch eine weitere Stelle: „Als ich 
darauf wartete, entlassen zu werden, 
erhielt ich ein Zeugnis davon, daß der 
Herr an meinen Bemühungen Freude 
hatte. Es war aufregend, als ich mit dem 
Missionspräsidenten sprach, besonders 
als er mir in die Augen sah und sagte: 
,Ich bin stolz auf Sie.' Das war Lohn 
genug für mich. Was für ein erhebendes 
Gefühl, zurückzublicken und zu wissen, 
daß ich für den Herrn mein Bestes 
gegeben hatte! Es gibt einem ein Gefühl 
der Zufriedenheit und des Friedens, das 
man sonst auf keine andere Weise erlan- 
gen kann." 

Hier ist noch ein weiterer Auszug: „Ich 
war sehr aufgeregt, weil ich zu Hause auf 
der Abendmahlsversammlung spre- 
chen sollte. Ich wollte das Richtige 



sagen. Mein Bischof hat mir nun einen 
Brief geschrieben und mir erzählt, daß 
sich als unmittelbare Folge meiner Rede 
nun drei junge Leute in der Gemeinde 
auf eine Mission vorzubereiten be- 
ginnen!" 

Und schließlich: „Ich habe nicht ein 
einziges Mal bereut, die Berufung auf 
Mission angenommen zu haben. Von 
allem, was ich bisher getan habe, war es 
das Lohnenswerteste. Ich bin sogar für 
die schweren Zeiten dankbar, da sie 
meinen Charakter gefestigt und mir 
geholfen haben, wenigstens damit anzu- 
fangen, so zu werden, wie mich mein 
Vater im Himmel haben möchte. Ich 
habe so viel mehr gelernt, als ich je hätte 
lernen können, wäre ich zu Hause ge- 
blieben. Die Kirche ist die wahre Kirche, 
und ich bin so dankbar dafür, ein 
Mitglied zu sein. Ich bin auch dankbar 
dafür, daß ich dem Erlöser so nahe 
gekommen bin; denn dies verdanke ich 
meiner Mission und nichts anderem." 

Ja, das ist ein wunderbarer Brief, und 
wir können sagen, daß der Herr der 
beste Zahler in der Welt ist — er zahlt 
keine 6 Prozent, keine 8 Prozent, son- 
dern — würden Sie es mir glauben — , 
wenn ich von Zinsen, so etwa um 
tausend Prozent spreche? Und er zahlt 
nicht nur momentan Zinsen, sondern in 
alle Ewigkeit. Was für beeindruckende 
Dividenden. 

Aber nur aus dem einzigen Beweggrund 
auf Mission zu gehen, um Fortschritt zu 
machen, heißt, das Richtige aus dem 
falschen Grund tun. Jeder, der die 
Berufung annimmt, die Botschaft des 
Herrn zu verkündigen, muß als Ziel den 
ganz und gar selbstlosen Wunsch haben, 
anderen Menschen zum Segen zu ge- 
reichen. 

Wir, die wir die Vollmacht des Priester- 
tums innehaben, müssen so sein wie der 
Erlöser und die Verpflichtung auf uns 



69 



nehmen, ihn zu vertreten. Es mag nicht 
immer alles so geschehen, wie wir wol- 
len, doch ist es sehr wichtig, daß wir auf 
das hören, was uns sein Geist eingibt. 
Auf eine Mission berufen zu werden ist 
keine Sache, die auf die leichte Schulter 
genommen werden kann; es ist immer 
irgendwie mit einem Kampf verbunden; 
es wird ein hohes Maß an Opfer- 
bereitschaft erwartet und, ohne Aus- 
nahme steht jedem sehr viel harte Arbeit 
bevor, und man braucht all den Glau- 
ben, den man besitzt, um sie leisten zu 
können. 

Brüder im Priestertum, ob Sie nun erst 
vor kurzem zum Diakon berufen wor- 
den sind oder ob Sie ein Hoherpriester 
mit jahrelanger Erfahrung sind, es ist 
Ihre Pflicht, sich auf eine Missions- 
berufung vorzubereiten. Wenn Sie nie- 
mals eine Mission erfüllt haben, möchte 
der Herr, daß Sie sich auf eine vor- 
bereiten. Wenn Sie auf Mission waren, 
möchte der Herr, daß Sie sich auf eine 
weitere vorbereiten. Da draußen leben 
vier Milliarden Menschen, die brauchen, 
was wir haben — und sie brauchen es 
sehr dringend! 

Zum Abschluß möchte ich Ihnen ein 
Erlebnis erzählen, das Bruder Anguia- 
no, ein junger mexikanisch-amerika- 
nischer Missionar hatte. Er bereitete 
sich darauf vor, in eine Mission berufen 
zu werden, wo man Spanisch spricht; 
statt dessen wurde er dann vom Pro- 
pheten nach Christchurch, Neuseeland, 
berufen, was einem seltsam vorkommt. 
Stellen Sie sich einen jungen Mann vor, 
dessen Muttersprache Spanisch ist und 
der in ein Land gesandt wird, wo 
Spanisch kaum, wenn überhaupt von 
jemandem, je gesprochen wird. 
Als Philip Sonntag, der Missions- 
präsident, am Flughafen auf die An- 
kunft seines einsamen Missionars warte- 
te, bat er im Geist darum, daß ihm Gott 
helfen möge, den richtigen Platz für 



einen jungen Mann zu finden, der in 
einer Mission wo nur Englisch ver- 
standen wurde, Spanisch sprach. Als die 
Passagiere von Bord gingen, entdeckte 
Bruder Sonntag seinen neuen Missionar 
augenblicklich. Vielleicht war es sein 
leuchtend weißes Hemd, das, verglichen 
mit den Urlaubsreisenden, besonders 
weiß zu sein schien. Sein strahlendes 
Wesen schien ihn als besonderen Men- 
schen auszuzeichnen. Er war einer der 
Gesalbten des Herrn. Seine Schritte 
beschleunigten sich, als er sich dem 
Flughafengebäude näherte. Er war an- 
scheinend erpicht darauf, seine Mission 
zu beginnen. Er kam mit ausgestreckten 
Armen auf seinen Missionspräsidenten 
zu und umarmte ihn, wie er es von 
Mexiko her gewöhnt war. Das war das 
Milieu, aus dem er kam, und das war 
sein Brauch, sogar noch im weit ent- 
fernten Neuseeland. Seine ersten Worte 
lauteten: „Präsident, ich bin hierher- 
gekommen, um zu taufen." 
Gewöhnlicherweise entläßt ein Mis- 
sionspräsident nicht einen seiner As- 
sistenten, damit dieser einen neuen Mis- 
sionar in seine Aufgabe einführt, aber 
als Bruder Sonntag zum dritten Mal 
dazu vom Geist bewegt worden war, war 
er überzeugt, daß es richtig sei. Deshalb 
wurde Bruder Keung, ein hervor- 
ragender junger Mann chinesischer und 
maorischer Abstammung, als Mit- 
arbeiter freigestellt, um mit Bruder An- 
guiano diese „Völkerbund"- 

Mitarbeiterschaft zu gründen. 
Werden Sie mir glauben, wenn ich Ihnen 
sage, daß Bruder Sonntag keine drei 
Wochen später davon informiert wurde, 
daß die beiden die vielleicht einzige 
Familie gefunden haben, die auf der 
südlichen Insel Neuseelands nur Spa- 
nisch spricht? Es war eine chilenische 
Familie, die erst vor kurzem in Neusee- 
land angekommen war, und sie brauchte 
die Kirche. Sie brauchten Bruder An- 



70 




guiano, und der Herr gab ihr, was sie 
brauchte — durch einen heutigen Pro- 
pheten. Nicht nur das, wir haben auch 
erfahren, daß mehr als hundert andere 
Familien aus Chile in nächster Zeit nach 
Neuseeland auswandern werden, und 
Bruder Anguiano wartet schon unge- 
duldig mit der kürzlich getauften Fami- 
lie darauf, mit diesen Familien Freund- 
schaft zu schließen und sie zu belehren. 
Der Herr ist für dieses Werk ver- 
antwortlich! Sie und ich, wir haben teil 
an einem göttlichen Werk, das die 
Erlösung der Kinder des Vaters im 
Himmel, wo immer sie auch sein mögen, 
zustande bringen kann. Wir müssen uns 
jetzt vorbereiten, damit der Prophet 
nicht in dem eingeschränkt wird, wozu 
er aufgefordert worden ist. 
Unsere größte Aufgabe als Missionare 
wird es sein, Menschen aufzurichten, sie 
dazu zu bringen, sich von den Wegen der 
Welt abzukehren — einer Welt, die von 
Unmoral erschüttert, durch unreine Ge- 
danken geschwächt, von Egoismus zer- 
fressen und von Stolz zu Fall gebracht 



wird. Möge Tugend unablässig unsere 
Gedanken schmücken; dann wird unser 
Vertrauen in Gottes Dienst stark werden 
(LuB 121 :45). Zuerst müssen wir uns, so 
gut wie wir nur können, den weltlichen 
Einflüssen entziehen; dann, wenn wir 
auf einer höheren Ebene stehen, können 
wir unsere Hände ausstrecken; wir kön- 
nen andere emporheben; wir können 
ihnen dann die Wahrheit lehren. Es 
sollte keine Rolle spielen, wann man 
berufen wird. Es sollte ohne Bedeutung 
sein, wohin man berufen wird. Es kann 
innerhalb der Gemeinde sein; es kann 
auf der anderen Seite der Welt sein — 
wie der Erlöser in seiner schwersten 
Stunde gesagt hat: „Vater, . . . nicht 
mein, sondern dein Wille geschehe!" Ich 
bete darum, daß es so sein möge, denn 
wer an dieser Priestertumsversammlung 
heute abend teilnimmt, ist vorher- 
ordiniert worden, die Hoffnung der 
Welt zu sein; davon bin ich fest über- 
zeugt, und das sage ich im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



71 



/. 



Offenbarung 

Henry D. Taylor 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




Di 



ie Erste Präsidentschaft hat einmal 
folgendes geäußert: „Die Kirche ver- 
dankt ihre Gründung, ihr Bestehen und 
ihre Hoffnung auf die Zukunft dem 
Grundsatz fortwährender Offen- 
barung" (,,Policy Statement of Presi- 
dency", Church News, 10. Jan. 1970, S. 
12). 

Man kann Offenbarung im weitesten 
Sinne als „Verbindung Gottes mit dem 
Menschen" definieren. Der Herr offen- 
bart sich auf vielerlei Weise. 
Der erste Prophet dieser Evangeliums- 
zeit, Joseph Smith, erhielt Offen- 
barungen auf beinahe jede Weise, in der 
sich der Herr dem Verstand und Willen 
des Menschen kundtut. Die erste Offen- 
barung, die er erhielt, war das tat- 
sächliche Erscheinen unseres Vaters im 
Himmel und seines auferstandenen Soh- 
nes, des Herrn und Erlösers Jesus Chri- 
stus. 

Diese erste Offenbarung, die auch oft als 
„Die erste Vision" bezeichnet wird, 
hatte einen weitreichenden Einfluß. Zu- 
erst einmal weist sie die Annahme 
zurück, daß Offenbarungen aufgehört 
hätten und Gott nicht mehr zu den 
Menschen spreche. Zweitens bestätigte 



„Jeder, der eine Berufung vom Herrn annimmt, hat, wenn 
er rechtschaffen lebt, das Recht, dazu, Offenbarung zu er- 
halten. 



sie wiederum die Wahrheit, daß der 
Mensch tatsächlich im Ebenbild Gottes 
geschaffen worden ist. Drittens ließ sie 
keinen Zweifel mehr darüber auf- 
kommen und bestätigte auch, daß Gott 
Vater und sein Sohn zwei getrennte 
Wesen sind, die nur im Willen und in der 
Absicht eins sind. 

Der Prophet wurde auch von Boten vom 
Himmel unterwiesen, wie zum Beispiel 
von Moroni, der ihm von den goldenen 
Platten berichtete, deren Inhalt später 
als das Buch Mormon veröffentlicht 
wurde. Später kam Johannes der Täu- 
fer, der das Aaronische Priestertum 
wiederherstellte, und Petrus, Jakobus 
und Johannes, die das Melchisedekische 
Priestertum wiederherstellten; ferner die 
Wesen, die in der Vision im Tempel von 
Kirtland erschienen sind (LuB 12, 27, 
110). 

Wenn man das Buch , Lehre und Bünd- 
nisse' liest, stellt man fest, daß viele der 
darin enthaltenen Offenbarungen vom 
Propheten durch zwei Sehersteine, den 
Urim und Tummim empfangen wur- 
den. Diese Steine hat der Prophet bei der 
Übersetzung des Buches Mormon ver- 
wendet. 

Dem Propheten wurde Göttliches durch 
Visionen kundgetan. Eine solche Vision 
ist zum Beispiel in dem 76. Abschnitt 
des Buches , Lehre und Bündnisse' 
niedergelegt. Er hat auch Offen- 



72 



barungen durch Inspiration erhalten, ja, 
die meisten Offenbarungen im Buch 
, Lehre und Bündnisse' sind auf diese 
Weise gegeben worden. 
Wenn man die heiligen Schriften gründ- 
lich liest, lernt man noch andere Wege 
kennen, wie sich der Herr seinen Kin- 
dern hier auf Erden kundtut. Stephanus, 
der zu Tode gesteinigt wurde, wurde 
vom Heiligen Geist erfüllt. Er blickte 
unverwandt gegen Himmel auf und sah 
„Jesus stehen zur Rechten Gottes" 
(Apostelgeschichte 7:55). Saulus, der bei 
der Steinigung dabei war, hatte auch 
aktiv an der Verfolgung des Stephanus 
und anderer Jünger Christi teil- 
genommen. Später, als er nach Damas- 
kus unterwegs war, sah er „plötzlich ein 
Licht vom Himmel; 
und er fiel auf die Erde und hörte eine 
Stimme, die sprach zu ihm. Saul, Saul, 
was verfolgst du mich? 
Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der 
Herr sprach: Ich bin Jesus, den du 
verfolgst" (Apostelgeschichte 9:3-5). 
Saul wurde bekehrt und änderte sein 
Leben; er wurde unter dem Namen 
Paulus bekannt. Später wurde er als 
Apostel berufen und war ein treuer 
Anhänger und Jünger des Erlösers. 
Oft werden Botschaften vom Himmel 
durch Träume überbracht. In alter Zeit 
hatte ein Pharao, ein König von Ägyp- 
ten einen Traum. Er rief die Weisen des 
Landes und andere zu sich, und forderte 
sie auf, seinen Traum zu deuten, aber sie 
konnten es nicht. 

Der Pharao hatte geträumt, daß er in der 
Nähe eines Flußes stünde, aus dem 
sieben Kühe herausstiegen und auf der 
Wiese grasten. Sie waren fette, schöne 
Tiere, wohlgemästet. Dann kamen sie- 
ben weitere Kühe aus dem Fluß. Sie 
waren mager, nur Haut und Knochen, 
sie fielen über die fetten Kühe her und 
verschlangen sie (1. Mose 41:1-4). 
Da erfuhr der Pharao, daß es einen 



jungen Mann gab, der ungerechtfertigt 
ins Gefängnis geworfen worden war. 
Dieser junge Mann hatte die Träume des 
Schenks und des Bäckers des Pharaos 
deuten können. Sein Name war Joseph. 
Er war einer der zwölf Söhne Israels. 
Joseph war von seinen Brüdern an 
Ismaeliter verkauft worden, die auf dem 
Weg nach Ägypten waren. Joseph wurde 
aus dem Gefängnis geholt, und als der 
Pharao ihm seinen Traum erzählte, 
konnte er ihn auslegen. Er erklärte, daß 
es sieben Jahre des Überflusses geben 
würde, die von sieben Jahre Hungersnot 
gefolgt werden würden. Joseph machte 
den Vorschlag, während der sieben gu- 
ten Jahre den Überschuß der Ernte zu 
lagern, um so für die kommende 
Hungerszeit vorzusorgen. Der Pharao 
war tief beeindruckt und betraute Jo- 
seph, dem er vollkommenes Vertrauen 
schenkte, mit der ganzen Bevorratung. 
Joseph bekam große Macht, und er 
wurde der zweite Mann in Ägypten nach 
dem Pharao (1. Mose 41:9-40, 37:28). 
Enos ist eines der besten Beispiele dafür, 
wann einem die Stimme des Herrn ins 
Herz kommt. Enos war von seinem 
Vater unterwiesen worden, aber da er 
jung und unreif war, hat er wohl einige 
geringfügige Fehler begangen. Später 
wurde er sich dessen bewußt und er- 
kannte auch die Richtigkeit der Worte 
seines Vaters. Er verspürte den über- 
mächtigen Wunsch, Buße zu tun und 
rechtschaffen zu leben. Enos jagte gerne. 
Eines Tages, als er wieder in den Wald 
auf die Jagd ging, kamen ihm die Worte 
seines Vaters besonders stark in den 
Sinn. Er wünschte sich sehr, daß ihm 
seine vergangenen Fehler vergeben wer- 
den würden. Er kniete sich nieder und 
rief den Herrn demütig an, ihm zu 
vergeben. Er betete den ganzen Tag lang 
ernsthaft um Vergebung und hörte auch 
nicht auf, als die Nacht anbrach. 
Schließlich drang eine Stimme zu ihm 



73 



und sagte: ,,Enos, deine Sünden sind dir 
vergeben." Da er sich auch um seine 
Brüder, die Nephiten, sorgte, betete er 
für sie. Als er so im Geiste kämpfte, kam 
ihm die Stimme des Herrn ins Herz und 
verlieh ihm Gewißheit. 
Wir wissen, daß besonders dazu aus- 
ersehene Führer der Kirche als Pro- 
pheten, Seher und Offenbarer eingesetzt 
werden und für ihre Berufung Offen- 
barungen erhalten, aber man fragt sich 
vielleicht, wer noch alles Offenbarungen 
empfangen kann? Brigham Young hat 
gelehrt, daß jeder einzelne für sich selbst 
Offenbarungen erhalten kann. (Siehe 
Discourses of Brigham Young, 3. Kapi- 
tel, S. 35.) Eltern können hinsichtlich der 
Erziehung ihrer Kinder Offenbarungen 
erhalten. 

Ich glaube fest daran, daß jeder Bischof 
und jeder Pfahlpräsident berechtigt ist, 
Offenbarungen darüber zu erhalten, was 
für die Mitglieder der Gemeinde und des 
Pfahles am besten sei. Ich glaube auch 
daran, daß jeder, der eine Berufung vom 



Herrn annimmt, das Recht hat, Offen- 
barung hinsichtlich seiner Berufung zu 
erhalten, wenn er rechtschaffen lebt und 
mit dem Geist des Herrn im Einklang 
ist. 

Aber eines darf man nicht vergessen — 
J. Reuben Clark hat dies vor vielen 
Jahren mit folgenden Worten ausge- 
drückt: „Der Herr hat erklärt, daß allein 
der Prophet, Seher und Offenbarer der 
Kirche . . . das Recht hat, Offen- 
barungen für die gesamte Kirche zu 
empfangen . . . oder bestehende Lehren 
der Kirche irgendwie zu ändern." Kein 
anderes Mitglied hat dazu das Recht 
oder die Vollmacht (Church News, 31. 
Juli 1954, S. 2). 

Spencer W. Kimball ist heute derjenige, 
der Offenbarungen für die Kirche emp- 
fängt. Das bezeuge ich Ihnen. Mögen 
wir auf seine Weisungen hören und 
genug Weisheit und Urteilsvermögen 
besitzen, um sie zu befolgen. Darum 
bete ich im Namen des Herrn Jesus 
Christus. Amen. 




Aufgaben des Priestertums 

Marion G. Romney 

Zweiter Ratgeber des Präsidenten der Kirche 




B 



rüder, ich bete darum, daß ich bei 
dem, was ich zu sagen habe, vom Geist 
geführt werde, damit wir erbaut werden, 
und ich fordere Sie auf, mit mir darum 
zu beten. Ich möchte gerne etwas über 
die Aufgaben der Priestertumsträger 
sprechen. Meine lieben Brüder: Ich wen- 
de mich zuerst an die Väter und spreche 
über unsere Aufgabe, unsere Kinder zu 
belehren und zu schulen. Dann werde 
ich zu euch, den Trägern des Aaroni- 
schen Priestertums, sprechen. 
Vor kurzem mußte ich an einem Sams- 
tag in einem Hotel übernachten. Am 
Sonntag wurde ich von lauten, un- 
flätigen Worten aufgeweckt. Die Aus- 
drucksweise war schmutzig und ab- 
stoßend. Ich war entsetzt, als ich dann 
herausfand, daß dies Kinder waren, die 
so gesprochen hatten. Mir fiel der 
Spruch ein: 

„Gewöhne einen Knaben an seinen 
Weg, so läßt er auch nicht davon, wenn 
er alt wird" (Sprüche 22:6). 
Und dann dachte ich an die Offen- 
barung: „Kleine Kinder . . . können . . . 
nicht sündigen, denn dem Satan ist keine 
Macht gegeben, kleine Kinder zu ver- 
suchen . . . , daß von ihren Vätern große 



Väter und Söhne sollen sich die Tugenden zu eigen machen, 
die Joseph, Daniel, Nephi, Mormon und Joseph Smith in 
ihrem Leben gezeigt haben. 



Dinge gefordert werden mögen" (LuB 
29:46-48). 

Es stimmte mich traurig, als ich daran 
dachte, welche Leiden diese Kinder und 
ihre Väter ertragen werden müssen, weil 
sie nicht die Unterweisung erhalten 
haben, wie dies „von ihren Vätern . . . 
gefordert" wird. 

Wir Väter sollen niemals die Worte 
Gottes vergessen, die da besagen: 
„Wenn Eltern in Zion . . . Kinder haben 
und sie nicht lehren, die Grundsätze der 
Buße zu verstehen, des Glaubens an 
Christus als den Sohn des lebendigen 
Gottes, der Taufe und der Gabe des 
Heiligen Geistes durch Händeauflegen, 
wenn sie acht Jahre alt sind, so wird die 
Sünde auf den Häuptern der Eltern 
ruhen. 

Auch sollen die Eltern ihre Kinder 
lehren, zu beten und gerecht vor dem 
Herrn zu wandeln" (LuB 68:25, 28). 
In Doctrine and Covenants Commentary 
steht dazu folgendes: 
„Viele Menschen auf der Welt glauben, 
daß sie ihre Pflicht getan haben, wenn sie 
ihren Kindern ein Dach über dem Kopf, 
Essen, Kleidung und eine Ausbildung 
gewähren . . . Aber Heilige der Letzten 
Tage haben als Eltern eine noch wichti- 
gere Pflicht zu erfüllen. Sie müssen ihre 
Kinder belehren ... Es genügt nicht, sie 
einfach in die Primarvereinigung, zur 
Sonntagsschule oder in die Schule zu 



75 



schicken. Die Eltern selbst haben die 
persönliche Pflicht, ihre Kinder zu be- 
lehren. Sie müssen darauf achten, daß 
ihre Kleinen . . . lernen, zu beten und 
rechtschaffen vor dem Herrn zu wan- 
deln" (Hyrum M. Smith und Janne M. 
Sjodahl, Doctrine and Covenants Com- 
mentary, S. 414). 

Wenn wir Väter öfter im Buch , Lehre 
und Bündnisse', Abschnitt 39, Vers 40- 
50 läsen, würde uns dies sehr dabei 
helfen, uns stets unserer von Gott aufge- 
tragenen Pflicht bewußt sein, unsere 
Kinder zu belehren und zu schulen. 
Und nun möchte ich euch, die Träger 
des Aaronischen Priestertums, daran 
erinnern, daß auch ihr eine Aufgabe 
dabei innehabt. Ihr seid seit eurem 
achten Lebensjahr vor dem Herrn für 
euer eigenes Verhalten verantwortlich. 
Bei der Geburt ist jeder von euch vom 
Geist Christi erleuchtet worden. Dieser 
Geist, der auch manchmal Gewissen 
genannt wird, hat euch ein Gefühl für 
das vermittelt, was richtig und was 
falsch ist, noch ehe ihr acht Jahre alt 
ward. Als ihr getauft und konfirmiert 
worden seid, habt ihr als Hilfe die Gabe 
des Heiligen Geistes erhalten. 
Im Alter von zwölf Jahren haben die 
meisten von euch das Aaronische 
Priestertum erhalten. Gott hat euch 
tatsächlich etwas von seiner 
Priestertumsvollmacht und Kraft über- 
tragen. Er hat so viel Vertrauen in euch, 
daß er euch die Vollmacht gegeben hat, 
bestimmte Aufgaben in seiner Kirche zu 
erfüllen — Aufgaben, die auch der 
Erlöser selbst erfüllt hat. Wenn ihr sie 
durchführt, sind eure Handlungen ge- 
nau so heilig und maßgebend, als wenn 
Jesus oder seine Apostel sie vollziehen. 
Der Herr hat, als er die Kirche ge- 
gründet hat, über die Aufgaben des 
Aaronischen Priestertums folgendes ge- 
sagt: 
„Die Pflicht des Priesters ist es, zu 



predigen, zu lehren, auszulegen, zu er- 
mahnen, zu taufen und das Abendmahl 
zu segnen; 

das Haus eines jeden Mitglieds zu be- 
suchen und diese zu ermahnen, laut und 
im stillen zu beten und allen Familien- 
pflichten nachzukommen. 
Die Pflicht des Lehrers ist es, immer 
über die Gemeinde zu wachen, bei den 
Mitgliedern zu sein und sie zu stärken, 
auch zu sehen, daß sie [die Gemeinde] 
sich oft versammelt und daß alle Mit- 
glieder ihre Pflichten erfüllen" (LuB 
20:46, 47, 53, 55). 

Die Aufgabe des Diakons ist es, das 
Abendmahl auszuteilen, Fastopfer 
einzusammeln und zu „warnen, er- 
klären, ermahnen und lehren und alle 
einladen, zu Christus zu kommen" (LuB 
20:59). 

Wenn ihr eure Pflichten im Aaronischen 
Priestertum richtig erfüllt, werdet ihr 
wunderbare Segnungen erhalten. 
Ich hoffe, daß ihr euch wünscht und fest 
entschlossen seid, eure gegenwärtige 
Berufung voll zu erfüllen, damit ihr, 
wenn ihr das Melchisedekische Priester- 
tum übertragen bekommt, so fortfahrt, 
bis ihr zu den „Auserwählten Gottes" 
gezählt werdet, denen der Herr in einer 
einzigartigen Offenbarung über das 
Priestertum folgendes verheißen hat: 
„Diejenigen, die treu sind und diese 
beiden Priestertümer erhalten . . . und 
ihre Berufung verherrlichen, werden 
durch den Geist geheiligt zur Erneue- 
rung ihres Körpers. 

Sie werden die Söhne Moses und Aarons 
und der Same Abraham, die Kirche und 
das Reich und die Auserwählten Got- 
tes" (LuB 84:33, 34). 
Im allgemeinen sind großartige und edle 
Männer vortreffliche Knaben gewesen, 
die die Grundlage zu ihrer Größe in den 
Jahren errichtet haben, als sie das Aaro- 
nische Priestertum trugen. 
Ich werde jetzt auf einige dieser groß- 



76 



artigen Männer eingehen und bitte euch, 
auf ihre Eigenschaften zu achten und 
euch vorzunehmen, daß ihr ihnen nach- 
eifert. 

Denkt zum Beispiel einmal daran, welch 
Vorbild an Tugendhaftigkeit Joseph 
war. Mit siebzehn Jahren wurde er als 
Sklave nach Ägypten gebracht und an 
„Potiphar, des Pharao Kämmerer" ver- 
kauft (1. Mose 37:36). 
Seine Rechtschaffenheit und Tüchtig- 
keit beeindruckten Potiphar derart, daß 
er ihn zum Verwalter seines ganzen 
Besitzes, einschließlich seines Hauses, 
machte. Joseph war so gut aussehend, 
daß Potiphars Frau wiederholt ver- 
suchte, ihn zu verführen. Er jedoch wies 
ihre Annäherungsversuche zurück und 
sagte: „Wie sollte ich denn nun ein solch 
großes Übel tun und gegen Gott sündi- 
gen?" (1. Mose 39:9). 
Sie erzählte eine Lüge über ihn, und 
Joseph wurde ins Gefängnis geworfen. 
Der Herr segnete ihn aber wegen seiner 
Rechtschaffenheit, so daß er aus dem 
Gefängnis entlassen und der oberste 
Beamte des Pharaos wurde. 
Er war schließlich ein Werkzeug dabei, 
das ganze Haus Israel zu erhalten. Die 
meisten von uns heute hier Anwesenden 
erheben stolz Anspruch darauf, zu 
seiner Nachkommenschaft zu zählen. 
Jeder Priestertumsträger, ob er das 
Aaronische oder das Melchisedekische 
Priestertum trägt, soll es Josephs Vor- 
bild gleichtun. 

Daniel war beispielhaft für seinen Mut. 
Als junger Mann wurde er nach Babylon 
gebracht, um an König Nebukadnezars 
Hof ausgebildet zu werden. Er und drei 
seiner hebräischen Gefährten weigerten 
sich trotz der Gefahr, in die sie sich 
dadurch begaben, ihr Wort der Weisheit 
zu brechen. Sie weigerten sich, üppiges 
Essen und anderes zu sich zu nehmen, 
das nicht gut für ihren Körper war 
(Daniel 1:5-16). 



Später zeigte Daniel seinen Mut wieder- 
um, als er zwei Königen Kundgebungen 
auslegte, die der Herr Daniel offenbart 
hatte; Kundgebungen, die die Könige 
erhalten hatten und die für sie Böses 
ankündigten. Daniel sagte dem ersten 
König, daß er den Verstand verlieren 
und wie ein Tier auf dem Feld werden 
und Gras wie ein Ochse fressen würde. 
Dem zweiten König erklärte er, daß er 
am Höhepunkt seiner Macht dahin- 
gerafft werden würde (Daniel 2:36-45, 
4:21-23; 5:26-29). 

Diesen absoluten Herrschern ihre 
Kundgebungen so auszulegen, zeugt 
wirklich von dem großen Mut Daniels. 
Er bewies einmaligen Mut, als er es 
vorzog, lieber in eine Löwengrube ge- 
worfen zu werden, als den Erlaß des 
Königs zu befolgen, nicht mehr zum 
Vater im Himmel zu beten (Daniel 6:7- 
23). 

Glauben wurde von Nephi bewiesen, als 
er als junger Mann sagte: 
„Ich will hingehen und das tun, was der 
Herr geboten hat, denn ich weiß, daß der 
Herr den Menschenkindern keine Ge- 
bote gibt, es sei denn, daß er einen Weg 
für sie bereite, damit sie das ausführen 
können, was er ihnen geboten hat" (1. 
Nephi 3:7). 

Das antwortete Nephi seinem Vater 
Lehi, dem der Herr geboten hatte, daß 
Nephi und seine Brüder nach Jerusalem 
zurückkehren sollten, um die Platten 
Labans zu holen. 

Als Laman, sein Bruder, Laban nicht 
überreden konnte, ihnen die Platten zu 
überlassen, wollten er und sein Bruder 
Lemuel wieder ohne sie zu ihrem Vater 
in die Wildnis zurückkehren. Aber Ne- 
phi sagte: 

„So wahr der Herr lebt, und so wahr wir 
leben, wir werden nicht eher zu unserm 
Vater in die Wildnis hinuntergehen, als 
bis wir das vollbracht haben, was der 
Herr uns geboten hat" (1. Nephi 3:15). 



77 



Er überredete sie dann dazu, das Gold 
und Silber und andere Reichtümer zu 
holen, die sie im Land ihres Erbteils 
zurückgelassen hatten, um sie Laban für 
die Platten anzubieten. Sie taten dies, 
aber ohne Erfolg. 

Nephi sagte dann zu seinen Brüdern, die 
sich beklagten und ihn drängten, ohne 
die Platten zu ihrem Vater in die Wildnis 
zurückzukehren : 

„Laßt uns wieder nach Jerusalem 
hinaufgehen und treu sein im Halten der 
Gebote des Herrn, denn er ist mächtiger 
als die ganze Erde, warum denn nicht 
mächtiger als Laban und seine fünfzig, 
ja, selbst als seine Zehntausende?" (1. 
Nephi 4:1). 

Nephi, vom Geist des Herrn geführt, 
ging dann allein in die Stadt und kam 
mit den Platten zurück. 
Groß war der Glaube Nephis. 
Falls ihr, die Träger des Aaronischen 
Priestertums, glaubt, daß ihr zu jung 
seid, um die Verantwortung eurer Beru- 
fung auf euch zu nehmen, denkt über 
folgende Auszüge eines Briefes nach, 
den Mormon geschrieben hatte. 
„Ungefähr um die Zeit, als Ammaron 
die Urkunden für den Herrn verbarg, 
kam er zu mir (ich war damals ungefähr 
10 Jahre alt ... ) und sagte zu mir: . . . 
Deshalb wünsche ich, du mögst im 
Gedächtnis behalten, was du unter die- 
sem Volk siehst, bis du ungefähr 24 
Jahre alt bist. Wenn du dieses Alter 
erreicht hast, sollst du ... an einen 
Hügel gehen, der Shim heißt; und dort 
habe ich . . . alle heiligen Berichte über 
dieses Volk verwahrt. 
Du sollst die Platten Nephis an dich 
nehmen. [Darauf] graviere alle Dinge, 
die du unter diesem Volk beobachtet 
hast" (Mormon 1:2-4). 
Diese Anweisung erhielt Mormon, als er 
erst zehn Jahre alt war. 
Fünf Jahre später schrieb er: 
In demselben Jahr [Mormon war fünf- 



zehn Jahre geworden] brach erneut ein 
Krieg zwischen den Nephiten und La- 
maniten aus. Und trotz meiner Jugend 
war ich groß von Gestalt; deshalb wähl- 
te mich das Volk Nephi . . . zum Führer 
seiner Heere. 

Daher zog ich in meinem sechzehnten 
Jahr an der Spitze eines nephitischen 
Heeres gegen die Lamaniten" (Mormon 
1:15, 2:1, 2). 

Man könnte meinen, daß ein Träger des 
Aaronischen Priestertums, der wegen 
seiner Jugend zögert, die Pflichten seines 
Amtes auszuführen, von diesen Helden- 
taten Mormons Mut eingeflößt be- 
kommt. 

Joseph Smith, der Prophet, zeigte in 
seiner Jugend all die edlen Eigen- 
schaften, die andere Jungen, die später 
große Männer wurden, während ihrer 
Zeit als Träger des Aaronischen 
Priestertums bewiesen haben. Er besaß 
die moralische Stärke, die Joseph in 
Ägypten gezeigt hatte, den Mut Daniels, 
den Glauben Nephis und die Zuver- 
lässigkeit Mormons. 
Mit vierzehn Jahren hatte er genug 
Glauben, um dieser Verheißung Jako- 
bus' nachzukommen: „Wenn aber je- 
mandem unter euch Weisheit mangelt, 
der bitte Gott, der da gern gibt jeder- 
mann und allen mit Güte begegnet, so 
wird ihm gegeben werden" (Jakobus 
1:5). 

Als er den Rat des Jakobus befolgte, 
erhielt er seine erste Vision. 
In seiner Reaktion auf die Beschimp- 
fungen, die folgten, als er von seiner 
Vision erzählte, bewies er, wie mutig und 
zuverlässig er war. 

„Ich fand indessen bald", so schrieb er, 
„daß die Erzählung meiner Erlebnisse 
bei den Geistlichen ein starkes Vorurteil 
gegen mich weckte und eine heftige und 
zunehmende Verfolgung hervorrief. Ob- 
wohl ich nur ein unbekannter Knabe 
von vierzehn bis fünfzehn Jahren war, 



78 



und die Umstände, unter denen ich 
lebte, mir, einem Knaben, keinerlei 
Bedeutung in der Welt verliehen, 
schenkten mir gleichwohl angesehene 
Männer so große Beachtung, daß sie die 
öffentliche Meinung gegen mich auf- 
hetzten und eine erbitterte Verfolgung 
anzettelten, und zwar unter allen 
Gemeinschaften, denn alle vereinigten 
sich, um mich zu verfolgen . . . 
Das änderte aber nichts an der Tatsache, 
daß ich ein Gesicht gehabt hatte. Ich 
habe seither oft gedacht, daß mir wohl 
ähnlich zumute war wie dem Apostel 
Paulus, als er sich vor König Agrippa 
verteidigte. Er erzählte ihm von dem 
Gesicht, das er gehabt, wie er ein Licht 
gesehen und eine Stimme gehört hatte. 
Auch ihm glaubten nur wenige; etliche 
sagten, er sei unehrlich, andere be- 
haupteten, er sei von Sinnen, und so 
wurde er verpottet und verlästert. Aber 
all dies zerstörte nicht die Wirklichkeit 
seines Gesichtes. Er hatte ein Gesicht 
gesehen und wußte, daß er es gesehen 
hatte, und alle Verfolgungen unter dem 



Himmel konnten nichts daran ändern. 
Und wenn sie ihn auch bis in den Tod 
verfolgten, so wußte er dennoch bis zu 
seinem letzten Atemzug: ich habe ein 
Licht gesehen und wußte, daß eine 
Stimme zu mir gesprochen hat, und die 
ganze Welt kann mich nicht dazu be- 
wegen, anders zu denken oder zu glaub- 
en. 

So ging es mir. Ich hatte wirklich ein 
Licht gesehen, und inmitten des Lichtes 
zwei Gestalten, und sie hatten tat- 
sächlich zu mir gesprochen . . . , ich 
konnte es nicht verleugnen" (Joseph 
Smith, 2:22, 24, 25). 
Wenn wir genauso erfolgreich sein wol- 
len wie diese bedeutsamen Männer, die 
uns vorausgegangen sind, dann wäre es 
wohl wert, diesen Tugenden nachzu- 
eifern, meine jungen Brüder im Aaroni- 
schen Priestertum. Ich gebe euch Zeug- 
nis, daß wir großartige Männer sein 
werden, wenn wir das tun, was diese 
jungen Männer getan haben. Und ich 
bezeuge dies im Namen Jesu Christi, 
unseres Erlösers. Amen. 




Einer Empfehlung würdig sein 

N. Eldon Tanner, 

Erster Ratgeber des Präsidenten der Kirche 




W< 



enn ich so über die hier Ver- 
sammelten blicke und an die Tausenden 
denke, die zuhören, wird mir bewußt, 
daß ich zu Priestertumsführern, 
Priestertumsträgern und zu jenen spre- 
che, die in der Zukunft Führungsämter 
bekleiden werden. Jene, die jetzt Führer 
sind, sollten schon Männer mit Charak- 
ter sein, Männer mit den höchsten 
Idealen und Maßstäben, denen die, die 
sie führen, nacheifern können. Heute 
abend möchte ich mich deshalb an die 
jungen Männer wenden, die über den 
Weg des Aaronischen Priestertums 
schließlich die Plätze einnehmen wer- 
den, die wir Älteren zur Zeit innehaben. 
Ja, ohne Zweifel wird eines Tages einer 
von euch jungen Männern hier an die- 
sem Rednerpult stehen und Führer der 
Kirche sein. Einer von euch wird viel- 
leicht sogar der Präsident der Kirche 
werden, und sicherlich werdet ihr alle, 
wenn ihr aufrichtig und treu bleibt und 
die Gebote haltet, im Reich Gottes 
voranschreiten. 

Was für ein ehrfurchtgebietender Ge- 
danke! Es ist so notwendig und wichtig, 
daß wir uns alle ständig bemühen, 
Fortschritt zu machen und uns auf den 



Es ist wichtig, so zu leben, daß wir damit Fortschritt im 
Priestertum machen und schließlich im Reich Gottes aufge- 
nommen werden. 



Tag vorzubereiten, wo man vielleicht in 
eine neue oder verantwortungsvollere 
Stellung berufen wird. Der ganze Zweck 
unseres Erdenlebens ist es, das Reich 
Gottes aufzubauen und uns selbst für 
würdig zu erweisen, in seine Gegenwart 
zurückzukehren. Ihr seid heute abend 
hier, weil ihr dies begriffen habt und zu 
jenen gezählt werden wollt, die der Herr 
sein nennen wird. 

Was müßt ihr tun, was ihr nicht schon 
tut? Wenn ich über das nachdenke, was 
man tun muß, um ein fähiger und 
nützlicher Diener des Herrn zu sein, 
komme ich zur Ansicht, daß es sich im 
Grund nur darum handelt, würdig zu 
sein, von jemand Bevollmächtigten eine 
einwandfreie Empfehlung bekommen 
zu können. 

Die Erste Präsidentschaft und einige 
andere Generalautoritäten bereiten sich 
zur Zeit auf eine Reihe von Gebiets- 
konferenzen vor, die an weit ausein- 
anderliegenden Orten stattfinden, wo es 
Mitglieder der Kirche gibt. Bei diesen 
Vorbereitungen wird auch darauf ge- 
achtet, daß wir Päße oder Visas haben, 
um den Einreisebedingungen der Län- 
der zu entsprechen, die wir besuchen 
werden. Diese Ausweispapiere müssen 
von den jeweiligen Behörden genehmigt 
werden, und erst wenn alle Vorschriften 
erfüllt sind, erhalten wir unsere Papiere, 
mit denen wir die Länder unserer Wahl 
betreten können. 



80 



Vor kurzem sollte Bruder David B. 
Haight vom Rat der Zwölf an einer 
Pfahlkonferenz in Mexiko teilnehmen. 
Als er an der Grenze ankam, stellte er 
fest, daß er nicht alle notwendigen 
Papiere bei sich hatte, die er zur Einreise 
brauchte. Weder sein inständiges Bitten 
noch die Wichtigkeit seiner Mission 
halfen etwas: die Beamten hatten keine 
Befugnis, ihn ohne die erforderlichen 
Papiere einreisen zu lassen. Deshalb 
konnte er nicht an der Pfahlkonferenz 
teilnehmen. 

Genauso ist es mit unserem Fortschritt 
im Priestertum. Soll jemand von einem 
Amt zu einem höheren aufsteigen, be- 
darf es der Empfehlung und Genehmi- 
gung von den dazu Bevollmächtigten. 
Und diese erhält man nicht, ohne würdig 
zu sein oder die nötigen Erfordernisse zu 
erfüllen. So wird es sich auch verhalten, 
wenn wir das Himmelreich betreten 
wollen, um zu jenen zu gelangen, die vor 
uns dorthin gekommen sind, und um 
ewig bei Gott, unserem Vater, zu leben. 
Es stimmt, daß sich einige ohne die 
notwendigen Ausweispapiere heimlich 
über die Grenze in ein anderes Land 
stehlen, aber wenn sie entdeckt werden, 
erwartet sie nach dem Gesetz eine Strafe 
und die Ausweisung. Einige Mitglieder, 
die einer Übertretung schuldig sind, 
lügen vielleicht, um im Priestertum 
weiterzurücken, um auf Mission oder in 
den Tempel gehen zu können. Aber der 
Herr weiß es, und sie können nicht 
erwarten, sich seiner Segnungen zu er- 
freuen. 

Während meiner Tätigkeit in der Regie- 
rung, der Industrie und in der Kirche, 
wurde ich immer wieder von vielen 
Leuten um ein Empfehlungsschreiben 
oder eine Referenz gebeten, um ihnen zu 
helfen, eine Stelle zu bekommen oder 
befördert zu werden. Ich wurde auch 
schon von leitenden Männern in der 
Industrie und im öffentlichen Leben 



gefragt, ob ich bestimmte Menschen, 
deren Einstellung sie erwogen, empfeh- 
len könnte. 

Mich erfüllt es immer wieder mit Freude 
und Genugtuung, wenn ich antworten 
kann, daß derjenige es wert ist, in 
Erwägung gezogen zu werden, daß er 
ehrlich und verläßlich ist, daß er gut in 
der Schule war, daß er gut mit anderen 
Menschen auskommt, daß er fleißig ist, 
daß er nichts aufschiebt, daß er loyal 
und vertrauenswürdig ist. Unter solchen 
Umständen füge ich hinzu, daß ich ihn 
ohne Einschränkung empfehlen kann 
und er ein Gewinn für das Unternehmen 
sein würde. 

Ich bin sehr betrübt, wenn ich jemand 
nur mit Einschränkungen empfehlen 
kann, weil er einige unerwünschte 
Charakterzüge aufweist oder einige 
Eigenschaften besitzt, derentwegen er 
nach meiner Meinung seinen Arbeit- 
geber nicht zufriedenstellen würde. Ge- 
wöhnlich sage ich in so einem Fall, daß 
ich nicht für ihn bürgen kann, oder ich 
beantworte die Frage überhaupt nicht. 
Es ist genauso wichtig, daß ich in meiner 
Empfehlung aufrichtig bin, wie es wich- 
tig ist, daß der voraussichtliche Ange- 
stellte ehrlich und rechtschaffen ist. 
Wenn man sich für einen Beruf ent- 
scheidet, soll man zuerst seine Qualifi- 
kationen überdenken: das heißt, wenn 
jemand beispielsweise Arzt werden will, 
soll er zu allen anderen Eigenschaften, 
die den Charakter eines Menschen aus- 
machen, wie sittliches Verhalten, 
Ehrlichkeit, Verläßlichkeit usw., auch 
noch einfühlend und um das Wohl- 
ergehen der Menschen besorgt sein. Er 
soll nicht nur diesen Beruf ergreifen, weil 
er sehr lukrativ sein kann, sondern auch, 
weil er wirklich an der Verbesserung der 
Gesundheit der Menschen interessiert 
ist. Ein Arzt ist jemand, der bereit ist, 
sich für einen Kranken zu jeder Zeit, ob 
am Tag oder in der Nacht, einzusetzen, 



81 



ohne an seine Bequemlichkeit zu denk- 
en. 

Wenn jemand ein Pilot werden will, soll 
er fähig sein, ruhig und logisch zu 
denken und zu handeln, wenn bei der 
Ausübung seiner Pflichten Un- 
erwartetes eintritt. Ein Rechtsanwalt 
muß in der Lage sein, sich in Wort und 
Schrift gut ausdrücken zu können. Ein 
Verkäufer muß voll Begeisterung sein 
und gut mit Menschen umgehen kön- 
nen; er muß die Fähigkeit besitzen, 
Menschen zu überzeugen, die er für sein 
Produkt begeistern will. Eine Sekretärin 
oder Empfangsdame muß Vertrauliches 
für sich behalten können und im Büro 
freundlich und hilfsbereit sein, wenn 
andere darauf warten, bis sie an die 
Reihe kommen. 

Sie sehen also, für jeden Beruf sind 
einige grundlegende und einige beson- 
dere Fähigkeiten erforderlich, um die 
geforderte Arbeit gut tun zu können. 
Unser ganzes Leben lang sollen wir uns 
um die Charaktereigenschaften bemü- 
hen, die notwendig sind, damit wir 
unseren Platz im Leben ausfüllen. 
Vor ein paar Jahren hat die Kirche an 
junge Mitglieder eine Reihe kleiner Kar- 
ten ausgeteilt, auf denen auf der einen 
Seite ein Bild war und auf der anderen 
etwas stand. Diese Reihe hatte den Titel 
„Sich selbst gegenüber ehrlich sein". Ich 
zitiere auf einer davon: 
„Sie haben gerade eine Schularbeit. Die 
Schüler sind unbeaufsichtigt — der 
Lehrer hat an ihr Gewissen und ihre 
Ehre appelliert. Abgesehen von seinem 
Gewissen und der Mißbilligung anderer 
Schüler kann jeder in seinen Büchern 
nachschlagen oder in das Heft seines 
Sitznachbarn schauen, wenn er eine 
Antwort nicht weiß. Was würden Sie 
tun?" 

Einige Kritiker der heutigen Jugend 
behaupten, daß immer mehr in den 
Gymnasien und Schulen geschwindelt 



werde. Aber was noch schlimmer ist, sie 
behaupten, es sei völlig normal, daß die 
anderen Schüler, die nicht mogeln, und 
einige Lehrer dies akzeptieren. Für 
Schwindeln werden verschiedene Ent- 
schuldigungsgründe genannt: 
Man will für die Sportmannschaft oder 
andere Aktivitäten noch in Frage kom- 
men oder sich bei anderen Schülern oder 
dem Lehrer beliebt machen; andere 
wollen ihre Eltern zufriedenstellen, die 
meinen, ihre Tochter oder ihr Sohn sei 
so „gescheit wie jeder andere" oder 
müßte es sein; wieder andere schwin- 
deln, um einfach weiter die Schule 
besuchen zu können. 
Keiner dieser Gründe rechtfertigt das 
Schwindeln; keiner wird der Prüfung der 
Zeit und des Gewissens standhalten. 
Schwindeln ist unaufrichtig, wo immer 
es auch praktiziert wird — das war es 
immer und wird es auch immer sein. 
Der erste Betrüger war Satan, der ,Vater 
der Lügen'. Er versuchte, uns im vor- 
irdischen Dasein unseres Rechtes auf 
Entscheidungsfreiheit und ewigen Fort- 
schritt zu berauben. Der Satan hat 
verloren. Betrüger feiern nie wirklich 
einen Sieg. 

Wenn jemand schwindelt, sei es, um eine 
Schularbeit oder Prüfung zu bestehen, 
oder wenn er schlimme Betrügereien 
begeht, dann betrügt er sich selbst als 
ersten. 

„Tut es nicht! Seid euch selbst gegenüber 
ehrlich — immer, in jeder Form!" 
Ehrlichkeit wird einem zuerst in der 
Familie beigebracht. Jeder von uns be- 
sitzt etwas, was ihm alleine gehört. Wir 
können und sollen das, was wir haben, 
mit anderen teilen und anderen dienen; 
aber wir besitzen Geld oder Schmuck 
oder Kleidung, die uns allein gehören 
und nicht ohne unsere Einwilligung 
genommen werden sollen. Ein Kind, das 
diesen Grundsatz zu Hause achtet, wird 
nicht so schnell diesen Grundsatz außer- 



82 



halb der Familie mißachten. Anderer- 
seits, wenn zu Hause wenig Nachdruck 
auf diesen Grundsatz gelegt wurde, wird 
dadurch die Mißachtung von den Rech- 
ten und dem Eigentum anderer ge- 
fördert. 

