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UMSCHLAGBILD 

Vorne: Foto von Eldon K. Linschoten. Hinten: Foto von 
Michael McRae. Siehe „Was Propheten über Keuschheit und 
Treue in der Ehe sagen", Seite 26, und „Wahre Grundsätze 
sittlicher Reinheit", Seite 30. 

UMSCHLAGBILD. KINDERSTERN 

Mascha Tsemskowa ist den Missionaren in ihrem Zweig, 
Adam Blodgett (links) und Samuel Drown, eine große Hilfe. 
Siehe „Mascha Tsemskowa aus Puschkin in Rußland", Seite 8 
(Fotos von Marvin K. Gardner.) 



MAGAZIN 

BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: SICH EIN HAUS FÜR DIE 
EWIGKEIT BAUEN PRÄSIDENT THOMAS S. MONSON 



DAS EVANGELIUM HAT UNSERE FAMILIE VERÄNDERT ALFIERO MORALLOS 
DIE UNVERGLEICHLICHEN GABEN ELDER JOHN B. DICKSON 

25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: DER GEIST GAB ZEUGNIS 

26 WAS PROPHETEN ÜBER KEUSCHHEIT UND TREUE IN DER EHE SAGEN 

30 WAHRE GRUNDSÄTZE SITTLICHER REINHEIT TERRANCE D. OLSEN 

44 STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGE: FREUDE DARIN FINDEN, 
DEM HERRN NACHZUFOLGEN 





FÜR JUNGE LEUTE 

1 SICH EMPORSCHWINGEN RICHARD M. ROMNEY 
40 MEIN GLAUBE WURDE GEPRÜFT TAYLOR HARTLEY 
43 HAST DU EINEN SCHLECHTEN TAG? SHANE R. BARKER 

KINDERSTERN 

2 VON FREUND ZU FREUND: ELDER CHARLES DIDIER 

4 ERZÄHLUNG: „MEINE LEHRERIN HATTE RECHT" CARMEN DE HERNÄNDEZ 

6 DAS MITEINANDER: LASS DEIN LICHT LEUCHTEN SYDNEY S. REYNOLDS 

8 FREUNDE IN ALLER WELT: MASCHA TSEMSKOWA AUS PUSCHKIN IN RUSSLAND 

MARVIN K. GARDNER 

1 2 KRABBELSACK MIT GESCHICHTEN AUS DEM NEUEN TESTAMENT 

CORLISS CLAYTON 

1 4 VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN 

SO LEBEN, DASS MAN DEM HERRN NAHE IST MATTEO DUCA 
MEINE ELTERN EHREN GERMÄN ANDRES TOVAR CONTRERAS 
NEUN JAHRE ALT UND SCHON MISSIONAR ASHLEY CALLISTER 

1 6 LIED: GEBURTSTAG FEIERN WALLACE F. BENNETT UND TRACY Y CANNON 




SIEHE SEITE 18 SIEHE SEITE 44 



SIEHE SEITE 30 



SIEHE SEITE 10 




OKTOBER 1999 125. Jahrgang Nummer 10 

DER STERN 99990 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 

Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, 

M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 

Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Marlin K. Jensen 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

Geschäftsführender Direktor: Ronald L. Knighton 

Direktor Planung und Redoktion: Richard M. Romney 

Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 

Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 

Redakteur: Roger Terry 

Co-Redakteurin: Jenifer Greenwood 

Koordinatorin Redaktion/Produktion: Beth Dayley 

Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Redaktionsassistentin: Peter B. Gardner 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Designer: Thomas S. Child, Tadd R. Peterson 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Kari A. Couch, 

Thomas S. Groberg, Denise Kirby, Jason L. Mumford, 

Deena L. Sorenson 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Lokalteil: 

Beatrice Kopp-Blaser 

Hauptstr. 41, CH-4566 Kriegstetten, Schweiz 

Tel.: (Schweiz)-(O) 32-6753334 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestr. 21, D-61381 Friedrichsdorf 

Leserservice: 

Tel.: (06172) 7103-23; Fax: (06172) 7103-44 

Jahresabonnement: 

DEM 21,00; ATS 147,00; CHF 21 ,00 

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig 

oder auf eines der folgenden Konten: 

D Commerzbank Frankfurt, 

Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00 

A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank 

Konto-Nr. 004-52602 

CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 

Konto-Nr. 30-301,363.0 

Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch Der 
Stern, erscheint auf albanisch, bulgarisch, cebuano, 
chinesisch, dänisch, deutsch, englisch, estnisch, fidschi, 
finnisch, französisch, japanisch, kiribati, koreanisch, 
lettisch, litauisch, norwegisch, polnisch, portugiesisch, 
rumänisch, russisch, samoanisch, spanisch, schwedisch, 
tagalog, tahitisch, thai, tongaisch, tschechisch, 
ungarisch, ukrainisch und vietnamesisch. (Erscheinen 
variert nach Sprache.) 

© 1999 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved. 
Printed in the United States of America. 

For Readers in the United States and Canada: 

October l OCl 9vol. 125 no. 10. DER STERN (ISSN 1044- 
338X) is published monthly by The Church of Jesus Christ 
of Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, 
UT 84150. USA subscription price is $10.00 peryear; 
Canada, $15.50 plus applicable taxes. Periodicals 
Postage Paid at Salt Lake City, Utah. Sixty days' notice 
required for change of address. Include address label from 
a recent issue; old and new address must be included. 
Send USA and Canadian subscriptions and queries to Salt 
Lake Distribution Center at address below. Subscription 
help line: 1 -800-537-5971 . Credit card Orders (Visa, 
MasterCard, American Express) may be taken by phone. 

POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake 
Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 84126-0368. 



LESERBRIEFE 



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DIE ZEITSCHRIFT DER KIRCHE IN 
BIBLIOTHEKEN AUSLEGEN 

Als ich den Artikel „Eine Zeitschrift für 
die ganze Welt" in der Oktoberausgabe 
1998 von Seito no Michi (japanisch) las, 
nahm ich mir vor, die Anregung, daß der 
Zweig der öffentlichen Bibliothek eine 
Ausgabe der Zeitschrift der Kirche zur 
Verfügung stellen solle, in die Tat umzu- 
setzen. Es gelang mir auch, ein Exemplar in 
der Bibliothek unterzubringen, und zwar 
deswegen, weil die Missionarinnen ehren- 
amtlich dort arbeiten und die Missionare 
immer so höflich sind. Hoffentlich wird es 
dort von vielen Menschen gelesen. 

Satsuki Sato, 
Zweig Nemuro, 
Pfahl Kushiro, Japan 

„ICH MUSS IMMER AN SEIN OPFER DENKEN" 

Während der Ostertage 1998 bekam 
ich den Riahona (kiribatisch) . Wenn ich 
darin las, spürte ich die Liebe, die Gott für 
uns empfunden haben muß, als er Jesus 
Christus als Opfer für unsere Sünden 
darbrachte. Das kann ich nicht vergessen; 
ich muß immer an sein Opfer denken, das 
mir Kraft gibt und mich geistig erbaut. 
Deshalb habe ich mir auch fest vorge- 
nommen, in seinem Reich zu arbeiten, und 
ich bete darum, daß er sich voller Güte 
und Liebe meiner annehmen möge. 

Roaineta I. Boboia, 
Gemeinde Bikenibeu, 
Pfahl Tarawa, Kiribati 



HILFE IN SCHWIERIGEN AUGENBLICKEN 

Ich empfinde es wahrhaft als großen 
Segen, daß ich den Liahona (spanisch) lesen 
darf. Vor allem die Botschaften von der 
Ersten Präsidentschaft erbauen mich immer 
sehr. Jedesmal, wenn ich darin lese, empfinde 
ich unglaublichen inneren Frieden. So etwas 
habe ich vorher noch nie gespürt. Ich kann 
den Einfluß des Heiligen Geistes spüren, 
wenn unser Prophet zu uns spricht. 

Außerdem lese ich auch gerne die 
Artikel, in denen von Mitgliedern auf der 
ganzen Welt erzählt wird, vor allem die 
Rubrik „Ich habe eine Frage". Diese Rubrik 
zeigt uns jungen Heiligen der Letzten Tage, 
wie wir uns unseren Problemen stellen 
müssen. Diese Zeitschrift ist mir eine Hilfe 
in schwierigen Augenblicken. 

Raul Soliz Chavarria, 
Gemeinde Oruro, 
Pfahl Oruro, Bolivien 

WIR BRAUCHEN GESCHICHTEN VON 
MISSIONARS-EHEPAAREN 

Haben Sie zusammen mit Ihrem Mann bzw. Ihrer 
Frau eine Mission erfüllt? Möchten Sie in diesem 
Fall die Leser der Zeitschrift der Kirche gerne an 
Ihren Erfahrungen teilhaben lassen? Wir brauchen 
noch Geschichten, in denen es um das Dienen geht 
und in denen deutlich wird, wie sehr Sie gesegnet 
worden sind, weil Sie eine Mission erfüllt haben, 
wie Sie sich Hindernissen entgegengestellt und sie 
bewältigt haben, was Sie für hilfreich halten, um 
die Berufung so gut wie möglich zu erfüllen, und 
was Sie anderen Paaren raten würden, die über 
eine Mission nachdenken. Dabei ist es unerheblich, 
in welchen Bereichen Sie tätig waren - ob Sie 
missioniert, humanitären Dienst, Dienst in der 
Kirche oder Ahnliches geleistet haben. Bitte geben 
Sie den vollen Namen aller Personen an, die in 
Ihrem Artikel erwähnt werden, außerdem Ihre 
Anschrift, Telefonnummer sowie Ihre Gemeinde 
und Ihren Pfahl (bzw. Zweig und Distrikt). 
Senden Sie Ihren Artikel und nach Möglichkeit 
auch Fotos an Couple Missionary Service, 
International Magazine, 50 East North Temple 
Street, Salt Lake City, UT 84150-3223, USA. 
Sie erreichen uns auch per e-mail an CUR- 
Liahona-IMag@ldschurch.org. 



OKTOBER 
1 



19 9 9 



BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT 



SICH EIN HAUS FÜR 
DIE EWIGKEIT BAUEN 

Präsident Thomas S. Monson W Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 




ls Jesus über die staubigen Wege der Städte und Dörfer 
schritt, die wir heute ehrfurchtsvoll als das Heilige Land 
bezeichnen, und seine Jünger in der Nähe des schönen 
Galiläa unterwies, sprach er oft in Gleichnissen, also in einer Sprache, die die 
Menschen am besten verstanden. Oft ging er dabei auch auf den Bau eines 
Hauses ein und setzte ihn in Bezug zu seinen Zuhörern. 

Er verkündete: „Keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist, 
wird Bestand haben." 1 Später mahnte er: „Siehe, mein Haus ist ein Haus der 
Ordnung, . . . und nicht ein Haus der Verwirrung." 2 

In einer Offenbarung, die am 27. Dezember 1832 in Kirtland in Ohio an 
den Propheten Joseph Smith erging, sagte der Meister: „Organisiert euch, 
bereitet alles vor, was nötig ist; und errichtet ein Haus, nämlich ein Haus des 
Betens, ein Haus des Fastens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des Lernens, 



ein Haus der Herrlichkeit, ein Haus der Ordnung, ein Haus Gottes 



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Wo könnte man einen besseren Plan finden, anhand dessen man klug und 
durchdacht ein Haus bauen könnte, das man die ganze Ewigkeit hindurch 

OKTOBER 1999 




„Organisiert euch; 

bereitet alles vor, was 

nötig ist; und errichtet ein 

Haus, nämlich ein Haus 

des Betens, ein Haus des 

Fastens, ein Haus des 

Glaubens, ein Haus des 

Lernens, ein Haus der 

Herrlichkeit, ein Haus 

der Ordnung, ein 

Haus Gottes." 



bewohnt? Ein solches Haus entspräche den in Matthäus 
genannten Richtlinien - ja, es wäre ein Haus, das „auf 
Fels" 4 gebaut ist, ein Haus, das den Wassermassen des 
Unglücks, den Fluten des Widerstands und den Winden 
des Zweifels standhalten kann, die in unserer schwierigen 
Welt allgegenwärtig sind. 

Man mag nun einwenden: „Aber diese Offenbarung 
bezog sich doch auf den Bau eines Tempels. Ist sie heute 
überhaupt noch von Bedeutung?" 

Dem würde ich entgegenhalten: „Hat der Apostel 
Paulus nicht gesagt: ,Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes 
Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?'" 5 

Wenn wir die Bauanleitung auf unsere Verhältnisse 
anwenden, wissen wir den göttlichen Rat des Meisters, 
der ja die Welt erschaffen hat, nämlich unseres Herrn 
und Erretters, Jesus Christus, vielleicht besser zu 
schätzen. 

Der inspirierte Bauplan legt uns als allererstes ans 
Herz, daß unser Haus ein Haus des Betens sein soll. Der 
Herr hat erklärt: 

„Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie 
stellen sich beim Beten gern ... an die Straßenecken, 
damit sie von den Leuten gesehen werden. . . . 

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und . . . 
bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. . . . 

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die 
Heiden. . . . 

So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name 
werde geheiligt, 

dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im 
Himmel, so auf der Erde. 

Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. 

Und erlaß uns unsere Schulden, wie auch wir sie 
unseren Schuldnern erlassen haben. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns 
vor dem Bösen." 6 

Dieses Element des Planes kann man schon sehr 
kleinen Kindern verständlich machen. Als unser ältester 
Sohn etwa drei Jahre alt war, knieten seine Mutter und 
ich uns abends gewöhnlich zum Beten mit ihm nieder. 
Ich war damals Bischof unserer Gemeinde, und eine 
Schwester namens Margaret Lister war schwer an Krebs 
erkrankt. Jeden Abend beteten wir für Schwester Lister. 



DER 



Eines Abends sprach unser kleiner Sohn das Gebet 
und brachte dabei den Wortlaut des Gebets und den 
Text eines Kinderbuches durcheinander. Er fing an: 
„Himmlischer Vater, bitte segne Schwester Lister, Henny 
Penny, Chicken Licken, Turkey Lurkey und all die 
anderen." Wir mußten unwillkürlich lächeln. Später 
aber, als Schwester Lister wieder ganz gesund wurde, 
waren wir sehr demütig gestimmt. Wir würdigen das 
Gebet eines Kindes nicht herab. Denn immerhin waren 
unsere Kinder noch vor kurzem beim himmlischen Vater, 
im Gegensatz zu uns. 

Unser Haus soll also ein Haus des Betens sein. 

Unser Haus soll auch ein Haus des Fastens sein. Dieser 
Teil des Plans wird an einer Stelle des Buches Jesaja deut- 
lich, wo wirkliches Fasten erklärt wird: „Das ist ein 
Fasten, wie ich es liebe: . . . 

an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdach- 
losen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen 
Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen 
Verwandten nicht zu entziehen." 

Und was ist der Lohn dafür? „Dann wird dein Licht 
hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden 
werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir 
voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. 

Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, 
und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin 
ich. . . . 

Wenn du . . . dem Hungrigen dein Brot reichst und den 
Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht 
auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. 

Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren 
Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. ... Du 
gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren 
Wasser niemals versiegt." 7 

Unser Haus soll also ein Haus des Fastens sein. 

Unser Haus soll auch ein Haus des Glaubens sein. 
Jakobus schreibt: 

„Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll 
er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn 
er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf. 

Wer bittet, soll aber voll Glauben bitten und nicht 
zweifeln; denn wer zweifelt, ist wie eine Welle, die vom 
Wind im Meer hin und her getrieben wird." 8 

STERN 

4 




Als Präsident Brown sich erhob, um eine Ansprache zu 
halten, verschwand die Sonne hinter einigen Wolken, 
die inzwischen aufgezogen waren. Dann hörten wir es 
donnern und sahen einen Blitz zucken. Die Himmel 
taten sich auf. Es begann zu regnen. Die Dürre war 
vorüber. 

Wie sich ein solch fester Glauben in die Tat umsetzen 
läßt, wird an Nephi und seiner bewegenden Aussage 
deutlich: „Ich will hingehen und das tun, was der Herr 
geboten hat." 9 Er wankte nicht, sondern glaubte. Gibt es 
heute noch jemanden mit solchem Glauben? 

Vor einigen Jahren begleitete ich Präsident Hugh B. 
Brown (1883-1975), einen Ratgeber in der Ersten Präsi- 
dentschaft, auf einer Reise durch die Mission Samoa. Die 
Mitglieder und die Missionare in Amerikanisch-Samoa 
hatten uns im Vorfeld schon erklärt, daß eine schwere 
Dürre zu so starker Wasserknappheit geführt hatte, daß 
unsere Gemeindehäuser und unsere Schule geschlossen 
werden mußten, wenn es nicht bald Regen gab. Sie baten 
uns, unseren Glauben mit dem ihren zu vereinen. 

Als wir den Flughafen in Pago Pago verließen und uns 
auf den Weg zur Schule in Mapusaga machten, konnten 
wir überall die Auswirkungen der Dürre sehen. Die 
Sonne strahlte hell vom Himmel; nicht eine einzige 
Wolke war am azurblauen Himmel zu sehen. Die 
Mitglieder waren glücklich, als die Versammlung begann. 



Der Bruder, der das Anfangsgebet sprach, dankte dem 
himmlischen Vater dafür, daß wir gut angekommen 
waren, und zwar in dem Bewußtsein, daß wir irgendwie 
den ersehnten Regen bringen würden. Als Präsident 
Brown sich erhob, um eine Ansprache zu halten, 
verschwand die Sonne hinter einigen Wolken, die inzwi- 
schen aufgezogen waren. Dann hörten wir es donnern 
und sahen einen Blitz zucken. Die Himmel taten sich auf. 
Es begann zu regnen. Die Dürre war vorüber. 

Als wir später am Flughafen auf den kurzen Flug nach 
West-Somoa warteten, sagte der Pilot der kleinen 
Maschine zum Bodenpersonal: „Das ist die merkwür- 
digste Wettererscheinung, die ich je gesehen habe. Nicht 
eine einzige Wolke am Himmel, abgesehen einmal von 
der Mormonenschule in Mapusaga. Das ist mir einfach 
unerklärlich!" 

Präsident Brown sagte zu mir: „Das ist die Gelegen- 
heit. Erklären Sie es ihm." Und das tat ich auch. 

Unser Haus ist ganz sicher ein Haus des Glaubens. 

Unser Haus soll auch ein Haus des Lernens sein. Der 
Herr hat gesagt: „Sucht Worte der Weisheit aus den 
besten Büchern; trachtet nach Wissen, ja, durch Lern- 
eifer und auch durch Glauben." 10 Er mahnte: „Kommt 
alle zu mir, . . . lernt von mir; ... so werdet ihr Ruhe finden 
für eure Seele." 11 Keine andere Suche nach Wissen 
verspricht uns solchen Lohn. 

Unser Haus soll also ein Haus des Lernens sein. 

Unser Haus soll auch ein Haus der Herrlichkeit sein. 
Damit unser Haus aber ein Haus der Herrlichkeit sein 
kann, müssen wir mit Gott im reinen und zu unseren 
Mitmenschen und auch zu uns selbst ehrlich sein. Man 
kann nicht etwas ganz anderes vorgeben, als man in 
Wirklichkeit ist. Samuel Clemens, besser bekannt unter 
dem Namen Mark Twain, läßt uns von Huckleberry Finn 
etwas sehr Wichtiges lernen. Huckleberry Finn sagt: 

„Das ließ mich erzittern. Und ich nahm mir vor zu 
beten; ich wollte sehen, ob ich nicht vielleicht aufhören 
konnte, der Junge zu sein, der ich war, und ein besserer 
Mensch sein konnte. Also kniete ich nieder. Aber die 
Worte wollten nicht kommen. Warum nur nicht? Es 
hatte keinen Sinn, es zu versuchen und vor Gott zu 
verbergen. . . . Ich wußte sehr gut, warum die Worte nicht 
kommen wollten. Es lag daran, daß ich ein falsches Spiel 



OKTOBER 

5 



19 9 9 




Der Mann im sechsten Bett antwortete: „Wir wissen 
nicht viel über die Mormonenkirche, aber wir haben 
viel über unseren Freund erfahren; und heute fasten 
wir für ihn." 

trieb. Ich tat zwar nach außen so, als ob ich von der 
Sünde lassen wollte, aber tief im Innern klammerte ich 
mich an der größten Sünde von allen fest. Ich versuchte, 
meinen Mund sagen zu lassen, ich würde das Richtige 
und das Anständige tun. . . . Aber tief im Innern wußte 
ich, daß es eine Lüge war, und Gott wußte das auch. Man 
kann keine Lüge beten - das habe ich gemerkt." 12 

Jemand hat einmal gesagt: „Beständigkeit ist eine 
Zier." 13 Wer beständig Gutes tut, kann sich ein Haus der 
Herrlichkeit schaffen. 

Unser Haus soll auch ein Haus der Ordnung sein. 
„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem 
Himmel gibt es eine bestimmte Zeit", schrieb Kohelet, 
der Prediger. 14 Das gilt auch für unser Leben. Wir 
müssen Zeit für unsere Familie, Zeit für unsere Arbeit, 
Zeit zum Lernen, Zeit zum Dienen, Zeit zur Entspan- 
nung und Zeit für uns selbst schaffen, vor allem aber Zeit 
für Christus. 

Dann ist unser Haus ein Haus der Ordnung. 

Und schließlich soll unser Haus ein Haus Gottes sein. 
Ein solches Haus zeichnet sich durch reine Gedanken, 
edle Absichten, ein williges Herz und fleißige Hände aus. 



Der Herr läßt uns in unserem Bemühen nicht allein, 
sondern steht uns immer hilfreich zur Seite. 

Vor einigen Jahren durfte ich als Missionspräsident 
dienen und lernte so mehr als vierhundert Missionare 
ziemlich gut kennen. Wir hatten einen jungen Missionar, 
der sehr krank war. Nachdem er mehrere Wochen im 
Krankenhaus gelegen hatte, bereitete sich der Arzt auf 
eine ungeheuer schwierige Operation vor und bat darum, 
nach den Eltern des Missionars zu schicken. Er ließ uns 
wissen, daß zumindest die Gefahr bestand, der Patient 
könne den Eingriff nicht überleben. 

Die Eltern kamen. Spätabends gingen der Vater und 
ich in das Krankenzimmer in Toronto in Kanada, legten 
dem jungen Missionar die Hände auf und gaben ihm 
einen Segen. Was nach diesem Segen geschah, war mir 
ein Zeugnis. 

Der Missionar lag im Krankenhaus in einem Zimmer, 
in dem sechs Betten standen. Die anderen fünf Betten 
waren von Männern belegt, die an verschiedenen Krank- 
heiten litten. Am Morgen, als die Operation stattfinden 
sollte, war das Bett des Missionars leer. Die Kranken- 
schwester kam mit dem Frühstück für die Männer ins 
Zimmer. Sie brachte dem Patienten im ersten Bett das 
Frühstück und sagte: „Heute morgen gibt es Spiegeleier, 
und für Sie habe ich eine Extra-Portion." 

Der Mann im ersten Bett hatte sich mit seinem 
Rasenmäher verletzt. Wenn man von seinem kranken 



DER STERN 



Zeh absah, war er eigentlich ganz gesund. Er sagte zur 
Krankenschwester: „Ich esse heute morgen nichts." 

„Na gut, dann geben wir Ihr Frühstück eben dem Pati- 
enten im nächsten Bett." 

Als sie auf diesen Patienten zutrat, sagte er: „Ich 
glaube, ich esse heute morgen auch nichts." 

Jeder der fünf Männer verzichtete auf sein Frühstück. 
Die Krankenschwester rief: „Sonst könnt ihr morgens gar 
nicht genug zu essen bekommen, und heute wollt ihr alle 
nichts. Was ist denn bloß los?" 

Da antwortete der Mann im sechsten Bett: „Sie sehen 
doch, daß das dritte Bett leer ist. Unser Freund wird 
heute morgen operiert. Er braucht alle Hilfe, die er 
bekommen kann. Er ist Missionar für seine Kirche, 
und während wir hier im Bett gelegen haben, hat er uns 
die Grundsätze seiner Kirche erklärt - das Beten, den 
Glauben und das Fasten, wodurch man den Herrn um 
Segnungen anruft." Dann erklärte er weiter: „Wir wissen 
nicht viel über die Mormonenkirche, aber wir haben viel 
über unseren Freund erfahren; und heute fasten wir für 
ihn." 

