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MAI 199 





UMSCHLAGBIID: 

Vorderes Umschlagbild: Rebekka am Brunnen, 
Gemälde von Michael J. Deas. 
Hinteres Umschlagbild: Erfüllung, 
Gemälde von Dennis Smith. 

UMSCHLAGBILD KINDERSTERN: 

Illustriert von Tadd R. Peterson 



MAGAZIN 

2 BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: 

NOT UND UNGLÜCK KÖNNEN SEGEN BRINGEN JAMES E. FAUST 

1 6 GEDENKE DES SABBATS D. KELLY OGDEN 

24 WACHSAM SEIN GEGENÜBER GEWALTTÄTIGKEIT HAROLD OAKS 

25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: ZION AUFBAUEN, INDEM WIR BÜNDNISSE 
EINGEHEN UND HEILIGE HANDLUNGEN EMPFANGEN 

26 WORTE DES LEBENDEN PROPHETEN 
34 ZURÜCKKOMMEN DON L. SEARLE 
42 FRAUEN VOLL GLAUBEN 

FÜR JUNGE LEUTE 

1 WILLKOMMEN AN DER RIZAL HIGH LAURY LIVSEY 

28 ICH HABE EINE FRAGE: WONACH SOLLEN WIR IN DEN 
HEILIGEN SCHRIFTEN SUCHEN? 

33 FÜR JUNGE LEUTE: FAMILIENFOTO 

40 EIN GANZ NEUES LEBEN JUAN ANTONIO FLORES 

48 AUS EINER DER BESTEN FAMILIEN KAY HAGO 



KINDERSTERN 

VON FREUND ZU FREUND: ELDER DALLIN H. OAKS 

DAS MITEINANDER: ER SPRICHT MIT MIR SYDNEY REYNOLDS 

ERZÄHLUNG: TAMI COBBS SCHWESTER TRACY WRIGHT 

DAS MACHT SPASS 

SICH BEMÜHEN, SO ZU SEIN WIE JESUS: 
DIE FAMILIE SAGASTUME CORLISS CLAYTON 

GESCHICHTEN AUS DEM BUCH MORMON: 

WIE WIR DAS BUCH MORMON ERHALTEN HABEN 



SIEHE SEITE 16 



SIEHE SEITE 42 







Mai 1 998 1 24. Jahrgang Nummer 5 
DER STERN 98985 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 
Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 
Das Kollegium der Zwölf: 
Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 
Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, 
M, Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 
Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 
Chefredakteur: Jack H Goaslind 
Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 
Abteilung Lehrplan: 

Geschäftsführender Direktor: Ronald L. Knighton 
Direktor Planung und Redaktion: Brian K. Kelly 
Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 
Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 
Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 
Co-Redakteure: David Mitchell, DeAnne Walker 
Redafctionsasstsfenfin: Jenifer Greenwood 
Terminplanung: Maryann Martindale 
Assistentin Veröffentlichungen: Beth Dayley 
Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M, Kawasaki 
Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 
Layout: Sharri Cook 
Monager Produktion: Jane Ann Peters 
Produktion: Reginald J. Christensen, Denise Kirby, 
Tadd R. Peterson 
Abonnements: 
Direktor: Kay W. Briggs 
Manager Versand: Kris Christensen 
Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Übersetzung und Lokalteil: 
Deutsches Übersetzungsbüro 
Max-Planck- Straße 23 A, D-61381 Friedrichsdorf 
Telefon: (06172) 736410 und 736411 
Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 
Industriestraße 21 , D-61381 Friedrichsdorf 
Deutschland-Leserservice 

Telefon: (06172) 7103-23; Telefax: (06172) 7103-25 
Osterreich und Schweiz-Leserservice 
Telefon: (06172) 7103-96; Telefax: (06172) 7103-80 
Jahresabonnement: 
DEM 21,00; ATS 147,00; CHF 21,00 
Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig oder 
auf eines der folgenden Konten: 
D Commerzbank Frankfurt, 
Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00 
A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank 
Konto-Nr. 004-52602 
CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 
Konto-Nr. 30-301,363.0 

Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 
Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt der "KINDER- 
STERN April 1998" bei. 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA. 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch „DER 
STERN", erscheint monatlich auf chinesisch, dänisch, 
deutsch, englisch, finnisch, französisch, holländisch, italie- 
nisch, japanisch, koreanisch, norwegisch, portugiesisch, 
samoanisch, schwedisch, spanisch und tongaisch; zwei- 
monatlich wird sie auf indonesisch und thai veröffentlicht, 
vierteljährlich auf bulgarisch, cebuano, fidschi, gilberte- 
sisch, isländisch, polnisch, rumänisch, russisch, tagalog, 
tschechisch, ukrainisch, ungarisch und vietnamesisch. 
© 1998 Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage. Alle Rechte vorbehalten. Printed in the United 
States of America. 

May 1998 vol. 124 no. 5. DER STERN (ISSN 1044-338X) 
is published monthly by The Church of Jesus Christ of 
Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, UT 
84150. USA subscription price is $10.00 per year; 
Canada, $14.00. Periodicals Postage Paid atSalt Lake 
City, Utah. Sixty days' notice required for change of 
address. Include address label from a recent issue; 
changes cannot be made unless both old and new 
address are included. Send USA and Canadian subscrip- 
tions and queries to Salt Lake Distribution Center, Church 
Magazines, PO Box 26368, Salt Lake City, UT 84126- 
0368. Subscription help line: 1-800-537-5971. Credit 
card Orders (Visa, MasterCard, American Express) may be 
taken by phone. 

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake 
Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 84126-0368. 



LESERBRIEFE 




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ZEUGNIS GEBEN 

Die Botschaft von der Ersten 
Präsidentschaft im März 1997, „Es ist 
wichtig, Zeugnis zu geben", von Präsident 
James E. Faust hat mich tief berührt. Noch 
bevor ich jene Ausgabe des Liahona 
(englisch) erhalten hatte, hatte ich 
beschlossen, den März zu dem Monat zu 
machen, in dem ich mutiger Zeugnis geben 
wollte. Ich bin in meiner Familie das einzige 
Mitglied der Kirche, und es fällt mir nicht 
immer leicht, Zeugnis zu geben. Aber ich 
weiß, daß ich gesegnet werde, wenn ich tue, 
was Präsident Faust vorgeschlagen hat. 

Christie Leigh Oliveros, 
Gemeinde Cebu City l, 
Pfahl Cebu City, Philippinen 

VORBEREITUNG FÜR DAS DIENEN 

Ich habe gerade meine erste Ausgabe 
des A Liahona (portugiesisch) erhalten, 
und ich freue mich, daß die Kirche für ihre 
Mitglieder diese Möglichkeit der 
Information hat. Ich habe vor, eine 
Vollzeitmission zu erfüllen, und ich bin 
sicher, daß die Informationen im A Liahona 
mir helfen werden, mich darauf vorzube- 
reiten, andere zu unterweisen. Ich bin 
dankbar, ein Mitglied der Kirche zu sein, 
und bin dankbar für die Missionare, die 
mich gelehrt haben, daß sie wahr ist. 

Marcilene Rodrigues Alves, 

Zweig Divinopolis, 

Pfahl Contagem, Brasilien 




SCHÖN UND DER EINIGKEIT FÖRDERLICH 

Der Liahona (spanisch) ist eine wunder- 
schöne Zeitschrift. Jeden Monat enthält er 
herrliche Kunstwerke. Besonders bewun- 
dere ich das Umschlagbild vom April 1997, 
Ecce Homo (Seht, da ist der Mensch!) von 
Antonio Ciseri. Ich nehme die Zeitschrift 
häufig in den Bus oder in die U-Bahn mit; 
die Leute fragen mich dann danach, und 
ich kann ihnen zeigen, wie schön sie ist 
und welchen Geist sie vermittelt. 

Ich sehe auch gern die Kunstwerke, die 
von Mitgliedern der Kirche geschaffen 
worden sind. Ich sehe sie mir alle sorgfältig 
an und bewundere die Kunstfertigkeit, mit 
der geistige Themen dargestellt werden. 
Für diejenigen von uns, die weit vom 
Hauptsitz der Kirche entfernt wohnen, ist 
der Liahona eine gute Möglichkeit, diese 
Gemälde und Bilder zu sehen und uns 
daran zu erfreuen. 

Die Zeitschrift hilft mir auch, zu 
spüren, daß ich ein Teil des großen welt- 
weiten Werks der Kirche bin. Die Artikel 
von Mitgliedern und über Mitglieder in 
anderen Ländern erinnern mich an die 
Ermahnung des Herrn, daß wir um 
Einigkeit bemüht sein sollen: „Seid eins! 
Und wenn ihr nicht eins seid, dann seid ihr 
nicht mein." (LuB 38:27.) 

Simon Gonzalez, 
Gemeinde Monte Rey, 
Pfahl Montreal Quebec 



MAI 1998 
1 





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BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT 



Not und Unglück 
können Segen bringen 



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Präsident James E. Faust 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 

Vor vielen Jahren, ich war noch als Anwalt tätig, gründete ich 
für einen der neuen Autohändler in meiner Gegend eine 
Firma. Ich war viele Jahre lang sein Rechtsberater und Mitglied 
des Aufsichtsrats; dann übernahm einer meiner Söhne meine Aufgaben als 
Rechtsberater. Später waren wir einmal zusammen auf dem Geschäftsgelände 
des Autohändlers. Ich sah die Reihen schöner, glänzender, teurer neuer 
Autos. Besorgt erklärte ich dem Eigentümer, wenn er die Autos nicht 
verkaufe, werde die Finanzierung gewaltig viel Geld verschlingen und den 
Profit zunichte machen. Da sagte mein Sohn: „Vater, so darfst du das nicht 
sehen. Denk doch an den Gewinn, den die Autos einbringen werden." 

Ich glaube zwar, daß er recht hatte, aber mir wurde plötzlich bewußt, daß 
mein Sohn noch keine Wirtschaftskrise miterlebt hatte. Wir sahen die 
Reihen voller Autos mit verschiedenen Augen, da ich ein Kind der 
Weltwirtschaftskrise bin. Ich kann nicht vergessen, welch unbarmherzige 
Last Schulden darstellen. 




Wir werden alle 

geprüft und müssen 

geistig wachsen. Solche 

Prüfungen sind notwendig. 

Sie helfen uns, innerlich zu 

wachsen. Sie bringen zwar 

Sorgen und Leid mit sich, 

aber in solchen Zeiten 

können wir Gott näher 

kommen. Das Leiden des 

Erretters in Getsemani war 

zweifellos das größte in 

der Geschichte der 

Menschheit, aber ihm 

entsprang auch das 

Größte, was es geben 

kann, nämlich die 

Verheißung ewigen 

Lebens. 



MAI 1998 
3 



Wir wohnten ein paar Jahre neben einem sehr tüch- 
tigen Handwerker. Er und seine Frau hatten sich vorge- 
nommen, niemals Schulden zu machen. Bittere 
Erinnerungen hatten sie dazu veranlaßt. Als sie jungver- 
heiratet gewesen waren und ihre Kinder noch klein 
waren, war die Weltwirtschaftskrise über sie hereingebro- 
chen, und er hatte keine Arbeit mehr gefunden, so 
tüchtig er auch war. Sie konnten die Hypothek für ihr 
Haus nicht abzahlen, und so hatten sie die schwere Zeit 
in einem Hühnerstall verbracht, den sie nur dank seiner 
handwerklichen Fähigkeiten etwas wohnlicher herge- 
richtet hatten. 

Viele Menschen der heutigen Generation kennen die 
läuternden Segnungen der Not und des Unglücks nicht 
und wissen sie nicht zu schätzen. Viele haben noch 
nie aus Not Hunger gelitten. Aber ich bin davon über- 
zeugt, daß Not und Unglück einen notwendigen 
Läuterungsprozeß in Gang setzen können, der uns tiefere 
Einsichten vermittelt, der uns einfühlsamer macht und 
durch den wir Christus ähnlicher werden. Lord Byron 
hat gesagt: „Unglück ist der erste Weg zur Wahrheit." 
(Don Juan, Canto 12, Stanza 50.) Das Leben des 
Erretters und das Leben seiner Propheten lehren klar 
und deutlich, wie notwendig Not und Unglück sind, 
damit wir zu innerer Größe gelangen. 

Edmund Burke hat die Rolle des Unglücks mit 
den folgenden Worten treffend gekennzeichnet: 
„Schwierigkeiten sind ein strenger Lehrer, den uns jemand 
schickt, der uns besser kennt, als wir uns kennen, und der 
uns auch mehr liebt. . . . Wer mit uns ringt, stärkt unsere 
Nerven und bildet unsere Fähigkeiten. Unser Widersacher 
ist unser Helfer. Diese . . . Auseinandersetzung mit 
Schwierigkeiten bringt uns unserem Ziel näher; sie zwingt 
uns, sie in all ihren Auswirkungen zu betrachten. Sie läßt 
uns nicht oberflächlich sein." („Reflections on the 
Revolution in France", in Edmund Burke, Harvard 
Classics, 50 Bde., 1909, 24:299f.) 

Vielen Heiligen in der ganzen Welt fällt es schwer, mit 
dem auszukommen, was sie haben, und das kann sehr 
schmerzlich sein. Von ihrem Standpunkt aus wäre es 
unfreundlich zu sagen, daß diese Erfahrung ihr Gutes 
haben kann und daß man in besseren Zeiten gern und 
vielleicht auch etwas wehmütig daran zurückdenkt. 
Einer meiner erfolgreicheren Cousins hat während seines 



DER 



Jurastudiums viele Kerzen verbraucht, weil er und seine 
junge Frau sich den elektrischen Strom für die 
Beleuchtung nicht leisten konnten. 

Vor einigen Jahren habe ich von einem 
Afroamerikaner gelesen, der sich aus bescheidenen 
Verhältnissen hochgearbeitet hat und der Hauptanwalt 
für General Motors wurde, was zweifellos einer der lukra- 
tivsten und prestigeträchtigsten Posten ist, die ein 
Rechtsanwalt irgendwo in der Welt innehaben kann. Als 
Junge war er arm; er mußte sich seine Ausbildung unter 
heroischen Anstrengungen verdienen, und die 
Umstände waren äußerst schwierig. Er mußte regelmäßig 
ein, zwei Jobs annehmen, die mit schmutziger Arbeit 
verbunden waren, manchmal waren es auch drei, wenn 
ich mich recht entsinne. Er wurde gefragt, ob er sich 
zwischen den bestbezahlten Geschäftsleuten der Welt 
nicht unwohl fühle. Seine Antwort lautete nein. Er 
sagte, die meisten von ihnen seien, wie er, arme Jungen 
gewesen, die sich hochgearbeitet hätten und dabei 
schwer geprüft worden seien. Sie hätten ihre 
Herausforderungen zu bestehen gehabt, seien bedroht 
und entmutigt gewesen. Unglück und Not sind das Feuer 
des Schmelzers, das Eisen verbiegt, den Stahl aber härtet. 

Präsident David O. McKay hat gesagt: „Es gibt 
Menschen, die ins Unglück geraten und dabei fast 
Schiffbruch erleiden, die dann irgendwie verbittert sind; 
wenn sie dann aber nachdenken, kann sich sogar das 
Unglück, das über sie gekommen ist, als Mittel zu 
geistigem Fortschritt erweisen. Das Unglück selbst kann 
einen Menschen zu Gott hinführen, statt von ihm fort, 
auch zu geistiger Erleuchtung; und Entbehrungen 
können eine Quelle der Kraft sein, wenn wir uns nur 
eine innere Gelassenheit bewahren." (Treasures of Life, 
Hg. Cläre Middlemiss, 1962, 107f.) 

Ich möchte einiges vorschlagen, was wir tun können, 
um glücklich zu sein, ob wir wohlhabend sind oder nicht: 

1. Achten Sie darauf, daß Sie sich nicht völlig von 
materiellen Dingen abhängig machen. Das könnte 
bedeuten, daß Sie eventuell statt eines Autos ein Fahrrad 
in Betracht ziehen, daß Sie vielleicht zu Fuß gehen, statt 
mit dem Fahrrad zu fahren. Zu meiner Zeit bedeutete es 
Magermilch statt Rahm. 

2. Lernen Sie, auf manches zu verzichten, und schaffen 
Sie sich Reserven, auf die Sie zurückgreifen können. 

STERN 

4 




JOSEPH SMITH IM GEFÄNGNIS ZU LIBERTY, GEMÄLDE VON GREG K. OLSEN 



3. Lernen Sie, das Großartige, das Gott uns in der 
Natur geschenkt hat, zu schätzen: die Schönheit der Erde, 
das beredte Zeugnis von Gott im Sonnenauf— und - unter- 
gang, die Blätter, die Blumen, die Vögel, die Tiere. 

4. Betätigen Sie sich körperlich, gehen Sie spazieren, 
joggen Sie, schwimmen Sie, fahren Sie Fahrrad. 

5. Legen Sie sich ein Hobby zu, das Ihren Geist und Ihr 
Herz beschäftigt und dem Sie zu Hause nachgehen können. 

6. Zahlen Sie den Zehnten und die übrigen Spenden. 
Wenn man dieses Gebot hält, wird man nicht automa- 
tisch reich - man hat nicht die Gewißheit, daß man keine 
wirtschaftlichen Probleme mehr haben wird - aber man 
wird dann leichter mit Schwierigkeiten fertig, man hat die 
nötige Entschlußkraft und den Glauben, zu verstehen 
und zu akzeptieren, und es schafft eine Gemeinschaft mit 
dem Erretter, die einen innerlich stark und stabil macht. 

7. Gewöhnen Sie sich an, zu singen, oder, wenn Sie 
nicht gern singen, zu pfeifen. Wenn man sich selbst etwas 
vorsingt, muß man sich weniger Kommentare und 
Fragen anhören, als wenn man Selbstgespräche führt! 
Mein Vater kam einmal mit leeren Händen von der 
Rotwildjagd nach Hause, aber er war im Herzen froh und 
hatte neue innere Kraft geschöpft, weil, wie er sehr 
dankbar berichtete, einer seiner Kameraden das Wild 
immer verscheucht hatte, da er laut und fröhlich singend 
durch die Wälder marschiert war. Vater hatte das Singen 
fröhlicher gemacht, als wenn er viel Wild erbeutet hätte. 

Wir werden alle geprüft und müssen geistig wachsen. 
Solche Prüfungen sind notwendig. Sie helfen uns, innerlich 



Während der Prophet Joseph Smith im Frühjahr 1839 
in Liberty im Gefängnis saß, schrieb er die folgenden 
Worte nieder: „O Gott, wo bist du? Und wo ist das 
Gezelt, das deine Verborgenheit bedeckt?" 

zu wachsen. Sie bringen zwar Sorgen und Leid mit sich, 
aber in solchen Zeiten können wir Gott näher kommen. 
Das Leiden des Erretters in Getsemani war zweifellos das 
größte in der Geschichte der Menschheit, aber ihm 
entsprang auch das Größte, was es geben kann, nämlich 
die Verheißung ewigen Lebens. 

Jesaja hat beschrieben, wie der Erretter wohl mit welt- 
lichen Augen gesehen wurde: „Er wurde verachtet und 
von den Menschen gemieden, ein Mann voller 
Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem 
man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten 
ihn nicht." esa J a 53:3.) 

Es gibt vielleicht in aller Literatur, ob religiöser oder 
weltlicher, nichts Bewegenderes als Abschnitt 121, 122 
und 123 im Buch Lehre und Bündnisse, die der Prophet 
Joseph Smith erhielt und niederschrieb, während er im 
Frühjahr 1839 in Liberty im Gefängnis saß: 

Als erstes fleht er: „O Gott, wo bist du? Und wo ist das 
Gezelt, das deine Verborgenheit bedeckt? 

Wie lange noch wird deine Hand sich zurückhalten 
und dein Auge, ja, dein reines Auge vom ewigen Himmel 
her das Unrecht erblicken, das deinem Volk und deinen 
Knechten widerfährt, und dein Ohr von ihrem Schreien 
durchdrungen werden? 



MAI 1998 
5 




Präsident Spencer W. 
Kimball machte viele 
schmerzliche Erfahrungen 
durch. Die Auswirkungen des Feuers des Schmelzers 
zeigten sich darin, daß er im Geist geläutert war, daß 
er einfühlsam war, ein verständnisvolles Herz hatte, 
daß er gütig und demütig war. 

Ja, o Herr, wie lange noch sollen sie dieses Unrecht 
und diese gesetzwidrige Unterdrückung leiden, ehe dein 
Herz sich erweichen und dein Inneres von Mitleid mit 
ihnen bewegt sein wird?" (LuB 121:1-3.) 

Dann kommt der verheißene Trost: „Mein Sohn, 
Frieden deiner Seele! Dein Ungemach und deine 
Bedrängnisse sollen nur einen kleinen Augenblick dauern, 

und dann, wenn du sie gut bestehst, wird Gott dich hoch 
erhöhen; du wirst über alle deine Feinde triumphieren. 

Deine Freunde stehen doch zu dir, und sie werden 
dich wieder willkommen heißen, mit warmem Herzen 
und freundlicher Hand. 

Noch bist du nicht wie Ijob, deine Freunde streiten 
nicht gegen dich und beschuldigen dich nicht der Über- 
tretung, wie sie es mit Ijob getan haben." (LuB 121:7-10.) 

In seiner schwierigen Lage erhielt er auch die folgende 
große Verheißung: „Gott wird euch durch seinen 
Heiligen Geist, ja, durch die unaussprechliche Gabe des 
Heiligen Geistes, Erkenntnis geben, die von Anfang der 
Welt bis heute nicht offenbart worden ist." (LuB 121:26.) 

Der Prophet Joseph Smith wurde gewarnt: „Die 
Enden der Erde werden sich nach deinem Namen erkun- 
digen, und Narren werden dich verspotten, und die 
Hölle wird gegen dich wüten, 

während die Herzensreinen, die Weisen und die Edlen 
und die Tugendhaften beständig nach Rat und 
Vollmacht und Segnungen von dir trachten 
werden. 

Und dein Volk wird sich niemals auf das 
Zeugnis von Verrätern hin gegen dich 
wenden." (LuB 122:1-3.) 

Warum kann man durch Not und 
Unglück oft soviel lernen? Schwierige 
Umstände zwingen uns häufig dazu, Disziplin 
und Arbeit zu lernen. In einer unange- 
nehmen Lage machen wir vielleicht auch 



Schwierigkeiten durch, die uns stählen und läutern, wie es 
auf keine andere Weise möglich ist. 

