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UMSCHLAGBILD
Vorne: Foto von Eldon K. Linschoten. Hinten: Foto von
Michael McRae. Siehe „Was Propheten über Keuschheit und
Treue in der Ehe sagen", Seite 26, und „Wahre Grundsätze
sittlicher Reinheit", Seite 30.
UMSCHLAGBILD. KINDERSTERN
Mascha Tsemskowa ist den Missionaren in ihrem Zweig,
Adam Blodgett (links) und Samuel Drown, eine große Hilfe.
Siehe „Mascha Tsemskowa aus Puschkin in Rußland", Seite 8
(Fotos von Marvin K. Gardner.)
MAGAZIN
BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: SICH EIN HAUS FÜR DIE
EWIGKEIT BAUEN PRÄSIDENT THOMAS S. MONSON
DAS EVANGELIUM HAT UNSERE FAMILIE VERÄNDERT ALFIERO MORALLOS
DIE UNVERGLEICHLICHEN GABEN ELDER JOHN B. DICKSON
25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: DER GEIST GAB ZEUGNIS
26 WAS PROPHETEN ÜBER KEUSCHHEIT UND TREUE IN DER EHE SAGEN
30 WAHRE GRUNDSÄTZE SITTLICHER REINHEIT TERRANCE D. OLSEN
44 STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGE: FREUDE DARIN FINDEN,
DEM HERRN NACHZUFOLGEN
FÜR JUNGE LEUTE
1 SICH EMPORSCHWINGEN RICHARD M. ROMNEY
40 MEIN GLAUBE WURDE GEPRÜFT TAYLOR HARTLEY
43 HAST DU EINEN SCHLECHTEN TAG? SHANE R. BARKER
KINDERSTERN
2 VON FREUND ZU FREUND: ELDER CHARLES DIDIER
4 ERZÄHLUNG: „MEINE LEHRERIN HATTE RECHT" CARMEN DE HERNÄNDEZ
6 DAS MITEINANDER: LASS DEIN LICHT LEUCHTEN SYDNEY S. REYNOLDS
8 FREUNDE IN ALLER WELT: MASCHA TSEMSKOWA AUS PUSCHKIN IN RUSSLAND
MARVIN K. GARDNER
1 2 KRABBELSACK MIT GESCHICHTEN AUS DEM NEUEN TESTAMENT
CORLISS CLAYTON
1 4 VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN
SO LEBEN, DASS MAN DEM HERRN NAHE IST MATTEO DUCA
MEINE ELTERN EHREN GERMÄN ANDRES TOVAR CONTRERAS
NEUN JAHRE ALT UND SCHON MISSIONAR ASHLEY CALLISTER
1 6 LIED: GEBURTSTAG FEIERN WALLACE F. BENNETT UND TRACY Y CANNON
SIEHE SEITE 18 SIEHE SEITE 44
SIEHE SEITE 30
SIEHE SEITE 10
OKTOBER 1999 125. Jahrgang Nummer 10
DER STERN 99990 150
Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Die Erste Präsidentschaft:
Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust
Das Kollegium der Zwölf:
Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight,
Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks,
M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott,
Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring
Chefredakteur: Marlin K. Jensen
Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen
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Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear
Redaktionsassistentin: Peter B. Gardner
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Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen
Layout: Sharri Cook
Designer: Thomas S. Child, Tadd R. Peterson
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Thomas S. Groberg, Denise Kirby, Jason L. Mumford,
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CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden,
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Manuskripte und Anfragen: International Magazines,
50 East North Temple, Salt Lake City, UT
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona-
IMag@ldschurch.org
Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch Der
Stern, erscheint auf albanisch, bulgarisch, cebuano,
chinesisch, dänisch, deutsch, englisch, estnisch, fidschi,
finnisch, französisch, japanisch, kiribati, koreanisch,
lettisch, litauisch, norwegisch, polnisch, portugiesisch,
rumänisch, russisch, samoanisch, spanisch, schwedisch,
tagalog, tahitisch, thai, tongaisch, tschechisch,
ungarisch, ukrainisch und vietnamesisch. (Erscheinen
variert nach Sprache.)
© 1999 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved.
Printed in the United States of America.
For Readers in the United States and Canada:
October l OCl 9vol. 125 no. 10. DER STERN (ISSN 1044-
338X) is published monthly by The Church of Jesus Christ
of Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City,
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DIE ZEITSCHRIFT DER KIRCHE IN
BIBLIOTHEKEN AUSLEGEN
Als ich den Artikel „Eine Zeitschrift für
die ganze Welt" in der Oktoberausgabe
1998 von Seito no Michi (japanisch) las,
nahm ich mir vor, die Anregung, daß der
Zweig der öffentlichen Bibliothek eine
Ausgabe der Zeitschrift der Kirche zur
Verfügung stellen solle, in die Tat umzu-
setzen. Es gelang mir auch, ein Exemplar in
der Bibliothek unterzubringen, und zwar
deswegen, weil die Missionarinnen ehren-
amtlich dort arbeiten und die Missionare
immer so höflich sind. Hoffentlich wird es
dort von vielen Menschen gelesen.
Satsuki Sato,
Zweig Nemuro,
Pfahl Kushiro, Japan
„ICH MUSS IMMER AN SEIN OPFER DENKEN"
Während der Ostertage 1998 bekam
ich den Riahona (kiribatisch) . Wenn ich
darin las, spürte ich die Liebe, die Gott für
uns empfunden haben muß, als er Jesus
Christus als Opfer für unsere Sünden
darbrachte. Das kann ich nicht vergessen;
ich muß immer an sein Opfer denken, das
mir Kraft gibt und mich geistig erbaut.
Deshalb habe ich mir auch fest vorge-
nommen, in seinem Reich zu arbeiten, und
ich bete darum, daß er sich voller Güte
und Liebe meiner annehmen möge.
Roaineta I. Boboia,
Gemeinde Bikenibeu,
Pfahl Tarawa, Kiribati
HILFE IN SCHWIERIGEN AUGENBLICKEN
Ich empfinde es wahrhaft als großen
Segen, daß ich den Liahona (spanisch) lesen
darf. Vor allem die Botschaften von der
Ersten Präsidentschaft erbauen mich immer
sehr. Jedesmal, wenn ich darin lese, empfinde
ich unglaublichen inneren Frieden. So etwas
habe ich vorher noch nie gespürt. Ich kann
den Einfluß des Heiligen Geistes spüren,
wenn unser Prophet zu uns spricht.
Außerdem lese ich auch gerne die
Artikel, in denen von Mitgliedern auf der
ganzen Welt erzählt wird, vor allem die
Rubrik „Ich habe eine Frage". Diese Rubrik
zeigt uns jungen Heiligen der Letzten Tage,
wie wir uns unseren Problemen stellen
müssen. Diese Zeitschrift ist mir eine Hilfe
in schwierigen Augenblicken.
Raul Soliz Chavarria,
Gemeinde Oruro,
Pfahl Oruro, Bolivien
WIR BRAUCHEN GESCHICHTEN VON
MISSIONARS-EHEPAAREN
Haben Sie zusammen mit Ihrem Mann bzw. Ihrer
Frau eine Mission erfüllt? Möchten Sie in diesem
Fall die Leser der Zeitschrift der Kirche gerne an
Ihren Erfahrungen teilhaben lassen? Wir brauchen
noch Geschichten, in denen es um das Dienen geht
und in denen deutlich wird, wie sehr Sie gesegnet
worden sind, weil Sie eine Mission erfüllt haben,
wie Sie sich Hindernissen entgegengestellt und sie
bewältigt haben, was Sie für hilfreich halten, um
die Berufung so gut wie möglich zu erfüllen, und
was Sie anderen Paaren raten würden, die über
eine Mission nachdenken. Dabei ist es unerheblich,
in welchen Bereichen Sie tätig waren - ob Sie
missioniert, humanitären Dienst, Dienst in der
Kirche oder Ahnliches geleistet haben. Bitte geben
Sie den vollen Namen aller Personen an, die in
Ihrem Artikel erwähnt werden, außerdem Ihre
Anschrift, Telefonnummer sowie Ihre Gemeinde
und Ihren Pfahl (bzw. Zweig und Distrikt).
Senden Sie Ihren Artikel und nach Möglichkeit
auch Fotos an Couple Missionary Service,
International Magazine, 50 East North Temple
Street, Salt Lake City, UT 84150-3223, USA.
Sie erreichen uns auch per e-mail an CUR-
Liahona-IMag@ldschurch.org.
OKTOBER
1
19 9 9
BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT
SICH EIN HAUS FÜR
DIE EWIGKEIT BAUEN
Präsident Thomas S. Monson W Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft
ls Jesus über die staubigen Wege der Städte und Dörfer
schritt, die wir heute ehrfurchtsvoll als das Heilige Land
bezeichnen, und seine Jünger in der Nähe des schönen
Galiläa unterwies, sprach er oft in Gleichnissen, also in einer Sprache, die die
Menschen am besten verstanden. Oft ging er dabei auch auf den Bau eines
Hauses ein und setzte ihn in Bezug zu seinen Zuhörern.
Er verkündete: „Keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist,
wird Bestand haben." 1 Später mahnte er: „Siehe, mein Haus ist ein Haus der
Ordnung, . . . und nicht ein Haus der Verwirrung." 2
In einer Offenbarung, die am 27. Dezember 1832 in Kirtland in Ohio an
den Propheten Joseph Smith erging, sagte der Meister: „Organisiert euch,
bereitet alles vor, was nötig ist; und errichtet ein Haus, nämlich ein Haus des
Betens, ein Haus des Fastens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des Lernens,
ein Haus der Herrlichkeit, ein Haus der Ordnung, ein Haus Gottes
"3
Wo könnte man einen besseren Plan finden, anhand dessen man klug und
durchdacht ein Haus bauen könnte, das man die ganze Ewigkeit hindurch
OKTOBER 1999
„Organisiert euch;
bereitet alles vor, was
nötig ist; und errichtet ein
Haus, nämlich ein Haus
des Betens, ein Haus des
Fastens, ein Haus des
Glaubens, ein Haus des
Lernens, ein Haus der
Herrlichkeit, ein Haus
der Ordnung, ein
Haus Gottes."
bewohnt? Ein solches Haus entspräche den in Matthäus
genannten Richtlinien - ja, es wäre ein Haus, das „auf
Fels" 4 gebaut ist, ein Haus, das den Wassermassen des
Unglücks, den Fluten des Widerstands und den Winden
des Zweifels standhalten kann, die in unserer schwierigen
Welt allgegenwärtig sind.
Man mag nun einwenden: „Aber diese Offenbarung
bezog sich doch auf den Bau eines Tempels. Ist sie heute
überhaupt noch von Bedeutung?"
Dem würde ich entgegenhalten: „Hat der Apostel
Paulus nicht gesagt: ,Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes
Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?'" 5
Wenn wir die Bauanleitung auf unsere Verhältnisse
anwenden, wissen wir den göttlichen Rat des Meisters,
der ja die Welt erschaffen hat, nämlich unseres Herrn
und Erretters, Jesus Christus, vielleicht besser zu
schätzen.
Der inspirierte Bauplan legt uns als allererstes ans
Herz, daß unser Haus ein Haus des Betens sein soll. Der
Herr hat erklärt:
„Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie
stellen sich beim Beten gern ... an die Straßenecken,
damit sie von den Leuten gesehen werden. . . .
Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und . . .
bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. . . .
Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die
Heiden. . . .
So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name
werde geheiligt,
dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im
Himmel, so auf der Erde.
Gib uns heute das Brot, das wir brauchen.
Und erlaß uns unsere Schulden, wie auch wir sie
unseren Schuldnern erlassen haben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns
vor dem Bösen." 6
Dieses Element des Planes kann man schon sehr
kleinen Kindern verständlich machen. Als unser ältester
Sohn etwa drei Jahre alt war, knieten seine Mutter und
ich uns abends gewöhnlich zum Beten mit ihm nieder.
Ich war damals Bischof unserer Gemeinde, und eine
Schwester namens Margaret Lister war schwer an Krebs
erkrankt. Jeden Abend beteten wir für Schwester Lister.
DER
Eines Abends sprach unser kleiner Sohn das Gebet
und brachte dabei den Wortlaut des Gebets und den
Text eines Kinderbuches durcheinander. Er fing an:
„Himmlischer Vater, bitte segne Schwester Lister, Henny
Penny, Chicken Licken, Turkey Lurkey und all die
anderen." Wir mußten unwillkürlich lächeln. Später
aber, als Schwester Lister wieder ganz gesund wurde,
waren wir sehr demütig gestimmt. Wir würdigen das
Gebet eines Kindes nicht herab. Denn immerhin waren
unsere Kinder noch vor kurzem beim himmlischen Vater,
im Gegensatz zu uns.
Unser Haus soll also ein Haus des Betens sein.
Unser Haus soll auch ein Haus des Fastens sein. Dieser
Teil des Plans wird an einer Stelle des Buches Jesaja deut-
lich, wo wirkliches Fasten erklärt wird: „Das ist ein
Fasten, wie ich es liebe: . . .
an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdach-
losen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen
Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen
Verwandten nicht zu entziehen."
Und was ist der Lohn dafür? „Dann wird dein Licht
hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden
werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir
voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin
ich. . . .
Wenn du . . . dem Hungrigen dein Brot reichst und den
Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht
auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren
Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. ... Du
gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren
Wasser niemals versiegt." 7
Unser Haus soll also ein Haus des Fastens sein.
Unser Haus soll auch ein Haus des Glaubens sein.
Jakobus schreibt:
„Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll
er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn
er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf.
Wer bittet, soll aber voll Glauben bitten und nicht
zweifeln; denn wer zweifelt, ist wie eine Welle, die vom
Wind im Meer hin und her getrieben wird." 8
STERN
4
Als Präsident Brown sich erhob, um eine Ansprache zu
halten, verschwand die Sonne hinter einigen Wolken,
die inzwischen aufgezogen waren. Dann hörten wir es
donnern und sahen einen Blitz zucken. Die Himmel
taten sich auf. Es begann zu regnen. Die Dürre war
vorüber.
Wie sich ein solch fester Glauben in die Tat umsetzen
läßt, wird an Nephi und seiner bewegenden Aussage
deutlich: „Ich will hingehen und das tun, was der Herr
geboten hat." 9 Er wankte nicht, sondern glaubte. Gibt es
heute noch jemanden mit solchem Glauben?
Vor einigen Jahren begleitete ich Präsident Hugh B.
Brown (1883-1975), einen Ratgeber in der Ersten Präsi-
dentschaft, auf einer Reise durch die Mission Samoa. Die
Mitglieder und die Missionare in Amerikanisch-Samoa
hatten uns im Vorfeld schon erklärt, daß eine schwere
Dürre zu so starker Wasserknappheit geführt hatte, daß
unsere Gemeindehäuser und unsere Schule geschlossen
werden mußten, wenn es nicht bald Regen gab. Sie baten
uns, unseren Glauben mit dem ihren zu vereinen.
Als wir den Flughafen in Pago Pago verließen und uns
auf den Weg zur Schule in Mapusaga machten, konnten
wir überall die Auswirkungen der Dürre sehen. Die
Sonne strahlte hell vom Himmel; nicht eine einzige
Wolke war am azurblauen Himmel zu sehen. Die
Mitglieder waren glücklich, als die Versammlung begann.
Der Bruder, der das Anfangsgebet sprach, dankte dem
himmlischen Vater dafür, daß wir gut angekommen
waren, und zwar in dem Bewußtsein, daß wir irgendwie
den ersehnten Regen bringen würden. Als Präsident
Brown sich erhob, um eine Ansprache zu halten,
verschwand die Sonne hinter einigen Wolken, die inzwi-
schen aufgezogen waren. Dann hörten wir es donnern
und sahen einen Blitz zucken. Die Himmel taten sich auf.
Es begann zu regnen. Die Dürre war vorüber.
Als wir später am Flughafen auf den kurzen Flug nach
West-Somoa warteten, sagte der Pilot der kleinen
Maschine zum Bodenpersonal: „Das ist die merkwür-
digste Wettererscheinung, die ich je gesehen habe. Nicht
eine einzige Wolke am Himmel, abgesehen einmal von
der Mormonenschule in Mapusaga. Das ist mir einfach
unerklärlich!"
Präsident Brown sagte zu mir: „Das ist die Gelegen-
heit. Erklären Sie es ihm." Und das tat ich auch.
Unser Haus ist ganz sicher ein Haus des Glaubens.
Unser Haus soll auch ein Haus des Lernens sein. Der
Herr hat gesagt: „Sucht Worte der Weisheit aus den
besten Büchern; trachtet nach Wissen, ja, durch Lern-
eifer und auch durch Glauben." 10 Er mahnte: „Kommt
alle zu mir, . . . lernt von mir; ... so werdet ihr Ruhe finden
für eure Seele." 11 Keine andere Suche nach Wissen
verspricht uns solchen Lohn.
Unser Haus soll also ein Haus des Lernens sein.
Unser Haus soll auch ein Haus der Herrlichkeit sein.
Damit unser Haus aber ein Haus der Herrlichkeit sein
kann, müssen wir mit Gott im reinen und zu unseren
Mitmenschen und auch zu uns selbst ehrlich sein. Man
kann nicht etwas ganz anderes vorgeben, als man in
Wirklichkeit ist. Samuel Clemens, besser bekannt unter
dem Namen Mark Twain, läßt uns von Huckleberry Finn
etwas sehr Wichtiges lernen. Huckleberry Finn sagt:
„Das ließ mich erzittern. Und ich nahm mir vor zu
beten; ich wollte sehen, ob ich nicht vielleicht aufhören
konnte, der Junge zu sein, der ich war, und ein besserer
Mensch sein konnte. Also kniete ich nieder. Aber die
Worte wollten nicht kommen. Warum nur nicht? Es
hatte keinen Sinn, es zu versuchen und vor Gott zu
verbergen. . . . Ich wußte sehr gut, warum die Worte nicht
kommen wollten. Es lag daran, daß ich ein falsches Spiel
OKTOBER
5
19 9 9
Der Mann im sechsten Bett antwortete: „Wir wissen
nicht viel über die Mormonenkirche, aber wir haben
viel über unseren Freund erfahren; und heute fasten
wir für ihn."
trieb. Ich tat zwar nach außen so, als ob ich von der
Sünde lassen wollte, aber tief im Innern klammerte ich
mich an der größten Sünde von allen fest. Ich versuchte,
meinen Mund sagen zu lassen, ich würde das Richtige
und das Anständige tun. . . . Aber tief im Innern wußte
ich, daß es eine Lüge war, und Gott wußte das auch. Man
kann keine Lüge beten - das habe ich gemerkt." 12
Jemand hat einmal gesagt: „Beständigkeit ist eine
Zier." 13 Wer beständig Gutes tut, kann sich ein Haus der
Herrlichkeit schaffen.
Unser Haus soll auch ein Haus der Ordnung sein.
„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem
Himmel gibt es eine bestimmte Zeit", schrieb Kohelet,
der Prediger. 14 Das gilt auch für unser Leben. Wir
müssen Zeit für unsere Familie, Zeit für unsere Arbeit,
Zeit zum Lernen, Zeit zum Dienen, Zeit zur Entspan-
nung und Zeit für uns selbst schaffen, vor allem aber Zeit
für Christus.
Dann ist unser Haus ein Haus der Ordnung.
Und schließlich soll unser Haus ein Haus Gottes sein.
Ein solches Haus zeichnet sich durch reine Gedanken,
edle Absichten, ein williges Herz und fleißige Hände aus.
Der Herr läßt uns in unserem Bemühen nicht allein,
sondern steht uns immer hilfreich zur Seite.
Vor einigen Jahren durfte ich als Missionspräsident
dienen und lernte so mehr als vierhundert Missionare
ziemlich gut kennen. Wir hatten einen jungen Missionar,
der sehr krank war. Nachdem er mehrere Wochen im
Krankenhaus gelegen hatte, bereitete sich der Arzt auf
eine ungeheuer schwierige Operation vor und bat darum,
nach den Eltern des Missionars zu schicken. Er ließ uns
wissen, daß zumindest die Gefahr bestand, der Patient
könne den Eingriff nicht überleben.
Die Eltern kamen. Spätabends gingen der Vater und
ich in das Krankenzimmer in Toronto in Kanada, legten
dem jungen Missionar die Hände auf und gaben ihm
einen Segen. Was nach diesem Segen geschah, war mir
ein Zeugnis.
Der Missionar lag im Krankenhaus in einem Zimmer,
in dem sechs Betten standen. Die anderen fünf Betten
waren von Männern belegt, die an verschiedenen Krank-
heiten litten. Am Morgen, als die Operation stattfinden
sollte, war das Bett des Missionars leer. Die Kranken-
schwester kam mit dem Frühstück für die Männer ins
Zimmer. Sie brachte dem Patienten im ersten Bett das
Frühstück und sagte: „Heute morgen gibt es Spiegeleier,
und für Sie habe ich eine Extra-Portion."
Der Mann im ersten Bett hatte sich mit seinem
Rasenmäher verletzt. Wenn man von seinem kranken
DER STERN
Zeh absah, war er eigentlich ganz gesund. Er sagte zur
Krankenschwester: „Ich esse heute morgen nichts."
„Na gut, dann geben wir Ihr Frühstück eben dem Pati-
enten im nächsten Bett."
Als sie auf diesen Patienten zutrat, sagte er: „Ich
glaube, ich esse heute morgen auch nichts."
Jeder der fünf Männer verzichtete auf sein Frühstück.
Die Krankenschwester rief: „Sonst könnt ihr morgens gar
nicht genug zu essen bekommen, und heute wollt ihr alle
nichts. Was ist denn bloß los?"
Da antwortete der Mann im sechsten Bett: „Sie sehen
doch, daß das dritte Bett leer ist. Unser Freund wird
heute morgen operiert. Er braucht alle Hilfe, die er
bekommen kann. Er ist Missionar für seine Kirche,
und während wir hier im Bett gelegen haben, hat er uns
die Grundsätze seiner Kirche erklärt - das Beten, den
Glauben und das Fasten, wodurch man den Herrn um
Segnungen anruft." Dann erklärte er weiter: „Wir wissen
nicht viel über die Mormonenkirche, aber wir haben viel
über unseren Freund erfahren; und heute fasten wir für
ihn."
Die Operation gelang. Als ich den Arzt bezahlen
wollte, wehrte er ab: „Es wäre unehrlich von mir, wenn
ich ein Honorar nehmen würde. Nie zuvor habe ich eine
Operation durchgeführt, wo eine höhere Macht mir die
Hände zu führen schien. Nein", sagte er, „ich nehme
doch kein Honorar für eine Operation, bei der mir
jemand hoch oben buchstäblich die Hände geführt hat."
Das ist ein Haus Gottes.
Dies also ist unser Bauvorhaben. Wir sind Baumeister
eines ewigen Hauses, ja, eines Gottestempels. 15
„Organisiert euch; bereitet alles vor, was nötig ist; und
errichtet ein Haus, nämlich ein Haus des Betens, ein
Haus des Fastens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des
Lernens, ein Haus der Herrlichkeit, ein Haus der
Ordnung, ein Haus Gottes." 16
Dann sagt der Herr, der unser Bauvorhaben sozusagen
beaufsichtigt, eines Tages vielleicht das gleiche zu uns,
was er Solomo, einem Baumeister einer anderen Epoche,
einmal sagte: „Ich habe . . . dieses Haus, das du gebaut
hast, geheiligt. Meinen Namen werde ich für immer
hierher legen, meine Augen und mein Herz werden alle-
zeit hier weilen." 17
Mögen wir uns an den von Gott vorgegebenen Plan
halten. Möge es uns gelingen, uns ein Haus für die
Ewigkeit zu bauen. D
FUSSNOTEN
1. Matthäus 12:25.
2. LuB 132:8.
3. LuB 88:119.
4. Matthäus 7:24.
5. 1 Korinther 3:16.