Die Operation gelang. Als ich den Arzt bezahlen 
wollte, wehrte er ab: „Es wäre unehrlich von mir, wenn 
ich ein Honorar nehmen würde. Nie zuvor habe ich eine 
Operation durchgeführt, wo eine höhere Macht mir die 
Hände zu führen schien. Nein", sagte er, „ich nehme 
doch kein Honorar für eine Operation, bei der mir 
jemand hoch oben buchstäblich die Hände geführt hat." 

Das ist ein Haus Gottes. 

Dies also ist unser Bauvorhaben. Wir sind Baumeister 
eines ewigen Hauses, ja, eines Gottestempels. 15 

„Organisiert euch; bereitet alles vor, was nötig ist; und 
errichtet ein Haus, nämlich ein Haus des Betens, ein 
Haus des Fastens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des 
Lernens, ein Haus der Herrlichkeit, ein Haus der 
Ordnung, ein Haus Gottes." 16 

Dann sagt der Herr, der unser Bauvorhaben sozusagen 
beaufsichtigt, eines Tages vielleicht das gleiche zu uns, 
was er Solomo, einem Baumeister einer anderen Epoche, 
einmal sagte: „Ich habe . . . dieses Haus, das du gebaut 
hast, geheiligt. Meinen Namen werde ich für immer 
hierher legen, meine Augen und mein Herz werden alle- 
zeit hier weilen." 17 



Mögen wir uns an den von Gott vorgegebenen Plan 
halten. Möge es uns gelingen, uns ein Haus für die 
Ewigkeit zu bauen. D 

FUSSNOTEN 

1. Matthäus 12:25. 

2. LuB 132:8. 

3. LuB 88:119. 

4. Matthäus 7:24. 

5. 1 Korinther 3:16. 

6. Matthäus 6:5-7,9-13. 

7. Jesaja 58:6-11. 

8. Jakobus 1:5,6. 

9. 1 Nephi 3:7. 

10. LuB 88:118. 

11. Matthäus 11:28,29. 

12. Adventures of Huckleberry Finn, 1985, Seite 306 f., 
Hervorhebung hinzugefügt. 

13. The Home Book of Quotations, Burton Stevenson Hg., 
1934, Seite 304. 

14. Kohelet3:l. 

15. Siehe 1 Korinther 3:16. 

16. LuB 88:119. 

17. 1 Könige 9:3. 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. Der Herr Jesus Christus hat den Aufbau eines 
rechtschaffenen Lebens mit dem Bau eines Hauses 
verglichen - vor allem mit dem Bau eines Gotteshauses, 
nämlich eines Tempels. 

2. Er hat uns ermahnt, uns ein Haus für die Ewigkeit 
zu bauen: 

■ ein Haus des Betens, 

■ ein Haus des Fastens, 

■ ein Haus des Glaubens, 

■ ein Haus des Lernens, 

■ ein Haus der Herrlichkeit, 

■ ein Haus der Ordnung, 

■ ein Haus Gottes. 

3. Wenn wir das tun, sagt der Herr eines Tages viel- 
leicht zu uns: „Ich habe . . . dieses Haus, das du gebaut 
hast, geheiligt. Meinen Namen werde ich für immer 
hierher legen, meine Augen und mein Herz werden alle- 
zeit hier weilen." (1 Könige 9:3.) 



OKTOBER 1999 



7 



DAS EVANGELIUM 
HAT UNSERE FAMILIE 



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VERÄNDERT 



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Alfiero Morallos 

ILLUSTRATION VON DILLEEN MARSH 

Vor dem Februar 1997 hätte man 
unsere Familie mit einem tiefen 
Fluß vergleichen können: an 
der Oberfläche sah das Wasser ruhig 
aus, aber tief unten tobten die Strudel. 
Wenn Schwierigkeiten auftraten, 
gab ich in der Regel meiner Frau daran 
die Schuld. Ich fand, daß sie an 
unseren Problemen schuld war, und 
deshalb hatte ich für alles, was ich tat 

- auch für die Suche nach einer neuen 
Partnerin - eine gute Ausrede parat. 
Meiner Meinung nach durfte meine 
Frau sich nicht über mein Verhalten 
beklagen, denn ich sorgte ja für den 
Lebensunterhalt unserer Familie. 

Eines Tages im Februar klopfte es 
an unserer Tür in Tacloban, Leyte, 
auf den Philippinen. Als ich aus dem 
Fenster schaute, sah ich zwei Fremde 

- junge Frauen, von denen jede ein 
Namenschild trug. Mir war klar, daß 
es sich um Missionarinnen der 
Heiligen der Letzten Tage handeln 
mußte. Weil ich mich auf ein Streit- 
gespräch freute, ließ ich sie eintreten. 
Als ich sie bat, sich zu setzen, war ich 
richtig in Kampfeslaune. Ich war fest 
entschlossen, ihnen eine große 
Enttäuschung zu bereiten, ließ mir 











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' - 



Im Uhrzeigersinn, von links 

nach rechts: Alfiero und 

Estrella Morallos mit ihren 

Kindern Carina, dreizehn 

Jahre alt, Isobel, elf Jahre 

alt, Alessandra, sechs Jahre 

alt, und Silvestre, neun 

Jahre alt. 



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■ 








aber nichts anmerken. Ich tat so, als 
ob ich aufmerksam zuhörte, wartete 
aber nur auf den Zeitpunkt, meine 
Argumente so eindrucksvoll wie 
möglich vorzutragen. Doch als ich an 
der Reihe war, gab es nichts zu 
streiten. Ich konnte dem, was die 
Missionarinnen gesagt hatten, nur 
zustimmen. 

Die Missionarinnen wollten mit 
mir einen neuen Termin vereinbaren, 
und ich war einverstanden. Als sie 
gegangen waren, wich der innere 
Friede, den ich gespürt hatte, und 
meine negative Einstellung gewann 
bald wieder die Oberhand. Ich hatte 
Angst davor, mich noch einmal mit 
den Missionarinnen zu treffen. Aber 
ich hielt unseren Termin ein, und mit 
jedem neuen Besuch enthüllten sich 
mehr Ideale und Wahrheiten, die bei 
meiner vergeblichen Suche nach 
Erfolg auf der Strecke geblieben 
waren. Jedesmal, wenn die Missiona- 
rinnen gingen, hielt der innere Friede, 
den ich empfand, länger an. Und es 
dauerte gar nicht lange, bis ich mich 
auf die Besuche der Schwestern freute. 

Die Lehren der Missionarinnen, 
die heiligen Schriften und der 



Lesestoff, den sie mir gaben, waren 
wie ein Mikroskop, mit dem ich 
mein Leben gründlich zu betrachten 
begann. Mir wurde bewußt, daß ich 
mich nur mit der einen Hälfte 
meiner Ehe beschäftigt hatte, 
nämlich mit der Rolle meiner Frau, 
und daß ich nur das Schlechte hatte 
sehen wollen. Aber jetzt, wo ich 
mein Leben ganz neu im Licht der 
Lehren Jesu Christi sehen konnte, 
wurde mir auch die zweite Hälfte 
meiner Ehe zunehmend deutlicher 
vor Augen geführt, nämlich meine 
eigene Rolle. Und die war noch 
schlechter. 

In der Proklamation über die 
Familie heißt es: „Ein glückliches 
Familienleben kann am ehesten 
erreicht werden, wenn die Lehren 
des Herrn Jesus Christus seine 
Grundlagen sind." (Der Stern, 
Oktober 1998, Seite 24.) Ich bin 
sehr froh und dankbar, daß der Herr 
mir die Möglichkeit zur Umkehr 
gegeben hat. Ich danke ihm auch für 
die Missionarinnen, die bereitwillig 
zum Werkzeug in seiner Hand 
wurden, damit meine Familie das 
Evangelium annehmen und dadurch 



wie ein Teich werden konnte - durch 
und durch ruhig und friedlich, niqH| 
nur an der Oberfläche. D 




SPRECHEN WIR DARÜBER 

Denken Sie einmal über die 
folgenden Fragen und Anregungen 
nach, die deutlich machen, wie sich 
dieser Artikel auf den Familienabend, 
den Unterricht in der Kirche oder Sie 
ganz persönlich beziehen lassen könnte: 

• Wäre Ihnen wohl, wenn Jesus 
Christus das Verhalten innerhalb 
Ihrer Familie beobachten könnte? 
Was können Sie anders machen? 

• Welche Evangeliumsgrundsätze 
können Ihnen helfen, ein besseres 
Verhältnis zu Ihren Angehörigen und 
zu anderen Menschen aufzubauen? 
Entscheiden Sie sich für einen 
Grundsatz, an dem Sie in der 
kommenden Woche arbeiten werden. 

• Lesen Sie während des Fami- 
lienabends die Proklamation über die 
Familie, und besprechen Sie, wie sich 
das Verhältnis innerhalb Ihrer 
Familie verbessern lassen könnte. 
(Siehe *Die Familie: Eine Proklama- 
tion an die Welt", Der Stern, Oktober 
1998, Seite 24.) 




OKTOBER 1999 



SEIT DIE HIER ABGEBILDETEN JUNGEN MENSCHEN IN 



DER UKRAINE DAS EVANGELIUM KENNEN, 



BREITEN SIE IHRE FLÜGEL AUS UND 



SCHWINGEN SICH EMPOR 




Richard M. Romney 

FOTOS VOM VERFASSER 





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| endlern fällt die Statue 
hinten im Bahnhof 
von Kiew in der 
Ukraine kaum auf. Sie zeigt eine 
Frau, die gerade im Begriff ist, drei 
Tauben freizulassen. Diese Statue wurde 
zwar vor vielen Jahren unter der Herr' 
schaft eines anderen Regimes geschaffen, 
ist jetzt aber ein Symbol für die Zukunft 
des Landes. Außerdem könnte man sie 
auch als Symbol für die jungen Heiligen 
der Letzten Tage in der 
Ukraine verstehen. Wie die 
Tauben probieren auch sie 
ihre Flügel aus und beten 
darum, daß der Wind der 
Freiheit ihnen Auftrieb gebe 
und sich das wiederherge- 
stellte Evangelium in ihrem 
Land verbreiten möge. 



EINEN SCHRITT NACH VORNE 

„Schlüpf doch einmal in 
diesen Schuh", sagte 
Tatjana Mutilina, die Semi- 
narlehrerin, und hielt 
dabei einen Stiefel in der 
Hand, der für Goliat 



gemacht zu sein schien. Angelika Kowalowa, ihre 
Schülerin, schiebt vorsichtig den Fuß hinein. 

„Und jetzt", sagte die Lehrerin, „stell 
den Stiefel hier auf den Tisch, damit 
alle ihn sehen können." 
Damit war die Aufmerksamkeit 
der Schüler geweckt. 
„Wenn du auf Reisen gehst, darfst du 
keine Schuhe tragen, die dir nicht 
passen", sagte Schwester Mutilina. Dann 
nahm sie mit den Jugendlichen des Zweigs 
Karkowsky eine eindrucksvolle Lektion aus 
dem Seminarleitfaden durch, las Schriftstellen 
vor, beantwortete Fragen und gab Zeugnis davon, 
wie wichtig es ist, daß man bereit ist, wenn der Herr 
einen ruft. 

Und warum das alles? „Die Kirche in der Ukraine 
braucht junge Menschen wie uns, um in der Zukunft 
voranzukommen", erklärt Angelika. „Wir müssen uns für 
diese Aufgabe bereitmachen." 

„Alles ist ganz anders, wenn man Mitglied der 
Kirche ist", meint Galina Trohemenko aus dem Zweig 
Swjatoschino. „Es bedeutet, daß man nach Maßstäben 
lebt, nach denen die anderen nicht leben. Das hat 
mich übrigens an der Kirche als erstes so fasziniert. Ich 
habe eine Freundin, die Mitglied ist, und sie und ihre 
Familie leben nach hohen Maßstäben. Ich wollte 
einfach mehr darüber wissen. Jetzt bin ich selbst 
Mitglied und muß den Menschen in meiner Umgebung 
ein Beispiel geben." 




Galina Trohemenko mit ihrer Mutter und ihren Brüdern. 



OKTOBER 1999 

n 



„DU KANNST EIN LICHT SEIN" 

Durch ein solches Beispiel hat Natalja Jereskowska das 
Evangelium gefunden. Als sie fünfzehn Jahre alt war, fuhr 
sie als Austauschschülerin von Tscherkassy in der Ukraine 
(südlich von Kiew) nach Sleepy Hollow in Illinois (im 
Nordwesten von Chicago). Sie löste in ihren Gasteltern, 
die der Kirche angehören, ziemlich große Verwunderung 
aus, als sie auf dem Weg vom Flughafen nach Hause sagte: 
„Ich weiß, daß Gott mich zu euch gesandt hat." 

Natalja hatte darum gebetet, in eine religiöse Familie 
zu kommen, „damit ich mein geistiges Leben finden 
konnte". Als sie das Blatt las, auf dem die Familie von 
Bruce B. und Jean Bingham vorgestellt wurde, sah sie, 
daß die beiden nicht rauchten und regelmäßig zur 
Kirche gingen. Außerdem spürte sie etwas - sie hatte 
die Eingebung, daß sie auf die Binghams hören und 





DER STERN 

12 



ihrem Beispiel nacheifern sollte. Natalja blieb ein Jahr 
in der Familie und nahm am Familiengebet, am Famili- 
enabend, am JD-Programm, an der Abendmahlsver- 
sammlung und an der Sonntagsschule teil. 

Sie konnte den Geist zunehmend besser spüren. Und 
sie fand Antworten, nach denen sie schon viele Jahre 
gesucht hatte. Sie ließ sich von den Missionaren unter- 
weisen. Sie fastete und betete und empfing die Antwort, 




Oben links: Natalja Jereskowska (vordere Reihe in 
der Mitte) auf einer Jugendkonferenz in Kiew. Links 
und oben: Viktor Russo zusammen mit den Vollzeit- 
missionaren. So lernt er, eines Tages selbst 
Missionar zu sein. 

daß sie sich der Kirche anschließen sollte. Sie befürch- 
tete aber, daß ihre Eltern damit niemals einverstanden 
wären. Deshalb nahm sie allen Mut zusammen und 
bat sie um Erlaubnis. Und sie bekam sie auch. Am 7. 
Januar 1996 ließ sie sich taufen. Doch bald mußte sie 
sich mit einem anderen Problem auseinandersetzen: 
Sie mußte nach Tscherkassy zurückkehren, wo sie 
unter den etwa 350.000 Einwohnern die einzige 
Heilige der Letzten Tage sein würde. 

„Ich hatte Angst", sagt sie. „Ich konnte mir über- 
haupt nicht vorstellen, irgendwohin zu reisen, wo es die 
Kirche nicht gab, wo ich nicht zu den Versammlungen 

O K T O B 



gehen und das Abendmahl nicht nehmen konnte. Doch 
auf dem Heimflug dachte ich an das, was Bruder 
Bingham mir mit auf den Weg gegeben hatte: ,Wo auch 
immer du dich befinden magst - du kannst ein Licht 
sein.' Dieser Gedanke hat mich etwas getröstet." 

Natalja verbrachte zwei Sonntage damit, in der heiligen 
Schrift zu studieren, zu beten und sich selbst Lieder vorzu- 
singen. Dann hörte sie von einer Jugendkonferenz der 
Kirche in Kiew. Sie fuhr dorthin und lernte Wilfried M. 
Voge kennen, den Präsidenten der Mission Kiew. 
Gemeinsam überlegten sie, was alles zu tun war, damit die 
Kirche in Tscherkassy anerkannt werden konnte. Zuerst 
mußten sie Unterschriften für eine Petition sammeln, in 
der Missionare in die Stadt eingeladen wurden. Aber diese 
Einladung mußte von Erwachsenen kommen. 

Natalja schloß Freundschaft mit einem Universitäts- 
professor, der in den Vereinigten Staaten einmal bei einer 
Mormonenfamilie gewohnt hatte. Er erklärte sich bereit, 
ihr zu helfen, und verfaßte ein offizielles Einladungs- 
schreiben. Außerdem brachte er mehrere Wirtschaftsstu- 
denten dazu, ihr Einverständnis zu geben, sich von den 
Missionaren unterweisen zu lassen. Darüber hinaus arran- 
gierter er sogar ein Zusammentreffen mit dem Bürgermei- 
ster einer nahegelegenen Kleinstadt. Nachdem Natalja 
der Rektorin ihrer Schule die Maßstäbe der Kirche erklärt 
hatte, unterzeichnete auch sie die Petition und lud die 
Missionare sogar ein, vor der ganzen Schule zu sprechen! 

Im September 1996 kamen die ersten Missionare. Im 
Oktober fanden Versammlungen der Kirche statt. Im 
Januar gab es die erste Bekehrtentaufe. Die nächste fand 
im Februar statt. Dann ließen sich Familien taufen. 
Weitere Missionare kamen. JD, FHV, Sonntagsschule 
und PV wurden organisiert. Es gab Ausflüge ins Grüne 
und Dienstprojekte. Brüder wurden zum Priestertum 
ordiniert. Ein Zweigpräsident wurde berufen. Natalja 
brachte eine ihrer engsten Freundinnen zur Kirche, und 
selbst die Frau des Professors ließ sich taufen! Kurz gesagt 
- der Zweig wuchs und wuchs und wuchs. 

Als Natalja zuerst darüber nachgedacht hatte, die 
Kirche in ihre Heimatstadt zu holen, war sie unsicher 
gewesen. Aber Präsident Voge hatte gesagt: „Der 
himmlische Vater wird dir helfen!" Durch solchen 
Glauben wurde anderen Menschen der Weg bereitet. 

„ICH HABE MICH BEMÜHT, NUR MIT GUTEN MENSCHEN 
ZUSAMMEN ZU SEIN" 

Man braucht Glauben, wenn man allein ist, so wie 



E R 
13 



19 9 9 



Natalja. Man braucht aber auch Glauben, um sein Leben 
zu ändern und sich von Freunden abzuwenden, die einen 
schlechten Einfluß ausüben. Das mußte sich Viktor Russo 
eingestehen, als er das Evangelium Jesu Christi kennen- 
lernte und einiges in seinem Leben zu ändern hatte. 

Das Leben hatte es Viktor nicht leichtgemacht. Als 
Junge war er dünn und schwächlich. Die anderen Jungen 
verprügelten ihn oft. Vor lauter Wut machte er einen 
Fehler. Mit fünfzehn Jahren schloß er sich einer Bande an. 
„Ich wollte, daß die anderen Angst vor mir hatten", sagt er. 

Und so kam es dann auch. Er gehörte zu den 
„Banditen", wie er es nennt. Doch ehe er sich zu tief 
darin verstrickte, stieß er auf die Kirche. Seine Tante, die 
Mitglied war, lud Viktor und seine Mutter zu den 
Versammlungen am Sonntag ein. 

„Gleich beim Anfangsgebet stiegen mir die Tränen in 
die Augen", erklärt Viktor. „Da sagte jemand nicht 
einfach Worte auf. Er sprach vielmehr mit dem Vater im 
Himmel. Ich spürte, wie das Gefühl großer Liebe über 
mich kam. Und ich begriff, daß auch ich einen Vater im 
Himmel habe, der mich liebt." Viktor war so beein- 
druckt, daß er weiterhin zur Kirche ging. Und er fing an, 
sich mit den Missionaren zu treffen. 

„Ich hatte mich eigentlich schon immer gefragt, ob es 
Gott wirklich gibt", meint er. „Deshalb betete ich: ,Bitte 
laß mich wissen, ob das, was ich neu lerne, wahr ist.' Da 
spürte ich wieder das überwältigende Gefühl, das mich 
schon in der Abendmahls Versammlung eingehüllt hatte." 

Als Viktor vom Priestertum erfuhr, war er besonders 
beeindruckt. „Ich spürte die Liebe, die unter den 
Männern herrschte. So etwas hatte ich in unserer Bande 
nicht erlebt. Ich weiß noch, wie ich während einer 
Missionarslektion gedacht habe: ,Ich kann nicht zur 
Bande gehören und gleichzeitig Gott dienen." Von da an 
bemühte ich mich, meinen alten Freunden aus dem Weg 
zu gehen. Ich habe mich bemüht, nur noch mit guten 
Menschen zusammen zu sein." 

Das zog bemerkenswerte Folgen nach sich. Viktor erin- 
nert sich: „Ich war überrascht. Manche meiner früheren 
,Freunde' neckten mich zwar, aber die meisten sagten nur: 
,Wenn du gehen willst, dann geh. Wir tun dir nichts.' 
Feinde sannen nicht auf Rache. Wahre Freunde hingegen 
interessierten sich für seine neue Religion. Manche trafen 
sich sogar mit den Missionaren, aber bis jetzt hat sich 
außer Viktor noch niemand taufen lassen. 

Viktor gibt zu: „Ich mußte zuerst von vielen Sünden 
Umkehr üben. Aber ich weiß, daß das richtig war." 



Heute ist Viktor achtzehn Jahre alt und seit fast drei 
Jahren Heiliger der Letzten Tage. Er verbringt seine Zeit mit 
anderen Jungen, die das Aaronische Priestertum tragen, 
hilft beim Abendmahl und geht heimlehren. Außerdem 
freut er sich auf seine Vollzeitmission und die Fertigstellung 
des Kiew-Tempels. Jeden Tag findet man ihn bei den Missio- 
naren, wenn sie Menschen unterweisen. „Es macht mir 
Freude, anderen Zeugnis von Jesus Christus zu geben", sagt 
er. „Ich sage den Menschen gern, daß sie an ihn glauben 
müssen." 

„ICH HATTE ANGST, SIE SEIEN 
VERRÜCKT GEWORDEN" 

Wie Viktor erging es auch Kira 
Gulko. Als sie die Kirche kennen- 
lernte, begriff sie, daß der himmli- 
sche Vater alle seine Kinder liebt. 
Aber die Entscheidung, sich taufen 
zu lassen, fiel ihr nicht leicht. Als 
ihre Eltern sich entschlossen, 
Mitglied der Kirche zu werden, 
zweifelte Kira „an ihrem gesunden 
Menschenverstand" . Glücklichweise 
ließ sie sich nicht zu Kritik und 
Auflehnung hinreißen, sondern nahm sich vor, 
selbst herauszufinden, ob die neue Religion 
ihrer Eltern wahr war. 

„Wir waren keine praktizierenden Juden", 
erklärt Kira. „Aber wir sind jüdischer Abstam- 
mung. In unserer Familie war es verboten, über 
Jesus Christus zu sprechen. Doch als die Peres- 
troika begann und jeder die Freiheit hatte, sich 
mit neuen Ideen zu beschäftigen, begannen 
meine Eltern, verschiedene Religionen und 
Lehren zu untersuchen. Meine Mutter war 
Vorsitzende des internationalen Freund- 
schaftsclubs an unserer Schule, wo sie Englisch 
unterrichtet. Sie stieß auf den Brief einer 
Lehrerin in Riverton in den Vereinigten Staaten, die Brief- 
freundinnen suchte. Die Schüler meiner Mutter antwor- 
teten und bekamen daraufhin ein großes Paket mit etwa 
einhundert Briefen. Viele Schüler schrieben, sie seien 
Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage; meine Mutter wußte aber nicht, was das ist. 

Dann kamen wir einmal an der Brücke in der Nähe 
unseres Hauses vorbei und sahen ein Plakat, das die 
Menschen zum Besuch der Kirche Jesu Christi der 





DER STERN 
14 





Heiligen der Letzten Tage einlud! Meine Eltern 
entschlossen sich, dorthin zu gehen; einmal deshalb, 
damit Mama die Fragen ihrer Schüler beantworten 
konnte, und zweitens auch deshalb, weil sie selbst auf der 
Suche nach einer neuen Religion waren. 

Das war im Oktober 1991. Danach kamen die Missio- 
nare zu uns nach Hause. Schon bald hatten meine Eltern 
verstanden, daß Jesus Christus wirklich ihr Erretter ist. 
Außerdem gefiel ihnen die Lehre von der ewigen 



Oben: Kira Gulko hat sich von der Skeptikerin zur 
Missionarin für ihre Familie und Freunde gewandelt. 
Links: Nikolas und Sergej Tschemetsow sind vielleicht 
talentiert genug, um eines Tages in der Symphonie- 
halle von Kiew (links oben) spielen zu können. Bis 
dahin aber sorgen sie für Harmonie in ihrer Familie. 

Familie. Wir sind eine wundervolle Familie, und das war 
ein sehr wichtiger Grundsatz für uns. Meine Eltern 
gingen auch zu einer Taufe und spürten den Heiligen 
Geist. Im Dezember entschlossen sie sich zur Taufe. 