Die meisten Generalautoritäten sind mit Not und 
Unglück recht vertraut; sie bleiben nicht davon ausge- 
nommen. Ich möchte das an drei Menschen verdeutli- 
chen, die ich deshalb ausgewählt habe, weil sie mit 
Schwierigkeiten so sehr vertraut sind. 

Präsident Spencer W Kimball lernte schon früh, wie 
notwendig die Arbeit ist. Er machte in jungen Jahren 
viele schmerzliche Erfahrungen, die ihn auf sein großes 
geistliches Wirken vorbereiteten. Als kleiner Junge 
ertrank er fast. Er hatte eine Lähmung der 
Gesichtsnerven. Seine Mutter starb, als er noch jung war, 
und als junger Mann verlor er seine geliebte Schwester 
Ruth. Kurz nach seiner Heirat erkrankte er an den 
Pocken, und Schwester Kimball zählte in seinem Gesicht 
über 100 Pusteln. 

Er lernte schon früh finanzielle Rückschläge kennen 
und verlor verschiedene Investitionen. Wie Ijob litt er 
unter Geschwüren, die ihn viele Jahre plagten und einmal 
sogar auf seiner Nase und den Lippen auftraten. Einmal 
hatte er 24 Geschwüre gleichzeitig; kurz danach mußte er 
die entsetzlichen Schmerzen durchmachen, die mit einem 
Herzleiden verbunden sind und die viele Jahre anhielten, 
bis er schließlich am offenen Herzen operiert wurde. Er 
litt unter Heiserkeit, die besser wurde, nachdem er einen 
Krankensegen erhalten hatte, die später aber, zusammen 
mit den Geschwüren, zurückkehrte. Er hatte Krebs der 
Stimmbänder und mußte operiert werden und von neuem 
sprechen lernen und die Kobaltbestrahlungen über sich 
ergehen lassen. Die Lähmung der Gesichtsnerven kehrte 
zurück, und er hatte mehrmals Hautkrebs, der operativ 
behandelt wurde. 

Die Auswirkungen des Feuers des Schmelzers zeigten 
sich darin, daß er im Geist geläutert war, daß er 
einfühlsam war, ein verständnisvolles Herz hatte, 
daß er gütig und demütig war. 

Ich war schon immer sehr an der Herkunft 
von Präsident Nathan Eldon Tanner inter- 
essiert. Vor Jahren habe ich gehört, wie er 

Präsident Nathan Eldon Tanner, der 
später ein bedeutender Mann wurde, 
hatte eine schwere Kindheit. 






ILLUSTRATION VON JERRY THOMPSON 



Als Junge mußte Präsident Marion 
G. Romney während der Madera- 
Revolution aus Colonia Juärez in 
Mexiko fliehen. Er fuhr in einem 
Planwagen und blickte in die 
Gewehrläufe mexikanischer Revolutionäre. Später 
sagte er über dieses Erlebnis: „Es hat dazu beige- 
tragen, daß ich erwachsen wurde." 

von seiner bescheidenen und schwierigen Kindheit 
erzählte. Er sagte über seine Eltern: „Als sie im südlichen 
Alberta [in Kanada] ankamen, hatte Vater kein Geld, 
und so mußte er sein Gespann verkaufen, um Geld zu 
bekommen. Aber ich war immer froh, daß Vater nie daran 
dachte, um staatliche Unterstützung zu bitten. Er arbei- 
tete für seinen Nachbarn und ritt Pferde zu, damit 
Arbeitspferde da waren. Er lebte in einer Erdwohnung auf 
einer Parzelle, wo ich die ersten Jahre meines Lebens 
verbrachte. Er sagte oft: »Wir müssen es einfach schaffen. 
Bald sind wir so weit.' Er sagte auch: ,Als ich in dieses 
Land kam, hatte ich nicht einmal einen Lumpen auf dem 
Rücken. Jetzt bin ich völlig zerlumpt.' 

Später wohnten wir in einem kleinen Dorf. Ich nehme 
nicht an, daß das für Sie von Interesse ist, aber in jenem 
kleinen Dorf gab es nicht einmal ein Telefon. Wir hatten 
keine Tageszeitung und keine Wochenzeitung, jedenfalls 
nicht regelmäßig. Wir hatten kein fließendes Wasser, ob 
heiß oder kalt. Sie können sich also vorstellen, was wir 
alles nicht hatten und was wir sehr wohl hatten! Auf 



jeden Fall hatten wir keine Zentralheizung. Ich habe 
mich oft gefragt, ob wir im Haus überhaupt geheizt 
haben." (My Experiences and Observations, Brigham 
Young University Speeches of the Year, 17. Mai 1966, 6.) 

Eine so schwierige Kindheit hatte der geistige Riese 
Nathan Eldon Tanner. Er war Sprecher des Parlaments 
von Alberta, Minister für Bergbau und Ländereien in der 
Provinz Alberta, Präsident der Transkanadischen 
Pipeline, Zweigpräsident, Bischof, Pfahlpräsident, 
Assistent des Rates der Zwölf, Apostel und Ratgeber von 
vier Präsidenten der Kirche. 

Ich möchte Ihnen etwas aus der Jugendzeit von 
Präsident Marion G. Romney erzählen, und zwar am 
besten in seinen eigenen Worten: 

„Ich bin in Mexiko geboren, und zwar in Colonia 
Juärez, Chihuahua. Meine Eltern lebten damals gerade 
dort. Ich wuchs dort auf, bis ich etwa fünfzehn Jahre alt 
war. In den letzten zwei, drei Jahren war die Madera- 
Revolution im Gange. Die Aufständischen und die 
Föderalisten jagten einander durch das ganze Land; jeder 
nahm uns Kolonisatoren ab, was wir an Waffen, 
Munition und Lebensmitteln hatten. Schließlich waren 
wir gezwungen, das Land zu verlassen. Ich kam 1912 mit 
den Mormonenflüchtlingen aus Mexiko. 

Ich kann mich noch gut an ein aufregendes Erlebnis 
erinnern, das wir auf dem Weg von unserem Haus zur 
Bahnstation etwa 13 Kilometer südlich von Colonia Juärez 
hatten. Wir fuhren im Planwagen. . . . Ich fuhr mit 
meiner Mutter und ihren sieben Kindern und meinem 



MAI 1998 

7 



Onkel (ihrem Bruder) und seiner Familie mit fünf, sechs 
Kindern. . . . Wir hatten nur einen Schrankkoffer - mehr 
konnten wir nicht mitnehmen. Ich saß hinten im Wagen 
auf dem Schrankkoffer. . . . Die mexikanischen Rebellen 
kamen von der Bahnstation her auf unseren Ort zu. Sie 
ritten nicht in Formation. Sie ritten auf ihren Pferden. Die 
Gewehre hatten sie im Halfter. Zwei von ihnen hielten uns 
an und durchsuchten uns. Sie sagten, sie suchten nach 
Gewehren. Wir hatten weder Gewehre noch Munition. Sie 
fanden bei meinem Onkel 20 Pesos. . . . Die nahmen sie 
ihm ab und winkten uns dann, wir sollten weiterfahren. Sie 
ritten ein Stück die Straße hinauf, hielten an, drehten sich 
um, zogen die Gewehre aus dem Halfter und legten sie auf 
mich an. Als ich damals in die Gewehrläufe blickte, kamen 
sie mir wie Kanonen vor. Sie zogen allerdings nicht ab, 
weshalb ich auch heute hier sein und dies alles erzählen 
kann. Das war ein sehr aufregendes Erlebnis! Es hat dazu 
beigetragen, daß ich erwachsen wurde. 

Die Aufständischen sprengten die Eisenbahnschienen 
in die Luft, nachdem der Zug, mit dem wir fuhren, abge- 
fahren war. Vater und die übrigen Männer kamen zu Pferde 
nach El Paso, Texas. Wir sind nie wieder nach Mexiko 
zurückgekehrt und haben, solange mein Vater lebte, auch 
nie etwas von unserem Besitz zurückbekommen. 

Vater und ich arbeiteten, um für unsere große Familie 
den Lebensunterhalt zu verdienen. Es gab damals kein 
Wohlfahrtsprogramm. Es war nicht leicht, unseren 
Lebensunterhalt zu verdienen." (Tb Hirn That Asketh in the 
Spirit, Salt Lake Institute of Religion Devotional, 18. 
Oktober 1974, 2£) 

Als Präsident Romney geheiratet hatte und er und 
seine Frau schon Kinder hatten, hatte er einen Vollzeitjob 
bei der Post, um für seine Familie zu sorgen, während er 
gleichzeitig Jura studierte. In jener schwierigen Zeit hatte 
er trotzdem gute Noten und war ein hervorragender 
Student; er wurde später in eine renommierte 
Anwaltsvereinigung aufgenommen, die nur die hervorra- 
gendsten Anwälte aufnimmt. Er war als Rechtsanwalt 
tätig und wurde Bischof, Pfahlpräsident und einer der 
ersten Assistenten der Zwölf, Mitglied des Kollegiums der 
Zwölf und Mitglied der Ersten Präsidentschaft. Er stellte 
in den vielen Jahren, in denen ihm das 
Wohlfahrtsprogramm der Kirche unterstand, seine große 
Liebe und Anteilnahme für die Menschen unter Beweis. 



„Sei geduldig in deinen Bedrängnissen, denn du wirst 
viele haben; aber ertrage sie, denn siehe, ich bin mit 
dir, ja, bis ans Ende deiner Tage." 

Die äußerst schwierigen Erfahrungen, die diese Brüder 
durchmachen mußten, finden wir auch im Leben vieler 
anderer Führer und Mitglieder der Kirche. 

Thomas Paine schrieb: „Ich liebe den, der auch in 
Schwierigkeiten lächeln kann, der aus dem Kummer 
Kraft schöpft und der durch seine Entschlußkraft tapfer 
wird." (The Works of Thomas Paine, 1934, 392.) 

Nehmen wir nun, weil der Weg manchmal schwierig ist 
und uns viel abverlangt, nicht an, der himmlische Vater 
habe uns aus den Augen verloren. Er schleift nur unsere 
Ecken und Kanten ab und weckt in uns das Bewußtsein 
der großen Aufgaben, die vor uns liegen. Mögen seine 
Segnungen in geistiger Hinsicht mit uns sein, damit wir die 
wundervolle Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist 
erfahren und unsere Schritte auf den Wegen der Wahrheit 
und Rechtschaffenheit lenken lassen. Und möge ein jeder 
von uns sich an diesen tröstlichen Rat des Herrn halten: 
„Sei geduldig in deinen Bedrängnissen, denn du wirst viele 
haben; aber ertrage sie, denn siehe, ich bin mit dir, ja, bis 
ans Ende deiner Tage." (LuB 24:8.) D 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. Viele Menschen in der heutigen wohlhabenden 
Gesellschaft, wissen nicht recht zu schätzen, daß Not 
und Unglück ein Segen sein und einen Menschen 
läutern können. 

2. Not und Unglück, Sorgen und Leid setzen einen 
notwendigen Läuterungsprozeß in Gang, der uns tiefere 
Einsichten vermittelt, der uns einfühlsamer macht und 
durch den wir Christus ähnlicher werden. 

3. In schwierigen Umständen sind wir häufig 
gezwungen, Disziplin zu lernen. Wir machen vielleicht 
auch Schwierigkeiten durch, die uns stählen und läutern, 
wie es auf keine andere Weise möglich ist. 

4. Nehmen wir nun, weil der Weg manchmal schwierig 
ist und uns viel abverlangt, nicht an, der himmlische 
Vater habe uns aus den Augen verloren. Er schleift nur 
unsere Ecken und Kanten ab und weckt in uns das 
Bewußtsein der großen Aufgaben, die vor uns liegen. 



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DER STERN 

8 



Willkommen an der 

RIZAL 
HIGH 



Laury Livsey 



Für die Schüler 
an der Rizal High 

ist es selbstver- 
ständlich, daß sie 
einzigartig sind. 

Schließlich ist 



Als erstes fällt einem 
an der Rizal High 
School auf, wie 
riesig sie ist. Sie ist nicht 
bloß größer als die 
Durchschnittsschule oder 
größer als die meisten 
Schulen. Wenn man be- 
haupten würde, die Rizal 
High wäre so groß wie 
eine normal große High 
School, wäre das gleiche 
wie die Behauptung, der 
Pazifische Ozean sei ein See. 

An der Rizal High ist gar nichts 
klein. Die Schule mit allen Anlagen 
nimmt einen großen Teil von Pasig, 
einem Vorort von Manila auf den 
Philippen ein. Sie nimmt scheinbar 
kein Ende und umfaßt 6,7 Hektar. 

Ihr fragt euch inzwischen sicher, 
wie viele Schüler es an der Rizal High 
gibt. Viele, sehr viele. Wie viele 
Schüler hat eure Schule? Zweitausend? 
Dreitausend? Viertausend? 

Rizal hat mehr. Sie hat mehr als 
jede andere High School. Das 
Guinness -Buch der Weltrekorde nennt 
die Rizal High einfach die „größte 



es etwas 



Einzigartiges, 
wenn man die 

größte High 

School der Welt 

besucht. Aber für 

die Mitglieder 

der Kirche an der 

Rizal High gibt es 

etwas, das ihnen 

noch mehr 

bedeutet. 



DER 



Schule". Nach der 
letzten Umfrage führte 
sie den Weltrekord von 
19738 Schülern auf. Der 
Rektor sagt, inzwischen 
seien es 21139 Schüler. 

„Die Schule ist so 
riesig", meint Julie Ann 
Nudo, 17, über ihre 
Schule. „Aber ich mag 
die größeren Schulen, 
weil dort viele Schüler 
sind und es mir leichter 
fällt, Freundschaften zu schließen." 

Und so ziehen Julie Ann und 
die übrigen Schüler an der Rizal 
High jeden Tag die offizielle 
Schuluniform an: weißes Hemd 
und dunkelbraune Hose für die 
Jungen; weiße Bluse, rotes Halstuch 
und rotkarierter Rock für die 
Mädchen. Dann haben sie den 
ganzen Tag Unterricht an der 
Schule, die nach Jose Rizal, einem 
philippinischen Patrioten und 
Schriftsteller benannt ist, der 1896 
ermordet wurde. Die High School 
wurde sechs Jahre nach Jose Rizals 
Tod gegründet. 

STERN 

10 





MAI 1998 
U 



Abseits des geschäftigen Lebens in der Innenstadt von Manila, 
Hintergrund, ist das geschäftige Treiben der Rizal High in dem Vorort 
Pasig zu beobachten, wo die Schüler mit Bussen über das Schulgelände 
transportiert werden, links. Lennon Pacardo, Mitte, spielt gern nach dem 
Lernen mit guten Freunden im Gemeindehaus Ballspiele, rechts. 



EINZIGARTIG 

Auf einem handgemalten Schild in einem der Höfe der Schule steht: „Ich 
bin stolz, an dieser Schule, der größten weiterführenden Schule der Welt, zu 
sein." Und das sind die Schüler auch. Aber einigen wenigen bedeutet etwas 
anderes noch mehr. 

Unter den Schülern an der Rizal High finden sich eine Handvoll 
Mitglieder der Kirche. Da alle Schüler die gleiche Kleidung tragen, ist es 
nicht so einfach, sie zu erkennen. Aber die Jugendlichen, die Mitglieder der 
Kirche sind, geben ihr Bestes, um trotzdem einzigartig zu sein. 

„Ich habe das Gefühl, ich bin ein einzigartiger Mensch - weil ich Mitglied 
der Kirche bin und nicht weil ich an der Rizal bin", meint die fünfzehnjährige 
Maritess Saldivar. 

„Es macht mich traurig, daß die meisten Schüler an der Rizal keine Mitglieder 
sind", sagt der fünfzehnjährige Ednar Pacardo. „Ich bin in meinen Kursen das 
einzige Mitglied. Ich bin so froh, daß ich das Priestertum, die Macht Gottes, 
habe. Ich fühle mich, im Vergleich zu meinen Schulkameraden, stark. Ich werde 
das Richtige tun, und ich werde meine Klassenkameraden das Rechte lehren." 

Maritess ist sich dessen bewußt, wie wichtig es ist, ein Vorbild zu sein. „Ich 
weiß, daß ich anders bin. Meine Freunde sagen es mir immer, und sie finden 
es gut, daß ich so bin. Sie finden, daß es bedeutet, daß man nett ist, wenn 
man ein Mitglied der Kirche ist. Sie reden immer darüber, daß die 
Mormonen Gutes tun und daß wir ein Vorbild sind. Deshalb bemühe 
ich mich immer, mein Bestes zu geben, um allen Menschen ein 
Vorbild zu sein." 



AUS DER MENGE HERAUSRAGEN 

Seit 1961 ist die Kirche auf den Philippinen offiziell 
vertreten, und es gibt dort derzeit 47 Pfähle, 14 Missionen und 
einen Tempel. Das Land besteht aus einer Gruppe von Inseln vor der 
Südostküste Asiens. Viele Filipinos - vor allem die Jugendlichen - wissen 
nur sehr wenig über die Kirche und ihre Lehren. Selbst die Menschen, die ein 
bißchen über das Evangelium wissen, haben zahlreiche Fragen. 

Jeden Tag sind die Schüler der Rizal High, die Mitglieder der Kirche sind, 
sich dessen bewußt, daß sie in der Minderzahl sind. Und sie wissen, daß 
ihnen jeden Tag einige ihrer Klassenkameraden Fragen zu ihren 
Glaubens Vorstellungen und ihren Werten stellen werden. 

Carmelita Gonzalez wurde einmal von einer Freundin ange- 
sprochen, die wissen wollte, warum sie nicht mehr Zeit mit ihrer 
Freundesclique verbrachte. „Ich erklärte ihr, daß ich ein Mitglied der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bin", sagt sie. „Ich mußte ihr 




DER STERN 

12 





erklären, daß das, was sie tun, manchmal nicht zu dem paßt, woran ich 
glaube. Ich habe ihr erklärt, ich könne ihre Freundin sein, aber ich müsse als 
Mitglied der Kirche auch meine Grundsätze beachten." 

Nichts von alledem bedeutet, daß die Heiligen der Letzten Tage an der 
Schule keinen Spaß haben. Rizal High ist zwar riesig, aber der Schultag läuft 
ähnlich ab wie an anderen High Schools auch - Hausaufgaben, schwierige 
Fächer, Vorbereitung auf die Universität. 

Der Unterschied liegt darin, wie sie ihre Zeit außerhalb der 
Schule verbringen. Dann rücken die Heiligen der Letzten 
Tage noch näher zusammen. 

Der sechzehnjährige Jerusalem Santos, meist Jerum 

genannt, und Ednar, die beide Mitglieder des Zweigs 

Pasig 2 im Pfahl Pasig sind, treffen sich gern im 

Gemeindehaus, um Basketball oder Volleyball zu 

spielen, wenn sie Zeit haben. Sonntags bereiten 

sie das Abendmahl vor und teilen es aus. Sie 

sind beide gern in der Kirche und fühlen sich 

dort wohl. 

,Es sieht so aus, als ob die meisten 
Schüler an der Rizal High Alkohol trinken 



MAI 1998 
13 



und Zigaretten rauchen. Ich tue das nicht", sagt Jerum. „Ich habe das Gefühl, 
daß ich stark genug bin, mit den Versuchungen, die auf mich zukommen, 
fertig zu werden, auch wenn meine Freunde immer wissen wollen, warum wir 
solche Dinge nicht nehmen. Sie sagen alles mögliche, zum Beispiel, daß ich 
kein richtiger Freund bin, wenn ich nicht mitmache." 

Maritess bemüht sich sehr, ihren Freundinnen außerhalb der Kirche eine 
Freundin zu sein, indem sie ihnen vom Evangelium erzählt, damit sie es besser 
verstehen. „Manche von ihnen sind sehr neugierig, was die Kirche betrifft. Sie 
fragen mich nach den Grundsätzen der Heiligen der Letzten Tage", sagt sie. 
„Ich habe ihnen das Buch Mormon geschenkt und ihnen von Joseph Smith 
und zum Beispiel vom Wort der Weisheit und vom Gesetz der Keuschheit 
erzählt. Ich bemühe mich, sie zu verstehen, aber ich glaube, es fällt ihnen 
schwer, zu verstehen, warum wir Mormonen sind und woran wir glauben." 

Selbst Maricar Mendoza, die zugibt, daß sie ein bißchen schüchtern ist, 
zögerte nicht sich zu melden, als ihre Lehrerin fragte, wer in der Klasse nicht 
katholisch war. Maricar hatte das Gefühl, sie müsse sich äußern. „Ich sagte: 
,Ich bin Mormonin.' Ich erklärte ihr, was unsere Kirche ist, und konnte über 
vieles sprechen, zum Beispiel über die Propheten der Letzten Tage, über 
Joseph Smith und über den Erlösungsplan." 

Maricar hält sich immer noch für schüchtern. Aber sie ist froh, daß sie 
Stellung bezogen hat. 

SIE SIND ANDERS 

Ein Samstagmorgen auf den Philippinen. Es findet kein Unterricht 
statt, und die Jugendlichen des Pfahles Pasig - von denen viele die 
Rizal High besuchen - haben sich in einem Gemeindehaus zu einer 
Aktivität versammelt. Zum Schluß gehen sie alle noch in einen 
nahegelegenen Laden, um sich etwas zu essen zu holen. Wenn man 
sie so die geschäftigen Straßen von Pasig hinunterschlendern sieht, 
deutet nichts darauf hin, daß diese Jugendlichen anders sind als 
ihre Altersgenossen, die genauso wie sie etwas zu essen und zu 
trinken kaufen. Aber wenn man sie kennenlernt und danach fragt, 
woran sie glauben und wonach sie ihr Leben ausrichten, 
treten die Unterschiede zutage. 

In einer so riesigen Stadt wie Manila, an einer Schule, die im 
Guinness-Buch der Rekorde steht, kann man leicht in der Menge 
untergehen und sich verirren. 

Außer man weiß, wohin man geht. D 

DER STERN 
14 



In ihrem Land, das reich ist an 
tropischen Früchten, freuen 
die Mitglieder der Kirche sich, 
wenn sie Zusammensein 
können. Rechts (von links): 
Renee Kimberly Lamoglia, 
Paula Miranda und Shirley 
Hope M. Sebastian. 
Unten: Ednar Pacardo 
sagt: „Ich bin so 
froh, daß ich das 
Priestertum, die 
Macht Gottes, 
habe." 