6. Matthäus 6:5-7,9-13.
7. Jesaja 58:6-11.
8. Jakobus 1:5,6.
9. 1 Nephi 3:7.
10. LuB 88:118.
11. Matthäus 11:28,29.
12. Adventures of Huckleberry Finn, 1985, Seite 306 f.,
Hervorhebung hinzugefügt.
13. The Home Book of Quotations, Burton Stevenson Hg.,
1934, Seite 304.
14. Kohelet3:l.
15. Siehe 1 Korinther 3:16.
16. LuB 88:119.
17. 1 Könige 9:3.
FÜR DIE HEIMLEHRER
1. Der Herr Jesus Christus hat den Aufbau eines
rechtschaffenen Lebens mit dem Bau eines Hauses
verglichen - vor allem mit dem Bau eines Gotteshauses,
nämlich eines Tempels.
2. Er hat uns ermahnt, uns ein Haus für die Ewigkeit
zu bauen:
■ ein Haus des Betens,
■ ein Haus des Fastens,
■ ein Haus des Glaubens,
■ ein Haus des Lernens,
■ ein Haus der Herrlichkeit,
■ ein Haus der Ordnung,
■ ein Haus Gottes.
3. Wenn wir das tun, sagt der Herr eines Tages viel-
leicht zu uns: „Ich habe . . . dieses Haus, das du gebaut
hast, geheiligt. Meinen Namen werde ich für immer
hierher legen, meine Augen und mein Herz werden alle-
zeit hier weilen." (1 Könige 9:3.)
OKTOBER 1999
7
DAS EVANGELIUM
HAT UNSERE FAMILIE
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VERÄNDERT
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Alfiero Morallos
ILLUSTRATION VON DILLEEN MARSH
Vor dem Februar 1997 hätte man
unsere Familie mit einem tiefen
Fluß vergleichen können: an
der Oberfläche sah das Wasser ruhig
aus, aber tief unten tobten die Strudel.
Wenn Schwierigkeiten auftraten,
gab ich in der Regel meiner Frau daran
die Schuld. Ich fand, daß sie an
unseren Problemen schuld war, und
deshalb hatte ich für alles, was ich tat
- auch für die Suche nach einer neuen
Partnerin - eine gute Ausrede parat.
Meiner Meinung nach durfte meine
Frau sich nicht über mein Verhalten
beklagen, denn ich sorgte ja für den
Lebensunterhalt unserer Familie.
Eines Tages im Februar klopfte es
an unserer Tür in Tacloban, Leyte,
auf den Philippinen. Als ich aus dem
Fenster schaute, sah ich zwei Fremde
- junge Frauen, von denen jede ein
Namenschild trug. Mir war klar, daß
es sich um Missionarinnen der
Heiligen der Letzten Tage handeln
mußte. Weil ich mich auf ein Streit-
gespräch freute, ließ ich sie eintreten.
Als ich sie bat, sich zu setzen, war ich
richtig in Kampfeslaune. Ich war fest
entschlossen, ihnen eine große
Enttäuschung zu bereiten, ließ mir
^
' -
Im Uhrzeigersinn, von links
nach rechts: Alfiero und
Estrella Morallos mit ihren
Kindern Carina, dreizehn
Jahre alt, Isobel, elf Jahre
alt, Alessandra, sechs Jahre
alt, und Silvestre, neun
Jahre alt.
^m^
^I^p
■
aber nichts anmerken. Ich tat so, als
ob ich aufmerksam zuhörte, wartete
aber nur auf den Zeitpunkt, meine
Argumente so eindrucksvoll wie
möglich vorzutragen. Doch als ich an
der Reihe war, gab es nichts zu
streiten. Ich konnte dem, was die
Missionarinnen gesagt hatten, nur
zustimmen.
Die Missionarinnen wollten mit
mir einen neuen Termin vereinbaren,
und ich war einverstanden. Als sie
gegangen waren, wich der innere
Friede, den ich gespürt hatte, und
meine negative Einstellung gewann
bald wieder die Oberhand. Ich hatte
Angst davor, mich noch einmal mit
den Missionarinnen zu treffen. Aber
ich hielt unseren Termin ein, und mit
jedem neuen Besuch enthüllten sich
mehr Ideale und Wahrheiten, die bei
meiner vergeblichen Suche nach
Erfolg auf der Strecke geblieben
waren. Jedesmal, wenn die Missiona-
rinnen gingen, hielt der innere Friede,
den ich empfand, länger an. Und es
dauerte gar nicht lange, bis ich mich
auf die Besuche der Schwestern freute.
Die Lehren der Missionarinnen,
die heiligen Schriften und der
Lesestoff, den sie mir gaben, waren
wie ein Mikroskop, mit dem ich
mein Leben gründlich zu betrachten
begann. Mir wurde bewußt, daß ich
mich nur mit der einen Hälfte
meiner Ehe beschäftigt hatte,
nämlich mit der Rolle meiner Frau,
und daß ich nur das Schlechte hatte
sehen wollen. Aber jetzt, wo ich
mein Leben ganz neu im Licht der
Lehren Jesu Christi sehen konnte,
wurde mir auch die zweite Hälfte
meiner Ehe zunehmend deutlicher
vor Augen geführt, nämlich meine
eigene Rolle. Und die war noch
schlechter.
In der Proklamation über die
Familie heißt es: „Ein glückliches
Familienleben kann am ehesten
erreicht werden, wenn die Lehren
des Herrn Jesus Christus seine
Grundlagen sind." (Der Stern,
Oktober 1998, Seite 24.) Ich bin
sehr froh und dankbar, daß der Herr
mir die Möglichkeit zur Umkehr
gegeben hat. Ich danke ihm auch für
die Missionarinnen, die bereitwillig
zum Werkzeug in seiner Hand
wurden, damit meine Familie das
Evangelium annehmen und dadurch
wie ein Teich werden konnte - durch
und durch ruhig und friedlich, niqH|
nur an der Oberfläche. D
SPRECHEN WIR DARÜBER
Denken Sie einmal über die
folgenden Fragen und Anregungen
nach, die deutlich machen, wie sich
dieser Artikel auf den Familienabend,
den Unterricht in der Kirche oder Sie
ganz persönlich beziehen lassen könnte:
• Wäre Ihnen wohl, wenn Jesus
Christus das Verhalten innerhalb
Ihrer Familie beobachten könnte?
Was können Sie anders machen?
• Welche Evangeliumsgrundsätze
können Ihnen helfen, ein besseres
Verhältnis zu Ihren Angehörigen und
zu anderen Menschen aufzubauen?
Entscheiden Sie sich für einen
Grundsatz, an dem Sie in der
kommenden Woche arbeiten werden.
• Lesen Sie während des Fami-
lienabends die Proklamation über die
Familie, und besprechen Sie, wie sich
das Verhältnis innerhalb Ihrer
Familie verbessern lassen könnte.
(Siehe *Die Familie: Eine Proklama-
tion an die Welt", Der Stern, Oktober
1998, Seite 24.)
OKTOBER 1999
SEIT DIE HIER ABGEBILDETEN JUNGEN MENSCHEN IN
DER UKRAINE DAS EVANGELIUM KENNEN,
BREITEN SIE IHRE FLÜGEL AUS UND
SCHWINGEN SICH EMPOR
Richard M. Romney
FOTOS VOM VERFASSER
m
| endlern fällt die Statue
hinten im Bahnhof
von Kiew in der
Ukraine kaum auf. Sie zeigt eine
Frau, die gerade im Begriff ist, drei
Tauben freizulassen. Diese Statue wurde
zwar vor vielen Jahren unter der Herr'
schaft eines anderen Regimes geschaffen,
ist jetzt aber ein Symbol für die Zukunft
des Landes. Außerdem könnte man sie
auch als Symbol für die jungen Heiligen
der Letzten Tage in der
Ukraine verstehen. Wie die
Tauben probieren auch sie
ihre Flügel aus und beten
darum, daß der Wind der
Freiheit ihnen Auftrieb gebe
und sich das wiederherge-
stellte Evangelium in ihrem
Land verbreiten möge.
EINEN SCHRITT NACH VORNE
„Schlüpf doch einmal in
diesen Schuh", sagte
Tatjana Mutilina, die Semi-
narlehrerin, und hielt
dabei einen Stiefel in der
Hand, der für Goliat
gemacht zu sein schien. Angelika Kowalowa, ihre
Schülerin, schiebt vorsichtig den Fuß hinein.
„Und jetzt", sagte die Lehrerin, „stell
den Stiefel hier auf den Tisch, damit
alle ihn sehen können."
Damit war die Aufmerksamkeit
der Schüler geweckt.
„Wenn du auf Reisen gehst, darfst du
keine Schuhe tragen, die dir nicht
passen", sagte Schwester Mutilina. Dann
nahm sie mit den Jugendlichen des Zweigs
Karkowsky eine eindrucksvolle Lektion aus
dem Seminarleitfaden durch, las Schriftstellen
vor, beantwortete Fragen und gab Zeugnis davon,
wie wichtig es ist, daß man bereit ist, wenn der Herr
einen ruft.
Und warum das alles? „Die Kirche in der Ukraine
braucht junge Menschen wie uns, um in der Zukunft
voranzukommen", erklärt Angelika. „Wir müssen uns für
diese Aufgabe bereitmachen."
„Alles ist ganz anders, wenn man Mitglied der
Kirche ist", meint Galina Trohemenko aus dem Zweig
Swjatoschino. „Es bedeutet, daß man nach Maßstäben
lebt, nach denen die anderen nicht leben. Das hat
mich übrigens an der Kirche als erstes so fasziniert. Ich
habe eine Freundin, die Mitglied ist, und sie und ihre
Familie leben nach hohen Maßstäben. Ich wollte
einfach mehr darüber wissen. Jetzt bin ich selbst
Mitglied und muß den Menschen in meiner Umgebung
ein Beispiel geben."
Galina Trohemenko mit ihrer Mutter und ihren Brüdern.
OKTOBER 1999
n
„DU KANNST EIN LICHT SEIN"
Durch ein solches Beispiel hat Natalja Jereskowska das
Evangelium gefunden. Als sie fünfzehn Jahre alt war, fuhr
sie als Austauschschülerin von Tscherkassy in der Ukraine
(südlich von Kiew) nach Sleepy Hollow in Illinois (im
Nordwesten von Chicago). Sie löste in ihren Gasteltern,
die der Kirche angehören, ziemlich große Verwunderung
aus, als sie auf dem Weg vom Flughafen nach Hause sagte:
„Ich weiß, daß Gott mich zu euch gesandt hat."
Natalja hatte darum gebetet, in eine religiöse Familie
zu kommen, „damit ich mein geistiges Leben finden
konnte". Als sie das Blatt las, auf dem die Familie von
Bruce B. und Jean Bingham vorgestellt wurde, sah sie,
daß die beiden nicht rauchten und regelmäßig zur
Kirche gingen. Außerdem spürte sie etwas - sie hatte
die Eingebung, daß sie auf die Binghams hören und
DER STERN
12
ihrem Beispiel nacheifern sollte. Natalja blieb ein Jahr
in der Familie und nahm am Familiengebet, am Famili-
enabend, am JD-Programm, an der Abendmahlsver-
sammlung und an der Sonntagsschule teil.
Sie konnte den Geist zunehmend besser spüren. Und
sie fand Antworten, nach denen sie schon viele Jahre
gesucht hatte. Sie ließ sich von den Missionaren unter-
weisen. Sie fastete und betete und empfing die Antwort,
Oben links: Natalja Jereskowska (vordere Reihe in
der Mitte) auf einer Jugendkonferenz in Kiew. Links
und oben: Viktor Russo zusammen mit den Vollzeit-
missionaren. So lernt er, eines Tages selbst
Missionar zu sein.
daß sie sich der Kirche anschließen sollte. Sie befürch-
tete aber, daß ihre Eltern damit niemals einverstanden
wären. Deshalb nahm sie allen Mut zusammen und
bat sie um Erlaubnis. Und sie bekam sie auch. Am 7.
Januar 1996 ließ sie sich taufen. Doch bald mußte sie
sich mit einem anderen Problem auseinandersetzen:
Sie mußte nach Tscherkassy zurückkehren, wo sie
unter den etwa 350.000 Einwohnern die einzige
Heilige der Letzten Tage sein würde.
„Ich hatte Angst", sagt sie. „Ich konnte mir über-
haupt nicht vorstellen, irgendwohin zu reisen, wo es die
Kirche nicht gab, wo ich nicht zu den Versammlungen
O K T O B
gehen und das Abendmahl nicht nehmen konnte. Doch
auf dem Heimflug dachte ich an das, was Bruder
Bingham mir mit auf den Weg gegeben hatte: ,Wo auch
immer du dich befinden magst - du kannst ein Licht
sein.' Dieser Gedanke hat mich etwas getröstet."
Natalja verbrachte zwei Sonntage damit, in der heiligen
Schrift zu studieren, zu beten und sich selbst Lieder vorzu-
singen. Dann hörte sie von einer Jugendkonferenz der
Kirche in Kiew. Sie fuhr dorthin und lernte Wilfried M.
Voge kennen, den Präsidenten der Mission Kiew.
Gemeinsam überlegten sie, was alles zu tun war, damit die
Kirche in Tscherkassy anerkannt werden konnte. Zuerst
mußten sie Unterschriften für eine Petition sammeln, in
der Missionare in die Stadt eingeladen wurden. Aber diese
Einladung mußte von Erwachsenen kommen.
Natalja schloß Freundschaft mit einem Universitäts-
professor, der in den Vereinigten Staaten einmal bei einer
Mormonenfamilie gewohnt hatte. Er erklärte sich bereit,
ihr zu helfen, und verfaßte ein offizielles Einladungs-
schreiben. Außerdem brachte er mehrere Wirtschaftsstu-
denten dazu, ihr Einverständnis zu geben, sich von den
Missionaren unterweisen zu lassen. Darüber hinaus arran-
gierter er sogar ein Zusammentreffen mit dem Bürgermei-
ster einer nahegelegenen Kleinstadt. Nachdem Natalja
der Rektorin ihrer Schule die Maßstäbe der Kirche erklärt
hatte, unterzeichnete auch sie die Petition und lud die
Missionare sogar ein, vor der ganzen Schule zu sprechen!
Im September 1996 kamen die ersten Missionare. Im
Oktober fanden Versammlungen der Kirche statt. Im
Januar gab es die erste Bekehrtentaufe. Die nächste fand
im Februar statt. Dann ließen sich Familien taufen.
Weitere Missionare kamen. JD, FHV, Sonntagsschule
und PV wurden organisiert. Es gab Ausflüge ins Grüne
und Dienstprojekte. Brüder wurden zum Priestertum
ordiniert. Ein Zweigpräsident wurde berufen. Natalja
brachte eine ihrer engsten Freundinnen zur Kirche, und
selbst die Frau des Professors ließ sich taufen! Kurz gesagt
- der Zweig wuchs und wuchs und wuchs.
Als Natalja zuerst darüber nachgedacht hatte, die
Kirche in ihre Heimatstadt zu holen, war sie unsicher
gewesen. Aber Präsident Voge hatte gesagt: „Der
himmlische Vater wird dir helfen!" Durch solchen
Glauben wurde anderen Menschen der Weg bereitet.
„ICH HABE MICH BEMÜHT, NUR MIT GUTEN MENSCHEN
ZUSAMMEN ZU SEIN"
Man braucht Glauben, wenn man allein ist, so wie
E R
13
19 9 9
Natalja. Man braucht aber auch Glauben, um sein Leben
zu ändern und sich von Freunden abzuwenden, die einen
schlechten Einfluß ausüben. Das mußte sich Viktor Russo
eingestehen, als er das Evangelium Jesu Christi kennen-
lernte und einiges in seinem Leben zu ändern hatte.
Das Leben hatte es Viktor nicht leichtgemacht. Als
Junge war er dünn und schwächlich. Die anderen Jungen
verprügelten ihn oft. Vor lauter Wut machte er einen
Fehler. Mit fünfzehn Jahren schloß er sich einer Bande an.
„Ich wollte, daß die anderen Angst vor mir hatten", sagt er.
Und so kam es dann auch. Er gehörte zu den
„Banditen", wie er es nennt. Doch ehe er sich zu tief
darin verstrickte, stieß er auf die Kirche. Seine Tante, die
Mitglied war, lud Viktor und seine Mutter zu den
Versammlungen am Sonntag ein.
„Gleich beim Anfangsgebet stiegen mir die Tränen in
die Augen", erklärt Viktor. „Da sagte jemand nicht
einfach Worte auf. Er sprach vielmehr mit dem Vater im
Himmel. Ich spürte, wie das Gefühl großer Liebe über
mich kam. Und ich begriff, daß auch ich einen Vater im
Himmel habe, der mich liebt." Viktor war so beein-
druckt, daß er weiterhin zur Kirche ging. Und er fing an,
sich mit den Missionaren zu treffen.
„Ich hatte mich eigentlich schon immer gefragt, ob es
Gott wirklich gibt", meint er. „Deshalb betete ich: ,Bitte
laß mich wissen, ob das, was ich neu lerne, wahr ist.' Da
spürte ich wieder das überwältigende Gefühl, das mich
schon in der Abendmahls Versammlung eingehüllt hatte."
Als Viktor vom Priestertum erfuhr, war er besonders
beeindruckt. „Ich spürte die Liebe, die unter den
Männern herrschte. So etwas hatte ich in unserer Bande
nicht erlebt. Ich weiß noch, wie ich während einer
Missionarslektion gedacht habe: ,Ich kann nicht zur
Bande gehören und gleichzeitig Gott dienen." Von da an
bemühte ich mich, meinen alten Freunden aus dem Weg
zu gehen. Ich habe mich bemüht, nur noch mit guten
Menschen zusammen zu sein."
Das zog bemerkenswerte Folgen nach sich. Viktor erin-
nert sich: „Ich war überrascht. Manche meiner früheren
,Freunde' neckten mich zwar, aber die meisten sagten nur:
,Wenn du gehen willst, dann geh. Wir tun dir nichts.'
Feinde sannen nicht auf Rache. Wahre Freunde hingegen
interessierten sich für seine neue Religion. Manche trafen
sich sogar mit den Missionaren, aber bis jetzt hat sich
außer Viktor noch niemand taufen lassen.
Viktor gibt zu: „Ich mußte zuerst von vielen Sünden
Umkehr üben. Aber ich weiß, daß das richtig war."
Heute ist Viktor achtzehn Jahre alt und seit fast drei
Jahren Heiliger der Letzten Tage. Er verbringt seine Zeit mit
anderen Jungen, die das Aaronische Priestertum tragen,
hilft beim Abendmahl und geht heimlehren. Außerdem
freut er sich auf seine Vollzeitmission und die Fertigstellung
des Kiew-Tempels. Jeden Tag findet man ihn bei den Missio-
naren, wenn sie Menschen unterweisen. „Es macht mir
Freude, anderen Zeugnis von Jesus Christus zu geben", sagt
er. „Ich sage den Menschen gern, daß sie an ihn glauben
müssen."
„ICH HATTE ANGST, SIE SEIEN
VERRÜCKT GEWORDEN"
Wie Viktor erging es auch Kira
Gulko. Als sie die Kirche kennen-
lernte, begriff sie, daß der himmli-
sche Vater alle seine Kinder liebt.
Aber die Entscheidung, sich taufen
zu lassen, fiel ihr nicht leicht. Als
ihre Eltern sich entschlossen,
Mitglied der Kirche zu werden,
zweifelte Kira „an ihrem gesunden
Menschenverstand" . Glücklichweise
ließ sie sich nicht zu Kritik und
Auflehnung hinreißen, sondern nahm sich vor,
selbst herauszufinden, ob die neue Religion
ihrer Eltern wahr war.
„Wir waren keine praktizierenden Juden",
erklärt Kira. „Aber wir sind jüdischer Abstam-
mung. In unserer Familie war es verboten, über
Jesus Christus zu sprechen. Doch als die Peres-
troika begann und jeder die Freiheit hatte, sich
mit neuen Ideen zu beschäftigen, begannen
meine Eltern, verschiedene Religionen und
Lehren zu untersuchen. Meine Mutter war
Vorsitzende des internationalen Freund-
schaftsclubs an unserer Schule, wo sie Englisch
unterrichtet. Sie stieß auf den Brief einer
Lehrerin in Riverton in den Vereinigten Staaten, die Brief-
freundinnen suchte. Die Schüler meiner Mutter antwor-
teten und bekamen daraufhin ein großes Paket mit etwa
einhundert Briefen. Viele Schüler schrieben, sie seien
Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten
Tage; meine Mutter wußte aber nicht, was das ist.
Dann kamen wir einmal an der Brücke in der Nähe
unseres Hauses vorbei und sahen ein Plakat, das die
Menschen zum Besuch der Kirche Jesu Christi der
DER STERN
14
Heiligen der Letzten Tage einlud! Meine Eltern
entschlossen sich, dorthin zu gehen; einmal deshalb,
damit Mama die Fragen ihrer Schüler beantworten
konnte, und zweitens auch deshalb, weil sie selbst auf der
Suche nach einer neuen Religion waren.
Das war im Oktober 1991. Danach kamen die Missio-
nare zu uns nach Hause. Schon bald hatten meine Eltern
verstanden, daß Jesus Christus wirklich ihr Erretter ist.
Außerdem gefiel ihnen die Lehre von der ewigen
Oben: Kira Gulko hat sich von der Skeptikerin zur
Missionarin für ihre Familie und Freunde gewandelt.
Links: Nikolas und Sergej Tschemetsow sind vielleicht
talentiert genug, um eines Tages in der Symphonie-
halle von Kiew (links oben) spielen zu können. Bis
dahin aber sorgen sie für Harmonie in ihrer Familie.
Familie. Wir sind eine wundervolle Familie, und das war
ein sehr wichtiger Grundsatz für uns. Meine Eltern
gingen auch zu einer Taufe und spürten den Heiligen
Geist. Im Dezember entschlossen sie sich zur Taufe.
Ich nahm an allen Missionarslektionen teil, konnte
aber nicht verstehen, warum meine Eltern sich
entschlossen hatten, Mitglied der Kirche zu werden. Ich
hatte Angst, sie seien verrückt geworden und nicht mehr
Herr ihrer Sinne. Aber als ich das Buch Mormon las,
wurde mein Zeugnis, daß es wahr ist, immer fester und
fester. Doch erst als mir bewußt wurde, daß der himmli-
sche Vater mich wahrhaft liebt, bekehrte ich mich wirk-
lich. Ich konnte seine große Liebe spüren, die mich
einhüllt; ich konnte sie in meinen Eltern und den
Mitgliedern der Kirche sehen. Deshalb ließ ich mich im
Februar 1992 taufen. Ich wußte, daß es richtig ist."