Ich weiß, daß die jungen Leute heute 
einer Vielzahl von äußeren Einflüssen 
ausgesetzt sind und meinen, daß sie, um 
bei ihren Freunden beliebt zu sein, vieles 
tun müssen, das gegen ihre persönlichen 
Wertmaßstäbe verstößt. Aber ich be- 
schwöre euch, überlegt, welche Folgen 
es haben könnte, wenn ihr eure Grund- 
sätze aufs Spiel setzt; euer ganzes Leben 
könnte dadurch nachteilig beeinflußt 
werden. 

Wenn ein Kind älter und reifer wird und 
anfängt, für Geld zu arbeiten, ob es nun 
für seine Eltern oder jemand anders sei, 
muß es ehrliche Arbeit für sein Entgelt 
leisten. Meistens ist die erste Arbeit für 
einen jungen Mann die, daß er Zei- 
tungen austrägt. Unzählige erfolgreiche 
Geschäftsmänner haben mit dieser Ar- 
beit angefangen. Sie haben gelernt, ver- 
läßlich und schnell zu sein. Ich kenne 
einen Zeitungsjungen, der immer seine 
Zeitungen ausgetragen hat, egal welches 
Wetter gerade geherrscht hat. Und er 
hat den Monatsbetrag auf freundliche, 
höfliche und geschäftsmäßige Art kas- 
siert. Er hatte viele zufriedene Kunden, 
und es bereitete ihm keine Schwierig- 
keiten, neue Kunden zu werben. Diese 
frühe Schulung half ihm, ein äußerst 
erfolgreicher Geschäftsmann zu werden. 
Ein anderer Junge, den ich kannte — 
und ich habe mehrere wie ihn gekannt — 
trug seine Zeitungen nicht rechtzeitig 
aus und hatte Schwierigkeiten mit dem 
Einkassieren des Zeitungsgeldes; die 
Vertriebsstelle der Zeitung hatte schließ- 
lich so viele Beschwerden über ihn, daß 
sie ihn durch jemand anders ersetzen 
mußte. Nicht, welche Arbeit wir tun, 
zählt, sondern wie wir sie tun. 



Als ich Leiter der Trans-Canada Pipe- 
lines war, hatten wir im Büro einen 
Laufburschen, der nur das tat, was man 
ihm auftrug. Er wartete, bis man ihm 
einen Botengang auftrug, oder er stand 
einfach herum und wartete auf An- 
weisungen; er bot nie freiwillig seine 
Hilfe an. Als die Gesellschaft wuchs und 
er mehr Arbeit hatte, als er allein 
ausführen konnte, stellten wir einen 
zweiten Burschen an, noch jünger als er; 
dieser war flink und immer auf der 
Suche nach weiterer Arbeit. In ein paar 
Monaten erhielt er in einer Abteilung 
eine Aufgabe mit verantwor- 
tungsvollerem Wirkungskreis, und 
innerhalb zweier Jahre hatte er drei 
Vorrückungen, mehrere Lohnerhöhun- 




83 



gen und mehr Pflichten. Der andere 
blieb ein Laufbursche. 
Als ich Führer einer Pfadfindertruppe 
war, bemerkte ich besonders, welche 
Unterschiede zwischen den einzelnen 
Jungen bestehen. Einige waren eifrig 
und bedacht darauf, etwas zu lernen, 
den Pfadfinderschwur einzuhalten, von 
Diensten zu sein und alles zu erfahren, 
was sie nur darüber lernen konnten, wie 
man unter allen Bedingungen für sich 
selbst sorgen kann. Man könnte viele 
Begebenheiten darüber erzählen, wie 
Pfadfinder ihr eigenes Leben und das 
vieler anderer gerettet haben, weil sie 
damals bei der Schulung aufgepaßt 
haben. Es gab andere Pfadfinder, die so 
wenig wie möglich taten und nur daran 
interessiert waren, wie viele Streiche sie 
spielen konnten, ohne dabei erwischt zu 
werden. Ich wollte immer, daß die 
Jungen Spaß hatten, solange sie ehrlich 
und verläßlich waren und den 
Pfadfinderschwur und das Pfadfinder- 



versprechen hielten und die Schulung 
abschlössen. 

Ich erinnere mich sehr gut an einen der 
leitenden Pfadfinder in England, der 
während des Krieges die Aufgabe hatte, 
Soldaten für streng geheime Missionen 
auszusuchen. Er sagte, daß er immer 
glücklich war, wenn er einen Mann 
gefunden hatte, der ein guter Pfadfinder 
gewesen war und seinen Arm aus- 
strecken und das Zeichen für den 
Schwur machen konnte und sagte, daß 
er das Pfadfindergesetz und den 
Pfadfindereid gehalten habe. Er sagte, 
daß er unter diesen Bedingungen nicht 
zögerte, einen Mann zu empfehlen, weil 
er wußte, daß er sich auf ihn verlassen 
konnte, und wußte, daß man ihm auch 
vertrauen konnte. Er sagte, daß er nie 
von einem dieser Männer enttäuscht 
worden sei. 

Ich möchte Ihnen ein Beispiel erzählen, 
um zu veranschaulichen, wie wichtig es 
ist, Vorrangiges an erste Stelle zu 











f f ff ■ MI !ä1 % ^T 










84 



setzen, wenn man im Leben erfolgreich 
sein will. Ich wuchs auf einer Farm auf, 
wo ich bis zur Schulzeit blieb. Ich hatte 
beobachtet, wie ein Farmer auf der einen 
Straßenseite sehr erfolgreich war, wäh- 
rend der andere Farmer auf der anderen 
Straßenseite fast ein Versager war. Was 
hat den Unterschied ausgemacht? Sie 
hatten gleich viel Sonnenschein und 
gleich viel Regen. Sie pflanzten die 
gleiche Samenart. Einer erntete schön 
und viel, der andere wenig oder nichts. 
Ich stellte fest, daß der erfolgreiche 
Farmer hart arbeitete. Er pflügte, eggte, 
säte und erntete zur richtigen Zeit, 
während sein Nachbar die Arbeit 
hinausschob oder fischen oder jagen 
ging, während er hätte arbeiten sollen. 
Wir müssen lernen, unsere Prioritäten 
richtig festzusetzen. Keiner kann bei 
seiner Arbeit Erfolg haben, wenn er 
nicht zur richtigen Zeit arbeitet und zur 
richtigen Zeit seinem Vergnügen nach- 
geht. 

Arbeit ist ein wunderbares Heilmittel für 
vieles. Im Wartezimmer eines be- 
kannten neurologischen Institutes hängt 
ein Schild, das nicht für die Kranken, 
sondern für die Gesunden bestimmt ist: 
„Wenn Sie arm sind, arbeiten Sie. Wenn 
Sie reich sind, arbeiten Sie. Wenn man 
Sie ungerecht behandelt, arbeiten Sie. 
Wenn Sie glücklich sind, fahren Sie mit 
der Arbeit fort; Untätigkeit schafft 
Raum für Zweifel und Ängste. Wenn Sie 
von Sorgen überwältigt werden und 
niemand aufrichtig zu sein scheint, dann 
arbeiten Sie. Wenn Sie enttäuscht sind, 
arbeiten Sie. 

Wenn der Glaube wankt und etwas über 
Ihren Verstand geht, dann arbeiten Sie 
einfach. Wenn Träume vernichtet und 
Hoffnungen zerstört werden — arbeiten 
Sie. Arbeiten Sie, als ob Ihr Leben in 
Gefahr ist, und das ist es auch. 
Was Ihnen auch fehlt, arbeiten Sie. 
Arbeiten Sie treu und mit Glauben. 



Arbeit ist das beste Heilmittel, das es 
gibt. Arbeit heilt seelische und körper- 
liche Krankheiten." 

Nun junger Mann, wenn du mich um 
meine Hilfe bei der Arbeitssuche bitten 
würdest, welches Empfehlungsschreiben 
könnte ich für dich ausstellen? Könnte 
ich sagen, daß du in allem vollkommen 
ehrlich, verläßlich und aufrichtig bist? 
Oder müßte ich sagen, daß du in einigem 
qualifiziert bist, daß du aber faul bist 
oder dich in der Schule nicht angestrengt 
hast oder daß du nicht tust, was man dir 
sagt, oder daß du treulos oder sonst 
etwas bist, was dich nicht zu einem 
wünschenswerten Angestellten machen 
würde? 

Wenn es so wichtig ist, sehr gute 
Empfehlungen oder Referenzen zu ha- 
ben, um eine Stellung zu erhalten, wie- 
viel wichtiger ist es dann, so zu leben, 
daß man von den Führern der Kirche 
eine Empfehlung erhalten kann, damit 
wir in den verschiedenen Ämtern und 
Aufgaben des Priestertums Fortschritt 
machen können und schließlich das 
Himmelreich betreten können. 
Als Priestertumsträger sollen wir wissen, 
daß Gott unser Vater und sein Sohn 
Jesus Christus unser Erlöser ist; daß wir 
durch sein Sühnopfer auferstehen und 
ewiges Leben erlangen können, wenn 
wir seine Lehren befolgen; daß die 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage durch Offenbarung ge- 
gründet wurde; daß Spencer W. Kimball 
ein Prophet Gottes und der Präsident 
der Kirche Jesu Christi ist und daß das 
Priestertum, das wir innehaben, die 
Macht Gottes ist, die wir übertragen 
bekommen haben, um in seinem Namen 
zu handeln. 

Mögen wir danach streben, jeden Tag 
uns dieses wunderbaren Grundsatzes 
würdig zu erweisen, darum bete ich 
demütig im Namen des Herrn Jesus 
Christus. Amen. 



85 



Werten wir die Familie 

- die Grundeinheit der Kirche - auf 



Präsident Spencer W. Kimball 




M, 



.eine lieben Brüder, ich freue mich, 
daß ich auf dieser Konferenz- 
versammlung mit Ihnen zusammen sein 
kann. 

Wir kommen in der Kirche oft zu 
Konferenzen zusammen, um Gott zu 
verehren, uns der Worte Christi zu 
erfreuen und unseren Glauben und 
unser Zeugnis zu stärken. Wir halten 
unter anderem Gemeinde-, Pfahl-, Ge- 
biets- und Generalkonferenzen ab. 
In den letzten Jahren zählten besonders 
die Gebietskonferenzen außerhalb der 
Vereinigten Staaten zu den inspirierend- 
sten. Wir haben vor, von 1978 an auch in 
den Vereinigten Staaten einige Gebiets- 
konferenzen einzuberufen. Dadurch 
können mehr Mitglieder die Führer der 
Kirche hören und kennenlernen. Zu 
jeder dieser Konferenzen werden zwei 
Brüder vom Rat der Zwölf und andere 
Führer kommen. 

Auch haben wir beschlossen, von 1979 
an in jedem Pfahl jährlich nur noch zwei 
Pfahlkonferenzen einzuberufen, damit 
die Mitglieder der Kirche zeitlich und 
finanziell weniger belastet werden und 



Unsere Kinder werden sehr stark durch die Massenmedien, 
aber auch durch ihre evangeliumsbezogenen Erinnerungen 
beeinflußt. 



weniger reisen müssen. Zu einer Pfahl- 
konferenz werden einer oder mehr Füh- 
rer der Kirche kommen, zur anderen der 
zuständige Regionalrepräsentant. So 
werden Pfahlpräsidenten und andere 
örtliche Führer mehr Zeit haben, sich 
für die Vervollkommnung der Heiligen 
einzusetzen. 

Und jetzt möchte ich etwas zu der 
großen Aufgabe sagen, die wir als Patri- 
arch unserer Familie haben. Sie wird mit 
jedem Tag wichtiger, denn die Stärke 
und Heiligkeit der Familie wird immer 
wieder neu bedroht. 
Die Familie ist die Grundlage des Rei- 
ches Gottes auf Erden. Die Kirche kann 
nicht stärker sein als ihre Familien. 
Keine Regierung kann ohne stabile 
Familien lang bestehen. 
Noch nie war die Familie in der ganzen 
Welt so vielen teuflischen Einflüssen 
ausgesetzt. Viele von ihnen finden ihren 
Weg direkt in unsere Wohnung, und 
zwar durch Fernsehen, Radio, Zeit- 
schriften, Zeitungen und andere Schrif- 
ten. Brüder, als Patriarch Ihrer Familie 
müssen Sie auf der Hut sein. Sie müssen 
wissen, was für Fernsehsendungen Ihre 
Kinder sehen oder was sie im Radio 
hören. Soviel Schmutz und Unrat um- 
gibt uns heute und läßt uns nicht 
vergessen, daß die Sünden von Sodom 
und Gomorrha heute „in" sind. 



86 



Es gibt heute Zeitschriften mit Bildern 
und Artikeln, die gleichermaßen die 
niederen Instinkte in Männern, Frauen 
und Jugendlichen wecken. Es gibt in der 
ganzen Welt Zeitungen, die mit Sex ihre 
Auflagen steigern wollen. In manchen 
Zeitungen finden wir Anzeigen, die uns 
auffordern, in pornographische Filme 
zu gehen. Durch solche Anzeigen und 
Filme wird viel Same für Verge- 
waltigung, Untreue und die abstoßend- 
sten geschlechtlichen Sünden gesät. 
Brüder, wenden Sie sich mit aller Kraft 
dagegen, daß so etwas durch Zeitung 
oder Rundfunk und Fernsehen in Ihre 
Familie eindringt. Hüten Sie sich vor 
schlechten Rundfunk- und Fernseh- 
sendungen. Sorgen Sie dafür, daß nur 
Gutes bei Ihnen zu finden ist. Beziehen 
Sie Zeitschriften, die Ihr Wissen er- 
weitern und Sie geistig aufbauen. Fs gibt 
viele gute Zeitschriften, unter ihnen der 
Ensign, die New Era und der 
Friend, die Zeitschriften der Kirche. 
In vielen großen Städten der Erde, in 
London, Paris, Tokio, New York und 
Saö Paulo, gibt es eine große Auswahl 
unter den Tageszeitungen. Kaufen Sie 
die Zeitung, die am besten zu den Lehren 
und Grundsätzen der Kirche paßt. 
Hier in Salt Lake City, dem Hauptsitz 
der Kirche, machen wir uns darüber 
viele Gedanken. Die Deseret News, 
unsere Tageszeitung, trägt viel dazu bei, 
daß in Stadt und Staat hohe Ideale 
vertreten werden. Diese Zeitung hat 
beständig unseren Standpunkt in bezug 
auf Alkohol, Pornographie und Ab- 
treibung vertreten. Sie ist wichtig für 
eine sichere, saubere Stadt und unseren 
Bundesstaat, in dem sich das Zentrum 
unserer wachsenden, weltweiten Kirche 
befindet. 

Wie die Deseret News und die Church 
News (mit Nachrichten aus der Kirche) 
unsere Stadt und unseren Staat rein- 
halten helfen, kann unsere Zeitung auch 



Ihrer Familie nützlich sein, wenn Sie in 
diesem Gebiet leben. 
Brüder, wenn Sie darauf achten, was in 
Ihre Familie eindringt, tun Sie das Ihre, 
um mit Ihrer Familie nach allem zu 
streben, was tugendhaft, lieblich, von 
gutem Ruf oder lobenswert ist (13. 
Glaubensartikel). 

Ein kleiner Junge schrieb mir einmal in 
einem Brief: „Ich kenne einen wunder- 
baren Mann, und der heißt der Bischof." 
Wir hatten immer einen guten Bischof. 
Wir haben ihn immer geliebt. Wir hatten 
Bischof Zundel und Bischof Moody, 
Bischof Tyler und Bischof Wilkins. Ich 
habe alle meine Bischöfe geliebt und 
hoffe, daß alle meine jungen Brüder 
ihren Bischof so lieben wie ich damals 
meinen. 




87 



Ich freue mich außerordentlich, daß ich 
zu dieser Zeit mit Ihnen Zusammensein 
kann, denn wir gedenken unseres Erlö- 
sers Jesus Christus, dessen, was er getan, 
wie er uns gedient hat und unser Vorbild 
war. 

Er hat zu Moses gesagt: „Denn siehe, 
dies ist mein Werk und meine Herr- 
lichkeit — die Unsterblichkeit und das 
ewige Leben des Menschen zustande zu 
bringen" (Moses 1:39). 
Ich möchte die Gelegenheit wahr- 
nehmen, allen Leitern der Organisatio- 
nen und den einzelnen Priestertums- 
trägern zu danken, die überall in der 
Welt ihre ganze Hingabe, ihre Kraft und 
ihren Einfluß zum Wohl von unzähligen 
Menschen einsetzen. Ich habe darüber 
nachgedacht, welche Rolle die Kirche in 
meiner Jugend gespielt hat. Ich weiß 



nicht mehr, wie es anfing, aber ich kann 
mich fast daran erinnern, daß ich in die 
alte Robinson-Hall in Thatcher gegan- 
gen bin, seit ich laufen konnte. Sie war 
nur zwei Straßen von unserem Haus 
entfernt; wir konnten bequem hingehen, 
und so liefen wir ständig hin und her 
über den Union Canal. Die Robinson- 
Hall war ein großes rechteckiges 
Backsteingebäude, das von unserer 
kleinen Stadt für Tanzveranstaltungen, 
für die Sonntagsschule und die PV, für 
alle Versammlungen der Kirche, für 
Beerdigungen, Feiern, kurz für alles 
benutzt wurde, was bei uns los war. 
Eines Abends fing unsere Robinson- 
Hall Feuer, und ich kann mich noch gut 
daran erinnern, wie der Himmel rot 
leuchtete, wie die Rauchschwaden in der 
Luft hingen und wir alle entsetzt waren, 




88 



denn ein so großes Feuer brachte die 
ganze Stadt zusammen, und alle kamen 
mit Eimern gelaufen, um beim Löschen 
zu helfen. Wir hatten keine Feuerwehr, 
aber alle Männer kamen mit ihren 
Söhnen, sobald' sie den Ruf „Feuer" 
hörten. 

Der Anführer schickte alle Männer und 
Jungen zum Kanal und ließ sie sich von 
da aus bis zu dem brennenden Gebäude 
aufstellen. Der erste Mann stand am 
Kanalufer und füllte einen Eimer mit 
Wasser und gab ihn an seinen Nachbarn 
weiter. 

So wanderte der Eimer durch die Rei- 
hen, bis der letzte Mann das Wasser auf 
die Flammen goß. Viele Eimer wurden 
so geleert, aber das Feuer ließ sich nicht 
eindämmen, und schließlich standen nur 
noch die geschwärzten Mauern da wie 
Wachposten, und wir gingen traurig und 
geschlagen nach Hause. Erst viele Jahre 
später bekam unsere kleine Stadt eine 
Feuerwehr. 

In dem Kanal wurde ich später getauft; 
aus ihm holte ich das Wasser für die 
Bäume und Pflanzen in unserem Gar- 
ten. Ich war der jüngste Sohn, deshalb 
war das meine Arbeit. Wir nannten 
dieses Unternehmen „Eidechse". Haben 
Sie schon einmal eine Eidechse gesehen? 
Wir nahmen dazu einen Baumstamm in 
Y-Form. In der Mitte brachten wir ein 
Faß an und spannten ein Pferd vor die 
„Eidechse". Dann ging es ab zum Ka- 
nal, wo ich das Faß immer wieder füllte. 
Mit dem Wasser goß ich zu Hause die 
Pflanzen und Blumen. 
Mein Vater gab sich alle Mühe, unser 
neues Haus mit allen möglichen Blumen 
zu umgeben und sie in den letzten 
Sommertagen zu gießen, wenn das Was- 
ser bereits knapp wurde. Ich mußte auch 
die Pferde und Kühe zum Tränken an 
den Kanal bringen. 

Manchmal rissen die Spätsommerregen 
die Dämme mit, und die Kanäle trock- 



neten aus. Dann liefen meine älteren 
Brüder, spannten die Pferde an und 
holten Steine, Buschwerk und Geröll, 
um den Kanal wieder in sein Bett zu 
leiten, damit die Farmen und Häuser 
genügend Wasser hatten. 
Jahre später lernten wir, die Dämme 
anders zu bauen, mit langem Maschen- 
draht, den wir mit Steinen beschwerten, 
um die Löcher im Fluß zu stopfen und 
das Flußwasser zum Kanal zurück- 
zuleiten. 

In dem alten Union Canal wurden 
damals fast alle Jungen und Mädchen 
getauft. Die Allred-Hall, ein Fachwerk- 
haus auf der Hauptstraße, war auch ein 
Allzweckgebäude, und ich kann mich 
erinnern, daß ich dort als kleiner Junge 
zur Sonntagsschule, PV und 
Abendmahlsversammlung ging, und 
dort wurde ich konfirmiert. 
Von der alten Allred-Hall zogen wir ins 
Akademiehaus, Bildungsanstalt und 
Treffpunkt für die Jugendlichen, 
Gemeindezentrum für Feiern und Ver- 
sammlungen der Kirche, denn in That- 
cher gab es fast nur Mitglieder der 
Kirche. 

1902 wurde der erste Spatenstich für ein 
neues Pfahl- und Gemeindehaus in 
Thatcher getan, und ich gab von meinen 
Ersparnissen zwei Dollar für den Bau. 
Ich weiß noch, daß eine große Baugrube 
ausgehoben wurde. Danach ließ der Bau 
noch einige Zeit auf sich warten, weil 
nicht genügend Geld da war. Der Bau- 
platz lag auf dem Weg zur Post und zu 
den Geschäften, und ich mußte oft 
daran vorbei, wenn ich Petroleum für 
die Lampen kaufte, zur Post ging oder 
die Eier fortbrachte. Ich hatte einiges zu 
tun. Dann lief ich immer auf der einen 
Seite in die Ausschachtung hinein und 
auf der anderen Seite wieder nach oben. 
Als aber das Unkraut zu wuchern be- 
gann und ich einmal ein paar Stinktieren 
begegnete, ging ich an dem Loch vor- 



89 



über, denn mit Stinktieren wollte ich 
mich nicht unbedingt anfreunden. 
Als das neue Pfahlhaus, das heute noch 
steht und für Gemeinde- und Pfahl- 
veranstaltungen benutzt wird, fertig 
war, hatte es nur zwei große, rechteckige 
Räume, einen im Keller für gesellige 
Veranstaltungen und einen im Erd- 
geschoß für die Versammlungen. Ich 
kann mich noch an die Drähte erinnern, 
die von Wand zu Wand gespannt waren. 
An ihnen hingen die Vorhänge, die die 
Klassen unterteilten. Man bekam fast 
von jeder Klasse etwas mit, und wenn 
die Beleuchtung stimmte, konnte man 
sogar einiges sehen. Ich weiß noch, wie 
wir von der Gila-Akademie aus später 
Basketball gespielt haben und ich mir 
einbildete, daß es vor allem mir zu 
verdanken war, wenn wir in dem kleinen 
Gebäude mit den vielen Mängeln man- 
che Oberschul- und Collegemannschaft 
schlugen, obwohl wir selbst nur eine 
Oberschule waren. 

Ich kann mich noch an so manche 
Lehrer erinnern. Montags abends gin- 
gen wir immer zur Priestertums- 
versammlung, und wir Diakone ver- 
sammelten uns um den dickbäuchigen 
Ofen und hörten zu. Ich sehe noch 
Männer vor mir wie Orville Allen und 
LeRoi Snow und viele andere. Ich hatte 
auch viele gute Freunde in meinem 
Alter. LeRoi Snow aus Salt Lake City 
arbeitete bei uns in einer Bank. Er 
fesselte uns, als wir Diakone wurden, 
mit seinen Geschichten über das Rote 
Meer, durch das die Kinder Israel ge- 
zogen waren, und über Jerusalem, wo er 
selbst gewesen war. 

Ich weiß noch, wie ich zur Sonntags- 
schule ging, und ich glaube, daß dort das 
Fundament für mein Leben mitgelegt 
worden ist. Wir hatten den Eröffnungs- 
teil oben im Gottesdienstraum und gin- 
gen dann nach unten in unsere Klasse. 
Ich kann mich noch an manche Lehrerin 



erinnern, die uns liebevoll und mit viel 
Hingabe unterrichtete und mich vieles 
lehrte, was die Grundlage für mein 
Wissen um die Programme und Lehren 
der Kirche bildete. 

Meine Mutter hatte eine schöne Stim- 
me. Sie spielte Orgel und sang mit 
meiner Schwester Cläre Duette. Ich 
habe ein wenig von ihrer Liebe zur 
Musik geerbt und immer aus voller 
Kehle mitgesungen. Ich kann mich noch 
gut an das Lied „Wir kommen wieder 
zur Sonntagsschule" erinnern. Wir sind 
immer und immer wieder hinge- 
kommen. Wir hatten uns in einem Jahr 
das Ziel gesetzt, jeden Sonntag im Jahr 
zur Sonntagsschule zu gehen. Als ich elf 
Jahre alt war, starb meine Mutter in Salt 
Lake City. Es war im Oktober. Seit dem 
1. Januar hatte ich keine Sonntagsschule 
ausgelassen. Ich war jede Woche dage- 
wesen und konnte mir nur schwer ver- 
zeihen, daß ich an dem Sonntag fehlte, 
als sie bei uns zu Hause aufgebahrt lag. 
Damals wußte ich noch nicht, wieviel 
Mühe sich die Lehrer mit uns gaben. Ich 
bin so dankbar für die große Schar von 
Lehrern in allen Organisationen der 
Kirche, die die Kinder in Zion so 
unermüdlich und begeistert unter- 
richten. Wir sangen viel, und wenn wir 
mal den Text vergessen hatten, konnten 
wir fröhlich in den Refrain einstimmen: 
„Singet den Lobgesang, stimmt alle ein! 
Freude soll ja in der Sonntagsschul 
sein." 

(Gesangbuch, Nr. 48.) 
Das Lied „Wonne lächelt überall" (Ge- 
sangbuch, Nr. 214) sangen wir am 
Familienabend, der bei der Familie 
Kimball bereits zu Beginn des Jahr- 
hunderts immer stattfand. 
Ich kann mich noch gut an das Lied „In 
unserm schönen Deseret" erinnern, das 
Eliza Snow verfaßt hat. Von ihr stam- 
men viele unserer Lieder. Dieses liebten 
wir zum Beispiel heiß und innig: 



90 



Horch, horch, horch, die Kinder singen! 
O, wie singen sie so schön, 
wenn sie liebevoll und rein 
wie die Engel wollen sein 
und mit Andacht und voll Freud 1 
zur Kirche gehn. 
(Sing mit mir, B-24) 
Ich weiß nicht, wie liebevoll und rein wir 
waren, aber wir haben uns beim Singen 
Mühe gegeben, um sogar das hohe E zu 
schaffen, das für Kinderstimmen ziem- 
lich hoch ist. Wir haben gesungen: 
„Daß die Kinder leben lang, 
schön sind, munter, immer stark ..." 
Ich wollte lange leben und schön und 
stark sein und habe es doch nie ge- 
schafft. 

,, Tabak, Kaffee, Tee sie stets scheun ..." 
Ja, ich habe gelernt, all dies zu scheuen. 
In unserer kleinen, ländlichen Stadt gab 
es Mitglieder der Kirche, die Tee, Kaffee 
und Tabak nicht immer scheuten. So 
ging das Lied weiter: 

„. . . trinken alle niemals Wein, 

wolln mit Fleisch stets sparsam sein." 

Ich esse immer noch nicht viel Fleisch. 

„Wollen gut und weise sein." 

Und dann immer wieder: „Horch, 

horch, horch!" und „Wenn sie liebevoll 

und rein wie Engel wollen sein." Die 

dritte Strophe ging folgendermaßen: 

Ist die Zunge noch so klein, 

sollen sie sie hüten fein, 

sollen Selbstbeherrschung üben allezeit. 

Sollen immer höflich sein 

zu den Menschen groß und klein; 

ja, dem Herrn zu folgen sind sie stets 

bereit. 

Und wieder „Horch, horch, horch!" 

Früh und abends, Tag für Tag, 

jedes gerne beten mag, 

daß der Herr vor allem Bösen sie 

bewahr'. 

Wenn sie immer dienen ihm, 

sich mit ganzer Kraft bemühn, 

dann behütet er sie auch in der Gefahr. 



Und immer wieder „Horch, horch, 
horch!" Ich wußte nie so recht, ob den 
Engeln das Singen auch manchmal so 
schwer fiel, aber wir ließen uns gern 
loben. Ein Lied, das es heute nicht mehr 
gibt, war „Schieß die kleinen Vögel 
nicht". 

Ich weiß noch, daß ich dabei immer laut 
mitsang: 

Schieß kleine Vögel nie, 
sie singen dir ihr Lied 
den ganzen Sommer lang 
in Wiese, Wald und Feld. 
Schieß kleine Vögel nie! 
die Erd' gehört nur Gott, 
und er sorgt für uns all, 
ob groß wir oder klein. 
Ich hatte eine Schleuder. Ich hatte sie 
selbst gemacht, und sie funktionierte 
tadellos. Ich mußte immer die Kühe zur 
Weide bringen, die eine Meile von 
unserem Haus entfernt war. Am Weg 
standen hohe Pappeln, und ich weiß 
noch, daß ich oft versucht war, auf die 
kleinen Vögel zu schießen, die den 
ganzen Sommer lang singen, denn ich 
konnte ziemlich gut schießen. Ich traf 
einen Pfosten oder einen Baumstamm 
auf fünfzig Meter Entfernung. Aber weil 
ich fast jeden Sonntag sang, „Schieß 
kleine Vögel nie", konnte ich nicht auf 
sie schießen. Die zweite Strophe ging 
folgendermaßen: 
Schieß kleine Vögel nie, 
sie fliegen in der Höh', und früh am 
Morgen schon 
erklingt für uns ihr Lied. 
Fallen auch Kirschen viel 
von unserm Kirschenbaum, 
picken die Beeren sie vom Gartenzaun. 
Das Lied ging mir nicht aus dem Sinn, 
und so machte es mir keinen Spaß, auf 
die kleinen Vögel zu schießen. 
Wir hatten auch das Lied „Der Mor- 
monenjunge" von Evan Stephens. Was 
war ich stolz, wenn wir in der Ver- 
sammlung sangen: 



91 




Mormonenkind, Mormonenkind, 

ein Mormonenkind bin ich. 

Ein König beneidet mich, 

weil ich Mormone bin. 

Ich liebe dieses Lied, vor allem die 

Worte „Ein König beneidet mich, weil 

ich Mormone bin". 

„Schon bald die Erntezeit wird sein" — 



dieses Lied liebte ich, weil die ver- 
schiedenen Stimmen so gut dabei 
herauskamen. 

Meine lieben Brüder, zum Schluß be- 
zeuge ich Ihnen, daß ich das Priestertum 
trage. Sie tragen das Priestertum. Es ist 
das Priestertum, das Elia und Petrus, 
Jakobus und Johannes getragen haben. 
Sie und alle ihre Mitarbeiter trugen das 
Priestertum. Doch ohne die Siegelungs- 
vollmacht könnten wir nichts tun, denn 
alles wäre ungültig. Sie allein zählt. 
Deshalb ist Elia gekommen. Deshalb 
kam auch Mose, denn er übertrug Pe- 
trus, Jakobus und Johannes in ihrer 
Evangeliumszeit diese Schlüssel- 
vollmachten und Rechte, damit sie ihre 
Arbeit tun konnten. Deshalb kamen sie 
zum Propheten Joseph Smith, und der 
Herr hat gesagt: „Siehe, ich will euch 
senden den Propheten Elia, ehe der 
große und schreckliche Tag des Herrn 
kommt" (Maleachi 3:23). 
Warum mußte er Elia senden? Weil 
dieser die Schlüsselvollmacht für alle 
heiligen Handlungen des Priestertums 
innehatte und ohne diese Schlüssel- 
vollmacht keine gültig heilige Handlung 
vollzogen werden könnte. 
Unsere Welt konnte nur durch die 
Vermittlung Jesu Christi errettet wer- 
den. Wie errettet Gott die Generation 
der Menschen? Er sendet den Propheten 
Elia. Das Gesetz, das Mose auf dem 
Horeb offenbart wurde, wurde den Kin- 
dern Israels als Volk niemals offenbart. 
Elia wird die Bündnisse offenbaren, die 
das Herz der Väter zu ihren Kindern und 
das Herz der Kinder ihren Vätern zu- 
wenden werden. Sie sollen gesalbt, ge- 
siegelt und erwählt werden und sich Ihre 
Berufung und Erwählung sichern. 
„Ich weiß, daß Gott lebt. Ich weiß, daß 
Jesus Christus lebt", sagte John Taylor, 
einer meiner Vorgänger, „denn ich habe 
ihn gesehen." Dieses Zeugnis gebe ich 
Ihnen im Namen Jesu Christi. Amen. 



92 





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Versammlung am Sonntagmorgen, den 2. April 1978 



Gebet und Offenbarung 

Marion G. Romney 

Zweiter Ratgeber des Präsidenten der Kirche 




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.eine lieben Brüder und Schwestern 
und Freunde in der ganzen Welt, ich 
möchte heute über die wichtigste Be- 
ziehung sprechen, die der Mensch unter- 
halten kann, seine Beziehung zu Gott. 
Er kann beten, das heißt, er wendet sich 
an Gott, und er kann Offenbarungen 
empfangen, das heißt, Gott teilt sich ihm 
mit. 

Ich glaube, wenn wir über Beten spre- 
chen, dann denken die meisten an das 
gemeinsame Beten bei Tisch, vor dem 
Schlafengehen oder in der Kirche. 
Es gehört aber noch viel mehr dazu, 
wenn der Mensch sich an Gott wendet. 
Nephi sagte nichts von Beten, als er seine 
große Vision wiedergab. Er sagte ein- 
fach: 

„Nachdem ich zu wissen wünschte, was 
mein Vater gesehen, und glaubte, daß 
der Herr es mir kundtun könne, und nun 
dasaß und in meinem Herzen darüber 
nachdachte, wurde ich vom Geist des 
Herrn entrückt auf einen überaus hohen 
Berg" (1. Nephi 11:1). 
Ich bin überzeugt, daß Nephi betete, als 



„Mehr als alles andere hat der Herr uns geboten, daß wir 
beten sollen." 



er ,,in seinem Herzen" nachdachte. Der 
Herr hat zu Emma Smith gesagt: „Mei- 
ne Seele erfreut sich am Gesang des 
Herzens; ja, der Gesang der Gerechten 
ist mir ein Gebet" (LuB 25:12). 
Häufig beten wir, um bestimmte Seg- 
nungen zu erbitten. Wir sollen aber auch 
danken, preisen, anbeten. James Mont- 
gomery hat ein wunderbares Lied über 
das Beten geschrieben: 



Der Seele Wunsch ist das Gebet, 
in Schmerzen oder Lust, 
gleich Feuer lodernd, still es steht 
und zitternd in der Brust 

Ein Blick nach oben ist das Gebet, 
ein Tränenstrom, der fließt, 
ein Seufzer, der um Hilfe fleht, 
den niemals Gott vergißt. 

Das erste Wort von Kindermund, 
gelispelt zart und fein, 
und doch so tief, so ohne Grund, 
so majestätisch rein. 

Es ist des Christen Lebensbrot, 
es ist des Christen Luft, 
sein Losungswort bis hin zum Tod, 
mit ihm tritt er zur Gruft. 

(Gesangbuch, Nr. 109) 
Wie wichtig das Beten ist, sehen wir 
daran, wie häufig der Herr den Men- 
schen geboten hat zu beten. 



93 



Als erstes gebot Gott Adam und Eva, 
„daß sie den Herrn, ihren Gott, anbeten 
. . . sollten. 

Und nach vielen Tagen erschien Adam 
ein Engel des Herrn und sagte: . . . 
Deshalb sollst du alles, was du tust, im 
Namen des Sohnes tun, und du sollst 
Buße tun und Gott immerdar im Namen 
seines Sohnes anrufen" (Moses 5:5, 6, 

8). 

Der Herr selbst erklärte dem Bruder 
Jareds, wie wichtig das Beten ist. Jared 
und seine Brüder lebten vier Jahre lang 
am Ufer des Meeres in Zelten. „Und als 
die vier Jahre vergangen waren, kam der 
Herr wiederum zu Jareds Bruder . . . und 
sprach mit ihm. Drei Stunden lang redete 
der Herr mit Jareds Bruder und tadelte 
ihn, weil er nicht daran gedacht hatte, 
den Namen des Herrn anzurufen. Und 
Jareds Bruder tat Buße für das Böse, das 
er getan hatte, und rief den Herrn an . . . 
Und der Herr sprach zu ihm: Ich will dir 
und deinen Brüdern eure Sünden ver- 
geben; aber du sollst nicht mehr sündi- 
gen, denn ihr sollt daran denken, daß 
mein Geist nicht immer mit dem Men- 
schen rechtet. Wenn ihr daher sündigt, 
bis die Zeit erfüllt ist, dann werdet ihr 
von der Gegenwart des Herrn ver- 
bannt"(Ether 2:1, 15). 
Amulek ermahnte die abtrünnigen Ne- 
phiten: 

„Möge deshalb Gott euch gewähren, 
meine Brüder, daß ihr anfangen könnt, 
euern Glauben zur Buße auszuüben und 
seinen heiligen Namen anzurufen, 
Barmherzigkeit mit euch zu haben. 
Ja, fleht ihn um Gnade an, denn er hat 
die Macht zu erretten. 
Ja, demütigt euch und fahret in eurem 
Gebet zu ihm fort. 

Ruft ihn an, wenn ihr auf dem Felde 
seid, ja, für alle eure Herden. 
Ruft ihn in euerm Haus an, ja, für euern 
ganzen Haushalt am Morgen, am Mit- 
tag und am Abend. 



Ruft ihn gegen die Macht eurer Feinde 
an. 

Ruft ihn gegen den Teufel, den Feind 
aller Rechtschaffenheit, an. 
Fleht ihn für die Saaten auf euern 
Feldern an, damit sie gedeihen. 
Ruft ihn für die Herden auf euern 
Feldern an, damit sie sich vermehren. 
Aber das ist nicht alles; ihr müßt eure 
Seele in eurem Kämmerlein und an 
euern verborgenen Plätzen und in der 
Wildnis vor Gott ergießen. Ja, und wenn 
ihr den Herrn nicht laut anruft, dann 
laßt euer Herz von ständigem Gebet zu 
ihm für eure Wohlfahrt und für die 
Wohlfahrt derer erfüllt sein, die um euch 
sind" (Alma 34:17-27). 
Als Jesus nach seiner Auferstehung zu 
den Nephiten gekommen war, lehrte er 
sie beten, indem er ihnen das Vaterunser 
als Muster gab. Danach sagte er: „Seht, 
wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr 
müßt immer wachen und beten, damit 
ihr nicht in Versuchung geratet; denn 
Satan möchte euch besitzen, um euch 
wie Weizen zu sichten. 
Daher müßt ihr immer in meinem 
Namen zum Vater beten; 
und was ihr auch immer den Vater in 
meinem Namen bittet, und was recht ist, 
wenn ihr glaubt, daß ihr es empfangen 
werdet, seht, das werdet ihr empfangen. 
Betet immer in euern Familien in mei- 
nem Namen zum Vater, damit eure 
Frauen und Kinder gesegnet werden" 
(3. Nephi 18:18-21). 
Zu dem Propheten Joseph Smith sagte 
der Herr noch vor der Gründung der 
Kirche: „Bete immerdar, daß du den 
Sieg davontragen, ja, daß du Satan 
überwinden und den Händen seiner 
Diener entrinnen mögest, die sein Werk 
aufrechterhalten"(LuB 10:5). 
Später sagte er zu Martin Harris: 
„Und weiter gebiete ich dir, sowohl laut 
als auch in deinem Herzen zu beten; ja, 
vor der Welt und auch im stillen, 



94 



öffentlich sowohl als auch im Ver- 
borgenen" (LuB 19:28). 
Die Priester seiner Kirche wies er an, ein 
jedes Mitglied zu Hause zu besuchen 
und es „zu ermahnen, laut und im stillen 
zu beten" (LuB 20:47). 
Joseph Knight wies er an: „Siehe, durch 
diese Worte mache ich dir, Joseph 
Knight, kund, daß du dein Kreuz auf 
dich nehmen sollst; um dies zu tun, 
mußt du laut vor der Welt und auch im 
stillen beten, auch in deiner Familie, 
unter deinen Freunden und an allen 
Orten" (LuB 23:6). 

Und zu Thomas Marsh sagte er: „Bete 
immer, daß du nicht in Anfechtung 
fallest und deinen Lohn verlierest" (LuB 
31:12). 

Andere ermahnte er: „Betet ohne Unter- 
laß, auf daß ihr nicht in Versuchung 
kommt und den Tag seiner Zukunft 
ertragen könnt, es sei im Leben oder im 
Tode" (LuB 61:39). 

„Was ich einem sage, sage ich allen: 
Betet immerdar, auf daß der Böse keine 
Gewalt über euch habe und euch nicht 
aus eurem Platze rücke" (LuB 93:49). 
„Auch sollen die Eltern ihre Kinder 
lehren, zu beten und gerecht vor dem 
Herrn zu wandeln" (LuB 68:28). 
Den Bewohnern Zions sagte der Herr: 
„Und ein Gebot gebe ich ihnen, daß 
derjenige, der seine Gebete nicht zur 
rechten Zeit verrichtet, vor dem Richter 
meines Volkes in Erwähnung gebracht 
werden soll" (LuB 68:33). 
Das dürfen wir aber nicht so verstehen, 
daß wir beten sollen, um eine aufge- 
brachte Gottheit zu besänftigen; es geht 
auch nicht darum, daß wir immer alles 
gleich bekommen, wonach uns der Sinn 
steht. Wir sollen beten, um uns mit dem 
Geist oder Licht in Einklang zu bringen, 
von dem der Herr gesagt hat: „Dieses 
Licht geht von der Gegenwart Gottes 
aus, um die Unendlichkeit des Raumes 
zu füllen" (LuB 88:12). In diesem Licht 



finden wir eine sichere Antwort auf alles, 
was wir brauchen. 

Beten ist der Schlüssel, der Christus die 
Tür zu unserem Leben öffnet. Er hat 
gesagt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und 
klopfe an. So jemand meine Stimme 
hören wird und die Tür auftun, zu dem 
werde ich eingehen und das Abendmahl 
mit ihm halten und er mit mir" (Offen- 
barung 3:20). 

So wie die Menschen durch Beten mit 
dem Herrn in Verbindung treten kön- 
nen, kann er sich den Menschen durch 
Offenbarung mitteilen. Er benutzt ver- 
schiedene Methoden. Mit Adam sprach 
er selbst. Adam und Eva hörten, wie die 
Stimme des Herrn aus dem Garten Eden 
zu ihnen sprach, nachdem sie ihn an- 
gerufen hatten (Moses 5:4). 
Der Herr kann auch persönlich er- 
scheinen. 

„So redete ich, Abraham, mit dem 
Herrn von Angesicht zu Angesicht, wie 
ein Mann mit einem andern redet" 
(Abraham 3:11). 
„Und Gott redete zu Moses . . . 
Und siehe, die Herrlichkeit des Herrn 
ruhte auf Moses, so daß er in der 
Gegenwart Gottes stand und mit ihm 
von Angesicht zu Angesicht redete" 
(Moses 1:3, 31). 

Joseph Smith berichtet, wie Gott Vater 
und sein Sohn Jesus Christus ihm er- 
schienen sind: 

„Ich [sah] unmittelbar über meinem 
Haupt eine Lichtsäule, heller als der 
Glanz der Sonne, allmählich auf mich 
herabkommen, bis sie auf mir ruhte . . . 
Als das Licht auf mir ruhte, sah ich zwei 
Gestalten, deren Glanz und Herrlichkeit 
[unbeschreiblich waren], über mir in der 
Luft stehen. Eine von ihnen sprach zu 
mir, mich beim Namen nennend, und 
sagte, auf die andre deutend: Dies ist 
mein geliebter Sohn, höre ihn!" (Joseph 
Smith 2:16, 17.) 
Manchmal schickt der Herr den Men- 



95 



sehen Boten. Beispielsweise sandte er 
mehrmals Moroni zu Joseph Smith, um 
ihn zu unterweisen (Joseph Smith 2:29, 
30). 

Seinen Bericht über diese Besuche leitet 
Joseph Smith folgendermaßen ein: 
,, Nachdem ich mich zu Bett begeben 
hatte, wandte ich mich im Gebet und 
Flehen an den allmächtigen Gott . . . 
Während ich so im Gebet begriffen war, 
gewahrte ich, daß ein Licht in meinem 
Zimmer erschien, das zunahm, bis der 
Raum heller war als am Mittag, worauf 
alsbald ein Engel neben meinem Bett 
erschien"(Joseph Smith 2:29, 30). 
Verschiedentlich hat sich der Herr ein- 
zelnen Menschen durch Träume und 
Visionen kundgetan, denken wir 
beispielsweise an Daniels Traum oder 
Nephis Vision. 

Enos berichtet: „Als ich so im Geiste 
kämpfte, kam mir die Stimme des Herrn 
abermals ins Herz und sagte: Ich will 
mich deinen Brüdern je nach dem Fleiße 
offenbaren, mit dem sie meine Gebote 
halten"(Enos 10). 

Diese Form der Offenbarung habe ich 
selbst erfahren. 

Einmal sprach ich auf der Beerdigung 
einer wunderbaren Mutter, einer Heili- 
gen der Letzten Tage. Als ich gerade 
amen sagen und mich setzen wollte, 
spürte ich die Worte: „Dreh dich um 
und gib Zeugnis." Das tat ich. Dann 
dachte ich nicht weiter darüber nach, bis 
meine Schwester, die damals in einem 
benachbarten Pfahl wohnte, zu Besuch 
kam. Sie erzählte: 

„In unserer Gemeinde lebt eine Frau, 
die schon jahrelang kein Interesse mehr 
an der Kirche hatte. Wir haben uns 
vergeblich bemüht, sie zurückzu- 
bringen. Seit kurzem ist sie völlig ver- 
ändert. Sie zahlt den Zehnten, kommt 
regelmäßig zur Abendmahlsversamm- 
lung und beteiligt sich aktiv am Kirchen- 
leben. Als ich sie fragte, wodurch sie sich 



so verändert habe, antwortete sie mir: 
,Ich war zur Beerdigung meiner Mutter 
in Salt Lake City. Am Grab sprach ein 
Mann namens Romney. Er hatte eine 
ganz gewöhnliche Rede gehalten, und 
ich dachte schon, er würde sich wieder 
setzen. Doch statt dessen drehte er sich 
noch einmal um und gab Zeugnis. 
Dieses Zeugnis hat ungeheuren Ein- 
druck auf mich gemacht. Damals er- 
wachte in mir der Wunsch, so zu leben, 
wie meine Mutter es mich immer gelehrt 
hatte.'" 

Ich weiß und bezeuge, daß sich der Herr 
den Menschen durch das gesprochene 
Wort, durch persönliches Erscheinen, 
durch seine Boten, durch Träume und 
Visionen und durch Gefühle offenbart. 
Am häufigsten kommt die Offenbarung 
jedoch durch die leise, feine Stimme. 
Wie wichtig und real diese Form der 
Offenbarung ist, hat der Herr selbst 
erklärt. 

Bezugnehmend auf das Zeugnis des 
Propheten Joseph Smith vom Buch 
Mormon, sagte der Herr durch Joseph 
Smith zu Oliver Cowdery: „Siehe, ich 
will es deinem Verstand und deinem 
Herzen durch den Heiligen Geist ver- 
künden, der über dich kommen und in 
deinem Herzen wohnen wird"(LuB 8:2). 
Wer Entscheidungen zu treffen hat, wird 
vom Herrn Hilfe bekommen, wenn er 
sich würdig macht und sich darum 
bemüht. So hat der Herr es uns gesagt: 
„Du mußt es in deinem Geiste aus- 
studieren und dann mich fragen, ob es 
recht sei, und wenn es recht ist, will ich 
dein Herz in dir entbrennen lassen, und 
dadurch sollst du fühlen, daß es recht ist. 
Ist es aber nicht recht, so wirst du kein 
solches Gefühl haben" (LuB 9:8, 9). 
Daß das, was der Herr über Beten und 
Offenbarung gesagt hat, wahr ist, be- 
zeuge ich im Namen Jesu Christi, unse- 
res Erlösers. Amen. 



96 



„Hoffe auf den Herrn 66 



L. Tom Perry 
Vom Rat der Zwölf 




I 



n den Psalmen lesen wir: „Hoffe auf 
den Herrn und tu Gutes; bleibe im 
Lande und nähre dich redlich. Habe 
deine Lust am Herrn; der wird dir geben, 
was dein Herz wünscht. Befiehl dem 
Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er 
wird's wohl machen und wird deine 
Gerechtigkeit heraufführen wie das 
Licht und dein Recht wie den Mittag" 
(Psalm 37:3-6). 

Als ich vor vielen Jahren noch im 
Großhandel tätig war, hatten wir in 
einem unserer Läden einen Nacht- 
wächter, dessen Tochter, ein Teenager, 
sich der Kirche angeschlossen hatte. Er 
sprach oft darüber, wie sehr sich das 
Leben seiner Tochter verändert hatte. 
Ihre Taufe hatte einen neuen Geist in die 
Familie gebracht. Davon ausgehend 
wollte ich auch ihm das Evangelium 
nahebringen. 

Als ich eines Abends aus dem Laden 
kam, ließ er gerade die letzten Kunden 
heraus. Ich blieb kurz stehen und be- 
gann eine Unterhaltung. Er brachte das 
Gespräch sofort auf seine Tochter: 
„Wissen Sie, sie strahlt förmlich, seit sie 
4n Ihrer Kirche ist." 
Ich wollte ihm erklären, daß wir uns 



„Wenn wir uns ein glücklicheres, erfüll teres Leben wün- 
schen, müssen wir in uns das Licht des Evangeliums 
leuchten lassen." 



