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JUNI 1999 




UMSCHLAGBILD 

Wie kann man jungen Menschen das Gefühl geben, daß sie 
in der Kirche gebraucht werden und dort willkommen sind? 
Siehe „Jungen Menschen das Gefühl geben, daß sie dazu- 
gehören", Seite 42. Vorne: Foto ©Tony Stone Images. 
Hinten: Foto von Richard M. Romney. 

KINDERSTERN UMSCHLAGBILD 

Zwei Kinder, die an der Wiederholung des Zuges der Pioniere 
der Kirche nach Utah teilnehmen, zeigen ihre abgetragenen 
Schuhe. Siehe „Neues von unseren Freunden", Seite 6. Foto 
von Weiden C. Andersen. 





SIEHE SEITE 8 



MAGAZIN 

2 BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: INSPIRIERENDE GEDANKEN 

PRÄSIDENT GORDON B. HINCKLEY 

8 VON EINER KÖNIGIN ERZOGEN JOAN PORTER FORD UND LARENE PORTER GAUNT 

1 1 ER WIRD ERKENNEN, OB DIESE LEHRE VON GOTT STAMMT 

ELDER KENNETH JOHNSON 

1 6 SICH MITEINANDER VERABREDEN - ABER ZU HAUSE GEOK LEE THONG 

22 „GUT - BIS AUF EINE SZENE" ANYA BATEMAN 

25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: SICH UM BEHERRSCHUNG BEMÜHEN 

28 DIE ZWEITFAMILIE ELDER ROBERT E. WELLS 

42 JUNGEN MENSCHEN DAS GEFÜHL GEBEN, DASS SIE DAZUGEHÖREN 

BRAD WILCOX 

48 IM BUS FING ALLES AN ERENY ROSA A. SILVA 



FÜR JUNGE LEUTE 

1 8 ICH HABE EINE FRAGE: WIE VERHINDERE ICH, DASS ICH BEIM BETEN IMMER 
DAS GLEICHE SAGE? 

26 DER TRAUM VOM DIENEN JOHN JAIRO BUSTAMANTE 

36 DIE ANTWORT WAR ICH ELIZABETH QUACKENBUSH 

38 „WIR WOLLEN DICH HIER NICHT" SAM UND CHRISTIE GILES 

41 ICH PASSE EINFACH NICHT DAZU! JEANETTE WAITE BENNETT 

KINDERSTERN 

2 ERZÄHLUNG: SAMUELS HEILIGE SCHRIFT 

4 DAS MITEINANDER: HALTET DIE GEBOTE 

6 NEUES VON UNSEREN FREUNDEN 

8 DAS MACHT SPASS: PIONIERE 

1 DER KLEINE FORSCHER: DIE MORMONENTULPE GERALDINE T. FIELDING 

12 VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN 

UNSER ERSTES FAMILIENFASTEN LORENZO PRESENQA 
DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG JORDAN STANGIER 

1 4 DAS TISCHGEBET FERN R. LAW 



SHEILA KINDRED 
SYDNEY S. REYNOLDS 



SIEHE SEITE 42 





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I 



JUNI 1 999 1 25. Jahrgang Nummer 6 

DER STERN 99986 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 

Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, 

M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 

Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Marlin K. Jensen 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

Geschäffsführender Direktor: Ronald L. Knighton 

Direktor Planung und Redaktion: Richard M. Romney 

Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 

Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 

Redakteur: Roger Terry 

Co-Redakteurin: Jenifer Greenwood 

Koordinatorin Redaktion/Produktion: Beth Dayley 

Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Redaktionsassistentin: Lanna J. Carter 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Designer: Tadd R. Peterson 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Thomas S. Groberg, 

Denise Kirby, Jason L. Mumford, Deena L. Sorenson 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Lokalteil: 

Beatrice Kopp-Blaser 

Hauptstr. 41, CH-4566 Kriegstetten, Schweiz 

Tel.: (Schweiz)-(O) 32-6753334 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestr. 21, D-61381 Friedrichsdorf 

Leserservice: 

Tel.: (06172) 7103-23; Fax: (06172) 7103-44 

Jahresabonnement: 

DEM 21,00; ATS 147,00; CHF 21,00 

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig 

oder auf eines der folgenden Konten: 

D Commerzbank Frankfurt, 

Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00 

A Erste Osterreichische Spar-Casse-Bank 

Konto-Nr. 004-52602 

CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 

Konto-Nr. 30-301,363.0 

Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch 
Der Stern, erscheint auf albanisch, bulgarisch, cebuano, 
chinesisch, dänisch, deutsch, englisch, estnisch, 
fidschi, finnisch, französisch, japanisch, kiribati, 
koreanisch, lettisch, litauisch, norwegisch, polnisch, 
portugiesisch, rumänisch, russisch, samoanisch, 
spanisch, schwedisch, tagalog, tahitisch, thai, tongaisch, 
tschechisch, ungarisch, ukrainisch und vietnamesisch. 
(Erscheinen variert nach Sprache.) 

© 1999 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved. 
Printed in the United States of America. 

For Readers in the United States and Canada: 

June 1999 vol. 125 no. 6. DER STERN (ISSN 1044- 
338X) is published monthly by The Church of Jesus Christ 
of Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, 
UT 84150. USA subscription price is $10.00 per year; 
Canada, $f 5.50. Periodicals Postage Paid at Salt Lake 
City, Utah. Sixty days' notice required for change of 
address. Include address label from a recent issue; old 
and new address must be included. Send USA and 
Canadian subscriptions and queries to Salt Lake 
Distribution Center at address below. Subscription help 
line: 1 -800-537-5971 . Credit card Orders (Visa, 
MasterCard, American Express) may be taken by phone. 

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake 
Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 84 126-0368. 



LESERBRIEFE 



DIE LIEBE DER MITGLIEDER 

Seit ich begonnen habe, den Liahona 
(koreanisch) zu lesen, fühle ich mich stark 
genug, alle Probleme zu bewältigen. In 
dieser Zeitschrift sind viele wunderbare 
Artikel enthalten, aus denen ich mehr 
über den Herrn erfahre. Außerdem 
betrachte ich meine Brüder und 
Schwestern in der Kirche mit anderen 
Augen. Ich spüre ihren Mut, und das 
macht mich sehr glücklich. Die Zeitschrift 
der Kirche läßt mich spüren, daß die 
übrigen Mitglieder mich lieben und sich 
um mich sorgen. 

Was materielle Güter betrifft, bin ich 
eher als arm zu bezeichnen, aber ich besitze 
das Evangelium. Und immer wenn ich mir 
das Umschlagbild der Juliausgabe 1998 
anschaue, spüre ich, daß der Geist des 
Herrn in meiner Nähe ist. 

Jong Yoon Mo, 

Zweig Young Do, 

Distrikt Pusan-West, Korea 




DER KINDERSTERN 

Uns ist aufgefallen, daß der Kinderstern 
(deutsch) durch Heftklammern mit der 
Zeitschrift Der Stern verbunden ist. Viele 
Mitglieder mit Kindern haben festgestellt, 
daß dies ziemlich unpraktisch ist. Die 
Kinder arbeiten zu Hause und in der PV mit 
dem Kinderstem, während die Jugendlichen 



und die Erwachsenen die Zeitschrift Der 
Stern im Unterricht brauchen und für 
Ansprachen sowie für das Heim- und 
Besuchslehren nutzen. Wenn beides 
gleichzeitig gebraucht wird, muß der 
Kinderstem vorsichtig herausgetrennt und 
dann wieder irgendwie zusammengeheftet 
werden. Wenn die Seiten nicht herausge- 
nommen werden, haben die Kinder viel 
weniger Lust, den Kinderstern zu lesen, 
denn er befindet sich ja mitten zwischen 
den Artikeln für junge Leute und für 
Erwachsene. Dort findet ein Kind den 
Kinderstem nur schwerlich. Wir arbeiten 
fast jeden Tag mit diesem hervorragenden 
Hilfsmittel und hoffen, daß für die Kinder 
künftig einfacher wird, den Kinderstern 
herauszunehmen. 

Christian und Rahel Graub, 
Gemeinde Altstetten, 
Pfahl Zürich, Schweiz 

Anmerkung des Herausgebers: Wir 

möchten unsere Zeitschrift für Leser aller 
Altersstufen so leicht zugänglich und 
nutzbar machen wie nur möglich. Deshalb 
werden die Seiten für die Kinder - beginnend 
mit der Juniausgabe 1 999 - mit einem spezi- 
ellen Klebeband zusammengehalten. Der 
Kinderstern ist zwar noch immer in die 
Mitte der Zeitschrift geheftet, wird jedoch 
nach dem Entfernen weiterhin durch das 
Klebeband zusammengehalten. Wir hoffen, 
daß die Seiten für die Kinder nun - unab- 
hängig von der restlichen Zeitschrift - 
leichter gelesen und genutzt werden können. 
Wir bitten unsere Leser, uns Ihre Kritiken 
und Vorschläge bezüglich unserer Zeitschrift 
zukommen zu lassen. Senden Sie Ihre Briefe, 
Artikel und Anregungen bitte an International 
Magazine, 50 East North Temple Street, Floor 
25, Salt Lake City, UT 84150-3223, USA. 



JUNI 1999 
1 



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V. 





BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT 



Inspirierende 
Gedanken 



Präsident Gordon B. Hinckley 



DIE KIRCHE 



„Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist einzigartig in der 
Welt. Sie wurde hervorgebracht, indem Gott, der ewige Vater, und der aufer- 
standene Herr Jesus Christus einem Jungen erschienen, dessen Sinn nicht von 
den Lehren anderer Kirchen und weltlichen Anschauungen vernebelt war. 
Sein Sinn war rein. Sein Geist war klar. Und er konnte die Offenbarungen 
annehmen, die ihm vom Allmächtigen zuteil wurden. Und so wurden ihm 
nach der ersten Vision, von der Sie hoffentlich alle gelesen haben, weitere 
Kundgebungen der Macht Gottes zuteil - das Buch Mormon, ein weiterer 
Zeuge für Jesus Christus, und das heilige Priestertum, durch das jedem 
würdigen Mann die Vollmacht zuteil wird, im Namen Gottes zu sprechen. Auf 
der ganzen Erde gibt es nichts, was mit dieser Kirche vergleichbar wäre." 1 




„Der Herr erwartet Großes 

von seinem Volk. Und wir 

gehören zu seinem Volk. . . . 

Er erwartet von uns, daß 

wir ihn lieben, daß wir ihn 

verehren und daß wir 

seinen Willen tun." 



DIE HEILIGEN DER LETZTEN TAGE SIND CHRISTEN 



„Die größte Irrmeinung ist wohl, daß wir keine Anhänger Jesu Christi 
wären. Dieser Vorwurf wird immer wieder gegen uns erhoben. Dabei ist er 
völlig haltlos. Wenn es auf der Welt ein Volk gibt, das an Jesus Christus glaubt, 

JUNI 1999 
3 



dann sind das die Mitglieder unserer Kirche. Die Kirche 
trägt seinen Namen. Er ist der Mittelpunkt dessen, was 
wir verehren. Diese Irrmeinung ist immer wieder 
verkündet und verbreitet worden, aber beginnt jetzt doch 
abzubröckeln. Die Zeiten ändern sich; heute werden wir 
eher akzeptiert als früher. Ich glaube, für die Kirche ist 
sozusagen das Zeitalter des Wohlwollens angebrochen." 2 

DIE ABENDMAHLSVERSAMMLUNG 

„Ist es nicht eine wundervolle Segnung, jede Woche das 
Abendmahl nehmen zu dürfen? Ist es nicht herrlich, in die 
Abendmahlsversammlung gehen und dort das Abendmahl 
nehmen zu dürfen, nämlich die Symbole für das Opfer 
unseres Herrn, Jesus Christus, und für das große Sühnopfer, 
das er gebracht hat und das es uns ermöglicht, über das 
Grab hinaus in eine herrliche Zukunft zu schreiten? 
Hoffentlich gehen wir alle zur Abendmahlsversammlung. 
Hoffentlich ist uns allen bewußt, was für eine Möglichkeit 
uns dies bietet und was für eine große Segnung es ist." 3 

DIE AUFGABEN DES EHEMANNES 

„Ihr verheirateten Männer habt die große Aufgabe, 
ein guter Mensch, ein guter Ehemann zu sein! Ihr dürft 
eure Frau niemals mißhandeln! Ihr dürft eure Kinder 
niemals mißhandeln! Ihr müßt sie vielmehr in den Arm 
nehmen und ihnen das Gefühl geben, daß ihr sie liebt, 
schätzt und achtet. Seid ein guter Ehemann! Seid ein 
guter Vater! Vergeßt niemals, daß ihr nur Hand in Hand 
mit eurer Frau in den höchsten Grad der Herrlichkeit des 
celestialen Reiches eingehen könnt. Das gelingt euch 
nicht allein. Wenn ihr es schafft, dann nur gemeinsam. 
Eure Frau ist eine Tochter Gottes, so wie ihr ein Sohn 
Gottes seid, und sie verdient das Allerbeste, was ihr 
schenken könnt. Liebt und schätzt die Frau, die ihr 
geheiratet habt, und seid ihr treu." 4 

DER ZEHNTE 

„Als ich ein kleiner Junge war, gingen wir - Vater, 
Mutter und alle Kinder - jedes Jahr im Dezember den 



Bischof besuchen. Der Bischof hatte kein Büro im 
Gemeindehaus. Wir mußten zu ihm nach Hause gehen. 
Und dann rief er uns alle einzeln in sein Büro und 
besprach mit uns, wieviel Zehnten wir gezahlt hatten und 
wieviel wir zahlen wollten. Für uns Kinder war der Betrag 
nur klein. Ich glaube, es hat mehr gekostet, den Betrag zu 
verwalten, als er eingebracht hat. Aber es hat etwas in uns 
bewirkt. Schon als wir noch ganz klein waren, standen wir 
auf den Zehntenlisten der Kirche, und seitdem ist es uns 
niemals schwergefallen, den Zehnten zu zahlen." 5 

IHR JUGENDLICHEN, SEID GETREU 

„Ihr Jungen, die ihr das Aaronische Priestertum tragt, 
und ihr Mädchen, die ihr zur großen Schar der Jungen 
Damen in der Kirche gehört; ihr alle, die ihr das 
Seminar- und das Institutsprogramm besucht - bleibt 
dem Glauben treu. Laßt euch durch nichts davon 
abhalten, ein treues Mitglieder der Kirche zu sein! Seid 
rechtschaffen und ehrlich! Kniet euch nieder und 
sprecht jeden Abend und jeden Morgen ein Gebet. Bittet 
den himmlischen Vater, über euch zu wachen und euch 
zu führen, euch zu leiten und euch zu segnen. Laßt euch 
nicht in unsittliches Verhalten verwickeln. Die 
Versuchung mag vielleicht groß sein, aber Unsittlichkeit 
wird euch vernichten, und zwar im wahrsten Sinne des 
Wortes. Ich brauche euch nicht zu sagen, was falsch ist. 
Das wißt ihr alle selbst. Jeder von euch weiß auch, was 
richtig ist. Wählt das Rechte!" 6 

AUSBILDUNG 

„Es ist so wichtig, daß ihr jungen Menschen euch die 
bestmögliche Ausbildung gönnt. Der Herr hat klar und 
deutlich gesagt, daß sein Volk sich Wissen von Ländern 
und Reichen und allem, was die Welt betrifft, aneignen 
muß, und zwar durch Lerneifer und durch Glauben. 
Eure Ausbildung ist der Schlüssel zu eurer Zukunft. Sie 
ist es wert, daß ihr dafür Opfer bringt. Sie ist es wert, 
daß ihr euch anstrengt, und wenn ihr euren Sinn und 
eure Hände schult, könnt ihr einen wichtigen Beitrag 



DER 



STERN 

4 




für die Gesellschaft leisten, der ihr ja angehört. 
Außerdem macht ihr damit der Kirche Ehre, deren 
Mitglied ihr seid. Meine lieben jungen Brüder und 
Schwester, nutzt jede Gelegenheit, euch weiterzubilden. 
Liebe Väter und Mütter, spornt eure Söhne und 
Töchter an, eine gute Ausbildung zu machen, die ihnen 
später im Leben hilft." 7 

EIN RAT AN DIE MISSIONARE 

„Sie verbreiten die gute Nachricht des Evangeliums. 
Das, was Sie zu verkündigen haben, ist gut. Es ist dazu 
bestimmt, Menschen glücklich zu machen und ihnen ein 
schöneres Leben zu ermöglichen. Sie müssen ein Lächeln 
aufsetzen und hinausgehen, um das Werk zu tun, das der 
Herr Ihnen aufgetragen hat. Dann wird er Sie segnen. 
Und die Kraft, die das Leben als Missionar Ihnen 
schenkt, ist wie ein heller Stern in Ihrem Leben. Ihre 
Mission ist die Zeit, an die Sie Ihr ganzes Leben lang 



„Meine lieben jungen Brüder und 
Schwester, nutzt jede Gelegenheit, 
euch weiterzubilden. Liebe Väter und 
Mütter, spornt eure Söhne und Töchter 
an, eine gute Ausbildung zu machen, 
die ihnen später im Leben hilft." 



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19 9 9 



voller Wertschätzung und Dankbarkeit zurückdenken 
werden. Sie sind nur für kurze Zeit auf Mission; machen 
Sie deshalb das Beste daraus!" 8 

FREUNDLICH SEIN 

Es gab in der Kirche einmal eine Generalautorität, 
einen Bruder namens Joseph Anderson, der älter wurde 
als jede andere Generalautorität der Kirche. Er wurde 
102 Jahre alt. Joseph Anderson war viele Jahre lang 
Präsident Heber J. Grants Privatsekretär. Eines Tages 
erlitt Präsident Grant einen Schlaganfall und war 
danach sehr krank. Joseph Anderson ging ihn eines 
Abends besuchen, und Präsident Grant sagte zu ihm: 
Joseph, war ich jemals unfreundlich zu Ihnen?' Joseph 
Anderson antwortete: ,Nein, Präsident Grant, Sie waren 
niemals unfreundlich zu mir.' Da sagte Präsident Grant 
unter Tränen: Joseph, ich bin froh, daß ich niemals 
unfreundlich zu Ihnen war.' Am nächsten Tag starb er. 
Ist es nicht herrlich, daß ein Mensch, der so viele Jahre 
mit einem anderen zusammengearbeitet hatte, sagen 
konnte, daß sein Vorgesetzter niemals unfreundlich zu 
ihm gewesen war?" 9 

NEUBEKEHRTE IN IHRER ENTWICKLUNG FÖRDERN 

„Ich möchte Sie alle dringend bitten, sich um dieje- 
nigen zu kümmern, die frisch getauft sind. Die Missionare 
unterweisen sie im Evangelium, aber es ist Ihre Chance 
und auch Ihre Aufgabe, sie in den Arm zu nehmen, ihnen 
ein Freund zu sein, ihre Fragen zu beantworten und ihnen 
zu helfen, wenn Schwierigkeiten auftreten. Es ist nicht 
leicht, sich der Kirche anzuschließen. Wer sich bekehrt, 
muß sich von seinen alten Freunden und Bekannten 
lossagen, alles Unreine aus seinem Leben verbannen und 
Mitglied der Kirche werden. Er braucht Hilfe. Er braucht 
Freunde. Er braucht eine Aufgabe, und Sie - ob alt oder 
jung, ob Mann oder Frau, ob Junge oder Mädchen - 
haben die Chance, darauf zu achten, daß jeder, der 
getauft und Mitglied der Kirche wird, im Glauben 
wächst. Und ich glaube daran, daß der Herr uns zur 



Verantwortung ziehen wird, wenn wir uns dieser Aufgabe 
nicht stellen." 10 

WAS DER HERR ERWARTET 

„Der Herr erwartet Großes von seinem Volk. Und wir 
gehören zu seinem Volk. Fast jeder, der heute hier anwe- 
send ist, ist ins Wasser der Taufe hinabgestiegen, um 
Vergebung für seine Sünden zu finden. Er ist im Wasser 
begraben worden und hat dadurch sozusagen den alten 
Menschen abgelegt und ist als neuer Mensch aus dem 
Wasser hervorgekommen. Seine Sünden waren ihm 
vergeben, und er war bereit, das zu tun, was der Herr von 
ihm erwartet. Doch was erwartet der Herr denn nun von 
uns? Was hat er uns geboten? Was sollen wir tun? Er 
erwartet von uns, daß wir gute Menschen sind - ehrliche 
Menschen, lautere Menschen, gläubige Menschen, gute 
Menschen. Das ist seine wichtigste Lehre, nämlich daß 
wir vollkommen werden sollen, so wie er vollkommen ist. 
Das erwartet er unter anderem von allen, die Mitglieder 
seiner Kirche und seines Reiches geworden sind. Er 
erwartet von uns, daß wir ihn lieben, daß wir ihn 
verehren und daß wir seinen Willen tun. ,Du sollst den 
Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit 
ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das 
wichtigste und erste Gebot.' (Matthäus 22:37, 38.) Das 
sind keine leeren Worte! Hier sagt der Herr, was er von 
uns erwartet - nämlich daß wir ihn lieben und seinem 
Beispiel nacheifern." 11 □ 

FUSSNOTEN 

1. Versammlung, Praia, Säo Tiago, Kapverdische Inseln, 
22. Februar 1998. 

2. Interview mit Chuck Henry vom Radiosender KNBC, 
Los Angeles, Kalifornien, 7. März 1997. 

3. Regionalkonferenz, Ciudad Juärez, Mexiko, 15. März 1998. 

4. Regionalkonferenz, Priestertumsführerschaftsversammlung, 
Ciudad Juärez, Mexiko, 14. März 1998. 

5. Fireside, Quito, Ekuador, 12. August 1997. 

6. Versammlung, Puebla, Mexiko, 9. November 1997. 

7. Versammlung, Hermosillo, Mexiko, 9. März 1998. 



DER STERN 




8. Versammlung, Accra, Ghana, 16. Februar 1998. 

9. Regionalkonferenz, Priestertumsführerschaftsversammlung, 
Port Harcourt, Nigeria, 14. Februar 1998. 

10. Versammlung, Leon, Mexiko, 11. März 1998. 

11. Versammlung, Las Palmas, Kanarische Inseln, 13. Februar 
1998. 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. „Und was sie, bewegt vom Heiligen Geist, reden 
werden", hat der Herr über die Wort seiner Knechte 
gesagt, „soll heilige Schrift sein, soll der Wille des Herrn 
sein, soll der Sinn des Herrn sein, soll das Wort des Herrn 
sein, soll die Stimme des Herrn und die Kraft Gottes zur 
Errettung sein." (LuB 68:4.) 

2. Suchen Sie aus den hier abgedruckten Zitaten 
gebeterfüllt diejenigen heraus, die den Brüdern und 
Schwestern und den Familien, die Sie besuchen, Kraft 
und Hilfe geben könnten. 



„Sie [Missionare] verbreiten die 
gute Nachricht des Evangeliums. 
Das, was Sie zu verkündigen 
haben, ist gut. Es ist dazu 
bestimmt, Menschen glücklich zu 
machen und ihnen ein schöneres 
Leben zu ermöglichen. Sie müssen 
ein Lächeln aufsetzen und hinaus- 
gehen, um das Werk zu tun, das 
der Herr Ihnen aufgetragen hat. 
Dann wird er Sie segnen." 



JUNI 1999 

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VON EINER 



♦ ♦ 



KONIGIN 
ERZOGEN 






Joan Porter Ford und LaRene Porter Gaunt 

Srilaksanaa „Sri" Suntarahut 
wurde am 4. Juli 1924 im 
thailändischen Bangkok 

geboren. Ihr Vater war Leibarzt der 
königlichen Prinzessin, und ihre 
Mutter war eine Freundin Ihrer 
Majestät Königin Intharasaksajis. Sri 
und ihre Angehörigen besuchten die 
Königin oft im Königspalast. Als Sri 
sechs Jahre alt war, bat die Königin 
darum, sie erziehen zu dürfen. Die 
Familie erklärte sich unter der 
Voraussetzung einverstanden, daß 
Sri ihre Angehörigen so oft sehen 
konnte, wie sie wollte. 