Ich nahm an allen Missionarslektionen teil, konnte 
aber nicht verstehen, warum meine Eltern sich 
entschlossen hatten, Mitglied der Kirche zu werden. Ich 
hatte Angst, sie seien verrückt geworden und nicht mehr 
Herr ihrer Sinne. Aber als ich das Buch Mormon las, 
wurde mein Zeugnis, daß es wahr ist, immer fester und 
fester. Doch erst als mir bewußt wurde, daß der himmli- 
sche Vater mich wahrhaft liebt, bekehrte ich mich wirk- 
lich. Ich konnte seine große Liebe spüren, die mich 
einhüllt; ich konnte sie in meinen Eltern und den 
Mitgliedern der Kirche sehen. Deshalb ließ ich mich im 
Februar 1992 taufen. Ich wußte, daß es richtig ist." 

Seitdem hat Kira mitgeholfen, ihre Freundin Lena zur 
Kirche zu bringen. Außerdem haben drei ihrer vier 



OKTOBER 
15 



19 9 9 



Großeltern das Evangelium angenommen. Ihre Mutter 
hat bei der Übersetzung des Buches Mormon ins Ukrai- 
nische geholfen. Ihr Vater 
hat als Distriktspräsident 
gedient. Und Kira selbst 
war FHV- Leiterin und hat 
so ihre Zeit und ihre 
Talente für das Wachstum 
der Kirche eingesetzt. 

„DAS EVANGELIUM HAT 
UNSERE FAMILIE GERETTET" 

Nikolas und Sergej 
Tschemetsow und ihre 
Eltern helfen der Kirche 
ebenfalls, Fortschritt zu 
machen. Und sie haben 

erlebt, wie alle einander zunehmend nähergekommen 
sind, seit sie 1992 das wiederhergestellte Evangelium 
angenommen haben. 

Natürlich haben die beiden wie alle Brüder Ähnlich- 
keiten und Unterschiede aufzuweisen. Sergej ist zwanzig 
Jahre alt, Nikolas zwölf. Aber Nikolas - oder Nik - ist 
größer als sein Bruder. Nik ist still; Sergej geht mehr aus 
sich heraus. Beide sind sportlich aktiv, betreiben Gewicht- 
heben und finden Hubschrauber toll. Beide musizieren 
auch: Nik spielt Klavier, Sergej spielt Geige. Beide lieben 
das Evangelium und alles, was damit in Zusammenhang 
steht. Und beide sind einander und ihren Eltern, Sergej 
sen. und Valia, in tiefer Loyalität verbunden. 

Diese Loyalität wurde auf die Probe gestellt, als Valia 
und die Jungen nach einem längeren Besuch bei Valias 
Eltern nach Hause zurückkehrten und feststellen 
mußten, daß der Vater sich mit der Kirche beschäftigte. 
Aber er brachte sie soweit, den Missionaren zuzuhören, 
das zu lernen, was er selbst lernte, und der Sache eine 
faire Chance zu geben. 

„Man kann wohl sagen, daß das Evangelium unsere 
Familie gerettet hat", meint Sergej jun. „Ich habe mich 
wegen des Beispiels meines Vaters zur Taufe 
entschlossen. Er hat sich nämlich sehr verändert, 
nachdem er sich der Kirche angeschlossen hatte. Er ist 
so nett, so liebevoll geworden. Das war mir ein Zeugnis." 

Schwester Tschemetsow erklärt: „Vorher stand die 
Familie nicht an erster Stelle. Aber jetzt ist er sich 
der Tatsache bewußt, daß wir eine ewige Familie sind, und 
wir wissen einander ganz anders zu schätzen als früher." 




Einschub: Kiew ist eine große, moderne Stadt, 
in der die Anzahl von Heiligen der Letzten Tage 
wie Nikolas und Sergej Tschemetsow (oben) ständig 
zunimmt. 

„Früher habe ich gemeint, ich müsse immer der 
Anführer sein, weil ich ja der ältere bin", meint Sergej. 
„Aber wenn ich nun so neben Nik stehe, dann sehe ich, 
daß er größer ist als ich. Mir ist klar, daß er mich 
manchmal unterweist und daß ich immer auf ihn zählen 
kann, wenn ich Hilfe brauche." 

Aber Nik ist nicht nur für seinen Bruder Sergej da, 
sondern auch für seine Eltern. Bruder Tschemetsow 



DER STERN 
16 




erklärt: „Seit seiner Taufe hat er ständig gefragt: ,Ich 
möchte gerne das Abendmahl austeilen. Wann kann ich 
anfangen?' Durch seine Begeisterung sind auch unser 
Zeugnis und unser Glauben fester geworden. Anderen 
Menschen und der Familie helfen - Nik weiß, worum es 
beim Priestertum wirklich geht. Er war sehr glücklich, als 
er endlich zwölf Jahre alt geworden war und ich ihn zum 
Diakon ordiniert habe." 

Nik war auch sehr glücklich, als sich die Familie im 
Freiberg-Tempel siegeln ließ. „Nach den Sessionen 
hatten wir etwas Freizeit", erzählt Bruder Tschemetsow. 
„Die anderen sind zum Einkaufen in die Stadt gefahren. 
Ich habe meine Familie gefragt: .Wollt ihr auch in die 
Stadt fahren?' Da hat Nik über den Tempel gesagt: ,Dies 
hier ist ein so schöner Ort; ich möchte nicht woanders 
hinfahren.'" 

Nik erklärt: „Das Priestertum hat in meinem Leben 
höchste Priorität. Es hilft mir, so zu leben, wie wir laut den 
Worten Jesu Christi leben sollen. Ich weiß, daß Gott uns 

hilft und einen besseren Menschen 
aus uns macht, wenn wir es in 
Ehren halten." 

Daran muß Sergej jeden 

Tag denken, vor allem 

jetzt, wo er in der Mission 

Tokio-Nord in Japan als 

Vollzeitmissionar dient. 

Und Nik hofft natürlich, daß 

er es seinem Bruder eines 

Tages gleichtun kann. 

Der Legende nach wurde 
Kiew von drei starken Brüdern 
gegründet - Kij, Schtschek und 
Koriw. Aber in der Statue, 
die an die drei erinnern soll, 
steht ihre Schwester Lyhed mit 
ausgestreckten Armen und 
ernstem Gesicht am Bug des 
Bootes. Sie könnte aber 
genauso gut die jungen ukrai' 
nischen Heiligen der Letzten 
Tage darstellen. Sie sind 
nämlich eifrig darauf 
bedacht, sich emporzusch- 
wingen, und fliegen bereits 
der Zukunft entgegen. D 



I 




f 




Der Erretter bietet uns kostbare, ewige 
Gaben des Vaters an - wir müssen sie 
nur annehmen. 



Elder John B. Dickson von den Siebzigern 



n unserer Eigenschaft als Mitglieder der Siebtiger 
haben wir das wundervolle Vergnügen und auch 

.die Pflicht, der Welt Zeugnis zu geben, daß Jesus 
der Messias ist. Wir arbeiten eng mit den Missionaren, 
den Führern und den Mitgliedern weltweit zusammen 
und können den spannenden Bekehrungsprozeß daher 
gut beobachten. Wenn jemand den Plan versteht, den 
der himmlische Vater aufgestellt hat, damit gerade er 
für alle Ewigkeit glücklich wird - wenn er zur 
Erkenntnis Jesu Christi, der zentralen Figur dieses 
Plans, gelangt -, dann ändert er sein Leben, und seine 
Seele wird reicher. 

Ich muß an ein kleines Dorf namens Panacaxtlän 
denken, das am Schnittpunkt der Küstenebene und 
des Berglandes in Zentralmexiko liegt, nur ein paar 
Kilometer von der sogenannten Via Corta (kurze 
Straße) zwischen Mexiko-Stadt und Tampico in 
Tamaulipas entfernt. Das Dorf liegt in einem saftig- 
grünen, feuchten Landstreifen, der als Huasteca 
bezeichnet wird. Seine Bewohner sind Söhne und 
Töchter Lehis. 1979, als ich Präsident der Mission 
Mexiko -Stadt-Nord war, begannen die Missionare, in 
der Huasteca das Evangelium zu verkünden. Zweiund- 
fünfzig Menschen schlössen sich in Panacaxtlän der 
Kirche an, außerdem etwa vierhundert Menschen in 
nahegelegenen Ortschaften. So entstand ein neuer 
Distrikt, der Tempoal genannt wurde. 

Kurze Zeit später wurde in Panacaxtlän eine 
Versammlung einberufen, wo die Mitglieder der Kirche 
vor die folgenden Alternativen gestellt wurden: sich 
von der Kirche abzuwenden, das Dorf zu verlassen 
oder umgebracht zu werden (keine leere Drohung) . 

Die Mitglieder, vor allem die Frauen, sagten, sie 
wüßten, daß die Kirche wahr sei, und würden sich 
nicht von ihr abwenden. Außerdem erklärten sie, daß 
sie genauso fleißig gearbeitet hätten wie alle anderen, 
um sich ein sicheres Zuhause zu schaffen, und daß 
sie das Dorf nicht verlassen würden. Sie traten 
unerschrocken vor und ließen ihre Peiniger wissen, 



OKTOBER 1999 

19 



daß sie ruhig anfangen sollten, wenn sie umbringen 
wollten. Die Spannung wuchs, als Macheten sich hoben, 
dann aber doch wieder gesenkt wurden, während die 
Heiligen der Letzten Tage für das eintraten, dessen 
Wahrheit der Geist ihnen bezeugt hatte. 

Diese Mitglieder erfuhren später - wie die meisten von 
uns -, daß es schwerer ist, Tag für Tag nach dem Evange- 
lium zu leben, als einmal dafür zu sterben. Ihre frühe 
Entscheidung war darauf zurückzuführen, daß der Geist 
ihnen das Herz angerührt und ihr Leben verändert hatte. 
Sie hatten sich bekehrt, und das Buch Mormon hatte 
dazu beigetragen, ihren Glauben an Jesus Christus, den 
Sohn Gottes, zu festigen. Sie erfuhren, daß Christus nach 
seiner Auferstehung ihre Vorfahren in Amerika besucht 
hatte, und sie waren dankbar für die Segnungen, die allen 
Kindern des himmlischen Vaters offenstehen, weil der 
himmlische Vater seinen Sohn gesandt hat. Wie die 
Mitglieder zur Zeit des Neuen Testaments war der Glaube 
der Mitglieder in Panacaxtlän groß genug, um der Verfol- 
gung durch engstirnige Menschen standzuhalten. 

Das Neue Testament ist ein Zeuge für den Erretter 
und offenbart der Welt den Zweck der ihm von Gott 
aufgetragenen Mission: „Ich bin der gute Hirt. Der gute 
Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe." (Johannes 
10:11.) „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich 
kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges 
Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen." Qohannes 
10:27,28.) Diesen Worten des guten Hirten ist eine 
Aussage vorangestellt, die zu den schönsten in der 
gesamten heiligen Schrift gehört: „Denn Gott hat die 
Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, 
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, 
sondern das ewige Leben hat." (Johannes 3:16.) 

Dieser Plan ist zwar einfach, wurde aber von Anfang 
an nur von denjenigen verstanden, die genug Glauben 
hatten. Beispielsweise fiel es einigen der Jünger sehr 
schwer, sich bewußt zu machen, daß Jesus Christus von 
ihnen genommen werden mußte. Während er sein Werk 
vollendete, Vollmacht übertrug und die Grundsteine des 
Gottesreiches legte, sprach er oft offen über seine Rolle 
als Sohn Gottes und seinen bevorstehenden Tod und 
seine Auferstehung. Die meisten seiner Jünger hatten 
bereits festen Glauben entwickelt, anderen aber mangelte 
es noch an Glauben, und sie nahmen Anstoß an seinen 



unerschrockenen Lehren, zogen sich zurück „und 
wanderten nicht mehr mit ihm umher" Qohannes 6:66). 
Die Juden seiner Zeit hatten sich dem Glauben 
verschrieben, der Messias werde gemäß dem, was irdisch 
ist, herrschen und sie segnen. Obwohl einige Glauben 
hatten und wußten, daß er der Messias war, gab es doch 
manche, die die wahre Bedeutung seiner Mission erst 
dann verstanden, als sie ihn als auferstandenes Wesen 
schauten. Da nahm die Erkenntnis der Gläubigen zu, und 
sie verstanden den Plan des Glücklichseins, den der Vater 
aufgestellt hatte, nun viel besser im Herzen und im Sinn. 
Nun hatten sie den sehnlichen Wunsch, die frohe Nach- 
richt vom Sohn Gottes zu verbreiten. Diesen Wunsch 
bewahrten sie sich auch trotz aller Schwierigkeiten, allen 
Spotts und aller Verfolgung. Obwohl viele von ihnen 
sterben mußten, verloren sie ihn dennoch nicht. 

Es ist doch interessant, sich einmal bewußt zu 
machen, daß der Herr zwar alles in seinen Händen hat - 
einschließlich „Welten ohne Zahl" (siehe Mose 1:33) und 
der mit dem Herrschen über diese Welten zusammen- 
hängenden Fürsorgepflicht -, ihm aber dennoch das 
Glück jedes einzelnen Menschen am Herzen liegt. Sein 
Arm ist zu allen Menschen ausgestreckt. Er möchte wirk- 
lich, daß wir zu ihm zurückkehren, und er macht sich 
Gedanken um uns. Der Herr hat gesagt: „Denn siehe, es 
ist mein Werk und meine Herrlichkeit, die Unsterblich- 
keit und das ewige Leben des Menschen zustande zu 
bringen." (Mose 1:39.) Er hat ganz deutlich gesagt, daß 
er für uns da ist: „Naht euch mir, und ich werde mich 
euch nahen; sucht mich eifrig, dann werdet ihr mich 
finden; bittet, und ihr werdet empfangen; klopfet an, und 
es wird euch aufgetan werden." (LuB 88:63.) 

Er hat den Weg gekennzeichnet und es uns allen 
ermöglicht, in seine Gegenwart zurückzukehren. Aber 
wir alle müssen uns die folgende wichtige Frage stellen: 
Wie bereitwillig nehme ich seine Teilnahme an meinem 
Wohlergehen und meinem Glück an? Diese Frage steht 
auch im Mittelpunkt des folgenden Gleichnisses. 

William liebte alle seine vielen Söhne und Töchter. 
Jedes Kind war für ihn etwas ganz Besonderes. Obwohl er 
es gerne gehabt hätte, wenn sie alle bei ihm geblieben 
wären, gestattete er es ihnen doch, ihr Zuhause für einen 
gewissen Zeitraum zu verlassen, damit sie selbst heraus- 
finden konnten, wer sie waren und was sie sein sollten. 



DER STERN 
20 




„Denn Gott hat die Welt 

so sehr geliebt, daß er seinen 

einzigen Sohn hingab, damit jeder, 

der an ihn glaubt, nicht zugrunde 

geht, sondern das ewige 

Leben hat." 



Er gab ihnen Weisungen, segnete sie und erteilte ihnen 
Rat. Er bat sie flehentlich, die Regeln anzunehmen und 
einzuhalten, die er ihnen erklärt hatte, damit sie für ihre 
Bereitschaft belohnt werden konnten, zu lernen, zu 
verstehen und entsprechend zu handeln. Er forderte sie 
auf, ihn oft anzurufen, und versicherte ihnen, daß er 
immer für sie da sei und sich freue, von ihnen zu hören. 
William hatte seine Zeit, seine Intelligenz und seine 
Mittel in der Vergangenheit klug eingesetzt und war so zu 
Wohlstand und Ansehen gelangt. Daran wollte er seine 
Kinder nun teilhaben lassen. Er ging eifrig daran, in 
Vorbereitung auf die Rückkehr seiner Kinder zu 
zimmern, zu pflanzen und Blumen zu säen. Er begann, für 
jedes Kind einen Platz zu bereiten, der schöner war als 
alles, was sie sich vorstellen konnten. Alles in der Umge- 
bung von William strahlte Wärme, Liebe und Sonnen- 
schein aus, und wenn er an de Rückkehr seiner Kinder 
dachte, dann mußte er lächeln und stellte sich die 
Freude und den Frieden vor, die sie gemeinsam auf 
seinem schönen Landsitz genießen würden. 

Schließlich kam der Tag heran, wo die Rückkehr 
seiner Kinder begann. Zuerst kamen Paul und Mary, 
dann Kenneth und Sarah. William hatte sie noch nie so 
glücklich erlebt, und er weinte, als er sie in die Arme 
nahm und küßte. Dann zeigte er ihnen zu ihrer großen 
Freude ein Stück seines großen Besitzes, den sie ererben 
sollten, und erklärte ihnen, daß dies alles nur der 
Anfang sei und das Ausmaß und die Schönheit ihres 
Erbes gemäß ihrem Blickfeld und ihrem Fleiß noch 
zunehmen würde. 

„Aber wo sind Charles und Thomas, Nancy und 
Clara?", fragte William. Ihnen galt doch dieselbe 
Verheißung. Wußten sie denn nicht, daß sie nur seinen 
einfachen Weisungen folgen und standhaft bleiben 
mußten? 

,Yater", sagte Kenneth, „das war ihnen teilweise zwar 
schon bewußt, aber so richtig begriffen haben sie es 
nicht. Sie ließen sich blenden. Thomas sagte, er würde 
gerne kommen, habe aber zu viel zu tun; er hatte noch 
nicht einmal Zeit für seine Kinder. Charles baut sich 
einen Wohnsitz; er ist ganz schön, aber neben dem Bau 
und seinem florierenden Geschäft bliebt ihm kaum noch 
Zeit für etwas anderes. Nancy sagt, sie sei ganz durchein- 
ander und wisse nicht, welche Richtung sie einschlagen 



OKTOBER 
21 



19 9 9 



solle; das sei aber nicht ihre Schuld und sie wolle nicht 
kommen. Mit Clara ist es wieder etwas anderes. Sie 
meint, sie habe die Regeln lange genug befolgt, und bat 
darum, daß wir sie in Frieden lassen. Sie will einfach nur 
frei sein." 

Diese Worte stimmten William sehr traurig, denn die 
Gabe, die er ihnen in Aussicht gestellt hatte, war doch so 
schön wie die ganze Ewigkeit. Er sagte: „Wie können sie 
jemals die Segnungen der großen Gabe zu verstehen 
beginnen, die ich für sie bereitet habe, wenn sie sie nicht 
annehmen und mich verwerfen, der ihnen diese Gabe 
geben will? Welch große Freude wird mir und ihnen 
vorenthalten!" 

In der folgenden Schriftstelle geht es um Gaben, die 
zwar in Aussicht gestellt, aber nicht angenommen werden: 
„Denn was nützt es dem Menschen, wenn ihm eine Gabe 
gewährt wird, und er empfängt sie nicht? Siehe, er freut 
sich nicht über das, was ihm gegeben wird, noch freut sich 
der über ihn, der die Gabe gibt." (LuB 88:33.) 

Von allen Gaben und Segnungen, die der himmlische 
Vater für seine Kinder bereithält, ist die Gabe der 
Unsterblichkeit und des ewigen Lebens aufgrund des 
Sühnopfers seines einziggezeugten Sohnes, nämlich des 
Herrn Jesus Christus, die größte. Der Herr ist 
gekommen, damit wir „das Leben haben und es in Fülle 
haben" (Johannes 10:10). Und um uns zu dieser großen 
Gabe, nämlich der Gabe des ewigen Lebens, zu führen, 
wird uns eine weitere Gabe zuteil, nämlich die Gabe des 
Heiligen Geistes. 

Irdischen Eltern macht es Freude, ihren Nach- 
kommen ein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk 
zu machen und anzusehen, wie sie lachen und sich an 
dem Geschenk freuen. Wenn ein Kind ein Geschenk 
zurückweist, das so voller Liebe ausgesucht wurde, 
wenn es dieses Geschenk beiseite legt, dann tut das 
den Eltern weh. Gleichermaßen erfreut sich der himm- 
lische Vater daran, seinen Kindern durch das 
Sühnopfer seines Sohnes die Gabe des ewigen Lebens 
schenken zu können. Voller Freude sieht er zu, wie 
seine Kinder die Schritte gehen, die notwendig sind, 
um diese Gabe zu empfangen. Und wir können uns gar 
nicht richtig vorstellen, wie traurig er ist, wenn 
manche seiner Kinder diese Gabe zurückweisen. Er 
weiß: Wenn wir uns weigern, auf die Eingebungen des 



Geistes zu hören und an den Früchten des Sühnopfers 
teilzuhaben, ignorieren wir letztendlich unsere 
Möglichkeiten für die Zukunft und verhindern, daß 
uns Freude, Glück und ewige Segnungen zuteil werden, 
die er uns doch so bereitwillig und voller Liebe in 
Aussicht stellt. 

In 2 Korinther 9:15 lesen wir folgendes: „Dank sei 
Gott für sein unfaßbares Geschenk." Eider Bruce R. 
McConkie (1915-1985) vom Kollegium der Zwölf 
Apostel hat erklärt, dieses unfaßbare Geschenk sei „die 
Gabe des Heiligen Geistes hier auf der Erde sowie ewiges 
Leben in der zukünftigen Welt; das eine ist die größte 
Gabe, die uns hier auf der Erde zuteil werden kann, 
das andere die größte Gabe in der unsterblichen 
Welt" (Doctrinal New Testament Commentary, 3 Bände, 
1965-1973,2:435). 

Ich finde, daß wir für die größten Gaben auch am 
meisten Dankbarkeit an den Tag legen müssen. Und daß 
wir für die Gabe des Sühnopfers und die Gabe der Inspi- 
ration und der Weisung durch den Heiligen Geist 
dankbar sind, zeigen wir in erster Linie dadurch, daß wir 
sie annehmen. Die heiligen Schriften und die lebenden 
Propheten haben ganz deutlich dargelegt, wie wir zeigen 
können, daß wir diese Gaben annehmen. 

Zuerst müssen wir Glauben an den Herrn Jesus 
Christus haben, seinen heiligen Namen auf uns nehmen, 
uns bemühen, seinem Beispiel nachzueifern, und danach 
streben, die Eigenschaften zu entwickeln, die er besitzt. 
„Siehe, Jesus Christus ist der Name, der vom Vater 
gegeben ist, und es ist kein anderer Name gegeben, 
wodurch der Mensch errettet werden kann. 

Darum müssen alle Menschen den Namen auf sich 
nehmen, den der Vater gegeben hat, denn mit diesem 
Namen werden sie am letzten Tag aufgerufen werden." 
(LuB 18:23,24.) 

Eine sehr eindrucksvolle Stelle im Buch ,Lehre und 
Bündnisse' macht deutlich, daß wir nicht nur kurzzeitig 
an den Erretter glauben und seinen Namen auf uns 
nehmen dürfen; statt dessen ist es unsere vornehmenste 
Aufgabe, bis ans Ende auszuharren: „Und wir wissen, 
daß alle Menschen umkehren und an den Namen Jesu 
Christi glauben und den Vater in seinem Namen 
anbeten und im Glauben an seinen Namen bis ans Ende 
ausharren müssen, sonst können sie nicht im Reich 



DER STERN 

22 




Der Herr hat uns durch sein 

Beispiel viele Gaben gezeigt, 

die uns zuteil werden können. 



Gottes errettet werden." (LuB 20:29; Hervorhebung 
hinzugefügt.) 

Zweitens müssen wir von unseren Sünden umkehren. 
„Denkt daran: Die Seelen haben großen Wert in den 
Augen Gottes; 

denn siehe, der Herr, euer Erlöser, erlitt den Tod im 
Fleische; darum hat er die Schmerzen aller Menschen 
gelitten, damit alle Menschen umkehren und zu ihm 
kommen können. 

Und er ist von den Toten wieder auferstanden, um alle 
Menschen zu sich, dem Erlöser, zu führen - unter der 
Bedingung, daß sie Umkehr üben. 

Und wie groß ist seine Freude über die Seele, die 
umkehrt!" (LuB 18:10-13.) 

Drittens müssen wir die heiligen Handlungen und 
Bündnisse empfangen, die zur Errettung notwendig sind. 
Ist es nicht tröstlich zu wissen, daß mit der Wiederher- 
stellung des Evangeliums Jesu Christi Schlüssel weiterge- 
geben wurden und Vollmacht erteilt wurde, alle zur 
Errettung notwendigen heiligen Handlungen zu voll- 
ziehen - von der Taufe bis hin zur Siegelung der Familie 
für die Ewigkeit -, die in den Augen Gottes Bestand 
haben, sofern sie vom Heiligen Geist der Verheißung 
gesiegelt werden. 

