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SEPTEMBER 1 999 






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UMSCHLAGBILD: 

Vorne: Den Sturm stillen, Gemälde von Ted Henninger; hinten: 
Jesus schläft während des Sturms, Gemälde von James 
Jacques Joseph Tissot 

UMSCHLAGBILD KINDERSTERN 

Foto von Marilyn Andrews 



MAGAZIN 

2 BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: DAS STREBEN NACH 
AUSZEICHNUNG PRÄSIDENT GORDON B. HINCKLEY 

1 4 WIE DAS SÜHNOPFER MIR GEHOLFEN HAT, MEINE SCHEIDUNG ZU 
ÜBERSTEHEN 

24 DAS GRAPEFRUIT-SYNDROM LOLA B. WALTERS 

25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: SICH IM UNGLÜCK DEM ERRETTER ZUWENDEN 

32 DAS TEMPELGARMENT: DAS ÄUSSERE ZEICHEN DAFÜR, DASS MAN SICH 
INNERLICH VERPFLICHTET HAT ELDER CARLOS E. ASAY 

40 DAS DORF OLD DESERET 

48 VOM GEIST ERBAUT EVANIR CARDOSO 

FÜR JUNGE LEUTE 

9 DEIN ZUHAUSE FORT VON ZUHAUSE 

1 SIE TRAFEN IHRE ENTSCHEIDUNG IM VORAUS 

F. ONYEBUEZE NMERIBE 

20 LAUFEN - UND NICHT MÜDE WERDEN ANNE BILUNGS 

26 ICH HABE EINE FRAGE: WIE KANN ICH KLATSCH UND TRATSCH AUS 
DEM WEG GEHEN? 

30 AKTIVITÄTENABENDE, DIE SICH AM EVANGELIUM ORIENTIEREN 

44 DIE HERAUSFORDERUNG ANNEHMEN ELDER L. TOM PERRY 

KINDERSTERN 

2 DAS MITEINANDER: WIR KÖNNEN VON JESUS CHRISTUS UND SEINEM 
EVANGLIUM ZEUGNIS GEBEN SYDNEY S. REYNOLDS 

4 VERTRAU AUF DEN HERRN ROBIN S. LAMBERT 

8 SIE LEGEN ZEUGNIS VON IHM AB 
1 FREUNDE AUS ALLER WELT: PABLO UND HUGO VARELA AUS WATERLOO IN 

BELGIEN JULIE WARDELL 
1 3 DAS ZEUGNIS PRÄSIDENT GORDON B. HINCKLEY 
1 4 ERZÄHLUNG: MIMIS ZEUGNIS JEANNE N. BURGON 




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SIEHE SEITE 32. 



SIEHE KINDERSTERN, 
SEITE 13. 






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SEPTEMBER 1999 125. Jahrgang Nummer 9 

DER STERN 99989 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 

Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Daliin H. Oaks, 

M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 

Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Marlin K. Jensen 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

Geschäftsführender Direktor: Ronald L. Knighton 

Direktor Planung und Redaktion: Richard M. Romney 

Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 

Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 

Redakteur: Roger Terry 

Co-Redakteurin: Jenifer Greenwood 

Koordinatorin Redaktion/Produktion: Beth Dayley 

Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Redaktionsassistentin: Lanna J. Carter 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Designer: Thomas S. Child, Tadd R. Peterson 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Kari A. Couch, 

Thomas Groberg, Denise Kirby, Jason L. Mumford, 

Deena L. Sorenson 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Lokalteil: 

Beatrice Kopp-Blaser 

Hauptstr. 41, CH-4566 Kriegstetten, Schweiz 

Tel.: (Schweiz)-(O) 32-6753334 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestr. 21, D-61381 Friedrichsdorf 

Leserservice: 

Tel.: (06172) 7103-23; Fax: (06172) 7103-44 

Jahresabonnement: 

DEM 21,00; ATS 147,00; CHF 21 ,00 

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig 

oder auf eines der folgenden Konten: 

D Commerzbank Frankfurt, 

Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00 

A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank 

Konto-Nr. 004-52602 

CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 

Konto-Nr. 30-301,363.0 

Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch Der Stern, 
erscheint auf albanisch, bulgarisch, cebuano, chinesisch, 
dänisch, deutsch, englisch, estnisch, fidschi, finnisch, 
französisch, japanisch, kiribati, koreanisch, lettisch, 
litauisch, norwegisch, polnisch, portugiesisch, rumänisch, 
russisch, samoanisch, spanisch, schwedisch, tagalog, tahi- 
tisch, thai, tongaisch, tschechisch, ungarisch, ukrainisch 
und vietnamesisch. (Erscheinen variert nach Sprache.) 

© 1999 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved. 
Printed in the United States of America. 

For Readers in the United States and Canada: 

September 1999 vol. 125 no. 9. DER STERN (ISSN 1044- 
338X) is published monthly by The Church of Jesus Christ of 
Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, UT 
84150. USA subscription price is $10.00 peryear; Canada, 
$15.50 plus applicable taxes. Periodicals Postage Paid at 
Salt Lake City, Utah. Sixty days' notice required for change of 
address. Include address label from a recent issue; old and 
new address musf be included. Send USA and Canadian 
subscriptions and queries to Salt Lake Distribution Center at 
address below. Subscription help line: 1-800-537-5971. 
Credit card Orders (Visa, MasterCard, American Express) 
may be taken by phone. 

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake 
Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 84126-0368. 



LESERBRIEFE 



EIN SCHATZ 

Ich diene derzeit als Vollzeitmissionarin 
in der Mission Tegucigalpa in Honduras. 
Als ich eines Tages eine erkrankte 
Mitarbeiterin pflegte, stieß ich auf eine 
Kiste, in der sich ein Stapel mit Ausgaben 
des Liahona (spanisch) befand, und zwar 
aus den Jahren 1988 bis 1998. Ich hatte 
einen Schatz gefunden. 

Während der Zeit, die meine 
Mitarbeiterin zur Genesung brauchte, las 
ich in den Zeitschriften und erfuhr viel 
über die Lehren von Präsident Ezra Taft 
Benson, Präsident Howard W. Hunter und 
Präsident Gordon B. Hinckley, unserem 
derzeitigen Propheten. Ich war so dankbar, 
daß ich diesen Schatz der Erkenntnis 
gefunden hatte. 

Dieses Erlebnis hat mir auf Mission 
geholfen. Jedesmal, wenn ich jemandem 
eine Ausgabe des Liahona gebe, habe ich 
das Gefühl, Licht, Erkenntnis und einen 
großen Schatz zu verschenken. Dieser 
große Schatz hat für viele Menschen eine 
Änderung ihres Lebens bewirkt - auch für 
mich. 

Missionarin Verönica Solis Veläsquez, 
Mission Tegucigalpa, Honduras 

ERBAUT VON DEN ERFAHRUNGEN ANDERER 

Wenn ich niedergeschlagen bin, fühle 
ich mich zum Liahona (spanisch) hinge- 
zogen. Der Liahona baut mich immer 
wieder auf, während ich die Geschichten 
lese, die von anderen Mitgliedern handeln, 
die ähnliche Prüfungen erlebt oder herr- 
liche Segnungen empfangen haben, weil 
sie das Evangelium kennen. 

Ich habe mich im März 1993 der Kirche 
angeschlossen und bin in meiner Familie 
das einzige Mitglied. Ich warte auf den Tag, 
wo die Kirche Missionare in meine kleine 
Heimatstadt in Mexiko senden kann. Ich 
bete darum, daß meine Familie das 
Evangelium genauso annehmen möge wie 



ich, wenn dieser Tag gekommen ist. Die 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage bedeutet mir sehr viel, und 
ich weiß, daß Gott lebt, weil ich seine 
Liebe und sein Erbarmen spüre. 

Rüben Gomez, 
Gemeinde Rigby 9, 
Pfahl Rigby, Idaho 

INSPIRIEREND AUF VIELERLEI WEISE 

Ich danke Ihnen für die vielen wich- 
tigen Themen, die angesprochen werden, 
und die inspirierenden Artikel. Wenn ich 
Zeit habe, lese ich im Liahona (englisch) 
und halte auch meine Freunde dazu an. 
Diese Zeitschrift ist für mich auf vielerlei 
Weise inspirierend. Sie tröstet mich, gibt 
mir neue Kraft, inspiriert mich und trägt 
dazu bei, daß ich mich dem Erretter näher 
fühle. 

Josephine Volles, 

Zweig Masbate, 

Distrikt Masbate, Philippinen 

DER WUNSCH NACH ARTIKELN ZUM THEMA 
EHE UND FAMILIE 

Was tun Sie und Ihre Angehörigen, um ihr 
Verhältnis zueinander zu verbessern? Was hat 
Ihnen geholfen, einander und dem Herrn 
näher zu kommen? Die Zeitschrift der Kirche 
ist auf der Suche nach Anregungen, 
Geschichten und Zeugnissen, die mit der 
Stärkung der Ehe und der Familie zu tun 
haben. Schicken Sie Ihre Artikel und, wenn 
möglich, auch ein Foto Ihrer Familie an 
Strengthening Families, International 
Magazine, 50 East North Temple Street, 
Salt Lake City, UT 84150-3223, USA. Sie 
erreichen uns auch per e-mail unter CUR- 
LIAHONA-IMag@ldschurch.org. Geben 
Sie den vollen Namen aller Personen an, die in 
Ihrem Artikel vorkommen, sowie Ihre Adresse, 
Telefonnummer und Gemeinde und Pfahl 
(bzw. Zweig und Distrikt) . 



SEPTEMBER 
1 



19 9 9 



DAS STREBEN NACH 
AUSZEICHNUNG 



Präsident Gordon B. Hinckley 




ie folgenden Zeilen habe ich zuerst im Englischunterricht 
auf dem College gelesen: „Welch ein Meisterwerk ist der 
Mensch! Wie edel durch Vernunft! Wie unbegrenzt an 
Fähigkeiten! In Gestalt und Bewegung wie bedeutend und wunderwürdig, im 
Handeln wie ähnlich einem Engel! Im Begreifen wie ähnlich einem Gott! Die 
Zierde der Welt! Das Vorbild der Lebendigen!" (Hamlet, 2. Akt, 2. Szene.) 

Mir ist bewußt, daß Hamlet diese Worte ironisch gemeint hat. Und 
dennoch steckt so viel Wahrheit in ihnen! Sie machen deutlich, was für ein 
großes Potential der Mensch hat. Selbst wenn Shakespeare sonst nichts 
geschrieben hätte - für diese wenigen Worte aus Hamlets Selbstgespräch 
wäre er unvergessen gebleiben. Sie stimmen mit dem überein, was David 
gesagt hat: 

„Seh' ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du 




Das wichtigste Beispiel für 

Sie ist der Sohn Gottes. 

Hoffentlich machen Sie sich 

ihn zum Freund. Hoffentlich 

bemühen Sie sich, in seine 

Fußstapfen zu treten, 

Barmherzigkeit zu üben und 

denjenigen zu helfen, die in 

Not sind. Bemühen Sie sich 

um mehr Selbstlosigkeit, 

und reichen Sie anderen 

Menschen die Hand. 



befestigst: 



SEPTEMBER 1999 



Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des 
Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? 

Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast 
ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt." (Psalm 8:4-6.) 

Etwas Ähnliches hat der Herr auch zu Ijob gesagt, als 
er aus dem Wettersturm sprach: 

„Wo warst du, als ich die Erde gegründet? Sag es denn, 
wenn du Bescheid weißt. . . . 

Als alle Morgensterne jauchzten, als jubelten alle 
Gottessöhne?" (Ijob 38:4,7.) 

Diese eindrucksvollen Worte zeigen, was für ein 
wunderbares Wesen der Mensch ist. Und damit meine 
ich Mann und Frau. Wir sind alle Kinder Gottes, und in 
jedem von uns steckt ein Stück seiner Göttlichkeit. Wir 
sind nicht einfach nur der Sohn bzw. die Tochter von 
Herrn und Frau Sowieso, die da und dort wohnen. Wir 
gehören zur Familie Gottes, und das ist ein ungeheures 
Potential, sich auszuzeichnen. Der Unterschied zwischen 
Mittelmäßigkeit und Auszeichnung kann ganz klein sein. 
Wenn die Winterolympiade im Jahr 2002 in Salt Lake 
City ausgetragen wird, werden wir wieder miterleben, 
daß sich dieser Unterschied in Zehntelsekunden messen 
läßt. Die zusätzliche Anstrengung, die wir auf uns 
nehmen, kann ungeheuer viel bewirken. 

Vor kurzem habe ich einen der führenden Brüder von 
einem Besuch im Gefängnis erzählen hören. Dort fiel 
ihm ein junger Mann auf, der eine angenehme 
Erscheinung hatte und recht intelligent zu sein schien. 

Der Bruder fragte einen Gefängnisbeamten: „Was 
macht dieser junge Mann denn hier?" 

Er bekam zur Antwort, der junge Mann habe eines 
Abends das Auto seiner Mutter genommen, sich Bier 
besorgt und getrunken und dann die Kontrolle über sich 
verloren. Er raste mit dem Auto auf einen Bürgersteig. 
Dabei kamen zwei Mädchen ums Leben. 

Ich weiß nicht, wie lange der junge Mann im 
Gefängnis bleibt, aber ich weiß, daß er die Tat, die ihn 
dorthin gebracht hat, niemals vollständig verwinden 
wird. Das Tor unseres Leben hängt in solch kleinen 
Angeln. Ein kleiner Fehler, der anfangs ziemlich unbe- 
deutend ausschauen mag, bestimmt den Weg, den wir in 
der Ewigkeit nehmen werden. 

Ich möchte uns alle auffordern, den höheren Weg 
ausgezeichneter Leistungen zu gehen. Vor kurzem nahm 
ich ein altes Buch in die Hand und las Lytton Stracheys 




EINSCHUB: PORTRAIT VON FLORENCE NIGHTINGALE © SUPERSTOCK 



Life of Florence Nightingale. Ich glaube, solche Bücher 
werden heute nicht mehr viel gelesen. Ich hatte es schon 
einmal gelesen, aber das war lange her. Dieses Buch hat 
mir neue Bewunderung und Achtung für diese herausra- 
gende junge Engländerin eingeflößt, die zur damaligen 
Zeit ungeheuer viel bewegt hat. 

Sie wurde in die Oberschicht hineingeboren, zum 
Feiern und Tanzen, zum Besuch von Rennen und zum 
eleganten Auftritt in der Gesellschaft. Aber davon wollte 
sie nichts wissen. Selbst ihre Eltern konnten sie nicht 
verstehen. Sie hatte den großen, drängenden Wunsch, 
Schmerzen und Leid zu lindern, Heilung zu fördern und 
die Krankenhäuser der damaligen Zeit zu verbessern. Sie 
heiratete nie. Sie widmete sich ganz der Krankenpflege 
und wurde nach den Maßstäben der damaligen Zeit zur 
hervorragenden Fachkraft. 

Britannien wurde in den Krimkrieg hineingezogen. 
Florence Nightingale hatte Freunde in der Regierungs- 
spitze, die sie ohne Unterlaß bedrängte, bis ihr schließlich 



DER STERN 

4 




EINE MISSION DER BARMHERZIGKEIT: FLORENCE NIGHTINGALE UND DIE VERWUNDETEN IN SKUTARI, GEMÄLDE VON JERRY BARRETT, NATIONALGALERIE, LONDON, ENGLAND/SUPERSTOCK 



die Leitung des Krankenhauses in Skutari übertragen 
wurde, wohin viele tausend Kriegsopfer gebracht wurden. 

Als sie dort ankam, empfing sie ein Bild ungeheurer 
Verzweiflung. Ein altes Lagerhaus diente als Krankenhaus. 
Die sanitären Anlagen waren in einem fürchterlichen 
Zustand. Die Küche war in einem schrecklichen Zustand. 
Verwundete Männer wurde in großen Sälen zusammenge- 
pfercht, wo es nach Verwesung stank und die Schreie der 
Kranken einem in den Ohren gellten. 

Die zarte junge Frau und ihre Begleiter machten sich 
an die Arbeit. Sie riß die Hindernisse nieder, die 
die Bürokratie errichtet hatte. Sie setzten sich durch. 
Ich zitiere aus dem Buch von Strachey: „Denjenigen, 
die ihr bei der Arbeit für die Kranken zusahen, wie 
sie Tag und Nacht von Bett zu Bett ging, mit jenem 
durch nichts zu erschütternden Mut, mit jener unwan- 
delbaren Entschlossenheit, erschien es, als ob ihre 
ganze Kraft und ihr unvergleichliches Engagement 
dennoch nicht ausreichen könnte, um wenigstens einen 

SEPTEMBER 
5 



Es gibt in der ganzen 

Weltgeschichte wohl keine 

weitere Frau, die so viel 

getan hat, um menschliches 

Leid zu lindern, wie Florence 

Nightingale, die in der Mitte 

des 19. Jahrhunderts durch 

die großen Krankensäle in 

Skutari ging und denjenigen, 

die Schmerzen zu ertragen 

hatten, Fröhlichkeit und Trost, 

Hoffnung und Glauben 

schenkte. Ihr Leben war 

wirklich von ausgezeichneten 

Leistungen geprägt. 



19 9 9 



Teil ihrer Aufgabe zu erfüllen. Doch wo immer jemand 
schwer zu leiden hatte und dringend Hilfe brauchte - 
Florence Nightingale war wie durch ein Wunder zur 
Stelle." 

Die Betten der Verwundeten ergaben aneinanderge- 
reiht eine Strecke von sechs Kilometern, und zwischen 
den einzelnen Betten war kaum genug Platz, um 
ans Bett zu treten. Doch innerhalb von sechs Monaten 
war es irgendwie gelungen, „das Durcheinander und die 
Aufregung in den Krankenzimmern zu beenden; jetzt 
herrschten Ordnung und Sauberkeit. Vorräte waren 
reichlich vorhanden und wurden pünktlich geliefert. 
Auch die wichtigsten Arbeiten an den sanitären Anlagen 
waren erledigt. Ein schlichter Vergleich reichte aus, um 
die eindrucksvolle Veränderung deutlich zu machen: die 
Sterblichkeitsrate der behandelten Verwundeten war von 
42 Prozent auf 22 Promille gefallen." (Life of Florence 
Nightingale, 1934, Seite 1186.) 

Sie hatte ein Wunder bewirkt und vielen tausend 
Menschen das Leben gerettet. Sie hatte Schmerzen gelin- 
dert und den Männern, die sonst an einem finsteren, 
angsterregenden Ort gestorben wären, Fröhlichkeit, 
Wärme und Licht geschenkt. 

Der Krieg ging zu Ende. Florence Nightingale hätte 
nun als Heldin nach London zurückkehren können. Die 
Presse überschlug sich geradezu mit Lobpreisungen. 
Jeder kannte ihren Namen. Aber sie kehrte inkognito 
nach England zurück, um der Bewunderung zu entgehen, 
die man ihr sonst wohl erwiesen hätte. 

Sie setzte ihre Arbeit noch weitere fünfzig Jahre fort 
und veränderte sowohl die Militär- als auch die 
Bürgerkrankenhäuser. Sie starb im hohen Alter, nachdem 
sie zwar eine ganze Zeitlang ans Bett gefesselt gewesen war, 
aber dennoch nicht aufgehört hatte, die Lebensumstände 
derjenigen zu verbessern, die leiden mußten. 

Es gibt in der ganzen Weltgeschichte wohl keine 
weitere Frau, die so viel getan hat, um menschliches Leid 
zu lindern, wie Florence Nightingale, die Frau mit dem 
Licht, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die 
großen Krankensäle in Skutari ging und denjenigen, die 
Schmerzen zu ertragen hatten, Fröhlichkeit und Trost, 
Hoffnung und Glauben schenkte. Ihr Leben war wirklich 
von ausgezeichneten Leistungen geprägt. 

Meine Frau erzählt gerne von einer Freundin, die als 
kleines Mädchen Waise wurde. Sie hatte ihre Mutter 



kaum gekannt. Als sie älter wurde, fragte sie sich, was für 
ein Mädchen und was für eine Frau ihre Mutter wohl 
gewesen sein mochte. 

Eines Tages fand sie ein altes Zeugnis ihrer Mutter. 
Darin stand: „Die Schülerin erbringt in jeder Hinsicht 
hervorragende Leistungen." 

Als sie das las, änderte sich ihr Leben von Grund auf. Ihr 
wurde bewußt, daß ihre Mutter sich um ausgezeichnete 
Leistungen bemüht hatte. Ihre ganze Einstellung wandelte 
sich. Sie fing an, selbst nach ausgezeichneten Leistungen 
zu streben, und entwickelte sich zu einer bemerkens- 
werten Frau. Sie heiratete einen Mann, der in vielen 
Städten bekannt ist, und auch 
ihre Kinder haben sich das 
Streben nach ausgezeichneten 
Leistungen zu eigen gemacht. 

Ich spreche hier von der 
Notwendigkeit, sich ein wenig 
mehr anzustrengen, ein wenig 
mehr Selbstdisziplin zu üben 
und sich ein wenig mehr Mühe 
zu geben, um ausgezeichnete 
Leistungen zu erzielen. 

Wir alle müssen wichtige 
Entscheidungen treffen. Für 
viele nimmt jetzt etwas seinen 
Anfang, was sie ihr Leben lang 
begleiten wird. Ich bitte Sie: 
Geben Sie sich nicht mit wenig 
zufrieden! Schwingen Sie sich 
auf zu geistiger, intellektueller 
und körperlicher Größe! Sie 
können es schaffen. Vielleicht 
sind Sie kein Genie. Vielleicht 
fehlt es Ihnen hier und da 
an Können. Aber so viele 
Menschen können mehr, als 
sie momentan tun. Wir sind 
Mitglieder dieser großartigen 
Kirche, deren Einfluß jetzt 
überall auf der Welt zu spüren 
ist. Wir haben eine Gegenwart 
und eine Zukunft. Verscherzen 
Sie sich Ihre Möglichkeiten 
nicht! Zeichnen Sie sich aus! 




DER STERN 
6 



Diejenigen von Ihnen, die nicht verheiratet sind, 
hoffen unter anderem darauf, einen Partner zu finden. Ich 
könnte Ihnen nichts Besseres wünschen als eine gute 
Ehe, eine glückliche Ehe, eine Ehe, die Ihnen alles gibt, 
was Sie brauchen. Doch Ihre Ehe kann sich nicht 
auszeichnen, wenn Sie sich streiten, wenn Sie einander 
mißachten, wenn Sie einander nicht treu sind und nicht 
füreinander einstehen. Schätzen Sie Ihren Partner, denn 
er ist das Wichtigste, was Sie im Leben haben. Behandeln 
Sie ihn entsprechend. Seien Sie immer bemüht, das zu 
tun, was ihn noch glücklicher macht dazu beiträgt, daß er 
sich wohlfühlt. Lassen Sie es niemals zu, daß Ihre 



Der Prophet Moroni hat 
verkündet: „Indem Gott 
seinen Sohn gab, hat er einen 
vortrefflicheren Weg bereitet." 
(Ether 12:11.) Strengen Sie sich 
mehr an. Dann sind Sie auch 
glücklicher. Dann erfahren Sie 
eine neue Zufriedenheit, eine 
neue Fröhlichkeit im Herzen. 



CHRISTUS UND DER REICHE JÜNGLING, GEMÄLDE VON 
HEINRICH HOFMANN; BNSCHUB: AUSSCHNITT AUS IHR 
WERDET MEINE WORTE HABEN, GEMÄLDE VON JUDITH MEHR 




SEPTEMBER 

7 



19 9 9 



Zuneigung oder Ihre Achtung oder Ihr Glaube anein- 
ander abnimmt. Zeichnen Sie sich in allen Bereichen aus. 