Die Königin liebte Sri wie ihre 
eigene Tochter. „Ich schlief im 
Schlafzimmer der Königin auf einer 
Matratze vor ihrem Bett", erzählt 
Schwester Sri. „Weil es an den 
Fenstern keine Schutznetze gab, 
waren die Betten mit einem großen 
Seidennetz verhüllt. Jeden Morgen 
stand ich mit der Königin auf, klei- 
dete mich an, nahm mein Frühstück 
zu mir und las ihr vor. Nach dem 
Frühstück ging ich in eine Schule, an 
der europäische Nonnen unter- 
richten. Dort durfte ich nur Englisch 
sprechen. Nach der Schule ging ich 
wieder in den Palast zurück, nahm 
gemeinsam mit der Königin ein Mahl 
ein und las ihr erneut vor. Acht Jahre 

JUNI 



lang ging das so. So bekam ich eine 
bessere Ausbildung als viele, die 
sogar ein Universitätsdiplom haben." 

In der Schule schaute Sri oft die 
englische Bibel an. „Etwas in 
meinem Innern sagte: Eines Tages 
mußt du diese Bibel lesen", erzählt 
Schwester Sri. „Doch in unserer 
Familie war es Sitte, daß die Kinder 
die Landesreligion beibehielten." 

Sri blieb bei der Königin, bis sie 
siebzehn Jahre alt war. Dann ging sie 
auf die Universität in Chulalongkorn. 
Weil sie ausgezeichnete Fremdspra- 
chenkenntnisse besaß, arbeitetete 
sie nach dem Ersten Weltkrieg für 
hohe Regierungsbeamte als Finanzse- 
kretärin. 

Als die Missionare Larry White 
und Carl Hansen Sri im Jahre 1968 
kennenlernten, was sie verheiratet 
und hatte Kinder. „Zuerst mochte 
ich die Missionare nicht besonders", 
erzählt Schwester Sri. „Aber sie 
kamen immer wieder. Drei Monate 
lang ließ ich das Buch Mormon im 
Regal liegen. Doch eines Abends 
beschloß ich, es mir anzusehen. Ich 
nahm es auf und betete: ,Wenn es in 
diesem Buch etwas Gutes für mich 
gibt, dann laß es mich bitte wissen.' 
Ich schlug das Buch Mormon auf 
und las so lange, bis ich nicht mehr 

19 9 9 




Links: Srilaksanaa „Sri" 

Suntarahut. Hintergrund: 

Thailändische Architektur 

in Nahaufnahme. Oben: 

Der Königspalast in 

Bangkok. Unten: Die 

thailändische Ausgabe 

des Buches Mormon. 




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weiterlesen konnte. Die Tränen 
stiegen mir in die Augen. Dann 
drückte ich das Buch fest an meine 
Brust. Kurz danach ging ich hinauf in 
mein Zimmer und schloß die Tür. 
Zum ersten Mal im Leben kniete ich 
nieder und sprach ein Gebet. Ich 
weinte und rief: ,Vater, mein Vater.' 
Ich wußte, daß er mich hören 
konnte. Ich betete und weinte lange. 
Dann erhob ich mich und fing 
wieder an, ohne Unterbrechung zu 
lesen." Sri und zwei ihrer Kinder 
ließen sich am 4. Juli 1968, ihrem 44. 
Geburtstag, taufen. 

Die Ausbildung, die Sri am 
Königshof genossen hatte, ermög- 
lichte es ihr nicht nur, das Buch 
Mormon in englischer Sprache zu 
lesen, sondern befähigte sie auch, 
eine wichtige Rolle bei der Überset- 
zung des Buches ins Thailändische 
zu spielen. Die Übersetzungsarbeiten 
begannen 1970, und Sri wurde zur 
Leiterin des Übersetzungskomitees 
berufen. Das Projekt war 1974 abge- 
schlossen. 1976 wurde die thailändi- 
sche Ausgabe des Buches Mormon 
veröffentlicht. 

„Die Anfertigung dieser Überset- 
zung hat mir soviel geistige Kraft 
geschenkt", erzählt Schwester Sri. 
„Ich liebe den himmlischen Vater so 
sehr dafür, daß er mir die Gabe der 
Zungen und der Sprache geschenkt 
hat." 

1975 - Schwester Sri wartete 
noch auf die Freigabe der Überset- 
zung des Buches Mormon - begann 
sie mit der Übersetzung des Buches 
,Lehre und Bündnisse*. Die übrigen 
Mitglieder des Übersetzungskomitees 

Ganz oben: Einige der zweihundert 
Mitglieder aus Thailand, die im 
Juni 1 990 die erste Reise zum 
Manila-Tempel auf den Philippinen 
unternahmen. Oben: Thailändische 
Architektur in Nahaufnahme. 



gaben ihre Berufung aus verschie- 
denen Gründen auf. Nun war 
Schwester Sri die wichtigste Säule 
der Übersetzungsarbeit. Während 
des Tages ging sie ihrer Arbeit nach, 
und wenn sie nach Hause kam, 
fühlte sie sich gedrängt, weiter an der 
Übersetzung zu arbeiten. Oft arbei- 
tete sie bis spät in die Nacht und 
fertigte eine grobe Übersetzung so 
vieler Verse wie nur möglich an, die 
dann während der täglichen Sitzung 
des Übersetzungskomitees bespro- 
chen werden konnte. Einmal nahm 
sie mit anderen Mitgliedern an einem 
Säuberungsprojekt teil. Nachdem 
alle mehrere Stunden lang ange- 
strengt gearbeitet hatten, meinten 
die anderen, Sri solle nach Hause 
gehen und sich ausruhen. Doch Sri 
sagte, sie ruhe sich doch bereits aus, 
denn wenn sie nach Hause ginge, 
würde sie sich doch nur wieder 
gedrängt fühlen, an der Übersetzung 
zu arbeiten, und dann könne sie 
nicht schlafen. Die Übersetzung des 
Buches ,Lehre und Bündnisse' war 
1979 abgeschlossen. 

Ehe die Königin 1974 starb, ging 
Sri sie im Krankenhaus besuchen. 
Alle Hofdamen saßen ihrem Rang 
entsprechend auf dem Boden vor 
dem Bett der Königin. „Als ich 
eintrat, richtete sich die Königin, die 
große Schmerzen hatte, etwas auf, um 
mich zu sehen", erzählt Schwester Sri. 
„Sie sagte: ,Komm her.' Ich trat an ihr 
Bett. Sie sagte: ,Ich habe dich immer 
noch lieb.' Ich werde der Königin 
immer dankbar sein. Aufgrund 
dessen, was ich in den Jahren an 
ihrem Hof gelernt hatte, konnte ich 
das Buch Mormon lesen und das 
Evangelium annehmen. Sie ermög- 
lichte es mir, richtig Thailändisch zu 
schreiben und sprechen - und in 
diese Sprache wurden dann ja auch 
das Buch Mormon und das Buch 
,Lehre und Bündnisse' übersetzt." D 



DER STERN 
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ER WIRD ERKENNEN, OB DIESE 
LEHRE VON GOTT STAMMT 



Eider Kenneth Johnson 

von den Siebzigern 

ILLUSTRATION VON BRAD TEARE 



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Nur wenn wir den Willen des Herrn tun, 
können wir mit Gewißheit den ewigen 
Wert der Evangeliumsgrundsätze 
erkennen. 

Yor einigen Jahren kam ein Klient zu 
mir, der meinen Rat als Anwalt suchte. 
Er schilderte mir, was für Geschäfte /. 
er betrieb - unter anderem verkaufte er 
zusammen mit seinem Vater gebrauchte 
Möbel und Haushaltsgegenstände. Die beiden 
besuchten Auktionen und Flohmärkte und 
entrümpelten Haushalte, um sich ihre Waren zu 
beschaffen. Sie achteten immer sehr darauf, daß 
sie mit dem Wiederverkauf mehr Geld einnahmen, 
als die Ware gekostet hatte. 

Einmal hatte der Sohn sich vertraglich 
verpflichtet, nach dem Tod eines älteren 
Menschen dessen Haus auszuräumen. In 
einem Raum hing ein Gemälde. Er 
betrachtete es näher und träumte dabei 
davon, eines Tages ein antikes Bild 
oder ein Bild zu entdecken, dessen 
wirklicher Wert dem Besitzer nicht 
bekannt war. Dieses Bild gehörte 
seiner Meinung nach allerdings nicht > 
in diese Kategorie; er hängte es 
ab, brachte es zu seinem 
Wagen und legte es zu den /y/''i ti 
übrigen Gegenständen, ///ff'- fjl 

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Hand, betrachtete es sorgfältig und sagte dann: „Ich 
wünschte, ich würde mich mit Bildern und deren 
Bewertung besser auskennen." Der Sohn meinte, er sei 
sicher, daß dieses Bild nicht besonders wertvoll sei. 
Trotzdem meinte der Vater, sie sollten es lieber schätzen 
lassen, und zwar von einem Freund, der eine 
Kunsthandlung besaß. 

Mehrere Tage später erklärte der Freund des 

Vaters, das Bild sei mindestens 

dreißigtausend Dollar wert (und das 

war Anfang der siebziger Jahre). 

Vater und Sohn waren beide sehr 

aufgeregt und fuhren in die 

Kunsthandlung, um das Bild 

abzuholen. Dieses Mal wickelten 

sie es vorsichtig in eine Decke. 

Der Sohn hielt es gut fest, bis sie 

wieder im Geschäft angekommen 

waren. Später verkauften sie das 

Gemälde auf einer Auktion für etwas 

mehr als den Schätzpreis. 

Als mein Klient mir diese 
Geschichte erzählt hatte, sagte er 
noch: „Ich kann beim besten Willen 
nicht verstehen, warum jemand bereit 
ist, so viel Geld für ein ganz gewöhnli- 
ches Bild auszugeben." 

Wenn wir an den Früchten des 
Evangeliums teilhaben möchten, müssen 
wir auch bereit sein, das Samenkorn zu 
pflanzen und den Glauben an den Tag zu 
legen, es durch Gehorsam in seiner 
Entwicklung zu fördern. 



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Ich habe oft über dieses Erlebnis und die Reaktion des 
jungen Mannes nachgedacht. Er interessierte sich nicht 
für das Gemälde. Seiner Meinung nach war es nicht 
j) besonders wertvoll. 

Wie schätzen wir den Wert ein, den das Evangelium in 
unserem Leben hat? Ist uns wirklich bewußt, wie tief wir in 
der Schuld des Erretters stehen? Wenn ich mir diese Frage 
I stelle, sinne ich oft über die heilige Schrift nach. Habe ich 
die gleichen Beweggründe wie die Menschen, von denen 
im Johannesevangelium erzählt wird und die Jesus suchten, 
nachdem er auf wundersame Weise fünftausend Menschen 
mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist hatte: 

„Als die Leute sahen, daß weder Jesus noch seine 
Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach 
Kafarnaum und suchten Jesus. 

Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten 
sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher 
gekommen?" (Johannes 6:24,25.) 

Doch Jesus hielt ihnen vor 
Augen, daß sie ihn nicht 
deshalb suchten, weil sie 
/ Zeichen gesehen hatten, 
sondern weil sie von den 
Broten gegessen hatten und 
satt geworden waren. 

Ist das nicht so ähnlich wie 
in der Geschichte vom jungen ^1 
Mann und dem Gemälde? Viele 
Zeitgenossen des Erretters, die 
sein irdisches Wirken erlebten, 
hatten nur eine oberflächliche 
Vorstellung davon, was er tat 
und wer er war. Dies wird an 
einem anderen Ereignis deut- 
lich, das sich nach der Speisung 
der Fünftausend zutrug: 

„Jesus kam in seine 
Heimatstadt und lehrte die 
Menschen dort in der 
Synagoge. Da staunten alle 

und sagten: Woher hat er 

diese Weisheit und die 
Kraft, Wunder zu tun? ^ 



Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht 
seine Mutter Maria, und sind nicht Jakobus, Josef, Simon 
und Judas seine Brüder? 

Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher 
also hat er das alles?" (Matthäus 13:54-56.) 

Daraus kann man wohl entnehmen, daß viele 
Menschen, die mit Jesus zusammenkamen, wohl aner- 
kannten, daß er große Wunder wirkte und ein hervorra- 
gender Lehrer war, ihn aber nicht als Sohn Gottes 
ansahen. 

Wie aber kann man nun zur richtigen Erkenntnis 

vordringen? Meiner Meinung nach ist die Antwort auf 

diese Frage in den Worten zu finden, die der Erretter an 

die Juden richtete: „Wer bereit ist, den Willen Gottes zu 

tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott 

stammt." (Johannes 7:17.) 

Ich bin dankbar dafür, daß ich in einem 
Elternhaus aufgewachsen bin, wo christ- 
liche Ideale gelehrt und gelebt wurden, 
obwohl uns die Kenntnis von der 
Wiederherstellung des Evangeliums 
fehlte. Als ich später aufgefordert wurde, mich 
mit der Botschaft der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage auseinanderzu- 
setzen, mußte ich mich intensiv mit jeder 
neuen Lehre auseinandersetzen, was oft dazu 
führte, daß ich meine Lebensweise änderte. 



Wenn wir das Samenkorn des 
Glaubens gepflanzt haben, 
müssen wir weiterhin nach 
dem Wort des 
t Herrn leben. 

Wenn wir das 
tun, erleben 
wir, wie die 
Früchte des 
Gehorsam in 
unserem Leben 
sichtbar werden. 




Doch solche Änderungen kamen nicht aufgrund eines 
passiven Glaubens oder einer rein intellektuellen 
Zustimmung zustande. Der Knackpunkt lag daran, etwas 
zu tun und Glauben zu üben. Und als ich neue 
Evangeliumsgrundsätze kennenlernte und auf die Probe 
stellte, gelangte ich unweigerlich zu der Erkenntnis, daß 
sie wahr waren. 

Dies möchte ich am Beispiel des Gesetzes des Fastens 
deutlich machen. Meine Eltern unterstützten mich sehr, 
als ich mit ihnen über Einzelheiten des sich in mir 
entwickelnden neuen Glaubens sprach. Doch als ich 
ihnen erklärte, daß ich den Wunsch hatte, an einem 
vierundzwanzig Stunden dauernden Fasten teilzu- 
nehmen, wurde meine Mutter sehr besorgt. Sie war 
entsetzt und fand mein Vorhaben unzumutbar. 
Unnachgiebig erklärte sie mir, daß sie es nicht zulassen 
werde, daß ich in ihrem Haus fastete, denn sie habe 
Angst, ich könnte mir damit gesundheitlich schaden. 

Irgendwie erleichtert erzählte ich Pamela, die mich 
mit dem Evangelium bekanntgemacht hatte, von den 
Einwänden meiner Mutter und erklärte ihr, daß ich nun 
leider nicht mitfasten könne. Doch ohne zu zögern hielt 
Pamela mir entgegen: „Das Problem läßt sich doch leicht 
lösen. Wir richten es so ein, daß du am Wochenende bei 
uns bleibst. Da kannst du dann mit uns fasten." 

So also bin ich mit dem Gesetz des Fastens bekannt 
geworden. Und indem ich dieses Gesetz an jedem Fasttag 
gehalten habe, ist mir nach und nach ein Zeugnis vom 
Prinzip des Fastens zuteil geworden. 

Präsident Heber J. Grant hat oft erklärt: „Wenn man 
etwas immer wieder tut, fällt es einem zunehmend 
leichter. Das liegt aber nicht daran, daß sich die Aufgabe 
geändert hätte, sondern daran, daß unsere Fähigkeit, sie 
zu erfüllen, zugenommen hat." (Bryant S. Hinckley, 
Heber J. Grant: Highlights in the Life of a Great Leader, 
1951, Seite 49.) 

Jeder neue wahre Grundsatz, den wir in unserem Leben 
wirksam werden lassen, trägt das Zeugnis in sich, daß er 
wirklich wahr ist und von Gott stammt. Präsident Brigham 
Young hat das folgendermaßen erklärt: „Jeder Grundsatz 
nämlich, den Gott offenbart, überzeugt den menschlichen 
Verstand selbst davon, daß er wahr ist." (Lehren der 
Präsidenten der Kirche: Brigham Young, Seite 72.) 



Ich kann mich noch gut an einen Sonntagnachmittag 
im Juli 1959 erinnern. Pamela und ich gingen spazieren 
und unterhielten uns dabei. Ich dachte darüber nach, ob 
ich mich taufen lassen und dadurch Mitglied der Kirche 
werden solle. Pamela sagte: „Ich kann mich nicht erin- 
nern, daß die Missionare mit dir über den Zehnten 
gesprochen hätten." 

„Was ist denn dieser Zehnte?", fragte ich. 

Pamela erwiderte, daß die Mitglieder zehn Prozent 
ihrer Einkünfte spenden, um damit ein Gesetz Gottes zu 
erfüllen und ihrer Dankbarkeit für alles Ausdruck zu 
verleihen, was der himmlische Vater ihnen geschenkt 
habe. 

Es war bisher nicht oft vorgekommen, daß ich vor 
Schreck fast ohnmächtig geworden wäre, aber dieses Mal 
wäre es fast soweit gewesen. „Zehn Prozent!", wieder- 
holte ich. „Das ist doch unmöglich. Ich könnte es mir 
niemals leisten, den Zehnten zu zahlen!" 

Doch Pamela hielt mir ruhig entgegen: „Mein Vater 
kann es. Er hat eine Frau und vier Kinder, und er 
verdient weniger als du." Dann erwähnte sie noch eine 
weitere Familie im Zweig, die ich kennengelernt hatte, 
und erklärte mir, daß auch diese Familie weniger Geld 
hatte als ich und sechs Kinder ernähren mußte. Das 
erwies sich für mich als Herausforderung. Ich dachte: 
Wenn die das schaffen, dann schaffe ich das auch. 

Elf Jahre später wurde mein Entschluß, dieses Gesetz 
zu halten, auf eine sehr harte Probe gestellt. Dabei wurde 
mir bewußt, daß ich durch das Zehntenzahlen großen 
Glauben entwickelt hatte. Für mich ging es dabei nicht 
mehr einfach nur ums Geld. Ich habe die Probe 
bestanden und an meinem Glauben festgehalten. Dafür 
wurde ich gesegnet. (Siehe Maleachi 3:10.) 

Ehe ich das wiederhergestellte Evangelium kennen- 
lernte, verbrachte ich viel Zeit mit Footballspielen, unter 
anderem auch am Sabbat. Obwohl ich als Kind gelernt 
hatte, den Tag des Herrn zu achten, ist mir doch erst 
später, als ich die Kirche kennengelernt und den 
Grundsatz der Sabbatheiligung befolgt habe, die wirk- 
liche Bedeutung dieser Lehre und der damit verbun- 
denen Segnungen bewußt geworden. Zu den wichtigen 
Opfern, die ich vor meiner Bekehrung bringen mußte, 
gehörte auch der Rückzug aus der Footballmannschaft, 



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deren Spiele am Sonntag stattfanden. So lernte ich den 
Wert des Evangeliums schätzen. 

Als drei Jahre später die Bauarbeiten am 
Gemeindehaus in Norwich in England begannen, zog ich 
mich auch aus der Footballmannschaft zurück, die nur 
samstags spielte, um Zeit für das Bauprojekt zu haben. 
Der Nebel des Egoismus, der mein Blickfeld bisher einge- 
i schränkt hatte, begann sich zu lichten, und nun begann 
sich vor meinen Augen ein neues, umfassenderes 
Blickfeld auszubreiten, das mich das Leben besser 
schätzen und lieben ließ. 

Diese Wandlung im Innern erklärte der Erretter den 
Juden. Wir finden seine Worte in Johannes 8:31, 32: 

„Wenn ihr in meinem Wort bleibt [und damit ist wohl 
gemeint, daß wir so leben sollen, wie er es gelehrt hat], 
seid ihr wirklich meine Jünger. 

Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die 
Wahrheit wird euch befreien." 

Hier wird deutlich, wie eng Handeln und Wissen 
miteinander verknüpft sind. 

Ich finde, Evangeliumsgrundsätze anzuwenden und zu 
erkennen ist so ähnlich, wie regelmäßig ins Fitneß- 
Studio zu gehen. Wenn man regelmäßig trainiert, ist man 
sich des damit verbundenen Nutzens unter Umständen 
gar nicht so deutlich bewußt. Doch wenn man einmal 
aufgrund einer Krankheit, einer Verletzung oder der 
eigenen Lustlosigkeit eine Zeitlang nicht trainiert, merkt 
man schnell, wie schwer es ist, die alte Kondition wieder- 
zuerlangen. Manche verlieren dann so sehr den Mut, 
daß sie sich gar nicht mehr weiterbemühen, sondern sich 
mit weniger zufriedengeben. 

Das gilt unter Umständen auch für das Leben 
in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des 
Evangeliums. Die Vorteile sind vielleicht nicht immer 
deutlich sichtbar, und das kann dazu führen, daß jemand 
die Lehre in Frage stellt, den Glauben verliert und die 
Aktivität in der Kirche aufgibt. Doch wer den Weg 
zurück zu geistiger „Fitneß" schafft, merkt in der Regel, 
wieviel mehr ihm das Evangelium nun bedeutet. Andere 
wiederum fallen völlig vom Glauben ab und kehren dem 
Herrn den Rücken. 

Denjenigen, die das Wort der Weisheit halten 
und „in ihrem Wandel den Geboten gehorchen", gilt 



die folgende Verheißung: „Gesundheit werden sie 
empfangen in ihrem Nabel und Mark für ihr Gebein." 
Die Ermahnung, „diese Worte zu befolgen und zu tun 
und in ihrem Wandel den Geboten" zu gehorchen, ist in 
diesem Zusammenhang ganz wichtig (siehe LuB 89:18). 

Im 19. Vers wird auf eine weitere Ebene hingewiesen, 
die nicht nur mit dem Wort der Weisheit zu tun hat. Hier 
finden wir den Schlüssel und das Bindeglied zwischen 
Handeln und Wissen: „Weisheit und große Schätze der 
Erkenntnis werden sie finden, ja, verborgene Schätze." 

Es gibt sicher Lehren, die sich nicht so einfach auf die 
Probe stellen lassen. Dennoch bin ich davon überzeugt, 
daß wir den Errettungsplan nur dann verstehen und 
auch nur dann Gewißheit über die Segnungen erlangen, 
die das Sühnopfer des Erretters uns ermöglicht, wenn wir 
die Evangeliumsgrundsätze treu befolgen. 

Es gibt noch einen weiteren wahren Grundsatz, was den 
Zusammenhang von Handeln (den Geboten gehorchen 
bzw. sie befolgen) und Wissen (die Wahrheit des 
Evangeliums dadurch erkennen, daß man es anwendet) 
betrifft. Dieser Grundsatz hat etwas damit zu tun, wie der 
Herr unser Herz und unseren Sinn auf die Probe stellt, was 
unsere neugewonnene Erkenntnis betrifft. Dies tut er, 
damit sich die Wahrheit des Evangeliums unserer Seele 
gewissermaßen unauslöschlich einprägt, nämlich dadurch, 
daß wir eine Prüfung bestehen. So werden unser Verstand 
und unser Herz noch reiner gemacht - beinahe so rein wie 
Gold. Nach den Prüfungen kommt die innere Gewißheit. 
So wies der Herr den Mormon beispielsweise an, 
bestimmte Passagen, die uns in den Letzten Tagen zuteil 
werden sollten, nicht auf die Platten zu gravieren, da es 
ratsam sei, „daß sie es zuerst haben, um ihren Glauben zu 
prüfen - und wenn sie daran glauben, dann wird ihnen 
auch das Größere kundgetan werden" (3 Nephi 26:9). 

Die Geschichte von Ijob ist die Geschichte eines 
Mannes, der auf diese Art und Weise Erfahrungen 
gemacht hat. Ihm wurde alles genommen, was ihm wohl 
kostbar war. Doch indem er sich in dieser Zeit der Prüfung 
seine Rechtschaffenheit bewahrte, entdeckte er etwas 
noch viel Kostbareres: Gott „kennt den Weg, den ich gehe; 
prüfte er mich, ich ginge wie Gold hervor" (Ijob 23:10). 

Das Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium 
ist wie ein Stück Stoff - Gotteslehre und ewige 



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Nur diejenigen, die den vorgeschriebenen 
Weg gehen, nämlich nach dem Evangelium 
leben, können seine Wahrheit entdecken und 
sich des Lohns erfreuen. Es gibt keine andere 
Möglichkeit, die Fähigkeiten der Menschenseele 
vollständig zu entwickeln. 