Viertens müssen wir einander dienen. „Darauf wird 
der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was 
ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt 
ihr mir getan. (Matthäus 25:40; Hervorhebung hinzuge- 
fügt.) Das Gleichnis von den Schafen und den Böcken 
(siehe Matthäus 25:31-46) macht deutlich, daß wir 
unter anderem nur dann zum Vater zurückkehren 
können, wenn wir unseren Mitmenschen dienen. Dieses 
Gleichnis zeigt, daß wir dem Herrn nur dann wirklich 
dienen, wenn wir unserem Nächsten dienen. Und im 
Idealfall beginnt unser Dienst am Nächsten dort, wo die 
uns am engsten verbundenen Menschen leben - nämlich 
in unseren eigenen vier Wänden. 

Je besser wir verstehen, wie sehr der Vater uns liebt 
und sich um uns sorgt, desto mehr Bedeutung 
bekommen die so häufig wiederholten Worte: „Es hätte 
sein können." Das Bedauern ist besonders groß, wenn 
wir die Möglichkeit haben verstreichen lassen, uns zu 
ändern und Umkehr zu üben, nachdem wir etwas falsch 
beurteilt und unkluge Entscheidungen getroffen haben, 



OKTOBER 1999 



23 




Aufgrund des Sühnopfers 

seines Sohnes stellt uns der 

Vater Unsterblichkeit und 

ewiges Leben in Aussicht. 



die möglicherweise schlimme Folgen nach sich ziehen. 
Andererseits wird uns nur dann dauerhaftes Glück zuteil, 
wenn wir uns fest vornehmen, nach den Evangeliums- 
grundsätzen zu leben, die uns geschenkt worden sind, 
und auch entsprechend handeln. 

Ich habe Schwester Barbara Christensen, die Frau von 
Eider Joe J. Christensen von der Präsidentschaft der 
Siebziger, während einer Konferenz in Buenos Aires in 
Argentinien einmal zu einer Gruppe von Missionaren 
sagen hören: „Schon bald ist es soweit, daß sie nichts 
weiter mit nach Hause nehmen können als Erinne- 
rungen, seien sie nun gut oder schlecht. Sie können die 
Entscheidungen treffen, die ihre Erinnerungen bestimmen." 
(Hervorhebung hinzugefügt.) Dieser wahre Grundsatz 
gilt genauso für unser ganzes Leben, wie er für den Zeit- 
raum einer Vollzeitmission gilt. 

Der Herr hat die Konsequenzen für die Ewigkeit, die 
Auswirkungen von Entscheidungen und die Gefahren 
deutlich gemacht, die damit verbunden sind, die Umkehr 
aufzuschieben. Er sagte über diejenigen, die kein Reich der 
Herrlichkeit ererben werden: „Und diejenigen, die übrig- 
bleiben, werden ebenfalls belebt werden; doch werden sie 
wieder an ihren eigenen Platz zurückkehren, um sich dessen 
zu erfreuen, was sie bereit sind zu empfangen, weil sie ja nicht 
bereit waren, sich dessen zu erfreuen, was sie hätten empfangen 
können." (LuB 88:32; Hervorhebung hinzugefügt.) Den 
Preis für das, was wir gemäß dem Wunsch des Vaters 
empfangen sollen, zahlen wir anfangs beispielsweise 
dadurch, daß wir konsequent allein und mit der Familie 
beten, uns Zeit für unsere Kinder und unseren Mann bzw. 
unsere Frau nehmen, in der heiligen Schrift lesen, den 
vollen Zehnten und großzügige Spenden zahlen, anderen 
Menschen dienen, Aufträge und Berufungen erfüllen und 
jeden Sonntag würdig das Abendmahl nehmen. 

Wir sind Kinder des liebevollen himmlischen Vaters, 
der möchte, daß wir zu ihm zurückkehren. Mögen wir 
alle willens sein, uns dessen zu erfreuen, was er für uns 
vorgesehen hat, nämlich des Lebens, das er selbst führt. 
Und mögen wir den ganzen Wahrheitsgehalt und die 
Bedeutung der Worte verstehen, die wir so oft singen: 
„In Lieb und Gnad vom Himmelsthron ward uns gesandt 
der Gottessohn." (Gesangbuch, Nr. 114.) Das ist die 
vielleicht heiligste und wichtigste Botschaft der ganzen 
Weltgeschichte. D 



DER 



STERN 

24 



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VON FREUND ZU FREUND 



ELDER 

CHARLES 
DIDIER 

VON DEN SIEBZIGERN 









ie Nephi kann auch ich 
sagen, daß ich von guten 
Eltern stamme (siehe 1 
Nephi 1:1). Während des 2. Welt- 
kriegs wurde mein Vater von den 
Deutschen gefangengenommen, als 
diese in Belgien einmarschierten. Er 
entkam ihnen aber und flüchtete in 
den Untergrund (zu einer opposi- 
tionellen Gruppe) . Ich weiß noch, 
daß ich meinen Vater als kleines 
Kind nur ein-, zweimal gesehen 
habe. Er kam immer nur kurz zu 
Besuch und verschwand dann 
wieder im Untergrund, wo er als 
Funker tätig war. 

Selbst als der Krieg vorüber war, 
kam er nicht gleich nach Hause, 
sondern wurde von der belgischen 
Armee nach Deutschland versetzt. 
Hinterher kehrte er nach Belgien 
zurück, aber in eine andere Stadt. 
Glücklichweise war meine Mutter 
eine sehr starke, gläubige Frau. 
Während der Zeit, wo mein Vater 
nicht da war, fungierte sie als Haus- 
haltsvorstand und Kraftquelle der 
Familie. 

Wir waren keine Heiligen der 
Letzten Tage, aber ich habe schon 
immer an den Herrn Jesus Christus 
geglaubt. Für mich gab es keinen 
Zweifel. Ich weiß allerdings 
nicht, wo mein Glaube 
herrührte. Ich bin in einer 
typischen europäischen 
Familie aufgewachsen. 
Wir gingen nicht zur 
Kirche, und bei uns zu 
Hause wurde auch nie 
gebetet. Trotzdem 
besaß ich schon als 
Kind Gewißheit. Ich 
hatte Glauben. Das 
war eine geistige 
Gabe, die ich niemals 
verleugnen konnte. 

Als ich im Teena- 
geralter war, wohnte 



ich mit meiner Familie auf einer 
Anhöhe in Namur in Belgien. Wir 
sahen oft, wie die Missionare ihr 
Fahrrad langsam den Berg hinauf- 
schoben bzw. ihn schnell wieder 
hinuntersausten. Eines Tages kamen 
sie auch zu uns. Wir wußten ja, daß 
sie Amerikaner waren; deshalb 
ließen wir sie aus lauter Neugierde 
hereinkommen. Das war 1951, und 
ich war damals so ungefähr sech- 
zehn Jahre alt. 

Als die Missionare anfingen, über 
Religion zu sprechen, hatten wir vier 
Kinder nicht gerade viel Interesse 
dafür. Aber meine Mutter hörte 
ihnen zu und lud sie auch immer 
wieder ein. Die Missionare unter- 
wiesen sie, und meine Mutter 
erlangte ein Zeugnis von der Kirche. 
Dann kam die Frage nach der Taufe. 
Die Eltern meiner Mutter wollten 
nicht, daß sie sich taufen ließ, und 
mein Vater war Soldat in Deutsch- 
land. Er kam nur einmal im Monat 
für zwei, drei Tage zu Besuch. Meine 
Mutter brachte ihn jedoch dazu, ihr 
die Genehmigung zu geben, und ließ 
sich taufen. Vater bestand aber 
darauf, daß wir Kinder noch 
warteten und selbst eine Entschei- 
dung trafen, wenn wir älter waren. 

In der Zwischenzeit gingen wir 
mit unserer Mutter zur Kirche. Ich 
ging in erster Linie deshalb mit, weil 
ich besser Englisch lernen wollte. 
Ich nahm an den Jugendaktivitäten 
teil. Das war eine sehr wertvolle 
Erfahrung, denn so lernte ich singen, 
tanzen und schauspielern. Und ich 
lernte nicht nur die Kirche, sondern 
auch die Missionare kennen. Ich 
war nun schon fast so alt wie sie, 
und wir wurden gute Freunde. Die 
Missionare kamen mindestens zwei-, 
dreimal in der Woche zu uns. 

Als ich einundzwanzig Jahre alt 
war, ging ich nach Liege an die 
Hochschule. Liege war etwa 



KINDERSTERN 

2 



fünfundsechzig Kilometer von zu 
Hause entfernt. Die Missionare 
forderten mich auf, mich taufen zu 
lassen, und ich mußte eine 
Entscheidung treffen. Alles hing 
vom Zeugnis ab. Ich hatte Fragen 
zum Buch Mormon. Ich hatte mich 
zwar schon zu fünfundneunzig 
Prozent bekehrt, brauchte aber 
noch eine geistige Bestätigung. Die 
Missionare zeigten mir, wie ich diese 
Bestätigung erlangen konnte, indem 
sie mir beibrachten, wie man betet, 
mit mir beteten und mir die 
Antworten erklärten, die mir zuteil 
wurden. Ich ließ mich bald taufen. 
Und seit damals, als ich Mitglied 
unseres kleinen Zweiges wurde, 
habe ich beständig Fortschritt im 
Evangelium gemacht. 

Mein Glaube hat mir 
auch geholfen, dem Druck 
meiner Altersgenossen zu 
widerstehen. Ich war das 
einzige Mitglied der Kirche 
an der Hochschule und 
später auch in der belgischen 
Luftwaffe. Um den Versu- 
chungen zu widerstehen, 
brauchte ich Hilfe. Diese 
fand ich nicht einfach in 
einer Zeitschrift oder einem 
Buch. Ich mußte schon die innere 
Kraft aufbringen, die uns das 
Zeugnis von Jesus Christus schenkt. 
Doch wenn man einmal Glauben 
hat und darauf vertraut, findet man 
immer mehr Kraft. Der Glaube 
bestimmt dann alle Entscheidungen 
und die Richtung, die man 
einschlägt. 

Mein Vater schloß sich zwar 
niemals der Kirche an, war aber ein 
glühender Verfechter unseres Glau- 
bens, weil er an seiner Frau und 
seinen vier Kindern sah, welche 
Segnungen die Kirche bringt. (Meine 
Schwester und meine beiden Brüder 
ließen sich auch taufen.) Vor seinem 



Tod bat er mich, ihm einen Priester- 
tumssegen zu geben, und das tat ich 
auch. Wir unterhielten uns sehr 
ernsthaft miteinander, und er 
vertraute mir zum ersten Mal an, 
daß er Glauben hatte. Für ihn war 
das ein gewaltiger Schritt. 

Wenn man älter wird, ist man 
nicht mehr so fit wie früher. Gegen 
Ende des letzten Jahres bekam ich 
plötzlich große Rückenschmerzen. 
Ich konnte mich nicht mehr 
bewegen und hatte auch sonst 
Probleme. Doch durch einen Prie- 
stertumssegen und meinen Glauben 
an den Herrn wurde mein Rücken 
wieder besser. 

Ich meine, daß der Glaube unsere 
„Hausaufgabe" als Heilige der 



Ganz links: Eider 
Didier als kleiner 
Junge. Links: In der 
Luftwaffe. Unten: 
Eider Didier und 
seine Familie. 




Letzten Tage ist. Wenn ihr zur Schule 
geht, habt ihr zwar ein Lehrbuch, 
doch wenn ihr nicht jeden Tag eure 
Hausaufgaben macht, kommt ihr 
nicht weiter. Die heilige Schrift ist 
unser „Evangeliumslehrbuch", aber 
wir müssen auch unsere Hausauf- 
gaben machen. Wir müssen unseren 
Glauben üben, denn der Glaube ist 
tot, wenn er nicht Werke vorzu- 
weisen hat (siehe Jakobus 2:17). 

Ich lege euch Kindern ans Herz, 
auf eure Eltern zu hören und das zu 
beherzigen, was sie euch lehren. Die 
Lehren meiner Mutter und meines 
Vaters, die mir ein hervorragendes 
Beispiel gaben, haben mir eine 
Grundlage für mein ganzes Leben 
vermittelt. Sie waren zwar nicht 
vollkommen, und eure Eltern sind 
wahrscheinlich auch nicht voll- 
kommen. Aber wenn ihr ihre 
Schwierigkeiten von den wahren 
Grundsätzen unterscheiden könnt, 
die sie euch vermitteln und selbst 
voller Glauben einhalten, dann 

werdet ihr dafür gesegnet. 
Es macht viel aus, wenn ihr 
euch euren Eltern 
und dem Herrn 
zuwendet. D 






ERZÄHLUNG 

Carmen de Hernändez • 



ILLUSTRATION VON TAIA MORLEY 




ama, Mama!", schrie Juan und stürzte ins Haus. 
„Was ist denn los?", fragte die Mutter, ein 
wenig überrascht darüber, daß er so aufgeregt war. 

„Sie hatte recht! Sie hatte recht!", schrie Juan. 

„Sie hatte recht? Wer hatte recht? Wovon redest du 
überhaupt, Juan?" 

„Setz dich hin, Mama. Dann erzähle ich dir, was in 
der Schule los war." 

Die Mutter setzte sich und wandte Juan ihre ganze 
Aufmerksamkeit zu. 

„Wir haben uns im Geschichtsunterricht mit 
verschiedenen Kulturen beschäftigt. Manche beten 
andere Götter an und haben einen ganz anderen 
Glauben. Einige Kinder haben sich darüber lustig 
gemacht, und alle haben gelacht. Und dann hat die 
ganze Klasse angefangen, über die verschiedenen Reli- 
gionen zu diskutieren. Sie sind aufgestanden und habe 
ihre eigene Religion verteidigt und die Religionen der 
anderen angegriffen. Es war schrecklich laut, weil alle 
gleichzeitig geredet haben. 

Also ist die Lehrerin aufgestanden und hat gesagt, 
daß wir abwechselnd reden sollen. Sie sagte, jeder dürfe 
nach vorne kommen und seinen Glauben erklären. 
Aber als die anderen das hörten, bekamen sie Angst 
und haben sich wieder hingesetzt. Die Lehrerin stand 
da und wartete darauf, daß jemand nach vorne kam 
und etwas sagte. 

Und weißt du was, Mama? Keiner ist nach vorne 
gegangen. Aber manche Kinder haben sich etwas zuge- 
flüstert, beispielsweise: ,In meiner Kirche trinken wir 
keinen Alkohol.' Andere haben geflüstert: ,Wir auch 
nicht.' Oder: ,Wir gehen jeden Sonntag zur Kirche.' 
Dann kam die Antwort: ,Wir auch.' Aber das war auch 
schon alles. 

Ich habe mir das alles angehört. Dabei ist mir 
etwas eingefallen, was Schwester Piedrasanta in der 
PV gesagt hat. Sie sagt nämlich immer, daß wir die 
Glaubensartikel auswendig lernen und uns ihre 
Bedeutung einprägen sollen, weil es uns dann leichter 

KINDERSTERN 

4 



fällt, mit anderen Menschen über unseren Glauben zu 
sprechen. 

Also habe ich mich gemeldet und bin nach vorne 
gegangen, obwohl ich ziemlich viel Angst hatte." 

„Das war aber mutig, Juan", sagte die Mutter. „Was 
hast du denn gesagt? 

„Ich habe mir einfach vorgestellt, ich sei in der PV, 
und habe gesagt: ,Wir glauben an Gott, den ewigen 
Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den 
Heiligen Geist.' (1. Glaubensartikel.) ,Das bedeutet, daß 
die drei verschiedene Personen sind.' Dann habe ich 
erklärt, daß Gott Vater und Jesus Christus beide einen 
Körper haben. Ich habe gesagt: ,Sie haben Augen und 
eine Nase und Arme und Beine.' 

Da haben ein paar Kinder angefangen zu lachen. 
Aber ich habe an das gedacht, was Schwester 






Piedrasanta uns erklärt hat, und gesagt: ,In der Bibel 
heißt es, daß Gott den Menschen als sein Abbild 
erschaffen hat. Wir haben deshalb einen Körper aus 
Fleisch und Gebein, weil Gott einen hat.' (Siehe 
Genesis 1:27.) Und weißt du was, Mama? Alle waren 
still. Dann habe ich die Glaubensartikel weiter aufge- 
sagt. Alle haben aufmerksam zugehört. Und ich habe 
mich innerlich ganz stark gefühlt. 







Nach einer Weile habe ich noch gesagt: ,Wir gehen 
alle in dieselbe Schule. Wir sollten eigentlich Freunde 
sein und uns nicht wegen unseres Glaubens streiten 
und über andere spotten. Wir müssen einander lieben, 
und zwar unabhängig davon, was wir glauben.' Dann 
habe ich den 11. Glaubensartikel aufgesagt: ,Wir bean- 
spruchen für uns das Recht, Gott den Allmächtigen zu 
verehren, wie es uns das Gewissen gebietet, und wir 
gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu, mögen 
sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.' 

Da haben alle geklatscht und gerufen: Ja, Juan. Du 
hast recht!' Meine Lehrerin hat mich gefragt, wo ich so 
viel über meinen Glauben gelernt hätte. 

,In meiner PV-Klasse in der Kirche', habe ich geant- 
wortet. 

Dann ging der Geschichtsunterricht weiter. Aber 
jetzt wissen alle in meiner Klasse, woran die Heiligen 
der Letzten Tage glauben. Deshalb habe ich gesagt, daß 
Schwester Piedrasanta recht hatte. Es ist wirklich sehr 
hilfreich, wenn man die Glaubensartikel kennt." 

„Ich bin so stolz auf dich, Juan" sagte die Mutter 
lächelnd und nahm ihn ganz fest in den Arm. D 




DAS MITEINANDER 



Laß dein Licht leuchten 



Sydney S. Reynolds 




„So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit 
sie eure guten Werke sehen und euren Vater im 
Himmel preisen." (Matthäus 5:16.) 

Hast du schon einmal im Dunkeln Angst 
gehabt? Dann weißt du ja, wie sehr man sich 
über einen Lichtstrahl freut. Selbst ein 
kleines Licht macht einen großen Unterschied. 

Jesus Christus hat seinen Jüngern erklärt, daß sie das 
„Licht der Welt" seien. Er sagte, man stelle eine Kerze 
doch auch auf einen Leuchter, um das ganze Zimmer zu 
erhellen. Er sagte: „So soll euer Licht vor den Menschen 
leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren 
Vater im Himmel preisen." (Siehe Matthäus 5:14-16.) 

Man kann sein Licht unter anderem dadurch 
leuchten lassen, daß man anderen Menschen ein gutes 
Beispiel gibt. Wenn die anderen dein gutes Beispiel 
sehen, wissen sie, daß du den himmlischen Vater liebst, 
und haben den Wunsch, ihn ebenfalls zu ehren. 

Wir können unser Licht auch dadurch leuchten lassen, 
daß wir die Gebote halten. Wenn wir ehrlich sind, den 
Sabbat heilighalten und freundlich sind, lassen wir unser 
Licht leuchten. Und jedes kleine Licht bewirkt etwas! 

Wir können unser Licht aber noch auf andere Weise 
leuchten lassen. Eider Henry B. Eyring hat erklärt, daß 
er einem bestimmten Freund niemals vom Evangelium 
erzählt habe. Eines Tages erfuhr er, daß dieser Freund 
gestorben war. Manchmal fragt sich Eider Eyring nun, ob 
er seinen Freund im Himmel wiedersehen und dieser 
dann zu ihm sagen wird: „Du hast es doch gewußt. 
Warum hast du mir nichts darüber erzählt?" Heute gibt 
Eider Eyring Menschen auf der ganzen Welt Zeugnis. 
(Siehe „Eine warnende Stimme", Der Stern, Januar 1999, 
Seite 37 ff.) Wenn wir mit anderen Menschen über das 
Evangelium sprechen, lassen wir unser Licht leuchten. 

Wir können ein gutes Beispiel geben. Wir können 
anderen Menschen Zeugnis geben. Wir können schon 
heute Missionsarbeit leisten, indem wir unsere Freunde 
zur PV einladen. Unser Glaube an Jesus Christus nimmt 
zu, wenn wir unser Licht leuchten lassen. 

Anleitung 

Für das folgende Puzzle, das du beim Familienabend 
mit deiner Familie zusammensetzen kannst, klebst du 

KINDER 

6 



Seite 7 auf ein Stück dicke Pappe, die du dann entlang 
der dicken Linie faltest und an den Rückseiten zusam- 
menklebst. Schneide die einzelnen Puzzleteile aus, und 
leg sie in einen Behälter. Jeder in deiner Familie darf 
sich ein Puzzleteil nehmen und pantomimisch (also 
ohne Worte) darstellen, was auf dem Bild gezeigt wird. 
Wenn jemand errät, worum es sich handelt, legst du das 
Puzzleteil mit der Oberseite nach oben an die richtige 
Stelle. Das machst du so lange, bis das ganze Puzzle 
zusammengesetzt ist. 

Anregungen für das Miteinander 

1 . Zeigen Sie eine große Weltkarte, und lassen Sie ein paar Kinder 
zeigen, wo sie eines Tages eine Mission erfüllen möchten. Fragen Sie, 
was man alles tun muß, um sich auf eine Mission vorzubereiten, und 
zwar unabhängig davon, in welches Land man gesandt wird. (Mögliche 
Antworten: Man muß lernen, wie man kocht, fleißig arbeitet, freund- 
lich ist, näht, wäscht, dirigiert, Versammlungen leitet, im Buch Mormon 
liest, Zeugnis gibt.) Lassen Sie jede Klasse überlegen, was man wohl 
unbedingt lernen sollte, und dies dann pantomisch oder als Rollenspiel 
darstellen. Die Kinder sollen auch das berücksichtigen, was wir jeden 
Tag tun müssen, um ein gutes Beispiel zu geben. Sagen Sie zum Schluß, 
wie wichtig Sie es finden, daß wir jetzt durch unser Beispiel und später 
im Rahmen unserer Berufung Missionsarbeit leisten. 

2. Als Jesus seine Apostel berief, sagte er ihnen, sie seien nun 
„Menschenfischer" (siehe Matthäus 4:19). Schneiden Sie ein blaues 
Blatt so zu, daß es wie ein Teich aussieht, und hängen Sie es auf. 
Setzen Sie Papierfische in unterschiedlichen Größen, Formen und 
Farben in den Teich. Schreiben Sie vorher auf die Rückseite der Fische 
die Versangabe je einer Geschichte aus der heiligen Schrift, in der es um 
Fische bzw. Fischer geht. Beauftragen Sie eine Lehrkraft, die entspre- 
chende Geschichte zu erzählen. (Mögliche Geschichten: Jona und der 
große Fisch -Jona 1,2; die Speisung der Fünftausend - Markus 
6:33-44; die Tempelsteuer - Matthäus 17:24-27; die Berufung der 
Apostel - Matthäus 4:18-22; „Ich gehe fischen" -Johannes 21:3-6; 
ein Stück gebratenen Fisch - Lukas 24:36-A3). Wenn ein Kind sich 
für einen Fisch entschieden hat, lassen Sie die beauftragte Lehrkraft die 
entsprechende Geschichte erzählen. Fragen Sie das Kind, was man aus 
dieser Geschichte über das Evagenlium lernen kann. Weisen Sie auf die 
verschiedenen Farben und Größen der Fische hin, und erklären Sie, 
daß das Evangelium für „jede Nation, jedes Geschlecht, jede Sprache 
und jedes Volk" bestimmt ist (siehe 1 Nephi 19:17). Geben Sie 
Zeugnis, daß wir Freude finden, wenn wir „Menschenfischer" sind und 
mit anderen über das Evangelium sprechen. □ 

STERN 



Den Sabbat heilighalten 



Zeugnis geben 




Freunde zu PV-Aktivitäten 
einladen 



Freundlich zu anderen 
Menschen sein 





Ehrlich sein 



Laß dein Licht 
leuchten 




Ich lasse mein Licht leuchten 
indem ich . . . 





(Zeichne ein Bild, das darstellt, 

wie du andere Menschen am 

Evangelium teilhaben 

lassen kannst.) 



FREUNDE AUS ALLER WELT 



Mascha Tsemskowa 



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aus Puschkin in Rußland 




Marvin K. Gardner 

Sie wohnt ganz in der Nähe 
des wunderschönen Palastes, 
in dem vor langer Zeit eine 
russische Zarin lebte. Die Stadt, in 
der sie wohnt, wurde nach einem 
berühmten russischen Dichter 
benannt. Ganz in der Nähe ihrer 
Wohnung gibt es herrliche 
Gebäude, Statuen, Parkanlagen und 
Museen. 