DER STERN 
16 



GEDENKE DES 




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Das Einhalten des Sabbats ist 
keine Einschränkung, sondern 
ein Schutz und eine Quelle 
der Kraft. 

D. Kelly Ogden 

Immer wieder, von Generation zu 
Generation, tauchen diese Fragen 
auf: Warum können wir am Sonntag nicht das 
gleiche tun wie an den anderen Tagen? Was nützt es 
einem, wenn man den Sabbat heilig hält? 

Das sind keine Fragen, die nur von Kindern gestellt 
werden, die zu klein sind, um zu begreifen, welchen Lohn 
es mit sich bringt, wenn wir die Gebote des himmlischen 
Vaters befolgen. Ein Student meinte: „Es fällt mir immer 
schon schwer, zu begreifen, wofür der Sonntag eigentlich 
da ist. Es ist anscheinend der einzige Tag in der Woche, 
an dem ich nichts mit meinen Freunden unternehmen 
kann. Ich war schon in Familien, wo die Kinder am 
Sonntag überhaupt nichts tun dürfen. Das schafft doch 
bloß eine feindselige Stimmung." 

Ein zurückgekehrter Missionar gab zu: „Ich mache mir 
Gedanken, weil ich seit meiner Rückkehr von Mission so 
wenig geistigen Fortschritt mache, und ich glaube, das liegt 
teilweise daran, daß ich den Sonntag nicht so begehe, wie 
ich sollte. Ich bin sicher, daß es noch mehr Mitglieder gibt, 
für die der Sonntag einfach bedeutet, daß sie drei Stunden 
in den Versammlungen sitzen, nicht einkaufen und nicht 
arbeiten und daß sie am Fastsonntag das Frühstück 
auslassen. Ich habe das Gefühl, daß viel Verwirrung 
darüber herrscht, wie man den Sonntag richtig lebt." 

Der Herr erklärte Mose auf dem Berg Sinai noch 
einmal, wie wichtig dieser Tag ist, und gebot dem Volk 
Israel: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!" 




Der Herr hat einen Tag geschaffen, 
der Sabbat genannt wurde. Warum hat 
er das getan? Welchem Zweck dient 
dieser Tag, und was paßt zum Sabbat? 
Sehen wir uns, um diese Fragen zu 
beantworten, an, was er selbst dazu 
gesagt hat. 



DIE ANWEISUNGEN IN DEN HEILIGEN SCHRIFTEN 

Nachdem Gott die Erde erschaffen hatte, segnete er 
seinen Ruhetag - den siebten Tag - und erklärte ihn für 
heilig (siehe Genesis 2:2,3). Als er Mose auf dem Berg 
Sinai noch einmal erklärte, wie wichtig dieser Tag sei, 
gebot er dem Volk Israel: „Gedenke des Sabbats: Halte 
ihn heilig!" (Exodus 20:8; Hervorhebung hinzugefügt.) 
Das Wort gedenke ist wichtig - wir sollen an diesen Tag 
denken. Die meisten von uns müssen täglich daran erin- 
nert werden, den Herrn und sein Werk im Herzen zu 
behalten, zum Beispiel durch das Beten und das 
Schriftstudium, aber wir brauchen auch einen ganzen 
Tag von den sieben Tagen, an dem wir ihm unsere 
Aufmerksamkeit und unser Herz ganz zuwenden — an 
dem wir von weltlichen Dingen ausruhen, die bei vielen 
auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. 

Im Hebräischen bedeutet Sabbat „Ruhe" oder „mit der 
Arbeit aufhören". Wir sollen aber nicht bloß aufhören, zu 
arbeiten, sondern den Tag für heilig erklären, ihn heilig 
machen. Das tun wir, indem wir uns bemühen, Gott 
näher zu kommen, indem wir ihn verehren und indem 
wir unseren Mitmenschen dienen. 

EIN GESETZ FÜR ALLE ZEIT 

In alter Zeit waren die Israeliten als Volk bekannt, das 
einen von sieben Tagen zur Ruhe und Gottesverehrung 
bestimmt hatte. Der Herr sagte: „Die Israeliten sollen 



MAI 1998 
17 




„Jamit du dich selbst 
noch mehr von der 
Welt unbefleckt halten 
mögest, sollst du an 
meinem heiligen Tag 
ins Haus des Betens 
gehen und deine 
heiligen Handlungen 
darbringen. 



LINKS: JESUS IN DER SYNAGOGE ZU NAZARET, GEMÄLDE VON GREG K. OLSEN; RECHTS: UNTERWEIST DIE MENSCHENKINDER DURCH DIE MACHT MEINES GEISTES, VON GREG K. OLSEN 



also den Sabbat halten, indem sie ihn von Generation zu 
Generation als einen ewigen Bund halten. Für alle Zeiten 
wird er ein Zeichen zwischen mir und den Israeliten 
sein." (Exodus 31:16,17.) Die Strafe für die Mißachtung 
dieses Gesetzes zum Sabbat war der Tod (siehe Exodus 
31:14,15; 35:2; Numeri 15:32-36). 

Heute steht auf die Entweihung des Sabbats nicht 
mehr die Todesstrafe. Aber genauso wie die Israeliten, 
die in alter Zeit das Gesetz übertraten, aus dem Lager 
Israel ausgeschlossen wurden, sagen die heutigen Kinder 
Gottes, die das Gebot bewußt mißachten, sich vom Geist 
los und bringen eine Art geistigen Tod über sich. 

Zur Zeit des Neuen Testaments waren die Juden dafür 
bekannt, daß sie das Sabbatgesetz strikt befolgten. Als 
Jesus getadelt wurde, weil er den Sabbat angeblich 
entweiht hatte, verurteilte er die pedantischen und über- 
triebenen Zusätze zu seinem Gesetz aus alter Zeit. „Der 
Menschensohn ist Herr über den Sabbat", sagte er 
(Matthäus 12:8). Außerdem sagte er: „Der Sabbat ist für 
den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat." 
(Markus 2:27.) 

Durch sein Beispiel zeigte der Erretter, wie wir den 
Sabbat heilighalten können; es ist erlaubt, anderen am 
Sabbat zu helfen, so wie er es getan hat (siehe Matthäus 
12:10-13), sich der Grundbedürfnisse anzunehmen und 
Kummer zu lindern (siehe Lukas 13:11-16) und sogar 
Lebewesen aus Gefahr zu befreien (siehe Lukas 14:5). Er 
zeigte auf, daß der Schlüssel zur rechten Sabbatheiligung 
wie beim Befolgen anderer Grundsätze des Evangeliums 
in unserem Herzen zu finden ist. Wenn wir den Herrn 
lieben, werden wir den Sabbat gar nicht in irgendeiner 
Weise entweihen wollen. 

Aus Liebe zum Herrn begannen die Urchristen, den 
Sabbat am „Tag des Herrn" (Offenbarung 1:10) zu feiern, 
„am ersten Wochentag" (Apostelgeschichte 20:7), um an 



das größte Ereignis seit der Erschaffung der Welt - die 
Auferstehung ihres Schöpfers - zu erinnern. 

Die Heiligen der Letzten Tage sind schon häufig 
aufgefordert worden, dem Herrn ihre Liebe zu erweisen, 
indem sie den Sabbat heilighalten. 1993 hat die Erste 
Präsidentschaft beispielsweise den folgenden Rat 
gegeben: 

„Wir haben das Gefühl, daß viele Heilige der Letzten 
Tage in der Beachtung des Sabbats etwas lau geworden 
sind. Wir sollten am Sabbat nicht einkaufen und uns 
auch nicht an anderen kommerziellen und sportlichen 
Aktivitäten beteiligen, mit denen der Sabbat heute so 
häufig entweiht wird. 

Wir fordern alle Heiligen der Letzten Tage auf, diesen 
heiligen Tag aus allen weltlichen Aktivitäten herauszu- 
heben und sich zu weihen, indem sie den Geist der 
Gottesverehrung und Danksagung, des Dienens und der 
familienbezogenen Aktivitäten pflegen, wie sie für den 
Sabbat angemessen sind. Wenn die Mitglieder der Kirche 
bestrebt sind, das, was sie am Sabbat tun, auf die Absicht 
und den Geist des Herrn auszurichten, wird ihr Leben von 
Freude und Frieden erfüllt sein." (Ensign, Januar 1993, 80.) 

RICHTLINIEN FÜR DEN SABBAT 

Die Propheten in alter und neuer Zeit haben nicht in 
allen Einzelheiten gesagt, was wir am Sabbat tun müssen 
beziehungsweise nicht tun dürfen, aber sie haben uns 
Schriftstellen genannt, die als allgemeine Richtlinien 
fungieren. Einige davon wollen wir hier betrachten. 

Der Prophet Jesaja hat eine der deutlichsten und am 
besten formulierten Richtlinien für die Heilighaltung des 
Sabbats gegeben: „Wenn du am Sabbat nicht aus dem 
Haus gehst und an meinem heiligen Tag keine Geschäfte 
machst, wenn du den Sabbat (den Tag der) Wonne 
nennst, einen Ehrentag den heiligen Tag des Herrn, 



DER STERN 
18 



wenn du ihn ehrst, indem du keine Gänge machst, keine 
Geschäfte betreibst und keine Verhandlungen führst." 
(Jesaja 58:13.) 

Nehemia, der Gouverneur der persischen Provinz 
Juda im fünften Jahrhundert v.Chr. war ein geistig 
gesinnter und demütiger Führer, der unerschrocken für 
die Israeliten eine Reform in Gang setzte. Unter seiner 
Führung gingen die Juden, die aus dem Exil in ihre 
Heimat zurückgekehrt waren, einen Bund ein, in dem sie 
Gott Gehorsam gelobten und sich unter anderem zu 
folgendem verpflichteten: „Wenn die Völker des Landes 
Waren, besonders Getreide jeder Art, am Sabbat zum 
Verkauf anbieten, werden wir ihnen am Sabbat oder an 
einem anderen heiligen Tag nichts abnehmen." 
(Nehemia 10:32.) 

Als manche Händler dann doch weiterhin am Sabbat 
ihren Geschäften nachgingen, bewies Nehemia 
ihnen, daß es ihm ernst damit war, den Tag 
des Herrn zu ehren: 

„Da machte ich den Vornehmen von 
Juda Vorwürfe und sagte zu ihnen: Wie 
könnt ihr eine solche Untat begehen 
und den Sabbat entweihen? 

Haben das nicht schon eure Väter 
getan? Dafür ließ unser Gott all dieses 
Unheil über uns und diese Stadt 
kommen. Wollt ihr neuen Zorn über 
Israel bringen, indem ihr den Sabbat 
entweiht? 

Ich ließ von da an vor dem 
Anbruch des Sabbats, wenn es in 
den Toren Jerusalems dunkel 
wurde, die Tore schließen und 
befahl, sie erst nach dem Sabbat 
wieder zu öffnen. Auch stellte 
ich einige meiner Leute an die 
Tore, damit am Sabbattag keine 
Lasten hereingebracht wurden." 
(Nehemia 13:17-19.) 

Ich habe vor kurzem von einer 
Geschichte aus der heutigen Zeit 
erfahren, die so ähnlich ist wie die 
Begebenheit aus der Zeit des Alten 
Testaments: 




Ein Ehepaar, Mitglieder der Kirche, kaufte ein 
Restaurant, das bisher nicht sehr erfolgreich gewesen war. 
Sie hatten aber einige Veränderungen vor, um den Betrieb 
neu zu beleben. Der Sonntag war einer der Tage gewesen, 
an dem das Restaurant immer voll gewesen war, und 
manche ihrer Bekannten - darunter ein guter Freund, der 
ihnen Geld geliehen hatte, damit sie das Restaurant 
kaufen konnten - rieten ihnen dringend, das Restaurant 
auch am Sonntag offen zu halten. Die beiden überlegten 
hin und her, ob sie das Restaurant am Sonntag schließen 
sollten; schließlich widersprach es den geschäftlichen 
Gepflogenheiten. Aber schließlich entschieden sie sich für 
den sonntäglichen Ruhetag; sie wollten nach ihrem 
Glauben leben und dem Herrn vertrauen. In den darauf- 
folgenden Monaten gingen die Einnahmen sofort nach 
oben, und seitdem ist das Geschäft stetig besser geworden. 

Die Erfahrung dieser beiden sowie die Erfahrungen 
anderer lehren uns, daß der Herr diejenigen, die seine 
Gebote befolgen, belohnt. So wie er den Israeliten zur 
Zeit des Mose verhieß, sie würden am Tag vor dem 
Sabbat zweimal soviel Manna auflesen (siehe Exodus 
16:29) und im sechsten Jahr eine reiche Ernte 




r [Du sollst] dem 
Allerhöchsten deine 
Gaben und deine 
heiligen Handlungen 
darbringen und 
nichts anderes tun als 
mit Herzenslauterkeit 
deine Speise bereiten, 

... damit deine 
Freude vollständig sei. 



CHRISTUS MIT MARIA UND MARIA, GEMÄLDE VON DEL PARSON 



einbringen, so daß für das siebte und achte Jahr gesorgt 
war (siehe Levitikus 25:3-7, 20-22), so kann er in einem 
Restaurant der heutigen Zeit dafür sorgen, daß das 
Geschäft am Freitag und Samstag so gut läuft, daß das, 
was man am Sonntag hätte einnehmen können, auch 
hereinkommt - oder sogar noch mehr. 

Wir dürfen natürlich nicht annehmen, daß wir 
immer in finanzieller Hinsicht gesegnet 
werden, wenn wir den Sabbat ehren. 
Manchmal müssen wir finanzielle 
Schwierigkeiten durchmachen, 
auch wenn 
wir nac 
dem 






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Evangelium leben. Aber wenn wir das Gesetz des Sabbats 
befolgen, segnet der Herr uns mit dem, was er für uns am 
besten erachtet. 

SCHUTZ VOR DEM BÖSEN 

In unserer Zeit hat der Herr uns erklärt, daß wir, wenn 
wir den Sabbat heilighalten, besser vor dem Bösen in der 
Welt, die ja in geistiger Hinsicht immer mehr verfällt, 
geschützt sind. In einer Offenbarung an Joseph Smith 
hat der Herr das vierte Gebot folgendermaßen umformu- 
liert: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt 
unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag 
ins Haus des Betens gehen und deine heiligen 
Handlungen darbringen." (LuB 59:9; Hervorhebung 
hinzugefügt.) 

Hier finden wir einen inspirierten Plan für Schutz 
vor Unmoral, Auflehnung, der Zerrüttung der Familie 
und vor anderen geistigen Gefahren, die uns bedrohen: 
jeden Sabbat können wir das Abendmahl nehmen, 
und dazu gehört, daß wir regelmäßig Umkehr üben 
und geloben, uns rein und „von der Welt unbefleckt" 
zu halten. 




Der Herr fährt fort: „Denn wahrlich, das ist der Tag, 
der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß 
du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest." 
(LuB 59:10.) Wenn wir den Sabbat dazu nutzen, den 
Herrn aufrichtig zu verehren, wenn wir uns und unsere 
Kraft dem Dienst an Gott und unseren Mitmenschen 
weihen, bewahren wir uns vor dem Bösen um uns herum. 
„Denke daran: An diesem Tag, am Tag des Herrn, 
sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine 
heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern 
sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen." (LuB 
59:12.) Die Gaben, die wir dem Herrn darbringen 
können, sind unsere Zeit, unsere Talente, unsere 
Habe - für Gott und unsere Mitmenschen genutzt. Aus 
diesem Schriftvers geht hervor, daß wir uns nicht nur 
schützen, indem wir alles, was wir haben, dem Dienst 
des Herrn weihen, sondern auch indem wir ihm, denen, 
die wir beleidigt haben, und, wo dies angemessen ist, 
auch den dazu bestimmten Dienern des Herrn, unsere 
Sünden bekennen. 

Der Herr definiert weiter, was an seinem heiligen Tag 
annehmbar ist: „Und an diesem Tag sollst du nichts 
anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise 
bereiten, . . . damit deine Freude vollständig sei." (LuB 
59:13.) Hier haben wir ein konkretes Beispiel dafür, wie 
wir diesen Tag heilighalten können: wir sollen unsere 
Essenszubereitung einfach halten, damit wir Gott 
verehren können, statt uns um unsere physische 
Befriedigung zu kümmern. 

Aber es gilt noch mehr zu bedenken. Eider Mark E. 
Petersen vom Kollegium der Zwölf hat einmal die 
Bedeutung des Gebots erklärt: „An diesem Tag sollst du 
nichts anderes tun." 

„Wenn wir am Sonntag nichts anderes tun sollen, als 

den Tag heiligen Zwecken zu weihen, wie steht es dann 

um uns, wenn wir uns dafür entscheiden, am Sonntag 

unseren Geschäften nachzugehen, oder wenn wir 

am Sonntag einkaufen gehen oder wenn 

wir am Sonntag Vergnügungsstätten 

aufsuchen? 

Wir wissen, daß es Menschen gibt, 
die in bestimmten wesentlichen 
Dienstleistungsbereichen arbeiten, 
zum Beispiel im Krankenhaus und in 



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„—er Sabbat ist ein 
heiliger Tag, an dem 
man sich entspre- 
chend heilig beschäf- 
tigen soll." 



anderen Einrichtungen, die 24 Stunden am Tag in Betrieb 
sind, und die daran nichts ändern können. Von ihnen ist 
nicht die Rede. Aber die meisten Menschen haben keinen 
solchen Beruf und können sich ihre Zeit einteilen. 

Würden sie am Sonntag lieber Ski fahren oder 
schwimmen oder ins Kino gehen oder ihren Geschäften 
nachgehen, statt in die Kirche zu gehen? Wenn die 
Antwort ja lautet, sollten sie sich fragen, ob sie wirklich 
schon so weit vom Glauben abgekommen sind und 
ein anderes Evangelium angenommen haben - ein 
Evangelium des Sonntagsvergnügens und der sonntägli- 
chen Geschäfte. . . . 

Die Art, wie wir den Sabbat verbringen, ist ein Zeichen 
für unsere innere Einstellung gegenüber [Gott] .... 

Die Art, wie wir den Sabbat begehen, ist ein Anzeichen 
dafür, wie tief unsere Bekehrung geht." (Ensign, Mai 1975, 
49; Hervorhebung hinzugefügt.) 

Eider Spencer W. Kimball vom Kollegium der Zwölf 
hat zur rechten Sabbatheiligung die folgenden 
Vorschläge geäußert: 

„Der Sabbat ist ein heiliger Tag, an dem man sich 
entsprechend heilig beschäftigen soll. Sich von Arbeit und 
Vergnügungen fernzuhalten ist wichtig, aber nicht genug. 
Der Sabbat verlangt konstruktives Denken und Handeln, 
und wenn jemand an dem Tag nur faulenzt und nichts tut, 
so begeht er eine Übertretung. Wer den Sabbat hält, wird 
zum Beten niederknien, einen Unterricht vorbereiten, das 
Evangelium studieren, Kranke und Betrübte besuchen, 
schlafen, wertvolle Lektüre lesen und alle Versammlungen 
besuchen, zu denen er erwartet wird. Wenn man das, was 
recht ist, nicht tut, übertritt man durch Unterlassung." 
(The Miracle of Forgiveness, 1969, 96f.) 

Eider L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf hat die 
Meinung geäußert, daß selbst die Art, wie wir uns 
kleiden, einen Einfluß auf unsere Einstellung und unsere 
Neigungen am Tag des Herrn hat: „Ich frage mich häufig, 
was aus der guten alten Sonntagskleidung geworden ist. 
Wenn man sich so kleidet wie alle Tage, paßt sich 
anscheinend auch das Verhalten der Kleidung an. 

Natürlich erwarten wir von unseren Kindern nicht, 
daß sie den ganzen Tag ihre Kirchenkleidung tragen, aber 
wir erwarten auch nicht, daß sie etwas anziehen, was 
dem Sabbat nicht angemessen ist." (Ensign, November 
1984, 19.) 




CHRISTUS ERWECKT DIE TOCHTER DES JAIRUS VON DEN TOTEN, GEMÄLDE VON GREG K. OLSEN 

EINE QUELLE DER SEGNUNGEN 

Denen, die den Sabbat einen Tag der Wonne nennen 
und ihn zum heiligen Tag erklären, sind große 
Segnungen verheißen: „Und wenn ihr dies mit 
Danksagung tut, mit fröhlichem Herzen und Angesicht 
... so gehört euch die Fülle der Erde . . . und alles 
Gute, was aus der Erde kommt." (LuB 59:15-17.) 

Manchmal treten die Segnungen nicht sofort ein; es 
kann uns sogar große Opfer abverlangen, wenn wir zu 
unserem Glauben stehen. Aber dafür, daß wir den 
Sabbat so verbringen, wie es dem Geist dieses Tages 
entspricht, sind uns Freude und Frieden verheißen und 
daß sich für uns alles zum Guten auswirkt (siehe LuB 
98:3). 

Vor mehreren Jahren schrieb mir eine Studentin, die 
am Jerusalem-Center der Brigham Young University 
studiert hatte, kurz nach ihrer Rückkehr in die 
Vereinigten Staaten. Sie berichtete von einer großen 
Herausforderung in bezug auf die Sonntagsarbeit: „Mit 
das Schwerste war, daß ich meinem Chef sagen mußte, 
daß ich nicht mehr sonntags für ihn arbeiten konnte. 
Die letzten beiden Sommer hatte es mir nichts ausge- 
macht, sonntags zu arbeiten, aber aufgrund der Einsicht, 
die ich seitdem gewonnen habe, könnte ich das jetzt 
nicht mehr rechtfertigen." 

Ihre Bewunderung für ihren Chef machte es ihr 
schwer, es ihm zu sagen. „Ich glaube, ich wollte es ihm 
deshalb nicht sagen, weil er zu mir so gut gewesen ist. Ich 
konnte mich immer darauf verlassen, daß ich dort einen 
Job hatte." 

Sie brauchte drei Tage, darunter einen Fasttag, um 
den Mut aufzubringen. „Ich wollte bloß, daß er meine 
Einstellung verstand. Ich nahm eine geschnitzte Figur 
aus Olbaumholz als Friedensangebot mit - für alle Fälle. 
Natürlich drehte das Gespräch sich um Jerusalem und 



DER STERN 

22 



um alles, was ich in Israel gemacht hatte. Ich versuchte, 
ihn darauf vorzubereiten, warum ich sonntags nicht 
mehr arbeiten konnte. 