Grundsätze sind miteinander verwoben und formen 
so ein Bild unendlicher Schönheit, das aber nur 
diejenigen, die den vorgeschriebenen Weg gehen, 
nämlich nach dem Evangelium leben, in seiner 
Wahrheit entdecken können. Es gibt keine andere 
Möglichkeit, die Fähigkeiten der Menschenseele 
vollständig zu entwickeln. 

4 

Wenn wir den Willen des Herrn tun, können wir 
wirklich erkennen, ob die Lehre wahr ist, und wenn 
unser Glaube und unser Vertrauen geprüft worden 
sind, dann gehen unsere innere Erkenntnis - und 
auch wir selbst - daraus „wie Gold hervor". D 



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Geok Lee Thong 

ILLUSTRATION VON ALLEN GARNS 



n Malaysia ist die Vorstellung, sich nach der 
Eheschließung mit seinem Partner zu verabreden 
und miteinander auszugehen, nahezu unbe- 

_ kannt. Mein Mann und ich haben diesen Rat 
zum erstenmal in Büchern und Zeitschriften 
gefunden, die wir von amerikanischen 
Mitgliedern bekommen hatten, die unserem 
Zweig in Kuala Lumpur angehörten. Als 
man uns sagte, wie positiv es sich auf ein 
Ehepaar auswirke, wenn es auch nach der 
Eheschließung noch umeinander werbe, 
beschlossen wir, diese „ausländische" Idee 
einmal auszuprobieren. 

Zuerst hatten wir auch keine Schwierigkeiten 
damit, einen Abend gemeinsam zu verbringen, 
denn wir hatten ja noch keine Kinder, um die 
wir uns Gedanken machen mußten. Doch als 
dann unsere Kinder eins nach dem anderen 
geboren wurden, mußten wir nach neuen 
Möglichkeiten suchen, uns miteinander zu verab- 
reden. Weil es ziemlich schwierig ist, jemanden zu 
finden, der abends die Kinder hütet, verabredeten wir 
uns eben oft zu Hause, wenn die Kinder im Bett 
waren. Solche Verabredungen stehen unseren gele- 
gentlichen Abenden außer Haus in nichts nach. 

Wir haben vieles gefunden, was wir gerne zusammen 
tun. Manchmal schauen wir uns ein Video an, 
essen dabei Kartoffelchips und trinken dazu Limonade, 
so wie wir es auch im Kino machen würden. 
An anderen Abenden machen wir Computer- oder 



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Brettspiele. An solchen Abenden gibt es immer viel zu 
lachen. 

Eine Aktivität machen wir inzwischen, regelmäßig: 

wir kleben Fotos unserer Familie auf große Poster. 

Später rahmen wir die Poster und hängen sie entlang 

der Treppe auf. Inzwischen haben wir schon so viele 

Poster, daß wir sie von Zeit zu Zeit austauschen. Die 

Abende, die wir mit der Herstellung der Poster 

verbringen, sind nicht nur produktiv, sondern 

lassen uns auch in liebevollen, sentimentalen 

Erinnerungen schweifen. 

Am Valentinstag habe ich einmal ein 
Abendessen im Kerzenschein für uns beide 
zubereitet. Im Hintergrund spielte leise 
Musik, und es war richtig romantisch. 
Unsere regelmäßigen Verabredungen haben 
die Romantik in unserer Ehe gefördert. 

Die Liste der Aktivitäten, die wir während 
unserer Verabredungen zu Hause machen, 
wird immer länger. Wir haben festgestellt, 
daß es dabei in erster Linie darum geht, 
Möglichkeiten zu finden, wie man Zusam- 
mensein und sich die Zeit nehmen kann, 
einander zu erbauen und fördern. Nach einem 
schwierigen, anstrengenden Tag freue ich mich 
auf vinsere Verabredungen, wo wir einfach nur 
miteinander reden. 

Mein Mann und ich haben festgestellt, daß 
diese „ausländische" Idee unserer Ehe sehr gut 
bekommt. □ 




ICH HABE EINE FRAGE 



Wie vermeide ich, daß ich 
beim Beten immer das 
gleiche sage? 

Ich bin dankbar für alle Segnungen, die mir zuteil geworden sind, aber wenn ich 
sie beim Beten aufzähle, komme ich mir vor wie eine Maschine, die jeden Tag 
das gleiche sagt. Wie kann ich vermeiden, daß ich beim Beten immer das gleiche 
sage? 

Die Antworten sollen Hilfe und Ausblick geben, sind aber nicht als offizielle Lehre der Kirche 
zu verstehen. 






JESUS KNIEND UND NACHDENKLICH IM GEBET BEGRIFFEN, GEMÄLDE 
VON MICHAEL J. NELSON 



UNSERE ANTWORT 

Für uns Kinder des himmli- 
schen Vaters gibt es kaum 
etwas Wichtigeres als das 
Beten. Das ist die Art und Weise, auf 
die wir mit ihm in Verbindung treten 
sollen. Beten ist eine Form der 
Gottesverehrung. Beim Beten gibt 
man seiner Dankbarkeit Ausdruck, 
bittet um Führung und um 
Segnungen und fleht um Antworten. 
In der Kirche gibt es drei Gebete, 
deren Wortlaut festgelegt ist - das 
Taufgebet bei der ersten Verordnung, 
die für die Errettung notwendig ist, 
und die beiden Abendmahlsgebete, 
durch die wir unser Taufbündnis 
erneuern. Ansonsten formulieren 
wir unsere Gebete selbst, und zwar 
unabhängig davon, ob wir allein oder 
mit einer Gruppe beten. Hier kommt 
es darauf an, das zu sagen, was dem 
Anlaß entspricht und was der Geist 
uns eingibt. 

Allerdings gewöhnen wir uns oft 
an, immer die gleichen Wörter und 
Ausdrücke zu verwenden, fast ohne 
nachzudenken. Und genau da liegt 
das Problem. Wenn man nicht 
darüber nachdenkt, was man sagt, 
kann das Gebet bedeutungslos 



werden. Allerdings bemißt sich 
Aufrichtigkeit beim Beten auch 
nicht daran, daß man jedesmal 
verschiedene Wörter und Ausdrücke 
verwendet. Aufrichtigkeit hat etwas 
mit der inneren Einstellung und dem 
Sehnen des Geistes zu tun. 

Jesus Christus hat uns gezeigt, wie 
man betet, nämlich in einfachen, 
ausdrucksvollen Worten. Er hat 
davor gewarnt, nur deshalb zu beten, 
damit andere es sehen. Außerdem 
hat er uns ermahnt, auf „unnütze 
Wiederholungen" zu verzichten, also 
auf alles, was man immer wieder 
sagt, ohne innerlich daran beteiligt 
zu sein. (Siehe Matthäus 6:5-8; 3 
Nephi 13:5-8.) 

In der heiligen Schrift finden wir 
weitere Weisungen zum Beten. Im 
Buch Mormon fordert Amulek uns 
auf: „Ruft ihn an, wenn ihr auf 
euren Feldern seid, ja, für alle eure 
Herden. 

Ruft ihn an in euren Häusern, ja, 
für euer ganzes Haus, morgens, 
mittags und abends — 

Aber dies ist nicht alles; ihr müßt 
eure Seele in euren Kammern und 
an euren heimlichen Plätzen und in 
eurer Wildnis ausschütten. 



Ja, und wenn ihr den Herrn nicht 
anruft, so laßt euer Herz voll sein, 
ständig im Gebet zu ihm begriffen für 
euer Wohlergehen und auch für das 
Wohlergehen derer, die um euch 
sind." (Alma 34:20, 21, 26, 27.) 

Der Herr möchte, daß wir über 
alles beten, was uns Sorgen bereitet. 
Ja, er hat uns sogar geboten, „immer" 
zu beten (siehe 2 Nephi 32:9). 

Dazu gehört auch, daß man nicht 
vergißt, dem Herrn ständig dankbar 
zu sein. Wenn wir dem himmlischen 
Vater für die Segnungen danken, die 
er uns geschenkt hat, fällt es uns 
leichter, uns auf ihn als Quell der 
Güte zu konzentrieren; außerdem 
empfinden wir mehr Glück, wenn 
wir uns bewußt machen, welche 
Segnungen uns zuteil geworden 
sind. Es gibt sicher viele Segnungen, 
für die du dem himmlischen Vater 
regelmäßig danken möchtest. Und 
wenn du das aus aufrichtiger 
Dankbarkeit heraus tust und nicht 
nur aus Gewohnheit, dann macht es 
auch nichts aus, daß du jeden Tag 
teilweise die gleichen Segnungen 
aufzählst. 

Doch wenn du dich dabei ertappst, 
daß du beim Beten gedankenlos eine 



DER 



STERN 
18 



auswendig gelernte Liste herunterlei- 
erst, dann ist es an der Zeit, einmal 
darüber nachzudenken, warum du 
überhaupt betest. 

Wenn dein Beten also zur Routine 
geworden ist, dann probier doch 
einmal die folgenden Vorschläge 
unserer Leser aus: 

• Stell dir bildlich vor, du würdest 
mit dem Vater sprechen. 

• Denk vor dem Beten kurz 
darüber nach, warum du betest und 
was du sagen möchtest. 

• Sag dem Herrn, warum du für 
bestimmte Segnungen dankbar bist. 

• Bitte ihn um konkrete Hilfe bei 
konkreten Problemen. 

• Vergiß nie, darum zu beten, 
daß Gottes Wille geschehen möge. 

Was du erbittest, wird sich tagtäg- 
lich nicht sehr voneinander unter- 
scheiden, aber wenn du einmal über 
das nachdenkst, was du brauchst, und 
über die Segnungen, die du dir 
wünscht, und wenn du dem Herrn für 
alles dankst, was er dir geschenkt hat, 
dann bist du auf dem besten Weg, 
sinnreicher und effektiver zu beten. 

ANTWORTEN UNSERER LESER 

Es gab einmal eine Zeit, wo ich 
Gebete heruntergeleiert und mich 
innerlich leer gefühlt habe, so als ober 
der himmlische Vater mir überhaupt 
nicht zuhören würde. Doch das 
änderte sich, als ich anfing, mit wirk- 
lichem Vorsatz zu beten, und dem 
himmlischen Vater alles sagte, was 
ich empfand. Beim Beten denke ich 
daran, wie sehr er mich doch liebt. 
Jorge Andres Alzate, 
Gemeinde Las Palmas, 
Pfahl Neiva, Kolumbien 



Unsere Gebete mögen zwar 
manchmal gleich lauten, aber darauf 
kommt es gar nicht an, solange wir 
aufrichtig und voller Glauben beten. 
Jesus hat gesagt: „Wenn ihr in mir 
bleibt und wenn meine Worte in 
euch bleiben, dann bittet ihr um 
alles, was ihr wollt: Ihr werdet es 
erhalten." (Johannes 15:7.) 
Sherrie S. Campos, 
Zweig Maasin, 
Distrikt Maasin, Philippinen 

Wenn wir für die Segnungen 
danken, die uns zuteil geworden 
sind, dann dürfen wir auch nicht 
vergessen, für das Beten selbst zu 
danken, denn dadurch können wir ja 
mit dem himmlischen Vater in 
Verbindung treten. 
Marianne R. Garcia, 
Gemeinde lmus, 
Pfahl Cavite, Philippinen 

Wenn wir in der heiligen Schrift 
lesen und darüber nachsinnen, sind 
wir beim Beten geistiger gesinnt. 
Wenn wir über die Macht Gottes 
nachdenken, beten wir nicht immer 
das gleiche, sondern sagen das, was 
in unserem Herzen ist. 
Mariele Paredez Märquez, 
Gemeinde Ciudad Real, 
Pfahl Villa Hermosa, 
Guatemala-Stadt, Guatemala 

Obwohl wir im Grunde jeden Tag 
die gleichen Aufgaben zu erledigen 
haben, machen wir doch immer 
wieder neue Erfahrungen, die uns 
helfen, Fortschritt zu machen. Wenn 
wir über die Ereignisse des Tages 
nachdenken, wird uns bewußt, daß 

JUNI 1999 
19 




Jorge Andres Alzate 



Sherrie S. Campos 



Marianne R. Garcia 



Mariela Paredez Märquez 







Anthony L. 
Silberie 



Daisy Raquel 
Salazar Saravia 




Tagiilima Sauia 



Rossana Mara 
Correia 



El sie D. Bisig 




Joe/ de Rosario 
Dela Cruz 



Marcelo Leiva 



es immer wieder etwas Neues gibt, 
was wir beim Beten sagen und wofür 
wir dankbar sein können. 

Missionarin Natsuko Sekiguchi, 
Neuseeland-Mission Auckland 

Immer, wenn ich zum himmli- 
sehen Vater bete, versuche ich, mit 
ihm über das zu sprechen, worüber 
ich auch mit meinem irdischen Vater 
sprechen würde. Ich versuche auch, 
mich beim Beten nicht sklavisch an 
die vorgeschriebenen Schritte zu 
halten, sondern öffne dem himmli- 
schen Vater mein Herz und sage ihm, 
was ich fühle. Ich spreche so mit ihm, 
als ob er neben mir stünde. Auf diese 
Weise ist es mir gelungen, beim Beten 
nicht immer das gleiche zu sagen. 
Missionar Rodrigo Cesar Gabo, 
Brasilien-Mission Porto Alegre-Süd 

Wir müssen uns einmal vor 
Augen halten, daß uns hier auf der 
Erde unterschiedliche Arten von 
Segnungen zuteil werden: allgemeine 
Segnungen, derer sich jeder Mensch 
erfreut; bestimmte Segnungen, die 
uns aufgrund gebeterfüllten Bittens 
geschenkt werden; und zusätzliche 
Segnungen, um die wir uns nicht 
bemüht haben, die der Herr aber für 
sinnvoll hält. Da es so viel gibt, wofür 
wir dankbar sein können, müssen wir 
nicht jeden Tag das gleiche sagen. 

Außerdem reicht es nicht, dem 
himmlischen Vater beim Beten 
nur für all die Segnungen zu 
danken, die er uns schenkt. Wir 
können auch darum bitten, daß 
andere Menschen gesegnet werden, 
beispielsweise mit Nahrung, Obdach, 
Heilung, Bekehrung, Versöhnung 



und ähnlichem. Außerdem müssen 
wir um Vergebung für unsere 
Schwächen beten und für alles, was 
wir sonst noch brauchen. 

Lynda Andriamisamakda, 

Zweig Antananarivo 4, 

Distrikt Antananarivo, Madagaskar 

Als ich klein war, habe ich gelernt, 
wie man aufrichtiger und abwechs- 
lungsreicher betet, indem ich 
nämlich zugehört habe, was meine 
Angehörigen beim Beten sagten. 
Meiner Meinung nach kommt ein 
aufrichtiges Gebet aus dem Herzen - 
und es ist völlig gleichgültig, wie oft 
man das gleiche sagt. 
Tagiilima Sauia, 
Gemeinde Mapusaga l , 
Pfahl Pago Pago, Mapusaga, Samoa 

Wir müssen dem Herrn nicht 
nur für die unzähligen Segnungen 
danken, derer wir uns erfreuen, 
sondern auch unser Herz öffnen und 
ihm sagen, wie sehr wir ihn lieben. Er 
liebt uns und freut sich, wenn wir ihm 
sagen, daß auch wir ihn lieben. Wer 
mit aufrichtigem Vorsatz Dankgebete 
spricht, braucht keine Angst zu 
haben, daß der Herr ihn für einen 
Plapperer hält. 
Elisabetta Marangon, 
Zweig Treviso, 
Pfahl Venedig, Italien 

Wenn Gott nicht müde wird, 
mein Beten zu erhören, dann darf 
auch ich nicht müde werden, ihm 
immer wieder das gleiche zu sagen. 
Selbst wenn ich beim Beten fast 
immer das gleiche sage, hört er mir 
doch zu, wenn er weiß, daß mir die 



DER 



STERN 

20 



Worte aus dem Herzen kommen. Ich 

finde, das ist besser, als wenn ich 

meine Dankbarkeit ihm gegenüber 

überhaupt nicht in Worte fasse. 

Joel de Rosario Dela Cruz, 

Zweig Bustos, 

Pfahl Malohs, Philippinen 

Der Erretter hat uns erklärt, wie 
wir beten sollen (siehe Matthäus 
6:5-13). Zuerst müssen wir für die 
Segnungen danken, die uns zuteil 
geworden sind, und danach um das 
bitten, was wir jeden Tag brauchen. 

Der Herr hat auch gesagt: 

„Du aber geh in deine Kammer, 
wenn du betest, und schließ die Tür 
zu; dann bete zu deinem Vater, der 
im Verborgenen ist. Dein Vater, der 
auch das Verborgene sieht, wird es 
dir vergelten — 

Denn euer Vater weiß, was ihr 
braucht, noch ehe ihr ihn bittet." 
(Matthäus 6:6, 8.) 
Anthony L. Silberie, 
Zweig Rotterdam 2, 
Pfahl Rotterdam, Niederlande 

Wenn du den himmlischen Vater 
suchst, wirst du merken, daß er 
niemals aufgehört hat, dir zuzuhören. 
Wenn du dein Herz öffnest und 
voller Glauben bittet, ist er immer da, 
selbst wenn du wiederholt das gleiche 
betest. 

Er weiß alles, und er kennt unsere 
Ängste und Sorgen. Dennoch ist er 
immer bereit, uns zuzuhören, und 
wartet nur darauf, daß wir ihn 
anrufen. 

Daisy Raquel Salazar Saravia, 
Zweig Chinandega, 
Distrikt Chinandega, Nicaragua 



Im Buch Mormon finden wir ein 
eindrucksvolles Beispiel zürn Thema 
Beten, und zwar in dem, was Enos 
erlebt hat. Er schrieb: „Meine Seele 
hungerte; und ich kniete vor meinem 
Schöpfer nieder und schrie zu ihm in 
machtvollem Gebet und voll Flehen 
für meine Seele." (Enos 1:4.) 

Enos hatte ein besonderes 
Anliegen, so wie wir alle ein beson- 
deres Anliegen haben. Wenn wir uns 
beim Denken vom Geist fuhren lassen, 
können wir jeden Tag ein inbrünstiges 
Gebet sprechen. Und in dem Maße, 
wie unser Glaube zunimmt, spüren 
auch wir - wie der Prophet Enos -, daß 
der Herr unser Beten nicht nur hört, 
sondern auch erhört. 
Missionarin Rossana Mara Correia, 
Brasilien-Mission Belem 

Heute ist nicht wie gestern, und 
morgen ist nicht wie heute. Das 
bedeutet, daß es jeden Tag etwas 
Neues gibt, wofür wir dankbar sein 
können. 

Ich glaube, daß der himmlische 
Vater sich freut, wenn ich so zu ihm 
bete, als ob ich mit einer Freundin 
über Vertrauliches spräche. Ich 
danke ihm für alle Segnungen und 
Prüfungen, die mir jeden Tag zuteil 
werden, bete um Vergebung für 
meine Schwächen und bitte ihn um 
Hilfe, damit ich es am nächsten Tag 
besser machen kann. 
Elsie D. Bisig, 
Gemeinde Las<Pinas 2, 
Pfahl Las Pinas, Philippinen 

Ich bemühe mich beim Beten 
immer, daran zu denken, zu wem ich 
spreche, und danke dem himmlischen 

JUNI 1999 
21 



Vater für jede einzelne Segnung, die 
er mir schenkt, und für jede einzelne 
Erfahrung, die ich machen darf. Das 
gilt nicht nur für Tagesereignisse, 
sondern auch für alles, was von 
ewiger Bedeutung ist. Morgens sage 
ich ihm, was ich vorhabe, und 
abends erzähle ich ihm, was ich 
gemacht habe, und danke ihm für 
seine Hilfe. 
Missionar Marcelo Leiva, 
Chile-Mission Osomo 

Ihr könnt dazu beitragen, daß der 
Artikel „ICH HABE EINE FRAGE" 
anderen hilft, indem ihr die untenstehende 
Frage beantwortet. Bitte schickt eure 
Antwort bis zum l. August 1999 an 
folgende Adresse: QUESTIONS AND 
ANSWERS; International Magazines, 
50 East North Temple Street, Salt Lake 
City, UT 84150-3223, USA. Ihr könnt 
uns auch per E-mail erreichen unter 
CUR-Liahona-IMAG @ldschurch.org. 
Ihr könnt in eurer Muttersprache und mit 
der Maschine oder in Druckbuchstaben 
schreiben. Damit euer Beitrag abgedruckt 
werden kann, muß er euren vollständigen 
Namen, eure Adresse, eure Gemeinde 
bzw. euren Zweig und euren Pfahl bzw. 
Distrikt enthalten. Schickt möglichst auch 
ein Foto von euch mit, das allerdings 
nicht zurückgeschickt wird. Wir werden 
dann eine repräsentative Auswahl veröf- 
fentlichen. 

FRAGE: Es fällt mir schwer, mich im 
Sonntagsschulunterricht zu konzen- 
trieren. Irgendwie kommtes mir vor, als 
ob im Unterricht immer wieder das 
gleiche behandelt wird. Was kann ich 
tun, damit ich besser mitarbeite und mich 
mehr für die Lektionen interessiere? D 




Ich hätte mir niemals 
träumen lassen, daß 
meine Stimme gehört 
wird und etwas bewirken 
kann, was anstößige 
Fernsehsendungen 
angeht. 



Anya Bateman 

FOTOS VON STEVE BUNDERSON; 
SZENE NACHGESTELLT 



Eins meiner Kinder schaltete 
eine beliebte Kindersendung 
im Fernsehen an, und schon 
bald war eine Szene zu sehen, die 
mich tief beunruhigte. 

„Igitt", sagte mein Elfjähriger. 
„Das war wirklich eklig." 

„Ja, das ist richtig", stimmte ich 
zu. Ich überlegte, ob ich den Sender 
anrufen und sagen sollte, was wir 
davon hielten. Macht es wirklich 
etwas aus, wenn ich mich beschwere?, 
überlegte ich. So viele bekannte 
Sendungen enthalten Szenen, die für 
Kinder ungeeignet sind - und 
eigentlich auch für Erwachsene. 
Aber diese bestimmte Szene kam mir 
besonders schlimm vor. 

Ich rief also den regionalen Sender 
an, wo ich die Telefonnummer der 
überregionalen Redaktion bekam. 
Nachdem man mich mehrere Male 
weiterverbunden hatte, geriet ich 
schließlich an jemanden, der an der 
Produktion der Sendung beteiligt war. 
Ich beschwerte mich bei ihm und 
erklärte ihm auch, wie mein Kind 
reagiert hatte. Außerdem sagte ich: 
„Und wenn sonst niemand angerufen 
hat, dann liegt das bestimmt daran, 
daß die anderen Zuschauer ebenso 



empfinden wie ich - nämlich daß es 
nichts nützt." 

„Um Ihnen die Wahrheit zu 
sagen", entgegnete der Mann, „ich 
habe mit den Autoren über diese 
Szene diskutiert, aber sie bestanden 
darauf, sie auszustrahlen, um die 
Reaktion der Zuschauer zu testen. 
Mir war klar, daß es vielen 
Menschen so gehen würde wie 
Ihnen, aber es gibt nur wenige, die 
anrufen oder uns schreiben. Sagen 
Sie Ihren Freunden und Nachbarn, 
daß sie sich mit uns in Verbindung 
setzen sollen!" 

Als ich wieder aufgelegt hatte, 
mußte ich an den 13. Glaubensartikel 
denken: „Wenn es etwas Tugendhaftes 
oder Liebenswertes gibt, wenn etwas 
guten Klang hat oder lobenswert ist, so 
trachten wir danach." Mir wurde 
bewußt, daß ich etwas bewirken kann, 
indem ich aufmerksamer bin und sage, 
was mir nicht gefällt. Und das gilt 
nicht nur für Unterhaltungsangebote, 
sondern auch für meine Umwelt. 