Das wichtigste Beispiel für Sie ist der Sohn Gottes. 
Hoffentlich machen Sie sich ihn zum Freund. Hoffentlich 
bemühen Sie sich, in seine Fußstapfen zu treten, 
Barmherzigkeit zu üben und denjenigen zu helfen, die in 
Not sind. Bemühen Sie sich um mehr Selbstlosigkeit, und 
reichen Sie anderen Menschen die Hand. 

Der Herr ist das größte Beispiel für Auszeichnung, 
das es auf der Welt gibt. Er ist auf höchst demütige 
Weise auf die Erde hinabgestiegen. Er wuchs als Sohn 
Josefs, des Zimmermanns, auf. Auf dem Berg der 
Versuchung kämpfte er mit dem Widersacher. Von dort 
kehrte er strahlend und schön und herrlich zurück, um 
die Welt zu unterweisen. Während seines kurzen 
Wirkens brachte er mehr Wahrheit, mehr Hoffnung, 
mehr Barmherzigkeit und mehr Liebe in die Welt als 
irgend jemand sonst. Am Kreuz von Golgata starb er 
für uns. Er erstand am dritten Tag auf, „der Erste 
der Entschlafenen" (1 Korinther 15:20). So brachte er 
allen Menschen die Verheißung der Auferstehung und 
denen, die seine Lehre befolgen würden, die Hoffnung 
auf Erhöhung. Er war das große Beispiel für Rechtschaf- 
fenheit, der einzige vollkommene Mensch, der je auf der 
Erde gelebt hat. Er war das wundersame Vorbild, dem 
jeder von uns in seinem Streben nach Auszeichnung 
nacheifern muß. 

Der Prophet Moroni hat verkündet: „Indem Gott 
seinen Sohn gab, hat er einen vortrefflicheren Weg 
bereitet." (Ether 12:11.) Sie haben das Zeugnis dieses 
Glaubens. Sie haben das Beispiel für diesen Glauben. Wir 
wollen uns alle bemühen, uns ein wenig höher aufzu- 
richten und ein wenig besser zu werden. Strengen Sie 
sich mehr an. Dann sind Sie auch glücklicher. Dann 
erfahren Sie eine neue Zufriedenheit, eine neue 
Fröhlichkeit im Herzen. 

Jesus hat gesagt: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie 
es auch euer himmlischer Vater ist." (Matthäus 5:48.) 
Das ist das krönende Beispiel für Auszeichnung. Mögen 
wir alle diesem Ziel zustreben und dabei ein reiches, 
wundervolles Leben führen. Niemand wird an einem Tag 
oder in einem Monat oder in einem Jahr vollkommen. 
Auch das Leben reicht dazu nicht aus, aber wir können 
es versuchen und mit unseren deutlich zu Tage tretenden 



Schwächen beginnen, indem wir sie nach und nach in 
Stärken verwandeln. 

„Sieh zu, daß du auf Gott blickst und lebst!" (Alma 
37:47.) Knien Sie anbetend vor ihm nieder. Er wird 
Ihnen helfen. Er wird Sie segnen. Er wird Sie trösten und 
stützen. Sie machen Fortschritt. Sie wachsen. Sie verbes- 
sern sich. Und sie empfinden mehr Glück. 

Wenn Sie in der Vergangenheit Fehler gemacht 
haben, wenn Sie Sünden begangen haben, wenn Sie 
träge gewesen sind - all das läßt sich überwinden. 

Sie haben die wunderbare Möglichkeit, sich ein Ziel 
jenseits von Reichtum und weltlichem Erfolg zu setzen, 
obwohl auch dieses in begrenztem Maße wichtig sein 
kann, andere Menschen zu erbauen und ihnen Kraft zu 
geben, Leid zu lindern und dazu beizutragen, daß die Welt 
ein besserer Ort wird. Sie können das Licht von Florence 
Nightingale aufnehmen und durch die von Schmerzes- 
schreien erfüllten Krankensäle der Welt tragen. 

Vom Herrn heißt es, er habe Gutes getan (siehe 
Apostelgeschichte 10:38). Und dabei entwickelte er sich 
zum Idealbild der Vollkommenheit. 

Möge der Herr uns alle auf dem Weg zur Vollkommen- 
heit segnen, den zu gehen er uns aufgetragen hat, und 
zwar voller Hoffnung, voller Glauben und voller 
Nächstenliebe, nämlich der reinen Christusliebe (siehe 
Moroni 7:47). D 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. Wir gehören zur Familie Gottes, und das ist ein 
ungeheures Potential, sich auszuzeichnen. 

2. Wir sind aufgefordert, uns ein wenig mehr anzu- 
strengen und ein wenig mehr Selbstdisziplin zu üben und 
den höheren Weg ausgezeichneter Leistungen zu gehen. 

3. Florence Nightingale ist ein Beispiel für jemand, der 
nach Auszeichnung strebte. 

4- Wir alle müssen wichtige Entscheidungen treffen. 
Schwingen Sie sich auf zu geistiger, intellektueller und 
körperlicher Größe! 

5. Der Herr ist das größte Beispiel für Auszeichnung, 
das es auf der Welt gibt. 

6. In unserem Bestreben, uns zu verbessern, wollen 
wir anbetend vor Gott niederknien. Er wird uns helfen 
und uns stützen. 



DER STERN 



8 



DEIN ZUHAUSE FORT VON 



▲ 





* 






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IÜ5 



„WIR WOLLEN HINABGEHEN; DENN DORT GIBT ES RAUM, . . . UND WIR WOLLEN EINE ERDE 
SCHAFFEN, WORAUF DIESE WOHNEN KÖNNEN/' (ABRAHAM 3:24.) 



SIE TRAFEN IHRE 
ENTSCHEIDUNG 

IM VORAUS 



F. Onyebueze Nmeribe 

FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES VERFASSERS 



Houston 

Chinweoke 

Nmeribe und 

Raymond Idio 

Egbo haben viel 

gemeinsam. Sie 

wurden für ihre 

Entscheidung 

gesegnet, das 

Rechte zu wählen. 





Houston Chinweoke Nmeribe 
und Raymond Idio Egbo haben 
viel gemeinsam. Obwohl sie 
sich erst auf Mission kennenlernten 
und Freundschaft schlössen, hatten 
sich beide in ihrer Heimat Nigeria zur 
Kirche bekehrt. Beide ließen sich als 
Jugendlicher taufen, absolvierten vier 
Jahre Seminarprogramm und gingen 
auf eine Vollzeitmission in die Mission 
Lagos in Nigeria, wo etwa achtzig 
Prozent der Missionare Nigerianer 
sind. Und obwohl beide mit 
Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, 
während sie dem Herrn auf Mission 
dienten, wurden sie doch auch beide 
gesegnet, weil sie sich im voraus 
bereitgemacht und die Entschei- 
dung getroffen hatten, das Rechte 
zu wählen. 



SIE HABEN SICH WÄHREND DES 
SEMINARS BEREITGEMACHT 

Sowohl Houston als auch 
Raymond schreiben es dem 
Besuch des Seminars, das in 
Nigeria von Dienstag- bis 
Freitagabend stattfindet, zu, daß 
sie gelernt haben, richtige 
Entscheidungen zu treffen. „Das 
Seminar hat in mir zuerst den 
Wunsch geweckt, auf Mission zu 
gehen", erinnert sich Raymond. 

DER 



„Das Seminar hat es mir leicht 
gemacht, die Grundsätze und Lehren 
des Evangeliums zu verstehen, die ich 
eines Tages auf Mission verkünden 
sollte", erklärt Houston. „Im Seminar 
werden den Mitgliedern Grundsätze 
so erklärt, daß sie sie verstehen 
können. So habe ich mich von der 
Wahrheit des Evangeliums überzeugt 
und mich darauf vorbereitet, andere 
Menschen zu unterweisen." 

SIE HABEN IN DER HEILIGEN SCHRIFT 
KRAFT GEFUNDEN 

Das Seminar hat den beiden 
jungen Männern auch gezeigt, 
wie man studiert und in der 
heiligen Schrift Kraft findet. 
„Meine Kraft ziehe ich 
aus dem Buch Mormon", 
sagt Raymond. „Die 
Worte König Benjamins 
in Mosia 2:41 haben 
mich angespornt, selbst 
trotz großer Widerstände 
weiterzumachen. ,Und 
weiter wünschte ich, ihr 
würdet den gesegneten 
und glücklichen Zustand 
derjenigen betrachten, die die 
Gebote Gottes halten.'" 

Houston schöpft Kraft 
daraus, über den Erretter 

STERN 
10 




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zu lesen und nachzudenken. „Ich 
verstand meine Berufung als 
Missionar nicht nur so, daß ich 
Christus dienen sollte, sondern auch 
so, daß ich seinem Beispiel nachei- 
fern sollte", erklärt er. „Wenn ich mit 
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, 
dachte ich daran, daß Jesus Christus 
viele Schwierigkeiten durchlitten 
und bewältigt hat. Meine Stärke und 
meine Entschlußkraft schöpfe ich 
aus ihm, damit auch ich - wie er - 
überwinden kann." 

SIE WURDEN DURCH GEHORSAM UND 
FLEISSIGES ARBEITEN GESEGNET 

Die beiden jungen Männer wußten 
schon vor ihrer Mission, wie wichtig 
Gehorsam ist - vor allem im Hinblick 
auf das Befolgen der Missionsregeln. 
Houston erklärt: „Das Einhalten der 
Missionsregeln war für mich wie das 
Halten der Gebote. Als ich meine 
Mission begann, hatte ich eine genaue 
Vorstellung dessen, was ich erreichen 
wollte. Ich wollte alles in meiner 
Macht Stehende tun, um Erfolg zu 
haben. Ich fastete und betete oft um 
die Kraft, das Rechte zu wähle. Schon 
ganz zu Beginn meiner Mission nahm 
ich mir vor, fleißig zu arbeiten." 

Raymond meint dazu: „Ich habe 
schon früh gemerkt, daß harte Arbeit 
wichtiger ist als ein kluger Kopf (siehe 
James E. Faust, „Was mein Sohn 
wissen soll, bevor er auf Mission 
geht", Der Stern, Juli 1996, Seite 38). 
Ich habe mich bemüht, eine geistige 
Gesinnung zu entwickeln, indem ich 
noch intensiver im Buch Mormon 
studiert habe. Von Anfang an war ich 
fest entschlossen, die Missionsregeln 
einzuhalten und mich durch Studium 
und bestmögliches Arbeiten bereitzu- 
machen." 



FORTSCHRITT DURCH WIDERSTÄNDE 

Und sobald sie im Missionsgebiet 
angekommen waren, brauchten sie 
alles, was sie getan hatten, um sich 
bereitzumachen. Dennoch blieben 
ihnen Schwierigkeiten nicht erspart. 
Aber sie hatten die Kraft, trotzdem 
weiterzumachen. 

Houston kam im April 1994 in die 
Mission Lagos in Nigeria. Sein erstes 
Arbeitsgebiet, Agege, war ziemlich 
groß. Der nächstgelegene Zweig heiß 
Ogba und war etwa vier Kilometer 
entfernt. Wegen der großen Ent- 
fernung zwischen den zwei Städten 
war es für Untersucher nicht leicht, 
die vor der Taufe vorgeschriebene 
Anzahl von Kirchenbesuchen zu 
absolvieren. Houston und sein Mitar- 
beiter arbeiteten fast vier Monate 
lang ununterbrochen fleißig, ohne 
mit einer einzigen Taufe belohnt zu 
werden. Doch nachdem sie ihre 
Anstrengungen noch verdoppelt 
hatten, fanden sie eine fünfköpfige 
Familie, die sie für die Taufe bereit- 
machten. 

Houston erinnert sich: „Eines 
Samstagnachmittags, als mein Mitar- 
beiter und ich auf eine Mitfahrgele- 
genheit warteten, um zu meiner ersten 
Bekehrtentaufe zu fahren, kamen die 
Assistenten des Missionspräsidenten 
und erklärten mir, daß ich versetzt 
worden sei. Ein neuer Mitarbeiter 
nahm umgehend meine Stelle ein, 
und ich reiste nach Benin. Zuerst war 
ich ziemlich traurig, daß ich nun 
nicht bei der Taufe meiner ersten 
Bekehrten dabeisein konnte, aber 
später wurde mir bewußt, daß es ja 
viel wichtiger war, daß sie sich über- 
haupt bekehrt hatten." 

Nach seiner Versetzung in den 
Pfahl Benin-Stadt lernte Houston 



Raymond kennen. Raymond kam 
einige Tage später in Benin an, und 
zwar direkt aus der Missionarsschule 
in Lagos. Houston schloß sich 
Raymond und seinem Mitarbeiter 
an, um an Raymonds erstem Tag 
gemeinsam mit ihnen zu arbeiten. 
Als Raymond sagte, er habe Angst 
davor, gleich am ersten Tag eine 
Lektion durchzunehmen, machte 
Houston ihm Mut: „Tun Sie es 
einfach. Mir ist es auch so ergangen. 
Ich habe es geschafft, und Sie 
können es auch schaffen." 

Raymond erinnert sich: „Ich 
spürte Kraft und Zuversicht. Und als 
die Lektion zu Ende war, klopfte 
Houston mir aufs Knie und sagte: 
,Sehen Sie, Sie haben Ihre Sache gut 
gemacht.' Dieses Erlebnis ließ 
Houston in meiner Achtung steigen. 
Seit unserer Mission haben sich 
unsere Wege schon häufig gekreuzt, 
und ich empfinde zunehmend mehr 
Achtung für ihn." 

Vier Monate später wurde 
Raymond nach Lagos versetzt, wo er 
Senior-Mitarbeiter wurde. „Nachdem 
wir drei Monate in Lagos gearbeitet 
hatten, ohne eine einzige Taufe zu 
erleben, fühlte ich mich als Führer 
ziemlich unzulänglich", erzählt er. 
„Wir mußten uns einfach noch mehr 
anstrengen. Dann war es Zeit, dem 
Missionspräsidenten zu berichten. 
Er riet mir, für unsere Untersucher 
zu beten. 

Sieben unserer vierzehn Unter- 
sucher entschlossen sich zur Taufe", 
erinnert Raymond sich. „Zwei 
Wochen vor der Taufe erhielt ich 
eine Nachricht von den Assistenten 
des Missionspräsidenten, in der sie 
mich auf meine bevorstehende 
Versetzung hinwiesen." Dieses Mal 



DER STERN 
12 



war es Raymond, der die Taufen 
nicht miterleben konnte. „Innerhalb 
eines Monats ließen sich alle vier- 
zehn Untersucher taufen. Ich war 
traurig, daß ich nicht dabei sein 
konnte. Aber ich akzeptierte den 
Willen des Herrn - die einen säen, 
die anderen gießen und noch andere 
ernten. Aber alle arbeiten für den 
Herrn in seinem Weingarten." 

FÜR SCHWIERIGKEITEN GEWAPPNET 

Wer das Werk des Herrn tut, 
hat auch mit Schwierigkeiten zu 
kämpfen. Doch Raymond und 
Houston haben erfahren, daß der 
Herr wirklich einen Weg bereitet. 



„Als ich Assistent des Missions- 
präsidenten wurde, war es für mich 
zuerst nicht leicht", erinnert sich 
Houston. „Ich mußte Missionare 
schulen, von denen einige eine 
bessere Schulbildung hatten als 
ich. Ich fühlte mich dem nicht 
gewachsen, bis ich betete und das 
Zeugnis erhielt: ,Wem der Herr ein 
Amt gibt, den macht er auch fähig.' 
(Thomas S. Monson zitiert Harold B. 
Lee, „Wer Gott ehrt, den ehrt Gott", 
Der Stern, Januar 1996, Seite 44.) 
Diese Gewißheit hat mir geholfen, 
weiterzumachen." 

Raymond fiel es schwer, Geduld 
zu üben. „Ich konnte es kaum mit 




Unten links: Die Missionare Nmeribe und Egbo als 

Mitarbeiter. Unten: Die beiden Missionare als 

Assistenten des Missionspräsidenten. Unten rechts: 

Raymond Egbo, Schwester Elizabeth Kwaw, 

Missionspräsident Stephen Kwaw und Houston Nmeribe. 



ansehen, wenn Menschen, die rich- 
tige Grundsätze gelernt hatten und 
ihre Aufgaben kannten, dennoch 
nicht danach handelten", erzählt er. 
„Dann habe ich mich immer mit 
dem Gedanken daran getröstet, daß 
ich alles in meiner Macht Stehende 
tun kann, damit der Herr weiß, daß 
ich das Rechte wähle." 

DAS GOTTESREICH WEITER AUFBAUEN 

Houston Nmeribe und Raymond 
Egbo waren auf Mission immer dann 
am glücklichsten, wenn sie sahen, 
wie Untersucher durch die Taufe zu 
Christus kamen und Mitglied der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage wurden. Und beide 
können das damit verbundene 
Gefühl heute noch spüren, obwohl 
ihre Mission inzwischen schon 
einige Jahre zurückliegt. 

Aber ihr Dienst im Gottesreich ist 
bei weitem noch nicht zu Ende. 




Beide werden weiterhin für ihre 
Entscheidung gesegnet, dem Herrn 
zu dienen. Houston Chinweoke 
Nmeribe dient als Ältestenkollegi- 
umspräsident im Zweig Calabar 
3 im Pfahl Calabar in Nigeria. 
Raymond Idio Egbo dient als Zweig- 
Missionsleiter des Zweigs Calabar 2 
und als Zweiter Ratgeber in der 
Distrikt-Missionspräsidentschaft. D 



♦ ♦ 



WIE DAS SUHNOPFER 
MIR GEHOLFEN HAT, 
MEINE SCHEIDUNG 



♦ ♦ 



ZU ÜBERSTEHEN 



Während der Schwierigkeiten 
in meiner Ehe lernte ich zu 
begreifen, daß der Herr sehr 
genau wußte, was ich litt, 
und mir zur Seite stand. 

Name ist der Redaktion bekannt 

Am letzten Samstag", so 
begann der Brief meines 
Mannes, „hast du mich 
gefragt: ,Kannst du nicht auf- 
schreiben, was du empfindest?' Das 
tue ich hiermit." 

Ich hatte gespürt, daß mit der 
Zuneigung, die mein Mann mir entge- 
genbrachte, etwas nicht stimmte, aber 
ich hatte keinesfalls mit dem 
gerechnet, das er in seinem Brief 
Fürchterliches schrieb. Er gab sogar zu, 
mir untreu gewesen zu sein. Während 
ich schmerzerfüllt über die möglichen 
Folgen für unsere Ehe nachdachte, die 
seit fünfzehn Jahren bestand, fühlte 
ich mich unendlich allein. Ich nahm 
mir vor, den himmlischen Vater im 
Tempel um Kraft zu bitten. 

Im celestialen Raum gab mir eine 
Frau ein Papiertaschentuch und 
sagte, sie habe mich beobachtet und 
würde mir gerne helfen. Ich dankte 



ihr und sagte, sie könne mir nicht 
helfen, aber innerlich schrie ich: 
Können Sie mir meine Hoffnungen und 
Träume zurückgeben? Können Sie mir 
die Ewigkeit zurückgeben? 

Ich weinte weiter. Kurz darauf 
kamen mehr Menschen in den cele- 
stialen Raum. Ein Mann setzte sich 
auf einen Stuhl in meiner Nähe und 
fragte: „Darf ich Ihnen etwas sagen?" 

Ich bejahte. 

Er sagte: „Ich spüre, daß der Geist 
lieber Menschen auf der anderen 
Seite des Schleiers mit Ihnen ist. 
Was immer Sie auch durchmachen 
mögen - Sie sind nicht allein." Ich 
spürte die Wärme des Geistes, als 
der Mann aufstand und ging. 

Mein Mann hatte mich verworfen, 
aber der Erretter hatte mich nicht 
im Stich gelassen. Er, der „unsere 
Krankheit getragen und unsere 
Schmerzen auf sich geladen" hat 
(siehe Jesaja 43:4), gab mir Kraft. Als 
ich an jenem Tag den Tempel verließ, 
spürte ich den Frieden des Erretters. 

Als meine Ehe zu zerbrechen 
begann, wurde mir das Ausmaß 
seiner barmherzigen Liebe durch die 
Kraft des Sühnopfers bewußt. 
Während der nächsten vier Jahre 



verstand ich die Segnungen des 
Sühnopfers immer besser. 

DIE KRAFT ZUR HEILUNG FINDEN 

Ich war erstaunt, wie viele 
verschiedene Probleme mich bela- 
steten, während ich mit den 
Schwierigkeiten in meiner Ehe zu 
kämpfen hatte. Aber jedes Problem 
machte mir noch deutlicher bewußt, 
daß der Herr sehr genau wußte, was 
ich litt, und mir zur Seite stand. 

Am Abend, als der Disziplinarrat 
für meinen Mann stattfand, kam er 
erst nach Hause, als unsere Kinder 

Die demütigenden Erlebnisse 
während meines letzten Ehejahres 
waren nur der Anfang eines 
anscheinend nicht enden wollenden 
Ansturms von Problemen. Als das 
Jahr vorüber war, hatte ich auch 
den letzten Rest Stolz verloren. 




schon schliefen. Ich fragte ihn, wie 
es gewesen sei. Er antwortete mir 
und fügte dann, sozusagen als 
Nachgedanke, noch hinzu: „Ach, 
übrigens, ein paar meiner Freunde 
sind an AIDS gestorben. Aber du 
brauchst dir keine Sorgen zu machen 
- ich habe mich testen lassen und 
bin HIV-negativ." 

Obwohl mein Mann schon vorher 
erwähnt hatte, daß er sich in seiner 
Jugend zu unsittlichem Verhalten 
hatte hinreißen lassen, war ich über 
diese Neuigkeit entsetzt. Ich hatte 
das Gefühl, nicht noch mehr 
ertragen zu können, brach in Tränen 
aus und ging in mein Zimmer, um zu 
beten. Der himmlische Vater hörte 
die Schreie meines gebrochenen 
Herzens, und ich spürte, wie Trost 
und Ruhe über mich kamen. Mit 
neuer Kraft ausgestattet fand ich in 
jener Nacht Schlaf und überstand 
später auch die demütigen klini- 
schen Tests, die mein Arzt mir 
verordnete. 

Aufgrund dieses und anderer 
Erlebnisse bekamen die Lehren über 
das Sühnopfer für mich eine tiefere 
Bedeutung; ja, sie wurden für 
mich zu Wahrheiten, die mein 
Leben veränderten. Umkehr, Vergeb- 
ungsbereitschaft, der Glaube an den 
Erretter - diese Wahrheiten wurden 
zu Verhaltensgrundsätzen, die mir 
die Segnungen schenkten, die ich so 
dringend brauchte. Durch meine 
Erfahrung wurde es mir möglich, 
die eindrucksvolle Tatsache, daß 
Jesus Christus wirklich fähig ist, uns 
zu stützen und zu helfen, besser 
schätzen zu lernen. 

SICH DEM WILLEN DES HIMMLISCHEN 
VATERS UNTERWERFEN 

Die demütigenden Erlebnisse 
während meines letzten Ehejahres 



waren besonders schwer zu ertragen. 
Ich erfuhr von der Untreue meines 
Mannes, öffnete mein Privatleben 
dem Bischof und dem Pfahl- 
präsidenten, mußte mit der Entschei- 
dung meines Mannes fertig werden, 
mich zu verlassen, leitete die Schei- 
dung ein und mußte mitansehen, 
wie meine Kinder darunter litten, 
daß ihr Vater nicht mehr bei uns 
wohnte. Und das alles war doch nur 
der Anfang eines anscheinend nicht 
enden wollenden Ansturms von 
Problemen. Auch die enge Verbun- 
denheit mit meiner Schwiegerfamilie 
blieb auf der Strecke. Außerdem 
mußte ich meine Familie, die 
Gemeinde und den Staat um finanzi- 
elle Hilfe bitten, mit der Verletzung 
einer meiner Töchter fertig werden, 
eine mögliche Krebserkrankung 
verarbeiten, mich von einem 
schweren Autounfall erholen, mich 
mit meinem Examen abmühen und 
darüber hinaus bei der Stellensuche 
eine Enttäuschung nach der anderen 
einstecken. Als das Jahr vorüber war, 
hatte ich auch den letzten Rest Stolz 
verloren. Ich fühlte mich dem Herrn 
gegenüber nichtswürdig - demütig 
gestimmt durch die Erkenntnis 
meiner Nichtigkeit (siehe Mosia 4:5) 
und das Gefühl, vollkommen auf ihn 
angewiesen zu sein, weil er der 
einzige ruhende Pol in meinem 
Leben voller Veränderungen war. 