Wir kamen schließlich auf meine Arbeit zu sprechen. 
Meine Nerven hielten nicht durch, und meine Stimme 
zitterte ein bißchen, aber schließlich konnte ich über 
meine Gefühle sprechen. Der Geist muß mit mir gewesen 
sein, denn er hatte Tränen in den Augen, und auch ihm 
fiel das Sprechen schwer. Er erklärte mir, er respektiere 
meine Entscheidung und sei froh, daß ich zu meinem 
Glauben stände. 

Er erklärte mir auch, seine Glaubens vor Stellungen 
seien etwas anders und er müsse gerecht sein und alle 
seine Angestellten gleich behandeln. Er sagte nicht 
eindeutig, daß ich nicht mehr für ihn arbeiten konnte, 
aber wir wußten es beide. Ich hatte ein Gefühl, als sei mir 
eine schwere Laste von den Schultern genommen 
worden. Ich habe jetzt keine Arbeit, aber das ist in 
Ordnung; irgend etwas wird sich schon finden." 

DER SABBAT UNSERER ZUKUNFT - HEUTE 

Zur Vorbereitung auf das Millennium können die 
Heiligen der Letzten Tage schon jetzt daraufhinarbeiten, 
daß sie ein Volk werden, das im Herzen rein ist und den 
Willen Gottes tut. Ein solches Volk beachtet den 
Sabbattag, das es ihn heilighält (siehe LuB 68:29). Wie 
wird der Sabbat im Zion des Millenniums aussehen? 

Aus dem, was geschrieben steht, geht hervor, daß es 
am Tag des Herrn keine körperliche Arbeit geben wird, 
keine Einkäufe, keine offenen Geschäfte und keine 
Sportveranstaltungen oder andere Vergnügungen. Wir 
erwarten auch, daß die Menschen in Zion sich am Abend 
vorher nicht überarbeiten oder so lange aufbleiben, daß 
sie am Sabbat völlig erschöpft sind. 

Vielmehr werden diese Heiligen ihre Versammlungen 
in der Kirche besuchen, allein und mit ihrer Familie 
die heiligen Schriften studieren und darüber nach- 
sinnen und andere aufbauende Literatur lesen. Wir 
würden wahrscheinlich sehen, daß sie an ihrer 
Lebensgeschichte und an ihrer Familiengeschichte 
schreiben, daß sie andere aufbauen, die Kranken besu- 
chen, sich mit Genealogie und Missionsarbeit beschäf- 
tigen, singen und sich inspirierende Musik anhören und 
noch vieles mehr tun, so wie der Geist des Herrn es 



ihnen eingibt. Indem sie den Sabbat heilighalten und 
den Herrn des Sabbat ehren, werden sie gewiß mit dem 
Frieden und der Freude, die er verheißen hat, gesegnet. 
Erscheint Ihnen das wie ein schönes Bild des Sabbat? 
Das Erstaunliche daran ist, daß wir es nicht erst im 
Millennium zu erleben brauchen. Wenn wir es wollen, 
kann es für uns schon am kommenden Sonntag 
Wirklichkeit werden - und wir werden die Segnungen 
für den Gehorsam sofort erhalten. D 




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WACHSAM 

SEIN GEGENÜBER 



GEWALTTÄTIGKEIT 



Harold Oaks 




treit und besonders Gewalttätigkeit ist nicht 
die Art, wie wir mit unseren Problemen 
fertig werden (siehe 3 Nephi 11:29,30). Leider 
vermitteln Fernsehen, Videos, Kinofilme und 
Videospiele etwas anderes. Sogar Cartoons und viele 
Kinderprogramme stellen Gewalt als etwas Lustiges 
dar. Sie tun so, als würde niemand verletzt und als 
könne jede Meinungsverschiedenheit mit einem 
Karatetritt oder einer Waffe beigelegt werden. 

Tausende von Studien aus den vergangenen vier 
Jahrzehnten belegen, daß es zwischen dem, was auf 
dem Bildschirm geschieht, und dem, was im Leben 
derer geschieht, die Gewaltprogramme ansehen, einen 
direkten Zusammenhang gibt. Vor allen die Kinder 
werden aggressiver, da sie lernen, ihrem Ärger Luft zu 
machen, um ihre Probleme zu lösen. Die Menschen 
werden ganz allgemein unempfindlicher, was die ganz 
realen Schmerzen betrifft, die Gewalttätigkeit verur- 
sacht. Gewalttätigkeit kann auch süchtig machen, so 
daß man immer mehr Gewalt sehen will und sich 
selbst immer brutaler verhält. 

Da die Welt, in der wir leben, immer gewalttätiger 
wird, müssen wir uns und unsere Lieben vor dem 
verderblichen Einfluß der Gewalt in den Medien 
schützen. D 



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HIER IST EINIGES 
AUFGEFÜHRT, WAS 
WIR TUN KÖNNEN 



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Machen Sie sich bewußt, daß 
Gewalt Leid verursacht 
Gewalttätigheit ist nichts, 
worüber man lachen kann. 



(^) Untersuchen Sie die Folgen 
^ gewalttätiger Handlungen - den 
Schaden, den sowohl das Opfer 
als auch der Angreifer erleiden. 

%g) Nehmen Sie sich solche 
Menschen zum Vorbild, die 
Selbstbeherrschung, Geduld, 
Toleranz und gesunden 
Menschenverstand mitbringen 
(siehe Sprichwörter 15:1,18; 
1 Korinther 13:4,5). 

Qg> Überwachen Sie, was bei Ihnen 
zu Hause an Medien konsumiert 
wird. Die Eltern sollten beispiel- 
sweise anschauen, was ihre 
Kinder anschauen und dann über 
alle Gewalt, die vorkommt, 
sprechen. Dazu zählt auch 
Gewalt in den Nachrichten. 

£$A Überlegen Sie, wie man Probleme 
anders lösen kann. Fragen Sie 
beispielsweise, während Sie mit 
einem Kind fernsehen: „Wie hätte 
diese Person das Problem auch 
anders lösen können?" 

§^ Befolgen Sie den Rat des 
Propheten, nicht jugendfreie 
Filme und anderes, was 
unpassend ist, nicht anzusehen. 



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VON FREUND ZU FREUND 



ELDER DALLI N H. OAKS 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 

Nach einem Interview, das Rebecca M. Taylor geführt hat 



An einem Winterabend, als 
ich etwa fünf, sechs Jahre 
alt war, nahm mein Vater 
mich mit in die Stadt. Es war 
während der Weltwirtschaftskrise, 
als es nur wenig Arbeit gab und 
viele Menschen arm waren. Mein 
Vater und ich sahen uns die 
Schaufenster an, während wir durch 
die Stadt gingen, und bald standen 
wir vor einem Geschäft mit 
Sportartikeln. Im Schaufenster 
waren lauter wundervolle Dinge wie 
zum Beispiel Angelköder und 
Taschenmesser ausgestellt. 

Ein schäbig gekleideter Junge 
stand in unserer Nähe und sah 
sehnsüchtig ins Schaufenster. Ich 
achtete nicht sehr auf ihn, aber mein 
Vater ging zu ihm hin und sprach 
kurz mit ihm, dann legte er ihm die 
Hand auf die Schulter führte ihn in 
den Laden. Ich sah zu, wie der Junge 
sich ein Taschenmesser aussuchte 
und mein Vater bezahlte. 

Ich habe an dem Tag kein 
Taschenmesser bekommen, aber ich 
habe etwas gelernt. Als mein Vater 




Eider Oaks und seine Frau 



und ich weitergingen, sagte er: 
„Du hast mich. Er hat niemanden." 
Später wurde mir bewußt, wie 
großzügig mein Vater war und wie 
sehr er mit anderen Menschen 
mitfühlte. 



Als ich fast acht Jahre alt war, 
starb mein Vater, der Arzt war, an 
einer Krankheit, die er sich von einem 
seiner Patienten zugezogen hatte. Ein 
paar Monate daraufließ meine 
Mutter meinen kleinen Bruder und 
meine kleine Schwester und mich in 
der Obhut ihrer Eltern zurück und 
ging fort, um an einer Universität zu 
studieren, damit sie genug Geld für 
unseren Lebensunterhalt verdienen 





1 . Etwa 3 Jahre alt, mit seinem 
Vater. 2. Mit 6 Jahren beim 
Geigenspiel. 3. Mit 1 2 Jahren 
mit seiner Schwester, seiner 
Mutter und seinem Bruder. 



konnte. Aber die Belastung durch 
den Tod ihres Mannes und der 
Kummer darüber, daß sie nicht bei 
ihren Kindern sein konnte, machten 
sie so schwer krank, daß sie von 
einer Krankenschwester gepflegt 
werden mußte. Ich sah sie viele 
Monate nicht. 

Ich hatte meinen Vater verloren, 
und eine Zeitlang hatte ich auch 
meine Mutter verloren. Ich war sehr 
unglücklich und war in der Schule 
ziemlich schlecht. Ich lernte keine 
Schreibschrift, und bis heute kann 
ich nur meine Unterschrift in 
Schreibschrift hinbekommen. Ich 
konnte keine Rechtschreibung, und 
in Mathematik war ich noch 
schlechter. Meine Lehrerin ließ die 
Klasse die Rechenblätter immer 
nach vorn weiterreichen, damit wir 
uns gegenseitig korrigieren konnten. 
Wir mußten dann laut unsere 
Fehlerzahl sagen. Von 20 Aufgaben 
hatte ich meistens 15 oder 16 
falsch. Ich hielt mich für den 
dümmsten Jungen in der Klasse. Ich 
weiß noch, wie meine 
Klassenkameraden mich einmal mit 
Schneebällen bewarfen und mich 
einen Dummkopf nannten. 

Mutter ging es irgendwann besser, 
und als sie sich wieder um uns 
kümmern konnte, zogen wir nach 
Vernal in Utah, wo Pearl Shaffer in 
der fünften Klasse meine Lehrerin 
wurde. Was sie für mich getan hat, 
kann ich nie wieder gutmachen. Sie 
glaubte an mich, und so lernte ich 
auch, an mich zu glauben. Sie half 



KINDERSTERN 

2 



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ILLUSTRATION VON ROBERT T. BARRETT 



mir zu lernen. Bis ich mit der fünften 
Klasse fertig war, konnte ich schon 
mit den besten Schülern wetteifern. 
Manchmal macht das Leben uns 
allen schwer zu schaffen. Aber nur 
weil ihr gerade niedergeschlagen 
seid, müßt ihr nicht meinen, es 
bliebe euer Leben lang so. Steht auf, 
schüttelt den Staub ab, und macht 
weiter. Viele junge Leute sind mal 
entmutigt. Sie haben das Gefühl, sie 
seien nicht besonders gut oder sie 
müßten so gut wie ihre Schwester 
oder ihr Bruder oder ihre Freunde 
sein. Aber wir wissen aus den 
heiligen Schriften, daß jeder seine 
Gaben hat; wir müssen nur heraus- 
finden, welche Gaben wir haben, 
und sie entfalten. Jeder hat einiges, 
was er gut kann, und einige heraus- 
ragende Eigenschaften. Es ist so herr- 
lich, daß die Schöpfungen Gottes so 
vielfältig sind. Niemand ist genauso 



wie irgend jemand anders. Ihr müßt 
wissen, daß ihr ein Kind Gottes seid 
und daß er euch liebt. Auch wenn 
ihr meint, niemand hätte euch lieb, 
liebt Gott euch doch. 



Als ich 12 war, bat der Bischof 
mich, ihm zu helfen, den Witwen 
der Gemeinde Weihnachtskörbe zu 
bringen. An dem Tag schneite es. 
Die Körbe enthielten Grapefruit und 
Orangen. Es war während des 
Zweiten Weltkriegs, als Grapefruit 
und Orangen selten waren, deshalb 
waren sie etwas ganz Besonderes. 
Der Bischof wartete im Auto, 
während ich den Korb zur Tür 
brachte und sagte: „Der Bischof hat 
mich gebeten, Ihnen diesen Korb zu 
bringen. Es ist ein Weihnachtskorb 
von der Gemeinde." 

Bald hatten wir alle Körbe abge- 
geben, bis auf einen. Der Bischof 



brachte mich nach Hause, und ehe 
ich aus dem Auto stieg, gab er mir 
den letzten Korb und sagte: „Der ist 
für deine Mutter." Dann fuhr er fort. 

Ich stand mit dem Korb in der 
Hand vor dem Haus und dachte 
nach. Wir hatten den Witwen die 
Körbe gebracht, und ich hatte bisher 
noch nie darüber nachgedacht, daß 
meine Mutter Witwe war. Ich hatte 
nie gehört, wie sie sich als Witwe 
bezeichnet hatte. Das war das erste 
Mal, daß mir klar wurde, daß jemand 
anders sie als Witwe betrachtete. 

Mir wurde bewußt, daß Mutter 
ihr Leben voll Glauben lebte. Sie 
hatte uns gelehrt, daß wir einen 
Vater hatten und daß sie einen 
Mann hatte und daß wir immer eine 
Familie blieben, weil sie und mein 
Vater im Tempel geheiratet hatten. 
Ich wußte, daß andere Kinder einen 
Vater hatten, der mit ihnen jagen 
und fischen ging, und es machte 
mich traurig, daß ich keinen Vater 
hatte, der das mit mir machte. Aber 
es war Krieg, und ich hatte mir als 
Junge immer vorgestellt, daß mein 
Vater fort war, weil der Herr ihn 
dazu berufen hatte, eine andere 
Arbeit zu tun. Es tat weh, daß er 
nicht da war, aber ich wußte, daß 
wir eines Tages wieder zusammen 
sein konnten. Seitdem ist mein 
Zeugnis davon, wie wichtig die 
Tempelehe ist, stark geworden. Ich 
bin so dankbar für die Tempelehe 
und für die Segnungen, die damit 
verbunden sind, wenn man als ewige 
Familie gesiegelt ist! D 



MAI 199 

3 



DAS MITEINANDER 



Er spricht mit mir 



Sydney Reynolds 




„Ich verglich alle Schriften mit uns, damit wir davon 
Nutzen hätten und lernen könnten." (1 Nephi 19:23.) 

Wißt ihr, was eine Menschenmenge ist? Das 
sind ganz viele Menschen. Als Jesus Christus 
die Menschen in Judäa lehrte, folgte ihm 
eine große Menschenmenge, weil sie alle hörten 
wollten, was er sagte. Am See von Galiläa lehrte er eine 
Menschenmenge. Auch auf dem Berg lehrte er eine 
Menschenmenge. Auch in Jerusalem. Aber der Erretter 
wollte, daß jeder einzelne in der Menschenmenge 
zuhörte, glaubte und beschloß, ihm nachzufolgen. 

Mose lehrte eine Menschenmenge die Zehn Gebote. 
Er erklärte ihnen: „Darum sollst du den Herrn, deinen 
Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und 
mit ganzer Kraft." (Deuteronomium 6:5.) Er sprach 
zwar zu vielen Menschen, aber er wollte, daß jeder das 
tat, was er sagte. Und er wollte, daß auch ihre 
Nachkommen davon wußten. 

Nephi las aus den heiligen Schriften vor. Er sagte: „Ich 
verglich alle Schriften mit uns, damit wir davon Nutzen 
hätten und lernen könnten." (1 Nephi 19:23.) Wenn wir 
die heiligen Schriften mit uns vergleichen, heißt das, daß 
wir uns anschauen, inwiefern unser Leben ähnlich ist wie 
das Leben der Menschen, von denen wir da lesen. Wenn 
der Herr diesen Menschen etwas sagt, wissen wir, daß er 
es auch uns sagt. Wir lernen aus den heiligen Schriften, 
wie glücklich wir sein können und welchen inneren 
Frieden wir spüren können, wenn wir die Gebote halten. 
Wir sehen auch, welchen Kummer es mit sich bringt, 
wenn die Menschen die Gebote übertreten. 

Die Bergpredigt des Erretters ist auch für euch 
bestimmt! Ihr seid glücklich und gesegnet, wenn ihr 
demütig und barmherzig seid (siehe Matthäus 5:5,7). 
Auch die Predigt, die König Benjamin auf dem Turm 
gehalten hat, ist an euch gerichtet! Auch ihr könnt eine 
mächtige Wandlung im Herzen spüren (siehe Mosia 5:2). 
Das Wort der Weisheit (siehe LuB 89) wird euch helfen, 
Gesundheit und große Schätze der Erkenntnis zu finden. 

Wenn die Propheten heute sprechen, ist das, was sie 
sagen, auch für euch bestimmt, ebenso für diejenigen, 



die nach euch kommen. Und wenn ihr die heiligen 
Schriften mit euch vergleicht und auf den Geist hört, 
könnt ihr hören, wie der Herr zu euch spricht. 

Anleitung 

Nimm die Seite 5 aus der Zeitschrift heraus, und 
kleb sie auf festes Papier. Kleb in das Oval in der Mitte 
ein Foto von dir, einen Spiegel oder ein Bild, das du von 
dir gezeichnet hast. Schneide den unteren Rand an der 
durchgehenden schwarzen Linie entlang ab. Schneide 
jedes Kästchen in dem Streifen aus; kleb es dann in das 
passende Kästchen. Mal die Bilder an, und häng das 
Poster irgendwo auf, wo es dich daran erinnert, die 
heiligen Schriften mit dir zu vergleichen. 

Anregungen für das Miteinander 

1. Schreiben Sie auf große Karten in Druckbuchstaben 
den ersten Teil jeder Seligpreisung (siehe Matthäus 5 und 
3 Nephi 12), zum Beispiel „Selig, die keine Gewalt 
anwenden". Mischen Sie die Karten, und legen Sie sie mit 
der Beschriftung nach unten in Reihen. Lassen Sie die 
Kinder eins nach dem anderen nach vom kommen und zwei 
Karten aufdecken. Wenn sie zusammenpassen, befestigen Sie 
sie an einem Poster und lassen die Kinder die Schriftstelle 
aufsagen. Wenn die Karten nicht zusammenpassen, werden 
sie wieder umgedreht. Fahren Sie so fort, bis alle 
Seligpreisungen an dem Poster befestigt sind. 

2. Das Wort der Weisheit (siehe LuB 89) wurde den 
Heiligen 1833 gegeben, als nur wenige Menschen meinten, 
dieser Rat sei wichtig. Jetzt bestätigen viele Wissenschaftler, 
wie weise diese Ratschläge sind, und wir wissen, daß wir 
gesegnet werden, wenn wir auf den Herrn hören. Fertigen 
Sie drei Wortstreifen an: OßST, GEMÜSE, Getreide. 
Befestigen Sie einen Wortstreifen an einem Poster; geben 
Sie den Kindern eine Minute Zeit, aufzuschreiben, was zu 
dieser Kategorie gehört und gut für ihren Körper ist; 
besprechen Sie dann die Liste. Wiederholen Sie dies mit 
den beiden übrigen Kategorien. Für kleinere Kinder 
können Sie Abbildungen aus Zeitschriften verwenden, mit 
denen sie Kollagen von guten und schlechten 
Entscheidungen anfertigen. □ 



KINDERSTERN 

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Wenn ich die heiligen Sdbri^^^^^^^^^^S m ♦ 




ILLUSTRATION VON TADD R. PETERSON 



Mose verkündet 
den Israeliten die 
Zehn Gebote 

Exodus 20:3-17 



Joseph Smith 
lehrt das Wort 
der Weisheit 

LuB 89 



Jesus hält die 
Bergpredigt 

Matthäus 5-7 

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König Benjamin 
hält seine Predigt 

Mosia 2-5 

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ERZAHLUNG 



Tami Cobbs 
Schwester 




KINDERSTERN 

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Tritt auf rot, dann liebst du Tami Cobb", 
flüsterte Travis, während wir uns in einer 
Reihe aufstellten und hinter unserer Lehrerin 
her zur Cafeteria gingen. Fünfundzwanzig Paar Schuhe, 
darunter auch meine Sandalen, gingen im Zickzack und 
waren sehr darauf bedacht, nicht auf die roten Fliesen 
zu treffen. 

Frau Simon blieb stehen und sah uns an. „Wo ist 
denn meine schöne gerade Reihe?" fragte sie und 
lächelte gar nicht. 

Wir stellten uns in eine gerade Reihe. Alle bis auf 
Tami, die sich abwandte und den Kopf senkte. Ich konnte 
nur ihre roten Haare sehen. Zweifellos hatte sie wieder 
diesen gemeinen Ausdruck in ihrem sommersprossigen 
Gesicht - den gemeinen Ausdruck, den sie immer hatte. 
Ich strich mir die roten Haare hinter die Ohren und war 
froh, daß sie nicht so leuchteten wie Tamis Haare - und 
daß meine Sommersprossen nicht so dunkel waren. Frau 
Simon drehte sich wieder um, und wir gingen weiter zur 
Cafeteria. Die Schuhe übersprangen die roten Fliesen 
immer noch, aber nicht mehr so laut. 

„Du bist doch Tami Cobbs Zwillingsschwester", sagte 
Zachary beim Mittagessen zu mir. 

Tami sah mich an, sie kaute an der Ecke ihres 
Butterbrots. Ihre dunklen Augen blickten ängstlich - 
und hoffnungsvoll. 

„Bin ich nicht!" protestierte ich. 

Tami blickte wieder auf ihr zerknülltes 
Butterbrotpapier. Ich hatte kein gutes Gefühl, aber es 
war ja nicht meine Schuld. Wenn sie sich wenigstens 
mal ordentlich benommen hätte, statt immer solche 
Grimassen zu schneiden, dann hätten auch nicht alle 
immer so auf ihr herumgehackt! 

In der Pause spielte ich mit den anderen, während 
Tami allein am Zaun stand. Ich wagte es nicht, sie zu 
bitten mitzuspielen, sonst hätte Zachary mich bestimmt 
wieder „Tami Cobbs Schwester" genannt. 

An dem Abend kamen die Missionare zum Essen. Es 
war schön draußen, deshalb grillte Vater Hamburger 
und Würstchen. 

„Becca, ich glaube, du kennst eine von den 
Untersucherinnen, die wir diesen Samstag taufen", 
sagte Eider Ryan, der meine kleinen Brüder auf den 
Knien schaukelte, während wir warteten. „Sie sagt, sie 
ist in deiner Klasse." 




