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Full text of "Der Zoologische Garten : Zeitschrift für die gesamte Tiergärtnerei"

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Zoologischer Beobachter 

— se- Der Zoologische Garten, -m — 

Zeitschrift \ \-. ::i 

für 

Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. 

— Q8fc£> 

Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Herausgegeben 

von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. 

unter Mitwirkung von Fach genossen. 

Redigiert von Prof. Dr. O. Boettgrer, 



XLYI1. Jahrgang. 

■" Mit 17 Abbildungen im Text, 2 Tafeln in Farbendruck und eine: 



\ 



Frankfurt a. H. 

Verlag von Hablau & Wald schmid t. 



*% 



Zoologischer Beobachter. 47. Jahrgang. 



Inhalt. 



I. Aufsätze. 

Seite 
Ab- und Zunahme, periodisch stärkeres und schwächeres Auftreten der 

einheimischen Vögel, für verschiedene Landesteile Deutschlands, Öster- 
reichs und der Schweiz statistisch festgestellt (III). Von Wilhelm 

Schuster in Neckar-Steinach 7 

Süßwasserschüdkröten. Von Dr. med. W. Klingelhöffer in Offenburg 

(Baden). (Mit 4 Abbildungen) 15 

Die Maikäferflugjahre seit 1890 in den Großh. Hessischen Oberförstereien. 

Von Ludwig Schuster in Gousenheim bei Mainz 26 

Eigenartige Tierfreundschaft. Von P. Momsen in Flensburg ..... 43 
Kreuznacher Wintergäste. Von Gymn.- Oberlehrer Ludwig Geisenheyner 

in Kreuznach 45 

Die Sattelschrecke. Von demselben 48 

Wildapfel in Strauchform und Sachalin-Knöterich als billigste Massen- 
Äsungsmittel in Wildparks. Von Ludwig Dach in Königsberg i. Pr. 

(Mit 1 Abbildung) 50 

Entgegnung auf »Beiträge zur Monographie der Turteltaube« (Cölumba 

turtur L.J. Von Gustav Caster in Frankfurt a. M 53 

E. A. R o s s m ä ß 1 e r als Biologe und Systematiker. Von dem Herausgeber 65 
Möwen als Nachtvögel. Von Wilhelm Schuster in Liverpool .... 79 
Gefiederte Wintergäste. Von J. H. W. Seeger in Frankfurt a. M. . . . 79 
Die Einbürgerung des mexikanischen Atlasfalters in Amsterdam und Um- 
gegend. Von Wilhelm Schuster 81 

Einiges über die Waldmaus (Mus sylvaticusj. Von Erwin Detmers in 

Lingen (Ems) 101 

Merkwürdige Zutraulich keit eines jungen Eichkätzchens. Von J. H. W. 

Seeger 104 

Das Storchnest auf dem Chordache in Zofingen (Kt. Aargau) im elften 

Jahre (1905). Von Dr. H. Fischer-Sigwart in Zofingen 105 

Die Feindschaft zwischen Krähe und Sperber. Von Erwin Detmers . 110 
Kleintierleben im Winter. Von Kunstmaler K. Soffel in Schleißheim bei 

München 113 

Die Gründung der »Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde«. Von 

Hösch, Kgl. Ökonomierat auf Rittergut Neukirchen (Altmark) . . 129 



400967 



- IV - 

Seite 

Das Wachstum* des Geweihes von Cervus elaphus, barbarm und canadensis. 

Von Forstmeister Dr. A. Rörig in Frankfurt ä. M. (Mit 1 Abbildung) 134 

Der Seidenschwanz (BombycQla garrula L.) im Winter 1905—06. Von 

V. Ritter v. Tschusi zu ;Schmidhoffen in Hallein 142 

Die Säugetiere, ästhetisch betrachtet. Von Prof. Dr. K. Möbi*us, Geh. 

Reg.-Rat in Berlin 161, 193 

Deutsche — insbesondere hessische — Tiernamen. Von Pfarrer Wilhelm 

Schuster 173, 216 

Weitere Mitteilungen über die Schwarzamsel (Turdus merula). Von Dr. 

Victor Hornung in Bielefeld 176 

Die Turtel- oder Rheintaube. Von Wilhelm Schuster 201 

Die Lachmöwe (Larus ridibundus L.) in der Schweiz. Von Dr. H. Fischer- 

Sigwart 202, 229 

Ornithologische Notizen aus Westfalen. Von stud. P. Werner aus Mün- 
ster i. W. . . 212 

Gibt es ein Tier, das ein Werkzeug benutzt? Von Prof. Dr. Ferd. Rich- 
ters in Frankfurt a. M. (Mit 3 A bbildungen) 225 

Aus der Kinderstube des Kuckucks. Von stud. P. Werner 238 

Warum baut der Storch das Nest noch weiter ans, wenn schon mitunter 

große Junge darinliegen? Von Wilhelm Schuster 241 

Über den Massenfraß des Eichen Wicklers (Tortrix viridana). Von Ludwig 

Schuster. g($4 

Tierschutz, Tierliebhaberei und Tierkunde. Von Dr. Fr. Werner in Wien 257 
Zur Gehörnentwicklung des Rebbocks im besonderen und der Cerviden im 

allgemeinen. Von Oberförster H. Behlen in Haiger bei Dillenburg 262, 289 

Der kaukasische Wisent. Von C. Greve in Riga 269 

Phylloscopus bonellii (Vieill.) in Franken. Von Dr. J. Gengier in Metz 273 

Das Nest der Nachtigall. Von Ludwig Schuster 276 

Beiträge zur Geschichte der Vogelkunde. Von Wilhelm Schuster . . 298 
Nochmals die heißumstrittene Turteltaube (Columba turtur lt.). Von stud. 

P. Werner 302 

Ornithologische Kollektaneen aus Österreich-Ungarn und dem Okkupations- 
Gebiete. Von V. Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen ... 303, 337 
Der Siebenschläfer (Myoxus glis) im Königreich Sachsen. Von Rud. 

Zimmermann in Rochlitz i. S 311 

Der Maulwurf als Tagtier. Von Herrn. Löns in Hannover 336 

Die geographische Verbreitung der afrikanischen Grauschakale. Von Dr. 

M. Hilzheimer in Straßburg (Elsaß) 363 

Ankunft und Fortzug der Mauersegler (Apus apus LJ. Von stud. P. Werner 373 
Ergänzungen zu »Deutsche — insbesondere hessische — Tiernamen« und 

zu dem »Nachtrag«. Von Heinr. Lauer in Freiburg (Br.) .... 376 

II. Mitteilungen ans zoologischen Gärten. 

Das neue Straußen- und Stelzvogelhaus im Zoologischen Garten zu Ham- 
burg. Von Direktor Dr. Hermann Bolau in Düsseldorf. (Mit 
1 Tafel und 3 Bildern im Text) 1 

Das neue Affenhaus im Zoologischen Garten in Rotterdam. Von Direktor 

Dr. J. Btittikofer in Rotterdam. (Mit 2 Abbildungen) 33 



— V - 

Seite 
Winterbericht aus dem Schönbrunner Zoologischen Garten in Wien. Von 

Max. Siedler in Wien 42 

In Gefangenschaft geborene Luchse. Von Direktor AI. Behm in Stockholm 58 
Das Frankfurter Insektenhaus im Jahre 1905. Von Direktor Dr. A dal b. 

Seitz in Frankfurt a. M 70 

Zur Geschichte der Londoner Zoologischen Gesellschaft. Von dem 

Herausgeber. (Mit 2 Abbildungen) . 74 

Direktor Dr. G. Brandes, Mitteilungen aus dem Zoologischen Garten zu 

Halle a. S. Jahrg. 1, Heft 1—5 (Ref.) . . : 93 

Ein Besuch des Zoologischen Gartens zu St. Petersburg. Von Her- 
mann Grote in Berlin I . 97 

Bericht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft zuFrank- 

fürt a. M. Von den Direktoren V. Göring und Dr. Ad. Seitz . . 146 
Direktor AI. Behm, Kurzer Führer durch Skansens Zoologischen Garten 

in Stockholm , 156 

Ein junger Elefant in Schönbrunn 280 

Ein Gang durch den Zoologischen Garten in Basel. Von Heinr. Lauer 

in Freiburg i. Br 321, 353 

Die Raubvögel des Zoologischen Gartens in Hannover. Von Erwin 

Detmers in Lingen (Ems). (Mit 2 Farbentafeln) 329 

Dr. L. Wunderlich, Führer durch den Zoologischen Garten in Köln 

a. Rh. Von P. Cahn 351 

• 

III. Briefliehe Mitteilungen. 

Verbreitung von Mus rattus und M. decumanus in der Schweiz. Vesperugo 

nilssoni im Jura. Von G. von Burg in Ölten 116 

Mitteilungen über die Tierwelt von Kamerun. Von Hans Deistel in 

Buea 378 



IV. Kleinere Mitteilungen. 

Lebensweise der Laubheuschrecke Saga serrata F. .• 28 

Sandfliegen. Von Wilhelm Schuster 29 

Über die Verbreitung von Nöla togatulalis. Von Lud w. Schuster . . 55 

Vom eingemauerten Spatz. Von H. Schacht in Beiford bei Detmold . . 55 
Jagdverbot auf Vikunas und Chinchillas. Von 0. Straßberg er in Buenos 

Aires 56 

Waldmaus (Mus sylvaticus). Von Kunstmaler K. Soffel in Schleißheim 

bei München 56 

Kühnheit eines Mäusebussards. Von E. Detmers in Lingen (Ems). . . ' 58 

Späte Brüten von Schwalben. Von stud. P. Werner aus Münster i. W. . 58 

Cetonia affinis Andersch. Von Wilhelm Schuster 83 

Fortpflanzung von Planorbis corneus. Von K. Soffel 84 

Atemgeräusche bei Schnecken? Von demselben 85 

Ist das groß- oder das kleindotterige Ei die ursprüngliche Eiform der 

Froschlurche? 85 

Neue Säugetiere XVII und XVIII 86, 178 



- vi — 

Seite 

Frühe Reife. Von P. C. H. Momsea in Flensburg 87 

Abnormer Paarungstrieb. Von demselben 87 

Neues Sinnesorgan bei einem Molche? Von dem Herausgeber (Mit 1 Ab- 
bildung) 88 

Überwinternde Reiher und Turmfalken. Von Erwin De tmers .... 116 

Sogen, ackerbautreibende Ameisen 117 

Wer baut bei den Vögeln das Nest? 117 

Wasserkäfer aus Kamerun. Von Hans Deistel in Buea ....... 117 

Seidenschwänze (Bombycilla garrida L.) als Marktware 118 

Lebende Lungenfische 118 

Ein Kanarienvogel kann , einen" jungen Wellensittich nicht füttern. Von 

P. C. H. Momsen in Flensburg « . .. . 119 

Der Albatros (Diomedea exulans). Von Wilhelm Schuster 119 

Auf Zikaden schmarotzende Raupen 120 

Winterkleid des Hermelins (Foet&rius erminea). Von K. Söffe 1 .... 121 

Froschnester . 152 

Blaufuchs-Züchtereien in Norwegen. Von K. So f fei 152 

Eichhörnchennester als Schlafstätten der Meisen. Von stud. P. Werner 

aus Münster i. W 153 

Bemerkenswerte Frösche aus Südkamerun. . . 154 

Zum Schutze der Singvögel 178 

Das geologische Alter der Insekten 180 

Vollziehung der Begattung unter Wasser bei der Gebirgsstelze. Von stud. 

P. Werner 180 

Regeneration verletzter Säugetierschwänze 181 

Morgentau und Grauer Fliegenfänger (Muscicapa grisola L.). Von Dr. 

V. Hornung in Bielefeld 181 

Ein willkommenes Sperlingsbad im Winter. Von demselben . . . . 181 

Die grossen tropischen Waldsäugetiere als Liebhaber von Sauerwasser. . 182 

Vom Chinesischen Alligator {Alligator sinensis Fauv.) 182 

Die Weidenmeise (Pa/rus salicarius Brehm) und ihre Unterschiede von der 

Sumpfmeise (Parus palustris L.) 182 

Gefiederte Wintergäste. Von J. H. W. S e e g e r in Frankfurt a. M. . . 218 

Der Grüne Laubvogel (Phylloscopus viridanus Blyth) in Deutschland . . , 219 
Antwort auf : »Ein Kanarienvogel kann einen jungen Wellensittich nicht 

füttern«. Von H. Lauer in Freiburg i. Br. 245 

Bastarde zwischen Löwe (Felis leo L.) und Tiger {F. tigris L.) 246 

Der junge Kaptölpel (Sula capensis). Von Wilhelm Schuster. . . 280 

Neststand des Sperlings (Passer domesticus L.). Von stud. P. Werner . 280 

Ein junger Elefant in Schönbrunn 280 

Zu »Ornithologische Notizen aus Westfalen«. Von Sp. W 314 

Ornithologisches aus dem Mainzer Becken 1906. Von Wilhelm Schuster 314 

Uhu (Bubo bübo L.) in Thüringen '. 315 

Die Frösche von Neuguinea 315 

Ein kletternder Grasfrosch (Bana temporaria L.). Von stud. P. Werner 345 

Eine musikalische Hausmaus (Mus musculus L.). Von demselben. . 345 

Neue Beobachtungen an Ameisen 346 

Eine Käferschlacht. Von Dr. H. R e e k e r in Münster i. W 347 



— VII — 

Seite 

Schädlichkeit des Grünspechtes (Picus viridis L.) 348 

Eine neue Form des Roten Riesenkänguruhs {Macropus rufus occidentalis). 

Von Paul Cahn in Frankfurt a. M 381 

Akkomodierung unserer Uferschwalbe (Biparia riparia L.). Von stud. 

P. Werner 381 

V. Literatur. 

Ludw. Dach, Der Wildpfleger als Landwirt 30 

Dr. Aug. Thienemann, Biologie der Trichopteren-Puppe 31 

Verband 1. u. Mitteil/ des Siebenbürgischen Vereins f. 

Natur w. zu Hermannstadt, Bd. 53 60 

Prof. Dr. G. Tornier, Bau und Betätigung der Kopflappen und Hals- 
luftsäcke bei Chamaeleonen 61 

Die sexuelle Frage. Von Pfarrer Wilh. Schuster in Liverpool 62 

Dr. J. Thienemann, IV. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. . . 63 
1 1 1 u 8 1 r. Jahrbuch der Naturkunde, III. und IV. Jahrg. Von 

Wilhelm Schuster 88,351 

Fr. Sträßles Schmetterlingsbuch, V. Aufl. Von demselben 89 

Notes on Anthropoid Apes. Von demselben 90 

Annual Report of . . the Smithsonian Institution for 1903: Report of 

theC. S. Na t. Museum. 90 

Revista do Museu Paulist a. Vol. 6 91 

Dr. C. A p s t e i n , Tierleben der Hochsee 92 

Fr. H e i n c k e u. H. B o 1 a u , Die in Deutschland gebräuchlichen Marken 

zum Zeichnen von Schollen 93 

Dir. Dr. £. Schaff, Ornithologisches Taschenbuch für Jäger u. Jagd- 
freunde. II. Aufl 94 

Dr. Aug. Knoblauch, Der Kaukasische Feuersalamander (Sdkmandra 

cattcasia) 95 

C. Claus' Lehrbuch der Zoologie. II. Hälfte. 7. Aufl 121 

W. Oels' Lehrbuch der Naturgeschichte. I. Teil 122 

Dr. Fr. Siebenrock, Die Brillenkaimane von Brasilien 123 

Dr. C. Ruß, Der Wellensittich. 5. Aufl 124 

C. L. W. Norduijn, Die Farben- und Gestaltkanarien . 124 

Dr. £. Breslau, Der Samenblasengang der Bienenkönigin 125 

Dr. Fr. K. Knauer, Das Leben unserer heimischen Lurche und Kriech- 
tiere 125 

Dr. W. Wolterstorff, Triton blasii und die Mendelschen Regeln . . 126 
Dr. K. Hager, Die Kiefermuskeln der Schlangen und ihre Beziehungen 

zu den Speicheldrüsen 126 

Jahrbuch des Pro v. -Museums zu Hannover 1904-05. ... 127 

O. M e t z e , Bienenleben u. Bienenzucht 156 

AI. Behm, Kurzer Führer durch Skansens Zoologischen Garten .... 156 

Dr. W. Wolterstorff, Zwergformen der paläarktischen Urodelen . . 157 
Ch. und R. Kearton, Tierleben in freier Natur. Von Paul Cahn in 

Frankfurt a. M 157 

H. Meerwarth, Photographische Naturstudien. Von demselben . 158 



— VIII - 

Seite 

F. Helm, Ornithologische Beobachtungen 159 

Prof. Dr. K. Th. Liebes Futterplätze für Vögel im Winter. 14. Aufl. 159 
W. Köhler, Über Laichgeschäft und Geschlechtsunterschiede bei Am- 

puMaria gigas Spix 160 

Röhrig und Born er, Studien über das Gebiß mitteleuropäischer rezen- 
ter Mäuse. Von H. Frh. GeyrvonSchweppenburg 185 

G. P. Merrill s Gatalogue of the Type and Figured Specimens of Fos- 

sils Pt. I 190 

33. Jahresbericht d. Zoo 1. Sektion des Westfäl. Prov.-Ve reins 

f. Wiss. u. Kunst , 190 

Dir. Dr. E. Göldi, Os mosquitos no Parä . . 191 

Prof. Dr. L. v. Hey den, Die Varietäten der Crioceris asparagi L. und 

macüenta Weise 191 

Proceed. of the ü. S. Nat. Museum Vol. 28 und 29 219, 281 

Prof. Dr. Fr. Leydig, K. Chr. Schmidel, Naturforscher u. Arzt .... 220 
W. Ridgeway, The origin and" influence of the Thoroughbred Horse . 221 
Ed. Lampe, Katalog der Vogehammlung des Natur h. Museums zu Wies- 
baden. Teil I— II. Von Paul Cahn . 222 

Prof. Dr. K. Möbius, Können die Tiere Schönheit wahrnehmen und 

empfinden? 222 

Meyers und Brockhaus' Lexika. Von Wilhelm Schuster .... 223 

Prof. Dr. A. Pauly, Darwinismus und Lamarekismus 247 

Dr. Fr. Knauer, Der Vogelzug und seine Rätsel 248 

Dr. F. Siebenrock, Über die Berechtigung der Selbständigkeit von 

/ Hydraspis hilairei D. B 248 

Dr. P. Dahms, Aus dem Leben der Meisen und Zoologische Mitteilungen 249 

E. Büchner, Die ehelichen Verhältnisse beim Haselhuhn 249 

Dr. E. Schulze, Fauna Hercynica: Batrachia 251 

H. Löns, Die Gefährdung unserer Tierwelt 251 

Prof. Dr. H. Simroth, Neue Gesichtspunkte zur Beurteilung der geo- 
graphischen Verbreitung niederer Wirbeltiere 252 

M. Braß* Jahrbuch für Vogelfreunde. 1. Jahrg. 1905. Von Ludwig 

Schuster in Gonsenheim bei Mainz 253 

A. Voigts Exkurs ionsbuch zum Studium der Vogelstimmen. 4. Aufl. 

Von demselben 253 

Dr. K. Günther, Die Entwicklung der Tierwelt . 254 

Prof. Dr. M. Braun, Über die Ankunftszeit der Störche u. andrer Zugvögel 

in Ostpreußen 254 

Dr. W. Wolterstorff, Beiträge zur Kenntnis des Triton vittatus Gray . 255 

K. Wolfsholz jun.. Der Deutsche Spitz in Wort und Bild 282 

E. Zollikofer, Über einen interessanten Brutort des Gänsesägers (Mergus 

merganser L.) in der Schweiz 282 

Dr. R. Fr. Scharff, On the former Occurrence of the African Wild Cat 

in Ireland 282 

Prof. Dr. R. Hertwig, Erfordernisse der Vorbildung der Mittelschulen 
für das Studium der Zoologie und Zur Frage der Organisation des 

zoologischen Unterrichts an den höheren Schulen 283 

O. W. Thomes Lehrbuch der Zoologie, 7. Aufl 234 



- IX - 

Seite 

R. M a r t e n s o n , Übersicht über das jagd- und nutzbare Haarwild Ruß- 
lands . . . . . 285 

Oberländers Im Lande des Braunen Bären. Von Wilhelm Schuster 286 
Prof. Dr. K. Kräpelin, Die Beziehungen der Tiere zueinander und. zur 

Pflanzenwelt 316 

Herrn. Löns, Die Säugetiere von Hannover 317 

Prof. Dr. L. Plate, Gibt es ein Gesetz der progressiven Reduktion der 

Variabilität? 318 

K. Lamperts Großschmetterlinge und Raupen Mitteleuropas. Von Lud- 
wig Schuster 348 

Prof. Dr. H. Simroth, Über die Verbreitung der Haifische 349 

Dr. Fr. Werner, Die nördlichsten Reptilien und Batrachier 350 

San.-Rat Dr. G. Lohmeyer, Übersicht der Fische der ostfriesischen Halb- 
insel und des unteren Emsgebietes 350 

Dr. W. Haacke, Die Gesetze der Rassenmischung und die Konstitution 

des Eeimplasmas 382 

K. Flörickes Deutsches Vogelhandbuch. Von Wilhelm Schuster . 383 

YI. Yerschiedenes« 

Bücher und Zeitschriften 32, 64, 95, 128, 160, 192, 224, 255, 288, 319, 352, 384 

Druckfehler-Berichtigung . . . . , . IX 

Eingegangene Beiträge 32, 64, 95, 128, 160, 192, 224, 255, 288, 319, 352, 384 

Nekrologe: Lehrer L. Buxbaum f 30 

Prof. Dr. J. L. Cabanis f 121 

Victor Fatio f 287 

Hofrat Dr. P. Leverkühn t • • • 59 

J. Rohweder f 352 



Druckfehler. 

Aus Versehen ist der Namen der Künstlerin auf den beiden Tafeln zu 
dem Detmer'schen Aufsatze in Nr. 11 p. 329—335 in H. v. Pleden statt 
H. v. Reden verdruckt worden. 



Flfl. IV. Selmitt duroli die «kleine 




£J&1 




Zoologischer Beobachter 

— *g- Der Zoologische Garten, -a* — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege, und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldschmidt. 



NM. XLVIL Jahrgang. Januar 1906. 



Inhalt. 

Das neue Straußen- und Stelzvogelhaus im Zoologischen Garten zu Hamburg. (Mit 
einer Tafel und drei Bildern im Text.) von Direktor Dr. Hermann Bolauin Düsseldorf. 
— Ab- und Zunahme, periodisch stärkeres und schwächeres Auftreten der einheimischen 
Vögel, für verschiedene Landesteile Deutsehlands, Oesterreiohs und der Schweiz statistisch 
festgestellt (III)« Ton Wilhelm Schuster in Neckar-Steinach. — Sfinwassersohildkröten; 
von Dr. med. W. Klingel hoff er in Offenburg (Baden). (Mit 4 Abbildungen.) — Die Mai- 
kftferflugjahre seit 1890 in den Großherzoglich Hessischen Oberförstereien; von Ludwig 
Schuster inGonsenheim bei Mainz.— Kleinere Mitteilungen. — Nekrolog. — Literatur. — 
Eingegangene Beiträge. — Bücher, und Zeitschriften. 

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Das neue Straussen- und Stelzvogelhaus im Zoologischen 

Garten zu Hamburg. 

(Mit einer Tafel und drei Bildern im Text.) 
Von Direktor Dr. Hermann Bolau in Düsseldorf. 



Bald nach der Gründung des Zoologischen Gartens zu Hamburg 
eröffneten Damen Hamburgs und Altonäs eine Subskription zum 
Bau eines Hauses, aus deren Ergebnis ein Straußenhaus im Jahre 
1862 errichtet wurde. Das alte, strohgedeckte Haus hat etwa vier 
Jahrzehnte lang den Straußen, Kasuaren und Emus des Gartens als 
Wohnung gedient. Es war von fünf großen Ausläufen nach Süden 
umgeben und hatte innen fünf Innenkäfige, die zum Teil je nach 
Bedarf in mehrere Unterabteilungen zerlegt wurden. Die Heizung 
geschah durch einen Ofen. Der Baum für die Besucher war nur 
sehr klein und dunkel und die Anordnung der inneren Käfige eng 
und wenig für eine bequeme Beobachtung der Tiere geeignet. Im 
Winter wurde das Haus daher vielfach geschlossen gehalten, und 
damit waren die Straußvögel dem Auge der Besucher des Gartens 
für die kältere Jahreszeit entzogen. Im Laufe der Zeit war das nur 
leicht gebauteStraußenhaus auch recht baufällig geworden, und so trat 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVII. 1906» 1 



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die Notwendigkeit ein, an Stelle des alten ein neues Straußeuhaus 
zu . errichten. Neben den Straufienvögelu and einer Anzahl von 
größeren Stelzvögeln sollte der Neubau aber noch einer anderen 
Tiergruppe. Unterkunft gewähren, die bislang im Garten nur in 
geringerer Zahl und beiläufig gehalten werden konnte, kleineren 
Reptilien und Lurchen. 

Um geeignete Pläne für den Neubau zu erlangen, schrieb der 
Hamburger Architekten- und Ingenieurverein in Verbindung mit der 
Zoologischen Gesellschaft im November 1902 einen »Wettbewerb zur 
Erlangung eines Entwurfes für ein . Straußenhaus« aus. 

Das neue Straußen- und Stelzvogelhaas sollte nach den 
Bedingungen für den Wettbewerb etwa an der Stelle des alten 
Hauses liegen, und die Umgebung -*- im Norden führt ein Wasser- 
arm um den Platz herum — stallte sich dem Neubau in der Fortn 
anpassen; es war sogar gestattet, nötigenfalls einen Nebenarm des 
.Wassergrabens zu beseitigen. Im übrigen waren dem Architekten 
nach den Angaben meines Vaters nur Vorschriften über die un- 
gefähre Zahl und Größe der Käfige, der Wärtergänge, der Dienst- 
und Futterräume, der Tische für die Reptilien- und Lurchbehälter, 
über die Vorratsräume für Futter und den Heizraum gegeben. Alle 
Räume sollten vollkommen hell und luftig angelegt werden und die 
Käfige täglich, wenigstens vorübergehend, direktes Sonnenlicht er- 
halten. Für eine ausgiebige Lüftung aller Räume war Sorge zu 
tragen. Ein Baustil wurde nicht vergeschrieben. 

Aus dem Wettbewerb ging als Sieger der Architekt Herr C. 
Walter Martens in Hamburg hervor, dem die Ausführung seiner 
Pläne übertragen wurde. Im August 1903 wurde der Bau einem 
Unternehmer übergeben, und zu Ostern 1904 konnten ihn seine 
Bewohner beziehen. 

Das neue Tierhaus gehört entschieden zu den schönsten und 
eigenartigsten, die der Hamburger Garten aufzuweisen hat (Fig. 1). 
Schon von ferne fällt die hellleuchtende, nach Süden- zu gelegene 
Vorderseite ins Auge. Auf die in dem Hause untergebrachten Tiere 
machen zwei Überschriften über dem Eingänge »Straußen- und Stelz- 
vogelhaus« und »Kleinere Reptilien und Amphibien« aufmerksam. 
Der Beschauer findet auch in dem eigenartigen Schmuck, der die 
Mauern des Hauses bekleidet, Hinweise auf seine Bewohner. Die 
große Eingangstür wird flankiert durch zwei Afrikanische Strauße, 
die aus farbigen Sektilplatten, hergestellt in Delft nach Zeichnungen 
des Herrn Prof. le Conte, zusammengesetzt sind* In halber Höhe 



umweht, ein Fries aus gleichem Material das ganze Haus. In den . 
einzelnen Abschnitten des Frieses sind Strauße, Biegende nnd ruhende 



StelzvSgel Baum geschaffen werden kann. Dem Eingang gegenüber 
befindet sich ein großer Klugkäfig für kleinere Stelzvögel, Ibisse, 



5 



Strändläufer u. s. w. Seine Maße sind 9.24 zu 4.25 m. Zwischen 
diesem großen Flugkäfig und den vorerwähnten Straußenkäfigen liegt 
je ein Straußenkäfig von 4.60 m Breite, 3.20 m Tiefe und 14.72 qni 
Grundfläche, und diesen beiden Käfigen gegenüber, also rechts und 
links vom Eingang, liegt wieder je ein Straußenkäfig von gleicher 
Größe. Der Fußboden sämtlicher Innenkäfige für Strauße und 
Stelz vögel liegt 40 cm hoch und hat einen rauh hergestellten 
Asphalt-Belag ohne Gefälle. Der Sammelkäfig hat eine Kies- und 
Sandschicht von 10 cm Stärke. 

An Innenkäfigen finden sich also außer dem großen Flugkäfige 
8 große Straußenkäfige oder 4 große und 8 halbe Käfige. Die Käfige 
für Strauße, bezw. große Stelzvögel sind nach vorne, dem Zuschauer- 
räume zu, durch 2 m hohe, eiserne Rahmen abgeschloßen, in die 
ein Drahtgeflecht von 17 mm Maschenweite eingespannt ist. Die 
Käfige sind voneinander durch 2 m hohe, gehobelte, leichte Holzwände von 
3 cm dicken Brettern getrennt und nach hinten gegen den Wärter- 
gang ebenfalls durch solche Holzwände begrenzt. Um die Tiere aus 
einem Käfig in den andern hinüberlassen zu können, sind in die 
hölzernen Trennungswände Schiebetüren von 1.90 m Höhe und 1.10 m 
Breite eingefügt. Sie werden vom Wärtergang aus, bedient. Nach 
hinten hinaus führt aus jedem Käfig und jedem Halbkäfig eine Holz- 
tür von gleichen Ausmessungen wie die der Türen zwischen den 
Käfigen. Diese Türen haben in ihrem oberen Teil je 2 Offnungen von 
35 cm Breite und 29 cm Höhe, die mit durchbrochenem Eisenblech . 
verschlossen sind. Diese Türen schlagen nach dem Wärtergang hinein. 
Die Türen ,an der Rückwand der Käfige korrespondieren mit solchen 
an. der Aussenseite des Hauses, die in die Ausläufe führen. Die 
Außentüren entsprechen in Zahl, Lage und Größe den Käfigtüren, 
schlagen nach einwärts in den Wärtergang hinein und sind so an- 
geordnet, daß durch Offuen und Feststellen zweier korrespondierender 
Türen eine vom Wärtergang getrennte Verbindung zwischen Käfig 
und äußerem Auslauf geschaffen wird. 

Hinter sämtlichen Straußenkäfigen verläuft ein Wärtergang von 
1,10 — 1,32 m Breite, der mit Asphalt belegt ist. Er enthält Wasser- 
leitung und Sielroste. Aus diesen Wartergängen führt an beiden 
Seiten des Sammelkäfigs je eine Tür, und ebenso sind die beiden 
neben dem Eingang gelegenen Wärterräume durch Türen von den 
Wärtergängen aus zugänglich. 

Der Samraelkäfig für kleiuere Stelzvögel ist nach dem Zuschauer- 
raum zu in seiner ganzen Länge durch Drahtgeflecht abgeschlossen. 



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Die Maschen weite des Geflechts ist 24 mm. Die Mitte des Käfigs 
nimmt ein Wasserbassin mit Springbrunnen von 3 m Länge, 1,50 m 
Breite und 0,18 m Wassertiefe ein. Nach dem Garten zu ist der 
Käfig durch eine große Glaswand von einem äußeren Flugkäfig ge- 
trennt. Die Verbindung zwischen äußerem und innerem Flugkäfig 
wird durch zwei Türen von 0,70 m Breite und 1,65 m Höhe hergestellt. 

Die beiden Diensträume für den Wärter sind weniger als 
Aufenthaltsorte für denselben gedacht, als vielmehr als Aufbewahrungs- 
stellen für Reinigungsmaterial, Sand und dergl., sowie für Futter- 
mittel und die Zubereitung von Futter, Zerschneiden von Rüben, 
Kohl u. s. w. Sie sind rechts und links neben dem Eingange gelegen 
und messen 5,00 m in der Länge und 3,01 m in der Breite. Der 
Fußboden ist, mit Zement belegt. 

Aus dem Wärtergang rechts vom Eingang führt eine Treppe 
in das Kellergeschoß. Der Keller erstreckt sich in drei Abteilungen 
unter die Wärterräurae, den Eingang, sowie die beiderseits vom 
Eingange liegenden Straußenkäfige. Er dient in seinem größten 
Teil zur Aufbewahrung größerer Füttervorräte, von Kohl, KartoflFeln, 
Rüben u. dergl. und ist dem Futtermeister, dessen Arbeitsraum auf 
dem nahen Diensthofe liegt, unterstellt. Eine Abteilung nimmt die 
Niederdruck wasserheizung auf. Die Heizung wird durch einen Haupt- 
kessel für den allgemeinen Gebrauch ausgeführt, während ein Sonder- 
kessel die Erwärmung der Reptilientische bewirkt. Der Heizkeller 
. dient zugleich zur Aufnahme des Kohlenvorrates. Aus ihm führt eine 
Treppe nach außen. 

Die Mitte des Zuschauerraumes nehmen die Reptilien tische ein. 
Sie sind 12,25 m lang und 1,90 m breit. Ihre Einrichtung ergibt 
sich aus Figut III und IV der Tafel. Nach Süden und Norden steht 
je eine Reihe von Käfigen zur Aufnahme der Tiere. Im mittleren 
Teil jeder Käfigreihe sind je zwei Käfige übereinander angebracht. 
Zwischen den beiden Käfigreihen verläuft in ihrer ganzen Länge ein 
Wärtergang. Unter ihnen liegeu in den Tischen die Heizrohre, die 
zur ständigen Erwärmung der Käfige dienen und naturgemäß auch 
im Sommer in Betrieb sind. Die Käfige sind in verschiedener Größe 
aus Schmiedeeisen hergestellt und mit Spiegelglaswänden versehen. 

An das Straußenhaus schließen sich nach Osten und Westen je 
6 Ausläufe an, die bei guter Witterung zur Aufnahme der Vögel 
dienen. Sie siud von einander und nach vorne vom Garten durch 
1,70 m hohe Gitter getrennt. Die Gitter gegen den Garten sind, 
damit die großen Stelzvögel, wie Störche und Kraniche, nicht hin- 



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durchstofieu und die Besucher beschädigen können, aus Drahtgeflecht 
vou 24 mm Maschenweite hergestellt. Durch das enge Gitterwerk 
wird auch das Stehlen von Straußenfedern verhindert. Nach Norden 
schließt sich an den inneren, großen Flugkäfig ein äußerer an. Seine 
größte Breite beträgt 9,14"m, seine größte Tiefe 6,10 m. , In der 
Mitte liegt ein rundes Wasserbassin mit Springbrunnen. Der ganze 
Flugkäfig ist mit Drahtgeflecht von 24 mm Maschenweite um- 
schlossen. 

Der Bau wurde vom Maurermeister Herrn Alb. Engelbrecht 
für die Summe von M. 68.700 hergestellt. In diese Summe sind 
die Heizung, die Siel-* und Wasseranlagen, sowie die Lieferung der 
Drahtgeflechte nicht mit eingeschlossen. 



Ab- and Zunahme, periodisch stärkeres nnd schwächeres 

Auftreten der einheimischen Vögel, für verschiedene 
Landesteile Deutschlands , Österreichs und der Schweiz 

statistisch festgestellt (III). 

Von Wilhelm Schuster in Neckar-Steinach. 

(Unter Mitwirkung von Berge, Bolle, Clodius, Daut, Fatio/ Hocke, Junghans, 
Leege, Loos, Otto, le Roi, Weinland, Woite und Wurm.) 



In deu folgenden Zeilen bringe ich den Schluß der wertvollen 
Mitteilungen, die bereits iu einem der letzten Jahrgänge unserer Zeit- 
schrift (1904 p. 369— 375) und im vorigen Jahrgang (1905 p. 97— 109) 
niedergelegt werden konnten. 

Beobachtungsgebiete und Beobachter: 

1. Lehrer R. Berge (Zwickau): Sachsen = (B.); 

2. Gutsbesitzer Dr. Carl Bolle (Scharfenberg bei Tegel): Umkreis von 

Berlin = (Bolle)'; 

3. Pastor J. Clodius (Camin bei Wittenburg) : = Mecklenburg (CL); 

4. Apotheker C. Daut (Bern): Kanton Bern (Mittelschweiz) = (D.); 

5. Üniv.-Prof. Dr. V.Fatio (Genf): Kanton Genf (Westschweiz) = (F.); 

6. Kunstmaler H. Hocke (Berlin): Mark Brandenburg = (H.); 

7. Prof. Dr. Junghans (Cassel): Fulda-, Werra- und Weser-Gebiet 

= (Jghs.); 

8. Lehrer O. Leege (Juist): Friesische Inseln = (L.); 

9. Forstmeister Kurt Loos (Liboch): Böhmen = (Lo.); 

10. Lehrer Hugo Otto (Mors): Rheinland und Westfalen = (O.); 

11. Cand. pharm. Otto le Roi (Bonn- Aachen) : Niederrhein = (R.); 

12. Pfarrer Wilhelm Schuster (Neckar- Steinach): Gesamt-Hessen 

~ (Seh.) ; 



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t 

13. Hofrat Dr. F. D. Weinland (Uracitf: Scbwä triebe Alb « (Wd.); 

14. Major Woite (Trebnitz): Schlesien = (Wo.); 

15. Hofrat Dr. W. Wurm (Bad Teinach): NordöBtl. Schwarzwald 

= (W.>. 

Blaurake {Coracias garrula L.). Hat sieb in Böhmen au der 
Elbe (Libocb) in geringer Zahl vermehrt (Lo.). Auffallende Zu- 
nahme in der Mark, da der Vogel leerstehende Nisthohlen , des 
Schwarzspecbtes benutzt (H.). Nur einmal auf Juist gesehen, auf 
dem Festlande fehlend (L.). Früher in Starkenburg Brutvogel (Seh.). 
Ausnahmeerscheinung» die, wo sie sieh sehen läßt, heruntergeknallt 
wird (D.). 

Nachtschwalbe (Caprimulgus europaeus L.). In Sachsen 
Abnahme (B.). In gleichem Bestände verblieben ; zur Zeit des großen 
Raupenfraßes 1896 — 1900 iu vermehrter Zahl (H.). Sehr unregel- 
mäßig auf dem Zuge (L.). Durchzug in Württemberg Ende April 
bis Anfang Mai (W.). 

Uferschwalbe (Riparia riparia L.). Iu der Mark in Ab- 
nahme (EL). Auf Juist nur auf dem Zuge, in Abnahme (L.). Im 
Beg.-Bez. Düsseldorf und in Westfalen ganz selten geworden, weil 
bei der starken Bautätigkeit die Sandgruben, in denen sie nisten, 
zu sehr in Anspruch genommen werden. Vor 10 — 15 Jahren gab 
es bei Mors noch sehr viele Kolonien, jetzt keine mehr (O.). Bei 
Bern eher zunehmend (D.). 

Mauersegler (Apus apus lt.). Zunahme in den Städten 
Sachsens (B.). In Berlin in großer Anzahl, die infolge des hohen 
Häuserbaues noch mehr zunehmen wird (H.). Auf dem Zuge häufig, 
aber nicht auf Juist nistend; Nester in den ostfriesischen Städten 
häufig (L.). Gleichmäßige Abnahme; nicht häufig (W.). Zunahme 
in Greifswald, Straßburg, Mainz, Gießen, Friedberg, selbst in den 
hessischen Dörfern, da die immer von neuem Stein auf Stein türmende 
Kultur die Zahl ihrer Nistplätze beständig erhöht (Seh.). En 1903 
il y avait ä Gen&ve plus de Cyps. apus que d'Hirondelles (F.). 

Alpensegler (Apus melba L.). In Bern nur noch in wenigen 
Paaren brütend, dagegen in Freiburg und Luzern häufiger geworden (D.). 

Bergfink (Fringilla montifringilla L.). Periodisch auf dem 
Zuge häufig, einzelne auch im Winter (L.). Bekannter und recht 
häufiger Gast im Winter (H.). Nur in schneereichen Wintern auf 
meinem Futtertisch (W.). 

Buchfink (Fringilla caelebs L.). Nur mäßige Zunahme in 
Westfalen und der Rheinprovinz (0.) und in Schlesien (Wo.). Überall 



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iu Zunahme (H.). Einzelne nisten auf. Norderney; auf dem Zuge 
häufig; hat scheinbar abgenommen (L.). Auffallend ist das viel 
häufigere Überwintern, namentlich auch von Weibchen (Jghs.). 
An Zahl sehr zunehmend, Männchen und Weibchen überwintern 
zahlreich; allerdings auch nordischer Zuzug (D.). 