Seitdem hat Kira mitgeholfen, ihre Freundin Lena zur
Kirche zu bringen. Außerdem haben drei ihrer vier
OKTOBER
15
19 9 9
Großeltern das Evangelium angenommen. Ihre Mutter
hat bei der Übersetzung des Buches Mormon ins Ukrai-
nische geholfen. Ihr Vater
hat als Distriktspräsident
gedient. Und Kira selbst
war FHV- Leiterin und hat
so ihre Zeit und ihre
Talente für das Wachstum
der Kirche eingesetzt.
„DAS EVANGELIUM HAT
UNSERE FAMILIE GERETTET"
Nikolas und Sergej
Tschemetsow und ihre
Eltern helfen der Kirche
ebenfalls, Fortschritt zu
machen. Und sie haben
erlebt, wie alle einander zunehmend nähergekommen
sind, seit sie 1992 das wiederhergestellte Evangelium
angenommen haben.
Natürlich haben die beiden wie alle Brüder Ähnlich-
keiten und Unterschiede aufzuweisen. Sergej ist zwanzig
Jahre alt, Nikolas zwölf. Aber Nikolas - oder Nik - ist
größer als sein Bruder. Nik ist still; Sergej geht mehr aus
sich heraus. Beide sind sportlich aktiv, betreiben Gewicht-
heben und finden Hubschrauber toll. Beide musizieren
auch: Nik spielt Klavier, Sergej spielt Geige. Beide lieben
das Evangelium und alles, was damit in Zusammenhang
steht. Und beide sind einander und ihren Eltern, Sergej
sen. und Valia, in tiefer Loyalität verbunden.
Diese Loyalität wurde auf die Probe gestellt, als Valia
und die Jungen nach einem längeren Besuch bei Valias
Eltern nach Hause zurückkehrten und feststellen
mußten, daß der Vater sich mit der Kirche beschäftigte.
Aber er brachte sie soweit, den Missionaren zuzuhören,
das zu lernen, was er selbst lernte, und der Sache eine
faire Chance zu geben.
„Man kann wohl sagen, daß das Evangelium unsere
Familie gerettet hat", meint Sergej jun. „Ich habe mich
wegen des Beispiels meines Vaters zur Taufe
entschlossen. Er hat sich nämlich sehr verändert,
nachdem er sich der Kirche angeschlossen hatte. Er ist
so nett, so liebevoll geworden. Das war mir ein Zeugnis."
Schwester Tschemetsow erklärt: „Vorher stand die
Familie nicht an erster Stelle. Aber jetzt ist er sich
der Tatsache bewußt, daß wir eine ewige Familie sind, und
wir wissen einander ganz anders zu schätzen als früher."
Einschub: Kiew ist eine große, moderne Stadt,
in der die Anzahl von Heiligen der Letzten Tage
wie Nikolas und Sergej Tschemetsow (oben) ständig
zunimmt.
„Früher habe ich gemeint, ich müsse immer der
Anführer sein, weil ich ja der ältere bin", meint Sergej.
„Aber wenn ich nun so neben Nik stehe, dann sehe ich,
daß er größer ist als ich. Mir ist klar, daß er mich
manchmal unterweist und daß ich immer auf ihn zählen
kann, wenn ich Hilfe brauche."
Aber Nik ist nicht nur für seinen Bruder Sergej da,
sondern auch für seine Eltern. Bruder Tschemetsow
DER STERN
16
erklärt: „Seit seiner Taufe hat er ständig gefragt: ,Ich
möchte gerne das Abendmahl austeilen. Wann kann ich
anfangen?' Durch seine Begeisterung sind auch unser
Zeugnis und unser Glauben fester geworden. Anderen
Menschen und der Familie helfen - Nik weiß, worum es
beim Priestertum wirklich geht. Er war sehr glücklich, als
er endlich zwölf Jahre alt geworden war und ich ihn zum
Diakon ordiniert habe."
Nik war auch sehr glücklich, als sich die Familie im
Freiberg-Tempel siegeln ließ. „Nach den Sessionen
hatten wir etwas Freizeit", erzählt Bruder Tschemetsow.
„Die anderen sind zum Einkaufen in die Stadt gefahren.
Ich habe meine Familie gefragt: .Wollt ihr auch in die
Stadt fahren?' Da hat Nik über den Tempel gesagt: ,Dies
hier ist ein so schöner Ort; ich möchte nicht woanders
hinfahren.'"
Nik erklärt: „Das Priestertum hat in meinem Leben
höchste Priorität. Es hilft mir, so zu leben, wie wir laut den
Worten Jesu Christi leben sollen. Ich weiß, daß Gott uns
hilft und einen besseren Menschen
aus uns macht, wenn wir es in
Ehren halten."
Daran muß Sergej jeden
Tag denken, vor allem
jetzt, wo er in der Mission
Tokio-Nord in Japan als
Vollzeitmissionar dient.
Und Nik hofft natürlich, daß
er es seinem Bruder eines
Tages gleichtun kann.
Der Legende nach wurde
Kiew von drei starken Brüdern
gegründet - Kij, Schtschek und
Koriw. Aber in der Statue,
die an die drei erinnern soll,
steht ihre Schwester Lyhed mit
ausgestreckten Armen und
ernstem Gesicht am Bug des
Bootes. Sie könnte aber
genauso gut die jungen ukrai'
nischen Heiligen der Letzten
Tage darstellen. Sie sind
nämlich eifrig darauf
bedacht, sich emporzusch-
wingen, und fliegen bereits
der Zukunft entgegen. D
I
f
Der Erretter bietet uns kostbare, ewige
Gaben des Vaters an - wir müssen sie
nur annehmen.
Elder John B. Dickson von den Siebzigern
n unserer Eigenschaft als Mitglieder der Siebtiger
haben wir das wundervolle Vergnügen und auch
.die Pflicht, der Welt Zeugnis zu geben, daß Jesus
der Messias ist. Wir arbeiten eng mit den Missionaren,
den Führern und den Mitgliedern weltweit zusammen
und können den spannenden Bekehrungsprozeß daher
gut beobachten. Wenn jemand den Plan versteht, den
der himmlische Vater aufgestellt hat, damit gerade er
für alle Ewigkeit glücklich wird - wenn er zur
Erkenntnis Jesu Christi, der zentralen Figur dieses
Plans, gelangt -, dann ändert er sein Leben, und seine
Seele wird reicher.
Ich muß an ein kleines Dorf namens Panacaxtlän
denken, das am Schnittpunkt der Küstenebene und
des Berglandes in Zentralmexiko liegt, nur ein paar
Kilometer von der sogenannten Via Corta (kurze
Straße) zwischen Mexiko-Stadt und Tampico in
Tamaulipas entfernt. Das Dorf liegt in einem saftig-
grünen, feuchten Landstreifen, der als Huasteca
bezeichnet wird. Seine Bewohner sind Söhne und
Töchter Lehis. 1979, als ich Präsident der Mission
Mexiko -Stadt-Nord war, begannen die Missionare, in
der Huasteca das Evangelium zu verkünden. Zweiund-
fünfzig Menschen schlössen sich in Panacaxtlän der
Kirche an, außerdem etwa vierhundert Menschen in
nahegelegenen Ortschaften. So entstand ein neuer
Distrikt, der Tempoal genannt wurde.
Kurze Zeit später wurde in Panacaxtlän eine
Versammlung einberufen, wo die Mitglieder der Kirche
vor die folgenden Alternativen gestellt wurden: sich
von der Kirche abzuwenden, das Dorf zu verlassen
oder umgebracht zu werden (keine leere Drohung) .
Die Mitglieder, vor allem die Frauen, sagten, sie
wüßten, daß die Kirche wahr sei, und würden sich
nicht von ihr abwenden. Außerdem erklärten sie, daß
sie genauso fleißig gearbeitet hätten wie alle anderen,
um sich ein sicheres Zuhause zu schaffen, und daß
sie das Dorf nicht verlassen würden. Sie traten
unerschrocken vor und ließen ihre Peiniger wissen,
OKTOBER 1999
19
daß sie ruhig anfangen sollten, wenn sie umbringen
wollten. Die Spannung wuchs, als Macheten sich hoben,
dann aber doch wieder gesenkt wurden, während die
Heiligen der Letzten Tage für das eintraten, dessen
Wahrheit der Geist ihnen bezeugt hatte.
Diese Mitglieder erfuhren später - wie die meisten von
uns -, daß es schwerer ist, Tag für Tag nach dem Evange-
lium zu leben, als einmal dafür zu sterben. Ihre frühe
Entscheidung war darauf zurückzuführen, daß der Geist
ihnen das Herz angerührt und ihr Leben verändert hatte.
Sie hatten sich bekehrt, und das Buch Mormon hatte
dazu beigetragen, ihren Glauben an Jesus Christus, den
Sohn Gottes, zu festigen. Sie erfuhren, daß Christus nach
seiner Auferstehung ihre Vorfahren in Amerika besucht
hatte, und sie waren dankbar für die Segnungen, die allen
Kindern des himmlischen Vaters offenstehen, weil der
himmlische Vater seinen Sohn gesandt hat. Wie die
Mitglieder zur Zeit des Neuen Testaments war der Glaube
der Mitglieder in Panacaxtlän groß genug, um der Verfol-
gung durch engstirnige Menschen standzuhalten.
Das Neue Testament ist ein Zeuge für den Erretter
und offenbart der Welt den Zweck der ihm von Gott
aufgetragenen Mission: „Ich bin der gute Hirt. Der gute
Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe." (Johannes
10:11.) „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich
kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges
Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen." Qohannes
10:27,28.) Diesen Worten des guten Hirten ist eine
Aussage vorangestellt, die zu den schönsten in der
gesamten heiligen Schrift gehört: „Denn Gott hat die
Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern das ewige Leben hat." (Johannes 3:16.)
Dieser Plan ist zwar einfach, wurde aber von Anfang
an nur von denjenigen verstanden, die genug Glauben
hatten. Beispielsweise fiel es einigen der Jünger sehr
schwer, sich bewußt zu machen, daß Jesus Christus von
ihnen genommen werden mußte. Während er sein Werk
vollendete, Vollmacht übertrug und die Grundsteine des
Gottesreiches legte, sprach er oft offen über seine Rolle
als Sohn Gottes und seinen bevorstehenden Tod und
seine Auferstehung. Die meisten seiner Jünger hatten
bereits festen Glauben entwickelt, anderen aber mangelte
es noch an Glauben, und sie nahmen Anstoß an seinen
unerschrockenen Lehren, zogen sich zurück „und
wanderten nicht mehr mit ihm umher" Qohannes 6:66).
Die Juden seiner Zeit hatten sich dem Glauben
verschrieben, der Messias werde gemäß dem, was irdisch
ist, herrschen und sie segnen. Obwohl einige Glauben
hatten und wußten, daß er der Messias war, gab es doch
manche, die die wahre Bedeutung seiner Mission erst
dann verstanden, als sie ihn als auferstandenes Wesen
schauten. Da nahm die Erkenntnis der Gläubigen zu, und
sie verstanden den Plan des Glücklichseins, den der Vater
aufgestellt hatte, nun viel besser im Herzen und im Sinn.
Nun hatten sie den sehnlichen Wunsch, die frohe Nach-
richt vom Sohn Gottes zu verbreiten. Diesen Wunsch
bewahrten sie sich auch trotz aller Schwierigkeiten, allen
Spotts und aller Verfolgung. Obwohl viele von ihnen
sterben mußten, verloren sie ihn dennoch nicht.
Es ist doch interessant, sich einmal bewußt zu
machen, daß der Herr zwar alles in seinen Händen hat -
einschließlich „Welten ohne Zahl" (siehe Mose 1:33) und
der mit dem Herrschen über diese Welten zusammen-
hängenden Fürsorgepflicht -, ihm aber dennoch das
Glück jedes einzelnen Menschen am Herzen liegt. Sein
Arm ist zu allen Menschen ausgestreckt. Er möchte wirk-
lich, daß wir zu ihm zurückkehren, und er macht sich
Gedanken um uns. Der Herr hat gesagt: „Denn siehe, es
ist mein Werk und meine Herrlichkeit, die Unsterblich-
keit und das ewige Leben des Menschen zustande zu
bringen." (Mose 1:39.) Er hat ganz deutlich gesagt, daß
er für uns da ist: „Naht euch mir, und ich werde mich
euch nahen; sucht mich eifrig, dann werdet ihr mich
finden; bittet, und ihr werdet empfangen; klopfet an, und
es wird euch aufgetan werden." (LuB 88:63.)
Er hat den Weg gekennzeichnet und es uns allen
ermöglicht, in seine Gegenwart zurückzukehren. Aber
wir alle müssen uns die folgende wichtige Frage stellen:
Wie bereitwillig nehme ich seine Teilnahme an meinem
Wohlergehen und meinem Glück an? Diese Frage steht
auch im Mittelpunkt des folgenden Gleichnisses.
William liebte alle seine vielen Söhne und Töchter.
Jedes Kind war für ihn etwas ganz Besonderes. Obwohl er
es gerne gehabt hätte, wenn sie alle bei ihm geblieben
wären, gestattete er es ihnen doch, ihr Zuhause für einen
gewissen Zeitraum zu verlassen, damit sie selbst heraus-
finden konnten, wer sie waren und was sie sein sollten.
DER STERN
20
„Denn Gott hat die Welt
so sehr geliebt, daß er seinen
einzigen Sohn hingab, damit jeder,
der an ihn glaubt, nicht zugrunde
geht, sondern das ewige
Leben hat."
Er gab ihnen Weisungen, segnete sie und erteilte ihnen
Rat. Er bat sie flehentlich, die Regeln anzunehmen und
einzuhalten, die er ihnen erklärt hatte, damit sie für ihre
Bereitschaft belohnt werden konnten, zu lernen, zu
verstehen und entsprechend zu handeln. Er forderte sie
auf, ihn oft anzurufen, und versicherte ihnen, daß er
immer für sie da sei und sich freue, von ihnen zu hören.
William hatte seine Zeit, seine Intelligenz und seine
Mittel in der Vergangenheit klug eingesetzt und war so zu
Wohlstand und Ansehen gelangt. Daran wollte er seine
Kinder nun teilhaben lassen. Er ging eifrig daran, in
Vorbereitung auf die Rückkehr seiner Kinder zu
zimmern, zu pflanzen und Blumen zu säen. Er begann, für
jedes Kind einen Platz zu bereiten, der schöner war als
alles, was sie sich vorstellen konnten. Alles in der Umge-
bung von William strahlte Wärme, Liebe und Sonnen-
schein aus, und wenn er an de Rückkehr seiner Kinder
dachte, dann mußte er lächeln und stellte sich die
Freude und den Frieden vor, die sie gemeinsam auf
seinem schönen Landsitz genießen würden.
Schließlich kam der Tag heran, wo die Rückkehr
seiner Kinder begann. Zuerst kamen Paul und Mary,
dann Kenneth und Sarah. William hatte sie noch nie so
glücklich erlebt, und er weinte, als er sie in die Arme
nahm und küßte. Dann zeigte er ihnen zu ihrer großen
Freude ein Stück seines großen Besitzes, den sie ererben
sollten, und erklärte ihnen, daß dies alles nur der
Anfang sei und das Ausmaß und die Schönheit ihres
Erbes gemäß ihrem Blickfeld und ihrem Fleiß noch
zunehmen würde.
„Aber wo sind Charles und Thomas, Nancy und
Clara?", fragte William. Ihnen galt doch dieselbe
Verheißung. Wußten sie denn nicht, daß sie nur seinen
einfachen Weisungen folgen und standhaft bleiben
mußten?
,Yater", sagte Kenneth, „das war ihnen teilweise zwar
schon bewußt, aber so richtig begriffen haben sie es
nicht. Sie ließen sich blenden. Thomas sagte, er würde
gerne kommen, habe aber zu viel zu tun; er hatte noch
nicht einmal Zeit für seine Kinder. Charles baut sich
einen Wohnsitz; er ist ganz schön, aber neben dem Bau
und seinem florierenden Geschäft bliebt ihm kaum noch
Zeit für etwas anderes. Nancy sagt, sie sei ganz durchein-
ander und wisse nicht, welche Richtung sie einschlagen
OKTOBER
21
19 9 9
solle; das sei aber nicht ihre Schuld und sie wolle nicht
kommen. Mit Clara ist es wieder etwas anderes. Sie
meint, sie habe die Regeln lange genug befolgt, und bat
darum, daß wir sie in Frieden lassen. Sie will einfach nur
frei sein."
Diese Worte stimmten William sehr traurig, denn die
Gabe, die er ihnen in Aussicht gestellt hatte, war doch so
schön wie die ganze Ewigkeit. Er sagte: „Wie können sie
jemals die Segnungen der großen Gabe zu verstehen
beginnen, die ich für sie bereitet habe, wenn sie sie nicht
annehmen und mich verwerfen, der ihnen diese Gabe
geben will? Welch große Freude wird mir und ihnen
vorenthalten!"
In der folgenden Schriftstelle geht es um Gaben, die
zwar in Aussicht gestellt, aber nicht angenommen werden:
„Denn was nützt es dem Menschen, wenn ihm eine Gabe
gewährt wird, und er empfängt sie nicht? Siehe, er freut
sich nicht über das, was ihm gegeben wird, noch freut sich
der über ihn, der die Gabe gibt." (LuB 88:33.)
Von allen Gaben und Segnungen, die der himmlische
Vater für seine Kinder bereithält, ist die Gabe der
Unsterblichkeit und des ewigen Lebens aufgrund des
Sühnopfers seines einziggezeugten Sohnes, nämlich des
Herrn Jesus Christus, die größte. Der Herr ist
gekommen, damit wir „das Leben haben und es in Fülle
haben" (Johannes 10:10). Und um uns zu dieser großen
Gabe, nämlich der Gabe des ewigen Lebens, zu führen,
wird uns eine weitere Gabe zuteil, nämlich die Gabe des
Heiligen Geistes.
Irdischen Eltern macht es Freude, ihren Nach-
kommen ein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk
zu machen und anzusehen, wie sie lachen und sich an
dem Geschenk freuen. Wenn ein Kind ein Geschenk
zurückweist, das so voller Liebe ausgesucht wurde,
wenn es dieses Geschenk beiseite legt, dann tut das
den Eltern weh. Gleichermaßen erfreut sich der himm-
lische Vater daran, seinen Kindern durch das
Sühnopfer seines Sohnes die Gabe des ewigen Lebens
schenken zu können. Voller Freude sieht er zu, wie
seine Kinder die Schritte gehen, die notwendig sind,
um diese Gabe zu empfangen. Und wir können uns gar
nicht richtig vorstellen, wie traurig er ist, wenn
manche seiner Kinder diese Gabe zurückweisen. Er
weiß: Wenn wir uns weigern, auf die Eingebungen des
Geistes zu hören und an den Früchten des Sühnopfers
teilzuhaben, ignorieren wir letztendlich unsere
Möglichkeiten für die Zukunft und verhindern, daß
uns Freude, Glück und ewige Segnungen zuteil werden,
die er uns doch so bereitwillig und voller Liebe in
Aussicht stellt.
In 2 Korinther 9:15 lesen wir folgendes: „Dank sei
Gott für sein unfaßbares Geschenk." Eider Bruce R.
McConkie (1915-1985) vom Kollegium der Zwölf
Apostel hat erklärt, dieses unfaßbare Geschenk sei „die
Gabe des Heiligen Geistes hier auf der Erde sowie ewiges
Leben in der zukünftigen Welt; das eine ist die größte
Gabe, die uns hier auf der Erde zuteil werden kann,
das andere die größte Gabe in der unsterblichen
Welt" (Doctrinal New Testament Commentary, 3 Bände,
1965-1973,2:435).
Ich finde, daß wir für die größten Gaben auch am
meisten Dankbarkeit an den Tag legen müssen. Und daß
wir für die Gabe des Sühnopfers und die Gabe der Inspi-
ration und der Weisung durch den Heiligen Geist
dankbar sind, zeigen wir in erster Linie dadurch, daß wir
sie annehmen. Die heiligen Schriften und die lebenden
Propheten haben ganz deutlich dargelegt, wie wir zeigen
können, daß wir diese Gaben annehmen.
Zuerst müssen wir Glauben an den Herrn Jesus
Christus haben, seinen heiligen Namen auf uns nehmen,
uns bemühen, seinem Beispiel nachzueifern, und danach
streben, die Eigenschaften zu entwickeln, die er besitzt.
„Siehe, Jesus Christus ist der Name, der vom Vater
gegeben ist, und es ist kein anderer Name gegeben,
wodurch der Mensch errettet werden kann.
Darum müssen alle Menschen den Namen auf sich
nehmen, den der Vater gegeben hat, denn mit diesem
Namen werden sie am letzten Tag aufgerufen werden."
(LuB 18:23,24.)
Eine sehr eindrucksvolle Stelle im Buch ,Lehre und
Bündnisse' macht deutlich, daß wir nicht nur kurzzeitig
an den Erretter glauben und seinen Namen auf uns
nehmen dürfen; statt dessen ist es unsere vornehmenste
Aufgabe, bis ans Ende auszuharren: „Und wir wissen,
daß alle Menschen umkehren und an den Namen Jesu
Christi glauben und den Vater in seinem Namen
anbeten und im Glauben an seinen Namen bis ans Ende
ausharren müssen, sonst können sie nicht im Reich
DER STERN
22
Der Herr hat uns durch sein
Beispiel viele Gaben gezeigt,
die uns zuteil werden können.
Gottes errettet werden." (LuB 20:29; Hervorhebung
hinzugefügt.)
Zweitens müssen wir von unseren Sünden umkehren.
„Denkt daran: Die Seelen haben großen Wert in den
Augen Gottes;
denn siehe, der Herr, euer Erlöser, erlitt den Tod im
Fleische; darum hat er die Schmerzen aller Menschen
gelitten, damit alle Menschen umkehren und zu ihm
kommen können.
Und er ist von den Toten wieder auferstanden, um alle
Menschen zu sich, dem Erlöser, zu führen - unter der
Bedingung, daß sie Umkehr üben.
Und wie groß ist seine Freude über die Seele, die
umkehrt!" (LuB 18:10-13.)
Drittens müssen wir die heiligen Handlungen und
Bündnisse empfangen, die zur Errettung notwendig sind.
Ist es nicht tröstlich zu wissen, daß mit der Wiederher-
stellung des Evangeliums Jesu Christi Schlüssel weiterge-
geben wurden und Vollmacht erteilt wurde, alle zur
Errettung notwendigen heiligen Handlungen zu voll-
ziehen - von der Taufe bis hin zur Siegelung der Familie
für die Ewigkeit -, die in den Augen Gottes Bestand
haben, sofern sie vom Heiligen Geist der Verheißung
gesiegelt werden.
Viertens müssen wir einander dienen. „Darauf wird
der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was
ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt
ihr mir getan. (Matthäus 25:40; Hervorhebung hinzuge-
fügt.) Das Gleichnis von den Schafen und den Böcken
(siehe Matthäus 25:31-46) macht deutlich, daß wir
unter anderem nur dann zum Vater zurückkehren
können, wenn wir unseren Mitmenschen dienen. Dieses
Gleichnis zeigt, daß wir dem Herrn nur dann wirklich
dienen, wenn wir unserem Nächsten dienen. Und im
Idealfall beginnt unser Dienst am Nächsten dort, wo die
uns am engsten verbundenen Menschen leben - nämlich
in unseren eigenen vier Wänden.