Als erstes mußte ich jedoch meine 
Einstellung ändern. Mir fiel der Satz 
ein: „Gut - bis auf eine Szene." Ich 
hatte diesen Satz schon oft gehört, 
wenn Leute sich über einen Film 



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DER STERN 

22 



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Im 13. Glaubensartikel 
steht, worauf wir bei der 
Wahl von Unterhaltungs- 
angeboten achten 
müssen: „Wenn es etwas 
Tugendhaftes oder 
Liebenswertes gibt, wenn 
etwas guten Klang hat 
oder lobenswert ist, so 
trachten wir danach." 




oder andere Unterhaltungsangebote 
unterhielten. Damit sagt man doch 
im Grunde, daß man über das 
Schlechte hinwegsehen kann, wenn 
das Produkt insgesamt gut ist. 

Mir ist jedoch aufgefallen, daß 
immer mehr „eklige" Szenen in an 
sich gute Programme eingebaut 
werden. Dabei würde doch niemand 
tolerieren, wenn andere Produkte 
teilweise verseucht wären. Würde 
jemand ein Hähnchen essen, das 
„lecker" schmeckt, wenn man von 
den Salmonellen einmal absieht? 
Ich nahm mir vor, mich zukünftig 
vorher über einen Film oder eine 
Fernsehsendung zu informieren und 
nicht hinterher. Und selbst dann 
verlasse ich das Kino oder schalte den 
Fernseher ab, wenn mich ein ungutes 
Gefühl beschleicht. Das war zwar 
nicht einfach, aber immer in höch- 
stem Maße lohnend. Nun kann ich 
den Geist des Herrn besser spüren, 
weil mir keine unguten Bilder den 
Sinn vernebeln. 

Wenn mich etwas stört, dann 

gehe ich nicht länger darüber 

hinweg, sondern informiere jemanden 

darüber. Natürlich weiß ich oft 

nicht, was meine Anrufe und 

Briefe bewirken. Doch es ist 

auch schon vorgekommen, daß 

sich das Ergebnis fast unmittelbar 

gezeigt hat. 

Ich hatte mich schon einige Zeit 
darüber geärgert, daß im Supermarkt 
genau vor der Kasse Zeitschriften 
mit anstößigem Titelbild so aufge- 
baut waren, daß jeder sie sehen 
mußte. Als ich eines Tages vom 
Einkaufen nach Hause kam, rief ich 
den Geschäftsführer an und erklärte 
ihm, daß ich zwar gerne in seinem 
Geschäft einkaufen würde, jedoch 
daran Anstoß nähme, daß 
Zeitschriften mit freizügigem 
Titelbild für jeden sichtbar 



DER 



aufgebaut seien. Als ich das nächste 
Mal dort einkaufte, nahm ich erfreut 
zur Kenntnis, daß die Zeitschriften in 
eine Ecke gerückt worden waren, wo 
sie weniger auffielen. 

Meine Erfahrungen haben auch 
anderen Menschen Mut gemacht, 
sich gegen solches Material auszu- 
sprechen. Eine Freundin vertraute 
mir an, daß es ihrer Tochter peinlich 
sei, das Kostüm ihrer Tanzgruppe 
tragen zu müssen. Sie hatte sogar 
gesehen, wie manche Zuschauer 
während des Auftritts ihrer Gruppe 
weggesehen hatten. Ich schlug 
meiner Freundin vor, sie solle ihrer 
Tochter Mut machen, mit der 
Tanzlehrerin darüber zu sprechen. 
Das tat sie auch. Wir waren beide 
sehr erfreut, als die Tanzlehrerin 
Kostüme bestellte, die die Darbietung 
zukünftig eher unterstrichen, anstatt 
davon abzulenken, 

Es ist auch wichtig, daß wir 
Stellung nehmen, wenn es etwas 
Positives und Erbauliches gibt. Eines 
Abends sah sich unsere ganze 
Familie eine Fernsehsendung an, die 
allen gut gefiel. Während der ganzen 
Sendung hatte es auch nicht das 
Geringste gegeben, was ein ungutes 
Gefühl in uns hinterlassen hätte. Ich 
schrieb den Produzenten und 
erklärte ihnen, wie sehr uns ihre 
Sendung gefallen habe. Wer zum 
Guten in unserer Gesellschaft 
beiträgt, verdient unseren Dank. 

Ich bin dankbar, daß der Geist mir 
weiterhin eingibt, mich um die 
Unterhaltungsangebote zu kümmern, 
für die meine Familie sich 
entscheidet, und darauf zu achten, 
daß alles mit dem Geist des 
Evangeliums in Übereinstimmung 
steht. Ich weiß jetzt, daß niemand 
etwas tolerieren muß, was ihm ein 
„ekliges" Gefühl vermittelt. Wir 
können wirklich etwas bewirken! □ 

STERN 

24 



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ERZAHLUNG 



Samuels heilige Schrift 




Sheila Kindred 



Beeil dich, Jared, sonst kommen wir zu spät zur 
Kirche", rief Mutter von unten. Jared rannte die 
Treppe hinunter und stürzte aus der Haustür, 
aber dann fiel ihm plötzlich ein, daß er für die PV ja 
seine heiligen Schriften brauchte. Weil er nicht wieder 
nach oben laufen wollte, nahm er ein Exemplar aus dem 
Regal im Wohnzimmer. 

Auf dem Weg zur Kirche blätterte er die Bibel durch, 
um seine Lieblingsschriftstelle zur Taufe zu suchen. Er 
wollte sie nämlich im Eröffnungsteil vortragen. Doch zu 
seiner Überraschung stellte er fest, daß die Schriftstelle, 
die er suchte, schon rot unterstrichen war und daß am 
Rand daneben ein Datum stand. „Was war denn am 2. 
Juli 1982?", fragte er, als er das Datum sah. 

„Laß mich mal nachdenken", gab die Mutter zur 
Antwort. „Damals ist Samuel acht Jahre alt geworden. 
Ich glaube, das ist sein Taufdatum." 

Samuel war Jareds großer Bruder. Er hatte vor kurzem 
geheiratet und war in einen anderen Staat gezogen, um 
dort zu studieren. Obwohl Samuel weit weg war, hatte 
Jared ihn sehr lieb und fühlte sich ihm noch immer nahe. 

Jared schlug die erste Seite der Bibel auf und sah, daß 
dort in Kinderschrift Samuels Name stand. Nun wußte 
Jared, daß dies die heilige Schrift war, die seinem Bruder 
gehörte, als dieser in der PV war. Und Samuels hatte die 
gleiche Lieblingsschriftstelle zur Taufe wie Jared. Nun 
fühlte sich Jared seinem Bruder noch näher. Jared schlug 
noch einmal Matthäus 3:16, 17 auf und schrieb sein 
Taufdatum neben Samuels. 

Dann nahm er die heilige Schrift seines Bruders mit in 
den PV-Unterricht. Als die Lehrerin die Kinder bat, LuB 
4 aufzuschlagen, sah Daniel, daß dort ein Lesezeichen 
lag. Es war alt und hatte schon ein paar Eselsohren. 



Jared drehte es um, so daß er lesen konnte, was 
darauf stand: „Jeder junge Mann soll auf Mission 
gehen." Er dachte daran, daß Samuel eine Mission in 
Mexiko erfüllt hatte und wohl schon im PV- Alter 
angefangen hatte, für seine Mission zu sparen. Jared 
überlegte, ob Samuel wohl mit dem Sparen ange- 
fangen hatte, nachdem er dieses Lesezeichen 
bekommen hatte. 

Nach der PV nahm Jared die heilige Schrift seines 
Bruders mit in die Abendmahlsversammlung. Als einer 
der Sprecher LuB 131:2 vorlas, war Jared gar nicht mehr 
überrascht, daß dieser Vers in Samuels heiliger Schrift 
bereits unterstrichen war. Außerdem lag dort eine Karte, 
auf die Samuel fünf Gründe dafür geschrieben hatte, 
daß er im Tempel heiraten wollte. Jared dachte daran, 
wie sein Bruder vor kurzem im Tempel geheiratet hatte. 
Samuel muß sich schon in meinem Alter vorgenommen 
haben, einmal im Tempel zu heiraten! 

Als Jared aus der Kirche nach Hause kam, schrieb er 
einen Brief an Samuel: 

Lieber Samuel, 

danke, daß ich mir heute Deine heilige Schrift ausleihen 
durfte. Hoffentlich hast Du nichts dagegen, daß ich mein 
Taufdatum neben Deins an den Rand geschrieben habe. Ich 
wollte schon immer genauso sein wie Du, wenn ich groß bin, 
und jetzt weiß ich, wo ich anfangen kann. Du sollst wissen, 
daß ich nun jede Woche Geld für meine Mission sparen 
werde. Und nach meiner Mission möchte ich im Tempel 
heiraten. Danke, daß Du mir immer ein so gutes Beispiel 
gegeben hast. 

Liebe Grüße, 

Dein Jared D 



JUNI 1999 

3 



DAS MITEINANDER 



Haltet die Gebote 



Sydney S. Reynolds 




„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote 
halten/' (Johannes 14:15.) 

Jesus Christus hat die kleinen Kinder lieb. Als 
er auf der Erde lebte, segnete er sie. Und als 
er für die nephitischen Kinder betete, kamen 
Engel und dienten ihnen (siehe 3 Nephi 1 7) . Wenn 
jemand uns so viel Liebe entgegenbringt, möchten wir 
ihn auch wiederlieben. Wie können wir dem Herrn 
zeigen, daß wir ihn lieben? Jesus hat gesagt: „Wenn ihr 
mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten." (Johannes 
14:15.) Die folgenden Gebote kann jeder halten: 
Beten 

Der himmlische Vater hört unser Beten. Wir können 
morgens mit ihm sprechen und ihn um Hilfe für den Tag 
bitten. Ehe wir abends ins Bett gehen, können wir 
wieder mit ihm sprechen und ihm für die Segnungen 
danken, die er uns an diesem Tag geschenkt hat. Wir 
können jederzeit und überall im Namen Jesu Christi 
zum himmlischen Vater beten. Wenn wir zu ihm beten, 
zeigen wir ihm, daß wir ihn lieben. 
Den Sabbat heilighalten 

Der Sabbat ist dem himmlischen Vater heilig, und 
er muß auch uns heilig sein. Es gibt viel Gutes, was 
man am Sabbat tun kann; anderes hingegen 
verschiebt man besser auf einen anderen Tag. Woher 
weiß man, was man tun darf und was nicht? Es kommt 
darauf an, daß man am Sabbat nur das tut, was dazu 
beiträgt, daß man sich dem himmlischen Vater und 
Jesus Christus nahe fühlt. Am besten fängt man damit 
an, indem man Sonntagskleidung trägt und kein Geld 
ausgibt. 

Zur Kirche gehen und das Abendmahl nehmen 
Wenn man zur Kirche geht, lernt man etwas über 
Jesus Christus und sein Evangelium. Außerdem nimmt 
man das Abendmahl, das einem hilft, an sein Sühnopfer 
zu denken. Wer das Abendmahl nimmt, verspricht dabei, 
daß er die Gebote Jesu Christi halten und immer an ihn 
denken wird. Dafür verheißt uns Jesus Christus, daß sein 
Geist immer mit uns ist, wenn wir dies alles tun. 



Mit der Hilfe des Geistes des Herrn können wir die 
Gebote auch dann halten, wenn es uns schwerfällt. In 
der heiligen Schrift steht, daß der Herr uns einen Weg 
bereitet, wie wir seine Gebote halten können. Und wie 
Nephi und Daniel haben wir dann auch den Mut, das 
Rechte zu tun. Es macht uns Freude, den Zehnten zu 
zahlen. Wir finden Trost, wenn wir in der heiligen 
Schrift lesen. Unser Glaube an Jesus Christus nimmt zu, 
weil wir uns ihm nahen, wenn wir die Gebote halten. 

Anregungen für das Miteinander 

1 . Singen Sie das Lied „Gottes Gebote will ich befolgen" 
(Gesangbuch, Nr. 204) . Besprechen Sie, wie wichtig es ist, daß 
man die Gebote kennt, damit man sie befolgen kann. Schreiben Sie 
die folgenden Versangaben an die Tafel oder auf ein Poster: Alma 
13:28, 29 (beten); LuB 1:37 (in der heiligen Schrift studieren); 
Exodus 20:8-1 1 (den Sabbat heilighalten); LuB 59:9-12 (zur 
Kirche gehen und das Abendmahl nehmen); LuB 119:4 (den 
Zehnten zahlen) . Zeigen Sie die folgenden Gegenstände: ein Bild, 
auf dem ein betendes Kind zu sehen ist, eine heilige Schrift, einen 
Kalender, in dem Sie einen Kreis um die Sonntage gezogen haben, 
einen Abendmahlsbecher und einen Zehntenumschlag. Die Kinder 
sollen nun die Schriftstellen aufschlagen und jeden Gegenstand der 
entsprechenden Schriftstelle zuordnen. Erzählen Sie anschließend, 
wie Nephi die Messingplatten geholt hat (siehe 1 Nephi 3,4), und 
machen Sie dabei deutlich, daß der Herr uns immer einen Weg 
bereitet, wie wir seine Gebote halten können (siehe l Nephi 3:7). 

2. Erklären Sie, daß man unter dem Zehnten ein Zehntel des 
Einkommens versteht. Zeigen Sie einen Zehntenumschlag und einen 
Spendenzettel. Lassen Sie dann mehrere Kinder üben, wie man den 
Zettel ausfüllt. Fragen Sie: „Wer bekommt den Zehnten?" (Der 
Bischof bzw. Zweigpräsident.) ,Was geschieht mit dem Zehnten?" 
(Er wird sorgfältig gezählt, aufgezeichnet und an den Hauptsitz der 
Kirche geschickt.) „Was wird vom Zehnten bezahlt?" (Tempel, 
Gebäude der Kirche, Missionsbüros, Schulen, Wohlfahrtsprogramme 
und andere Ausgaben der Kirche.) Erklären Sie, daß wir mithelfen, 
die Kirche überall auf der Welt aufzubauen, indem wir den Zehnten 
zahlen. Bitten Sie den Bischof bzw. Zweigpräsidenten, den Kindern 
zu erklären, wie wichtig es ist, den Zehnten zu zahlen, und was für 
Segnungen einem dafür zuteil werden. □ 



KINDERSTERN 

4 



„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten." 










A. JlH 




Beten 



In der heiligen 
Schrift studieren 



Zur Kirche gehen 

und das Abendmahl 

nehmen 



Den Sabbat 
heilighalten 



Den Zehnten 
zahlen 



Mein Glaube an Jesus Christus nimmt zu, wenn ich die Gebote halte. 



^miwmvwm?!'. 



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Exodus 20:8-11 
Alma 13:28,29 
LuB 1:37 
LuB 59:9-12 
LuB 119:4 




§*E 



l. 




2. 





Anleitung 

Kleb diese Seite auf ein Stück Pappe. (1) Schneide 
dann das große Kästchen und eine der Figuren aus; 
bringe die Schlitze an, indem du entlang der gestri- 
chelten Linien innerhalb des Bildes schneidest. (2) 
Schreib in das Kästchen unter jedem Gebot die richtige 
Versangabe aus der obenstehenden Liste. (3) Falte den 



Titel und das Bild nun entlang der dicken Linie. (4) 
Steck die Figur jetzt in die ersten Schlitze, und befe- 
stige sie, indem du die obere Lasche umklappst. So wie 
du die in den Kästchen genannten Gebote hältst, 
kannst du deine Figur immer einen Schritt näher zum 
Erretter rücken. 



JUNI 1999 

5 



Neues von unseren Freunden 

„Die Pionierkinder sangen, während sie immer weiter wanderten und wanderten." 

(Children's Songbook, Nr. 214.) 



Am 25. August 1878 versammelten sich 
mehrere Jungen und Mädchen in Farmington 
in Utah. Die Primarvereinigung war geboren. 
Seit der ersten Versammlung vor inzwischen mehr als 
121 Jahren ist die PV gewachsen. Inzwischen gehören 
mehr als eine Million Kinder zur PV - du und alle 
übrigen Kinder in der Kirche! 



So wie die Kinder, die damals zur ersten PV- 
Versammlung kamen, bist auch du ein Pionier! Obwohl 
du nicht mit den ersten Mitgliedern durch den Westen 
der Vereinigten Staaten ziehen mußtest, bist du 
trotzdem ein Pionier, denn du hilfst mit, die Kirche in 
deinem Land aufzubauen. Du bist ein Pionier, wenn du 
anderen ein Beispiel gibst, mit ihnen über das 
Evangelium sprichst und deiner Familie, deinen 
Freunden und deinen Nächsten dienst. 




A Zu Erinnerung an 
den Treck der Pionier 
in das Salzseetal im 
Jahre 1847 haben die 
PV-Kinder und Führungskräfte des Distriktes Tubuai Australes in 
der Mission Papeete auf Tahiti am Jahrestag des Einzug in das 
Salzseetal eine Feier veranstaltet, bei der sie wie Pioniere gekleidet 
waren. So ist ihnen bewußt geworden, daß auch sie Pioniere sind - 
in der Schule, in der Nachbarschaft und in der Familie. 





A Die Kinder aus der Gemeinde Lomas 
Im Pfahl Chapultepec in Mexiko -Stadt 
sind zum Tempel gefahren. Am Sonntag 
zuvor hatte ein Tempelarbeiter ihnen 
erklärt, wie heilig der Tempel ist und was 
sie tun müssen, damit sie eines Tages 
würdig sind, den Tempel zu betreten. 



M Die Kinder aus dem Zweig Manantial in Tucuman im Pfahl Argentinien- 
West lernen gerne etwas über den himmlischen Vater und Jesus Christus. Es 
macht ihren Lehrern und Führern viel Freude, sie zu unterweisen. Dieses 
Foto wurde an dem Tag aufgenommen, als die PV-Kinder die Darbietung in 
der Abendmahlsversammlung gestalteten. 



KINDERSTERN 

6 




► Die PV-Kinder aus dem Zweig 
Calabar 3 im Distrikt Calabar in 
Nigeria haben eine sehr schöne 
Darbietung in der 
Abendmahlsversammlung gestaltet 
und dabei Zeugnis gegeben, daß 
Jesus Christus lebt und alle 
Menschen liebt. Außerdem haben 
sie die Geschichte vom 
barmherzigen Samariter nachge- 
spielt, um deutlich zu machen, 
daß wir einander lieben sollen. 



M Die PV-Leiterin des Zweiges 
Omagh im Pfahl Belfast in 
Nordirland hat dieses Foto von der 
kleinen PV des Zweiges 
eingeschickt. Hintere Reihe: Dale 
McFarland, Matthew Lee, Cheryl 
McNamee und Amy McFarland. 
Vordere Reihe: Jenny Lee, Royce 
Cathers und Elliot Cathcart. 





A Die Kinder aus dem Zweig San 
Benito im Distrikt Peten in 
Guatemala freuen sich sehr, daß sie 
der Kirche angehören dürfen. Die 
heilige Schrift bedeutet ihnen viel. 
Es macht ihnen Freude, ihren 
Mitmenschen zu helfen, und sie 
möchten gerne die PV-Kinder auf 
der ganzen Welt grüßen. 




M Die Kinder aus dem Zweig Mount Rainier (koreanisch) im Pfahl 
Auburn in Washington haben jede Rolle der Darbietung in der 
Abendmahlsversammlung in Koreanisch und Englisch gelernt. Außerdem 
haben sie von den vorgesehenen Liedern eins in Koreanisch, Englisch und 
amerikanischer Zeichensprache vorgetragen. Später wurden sie gebeten, 
zusammen mit dem Kinderchor auf einer Pfahlkonferenz zu singen, wo 
Eider W Rolfe Kerr sagte, Engel sängen zusammen mit ihnen. 



► Die PV-Kinder und -Führungskräfte aus dem Zweig Rhyl im Pfahl 
Chester in England nahmen an einer Wanderung teil, die von einer 
Hilfsorganisation durchgeführt wurde, die Brunnen bohrt, damit 
Menschen frisches Wasser haben. Die PV brachte dabei etwas mehr 
als hundert Mark zusammen. Allen machte die Wanderung großen 
Spaß, weil sie ja wußten, daß sie damit anderen Menschen halfen. 

JUNI 1999 

7 




DAS MACHT 
SPASS 



PIONIERE 




Wenn du wissen willst, wie die Pioniere nach Zion gereist sind, nimm die 
Seiten 8 und 9 heraus. Kleb sie auf ein Stück Pappe, und falte sie wie 
eine Ziehharmonika zusammen (siehe Abbildung rechts) . Zieh die 
Seiten nun wieder soweit auseinander, daß sie stehenbleiben (siehe Abbildung) . 
Wenn du von halblinks schaust, siehst du die eine Szene, und wenn du von halb- 
rechts schaust, die andere. D 



ILLUSTRATION VON SHAUNA MOONEY KAWASAKI 




DER KLEINE FORSCHER 




Geraldine T. Fielding 

ILLUSTRATION VON DICK BROWN 




Kurz nachdem die Pioniere 
das Salzseetal erreicht 
hatten, zog ein junger 
Mann namens David Cannon mit 
seiner Frau, Wilhelmina, in den 
Süden Utahs, um dort bei der 
Gründung einer Siedlung zu helfen. 
Wilhelmina, die von allen „Willie" 
gerufen wurde, fühlte sich dort über- 
haupt nicht wohl. Sie haßte die 
heiße, trockene Wüste und weinte 
ständig. Immer wieder flehte sie 
ihren Mann an, wieder zurück in 
den Osten der Vereinigten Staaten 
zu ziehen, wo Pflanzen und Bäume 



fast von allein wuchsen und das 
Klima viel gemäßigter war. 

„Hier ist alles so häßlich", 
schimpfte sie. „Wenn du mir hier 
auch nur etwas Schönes zeigen 
kannst, dann will ich zufrieden sein 
und mich nicht mehr beklagen." 

David ging in die Berge und kam 
mit einer weißen Blüte zurück, die 
von tiefroten Fäden durchzogen war. 
Willie mußte sowohl David als auch 
sich selbst eingestehen, daß diese 
Blüte wirklich wunderschön war. Sie 
beklagte sich nie wieder. Statt 
dessen ging sie an die Arbeit und 



KINDERSTERN 

10 



schuf in der Nähe von St. George 
eine florierende Farm und ein 
schönes Heim, wo sie und ihr Mann 
viele Jahre wohnen blieben.* 

Diese Blume, die der mutlosen 
Pionierfrau mit ihrer Blüte neue 
Kraft gab, rettete auch zahllosen 
weiteren Pionieren mit ihrer nahr- 
haften Wurzel das Leben. Deshalb 
nannte man sie die Mormonentulpe. 

Als die Mitglieder im Jahre 1846 
Wagenzüge in Winter Quarters 
bildeten, sollten sie so viele Vorräte 
mitbringen, daß sie achtzehn Monate 
etwas zu essen hatten. Manche taten 
das auch, aber die meisten brachten 
nur das mit, was sie besaßen bzw. 
kaufen konnten. Als die Pioniere 
dann im Salzseetal ankamen, hatten 
viele von ihnen wenig oder gar nichts 
zu essen. Schon seit Monaten hatten 
sie auf Zucker und Mehl verzichten 
müssen, und ihren übrigen kleinen 
Lebensmittelvorrat hatten sie auf 
dem langen Zug durch Nordamerika 
längst verbraucht. Viele mußten das 
essen, was sie erlegen konnten - 
Krähen, Kaninchen, Wölfe. Ein 
Siedler schrieb, er habe aus Wasser 
und einem Stück Fell eine Suppe 





gekocht! Die Pioniere waren erst so 
spät im Jahr ins Salzseetal 
gekommen, daß sie nicht mehr genug 
Getreide anpflanzen konnten. Und 
nun stand ihnen ein langer, bitter- 
kalter Winter bevor, und sie hatten 
nichts zu essen. 

Glücklicherweise halfen die 
Ureinwohner den Pionieren bei der 
Suche nach Eßbarem, das bereits 
vorhanden war. Dazu gehörte auch 
die Mormonentulpe, deren Wurzel 
wie eine Glühbirne geformt war. Die 
Ureinwohner zeigten den Pionieren, 
wie sie die Wurzeln ausgraben, 
kochen und haltbar machen mußten. 

Man brauchte viele 
Mormonentulpen, um daraus eine 
Mahlzeit für eine ganze Familie 
zuzubereiten. Die meisten Wurzeln 
waren etwa so groß wie Murmeln, 
aber manche waren genauso klein 
wie Erbsen! Es gab Leute, die 
meinten, die Wurzeln würden wie 
Steckrüben schmecken. Auf jeden 
Fall schmeckten sie am besten, 
wenn sie frisch gekocht wurden. 
Eine Pionierfrau schrieb in ihr 
Tagebuch, daß die gekochten 
Wurzeln nach dem Abkühlen zäh 
und klebrig wurden und wie 
Klebstoff aussahen! 