ändern, sogar im Aussehen, wenn wir 
auf den Herrn hoffen und nach dem 
Evangelium leben. In dem Augenblick 
sah ich zwei Damen, die mit anderen 
Kunden den Laden verließen. Sie sahen 
gepflegt aus und hatten eine besondere 
Ausstrahlung. Unwillkürlich fiel mein 
Blick auf das Abzeichen „Pflicht vor 
Gott", das viele unserer guten Jungen 
ihrer Mutter verehren, nachdem sie 
diese Auszeichnung erworben haben. 
Ich sagte zu meinem Gegenüber: „Sehen 
Sie sich die beiden Damen an, die gerade 
auf die Tür zukommen. Sie sehen nicht 
aus wie alle andern. Sie gehören auch zu 
unserer Kirche. 

Er war so beeindruckt von dem, was ich 
gesagt hatte, daß er auf die beiden 
Frauen zueilte und fragte: „Sind Sie 
Mormonen?" Die Antwort war ja, und 
er kam kopfschüttelnd zurück. „Wissen 
Sie, man sieht es ihnen wirklich an", 
meinte er. Dem konnte ich nur zu- 
stimmen. Wer „auf den Herrn hofft und 
Gutes tut", ist anders als die andern. 
Die Geschichte zeigt uns das von Anbe- 
ginn an. Wenn ich in der Schrift lese, 
versuche ich, sie zum Leben zu er- 
wecken. Ich versuche, mir ihre Gestalten 
zu vergegenwärtigen. 
Das möchte ich Ihnen an einem Beispiel 
zeigen. Im 1. Mose, K. 37 lesen wir von 
einer großen Familie mit vielen Söhnen. 
Einen von ihnen, Joseph, liebte Jakob, 
der Vater, mehr als die anderen Söhne. 



97 



Er ließ Joseph einen bunten Rock ma- 
chen als Zeichen seiner Liebe. „Als nun 
die Brüder sahen, daß ihn ihr Vater 
lieber hatte als alle seine Brüder, wurden 
sie ihm feind und konnten ihm kein 
freundliches Wort sagen" (1. Mose 37:4). 
Joseph machte es nur noch schlimmer. 
Er hatte Träume und erzählte sie seinen 
Brüdern, worauf sie ihn noch mehr 
haßten. Können Sie sich vorstellen, wie 
Ihre Kinder solche Träume aufnehmen 
würden? Joseph erzählte seinen Brü- 
dern: 

„Hört doch, was mir geträumt hat. 
Siehe, wir banden Garben auf dem 
Felde, und meine Garbe richtete sich auf 
und stand, aber eure Garben stellten sich 
ringsumher und neigten sich vor meiner 
Garbe. 

Da sprachen seine Brüder zu ihm: Willst 
du unser König werden und über uns 
herrschen? Und sie wurden ihm noch 
mehr feind um seines Traumes und 
seiner Worte willen" (1. Mose 37:6-8). 
Der Vater erschwerte das Ganze noch. 
Er schickte die anderen aufs Feld, die 
Herden hüten, und behielt Joseph bei 
sich zu Hause. Hin und wieder schickte 
er Joseph zur Kontrolle hin. Als sie ihn 
eines Tages von ferne kommen sahen, 
meinten sie, seinen Anblick nicht länger 
ertragen zu können, und beschlossen, 
ihn umzubringen. Dann wollten sie ihn 
in eine Grube werfen und ihrem Vater 
erzählen, ein wildes Tier habe Joseph 
zerrissen. 

Einer der Brüder sah eine Karawane 
kommen, die in Richtung Ägypten zog, 
und meinte: „Was hilft's uns, daß wir 
unsern Bruder töten und sein Blut 
verbergen? Kommt, laßt uns ihn den 
Ismaelitern verkaufen, damit sich unse- 
re Hände nicht an ihm vergreifen; denn 
er ist unser Bruder, unser Fleisch und 
Blut. Und sie gehorchten ihm" (1. Mose 
37:26-27). 
Und so verkauften sie ihren siebzehn 



Jahre alten Bruder als Sklaven an eine 
Karawane, die nach Ägypten zog, in ein 
fremdes Land, mit einer fremden Spra- 
che und fremden Sitten. Doch der Herr 
war mit diesem außergewöhnlichen jun- 
gen Mann, und es scheint, daß er 
niemals verzweifelte. Zwar war er Aus- 
länder, dazu noch Sklave, doch muß er 
eine gewisse Ausstrahlung besessen ha- 
ben, denn einer der Obersten von der 
Leibwache des Pharao kaufte ihn. Bald 
hatte Joseph sich so sehr hervorgetan, 
daß dieser Mann ihn als Statthalter über 
sein Haus setzte. Er war Aufseher über 
den gesamten Besitz seines Herrn, und 
dieser vertraute Joseph sein Hab und 
Gut, all sein Einkommen, an. 
Joseph sah sehr gut aus und hatte mit 
der Hilfe des Herrn eine hohe Stellung 
erreicht. Doch jetzt wurde es ernst. Der 
schöne junge Mann fiel der Frau seines 
Herrn auf. Als er eines Tages allein im 
Haus arbeitete, hörte sie ihn, kam herein 
und legte die Hand auf seinen Mantel. 
Joseph war ein rechtschaffener junger 
Mann und wußte, daß sich das nicht 
schickte, also ließ er seinen Mantel fallen 
und floh. Die Frau behielt den Mantel in 
der Hand. Als ihr Mann nach Hause 
kam, erzählte sie ihm Schlimmes über 
Joseph, und der Mann wurde zornig. Er 
warf Joseph ins Gefängnis. Zum 
zweitenmal in seinem jungen Leben 
befand sich Joseph in einer sehr miß- 
lichen Lage. 

Aber Joseph gab nicht so leicht auf. Er 
zeichnete sich als der beste Gefangene 
im ganzen Gefängnis aus und gewann 
die Gunst des Aufsehers, „so daß er ihm 
alle Gefangenen im Gefängnis unter 
seine Hand gab und alles, was dort 
geschah, durch ihn geschehen mußte" 
(1. Mose 39:22). Das heißt, Joseph 
wurde der oberste Gefangene und hatte 
alle anderen unter sich. Sogar im Ge- 
fängnis, unter schwersten Bedingungen, 
machte Joseph das Beste aus seiner Lage. 



98 



Kurz nach Joseph wurden zwei hohe 
Beamte des Pharao ins Gefängnis ge- 
worfen, der Mundschenk und der ober- 
ste Bäcker. Joseph lernte sie bald ken- 
nen. Beide hatten einen Traum. Da 
Joseph ein rechtschaffener Mann war, 
baten sie ihn, die Träume zu deuten. Das 
tat er. Dem einen sagte er: du wirst nicht 
hier herauskommen, sondern hier ster- 
ben. Dem anderen sagte er: du wirst 
deinen Ehrenplatz beim Pharao bald 
wieder einnehmen. Und er bat den 
letzteren, ihn doch dem Pharao gegen- 
über zu erwähnen, denn als Gefangener 
konnte er nicht weiter aufsteigen. 
Der Mundschenk kehrte in seine frühe- 
re, bevorzugte Stellung zurück, aber 
zwei Jahre lang dachte er nicht mehr an 
Joseph. Eines Nachts hatte der Pharao 
einen Traum, den ihm niemand deuten 
konnte. Da fiel dem Mundschenk Jo- 
seph ein, und er ging zum Pharao und 
sagte ihm, im Gefängnis sei ein Mann, 
der den Traum deuten könne. Der 
Pharao ließ Joseph kommen, und Jo- 
seph legte ihm den Traum durch gött- 
liche Inspiration aus. Der Pharao war so 
beeindruckt von Joseph, daß er ihn zu 
seinem Diener machte. So wurde Joseph 
Herr über das ganze Land und hatte nur 
noch den Pharao über sich. 
Weil Joseph ihm so gute Dienste leistete, 
meinte der Pharao zu seinen Großen: 
„Wie könnten wir einen Mann finden, in 
dem der Geist Gottes ist wie in diesem?" 
(1. Mose 41:38.) Der Pharao sah, daß 
Gott mit Joseph war, denn er sagte 
weiter: „Weil dir Gott dies alles kund- 
getan hat, ist keiner so verständig und 
weise wie du" (1. Mose 41:39). 
Wer den Weg bereitet, der durch die 
Schilder des Evangeliums Jesu Christi 
markiert ist, und auf den Herrn vertraut, 
tut dies nicht nur durch sein äußeres 
Verhalten kund. Sein ganzes Wesen 
ändert sich merklich. Seine ewige Seele 
strahlt ein besonderes Licht aus, einen 



besonderen Geist, der sich mit Worten 
beschreiben läßt wie Licht, Freude, 
Glück, Friede, Reinheit, Zufriedenheit, 
Geist, Begeisterung usw. 
Brigham Young hat gesagt: „Wer das 
Reich Gottes auf Erden kennengelernt 
hat und die Gottesliebe in sich trägt, ist 
der glücklichste Mensch auf Erden . . . 
Haben Sie schon einmal einen wahren 
Heiligen der Letzten Tage gesehen, der 
unglücklich war? Es gibt ihn nicht. Wer 
die Quelle lebendigen Wassers oder die 
Grundsätze des ewigen Lebens nicht 
kennt, hat Grund, unglücklich zu sein. 
Wenn aber die Worte des Lebens in uns 
wohnen und wir auf ewiges Leben und 
ewige Herrlichkeit hoffen und diesen 
Funken in uns zur Flamme auflodern 
lassen, die auch den letzten Rest von 
Selbstsucht verzehrt, können wir nicht 
in der Finsternis wandeln, und Zweifel 
und Furcht sind uns fremd . . . Darüber 
ärgert sich der Teufel. Ja, er ärgert sich, 
denn er kann solche Menschen einfach 
nicht unglücklich machen . . . 
Wo ist Glück, wahres Glück? Nur bei 
Gott. Wenn der Geist unseres Glaubens 
in uns wohnt, sind wir morgens glück- 
lich, wir sind es mittags und abends; 
denn der Geist der Liebe und der 
Eintracht ist mit uns. Wir freuen uns an 
diesem Geist, denn er ist von Gott, und 
wir freuen uns an Gott, denn er gibt alles 
Gute. Jeder Heilige der Letzten Tage, 
der die Liebe Gottes im Herzen verspürt 
hat, nachdem ihm durch die Taufe seine 
Sünden vergeben worden sind und man 
ihm die Hände aufgelegt hat, erkennt, 
daß er voll Freude und Glück ist, voll 
des Trostes. Er mag Schmerzen erleiden, 
sich irren, arm sein, im Gefängnis sogar, 
doch ist er glücklich. So haben wir es 
erfahren, und jeder Heilige der Letzten 
Tage kann dies bezeugen. 
Wirklich glücklich sind nur der Mann, 
die Frau oder das Volk, die das Evange- 
lium des Sohnes Gottes haben und seine 



99 



Segnungen zu schätzen wissen" (Dis- 
courses of Brigham Young, Hg. John 
Widtsoe, Salt Lake City, 1941, S. 235- 
236). 

Wenn das so ist, ist dies die größte 
Quelle des Glücks auf Erden. Ich möch- 
te etwas aus einem kürzlich erschienenen 
Ensign zitieren: 

„Im Sommer 1953 war ich sechzehn 
Jahre alt und Schauspielschülerin . . . 
Unsere Hauptausbilderin war eine hüb- 
sche junge Frau mit roten Haaren, die 
bei einem Wettbewerb in New York (so 
hatte ich es jedenfalls gehört) die Haupt- 
rolle bekommen hatte . . . Wir be- 
wohnten gemeinsam eine Wohnung, 
und wenn ich morgens aufwachte, saß 
sie im Bett und las. So ging es vier 
Monate lang, egal, um welche Uhrzeit 
ich wach wurde. 

Bald wußten wir alle, sie war Mor- 
monin; und in einer Welt ohne jegliche 
Moral blieb sie so rein wie frisch ge- 
fallener Schnee. Sie trank nicht, rauchte 
nicht, nicht einmal auf der Bühne, nie 
war ein Mann in ihrem Zimmer. Sie war 
zu jedem freundlich und liebevoll, ob- 
wohl sie ein „Star" war. Und jeden 
Morgen las sie, nicht ihre Rolle, sondern 
andere Bücher und Zeitschriften, die sie 
mitgebracht hatte. 

Sie sprach nie mit mir über ihren 
Glauben, und ich fragte sie auch nicht. 
Aber ich habe sie nie vergessen. 
Viele Jahre später, ich war inzwischen 
verheiratet und hatte bereits zwei Kin- 
der, verspürten mein Mann und ich eine 
innere Unausgeglichenheit. Wir be- 
schäftigten uns mit Religion, belegten 
Kurse, gingen in alle möglichen Kirchen 
und waren doch nicht zufrieden. 
Dann fiel sie mir wieder ein. War sie 
nicht Mormonin gewesen? Wir wußten 
nichts über die Mormonen, ich hatte 
nicht einmal im Geschichtsunterricht 
etwas darüber gehört. So ging ich in der 
kleinen Stadt Opelika in Alabama zur 



Stadtbücherei und holte das einzige 
Buch, das ich darüber fand, das Buch 
Mormon. Darin waren etliche Missions- 
büros verzeichnet, und ich schrieb an 
das nächste, es war in Georgia, und 
fragte, ob man sich der Kirche an- 
schließen könne. Was folgt, gehört zu 
unserer Familiengeschichte. 
Ich habe die junge Frau nie finden 
können. Ich würde ihr gern sagen, daß 
jetzt auf beiden Seiten unserer Ver- 
wandtschaft 37 Menschen Mitglieder 
der Kirche sind, weil ich ihr gutes 
Beispiel nicht vergessen konnte. Auch in 
der Geisterwelt haben inzwischen un- 
zählige davon profitiert" (ENSIGN, 
Dezember 1977, S. 62). 
Ja, die Welt braucht das Beispiel derer, 
die von innen heraus das Licht des 
Evangeliums Jesu Christi ausstrahlen! 
Wir müssen der Welt beweisen, daß 
rechtschaffenes Leben ewiges Glück mit 
sich bringt! 

Sie, die Sie das Evangelium unseres 
Herrn und Erlösers angenommen ha- 
ben, stehen wie ein Leuchtturm oben auf 
einem Berg und zeigen denen den Weg, 
die nach einem glücklicheren, erfüllteren 
Leben suchen. Wenn Sie diese größte 
aller Gaben noch nicht besitzen, kom- 
men Sie zu uns, und wir helfen Ihnen, 
sich ein besseres Leben aufzubauen. 
Wenn wir unser Leben nach den Lehren 
des Erlösers ausrichten, können wir 
mehr Freude in eine verwirrte Welt 
tragen. 

Ich hoffe von ganzem Herzen, daß wir 
„auf den Herrn hoffen und Gutes tun", 
damit man auch von uns, wie einst von 
Joseph, sagen kann: „Wie könnten wir 
einen Mann finden, in dem der Geist 
Gottes ist wie in diesem?" (1. Mose 
41:38.) 

Gott lebt. Jesus ist der Messias. Dies ist 
seine Kirche. Das bezeuge ich Ihnen 
heute aus vollem Herzen im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



100 



„Was ist Wahrheit?" 

John H. Vandenberg 

Vom Ersten Kollegium der Siebzig 




Ach habe mir das Wunder der Kreuzi- 
gung und Auferstehung unseres Herrn 
und Erretters Jesus Christus wieder vor 
Augen geführt und intensiv darüber 
nachgedacht. Dabei kam ich immer 
wieder zu dem zurück, was geschah, 
nachdem die Juden Jesus gebunden und 
vor den Richterstuhl geführt hatten. 
In der Schrift heißt es: 
„Da ging Pilatus wieder hinein ins 
Richthaus und rief Jesus und sprach zu 
ihm: Bist du der Juden König? 
Jesus antwortete: Redest du von dir 
selbst, oder haben's dir andere von mir 
gesagt? 

Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? 
Dein Volk und die Hohenpriester haben 
dich mir überantwortet. Was hast du 
getan? 

Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht 
von dieser Welt. Wäre mein Reich von 
dieser Welt, meine Diener würden dar- 
um kämpfen, daß ich den Juden nicht 
überantwortet würde; aber nun ist mein 
Reich nicht von dieser Welt. 
Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du 
dennoch ein König? 
Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein 
König. Ich bin dazu geboren und in die 



Das Evangelium „schließt alle Wahrheit ein — in Natur- 
wissenschaft, Geschichte, Philosophie und Logik; das gehört 
einfach zur wahren auf Offenbarung beruhenden Religion."' 



Welt gekommen, daß ich für die Wahr- 
heit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit 
ist, der höret meine Stimme. 
Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahr- 
heit? Und da er das gesagt, ging er 
wieder hinaus zu den Juden und spricht 
zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm" 
(Johannes 18:33-38). 
Die weiteren Verhandlungen zwischen 
Pilatus und den Anklägern Jesu führten 
dann doch zur Kreuzigung. 
Mit der Frage „Was ist Wahrheit?" ließ 
Pilatus Jesus auch schon stehen, ohne 
eine Antwort abzuwarten. Warum? 
Fürchtete Pilatus die Wahrheit wie so 
mancher, der ihr nicht ins Angesicht 
blicken kann, weil er die damit einher- 
gehende Pflicht und Selbstzucht scheut? 
Jesus hat gesagt: „Wer aus der Wahrheit 
ist, der höret meine Stimme." Wer „aus 
der Wahrheit ist", bemüht sich auch um 
sie. Jeder Mensch soll ein Wahrheits- 
sucher sein, denn sie ist die Substanz des 
Lebens. 

Diesen Gedanken hat jemand folgender- 
maßen ausgedrückt: „Doch die Wahr- 
heit, die nur sich selbst beurteilt, lehrt, 
daß das Streben nach Wahrheit, das 
heißt, das Werben um sie, das Erkennen 
der Wahrheit, das heißt, ihr Gegen- 
wärtigsein und der Glaube an die Wahr- 
heit, das heißt, das Sichfreuen an ihr, das 
erhabene Gute im Menschen ist" (Fran- 
cis Bacon). 



101 



Im Einklang mit diesem Gedanken 
schrieb ein Dichter des Altertums: „Wie 
schön ist es, von der Küste aus zu 
beobachten, wie die Schiffe auf dem 
Meer hin und her geworfen werden; wie 
schön ist es, von der Burgzinne aus das 
Auf und Ab einer Schlacht zu verfolgen; 
doch ein unvergleichliches Erlebnis ist 
es, auf dem höchsten Punkt der Wahr- 
heit zu stehen [einem Berg, den man 
nicht einnehmen kann, auf dem die Luft 
stets rein und heiter ist] und unten im Tal 
die Irrtümer und Irrwege, Nebel und 
Stürme zu betrachten; solange dieses 
Betrachten von Mitleid begleitet ist und 
nicht von Stolz und Hochmut. Gewiß 
hat den Himmel auf Erden, wer voll 
Anteilnahme ist, im Schöße der Vor- 
sehung ruht und sich nach den Weg- 
weisern der Wahrheit richtet" (Lucre- 
tius, zitiert von Francis Bacon). 
Hierzu passen die Worte Jesu: „Ich bin 
dazu geboren und in die Welt ge- 
kommen, daß ich für die Wahrheit 
zeugen soll" (Johannes 18:37). 
Wahrheit ist Erkenntnis! „Das ist aber 
das ewige Leben, daß sie dich, der du 
allein wahrer Gott bist, und den du 
gesandt hast, Jesus Christus, erkennen" 
(Johannes 17:3). Wahrheit finden wir im 
Evangelium Jesu Christi. 
Als der Herr auf Erden wirkte, gründete 
er seine Kirche und machte demütige, 
aufrichtige Männer zu seinen Aposteln. 
Er lebte mit ihnen, zog mit ihnen umher, 
lehrte sie. Er vollbrachte Wunder vor 
ihren Augen, ordinierte sie, übertrug 
ihnen Macht und Vollmacht - - und all 
das, damit sie bereitgemacht wurden, 
der Welt sein Evangelium zu verkünden. 
Einmal, als er mit ihnen unterwegs war, 
„kam Jesus in die Gegend von Cäsarea 
Philippi und fragte seine Jünger und 
sprach: Wer sagen die Leute, daß des 
Menschen Sohn sei? 
Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest 
Johannes der Täufer; andere, du seiest 



Elia; wieder andere, du seiest Jeremia 
oder der Propheten einer. 
Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, 
daß ich sei? 

Da antwortete Simon Petrus und 
sprach: Du bist Christus, des lebendigen 
Gottes Sohn! 

Und Jesus antwortete und sprach zu 
ihm: Selig, bist du, Simon, Jonas Sohn; 
denn Fleisch und Blut hat dir das nicht 
offenbart, sondern mein Vater im Him- 
mel. Und ich sage dir auch: Du bist 
Petrus, und auf diesen Felsen will ich 
bauen meine Gemeinde, und die Pforten 
der Hölle sollen sie nicht überwältigen" 
(Matthäus 16:13-18). 
Die Kirche ist auf den Fels der Offen- 
barung gebaut. Ohne Offenbarung wäre 
die Kirche tot. Durch Offenbarung 
spricht der Herr mit seinen Propheten, 
die seine Kirche auf Erden führen. Die 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage wurde durch die Voll- 
macht göttlicher Offenbarung wieder- 
hergestellt. 

Zu Beginn des neunzehnten Jahr- 
hunderts suchte ein junger Mann na- 
mens Joseph Smith aufrichtig nach der 
Wahrheit und fand im Brief des Jakobus 
(der an die zwölf Stämme in der Zer- 
streuung gerichtet war) die folgenden 
Worte, die ihn sehr bewegten: „Wenn 
aber jemandem unter euch Weisheit 
mangelt, der bitte Gott, der da gern gibt 
jedermann und allen mit Güte begegnet, 
so wird ihm gegeben werden. 
Er bitte aber im Glauben und zweifle 
nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich 
wie die Meereswoge, die vom Winde 
getrieben und bewegt wird. Solcher 
Mensch denke nicht, daß er etwas von 
dem Herrn empfangen werde" (Jakobus 
1:5-7). 

Solchermaßen von Gott eingeladen, die 
Wahrheit zu erforschen, betete Joseph 
Smith und lernte Gott Vater und Jesus 
Christus kennen, zwei verschiedene 



102 




Wesen. Er wurde vom Erlöser belehrt 
und erfuhr als Antwort auf seine Frage, 
daß keine Kirche wahr sei, denn, so 
sagte der Herr, sie nahten sich ihm mit 
ihren Lippen, aber ihr Herz sei ferne von 
ihm; was sie lehrten, sei nichts als 
Menschengebot, sie haben den Schein 
der Göttlichkeit, Gottes Kraft aber 
verleugnen sie" (Joseph Smith 2:19). 
Darüber hinaus erfuhr Joseph Smith, 
daß Gott sich seiner bedienen würde, um 
seine wahre Kirche zur Erde zurückzu- 
bringen. 

„Gott der Herr tut nichts, er offenbare 
denn seinen Ratschluß den Propheten, 
seinen Knechten" (Arnos 3:7). 
1841, elf Jahre nachdem die Kirche 
wiederhergestellt worden war, wurde 
Joseph Smith gebeten, ihre Lehren kurz 
darzulegen. Seine Ausführungen dazu 
kennen wir als die Glaubensartikel. Der 



achte und der neunte Glaubensartikel 
erklären, wie wir zu göttlicher Offenba- 
rung stehen: 

,,Wir glauben an die Bibel als das Wort 
Gottes, soweit sie richtig übersetzt ist; 
wir glauben auch an das Buch Mormon 
als das Wort Gottes. 
Wir glauben alles, was Gott geoffenbart 
hat, alles was er jetzt offenbart, und wir 
glauben, daß er noch viele große und 
wichtige Dinge offenbaren wird in bezug 
auf das Reich Gottes." 
Wir wissen, daß die Bibel aus den 
verfügbaren Offenbarungen, die Gott 
seinen Propheten zum Nutzen seiner 
Kinder gegeben hat, zusammengestellt 
wurde. Die Bibel ist die Grundlage 
unserer religiösen Literatur. Wir haben 
sie rechtmäßig erhalten und haben sie in 
unserer heutigen Welt bitter nötig. Sie 
enthält viel von dem, was wir wissen 



103 



müssen. Was wüßten wir ohne die Bibel 
von Jesus? Denken Sie nur an diese 
Worte des Johannes: 
„Im Anfang war das Wort, und das 
Wort war bei Gott, und ohne dasselbe ist 
nichts gemacht, was gemacht ist. 
In ihm war das Leben, und das Leben 
war das Licht der Menschen. 
Er war in der Welt, und die Welt ist 
durch ihn gemacht; aber die Welt er- 
kannte ihn nicht" (Johannes 1:1-4, 10). 
Jesus hat die Erde und alles, was zu ihr 
gehört, erschaffen. Als Jehova offen- 
barte er seine Absichten seinen Pro- 
pheten und leitete so alle bisherigen 
Evangeliumszeiten ein. 
Doch enthält die Bibel nicht alle Offen- 
barungen, die er jemals gegeben hat. 
Durch Joseph Smith, einen Propheten 
der Neuzeit, haben wir das Buch Mor- 
mon erhalten. Es ist ein neuer Zeuge für 
Christus und belegt, daß die alten Be- 
wohner Amerikas sein Evangelium 
kannten und daß er Amerika nach seiner 
Auferstehung besucht hat. Diese Men- 
schen waren die „anderen Schafe" seiner 
Herde (Johannes 10:16; 3. Nephi 15:21), 
denn in ihren Adern floß das Blut 
Israels. Durch neuzeitliche Offenbarung 
wissen wir auch, daß Adam das Evange- 
lium hatte: „Adam und sein Weib Eva 
riefen den Namen des Herrn an, und sie 
hörten die Stimme des Herrn ... zu 
ihnen sprechen, und sie sahen nicht, 
denn sie waren von seiner Gegenwart 
verbannt. 

Und er gab ihnen Gebote, daß sie den 
Herrn, ihren Gott, anbeten und die 
Erstlinge der Herden dem Herrn zum 
Opfer darbringen sollten. Und Adam 
war den Geboten des Herrn gehorsam. 
Und nach vielen Tagen erschien Adam 
ein Engel des Herrn und sagte: Warum 
bringst du dem Herrn Opfer dar? Und 
Adam sagte zu ihm: Ich weiß nicht, ich 
weiß nur, daß der Herr es mir gebot. 
Und dann sprach der Engel und sagte: 



Dies ist ein Sinnbild des Opfers des 
Eingeborenen des Vaters, der voller 
Gnade und Wahrheit ist. 
Deshalb sollst du alles, was du tust, im 
Namen des Sohnes tun, und du sollst 
Buße tun und Gott immerdar im Namen 
seines Sohnes anrufen. 
Und an jenem Tage fiel der Heilige 
Geist, der Zeugnis gibt vom Vater und 
Sohn, auf Adam und sagte: Ich bin der 
Eingeborene des Vaters, von Anfang an, 
hinfort und immerdar, auf daß du so, 
wie du gefallen bist, auch erlöst werden 
kannst, und die ganze Menschheit ja 
alle, die erlöst werden wollen" (Moses 
5:4-9). 

Wir wissen heute auch mehr über 
Enoch. Die Bibel sagt nur wenig über 
diesen bedeutenden Propheten aus. Wir 
wissen mehr über sein Wirken. Enoch 
hat gesagt: „Der Herr, der zu mir 
sprach, ist der Gott des Himmels, und er 
ist mein Gott und euer Gott" (Moses 
6:43). Der Herr legte Enoch den gesam- 
ten Errettungsplan aus, und Enoch 
kannte das Evangelium Jesu Christi, wie 
sein Vater Adam es erhalten hatte. 
Wir wissen auch mehr über Noah: „Der 
Herr ordinierte Noah nach seiner eige- 
nen Ordnung und gebot ihm, auszuge- 
hen und sein Evangelium den Men- 
schenkindern zu verkünden, selbst wie 
es Enoch gegeben worden war. 
Und Noah setzte seine Predigt unter 
dem Volke fort und sagte: „Hört und 
merkt auf meine Worte; 
glaubt und tut Buße von euern Sünden 
und werdet getauft auf den Namen Jesu 
Christi, des Sohnes Gottes, so wie unsre 
Väter, und ihr werdet den Heiligen Geist 
empfangen, daß euch alle Dinge gezeigt 
werden; wenn ihr dies aber nicht tut, 
werden die Fluten über euch herein- 
brechen; doch sie gehorchten nicht" 
(Moses 8:19, 23, 24). 
Auch über Abraham wissen wir mehr. 
Jehova sprach mit ihm: „Mein Name ist 



104 



Jehova, und ich kenne das Ende vom 
Anfang an; daher soll meine Hand über 
dir sein. 

Und ich will ein großes Volk aus dir 
machen . . . und du sollst deinem Samen 
nach dir ein Segen sein, daß er in seinen 
Händen dieses Amt und dieses Priester- 
tum zu allen Völkern trage" (Abraham 
2:8, 9). 

Abraham hatte eine Vision vom vor- 
irdischen Dasein der Menschen, und der 
Herr legte sie ihm aus: „Nun hatte der 
Herr mir, Abraham, die geistigen Wesen 
gezeigt, die vor der Schöpfung der Welt 
gebildet wurden, und unter ihnen waren 
viele Edle und Große. 
Und Gott sah diese Seelen, daß sie gut 
waren, und er . . . sagte zu mir: Ab- 
raham, du bist einer von ihnen, du warst 
erwählt, ehe du geboren wurdest" (Ab- 
raham 3:22, 23). 

Wenn wir die Offenbarungen der Neu- 
zeit in ihrer Gesamtheit betrachten, 
kann uns nicht entgehen, daß wir in der 
Zelt leben, von der Paulus gesagt hat: „ 
. . . wenn die Zeit erfüllt wäre: daß alle 
Dinge zusammengefaßt würden in Chri- 
stus, beides, was im Himmel und auf 
Erden ist" (Epheser 1:10). 
Durch das Evangelium erfahren wir, 
warum Jesus sich für die Sünden der 
Menschheit geopfert hat, nämlich damit 
alle Menschen erlöst werden können; 
wir lernen, daß der Mensch errettet 
wird, wenn er an Jesus und an alle seine 
Lehren glaubt, sie befolgt und der Stim- 
me des Herrn in allem treu ist. Es gehört 
ein ganzes Leben dazu, all die ewigen 
Grundsätze zu hören, zu lernen und zu 
befolgen, denn das Evangelium er- 
streckt sich bis in die Ewigkeit. 
Über unseren Glauben an göttliche 
Offenbarung hat James Anders gesagt: 
„Dieser Glaube an Gott als die Quelle 
aller Wahrheit und daran, daß er diese 
Wahrheit den Menschen offenbart, 
schließt alle Wahrheit im Universum 



ein, ob sie bereits offenbart ist oder noch 
offenbart wird, ob sie durch die Inspi- 
ration des Allmächtigen bekannt wird, 
die den Geist des Menschen beflügelt, 
wenn er sich mit der Materie beschäftigt 
und für ihn Neues entdeckt, oder sich in 
dem manifestiert, was für das 
Menschenauge sichtbar oder unsichtbar 
ist. Er schließt alle Wahrheit ein — in 
Naturwissenschaft, Geschichte, Philo- 
sophie und Logik; das gehört einfach 
zur wahren auf Offenbarung be- 
ruhenden Religion. Das ist die Ordnung 
und Gesetzmäßigkeit des Himmels. Es 
ist das Evangelium des Herrn Jesus 
Christus" (James H. Anderson, Gocts 
Covenant Race, 1. Aufl. Salt Lake City, 
1938, S. 132). 

Wir möchten Sie alle einladen zu tun, 
wozu ein Dichter riet: „Fliehe keine 
Meinung, weil sie neu ist, sondern er- 
forsche sie gründlich. Verwirf sie, wenn 
sie falsch ist, nimm sie an, wenn sie wahr 
ist." 

Beten Sie dabei. 

Ich bezeuge Ihnen, daß es ohne Offenba- 
rung und Beten kein ewiges Leben geben 
kann. Im Namen Jesu Christi. Amen. 



105 



Erfolg in der Ehe 

O. Leslie Stone 

Vom Ersten Kollegium der Siebzig 




„Nirgendwo haben Glück und Erfolg größere Bedeutung als 
in der Ehe." 



Ach möchte mich heute vor allem an die 
jungvermählten Paare wenden und an 
alle, die ihre Eheschließung planen, doch 
vielleicht gilt das, was ich sagen werde, 
gleichermaßen für alle Eheleute und alle, 
die eines Tages heiraten werden. Ich 
möchte über die Kunst sprechen, eine 
erfolgreiche Ehe zu führen. Unser Vater 
im Himmel liebt uns alle und möchte, 
daß wir glücklich sind. In der heiligen 
Schrift heißt es: „Menschen sind, daß sie 
Freude haben können" (2. Nephi 2:25). 
Präsident Kimball hat einmal gesagt, 
der Preis für unser Glücklichsein sei das 
Halten der Gebote. Und nirgendwo 
haben Glück und Erfolg größere Be- 
deutung als in Ihrer Ehe. 
Die Grundlage für eine glückliche, erfolg- 
reiche Ehe ist die Siegelung im Tempel. 
Wenn Sie nur für dieses Leben getraut 
sind, möchte ich Ihnen ans Herz legen, 
darüber nachzudenken, was für Seg- 
nungen Ihnen zustehen, wenn Sie im 
Tempel für Zeit und Ewigkeit anein- 
ander gesiegelt werden. Wenn Sie eine 
erfolgreiche Ehe führen wollen, sollte 
dies ihr erstes und oberstes Ziel sein. 
Als unser Vater im Himmel uns gestat- 
tete, auf diese Erde zu kommen, gab er 



uns die Entscheidungsfreiheit; wir kön- 
nen also selbst entscheiden, was wir hier 
tun. Dazu gab er uns Richtlinien für ein 
rechtschaffenes Leben. 
In seiner Weisheit läßt er zu, daß wir 
viele Probleme haben, denn er weiß, 
wenn wir uns ihnen stellen und sie lösen, 
eignen wir uns Kenntnisse und Fähig- 
keiten an, entwickeln einen Charakter 
und lernen, das Böse zu überwinden. 
All dies hilft uns, während wir hier auf 
der Erde leben, und bereitet uns auf das 
künftige Dasein vor. 
Deshalb sollen wir auch die Probleme in 
unserer Ehe als Möglichkeit sehen, zu 
wachsen und Fortschritt zu machen. 
Wenn wir sie meistern, erfahren wir in 
unserer Ehe und Familie Frieden und 
Ausgeglichenheit. 

Zunächst einmal muß ein Ehepaar eine 
gute Beziehung zueinander aufbauen. 
Wenn Sie Liebe wollen, müssen Sie sie 
sich erarbeiten. Tun Sie, was Sie können, 
um Ihren Mann oder Ihre Frau glück- 
lich zu machen. Seien Sie freundlich und 
rücksichtsvoll. Sprechen Sie offen 
miteinander, wenn Sie Probleme haben, 
und beseitigen Sie Meinungs- 
verschiedenheiten sofort. Gordon B. 
Hinckley hat einmal gesagt, Sanftmut 
sei die Sprache des Friedens. Präsident 
McKay sagte immer, wir sollten ein- 
ander zu Hause niemals anschreien. 
Und dann fügte er mit verschmitztem 



106 



Lächeln hinzu, es gebe eine Ausnahme 
— wenn das Haus brenne. Manchmal 
wollen wir nicht einsehen, warum unser 
Mann oder unsere Frau etwas anders 
sieht und anders entscheidet als wir. Die 
Menschen denken nicht alle gleich, und 
es gibt viele verschiedene Meinungen. 
Meinungsverschiedenheiten müssen so- 
fort geklärt werden, wenn Mann und 
Frau miteinander glücklich sein und 
„am gleichen Strang ziehen" wollen. 
Wer eine erfolgreiche Ehe führen will, 
muß wissen, was in der Ehe von beiden 
Beteiligten erwartet wird. Normaler- 
weise verdient der Mann das Geld. Er 
soll bereit sein, hart zu arbeiten und alles 
zu tun, um seine Familie zu unterhalten. 
Man muß darüber sprechen, was die 
Familie braucht, und entsprechende 
Prioritäten festlegen. 
Die Frau führt den Haushalt. Sie sorgt 
für ein sauberes, ordentliches Zuhause. 
Manche Scheidungen sind darauf 
zurückzuführen, daß die Frau ihre äuße- 
re Erscheinung oder den Haushalt oder 
beides vernachlässigt hat. Ich kann den 
Schwestern nicht nachdrücklich genug 
ans Herz legen, wie wichtig es ist, auf ein 
gepflegtes, anziehendes Äußeres zu ach- 
ten und ihren Haushalt in Ordnung zu 
haben. 

Wenn die Konstitution der Frau es 
zuläßt, übt sie zu Beginn oft vorüber- 
gehend noch ihren Beruf aus. Dann soll 
der Mann bei der Hausarbeit mithelfen. 
Wenn ein Mann seine Frau wirklich 
liebt, kann er nicht zulassen, daß sie sich 
überarbeitet, sondern hilft ihr gern, so 
gut er kann. 

Als ich noch ein junger Mann war, bat 
mich meine Frau oft, ihr beim Abwasch, 
beim Bettenmachen oder anderen Haus- 
arbeiten zu helfen. Es kommt vor allem 
darauf an, daß wir zusammenarbeiten 
und einander helfen. 
Zeigen Sie durch alles, was Sie tun, daß 
sie einander lieben. Seien Sie jederzeit 



rücksichtsvoll. Brüder, öffnen Sie die 
Wagentür für Ihre Frau oder Ihre Be- 
gleiterin. Wenn Sie gemeinsam ein Ge- 
bäude betreten oder verlassen, dann 
öffnen Sie die Tür, und lassen Sie sie 
vorgehen. Seien Sie ihr behilflich, wenn 
sie sich irgendwo hinsetzt, ehe Sie sich 
selbst hinsetzen. 

Manchmal lassen uns die Damen ein- 
fach keine Zeit für solche Ritterlichkeit. 
Ich möchte den Schwestern raten, sich 
die Zeit zu nehmen. Wenn Sie ein 
paarmal ohne seine Hilfe aus dem Auto 
springen, wird er wohl bald erwarten, 
daß Sie ihm die Tür aufmachen. Die 
Schwestern dürfen nicht vergessen, daß 
ein Mann seine Frau normalerweise so 
behandelt, wie sie es von ihm erwartet. 
Die Regelung der Finanzen ist eine 
äußerst wichtige Angelegenheit. Ich 
möchte Ihnen ein paar Punkte nennen, 
die mir dazu nützlich erscheinen. 

1 . Zahlen Sie stets als erstes Ihren Zehn- 
ten. Qualifizieren Sie sich für die vielen 
Segnungen, die der Herr denen ver- 
heißen hat, die dieses Gebot halten. In 
der heiligen Schrift heißt es: „Bringt 
aber die Zehnten in voller Höhe in mein 
Vorratshaus, auf daß in meinem Hause 
Speise sei, und prüft mich hiermit, 
spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch 
dann nicht des Himmels Fenster auftun 
werde und Segen herabschütten die 
Fülle" (Maleachi 3:10). Ich bezeuge 
Ihnen, daß dies wahr ist. 

2. Sparen Sie. Sparen Sie von jeder 
Mark, die Sie verdienen, einen Teil. Ich 
schlage Ihnen vor, zehn Prozent zu 
sparen, nachdem Sie dem Herrn das 
Seine gegeben haben. 

Brigham Young hat einmal gesagt: 
„Wenn Sie reich werden wollen, sparen 
Sie, was Sie bekommen. Ein Tor kann 
Geld verdienen, aber nur ein Weiser 
kann sparen und das Geld zu seinem 
Vorteil anlegen" (Discourses of Brig- 
ham Young, S. 292). 



107 



3. Überziehen Sie wenn möglich nie Ihr 
Konto und kaufen Sie nichts auf Raten. 
Die Kreditaufnahme wird uns heute so 
leicht gemacht. Das verlockt dazu, sich 
mit Luxus zu umgeben, ehe man ihn 
bezahlen kann. Ich rate Ihnen, jetzt zu 
sparen und später zu kaufen. So sparen 
wir uns nicht nur den hohen Kreditzins, 
sondern bleiben auch finanziell un- 
abhängig. 

Reuben Clark hat uns geraten: „Wir 
müssen Schulden meiden wie die Pest. 
Wenn wir jetzt verschuldet sind, müssen 
wir zusehen, daß wir von den Schulden 
wegkommen; wenn nicht heute, dann 
morgen. 

Achten wir streng darauf, daß wir nicht 
mehr ausgeben, als wir haben, und 
sparen wir noch ein bißchen" (General- 
konferenz, April 1937). 

4. Stellen Sie einen Haushaltsplan auf 
und leben Sie nicht über Ihre Ver- 
hältnisse. Vergessen Sie nie, daß immer 
und überall die Familie an erster Stelle 
steht. Dann kommen die kirchlichen 
Aufgaben und danach ihre beruflichen 
Angelegenheiten. 

Der Herr mahnte seine Jünger: 
„Trachtet am ersten nach dem Reich 
Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird 
euch solches alles zufallen" (Matthäus 
6:33). Ich bezeuge Ihnen, daß das wahr 
und in jeder Hinsicht der Weg zum 
Erfolg ist. 

Die Zeit ist mit das Wertvollste, was wir 
besitzen. Wenn wir rechtschaffen leben 
und den Zweck unserer Erschaffung 
erfüllen wollen, müssen wir ständig 
überprüfen, was wir getan haben, unse- 
ren gegenwärtigen Standort bestimmen 
und uns Ziele für die Zukunft setzen. 
Ohne diese Arbeitsweise werden wir 
unsere Ziele schwerlich erreichen. 
Ich möchte jedem raten, mit guten Men- 
schen zu verkehren. Die Menschen, mit 
denen Sie Umgang haben, tragen zu 
Ihren Erfolg oder Versagen bei, und ihre 



Handlungsweise und ihre Ideale beein- 
flussen Ihr Leben und Handeln nach- 
haltig positiv oder negativ. Lernen Sie, 
mit guten Menschen Umgang zu pfle- 
gen. Meiden Sie das Böse, indem Sie der 
Sphäre des Satans fernbleiben. 
Seien Sie in allem ehrlich. Seien Sie 
ehrlich gegenüber Ihrem Mann oder 
Ihrer Frau, Ihrer Familie, sich selbst und 
allen Ihren Mitmenschen. Zum Ehrlich- 
sein gehört, daß Sie nicht lügen, be- 
trügen oder stehlen und daß Sie allen 
Ihren Verpflichtungen nachkommen. 
Es gehört auch dazu, daß Sie in Ihrer 
Arbeit ehrlich sind. Wenn wir unsere 
Arbeit vernachlässigen, stehlen wir von 
der Zeit unseres Arbeitgebers. Die Ar- 
beitgeber suchen ehrliche, zuverlässige 
Menschen. So war es immer, und so 
wird es immer bleiben. 
Hüten Sie Ihren guten Ruf, damit man 
von Ihnen immer sagen kann, daß Sie 
ehrlich und zuverlässig sind. Vielleicht 
gehört Ihr guter Ruf zu dem Kostbar- 
sten, das Sie besitzen. 
Wenn Sie Vater und Mutter werden, dann 
fühlen Sie sich für die Erziehung und 
Belehrung Ihrer Kinder verantwortlich. 
Die heilige Schrift spricht sich darüber 
ganz deutlich aus: 

„Und weiter: Wenn Eltern in Zion oder 
einem seiner organisierten Pfähle Kin- 
der haben und sie nicht lehren, die 
Grundsätze der Buße zu verstehen, des 
Glaubens an Christus als den Sohn des 
lebendigen Gottes, der Taufe und der 
Gabe des Heiligen Geistes durch 
Händeauflegen. wenn sie acht Jahre alt 
sind, so wird die Sünde auf den Häup- 
tern der Eltern ruhen" (LuB 68:25). 
Haben Sie etwas gemerkt'.' Da stand 
nichts von Sonntagsschule oder PV. Die 
Sünde soll auf dem Haupt der Eltern 
ruhen. 

Familie und Kindererziehung müssen in 
Denken und Handeln der Eltern an 
erster Stelle stehen, wenn die Ehe erfolg- 



108 



reich sein soll. Wir dürfen nie vergessen, 
was David 0. McKay gesagt hat: „Ein 
Versagen in der Familie läßt sich durch 
keinen anderen Erfolg wettmachen." 
Strahlen Sie in allem, was Sie tun, Liebe 
aus, nicht nur im Umgang miteinander, 
sondern auch gegenüber Ihren Ver- 
wandten, Freunden und Bekannten. 
Der Herr hat uns geboten, einander zu 
lieben: ,,Du sollst deinen Nächsten lie- 
ben wie dich selbst" (Matthäus 22:39). 
Streiten, Nörgeln, Kritisieren müssen 
wir unter allen Umständen meiden. In 3. 
Nephi 1 1 :29, 30 hat der Herr dazu etwas 
sehr, sehr Wichtiges gesagt: 
„Denn wahrlich, wahrlich, ich sage 
euch, wer den Geist der Zwietracht hat, 
ist nicht von mir, sondern vom Teufel, 
dem Vater der Zwietracht, und er reizt 
die Herzen der Menschenkinder zum 
Zorn auf, miteinander zu streiten. 
Sehet, es ist nicht meine Lehre, das Herz 
der Menschen zum Zorn gegeneinander 
aufzureizen, sondern es ist meine Lehre, 
daß solche Dinge aufhören sollen." In 
Mosiah 4:14 lesen wir, daß die Eltern 
sich vor allem auch um das Verhalten 
ihrer Kinder kümmern sollen: 
„Und ihr werdet nicht zugeben, daß eure 
Kinder hungrig oder nackend gehen; ihr 
werdet auch nicht dulden, daß sie das 
Gesetz Gottes übertreten, miteinander 
zanken und streiten und dem Teufel 
dienen, der der Herr der Sünder oder der 
böse Geist ist, von dem unsre Väter 
geredet haben, denn er ist ein Feind aller 
Rechtschaffenheit." 

Ganz wesentlich ist, daß Sie jeden Mor- 
gen und Abend mit der ganzen Familie 
beten. Danken Sie der Reihe nach dem 
Vater im Himmel dafür, daß er Sie 
gesegnet hat, und bitten Sie ihn um das, 
was Sie für Ihr Wohlergehen brauchen. 
Unser Vater im Himmel hört jedes 
Gebet. Manchmal fällt seine Antwort 
anders aus, als wir sie erwarten, doch 
kann ich Ihnen versprechen, daß seine 



Antwort stets am besten für uns ist. Er 
weiß besser als wir, wie unsere Gebete 
erhört werden sollen. 
Nehmen Sie sich jeden Tag die Zeit, 
einige Minuten gemeinsam in der heiligen 
Schrift zu lesen. In der heiligen Schrift 
finden wir die Antworten auf alle unsere 
Fragen. 

Zu guter Letzt möchte ich Sie bitten, 
immer in Verbindung mit der Kirche zu 
bleiben. Ehren Sie Ihre Berufung im 
Priestertum. Schwestern, unterstützen 
Sie Ihren Mann in seinen kirchlichen 
Aufgaben. Brüder, unterstützen Sie Ihre 
Frau in ihren kirchlichen Aufgaben. 
Gehen Sie oft zum Tempel, und bringen 
Sie den Geist, den Sie dort finden, nach 
Hause zurück. Seien Sie von ganzem 
Herzen den Bündnissen treu, die Sie im 
Haus des Herrn eingegangen sind oder 
noch eingehen werden. 
Präsident Kimball hat auf einer Fireside 
an der Brigham-Young-Universität ge- 
sagt: „Fast jede Ehe könnte schön, 
harmonisch, glücklich und ewig sein, 
wenn die beiden Menschen, um die es 
geht, wollen, daß sie es sein soll, sein 
muß und ist." 

Möge unser Vater im Himmel Sie seg- 
nen in Ihrem Bemühen, für Zeit und alle 
Ewigkeit eine erfolgreiche Ehe zu füh- 
ren. Das erbitte ich von ganzem Herzen 
im Namen Jesu Christi. Amen. 



109 



„Sei nicht ungläubig 



66 



Gordon B. Hinckley 
Vom Rat der Zwölf 




D 



'iese Konferenz markiert für mich 
einen wichtigen Jahrestag. Vor genau 
zwanzig Jahren habe ich hier zum ersten- 
mal als Generalautorität der Kirche 
gesprochen. An jenem Sonntagmorgen 
im Jahre 1958 hatte ich Angst und fühlte 
mich sehr unzulänglich. Jetzt nach 
zwanzig Jahren und vierzig Konferen- 
zen, sind mir diese Gefühle immer noch 
nicht ganz fremd. Und so bitte ich 
darum, daß der Heilige Geist mich 
führt, damit Inspiration an die Stelle 
meiner Angst tritt. Ich will nicht in die 
Vergangenheit blicken, sondern nur den 
Fortschritt der Kirche aufzeigen und 
habe dafür ein paar Zahlen heraus- 
gesucht, die 1958 auf der General- 
konferenz veröffentlicht wurden. Da- 
mals hatte die Kirche etwas über andert- 
halb Millionen Mitglieder. Gestern ha- 
ben wir gehört, daß sie heute fast vier 
Millionen Mitglieder hat, das heißt, die 
Wachstumsrate betrug in diesen zwei 
Jahrzehnten rund 166 Prozent. 1958 
hatten wir 273 Pfähle mit rund 2500 
Gemeinden. Gestern haben wir gehört, 
daß wir bis Ende letzten Jahres 885 und 
letzten Donnerstag 937 hatten, von 
denen einige gerade gegründet oder 



„Glauben Sie an Jesus Christus — er ist der Sohn Gottes 
und die bedeutendste Gestalt in Zeit und Ewigkeit.'' 



genehmigt werden. Heute haben wir 
rund 7500 Gemeinden, dreimal soviel 
wie vor zwanzig Jahren. 
Diese wenigen Zahlen reichen aus, um 
zu zeigen, was ich in den letzten zwanzig 
Jahren persönlich miterlebt habe. Ich 
will mich nicht brüsten. Nein, ich bin 
dankbar, denn hinter diesen Zahlen 
habe ich Männer, Frauen und Kinder in 
vielen Ländern gesehen, deren Leben 
einen neuen Sinn gefunden hat, in deren 
Familie eine neue Liebe und ein neuer 
Friede eingezogen sind und die durch 
ihre Mitgliedschaft in der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage 
ihren Platz im ewigen Plan Gottes besser 
erfaßt haben. 