Je besser wir verstehen, wie sehr der Vater uns liebt
und sich um uns sorgt, desto mehr Bedeutung
bekommen die so häufig wiederholten Worte: „Es hätte
sein können." Das Bedauern ist besonders groß, wenn
wir die Möglichkeit haben verstreichen lassen, uns zu
ändern und Umkehr zu üben, nachdem wir etwas falsch
beurteilt und unkluge Entscheidungen getroffen haben,
OKTOBER 1999
23
Aufgrund des Sühnopfers
seines Sohnes stellt uns der
Vater Unsterblichkeit und
ewiges Leben in Aussicht.
die möglicherweise schlimme Folgen nach sich ziehen.
Andererseits wird uns nur dann dauerhaftes Glück zuteil,
wenn wir uns fest vornehmen, nach den Evangeliums-
grundsätzen zu leben, die uns geschenkt worden sind,
und auch entsprechend handeln.
Ich habe Schwester Barbara Christensen, die Frau von
Eider Joe J. Christensen von der Präsidentschaft der
Siebziger, während einer Konferenz in Buenos Aires in
Argentinien einmal zu einer Gruppe von Missionaren
sagen hören: „Schon bald ist es soweit, daß sie nichts
weiter mit nach Hause nehmen können als Erinne-
rungen, seien sie nun gut oder schlecht. Sie können die
Entscheidungen treffen, die ihre Erinnerungen bestimmen."
(Hervorhebung hinzugefügt.) Dieser wahre Grundsatz
gilt genauso für unser ganzes Leben, wie er für den Zeit-
raum einer Vollzeitmission gilt.
Der Herr hat die Konsequenzen für die Ewigkeit, die
Auswirkungen von Entscheidungen und die Gefahren
deutlich gemacht, die damit verbunden sind, die Umkehr
aufzuschieben. Er sagte über diejenigen, die kein Reich der
Herrlichkeit ererben werden: „Und diejenigen, die übrig-
bleiben, werden ebenfalls belebt werden; doch werden sie
wieder an ihren eigenen Platz zurückkehren, um sich dessen
zu erfreuen, was sie bereit sind zu empfangen, weil sie ja nicht
bereit waren, sich dessen zu erfreuen, was sie hätten empfangen
können." (LuB 88:32; Hervorhebung hinzugefügt.) Den
Preis für das, was wir gemäß dem Wunsch des Vaters
empfangen sollen, zahlen wir anfangs beispielsweise
dadurch, daß wir konsequent allein und mit der Familie
beten, uns Zeit für unsere Kinder und unseren Mann bzw.
unsere Frau nehmen, in der heiligen Schrift lesen, den
vollen Zehnten und großzügige Spenden zahlen, anderen
Menschen dienen, Aufträge und Berufungen erfüllen und
jeden Sonntag würdig das Abendmahl nehmen.
Wir sind Kinder des liebevollen himmlischen Vaters,
der möchte, daß wir zu ihm zurückkehren. Mögen wir
alle willens sein, uns dessen zu erfreuen, was er für uns
vorgesehen hat, nämlich des Lebens, das er selbst führt.
Und mögen wir den ganzen Wahrheitsgehalt und die
Bedeutung der Worte verstehen, die wir so oft singen:
„In Lieb und Gnad vom Himmelsthron ward uns gesandt
der Gottessohn." (Gesangbuch, Nr. 114.) Das ist die
vielleicht heiligste und wichtigste Botschaft der ganzen
Weltgeschichte. D
DER
STERN
24
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VON FREUND ZU FREUND
ELDER
CHARLES
DIDIER
VON DEN SIEBZIGERN
ie Nephi kann auch ich
sagen, daß ich von guten
Eltern stamme (siehe 1
Nephi 1:1). Während des 2. Welt-
kriegs wurde mein Vater von den
Deutschen gefangengenommen, als
diese in Belgien einmarschierten. Er
entkam ihnen aber und flüchtete in
den Untergrund (zu einer opposi-
tionellen Gruppe) . Ich weiß noch,
daß ich meinen Vater als kleines
Kind nur ein-, zweimal gesehen
habe. Er kam immer nur kurz zu
Besuch und verschwand dann
wieder im Untergrund, wo er als
Funker tätig war.
Selbst als der Krieg vorüber war,
kam er nicht gleich nach Hause,
sondern wurde von der belgischen
Armee nach Deutschland versetzt.
Hinterher kehrte er nach Belgien
zurück, aber in eine andere Stadt.
Glücklichweise war meine Mutter
eine sehr starke, gläubige Frau.
Während der Zeit, wo mein Vater
nicht da war, fungierte sie als Haus-
haltsvorstand und Kraftquelle der
Familie.
Wir waren keine Heiligen der
Letzten Tage, aber ich habe schon
immer an den Herrn Jesus Christus
geglaubt. Für mich gab es keinen
Zweifel. Ich weiß allerdings
nicht, wo mein Glaube
herrührte. Ich bin in einer
typischen europäischen
Familie aufgewachsen.
Wir gingen nicht zur
Kirche, und bei uns zu
Hause wurde auch nie
gebetet. Trotzdem
besaß ich schon als
Kind Gewißheit. Ich
hatte Glauben. Das
war eine geistige
Gabe, die ich niemals
verleugnen konnte.
Als ich im Teena-
geralter war, wohnte
ich mit meiner Familie auf einer
Anhöhe in Namur in Belgien. Wir
sahen oft, wie die Missionare ihr
Fahrrad langsam den Berg hinauf-
schoben bzw. ihn schnell wieder
hinuntersausten. Eines Tages kamen
sie auch zu uns. Wir wußten ja, daß
sie Amerikaner waren; deshalb
ließen wir sie aus lauter Neugierde
hereinkommen. Das war 1951, und
ich war damals so ungefähr sech-
zehn Jahre alt.
Als die Missionare anfingen, über
Religion zu sprechen, hatten wir vier
Kinder nicht gerade viel Interesse
dafür. Aber meine Mutter hörte
ihnen zu und lud sie auch immer
wieder ein. Die Missionare unter-
wiesen sie, und meine Mutter
erlangte ein Zeugnis von der Kirche.
Dann kam die Frage nach der Taufe.
Die Eltern meiner Mutter wollten
nicht, daß sie sich taufen ließ, und
mein Vater war Soldat in Deutsch-
land. Er kam nur einmal im Monat
für zwei, drei Tage zu Besuch. Meine
Mutter brachte ihn jedoch dazu, ihr
die Genehmigung zu geben, und ließ
sich taufen. Vater bestand aber
darauf, daß wir Kinder noch
warteten und selbst eine Entschei-
dung trafen, wenn wir älter waren.
In der Zwischenzeit gingen wir
mit unserer Mutter zur Kirche. Ich
ging in erster Linie deshalb mit, weil
ich besser Englisch lernen wollte.
Ich nahm an den Jugendaktivitäten
teil. Das war eine sehr wertvolle
Erfahrung, denn so lernte ich singen,
tanzen und schauspielern. Und ich
lernte nicht nur die Kirche, sondern
auch die Missionare kennen. Ich
war nun schon fast so alt wie sie,
und wir wurden gute Freunde. Die
Missionare kamen mindestens zwei-,
dreimal in der Woche zu uns.
Als ich einundzwanzig Jahre alt
war, ging ich nach Liege an die
Hochschule. Liege war etwa
KINDERSTERN
2
fünfundsechzig Kilometer von zu
Hause entfernt. Die Missionare
forderten mich auf, mich taufen zu
lassen, und ich mußte eine
Entscheidung treffen. Alles hing
vom Zeugnis ab. Ich hatte Fragen
zum Buch Mormon. Ich hatte mich
zwar schon zu fünfundneunzig
Prozent bekehrt, brauchte aber
noch eine geistige Bestätigung. Die
Missionare zeigten mir, wie ich diese
Bestätigung erlangen konnte, indem
sie mir beibrachten, wie man betet,
mit mir beteten und mir die
Antworten erklärten, die mir zuteil
wurden. Ich ließ mich bald taufen.
Und seit damals, als ich Mitglied
unseres kleinen Zweiges wurde,
habe ich beständig Fortschritt im
Evangelium gemacht.
Mein Glaube hat mir
auch geholfen, dem Druck
meiner Altersgenossen zu
widerstehen. Ich war das
einzige Mitglied der Kirche
an der Hochschule und
später auch in der belgischen
Luftwaffe. Um den Versu-
chungen zu widerstehen,
brauchte ich Hilfe. Diese
fand ich nicht einfach in
einer Zeitschrift oder einem
Buch. Ich mußte schon die innere
Kraft aufbringen, die uns das
Zeugnis von Jesus Christus schenkt.
Doch wenn man einmal Glauben
hat und darauf vertraut, findet man
immer mehr Kraft. Der Glaube
bestimmt dann alle Entscheidungen
und die Richtung, die man
einschlägt.
Mein Vater schloß sich zwar
niemals der Kirche an, war aber ein
glühender Verfechter unseres Glau-
bens, weil er an seiner Frau und
seinen vier Kindern sah, welche
Segnungen die Kirche bringt. (Meine
Schwester und meine beiden Brüder
ließen sich auch taufen.) Vor seinem
Tod bat er mich, ihm einen Priester-
tumssegen zu geben, und das tat ich
auch. Wir unterhielten uns sehr
ernsthaft miteinander, und er
vertraute mir zum ersten Mal an,
daß er Glauben hatte. Für ihn war
das ein gewaltiger Schritt.
Wenn man älter wird, ist man
nicht mehr so fit wie früher. Gegen
Ende des letzten Jahres bekam ich
plötzlich große Rückenschmerzen.
Ich konnte mich nicht mehr
bewegen und hatte auch sonst
Probleme. Doch durch einen Prie-
stertumssegen und meinen Glauben
an den Herrn wurde mein Rücken
wieder besser.
Ich meine, daß der Glaube unsere
„Hausaufgabe" als Heilige der
Ganz links: Eider
Didier als kleiner
Junge. Links: In der
Luftwaffe. Unten:
Eider Didier und
seine Familie.
Letzten Tage ist. Wenn ihr zur Schule
geht, habt ihr zwar ein Lehrbuch,
doch wenn ihr nicht jeden Tag eure
Hausaufgaben macht, kommt ihr
nicht weiter. Die heilige Schrift ist
unser „Evangeliumslehrbuch", aber
wir müssen auch unsere Hausauf-
gaben machen. Wir müssen unseren
Glauben üben, denn der Glaube ist
tot, wenn er nicht Werke vorzu-
weisen hat (siehe Jakobus 2:17).
Ich lege euch Kindern ans Herz,
auf eure Eltern zu hören und das zu
beherzigen, was sie euch lehren. Die
Lehren meiner Mutter und meines
Vaters, die mir ein hervorragendes
Beispiel gaben, haben mir eine
Grundlage für mein ganzes Leben
vermittelt. Sie waren zwar nicht
vollkommen, und eure Eltern sind
wahrscheinlich auch nicht voll-
kommen. Aber wenn ihr ihre
Schwierigkeiten von den wahren
Grundsätzen unterscheiden könnt,
die sie euch vermitteln und selbst
voller Glauben einhalten, dann
werdet ihr dafür gesegnet.
Es macht viel aus, wenn ihr
euch euren Eltern
und dem Herrn
zuwendet. D
ERZÄHLUNG
Carmen de Hernändez •
ILLUSTRATION VON TAIA MORLEY
ama, Mama!", schrie Juan und stürzte ins Haus.
„Was ist denn los?", fragte die Mutter, ein
wenig überrascht darüber, daß er so aufgeregt war.
„Sie hatte recht! Sie hatte recht!", schrie Juan.
„Sie hatte recht? Wer hatte recht? Wovon redest du
überhaupt, Juan?"
„Setz dich hin, Mama. Dann erzähle ich dir, was in
der Schule los war."
Die Mutter setzte sich und wandte Juan ihre ganze
Aufmerksamkeit zu.
„Wir haben uns im Geschichtsunterricht mit
verschiedenen Kulturen beschäftigt. Manche beten
andere Götter an und haben einen ganz anderen
Glauben. Einige Kinder haben sich darüber lustig
gemacht, und alle haben gelacht. Und dann hat die
ganze Klasse angefangen, über die verschiedenen Reli-
gionen zu diskutieren. Sie sind aufgestanden und habe
ihre eigene Religion verteidigt und die Religionen der
anderen angegriffen. Es war schrecklich laut, weil alle
gleichzeitig geredet haben.
Also ist die Lehrerin aufgestanden und hat gesagt,
daß wir abwechselnd reden sollen. Sie sagte, jeder dürfe
nach vorne kommen und seinen Glauben erklären.
Aber als die anderen das hörten, bekamen sie Angst
und haben sich wieder hingesetzt. Die Lehrerin stand
da und wartete darauf, daß jemand nach vorne kam
und etwas sagte.
Und weißt du was, Mama? Keiner ist nach vorne
gegangen. Aber manche Kinder haben sich etwas zuge-
flüstert, beispielsweise: ,In meiner Kirche trinken wir
keinen Alkohol.' Andere haben geflüstert: ,Wir auch
nicht.' Oder: ,Wir gehen jeden Sonntag zur Kirche.'
Dann kam die Antwort: ,Wir auch.' Aber das war auch
schon alles.
Ich habe mir das alles angehört. Dabei ist mir
etwas eingefallen, was Schwester Piedrasanta in der
PV gesagt hat. Sie sagt nämlich immer, daß wir die
Glaubensartikel auswendig lernen und uns ihre
Bedeutung einprägen sollen, weil es uns dann leichter
KINDERSTERN
4
fällt, mit anderen Menschen über unseren Glauben zu
sprechen.
Also habe ich mich gemeldet und bin nach vorne
gegangen, obwohl ich ziemlich viel Angst hatte."
„Das war aber mutig, Juan", sagte die Mutter. „Was
hast du denn gesagt?
„Ich habe mir einfach vorgestellt, ich sei in der PV,
und habe gesagt: ,Wir glauben an Gott, den ewigen
Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den
Heiligen Geist.' (1. Glaubensartikel.) ,Das bedeutet, daß
die drei verschiedene Personen sind.' Dann habe ich
erklärt, daß Gott Vater und Jesus Christus beide einen
Körper haben. Ich habe gesagt: ,Sie haben Augen und
eine Nase und Arme und Beine.'
Da haben ein paar Kinder angefangen zu lachen.
Aber ich habe an das gedacht, was Schwester
Piedrasanta uns erklärt hat, und gesagt: ,In der Bibel
heißt es, daß Gott den Menschen als sein Abbild
erschaffen hat. Wir haben deshalb einen Körper aus
Fleisch und Gebein, weil Gott einen hat.' (Siehe
Genesis 1:27.) Und weißt du was, Mama? Alle waren
still. Dann habe ich die Glaubensartikel weiter aufge-
sagt. Alle haben aufmerksam zugehört. Und ich habe
mich innerlich ganz stark gefühlt.
Nach einer Weile habe ich noch gesagt: ,Wir gehen
alle in dieselbe Schule. Wir sollten eigentlich Freunde
sein und uns nicht wegen unseres Glaubens streiten
und über andere spotten. Wir müssen einander lieben,
und zwar unabhängig davon, was wir glauben.' Dann
habe ich den 11. Glaubensartikel aufgesagt: ,Wir bean-
spruchen für uns das Recht, Gott den Allmächtigen zu
verehren, wie es uns das Gewissen gebietet, und wir
gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu, mögen
sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.'
Da haben alle geklatscht und gerufen: Ja, Juan. Du
hast recht!' Meine Lehrerin hat mich gefragt, wo ich so
viel über meinen Glauben gelernt hätte.
,In meiner PV-Klasse in der Kirche', habe ich geant-
wortet.
Dann ging der Geschichtsunterricht weiter. Aber
jetzt wissen alle in meiner Klasse, woran die Heiligen
der Letzten Tage glauben. Deshalb habe ich gesagt, daß
Schwester Piedrasanta recht hatte. Es ist wirklich sehr
hilfreich, wenn man die Glaubensartikel kennt."
„Ich bin so stolz auf dich, Juan" sagte die Mutter
lächelnd und nahm ihn ganz fest in den Arm. D
DAS MITEINANDER
Laß dein Licht leuchten
Sydney S. Reynolds
„So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit
sie eure guten Werke sehen und euren Vater im
Himmel preisen." (Matthäus 5:16.)
Hast du schon einmal im Dunkeln Angst
gehabt? Dann weißt du ja, wie sehr man sich
über einen Lichtstrahl freut. Selbst ein
kleines Licht macht einen großen Unterschied.
Jesus Christus hat seinen Jüngern erklärt, daß sie das
„Licht der Welt" seien. Er sagte, man stelle eine Kerze
doch auch auf einen Leuchter, um das ganze Zimmer zu
erhellen. Er sagte: „So soll euer Licht vor den Menschen
leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren
Vater im Himmel preisen." (Siehe Matthäus 5:14-16.)
Man kann sein Licht unter anderem dadurch
leuchten lassen, daß man anderen Menschen ein gutes
Beispiel gibt. Wenn die anderen dein gutes Beispiel
sehen, wissen sie, daß du den himmlischen Vater liebst,
und haben den Wunsch, ihn ebenfalls zu ehren.
Wir können unser Licht auch dadurch leuchten lassen,
daß wir die Gebote halten. Wenn wir ehrlich sind, den
Sabbat heilighalten und freundlich sind, lassen wir unser
Licht leuchten. Und jedes kleine Licht bewirkt etwas!
Wir können unser Licht aber noch auf andere Weise
leuchten lassen. Eider Henry B. Eyring hat erklärt, daß
er einem bestimmten Freund niemals vom Evangelium
erzählt habe. Eines Tages erfuhr er, daß dieser Freund
gestorben war. Manchmal fragt sich Eider Eyring nun, ob
er seinen Freund im Himmel wiedersehen und dieser
dann zu ihm sagen wird: „Du hast es doch gewußt.
Warum hast du mir nichts darüber erzählt?" Heute gibt
Eider Eyring Menschen auf der ganzen Welt Zeugnis.
(Siehe „Eine warnende Stimme", Der Stern, Januar 1999,
Seite 37 ff.) Wenn wir mit anderen Menschen über das
Evangelium sprechen, lassen wir unser Licht leuchten.
Wir können ein gutes Beispiel geben. Wir können
anderen Menschen Zeugnis geben. Wir können schon
heute Missionsarbeit leisten, indem wir unsere Freunde
zur PV einladen. Unser Glaube an Jesus Christus nimmt
zu, wenn wir unser Licht leuchten lassen.
Anleitung
Für das folgende Puzzle, das du beim Familienabend
mit deiner Familie zusammensetzen kannst, klebst du
KINDER
6
Seite 7 auf ein Stück dicke Pappe, die du dann entlang
der dicken Linie faltest und an den Rückseiten zusam-
menklebst. Schneide die einzelnen Puzzleteile aus, und
leg sie in einen Behälter. Jeder in deiner Familie darf
sich ein Puzzleteil nehmen und pantomimisch (also
ohne Worte) darstellen, was auf dem Bild gezeigt wird.
Wenn jemand errät, worum es sich handelt, legst du das
Puzzleteil mit der Oberseite nach oben an die richtige
Stelle. Das machst du so lange, bis das ganze Puzzle
zusammengesetzt ist.
Anregungen für das Miteinander
1 . Zeigen Sie eine große Weltkarte, und lassen Sie ein paar Kinder
zeigen, wo sie eines Tages eine Mission erfüllen möchten. Fragen Sie,
was man alles tun muß, um sich auf eine Mission vorzubereiten, und
zwar unabhängig davon, in welches Land man gesandt wird. (Mögliche
Antworten: Man muß lernen, wie man kocht, fleißig arbeitet, freund-
lich ist, näht, wäscht, dirigiert, Versammlungen leitet, im Buch Mormon
liest, Zeugnis gibt.) Lassen Sie jede Klasse überlegen, was man wohl
unbedingt lernen sollte, und dies dann pantomisch oder als Rollenspiel
darstellen. Die Kinder sollen auch das berücksichtigen, was wir jeden
Tag tun müssen, um ein gutes Beispiel zu geben. Sagen Sie zum Schluß,
wie wichtig Sie es finden, daß wir jetzt durch unser Beispiel und später
im Rahmen unserer Berufung Missionsarbeit leisten.
2. Als Jesus seine Apostel berief, sagte er ihnen, sie seien nun
„Menschenfischer" (siehe Matthäus 4:19). Schneiden Sie ein blaues
Blatt so zu, daß es wie ein Teich aussieht, und hängen Sie es auf.
Setzen Sie Papierfische in unterschiedlichen Größen, Formen und
Farben in den Teich. Schreiben Sie vorher auf die Rückseite der Fische
die Versangabe je einer Geschichte aus der heiligen Schrift, in der es um
Fische bzw. Fischer geht. Beauftragen Sie eine Lehrkraft, die entspre-
chende Geschichte zu erzählen. (Mögliche Geschichten: Jona und der
große Fisch -Jona 1,2; die Speisung der Fünftausend - Markus
6:33-44; die Tempelsteuer - Matthäus 17:24-27; die Berufung der
Apostel - Matthäus 4:18-22; „Ich gehe fischen" -Johannes 21:3-6;
ein Stück gebratenen Fisch - Lukas 24:36-A3). Wenn ein Kind sich
für einen Fisch entschieden hat, lassen Sie die beauftragte Lehrkraft die
entsprechende Geschichte erzählen. Fragen Sie das Kind, was man aus
dieser Geschichte über das Evagenlium lernen kann. Weisen Sie auf die
verschiedenen Farben und Größen der Fische hin, und erklären Sie,
daß das Evangelium für „jede Nation, jedes Geschlecht, jede Sprache
und jedes Volk" bestimmt ist (siehe 1 Nephi 19:17). Geben Sie
Zeugnis, daß wir Freude finden, wenn wir „Menschenfischer" sind und
mit anderen über das Evangelium sprechen. □
STERN
Den Sabbat heilighalten
Zeugnis geben
Freunde zu PV-Aktivitäten
einladen
Freundlich zu anderen
Menschen sein
Ehrlich sein
Laß dein Licht
leuchten
Ich lasse mein Licht leuchten
indem ich . . .
(Zeichne ein Bild, das darstellt,
wie du andere Menschen am
Evangelium teilhaben
lassen kannst.)
FREUNDE AUS ALLER WELT
Mascha Tsemskowa
k *
aus Puschkin in Rußland
Marvin K. Gardner
Sie wohnt ganz in der Nähe
des wunderschönen Palastes,
in dem vor langer Zeit eine
russische Zarin lebte. Die Stadt, in
der sie wohnt, wurde nach einem
berühmten russischen Dichter
benannt. Ganz in der Nähe ihrer
Wohnung gibt es herrliche
Gebäude, Statuen, Parkanlagen und
Museen.
Kann ein junges Mädchen in
einer solchen Umgebung überhaupt
etwas in seinen Mitmenschen
bewegen? Ja - auf unauffällige,
schlichte Weise.
Die achtjährige Mascha (Maria)
Tsemskowa wohnt in Puschkin,
einer Stadt in der Nähe von St.
Petersburg. Sie lebt mit ihrer
Mutter, ihrem älteren Bruder und
ihrer Großmutter in einer kleinen
Wohnung in der obersten Etage
eines Wohnblocks. Wenn Mascha
lächelt, blitzen ihre blauen Augen,
und die Grübchen in ihren Wangen
vertiefen sich. Mascha ist ein
freundliches, selbstloses Mädchen,
das weiß, wie man anderen
Menschen ein Freund ist. Und sie
ist den Menschen, die sie kennen,
sehr wichtig.