Distelfink (Carduelis carduelis L.). In manchen Sommern 
in auffallend stärkerer Zahl, doch* hält sich der Bestand im ganzen 
auf der gleichen Hohe (Jghs.). In auffallender Abnahme» an der 
die Kultur des Feldes viel Schuld trägt (H.). In Alleebäumeta häufig, 
günstige Nistplätze (0.). -Schwache Abnahme in Schlesien (Wo.). 
Früher auf Borkum nistend; einzeln auf dem Zuge (L.). 

Pirol (Oriolus oriolus L.). Abnahme (B.). Zunahme; war zur 
Zeit des Insektenfraßes in mehreren Hochbeständen von Kiefern ein 
verhältnismäßig häufiger Vogel geworden (H.). Sein in Niederhessen 
im ganzen recht schwacher Bestand scheint Schwankungen unter- 
worfen zu sein (Jghs.). Sehr selten auf dem Zuge (L.). Im Kanton 
Bern, namentlich im Gebiet der »Alten Aare«, noch zahlreich (D.). 

Wasser am sei (Cinclus merüla Schaff). Abnahme (B.). »Ab- 
nahme der Singvögel" im Umkreise Berlins wahrhaft erschreckende 
(Bolle). Für Niederhessen ist in dem ohnehin schon schwachen Be- 
stände eine entschiedene Abnahme zu bemerken (Jghs.). Seitdem 
ich die Vogel weit beobachte — seit mehr als 30 Jahren — in 
gleichem Bestände geblieben (W.). Fehlt (L.). 

Eisvogel {Älcedo ispida L.). In der Abnahme (B., W.). 
Wie bei der Wasseramsel (Jghs.). War in sehr großer Zunahme, als 
fünf Jahre hintereinander kein richtiger Winter eintraf, und nistete 
an kaum glaublichen Plätzen; seit drei Jahren in bedenklicher Ab- 
nahme (H.). Bei uns an allen Bächen mit Gebüsch, aber nicht 
häufig (0.)- Sehr selten vorsprechend (L.). Iufolge unnötiger Ver- 
folgung durch die Fischer in der Schweiz in Abnahme (D.). 

Grauweiße Bachstelze (Motacilla alba L.). Unter normalen 
Verhältnissen eher in Abnahme (H.). Von jeher häufiger Brutvogel ; 
auf dem Zuge oft massenhaft (L.). 

Trauerbachstelze (Motacilla lugubris Temm.). Auf dem 
Zuge, besonders im Frühjahre, immer häufiger werdend; früher un- 
bekannt (L.J. 

Graugelbe Bachstelze (Motacilla boarula L.). Bestand 
gleichgeblieben (W.). Ich hörte wiederholt von ihrem Vorkommen 
bei Neustadt-Eberswalde, 6 Meilen nördlich von Berlin (H.). Selten 
auf dem Zuge (L.). 



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Goldgelbe Bachstelze (Motacüla flava L.). In sehr be- 
merkenswerter Abnahme infolge der Drapierungen, aber um Berlin 
auf den städtischen Rieselfeldern in deutlicher Zunahme (H.). Überall 
ziemlich häufiger Brutvogel; auf dem Zuge durchweg 'zahlreich (L.). 

Zaunkönig (Troglodytes troglodytes L.). Abnahme (B). Be- 
stand gleichgeblieben (W.). Brütet auf einzelnen Inseln; auf dem 
Zuge häufig; einzelne überwintern (L.). 

Heckenbraun eile (Accentor modularis L.). Die Nester 
werden wohl vielfach von Katzen geplündert, sonst müßte das schöne 
Vögelcheu wohl häufiger sein (geht vielleicht auch auf deoi Zuge 
häufig zu Grunde?!) (0.). Selten (W.). Auf dem Zuge häufig (L.). 

Alpenbraunelle (Accentor collaris Scop.). Erscheint jeden 
Winter (auch 1902) in Bern beim Schulhause auf dem Kircheufelde (D.). 

Haubenlerche (Galerida cristata L.). Selten (W.). Auf 
den Landstraßen, die nach Berlin führen, in Abnahme, au den 
Eisenbahnen, und zwar sowohl auf den Schieneugeleisen, wie in der 
Nähe der Betriebswerkstätten, in Zunahme (H.). Fehlte bei Aachen 
früher als Brutvogel, brütet jetzt spärlich, fehlt aber iu der Eifel 
völlig (R.). Iu Rheinland-Westfalen infolge des Straßenbaues in Zu- 
nahme (0.). Früher selten; seit etwa 20 Jahren häufiger Brut- 
und Standvogel bei Bern (D.). Nur auf einigen Inseln einzelne 
Brutpaare, sonst fehlend (L.). 

Rohrdrossel (Acrocephalus arundinaceus L.). Vor einigen 
Jahren zeigten sich einzelne Brutpaare in der Umgegend von Cassel, 
doch sind sie seitdem wieder verschwunden (Jghs.). Eher Zunahme, 
wo reines Rohr gezogen wird (H.). Selten auf dem Zuge vor- 
sprechend (L.). 

Teichrohrsänger (Acrocephalus streperus Vieill.). Eher 
Zunahme (H.). Durch Beseitigung der Rohrflächen nehmen in 
Schlesien (in der Gegend vom Katzengebirg bis zum Oderstrom) 
alle Vögel ab, die im Rohr leben. Rohr hat seinen Wert verloren. 
An seine Stelle treten Felder, Wiesen und Wasserspiegel. Mit den 
Brücheu geht es wie mit dem Rohr und Schilf (Wo.). Auf dem 
Zuge häufig (L.). 1 ) 

Binsen rohrsänge r (Acrocephalus aquaticus Gmel.). Scheint 
sich au der Fulda da und dort einzubürgern (so sah ich ihn bei 
Fulda vor 1900) (Seh.). 

*) Der »Gartensänger« (Acrocephalus horticola Naum. = streperus obsoletus 
Flor.) scheint sich um Cassel langsam zu mehren (Jghs.). 



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Sumpfrohrsänger (Acrocephälus palustris Bechst.). Allent- 
halben am Niederrhein bis zur holländischen Grenze im Westen und 
Norden zahlreich brütend. Frühere Fatrotsten kennen die Art nicht 
(R.). Zunahme, selbst in unsern erst ländlichen Dorfgärten (H.). 
Scheint verschwunden (ß.). Nistet einzeln auf den östlichen Inseln; 
auf dem Zuge häufig (L.), Bei Bern infolge der Flußkorrektionen 
etwas verdrängt, doch immer noch zahlreich (D.). 

Flußrohrsänger (Locustdla fluviatilis W.olf ). 1 902 auf 
dem südlichen Teile der Eurischen Nehrung als Brutvogel verbreitet 
und nicht selten (R.). 

Grauer Fliegenschnäpper (Muscicapa grisola L.). Eher 
Zunahme, besonders in konservativ gehaltenen Schloßgärten und auf 
Kirchhöfen (EL.). Nistet einzeln auf einigen Inseln; auf dem Zuge 
häufig (L.). Bei Bern sehr zahlreich (D.). 

Halsbandfliegenfänger (Muscicapa coUaris Bechst.). 
Fehlt (L.). 

Trauerfliegenfänger (Muscicapa atricapitta L.). Ganz 
einzeln in Westfalen-Rheinland (0.). Tritt sporadisch auf, aber nur 
nach recht heißen April- und Mai-Monaten (HL). Auf dem Zuge 
sehr häufig (L.). Bei Bern Zunahme (D.), 

Zwergfliegenfänger (Muscicapa parva Bechst.). Sein 
Vorkommen ist sicherlich häufiger als allgemein geglaubt wird. Be- 
weis: Ich kenne einen kgl. Förster in einem der allervornehmsten 
Jagdreviere mitten in der Mark nördlich von Berlin, der nach seiner 
Aussage gegen 200 Bier dieses Vogels gefunden hat (H.). Fehlt (L.). 

Braunkehlche-n (PrcUincola rubetra L.). Wird mit Zunahme 
des Gestrüpps neuerdings als Brutvogel häufiger (L.). 

S c hV arzkehlchen (Pratincola rübicola L.). Der ohnehin 
sehr schwache Bestand scheint sich noch zu vermindern (Jghs.). In 
Mitteldeutschland fast überall da und dort — einzeln verstreut — 
ein Standpärchen (Seh.). Auf dem Frühjahrszuge ziemlich häufig (L.). 

Steinschmätzer (Saxicola oenanthe L.). Nicht häufig ( W.). 
An der westfälischen Grenze ganz selten (0.). Abnahme iu der 
Umgebung von Cassel (Jghs.). Manchmal im Walde ganz fehlend, 
wenn aber altes Holz geschlagen wird, um so zahlreicher (H.). Als 
Brutvogel auf den Inseln häufig und in Zahl gleichbleibend (L.). 

Schwarzamsel (Turdus merula L.). Zunahme in Parks 
(in Städten, bei Villen — : Gartenhecken!); im Walde — in West- 
falen-Rheinland — rotten sie Dohnenstieg und Vogelherd fast aus 
(O.). In den Wäldern im ganzen abnehmend, seit etwa 35 — 40 Jahren 



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hier in Cassel Stadtvogel geworden and in Gärten und Parks in Zu- 
nahme (Jghs.). Ebenso in Berlin (Bolle). Nimmt selbst in der 
Großstadt zu und noch mehr in den Vorstädten (EL). Zunahme in 
den Städten (B.). In gleicher Zahl wie früher (W.). Auf der 
Schwäbischen Alb iu Abnahme (Wd.). Auf dem Zuge sehr häufig, 
z. T. auch überwinternd (L.). In den Anlagen und Gärten bei Bern 
fortwährend in Zunahme, bei 30 Stück abends nach dem Wyler- 
wäldchen zum Nachtquartier ziehend (D.), Le merle a augmente 
ä Geneve (F.). 

Singdrossel (Turdus musicus L.). Nistet hier selten ; links- 
rheinisch habe ich ihr Nest noch nie gefunden, rechtsrheinisch in 
jedem Jahre in Laubholz mit Fichtenunterwuchs (0.). Wegen Maugel 
an Nistplätzen im glattrasierteu Wald Einwanderung in die garteu- 
reichen Städte ; ist diese neuerdings beobachtete Entwicklung glück- 
lich vollzogen, so wird auch T. mertüa wieder zunehmen. Macht 
leider 60— 80°/o aller in deutscheu Dohnenstiegen gefangenen Vögel 
aus (Seh.). Abnahme (H.). Eine wenn auch geringe Abnahme ist 
für unsre Gegend bemerkbar (Jghs.). In Mecklenburg nach fort- 
schreitender Verminderung seit einigen Jahren langsame Zunahme, 
weil der Fang in Dohnenstiegen von den Jägern immer mehr auf- 
gegeben wird (CK). Wie die vorige (L.). Abnahme (W.). Auf der 
Schwäbischen Alb abnehmend (Wd.). 

Misteldrossel (Turdus viseivorus L.). Wie die Singdrossel 
(Jghs.). Bei uns Herbstgast (H.). Auf dem Zuge einzeln und nicht 
regelmäßig (L.). 

Wacholderdrossel (Turdus pilaris L.). Bekanntlich sind 
in Mitteldeutschland wegen des nicht mehr lohnenden Fanges viele 
Kramtsvogelfänge aufgelassen worden, so sehr ist die Zahl der durch- 
kommenden Drosseln zurückgegangen (Seh.). Herbstgast (H.). Winter- 
gast (W.). Auf dem Zuge massenhaft; große Schwärme überwintern (L.). 
Scheint auch in der Schweiz Brutvogel zu werden (D,). Turdus 
pilaris et musicus ont egalement diminue dans diverses parties 
du pays, par suite du commerce fait en Allemagne avec ces deux 
oiseaux (F.). 

Weindrossel (Turdus iliacus L.). Selten (W.). Wie bei 
T. musicus (L.). Koramt in immer noch gleichstarken Scharen an 
die deutschen Küsten des Baltischen Meeres (Seh.). 

Ringdrossel (Turdus torquatus L.). Durchzug im April 
(W.). Häufig, besonders auf dem Frühjahrszuge, scheint aber an 
Zahl bedeutend abgenommen zu haben (L.). 



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i 

Star (Stumm vulgaris L.). Abnahme; ist Stand- und Strich- 
vogel geworden (W.). Auf der Schwäbischen Alb seit etwa drei 
Jahrzehnten in starker Zunahme, weil die Bauern diesem ihrem 
Lieblinge überall Nistkästchen an die Häuser hängen (Wd,). Nach 
starker Zunahme seit etwa 30 Jahren ist in der letzten Zeit eine 
leise Abnahme zu verspüren (Jghs.). Nimmt überall zu (H.). Zu- 
nahme durch Nistkästen und Kultivierung des Bodens (Wiesen) (0.). 
In Mecklenburg Zunahme; wird unangenehm, da er allen Höhlen- 
brütern im Walde die Wohnungen wegnimmt (Cl.). Auffallend ist, 
daß seit einer Reihe von Jahren alljährlich mehr Stare hier über- 
wintern (Jghs.). Zunahme in Hessen (Seh.) und bei Berlin (Bolle). 
Überall als Brutvogel stark zunehmend (L.). In den herrschaftlichen 
Waldungen bei Liboch in Böhmen werden jährlich 100 neue Star- 
kästen ausgehängt (Lo.). Zunahme in Schlesien (Wo.). Zunahme (B.). 

Rosenstar (Pastor roseus L.). Habe nur einmal bis jetzt — 
ungefähr 1874 — eine Einwanderung dieses schönen Vogels erlebt 
(H.). Fehlt (L,). 

Stein drossel (Monticola saxatilis L.). Scheint an der Mosel 
seit etwa 20 Jahren verschwunden zu sein (R.). Fehlt (L.). 

Blau drossel (Monticola cyanüs L.). Rückte in früheren 
Dezennien vereinzelt durch die burgundische Pforte nach den süd- 
lichen Vogesen und dem Bergland nördlich vom Bodensee vor (Seh.). 
Fehlt (L.). 

Baumfalke (Falco subbuteo L.). Abnahme in Sachsen (B.). 
Nimmt an Zahl eher zu ; hier in der Mark fast in jeder Bauernheide 
Brutvogel; infolge der Kulissenschläge in großen Wäldern auch hier 
in deren Mitte. Durchzug im Frühjahr um den 24. April herum, 
im Herbst zwischen Mitte und Ende Oktober (H.). Auf dem Zuge 
zahlreich, besonders im Herbste (L.). 

Steinfalke (Cerchneis merilla 6er.). Ist nördlicher Brut- 
vogel (Seh.). Bekannter nordischer Gast ; Durchzug Ende April (H.). 

Turmfalke (Cerchneis tinnunculus L.). Auf der Schwäbischen 
Alb eher in Abuahme (Wd.). Zunahme (H.). Scheint sich in Schlesien 
in allerletzter Zeit zu vermehren, da für seine Fänge nicht mehr 
überall Schußgelder gezahlt werden; da und dort wird er in den 
Revieren geduldet (Wo.). Fast das ganze Jahr bei uns, oft sehr 
zahlreich; nistete einmal auf Langeoog (L.). 

Rötelfalke (Cerchneis naumanni Fleischm.). Verdrängt in 
der österreichischen Monarchie stellenweise den Turmfalken (Seh.). 



— 14 — 

Hühnerhabicht (Astur palumbarius L.). Nimmt stark ab 
(H.). In Niederhesseu starke Abnahme (Jghs.). Selten (W.). In 
Sachsen Abnahme (B.). In Schlesien durch Hege der Niederjagd 
(Allgem. Deutscher Jagdschutz-Verein) in Verminderung (Wo.). Tritt 
auf der Schwäbischen Alb in manchen Jahren häufig auf und geht 
frech bis in die Dorfgärten hinein; in anderen Jahren sehr selten 
(Wd.). Früher bei Liboch. an der Elbe in Böhmen häufiger; jetzt 
brütet nur noch ein Paar im Tupadler Revier (Lo.). Sehr selten 
auf die Priesischen Inseln herüberstreichend (L.). Trotzdem von 
vielen ornithologischen Vereiuen der Schweiz Schulgelder ausgesetzt 
werden, ist von Abnahme wenig zu bemerken (D.). 

Sperber (AccipUer nisus L.). Als Brutvogel auch in Abnahme 
(Jghs.). In Zahl wohl gleichgeblieben (W.). Abnahme (B.).* In 
gleichbleibender Anzahl, wohl dank seines Nistens im Stangenholz 
(H.). Auf dem Zuge häufig (L.). Wie beim vorigen (D.). 

Mäusebussard (Buteo buteo L.). Nimmt auf der Schwä- 
bischen Alb ab (Wd.). In Sachsen Abnahme (B.). Scheint abzu- 
nehmen (W.). Iu der Mark als ' Brutvogel in Abnahme (H.) Für 
Niedertiessen eine geringe Abnahme (Jghs.). Starke Durchzüge zur 
Zugzeit (H.). Auf dein Zuge sehr häufig; einzeln auch im Winter 
(L.). Obwohl der Bussard zu den in der Schweiz geschützten Vogel- 
arten gehört, wird er doch häufig abgeschossen, sodaß auch er an 
Zahl abgenommen hat (D.). 

Rauhfußbussard (Arehibuteo lagopus Brunn.). Brütete 
früher bei Stettin (Seh.). Starker Durchzug im Winter (H.). Wie 
voriger, aber nur vereinzelt und unregelmäßig (L.). 

Wespenbussard (Pernis apivorus L.). Ich nehme an, daß 
er dank seines verborgenen und späten Nistens sich auf gleicher 
Höhe hält (H.). Diese Bemerkung gilt auch für Cassel (Jghs.). 
Brütete 1904 auf dem Winterstein bei Friedberg (Seh.). Während 
die Art von früheren Faunisten selten als Brutvogel genannt wird, 
habe ich sie brütend an deu verschiedensten Orten angetroffen, z. B. 
bei Viersen, Odenkirchen, Aachen und Bonn (R.). Sehr selten (Wd.). 

Schwarzer Milan (Milvus Tcorschun Gmel.). Hält sich als 
Brutvogel fast auf gleicher Höhe; im Vergleich mit der Zeit vor 
zehn Jahren hat seine Zahl jedoch merklich abgenommen (H.). Nistet 
nicht in Niederhessen (Jghs.). Sehr selten in Württemberg (W,). 



— J5 — 
Stisswasserschildkröten. 

Von Dr. iried. W. KUngelhöflfer in Oflfenburg (Baden). 

(Mit 4 Abbildungen). 



»Wie Sie sich nur mit Schildkröten abgeben können?« sagte 
jüngst eip Lehrer zu mir. »Gibts denn überhaupt auf die9er Welt 
etwas öderes, stumpfsinnigeres, langweiligeres als so ein geistloses 
Tier?« Anstatt jeder Antwort forderte ich ihu auf, mich zu be- 
gleiten und sich meine Wasserschildkröten anzusehen. Ungern nur und 
um mich nicht zu kränken, ging er mit. Und was war der Erfolg? , 
»Das ist ein Treiben/ das ist ja herrlich, uein, diese Lebendigkeit« 
rief er ein über das andere Mal aus, als er vor dem großen, mit 
20 Schildkröten besetzten Aquaterrarium saß, und er versprach, alle 
seine Schüler zu schicken, damit sie es sich auch ansehen könnten. 
Gekoramen ist, nebenbei gesagt, noch keiner! 

Was ist wohl der Grund für eine so verschiedene Beurteilung 
des Wesens der Wasserschildkröten? Abgesehen von der Verwechslung 
mit den trägen Familienangehörigen auf dem Lande dürfte es an 
der Pflege der Tiere liegen. Etwas anderes ist es, eine Wasser- 
schildkröte lebend, etwas anderes sie lebendig zu erhalten. 

Ick weiß wohl — habe ich es doch selbst früher so gemacht — 
daß man -Wasserschildkröten lange Jahre am Leben erhalten kann, 
indem man sie einfach im Zimmer herumlaufen läßt und ihnen ab 
und zu ein Bad und in diesem Futter gibt. Aber das Lebeo eines 
solchen Tieres ist doch sozusagen ein verfehltes. Und was in aller 
Welt will man denn unter so unnatürlichen Verhältnissen an ihm 
beobachten? Man kann auch Wasserschildkröten halten, wie i<?h es 
z. B. in zoologischen Gärten sah, in Behältern mit Kies und 
einem Blechbecken mit reinem oder meistenteils schmutzigem Wasser. 
Das Tier befindet sich dabei recht wohl, aber wo bleibt die Freude 
für das Auge des Pflegers? Welchem Besucher eines zoologischen 
Gartens kann man es verdenken, wenn er schnell an dieser sumpfigen 
Wüste vorübergeht? 

Ein feuchtes Terrarium für Wasserschildkröten sollte nach meiner 
Ansicht folgendermaßen beschaffen sein. Ein Terrariumgestell von der 
üblichen Form aus Zinkblech oder Eisen und Glas bekommt einen 
etwa 15 cm hohen Bodeneinsatz aus Zink, der durch eine Querwand 
in zwei ungleiche Teile getrennt wird. Das eine, sagen wir rechts- 
gelegene Drittel, das mit kleinen Abzngsröhrchen versehen ist, wird 
mit Kies gefüllt. Wer sich leichten hellbraunen Torf verschaffen 



. — 16 — 

kann, lege darüber Torfplatten oder benutze sie unter Weglassung 
des Kieses allein. Wie uns Dr. Krefft 1 ) gelehrt hat, saugt der 
Torf in vorzüglicher Weise die überschüssige Feuchtigkeit auf und 
wirkt gleichzeitig günstig auf Beseitigung von Bakterien und üblen 
Gerüchen ein. Durch geeignete Bearbeitung läßt er sich auch ein 
landschaftliches Gepräge, wie z. B. das eines ansteigenden Ufers 
geben. Für etwaige Pflanzentöpfe werden Löcher ausgespart, etwas 
ausgiebig, damit die Wurzeln Luftzutritt haben. Uni diese vor Grab- 
versuchen zu schützen, werden rundgeschnittene, mit keilförmigem 
Ausschnitt versehene Drahtgazestücke über die Töpfe gelegt. 
Sollen mehr Pflanzen gezogen werden, wozu ich aber für den Land- 
teil nicht rate, so. kommt zuunterst eine Lage groben Kieses zur 
Drainage, darüber Erde mit den Pflanzen und ganz zuoberst feiner 
Kies, kein Sand, denn dieser klebt den nassen Tieren an, macht das 
Wasser schmutzig und, was noch schlimmer ist, kommt in die 
Augen. Die zwei Drittel links sind wasserdicht und mit großem 
Ablauf versehen. Gleichlaufend mit den Wänden des Beckens wird 
im Abstand von 7 — 12 cm ein etwas schrägstehender, durchlöcherter, 
10 cm hoher Blechstreifen eingesetzt. Die nach dem Zentrum des 
Bassius liegende Seite wird mit Zement und Steinen zur Er- 
leichterung des Herauskletterns der Tiere rauh gemacht. Wer ge- 
schickt in Zementarbeiten ist, kann unter Weglassung des Blech- 
streifens die Abscheiduug durch Steine allein vornehmen 2 ). Der 
Boden des Beckens bleibt ohne Sand, erhält aber eine Lage Zement. 
Die abgeschiedene Randzone dient, mit Erde gefüllt, zur Aufnahme 
geeigneter Sumpfpflanzen, die hier, vor Angriffen der allzeit zer- 
störungslustigen Schildkröten geschützt und mit Nahrung und Feuchtig- 
keit reichlich versorgt, vorzüglich gedeihen. Der Zwischenraum nach 
dem Landteile zu wird, mit feinem Sand gefüllt und vom Wasser über- 
spült, von manchen Schildkröten (Trionyx, Ginosternum, Arotnochelys) 
sehr gerne zum Vergraben benutzt. Hält man gleichzeitig, was sehr 
gut geht, Wassernattern, so sind im Torfe des Landteiles Höhlen 
als Schlupfwinkel und härtere ästige Pflanzen, z. B. Weiden, die man 
aus im Frühjahr abgeschnittenen und ins Wasser gesetzten Knorren 
und Zweigeu zieht, oder trockene Aste als Klettergelegenheit anzu- 
bringen. Zartere Pflanzen werden von den Schlangen umgeknickt. 
Obeu ist das Terrarium durch ein Dach zu schließen, da die meisten 

*) Dr. Krefft, Der Torf in der Terrarienpraxis. Blätter fftr Aquar. und 
Terrk. 05. 35 u. 36. 

2 ) Wochenschrift für Aquar.- und Terrarieufreunde. 1905. 13. 



— 1? - 

Arten der Wasserschildkröten einer Heizung bedürfen. Änf die Heiz- 
methoden einzugehen ist hier nicht der Ort. 

Das Bild eines gnt im Stande gehaltenen feuchten Terrariums 
für kleine Schildkröten wird auch ein verwöhntes An ge befriedigen. 
Schwertlilie und Kalmus, Pfeilkraut und Froschlöffel nmrabmen anf 
zwei Seiten in üppiger Blätterfülle den Wasserspiegel. Neben einem 
freundlich grünenden, knorrigen Weidenast ragen die zierlichen 
Quirle des Tannwedels {Hippuris vulgaris), die duftende Wasser- 
minze und die blauen Blüten des Vergißmeinnichts. Pfennigkraut 
(Lysimackia nummularis) schmückt mit seineu Ranken die Ufer- 
häuge und breitet seine Ausläufer auf dem feuchten Kies oder Torf 
des mit Cyperus besetzten Landteiles aus. Auf dem Becken schwim- 
men Pontederieu und Froschbiß (Hydrocharis morsus-ranae). Ab 



Flg. 1. Okügära sn-pmiinn <L.). Junge Alllgalorsehildkröte. 

und zu streckt sich zwischen ihnen das schwarzgelbe Köpfchen uuserer 
europäischen oder einer chinesischen Schildkröte (Emys orbicularis 
und Damoma reevesi) hervor, oder die tiefbrauneu Anglein nnd der 
weifigestreifte Hals einer Gaspia {Clemmys caspia) betrachten neu- 
gierig den Beschauer. Aus den Blättern der Schwimmpflanzen und dem 
Gebüsche des Uferrandes leuchten die grün, gelb und roten Farb- 
flecke der mit ausgespreizten Hinterbeinen sich sounenden ameri- 
kanischen Zierschildkröten (Chrysemys picta, irrigata nnd ornata). 
Und dort, aber geuau mußt Du hinsehen, lugt der spitze Bussel einer 
Weichsehildkröte {Trionyx ferox) hervor, die sich fast völlig in dem 
feineu Ufersand vergrabet) hat. Jetzt verschwindet anch dieser, denn 
eiue gelbpunktierte, rosabauchige Guttata (Clemmys guttata) ist eben 
auf ihrer Rückkehr von einem Landspaziergang darüber hingetappt. 
Und doch ist ein solches feuchtes Terrarium noch nicht der 
ideale Behälter für Wasserschildkröten, das habe ich einsehen ge- 

Zoolog. Beobsoht. Jahrg. XL VII. 1»06. 2 



— 18 — 

lernt, als es mir möglich wurde, ein großes, oben geschlossenes, 
heizbares Aquarium anzuschaffen. Solauge es den Tieren gefällt in 
der Sonne za liegen oder sich auf dem Lande zu ergehen, ist alles recht 
schön und gut. Sobald sie aber erschreckt von unserem Nahertreten 
ins Wasser geplumpst sind, hat der Zauber ein Ende. Nur noch 
eine aufsteigende Luftblase zeigt die Stelle, wo das Tierchen ver- 
sunken ist. Hast Du Geduld, nnd ist das Tier dazu geneigt, so 



Fig. 2. Dammia rwwm (Gray). Chineslache Buckel Schildkröte. 

kannst Du es nach einiger Zeit sein Köpfchen wieder her vors trecken 
und Umschau halten sehen. Du kannst sehen, wie es Luft einzieht 
und leichter geworden auch den Kamm des Rückeupanzers aus dem 
Wasser auftauchen läßt. Wohl gemerkt, Du kannst, wenn Du Ge- 
duld und das Tier Lost hat. Manchmal aber bleibt alles stille. 
Auch bei der Fütterung zeigt das aufspritzende Wasser, daß hier 
mit großem Appetit und Gebalge etwas verzehrt wird, aber ob jedes 
etwas bekommt und ob genügend, weiß niemand zu sagen. Kurz, das 
intime Leben der Tiere gebt dem Beobachter verloren. 

Das alles ist anders beim Aquaterrarinm, das sich aus jedem 
Aquarium durch Anbringen eines Landteiles an einer Seite leicht 
herstellen laßt. Ein mittlerer Landteil, z. B. der übliche Fels in der 
Mitte des Aquariums, ist gänzlich ungeeignet,, da ihn die Tiere fast nie 
finden, sondern, wenn sie Land suchen, ständig an den Suiten wänden 
herauswollen. Frösche pflegen deshalb) in Aquarien mit Mittel- 
fels zu ertrinken. Ancii hier ist ein vorzügliches Material zur Land- 
herstellung der Torf, der nach Verlauf eines Tages sich so mit 
Wasser vollsaugt, daß er fast wie eiu Stein schwer wird. Die dem 
Wasserteil zugekehrte Seite muß natürlich schräg abfallen, um das 
Hinausklettern der Tiere zu gestatten. Da mir kein Torf zur Ver- 
fügung steht, habe ich einen Fels ans Tuffstein und Zement auf- 



- 19 — 

gebaut, der gleichzeitig den Heizkaaten verdeckt und treppen- 
artig ansteigt. Die einzelnen Treppenstufen sind hohl nnd bilden 
etwa 5 cm tiefe Mulden, um feinen Sand zum Eingraben der Tiere 
oder auch Erde zniu Einsetzen von Pflanzen aufnehmen zu können. 
Hält man größere Schildkröten, so wird man aber, nnd das ist sehr 
schade, mit Wasserpflanzen wenig Glück haben. Was die großen 



Fig. 3. Clielodina hmgieellit (Shaw). Solilangcnh 

mit ihren stürmischen Bewegungen nicht ausreißen, fressen Kochuga 
tectum, die Indische Dachschildkröte, nnd Ghrysemys ornata, die 
Seh muck Schildkröte, ab. Untergetauchte Pflanzen werden auch durch 
den Wasserwechsel allzusehr gestört. Das Wasser des Aquariums soll 
nämlich immer glasklar sein. Was das bei einem Schildkröten- 
aqnarium selbst ohne Sandfüllung mit Zementboden heißt, weiß nur 
der, welcher ein solches mit vielen Tieren gehabt bat. Zum min- 
desten nach jeder Fütterung muß das Wasser unbedingt erneuert 
werden, weshalb ein großer Ablauf sehr angenehm ist. Daß das ein- 
zufüllende Wasser dieselbe Temperatur, also etwa 25° C, haben muß, 
wie das abgelassene, ist selbstverständlich. Ich nehme es sogar etwas 
wärmer. Es gelingt so leichter auch des Nachts die nötige Tempe- 
ratur zu erhalten. Behälter, in denen der Landteil tiefer als das 
Wasser liegt, sind als unnatürlich zu verwerfen. 

Vor einem Aquaterrarium vermag man ganz anders in die 
Lebensweise der Schildkröten einzudringen. Bei schönem Sonnen- 
schein, den sie wie alle Reptilien sehr lieben nnd unbedingt zu 
ihrem Gedeihen nötig haben, sitzen sämtliche Tiere oben auf dem 
bestrahlten Felsen über- und durcheinander gelagert, um beim ge- 
ringsten Geräusch mit lautem Klatschen kopfüber in das aufspritzende 
Wasser zu stürzen. Die einen fliehen eiligst unter einen überhängen- 



— 21 — 

dann vergeht keine Minute, bis sie mit dem Kopf in seiner auf- 
gerisseneu Bauchhöhle stecken und mit den Krallen darin wühlen 
und die Eingeweide herauszerren. In ganz kurzer Zeit verrät nur 
upch ein Stückchen Wirbelsäule und die an der Oberfläche des 
Wassers treibende Schwimmblase, dass hier eben noch ein Fisch ge- 
schwommen ist. Sogar der harte Schädel ist in Stücke zerrissen, 
und die Schildkröten sitzen wie eine Schweineherde am Grunde des 
Wassers und halten Nachlese. Der Vorderfuß hebt sich langsam 
zum Vorschreiten, aber bevor er wieder hingesetzt wird, macht er 
erst eine scharrende Bewegung, um noch etwaige am Boden liegende 
Überreste aufzuwirbeln, die beim Herabsinken das suchende Maul 
aufschnappt. Noch schneller als ein Fisch ist ein Frosch oder Molch 
gefangen, ertränkt und zerrissen. Setzt man Schwimmpflanzen, z. B. 
Poutederien, ins Aquarium, so treiben die Schildkröten in deren 
Wurzelgeflecht ihr Wesen und suchen eifrig nach Schnecken, 
Würmern und Flohkrebsen. Leider halten die Wurzeln nicht öehr 
lange dieses Gekrabbel aus, und die Pflanzen sterben ab. 

Wie aus dem gesagten hervorgeht, macht die Herbeischäffung 
des Futters der Wasserschildkröten keine besonderen Schwierigkeiten, 
Ich füttere meist mit Fleisch, dem ich abwechselnd Piscidin-Haberle, 
phosphorsauren Kalk oder Protylin - Roche (Phosphoreiweiß) zur 
Knochenbildung beimenge. Ab und zu gibt es (wegen der Para- 
siten) abgebrühte Regenwürmer, tote Frösche und Fische, letztere 
aber nur selten, weil bei ihrer Zerfetzung durch die Schildkröten das 
Wasser scheußlich schmierig wird. Der unleidliche Fischgeruch ist 
nur durch wiederholtes Ausspülen des Aquariums wieder zu be- 
seitigen. Ein ideales Futter scheinen mir aber kleine Fischchen, die 
gerade für einen Bissen groß genug sind, zu sein, doch kann ich 
sie leider nicht bekommen. Für Kachuga tectum und Chrysemys 
ornata ist von Zeit zu Zeit ein Salatblatt aufs Wasser zu werfen, das 
auch bei einzelnen Kleinen der europäischen Art Anklang findet. 
Ich füttere, so oft die Tiere Hunger zeigen, was je nach der Wasser- 
wärme und Jahreszeit bald täglich, bald in 2 — 3tägigeu Pausen der 
Fall ist. Trete ich dann ans Aquarium heran, so kommen mir alle 
entgegen geschwommen und strecken mit leicht aufgeblähtem Kehl- 
sack die Köpfchen aus dem Wasser oder platschen mit den Vorder- 
fußen. Einzelne sperren auch wohl die Mäulcben auf, und ganz 
freche erklettern gar den Landteil, um sich ihr Futter zu holen. 
Die Angabe, daß Wasserschildkröten nur im Wasser fressen könnten, 
ist nicht haltbar. Ich möchte sie dahin abändern, daß die meisten 



— 22 — 

dieser Tiere am liebsten im Wasser fressen und sich auch mit der 
anf dem Lande gemachten Beute fast immer dabin begeben. Eine 
kleine europäische Wasserschildkröte, die ich früher in einem 
Eidechsenterrarium hielt, pflegte mir ein großes Stück weit entgegen 
zu laufen, mit dem Pleischstück zurück in das für sie mühsam zu 
ersteigende, kleine Becken zu krabbeln und nach dem Verzehren der 
Beut« wieder zu mir zurückzukehren. Das machte sie vier- bis fünfmal. 
Von den vielen, die ich schon gepflegt habe, sab ich bis jetzt nur eine 
Clemmys guttata auf dem Lande fressen. Oft bin ich gefragt worden, 
ob wohl die Schildkröten ihren Pfleger kernten. Das ist nicht wohl 
anzunehmen. Wie ich mich mit dem Augenspiegel überzeugen 
konnte, sind sie stark übersichtig, was mich wundert, da Wasser- 
tiere im allgemeinen als für die Luft kurzsichtig angegeben werden. 
Außer diesem Brechnngsfehler ist auch noch der Größen unterschied 
zu berücksichtigen. Das Erkennen eines menschlichen Gesichtes dürfte 
dieselbe geistige Leistung sein wie das Unterscheiden sehr ähnlicher 
Hänser für einen schlecht Behenden Menschen. In der Tat schwimmen 
die hungrigen Schildkröten auf jeden Herantretenden zu. 

Zum Schlafen steigen einzelne Tiere aufs Land oder hängen sich 
wenigstens mit den Vorderbeinen au den Dferrand, während die Nase 
gerade über die Wasserlinie ragt. Andere schlafen mit eingezogenen 
Beinen und Kopf am Grunde des Wassers, während meine Schlangen- 
halsschildkröte (Chelodina longicollis) sich mit qnergelegtem Hals auf 
derOberfläche treiben läßt. Zur Überwinterung kann unsere europäische 
Art in ein frostfreies Zimmer gebracht werden. Ich treffe in letzter 
Zeit keine besonderen Vorbereitungen mehr, sondern halte die Wasser- 
temperatur möglichst gleichmäßig anf 20° Celsius. Dabei behalten 
die Tiere noch Appetit. Temperaturstürze Bind zu vermeiden, deshalb 
ist ausgiebiges Lüften am besten vorzunehmen, wenn die Sonne aufs 
Aquarium scheint. 

Das Wachsen gebt, wie ich ans meinen in regelmäßigen Zeit- 
abständen ausgeführten Messungen ersehe, nicht ständig, sondern 
mehr stoßweise vor sich. Daß eine neue Wachstumsperiode im Gang 
ist, sieht mau am Auftreten heller Ränder zwischen den einzelnen 
Hornschildern, die erst später die Farbe der alten Schildteile an- 
nehmen. Die oberste Hornlage, die nicht mehr mitwachsen kann, 
stößt sich ab. Die Stärke des Wachstums ist nicht nur bei den 
einzelnen Arten, sondern auch individuell verschieden. So halte ich 
z. B. ein Männchen von Damonia reevesi schon beinahe drei Jahre, 
ohne daß es trotz guten Appetits gewachsen ist, während ein Weib- 



— 23 — 

cheu in l 1 /* Jahren von 68,5 mm oberer Schalenlänge auf 109 mm zu- 
nahm. Eine kleine Moschasschildkröte hat in dieser Zeit um etwa 
6 mm, eiue gleichgroße Älligatorschildkröte (Chelydra serpentina) 
um 46 mm zugenommen. Bei ganz jungen Exemplaren von Chrysemys 
irrigata beobachtete ich mehrmals im ersten Jahre ein intensives 
Wachstum von etwa 20 mm, danach eine ganz mäßige, kaum merk- 
liche Zunahme. Meine älteste Emys orbictdaris ist seit Juni 1903 
von 82 auf 125 mm herangewachsen. 

Im Jahre 1905 hatte ich zum ersten Male die Freude Paar ungs- 
spiele und Paarung im Aquarium beobachten zu können, worüber ich 
an anderer Stelle berichtet habe 1 ): Ein Männchen von Emys orbictdaris 
klammerte sich mit den vier Füßen am Schalen rande des Weibchens 
fest und machte dabei mit rythmischem Offnen und Schließen des 
Maules und leicht aufgeblähtem Eeblsack keuchende Bewegungen, 
während bald der im Nacken gebeugte Kopf, bald der steif nach 
unten gestreckte Schwanz an den entsprechenden Teilen des Weibchens 
herfahr. Dann ging das Männeben immer mehr zurück, bis es seinen 
Schwanz quer unter den des Weibchens schieben konnte, sodaß 
Kloake an Kloake gepreßt wurde. Leider kam es bis jetzt nicht 
zur Eiablage. Es wäre mir -eine große Freude gewesen, wie mir das 
bei Eidechsen oft gelungen ist, Paarung, Eiablage und Eireife ohne 
meine Kunsthülfe im Terrarium vor sich gehen zu sehen. 