Kann ein junges Mädchen in 
einer solchen Umgebung überhaupt 
etwas in seinen Mitmenschen 
bewegen? Ja - auf unauffällige, 
schlichte Weise. 

Die achtjährige Mascha (Maria) 
Tsemskowa wohnt in Puschkin, 
einer Stadt in der Nähe von St. 
Petersburg. Sie lebt mit ihrer 
Mutter, ihrem älteren Bruder und 
ihrer Großmutter in einer kleinen 
Wohnung in der obersten Etage 
eines Wohnblocks. Wenn Mascha 
lächelt, blitzen ihre blauen Augen, 
und die Grübchen in ihren Wangen 
vertiefen sich. Mascha ist ein 
freundliches, selbstloses Mädchen, 
das weiß, wie man anderen 
Menschen ein Freund ist. Und sie 
ist den Menschen, die sie kennen, 
sehr wichtig. 

„Sieh den großen Segen" 

Mascha und ihre Familie gehören 
zum Zweig Puschkin, der am Sonntag 
in einem in der Bibliothek gemie- 
teten Raum zusammenkommt. Alan 
Blodgett, ein Vollzeitmissoinar, der als 



KINDERSTERN 

8 



Zweigpräsident dient, sagt: „Obwohl es in der gesamten 
PV nur drei Kinder gibt, verpaßt Mascha nicht eine 
einzige Versammlung." Wenn du in den Zweig kämst, 
wäre Mascha bestimmt die erste, die dich begrüßt. Sie 
würde dir gleich das Gefühl geben, willkommen zu sein. 

Mascha geht gerne mit den übrigen Mitgliedern der 
Kirche auf Feste, Ausflüge und Aktivitäten. Vor allem 
spielt sie an warmen Sommertagen gerne im Park und 
fährt an kalten Winternachmittagen Schlitten. 

Weil der Zweig klein ist, kann Mascha in nahezu 
jeder Zeugnisversammlung Zeugnis geben. Und seit zwei 
Jahren - damals war sie sechs Jahre alt - spielt sie in 
fast jeder Versammlung Klavier oder leitet den Gesang. 
(Sie wechselt sich dabei mit ihrer dreizehnjährigen 
Kusine Katja ab.) Zuerst konnte Mascha nur die 
Melodie spielen. Aber inzwischen kann sie schon mit 
beiden Händen spielen. Die Lieder, die sie am liebsten 
spielt, heißen „Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn", 
„Stille Nacht, heilige Nacht" und „Sieh den Segen!". 

Zu den Segnungen, für die Mascha besonders 
dankbar ist, gehört die Gabe des Heiligen Geistes. Sie 
erzählt: „Als ich getauft wurde, war das Wasser im 
Schwimmbecken ziemlich kalt, und ich konnte kaum 
atmen. Aber als ich den Heiligen Geist empfing, 
wurde mir warm. Ich hatte wirklich ein gutes Gefühl 
dabei." 

Eine liebevolle Tutorin 

Mascha und ihre Familie helfen den Missionaren, wo 
sie können. Sie laden Freunde zu den Missionarslektionen 
ein. Sie laden die Missionare zum Abendessen ein. Und 
für die Missionare, die Hilfe bei der russischen Sprache 
brauchen, fungiert Mascha als liebevolle Tutorin. 



Links: Mascha und ihre Familie machen einen 
Ausflug zur Sommerresidenz von Katharina der 
Großen. Oben: Mascha mit ihrem Bruder Vadim, 
ihrer Großmutter und ihrer Mutter. Mitte: Mascha 
winkt vom Balkon ihrer Wohnung in Puschkin. Unten: 
Mascha übt zu Hause Klavier, damit sie in der Kirche 
Kirchenlieder spielen kann. 



OKTOBER 1999 

9 



„Sie unterhält sich immer mit den neuen Missio- 
naren und hilft ihnen, wie man Wörter richtig 
ausspricht", erzählt Samuel Drown. „Bei Mascha muß 
niemand Angst vor Fehlern haben, weil sie einem nicht 
das Selbstbewußtsein nimmt." Mascha bringt den 
Missionaren Spiele bei, anhand derer russische Kinder 
Wörter und Zahlen lernen. Einem Missionar gab sie 
einmal einen liebevollen Spitznamen, in dem ein Vokal 
vorkam, den der Missionar nicht richtig aussprechen 
konnte. Ihm gefiel diese lustige Lehrmethode gut - und 
er lernte, wie man den Vokal richtig ausspricht. 

Sich um andere Menschen kümmern 

Mascha leistet bei ihren Freundinnen Missionsar- 
beit. Sie hat schon vielen von der Kirche erzählt, und 
sie holt ihre Freundin Dascha, die nicht zur Kirche 
gehört, jeden Sonntag auf dem Weg zu den Versamm- 
lungen ab, weil es sonst niemanden gibt, mit dem 
Dascha mitgehen könnte. 

Als eine von Maschas Freundinnen Hilfe brauchte, 
erklärte sie ihr, wie man betet. „Sie hatte noch nie 
vorher gebetet", erzählt Mascha. „Deshalb habe ich ihr 
die ersten Male geholfen. Aber dann brauchte ich ihr 
nicht mehr zu helfen." 

Mascha mag kleine Kinder besonders gern - und sie 
läßt es einfach nicht zu, daß jemand sie ärgert. Einmal 
bedrohte ein größerer Junge mehrere kleine Kinder, 
indem er ihnen zuschrie, er werde sie mit dem Ast 
verhauen, den er in der Hand hielt. Als Mascha das sah, 
trat sie auf den Jungen zu und befahl ihm, die Kinder in 
Ruhe zu lassen. „Als ich mich umdrehte und mit den 
Kindern weiterging, schlug er mir mit dem Ast hinten auf 
die Beine." Das tat auf der nackten Haut sehr weh, aber 



Oben; Mascha, Vadim und der Missionar Blodgett 
machen eines der Wortspiele, anhand derer 
Mascha den Missionaren russische Wörter und 
Zahlen beibringt. Mitte: Weil Mascha ein so 
fröhlicher und liebevoller Mensch ist, hat sie viele 
Freunde. Unten: Maschas Bruder Vadim gehört zu 
ihren besten Freunden. 




KINDERSTERN 

10 



Mascha versuchte nicht, sich zu rächen. Es war ihr wich- 
tiger, die kleinen Kinder aus seiner Nähe zu bringen. 
Wenn Mascha groß ist, möchte sie einmal selbst 
Kinder haben. Und sie möchte Erzieherin werden und 
sich um heimatlose Waisenkinder kümmern. Maschas 
Mutter sagt: „Wenn jemand traurig ist und weint, dann 
bemüht Mascha sich, ihm zu helfen. Sie hat eine ganz 
besondere Art, mit Menschen umzugehen, denen es 
nicht gutgeht." 

Ihr Bruder ist ihr Freund 

Zu Maschas besten Freunden gehört ihr fünfzehn- 
jähriger Bruder Vadim, der Lehrer im Aaronischen Prie- 
stertum ist. Ehe sich ihre Eltern vor vielen Jahren 
scheiden ließen, war das Leben unberechenbar und 
schwierig. Vielleicht sind sich Mascha und Vadim 
deshalb so nahe. Wenn man sie so miteinander scherzen 
und spielen sieht, wird ganz deutlich, daß sie gerne 
zusammen sind. Wenn Vadim seiner Schwester Kompli- 
mente wegen ihres Klavierspiels macht, antwortet sie: 
„Eines Tages werde ich dir schon noch Klavierspielen 
beibringen." Und das meint sie ernst. 

„Du tröstest und beschützt mich" 

Ludmilla, Maschas Mutter, arbeitet von montags bis 
samstags in einem Geschäft in der Innenstadt. Sie hat 
diese neue Stelle erst vor kurzem angetreten, damit sie 
sonntags nicht arbeiten muß. Seit ihrer Taufe vor drei 
Jahren ist sie FHV-Leiterin. Mascha lernt von ihr viel 
über das Dienen. 

„Wenn wir erfahren, daß jemand Hilfe braucht", 
sagt Schwester Tsemskowa, „dann helfen die Schwe- 
stern im Zweig nach besten Kräften." Eine junge 
Mutter, deren Mann sonntags arbeiten muß, schafft es 
nicht allein, mit ihren zwei Säuglingen zur Kirche zu 
kommen. Deshalb helfen Mascha und ihre Mutter der 
jungen Frau so manchen Sonntag, sich und die Kinder 
für die Kirche fertig zu machen. Mascha spielt auch 
manchmal mit den Säuglingen, damit ihre Mutter sich 
ausruhen kann. 

Mascha schreibt gern Gedichte. In manchen 
Gedichten geht es darum, wie schön die Natur ist. 



Andere erzählen von der Liebe, die sie für ihre Mutter 
und ihre Großmutter empfindet. Vor kurzem hat 
Mascha in einem Gedicht ausgedrückt, wie dankbar sie 
dafür ist, daß sie, wenn sie nachts aufwacht, „zu dir 
hinübergehen kann, Mutter. Und du tröstest und 
beschützt mich, du, meine liebe Mutter." 

„Vom himmlischen Vater gesandt" 

Tsoja Maximowna, Maschas Großmutter, wohnt bei 
der Familie ihrer Tochter und sorgt für die Kinder, 
während die Mutter arbeitet. Schwester Maximowna 
hat früher als Köchin gearbeitet - und sie kocht noch 
immer viele leckere Gerichte. Sie und Ludmilla haben 
Mascha und Vadim beigebracht, Geschirr zu spülen, 
Betten zu machen, die Wohnung zu fegen und bei 
anderen Hausarbeiten zu helfen. „Ich weiß, daß Mascha 
vom himmlischen Vater in diese Familie gesandt 
wurde", sagt sie. „Denn sie hilft uns viel und ist ein 
ganz besonderer Mensch." 

„Er hilft mir" 

Das vorrangigste Ziel der Familie besteht derzeit 
darin, gemeinsam in den Tempel zu gehen. Maschas 
Mutter hat die lange Reise nach Schweden zum Stock- 
holm-Tempel bereits mit mehreren anderen Mitgliedern 
gemacht. Vadim und Mascha möchten sich gerne für 
die Toten taufen lassen, und eines Tages wollen beide 
im Tempel heiraten. 

Um sich dafür bereitzumachen, lesen sie jeden 
Abend im Buch Mormon. Und beten als Familie. 
Maschas Klavierspiel - vor allem das Spielen der 
Kirchenlieder - trägt zur Eintracht in der Familie bei. 
Alle machen gerne gemeinsam Spiele und essen 
Popcorn oder einen Nachtisch, den die Mutter oder die 
Großmutter zubereitet hat. 

Mascha weiß, daß der himmlische Vater sie liebt. „Er 
hilft mir und segnet mich", sagt sie. „Er hat mir eine 
wundervolle Großmutter, eine wundervolle Mutter und 
einen wundervollen Bruder geschenkt. Und ich kann 
den Heiligen Geist spüren. Der Heilige Geist hilft mir, 
an Gott zu glauben und die Gebote zu halten. Er hilft 
mir beim Lernen. Er gibt mir Kraft." D 



OKTOBER 1999 
11 






Krabbelsack mit Geschichten 
aus dem Neuen Testament 



Wenn du dieses Spiel 
spielen willst, mußt 
du diese beiden Seiten 
heraustrennen. Kleb die 
Bildkarten auf dünne Pappe, 
schneide sie aus und leg sie 
in eine kleine, feste Tüte. 
Der erste Spieler zieht eine 

Karte aus der Tüte und erzählt die Geschichte aus dem 
Neuen Testament, an die die Karte ihn erinnert. Es gibt 
keine falschen Antworten, aber der Spieler muß die 
Geschichte erzählen, an die die Karte ihn erinnert. Die 




Corliss Clayton 



Opfer der Witwe, an das 
Gleichnis vom anvertrauten 
Geld, an die Geldwechsler im 
Tempel oder an eine andere 
Geschichte. Wenn einem 
Spieler keine Geschichte 
einfällt, können die anderen 
ihm helfen. Spielt so lange, 
bis zu jeder Karte mindestens eine Geschichte erzählt 
worden ist. Du kannst das Spiel mit den Karten zum 
Alten Testament erweitern (siehe Kinderstem, Oktober 
1998, Seite 13) und so Geschichten aus der gesamten 



ILLUSTRATION VON DICK BROWN 



Geldkarte beispielsweise erinnert ihn vielleicht an das Bibel erzählen lassen. 



VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN 




Matteo Duca 



Ashley Cailister 



Germern Andres Tovar Contreras 



SO LEBEN, DASS MAN DEM HERRN NAHE IST 



Matteo Duca 

Ich bin dem Herrn nahe, wenn 
ich die Gebote halte, die Jesus 
uns gegeben hat. Letztes Jahr zu 
Weihnachten wurde mir beispiels- 
weise eine Praline angeboten, die 
mit Alkohol gefüllt war. 




Wir haben ja gelernt, das Wort der 
Weisheit zu befolgen, und deshalb 
habe ich die Praline nicht gegessen. 
Ich kann auch dann wie Jesus sein, 
wenn ich es geduldig ertrage, daß 
meine Freunde über mich spotten 
und mich dafür necken, daß ich 
versuche, die Gebote zu halten, die 
ich in der Kirche lerne. Außerdem 
kann ich Jesus dadurch nach- 
folgen, daß ich den Sabbat 
heilighalte und nicht zu 
Sportveranstaltungen ins 
Stadion gehe. D 
Matteo Duca, elf Jahre alt, 
Zweig Udine, 
Distrikt Triest, Italien 



KINDERSTERN 

14 




MEINE ELTERN 
EHREN 

Gemän Andres Tovar Contreras 

fenn ich das Gebot, meinen 
Vater und meine Mutter zu 
ehren, halte, kann ich wie Jesus sein. 
Er hat dem himmlischen Vater und 
Josef und Maria, seinen irdischen 
Eltern, gehorcht. Und außerdem 
meine ich, daß ich dem himmli- 
schen Vater gehorche und ihn ehre, 
indem ich meine Mutter und 
meinen Vater ehre. Ich weiß, daß es 
mir leichter fällt, die Gebote zu 
verstehen und zu halten, die der 
himmlische Vater uns gibt, wenn ich 
meinen Eltern gehorche. Ich weiß, 
daß Jesus Christus unser Führer ist 
und uns ein Beispiel gegeben hat. 
Ich möchte so sein wie er. D 
Germän Andres Tovar Contreras, 
neun Jahre alt, 
Gemeinde Cuidad Jardin, 
Pfahl Cuidad Jardin, Bogota, Kolumbien 



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NEUN JAHRE ALT 

UND SCHON MISSIONAR 



Ashley Ca II ister 

Eines Abends kam meine Grund- 
schulrektorin zu einem Gespräch 
zu uns nach Hause. Anschließend 
habe ich sie gefragt, ob sie ein Buch 
Mormon habe. Sie antwortete, sie 
habe keins, hätte aber gerne eins. 

Drei Wochen später ging ich zu 
einer Fireside der Missionare. Die 
Missionare gaben mir ein Buch 
Mormon zum Verschenken mit. 
Zuerst wußte ich nicht recht, wem 
ich es geben sollte. Aber dann 
flüsterte der Heilige Geist mir den 
Namen meiner Rektorin zu. 

Ich sagte meinem Vater, daß ich 
ihr das Buch Mormon bringen 
wollte. Dann markierte ich eine 
meiner Lieblingsschriftstellen, 
nämlich 1 Nephi 3:7. Vati brachte 
mich nach der Fireside zu ihr, und 
ich gab ihr das Buch Mormon. 

Als die Missionare einen Monat 
später zum Abendessen zu uns 
kamen, fragten sie, ob ich 
jemanden kennen würde, 
den sie besuchen 
könnten. Ich erzählte 
ihnen von der netten 



Dame, der ich das Buch Mormon 
geschenkt hatte. 

Als die Missionare das nächste 
Mal zum Abendessen kamen, sagten 
sie, daß sie meine Rektorin besucht 
und das Gefühl hätten, sie würde 
sich eines Tages der Kirche ansch- 
ließen! D 

Ashley Callister, neun Jahre alt, 
Gemeinde Merced 1 , 
Pfahl Merced, Kalifornien 



VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN 

Wir würden gerne von einem 
Erlebnis hören, das du gehabt hast, 
als du versucht hast, wie Jesus zu 
sein. Der Artikel darf nicht länger als 
drei Seiten sein (zweizeilig und mit 
der Maschine oder der Hand 
geschrieben) . Du kannst dir von 
jemandem beim Schreiben helfen 
lassen. Bitte schicke mindestens ein 
Foto von dir mit, und gib deinen 
Namen, dein Alter, deine Adresse, 
deine Telefonnummer, deine 
Gemeinde bzw. deinen Zweig und 
deinen Pfahl bzw. Distrikt an. Sende 
deinen Artikel an Trying to Be like 
Jesus, International Magazine, 50 East 
North Temple Street, Salt Lake City, 
LT 84150-3223, LSA.Du erreichst 
uns auch per e-mail unter CUR- 
Liahona-lMag@ldschurch.org. 




LIED 



GEBURTSTAG FEIERN 




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Fröhlich J. = 66-72 
(zwei Schläge pro Takt) 

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Text: Wallace F. Bennett, 1898-1993 
Musik Tracy Y. Cannon, 1879-1961 

Dieses Lied darf für den gelegentlichen, nichtkommerziellen 
Gebrauch in der Kirche und in der Familie kopiert werden. 



4. Glaubensartikel 
LuB 68:27 



KINDERSTERN 

16 



BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



DER GEIST GAB ZEUGNIS 



Als junger Mann hatte 
Brigham Young zwei Jahre 
lang zu kämpfen, bis er 
erkannte, daß das Evangelium wahr 
ist. Seine Suche fand schließlich 
durch das schlichte Zeugnis eines 
Missionars ein Ende - „eines Mannes 
ohne Beredtsamkeit, . . . der nur sagen 
konnte: ,Ich weiß, durch die Macht 
des Heiligen Geistes, daß das Buch 
Mormon wahr ist, daß Joseph Smith 
ein Prophet des Herrn ist.'" Präsident 
Young sagte später: „Da erleuchtete 
mir der Heilige Geist, der aus diesem 
Menschen drang, den Verstand, und 
Licht, Herrlichkeit und Unsterblich- 
keit waren vor mir." (Lehren der Präsi- 
denten der Kirche: Brigham Young, 
1995, Seite 315.) Wenn der Heilige 
Geist dem Herzen und dem Verstand 
eines Menschen die Wahrheit eingibt, 
dann schwinden Finsternis und 
Zweifel dahin. 

„HIMMLISCHER VATER, BIST DU DA?" 

In einer kleinen Stadt in 
Argentinien lud ein Mann zwei 
junge Missionare zu sich nach Hause 
ein - aber nur deshalb, weil er ihnen 
sagen wollte, wie er zu ihrer Kirche 
stand. Er war zornig, schlecht infor- 
miert und ziemlich aggressiv. Mit vor 
Wut rotem Gesicht drohte er den 
beiden jungen Männern 
mit den Fäusten. 

Ein Missionar fragte 
leise, ob er ein Erlebnis aus 
seinem Leben erzählen 
dürfe. Der Mann ließ sich 
von der Frage ein wenig 
beruhigen und stimmte 
zögernd zu. 

Der Missionar begann: 
„Als ich in das Flugzeug 



stieg, das mich nach Argentinien 
bringen sollte, wo ich meine 
Mission erfüllen wollte, war ich tief- 
traurig. Es tat mir sehr weh, meine 
Familie zwei Jahre lang nicht sehen 
zu dürfen, und ich begann zu 
schluchzen. In Gedanken schrie 
ich: Himmlischer Vater, bist du da? 
Tue ich das Richtige? Ich fühle mich so 
allein. Plötzlich erfüllten Trost, 
Frieden und Liebe meine Seele. Ich 
wußte, daß alles gut werden würde, 
daß Gott mich kannte und daß das, 
was ich tat, richtig war. Ich wußte, 
daß er mich nicht im Stich lassen 
würde. Der Geist gab meiner Seele 
von diesen Wahrheiten Zeugnis. 
Seitdem bin ich ein ganz anderer 
Mensch." 

Der Missionar hielt inne, und der 
Raum war vom Geist erfüllt. Der 
Missionar schaute dem Mann in die 
Augen und sagte: „Der Geist, der 
meiner Seele Frieden zugesprochen 
hat, ist derselbe Geist, der Ihnen 
Zeugnis geben wird, daß die 
Botschaft, die wir Ihnen gebracht 
haben, wahr ist." Dann fuhr er fort: 
„Ihre Aufgabe dabei ist es, sich zu 
demütigen, den Wunsch zu haben, 
die Wahrheit zu erkennen, sich um 
Verständnis zu bemühen und Gott 
um Bestätigung zu bitten." 




Der Mann wollte etwas sagen, 
wurde aber von seinen Gefühlen 
überwältigt. Völlig durcheinander 
suchte er nach einer logischen 
Erklärung für das, was gerade 
geschehen war. Als ihm das nicht 
gelang, führte er die Missionare 
einfach zur Tür. Vielleicht wird er das 
Evangelium niemals annehmen, aber 
er wurde wenigstens einmal in 
seinem Leben vom Geist angerührt 
und von wahren Knechten des Herrn 
unterwiesen. 

EINE GABE FÜR ALLE 

Als Schwestern im Evangelium 
wollen wir immer daran denken: „Es 
ist ein besonderer Vorzug und Segen 
des heiligen Evangeliums, daß jeder 
wahre Gläubige die Wahrheit selbst 
erkennen kann." (Lehren der Präsi- 
denten der Kirche: Brigham Young, 
Seite 317.) Wie unser Leben auch 
immer aussehne mag - ob wir dabei 
sind, ein Zeugnis zu erlangen, ob wir 
das Zeugnis festigen, das wir bereits 
erhalten haben, ob wir Hilfe und 
Trost im Zusammenhang mit einem 
schwierigen Problem bzw. einer 
schwierigen Entscheidung suchen, 
ob wir wissen wollen, wie wir unsere 
Familie stark machen und noch 
besser in unseren Berufungen dienen 
können - wir können 
ein Zeugnis des Geistes 
empfangen, wenn wir uns 
darum bemühen. Der Herr 
hat ja selbst verheißen: 
„Ich will dir von meinem 
Geist mitteilen, und er 
wird dir den Verstand 
erleuchten, und er wird dir 
die Seele mit Freude 
erfüllen." (LuB 11:13.) D 



Was Propheten über Keuschhe 




Die folgenden Aussagen von einigen 
Propheten, Sehern und Offenbarern 
des Herrn untermauern das Gebot 
des Herrn in bezug auf Keuschheit 
und Treue in der Ehe. 

Präsident Gordon B. Hinckley: 

„So schwierig es auch erscheinen 
mag - es gibt eine Möglichkeit, in 
unserer Zeit nach konservativen 
Moralvorstellungen zu leben. Aus 
irgendeinem unbekannten Grund 
wird immer wieder die falsche 
Ausrede gebraucht, es sei vor langer Zeit einmal 
leicht gewesen, tugendhaft zu sein; heute aller- 
dings sei dies schwer. Ich möchte allen, die so 
denken, deutlich machen, daß es seit der Erschaf- 
fung noch nie eine Zeit gegeben hat, wo dieselben 
Kräfte, die heute am Werk sind, nicht auch am 
Werk gewesen wären. Das Ansinnen, das Potifars 
Frau in Ägypten an Josef richtete, unterscheidet 
sich gar nicht so sehr von dem, was viele Männer 
und Frauen und Jugendliche in der heutigen Zeit 
erleben. 

Vielleicht sind die Strömungen heute deutlicher und 
auch verführerischer, aber wir sind heute nicht mehr 
Zwang ausgesetzt als die Menschen damals. Niemand 
kann sich vollkommen vor solchen Strömungen 
schützen. Wir sind davon regelrecht umgeben. Unsere 
Kultur ist davon durchdrungen. Doch die Selbstdiszi- 
plin, die Josef an den Tag legte, bringt auch heute 
denselben Nutzen. Trotz der sogenannten ,neuen 
Moral', trotz der vieldiskutierten Veränderungen in den 
sittlichen Maßstäben, gibt es keinen adäquaten Ersatz 




it und Treue in der Ehe sagen 



für Tugend. Gottes Maßstäbe mögen zwar überall auf der 
Welt auf den Prüfstand gestellt werden, aber Gott hat 
seine Gebote deshalb nicht für ungültig erklärt. 