Manche Leute mahlten die 
Wurzeln auch und vermischten sie 
mit Mais- oder Weizenmehl, sofern 
sie welches hatten. Wer mehr 
Wurzeln hatte, als er sofort verbrau- 
chen konnte, hing sie zum Trocknen 

JUNI 1999 
11 



auf oder lagerte sie im Keller, um sie 
später zu verbrauchen. 

Die Wurzeln mußten mit einem 
angespitzten Stock oder einem 
spitzen Messer ausgegraben werden. 
Das war sehr anstrengend, aber in 
den ersten Jahren damals hatten die 
Pioniere oft nur die Wahl, entweder 
die Wurzeln zu essen oder zu verhun- 
gern. Brigham Young hat später oft 
gesagt, daß die Pioniere den schreck- 
lichen ersten Winter ohne die 
Mormonentulpe niemals über- 
standen hätten. Schließlich ernteten 
die Siedler Weizen und Mais und 
bekamen Nahrungsmittel aus dem 
Osten der Vereinigten Staaten. Doch 
bis dahin war die Mormonentulpe 
wirklich wie Manna vom Himmel. 

Später wurde die Mormonentulpe 
zum Symbol für die Eigenschaften, 
durch die sich die Siedler auszeich- 
neten. Sie wuchs selbst in kargem 
Boden und brauchte nicht viel 
Wasser. Trotzdem brachte sie eine 
wunderschöne Blüte und eßbare 
Wurzeln hervor. Sie war robust und 
zäh und brauchte weder 
Aufmerksamkeit noch Pflege. 

1911 wurde die Mormonentulpe 
von der Regierung Utahs offiziell zur 
Staatsblume erklärt. Damit erwies 
man der bescheidenen Pflanze, die 
vielen Pionieren buchstäblich das 
Leben gerettet hatte, die 
gebührende Ehre. □ 
* Aus der Familiengeschichte von David und 
Wilhelmina Cannon. 




VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN 







Lorenzo Presenqa 



ZEIT ZUM GESCHICHTENERZÄHLEN IN GALILÄA, GEMÄLDE VON DEL PARSON 



Jordan Stangier 



UNSER ERSTES FAMILIENFASTEN 



Vor ungefähr einem Jahr 
wurden Freunde unserer 
Familie mit schweren 
Verletzungen ins Krankenhaus einge- 
liefert. Rosana und Angel Blanco 
Rodriguez sowie zwei ihrer Kinder 
befanden sich gerade in der Küche, 
als sie Gas rochen. Bruder Rodriguez 
wollte nachschauen, wo das Gas 
herkam. Als er die Gasleitung 
berührte, gab es eine Explosion und 
einen Brand. Weil Bruder Rodriguez 
Angst um seine kleinen Kinder 
hatte, erstickte er die Flammen mit 
seinem eignen Körper. Er wurde von 
allen vier am schwersten verletzt. 
Als Mama uns von dem Unfall 
erzählte, sagte sie auch, wie sehr 
diese lieben Freunde ihr und Papa 
am Herzen lagen. Sie erklärte uns 
auch, daß wir Bruder und Schwester 
Rodriguez nicht dadurch helfen 
konnten, daß wir uns um die 
anderen Kinder, das Haus oder 
geschäftliche Angelegenheiten 
kümmerten, weil wir ja weit entfernt 
wohnten. Sie sagte aber, es gäbe eine 
Möglichkeit, ihnen zu helfen. Wir 
könnten gemeinsam als Familie 
fasten und darum beten, daß der 
Herr die Familie Rodriguez segnen 
möge. Alle könnten mitmachen - 
auch die Kleinsten. Unsere Eltern 
hatte schon immer am ersten 
Sonntag im Monat und auch zu 



sonstigen Anlässen gefastet, aber 
wir hatten noch nie als Familie gefa- 
stet. Also beschlossen wir, es zu 
versuchen. 

Am Samstag nach dem 
Mittagessen fingen wir an. Alle 
fasteten - Papa und Mama, Douglas, 
13 Jahre alt; Francini, 11 Jahre alt; 
Debora, 7 Jahre alt; und ich, 9 Jahre 
alt. Wir sprachen ein Gebet und 
baten den Herrn, unsere Freunde zu 
segnen. Mama brachte zur 
Erinnerung einen Zettel - „Unser 
erstes Familienfasten" - an der 
Kühlschranktür, am Wasserhahn, an 
der Mikrowelle und der Küchentür 
an, damit ja keiner vergaß, daß wir 
nichts essen und trinken durften. 

Ich hatte auch keinen Durst, 
obwohl es bei uns im 
Amazonasgebiet in Brasilien sehr 
heiß ist. Ich hatte auch keinen 
Hunger. Aber ich konnte mir jetzt 
vorstellen, wie es Jesus ergangen 
sein mochte, als er vierzig Tage 
fastete. Außerdem spürte ich, wie 
schön es ist, wenn man etwas tut, 
um anderen Menschen zu helfen. 

Am Sonntag gab Papa uns allen 
einen Umschlag für das Fastopfer 
und half uns beim Ausfüllen des 
Spendenzettels. In der Kirche gaben 
wir das Geld unserem 
Zweigpräsidenten. Mittags been- 
deten wir unser Fasten. 



KINDERSTERN 

12 



Die Familie Rodrigues konnte 
schließlich wieder nach Hause. Die 
Verletzungen waren nicht mehr 
schlimm. Doch wir und viele andere 
Freunde fasteten und beten weiter 
darum, daß sie wieder ganz gesund 
würden. Und der Herr hörte nicht 
auf, sie zu segnen. Nach einigen 
Monaten waren alle wieder voll- 
ständig gesund und hatten kaum 
Narben zurückbehalten. 

Seit unserem ersten 
Familienfasten fasten und beten wir 



jeden Monat zusammen für einen 
guten Zweck. 

Ich bin dankbar, daß ich Mitglied 
der Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage sein, mehr über 
Jesus Christus lernen und mehr 
darüber erfahren darf, was er alles 
für mich getan hat. Ich möchte 
seinem Beispiel immer nacheifern. □ 

Lorenzo Presenga, 10 Jahre alt 

Zweig Nova Esperanca, 

Pfahl Rio Negro, Manaus, Brasilien 



DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG 



Bei uns zu Hause lernen wir, 
wie man den Sabbat heilig- 
hält. Wir gehen zur Kirche 
und bemühen uns, am Sonntag nur 
das zu tun, was uns an den himmli- 
schen Vater und Jesus Christus 
denken läßt. Wir schreiben Tagebuch 
und lesen Geschichten aus den 
Zeitschriften der Kirche. Aber wir 
gehen beispielsweise nicht in den 
Park und treiben auch keinen Sport. 

Ich habe mich sehr gefreut, als 
mein Freund Gordon mir letztes Jahr 
eine Einladung zu seiner 
Geburtstagsfeier gab. Doch als ich 
die Einladung öffnete, sah ich, daß 
die Feier an einem Sonntag statt- 
finden sollte. Ich zeigte meine Eltern 
die Einladung, fragte aber nicht, ob 
ich hingehen dürfe. Statt dessen 
sagte ich: „Ich kann leider nicht 
hingehen, weil die Feier sonntags 
stattfindet." Ich war zwar 
enttäuscht, daß ich nicht dabei sein 
konnte, aber ich wußte, daß meine 
Entscheidung richtig war. 

Meine Mutter telefonierte mit 
Gordons Mutter und erklärte ihr, 
daß ich nicht kommen könne. 
Gordons Mutter entschuldigte sich 
dafür, daß die Feier an einem 



Sonntag stattfinden sollte. Gleich 
am nächsten Tag wollte sie sich mit 
Mama unterhalten, während die 
beiden vor der Schule warteten, um 
uns abzuholen. Sie erklärte, daß ihre 
Familie früher auch einmal zu einer 
Kirche gegangen sei und noch 
immer daran glaube, daß man beten 
solle. Dieses Gespräch war der 
Anfang vieler Gespräche, die wir mit 
Gordons Familie über das 
Evangelium geführt haben. Sie 
haben sich zwar nicht der Kirche 
angeschlossen, aber sie zeigen doch 
noch immer Interesse und wissen 
jetzt auch besser, woran wir glauben. 

Mama hat gesagt, wenn ich nicht 
die richtige Entscheidung getroffen 
und den Sabbat nicht heiliggehalten 
hätte, hätten wir wahrscheinlich 
längst nicht so ausführlich mit 
Gordons Familie über das Evangelium 
sprechen können. Sie respektieren 
unsere Wertvorstellungen, und dieses 
Jahr fand Gordons Geburtstagsfeier 
an einem Samstag und nicht an 
einem Sonntag statt. D 

Jordan Stangier, 8 Jahre alt 

Gemeinde Red Deer l , 

Pfahl Red Deer, Alberta, Kanada 







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JUNI 1999 

13 



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V 









Fern R. Law 

(Nach einer Tagebucheintragung der Großmutter und der Urgroßmutter der Verfasserin) 




eht nach draußen und spielt", sagte das 
(Dienstmädchen. „Ihr wißt doch, daß eure 
Mutter sich ausruhen muß." Also rannten 
Leta, Sina, Nilla und Clyde durch die Hintertür nach 
draußen, vorbei an den blühenden Tulpen bis hinten 
aufs Feld. Am Ende des Feldes gab es einen 
riesengroßen Keller, wo Gemüse eingelagert wurde. In 
dem Teil, wo keine Kartoffeln und auch sonst kein 
Gemüse lagerten, durften die vier Kinder spielen. 

„Wir wollen uns jetzt zum Abendessen fertig 
machen", sagte Leta mit einer Stimme, der jeder gleich 
anhörte, daß sie die Mutter spielte. „Leta, hilf mir, die 
Schürze zuzubinden." Sie tat so, als ob sie eine Schürze 
aus dem Schrank nähme und überstreife. 

Sina gab vor, daß sie hinten die Schleife bände. Sie 
beeilte sich dabei sehr, denn sie wollte unbedingt die 
große Schwester spielen. „Ich decke den Tisch", sagte 
sie und drehte eine Holzkiste um, auf die sie ein altes 
Geschirrtuch legte. 

„Nilla", befahl Leta, „du gehst zurück zum Haus und 
bringst uns etwas zu essen." 

Nilla freute sich, daß sie eine wichtige Aufgabe 
bekommen hatte. Sie war schon fast am Haus, als ihr 
einfiel, daß das Dienstmädchen sie ja fortgeschickt hatte 
und vielleicht gar nicht wieder hineinließe. Deshalb 
schaute sie sich vorsichtig um, bis sie das Mädchen sah. 
Es unterhielt sich mit einem Jungen, der mit einem 
Pferd gekommen war. 

Nilla ging in die Küche. Die Schranktüren standen 
offen, aber die Schränke waren leer. Sie rochen nach 
Seife. Auf dem Küchentisch und auf den Stühlen 



standen Kästchen und Fläschchen in verschiedenen 
Größen und Formen. 

Nillas Blick fiel auf eine Flasche, auf der ein rotweißer 
Aufkleber prangte. Sie wußte nicht, daß der Totenkopf 
mit den gekreuzten Knochen darunter bedeutete, daß 
Gift in der Flasche war. Der Aufkleber saß nicht mehr 
ganz fest, deshalb riß sie ihn ab und warf ihn auf den 
Boden. Dann nahm sie stolz die Flasche und brachte sie 
ihren Geschwistern, die im Spielkeller auf sie warteten. 

Leta öffnete die Flasche und sah die weißen Kristalle. 
„Ja, das sieht gut aus", sagte sie und schraubte die 
Flasche wieder zu. „Es dauert aber noch eine Weile, bis 
das Abendessen fertig ist. Deshalb dürft ihr euch noch 
nicht an den Tisch setzen." 

Leta tat so, als ob sie einen Ofen hätte und etwas 
kochen würde. Dann fegte sie den Boden. Von Zeit zu 
Zeit schimpfte sie mit den Kindern, weil diese unge- 
duldig auf das Essen warteten. Schließlich erklärte sie, 
daß es jetzt Zeit zum Abendessen sei. 

Als die Kinder sich hingesetzt hatten, schüttete Leta 
für jeden ein kleines Häufchen Kristalle aus der Flasche. 
Clyde leckte sich den Finger ab und wollte gleich 
anfangen zu essen, aber Leta hielt ihn auf. „Wir müssen 
vor dem Essen doch erst beten. Ich werde das Gebet 
sprechen." 

Beim Beten erinnerte sie alle an ihren Vater. Sie 
begann: „Unser Vater im Himmel. Wir danken dir für 
dieses Essen und für — " Ihre Stimme hob und senkte 
sich, während sie immer weiterbetete. Die meiste Zeit 
murmelte sie nur vor sich hin, so daß eigentlich 
niemand richtig verstand, was sie sagte. Die anderen 



KINDERSTERN 

14 



Kinder hörten sie sagen:"Segne dieses Essen, damit es 
uns gut bekommt" und „segne die Missionare, die 
draußen für dich arbeiten". Und gerade, als Sina, 
Nilla und Clyde meinten, das Gebet sei nun zu Ende 
und sie könnten endlich anfangen zu essen, fiel ihr 
noch der Name eines Mitglieds der Gemeinde ein, für 
das sie beten konnte, und so ging das Gebet weiter. 

Zu Hause wachte die kranke, schwache Mutter 
mit einer solch großen Angst um ihre Kinder auf, daß 
sie schon aus dem Bett sprang, ehe sie überhaupt 
richtig wach war. Langsam tastete sie sich aus dem 
Schlafzimmer und sah, daß das Dienstmädchen auf 
der Couch schlief. 

Die Küche war makellos sauber, abgesehen von 
einem verblichenen roten Aufkleber, der ihr ins Auge 
sprang, als der Wind ihn über den Boden wehte. Ein 
Totenkopf und gekreuzte Knochen waren darauf zu 
sehen - und die Bezeichnung Strychnin. Die Mutter 
lief so schnell sie konnte nach draußen. Sie konnte 
die Kinder nirgendwo im Garten entdecken, und so 
rannte sie geradewegs zum Spielkeller. 



Leta hatte gerade „Amen" gesagt. Die Kinder 
leckten sich über die Finger und wollten nun ihr 
„Abendessen", nämlich die Kristalle, damit 
aufnehmen, als plötzlich der Schatten der Mutter 
durch den Türrahmen fiel. 

Sie hatte sie gerade noch rechtzeitig gefunden! Im 
Herzen sprach sie ein Dankgebet dafür, daß ihren 
kleinen Kindern nichts geschehen war. Sie zweifelte 
nicht einen Augenblick daran, daß der Geist des 
Herrn sie aufgeweckt und zu ihren Kindern geführt 
hatte. 

Als der Vater am Abend das Tischgebet sprach, 
warteten die Kinder geduldig und hörten zu, wie 
seine Stimme sich hob und wieder senkte. Sie 
mußten immer wieder daran denken, wie sie im 
Spielkeller vor ihrem „Abendessen" gebetet und 
beinahe Gift gegessen hatten, 

Beim Essen flüsterte Nilla ihrer Schwester Leta zu: 
„Der himmlische Vater hört und versteht jedes 
Gebet, nicht wahr?" 

„Ja, das tut er", flüsterte Leta zurück. D 




/ XI 



T~aat 




BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



SICH UM BEHERRSCHUNG BEMUHEN 



Wir sind auf die Erde 
gekommen und haben 
einen Körper erhalten. 
Jetzt müssen wir lernen, diesen 
Körper zu beherrschen. Präsident 
Brigham Young hat erklärt, wie 
wichtig Selbstbeherrschung ist, damit 
man das ewige Leben empfangen 
kann: „Der [Körper] muß sich dem 
Geist vollkommen unterwerfen, 
sonst kann euer Körper nicht 
erhoben werden, um ewiges Leben zu 
ererben. . . . Bemüht euch eifrig, bis ihr 
alles dem Gesetz Christi unterworfen 
habt." (Lehren der Präsidenten der 
Kirche: Brigham Young, Seite 204.) 

WIE LERNT MAN 
SELBSTBEHERRSCHUNG? 

Selbstbeherrschung lernt man 
unter anderem dadurch, daß man 
sich mit der Gotteslehre befaßt und 
danach lebt. Jeder Versuch, der von 
Erfolg gekrönt ist, schenkt uns Kraft 
und bringt uns dem Ziel näher, 
„Christus in seiner vollendeten 
Gestalt" darzustellen (siehe Epheser 
4.13). Unser Ziel besteht darin, 
unsere Wünsche so zu beherrschen, 
daß wir wie der Meister zum himmli- 
schen Vater sagen können: „Mein 
Vater, . . . nicht wie ich will, sondern 
wie du willst." (Matthäus 26:39.) 

Selbstbeherrschung lernt man 
unter anderem dadurch, daß man 
schon den Anschein der Versuchung 
meidet und jeden Gedanken von sich 
weist, der einen zum Handeln 
verleiten will (siehe 1 Thessalonicher 
5:22). Das gilt vor allem für süchtig 
machende Substanzen und für 
Verhaltensweisen, die zur Gewohnheit 
werden können. Manchmal braucht 
man vielleicht sogar fachmännische 
Hilfe, um eine solche Sucht bzw. ein 
solches Verhalten zu überwinden. Auf 



jeden Fall aber braucht man die Hilfe 
Gottes. 

Wer sich um Selbstbeherrschung 
bemüht, gewinnt durch Beten und 
Fasten große Kraft. Beides hat nämlich 
etwas mit Selbstbeherrschung zu tun 
und schenkt uns Zugang zu den 
Kräften des Himmels. Ja, vieles von 
dem, was der Herr von uns erwartet, 
kann uns helfen, uns selbst zu 
meistern. Präsident Spencer W 
Kimball hat gesagt: „Es ist eine 
Glaubensprüfung, ein Zehntel all 
dessen zu nehmen, was man verdient 
hat, und es ist den Führern zu geben, 
damit diese es weiterverwenden. 
Fasten ist Selbstbeherrschung. . . . 
Immer vollständig selbstlos zu sein und 
erst an andere zu denken, ehe man an 
sich selbst denkt, ist ein großer Schritt 
hin zur Selbstbeherrschung. Und wer 
jemandem vergibt, der gemein und 
verletzend ist, ist schon ganz nahe 
daran, vollkommen zu sein." (The 
Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. 
Edward L. Kimball, 1982, Seite 204.) 

EINANDER HELFEN 

Wenn man jemanden sieht, der 
Schwierigkeiten mit der Selbstbeherr- 
schung hat, fällt einem die Kritik oft 
nicht schwer. Doch Gott möchte 
lieber, daß wir helfen, anstatt 
jemandem Steine in den Weg zu 
legen. Eider Marvin J. Ashton 
(1915-1994) hat einmal von einer 
Schwester erzählt, die einer FHV- 
Leitung angehörte und während einer 
Leitungssitzung einmal aufgrund von 
familiären Schwierigkeiten die 
Beherrschung verlor. Später rief sie 
verlegen bei aen Schwestern an, um 
sich zu entschuldigen. 

„Ihre Freundinnen in der FHV- 
Leitung waren großzügig und 
meinten, sie solle sich darüber keine 

JUNI 1999 
25 



Gedanken mehr machen. Trotzdem 
meinte sie, daß sie sie jetzt vielleicht 
nicht mehr so schätzten, nachdem 
sie sich so hatte gehenlassen. Aber 
am Abend klingelte es an der Tür, 
und da standen die anderen 
Schwestern von der FHV-Leitung 
mit einem Abendessen in der Hand. 
,Als du heute morgen die 
Beherrschung verloren hast, war uns 
klar, daß du völlig fertig sein mußt. 
Wir haben uns gedacht, daß dir ein 
kleines Abendessen vielleicht hilft. 
Wir haben dich sehr lieb.'" („Die 
Zunge kann ein scharfes Schwert 
sein", Der Stern, Juli 1992, Seite 18.) 
Ein kleines Kind lernt laufen, 
indem es hinfällt und wieder aufsteht. 
Selbstbeherrschung lernt man oft auf 
dieselbe Weise. Jesus Christus war das 
einzige vollkommene Wesen auf der 
Erde, und wenn wir versuchen, ihm 
nachzufolgen, werden wir wohl 
manchmal ins Stolpern geraten. Doch 
wenn wir uns um die Hilfe des Vaters 
bemühen und vergebungsbereit sind - 
uns selbst und anderen Menschen 
gegenüber -, dann finden wir auch 
die Kraft, wieder von neuem zu 
beginnen. D 




'... 





Der Traum 
vom Dienen 



John Jairo Bustamante 



Ich schaute aus dem 
Flugzeugfenster. Plötzlich 
mußte ich an den Traum 
denken, den ich damals 
nicht verstanden hatte. Ich 
saß in einem Flugzeug, ich 
war der Leiter unserer 
Gruppe, und wir waren auf 
dem Weg zum Tempel, dem 
Haus des Herrn, der heilig- 
sten Stätte auf der Erde. 
Und ich war dafür verant- 
wortlich, daß wir sicher 
dort ankamen. 



Als ich dreizehn, vierzehn 
Jahre alt war, träumte ich 
einmal, ich sei mit anderen 
Leuten unterwegs; wir wollten mit 
dem Flugzeug in ein schönes, friedli- 
ches Land fliegen, wo Jesus Christus 
wohnte. Wir mußten mit dem 
Flugzeug fliegen, um dieses Land zu 
erreichen, und ich war verantwort- 
lich für unsere Gruppe und dafür, 
daß wir sicher dort ankamen. 

Dieser Traum überraschte mich 
schon ziemlich, und deshalb erzählte 
ich ihn am nächsten Tag meiner 
Mutter. Sie fand ihn ganz nett, viel- 
leicht ein wenig merkwürdig, aber wir 
wußten beide nicht, was wir davon 
halten sollten. Obwohl wir den Traum 
nie wieder erwähnten, blieb er mir 
doch viele Jahre lang unvergessen. 

Ich wurde in Bogota in Kolumbien 
geboren. Meine Eltern lehrten mich, 
an Gott zu glauben, und dafür bin ich 
ihnen sehr dankbar. Doch wie jedes 
menschliches Wesen habe auch ich 
Fehler gemacht, die allmählich zur 
Entfremdung von meiner Familie 
führten. Aufgrund der Spannungen 
bei uns zu Hause und weil ich auf der 
Suche nach einem besseren Leben 
war, beschloß ich, Urlaub in 
Fusagasuga zu machen, einer Stadt in 
der Nähe von Bogota. Doch meine 
Probleme nahm ich dorthin mit. 

Eines Tages ging ich spazieren 
und überlegte, ob ich mich um Hilfe 
bemühen sollte. Schließlich bat ich 
Gott, mir zu helfen; irgendwie 
spürte ich, daß dies die richtige 
Entscheidung war. 

Ein paar Tage später lernte ich eine 
junge Frau kennen, die mir von der 
Kirche erzählte, die sie besuchte. Was 
sie sagte, machte mich neugierig und 
erfüllte mich mit Hoffnung. Ich fragte, 
ob ich mit zu den Versammlungen 
ihrer Kirche kommen dürfe. 

Als wir dort ankamen, wurde 
ich von freundlichen Menschen 
begrüßt. Sie stellten mich den 
Missionaren vor, die mit mir die erste 



Lektion durchnahmen und mir ein 
Buch Mormon schenkten. 

Als der Urlaub vorüber war, fuhr 
ich wieder zurück nach Bogota. Dort 
hatte ich einen Unfall und verletzte 
mich am Bein. Weil ich nun nur 
unter großen Mühen laufen konnte, 
fing ich an, das Buch zu lesen, das die 
Missionare mir gegeben hatten. Und 
dann fand ich die Antworten auf 
viele Fragen, die ich mir zum Sinn 
des Lebens und zur richtigen Art und 
Weise der Gottesverehrung gestellt 
hatte. Die Lehren, die von Nephi, 
Mosia und anderen Propheten 
stammten, weckten in mir den 
Wunsch, mit den Missionaren über 
die Kirche zu sprechen. 