Auch meine beiden Damonia- Männchen machen dem großen 
Weibchen mächtig den Hof, indem sie vor ihm hin- und hertänzeln 
und mit ausgestrecktem Hals mit ihrer Schnauze an der des Weibchens 
herunterfahren. Mag sich das Weibchen auch noch so oft mit 
kräftigem Schwung um- und ihnen den Schwanz zudrehen, sie laufen 
unermüdlich wieder nach vorn und beginnen das Spiel stundenlang 
von neuem. 2 ) 

Schildkröten werden als Muster der Zählebigkeit hingestellt, und 
doch sind sie in Gefangenschaft einer großen Reihe von Krankheiten 
zugänglich. Sehr häufig und daher schon beim Einkauf zu beachten 
ist eine eitrige Augenentzündung, die allmählich auf die Hornhaut über- 
' greift und schließlich zur Zerstörung des ganzen Augapfels führt. Sind 
beide Augen befallen, so tritt meist der Tod ein. Wärme, reines 
Wasser und Sonne helfen gegen die Erkrankung mehr als alles Aus- 
pinselu mit antiseptischen Mitteln, z. B. 5 — 10°/o ige Protergollösung 

1 ) Siehe Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienfreunde 1905. »Geschlechts- 
leben der Reptilien«, mit Zeichnungen. 

2 ) Vor einigen Tagen beobachtete ich die erste Kopula. 



— 24 — 

(frisch und kalt lösen!). Es ist weiter darauf zu achten, ob sich das Tier 
auf den Bücken gelegt prompt umdreht. Eine gesunde Wasserschildkröte 
schiebt nach kurzem Liegen den Hals vor und wendet ihn nach dem 
Boden. Ein schnelles Anstemmen der Schnauze wirft das Tier wieder 
auf seine Füße. Die Schalen müssen sich fest anfühlen. Nach 
längerer Gefangenschaft, und besonders^ bei jungen Tieren tritt 
manchmal eine auffallende Erweichung des gesamten Panzers ein. 
Ob diese auf einer Verarmung an Kalksalzen beruht, wäre noch zu 
untersuchen. Gleichzeitig verlieren die Tiere die Fähigkeit unterzu- 
tauchen und mühen sich vergeblich zu fressen. Es scheint mir eine 
chronische Lungenerkrankung die Ursache der letzterwähnten Er- 
scheinungen zu sein, wofür auch spricht, daß zuletzt mit offenem 
Maule mühsam Luft geschnappt wird. Es sind in neuester Zeit 
bei Wasserschildkröten Tuberkelbazillen nachgewiesen worden. *) Öfters 
kommen Entzündungen des Nagelbettes und begrenzte Erweichungs- 
herde in den Knochen der Panzer vor, die durch ausgiebige chirur- 
gische Behandlung (Auskratzen und Brennen) zu heilen sind. Rissig- 
werden der Schilder ist ein Zeichen zu großer Trockenheit oder 
umgekehrt Fehlen genügenden Landes. Ich pflege im Sommer bei 
sonnigen Tagen alle Schildkröten in einer oben offenen Kiste auf 
dem Balkon gleichsam in die Sommerfrische zu tun, was ihnen vor- 
züglich bekommt, namentlich den kränkelnden, die aber isoliert ge- 
halten werden müssen. ' 

Eine Freude wäre es mir, wenn die vorhergehenden Aus- 
führungen bei einigen Lesern die Lust erweckten, es auch einmal 
mit der Haltung von Schildkröten zu versuchen. Die Auswahl von 
Arten ist eine sehr große. Da ist zunächst die europäische Art, 
Emys orbicularis, schwarz mit gelblichen Zeichnungen, ferner Clemmys 
caspia-, die kaspische und ihre Varietät leprosa, läugsoval, raatt- 
oliv mit weißlich gestreiftem Hals und dunkelbraunen Augen. Das 
lebhafte, liebenswürdige und ausdauernde Tier ist sehr zu empfehlen. 
Gleichfalls hart ist Clemmys guttata, die Tropfenschildkröte aus 
Nordamerika mit großen goldgelben Punkten auf schwarzer Rücken- 
seite und fleischrotem Bauchschilde. Allzeit zum Fressen bereit und 
munter ist Damonia reevesi % die chokoladenbraune Buckelschildkröte 
aus China, deren einzelne Rückenschilder gelb eingefaßt sind und 
die drei Längsleisten auf dem Rücken panzer trägt. Die prächtigste 
Zierde für jedes Aquarium bilden Chrysemys picta, irrigata und 

l ) Näheres in Wochenschr. f. Aquar.- u. Terr .-Freunde 1905. Dr. Klingelhöffer: 
»Ober Kaltblütertuberkulose.« 



— 25 — 

ornata, die Schmuck- und Pfauenaugenschildkröten Nord-Amerikas mit 
ihren grünen, roten und gelben Zeichnungen. Sie sind aber schon 
zarter und ohne Heizung nur im Sommer zu halten. Zart ist auch 
Kachuga tectum y die indische Dachschildkröte, mit dachförmigem, 
olivengrünen Rückenpanzer, dessen drei erste schön rotbraune Wirbel- 
schilder kammartig vorspringen. Der Bauchpanzer ist rot und schwarz 
getupft, der Kopf ebenfalls. Weniger zart ist die Moschusschild- 
kröte {Aromochelys odorata) und die Klappschildkröte (Cinosternum 
clausuni), so genannt, weil sie ihren aus drei Stücken bestehenden 
Bauchpanzer vorn und hinten nach oben zuklappen kann. Beide 
Tiere lieben es, sich tief im Sand zu vergraben, sodaß nur Augen 
und Nase sichtbar sind, und nur abends hervorzukommen. Absonder- 
lich sieht die Alligator- oder Schnappschildkröte (Chelydra serpentind) 
aus Nordamerika aus mit ihrem dicken Kopf und gezackten Schwänze ; 
merkwürdig sind auch die Schlaugenhalsschildkröten (Hydromedusa 
teetifera aus Süd-Amerika und Chelodina longicöllis aus Australien). 
Die letztgenannten drei Arten sind ausdauernd und hart. Die merk- 
würdigsten unter allen sind aber die Weichschildkröten mit ihrem 
flachen, nicht mit Schildpatt, sondern nur von der Körperhaut be- 
kleideten Bücken- und Bauchpanzer. Auch sie lieben es, sich im 
Sande einzugraben. Nur die rüsselartige Verlängerung der Schnauze 
ragt hervor. Ein Hornbelag der Kiefer fehlt ihnen, ebenso wie allen 
Schildkröten die Zähne. 

Das sind die in den Terrarienhandlungen 1 ) am leichtesten und 
zu mäßigen Preisen zu erhaltenden Wasserschildkröten; teurere und 
seltenere gibt eis noch eine große Anzahl. 

Leicht könnten sich die zoologischen Gärten für relativ wenig 
Geld einen neuen Anziehungspunkt schaffen, der gewiß ständig vom 
Publikum umlagert wäre, wenn sie mit der jetzigen Art der Schild- 
krötenpflege brächen und dafür 1 — 2 große Aquaterrarien aufstellten. 
Diese könnten auf zwei Längsseiten mit großen, hohen Scheiben 
versehen sein. Auf beiden Querseiten wäre mit Sumpfpflanzen be- 
wachsenes Land anzubringen. Heizung und Wassererneuerung machen 
ja hier keine Schwierigkeiten. Junge, nicht aber große, ausge- 
wachsene Tiere wären zu bevorzugen und würden zur Freude des 
Beschauers ihre Beweglichkeit zu Land und zu Wasser zeigen, wie die 
Meerschildkröten im Seewasseraquarium und die Pinguine im großen 
Wasserflugkäfig in Berlin. 

l ) T. B. Eeichelt-Berlin, Sttive-Hamburg, Geyer-Regensburg, Krause-Krefeld. 



Die Kaikäferflngjahre seit 1890 in den rossherzoglich 
Hessischen Oberforstereif n. 

Von Ludwig Hohuater in Gonaenheim liei Mainz. 

Iu dem nachfolgenden Verzeichnis wird eine auf Grund von 
Akten material zusammengestellte Übersicht über die in den letzten 
Jahren in den Hessischen her fö retereien erfolgten Maikäferflugjahre 
gegeben. Leider sind in den Berichten in der Regel keine näheren 
Angaben über die Spezies, ob Melolontha vulgaris oder Melolontka 
kippocastam, gemacht; in den einzelnen Fällen, in denen dies jedoch 
geschehen ist, habe ich in der Zusammenstellung näher darauf hin- 
gewiesen ; es bedeutet ein v = M. vulgaris, ein h = M . hippocastani. 
Bemerkt sei, daß für die ersten Jahre, 1890 — 92, die Berichte nicht 
vollzählig eingegangen sind. Im übrigen bedentet ein innen ausge- 
fülltes Quadrat ein starkes Flugjahr, ein innen leeres Quadrat ein 
schwaches Flugjahr. 

Nu 



Bossunj 
Birkena 

Darmst 

Diebnrj 

Dornberg. , 

Ebcratadt . 

Ernstbofen . 

Gernsheim . 

Groß-Bieborau 

Groß-Gerau 

Groi-Steinheim 

Groß-Umstadt 

Heppenheim 

Hirschhorn . 
Höchst. . . 
Jägersbarg . 
Isenburg . . 

Jugenhehn . 

















■ 






D 






□ 




















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D 


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Lampertheim 
Langen . . . 
Lengfeld . . 

Lindenfels . 

Lörzenbach . 
Lorsch ... 
Messel .... 
Michelstadt . 
Mitteldick . 
Mönchbruch 
Mörfelden 
Münster . 
Ober-Eani stadt 
Offenbach . 
Kau n hei in . 
ßothenberg . 
Scbaafheim . 
Seligen stadt 
Trebnr. . . 
Viernheim . 
Wald-Michelbach 
Wimpfen . . . . 

B. Oberhessen. 
Alsfeld. . . . 

Bad -Salz hau Süd 
Bingenheim . . 
Büdingen. . . 
Burg' Gemünden 
Butzbach. . . 
Düdelsheim . . 
Eichelsdorf . . 
Eudorf. . . . 
Feldkracken . 



Friedberg . 

Grebenan . . 
Orebenhain . 



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— 29 — 

würdigsten und sonderbarsten Insekten. Man könnte sie ein „Mädchen ans der 
Fremde" nennen im wahrsten Sinne des Wortes, da sie aus dem Südosten Europas 
stammt und in der Wiener Gegend bis jetzt nur im weiblichen Geschlechte ge- 
funden worden ist. Sic ist eine Vertreterin der fast nur aus den östlichen Mittel- 
meerländern und dem tropischen und südlichen Afrika bekannten Familie der Sagidae, 
die an den starken, mit einer Doppelreihe von kräftigen Dornen bewehrten Vorder- 
oder Mittelbeinen und den zwar langen, aber verhältnismäßig schlanken und zum 
Springen wenig geeigneten Hinterbeinen, sowie dem langen, auffallend schlanken 
Körper, den breiten, eine förmliche Sohle bildenden Tarsen und der meist sehr 
schief nach hinten und unten abfallenden Stirn erkannt werden kann. Das weib- 
liche Geschlecht ist völlig flügellos, während beim Männchen die Flügeldecken zum 
mindesten stark verkürzt sind, und' eigentlich nur der basale, das Zirporgan tragende 
Teil erhalten bleibt. Saga serrata F., der nördlichste Vorposten von etwa zehn 
bis elf Arten der Gattung, ist ein sehr groies, schön grün gefärbtes Tier, das 
oberseits meist ganz einfarbig ist, in seltenen Fällen auf dem Hinterleib aber auch 
regelmäßig abwechselnde hellere und dunklere Flecken aufweisen kann. Es lebt 
auf sonnigen, trockenen, buschreichen Abhängen im Grase oder auf niedrigem Stock- 
ausschlag von Laubbäumen, und zwar stets einzeln, und erreicht im August eine 
Länge von über 10 cm (mit Einschluß des Legestachels). Ende August, spätestens 
in der ersten Septemberhälfte pflanzt sich die Art auch fort, und zwar ausschließlich 
parthenogenetisch. Es sind bisher nur zwei Männchen gefunden worden, das eine 
bei Fiume, das andre bei Zengg in Kroatien. Es ist diese Erscheinung um so auf- 
falliger, da sie im ganzen Verbreitungsgebiete der Art beobachtet wird und bei 
allen anderen Saga- Arten die Männchen ebenso häufig sind als die Weibchen. Saga 
serrata ist wie alle ihre Gattungsverwandten und viele andere Laubheuschrecken 
ein Raubtier, das sich von andern Laubheuschrecken ernährt. Brauer hat ein 
Weibchen beobachtet, das eben die Reste eines andern Exemplars der gleichen Art 
verzehrte, anscheinend sogar ein Männchen. Könnte man nun auch das Fehlen der 
Männchen nach der Paarung durch einen Kannibalismus des Weibchens — ähnlich 
wie bei den Spinnen — erklären, so doch sicherlich nicht den Umstand, daß nicht 
einmal Larvenstadien des Männchens angetroffen werden. Diese Erscheinung dürfte 
bei den Laubheuschrecken einzig dastehen; dagegen ist Parthenogenesis bei den 
Stabheuschrecken (Phasmidae) ganz allgemein, und es lassen sich von ihnen viele 
Generationen rein parthenogenetisch erzielen. Unter welchen Umständen überhaupt 
Männchen auftreten, ist nicht bekannt. Weitere Beobachtungen sind sehr wünschens- 
wert. (Nach Mitteil. Naturw. Ver. Univ. Wien III. Jahrg. 1905 p. 1—4* 2 Fig. 

Bttgr. 

Sandfliegen., Auf dem Dünensand der niederländischen Schafinsel Texel 
beobachtete ich im Herbst 1904 eine interessante graue Fliege — die Art habe ich 
nicht feststellen können 2 J — , die in der Farbe vollständig mit dem Boden harmonierte 
Die glatte Sandfläche zwischen einigen »Halm «-Büscheln war ihr Revier (am besten 
vergleichbar mit einem See); ringsum standen ihre großen Wälder (Strandhalm). 
Nach allen Seiten lief sie über den Sand und suchte ihn ab; sie stürzte sich auf 
alle dunklen oder hellen ungewöhnlichen Pünktchen auf dem Sand, auch auf eine 
sehr kleine Fliegenart. Streute ich fingerdicken Sand über sie hin, so arbeitete 
sie sich wieder hervor, aber mit Mühe. Unzähligemal war sie vorhanden auf den 

*) Vermutlich zu Actora aestuum Meigen gehörig. Der Herausgeber. 







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— 30 — 

hübschen, glatten, feinen Sandf eidchen, aber immer nur einzeln, und in aller Stille 
waltete sie ihrer Arbeit. Ich konnte sie nur dadurch erbeuten, daß ich mit einer 
feinen Rute in ihrer allernächsten Nähe hart auf den Sand schlug, wodurch sie 
anscheinend betäubt liegen blieb. Zu Dutzenden sah ich sie aus dem talergroßen 
Bruststück einer noch fleischhaltigen Krabbe (fiarcinus maenas) am Strand kommen. 
Als ich eine andere Krabbe, die noch ein bischen Leben zeigte, zerschlug, kamen 
ihrer sehr viele wie kleine Hunde von allen Seiten her über den Sand nach dem 
duftenden Braten hin herbeigelaufen. Wilhelm Schuster. 



Nekrolog. 



Lehrer L. Buxbaum f. 

In den letzten Tagen des Dezember 1905 haben sie auf dem Fried- 
hofe zu Raunbeim a. M. den pensionierten Volksschullehrer L. Buxbaum 
zu Grabe getragen. Er war nicht nur der Nestor, sondern auch ein Führer 
der Bildungsarbeit im unteren Maingebiet. Noch drei Tage vor seinem 
Tode hat er in Königstädten über »Heimatkunde« einen Vortrag gehalten, 
und am Abend seines Todestages wollte er es in Rüsselsheim tun. So ist 
er »in den Sielen 11 gestorben. Als Sohn des dortigen Lehrers 1839 in 
Raunheim geboren wirkte auch er von 1863 an ununterbrochen bis 1902 
segensreich an der Schule seiner Heimatgemeinde. Sein reges Interesse an 
der Natur, seine Beobachtungslust und seine Mitteilungsgabe und auch der 
günstige »Standort« an Fluß und Wald bat ihn schon frühzeitig zum Mit- 
arbeiter an unsrer Zeitschrift gemacht, und wir verdanken ihm eine ganze 
Reihe von kleinen, aber immer willkommenen Beiträgen, namentlich über 
den Zug der Vögel und der Fische. Auch sein kleines naturhistorisches 
und praehistorisches Museum flößt Achtung ein. Allen, die den schlichten 
Mann gekannt und die, wie ich, mit ihm seinen geliebten Wald durchstreift 
haben, wird er als Lehrer und als Mensch unvergessen sein. Es bleiben 
uns in Deutschland nur wenige von diesem Schlag! Bttgr. 



Literatur. 



Der Wildpfleger als Landwirt, Anleitung zur Kultur der wichtigsten Äsungs- 
gewächse, zur Anlage von Wiesen, Wildäckern, Remisen, Fütterungen und An- 
weisung zur Ausführung aller sonstigen für unsere Wildbahn in Betracht kom- 
menden Wohlfahrtseinrichtungen. Von Ludwig Dach. 672 Seiten Text mit 
259 Abbildungen. Neudamm 1906, Verlag von J. Neumann. Preis 15, bezw. 17 M. 
Ein ganz neues, in seiner Art grundlegendes Werk liegt vor uns ; seine Ten- 
denz ist, den Jagdbesitzer auf die Mittel und Wege zu verweisen, die zur Hebung 
und Stärkung der Wildbahn fuhren. »Mit dem Emporblühen der deutschen Forst- 



— 31 — 

und Landwirtschaft hob sich nicht nur die Gute, sondern auch die Zahl des er- 
zogenen Wildes. Abgesehen von dem Bot- und Auerwilde und (den Sauen, die ja 
ganz besonderen Gesetzen gehorchen, hat sich in den letzten vier Jahrzehnten unser 
Wildstand verdoppelt und verdreifacht. Oft genug ist schon darauf hingewiesen 
worden, daß der Jagdbetrieb bei uns jetzt ein vollkommen produktives Gewerbe, 
daß er ein gewaltiger Faktor der Volksernährung geworden ist. Ja, er hat sich 
sogar zu einem äußerst wichtigen Bestandteil des nationalen Wohlstandes ausge- 
wachsen.« Millionen von Mark werden alljährlich für geschossenes Wild gelöst, 
Millionen für Pachtgeld u. s. w. alljährlich zu Nutz und Frommen der Gemeinden 
in den Ortssäckel geführt. Unter solchen Umständen tritt die Frage an die deutschen 
Jäger heran, welche Wohlfahrtseinrichtungen zur immer stärkeren Hebung der 
Wildbahn noch getroffen werden können. Hier handelt es sich in erster Linie um 
Ernährung und Fütterung des Wildes, eines der schwierigsten Kapitel der Jagd- 
wissenschaft (die überhaupt äußerst komplizierte Kapitel aufweist und durchaus 
nicht so einfach ist, wie der Laie glaubt, der naiv annimmt, daß die ganze Tätig- 
keit des Weidmanns nur im Erlegen des Wildes bestehe). Das Kapitel über Er- 
nährung des Wildstandes ist deshalb so schwierig, weil die Eigenschaften de» 
Wildes strichweise stark variieren, mit generellen Vorschlägen also gar nichts ge- 
nützt ist; es wird z. B. die perennierende Lupine strichweise vom Wild durchaus 
nicl.t beachtet, anderswo dagegen hoch geschätzt und begehrt. 

Dach hat sich in dem vorliegenden Werke die Aufgabe gestellt, die Haupt- 
momente, die bei der Wildpflege maßgebend sind, zusammenzustellen und den 
Revierinhabern , die aus möglichst viel Gegenden Deutschlands gewonnenen Er- 
fahrungen zur Auswahl und Anwendung im eigenen Gebiete vorzulegen. Der Autor 
hat seine Aufgabe meisterhaft gelöst. Nach der im ersten und zweiten Teile des 
Buches behandelten Anlage und Pflege der Wildwiesen und der Remisen zum Schutze 
des Wildes und der Vögel beschäftigt sich der dritte Teil mit den anzubauenden, 
bezw. mit den zu pflegenden Asungsgewächsen und Futterpflanzen. Buchein und 
Eichein sind jmmer noch das Non plus ultra; wir erfahren, daß Wildenten den 
Eicheln begierig nachstellen und sich mit diesen Früchten sehr leicht ködern lassen. 
Die Esche ist der bevorzugte Äsungsbaum des Elchwildes. Fast noch wichtiger 
als die Eiche ist die Roßkastanie, die in Osterreich in größerem Maßstabe ange- 
pflanzt sein soll, da die Verwertung der Früchte zur Spiritusbrennerei sich erheb- 
lieh günstiger stellt, als die der Kartoffel. Äußerst bedeutungsvoll für die Wild- 
fütterung und leidenschaftlich vom Wilde begehrt ist die Mistel, deren Nachzucht 
dringend angeraten wird. Sehr ausführlich behandelt ist auch der Abschnitt über 
die der Anlage von Wildäckern und Wildwiesen schädlichen und nützlichen In- 
sekten. Die Abbildungen sind äußerst wohlgeraten, die Ausstattung des Werkes 
von dem bewährten Verlage aufs prächtigste bewirkt. Das Buch, das sehr viele 
zoologische Mitteilungen, namentlich über die individuellen Züge des Wildes enthält, 
kann jedem Weidmann und Naturfreund warm empfohlen werden. 

^_ Ludwig Schuster. 

Dr. Aug. Thienemann, Biologie der Trichopteren-Puppe. Jena, Verlag v. Gust. 

Fischer. 1905. Inaug.-Dissert. Greifswald. 8°. 8, 86 pag., 5 Taf. 

Der Verfasser will in der vorliegenden gründlichen Arbeit nicht das gesamte 

Leben der Köcherfliegen und ihrer Verwandten schildern; er greift nur einen Teil 

heraus, das Puppeuleben; aber daß auch dieses in hohem Grad interessant ist, 



— 32 — 

Wird jeder, der die Arbeit studiert, bestätigen müssen. In erster Linie beschäftigt 
sich der Autor, meist auf selbstgesammeltes und beobachtetes Material gestutzt, 
mit der Verpuppung, d. h. mit dem Bau, der Befestigung und dem Verschlui der 
Larvenköcher, mit der Lage der Puppe im Gehäuse und mit dem Abwerfen der 
Larvenhaut ; in zweiter Linie, aber besonders eingehend, mit dem Pappenleben und 
seiner Dauer und schließt mit der Umwandlung der Puppe zur Imago. Vor allem 
wichtig scheint uns des Verfassers erschöpfende Darstellung der »Putzapparate« 
der Köcherfliegengruppe zu sein, ; die, auf 80 Seiten abgehandelt, auch die Syste- 
matik dieser Insektenabteilung beeinflussen dürfte. Jedenfalls lassen die gebotenen 
Untersuchungen die Ulmer 1 sehe Einteilung der Trichopteren als die der Natur 
am meisten entsprechende sch on jetzt erkennen. Bttgr. 

Eingegangene Beiträge. 

A. D. in K. und Oberl. L. G. in K. Arbeiten dankend erhalten. — P. W. in M. Eine 
Mitteilung. — Dir. N. v. A. in St. P. (Rußland). Das Heft wird Ihnen inzwischen zuge- 
gangen sein. — Dir. Dr. J. B. in R. (Niederland). Arbeit mit bestem Dank erhalten; Ant- 
wort auf Ihre Karte vom 6. Jan. werden Sie vom Verleger bekommen haben. — Prot A. P. 
in M. (Herzegowina). Separate sind an Sie abgegangen. 

Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion E. 

Beok-Corrodi in Hirzel. Zürich. Ulrich & Co. 29. Jahrg. 1905. No. 50—58. 
Zoologisoher Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. K. Korachelt, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 29. Jahrg., 1906. No. 19. 
The F i e 1 d , Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horaoe Cox in London. 

Vol. 106, 1905, No. 2764—8766. 
Prof. Dr. G. Jägers Monatsblatt. Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Kohlhammer. 25. Jahrg. 1906. No. l. 
D e r W eidmann. Blätter für Jäger und J agdfreunde. Herausg. v. L. S a 1 1 e. Braunsohweig. 

1905. Bd. 37. No. 12-13. 

Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. v. K. 

Pros ler. Frankfurt a. M., 1905, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 18—13. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. v. W. Köhler. Verlag 

d. Creutzsohen Buchh. Magdeburg. 16. Jahrg. 1905. No. 51—62. 
The American Journal of Science. Herausg. v. £. S. Dana. New Haven, Conn. 

4. Ser. Bd. 20, 1906. No. 120. 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. C. Daut. Bern, Verlag v. C. Daut, 1905. Jahrg. 4, Heft 12. 
Zwinger und Feld. Illnstr. Wochenschrift 1 Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. FHerausg. v. Fr. Bergmiller. Stuttgart , Verlag v. O. Sautter. 

1906. Jahrg. 14. 1905. No. 51—53. 

Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 34, 1905. No. 51—52. 
Mitteilungen über die Vogelwelt. Organ des österr. Reiohsbundes f. Vogelkunde u. 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. K. Boy er. Wien, J. Kühkopf. 5. Jahrg. 1905. No. 24. 
Deutsoher Tierfreund. Illustr. Monatsschrift 1 Tierschutz, Tierkunde, Tierzucht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner. Jahrg. 10, 1906. Heft 1. 
E. Zollikofer, Ueber einen interessanten Brutort des Gänsesägers {Mtrgus merganwr L.> 

in der Schweiz. — Sep.-Abdr. a. Jahrb. St, Gallen. Nat. Ges. 1904 (190 ">). 8°. 20 pag. 2 Taf. 
33. Jahresbericht d. ZooL Sektion d. Westfäi. Prov.-Ver. f. Wiss. u. Kunst 

1904—05. Herausg. v. Dir. Dr. H. Reeker. Münster 1905. 8°. 68, 4 pag., Porträt. 
Dr. F. Helm, Ornithologische Beobachtungen. — 2 Sep.-Abdr. a. Journ. f. Ornithol. Juli-Heft 

1904 u. Okt.-Heft 1905. 8°. 21 u. 38 pag. 
Dr. R. F. Scharff, On the former Occurrenoe of the Afrioan Wild Cat in Ireland. — 

Sep.-Abdr. a. Proo. R. Irish Aoad. Vol. 26. Seot B. No. l, Dublin 1906. 8°. 12 pag*, Taf. 
Prof. Dr. L. v. Mehely, Adatok az allati szervezet formal 6 eröinek ismerethöz (Beitrag zur 

Kenntnis der gestaltbildenden Kräfte des tierischen Organismus). — Sep.-Abdr. a. Kfilön- 

lenyomat az 'Allattani Közlemenyek IV. Köt., 4. füz. 1905. Gr. 8°. 15 pag., 12 Fig. 
Prof. Dr. H. Simroth, Neue Gesichtspunkte zur Beurteilung der geographischen Ver- 
breitungniederer Wirbeltiere. — Sep.-Abdr. a. Verh. d. Deutsch. Zool. Ges. 1905, p. 51—67 

u. Nachtrag p. 232-233. 8°. 2 Taf. 
Ders elbe, Ueber zwei seltene Mißbildungen an Naoktsch necken. — Sep.-Abdr. a. Zeitsohr. 

f. wiss. Zool. Bd. 82, Leipzig 1905. 8°. 26 pag., Doppeltafel. 
W. Köhler, Osphromenus trichopterus (Pall.) var. cantori Gthr. — Sep.-Abdr. a. Blätter f. Aqu. 

u. Terr. K. 1905. No. 51. 4°. 4 pag., 2 Fig., Taf. 
Der Deutsche Spitz in Wort u. Bild. Herausg. v. Verein f. Deutsohe Spitze inElber- 

feld. Frankfurt (Main), Verlag v. Kern & Birner 1906, 8°. 4, 88 pag., 40 Fig. 

Zusendungen werden direkt an die Yerlagshandluug erbeten. 

Nachdruck verboten. 

Druck von Reinhold Mahlau, Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a, M. 



Zoologischer Beobachter 

— **- Der Zoologische Garten, -sa — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologisehen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldschmidt. 



N* 2. XLVII. Jahrgang. Februar 1906. 

Inhalt. 

Das neue Affenhaus des Zoologischen Gartens in Rotterdam; von Direktor Dr. J. 
Büttikofer in Rotterdam. (Mit * Abbildungen^ — Winterbericht aus dem Schönbrunner 
Zoologischen Garten in Wien; von Maximilian Siedler in Wien. — Eigenartige Tier- 
freundschaft; von P. Momsen in Flensburg. — Kreuznaoher Wintergäste; von Gymn.- 
Oberlehrer Ludw. Geisenheyner in Kreuznach (Nahe). — Die Sattelsohrecke bei Kreuz- 
nach; von demselben. — Wild ap fei in Strauchform und Sacohalin-KnÖterich als billigste 
Massen-Äsungsmittel in Wildparks: von Ludwig Dach in Königsberg f. Pr. (Mit einer 
Abbildung.) - Entgegnung aut: „Beiträge zur Monographie der Turteltaube (Columba turtur L.)*; 
von G. Caster in Frankfurt a. M. — Kleinere Mitteilungen. — Nekrolog. — Literatur. — 
hingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. 



Das neue Affenhaus des Zoologisehen Gartens in Rotterdam. 

Von Direktor Dr. J. Büttikofer in Rotterdam. 

(Mit Z.Abbildungen.) 



Unter dem lebenden Inventar eines zoologischen Gartens gibt 
es wohl keine Tiergruppe, die in höherem Grade die Aufmerksamkeit 
des allgemeinen Publikums in Anspruch nimmt; als die der Affen. 

Wie verschieden man auch über die verwandtschaftlichen Be- 
ziehungen der Affen, ganz besonders aber der Menschenaffen, zum 
Menschen denken mag, eines steht unbedingt fest, nämlich daß die 
Affen in ihrem Körperbau, ihren Bewegungen und ihrem Benehmen 
mehr als alle übrigen Tiere dem , Menschen ähnlich sind. Kein 
Wunder daher, daß selbst bei der ärmlichen und unzweckmäßigen 
Weise, in der die Affen gegenwärtig in vielen zoologischen Gärten 
noch untergebracht sind, die Besucher, und darunter in erster Linie 
die Kinder, sich vor den Affenkäfigen förmlich drängen. 

Um den auch bei uns herrschenden Übelständen auf einmal 
gründlich abzuhelfen, hat die Verwaltung unseres Gartens vor einem 
Jahre die nötigen Mittel zum Bau eines neuen Affenhauses zur Ver- 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVII. 1906. 3 



r — 34 - 

fugung gestellt, das allen billigen Anforderungen betreffs Geräumig- 
keit, Beleuchtung, Erwärmung, Ventilation und Reinhaltung zu ent- 
sprechen geeignet ist. 

Als Bauplatz wurde ein gänzlich vor Nordwind geschütztes 
Terrain . zwischen dem Haupteingang und dem Raubtierhause ge- 
wählt. Der [Jmstand, daß dieser Platz nur an der südlichen Längs- 

y seite des Gebäudes Außenkäfige anzubringen erlaubte, braucht nicht 

> : ; gerade als ein Fehler betrachtet zu werden, da Außenkäfige ohne 

direkten Sonnenschein in unserem Klima für Affen als ungeeignet 

;?. erscheinen müssen und es Affenarten genug gibt, für die Außenkäfige 

nicht als absolutes Erfordernis betrachtet zu werden brauchen. 

Das Gebäude ist beinahe ausschließlich aus Stein (größtenteils Back- 
stein), Eisen und Glas konstruiert. Seine Länge beträgt zusammen 

- r . mit dem 5 Meter langen Eingangsportal 42 Meter, die Breite 14 Meter 

ohne die Außenkäfige, die Höbe 9,5 Meter und die Saalhöhe 8,5 Meter. 
Eine breite Steintreppe am Westende des Gebäudes führt in das 
geräumige Portal hinauf, an das sich rechts ein Wärterraum und 
links die Küche anschließen. Aus dieser Vorhalle gelangt man. durch 
zwei Glastüren in die große zentrale Halle, die links und rechts in 
J ihrer ganzen Länge durch 34 Käfige von verschiedener Größe 

flankiert wird. Durch zwei große Quermauern mit gewaltigen Bogen, 
die zusammen mit den Endmauern die schwere, in Eisen und Glas 
ausgeführte Dachkonstruktion tragen helfen, wird diese Halle in drei 
Abteilungen geteilt, wovon die beiden Endfächer Quadrate bilden, 
während das zentrale Fach ein längliches Rechteck vorstellt. An der 
östlichen Endmauer der Halle, gegenüber dem Eingange, befinden sich 
drei kleine Käfige, worin die Zwerge unter den Affen untergebracht sind. 
In der Mitte jedes quadratischen Endfaches ist eine Gruppe von 
Blattpflanzen mit einer großen Palme untergebracht, und in dem 
langen Zwischenfach stehen zwei mit lebenden Pflanzen verzierte 
Springbrunnen, wodurch der zentrale, für die Besucher bestimmte 
Raum einen angenehmen Eindruck macht. Der Fußboden dieser 
Halle ist mit Mosaikplatten belegt, und vor den Käfigreihen entlang 
zieht sich eine eiserne Balustrade, die eine 2 Meter hohe Wand von 
Drahtgeflecht trägt, wodurch dem Publikum das Füttern und Necken 
der Affen bedeutend erschwert wird. 

Der Boden der Käfige erhebt sich 75 cm über den Fußboden 
der Halle; er besteht aus einer dünnen Platte von armiertem Zement 
und trägt in jedem Käfig einen in einem eingegossenen Eisenrohr 
gut festgemachten Kletterbaum. Die Wände der Käfige sind mit 



- 35 - 

rahmfarbigen, glasierten Platten bekleidet, und alle Ecken sind ab- 
gerundet, sodaß eiuer grandlichen Beinhaltung und Desinfektion der 
Käfige nichts im Wege steht. Die Frontgitter bestehen aus stark 
gespanntem Drahtgeflecht, mit Ausnahme der Käfige für Menschen- 
affen und große Paviane, die mit ans vertikalen Eisenstangen kon- 
struierten Gittern versehen sind. Die gleiche Konstruktion wieder- 
holt sich 'auch in den Außenkäfigen. Alle Innenkäfige haben ein 
Dach von starken Glasplatten, das vom Frontgitter ziemlich steil 
nach der Rückwand aufsteigt. 

Das gebogene Dach des Hauses ist ganz aus Eisen und Glas- 
baustein konstruiert, mit Ausnahme eines diese Konstruktion über- 
ragenden Ventilationsdaches von Holzzement, das sich mitten über 
die ganze Länge des Gebäudes hinzieht. Dadurch wird das Licht 
mitten über dem Zuschauerraum etwas gedämpft, während die Käfige 
selbst taghell erleuchtet sind. 

Ein nicht hoch genug zu schätzeuder Vorteil, den die Anwen- 
dung der Glasbausteine gewährt, ist der Schutz gegen allzustarke 
Abkühlung und gegen Zugluft. Diese Bausteine sind nämlich hohl 
und bei Schmelztemperatur luftdicht geschlossen, so daß sie eine 
Art doppeltes Dach mit sehr stark luftverdünntem Zwischenraum 
bilden, wodurch die Nachteile eines Daches von Fensterglas ver- 
mieden werden. Die großen Fenster in den beiden Endmauern des 
Gebäudes, sowie die stehenden, drehbaren Fenster des Ventilations- 
daches haben in Blei gefaßte Scheiben von gebranntem, farbigem 
Fensterglas, wodurch sie den Eiudruck von Kirchenfenstern machen 
und dem Innern eiuen wohltuenden Lichteffekt verleihen. 

Entsprechend den Anforderungen an modern eingerichtete Tier- 
hauser sind zur Bedienung der Affen hinter den Käfigreihen den 
Außenmauern entlang Dienstgänge eingebaut. Jeder einzelne Käfig 
steht mit dem Dienstgang vermittelst einer an Rollen hängenden 
Schiebetüre in Verbindung. In jeder dieser Türeu befindet sich ein 
kleineres Türchen, wodurch den Affen Futter und Trinkwasser, resp. 
Milch gereicht wird, und über welcher ein kleines Fenster den Ein- 
blick in den Käfig erlaubt und das nötige Licht für den Dienstgang 
liefert. Die Gänge haben eine Breite von ein und eine Höhe von 
zwei Meter. Sie sind mit der nötigen Anzahl Hahnen an die Trink- 
wasserleitung angeschlossen und mit Gas- und Wann Wasserleitung 
versehen; auch ist für genügenden Wasserabfluß in die Kloaken- 
leitung Sorge getragen. Wände, Fußboden und Decke der Gänge 
sind aus Zement konstruiert. 



— 38 — 

Der eine dieser Gänge steht in Verbindung mit der Küche, der 
andere mit dem Wärter- und Futterraum; beide haben am ent- 
gegengesetzten Ende des Gebäudes Zutritt ins Freie und sind für 
das Publikum nicht zugänglich. Da die Dienstgänge hinter die Affen- 
käfige eingebaut sind, kommt der Baum über ihnen diesen letzteren 
zugute, und es konnten dadurch in jedem Käfig zwei treppenartig 
übereinander liegende Sitzgelegenheiten für die Affen angebracht 
werden. 

Der südliche Dienstgang gewährt den Wärtern nicht nur Zu- 
tritt zu den Innen-, sondern auch zu den elf Außenkäfigen, mit 
denen sie durch Türen mit Guckfenstern und darüber angebrachten 
Oberiichtfenstern verbunden sind. Die Affen gelangen zu den Außen- 
käfigen vermittelst kleiner Durchgänge, die in der Außenmauer über 
dem Dienstgang angebracht sind. Jeder Durchgang hat an der 
Außenseite der Mauer eine leicht bewegliche, hängende Klappe, die 
von den Affen selbst geöffnet wird, und an der Innenseite der Mauer 
eine in Rollen hängende Schiebetüre, die der Wärter vermittelst 
einer Kette aus dem Dienstgang nach Belieben öffnen oder ver- 
schließen kann. 

Über der oberen Sitzbank in der südlichen Käfigreihe befinden 
sich in der Außenmauer mit Drahtgeflecht beschützte Fenster von 
starkem Spiegelglas, hinter denen sich die Affen nach eigenem Gut- 
dünken im vollen Sonnenlicht hinsetzen können, das über dem Glas- 
dach der Außenkäfige hereinscheint. 

Die beiden großen Bogen, die den Innenraum des Gebäudes in 
drei Fächer teilen, bestehen aus doppelten Manern, und die Zwischen- 
räume zwischen diesen letzteren dienen als Durchgänge aus der 
zentralen Halle nach den Dienstgängen. Diese Durchgänge sind für 
die Wärter von großem Nutzen, da die Letzteren auf diese Weise auf 
vier verschiedenen '.Stellen in die Dienstgänge gelangen können, ohne 
jedesmal den großen Umweg durch Küche oder Futterraum macheu 
zu müssen. Durch besondere Türen in Küche und Futterraum 
können auch die Gänge zwischen den Balustraden und den Käfigen 
erreicht werden. 

Die Außenkäfige sind, wie die Innenkäfige, mit in den Zement- 
fluren befestigten Kletterbäumen versehen, die nebst den ange- 
brachten Seilen den Affen^ reichliche Gelegenheit verschaffen, das 
Publikum mit ihren akrobatischen Künsten zu belustigen. 

Die beiden großen, runden Eckkäfige haben einen Querdurch- 
schnitt von 6 Meter, der ebenfalls vorspringende Mittelkäfig ist 



- 39 — 

etwas kleiner, und die je vier dazwischen liegenden, viereckigen Käfige 
haben eine Grundfläche von 4 Meter im Quadrat. Alle diese Außen - 
käfige sind mit Kuppeldächern aus grünen Glasbausteinen versehen, 
sodaß die Affen vor Regen geschützt sind, während die Zwischen- 
wände von weißglasiertem Backstein , ihnen Schutz gegen Wind und 
Zugluft gewähren. 

Zur Verzierung der über die Außenkäfige emporragenden Mauer- 
front sind in ihr große Tableaux von glasiertem Zierstein eingesetzt, 
die in eingebrannten Figuren allerlei interessante Affenarten aus 
verschiedenen Weltgegenden vorstellen, und oben auf der Mauer 
stehen lebensgroße aus Stein gehauene Paviane und Menschenaffen. 

Unter Wärterzimmer, Portal und Küche befindet sich ein ge- 
räumiger, gut durchlüfteter Keller, der vom Wärterraum aus zugäng- 
lich ist. 

Ein schwieriges Problem bot die Heizung und Ventilation des 
Gebäudes. Es mußten nämlich die beiden folgenden Anforderungen 
gestellt werden: 1. Eine gleichmäßige und konstante Temperatur in 
allen Käfige u, selbst bei kältestem Wetter, von wenigstens 20° Celsius, 
und 2. eine ausgiebige Ventilation ohne Zugluft, wodurch der un- 
angenehme Geruch, der den meisten Affenhäusern eigen ist, gänz- 
lich vermieden oder wenigstens auf ein unauffälliges Minimum be- 
schränkt wird. 