Dieses erstaunliche Wachstum wurde 
deshalb möglich, weil Tausende, die 
durch die Macht des Heiligen Geistes ein 
Zeugnis von Christus und der Wieder- 
herstellung seines Evangeliums empfan- 
gen haben, genug Mut hatten zu lehren 
und genug Glauben um zuzuhören. 
Letzten Sonntag hat die christliche Welt 
Ostern gefeiert und Jesu Christi Auf- 
erstehung gedacht. Damals war der 
Herr zuerst Maria Magdalena er- 
schienen, dann, im Laufe desselben 
Tages, zehn von den Aposteln; Thomas 
war nicht dabeigewesen. 
,,Da sagten die andern Jünger zu ihm: 
Wir haben den Herrn gesehen." Doch 
Thomas reagierte wie soviele damals 
und heute und sagte: ,,Wenn ich nicht in 



110 



seinen Händen sehe die Nägel male und 
lege meinen Finger in die Nägelmale 
und lege meine Hand in seine Seite, kann 
ich's nicht glauben" (Johannes 20:25). 
Haben Sie ähnliches nicht schon gehört? 
Viele sagen: „Ich brauche Beweise, 
empirische Beweise, die ich sehen, hö- 
ren, anfassen kann, sonst glaube ich 
nicht." Das ist die Sprache der Zeit, in 
der wir leben. Der ungläubige Thomas 
hat zu allen Zeiten Nachfolger ge- 
funden, die nur akzeptieren wollen, was 
sie materiell beweisen und erklären kön- 
nen — als ob sie Liebe oder Glauben 
oder auch nur eine physikalische Er- 
scheinung wie Elektrizität beweisen 
könnten. Aber fahren wir mit den Wor- 
ten der Schrift fort. Acht Tage später 
waren die Apostel wieder beisammen, 
und diesmal war Thomas dabei. 
,, Kommt Jesus, da die Türen ver- 
schlossen waren, und tritt mitten ein und 
spricht: Friede sei mit euch!" Zu Tho- 
mas sagte der Herr: „Reiche deinen 
Finger her und siehe meine Hände und 
reiche deine Hand her und lege sie in 
meine Seite und sei nicht ungläubig, 
sondern gläubig! 1 ' 

Thomas war erstaunt und erschüttert 
und konnte nur sagen: „Mein Herr und 
mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil 
du mich gesehen hast, Thomas, so 
glaubst du. Selig sind, die nicht sehen 
und doch glauben!" (Johannes 20:26- 
29.) 

Allen, die meine Stimme hören, möchte 
ich zurufen, was der Herr zu Thomas 
sagte, als dieser seine Wundmale be- 
rührte: „Seid nicht ungläubig, sondern 
gläubig!" Glauben Sie an Jesus Christus 
— er ist der Sohn Gottes und die 
bedeutendste Gestalt in Zeit und Ewig- 
keit. Glauben Sie, daß sein unver- 
gleichliches Leben schon lange vorher 
begonnen hat, ehe die Welt gebildet 
wurde. Glauben Sie daran, daß er die 
Erde erschaffen hat, auf der wir leben. 



Glauben Sie daran, daß er der Jehova 
des Alten Testaments war, der Messias 
des Neuen Testaments, daß er gestorben 
ist, daß er den amerikanischen Kon- 
tinent besucht und die Menschen dort 
belehrt hat, daß er diese, die letzte 
Evangeliumszeit eingeleitet hat und daß 
er lebt — er, der Sohn des lebendigen 
Gottes, unser Erretter und Erlöser. 
Johannes sagt, alles sei durch Jesus 
Christus erschaffen worden (Johannes 
1:3). 

Kann man den nächtlichen Sternen- 
himmel betrachten, den Hauch des 
Frühlings über der Erde verspüren und 
dann noch daran zweifeln, daß Gott die 
Kreatur erschaffen hat? Möchte man 
nicht eher beim Betrachten der Natur 
mit dem Psalmisten ausrufen: „Die 
Himmel erzählen die Ehre Gottes, und 
die Feste verkündigt seiner Hände 
Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und 
eine Nacht tut's kund der andern" 
(Psalm 19:2, 3). 

Alles Schöne auf Erden deutet hin auf 
das Wirken des Meisterschöpfers, auf 
seine Hände, die Thomas nach der 
Auferstehung des Herrn berühren woll- 
te, ehe er glaubte. 

Seien Sie nicht ungläubig, sondern 
glauben Sie an Jehova, dessen Finger 
inmitten des Donners auf dem Berg 
Sinai schrieb: „Du sollst keine anderen 
Götter haben neben mir" (2. Mose 
20:3). Die Zehn Gebote, das Grund- 
gesetz der zwischenmenschlichen Be- 
ziehungen, sind das Produkt seines gött- 
lichen Geistes. Wenn Sie die große Zahl 
der Gesetze betrachten, die zum Schutz 
der Menschen und der Gesellschaft 
geschaffen worden sind, so denken Sie 
daran, daß sie ihren Ursprung in den 
wenigen kurzen und zeitlosen Er- 
klärungen haben, die der allweise Jeho- 
va Mose, dem Führer Israels, gegeben 
hat. 
Glauben Sie an ihn, den Gott Ab- 



111 




rahams, Isaaks und Jakobs, der zu allen 
Propheten des Altertums gesprochen 
hat, denn sie sprachen, wie der Heilige 
Geist es ihnen eingab. Sie sprachen in 
seinem Namen, wenn sie Könige 
zurechtwiesen und Völker züchtigten 
und wenn sie das Kommen des ver- 
heißenen Messias vorhersagten und 
durch die Macht der Offenbarung er- 
klärten: „Darum wird euch der Herr 
selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine 
Jungfrau ist schwanger und wird einen 
Sohn gebären, den wird sie nennen 
Immanuel" (Jesaja 7:14). 
„Auf ihm wird ruhen der Geist des 
Herrn, der Geist der Weisheit und des 
Verstandes, der Geist des Rates und der 
Stärke, der Geist der Erkenntnis und der 
Furcht des Herrn" (Jesaja 11:2). 
„Und die Herrschaft ruht auf seiner 



Schulter; und er heißt Wunder-Rat, 
Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst" 
(Jesaja 9:5). 

Zweifeln Sie nicht, sondern glauben Sie 
daran, daß er es war, der in einem Stall 
geboren wurde, weil in der Herberge 
kein Platz mehr war. Zu Recht fragte ein 
Engel den Propheten, der diese Ereig- 
nisse in einer Vision vorhersah: „Kennst 
du die Herablassung Gottes?" (1. Nephi 
11:16.) Ich glaube, niemand kann voll 
und ganz ermessen, wie der große Jeho- 
va so unter die Menschen kommen 
konnte, in einem Stall, als Angehöriger 
eines verhaßten Volkes, in einem 
Vasallenstaat. Doch bei seiner Geburt 
sang ein Engelchor von seiner Herr- 
lichkeit. Hirten waren da und beteten 
ihn an. Im Osten erschien ein neuer 
Stern. Von weither kamen weise Männer 



112 



und brachten ihm Gold, Weihrauch und 
Myrrhe dar. Man kann sich wohl vor- 
stellen, wie ergriffen sie die kleinen 
Hände des neugeborenen Königs be- 
rührten. 

Herodes der Große, dem die Prophe- 
zeiungen bekannt waren, fürchtete diese 
Hände und suchte, sie zu vernichten. Er 
ließ unschuldige Kinder töten und 
brachte ihr Blut über sich und seine 
Hände. 

Glauben Sie daran, daß Johannes der 
Täufer durch die Macht der Offen- 
barung gesprochen hat, als er von Jesus 
sagte: „Siehe, das ist Gottes Lamm, 
welches der Welt Sünde trägt!" (Johan- 
nes 1:29). Dasselbe sagte auch die 
Stimme des Allmächtigen, die über den 
Wassern des Jordan verkündigte: „Dies 
ist mein lieber Sohn, an welchem ich 
Wohlgefallen habe" (Matthäus 3:17). 
Glauben und wissen Sie, er war ein 
Mann der Wunder. Als der große Jeho- 
va hatte er die Welt erschaffen und 
regiert; er kannte die Elemente der Erde 
und alle Funktionen des Lebens. Von 
Kana aus, wo er Wasser in Wein ver- 
wandelte, ging er durch das Land, 
machte Lahme gehend, Blinde sehend, 
erweckte Tote wieder zum Leben — er, 
der größte Arzt, der die Kranken mit der 
Vollmacht heilte, die er als der Sohn 
Gottes in sich trug. 

„Kommet her zu mir alle, die ihr 
mühselig und beladen seid; ich will euch 
erquicken. 

Nehmet auf euch mein Joch und lernet 
von mir; denn ich bin sanftmütig und 
von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe 
finden für eure Seelen. 
Denn mein Joch ist sanft, und meine 
Last ist leicht" (Matthäus 11:28-30). 
Ich habe einmal mit einem Freund 
gesprochen, der aus seiner Heimat ge- 
flohen war. Beim Zusammenbruch sei- 
nes Volks war er verhaftet und einge- 
sperrt worden. Seine Frau und seine 



Kinder waren entkommen, aber er war 
drei Jahre lang gefangengehalten wor- 
den, ohne mit den Menschen, die er 
liebte, Kontakt aufnehmen zu können. 
Das Essen war schlecht gewesen, die 
Lebensbedingungen erniedrigend, und 
es hatte keine Aussicht auf Besserung 
bestanden. 

„Wie konntest du diese schreckliche Zeit 
nur überstehen?" fragte ich ihn. Er 
antwortete: „Durch meinen Glauben, 
meinen Glauben an den Herrn Jesus 
Christus. Ich habe meine Last auf ihn 
geworfen, dadurch schien sie mir leich- 
ter." 

Einmal, als der Herr durch Samaria zog, 
war er erschöpft und durstig. Er machte 
an Jakobs Brunnen Rast und bat die 
Frau, die zum Brunnen Wasser holen 
gekommen war, um etwas zu trinken. In 
dem darauffolgenden Gespräch sagte er 
ihr, daß seine Lehre die Macht habe zu 
erretten: „Wer von diesem Wasser 
trinkt, den wird wieder dürsten; 
wer aber von dem Wasser trinken wird, 
das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht 
dürsten, sondern das Wasser, das ich 
ihm geben werde, das wird in ihm ein 
Brunnen des Wassers werden, das in das 
ewige Leben quillt" (Johannes 4:13, 14). 
Er gab sich der Frau zu erkennen, als die 
Sprache auf den verheißenen Messias 
kam. Schlicht und einfach sagte er: „Ich 
bin's, der mit dir redet" (Johannes 4:25, 
26). 

Zweifeln Sie nicht, sondern glauben Sie, 
daß er Herr ist über Leben und Tod. Der 
trauernden Maria erklärte er seine gött- 
liche Macht: „Ich bin die Auferstehung 
und das Leben. Wer an mich glaubt, der 
wird leben, ob er gleich stürbe; 
und wer da lebet und glaubet an mich, 
der wird nimmermehr sterben" (Jo- 
hannes 11:25, 26). 

Gibt es für Menschen, die um einen 
lieben Angehörigen trauern, größere 
Worte des Trostes? Thomas war dabei, 



113 



als der Herr dies sagte und als er dann 
Lazarus von den Toten auferweckte. 
Doch er zweifelte immer noch daran, 
daß der Herr die Macht hatte, sich 
selbst aufzuerwecken, nachdem er den 
schrecklichen Tod am Kreuz gestorben 
war. Thomas wollte erst glauben, nach- 
dem er die Wunden selbst gesehen und 
berührt hatte. So nimmt es nicht wun- 
der, wenn Jesus ihn tadelte und sagte: 
„Sei nicht ungläubig, sondern gläubig." 
Wie Thomas gehen wir so leicht dazu 
über, sein unvergleichliches Leben und 
seine Macht zu vergessen. Die Beweise 
seiner Macht finden wir nicht nur in der 
Bibel, der Hinterlassenschaft der Alten 
Welt. Auch die Neue Welt hat uns ein 
Erbe hinterlassen, das durch die Gabe 
und Macht Gottes ans Licht gebracht 
wurde. Es soll die Juden und die Nicht- 
juden davon überzeugen, daß Jesus der 
Christus ist. Es verkündet sein Evange- 
lium beredt und mit machtvollem Geist. 
Als Jesus auf Erden wirkte, sprach er 
von andern Schafen einer andern Herde, 
die auch seine Stimme hören sollten, 
und sagte: „Und wird eine Herde und 
ein Hirte werden" (Johannes 10:16). 
Nach seiner Auferstehung hörten die 
Menschen im Land des Überflusses, 
irgendwo auf dem amerikanischen Kon- 
tinent, die Stimme Gottes, die ihnen 
verkündete: „Seht, mein geliebter Sohn, 
an dem ich Wohlgefallen habe, in dem 
ich meinen Namen verherrlicht habe — 
hört ihn! 

Und ... sie sahen einen Mann vom 
Himmel herniedersteigen, der war mit 
einem weißen Kleid angetan. Er kam 
herab und stand mitten unter ihnen" 
und sagte zu ihnen: 

„Seht, ich bin Jesus Christus, von dem 
die Propheten bezeugten, daß er in die 
Welt kommen werde" (3. Nephi 1 1 :7, 8, 
10). 

Sie zweifelten nicht, sondern glaubten, 
wie so viele nach ihnen, die gelesen 



haben, wie ihnen der auferstandene 
Christus erschien. Wenn Sie dieses fünf- 
te Evangelium noch nicht kennen, es 
aber kennenlernen möchten, dann sollen 
Sie es bekommen und damit die Ver- 
heißung, daß Sie, wenn Sie es ge- 
beterfüllt lesen, selbst erfahren können, 
daß es wahr und ein neuer Zeuge für 
Christus ist. 

Es gibt aber noch einen Zeugen. Am 
Jordan, auf dem Berg der Verklärung 
und dann im Land des Überflusses hatte 
Gott gesprochen und Jesus als seinen 
Sohn bestätigt. Genauso war es, als die 
jetzige Evangeliumszeit eingeleitet wur- 
de. In einer herrlichen Vision erschienen 
Gott, der ewige Vater, und sein Sohn 
Christus einem jungen Mann, der sie 
gesucht hatte. Dieser junge Mann 
sprach in den darauffolgenden Jahren 
als Prophet für den auferstandenen 
Herrn und gab sogar sein Leben als 
Zeugnis für den, der am Kreuz ge- 
storben war. 

Diesen zahlreichen Zeugnissen fügen 
wir unsere eigene Überzeugung hinzu. 
Durch die Macht des Heiligen Geistes 
hat sie unser Herz erfüllt, und voll 
Aufrichtigkeit und Liebe geben wir 
unser Zeugnis von Jesus Christus. Seien 
Sie deshalb nicht „ungläubig, sondern 
gläubig", glauben Sie an ihn, den Sohn 
Gottes, unseren Erretter und Erlöser. 
Darum bete ich von ganzem Herzen in 
seinem heiligen Namen, im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



114 



Versammlung am Sonntagnachmittag, den 2. April 1978 

„Ein Nichtzweifeln an dem, das man 
nicht sieht 66 



Mark E. Petersen 
Vom Rat der Zwölf 




E 



s gibt noch immer Menschen, die das 
Buch Mormon anzweifeln. Sie bezwei- 
feln nicht nur die Echtheit dieses heiligen 
Buches, sondern auch, daß wir neben 
der Bibel noch weitere heilige Schriften 
haben können. 

Wir Heiligen der Letzten Tage haben 
neben der Bibel noch drei weitere Bü- 
cher, die für uns heilige Schriften sind. 
Sie sind weitere Zeugen für den Herrn 
Jesus Christus und erklären allen, die 
bereit sind, sie zu lesen, daß er unser 
Erretter und Erlöser ist. In der heutigen 
Zeit der Wirrnis und des Zweifels sollten 
wir doch eigentlich dankbar sein, daß 
wir von neuem bestätigt bekommen, 
daß er der Messias ist, oder? 
Manche Menschen haben gelernt, die 
Bibel enthalte das ganze Wort Gottes, 
und fragen uns, wozu wir noch mehr 
heilige Schriften haben. Sie sehen nicht, 
daß die Bibel schon den Ansatz zu mehr 
heiligen Schriften enthält. Sie deutet 
darauf hin, daß der Herr schon in alter 
Zeit immer Propheten auf die Erde 



„Das Buch Mormon ist ein greifbarer Beweis für die 
Unsterblichkeit, die Auferstehung von den Toten und die 
Existenz Gottes und seines Sohnes Jesus Christus." 



gesandt hat, die den Menschen heilige 
Schriften gegeben haben. 
Die Offenbarungen dieser Propheten 
wurden aufgeschrieben und wurden zu- 
sammen mit geschichtlichen Auf- 
zeichnungen heilige Schrift. Was ein 
neuer Prophet geschrieben hat, wurde 
hinzugefügt. So wurde das Wort Gottes 
immer umfangreicher. Im Laufe der 
Zeit wurden die Bücher in der heutigen 
Form zusammengefaßt, die wir als die 
Bibel kennen. 

So war es, solange der Herr Propheten 
auf Erden hatte, sowohl zur Zeit des 
Alten als auch des Neuen Testaments. 
Niemand wäre auf den Gedanken ge- 
kommen, diese Aufzeichnungen ent- 
hielten das ganze Wort Gottes, denn der 
Herr schickte immer wieder neue Pro- 
pheten mit neuen Offenbarungen, die 
ihrerseits in den bestehenden Teil der 
heiligen Schrift aufgenommen wurden. 
Das war die Ordnung des Herrn seit den 
Tagen der Patriarchen bis zu Johannes 
dem Offenbarer. 

Mancher weiß nicht, daß es in der 
Urkirche Propheten gab. Der Herr 
braucht sie, bis wir alle zur Einheit des 
Glaubens kommen. (Epheser 4:13). 
Doch was haben wir heute anstelle 



115 



dieser Einheit in der Christenheit? Wir 
haben Spaltungen, und sie sind ein 
schlagender Beweis dafür, daß wir im- 
mer noch Propheten brauchen. 
Wissen Sie noch, wie Paulus den Ephe- 
sern diesen Grundsatz erklärt hat? Er 
sagte, das Fundament der Kirche ruhe 
auf den Aposteln und Propheten, mit 
Jesus Christus als Eckstein (Epheser 
2:20). 

Er erklärte auch, wie Jesus Christus 
seine Kirche aufgebaut hatte: „Er hat 
etliche zu Aposteln gesetzt, etliche zu 
Propheten, etliche zu Evangelisten, et- 
liche zu Hirten und Lehrern" (Epheser 
4:11). Das waren einige Ämter in seiner 
Kirche. Sie waren da, „daß die Heiligen 
zugerüstet würden zum Werk des 
Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi 
erbaut werden" (Epheser 4:12). Können 
die Mitglieder der Kirche zu irgend- 
einem Zeitpunkt bereits aufhören, nach 
Vollkommenheit zu streben? Brauchen 
sie nicht mehr aktiv in der Kirche 
mitzuarbeiten, brauchen sie keine Be- 
lehrung mehr? 

Paulus sagte, daß wir diese Ämter brau- 
chen, damit wir belehrt und aufgebaut 
werden, bis wir vollkommen sind, bis 
wir zum vollen Maß der Fülle Christi 
kommen. Es ist doch offensichtlich, daß 
noch niemand von uns so weit ist. 
Doch aus welchem weiteren Grund 
brauchen wir diese Ämter? Paulus er- 
klärt, daß sie uns zu unserem Schutz 
gegeben sind, „auf daß wir nicht mehr 
unmündig seien und uns bewegen und 
umhertreiben lassen von jeglichem 
Wind der Lehre" (Epheser 4:14). 
Sie beschützen uns vor den falschen 
Lehren von Sekten und Splittergruppen 
und vor den irreführenden An- 
schauungen der Menschen. 
Die Kirche Jesu Christi sollte also im- 
mer von Aposteln und Propheten ge- 
leitet werden, die ihrerseits vom Himmel 
aus geführt werden. Sie sollten der 



Kirche stets als Seher und Offenbarer 
dienen. 

Durch ihr Wirken sollte es auch neue, 
zusätzliche heilige Schriften geben, zuge- 
schnitten auf die Zeit, in der sie lebten, 
so, wie dies schon immer gewesen war. 
Die Propheten der christlichen Urkirche 
wirkten zu ihrer Zeit genauso wie früher 
die Propheten des Alten Testaments. 
Und warum? Schon Arnos hatte erklärt, 
daß der Herr stets durch Propheten 
spricht (Arnos 3:7). 

Ohne Propheten gibt es keine göttliche 
Führung, und die Menschen wandeln im 
Dunkeln. 

Es ist ein untrügliches Kennzeichen der 
wahren Kirche, daß sie von Propheten 
geführt wird, die der Herr berufen hat. 
Dies sind Männer, die Offenbarungen 
von Gott empfangen und deren Auf- 
zeichnungen neue heilige Schrift werden. 
Ein weiteres untrügliches Kennzeichen 
der wahren Kirche ist, daß durch das 
Wirken dieser Propheten zusätzliche 
heilige Schrift zustandekommt. So war 
es von Anfang an im Umgang Gottes 
mit den Menschen. 

Der Herr selbst hat vorhergesagt, daß es 
neben der Bibel neue heilige Schriften 
geben würde. Doch wußte er auch, daß 
manche diese zurückweisen würden. 
Und so hat er gesagt: 
Es „werden viele NichtJuden sagen: Eine 
Bibel! eine Bibel! Wir haben eine Bibel, 
und es kann nicht noch eine andre Bibel 
geben. 

Wißt ihr nicht, daß es mehr als ein Volk 
gibt? Wißt ihr nicht, daß ich, der Herr, 
euer Gott, alle Menschen erschaffen 
habe und daß ich mich derer erinnere, 
die auf den Inseln des Meeres sind; und 
daß ich oben im Himmel und unten auf 
der Erde regiere und mein Wort unter 
den Menschenkindern hervorbringen 
werde, ja unter allen Völkern der Erde? 
Warum murrt ihr, weil ihr mehr von 
meinem Wort erhalten sollt? Wißt ihr 



116 



nicht, daß das Zeugnis zweier Völker 
euch ein Beweis ist, daß ich Gott bin und 
mich des einen Volkes sowohl wie des 
andern erinnere? Daher rede ich zu 
einem Volk dieselben Worte, die ich zum 
andern rede. Und wenn die beiden 
Völker zusammentreffen, dann wird das 
Zeugnis beider Nationen auch Hand in 
Hand gehen. 

Und das tue ich, damit ich vielen 
beweise, daß ich gestern, heute und 
immerdar derselbe bin und daß ich 
meine Worte nach meinem eigenen Gut- 
dünken spreche. Und ihr braucht nicht 
zu denken, weil ich ein Wort gesprochen 
habe, daß ich nicht noch eines reden 
könne; denn mein Werk ist noch nicht 
beendet; und es wird auch nicht enden, 
bis der Mensch ein Ende nimmt, noch 
von der Zeit an bis in Ewigkeit. 
Daher braucht ihr nicht zu denken, weil 
ihr eine Bibel habt, daß sie alle meine 
Worte enthalte; auch braucht ihr nicht 
anzunehmen, daß ich nicht noch mehr 
habe schreiben lassen. 
Denn ich gebiete allen Menschen, im 
Osten und im Westen, im Norden und 
im Süden und auf den Inseln des Meeres, 
die Worte zu schreiben, die ich zu ihnen 
rede; denn aus den Büchern, die ge- 
schrieben sind, werde ich die Welt rich- 
ten, einen jeglichen nach seinen Werken, 
nach dem, was geschrieben steht. 
Denn sehet, ich werde zu den Juden 
reden, und sie werden es schreiben; und 
ich werde auch zu den Nephiten spre- 
chen, und sie werden es schreiben; und 
ich werde auch zu den andern Stämmen 
des Hauses Israel sprechen, die ich 
weggeführt habe, und sie werden es 
schreiben; und ich werde auch zu allen 
Völkern der Erde sprechen, und sie 
werden es schreiben. 
Und die Juden werden die Worte der 
Nephiten und die Nephiten die Worte 
der Juden besitzen; und die Nephiten 
und die Juden werden die Worte der 



verlorenen Stämme Israels haben; und 
die verlorenen Stämme Israels werden 
die Worte der Nephiten und der Juden 
haben. 

Und mein Volk, das vom Hause Israel 
ist, wird in die Länder seines Eigentums 
zurückgeführt werden; und auch mein 
Wort soll in eins zusammengefaßt wer- 
den" (2. Nephi 29:3, 7-14). 
So sprach der Herr. 
Natürlich haben wir auch die Bibel, wie 
die andern Christen. Doch darüber hin- 
aus haben wir die Aufzeichnungen der 
Nephiten, der alten Bewohner Ameri- 
kas, deren Offenbarungen und Ge- 
schichte im Buch Mormon aufge- 
zeichnet sind. Was ist nun das Buch 
Mormon? 

Der Apostel Paulus definierte Glauben 
einmal als „Nichtzweifeln an dem, das 
man nicht sieht" (Hebräer 11:1). Das 
Buch Mormon ist ein greifbarer Beweis 
für Sichtbares und Unsichtbares. 
Es ist ein Buch, das man in die Hand 
nehmen und lesen kann, greifbare Mate- 
rie. Es läßt sich nicht wegdiskutieren. 
Kein Kritiker kann es aus der Welt 
schaffen. Es ist veröffentlicht und da 
greifbar, faßbar. 

Wir können es in die Hand nehmen. Wir 
können es verschenken. Wir können es 
als Postsache verschicken. Wenn wir 
wollten, könnten wir es ins Meer werfen, 
verbrennen oder es Seite für Seite studie- 
ren, um daraus Licht und Erkenntnis zu 
schöpfen. 

Es ist ein greifbares Buch, mit ge- 
wöhnlicher Druckerschwärze auf der 
elektrischen Presse einer kommerziellen 
Buchdruckerei auf kommerziell produ- 
ziertem Papier gedruckt. 
Mit anderen Worten, das Buch Mor- 
mon ist genauso greifbar wie die Bibel 
oder irgendein anderes Buch. Also läßt 
sich seine Existenz nicht leugnen oder 
wegdiskutieren. 
Doch woher kommt es? 



117 



Ein Engel Gottes ist zur Erde ge- 
kommen, um dieses Buch Joseph Smith, 
dem Mormonenpropheten, zu über- 
geben. 

Gibt es in unserer aufgeklärten Zeit 
noch Menschen, die an Engel glauben? 
Wenn Sie an die Bibel glauben, müssen 
Sie an Engel glauben. Und wenn Sie die 
Bibel lesen, werden Sie wissen, daß darin 
ganz deutlich steht: in den Letzten 
Tagen wird ein Engel zur Erde kommen, 
um einem bestimmten Menschen zu 
einer bestimmten Zeit ein bestimmtes 
Buch zu bringen. 

Über diesen Menschen sagt die Bibel, er 
sei ungebildet. Ist es nicht merkwürdig, 
daß der Prophet Jesaja eine solche 
Bezeichnung gebraucht? Doch kam die- 
ser Engel zu der bestimmten Zeit zu 
Joseph Smith, dem ungebildeten Men- 
schen. Durch die Macht Gottes über- 
setzte Joseph Smith das Buch und 
veröffentlichte es für die Welt als das 
Buch Mormon. 

Für die Entstehung des Buchs gibt es 
keine plausiblere Erklärung als die von 
Joseph Smith. 

Die Kritiker versuchen es schon über 
hundert Jahre mit anderen Erklärungen 
und haben noch nichts Besseres ge- 
funden. 

Wer war der besagte Engel? Er hieß 
Moroni. Er brachte das Buch Mormon 
und bewies dadurch, daß es Engel Got- 
tes gibt und einer von ihnen Joseph 
Smith dieses Buch brachte. 
Und wer war Moroni? Er war ein 
Prophet des Alten Amerika und starb 
vor 1 500 Jahren. 

Um in unserem Zeitalter zu erscheinen, 
mußte er offensichtlich von den Toten 
zurückkehren. Unsere ganze Religion 
basiert auf Engeln, die von den Toten 
zurückgekehrt sind. Also ist die 
Unsterblichkeit eine Realität, sie ist 
bewiesen durch die Tatsache, daß ein 
unsterbliches Wesen einem sterblichen 



Menschen das Buch Mormon in seiner 
konkreten, greifbaren Form übergeben 
hat. 

Moroni kam als physische, faßbare 
Realität von den Toten zurück. Er hatte 
die schweren Goldplatten in der Hand. 
Ein kompakter Metallblock mit den 
Maßen 18x18x20 cm würde gut dreißig 
Pfund wiegen. Und Moroni hatte die 
Platten in der Hand und blätterte die 
einzelnen Seiten um, mit Händen aus 
Fleisch und Bein, Händen eines Aufer- 
standenen. 

So wird das Buch Mormon, ein kon- 
kreter, greifbarer Gegenstand, zum Be- 
weis für die Auferstehung von den 
Toten. 

Vergessen wir nicht, daß zwölf Männer 
damals die Platten sahen, die Moroni 
Joseph Smith übergeben hatte. Acht 
davon sagten darüber aus, sie hätten die 
Platten angefaßt: „Wir haben sie ge- 
sehen und angefaßt, und wir wissen mit 
Bestimmtheit, daß genannter Smith die 
Platten hat, von denen wir gesprochen 
haben" (Das Zeugnis der acht Zeugen, 
Buch Mormon, S. IX). 
Sie haben die Platten eigenhändig ange- 
faßt, genau wie Moroni. 
Sie haben die Seiten einzeln umge- 
blättert, genau wie Moroni. 
Sie haben die Gravierungen auf den 
Platten untersucht. Einige von ihnen 
hatte Moroni selbst 1 400 Jahre zuvor 
angefertigt. 

So ist das Buch Mormon in seiner 
heutigen Form ein greifbarer Beweis für 
die Unsterblichkeit, für die Auf- 
erstehung von den Toten, für die Exi- 
stenz Gottes und seines Sohnes Jesus 
Christus. 

Das Buch Mormon haben wir vor allem 
deshalb erhalten, weil ,,auf zweier oder 
dreier Zeugen Mund . . . jegliche Sache 
stehen" soll (2. Korinther 13:1). 
Wir haben die Bibel, und wir haben das 
Buch Mormon, zwei Stimmen, zwei 



118 




Bände heiliger Schrift, von zwei alten 
Völkern, die sehr weit voneinander ent- 
fernt lebten und beide bezeugen, daß 
Jesus Christus der Sohn Gottes ist. 
Doch wir haben noch zwei weitere 
Zeugen in der Form heiliger Schrift, 
insgesamt also vier. Sie sind die heilige 
Schrift, die wir durch Offenbarungen an 
den Propheten Joseph Smith erhalten 
haben, und auch sie erklären, daß Jesus 
Christus, der Erretter, der Schöpfer, der 
lang verheißene Messias ist. 
Die Welt ist durch die sich wider- 
sprechenden Glaubensbekenntnisse der 
Menschen in ein Wirrwarr geraten; die 
Wahrheit mußte noch einmal auf die 
Erde kommen, damit die Menschen ihr 
Denken wieder ins rechte Gleis bringen 
konnten. Das konnte nur auf eine Art 
geschehen, durch erneute Offenbarung. 
Doch für neue Offenbarung brauchen 
wir einen Propheten, denn wie Arnos 
sagt, wirkt der Herr nur durch Pro- 
pheten (Arnos 3:7). 
Zu der Zeit, als die neue Offenbarung 



kommen sollte, gab es auf der ganzen 
Erde keinen einzigen Propheten. Also 
berief Gott einen neuen Propheten für 
diese Offenbarung, der das Buch Mor- 
mon veröffentlichen und dafür sorgen 
sollte, daß das wahre Evangelium jedem 
Volk gepredigt wurde. 
Und wer war dieser Prophet? Joseph 
Smith. Er war der Seher, den Gott in 
diesen Letzten Tagen berufen hat. Er 
war der Offenbarer der Neuzeit. Er 
übersetzte und veröffentlichte das Buch 
Mormon auf Weisung des allmächtigen 
Gottes. Nicht nur war er selbst als 
Prophet von Gott berufen, unter ihm 
und nach ihm wuchsen auch weitere 
Propheten heran, die das Werk nach 
seinem Tod weiterführen sollten. Wir 
sind diese weiteren Propheten! Wir ha- 
ben die göttliche Vollmacht Jesu Christi! 
Wir sprechen in seinem Namen und 
verkünden sein Wort! Und unser Zeug- 
nis ist wahr! 

Das bestätigen wir mit all unserer Kraft 
im Namen Jesu Christi. Amen. 



119 



Folgen Sie Ihrem geistigen Führer 



Gene R. Cook 

Vom Ersten Kollegium der Siebzig 




.ls ich vor einigen Monaten mit dem 
Flugzeug in den Anden unterwegs war, 
konnte ich dem Mann, der neben mir 
saß, erklären, warum ich in Südamerika 
war. Nachdem ich ihm einiges über die 
Kirche und ihre Lehren und meine Rolle 
als Führer der Kirche erzählt hatte, 
fragte er: „Wie können Sie Ihr ganzes 
Leben einem anderen Menschen wie 
diesem Herrn Kimball übergeben und 
so lange hier in diesem Land bleiben, wie 
er es will? Das könnte ich nicht." Darauf 
entgegnete ich: „Ich auch nicht, wenn er 
nur ein gewöhnlicher Mensch wäre." 
Und ich erklärte ihm meine Über- 
zeugung, daß wir heute auf Erden einen 
Propheten haben und daß ich für den 
Herrn, für den er spricht, alles tun 
würde. 

Vor ein paar Jahren nahm ich jemanden, 
der noch kein Mitglied der Kirche war, 
zu einer Versammlung mit, auf der ein 
Führer der Kirche sprechen sollte. Ich 
hatte dem Betreffenden vorher erklärt, 
dies sei einer der Gesalbten des Herrn. 
Anschließend meinte der Mann: „Aber 
das war doch auch nur ein Mensch." 
Vielleicht hatte er einen Engel erwartet, 
der in Zungen sprach, oder etwas Ähnli- 



Es ist eine der großen Segnungen der Kirche, daß jeder 
einen geistigen Führer hat. 



ches, das als Beweis für die göttliche 
Berufung dieses Führers der Kirche 
dienen konnte. 

Ich habe oft darüber nachgedacht, wie 
viele von uns wohl getäuscht worden 
wären, wenn wir in der Zeitenmitte mit 
Jesus Christus, dem Sohn Gottes, hätten 
zusammen sein können. Die über- 
wiegende Mehrheit sah in Jesus nur 
einen Menschen. Die wenigen, die die 
Gabe der Unterscheidung hatten, wuß- 
ten, wer er wirklich war. Wenn man sich 
in seinem Urteil nur auf seine fünf Sinne 
verläßt, wird man niemals etwas Geisti- 
ges erkennen können. Haben Sie zuge- 
hört, meine Brüder und Schwestern, 
wirklich zugehört, während die Führer 
der Kirche hier gesprochen haben? Sind 
Sie bereit, ihrem Rat und auch dem Rat 
Ihrer örtlichen Führer zu folgen? 
Wo stehen Sie, wenn es darum geht, Ihre 
geistigen Führer so zu sehen, wie der 
Herr sie sieht? Wir sollen eine solche 
Einstellung haben wie die treuen Israeli- 
ten zu Josua: 

„Und sie antworteten Josua und spra- 
chen: Alles, was du uns geboten hast, 
das wollen wir tun, und wo du uns 
hinsendest, da wollen wir hingehen. Wie 
wir Mose gehorsam gewesen sind, so 
wollen wir auch dir gehorsam sein" 
(Josua 1:16, 17). 

Vor einiger Zeit fragte jemand: „Wissen 
die Führer der Kirche wirklich, was in 
den Randgebieten der Kirche vor sich 



120 



geht? Ich glaube nicht, daß sie die 
Probleme in ihren Einzelheiten so 
durchschauen wie wir." Eine gute 
Schwester sagte: „Wenn der Bischof 
wüßte, was ich über die FHV weiß, 
würde er sicher anders handeln. Es ist 
schade, daß er sich nicht mehr mit uns 
bespricht und uns fragt, was in der 
Gemeinde getan werden soll." Jemand 
anders hat gesagt: „Ich gehe nicht zu 
meinem Gemeindepräsidenten, wenn 
ich Rat brauche. Er hat eine ganz andere 
Einstellung als ich. Wir sind zu ver- 
schieden. Wir sind einfach nicht auf der 
gleichen Wellenlänge." 
Ich möchte Ihnen sagen, daß die Führer 
der Kirche und Ihr Pfahlpräsident, Ihr 
Bischof und Ihr Kollegiumspräsident 
wissen, worum es geht, was die herr- 
schenden Grundsätze, das wirkliche 
Wesentliche angeht. Alles andere wird 
im Laufe der Zeit schon geregelt werden. 
Dies ist die Kirche des Herrn. Er leitet sie 
durch die festgelegte Vollmachtslinie des 
Priestertums und Offenbarung. Wir 
glauben an einen Gott der Wunder, und 
er hat niemals aufgehört, durch seine 
Priestertumsführer geistige Wunder zu 
wirken. 

Wir wissen, daß jeder Bischof und jeder 
Gemeindepräsident von seinen Ratge- 
bern oder auch von anderen Rat ein- 
holen kann, ehe er durch Inspiration 
eine Entscheidung trifft. Doch haben 
wir in der Kirche keine allgemeine 
Beteiligung an Entscheidungen, wir ho- 
len nicht die Meinung eines jeden ein 
und treffen keine Mehrheitsbeschlüsse. 
Es mag Ausnahmen von dieser Regel 
geben, doch bleibt das gewöhnlich der 
Welt vorbehalten. Es gibt auch etliche 
Kirchen, die nichts Besseres kennen. Die 
Welt kann nur über Fragen beraten, 
Meinungen und Erfahrungen aus- 
tauschen und dann versuchen, aus den 
gegebenen Fakten das Beste zu machen. 
In der Kirche Jesu Christi der Heiligen 



der Letzten Tage werden die Beamten 
auf allen Ebenen durch Offenbarung 
von Gott in ihrer Arbeit geführt. Viele, 
zu viele lassen sich von den Falschen 
beraten. Zuviele geben lieber Rat, statt 
ihn anzunehmen. Vergessen Sie nicht, 
daß andere Ihnen zwar ihre Erfahrungen 
mitteilen und Ihnen einen besseren 
Überblick vermitteln können; wenn Sie 
aber für Ihre Arbeit Offenbarung emp- 
fangen wollen, muß sie vom Herrn 
kommen. Sie können sie direkt von ihm 
bekommen oder als Offenbarung durch 
Ihren zuständigen Priestertumsführer. 
Die Kirche zeichnet sich unter anderem 
dadurch aus, daß jeder einen geistigen 
Führer hat, an den er sich wenden kann. 
In der Familie ist der Mann für Frau 
und Kinder zuständig. Wenn ein Pro- 
blem mit einer höheren Instanz be- 
sprochen werden soll, gehen Mann und 
Frau zum Bischof, denn als Hoher- 
priester der Gemeinde präsidiert er über 
beide. In manchen Priestertums- 
angelegenheiten kann sich der Mann an 
seinen Kollegiumspräsidenten wenden. 
Der Bischof ist für Mann und Frau da, 
solange er sie nicht an einen anderen 
verweist. 

Der Herr hat in einer Offenbarung 
verschiedene Gaben des Geistes aufge- 
zählt und dann bezüglich Ihres Bischofs 
oder irgendeines anderen Priestertums- 
führers gesagt: „Dem Bischof der Kir- 
che und denen, die Gott berufen und 
ordinieren wird, über die Kirche zu 
wachen und Älteste in der Kirche zu 
sein, wird es gegeben werden, alle diese 
Gaben zu unterscheiden, auf daß nie- 
mand unter euch vorgebe, eine Gabe 
von Gott erhalten zu haben, während sie 
doch nicht von Gott ist" (LuB 46:27). 
Hier wird ganz deutlich, daß die präsi- 
dierenden Priestertumsführer die Gabe 
der Unterscheidung erhalten. 
Vergessen Sie nicht, daß Ihr Priester- 
tumsführer etwas wirklich einmal an- 



121 



ders sehen kann als Sie. Es mag unter- 
schiedliche Meinungen zu Detailfragen 
oder Arbeitsmethoden geben, doch geht 
es äußerst selten um Grundsätze des 
Evangeliums. Ihr Führer hat das Recht, 
seinem Amt seine persönliche Note zu 
verleihen und seiner Erfahrung ent- 
sprechend zu handeln. Natürlich kann 
er in Detailfragen etwas anders machen, 
als Sie es sich vorstellen, doch wenn Ihr 
Priestertumsführer Ihnen im richtigen 
Geist eine Weisung gibt, kommt dies 
vom Herrn und ist verbindlich. 
Wir leben in einer schweren Zeit. Sagen 
wir uns doch, wenn uns unsere Führer 
einen Rat erteilen: ,, Vater, ich akzep- 
tiere, was mir gesagt worden ist. Und 
wenn die Zeit kommt und ich den Preis 
gezahlt habe, dann zeige mir, warum." 
Es ist eine Gabe des Geistes, wenn Sie 
akzeptieren, was Ihre Priestertums- 
führer Ihnen sagen. Ich höre sie fast zu 
Ihnen sagen: „Glauben Sie mir, von hier 
oben ist alles viel deutlicher zu sehen als 
dort, wo Sie jetzt stehen. Vertrauen Sie 
mir, denn ich kann weiter sehen als bis 



zum nächsten Berg." Wer auf seine 
weisen Eltern und Priestertumsführer 
hört, wird einsehen, daß sie das Leben 
aus ewiger Sicht betrachten, nicht aus 
einer kurzsichtigen, zeitlichen Perspekti- 
ve. So kann man durch den geistigen 
Einblick anderer lernen, ohne durch 
eigene Erfahrung Gutes oder Schlechtes 
unterscheiden zu lernen. Schließlich und 
endlich verlangen wir in der Kirche 
keinen blinden Gehorsam. Wir wollen, 
daß jeder Mensch für sich selbst erfährt, 
daß das, was seine Führer ihm sagen, 
vom Herrn kommt. Er hat das Recht 
dazu. Wenn er Geduld hat und auf den 
Herrn vertraut, wird er erfahren, daß 
seine Priestertumsführer ihm recht- 
schaffenen Rat erteilen und ihn so 
befähigen, auf festem Boden zu stehen. 
Ich hoffe, wir können alle demütiger und 
bereitwilliger Rat annehmen. Mögen 
wir alle davon absehen, dem Herrn zu 
raten, und statt dessen seinen Rat und 
den seiner Diener suchen, denn das ist 
das gleiche. Im Namen Jesu Christi. 
Amen. 



I 




Erfolgslyrik 

Sterling W. Sill 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




or einiger Zeit habe ich ein sehr 
nützliches Buch geleseen, das der New 
Yorker Psychiater Smiley Blanton ge- 
schrieben hat. Darin erzählt er, wie er 
vierzig Jahre lang Menschen mit Hilfe 
erhebender Gedanken von ihren seeli- 
schen und geistigen Problemen befreit 
hat. Diese Gedanken hatte er Ge- 
dichten, aber auch der heiligen Schrift, 
guter Prosa und Liedern entnommen. 
Ich glaube, diese Heilmethode des Psy- 
chiaters gleicht der eines Arztes, der 
seinen Patienten Rezepte ausstellt, die 
sie nicht in der Apotheke, sondern in der 
Buchhandlung einlösen, weil er fest- 
gestellt hat, daß in Büchern oft mehr 
Heilkraft steckt als in Pillendosen. Eine 
Mutter heilt die blauen Flecken und 
Schrammen ihres Kindes durch ihre 
Zärtlichkeit und ihre liebevolle An- 
teilnahme. 

Ich habe über diese Heilmethode nach- 
gedacht und zu ergründen gesucht, 
woran Jesus gedacht haben mag, als er 
sagte: „Arzt, hilf dir selber" (Lukas 
4:23). Eine Interpretationsmöglichkeit 
hat er uns gezeigt, als er Emma Smith 
gebot, die inspirierenden Lieder auszu- 



„Wenn wir Himmlisches denken, das heißt denken wie 
Gott, entwickeln wir ein himmlisches Gemüt." 



wählen, die uns heute so oft durch den 
Kopf gehen und unser Herz erfreuen. 
Ich habe mir vor kurzem in der Biblio- 
thek eine Ausgabe dieses ersten Gesang- 
buchs mit den neunzig Liedern besorgt, 
die Emma Smith für uns ausgesucht hat. 
Jeder von uns hat andersgeartete 
Bedürfnisse und Interessen, und so glau- 
be ich, wir müssen jeder unsere eigene 
Auswahl treffen und diese Lieder dann 
auswendig lernen und immer wieder mit 
Begeisterung aufgreifen. Dann können 
wir erfahren, welch große Heilkraft und 
welch Antrieb von ihnen ausgeht. 
William James, Harvards großer Psy- 
chologe, hat einmal die Frage gestellt: 
„Wollen Sie Herr sein über Ihr Denken 
und Fühlen?" Er erklärte, daß das 
Bewußtsein des Menschen sich aus dem 
zusammensetzt, was man ihm eingibt. 
Wenn ich meinem Verstand und Herzen 
erhebende Gedanken, Glauben und 
Begeisterung eingebe, stellt sich meine 
ganze Persönlichkeit entsprechend ein. 
Wenn wir Negatives denken, entwickeln 
wir ein negatives Bewußtsein. Wenn wir 
unsere Gedanken verkümmern lassen, 
verkümmert auch unser Bewußtsein. 
Wenn wir aber Himmlisches denken, 
das heißt denken wie Gott, entwickeln 
wir ein himmlisches Gemüt. Das hatte 
Edward Dyer im Sinn, als er schrieb: 

„Ein Königreich ist mein Gemüt, 
Denn soviel Freude ich dort find, 
Daß Schöneres es nirgends gibt, 
Nein nirgendwo auf dieser Weif' 



123 




(aus: Poet's Gold, Hg. David Ross, New 
York, 1937, S 41). 

Wir entwickeln ein göttliches Wesen, 
wenn wir bei der Beerdigung eines lieben 
Menschen erhabene Musik und Gebete 
hören, die Trauernden trösten und uns 
selbst durch erhebende Gedanken auf- 
bauen. Vor kurzem kam ein Ehepaar zu 
mir, dessen dreijährige Tochter ganz 
plötzlich vor den Augen der Eltern 
gestorben war. Die Eltern waren ver- 
zweifelt. Sie hatten viele Tränen ver- 
gossen, der Schmerz ließ nicht nach, und 
sie brauchten jemanden, dem sie ihr 
Herz ausschütten konnten. Wir wissen 
alle, wieviel es ausmacht, wenn wir uns 
teilnahmsvoll anhören, was einen an- 
deren bedrückt. Ich wußte noch gut, wie 
ich als Junge am Bett meiner sieben- 
jährigen Schwester gesessen hatte, währ- 
end sie an Diphtherie starb. 



Die Mutter des kleinen Mädchens kon- 
nte sich nichts Schlimmeres vorstellen, 
als daß dieses kleine Wesen hatte sterben 
müssen, noch ehe es richtig zu leben 
begonnen hatte. Ich konnte ihren 
Schmerz mitfühlen, doch schließlich 
sagte ich zu ihr: „Schwester Jones, ich 
glaube, es würde Ihnen helfen, wenn ich 
Ihnen von etwas erzähle, was schlimmer 
ist als Ihr gegenwärtiger Kummer." Sie 
meinte: „Wenn Sie so etwas kennen, 
erzählen Sie es mir." Ich habe ihr das 
Gedicht ,Trauer' von James Whitcomb 
Riley vorgetragen. Darin geht es nicht 
um den Verlust, den jemand beim Tod 
eines Kindes erleidet, sondern um je- 
mand, der gar kein Kind hat, eine Frau, 
die mit ihrer Freundin um deren ver- 
storbenes Kind trauert. Eine Frau be- 
weint die Liebe ihres Kindes, das sie 
verloren hat, und die andere hat diese 



124 



nicht einmal für kurze Zeit selbst erleben 
dürfen. 

Ich bin dem Dichter für diese Gedanken 
sehr dankbar. Er hat mich angeregt, 
selbst ein Buch des Trostes für Trauern- 
de zusammenzustellen. 
Es gibt auch Gedichte, die uns an- 
spornen, mehr aus uns zu machen. Viele 
Jahre lang erlebte Grantland Rice, der 
berühmte Sportjournalist, die großen 
Wettkämpfe mit und versuchte, die 
Charaktereigenschaften zu benennen, 
die aus einem Sportler einen Champion 
machen. Was er fand, wollte er auch 
anderen zugänglich machen, und er 
schrieb rund siebenhundert Gedichte 
über die Eigenschaften, die einen 
Menschen groß machen. Eines dieser 
Gedichte hat den Titel ,Mut'. Es heißt 
darin: 

„Dem Tod begegnend, möchf ich lächeln 

dann und sagen ihm: 
Ich habe jetzt noch einen Atemzug nimm ihn 

mir fort. 
Und laß zurück nur Staub oder Traum oder 

im Flug 
endloser Nacht die Seele, wo der Staub der 

Sterne fließt," 

Doch sagte er auch: 

„So nur dem Leben gegebüberstehn und 

sagen: 
Send, was du willst, an Kampf oder auch 

Leid: ob Sonne, Sturm 
steh fest ich, wenn auch Haß mir trotzen will 

mit schwerer Hand. 
Was auch das Schicksal mir noch bringen 

will ich halte stand."' 