Aufgrund des Unfalls war ich in 
meiner Bewegungsfreiheit stark 
eingeschränkt, aber mein Wunsch, 
mehr zu erfahren, war so groß, daß 
ich nach Fusagasuga reiste, um die 
Missionare zu suchen. Als ich sie 
gefunden hatte, gaben sie mir die 
Adresse von Missionaren in der 
Nähe meines Wohnortes, und ich 
fuhr wieder nach Hause. 

Als der Gips von meinem Bein 
entfernt wurde, konnte ich zwar 
immer noch nicht wieder richtig 
laufen, sah mich aber dennoch nach 
dem nächstgelegenen Gemeindehaus 
der Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage um. Dort traf ich 
die Missionare - als ob sie auf mich 
gewartet hätten. Die Missionare 
Castro, Mamani und Duran beant- 
worteten die vielen Fragen, die ich 
hatte, und luden mich ein, mich dem 
Reich Gottes anzuschließen. 

Bei jedem Gespräch spürte ich, 
daß ich mich auf dem richtigen Weg 
befand und daß Gott mein Flehen 
um Hilfe erhört hatte. Wie viele 
andere suchte 'auch ich auf den 
Knien nach der Wahrheit; das 
Schöne am Evangelium war ja, daß 
ich die Wahrheit selbst erkennen 
konnte. Zwei Monate später, am 4. 
Juni 1994, ließ ich mich taufen. 



Ein Jahr nach meiner Bekehrung 
wurde ich auf Vollzeitmission 
berufen. Ich freute mich sehr, daß 
ich nun mit anderen Menschen über 
das sprechen konnte, was ich über 
Jesus Christus und die große Liebe, 
die er für uns empfindet, gelernt 
hatte, über neuzeitliche Propheten 
und das Buch Mormon. Eine Woche 
vor der Abreise durfte ich meine 
Mutter taufen; auch sie hatte die 
wahre Kirche Jesu Christi gefunden. 

Am 14. Juli 1995 traf ich in der 
Missionarsschule in Bogota ein. 
Am Ende der Ausbildung berief 
mich der Präsident als Leiter einer 
Missionarsgruppe, die nach Peru in 
den Lima-Tempel fahren sollte. 
Als ich mit den einundzwanzig 
Missionaren aus Kolumbien, Ekuador 
und Venezuela im Flugzeug saß, 
schaute ich aus dem Fenster. Plötzlich 
mußte ich an den Traum denken, den 
ich damals nicht verstanden hatte. 
Ich saß in einem Flugzeug, ich war 
der Leiter unserer Gruppe, und wir 
waren auf dem Weg zum Tempel, 
dem Haus des Herrn, der heiligsten 
Stätte auf der Erde. Und ich war 
dafür verantwortlich, daß wir sicher 
dort ankamen. 

Anscheinend hat mich der himm- 
lische Vater schon in jungen Jahren 
dafür bereitgemacht, der Kirche 
beizutreten. Er hat mich bereitge- 
macht, so daß ich Zeugnis von 
seinen Wahrheiten geben kann, und 
das habe ich als sein Botschafter 
auch getan, und zwar in der Mission 
Barranquilla in Kolumbien. D 



JUNI 1999 

27 



Einigkeit in der 




Zweitfamilie 



Eider Robert E. Wells Emeritiertes Mitglied der Siebziger und Präsident des Santiago-Tempels in Chile 



Wenn Eltern eine 
Zweitfamilie 
schaffen, sehen sie sich 
der Aufgabe gegenüber, 
sowohl ihre Ehe als auch 
das Verhältnis zu den 
Kindern in ihrer 
Familie aufzu- 
bauen und zu 
festigen. 




Als mein Vater starb, blieb meine Mutter mit zwei 
kleinen Jungen zurück. Nach einiger Zeit heira- 
tete sie einen kinderlosen Witwer, und die beiden 
bekamen gemeinsam einen Sohn. Ich wuchs also in einer 
Familie auf, wo meine Eltern von „deinen/unseren" 
Kindern hätten sprechen können. Doch für uns fünf war 
unsere Familie nicht anders als jede andere Familie. 

Wir vermieden Bezeichnungen wie „Stiefvater" und 
„Halbbruder". Ich beispielsweise arrangierte mich damit, 
daß ich zwei Väter hatte - einen biologischen Vater, der 
mir ein reiches, edles Erbteil geschenkt 
hatte, und einen zweiten Vater, der 
mich erzog und mir ein weiteres 
reiches, edles Erbteil zukommen 




ließ. Meine beiden Brüder und ich wuchsen gemeinsam 
auf und wurden gleich behandelt, obwohl mein jüngster 
Bruder einen anderen Familiennamen trug. Unsere 
„Zweitfamilie" funktionierte, weil wir einerseits Liebe 
und Achtung erfuhren und andererseits auch die 
Möglichkeit bekamen, zu dienen und Opfer zu bringen. 
Von einer Zweitfamilie spricht man immer dann, 
wenn ein oder beide Elternteile nicht die biologischen 
Eltern der Kinder sind, die zu dieser Familie gehören. 
Eine solche Zweitfamilie kann viele Ursachen haben, 
beispielsweise eine Wiederheirat und die Adoption von 
Kindern nach einer Scheidung oder dem Tod eines 
Ehepartners. 

Wie die Erstfamilie kann auch die Zweitfamilie 

innerhalb und außerhalb der Kirche funktionieren und von 

Liebe und Eintracht erfüllt sein. Dennoch 

sieht sich die Zweitfamilie besonderen 

Schwierigkeiten gegenüber, da Eltern 

und Kinder in einer neuen Beziehung 

und einer neuen Umgebung leben. Im 

Falle einer Wiederheirat nach einer 

Scheidung beispielsweise fühlen 

sich die Kinder möglicherweise 

zwischen zwei Erwachsenen und 

zwei Familien hin- und hergerissen. 

Wenn Eltern eine Zweitfamilie 

schaffen, sehen sie sich der Aufgabe 

gegenüber, sowohl ihre Ehe als auch 

das Verhältnis zu den Kindern in 

ihrer Familie aufzubauen und zu 

festigen. 

DER ENTSCHLUSS ZUR 
WIEDERHEIRAT 

Die Entscheidung für 
die Zweitfamilie muß 
sorgfältig überlegt und 
unter Berücksichtigung 
zahlreicher Faktoren 
getroffen werden. Denn 
nicht nur das heirats- 
willige Paar, sondern 
auch dessen Kinder, 



Schwiegerkinder, Verwandte sowie ehemaliger Ehepartner 
gehen eine enge Beziehung ein. 

„Die Ehe ist möglicherweise die wichtigste 
Entscheidung überhaupt; sie hat die weitreichendsten 
Folgen, und zwar nicht nur für das Glück auf der Erde, 
sondern auch für die Freuden in der Ewigkeit", hat 
Präsident Spencer W. Kimball gesagt. „Sie betrifft nicht 
nur die beiden heiratswilligen Menschen, sondern auch 
deren Familie und vor allem deren Kinder und 
Enkelkindern über viele Generationen hinweg." 
(Marriage and Divorce, 1976, Seite 10.) 

Der Herr hat gesagt: „Es ist nicht gut, daß der Mensch 
allein bleibt." (Genesis 2:18.) Dennoch können die 
Wiederheirat und die Bemühungen, eine funktionie- 
rende Zweitfamilie zu schaffen, fehlschlagen, wenn sich 
beide Partner nicht richtig darauf vorbereiten. Die 
Entscheidung, noch einmal zu heiraten, ist nicht leicht 
und darf nicht überstürzt werden. Wer geschieden ist, 
empfindet manchmal viel Zorn und hat unter Narben zu 
leiden, die er in der vorangegangen Ehe erlitten hat; 
andere wiederum stellen unvernünftige Erwartungen an 
die Zukunft, haben jedoch Schwierigkeiten, die 
Vergangenheit ruhen zu lassen. Wer verwitwet ist, 
braucht Zeit, um seinen Kummer zu verarbeiten. Sicher 
ist es nicht der Idealzustand, allein zu sein, aber es ist 
auch nicht gut, erneut zu heiraten und die 
Anforderungen und Aufgaben auf sich zu nehmen, die 
die Zweitfamilie mit sich bringt, wenn man dafür inner- 
lich noch nicht bereit ist. 

Zum Plan des himmlischen Vaters gehört, daß 
Menschen die Ehe eingehen und Kinder ein Zuhause 
haben, wo sie von Vater und Mutter erzogen werden. 
Doch „Behinderung, Tod und sonstige Umstände mögen 
eine individuelle Anpassung erforderlich machen". („Die 
Familie - Eine Proklamation an die Welt", Der Stern, 
Oktober 1998, Seite 24.) 

Eine solche Erfahrung habe auch ich als erwachsener 
Mensch machen müssen. Nachdem ich meine 
Schulfreundin geheiratete hatte, bekamen wir drei süße 
Kinder und führten gemeinsam das Leben, das wir 
geplant und erhofft hatten. Doch dann kam meine Frau 
bei einem tragischen Unfall ums Leben. Fast zwei Jahre 
lang trauerte ich voller Verzweiflung, bis meine Eltern 
und meine Schwiegereltern mich aufforderten, doch 
über eine erneute Heirat nachzudenken - zu meinem 
eigenen Wohl und zum Wohl meiner Kinder. 



Nachdem ich gefastet und die Angelegenheit in ernstli- 
chem Beten mit dem himmlischen Vater besprochen hatte, 
spürte ich, daß es richtig war, eine neue Ehe einzugehen. 

DIE WAHL DES EHEPARTNERS 

Wenn sich jemand zur Wiederheirat entschlossen hat, 
braucht er möglicherweise aber noch einige Zeit, um einen 
Partner zu finden. Ich beispielsweise schrieb an mehrere 
Freunde und Verwandte, die meine Lage kannten, und 
erzählte ihnen von meinem Wunsch, eine neue Ehe einzu- 
gehen. Ich fragte sie, ob sie vielleicht eine Frau kennen 
würden, die bereit sei, darüber nachzudenken, ob sie an 
drei Kindern Mutterstelle vertreten und die Frau eines 
Distriktspräsidenten der Kirche und Bankiers werde wolle, 
der in Südamerika lebte und nur wenig Zeit hatte. 
Nachdem ich sechs Vorschläge bekommen hatte, fuhr ich 
auf Urlaub in die Vereinigten Staaten, wo ich mich 
schließlich gedrängt fühlte, mit meiner lieben Helen auszu- 
gehen und sie zu fragen, ob sie meine Frau werden wolle. 

Helen brachte eine zweijährige Tochter mit in die 
Ehe, ich zwei Söhne im Alter von drei und sechs Jahren 
und eine neunjährige Tochter. Später bekamen wir noch 
drei weitere Töchter, so daß wir insgesamt sieben Kinder 
hatten. 

Unsere Ehe wurde nur dadurch möglich und auch 
glücklich, daß wir beide eine Antwort vom himmlischen 
Vater erhielten, der uns bestätigte, daß er mit unserer 
Entscheidung, zu heiraten, einverstanden war. Ohne 
diese stabile Grundlage wäre es sehr unklug gewesen, 
schon nach so kurzer Zeit zu heiraten. Aber ich erwartete 
nicht, daß der himmlische Vater die Arbeit für mich 
machte. Ehe ich ihm die Angelegenheit im Gebet 
vortrug, zog ich Erkundigungen über Helens Herkunft, 
ihre Familie, ihr Zeugnis und ihre Verpflichtung dem 
Herrn gegenüber ein. Gleichermaßen brachte Helen so 
viel über mich in Erfahrung, daß sie das Gefühl hatte, wir 
könnten zusammenpassen. 

Während der Zeit des Werbens entdeckten wir 
schnell drei wichtige Eigenschaften im anderen, die 
notwendig sind, damit die Ehe und die Zweitfamilie 
glücklich werden können: 

• Charakter. Ist der zukünftige Partner im Besitz eines 
Tempelscheins? Lebt er so, daß er des Geistes würdig ist? 
Ist sein Leben vom Dienst im Gottesreich bestimmt? 

•Befähigung. Kann der zukünftige Ehemann eine 
Familie ernähren? Ist die zukünftige Ehefrau fähig und 



DER 



STERN 

30 



willens, die Kinder ihres Mannes mit aufzuziehen? Sind 
beide fest entschlossen, eine glückliche Zweitfamilie 
aufzubauen und sich dabei auf den himmlischen Vater zu 
verlassen? 

•Belastbarkeit. Haben sich beide durch Glauben, 
Beten, Dienen und Opfern genug geistige Reserven 
angelegt, auf die sie zurückgreifen können, wenn es beim 
Aufbau der Zweitfamilie Schwierigkeiten gibt? 

„Bei der Wahl des [Ehe] partners", hat Präsident 
Kimball gesagt, „muß man auf jeden Fall sorgfältig 
planen und nachdenken und beten und fasten, 
damit man gerade in diesem Punkt keine falsche 
Entscheidung trifft. In einer 
funktionierenden Ehe müssen die 
Partner sich einig sein - was den 
Verstand und das Herz betrifft. 
Man darf seine Entscheidungen 
nicht allein aufgrund von Gefühlen 
treffen. Doch Verstand und Herz 
in Verbindung mit Fasten und 
Beten und intensivem Nachdenken 
eröffnen einem die größtmögliche 
Chance, eine glückliche Ehe zu 
führen." (Marriage and Divorce, 
Seite 11.) 

DIE ANFORDERUNGEN BEWÄLTIGEN 

Nach der Eheschließung kann 
das erhoffte glückliche Ende nur 
durch viel angestrengte Arbeit, 
Beten, Geduld und Beharrlichkeit 
Wirklichkeit werden. Jede Familie 
muß Schwierigkeiten bewältigen, 
doch in der Zweitfamilie sind 
bestimmte Probleme schwieriger in 
den Griff zu bekommen. Unabhängig 
davon, wie gut die beiden neuen 
Partner auch zusammenpassen 
mögen - sie müssen bereit sein, 
sich den Prüfungen zu stellen, die 
ihnen die neue Familie auferlegt. 

Im folgenden finden Sie einige 
Problempunkte und die entspre- 
chenden Lösungsvorschläge, über die 
in einer Zweitfamilie offen gespro- 
chen werden sollte: 



•Einigkeit. Der Herr hat gesagt: „Wenn ihr nicht 
eins seid, dann seid ihr nicht mein." (LuB 38:27.) 
Eine Zweifamilie, die vom Herrn anerkannt werden 
will, muß sich um Einigkeit bemühen. Diese Einigkeit 
beginnt mit den Eltern. Solidarität und Liebe 
zwischen den Ehepartnern tragen dazu bei, Solidarität 
und Liebe zwischen den Geschwistern zu schaffen. 
Deshalb ist die Beziehung zwischen Mann und Frau 
die wichtigste Voraussetzung für eine starke, einige 
Familie. 

Um Einigkeit zu schaffen, braucht die Familie gemein- 
same Ziele und muß Zeit miteinander verbringen. 




JUNI 1999 
31 



Der Besuch der Kirche, der Familienabend, das 
Familiengebet, der Familienrat, Arbeitsprojekte, Ferien 
und Freizeitaktivitäten bieten die Gelegenheit, 
gemeinsam etwas zu unternehmen. Es ist wichtig, daß die 
Zweitfamilie von den bisherigen Familienzielen und - 
brauchen die besten auswählt und auch neue Ziele und 
Bräuche schafft. 

Stiefeltern brauchen Geduld. Weil die innere 
Verbundenheit zwischen Stiefeltern und -kindern erst mit 
der Zeit entsteht, kann es manchmal sogar Jahre dauern, 
bis der Aufbau einer einigen, harmonischen Zweitfamilie 
gelungen ist. Erwachsene und auch Kinder bringen in die 




Zweitfamilie Erfahrungen und Erwartungen ein, die sich 
auf die Beziehungen innerhalb der neuen Familie 
auswirken können. Manchmal kann es sein, daß die 
Stiefeltern nur eine untergeordnete Rolle im Leben eines 
Kindes spielen dürfen. Doch anstatt sich in Konkurrenz 
zu der Beziehung eines Kindes zu einem Elternteil zu 
setzen, das nicht mehr zu Hause wohnt, müssen 
Stiefeltern sich darauf konzentrieren, eine neue 
Beziehung zu dem Kind aufzubauen. 

Manche Kinder mögen zögern, zu einem neuen 
Elternteil Vertrauen zu fassen. Dennoch darf man ihnen 
nie das Gefühl geben, sie müßten um die Liebe dieses 

Menschen wetteifern. Während 
eine Stiefmutter beispielsweise nie 
den Platz einnehmen kann, den 
die verstorbene Mutter im Herzen 
eines Kindes einnimmt, kann sie 
sich doch in seinem Herzen eine 
eigene Ecke schaffen, indem sie ihm 
Liebe entgegenbringt und sich in 
Geduld übt. 

Jede Familie täte gut daran, sich 
immer vor Augen zu halten, was die 
Erste Präsidentschaft und das 
Kollegium der Zwölf in ihrer 
Proklamation zur Familie geschrieben 
haben: „Erfolgreiche Ehen und 
Familien gründen und sichern ihren 
Bestand auf den Prinzipien Glaube, 
Gebet, Umkehr, Vergebungsbereit- 
schaft, gegenseitige Achtung, Liebe, 
Mitgefühl, Arbeit und sinnvolle 
Freizeitgestaltung." (Der Stern, 
Oktober 1998, Seite 24.) 

• Gespräche. Diplomatische, 
aber dennoch offene und ehrliche 
Gespräche sind notwendig, damit in 
der Zweitfamilie Aufgaben festgelegt, 
Grenzen gezogen und emotionale 
Probleme bewältigt werden können. 
Die Wunden, die Tod oder 
Scheidung geschlagen haben - 
Unsicherheit, fehlendes Selbstwertge- 
fühl, mangelndes Selbstvertrauen 
und Mißtrauen anderen Menschen 
gegenüber - müssen offen besprochen 



DER STERN 

32 



und bewältigt werden, so daß eine neue Linie gesunden 
Verhaltens in der Familie gefunden werden kann. Nicht 
alle in einer Familie schließen zum selben Zeitpunkt die 
Tür zur Vergangenheit. Ein Witwer mag vielleicht für 
eine neue Frau bereit sein, während seine Kinder noch 
nicht für eine neue Mutter bereit sind. Solche Kinder 
brauchen Eltern, die sie anspornen, über ihre Gedanken 
und Gefühle zu sprechen. 

„Eine Familie kann nur dann effektiv miteinander 
kommunizieren, wenn es einen Gefühls- und Informations- 
austausch gibt", hat Eider Marvin J. Ashton, ehemals 
Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, gesagt. „Die 
Türen zur Kommunikation in der Familie schwingen 
jedoch weit auf, wenn sich die Familienmitglieder bewußt 
machen, daß dazu Zeit notwendig ist und daß alle mitma- 
chen müssen. Unterschiede dürfen nicht ignoriert werden, 
sondern müssen ruhig beurteilt werden. Die eigene 
Meinung ist in der Regel nicht so wichtig wie eine gute, 
dauerhafte Beziehung." („Family Communications, Ensign, 
Mai 1976, Seite 52.) 

Jeder in der Zweitfamilie muß die lieben Erinnerungen 
und Gefühle respektieren, die die anderen für jemanden 
hegen, der nicht mehr da ist. Bei einer Scheidung muß 
man empfänglich für das Leid sein, das die anderen 
erlitten und von dem sie sich möglicherweise noch nicht 
erholt haben. Um auf allen Ebenen - Kind zu Kind, 
Eltern zu Kind, Eltern zu Eltern, Ehepartner zur neuen 
Verwandtschaft usw. - eine neue, gute Beziehung zu 
schaffen, muß man freundliche, rücksichtsvolle 
Offenheit an den Tag legen, die die anderen anspornt, 
über ihre Gefühle zu sprechen. 

•Siegelung. Jake Garn, ein ehemaliger US-Senator, 
konnte sich nach dem Tod seiner Frau Hazel im Jahre 
1976 nur schwer zu einer erneuten Heirat entschließen. 
Doch ihm wurde ziemlich schnell bewußt, daß er für 
seine Kinder nicht Vater und Mutter zugleich sein 
konnte. Als er anfing, mit Kathleen Brewerton auszu- 
gehen, die später seine zweite Frau werden sollte, stellte 
sich bald die Frage, wie seine erste Frau wohl dazu 
stehen würde, wenn er sich an eine zweite Frau siegeln 
ließ. Die beiden gingen mit ihren Fragen zu Präsident 
Spencer W. Kimball. 

„Er sagte, er wisse auch nicht genau, was in einer 
solchen Situation geschähe, aber er wisse jedenfalls, daß 
alles gut würde, wenn wir Glauben hätten, und daß uns 
viel Freude zuteil würde", erinnerte sich Bruder Garn 



später. „Kathleen sagte ihm, sie habe Angst, Hazel zu 
kränken. Doch da schien sich Präsident Kimballs 
Verhalten zu ändern. Hatte er zu Beginn noch zögerlich 
geantwortet, so sprach er jetzt mit fester Gewißheit. Er 
schaute Kathleen gerade ins Gesicht, und während sich 
in seinem Auge eine Träne bildete, sagte er: ,Ich weiß 
nur eins: Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. 
Hazel wird Sie nicht nur anerkennen, sondern auch 
in den Arm nehmen und Ihnen dafür danken, daß Sie 
ihre Kinder großgezogen haben.'" (Why l Believe, 1992, 
Seite 13.) 

Niemand in der Familie muß sich Sorgen darüber 
machen, wer nun an wen gesiegelt ist und wie sich das 
alles im nächsten Leben darstellen mag. Es geht doch nur 
darum, daß wir hier und jetzt nach dem Evangelium 
leben und unsere Mitmenschen lieben, vor allem unsere 
Angehörigen. Wenn wir so gut wie möglich nach dem 
Evangelium leben, wird der Herr uns in seiner Liebe und 
Barmherzigkeit im nächsten Leben segnen, und alles 
wird gut. 

Ich habe miterlebt, wie Zweitfamilien innerlich über 
die Frage zerrissen sind, wer im nächsten Leben zu wem 
gehört und wer mit wem Zusammensein wird. Meine 
Mutter, die an meinen verstorbenen Vater gesiegelt ist, 
ist mit einem Witwer verheiratet, der wiederum an seine 
erste Frau gesiegelt ist, die kinderlos starb. Meine Mutter 
und ihr zweiter Mann haben einen Sohn, der mein 
Bruder ist. Wir machen uns keine Gedanken darüber, 
wer später an wen gesiegelt ist. Wir vertrauen einfach auf 
die Weisheit des Herrn, lieben einander und bemühen 
uns, ein rechtschaffenes Leben zu führen. 

• Körperliche Nähe. Ein Ehepaar soll sich aneinander 
„binden" und „ein Fleisch" sein (siehe Matthäus 19:5). 
Damit die körperliche Nähe in der neuen Ehe Erfüllung 
schenkt, muß man Verständnis, Fürsorge, Rücksicht und 
Zartgefühl walten lassen. 

Ein Paar muß auf freundliche, einfühlsame Weise 
offen füreinander sein. Wenn der eine Partner glaubt, 
körperliche Nähe sei unnötig, weil die neue Familie 
schon groß genug sei, oder wenn der andere glaubt, ab 
einem bestimmten Alter sei körperliche Nähe nicht 
mehr so wichtig, dann kann es zu Mißverständnissen 
kommen. Selbst wenn dieses Thema vor der Ehe bespro- 
chen worden ist, muß man unter Umständen erneut 
darauf eingehen, weil sich die Einstellung, die gesund- 
heitliche Situation oder die Lage geändert haben. 



JUNI 1999 
33 



Präsident Gordon B. Hinckley rät: „Ich habe die 
Erfahrung gemacht, daß eine glückliche Ehe nicht so 
sehr auf dem Verliebtsein beruht, sondern vielmehr 
darauf, daß man eifrig um das Wohlergehen seines 
Partners besorgt ist. Wenn man nur an sich selbst und an 
die Erfüllung der eigenen Wünsche denkt, kommen 
weder Vertrauen noch Liebe zueinander zustande, und 
man ist nicht glücklich. Nur wenn man selbstlos ist, kann 
die Liebe mit all ihren Begleiterscheinungen wachsen 
und gedeihen." („Ich glaube", Der Stern, März 1993, 
Seite 7.) 