Im Prinzip wurde das Heizungs- und Ventilationssystem ge- 
wählt, das im Neuen Affenhause des Zoologischen Gartens von New 
York zur Anwendung gekommen ist, und es wurde die Firma Arendt, 
Mildner & Evers in Hannover mit der Ausführung der betreffenden 
Arbeiten beauftragt. 

Der Ofen der zentralen Warmwasserheizung mit Kohlenraum 
befindet sich in einem geräumigen Keller unter dem östlichen Ende 
des Gebäudes. Der Heizapparat, verhältnismäßig klein, aber von 
großer Kapazität, treibt das beinahe zur Siedehitze erwärmte Wasser 
vermittelst eines Röhrennetzes von zusammen 300 Meter Länge 
durch das ganze Gebäude, worauf es, ohne gänzlich abgekühlt zu 
sein, in den Wassermantel der Feuerung zurückkehrt. Die eisernen 
Warmwasserröhren sind unter den Zementfluren der Affenkäfige 
reichlich verteilt. Durch große Rostgitter, die in der dem Besucher- 
raum zugekehrten Frontmauer de 8 Raumes unter den Affenkäfigen 
angebracht sind, tritt die erwärmte Luft aus und streicht zum großen 
Teil durch die Frontgitter in die Käfige, wodurch in diesen eine 
Temperatur von ungefähr 20° Celsius unterhalten wird. Andere 



— 40 — 

I 

Warm wasserröhren von kleinerem Kaliber sind den Außenmaaern ent- 
lang über den obersten Sitzbänken in deu Käfigen angebracht, 
welche die durch die Anßenraauern abgekühlte Luft genügend zu 
erwärmen imstande sind uud überdies den Affen gern gebrauchte 
warme Sitzplätze bieten. Daß auch die Dienstgänge auf die gleiche 
Weise genügend erwärmt werden, ist bereits erwähnt. Dieselben 
Röhren heizen überdies vermittelst Radiatoren auch das Portal nebst 
Küche nnd Wärterraum. Daß die gesamte Heizeiurichtung nach 
Wunsch temperiert werden kann, braucht wohl nicht speziell er- 
wähnt zu werden. 

Mit der Heizeinrichtnng steht die Ventilation in enger Be- 
ziehung. Durch zwei große Zeoientkanäle, die sich unter den Käfig- 
reihen hinziehen, wird die frische Außenluft in das Gebäude geführt 
und streicht aus in der Decke dieser Kanäle augebrachten Öffnungen 
über die Heizrohren, erwärmt die Fußboden der Käfige nnd tritt 
dann auf die oben erwähnte Weise als warme Luft in die zentrale 
Halle und durch die Frontgitter in die Käfige. 

Um das Austreten der verbrauchten und verunreinigten Luft 
aus deu Käfigen in deu Besucherraum zu verhindern, ist über den 
Käfigen den Außenmauern entlang je ein Luftkanal angebracht, der 
durch Roste mit den Käfigen und. durch je zwei Luftkamine mit der 
Außenluft in Verbindung stßht, wodurch die verdorbene, warme 
Luft aus den Käfigen ins Freie abgeführt wird. Durch die nach 
hinten schräg ansteigenden Glasdächer der Käfige wird die ver- 
dorbene, warme Luft den Abzugskanälen zugeführt. Durch eine ein- 
fache Klappenvorrichtnng iu den Kaltlufttunnels und Luftkaminen 
kann die Luftzu- uud Abfuhr von den Dienstgängen aus nach Be- 
lieben geregelt werden. Auch sind die Luftkamine derart eingerichtet, 
daß für den Fall, daß diese automatische Ventilation nicht genügen 
sollte, ohne Mühe elektrische Absauguugsapparate eingesetzt werden 
können. 

Während der kurzen Zeit, daß das Gebäude dem Betriebe über- 
geben ist, hat sich sowohl Heizung als automatische Ventilation 
vollkommen bewährt. 

Da die meisten Affen Bewohner feuchter Tropenwälder sind, 
muß man in einem gut eingerichteten Affeuhause darauf bedacht 
sein, daß die Luft stets den nötigen Grad von Feuchtigkeit besitze. 
Um diesem Erfordernis auf genügende Weise entgegen zu kommen, 
sind auf den Heizröhren uuter den Käfigen flache Wasserbehälter 
angebracht, die, unterstützt durch die beiden Springbrunnen in der 



— 41 — 

zentralen Halle, die erforderliche Feuchtigkeit zu liefern imstande 
sind. Außerdem wird jeden Abend der Flur der zentralen Halle 
gewascheu und nachher reichlich mit reinem Wasser bespritzt. Auf 
diese Weise glaubeu wir vorläufig allen billigen Anforderungen der 
Hygiene Genüge geleistet zu haben. 

Während in früheren Jahren die Anzahl unserer Affen und 
Halbaffen, die in drei verschiedenen Gebäuden untergebracht wareu, 
das Maximum von 75 Exemplaren nie überstieg, wurde der Neubau 
mit 128 Exemplaren in 46 Arten eröffnet. Die wichtigsten darunter 
sind drei Schimpansen, von denen einer schon seit fünf Jahren 
im Besitze des Gartens ist, während die beiden anderen erst vor 
zwei Jahreu aus dem Gebiete des oberen Kongo bei uns ange- 
kommen sind. Der grofae sumatrauische Orang Utan, der wäh- 
rend drei Jahren der Liebling unseres Publikums war, hat leider 
kurz vor der Eröffnung des neuen Affeuheims das Zeitliche gesegnet, 
doch werden gegen nächstes Frühjahr hin zwei neue Paare erwartet, 
eines aus Sumatra, das andere aus Borneo. Auch hat vor kurzem 
ein schöner Gibbon bei uns seinen Einzug gehalten. Eine wahre 
Schautruppe vou zum Teil sehr seltenen Arten bildeten bei der Er- 
öffnung des Gebäudes die Meerkatzen mit den Arten Cercopitfiecus 
patas, C. buettikoferi, C. ascanias, G. cephus, C. campbellii, C. mölo- 
neyi, C. callitrichus, C. diana, G albigularis, G. cynosurus und 
C. brcus&ae, sowie die M angäbe- Affen, mit den Arten Cercocebus 
fuliginosus, C. albigena, G eollaris und dem seltenen G cUerrimus. 
Die Paviane sind vertreten durch CynocephoHus (Papio) mormon f 
CanübiS) Gsphinx, G porcarius und C.babuin. Von deu asiatischen 
Makaken sind in großer Zahl anwesend Macacus cynomolgus, ferner 
M. nemestrinus, M. sinicus und M. maurus, von Schlankaffen 
Semnopithecus entellus. Die Amerikanischen Affen siud vertreten 
durch zahlreiche Kapuzineraffen in sechs verschiedenen Arten, ferner 
durch zahlreiche Exemplare von Hapale jacchus und B. penicillata. 

In bedeutender Anzahl sind ferner die Halbaffen vertreten, 
darunter Letnur macaco, L. fulvus, L. coronatus, L. mongoz, L. 
varius und L. catta, Chirogaleus müii und der kleinste aller Halb- 
affen, der nicht viel über haselraausgroße Microcebus pusiüus. Außer 
diesen aus Madagaskar herstammenden Halbaffen sind ferner an- 
wesend der afrikanische Oalago garnetti und der malayische Nycti- 
cebus tardigradus. 

Kein Wunder, daß von vielen mit Ungeduld der Tag erwartet 
wurde, an dem das neue Affenhaus mit dieser reichhaltigen Samm- 



— .42 - 

lang dem Publikum geöffnet werden sollte. Diese Eröffnung fand 
Sonntag den 5. November 1905 ohne besondere Feier statt, und wurde 
das Gebäude mit seinen c munteren Insassen von über 3600 Mitgliedern 
des Gartens besucht. 

Das frühere Raubtierhaus, seit 1895 als Winteraufenthalt für 
allerlei wärmebedürftige Tiere und seit einigen Jahren auch zur 
Bergung der Menschenaffen eingerichtet, ist bereits weggeschafft, um 
Raum zu machen für eine neue Gartenanlage, worauf das neue 
Affenhaus erst recht zur Geltung kommt. Möge es, zusammen mit 
dem neuen Reptilienhaus, das im März dieses Jahres zur Vollendung 
kommt, unserem Garten recht lange zur Zierde gereichen! 



Winterbericht ans dem Schönbrunner Zoologischen Garten 

in Wien. 

Von Maximilian Siedler in Wien. 



Nach mehr als sechsmonatlicher Pause, bedingt durch meine 
Abwesenheit von Wien, besuchte ich kürzlich (Ende Januar 1906) 
wieder den Schönbrunner Zoologischen Garten. Im Garten herrscht 
wohl wiuterliche Öde, da die meisten Tiere in den Winterquartieren 
untergebracht sind, doch erscheint es mir trotzdem nicht unwichtig, 
nachstehende kleine Mitteilung als Ergänzung meiner früher in dieser 
Zeitschrift erschienenen Arbeit 1 ) zu geben. 

Neu sind drei Wölfe (Canis lupus), die sich in zwei der neu- 
gebauten Käfige befinden und beim Haupteingang zur linken Hand 
die Reihe der Tiere eröffnen. Die Malayenbären (Ursus malayanus) 
bleiben auch im Winter draußen und scheinen sich ganz wohl zu 
befinden. Der neue Zwinger des Eisbären ist fertig gestellt und 
beherbergt einen starken Braunen Bären (ü. arctos). Der seit 1874 
im alten Zwinger gehaltene Eisbär ist, wie ich schon früher be- 
richtet habe, eingegangen. Bei den Raubtierhäusern macht sich der 
Mangel einer größeren Anzahl von Käfigen recht fühlbar, und man 
hat in einem derselben die Gestreifte Hyäne (Hyaena striata) in dem 
Außenkäfig belassen und über diesem einen mit Fenstern versehenen 
Bau aus Holz ausgeführt, um so das Tier vor Kälte zu schützen. 
Den Waschbären (Procyon lotor) treffen wir ebenfalls draußen, und 



*) >Altes und Neues aus dem Schönbrunner Zoologischen Garten in Wien« 
Zoolog. Garten Jahrg. 1905, Heft 9, p. 260—272. 



— 43 — 

auch er fühlt sich, wie es scheint, ganz wohl. Mit der Ausgestal- 
tung der Parkanlage, die in den Garten einbezogen werden soll 
(siehe meine frühere Arbeit), hat man bereits begonnen; es ist aber 
noch sehr wenig gemacht worden, und ich glaube nicht, daß dieser 
Teil noch in diesem Jahre fertig gestellt werden kann. 

Recht öde sieht es auch bei den Hirsch- und Binderarten aus. 
Sie sind, obwohl sie in frühereu Wintern sämtlich im Freien waren, 
nicht zu sehen. Wir bemerken nur den Roßbüffel oder Yak (Bos 
grunniens), sowie Wisent und Bison. 

Die große Voliere am Ententeich, wo früher ein Auerhahn ge- 
halten wurde, bewohnen jetzt drei Uhus (Bubo bubo); der Auerhahn 
dürfte wohl eingegangen sein. Zu dem bei den Adlern befindlichen 
Gaukler (Helotarsus ecaudatus) ist ein Exemplar hinzugekommen, so 
daß jetzt zwei vorhanden sind. 

Die Bewohner des einen Hühnerhauses, die man bei dessen 
Ausbesserung eutfernt hatte, sodaß ich sie in meinem früheren 
Artikel nicht aufzählen konnte, will ich heute den Lesern vorführen. 
Es sind dies das Busch- oder Talegallahuhn (Ghatelurus lathami), 
das Sonneratshuhn (Gallus sonnerati), der Abessyniscbe Frankolin 
(Pternistes leucoscopus) und das Gelbbauch-Satyrhuhn (Ceriornis caböti). 
Die Stelzvögel haben alle ihr Winterquartier bezogen; nur in der 
Voliere der Flamingos sehen wir einige Weiße Störche (Ciconia 
ciconia), die im Schnee einherschreiten oder auf einem Bein stehend 
und frierend die tanzenden Schneeflocken auf sich niederfallen lassen. 
Daß man diese Vögel nicht auch in das Winterhaus schafft, ist 
recht sonderbar. 

Hoffentlich kann ich im Sommer von recht vielen Neuerwerbungen 
berichten. 



Eigenartige Tierfreundschaft 

Von P. Momsen in Flensburg. 



Mißmutig und gelangweilt stolzierte der Gänserich auf dem 
Hofe umher; seine Damen waren eifrig mit Brüten beschäftigt und 
hatten außer in den kurzen Pausen, wann sie ihr Nest verließen, 
um eilig Futter und ein Bad zu nehmen, keinen Blick für ihren 
Gatten übrig. Mit Hühnern und Enten anzubändeln hielt dieser 
unter seiner Würde. Eines Tages traf eine neue, erst halbwüchsige 
Jagdhündin auf dem Hofe ein, und diese neue Erscheinung übte 



— 44 — 

eine große Anziehungskraft auf den einsamen Gänserich aus. Neu- 
gierig kam er heranspaziert und musterte »Juno« von alleu Seiten ; 
sie nahm dieses Betrachten absolut nicht übel, sondern schwanz- 
wedelte ihren Bewunderer vergnügt nach junger Hunde Art an. 
Von Stund an war ein eigenartiges Freundschaftsbündnis geschlossen, 
das später, von Seiteu des Ganters wenigstens, die Freundschafts- 
grenzen überstieg. Fast den ganzen Tag sah man jetzt dies ver- 
schiedene Paar beisammen, und für die Zuschauer war es unendlich 
komisch zu beobachten, wie jedes auf seine Weise sich bemühte, 
dem andern seine Zärtlichkeit zu beweisen. Hundeschnauze und 
Gänseschnabel traten in drolliger Weise in Tätigkeit. Juno legte 
ihre Vorderpfoten um den Hals ihres Freundes, beleckte seinen Kopf, 
Hals und Rücken und wand sich, wohlig knurrend vor seinen Füßen. 
Der Gänserich wand und drehte seinen langen Hals und schmiegte 
zärtlich seineu Kopf an den Junos oder »kraulte« unter leisen, be- 
friedigt klingenden Lauten mit seinem Schnabel des Hundes Fell, 
zerrte auch wohl behutsam an Junos langem Behaug, doch tat er 
ihr nie weh dabei. 

Ging Juno mit ihrem Herrn zu Felde, so folgte der Gänserich 
bis über das Gehöft hinaus, dann kehrte er um und ließ seineu 
Mißmut an jedem ihm unvorsichtig in den Weg tretenden Geschöpf 
mit einem wohl applizierten Schnabelhieb aus. Hörte er dann nach 
einer Weile seine Freundiu von fern ihre Ankunft mit Gebell an- 
kündigen, so antwortete er mit hellem Trompetenton und eilte ihr 
halb fliegend, halb laufend entgegen. Sie ihrerseits lief in* weiten 
Sätzen ihrem Herrn voraus uud gab ihrer Freude über die Wieder- 
vereinigung stürmischen Ausdruck. 

Ein höchst merkwürdiger Vorgang, von dem ich auch selber 
Augenzeuge war, ließ erkennen, daß der Gänserich nicht nur plato- 
nisch liebte. Er zeigte die absolut unverkennbare Absicht, sich mit 
Juno zu paaren. Wir tauften Juno von Stund an »Leda«. 

Zweifellos wäre es der Hündin, auch wenn sie ausgewachsen 
oder gar hitzig gewesen wäre, nicht zum Bewußtsein gekommen, 
welche Absichten ihr Freund hegte, nicht nur weil im Geschlechts- 
leben des Hundes der Geruchsinn eine Hauptrolle spielt, während 
bei den Vögeln das Auge wohl auch hier der nächstbeteiligte Sinn 
ist, also eine gegenseitige Verständigung zu gedachtem Zwecke nicht 
erreichbar wäre, sondern auch, weil sie, der passive Teil, unmöglich 
ein Verständnis für das von ihrer Art hierbei so abweichende Be- 
nehmen des Gänserichs haben konnte. 



— 45 — 

Im Januar-Heft des Jahres 1905 der Zeitschrift »Der Zoologische 
Garten« erzählt Herr Dr. Paul Kämmerer in Wien von einer 
merkwürdigen Freundschaft zwischen einem blipden Kater und einer 
Henne. Auch er ist der Ansicht, daß es meistens sexuelle Gründe 
sind, die Freundschaften auch zwischen Vertretern verschiedener 
Klassen der Wirbeltiere entstehen lassen, indem wahrscheinlich die 
Geschlechtszellen der Wirbeltiere in ihrer chemischen Zusammen- 
setzung etwas Gemeinsames haben, was hin und wieder zwischen 
Männchen und Weibchen auch verschiedener Arten dazu führen 
kann, eine gegenseitige Anziehung zu bewirkeu. 1 ) Wieweit diese 
Anziehung, wenigstens auf der einen Seite, geheu kann, wenn zwei 
ursprünglich nur zum Spiel vereinte Tiere, hier ein Säuger und ein 
Vogel, dauernd in gemütlichem Verkehr stehen, zeigte das Beispiel 
von Juuo-Leda und dem Gänserich. 



Kreuznacher Wintergäste. 

Vor. Gymn.-Oberlehrer Ludw. Geisenheyner in Kreuznach (Nahe). 



Bald nach Beginn der achtziger Jahre des vorigeu Jahr- 
hunderts stellten sich zur Winterzeit auf der Nahe unterhalb Kreuz- 
nach einige Lachmöweu (Iajltus ridibundus L.) ein und waren einige 
Wochen hindurch fast täglich zu sehen. Sie flogen ab und zu bis 
zur großen Brücke, die die beiden Stadtteile verbindet, hielten sich 
aber meist unmittelbar bei Kiskys Wörth, dem jetzigen Marienwörth, 
auf. In den ersten Jahren waren es immer nur einige wenige Tiere, 
die es wagten, den Rhein bei Bingerbrück zu verlassen und nahe- 
aufwärts zu wandern. Bei Bingen und Biugerbrück, besonders am 
Biuger Loch, waren sie schon seit Jahren allwinterlich erschienen, 
wie dies aus den Aufzeichnungen des damaligen Lehrers an der 
Binger Realschule J. B. Mühr 2 ) hervorgeht. Von da ab kamen sie 
ziemlich regelmäßig alle Jahre, waren auch manchmal iu größerer 

') Wir müssen uns doch immer wieder klar machen, daß die Zusammen- 
stellung der Tiere in Klassen und Arten nach unserem jetzigen Wissen und Er- 
kennen ein zwar äußerst wohl durchdachtes Kunstwerk ist, wir auch mit unserem 
bisherigen Kennen der Tiere kein anderes, besseres aufbauen könnten, daß eine 
fernere Zukunft aber vielleicht daneben ein auf ganz anderer Basis ruhendes 
System im Tierreiche aufstellen wird, wobei Gründe,. die wir jetzt erst ahnen, den 
Ausschlag geben werden. 

2 ) Gest. 1903 als Geh. Schulrat und Seminardirektor in Bensheim. 






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Menge zu finden, wagten aber nie über die Brücke hinauszufliegen. 
Erst in diesem Winter ist das geschehen. Sie haben sich bis zur 
Brücke bei der Saline Theodorshall gewagt und sich an und über 
dem Stück Nahe längere Zeit aufgehalten, wo im letzten Sommer 
die große Rosenausstellung ihre Stätte gefanden hatte; ja, einige 
habeu auch sogar einen Ausflug nach Münster bis zum Fuße des 
Rbeingrafensteins unternommen. In manchen Jahren waren sie in 
beträchtlichen Scharen da, z. B. 1893, wo ich am 5. Oktober etwa 
30 — 40 Stück beobachtete ; zu derselben Zeit hielt sich beim Dorfe 
Laubenheim eine Gesellschaft von etwa 50 Stück wochenlang auf. 
In diesem Winter sind sie wieder seit Oktober da, und zwar in 
solcher Menge wie bisher noch nie. Schüler erzählten mir vor einiger 
Zeit, daß sie sie häufig mit Krähen zusammen auf den Ackern 
zwischen der Nahe und der Laudstraße nach Planig sähen. Am 
10. Dezember machte ich nun gegen Mittag einen Gang naheabwärts, 
nm sie mir dort auch mal anzusehen. Zuerst erfreuten mich nur 
einige wenige Exemplare durch die prächtigen Bögen, in denen sie 
die Luft durchstreichen; aber etwa 1 km unterhalb der Eisenbahn- 
brücke, wo die Abwässer der aus der Stadt und dem Schlachthanse in 
die Nahe führenden Kanäle münden, da wurde mir ein für unsere 
Gegend höchst eigenartiger und interessanter Anblick zu teil — 
schwimmend und fliegend waren um diesen stets gedeckten Tisch 
gewiß 50 — 60 Stück versammelt. Aber nicht die Möwen alleiu, 
nein, auch noch eine sehr große Schar von Raben- und Nebelkrähen 
suchte sich hier ihr Teil zu erbeuten und machte eine nicht gerade 
sehr wohlklingende Tafelmusik dazu, an der sich auch die Möwen 
nach Kräften beteiligten. Nicht allzuweit davon auf dem Acker ein 
anderes Bild: Grau- und Schwarzröcke spazierten in geraiger Menge 
einher, in größerer die weißgekleideten Möwen. An einer Stelle 
kannte ich genau 18 Stück im Gänsemarsch einherschreitende er- 
kennen, etwas davon entfernt noch 5 Stück genau so, und in der 
Ferne saß noch ein Haufen, dessen Zahl ich aber nicht mit Sicher- 
heit erkennen konnte* Da auch noch oberhalb der Eiseubahnbrücke 
am Marienwörth zur selben Zeit eine Anzahl beobachtet wurde, so 
übertreibe ich wohl schwerlich, wenn ich die ganze Gesellschaft auf 
80 bis 100 Stück schätze. Vor 3 oder 4 Tagen, als wir uns noch 
des kurzen Winters erfreuten und die Nahe ziemlich zugefroren war, 
bin ich wieder an dieser Stelle gewesen und habe die gleiche ge- 
mischte Gesellschaft beobachtet, doch waren Raben und Krähen in 
größerer Menge vorhanden ; die Möwen hatten sich wohl weiter 



- 47 — 

nach unten zurückgezogen, wo noch mehr offenes Wasser zu finden 
war. Sie sind übrigens auch sonst über die ganze untere Nahe ver- 
breitet, wie ich das vor einigen Wochen gelegentlich einer Fahrt 
nach Bingen feststellen konnte. Besonders stetig scheinen sie sich 
bei Laubenheim einzufinden. Wenn ich aucb an jenem Tage zu- 
fällig dort nur wenige sah, so schrieb mir doch Herr Lehrer 
Nachtigall von da auf meine Anfrage, es seien »zu allen Zeiten 
Möwen da, oftmals mehr wie 10 Stück.« Aber sie bleiben auch 
nicht auf und an der Nahe, sie statten auch ferneren Gegenden, 
besonders den auf dem rechten, flacheren Ufer liegenden, ihre Be- 
suche ab and entfernen sich »dabei oft ziemlich weit von Nahe und 
Rhein, selbst bis Sprendlingen and Pfaffenschwabenheim. Hier wer- 
den sie seit 1894 nicht selten gesehen. ' 

Was das Alter der Tiere anbetrifft, die sich nun seit fast einem 
Vierteljahrhundert bei ans als Wintergäste einstellen, so bemerke 
ich, daß alle, die ich bis jetzt genauer zu untersuchen Gelegenheit 
hatte, Junge im ersten Winterkleide waren; bei dem erwähnten 
Beobachtungsgange aber konnte ich mit Hülfe eines der vorzüglichen 
Zeißschen Gläser deutlich erkennen, daß sich auch ältere Tiere im 
zweiten Winterkleide darunter befanden. Ob noch ältere, das wage 
ich nicht zu entscheiden, will aber doch erwähneu, daß auch Mühr 
bemerkt, es seien ihm in jedem Winter meist nur junge Exemplare 
geliefert worden. 

Es könnte wohl die Frage entstehen, woher die Tiere kommen. 
Zunächst natürlich vom Rhein, denn es ist wohl jedem 1 ), der 
eine Dampferfahrt auf ihm gemacht hat, bekannt, daß das Schiff 
stets von Möwen umflogen wird. Von Mainz 2 ) bis weit unterhalb 
Goblenz habe ich sie stets zu beobachten Gelegenheit gehabt; bis- 
weilen umflogen sie das Schiff in solchen Mengen, wie ich es auf 
dem Bodensee bei Lindau gesehen habe, wo die Fahrgäste sich ein 
Vergnügen daraus machten, die Tiere zu füttern. In gleicher Menge, 
30 Stück oder mehr noch, sah ich das vor einigen Jahren im 
Dezember am Staden in Mainz. Auch hier waren viele Leute, be- 



*) Auffallend ist es, daß die neue Auflage des alten »Naumann« des Vor- 
kommens der Lachmöwen am Rhein mit keinem Worte gedenkt, obwohl doch das- 
selbe schon mehrfach in der Literatur festgelegt worden ist, besonders von dem 
bekannten Vogelkenner W. v. Reichenau in Mainz, z. B. 1893 in der Zeitschrift 
»Die Natur« von 0. Ule. 

3 ) Ob sie noch weiter oberhalb Mainz vorkommen, ist mir nicht bekannt ; bei 
Frankfurt sind sie am Main eine regelmäßige Erscheinung. 



— 48 — 

sonders Kinder, damit beschäftigt, den wenig scheuen Tieren Weck- 
stücke zuzuwerfen und sich über die dann nicht selten entstehenden 
Kämpfe zu belustigen. 

Wenn es nun auch bekannt ist, daß die Tiere auf einigen 
Rheininseln brüten, so geschieht das doch nicht in solcher Menge, 
daß die großen Scharen des Rheines und der Nahe ihren Ursprung 
daher nehmen könnten, besonders nicht in heutiger Zeit, wo auch 
auf diesen früher so einsamen Auen nicht mehr die Ruhe von ehe- 
mals herrscht. Es ist also wohl anzunehmen, daß die Mehrzahl 
dieser unserer Wintergäste von nördlichen Gestaden stammt, wo 
ihnen durch Scbuee und Eis des Winters die nötige Nahrung vor- 
enthalten wird. In unseren Gegenden mit meist milderen Wintern 
wissen sie aber noch so viel zu finden, als sie nötig haben, bis der 
Frühling ihnen den Tisch wieder in der Heimat deckt, der dann 
auch die meisten von ihnen schleunigst wieder zusteuern, sodaß wir 
hier an der Nahe uns ihrer den Sommer über nicht erfreuen können. 

Kreuznach (Nahe), 8. Januar 1906. 



Die Sattelschrecke bei Kreuznach. 

Von Gymnasial-Oberlehrer Ludwig Oeisenheyner in Kreuznach. 



Den iuteressanteu Ausführungen >Über die Sattelschrecke (Ephip- 
pigera Vitium)* von Lud w. Seh uster im 3. Hefte des vorigen Jahr- 
ganges möchte ich noch einige die Verbreitung des Tieres betreffende 
Worte hinzufügen. 

In der nächsten Umgebuug von Kreuznach ist es im August 
und September geradezu häufig zu finden, und an sonnigen Spät- 
sommertageu kann man kaum eineu Weg außerhalb der Stadt ein- 
schlagen, ohne es zu hören und zu sehen. Denn nicht gerade selten 
ereignet es sich, daß es mitten über die Chaussee läuft. Grasige, 
dem Süden zugekehrte Hänge uud besonders Weiubergsränder und 
Kleefelder, die zwischen den Wingerten liegen, sind sein Lieblings- 
aufenthalt, und an solchen Stellen dürfte man wohl auf dem 
Hungrigen Wolf, dem Hinkelstein, dem Kuhberge uud an ähnlichen 
Orten selten vergeblich darnach suchen. 

Mir ist die Sattelschrecke zwar schou in der ersten Zeit meines 
Hierseins in Kreuznach aufgefallen, aber ich habe sie doch damals 
nicht genauer angesehen, da mich das Studium der Flora hinreichend 
in Auspruch nahm, sondern sie für die Nymphe irgend einer anderen 



— 49 - 

Art gehalten. Mehr aufmerksam wurde ich erst auf das eigenartige 
Tier, als. ich 1887 die große Singzikade (Cicada haematodes Scop.) 
für unsere Gegeud entdeckte, worüber ich in den Verhandlungen 
des Naturhistorischen Vereins für Rheinlaud und Westfalen, Jahrg. 44 
S. 116 berichtet habe, die ich übrigens seitdem auch in den Ge- 
markungen Planig, Armsheim, Flonheim und Grünstadt nachweisen 
konnte. Bei dieser Gelegenheit brachte mir ein Schüler aus Pleiters- 
heim die Nachricht, daß der »Scheereschliffer« bei ihnen Herbst- 
mooke genannt würde. Dieser Name frappierte mich, denn er paßte 
doch durchaus nicht auf die Zikade, da Mooke oder Moog bei uns 
ein Schweinchen bedeutet und der Name Herbstmooke der Ehren- 
titel für die beim Herbsten des Weines meist nicht gerade sehr 
sauberen Winzerin neu ist. Ich ließ darum nicht nach, bis ich eine 
»Herbstmooke« von ihm bekam. Das war aber die Ephippigera. 
Von da ab habe ich sie alljährlich im Herbste beobachtet, in manchen 
Jahren seltener, nach warmen Sommern oft in größerer Menge. Sie 
bewohnt aber nicht nur die nähere Umgebung Kreuznachs, ich habe 
sie nach Norden zu auch auf dem Südabhange der die Rheinebene be- 
grenzenden Tertiärkalkberge gefuuden, besonders bei Sprendlingen, 
und auch am Rochusberge. Naheaufwärts konnte ich sie bis jetzt nur 
bis Niederhausen verfolgen; doch geht sie sicherlich noch weiter, wahr- 
scheinlich bis zur Greuze des Weinbaus. 

Gelegentlich der Nachforschung nach ihrer Verbreitung brachte 
mir auch ein Schüler noch eine andere Schrecke mit, nämlich Phane- 
roptera faJcata. Obgleich Dr. Tümpel sie in »Die Geradflügler 
von Mitteleuropa« für sein ganzes Gebiet angibt, habe ich doch bis 
jetzt während der langen Zeit von 35 Jahren nur dies eine Exemplar 
aus der Nahegegend zu Gesicht bekommen. 

Schließlich will ich in Bezug auf die Verbreitung von Ephip- 
pigera noch auf ein Dr. Tümpel, wie es scheint, nicht bekanntes 
Vorkommen bei Barr im Elsaß hinweisen. Hier hat sie Prof. Dr. 
Doederlein auf dem Gutleutrain und auf dem Bollenberge in Menge 
gefunden und im III. Bande der Schriften der Philomatischen Ge- 
sellschaft von Elsaß- Lothringen ihre Lebensweise so ausführlich ge- 
schildert, daß ich dem und was Ludw. Schuster darüber sagt, nichts 
mehr hinzuzufügen habe. . 



Zoolog. Beobacht. Jahrg. XL VII. 1906. 



— 50 — 

Wildapfel In Strauchform und Sacchalln- Knoterich als 
billigste Massen -A es nngsmittel in Wildparks. 

Von Ludwig Dach in Königsberg i. Pr. 
(Mit einer Abbildung.) 



Nicht nur für die Fütterungen des Wildes in den Reviereu, 
sondern auch für die Versorgung der zoologischen Gärten werden 
heutzutage so beträchtliche Mittel aufgewendet, daß man doch da- 
nach trachten muß, diese zu verringern, soweit es angängig ist. In 
erster Linie darf natürlich die Verfassung, die Gesundheit und Ver- 
mehrungsfähigkeit der Pfleglinge nicht im geringsten gefährdet wer» 
den. Aber auch bei aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit der 
Wildheger und Tierwärter können dennoch so manche Ersparnisse 
und Vereinfachungen gemacht werden. 

In meinem kürzlich bei J. Neu mann in Neudamm erschienenen 
Buche »Der Wildpfleger als Landwirt« *) ist auf jeder Seite auf 
solche Ersparnisse hingewiesen, und zahlreiche Mittel werden ange- 
geben, um recht praktisch und tunlichst wohlfeil zu wirtschaften. 
Für heute möchte ich hier vornehmlich aber auf zwei Futter- und 
Asungsmittel hinweisen, die ich, sowohl in zoologischen Gärten, als 
auch in der Wildbabn, nicht überall genügend ausgebreitet finde. Es 
sind dies der Wildapfel in Strauchform und der Sacchalin- 
knöterich. 

Der Wildapfel soll in diesem Falle den Tieren lediglich seine 
Buten als Profiholz 2 ) darbieten. Die Pflanzen müssen daher nicht 
emporgetrieben, sondern ganz zielbewußt niedrig gehalten, breitästig 
und buschig erzogen werden. Man sollte es nicht glauben, wie 
diese so klare und eigentlich wohl auch selbstverständliche Absicht 
immer noch nicht verstanden wird. Noch, kürzlich eingegangene 
Zuschriften beweisen mir, daß trotz der von mir in jenem Buche 
und in vielen Zeitschriften gebotenen Artikel und Bilder viele Heger 
immer noch den Gedanken haben, fruchttragende Bäume erziehen 

') L. Dach, Der Wildpfleger als Landwirt, fein geheftet M. 15.—, elegant 
gebunden M. 17. — , Verlag von J. Neumann, Neudamm. 

*) Profiholz ist der forst- und jagdtechnische Ausdruck für zu schälendes 
Ast- und Butenholz. »Proßen« heiit an liegendem Holz schälen. Proiholz zu 
reichen ist ein überaus wichtiger Zweig der Fütterung im Revier wie in den zoo- 
logischen Gärten. Ehe man Profiholz in den letzteren einführte — also bis vor 
25 Jahren — gingen viele Wiederkäuer ein. Ehemals sagte man >Die Tiere sind 
an zu dünnem Leibe eingegangen.« In Wahrheit rührte dieser drastisch. be- 
zeichnete Zustand vom Mangel der Gerbsäure im Futter her. 



— 51 — 

zu wollen. Das ist hier nicht der Fall. Die Buten der Pirus malus 
in Strauchform enthalten so viel Kalk und Phosphorsäure, daß sie 
das Wild mit wahrer Gier annimmt, und daß sie ausnehmend nahr- 
haft und woblbekömmlich sind. Nach langjährigen Beobachtungen 
glaube ich feststellen zu können, daß wohl kaum eine Art von 
Proßholz das genannte übertrifft. Wenn recht kräftige Pflanzen zur 
Anlage verwendet sind, wenn der Boden recht locker, humos, reich 
an Phosphoroäure und Kalk ist, wenn das Unkraut mit der Pferde- 
hacke niedergehalten wird, wenn dann schließlich die Pflanzweite der 
Sträucher noch mindestens zwei Meter beträgt, so wird auch die 
erzogene Masse eine überraschend hohe sein. 

Beifolgendes Bild auf Seite 52 zeigt solche Wildapfelpflanzen mit 
reichen und überlangen Jahrestrieben. 

Im Frühjahr sind, in freier Wildbahn, die abgeschälten Buten 
niederzuschneiden. Gefangenen Tieren legt man die Jahrestriebe 
einfach vor, wie man jedes andere Proßholz reicht. Fast alle Wieder- 
käuer, die überhaupt schälen, verbeißen die Buten auch noch von 
der Spitze an. Selbst ganz verholzte Teile werden dann mitunter 
noch erstaunlich weit aufgeäst. 

Sowohl im Bevier, besonders in Fasanerien, als auch im Garten 
läßt sich Wildapfel an den Bändern gewisser Gehege, neben Um- 
fassungsmauern, innerhalb von Bosketts oder in selbständigen Auf- 
schulungen vielfach und leicht erziehen. Nur darf man in die Gatter 
selbst ja keine Pflanzen hineinbringen, sonst werden sie schon in 
der Jugend bis in den Erdboden hinein verbissen und kommen gar 
nicht mehr auf. Hierfür habe ich täglich Beispiele vor Augen. 

Der Sacchalin-Knöterich (Polygonum sacchalinense) wird in sehr 
vielen Parks, Bevieren und zoologischen Gärten ja bereits gezogen, 
durchaus aber nicht überall als Wildäsung oder Tierfutter verwendet. 
Seit Jahren habe ich die grünen Stengel nebst Blättern und im 
Herbst auch nebst Blüten verschiedenen eiugepferchten Tieren ge- 
reicht. Alle Wiederkäuer, alle Pferdearten, Sauen, Tapire u. s. w. 
nahmen die ganze Masse bis auf die härtesten Stengelteile in jedem 
Entwickelungsstadium gerne an. Die markreichen Stengel und die 
großen, saftigen Blätter sind ja allerdings nicht so ganz leicht zu 
Heu zu machen. Bei günstigem Wetter gelingt das aber doch, und 
es wird in diesem Falle auch die trockne Pflanze freudig verzehrt. 
Jetzt habe ich eben Versuche mit der im Herbst abgestorbenen 
Pflanzenmasse gemacht. Die braun gewordenen Blätter wurden ge- 
sammelt und den genannten Tierarten vorgelegt. Iu wenigen Minuten 



- 52 - 

waren seibat ansehnliche Häufchen des Laubes bis auf die letzte 
Spur verschwunden. 

Da der Sacchalinknöterich keine Pflege verlangt, sich sehr stark 
bestandet, da er sich reißend schnell durch Wurzelsprossen nach 




Wildapfel in Strauchform. 

Illustrationsprobc aus Dach „Der Wildpfleger als Landwirt" 



— - 53 — 

allen Seilen ausbreitet, bis zu fünf Meter höbe Stengel treibt und 
eine große Blattmasse erzeugt, so liefert ein nur kleines Stück da- 
von die Nahrung für sehr viele Tiere. Ich glaube wohl kaum, daß 
irgend eine Futterpflanze für unsere Zwecke zu finden ist, die billiger 
zu erziehen wäre und die soviel Masse liefert, als Polygonum sac- 
chalinense. 

Pflanzt man die Staude in den Innenraum von Bosketts aus 
niedrigen Sträuchern, so werden die eleganten, sich in gefalligen 
Bögen nach außen neigenden Stengel über ihre Umgebung heraus- 
schauen und das gauze Gebüsch in wunderhübscher Weise über- 
wölben. Die sich reichlich bildenden Wurzelsprossen müßten aller- 
dings einige Male fortgehackt werden, sonst unterdrücken sie die 
andern Gewächse. Was also im Revier so besonders schätzenswert 
ist, das wäre im Garten eine nicht allzu angenehme Eigenschaft. 
Immerhin wird die große Masse der nahrhaften Blätter und Stengel 
diesen kleinen Schaden wieder gut machen. Die Jagdleitungen, be- 
sonders auch die Direktionen von zoologischen Gärten, Wildparks 
und Tierhandlungen möchte ich auf den Sacchalinknöterich ganz be- 
sonders aufmerksam machen und bitte, die von mir hier beschrie- 
benen Versuche wiederholen und erweitern zu wollen. Nach den 
gemachten Erfahruogeu weide ich wenigstens die Stande in meinem 
Revier noch bedeutend vermehren. Ich meine, daß man kaum ein 
wohlfeileres, gutes Futtermittel auffinden kann. 

Entgegnung anf : „Beiträge zur Monographie der Turteltaube 

(Colnmba turtur h.) u . 



Der Jahrgang 1904 dieser Zeitschrift ist mir neulich in die 
Hände gekommen, und ich finde darin einen kleinen Artikel: »Bei- 
träge zur Monographie der Turteltaube (Colutnba turtur L.)« von 
Wilhelm Schuster in Gonsenheim bei Mainz, der sich die gewiß 
etwas gewagte Aufgabe stellt, »die anders lautenden Mitteilungen in 
den Werken von H. 0. Lenz, J. Fr. Naumann, A. und K.Müller, 
E. G. Friderich und W. v. Reichenau richtig zu stellen.« Hätte 
der Verfasser dieser »Richtigstellung« seine Absicht nicht direkt aus- 
gesprochen, so hätte der Artikel gewiß an Bedeutung verloren, und 
mir wäre es alsdann gewiß nicht in den Sinn gekommen, eine Ent- 
gegnung auf solche »Richtigstellung« zu schreiben. So kann ich 
aber meine Erfahrungen über diesen Vogel, die in fast allen Punkten 






— 54 — 

denen des Herrn Schuster entgegenstehen und sich mit denen ge- 
nannter Koryphäen auf dem Gebiete der Ornithologie decken, nicht 
angeschrieben lassen, nmsomelir nicht, da mein ganz besonderes Be- 
obachtungsgebiet dem des Herrn Verfassers räumlich sehr nahe liegt, 
so daß ich es wohl als das gleiche bezeichnen darf. 