Die Übertretung seiner Gebote führt heute wie 
damals nur zu Reue, Kummer, dem Verlust der Selbst- 
achtung und manchmal sogar tragischen Konse- 
quenzen." („With All Thy Getting Get Understanding", 
Ensign, August 1988, Seite 4.) 

„Pornographie ist die Literatur des Teufels. Meiden Sie 
sie. Lassen Sie die Finger davon. Heben Sie lieber Ihre 
Augen und Ihren Sinn empor zu den höheren, edleren 
Aspekten des Lebens. . . . Denken Sie daran: .Schlecht zu 
sein hat noch nie glücklich gemacht.' (Alma 41:10.) Zu 
sündigen hat noch nie Glück gebracht. Zu übertreten hat 
noch nie Glück gebracht. Ungehorsam zu sein hat noch 
nie Glück gebracht." („To a Man Who Has Done What 
This Church Expects of Each of Us", Ansprache an der 
Brigham-Young-Universität, 1995.) 

Präsident Ezra Taft Benson (1899-1994) : 
„Die Sünde, die unsere Generation 
plagt, ist sexuelle Unmoral. Von daher, 
hat der Prophet Joseph Smith gesagt, 
würden mehr Versuchungen kommen, 
mehr Schläge des Teufels, mehr 
Schwierigkeiten für die Altesten Israels, 
als von irgendwo sonst." („Das Gefäß innen säubern", 
Der Stern, Juli 1986, Seite 3.) 

„Lassen Sie sich nicht vom Satan in die Irre führen! In 
unsittlichem Verhalten findet man kein dauerhaftes 
Glück. Wenn man das Gesetz der Keuschheit übertritt, 
kann man keine Freude finden. Ganz im Gegenteil. Man 
mag kurzfristig Vergnügen empfinden, und es kann eine 
Zeitlang so aussehen, als ob alles wunderbar wäre, aber es 
dauert nicht lange, bis die Beziehung zerbricht und 




Schuld- und Schamgefühle einsetzen. Dann befürchten 
wir, unsere Sünden könnten ans Licht kommen, und 
müssen Versteck spielen, lügen und betrügen. Die Liebe 
beginnt zu sterben. Bitterkeit, Eifersucht, Zorn und sogar 
Haß treten an ihre Stelle. All das sind die natürlichen 
Folgen von Sünde und Übertretung. 

Wenn wir aber andererseits das Gesetz der Keuschheit 
befolgen und uns sittlich rein halten, erleben wir mehr 
Liebe und Frieden, haben größere Achtung vor unserem 
Ehepartner und bringen ihm mehr Vertrauen entgegen, 
fühlen uns einander mehr verpflichtet und spüren 
deshalb tiefe Freude und Glück. . . . 

Entschließen Sie sich jetzt dazu, keusch zu bleiben. 
Man muß sich nur einmal dazu entschließen, keusch und 
tugendhaft zu bleiben. Treffen Sie diese Entscheidung 
jetzt, und zwar so fest und endgültig, daß sie nie erschüt- 
tert werden kann." („Das Gesetz der Keuschheit", Der 
Stern, Oktober 1988, Seite 38.) 

Präsident James E. Faust: „Die Verant- 
wortung, die mit dem göttlichen Prozeß 
des Lebensspendens verbunden ist, und 
die Funktionen unseres Körpers sind so 
heilig, daß sie nur innerhalb des 
Ehebundes ausgeübt werden dürfen. 
Wer diese Verantwortung aus irgend- 
einem Grund nicht auf sich nimmt und ihr nicht 
entspricht, und auch wer sie auf sich nimmt, darf sich 
niemals vom Gesetz der Keuschheit abwenden, wenn er 
wirklich glücklich sein will. Von allen Mitgliedern dieser 
Kirche, die nach ewiger Freude und ewigem Frieden 
streben, wird erwartet, daß sie - wie es dann sicher auch 
ihr Wunsch ist - frei von sexueller Übertretung an den 
Traualtar treten - keusch und rein." („The Sanctity of 
Life", Ensign, Mai 1975, Seite 27.) 




OKTOBER 

27 



19 9 9 




Präsident Spencer W. Kimball (1895- 
1985): „Sünde ist und bleibt Sünde, 
und das wird immer so sein. Wir treten 
für ein reines Leben ein. Von der Kind- 
heit über die Jugendzeit bis hin zum 
Grab verkünden wir, daß sexuelle Aktiv- 
itäten jeglicher Art vor der Ehe schlecht 
sind, und wir verkünden, daß jeder, der verheiratet ist, 
sich an die Bündnisse halten muß, die er eingegangen ist. 
Oder anders ausgedrückt: Wie schon häufig gesagt 
wurde, müssen Mann und Frau vor der Ehe völlig keusch 
leben und einander in der Ehe vollkommen treu sein." 
(„The Time to Labor Is Now", Ensign, November 1975, 
Seite 7.) 

„Meine lieben jungen Leute, wer euch eurer Tugend 
berauben will, ist nicht euer Freund. Ein Mädchen liebt 
euch nicht wirklich, wenn es euch in Versuchung führt 
oder euch nachgibt. Ein solcher Mensch ist euer Feind. 
Wer von euch verlangt, der Leidenschaft nachzugeben 
und sie zu befriedigen, und dabei von Liebe spricht, der 
lügt; denn wen man liebt, den nutzt man nicht aus." 
(Gebietskonferenz in Sydney, Australien, 1976.) 

Eider Neal A. Maxwell: „Die Welt ist 
bestrebt, Herr über die Krankheiten zu 
werden, die auf sexuelle Unsittlichkeit 
zurückzuführen sind, ohne dabei aber die 
Grundsätze der Treue und Keuschheit zu 
berücksichtigen. Die Welt versucht in 
ihrer Weisheit ständig, sich dem natür- 
lichen Menschen anzupassen, während die Weisheit des 
Evangeliums darauf ausgerichtet ist, uns dazu zu 
bewegen, den natürlichen Menschen abzulegen. (Siehe 
Mosia 3:19.) Das ist der entscheidende Faktor. Da liegt 
der große Unterschied!" („The Inexhaustible Gospel", 
Ensign, April 1993, Seite 71 f.) 

„Meine jungen Freunde, erwartet nicht, daß die Welt 
das siebte Gebot beachtet, nämlich Keuschheit vor der 
Ehe und Treue in der Ehe. Manche Menschen 
empfinden zwar echtes Bedauern hinsichtlich der Folgen, 
die dessen Übertretung mit sich bringt, beispielsweise die 
erschütternde und beispiellose Tatsache unehelicher 
Kinder und des Zerbrechens der Ehe. Dennoch verurteilt 





die Welt sexuelle Unsittlichkeit an sich nicht, solange die 
Übertreter noch lobenswerte Eigenschaften aufweisen 
und sich in gewisser Weise .politisch korrekt' verhalten. 
Wir müssen das siebte Gebot aber deshalb halten, weil es 
geistig korrekt ist, und nicht deshalb, weil wir von 
anderen gesellschaftlichen Institutionen darin bestärkt 
werden." („The Pathway of Discipleship", Ansprache an 
der Brigham-Young-Universität, 1997.) 

Präsident Thomas S. Monson: „Es ist 
nicht schwer, die spöttischen, geschmack- 
losen Bemerkungen von törichten 
Menschen zu ignorieren, die über 
Keuschheit, Ehrlichkeit und das Befolgen 
der Gebote Gottes lachen. Die Welt hat es 
noch nie zu schätzen gewußt, wenn man 
sich an Grundsätze hält. . . . Als Noach angewiesen wurde, 
eine Arche zu bauen, da schauten die dummen Leute zum 
wolkenlosen Himmel auf und spotteten und lästerten - bis 
es zu regnen begann." (Generalkonferenz, April 1967.) 

Eider Russell M. Nelson: „Wenn du 
heiratest, werden du und dein ewiger 
Gefährte die Fortpflanzungskraft 
anwenden, damit ihr Freude habt und 
euch über eure Nachkommen freuen 
könnt. Diese Gottesgabe wird durch das 
Gesetz der Keuschheit geschützt, das uns 
der Schöpfer gegeben hat." („Sich selbst meistern", Der 
Stern, Januar 1986, Seite 27.) 

Eider Dallin H. Oaks: „Die Kraft, 
sterbliches Leben zu erschaffen, ist die 
erhabenste Kraft, die Gott seinen Kindern 
geschenkt hat. Von ihr Gebrauch zu 
machen, wird uns im ersten Gebot aufer- 
legt, aber es wurde noch ein weiteres 
wichtiges Gebot gegeben, in dem ihr 
Mißbrauch untersagt wird. Daß wir auf das Gesetz der 
Keuschheit solchen Nachdruck legen, ist damit zu 
erklären, wie wir den Sinn und Zweck unserer 
Fortpflanzungskraft im Rahmen des göttlichen Plans sehen. 
Daß wir unserer Fortpflanzungskraft Ausdruck geben, 
gefällt Gott, aber er hat geboten, daß es innerhalb der 
Ehe geschehen soll. Präsident Spencer W Kimball hat 





DER STERN 

28 




erklärt: ,1m Rahmen einer gesetzmäßigen Ehe ist eine 
intime sexuelle Beziehung rechtens und von Gott gebil- 
ligt. An der Sexualität an sich ist nichts Unheiliges oder 
Entwürdigendes; denn durch sie vereinen sich Mann und 
Frau im Zeugungsakt und als Ausdruck ihrer Liebe.' (The 
Teachings of Spencer W. Kimball, Edward L. Kimball Hg., 
Salt Lake City, 1982, Seite 311.) 

Außerhalb der Ehe ist jeder Gebrauch der Fortpflan- 
zungskraft bis zu einem gewissen Grade eine sündige und 
entwürdigende Umkehrung der göttlichsten Eigenschaft 
der Menschen." („Der große Plan des Glücklichseins", 
Der Stern, Januar 1994, Seite 69.) 

Präsident Boyd K. Packer: „Der schnelle 
und drastische Niedergang der Werte 
wird durch die nahezu besessene Beschäf- 
tigung mit dem Zeugungsakt gekennzei- 
chnet. Die Enthaltsamkeit vor der Ehe 
und die Treue in der Ehe werden offen 
verspottet, Ehe und Elternschaft als 
unnötige Belastung lächerlich gemacht. Anstand, eine 
Tugend der zivilisierten Menschen und der zivilisierten 
Gesellschaft, ist kaum noch zu finden." („Unsere 
moralische Umwelt", Der Stern, Juli 1992, Seite 61.) 

Eider Richard G. Scott: „Im Rahmen 
des dauerhaften Ehebündnisses erlaubt 
der Herr Mann und Frau, die heiligen 
Kräfte der Fortpflanzung in all ihrer 
Lieblichkeit und Schönheit anzuwenden, 
und zwar innerhalb der Grenzen, die er 
gesetzt hat. Ein Zweck dieses intimen, 
heiligen und vertraulichen Erlebens besteht darin, Körper 
für die Geister zu schaffen, die der himmlische Vater in 
die Sterblichkeit schicken möchte. Ein weiterer Grund für 
diese starken und schönen Gefühle der Liebe ist, Mann 
und Frau in Treue, Loyalität, gegenseitiger Rücksicht- 
nahme und einer gemeinsamen Absicht zu verbinden. 

Diese intimen Handlungen hat der Herr jedoch 
außerhalb des dauerhaften Ehebündnisses verboten, weil 
sie sonst seine Absichten untergraben würden. Innerhalb 
des heiligen Bündnisses der Ehe gehören solche Bezie- 
hungen zu seinem Plan. Kommen sie auf irgendeine 
andere Art und Weise zustande, widerspricht das seinem 




Willen. Sie verursachen schweren Schaden geistiger und 
emotionaler Art. Obwohl die Betreffenden im Moment 
nicht bemerken, daß Schaden entsteht, so werden sie es 
später bemerken. Sexuelle Unmoral schafft eine Barriere 
gegen den Heiligen Geist und seine Fähigkeit, emporzu- 
heben, zu erleuchten und Kraft zu spenden. Sie verur- 
sacht starke körperliche und emotionale Erregung. Mit 
der Zeit weckt sie einen unstillbaren Hunger, der den 
Übertreter in immer schwerwiegendere Sünden treibt. 
Sie verursacht Selbstsucht und kann zu aggressiven 
Handlungen führen wie beispielsweise Brutalität, Abtrei- 
bung, sexuellem Mißbrauch und Gewaltverbrechen. 
Solche Stimulation kann zu homosexuellen Handlungen 
führen, und so etwas ist schlecht und absolut falsch." 
„Die richtigen Entscheidungen treffen", Der Stern, 
Januar 1995, Seite 34.) 

Eider Joseph B. Wirthlin: „Steht über 
dem Fluch der Unsittlichkeit, der die 
Erde quält. Erhebt euch über die 
Verkommenheit von Pornographie, 
Obszönität und Schmutz. Seid tugend- 
haft und rein. Haltet eure jungen 
Schwestern im Evangelium hoch, indem 
ihr das knospende Frauentum achtet und ihre Tugend 
verteidigt. Wenn ihr mit ihnen zusammen seid, verhaltet 
euch immer gemäß den Geboten Gottes. Ihr wollt, daß 
eure Freundin sauber und rein bleibt. Genau wie ihr die 
Reinheit eurer Schwester aus der eigenen Familie 
schützen würdet, so schützt auch die Tugend eurer 
Schwestern aus Gottes Familie." („Seid gehorsam", Der 
Stern, Juli 1994, Seite 36.) 

„Ein weiteres wesentliches Kennzeichen des Evange- 
liums ist das Befolgen des Gesetzes der Keuschheit, das 
der Herr aufgestellt hat. Seit alters bis heute gebietet der 
Herr seinem Volk, dieses Gesetz zu befolgen. Solche 
strikte Moral erscheint in unserer Zeit, in der die Medien 
Pornographie und Unmoral als normal und völlig akzep- 
tabel hinstellen, vielleicht als merkwürdig und überholt. 
Aber denken Sie daran, daß der Herr das Gesetz der 
Keuschheit niemals widerrufen hat." („Die Früchte des 
wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi", Der Stern, 
Januar 1992, Seite 14 f.) D 




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Wahre 

Grundsätze 

sittlicher 

Reinheit 



DER SATAN HAT IN DEN LETZTEN TAGEN EINEN ERBARMUNGSLOSEN ANGRIFF AUF 

KEUSCHHEIT UND TREUE IN DER EHE BEGONNEN. ABER WIR KÖNNEN SEINEN 

VERSUCHUNGEN WIDERSTEHEN, INDEM WIR UNS MIT DEN LEHREN DES HERRN 

UND DEN WAHRHEITEN DES EVANGELIUMS IN EINKLANG BRINGEN. 



Terrance D. Olsen 



Es war der Ausdruck in den Augen seines Sohnes, der 
Berthold* zwang, sich die Wahrheit einzugestehen. 
Plötzlich sah er hinter dem Schmerz und der Verwirrung 
seines Kindes, wie katastrophal sich sein Ehebruch auf seine 
Ehe ausgewirkt hatte. Er fühlte sich schuldig 

Jahre zuvor hatte Berthold begonnen, sich darüber zu 
beklagen, daß seine Frau zu viel Zeit mit den Kindern und im 
Dienst für die Kirche verbrachte. „Ich fühlte mich vernach- 
lässigt", erklärt er. Damals fing er an, die Liebe, die seine Frau 
für die Kinder und das Evangelium empfand, als Last zu 
betrachten. 

Im Lauf der Zeit nahm er die Sichtweise der Welt an und 
redete sich ein, Keuschheit sei nicht notwendig. „Eine Affäre 
ist doch keine große Sache", beruhigte er sich. ,Wir oXLe 
ändem uns, denn jeder macht verschiedene Lebensphasen 
durch." Um sich zu rechtfertigen, gab er seiner Frau die 
Schuld an seinem Verhalten. 

Doch als der Disziplinarrat hinter ihm lag und die Schei- 
dung immer wahrscheinlicher wurde, begriff er seine 
Ausreden als das, was sie wirklich waren - Ausflüchte und 
Selbsttäuschung. Er hatte Gutes böse und Böses gut genannt. 
Er war im Begriff, seine Mitgliedschaft in der Kirche und viel- 
leicht seine Familie zu verlieren. Als er seinem Sohn in die 
Augen sah, wurde er von Schuldgefühlen überwältigt, und 
ihm wurde bewußt, was für Schmerzen er den anderen zuge- 
fügt hatte. 

Die menschliche Sexualität ist nicht nur eine körper- 
liche Angelegenheit. Keuschheit und Treue beginnen 
vielmehr im Geist, nicht im Körper. Sie sind Ausdruck 
des Zustandes unseres Geistes. Wenn unser Geist mit den 
Evangeliumswahrheiten in Einklang steht, dann haben 
wir auch den Wunsch, nach hohen Maßstäben zu leben. 
Und unser Verhalten ist ein Spiegelbild dieses Wunsches. 
Daher versteht man unter Keuschheit und Treue mehr 
als sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und sexuelle 
Treue in der Ehe. Beides ist vielmehr ein Maßstab dafür, 
wie sehr wir geistig lebendig sind. 

Unsittlichkeit und Untreue haben gleichermaßen 
auch nicht nur einen physischen Aspekt. Sie sind auch 
*Name von der Redaktion geändert 



Ausdruck des Zustandes unseres Geistes. Sie bilden das 
Ende des Weges, auf den sich unser Geist schon lange 
zuvor begeben hat. Der Körper reagiert einfach nur auf 
das, was ihm der Geist mit seinen Lustgefühlen eingibt. 
Wenn jemand Licht und Wahrheit verwirft, dann 
erscheinen ihm weltliche Lügen anziehend. Er wandelt 
in geistiger Finsternis und glaubt vielleicht sogar, seine 
Lustgefühle seien ganz normal und irgendwie auch 
richtig und man dürfe sie nicht unterdrücken 

Daher bestimmt der Zustand bzw. die Beschaffenheit 
des Geistes, ob die Keuschheit eines alleinstehenden bzw. 
die Treue eines verheirateten Menschen bedroht ist. Die 
Beschaffenheit des Geistes zeigt sich daran, ob sich jemand 
in einem bestimmten Augenblick für Licht und Leben statt 
für Finsternis und Tod entscheidet, ob er die Wahrheit in 
Ehren hält, die er im Herzen trägt, oder ob er sie verwirft. 

DIE WAHRHEIT 

Die Wahrheit ist, daß Keuschheit und Treue große 
Segnungen sind. Sie bilden eine ganz wesentliche 
Voraussetzung dafür, ob jemand glücklich ist. Sie sind 
realistisch und durchführbar. 

Susan ließ sich mit achtundzwanzig Jahren taufen. Sie 
hatte schon immer nach dem Gesetz der Keuschheit gelebt. 
„Meine Eltern besaßen Integrität und erwarteten von mir, 
daß ich mich an hohe sittliche Maßstäbe hielt und ehrlich 
und keusch war. Also hielt ich mich einfach daran. " Susan 
ist im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten aufge- 
wachsen. „Heute ist mir bewußt, daß ich auf das Licht 
Christi gehört habe. Ich war noch nie mit einem Heiligen 
der Letzten Tage ausgegangen, bis ich Tom traf. Als ich das 
Evangelium hörte, war ich froh, daß ich sexuellen Versu- 
chungen niemals nachgegeben hatte. Tom und ich haben 
später im Salt-Lake -Tempel geheiratet. Ein Jahr später starb 
unsere erste Tochter bei der Geburt. Wir waren tieftraurig, 
aber dennoch dankbar dafür, daß wir bei der Eheschließung 
würdig gewesen waren, uns im Tempel siegeln zu lassen. 
Die Gewißheit, daß unser Baby im Bund geboren worden 
war, ließ uns die Situation besser verstehen und schenkte 
uns Frieden." 



OKTOBER 
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Susan und Tom sind inzwischen vierundzwanzig Jahre 
verheiratet und haben fünf Kinder. Sie wohnen noch immer im 
Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. „Mehrere unserer 
Freunde und Verwandten haben sich scheiden lassen", erzählt 
Tom. „Auch wir haben unser Teil abbekommen, was finanzi- 
elle und familiäre Schwierigkeiten betrifft, aber dennoch haben 
wir beide den Wunsch, unsere Tempelbündnisse einzuhalten, 
und deshalb finden wir einfach für alle Schwierigkeiten 
eine Lösung." 



'.-■■'■ 





Die Proklamation zur Familie bestätigt, „daß die Ehe 
zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und 
daß im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung 
seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht". 
Weiterhin besagt sie, „daß Gott geboten hat, daß die 
heilige Fortpflanzungskraft nur zwischen einem Mann 
und einer Frau angewandt werden darf, die rechtmäßig 
miteinander verheiratet sind." (Der Stern, Oktober 
1998, Seite 24.) 

Ein solcher inspirierter Rat ist wichtig für das Wohl- 
ergehen jedes Menschen. Zur Ehe gehört, daß man 
seinem Partner unwiderruflich das ganze Herz schenkt 
- das gebrochene Herz, das Herz, das erweicht 
worden ist. Wir müssen uns im Herzen in Einigkeit 
und gegenseitiger Liebe verbinden. (Siehe Mosia 
18:21.) Ohne eine solche bereitwillige, gegenseitige 
Verpflichtung kann es für Mann und Frau keine 
Erfüllung geben. 

Dennoch gehören die Verspottung von Keusch- 
heit und die Rechtfertigung von Ehebruch in 
unserer Zeit zu den häufigsten und schädlichsten 

Die falsche Lehre der Welt besagt, daß 
Keuschheit und Treue keineswegs die 
Voraussetzung für Glück sind, sondern daß 
es sich dabei vielmehr um unrealistische 
Erwartungen handelt. 





Angriffen auf die Familie. Die Familie steht allem 
Anschein nach schwerer unter Beschuß als jemals zuvor, 
und mit dem Auseinanderbrechen der Familie geht auch 
der Zusammenhalt unseres Gemeinwesens verloren. 
Welche Kräfte auch immer an den Familienbanden zerren 
mögen - sexuelle Unreinheit gehört dabei zu denen, die 
am meisten Schaden anrichten. Sie greift die Familie 
nämlich von innen her an. Durch Ehebruch gehen 
Vertrauen, Eintracht, Opferbereitschaft, Ehrlichkeit, 
Demut und die geistige Kraft verloren, die einem dadurch 
zuteil wird, daß man Bündnisse einhält. Auch Selbstver- 
trauen, emotionale Stärke, Würdigkeit und innerer 
Frieden gehen verloren, wenn sich jemand in unsittliches 
Verhalten verstricken läßt. 

Sexuelle Unreinheit ruiniert das Leben des Betref- 
fenden, aber die Folgen beschränken sich nicht nur auf 
den Augenblick und auf die unangemessene Beziehung; 
sie wirken sich über Generationen hinweg aus. Mütter 
trauern, Väter weinen, Geschwister sind entsetzt, Kinder 
müssen unter den traurigen Folgen von Sünden leiden, 
die sie gar nicht begangen haben. Die Ehe gerät ins 
Wanken oder ist am Ende. 

Sexuelle Reinheit ist eine wichtige Voraussetzung dafür, 
die Familie über Generationen hinweg zu bewahren. 
Wenn wir in unserer Eigenschaft als Vater, Mutter, Sohn 
oder Tochter die Bündnisse in Ehren halten, die wir 
miteinander geschlossen haben, tragen wir die heilige 
Fähigkeit in uns, Leben zu schaffen, das ja eine Gabe von 
Gott ist. Wer ein solches Leben führt, gibt Zeugnis von den 
Segnungen, die einem dadurch zuteil werden. Er bezeugt, 
daß dies die glücklichste und befriedigendste, produk- 
tivste, sicherste, schönste und ehrenhafteste Art und 
Weise ist, wie man sich im Zusammenleben mit den 
Menschen verhalten kann, die man liebt. 

DIE FÄLSCHUNG 

Die Welt reagiert auf die Forderung des Herrn nach 
Keuschheit und Treue, indem sie eine Fälschung der 
Wahrheit anbietet. Diese falsche Lehre besagt, daß 
Keuschheit und Treue keineswegs die Voraussetzung für 
Glück sind, sondern daß es sich dabei vielmehr um 
unrealistische Erwartungen handelt. Damit soll die 
unsittliche Lebensweise gerechtfertigt und als erstrebens- 
wert und verteidigungswürdig dargestellt werden. 