•Finanzen. Die finanzielle Situation einer 
Zweitfamilie kann wegen der Vermögenssituation 
und der Schulden aus der vorangegangenen Ehe 
schwierig sein. Möglicherweise müssen Ehegatten- und 
Kindesunterhalt gezahlt werden, und so muß man seinen 
gewohnten Lebensstandard vielleicht ändern, weil das 
Einkommen sonst nicht reicht oder weil die Familie 
größer wird und mehr Kinder ernährt und eingekleidet 
werden müssen. 

Alle in der Familie müssen über die finanzielle 
Situation und Engpässe Bescheid wissen. Wenn alle 
gemeinsam eine angemessene Ausgabenplanung 
aufstellen und finanzielle Prioritäten setzen, gibt es 
weniger Mißverständnisse. Sprechen Sie häufig über die 
finanzielle Situation Ihrer Familie, und bevorzugen Sie in 
Gelddingen niemanden. Bei Bedarf können Sie den 
Bischof oder einen qualifizierten Berater um Rat bitten. 

Wie jede andere Familie darf auch die Zweitfamilie 
nicht vergessen, was für Segnungen der Herrn denje- 
nigen verheißen hat, die getreu den Zehnten zahlen. 

„Zu den besten mir bekannten Möglichkeiten, wie 
man seinen Verpflichtungen gegenüber seinem Bruder, 
seinem Nächsten und seinen Geschäftsfreund nach- 
kommen kann, gehört es, daß man zuerst seiner Pflicht 
gegenüber dem Herrn nachkommt", hat Präsident Joseph 
F. Smith gesagt. „Ich kann mehr bei meinem Nächsten 
abzahlen, sofern ich mich bei ihm in Schulden gestürzt 
habe, wenn ich meiner Pflicht gegenüber dem Herrn 
nachgekommen bin. Alles anderes ist dann zu vernach- 
lässigen." (Gospel Doctrine, 1939, Seite 259 f.) 

• Disziplin. Eltern können ein Kind nur dann diszipli- 
nieren, wenn sie vorher ein festes Band der Liebe, der 
Zuneigung, des Vertrauens und der Fürsorge geschaffen 
haben. Wenn ein neuer Vater bzw. eine neue Mutter 
noch kein Band der Liebe geschaffen hat, faßt das 



Kind jede Disziplinierung unter Umständen als 
Zurückweisung auf. 

„Vor allem aber müssen Kinder wissen und spüren, daß 
man sie liebt, daß sie erwünscht sind und daß man sie 
schätzt", hat Präsident Ezra Taft Benson gesagt. „Das 
muß man ihnen immer wieder sagen." („Fundamentals of 
Enduring Family Relationships", Ensign, November 1982, 
Seite 60.) 

In einer Zweitfamilie müssen die Eltern schon frühzeitig 
nach der Heirat festlegen, welche Verhaltensregeln und 
Disziplinierungsmethoden gelten sollen. Allerdings 
müssen beide auch bereit sein, diese Pläne im Umgang mit 
den Kindern in ihrer neuen Familie anzupassen. Wenn die 
Eltern sich nicht einig sind, verwirren sie die Kinder nur. 

„Um zu wissen, was der andere von Disziplin hält, muß 
man aktiv zuhören und Unterschiede respektieren. Doch 
mit Verständnis lassen sich unterschiedliche 
Auffassungen auf einen gemeinsamen Nenner bringen, 
und das Paar kann einen einheitlichen Ansatz 
entwickeln." Qeffry H. Larson, „How to Unke a Step- 
Family", Ensign, Februar 1987, Seite 48 f.) 

Es kann auch zu Spannungen führen, wenn die 
Kinder ihre Zeit zwischen ihren geschiedenen biologi- 
schen Eltern aufteilen müssen. Weil Regeln und 
Erwartungen in jeder Familie anders sind, brauchen die 
Kinder Zeit, um sich an die Erwartungen anzupassen und 
diese zu verinnerlichen. 

Aktivitäten wie der Familienabend, Gespräche 
zwischen Vater bzw. Mutter und Kind und der Besuch 
der Versammlungen können die wertvolle Möglichkeit 
bieten, zu unterweisen, zu korrigieren und Kinder in 
erwünschtem Verhalten zu bestärken. Manche Paare 
haben es für notwendig erachtet, daß der biologische 
Vater für beide Eltern spricht - zumindest solange, bis 
der angeheiratete Vater das Vertrauen und die Liebe der 
Kinder gewonnen hat. 

Manchmal versuchen Kinder, sich zwischen die Eltern 
zu drängen und diese zu manipulieren. In diesem Fall 
muß sich das Paar gemeinsam entschließen, gerecht und 
konsequent auf der Einhaltung von Regeln und dem 
Ziehen von Konsequenzen zu bestehen. Sonst gibt es 
keine Disziplin mehr. Die Eltern können es aber schaffen, 
wenn sie „meine Kinder" und „deine Kinder" wie „unsere 
Kinder" behandeln. 

•Ex-Partner. Nach einer Scheidung müssen die Ex- 
Partner persönliche Vorurteile und Vorbehalte zu ihrem 



DER STERN 
34 



eigenen Wohl und zum Wohl der Kinder ausblenden. Im 
Gegenteil - sie müssen sich sogar bemühen, eine gute 
Beziehung zu erhalten. Geschiedene Eltern und deren 
neue Partner können die Kinder viel besser aufziehen, 
wenn sie sich gemeinsam darum bemühen. 
Schwierigkeiten mit dem Ex-Partner müssen unter vier 
Augen besprochen werden. Das neue Paar muß den 
Kontakt zwischen den Kindern und ihrem ausgezogenen 
biologischen Vater bzw. ihrer biologischen Mutter 
fördern. Niemand hat etwas davon, wenn der Ex- Partner 
kritisiert wird, der die Bemühungen der Zweitfamilie um 
Einigkeit wiederum stark beeinflussen kann. 

Wenn der Ex-Partner den Kontakt zum Kind abbricht 
und keinen weiteren Kontakt wünscht, dann muß die 
Familie gemeinsam die innere Leere füllen, die dies im 
Kind hinterläßt. Es ist sehr wichtig, daß das Kind spürt, 
wie sehr seine Familie - auch der Stiefvater bzw. die 
Stiefmutter - es liebt, akzeptiert und unterstützt. 
Vielleicht muß man dem Kind auch immer wieder sagen, 
daß es keine Schuld an der Situation trägt. Vielleicht 
ändert sich die Einstellung des interesselosen Elternteils 
ja auch eines Tages, und aufgrund einer geänderten 
Situation wird wieder Kontakt zum Kind gewünscht. Auf 
jeden Fall muß die ganze Familie dem Kind zu verstehen 
geben, daß es trotz seines gegenwärtigen Kummers und 
seiner Enttäuschung eine vollständige Familie haben und 
wie jedes andere Kind aufwachsen kann. 

Die Kinder einer Zweitfamilie haben doppelt so viele 
Großeltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins wie 
vorher. Und auch die Eltern haben jeder eine 
Schwiegerfamilie dazubekommen. Sie alle bilden die 
Großfamilie des Kindes und haben - zumindest bis zu 
einem gewissen Grad - Interesse an ihm. Besuche, 
Familienzusammenkünfte und gemeinsame Feiern setzen 
Kompromißbereitschaft und gute Planung voraus. 

Damit die Familie glücklich wird, muß man unge 
wohnliches geistiges Durchhaltevermögen an den 

Wer den Preis für eine glückliche 
Zweitfamilie zahlt, 
kann die Freude 
erleben, die 
allen zuteil wird, 
die „liebevoll 
miteinander 
leben". 



Tag legen. Erwachsene, die in einer Zweitfamilie leben, 
wissen sehr gut, daß sie für den ewigen Fortschritt und 
das Wohlergehen ihrer Familie jedes Opfer bringen, 
jede Quelle geistiger Kraft nutzen und jede effektive 
Methode anwenden müssen. Doch wer den Preis für eine 
glückliche Zweitfamilie zahlt, kann die Freude erleben, 
die allen zuteil wird, die „liebevoll miteinander leben" 
(LuB 42:45). D 




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DIE ANTWO 



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Elizabeth Quackenbush 

ILLUSTRATION VON GREG NEWBOLD 

ie Frau auf der anderen 
Seite des Ganges fiel mir 
unwillkürlich auf. Mit 
weitaufgerissenen Augen sah sie 
sich im Bus um, während sie ihre 
mageren Hände vor der Brust 
zusammenpreßte. Immer wieder 
spähte sie aus dem Fenster, schüt- 
telte ihr dünnes Haar und gab selt- 
same Geräusche von sich. Sie 
wurde immer unruhiger, und ich 



begann mich zu fragen, ob sie wohl 
gleich außer sich geraten würde. 
Also schaute ich lieber aus dem 
Fenster und versuchte, sie zu igno- 
rieren. Aber die Neugier zwang 
mich, immer wieder hinzusehen. 

Da sah ich, daß sie Tränen in den 
Augen hatte, und überlegte, was sie 
wohl haben mochte. Ich wollte ihr ja 
helfen, aber wenn sie nun außer sich 
geriet? Dann hätte ich nicht gewußt, 
wie ich mich verhalten sollte. 
Außerdem, so dachte ich, muß ich 
pünktlich in der Schule sein und an 
der nächsten Haltestelle aussteigen. 

Dann schaute ich sie wieder an 
und sah die Angst in ihren Augen. 
Ehe ich mich versah, war ich schon 
aufgestanden, zu ihr hinüberge- 
gangen und hatte mich neben sie 
gesetzt. 

„Ist alles in Ordnung?", fragte ich. 
„Brauchen Sie vielleicht Hilfe?" 

Sie hatte Tränen in den Augen, 
und ihre Hände zitterten. Dann 
wandte sie mir ihr feingeschnit- 
tenes Gesicht zu, und ich sah die 
Verwirrung in ihren Augen. Ich 
fragte noch einmal: „Ist alles in 
Ordnung?" 

Sie sah auf ihre grüne Handtasche 
hinunter und suchte mit zitternden 
Händen nach einem Stift und einem 




Notizblock. Dann begann sie zu 
schreiben: „Haben wir Ottawa 
schon verlassen? Ich befürchte, ich 
habe den falschen Bus genommen." 

Ich nahm den Stift und schrieb: 
„Sind Sie taub?" Sie nickte. „Keine 
Angst", schrieb ich weiter. „Wir 
werden die Sache schon in Ordnung 
bringen." 

Inzwischen waren wir an der 
Haltestelle angelangt, wo ich 
aussteigen mußte. Doch obwohl mir 
klar war, daß ich nun zu spät zur 
Schule kommen würde, stieg ich 
nicht aus. Statt dessen ging ich nach 
vorn zum Fahrer, und er telefonierte 
mit der Einsatzzentrale und ließ sich 
Weisungen geben. Ich schrieb der 
Dame auf, wie sie fahren mußte, und 
der Busfahrer sagte, er werde 
persönlich dafür sorgen, daß sie den 
Anschlußbus bekam. 

„Wie heißen Sie?", schreib ich 
noch schnell, ehe ich an der näch- 
sten Haltestelle ausstieg, die schon 
ziemlich weit von meiner Schule 
entfernt war. 

„Anna", kritzelte sie. „Danke. Du 
bist die Freundin, um die ich gebetet 
habe." Dann breitete sich ein stilles 
Lächeln auf ihrem Gesicht aus, das 
die braunen Augen strahlen ließ. Ich 
konnte ihre Liebe und Dankbarkeit 








spüren. Als ich zurücklächelte, 
fühlte ich mich ihr wie durch ein 
inneres Band verbunden. 

Als sich die Bustüren hinter mir 
schlössen und ich ihr zum Abschied 
winkte, war ich heilfroh, daß ich 
Anna die furchterregende Reise 
nicht allein hatte machen lassen. 
Mit einem Lächeln auf den Lippen 
rannte ich den ganzen Weg bis zur 
Schule. Ich war froh, daß ich auf die 
Eingebungen des Heiligen Geistes 
gehört hatte, daß jemand meine 
Hilfe brauchte. D 




1 









WIR WOLLEN 
DICH HIER 
NICHT!" 



Ich wollte es einfach nicht glauben. 
Meine eigene Seminarklasse sagte mir, 
ich solle in Zukunft nicht mehr kommen. 

Wie Sam Giles es Christie Giles erzählt hat 

Wir zogen in einem der heißesten Monate des 
Jahres in eine kleine Wüstenstadt in den 
Vereinigten Staaten. Doch die Jugendlichen 
der Kirche nahmen mich eher kühl auf. 

Ich war damals fünfzehn Jahre alt und schon zehnmal 
umgezogen. Also hatte ich schon Erfahrungen damit, wie 
man Freunde gewinnt. Ich versuchte alles Mögliche, um 
das Eis zu brennen, aber fünf Monate später hatte ich 
noch immer keinen einzigen Freund in der Kirche 
gefunden. 

Glücklicherweise hatte ich in der Schule viele Freunde, 
die nicht der Kirche angehörten. Doch das erleichterte 
mir den Besuch des Seminars am frühen Morgen und der 
Versammlungen der Kirche auch nicht gerade. Fünf 
Monate lang saß ich im Seminar, ohne daß jemand mit mir 
gesprochen hätte, von unserem Lehrer einmal abgesehen. 
Und in der Sonntagsschulklasse blieb zwischen mir und 
den übrigen Schülern immer ein Stuhl frei. 

Tom Jeppson* war der Anführer der Jugendlichen in 
der Kirche. Er sprach die ganze Zeit kein einziges Wort 
mit mir. Eigentlich war ich mir gar nicht sicher, ob er 
mich überhaupt bemerkt hatte, bis er mich eines 
Morgens an der Tür zum Seminarraum abpaßte. 

„Geh nach Hause. Wir wollen dich hier nicht", sagte er. 

Ich fing an zu lachen. Das hatte er doch nie im Leben 
ernst gemeint, oder? Doch als ich ihn anschaute, sah ich, 
daß er keinen Scherz machte. Ich sah auf die anderen 
* Name von der Redaktion geändert 



Jugendlichen, die dicht hinter ihm standen. Sie sagten 
kein einziges Wort, und das konnte ja nur bedeuten, daß 
sie damit einverstanden waren. 

Als ich mich ab wandte, hörte ich, wie die Tür hinter 
mir zugeschlagen wurde und gedämpftes Gelächter aus 
dem Raum drang. 

Ich gehe nie wieder zum Seminar, schwor ich mir, als ich 
zur High School hinüberging, die ganz in der Nähe war. 
Und die anderen sind daran schuld. 

Der Tag war endlos lang. Nach der Schule fuhr ich mit 
dem Bus zurück, ging aber nicht nach Hause. Statt 
dessen machte ich mich auf den Weg zu meinem 
Seminarlehrer. Er wohnte nur ein paar Häuser weiter, 
und ich mochte ihn - und auch seine ganze Familie - 
eigentlich sehr. 

In der Regel holte er mich jeden Morgen ab und nahm 
mich mit zum Seminar. Also wollte ich ihm sagen, daß 
das nicht mehr nötig sei. Aber im Grunde sehnte ich 
mich nur nach ein wenig Mitleid. 

Schwester Murray öffnete mir. Ihr Mann war noch 
nicht zu Hause, aber sie lud mich zu einer Limonade ein. 
Und schon bald erzählte ich ihr die ganze Geschichte. 
Sie bekundete auch ihr Mitgefühl, bis ich sagte, daß ich 
nun nie wieder zum Seminar und vielleicht auch nie 
wieder zur Kirche gehen würde. 

„Wenn die Kirche wirklich wahr wäre, würden sich die 
Leute nicht so verhalten", sagte ich. 

Ich erwartete, daß sie mich bat, mir die ganze 
Angelegenheit doch noch einmal zu überlegen. Ich 
wollte, daß sie mir sagte, sie werde mit den Eltern der 
Jugendlichen sprechen und diesen eine Menge Ärger 
machen. Ich war eigentlich davon überzeugt gewesen, 
daß sie so gut wie alles tun würde, nur damit ich nicht 
inaktiv wurde. Doch statt dessen sagte sie: „Wenn du 



JUNI 1999 
39 



meinst. Du schadest aber nicht den anderen, wenn du 
nicht mehr zur Kirche gehst. Du schadest nur dir selbst." 

Ich war zu verblüfft, um zu antworten. Also trank ich 
schnell meine Limonade aus und sagte ihr, ich müsse nun 
gehen. 

Drei Wochen lang ging ich weder zum Seminar noch 
zur Kirche. Mein Seminarlehrer rief ein paarmal an, um 
sich nach mir zu erkundigen. Das Seminar fehlte mir, 
aber ich war zu stolz, um es zuzugeben. Außerdem redete 
ich mir ein, die anderen hätten bestimmt ein ziemlich 
schlechtes Gewissen, daß sie mich dazu getrieben hatten, 
inaktiv zu werden. Ich tröstete mich damit, daß der Herr 
es ihnen am Tag des Gerichts schon heimzahlen werde. 

Trotzdem mußte ich immer daran denken, was 
Schwester Murray gesagt hatte, nämlich daß ich nur mir 
selbst schaden würde. Dann fiel mein Blick eines Tages 
beim Lesen im Buch Mormon auf die folgende Schriftstelle: 
„Seht zu, daß ihr alles in Würdigkeit tut und daß ihr es im 
Namen Jesu Christi tut, des Sohnes des lebendigen Gottes; 
und wenn ihr dies tut und bis ans Ende ausharrt, werdet ihr 
keineswegs ausgestoßen werden." (Mormon 9:29.) 



Als ich diese Worte las, zog der Geist in mein Herz, 
und mir wurde bewußt, daß Schwester Murray recht 
hatte. Es stimmt, die Jugendlichen hatten sich ziemlich 
unmöglich verhalten. Aber sie konnten mich nicht 
davon abhalten, zur Kirche zu gehen, wenn ich dorthin 
gehen wollte. Und am schönsten war - sie konnten mich 
auch am Ende, wo es wirklich darauf ankommt, nicht 
ausstoßen, wenn ich bis dahin ausharrte. 

Ich stand auf und stellte meinen Wecker auf fünf Uhr, 
damit ich am nächsten Morgen das Seminar ja nicht 
verpaßte. 

Wir hatten schon fünf Monate in einer heißen, 
windigen Wüstenstadt gewohnt, ohne daß sie etwas 
geändert hatte. Doch dann vollzog sich in meinem 
Herzen eine Wandlung. Zum ersten Mal wurde mir 
bewußt, daß ich allein für meine Errettung verantwort- 
lich bin. Ich habe nie wieder auch nur einen einzigen 
Seminarunterricht oder eine einzige Versammlung der 
Kirche verpaßt. Und obwohl die Jugendlichen noch 
immer kühl zu mir waren, machte es mir nichts mehr aus. 
Ich war von der Wärme des Evangeliums erfüllt. D 



KEINE FREMDEN MEHR 



Leider gibt es Menschen wie der Junge in der vorste- 
henden Geschichte, die sich von den übrigen 
Mitgliedern ihrer Altersgruppe nicht akzeptiert 
fühlen. Doch gerade in der Kirche darf sich niemand 
allein fühlen. Ist jemand neu in deiner Gemeinde bzw. 
deinem Zweig? Dann nimm dir die Zeit, ihn 
kennenzulernen. Wenn du ihm mit freundlichen 
Worten signalisierst, daß ihr ihn in eure Gruppe 
aufnehmt, förderst du damit die positive 
Verbundenheit, die in jeder Jugendgruppe 
herrschen sollte. Doch wenn du andere 
aus deinem Freundeskreis ausschließt, 
verzichtest du damit auf die 
Möglichkeit, ihr Zeugnis - und auch 
dein eigenes - zu festigen. 

Präsident Gordon B. Hinckley hat 
uns ermahnt: „Seid freundlich. Seid 
verständnisvoll. Seid tolerant. 
Seid rücksichtsvoll. Achtet 
die Ansichten und Gefühle 
anderer. Macht euch ihre 
Tugenden bewußt, und sucht 
nicht nach Fehlern. Sucht vielmehr 



nach Stärken und Tugenden, und dann werdet ihr 
Stärken und Tugenden finden, die euch selbst helfen." 
(Fernsehinterview mit Phil Riesen, Salt Lake City, 
Utah, 12. Mai 1995.) D 





STERN 

40 



ICH PASSE EINFACH 
NICHT DAZU! 



Jeanette Waite Bennett 



Hast du manchmal das Gefühl, du stündest 
draußen vor einem Fenster und sähest hinein, 
während die anderen drinnen ihren Spaß 
haben und einander in Freundschaft verbunden sind? 
Auch wenn du so etwas schon einmal erlebt hast, vor 
allem in der Kirche, dann muß das nicht zwangsläufig 
so bleiben. Jeder fühlt sich von Zeit zu Zeit allein. Aber 
es gibt viele Möglichkeiten, wie du dich wohler fühlen 
und selbst ein besserer Freund sein kannst. 

WAS DU TUN MUSST 

■ Sei geduldig. Über Nacht ändert sich nichts. Aber 
du kannst deine Einstellung ändern. Hör nicht auf, zur 
Kirche zu gehen, auch wenn du dich dort zuerst nicht 
besonders wohl fühlst. 

■ Lächle. Andere lächeln dann zurück. 

■ Melde dich, bei der Planung und Durchführung 
einer Aktivität zu helfen. Wenn du mitten im Geschehen 
bist, fühlst du dich zugehörig, und außerdem ist es 
meistens so, daß die anderen auch mithelfen wollen. 

■ Wenn du mit jemandem spricht, dann schau ihm 
in die Augen.. 

■ Entwickle deine Talente und laß andere daran teil- 
haben. Wenn du eine positive Einstellung zu dir selbst 
hast, fühlst du dich auch bei anderen Menschen wohl. 

■ Gewöhn dir an, auf ansprechende, saubere 
Kleidung zu achten. Dann fühlst du dich im Umgang 
mit anderen Menschen sicherer. 

■ Such nach Interessen, die du mit anderen teilst. 
Fahrrad fahren, Klavier spielen oder Lernen beispiels- 
weise macht einfach mehr Spaß, wenn mehrere 
mitmachen. Wenn du dich mehr auf eine Aktivität als 
auf dich selbst konzentrierst, denkst du auch weniger 
an dich und bist weniger schüchtern. 



KONZENTRIERE DICH AUF ANDERE 

■ Setz dir Ziele. Versuch, dir selbst Aufgaben zu 
stellen, beispielsweise jede Woche zwei, drei neue 
Leute kennenzulernen. » 

■ Unterhalte dich mit anderen Leuten über sie. 
Lerne, wie man Fragen stellt und Komplimente 
macht. 



■ Merk dir Namen und sprich die Leute mit ihrem 
Namen an. 

■ Schließ Freundschaft mit denen, die dir einsam 
erscheinen. Halte Ausschau nach jemand, der deine 
Hilfe braucht. 

DER HERR IST AUF DEINER SEITE 

■ Lies jeden Tag im Buch Mormon. Das beruhigt 
und schenkt dir die richtige Einstellung - nicht nur, 
um neue Leute kennenzulernen, sondern auch, um 
ihnen ein gutes Beispiel zu geben. 

■ Denk daran, daß du nicht allein bist. Wenn du 
einmal anfangen solltest, dich selbst zu bemitleiden, 
dann versuch, dich hinzuknien. Der himmlische Vater 
versteht alles. 

■ Der Erretter hat Schwierigkeiten und Verfolgung 
ertragen, die ihm das Gefühl gaben, bei seinen Zeitge- 
nossen nicht willkommen zu sein. Wenn du an das 
Opfer denkst, das er gebracht hat, kannst du deine 
eigenen Probleme leichter in die richtige Perspektive 
rücken. 

■ Bitte den Herrn, Schwaches für dich stark zu 
machen (siehe Ether 12:27). Der himmlische Vater gibt 
dir keine Prüfungen, die du nicht bestehen kannst (siehe 
1 Nephi 3:7). Wenn du dir aufrichtig wünscht, freundli- 
cher zu werden und dich 
wohler zu fühlen, dann hilft 
er dir auch dabei. D 





Jungen Menschen das 
Gefühl geben, daß sie 
dazugehören 



Brad Wilcox 

FOTO VON STEVE BUNDERSON 



Ich hatte eigentlich nie das Gefühl, daß ich in die 
Kirche passen könnte", sagte ein Mädchen, das 
zum ersten Mal eine Jugendaktivität der Kirche 
besuchte. Und ein Junge fügte hinzu: „Obwohl ich 
zur Kirche gehöre, hatte ich nie das Gefühl, daß ich 
erwünscht bin und gebraucht werde. Ich habe mich nie 
zugehörig gefühlt." Beide nehmen mit ihren 
Äußerungen Bezug auf eine Zeit, wo sie begeisterte 
Mitglieder einer Jugendbande waren. 