Ich folge in meiner kurzen Entgegnung der Anordnung des 
Herrn Schuster: 

ad 1. Die Turteltaube paßt sich gut den gegebenen Verhält- 
nissen an. Sie ist überall und nicht nur >am Rhein, Main und in 
der Wetterau« mehr Feld- als Waldvogel. 

ad 2. Bei seiner Nestanlage bevorzugt dieses Täubeben geradezu 
das Nadelholz; selbstverständlich wählt es hierzu keine hohen Nadel- 
bäume, sondern nur solche, in deren Äste es höchstens in 1.50 bis 
2.50 m Höhe seinen Stand errichten kann. 

ad 4 und 5. Herr Schuster schreibt: »Es trifit nicht immer 
zu, daß das Paar jedesmal das Nest verläßt, wenn der brütende 
Vogel, sei es auch nur einmal, von den Eiern gescheucht worden 
ist, wohl aber in mehr als 90°/o aller Fälle«. Mit dieser Behauptung 
scheint eine Verwechselung mit der als sehr scheu bekannten Ringel- 
taube vorzuliegen. Bei dieser trifft diese Angabe unbedingt zu, aber 
keineswegs bei der Turteltaube. Als große Seltenheit wird es bei- 
spielsweise in den Jagdzeitungen bezeichnet, wenn eine Ringeltaube 
nach mehrmaliger Beunruhigung wiederum zu ihrem Neste zurück- 
kehrt; die Turteltaube dagegen kehrt immer wieder zurück, selbst 
dann, wenn die Umgebung des Nestes Spuren des häufigen Besuches 
zeigt, ja auch dann noch, wenn selbst am Nest die Folgen häufiger 
Berührung bemerkbar sind. Diese Zurückkunft der auf- und fort- 
gescheuchten Turteltaube erfolgt aus »Anhänglichkeit« zu dem Nest, 
bzw. den Eiern in verhältnismäßig kurzer Zeit. Hinzufügen will ich 
noch, daß dieses Täubchen sehr fest auf den Eiern sitzt und selbige 
erst im letzten Augenblick verläßt. Mir ist es schon passiert, daß 
eine brütende Taube mit ihrem Schnabel nach mir gehaekt und mit 
den Flügeln gegen meine Hand geschlagen hat. 

ad 7. Der genannte Kehlton »hab«, der durch das Einschlucken 
neuer Luft hervorgebracht werden soll, ist im Freien sehr gut hör- 
bar, nur ist 'er viel schwächer als der übrige Ruf turrr-turrr und 
dementsprechend nicht so weit vernehmbar. 

ad 8. Die Turteltaube macht in der Regel mehrere Brüten. 

ad 9. Die Turteltaube ist ihrem ganzen Wesen nach ein zu- 
traulicher Vogel, der wenig Scheu vor dem Menschen zeigt. Dem 



— 55 — 

Jäger gelingt es leicht, sich auf offenem Felde an sie heranzupirschen, 
während dies bei der scheuen Ringeltaube unmöglich ist öder doch 
sehr schwer hält. 

ad 10. Die Turteltaube ist nicht allein am Rhein die charak- 
teristischste und häufigste Wildtaube, sondern sie ist ebenso charak- 
teristisch und häufig in vielen anderen Gegenden, und darum ver- 
dient sie auch nicht eine Benennung nach diesem Flusse allein. 

Frankfurt a. M. Gustav Caster. 



Kleinere Mitteilungen. 



Über die Verbreitung von Nola togatulalis. Im Anschluß an die Notiz 
meines Bruders im Jahrg. 1905 No. 10 über Nola togatulalis und deren Vorkommen 
sei mitgeteilt, dai von Herrn Dr. Langheinz in Darmstadt, dessen groiartige 
Sammlungen und Raupenzuchten ich wiederholt zu bewundern Gelegenheit hatte, 
die Raupe auch auf dem Griesheimer Artillerie-Schießplatz, westlich von Darmstadt, 
von Eichengebüsch abgeklopft und gezogen worden ist. Die Flora und Fauna, 
überhaupt die ganze Bodenformation des Griesheimer Sandes hat vielfach eine 
überraschende Ähnlichkeit mit dem Mainzer Sandgebiet, nur daß hier der Sand 
feiner und weniger stabil ist wie dort. Auch Ephippigera ephippigera habe ich 
daselbst vereinzelt gefangen. Diese Schrecke kommt, nach Mitteilung des Herrn 
Oberl. L. Geisenheyner, nicht selten auch bei Kreuznach vor. 

Ludwig Schuster. 

Vom eingemauerten Spatz. Das ornithologische Märchen vom einge- 
mauerten Spatz taucht fast alle Jahr in unsern Tagesblättern wieder auf; wenn es 
aber neuerdings selbst im »Zool. Garten« unter einer Beobachtung von Dr. Kobelt 
wieder »aufgewärmt« wird, so muß ein für allemal damit aufgeräumt werden. Herr 
Dr. Eobelt hat beobachtet, daß am 7. September ein junger Sperling in einem 
Schwalbenneste saß und daß der Eingang des Nestes frisch vermauert und so eng 
war, daß der arme Vogel sich nicht zu befreien vermochte. Dann heißt es natür- 
lich: Daß ihn die Schwalben absichtlich eingemauert haben, kann keinem Zweifel 
unterliegen, denn eben baut doch keine Schwalbe mehr. In dieser letzten 
Behauptung steckt der ganze Irrtum. Ja, am 7. September baut'noch manche Haus- 
schwalbe (Delichon urbica), denn man findet oft bis zum Oktober hin junge Haus- 
schwalben im Neste, so im Jahre 1904 und auch, in diesem Jahre, wo ich noch 
am 6. Oktober die Alten am Neste futtern sah. Schon im Jahre 1869 habe ich 
im »Zool. Garten« die Mitteilung gebracht, daß am 30. September an meinem Hause 
noch junge Hausschwalben im Neste saßen, und diese haben nach meinem Tage- 
buche erst am 7. Oktober das Nest verlassen. 

Nun aber frage ich weiter: Ist es einer Schwalbe möglich, ein Nest von 
außen so zu vermauern, daß der Sperling darin seinen Tod finden muß? Antwort: 
Nein, denn die Schwalbe kann nur bauen, wenn sie sich innerhalb des Nest- 
raumes befindet. In dem Falle, den Herr Dr. Eobelt mitteilt, war ein junger 
Spatz in ein Schwalbennest geschlüpft, das sich das Schwalbenpärchen zur neuen 



— 56 — 

Brutstätte erkoren hatte. Als nun die Schwalben dem erweiterten Eingange die 
normale Weite gaben, blieb der Sperling im Neste, weil er ein junger Tölpel war 
und sich zurückzog, als die alten- Schwalben im Neste erschienen und ihre Lehm- 
klümpchen ansetzten. Ein alter Spatz würde den Schwalben den Eingang ver- 
wehrt haben, denn gegen seine Schnabelhiebe sind sie machtlos. 

Die andere, dem »Luzerner Tageblatt« entnommene Mitteilung, wo eine 
ganze Schwalbenkolonie nach kurzer Beratung den Eindringling Spatz lebendig 
eingemauert haben soll, ist ebenso in das Eeich der Tierfabeln zu verweisen, wie 
ein Artikel der »Tierbörse« vom Jahre 1888, wo die Schwalben sogar einen Star 
im Schwalbenneste eingemauert haben sollten. Als dieser Artikel damals auch im 
Unterhaltungsblatte der »Berliner Morgenzeitung« Eingang fand, schickte ich eine 
ausführliche Widerlegung des gehaltlosen Artikels dem damaligen Leiter Viktor 
Band zu. Da kam ich aber schön an. Der Herr Band nahm den Artikel nicht 
auf und entschuldigte sich damit, er habe früher schon von einem Dorfschmiede 
gehört, daß eine solche Einmauerung wirklich stattfinden könne. Ja, der Dorf- 
schmied, das ist immer ein Mann, auf dessen Aussage mancher Häuser baut. Als 
ich darauf die Widerlegung an die Leitung der Tierbörse sandte, druckte diese sie 
sofort ab, aber der Verfasser des famosen Märchens hüllte sich in tiefes Scbweigen. 
Wahrheit ist auch in der Naturwissenschaft die Pforte, die zum Himmel führt. 

Wenn Herr Dr. Kobelt glaubt, die Schwalben hätten aus Bosheit den un- 
verschämten Eindringling eingemauert, so kann ich ihm diesen Glauben nicht 
rauben. Nach meinem Dafürhalten hätten die Schwalben auch dann, wenn kein 
Spatz im Neste gesessen hätte, dem Flugloche wieder die Weite gegeben, wie sie 
für ihren Ein- und Ausflug genügte. H. Schacht. 

Jagdverbot auf Vikunas und Chinchillas. Den zoologischen Gärten 
ist mit dem Jagdverbot der VikuSas (Auchenia vicunna Fisch.) und der Chinchillas 
(Eriomy8 Chinchilla L.) schlecht gedient. Schon ohne dasselbe sind diese Tiere 
in Argentinien nicht zu häufig lebend im Handel, und es ist wahrscheinlich, daß 
sie jetzt längere Zeit von hier nicht zu haben sein werden. Die Jagd auf diese 
Tiere, die von Pelzjägern in gewissenloser Weise ausgeübt wurde, hat den Minister 
des Innern der argentinischen Republik veranlaßt, dem Gouverneur des Andenterri- 
toriums anzubefehlen, die Jagd auf diese zwei wertvollen Pelztiere strengstens zu 
verbieten, da ihre Zahl bereits ungemein dezimiert ist und einer gänzlichen Aus- 
rottung vorgebeugt werden soll. — Besser wäre es schon, wenn der Herr Minister 
eine lange Schonzeit für die Tiere bestimmt hätte, die nur kurze Zeit durch Jagd- 
erlaubnis unterbrochen werden dürfte. Tatsächlich werden die Chinchillas das ganze 
Jahr hindurch gejagt, und zwar mit dem hiesigen Frettchen (Gdlictis rittataj, und 
solange die Felle ohne erheblichen Ausfuhrzoll, oder besser ohne Ausfuhrverbot 
ausgeführt werden^dürfen, ist an einen wirklichen Schutz gar nicht zu denken. Die 
kostbaren Felle dieser Tiere sind ein so begehrter Handelsartikel, daß das Jagd- 
verbot wohl nur ein frommer Wunsch bleiben wird, da die Felle auch aus den 
Nachbarländern kommen können, was die Eontrolle sehr erschwert. 

Buenos Aires, im Juli. 0. Strafibe'rger. 

Waldmaus (Mus sylvaticus). Mein Haus — unmittelbar am Wald gelegen 
— wimmelt gegen den Herbst hin und im Winter von diesen ebenso entzückenden 
wie schädlichen Nagern. Ich habe schon manchen Strauß mit ihnen zu bestehen 
gehabt. Ein Jahr lang hab' ich sie ohne die leiseste Verfolgung geduldet, weil sie 



— 57 — 

mich zu sehr freuten. Dabei — und bei gutem Futter — würden sie fast Haus- 
tiere im Sinn wie Hund und Katze. In ihrem Treiben ließen sie sich auch am 
hellen Tag nicht im geringsten stören, und selbst Türzuschlagen, lautes Sprechen 
mehrerer Personen u. s. w. veranlagte sie nicht mehr, ihre Löcher aufzusuchen. 
Ich halte die Waldmaus für gewandter, rascher und begabter als ihre graue Ver- 
wandte, die Hausmaus. Ich habe beide Arten vieldutzendmal gekäfigt (auch gleich- 
zeitig), und immer wieder bin ich zu diesem Resultat gekommen. Bekannt wird 
sein, daß sie — wenn sie besonders rasch vorwärts kommen will — in Bogen- 
sprüngcn, die je drei bis viermal ihre Köperlänge ausmachen, flüchtet. Es war 
vorigen Winter nicht selten, daß mehrere Mäuse auf Möbeln und Bilderrahmen ihr 
Wesen trieben, während ich mit meiner Frau und einem Schwager beim Tee saß. 
Sie duldeten ruhig, daß man aufstand und sie näher betrachtete. In diesem Fall 
wendeten sie sich dem Beschauer voll zu und schauten ihn mit den Perlaugen, die 
jeden Augenblick ans dem Pelz herauszufallen drohten, groß an. Nur die Lippen 
und das Naschen waren ein wenig bewegt, was zur Wirkung hatte, daß die Schnurr - 
haare in größere Bewegung kamen. Entfernte man sich dann, so war das Mäus- 
chen gleich wieder dabei, seine alte Beschäftigung fortzusetzen. Aber nicht etwa 
eines, sondern mehrere Dutzend dieser kleinen Gäste waren bis zu solcher Zahm- 
heit gediehen. Es war vorige Weihnacht — ich hatte einige unpräparierte aus- 
ländische Käfer gesandt bekommen, die ich in üblicher Weise mit Natr. arsenicos. 
vergiftete und dann zum Trocknen (aufgespießt) ans Fenster meiner Arbeitsstube 
stellte. Eines Morgens komme ich hinauf .und bin bald in meine Tätigkeit vertieft, 
da höre ich immer wieder zwischen hinein ein Schaben und Kratzen, was mich 
schließlich in eine gelinde Wut brachte, sodaß ich aufstand um mich umzuschauen, 
wer wohl der freche Störenfried sein möchte. Da entdecke ich zu meinem Schrecken 
und Verwunderung eine Maus am Fensterbrett, die damit beschäftigt war, einen 
der gespießten Käfer zu verzehren. Näher kommend sehe ich, daß das kleine 
Ungeheuer (das den Lohn für seine Schändlichkeit schon in sich trug) schon an 
die fünf Stück versuchsweise angebissen hatte. Da fehlte eine Flügeldecke, dort 
die Hinterleibsspitze u. s. w. Jetzt saß die unglückliche, differenziert naschhafte 
(es hätte ihr eine Menge Futter zu Gebote gestanden) Maus auf den kleinen Keul- 
chen und hielt zierlich und geschickt ein Exemplar von Stephanorhina vittata in 
den vorderen Pfotchen. Die farbigen Flügeldecken waren schon zerrissen und lagen 
am Boden. Um einer weiteren Verwüstung Einhalt zu tun, wollte ich das Tierchen 
fangen und rückte ihm nun auf den Leib. Als mein Mäuschen mich näherkommen 
sah, setzte es mit Fressen aus und schaute mich groß an, ohne den leidesten Flucht- 
versuch zu machen. Um kurz zu sein — ich konnte es ohne Umstände mit 
der Hand greifen (etwa wie eine zahme weiße Maus) und in ein großes Ein- 
macheglas setzen. Ich stellte ihm Wasser und Futter zur Verfügung und beobachtete 
es wegen seines giftigen Fraßes. Innerhalb sechs Stunden, in denen ich mir das 
Tier des öfteren anschaute, konnte ich nicht das geringste Zeichen von Unwohlsein 
konstatieren. Keine trüben Augen, keine beschleunigte Atmung. Und doch hatte 
das Tierchen ziemlich energisch von dem verräterischen Futter gefressen. Es war 
eine l°/o Lösung des Arsensalzes verwendet worden, und die halbtrockenen Käfer 
zeigten auf der Unterseite einen Belag des feinverteilten Giftes. Als ich am 
nächsten Morgen nach dem Tierchen sah, war es tot, aber noch warm, und der 
Pelz war so feucht, daß er bedeutend dunkler wie beim lebenden Tier aussah. 
Brehm, bei Besprechung der Waldmaus, schreibt, daß gedachte Tiere vergiftete 



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Talgpillen mieden; was mochte wohl mein Mäuschen veranlaßt haben, trotz Futter- 
überfluß von den Käfern zu fressen? Noch dazu, als Natr, arsenicos. selbst dem 
nicht allzu ausgebildeten Geruch des Menschen sich verrät! 

Nachdem meine Mäuse aber mehr und mehr angefangen hatten, Schaden zu 
stiften, und es nicht mehr beim Naschen bewenden ließen, sondern alles irgend 
Erreichbare in den Bereich ihrer Zähne zogen — wie Gummischuhe, Bücher, be- 
spannte Eeilrahmen, Zinntuben u. s. w. — entschloß ich mich, ihnen energisch 
entgegenzutreten. Vergebens — Fallen (obwohl fast täglich etwas gefangen wird) 
richten wenig aus, und eine Katze darf ich wegen meiner Vögel und anderer Tiere 
nicht halten. Ich kann also die Tiere nur bis zu einer gewissen, erträglichen An- 
zahl vermindern. Ausrottung ist schon deshalb unmöglich, da immer wieder vom 
zehn Schritt entfernten Wald Invasion stattfindet. Übrigens — meinen Eulen, 
Falken, Igeln u. s. w. kommt es recht zu statten, und sie lassen sich die fetten 
Bissen wohl munden. 

Bemerkenswert ist noch eine Tatsache, die ich leider zu konstatieren Gelegen- 
heit hatte. Ich bezog neulich ein Paar Wachteln, die ich einen Tag lang in einem 
Provisorium (einer kleinen Kiste mit Maschen gitter) beherbergte. An dem Morgen 
nun, an dem ich die Vögel in ihr Abteil geben wollte, finde ich eine Wachtel tot 
mit ausgefressenem Hirn und die überlebende stark zerrupft. Es ist mir außer 
Zweifel, daß auch dies ein Werk der Waldmaus war. Die Wachteln waren den 
Abend vorher in bestem Zustand, Ratten habe ich noch keine im Haus gesehen, 
auch hätten sie das Gitter nicht passieren können. Karl Soffel. 

In Gefangenschaft geborene Luchse. Wie ich früher mitgeteilt 
habe 3 ), paarten sich zwei Luchse 1904 in Skansens zoologischem Garten zu Stockholm 
mit dem Erfolg, dass ein Junges, das noch nicht ganz entwickelt war, den 11. Mai ge- 
boren wurde. Dieses Jahr ist es besser gegangen. Von demselben Paare bekamen 
wir den 22. Mai zwei Junge, die nun die Größe einer Hauskatze erreicht haben. Die 
hübschen Geschöpfe haben den ganzen Sommer mit ihren Eltern gespielt und die Liebe 
und die Bewunderung des Publikums gewonnen. Sie fressen gern Kaninchen 
Tauben u. a., am liebsten aber sehniges Pferdefleisch. Alarik Behm. 

Kühnheit eines Mäusebussards. Anfang Oktober las ich in den »Ost- 
friesischen Nachrichten«, daß ein Briefträger auf offenem Felde von einem Mäuse- 
bussard (Buteo buteo L.) angegriffen worden sei. »Der Bussard, der eine Maus 
am Wege ergattert hatte, glaubte wohl, daß man ihm seine Beute streitig machen 
wollte und griff seinen vermeintlichen Rivalen so kräftig an, daß dieser sich mit 
dem Handstocke wehren mußte. Der Bussard mußte seinen Angriff mit dem Leben 
büßen.« Dieser Fall scheint mir deshalb bemerkenswert, weil doch sonst die Bussarde 
als nicht gerade sehr kühne Angreifer bekannt sind. Erwin Detmers. 

Späte Brüten von Schwalben. Am 27. Oktober 1905 sah ich fast flügge 
Mehlschwalben {Delichon urbica L.) in einem Neste an dem Gebäude der 
Akademie in Bonn. Ein Junges befand sich noch im Neste, während seine zwei 
Geschwister bereits die ersten Flugübungen machten. Nach meinen Beobachtungen 
und nach Erkundigungen, die ich über dieses Schwalbenpaar einzog, war es die 
dritte Brut, die in diesem Jahre gemacht wurde. Vom ersten Gelege (mit 6 



*) Siehe Zool. Garten IW4 p. 193. 



— 59 — 

Eiern) kamen fünf Junge aus, das zweite Gelege (mit 4 Eiern) wurde zerstört; 
darauf schritten die Schwalben zur dritten Brut, bei der die oben genannten drei 
Jungen auskamen, die mit den Eltern in der Nacht vom 1. auf den 2. November 
die Reise nach ihrer zweiten Heimat antraten. — Bei der Rauchschwalbe 
(Hirundo rustica L.) konnte ich in diesem Jahre ebenfalls drei Brüten feststellen. 
Das Nest befand sich auf der Tenne eines mir befreundeten Gutsbesitzers in Ca- 
pelle i. W. Nach Aussage dieses Herrn kam die erste Brut mit fünf Jungen 
hoch, der eine solche mit vier Jungen folgte; die dritte Brut — drei Junge — 
sah ich im Oktober das Nest verlassen. Diese Schwalben familie vermehrte 
sich also um nicht weniger als zwölf Köpfe. 
Münster i. W. stud. Paul Werner. 



Nekrolog. 



Hof rat Dr. Paul Leverkühn f. 

Am 5. Dezember 1905 ist in Sofia der Leiter der wissenschaftlichen An- 
stalten des Fürsten und der fürstlichen Bibliothek, Paul Leverkühn, am 
Typhus gestorben Leverkühn war als Ornithologe weit über die Grenzen seiner 
zweiten Heimat Bulgarien bekannt ; er hatte auch den Fürsten auf vielfachen 
Reisen ins Ausland als Sekretär und ärztlicher Berater — er war von Haus 
aus Mediziner — begleitet. Sein Amt in Sofia war keine Sinekure. Ver- 
ständnisvoll von dem Fürsten unterstützt, der selbst aus Neigung Natur- 
wissenschaften, besonders Ornithologie treibt, wollte Leverkühn aus dem 
fürstlichen Privatmuseum einen wissenschaftlichen Mittelpunkt für die Balkan - 
halbinsel schaffen. Diese Arbeit war schon weit fortgeschritten, der Fürst 
scheute keine Kosten, um die reichen Sammlungen zweckentsprechend auf- 
zustellen, der Katalog war gleichfalls der Vollendung nahe, und man dachte 
bereits an eine Eröffnung der dem Publikum noch nicht zugänglich ge- 
machten Ausstellungsräume. Gleichzeitig wurde in der Stille an dem Zoo- 
logischen Garten, ebenfalls einer Schöpfung dos Fürsten, gearbeitet. Die 
Vogel weit fand dort besondere Berücksichtigung, die bulgarische Tierwelt 
war reich vertreten, und wohl nur wenig fehlte an der Vollständigkeit einer 
Fauna der Balkanhalbinsel. Da entreißt ihn uns der Tod. . . . Die sym- 
pathische Persönlichkeit P. Leverkühns, der kunstsinnig und weltumfassend 
seiner Zeit vorauseilte, wird jedem, der ihn näher kannte, in werter Er- 
innerung bleiben. Es wird nicht leicht sein, ihn zu ersetzen. Der in seiner 
Berufstätigkeit glückliche, arbeitsame Forscher hat aueh im Laufe der Jahre 
für unsre Zeitschrift wertvolle Beiträge geliefert, und wir empfinden bei 
seinem Scheiden namentlich die Lücke in der historischen Betrachtung der 
Natur, die er mit anerkanntem Geschick ausgefüllt hat. Alle seine biblio- 
graphischen Arbeiten zeichnen sich durch die peinlichste Gewissenhaftigkeit 
aus. Friede seiner Asche! Bttgr. 



— 60 — 



Literatur. 



Yerhandl. u. Mitteil. d. Siebenbürg. Vereins f. Natur w. zu 
H e r m a n n s t a d t. Bd. 53, Jahrg. 1903. Hennannstadt, Jos. Drotleff, 1905. 
8°. 78, 83 pag. 

Diese gediegene, alljährlich erscheinende Zeitschrift enthält in ihrer Rubrik 
»Abhandlungen« neben einem IY. Beitrage zur Schmetterlingsfauna Siebenbürgens 
von Dr. D. C z e k e 1 i u s ein Verzeichnis der Vögel Schässburgs nebst biologischen 
Skizzen, auf das ich die Leser aufmerksam machen möchte. Es hat Wilh. Leon- 
h a r d t zum Verfasser und behandelt mehr oder weniger ausführlich 137 Vogelarten. 
Die Ornis Schässburgs besteht in erster Linie aus Bewohnern des Laubwaldes, daran 
reihen sich solche des offenen Feldes ; Wasser- und Sumpfvögel sind spärlich vertreten 
und beschränken sich fast hur auf Durchzugler. Die interessantesten Arten sind: 
Eritkacus philomela Bechst. häufig und E. luscinia L. äuierst selten, JE. titys L. 
brütet im Gebiete nicht, Pratincola rubicola L. ziemlich häufiger und P. rubetra 
L. häufiger Sommervogel, Saxicola oenanthe L. seltne r und unregelmäßiger Som- 
mervogel, Cinclus merula Schaff. Wintervogel, Turdus viscivorus L. nistet nur 
vereinzelt, T. pilaris L. Durchzugs- und Wintervogel, Regulus cristatus Vieill., 
B. ignicapiUus Brehm und Phylloscopus trochilus L. Durchzugs vögel. Dagegen 
brüten LocusteUafluviatüis Wolf, AcrocepJialus palustris Bechst. und A. arundinaeeus 
L., was von Loc. luscinioides Savi und Acr. schoenöbaenus L. noch nicht nach- 
gewiesen werden konnte, während Acr. streperus Vieill. fehlt. Sehr beachtenswert 
sind namentlich die genauen Beobachtungen des Verfassers über diese seltenen und 
schwer vor den Feldstecher und zum Schuße kommenden Rohrsängerformen (vergl. 
p. 15—26), besonders über Ä. palustris Bechst., den ich genau kenne, aber nur 
an einem Orte, und zwar bei Nürnberg, wo er häutig ist, regelmäiig und mit 
Sicherheit antreffen kann. Er fehlt nach meinen und meiner Frankfurter Freunde 
Beobachtungen in ganz Hessen-Nassau, während A. streperus Vieill. mit zwei Neben- 
formen sehr häufig ist und A. arundinaeeus L. und Loeustella naevia Bodd. hie 
und da um Frankfurt noch bis in die letzten Jahre als Brutvögel aufgetreten sind. 
Der charakteristische Gesang des A. palustris wird von L e o n h a r d t p. 23 überaus 
treffend beschrieben. An eine nähere Verwandtschaft des Vögelchens mit A. streperus 
ist für den Kenner des lebenden Vogels gar nicht zu denken. Sylvia hortensis 
Bechst. und S. nisoria Bechst. kommen vereinzelt als Sommervögel, Accentor mo- 
anularis L., Budytes flavus L., Motaeilla melanope Pall., Anthus pratensis L. und 
Loocia curvirostra L. als Durchzugsvögel vor; als Wintergäste verzeichnet der 
Verfasser Anthus spipoletta L., Emberiza schoeniclus L., Calcarius nivalis L. und 
Pyrrhüla rubicilla Pall. Seit 1901 ist Serinus hortulanus Koch eingewandert. 
Ch/rysomitris spinus L., Acanthis linaria L., Fringilla und montifringiUa L. treten 
als Wintervögel auf, Lanius minor Gmel. als spärlicher Sommervogel ; L. excübitor 
L. kommt nur in der typischen zweispiegeligen Form vor und ist ein nicht seltener 
Brutvogel. Pica pica L., Colaeus monedula L. und Corvus cornix L. sind häufige 
Jahresvögel, C. corax L. fehlt seit 1880 als Brutvogel. Muscicapa parva Bechst. 
scheint Brutvogel zu sein, während M. collaris L. und Clivicola riparia L. regel- 
mäßig im Gebiete brüten. Bombycüla garrula L. kam zuletzt 1900 als Wintergast; 
Apus apus L. und Coracias garrula L. sind nur Durchzugvögel. Von seltneren 
Spechten brüten im Gebiet Picus viridicanus Wolf, Dendrocopus minor L. und 



— 61 — 

D. medius L. Als Strichvögel und Durchzügler werden schließlich noch erwähnt 
Strix flammea L., Asio accipitrinus Pall., Falco vespertinus L. und F. peregrinus 
Tonst., Oircus aernginosus L., Ardea purpurea L., cinerea L. und ralloides Scop., 
Nycticorax griseus L. (selten), Ciconia ciconia L. und m'^fra L., Ortygometra 
porzana L., Ballus aquaticus L., Anas querquedula L. und penelope L., FtUigula 
nyroca Güld. und Colymbus arcticus L. (selten) und als Wintervögel Syrnium 
uralense Fall, (nicht selten) und Archibuteo lagopus Brunn. Von sonstigen seltenen 
Vögeln brüten noch im Gebiete Bubo bübo L., Aquila pennata Gmel. (interessante 
Mitteilungen über Horste, Eier und Junge p. 67—72) und A. pomarina Brehm, 
Circaetus gallicm Gmel., Pernis apivorus L., Müvus korschun Gmel., Tetrao bonasia 
L., Crex pratensis Bechst., Scolopax rusticula L. t Totanus hypoleucus L. und 
Charadrius curonicus Gmel. Die Arbeit ist überaus reich an interessantem" Detail. 

Bttgr. 

Prof. Dr. G. T o r n i e r , Bau und Betätigung der Kopflappen und Halsluftsäcke 
bei Chamäleonen. — Sep.-Abdr. a. Zool. Jahrb. (Spengel), Anat. Abt., Bd. 21, 
1904, p. 1-40, 6 Fig., Taf. 1—2. 

Zu dem vielen Absonderlichen, das bei der Gattung Chamaeleon gefunden 
wird, gehört auch, daß manche Arten, wie z. B. Ch. monaehus, dilepis und mellcri, 
an jeder Hinterkopfseite einen für gewöhnlich flach anliegenden Kopflappen besitzen, 
der bewegt werden kann. Derartige Lappen erscheinen im Maximum ihrer Aus- 
bildung als mächtige Hautfalten, die in Lage, Form und Bewegung der Muschel 
grofiohriger Säugetiere täuschend ähnlich sind. Sie liegen in der Kühe dem Halse 
des Chamäleons dicht an, während sie aufgerichtet senkrecht vom Kopf abstehen. 
Die Beweglichkeit dieser Kopflappen hat wohl zuerst Dr. Stuhlmann beobachtet, 
der 1897 erwähnt, »daß bei Ch. düepis in der Erregung Aufspreizen der Hinterhaupts- 
lappen und Aufblähen des Kehisacks erfolge, verbunden mit Anstemmen der Zunge vom 
Mundinncrn aus an die Kehlhaut, wodurch die orangefarbenen Längsfalten der Kehle 
sichtbar würden. Auch fauche das Tier alsdann stark«. Ahnlich berichtet unser 
Mitarbeiter Job. Berg über Ch. melier i: »Ich habe täglich Gelegenheit beim 
lebenden Tier die Bewegungen der Hinterhauptslappen zu beobachten, da diese 
jede Erregung des Tieres anzeigen. Merkwürdigerweise richtet sich stets jenes 
Pseudoohr zuerst auf, das dem Auge, das eine Störung bemerkt, entgegengesetzt 
ist. Nur wenn die Störung längere Zeit andauert, richtet sich auch der zweite Lappen 
im rechten Winkel am Kopfe auf. Gleichzeitiges Aufrichten der Kopflappen findet 
nur statt, wenn die Störung von vorne kommt, also von beiden Augen fast zu gleicher 
Zeit bemerkt wird. Jede Eidechse von der Größe der Lacerta viridis ist imstande, 
Ch. melier i durch ihr Nahen in Furcht und Zorn zu versetzen. Das Chamäleon 
hebt sich hoch auf seine Beine, bläht den Körper zu einer gewaltigen, intensiv 
gefärbten Scheibe auf, richtet die Ohren auf und wendet den Kopf mit geschwollenem 
Zungensack und aufgesperrtem Bachen fauchend dem vermeintlichen Angreifer zu. 
Das Tier bietet dann das gleiche Bild wie Ch. vulgaris oder pardalis, nur sieht 
die Sache bei seiner riesigen Größe weit grotesker aus, ein Eindruck, der durch 
die bekannte, hin- und herschwingende Bewegung des Tieres noch erhöht wird, 
wobei es sich, wenn es sehr arg geängstigt wird, auf die Hinterbeine erhebt. In 
geringerem Maße bewegen sich die »Ohren« auch dann, wenn Ch. melleri ein 
Beutetier, z. B. ein Acridium, erblickt, und auch bei Kaubewegungen gohen sie 
etwas auf und nieder, und zwar in einem Winkel von 45°, Während sie, wie schon 



— 62 — 

erwähnt, bei großer Erregung in rechtem Winkel vom Kopfe abstehen«. In der 
vorliegenden, wesentlich anatomischen and physiologischen Arbeit versucht der 
Verfasser nun festzustellen, auf welche Weise und durch welche Mittel diese Be- 
wegungen erfolgen. Er fand, daß weder durch Muskel Wirkung, noch durch Schwell- 
körper, sondern einzig und allein durch Aufblasen benachbarter Körperteile mit 
Luft diese grotesken Bewegungen erfolgen. Es sind drei Säcke, die den Hals um- 
geben, und deren Anschwellen die seltsame Schreckstellung des Chamäleons erzeugen. 
Die Anatomie und Physiologie des Luftröhrensackes und der beiden Kopf lappensacke 
wird sodann eingehend besprochen, und ebenso der Mechanismus des Knurrens, Faucbens 
und Zischons. Es ist dem Verfasser somit gelungen, den Nachweis zu liefern, daß 
eine Anzahl von Chamaeleon-krten die Fähigkeit besitzt, von der Luftröhre aus 
einen Luftröhrensack und von den Eustachischen Bohren aus je einen Raun unter 
den Kopflappen mit Luft aufzublasen, wodurch diese sich ohrmuschelartig nach 
vorn aufrichten. Weiter hat er gezeigt, daß diese drei Hohlräume ihres Halses 
harmonisch zusammenarbeiten. In solcher Schreckstellung erwartet das Tier nun- 
mehr den Gegner und kann gleichzeitig einatman, ohne die Aufblähung seines Hals- 
kragens sinken zu lassen. Wie es sich dann weiter zu direktem Angriffe vorbereitet, 
auf welche Weise das Fauchen und Zischen erzeugt wird, und wie es sich schließ- 
lich durch Stoßen und Beissen verteidigt, wolle man in der überaus interessanten 
Abhandlung, die wir natürlich ihrem ganzen Inhalte nach hier nicht wiedergeben 
können, nachlesen. B 1 1 g r. 



Die sexuelle Frage. Eine naturwissenschaftliche, psychologische, hygienische 
und soziologische Studie fOr Gebildete von Dr. August Forel, ehemaligem 
Prof. der Psychiatrie und Direktor der Irrenanstalt in Zürich. 11.— 15. Tausend 
Verlag von Ernst Reinhardt, München 1905. 587 S., 8°, Pr. 8 M. 

Da der Mensch ein Glied in der Reihe der lebenden Wesen ist wie jeder 
Vierfüßer, so gehört das vorliegende Werk auch in unsere zoologische Fach- 
bibliothek. Forel ist Doktor der Medizin, Philologie und Juris, welche drei Fach- 
wissenschaften ja in gewissem Sinn — ich sage nicht zu viel — durchaus Unter- 
abteilungen der gesamten Naturwissenschaften sind. 

»Schwangere Frauen sollten ihre Schwangerschaft nicht verstecken und sich 
niemals darüber schämen. Sie sollten vielmehr stolz darauf sein. Sie hätten einen 
viel berechtigteren Grund dazu, als unsere glänzenden Offiziere, mit der Uniform 
zu prahlen. Die Kennzeichen des Bauwerkes der Menschheit dienen der Gesell- 
schaft mehr zur Ehre als das Sinnbild ihrer Zerstörungswerke (sehr richtig!). 
Mögen die Frauen immer mehr dieser tiefen Wahrheit inne werden, aufhören ihre 
Schwangerschaft zu verbergen und sich darüber zu schämen, bei vollem Bewußtsein 
der Größe ihrer sozialen sexuellen Bedeutung . . . (S. 53)«. Zu S. 69 (Begattung 
im Traum) habe ich mir an den Rand geschrieben: Mit einer Offenheit und 
Wahrheit und dabei Natürlichkeit gesagt, daß man staunen muß — noch mehr 
aber staunen vor den unglaublich zweckmäßigen, geheimnisvollen Verknüpfungen 
im Menschenleben. Kap. VIII (Sexuelle Pathologie) behandelt die geschlechtliche 
Neigung zu Tieren (Sodomie oder Bestialität S. 260), die geschlechtliche Neigung 
zu Personen des gleichen Geschlechts (Homosexuelle Liebe S. 246), die geschlecht- 
liche Neigung zu sexuell unreifen Kindern (S. 289), Kap. X den Einfluß der äußeren 
Lebensbedingungen auf das Sexualleben. — Bei »Geldehe« hätte der Verfasser auf 



— 63 — 

das hinweisen können, was Darwin in seinen Werten darüber sagt und ans Schrift- 
stellern des Altertums zitiert. Wenn ich durch eine große Stadt gehe, muten mich, 
recht oft die mir begegnenden Menschenkinder wie eine Masse künstlich gezüchteter, 
schwächlicher, entarteter Karpfen in einem großen Karpfenteiche an : Tatsächlich 
etwas Krankhaftes, das zum großen Teil wesentlich auf den »Geldehen« beruht. — 
Der große Gelehrte verzeihe mir, wenn ich im Gegensatz zu ihm (S. 54) das Pa- 
triarchat für eine verstandesmäßig bessere und gesundere Form des . Menschentums 
halte als das Matriarchat. — Im Luxemburg-Palast in Paris habe ich ein großartiges 
Bild gesehen ; ein Jüngling holt sich die Früchte der Liebe bei einer Sphinx ; aber 
in demselben Augenblick, wo er sie auf den Mund küßt, schlägt sie ihre Krallen- 
finger von hinten in seinen Rücken und reißt ihm den ganzen Rücken auf; wahrhaft 
erschütternd und entsetzlich anzusehen. Eh bien — je mehr deutsche Männer und 
Jünglinge Foreis dickes Buch lesen, um so weniger werden an der »Liebe« jämmer- 
lich zu Grunde gehen! Wilhelm Schuster. 

Dr. J. Thienemann, IV. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten der Deutsch. 

Ornitholog. Gesellschaft für 1904. — Sep.-Abdr. a. Journ. f. Ornith. 1905, Apr.- 

Heft p. 360—418. 

Die Arbeiten der Ornithologischen Station und ihres verdienstvollen Leiters 
mehren sich von Jahr zu Jahr; auch das Interesse an den Bestrebungen der Vogel- 
warte nimmt zu. Die Geldspenden fließen reichlicher, der Besuch der Sammlungen 
und die Sammlungen selbst vergrößern sich. Auch die Direktoren der zoologischen 
Gärten Deutschlands statteten im August 1904 nach ihrer Jahresversammlung in 
Königsberg der Anstalt in Roseitten einen Besuch ab. Es wurden dabei Verein- 
barungen getroffen, wie die Vogelwarte die Gärten mit lebendem Vogelmaterial, 
das anderorts schwer zu bekommen ist, versorgen könne. Durch Aufrufe wurden 
neue Mitarbeiter für Vogelzugbeobachtungen gewonnen, die z. T. in dem hier 
vorliegenden Berichte bereits verarbeitet werden konnten. In einem wissenschaft- 
lichen Teile werden sodann p. 362—389 fortlaufende Mitteilungen des Leiters der 
Vogelwarte über Erscheinen, Zug, Zeit des Nestbaus, Nester und Gelege der ver- 
schiedenen beobachteten Vögel für nahezu jeden Tag des Jahres gebracht, die man 
im Original nachlesen wolle, und dann noch eine interessante Notiz Tischlers 
über Parus borealis p. 389 angefügt. Weiter teilt Dr. Thienemann auf p. 
390—392 Versuche mit, die er zu dem Zweck angestellt hat, um festzustellen, wie 
weit man fliegende Vögel mit normalen Augen noch zu sehen vermag. Er kommt 
zu dem Schlüsse, daß sich zwar manche Zugvögel zuweilen zu viel beträchtlicheren 
Höhen wie 100 m erheben können, daß aber durch seine Versuche erwiesen ist, 
daß ganz gewaltige Scharen von Zugvögeln, die für die Gesamtheit des Vogelzugs 
ganz gewiß in Betracht kommen, in einer für die menschlichen Sinne ganz bequem 
zu erreichenden Höhe ihren Zug vornehmen. Weitere Kapitel behandeln p. 392 
bis 399 den Bericht über den Vogelzugsversuch und bringen p. 400 — 402 Bemer- 
kungen über künstliche Winterfütterung der Vögel, insbesondere der -Meisen, p. 
403 ein Verzeichnis der Publikationen Thienemann s im Jahre 1904 und p. 404—417 
eine ausführliche meteorologische Tabelle für das Berichtsjahr 1904. Wir bewun- 
dern den Fleiß des Verfassers und gratulieren ihm für die Umsicht, mit der er 
diese schwierigen Probleme lichtvoll zu ordnen verstanden hat. Bttgr. 