MAI 1998 

7 




„Wer?" fragte ich überrascht und begeistert. 
Vielleicht Brittany. Sie war hübsch, und alle mochten 
sie. Oder vielleicht Heidi. Ich hoffte, daß es Heidi 
war. Wir kicherten im Musikunterricht, wenn Frau 
Bradleys Stimme bei den hohen Tönen kiekste, 
immer zusammen. Oder vielleicht Alix oder Kira 
oder Emily. „Wer ist es?" fragte ich und zappelte 
aufgeregt. 

„Tami Cobb. Wir taufen ihre ganze Familie." 

„Wie schön!" sagte meine Mutter. „Ist das nicht 
toll, Becca? Du hast dir doch schon immer gewünscht, 
du hättest in der Schule eine Freundin, die in der 
Kirche ist." 

„Ja, toll", murmelte ich. Ich wußte, daß ich mich 
hätte freuen sollen, aber ich freute mich gar nicht. 

Am nächsten Tag in der Schule sah ich, wie Tami 
mich ansah. Immer wenn ich in ihre Richtung blickte, 
sah sie mich an. Ich wollte etwas zu ihr sagen, aber ich 
traute mich nicht. Jeder, der mit ihr sprach, wurde den 
ganzen Tag gehänselt. 



Am Abend klingelte das Telefon. Mein Vater ging 
dran. „Becca, das sind die Missionare. Sie möchten 
wissen, ob du Samstag bei Tami Cobbs Taufe ein PV- 
Lied singen würdest. Tami hat darum gebeten." 

Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Tami wußte, 
daß ich gerne sang, weil ich mich immer meldete, wenn 
jemand vorsingen sollte. Und erst vor einer Woche 
hatte ich im Musikunterricht freiwillig ein Lied vorge- 
sungen, um meine Note zu verbessern. Jetzt saß ich in 
der Falle. Ich hatte keinen Grund, bei ihrer Taufe nicht 
zu singen - außer einem. 

Ich sah meine Mutter an. Sie lächelte und nickte. 
„Ich begleite dich am Klavier", sagte sie. 

Jetzt saß ich doppelt in der Falle. „Na gut", sagte ich 
widerstrebend. Wenigstens war keiner von der Schule 
da, der mich sehen konnte. 

Bei der Taufe am Samstag sprach Eider Ryan über 
den Taufbund, wie er im Buch Mormon erklärt ist. 
„Wenn man sich taufen läßt, verspricht man dem himm- 
lischen Vater und Jesus Christus, daß man einer des 



KINDERSTERN 



8 




anderen Last trägt", sagte er. „Und daß man immer, 
selbst bis in den Tod, als Zeuge Gottes auftritt." 

Mir fiel ein, daß mein Vater bei meiner Taufe vor 
einem Jahr auch diese Worte aus Mosia 18:8,9 vorge' 
lesen hatte, aber da hatte es mir nichts ausgemacht. 

„Wir sind alle Kinder des himmlischen Vaters", fuhr 
Eider Ryan fort. „Deshalb nennen wir einander ,Bruder* 
und .Schwester'. Bei der Taufe nehmen wir den Namen 
Jesu Christi auf uns, das macht uns auch noch zu 
Brüdern und Schwestern im Evangelium." 

Als ich mein Lied sang, sah ich Tami kurz an. Sie 
lächelte mich an. Da hatte ich ein ganz warmes Gefühl, 
bloß beim Hinsehen. 

Ich wußte, was ich zu tun hatte. 

Am Montagmorgen in der Schule holte Frau Simon 
uns wie üblich an der Turnhalle ab, und wir stellten 
uns in der Reihe auf, um den Weg zu unserer Klasse 
wie üblich zusammen zu gehen. Travis sagte seinen 
üblichen Spruch über Tami auf, und alle begannen, 
über die roten Fliesen hinwegzuspringen. Bis auf mich. 



„Hört doch auf damit", sagte ich. „Es ist überhaupt 
nicht lustig." 

Frau Simon blieb stehen und sah uns an. Sie hob die 
Augenbrauen und sah mich abwartend an. 

„Becca ist Tamis Schwester", hörte ich Zachary 
flüstern. Einige Kinder kicherten leise. 

Ich wurde rot. Tami blickte zu mir zurück, ihre 
Augen sahen ängstlich - und hoffnungsvoll drein. 

„Möchtest du wiederholen, was du gesagt hast, 
damit die ganze Klasse dich hören kann, Zachary?" 
fragte Frau Simon. 

Zachary schüttelte den Kopf. 

Mein Herz klopfte, als ich mich meldete. Ich wollte 
meinen Taufbund einhalten und Tami ihre Last tragen 
helfen, was auch kam. Schließlich hatten wir nicht 
nur die roten Haare gemeinsam. Wir waren 
Schwestern. 

„Ja, Becca?" sagte Frau Simon. 

Ich schluckte. „Zachary hat gesagt, ich wäre Tami 
Cobbs Schwester." Ich lächelte Tami zu. „Das stimmt." D 



MAI 1998 

9 



DAS MACHT SPASS 



FAMIUENABENDSCHATZSUCHE 



Denise Page 

ILLUSTRIERT VON DENlSE K1RBY 



ANLEITUNG 

Versteck die Leckereien, die für den Familienabend bestimmt sind. Zeichne dann eine Karte, aus der 
hervorgeht, wo der „Schatz" versteckt ist. Kleb die Karte auf ein Stück dünne Pappe, schneide sie in 
1 5 Puzzleteile, und leg sie in einen Umschlag oder eine Tüte. Beantwortet beim Familienabend 
abwechselnd die Fragen aus dem Schatzsuchefragebogen auf der nächsten Seite. Laß deine Eltern 
und Geschwister die Schriftstellen nachschlagen, damit sie die Antworten überprüfen 
beziehungsweise finden können. Wenn jemand eine Frage richtig beantwortet hat, kann er sich ein 
Puzzleteil nehmen. Wenn alle Fragen richtig beantwortet worden sind, legt ihr das Puzzle zusammen 
und sucht den Schatz! 



SCHATZSUCHEFRAGEBOGEN 

1. Wer hat gesagt: „Laßt uns im Halten der 
Gebote des Herrn treu sein"? (Siehe 1 Nephi 4:1.) 

2. Was ist „das Begehrenswerteste von 
allem"? (Siehe 1 Nephi 11:22.) 

3. Denen, die die Gebote des Herrn halten, 
sind große Segnungen verheißen. Nenn vier 
dieser Segnungen. (Siehe 1 Nephi 15:11; 

1 Nephi 17:3; 1 Nephi 20:18; Jarom 1:9; es 
sind noch weitere Antworten möglich.) 

4. Welche Waffenrüstung sollten Lehis Söhne 
anlegen? (Siehe 2 Nephi 1:23.) 

5. Woran erfreute Nephi sich? Er sann auch 
darüber nach und schrieb es für seine Kinder 
auf. (Siehe 2 Nephi 4:15.) 

6. Welcrje drei Schritte sind in 2 Nephi 9:23 
genannt, die alle Menschen gehen müssen, um 
im Reich Gottes errettet zu werden? 

7. Von wem sprachen die Nephiten, predigten 
sie und prophezeiten sie? (Siehe 2 Nephi 25:26.) 

|w8. „Wenn ihr auf d£n Geist hören wolltet, der 
die Menschen lehrt, dann würdet ihr wissen, daß 

ihr müßt ." (2 Nephi 32:8.) 

9. Wer« dienen wir in Wirklichkeit, wenn wir 
unseren Mitmenschen dienen? (Siehe Mosia 2:17.) 



1 0. „Es wird kein anderer Name noch irgen- 
dein anderer Weg oder ein anderes Mittel 
gegeben, wodurch den Menschenkindern 
Errettung zuteil werden kann, als nur im und 

durch den Namen ." (Siehe Mosia 

3:17.) 

11. „Aber es gibt eine , darum hat 

das Grab keinen Sieg, und der Stachel des Todes 
ist in Christus verschlungen." (Siehe Mosia 16:8) 

12. „Ja, gesegnet ist dieses Volk, das willens 
ist, meinen ^___/' denn mit meinem 

i '-'■ wird man sie rufen; und sie sind 



mein." (Siehe Mosia 26:18.) 
13. „Ich bin 



von meinen Sünden 



und bin vom Herrn erlöst worden; siehe, ich bin 
aus dem Geist geboren." (Siehe Mosia 27:24.) 

14. „Ich sage euch: Könnt ihr an dem Tag 
mit reinem und reinen 



zu Gott aufschauen? Ich sage euch: Könnt ihr 
aufschauen, wobei das Abbild Gottes eurem 
Gesichtsausdruck aufgeprägt ist?" (Siehe Alma 
5:19.) 

15. Alles, was gut ist, kommt von wem? 
(Siehe Alma 5:40.) D 



1 




SICH BEMÜHEN, SO ZU SEIN WIE JESUS 




GESCHICHTENZEIT IN GAUIAA, 
GEMÄLDE VON DEL PARSON 




SAGASTU 




Die Familie Sagastume aus der Gemeinde Antigua 
im Pfahl Chimaltenango in Guatemala liebt 
das Evangelium und 
bemüht sich, so wie Jesus Christus 
zu sein. Sie beten zum himmli- 
schen Vater und hören auf die 
Eingebungen des Heiligen Geistes. 

WERKE UND GLAUBE 

Die zehnjährige Yvette steht 
jeden Morgen um vier Uhr auf, um 
für die Schule zu lernen, die um 
sieben Uhr beginnt. Früher erschien 
es ihr unmöglich, gute Noten zu 
bekommen. „Wenn ich gelernt habe, 
konnte ich mich nie an das erinnern, 
was ich lernen sollte, und ich habe es auch nicht 
verstanden", sagt sie. „Wenn ich eine Arbeit geschrieben 
habe, war ich sehr nervös und wußte gar nichts mehr. 
Mein Vater sagte mir, ich sollte vor 
dem Lernen und vor den Arbeiten 
immer beten. Wenn ich seinen Rat 
befolge, schaffe ich es immer besser. 
Bevor ich gebetet habe, gehörte 
ich nie zu den besseren Schülern 
in meiner Klasse. Jetzt stehe ich 
in der ganzen Schule an dritter 
oder vierter Stelle." 

Ein Fach fiel Yvette beson- 
ders schwer - Computer. Die 
Computerbefehle waren alle 
auf englisch, und das 
machte dieses Fach sehr 
schwer für sie. Sie glaubte nicht, 
daß sie es schaffen konnte, auch wenn sie lernte, 
deshalb lernte sie erst gar nicht. Sie meinte, wenn sie 
bloß betete und betete und betete, würde der himmli- 
sche Vater ihr schon helfen. Aber sie stellte fest, daß 

KINDERSTERN 

12 



Corliss Clayton 




I 



§ 



§ 





das nicht klappte. Sie 
schrieb eine Arbeit und 
bekam eine schlechte Note. 
Jetzt weiß sie, daß sie lernen 
muß, damit der himmlische 
Vater ihr hilft. Danach lernte 
und betete sie und war im 
Computerunterricht viel 
besser. „Ich muß meinen Teil 
tun", sagt sie. 

RUHIG, AUCH WENN 
DER DRUCK GROSS IST 

Die neunjährige Priscila ist Kunstturnerin. Sie trai- 
niert jeden Nachmittag nach der Schule drei bis vier 
Stunden, von montags bis samstags. In den Schulferien 
trainiert sie jeden Nachmittag drei Stunden. Sie hofft, 
daß sie eines Tages Guatemala bei den Olympischen 
Spielen vertreten kann. Sie ist sehr nervös, wenn sie 
gegen andere Mädchen antreten muß, die auch gut sind. 
„Manchmal bin ich so nervös, daß ich meine, ich schaffe 
es nicht, und ich habe Angst, daß ich dann einen Über- 
schlag nicht schaffe", sagt sie. 
Wenn sie ein solches Gefühl 
hat, bittet sie ihren Vater, ihr 
einen Segen zu geben. Nach 
dem Segen fühlt sie sich 
ganz ruhig und weiß, daß 
sie ihr Bestes geben kann. 
„Ich habe diesen Segen 
schon bei Wettkämpfen 
gespürt", sagt Priscila. Sie 
steht derzeit in ihrer 
Kategorie in Antigua an 
erster Stelle. 

FrAMtuasMj»»«""-' - Wie wäre ihr zumute > 

wenn sie einen Segen 

bekommen hätte und doch nicht gewinnen würde? 





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„Ich würde immer noch wissen, daß der himmlische 
Vater mich liebhat und daß er mir hilft, mein Bestes zu 
geben", antwortet sie. Sie ist dankbar, daß die 
Wettkämpfe immer am Freitag oder Samstag statt- 
finden. „Wenn sie sonntags stattfinden würden, würde 
ich nicht mitmachen." 

INNERER FRIEDE IN PRÜFUNGEN 

Der achtjährige Francisco wird in der Schule 
manchmal verspottet, weil er Mitglied der Kirche ist. 
Eines Tages fingen zwei Jungen, mit denen er gerade 
spielte, an, ihn zu schlagen. Einer schlug ihm sehr hart 
auf den Kopf. „Ich habe mich nicht mit ihnen geprü- 
gelt", sagt er. „Ich kämpfe nicht gern, und ich weiß, es 
ist schlimm. Außerdem hat mir etwas gesagt, ich sollte 
nicht mit ihnen kämpfen. Das war der Heilige Geist." 

Die Schuldirektorin bat die Eltern aller drei Jungen 
zu sich, um das Problem zu lösen. Anschließend 
erklärte die Direktorin Franciscos Eltern, wie beein- 
druckt sie von ihm sei, weil er sich nicht prügelte, weil 
er die Wahrheit sagte und weil er den anderen Kindern 
ein Vorbild war. „Meine Freunde wurden für das, was sie 
getan hatten, bestraft. Sie durften zwei Wochen in der 
Pause nicht nach draußen gehen", erzählt Francisco. Er 
ist dankbar, daß der Heilige Geist ihm eingegeben hat, 
das Richtige zu tun. 

MUT HABEN, ZEUGNIS ZU GEBEN 

In einer Fast- und Zeugnisversammlung hatte der 
fünfjährige Emanuel das Gefühl, er solle Zeugnis geben. 
Er dachte: Nein, das kann ich nicht. Ich habe zuviel 
Angst.' Dann hatte er das Gefühl, es spreche jemand 
zu ihm und sage ihm, er solle Zeugnis geben. Er ging 
nach vorn. Dabei war ihm ganz ruhig zumute. Als er 
an der Reihe war, fiel ihm alles ein, was er sagen 
wollte, und er war gar nicht mehr nervös. Es war das 
erste Mal, daß er Zeugnis gab, und er war darüber 
sehr glücklich. D 



MAI 1998 

13 








GESCHICHTEN AUS DEM BUCH MORMON 





Wie wir das Buch Mormon 
erhalten haben 



Als Joseph Smith noch ein Junge war, behaupteten viele 
Kirchen, sie seien die wahre Kirche, und er wußte nicht, in 
welche Kirche er gehen sollte. 
Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:5-10 




Joseph las viel in der Bibel. In Jakobus 1:5 las er: „Fehlt es 
aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von 
Gott erbitten." 
Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:11,12 



Er beschloß, Gott zu fragen, in welche Kirche er gehen 
sollte. Eines Tages ging er in den Wald bei seinem 
Elternhaus, um zu beten. 
Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:13,14 




Als er dort niederkniete und betete, versuchte der Satan, Joseph sah den himmlischen Vater und Jesus Christus. Der 

ihn davon abzubringen. Joseph betete noch inständiger und himmlische Vater wies auf Jesus Christus und sagte: „Dies 

bat den himmlischen Vater um Hilfe. ist mein geliebter Sohn. Ihn höre!" 

Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:15,16 Joseph Smith - Lebens geschichte 1:17 



KINDERSTERN 

14 




Joseph fragte, welches die richtige Kirche sei, in die er 
gehen solle. Ihm wurde geboten, er solle in keine Kirche 
gehen, „sie seien alle im Irrtum". 
Joseph Smith- Lebensgeschichte 1:18,19 



Als Joseph anderen erzählte, was er gesehen und gehört 
hatte, behandelten die Führer vieler der Kirchen am Ort 
ihn unfreundlich und verfolgten ihn. 
Joseph Smith- Lebensgeschichte 1:21,22 




Drei Jahre vergingen. Eines Abends betete Joseph, seine 
Sünden mögen ihm vergeben werden und er möge 
erkennen, was er tun solle. 
Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:28,29 



Ein Engel namens Moroni erschien und erzählte Joseph 
von einem wichtigen Buch, das auf goldenen Platten 
geschrieben war. 
Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:30—35 




Nachdem Moroni in den Himmel zurückgekehrt war, 
dachte Joseph über das, was er ihm gesagt hatte, nach. 
Moroni erschien Joseph in der Nacht noch zweimal und 
dann am nächsten Morgen noch einmal. 
Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:44—47 



Später an dem Tag ging Joseph dorthin, wo die Platten 
verborgen waren. Sie befanden sich in einem Hügel nicht 
weit von seinem Elternhaus. 
Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:48—51 



MAI 1998 

15 




Joseph fand dort einen großen Stein. Er hob den Rand des 
Steins mit einem Hebel hoch und sah darunter in einer 
Steinkiste die goldenen Platten. 
Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:52 



Moroni erschien und erklärte Joseph, er dürfe die Platten 
noch nicht mitnehmen; er sollte jedes Jahr zur gleichen Zeit 
zurückkommen. Moroni gab Joseph dann jedesmal wenn er 
kam Anweisungen. Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:53,54 




Als Moroni Joseph schließlich die goldenen Platten 
mitnehmen ließ, benutzte Joseph den Urim und Tummim, 
um einige von ihnen zu übersetzen. 
Joseph Smith- Lebensgeschichte 1:59-62 



Später halfen ihm verschiedene Leute, die sich Schreiber 
nannten. Joseph sagte auf englisch, was auf den goldenen 
Platten stand, und der Schreiber schrieb es auf. 
Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:67 




Joseph brachte die Übersetzung zu einem Drucker, der 
daraus ein Buch, das Buch Mormon, machte. 
History ofthe Church, 1:7 If. 



Das Buch Mormon ist ein weiterer Zeuge für Jesus 
Christus, den Sohn Gottes. 



KINDERSTERN 



16 



BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



ZION AUFBAUEN, INDEM WIR BUNDNISSE 
EINGEHEN UND HEILIGE HANDLUNGEN EMPFANGEN 



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Präsident James E. Faust hat 
erzählt, wie die Mitglieder 
sich in den Tempel drängten, 
um ihre Tempelsegnungen zu 
erhalten, ehe sie Nauvoo verließen 
und sich auf den schwierigen Treck 
begaben. Präsident Brigham Young 
ließ deshalb den Tempel bis spät in 
die Nacht hinein offen, um die 
heiligen Handlungen zu vollziehen 
(siehe Der Stern, Juli 1997, 17.) 

Zu den Bündnissen und heiligen 
Handlungen, die die Heiligen der 
Letzten Tage erhalten haben, gehören 
die Evangeliumsgrundsätze Gehorsam 
und Opferbereitschaft, Reinheit und 
Weihung. Das Eingehen der 
Bündnisse half den Heiligen, sich in 
geistiger Hinsicht auf die Reise nach 
Zion vorzubereiten. 

WIR REISEN GEMEINSAM NACH ZION 

Wie die Pioniere der Frühzeit der 
Kirche beginnen auch wir eine Reise 
nach Zion, wenn wir die Bündnisse 
und heiligen Handlungen des 
Evangeliums empfangen, denn Zion 
ist nicht bloß ein Ort, es ist auch 
die christusähnliche Reinheit des 
Herzens (siehe LuB 97:21). Präsident 
Young hat erklärt, daß wir uns 
auf unsere Reise vorbereiten, 
indem wir „die Verordnungen des 
heiligen Priestertums des Gottessohns 
[erhalten . . . ], die wir ja brauchen, 
damit die Heiligen sich in 
Vorbereitung auf sein Kommen 
vervollkommnen" (Lehren der 
Präsidenten der Kirche: Brigham Young, 
1997, 112.) Diese Verordnungen 
beginnen mit der Taufe; ihren 
Höhepunkt haben sie im Tempel. 

Die heiligen Handlungen helfen 
uns nicht nur, persönlich rein zu 



werden, sondern sie einen uns auch 
als Volk. Über die Zeit Henochs 
heißt es: „Der Herr nannte sein Volk 
Zion, weil sie eines Herzens und 
eines Sinnes waren und in 
Rechtschaffenheit lebten; und es 
gab unter ihnen keine Armen." 
(Mose 7:18.) 

In diesem Geist der Einigkeit 
kamen die meisten Pioniere in den 
Westen Nordamerikas. Die Heiligen 
hatten Abteilungen gebildet und 
gelobt, die Gebote des Herrn zu 
halten. Alle Reisenden hatten glei- 
chen Anteil an den Vorräten ihrer 
Abteilung, damit „die Armen, die 
Witwen und Vaterlosen" nicht 
leiden mußten (siehe LuB 136:6—8). 

DIE REISE VERLANGT UNS VIELLEICHT 
OPFER AB 

Die Familie von Mary Goble 
Pay, die 13 Jahre alt war, besaß 
ein Ochsengespann und einen 
Wagen, hatte aber versprochen, bei 
zwei Handkarrenabteilungen zu 
bleiben. Ein Handkarren kam zwar 




normalerweise schneller voran als ein 
von Ochsen gezogener Wagen, aber 
das Ochsengespann konnte stetig 
weitergehen, als die Pioniere durch 
die einsetzenden Schneestürme 
immer schwächer wurden. Aber „wir 
hatten den Befehl erhalten, die 
Handkarrenabteilungen nicht zu 
überholen", schrieb Mary. „Wir 
mußten in ihrer Nähe bleiben, um 
ihnen zu helfen, wo wir konnten." 
Die Evangeliumsbündnisse machten 
sie dafür bereit, einer des anderen 
Last zu tragen (siehe Mosia 18:8-10). 

Unter großen Opfern hielten sie 
an ihrem Bund fest und blieben bei 
den Handkarren. Eine Schwester 
und ein Bruder von Mary und ihre 
Mutter starben vor Kälte, Krankheit 
und Hunger. („Autobiography of 
Mary Goble Pay", in A Believing 
People: Literature of the Latter- day 
Saints, 1974, 143ff.) 