So wie sich eine gut gefälschte Banknote nur schwer 
erkennen läßt, so sind die verführerischen Aufforde- 
rungen zu sexueller Unreinheit geschickt versteckt, so 
daß sie unsittliches Verhalten als akzeptabel, wertvoll 
und vielleicht sogar unvermeidlich erscheinen lassen. 
Präsident Spencer W Kimball hat gesagt: „Luzifer . . . 
nutzt sein logisches Denkvermögen, um zu verwirren, 
und seine Strategie, Ausreden zu erfinden, um zu 
vernichten. Er verschleiert die wahre Bedeutung, öffnet 
Türen immer nur einen Spalt breit und führt vom rein- 
sten Weiß über alle Grauschattierungen bis hin zum 
tiefsten Schwarz." (Faith Precedes the Miracle, 1972, 
Seite 152.) 

Und wer sich im Bereich dieser Grauschattierungen 
aufhält, der bringt sich durch sein Denken und Handeln 
in Gefahr. „Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in 
seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen." 
(Matthäus 5:28.) So jemand begibt sich durch das, was er 
sich wünscht und womit er sich in Gedanken beschäftigt, 
in Gefahr. 

Insofern ist die verführerische Aufforderung, im 
Gegensatz zu dem zu leben, was die Gebote Gottes 
fordern, als Aufforderung zu werten, im Gegensatz zu 
dem zu leben, was für einen am besten ist. Weltliche 
Gesinnung hält sehr wenig von dem, was sie verspricht. 
Sie zeigt einem nur ein falsches Bild der Wirklichkeit. 
Vor allem drei bestimmte Lügen werden gegen die 
Lehren des Herrn in bezug auf Keuschheit vorgebracht: 

Erstens: Individualismus - die falsche Vorstellung, daß 
sich die Persönlichkeit und die Rechte eines Menschen, 
seine Weiterentwicklung und sein Wohlergehen nur im 
Gegensatz zu den Ansprüchen verwirklichen lassen, die 
eine Familie und die Aufgaben zu Hause stellen. Diese 
Lüge besagt, daß unsere Lebensweise und unsere sexu- 
ellen Gefühle ganz allein unsere Angelegenheit sind - 
daß wir selbst wissen, was für uns am besten ist, und daß 
uns niemand sagen darf, was wir zu tun haben. 

Zweitens: Relativismus - die falsche Vorstellung, jeder 
sittliche Stand sei gleich wertvoll. Die Lüge liegt darin, 
daß es ein Vorurteil sei, anzunehmen, die eine Lebens- 
weise sei besser als die andere. Unter moralischen Wert- 
vorstellungen versteht man die Art und Weise, anderen 
den eigenen Standpunkt aufzuzwingen - einen Stand- 
punkt, der ihnen schadet. Das führt dazu, daß Moral 



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DAS LICHT VERTREIBT DIE FINSTERNIS | 


P^ie falschen Vorstellungen der Welt und die Wahrheiten des Evangeliums lassen sich einfach nicht mitein- 
\mJ ander vereinbaren. Weltliches Gedankengut - vom bloßen Gedanken bis hin zur Verwirklichung - zeichnet 
sich zu stark dadurch aus, daß das Böse gut und das Gute böse genannt wird (siehe Jesaja 5:20). Im folgenden 
sind die falschen Vorstellungen der Welt und die entsprechende Lehre im Evangelium aufgeführt: 


FALSCHE VORSTELLUNGEN DER WELT 


EVANGELIUMSWAHRHEITEN 


1 . Das ist mein Leben. Ich kann damit machen, 
was ich will. 


I.Ich bin ein Kind Gottes. Ich gehöre Gott. Ja, er hat mich durch seinen 
einziggezeugten Sohn um einen Preis erkauft (siehe 1 Korinther 7:23). 


2. Es ist albern, Filme, Literatur und Fern- 
sehsendungen zu meiden, in denen Sex 
vorkommt. Das berührt uns in Wirklichkeit doch 
gar nicht. Man kann doch darüberstehen. 


2. Gift bleibt Gift, gleichgültig, ob man es in geringer oder hoher Dosis zu sich nimmt. 
Begierde führt zu Sünde (siehe Jakobus 1:14,15). Ja, wir werden nicht nur nach 
dem beurteilt, was wir tun, sondern auch nach dem, was wir denken und sagen 
(siehe Mosia 4:30; Alma 12:14). 


3. Wir müssen uns realistisch betrachten; wir 
sind schließlich nur Menschen. 


3. Jeder Mensch hat die Kraft, das Rechte zu wählen (siehe 2 Nephi 2:27; Helaman 
14:30). Wir werden nicht über unsere Kraft hinaus versucht (siehe 1 Korinther 10:13; 
3 Nephi 18:15). 


4. Sexuelle Gefühle sind normal und müssen 
ohne Einschränkungen ausgelebt werden. 
Es ist ungesund, solche Gefühle zu unter- 
drücken oder zu ignorieren. 


4. Sexuelle Gefühle sind normal und gesund, aber man darf ihnen nur innerhalb der Ehe 
Ausdruck verleihen. Es ist normal und gesund, sie zu beherrschen. Jesus hat gesagt, 
wenn wir uns wirklich selbst finden wollten, dann müßten wir zu ihm kommen, unser 
Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen, indem wir allem entsagen, was ungöttlich 
ist, indem wir aller weltlichen Lust entsagen und seine Gebote halten. 


5. Wir müssen uns unseres Körpers nicht 
schämen. Es gibt keinen Grund dafür, der 
Kleidung große Bedeutung beizumessen. 


5. Wir dürfen unseren Körper nicht dazu verwenden, andere zur Sünde zu verführen 
(siehe 1 Timotheus 2:9,10; 1 Korinther 3:16,17; 6:19,20). 


6. Gegen Sex zwischen zwei Erwachsenen, die 
sich einig sind, ist vor der Ehe doch nichts 
einzuwenden. 


6. Sex vor der Ehe ist von Gott untersagt worden, weil dies ein Mißbrauch der 
Zeugungsfähigkeit ist (siehe 1 Korinther 6:13,18; Jakob 3:12). 


7. Es ist leicht, Umkehr zu üben. 


7. Wer Gott nicht gehorcht, kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, Umkehr zu 
üben. Die Vorstellung, man könne leichtfertig mit wirklicher Umkehr und einer Wesens- 
änderung umgehen, würdigt den Erretter und sein Sühnopfer herab (siehe Alma 
39:3-9; LuB 18:11; 19:4,16-18; 82:7). 


8. Nur weil wir unverheiratet zusammenleben, 
heißt das noch lange nicht, daß wir uns 
einander nicht verpflichtet fühlen. Es ist 
nicht notwendig, daß man verheiratet ist. 
Das ist doch nur eine Formsache. 


8. Wenn jemand den Bund der Ehe verwirft, dann weigert er sich in Wirklichkeit, eine 
Verpflichtung einzugehen. Ja, „die Ehe ist dem Menschen von Gott verordnet" (LuB 
49:1 5). Dieser Bund darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sondern stellt 
eine Verpflichtung Gott und allen gegenwärtigen und zukünftigen Familienmit- 
gliedern gegenüber dar (siehe „Die Familie: Eine Proklamation an die Welt", Der 
Stern, Oktober 1998, Seite 24). 


9. Wir müssen zusammenleben, damit wir 
merken, ob wir sexuell zusammenpassen. 


9. Ob ein Paar sexuell zusammenpaßt, wird davon bestimmt, ob es gesellschaftlich, 
seelisch und geistig zusammenpaßt. Wenn ein Paar Schwierigkeiten hat, dann liegt das 
an seiner geistigen Gesinnung. Und die geistige Einigkeit, nach der jedes Paar strebt, 
entsteht doch daraus, daß man Evangeliumsbündnisse eingeht und einhält. 



DER STERN 

34 



relativiert wird, und zwar gemäß dem - möglicherweise 
einzigartigen - Verständnis eines Menschen. 

Drittens: Die Opferrolle - die falsche Vorstellung, der 
Mensch sei in erster Linie das Produkt seiner Bedürfnisse 
und Wünsche, seiner Vergangenheit und seiner 
Schwächen. Diese Lüge besagt, daß wir nicht selbst 
entscheiden können; wir können nicht dafür, wie wir uns 
verhalten und was wir im sexuellen Bereich empfinden. 
Und wegen etwas, was nicht unsere Schuld ist, brauchen 
wir auch keine Schuldgefühle zu haben. Laut dieser 
Betrachtungsweise ist es ein ganz normales menschliches 
Verhalten, wenn jemand die „Beherrschung verliert". 
Dafür muß niemand zur Rechenschaft gezogen werden. 

Die drei genannten Lügen sind die Fälschung entspre- 
chender Evangeliumswahrheiten: 

Erstens: Sich der Familie und anderen Menschen 
verpflichtet zu fühlen, ist die beste Möglichkeit, seine 
Persönlichkeit und seine Weiterentwicklung zu fördern. 
Wir kommen auf die Erde, weil wir einander dienen 
sollen; und wenn wir uns im Dienst am Nächsten 
verlieren, dann finden wir uns (siehe Lukas 9:23-26; 
Mosia 2:17). 

Zweitens: Indem wir uns an sittliche Grundsätze halten, 
erkennen wir in einer Welt voller relativer Wertvorstel- 
lungen das Wesen Gottes und seine unwandelbaren 
Maßstäbe an (siehe Alma 7:20,21). 

Drittens: Wir besitzen Entscheidungsfreiheit. Wir 
können selbst über unser Handeln bestimmen und 
müssen uns nicht von unseren sexuellen Bedürfnissen 
treiben lassen. Wir können unsere Bedürfnisse beherr- 
schen und frei sein - oder uns von ihnen beherrschen 
lassen und zum Sklaven werden (siehe 2 Nephi 2:26,27). 

Der Satan will uns in Versuchung führen, damit wir 
die Wahrheit um seiner Lügen willen verwerfen. Dazu 
bedient er sich derselben Methode, die er auch bei 
Jesus angewendet hat, als dieser sich in der 

Der Satan beginnt seinen Angriff auf uns 
genauso wie damals seinen Angriff auf 
Jesus - er will den Geist in Versuchung 
führen, damit dieser dem Körper 
etwas Unziemliches befiehlt. 



Wüste befand. Er redet uns ein, wenn wir wirklich das 
seien, wofür wir uns hielten, nämlich Kinder Gottes, dann 
könne es doch nicht falsch sein, wenn wir unseren Bedürf- 
nissen nachgäben oder nach Macht und weltlichem Ruhm 
strebten (siehe Matthäus 4:1-11). Er will uns immer dazu 
verleiten, unsere sexuellen Wünsche, die wichtig für 
unsere Mission hier auf der Erde sind, falsch auszuleben. 
Da, wo der Herr uns auf dem engen und schmalen Pfad 
des Lebens vor der Gefahr warnt, da will der Satan uns 
Harmlosigkeit vortäuschen. Da, wo sich die Aufgabe, 
die der Herr uns übertragen hat, auf die Ehe und die 
Familie konzentriert, da will der Satan uns täuschen, 
indem er uns einredet, vor- bzw. außereheliche sexuelle 






„Wenn man die Ehe entwürdigt, befleckt man auch 
Wörter wie Junge, Mädchen, Mannestum, Frauentum, 
Ehemann, Ehefrau, Vater, Mutter, Baby, Kinder, 
Familie, Zuhause." 

Kontakte seien einfach zu schön, um ihnen zu wider- 
stehen, und zögen auch überhaupt keine negativen 
Folgen nach sich. Der Satan beginnt seinen Angriff auf 
uns genauso wie damals seinen Angriff auf Jesus - er will 
den Geist in Versuchung führen, damit dieser dem Körper 
etwas Unziemliches befiehlt. Das ist wahrhaft die Listig- 
keit der Schlange. 

UNSERE ENTSCHEIDUNGSFREIHEIT 

Als Josef nach Ägypten verkauft worden war, warf 
Potifars Frau ziemlich schnell ein Auge auf ihn. 

„Nach einiger Zeit warf die Frau seines Herrn ihren 
Blick auf Josef und sagte: Schlaf mit mir! 

Er weigerte sich und entgegnete der Frau seines 
Herrn: . . . Wie könnte ich . . . ein so großes Unrecht 
begehen und gegen Gott sündigen? 

Obwohl sie Tag für Tag auf Josef einredete, bei ihr zu 
schlafen und ihr zu Willen zu sein, hörte er nicht auf sie. 

An einem solchen Tag kam er ins Haus, um seiner 
Arbeit nachzugehen. Niemand vom Hausgesinde war 
anwesend. 

Da packte sie ihn an seinem Gewand und sagte: 
Schlaf mit mir! Er ließ sein Gewand in ihrer Hand und 
lief hinaus." (Genesis 39:7-12.) 

So wie Josef, haben auch wir Entscheidungsfreiheit. 
Entscheidungsfreiheit wird uns vom Geist, nicht vom 
Körper ermöglicht. Der Körper reagiert nur auf das, was 
der Geist ihm sagt. Wir sind nicht das Opfer von 
Bedürfnissen und Wünschen, die wir nicht beherrschen 
können (siehe 1 Korinther 10:13). Wir können vielmehr 
sittlich orientiert handeln und dieses Handeln selbst 
bestimmen. Der Herr hat dem Propheten Joseph Smith 
bezüglich unserer Entscheidungsfreiheit folgendes 
gesagt: „Denn es ist in ihrer Macht, selbständig zu 
handeln." (LuB 58:28.) 

Im Gegensatz zu dem, was der Satan zu sagen pflegt, 
ist sexuelle Reinheit möglich und wichtig und macht 
uns frei. Wer wahllose, egoistische sexuelle Kontakte 
meidet, der geht nicht nur den physischen Folgen aus 



dem Weg - über die sich die Welt am meisten Sorgen 
macht -, sondern verhindert auch, daß er den langen 
Weg beschreiten muß, auf den die geistigen, seelischen, 
familiären und sozialen Folgen ihn zwingen. Und diese 
Folgen gehen oft weit über alles hinaus, was man sich 
vorstellen bzw. im Griff haben kann. 

Zu den physischen Folgen gehört beispielsweise nicht 
nur die außereheliche Schwangerschaft. So gut wie 
unheilbare ansteckende Krankheiten, von denen einige 
zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen können, suchen 
viele von denjenigen heim, die sich unsittlich verhalten. 
Auch AIDS ist eine ständige Bedrohung. Gleichermaßen 
dürfen die anderen Folgen wie seelische Anspannung, 
Reue, Schuldgefühle und ein gebrochenes Herz nicht auf 
die leichte Schulter genommen oder ganz verdrängt 
werden. Eider Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf 
Apostel hat deutlich gemacht: ,Wenn man die Ehe 
entwürdigt, befleckt man auch Wörter wie Junge, 
Mädchen, Mannestum, Frauentum, Ehemann, Ehefrau, 
Vater, Mutter, Baby, Kinder, Familie, Zuhause." („Marriage", 
Ensign, Mai 1981, Seite 14.) 

Doch trotz der Lehren des Herrn gibt es Menschen, die 
sich nicht für Keuschheit und Treue entscheiden. Im 
Gegensatz zu Josef ignorierte König David die Grenzen, die 
der Herr gesetzt hat. Trotz allem, was der Herr ihm 
geschenkt hatte, begehrte er Batseba, die Frau des Urija. 
Nachdem er mit ihr Ehebruch begangen und Batseba ihm 
eröffnet hatte, daß sie schwanger war, ließ David den 
Urija in der Schlacht so aufstellen, daß er ums Leben 
kommen mußte. Und selbst als Natan ihm das 
Gleichnis vom Lamm erzählte, begriff er nicht, was 
doch eigentlich ganz offensichtlich war. Die Sünde hatte 
ihn für die Wahrheit blind gemacht. (Siehe 2 Samuel 12.) 

Leider gibt es auf der Welt viele Menschen, die wie 
König David sind, die von ihren eigenen Sünden 
blind geworden sind, nämlich blind für die 
Folgen ihres Verhaltens. Erst wenn sie aus der 
Finsternis ihres falschen Handelns emportau- 
chen, sehen sie die Situation im richtigen Licht. 
Von den Menschen, die das Gesetz der 
Keuschheit übertreten haben und mit 
denen ich gesprochen habe, 
hat nicht ein einziger 
zugegeben, daß sein 




DER STERN 
36 






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Verhalten falsch war, solange er sich nicht bereits mitten 
im Umkehrprozeß befand. Die Menschen verhielten sich 
zwar unsittlich und waren ungläubig, glaubten aber an 
ihre eigenen Ausreden. Sie sagten beispielsweise: Ich 
konnte nichts dagegen tun. Wir haben doch niemandem 
geschadet. Wir sind doch nur Menschen. So etwas passiert 
eben. Ich habe einfach die Beherrschung verloren. Was sollte 
ich in Anbetracht meiner Gefühle denn sonst tun? Wir sind 
doch jung. Sie wissen ja nicht, wie das ist. Es ist doch besser, 
wenn wir jetzt schon prüfen, ob wir zusammenpassen. Liebe 
vergeht. Meine Frau (mein Mann) ist nicht mehr so wie 
früher. Menschen ändern sich. Ich weiß auch nicht, was über 
mich gekommen ist. Wir haben es ja nur einmal getan. Das ist 
doch keine große Sache. Ich werde später Umkehr üben. Wir 
sind zu verschieden. Zumindest hat es uns beide wachgerüttelt. 
Wir betrachten einander nicht mehr als etwas Selbstverständ- 
liches. Es kann doch nicht falsch sein, wenn es so schön ist. 

In jeder dieser unglaublich falschen Ausreden wird 
geleugnet, daß das eigene Verhalten von Grund auf 
falsch war und man die volle Verantwortung dafür über- 
nehmen muß. Die genannten Ausreden sind nichts als 
der Versuch, zu leugnen, daß Schlechtigkeit eben 
Schlechtigkeit bleibt. Das Evangelium lehrt, daß 
schlecht zu sein noch nie glücklich gemacht hat (siehe 
Alma 41:10). Die Welt hingegen behauptet, schlecht zu 
sein mache glücklich. 

Aber das stimmt einfach nicht. Wer sich dafür 
entschieden hat, von sexueller Sünde umzukehren, 
bezeugt, daß sein unsittliches Verhalten das Schmerz- 
lichste, Bedauerlichste, zur Verzweiflung Führendste, 
Falscheste, Verderbteste und Zerstörerischste war, was er 
jemals getan hat. Wer den Mißbrauch der Kraft, Leben zu 
zeugen, mit Ausreden beschönigt oder wegerklärt, der 
zeigt damit nur, daß er nicht umkehrwillig ist und sich 
selbst täuscht. Der Apostel Johannes hat ja gesagt: ,JWenn 
wir [in unserer Sünde] sagen, daß wir keine Sünde haben, 
führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht 
in uns." (1 Johannes 1:8.) Und der Erretter hat uns erklärt, 
wie wir die Wahrheit erkennen können: „An ihren 
Früchten werdet ihr sie erkennen." (Matthäus 7:16.) 

UNTADELIG WANDELN 

Wir leben in einer Zeit, wo unsittliches Verhalten 
nicht nur geduldet, sondern sogar als Normalzustand 



angesehen wird, so als ob daraus keine schwerwiegenden 
Folgen erwachsen würden. Sittliche Reinheit wird oft als 
altmodisch angesehen bzw. nur dem „unzivilisierten" 
Menschen zugestanden. Wir lernen auf unterschwellige 
und manchmal auch nicht ganz so unterschwellige Art, 
daß Keuschheit in gewisser Weise zwar etwas 
Wünschenswertes sein mag, aber weder möglich noch 
nötig ist und auch nicht erwartet wird. 

Doch jeder, der die Vorstellung der Familie ernst 
nimmt, der einer guten Beziehung, die sich über Genera- 
tionen hinweg fortsetzt, Wert beimißt, und der weiß, wie 
man als Eltern ein sicheres, liebevolles Zuhause schafft, 
der ist sich auch der Tatsache bewußt, welch große 
Bedrohung vorehelicher Sex und eheliche Untreue für 
das Wohlergehen des einzelnen, der Familie und der 
Gesellschaft bedeuten. 

Wenn wir falsch empfinden und denken, können wir 
nicht so leben, wie es richtig ist. Im Einklang mit den 
Bündnissen, die wir als Heilige der Letzten Tage 
geschlossen haben, ist es unser Ziel, unseren Geist in 
Übereinstimmung mit dem Geist des Herrn zu bringen - 
und ihm unser ganzes Herz zu schenken. Wenn wir das 
tun, ändert sich der Zustand unseres Geistes. Keuschheit 
und Treue sind die Folge, und uns werden unermeßliche 
Segnungen zuteil. 

Durch den Rat, ein tugendhaftes Leben zu führen, will 
der Herr uns vor Schaden bewahren und es uns ermögli- 
chen, so viel wie möglich vom Erdenleben zu profitieren. 
Wenn wir ,untadelig vor dem Herrn wandeln und des 
Bundes eingedenk sind, den wir miteinander geschlossen 
haben, wird sich alles für uns zum Guten auswirken, 
(siehe LuB 90:24). Wenn wir getreu sind, wird uns Herr- 
lichkeit und „ein Weiterbestand der Nachkommen" 
zuteil (siehe LuB 132:19). □ 

MEHR ZU DIESEM THEMA 

Im folgenden finden Sie Literaturhinweise zum 
Thema Keuschheit und Treue in der Ehe. Die entspre- 
chenden Veröffentlichungen können Sie beim Versand 
der Kirche beziehen. 

Für Eltern (Bestellnr. 31125 150). 

Für eine starke Jugend (Bestellnr. 34285 150). 

Grundbegriffe des Evangeliums, 39. Kapitel, „Das Gesetz 
der Keuschheit" (Bestellnr. 31110 150). 



DER STERN 

38 



Im Einklang mit den Bündnissen, die wir als 
Heilige der Letzten Tage geschlossen haben, ist 
es unser Ziel, unseren Geist in Übereinstimmung 
mit dem Geist des Herrn zu bringen. Keuschheit 
und Treue sind die Folge, und uns werden 
unermeßliche Segnungen zuteil. 









MEIN GLAUBE 





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DE GEPRÜFT 



Das Buch Mormon in zwei Monaten durchlesen? 
Nach meinem Unfall konnte ich doch überhaupt 

nicht mehr lesen! 



Taylor Hartley 



Unsere Gebietspräsidentschaft hat uns aufgefordert, noch vor der Pfahl- 
konferenz das Buch Mormon durchzulesen. Wirst du es versuchen?", 
fragte mein Vater. „Ich werde es versuchen", antwortete ich zögernd. Ich 
zögerte deshalb, weil ich vor kurzem einen Fahrradunfall gehabt und mir dabei 
eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Ich kann mich noch genau 
an den Tag erinnern, an dem der Unfall geschah - es war der 27. Juli 1993. An 
dem Tag feierte mein Bruder Brent nämlich seinen zwölften Geburtstag. 

Am Morgen von Brents Geburtstag hatte ich noch kein Geschenk für ihn. 
Deshalb wollte ich mit dem Fahrrad in ein Geschäft fahren, um etwas für ihn 
zu kaufen. Das Geschäft war ganz in der Nähe, aber um dorthin zu kommen, 
mußte man einer vielbefahrenen Hauptstraße folgen. Ich dachte, es wäre 
sicherer, auf dem kaum benutzten Fußweg zu fahren, der an einer Wohnan- 
läge in der Nähe unseres Hauses entlangführte. Am Ende der Anhöhe wurde 
der Fußweg holprig und war mit Sand, Lehm und Pflanzen bedeckt. Er war 
weder von der Straße noch von den Eigentumswohnungen aus gut einzu- 
sehen. Ich fuhr also die Anhöhe hinunter und wurde dabei immer schneller. 
Aber die Fahrt endete nicht dort, wo ich eigentlich hingewollt hatte. Statt 
dessen landete ich im Krankenhaus. 

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was geschehen ist. Ich weiß nur 
noch, daß ich große Schmerzen hatte. Später erfuhr ich, daß zwei Jungen im 
Teenageralter mich gefunden hatten. Sie verständigten einen Nachbarn, der 
wiederum meine Mutter anrief und einen Krankenwagen bestellte. 

Fünf Tage später war ich immer noch nicht wieder richtig bei mir. Ich hatte 
mehr als vierzig Stiche über dem einen Auge und am Kinn; die anderen 
Schürfwunden und Kratzer waren verbunden. Viele liebevolle Mitglieder aus 
unserer Gemeinde besuchten mich erst im Krankenhaus und dann zu Hause 
und brachten mir Geschenke mit - aber an das meiste kann ich mich über- 
haupt nicht mehr erinnern. 