- 64 — 

Eingegangene Beiträge. 

Dr. £. H. in 8. Bei dem augenblicklichen Mangel an Einlaufen ist eine Arbeit von 
Ihnen besonders willkommen. — P. C. H. M. in W. bei F. eine Arbeit und 3 Mitteilungen, 
Oberl. L. G. in K. und M. S. in W. je eine Arbeit, und £. D. in L. eine Mitteilung mit bestem 
Dank erhalten. - E. Z. in R. Ehe ich drucke, erwarte ich Ihre Bückäußerung. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion E. 

Beck-Corrodi in Hirzel. Zürich. Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 1—5. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. E. Korscheit, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 29. Jahrg., 1906. No. 20—22. 
Ornithologisohe Monatsberichte. Herausg. v. Prof. Dr. Anton Reichenow. 

14. Jahrg. 1906. No. 1—2. 
Field,The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horaoe Ooxin London. 

Vol. 107, 1906, No. 2767—2770. 
Der Weidmann. Blätter für Jäger und Jagd freunde. Herausg. v. Dr. L. S taby. Berlin- 

Schöneberg, 1906. Bd. 37. No. 14. 
duortblatt f. Züchter u. Liebhaber von Kassehunden. Herausg. v. E. 

Pros ler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 14—18. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. v. W. Köhler. Verlag 

d. Creutzsohen Buchh. Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 1— 2 u. 4-5. 
The American Journal of Scienoe. Herausg. r. E. 8. Dana. New Haven, Conn. 

4. Ser. Bd. 21, 1906. No. 121. 
Anzeiger d. K. Akad. d. Wiss. Wien. Math.-naturw. Cl. Jahrg. 1906. No. 22— 27. Wien, 

K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 
Der Ornithologisohe Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. C. D a u t. Bern, Verlag v. C. Daut, 1906. Jahrg. 5, Heft 1. — Preis jährl. 

M. 4.50. 
Natur und Hau s. Ulustr. Zeitschr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. M. Hesdftrffer. 

Verlag v. H. Schultze. Dresden-Strehleo, 1906. Jahrg. 14, Heft 7-9. 
Zwinger und Feld. Ulustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. v. Fr. Bergmiller. Stuttgart , Verlag v. O. Sautter. 

1906. Jahrg. 15. No. 1—4. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 35, 1906. No. 1—5. 
The Irish Naturalist. A Monthly Journal of General Irish Natural History. Edit. by 

G. H. Carpenter, R. L. Praeger and R. Patterson. Dublin, 1906, Eason & Son. 

Vol. 15, No. l. 
Proceedings of the Royal Society. London, 1906. Ser. A. VoL 77. No. 514 und Ser. 

B. Vol. 77, No. 515 - 516. 
Mitteilungen über die Vogelwelt. Organ des österr. Reichsbundes f. Vogelkunde u. 

Vogelsohutz in Wien. Herausg. v. E. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. 

No. 1-2. 
Ornithologisches Jahrbuch. Organ für das paläarktische Faunengebiet. Herausg. 

v. V.Ritter v. Tschusi z,u Schraid hoffen. Hallein, Selbstverlag, 1906. 17. Jahrg. 

Heft 1. 
Deutscher Tierfreund. Ulustr, Monatsschrift t Tierschutz, Tierkunde, Tierzuoht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner, 1906. Jahrg. 10, Heft 2. 
Tiersohutz-Korrespondenz. Herausg. v. Berliner Tierschutz- Verein, Berlin 1906 . 

No. 15. Gr. 4°. 8 pag. 
Prof. Sh. Tanaka, On two new Species of Chimaera. — Sep.-Abdr. a. Journ. Coli. So. Imp. 

Univ. Tokyo Vol. 20, Art 11. Tokyo 1905. Gr. 8°. 14 pag., Fig., 2 Taf. 
Wochenschrift für Aqua r.- u. Terrarienkunde. Herausg. v. Dr. W. Wolters- 
torf f. A. W. Zickfeldt'scher Verlag, Braunschweig 1906. 3. Jahrg. No. 1—6. — Preis 

jahrl. M. 4.— 
Der Lehrmeister im Garten und Kleintierhof. Herausg. v. J. Schneider. Leipzig. 

1906, Verlag v. Haohme ister & Thal. 4. Jahrg. No. 16. - Preis jährl. M. 4.— 
Hofr. Prof. Dr. K. Th. Liebe, Futterplätze für Vögel im Winter. 14. Aufl. Vollst, neu bearb. 

v. O. Kl ein Schmidt. Leipzig, 1905, Verlag v. Th. Hofmann. 8°. 18 pag., 12 Fig. — 

Preis M. 0.20, pro 100 = M. 5.— 
Bericht über das Basier Naturhist. Museum f. 1905 v. Dr. Fr. Sarasin. Basel 

1906. - Sep.-Abdr. a. Verh. Natur f. Ges, Basel Bd. 18, Heft 2. 8°. 25 pag. 
Smithsonian Institution (U. S. Nat. Mus.). Bulletins of the U. S. National Museum: 

No. 54. MonographonthelsopodsofN. America by H. Richar dson. 53, 727 pag., 

740 Fig. and No. 55. A Contribution to the Oceanography of the Pacific 

by J. M. Flint. 6, 62 pag., 14 Taf. 8°. Washington, Governm. Print Office, 19u5. 
A. Märten son, Uebersicht über das jagdbare und nutzbare Haarwild Rußlands. Riga, 

Verlag von J. Deubner, 1905. 8°. 12, 151 pag. — Preis 1 Ruh. 65 Kop. 
W. A. Lindholm, Beschreibung einer neuen Schlangenart (Dipsadophidium weileri 

n. gen. et sp.) aus Kamerun und Ueber einige Eidechsen und Sohlangen aus Deutsch- 
Neuguinea. — 2 Sep.-Abdre. a. Jahrb. d. Nassau. Ver. f. Naturk. Jahrg. 58, Wiesbaden 

1905 p. 185-187 u. p. 229-240. 



Zusendungen werden direkt au die Yerlagehandlnng erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reinhold Mahlau, Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



Zoologischer Beobachter 

-%&■ Der Zoologische Garten, ^c — 

Zeitschrift 

ftlr 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologisehen Gärten Deutsehlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldachmidt. 

N c - 8. XLVIL Jahrgang. März 1906. 

I n h » I I. 

Emil Adolf RoAmäßler als Biologe und 8ystematiker; von dem Herausgeber. — 
Das Frankfurter Insektennaus im Jahre 1905; von Direktor Dr. A<talb. Seitx in Prank- 
furt a. M. — Zur Geschichte der Londoner Zoologischen Gesellschaft; von* dem Heraus- 
geher. (Mit 2 Bildern Im Text). — Möwen als Nachtvögel; von Wilhelm Schuster in 
Liverpool. — Gefiederte Wintergäste; von J. H. Willy Seeger in Frankfurt a. M. — Die 
Einbürgerung des mexikanischen Atlasfalters in Amsterdam umf Umgegend: von Wilhelm 
Schuster, z. 2t. Pastor in Liverpool (England). - Kleinere Mitteilungen. (Mit 1 Figur.) - 
Literatur. — Hingegangene Ueitnqre. - Bucher and Zeitsc Witten. 



Emil Adolf Bossmässler als Biologe nnd Systematiken 

Zur Erinnerung an die 100jährige Wiederkehr seines Geburtstages (3. März 1806). 

Von dem Herauggeber. 



In vielen Zweigen menschlichen Wissens nnd menschlicher Tätig- 
keit hat sich Roßmäßler hervorgetan und bewährt, nnd in manchen 
war er für seine Zeit der führende Geist. Mögen andere seine Ver- 
dienste preisen als den Politiker, der in feuriger Begeisterung die 
Einheit des deutschen Volkes voraussah und erstrebte, als den Volks- 
manu, der in trüber Zeit auf den Wert der Schulbildung der Massen 
und die Vervollkommnung des Einzelmenschen hinwies und hindrängte 
und selbst tätig war an diesem großen Werke, oder als den freisin- 
nigen Prediger einer Weltanschauung, die alle guten und wahren 
Menschen umfassen sollte, ich möchte mich bescheiden, mit wenigen 
Worten hervorzuheben und ins Gedächtnis zurückzurufen seine Be- 
deutung für die zoologische Wissenschaft. Ich kann es um so eher 
und um so überzeugter tun, als ich von keiner Seite, von keiner 
Partei, von keiner Sekte hierin Widerspruch erfahren werde. Daß 
Roßmäßler als Politiker und als Vorkämpfer einer freieren Richtung 
in der Religion, der hierin seiner Zeit vorausgeeilt war, herbe Ent- 

Zoolog. Beobacht Jahrg. XLVII. 1906. 5 



— 66 — 

taa8chu ngen und Anfechtungen schon bei seinen Lebzeiten erfahren 
hat, wer kann es leugnen; daß er als Volksschriftsteller und als 
Wanderlehrer schon vielfach vergessen war, als er die müden Augen 
schloß, und daß er in dieser seiner liebsten und erhabensten Tätig- 
keit der heutigen Generation kaum mehr als dem Namen nach be- 
kannt ist, dürfte mir ebenfall» allseitig zugestanden werden. 

Ganz anders in den Kreisen der Wissenschaft! Hier strahlt sein 
Glanz in der gleichen ungetrübten Helle wie in den Jahren 1835 — 
1859, in denen er durch die Herausgabe seiner »Iconographie der 
Land- und Süßwasser-Mollusken Europas, Leipzig, Arnoldische Buchb. 
u. Verlag v. H. Costenoblec im Mittelpunkte zoologischer Forschung 
stand. Er faßte den Plau und führte ihn durch, die Weichtierkunde 
auf eiue mehr wissenschaftliche Grundlage zu stellen, indem er die 
bis dahin nur durch kurze Beschreibungen (Diagnosen = Steckbriefe) 
kenntlich gemachten Weichtiere nach Tier und Schale kennzeichnete 
und in musterhaftester Weise abbildete. Alle Figuren der zahlreichen 
(90) Tafeln hat er eigenhändig mit vollendeter Kunstfertigkeit selbst 
auf den Stein gezeichnet, und es war eine Lust zu sehen, wie gewandt 
er die lithographische Kreide beherrschte, wie er die Lichter auf dem 
Bauche der Unionen auszuschaben verstand, Dinge, die ich bei einem 
Besuche bei ihm 1863 oder 64 in Leipzig zuerst zu bewundern Ge- 
legenheit hatte und dann nachzumachen mir Mühe gab. 

Roßmäßlers erste malakozoologische Arbeiten fielen — ganz im 
Gegensatz zu unserer augenblicklichen Stagnation auf diesem Gebiete 
in Deutschland und Osterreich — in eine schaffensfreudige Zeit. 
Viele Häode regten sich damals und waren tätig, um ihm Material 
zuzutragen, und ernste Kritiker, wie L. Pfeiffer und Ad. Schmidt, 
halfen mit, die junge Wissenschaft in die richtige Bahn zu lenken. 
Was sofort für Roßmäßlers Arbeit einnahm und begeisterte, war die 
Treue seiner Abbildungen, die Sorgfalt im Texte und die Raschheit 
der Arbeit. Grundsatz für ihn war in erster Linie das Streben nach 
Wahrheit; stets hat er im Auge behalten wo nötig »die Schönheit 
der Treue aufzuopfern«, sodaß noch heute seine Figuren unerreicht 
dastehen und ohne Bedenken mit Zirkel und Maßstab benutzt werden 
können und benutzt werden. 

Aber auch seine schriftliche Darstellung hat etwas Berückendes. 
Hätte ich zu einem Auszuge aus seiner Einleitung in die Weichtier- 
kunde hier Zeit und Raum, wie anziehend wäre es zu lesen, wie und 
warum wir nicht durch die gelehrten Vorträge unserer Lehrer, sondern 
weit eher durch deren praktisches Beispiel auf Ausflügeu in die Natur 






— 67 - 

eingeführt werden können, und wie einschmeichelnd er uns die erste 
Anlage einer »ganz kleinen« Sammlüug empfiehlt. Er weiß aus Er- 
fahrung, wje sich das Interesse an den anfangs so geriug geachteten 
bunten Kleinigkeiten mit der Zeit und mit den Jahren verstärkt 
und vertieft. 

Unschätzbar und geradezu bewundernswert aber war es bei Roß- 
mäßler, daß er vor keiner Schwierigkeit zurückschreckte. Wie noch 
heute waren auch damals gewisse Tiere »Mode«. Schwere Gattungen, 
in die Klarheit zu bringen bei der Zahl der Arten oder Wandelbar- 
keit der Formen bis dahin noch nicht gelungen war — so z. B. die 
Gattungen Causilia und Unio — wurden gar bald — und besonders 
nach einer 1835 ausgeführten Reise in die österreichischen Alpenländer, 
die ihm eine neue Welt in diesen Gattungen eröffnete — seine be- 
sonderen Lieblinge; jenen widmet er die ganze Schärfe seiner Beob- 
achtungsgabe, diesen watet er, um ihre Lebensgewohuheiten zu 
studieren, stundenlang im kalten Wasser nach. Manche seiner Leser 
werden ungeduldig; sie wollen oder können nicht mehr folget). Er 
muß zugeben, daß seine Tätigkeit ungleichmäßig sich mehr dem 
Schweren und Mühsamen als dem Landläufigen zugewendet hat. Und 
er gelobt Besserung. Aber für uns Leute der streng fortschreitenden 
Wissenschaft ist diese seine kritische Tätigkeit die wichtigere, und wir er- 
kennen heute noch den Mut und die Folgerichtigkeit dieser biologischen 
Beobachtungen und Schlußfolgerungen Roßmäßlers mit besonders 
warmem Danke an. Und unsere Verehrung für ihn wird um so 
größer, je klarer wir erkennen »daß wir seit Roßmäßler in der 
Kenntnis der Biologie und der Systematik der Süßwasser- 
muscheln um keinen Schritt weiter vorwärts gekommen 
sind.« Neuere Versuche, in der Morphologie dieser Zweischaler Ge- 
setze zu finden, sind ebenso fehlgeschlagen, wie die Versuche des 
Verfassers, ihre Schale in rechnerische Formeln einzuzwängen. Her- 
vorgehoben zu werden verdient hier auch, daß Roßmäßler, der kern- 
deutsche Volksmann, schon 1836 im dritten Hefte der Iconographie 
p. 16 den von dort, ab beschriebenen Schnecken und Muscheln keine 
deutschen Namen mehr beilegt, »die ohnehin ohne jeden Wert 
seien und oft nur als gezwungene, lächerliche Übersetzungen bei den 
Haaren herbeigezogen werden müßten.« Wie modern mutet uns auch 
dieses Brechen mit einer alten Überlieferung an! 

Wie bei so manchen vielseitigen Männern gab es bei RpßmäJ|- „ 
ler ,?QJfcen, in denen die Tätigkeit in seiner Lieblingswissenschaft 
brachlag. Waren es doch auch früher immer nur die Mußestunden 



— 68 — 

harter dienstlicher Arbeit gewesen, die er den geliebten Schnecken 
widmen durfte. Die Pflichten in seinem Amt als Lehrer der Zoologie 
und Botanik, die Sorge für seine Familie und auch das stärkere Her- 
vortreten als Politiker und Volksmann in den denkwürdigen 48er 
Jahren ließen in dem Dezennium 1845 — 54 seine wissenschaftliche 
Tätigkeit in der Weichtierkunde zurücktreten. Seit 1850 aber iu 
den Ruhestand versetzt, konnte er mit Hilfe fremder Unterstützung 
eine Reise nach Spanien machen, und schon 1854 sehen wir ihn seine 
volle Kraft wieder in alter Weise den Schnecken und Muscheln zu- 
wenden, namentlich den spanischen, die er in dem seh necken reichen 
Lande selbst zu Hunderten und Tausenden beobachtet und gesam- 
melt hatte. 

Seine Studien hatten in ihm den Vorsatz reifen lassen, eine ab- 
schließende Arbeit über die Fauna der europäischen Binnenmollusken 
und über deren geographische Verbreitung zu schreiben, aber noch 
1853 und 54 empfindet er Mißbehagen und Reue, wenn er an dieses 
gegebene Versprechen erinnert wird, da er glaubt, einen Teil des zu 
errichtenden Gebäudes auf einem Grunde aufführen zu müssen, der 
mangelhaft durchforscht sei und keine Gewähr für die Haltbarkeit 
des Baues bieten möchte. Und er ist nie zur Ausführung dieses 
Planes gekommen! In seiner letzten größeren malakozoologischen 
Arbeit, deren Fortführung in ausgezeichneter Weise Prof. Dr. 
W. Kobelt in Schwanheim a. M. übernommen und durchgeführt 
und auch Dr. C. Ag. Westerlund in Ronneby in mancher Be- 
ziehung ergänzt und vervollständigt hat, benutzt Roßmäßler auch 
(1859) die Gelegenheit, auf die »damals so beliebten Aquarien als 
auf ein sehr brauchbares Mittel zur Zucht von Süßwasser-Mollusken 
aufmerksam zu machen«. Wie modern mutet es uns wiederum an, 
wenn er da sagt: »Es ist überhaupt .bis jetzt noch zu wenig daran 
gedacht worden, die Beständigkeit charakteristischer Tierformen durch 
die Vermehrung zu prüfen, wie es der Botaniker so häufig mit Er- 
folg tut, freilich aber auch mit viel leichterer Mühe tun kann. Aber 
gerade die Mollusken, die des Landes sowohl, wie die des süßen 
Wassers, lassen sich meist leicht erziehen, und gerade bei ihnen, 
deren unsicheres Schwanken in der Formausprägung uns so sehr 
quält, ist eine derartige Prüfung so höchst erwünscht«. »Die Zucht 
der Wasserschnecken ist noch viel leichter als die der Landschnecken, 
denn ich habe,, ohne etwas Besonderes dafür zu tun, mir schon seit 
zwei Jahren in meinem Aquarium Limnaea auricularia und ßUkgnalis, 
Planorbis carinatus und umbilicatus, Physa fontinalis und Bithynia 



— 69 — 

tentactdata in Menge bis zu gänzlicher Vollendung erzogen. Die Ein- 
richtung nnd Unterhaltung eines .Aquariums setze ich als bekannt 
voraus. Man hat neben der Herstellung des chemisch-physiologischen 
Gleichgewichts durch Sumpf- und Wasserpflanzen bloß das Einsetzen 
von Fischen und Raubinsekten (DyUscus) zu vermeiden. Die im 
Mittelpunkte des Glasgefafies, wozu ein halbierter Schwefelsäure- 
ballon dienen kann, angebrachte Felsen?ruppe von Kalktuff versieht 
die Tiere reichlich mit Schalenbaustoff. Obst, Brot, Ameisenpuppen 
fressen die Schnecken neben den Blättern der Wasserpflanzen sehr 
gierig. Limnaea stagncäis konsumiert große Mengen von Wasser- 
linsen (Letnna). Meine gezogenen Exemplare der genannten Arten 
sind, mit Ausnahme der etwas kleiner gebliebenen L. stagnalis, den 
Eltern vollkommen gleich und zeichnen sich durch Glanz und Rein- 
heit des Gehäuses aus. Selbst Unionen und Anodonten habe ich 
lange in meinem Aquarium lebendig gehabt, und vielleicht gelingt 
es mir, in ihm deren noch verborgene früheste Zustände zu ent- 
decken. Wenn man die angemessene Menge von Wasserpflanzen 
eingesetzt hat, unter denen vor allem Ceratophyllum nicht fehlen 
darf, so hat man das Wasser niemals zu erneuern. In diesem Augen- 
blicke steht meiu Aquarium seit sechzehn Monaten ohne Erneuerung 
des Wassers, außer der Nachfüllung des durch die Verdunstung 
verlorenen«. 

Wir sind weiter gekommen heute in der Einrichtung und Pflege 
unserer Aquarien und Terrarien, und wir sind auch fortgeschritten 
in der Kenntnis und Beurteilung der europäischen Mollusken, aber 
hohe Achtung erfüllt uus noch jetzt vor dem praktischen Blicke und 
dem sicheren Griffe, mit dem Roßmäßler als Begründer der »Deut- 
schen Schule in der Weichtierkunde« im Gegensatze zur franzö- 
sischen »Nouvelle ecole« und zugleich als Vater der modernen 
Aquarienkunde x ) unserem Fortschritte die Wege gebahnt hat! 



l ) Wenn wir den ehrsamen Straßburger Fischer Leonhard Baldner 
als Vorläufer der wissenschaftlichen Aquarienkunde ausnehmen, der schon im 
Jahre 1666 »in großen, weiten Gläsern, darinnen Wasser undt rother Sandt, 
Schlammbeißer (Cobitis fossilis) und Molche (Molge cristata) zum Zwecke der 
Beobachtung längere Zeit gefangen hielt. Vergl. darüber R. Lauterborn, 
Leonh. Baldners Vogel-, Fisch- und Thierbuch. Ludwigshafen a. Rh., Verlag 
von A. Lauterborn, 1903, p. XIV und 115. 



- 70 — 
Das Frankfurter Insektenhaas im Jahre 1905. 

Von Direktor Dr. Adalb. Seitz in Frankfurt a. M. 



Als im April 1904 das Insektenhaus des Fraukfurter Zoo- 
logischen Gartens zum ersten Mal dem Publikum geöffnet wurde, 
mußte man diese Einrichtung als ein Experiment ansehen; sie war 
für Deutschland neu. In London, wo sie am längsten bestand, 
lagen die Verhältnisse durchaus anders, so daß Schlüsse von dort auf 
hier nicht gerechtfertigt waren. Während nämlich in England die 
entomologische Wissenschaft in Fachkreisen ebensowohl wie in 
Laienkreisen au Beliebtheit in steter Zunahme begriffen ist, versuchte 
man Jahrzehnte hindurch in Deutschland, sie völlig dem Dilettantis- 
mus zuzuschieben. Das Übergewicht einiger hervorragender Fach- 
zoologen, die gewaltig Schule machten, zwängte das Gros zoologischer 
Fachmänner auf das Gebiet der Helminthologie, uud außer den 
Würmern bildeten nur noch die Bewohner des Meeres das Gebiet 
auf dem die modernen Bearbeiter sich tummelten. Wie die gesamte 
Systematik, so litt ganz besonders die systematische Entomologie 
unter der moderneu Richtung gewaltig Not, uud wer auf Heachtung 
und Würdigung seiner literarischen Leistungen besonderes Gewicht 
legen mußte, der tat unklug, sich auf einem Gebiete zu produzieren, 
auf dem ihm di<; zoologischen Repräsentanten der deutschen Hoch- 
schulen weder folgen wollten uoch konnten. 

Die unausbleibliche Folge der Einseitigkeit in der Ausbildung 
war große Mangelhaftigkeit des Unterrichtes iu der Entomologie. 
Im Gefühl ihrer dürftigen entomologischen Kenntnisse gingen die 
Lehrer an den Hochschulen vielfach mit einigen Redensarten über 
das ihnen fremde Gebiet hinweg, und unter der entschuldigenden 
Phrase, daß das Gebiet zu groß sei, um ein Eingehen darauf zu ge- 
statten, begnügten sie sich mit dem wahllosen Herausgreifen gewisser 
ihnen gerade in den Sinn kommenden Einzelheiten. Nur mit Schau- ' 
der denke ich an die Behandlung der Entomologie zurück, die der 
namhafte Zoologe, bei dem ich meine Kollegien hörte, diesem Wissens- 
zweig angedeihen ließ. 

Ein solcher Unterricht vermag kein Interesse zu erwecken. 
Ganz besonders wurden die Philologen, die Naturwissenschaftler uud 
die Spezi al Zoologen so wenig für die Insektenlehre begeistert, daß nur 
selten ein Lehrer und Erzieher in dieser Hinsicht genügend ausge- 
bildet war, um befruchtend auf seine Schüler einzuwirken; und so 
nahm bei den Gebildeten das Interesse an der Biologie, am Sammeln 



71 — 



and Beobachten eher ab, wahrend es in Laienkreisen, besonders bei 
Handwerkern, Kaufleuten und kleinen Beamten, wuchs. 

So war es denn von Beginn an schwer zu beurteilen, ob der 
Aufwand von Mühe und Kosten zur speziellen Verbreitung entomo- 
logischer Kenntnisse in Deutschland gerechtfertigt sei. 

Unser erster Jahresbericht, in Heft 1 des Jahrgangs 46, sprach 
bereits die Überzeugung aus, daß nach den ersten Erfolgen zu ur- 
teilet!, ein ganz besonderes Interesse sich dem Züchtungshause für 
Insekten zuwenden werde, und heute, nach Ablauf des zweiten 
Jahres, können wir die Probe als glänzend bestanden bezeichnen und 
voraussagen, daß es in kurzer Zeit keinen sorgfältig geleiteten Tier- 
garten mehr geben wird, der die Eröffnung eines Insektenhauses 
nicht in Erwägung ziehen wird. Ist doch dem Frankfurter Garten 
schon im vergangenen Jahr der Zoologische Garten in Cöln gefolgt! 

Die nachfolgende Liste wird zeigen, wie sehr die Zahl der im 
Frankfurter Garten lebend gehaltenen Insekten gegen das Vorjahr zu- 
genommen hat. Dem Beispiel des Berichterstatters vom Insektenhause 
in London folgend, wollen wir die Insektenavten, die zum ersten 
Mal lebend in unseren Garten gelangten, mit einem * bezeichnen. 

I. Orthoptera. 



1. Bacillus rossii (S. Eur.) 

2. Dixippus morosw (Ind.) 

3. — femoratus (N. Amer.) 

4. Saga dentipes (S. Eur.) 

5. Mantis religiosa (S. Eur.) 



* 6. Oedicnemus migratorius 
(N. Afr.) 

7. Acridium aegyptiacum 
(S. Eur.) 

8. Calopteryx italica (S. Eur.) 

9. Truxalis nasuta » 



n. Lepidoptera. 

a. Bhopalocera. 



*10. 
11. 
12. 
13. 



*14. 
*15. 
»16. 
*17. 

*18. 
19. 
♦20. 



Thais polyxena (S. Eur.) 
Parnassius apollo (Alpen) 
Papilio machaon (Eur.) 

— cresphontes(N. Amer.) 

— troilus » 

— asterias » 

— ajax » 

— ab. marcellus » 

— xuthulus (Japan) 

— phüenor (N. Amer.) 

— erecktheus (Austral:) 



21. Papilio podalirius (Eur.) 
*22. Mefitaea phaeton (N. Amer.) 
*23. Limenitis ursula » 

*24. Pyrameis huntera 

25. — atalanta 

26. Vanessa urticae 

27. — io 

28. — pdychloros 

29. — atalanta 
*30. Feniseca tarquinius 

(N. Amer.) 



(Eur.) 
» 



» 




— 72 






.-.> 
:<**•.• 



31. Acherontia atropos (Eur.) 

32. Herse convolvuli » 

33. Phleget. Carolina (N. Atuer.) 
*34. — catalpae » 

35. Sphinx ligustri (Eur.) 

36. — pinastri » 
*37. Ghaeroc. elpenor > 

38. Dileph., euphorbiae » 

39. Dilephila vespertilio (S. Eur.) 

40. Everyx myron (N. Ainer.) 



b. Sp hing es. 

41. Philamp. aehemon (N. Atuer.) 
*42. Thyreus abbotti » 

43. Dilina tiliae (Eur.) 

44. Smerinthus populi » 

45. — ocellata » 

46. — geminatus 

47. — excaecatus 

48. — myops 

49. — quercus 



(N. Ainer.) 



» 



(S. Eur.) 



c. Bombyces. 



#/• 



50. 

51. 

52. 

53. 

54. 
*55. 

56. 

57. 

58. 
*59. 

60. 
♦61. 
*62. 

63. 

64. 

65. 

66. 
*67. 

68. 

69. 
♦70. 
*71. 

72. 



(Eur.) 



» 



Bombyx rubi 

— quercus 
Lasiocampa quercifolia » 

— pruni » 

— populifolia » 
Dirphia (arqmnia (Brasil.) 
Eacles imperialis (N. Amer.) 
Cithaeronia regalis > 
Anisota Stigma » 

— senatoria » 
Dryocampa rubicunda » 
TncAiwa testacea (Japan) 
Lymantria japonica » 
Attacus atlas (Himalaya) 

— tapröbanes (Ceylon) 
Philosamia cynthia (N. Am.) 

— pryeri (Japan) 

— cumingi (N. Indien) 
Telea polyphetnus » 
Platysamia cecropia (N. Am.) 

— gloveri 

— Columbia 
Eothschüdia orizaba 



» 



■» 



73. Eothschüdia jorulloides 
(Mexiko) 

74. Tropaea luna (N. Amer.) 

75. Galosamia prometheus » 

76. Antheraea pernyi (China) 

77. — yamamai (Japan) 

78. — mylitta (Indien) 

79. Sericaria mori 

80. Satumia piri 

81. — spini 

82. — pavonia 
*83. — caecigena 
*84. Apantesis virgo (N. Amer) 
*85. — arge » 
*86. Pyrrharctia isabella » 

87. Arctia caja (Eur.) 

88. — vülica » 

89. — hebe » 

90. Callimorpha dominula » 
*91. Euprepia pudica (S. Eur.) 

92. Datana ministra (N. Amr.) 
*93. — perspicua » 

*94. — angusi > 

*95. — drexdi » 



(dornest ic.) 

(S. Eur.) 

» 

(Eur.) 

(S. Eur.) 



73 — 



d. Noctuae. 



96. Catocdla fraxini (Eur.) 

97. — electa > 



* 98. Gatocala nupia (Eur.) 

* 99. — elocata » 



e. Geometrae. 
100. Abraxas grossulariata (Eur.) 

m. Coleoptera. 
*101. Cerambyx heros (Eur.) 104. Dytiscus marginalis (Eur.) 



*102. Saperda carcharias > 
*103. Lucanus cervus » 



105. Acutus sulcatus 

106. Hydrophilus piceus 



So sahen wir im vergangenen Jahr auch Brasilien und Au- 
stralien in unserem Insektenhause vertreten; zwar nur mit je einer 
Art, aber die Anbahnung des Verkehrs mit jenen Ländern stellt 
uns eine Erweiterung der Beziehungen in bestimmte Aussicht. Es 
sei daher ganz besonders dankbar jener Freunde unseres Instituts 
gedacht, die uns bei Anknüpfung dieser Verbindungen behilflich 
waren. Der allzeit tätige Gründer und Direktor des Museums von 
Para (Brasilien), Herr Prof. Emilio Göldi, übersandte eine Kiste 
lebender Puppen, und Herr F. Egon Clotten (Herbertou, Aus- 
tralien) übergab mit einer Kollektion prächtiger australischer Insek- 
ten der Direktion eine Adresse, die voraussichtlich für die Entwicke- 
lung des Insektenhauses von großer Bedeutung sein wird. 

Beim Aufzählen dieser Erfolge wollen wir indessen nicht unter- 
lassen, auch der mannigfachen Mißbelligkeiten zu gedenken, unter 
deneu die Anlage zu leiden hatte. So trafen z. B. die Eier der 
PlcUysatnia Columbia mit der Angabe ein, daß die Raupe sich von 
Juniperus nähre. Tatsächlich lebt sie aber an Larix. Die Lite- 
ratur hierüber war beim Eintreffen der alsbald auskriechenden Eier 
nicht zur Hand, und bis das Nötige gefunden und eingeleitet war, 
schienen die Tierchen Schaden genommen zu haben; wenigstens 
gingen sie trotz aufmerksamer Pflege bald ein. — In den Kasten, der 
die Lasiocampa pruni und populifolia enthielt, kam die »Flacherie«, 
jene verderbliche Raupenseuche, die der Seidenzucht schon so empfind- 
liche Wunden geschlagen hat. Richtig gingen im Juni auch sämt- 
liche Seidenraupen, etwa 400 an der Zahl, in wenigen Tagen zu 
Grunde, konnten aber sofort wieder ersetzt werden. Die Raupen 
von Philosamia cynthia, zu vielen Hunderten aus den Eiern ent- 
wickelt, kamen bis nahe zur Verpuppung, starben dann aber ganz 



— 74 — 

plötzlich, und genau so verhielt sich die Zucht von Tropaea luna. 
In den Zuchtkasten der Ardia hebe drang der tödliche Pilz Empusa 
aulicae ein, glücklicher Weise erst, als die meisten Raupen bereits 
verpuppt waren and dieser Feind ihnen nichts mehr anhaben konnte. 

Eine große Kalamität war durch die eigentümliche Witterung 
des Jahres 1905 verursacht, uämlich die stoßweise Entwickelung 
der Falter. Infolge der abnorm vehementen und dabei andauern- 
den Hitzeperioden des Sommers gelangten durch die intensive Wärme 
zahllose Schmetterlinge binnen wenigen Tagen zur Entwickelung. 
Dann traten naturgemäß ungewöhnlich lange Pausen ein, in denen 
es, nachdem die kurzlebigen Arten rasch abgestorben waren, in vielen 
Kasten eine gähnende Leere gab. Das Wachstum der Baupen war 
abnorm schnell, und kaum glaubte man einen Käfig gefüllt, so war 
die Gesellschaft schon in der Erde oder hinter ihrem Schutzkokon 
verschwunden. So kam es, daß mehrfach im Jahre Ebben eintraten, 
in denen das Insektenhaus dürftiger besetzt erschien als 1904, wie- 
wohl mehr als doppelt soviel Material zur Verwendung gelangte. 
Vollständig verunglückt sind nur drei Sendungen, eine von Argen- 
tinien, eine von Ceylon und eine aus Durban. Besonders die letztere, 
die herrliche Gynamia maja und Ludia delegorguei enthielt, scheint 
unterwegs unter abnorme Hitze geraten zu sein, die eine vorschnelle 
Entwickelung der Falter verursachte. 200 Attacus atlas gingen auf 
gleiche Weise zu Grunde, weil der Absender, eine Singhalese, den 
Termin der Aufgabe versäumte. 

Trotzdem fanden die Fortschritte der Anlage bei allen Kennern 
ungeteilten Beifall, der uns ermutigt, an der Vervollkommnung des 
Insekten hauses emsig weiter zu arbeiten. 



Zur Geschichte der Londoner Zoologischen Gesellschaft 1 ). 

(Mit 2 Büdern im Text.) 

Von dem Herausgeber. 



Wir haben es in diesem Buche mit einem sehr interessanten 
und reizend ausgestatteten Werke zu tun. Vor allem fesseln die 
Bilder* Die 12 kolorierten Tafeln bringen nach Vorlagen von 

*) Henry Scherren, Tbe Zoological Society of London. A sketch of its 
formation and development and the story of its Farm, Museum, Gardens, Mena- 
gerie and Library. Cassell & Co., London, 1905. 8°. 12, 252 pag., 12 kolor. u. 50 
schwarze Taf., 9 Pläne. — Preis geb. 30 sbill. 



— 75 — 

Ch. F. Flower, die ursprünglich in Wasserfarben ausgeführt wor- 
den zu sein scheinen, packende, farbenfrohe, in der Somniersouue auf- 
genommene Ansichten der schönsten Ausblicke und der am meisten 
charakteristischen Gebäude des heutigen Londoner Gartens. Diese 
Gemälde sind von einem Duft und einem Liebreiz, daß wir in unsern 
deutschen Werken nur wenige gleichwertige ihnen an die Seite zu 
stellen haben. Aber auch die Schwarzbilder nehmen unser höchstes 
Interesse in Anspruch. Da finden wir Reproduktionen alter Stiche 
und Holzschnitte aus Tagesblättern und illustrierten Zeitschriften, 
die Wiedergabe vou plastischen Tierstatuetten und von Medaillen, 
Einlaßkarten, projektierten Gartenplänen und Bauten neben Ab- 
bildungen von hervorragend seltenen oder in irgend einer Weise 
berühmt gewordenen früheren oder jetzigen Bewohnern des Gartens 
und Karikaturen der herrlichen Männer — in erster Linie de* 
Huxley und Owen — , die in der Zoologischen Gesellschaft eine 
führende Rolle gespielt haben, mit köstlichem, drastisch wirkenden 
Humor auf einem Bla-tte vereinigt. Da alles photographisch treu über- 
nommen worden ist, muteu uns diese Bilder mit den Frauen- und 
Herrenmoden von Anno dazumal anfangs etwas fremdartig an; aber 
vieles davon ist gar wacker und liebenswürdig empfunden und gezeichnet, 
und wir versenken uns mit größtem Behagen in das Detail dieser 
Bilder. Ein Vergleich der damaligen Art der figürlichen Darstellung 
der Tiere fällt aber schließlich doch zu Gunsten unserer jetzigen 
Auffassung aus, da unsere Künstler gerade durch das langjährige 
Studium der Tiere in den zoologischen Garteu einen Vorsprung vor 
jenen alten Meistern erlangt haben. Lassen wir nun einige der 
Bilder an uns vorbeiziehen, die uns vor allem lehren, wie sehr sich 
Geschmack und Schaulust beim Volke von 1830 und 1840 geändert 
haben gegenüber den Anforderungen unserer Bauern und Arbeiter 
von 1890 und 1900. Wo erregt jetzt das Eintreffen eines seltnen 
oder auffallenden Tieres, eines Schimpansen, Nashorns, Nilpferdes, 
Walrosses, einer Giraffe oder eines Schneepanthers, einen Zulauf, 
wie ihn uns diese englischen zeitgenössischen Bilder zeigen? Selbst 
wenn wir ein Okapi oder ein Waldschwein aus dem dunkelsten 
Afrika ausstellen würden, glaube ich, möchten wir ohne die größte 
Reklame kaum auf unsere Kosten kommen. Nur vielleicht eiu Gorilla, 
dank der falschen Auslegungen Darwinscher Lehre, hätte in Deutsch- 
land auch ohne marktschreierische Empfehlung noch ein dankbares 
Publikum. Da sehen wir zuerst das Haus des würdigen Sir Joseph 
Banks, wo eine Anzahl von Mitgliedern der Linnean Society. 1822 



— 76 — 

zuerst den Plan faßte, sich als »Zoological Club« (1822 — 29) fester 
aneinander zu schließen. Von den Gründern dieses Klubs sind bei 
uns in Deutschland besonders die Namen Th. Bell, E. T. Bennett, 
JS. Donovan, A. H. Haworth, J. St. Henslow, Th. Horsfield, 
J. Jenyns, W. Kirby und G. B. Sowerby, zumeist Entomologen 
und Konchyliologen, noch heute in gutem Gedächtnis. Um 1824 
wurde dann für einen engeren Zusammenschluß zu einer Zoological 
Society Stimmung gemacht und öffentlich zum Beitritt zu der neuen 
Gesellschaft aufgefordert, als deren Grundungsjahr 1826 aufzufassen 
ist. Schon damals war ein zoologischer Garten und ein Museum ins 
Auge gefaßt. Taf. 3 bringt uns den ersten Garten in Regent's Park 
1829 aus der Vogelschau und Taf. 4 — 12 geben uns Details aus dessen 
Tierbestand. Von sehr mäßiger Größe, sonnig, mit ärmlichen Baum- 
anlagen, die Tierhäuser ungemein primitiv und einstöckig, zeigt sich 
uns dieser erste Anfang dürftiger als der unsrer kleinsten heutigen 
deutschen Gärten. Aber er hatte die Kraft des Wachstums in sich 
dank der Anstrengungen einer Reihe von Männern der Wissenschaft 
und der Finanz, die sich im Laufe der Jahre in immer steigender 
Anzahl zusammenscharten und ablösten. Bilder aus der Menagerie 
von 1832 und 1837 wechseln mit Plänen des Gartens (p. 38 und 
p. 54—55) nnd der Akklimatisations-Farm (p. 42). Besonders merk- 
würdig ist die Abbildung des ersten Affenhauses (Taf. 9) nach einer 
höchst lebendigen Zeichnung von G, Scharf. Es würde zn weit 
führen, wollten wir die Geschichte des Gartens und seines stetigen 
Fortschreitens hier auch nur in groben Zügen wiedergeben; der 
Verfasser hat keine Mühe gescheut, namentlich den ersten Anfängen 
des großartigen Unternehmens nach amtlichen und nach privaten 
Quellen nachzuspüren. Es sei hier nur erwähnt, daß Scherren 
die Geschichte der Gesellschaft in Kapitel von zehnjähriger Dauer 
abtrennt, wobei in überraschender Weise das Wachstum an Mit- 
gliedern, an zur Schau gestellten Tieren, Einnahmen und Ausgaben 
und Besuchsziffern zur Anschauung gebracht wird. Dabei sei nicht 
vergessen, daß sich die Gesellschaft durch Anlage auch eines Museums 
und die Gediegenheit und glänzende Ausstattung ihrer wissenschaft- 
lichen Veröffentlichungen gleich von Anfang an au die Spitze aller 
derartigen späteren Unternehmungen gestellt hat und als solche, 
namentlich durch ihren Einfluß auf die Fortschritte der systema- 
tischen Zoologie, die erste Stelle — auch gegenüber Berlin — be- 
halten hat. Die Farm wird übrigens schon im Jahr 1833, das 
Museum — wohl um dem mächtig aufstrebenden British Museum 



— 7? — 

keine Konkurrenz zn bereiten — 1855 aufgegeben. Die Tierbitder 
auf den Taf. 14—16 ond 18 ans den Jahren 1845. 1847, 1850, 
1851 und 1856 zeigen in künstlerischer Auffassung bereits einen 
erheblichen Fortschritt. Wir vervielfältigen zum Beweise hierfür 



das Prachtbild der ersten im Garten gezeigten zwei Schneepauther. 
Eine wesentliche Vergrößerung erlebt der Garten im Jahre 1851, wie 
uns ein Plan auf p. 106 lehrt. Nicht bloß die Geschichte der Gesell- 



schafb and des Gartens aber entrollt uns das vorliegende Buch, sondern 
auch die Jjntdeckuugsgeschiebte einzelner Tiergruppen. So sehen wir 
die Folge der Tigerpferde, die der Gurten erhalten und gepflegt hat, 
immer eines schöner als das andere, a. T. auch in Bildern an uns vor- 
überziehen, von Grey's Qnagga (Taf. 20) bis zu Grevy's und Grant's 
Zebra (Taf. 41 und 45), wovon wir das letztere ebenfalls hier repro- 



duzieren. Die Planskizze der drei Teile des Gartens von 1874, die 
durch eine Brücke und durch eine Unterführung miteinander ver- 
bunden sind, wie er sich im großen und ganzen heute noch (p. 233) 
zeigt, Enden wir auf p. 152 und 153. Im Jahre 1884 eröffnete 
die Gesellschaft ihr neues Standquartier in Hanover Square (Taf. 34). 
Das letzte Kapitel des Buches, das von der Keorgauisation der Ge- 
sellschaft nach der Pensionierung des letzten Sekretärs Ph. L. Sclater 
handelt, dürfte selbst für englische Leser manches Neue bieten. 