Doch anstatt zu verzweifeln, sah 
ich meinen Zustand als Möglichkeit 
an, wie der himmlische Vater seinen 
Willen in meinem Leben verwirkli- 
chen konnte. Ich begann den Zusam- 
menhang zwischen Unglück und 
geistiger Läuterung zu verstehen. 
Während meiner Schwierigkeiten 
fragte ich mich oft: Was erwartet der 
himmlische Vater in dieser Situation, wohl 
von mir? Durch Beten, Schriftstudium, 



Nachsinnen und den Tempelbesuch 
suchte ich nach konkreten Lösungen. 
Und indem ich göttliche Führung 
suchte und empfing, lernte ich mehr 
Geduld und vertraute noch mehr auf 
den himmlischen Vater. 

Die folgenden Worte von Eider 
Neal A. Maxwell vom Kollegium 
der Zwölf Apostel haben für mich 
eine ganz besondere Bedeutung 
bekommen: „Um unseretwillen wurde 
dieser völlig außerordentliche Jesus 
völlig hingegeben. Jesus hat zuge- 
lassen, daß sein Wille gänzlich ,im 
Willen des Vaters verschlungen' 
wurde (siehe Mosia 15:7). Wenn wir 
zu Jesus zurückkommen wollen, 
müssen wir uns gleichermaßen Gott 
unterwerfen - vorbehaltlos. Dann 
warten weitere erhabene Ver- 
heißungen auf uns!" („Umkehr", Der 
Stern, Januar 1992, Seite 31.) 

VERBITTERUNG BEKÄMPFEN 

Als ich mich um inspirierte 
Weisung bemühte und mich dann 
dem Willen des himmlischen Vaters 
unterwarf, wurde mir zunehmend 
deutlicher bewußt, daß alles, was ich 
erlebte, mir die Möglichkeit gab, 
Fortschritt zu machen. 

Die Verbitterung beispielsweise, 
mit der ich an meinen Ex-Mann und 
meine derzeitige Situation dachte, 
schien im Widerspruch zu den 
Segnungen des Sühnopfers zu stehen. 
Ich strengte mich mehr an, mich dem 
himmlischen Vater zu nahen, und es 
gelang mir, diese Verbitterung zu 
bekämpfen. Dadurch konnte ich 
wiederum mein Verhältnis zu Gott 
vertiefen. Und ich konnte das Wesen 
Jesu Christi, unseres vollkommenen 
Beispiels, besser verstehen. 

Ich klebte ein Zitat von Bruce C. 
Hafen, der jetzt den Siebzigern 
angehört, an meine Schlafzimmertür. 



, 



Immer, wenn ich es las, mußte ich 
weinem „Wenn wir es zulassen 
könnten, daß unsere Gedanken sich 
zum Himmel aufschwingen und 
dadurch - wenn auch nur für einen 
kleinen Augenblick - die Schwierig- 
keiten und Beschränkungen des 
Lebens aufgehoben werden, dann 
würden wir wahrscheinlich auch 
eher die Eingebungen dessen hören, 
der alles überwunden hat und der 
uns versichert, daß die folgende 
Verheißung wahr ist: Er wird - aus 
reiner Barmherzigkeit - dafür sorgen, 
daß unsere Lebensumstände uns 
letztlich zum Segen gereichen, wenn 
wir ihn nur von ganzem Herzen 
lieben." (The Broken Heart, 1989, 
Seite 106.) 






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AUF RECHTFERTIGUNG VERZICHTEN 

Aus nur ihm bekannten Gründen 
verließ mein Mann mich, ohne dies 
seiner Familie und seinen Freunden 
überhaupt richtig zu erklären. Und 
wahrscheinlich im Bemühen, seine 
Entscheidung zu verstehen, stellte 
meine Schwiegerfamilie zum größten 



Ich fühlte mich dem Herrn 
gegenüber nichtswürdig - 
demütig gestimmt durch die 
Erkenntnis meiner 
Nichtigkeit und das 
Gefühl, vollkommen 
auf ihn angewiesen 
zu sein, weil er der 
einzige ruhende 
Pol in meinem 
Leben voller 
Veränderungen 
war. 




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Teil Vermutungen an, ohne mit mir 
darüber zu sprechen. So gelangten 
sie zu einigen falschen Schluß- 
folgerungen. Meistens hörte ich ihre 
Bemerkungen nur auf Umwegen, was 
mich sehr belastete, weil ich nicht die 
Gelegenheit bekam, ihnen die Wahr- 
heit zu sagen. Ihre Bemerkungen 
taten mir weh, und ich hatte oft das 
Gefühl, daß meine Lauterkeit in 
Frage gestellt wurde. Ich fragte mich, 
ob diese Verwandten, denen ich mich 
doch so nahe gefühlt hatte, mich 
überhaupt jemals richtig gekannt 
hatten. 

Zwei Jahre nach meiner Scheidung 
erzählte man mir, daß ein Verwandter 
meines Ex-Mannes gesagt habe, ich 
sei nicht vergebungsbereit. Diese 
Bemerkung begann in mir zu gären. 
Ich wollte gerne meinen Namen rein- 
waschen; ich wollte ihm sagen, wie 
unrecht er doch hatte. Als ich mich 
deswegen mit dem Bischof beriet, 
wurde mir bewußt, daß es eigentlich 
nur wichtig war, ob der himmlische 
Vater und ich die Wahrheit über die 
Beziehung zu meinem Ex-Mann 
kannten und wußten, was ich in 
meiner Ehe getan hatte. Plötzlich 
spürte ich inneren Frieden. Ich 
wußte, daß ich mit dem bewußten 
Verwandten über seine Bemerkung 
sprechen konnte, wenn ich es wollte, 
aber es war mir nicht mehr besonders 
wichtig. Wegen des Sühnopfers 
konnte ich die Kränkung vergessen. 
Ich brauchte nicht wegen der 
Meinung leiden, die dieser Mann - 
oder sonst jemand - über mich hatte. 

SELBSTVERTRAUEN 
ZURÜCKGEWINNEN 

Als der Scheidungstermin näher- 
rückte, schrieb mein Mann mir einen 
sechzehnseitigen Brief, in dem er 
unsere Ehe unter die Lupe nahm. 



Trotz des gegenteiligen Rates des 
Priestertums begann ich, den Behaup- 
tungen meines Mannes zu glauben, 
die Schwierigkeiten in unserer Ehe 
seien meine Schuld - und ich sei sogar 
schuld an seiner Untreue. 

Hin- und hergerissen von meinen 
Zweifeln wandte ich mich der heiligen 
Schrift zu. Dort fand ich in den 
Worten des Erretters Hoffnung und 
Verständnis. Ich dachte darüber nach, 
wie seine Worte mir bisher schon 
zum Segen gereicht und mich erbaut 
hatten, und schrieb in mein Tagebuch: 
„Die Wellen des Selbstmitleids, des 
Selbstzweifels und der Selbstzer- 
störung branden gegen die Küste 
meines Lebens. Doch an Land steht 
der Erretter und baut mich auf- stützt 
mich - schützt mich vor der Brandung 
- sagt mir, daß ich wertvoll bin - sagt 
mir, daß ich an mich glauben soll. 
Seine Stimme höre ich am liebsten, 
seiner Stimme muß ich folgen." 

Ich bekam die Möglichkeit, den 
Glauben an mich zurückzuge- 
winnen. Der Rat und die Segnungen 
des Priestertums spendeten mir gött- 
lichen Trost. Durch die große Liebe 
des Erretters fand ich wieder Kraft 
und Mut. 

NÄCHSTENLIEBE ÜBEN 

Meine Erlebnisse haben in mir den 
Wunsch geweckt, es dem Erretter 
nachzutun und andere Menschen zu 
erbauen. Während der Scheidung 
bekam ich von mehreren Seiten den 
Rat, meinen Mann niemals vor 
unseren Kindern schlechtzumachen. 
Wie weise dieser Rat war, zeigte sich 
fast täglich, denn ich bekam häufig die 
Gelegenheit, ihn herabzuwürdigen. 
Doch gebeterfüllt bemühe ich mich 
um die Kraft, Kritik für mich zu 
behalten und auf seine positiven 
Eigenschaften hinzuweisen. 



Zuerst ist mir das sehr schwerge- 
fallen, denn er hatte mir sehr 
wehgetan und schwerwiegende Fehler 
begangen. Doch indem ich mich 
bemühte, meinen Kindern vor Augen 
zu führen, was für ein wertvoller 
Mensch er war, fiel mir dies zuneh- 
mend leichter. Jedesmal, wenn ich 
über ihn mit Worten sprach, die ihn 
wahrheitsgemäß und fairerweise in ein 
positives Licht rückten, fühlte ich 
mich dem Erretter näher. Ich nahm 
mir vor, die Liebe, die meine Kinder 
für ihren Vater empfinden, zuzulassen 
und sogar zu fördern. Als der Geist 
mir eingab, beim Familiengebet für 
ihn zu beten, konnte ich dies voller 
Nächstenliebe tun. 

Als mein Ex-Mann wieder voll- 
ständig in der Kirche aktiv wurde, 
fragte mich eine Freundin, was ich 
dabei empfände. Wahrheitsgemäß 
antwortete ich: „Ich freue mich für 
ihn. Ich bin erleichtert. Ich bin dem 
himmlischen Vater dankbar." 

Meine Freundin fragte: „Du weißt 
schon, wie ungewöhnlich eine solche 
Einstellung ist?" 

Aber für mich war sie nicht unge- 
wöhnlich. Sie war richtig. Sie war gut. 

Als mir Wunden geschlagen 
wurden, deren Ursprung ich nicht 
beeinflussen konnte, wurde mir 
bewußt, daß Unglück mir hilft, ein 
besserer Mensch zu sein. Und weil 
ich das Sühnopfer nun besser 
verstehe, ist mir auch bewußt 
geworden, daß ich Umkehr üben 
und mein Wesen rein machen 
muß. Ich habe erlebt, wie sich 
Schwierigkeiten als Möglichkeit 
erweisen, Fortschritt zu machen, den 
man sonst nicht machen könnte. 
Ich lernte Aspekte des Sühnopfers 
schätzen, die mir vorher nicht 
bewußt gewesen waren bzw. die 
ich nicht verstanden hatte. Ganz 



DER STERN 

18 


















sicher muß ich noch viel lernen, 
aber ich weiß, daß der Erretter 
durch sein Sühnopfer die Lücke 
zwischen meinen Bemühungen und 
den vollkommenen Maßstäben des 
himmlischen Vaters überbrückt. 

Ich werde immer dankbar dafür 
sein, daß sich der Erretter vollständig 
dem Willen des Vaters unterworfen 



und „Schmerzen und Bedrängnisse 
und Versuchungen jeder Art" 
gelitten hat; „und dies, damit sich das 
Wort erfülle, das da sagt, er werde die 
Schmerzen und Krankheiten seines 
Volkes auf sich nehmen. 

Und er wird den Tod auf sich 
nehmen, auf daß er die Bande des 
Todes löse, die sein Volk binden; und 



er wird ihre Schwächen auf sich 
nehmen, auf daß sein Inneres von 
Barmherzigkeit erfüllt sei gemäß dem 
Fleische, damit er gemäß dem 
Fleische wisse, wie er seinem Volk 
beistehen könne gemäß dessen 
Schwächen." (Alma 7:11,12.) 

Ja, genau das tut der Erretter für 
mich. □ 






m 



Judy Marie Guzmän Perez ist siebzehn Jahre alt und die beste Läuferin ihrer High 
School in Ponce auf Puerto Rico. Sie weiß, wie man anderen den Weg zeigt — und 
sie kann es mit ihren Medaillen beweisen. Aber Judy Marie ist nicht nur im Sport 
tonangebend. In einer Gegend, wo die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage nicht sehr bekannt ist, nutzt Judy Marie die Möglichkeit, über ihren Glauben 
zu sprechen und anderen jungen Menschen ein Beispiel zu geben. 



LAUFEN 



UND NICHT 



• • 



MÜDE WERDEN 



Anne Billings 

Am 28. Februar 1998 wurde Judy Marie Guzmän Perez 
zusammen mit etwa achthundert weiteren jungen 
Sportlern von zweihundert verschiedenen Schulen der 
Inseln Puerto Rico, St. Croix und St. Thomas zu einem 
prestigeträchtigen Wettbewerb der Universität Inter- 
Americana eingeladen. Die Sportler wurden in drei 
Gruppen eingeteilt und sowohl nach Persönlich- 
keitsmerkmalen wie Ausdauer und allgemeine Leistung als 
auch nach Laufzeiten beurteilt. Die Richter wählten Judy 
Marie zur hervorragendsten Sportlerin in ihrer Gruppe. 
Während ihrer sportlichen Laufbahn an der High School 
Jardines de Ponce hat sie 110 Gold-, Silber- und 
Bronzemedaillen sowie sechs Pokale gewonnen. Aber Judy 
Marie sagt, die Auszeichnung der Universität Inter- 
Americana gehöre zu ihrem wertvollsten Besitz. 



Judy Perez Collado, Judy Maries Mutter, ist die 
Triebfeder der Leistungen ihrer Tochter. Mit vierzehn 
Jahren hat sie mit dem Laufen begonnen; sie hat an den 
panamerikanischen Spielen im Jahr 1966 teilgenommen, 
und sie macht auch heute noch bei Wettbewerben 
mit. Wie ihre Mutter ist auch Judy Marie Sprinterin. 
In der Regel läuft sie die 400 Meter, die 200, die 4 x 400 
m-Staffel, die 4 x 100 m-Staffel und die 4 x 200 
m-Staffel. 

Judy Marie hat gelernt, daß einem der Erfolg auf der 
Aschenbahn nur nach großer Anstrengung zuteil wird. 
Sie trainiert fast jeden Tag mit ihrer Mannschaft, läuft zu 
Trainingszwecken mindestens drei Kilometer, trainiert 
den Sprint, läuft Treppen und hält sich auch noch ander- 
weitig körperlich fit. 



- § 



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Ganz links: Judy Marie bereitet sich auf einen 400-m- 
Lauf vor. Links: Judy mit einer ihrer vielen Medaillen. 
Oben: Judy Marie und ihre Mannschaftskameradinnen 
von der High School Jardines de Ponce. 









Das Wort der Weisheit zeigt den Menschen, daß sie 
etwas für ihren Körper tun müssen. Die Teilnahme an 
Sportwettkämpfen hat Judy Marie vor Augen geführt, 
wie wichtig dieser Grundsatz ist. 

SICH DEM HERRN ZUWENDEN 

Trotz ihrer Talente und ihres fleißigen Trainings wird 

Judy Marie vor einem großen Wettkampf manchmal 

nervös. Vor dem Lauf betet sie dann: „Himmlischer 

Vater, ich bete darum, daß du mir und meinen Freunden 

helfen mögest, daß es kein Unglück gibt, daß wir alle viel 

Spaß haben und gute Leistungen bringen." Sie weiß, daß 

das Beten hilft: „Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich 

bete; ich spüre, daß der Geist mit mir ist." 

Wenn Judy Marie gewinnt, erkennt sie Gottes 
Hilfe an. Aber auch wenn sie nicht gewinnt, nimmt 
sie das nicht besonders tragisch. „Ich weiß, daß man 
nicht immer nur gewinnen kann", meint sie. „Und 
manche meiner Konkurrentinnen sind sehr 
schnell!" Sie erlebt mit, wie andere Sportlerinnen 
wütend werden, wenn sie nicht gewinnen. „Sie 
sagen: ,Sag bloß nichts, Mach, daß du verschwin- 
dest.'" Aber Judy Marie wird nicht gerne wütend. 
Ob sie nun gewinnt oder verliert - das Beten hilft 
ihr, nach einem Lauf ruhig zu bleiben: „Ich bete: 
,Gott, bitte hilf mir und bleib immer bei mir.'" 

Concepciön Molina aus dem Zweig Ponce 2, 

Judy Maries Bischof, ist Sportlehrer an einer 

anderen High School in der Gegend. „Als ich Judy 

Marie das erste Mal sah, war das nicht in meiner 

Eigenschaft als Bischof, sondern als Sportlehrer. 

Damals nahm sie nämlich an einem Wettlauf für ihre 




Schule teil." Bischof Molina war von Anfang an von Judy 
Maries sportlichem Talent beeindruckt, aber er findet es 
auch gleichermaßen beeindruckend, daß sie so viele 
Auszeichnungen gewinnt und trotzdem nicht stolz wird. 
„Sie war schon immer ein bescheidenes, stilles Mädchen, 
auch als sie noch nicht der Kirche angehörte." 

„DER HIMMLISCHE VATER GAB MIR ANTWORT" 

Als im Jahr 1996 zwei Missionare an die Tür von Judy 
Maries Zuhause klopften, trafen sie auf eine demütige 
Familie, die bereit war, das Evangelium zu hören. „Die 
Missionare sprachen über das Evangelium, den 
Propheten Joseph Smith und das Buch Mormon", erzählt 
sie. Obwohl die Missionare mit Judy Marie, ihrer Mutter, 
ihrem dreizehnjährigen Bruder Javier und ihrer zwölf- 
jährigen Schwester Marie Carida die Lektionen durch- 
nahmen und alle gemeinsam das Evangelium annahmen, 
war Judy Maries Bekehrung doch eine tiefgreifende 
persönliche Erfahrung. „Als ich betete, gab der himmli- 
sche Vater mir Antwort", erklärt sie. „Es war sehr schön, 
und ich habe den Geist sehr stark gespürt." 

Judy Marie vergleicht die Geschichte vom Baum des 
Lebens in 1 Nephi 8 mit ihrer eigenen Bekehrung: „Als 




Von links: Judy Maries Schwester, Marie Carida; ihr 
Bruder, Javier; ihre Mutter mit zwei ihrer eigenen 
Auszeichnungen; Judy Marie mit Gloria und Elba. 



die Missionare uns im Evangelium unterwiesen, zeigten 
sie uns die Frucht und führten uns aus der Finsternis 
heraus", sagt sie. „Ich weiß noch, wie der Missionar 
Joshua Carter mich getauft und der Missionar Joshua 
Smith mich konfirmiert hat. Ich spürte, daß ich von 
neuem geboren worden war, und zwar sowohl seelisch als 
auch geistig. Ich weiß, daß ich eine Tochter Gottes bin." 

„ICH ERKLÄRE IHNEN, WAS WIR GLAUBEN" 

Als Klassenpräsidentin der Lorbeermädchen bemüht 
Judy Marie sich, anderen Mädchen bewußt zu machen, 
was es bedeutet, eine Tochter Gottes zu sein. Sie 
versucht, weniger aktiven Mädchen das Gefühl zu geben, 
willkommen zu sein. „Manchmal ist das nicht so einfach, 
weil ich ja erst seit kurzem zur Kirche gehöre und die 




Mädchen nicht gut kenne. Aber meine Lehrerin hilft 
mir. Wir rufen sie an oder besuchen sie." 

Das Zusammensein mit anderen Mitgliedern gibt Judy 
Marie Kraft. „Sie sind meine besten Freunde!", meint sie. 
Judy Marie und ihre Freundinnen schauen sich gerne Filme 
an und mögen Pizza und Eis. Sie helfen einander, indem sie 
gemeinsam in der heiligen Schrift lesen und einander Rat 
geben. Judy Marie und einige der anderen Mädchen gehen 
jeden Morgen um sechs Uhr zum Seminar. 

Aber einige von Judy Maries Freundinnen wissen nur 
sehr wenig über die Kirche. In ihrer Eigenschaft als Pfahl- 
missionarin fühlt sie sich verpflichtet, ihnen eine Freundin 
zu sein und ein Beispiel zu geben. „Sie ist aktiv, extrover- 
tiert und liebevoll", sagt Bischof Molina. „Und sie gibt den 
anderen jungen Menschen an ihrer Schule ein Beispiel." 

Judy Marie gibt zu, daß es ihr manchmal nicht leicht- 
fällt, über die Kirche zu sprechen. Besonders schwer fällt 
es ihr und ihren Freundinnen innerhalb der Kirche, 
anderen ihren Glauben zu erklären, wenn diese ihnen 
einreden wollen, die Lehren der Kirche seien falsch. 
Obwohl sie solche Bemerkungen nicht hören mag, wird 
ihr Glaube davon doch nicht erschüttert. „Mir ist es egal, 
was andere Leute sagen. Ich sage: ,Kein Kommentar', 




oder erkläre ihnen, was ich glaube und daß es wahr ist. 
Ich versuche, ihre Zweifel auszuräumen." 

ZU HAUSE DIENEN 

Obwohl Judy Marie ihren Freundinnen dient, hält sie 
dies nicht davon ab, auch zu Hause zu dienen. 1996 
nahm die Familie zwei behinderte Frauen auf: Gloria, 35 
Jahre alt, und Elba, 31 Jahre alt. Gloria und Elba sind 



Schwestern, und sie sind dankbar dafür, daß sie jetzt eine 
Familie haben. Sie hörten zu, als die Missionare die 
Lektionen durchnahmen, und ließen sich zusammen mit 
der übrigen Familie taufen. 

Judy Maries Mutter sorgt für die beiden Frauen, und 
Judy Marie hilft mit, sie im Lesen und Schreiben zu 
unterrichten. „Manchmal ist es nicht leicht", gibt sie zu, 
aber fügt dann schnell hinzu, daß ihr Wunsch und ihre 
Befähigung, ihnen zu helfen und sie zu unterweisen, auf 
den Geist zurückzuführen sind. Der Wunsch, anderen 
Menschen zu helfen, ist auch verantwortlich dafür, daß 
Judy Marie aufs College gehen und Krankenschwester 
werden möchte. 

„GANZ BESONDERE MENSCHEN" 

„Das Evangelium hat unsere Familie verwandelt", 
sagt Judy Marie. „Ich höre mehr auf meine Mutter. 
Der Zusammenhalt in unserer Familie ist stärker 
geworden." 

Judy Maries Mutter, die in ihrer Gemeinde als FHV- 
Sekretärin dient, findet auch, daß ihre Familie durch 
das Evangelium sehr gesegnet worden ist. „Wir haben 
viel gelernt, was wir vorher nicht wußten", sagt sie. „Wir 
wissen, daß wir einen himmlischen Vater haben. Er ist 
Bestandteil unseres Lebens und versteht unsere 
Probleme. Wenn wir ihn bitten, schenkt er uns alles, 
was wir brauchen. Wir sind nicht allein." 

Obwohl Judy Marie und ihre Familie mehrere 
Kilometer vom Gemeindehaus entfernt wohnen, gehen 
sie doch oft zu Fuß zur Kirche, wenn es keine Möglichkeit 
gibt, anders dorthin zu kommen. Bischof Molina sagt: 
„Die Familie ist sehr demütig. Sie sind zwar nicht reich, 
aber sie dienen ihren Mitmenschen. Sie erfüllen ihre 
Berufung. Sie sind ganz besondere Menschen." 

STARK AN KÖRPER UND GEIST 

Judy Maries kräftige Beine bringen ihr Erfolg als 
Läuferin; ihr festes Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi 
hingegen schenkt ihr geistigen Erfolg und Glück. In Esra 
10:4, Judy Maries Lieblingsschriftstelle, heißt es: „Steh 
auf! Denn dir obliegt die Sache. Wir aber stehen dir bei. 
Faß Mut, und handle!" 