„Sieh den großen Segen"
Mascha und ihre Familie gehören
zum Zweig Puschkin, der am Sonntag
in einem in der Bibliothek gemie-
teten Raum zusammenkommt. Alan
Blodgett, ein Vollzeitmissoinar, der als
KINDERSTERN
8
Zweigpräsident dient, sagt: „Obwohl es in der gesamten
PV nur drei Kinder gibt, verpaßt Mascha nicht eine
einzige Versammlung." Wenn du in den Zweig kämst,
wäre Mascha bestimmt die erste, die dich begrüßt. Sie
würde dir gleich das Gefühl geben, willkommen zu sein.
Mascha geht gerne mit den übrigen Mitgliedern der
Kirche auf Feste, Ausflüge und Aktivitäten. Vor allem
spielt sie an warmen Sommertagen gerne im Park und
fährt an kalten Winternachmittagen Schlitten.
Weil der Zweig klein ist, kann Mascha in nahezu
jeder Zeugnisversammlung Zeugnis geben. Und seit zwei
Jahren - damals war sie sechs Jahre alt - spielt sie in
fast jeder Versammlung Klavier oder leitet den Gesang.
(Sie wechselt sich dabei mit ihrer dreizehnjährigen
Kusine Katja ab.) Zuerst konnte Mascha nur die
Melodie spielen. Aber inzwischen kann sie schon mit
beiden Händen spielen. Die Lieder, die sie am liebsten
spielt, heißen „Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn",
„Stille Nacht, heilige Nacht" und „Sieh den Segen!".
Zu den Segnungen, für die Mascha besonders
dankbar ist, gehört die Gabe des Heiligen Geistes. Sie
erzählt: „Als ich getauft wurde, war das Wasser im
Schwimmbecken ziemlich kalt, und ich konnte kaum
atmen. Aber als ich den Heiligen Geist empfing,
wurde mir warm. Ich hatte wirklich ein gutes Gefühl
dabei."
Eine liebevolle Tutorin
Mascha und ihre Familie helfen den Missionaren, wo
sie können. Sie laden Freunde zu den Missionarslektionen
ein. Sie laden die Missionare zum Abendessen ein. Und
für die Missionare, die Hilfe bei der russischen Sprache
brauchen, fungiert Mascha als liebevolle Tutorin.
Links: Mascha und ihre Familie machen einen
Ausflug zur Sommerresidenz von Katharina der
Großen. Oben: Mascha mit ihrem Bruder Vadim,
ihrer Großmutter und ihrer Mutter. Mitte: Mascha
winkt vom Balkon ihrer Wohnung in Puschkin. Unten:
Mascha übt zu Hause Klavier, damit sie in der Kirche
Kirchenlieder spielen kann.
OKTOBER 1999
9
„Sie unterhält sich immer mit den neuen Missio-
naren und hilft ihnen, wie man Wörter richtig
ausspricht", erzählt Samuel Drown. „Bei Mascha muß
niemand Angst vor Fehlern haben, weil sie einem nicht
das Selbstbewußtsein nimmt." Mascha bringt den
Missionaren Spiele bei, anhand derer russische Kinder
Wörter und Zahlen lernen. Einem Missionar gab sie
einmal einen liebevollen Spitznamen, in dem ein Vokal
vorkam, den der Missionar nicht richtig aussprechen
konnte. Ihm gefiel diese lustige Lehrmethode gut - und
er lernte, wie man den Vokal richtig ausspricht.
Sich um andere Menschen kümmern
Mascha leistet bei ihren Freundinnen Missionsar-
beit. Sie hat schon vielen von der Kirche erzählt, und
sie holt ihre Freundin Dascha, die nicht zur Kirche
gehört, jeden Sonntag auf dem Weg zu den Versamm-
lungen ab, weil es sonst niemanden gibt, mit dem
Dascha mitgehen könnte.
Als eine von Maschas Freundinnen Hilfe brauchte,
erklärte sie ihr, wie man betet. „Sie hatte noch nie
vorher gebetet", erzählt Mascha. „Deshalb habe ich ihr
die ersten Male geholfen. Aber dann brauchte ich ihr
nicht mehr zu helfen."
Mascha mag kleine Kinder besonders gern - und sie
läßt es einfach nicht zu, daß jemand sie ärgert. Einmal
bedrohte ein größerer Junge mehrere kleine Kinder,
indem er ihnen zuschrie, er werde sie mit dem Ast
verhauen, den er in der Hand hielt. Als Mascha das sah,
trat sie auf den Jungen zu und befahl ihm, die Kinder in
Ruhe zu lassen. „Als ich mich umdrehte und mit den
Kindern weiterging, schlug er mir mit dem Ast hinten auf
die Beine." Das tat auf der nackten Haut sehr weh, aber
Oben; Mascha, Vadim und der Missionar Blodgett
machen eines der Wortspiele, anhand derer
Mascha den Missionaren russische Wörter und
Zahlen beibringt. Mitte: Weil Mascha ein so
fröhlicher und liebevoller Mensch ist, hat sie viele
Freunde. Unten: Maschas Bruder Vadim gehört zu
ihren besten Freunden.
KINDERSTERN
10
Mascha versuchte nicht, sich zu rächen. Es war ihr wich-
tiger, die kleinen Kinder aus seiner Nähe zu bringen.
Wenn Mascha groß ist, möchte sie einmal selbst
Kinder haben. Und sie möchte Erzieherin werden und
sich um heimatlose Waisenkinder kümmern. Maschas
Mutter sagt: „Wenn jemand traurig ist und weint, dann
bemüht Mascha sich, ihm zu helfen. Sie hat eine ganz
besondere Art, mit Menschen umzugehen, denen es
nicht gutgeht."
Ihr Bruder ist ihr Freund
Zu Maschas besten Freunden gehört ihr fünfzehn-
jähriger Bruder Vadim, der Lehrer im Aaronischen Prie-
stertum ist. Ehe sich ihre Eltern vor vielen Jahren
scheiden ließen, war das Leben unberechenbar und
schwierig. Vielleicht sind sich Mascha und Vadim
deshalb so nahe. Wenn man sie so miteinander scherzen
und spielen sieht, wird ganz deutlich, daß sie gerne
zusammen sind. Wenn Vadim seiner Schwester Kompli-
mente wegen ihres Klavierspiels macht, antwortet sie:
„Eines Tages werde ich dir schon noch Klavierspielen
beibringen." Und das meint sie ernst.
„Du tröstest und beschützt mich"
Ludmilla, Maschas Mutter, arbeitet von montags bis
samstags in einem Geschäft in der Innenstadt. Sie hat
diese neue Stelle erst vor kurzem angetreten, damit sie
sonntags nicht arbeiten muß. Seit ihrer Taufe vor drei
Jahren ist sie FHV-Leiterin. Mascha lernt von ihr viel
über das Dienen.
„Wenn wir erfahren, daß jemand Hilfe braucht",
sagt Schwester Tsemskowa, „dann helfen die Schwe-
stern im Zweig nach besten Kräften." Eine junge
Mutter, deren Mann sonntags arbeiten muß, schafft es
nicht allein, mit ihren zwei Säuglingen zur Kirche zu
kommen. Deshalb helfen Mascha und ihre Mutter der
jungen Frau so manchen Sonntag, sich und die Kinder
für die Kirche fertig zu machen. Mascha spielt auch
manchmal mit den Säuglingen, damit ihre Mutter sich
ausruhen kann.
Mascha schreibt gern Gedichte. In manchen
Gedichten geht es darum, wie schön die Natur ist.
Andere erzählen von der Liebe, die sie für ihre Mutter
und ihre Großmutter empfindet. Vor kurzem hat
Mascha in einem Gedicht ausgedrückt, wie dankbar sie
dafür ist, daß sie, wenn sie nachts aufwacht, „zu dir
hinübergehen kann, Mutter. Und du tröstest und
beschützt mich, du, meine liebe Mutter."
„Vom himmlischen Vater gesandt"
Tsoja Maximowna, Maschas Großmutter, wohnt bei
der Familie ihrer Tochter und sorgt für die Kinder,
während die Mutter arbeitet. Schwester Maximowna
hat früher als Köchin gearbeitet - und sie kocht noch
immer viele leckere Gerichte. Sie und Ludmilla haben
Mascha und Vadim beigebracht, Geschirr zu spülen,
Betten zu machen, die Wohnung zu fegen und bei
anderen Hausarbeiten zu helfen. „Ich weiß, daß Mascha
vom himmlischen Vater in diese Familie gesandt
wurde", sagt sie. „Denn sie hilft uns viel und ist ein
ganz besonderer Mensch."
„Er hilft mir"
Das vorrangigste Ziel der Familie besteht derzeit
darin, gemeinsam in den Tempel zu gehen. Maschas
Mutter hat die lange Reise nach Schweden zum Stock-
holm-Tempel bereits mit mehreren anderen Mitgliedern
gemacht. Vadim und Mascha möchten sich gerne für
die Toten taufen lassen, und eines Tages wollen beide
im Tempel heiraten.
Um sich dafür bereitzumachen, lesen sie jeden
Abend im Buch Mormon. Und beten als Familie.
Maschas Klavierspiel - vor allem das Spielen der
Kirchenlieder - trägt zur Eintracht in der Familie bei.
Alle machen gerne gemeinsam Spiele und essen
Popcorn oder einen Nachtisch, den die Mutter oder die
Großmutter zubereitet hat.
Mascha weiß, daß der himmlische Vater sie liebt. „Er
hilft mir und segnet mich", sagt sie. „Er hat mir eine
wundervolle Großmutter, eine wundervolle Mutter und
einen wundervollen Bruder geschenkt. Und ich kann
den Heiligen Geist spüren. Der Heilige Geist hilft mir,
an Gott zu glauben und die Gebote zu halten. Er hilft
mir beim Lernen. Er gibt mir Kraft." D
OKTOBER 1999
11
Krabbelsack mit Geschichten
aus dem Neuen Testament
Wenn du dieses Spiel
spielen willst, mußt
du diese beiden Seiten
heraustrennen. Kleb die
Bildkarten auf dünne Pappe,
schneide sie aus und leg sie
in eine kleine, feste Tüte.
Der erste Spieler zieht eine
Karte aus der Tüte und erzählt die Geschichte aus dem
Neuen Testament, an die die Karte ihn erinnert. Es gibt
keine falschen Antworten, aber der Spieler muß die
Geschichte erzählen, an die die Karte ihn erinnert. Die
Corliss Clayton
Opfer der Witwe, an das
Gleichnis vom anvertrauten
Geld, an die Geldwechsler im
Tempel oder an eine andere
Geschichte. Wenn einem
Spieler keine Geschichte
einfällt, können die anderen
ihm helfen. Spielt so lange,
bis zu jeder Karte mindestens eine Geschichte erzählt
worden ist. Du kannst das Spiel mit den Karten zum
Alten Testament erweitern (siehe Kinderstem, Oktober
1998, Seite 13) und so Geschichten aus der gesamten
ILLUSTRATION VON DICK BROWN
Geldkarte beispielsweise erinnert ihn vielleicht an das Bibel erzählen lassen.
VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN
Matteo Duca
Ashley Cailister
Germern Andres Tovar Contreras
SO LEBEN, DASS MAN DEM HERRN NAHE IST
Matteo Duca
Ich bin dem Herrn nahe, wenn
ich die Gebote halte, die Jesus
uns gegeben hat. Letztes Jahr zu
Weihnachten wurde mir beispiels-
weise eine Praline angeboten, die
mit Alkohol gefüllt war.
Wir haben ja gelernt, das Wort der
Weisheit zu befolgen, und deshalb
habe ich die Praline nicht gegessen.
Ich kann auch dann wie Jesus sein,
wenn ich es geduldig ertrage, daß
meine Freunde über mich spotten
und mich dafür necken, daß ich
versuche, die Gebote zu halten, die
ich in der Kirche lerne. Außerdem
kann ich Jesus dadurch nach-
folgen, daß ich den Sabbat
heilighalte und nicht zu
Sportveranstaltungen ins
Stadion gehe. D
Matteo Duca, elf Jahre alt,
Zweig Udine,
Distrikt Triest, Italien
KINDERSTERN
14
MEINE ELTERN
EHREN
Gemän Andres Tovar Contreras
fenn ich das Gebot, meinen
Vater und meine Mutter zu
ehren, halte, kann ich wie Jesus sein.
Er hat dem himmlischen Vater und
Josef und Maria, seinen irdischen
Eltern, gehorcht. Und außerdem
meine ich, daß ich dem himmli-
schen Vater gehorche und ihn ehre,
indem ich meine Mutter und
meinen Vater ehre. Ich weiß, daß es
mir leichter fällt, die Gebote zu
verstehen und zu halten, die der
himmlische Vater uns gibt, wenn ich
meinen Eltern gehorche. Ich weiß,
daß Jesus Christus unser Führer ist
und uns ein Beispiel gegeben hat.
Ich möchte so sein wie er. D
Germän Andres Tovar Contreras,
neun Jahre alt,
Gemeinde Cuidad Jardin,
Pfahl Cuidad Jardin, Bogota, Kolumbien
A(
r h
NEUN JAHRE ALT
UND SCHON MISSIONAR
Ashley Ca II ister
Eines Abends kam meine Grund-
schulrektorin zu einem Gespräch
zu uns nach Hause. Anschließend
habe ich sie gefragt, ob sie ein Buch
Mormon habe. Sie antwortete, sie
habe keins, hätte aber gerne eins.
Drei Wochen später ging ich zu
einer Fireside der Missionare. Die
Missionare gaben mir ein Buch
Mormon zum Verschenken mit.
Zuerst wußte ich nicht recht, wem
ich es geben sollte. Aber dann
flüsterte der Heilige Geist mir den
Namen meiner Rektorin zu.
Ich sagte meinem Vater, daß ich
ihr das Buch Mormon bringen
wollte. Dann markierte ich eine
meiner Lieblingsschriftstellen,
nämlich 1 Nephi 3:7. Vati brachte
mich nach der Fireside zu ihr, und
ich gab ihr das Buch Mormon.
Als die Missionare einen Monat
später zum Abendessen zu uns
kamen, fragten sie, ob ich
jemanden kennen würde,
den sie besuchen
könnten. Ich erzählte
ihnen von der netten
Dame, der ich das Buch Mormon
geschenkt hatte.
Als die Missionare das nächste
Mal zum Abendessen kamen, sagten
sie, daß sie meine Rektorin besucht
und das Gefühl hätten, sie würde
sich eines Tages der Kirche ansch-
ließen! D
Ashley Callister, neun Jahre alt,
Gemeinde Merced 1 ,
Pfahl Merced, Kalifornien
VERSUCHEN, WIE JESUS ZU SEIN
Wir würden gerne von einem
Erlebnis hören, das du gehabt hast,
als du versucht hast, wie Jesus zu
sein. Der Artikel darf nicht länger als
drei Seiten sein (zweizeilig und mit
der Maschine oder der Hand
geschrieben) . Du kannst dir von
jemandem beim Schreiben helfen
lassen. Bitte schicke mindestens ein
Foto von dir mit, und gib deinen
Namen, dein Alter, deine Adresse,
deine Telefonnummer, deine
Gemeinde bzw. deinen Zweig und
deinen Pfahl bzw. Distrikt an. Sende
deinen Artikel an Trying to Be like
Jesus, International Magazine, 50 East
North Temple Street, Salt Lake City,
LT 84150-3223, LSA.Du erreichst
uns auch per e-mail unter CUR-
Liahona-lMag@ldschurch.org.
LIED
GEBURTSTAG FEIERN
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Fröhlich J. = 66-72
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Wunsch heut ist.
Geist dann weist.
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Text: Wallace F. Bennett, 1898-1993
Musik Tracy Y. Cannon, 1879-1961
Dieses Lied darf für den gelegentlichen, nichtkommerziellen
Gebrauch in der Kirche und in der Familie kopiert werden.
4. Glaubensartikel
LuB 68:27
KINDERSTERN
16
BESUCHSLEHRBOTSCHAFT
DER GEIST GAB ZEUGNIS
Als junger Mann hatte
Brigham Young zwei Jahre
lang zu kämpfen, bis er
erkannte, daß das Evangelium wahr
ist. Seine Suche fand schließlich
durch das schlichte Zeugnis eines
Missionars ein Ende - „eines Mannes
ohne Beredtsamkeit, . . . der nur sagen
konnte: ,Ich weiß, durch die Macht
des Heiligen Geistes, daß das Buch
Mormon wahr ist, daß Joseph Smith
ein Prophet des Herrn ist.'" Präsident
Young sagte später: „Da erleuchtete
mir der Heilige Geist, der aus diesem
Menschen drang, den Verstand, und
Licht, Herrlichkeit und Unsterblich-
keit waren vor mir." (Lehren der Präsi-
denten der Kirche: Brigham Young,
1995, Seite 315.) Wenn der Heilige
Geist dem Herzen und dem Verstand
eines Menschen die Wahrheit eingibt,
dann schwinden Finsternis und
Zweifel dahin.
„HIMMLISCHER VATER, BIST DU DA?"
In einer kleinen Stadt in
Argentinien lud ein Mann zwei
junge Missionare zu sich nach Hause
ein - aber nur deshalb, weil er ihnen
sagen wollte, wie er zu ihrer Kirche
stand. Er war zornig, schlecht infor-
miert und ziemlich aggressiv. Mit vor
Wut rotem Gesicht drohte er den
beiden jungen Männern
mit den Fäusten.
Ein Missionar fragte
leise, ob er ein Erlebnis aus
seinem Leben erzählen
dürfe. Der Mann ließ sich
von der Frage ein wenig
beruhigen und stimmte
zögernd zu.
Der Missionar begann:
„Als ich in das Flugzeug
stieg, das mich nach Argentinien
bringen sollte, wo ich meine
Mission erfüllen wollte, war ich tief-
traurig. Es tat mir sehr weh, meine
Familie zwei Jahre lang nicht sehen
zu dürfen, und ich begann zu
schluchzen. In Gedanken schrie
ich: Himmlischer Vater, bist du da?
Tue ich das Richtige? Ich fühle mich so
allein. Plötzlich erfüllten Trost,
Frieden und Liebe meine Seele. Ich
wußte, daß alles gut werden würde,
daß Gott mich kannte und daß das,
was ich tat, richtig war. Ich wußte,
daß er mich nicht im Stich lassen
würde. Der Geist gab meiner Seele
von diesen Wahrheiten Zeugnis.
Seitdem bin ich ein ganz anderer
Mensch."
Der Missionar hielt inne, und der
Raum war vom Geist erfüllt. Der
Missionar schaute dem Mann in die
Augen und sagte: „Der Geist, der
meiner Seele Frieden zugesprochen
hat, ist derselbe Geist, der Ihnen
Zeugnis geben wird, daß die
Botschaft, die wir Ihnen gebracht
haben, wahr ist." Dann fuhr er fort:
„Ihre Aufgabe dabei ist es, sich zu
demütigen, den Wunsch zu haben,
die Wahrheit zu erkennen, sich um
Verständnis zu bemühen und Gott
um Bestätigung zu bitten."
Der Mann wollte etwas sagen,
wurde aber von seinen Gefühlen
überwältigt. Völlig durcheinander
suchte er nach einer logischen
Erklärung für das, was gerade
geschehen war. Als ihm das nicht
gelang, führte er die Missionare
einfach zur Tür. Vielleicht wird er das
Evangelium niemals annehmen, aber
er wurde wenigstens einmal in
seinem Leben vom Geist angerührt
und von wahren Knechten des Herrn
unterwiesen.
EINE GABE FÜR ALLE
Als Schwestern im Evangelium
wollen wir immer daran denken: „Es
ist ein besonderer Vorzug und Segen
des heiligen Evangeliums, daß jeder
wahre Gläubige die Wahrheit selbst
erkennen kann." (Lehren der Präsi-
denten der Kirche: Brigham Young,
Seite 317.) Wie unser Leben auch
immer aussehne mag - ob wir dabei
sind, ein Zeugnis zu erlangen, ob wir
das Zeugnis festigen, das wir bereits
erhalten haben, ob wir Hilfe und
Trost im Zusammenhang mit einem
schwierigen Problem bzw. einer
schwierigen Entscheidung suchen,
ob wir wissen wollen, wie wir unsere
Familie stark machen und noch
besser in unseren Berufungen dienen
können - wir können
ein Zeugnis des Geistes
empfangen, wenn wir uns
darum bemühen. Der Herr
hat ja selbst verheißen:
„Ich will dir von meinem
Geist mitteilen, und er
wird dir den Verstand
erleuchten, und er wird dir
die Seele mit Freude
erfüllen." (LuB 11:13.) D
Was Propheten über Keuschhe
Die folgenden Aussagen von einigen
Propheten, Sehern und Offenbarern
des Herrn untermauern das Gebot
des Herrn in bezug auf Keuschheit
und Treue in der Ehe.
Präsident Gordon B. Hinckley:
„So schwierig es auch erscheinen
mag - es gibt eine Möglichkeit, in
unserer Zeit nach konservativen
Moralvorstellungen zu leben. Aus
irgendeinem unbekannten Grund
wird immer wieder die falsche
Ausrede gebraucht, es sei vor langer Zeit einmal
leicht gewesen, tugendhaft zu sein; heute aller-
dings sei dies schwer. Ich möchte allen, die so
denken, deutlich machen, daß es seit der Erschaf-
fung noch nie eine Zeit gegeben hat, wo dieselben
Kräfte, die heute am Werk sind, nicht auch am
Werk gewesen wären. Das Ansinnen, das Potifars
Frau in Ägypten an Josef richtete, unterscheidet
sich gar nicht so sehr von dem, was viele Männer
und Frauen und Jugendliche in der heutigen Zeit
erleben.
Vielleicht sind die Strömungen heute deutlicher und
auch verführerischer, aber wir sind heute nicht mehr
Zwang ausgesetzt als die Menschen damals. Niemand
kann sich vollkommen vor solchen Strömungen
schützen. Wir sind davon regelrecht umgeben. Unsere
Kultur ist davon durchdrungen. Doch die Selbstdiszi-
plin, die Josef an den Tag legte, bringt auch heute
denselben Nutzen. Trotz der sogenannten ,neuen
Moral', trotz der vieldiskutierten Veränderungen in den
sittlichen Maßstäben, gibt es keinen adäquaten Ersatz
it und Treue in der Ehe sagen
für Tugend. Gottes Maßstäbe mögen zwar überall auf der
Welt auf den Prüfstand gestellt werden, aber Gott hat
seine Gebote deshalb nicht für ungültig erklärt.
Die Übertretung seiner Gebote führt heute wie
damals nur zu Reue, Kummer, dem Verlust der Selbst-
achtung und manchmal sogar tragischen Konse-
quenzen." („With All Thy Getting Get Understanding",
Ensign, August 1988, Seite 4.)
„Pornographie ist die Literatur des Teufels. Meiden Sie
sie. Lassen Sie die Finger davon. Heben Sie lieber Ihre
Augen und Ihren Sinn empor zu den höheren, edleren
Aspekten des Lebens. . . . Denken Sie daran: .Schlecht zu
sein hat noch nie glücklich gemacht.' (Alma 41:10.) Zu
sündigen hat noch nie Glück gebracht. Zu übertreten hat
noch nie Glück gebracht. Ungehorsam zu sein hat noch
nie Glück gebracht." („To a Man Who Has Done What
This Church Expects of Each of Us", Ansprache an der
Brigham-Young-Universität, 1995.)