Es ist schon gesagt worden, Dichter 
könnten uns erheben wie sonst nur ein 
Prophet es vermag. Ich habe noch nie 
gehört, daß man Eliza Snow als Pro- 
phetin bestätigt hätte, obwohl sie das 
Lied ,,0 mein Vater"geschrieben hat. 
Manchmal lesen wir diese wunderbaren 
Verse in unserem Gesangbuch einfach, 



ohne sie auswendig zu lernen und oft 
aufzusagen. Wie wäre es wohl, wenn 
jeder aus den neunzig wunderbaren 
Gedichten des Glaubens die auswählte, 
die ihm am meisten zu sagen haben. Ich 
kann mir kaum vorstellen, daß Sie sich 
jetzt danach sehnen, daß ich Ihnen das 
Lied ,,0 mein Vater" vorsinge, aber ich 
hoffe, Sie haben nichts gegen diese 
erhabenen Worte des Glaubens und der 
Gottesverehrung, in denen es heißt: 

„O mein Vater, der du wohnest 
hoch in Herrlichkeit und Licht 
wann kann ich doch Aug zu Auge 
wieder schaun dein Angesicht? 
War in jenen lichten Räumen 
nicht bei dir mein Heimatland? 
In der Seele Jugendzeiten 
pflegte mich nicht deine Hand?"' 

In der zweiten Strophe heißt es: 

„Ach, für eine weise Absicht 
pflanztest du mich in die Welt 
und versagtest mir Erinnrung 
an mein f rühr es Lebensjeld! 
Doch zuweilen flüstert 's leise, 
ahnungsvoll im Herzen mir: 
,Bist ein Fremdling auf der Erde, 
deine Heimat ist nicht hier' " 

Die dritte Strophe: 

„Ob ich gleich dich Vater nannte 
durch des Geistes heiligen Trieb, 
bis es du mir offenbartest, 
mir es ein Geheimnis blieb. 
Sind im Himmel Eltern einzeln? 
Die Vernunft weist solches fort, 
und sie sagt mit Kraft und Wahrheit: 
,Du hast eine Mutter dort!"' 

Die vierte Strophe: 

„Wenn vorüber dieses Leben, 
dieser Leib dem Staube gleich, 
dann werd ich mit Freuden jauchzen, 
Vater, Mutter, treffen euch. 
Dann, o Wonne, ist vollendet 
alles Mühn der Sterblichkeit, 



125 



und ich werde froh und selig 
mit euch sein in Ewigkeit."' 

(Gesangbuch Nr. 87) 

Ich glaube, auch unter den Worten der 
Propheten läßt sich kaum etwas Erhe- 
benderes finden. 

Stellen Sie sich einmal vor, was ge-. 
schehen würde, wenn jeder von uns eine 
Anzahl der Gedichte auswendig lernen 
würde, die er liebt. Die Kongreß- 
bibliothek hat eine Abteilung unter dem 
Stichwort „Die Gedichte von Glauben 
und Freiheit". Der Herr hat gesagt: 
„Denn meine Seele erfreut sich am 
Gesang des Herzens; ja, der Gesang der 
Gerechten ist mir ein Gebet, und es soll 
ihnen mit einer Segnung auf ihre Häupt- 
er beantwortet werden" (LuB 25:12). 
Wenn ich morgens zur Arbeit gehe, 
kann ich mich fast eine Stunde lang mit 
den Gedanken beschäftigen, die mich 
am meisten aufbauen. Ich habe auch 
einige Gebete, die ich mit Freude 
wiederhole, darunter das folgende: 

„0 Gott, hab" Dank für diese Welt, 
die stets mit Schönem mich erhebt, 
die Sonne, die den Tag erhellt; 
o Gott, ich danke dir, daß ich leb'' 

Dir weihe ich mein Leben gern 
mit jedem Tag, der neu erwacht. 
Die Seele schwingt sich auf zum Herrn 
und dankt dem, der ihr Leben gab. 

Ein neuer Morgen mir erblüht 
für eine neue Liebestat, 
die, wenn der Tag vorüberzieht, 
dem Dank erweist, der Leben gab" 

(Verfasser unbekannt) 

Ich habe unter meinen Erfolgs- 
gedichten auch Gedichte der 
Begeisterung, des Fleißes, des Fort- 
schritts. In einem davon heißt es: 



[Und jeder kann sein Leben weihn 
einem guten, großen Werk.] 

Was mag im Tode besser sein, 
wenn ungewiß, was kommt, 
als daß man Gott sein Leben gab 
und den Ahnen sich geweiht! 1 ' 

(nach Horaz) 



Wenn wir älter werden, kommen neue 
Probleme auf uns zu, und ich spreche 
mir gern mit dem Gedicht „Mach weit- 
er" Mut zu. 

,, Vielleicht gehfs dir schlecht, 
doch du weißt nicht, was kommt, 
drum mach weiter, mach weiter, 

mein Freund, 
sei stolz auf dein Leben, 
wink fröhlich ihm zu, 
und gib ihm, was immer du hast. 
Kämpf den guten Kampf, 
bleib treu bis zum Ziel, 
und kommt eines Tages der Tod, 
ruf ein letztesmal dir selbst zu: 
Jetzt mach weiter, mach weiter, 

mein Freund!" 

(nach Robert Service) 

Ich möchte Ihnen allen meinen Segen 
und meine Liebe in den Worten aus- 
drücken, die ich einem alten irischen 
Gedicht nachgebildet habe. 

„Mög der Weg dir stets entgegenkommen, 
Mög der Wind dir stets von hinten wehen, 
Mög die Sonne warm dir immer scheinen, 
Mög der Regen sanft auf deine Felder fallen, 
Und mög jetzt und für immer in seiner Hand 
Gott voll Liebe dich gern bewahren." 



Daß es immer so sein möge, darum bete 
ich im Namen Jesu Christi. Amen. 



„Zu jedem Menschen auf der ErcT 
kommt der Tod, ob früh, ob spät. 



126 



Eifrig wirken 

Joseph Anderson 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




D 



'er Herr hat uns gesagt: ,,Die Men- 
schen sollten in einer guten Sache eifrig 
tätig sein, viele Dinge aus freien Stücken 
tun und viele gerechte Taten voll- 
bringen. 

Denn die Kraft ist in ihnen, nach freiem 
Willen zu handeln, und wenn der 
Mensch Gutes tut, wird es ihm nicht 
unbelohnt bleiben" (LuB 58:27, 28). 
Das bezieht sich auf die Mitglieder der 
Kirche wie auch auf Außenstehende, 
denn alle Menschen sind fähig, Gutes zu 
tun. Es ist äußerst wichtig, daß wir 
willens und entschlossen sind, recht- 
schaffen zu leben. Wir dürfen uns nicht 
für etwas engagieren, das keine „gute 
Sache" ist. Wenn die Mitglieder der 
Kirche sich für etwas Schlechtes ein- 
setzen, kommen sie nicht dem nach, was 
sie bei der Taufe versprochen haben. In 
der Welt gibt es viele Menschen, die sich 
für das Gute einsetzen und viele recht- 
schaffene Werke vollbringen. Wer sich 
bemüht, die Menschen zu verbessern, 
wer Glauben an Gott und ein recht- 
schaffenes Leben lehrt, setzt sich für 
etwas Gutes ein und wird dafür belohnt 
werden. 
Wenn wir möchten, daß der Herr uns 



,, Wenn wir Gutes tun, werden wir im Diesseits glücklich 
und erben einmal ewiges Leben."'' 



segnet, müssen wir an Jesus Christus 
glauben; wir müssen den wahren und 
ewigen Gott erkennen; wir müssen Buße 
tun für unsere Sünden und falsche 
Lehren ablegen; wir müssen uns vor 
Gott demütigen, mit ihm einen Bund 
schließen und diesem Bund treu bleiben. 
George Albert Smith, ein früherer Pro- 
phet der Kirche und ein Mann ohne 
Falsch hat in etwa gesagt: „Wir ver- 
langen von unseren Freunden außerhalb 
der Kirche nicht, etwas aufzugeben, was 
wahr ist, sondern fordern sie auf, dem 
Guten, das sie in ihrer Kirche und ihrem 
Leben bereits haben, die ewigen Grund- 
sätze des Evangeliums hinzuzufügen. 
Wenn sie das tun, werden sie ein Glück 
erfahren, das ihnen bis dahin unbekannt 
war" (Sharing the Gospel with Others, 
S. 12 f.). 

Das Evangelium Jesu Christi schließt 
alle Wahrheit ein, möge sie für das bloße 
Auge sichtbar oder unsichtbar sein. 
Jeder Mensch kann Buße tun für seine 
Sünden, wenn er nicht die unverzeihliche 
Sünde begangen hat. Er kann den Segen 
eines rechtschaffenen Lebens erfahren, 
wenn er sich nur entschließt, die Gebote 
des Herrn zu halten, wenn er sich 
demütigt und seine Hilfe und Führung 
sucht. 

Ich glaube, die Menschen wollen von 
Natur aus Gutes tun; sie sind glück- 
licher, wenn sie Gutes tun. Die Sünde 
hat noch niemanden glücklich gemacht. 



127 



Sie baut einen eisernen Vorhang auf 
zwischen dem Menschen und Gott. Der 
Herr hat uns gesagt, was wir tun sollen: 
„Was ihr wollt, daß euch die Leute tun 
sollen, das tut ihnen auch 1 ' (Matthäus 
7:12). Der Herr hat uns kein einziges 
Gebot gegeben, das uns keinen Nutzen 
bringt und uns nicht glücklicher macht, 
wenn wir es befolgen. Wir brauchen die 
Hilfe des Herrn, und er hilft uns, wenn 
wir ihn darum bitten und dann den Weg 
gehen, den er uns aufzeigt. 
Unsere Missionare, die der Welt das 
Evangelium predigen, kehren glücklich 
zurück, weil sie dem Herrn gedient 
haben und ihren Mitmenschen Gutes 
tun wollten. Der Herr ist mit ihnen 
gewesen. Sein Geist hat sie geführt. Sie 
leben rein, anders als die sinnliche Welt. 
Wir gedenken beim Abendmahl des 
Leidens Jesu Christi und unseres Ver- 
sprechens, seine Gebote zu halten, wo- 
für er uns verheißen hat, daß wir seinen 
Geist immer mit uns haben werden. Sein 
Geist leitet uns nicht zu Schlechtem an; 
wenn wir ihm also folgen, kommen wir 
dem Herrn näher. Wir werden immer 
mehr Gutes tun und das Weltliche in uns 
überwinden. Wer den Geist Gottes in 
sich trägt, ist glücklich. Er kann über 
seine Familie in Liebe und Treue präsi- 
dieren, er ist ein guter Nachbar und übt 
einen positiven Einfluß auf seine Um- 
welt aus. 

Die Lieder, die wir singen, können unser 
Leben positiv beeinflussen. Die Lieder 
des Tabernakelchors können den Zu- 
hörer in seinem Glauben bestärken und 
seinen Sinn für das Schöne ansprechen. 
Der Geist, den die Lieder dieses Chores, 
unsere Kirchenlieder und die Kom- 
positionen anderer inspirierter Men- 
schen ausstrahlen, erweckt in dem, der 
zuhört oder mitsingt, den Wunsch, dem 
Herrn zu dienen. Unsere Kirchenlieder 
sind Gebete und Lieder der Freude, die 
wir unserem Herrn singen. 



Die Menschen sehnen sich nach Frieden 
und finden ihn nicht. Viele Menschen in 
der heutigen Zeit sind innerlich auf- 
gewühlt. Wir brauchen uns nicht zu 
fürchten, wenn wir auf der Seite des 
Herrn stehen. Wir dürfen unsere Vorbe- 
reitung nicht aufschieben, weil wir mei- 
nen, der Herr werde sein Kommen 
hinauszögern. Wir wissen zwar weder 
den Tag noch die Stunde, den Monat 
oder das Jahr, doch erkennen wir die 
Zeichen, die uns dieses bedeutsame Er- 
eignis ankündigen sollen. 
Wie können wir uns auf diesen Tag 
vorbereiten? Wir müssen die Gebote 
halten; wir müssen Gutes tun und recht- 
schaffen leben. Wir müssen unsere 
Nachbarn warnen. Wir müssen unsere 
Kinder die Wahrheit lehren und sie auf 
rechtschaffene Pfade führen. 
Der Herr hat zu seinem Volk gesagt: 
„Nach eurem Zeugnis kommen Zorn 
und Entrüstung über die Menschen" 
(LuB 88:88). 

Es ist ganz natürlich, daß wir alles, was 
uns interessiert, was uns etwas bedeutet, 
mit den Menschen teilen wollen, die wir 
lieben. Wir haben das Evangelium unse- 
res Herrn Jesus Christus, das Kost- 
barste, das Wichtigste auf der ganzen 
Erde. Wir lieben das Evangelium unse- 
res Herrn, wir lieben die Kinder unseres 
Vaters im Himmel, und wir möchten das 
Evangelium ihnen bringen, weil es sie 
glücklich machen wird. Wenn sie es 
annehmen und danach leben, werden sie 
in seinem Reich errettet und erhöht. 
Unsere Kirche, die Kirche Christi, ist 
freigiebig. Wir sind verpflichtet, unsere 
ganze Kraft dafür einzusetzen, die Men- 
schen zu erretten, ihnen Gott nahezu- 
bringen und dem Herrn bei seinem 
Werk zu helfen. Nur wenn die Welt nach 
seinen Lehren, seinem Evangelium lebt, 
kann sie errettet werden. Der Mensch 
braucht den spirituellen Bereich seines 
Lebens mehr als den physischen oder 



128 



materiellen, wenn er glücklich sein will. 
Die Grundsätze des Evangeliums ver- 
folgen das erklärte Ziel, den Menschen 
in diesem Leben glücklich zu machen 
und ihm ewige Freude zu schenken. 
Warum bemühen wir uns so sehr dar- 
um, unsere Mitmenschen dahin zu brin- 
gen, daß sie Gott dienen und seine 
Gebote halten? Es sind Gottes Kinder, 
unsere Brüder und Schwestern. 
James Talmage vom Rat der Zwölf hat 
uns diesen erhebenden Gedanken 
hinterlassen: „Was ist der Mensch 
inmitten dieser grenzenlosen Pracht? Ich 
sage Ihnen: Potentiell, das heißt seiner 
Bestimmung nach, ist er größer und 
bedeutender, nach Gottes Maßstäben 
kostbarer als alle Planeten und Sonnen 
des Alls. Für ihn wurden sie erschaffen; 
sie sind Gottes Werk; der Mensch hin- 
gegen ist sein Sohn! Auf der Erde hat der 
Mensch nur über weniges Macht. Er soll 
aber einmal über vieles herrschen . . . 
So unermeßlich die Erde und das All in 
all ihrer Pracht auch sein mögen, sie sind 
nur Mittel zum Zweck, den der Herr 
folgendermaßen zum Ausdruck brach- 
te: 

,Denn siehe, dies ist mein Werk und 
meine Herrlichkeit die Unsterb- 

lichkeit und das ewige Leben des Men- 
schen zustande zu bringen'" (Moses 
1:39) (Salt Lake City, Deseret News 
Press, 1931, S. 357-358). 
Bedenken Sie, welche Tragik, welche 
schreckliche Verantwortung der 
Mensch auf sich lädt, wenn er, wie es so 
häufig geschieht, die Vernichtung 
menschlichen Lebens so leicht nimmt. 
Darauf ist eine ewige Strafe ausgesetzt. 
Charles Kingsley, ein englischer Schrift- 
steller, hat gesagt: „Nichts, was der 
Mensch je erfindet, wird ihn von der 
allumfassenden Notwendigkeit be- 
freien, gut zu sein, wie Gott gut ist, 
rechtschaffen, wie Gott rechtschaffen 
ist, heilig, wie Gott heilig ist." 



Unser Erlöser hat es uns ohne unser 
Zutun durch sein Sühnopfer und seine 
große Liebe für uns alle möglich ge- 
macht, aus dem Grab hervorzu- 
kommen. So hat er der ganzen Mensch- 
heit die Tür zur Unsterblichkeit ge- 
öffnet. Hätte er nicht für unsere Erret- 
tung sein Leben gegeben, hätte der Tod 
noch seinen fürchterlichen Stachel, das 
Grab hätte den Sieg davongetragen. Der 
Mensch wäre der Unsterblichkeit und 
des ewigen Lebens beraubt. 
Was heißt eigentlich ewiges Leben? Man 
könnte annehmen, Unsterblichkeit und 
ewiges Leben bedeuteten dasselbe. Zwar 
gehört die Unsterblichkeit zum ewigen 
Leben, doch wenn wir ewiges Leben im 
wahrsten Sinne des Wortes haben wol- 
len, müssen wir nach dem Evangelium 
Jesu Christi leben, dem Plan des Lebens 
und der Errettung, den er offenbart hat. 
Nur so können wir Erhöhung und 
ewiges Leben in der Gegenwart des 
Vaters im Himmel in seinem ewigen 
Reich empfangen. 

Wenn wir Gutes tun, werden wir in 
diesem Leben glücklich und erben ein- 
mal ewiges Leben. Gutes tun heißt die 
Gebote halten, die der Herr uns gegeben 
hat. Das Evangelium ist der wahre 
Lebensweg, es stellt die Lehren des 
Erlösers dar, der das Licht der Welt ist. 
Dem stehen nur Dunkelheit und Freud- 
losigkeit gegenüber. 
Ich bezeuge Ihnen, dies ist das Werk des 
Herrn. Das Evangelium Jesu Christi ist 
mit seiner Schlüsselvollmacht und Kraft 
zur Erde zurückgebracht worden. Es ist 
das Werk und die Herrlichkeit des 
Herrn, die Unsterblichkeit und das ewi- 
ge Leben des Menschen zustande zu 
bringen. Im Namen Jesu Christi. Amen. 



129 



Was erwartet der Herr von mir? 



Derek A. Cuthbert 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




Ein neuberufener Führer der Kirche gibt Zeugnis. 



IM 



.eine lieben Brüder und Schwestern, 
ich stehe heute voll Liebe und Dank- 
barkeit vor Ihnen. Von ganzem Herzen 
möchte ich Ihnen danken für die Liebe, 
den Glauben und die Gebete, die Sie 
zum Ausdruck gebracht haben, als Sie 
mich durch Ihr Handzeichen bestätigt 
haben. 

Wir sind so dankbar, daß das Evangeli- 
um Teil unseres Lebens ist. Zur Zeit sind 
wir auf Mission und können so in 
geringem Maße zurückzahlen, was wir 
vor vielen Jahren von zwei jungen Mis- 
sionaren empfangen haben. Sie sind im 
Spätsommer 1950 an unsere Tür ge- 
kommen und haben uns die Augen für 
die Fülle des Evangeliums geöffnet. 
Ich höre immer wieder, wie die Mis- 
sionare sagen, daß sie dankbar sind für 
ihren Mitarbeiter. Ich möchte heute 
sagen, wie dankbar ich für meine wun- 
derbare Mitarbeiterin bin - auf Mis- 
sion und in unserer ewigen Ehe. Sie ist 
eine begeisterte Ehefrau und Mutter und 
hat mir stets den Weg geebnet, so daß 
ich dem Herrn dienen konnte. Ich bin 
dankbar für unsere wunderbaren Kin- 
der, von denen einige selbst schon Kin- 



der haben, die im Tempel geheiratet 
haben — und all das, weil die M issionare 
zu uns gekommen sind. Ich weiß, daß 
wir durch die heiligen Handlungen des 
Tempels alle ewig zusammenbleiben 
können und werden. Welch ein Segen ist 
es für uns, wenn wir das Evangelium 
kennenlernen und annehmen! Ich bete 
von ganzem Herzen dafür, daß alle 
Menschen die Missionare anhören und 
die Mitglieder der Kirche den Mis- 
sionaren ermöglichen, daß sie ihre 
Freunde bei ihnen unterweisen, damit 
alle dem Evangelium ihr Herz öffnen, 
die es bis jetzt noch nicht angenommen 
haben. 

Das Evangelium Jesu Christi ist in 
diesen, den Letzten Tagen in seiner 
Vollständigkeit wiederhergestellt wor- 
den. Ich weiß, daß das wahr ist. Wir sind 
dadurch sehr glücklich geworden. Wir 
haben gelernt, echt zu beten; wir haben 
gelernt, mit der ganzen Familie und mit 
unserem Ehepartner zu beten. Wir ha- 
ben gelernt, für uns allein zu beten, dem 
Herrn unser Herz auszuschütten und 
uns von ihm führen zu lassen. Wir sind 
von ganzem Herzen dankbar für diese 
Segnungen. 

Ich bin dankbar, daß wir einen Vater im 
Himmel haben, der uns liebt. Er hat 
seinen Sohn Jesus Christus in die Welt 
gesandt, uns zu ihm zurückzubringen. 



130 



Ich bezeuge Ihnen, daß unser Herr Jesus 
Christus lebt. Er hat als sterblicher 
Mensch auf Erden gelebt und uns ein 
vollkommenes Beispiel gegeben. Er hat 
uns gezeigt, wie wir leben sollen, und wir 
können uns jeden Tag die Frage stellen: 
„Was erwartet der Herr von mir? Was 
würde er tun?" Er hat sich für uns 
geopfert und uns erlöst, und das konnte 
nur er, der Sohn Gottes. Ich weiß, daß er 
lebt und sein Evangelium in diesen, den 
Letzten Tagen in seiner Vollständigkeit 
wiederhergestellt hat. Er hat seine Kir- 
che zurückgebracht und mit ihr die 
errettenden heiligen Handlungen. 
Er hat dem Menschen von neuem die 
Priestertumsvollmacht übertragen, da- 
mit er sich auf die Wiederkunft seines 
Herrn vorbereiten kann. Ich weiß, daß 
er heute seinen Willen durch Spencer 
Kimball, einen mächtigen Propheten, 



kundtut. Der Glaube und die Werke 
dieses Propheten sind groß, so groß, daß 
er Wunder vollbringt und die Tore der 
Nationen öffnet. Wir beten für ihn, und 
wir beten dafür, daß alle Staaten ihre 
Tore öffnen. 

Wir beten, daß die Missionare Erfolg 
haben mögen. Wir sind dankbar, daß 
wir uns an diesem wunderbaren Werk 
der Letzten Tage beteiligen dürfen. 
Wir lieben Schwester Kimball sehr und 
beten für sie, die wunderbare ewige 
Gefährtin des Propheten Gottes. 
Wir sind dankbar für die Liebe und 
Unterstützung all unserer großartigen 
Brüder. Wir spüren, daß sie uns Kraft 
geben. Von ganzem Herzen weihe ich 
mich mit meiner Familie dem Herrn. 
Wir wollen ihm alle Tage unseres Lebens 
dienen und tun, was sein Prophet sagt. 
Im Namen Jesu Christi. Amen. 




131 



Alles, was mir teuer ist 

Robert L. Backman 

vom Ersten Kollegium der Siebzig 




„Alles, was meinem Herzen teuer ist, kann ich darauf 
zurückführen, daß ich Mitglied der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage bin.''' 



As ich drei Monate alt war, führte der 
Pfahl Salt Lake City hier im Tabernakel 
ein großes Theaterstück auf. Meine 
Mutter, ein wahrer Engel, war Maria, 
die Mutter Jesu, und ich hatte die Ehre, 
das Christuskind zu spielen. Ich kann 
mir vorstellen, daß mir damals wohler 
zumute war als heute, wohl deshalb, weil 
ich nicht zu sprechen brauchte. Doch in 
der Zeit, die seitdem vergangen ist, habe 
ich gespürt, wie die schützende Hand des 
Herrn mich geführt und mich zeitweise 
auch vor mir selbst bewahrt hat. 
Ich habe viel erlebt, während ich älter 
und verständiger wurde. Ich habe mich 
oft gefragt: ,, Warum ich? Warum hat 
der Herr mir diese großartigen Mög- 
lichkeiten gegeben, zu wachsen und 
mich zu entwickeln? Warum hat er mir 
diese Gelegenheiten gegeben zu die- 
nen?" Ich danke ihm aus tiefstem Her- 
zen, daß mein Leben so erfüllt ist, so 
glücklich und voll Freude. 
Es scheint, daß ich mein Leben von 
Menschen umgeben war, die mich 
aufgerichtet und mir geholfen haben, 



mich selbst zu übertreffen, die mich, um 
es noch einmal zu sagen, vor mir selbst 
bewahrt haben: meine guten Eltern, die 
mich von der Wiege an gelehrt haben, 
dem, was wirklich zählt, den Vorrang zu 
geben, so, wie der Herr in ihrem Leben 
stets an erster Stelle gestanden hat; 
meine liebe Frau, die mir in jeder 
Berufung so treu zur Seite gestanden 
hat; unsere sieben großartigen Töchter, 
die mich am liebsten als Präsidenten der 
Kirche sähen; ihre wunderbaren Ehe- 
männer, die dem Bund treu sind, den sie 
im Haus des Herrn geschlossen haben; 
unsere entzückenden kleinen Enkel, die 
Freude meines Lebens. 
Präsident Benson hat letzten Freitag in 
unserem Seminar davon gesprochen, 
daß die höchste Ehre, die uns zuteil 
werden kann, die Mitgliedschaft in Got- 
tes Kirche sei, und ich bin Mitglied; dazu 
gehört die Überzeugung, daß Jesus 
Christus unser Erlöser ist, und ich habe 
sie. Ferner gehören dazu das heilige 
Priestertum und die ewige Ehe, und ich 
habe teil an beidem. Ich fühle mich über 
die Maßen geehrt. Ich bin so reich 
gesegnet, wie nur ein Mensch gesegnet 
werden kann. Und ich bin dankbar für 
die heilige Berufung, die jetzt an mich 
ergangen ist. 
Ich möchte Ihnen allen sagen, daß ich 



132 



jede Segnung, alles, was meinem Herzen 
teuer ist, darauf zurückführen kann, daß 
ich Mitglied der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage bin, daß ich 
den Herrn liebe und von seinem Evange- 
lium überzeugt bin und jede Gelegenheit 
ergriffen habe, ihm zu dienen. 
Ich freue mich, daß ich ihm mein Leben 
jetzt ganz widmen darf, und lege es ihm 
mit allem, was ich habe, vorbehaltlos zu 
Füßen. Präsident Kimball, liebe Brüder, 
meine Frau und ich sind bereit, hin- 
zugehen, wohin Sie uns senden. Wir 



wollen tun, worum Sie uns bitten, und 
wir hoffen nur, daß wir ein Werkzeug in 
der Hand des Herrn sein werden und 
Ihnen helfen, das Reich Gottes aufzu- 
bauen, sein Volk zu heiligen und den 
Weg zu bereiten, wenn Christus in seiner 
Herrlichkeit kommt und regiert. Dann 
wird der Satan gebunden und jedes Knie 
sich beugen und jede Zunge bekennen, 
daß Jesus Christus der Erretter der Welt 
ist und in alle Ewigkeit regieren wird. 
Das bezeuge ich Ihnen im Namen Jesu 
Christi. Amen. 




133 



Unter dem Eindruck der neuen 
Berufung 



Rex C. Reeve 

Vom Ersten Kollegium der Siebzig 




M« 



Lein Herz fließt beinahe über. Mein 
Geist ist demütig. Meine Seele ist mit 
Dankbarkeit erfüllt. Als ich vor Jahren 
zum Bischof berufen wurde, hatte ich 
den starken Eindruck, daß ich nicht 
dessentwegen, was iph getan habe, 
berufen wurde, sondern daß ich mit 
einer Fahrkarte fuhr, die jemand anders 
für mich bezahlt hatte. Ich habe auch 
heute diesen Eindruck. Es gibt viele, die 
vor mir gegangen sind, die ihr Leben 
gegeben haben, um dieses Reich zu 
errichten. 

Ich bin dankbar für meine wunderbare 
Mutter und für meinen Vater. Ich bin 
auch dankbar für meine großartige 
Frau. Wenn ich in ihrer Gegenwart bin, 
möchte ich immer ein besserer Mensch 
sein. Ich bin auch dankbar für meine 
sieben lieben Kinder und für die Töchter 
und Söhne, die meine Schwiegerkinder 
sind. Und ich bin dankbar für meine 
vielen Enkel. Ich bin so dankbar, daß sie 
mich immer unterstützt haben. Ich 
möchte nun sagen, daß ich vielen 
Menschen dankbar bin Freunden, 
den Führern der Kirche (die ich viele 



Mein Herz ist voll, mein Geist demütig, meine Seele mit 
Dankbarkeit erfüllt.''' 



Jahre lang beobachtet, bewundert und 
denen ich zugehört habe) und auch den 
wunderbaren Mitgliedern der Kirche. 
Ich bin dankbar, ein Mitglied der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage zu sein. Ich weiß von ganzem 
Herzen, daß Gott lebt. Ich weiß, daß er 
spricht. Ich weiß, daß er uns hört. Ich 
weiß, daß er uns liebt. 
Ich bin dankbar, daß ich im Mis- 
sionsfeld dienen durfte. Wenn es keinen 
anderen Beweis dafür gäbe, daß dies die 
Kirche Jesu Christi ist, dann wäre das, 
was im Leben der jungen Männer und 
im Leben der neuen Mitglieder ge- 
schieht, für mich Beweis genug. 
Ich habe mich dem Herrn gegenüber 
verpflichtet — , alles zu geben, was ich 
habe. Und hier vor Ihnen verpflichte ich 
mich, alles zu tun, wozu ich von diesen 
wunderbaren Männern gebeten werde, 
die ich liebe. Schon dreißig Jahre lang ist 
Präsident Kimball uns ein Segen. Er war 
in unserem Leben ein geistiger Riese, 
und er liebt uns. Jetzt kann ich Ihre 
Liebe fühlen. Ich kann die Liebe der 
Menschen spüren, und ich bin so dank- 
bar dafür. Als Missionare wußten wir, 
was es bedeutet, wenn dreieinhalb Mil- 
lionen Menschen für einen beten, und 
ich bin so dankbar dafür. 
Ich gebe Ihnen Zeugnis, daß Gott lebt, 
und ich verspreche Ihnen, alles zu tun, 
was ich kann, solange ich lebe und auch 
danach. Im Namen Jesu Christi. Amen. 



134 



Das Zweite Kommen Christi 



LeGrand Richards vom Rat der Zwölf 




„Prophezeiungen stellen den sichersten Weg dar, zu wissen, 
was geschehen wird . . . Wir müssen sie nur verstehen." 



Ach möchte, stellvertretend auch für 
Sie, allen neuen Generalautoritäten sa- 
gen, daß ich sie liebe und willkommen 
heiße. Es ist mein größter Wunsch, daß 
sie genausoviel Freude und Glück in 
ihrem Dienst erfahren mögen wie ich in 
den vierzig Jahren, seit ich General- 
autorität bin. 

Eines der größten Ereignisse, wenn nicht 
das größte überhaupt, das sich in dieser 
Welt seit der Erschaffung ereignet hat, 
ist die Auferstehung Christi, des Sohnes 
des lebendigen Gottes. Kein Wunder, 
daß die Aposteln, nachdem sie ihn 
gekreuzigt sahen und ihn ins Grab gelegt 
hatten, dem Bericht der Frauen, daß er 
von den Toten auferstanden sei, keinen 
Glauben schenkten. Als Jesus nach der 
Auferstehung mit zweien seiner Jünger 
auf der Straße nach Emmaus ging (es 
heißt in der Schrift, ,,ihre Augen wurden 
gehalten", damit sie ihn nicht erkennen 
konnten [Lukas 24:16], hörte er, was sie 
über ihn, sein Leben und seine Kreuzi- 
gung sprachen. Er erkannte, daß sie 
nicht alles verstanden, was die Pro- 
pheten über ihn offenbart hatten, des- 
halb sagte er: ,,0 ihr Toren und träges 
Herzens, zu glauben alle dem, was die 
Propheten geredet haben!" (Lukas 



24:25). Er zeigte ihnen dann, angefangen 
bei Mose, wie diePropheten in allem von 
ihm Zeugnis gegeben hatten und daß sie 
sogar kleinste Einzelheiten anführten, 
selbst daß bei seiner Kreuzigung um 
seine Kleider das Los geworfen wurde, 
hatten sie erwähnt. 
Petrus hat gesagt: 

„Und wir haben desto fester das pro- 
phetische Wort, und ihr tut wohl, daß 
ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da 
scheint an einem dunkeln Ort, bis der 
Tag anbreche und der Morgenstern 
aufgehe in euren Herzen. 
Und das sollt ihr vor allem wissen, daß 
keine Weissagung in der Schrift eine 
Sache eigener Auslegung ist. 
Denn es ist noch nie eine Weissagung 
aus menschlichem Willen hervor- 
gebracht, sondern von dem heiligen 
Geist getrieben haben Menschen im 
Namen Gottes geredet" (2. Petrus 1:19- 
21). 

Wenn nun das prophetische Wort den 
sichersten Weg darstellt, zu wissen, was 
geschehen wird — und Jesaja sagte, daß 
der Herr das Ende vom Anfang an 
verkündigt habe (Jesaja 46:10) — , dann 
müssen wir es nur verstehen, denn wir 
besitzen es. Und ich meine, wenn Jesus 
schon solch ein Urteil über jene gefällt 
hat, die die Schriftstellen nicht ver- 
standen haben, die von seinem Ersten 
Kommen zeugten, wie würde er sich erst 
uns und der Welt gegenüber fühlen. 



135 



wenn wir den Wert der Worte der 
heiligen Propheten nicht erkennen, die 
sich auf sein Zweites Kommen be- 
ziehen? Ich möchte deshalb gerne ein 
oder zwei Offenbarungen der Propheten 
dazu anführen. 

Zuerst fallen mir die Worte des Petrus 
ein, die er nach Pfingsten zu jenen 
gesprochen hat, die Christus getötet 
hatten. Er sagte: 

,,So tut nun Buße und bekehret euch, 
daß eure Sünden getilgt werden, auf daß 
da komme die Zeit der Erquickung von 
dem Angesicht des Herrn und er sende 
den, der euch zuvor zum Christus be- 
stimmt ist, Jesus. 

Und muß der Himmel aufnehmen bis 
auf die Zeit, da alles wiedergebracht 
wird, wovon Gott geredet hat durch den 
Mund seiner heiligen Propheten von 
Anbeginn" (Apostelgeschichte 3:19-21). 
Ich bin sicher, daß dies die einzige 
Kirche ist, die an eine solche Wieder- 
herstellung all dessen glaubt, wovon die 
heiligen Propheten gesprochen haben. 
Andere Kirchen glauben an eine 
Reformierung, aber eine solche stützt 
sich nur auf die Weisheit von Menschen. 
Die Wiederherstellung kommt von 
Gott, dem ewigen Vater. Wir können 
deshalb nicht erwarten, daß der Erlöser 
zum zweiten Mal kommt, wenn nicht 
vorher alles wiederhergestellt wird, und 
das ist die Botschaft der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage. 
Ich möchte jetzt gerne auf die Pro- 
phezeiungen eines Propheten eingehen 
- die Zeit erlaubt es nicht, mehr zu 
besprechen — , und ich habe für meine 
Rede heute die Zeichen ausgewählt, die 
nach den Worten Maleachis, des im 
Alten Testament zuletzt angeführten 
Propheten, dem Zweiten Kommen Ch- 
risti vorausgehen werden. 
Der Herr sagte durch Maleachi, daß er 
seine Boten aussenden würde, damit sie 
den Weg für sein Kommen bereiten, und 



daß er bald zu seinem Tempel kommen 
würde. Aber wer wird den Tag seines 
Kommens ertragen können, da er wie 
das Feuer eines Schmelzers und wie die 
Lauge der Wäscher sein wird? (Maleachi 
3:1, 2). Sicherlich bezieht sich dies nun 
nicht auf sein Erstes Kommen. Wir 
erfahren: Wenn er mit großer Kraft und 
Herrlichkeit und mit allen heiligen En- 
geln kommen wird, werden die Gott- 
losen zu den Felsen schreien: „Fallet 
über uns und verberget uns vor [seinem] 
Angesichte" (Offenbarung 6:16). 
Und Sie werden wissen, daß Jesus seinen 
Jüngern gesagt hat, der Tempel werde 
zerstört werden und nicht ein Stein auf 
dem andern bleiben. Sie fragten ihn: 
„Sage uns, wann wird das geschehen? 
und welches wird das Zeichen sein 
deines Kommens [damit ist sein Zweites 
Kommen gemeint] und des Endes der 
Welt?" (Matthäus 24:3). Jesus erzählte 
ihnen von Kriegen und Kriegs- 
gerüchten, von Seuchen, Erdbeben, 
Hungersnöten und daß sich ein Volk 
wider das andere erheben werde, ,,und es 
wird gepredigt werden dies Evangelium 
vom Reich in der ganzen Welt zum 
Zeugnis für alle Völker, und dann wird 
das Ende kommen" (Matthäus 24:14). 
Er sagte ihnen dann, daß es in den Tagen 
des Kommens des Menschensohnes sein 
würde wie zur Zeit Noahs. Die Men- 
schen würden essen, trinken und freien 
und sagen, daß der Herr sein Kommen 
aufgeschoben habe; und dann würde er 
wie ein Dieb in der Nacht kommen. Und 
er sagte, daß zwei Männer auf dem 
Felde sein würden, einer würde an- 
genommen, der andere verworfen wer- 
den. Zwei Frauen würden auf der Mühle 
mahlen, eine würde angenommen, die 
andere verworfen werden (Matthäus 
25:37-41). Mit all dem, was der Erlöser 
gesagt hatte, wollte er die Zeichen, die 
seinem Zweiten Kommen vorausgehen 
werden, aufzeigen. 



136 



Maleachi sah die Boten, die ausgesandt 
würden - - und wenn der Herr einen 
Boten sendet, dann kann dieser Bote nur 
ein Prophet sein, Jesus gab Zeugnis von 
Johannes dem Täufer, der als Bote 
ausgesandt wurde, um den Weg für sein 
Kommen in der Mitte der Zeiten zu 
bereiten. Er sagte, daß kein Prophet in 
Israel größer sei als Johannes der Täufer 
(Lukas 7:28). Der Profet Arnos hat 
gesagt: „Gott der Herr tut nichts, er 
offenbare denn seinen Ratschluß den 
Propheten, seinen Knechten" (Arnos 
3:7). Wie könnte denn nun alles wieder- 
hergestellt werden, was, wie Petrus sag- 
te, von Anbeginn der Welt durch die 
heiligen Propheten gesprochen worden 
war, wenn nicht durch einen Propheten, 
der mit dieser Wiederherstellung be- 
auftragt wird. Und dieser Prophet war 
kein anderer als Joseph Smith, der unter 
der göttlichen Führung, der Weisung 
und der Vollmacht Gott Vaters und des 
Sohnes, diese großartige Kirche ge- 
gründet hat - - die Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage. 
Das zweite, was Maleachi hinsichtlich 
des Kommens des Erlösers in den Letz- 
ten Tagen gesagt hatte, war, daß sich das 
ganze Haus Israel von ihm abgewandt 
haben wird und sie dann wissen würden 
wollen, warum. Er erwähnte, daß es mit 
dem Zahlen ihres Zehntens und ihrer 
Opfer zusammenhinge. Er sagte: „Ihr 
betrügt mich allesamt." Und dann sagte 
er noch: „Bringt aber die Zehnten in 
voller Höhe in mein Vorratshaus, auf 
daß in meinem Hause Speise sei, und 
prüft mich hiermit, ... ob ich euch dann 
nicht des Himmels Fenster auftun werde 
und Segen herabschütten die Fülle" 
(Maleachi 3:9, 10). Was für eine Auf- 
forderung! Der Herr forderte Israel auf, 
in den Letzten Tagen als Vorbereitung 
auf sein Kommen wieder den Zehnten 
und die Opfer zu geben! Er ging dann 
noch ein wenig weiter und sagte, daß er 



um ihretwillen den Fresser bedrohen 
würde, damit ihre Frucht auf dem Acker 
nicht vor der Zeit verderben solle und sie 
von allen Menschen als gesegnet be- 
zeichnet werden würden (Maleachi 3:1 1, 
12). 

Wir sind ein gesegnetes Volk. Der Herr 
hat uns gesegnet. Nachdem unsere 
Pioniere aus jeglicher Zivilisation ver- 
trieben worden waren, zogen sie über 
tausend Meilen hierher in die Wildnis. 
Jesaja sah, daß der Herr die Wüste wie 
eine Lilie zum Blühen bringen würde 
(Jesaja 35:1). Er sah die Wüste voller 
Wasserquellen und Wasserbäche von 
hohen Bergen herunterstürzen, um das 
Land fruchtbar zu machen (Jesaja 
41:18). 

Und warum? Damit die Heiligen, wenn 
sie sich hier sammelten, seine Ver- 
heißungen erfüllen könnten; denn wenn 
das Evangelium, auf das sich Jesus 
bezog, aller Welt verkündigt werden 
sollte, dann mußte dies durch seine 
Kinder geschehen. Und seit dieser Zeit 
haben Hunderttausende von HLT-Mis- 
sionaren in der ganzen Welt — zur Zeit 
sind es etwa 25000 Missionare — , die 
Wiederherstellung des Evangeliums als 
einen der Schritte zur Vorbereitung 
auf die Wiederkehr des Erlösers ver- 
kündigt, denn er sagte, daß es der ganzen 
Welt gepredigt werden solle. 
Und dann gibt es so vieles anderes, was 
getan werden mußte, was aber Geld 
erforderte, um das Reich Gottes auf 
Erden aufzubauen, wie zum Beispiel den 
Bau von Gotteshäusern und von heili- 
gen Tempeln; einschließlich der ge- 
planten gibt es bereits 20 Tempel. Wir 
sind das einzige Volk auf der Welt, das 
Tempel baut -- und würde die Welt sie 
bauen, sie wüßte nicht, was sie damit 
anfangen sollte. 

Das bringt uns wieder auf etwas, was 
Maleachi gesagt hat. Er sagte: 
„Ich will euch senden den Propheten 



137 



Elia, ehe der große und schreckliche Tag 
des Herrn kommt. 

Der soll das Herz der Väter bekehren zu 
den Söhnen und das Herz der Söhne zu 
ihren Vätern, auf daß ich nicht komme 
und das Erdreich mit dem Bann schla- 
ge' 1 (Maleachi 3:23, 24). 
Stellen Sie sich doch vor, was Maleachi 
alles gesehen hat, als er das Kommen des 
Elia voraussah. Wäre er nicht gekom- 
men, würde die ganze Erde völlig ver- 
wüstet werden (LuB 2:3). Ich bin sicher, 
daß niemand auf dieser Welt außerhalb 
der Kirche Ihnen sagen könnte, wie die 
Botschaft des Elia lautete. Wir würden 
es auch nicht wissen, wenn nicht Elia 
gekommen und Joseph Smith und Oli- 
ver Cowdery am dritten April 1836 im 
Tempel zu Kirtland erschienen wäre. 
Als Folge davon und wegen der 
Schlüsselvollmachten die Elia gebracht 
hat, haben wir alle diese heiligen Tempel 
gebaut. Wir verstehen den Wert der 
Ahnenforschung, deshalb haben wir in 
dieser Stadt [Salt Eake City] eine genea- 
logische Bibliothek und diese großen 
Gewölbe in den Bergen gebaut, ein 
Wunder an und für sich. Es gibt nichts 
auf der ganzen Welt, das ihnen ähnlich 
wäre. Und all dies, was da getan wurde, 
ist Teil der Mission des Elia, damit der 
Herr nicht komme und die ganze Erde 
mit einem Fluch schlage. 
Wir werden angehalten, die heiligen 
Schriften zu lesen, die alten wie auch die 
neuzeitlichen, um zu erfahren, was die 
Propheten gesagt haben. Denken Sie an 
die Worte des Petrus, daß wir desto 
fester das prophetische Wort haben und 
daß wir alle gut daran tun würden, es zu 
befolgen. Ich möchte Ihnen bezeugen, 
daß dies das Werk Gottes, des ewigen 
Vaters, ist. 

Ich stehe hier als ein Apostel des Herrn 
Jesus Christus und bezeuge Ihnen, daß 
die Prophezeiungen Maleachis, auf die 
ich hingewiesen habe, durch die Wieder- 



herstellung des Evangeliums erfüllt wor- 
den sind; wiederhergestellt durch den 
Propheten Joseph Smith und durch die 
heiligen Propheten, die ihm als Präsi- 
dent dieser Kirche nachgefolgt sind, bis 
zu unserem heutigen Propheten, Spen- 
cer W. Kimball, den ich von ganzem 
Herzen verehre, wie auch alle meine 
anderen Brüder, die Generalautoritäten 
sind. Ich bezeuge Ihnen dies und bitte 
Gott, daß er uns die Kraft und den 
Glauben geben möge, unseren Teil beim 
Aufbau seines Reiches zu tun. Im Na- 
men des Herrn Jesus Christus. Amen. 




138 



Hören Sie auf die Propheten 



Präsident Spencer W. Kimball 




J-iiebe Brüder und Schwestern, war es 
nicht schön, daß wir gerade das wunder- 
bare Zeugnis von LeGrand Richards 
hören durften? Dazu die neuen Brüder 
im Ersten Kollegium der Siebzig, die uns 
in ihr Herz haben blicken lassen, und all 
die anderen Brüder, die uns etwas aus 
dem reichen Schatz ihres Lebens ge- 
geben haben. 

Ich möchte als erstes der PV meinen 
Tribut zollen — der Herr hat sie uns 
gegeben. Vor genau hundert Jahren hat 
Bischof Hess mit der Zustimmung der 
Ersten Präsidentschaft Aurelia Spencer 
Rogers berufen, in Farmington (Utah) 
die erste PV ins Leben zu rufen. Aus den 
bescheidenen Anfängen ist eine welt- 
weite Organisation hervorgegangen, die 
das Leben von Millionen von Menschen 
beeinflußt hat. Ich glaube nicht, daß 
unter den Mitgliedern, die mich jetzt 
hören können, jemand ist, dessen Leben 
die wundervollen Beamtinnen und 
Lehrerinnen der PV nicht irgendwie 
positiv berührt haben. Im vergangenen 
Monat habe ich Hunderte von 
Geburtstagskarten erhalten. Viele von 
ihnen hatten PV-Kinder selbst gemacht. 
Die im stillen wirkenden PV-Lehrerin- 
nen pflanzen diesen lieben kleinen Kin- 



„Beziehen wir das, was hier gesagt wird, auf uns, und zwar 
jeder auf sich. Handeln wir danach, als hinge unser ewiges 
Leben davon ab — denn das tut es auch!" 



dern durch ihren Unterricht und ihr 
Beispiel Liebe zum Herrn, zur Kirche 
und zu deren Führern ins Herz. 
Die PV hilft den kleinen Jungen und 
Mädchen, sich auf ihre zukünftige Auf- 
gabe als Vater und Mutter und als 
Bürger Zions vorzubereiten. Alles, was 
die PV lehrt, ist tugendhaft, liebenswert 
und lobenswert. Möge der Herr die PV 
der Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage und all die anderen Orga- 
nisationen, die ähnliches leisten, weiter- 
hin segnen. 

Ich kann mich erinnern, daß ich als 
Junge mit meinem Vater aus Arizona 
zur Generalkonferenz herkam. Ich war 
begeistert, die Führer der Kirche zu 
hören. Ich habe Präsident Joseph F. 
Smith und alle seine Nachfolger gehört 
und war hingerissen von dem, was sie 
sagten, und nahm ihre Warnungen 
schon als Junge ernst. Diese Männer 
waren Propheten Gottes, genauso wie 
die Propheten im Buch Mormon oder in 
der Bibel. Ich hatte nie das Gefühl, daß 
diese Männer leere Drohungen aus- 
stießen oder daß ihr Rat nichtig war. 
Durch die Jahrhunderte hat man alle 
möglichen Ausreden ersonnen, um diese 
Boten Gottes abzulehnen. Man hat sie 
verleugnet, wenn sie von niedriger Her- 
kunft waren, etwa sinngemäß: „Was 
kann von Nazareth Gutes kommen?" 
(Johannes 1 :46). Von Jesus hieß es: „Ist 
er nicht des Zimmermanns Sohn?" 



139 



(Matthäus 13:55.) Meistens hat man 
irgendeinen noch so fadenscheinigen 
Vorwand vorgebracht, um den Mann 
und mit ihm seine Botschaft zu ver- 
werfen. Propheten, die nicht gut reden 
konnten und unbeholfen waren, wurden 
verachtet. Statt auf Paulus zu hören, 
sahen viele nur seine schwache körper- 
liche Verfassung und blickten auf ihn 
herab. Vielleicht beurteilten sie Paulus 
nach dem Klang seiner Stimme oder 
nach seiner Sprechweise, nicht nach den 
wahren Lehren, die er verkündete. 
Wir fragen uns, wie oft die Hörer die 
Propheten zuerst ablehnten, weil sie sie 
verachten, und sie schließlich noch mehr 
verachteten, weil sie sie abgelehnt hat- 
ten. Was gab es noch für Gründe, für die 
fast vollständige Ablehnung? Die Welt 
hat so viele Sorgen, in die sich selbst gute 
Menschen verstricken. Sie folgen der 
Wahrheit nicht, weil ihnen die Welt 
zuviel bedeutet. So der junge Mann, der 
von Jugend auf alle Gebote gehalten 
hatte. Das eine, letzte, das Jesus von ihm 
verlangte, konnte er nicht: „Verkaufe 
alles, was du hast, und gib's den Armen" 
(Lukas 18:22). Wir lesen, daß er betrübt 
fortging, denn er war sehr reich. 
Manchmal sind die Menschen so 
materialistisch und ehrsüchtig, daß sie 
nicht lernen, was sie am meisten brau- 
chen. Die einfachen Wahrheiten ver- 
werfen sie um der Weltanschauungen 
willen, die weniger von ihnen verlangen, 
und auch aus diesem Grund lehnen sie 
die Propheten ab. 