Wie die beiden jungen Menschen hat jeder das 
Bedürfnis, dazuzugehören. Der Mensch ist ein soziales 
Wesen, und deshalb braucht er die Geborgenheit und 
den Schutz, den das Zugehörigkeitsgefühl bietet. Wir als 
Heilige der Letzten Tage, als Bundesvolk, das ein einzig- 
artiges Religionsverständnis und eine einzigartige 
Sichtweise teilt, finden Kraft und Freude in der 
Gemeinschaft und in der Gewißheit, daß wir Kinder des 
himmlischen Vaters und Teil seines großen Planes des 
Glücklichseins sind. Das Zeugnis vom wiederherge- 
stellten Evangelium und der Dienst in der Kirche lassen 
in uns ein starkes Zugehörigkeitsgefühl entstehen. 

Doch wenn dieses Bedürfnis, dazuzugehören, aus 
irgendeinem Grund nicht in einem positiven Umfeld 
erfüllt wird, neigen junge Menschen dazu, sich dessen 
Erfüllung in anderen, weniger wünschenswerten 




WIE KANN MAN VERHINDERN, 
DASS JUNGE MENSCHEN IN EINEN 
FALSCHEN FREUNDESKREIS 
GERATEN? SCHAFFEN SIE IN DER 
KIRCHE EINEN KREIS VON 
FREUNDEN, DIE GEMEINSAM ETWAS 
UNTERNEHMEN. 



DER 



STERN 

42 



Gruppen zu suchen. Dies bereitet den Eltern und den 
Führern der Kirche dann große Sorgen. Was können 
Eltern und Führer tun, damit sich junge Menschen 
zugehörig fühlen? 

Ein Bischof, der sich Sorgen machte, weil mehrere junge 
Leute aus der Gemeinde sich intensiv mit fragwürdigen 
Gruppen in der Schule abgaben, hat folgendes erzählt: „Ich 
habe mich mit den Jugendführern zusammengesetzt und 
die Lage besprochen. Wir kamen zu dem Schluß, daß es 
wenig Sinn habe, die jungen Leute davon abzubringen, sich 
mit solchen Gruppen abzugeben. Wir wollten uns statt 
dessen bemühen, ihnen verstärkt das Gefühl zu geben, in 
unsere Gruppe zu gehören. Wenn sie sich in der Kirche 
stärker akzeptiert fühlten, dann würden sie vielleicht nicht 
mehr draußen nach Geborgenheit suchen." 

Die Jugendführer schlugen vor, mehr Aktivitäten zu 
veranstalten, doch der Bischof meinte, daß man 




Wenn junge Leute in die Planung von 
Aktivitäten einbezogen werden, wächst 
ihr Interesse, und es nehmen auch mehr 
junge Menschen an der Aktivität teil. 



Jugendliche mit Zusammenkünften und Aktivitäten 
zwar hervorragend einbinden könne, daß eine Aktivität 
allein aber noch keine Anwesenheitszahlen garantiere 
und daß Anwesenheit an sich ja auch noch keine 
Garantie dafür sei, daß sich die jungen Menschen 
zugehörig fühlten. „Wenn man nicht sorgfältig plant", 
erklärte der Bischof, „kann man leicht eine Aktivität 
veranstalten, ohne zu den Jugendlichen durchzu- 
dringen". 

Im folgenden finden Eltern und Führer Vorschläge, 
die sie berücksichtigen können, wenn es darum geht, 
jungen Menschen das Gefühl zu geben, dazuzugehören: 

Beziehen Sie die Jugendlichen in die Planung mit 
ein. Eine JD -Leiterin hat erklärt, wie man es schafft, 
Jugendaktivitäten zu veranstalten, die von zahlreichen 
Jugendlichen besucht werden und die Einigkeit fördern: 
„Unsere Aktivitäten werden viel besser angenommen, 
seit wir die jungen Leute auffordern, verstärkt bei der 
Planung und Durchführung zu helfen. Sie hatten viele 
gute Ideen, beispielsweise ein Dienstsprojekt an der 
Grundschule oder ein Büffet, bei dem jeder für eine 
andere Speise zuständig ist. Und weil das ihre eigenen 
Ideen waren, lag ihnen die erfolgreiche Durchführung 
auch am Herzen." Wenn man jungen Leuten die 
Möglichkeit gibt, mitzuhelfen, merken sie oft, daß es 
genausoviel Spaß machen kann, eine Jugendkonferenz, 
einen Tanzabend oder eine Aktivität vorzubereiten, wie 
daran teilzunehmen. 

Machen Sie sich die vielen unterschiedlichen 
Interessen bewußt. „Ich gehe nie zu den JM- 
Aktivitäten, weil dort immer nur Basketball gespielt 




wird, und darin bin ich nicht besonders gut", erzählt ein 
Junge. Zwar treiben viele junge Leute gerne Sport, aber 
wenn außer Sport nichts auf der Tagesordnung steht, 
fühlen sich manche ausgegrenzt. Durchbrechen Sie also 
die bisherige Routine, und planen Sie einmal einen 
Ausflug zu interessanten Stätten in der Nähe, gehen Sie 
ins Theater, oder bieten Sie den Jugendlichen verschie- 
dene Sportarten zum Aussuchen an. Ein JM-Leiter 
befürchtete, die Jungen könnten sich beschweren, als er 
ihnen vorschlug, zur Abwechslung einmal auf die 
Bowlingbahn zu gehen, Golf zu spielen oder schwimmen 
zu gehen. „Doch ganz im Gegenteil", sagte er. „Sie 
fanden es spannend, etwas Neues auszuprobieren." 

Dieser JM-Leiter bemühte sich auch, jeden weiterhin 
einzubeziehen, indem er eine Sportart manchmal auf 
unkonventionelle Weise spielen ließ. So planten die 
Jugendlichen beispielsweise ein Freiluft-Volleyballspiel 
mit dem Wasserball und ein Basketballspiel mit 
Kinderringen bzw. Miniaturbällen. Der JM-Leiter 
erzählt: „Indem wir die Spielart einer Sportart abwan- 
delten und eigene Regeln erfanden, machten wir es 
weniger sportlichen Mitspielern leichter, sich wohl zu 
fühlen." 

Halten Sie Gemeindebräuche ein bzw. schaffen Sie 
solche Bräuche. Kaum etwas stärkt das Zugehörigkeits- 
gefühl nachhaltiger als gemeinsame Bräuche. Inzwischen 
ist ja weithin bekannt, wie wichtig solche Bräuche für das 
Familienleben sind. Ein besonderes Abendessen aus 
Anlaß der Taufe eines Kindes beispielsweise fördert die 
Einigkeit zwischen Eltern und Kind. Dieses Gefühl der 
Verbundenheit entsteht auch dann, wenn die örtlichen 
Führer der Kirche junge Menschen in Aktivitäten 



einbinden, die sich dann zu Bräuchen weiterentwickeln. 
Eine Gemeinde führt beispielsweise jedes Jahr einen 
Kulturabend durch. 

Einer jungen Frau namens Stacie wurde der Wert 
solcher Bräuche bewußt, als sie in eine neue Gemeinde 
zog. Die ersten Sonntage waren schwer. Stacie sagte 
ihren Elt;ern sogar, sie wolle nicht mehr zur Kirche gehen. 
Doch genau in dieser Woche rief ihre Beraterin an und 
lud sie zu einer bevorstehenden Jugendaktivität ein. 
Stacie erinnert sich: „Ich wollte mir gerade eine Ausrede 
einfallen lassen, als die Beraterin sagte, daß es jedes Jahr 
einmal eine große Tanzparty gäbe. Nun war mein 
Interesse geweckt. Ich überlegte mir, daß das wohl Spaß 
machen würde, wenn es diese Aktivität jedes Jahr gab. 
Also ging ich hin, und von da an wurde es besser." 

Weihnachtslieder im Dezember, Autowaschen im 
Sommer, ein spezielles Abendessen, wenn eine Junge Dame 
ihre Auszeichnung erhält - jede Aktivität, die es Menschen 
ermöglicht, gemeinsam Spaß zu haben und ein Ziel zu 
verfolgen, kann regelmäßig stattfinden. 

Merken Sie sich Namen. Ein Jugendführer hat 
gesagt. „Einmal besuchte ich eine Fireside, auf der ein 
Gastsprecher eine Ansprache hielt, der nicht aus 
unserem Pfahl kam. Ich fand es sehr beeindruckend, daß 
er sich vor und nach seiner Ansprache unter die jungen 
Leute mischte und sich mit ihnen unterhielt. Er fragte 
sie nach ihrem Namen und nannte sie dann auch bei 
ihrem Namen. Er gab jedem Anwesenden das Gefühl, 
einbezogen zu werden und wichtig zu sein. Ich überlegte 
mir, daß ich mir auf jeden Fall mehr 
Mühe geben könne, wenn sich schon 
ein Gastsprecher so anstrengte, sich 
Namen zu merken." 

Der genannte Jugendführer 

setzte sich das Ziel, sich den 

Namen jedes jungen Menschen in 

seiner Gemeinde und mindestens 

derjenigen zu merken, die er 




regelmäßig auf Pfahlveranstaltungen sah. „Ich versuchte es 
mit bestimmten Techniken, stellte aber fest, daß es für 
mich am besten war, wenn ich die Namen in das Ringbuch 
eintrug, das ich immer mit zur Kirche nehme", erklärt er. 
„Wenn ich dann während der Woche einen Namen vergaß, 
konnte ich schnell in meinem Ringbuch nachschauen." 

Der himmlische Vater kennt uns alle beim Namen. 
Als er Joseph Smith erschien, sprach er ihn mit Namen 
an. (Siehe Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:17.) Er 
hat uns ein wundervolles Beispiel dafür gegeben, wie 
man mit jungen Menschen umgeht. 

Sprechen Sie Einladungen aus. Anrufe und 
Besuchen nehmen mehr Zeit in Anspruch als die 
Bekanntgabe der nächsten Aktivität vom Rednerpult 
aus. Doch eine persönliche Einladung erreicht die 
jungen Menschen eher und gibt ihnen das Gefühl, daß 
sie erwünscht sind. Ein Mädchen namens Rosa erinnert 
sich: „Obwohl ich arbeiten mußte und deshalb nicht zur 
Fireside gehen konnte, fühlte ich mich doch als etwas 
Besonderes, weil meine Lorbeermädchen-Beraterin sich 
die Zeit genommen hatte, mich anzurufen. Da wußte ich, 
daß die anderen an mich denken." 

Sprechen Sie Lob aus. Wenn wir lächeln und selbst 
für Kleinigkeiten verdientes Lob aussprechen, das ja so 
wichtig ist, dann geben wir jungen Menschen das Gefühl, 
daß sie geliebt und anerkannt werden. Solches Lob nährt 
den Geist, so wie Nahrung den Körper nährt. Ein Junge 
namens Matthew hat gesagt. „Ich finde es sehr schön, 
wenn mich Führer für etwas loben, was ich gut gemacht 
habe, sei es nun groß oder klein. Manche Menschen 
meinen, man müsse darüber hinauswachsen, Lob zu 
brauchen, aber ich glaube nicht, daß jemand wirklich 
jemals darüber hinauswächst." 

Meine Frau, Debi, hat niemals vergessen, wie sie als 
Teenager von einer Leiterin für ihre Verläßlichkeit gelobt 
wurde. Diese kurze Bemerkung hat sich nachhaltig auf 
Debi ausgewirkt. 

Es ist wichtig, daß jeder, der mit jungen Menschen 
zusammenarbeitet, darauf achtet, daß er sie nicht auf 
eine Art und Weise berührt, die zu Mißverständnissen 
führen könnte. Dennoch darf man sich von dieser 
Sorge nicht dazu verleiten lassen, so sehr auf Distanz zu 
gehen, daß man das tiefverwurzelte Bedürfnis junger 
Menschen nach Lob und Anerkennung nicht mehr 
erfüllen kann. Ein Händedruck oder ein leichter Klaps 
auf den Rücken zeigen den Jugendlichen, daß sie aner- 
kannt werden, daß sie dazugehörigen und daß man 
ihnen Zuneigung entgegenbringt. 



DER 



Hören Sie voller Respekt zu. Eine Führungskraft 
kann viel bewirken, sofern sie zum Zuhören bereit ist, 
wenn junge Menschen mit ihr sprechen möchten. 
Jugendliche meinen oft, es sei am besten, mit einer 
Führungskraft zu sprechen. Als Eider Vaughn J. 
Featherstone von den Siebzigern Ratgeber in der 
Präsidierenden Bischofschaft war, hat er gesagt, eine 
„unparteiische" Führungskraft (also jemand außerhalb 
der Familie, der auch nicht Bischof ist) könne unendlich 
großen Einfluß auf junge Menschen ausüben. (Siehe A 
Generation of Excellence: A Guide for Parents and Youth 
Leaders, 1975, Seite 168.) 

Wenn junge Menschen über das sprechen, was sie 
bewegt, wollen sie in der Regel keine Weisung und 
keinen Rat hören, sondern wünschen sich vielmehr 
einen teilnahmsvollen Zuhörer - jemanden, der ihnen 
vorurteilslos zuhört, während sie ihre Probleme darlegen. 
Ein Junge namens Paul sagt: „Manchmal sind meine 
Eltern und Führer zu schnell mit einem Rat bei der 
Hand, wenn ich anfange, ihnen etwas aus der Schule zu 
erzählen. Sie halten mir einen Vortrag und ermahnen 
mich, mich von Versuchungen fernzuhalten. Dann habe 
ich gar keine Lust mehr, noch mehr zu erzählen." 

Natürlich kann es sein, daß wir uns gedrängt fühlen, 
den Jugendlichen, die uns von ihren Sorgen erzählt 
haben, unsere Ansicht darzulegen. Dies kann sehr hilf- 
reich sein. Wir wollen ja auch nicht, daß unser 
Schweigen so verstanden wird, als ob wir unangemes- 
senes Verhalten oder eine falsche Einstellung guthießen. 
Doch wenn wir meistens aufmerksam zuhören und erst 
zum richtigen Zeitpunkt eine Bemerkung machen, 
zeigen wir damit, daß wir dem jungen Menschen ein 
wirklicher Freund sein wollen. So schaffen wir 
Vertrauen, das es uns ermöglicht, weiterhin offene 
Gespräche mit ihm zu führen. 

Verweisen Sie auf gemeinsame Interessen. Ein 
Junge bemerkte, daß sein Seminarlehrer die gleichen 
Wiederholungen im Fernsehen mochte wie er. Obwohl 
das nur eine Kleinigkeit war, hatten sie doch immer ein 
Gesprächsthema, wenn sie sich sahen. Wenn man sich 
die Mühe gibt, gemeinsame Interessen zu finden oder zu 
entwickeln, kann man viel tun, um jungen Menschen 
das Gefühl zu geben, dazuzugehören. 

Natürlich haben wir in der Kirche hin und wieder 
auch mit Menschen zu tun, mit denen wir kaum 
Gemeinsamkeiten haben. In einer solchen Situation geht 
man am besten so vor wie der Junge, der folgendes erzählt 
hat: „Als wir in eine neue Gemeinde gezogen sind, habe ich 

STERN 

46 




festgestellt, daß die anderen Jungen andere Musik, andere 
Schulfächer, andere Sportarten - einfach alles andere 
mögen. Meine Mutter hatte Angst, ich könnte mich in der 
Schule nun der falschen Clique anschließen, nur um 
Freunde zu finden. Aber ich ging trotzdem weiter zur 
Kirche - nicht der Jungen wegen, sondern Gottes wegen." 
Die Mitglieder mögen zwar viele verschiedene Interessen 
haben, aber alle lieben den Erretter und haben ein Zeugnis 
vom wiederhergestellten Evangelium. Das eint uns. 

Fördern Sie die geistige Gesinnung. Junge 
Menschen sind in der Lage, geistigen Anforderungen 
gerecht zu werden. Vor einigen Jahren machten die 
Führer eines Pfahls mit den jungen Menschen im 
Rahmen einer Jugendkonferenz einen Ausflug in einen 
Freizeitpark. Im darauffolgenden Jahr probierten sie 
etwas ganz anderes aus. Sie folgten dem Rat der Führer 
der Kirche und beschlossen, das Hauptaugenmerk 
nicht mehr auf Unterhaltung zu legen, sondern darauf, 
den Jugendlichen durch die Planung von geistigen 
Workshops und Dienstprojekten wahre Freude zu ermög- 
lichen. Zuerst waren die jungen Leute von dieser Ände- 
rung nicht sehr begeistert, doch im Lauf der Konferenz 



Jugendführer, die gemeinsame Interessen mit jungen 
Menschen pflegen, finden immer wieder Gelegenheit, 
Ansichten und Gefühle darzulegen, die für die 
Jugendlichen sehr hilfreich sein können. 

fingen sie an, ihre Aktivitäten in einem anderen Licht zu 

sehen. Die Zeugnisversammlung am Ende der Konferenz 

verlief ganz anders als die Zeugnis Versammlung im 

Jahr zuvor. Eine Führungskraft erzählt: „Damals haben 

die Jugendlichen nur dagesessen und gekichert und 

einander angestoßen." Dieses Mal waren sie eifrig 

darauf bedacht, über die Freude zu sprechen, die sie im 

Dienst für ihre Mitmenschen erlebt hatten, und zu 

sagen, wie sehr sie den himmlischen Vater und Jesus 

Christus liebten. 

Konzentrieren Sie sich auf den Erretter. Die 
Mitglieder können sich des Zugehörigkeitsgefühls 
erfreuen, das die Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern 
vermittelt. - Ein ähnliches Gefühl herrscht auch in 
vielen anderen Gruppen, Klubs und Organisationen. 
Doch die Kirche bietet mehr als zwischenmenschliche 
Anerkennung; die Mitglieder können auch ein einzigar- 
tiges geistiges Zugehörigkeitsgefühl erleben. So haben wir 
die Gewißheit, daß der gute Hirt seine Schafe kennt (siehe 
3 Nephi 18:31) und daß wir durch Glauben und geistige 
Neugeburt buchstäblich dem Erretter gehören (siehe 
Mosia5:7). 

Dennoch verlieren manche junge Menschen das 
Gefühl der geistigen Zugehörigkeit, wenn sie nicht mehr 
nach den Maßstäben der Kirche leben. Sie sagen viel- 
leicht: „Ich kann nicht mehr zur Kirche gehen, das 
Abendmahl nicht mehr nehmen und nicht mehr beten, 
weil ich nicht würdig bin." Sonntagslektionen, Firesides 
und das Gespräch mit den Eltern und dem Bischof bzw. 
Zweigpräsident sowie dessen Ratgebern bieten hier die 
Möglichkeit, mit jungen Menschen über die Umkehr zu 
sprechen und ihren Blick auf die Segnungen des 
Sühnopfers des Erretters zu lenken. 

Ein junger Mann wandte sich für mehrere Jahre von 
der Kirche ab. Doch schließlich kam er wieder zurück. In 
einer Zeugnisversammlung sagte er: „Ich ließ mich zu 
vielem verleiten, was ich besser gelassen hätte, nur um 
zur Clique zu passen. Aber ich spürte immer, daß etwas 
fehlte. Als ich schließlich Umkehr übte und wieder voll- 
ständig in der Kirche aktiv wurde, war diese Leere 
verschwunden. Ich bin wieder da, und weil Jesus 
Christus vergibt und uns auf vollkommene Weise liebt, 
weiß ich auch, daß ich hierher gehöre." D 



JUNI 1999 

47 



Im Bus fing alles an 



Ereny Rosa A. Silva 

ILLUSTRATION VON SCOTT MOODY 



Wir wohnen in Tiradentes in Brasilien. 1987 
sah Marcella, die älteste meiner beiden 
Töchter, im Bus zwei junge Männer, von 
denen jeder ein Namenschild trug. Die drei unterhielten 
sich, und die Missionare fragten Marcella, ob sie gerne 
mehr über die Kirche erfahren wolle. 

Marcella hatte Interesse, aber sie wußte, daß ich über- 
haupt nichts von den Heiligen der Letzten Tage hielt. 
Deshalb ließ sie sich bei Mitgliedern zu Hause im 
Evangelium unterweisen und schließlich taufen. Damals 
war sie neunzehn Jahre alt. Ich ging nicht zu ihrer Taufe, 
weil ich noch immer eine höchst negative Einstellung zur 
Kirche hatte. 

Allerdings befand ich mich damals in einer sehr 
schwierigen Lebensphase. Eines Tages nahm ich mir vor, 
ein paar Zeitschriften in unserem Zeitschriftenständer 
durchzusehen. Darunter befanden sich auch mehrere 
Ausgaben von A Liahona (portugiesisch). Was ich las, 
fand ich interessant. 

In der Ausgabe von Februar/März 1986 stand auch 
ein Artikel über Si Peterson, einen jungen Kanadier, 
der vollständig gelähmt ist (siehe Jeannie Takahashi, 
„Ein typischer Heiliger der Letzten Tage und ein 
einzigartiger Mensch", Der Stern, Februar 1986, Seite 
21 f.). Vor allem fand ich den Glauben und das 
Durchhaltevermögen von Sis Mutter sehr beein- 
druckend. 



Ungefähr zur selben Zeit, nämlich im Januar 1988, 
bekam meine jüngste Tochter Monica eine Blinddarment- 
zündung und hatte schreckliche Schmerzen. Der Arzt 
sagte, sie müsse sofort operiert werden. Marcella und ich 
fuhren mit ihr ins Krankenhaus und trösteten sie, so 
gut wir konnten. Im Krankenhaus dachte ich an das, 
was ich über den Glauben anderer Menschen in A 
Liahona gelesen hatte. Vor allem mußte ich an Anita 
Begienenman, Sis Mutter, denken. 

Marcella und ich hielten Monica umschlugen. Wir 
nahmen all unseren Glauben zusammen und beteten. 
Schon bald sahen wir, wie die Farbe wieder in Monicas 
Wangen zurückkehrte, und sie hörte auf zu weinen. Zu 
unserem Erstaunen erklärte uns der Arzt, daß wohl eine 
Fehldiagnose vorliegen müsse. Monika brauchte nicht 
operiert zu werden. Glücklich und dankbar fuhren wir 
drei wieder nach Hause. 

Monica und ich beschlossen, uns von den 
Missionaren unterweisen zu lassen. Am 19. März 1988 
ließen wir uns taufen. Marcella ging später auf Mission in 
die Schweiz. Inzwischen ist sie verheiratet. 

Was ich in A Liahona über den Glauben anderer 
Menschen gelesen habe, hat mir gezeigt, daß meine 
vorige Einstellung zur Kirche falsch war, und mir die Kraft 
geschenkt, eine schwere Zeit zu überstehen. In den 
Jahren, die seither vergangen sind, ist mein Zeugnis durch 
das Lesen dieser Zeitschrift immer fester geworden. □ 




DER STERN 

48 




Die Frauen am Grab, Gemälde von William Bouguereau (1 825-1 905) 

Die Frauen, die zuschauten, wie der gekreuzigte Herr in das Grab gelegt wurde, kehrten später zurück, um seinen Leib zu salben. Doch der Stein 

war vom Grabeingang weggewälzt worden, und der Leichnam des Herrn lag nicht mehr dort. Da sahen sie zwei Männer in leuchtenden 

Gewändern, die sagten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden." (Siehe Lukas 23:55-24:6.) 

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Kunstmuseums Antwerpen, Belgien/TPS/SuperStock 




w 



ir finden Kraft in der Freundschaft und 
Freude in der Gewißheit, daß wir Kinder 



des himmlischen Vaters und Teil seines großen 
Plans des Glücklichseins sind. Wenn ein junger 



Mensch dieses Gefühl aus irgendeinem Grund in 



der Kirche nicht hat, dann sucht er es unter 



Umständen woanders. Wie können Eltern und 



Führer der Kirche dazu beitragen, daß sich junge 
Menschen ihrer Gemeinde bzw. ihrem Zweig 
zugehörig fühlen? Siehe "Jungen Menschen das 
Gefühl geben, daß sie dazugehören", Seite 42. 



GERMAN 




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