Präsident Ezra Taft Benson (1899-1994) :
„Die Sünde, die unsere Generation
plagt, ist sexuelle Unmoral. Von daher,
hat der Prophet Joseph Smith gesagt,
würden mehr Versuchungen kommen,
mehr Schläge des Teufels, mehr
Schwierigkeiten für die Altesten Israels,
als von irgendwo sonst." („Das Gefäß innen säubern",
Der Stern, Juli 1986, Seite 3.)
„Lassen Sie sich nicht vom Satan in die Irre führen! In
unsittlichem Verhalten findet man kein dauerhaftes
Glück. Wenn man das Gesetz der Keuschheit übertritt,
kann man keine Freude finden. Ganz im Gegenteil. Man
mag kurzfristig Vergnügen empfinden, und es kann eine
Zeitlang so aussehen, als ob alles wunderbar wäre, aber es
dauert nicht lange, bis die Beziehung zerbricht und
Schuld- und Schamgefühle einsetzen. Dann befürchten
wir, unsere Sünden könnten ans Licht kommen, und
müssen Versteck spielen, lügen und betrügen. Die Liebe
beginnt zu sterben. Bitterkeit, Eifersucht, Zorn und sogar
Haß treten an ihre Stelle. All das sind die natürlichen
Folgen von Sünde und Übertretung.
Wenn wir aber andererseits das Gesetz der Keuschheit
befolgen und uns sittlich rein halten, erleben wir mehr
Liebe und Frieden, haben größere Achtung vor unserem
Ehepartner und bringen ihm mehr Vertrauen entgegen,
fühlen uns einander mehr verpflichtet und spüren
deshalb tiefe Freude und Glück. . . .
Entschließen Sie sich jetzt dazu, keusch zu bleiben.
Man muß sich nur einmal dazu entschließen, keusch und
tugendhaft zu bleiben. Treffen Sie diese Entscheidung
jetzt, und zwar so fest und endgültig, daß sie nie erschüt-
tert werden kann." („Das Gesetz der Keuschheit", Der
Stern, Oktober 1988, Seite 38.)
Präsident James E. Faust: „Die Verant-
wortung, die mit dem göttlichen Prozeß
des Lebensspendens verbunden ist, und
die Funktionen unseres Körpers sind so
heilig, daß sie nur innerhalb des
Ehebundes ausgeübt werden dürfen.
Wer diese Verantwortung aus irgend-
einem Grund nicht auf sich nimmt und ihr nicht
entspricht, und auch wer sie auf sich nimmt, darf sich
niemals vom Gesetz der Keuschheit abwenden, wenn er
wirklich glücklich sein will. Von allen Mitgliedern dieser
Kirche, die nach ewiger Freude und ewigem Frieden
streben, wird erwartet, daß sie - wie es dann sicher auch
ihr Wunsch ist - frei von sexueller Übertretung an den
Traualtar treten - keusch und rein." („The Sanctity of
Life", Ensign, Mai 1975, Seite 27.)
OKTOBER
27
19 9 9
Präsident Spencer W. Kimball (1895-
1985): „Sünde ist und bleibt Sünde,
und das wird immer so sein. Wir treten
für ein reines Leben ein. Von der Kind-
heit über die Jugendzeit bis hin zum
Grab verkünden wir, daß sexuelle Aktiv-
itäten jeglicher Art vor der Ehe schlecht
sind, und wir verkünden, daß jeder, der verheiratet ist,
sich an die Bündnisse halten muß, die er eingegangen ist.
Oder anders ausgedrückt: Wie schon häufig gesagt
wurde, müssen Mann und Frau vor der Ehe völlig keusch
leben und einander in der Ehe vollkommen treu sein."
(„The Time to Labor Is Now", Ensign, November 1975,
Seite 7.)
„Meine lieben jungen Leute, wer euch eurer Tugend
berauben will, ist nicht euer Freund. Ein Mädchen liebt
euch nicht wirklich, wenn es euch in Versuchung führt
oder euch nachgibt. Ein solcher Mensch ist euer Feind.
Wer von euch verlangt, der Leidenschaft nachzugeben
und sie zu befriedigen, und dabei von Liebe spricht, der
lügt; denn wen man liebt, den nutzt man nicht aus."
(Gebietskonferenz in Sydney, Australien, 1976.)
Eider Neal A. Maxwell: „Die Welt ist
bestrebt, Herr über die Krankheiten zu
werden, die auf sexuelle Unsittlichkeit
zurückzuführen sind, ohne dabei aber die
Grundsätze der Treue und Keuschheit zu
berücksichtigen. Die Welt versucht in
ihrer Weisheit ständig, sich dem natür-
lichen Menschen anzupassen, während die Weisheit des
Evangeliums darauf ausgerichtet ist, uns dazu zu
bewegen, den natürlichen Menschen abzulegen. (Siehe
Mosia 3:19.) Das ist der entscheidende Faktor. Da liegt
der große Unterschied!" („The Inexhaustible Gospel",
Ensign, April 1993, Seite 71 f.)
„Meine jungen Freunde, erwartet nicht, daß die Welt
das siebte Gebot beachtet, nämlich Keuschheit vor der
Ehe und Treue in der Ehe. Manche Menschen
empfinden zwar echtes Bedauern hinsichtlich der Folgen,
die dessen Übertretung mit sich bringt, beispielsweise die
erschütternde und beispiellose Tatsache unehelicher
Kinder und des Zerbrechens der Ehe. Dennoch verurteilt
die Welt sexuelle Unsittlichkeit an sich nicht, solange die
Übertreter noch lobenswerte Eigenschaften aufweisen
und sich in gewisser Weise .politisch korrekt' verhalten.
Wir müssen das siebte Gebot aber deshalb halten, weil es
geistig korrekt ist, und nicht deshalb, weil wir von
anderen gesellschaftlichen Institutionen darin bestärkt
werden." („The Pathway of Discipleship", Ansprache an
der Brigham-Young-Universität, 1997.)
Präsident Thomas S. Monson: „Es ist
nicht schwer, die spöttischen, geschmack-
losen Bemerkungen von törichten
Menschen zu ignorieren, die über
Keuschheit, Ehrlichkeit und das Befolgen
der Gebote Gottes lachen. Die Welt hat es
noch nie zu schätzen gewußt, wenn man
sich an Grundsätze hält. . . . Als Noach angewiesen wurde,
eine Arche zu bauen, da schauten die dummen Leute zum
wolkenlosen Himmel auf und spotteten und lästerten - bis
es zu regnen begann." (Generalkonferenz, April 1967.)
Eider Russell M. Nelson: „Wenn du
heiratest, werden du und dein ewiger
Gefährte die Fortpflanzungskraft
anwenden, damit ihr Freude habt und
euch über eure Nachkommen freuen
könnt. Diese Gottesgabe wird durch das
Gesetz der Keuschheit geschützt, das uns
der Schöpfer gegeben hat." („Sich selbst meistern", Der
Stern, Januar 1986, Seite 27.)
Eider Dallin H. Oaks: „Die Kraft,
sterbliches Leben zu erschaffen, ist die
erhabenste Kraft, die Gott seinen Kindern
geschenkt hat. Von ihr Gebrauch zu
machen, wird uns im ersten Gebot aufer-
legt, aber es wurde noch ein weiteres
wichtiges Gebot gegeben, in dem ihr
Mißbrauch untersagt wird. Daß wir auf das Gesetz der
Keuschheit solchen Nachdruck legen, ist damit zu
erklären, wie wir den Sinn und Zweck unserer
Fortpflanzungskraft im Rahmen des göttlichen Plans sehen.
Daß wir unserer Fortpflanzungskraft Ausdruck geben,
gefällt Gott, aber er hat geboten, daß es innerhalb der
Ehe geschehen soll. Präsident Spencer W Kimball hat
DER STERN
28
erklärt: ,1m Rahmen einer gesetzmäßigen Ehe ist eine
intime sexuelle Beziehung rechtens und von Gott gebil-
ligt. An der Sexualität an sich ist nichts Unheiliges oder
Entwürdigendes; denn durch sie vereinen sich Mann und
Frau im Zeugungsakt und als Ausdruck ihrer Liebe.' (The
Teachings of Spencer W. Kimball, Edward L. Kimball Hg.,
Salt Lake City, 1982, Seite 311.)
Außerhalb der Ehe ist jeder Gebrauch der Fortpflan-
zungskraft bis zu einem gewissen Grade eine sündige und
entwürdigende Umkehrung der göttlichsten Eigenschaft
der Menschen." („Der große Plan des Glücklichseins",
Der Stern, Januar 1994, Seite 69.)
Präsident Boyd K. Packer: „Der schnelle
und drastische Niedergang der Werte
wird durch die nahezu besessene Beschäf-
tigung mit dem Zeugungsakt gekennzei-
chnet. Die Enthaltsamkeit vor der Ehe
und die Treue in der Ehe werden offen
verspottet, Ehe und Elternschaft als
unnötige Belastung lächerlich gemacht. Anstand, eine
Tugend der zivilisierten Menschen und der zivilisierten
Gesellschaft, ist kaum noch zu finden." („Unsere
moralische Umwelt", Der Stern, Juli 1992, Seite 61.)
Eider Richard G. Scott: „Im Rahmen
des dauerhaften Ehebündnisses erlaubt
der Herr Mann und Frau, die heiligen
Kräfte der Fortpflanzung in all ihrer
Lieblichkeit und Schönheit anzuwenden,
und zwar innerhalb der Grenzen, die er
gesetzt hat. Ein Zweck dieses intimen,
heiligen und vertraulichen Erlebens besteht darin, Körper
für die Geister zu schaffen, die der himmlische Vater in
die Sterblichkeit schicken möchte. Ein weiterer Grund für
diese starken und schönen Gefühle der Liebe ist, Mann
und Frau in Treue, Loyalität, gegenseitiger Rücksicht-
nahme und einer gemeinsamen Absicht zu verbinden.
Diese intimen Handlungen hat der Herr jedoch
außerhalb des dauerhaften Ehebündnisses verboten, weil
sie sonst seine Absichten untergraben würden. Innerhalb
des heiligen Bündnisses der Ehe gehören solche Bezie-
hungen zu seinem Plan. Kommen sie auf irgendeine
andere Art und Weise zustande, widerspricht das seinem
Willen. Sie verursachen schweren Schaden geistiger und
emotionaler Art. Obwohl die Betreffenden im Moment
nicht bemerken, daß Schaden entsteht, so werden sie es
später bemerken. Sexuelle Unmoral schafft eine Barriere
gegen den Heiligen Geist und seine Fähigkeit, emporzu-
heben, zu erleuchten und Kraft zu spenden. Sie verur-
sacht starke körperliche und emotionale Erregung. Mit
der Zeit weckt sie einen unstillbaren Hunger, der den
Übertreter in immer schwerwiegendere Sünden treibt.
Sie verursacht Selbstsucht und kann zu aggressiven
Handlungen führen wie beispielsweise Brutalität, Abtrei-
bung, sexuellem Mißbrauch und Gewaltverbrechen.
Solche Stimulation kann zu homosexuellen Handlungen
führen, und so etwas ist schlecht und absolut falsch."
„Die richtigen Entscheidungen treffen", Der Stern,
Januar 1995, Seite 34.)
Eider Joseph B. Wirthlin: „Steht über
dem Fluch der Unsittlichkeit, der die
Erde quält. Erhebt euch über die
Verkommenheit von Pornographie,
Obszönität und Schmutz. Seid tugend-
haft und rein. Haltet eure jungen
Schwestern im Evangelium hoch, indem
ihr das knospende Frauentum achtet und ihre Tugend
verteidigt. Wenn ihr mit ihnen zusammen seid, verhaltet
euch immer gemäß den Geboten Gottes. Ihr wollt, daß
eure Freundin sauber und rein bleibt. Genau wie ihr die
Reinheit eurer Schwester aus der eigenen Familie
schützen würdet, so schützt auch die Tugend eurer
Schwestern aus Gottes Familie." („Seid gehorsam", Der
Stern, Juli 1994, Seite 36.)
„Ein weiteres wesentliches Kennzeichen des Evange-
liums ist das Befolgen des Gesetzes der Keuschheit, das
der Herr aufgestellt hat. Seit alters bis heute gebietet der
Herr seinem Volk, dieses Gesetz zu befolgen. Solche
strikte Moral erscheint in unserer Zeit, in der die Medien
Pornographie und Unmoral als normal und völlig akzep-
tabel hinstellen, vielleicht als merkwürdig und überholt.
Aber denken Sie daran, daß der Herr das Gesetz der
Keuschheit niemals widerrufen hat." („Die Früchte des
wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi", Der Stern,
Januar 1992, Seite 14 f.) D
OKTOBER
29
19 9 9
Wahre
Grundsätze
sittlicher
Reinheit
DER SATAN HAT IN DEN LETZTEN TAGEN EINEN ERBARMUNGSLOSEN ANGRIFF AUF
KEUSCHHEIT UND TREUE IN DER EHE BEGONNEN. ABER WIR KÖNNEN SEINEN
VERSUCHUNGEN WIDERSTEHEN, INDEM WIR UNS MIT DEN LEHREN DES HERRN
UND DEN WAHRHEITEN DES EVANGELIUMS IN EINKLANG BRINGEN.
Terrance D. Olsen
Es war der Ausdruck in den Augen seines Sohnes, der
Berthold* zwang, sich die Wahrheit einzugestehen.
Plötzlich sah er hinter dem Schmerz und der Verwirrung
seines Kindes, wie katastrophal sich sein Ehebruch auf seine
Ehe ausgewirkt hatte. Er fühlte sich schuldig
Jahre zuvor hatte Berthold begonnen, sich darüber zu
beklagen, daß seine Frau zu viel Zeit mit den Kindern und im
Dienst für die Kirche verbrachte. „Ich fühlte mich vernach-
lässigt", erklärt er. Damals fing er an, die Liebe, die seine Frau
für die Kinder und das Evangelium empfand, als Last zu
betrachten.
Im Lauf der Zeit nahm er die Sichtweise der Welt an und
redete sich ein, Keuschheit sei nicht notwendig. „Eine Affäre
ist doch keine große Sache", beruhigte er sich. ,Wir oXLe
ändem uns, denn jeder macht verschiedene Lebensphasen
durch." Um sich zu rechtfertigen, gab er seiner Frau die
Schuld an seinem Verhalten.
Doch als der Disziplinarrat hinter ihm lag und die Schei-
dung immer wahrscheinlicher wurde, begriff er seine
Ausreden als das, was sie wirklich waren - Ausflüchte und
Selbsttäuschung. Er hatte Gutes böse und Böses gut genannt.
Er war im Begriff, seine Mitgliedschaft in der Kirche und viel-
leicht seine Familie zu verlieren. Als er seinem Sohn in die
Augen sah, wurde er von Schuldgefühlen überwältigt, und
ihm wurde bewußt, was für Schmerzen er den anderen zuge-
fügt hatte.
Die menschliche Sexualität ist nicht nur eine körper-
liche Angelegenheit. Keuschheit und Treue beginnen
vielmehr im Geist, nicht im Körper. Sie sind Ausdruck
des Zustandes unseres Geistes. Wenn unser Geist mit den
Evangeliumswahrheiten in Einklang steht, dann haben
wir auch den Wunsch, nach hohen Maßstäben zu leben.
Und unser Verhalten ist ein Spiegelbild dieses Wunsches.
Daher versteht man unter Keuschheit und Treue mehr
als sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und sexuelle
Treue in der Ehe. Beides ist vielmehr ein Maßstab dafür,
wie sehr wir geistig lebendig sind.
Unsittlichkeit und Untreue haben gleichermaßen
auch nicht nur einen physischen Aspekt. Sie sind auch
*Name von der Redaktion geändert
Ausdruck des Zustandes unseres Geistes. Sie bilden das
Ende des Weges, auf den sich unser Geist schon lange
zuvor begeben hat. Der Körper reagiert einfach nur auf
das, was ihm der Geist mit seinen Lustgefühlen eingibt.
Wenn jemand Licht und Wahrheit verwirft, dann
erscheinen ihm weltliche Lügen anziehend. Er wandelt
in geistiger Finsternis und glaubt vielleicht sogar, seine
Lustgefühle seien ganz normal und irgendwie auch
richtig und man dürfe sie nicht unterdrücken
Daher bestimmt der Zustand bzw. die Beschaffenheit
des Geistes, ob die Keuschheit eines alleinstehenden bzw.
die Treue eines verheirateten Menschen bedroht ist. Die
Beschaffenheit des Geistes zeigt sich daran, ob sich jemand
in einem bestimmten Augenblick für Licht und Leben statt
für Finsternis und Tod entscheidet, ob er die Wahrheit in
Ehren hält, die er im Herzen trägt, oder ob er sie verwirft.
DIE WAHRHEIT
Die Wahrheit ist, daß Keuschheit und Treue große
Segnungen sind. Sie bilden eine ganz wesentliche
Voraussetzung dafür, ob jemand glücklich ist. Sie sind
realistisch und durchführbar.
Susan ließ sich mit achtundzwanzig Jahren taufen. Sie
hatte schon immer nach dem Gesetz der Keuschheit gelebt.
„Meine Eltern besaßen Integrität und erwarteten von mir,
daß ich mich an hohe sittliche Maßstäbe hielt und ehrlich
und keusch war. Also hielt ich mich einfach daran. " Susan
ist im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten aufge-
wachsen. „Heute ist mir bewußt, daß ich auf das Licht
Christi gehört habe. Ich war noch nie mit einem Heiligen
der Letzten Tage ausgegangen, bis ich Tom traf. Als ich das
Evangelium hörte, war ich froh, daß ich sexuellen Versu-
chungen niemals nachgegeben hatte. Tom und ich haben
später im Salt-Lake -Tempel geheiratet. Ein Jahr später starb
unsere erste Tochter bei der Geburt. Wir waren tieftraurig,
aber dennoch dankbar dafür, daß wir bei der Eheschließung
würdig gewesen waren, uns im Tempel siegeln zu lassen.
Die Gewißheit, daß unser Baby im Bund geboren worden
war, ließ uns die Situation besser verstehen und schenkte
uns Frieden."
OKTOBER
31
19 9 9
Susan und Tom sind inzwischen vierundzwanzig Jahre
verheiratet und haben fünf Kinder. Sie wohnen noch immer im
Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. „Mehrere unserer
Freunde und Verwandten haben sich scheiden lassen", erzählt
Tom. „Auch wir haben unser Teil abbekommen, was finanzi-
elle und familiäre Schwierigkeiten betrifft, aber dennoch haben
wir beide den Wunsch, unsere Tempelbündnisse einzuhalten,
und deshalb finden wir einfach für alle Schwierigkeiten
eine Lösung."
'.-■■'■
Die Proklamation zur Familie bestätigt, „daß die Ehe
zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und
daß im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung
seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht".
Weiterhin besagt sie, „daß Gott geboten hat, daß die
heilige Fortpflanzungskraft nur zwischen einem Mann
und einer Frau angewandt werden darf, die rechtmäßig
miteinander verheiratet sind." (Der Stern, Oktober
1998, Seite 24.)
Ein solcher inspirierter Rat ist wichtig für das Wohl-
ergehen jedes Menschen. Zur Ehe gehört, daß man
seinem Partner unwiderruflich das ganze Herz schenkt
- das gebrochene Herz, das Herz, das erweicht
worden ist. Wir müssen uns im Herzen in Einigkeit
und gegenseitiger Liebe verbinden. (Siehe Mosia
18:21.) Ohne eine solche bereitwillige, gegenseitige
Verpflichtung kann es für Mann und Frau keine
Erfüllung geben.
Dennoch gehören die Verspottung von Keusch-
heit und die Rechtfertigung von Ehebruch in
unserer Zeit zu den häufigsten und schädlichsten
Die falsche Lehre der Welt besagt, daß
Keuschheit und Treue keineswegs die
Voraussetzung für Glück sind, sondern daß
es sich dabei vielmehr um unrealistische
Erwartungen handelt.
Angriffen auf die Familie. Die Familie steht allem
Anschein nach schwerer unter Beschuß als jemals zuvor,
und mit dem Auseinanderbrechen der Familie geht auch
der Zusammenhalt unseres Gemeinwesens verloren.
Welche Kräfte auch immer an den Familienbanden zerren
mögen - sexuelle Unreinheit gehört dabei zu denen, die
am meisten Schaden anrichten. Sie greift die Familie
nämlich von innen her an. Durch Ehebruch gehen
Vertrauen, Eintracht, Opferbereitschaft, Ehrlichkeit,
Demut und die geistige Kraft verloren, die einem dadurch
zuteil wird, daß man Bündnisse einhält. Auch Selbstver-
trauen, emotionale Stärke, Würdigkeit und innerer
Frieden gehen verloren, wenn sich jemand in unsittliches
Verhalten verstricken läßt.
Sexuelle Unreinheit ruiniert das Leben des Betref-
fenden, aber die Folgen beschränken sich nicht nur auf
den Augenblick und auf die unangemessene Beziehung;
sie wirken sich über Generationen hinweg aus. Mütter
trauern, Väter weinen, Geschwister sind entsetzt, Kinder
müssen unter den traurigen Folgen von Sünden leiden,
die sie gar nicht begangen haben. Die Ehe gerät ins
Wanken oder ist am Ende.
Sexuelle Reinheit ist eine wichtige Voraussetzung dafür,
die Familie über Generationen hinweg zu bewahren.
Wenn wir in unserer Eigenschaft als Vater, Mutter, Sohn
oder Tochter die Bündnisse in Ehren halten, die wir
miteinander geschlossen haben, tragen wir die heilige
Fähigkeit in uns, Leben zu schaffen, das ja eine Gabe von
Gott ist. Wer ein solches Leben führt, gibt Zeugnis von den
Segnungen, die einem dadurch zuteil werden. Er bezeugt,
daß dies die glücklichste und befriedigendste, produk-
tivste, sicherste, schönste und ehrenhafteste Art und
Weise ist, wie man sich im Zusammenleben mit den
Menschen verhalten kann, die man liebt.
DIE FÄLSCHUNG
Die Welt reagiert auf die Forderung des Herrn nach
Keuschheit und Treue, indem sie eine Fälschung der
Wahrheit anbietet. Diese falsche Lehre besagt, daß
Keuschheit und Treue keineswegs die Voraussetzung für
Glück sind, sondern daß es sich dabei vielmehr um
unrealistische Erwartungen handelt. Damit soll die
unsittliche Lebensweise gerechtfertigt und als erstrebens-
wert und verteidigungswürdig dargestellt werden.
So wie sich eine gut gefälschte Banknote nur schwer
erkennen läßt, so sind die verführerischen Aufforde-
rungen zu sexueller Unreinheit geschickt versteckt, so
daß sie unsittliches Verhalten als akzeptabel, wertvoll
und vielleicht sogar unvermeidlich erscheinen lassen.
Präsident Spencer W Kimball hat gesagt: „Luzifer . . .
nutzt sein logisches Denkvermögen, um zu verwirren,
und seine Strategie, Ausreden zu erfinden, um zu
vernichten. Er verschleiert die wahre Bedeutung, öffnet
Türen immer nur einen Spalt breit und führt vom rein-
sten Weiß über alle Grauschattierungen bis hin zum
tiefsten Schwarz." (Faith Precedes the Miracle, 1972,
Seite 152.)