Die verschiedenen Entschuldigungen 
dafür, daß man die Propheten ablehnt, 
gehen auf einen gemeinsamen Ursprung 
zurück, den wir nicht übersehen dürfen. 
Die Welt mit ihren Interessen und Ehren 
und ihrer Maßlosigkeit wird von einigen 
wenigen beherrscht, die mit großer 
Überzeugungskraft das Recht in An- 
spruch nehmen, für alle zu sprechen. 
Paulus hatte Schwierigkeiten, weil es 



unter den Juden keine ideologischen 
Führer gab. Jesus galt als Stein des 
Anstoßes, und bei den Griechen war 
Christsein eine Torheit. 
Die Propheten haben sich nicht nur ent- 
schieden von den menschlichen Ver- 
irrungen distanziert, sondern sie auch 
gebrandmarkt. So ist es kein Wunder, 
daß man ihnen nicht immer gleichgültig 
begegnete. Häufig hat man die Pro- 
pheten abgelehnt, weil sie zuvor das 
Fehlverhalten in ihrer Gesellschaft 
aufgedeckt hatten. 

Die Ausreden, die gegen die Propheten 
vorgebracht werden, sind wenig stich- 
haltig. Einen Propheten nach seiner 
dunklen oder niedrigen Herkunft zu 
beurteilen, ist schon deshalb gefährlich, 
weil Gott sein Werk oft aus dem 
Verborgenen hervorgebracht hat. Das 
hat er selbst gesagt (LuB 1:30). Das 
Christentum wurde nicht von Rom nach 
Galiläa gebracht, sondern umgekehrt. 
In der Neuzeit ging es von Palmyra nach 
Paris und nicht von Paris nach Palmyra. 




140 



Daß etwas in unserer Mitte ist, heißt 
noch nicht, daß wir mitten darin stehen. 
Wir können täglich an einem Museum 
oder einer Gemäldegalerie vorbei- 
fahren, ohne zu wissen, was sich darin 
befindet. 

Das Problem bei einer persönlichen 
Bekanntschaft mit dem Propheten ist, 
daß er immer jemandes Sohn oder 
Nachbar ist. Die Propheten werden aus 
dem Volk berufen und nicht von einem 
anderen Planeten hierher versetzt, so 
aufregend das auch wäre. 
David war der jüngste von acht Söhnen. 
Sein ältester Bruder war empört, als 
David die Frechheit besaß, an die Front 
zu kommen, wo Goliath das israelitische 
Heer verhöhnte. Die sich aufregten, als 
David sich über Goliath empörte, über- 
sahen ganz, daß Davids Zorn entflammt 
war, weil Goliath das Heer des leben- 
digen Gottes verhöhnte (1. Samuel 
17:26-32). 

David kam vom Land, und man 
ignorierte ihn, solange es ging. Einen 
Propheten nur deshalb abzulehnen, weil 
er nichts gilt, ist töricht, und schon 
Paulus hat uns davor gewarnt: „Sehet 
an, liebe Brüder, eure Berufung: nicht 
viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele 
Gewaltige, nicht viele Edle sind beruf- 
en" (1. Korinther 1:26). 
Der Schrift entnehmen wir, daß der Herr 
immer wieder gesagt hat, er vollbringe 
sein Werk durch Menschen, die die Welt 
als schwach verachtet. Die Menschen 
lehnen die Propheten ab, weil ihr Herz 
verhärtet ist, denn der Mensch wird von 
der Gesellschaft geprägt. Diese Ver- 
härtung kann schnell und fast unbe- 
merkt erfolgen. Wer hätte beispielsweise 
noch vor zwanzig Jahren gedacht, daß 
die Abtreibung so sehr überhand- 
nehmen würde. Wie alle krankhaften 
Lehren des Teufels behagt dies dem 
fleischlichen Sinn. 
Die Propheten haben ihre Art, den 



fleischlichen Sinn zu züchtigen. Zu oft 
meint man fälschlich, die Propheten 
seien hart und stets darauf bedacht zu 
sagen: „Seht ihr, ich habe es gesagt." Die 
Propheten, die ich kenne, haben viel 
Liebe. Gerade wegen ihrer Liebe und 
Ehrenhaftigkeit können sie die Bot- 
schaft des Herrn nicht verfälschen, nur 
um den Menschen einen Gefallen zu tun. 
Sie sind zu gütig, um so grausam zu sein. 
Ich bin dankbar, daß es den Propheten 
nicht um Popularität zu tun ist. 
Wenn wir wissen wollen, wie die rauhe 
Wirklichkeit und die Gefahren, die das 
Amt des Propheten mit sich bringt, 
aussehen, brauchen wir nur einen Blick 
auf Jona zu werfen. Er sollte in die 
riesige Stadt Ninive gehen, die so groß 
war, daß man sie nur in drei Tagen 
durchwandern konnte (Jona 3:3). Wenn 
man liest, wie der Prophet Ether sein 
Volk warnte, muß man staunen, daß er 
den Mut aufbrachte, immer wieder zu 
den Menschen zu gehen, die ihm feind- 
lich gesinnt waren (Ether 13). Wir lesen 
von Enoch, der schon als Junge berufen 
wurde. Er sagt von sich selbst, daß die 
Menschen ihn als Jungen verachteten 
und er schlecht reden konnte. Trotzdem 
tat er voll Liebe und Anteilnahme seine 
Pflicht, und sein Erfolg war über- 
wältigend (Moses 6). Ich staune über das 
Einfühlungsvermögen dieser Männer in 
allen Zeitaltern, denn selbst Propheten 
sind nicht immun gegen den Stachel im 
Fleisch. Sie lernen aber, all ihre Sorgen 
auf den Herrn zu werfen. 
Das Zeugnis der Propheten steht in der 
Schrift, doch haben sie es oft auch mit 
roter Tinte geschrieben, weil sie Pro- 
pheten Gottes waren. Sie helfen uns, das 
Ziel von Anfang an vor Augen zu haben. 
Sie waren immer frei von dem Übel ihrer 
Zeit. Sie waren frei genug, als göttliche 
Buchprüfer Betrug Betrug zu nennen, 
Unterschlagung Unterschlagung und 
Ehebruch Ehebruch. 



141 



Jetzt, zum Ende dieser General- 
konferenz, wollen wir alle auf das hören, 
was uns gesagt worden ist. Beziehen wir 
das, was hier gesagt wird, auf uns, und 
zwar jeder auf sich. Hören wir auf die, 
die- wir als Propheten und Seher be- 
stätigen, und auf die anderen Brüder, als 
hinge unser ewiges Leben davon ab — 
denn das tut es auch! 
Ich möchte darüber sprechen, was mich 
im Hinblick auf uns alle bewegt, denn 
wir leben in einer schwierigen Zeit. Es ist 
äußerst wichtig, daß Sie die Reden von 
der Generalkonfernz im Stern lesen. 
Tun Sie, was Ihnen schon gesagt worden 
ist, und führen Sie ein Tagebuch. Wer 
ein Buch der Erinnerung führt, kann den 
Herrn in seinem täglichen Leben leichter 
in Erinnerung behalten. Im Tagebuch 
können wir festhalten, wie sehr der Herr 
uns segnet, und den Bericht über diese 
Segnungen für unsere Nachkommen 
bewahren. Der Frühling erinnert uns 
daran, unseren Garten zu bebauen, 
damit wir selbst produzieren können, 
was wir essen, und unseren Garten und 
unsere Umgebung durch Blumen zu 
verschönen. Selbst wenn Sie die Tomate, 
die Sie essen, zwei Dollar kostet, wird sie 
Ihnen Zufriedenheit schenken. Sie er- 
innert uns alle an das Gesetz der Ernte, 
das keine Ausnahme kennt. Wir ernten, 
was wir säen. Selbst wenn Sie nur wenig 
Land bebauen können, fühlen Sie sich 
dadurch der Natur mehr verbunden, so 
wie unsere ersten Eltern. 
Wie kann man mit ansehen, daß die 
traditionellen moralischen Werte ver- 
fallen, ohne zu bemerken, daß auch der 
Anstand schwindet? Als Junge sah ich 
alle, jung und alt, schwer arbeiten. Wir 
wußten, daß wir die Wüste Arizonas 
zähmten. Hätte ich damals mehr Ein- 
sicht gehabt, hätte ich gesehen, daß wir 
auch uns selbst zähmten. Ehrliche Ar- 
beit, Wüsten unterwerfen, Flüsse ein- 
dämmen, all das nimmt nicht nur der 



Umwelt des Menschen, sondern auch 
ihm selbst das Wilde, Ungebändigte. 
Daß heute viele die Arbeit scheuen, mag 
ein Zeichen dafür sein, daß das Wilde, 
Ungebändigte wieder an Boden ge- 
winnt, vielleicht nicht in der Landschaft, 
aber in manchen Menschen. Die Würde 
und Selbstachtung, die mit ehrlicher 
Arbeit einhergehen, brauchen wir unbe- 
dingt zu unserem Glück. Muße ver- 
wandelt sich so schnell in Trägheit. 
Wie können wir mit ansehen, wie so 
viele, die ein gutes Vorbild sein sollten, 
zum schlechten Vorbild werden, ohne 
daß wir laut aufschreien? Die, die über 
die Ehe spotten, die Keuschheit vor und 
Treue in der Ehe als altmodisch abtun, 
scheinen entschlossen, neue, eigene 
Maßstäbe einzuführen und sie anderen 
aufzuzwingen. Sehen diese Menschen 
nicht, daß sie diese Selbstsucht letzten 
Endes mit Einsamkeit bezahlen müssen? 
Sehen sie nicht, daß ihre Erfüllung eine 
Leere erzeugt, von der sie kein ver- 
gängliches Vergnügen befreien wird? 
Das Gesetz der Ernte hat noch keiner 
umgestoßen. 

Wenn das Sinnliche im Menschen nicht 
länger durch die Familienbande und 
echte Religion gezügelt wird, bricht eine 
Lawine von Begierden hervor, die einem 
wahrhaftig Angst einjagen kann. Eins 
folgt auf das andere, ob es um Homo- 
sexualität, Korruption, Drogen oder 
Abtreibung geht. Jedes begann als Be- 
gierde, die hätte gezügelt werden müs- 
sen. So nimmt das Elend erschreckende 
Ausmaße an. 

Die Dekadenz stellt ihre Ansprüche und 
vertritt ihre Lehren. Sie ist ein Feind der 
Freiheit. Dekadenz, die auf dem Boden 
der Toleranz wächst, vertreibt diese 
bald. Schließlich erreicht sie einen 
Punkt, an dem ein Prophet gesagt hat: 
„Es gab keine Rettung mehr." 
Dann treten die Propheten mit noch 
größerem Nachdruck auf, wie Alma, der 



142 



dem Bösen seiner Zeit sein reines Zeug- 
nis entgegensetzte (Alma 4:19). Weniger 
ist in solchen Augenblicken nicht ange- 
bracht. Wir lesen, daß es in Teilen 
unseres Landes mehr Abtreibungen gibt 
als Lebendgeburten, mehr uneheliche 
Kinder als eheliche, und dann fragen wir 
uns, wie lange Gott sein Gericht noch 
zurückhalten kann. Wir lesen, daß die 
Menschen dem Trend folgen und 
zusammenleben, ohne miteinander ver- 
heiratet zu sein, und fragen uns, warum 
sie nicht einsehen, daß sie ihre wahre 
Identität aufgeben und nirgendwo rich- 
tig hingehören, wenn sie Gottes Gebote 
so mit Füßen treten. Wir sehen, wie viele 
Kinder von einem alleinstehenden 
Elternteil aufgezogen werden, und fra- 
gen uns, was geschehen wird, wenn das 
Gesetz der Ernte seinen Lauf nimmt. 
Was falsch ist, ist falsch, und der Zeit- 
geist verwandelt nicht in Recht, was 
gegen Gottes Gesetze verstößt. 
Wir erleben, wie die Sprache immer 
verdorbener wird, und können uns vor- 
stellen, wie es Lot erging, „welchem die 
schändlichen Leute alles Leid taten mit 
ihrem unzüchtigen Wandel" (2. Petrus 
2:7). Wir fragen uns, wie diese Menschen 
mit ihrer verdorbenen Sprache, selbst 
wenn sie sich weigern, Gott zu ge- 
horchen, geistig so abstumpfen können, 
daß sie ihre Kommunikationsfähigkeit 
immer mehr verlieren. Sprache ist wie 
Musik; beide erfreuen uns durch Schön- 
heit, Vielfalt und Klangreichtum. Dau- 
erndes Wiederholen einiger armseliger 
Noten erniedrigt uns. 
Die Sünde ist weit davon entfernt, den 
Menschen frei zu machen. Sündigen 
heißt dem Herdentrieb folgen. Es ist eine 
Kapitulation vor dem fleischlichen 
Menschen, ein Verwerfen des Guten und 
Schönen im Leben und in einer zu- 
künftigen Welt. Weil die Sünde etwas so 
Trauriges ist, sagen die Rechtschaffenen 
nicht: „Siehst du, ich habe es dir gesagt." 



Aufgrund ihrer Liebe wünschen sie viel- 
mehr, ihr Zeugnis und ihre Worte hätten 
mehr erreicht, damit es in der Welt 
weniger Elend und mehr Glück gäbe. Es 
nimmt nicht wunder, daß wir, die wir 
den Plan der Errettung haben, uns 
gedrängt fühlen, das Evangelium an- 
deren nahezubringen, denn wir lieben 
unseren Nächsten. 

Möge Gott uns helfen, rechtschaffen zu 
leben und so Zeugen für die Welt zu sein, 
demütig, aber unerschrocken aufzu- 
treten, wirkungsvoll und mit Güte 
voranzugehen und das Evangelium Jesu 
Christi stets zu unserer Richtschnur zu 
machen. 

Ehe ich schließe, möchte ich noch sagen: 
was die vier neuen, jungen Führer der 
Kirche gesagt haben, war sehr, sehr 
anspornend. Jeder von ihnen hat gesagt: 
,,Ich habe alles, was ich besitze oder 
besessen habe, auf den Altar gelegt; der 
Herr und seine Diener können es an sich 
nehmen und beanspruchen." Das hat 
mich sehr gefreut, denn wir wissen, es 
gibt noch Glauben in der Kirche, in 
Zion, unter der Jugend und den jungen 
Menschen, die in dieser Kirche auf- 
wachsen. Ich möchte nicht mehr sagen, 
nur noch, der Herr segne Sie, meine 
Brüder und Schwestern, wenn Sie nach 
Hause zurückkehren. Friede sei mit 
Ihnen. Möge das Zuhause, in das Sie 
zurückkehren, das Evangelium in seiner 
Fülle bergen. Auch ich bezeuge Ihnen, 
daß dies Gottes Werk ist, das 
Bedeutendste auf der Welt. Im Namen 
Jesu Christi. Amen. 



143 



Wohlfahrtsversammlung, Samstag, 1. April 1978 



Reinen Herzens werden 



Präsident Spencer W. Kimball 




nebe Brüder und Schwestern, Ihr 
Anblick erfreut mein Herz. Ihr strahlen- 
des Gesicht und die Schönheit der Natur 
auf dem Tempelplatz erfüllen mich mit 
Dankbarkeit für die Segnungen des 
Herrn. Ich hoffe, daß auf dieser Kon- 
ferenz alles, was wir sagen und tun, von 
dieser Dankbarkeit durchdrungen sein 
kann, denn wahrlich, der Herr freut sich, 
die zu segnen, die ihn lieben und ihm 
dienen (LuB 76:5). 

Mit der Hilfe des Herrn möchte ich uns 
erneut einige Grundsätze und Aufgaben 
vor Augen führen, die wir als Führer 
und als Volk niemals vergessen dürfen. 
Danach möchte ich über den Aufbau 
Zions durch Opfer und Weihung spre- 
chen. 

Zunächst möchte ich die Bischöfe daran 
erinnern, wie wichtig es ist, daß sie 
denen, die Wohlfahrtsunterstützung be- 
kommen, die Gelegenheit geben, zu 
arbeiten oder Dienste zu leisten, damit 
sie ihre Würde und Selbständigkeit 
wahren und sich weiterhin des Heiligen 
Geistes erfreuen, während sie von der 
Selbsthilfe durch die Wohlfahrtsdienste 



„Wir arbeiten daraufhin, ein Zion der Letzten Tage zu 
errichten.'''' 



der Kirche profitieren. Es kann uns 
nicht oft genug gesagt werden, daß die 
Wohlfahrt der Kirche auf einer geisti- 
gen Grundlage ruht. Diese geistigen 
Wurzeln müßten verkümmern, wenn 
wir die Wohlfahrtsunterstützung zur 
Spendenverteilung umfunktionieren. Je- 
der, dem geholfen wird, kann etwas 
dafür tun. Verfahren wir also nach der 
Ordnung der Kirche: sorgen wir dafür, 
daß jeder, der etwas erhält, dafür etwas 
von sich selbst gibt. 
Hüten wir uns davor, diesen Plan des 
Herrn zur Unterstützung der Armen 
durch irgend etwas zu ersetzen, das die 
Welt bietet. Wenn wir hören, welche 
Probleme die Regierung mit der Reform 
des Wohlfahrtswesens hat, wollen wir 
daran denken, daß wir versprochen 
haben, einer des anderen Last zu tragen 
und jedem zu helfen, wie es notwendig 
ist. Präsident Romney, der für die 
Wohlfahrtsdienste zuständig ist, hat vor 
einigen Jahren folgendes gesagt, das ich 
sehr gut finde: 

„In der heutigen Welt, die den Plan des 
Herrn in so vielen Varianten entstellt, 
dürfen wir uns nicht vormachen lassen, 
wir könnten unsere Verpflichtungen 
gegenüber den Armen und Bedürftigen 
auf irgendwelche staatlichen oder an- 
dere öffentliche Stellen abwälzen. Nur 
wenn wir unserem Nächsten freiwillig 



144 



und aus großherziger Liebe heraus ge- 
ben, können wir die Eigenschaft er- 
werben, die Mormon als die reine 
Christusliebe bezeichnet (Moroni 7:47). 
Und wir müssen sie erwerben, wenn wir 
ewiges Leben wollen" (General- 
konferenz, Oktober 1972). 
Wir dürfen uns dabei nicht von irgend- 
einem Ismus verwirren lassen. Ich 
möchte Ihnen ins Gedächtnis rufen, wie 
die Kirche zu staatlicher oder anderer 
Sozialhilfe für einzelne steht: 
,,In erster Linie trägt das Mitglied der 
Kirche selbst die Verantwortung für sein 
geistiges, gesellschaftliches, seelisches, 
physisches und wirtschaftliches Wohl- 
ergehen, zweitens seine Familie und 
drittens die Kirche. Der Herr hat den 
Mitgliedern der Kirche geboten, nach 
besten Kräften selbständig und unab- 
hängig zu sein (LuB 78:13, 14). 
Kein wahrer Heiliger der Letzten Tage 
wird freiwillig die Sorge für sein oder 
seiner Familie Wohlergehen auf einen 
anderen abwälzen, solange er selbst 
körperlich und geistig imstande ist, sich 
selbst darum anzunehmen. Solange er 
kann, wird er sich mit der Inspiration 
des Herrn und durch eigene Arbeit nach 
besten Kräften darum bemühen, sich 
selbst und seine Familie geistig und 
materiell zu versorgen (1. Mose 3:19, 1. 
Timotheus 5:8, Philipper 2:12). 
Mit dem Geist des Herrn und in An- 
wendung dieser Grundsätze soll jeder in 
der Kirche selbst entscheiden, was für 
Unterstützung er annimmt, sei es von 
staatlicher oder anderer Seite. So wer- 
den Unabhängigkeit, Selbstachtung, 
Würde und Selbständigkeit gefördert, 
und die Entscheidungsfreiheit bleibt er- 
halten" (Erklärung der Präsidierenden 
Bischofschaft, ENSIGN, März 1978, S. 
20). 

Dieser Erklärung liegt unsere Ein- 
stellung zur Selbständigkeit zugrunde. 
Keine Weltanschauung, keine Ausreden 



können den Wert der Selbständigkeit 
schmälern. Wir brauchen sie, denn: 
„Alle Wahrheit und alle Intelligenz ist 
unabhängig ... in dem Bereich, in den 
Gott sie gestellt hat; anders gibt es kein 
Dasein" (LuB 93:30). Der Herr erklärt, 
daß hierin die menschliche Ent- 
scheidungsfreiheit begründet liegt (LuB 
93:31), und mit dieser Entscheidungs- 
freiheit geht die Verantwortung einher, 
die jeder für sich selbst trägt. Durch die 
Entscheidungsfreiheit können wir uns 
zur Herrlichkeit aufschwingen oder un- 
ter Verdammnis fallen. Mögen wir per- 
sönlich und als Gemeinschaft stets unse- 
re Selbständigkeit wahren. Sie ist unser 
Erbe und unsere Verpflichtung. 
Der Grundsatz der Selbständigkeit be- 
inhaltet, daß wir persönlich und als 
Familie gerüstet sein sollen, wie es uns 
die Kirche sagt. Wir haben darin bereits 
großen Fortschritt gemacht, doch gibt 
es immer noch zu viele Familien; die 
nicht vorausschauend planen. Wenn der 
Frühling kommt, hoffen wir, werden Sie 
alle Ihren Garten bebauen, damit Sie im 
Sommer und Herbst die Früchte Ihrer 
Arbeit genießen können. Wir hoffen, 
daß Sie die ganze Familie daran be- 
teiligen, so daß jeder, auch die Kleinen, 
eine Aufgabe hat. In Ihrem Garten 
können Sie soviel lernen und ernten, 
nicht nur Obst und Gemüse. Wir hoffen 
ferner, daß Sie einen Jahresvorrat an 
Lebensmitteln und wenn möglich auch 
etwas Brennstoff und Bargeld angelegt 
haben. Darüber hinaus hoffen wir, Sie 
ernähren sich richtig und halten sich 
gesund, damit Sie körperlich fit und dem 
Leben gewachsen sind. Sorgen Sie dafür, 
daß in Ihrem Kollegium und in Ihrer 
FHV diese Grundsätze und ihre An- 
wendung gelehrt werden. 
Wir möchten alle Mitglieder daran er- 
innern, wie sehr wir gesegnet werden, 
wenn wir regelmäßig fasten und ein 
möglichst großzügiges Fastopfer geben, 



145 



denn wir können es uns leisten. Wo 
immer wir können, sollen wir ein Viel- 
faches des Betrages spenden, den wir für 
unsere Mahlzeiten aufgewendet hätten. 
Wenn wir mit dem richtigen Geist fasten 
und geben, werden Spender und Emp- 
fänger gesegnet. Wer das Gesetz des 
Fastens befolgt, findet eine Quelle der 
Kraft, die ihm hilft, Bequemlichkeit und 
Egoismus zu überwinden. Ich möchte 
auf das verweisen, was Victor Brown in 
seiner glänzenden Rede auf der letzten 
Wohlfahrtskonferenz zu diesem Thema 
gesagt hat (Der Stern, April 1978). 
Nun lassen Sie uns ein paar Augenblicke 
beiseite legen, was uns heute und in 
diesen Tagen bedrängt. Ich möchte 
Ihnen einen Überblick über einige sehr 
wichtige Aspekte der Wohlfahrt geben. 
Viele Jahre haben wir gelernt, daß wir 
mit dieser Arbeit letztlich ein Zion der 
Letzten Tage errichten wollen, ein Zion, 
in dem die Kinder des Herrn eins sind. 
Wir müssen beständig vor Augen haben, 
was wir anstreben und wofür wir arbei- 
ten, während wir lernen, was unsere 
Aufgabe im Rahmen der Wohlfahrt ist, 
und unsere Arbeit tun. Das gilt gleicher- 
maßen für alles, was wir in der Kirche 
tun. Im 58. Abschnitt des Buches , Lehre 
und Bündnisse' vermittelt uns der Herr 
einen kleinen Einblick in dieses Zion der 
Letzten Tage: 

„Mit euern natürlichen Augen könnt ihr 
jetzt noch nicht sehen, was euer Gott in 
bezug auf die Dinge geplant hat, die 
nachher kommen sollen, auch nicht die 
Herrlichkeit, die auf eure Trübsale fol- 
gen wird. 

Denn nach vieler Trübsal kommen die 
Segnungen. Daher kommt der Tag, an 
dem ihr mit großer Herrlichkeit gekrönt 
werden sollt. Die Stunde ist zwar noch 
nicht da, aber sie ist nahe. 
Sehet, wahrlich, ich sage euch: Darum 
habe ich euch gesandt, daß ihr gehorsam 
seid und eure Herzen vorbereitet, um 



Zeugnis zu geben von den Dingen, die 
kommen werden; 

auch damit ihr beehrt werden mögt, den 
Grund zu legen für Zion und Zeugnis zu 
geben von dem Lande, worin das Zion 
Gottes stehen wird. 

Danach kommt der Tag meiner Macht; 
dann sollen die Armen, die Lahmen, die 
Blinden, die Tauben zur Hochzeit des 
Lammes kommen und am Mahle des 
Herrn teilnehmen, das für den kom- 
menden großen Tag zubereitet sein wird. 
Sehet, ich, der Herr, habe es gespro- 
chen" (LuB 58:3, 4, 6, 7, 11, 12). 
Dieser Tag wird kommen, und wir sind 
aufgerufen, ihn herbeizuführen! Mo- 
tiviert Sie das nicht, weiter und schneller 
auszuschreiten und sich für das Reich 
Gottes einzusetzen? Ich fühle diesen 
Elan, und ich freue mich, daß mir und 
meiner Familie so viele Möglichkeiten 
geboten werden, zu dienen und zu 
opfern, wenn wir unseren Beitrag zum 
Aufbau Zions leisten wollen. 
Zu Beginn dieser Evangeliumszeit schei- 
terten die Mitglieder der Kirche, als sie 
versuchten, nach der Vereinigten Ord- 
nung, dem Wirtschaftssystem Zions, zu 
leben. Der Herr tadelte sie für ihre 
Übertretungen: ,,Doch sehet, sie haben 
nicht gelernt, in den Dingen, die ich von 
ihnen gefordert, gehorsam zu sein, son- 
dern sind von allerlei Bösem erfüllt und 
teilen von ihren Gütern den Armen und 
Notleidenden unter ihnen nicht mit, wie 
es Heiligen geziemt, und sind nicht in 
jener Einigkeit miteinander verbunden, 
die das Gesetz des celestialen Reiches 
verlangt. 

Zion kann nur nach den Grundsätzen 
des celestialen Reiches aufgebaut wer- 
den, sonst kann ich es nicht zu mir 
nehmen" (LuB 105:3-5). 
Der Herr hat uns gesagt, wir müssen 
Gehorsam lernen und Charakterstärke 
entwickeln, ehe er Zion erlösen kann 
(LuB 105:9, 10). 



146 




An anderer Stelle in derselben Offen- 
barung wiederholt der Herr das Gesetz 
Zions und spricht folgende Verheißung 
aus: 

„Und jene Gebote, die ich betreffs Zions 
und seinem Gesetz gegeben habe, sollen 
nach seiner Befreiung ausgeführt und 
erfüllt werden. Wenn sie dem Rate 
folgen, den sie empfangen, sollen sie 
nach vielen Tagen die Macht haben, alle 
zu Zion gehörenden Dinge zu voll- 
bringen" (LuB 105:34, 37). 
Wie lange es dauern wird, alles zu tun, 
was Zion betrifft, hängt davon ab, wie 
wir leben, denn der Aufbau Zions „be- 
ginnt im Herzen jedes einzelnen" (Jour- 
nal of Discourses 9:283). Die Propheten 
wußten, daß wir dazu einige Zeit brau- 
chen würden. 1863 hat Brigham Young 
gesagt: 



„Wenn die Menschen ihre Pflicht ver- 
nachlässigen, sich von den heiligen Ge- 
boten abwenden, die Gott uns gegeben 
hat, nach eigenem Reichtum trachten 
und die Belange des Reiches Gottes 
außer acht lassen, können wir damit 
rechnen, daß wir noch einige Zeit hier 
sein werden - - vielleicht viel länger, als 
wir erwarten" (Journal of Discourses 
11:102). 

Leider leben wir in einer Welt, die zum 
größten Teil die Werte Zions verwirft. 
Babylon hat Zion nie verstanden und 
wird es nie verstehen. Der Herr hat dem 
Propheten Mormon unser Zeitalter ge- 
zeigt, und in einem der letzten Kapitel 
im Buch Mormon heißt es: „Seht, ich 
rede zu euch, als ob ihr zugegen wärt, 
und doch seid ihr es nicht. Aber seht, 
Jesus Christus hat euch mir gezeigt, und 
ich kenne eure Werke. 
Denn seht, ihr liebt das Geld, eure 
Güter, eure schönen Kleider und den 
Schmuck eurer Kirchen mehr als die 
Armen, Notleidenden, Betrübten und 
Kranken" (Mormon 8:35, 37). 
Das steht in krassem Gegensatz zu dem 
Zion, das der Herr durch sein Bundes- 
volk errichten will. Zion kann nur unter 
denen errichtet werden, die reinen Her- 
zens sind, nicht unter einem Volk, das 
zerrissen ist von Habsucht und Gier, 
sondern unter reinen, edlen Menschen. 
Es kommt nicht auf die reinliche Er- 
scheinung an, sondern auf das reine 
Herz. Zion soll in der Welt, aber nicht 
von ihr sein, sich nicht von materieller 
Sicherheit blenden oder von sinnlichen 
Begierden lähmen lassen. Zion lebt nach 
einer höheren Ordnung, die den Geist 
beschwingt und das Herz heiligt. 
Zion soll sein, so „jeder das Wohl seines 
Nächsten suche und alle Dinge mit 
lauterem Sinne zur Ehre Gottes tue" 
(LuB 82:19). 

Zion kann nur von denen errichtet 
werden, die reinen Herzens sind und für 



147 



Zion wirken, denn „der Arbeiter in Zion 
soll für Zion arbeiten; denn wenn er für 
Geld arbeitet, soll er umkommen" (2. 
Nephi 26:31). 

So wichtig es ist, all dies vor Augen zu 
haben, Zion wird nicht dadurch er- 
richtet, daß wir es definieren und be- 
schreiben. Zion kommt nur zustande, 
wenn jeder in der Kirche sich jeden Tag 
konsequent und energisch dafür ein- 
setzt. Wir müssen es „tun", koste es, was 
es wolle. Das ist einer meiner Lieblings- 
sprüche: „Tu es!" Wir müssen uns zu 
dreierlei verpflichten, wenn wir Zion 
wiederbringen wollen. 
Als erstes müssen wir unseren Hang zum 
Egoismus ablegen, der die Seele um- 
garnt, das Herz versteinert und das 
Gemüt verdunkelt. Präsident Romney 
hat vor kurzem auf den Teufelskreis der 
Zivilisation verwiesen, den jeder in Be- 
wegung setzt, der nach Macht und 
Gewinn trachtet. Hat nicht Kain den 
ersten Mord begangen, „um Gewinn zu 
erlangen" (Moses 5:50)? Das ist doch 
der Geist des Antichristen, der sagt, es 
„hinge das Gedeihen des Menschen von 
seiner Naturveranlagung ab und ein 
jeder trüge seiner Stärke gemäß den Sieg 
davon; und nichts, was ein Mensch tue, 
sei ein „Verbrechen" (Alma 30:17). 
Nephi hat darauf hingewiesen, daß die- 
ser Geist seine Generation in die Ver- 
nichtung trieb: 

„Die Ursache dieser Gottlosigkeit unter 
dem Volk war folgende: Satan hatte 
große Macht, das Volk zu allerlei Bos- 
heit aufzureizen und es im Stolz aufzu- 
blähen und es zu versuchen, nach 
Macht, Gewalt, Reichtümern und den 
wertlosen Dingen der Welt zu trachten" 
(3. Nephi 6:15). 

Wenn wir nicht das gleiche Schicksal 
erleiden wollen, müssen wir uns vor dem 
hüten, was diesen Niedergang herbei- 
geführt hat. Der Herr selbst hat zu 
Beginn der Kirche gesagt: „Und weiter 



gebiete ich dir: Sei nicht geizig" (LuB 
19:26). 

Weiter hat er gesagt: 
„Sehet, ich, der Herr, bin mit vielen in 
der Gemeinde zu Kirtland nicht ganz 
zufrieden. 

Denn sie geben ihre Sünden nicht auf, 
auch nicht ihre gottlosen Wege und den 
Stolz ihrer Herzen, nicht ihre Selbst- 
sucht und nicht alle die Greuel, auch 
beherzigen sie nicht die Worte der Weis- 
heit und des ewigen Lebens, die ich 
ihnen gegeben" (LuB 98:19, 20). 
Wir müssen den Egoismus aus unserer 
Familie, aus dem Berufsleben und aus 
der Kirche vertreiben. Es bedrückt 
mich, wenn Pfähle oder Gemeinden 
Schwierigkeiten bei der gerechten Ein- 
teilung der Wohlfahrtsprojekte oder 
Wohlfahrtsproduktion haben. So etwas 
darf nicht sein. Nehmen wir uns heute 
vor, diese Neigung abzulegen. 
Zweitens müssen wir in völliger Ein- 
tracht zusammenarbeiten. Wir müssen 
einstimmig entscheiden und handeln. 
Der Herr hat die Heiligen aufgerufen: 
„Jedermann halte seinen Bruder wert 
wie sich selbst" (LuB 38:24). Dann 
schließt er, was er über die Zusammen- 
arbeit sagt, mit den folgenden 
ausdrucksvollen Worten ab: 
„Sehet, das habe ich euch als ein Gleich- 
nis gegeben, und es ist so, wie ich bin. Ich 
sage euch: Seid eins, denn wenn ihr nicht 
eins seid, seid ihr nicht mein" (LuB 
38:27). 

Wenn der Geist des Herrn uns bei 
unserer Arbeit zur Seite stehen soll, 
müssen wir in allem einig zusammen- 
arbeiten. Joseph Smith hat erklärt, was 
geschieht, wenn wir das tun: „Die größ- 
ten materiellen und geistigen Segnungen 
für gemeinsame Anstrengungen und 
Treue werden niemals einem einzelnen 
für seine Mühen zuteil" (Lehren des 
Propheten Joseph Smith, S. 154, dt. 
Wortl. v. Übers, rev.). Kaum etwas in 



148 




der Kirche verlangt mehr Zusammen- 
arbeit und gemeinsame Anstrengung als 
das Wohlfahrtsprogramm. Ob es darum 
geht, gemeinsam eine neue Stelle für ein 
arbeitsloses Kollegiumsmitglied zu fin- 
den, sich gemeinsam an einem 
Wohlfahrtsprojekt abzumühen, in ei- 
nem Betrieb der Deseret Industries zu 
arbeiten oder Pflegekinder aufzu- 
nehmen, immer hängt der Erfolg der 
Wohlfahrtsarbeit von der Zusammen- 
arbeit und dem gemeinsamen Streben 
ab. 

Drittens müssen wir alles auf den Altar 
legen und opfern, was der Herr verlangt. 
Wir geben ihm zunächst ein zer- 
knirschtes Herz und ein reuiges Gemüt. 
Dann geben wir in allem, was uns 
aufgetragen wird, unser Bestes. Wir 
lernen unsere Pflicht und führen sie 
vollständig aus. Schließlich weihen wir 
unsere Zeit, unsere Talente und Mittel, 
wie unsere Führer uns dazu aufrufen 
und wir vom Geist geführt werden. In 
der Kirche wie im Wohlfahrts- 
programm können wir jeder Fähigkeit, 
jedem rechtschaffenen Wunsch, jedem 



überlegten Impuls Ausdruck verleihen. 
Als freiwilliger Helfer, Vater, Heim- 
lehrer, Bischof oder Nachbar, als 
Besuchslehrerin, Mutter, Hausfrau oder 
Freundin stehen uns alle Wege offen, 
alles zu geben. Und wenn wir geben, 
erfahren wir, daß der Himmel uns für 
unsere Opfer segnet. Dann lernen wir, 
daß es eigentlich kein Opfer war. 

Meine Brüder und Schwestern, wenn wir 
das tun, hüllen wir uns in das Gewand 
der Nächstenliebe, „die das größte von 
allem ist, denn alle Dinge werden ver- 
gehen — aber Nächstenliebe ist die reine 
Liebe Christi und wächst ewiglich, und 
wer sie am Jüngsten Tage besitzt, dem 
soll es Wohlergehen" (Moroni 7:46, 47). 
Beten wir vereint und aus tiefstem 
Herzen, daß wir durch dieses Band der 
Nächstenliebe versiegelt sein mögen; 
daß wir das Zion der Letzten Tage 
aufbauen, daß das Reich fortschreite 
und das Reich des Himmels komme. 
Darum bete ich und all das Gesagte 
bezeuge ich Ihnen im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



149 



Das Lagerhaus-Hilfssystem 

Richard Clarke 

Zweiter Ratgeber des Präsidierenden Bischofs 




Arbeitsvermittlung, das Lagerhaus des Bischofs, 
Produktionsprojekte, die Wohlfahrtsdienste der Kirche, die 
De ser et- Industrie, das Fastopfer und andere Hilfsquellen 
stellen das Lagerhaus- Hilfssystem dar. 



E 



in Bischof hat die wunderbare Mög- 
lichkeit, die Schwachen zu stärken, die 
Hände aufzurichten, die erschlafft sind, 
und die schwachen Knie zu stützen (LuB 
81:5). Als Vater der Gemeinde wird er 
bei vielen Problemen um Hilfe gebeten: 

Arbeit für einen stellenlosen Vater 

— Möbel und Kleidung für eine 
deren Haus ausgebrannt ist 

— sinnvolle Arbeit für einen Be- 
dürftigen 

— eine neue Familie und liebevolle 
Eltern für eine unverheiratete 
Mutter mit psychischen Problemen 

— Arbeit und Selbstbewußtsein für 
ein Mitglied, das keine neue Stelle 
finden kann 

Jeder Bischof weiß, daß ein göttlicher 
Funke in ihm aufspringt, wenn er be- 
dürftigen Mitgliedern materiell hilft. 
Der Herr hat uns gelehrt, daß in seinen 
Augen alles geistig ist. B. H. Roberts hat 
erklärt, daß die höchste Entwicklung des 
Geistigen in seiner Verbindung mit der 
Materie stattfindet. In unserer Welt sind 
die materiellen Probleme stets akut und 



wollen gelöst sein. Der Herr hat der 
Kirche aufgetragen, die Mittel zu be- 
schaffen, die den Mitgliedern helfen, 
diese Probleme zu lösen. Zu Präsident 
McKay sagte einmal jemand: „Wenn 
Ihre Kirche die einzig wahre ist, muß sie 
die Lösung für jedes geistige, materielle 
und gesellschaftliche Problem haben." 
Brüder und Schwestern, wir haben diese 
Lösungen! 

Die wahren Jünger Christi haben sich 
immer der Bedürftigen angenommen. 
Zu Almas Zeiten „teilten sie den Armen, 
Notleidenden, Kranken und Betrübten 
von ihrer Habe mit, ein jeglicher nach 
seinem Vermögen . . . 
Unter diesen gedeihlichen Umständen 
schickten sie niemanden weg, der nak- 
kend, hungrig, durstig oder krank war 
oder ihrer Pflege bedurfte" (Alma 1:27, 
30). 

In unserer heutigen Zeit hat der Herr 
erklärt: „Und jetzt gebe ich der Kirche 
in diesem Teil des Landes ein Gebot, daß 
gewisse Männer in ihr ernannt werden 
sollen . . . Diese sollen nach den Armen 
und Notleidenden sehen und ihnen 
Unterstützung angedeihen lassen, damit 
sie nicht Not leiden müssen" (LuB 
38:34, 35). 
Bis heute hat uns der Herr voll Geduld 



150 



die Grundsätze lernen lassen, die unser 
materielles Wohlergehen bestimmen. 
Erst die schreckliche Depression der 
dreißiger Jahre brachte die Kirche von 
neuem dazu, die offenbarten Grund- 
sätze anzuwenden und einen festen Plan 
aufzustellen, nach dem das Priestertum 
sich unserer Armen annehmen konnte. 
Die Grundlagen des Wohlfahrtspro- 
gramms wurden 1933 gelegt. Die Pfahl- 
präsidenten und Bischöfe wurden gebe- 
ten, eine Übersicht über die Erforder- 
nisse aufzustellen. Da diese Angelegen- 
heit so kompliziert war, wurde sie drei 
Jahre lang beraten. 

Im Oktober 1936 trat das Wohlfahrts- 
programm der Kirche offiziell in Kraft. 
Sie kennen die Erklärung, die damals 
veröffentlicht wurde. Ich möchte sie hier 
auszugsweise zitieren: 
„Unser oberstes Bestreben war, soweit 
dies überhaupt möglich ist, ein System 
einzuführen, unter dem der Fluch des 
Müßiggangs und die Übel des Almosen- 
empfangs abgeschafft und Unabhängig- 
keit, Fleiß, Sparsamkeit und Selbst- 
achtung wieder unter unserem Volk 
aufgerichtet würden. Das Ziel der Kir- 
che ist es, den Menschen zu zeigen, wie 
sie sich selbst helfen können. Die Arbeit 
muß wieder ihren Ehrenplatz als beherr- 
schendes Prinzip im Leben unserer Mit- 
glieder einnehmen" (Heber J. Grant, 
Generalkonferenz, Oktober 1936). 
Vielleicht haben Sie diese — wenn wir sie 
so nennen wollen Grundsatz- 

erklärung wie ich häufig gehört, ohne 
jedoch wirklich zu erfassen, daß unsere 
persönlichen Anstrengungen durch ein 
System vereinigt werden sollen. Dieses 
System soll ausgleichen und integrieren, 
die Menschen sollen nicht nur Kleidung 
und Essen bekommen, sondern, um 
weiter die Erste Präsidentschaft zu zitie- 
ren: ,,Der Mensch, der ein ewiges Wesen 
ist, soll durch Selbständigkeit, 
schöpferische Betätigung, ehrliche Ar- 



beit, durch Dienen, innere Größe erlan- 
gen. Von Anfang an hatte sich das 
Wohlfahrtsprogramm das langfristige 
Ziel gesetzt, den Mitgliedern der Kirche, 
Spendern und Empfängern, Charakter- 
stärke zu vermitteln." Das Wohlfahrts- 
system hat sich ausgeweitet und seine 
Kinderschuhe ausgetreten und wird jetzt 
als das Lagerhaus-Hilfssystem be- 
zeichnet. Es beruht auf den sechs 
Grundsätzen der Wohlfahrtsdienste: 
Liebe, Arbeit, Selbständigkeit, Dienen, 
Verantwortung und Weihung. Der Bi- 
schof genehmigt die Unterstützung 
durch das System, und wir steuern dazu 
bei. 

Kein Bischof steht in seinem Amt allein. 
Dank der Opferbereitschaft der Mit- 
glieder stehen ihm alle möglichen Dien- 
ste und Hilfsmittel zur Verfügung. Viel- 
fach stellt man sich in der Kirche unter 
einem Lagerhaus nur einen Laden vor, 
in dem man mit einer Bescheinigung 
vom Bischof Kleidung und Lebens- 
mittel erhält. Doch brauchen die Mit- 
glieder heute mehr als das, und so 
schließt das Lagerhaus-Hilfssystem 
folgendes ein: 

— Arbeitsvermittlung 

— das Lagerhaus des Bischofs 

— Produktionsprojekte 

— die Wohlfahrtsdienste der 
Kirche 

— die Deseret Industries 

— das Fastopfer und andere 
Hilfsquellen 

Der Bischof kann jetzt Kleidung, Unter- 
kunft, Lebensmittel, ärztliche Versor- 
gung, Arbeitsvermittlung, Adoptions- 
und Pflegestellenvermittlung und 
therapeutische Behandlung für psy- 
chisch Gestörte zur Verfügung stellen. 
Die „Gründungsväter" des Wohlfahrts- 
programms freuen sich gewiß, daß sich 
das System so weit entwickelt hat. 
Danken wir dem Herrn, für die, die auch 
in der Dunkelheit sehen und uns aus 



151 



dem Zweifel herausführen! Danken wir 
dem Herrn für Propheten, die das Ziel, 
das fertige Produkt, vor Augen haben. 
Präsident Romney spielte auf diese Fä- 
higkeit an, als er die folgenden Worte 
von Brigham Young zitierte: 
„Wenn Sie eine Vision von Zion hätten, 
haben Sie es in seiner Schönheit und 
Herrlichkeit gesehen, nachdem der Sa- 
tan gebunden worden ist . . . Sie haben 
sich nicht gesehen, wie Sie Vieh über die 
Prärie trieben oder in irgendeinem 
Schlammloch versanken. Sie haben 
nicht die Panik unter dem Vieh oder die 
noch schlimmere unter den Menschen 
gesehen. 

Nein, Sie haben den Glanz und die 
Herrlichkeit Zions geschaut, als An- 
sporn für Sie, damit Sie sich bereitma- 
chen, mit dem Leid und den Ent- 



täuschungen der Sterblichkeit fertig- 
zuwerden und dann die Herrlichkeit des 
Herrn, die Ihnen offenbart wurde, zu 
empfangen." 

Danach fuhr Präsident Romney fort: 
,,Wir haben . . . Visionen vom 
Wohlfahrtsprogramm. Wir haben herr- 
liche Visionen von der Befreiung Zions 
und der Errichtung des neuen Jerusa- 
lems, der Einführung der Vereinigten 
Ordnung, dem Beginn des Millenniums. 
Doch ehe diese Visionen Wirklichkeit 
werden, müssen wir noch einen schwe- 
ren Weg gehen" (Rede auf der Sonder- 
Wohlfahrtsversammlung am 5. April 
1949). 

Kann dies der Tag gewesen sein, den 
Reuben Clark sah, der 1942 sagte: „Wir 
haben alle gesagt, das Wohlfahrts- 
programm ist nicht die Vereinigte Ord- 




152 



nung und war auch nicht als solche 
konzipiert. Doch möchte ich Ihnen dies 
sagen: wenn das Wohlfahrtsprogramm 
einmal voll in Aktion tritt, was jetzt 
noch nicht der Fall ist, werden wir nicht 
mehr weit von den Grundlagen der 
Vereinigten Ordnung entfernt sein" 
(Generalkonferenz, Oktober 1942). 
Ich bin überzeugt, daß das Wohlfahrts- 
programm in den sechsunddreißig Jah- 
ren, die seither vergangen sind, sehr viel 
mehr in Aktion getreten ist. Im letzten 
Oktober hat Präsident Kimball unsere 
Vorstellungskraft mit den folgenden 
Worten angeregt: 

„Als ich darüber nachdachte, was ich 
Ihnen sagen sollte, fiel mir ein, daß seit 
dem Neubeginn dieser Wohlfahrtsarbeit 
im Oktober 1936 eine ganze Generation 
vergangen ist . . . Vor meinem geistigen 
Auge zogen die großen Führer in dieser 
Arbeit vorüber . . . 

Während ich ihre Leistungen und den 
glänzenden Fortschritt der Kirche in 
den Wohlfahrtsdiensten überdachte, 
kam mir folgende Frage in den Sinn: 
Begreifen die heutigen Mitglieder, ins- 
besondere die Führer der Kirche auf 
Regions-, Pfahl- und Gemeindeebene, 
die Prinzipien der Wohlfahrt ebenso gut 
wie die Mitglieder und Führer der 
Kirche der vorigen Generation?" (Der 
Stern, April 1978, S. 46). 
Präsident Kimball, ich bin überzeugt, 
daß diese Generation die Aufforderung 
annimmt und in dem, was sie jetzt tut, 
bereits „weiter ausschreitet"! In den 
Wohlfahrtsdiensten ist eine neue Zeit 
angebrochen, die gekennzeichnet ist von 
Verbesserungen in den folgenden fünf 
Bereichen: 

Erstens — bessere Koordination und 
Zusammenarbeit innerhalb des Systems, 
so daß Produktion, Verarbeitung und 
Verteilung jetzt zügiger ablaufen. Das 
bedeutet, daß die zuständigen Prie- 
stertumsführer besser mit der örtlichen 



Arbeitsvermittlungsstelle der Wohl- 
fahrtsdienste zusammenarbeiten müs- 
sen. Es bedeutet, eine höhere Aus- 
nutzung der freiwilligen Arbeit der Mit- 
glieder auf den Wohlfahrtsfarmen, in 
den Stellen der Sozialen Hilfe der Kir- 
che, in den Deseret Industries usw. 
Zweitens — eine verbesserte Planung, so 
daß das Lagerhaus-Hilfssystem als inte- 
griertes Ganzes arbeitet. Dadurch kön- 
nen wir seine Ausdehnung lenken und 
ausgleichen. Hervorragende Planung 
und vernünftige Beurteilung er- 
möglichen es, daß wir alle Elemente des 
Systems gleichermaßen ausbauen kön- 
nen. 

Drittens — eine wirksamere Durch- 
führung der Projekte in allen Bereichen 
des Wohlfahrtsplans. Die letzten vier 
Jahrzehnte haben uns die Grundsätze 
und Arbeitsweisen der Wohlfahrt ge- 
lehrt. Mit der neuen Technologie und 
durch eine bessere Geschäftsführung 
können wir unsere frühere Produktivität 
und Wirksamkeit erheblich steigern. 
Viertens — größerer persönlicher Ein- 
satz. Die Heimlehrer und die Besuchs- 
lehrerinnen, die Beauftragten des Bi- 
schofs, müssen sich mehr darum be- 
mühen, die zu finden, die materieller 
oder geistiger Hilfe bedürfen. Wenn wir 
im Überfluß leben, müssen wir groß- 
zügig sein. Durch das Fastopfer können 
wir unseren Überfluß dem Hilfssystem 
zukommen lassen. Wir brauchen uns 
nicht auf den Gegenwert von zwei 
Mahlzeiten zu beschränken. Der Pro- 
phet hat uns aufgefordert, sogar den 
zehnfachen Gegenwert zu geben, wenn 
wir können (Generalkonferenz Oktober 
1974). Die Reichen sollen über ihre 
Gemeinde- und Pfahlgrenzen hinaus- 
sehen. Durch das Fastopfer zeigen wir, 
daß wir den Bedürftigen lieben. Das ist 
der Weg des Herrn, und durch ihn 
werden Geber und Empfänger bis hin zu 
ihrer Errettung gesegnet. 