Der Verfasser, Henry Scherren, hat sich mit der Heraus- 
gabe des vorliegenden Buches ein wirkliches Verdienst erworben; er 
ist der Autor von einer Anzahl von vielgekauften populären Büchern 
über Zoologie und ständiger zoologischer Mitarbeiter an uusrer eng- 
lischen Schwester -Zeitschrift >The Field«. 



- 79 - 
Möwen als Nacht? $gefc 

Von Wilhelm Setnister in Liverpool. 



Möwen als zur Nachtzeit beatesuchende Tiere es ist das 

gar nichts so seltenes hier auf dgm River Merseyl Die Eigenart der 
Verhältnisse ermöglicht es. Der River Mersey bildet an den stunden- 
langen Hafendocks von Liverpool und — auf der anderen Seite — 
von New Brighton und Birkenhead entlang ein breites Wasser, das 
dann weiter landeinwärts auf mehrere Stunden sogar einen ge- 
räumigen Binnensee bildet. Auf diesem Wasser tanzen allabendlich 
und nächtlich eine Unmenge von roten, gelben, braunen und blauen 
Lichtem, die das Wasser streckenweise gänzlich erhellen. Die hier 
hauptsächlich lebenden und in der Nacht schwimmend auf dem Wasser 
schlafenden Möwen — Lach-, Silber- und Mantelmöwen — führen 
zum Teil ein recht lebendiges, wenn auch unhörbares, nur ab und zu 
von einem hohlen Schrei unterbrochenes Nachtleben. Man sieht ab 
und zu (nicht immer und auch nicht viele) einzelne Gestalten über 
das Wasser fliegen und im Scheine des Lichts in das Wasser tauchen 
und gelegentlich Beute aufgreifen. Außer den lokalen Lichtverbält- 
uissen gestatten und empfehlen den Möwen zwei andere Umstände 
die Veränderung ihrer Lebensweise und die Anpassung an ein Nacht-* 
leben als nachtjagende Tiere: Erstens der ständige Schiffsverkehr 
hinüber und herüber, der die Tiere oft genug aufjagt und aus einer 
anfangs unfreiwilligen Sache eine Gewohnheit macht, und zweitens 
die Einführung der Stadtküchenreste in den River zur Nachtzeit, 
eines Lebenselixiers, das die ganz uneingeschränkte Verehrung sämt- 
licher Möwen bei der großen gegenseitigen Nahrungskonkunvnz ge- 
nießt. So hat auch das Wasser seine Nachtvögel. 

Gefiederte Wintergäste. 

Von J. H. Willy Seeger in Frankfurt a. M. 



In Nr. 2 (des Jahrgangs 1906) dieser Zeitschrift veröffentlicht 
Oberlehrer L. G eisen heyner, Kreuznach, unter dem Titel »Kreuz- 
nach er Wintergäste«, einen interessanten Aufsatz, in dem er über 
Lärm ridibundus L. und dessen Winteraufenthalt in Städten des 
Nahe- und Rheintals berichtet. 

Während diese Vögel im Winter hier in Frankfurt a. M.,. wie 
in einer Fußnote' zü- ! genannter Arbeit bemerkt wird, eine regel- 



— 80 — 

mäßige Erscheinung sind und sich ganz zutraulich, ja zuweilen auf- 
dringlich bettelnd benehmen, sind sie mainaufwärts bis nach Aschaffen- 
burg nur vereinzelt anzutreffen, allerdings während des ganzen 
Jahres, und zeigen sich dort überall sehr scheu und vorsichtig. Sie 
scheinen mir besonders, ähnlich wie die Krähen, den Jäger sehr wohl 
von anderen, harmlosen Wanderern zu unterscheiden und halten sich 
bei Annäherung eines Flintenträgers stets in respektvoller Entfernung. 

Ich habe Lachmöwen, wie gesagt, auch während der wärmeren 
Jahreszeiten stets mainaufwärts in einzelnen Paaren beobachtet, 
woraus sich schließen läßt, daß sie wohl auch am Main zur Brut 
schreiten; im Sommer 1904 wurde bei Dettingen am Main ein ganz 
junges Exemplar dieser Art erlegt. 

Gelegentlich habe ich diese Möwen im nassen Frühjahr auch auf 
den aufgeweichten Wiesen und Feldern dortiger Gegend in Gemein- 
schaft mit Staren und Krähen beobachtet. 

Naumann bezeichnet sie als die inmitten des Festlandes ge- 
meinste und zahlreichste Möwenart. 

Die größere Masse der bei uns den Winter zubringenden Möweu 
scheint mir allerdings, wie auch Geisenheyner bemerkt, an den nörd- 
lichen Gestaden beheimatet zu sein. Am 2. März dieses Jahres habe 
ich bei regnerisch-stürmischem Wetter und sehr starkem Wasser- 
gang keine einzige Möwe mehr auf dem Main in Frankfurt be- 
obachten können. Jedenfalls haben uns die Tiere bereits Ende 
Februar bei dem Eintritt der milderen Witterung verlassen, um sich 
am ganzen Flußlauf und auch dem Rhein entlaug zu verbreiten 
oder großenteils den nördlicheren Gegenden uuseres Vaterlandes und 
der Seeküste zuzustreben. 

Während des Winters sind auch Fischreiher (Ardea cinerea L.) 
am Main keine allzu seltene Erscheinung; bei Seligenstadt, Main- 
flingen, Dettingen und Klein-Ostheini wurden seither allwinterlich 
am Main einige dieser Vögel beobachtet und am 24. Januar vorigen 
Jahres ein schönes, allerdings etwas abgemagertes Exemplar bei 
Kleio-Oatheim geschossen. 

Die Reiher scheinen mir jedoch in dortiger Gegend im Winter 
in der Mehrzahl Strichvögel zu sein, denn im Sommer werden sie 
selten beobachtet; auch habe ich noch keinen Brutplatz ausfindig 
machen können. Immerhin ist es möglich, daß einige Paare an ver- 
steckten Plätzen dortselbst nisten und sich mehr an kleineu Wald- 
seen und Tümpeln aufhalten. Auch bietet ihnen im Sommer das 



— 81 — 

übermannshohe Schilf am Main, das erst im Herbst abgemäht wird, 
sichere Verstecke. 

Am 8. April vorigen Jahres sah ich einen Fischreiher über 
Frankfurt von Osten kommend nach Niederrad zu fliegen und be- 
merkte, zufällig an dem gleichen Tage, einen anderen auf einer 
sumpfigen Wiese am Main gegenüber der Gerbermühle. Diese beiden 
waren jedoch jedenfalls Exemplare der in unserem Frankfurter Zoo 
seit mehreren Jahren wild lebenden und brütenden Reiher, 



Die Einbürgerung des mexikanischen Atlasfalters in Amsterdam 

und Umgegend. 

Von "Wilhelm Schuster, z. Zt. Pastor in Liverpool (England), Ducke Street 121. 



»Het is eene vlinderfamilie van groote prachtdieren, de familie 
der Nacbtpauwoogen« schreibt >De Prins«, der in seiuer Ausgabe 
vom 1. Januar 1906 vier hervorragend schone Bilder vom großen 
Mexikauischen Nachtpfauenauge — diesem »Reuzenv linder« — nach 
Aufnahmen im Zoo Amsterdams Natura artis magist ra bringt. Es ist 
das dieselbe Familie, von der in den Niederlanden das Kleine Nacht- 
pfauenange und der Tau-Falter leben. Da nun die meisten der in 
Natura artis magistra eingebrachten Puppen die Winterkälte ohne 
Schaden ertrugen und anderseits die Raupen Blätter von einheimischen 
Bäumen fressen, hat R. A. Polak seit etwa vier Jahren die Ein- 
bürgerung dieses Riesenfalters in Holland versucht, und diese Ein- 
bürgerung kann als für Amsterdam und Umgegend gelungen be- 
zeichnet werden. Er schreibt darüber folgende Worte, die hier im 
Original wiedergegeben (und sicher auch von unseren Lesern ver- 
standen) werden: 

»Ik heb hier te Amsterdam een paar bevruchte wjjfjes (Weibchen) 
van die soort de vrijheid gegeven. Reeds (jetzt) den eersten winter, 
welke volgde op den zomer, waarin dit geschiedde (geschah), zag 
(sah) ik de cocons hier en daar (da) in de boomen hangen. Eo de soort 
heeft zieh hier voortgeplant, wa,nt (denn) dezen zomer werden mij een 
par rupsen (Raupen) gebracht, welke te Amsterdam in de vrije natnur 
werden gevonden en die ik onmiddellijk (unmittelbar) herkende als 
afstammelingen van de door mij (von mir) losgelaten Ailantusvlinders. 
Ook weet ik dezen winter weer (wo) een paar cocons hangen, welke 
stellig den yolgenden zomer zullen uitkomen. Ik heb nu plan weer 

Zool. Beobacht. Jahrg. XLVII. 1906. 2 



— 82 — 

♦ 

eukele wijfjes los te laten, ien einde de soort hier van nieuw bloed 
te voorzien. 

Toen ik nrijn inburgeringsproef (Einbürgerungsversuch) raet den 
Ailantusvlinder begon, had ik daartoe deze soort uitgekozen (aus- 
gesucht), ouidat ze tijdens (zur Zeit) onzen winter in de poprust 
(Puppenreife) verkeer^en ook, omdat ze zoo uitstekend (ausgezeichnet) 
ons klimaat verdraagt.« * 

Das Verfahreu, die Puppen dieses Falters — der m. W. ja 
auch im Frankfurter Insektenhaus zu sehen ist — nach Holland 
zu bringen (bezw. nach Deutschland), glückt nicht immer, da manch- 
mal die Puppen unterwegs auf der Reise — also au früh — aus- 
kommen. Die Puppenruhe ist nach den Individuen verschieden; 
bald dauert sie länger, bald kürzer. Vou im Winter 1904 in das 
Amsterdamer Insektenhaus eingeführten zehn Puppen kam eine erst 
in den letzten Tagen des August aus. Einmal wurde auch dem 
Garten eiue Puppe geschenkt, die beim Ausladen eines Bootes 
zwischen der Ladung gefunden wurde; wahrscheinlich war die Raupe 
durch Zufall in das Boot gekommen und hatte sich da verpuppt; 
sie lieferte einen prächtigen, großen Falter. 

Man hat also da und dort Puppen in den Bäumen Amsterdams 
(in Natura artis magistra) hängen sehen. Fallen im Nachjahr die 
Blätter von den Bäumen, dann bleiben die Puppen mit ihrem Blatt 
hängen, da das Gespinst auch noch den Blattstiel umfaßt, und ich 
erinnere hier an Cecidomyia rosaria, deren Galle ja auch die Ursache 
ist, daß die Blattballen über Winter an den Weidenästen hängen 
bleiben, wodurch dann die bekannten » Weidenrose ü« entstehen, die 
ich 1904/05 so auffallend häufig in Friedberg und seiner Umgebung 
in der Wetterau und jetzt auch auf meiner Reise durch Holland 
unterwegs an einem Ort — vom Eisenbahnwagen aus* — au den 
Weidenbäumen sah. So ähnlich mögen die Kokons der > Nacht pauw- 
oogen« aussehen, die im Winter als »vruchten aan de boomen« 
hangen. Der Wind schlingert sie öfters tüchtig hin und her, aber 
das Gespinst ist fest genug, um nicht zu brechen, wie wir Feld- 
gänger das ja alle auch schon von den brauuen Kunsthäuschen des 
Kleinen Nachtpfauenauges an unseren deutschen Schwarzdornhecken 
gesehen haben. 

Ich erinnere hier auch zugleich an die gelungene Einbürgerung 
des Großen Tabakfalters durch Herrn Aug. Schmitter, den ver- 
storbenen Direktor der Straßburger Tabakmanufakturen, in Straß- 
burg und der Umgebung Straßburgs im Elsaß. Die Identifikation 



— 83 — 

dieses Falters, dessen Raupe an Tabakpfianzeu lebt, ist mir augen- 
blicklich nicht möglich, da mein einschlägiges literarisches Material 
nicht hier in Liverpool, sondern noch in Deutschland ist. — Den 
Seidenspinner hat man freilich trotz aller Protektion seitens der 
Regierungen nicht zum einheimischen Tier machen können, doch 
liegen da auch die Verhältnisse anders. 

Noch eins: Könnte man nicht auch vom Frankfurter Insek- 
tarium aus einige befruchtete Weibchen zur gegebenen Zeit fliegen 
lassen? Dort — oder z. B. im wannen Mainzer Becken — möchte 
der Versuch wohl noch eher gelingen, da es dort noch wärmer ist 
als in Amsterdam. (Mainz war auch z. B. schon im 10. Jahrhundert 
ein Sitz blühender Seidenindustrie.) Die Tiere geben ja doch zum 
Teil ohue weitere nützliche Verwendung zu Grunde. Der Schmetter- 
ling ist von respektabler Größe, das Weibchen weit größer als ein 
Wiener Nachtpfauenauge (während der Kokon nur wenig größer 
als ein Taubeuei ist), und die Bereicherung unserer Schmetterlings- 
fauna durch ein so großes und schönes Tier wäre gewissermaßen 
ein Stückchen moderne Kulturarbeit zum Ersatz für viele durch die 
Kultur bei uns seltener gewordene Lepidoptereu *). Das Insekten- 
haus des Zoo als eine solche Versuchs- und Einbürgerungsstation 
würde einen neuen großartigen Zweck erfüllen. 8 ) 



Kleinere Mitteilungen. 



Cetonia afflnis Anders eh. Diese hübsche Cetonie ist leicht zu erkennen, 
da sie ungefleckt und nach der mehr südlichen speciosissima neben marmorata die 
größte der deutschen Cetonien ist (21 — 26 nun). Bei einem Pürschgang durch die 
Gonscnheimer Baumfelder in Begleitung meiner Bruder fand ich heute drei Larven- 
gehäuse im Baummulm. In zweien waren die Larven ganz ausgefressen worden, 
im dritten befand sich ein vollkommen ausgebil deter, im Innern aber auch gänzlich 
ausgefressener Käfer, dessen Oberseite ich durch Entfernung eines Teiles des Ge- 
häuses bloßlegte (in diesem Status wanderte das Stück in meine Sammlung). Das 
Gehäuse hat die Gestalt eines kleinen Eies und mißt 23 mm in der Länge, 15 mm 



*) Vergleiche darüber die Nassauischen »Jahrbücher für Naturkunde« (Wies- 
baden) von den Jahren 1904 und 1905. 

2 ) Die Insektenhäuser haben sich in den zoologischen Gärten in Frank- 
furt a. M. und Amsterdam so gut bewährt, daß sie unbedingt als vorbildlich für 
die anderen Zoos des deutschen .Reiches bezeichnet werden müssen und sicher auch 
in den kommenden Jahren allenthalben Nachahmung finden werden. Auch in 
Sachen »Zoo« etc. können wir Deutsche — selbst für England — den Ton an«» 
geben, wovon ich mich neuerdings wieder zu überzeugen Gelegenheit habe. 



">? 



- 84 - 

in der Breite. Der Käfer füllt das Gehäuse vollständig aus. Die Gehäuse wand 
ist eine Masse (von der Larve) zusammengeleimten Baummulms; von Spinnfäden, 
bezw. einem Netzgewebe kann ich nichts entdecken; an der äußeren Wand haften 
verhältnismäßig recht große Mulmkörnchen. Calwer gibt an (5. Aufl.); »Larven 
wahrscheinlich in Eichenstämmen« ; ich fand die Beutestücke im Mulm eines Kirsch- 
baumes, der überhaupt bei keiner der Göldkäferarten im Calwer'schen Buche als 
Wohn- und Tummelplatz der Larven angegeben ist. Die Cetonia affinis ist in 
Süddeutschland nicht selten, auch dem warmen Mainzer Becken felüt sie nicht 1 ). 
Der Käfer soll sieh an den gallen tragenden Blättern junger Eichen einfinden. 

Wilhelm Schuster. 

Fortpflanzungvon Planorbis corneus. Ich besitze ein Paar Grofiflosser, 
die in einem ziemlich vergessenen Äkkumülatorenglas seit Jahren ihr Leben fristen. 
Wasser und Sand ist alles, was ihnen geboten ist. Das Wasser wird nicht gewechselt, 
nur das verdunstende aufgefüllt. Vor drei Jahren (vielleicht August 1902) wollte 
ich ein wenig Pflanzenwuchs ins »Aquarium« bringen und steckte einen Büschel 
Elodea canadensis in den Sand. Bei dieser Gelegenheit kam ein Planorbis mit 
ins Wasser und blieb nun drin. Die Pflanze vegetierte eine Zeitlang, faulte dann ab, 
und ich gab dann das mit Algen überwucherte Glas zum Beinigen. Das Glas 
wurde (der Raschheit wegen) mit Salzsäure geschwenkt und wurde so spiegelblank. 
Wieder mit Wasser gefüllt und mit den beiden Fischen und der Schnecke besetzt 
wurde es an den alten Platz gestellt. Sand war zu geben vergessen worden, und 
ich trug mich mit dem Gedanken das Ganze zu verschenken. Wie es aber so geht 
— ich vergaß die Tiere, da sie nicht in meinem Zimmer standen, immer wieder, 
und sie blieben zusammen mit der Schnecke im pflanzenlosen Glase. Die Fische 
wurden mehr oder weniger regelmäßig gefüttert, die Schnecke lebte von den sich 
ansiedelnden Algen an der Glaswand. Sie pflügte, besser schabte die reizvollsten 
Ornamente in den grünen Belag. Nach einiger Zeit konstatierte ich die nicht 
außergewöhnliche Tatsache, daß durchsichtige Laichpakete an die Glaswände ge- 
heftet waren, die nach einiger Zeit auch Junge ergaben. An allen vier Wänden 
zogen langsam Dutzende von kleinen, durchsichtigen Schneckchen hin, ihrer Haupt- 
beschäftigung, der Weide, nachgehend. Das Glas aber wurde wieder geputzt, wobei 
natürlich die kleinen Schneckeben alle ums Leben kamen, der Algenbelag mit Säure 
entfernt und die beiden Fische und die alte Schnecke wieder eingesetzt. Es wieder- 
holte sich alles wieder. Die Algen wuchsen wieder, meine Schnecke (nachdem sie 
eine Hungerperiode durchgemacht hatte) äste wie vordem, Eierpakete wurden ab- 
gelegt, Junge kamen aus. Ich weiß nicht, wie oft sich diese Reihenfolge wieder- 
holte; nur das weiß ich — wir schreiben jetzt 1905, und meine Schnecke hat 
auch diesen Sommer geäst, Eierpakete abgesetzt und hat aus ihren Eiern Junge 
entstehen sehen, die wiederum äsen u. s. w. Es ist bekannt, daß Planorbis als 
Lungenschnecke beide Geschlechter in sich vereinigt. Aber es .ist viel darüber 
geschrieben worden, ob eine Selbstbefruchtung stattfindet oder nicht — ob nicht 
trotzdem zwei Individuen zur Fortpflanzung notwendig seien. Meine Schnecke nun, 
die drei Jahre allein gehalten immer befruchtete Eier abgelegt hat, gibt zu denken. 
Hat Selbstbefruchtung stattgefunden, oder war sie vor ihrer Gefangenschaft von 

J ) Mach v. Heydens Käfer von Nassau und Frankfurt, IL Aufl., 1904 p. 396 ist die 
Art im ganzen Gebiet überhaupt nur zweimal erbeutet worden (im Frankfurter Waide bei 
Niederrad). Ich habe den Käfer in 45jähriger Praxis niemals gefunden. 

Der Herausgeber. 



— 85 — 

einer andern Zwitterschnecke, die ihr gegenüber als Männchen fungierte, befrachtet 
worden, und hat sie das einmal empfangene Sperma die Jahre in ihrem Körper 
reaktionsfähig aufbewahrt? Ich wage dies nicht zu entscheiden. A. Lang im 
»Zoolog. Zentralblatt« XI. (1904) 841 sagt von in Einzelhaft gehaltenen Individuen 
von Helix hortensis, nemoralis, arbustorum und sylvatica, daß diese nicht zur 
Eierproduktion gelangt seien ; Helix pomatia und adspersa legten Eier, die aber 
nicht entwicklungsfähig waren. Dadurch sei endgiltig festgestellt, daß Selbstbe- 
fruchtung ebensowenig wie Fortpflanzung durch uubefruchtete Eier vorkomme. 
Ferner aber wies Lang nach, daß der bei der Begattung ins Beceptaculum seminis 
gelangte Samen in diesem drei bis fünf Jahre befruchtungsfähig bleibt. 

Karl Soffel. 

Atemgeräusche bei Schnecken? In einem großen Einmachglas hielt 
1 ch diesen Frühling und Sommer verschiedene ifefe-Arten. So H. arbustorum, 
nemoralis und hortensis. Sie wurden regelrecht gefüttert, da ich über ihre Fort- 
pflanzung von ihnen erfahren wollte. Eines Abends höre ich in meine Lektüre 
hinein ein deutliches Röcheln und Schnaufen — wie Schnarchen. Da ich mich 
allein im Zimmer wußte, so fuhr ich unwillkürlich auf. Ich schaute mich im 
Zimmer um. Das feine, aber doch ohne Anstrengung hörbare Schnarchen kam 
vom Fenster her. Dort standen meine Schnecken. Wer beschreibt mein Erstaunen» 
als ich hineilend erkannte, daß das Geräusch aus dem Schneckenglas kam und lauter 
wurde, nachdem ich den Deckel des Gefäßes entfernt hatte. In der mir zugäng- 
lichen Literatur hab' ich nirgends je eine Bemerkung gelesen, daß Schnecken auch 
Laute von sich geben könnten, und so glaubte ich lange noch an Täuschung. Aber 
diese war doch ausgeschlossen. Das Ohr direkt an die Stelle des Glases legend, 
wo innen eine H. hortensis saß, hörte ich ziemlich stark das ziehende, röchelnde 
Geräusch. Die Schnecke war im Haus und mit erstarrtem Schleim halb an die 
Glaswand geheftet, die Sohle (ohne Bewegung) absolut anliegend. Sollte das Ge- 
räusch nicht mit Absicht des Tieres zustande gekommen sein, sondern durch eine 
Konstellation von Glas, Gehäuse und Körperfläche des Tieres, die zusammen beim 
Ein- und Ausatmen pfeifenähnliche Wirkung erzeugt hätten? Ich kann mir dies 
nur schlecht denken, denn ich hörte dies Geräusch (einmal aufmerksam gemacht) 
dann oft und auch am Tage. Selbst wenn ich das so »schnarchende« Tier von 
der Glaswand löste und auf den Grund des Glases legte, an dem es aber bald 
wieder emporkroch, konnte ich des öfteren nach ganz kurzer Zeit wieder die alte 
Musik vernehmen. Dieses Geräusch hörte ich nur von H. hortensis und einige 
Male von H. nemoralis. Niemals besaß ich eine »schnarchende« H. arbustorum 
oder pomatia, obwohl ich Dutzende von Exemplaren daraufhin gefangen hielt. 

Sollte diese Beobachtung — die, nachdem ich sie gemacht, nicht auf mich 
beschränkt blieb, schon um mögliche Täuschung auszuschließen — noch nicht in 
der einschlägigen Literatur erwähnt sein (was aber leicht sein könute, da mir 
natürlich nicht alles zur Hand ist), so bitte ich eventuelle Beobachter ihre Ge- 
danken darüber und etwaiges weiteres Material in dieser Zeitschrift niederzulegen. 

Karl Soffel. 

» 

Ist das groß- oder das kleindotterige Ei die ursprüngliche 
Ei form der Froschlurche? Auf Sumatra, Borneo und der Malayischen Halb- 
insel findet sich ein prächtig grüner mit Haftscheiben und breiten Spannhäuten 
an Hand und Fuß versehener Baumfrosch, Bhacophorus nigropalmatus Blgr., der 



- 86 - 

ganz wie ein riesiger Laubfrosch aussiebt und lebt, aber 7U den eigentlichen 
Fröschen (Raniden) gehört. Nach Dr. W. Volz* Angabe iegt er seinen Laich 
am Lande ab. Die einzelnen Larven sind in einem etwa faustgroßen weißlichen 
Ballen Schleim eingebettet, der ähnlich aussieht wie Seifenschaum oder wie Speichel 
und ziemlich zäh ist. Jeder Ballen enthält nur 20 — 30 Eier. Dr. M. Isenschmid 
gibt weiter an, daß der Dotter dieser Eier groß und reichlich entwickelt sei, 
und daß die Larve demnach wahrscheinlich erst spät ausschlüpfe, wie dies auch 
für andere Rhacophorus-Arten bekannt sei. Nun haben aber Budgett und 
namentlich Dr. v. Mehely die Vermutung geäußert, daß dieser Dotterreichtum 
und im Zusammenhang damit die weitgehende Entwicklung im Ei bei den Frö- 
schen ein ursprünglicher Zustand sei. De Bussy hingegen kommt auf Grund 
der regelmäßigen Furchung dotterarmer Froscheier zu der entgegengesetzten 
Ansicht und betrachtet, was übrigens der früher allgemein geltenden Auffassung 
entspricht, den Dotter reichtum als eine später erworbene Eigenschaft. Beide 
Ansichten lassen sich nun nach Dr. P. N. Yan Kampen, dem wir eine sehr 
lesenswerte Studie über die Lurche von Palembang (Sumatra) verdanken, viel- 
leicht in folgender Weise miteinander in Einklang bringen. Daß die Stammeltern 
der Frösche ursprünglich dotterreiche Eier hatten, scheint ihm, auch mit Rück- 
sicht auf den Dotterreichtüm der Eier der meisten Fische und Schwanzlurche, 
sehr wahrscheinlich. Er hält es aber für unmöglich, alle Frosch arten, die jetzt 
einen solchen Zustand aufweisen, unmittelbar von jenen Voreltern abzuleiten; 
dazu 8ei ihr Vorkommen doch zu vereinzelt. Die einfachste Erklärung scheine 
ihm die zu sein, daß die Froschlurche oder ihre Vorfahren schon sehr früh 
dotterarm geworden seien, daß sich aber das Vermögen, sich im Ei zu entwickeln, 
latent erhalten habe und dieses Vermögen sich jetzt noch durch bestimmte Ein- 
flüsse äußern könne. Nur durch die Annahme solcher latenten Eigenschaften 
sind nach Van Kampen auch einige andere Merkmale zu erklären, die bei den 
Fröschen mehr oder weniger vereinzelt auftreten, ohne eine nähere Verwandt- 
schaft der Träger anzudeuten, wie z. B. Hautverknöcherungen, Augenhörner, 
helle Rückenlinie, die karminrote Färbung einzelner Körperteile bei ganz hete- 
rogenen Froschlurchen der Malayischen Halbinsel u. s. w. Als Stütze für seine 
Auffassung betont v. Mehely, daß die Fertigstellung im Ei nicht immer eine 
Folge von Wassermangel zu sein brauche, da ja z. B. Fhrynixalus biroi v. Mäh. 
seine dotterreichen Eier ins Wasser ablege. Es mögen aber auch andere Um- 
stände die Entwicklung im Ei zweckmäßig erscheinen lassen ; Van Kampen denkt 
dabei an die Verminderung der Gefahr, Feinden zur Beute zu fallen, an die 
Verhütung von Nahrungsmangel für die Larven während der ersten Entwicklung 
und an die Unmöglichkeit für viele junge Kaulquappen, in schnell fließenden 
Bächen festen Fuß zu fassen. 

(Nach Spengels Zool. Jahrb. Abt. f. Syst., Bd. 22, Heft 6, 1905 p. 705—706). 

Bttgr. 

Neue Säugetiere XVII. (Für I— X vergl. Zool. Garten Jahrg. 1903 
p. 131, für XI Jahrg. 1903 p. 267, für XII und XIII Jahrg. 1904 p. 69 und 
290 und für XIV, XV und XVI Jahrg. 1905 p. 88, 280 und 376). 

103. Capt. R. Meinertzhagen beschreibt in Proc. Zool. Soc. London 1905 
I p. 169 eine Oribi-Antilope als Urebia kenyae n. sp. aus dem Kenya-Gebiet 
in Brit. Ostafrika, die nächstverwandt der U. haggardi sei. Ein Hauptunterschied 



— 87 - 

liege in den Hörnern, die weder so dick, noch so kräftig und unregelmäßig ge- 
ruiiZolt seien ; auch liege ihre Ansatzstelle weiter nach vorn, sie hätten eine andere 
Krümmung und ständen unter einem mehr nach vorwärts gerichteten Winkel. — 
Länge des Männchens 40—42, Schulterhöhe 23—25, Hornlänge 5 1 /«— 6 ' ; Gewicht 
36—40 ff, 

104. P. Chalmers Mitehell bildet ebenda p. 244, Fig. 50—51 eine junge 
weibliche Giraffe aus Nigerien ab, die sich von allen Formen noch am meisten 
an die nubische anschließe, die er aber nicht auf Girafa camelopardalis peralta 
Thos., die gleichfalls Nigerion bewohnen soll, beziehen möchte. 

105. Irisierender Goldmull, Amblysomus iris n. sp. Oldf. Thomas 
und H. Schwann, ebenda p. 259, Taf. 16, Fig. 1 (Schädel) aus Umvolosi, Zululand, 
wird mit A. chrysillus n. sp. p. 261, Taf. 16, Fig. 2 (Schädel) von der Delagoabai 
und mit A. corriae Ths. u. Schw. ebenda Fig. 3 (Schädel) verglichen. Es sind 
alles mit einander verwandte, kleine, maulwurfartige Insektenfresser. 

106. Starkzähnige Ohrenmaus, Otomys laminatus n. sp. Dieselben, 
ebenda p. 267 aus Sibudeni, Zululand. Kleiner Nager, im Bau des dritten oberen 
Mahlzahnes abweichend von O. irraratus. 

107. ßudds Dickschwanzbase, Pronolagus ruddi n. sp. Dieselben, 
ebenda p. 272, Taf. 16, Fig. 4 (Schädel) vom gleichen Fundort. War bis jetzt 
mit JV. cra88icaudatu$ Geoffr. verwechselt, ist aber von diesem durch bedeutendere 
Größe und sehr wesentlich im Schädelbau verschieden. — Kopf und Rumpf 482; 
Schwanz 52, Hinterfuß 99 (bei crassicaudatus nur 80), Ohr 98 mm. 

108. Dr. Einar Lönnberg bringt ebenda p. 278, Fig. 53— 54 eine sehr 
interessante Abhandlung über Bastarde zwischen Feld- und Alpenhase (Lepus 
timidus L. und L. europaeus Pall.) aus Südschweden. 

109. Wertvolle systematische und faunistische Mitteilungen über die Biesen- 
Elenantilope {Taurotragus derbianus gigas Heugl.) des Bahr-el-Ghazal-Gebietes im 
Sudan bringt A. L. Butler, ebenda p. -288. Bttgr. 

Frühe Reife. Ein im Februar erbrütetes Wellensittich weibchen brachte 
als Nebengattin ein Gelege von fünf Eiern im September des gleichen Jahres aus 
die Jungen waren genau so kräftig wie die gleichaltrigen Kinder des rechtmä- 
ßigen Weibchens des Sittich paschas, der übrigens während des Brütens seiner 
beiden Gattinnen gegen beide gleichmäßig aufmerksam war und auch an der 
Fütterung der Jungen in beiden Nistkästen gleichmäßigen Anteil nahm. Ein 
anderes Weibchen brachte nach dem plötzlichen Tod des Männchens, gerade als 
die beiden Jungen aus den Eiern geschlüpft waren, diese allein glücklich groß, 
trotzdem es fast nie am Tage die Jungen wärmte. P. C H. Momsen. 

Abnormer Paarungstrieb. Ein einzeln im Käfig gehaltener Kanari en- 
hahn geriet durch den Anblick von Sperlingen, die er auf dem Fenstergesims 
sitzen sah, in derartige Paarungswut, daß er nach vorangehendem Liebesspiel, 
Schleifenlassen der Flügel und schmetterndem Gesang gegen die Stäbe seines 
Käfigs anflog (nicht nach der Fensterseite zu), sich an ihnen festhielt und von 
einem nur in seiner Einbildung vorhandenen Weibchen stürmisch der Minne 
Sold nahm. 

Ähnliches sah ich von einem Buchfinken, der trotz seines willfährigen 
Weibchens in seiner Liebesraserei den Kopf einer Turteltaube als sein Weibchen 
ansah. P. C. H. Momsen. 




- 88 — 

Neues Sinnesorgan bei einem Molche? In der mir unterstellten 
Sammlung der Senckenbergischen Naturf. Gesellschaft befindet sich ein Glas mit 
dem kleinsten Schwanzlurche Nordamerikas, dem Manculus quadridigitatus Cope. 

Er gehört zu den auch im westlichen Mittel meergebiet durch 
Spelerpes fuscus (Bonap.) vertretenen plethodontinen Salamandern, 
die sich durch eine pilzförmige Zunge* auszeichnen, und unterscheidet 
sich auffallend von allen verwandten Gattungen durch die Zahl 4 der 
Zehen an den Füßen. An ihm fiel mir sofort beim Betrachten des 
einen Stückes ein eigentümlicher, symmetrisch an beiden Seiten der 
A ^^ Schnauze befindlicher Fortsatz auf. Bei dem kleineren der beiden aus 

Kopf von Manculus. Ral eigh, Nord- Carolina, stammenden Tiere von 66 mm Totallänge 

^m dl V 0* V Oll 

(ein- Stück des British Museums mißt 69, unser größtes, leider an der 
Schwanzspitze verletztes Stück würde etwa 70 mm messen) zeigt sich nämlich unterhalb 
und ein ganz klein wenig hinter der Nasenöffnung, aber noch nicht am Oberkieferrande 
selbst gelegen, ein schlanker, walzenförmiger Fleischzapfcn, der nach der Seite ge- 
stellt, aber nach unten gerichtet ist. Seine Basis ist etwas dreieckig verbreitert; 
sonst ist der Zapfen aber ganz gleichmäßig zylindrisch und seine freie Spitze ver- 
rundet. Der ganze fadenförmige Anhang läßt sich leicht drehen und bewegen. 
Er mißt etwas mehr als 7 2 mm in der Länge und mag etwa dreimal länger sein 
als an seiner Basis breit. Der Abstand seiner Spitze vom Nasenloch beträgt genau 
1 mm. Unser größeres Exemplar — vermutlich ein Weibchen — zeigt keine Spur 
von diesen Fortsätzen. Ist dieser »Fühler«, der uns an ähnliche Organe bei 
Dactylethra (Xenopus) und Hymenochirus unter den Frosch lurchen nnd an den 
so oft besprochenen, rätselhaften »Tentakel« der Blindwüblen (Apoden) erinnert 
und der einzig unter den Caudaten nur bei der Gattung Manculus aufzutreten 
scheint, ein ständiges Attribut des Männchens, wie es den Anschein hat, und 
kommt es ihm nur in der »Wassertracht« zu, oder ist es ein normaler oder ein 
abnormer Überrest der Larvenform? Es muß weiteren Untersuchungen überlassen 
bleiben, diese Fragen zu entscheiden, da uns bis jetzt nur ein Exemplar von 
Manculus mit diesen »Tentakeln« zur Verfügung steht. Vielleicht nehmen sich 
unsre nordamerikanischen Leser der Sache an! Prof. Dr. 0. Bocttger. 



Literatur. 



Illustriertes Jahrbuch der Naturkunde, 3. Jahrgang (1905), von Herrn. 

Berdrow. Verlag v. Karl Prochaska in Teschen. 271 Seiten (mit vielen 

Illustrationen). Pr. IM. — 
Es ist für den Paläontologen wie den Zoologen, den Botaniker, wie den 
Anthropologen immer ein ganz besonderer Genuß, Berdrows Jahrbuch zu lesen. 
Die Parteilosigkeit und das sonnenfreudige Streben nach Wahrheit, die ehrliche 
Ehrfurcht vor der ganzen großen Schöne der Natur leben und atmen aus diesem 
Werk: — große Vorzüge, wenn man bedenkt, daß andere Jahrbücher oft unter 
dem Mangel einer pedantischen Trockenheit leiden oder angesteckt sind von mehr 
oder minder reaktionärem Geist (eine neuerliche Erscheinung, die man wohl zu be- 
achten hat!). Mit feinem Spürsinn hat Berdrow das Bessere und Beste von dem 
zusammengetragen, was die deutschen Naturforscher im Laufe des letzten Jahres 



— 89 — 

auf den Altar unserer Wissenschaft gelegt haben. Auch unser »Zoologischer Garten« 
ist mehrfach benutzt und zu Rate gezogen worden (S. 222, 227 u. s. w). »Vom 
Rätsel des Lebens« belehrt uns über Protoplasma und Zelle, die wahren Unsterb- 
lichen, die Organentstehung und Organtechnik, erloschene Geschlechter (mit 11 Bildern) J 
»Aus Grün und Blütenpracht« enthält das Sexualproblem in der Pflanzenwelt, Wehr 
und Waffen, das grüne Laub, im Hochzeitsge wände; »Im Reiche des Faunus« be- 
lehrt u.a. über den »Klugen Hans« (entschieden zu anthroporaorphistisch abgehandelt!), 
die Biologie der Wirbeltiere, die antarktische Tierwelt, unsere gefiederten Freunde 
auf der Wanderung, geflügeltes Allerlei, tropisches Insektenleben (mit 15 Bildern); 
»Der Herr der Schöpfung« (Urgeschichte, Ethnographie, Anthropologie) behandelt 
die Bildnerei und Religion der Urzeit, vom Eolithen zum Hünengrab, Rassenfragen 
Herz und Magen u. s. w. (mit 16 Bildern). Das Jahrbuch der Naturkunde ist für die 
weiteste und breiteste Volksschicht berechnet;* für alle Volksschullehrer z. B. und 
Besucher der Zoos denke ich mir seine Lektüre geradezu als kostbar. Ein Volks- 
buch nennen es die günstigen Urteile der gesamten Tagespresse; zu einem Volks- 
buch stempelt es auch schon der geringe Preis (1 M.). Unter dem zoologischen 
Teil finden wir die Namen Melzer, Preyer, Pflüger, Pastor, v. Schroen, Eber- 
Branch, Kolbe, Werner, Horvath, Forel, Merzbacher, Matschie, David, Guldberg, 
Boenninghaus, Vanhöffen u. a. Wilhelm Schuster, Pfarrer. 