„Mir gefällt diese Schriftstelle, weil es hier darum 
geht, stark zu sein", erklärt Judy Marie. „Ich möchte 
mit den Gaben, die Gott mir geschenkt hat, etwas 
Gutes tun." D 



SEPTEMBER 
23 



19 9 9 



DAS GRAPEFRUIT- 
SYNDROM 






Als junge Frau begriff ich, daß die Ehe 
schöner ist, wenn man nicht immer nur auf 
die Fehler seines Mannes achtet. 

Lola B. Walters 


















M 



ein Mann und ich waren etwa zwei Jahre 
verheiratet, als ich einen Artikel las, in dem 
empfohlen wurde, daß Mann und Frau offen 
und ehrlich über alle Angewohnheiten und Marotten 
sprechen sollten, die sie aneinander stören. Die Theorie 
besagte folgendes: Wenn die Partner um solche Steine 
des Anstoßes wissen, können sie ihr Verhalten ändern, 
ehe der andere deswegen ärgerlich wird. 

Das hörte sich logisch an. Ich sprach mit meinem 
Mann über diesen Gedanken. Erst zögerte er, doch dann 
war er einverstanden, es auszuprobieren. 

Soweit ich mich erinnere, mußte man fünferlei 
aufzählen, was einen am anderen störte. Ich fing an. 
Inzwischen sind fünfzig Jahre vergangen, und ich kann 
mich nur noch an einen einzigen Punkt erinnern, 
nämlich Grapefruit. Ich sagte ihm, daß es mir nicht 
gefiele, wie er eine Grapefruit 
aß. Anstatt sie aufzu- 
schneiden und mit 
einem Löffel zu essen, 
schälte er sie und aß 
einen Schnitzel nach 
dem anderen. Ich kannte 
niemanden sonst, der eine 
Grapefruit auf diese 
Weise aß. Konnte man 



von mir erwarten, das ganze Leben und sogar noch die 
Ewigkeit damit zu verbringen, meinem Mann zuzusehen, 
wie er auf diese Weise eine Grapefruit aß? Die anderen 
Punkte habe ich vergessen, aber sie waren sicher auch 
ähnlich wichtig. 

Dann war mein Mann an der Reihe. Seitdem ist mehr 
als ein halbes Jahrhundert vergangen, aber ich kann mir 
das nachdenkliche, erstaunte Gesicht meines Mannes 
jederzeit vor Augen rufen. Er schaute mich an und sagte: 
„Mir fällt nichts ein, was mich an dir stört." 

Ich schnappte nach Luft. Dann drehte ich mich 
schnell um, weil ich nicht wußte, wie ich meine Tränen 
erklären sollte. Ich hatte ihn wegen solch trivialer 
Marotten angegriffen, und ihm waren meine Eigenheiten 
und sicherlich auch nervtötenden Angewohnheiten 
noch nicht einmal aufgefallen. 

Ich wünschte, ich könnte sagen, daß diese Erfahrung 
mich endgültig kuriert hatte, was das Suchen nach 
Fehlern betrifft. Aber das stimmt leider nicht. Dennoch 
hat dieses Erlebnis zu Beginn meiner Ehe mir gezeigt, daß 
wir die kleinen Eigenheiten in den Angewohnheiten und 
im Wesen unseres Partners im richtigen Zusammenhang 
sehen müssen und am besten ignorieren. Immer 
wenn ich von einem Ehepaar höre, das nicht 
zusammenpaßt, frage ich mich, ob sie wohl an 
der Krankheit leiden, die ich heute als 
Grapefruit- Syndrom bezeichne. D 




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DAS MITEINANDER 




R KÖNNEN VON JESUS CHRISTUS UND 
SEINEM EVANGELIUM ZEUGNIS GEBEN 



Sydney S. Reynolds 




„Denkt daran, daß ihr euren Grund auf dem Fels eures 
Erlösers - und das ist Christus, der Sohn Gottes - legen 
müßt." (Helaman 5:12.) 

Wie kann man ein Zeugnis vom Erretter und 
seinem Evangelium erlangen? Wenn man 
betet, in der heiligen Schrift liest, die Gebote 
hält und auf den lebenden Propheten hört, schenkt der 
himmlische Vater einem durch den Heiligen Geist ein 
Zeugnis. 

Was ist ein Zeugnis? Es ist die Gewißheit, die denje- 
nigen, die danach suchen, zuteil wird, nämlich daß es 
den himmlischen Vater und Jesus Christus wirklich gibt, 
daß die Propheten in ihrem Namen sprechen, daß die 
Schriften das Wort Gottes sind, daß die Kirche wahr ist 
und daß der Herr sie durch den Propheten Joseph 
Smith in unserer Zeit wiederhergestellt hat. 

Moroni hat uns etwas darüber verheißen, wie wir ein 
Zeugnis vom Buch Mormon erlangen können. Er hat 
gesagt, daß wir darin studieren und dann Gott fragen 
sollen, ob es wahr ist. Wenn wir das mit aufrichtigem 
Herzen und mit Glauben an Christus tun, wird er uns 
die Wahrheit des Buches Mormon durch die Macht des 
Heiligen Geistes kundtun. Viele Menschen haben die 
herrliche Verheißung in Moroni 3:3—5 schon auspro- 
biert und selbst herausgefunden, daß das Buch Mormon 
wahr ist. Auch wir können von der Wahrheit des 
Buches Mormon Zeugnis geben, wenn wir darin 
studieren und Gott fragen. Auch wir können das 
Zeugnis des Heiligen Geistes empfangen. 

Wenn man weiß, daß das Buch Mormon wahr ist, 
dann kennt man auch noch weitere wichtige 
Wahrheiten: Man weiß, daß Jesus der Messias ist - das 
ist die wichtigste Aussage des Buches Mormon - und 
daß Joseph Smith ein Prophet Gottes ist und auf 
Weisung Gottes das Buch Mormon übersetzt hat. 



Davon können wir dann Zeugnis geben. 



D E IR 

2 



Anleitung 

Kleb Seite 3 auf ein Stück feste Pappe; schneide 
anschließend die beiden Scheiben aus. Leg die Scheibe 
mit dem großen Bild über die zweite Scheibe, und bohr 
durch die Mitte beider Scheiben ein Loch. Anschließend 
drehst du die obere Scheibe und liest den Text, der 
erscheint. Überleg, welche der beiden Fragen dort 
beantwortet wird, und schreib die Antwort unter die 
jeweilige Frage. 

Anregungen für das miteinander 

1 . Lassen Sie ein Kind ans den folgenden Gegenständen einen 
auswählen: ein Gesangbuch, in dem das Lied „Ich weiß, mein Vater 
lebt" (Gesangbuch, Nr. 203) abgedruckt ist, ein Exemplar des 
Buches Mormon und jeweils ein Bild von Jesus Christus, Joseph 
Smith und Präsident Gordon B. Hinckley. Besprechen Sie, inwiefern 
jeder Gegeristand für ein Zeugnis wichtig ist. Möglicher Ablauf des 
Unterrichtsgesprächs: Gesangbuch - singen Sie das Lied „Ich weiß, 
mein Vater lebt"; Buch Mormori - singen Sie das Lied „Geschichten 
aus dem Buch Mormon" (Sing mit mir, B-87), und fragen Sie: 
„\Xks hat Jesus für uns getan?", „was hat er uns gelehrt?"; Joseph 
Smith -fragen Sie: Jßfas geschah, als er im heiligen Wald betete?"; 
lebender Prophet - fragen Sie: Was können wir tun, um ihm nachzu- 
folgen?" Erklären Sie den Kindern das Gefühl, das sie empfinden, 
wenn der Heilige Geist ihnen Zeugnis gibt (siehe Galater 5:22,23; 
LuB 6:22,23). 

2. Jede Klasse fuhrt ein Rollenspiel vor. Mögliche Situationen: (1) 
Du trägst einen WdR-Ring. Ein Freund fragt dich, was die Buchstaben 
auf dem Ring bedeuten. (2) Eine deiner Freundinnen ist traurig. Du 
erklärst ihr, daß der himmlische Vater sie liebhat. (3) Beim Miteinander 
azüMst du, wie einmal ein Gebet deiner Familie erhört worden ist. (4) 
Ein Gast kommt zu euch nach Hause und sieht das Buch Mormon. Er 
fragt., was für ein Buch das sei. Machen Sie den Kindern bewußt, daß 
wir in der Zeugnisversammlung, beim. Singen, beim Zusammensein mit 
unseren Freunden und immer dann, wenn wir vom Geist dazu 
gedrängt werden, Zeugnis geben können. Und natürlich können wir 
immer durch unser Beispiel Zeugrds geben. D 

S T IE R IN 



WAS IST EIN 
ZEUGNIS? 





Vertrau auf den Herrn 



Robin B. Lambert ■ (Nach einer tatsächlichen Begebenheit) ■ Illustration von 



SCOTT GREER 



Kannst du sie schon sehen, 
Okorie?", fragte Bernice. 
Der achtjährige Okorie aus 
Nigeria hatte sich auf die 
Zehenspitzen gestellt und spähte die 
sandige Straße hinunter. Doch kein 
Motor war zu hören; nur die 

Palmen rauschten, und die Vögel 
sangen im nahegelegenen 
Regenwald. Okorie strengte 
seine Augen sehr an, um so 
weit wie möglich die Straße 
hinunterzublicken, und hoffte 
dabei, endlich eine 




Staubwolke zu entdecken, die das 
Auto seiner Mutter ankündigte. 

„Nein, Bernice, noch ist nichts 
zu sehen", sagte Okorie und setzte 
sich neben seine kleine Schwester 
in den Schatten der Schulmauer. 
„Aber es ist bestimmt alles in 
Ordnung. Vielleicht hat Ikechi, 
das Baby, sie aufgehalten." 

Bernice nickte. Vielleicht ist 
sie auch auf den Markt gegangen. 
Hoffentlich hat sie viel Marmelade 
gekauft. Ich mag Marmelade 
nämlich sehr gern." 




Okories Magen fing an zu 
knurren, als er an Marmelade 
dachte. Hoffentlich beeilte Mama 
sich - eigentlich sah es ihr gar nicht 
ähnlich, sie erst so spät abzuholen. 
Alle anderen waren inzwischen 
schon lange nach Hause gegangen. 
Die Schule war viele Kilometer vom 
nächsten Dort entfernt, das Owerri 
hieß. Nur Okorie und seine 
Schwester waren noch da, und 
Okorie wurde ein wenig mulmig 
zumute. 

„Okorie! Schau mal, was ich 
gefunden habe!" Bernice hielt einen 
abgewetzten Lederball in die Höhe. 

Okorie fing an zu grinsen. Jetzt 
verging die Zeit bestimmt viel 
schneller! Begeistert spielten er und 
seine Schwester Fußball auf dem 
Schulhof. 

Die beiden hatten so viel Spaß, 
daß sie das Auto ihrer Mutter erst 
sahen, als es vor dem Schulhof 
anhielt. Als die Mutter aus dem 
Auto stieg, liefen die beiden 
Kinder auf sie zu, um sie zu 
begrüßen. 

„Okorie! Bernice! Es tut mir 
leid, daß ihr so lange auf 
mich warten mußtet!", 
sagte die Mutter und nahm 
ihre Kinder fest in die 
Arme. „Ich hatte mir für 
heute so viel vorge- 
nommen, daß ich gar nicht 
gemerkt habe, wie die Zeit 




Okorie und Bernice mit ihrer 
Mutter und Ikechi'. 

vergangen ist. Jetzt müssen wir uns 
aber beeilen. Ich habe Ikechi schon 
viel länger bei Schwester Anyas 
Tochter gelassen als geplant. Dabei 
ist Ijeoma nur drei Jahre älter als 
du, Okorie, und wahrscheinlich ist 
es nicht so einfach für sie, ganz 
alleine so lange auf ein Baby aufzu- 
passen." 

Die beiden Kinder sprangen in 
das alte Auto. „Schau dir nur die 
viele Marmelade an!". Bernice 
quietschte vor Vergnügen, als sie in 
den geflochtenen Einkaufskorb ihrer 
Mutter schaute. 

Die Mutter lächelte. „Wenn wir 
uns beeilen, bekommen wir das 
Abendessen noch fertig, ehe Vati 
nach Hause kommt." Sie drehte den 
Schlüssel, um den Motor zu starten. 

Klick 

Das Lächeln war aus Mutters 
Gesicht wie weggewischt. Sie drehte 
den Schlüssel noch einmal. Wieder 
war nur ein Klicken zu hören statt 
des vertrauten Motorengeräusches. 
Mehrmals versuchte die Mutter 



SEPTEMBER 

5 



19 9 9 



vergebens, das Auto anzulassen. 
Aber der Motor blieb tot. 

„Was ist denn mit dem Auto 
los?", fragte Bernice. „Haben wir 
kein Benzin mehr?" 

„Nein, nein - ich habe erst vor 
einer Stunde getankt." Mutters 
Stimme klang besorgt. „Aber ich 
bin heute auch ziemlich viel 
gefahren. Vielleicht ist der Motor 
heißgelaufen und muß sich erst 
etwas abkühlen." 

„Was sollen wir denn tun, 
während wir warten?", fragte 
Okorie. 

„Ich habe mein Buch Mormon 
dabei. Sollen wir jetzt in der 
heiligen Schrift lesen?", fragte die 
Mutter. 



Die Kinder waren einverstanden. 
Okorie hörte immer gerne zu, wenn 
die Mutter aus der heiligen Schrift 
vorlas. Manchmal verstand er die 
Worte zwar nicht, aber wenn er 
aufmerksam lauschte und ver- 
suchte, die Bedeutung der Worte zu 
verstehen, dann hatte er immer ein 
gutes Gefühl. Die Mutter hatte ihm 
erklärt, daß das der Heilige Geist 
war. Und wenn er sich immer 
bemühte, das zu tun, was Jesus 
Christus von ihm wünschte, dann 
konnte er dieses Gefühl immer 
haben. 

Sie fingen an, im 12. Kapitel 
des Buches Ether zu lesen. Dort 
ging es um mehrere verschiedene 
Propheten, die wegen ihres 



Glaubens an Jesus Christus 
Wundertaten vollbringen konnten. 
Sie lasen von Alma und Amulek, 
von Nephi und Lehi und von 
Ammon und seinen Brüdern. 
Okorie kannte die meisten Namen 
schon aus der PV. Eine Geschichte 
- in der es darum ging, wie Jareds 
Bruder durch seinen Glauben einen 
ganzen Berg versetzte - fesselte 
seine Aufmerksamkeit besonders. 

„Mama, hat Jareds Bruder wirk- 
lich einen Berg versetzt?", fragte 
Okorie. 

„Nicht Jareds Bruder hat den 
Berg versetzt, sondern der himmli- 
sche Vater, der damit das Gebet 
des Propheten erhörte. Ich bin 
sicher, daß Jareds Bruder einen 
guten Grund dafür hatte, warum 
er den Berg versetzt haben wollte. 




Er wußte, daß er das selbst nicht 
schaffen konnte, und betete deshalb 
zum himmlischen Vater. Der himm- 
lische Vater wußte, daß das, worum 
Jareds Bruder bat, gut war und daß 
er wirklich daran glaubte, der 
himmlische Vater werde ihm helfen. 
Deshalb erhörte der himmlische 
Vater sein Beten auch." Okorie 
dachte darüber nach, während seine 
Mutter weiterlas. 

„Jetzt ist aber schon viel Zeit 
vergangen", meinte Bernice. 
„Wollen wir versuchen, ob das Auto 
jetzt anspringt?" 

Alle hielten den Atem an, 
während die Mutter den Schlüssel 
herumdrehte. Als der Motor wieder 
nicht ansprang, ließ sie den Kopf in 
die Hände fallen. 

„Was sollen wir jetzt nur tun?", 
fragte Bernice leise. 

Die Mutter schüttelte den Kopf. 
„Weit und breit gibt es niemanden, 
der uns helfen könnte, und für euch 
Kinder ist es zu weit, als daß ihr zu 
Fuß gehen könntet. Es dauert 
Stunden, bis ich ins Dorf gelaufen 
bin, Hilfe geholt habe und wieder 
hier bin. Die arme kleine Ijeoma - 
ich habe sie so lange mit dem Baby 
alleingelassen!" Tränen liefen der 
Mutter die Wangen hinab. 

Bernice und Okorie schauten 
einander mit großen Augen an. Was 
konnten sie nur tun? 

„Mama", sagte Okorie leise. „Ich 
weiß, was wir tun können." 



„Was denn?", fragte die Mutter. 

„Wir sprechen ein Gebet. Der 
himmlische Vater macht dann, daß 
das Auto anspringt - so wie er für 
Jareds Bruder den Berg versetzt 
hat!" 

„Ein Gebet wird nicht immer 
sofort erhört, Okorie", seufzte die 
Mutter. „Jemand muß den Motor 
reparieren, ehe er wieder funktio- 
niert." 

„Aber wenn der himmlische 
Vater einen hohen Berg versetzen 
kann, dann kann er doch bestimmt 
auch dafür sorgen, daß unser 
kleines Auto wieder funktioniert!" 

Die Mutter schaute Okorie an. 
Sie sah, daß er es sehr ernst meinte. 

„Also gut, mein Junge. Wir 
wollen beten. Möchtest du das 
Gebet sprechen?" 

Während Okorie und Bernice 
noch redeten, sah Okorie, wie seine 
Mutter den Kopf neigte und die 
Augen schloß. Sie sprach selbst ein 
Gebet. Als sie die Augen wieder 
öffnete, sagten die Kinder, daß jedes 
von ihnen ein Gebet sprechen 
wolle. 

Bernice war zuerst an der Reihe. 
„Himmlischer Vater, wir sind hier 
draußen ganz allein, weil unser 
Auto kaputt ist. Bitte segne Ikechi, 
damit nichts geschieht, bis wir 
wieder da sind. Und bitte segne 
Ijeoma, damit sie weiß, wie sie auf 
Ikechi aufpassen muß. Im Namen 
Jesu Christi. Amen." 



Jetzt war Okorie an der Reihe. 
„Himmlischer Vater", begann er, 
„bitte segne das Auto, damit es 
wieder anspringt. Wir wissen, daß 
du das kannst. Alle anderen sind 
schon nach Hause gegangen. Es ist 
niemand mehr hier, der uns helfen 
könnte. Bitte, himmlischer Vater, 
hilf uns, das Auto anzulassen, damit 
wir sicher nach Hause kommen und 
Mama sich um uns und um das 
Baby kümmern kann. Im Namen 
Jesu Christi. Amen." 

„Amen", sagte die Mutter. Sie 
stieg ins Auto und drehte mit einer 
schnellen Handbewegung den 
Schlüssel herum. 

Rrrrrruuuuurnmrnrn! Der Motor 
fing an zu brummen, als ob nichts 
gewesen wäre. Bernice und Okorie 
hüpften vor Freude auf und ab. 

„Okorie! Du hast es geschafft! Du 
hast es geschafft!", jubelte Bernice. 

Okorie hielt gerade so lange 
inne, daß er den Kopf schütteln und 
feierlich sagen konnte: „Nein, nicht 
ich habe es geschafft, sondern der 
himmlische Vater." 

Die Mutter nahm ihre Kinder 
fest in den Arm. „Ja, Okorie, der 
himmlische Vater hat es geschafft. 
Aber es war dein Glaube, der das 
ermöglicht hat. Du hast nicht einen 
Moment lang gezweifelt. Ihr beide 
habt mich sehr glücklich gemacht." 

Dann sprachen sie ein Dankgebet 
und fuhren nach Hause. Unterwegs 
sangen sie die ganze Zeit. D 



SEPTEMBER 1999 







SIE LEGEN ZEUGNIS 
VON IHM AB 



Die ganze Geschichte hindurch hat der himmlische 
Vater mutige, ehrenhafte Männer zu Propheten 
berufen. Sie sind ganz besondere Zeugen für Jesus 
Christus. 

Ein Prophet ist berufen, vom Erretter Zeugnis zu geben, 
uns darin zu unterweisen, daß Jesus Christus gestorben ist, 
damit wir umkehren und wieder beim himmlischen Vater 
leben können. Er sagt uns, wie sehr Jesus uns liebt. In der 
heiligen Schrift kann man das Zeugnis vieler Propheten 
nachlesen. Und den lebenden Propheten kann man 
Zeugnis geben hören, wenn man seine Ansprachen auf der 
Generalkonferenz anhört oder nachliest. 




Sv^S*^ 





1 



„Ich hatte tatsächlich ein Licht gesehen, 
und mitten in dem Licht hatte ich zwei 
Gestalten gesehen, und sie hatten wirklich 
zu mir gesprochen. Und wenn man mich 
auch haßte und verfolgte, weil ich sagte, ich 
hätte eine Vision gehabt, so war es doch 
wahr. . . . Denn ich hatte eine Vision 
gesehen, das wußte ich; und ich wußte, daß 
Gott es wußte; ich konnte es nicht leugnen." 
(Joseph Smith - Lebensgeschichte 1 :25) 

JL „Und ich schaute und sah den Erlöser der 
Welt, von dem mein Vater gesprochen hatte; 
und ich sah auch den Propheten, der den 
Weg vor ihm bereiten soll. Und er, das 
Lamm Gottes, ging hin und wurde von ihm 
getauft, und nachdem er getauft war, sah 
ich den Himmel offen, und der Heilige Geist 
kam aus dem Himmel herab und ließ sich 
auf ihm nieder in Gestalt einer Taube." 
(1 Nephi 11:27.) 

&„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn 
ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf 
seiner Schulter; man nennt ihn: 
Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater 
in Ewigkeit, Fürst des Friedens." (Jesaja 9:5.) 

1„A/s Jesus in das Gebiet von Cäsarea 
Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für 
wen halten die Leute den Menschensohn? 

Sie sagten: Die einen für Johannes den 
Täufer, andere für Elija, wieder andere für 
Jeremia oder sonst einen Propheten. 

Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen 
haltet ihr mich? 

Simon Petrus antwortete: Du bist der 
Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! 
(Matthäus 16:13-16.) 

3 „Eins muß uns allen klar sein: Jesus 
Christus steht an der Spitze dieser Kirche, 
die seinen heiligen Namen trägt. Er wacht 
über sie und führt sie. Er steht zur Rechten 
des Vaters und leitet dieses Werk." („Gott 
steht am Ruder", Der Stern, Juli 1994, 
Seite 52.) D 



FREUNDE AUS ALLER WELT 



Pablo und Hugo Varela 

AUS WATERLOO IN BELGIEN 



Julie Wardell 




Brüssel * 
Waterloo • 



Charleroi 

BELGIEN 



FRANKREICH 




Belgien liegt im Herzen Nordeuropas. Fast im 
Zentrum des Landes legt die historische Stadt 
Waterloo, wo Napoleon Bonaparte im Jahre 1815 
von der Engländern unter der Führung des Herzogs von 
Wellington vernichtend geschlagen wurde. Heute ist 
Waterloo eine friedliche Stadt, wo Pablo und Hugo 
Varela, elf und sieben Jahre alt, mit ihren beiden älteren 
Brüdern Pedro, zwanzig Jahre alt, und Diego, neunzehn 
Jahre alt, sowie ihren Eltern, Jorge und Camille, wohnen. 

Waterloo ist sehr schön gelegen. Es ist von grünen 
Feldern umgeben, die von einer Gedenkstätte 

beherrscht werden, die 
La Butte du Lion 
(der Löwenberg) 



genannt wird. Dieser Berg ist über dreißig Meter hoch 
und verdankt seine Entstehung belgischen Hausfrauen, 
die vor vielen Jahren, oft in Körben auf dem Rücken, 
eimerweise Erde zu der Stelle trugen, wo der holländi- 
sche Prinz von Oranien in der Schlacht von Waterloo 
verletzt worden war. Der Besucher kann die 226 Stufen 
bis zur Aussichtsplattform hochsteigen, die riesengroße 
Löwenstatue bewundern, die dort steht, und von dort 
einen herrlichen Blick über die malerische Landschaft 
genießen. 