153 



Fünftens — größere Geistigkeit, das 
heißt ein stärkeres Verbundensein mit 
dem Herrn und größere Empfäng- 
lichkeit für den Geist in unserem täg- 
lichen Leben. Der Prophet hat uns 
aufgefordert: „Eifern Sie dem Erlöser 
nach, indem Sie dienen und den Grund- 
satz der Weihung befolgen und indem 
Sie Irdisches überwinden, so daß Sie 
dafür im Spirituellen Höheres er- 
reichen" (Der Stern, April 1978, S. 52). 
Brüder und Schwestern, ich glaube auf- 
richtig, daß dieser Fortschritt im 
Wohlfahrtsprogramm in unserer 
Generation so stattfindet, wie der Herr 
es beabsichtigt hat. Es wird damit ein 
Bedürfnis gestillt, das wir nur ahnen, 
aber nicht genau kennen. Harold B. Lee 
hat in seiner letzten öffentlichen 
Stellungnahme zum Wohlfahrts- 
programm gesagt: „Niemand weiß, zu 
welchem Zweck das Wohlfahrts- 
programm eingerichtet worden ist, doch 
noch ehe alles hinreichend vorbereitet 
ist, wird sein wahrer Zweck offenbart 
werden, und dann wird die Kirche alle 
Kräfte aufbieten müssen, um ihm ge- 
recht zu werden" (Weihnachtsfeier für 
Angestellte der Kirche, 1973). 
Uns stehen gefährliche Zeiten bevor. 
Das Gericht wird sich über die Bösen 
ergießen. Die Mitglieder müssen die 
Grundsätze der Rechtschaffenheit be- 
folgen, wenn sie dem Unheil entrinnen 
wollen, das die Propheten vorhergesagt 
haben. Es ist noch viel zu tun, ehe unser 
Herr und Erretter wiederkehrt. Es 
stimmt, daß wir den genauen Zeitpunkt 
seiner Wiederkunft nicht kennen. Bruce 
R. McConkie hat gesagt: „Die genaue 
Zeit seines Kommens ist absichtlich und 
überlegt ungewiß geblieben, damit die 
Menschen in jedem folgenden Zeitalter 
sich so bereitmachten, als komme der 
Herr zu ihren Lebzeiten" (Doctrinal 
New Testament Commentary, Bd. 1, S. 
675). Natürlich gibt es immer ein gewis- 

154 



ses Risiko, wenn wir im Zusammenhang 
mit dem Wohlfahrtsprogramm von Pro- 
phezeiungen sprechen, weil viele dann 
anfangen, Mutmaßungen anzustellen. 
Doch der Herr hat uns die Prophezeiung 
gegeben, damit wir uns bereitmachen, 
denn er hat gesagt: „Seid ihr aber 
vorbereitet, so braucht ihr nichts zu 
fürchten" (LuB 38:30). 
Das Lagerhaus-Hilfssystem gibt uns die 
Möglichkeit, die Grundsätze der Vor- 
sorge, Liebe, Weihung, des Dienens und 
Opferns anzuwenden. Nur auf dieser 
Grundlage kann Zion jemals errichtet 
werden. Ich bezeuge Ihnen, daß wir zwar 
schwierigen Zeiten entgegensehen und 
dies immer so sein wird, aber dies ist 
Gottes Reich, sein Werk. Wir sind ein 
Volk, und es ist gewiß, daß wir letztlich 
mit dem Herrn siegen werden. Das 
bezeuge ich Ihnen im Namen Jesu 
Christi. Amen. 




Die Zeit des Alters 

Barbara B. Smith 

Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung 




cl eder muß sich auf das Alter vor- 
bereiten — genauso wie wir die Men- 
schen, die schon alt sind, lieben müssen. 
, Jahre kommen, Jahre gehen — wie die 
Zeit entflieht" (aus Anatevka). 
Diese Zeilen erinnern mich an ein be- 
freundetes Ehepaar, das genau wie die 
Eltern in ,Anatevka' gar nicht merkte, 
wie die Zeit verging. Der Mann war 
ungefähr 63, die Frau 55 Jahre alt. Beide 
waren gesund und glücklich und liebten 
ihre Arbeit. 

Eines Tages erfuhr der Mann, daß er 
sich sofort zur Ruhe setzen mußte. An 
dem ersten Montagmorgen seines Ruhe- 
standes sah der Mann zu, wie seine Frau 
sich anschickte, zur Arbeit zu gehen. Da 
wurde ihm klar, daß er allein zu Hause 
sein würde, ohne etwas zu tun zu haben! 
Er hatte keine Arbeit, keine Hobbys, 
keine besonderen Interessen und keine 
Pläne für die Zukunft. Als er seiner Frau 
an diesem Morgen zur Tür folgte, rief er 
voller Angst: „Was soll mit mir werden? 
Was kann ich tun?" 
In der Tat, was gab es für diesen Mann 
zu tun, der an einem Tage auf dem 
Höhepunkt seiner Karriere stand und 
am nächsten Tag zu den älteren Arbeits- 



losen gehörte? Er mußte versuchen, ein 
neues Leben für sich aufzubauen, wollte 
er nicht dahinvegetieren und sterben. 
Leider muß ich hinzufügen, daß er nach 
kurzer Zeit gestorben ist. 
Nun gibt es Menschen, die sagen wür- 
den, daß diese Krise im Leben meiner 
Freunde unvermeidbar war. Das stimmt 
natürlich. Das Altwerden ist ein natürli- 
cher Vorgang. 

N. Eldon Tanner hat geraten: „Leute 
jeden Alters müssen sich darüber klar- 
werden, daß sie eines Tages alt sein 
könnten . . . Auf diese Zeit sollten wir 
uns alle vorbereiten." 
Unser Leben in den späteren Jahren 
wird durch viele verschiedene Umstände 
und Faktoren beeinflußt. Aber es be- 
steht ein Zusammenhang zwischen 
unserer Vorbereitung auf das Alter und 
der Freude, die wir dann haben. Im 
Buch , Lehre und Bündnisse' lesen wir: 
„Seid ihr aber vorbereitet, so braucht ihr 
nichts zu fürchten" (LuB 38:30). 
Darf ich einiges vorschlagen, wie wir uns 
vorbereiten können? 
Als erstes können wir jetzt beginnen, 
eine gute Einstellung zu diesen späteren 
Jahren zu gewinnen. Wir können lernen, 
Weisheit, Erfahrung und Wert alter 
Menschen zu achten. Wir können unsere 
Familienabende festigen und erkennen, 
welche Vorteile es bringt, wenn sich viele 
Generationen in einer Familie ver- 
einigen: Kinder, Jugendliche, Erwachse- 
ne - - zu denen auch die älteren Leute 
gehören. 



155 



Wenn die Familie sorgfältig die Be- 
treuung älterer Familienmitglieder 
plant, wird dies ihr Leben bereichern 
und die Liebe festigen. Es gibt keine 
bessere Möglichkeit, die Kinder zu leh- 
ren, daß man alte Menschen achten muß 
und daß jeder sich auf diese Zeit im 
Leben vorbereiten muß, als wenn sie 
helfen, für ihre alten Verwandten zu 
sorgen. 

Zweitens können wir lernen, uns finan- 
ziell vorzubereiten, indem wir nicht über 
unsere Verhältnisse leben und für die 
Zeit sparen, wo wir nichts mehr ver- 
dienen werden. 

Drittens können wir es uns zur lebens- 
langen Gewohnheit machen, anderen zu 
dienen. Die späteren Jahre bringen uns 
noch mehr Zeit zum Dienen, weil wir die 
Stunden, in denen wir sonst unseren 
Lebensunterhalt verdient oder unsere 
Kinder erzogen haben, nun verwenden 
können, das Leben anderer Menschen 
durch Dienen in Kirche und Gemein- 
wesen zu verschönern. 
Wir können auch unser eigenes Leben 
bereichern, wenn wir uns neue Fähigkei- 
ten aneignen, nachdem wir nicht mehr 




im Beruf tätig sind. Lernen soll eine 
lebenslange Beschäftigung sein. 
Endlich zahlt sich eine gesunde Lebens- 
weise in späteren Jahren aus. Wir kön- 
nen unsere Gesundheit steigern, wenn 
wir das Wort der Weisheit befolgen, 
ausgewogen essen, unsere Zähne pfle- 
gen, auf unser Gewicht achten, für 
genügend Schlaf und Ruhe sorgen, 
regelmäßig etwas dafür tun, um fit zu 
bleiben, und uns medizinisch betreuen 
lassen. 

Einige, die ins Rentenalter kommen, 
haben anscheinend das Gefühl: „Ich 
habe meinen Teil getan. Nun sind die 
anderen an der Reihe." Aber solche 
Zurückgezogenheit kann nach Ansicht 
von Gerontologen und anderen, die sich 
mit alten Menschen befassen, tatsäch- 
lich den Altersprozeß beschleunigen. 
Meine Tante Martha ist fast 95 Jahre alt. 
Aber den meisten würde es schwerfallen, 
mit ihr mitzuhalten. Sie findet un- 
entwegt etwas zu tun. Sie besucht städti- 
sche Versammlungen. Sie studiert die 
Leseaufträge für die Kirche und arbeitet 
in der Klasse mit. Wenn jemand in Not 
ist, dann ist sie die erste, die Dienst am 
Nächsten leistet. Ich habe schon von 
vielen Leuten gehört, daß die heiße 
Suppe, die sie gebracht hat, gerade das 
war, was sie brauchten. War es die 
Nahrung oder das liebevolle Interesse, 
das so gut geholfen hat? 
Die Schwestern, deren Besuchslehrerin 
sie ist, wissen, daß sie schon am Anfang 
des Monats zu ihnen kommen wird. 
Jedesmal, wenn sie zum Tempel geht, 
bleibt sie etliche Sessionen lang dort. Sie 
ist ständig genealogisch tätig, hilft bei 
der Hausarbeit und im Garten. 
Aber ich glaube, ihre größte Freude ist 
die Missionsarbeit. Sie hat mit 75 Jahren 
in Südkalifornien eine Mission erfüllt, 
und seitdem hat sie wahrscheinlich keine 
einzige Möglichkeit versäumt, das 
Evangelium an andere heranzutragen. 



156 



Sie liebt und wird geliebt. Sie ist dankbar 
für das Leben und nutzt jeden Augen- 
blick voll aus. 

Priestertumsführer und FHV-Beamtin- 
nen müssen erkennen, welche großen 
Möglichkeiten solche Menschen wie 
Tante Martha darstellen, die schon älter 
sind und dienen können. Neben den 
althergebrachten Aufträgen für ältere 
Menschen schlagen wir vor, daß sie 
Kindern, die Aufsicht brauchen, die 
Großeltern ersetzen können, daß sie 
Kleingruppenkurse in Stricken, Häkeln, 
Brotbacken, Steppdeckennähen und 
Gartenarbeit und anderen Fächern hal- 
ten können, in denen junge Frauen oft 
unwissend sind. Sie können Sehbe- 
hinderten vorlesen, Familien- und 
Gemeindegeschichtsberichte zusam- - 
menstellen, Briefe für diejenigen schrei- 
ben, die dabei Hilfe brauchen, oder 
Analphabeten lesen und schreiben lehr- 
en. 

Für diejenigen, die Zeit und Fähigkeiten 
anbieten können, tut sich eine wunder- 
bare Welt des Dienens auf! 
Bis jetzt habe ich über die älteren 
Menschen gesprochen, die sich noch 
selbst versorgen können, aber es gibt 
viele, die von anderen abhängig sind. 
Manche sind teilweise bettlägerig, an- 
dere senil oder körperlich behindert. 
Diese alten Menschen dürfen nicht 
vernachlässigt werden. Manche können 
zu Hause versorgt werden, wenn sie 
jeden Tag Essen geliefert bekommen, 
wenn man für sie einkauft, die Wohnung 
saubermacht, und der Arzt sie regel- 
mäßig besuchen kann, während andere 
24 Stunden lang gepflegt und be- 
aufsichtigt werden müssen. Oft versorgt 
die Familie solche alten Angehörigen 
liebevoll, braucht aber doch noch 
Unterstützung von außen. 
Priestertumsführer und FHV-Beamtin- 
nen sollen besonders darauf achten, was 
solche Familien brauchen. 



Der abhängige alte Mensch braucht die 
Freundlichkeit und Aufmerksamkeit 
liebevoller Freunde und der Besuchs- 
lehrerinnen und der Heimlehrer. Eine 
Frau braucht vielleicht ein paar Stunden 
Entspannung von der ständigen Pflege 
eines älteren Menschen, genauso wie 
eine junge Mutter von der ständigen 
Sorge für ihre kleinen Kinder. Der 
Dienst am Nächsten im Auftrag der 
FHV kann die natürliche Antwort auf 
diese Hilferufe sein. 

In bestimmten Fällen können alte Men- 
schen vielleicht nur in einem Pflegeheim 
richtig versorgt werden. Wenn das not- 
wendig sein sollte, können Priestertums- 
führer und FHV-Beamtinnen der Fami- 
lie helfen festzustellen, welches Heim am 
besten geeignet ist. 

Wenn ein Familienmitglied in ein sol- 
ches Heim gekommen ist, müssen Fami- 
lie und Kirche es weiterhin unterstützen, 
indem sie durch Besuche und andere 
Gesten Liebe und Interessen zeigen. Für 
Schwestern in solchen Heimen können 
die Besuchslehrerinnen und, wo ange- 
bracht, besondere FHV-Versamm- 
lungen im Heim, viel Segen bringen. 
Wenn die Zeit des Alters über uns 
kommt — und sie kommt bestimmt, 
denn „schnell vergeht die Zeit", wie es in 
dem Lied heißt, dann müssen wir sie mit 
Mut und Glauben empfangen und dar- 
auf vorbereitet sein. Zu all dem, was wir 
für uns und unsere Familie tun, müssen 
wir der Alten gedenken mit dem Geist 
der Liebe Christi, in dessen Werk wir 
stehen. 

Möge der Ruf des Psalmisten in unse- 
rem Herzen widerhallen: „Verwirf 
mich nicht in meinem Alter, verlaß mich 
nicht, wenn ich schwach werde" (Psalm 
71:9). 

Dies bitte ich demütig im Namen Jesu 
Christi. Amen. 



157 



Wohlfahrtsdienst beginnt bei Ihnen 

A. Theodore Tuttle 

von der Präsidentschaft des Ersten Kollegiums der Siebzig 




U, 



nsere Generation ist geduldig länger 
als 40 Jahre lang belehrt worden — jetzt 
ist es nicht mehr freigestellt, sondern 
jetzt hängt alles davon ab! 
In Südamerika sahen wir eines Tages in 
einem heißen Dschungel ein kleines 
graubraunes Tier kopfüber von einem 
Baum hängen. Es hatte ziemlich lange 
Vorderpfoten und kurze Hinterbeine. Es 
bewegte sich so langsam, daß man nur 
schwer feststellen konnte, ob es lebte 
oder tot war. Uns wurde gesagt, daß es 
ein Faultier sei. Das interessierte mich, 
weil in den heiligen Schriften oft von 
Faulheit und Trägheit gesprochen wird. 
Der Herr gebrauchte dieses Wort mit 
Verachtung und bezog es auf Menschen, 
die langsam waren zu handeln. 
Als das Wohlfahrtsprogramm in den 
30er Jahren dieses Jahrhunderts be- 
gonnen wurde, hatte es das Ziel, den 
Fluch des Müßiggangs auszurotten, 
Selbstachtung wiederherzustellen und 
den Menschen zu helfen. Die Grund- 
prinzipien des Wirtschaftssystems des 
Herrn waren dem Propheten Joseph 
Smith schon früher offenbart worden. 
Fast alles, was seitdem geschehen ist, 
sollte uns auf die Zeit vorbereiten, wo 
dieses Programm in weit größerem Aus- 



maß gebraucht werden würde. In den 
dazwischenliegenden Jahren sind viele 
großartige Grundsätze erklärt worden. 
Ich will sie kurz wiederholen. 
Präsident Grant hat gesagt: ,,Die Kirche 
braucht Segnungen, und die einzige Art, 
wie wir sie empfangen können, ist durch 
das Befolgen der Gebote, auf denen 
diese Segnungen beruhen. Das grund- 
legende Gesetz, das sich auf die Wohl- 
fahrt unseres Volkes bezieht, ist das 
Fastopfer. Wir betonen, daß das Fast- 
opfer gezahlt werden soll, weil wir die 
Segnungen brauchen, die wir dadurch 
erhalten." 

Präsident Clark hat uns geraten: ,, Leben 
Sie nicht über Ihre Verhältnisse! Zahlen 
Sie Ihre Schulden ab! Machen Sie keine 
Schulden! Legen Sie etwas beiseite für 
schlechte Zeiten, die immer gekommen 
sind und wieder kommen werden! Ge- 
wöhnen Sie sich an Fleiß. Sparsamkeit, 
Wirtschaftlichkeit, Genügsamkeit!" 
(Herbst-Generalkonferenz 1937). 
„Jeder Haushaltsvorstand soll dafür 
sorgen, daß er genug Nahrung, Klei- 
dung und nach Möglichkeit auch Heiz- 
material für mindestens ein Jahr zur 
Verfügung hat . . . Jeder, der ein Stück 
Garten hat, soll ihn bebauen; jeder, der 
eine Farm besitzt, sie bewirtschaften" 
(Frühjahrs-Generalkonferenz 1937). 
„Bargeld ist weder Nahrung noch Klei- 
dung, weder Kohlen noch Unterkunft; 
und es hat schon Zeiten gegeben, daß 



158 



man — ganz gleich, wieviel Bargeld man 
hatte - - dies alles nicht in der Menge 
besorgen konnte, wie man es gebraucht 
hätte ... Man kann sich nur auf das 
verlassen, was man selbst herstellt. 
Wir müssen aus unserem Herzen die 
Neigung zum bequemen Leben aus- 
rotten, den Fluch der Trägheit aus- 
merzen. Gott hat erklärt, daß der sterb- 
liche Mensch sein Brot im Schweiße 
seines Angesichts essen solle. Das ist das 
Gesetz dieser Welt" (ebd.). 
„Viele von uns sind noch nicht bereit, 
sich zu beherrschen, so daß wir nicht nur 
alle unsere Ersparnisse, sondern auch 
unseren ganzen Verdienst ausgeben und 
darüber hinaus noch durch Ratenkäufe 
Schulden machen" (Frühjahrs-General- 
konferenz 1948). 

Die Schwestern werden sich freuen, die 
folgenden Worte noch einmal zu hören: 
„Wenn es in der Kirche einen Bischof 
gibt, der denkt, daß er ohne die FHV 
auskommen kann, dann kennt er seine 
Arbeit noch nicht richtig. Und wenn er 
ohne die FHV auskommt, dann tut er 
seine Arbeit nicht" (ebd.) 
Harold B. Lee hat gesagt: „Der 
Priestertumsführer und seine Frau er- 
langen nur gemeinsam die Erhöhung. 
Das Priestertum und die Schwestern 
müssen in der Wohlfahrt zusammen- 
arbeiten. Ohne diese Zusammenarbeit 
würden wir niemals das erreichen, was 
wir im Wohlfahrtsprogramm tun." 
Präsident Lee hat auch gesagt: „Denken 
Sie daran, daß das Wohlfahrts- 
programm der Kirche bei Ihnen per- 
sönlich beginnen muß. Es muß bei 
jedem Mitglied der Kirche beginnen . . . 
Sie müssen für sich selbst handeln und 
sich beteiligen, bevor das Wohlfahrts- 
programm in Ihrer Familie zur Anwen- 
dung kommt. Wenn es sich von dort aus 
in die Kollegien und zu gemeinsamer 
Anstrengung ausweitet, werden wir 
gewaltige Ergebnisse erzielen." 



Weiter hat er gesagt: „Möge der Herr 
uns helfen, diese Grundsätze zu ver- 
stehen, und uns zu jener Bestimmung 
führen, die darin besteht, daß wir unser 
Leben und alles, was wir haben oder 
sind, dem Aufbau des Reiches Gottes 
weihen. Nur so können wir den Glauben 
entfalten, den wir zur Erhöhung im 
celestialen Reich brauchen." 
Bruder Romney hat gesagt: „Geschichte 
und Offenbarungen — und ich darf 
wohl hinzufügen, der gesunde Men- 
schenverstand — bezeugen uns, daß 
keine Zivilisation lange bestehen kann, 
wenn ihr der heutige Wohlfahrtsstaat 
weiterhin zugrunde liegt. 
Babylon wird vernichtet werden, und 
groß wird sein Fall sein (LuB 1:16). 




159 



Aber lassen Sie sich nicht entmutigen. 
Zion wird nicht untergehen, denn Zion 
wird auf den Grundsätzen der Liebe zu 
Gott und den Mitmenschen und auf 
ernsthafte Arbeit gegründet, wie Gott es 
geboten hat . . . 

Während wir am Aufbau Zions arbei- 
ten, dürfen und werden wir die Grund- 
prinzipien, auf denen die Wohlfahrts- 
dienste der Kirche beruhen, nicht auf- 
geben: die Liebe zu Gott und den 
Mitmenschen und die Arbeit" (Früh- 
jahrs-Generalkonferenz 1976). 
An anderer Stelle hat Marion G. Rom- 
ney gesagt: „Fast vom Anbeginn meiner 
Arbeit im Rahmen der Wohlfahrt der 
Kirche habe ich die Überzeugung ge- 
wonnen, daß das, was wir darin tun, nur 
eine Vorbereitung auf die Wieder- 
herstellung des Gesetzes der Weihung 



und der Verwalterschaft darstellt, wie es 
unter der Vereinigten Ordnung erforder- 
lich ist. Wenn wir nur immer dieses Ziel, 
auf das wir hinarbeiten, im Auge be- 
halten, werden wir niemals in dieser 
großartigen Arbeit vom richtigen Weg 
abweichen" (ebd. Okt. 1977). 
Liebe Brüder, achten Sie jetzt auf den 
Ratschlag, den Alma den Führern der 
Kirche gibt: „Und er befahl ihnen (den 
Führern der Kirche), nichts zu lehren als 
das, was er gelehrt hatte und was durch 
den Mund der heiligen Propheten ge- 
sprochen worden war" (Mosiah 18:19). 
Wir unterstehen derselben Ver- 
pflichtung. 

Bruder Tanner hat gesagt, daß Marion 
G. Romney die größte und am besten 
informierte Autorität bezüglich des 
Wohlfahrtsprogramms sei, die es heute 




160 



in der Kirche gebe. In den letzten Jahren 
hat Bruder Romney die Grund- 
prinzipien des Wohlfahrtsprogramms 
neu formuliert und erläutert. Die 
wichtigsten Reden von den Wohlfahrts- 
sessionen der letzten fünf Konferenzen 
sind im , Stern' gedruckt worden. 
Die Kollegiumspräsidenten müssen die 
vorbeugenden Aspekte des Wohl- 
fahrtsprogramms verwirklichen, indem 
sie diese Prinzipien lernen, lehren und 
anwenden. Wenn Probleme auftauchen, 
müssen sie sie einer dauerhaften Lösung 
zuführen: Wenn ein Mitglied der Kirche 
Hilfe braucht, soll es schließlich dahin 
gebracht werden, daß es wieder für sich 
selbst sorgen kann. Das ist die Aufgabe 
der Priestertumskollegien, wie Bruder 
Hinckley es vor sechs Monaten so schön 
veranschaulicht hat. Das Kollegium 
muß seinen schwachen Mitgliedern hel- 
fen. 

Ähnlich fällt den Kollegiumsführern des 
Aaronischen Priestertums — die Bi- 
schofschaft natürlich eingeschlossen — 
die Aufgabe zu, mehr als eine halbe 
Million junger Menschen, Jungen und 
Mädchen, die Wohlfahrtsgrundsätze zu 
lehren. 

Oft hören wir die Jugendlichen fragen: 
„Was können wir tun?" Zusätzlich zum 
Einsammeln des Fastopfers durch die 
Diakone bieten die Wohlfahrtsdienste 
ein großartiges Betätigungsfeld für die 
jungen Leute. 

Brüder, nehmen Sie die ausgezeichneten 
Aktivitäten, die im Handbuch für das 
Aaronische Priestertum und in der An- 
leitung zur Durchführung von Aktivi- 
täten vorgeschlagen werden, in Ihr Pro- 
gramm auf! Als Beispiel nenne ich Ihnen 
ein paar nützliche und interessante 
Möglichkeiten, wie Jugendliche sich an 
der häuslichen Bevorratung und an den 
Wohlfahrtsdiensten beteiligen können: 
Nahrungsmittel und Wasser lagern, 
Feuerholz stapeln und Brennmaterial 



aus Zeitungen herstellen, alle Besitz- 
tümer der Familie aufschreiben, einen 
Garten anbauen, einen Komposthaufen 
und eine Vorratsgrube im Freien an- 
legen, Vergleiche ziehen, wo man am 
günstigsten einkaufen kann, sich über 
richtige Ernährung informieren, das 
Haus sauberhalten, eine elektrische Lei- 
tung reparieren, einen Wasserhahn aus- 
wechseln, ein Haus innen und außen 
anstreichen und ein Fest der Heimge- 
staltungsgeschicklichkeiten durch- 
führen. 

Zu jedem dieser Vorschläge gehören 
noch weitere Projekte, die Spaß machen 
und nützlich sind. 

Brüder und Schwestern, ich habe einen 
kurzen Überblick über diese Prinzipien 
gegeben. Sie sind vortrefflich. Sie kön- 
nen danach handeln. 
Jetzt möchte ich Ihnen noch eine War- 
nung mitgeben. Das Wort , träge' oder 
,Trägheit' erscheint 25mal in den heili- 
gen Schriften, meistens, um diejenigen 
zu verdammen, die langsam im Handeln 
sind. Als wir dieses Faultier beob- 
achteten, das da am Baum hing, faßte es 
ganz langsam nach einem Blatt, riß es ab 
und steckte es sich dann noch langsamer 
in den Mund. 

Als wir ihm so zusahen, verstanden wir, 
wie unzufrieden der Heiland mit einem 
Menschen sein muß, der langsam zu 
handeln und träge ist. 
Brüder und Schwestern, unsere 
Generation ist mehr als 40 Jahre lang 
geduldig belehrt worden. Jetzt ist es uns 
nicht mehr freigestellt, ob wir diese 
Prinzipien lernen und anwenden wollen, 
sondern jetzt hängt alles davon ab! 
Dieses Werk ist göttlich. Es wird uns 
erlösen und erhöhen. Diese Erhöhung 
kommt, wenn wir nach diesem Gesetz 
leben. Mögen wir dieser Aufforderung 
in Einigkeit nachkommen und danach 
leben, bitte ich im Namen Jesu Christi. 
Amen. 



161 



Auf Liebe begründet 



Victor L. Brown 
Präsidierender Bischof 




E 



in Aufruf an alle, die dazu in der Lage 
sind, begeistert für Deseret-lndustrie zu 
spenden und dort zu kaufen. 
Heute möchte ich von einer Abteilung 
der Wohlfahrtsdienste sprechen, die sel- 
ten erwähnt wird, und doch bringt sie 
durch ihre Organisation und ihre Aktivi- 
täten alle, die daran beteiligt sind — die 
Gebenden und die Empfangenden — 
dem Heiland so nahe; denn sie ist auf 
Liebe begründet und für ganz besondere 
Menschen geschaffen. Dort bekommt 
vielleicht jemand zum erstenmal das 
Gefühl, daß er doch etwas wert ist — wo 
die Umgebung geeignet ist, Selbst- 
achtung zu gewinnen; 
wo mangelnde Ausbildung, Geschick- 
lichkeit oder Fähigkeit nicht als Manko 
angesehen wird; 

wo der Mensch mit liebevoller Fürsorge 
behandelt wird, auch wenn er geistige 
oder körperliche Beschränkungen hat; 
wo jemand durch seine Beteiligung, ganz 
gleich, wie bescheiden, das Gefühl er- 
langt, daß er gebraucht wird und wichtig 
ist; 

wo jeder Arbeitstag mit einer Morgen- 
andacht beginnt. 
Diese auf Liebe begründete Einrichtung 



für besondere Menschen ist die Deseret- 
lndustrie. Die Deseret-lndustrie zeigt 
den Geist der Lehren des Heilands in 
konzentrierter Form und ist ein beson- 
ders erregender Aspekt der Wohlfahrts- 
dienste. Was sie so besonders erregend 
macht, ist der Einfluß, den sie auf die 
Menschen hat, die dort dienen. 
Ihr Vorbild an Glauben, Unab- 
hängigkeit und Entschlossenheit ist uns 
allen ein Leitstern. Ich will Ihnen ein 
wenig genauer berichten, was mit den- 
jenigen geschieht, die für die Deseret- 
lndustrie arbeiten. Ein Vater erzählt 
folgendes von seinem Sohn: 
Der älteste von unseren drei Söhnen ist 
für unsere Familie ein besonderer Segen. 
Er ist 31 Jahre alt und hat einen 
Geburtsschaden. Dabei wurde sein Ge- 
hirn verletzt, und er kann seine Muskeln 
nicht richtig koordinieren und nicht 
sprechen. Geistig ist er völlig normal. 
Er ist einer der großartigsten Menschen, 
die ich jemals gesehen habe. Mike ist 
immer zufrieden. Er ist dankbar für 
alles, was man für ihn tut, und klagt 
niemals. Er hat ein starkes Gefühl für 
Recht und Ordnung und ist immer auf 
der Seite des Rechts. Er hat mehr dazu 
beigetragen, daß ich mich der Kirche 
angeschlossen habe, als alles andere. Ich 
habe dadurch, daß ich für ihn gebetet 
habe, viel über das Beten gelernt. 
Als unser Deseret-Industrie-Betrieb fast 
fertig war, meinte der Bischof, daß Mike 
vielleicht dort Arbeit finden könnte. 



162 



Weder meine Frau noch ich mochten 
uns vorstellen, daß wir ihn irgendwohin 
bringen und dort lassen könnten, aber 
nachdem wir mit dem Bischof und dem 
Pfahlpräsidenten gesprochen hatten, be- 
schlossen wir, es doch zu versuchen. 
Es stellte sich heraus, daß dies einer der 
wichtigsten Schritte in unserem und 
Mikes Leben war. Zuerst ließen sie ihn 
Schuhe färben, aber er brachte mehr 
Farbe auf sich selbst als auf die Schuhe. 
Deswegen ließen sie ihn Geschirr abwa- 
schen. Er muß zuviel zerbrochen haben, 
denn sie teilten ihn dann zum Sortieren 
von Lumpen ein. Jetzt schneidet er 
Knöpfe ab und erhält dafür 80 Cents die 
Stunde. Können Sie sich vorstellem, wie 
viele Knöpfe den Gegenwert von 80 
Cents darstellen? Ich bezweifle, daß ein 
normaler Mensch in der Stunde Knöpfe 
im Wert von 80 Cents abschneiden 
könnte! Aber die Deseret-lndustrie hat 
hauptsächlich Interesse daran, den 
Menschen das Gefühl zu geben, daß sie 
nützlich sind, und sie dadurch froh zu 
machen. 

Wenn Sie ein geistiges Erlebnis haben 
möchten, dann besuchen Sie die Dese- 
ret-lndustrie, und sehen Sie, wie diejeni- 
gen, die dort arbeiten, einander Liebe 
entgegenbringen und wie glücklich sie in 
ihrer Arbeit sind." 

Im Mittelpunkt von allem, was die 
Deseret-lndustrie tut, steht das Erwa- 
chen zu einem Gefühl des persönlichen 
Werts. Wenn man sieht, wie alle nach 
der Morgenandacht Arm in Arm zu 
ihrer Arbeitsstätte gehen, spürt man eine 
tiefe Liebe. 

Jim Clegg, der Leiter der Deseret-ln- 
dustrie in Murray, besuchte eine 
Abendmahlsversammlung in der Ge- 
meinde seines Sohnes, wo das Pro- 
gramm von einigen behinderten Jugend- 
lichen gestaltet wurde. 
Als Abschluß sollte eine liebe mongolo- 
ide Schwester ein Solo singen. Bruder 



Clegg wußte, daß diese junge Schwester 
singen konnte, weil sie im Chor der 
Deseret-lndustrie mitsang, aber er wuß- 
te nicht, daß ein 70j ähriger Bruder sie 
geschult hatte, weil er ihre stimmliche 
Begabung erkannt hatte. 
Als sie aufstand um zu singen, erkannte 
sie Bruder Clegg unter den Zuhörern 
und rief: ,,Da ist mein Deseret-ln- 
dustrie- Leiter, da hinten!" Dann erzähl- 
te sie, daß die Deseret-lndustrie der 
schönste Ort auf der ganzen Welt wäre. 
Als sie dann sang: ,,Ich bin ein Kind des 
Herrn", zweifelte niemand unter den 
Zuhörern daran, daß die Deseret-ln- 
dustrie der schönste Ort auf der Welt sei. 
Die Deseret-lndustrie wurde im Mai 
1938 gegründet. Die Erste Präsident- 
schaft stellte ihre Satzungen auf, um 
denjenigen, die etwas haben, die Mög- 
lichkeit zu geben, mit denen zu teilen, die 
nichts haben, indem sie Kleidung. Mö- 
bel, Geräte usw. der Deseret-lndustrie 
spenden wo deren Renovierung 

Unbeschäftigte beschäftigen würde und 
die wieder brauchbaren Sachen zu er- 
schwinglichen Kosten zur Verfügung 
gestellt werden. 

Obgleich es so scheint, als ob der 
Hauptzweck der Deseret-lndustrie die 
Beschäftigung ist, so ist sie doch nur 
Mittel zu einem Zweck - dem Zweck, 
den Menschen durch Arbeit zum Segen 
zu gereichen. Es werden nicht nur die- 
jenigen gesegnet, die arbeiten, sondern 
auch diejenigen, die geben. Die Deseret- 
lndustrie würde nicht funktionieren oh- 
ne die Großzügigkeit derjenigen, die 
Güter und Materialien spenden, die 
dann ausgebessert und repariert werden. 
Der nächste Schritt ist offensichtlich: 
Diese Sachen müssen verkauft werden. 
Vielleicht interessiert es Sie, was seit dem 
Beginn vor 40 Jahren in der Deseret- 
lndustrie geschehen ist. Am 17. März 
1978 gab es 1700 behinderte Beschäftig- 
te in 22 Deseret-Industrie-Betrieben und 



163 



Zweigstellen. Ungefähr 60 Prozent des 
Bruttoeinkommens wird für den Lohn 
der Behinderten verbraucht. Gegen- 
wärtig haben wir Einheiten in Utah, 
Idaho, Arizona, Kalifornien, und bald 
werden in Oregon, Colorado und Neva- 
da Betriebe eröffnet. 
Ich spreche heute aus zwei Gründen 
über die Deseret- Industrie: erstens, da- 
mit diejenigen von Ihnen, die jetzt oder 
in naher Zukunft Deseret-Industrie-Be- 
triebe in der Nähe haben, die Mitglieder 
in Ihren Gemeinden und Pfählen an- 
regen, sich für dieses Programm zu 
begeistern, indem sie erst etwas spenden 
und außerdem dort etwas kaufen; und 
zweitens, um die Priestertumsführer in 
Gebieten, wo es keine Deseret-Industrie 
gibt, anzuhalten, genau zu prüfen, ob 
nicht die Zeit gekommen ist, auch in 
Ihrem Gebiet einen Betrieb der Deseret- 
Industrie zu gründen. Wenn Sie meinen, 
es sei soweit, wenden Sie sich auf dem 
vorgeschriebenen Wege an die 
Wohlfahrtsdienste. 

Wir sind uns darüber im klaren, daß es 
viele Gebiete der Kirche gibt, wo es 
wegen der geringen Mitgliederzahl nicht 
sinnvoll wäre, das Programm zum 
gegenwärtigen Zeitpunkt einzuführen. 
Aber dann ist es angebracht, daß Sie 
Ihren ganzen Einfallsreichtum auf- 
wenden, um die Brüder und Schwestern 
an den segensreichen Grundsätzen teil- 
haben zu lassen, die wir besprochen 
haben. 

Ich möchte mit einem weiteren Erlebnis 
schließen. Ich möchte Ihnen von einem 
älteren Bruder erzählen, der in einem 
Pflegeheim saß und Tag um Tag und 
Woche um Woche vor sich auf den 
Fußboden starrte. Jemand, der ihn lieb- 
te und die Deseret-Industrie kannte, 
sorgte dafür, daß er zur Arbeit dorthin 
kam. Es begann damit, daß der Auf- 
seher ihm einen breiten Besen in die 
Hand drückte, ihn an ein Ende des 

164 



Korridors stellte und ihn den Besen bis 
ans andere Ende des Korridors vor sich 
herschieben ließ. Dann drehte er ihn 
herum und ließ ihn den Besen wieder 
zurückschieben. Das tat er immer wie- 
der. 

Im Verlauf dieser Tätigkeit regte sich ein 
Funken Interesse an irgendetwas in 
seinem Auge, er hob das Auge vom 
Fußboden. Er sah die Wände, und er sah 
die Fenster. Als dieser Vorgang sich 
fortsetzte, entwickelte sich allmählich 
ein Gefühl, das jeder braucht. Es dauerte 
nicht lange, bis er andere Aufträge 
erhielt, die er sehr gut ausführte. Mit der 
Zeit waren sein Glaube an sich und sein 
Selbstgefühl wiederhergestellt. Er konn- 
te andere beaufsichtigen. 
Möge der Herr diese wunderbaren, 
besonderen Menschen segnen, und mög- 
en wir als ihre Führer gesegnet werden, 
damit wir durch die Arbeit des 
Wohlfahrtsprogramms ihr Leben be- 
reichern können. Das bitte ich im Na- 
men Jesu Christi. Amen. 




Seelische Probleme nach des Herrn 
Weise lösen 



Boyd K. Packer 
vom Rat der Zwölf 




^ m ir brauchen einen Vorrat an 
seelischer Unabhängigkeit bei jedem zu 
Hause, nicht nur im Büro des Bischofs." 
Immer mehr Mitglieder, die sich an 
ihren Bischof um Rat wenden, haben 
seelische Probleme, nicht einen Mangel 
an Kleidung oder Nahrung. 
Ich möchte daher über das Thema 
sprechen: seelische Probleme nach des 
Herrn Weise lösen. 

Glücklicherweise lassen sich die Prinzi- 
pien der zeitlichen Wohlfahrt genauso 
auf seeelische Probleme anwenden. 
Die Kirche hat erst zwei Jahre be- 
standen, als der Herr offenbarte: „Der 
Müßiggänger soll in der Kirche keinen 
Platz haben, es sei denn, er tue Buße und 
bessere sich" (LuB 75:29). 
Im Wohlfahrtshandbuch lesen wir: 
„Das Ziel der Kirche ist es, den Men- 
schen zu zeigen, wie sie sich selbst helfen 
können" (S. 2). 

Es ist uns einigermaßen gut gelungen, 
die Heiligen der Letzten Tage zu lehren, 
daß sie selbst für ihren Lebensunterhalt 
aufkommen und darüber hinaus zur 
Wohlfahrt derjenigen beitragen sollen, 
die nicht für sich selbst sorgen können. 



Wenn ein Mitglied sich nicht selbst 
unterhalten kann, soll es sich an seine 
Familie, dann an die Kirche wenden, in 
dieser Reihenfolge, und nicht an den 
Staat. 

Wir haben den Bischöfen und den 
Pfahlpräsidenten geraten, sehr vorsich- 
tig zu sein, damit das Wohlfahrts- 
programm nicht mißbraucht wird. 
Wenn Leute imstande, aber nicht willens 
sind, für sich selbst zu sorgen, dann 
haben wir die Pflicht, uns an des Herrn 
Wort zu halten, daß der Müßiggänger 
nicht das Brot des Arbeiters essen soll 
(LuB 42:42). 

Die einfache Regel lautet, daß man für 
sich selbst sorgen soll. 
Als das Wohlfahrtsprogramm der Kir- 
che 1936 zum erstenmal verkündet wur- 
de, sagte die Erste Präsidentschaft: 
„Unser oberstes Bestreben war es, so- 
weit dies überhaupt möglich ist, ein 
System einzuführen, unter dem der 
Fluch des Müßiggangs und die Übel des 
Almosenempfangs abgeschafft und 
Unabhängigkeit, Fleiß, Sparsamkeit 
und Selbstachtung wieder unter unse- 
rem Volk aufgerichtet würden. Das Ziel 
der Kirche ist es, den Menschen zu 
zeigen, wie sie helfen können" (Herbst- 
Generalkonferenz 1936). 
Gelegentlich fühlt sich jemand wegen 
des Wohlfahrtsprogramms zur Kirche 
hingezogen. Man sieht die materielle 
Sicherheit. 



165 



Zu solchen Leuten sagen wir: „Ja, 
schließen Sie sich ruhig aus diesem 
Grund der Kirche an! Wir können jede 
Hilfe gebrauchen. Wir werden Sie dau- 
ernd auffordern, anderen zu helfen." 
Interessant, wie die Begeisterung für die 
Taufe oft nachläßt! 

Es ist ein System der Selbsthilfe und 
nicht ein System, wo schnell Almosen 
verteilt werden. Bevor etwas gegeben 
wird, muß sorgfältig zusammengestellt 
werden, welche Hilfsmittel man selbst 
und in der Familie zur Verfügung hat, 
und sie müssen zuerst eingesetzt werden. 
Der Bischof, der verlangt, daß ein Mit- 
glied, soweit es dazu in der Lage ist, für 
das arbeitet, was es von der Kirche 
bekommt, ist weder unfreundlich noch 
gefühllos. 

Ein Mitglied soll sich keinesfalls be- 
schämt fühlen, wenn es von der Kirche 
unterstützt wird, vorausgesetzt, daß es 



selbst alles beigetragen hat, was in seiner 
Macht steht. Marion G. Romney hat 
betont: „Wenn man unter anderen 
Voraussetzungen für die Leute sorgt, 
schadet man ihnen mehr, als man ihnen 
nützt" (Herbst-Generalkonferenz 1974). 

Der Grundsatz der persönlichen Unab- 
hängigkeit ist grundlegend für ein glück- 
liches Leben. Wir entfernen uns an zu 
vielen Orten und auf zu viele Arten 
davon. 

Was ich sagen möchte, ist im wesent- 
lichen: Dasselbe Prinzip — Unabhän- 
gigkeit - - ist auch in geistig-seelischer 
Hinsicht anwendbar. 

Wir sind gelehrt worden, einen Jahres- 
vorrat an Kleidung, Nahrung und nach 
Möglichkeit auch Heizmaterial zu la- 
gern - - und zwar zu Hause! 

Man hat nicht versucht, in jedem 
Gemeindehaus Lagerräume zu schaffen. 



{pHCö 




166 



Wir wissen, daß im Ernstfall die Mit- 
glieder vielleicht gar nicht mehr zum 
Gemeindehaus gelangen können, um 
sich Vorräte zu holen. 
Erkennen wir nicht, daß dasselbe Prin- 
zip sich auf Inspiration und Offen- 
barung, auf das Lösen von Problemen 
und auf Beratung und Führung an- 
wenden läßt? 

Wir brauchen einen Vorrat davon bei 
jedem zu Hause, nicht nur im Büro des 
Bischofs. 

Wenn das nicht der Fall ist, sind wir 
geistig so gefährdet, wie es der Fall wäre, 
wenn wir uns darauf verließen, daß die 
Kirche in materieller Hinsicht schon für 
uns sorgen würde. 

Wenn wir nicht aufpassen, tun wir uns 
seelisch (und damit geistig) dasselbe an, 
das wir auf materiellem Gebiet seit 
Generationen zu vermeiden gewußt ha- 
ben. 

Anscheinend entwickelt sich eine Seuche 
des Ratsuchens, die die geistige Kraft 
der Kirche verbraucht, genauso wie die 
einfache Erkältung die Menschheit 
mehr Kraft kostet als jede andere 
Krankheit. 

Manche mögen sagen, daß das keine 
ernsthafte Gefahr sei, aber es ist eine! 
Auf der einen Seite raten wir den 
Bischöfen, Mißbrauch der Wohlfahrts- 
hilfe zu vermeiden. Auf der anderen 
Seite verteilen einige Bischöfe großzügig 
Rat an die Mitglieder, ohne zu be- 
denken, daß diese ihre Probleme selbst 
lösen sollen. 

Es gibt viele chronische Fälle 
Menschen, die unentwegt Rat suchen, 
aber niemals die Ratschläge befolgen, 
die sie erhalten. 

Ich habe gelegentlich bei einer Unter- 
redung die Frage gestellt: „Sie wollen 
Rat von mir haben. Haben Sie die 
Absicht, den Rat zu befolgen, den ich 
Ihnen gebe, wenn wir Ihr Problem 
sorgfältig untersucht haben?" 



Das überrascht die Ratsuchenden. Dar- 
an haben sie nie geacht. Im allgemeinen 
verpflichten sie sich dann, den Rat zu 
befolgen. 

Dann kann man Ihnen leichter zeigen, 
wie sie sich selbst helfen können und, 
was noch mehr ist, wie sie anderen helfen 
können. Das ist die beste Therapie. 
Bildlich gesprochen, hat mancher Bi- 
schof auf der Kante seines Schreib- 
tisches einen hohen Stapel für seelische 
Hilfe. 

Wenn jemand mit einem Problem 
kommt, gibt der Bischof diese aus, ohne 
zu überlegen, was er den Leuten da 
antut. 

Wir sind sehr beunruhigt über das 
Ausmaß an Beratung, das wir in der 
Kirche zu brauchen scheinen. Unsere 
Mitglieder werden abhängig. Wir dürfen 
nicht eine Menge Beratungsstellen ein- 
richten, ohne gleichzeitig das Prinzip der 
seelischen Unabhängigkeit des einzelnen 
zu betonen. 

Wenn wir unsere geistige Selbständig- 
keit verlieren, können wir genauso oder 
noch mehr geschwächt werden, wie 
wenn wir materiell abhängig werden. 
Wenn wir nicht aufpassen, können wir 
die Macht der Offenbarung für den 
einzelnen verlieren. Was der Herr zu 
Oliver Cowdery gesagt hat, gilt für uns 
alle: 

„Siehe, du hast es nicht verstanden, 
sondern du hast vermutet, es genüge, 
mich zu bitten; ich würde es dir geben, 
ohne daß du dir darüber Gedanken zu 
machen brauchtest. 

Doch siehe, ich sage dir: Du mußt es in 
deinem Geiste ausstudieren und dann 
mich fragen, ob es recht sei, und wenn es 
recht ist, will ich dein Herz in dir 
entbrennen lassen, und dadurch sollst 
du fühlen, daß es recht ist. 
Ist es aber nicht recht, so wirst du kein 
solches Gefühl haben, sondern deine 
Gedanken werden verwirrt werden, wo- 



167 



durch du vergessen wirst, was unrichtig 
ist" (LuB 9:7-9). 

Geistige Unabhängigkeit ist für die Kir- 
che notwendig. Wie können Mitglieder 
Offenbarung für sich selbst empfangen, 
wenn wir ihnen die Selbständigkeit 
rauben? Wie sollen sie wissen, daß es 
einen Propheten Gottes gibt? Wie kön- 
nen ihre Gebete erhört werden? Wie 
können sie mit Sicherheit etwas wissen? 
Der Bischof, der verlangt, daß die- 
jenigen, die Rat von ihm verlangen, 
vorher alle persönlichen Hilfsquellen 
und die ihrer Familie erschöpfen, bevor 
sie zu ihm kommen, ist nicht gefühllos. 
Bischöfe, gehen Sie vorsichtig mit Ihren 
„Formularen für emotionellen Bei- 
stand" um! Geben Sie sie nicht aus, ohne 
vorher die Hilfsquellen des einzelnen 
untersucht zu haben! 
Lehren Sie die Mitglieder, den richtigen 
Weg bei der Lösung von Problemen zu 
gehen. Es ist nicht ungewöhnlich, daß 
jemand bei Freunden, Nachbarn und 
überall Rat einholt und sich hinterher 
den aussucht, den er für den besten hält. 
Das ist falsch. Manche möchten gleich 
mit Psychologen anfangen, andere wen- 
den sich direkt an die obersten Führer 
der Kirche. Vielleicht müssen die Pro- 
bleme tatsächlich diesen Autoritäten 
vorgetragen werden, aber erst nachdem 
alle Hilfsquellen, die der Betreffende 
selbst, seine Familie oder die Gemeinde 
hat, erschöpft sind. 

Wir haben erwähnt, daß niemand sich 
schämen soll, Wohlfahrtsunterstützung 
von der Kirche zu beziehen, wenn seine 
eigenen Mittel erschöpft sind. Das glei- 
che gilt für den seelischen Beistand. Es 
mag Zeiten geben, wo tiefsitzende seeli- 
sche Probleme von der Familie, dem 
Bischof oder dem Pfahlpräsidenten 
nicht gelöst werden können. Für die 
Hilfe bei sehr schwierigen Problemen 
hat die Kirche in Gebieten mit sehr 
großer Mitgliederzahl Beratungsdienste 



eingerichtet. (Nur für diejenigen, die auf 
dem vorgeschriebenen Wege dorthin 
gelangen.) 

Zu der ersten Kategorie gehören die 
Dienste, für die man normalerweise eine 
örtliche oder staatliche Genehmigung 
braucht. Zu diesen genehmigten Dien- 
sten gehören: 
Adoption 

Hilfe für unverheiratete Mütter 
Pflegekinder 

Unterbringung indianischer Kinder 
Im Juli 1977 hat die Erste Präsident- 
schaft in einem Schreiben an die 
Priestertumsführer diesen Weisungen 
bezüglich dieser Dienste erteilt. 
Wir wollen hier über die Prinzipien 
sprechen, die sich auf die sogenannten 
klinischen Dienste beziehen. 
Bei den klinischen Diensten gibt es 
(wieder nur auf dem vorgeschriebenen 
Wege) drei aufeinander folgende Schrit- 
te: 

Erstens: Beratung, wobei der Prie- 
stertumsführer mit einem Vertreter der 
Sozialen Hilfe der Kirche über ein 
Mitglied mit schwerwiegenden Proble- 
men spricht. Der Vertreter der Sozialen 
Hilfe spricht dabei nicht mit dem Mit- 
glied. 