Und wer sich im Bereich dieser Grauschattierungen
aufhält, der bringt sich durch sein Denken und Handeln
in Gefahr. „Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in
seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen."
(Matthäus 5:28.) So jemand begibt sich durch das, was er
sich wünscht und womit er sich in Gedanken beschäftigt,
in Gefahr.
Insofern ist die verführerische Aufforderung, im
Gegensatz zu dem zu leben, was die Gebote Gottes
fordern, als Aufforderung zu werten, im Gegensatz zu
dem zu leben, was für einen am besten ist. Weltliche
Gesinnung hält sehr wenig von dem, was sie verspricht.
Sie zeigt einem nur ein falsches Bild der Wirklichkeit.
Vor allem drei bestimmte Lügen werden gegen die
Lehren des Herrn in bezug auf Keuschheit vorgebracht:
Erstens: Individualismus - die falsche Vorstellung, daß
sich die Persönlichkeit und die Rechte eines Menschen,
seine Weiterentwicklung und sein Wohlergehen nur im
Gegensatz zu den Ansprüchen verwirklichen lassen, die
eine Familie und die Aufgaben zu Hause stellen. Diese
Lüge besagt, daß unsere Lebensweise und unsere sexu-
ellen Gefühle ganz allein unsere Angelegenheit sind -
daß wir selbst wissen, was für uns am besten ist, und daß
uns niemand sagen darf, was wir zu tun haben.
Zweitens: Relativismus - die falsche Vorstellung, jeder
sittliche Stand sei gleich wertvoll. Die Lüge liegt darin,
daß es ein Vorurteil sei, anzunehmen, die eine Lebens-
weise sei besser als die andere. Unter moralischen Wert-
vorstellungen versteht man die Art und Weise, anderen
den eigenen Standpunkt aufzuzwingen - einen Stand-
punkt, der ihnen schadet. Das führt dazu, daß Moral
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33
19 9 9
DAS LICHT VERTREIBT DIE FINSTERNIS |
P^ie falschen Vorstellungen der Welt und die Wahrheiten des Evangeliums lassen sich einfach nicht mitein-
\mJ ander vereinbaren. Weltliches Gedankengut - vom bloßen Gedanken bis hin zur Verwirklichung - zeichnet
sich zu stark dadurch aus, daß das Böse gut und das Gute böse genannt wird (siehe Jesaja 5:20). Im folgenden
sind die falschen Vorstellungen der Welt und die entsprechende Lehre im Evangelium aufgeführt:
FALSCHE VORSTELLUNGEN DER WELT
EVANGELIUMSWAHRHEITEN
1 . Das ist mein Leben. Ich kann damit machen,
was ich will.
I.Ich bin ein Kind Gottes. Ich gehöre Gott. Ja, er hat mich durch seinen
einziggezeugten Sohn um einen Preis erkauft (siehe 1 Korinther 7:23).
2. Es ist albern, Filme, Literatur und Fern-
sehsendungen zu meiden, in denen Sex
vorkommt. Das berührt uns in Wirklichkeit doch
gar nicht. Man kann doch darüberstehen.
2. Gift bleibt Gift, gleichgültig, ob man es in geringer oder hoher Dosis zu sich nimmt.
Begierde führt zu Sünde (siehe Jakobus 1:14,15). Ja, wir werden nicht nur nach
dem beurteilt, was wir tun, sondern auch nach dem, was wir denken und sagen
(siehe Mosia 4:30; Alma 12:14).
3. Wir müssen uns realistisch betrachten; wir
sind schließlich nur Menschen.
3. Jeder Mensch hat die Kraft, das Rechte zu wählen (siehe 2 Nephi 2:27; Helaman
14:30). Wir werden nicht über unsere Kraft hinaus versucht (siehe 1 Korinther 10:13;
3 Nephi 18:15).
4. Sexuelle Gefühle sind normal und müssen
ohne Einschränkungen ausgelebt werden.
Es ist ungesund, solche Gefühle zu unter-
drücken oder zu ignorieren.
4. Sexuelle Gefühle sind normal und gesund, aber man darf ihnen nur innerhalb der Ehe
Ausdruck verleihen. Es ist normal und gesund, sie zu beherrschen. Jesus hat gesagt,
wenn wir uns wirklich selbst finden wollten, dann müßten wir zu ihm kommen, unser
Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen, indem wir allem entsagen, was ungöttlich
ist, indem wir aller weltlichen Lust entsagen und seine Gebote halten.
5. Wir müssen uns unseres Körpers nicht
schämen. Es gibt keinen Grund dafür, der
Kleidung große Bedeutung beizumessen.
5. Wir dürfen unseren Körper nicht dazu verwenden, andere zur Sünde zu verführen
(siehe 1 Timotheus 2:9,10; 1 Korinther 3:16,17; 6:19,20).
6. Gegen Sex zwischen zwei Erwachsenen, die
sich einig sind, ist vor der Ehe doch nichts
einzuwenden.
6. Sex vor der Ehe ist von Gott untersagt worden, weil dies ein Mißbrauch der
Zeugungsfähigkeit ist (siehe 1 Korinther 6:13,18; Jakob 3:12).
7. Es ist leicht, Umkehr zu üben.
7. Wer Gott nicht gehorcht, kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, Umkehr zu
üben. Die Vorstellung, man könne leichtfertig mit wirklicher Umkehr und einer Wesens-
änderung umgehen, würdigt den Erretter und sein Sühnopfer herab (siehe Alma
39:3-9; LuB 18:11; 19:4,16-18; 82:7).
8. Nur weil wir unverheiratet zusammenleben,
heißt das noch lange nicht, daß wir uns
einander nicht verpflichtet fühlen. Es ist
nicht notwendig, daß man verheiratet ist.
Das ist doch nur eine Formsache.
8. Wenn jemand den Bund der Ehe verwirft, dann weigert er sich in Wirklichkeit, eine
Verpflichtung einzugehen. Ja, „die Ehe ist dem Menschen von Gott verordnet" (LuB
49:1 5). Dieser Bund darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sondern stellt
eine Verpflichtung Gott und allen gegenwärtigen und zukünftigen Familienmit-
gliedern gegenüber dar (siehe „Die Familie: Eine Proklamation an die Welt", Der
Stern, Oktober 1998, Seite 24).
9. Wir müssen zusammenleben, damit wir
merken, ob wir sexuell zusammenpassen.
9. Ob ein Paar sexuell zusammenpaßt, wird davon bestimmt, ob es gesellschaftlich,
seelisch und geistig zusammenpaßt. Wenn ein Paar Schwierigkeiten hat, dann liegt das
an seiner geistigen Gesinnung. Und die geistige Einigkeit, nach der jedes Paar strebt,
entsteht doch daraus, daß man Evangeliumsbündnisse eingeht und einhält.
DER STERN
34
relativiert wird, und zwar gemäß dem - möglicherweise
einzigartigen - Verständnis eines Menschen.
Drittens: Die Opferrolle - die falsche Vorstellung, der
Mensch sei in erster Linie das Produkt seiner Bedürfnisse
und Wünsche, seiner Vergangenheit und seiner
Schwächen. Diese Lüge besagt, daß wir nicht selbst
entscheiden können; wir können nicht dafür, wie wir uns
verhalten und was wir im sexuellen Bereich empfinden.
Und wegen etwas, was nicht unsere Schuld ist, brauchen
wir auch keine Schuldgefühle zu haben. Laut dieser
Betrachtungsweise ist es ein ganz normales menschliches
Verhalten, wenn jemand die „Beherrschung verliert".
Dafür muß niemand zur Rechenschaft gezogen werden.
Die drei genannten Lügen sind die Fälschung entspre-
chender Evangeliumswahrheiten:
Erstens: Sich der Familie und anderen Menschen
verpflichtet zu fühlen, ist die beste Möglichkeit, seine
Persönlichkeit und seine Weiterentwicklung zu fördern.
Wir kommen auf die Erde, weil wir einander dienen
sollen; und wenn wir uns im Dienst am Nächsten
verlieren, dann finden wir uns (siehe Lukas 9:23-26;
Mosia 2:17).
Zweitens: Indem wir uns an sittliche Grundsätze halten,
erkennen wir in einer Welt voller relativer Wertvorstel-
lungen das Wesen Gottes und seine unwandelbaren
Maßstäbe an (siehe Alma 7:20,21).
Drittens: Wir besitzen Entscheidungsfreiheit. Wir
können selbst über unser Handeln bestimmen und
müssen uns nicht von unseren sexuellen Bedürfnissen
treiben lassen. Wir können unsere Bedürfnisse beherr-
schen und frei sein - oder uns von ihnen beherrschen
lassen und zum Sklaven werden (siehe 2 Nephi 2:26,27).
Der Satan will uns in Versuchung führen, damit wir
die Wahrheit um seiner Lügen willen verwerfen. Dazu
bedient er sich derselben Methode, die er auch bei
Jesus angewendet hat, als dieser sich in der
Der Satan beginnt seinen Angriff auf uns
genauso wie damals seinen Angriff auf
Jesus - er will den Geist in Versuchung
führen, damit dieser dem Körper
etwas Unziemliches befiehlt.
Wüste befand. Er redet uns ein, wenn wir wirklich das
seien, wofür wir uns hielten, nämlich Kinder Gottes, dann
könne es doch nicht falsch sein, wenn wir unseren Bedürf-
nissen nachgäben oder nach Macht und weltlichem Ruhm
strebten (siehe Matthäus 4:1-11). Er will uns immer dazu
verleiten, unsere sexuellen Wünsche, die wichtig für
unsere Mission hier auf der Erde sind, falsch auszuleben.
Da, wo der Herr uns auf dem engen und schmalen Pfad
des Lebens vor der Gefahr warnt, da will der Satan uns
Harmlosigkeit vortäuschen. Da, wo sich die Aufgabe,
die der Herr uns übertragen hat, auf die Ehe und die
Familie konzentriert, da will der Satan uns täuschen,
indem er uns einredet, vor- bzw. außereheliche sexuelle
„Wenn man die Ehe entwürdigt, befleckt man auch
Wörter wie Junge, Mädchen, Mannestum, Frauentum,
Ehemann, Ehefrau, Vater, Mutter, Baby, Kinder,
Familie, Zuhause."
Kontakte seien einfach zu schön, um ihnen zu wider-
stehen, und zögen auch überhaupt keine negativen
Folgen nach sich. Der Satan beginnt seinen Angriff auf
uns genauso wie damals seinen Angriff auf Jesus - er will
den Geist in Versuchung führen, damit dieser dem Körper
etwas Unziemliches befiehlt. Das ist wahrhaft die Listig-
keit der Schlange.
UNSERE ENTSCHEIDUNGSFREIHEIT
Als Josef nach Ägypten verkauft worden war, warf
Potifars Frau ziemlich schnell ein Auge auf ihn.
„Nach einiger Zeit warf die Frau seines Herrn ihren
Blick auf Josef und sagte: Schlaf mit mir!
Er weigerte sich und entgegnete der Frau seines
Herrn: . . . Wie könnte ich . . . ein so großes Unrecht
begehen und gegen Gott sündigen?
Obwohl sie Tag für Tag auf Josef einredete, bei ihr zu
schlafen und ihr zu Willen zu sein, hörte er nicht auf sie.
An einem solchen Tag kam er ins Haus, um seiner
Arbeit nachzugehen. Niemand vom Hausgesinde war
anwesend.
Da packte sie ihn an seinem Gewand und sagte:
Schlaf mit mir! Er ließ sein Gewand in ihrer Hand und
lief hinaus." (Genesis 39:7-12.)
So wie Josef, haben auch wir Entscheidungsfreiheit.
Entscheidungsfreiheit wird uns vom Geist, nicht vom
Körper ermöglicht. Der Körper reagiert nur auf das, was
der Geist ihm sagt. Wir sind nicht das Opfer von
Bedürfnissen und Wünschen, die wir nicht beherrschen
können (siehe 1 Korinther 10:13). Wir können vielmehr
sittlich orientiert handeln und dieses Handeln selbst
bestimmen. Der Herr hat dem Propheten Joseph Smith
bezüglich unserer Entscheidungsfreiheit folgendes
gesagt: „Denn es ist in ihrer Macht, selbständig zu
handeln." (LuB 58:28.)
Im Gegensatz zu dem, was der Satan zu sagen pflegt,
ist sexuelle Reinheit möglich und wichtig und macht
uns frei. Wer wahllose, egoistische sexuelle Kontakte
meidet, der geht nicht nur den physischen Folgen aus
dem Weg - über die sich die Welt am meisten Sorgen
macht -, sondern verhindert auch, daß er den langen
Weg beschreiten muß, auf den die geistigen, seelischen,
familiären und sozialen Folgen ihn zwingen. Und diese
Folgen gehen oft weit über alles hinaus, was man sich
vorstellen bzw. im Griff haben kann.
Zu den physischen Folgen gehört beispielsweise nicht
nur die außereheliche Schwangerschaft. So gut wie
unheilbare ansteckende Krankheiten, von denen einige
zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen können, suchen
viele von denjenigen heim, die sich unsittlich verhalten.
Auch AIDS ist eine ständige Bedrohung. Gleichermaßen
dürfen die anderen Folgen wie seelische Anspannung,
Reue, Schuldgefühle und ein gebrochenes Herz nicht auf
die leichte Schulter genommen oder ganz verdrängt
werden. Eider Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf
Apostel hat deutlich gemacht: ,Wenn man die Ehe
entwürdigt, befleckt man auch Wörter wie Junge,
Mädchen, Mannestum, Frauentum, Ehemann, Ehefrau,
Vater, Mutter, Baby, Kinder, Familie, Zuhause." („Marriage",
Ensign, Mai 1981, Seite 14.)
Doch trotz der Lehren des Herrn gibt es Menschen, die
sich nicht für Keuschheit und Treue entscheiden. Im
Gegensatz zu Josef ignorierte König David die Grenzen, die
der Herr gesetzt hat. Trotz allem, was der Herr ihm
geschenkt hatte, begehrte er Batseba, die Frau des Urija.
Nachdem er mit ihr Ehebruch begangen und Batseba ihm
eröffnet hatte, daß sie schwanger war, ließ David den
Urija in der Schlacht so aufstellen, daß er ums Leben
kommen mußte. Und selbst als Natan ihm das
Gleichnis vom Lamm erzählte, begriff er nicht, was
doch eigentlich ganz offensichtlich war. Die Sünde hatte
ihn für die Wahrheit blind gemacht. (Siehe 2 Samuel 12.)
Leider gibt es auf der Welt viele Menschen, die wie
König David sind, die von ihren eigenen Sünden
blind geworden sind, nämlich blind für die
Folgen ihres Verhaltens. Erst wenn sie aus der
Finsternis ihres falschen Handelns emportau-
chen, sehen sie die Situation im richtigen Licht.
Von den Menschen, die das Gesetz der
Keuschheit übertreten haben und mit
denen ich gesprochen habe,
hat nicht ein einziger
zugegeben, daß sein
DER STERN
36
/
r
m
Verhalten falsch war, solange er sich nicht bereits mitten
im Umkehrprozeß befand. Die Menschen verhielten sich
zwar unsittlich und waren ungläubig, glaubten aber an
ihre eigenen Ausreden. Sie sagten beispielsweise: Ich
konnte nichts dagegen tun. Wir haben doch niemandem
geschadet. Wir sind doch nur Menschen. So etwas passiert
eben. Ich habe einfach die Beherrschung verloren. Was sollte
ich in Anbetracht meiner Gefühle denn sonst tun? Wir sind
doch jung. Sie wissen ja nicht, wie das ist. Es ist doch besser,
wenn wir jetzt schon prüfen, ob wir zusammenpassen. Liebe
vergeht. Meine Frau (mein Mann) ist nicht mehr so wie
früher. Menschen ändern sich. Ich weiß auch nicht, was über
mich gekommen ist. Wir haben es ja nur einmal getan. Das ist
doch keine große Sache. Ich werde später Umkehr üben. Wir
sind zu verschieden. Zumindest hat es uns beide wachgerüttelt.
Wir betrachten einander nicht mehr als etwas Selbstverständ-
liches. Es kann doch nicht falsch sein, wenn es so schön ist.
In jeder dieser unglaublich falschen Ausreden wird
geleugnet, daß das eigene Verhalten von Grund auf
falsch war und man die volle Verantwortung dafür über-
nehmen muß. Die genannten Ausreden sind nichts als
der Versuch, zu leugnen, daß Schlechtigkeit eben
Schlechtigkeit bleibt. Das Evangelium lehrt, daß
schlecht zu sein noch nie glücklich gemacht hat (siehe
Alma 41:10). Die Welt hingegen behauptet, schlecht zu
sein mache glücklich.
Aber das stimmt einfach nicht. Wer sich dafür
entschieden hat, von sexueller Sünde umzukehren,
bezeugt, daß sein unsittliches Verhalten das Schmerz-
lichste, Bedauerlichste, zur Verzweiflung Führendste,
Falscheste, Verderbteste und Zerstörerischste war, was er
jemals getan hat. Wer den Mißbrauch der Kraft, Leben zu
zeugen, mit Ausreden beschönigt oder wegerklärt, der
zeigt damit nur, daß er nicht umkehrwillig ist und sich
selbst täuscht. Der Apostel Johannes hat ja gesagt: ,JWenn
wir [in unserer Sünde] sagen, daß wir keine Sünde haben,
führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht
in uns." (1 Johannes 1:8.) Und der Erretter hat uns erklärt,
wie wir die Wahrheit erkennen können: „An ihren
Früchten werdet ihr sie erkennen." (Matthäus 7:16.)
UNTADELIG WANDELN
Wir leben in einer Zeit, wo unsittliches Verhalten
nicht nur geduldet, sondern sogar als Normalzustand
angesehen wird, so als ob daraus keine schwerwiegenden
Folgen erwachsen würden. Sittliche Reinheit wird oft als
altmodisch angesehen bzw. nur dem „unzivilisierten"
Menschen zugestanden. Wir lernen auf unterschwellige
und manchmal auch nicht ganz so unterschwellige Art,
daß Keuschheit in gewisser Weise zwar etwas
Wünschenswertes sein mag, aber weder möglich noch
nötig ist und auch nicht erwartet wird.
Doch jeder, der die Vorstellung der Familie ernst
nimmt, der einer guten Beziehung, die sich über Genera-
tionen hinweg fortsetzt, Wert beimißt, und der weiß, wie
man als Eltern ein sicheres, liebevolles Zuhause schafft,
der ist sich auch der Tatsache bewußt, welch große
Bedrohung vorehelicher Sex und eheliche Untreue für
das Wohlergehen des einzelnen, der Familie und der
Gesellschaft bedeuten.
Wenn wir falsch empfinden und denken, können wir
nicht so leben, wie es richtig ist. Im Einklang mit den
Bündnissen, die wir als Heilige der Letzten Tage
geschlossen haben, ist es unser Ziel, unseren Geist in
Übereinstimmung mit dem Geist des Herrn zu bringen -
und ihm unser ganzes Herz zu schenken. Wenn wir das
tun, ändert sich der Zustand unseres Geistes. Keuschheit
und Treue sind die Folge, und uns werden unermeßliche
Segnungen zuteil.
Durch den Rat, ein tugendhaftes Leben zu führen, will
der Herr uns vor Schaden bewahren und es uns ermögli-
chen, so viel wie möglich vom Erdenleben zu profitieren.
Wenn wir ,untadelig vor dem Herrn wandeln und des
Bundes eingedenk sind, den wir miteinander geschlossen
haben, wird sich alles für uns zum Guten auswirken,
(siehe LuB 90:24). Wenn wir getreu sind, wird uns Herr-
lichkeit und „ein Weiterbestand der Nachkommen"
zuteil (siehe LuB 132:19). □
MEHR ZU DIESEM THEMA
Im folgenden finden Sie Literaturhinweise zum
Thema Keuschheit und Treue in der Ehe. Die entspre-
chenden Veröffentlichungen können Sie beim Versand
der Kirche beziehen.
Für Eltern (Bestellnr. 31125 150).
Für eine starke Jugend (Bestellnr. 34285 150).
Grundbegriffe des Evangeliums, 39. Kapitel, „Das Gesetz
der Keuschheit" (Bestellnr. 31110 150).
DER STERN
38
Im Einklang mit den Bündnissen, die wir als
Heilige der Letzten Tage geschlossen haben, ist
es unser Ziel, unseren Geist in Übereinstimmung
mit dem Geist des Herrn zu bringen. Keuschheit
und Treue sind die Folge, und uns werden
unermeßliche Segnungen zuteil.
MEIN GLAUBE
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O
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DE GEPRÜFT
Das Buch Mormon in zwei Monaten durchlesen?
Nach meinem Unfall konnte ich doch überhaupt
nicht mehr lesen!
Taylor Hartley
Unsere Gebietspräsidentschaft hat uns aufgefordert, noch vor der Pfahl-
konferenz das Buch Mormon durchzulesen. Wirst du es versuchen?",
fragte mein Vater. „Ich werde es versuchen", antwortete ich zögernd. Ich
zögerte deshalb, weil ich vor kurzem einen Fahrradunfall gehabt und mir dabei
eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Ich kann mich noch genau
an den Tag erinnern, an dem der Unfall geschah - es war der 27. Juli 1993. An
dem Tag feierte mein Bruder Brent nämlich seinen zwölften Geburtstag.
Am Morgen von Brents Geburtstag hatte ich noch kein Geschenk für ihn.
Deshalb wollte ich mit dem Fahrrad in ein Geschäft fahren, um etwas für ihn
zu kaufen. Das Geschäft war ganz in der Nähe, aber um dorthin zu kommen,
mußte man einer vielbefahrenen Hauptstraße folgen. Ich dachte, es wäre
sicherer, auf dem kaum benutzten Fußweg zu fahren, der an einer Wohnan-
läge in der Nähe unseres Hauses entlangführte. Am Ende der Anhöhe wurde
der Fußweg holprig und war mit Sand, Lehm und Pflanzen bedeckt. Er war
weder von der Straße noch von den Eigentumswohnungen aus gut einzu-
sehen. Ich fuhr also die Anhöhe hinunter und wurde dabei immer schneller.
Aber die Fahrt endete nicht dort, wo ich eigentlich hingewollt hatte. Statt
dessen landete ich im Krankenhaus.
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was geschehen ist. Ich weiß nur
noch, daß ich große Schmerzen hatte. Später erfuhr ich, daß zwei Jungen im
Teenageralter mich gefunden hatten. Sie verständigten einen Nachbarn, der
wiederum meine Mutter anrief und einen Krankenwagen bestellte.
Fünf Tage später war ich immer noch nicht wieder richtig bei mir. Ich hatte
mehr als vierzig Stiche über dem einen Auge und am Kinn; die anderen
Schürfwunden und Kratzer waren verbunden. Viele liebevolle Mitglieder aus
unserer Gemeinde besuchten mich erst im Krankenhaus und dann zu Hause
und brachten mir Geschenke mit - aber an das meiste kann ich mich über-
haupt nicht mehr erinnern.