1997 haben die Varelas neuzeitliche belgische 
Geschichte geschrieben. Sie schlössen sich weiteren 
Mitgliedern der Kirche - und auch einigen Menschen 
außerhalb der Kirche - an, 




die in Charleroi in Belgien eine Pionierparade zur Feier 
der Ankunft der Pioniere im Salzseetal 150 Jahre zuvor 
veranstalteten. Diese Parade war die größte Parade in 
der Geschichte Belgiens! Die Varelas, 160 Missionare 
und mehr als 1500 Menschen aus den Gemeinden und 
Zweigen des Gebietes hatten sich Pionierkleidung ange- 
zogen und paradierten mit Wagen, Handkarren, 
Pferden, Kutschen und Musikkapellen durch die 
Straßen. Den Varelas ist bewußt, daß diese Parade nicht 
nur ein wichtiges Ereignis in der belgischen Geschichte 
und auch in der Geschichte der Kirche war, sondern 
auch ein sehr gutes Hilfsmittel bei der Missionsarbeit; 
ungefähr sechstausend Menschen strömten herbei, um 
die Parade zu sehen. 

Pablo weiß, wie wichtig Missionsarbeit ist. Er bemüht 
sich, in der Schule Missionar zu sein, indem er seinen 
Freuden ein gutes Beispiel gibt. Er hat ihnen schon 
erklärt, wie es ist, Mitglied der Kirche zu sein. Außer- 
dem hat er einem guten Freund die Glaubensartikel 
aufgesagt, ihm mehrere Broschüren der Kirche gegeben 
und ihn zu den Versammlungen eingeladen. Pablo hat 
ein Zeugnis vom Wort der Weisheit; er hat seinen 
Lehrern schon erklärt, daß Kaffee und Tabak nicht gut 
für sie sind. 

Auch Hugo gibt seinen Freunden ein gutes Beispiel. 
Er bemüht sich, „so zu leben, wie Jesus es sich wünscht, 
indem ich freundlich zu meinen Mitmenschen bin". 
Hugos Lieblingsfächer in der Schule sind Lesen und 
Mathematik, vor allem die Multiplikation. Fremd- 
sprachen wie Holländisch, Französisch und Englisch 
sind ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans. Pablo lernt 
außerdem Latein. Auch Spanisch spielt eine wichtige 
Rolle für die Jungen, denn ihr Vater stammt aus einem 
kleinen Dorf in Nordspanien. Ihre Mutter hat belgische 
und italienische Vorfahren. 

Die Jungen helfen bei der Hausarbeit. Sie geben sich 
auch alle Mühe, ihr Zimmer sauber zu halten. Hugo 
deckt den Tisch, putzt die Badewanne und holt das 
Besteck aus der Geschirrspülmaschine. Pablo putzt das 
Waschbecken im Bad, saugt Staub und kümmert sich 
um Mustache, die Katze der Familie. 

Die beiden Jungen spielen gerne Rugby, fahren 
Fahrrad und Rollschuh, schauen fern und machen 
gemeinsam Brettspiele. Aber jeder hat auch eigene 
Interessen. Hugo lernt Fechten. Pablo hat bereits den 




Oben: Ein Landstrich in der Nähe von 
Waterloo. Unten: La Butte du Lion wurde an 
der Stelle errichtet, wo der holländische 
Prinz von Oranien in der Schlacht von 
Waterloo verletzt worden war. Unten: 
Mutter, Pedro, Vater, Hugo, Pablo und die 
Großmutter in ihrer Pionierkleidung, die sie 
bei der Parade trugen. 




SEPTEMBER 
11 



9 9 9 




Ganz links: Pablo ist ein 
begabter Violinist. Links: 
Hugo fährt gerne Rollschuh. 



Orangegurt im Judo und trainiert jetzt für den 
Grüngurt. 

Musik spielt in Pablos Leben eine große Rolle. Sein 
Talent zeigte sich sehr schnell, als er anfing, rein nach 
dem Gehör Lieder der Kirche auf der Violine zu spielen! 
Er spielt gerne die Lieder „Kommt, Heiige, kommt" und 
„Ich bin ein Kind von Gott". Außerdem hat er schon in 
der Abendmahlsversammlung gespielt. 

Die Varelas gehören zum Zweig Louise im Pfahl 
Brüssel. Dort unterrichtet Schwester Varela die 
Evangeliumslehreklasse. Ihr Mann hat eine Jugend- 
klasse, die wöchentlich stattfindet. Pedro unterrichtet 
die Sonntagsschulklasse der Jugendlichen, und Diego 
arbeitet in der Gemeindehausbibliothek. Pablo heißt die 
Kinder an der Tür zum PV-Raum willkommen und hält 
das Klassenzimmer der Tapferen in Ordnung, indem er 
das Unterrichtsmaterial wieder wegräumt. Hugo 
bereitet sich auf die Taufe vor, indem er die 
Glaubensartikel auswendig lernt, sich mit Jesus Christus 
beschäftigt und in seiner WdR-Klasse andächtig ist. Das 
Lied „Ich bin ein Kind von Gott" ist sein Lieblingslied. 

Pablo mag den Familienabend besonders gerne, weil 
da „alle zusammen sind". Es gefällt ihm, wenn alle mit 



ihrer heiligen Schrift um den Tisch herumsitzen und 
abwechselnd etwas vorlesen. Auch Hugo liest gerne mit 
seiner Familie in der heiligen Schrift, und er findet es 
besonders schön, wenn seine Eltern hinterher Fragen 
stellen. Wer eine Frage richtig beantwortet, bekommt 
ein Bonbon zur Belohnung. 

Beim Familienabend lesen die Varelas oft in der 
Zeitschrift der Kirche etwas über andere Mitglieder 
und suchen die Orte, wo diese Mitglieder wohnen, 
dann auf der Weltkarte. Hugo hilft mit, die Orte zu 
finden, markiert sie und verbindet sie durch einen 
Faden miteinander. Auch wenn diese Ort weit vom 
Zuhause der Varelas in Belgien entfernt sind - die 
Varelas wissen, daß die Kirche und das Evangelium 
sie mit den Mitgliedern in den weit entferntesten 
Orten verbindet. 

Was tun die beiden Brüder, um die Kirche und das 
Evangelium in ihrer Heimat zu fördern? Hugo macht 
andere Menschen glücklich, weil er selbst glücklich ist, 
viel lacht und sehr hilfsbereit ist. Pablo beeindruckt 
seine Mitmenschen durch seine geistige Gesinnung, sein 
Gespür für die heilige Schrift, sein musikalisches Talent 
und seine Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer. □ 



KINDERSTERN 

12 



Das Zeugnis 



Präsident Gordon B. Hinckley 

ILLUSTRATION VON RON PETERSON 



Das Zeugnis ist etwas Geheimnisvolles und 
Wunderbares, ein Geschenk Gottes an die 
Menschen. Es ist die Überzeugung, die stille, 
innere Gewißheit, daß Gott wirklich lebt, daß sein 
geliebter Sohn göttlicher Herkunft ist, daß ihr Werk in 
dieser Zeit wiederhergestellt worden ist. Es verlangt, 
daß wir das tun, was Gott von uns erwartet. 

Ich möchte euch gerne eine Geschichte erzählen, 
die ich vor kurzem in Mexiko gehört habe. 

Vor dreißig Jahren lebte David Castafieda mit 
seiner Frau, Tomasa, und den Kindern auf einer 
trockenen, kleinen, heruntergekommenen Farm bei 
Torreön. Sie besaßen dreißig Hühner, zwei Schweine 
und ein mageres Pferd. Sie waren arm. Dann kamen 
die Missionare zu ihnen. Schwester Castafieda sagt: 
„Die Missionare nahmen uns die Augenbinde ab und 
brachten Licht in unser Leben. Wir wußten nichts von 
Jesus Christus. Wir wußten nichts von Gott, bis sie 
kamen." 

Die Missionare unterwiesen sie, und schließlich 
ließen sie sich taufen. Sie zogen in die kleine Stadt 



Bermejillo. Dort fingen sie einen Schrotthandel an und 
kauften Autowracks. Nach und nach bauten sie ein 
gutgehendes Geschäft auf. Ganz gläubig zahlten sie den 
Zehnten. Sie vertrauten auf den Herrn. Sie lebten nach 
dem Evangelium. Sie dienten überall, wo sie berufen 
wurden. Vier Söhne und drei Töchter gingen auf 
Mission. Sie sind von Kritikern verspottet worden, weil 
sie die Evangeliumsgrundsätze befolgen. Ihre Antwort 
ist ein Zeugnis vom Wirken des Herrn in ihrem Leben. 

Durch ihren Einfluß haben sich mehr als zweihun- 
dert Verwandte und Freunde der Kirche angeschlossen. 
Die jetzt erwachsenen Kinder und die Eltern fahren 
abwechselnd jeden Monat nach Mexiko-Stadt, um dort 
im Tempel zu dienen. Sie sind ein lebendiges Zeugnis 
dafür, daß dieses Werk des Herrn große Kraft hat, den 
Menschen emporzuführen und zu verändern. D 

Nach einer Ansprache auf der Generalkonferenz im April 1 998. 




Nant 



m 





Mimi versuchte, nicht so unruhig auf ihrem 
Sitz hin- und herzurutschen, aber es fiel ihr 
immer schrecklich schwer, in der Kirche 
stillzusitzen. Die Bank hatte einfach nicht die richtige 
Größe für sie. Sie war noch viel zu klein. Mimi dachte 
daran, wie Mama gesagt hatte, daß man dem himmli- 
schen Vater seine Liebe zeigt, indem man in der Kirche 
andächtig ist. Mimi hatte den himmlischen Vater sehr 

Am nächsten Fastsonntag will 1 
ich Zeugnis geben. I 




lieb, aber trotzdem fiel es ihr schwer, so lange stillzu- 
sitzen. Mama hatte außerdem noch gesagt, daß es 
einem leichter fiele, in der Kirche stillzusitzen, wenn 
man aufpasse, was gesagt würde. Also gab Mimi sich 
alle Mühe, aufmerksam zuzuhören. 

An diesem Sonntag war die Fast- und Zeugnis- 
versammlung an der Reihe. Schwester Richards sagte, 
wie dankbar sie dafür sei, im Kindergarten der PV 
arbeiten zu dürfen. Nach ihr stand Jochen auf, um 
Zeugnis zu geben. Jochen war nur ein ganz klein wenig 
größer als Mimi; er war ungefähr so alt wie Benny, 
Mimis Bruder. Mimi hörte zu, was Jochen sagte: „Ich 
weiß, daß die Kirche wahr ist. Ich weiß, daß wir einen 
Propheten haben. Ich habe meine Familie lieb. Im 
Namen Jesu Christi. Amen." 

Jochen setzte sich wieder hin. Dann stand Ava, seine 
kleine Schwester, auf. Mimi war erstaunt; Ava war in 




ihrer PV-Klasse. Hatte Ava keine Angst, vor so vielen 
Menschen zu sprechen? Aber Ava ging geradewegs zum 
Rednerpult und sagte: „Ich habe meine Mama und 
meinen Papa und meine Oma und meinen Opa und 
meinen Bruder, Jochen, lieb. Im Namen Jesu Christi. 
Amen." 

Dann standen noch mehrere Erwachsene auf und 
sprachen. Anschließend gab Thorsten, ein weiteres PV- 
Kind, Zeugnis. Thorsten sagte, er habe seine Familie 
lieb, und fügte dann noch hinzu: „Ich bemühe mich, ein 
guter Mensch zu sein. Im Namen Jesu Christi. Amen." 

Nach der Kirche sagte Mimi zu ihren Eltern: „Am 
nächsten Fastsonntag möchte ich auch Zeugnis geben." 

„Das wäre aber schön", meinte Vati. „Hast du schon 
darüber nachgedacht, was du sagen möchtest?" 

„O ja", gab Mimi zur Antwort. „Ich glaube, es ist 
ganz einfach. Man muß sagen: ,Ich habe meine Familie 
lieb. Im Namen Jesu Christi. Amen.'" 

„Na ja", sagte Vati. „So etwas kann man natürlich 
ruhig sagen, wenn man Zeugnis gibt. Aber es ist nicht 
so, daß man so etwas unbedingt sagen muß. Weißt du, 
was es bedeutet, Zeugnis zu geben?" 

Mimi nickte, hielt dann aber 
inne. Vielleicht wußte sie doch nicht 
so genau, was es bedeutete, Zeugnis 
zu geben. 

Der Vater sah ihr nachdenkliches 
Gesicht. Er erklärte ihr: „Zeugnis 
geben bedeutet, daß man den Menschen sagt, was man 
glaubt bzw. als wahr erkannt hat. Es bedeutet nicht, daß 
man einfach etwas nachplappert, was andere schon vor 
einem gesagt haben. Man muß vielmehr sagen, woran 
man glaubt oder was man in geistigen Belangen gelernt 
hat oder was der Heilige Geist einem in Sinn und Herz 
eingibt." 

„War es also falsch von Ava, aufzustehen und das zu 
sagen, was die anderen auch gesagt haben?", fragte 
Mimi. 

„Nein", gab Mama zur Antwort. „Das war nicht 
falsch. Sie lernt gerade, wie man Zeugnis gibt, und das 
ist sehr schön. Außerdem lernt sie, vor Menschen zu 
sprechen. Und sie lernt, wovon man ein Zeugnis haben 
kann. Aber wenn sie größer wird, hat sie geistige 
Erlebnisse, die dazu beitragen, daß ihr Zeugnis fester 



wird. Wenn sie dann Zeugnis gibt, kann sie etwas aus 
ihrem Leben erzählen." 

„Mimi, ich finde es schön, daß du Zeugnis geben 
möchtest", sagte Vati. „Aber denk doch zuerst einmal 
darüber nach, was du tief im Innern empfindest. Wovon 
weißt bzw. glaubst du, daß es wahr ist? Und warum ist 
das so?" 

Der nächste Tag fing genauso an wie jeder andere 
Montag. Doch als Mimi nach der Schule nach Hause 
kam, war Frau Martin, ihre Nachbarin, da. „Deine 
Mutter ist nicht da, Kleines. Sie mußte mit Benny ins 
Krankenhaus. Ich bleibe bei dir und deiner kleinen 
Schwester, bis deine Mama oder dein Papa nach Hause 
kommen kann." 

Mimi bekam ganz große Augen vor Schreck, und ihr 
wurde flau im Magen. „Was ist denn mit Benny los?" 

„Die Ärzte im Krankenhaus sagen, er habe einen 
Blinddarmdurchbruch gehabt", erklärte Frau Martin. 
„Der ganze Blinddarm war entzündet, und dann ist er 
aufgeplatzt." 

Mimi hatte Angst. „Ist das gefährlich?" 




Himmlischer Vater, bitte mach 
Benny wieder gesund. . . . 



S E 



P T E M B E R 

15 



19 9 9 




„Na ja, es ist schon ziemlich gefährlich, aber die 
Ärzte haben gleich operiert und den Blinddarm heraus- 
genommen. Dein Vater und dein Großvater sind gleich 
ins Krankenhaus gefahren und haben Benny einen 
Segen gegeben. Es geht ihm bestimmt schon viel besser. 
Du brauchst dir keine Sorgen zu machen." 

Aber Mimi machte sich doch Sorgen. Das flaue 
Gefühl im Magen wurde immer stärker, und sie fühlte 
sich ganz elend. Mimi ging in ihr Zimmer und setzte 
sich aufs Bett. Sie mußte immer an Benny denken. Da 
fiel ihr Blick auf ein Kärtchen, das ihre PV-Lehrerin ihr 
am Sonntag geschenkt hatte. Sie las die Schriftstelle, 
die darauf stand: „Alles, was ihr den Vater in meinem 
Namen bittet - sofern es gut ist und ihr voll Glauben 
darauf vertraut, daß ihr es empfangen werdet -, siehe, 
das wird euch geschehen." (Moroni 7:26.) 

Mimi rutschte vom Bett und kniete nieder. Sie 
betete: „Himmlischer Vater", flüsterte sie, „bitte mach 
Benny wieder gesund. Ich weiß ja, daß wir uns 
manchmal streiten, aber ich habe ihn wirklich sehr lieb. 
Bitte segne ihn, damit es ihm wieder besser geht. Im 
Namen Jesu Christi. Amen." Als Mimi zu Ende gebetet 
hatte, war ihr ganz warm, und das flaue Gefühl im 
Magen verschwand. 

Als Mama später nach Hause kam, sah sie zwar 
müde aus, aber lächelte Mimi und ihre Schwester an 
und nahm die beiden fest in den Arm. „Alles wird 
wieder gut", sagte sie. „Benny ist sehr krank, aber im 
Segen wurde ihm verheißen, daß er schnell und ohne 
große Schmerzen 
wieder gesund 
werden würde. 




Er muß allerdings eine Weile im Krankenhaus bleiben, 
und ich fahre nachher wieder zu ihm." 

Ehe Mama wieder losfuhr, betete sie mit den 
Mädchen. Wieder spürte Mimi, wie Wärme und 
Frieden sie erfüllten. 

Nach ein paar Tagen sagte der Arzt, Benny dürfe 
wieder nach Hause. „Ich hätte eigentlich erwartet, daß 
er länger im Krankenhaus bleiben muß, aber von einer 
Infektion ist nichts mehr zu sehen. Ich habe noch nie 
jemanden so schnell gesund werden sehen." 

Der Arzt mochte zwar überrascht sein, aber Benny 
nicht. „Ist mir in meinem Segen nicht verheißen 
worden, daß ich schnell und ohne große Schmerzen 
wieder gesund werden würde?", fragte er. 
Mimi lächelte nur. 

Schon bald lief alles wieder seinen gewohnten Gang. 
Und am Fastsonntag gab Mimi wie angekündigt 
Zeugnis. Als sie aufstand, zitterten ihr die Knie, und im 
Magen kribbelte es. Sie hatte noch gar nicht gewußt, 
daß so viele Menschen in die Kapelle paßten. Und alle 
starrten sie an! Am liebsten hätte sie sich wieder hinge- 
setzt. Doch dann sah sie, wie ihre Familie ihr zulächelte. 

Sie atmete tief ein und fing an: „Ich weiß, daß der 
himmlische Vater wirklich lebt und daß er unser Beten 
erhört. Ich weiß das, weil ich wegen etwas sehr 
Wichtigem zu ihm gebetet habe. Hinterher war mir 
ganz warm, und ich hatte keine Angst mehr. Ich glaube 
auch an das Priestertum und den Krankensegen, denn 
alles, was Vati in Bens Segen verheißen ist, ist genauso 
eingetreten." Mimi schaute Benny an. 
„Und ich glaube an die heilige Schrift, 
weil darin verheißen wird, daß der 
himmlische Vater unser Beten erhört. 
Ich weiß, daß er mein Beten erhört 
hat. Ich habe ihn lieb. Im Namen Jesu 
Christi. Amen." 

Als Mimi zu ihrem Platz zurückging, 
hatte sie den himmlischen 
Vater und Jesus Christus 
womöglich noch mehr 
lieb. Sie sah Tränen in 
den Augen ihrer Mutter, 
die ihr entgegenlächelte. 
Vati legte den Arm um sie 
und flüsterte ihr zu: 
„Siehst du, genau 
das bedeutet es, 
Zeugnis zu 
geben." D 



BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



SICH EM UNGLÜCK DEM ERRETTER ZUWENDEN 



Im vorirdischen Dasein jauchzten 
wir vor Freude über die Aussicht, 
einmal auf die Erde zu kommen, 
wo wir einen physischen Körper 
erhalten, Erfahrungen sammeln und 
auf die Probe gestellt werden sollten. 
Wir wußten auch, daß zu dieser 
Prüfungszeit ebenfalls gehörte, daß 
wir an Körper und Geist leiden 
mußten. 

Jeder Mensch hat mit Unglück zu 
kämpfen - mit Krankheit, Unfällen, 
dem Tod eines lieben Menschen und 
Prüfungen aller Art, die uns 
manchmal daran zweifeln lassen, ob 
wir überhaupt die Kraft haben, 
weiterzumachen. Doch Präsident 
Brigham Young versichert uns: 
„Jeder Schicksalsschlag, den wir 
durchmachen, ist um der Erfahrung 
und des Beispiels willen notwendig; 
sie bereiten uns darauf vor, den Lohn 
zu erhalten, der den Glaubenstreuen 
bestimmt ist." (Lehren der Präsidenten 
der Kirche, Seite 262.) 

SUCHT DEN HERRN 

Wenn wir auf der Suche nach 
Verständnis und Hilfe zum Himmel 
aufblicken, können wir Trost in der 
Gewißheit finden, daß es einen 
liebenvollen Vater gibt, der uns in der 
Stunde der Not nicht im Stich läßt 
(siehe LuB 24:8). Eider Robert D. 
Haies vom Kollegium der Zwölf 
Apostel hat auf der Generalkonferenz 
im Oktober 1998 über seine 
Erfahrungen und Gedanken im 
Zusammenhang mit seinem 
dritten Herzanfall gesprochen, 
der eine Bypass -Operation 
erforderlich machte. Während 
der Zeit, die er im Kranken- 
hausbett und später als Gene- 
sender zu Hause verbrachte, 



dachte er über den Sinn des Lebens 
und die Ewigkeiten nach. Und 
während er körperlichen Schmerz 
ertrug, dachte er auch an die tiefere 
Pein und Not der Seele. Er gelangte 
zu der Erkenntnis, wie wichtig viele 
verschiedene Pflegepersonen für die 
Heilung sind: Ärzte, Krankenschwe- 
stern, Therapeuten, eine liebevolle 
Frau, Eltern, Kinder und Freunde. „In 
letzter Konsequenz ist es der Herr, der 
uns pflegt", überlegte er. „Wir müssen 
uns ihm überlassen. Und wenn wir 
das tun, streifen wir ab, was uns 
Schmerzen verursacht hat, und legen 
alles in seine Hände." („Die Seele und 
den Leib heilen", Der Stern, Januar 
1999, Seite 19.) 

Wenn wir uns dem Herrn über- 
lassen wollen, müssen wir uns um seine 
Hilfe bemühen. Durch Beten und 
Fasten, Schriftstudium, den Besuch 
des Tempels, Priestertumssegnungen, 
den Patriarchalischen Segen, die 
Hilfe der Heimlehrer und der 
Besuchslehrerinnen sowie den Rat 




der Eltern und Priestertumsführer 
können wir Glauben an Jesus 
Christus üben, seinen Willen 
erfahren und seiner Segnungen teil- 
haftig werden. Wenn wir nach der 
Hilfe des Herrn streben, müssen wir 
uns bewußt machen, daß er uns die 
Prüfungen vielleicht nicht immer 
nimmt. Aber er hilft uns immer, die 
Kraft zu finden, sie durchzustehen. 

DIE MACHT DES SÜHNOPFERS 

Als höchsten Beweis seiner Liebe 
hat der Erretter die Last unserer 
Sünden und unsere Schwächen auf 
sich genommen, damit wir durch 
sein Sühnopfer geheilt werden und 
Glück finden können. 

Eider M. Russell Ballard vom 
Kollegium der Zwölf Apostel hat 
bemerkt: „Sicherheit, Frieden, 
Freude und Gewißheit findet man 
nur im Leben und im Wirken Jesu 
Christi, des Sohnes des allmäch- 
tigen Gottes. . . . 