Auf unserer Reise durch das Leben 
befinden manche sich an der Spitze 
des Wagenzugs, während manche 
ganz hinten sind. Wir können 
uns unsere Reisegefährten und 
Reisebedingungen nicht immer aussu- 
chen. Aber wenn wir die Bündnisse 
eingehen und uns daran halten und 
wenn wir die heiligen Handlungen des 
Evangeliums erhalten, bereitet uns 
das darauf vor, anderen in unserer 
Abteilung zu helfen. Als Schwestern 
in Zion können wir gemeinsam darauf 
hinarbeiten, Zion aufzurichten. 

• Inwiefern tragen die heiligen 
Handlungen, die wir erhalten, und die 
Bündnisse, die wir eingehen, dazu bei, 
daß wir rein werden? 

•Warum ist es wichtig, daß wir 
zusammen daran arbeiten, Zion 
aufzurichten? □ 



Worte des lebenden 

Propheten 

Gedanken und Ratschläge von Präsident Gordon B. Hinckley 



WAS DIE KIRCHE VON IHREN 

MITGLIEDERN ERWARTET 

„Ja, der Herr erwartet von euch 
Wundervolles. Die Kirche erwartet 
von euch Wundervolles. [Erstens] 
erwarten wir, daß jedes Mitglied der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage ein Zeugnis davon hat, 
daß Gott lebt und daß Jesus der 
Messias ist. Wenn ihr kein solches 
Zeugnis habt, könnt ihr es 
bekommen. Zweitens erwartet [die 
Kirche] von einem jeden von euch, 
daß ihr dem Priestertum treu seid. 
Kein Beamter in dieser Kirche, von 
der Ersten Präsidentschaft über das 
Kollegium der Zwölf bis zu den 
Siebzigern, hat nach seinem Amt 
getrachtet. Drittens wird von uns 
erwartet, daß wir nach dem Wort der 
Weisheit leben, daß wir alkoholische 
Getränke meiden, daß wir Tabak 
meiden, daß wir schwarzen Tee und 
Kaffee meiden. Viertens erwartet die 
Kirche von uns, daß wir den Zehnten 
zahlen. Gott hat denen, die nach 
diesem Gesetz leben, wundervolle 
Dinge verheißen. Fünftens sollte 
jeder Mann seine Frau als Tochter 
Gottes betrachten, als Tochter, die 
ihm ebenbürtig ist, die mit ihm Seite 
an Seite geht. Diese Vorstellung, die 
die Frau nicht in eine minderwertige 
Position rückt, ist wundervoll. Ein 
bedeutender Mann hat einmal 




gesagt, ein Vater könne für seine 
Kinder nichts Besseres tun, als ihnen 
zu zeigen, daß er ihre Mutter liebt. 
Brüder, behandeln Sie Ihre Frau 
mit Liebe und Achtung und 
Freundlichkeit. Und an die 
Ehefrauen: behandeln Sie Ihren 
Mann mit Liebe und Achtung und 
Freundlichkeit. Sechstens erwartet 
die Kirche von euch, daß ihr die 
Abendmahlsversammlung besucht 
und zum Geist der Versammlung 
beitragt, daß ihr das Abendmahl 
nehmt und eure Bündnisse mit dem 
Herrn erneuert." 1 

VERWELTLICHUNG DER GESELLSCHAFT 

„Meine große Sorge, mein großes 
Interesse geht dahin, daß wir für die 
künftigen Generationen diese 
wundervollen Aspekte unserer 
Gesellschaft und unsere Art zu leben 
bewahren, die ihnen die Stärken 
und das Gute vermitteln, deren 
Nutznießer wir sind. Aber ich mache 
mir Sorgen, wenn ich die Zeichen 
der Krankheit sehe, von denen ich 
gesprochen habe. Ich glaube, daß 
der Verfall, den wir um uns herum 



beobachten, zum großen Teil 
dadurch verursacht ist, daß der Gott, 
den unsere Väter kannten und 
liebten, den sie verehrten und von 
dem sie sich Stärke erhofften, 
verlassen wird. Um uns herum findet 
offensichtlich eine Verweltlichung 
statt. Ihre Folgen sind der Verfall des 
Familienlebens, die Schwächung der 
Selbstdisziplin, die Verspottung 
des Gedankens, daß man dem 
Allmächtigen Rechenschaft schuldet, 
und eine unangebrachte Arroganz 
auf Seiten von Menschen, die dank 
der gütigen Vorsehung so reich 
gesegnet worden sind wie wir." 2 

DIE PFLICHTEN DER ELTERN 

„Vergeßt nie, daß diese Kleinen 
die Söhne und Töchter Gottes sind 
und daß sie euch nur anvertraut 
sind, daß er ihr Vater war, ehe ihr 
ihre Eltern wurdet, und daß er seine 
väterlichen Rechte und sein 
Interesse an diesen Kleinen nicht 
abgegeben hat. Habt sie lieb, sorgt 
für sie. Väter, beherrscht euch, jetzt 
und in allen zukünftigen Jahren. 
Mütter, habt eure Stimme im Griff; 
erhebt sie nicht. Erzieht eure Kinder 
in Liebe, in der Zucht und Weisung 
des Herrn. Sorgt für eure Kleinen. 
Heißt sie in eurer Familie will- 
kommen und umhegt sie und habt 
sie von ganzem Herzen lieb. Sie tun 



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§ 



DER STERN 
26 



vielleicht in den kommenden Jahren 
manches, was ihr nicht gern seht, 
aber seid geduldig, seid geduldig. 
Solange ihr euch noch bemüht, habt 
ihr nicht versagt. Vergeßt das 
niemals." 3 

DER MISSIONSDIENST 

„Ich hoffe, daß jeder junge Mann 
in der Liste mit seinen Zielen die 
Mission stehen hat. Ich hoffe, daß 
ihr euch durch nichts davon 
abhalten laßt. Der Herr braucht 
euch. Er braucht eure Hilfe. Er 
braucht eure Stärke. Er braucht eure 
Stimme. Nur mit unserer Hilfe kann 
der Herr sein Werk verrichten, und 



wir müssen darin arbeiten und 
zusammenarbeiten, um seine göttli- 
chen Absichten zu verwirklichen." 4 

DAS WERK GEHT VORAN 

„Das Werk des Herrn geht voran, 
und zwar aufgrund des Glaubens der 
Mitglieder. Der Erretter hat uns 
beauftragt, jedem Land und 
Geschlecht, jeder Sprache und 
jedem Volk das Evangelium zu 
verkünden. Wir sind jetzt in über 
150 Ländern etabliert, und wo 
immer wir hinkommen, gibt es 
großartige, gute Führer, die das 
Priestertum tragen, Frauen mit 
großem Glauben und großen 



Fähigkeiten, junge Leute, die im 
Chor wie Engel singen, Menschen, 
die beten, Menschen, die nach dem 
Wort der Weisheit leben, Menschen, 
die den Zehnten zahlen, Menschen, 
die im Herzen das Zeugnis haben, 
daß dieses Werk von Gott ist." 5 D 

FUSSNOTEN 

1. Fireside, Säo Paulo, Brasilien, 
14- November 1996. 

2. Community centennial service, 
Provo, Utah, 4. August 1996. 

3. Konferenz des Pfahles Salt Lake 
University 3, 3. November 1996. 

4- Jugendversammlung, Kansas City, 
Missouri, 14. Juli 1996. 

5. Regionskonferenz, Osaka, Japan, 
19. Mai 1996. 




■■.;■■■ 



ICH HABE EINE FRAGE 



WONACH SOLLEN WIR IN DEN 
HEILIGEN SCHRIFTEN SUCHEN? 



In den heiligen Schriften steht, daß wir eifrig darin forschen sollen, aber was 
ist damit gemeint? Ich lese jeden Abend darin, aber wonach soll ich suchen? 

Die Antworten sollen helfen und einen tieferen Einblick vermitteln, sind aber nicht als offizielle Darlegung 
der Lehre der Kirche gedacht. 



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UNSERE ANTWORT: 

Der Herr hat in bezug auf die 
heiligen Schriften folgendes 
gesagt: „Diese Worte sind 
nicht von den Menschen, auch nicht 
von einem Menschen, sondern von 
mir. ... Es ist meine Stimme, die sie 
zu euch redet; denn sie werden euch 
von meinem Geist gegeben, . . . 
darum könnt ihr bezeugen, daß ihr 
meine Stimme vernommen habt 
und meine Worte kennt." (LuB 
18:34-36.) 

Wenn man auf die Stimme des 
Herrn - seinen Geist - hört, können 
einem Einsichten zu den Grundsätzen 
des Evangeliums und dazu, wie man 
sie anwendet, in Herz und Sinn 
fließen. Ihr habt die heiligen Schriften 
unter anderem dazu, daß ihr euch an 
den Worten von Christus „weiden" 
könnt; „denn siehe, die Worte von 
Christus werden euch alles sagen, was 
ihr tun sollt" (2 Nephi 32:3). Wer 
getauft ist und die Gabe des Heiligen 
Geistes erhalten hat, kann Weisung 
erhalten, wenn er die heiligen 
Schriften studiert und um Inspiration 
betet (siehe 2 Nephi 32:4,5). 

Es gibt vieles, wonach ihr in den 
heiligen Schriften suchen könnt, 
und viele Gründe für eure Suche. 
Manchmal sucht ihr vielleicht nach 
Informationen zu bestimmten 
Evangeliumsthemen. Dann wieder 



wünscht ihr euch, den Geist zu 
spüren, und erhaltet durch die 
Worte in den heiligen Schriften 
Gewißheit. Manchmal sucht ihr 
einfach nach dem, was der Herr 
euch gerade offenbaren will. Und 
natürlich könnt ihr immer in den 
heiligen Schriften danach suchen, 
mehr über unseren Erretter, Jesus 
Christus, zu erfahren. 

Hier sind ein paar Anregungen 
dazu, wie ihr eure Suche effektiver 
gestalten könnt: 

Bezieht die heiligen Schriften 
auf euch selbst. Wie Nephi können 
wir alle heiligen Schriften auf uns 
beziehen, „damit wir davon Nutzen" 
haben und lernen können (siehe 
1 Nephi 19:23). Ihr könnt beispiels- 
weise bei Versen, in denen das 
Pronomen du oder ihr steht, euren 
Namen einsetzen, so zum Beispiel in 
3 Nephi 18:15: „Wahrlich, wahrlich, 
ich sage euch [setzt euren Namen 
ein]: Ihr müßt immer wachen und 
beten, damit ihr nicht vom Teufel 
versucht und von ihm gefangenge- 
führt werdet." 

Studiert regelmäßig die heiligen 
Schriften. Wenn ihr es euch ange- 
wöhnt, regelmäßig die heiligen 
Schriften zu studieren, ist es wahr- 
scheinlicher, daß ihr euch von ihnen 
leiten lassen könnt, wenn ihr es 



braucht. Verwendet alle Studier- 
hilfen, die die heiligen Schriften euch 
bieten - Index, Fußnoten, Wörter- 
bücher, Landkarten und Querverweise 
-, um euch zu den Informationen 
führen zu lassen, nach denen ihr 
sucht. 

Studiert die Ansprachen von der 
Generalkonferenz. Achtet darauf, 
wie der Prophet und die übrigen 
Generalautoritäten Schriftstellen 
verwenden und erklären, um euch 
tiefere Einsichten zu vermitteln. 

Lest die Zeitschriften der 
Kirche. Die Zeitschriften der 
Kirche enthalten Einsichten, die 
euer Evangeliumsstudium vertiefen 
können. Lest sie regelmäßig, und 
wenn etwas, das ihr lest, euch zu 
Herzen geht oder euch den Sinn 
erhellt, dann schlagt die heiligen 
Schriften auf, und sucht nach 
weiteren Informationen zu dem, was 
ihr gerade gelesen habt. 

Lernt von anderen. Eure 
Eltern, Kirchenführer, Seminarlehrer, 
Heimlehrer, Sonntagsschullehrer und 
andere Mitglieder eurer Gemeinde 
haben vielleicht einen besonderen 
Einblick in die heiligen Schriften. 
Vielleicht haben sie etwas Wichtiges 
gelernt, während sie sich bemüht 
haben, das, was die heiligen Schriften 
lehren, auf sich zu beziehen. Bittet 
sie, euch davon zu erzählen. 

Die heiligen Schriften sind von 
Gott eingegeben. Das Studium der 
heiligen Schriften ist eine 
Möglichkeit, selbst Inspiration zu 
erhalten und Antworten auf eure 



MAI 1998 

29 



Fragen zu erhalten oder Weisung 
zu rinden, wenn Ihr Probleme habt. 
Wenn ihr euch die meisten 
Gedanken darüber macht, wie ihr 
Inspiration erhalten könnt, ist es 
vielleicht der beste Zeitpunkt dafür, 
daß die heiligen Schriften zu euch 
sprechen können. 

ANTWORTEN 
UNSERER LESER: 

Uns ist verheißen, daß sich uns 
die Geheimnisse Gottes enthüllen, 
wenn wir eifrig in den heiligen 
Schriften forschen (siehe 1 Nephi 
10:19). Wir müssen also wissen, daß 
beim Forschen in den heiligen 
Schriften unser Ziel darin bestehen 
muß, die Wahrheit zu erkennen. Wir 
sollten sie nicht nur lesen, sondern 
auch darüber nachsinnen und beten, 
damit wir ein Zeugnis davon 
erlangen, daß sie wahr sind. 
Eider David H. Kioa, 
Tonga-Mission Nuku'alofa 




Unsere Sonntagsschulklasse der 
Zwölf- bis Vierzehnjährigen hat das 
Forschen in den heiligen Schriften 
damit verglichen, wie die Polizei ein 
Haus durchsucht. So wie die Polizei 
das Haus betritt, um nach 
Beweismaterial zu suchen, „treten" 
wir in die heiligen Schriften „ein", 
um nach Beweismaterial dafür zu 
suchen, daß Jesus der Messias ist. Wir 
suchen nach Erkenntnissen, die 
unseren Glauben stärken und unser 
Zeugnis festigen. Wir lesen von inter- 
essanten Menschen und Ereignissen, 



die uns helfen können, Fortschritt zu 
machen. Wir finden Lösungen für 
unsere Probleme und Antworten 
auf unsere Fragen, sowohl zum 
Evangelium als auch für unser Leben. 
Wenn wir in den heiligen 
Schriften lesen, erfahren wir mehr 
über unseren himmlischen Vater und 
den Erretter und darüber, was wir 
tun können, um ihnen ähnlicher zu 
werden. Wir haben die Erfahrung 
gemacht, daß jeder Vers in den 
heiligen Schriften aus einem 
bestimmten Grund dort steht und 
daß wir immer etwas lernen können, 
das sich auf uns beziehen läßt. 
Sonntagsschulklasse von Jugendlichen, 
Gemeinde Börnes, 
Pfahl Göteborg, Schweden 

Immer wenn ich im täglichen 
Leben Probleme habe, suche ich in 
den heiligen Schriften nach 
Lösungen und Trost. Die heiligen 
Schriften sind mir eine große Hilfe, 
wenn ich das, was ich daraus lerne, 
in die Tat umsetze. So mache ich 
jeden Tag geistigen Fortschritt. 
Alexia Houchard, 20, 
Zweig Noumea l , 
Distrikt Neu-Kaledonien 




Indem wir eifrig in den heiligen 
Schriften forschen, können wir an 
die Stelle unseres Glaubens die feste 
Erkenntnis von der Wahrheit setzen. 
Diese Erkenntnis festigt unser 
Zeugnis von Jesus Christus. 
Stella Tehoiri, 
Zweig Mataura, 
Distrikt Tubai Australes 



Während ich die Missionarslek- 
tionen durchgenommen habe, hatte 
ich viele Zweifel in bezug auf das 
Buch Mormon. Aber nachdem ich 
lange eifrig darin geforscht und 
darüber nachgedacht und an die 
Verheißung in Moroni 10:3-5 
gedacht hatte, spürte ich, wie mein 
Geist erwachte, und ich wußte, daß 
das Buch Mormon wahr ist. 

Jetzt bin ich so glücklich, daß ich 
als Vollzeitmissionar von dieser 
Wahrheit Zeugnis geben kann. 
Eider Mbongompasi, 
Elfenbeinküste-Mission 
Abidjan 




Wir wissen, daß wir, indem wir 
die heiligen Schriften studieren, 
Erkenntnis und ein Zeugnis vom 
Evangelium erlangen können. Aber 
ich habe die Erfahrung gemacht, daß 
ich darum beten muß, zu verstehen, 
was ich studiere, damit ich diese 
Erkenntnis auch im Sinn und im 
Herzen behalten kann. Ich habe einige 
Techniken entwickelt, die anderen 
vielleicht auch helfen können. 

Erstens stelle ich fest, um welche 
Menschen es in den Kapiteln geht, die 
ich studiere - wer mit wem spricht - 
und um welches Thema es geht. 

Zweitens definiere ich die Wörter 
und Begriffe. Manche Wörter in der 
Bibel muß ich vielleicht erst einmal 
verstehen. Ein Wörterbuch kann 
dabei hilfreich sein. 

Drittens konzentriere ich mich 
auf den Ablauf der Ereignisse. In 
Alma 32 wird das Erlangen eines 
Zeugnisses beispielsweise mit der 



DER STERN 

30 



Aussaat eines Samenkorns und dem 
Hegen der daraus wachsenden 
Pflanze beschrieben. Als mir der 
Ablauf der Ereignisse, von denen 
Alma spricht, klar wurde, half mir 
das, die Gedanken, die er vermittelt, 
zu verstehen. 

Viertens mache ich die heiligen 
Schriften persönlicher, indem ich an 
die Stelle dessen, der da angespro- 
chen wird, meinen Namen setze. 

Mein Zeugnis vom wiederherge- 
stellten Evangelium Jesu Christi 
festigt sich, wenn ich mit Beten 
und hingebungsvoll in den heiligen 
Schriften forsche. Die Erkenntnis, 
die ich erlange, ist eine Quelle 
großer Segnungen. 

Neuma Celene Saraiva 

Lima, 28, 

Gemeinde Messejana, 

Pfahl Fortaleza, Brasilien 



Eifrig in den heiligen Schriften zu 
forschen bedeutet, daß man sich 
daran „labt", daß man darüber nach- 
sinnt. Genauer, man muß sie lesen 
und studieren und dann das, was man 
an Lehre und Grundsätzen erfahren 
hat, anwenden. Außerdem muß man 
um ein Zeugnis von den heiligen 
Schriften und um die Antworten, 
nach denen man sucht, beten. 

Welch besseres Beispiel könnte es 
da geben als das des jungen Joseph 
Smith, der in den heiligen Schriften 
nach der Wahrheit suchte, nachsann 
und dann gemäß Jakobus 1:5 
handelte. 
Charles Rambolarson, 
Zweig Antananarivo l, 
Distrikt Antananarivo, Madagaskar 




Die heiligen Schriften gehören zu 
den kostbarsten Gaben, die ich habe, 
denn sie sind wahr, und mein Zeugnis 
vom Evangelium Jesu Christi wächst 
immer, wenn ich darin lese. Sie sind 
für mich wie ein Kompaß. Sie 
machen wir bewußt, wohin ich im 
Leben gehe und was ich tun kann, 
um ein besserer Mensch zu werden. 
In den Worten des Herrn ist Macht; 
dort ist Rat; dort ist Liebe; dort ist 
Wahrheit. Wir müssen um Weisung 
vom Geist bitten, damit wir diese 
Gaben besser verstehen. 

Francesca Raimondo, 23, 
Zweig Novara, 
Distrikt Vercelli, Italien 




Ich nutze die Erkenntnisse, die 
ich durch das Forschen in den 
heiligen Schriften gewonnen habe, 
dazu, die Probleme des täglichen 
Lebens zu lösen. Dadurch fühle ich 
mich dem himmlischen Vater und 
dem Erretter näher, und das hilft mir, 
ein besserer Mensch zu werden. 

Frederick C. Busania, 

Zweig Diffun, 

Distrikt Santiago Philippinen 




Unser Glaube wächst, wenn wir in 
den heiligen Schriften forschen und 
das Zeugnis der Propheten vom 
Erretter und vom Erlösungsplan lesen. 
Uns sind dafür, daß wir täglich in 
den heiligen Schriften lesen und wirk- 
lich die Absicht haben, dem Herrn 
näher zu kommen, große Segnungen 
verheißen. In Jakob 4:6 steht über 




diejenigen, die in den heiligen 
Schriften forschen: „Darum forschen 
wir in den Propheten, und wir haben 
viele Offenbarungen und den Geist 
der Prophezeiung, und da wir all diese 
Zeugnisse haben, erlangen wir 
Hoffnung, und unser Glaube wird 
unerschütterlich." Wenn wir in den 
heiligen Schriften forschen und die 
Grundsätze, die wir darin finden, in 
unser Leben integrieren, hilft uns das, 
dem Einfluß des Satans fern zu 
bleiben. Kurzum, das Forschen in den 
heiligen Schriften ist eine der besten 
Methoden dafür, eine wirkliche 
Herzenswandlung zu erleben. 

Denis Omar Vargas Canahui, 

Zweig San Cristöbal 

Totonicapan, 

Pfahl Quetzaltenango 

Guatemala El Bosque 

Wenn ich mit dem Vater im 
Himmel sprechen möchte, erhebe ich 
die Stimme zum Beten. Aber wenn 
ich seine Stimme hören möchte, lese 
ich im Buch Mormon oder in den 
anderen heiligen Schriften. Ich 
versuche mir vorzustellen, ich gehörte 
zu den Menschen, von denen dort die 
Rede ist, und ich versuche, an ihren 
Erlebnissen teilzuhaben. Ich richte 
meine ganze Aufmerksamkeit darauf, 
auf die Stimme des Herrn zu hören. 

Ja vier Alejandro Coronati, 

Zweig Belle Wille, 
\ Distrikt Belle Wille 

Argentinien 

Die heiligen Schriften sind im 
wesentlichen dazu da, Wahrheit, 
geistigen Frieden und Glück zu 




MAI 1998 
31 




vermitteln. Das oberflächliche Lesen 
in den heiligen Schriften kann zu 
Verwirrung und Irrtümern führen. 
Wenn man aber betet, ehe man in 
den heiligen Schriften liest, stellt man 
fest, daß der Heilige Geist einen führt. 
Lynda Andriamisamalala, 24, 
Zweig Antananarivo 1, 
Distrikt Antananarivo, 
Madagaskar 



Ich glaube, beim Forschen in den 
heiligen Schriften müssen wir nach 
der Kraft suchen, das Evangelium 
Jesu Christi in die Tat umzusetzen. 
In LuB 98:12 steht, daß die 
Glaubenstreuen „Zeile auf Zeile, 
Weisung auf Weisung" erhalten, aber 
dafür müssen wir etwas tun. Wir 
müssen es zunächst „mit dem 
Verstand durcharbeiten" und fragen, 
„ob es recht ist", dann wird uns die 
Wahrheit kundgetan (siehe LuB 9:8). 
Schwester Angela Vargas, 21, 
Italien-Mission Rom 




Der himmlische Vater möchte, daß 
wir die heiligen Schriften jeden Tag 
studieren. Dann erfahren wir auch die 
Freude, die mit dem Evangelium Jesu 
Christi verbunden ist. 