Der nächste Schritt ist die Beurteilung, 
wobei der Priestertumsführer und das 
Mitglied mit dem Beauftragten der 
Sozialen Hilfe sprechen, um das Pro- 
blem zu beurteilen. Im allgemeinen 
genügt dazu eine Besprechung. Danach 
kann der Priestertumsführer dem Mit- 
glied weiterhelfen. 

In hartnäckigen Fällen haben wir die 
Therapie. Das Mitglied (und nach Mög- 
lichkeit der Bischof) kommt mit einem 
Praktiker von der Sozialen Hilfe der 
Kirche zu Beratungen zusammen. Nach 
Abschluß dieser Sitzungen hilft der Bi- 
schof weiter. 

Bischöfe und Pfahlpräsidenten können 
ein Beispiel für Unabhängigkeit sein, 



168 




wenn sie diese Probleme am Ort lösen. 
Letzten Endes ist es das Mitglied, das sie 
lösen muß. 

Bischöfe, Sie dürfen Ihre Ver- 
antwortung an niemanden weitergeben 
— nicht an professionelle Berater und 
auch nicht an die Angestellten der 
Sozialen Hilfe. Diese würden Ihnen das 
auch sagen. 

Sie haben die Macht erhalten, Frieden 
zu bringen, zu heiligen, und zu heilen, 
die andere nicht bekommen haben. 
Manchmal braucht ein Mitglied Ver- 
gebung — Sie haben den Schlüssel dazu. 
Wenn Sie an einen Fall kommen, wo 
professionelle Hilfe notwendig ist, seien 
Sie sehr vorsichtig. Auf diesem Gebiet 
werden oftmals einige besonders zer- 
störerische Methoden empfohlen. Wenn 
Sie Ihre Mitglieder anderen anver- 
trauen, sollen Sie einen derartigen Rat 
nicht befolgen. Lösen Sie die Probleme 
auf die Weise des Herrn! 



Manche professionellen Berater wollen 
tiefer gehen, als es seelisch oder geistig 
gut ist. Manchmal möchten sie alles 
genauestens untersuchen und analysie- 
ren. Sich bis zu einem gewissen Maß 
seelisch abzureagieren mag heilsam sein, 
aber es kann leicht ausarten. Wieder 
zusammensetzen ist selten so leicht wie 
auseinandernehmen. 
Wenn wir zu tief sondieren oder endlos 
über bestimmte Probleme sprechen, 
können wir gerade das herbeiführen, 
was wir vermeiden wollen. Vielleicht 
haben Sie schon von den Eltern gehört, 
die sagten: „Wir gehen jetzt weg, Kin- 
der. Ihr dürft euch auf keinen Fall einen 
Stuhl nehmen, in die Speisekammer 
gehen, hinaufsteigen, die Plätzchendose 
beiseite rücken, und die Tüte mit Boh- 
nen nehmen und euch eine in die Nase 
stecken!" 

Daraus kann man etwas lernen. Nun 
könnte ein Bischof mit Recht fragen: 



169 



„Wie soll ich denn bloß meine Aufgabe 
als Bischof erfüllen und außerdem noch 
die beraten, die wirklich Hilfe brau- 
chen?" 

Ein Pfahlpräsident hat zu mir gesagt: 
„Die Bischöfe haben keine Zeit zu 
beraten. Wir laden ihnen soviel auf, daß 
wir sie umbringen." 
Daran mag etwas Wahres sein, aber 
manchmal denke ich, daß es sich eher 
um Selbstmord handelt. Wir haben 
durch Untersuchungen festgestellt, daß 
die meisten Bischöfe unnötige Zeit ver- 
schwenden, um die Programme durch- 
zuführen. Der Einfluß des Bischofs in 
der Gemeinde ist positiver, wenn er nur 
präsidierender Beamter ist, anstatt sich 
mit den Einzelheiten aller Programme 
eingehend zu beschäftigen. Der Bischof 
braucht meistens zu viel Zeit für die 
Programme mit all ihren Versamm- 
lungen, Schulungsaktivitäten usw. 

Bischöfe,überlassen Sie das Ihren Rat- 
gebern, den anderen Priestertums- 
führern und den Leitern der Hilfs- 
organisationen! Beispielsweise können 
Probleme der Arbeitsbeschaffung von 
den Heimlehrern und den Kollegiums- 
führern gelöst werden. 
Vertrauen Sie ihnen. Machen Sie sich 
frei, damit Sie das tun können, was am 
meisten bewirkt, nämlich diejenigen be- 
raten, die es wirklich brauchen — nach 
der Weise des Herrn. 

Kürzlich haben die Führer der Kirche 
zwei Sendschreiben ausgeschickt. In 
dem einen wurde mitgeteilt, daß die 
persönlichen Priestertumsunterredun- 
gen auf allen Ebenen auf ein Drittel 
reduziert werden sollen. In dem anderen 
wurden die wichtigeren Versammlungen 
von wöchentlichen und monatlichen auf 
monatlich und vierteljährlich verlegt. 
Wir hoffen, daß noch andere Erleichte- 
rungen folgen werden. 
Sie sind der Führer, Bischof! Organisie- 



ren Sie Ihre Verwaltungs- und 
Schulungsaufgaben so wirksam, daß Sie 
Zeit haben, Ihre Gemeindemitglieder zu 
beraten. Bischöfe, denken Sie immer 
daran, daß der Vater über seine Familie 
präsidieren soll. 

Manchmal verlangen wir voll der besten 
Absichten so viel von den Kindern und 
vom Vater, daß er nicht mehr präsidie- 
ren kann. 

Wenn mein Junge beraten werden muß, 
Bischof, dann sollte das zuerst meine 
Aufgabe sein, und an zweiter Stelle Ihre. 
Wenn mein Junge Entspannung 
braucht, Bischof, dann soll ich an erster 
Stelle dafür sorgen, und Sie an zweiter 
Stelle. 

Wenn mein Junge berichtigt werden 
muß, dann soll ich das an erster Stelle 
tun, und Sie an zweiter Stelle. 
Wenn ich als Vater versage, dann helfen 
Sie zuerst mir, und dann erst meinen 
Kindern. Nehmen Sie mir nicht zu 
schnell meine Aufgabe weg, meine Kin- 
der zu erziehen. Seien Sie nicht zu schnell 
bereit, sie zu beraten und alle ihre 
Probleme zu lösen. Beteiligen Sie mich. 
Das ist meine Aufgabe. 
Wir leben in einer Zeit, wo der Wider- 
sacher überall die Philosophie der sofor- 
tigen Befriedigung vertritt. Wir ver- 
langen alles sofort, auch die Lösung für 
unsere Probleme. 

Es wird uns eingeflüstert, daß wir uns 
irgendwie seelisch immer sofort wohl- 
fühlen sollen. Wenn das nicht der Fall 
ist, bekommen manche Furcht — und 
suchen zu oft das Heil in der Beratung, 
in der Analyse oder sogar in Medika- 
menten. 

Aber das Leben soll Anforderungen 
stellen. Es ist normal, daß man Angst 
hat, sich bedrückt fühlt, enttäuscht wird 
und manchmal sogar versagt. 
Lehren Sie unsere Mitglieder, wenn sie 
ab und zu einen oder mehrere Tage lang 
unglücklich sind, dann sollen sie fest 



170 



stehen und damit fertigwerden. Es wird 

von allein wieder besser. 

Es ist wichtig, daß wir im Leben zu 

kämpfen haben. Das folgende Gedicht 

hat tiefe Bedeutung: 

„Ja, mein zorniges Kind, 

mich mit Blicken strafend, 

ich kann leichter 

zu dir kommen. 

Aber ich habe schon 

laufen gelernt. 

Deshalb sollst du 

zu mir kommen! 

Laß los! Da! 

Siehst du? 

Merk dir diese Lehre, Kind, 

und wenn du in späteren Jahren 

mit geballten Fäusten 

und unter Tränen rufst — 

„Bitte, Gott, hilf mir!", 

dann horch nur, 

und du wirst eine leise Stimme hören: 

,Ich würde kommen, Kind, 

aber du bist es, 

nicht ich, 

der es lernen muß, Gott zu werden'." 

— Carol Lynn Pearson 
Bischof, diejenigen, die zu Ihnen kom- 
men, sind Kinder Gottes. Beraten Sie sie 
nach der Weise des Herrn. Lehren Sie 
sie, selbst darüber nachzudenken und 
dann darüber zu beten. 
Denken Sie daran, wie beruhigend und 
tröstend das Lesen in der Schrift wirkt. 
Wenn Sie das nächste Mal irgendwo 
sind, wo in der Schrift gelesen wird, 
achten Sie darauf, wie alles ruhiger wird. 
Spüren Sie den Frieden und die Sicher- 
heit, die sie bringt. 

Nun einen Schlußgedanken aus dem 
Buch Mormon: Der Prophet Alma 
stand vor einem größeren Problem als 
Sie, Bischöfe, in Ihrer Amtszeit jemals 
haben werden. Genau wie Sie fühlte er 
sich unsicher. Er ging zu Mosiah. 
Mosiah gab ihm weise das Problem 
zurück und sagte: 



„Siehe, ich richte sie nicht; ich übergebe 
sie in deine Hände, daß du sie richtest. 
Nun war Almas Geist wieder betrübt; 
und er ging und fragte den Herrn, was er 
in dieser Sache tun sollte, denn er 
fürchtete, er könnte in den Augen des 
Herrn Unrecht tun. 

Und nachdem er sein ganzes Herz vor 
Gott ausgeschüttet hatte, kam die Stim- 
me des Herrn zu ihm." (Mosiah 26:12- 
14). 

Diese Stimme wird zu Ihnen sprechen, 
Bischof. Das ist Ihr Recht. Ich bezeuge 
das, denn ich weiß, daß Gott lebt. 
Möge Gott Sie, Bischöfe, die inspirierten 
Richter in Israel, segnen, und auch 
diejenigen, die zu Ihnen kommen, damit 
Sie sie nach des Herrn Weise beraten. Im 
Namen Jeu Christi. Amen. 




171 



Wir sind seine Verwalter 



N. Eldon Tanner 

Erster Ratgeber des Präsidenten der Kirche 




D 



ie Arbeit wird am besten getan, 
wenn wir die Grundsätze der Verwalter- 
schaft befolgen. 

Meine lieben Brüder und Schwestern, 
diese Versammlung hat mir viel Freude 
gemacht. Der Geist des Herrn ist heute 
bei uns gewesen. Ich möchte Präsident 
Kimball wissen lassen, daß er mein 
Zeugnis und meinen Entschluß gestärkt 
hat, meine Arbeit und meine An- 
strengungen beim Aufbau des Reiches 
Gottes noch zu vermehren. 
Ich möchte Ihnen bezeugen, daß dies die 
Kirche Jesu Christi ist. Lassen Sie es 
mich noch einmal sagen: Dies ist die 
Kirche Jesu Christi. Das ist sein Pro- 
gramm. Sie sind seine Verwalter, und er 
wird uns dafür zur Rechenschaft ziehen. 
Als ich bei der Einweihung eines Muse- 
ums an der Brigham-Young-Universität 
teilnahm, sagte Bruder Bean: „Alles, 
was wir haben, gehört dem Herrn. Wir 
sind seine Verwalter, und alles, was er 
von mir wünscht oder was die Führer 
der Kirche von mir wünschen, werde ich 
geben." Was für einen großartigen Geist 
hätten wir, wenn uns klar würde, daß 
alles, was wir zu verwalten haben, alles, 



was wir unser eigen nennen, dem Herrn 
gehört und daß wir so damit umgehen 
müssen, wie er es wünscht! 
Vieles ist getan worden, und viel muß 
noch getan werden, und es wird am 
besten getan, wenn wir die Grundsätze 
der Verwalterschaft befolgen. Ich glau- 
be, daß Präsident Kimball daran ge- 
dacht hat, als er bei der vorigen 
Wohlfahrtskonferenz sagte: „Brüder 
und Schwestern, . . . [ich] möchte Sie 
ermahnen, diese großartige Arbeit 
schwungvoll fortzusetzen. So viel hängt 
von unserer Bereitschaft ab, uns als 
Gesamtheit und als einzelne darüber 
klarzuwerden, daß unser gegenwärtiges 
Niveau, unsere augenblicklichen Lei- 
stungen in diesem Bereich weder für uns 
selbst noch für den Herrn annehmbar 
sind" (Stern, April 1978, S. 52). 
In aller Demut bete ich darum, Brüder 
und Schwestern, daß wir alles tun wer- 
den, wenn wir für den Herrn in der 
Wohlfahrtsarbeit tätig sind. Und ich 
sage Ihnen noch einmal, daß dies das 
Werk des Herrn ist. Es ist unsere Auf- 
gabe, und wir werden entsprechend 
unserer Pflichterfüllung gesegnet wer- 
den. Mögen wir unsere Pflicht gut 
erfüllen, bete ich demütig im Namen 
Jesu Christi. Amen. 



172 



Das königliche Gesetz der Liebe 

Marion G. Romney 

Zweiter Ratgeber des Präsidenten der Kirche 




Wi 



ie gut sorgen wir gemeinschaftlich 
und als einzelne für die Armen, Bedürfti- 
gen, Hungrigen, Nackten, Kranken und 
Gefangenen? 

Brüder und Schwestern, ich habe diese 
Versammlung genau wie Sie sehr ge- 
nossen. Ich kann mich an keine bessere 
Wohlfahrtsversammlung erinnern. Ich 
schätze die Arbeit, die das Wohlfahrts- 
komitee, die Präsidierende Bischof- 
schaft und die Wohlfahrtsabteilung 
tun. 

Ich habe eine Rede vorbereitet, die für 
die Zeit, die mir noch übrigbleibt, zu 
lang ist. Ich glaube aber, daß Sie darauf 
verzichten können, wenn Sie das tun, 
was Ihnen heute hier gesagt worden ist. 
Wir haben die Zeit heute morgen nutz- 
bringend verwendet. 
Der Titel meiner Rede lautet „Das 
königliche Gesetz". Jakobus hat dar- 
über gesagt: „Wenn ihr das königliche 
Gesetz erfüllt nach der Schrift: Liebe 
deinen Nächsten wie dich selbst, so tut 
ihr wohl" (Jakobus 2:8). Wir müssen bei 
allem, was wir in der Wohlfahrtsarbeit 
tun, dieses Gesetz im Sinn haben. Wir 
müssen unseren Nächsten wie uns selbst 
lieben. Der Heiland hat diesem Gesetz 
nur die Liebe zu Gott vorangestellt, als 



er sagte: „Du sollst lieben Gott, deinen 
Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer 
Seele und von ganzem Gemüte. Das 
andere [Gebot] aber ist dem gleich: Du 
sollst deinen Nächsten lieben wie dich 
selbst" (Matthäus 22:37, 39). 
Wenn wir unser Fastopfer zahlen, müs- 
sen wir dabei an das königliche Gesetz 
denken. Sie erinnern sich daran, daß 
Jesaja von den Menschen spricht, die 
zum Herrn kamen und sagten: 
„Warum fasten wir, und du siehst es 
nicht an?" 

Die Antwort hieß: Weil ihr nicht so 
fastet, wie ich es geboten habe. Ihr laßt 
euren Kopf hängen wie Schilf und bettet 
euch in Sack und Asche, aber ihr gebt 
euer Brot nicht dem Hungrigen und 
führt den Obdachlosen nicht in euer 
Haus und bekleidet den Nackten nicht. 
Wenn du das tust, „dann wirst du rufen, 
und der Herr wird dir antworten. Wenn 
du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin 
ich" (Jesaja 58:3-9). 
Wenn wir das königliche Gesetz, unse- 
ren Nächsten wie uns selbst zu lieben, 
befolgen wollen, ist es unumgänglich, 
daß wir uns der Armen und Not- 
leidenden und aller annehmen, die unse- 
re Hilfe benötigen. 

Sie kennen sicher die großartige Rede 
Amuleks über das Beten, wo er den 
Leuten sagt, daß sie beten sollen und wie 
oft sie beten sollen — am Morgen, am 
Mittag und am Abend — , und er sagt 



173 



ihnen, wo sie beten sollen, wie sie beten 
sollen und wofür sie beten sollen. Er geht 
auf alle Einzelheiten ein und sagt dann: 
,,Wenn ihr alle diese Dinge getan habt 
und dann den Notleidenden und Nack- 
ten zurückweist und den Kranken und 
Leidenden nicht helft und von eurer 
Habe, so ihr etwas besitzt, nicht denen 
gebt, die Not leiden — ich sage euch, 
wenn ihr keines dieser Dinge tut, seht, 
dann ist euer Gebet vergeblich und nützt 
euch nichts, denn ihr seid wie Heuchler, 
die den Glauben verleugnen" (Alma 
34:17-28). 

Ich glaube, daß wir allmählich das 
königliche Gesetz, „Du sollst deinen 
Nächsten lieben wie dich selbst", ver- 
stehen. Sie werden sich daran erinnern, 
daß Jesus kurz vor dem Ende seines 
Wirkens zu seinen Aposteln gesagt hat: 
,,Wenn aber des Menschen Sohn kom- 
men wird in seiner Herrlichkeit und alle 
Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf 
dem Thron seiner Herrlichkeit, 
und werden vor ihm alle Völker ver- 
sammelt werden. Und wird sie vonein- 
ander scheiden, gleichwie ein Hirt die 
Schafe von den Böcken scheidet, 
und wird die Schafe zu seiner Rechten 
stellen und die Böcke zur Linken. 
Da wird dann der König sagen zu denen 
zu seiner Rechten: Kommt her, ihr 
Gesegneten meines Vaters, ererbt das 
Reich, das euch bereitet ist von An- 
beginn der Welt! 

Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr 
habt mich gespeist. Ich bin durstig 
gewesen, und ihr habt mich getränkt. 
Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr 
habt mich beherbergt. 
Ich bin nackt gewesen, und ihr habt 
mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, 
und ihr habt mich besucht. Ich bin 
gefangen gewesen, und ihr seid zu mir 
gekommen. 

Dann werden ihm die Gerechten ant- 
worten und sagen: Herr, wann haben 



wir dich hungrig gesehen und haben dich 
gespeist? Oder durstig und haben dich 
getränkt? 

Wann haben wir dich als einen Fremd- 
ling gesehen und beherbergt? Oder nackt 
und haben dich bekleidet? 
Wann haben wir dich krank oder ge- 
fangen gesehen und sind zu dir ge- 
kommen? 

Und der König wird antworten und 
sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: 
Was ihr getan habt einem unter diesen 
meinen geringsten Brüdern, das habt ihr 
mir getan" (Matthäus 25:31-40). 
Ich weiß, daß das Evangelium wahr ist. 
Ich habe überhaupt keinen Zweifel dar- 
an. Ich kann mich nicht daran erinnern, 
daß ich jemals einen Grundsatz des 
Evangeliums in Frage gestellt hätte. Ich 
weiß, daß das Wohlfahrtsprogramm, 
das in den 1930er Jahren entworfen 
wurde, vom Herrn inspiriert war. Er hat 
Präsident Grant die Inspiration gegeben 
und hat ihm durch seinen großartigen 
Ratgeber J. Reuben Clark und andere 
geholfen, das Programm durchzu- 
führen. Es ist jetzt unsere Pflicht, danach 
zu handeln, und sein Reich in dem Geist 
zu versorgen, daß wir unseren Nächsten 
lieben wie uns selbst. 
Wenn wir das tun, werden wir imstande 
sein, die schwierigen Tage zu bestehen, 
die vor uns liegen und schneller kom- 
men, als wir denken. Die Völker der 
Erde werden in solcher Unruhe und Not 
sein, daß sie ihre Probleme nicht anders 
lösen können, als sich dem Programm 
des Herrn zuzuwenden. Ich bezeuge 
Ihnen dies im Namen Jesu Christi. 
Amen. 



174 



Familien, 

die nach dem Evangelium leben 



Spencer W. Kimball 




Der folgende Text ist eine redigierte Rede, 
die Präsident Kimball am 31. März auf 
dem Seminar für die Regional- 
repräsentanten gehalten hat. 
Liebe Brüder, ich habe mit großer 
Anteilnahme zugehört, als die Namen 
der neuen Regionalrepräsentanten ver- 
lesen wurden, und ich weiß, daß wir in 
der ganzen Welt noch viel mehr qualifi- 
zierte Brüder haben. Wir sind sehr 
glücklich, daß die Brüder so gern bereit 
sind, dem Herrn in diesem Amt zu 
dienen, wenn sie dazu berufen werden. 

Politische Betätigung 

Ich möchte zunächst auf die politische 
Betätigung von Mitgliedern der Kirche 
eingehen. 

Es liegt zwar kein konkreter Anlaß vor, 
der uns zwingt, uns damit zu befassen, 
doch möchten wir Ihnen, den Regional- 
repräsentanten darlegen, wie die Erste 
Präsidentschaft und der Rat der Zwölf 
zu der politischen Betätigung der Mit- 
glieder und der Übernahme von 
Regierungsämtern stehen. Im Septem- 
ber 1968 hat die Erste Präsidentschaft 
die Mitglieder der Kirche an ihre staats- 



„Ob wir persönlich oder als Kirche Erfolg haben, hängt in 
hohem Maße davon ab, wie treu wir unser Familienleben 
nach dem Evangelium ausrichten."' 



bürgerlichen Pflichten im Gemeinwesen 
und Staat erinnert. Die Erste Präsident- 
schaft hat den Mitgliedern damals fol- 
gende Ratschläge erteilt: „Die zuneh- 
menden weltweiten Verpflichtungen der 
Kirche lassen es nicht als ratsam erschei- 
nen, daß sie auf all die vielfältigen 
komplexen Fragen eingeht, die aus den 
wachsenden Problemen der Städte und 
Gemeinwesen entstehen, in denen die 
Mitglieder leben. Doch soll dies die 
einzelnen Mitglieder nicht davon ab- 
halten, ihre staatsbürgerlichen Pflichten 
wahrzunehmen. 

Wir fordern unsere Mitglieder auf, ihre 
Bürgerpflicht zu tun und Lösungen für 
die Probleme zu suchen, mit denen 
unsere Städte und Gemeinwesen zu 
kämpfen haben. 

Unsere Verantwortung erstreckt sich 
auf die ganze Menschheit, und so kön- 
nen die Mitglieder der Kirche die vielen 
Probleme, die gelöst werden müssen, 
nicht ignorieren, wenn unsere Familien 
in einer Umwelt leben sollen, die die 
Geistigkeit fördert. 

Wenn diese Probleme nur in 
Zusammenhang mit Menschen zu lösen 
sind, die einen anderen Glauben haben, 
so dürfen sich die Mitglieder nicht davor 
scheuen, mitzumachen und voranzu- 
gehen, solange das, was sie tun, mit den 
Grundsätzen der Kirche vereinbar ist. 



175 



Das einzelne Mitglied kann natürlich 
nicht die Kirche als Ganzes vertreten 
oder zu etwas verpflichten, doch sollen 
wir uns stets für eine gute Sache ein- 
setzen und uns in allem von den Grund- 
sätzen des Evangeliums Jesu Christi 
leiten lassen." 

Die Erste Präsidentschaft und der Rat 
der Zwölf wollen diese wichtigen Aus- 
führungen von 1968 erneut bekräftigen. 
Wir glauben, daß wir gut daran tun, 
wenn wir die Mitglieder der Kirche 
auffordern, ihren Bürgerpflichten 
nachzukommen. Die Kirche Jesu Chri- 
sti der Heiligen der Letzten Tage kann 
sich natürlich nicht als Institution enga- 
gieren. Eine Ausnahme sind die Fragen, 
zu denen die Erste Präsidentschaft und 
der Rat der Zwölf offiziell Stellung 
bezogen haben. 

Wenn wir uns anders verhielten, hätte 
sich die Kirche offiziell und formell mit 
so vielen Problemen auseinander- 
zusetzen, daß sie darüber ihre Haupt- 
aufgabe, der Welt das Evangelium Jesu 
Christi zu verkünden, vernachlässigen 
würde. 

Wir hoffen sehr, daß die Mitglieder der 
Kirche sich ihrer persönlichen Ver- 
antwortung bewußt werden, und sie mit 
Weisheit wahrnehmen. 
Wir hoffen, daß Sie, die Regional- 
repräsentanten, den Pfahlpräsidenten 
und anderen örtlichen Führern in Ihrer 
jeweiligen Region raten, nicht die Kirche 
als Institution auftreten zu lassen, wenn 
es um Belange geht, die die Mitglieder 
der Kirche am besten persönlich wahr- 
nehmen. Wir hoffen ferner, daß Sie den 
Priestertumsführern und den Mit- 
gliedern klarmachen, warum die Kirche 
es so oft ablehnen muß, sich in dieser 
oder jener Frage zu engagieren. Es mag 
um eine gute Sache gehen, doch aus den 
genannten Gründen geht hervor, daß es 
besser ist, wenn sich die Mitglieder 
persönlich dafür einsetzen. 



Ein neues Konferenzsystem 

Wir kommen in der Kirche oft zu 
Konferenzen zusammen, um Gott zu 
verehren, uns der Worte Christi zu 
erfreuen und unseren Glauben und 
unser Zeugnis zu stärken. Wir halten 
unter anderem Gemeinde-, Pfahl-, Ge- 
biets- und Generalkonferenzen ab. 
In den letzten Jahren zählten besonders 
die Gebietskonferenzen außerhalb der 
Vereinigten Staaten zu den inspirierend- 
sten. Wir haben vor, von 1978 an auch in 
den Vereinigten Staaten einige Gebiets- 
konferenzen einzuberufen. Dadurch 
können mehr Mitglieder die Führer der 
Kirche hören und kennenlernen. Zu 
jeder dieser Konferenzen werden zwei 
Brüder vom Rat der Zwölf und andere 
Führer kommen. 

Auch haben wir beschlossen, von 1979 
an in jedem Pfahl jährlich nur noch zwei 
Pfahlkonferenzen einzuberufen, damit 
die Mitglieder der Kirche zeitlich und 
finanziell weniger belastet werden und 
weniger reisen müssen. Zu einer Pfahl- 
konferenz werden einer oder mehr Füh- 
rer der Kirche kommen, zur anderen der 
zuständige Regionalrepräsentant. So 
werden Pfahlpräsidenten und andere 
örtliche Führer mehr Zeit haben, sich 
für die Vervollkommnung der Heiligen 
einzusetzen. 

Vereinfachung 

Brüder und Schwestern, wir möchten 
nicht, daß mit dem Wort „Ver- 
einfachung" die Trägheit propagiert 
oder unterstützt wird. Wir wollen, daß 
die Programme der Kirche für die 
Mitglieder da sind, nicht umgekehrt. 
Wir möchten ferner, daß die 
Priestertumsführer gebeterfüllt und 
überlegt feststellen, was die Mitglieder 
brauchen, und dementsprechend arbei- 
ten. Die Programme der Kirche können 
dabei eine große Hilfe sein, besonders 
wenn die Priestertumsführer auch die 



176 



örtlichen Gegebenheiten berück- 
sichtigen. Die Programme sind so flexi- 
bel gestaltet, daß sie allen örtlichen 
Gegebenheiten angepaßt werden kön- 
nen. Sie können nicht erwarten, daß 
Ihnen die Hauptausschüsse immer sa- 
gen, was die Kirche von ihren Mit- 
gliedern konkret erwartet. Die Zeiten 
sind vorbei, in denen diese Ausschüsse 
der untersten Ebene ein für alle ver- 
bindliches Programm geben konnten. 
Die Kirche hat nur einen einzigen 
Verbindungsweg von oben nach unten, 
und das ist die Vollmachtslinie des 
Priestertums, die ausgeht von der Ersten 
Präsidentschaft und dem Rat der Zwölf, 
über die Zonenberater, Gebiets- 
beauftragten, Regionalrepräsentanten, 
Pfahlpräsidenten und Bischöfe. Die 
Hauptausschüsse helfen diesen 
Priestertumsführern, soweit sie können, 
doch müssen Sie, die Sie diese 
Vollmachtslinie sind, mehr Verant- 
wortung übernehmen als je zuvor. Wir 
müssen einfach genug arbeiten, um den 
Menschen dort zu helfen, wo sie Hilfe 
brauchen. Diese Einfachheit streben wir 
an, selbst wenn dazu einige von uns 
Schwerstarbeit leisten müssen. 
So, wie der Bischof darauf achtet, daß 
vom Gemeindehaushalt nicht mehr aus- 
gegeben wird als für die einzelnen 
Organisationen vorgesehen ist, muß er 
auch die Zeit überwachen, die die Mit- 
glieder seiner Gemeinde aufwenden. In 
beiden Fällen muß er das Gleichgewicht 
wahren. 

Die Flexibilität, die wir Ihnen gewähren, 
soll Ihnen helfen, Ihre Zeit, die Sie für 
die Mitglieder aufwenden, besser zu 
nutzen. Es besteht ein Unterschied zwi- 
schen eifrigem Wirken und über- 
triebener Geschäftigkeit, und an der 
Basis vorwärtsschreiten heißt nicht, den 
Mitgliedern „Fleisch" aufzwingen, 
wenn sie noch „Milch" brauchen. 
Die Kirche ist, was ihre Mitglieder 



betrifft, dazu berufen, ihnen die Grund- 
sätze, die Programme und das Priester- 
tum zugänglich zu machen, das sie 
brauchen, um sich ihre Erhöhung zu 
erarbeiten. Ob wir persönlich oder als 
Kirche Erfolg haben, hängt in hohen 
Maße davon ab, wie treu wir unser 
Familienleben nach dem Evangelium 
ausrichten. 

Erst wenn wir die Rolle des einzelnen in 
der Familie klar erfaßt haben, können 
wir auch verstehen, daß die 
Priestertumskollegien und Hilfs- 
organisationen, ja selbst die Pfähle und 
Gemeinden, in erster Linie dafür da 
sind, daß sie der Familie helfen, zu 
Hause nach dem Evangelium zu leben. 
Dann verstehen wir auch, daß die Men- 
schen wichtiger sind als die Programme 
und daß die Programme der Kirche stets 
zu einem evangeliumsbezogenen 
Familienleben hinführen sollen und 
nicht umgekehrt. 

Die Mitglieder sollen persönlich und als 
Familie dafür gerüstet sein, innerhalb 
und außerhalb der Familie im Sinne des 
Evangeliums geistigen und materiellen 
Beistand leisten zu können. Sie sollen für 
sich selbst und für ihre verstorbenen 
Angehörigen die Segnungen des Tem- 
pels empfangen. Sie sollen das Evan- 
gelium verbreiten, indem sie Vorbild 
sind, Freundschaften schließen, Zeugnis 
geben, auf Mission gehen, ihre Söhne 
auf eine Mission vorbereiten und die 
missionarischen Anstrengungen der 
Kirche unterstützen. Jedes Mitglied soll 
seine Talente entfalten, gute Bücher 
lesen, die Kultur pflegen, in Lokal- und 
Staatspolitik Bescheid wissen und sich 
angemessen engagieren. 
Es ist ganz offensichtlich, daß all dies am 
besten durch ein solides Familienleben 
gefördert wird. Die Kollegiums- 
präsidenten sollen sich fragen: Wie kön- 
nen wir den Brüdern in unserem Kolle- 
gium am besten helfen, ihrer wichtigsten 



177 



Berufung im Priestertum, der des Ehe- 
manns und Vaters, voll gerecht zu 
werden? Wie können wir jedem 
Priestertumsträger helfen, ein liebender, 
verständnisvoller Führer zu sein und 
seine Frau als Partner zu achten und zu 
ehren? Mit den Bischöfen und Pfahl- 
präsidenten sollen sie sich fragen: Wie 
können wir den Eltern helfen, gemein- 
sam mit ihren Kindern die heiligen 
Schriften zu studieren, regelmäßig einen 
sinnvollen Familienabend zu haben und 
den Nutzen daraus zu ziehen? 
Die Beamtinnen und Lehrerinnen der 
FHV sollen sich fragen: Wie können wir 
der Ehefrau und Mutter Wert und 
Würde ihrer gottgegebenen Aufgabe 
vermitteln? Wie können wir ihr helfen, 
ihr Zuhause zu einem Ort der Liebe und 
des Lernens, zu einer Stätte der Ge- 
borgenheit und Kultur zu machen? Was 
können wir ihr geben, daß sie fähig wird, 
zusätzliche Verantwortung zu tragen, 
wenn ihr Mann abwesend ist oder sie 
keinen Mann hat? 

Die Beamten und Lehrer der Jugend 
sollen sich fragen: Was können wir 
diesen jungen Menschen geben, daß sie 
ihre Eltern lieben und ihnen gehorchen 
und ihre Aufgaben innerhalb der Fami- 
lie erfüllen? Wie können wir unsere 
Versammlungen, Übungsstunden und 
Aktivitäten so legen, daß sie die Familie 
nicht auseinanderreißen, daß die Ju- 
gendlichen noch ihre häuslichen Ar- 
beiten verrichten und die Familie 
gemeinsam etwas unternehmen kann? 
Jedes Programm des Priestertums und 
der Hilfsorganisationen soll klar auf ein 
evangeliumsbezogenes Familienleben 
ausgerichtet sein. Unter Umständen 
müssen dazu auch fakultative Ver- 
anstaltungen gestrichen werden, die 
nicht auf die Familie ausgerichtet sind. 
Wir wissen natürlich, daß viele Mit- 
glieder allein leben oder zusammen mit 
Familienangehörigen, deren Leben 



nicht so um das Evangelium kreist. Wir 
regen Sie an, besondere Familien- 
abendgruppen zu bilden und gemeinsam 
mit anderen alleinstehenden Erwachse- 
nen etwas zu unternehmen, um an den 
gleichen Zielen zu arbeiten. Dabei sollen 
sie stets ihre Beziehung zu ihren Eltern, 
Geschwistern und anderen Verwandten 
aufrechterhalten und pflegen. Wenn die 
örtlichen Priestertumsführer mit Be- 
dacht dafür sorgen, daß die Familie 
mehr Zeit füreinander hat, können wir 
Eltern und Kindern sagen: „Kommt 
wieder nach Hause." Die Eltern sollen 
weniger Zeit im Kegelclub, auf Partys 
und ähnlichem zubringen und sich mehr 
ihren Kindern widmen. Die Jungen und 
Mädchen müssen das Gleichgewicht 
zwischen Schule und Freundeskreis und 
Familie und Zuhause wahren. 
Alle sollen sich gemeinsam bemühen, 
aus ihrem Zuhause einen Ort zu ma- 
chen, wo sie gern sind, wo sie zuhören 
und lernen, wo jeder Liebe, Unter- 
stützung, Anerkennung und Ansporn 
findet. 

Ich möchte es noch einmal sagen: Ob 
wir persönlich oder als Kirche Erfolg 
haben, hängt in hohem Maße davon ab, 
wie getreu wir unser Familienleben nach 
dem Evangelium ausrichten. 

Genealogie 

Wenn wir das Evangelium leben, ist es 
für uns auch von Bedeutung, daß wir 
uns um Tempelarbeit und Genealogie 
kümmern. Wir wissen sehr wohl, daß in 
der Geisterwelt unzählige Männer und 
Frauen darauf warten, daß Sie und ich 
anfangen, etwas für sie zu tun. Der Herr 
hat uns damit eine große Verantwortung 
auferlegt, und wir dürfen sie nicht 
scheuen, denn sonst bringen wir uns in 
Gefahr. 

Wir haben die Genealogische Abteilung 
gebeten, ihre Arbeitsweise zu verein- 
fachen. Sie hat uns ihre Entwürfe vor- 



178 



gelegt, und wir haben sie nach sorg- 
fältiger Prüfung genehmigt. Die Mit- 
glieder der Kirche können jetzt die 
zweite Meile gehen und dort, wo sie 
wohnen, die Namen von den Mikro- 
filmen bekommen. So können wir unse- 
re Tempel schneller voll ausnutzen und 
die Arbeit für die Verstorbenen be- 
schleunigen. 

Wir freuen uns. daß den Mitgliedern 
dadurch Tempelarbeit und Genealogie 
leichter gemacht werden. 

Missionarsarbeit 

Wir sind von ganzem Herzen dankbar 
für die zahlreichen Missionare, die seit 
Beginn der Zeiten wirken. Die 
Missionarsarbeit besteht seit rund sechs- 
tausend Jahren. Insgesamt haben die 
Missionare bis jetzt nahezu fünf- 
hunderttausend Jahre aufgewendet. 



In diesen fünfhunderttausend Jahren ist 
viel geschehen. Adam und Eva lebten im 
Garten Eden. Kain erschlug seinen Bru- 
der Abel. Noah brachte seine Familie 
durch die Flut. Die Menschheit zog vom 
Mississippi zum Berg Ararat. Abraham 
lehrte die Ägypter Astronomie. Mose 
führte die Kinder Israel durch das Rote 
Meer. Lehi führte sein Volk in das 
verheißene Land. Kolumbus entdeckte 
Amerika. Der amerikanische 

Unabhängigkeitskrieg brachte Amerika 
die Freiheit. Durch den Propheten Jo- 
seph Smith wurde das Evangelium 
wiederhergestellt. 

Die Missionare taufen heute nahezu 
160000 bis 170000 Menschen im Jahr. 
Vor vielen Jahren brachten sie 100000 
Skandinavier, Briten, Deutsche und an- 
dere auf 286 Segelschiffen nach Zion. Sie 
überquerten den Ozean bis zur Mün- 




179 



düng des Mississippi und fuhren über 
den Mississippi und Missouri bis St. 
Joseph. Von dort aus fuhren sie mit 
Planwagen und später mit der Eisen- 
bahn weiter. Die Kirche hat ein phäno- 
menales Wachstum erlebt -- von sechs 
Mitgliedern auf vier Millionen. Jeder 
Missionar braucht im Jahr rund 1 872 
Dollar, und so investieren sie jetzt sozu- 
sagen durch ihre Arbeit fünfzig Millio- 
nen Dollar im Jahr in die Kirche. Dazu 
kommen noch die anderen Auf- 
wendungen für die Missionarsarbeit. 
Wir sind stolz auf unsere Missionare. 
Fast viertausend von ihnen stammen 
nicht aus den Vereinigten Staaten. 
Wir müssen uns ständig um eine tief- 
gehende, weite Erkenntnis bemühen, 
aus der der Herr durch uns sprechen 
kann, denn durch den Propheten Joseph 
Smith hat er deutlich gesagt, was unsere 



Aufgabe hinsichtlich der Verkündigung 
des Evangeliums ist. 
Der Herr hat gesagt: ,, Trachte nicht 
darnach, mein Wort zu verkündigen, 
sondern suche es zuerst zu erhalten, und 
dann wird deine Zunge gelöst werden; 
dann wirst du, wenn du es wünscht, 
meinen Geist und mein Wort emp- 
fangen, ja, die Kraft Gottes, Menschen 
zu überzeugen' 1 (LuB 11:21). 
Wir lehren es die Menschen in ihrer 
eigenen Sprache. 

Die meisten Missionare haben die Spra- 
che, in der sie das Evangelium ver- 
künden unter viel Mühe erlernt. 
„Denn an jenem Tage wird jedermann 
die Fülle des Evangeliums in seiner 
Sprache hören, und zwar durch diejeni- 
gen, die zu dieser Macht ordiniert wer- 
den sollen durch den Dienst des Trö- 
sters, der zur Offenbarung Jesu Christi 




180 



über sie ausgegossen wird" (LuB 90:11). 
„Denn wahrlich, die Stimme des Herrn 
ergeht an alle Menschen; keiner wird 
entfliehen, jedes Auge wird sehen, jedes 
Ohr wird hören, jedes Herz durch- 
drungen werden. 

Und des Herrn Arm wird offenbar 
werden, und der Tag kommt, wann die, 
die weder der Stimme des Herrn noch 
der seiner Diener gehorchen, noch auf 
die Worte der Propheten und Apostel 
achten, aus dem Volke ausgestoßen 
werden sollen . . . , 

daß jedermann im Namen Gottes des 
Herrn, nämlich des Erlösers der Welt 
rede" (LuB 1:2, 14, 20). 
Auch die Könige, Herrscher, Potentaten 
und die „Prominenten" sollen das Evan- 
gelium hören, und wir bringen es ihnen 
und geben uns besondere Mühe damit. 
„Erwachet, o ihr Könige der Erde! 
Kommt, o kommt mit eurem Gold und 
Silber meinem Volk zu Hilfe, dem Haus 
der Töchter Zions" (LuB 124:11). 
Wenn zwei Millionen Elternpaare und 
ihre Kinder sich jeden Tag morgens und 
abends zum Gebet vereinen, wird der 
Herr, der sie immer hört, ihre Gebete 
erhören. Wir beten für die Nationen der 
Erde. Wir beten, daß ihre Führer nach- 
geben und die Missionare einlassen, 
damit sie ihrem Volk Frieden, Liebe, 
Freude und die Erkenntnis des Herrn 
bringen können. 

Wir haben jetzt David Kennedy als 
Sonderbotschafter für die Welt. Er soll 
den Weg für neue Missionen bereiten. 
Durch seine Tätigkeit im Kabinett des 
Präsidenten der Vereinigten Staaten und 
seinen daraus resultierenden Umgang 
mit den Staaten der Erde und seine 
Erkenntnisse ist er hervorragend für die 
Aufgabe geeignet. Mit der Hilfe von 
James Faust, dem Präsidenten der 
Internationalen Mission, hoffen wir, 
daß uns noch mehr Staaten Einlaß 
gewähren. 



„Demutsvoll in Christi Namen . . . 
Sprachst du dein Gebet? 
O, das Beten bringt den Frieden . . . 
denke ans Gebet" 

(Gesangbuch, Nr. 14). 
Kaiser, Könige und Regierungschefs, 
öffnen Sie die Tür. Unsere Missionare 
werden Ihnen eine machtvolle Botschaft 
bringen, Frieden, Freude und ein glück- 
liches, zufriedenes Volk. Bitte, öffnen 
Sie die Tür. 

„Und so begann die Predigt des 
Evangeliums von Anfang an und wurde 
von heiligen, von der Gegenwart Gottes 
ausgesandten Engeln und durch seine 
eigne Stimme und die Gabe des Heiligen 
Geistes verkündigt. 

Und so wurden Adam alle Dinge durch 
eine heilige Verordnung bestätigt und 
das Evangelium gepredigt und ein Be- 
schluß ausgesandt, daß es in der Welt 
sein sollte bis an ihr Ende; und so war es. 
Amen" (Moses 5:58, 59). 
Bei der Missionarsarbeit lernen unsere 
25000 Missionare schnell, daß sie das 
Evangelium durch ihr Zeugnis über- 
mitteln. Der Herr hat dies im Buch 
,Lehre und Bündnisse' folgendermaßen 
erklärt: 

„Dennoch seid ihr gesegnet, denn das 
Zeugnis, das ihr gegeben habt, ist im 
Himmel aufgezeichnet, daß die Engel es 
sehen können; sie freuen sich über euch, 
und eure Sünden sind euch vergeben" 
(LuB 62:3). 

Wir haben vor kurzem einen Scheck 
über eine beträchtliche Summe erhalten. 
Er stammte von einer Mutter, deren 
Sohn das Geld für seine Mission gespart 
hatte, der aber bei einem Autounfall 
ums Leben gekommen war. 
Die Mutter schrieb dazu: „Ich fühlte 
mich einfach nicht berechtigt, das Geld 
für mich zu verwenden. Mein Sohn hatte 
es für seine Mission gespart. Er und sein 
Vater kamen vor drei Jahren um. Er war 
siebzehn Jahre alt. Es war ein schreck- 



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licher Unfall. Sie waren mit dem Auto 
unterwegs, und ein großer Öltanker 
prallte gegen sie . . . " 
Welch beispielhafte Liebe und Selbst- 
losigkeit! Schätzungen zufolge haben 
wir seit 1830 rund 250000 Missionare 
ausgesandt, die sich selbstlos für ihre 
Mission eingesetzt haben. 
Ich möchte allen Mitgliedern der Kirche 
danken. Sie sind voll Begeisterung unse- 
rem Aufruf gefolgt, in der Missionars- 
arbeit und in den anderen Bereichen der 
Kirchenarbeit mehr zu geben. Wir 
unterhalten zur Zeit 156 Missionen — 
mehr als jemals zuvor. Ich bin so 
dankbar für alles, was Sie tun. Sorgen 
Sie dafür, daß der Schwung, der Sie jetzt 
alle erfüllt, anhält und weiter wächst. 
Wir haben 38000 Jungen im Alter von 
neunzehn Jahren, die auf Mission sein 
sollten und es nicht sind. Wir haben 
114000 Priester, die sich jetzt darauf 
vorbereiten sollten, innerhalb der 
nächsten drei Jahre auf Mission zu 
gehen. Wir haben 83 000 Lehrer im Alter 
von vierzehn und fünfzehn Jahren, die 
sich jetzt darauf vorbereiten, in vier bis 
fünf Jahren auf Mission zu gehen, 78 000 
Diakone im Alter von zwölf und drei- 
zehn Jahren, die jetzt anfangen, für ihre 
Mission in sechs bis sieben Jahren zu 
sparen. 

Ich habe Ihnen bereits einen Auszug aus 
meinem patriarchalischen Segen vor- 
gelesen, den ich durch Samuel Claridge 
empfangen habe: „Du wirst das 
Evangelium vielen Völkern predigen, 
doch vor allem den Lamaniten, denn der 
Herr wird dich mit der Gabe der Spra- 
chen segnen und mit der Kraft, jenem 
Volk die Grundsätze des Evangeliums 
klar und einfach zu vermitteln. Du wirst 
sehen, wie sie sich organisieren und sich 
darauf vorbereiten, rund um dieses Volk 
einen Schutzwall zu bilden. Die Engel 
Gottes werden um dich sein und dir 
sagen, was du tun sollst, wenn du dich in 




einer sehr kritischen Lage befindest, 
denn du wirst den Tag sehen, da der 
Zorn unserer Feinde gegen dieses Volk 
auflodern wird. Du aber wirst gemein- 
sam mit anderen fest stehen und die 
Macht haben, sie zu verwirren und 
Unheil zu bringen. Daher sage ich dir, 
Bruder Spencer, du sollst in deiner 
Jugend gesegnet sein und vor aller Sünde 
und Versuchung bewahrt bleiben, der du 
ausgesetzt sein magst, damit du mit 
reinen Händen und einem reinen Herzen 
vor deinem Vater im Himmel stehen 
magst." 

Ich habe mit Bruder Boyd K. Packer 
darüber gesprochen, er ist sehr an dem 
Programm für die Lamaniten inter- 
essiert. Dabei habe ich erfahren, daß 
jetzt über 400 000 Lamaniten der Kirche 
angehören — 316000 davon in Amerika 
und 94000 auf den Inseln des Meeres. 
Wir sind sehr stolz darauf und glücklich, 
daß sie soviel Fortschritt machen. 
Viele Mitglieder schicken mir mit ihren 
Weihnachtskarten auch Photos, und es 
ist interessant, wie viele unserer Mis- 
sionare Lamaniten sind. Wir haben sehr 
viele großartige junge Männer und 



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Frauen. Aus den Missionen kamen viele 
Karten mit den Photos der Lamaniten- 
missionare, aber auch der anderen Mis- 
sionare. Ich kann mich noch an die Zeit 
erinnern, als wir nur wenige Lamaniten- 
missionare hatten. Man konnte sie fast 
an den Fingern abzählen, nicht nur die 
Missionare, sondern die lamanitischen 
Mitglieder überhaupt. 
Das Leben hat sich geändert, wir leben 
jetzt unter anderen Bedingungen. Der 
Herr segnet unsere Arbeit. Ist dem 
Herrn irgendetwas unmöglich? Sie wis- 
sen, der Engel hat Abraham und Sara 
diese Frage gestellt, dessen Nach- 
kommen so zahlreich sein sollten wie 
der Sand am Meer. So ähnlich wird es 
sein, wenn wir all diese Menschen zu 
Mitgliedern der Kirche machen und 
glücklich dabei sind. 
Insgesamt haben wir in diesem Jahr mit 
der begrenzten Anzahl von Mis- 
sionaren, die uns zur Verfügung stehen, 
1 67 939 Menschen getauft. Wenn wir die 
Zahl der Missionare verdoppeln, kön- 
nen wir die Zahl der Bekehrungen leicht 
vervielfachen, der Herr kennt noch viele 
andere Möglichkeiten, die Missio- 
narsarbeit erfolgreicher zu gestalten. 
Ich setze mein vollstes Vertrauen darein, 
daß die Arbeit sehr beschleunigt wird, 
mit mehr Arbeitern in mehr Ländern. 
Wilford Woodruff hat gesagt: „Die 
Kirche wird Nord- und Südamerika 
ausfüllen, ja die ganze Erde" (The 
Discourses of Wilford Woodruff, Hg. 
Homer Durham, S. 144 f.). 
Brigham Young hat gesagt: „Zion wird 
sich im Laufe der Zeit über die ganze 
Erde ausbreiten. Es wir keinen Winkel, 
keine Ecke mehr geben, die nicht Teil von 
Zion sind" (Discourses of Brigham 
Young, Hg. John A. Widtsoe, S. 120). 
Brüder, ich freue mich, daß ich mit 
Ihnen in diesem großen Werk tätig sein 
kann. Ich bin so dankbar für meine 
Ratgeber, die dem Herrn beständig 



dienen, wie auch der Rat der Zwölf. Wir 
kommen jede Woche im Tempel zu- 
sammen. Wir sind sehr ernst, wenn wir 
im Tempel sind und das Werk des Herrn 
vorwärtsbringen. 

Wir bemühen uns ständig, neue Mittel 
und Wege zu finden, die Menschen in 
der Welt anzusprechen und sie zu schu- 
len und zu belehren. Ich habe ein Zeugnis 
vom Evangelium. Ich weiß, daß der 
Herr möchte, daß die Arbeit getan wird. 
Auch wir möchten, daß sie getan wird, 
und wir tun sie schneller, als jemals 
zuvor. Möge der Herr Sie, Brüder und 
Schwestern, in Ihrer Arbeit segnen, daß 
Sie sich bereitmachen für die Arbeit, die 
unmittelbar vor Ihnen liegt. Gott segne 
Sie. Friede sei mit Ihnen. Im Namen 
Jesu Christi. Amen. 




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