Bedeutet das aber nun, daß wir 
nicht mit Aufregung, mit Problemen, 
mit Krankheit, mit Schwierigkeiten 
in der Familie und im Berufsleben zu 
kämpfen haben werden? Keineswegs. 
Es bedeutet aber, daß wir jedes 
Unglück bewältigen können, das 
sich uns in den Weg stellt, wenn 
unser Glaube fest im Zeugnis von 
Jesus Christus verankert ist. . . . Wenn 
wir das Auge des Glaubens nur 
auf Christus richten, erweitert sich 
unser Blickwinkel und wird zum 
Blickwinkel der Ewigkeit. Dann 
können wir jedes Unglück im 
Zusammenhang mit dem ewigen Plan 
des himmlischen Vaters für seine 
Kinder sehen." („When Shall These 
Things Be?", Ensign, Dezember 1996, 
Seite 61.) D 





ICH HABE EINE FRAGE 



Wie kann ich Klatsch und 
Tratsch aus dem Weg gehen? 

In der heiligen Schrift werden wir vor Klatsch und 
Tratsch gewarnt. Aber was sollen wir tun, wenn jemand 
uns Klatsch erzählt oder anfängt über uns zu tratschen? 

Die Antworten sollen Hilfe und Ausblick geben, sind aber nicht 
als offizielle Lehre der Kirche zu verstehen. 



FOTOS VON JED CLARK 



UNSERE ANTWORT 

Der Psalmist hat es ganz einfach 
ausgedrückt: „Bewahre deine Zunge 
vor dem Bösen und deine Lippen vor 
falscher Rede." (Psalm 34:14.) Auch 
der Erretter hat uns geboten, uns 
von Klatsch und Tratsch fernzu- 
halten. Als er die Gesetze der 
wiederhergestellten Kirche festlegte, 
sagte er: „Du sollst von deinem 
Nächsten nichts Böses reden noch 
ihm irgendeinen Schaden tun." (LuB 
42:27.) Zum Tratschen gehören 
auch triviale Äußerungen, die mögli- 
cherweise, aber nicht notwendiger- 
weise, überzogen oder unwahr sind 
und in der Regel dem Ruf desjenigen 
schaden, über den getratscht wird, 
aber auch gleichzeitig dem Ruf 
dessen, der tratscht. 

Eider Spencer W. Kimball hat 
geschrieben: „Lügen und Tratsch 
werden wie die Samen eines 
blühenden Löwenzahns, den ein Kind 
in die Höhe hält, von den vier 
Winden fortgetragen. Man kann 
weder den Samen noch den Tratsch 
wieder einsammeln. Die Höhe und 
das Ausmaß des Schadens, der durch 
Tratsch angerichtet wird, läßt sich 
überhaupt nicht ermessen." (The 
Miracle of Forgiveness, 1969, Seite 54.) 



Präsident John Taylor hat den 
Mitgliedern früher einmal ans Herz 
gelegt: „Der Ruf unseres Nachbarn 
und der Mitglieder der Kirche muß 
uns so heilig sein wie unser eigener. 
Wir müssen sorgsam darauf achten, 
daß wir einander nichts antun und 
übereinander nichts sagen, was man 
uns nicht antun soll und was wir 
nicht über uns hören möchten." 
Games R. Clark, Hg., Messages ofthe 
First Presidency of The Church of Jesus 
Christ of Latter-day Saints, 6 Bände, 
1965-75, 3:84.) 

Viele Leser haben vorgeschlagen, 
daß wir das Thema wechseln, etwas 
Nettes über den Betreffenden sagen 
oder einfach fortgehen sollen, wenn 
wir uns in einer Situation wieder- 
finden, wo getratscht wird. Solches 
Verhalten ist nicht immer leicht, 
aber dadurch zeigen wir den 
anderen, daß wir nicht bereit sind, 
Klatsch und Tratsch zu tolerieren. 

Präsident George Albert Smith hat 
gesagt, daß wir viel glücklicher sind, 
wenn wir Klatsch und Tratsch nicht 
tolerieren. „Sie haben noch nie im 
Leben eine glückliche Klatschblase 
gesehen. Sie ist die ganze Zeit so 
unglücklich und elend wie der Teufel 
- und natürlich befindet sie sich 

DER STERN 
26 



unter dem Einfluß des Satans, wenn 
sie über ihre Nachbarn tratscht." 
(Generalkonferenz, April 1944.) 
Wenn wir dabei mitmachen, geraten 
auch wir in den Einflußbereich des 
Widersachers. 

Manchmal ist es noch schwieriger, 
sich nicht selbst zum Gegenstand des 
Tratsches zu machen, als Tratsch und 
Klatsch aus dem Weg zu gehen. 
Wenn andere etwas Schlechtes und 
manchmal auch Unwahres über uns 
sagen, empfinden wir oft Wut und 
den Wunsch nach Vergeltung - aber 
eine solche Reaktion ist nicht das, 
was der Herr erwartet. Jesus Christus 
hat gesagt: „Liebt eure Feinde und 
betet für die, die euch verfolgen." 
(Matthäus 5:44.) Wenn wir gemäß 
den Lehren Jesu Christi leben, zeigen 
wir damit unseren Altersgenossen, daß 
der Tratsch, der über uns verbreitet 
wird, jeglicher Grundlage entbehrt. 

Wie immer sollen wir uns auch in 
einer solchen Lage dem himmlischen 
Vater zuwenden und ihn um Hilfe 
und Führung bitten. Auf seine 
Weisung können wir mit dem 
Betreffenden sprechen und ihm 
sagen, wie sich die Angelegenheit 
wirklich verhält. Dies müssen wir 
voller Vergebungsbereitschaft tun. 




Gbologan Kokou 






Der Apostel Paulus hat geschrieben: 
„Seid gütig zueinander, seid barm- 
herzig, vergebt einander, weil auch 
Gott euch durch Christus vergeben 
hat." (Epheser 4:32.) 

Präsident Gordon B. Hinckley 
hat gesagt: „Nachteilige Bemer- 
kungen, rassistische Äußerungen, 
haßerfüllte Kraftausdrücke, boshafter 
Tratsch und das Verbreiten von 
gemeinen, hinterlistigen Gerüchten 
darf es bei uns nicht geben." 
(Teachings of Gordon B. Hinckley, 
1997, Seite 664.) Wenn wir Klatsch 
und Tratsch aus dem Weg gehen 
und gleich am Anfang im Keim 
ersticken, wenn wir die andere 
Wange hinhalten, sobald jemand 
Tratsch über uns verbreitet, dann 
geben wir unseren Mitmenschen ein 
Beispiel. Außerdem trägt solches 
Verhalten dazu bei, daß unsere 
Gesellschaft „eines Herzens und 
eines Sinnes" ist (siehe Mose 7:18) 
und daß wir würdig sind, zum himm- 
lischen Vater zurückzukehren und 
bei ihm zu wohnen. 

ANTWORTEN UNSERER LESER 

Klatsch und Tratsch führen zu 
Streitigkeiten und zum Entstehen 
einer Kluft, was sogar damit enden 
kann, daß man vom Glauben abfällt. 
Wenn jemand über mich Tratsch 
verbreiten würde, würde ich den 
himmlischen Vater bitten, mir 
Selbstbeherrschung und die Kraft zu 
schenken, mit anderen Menschen in 
Eintracht zusammenzuleben. 
Gbologan Kokou, 
Gemeinde Koumassi, 
Pfahl Abidjan, Elfenbeinküste 



Ehe du über andere redest, stell dir 
drei Fragen: Ist es wahr? Ist es gut? Ist 
es nützlich? Wenn andere anfangen, 
dir Klatsch zu erzählen, dann wechsle 
das Thema oder bitte sie, damit 
aufzuhören. Sag außerdem etwas 
Positives über den, um den es geht. 
Die Sonntagsschulklasse 
des Zweiges Eberswalde, 
Pfahl Berlin, Deutschland 






Alles, was du dem Betreffenden 
nicht ins Gesicht sagen kannst, ist 
Tratsch. 
Oscar Ortiz, 
Gemeinde Jyväskylä, 
Pfahl Tampere, Finnland 

Wir können für diejenigen beten, 
die uns in Tratsch hineinziehen 
wollen. Jesus Christus möchte, daß 
wir für diejenigen beten, die uns 
ausnutzen und Lügen über uns 
verbreiten. Er möchte, daß wir 
unsere Feinde lieben und ihnen 
unsere Freundschaft anbieten. (Siehe 
Matthäus 5:44.) 
Lorena Veläzquez Revilla, 
Zweig Pochutla, 
Distrikt Puerto Escondido, Mexiko 

Von meinem Missionspräsidenten 
habe ich gelernt, daß man nichts 
Schlechtes über jemanden sagen darf, 
sondern vielmehr fünf gute Eigen- 
schaften an dem Betreffenden finden 
soll. Wenn man auf die Tugenden 
eines anderen Menschen hinweist, 
kann man das Schlechte, was über 
ihn gesagt wird, sehr gut aushebeln. 
Missionar Celso Daniel Munhoz Reffatti, 
Mission Curitiba, Brasilien 





Oscar Ortiz 



Lorena Veläzquez Revilla 




Missionar Celso 
Daniel Munhoz Reffatti 







Wenn wir zuhören, wie getratscht 
wird, sind wir auch schneller geneigt, 
Kritik auszusprechen und im anderen 
nach etwas Schlechten anstatt 
etwas Gutem zu suchen. Wir müssen 
versuchen, den Standpunkt des 
anderen zu verstehen. Außerdem 
müssen wir für diejenigen fasten 
und beten, die uns gekränkt haben, 
und ihnen zeigen, daß sie uns am 
Herzen liegen. 
Shim Soon Mi, 
Gemeinde Poong Hyang, 
Pfahl Kwang Ju, Korea 

Du darfst den Einfluß des gespro- 
chenen Wortes niemals unter- 
schätzen. Wir als Kinder des 
himmlischen Vaters dürfen niemals 
zulassen, daß unreine Wörter 
unserem Geist und dem Geist 
anderer schaden. Wie müssen nicht 
nur die Weiterverbreitung von 
Tratsch verhindern, sondern den 
Mitgliedern unserer Gemeinde Liebe 
entgegenbringen, so daß aus unserer 
Gemeinde „ein Haus der Ordnung, 
ein Haus Gottes" wird (siehe LuB 
88:119). 
Hsu Chen Chin Yi, 
Gemeinde Tainan 2, 
Pfahl Tainan, Taiwan 

Wer tratscht, würdigt diejenigen 
herab, über die er tratscht, um sich 
selbst in ein besseres Licht zu 
rücken. So jemand trägt die Liebe 
Christi nicht in sich. 

Wir müssen versuchen, ruhig zu 
bleiben, wenn wir hören, daß andere 
über uns tratschen. Wenn wir 
unseren Gefühlen Luft machen, 
geben wir den Klatschbasen allen 



Grund, zu verbreiten, daß gerade 
unsere Reaktion den Wahrheitsgehalt 
des Tratsches beweist. Wenn wir 
hingegen nicht reagieren, merken die 
anderen an unserer Einstellung, daß 
am Tratsch nichts Wahres ist. Dann 
haben wir inneren Frieden. 
Missionar F. Talivakaola, 
Mission Nukualofa, Tonga 



Es ist uns nicht immer möglich, 
auf alles Einfluß zu nehmen, was 
um uns herum geschieht. Doch 
wenn wir Klatsch und Tratsch aus 
dem Weg gehen, sind wir glückli- 
cher und machen andere stark. Es 
gefällt dem Herrn, wenn unsere 
Ausdrucksweise rein und tugend- 
haft ist. Bei Bedarf können wir 
auch widersprechen, damit die 
anderen nicht glauben, unser 
Schweigen bedeute Zustimmung 
und Einverständnis. 
Luis Ramon Cleto Mueses, 
Gemeinde Luperon 1 , 
Pfahl Santo Domingo, 
Dominikanische Republik 

Ich habe mir fest vorgenommen, 
niemals die Geheimnisse eines 
anderen Menschen auszuplaudern 
oder über die Fehler eines anderen 
zu sprechen oder dabei zuzuhören, 
wie andere darüber sprechen. Durch 
das Lesen in der heiligen Schrift 
kann ich die Eingebungen des 
Geistes besser wahrnehmen. Und 
wenn wir den Geist mit uns haben, 
können wir auf erbauliche, erhel- 
lende Weise sprechen und zuhören. 
Grace Almin, 
Gemeinde Gapan 3, 
Pfahl Gapan, Philippinen 



DER STERN 



28 



Es ist ziemlich schwierig, darüber- 
zustehen, wenn über einen getratscht 
wird. Doch wir als Mitglieder der 
Kirche haben die Hilfsmittel, die man 
braucht - das Gebet, die Lehren der 
Kirche und die heiligen Schriften -, 
um uns bewußt zu machen, daß wir 
in den Augen Gottes von unschätz- 
barem Wert sind. Wir dürfen niemals 
vergessen, das Licht in uns nach 
außen zu tragen, und zwar unab- 
hängig davon, was andere über uns 
sagen mögen. 
Malalatiana N. Randrianalidera, 
Zweig Antananarivo 2, 
Distrikt Antananarivo, Madagaskar 

Ich bin erst seit kurzem Mitglied 
der Kirche, habe aber schon 
bemerkt, daß manche Leute deshalb 
weniger aktiv werden, weil sie hören, 
wie andere Mitglieder über sie trat- 
schen. Wenn jemand zu tratschen 
anfängt, müssen wir ihm ein gutes 
Beispiel geben. Wir müssen ihn 
weiterhin lieben und ihn stärken. 
Suzette Satsatin, 
Zweig Libon, 
Distrikt Ligao, Philippinen 

Es tut sehr weh, wenn man 
erfährt, daß jemand unseren Ruf 
ruiniert. Aber wir dürfen nicht 
vergessen, daß wahre Freunde zu uns 
halten. Wir können freundlich mit 
denjenigen sprechen, die Tratsch 
verbreiten, und ihnen die Lehre ins 
Bewußtsein rufen, daß wir einander 
nicht verleumden dürfen. (Siehe 
Jakobus 4:11.) 
Elisabetta Marangon, 
Zweig Treviso, 
Pfahl Venedig, Italien 



Christus hat die Nephiten 
gefragt: „Was für Männer sollt ihr 
sein? Wahrlich, ich sage euch: So, 
wie ich bin." (3 Nephi 27:27.) 
Wenn über uns getratscht wird oder 
wir ein Gerücht hören, können wir 
uns fragen: „Was würde Jesus 
Christus tun?" Wenn wir den Geist 
haben, handeln wir so, wie er es tun 
würde. 

Nestor Fabian Rodriguez, 
Zweig Villa Aguirre, 
Distrikt Tandil, Argentinien 

Eines Tages las ich im Foyer eines 
Krankenhauses das folgende Zitat: 
„Wenn du etwas Schlechtes über 
einen Menschen hörst, sag es nicht 
weiter, denn es ist vielleicht eine 
Lüge; wenn du später erfährst, daß es 
doch wahr ist, dann denk daran, daß 
es edel ist , still zu sein." 

Wenn jemand Gerüchte über 
mich verbreitet, denke ich an 
etwas, was meine Mutter mir 
einmal gesagt hat: „Wenn jemand 
dich beleidigt, dann denk daran, 
daß niemand so sehr beleidigt 
wurde wie Christus, der Sohn 
Gottes." 
Martin Apolo, 
Gemeinde Foz Do Iguacu, 
Pfahl Cascavel, Brasilien 

Ich habe in A Liahona (portugie- 
sisch) einmal ein Lied gelesen, 
dessen Text mich zum Nachdenken 
gebracht hat. Dort hieß es: 
„Mensch, du darfst nicht frevelnd 
spielen, schwärz des Bruders Namen 
nicht, so wie er, wirst du einst 
fühlen, kommst du selbst dann 
ins Gericht." („Should You Feel 



Inclined to Censure", Hymns, Nr. 
235; zitiert in Der Stern, Mai 1997, 
Seite 18.) 

Wenn wir uns zum Tratschen 
hinreißen lassen, tauschen wir 
Segnungen für einen kurzen 
Augenblick nutzloser Ablenkung 
ein. 

Andreli Fernandes Ribeiro Viana, 
Zweig Itapetininga 2, 
Distrikt Itapetininga, Brasilien 

Ihr könnt dazu beitragen, daß der 
Abschnitt „ICH HABE EINE 
FRAGE" anderen hilft, indem ihr 
die untenstehende Frage beantwortet. 
Schickt eure Antwort bis zum 1. 
November 1999 an die folgende 
Adresse: QUESTIONS AND 
ANSWERS, International Magazines, 
50 East North Temple Street, Salt 
Lake City, VT 84150-3223, USA; 
oder per e-mail an CUR-Liahona- 
Imag@ldschurch.org. Eure Antwort 
kann mit der Maschine oder mit 
der Hand geschrieben sein, auch in 
eurer Muttersprache. Gebt bitte euren 
Namen und euer Alter, euren 
Wohnort, eure Gemeinde und euren 
Pfahl (bzw. Zweig und Distrikt) an. 
Schickt möglichst auch ein Foto von 
euch mit; es wird allerdings nicht 
zurückgeschickt. Falls eure Antwort 
sehr persönlich ist, könnt ihr darum 
bitten, daß euer Name nicht veröffent- 
licht wird. Es wird eine repräsentative 
Auswahl an eingegangenen Antworten 
veröffentlicht. 

FRAGE: Ich bin eher schüchtern und 
brauche mehr Umgang mit anderen 
Menschen. Wie kann ich gute 
Freundschaften aufbauen! D 



SEPTEMBER 
29 



19 9 9 




I FOTO VON 

MAREN MECHAM 



I 




FOTO VON JED CLARK 



TALENTE UND 

FÜHRUNGSEIGENSCHAFTEN 

ENTWICKELN 

■ Besichtigt die öffentliche 
Bibliothek bei euch im Ort, und 
überlegt, wie man sie am besten 
nutzen kann. 

■ Führt Kochkurse mit Rezepten 
aus fremden Ländern durch. Bittet 
jemanden aus dem Ausland oder 
einen zurückgekehrten Missionar, 
den Kurs zu besuchen und zu zeigen, 
wie man ein leckeres ausländisches 
Mahl zubereitet. 

■ Besucht eine Einrichtung, die 
zu dem Zeitpunkt geöffnet hat, wo 
ihr Zeit für einen Besuch habt (einen 
Zeitungsverlag, einen Radiosender, 
einen Lebensmittelmarkt und ähnli- 
ches), und informiert euch über die 
Arbeit, die dort geleistet wird. 

■ Ladet jemanden, der sich 
auskennt, ein, einen Erste -Hilfe - 
Kurs durchzuführen. 

■ Bittet jemanden, den Anwe- 
senden die Grundzüge des Dirigierens 
zu zeigen. Bildet anschließend ein 



AKTIVITÄTENABENDE, DIE 
SICH AM EVANGELIUM 
ORIENTIEREN 

Fällt euch nichts ein, was man an einem Aktivitätenabend für junge Leute 
oder für die Gemeinde bzw. den Zweig machen könnte? Im folgenden 
findet ihr Anregungen zum Nachdenken über Aktivitätenabende, die sich 
am Evangelium orientieren. Nutzt diese Ideen. Paßt sie an. Denkt euch 
eigene Ideen für etwas aus, was Spaß macht - und auf den 
Evangeliumsgrundsätzen basiert. 



„Orchester", und funktioniert nor- 
male Haushaltsgegenstände mit 
viel Phantasie in Musikinstrumente 
um. 

■ Plant eine Fireside für die 
Gemeinde bzw. den Zweig, in der es 
um wichtige Themen wie beispiels- 
weise Missionsarbeit, Schriftstudium 
oder das Zeugnis geht. 

■ Bittet jemanden, darüber zu 
sprechen, wie man eine Arbeitsstelle 
sucht und Bewerbungen schreibt. 

ERGÄNZENDE 
FAMILIENAKTIVITÄTEN 

■ Haltet einen Genealogie- 
abend ab. Lernt, wie man genea- 
logische Forschung betreibt und 
seine Lebensgeschichte aufschreibt. 

■ Bietet verschiedenen Ehe- 
paaren bzw. Schwestern an, auf 
ihre Kinder aufzupassen, während 
sie in den Tempel gehen bzw. 
den Haushaltsführungsabend der 
FHV besuchen. Überlegt euch 
eine Gruppenaktivität für die 
Kinder. 

■ Veranstaltet einen Briefe - 
Abend, wo jeder einem Politiker, 
einem Bischof oder seiner Mutter 
bzw. seinem Vater einen 
schreibt. 

■ Organisiert für den 
Familienabend einen Unter- 
richt, wo jeder über seine 
Lieblingsaktivität spricht 



DER STERN 
30 





FOTO VON JANET THOMAS 



bzw. seine Lieblingslektion durch- 
nimmt. 

ANDEREN DIENEN 

■ Helft einer Wohltätigkeitsorga- 
nisation in eurem Gemeinwesen. 

■ Schreibt Briefe an Missionare aus 
eurer Gemeinde bzw. eurem Zweig. 

■ Besucht den Bischof bzw. 
Zweigpräsidenten zu Hause und tut 



etwas für seine Familie, indem ihr 
beispielsweise kocht, aufräumt oder 
im Garten arbeitet. 

■ Singt Menschen, die einsam 
oder traurig sind, etwas vor. Und 
wartet nicht bis Weihnachten - ihr 
könnt jeden Tag Fröhlichkeit 
verbreiten. 

■ Bietet an, in einem Waisenhaus 
oder einem Obdachlosenasyl eine 
Mahlzeit zuzubereiten und zu 
servieren. 

■ Sammelt in einem bestimmten 
Gebiet eures Gemeinwesens den 
Abfall auf. 

■ Geht in ein Krankenhaus, und 
lest den Kindern dort etwas vor. 




DAS ZEUGNIS FESTIGEN 

■ Bittet die Missionare in eurem 
Gebiet, einen Workshop zur Vor- 
bereitung auf eine Mission durchzu- 
führen. 

■ Veranstaltet eine besondere 
Aktivität, zu der die Missionare ihre 
Untersucher mitbringen können. 

■ Zeichnet abwechselnd Bilder, 
die eine Geschichte aus der 
heiligen Schrift darstellen, und laßt 
die anderen raten, um welche 
Geschichte es sich handelt. 

Schreibt ein Spiel über eine 
Geschichte aus dem Buch Mormon, 
und führt es in der PV während des 
Miteinanders auf. 

IN EINER POSITIVEN UMGEBUNG 
FREUNDE FINDEN 

■ Veranstaltet eine Podiumsdis- 
kussion über das Thema Ausgehen, 
wo die Mädchen den Jungen sagen, 
was sie gerne tun würden, was ihnen 
nicht gefällt usw. Die Jungen dürfen 
anschließend dasselbe tun. 

■ Laßt jeden sein Lieblingsrezept 

mitbringen, und stellt daraus 

ein Kochbuch zusammen. 

■ Macht einen Wettbewerb, 

wem die besten Sprüche für 

den Mormonismus einfallen, 

und entwerft dann eigene 

Poster! 

■ Schreibt uns von den 
I Aktivitätenabenden, die 
^^ ihr erfolgreich durch- 
geführt habt. Schickt eure 
Ideen und nach Möglichkeit 
auch Fotos an die folgende 
Adresse: Activity Ideas, 
International Magazine, 50 
East North Temple Street, 
Salt Lake City, UT 84150- 
3223, USA. D 



Eider Carlos E. Asay (1926-1999) 

Emeritiertes Mitglied des Ersten Siebzigerkollegiums und 
ehemals Präsident des Salt-Lake-Tempels 



DAS TEMPEL- 
GARMENT 

DAS ÄUSSERE ZEICHEN DAFÜR, DASS MAN 
SICH INNERLICH VERPFLICHTET HAT 



Vor einigen Jahren erzählte Eider 
James E. Faust, der damals noch 
dem Kollegium der Zwölf Apostel 
angehörte, in einem Seminar für neue 
Tempelpräsidenten und Oberinnen von 
seiner Berufung, als Generalautorität zu 
dienen. Präsident Harold B. Lee hatte ihm 
nur eine einzige Frage gestellt: „Tragen Sie 
das Garment richtig?" Dieses konnte er 
bestätigen. Dann fragte er Präsident Lee, 
ob er ihn nicht bezüglich seiner Würdigkeit 
befragen wolle. Präsident Lee antwortete, 
das sei nicht nötig, denn er wisse aus 
Erfahrung, daß man daraus, wie jemand das 
Garment trage, schließen könne, wie er zur 
Kirche und zu allem stehe, was damit 
zusammenhinge. Daran läßt sich die 
Würdigkeit eines Menschen und seine 
Hingabe zum Evangelium messen. 