Als es mir später wieder etwas besser ging, ließen meine Eltern mich von
einem Sprachtherapeuten testen. Das Ergebnis zeigte, daß ich in meiner
Aufnahme-, Denk- und Sprechfähigkeit mittelschwer bis schwer beeinträchtigt
war. Ich war in meiner Entwicklung um Jahre zurückgefallen. Obwohl ich fast
fünfzehn Jahre alt war, erbrachte ich nur die Leistungen eines Zwölfjährigen.
OKTOBER
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19 9 9
.. .
* -.
Die Schürfwunden und
Kratzer würden wieder
verheilen. Aber mit der
Kopfverletzung sah es
anders aus. Ob ich das Buch
Mormon wirklich innerhalb
von zwei Monaten durch-
lesen konnte? Es gab nur
eine einzige Möglichkeit,
das herauszufinden - ich
mußte mein Bestes tun und
darauf vertrauen, daß der
Herr mir half.
Zu den schlimmsten Folgen des Unfalls gehörte es, daß ich nicht mehr
lesen konnte. Ich konnte zwar die Wörter sehen, sie aber nicht verarbeiten.
Es war fast so, als ob ich das Lesen verlernt hätte. Deshalb stellte die Auffor-
derung meines Vaters, innerhalb von zwei Monaten das Buch Mormon
durchzulesen, eine ungeheure Herausforderung dar.
Am Abend kniete ich neben meinem Bett nieder, um zum
;^Ä* himmlischen Vater zu beten. Beim Beten spürte ich ganz deutlich,
fj daß der himmlische Vater mir helfen würde, denn er wollte, daß
ich das Buch Mormon las. Als ich zu Ende gebetet hatte, stand
ich auf, setzte mich ins Bett und schlug die erste Seite des Buches
Mormon auf. Langsam schaute ich auf die Wörter vor mir und
fing an zu lesen: „Ich, Nephi, stamme von guten Eltern ..." Ich
konnte lesen! Ich konnte die Wörter wirklich verstehen! Einer-
seits war ich höchst erstaunt und aufgeregt. Doch andererseits
war ich überhaupt nicht überrascht. Irgendwie war ich mir
ganz sicher gewesen, daß ich das Buch Mormon lesen
konnte, wenn es der Wille des Herrn war und er mir half.
Nach nur einem Monat hatte ich diese wundervolle
heilige Schrift zu Ende gelesen. Der Herr und das Buch
Mormon haben mich wieder Lesen gelehrt. Aber noch
wichtiger ist, daß mein Glaube an den himmlischen Vater
zugenommen hat. Das gilt auch für mein Zeugnis vom
Beten und von der heiligen Schrift. Dieser Glaube und
dieses Zeugnis haben mir später geholfen, als ich in der
Mission Seoul-West in Korea eine Vollzeitmission erfüllt habe.
Ich bin dankbar dafür, daß mein Vater mich aufgefordert
hat, das Buch Mormon zu lesen. Denn dieser Auftrag hat mich
verstehen lassen, daß der himmlische Vater uns in unseren
Prüfungen segnen kann. Ich bin auch dankbar für Wunder -
nicht nur für das wundersame Hervorkommen des Buches
. Mormon und die wundersame Wiederherstellung des
Evangeliums, sondern auch für die Wunder, die heute
mit Menschen wie dir und mir geschehen. D
DER STERN
42
H
eute ist ein guter Zeitpunkt, um neue Projekte zu
(beginnen. und sich Ziele zu setzen. Damit du diese Ziele
auch erreichst, darfst du es nicht zulassen, daß kleine
Fehlschläge dir den ganzen Tag verderben und du darüber die
Begeisterung vergißt. Im folgenden findest du einige Anre-
gungen gegen die Niedergeschlagenheit, die ein schlechter Tag
mit sich bringt:
■ Denk nicht immer an die Probleme. Mach statt dessen eine
Liste mit Lösungsmöglichkeiten. Dann arbeite die Liste der
Reihe nach ab.
■ Hab keine Angst davor, um Hilfe zu bitten, wenn du Hilfe
brauchst. Deine Eltern, der Bischof bzw. Zweigpräsident,
deine Lehrer und deine Freunde sind für dich da. Dein
Vater oder ein Priestertumsführer deines Vertrauens kann
dir bei Bedarf einen Segen geben.
■ Beschäftige dich.
■ Lache. Verlier auch in schwierigen Situa
tionen nicht den Humor.
■ Bete. Der himmlische Vater weiß, was
du durchmachst. ^
■ Setz dir Ziele. Hast du die letzte Mathear-
beit verhauen? Dann setz dir das Ziel, bei der
nächsten Arbeit eine bessere Note zu schreiben.
■ Lies in der heiligen Schrift. Achte darauf, wie die
Menschen, von denen in der heiligen Schrift erzählt wird,
schwierige Zeiten gemeistert haben. Halte dich an ihr
Beispiel.
■ Geselle dich zu Menschen, die glücklich sind. Manchmal
reicht schon der Kontakt mit fröhlichen Menschen, um die
eigene Stimmung zu verbessern.
■ Mach dir die Segnungen bewußt, die dir zuteil geworden
sind. Wenn du darüber nachdenkst, was in deinem Leben
richtig ist, geht es dir möglicherweise schon besser.
■ Höre Musik, die erbaut.
■ Rücke alles in die richtige Perspektive, indem du lernst, die
Aufgaben des Lebens mit dem Blick auf die Ewigkeit zu
bewältigen (siehe Jakob 4:13).
■ Hab Geduld. Denk daran, daß der Herr diejenigen segnet,
die bis ans Ende ausharren (siehe 1 Nephi 13:37).
HAST DU GUTE IDEEN?
Wir würden deine Ideen gerne in der Zeitschrift der Kirche veröf-
fentlichen. Schick deine Idee bzw. eine Liste mit Ideen zu evangeliums-
verwandten Themen deshalb bitte an Idea List, International Magazine,
50 East North Temple Street, Salt Lake City, IT 84150-3223, USA.
Du kannst uns auch per e-mail erreichen unter CUR-Liahona-
IMag@ldschurch.org. Mögliche Themen sind: wie man Neubekehrte in
die Jugendgruppe eingliedert, wie man gelungene Aktivitäten plant, wie
man seine Berufung als Jugendführer erfüllt, wie man mit seinen
Freunden über das Evangelium spricht usw. Schreib uns, was dir wichtig
ist - damit wir die anderen an deinen Ideen teilhaben lassen können. D
OKTOBER 1999
43
HAST DU EINEN
SCHLECHTEN
TAG?
Shane R. Barker
ILLUSTRATION VON STEVE KROPP
STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGE
Freude darin finden,
dem Herrn nachzufolgen
Zu den vielen Ratschlägen
und Weisungen, die
Jesus Christus seinen
Jüngern vor seiner Kreuzi-
gung erteilte, gehört auch die
folgende schlichte und dennoch
eindrucksvolle Aussage: „Selig
seid ihr, wenn ihr das wißt und
danach handelt." (Johannes 13:17.)
Mit diesen wenigen Worten
enthüllte Christus das Geheimnis,
wie der Mensch das erlangt, was er
sich am sehnlichsten wünscht,
nämlich Glück. Die Menschen
bemühen sich schon seit langer
Zeit, herauszufinden, worin Glück
besteht, und meinen, dazu verschie-
dene Anteile Besitztümer, Ruhm,
weltliche Aktivitäten und Reichtum
mischen zu müssen. Doch der Rat
Jesu beschränkt sich nur auf einen
einzigen Aspekt, nämlich daß man
die Evangeliumsgrundsätze befolgt.
Präsident Gordon B. Hinckley hat
vor kurzem gefragt: „Warum sind wir
so glückliche Menschen?" Die
Antwort lautet: „Glücklich wird
man, wenn man den Lehren und
Geboten Gottes, unseres ewigen
Vaters, und seines geliebten Sohnes,
des Herrn Jesus Christus, gehorsam
ist." („Was fragen die Menschen in
bezug auf uns?", Der Stern, Januar
1999, Seite 82.) Wer richtige
Grundsätze befolgt, kann sich nicht
nur der Gewißheit erfreuen, daß
. . .■ -i ,
„SELIG SEID IHR, WENN IHR
DAS WISST UND DANACH
HANDELT."
seine Lebensführung dem himmli-
schen Vater gefällt, sondern erntet
auch die Segnungen, die das
Befolgen der Gesetze, auf denen sie
beruhen, geradezu zwangsläufig mit
sich bringt (siehe LuB 130:21).
Auf den folgenden Seiten erzählen
Leser unserer Zeitschrift, wie sie
Evangeliumsgrundsätze befolgt haben
und vom Herrn für ihren Gehorsam
gesegnet worden sind.
DURCH VERGEBUNGSBEREITSCHAFT
SIND WIR EINS GEWORDEN
Aurora Rojas de Alvarez
Kurz vor meiner Hochzeit gerieten
mein Bruder, Neipta, und ich in
Streit. Wir waren schon ziemlich
lange böse aufeinander gewesen, und
nun machte sich die Anspannung in
DER STERN
44
Worten Luft. Obwohl wir eigent-
lich gar nicht mehr wußten,
weshalb wir eigentlich böse
aufeinander waren, ließ sich
an unseren Gefühlen nichts
deuteln.
Zu der Zeit hatte mein Bruder
Schwierigkeiten mit der gesamten
Familie. Zwischen ihm und meinem
Vater gab es Feindseligkeiten und
Mißverständnisse, und mit meinen
beiden Schwestern sprach er nicht
ein einziges Wort mehr. Meine
Mutter litt am meisten darunter. Sie
warf mir vor, Neipta nicht zu lieben.
Aber ich wußte, daß ich ihn liebte,
und deshalb tat es mir weh, daß
meine Mutter so etwas sagte.
Schließlich kam es zur Eskalation,
und mein Bruder verließ unser
Zuhause in Venezuela.
In der darauffolgenden Woche
ging es in der Sonntagsschule um
Vergebung. Mir wurde ganz elend
zumute, und ich dachte: „Aurora, du
mußt das, was du hier lernst, auch
anwenden." Der Geist rührte mich
an diesem Tag an, und mir war klar,
daß ich meinem Bruder vergeben
mußte. Als ich ging, war ich fest
entschlossen, die Angelegenheit mit
uns wieder in Ordnung zu bringen.
Mit Tränen in den Augen und
erstickter Stimme bat ich meinen
Bruder um Verzeihung.
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K».'tt£
:
Am darauffolgenden Freitag kam
Neipta nach Hause, um ein paar
Sachen zu holen. Ich hatte Angst
vor seiner Reaktion - aber es war der
Geburtstag meiner Mutter, und ich
konnte ihr kein schöneres Geschenk
machen, als meinen Bruder um
Vergebung zu bitten. Also ging ich in
mein Zimmer und betete um Kraft
und darum, daß ich die richtigen
Worte meinem Bruder gegenüber
fand. Der himmlische Vater hörte
mein Gebet und gab mir Mut.
Ich zog Neipta beiseite, um mit
ihm zu sprechen, und erklärte ihm,
wie sehr uns die ganze Situation
geschadet hatte und daß ich dem
gerne ein Ende bereiten würde. Mit
Tränen in den Augen und erstickter
Stimme bat ich ihn um Verzeihung.
Mein Bruder fing ebenfalls an zu
weinen. Er verzieh mir und bat mich
ebenfalls um Verzeihung. In nur
wenigen Minuten war es uns
gelungen, Monate voller Verbitte-
rung auszulöschen.
Zwei Tage später gingen mein
Bruder und mein Vater daran,
ihre Meinungsverschiedenheiten zu
bereinigen, und umarmten sich am
Ende des Gesprächs. Die Wandlung
in meiner Familie war ein Wunder.
Mein Herz war dem himmlischen
Vater gegenüber von Freude und
Dankbarkeit erfüllt, denn er hatte
uns gezeigt, wie man einander
vergibt.
MEINE FINANZIELLE LAGE UND
MEINE GESUNDHEITLICHE SITUATION
HABEN SICH VERBESSERT
Evelin Korndörfer
Wie viele Neubekehrte hatte
auch ich Schwierigkeiten damit,
nach dem Wort der Weisheit zu
leben und das Gesetz des Zehnten zu
befolgen. Vor allem das Zehnten-
zahlen fiel mir schwer. Wie sollte
ich von dem wenigen, das kaum
zum Leben reichte, noch etwas
abzweigen? Doch der Herr machte
mir deutlich, wie ich genau das tun
konnte. Dazu erteilte er mir eine
wichtige Lektion.
Als ich anfing, den Zehnten zu
zahlen, wurde mir klar, daß ich
meine Finanzen in Ordnung bringen
mußte. Ich fing sofort an, mein Geld
besser einzuteilen. Ich machte eine
Aufstellung meiner monatlichen
Ausgaben, an deren erster Stelle der
Zehnte stand. Dann verglich ich
diese Liste mit meinem Monatsein-
kommen. Zu meinem Erstaunen
blieb noch genug Geld zum Leben
und sogar noch etwas zum Sparen
übrig. Es verblüffte mich auch sehr,
wieviel Geld ich zuvor für Kaffee und
Alkohol ausgegeben hatte. Der Herr
segnete mich in finanzieller und
geistiger Hinsicht, als ich mich
bemühte, nach seinem Gesetz zu
leben.
Als ich mich in Deutschland der
Kirche angeschlossen hatte, trauerte
ich erst ein wenig um das Glas Wein,
daß ich nun nicht mehr trinken
konnte, wenn ich zu einer Feier
eingeladen war, und vor allem um
die von mir so heißgeliebte Tasse
Kaffee. Aber ich sagte mir, das
sei eigentlich überhaupt nicht
wichtig, da ich ja nicht abhängig sei.
Aber vier Wochen, nachdem ich
Alkohol und Kaffee aus meinem
Leben verbannt hatte, wachte ich
eines Morgens mit fürchterlichen
Schmerzen in den Beinen auf. Ich
ignorierte die Schmerzen aber und
ging zur Arbeit. Doch nach zwei
Stunden tat mir der gesamte Körper
weh, und jede einzelne Bewegung tat
mir zunehmend weh. Man brachte
mich zum Arzt. Er gab mir ein paar
Tabletten, verordnete mir vierzehn
Tage Bettruhe und sagte lachend:
„Trinken Sie eine schöne, starke
Tasse Kaffee, wenn Sie nach Hause
kommen. Das wird Ihnen auf keinen
Fall schaden."
Da wurde mir plötzlich klar, daß
es sich bei meinen Schmerzen um
Entzugserscheinungen handelte.
Mein Körper reagierte auf den
Entzug von Koffein. Wie leicht wäre
es jetzt gewesen, auf den Rat des
Arztes zu hören. Und wie schwer
kam es mir in meinem geschwächten
Zustand vor, auf den Herrn zu hören.
Doch glücklicherweise hat der Herr
mir Kraft geschenkt, und ich habe
der Versuchung nicht nachgegeben.
Mit seiner Hilfe habe ich die
Entzugserscheinungen überwunden
- und halte weiterhin das Wort der
Weisheit.
FÜR DAS FASTEN GESEGNET
Brigida Acosta de Perez
Ich ließ mich am 26. Juni 1976
zusammen mit meinem Sohn Carlos
Leon taufen, den wir Kali nennen.
Wir gewöhnten uns schnell an die
vielen Grundsätze unseres neuen
Glaubens und wollten vollständig an
allem teilhaben.
Ich kann mich noch gut an
unseren ersten Fastsonntag erinnern.
Meine Tochter Jovita, die bereits zur
Kirche gehörte, erklärte uns, was wir
tun mußten. Wir sollten im Geist des
Betens zwei aufeinanderfolgende
DER STERN
46
Kali legte sich flach auf das Dach,
und als er über die Kante nach
unten schauen wollte, stürzte er
hinunter. Im Fallen griff er nach
ein paar Stromkabeln.
Mahlzeiten lang auf Essen und
Trinken verzichten. Dafür verhieß
der Herr, daß er unsere Familie
segnen würde.
Gegen elf Uhr vormittags klet-
terte Kali zusammen mit seinem
jüngeren Bruder auf das Dach
unseres Hauses, das etwa neun
Meter hoch war. Er legte sich dort
flach hin, und als er über die Kante
nach unten schauen wollte, stürzte
er hinunter. Im Fallen griff er nach
ein paar Stromkabeln und begann,
daran zu schaukeln. Doch als er
merkte, daß seine Hände heiß
wurden, ließ er sich fallen und
stürzte auf den Bürgersteig.
Andere eilten ihm sofort zu Hilfe.
Ich aber war unfähig, mich zu
bewegen, zu schreien oder sonst
etwas zu tun. Ich konnte nur auf die
Knie sinken und mit der ganzen
Kraft meiner Seele beten. Ich weiß
noch, wie ich sagte: „Mein Sohn!
Vater, dein Wille geschehe."
Da hörte ich eine Stimme klar
und deutlich zu mir sagen: „Deinem
Sohn ist nichts geschehen; er ist am
Leben." Als ich spürte, wie diese
klare, feine Stimme mein Innerstes
durchdrang, erhob ich mich. Nun
hatte ich keine Angst mehr. Ich
wußte, daß ich den Geist gehört
hatte, und war ganz ruhig.
Als ich gerade zu Ende gebetet
hatte, stürzte mein kleinerer Sohn
ins Zimmer: „Mama, du darfst nicht
weinen. Kali ist nichts geschehen;
er ist am Leben", rief er und verwen-
detete dabei dieselben Worte, die ich
gerade gehört hatte.
Als sich alles wieder beruhigt
hatte und wir Kali getröstet und uns
versichert hatten, daß wirklich alles
in Ordnung war, sagte ich zu ihm:
„Gott hat dir das Leben gerettet."
Wir beendeten den Fasttag und
dankten Gott für das Wunder, daß
Kali unverletzt war.
Kali hat nach dem Unfall keine
dauerhaften Schäden zurückbe-
halten. Als er alt genug war, verkün-
dete er als Vollzeitmissionar die
Evangeliumsbotschaft in der Mission
Merida in Mexiko.
SCHULDEN IN HÖHE DES WERTES
EINES HALBEN FAHRRADS
Alfredo P. Blanc
Als ich mich auf meine Taufe
vorbereitete, die im Dezember 1955
im Osten Argentiniens stattfinden
sollte, riet mein Zweigpräsident mir
unter anderem, jeden um Verzei-
hung zu bitten, den ich gekränkt
haben könnte, alle Schulden zu
begleichen und alles zurückzugeben,
was mir nicht gehörte. Ich gestand
ihm, daß ich seit mehr als zwanzig
Jahren das Geld für ein halbes
Fahrrad schuldig geblieben war.
Als ich achtzehn Jahre alt war,
arbeitete ich in einer Teilzeitbeschäf-
tigung als Fotograf. Dabei verdiente
ich nicht viel - es reichte gerade, um
mir etwas zu essen zu kaufen und
meine Eltern ein wenig zu unter-
stützen. Seit ich ein kleiner Junge
war, hatte ich mir sehnlichst ein
eigenes Fahrrad gewünscht, aber
irgendwie hatten wir nie genug Geld
gehabt, um eins zu kaufen.
Glücklicherweise kannte mein
Bruder die Familie Zuzci. Sie
verkauften ein sehr schönes Fahrrad
zu einem vernünftigen Preis. Ich
mußte die Hälfte des Geldes beim
Kauf anzahlen; den Rest konnte ich
später begleichen. Als ich die erste
Hälfte gespart hatte, ging ich zu den
Zuzcis und kaufte das Fahrrad.
Um die Wahrheit zu sagen - ich
hatte nicht die Absicht, den Rest des
Geldes jemals zu zahlen. Ich war arm
und lebte in bescheidenen Verhält-
nissen; die Zuzcis waren reich und
hatten ein schönes Haus. Ich
meinte, sie hätten sicher schnell
vergessen, daß ich ihnen noch ein
wenig Geld schuldete.
Im Lauf der Jahre verfolgte ich
meine Ausbildung weiter, wurde
Optiker und kaufte mir schließlich
sogar ein eigenes Geschäft. Meine
finanzielle Situation verbesserte sich
beträchtlich. Aber ich vermied es
immer, am Haus der Zuzcis vorbei-
zugehen. Ich hatte ein schlechtes
Gewissen wegen des Fahrrads.
Später im Leben hatte ich das
große Bedürfnis, Gott zu suchen.
Und nun hatte ich ihn gefunden und
wollte mich seiner Kirche anschlie-
ßen.
Ich war achtunddreißig Jahre alt,
als ich mich auf den Weg zu dem
Haus machte, das ich vorher schon
so oft gemieden hatte. Die Tür ging
auf, und Frau Zuzci stand vor mir.
„Guten Morgen, Frau Zuzci.
Können Sie sich noch an mich erin-
nern:
„Ja, Herr Blanc. Wie könnte ich
Sie auch jemals vergessen?"
„Dann wissen Sie bestimmt auch
noch", sagte ich, „daß ich Ihnen
Geld schulde, und zwar für das
Fahrrad, das ich Ihnen vor zwanzig
Jahren abgekauft habe."
„Das weiß ich noch sehr gut, Herr
Blanc - so gut, als ob es gestern
gewesen wäre.", antwortete sie.
Ich erzählte ihr von meinem
Entschluß, mich taufen zu lassen
und Mitglieder der Kirche Jesu
Christi der Heiligen der Letzten Tage
zu werden. „Ich bitte Sie um Verge-
bung", sagte ich. „Ich weiß, daß
inzwischen zwanzig Jahre vergangen
sind. Ich bin bereit, alles zu zahlen,
was Sie als heutigen Gegenwert
meiner Schulden festsetzen."
Ich konnte sehen, wie ihr die
Tränen in die Augen stiegen. Sie
sagte, es sei sehr schön, was ich da
tue, und erließ mir meine Schulden.
Dann weinten wir beide. Wie froh
waren wir, daß wir die Sache mit
den Schulden für das Fahrrad
endlich aus der Welt geschafft
hatten! D
SPRECHEN WIR DARÜBER
Denk einmal darüber nach, wie die
folgenden Fragen und Anregungen dazu
beitragen könnten, diesen Artikel beim Famili-
enabend, im Unterricht in der Kirche oder für
deine Lebensführung zu nutzen.
• Inwiefern findest du Freude daran, ein
bestimmtes Gebot zu halten (beispielsweise
nach dem Wort der Weisheit zu leben, den
Zehnten zu zahlen, zu fasten oder den
Sabbat heiligzuhalten) 1 Gib deiner Familie
von diesem Gebot Zeugnis.
• Welches Gebot könntest du noch
besser befolgen? Schreib alle Segnungen
auf, die die heilige Schrift denjenigen
verheißt, die dieses Gebot halten. Überleg
dir jetzt, was du tun wirst, um nach diesem
Gebot zu leben.
DER STERN
48
Das Vaterunser, Gemälde von James Jacques Joseph Tissot (1 840-1 920).
„So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlaß uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen." (Matthäus 6:9-13.)
Mit dem Rat, ein tugendhaftes
Leben zufahren, will der Herr uns vor
Schaden bewahren und uns helfen,
so viel wie möglich von unseren
Erfahrungen hier auf der Erde zu
profitieren. Wenn wir untadelig
wandeln und des Bundes eingedenk
sind, den wir miteinander geschlossen
haben, „. . . dann wird sich alles für
[uns] zum Guten auswirken
(LuB 90:24).
Siehe „Was Propheten über Keuschheit
und Treue in der Ehe sagen", Seite 26,
und „Wahre Grundsätze sittlicher
Reinheit", Seite 30.
GERMAN
4 ■ 02999"90150" 2