Anthony L. Silberie, 
Gemeinde Rotterdam 2, 
Pfahl Rotterdam, Niederlande 



Ich freute mich nicht besonders, 
als meine Mutter mir zum 




Schulabschluß die heiligen Schriften 
schenkte. Mir wurde allerdings 
bewußt, wie wichtig die heiligen 
Schriften für mich sind, als ich 
anfing, eifrig darin zu forschen. Ich 
begann, die poetischen Verse in den 
Psalmen und Sprichwörtern und in 
Kohelet zu bewundern; der Glaube 
Abrahams faszinierte mich; und ich 
staunte, mit welcher Beredsamkeit 
Jesaja vom Kommen des Messias 
prophezeit hat. 

Ich habe entdeckt, daß es vieles 
gibt, wonach man in den heiligen 
Schriften suchen kann, damit man 
ein besserer Mensch wird. 

Abegail S. Diezon, 

Zweig Calape, 

Distrikt Calape Philippinen 




Als Missionar fordere ich andere 
immer dazu auf, das Buch Mormon 
zu lesen, über das, was es lehrt, 
nachzusinnen und den Herrn zu 
fragen, ob es wahr ist. Während ich 
eines Tages Alma 17:2,3 las, erfuhr 
ich, wie die Söhne Mosias mit der 
Macht und Vollmacht Gottes 
handeln konnten, nachdem sie eifrig 
in den heiligen Schriften geforscht 
hatten. Von dem Augenblick an 
wurde mein Leben anders. Ich fing 
an, eifriger in den heiligen Schriften 
zu forschen, und das hat mein 
Zeugnis vom Evangelium Jesu 
Christi gefestigt. 

Eider Leonidas 
Macias Izquierdo, 
Ecuador -Mission Quito 





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Wir müssen bei jedem Vers, den 
wir lesen, darüber nachdenken, 
warum er geschrieben wurde. Dann 
gewinnen wir mehr Erkenntnis. 

Es ist wichtig, daß wir vor und nach 
dem Schriftstudium beten, auch pas- 
sendes Begleitmaterial ist wichtig. Ich 
habe festgestellt, daß es auch wichtig 
ist, beim Lesen in den heiligen 
Schriften auf die Zeichensetzung zu 
achten. 

Giovanni Ziliotto, 
Gemeinde Taguatinga 2, 
Pfahl Brasilia Brasilien 
Taguatinga 



Ihr könnt dazu beitragen, daß 
der Abschnitt „ICH HABE EINE 
FRAGE" anderen hilft, indem ihr 
die untenstehende Frage beantwortet. 
Bitte schickt eure Antwort bis zum 
l, Juli 1998 an folgende Adresse: 
QUESTIONS AND ANSWERS; 
International Magazines, 50 East North 
Temple Street, Salt Lake City, Utah 
84150-3223, USA. Eure Antwort kann 
mit der Maschine oder leserlich mit der 
Hand geschrieben sein, auch in eurer 
Muttersprache. Gebt bitte euren Namen 
und euer Alter, euren Wohnort, eure 
Gemeinde und euren Pfahl an. Schickt 
möglichst auch ein Foto von euch mit; es 
wird allerdings nicht zurückgeschickt. Es 
wird eine repräsentative Auswahl an 
Antworten veröffentlicht. 

FRAGE: Ich bin dankbar für alle 
meine Segnungen, aber ich habe das 
Gefühl, wenn ich sie beim Beten 
aufzähle, sage ich jeden Tag das 
gleiche. Wie kann ich es schaffen, daß 
ich beim Beten nicht immer wieder 
das gleiche sage? D 



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DER STERN 
32 



FÜR JUNGE LEUTE 



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Don L. Searle 



Viele aktive Heilige der Letzten Tage möchten so 
gern weniger aktiven Freunden oder 
Verwandten helfen, die Fülle der Segnungen des 
Evangeliums zu haben. Die Erfahrungen derer, 
die dem Aktivierungsprozeß am nächsten sind, deuten 
darauf hin, daß wir uns sinnvoller um unsere weniger 
aktiven Brüder und Schwestern kümmern können, wenn 
wir mehr über sie und ihre Bedürfnisse wissen. 

Häufig ist das, was wir weniger aktiven Heiligen der 
Letzten Tage geben, etwas völlig anderes als das, was sie 
sich wünschen und was sie brauchen. Zum Beispiel 



Wissen von den Wahrheiten des Evangeliums und identi- 
fizieren sich im Innern mit den Heiligen der Letzten Tage. 

Warum sind sie dann nicht voll und ganz aktiv? 

Viele glauben daran, daß die Kirche wahr ist und daß 
sie von einem lebenden Propheten geführt wird, aber sie 
zweifeln daran, daß eine organisierte Religion ihr Leben 
verbessern kann. Andere weniger aktive Mitglieder 
haben nicht genug Vertrauen - zu ihrer Fähigkeit, nach 
dem Evangelium zu leben, zu den anderen Mitgliedern, 
weil ihre Fehler so offensichtlich sind, oder zu Gott, weil 
sie das Gefühl haben, er habe sie irgendwie im Stich 



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Weniger aktive Mitglieder äußern sich dazu, warum 
sie nicht zur Kirche kommen - und zu dem, was 
andere tun können, um sie anzusprechen. 



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versuchen wir vielleicht, sie ganz von neuem zu 
bekehren, dabei sollten wir ihnen das Gefühl vermitteln, 
daß sie dazugehören. Wir versuchen vielleicht, sie erneut 
im Evangelium zu unterweisen, dabei sollten wir uns 
bemühen, in ihnen das Vertrauen darauf zu wecken, daß 
sie es schaffen können, nach den Grundsätzen des 
Evangeliums zu leben. 

Diese Schlußfolgerungen haben wir aus den 
Erfahrungen weniger aktiver Mitglieder und solcher 
Menschen gezogen, die sich sehr dafür engagieren, 
weniger aktiven Mitgliedern auf dem Weg zurück behilf- 
lich zu sein. 

WARUM WIRD EIN MITGLIED WENIGER AKTIV? 

Es gibt zwar viele Mitglieder der Kirche, die irgend- 
wann in ihrem Leben weniger aktiv sind, aber die meisten 
bewahren sich den Glauben an das Evangelium und 
kehren irgendwann zur vollen Aktivität zurück. Ein 
Mann, der sich als junger Mensch von den Lehren des 
Evangeliums entfernt hatte, berichtet: „Irgendwie wußte 
ich immer, daß das, was ich tat, falsch war und daß die 
Kirche im Recht war. Ich wußte, daß der Herr mich trotz 
allem liebt und daß ich ihm wichtig bin. Ich glaube, 
darauf kam es letztlich an." Wie dieser Bruder bewahren 
sich viele weniger aktive Mitglieder ein grundlegendes 



gelassen. Manchen mangelt es an Selbstwertgefühl, oder 
sie meinen, die anderen verachteten sie. Eine Frau sagte 
beispielsweise: „Ich rauche, und ich höre, wie die 
Mitglieder über diese schrecklichen Leute reden, die 
rauchen. Ich kann nicht zur Kirche kommen, weil ich in 
den Augen dieser Leute ja doch nicht gut genug bin." 

Weniger aktive Heilige der Letzten Tage befürchten 
vielleicht Ablehnung seitens ihrer Familie oder ihrer 
Freunde für den Fall, daß sie sich ändern. Oder sie sind 
zu sehr mit ihren Ambitionen beschäftigt und haben 
wenig Zeit für die Aktivität in der Kirche. Ein Mann, der 
wegen seiner Arbeit wenig Zeit zu Hause verbringt, sagte 
beispielsweise, weil seine Familie ihm so wichtig sei, 
verbringe er häufiger seine begrenzte Freizeit am Sonntag 
mit seiner Familie in einem Erholungsgebiet als in den 
Versammlungen der Kirche. 

DIE ROLLE DER FREUNDE 

Zu diesen weniger aktiven Mitgliedern gehören viele, 
die man liebevoll zurückbringen kann - die eigentlich 
auch zurückkommen möchten. Aber den aktiven 
Mitgliedern ist das vielleicht nicht bewußt, weil viele von 
ihnen diese weniger aktiven Mitglieder nicht sehr gut 
kennen. Die aktiven Mitglieder haben ihren 
Freundeskreis meist unter denen, mit denen sie in den 



MAI 1998 



35 



Versammlungen und Aktivitäten der Kirche zusammen 
sind. Daraus ziehen manche weniger aktiven Mitglieder 
den Schluß, daß sie ausgeschlossen sind. 

Liebevolle Freundschaft spielt bei dem Rückkehrprozeß 
eine wesentliche Rolle. Ein erfolgreicher Heimlehrer, der 
früher selbst weniger aktiv war, verbringt bewußt bei den 
Menschen, deren Heimlehrer er ist, soviel Zeit, daß er sie 
besser kennenlernen kann, weil er sich noch daran erin- 
nert, wie er sich damals fragte: Bin ich diesem Menschen 
wirklich wichtig? Ein anderer Heimlehrer meinte: „Wir 
meinen manchmal: Ich bin jemand, der nach dem 
Evangelium lebt. Ich will dir helfen, du lebst ja nicht danach. 
Diese Einstellung bringt meist gar nichts. Wenn wir uns 
bewußtmachen, daß es sich um starke und fähige, wert- 
volle, wundervolle Menschen handelt, die für uns ein 
Segen sind, stellen wir auf einmal fest, daß wir eine part- 
nerschaftliche Beziehung zu ihnen haben." 

Ein echter Freund bietet dreierlei an, was notwendig 
ist, damit ein weniger aktives Mitglied zurückkommt. 
Erstens bringt er ein Engagement mit, das Vertrauen 
aufbaut; er gibt nicht auf und sagt sich von der 
Freundschaft los, wenn der weniger Aktive sich nicht 
rasch ändert. Zweitens bringt er eine Herzlichkeit mit, 
die der Liebe entspringt. Und drittens bringt er die 
Bereitschaft mit, auch von sich zu erzählen und über das 
zu sprechen, was er aus seinen persönlichen Kämpfen 
und Erfahrungen gelernt hat. 

STOLPERSTEINE 

Mit der Hilfe liebevoller Freunde kann ein weniger 
aktives Mitglied mehrere häufig vorkommende 
Stolpersteine überwinden. 

Furcht. Viele weniger aktive Mitglieder fürchten sich 
davor, zur Kirche zurückzukommen, weil sie befürchten, 
daß sie da nicht „hinpassen". Sie befürchten, daß andere 
Mitglieder um ihre Vergangenheit wissen und nicht gern 
mit ihnen Zusammensein wollen. Sie befürchten, daß es so 
aussehen könnte, als wüßten sie in Diskussionen über das 
Evangelium nicht genug, und wollen ihre Unwissenheit 
nicht zugeben, indem sie grundlegende Fragen stellen. Sie 
befürchten, daß ihr Problem mit dem Wort der Weisheit 
allzu offensichtlich ist. Eine Frau erzählte, daß sie in einer 
Versammlung der Kirche sehr unsicher war, weil sie das 
Gefühl hatte, die anderen wollten nicht neben ihr sitzen, 
weil sie den Zigarettenrauch in ihrer Kleidung riechen 
konnten. Viele weniger aktive Mitglieder befürchten, daß 
die unausweichlichen Erinnerungen an ihre Probleme, ob 
im Unterricht oder in Ansprachen, schmerzlich sind. Als 



eine geschiedene Frau nach langer Abwesenheit zur 
Kirche zurückkehrte, stellte sie fest, daß das Programm in 
der Abendmahlsversammlung zum Thema ewige Familie 
in starkem Gegensatz zu ihren jüngsten Schwierigkeiten 
stand. 

Andere weniger aktive Mitglieder fürchten sich 
davor, ganz aktiv zu werden und dann von einer 
Berufung überwältigt zu werden; manche werden wegen 
dieser Möglichkeit bewußt nicht wieder aktiv. Wieder 
andere befürchten, daß es ihnen wieder nicht gelingt, 
nach den Grundsätzen der Heiligen der Letzten Tage zu 
leben. Ein Mann sagte: „Zur Zeit ist mein Zeugnis wahr- 
scheinlich etwa 45 Prozent dessen, was es sein könnte. 
Ich bemühe mich, etwa in der Mitte zu bleiben. Ich 
möchte nicht wieder superaktiv werden, und ich habe 
immer noch Angst davor, mich auf etwas einzulassen, 
wofür ich nicht bereit bin." 

Mangelnder Glaube. Manchmal bekundet ein weniger 
aktives Mitglied, daß es an Gott und an grundlegende 
christliche Vorstellungen glaubt, daß ihm aber der 
Glaube an bestimmte Lehren und Grundsätze der 
Heiligen der Letzten Tage fehlt. Andere wissen oder 
glauben, daß die Kirche und ihre Lehren wahr sind, 
haben aber das Gefühl, ihr Zeugnis sei zu schwach. „Ich 
weiß nicht, wieviel mein Zeugnis aushalten kann", 
meinte ein Mann. „Ich habe Angst, ich würde es nicht 
schaffen, wenn ich einmal richtig geprüft würde." 

Manche haben zugelassen, daß Unglück oder 
Schwierigkeiten ihnen den Glauben an Gott raubten. 
Eine Frau berichtet von einer langen, schwierigen Zeit 
nach dem Tod ihres Babys. Warum, so fragte sie, hatte 
Gott ihr dieses kostbare Kind geschenkt, um es ihr dann 
wieder wegzunehmen? 

Häufig bekunden die weniger aktiven Mitglieder 
mangelnden Glauben an die aktiven Heiligen der 
Letzten Tage. „Ich habe nie an den grundlegenden 
Lehren der Kirche gezweifelt, wohl aber an den 
Menschen in der Kirche", sagte ein Mann. 

Manche weniger aktiven Heiligen der Letzten Tage 
glauben, daß die aktiven Mitglieder Heuchler sind. Sie 
formulieren das zum Beispiel so: „Ich bin nicht so, wie 
ich sein sollte, aber ich bin auch nicht unbedingt 
schlechter als irgend jemand anders. Wenn jemand in die 
Kirche geht, wird er dadurch nicht automatisch zu einem 
besseren Menschen, und alle diese Menschen, die jeden 
Sonntag in die Kirche gehen, kommen mir auch nicht 
besser vor, als ich es bin. Sie tun nur so, als ob sie es 
wären. Ich bin ehrlicher; ich tue nicht so, als ob ich 



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STERN 
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FOTO VON STEVE BUNDERSON 



Ein wichtiger Teil der Aktivierung besteht darin, daß 
man den Menschen hilft, immer mehr darauf zu 
vertrauen, daß sie sich verbessern können. 

besser wäre als irgend jemand anders." Solche Gefühle 
werden häufig von weniger aktiven Mitgliedern 
geäußert, die sich ausgeschlossen und allein fühlen. Sie 
weisen darauf hin, daß die Ermahnung des Erretters, 
unsere Mitmenschen zu lieben, sich nicht nur auf dieje- 
nigen erstreckt, in deren Gegenwart wir uns wohl fühlen, 
sondern auf alle Menschen (siehe Matthäus 5:46,47). 

ALS ERSTES DIE VOLLKOMMENHEIT? 

Aktive Mitglieder meinen häufig, die Probleme der 
weniger aktiven Mitglieder seien schon gelöst, wenn sie 
anfangen, wieder zur Kirche zu kommen. Aber das stimmt 
nicht unbedingt. Weniger aktive Mitglieder meinen 



häufig fälschlicherweise, sie müßten so gut wie voll- 
kommen sein, ehe sie wieder ganz in der Kirche aktiv sein 
können. Dieser Glaube ist vielleicht der Grund dafür, daß 
die weniger aktiven Mitglieder manchmal zwar an den 
Seminaren zur Vorbereitung auf den Tempel teilnehmen, 
dann aber nicht in den Tempel gehen. Sie fühlen sich 
noch nicht dazu bereit. Ein reaktivierter Mann, der später 
Bischof wurde, nahm siebenmal mit seiner Frau am 
Seminar zur Vorbereitung auf den Tempel teil, ehe beide 
sich bereit und würdig fühlten, in den Tempel zu gehen. 

Es ist wichtig, daß ein weniger aktives Mitglied daran 
glaubt, daß es die heiligen Bündnisse erfolgreich 
eingehen kann. Es ist manchmal viel sinnvoller, sie in 
ihrem Selbstvertrauen, ihrem Zeugnis und in dem 
Wunsch zu bestärken, in die Kirche zu gehen, als mit 
ihnen irgendwelche Lektionen durchzunehmen. 



MAI 1998 

37 







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FOTO VON STEVE BUNDERSON 



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Liebevolle Freundschaft spielt bei dem Rückkehrprozeß 
eine wesentliche Rolle. Ein echter Freund bringt eine 
Herzlichkeit mit, die der Liebe entspringt. 

Anders als Untersucher fühlen weniger aktive 
Mitglieder sich von formellem, abstraktem Unterricht 
leicht abgestoßen. Sie ziehen informelle Gespräche über 
das Evangelium vor. Dann können sie von Freunden 
irgendwelche Antworten bekommen, ohne in die pein- 
liche Lage zu geraten, vor Fremden zugeben zu müssen, 
was sie alles nicht wissen. Offene Gespräche unter 
Freunden können falsche Vorstellungen klären; sie bieten 
die Möglichkeit, sich eingehend über Lehren der Kirche 
zu unterhalten die die weniger aktiven Mitglieder nicht 
verstehen. Solche Gespräche sind besonders nützlich, 
wenn ihnen bewußt wird, daß ihr Kollegiumspräsident, 
ihre Besuchslehrerin, ihre Freundin oder Nachbarin - um 



wen es sich auch handelt - mit ihren Schwierigkeiten im 
Leben fertig werden, indem sie sich an die Grundsätze des 
Evangeliums halten. Manche von denen, die besonders 
erfolgreich sind, wo es darum geht, anderen zur Aktivität 
zurück zu helfen, waren selbst einmal weniger aktiv; sie 
fühlen sehr mit denen mit, die darum ringen, wieder ganz 
und gar am Evangelium teilzuhaben. 

VOM GEIST BERÜHRT 

Die Aktivierung muß durch den Geist geschehen. Der 
Einfluß des Geistes des Herrn ist so mächtig, daß viele 
weniger aktive Mitglieder auch von sich aus zurück- 
kommen. Die aktiven Mitglieder, die sich dafür 
entscheiden, ihren Brüdern und Schwestern in diesem 
Prozeß zur Seite zu stehen, stellen fest, daß der Geist des 
Herrn ihr mächtigster Verbündeter ist. „Der Geist 
bewirkt es", erklärte ein Mitglied, das bei der 



DER STERN 

38 



Aktivierung anderer erfolgreich ist. „Ich befolge, wenn 
ich rede, bloß die Eingebungen." 

Die Mitglieder sollten sich darauf vorbereiten, geistige 
Eingebungen zu erhalten, wenn sie sich um ihre weniger 
aktiven Brüder und Schwestern bemühen, so ein 
weiteres erfolgreiches Mitglied. Wenn sie sich vorbe- 
reiten, „hilft der Geist ihnen, sich die nötigen 
Fertigkeiten anzueignen. Dann können sie das Richtige 
sagen und die richtigen Entscheidungen treffen." 

Viele, die anderen schon geholfen haben, wieder aktiv 
zu werden, beten regelmäßig für die Familien, um die sie 
sich bemühen. Aber es ist vielleicht noch wichtiger, mit 
ihnen zu beten. Das Beten ruft nicht nur die Macht des 



Himmels herab, sondern es unterweist die Familie auch 
und lädt den Einfluß des Geistes ein. 

Nicht jedes weniger aktive Mitglied kann oder will 
aktiviert werden. Aber es warten viele darauf, daß man 
sie fragt, ob sie zurückkommen möchten. Was auch 
immer wir bei unseren Aktivierungsbemühungen errei- 
chen, diejenigen, die mithelfen, andere wieder liebevoll 
auf den Einfluß des Geistes hinzuführen, können dabei 
nur gewinnen. Fast immer finden sie neue Freunde. In 
vielen Fällen werden es Freunde für die Ewigkeit, die die 
Erinnerung an diejenigen, die ihnen geholfen haben, die 
Segnungen des immerwährenden Evangeliums erneut zu 
entdecken, wertschätzen. D 







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WAS FUHRT ZUR AKTIVIERUNG? 



ie Erfahrung zeigt, daß 
acht Schlüsselfaktoren dazu 
beitragen, daß weniger aktive 
Heilige der Letzten Tage voll und 
ganz an den Verordnungen und 
Möglichkeiten des Evangeliums 
teilhaben. 

1. Positive Erfahrungen mit aktiven 
Mitgliedern der Kirche sind ganz 
wesentlich. Wahre Freundschaft hilft 
häufig über negative Gefühle in bezug 
auf die Kirche und andere Mitglieder 
hinweg. 

2. Am ehesten läßt man sich auf 
jemanden ein, dem man vertraut. 
Gerade aktivierte Mitglieder sagen, 
daß sie am besten mit solchen 
Mitgliedern umgehen können, die 
bereit sind, für sie Opfer zu bringen 
und sie zu akzeptieren, statt sie zu 
verurteilen. Es ist wichtig, daß sie 
spüren, daß die Bemühungen des 
aktiven Mitglieds aufrichtig sind und 
nicht bloß der Pflichterfüllung dienen. 

3. Die drei wichtigsten Eigen- 
schaften, die ein Mitglied, das 



sich darum bemüht, andere zur 
Aktivität zurückzuführen, haben 
kann, sind Offenheit, Freundlichkeit 
und Engagement. Mit Offenheit ist die 
Bereitschaft gemeint, über die 
eigenen Erfahrungen zu sprechen. 
Freundlichkeit bedeutet, daß man eine 
freundliche, vertrauensvolle Einstel- 
lung hat. Engagement bedeutet, daß 
man beständig ist in den Besuchen und 
im Einhalten von Versprechungen. 