Es gibt welche, die gerne ausführliche 
Kleidungsvorschriften hätten, in denen 
alles darüber geregelt ist, wie man das 
Tempelgarment trägt. Ihnen wäre es am 
liebsten, wenn die Priestertumsführer die 
Länge vorschrieben, genau festlegten, 
wann und wie man es tragen muß und 
wann man es nicht tragen darf, und 
darüber hinaus alle, die sich nicht peinlich 
genau an diese Vorschriften hielten, mit 
einer Strafe belegen würden. Sie hätten es 
am liebsten, wenn die Mitglieder Mücken 

SEPTEMBER 
33 



aussieben würden und darüber die wichti- 
geren Aspekte des Evangeliums Jesu 
Christi vernachlässigen würden. (Siehe 
Matthäus 23:23-26.) 

Die meisten Heiligen der Letzten Tage 
jedoch freuen sich über die sittliche 
Entscheidungsfreiheit, die ihnen der liebe- 
volle Vater im Himmel gewährt hat. Sie 
wissen das Vertrauen, das der Herr und die 
Führer der Kirche in sie setzen, sehr wohl 
zu schätzen. Dieses Vertrauen kommt auch 
in den folgenden Worten des Propheten 
Joseph Smith zum Ausdruck: „Ich lehre sie 
die richtigen Grundsätze, und sie regieren 
sich selbst." 1 

Samuel der Lamanit hat verkündet: 

„Und nun denkt daran, meine Brüder: 
Wer zugrunde geht, fügt sich das 
Zugrundegehen selbst zu, und wer Übles 
tut, der tut es sich selbst an; denn siehe, ihr 
seid frei; es ist euch gewährt, euer Handeln 
selbst zu bestimmen; denn siehe, Gott hat 
euch Erkenntnis gegeben und hat euch frei 
gemacht. 

Er hat euch gegeben, Gut von Böse zu 
unterscheiden, und er hat euch gegeben, 
das Leben zu wählen oder den Tod; und ihr 
könnt Gutes tun und zu dem wiederherge- 
stellt werden, was gut ist, oder daß euch 
das, was gut ist, wiederhergestellt wird; oder 
aber ihr könnt Böses tun und euch das, was 

19 9 9 



DURCH HEILIGE BUNDNISSE 



MIT DEM HERRN WERDEN 



DEN MITGLIEDERN DER 



KIRCHE SEGNUNGEN IN 



BEZUG AUF VERHEIßENEN 



SCHUTZ ZUTEIL, UND SIE 



EMPFANGEN ETWAS 



GREIFBARES, WAS SIE 



AN DIESE BUNDNISSE 



ERINNERN SOLL. 



. 





böse ist, wiederherstellen lassen." 
(Helaman 14:30,31.) 

Ich glaube, daß es bestimmte 
wichtige Aspekte hinsichtlich des 
Tempelgarments gibt, die man kennen 
muß. Doch wenn Heilige der Letzten 
Tage sich dieses Wissen angeeignet 
haben und voller Glauben sind, dann 
tragen sie das Garment auch, und 
zwar richtig, und nicht nur deshalb, 
weil jemand sie überwachen würde, 
sondern weil sie den Wert dieses 
heiligen Kleidungsstücks verstehen 
und Gutes tun möchten und zu dem 
wiederhergestellt werden möchten, 
was gut ist. Wenn jemand aber ande- 
rerseits nicht versteht, wie heilig das 
Tempelgarment ist, dann ist er schnell 
geneigt, leichtfertig damit umzugehen 
und darin nur ein Kleidungsstück wie 
jedes andere zu sehen. 

Das notwendige Wissen bezüglich 
des Garments des heiligen Priester- 
tums läßt sich in drei Rubriken 
einteilen: Die Rüstung Gottes, den 
geschichtlichen Hintergrund und die 
Lehren der neuzeitlichen Propheten. 
Ich möchte zu jeder Rubrik etwas 
sagen und hoffe, daß meine Gedanken 
die Mitglieder veranlassen, das 
Garment noch mehr zu schätzen und 
sich noch fester zu entschließen, es 
gerne und richtig zu tragen. 

DIE RÜSTUNG GOTTES 

Wir befinden uns im Krieg! Unser 
Feind besteht aber nicht in einem 
fremden Heer, das in unser Land 



JLJurch seine Knechte hat der Herr 
uns wissen lassen, daß wir die 
,Waffenrüstung der Rechtschaffenheit" 
anlegen müssen (siehe 2 Nephi 1:23; 
siehe auch Epheser 6:13). 



DER STERN 

34 



einfällt, oder der Kriegsflotte einer 
fremden Macht. Es gibt keine 
Gewehrkugeln, die uns um den Kopf 
pfeifen, und auch keine Bombenex- 
plosionen in unserem Wohnort. 
Trotzdem befinden wir uns in einer 
Schlacht auf Leben und Tod, wo wir 
mit Kräften kämpfen, die uns 
vernichtend schlagen und in die 
Tiefen geistiger Niederlage stürzen 
können, wenn wir nicht achtgeben. 

Damit meine ich natürlich den 
„Kampf" gegen die Fürsten und 
Gewalten, gegen die Beherrscher der 
Finsternis und die bösen Geister des 
himmlischen Bereichs, von denen 
der Apostel Paulus gesprochen hat 
(siehe Epheser 6:12). Damit meine 
ich den Ansturm von unsittlichem 
Verhalten, von Kriminalität, von 
Genußmittel-Mißbrauch und andere 
schädliche Einflüsse, die unsere 
Gesellschaft bedrohen. Zusammen 
mit weiteren unmittelbar bevorste- 
henden Gefahren stellen solche 
schädlichen Einflüsse die listigen 
Anschläge des Teufels dar (siehe 
Epheser 6:11), gegen die wir uns in 
diesen schweren Zeiten wehren 
müssen (siehe 2 Timotheus 3:1). 

Paulus hat uns ans Herz gelegt: 
„Darum legt die Rüstung Gottes an, 
damit ihr am Tag des Unheils stand- 
halten, alles vollbringen und den 
Kampf bestehen könnt." (Epheser 
6:13.) Aufgrund seiner prophetischen 
Kraft war Paulus in der Lage, die 
Schlechtigkeit vorauszusehen, die in 
unserer Zeit auf der Erde herrschen 
würde. Deshalb forderte er alle 
Mitglieder dringend auf, sich mit der 
Wahrheit zu gürten (siehe Epheser 
6:14), als Panzer die Gerechtigkeit 
anzuziehen (siehe Vers 14) und „als 
Schuhe die Bereitschaft, für das 
Evangelium vom Frieden zu kämpfen" 



(Vers 15), zum Schild des Glaubens zu 
greifen (siehe Vers 16), den Helm des 
Heils (siehe Vers 17) und das Schwert 
des Geistes zu nehmen, nämlich das 
Wort Gottes (siehe Vers 17), und 
nicht aufzuhören, zu beten und zu 
flehen (siehe Vers 18), damit ihnen 
nichts geschehen möge. Er wußte, 
daß die Rüstung aus Wahrheit, 
Rechtschaffenheit, Glauben, Geist 
und Beten die Menschen vor den 
feurigen Geschossen (siehe Vers 16) 
schützen würde, die der Satan 
und seine Anhänger schaffen und 
abfeuern. 

Es gibt aber noch ein weiteres, 
zur Rüstung gehörendes Stück, das 
unsere Aufmerksamkeit verdient. 
Damit meine ich die Unterwäsche, 
die man als Tempelgarment 
bezeichnet, nämlich das Garment 
des heiligen Priestertums, das die 
Mitglieder der Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage, die 
die Begabung empfangen haben, 
tragen. Dieses Garment, das Tag und 
Nacht getragen wird, dient drei 
wichtigen Zwecken: es erinnert an 
die heiligen Bündnisse, die mit dem 
Herrn in seinem heiligen Haus 
geschlossen wurden, es schützt den 
Körper, und es ist ein Symbol für die 
anständige Kleidung und die anstän- 
dige Lebensweise, durch die sich 
alle demütigen Nachfolger Christi 
auszeichnen sollen. 

Es steht geschrieben, daß „das 
weiße Garment für Reinheit steht 
und für Anstand und Achtung vor 
den Eigenschaften Gottes sorgt. 
Außerdem ist es - gemäß dem, wie es 
in Ehren gehalten wird - ein Zeichen 
für das Anlegen der Rüstung Gottes, 
von der Paulus spricht (siehe Epheser 
6:13; vergleiche LuB 27:15). ... Das 
Garment weist mehrere einfache 



Zeichen auf, die auf die Evange- 
liumsgrundsätze des Gehorsams, der 
Wahrheit, des Lebens und der 
Gefolgschaft Christi hindeuten." 2 

Man könnte noch viel, viel mehr 
über die Schlacht um die Seele des 
Menschen und die Rüstung Gottes 
sagen. Der Krieg auf der Erde begann 
in den Tagen Adams und ging über 
die Jahre hinweg mit Mose und 
den Kindern Israels weiter. Und er 
tobt noch immer in der Evange- 
liumszeit, die wir als Evangeliumszeit 
der Fülle bezeichnen, nämlich der 
Evangeliumszeit, die mit den Offen- 
barungen begann, die durch den 
Propheten Joseph Smith ergingen. 
Daher ist gerade die Schutzfunktion, 
die es uns ermöglicht, die feurigen 
Geschosse des Satans zu überstehen, 
weiterhin von großer Bedeutung. 

Wir müssen die Rüstung Gottes 
anziehen, von der der Apostel Paulus 
gesprochen hat und auf die auch 
in einer neuzeitlichen Offenbarung 
eingegangen wird (siehe LuB 
27:15-18). Wir müssen auch die 
„Rüstung der Rechtschaffenheit" 
(2 Nephi 1:23) anlegen, für die das 
Tempelgarment ein Symbol ist. Sonst 
laufen wir Gefahr, den Kampf zu 
verlieren und zugrunde zu gehen. 

Die schwere Rüstung, die die 
Soldaten in alter Zeit trugen, zu der 
ein Helm, ein Schild und eine 
Brustplatte gehörten, bestimmte 
manchmal über den Ausgang einer 
Schlacht. Doch in der heutigen Zeit 
läßt sich die wirkliche Schlacht des 
Lebens nur dann gewinnen, wenn 
man eine geistige Rüstung angelegt 
hat - eine Rüstung, die aus dem 
Glauben an Gott, dem Glauben an 
sich selbst, dem Glauben an die 
Sache, die man vertritt, und dem 
Glauben an die Führer besteht. Das 



SEPTEMBER 

35 



19 9 9 



Stück der Rüstung, das wir als 
Tempelgarment bezeichnen, schenkt 
uns nicht nur äußere Wärme, sondern 
befähigt den, der es trägt, auch, 
Versuchung zu widerstehen, schlechte 
Einflüsse abzuwehren und unerschüt- 
terlich für das Rechte einzustehen. 

GESCHICHTLICHER HINTERGRUND 

Man muß sich bewußt machen, 
daß heilige Kleidungsstücke schon 
von Anbeginn der Welt an zu dem 
gehört haben, was des Herrn ist 
(siehe 2 Nephi 4:16). In der heiligen 
Schrift ist immer wieder von spezi- 
ellen Kleidungsstücken die Rede, 
die Menschen in alter Zeit trugen. 
Vor ihrer Vertreibung aus dem 
Garten von Eden wurden Adam und 
Eva in heilige Kleidung gehüllt. 
Wir lesen: „Gott, der Herr, machte 
Adam und seiner Frau Röcke aus 
Fellen und bekleidete sie damit." 
(Genesis 3:21.) 

Diese Kleidung empfingen sie im 
Rahmen der Unterweisung über das 
Sühnopfer, das Opfern, die Umkehr 
und die Vergebung (siehe Mose 
5:5-8). Das Tempelgarment der 
Heiligen der Letzten Tage wird in 
einer ähnlichen Situation ausge- 
geben. Es soll den, der es trägt, 
nämlich daran erinnern, daß er 
ständig Umkehr üben, die Bünd- 
nisse, die er im Haus des Herrn 
geschlossen hat, einhalten und im 
Alltagsleben Tugend an den Tag 
legen muß, damit er Anspruch auf 
die verheißenen Segnungen hat. 

Mose empfing das Gebot, Aaron 
und anderen Männern heilige 
Kleidungsstücke und Zeremonien- 
gewänder anzulegen und sie dadurch 
bereitzumachen, im Offenbarungszelt 
zu amtieren. Der Herr sprach zu 
Mose: „Laß aus der Mitte der 



Israeliten deinen Bruder Aaron und 
mit ihm auch seine Söhne zu dir 
kommen, damit sie mir als Priester 
dienen. . . . Laß für deinen Bruder 
Aaron heilige Gewänder anfertigen, 
die ihm zur Ehre und zum Schmuck 
gereichen, . . . damit er geheiligt sei 
und mir als Priester dient." (Exodus 
28:1-3.) 

Immer, wenn von Aarons 
Kleidung und den Gewändern des 
Priestertums die Rede ist, die von 
auserwählten Führern zur Zeit des 
Alten Testaments getragen wurden, 
finden sich auch Ausdrücke wie 
„kostbare Gewänder", „prächtige 
Kleider", „Leibröcke zur Ehre und 
zum Schmuck" und „Gewänder des 
Heils". 3 Diese Ausdrücke mögen zwar 
besonders für die Gewänder gegolten 
haben, die die Männer trugen, die im 
Offenbarungszelt amtierten oder 
Tempelriten vollzogen; sie lassen sich 
aber auch auf die heilige Kleidung 
beziehen, die alle diejenigen, „die 
sich nach meinem Namen nennen 
und sich bestreben, meine Heiligen 
zu sein" (LuB 125:2), täglich 
tragen. Die Ehre, Herrlichkeit und 
Kostbarkeit heiliger Gewänder und 
Garments, die entweder nur im 
Tempel getragen wurden oder heute 
unter Straßenkleidung getragen 
werden, geht weit über den Stoff 
hinaus, aus dem sie gefertigt sind. 
Ihren vollen Wert und ihre ganze 
Schönheit kann man nur dann 
schätzen und als kostbar und herrlich 
ansehen, wenn man mit „gläubigem 
Auge" schaut (Alma 5:15). 

„Ohne das, was es symbolisiert, ist 
das Garment nicht vollständig. ... Es 
schützt Sie nur dann, wenn Sie Ihr 
Bündnis getreu einhalten, und es hat 
auch nur in dem Maße Bedeutung, 
wie Sie es in Ehren halten. Nur unter 



der Bedingung, daß Sie es in Ehren 
halten, daß Sie rein sind und daß Sie 
Ihr Bündnis getreu einhalten, kann 
es überhaupt für Sie von Nutzen 
sein", schrieb Hugh Nibley, emeri- 
tierter Professor für alte heilige 
Schriften an der Brigham-Young- 
Universität. 4 

Ja, durch alle Zeiten hindurch, 
wann immer die heiligen Handlungen 
des Priestertums und der Tempel den 
Menschenkindern zur Verfügung 
standen, haben Propheten und 
andere rechtschaffene Heilige spezi- 
elle Tempelgewänder getragen. Als 
die Kirche in unserer Zeit auf der 
Erde wiederhergestellt wurde, wurden 
die heiligen Handlungen des 
Priestertums im Zusammenhang mit 
dem heiligen Tempel dem Propheten 
Joseph Smith von neuem offenbart. 
Zu den Offenbarungen, die ihm zuteil 
wurden, gehörten auch Weisungen 
bezüglich des Garments. 

In der heiligen Schrift finden sich 
viele Hinweise auf heilige Gewänder 
und Tempelkleidung. Henoch 
erklärte: Ich sah „die Himmel offen, 
und ich wurde von Herrlichkeit 
umhüllt" (Mose 7:3). Jakob sprach 
vom Tag des Gerichts, wo wir „eine 
vollkommene Kenntnis all unserer 
Schuld und unserer Unreinheit und 
unserer Nacktheit haben, und die 
Rechtschaffenen werden eine voll- 
kommene Kenntnis ihrer Freude 
und ihrer Rechtschaffenheit haben, 
denn sie sind mit Reinheit bekleidet, 
ja, mit dem Mantel der Recht- 
schaffenheit" (2 Nephi 9:14). Jesaja 
freute sich: „Denn [Gott] kleidet mich 
in Gewänder des Heils, er hüllt mich 
in den Mantel der Gerechtigkeit" 
(Jesaja 61:10). Alma sprach von 
„all den heiligen Propheten, deren 
Kleider gesäubert sind und fleckenlos, 



DER STERN 

36 



rein und weiß" (Alma 5:24). Diese 
und noch weitere Aussagen von 
Propheten machen nicht nur deut- 
lich, daß man im Innern rein sein 
muß, sondern daß die Seele auch in 
fleckenlose Gewänder gehüllt sein 
muß, um dadurch zu zeigen, daß man 
ein Leben voller Güte und Hingabe 
an Gott führt. 

LEHREN NEUZEITLICHER PROPHETEN 

Ich fürchte, daß zu viele Mitglieder 
der Kirche die Verheißung von 
Schutz und Segnungen im Zusam- 
menhang mit dem Tempelgarment als 
etwas Selbstverständliches betrachten. 
Manche tragen es nicht richtig, und 
andere wiederum ziehen es aus, wenn 
sie es für angebracht halten. Hier 
werden die Weisungen der neuzeitli- 
chen Propheten, Seher und Offenbarer 
ignoriert, was dazu führen kann, daß 
der geistige Schutz des Betreffenden 
in Gefahr gerät. 

In einem Brief von der Ersten 
Präsidentschaft, der vom 3. Juli 1974 
stammt, wurde den Mitgliedern deut- 
lich gemacht, wie heilig das Garment 
ist: „Man muß sich immer vor Augen 
halten und sich immer dessen bewußt 
sein, wie heilig das Garment ist; ... die 
Segnungen, die uns zuteil werden, 
wenn wir unsere Bündnisse einhalten, 
sind so groß, daß sie jegliche Un- 
bequemlichkeit wettmachen können. 
Wenn wir unsere Bündnisse brechen, 
verzichten wir damit auf den Schutz 
und die Segnungen, die uns für den 
Fall verheißen worden sind, daß wir 
sie einhalten." 5 

In einem Brief an Priester- 
tumsführer vom 10. Oktober 1988 
erteilte die Erste Präsidentschaft 
die folgenden wichtigen Weisungen 
hinsichtlich des Tragens des 
Garments: 




„Jedes Mitglied, das im Tempel mit 
dem Garment bekleidet wurde, hat 
das Bündnis geschlossen, es das ganze 
Leben lang zu tragen. Das ist so auszu- 
legen, daß es Tag und Nacht als 
Unterwäsche getragen werden soll. 
Dieses heilige Bündnis besteht 
zwischen dem Mitglied und dem 
Herrn. Die Mitglieder sollen sich vom 
Heiligen Geist führen lassen, wenn sie 
Fragen in bezug auf das Tragen des 
Garments haben. . . . Der verheißene 
Schutz und die Segnungen hängen 
davon ab, wie würdig man ist und wie 
treu man das Bündnis einhält. 

Das Prinzip besteht darin, daß man 
das Garment trägt, und nicht, daß 
man nach Gelegenheiten sucht, es 
abzulegen. Die Mitglieder sollen also 



±y er Herr machte Adam und 
seiner Frau Röcke aus Fellen 
und bekleidete sie damit." 
(Genesis 3:21.) Diese Kleidung 
empfingen sie im Rahmen der 
Unterweisung über das 
Sühnopfer, das Opfern, die 
Umkehr und die Vergebung 
(siehe Mose 5:5-8). 



SEPTEMBER 

37 



19 9 9 




Di 



ie Kleidung der Priester in 
alter Zeit wird mit Ausdrücken 
wie „Leibröcke zur Ehre und 
zum Schmuck" und „Gewänder 
des Heils" beschrieben. Diese 
Ausdrücke gelten auch für die 
Kleidung derjenigen, „die sich 
nach meinem Namen nennen 
und sich bestreben, meine 
Heiligen zu sein" (Laß 125:2). 



ihr Garment weder teilweise noch 
ganz ablegen, um im Garten zu 
arbeiten oder sich in Badekleidung 
oder undezenter Kleidung im Haus 
auszuruhen. Auch sollen sie es nicht 
für Freizeitaktivitäten ablegen, an 
denen man sehr wohl auch mit 
dem Garment unter der üblichen 
Kleidung teilnehmen kann. Wenn 
man das Garment ablegen muß, 
beispielsweise zum Schwimmen, so 
ist es danach möglichst schnell 
wieder anzuziehen. 

Zum Bündnis gehört das Prinzip 
des Anstands und daß man den 
Körper in angemessener Weise 
bedeckt hält. Dieses Prinzip soll 
auch bestimmen, was für Kleidung 
wir tragen. Ein Mitglied, daß die 

DER STERN 

38 



Begabung empfangen hat, trägt das 
Garment zur Erinnerung an die 
heiligen Bündnisse, die es mit dem 
Herrn geschlossen hat, und zum 
Schutz vor Versuchung und vor dem 
Bösen. Die Art und Weise, wie wir es 
tragen, bringt äußerlich zum Ausdruck, 
wie wir uns innerlich verpflichtet haben, 
dem Erretter zu folgen. " 6 

Präsident Joseph F. Smith lag das 
richtige Tragen des Garments sehr 
am Herzen. Er sagte: „Der Herr 
hat uns Gewänder des heiligen 
Priestertums geschenkt, und Sie 
wissen, was das bedeutet. Und 
dennoch gibt es Leute, die diese 
Gewänder verstümmeln, nur um den 
törichten, eitlen (und gestatten 
Sie mir, es zu sagen) und unanstän- 
digen Praktiken der Welt nachzuei- 
fern. Damit so jemand bestimmte 
Moderichtungen mitmachen kann, 
verstümmelt er ohne zu zögern das, 
was er doch von allem auf der Welt 
am heiligsten halten soll, abgesehen 
einmal von seiner eigenen Tugend 
und seiner reinen Lebensführung. Er 
muß das, was Gott ihm geschenkt 
hat, heilighalten und so belassen, 
wie Gott es ihm gegeben hat. 
Lassen Sie uns den sittlichen Mut 
aufbringen, uns gegen Modeströ- 
mungen zu stemmen, und zwar vor 
allem dann, wenn die Mode uns 
zwingt, ein Bündnis zu brechen und 
damit eine schwerwiegende Sünde 
zu begehen." 7 

In seinem Buch The Holy Temple 
erklärt Eider Boyd K. Packer vom 
Kollegium der Zwölf Apostel kurz 
und prägnant, warum es so wichtig 
ist, das Garment richtig zu tragen: 

„Das Garment ist ein Sinnbild für 
heilige Bündnisse. Es fördert 
Bescheidenheit und ist seinem 
Träger ein Schild und Schutz. 



Ein solches Garment hindert die 
Mitglieder nicht daran, modische 
Kleidung zu tragen, so wie sie in den 
Ländern der Welt im allgemeinen 
verbreitet ist. Nur unanständige 
und extreme Kleidung läßt sich 
nicht zusammen mit dem Garment 
tragen." 8 

Was sonst müßte noch über das 
Garment und die Art und Weise 
gesagt werden, wie es getragen und 
behandelt werden muß? Die 
Grundsätze sind deutlich dargelegt 
worden; und nun bleibt es dem 
Träger und seinem Gewissen über- 
lassen, entsprechend zu handeln. 
Wer Glauben hat, dem muß nicht in 
allem geboten werden, denn er 
unterfängt sich nicht, sich auch nur 
im geringsten zu entschuldigen, und 
jammert auch nicht über das Fehlen 
eines mosaischen Verhaltensgesetzes. 
Statt dessen orientiert er sich in 
Kleidung und Verhalten an dem, was 
Gott und seine Propheten gesagt 
haben, und gestattet der Gerechtig- 
keit, der Barmherzigkeit und der 
Langmut Gottes vollen Einfluß auf 
sein Herz (siehe Alma 42:29-31). 