Als es mir später wieder etwas besser ging, ließen meine Eltern mich von 
einem Sprachtherapeuten testen. Das Ergebnis zeigte, daß ich in meiner 
Aufnahme-, Denk- und Sprechfähigkeit mittelschwer bis schwer beeinträchtigt 
war. Ich war in meiner Entwicklung um Jahre zurückgefallen. Obwohl ich fast 
fünfzehn Jahre alt war, erbrachte ich nur die Leistungen eines Zwölfjährigen. 



OKTOBER 
41 



19 9 9 



.. . 

* -. 




Die Schürfwunden und 
Kratzer würden wieder 
verheilen. Aber mit der 
Kopfverletzung sah es 
anders aus. Ob ich das Buch 
Mormon wirklich innerhalb 
von zwei Monaten durch- 
lesen konnte? Es gab nur 
eine einzige Möglichkeit, 
das herauszufinden - ich 
mußte mein Bestes tun und 
darauf vertrauen, daß der 
Herr mir half. 




Zu den schlimmsten Folgen des Unfalls gehörte es, daß ich nicht mehr 
lesen konnte. Ich konnte zwar die Wörter sehen, sie aber nicht verarbeiten. 
Es war fast so, als ob ich das Lesen verlernt hätte. Deshalb stellte die Auffor- 
derung meines Vaters, innerhalb von zwei Monaten das Buch Mormon 
durchzulesen, eine ungeheure Herausforderung dar. 

Am Abend kniete ich neben meinem Bett nieder, um zum 
;^Ä* himmlischen Vater zu beten. Beim Beten spürte ich ganz deutlich, 
fj daß der himmlische Vater mir helfen würde, denn er wollte, daß 
ich das Buch Mormon las. Als ich zu Ende gebetet hatte, stand 
ich auf, setzte mich ins Bett und schlug die erste Seite des Buches 
Mormon auf. Langsam schaute ich auf die Wörter vor mir und 
fing an zu lesen: „Ich, Nephi, stamme von guten Eltern ..." Ich 
konnte lesen! Ich konnte die Wörter wirklich verstehen! Einer- 
seits war ich höchst erstaunt und aufgeregt. Doch andererseits 
war ich überhaupt nicht überrascht. Irgendwie war ich mir 
ganz sicher gewesen, daß ich das Buch Mormon lesen 
konnte, wenn es der Wille des Herrn war und er mir half. 
Nach nur einem Monat hatte ich diese wundervolle 
heilige Schrift zu Ende gelesen. Der Herr und das Buch 
Mormon haben mich wieder Lesen gelehrt. Aber noch 
wichtiger ist, daß mein Glaube an den himmlischen Vater 
zugenommen hat. Das gilt auch für mein Zeugnis vom 
Beten und von der heiligen Schrift. Dieser Glaube und 
dieses Zeugnis haben mir später geholfen, als ich in der 
Mission Seoul-West in Korea eine Vollzeitmission erfüllt habe. 
Ich bin dankbar dafür, daß mein Vater mich aufgefordert 
hat, das Buch Mormon zu lesen. Denn dieser Auftrag hat mich 
verstehen lassen, daß der himmlische Vater uns in unseren 
Prüfungen segnen kann. Ich bin auch dankbar für Wunder - 
nicht nur für das wundersame Hervorkommen des Buches 
. Mormon und die wundersame Wiederherstellung des 
Evangeliums, sondern auch für die Wunder, die heute 
mit Menschen wie dir und mir geschehen. D 



DER STERN 

42 



H 



eute ist ein guter Zeitpunkt, um neue Projekte zu 
(beginnen. und sich Ziele zu setzen. Damit du diese Ziele 
auch erreichst, darfst du es nicht zulassen, daß kleine 
Fehlschläge dir den ganzen Tag verderben und du darüber die 
Begeisterung vergißt. Im folgenden findest du einige Anre- 
gungen gegen die Niedergeschlagenheit, die ein schlechter Tag 
mit sich bringt: 

■ Denk nicht immer an die Probleme. Mach statt dessen eine 
Liste mit Lösungsmöglichkeiten. Dann arbeite die Liste der 
Reihe nach ab. 

■ Hab keine Angst davor, um Hilfe zu bitten, wenn du Hilfe 
brauchst. Deine Eltern, der Bischof bzw. Zweigpräsident, 
deine Lehrer und deine Freunde sind für dich da. Dein 
Vater oder ein Priestertumsführer deines Vertrauens kann 
dir bei Bedarf einen Segen geben. 

■ Beschäftige dich. 

■ Lache. Verlier auch in schwierigen Situa 
tionen nicht den Humor. 

■ Bete. Der himmlische Vater weiß, was 
du durchmachst. ^ 

■ Setz dir Ziele. Hast du die letzte Mathear- 
beit verhauen? Dann setz dir das Ziel, bei der 
nächsten Arbeit eine bessere Note zu schreiben. 

■ Lies in der heiligen Schrift. Achte darauf, wie die 
Menschen, von denen in der heiligen Schrift erzählt wird, 
schwierige Zeiten gemeistert haben. Halte dich an ihr 
Beispiel. 

■ Geselle dich zu Menschen, die glücklich sind. Manchmal 
reicht schon der Kontakt mit fröhlichen Menschen, um die 
eigene Stimmung zu verbessern. 

■ Mach dir die Segnungen bewußt, die dir zuteil geworden 
sind. Wenn du darüber nachdenkst, was in deinem Leben 
richtig ist, geht es dir möglicherweise schon besser. 

■ Höre Musik, die erbaut. 

■ Rücke alles in die richtige Perspektive, indem du lernst, die 
Aufgaben des Lebens mit dem Blick auf die Ewigkeit zu 
bewältigen (siehe Jakob 4:13). 

■ Hab Geduld. Denk daran, daß der Herr diejenigen segnet, 
die bis ans Ende ausharren (siehe 1 Nephi 13:37). 

HAST DU GUTE IDEEN? 

Wir würden deine Ideen gerne in der Zeitschrift der Kirche veröf- 
fentlichen. Schick deine Idee bzw. eine Liste mit Ideen zu evangeliums- 
verwandten Themen deshalb bitte an Idea List, International Magazine, 
50 East North Temple Street, Salt Lake City, IT 84150-3223, USA. 
Du kannst uns auch per e-mail erreichen unter CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org. Mögliche Themen sind: wie man Neubekehrte in 
die Jugendgruppe eingliedert, wie man gelungene Aktivitäten plant, wie 
man seine Berufung als Jugendführer erfüllt, wie man mit seinen 
Freunden über das Evangelium spricht usw. Schreib uns, was dir wichtig 
ist - damit wir die anderen an deinen Ideen teilhaben lassen können. D 

OKTOBER 1999 

43 



HAST DU EINEN 

SCHLECHTEN 



TAG? 



Shane R. Barker 

ILLUSTRATION VON STEVE KROPP 





STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGE 



Freude darin finden, 
dem Herrn nachzufolgen 



Zu den vielen Ratschlägen 
und Weisungen, die 
Jesus Christus seinen 
Jüngern vor seiner Kreuzi- 
gung erteilte, gehört auch die 
folgende schlichte und dennoch 
eindrucksvolle Aussage: „Selig 
seid ihr, wenn ihr das wißt und 
danach handelt." (Johannes 13:17.) 

Mit diesen wenigen Worten 
enthüllte Christus das Geheimnis, 
wie der Mensch das erlangt, was er 
sich am sehnlichsten wünscht, 
nämlich Glück. Die Menschen 
bemühen sich schon seit langer 
Zeit, herauszufinden, worin Glück 
besteht, und meinen, dazu verschie- 
dene Anteile Besitztümer, Ruhm, 
weltliche Aktivitäten und Reichtum 
mischen zu müssen. Doch der Rat 
Jesu beschränkt sich nur auf einen 
einzigen Aspekt, nämlich daß man 
die Evangeliumsgrundsätze befolgt. 

Präsident Gordon B. Hinckley hat 
vor kurzem gefragt: „Warum sind wir 
so glückliche Menschen?" Die 
Antwort lautet: „Glücklich wird 
man, wenn man den Lehren und 
Geboten Gottes, unseres ewigen 
Vaters, und seines geliebten Sohnes, 
des Herrn Jesus Christus, gehorsam 
ist." („Was fragen die Menschen in 
bezug auf uns?", Der Stern, Januar 
1999, Seite 82.) Wer richtige 
Grundsätze befolgt, kann sich nicht 
nur der Gewißheit erfreuen, daß 




. . .■ -i , 



„SELIG SEID IHR, WENN IHR 

DAS WISST UND DANACH 

HANDELT." 



seine Lebensführung dem himmli- 
schen Vater gefällt, sondern erntet 
auch die Segnungen, die das 
Befolgen der Gesetze, auf denen sie 
beruhen, geradezu zwangsläufig mit 
sich bringt (siehe LuB 130:21). 

Auf den folgenden Seiten erzählen 
Leser unserer Zeitschrift, wie sie 
Evangeliumsgrundsätze befolgt haben 
und vom Herrn für ihren Gehorsam 
gesegnet worden sind. 

DURCH VERGEBUNGSBEREITSCHAFT 
SIND WIR EINS GEWORDEN 

Aurora Rojas de Alvarez 

Kurz vor meiner Hochzeit gerieten 
mein Bruder, Neipta, und ich in 
Streit. Wir waren schon ziemlich 
lange böse aufeinander gewesen, und 
nun machte sich die Anspannung in 

DER STERN 

44 



Worten Luft. Obwohl wir eigent- 
lich gar nicht mehr wußten, 
weshalb wir eigentlich böse 
aufeinander waren, ließ sich 
an unseren Gefühlen nichts 
deuteln. 

Zu der Zeit hatte mein Bruder 
Schwierigkeiten mit der gesamten 
Familie. Zwischen ihm und meinem 
Vater gab es Feindseligkeiten und 
Mißverständnisse, und mit meinen 
beiden Schwestern sprach er nicht 
ein einziges Wort mehr. Meine 
Mutter litt am meisten darunter. Sie 
warf mir vor, Neipta nicht zu lieben. 
Aber ich wußte, daß ich ihn liebte, 
und deshalb tat es mir weh, daß 
meine Mutter so etwas sagte. 
Schließlich kam es zur Eskalation, 
und mein Bruder verließ unser 
Zuhause in Venezuela. 

In der darauffolgenden Woche 
ging es in der Sonntagsschule um 
Vergebung. Mir wurde ganz elend 
zumute, und ich dachte: „Aurora, du 
mußt das, was du hier lernst, auch 
anwenden." Der Geist rührte mich 
an diesem Tag an, und mir war klar, 
daß ich meinem Bruder vergeben 
mußte. Als ich ging, war ich fest 
entschlossen, die Angelegenheit mit 
uns wieder in Ordnung zu bringen. 

Mit Tränen in den Augen und 
erstickter Stimme bat ich meinen 
Bruder um Verzeihung. 








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K».'tt£ 




: 



Am darauffolgenden Freitag kam 
Neipta nach Hause, um ein paar 
Sachen zu holen. Ich hatte Angst 
vor seiner Reaktion - aber es war der 
Geburtstag meiner Mutter, und ich 
konnte ihr kein schöneres Geschenk 
machen, als meinen Bruder um 
Vergebung zu bitten. Also ging ich in 
mein Zimmer und betete um Kraft 
und darum, daß ich die richtigen 
Worte meinem Bruder gegenüber 
fand. Der himmlische Vater hörte 
mein Gebet und gab mir Mut. 

Ich zog Neipta beiseite, um mit 
ihm zu sprechen, und erklärte ihm, 
wie sehr uns die ganze Situation 
geschadet hatte und daß ich dem 
gerne ein Ende bereiten würde. Mit 
Tränen in den Augen und erstickter 
Stimme bat ich ihn um Verzeihung. 
Mein Bruder fing ebenfalls an zu 
weinen. Er verzieh mir und bat mich 
ebenfalls um Verzeihung. In nur 
wenigen Minuten war es uns 
gelungen, Monate voller Verbitte- 
rung auszulöschen. 

Zwei Tage später gingen mein 
Bruder und mein Vater daran, 
ihre Meinungsverschiedenheiten zu 
bereinigen, und umarmten sich am 
Ende des Gesprächs. Die Wandlung 
in meiner Familie war ein Wunder. 
Mein Herz war dem himmlischen 
Vater gegenüber von Freude und 
Dankbarkeit erfüllt, denn er hatte 
uns gezeigt, wie man einander 
vergibt. 

MEINE FINANZIELLE LAGE UND 
MEINE GESUNDHEITLICHE SITUATION 
HABEN SICH VERBESSERT 

Evelin Korndörfer 

Wie viele Neubekehrte hatte 
auch ich Schwierigkeiten damit, 



nach dem Wort der Weisheit zu 
leben und das Gesetz des Zehnten zu 
befolgen. Vor allem das Zehnten- 
zahlen fiel mir schwer. Wie sollte 
ich von dem wenigen, das kaum 
zum Leben reichte, noch etwas 
abzweigen? Doch der Herr machte 
mir deutlich, wie ich genau das tun 
konnte. Dazu erteilte er mir eine 
wichtige Lektion. 

Als ich anfing, den Zehnten zu 
zahlen, wurde mir klar, daß ich 
meine Finanzen in Ordnung bringen 
mußte. Ich fing sofort an, mein Geld 
besser einzuteilen. Ich machte eine 
Aufstellung meiner monatlichen 
Ausgaben, an deren erster Stelle der 
Zehnte stand. Dann verglich ich 
diese Liste mit meinem Monatsein- 
kommen. Zu meinem Erstaunen 
blieb noch genug Geld zum Leben 
und sogar noch etwas zum Sparen 
übrig. Es verblüffte mich auch sehr, 
wieviel Geld ich zuvor für Kaffee und 
Alkohol ausgegeben hatte. Der Herr 
segnete mich in finanzieller und 
geistiger Hinsicht, als ich mich 
bemühte, nach seinem Gesetz zu 
leben. 

Als ich mich in Deutschland der 
Kirche angeschlossen hatte, trauerte 
ich erst ein wenig um das Glas Wein, 
daß ich nun nicht mehr trinken 
konnte, wenn ich zu einer Feier 
eingeladen war, und vor allem um 
die von mir so heißgeliebte Tasse 
Kaffee. Aber ich sagte mir, das 
sei eigentlich überhaupt nicht 
wichtig, da ich ja nicht abhängig sei. 
Aber vier Wochen, nachdem ich 
Alkohol und Kaffee aus meinem 
Leben verbannt hatte, wachte ich 
eines Morgens mit fürchterlichen 
Schmerzen in den Beinen auf. Ich 



ignorierte die Schmerzen aber und 
ging zur Arbeit. Doch nach zwei 
Stunden tat mir der gesamte Körper 
weh, und jede einzelne Bewegung tat 
mir zunehmend weh. Man brachte 
mich zum Arzt. Er gab mir ein paar 
Tabletten, verordnete mir vierzehn 
Tage Bettruhe und sagte lachend: 
„Trinken Sie eine schöne, starke 
Tasse Kaffee, wenn Sie nach Hause 
kommen. Das wird Ihnen auf keinen 
Fall schaden." 

Da wurde mir plötzlich klar, daß 
es sich bei meinen Schmerzen um 
Entzugserscheinungen handelte. 
Mein Körper reagierte auf den 
Entzug von Koffein. Wie leicht wäre 
es jetzt gewesen, auf den Rat des 
Arztes zu hören. Und wie schwer 
kam es mir in meinem geschwächten 
Zustand vor, auf den Herrn zu hören. 
Doch glücklicherweise hat der Herr 
mir Kraft geschenkt, und ich habe 
der Versuchung nicht nachgegeben. 
Mit seiner Hilfe habe ich die 
Entzugserscheinungen überwunden 
- und halte weiterhin das Wort der 
Weisheit. 

FÜR DAS FASTEN GESEGNET 

Brigida Acosta de Perez 

Ich ließ mich am 26. Juni 1976 
zusammen mit meinem Sohn Carlos 
Leon taufen, den wir Kali nennen. 
Wir gewöhnten uns schnell an die 
vielen Grundsätze unseres neuen 
Glaubens und wollten vollständig an 
allem teilhaben. 

Ich kann mich noch gut an 
unseren ersten Fastsonntag erinnern. 
Meine Tochter Jovita, die bereits zur 
Kirche gehörte, erklärte uns, was wir 
tun mußten. Wir sollten im Geist des 
Betens zwei aufeinanderfolgende 



DER STERN 

46 




Kali legte sich flach auf das Dach, 
und als er über die Kante nach 
unten schauen wollte, stürzte er 
hinunter. Im Fallen griff er nach 
ein paar Stromkabeln. 

Mahlzeiten lang auf Essen und 
Trinken verzichten. Dafür verhieß 
der Herr, daß er unsere Familie 
segnen würde. 

Gegen elf Uhr vormittags klet- 
terte Kali zusammen mit seinem 
jüngeren Bruder auf das Dach 
unseres Hauses, das etwa neun 
Meter hoch war. Er legte sich dort 
flach hin, und als er über die Kante 
nach unten schauen wollte, stürzte 
er hinunter. Im Fallen griff er nach 
ein paar Stromkabeln und begann, 
daran zu schaukeln. Doch als er 
merkte, daß seine Hände heiß 
wurden, ließ er sich fallen und 
stürzte auf den Bürgersteig. 

Andere eilten ihm sofort zu Hilfe. 
Ich aber war unfähig, mich zu 
bewegen, zu schreien oder sonst 
etwas zu tun. Ich konnte nur auf die 
Knie sinken und mit der ganzen 
Kraft meiner Seele beten. Ich weiß 
noch, wie ich sagte: „Mein Sohn! 
Vater, dein Wille geschehe." 

Da hörte ich eine Stimme klar 
und deutlich zu mir sagen: „Deinem 
Sohn ist nichts geschehen; er ist am 
Leben." Als ich spürte, wie diese 
klare, feine Stimme mein Innerstes 
durchdrang, erhob ich mich. Nun 
hatte ich keine Angst mehr. Ich 
wußte, daß ich den Geist gehört 
hatte, und war ganz ruhig. 

Als ich gerade zu Ende gebetet 
hatte, stürzte mein kleinerer Sohn 
ins Zimmer: „Mama, du darfst nicht 
weinen. Kali ist nichts geschehen; 



er ist am Leben", rief er und verwen- 
detete dabei dieselben Worte, die ich 
gerade gehört hatte. 

Als sich alles wieder beruhigt 
hatte und wir Kali getröstet und uns 
versichert hatten, daß wirklich alles 
in Ordnung war, sagte ich zu ihm: 
„Gott hat dir das Leben gerettet." 

Wir beendeten den Fasttag und 
dankten Gott für das Wunder, daß 
Kali unverletzt war. 

Kali hat nach dem Unfall keine 
dauerhaften Schäden zurückbe- 
halten. Als er alt genug war, verkün- 
dete er als Vollzeitmissionar die 
Evangeliumsbotschaft in der Mission 
Merida in Mexiko. 

SCHULDEN IN HÖHE DES WERTES 
EINES HALBEN FAHRRADS 

Alfredo P. Blanc 

Als ich mich auf meine Taufe 
vorbereitete, die im Dezember 1955 
im Osten Argentiniens stattfinden 
sollte, riet mein Zweigpräsident mir 
unter anderem, jeden um Verzei- 
hung zu bitten, den ich gekränkt 
haben könnte, alle Schulden zu 
begleichen und alles zurückzugeben, 
was mir nicht gehörte. Ich gestand 
ihm, daß ich seit mehr als zwanzig 
Jahren das Geld für ein halbes 
Fahrrad schuldig geblieben war. 

Als ich achtzehn Jahre alt war, 
arbeitete ich in einer Teilzeitbeschäf- 
tigung als Fotograf. Dabei verdiente 
ich nicht viel - es reichte gerade, um 
mir etwas zu essen zu kaufen und 
meine Eltern ein wenig zu unter- 
stützen. Seit ich ein kleiner Junge 
war, hatte ich mir sehnlichst ein 
eigenes Fahrrad gewünscht, aber 
irgendwie hatten wir nie genug Geld 
gehabt, um eins zu kaufen. 



Glücklicherweise kannte mein 
Bruder die Familie Zuzci. Sie 
verkauften ein sehr schönes Fahrrad 
zu einem vernünftigen Preis. Ich 
mußte die Hälfte des Geldes beim 
Kauf anzahlen; den Rest konnte ich 
später begleichen. Als ich die erste 
Hälfte gespart hatte, ging ich zu den 
Zuzcis und kaufte das Fahrrad. 

Um die Wahrheit zu sagen - ich 
hatte nicht die Absicht, den Rest des 
Geldes jemals zu zahlen. Ich war arm 
und lebte in bescheidenen Verhält- 
nissen; die Zuzcis waren reich und 
hatten ein schönes Haus. Ich 
meinte, sie hätten sicher schnell 
vergessen, daß ich ihnen noch ein 
wenig Geld schuldete. 

Im Lauf der Jahre verfolgte ich 
meine Ausbildung weiter, wurde 
Optiker und kaufte mir schließlich 
sogar ein eigenes Geschäft. Meine 
finanzielle Situation verbesserte sich 
beträchtlich. Aber ich vermied es 
immer, am Haus der Zuzcis vorbei- 
zugehen. Ich hatte ein schlechtes 
Gewissen wegen des Fahrrads. 

Später im Leben hatte ich das 
große Bedürfnis, Gott zu suchen. 
Und nun hatte ich ihn gefunden und 
wollte mich seiner Kirche anschlie- 
ßen. 

Ich war achtunddreißig Jahre alt, 
als ich mich auf den Weg zu dem 
Haus machte, das ich vorher schon 
so oft gemieden hatte. Die Tür ging 
auf, und Frau Zuzci stand vor mir. 

„Guten Morgen, Frau Zuzci. 
Können Sie sich noch an mich erin- 
nern: 

„Ja, Herr Blanc. Wie könnte ich 
Sie auch jemals vergessen?" 

„Dann wissen Sie bestimmt auch 
noch", sagte ich, „daß ich Ihnen 



Geld schulde, und zwar für das 
Fahrrad, das ich Ihnen vor zwanzig 
Jahren abgekauft habe." 

„Das weiß ich noch sehr gut, Herr 
Blanc - so gut, als ob es gestern 
gewesen wäre.", antwortete sie. 

Ich erzählte ihr von meinem 
Entschluß, mich taufen zu lassen 
und Mitglieder der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage 
zu werden. „Ich bitte Sie um Verge- 
bung", sagte ich. „Ich weiß, daß 
inzwischen zwanzig Jahre vergangen 
sind. Ich bin bereit, alles zu zahlen, 
was Sie als heutigen Gegenwert 
meiner Schulden festsetzen." 

Ich konnte sehen, wie ihr die 
Tränen in die Augen stiegen. Sie 
sagte, es sei sehr schön, was ich da 
tue, und erließ mir meine Schulden. 
Dann weinten wir beide. Wie froh 
waren wir, daß wir die Sache mit 
den Schulden für das Fahrrad 
endlich aus der Welt geschafft 
hatten! D 

SPRECHEN WIR DARÜBER 

Denk einmal darüber nach, wie die 
folgenden Fragen und Anregungen dazu 
beitragen könnten, diesen Artikel beim Famili- 
enabend, im Unterricht in der Kirche oder für 
deine Lebensführung zu nutzen. 

• Inwiefern findest du Freude daran, ein 
bestimmtes Gebot zu halten (beispielsweise 
nach dem Wort der Weisheit zu leben, den 
Zehnten zu zahlen, zu fasten oder den 
Sabbat heiligzuhalten) 1 Gib deiner Familie 
von diesem Gebot Zeugnis. 

• Welches Gebot könntest du noch 
besser befolgen? Schreib alle Segnungen 
auf, die die heilige Schrift denjenigen 
verheißt, die dieses Gebot halten. Überleg 
dir jetzt, was du tun wirst, um nach diesem 
Gebot zu leben. 



DER STERN 

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Das Vaterunser, Gemälde von James Jacques Joseph Tissot (1 840-1 920). 

„So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. 

Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlaß uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen." (Matthäus 6:9-13.) 




Mit dem Rat, ein tugendhaftes 

Leben zufahren, will der Herr uns vor 

Schaden bewahren und uns helfen, 

so viel wie möglich von unseren 

Erfahrungen hier auf der Erde zu 

profitieren. Wenn wir untadelig 

wandeln und des Bundes eingedenk 

sind, den wir miteinander geschlossen 

haben, „. . . dann wird sich alles für 

[uns] zum Guten auswirken 

(LuB 90:24). 

Siehe „Was Propheten über Keuschheit 

und Treue in der Ehe sagen", Seite 26, 

und „Wahre Grundsätze sittlicher 

Reinheit", Seite 30. 



GERMAN 




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