4. Die Mitglieder, die anderen 
helfen, wieder aktiv zu werden, fühlen 
sich für sie verantwortlich. Sie sind um 
ihr geistiges Leben besorgt. 

5. Es gibt bei der Aktivierung vier 
deutlich zu unterscheidende Aspekte: 
(a) Feststellen, warum jemand nicht 
voll und ganz am Kirchenleben betei- 
ligt ist, (b) dem weniger Aktiven 
helfen, zu lernen, seine Probleme 
durch Gehorsam gegenüber den 
Grundsätzen des Evangeliums zu über- 
winden, (c) dem Betreffenden helfen, 
akzeptiert zu werden und sich in der 
Gemeinschaft der Heiligen der Letzten 



Tage zu engagieren, und (d) dem 
weniger aktiven Mitglied ein Gefühl 
dafür vermitteln, daß der Herr es 
akzeptiert und ihm die Sünden, von 
denen es umgekehrt ist, vergibt. An 
diesem Aspekt der Aktivierung 
müssen häufig die Priestertumsfuhrer 
beteiligt werden. 

6. Die weniger aktiven Mitglieder 
brauchen die Hilfe der aktiven 
Mitglieder, um ihre Erfahrungen im 
Sinne des Evangeliums deuten zu 
können. 

7. Zur Aktivierung gehört es häufig 
dazu, daß man die weniger aktiven 
Mitglieder erneut mit geistigen 
Erlebnissen vertraut macht. Diesen 
Mitgliedern muß es ermöglicht 
werden, den Geist des Herrn spüren zu 
können und zu verstehen, wie er sie 
zur Wahrheit führen kann. 

8. Ein wichtiger Teil der 
Aktivierung besteht darin, daß man 
den Menschen hilft, immer mehr 
darauf zu vertrauen, daß sie sich 
verbessern können. □ 



MAI 1998 

39 



Ein ganz neues Leben 



Juan Antonio Flores 



FOTOS VON DANIEL PALMER C, AUSSER WO ETWAS ANDERES 
ANGEGEBEN IST 



Ich bin als Mitglied der Kirche in 
einem Zweig in Mexiko aufge- 
wachsen. Aber als Jugendlicher 
habe ich, wie Alma der Jüngere, 
rebelliert. Als viele meiner Freunde 
mit 19 Jahren auf Mission 
gingen, bat ich 
meinen 



Zweigpräsidenten nie um ein 
Missionsinterview. Ich rechtfertigte 
mich immer damit, daß meine 
Mutter Witwe war und wir oft 
finanzielle Schwierigkeiten hatten. 
Ich wurde weniger aktiv. Die näch- 
sten beiden Jahre erfüllten 
mich mit Zorn; es war die 
schlimmste Zeit meines 
Lebens. 
In dieser Zeit ging ich mit 
einem Mädchen aus meinem 
Zweig aus. Es erstaunte mich, 
wie nah sie Gott war. In mir 
begann sich etwas zu regen. 
Ich wollte zur Kirche zurück- 
kommen, aber ich war sehr 
stolz. Damit begann mein 



Kampf gegen den Herrn. Ich ging 
manchmal mit meiner Freundin zur 
Kirche, aber ich sagte immer irgend 
etwas gegen die Lehren der Kirche, 
um ihr die Freude an den 
Versammlungen zu nehmen. Die Zeit 
verging, und meine Freundin, mit der 
ich mich inzwischen verlobt hatte, 
verließ mich, weil sie meinte, ich 
würde mich nie ändern. Ich fing an, 
mich schrecklich einsam zu fühlen. 

Ein paar Monate darauf fühlte ich 
mich ermutigt, als ich eine Zeitschrift 
der Kirche aufschlug und darin las: 
„Wie auch immer die Vergangenheit 
war - die Zukunft ist ein unbeschrie- 
benes Blatt." (Der Stern, September 
1989, 47.) Aber ich war immer noch 










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so deprimiert und von Zorn erfüllt, 
daß ich eines Tages beschloß, glück- 
lich zu werden, indem ich nach der 
Weise der Welt lebte. Genau an dem 
Tag hatte ich ein Erlebnis, das mein 
Leben veränderte. Ich hatte das 
Gefühl, es berühre mich jemand an 
der Schulter. Ich sah mich um, und es 
war niemand da. Ich hatte ein 
bißchen Angst. Kurze Zeit später 
hatte ich das gleiche Gefühl, aber 
diesmal war die Kraft an meiner 
Schulter so stark, daß ich auf die Knie 
fiel. Ich begann zu weinen. Zum 
ersten Mal seit vielen Jahren betete 
ich. Ich weiß nicht, wieviel Zeit ich 
auf den Knien verbrachte, aber 
irgendwann schlief ich ein. Als ich 
aufwachte, fragte meine Mutter, was 
geschehen sei. Ich erklärte ihr, ich 
hätte das Gefühl, mein Leben lang 
geschlafen und gerade erst die Augen 
aufgemacht zu haben. 

Ich suchte nach dem Buch 
Mormon und begann zu lesen. Als 
ich aufhörte zu lesen, betete ich von 
ganzem Herzen. Ich spürte eine 
Wärme im Herzen und ein Brennen 
in der Brust. 

Nun begann ein völlig neues 
Leben. Ich begann zu beten, zu fasten, 
Zeugnis zu geben, meinen Kollegen 
das Evangelium zu verkünden, den 
Zehnten zu zahlen und die heiligen 
Schriften zu lesen und zu studieren. 
Ich fühlte mich glücklich und dem 
himmlischen Vater nah. Ich sprach 
mit meinem Zweigpräsidenten über 
eine Mission, und schließlich reichte 
er meine Missionspapiere ein. 

Die Mitglieder in meinem Distrikt 
freuten sich, als sie erfuhren, daß ich 




in die Mexiko Chihuahua Mission 
berufen worden war. Manche Leute 
waren erstaunt. 

Am letzten Sonntag vor dem 
Antritt meiner Mission gab ich 
Zeugnis. Ich sagte, jeder könne sich 
ändern. Alma der Jüngere hat sich 
geändert; die Söhne von König Mosia 
haben sich geändert; Zeezrom hat sich 
geändert; Paulus hat sich geändert; 
und ich habe mich geändert. 

Während meiner Vollzeitmission 
habe ich die Macht der Liebe erlebt 
und durfte viele Menschen zum 
himmlischen Vater führen. 

Nach meiner Rückkehr heiratete 
ich Erika Mendoza im Dallas- 
Texas-Tempel. Wir sind beide in 
unseren Berufungen in der 
Sonntagsschule und bei den Jungen 
Damen eifrig tätig. 

Immer wenn ich ein Bild davon 
sehe, wie Petrus über das Wasser auf 
Jesus zugeht, aber im tiefen Meer 
versinkt, sehe ich mich an der 
Stelle des Petrus (siehe Matthäus 
14:22-33). Manchmal spüre ich, 
wie ich schwach werde, und ich bete, 
daß der Herr - wie bei Petrus - die 
Hand ausstreckt, um mich aufzu- 
fangen, so daß ich weiter auf ihn 
zugehen kann. 

Ich werde nie vergessen, was der 
Herr für mich getan hat, als er meine 
Seele geheilt hat. Ich weiß, daß er 
alle seine Kinder liebt, und ich bin 
dankbar, daß ich weiß, daß unsere 
Zukunft ein unbeschriebenes Blatt 
ist, egal wie unsere Vergangenheit 
ausgesehen hat. D 

Juan und Erika Flores 



Frauen voll 
Glauben 




Präsident Wilford Woodruff 
hat einmal gesagt: Die 
Frauen, „die berufen sind, 
am großen Werk der Letzten 
Tage teilzuhaben", müssen 
„Frauen des Glaubens sein, 
die tapfer für die Wahrheit 
einstehen, . . . Frauen, die vor Gott redlich sind", die 
nicht „zulassen, daß Häuser und Land, Gold und Silber 
oder irgendwelche anderen weltlichen Güter sie davon 
abbringen, das große Ziel zu verfolgen, das zu erreichen 
Gott ihnen aufgetragen hat." (Discourses of Wilford 
Woodruff, Hg. G. Homer Durham, 1946, 130.) 




Auf den folgenden Seiten sind Kunstwerke abgedruckt, 
die solche Frauen darstellen, von denen Präsident 
Woodruff gesprochen hat - Frauen voll Glauben, die 
tapfer darum bemüht sind, voll Redlichkeit den Willen 
Gottes zu tun. 

Diese Kunstwerke wurden kürzlich im Rahmen einer 
Ausstellung im Museum für Geschichte und Kunst der 
Kirche in Salt Lake City gezeigt. Bis auf die Schriftzitate 
stammen die Zitate aus Texten, die die Künstler ihren 
Werken mit auf den Weg gegeben haben. 

Frauen, von denen Christus abstammt, 
(links und Hintergrund), 

von Sallie Clinton Poet, 

Ol auf Leinwand (1 21 cm x 91 cm) 



Pua und Schifra widersetzen sich dem Pharao, 

von Sallie Clinton Poet, 

Ol auf Leinwand (121 cm x 89 cm) 

„Zu den hebräischen Hebammen — die eine hieß Schifra, 
die andere Pua — sagte der König von Ägypten: Wenn ihr 
den Hebräerinnen Geburtshilfe leistet, dann achtet auf das 
Geschlecht! Ist es ein Knabe, so laßt ihn sterben! . . . 
Die Hebammen aber fürchteten Gott und taten nicht, was 
ihnen der König von Ägypten gesagt hatte, sondern ließen 
die Kinder am Leben. . . . Gott verhalf den Hebammen zu 
Glück, das Volk aber vermehrte sich weiter und wurde sehr 
stark." (Exodus 1:15-17,20.) 



Um Inspiration bemüht sein 

„Der Pfad der Gerechten ist wie 
das Licht am Morgen; es wird immer 
heller bis zum vollen Tag. . . . Laß sie 
nicht aus den Augen, bewahre sie 
tief im Herzen!" (Sprichwörter 
4:18,21.) Wir lassen uns vom 
Beispiel der Frauen in den heiligen 



Schriften inspirieren. Sei es der Mut 
von Rut und Ester oder die 
Beständigkeit von Maria und Saria, 
sie alle zeigen uns, daß es nicht 
ausreicht, nur an Gott zu glauben; 
wir müssen uns auch beständig um 
Weisung von ihm bemühen. 




Die Hebamme, sie hat sich für deinen 
Weg entschieden, 

von Crystal Haueter, 

Ol auf Leinwand (61 cm x 56 cm) 

„Wer wird an sie denken, wenn sie von uns 

gegangen ist? 

Wer wird ihrem zeitlosen Flüstern folgen?" 



Kristina, 

von Dennis Smith, 

Bronzeguß (1 82 cm x 40 cm x 40 cm) 

„Die Tränen der Gespräche 
in dunkler Nacht, nur vom 
Kerzenschein beleuchtet, zerren sie 
hin und her. Und doch ist da der Ruf 
nach Zion oder vielleicht die 
Bindung an ihre Eltern, die den 
weiten Weg über den Ozean wagen 
wollen, zu stark. Einsam steht sie im 
Finstern zwischen zwei Welten." 



MAI 1998 

43 




Eine geistige 
Gesinnung entwickeln 

„Naht euch mir, und ich werde 
mich euch nahen; sucht mich eifrig, 
dann werdet ihr mich finden; 
bittet, und ihr werdet empfangen, 
klopfet an, und es wird euch 
aufgetan werden." (LuB 88:63.) 



Nur durch Studieren und Beten 
können wir das Evangelium 
verstehen lernen - und einen tieferen 
Einblick in den Erlösungsplan 
erlangen. Wenn wir eine geistige 
Gesinnung entwickeln, werden wir 
Gott ähnlicher. 




Epiphanie, 

von Marcus Vincent, 

Öl auf Leinwand (130 cm x 51 cm) 

„Wie merkwürdig universell doch 
die Fragen sind, die wir alle uns 
stellen: Wer bin ich? Woher komme 
ich? Warum bin ich hier? Wohin 
gehe ich? Aber der aufrichtig 
Suchende erlebt stille Augenblicke, 
in denen ein leises, engelgleiches 
Flüstern seinen Sinn erreicht. Und 
dann, wenn man bereit ist, zu 
sehen oder zu hören, ist da ein 
leises Wehen, der Schleier teilt sich, 
und ein Strom der Erkenntnis fließt 
herab — die Gewißheit, daß man 
göttlichen Ursprungs ist. Bald 
schließt die Tür sich wieder, und 
man ist seinem Nachsinnen über- 
lassen. Epiphanie feiert diese plötz- 
liche Erkenntnis und Einsicht." 




Ehrfurcht, 

von Laura Lee Stay Bradshaw, 
Bronzeguß (91 cm x 33 cm x 20 cm} 

„Das Frau sein hat viele Facetten. 
Wenn eine Frau selbstsicher dasteht, 
braucht sie nichts zu sagen. Ihre 
Würde spricht aus ihrer Haltung, die 
friedlich, ruhig, ehrfürchtig ist." 



DER STERN 

44 



Sich dem Licht zuwenden (Umkehr), 

von Lee Bennion, 

Öl auf Leinwand (112 cm x 81 cm) 

„Wir bedürfen alle der Umkehr. Die Geranie in 
meiner Küche veranschaulicht dieses göttliche 
Prinzip — sie wendet sich immer dem Licht zu. 
Meine siebzehnjährige Tochter Louisa hat das 
folgendermaßen zum Ausdruck gebracht: ,lch 
möchte das tun, was eine Pflanze tut — das 
Licht nehmen und daraus etwas machen, was 
das Leben nicht nur erhält, sondern es auch 
schön macht.'" 





Übergangsriten, 

von Quirl B. Myers, 

Öl auf Leinwand (1 58 cm x 1 1 4 cm) 

„Ich gelobe, mein Bestes zu geben, und bitte 
Gott, mich zu führen, damit ich in aller 
Rechtschaffenheit und Weisheit und Wahrheit 
mit ihm gehen kann. Ich möchte im Herzen 
rein sein, damit ich Gott sehen kann." 




MAI 1998 

45 



Im Glauben leben 

„Gesegnet sind diejenigen, die 
glaubenstreu sind und ausharren, . . . 
denn sie werden ewiges Leben 
ererben." (LuB 50:5.) 

Das Leben ist sowohl eine Reise als 
auch eine Prüfung. Wir sind hier, um 
zu zeigen, wie gut wir uns im Leben 
entscheiden. Wenn wir uns dafür 
entscheiden, im Glauben zu leben 
und uns den Herausforderungen des 
täglichen Lebens auf rechtschaffene 
Weise zu stellen, gelangen wir auf den 
Weg zu wahrer Freude und ewiger 
Erhöhung. 




Mary Ann Savage, 

von Dorothea Lange, 
Silberdruck (39 cm x 39 cm) 

„Mary Ann Savage war ihr Leben lang eine glaubenstreue Heilige der 
Letzten Tage. Sie war eine Pioniersfrau. 1856 überquerte sie mit sechs 
Jahren mit ihrer Familie die Prärie. Ihre Mutter schob ihre kleinen Kinder 
im Handkarren über die Prärie und durch die Wüste. Eine Schwester starb 
unterwegs. 'Meine Mutter wickelte sie in eine Decke und legte sie an die 
Seite des Handkarrens.'" 




Die Erde ist erfüllt von der Huld 
des Herrn, 

Jeanne Leighton-Lundberg, 

Ol auf Leinwand (1 52 cm x 1 1 2 cm) 

„Er liebt Gerechtigkeit und Recht, 
die Erde ist erfüllt von der Huld 
des Herrn. Durch das Wort des 
Herrn wurden die Himmel 
geschaffen, ihr ganzes Heer 
durch den Hauch seines Mundes." 
(Psalm 33:5,6.) 



Beim Lesen in der Bibel, 

John Taye, 

Holzschnitzerei (58 cm x 28 cm x 46 cm) 

„Wir sind durch die sanfte, leise 
Stimme, eine Eingebung von unserem 
Vater, aufgerufen, uns unsere Errettung 
zu erarbeiten. ... Es ist also offen- 
sichtlich notwendig, daß die Frauen 
ebenso wie die Männer ihr Leben lang 
eifrig studieren, um solche Erkenntnis 
zu erlangen, die den größten Wert 
hat." (Bathsheba W Smith, „Relief 
Society Annual Greeting", Woman's 
Exponent, Januar 1906, 1 .) 




Mutter und Kind, 

Walter Rane, 

Öl auf Leinwand (71 cm x 40 cm) 

„Ich bete, alle meine Kinder mögen 
zur Erkenntnis der Wahrheit gebracht 
werden und in seinem Reich errettet 
werden, was auch der Fall sein wird, 
wenn die Gebete einer Mutter vor 
dem Thron Gottes überhaupt etwas 
bewirken." (Caroline Rogers Smoot, in 
Barbara B. Smith und Blythe Darlyn 
Thatcher, Hg., Heroines of fhe 
Restoration, 1997, 162.) 



MAI 1998 

47 



FOTOS DER KUNSTWERKE VON RON READ 



AöS EINER DER 

besten Familien 



Kay Hago 

Schlechte Gene. Das ist wohl mein 
Problem, sagte ich mir, nachdem ich 
wieder mal eine Lektion über 
Familien gehört hatte. 

Sie sollten uns dafür begeistern, hervorra- 
gende Eltern zu werden, indem man uns 
erzählte, wie großartig unsere Kinder sein würden, 
wenn wir glaubenstreu waren. Aber wenn das wahr war, 
hatte ich keine Chance. In meiner Familie gab es über- 
durchschnittlich viele Scheidungen, Alkoholiker, Untreue 
und noch mehr wenig beeindruckende Laster. Als neues 
Mitglied fühlte ich mich gegenüber den Glücklichen, die 
Eltern in der Kirche hatten, sehr benachteiligt. 

Ich begann mir Sorgen zu machen. Ich war von 
Menschen umgeben, deren Familie seit Generationen 
in der Kirche war, und das schien einigen von ihnen 
sehr wichtig zu sein. „Ich muß jemanden aus einer 
guten, starken Familie heiraten", vertraute eine 
Freundin mir an. „Ich möchte, daß meine Kinder gute 
Gene haben." 

Wenn alle so dachten, warum bemühte ich mich dann 
überhaupt? So sehr ich mich auch anstrengte, mehr 
Glauben zu haben, soviel ich auch über Christus lernte 
und mich bemühte, ihm ähnlicher zu werden, ich war ja 
doch immer nur „zweitklassig". War ich ohne eigene 
Schuld weniger wert als diejenigen, deren Vorfahren 
bereits treue Mitglieder der Kirche gewesen waren? 

Meine Antworten kamen durch einen Segen und 
durch die heiligen Schriften. „Lies das Buch Rut", riet mir 
ein Freund, der etwas älter war als ich und der mir zu 
Beginn des Schuljahrs einen Segen gegeben hatte. „Darin 
steht etwas, das ganz speziell für dich bestimmt ist." 

Ich begann sofort, in diesem Buch des Alten Testaments 
danach zu suchen. Ich las und betete und las es wieder. Ich 
studierte die Kommentare. Ich lernte Rut, die sich von den 
Götzen ihres Volks abgewandt hatte, um den Gott Israels, 
den Gott ihres Mannes, zu verehren, kennen und lieben. 

DER 




Ich bewunderte ihren Glauben, den sie ließ 

nicht von ihrer neuen Religion ab, als ihr 

Mann starb. Vielmehr reiste sie mit ihrer 

Schwiegermutter Noomi in Noomis Heimat 

und ließ ihre Freunde, ihre Familie und alles, 

was ihr vertraut war, zurück. 

„Dränge mich nicht, dich zu verlassen und 
umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und 
wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein 
Volk, und dein Gott ist mein Gott." (Rut 1:16.) Das sagt 
Rut in einem der schönsten und bekanntesten Verse des 
Alten Testaments zu Noomi. Rut paßte sich mit Noomis 
Hilfe der Lebensweise ihrer neuen Heimat an und heira- 
tete schließlich Boas, einen guten Mann, und bekam 
einen Sohn. 

Das Buch Rut war ein wundervoller, inspirierender 
Bericht. Aber was bedeutete es für mich? Schließlich 
wurde mir durch den Geist bewußt, daß der Schlüssel 
ganz am Ende des Buchs zu finden war, nämlich dort, wo 
steht, daß Rut eine Ahnfrau von David und damit von 
Christus war. Rut, die Moabiterin, die Bekehrte aus 
einem fremden Land, bewies so großen Glauben, daß sie 
schließlich einer der am meisten gesegneten Familien 
angehörte. Diese großartige Frau, die aus einer Familie 
kam, in der seit Generationen Götzen verehrt wurden, 
war eine Ahnfrau des Erretters der Welt! 

So erfuhr ich, daß mir, wenn ich dem Glauben treu 
bin, keine Segnung vorenthalten bleiben wird, weil 
meine Eltern keine Heiligen der Letzten Tage sind. Es 
wäre naiv und engstirnig, wenn mir daraus jemand einen 
Vorwurf machen würde oder wenn ich mir selbst daraus 
einen Vorwurf machen würde. Als Mitglied der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage komme ich aus 
einer der besten Familien, und solange wir dem Glauben 
treu bleiben, werden meine Brüder und Schwestern und 
ich gleichen Anteil an allem haben, was der Vater im 
Himmel seinen Kindern verheißen hat. D 

STERN 

48 



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2 



Ruth, Gemälde von Henry Ryland 

„Eines Tages sagte die Moabiterin 

Rut zu Noomi: Ich möchte aufs Feld gehen 

und Ähren lesen, wo es mir jemand erlaubt. 

Sie antwortete ihr: Geh, Tochter! Rut ging 

hin und las auf dem Feld hinter den 

Schnittern her. Dabei war sie auf ein 

Grundstück des Boas . . . geraten." 

(Rut 2:2,3. 





Präsident Wilford Woodruff 
hat einmal gesagt: Die Frauen, „die berufen 

sind, am großen Werk der Letzten Tage 

teilzuhaben", müssen „Frauen des Glaubens 

sein, die tapfer für die Wahrheit einstehen, . . . 

Frauen, die vor Gott redlich sind." 

(Siehe „Frauen voll Glauben", Seite 42.) 



ERMAN 



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