WIR TRAGEN EIN ERINNERUNGSSTÜCK 

Mir gefällt der Gedanke, daß der 
Herr es uns ermöglicht, mit dem 
Garment ein Stück vom Tempel 
mitzunehmen, wenn wir nach Hause 
gehen. Wir nehmen aus dem Haus 
des Herrn ja auch inspirierte Lehren 
und heilige Bündnisse mit, die uns 
in Sinn und Herz eingeprägt sind. 
Doch das einzige greifbare Erinne- 
rungsstück, das wir mit in die Welt 
hinausnehmen, ist das Garment. 
Und auch wenn wir nicht immer im 
Tempel sein können, können wir das 
Garment immer mit uns haben, 
damit wir dadurch gesegnet werden. 



Denken Sie daran, daß alle 
Hinweise auf Tempelgewänder in 
der heiligen Schrift mit Attributen 
wie den folgenden verwendet 
werden: weiß, rein, rechtschaffen, 
bescheiden, bedeckend, zeremoniell, 
heilig, Priestertum, schön, vollkommen, 
Errettung, unbefleckt, würdig, weiße 
Gewänder, Schild, Schutz, fleckenlos, 
Rüstung, Bündnisse, Verheißungen, 
Segnungen, Achtung, ewiges Leben 
und so weiter. Alle genannten Begriffe 
haben eine besondere Bedeutung im 
Wortschatz von Menschen, die sich 
wahrhaft bemühen, ein Heiliger zu 
werden. 

Über eine solche auserwählte 
Gruppe von Gläubigen lesen wir: 
„Du hast aber einige Leute in 
Sardes, die ihre Kleider nicht 
befleckt haben; sie werden mit mir 
in weißen Gewändern gehen, denn 
sie sind es wert. 

Wer siegt, wird ebenso mit weißen 
Gewändern bekleidet werden. Nie 
werde ich seinen Namen aus dem 
Buch des Lebens streichen, sondern 
ich werde mich vor meinem Vater 
und vor seinen Engeln zu ihm 
bekennen." (Offenbarung 3:4,5.) 

Wie herrlich wäre es doch, wenn 
alle Mitglieder der Kirche in weißen 
Gewändern mit Gott gingen und zu 
den Mitgliedern von Sardes gerechnet 
würden! 

Denken Sie immer daran, daß 
unsere Ereettung - symbolisch gesehen 
- vom Zustand unseres Garments 
abhängt. Der Prophet Alma erklärte 
den Mitgliedern seiner Zeit, 

daß sie nur dann errettet werden 
konnten, wenn sie ihre Kleider 
symbolisch gewaschen, von allen 
Flecken gesäubert und weiß 
gemacht hätten, und zwar durch 
das Blut Jesu Christi. Er sagte: 



„Kein Mensch kann errettet 
werden, außer seine Kleider seien 
weiß gewaschen. Ja, seine Kleider 
müssen rein gemacht werden, bis sie 
von allen Flecken gesäubert sind 
durch das Blut dessen, von dem 
unsere Väter gesprochen haben und 
der kommen wird, sein Volk aus 
dessen Sünden zu erlösen. . . . 

Seid ihr so gewandelt, daß ihr 
euch vor Gott untadelig gehalten 
habt? Könntet ihr, wenn jetzt der Ruf 
an euch erginge zu sterben, in eurem 
Innern sagen, ihr seiet genug demütig 
gewesen? Eure Kleider seien durch 
das Blut Christi, der kommen wird, 
um sein Volk aus dessen Sünden zu 
erlösen, gesäubert und weiß gemacht 
worden?" (Alma 5:21,27.) 

Ich bete darum, daß unsere Kleider 
durch das Blut Christi gesäubert 
werden mögen und daß wir in Sinn 
und Herz rufen: „Denn Zion muß 
zunehmen an Schönheit und Heilig- 
keit . . . und sich in seine schönen 
Gewänder kleiden." (LuB 82:14.) D 

FUSSNOTEN , 

1 . Zitiert von John Taylor, „The 
Organization of the Church", Millennial 
Star, 15. November 1851, Seite 339. 

2. Evelyn T Marshall, „Garments", in 
Encyclopedia ofMormonism, Hg. Daniel H. 
Ludlow, 5 Bände (1992), 2:534; 
Hervorhebung hinzugefügt. 

3. Encyclopedia ofMormonism, 2:534 f. 

4. „Sacred Vestments: A Preliminary 
Report", Foundation for Ancient Research 
and Mormon Studies (Stiftung für 
Altertumsforschung und Studien der 
Mormonen), 1986, Seite 13. 

5. Brief von der Ersten Präsidentschaft, 
3. Juli 1974. 

6. Brief von der Ersten Präsidentschaft, 
10. Oktober 1988. 

7. „Fashion and the Violation of 
Covenants and Duty", Improvement Era, 
August 1906, Seite 813. 

8. The Holy Temple (1980), Seite 75. 



SEPTEMBER 
39 



19 9 9 



DAS DORF O 




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LD DESERET 




Mit Ochsen, Gärten, freiwilligen 
Helfern in authentischer Kleidung und 
historisch bedeutsamen Gebäuden 
bietet das Dorf Old Deseret in Salt 
Lake City die einzigartige 
Möglichkeit, die Pioniervergangenheit 
lebendig werden zu lassen» 



Das Dorf Old Deseret befindet sich in der 
Nähe des Denkmals „Dies ist der Ort", der 
an den Einzug der Pioniere der Heiligen der 
Letzten Tage in das Salzseetal erinnern soll. Das Dorf 
besteht aus nachgebauten oder authentischen 
Häusern und Gebäuden aus den Jahren 1847 bis 
1869 und läßt die Vergangenheit wieder lebendig 
werden. Freiwillige Helfer in Pionierkleidung führen 
Besucher durch die Gebäude; in den umliegenden 
Pferchen und Ställen sieht man Tiere, und in den 
Gärten wächst Gemüse und blühen Blumen. 

Die Fotos auf den folgenden Seiten sollen den 
Leser in die staubigen Straßen des Dorfes Old 
Deseret entführen. Dort hören sie vielleicht den 
Hammer des Schmieds niederfahren, staunen über 
die Größe der Ochsen und fragen sich, wie so viele 
Menschen in einer einzigen Blockhütte leben 
konnten. Und vielleicht fühlen sie sich hinterher 
den engagierten Pionieren der Geschichte der 
Kirche noch enger verbunden. D 



Links, Hintergrund: Viele der ersten Pioniere, die in den 
Westen kamen, wohnten in Hütten aus getrockneten 
Lehmziegeln. So auch Mary Fielding Smith, die Witwe 
von Hyrum Smith, deren Hütte auf dem Foto zu sehen 
ist. Oben links, Einschub: In den ersten Pionierstädten gab 
es viele vorübergehend bewohnte Höhlenwohnungen wie 
auf diesem Foto. Unten ganz links: Freiwillige Helfer in 
authentischer Kleidung lassen das Dorf Old Deseret noch 
lebendiger erscheinen. Links, Einschub: Nachbau des 
Heber-East-Ward'Schulgebäudes aus dem Jahr 1865, das 
sowohl als Schule als auch als Gemeindehaus diente. 



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§ 




Erklärung zur Karte des Dorfes Old Deseret 



1. Laube 


14. Drogerie 


2. Gemeindehaus Pine 


15. Möbelgeschäft 


Valley 


16. Haus von Niels 0. 


3. Haus von Milo Andrus 


Anderson 


4. Blockhaus der Familie 


17. Mühle aus Fort Manti 


Ence 


18. Kleines Kaufhaus 


5. Heber-East-Ward- 


19. Bank 


Schulgebäude 


20. Barbier 


6. Tierunterstände 


21. Haus von John B. 


7. Savage-Stallungen 


Fairbanks 


8. Schmiede 


22. Dorfhalle 


9. Öffentliche Toiletten 


23. Haus von Samuel 


10. Gebäude der Zeitung 


Jewkes 


„Deseret News" 


24. Getreidespeicher 


11. Hotel Huntsman 


25. Haus von Charles C. Rieh 


12. Höhlenwohnungen 


26. Blockhütte von John W. 


13. Hütte von Mary Fielding 


Gardiner 


Smith 





Kiuuiiiiiii 




Oben links: Nachbau der Mühle, die 
1854 am Eingang des City Creek Canons 
vor Manti gebaut wurde. 1857 wurde sie 
in das Fort Manti versetzt. Links: Ein 
freiwilliger Helfer zeigt, wie die 
Drehbank im Möbelgeschäft funktio- 
niert. Oben: Nachbau des kleinen 
Kaufhauses, das Luther T. Tuttle um 
1850 in Manti errichtete. Oben: Der 
englische Einwanderer Samuel Jewkes 
baute dieses Fachwerkhaus aus schweren 
Kiefernholzbalken und Holzpflöcken. 



DIE HERAUSFORDE 




Ist es nicht 
wundervoll, bei der 
Verkündigung der 
Botschaft von der 
Wiederherstellung 
mithelfen zu 
dürfen? Bist du 
zum Dienen 
bereit? 



Eider L. Tom Perry 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Adam, Henoch, Noach, 
Abraham, Mose, Jesus 
Christus und Joseph Smith 
haben jeder eine neue Evan- 
geliumszeit eingeleitet, also eine Zeit, 
wo es auf der Erde mindestens einen 
vom Herrn bevollmächtigten Knecht 
gibt, der die Schlüssel des heiligen 
Priestertums innehat. Wenn der Herr 
eine Evangeliumszeit organisiert, wird 
das Evangelium von neuem offenbart, 
damit die Menschen, die in dieser 
Evangeliumszeit leben, nicht auf 
vorige Evangeliumszeiten angewiesen 
sind, was das Wissen um den 
Errettungsplan betrifft. Die Evan- 
geliumszeit, die mit Joseph Smith 
ihren Anfang genommen hat, wird 
auch als „Ausschüttung in der Zeiten 
Fülle" bezeichnet (siehe LuB 112:30). 
Die Evangeliumszeit, die mit 
der Wiederherstellung der Vollmachts- 
schlüssel an den Propheten Joseph 
Smith begann, wird bis zum Zweiten 
Kommen Christi dauern. Obwohl 
Vater Adam die Schlüssel aller 
Evangeliumszeiten innehat, führt 
Joseph Smith doch die Evangeliums- 
zeit der Fülle an, wo alle Schlüssel, 
Mächte und Herrlichkeiten vorange- 
gangener Evangeliumszeiten zusam- 
mengeführt werden. 

Die Lehren, die deutlich machen, 
wie wichtig die Evangeliumszeit der 
Fülle ist, müssen einem doch zwangs- 
läufig das Gefühl vermitteln, wie 
wundervoll es ist, zu dieser letzten 
Evangeliumszeit gehören zu dürfen, 
wo alles vollendet werden muß, um 
die Rückkehr unseres Herrn und 
Erretters vorzubereiten. Es muß uns 



DER 



am Herzen liegen, darüber nachzu- 
denken, welchen Platz wir in diesem 
Plan Gottes haben. 

Schauen wir uns die vergan- 
genen Zeiten und den Beginn einer 
neuen Ära in der Kirche an. Es ist 
unsere Pflicht, an der weiteren 
Bestimmung der Kirche mitzu- 
wirken. Ich glaube, wenn wir die 
Richtung einschlagen, die uns der 
derzeitige Prophet weist, dann wird 
das Wort des Herrn den Menschen 
auf der Erde kühner und mutiger 
verkündigt werden als je zuvor. 
Die Grundlage der Lehre ist gelegt; 
die Organisation ist vorhanden. 
Wir haben aus Kraftzentren eine 
Führungsmannschaft aufgebaut, die 
sich über die ganze Welt erstreckt. 
In einer Ansprache auf der 
Generalkonferenz im Oktober 1995 
hat Präsident Gordon B. Hinckley 
eine Aufforderung an uns alle 
gerichtet, die wir uns dem nächsten 
wichtigen Zeitabschnitt in der 
Evangeliumszeit der Fülle nähern. 
Er hat gesagt: 

„Wir sehen so viele um uns, die der 
Zukunft dieses Werkes gleichgültig 
gegenüberstehen, die apathisch sind, 
die auf Beschränkungen hinweisen, 
die Befürchtungen äußern und die 
ihre Zeit damit zubringen, das auszu- 
graben und über das zu schreiben, was 
sie als Schwächen betrachten, was 
aber ohne Bedeutung ist. Mit ihren 
Zweifeln hinsichtlich der 

Vergangenheit haben sie keine Vision 
für die Zukunft. . . . 

Es gibt keinen Platz in diesem 
Werk für den, der an ein Evangelium 

STERN 

44 






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RUNGANNEHMEN 




des Verderbens und Trübsinns 
glaubt. Das Evangelium ist die gute 
Nachricht. Es ist eine Botschaft des 
Triumphs. Es ist eine Sache, die man 
mit Begeisterung annehmen muß. 

Der Herr hat nie behauptet, daß es 
keine Schwierigkeiten geben werde. 
Die Heiligen haben Bedrängnisse 
jeder Art erfahren, als die Gegner 




Diese Evangeliumszeit begann mit der 
Wiederherstellung der Vollmachtsschlüssel 
an den Propheten Joseph Smith. Ihr habt 
die Möglichkeit, die Botschaft von der 
Wiederherstellung kraftvoller und 
eindringlicher zu verkündigen als jede 
Generation vor euch. 



SEPTEMBER 

45 



19 9 9 



dieses Werkes über sie kamen. Aber 
der Glaube hat ihnen durch all ihre 
Sorgen geholfen. Dieses Werk ist 
beständig vorangegangen und seit 
seinem Beginn keinen Schritt zurück- 
gewichen. . . . 

Wie herrlich ist doch die Vergan- 
genheit dieser großen Sache! Sie ist 
voll von Heldentum, Mut, Uner- 
schrockenheit und Glauben. Wie 
wundersam ist doch ihre Gegenwart, 
während wir voranschreiten, um den 
Menschen Segen zu bringen, wo auch 
immer sie der Botschaft der Knechte 
des Herrn Gehör schenken. Wie 
herrlich wird doch die Zukunft sein, 
wenn der Allmächtige sein herrli- 
ches Werk voranbringt und alle zum 
Guten berührt, die sein Evangelium 
annehmen und leben, seine ewigen 
Segnungen auf alle seine Söhne und 
Töchter aller Generationen durch 
die selbstlose Arbeit der Menschen 
ausdehnt, deren Herz von Liebe für 
den Erlöser der Welt erfüllt ist. . . . 

Ich lade jeden von Ihnen ein, wo 
auch immer Sie sich als Mitglied 
befinden: Stehen Sie fest auf den 
Beinen und gehen Sie mit einem 
Lied in Ihrem Herzen voran, leben 
Sie das Evangelium, lieben Sie den 
Herrn, und bauen Sie sein Reich 
auf." („Haltet den Kurs - haltet die 
Treue", Der Stern, Januar 1996, Seite 
64 f.) 

Ihr gehört zu dieser ganz beson- 
deren Generation. Es ist kein Zufall, 
daß ihr in diesem wichtigen 
Zeitabschnitt der Geschichte des 
Werkes des Herrn hier seid. Ihr habt 
die Möglichkeit, die Botschaft von der 
Wiederherstellung kraftvoller und 
eindringlicher zu verkündigen als jede 
Generation vor euch. Ihr seid für eure 



Zeit auf der Erde bewahrt und bereit- 
gemacht worden, damit ihr zum 
großen Heer des Herrn gehört und 
diesen Zeitabschnitt in den aufre- 
gendsten der Geschichte der 
Menschheit verwandelt, indem ihr 
den Kindern des himmlischen Vaters 
das Evangelium unseres Herrn und 
Erretters verkündet. Ihr seid für diese 
Aufgabe besser ausgebildet und 
geschult als jede andere Generation, 
die die Erde ererbt hat. Und wenn das, 
was ihr sagt, Eindruck machen und 
Gewicht haben soll, dann müßt ihr 
eure Worte durch eure Taten unter- 
mauern. Der Herr hat die Maßstäbe 
und Ideale festgelegt, nach denen ihr 
leben müßt, um seine Segnungen 
empfangen zu können. Die Welt müht 
sich heutzutage damit ab, die Vorteile 
zu verstehen, die das Leben nach den 
Maßstäben des Herrn mit sich bringt. 
Wenn wir so viel wie möglich über 
den Weg in Erfahrung gebracht haben, 
den wir beschreiten müssen, und auf 
dem Pfad zur Erlangung des ewigen 



Lebens vorangekommen sind, stehen 
wir den anderen Kindern des himmli- 
schen Vaters, die Hilfe brauchen, 
gegenüber in der Pflicht. Wenn man 
sich Erkenntnis vom Plan Gottes 
aneignet, so zieht dies viele Folgen 
nach sich - und mit am wichtigsten 
dabei ist, daß man ein feines Gespür 
für die hohe Schuld entwickelt, in der 
man bei Jesus Christus, dem Gott 
dieser Welt, steht. Der Errettungsplan 
kann nur funktionieren, wenn es 
einen Erlöser gibt. Diese Aufgabe hat 
Jesus Christus übernommen. Er hat 
für unsere Sünden gesühnt. Oder, um 
es mit Jesaja und Petrus auszu- 
drücken: „Durch seine Wunden sind 
wir geheilt." (Jesaja 53:5; siehe auch 1 
Petrus 2:24). 

Der Apostel Paulus bewies ein 
feines Gespür für diese hohe Schuld, 
als er in seinem Brief an die Römer 
schrieb: Ich ermahne „euch, meine 
Brüder, euch selbst als lebendiges und 
heiliges Opfer darzubringen, das Gott 
gefällt; das ist für euch der wahre und 




DER STERN 



46 




angemessene Gottesdienst". (Römer 
12:1.) 

Ich fordere euch auf, alle Kraft 
und Begeisterung zusammenzu- 
nehmen, die ihr aufbringen könnt, 
um die großartige Möglichkeit zu 
nutzen, die sich euch bietet. Hören 
wir noch einmal den Worten des 
Propheten Joseph Smith zu: „Sollen 
wir in einer so großartigen Sache 
nicht vorwärtsgehen? Geht vorwärts, 
nicht rückwärts! Mut, . . . und auf, 
auf zum Sieg! Laßt euer Herz sich 
freuen, und seid überaus froh! Laßt 
die Erde in Gesang ausbrechen! Laßt 
die Toten ewige Lobeshymnen auf 
den König Immanuel anstimmen, 
der, noch ehe die Welt war, das 
verordnet hat, was uns befähigt, sie 
aus ihrem Gefängnis zu erlösen; 
denn die Gefangenen sollen freige- 
lassen werden." (LuB 128:22.) 

Wir haben darum gebetet, daß 
den Führern der Länder das Herz 



erweicht werden möge, damit das 
Evangelium dort verkündet werden 
kann. Wir haben erlebt, wie sich 
buchstäblich Türen für uns geöffnet 
haben, die seit Generationen 
verschlossen waren. Die Botschaft 
der Kirche ist Freude und Errettung, 
und alle Bewohner der Erde müssen 
sie hören. Das Zeugnis, 

das Joseph Smith seinen Nachbarn 
oben im Staat New York gab, muß 
in vielen Sprachen erklingen und 
verkündigen, daß Gott lebt, daß 
Jesus der Messias ist, daß sein 
Evangelium aus alter Zeit wiederher- 
gestellt worden ist und daß die Kirche 
Jesu Christi wieder allen Menschen 
offensteht. Mögen wir die Heraus- 
forderung annehmen, die zu bewäl- 
tigen wir in der heutigen Zeit berufen 
worden sind. □ 

Nach einer Ansprache auf einer Fireside von 
CES am 5. Mai 1996. 

SEPTEMBER 1999 

47 



Wenn man sich Erkenntnis 
vom Plan Gottes aneignet, 
so entwickelt man auch 
ein feines Gespür für die 
hohe Schuld, in der man 
bei Jesus Christus, dem 
Gott dieser Welt, steht. 
Ich fordere euch auf, alle 
Kraft und Begeisterung 
zusammenzunehmen, 
die ihr aufbringen könnt, 
um diese großartige 
Möglichkeit zu nutzen. 




DURCH DEN GEIST ERBAUT 



Evcinir Cardoso 





Mein erster Unterricht als Institutslehrer 
war eine Katastrophe. Ich hatte 
mir eine ganze Woche Zeit 
genommen, um die Lektion vorzubereiten. 
Doch noch vor dem Unterricht vergaß ich 
alles, was ich sagen wollte, und so dauerte 
der eigentlich einstündige Unterricht gerade 
einmal eine halbe Stunde. 

Als der Zweigpräsident mich zum 
Institutslehrer des Zweigs Fatima im Pfahl 
Joinville in Brasilien berief, war ich mir 
meiner Fähigkeiten nicht sicher. Aber ich 
wollte die Berufung zum Dienen auch 
nicht ablehnen. Also bereitete ich mich vor, 
indem ich in der heiligen Schrift las und den 
himmlischen Vater um Hilfe bei meiner 
neuen Aufgabe bat. Aber nach dem ersten 
Unterricht fragte ich mich, 
ob ich wirklich aus dem 
Holz geschnitzt sei, aus 
dem Institutslehrer sein 
müssen. 
Doch trotz des ent- 
täuschenden Anfangs spürte ich eine Stimme 
in mir, die mir immer wieder sagte: „Gib nicht 
auf." Also vertiefte ich mich wieder in die 
heilige Schrift, fastete und betete um Hilfe, 
um meine Unzulänglichkeit zu überwinden. 

Als es soweit war, daß ich meinen zweiten 
Unterricht halten mußte, war ich noch immer 
schrecklich ängstlich. Ich fragte mich, warum 
ich den tröstenden Einfluß des Heiligen 
Geistes nicht spürte. Ich begrüßte alle, und 
dann sangen die Schüler das Anfangslied. 
Während des Lied tobte eine Schlacht in mir. 
Ob ich wohl in der Lage war, meine Aufgabe 
als Lehrer zu erfüllen? Ob der Herr meine 
Fähigkeiten wohl groß machen würde? Ob die 
Schüler wohl durch den Geist erbaut wurden? 





Als die Unsicherheit am größten war, 
schrie ich im Herzen: O Gott, wo bist du? 
Ich brauche deine Hilfe. 

Ein Schüler sprach das Anfangsgebet, 
und dann stand ich auf, um mit dem 
Unterricht zu beginnen. Während ich 
sprach, spürte ich den Geist und merkte, 
wie sich in mir unverzüglich eine 
Wandlung vollzog - ich war nicht mehr nervös, meine 
Stimme wurde ruhig, und die Worte strömten nur so aus 
mir heraus. Ich konnte mich an alles erinnern, was ich 
vorbereitet hatte. 

Als die Klasse zu Ende war, war 

ich sehr zufrieden mit dem 

Verlauf des Unterrichts. Ich 

war dem himmlischen Vater 

dankbar für seine Hilfe. Ich 

konnte gar nicht aufhören, ihm 

zu danken. 

Ich habe gemerkt, daß durch 

den Geist alle Schüler erbaut 

werden können. Wenn man eine 

Berufung annimmt und trotz 

aller Schwierigkeiten 

beharrlich bleibt, 

läßt der Herr einen 

nicht im Stich. D 





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Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen 
in das Boot, so daß es sich mit Wasser zu füllen begann. 
Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten 
ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, daß wir zugrunde gehen? 
Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei 
still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. 

Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen 
Glauben?" (Markus 4:37-40.) 



GERMAN 





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