Schmetterlingsbuch. Anleitung zum Sammeln und Bestimmen der Schmetter- 
linge. Mit 16 Tafeln in Farbendruck. W. Niizschkes Verlag, Stuttgart 1905. 
204 S., 8°, Pr. geb. M. 4.- 

In fünfter Auflage tritt Franz Sträßles Schmetterlingsbuch vor uns, 
neu bearbeitet von dem tüchtigen und bekannten Entomologen H. Fleischer, 
Oberlehrer an der Kgl. Präparanden Anstalt in Saulgau. Wem hat dieses Schmetter- 
lingsbuch bisher gedient u» d wem soll es weiterhin dienen ? Dem Anfänger, der 
Jugend, dem Rekrutenbestand der zünftigen Entomologie. Es gibt gewiß weit 
bessere, reichhaltigere und teuerere Schmetterlingswerke als dieses; aber jene sind 
nur den »Oberen Zehntausend« unter den Entomologen zugänglich — auch nur für 
die geistige Blüte im entomologischen Reich bestimmt — , die große Masse aber 
braucht billige und doch gute, zum Sammeln und Bestimmen hinlänglich genügende 
Bücher. Die Abbildungen sind alle verhältnismäßig gut, so z. B. auf Tafel X 2a 
der gerade hier im Neckar- Bergland (Heidelberg- Heilbronn) auffallend häufige Russische 
Bär (Callimorpha quadripunetaria), der übrigens auch am Tage fliegt (ich fing 
ihn im August 1905 nachmittags verschiejentlich im Pfarrgarten zu Neckar-Steinach 
auf Tausendschön, morgens auf dem Hungerberg auf Beinwell — er heißt ja auch 
Beinwellspinner — und am Darsberg zwischen Heidelbeeren). Mit Hilfe der 16 
Tafeln kann der Anfanger schon 117 Schmetterlinge per oculos spielend richtig 
bestimmen. Schon die Neuherausgabe des Staudingerschen Katalogs machte eine 
Neuauflage de» Schmetterlingsbuches hinsichtlich der Namengebung nötig. — 
An dieser Stelle möchte ich empfehlen — weniger für Schulbücher als für größere 
Werke — , doch auch eine.i Teil der Lepidopteren in sitzender Stellung abzu- 
bilden, wo sie meist viel charakteristischer sind als in ausgespreizter, wie 
z. B. gerade der sitzende Russische Bär mit der die schwarze Fläche in technisch 
ganz ungemein: hervorragender Weise auflösenden gelblich weißen Streif ung (wodurch 
er auf hellbunten Blumen unstreitig viel weniger auffällt) ; ich habe das Empfinden, 



— 90 — 

als ob wir über die Färb-, Zeichnungs- und Auflösungsbilder, die unsere Lepidopteren 
des paläarktiscben Faunengebiets in sitzender Stellung darbieten, noch in tiefster, 
ahnungsloser Unkenntnis steckten, von einigen (durch die ewig wiederholte Vor- 
führung vielen schon zum Überdruß gewordenen) Schulbeispielen und lepidoptero- 
logischen Demonstrationskaninchen ' abgesehen. Wilhelm Schuster. 



Notes on Anthropoid Apes by the Hon. Walter Rothschild, Ph. D., 
F. Z. S. From the Proceedings of the Zoological Society of London, 
April 1905. 

Die abgebildeten Schädel von Gorilla gorilla, Gorilla gorilla matschiei 
(Rothsch.) und Goritta gorilla diehli (im Tring-Museum) zeigen eine hohe 
Schädelfirste, während diese beim Gorilla beringen nur schwach ausgeprägt ist. 
Dementsprechend ändert sich das Bild des Schädelumrisses von hinten gesehen 
Bezüglich Nomenklatur unterscheidet sich (bei Simia) Rothschild von Matschie 
in einem Punkt gänzlich ; er hält dafür, daß ein spezifischer Name (a specific 
name) gebraucht werden könne für eine Spezies, sogar wenn er vorher gebraucht 
wurde in einem anderen Sinne, sobald die zuerst damit bezeichnete Spezies in- 
zwischen in einem anderen Genus untergebracht worden ist. Er betrachtet 
darum »Simia pygmaea* zulässig für eine der Schimpanserassen (races of 
Chimpanzee), weil Linnes Simia pygmaea jetzt unter dem Namen Pongo pyg- 
maeus geht. Ein Buntbild zeigt die braunstirnige, dunkelmäulige Simia 
vetterosa (Gray), schöne schwarze Zeichnungen stellen dar den Kopf von Simia 
satyrus (Linn.), die Simia satyrus schweinfurthi (Gigl.), das gefleckte Gesicht 
der Simia pygmaea raripilosa (Rothsch.), die Simia satyrus marungensis 
(Noack) u. a. Die Zeichnungen stammen von H. Grönvold; er ist nach Keule- 
mans und neben dem auch in Deutschland gut bekannteu und noch besser 
honorierten Thorburn zur Zeit der beste englische Tiermaler, und Baron Roth- 
schild zeigte mir am 15. März c. noch andere schöne und hervorragende Bilder 
von ihm im Tring-Museum. Wilhelm Schuster. 



Annual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Insti- 
tution for the year ending June 1903: Report of the U. S. National 
Museum. Washington, Governra. Print. Office, 1905. 8°. 15,646 pag., 120 Fig., 
69 Taf. 
Der vorliegende Band 1 ) beschäftigt sich, abgesehen von den üblichen 
statistischen Mitteilungen über die Tätigkeit des Nationalmuseums und den reichen 
Zuwachs zu seinen Sammlungen, einzig und allein mit Museumsbauten und wird 
als solcher sicher von jedem zur Hand genommen werden müssen, der sich mit der 
Fr ige einer Neuschöpfung oder der Vergrößerung vorhandoner Musealbauten zu 
beschäftigen haben wird. Er entsprang wohl in erster Linie dem Gedanken, die 
Gutachten und Voranschläge zusammenzustellen für das neue, um das Doppelte 
vergrößerte Museumsgebäude, das sich in Washington nötig gemacht hat und 
das im Augenblick in der Nähe des alten Museums im Bau begriffen ist. Zwei 
größere Arbeiten sind es, die Baugeschichtc und die Beschreibung der Gebäulich- 

*) Vgl. unsre Besprechungen der früheren Bände im Zoolog. Garten Jahrg. 1898 p. 389 
(Report 1895), 1900 p. 126 (Rep. 1896) und p. 231 (Rep. 1897), 1902 p. 71 (Bep. 1898), 1904 p. 134 
(Rep. 1900), p. 288 (Rep. 1901) und p. 358 (Rep. 1902). 



— 91 — 

keiten des U. S. National Museums in Washington von Rieh. Rathbun und die 
Stadien über die Museen von New York City, Albany, Buffalo und Chicago und 
einige neuere Museen in der Alten Welt, die A. B. Meyer in Dresden zum Ver- 
fasser haben, die unser ganzes Interesse in Anspruch nehmen. Von den Tafeln 
haben allein 29 auf das U. S. National Museum Bezug, während die zu der Meyerschen 
Abhandlung gehörigen Abbildungen fertiggestellte oder geplante Museal- und 
Bibliotheksbauten in New York, Albany, Buffalo, Chicago ,, Boston , London, 
Manchester, Edinburgh, Glasgow, Oxford, Liverpool, Dublin, Paris, Brüssel und 
Hannover in Grund- und Aufriß oder in zahlreichen Details der Innenräume zeigen. 
Eine große Menge von schätzbarem Material ist hier in einem Bande vereinigt, 
der wohl zum erstenmal sich die Aufgabe gestellt und gelöst hat, auch dem Bau- 
meister und technischen Musealbeamten einen Leitfaden, ja ein »Lehrbuch der. 
Museal-Baukunde« in die Hand zu geben. Vor allem lesenswert sind die in den- 
verschiedenen Museen getroffenen Vorkehrungen gegen Feuersgefahr. Bttgr. 



Revista do Museu Paulista, herausg. v. Dir. Dr. H. v. Ihering. Bd. 6. 
Säo Paulo (Brazil), Typogr. do Diario official, 1904. 8°. 4,679 pag., 23 Fig., 
24 Taf. 

Von diesem angesehenen und trefflich redigierten Jahrbuche liegt ein weiterer 
— der sechste — reich mit Tafeln geschmückte Band vor mir, der vieles enthält, 
das den Liebhaber oder Kenner südamerikanischer Tierwelt interessiert. Von Jahr 
zu Jahr häuft sich in diesen Bänden gut verarbeitetes Material an, und der Forscher, 
der über irgend ein faunistisches oder systematisches Gebiet in Südamerika schreibt, 
wird schon jetzt zuerst zu diesen Bänden greifen, wenn er sich über das bis dahin 
in der Wissenschaft Geleistete literarisch orientieren will. Brasilien fängt somit 
auch schon an, sich wissenschaftlich von Europa unabhängig zu machen, und wir 
können ihm zu diesem stolzen Vorgehen nur von Herzen glück wünschen. — Für 
unsre Leser dürften namentlich die folgenden, in dem vorliegenden Bande nieder- 
gelegten Arbeiten von Wert sein: 1. H. v. Ihering, Die Vögel von Paraguay 
verglichen mit denen von S. Paulo p. 310—384. Danach besteht die Avifauna 
von Paraguay, soweit sie bis jetzt erforscht ist, aus 470 Arten, während aus 
S. Paulo augenblicklich 657 Spezies bekannt sind. Der Autor ist zu dieser ver- 
gleichenden Darstellung um so mehr berechtigt, als er seit 1898 bereits acht Ab- 
handlungen über südamerikanische Vögel herausgegeben hat. Von seinem früheren 
Verzeichnis der Vögel S. Paulos streicht ei jetzt sechs, nämlich Mimiis lividus 
(Licht.), Tyranniscus bolivianus paulixtus Jher., Anodorhynchus hyacinthinus 
(Lath.), Amazona ochroeephala (Gm.), A. schmidti Jher. und Crax sulcirostris 
Jher.), fügt dafür aber 25 für den Staat neue hinzu. Es sind dies Stelgidostomus 
maxillosus (Cab.), Cyanoloxias glaucocaerulea (d' Orb.), Euscarthmus margarüacei- 
venter (d' Orb. Lafr.), E. latirostris Pelz., Leptopogon oustedeti Sei,, Phyllomyias 
griseocapilla Sei., Attila phoenicurtis Pelz., Clibanornis dendrocolaptoides (Pelz.), 
Synallaxis azarae d' Orb., Siptornis ruticilla (Cab. Heinr.), Thatnnophilus major 
Vieill., T. doliatus (L.), Myrmotherula brevicauda (Sw.), Formicivora mdanogaster 
(Pelz.), Terenura maculata (Wied), Polytmas thaumantias (L.), Hylocharis ruficollis 
maxweUi (Hart.), Glaucis hirsuta (Gm.), Chaetura biscutata Sei., Ceryle superciliosa 
(L), Pulsatrix perspicillata (Lath.), Tigrisoma fasciatum Such., Heliornis fulica 
(Bodd.), Squatarola hdvetica (L.) und Prion arid Gould. Leider verstehe ich 



. — 92 ~~ 

nicht genüg Portugiesisch, um die interessanten Ausführungen des Verfassers über 
die Ursachen dieses großen Vogelreichtums ohne Zeitverlust zu verfolgen, und muß 
mir deshalb auch versagen, auf die Zoogeographischen Fragen, die der Autor S. 
365-384 erörtert, näher einzugehen; aber verraten möchte ich doch, daß er neun 
genaue Vogellisten aufstellt für kosmopolitische Arten, für amerikanische, neotro- 
pische, allgemein brasilische, für Arten der zentralen Hochebene Brasiliens, für 
nordbrasilische, argentinische, für Vögel vom Nordosten der Argentina bis Matto 
Grosso und für südbrasilische Vogelarten und die in diesen Listen vorkommenden 
Formen einerseits mit denen von Paraguay, anderseits von S. Paulo vergleicht. 
In einer Skizze über den Fluß Jurnä (im Staat Amazonas, südlich von Tabatinga 
am oberen Amazonas) p. 385—460, Taf. 8 — 16 schildert derselbe 2. Lage und Klima 
und Flora und Fauna des Juruätales. Interessenten finden eine Aufzählung von 
*50 Säugetieren p. 392 und p. 406—425, von 188 Vögeln p. 393 und p. 426—452 
und von Lurchen und Kriechtieren p. 398—395 usw. Bei den Säugetieren sind 
überall die Maße der gesammelten Bälge und Schädel verzeichnet; von Vögeln 
werden als neu beschrieben Thryothorus genibarbis juruanus n. subsp. p. 431, 
Ornithium pusülum juruanum n. subsp. p. 434, Dendrornis ocellata jnruana n. 
subsp. p. 436, Dendrocölaptes juruanus n. sp. p. 437, ähnlich dem D. concolor, 
Thamnophüus juruanus n. sp. p. 439, Taf- 16, Fig. 1, verwandt dem T. aethiops, 
Myrmötherula pyrrhonota amazonica n. subsp. p. 440, M. brevicauda juruana n. 
subsp. p. 440, M. garbei n. sp. p. 441, Taf. 15. Fig. 1, Drymophila juruana n. 
sp. p. 442 und Galbacyrhynchus leucotis innotatus n. subsp. p. 445, sämtlich aus 
dem Gebiet des Bio Jurua. Abgebildet werden außerdem noch Taf. 15, Fig. 2 
Myrmötherula longipennis Pelz, und Taf. 16, Fig. 2 Pithys salvini Berl. — Auch 
die Aufzählung von fünf Schildkröten aus dem Juruä-Gebiete — Testudo täbulata 
(Walb.), Podocnemis unißis (Trosch), expansa (Schwg.) und sextuberculata (Com.), 
so wie Platemys platycephala (Schneid.) — auf p. 453 — 454 dürfte von Interesse 
sein. Den Beschluß des Bandes macht 3. eine höchst schätzbare, etwa alle zwei Jahre 
erscheinende Bibliographie (diesmal für 1902 — 04) für die naturgeschichtlichen und 
anthropologischen Arbeiten, soweit sie Brasilien betreffen. Bttgr. 



Dr. C. Apstein, Tierleben der Hochsee. Reisebegleiter für Seefahrer. Kiel, 
Ltpsius & Tischer, 1905. 8°. 8, 120 pag., 174 Fig. — Preis M. 1.80. 
Jeder, der auf hohe See kommt, sei es nun, daß er zum Zwecke der Erho- 
lung oder zum Vergnügen oder seines Berufes wegen überseeische Länder aufsucht, 
wendet bei dem bekannten faulen Leben an Bord ganz von selbst — mag er 
wissenschaftliches Interesse habeu oder nicht — den in, auf und über dem Wasser 
sich zeigenden Lebewesen sein Hauptaugenmerk zu. Allen diesen ein getreuer 
Ratgeber zu sein, gelingt dem Autor mit diesem Buche in vorzüglicher Weise, 
das in gefälliger Form und mit reichem Bilderschmucke bei überaus bescheidenem 
Preise wohl alles bringt, was auch auf einer längeren Seefahrt an Bord beobachtet 
werden, kann. Daß der Verfasser die von ihm erwähnten Tiere und Pflanzen mit 
ihren wissenschaftlichen lateinischen Namen benennt, ist ein besonderer Vorzug, 
da wir ja für die meisten der hier geschilderten Lebewesen keine erbeingesessenen 
deutschen Bezeichnungen kennen. Das Register hätte vielleicht etwas ausführlicher 
angelegt werden können; die »See-« oder »Meerschlangen«, die auf p. 12 — 14 in 
hinreichender Breite abgehandelt werden, sucht man z. B. als solche im Register 



— 93 — 

seltsamer Weise vergebens. Das Buch bedarf im übrigen keiner Empfehlung, es 
entspricht allen billigen Anforderungen, die man an ein gutes, im besten Sinne 
des Wortes* populäres Werk stellen darf, und es wird sich einen großen Leserkreis 
um so leichter erobern, wenn man bedenkt, daß es einzig in seiner Art mit Glück 
ein neues Gebiet für die große Menge der Seefahrer erschlossen hat. Es wird 
zuversichtlich dazu beitragen, das Verständnis und die Liebe für das »Große Wässer 
und seine Bewohner« auszubreiten und zu vertiefen. Bttgr. 



Dir. Dr. G. Brandes, Mitteilungen aus dem Zoologischen Garten zu Halle a. S. 
Verlag von Paalzow & Co., 1905. 4°. Jahrg. 1, Heft 1—5 mit 5 färb. Ulustr. 
und 48 Fig. — Preis a Heft 10 Pf. 

Diese auf die Menge berechnete und deshalb so staunenswert wohlfeile Zeit- 
schrift will die bescheidenen Gartenanzeiger andrer zoologischen Gärten ersetzen, 
tritt aber vornehmer auf als selbst die prachtvollen Zool. Soc. Bulletins der New 
Yorker Zoologischen, Gesellschaft. Ein effektvolles, künstlerisch vollendetes Tierbild 
in bestem Farbendruck (No. 1 — 5: Dromedare in der Wüste, Strauße mit Jungen 
beim Neste, Eisbären beim Seehundsfang, Schleierkäuze beim Neste und Deutsche 
Schlangen) schmückt den Umschlag; auf 8—10 Quartseiten folgt sodann mannig- 
faltiger Text, und durchschnittlich zehn saubere Schwarzdrucke bilden den weiteren 
bildlichen Schmuck der einzelnen Hefte, von denen je acht einen Jahrgang bilden 
sollen. Die Überschriften der bis jetzt erschienenen Arbeiten lauten: Der Indische 
Elefant, sein Fang und seine Zähmung (mit 7 Abbild.), Unsere beiden Schimpansen, 
Hagenbecks Indische Völkerschaften, Der Amerikanische Strauß und sein Liebes- 
leben (mit 11 Abb.), Der AiFe Hulman und Goethe (mit 2 Abb.), Havemanns Ori- 
ginal Raubtierschule (mit 4 Abb.), Unsre Konzerte im Monat Juli (mit 4 Abb.), 
Die Konferenz der Direktoren Deutscher Zoologischer Gärten, Die Insassen unsres 
Anthropoidenhauses (mit 6 Abb.) und Die Kaninchenrassen und ihre Herkunft (mit 
14 Ätb.). Außerdem ist jedem Hefte eine Erläuterung seines Titelbildes beigegeben. 
Wir wünschen der ebenso originellen Idee wie trefflichen Durchführung des dem 
Unternehmen zu Grunde liegenden Programm es auch einen pekuniären Erfolg und 
stehen nicht an zu erklären, daß die Anschaffung dieser zeitgemäßen Mitteilungen 
vielen unserer Leser und allen Freunden der Natur einen hohen Genuß bereiten 
und sie zum Besuche des Halleschen Gartens anregen wird. Bttgr. 



Arbeiten der Deutsch, wissensch. Kommission d. internat. Meeres- 
forschung (Aus der Biolog. Anstalt zu Helgoland): No. 2. Fr. Heineke-u. 
H. Bolau, Die in Deutschland gebräuchlichen Marken zum Zeichnen von 
Schollen. 8 pag., 5 Fig. und No. 3. H. Bolau, Die deutschen Versuche mit 
gezeichneten Schollen. 53 pag., 5 Fig., 3 Karten. Oldenburg i. Gr., Ad. Litt- 
mann, 1905. Gr. 4°. 
Die erste der genannten Abhandlungen beschäftigt sich im allgemeinen mit 
dem Aussetzen gezeichneter, d. h. mit einer Erkennungsmarke versehener Nutz- 
fische, und im speziellen mit dem der Scholle (Pleuronectes platessa) in der Nordsee. 
Durch das Wiedereinfangen solcher gemarkten Fische erhalten wir einerseits sichere 
Aufschlüsse über deren Wanderungen, anderseits vielleicht auch ein gewisses Maß 
für den Grad der Befischung in dem Meeresgebiete, in dem die gezeichneten Fische 
ausgesetzt und wiedergefangen worden sind. Die schwierigste Arbeit bei der ganzen 



— 94 — 

Sache war aber die Auswahl der Marke und deren Befestigung an dem Fische. 
Endgültig ist jetzt eine hemdenknopfartige Hartgummimarke angenommen worden, 
über deren Vorzüge eingehend berichtet wird. Als Erkennungszeichen ist den 
deutschen Marken der Stempel »D. H. 03« und eine fortlaufende Nummer aufgeprägt. 
Die zweite Arbeit beschäftigt sich in erster Linie mit den von den gemarkten 
Schollen eingeschlagenen und zurückgelegten Wegen nach Richtung und Wege- 
länge. Außer der bereits bekannten südlichen Wanderungsrichtung im Frühjahr 
wurde keine allgemeine Richtungstendenz wahrgenommen, wohl aber konnten von 
3215 gemarkten Schollen bei zweie ir größere Wanderungen als 200 Seemeilen und 
bei zehn Stück 100 — 200 Seemeilen nachgewiesen werden. Was die Größe und 
das Wachstum der gezeichneten Fische anlangt, so wurden von den 3215 ausge- 
setzten Tieren überhaupt wiedei -gefangen 373. Wachstumszuuahine ist nur bei 
Fischen, die in der wärmeren Jahreszeit ausgesetzt werden, zu erwarten; die Re- 
sultate der vorliegenden Beobachtungen sind aber wegen der geringen Anzahl der 
Fälle so wenig übersichtlich, daß ich auf eine eingehende Wiedergabe hier ver- 
zichten kann. Von verschiedenen Seiten ist darauf hingewiesen worden, daß es 
möglich sei, auf den Grad der Befischung eines Fischgrundes Schlüsse zu ziehen 
aus dem Verhältnis der Anzahl der wiedergefangenen, gezeichneten Schollen zu der 
der ausgesetzten. Daß solche Lehren mit Vorsicht aufzunehmen sind, sucht der 
Verfasser in einem Schlußkapitel nachzuweisen. Eine Befischungsziffer habe nur 
dann überhaupt eine gewisse Berechtigung, wenn man auf einem Fischgrunde große 
Mengen, sagen wir tausende von Schollen aussetzt unter Berücksichtigung aller 
Umstände, die das weitere Leben der Tiere gewährleibten, d. h. wenn nur wirklich 
gute, lebenskräftige Fische zu dem Versuche benutzt werden. Drei überaus instruk- 
tive Karten schmücken die mühsame, aber für unsere Seefischerei nicht unwichtige 
Arbeit. Bttgr. 

Dir. Dr. E. Schaff, Ornithologisches Taschenbuch für Jäger und Jagdfreuade. 
Tabellen zur Bestimmung, sowie Beschreibungen aller Arten der in Deutsch- 
land vorkommenden Raubvögel, Hühner, Tauben, Stelz- und Schwimmvögel, 
nebst einem Anhang, Rabenvögel und Drosseln. 2. verm. u. verb. Aufl. Neu- 
damm, Verlag von J. Neumann, 1905. 8°. 12, 210 pag., 67 Fig. — Prei6 geh. 
M. 4. — , geb. M. 5. — 

Die vom früheren Herausgeber, Prof. Dr. Noll, im Zool. Garten Jahrg. 1891 
p. 192 bei Besprechung der ersten Auflage vorausgesagte Neuauflage des schönen 
und brauchbaren Buches ist vor wenigen Tagen erschienen und wird sich wie jene 
in den Kreisen der Jäger und Feldzoologen viele und treue Freunde erwerben. 
Sie unterscheidet sich von der früheren Ausgabe u. a. durch sorgfältige Umaibeitung 
und Vermehrung des Stoffes, durch Umwandlung der großen Tabellen in kleinere, 
durch eingehendere Beschreibung der Eier mit Maßangaben, durch zahlreiche ein- 
gestreute biologische Bemerkungen und durch Verbesserung und Vermehrung der 
Abbildungen. Von den sehr primitiven Figuren der ersten Auflage sind nur ganz 
wenige übernommen worden. Das Ziel, das sich der Verfasser gesteckt hat, ein 
kurzes, allseitig belehrendes Werk über die deutschen Jagdvögel zu schaffen, ist 
in dem vorliegenden Buche, das auch dem nicht wissenschaftlich geschulten Laien 
ein möglichst sicherer und zuverlässiger Führer sein soll, durch die zahlreichen 
Zusätze und Verbesserungen ganz zweifellos erreicht worden, und wir wünschen 
dem Verfasser, uuserin langjährigen geschätzten Mitarbeiter, und dem Verleger 



- 95 — 

neben dem Danke seiner Leser auch einen pekuniären Erfolg für die Mühe und 
Sorgfalt, mit der sie gearbeitet haben. Wir möchten das Buch allen Jägern als 
das beste seiner Art auf das angelegentlichste empfehlen; es wird ihnen in allen 
Zwcifelfällen wirkliche Freude machen und, wie bisher, viel Nutzen stiften. 

Bttgr. 

Dr. Aug. Knoblauch, Der Kaukasische Feuersalamander {Salcmandra caucasia 
Waga). — Sep.-Abdr. .a. Ber. Senck. Naturf. Ges. Frankfurt a, M. 1905 p. 89—110, 
4 Fig., Taf. 

Bis zum Spätsommer 1904 waren nur spärliche Spiritusstücke dieses merk, 
würdig schlanken Salamanders in europäische Museen gekommen ; erst im Vorjahre 
konnte sich der Verfasser lebende Exemplare verschaffen, über deren Haltung und 
Pflege er neben anderem hier eingehend berichtet. Namentlich über das erst seit 
1896 bekannte Männchen und dessen Schwanzwurzelhöcker werden merkwürdige, 
ja überraschende Einzelheiten mitgeteilt. Die Arbeit, die eine schöne Farbentafel 
ziert, faßt alles zusammen, was wir bis jetzt über das genannte Tier und dessen 
Verbreitung wissen. Bttgr. 

Eingegangene Beiträge. 

W. Sch. in L. (England). Drei Arbeiten, eine Mitteilung, ein Nekrolog und zwei Be- 
sprechungen. Dir. Dr. A. 8., hier. Eine Arbeit W. S., hier. Zwei Arbeiten. E. D. in L. 
Zwei Arbeiten. K. 8. in 8eb. bei M. Eine Arbeit, eine Mitteilung und zwei Muster o. W. 
Dr. F. -8. in Z. (Schweiz). Eine Arbeit. H. Freih. G. v. Scb. in N. bei 8t. -Eine Besprech- 
ung nnd G. v. B. in 0. (Schweiz). Eine briefliche Mitteilung mit bestem Danke erhalten. — 
Stud. P. W. in B. Zwei Mitteilungen. Ihr frenndl. Angebot betreffs Erlaubnis des Nach- 
drucks verdanke ich bestens, möchte aber nur im Notfälle darauf zurückkommen. — E. B. 
in 8t. P. (Rußland). Wird gerne besorgt. — Dir. Dr. H. R. in M. Sie werden die gewünschte 
Nummer inzwischen wohl erhalten haben. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Hedaktion E. 

Beck-Corrodi ir Hirzel. Zürich. Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 6—13. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. E. KorschcTIt, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 29. Jahrg., 1906. No. 83—26. 
O rnitholO£ische Monatsberichte. Herausg. T.Prot Dr. Anton Reiohenow. 

14. Jahrg. 1906. No. 3. 
Or nithologische Monatsschrift d. Deutsch. Ver. z. Schutze d. Vogelwelt. 

Redigiert von Dr. Carl R. Hennicke in Gera. 31. Jahrg. 1906. No. 2—3. 
Field, The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horace Cox in London. 

Vol. 107. 1906, No. 2771—2779. 
Prof. Dr. G. Jägers M ona.tsblatt. Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Koblhammer. 26. Jahrgang 1906. Mo. 2-4. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herauag. v. K. 

Pros ler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 19—26. 
Blätter für Aquarien- ju. Terrarien-Kunde. Herausg. v. W. Köhler. Verlag 

d. Creutzschen Buchh. Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 6—13. 
The American Journal of 8cleüce. Herausg. ▼. E. 8. Dana. New Haven, Conn. 

4. Ser. Bd. 21, 1906. No. 122-123. 
Anzeiger d. K. Akad. d. Wiss. Wien. Math.-naturw. Cl. Jahrg. 1905. No. 27 u. 1906. 

No. 1-10. Wien K. K. Hof- und Staatsdrnckerei. 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte t Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. C. Daut. Bern, Verlag v. C. Daut, 1406. Jahrg. 5, Heft 2—3. 
Natur und Haus. Ulustr. Zeitschr. f. alle Naturfreunde. Herauag. v. M. H eswd örff er. 

Verlag v. H. Schultze, Dresden-Strehleu, 1906. Jahrg. 14, Heft 10—13. 
Zwinger und Feld. Illustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. v. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. Sautter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 5—13. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 35, 1906. No. 6-13. 
Zoologioal Society of London. Sitz-Bericht. No. 22-29. 1905-06. 
The Irish Naturalist. A Monthly Journal of General Irish Natural History. Edit. by 

G. H. Carpenter, R. L. Praeger and R. Patterson. Dublin, 1906, Eason & Son. 

Vol. 16, No. 3-4. 
Proceedings of the Royal Society. London, 1906. Vol. 77. Ser. A. No. 516 u. 517 u. 

8er. B. No. 517-518. 
Zeitschrift des Tierschutzvereius zu Posen. Herausg. v. J£. ßeiömüller, 

Posen 1906. 15. Jahrg., No. 3-4, 



- 96 - 

Mitteilungen über die Vogel weit. Organ des Österr. Reichsbandes f. Vogelkunde u. 

Vogelschutz in Wien. Uerausg. v. E. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. 

No. 3-6. 
Vercinsschrift für Forst-, Jagd- u. Naturkunde im KÖnigr. Böhmeji. Herausg. 

v. Prof. Fr. Croy u.a. Prag, Verl. d. Böhm. Forstvereins, 1906. Jahrg. 1905— 06, Heft 5- 6. 
Deutscher Tierfreund. Illustr, Monatsschrift f. Tierschutz, Tierkunde, Tierzucht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner, Jahrg. 10, I90t>. Heft s-4. 
Wochenschrift für Aqua r.- u. Terrarien künde. Herausg. v, Dr. W. Wolters- 

torff. Braunschweig, Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. Jahrg. 3, No. 7—15. 
Importations de Faisans indiens laites par M. Will. Jamrach. Lettre adressee a 

M. A. Geoffroy, Saint -Hilair e. London 1882. — Sep.*Abdr. a. Bull. 8oc. d'Accli- 

matation Paris. No. de Nov. 1842. 8° 6 päg. 
N atur u. Schule. Zeitschr. f. d. ges. naturkuudl. Unterricht aller Schulen. Herausg. v. 

B. Landsberg, O. Sohmeil &B.Schmid. Leipzig, B.G.Teubner, 1906. Bd.5,Heft2— 4. 
Henry Scherren, The Zoological Society of London. A sketch of its foundation and de- 

veiopment und the story of its Farm, Museum, Uardens, Menagerie and Library. Oassell 

& Co., London 1905. 8° 12, 262 pag., 12 kol. u. 50 schwarze Tat, 9 Pläne. — Preis geb. 

30 shill. 
Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. Herausg. v. d. Ges. Kosmos in Stuttgart unter 

Redaktion v. Fr. Regehsberg. Stuttgart, Franckhsoher Verlag, 1906. Bd. 3, Heft 1. — 

Preis jährl. M. 2.80. 
Smithsonian Institution (V. S. Nat. Mus.): Proceeriings of the U. S. Nation. Museum. 

Vol. 28. Washington, Governm. Print. Office, 1905. 8°. 20, 1027 pag., 380 Fig., 36 Taf. 
74. Annual Report ot the Roy. Zool. Society oflreland for 1905. Dublin, A. 

Thom & Co., 1906. 8 Ü . 66 pag.. 4 Fig., 3 Taf. — Preis 6 d. 
Dr. J. Thienemann, Vogelwarte Rossitten (Vogelzugs versuch). 2 Sep.-Abdr. a. Reichenows 

Ornitholog. Monatsber. Nov. 1905 u. März 1906. 8°. 7 u, l pag. 
Orthographie zoolog.-anatomischer Fachausdrücke. Herausg. v. Vorstand der 

Deutschen Zoolog. Gesellschaft. Leipzig, Verlag v. Wilh. Engelmaun, 1906. 8°. 12 pag. 
89. Jahresbericht d. Natur f. Gesellsch. in Emden 1903—04. Emden, Oonr. Zorn, 

1905. 6°. 5, 66 pag. 

Bulletin de laSociete des Sciences de Bucarest (Roumanie). Jahrg. 14, 1905, No. 6. 

Bukarest, Impr. Statului. 1906. 
Report of the Nation. Association of Audubon Societies, als> on the Results of 

Special Protection tu Water Birds for i9oi and Uistory of the Audubun Movement bv 

W. Dutcher. New York City, 1905. 8°. 74 pag., 4 Fig., 3 Taf., 2 Kärtchen; Nation. 

Comitee of Audubon Societies: Eduoational Leaflets No. 9-18. b°. 30 pag., 10 Taf 

— Preis pro ICO = 30 cts. and Annual Report of the Nat Assoc. of Aud ubon 
Societies for 1905. New York City, 1906. 8°. 56 pag., 9 Fig., 2 Kärtchen. 

Dr. H. Fischer-Sigwart, Sylvien- und Drosselartige Vögel nach Beobachtungen in den 
Jahren 1902—04. — Sep.-Abdr. a. Tierwelt Jahrg. 19J5, Aar au, H. R. Sauerläuder & Co. 
b ü . 21 pag. 

Geh. Rat Prof. Dr. K. Möbius. Können die Tiere Schönheit wahrnehmen und empfinden? 

— Sep.-Abdr. a. Sitz.-Ber. K. Preun. Akad. d. Wiss. 1906, No. 10. Berlin. 8°. 6 pag. 

E. Büchner, Die ehelichen Verhältnisse beim Haselhuhn. — Sep.-Abdr. a. Neue Baltische 

Waidmannstlätter. Jahrg. 1, I9uö, No. 24 Fol. 7 pag.. 
Dr. E. Mangold, Der Muskeiuiagen der körnerfressenden Vögel, seine motorischen Funktionen 

u. ihre Abhängigkeit vom Nervensystem. — Sep.-Abdr. a. Archiv f. d. ges. Physiologie 

Bd. in. Bonn, 1906, Verlag v. M. Hager. 8°. 78 pag , 50 Kurven, Taf. 
Zeitschrift für Naturwissenschaften (Halle) Herausg. v. Dr. G. Brandes. Bd. 78, 

Heft 1—2. Stuttgart, Verlag von E. Nägele, 1906. 
Roy. Dublin Society: Scientific Proceodings Vol. 11, No. 6—7. 8°. Economic Proceedings 

Vol. l, Pt. 7. 8°. anU Scientific Transactiona VoJ. 9, No. 2. 4°. Dublin, Williams & Nor- 

gate, 1906. 
Archiv d. Ver. d. Feunde d. Naturgesch. in Mecklenburg. 59. Jahr (1905), II. Abt. 

Güstrow, Comm.-Verl. Opitz & Co., 1905. 8°. 4, 147-252, 40 pag., Tabellen, 2 Tat 
Herrn. Löns, Der Tiermarkt zu Alfeld. Sep.-Abdr. a. Hannoversches Tageblatt v. 29. 

März 1906. 1. Beilage zu Jahrg. 55, No. 87. 2 pag. 
Prof. Dr. L. von Heyden, Die Varietäten der Crioceris as^aragi , L. und macihnta 

Weise. — Sep.-Abdr. a. Wiener Entomolog Zeitung Jahrg. 25, Heft 2—4 v. 15. März 19U6. 
,8°. 4 pag, 10 Fig. 
L'Elevage. Journal illustre de la Vie champetre. Dirigg p. Ed. de Wae). Laeken-Bru- 

xelles, 1906. 4 Annee No 23. — Preis jährl. irs. 7.- 
Prof. Dr. M. Braun, Über die Ankunltszeit der Störche u. anderer Zugvögel in Ostpreußen. 

6 pag. - Pelikane in Alt-Preußen. 2 pag. — Sammlung von Original-Abbildungen preuß- 

iscner Vögel aus den Jahren 1655-1737. 5 pag. — 3 Sep.-Abdre. a. Schrift, d. Phys.-Ökon. 

Ges. Königsberg i. Pr. Jahrg. 46, 1905 (1906). 
Hillgers Iilustr. Volksbücher No. 46: Dr. K. Guenther, Die Kntwickelung der 

Tierwelt. Berlin, u. Hillgerd Verlag, l»ie. 8°. 89 pag., 18 Fig. 
44. Bericht des Vorstandes der Zoolog. Gesellschaft in Hamburg über das 

Geschäftsjahr 1905. Hamburg 1906, Druck v. Ackermann k Wulff Nachf. 8°. 31 pag. 
Jahreshefte des Vereins f. Math. U.Naturwissenschaften in Ulm a.D. Jahrg. 12, 

1906. Ulm a. D., Druck von H. Frey. 8°, 8,146 pag. 



Zusendungen werden direkt an die Verlagshaudluug erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Heinbold Mahlau. Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



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Zoologischer Beobachter 

— «ö- Der Zoologische Garten. ■$& — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldschmidt. 



N'-4. 



XLVIL Jahrgang. 



April 1906. 



I 11 li a 1 I. 

Ein Besuch des Zoologischen Gartens zu St Petersburg; von Hermann Grote in 
Berlin. — Einiges über die Waldmaas! (Mus sylcaticus); von Erwin Detmers in Lingen 
a. d. Ems. — Merkwürdige Zutraulichkeit eines jungen Eionkätzchens ; von J. H. Willy 
Seeger in Frankfurt a. M. — Das Storchnest auf dem Chordach in Zofingen (Kt. Aargau) 
im elften Jahre (1905); von Dr. H. Fisch er-Sigwart in Zofingen. — Die Feindschaft 
zwischen Krähe und Sperber : von Erwin Detmers in Langen a. d. Ems. — Kieintierleben 
im Winter; von Kunstmaler K. Soffel in Schleißheim bei München. - Briefliche Mitteilung. 
— Kleinere Mitteilungen. — Nekrolog. — Literatur. — Eingegangene Beitrage. — Bücher 
und Zeitschritten. 



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Ein Besuch des Zoologischen Gartens zn St. Petersburg. 

Von Hermann Grote in Berlin. 



Einige Notizen, die ich mir gelegentlich eines Besuches des 
Petersburger Zoologischen Gartens im September vorigen Jahres 
gemacht habe, bewegen mich, einen kurzen Bericht über den von 
mir damals vorgefundenen Tierbestand des genannten Instituts in 
diesen Blättern zu veröffentlichen. Ich will gleich bemerken, daß 
meine Aufzählung nicht lückenlos und stellenweise — was die Art- 
besiimmung einiger weniger Tiere betrifft — vielleicht nicht unbe- 
dingt genau ist, weil ich mich nach den an den Käfigen angebrachten 
Etiketten nicht richten konnte, die von Unrichtigkeiten strotzten. 
Ich war daher zum größten Teil auf mich selber angewiesen, und 
da ich bei meinem Besuche keine Bestimmungstabellen zur Hand 
hatte, mag mir bei der Benennung der einen oder anderen Tierart 
mal ein Fehler unterlaufen sein. 

Der Zoologische Garten der Newastadt macht auf den Besucher, 
der westeuropäische Tiergärten kennt, keinen besouders günstigen 
Eindruck. Die zumeist aus Holz gebauten Häuser und die Käfige 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVII. 1906- 7 



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— 98 - 

sind primitiv, klein und oft recht unzweckmäßig, und die Reinlichkeit 
läßt viel zu wünschen übrig. Manch wertvolles und interessantes 
Tier bietet, tief im Schmutz stehend, ein recht dürftiges Bild. Ob 
seitens der Direktion wenig Wert auf reinliche Tierbehälter gelegt 
wird, oder ob die Vernachlässigung lediglich dem Wärterpersonal, 
das aus Tataren besteht, in die Schuhe zu schieben ist, lasse ich 
dahingestellt. Die Namenschilder, die außer dem wissenschaftlichen 
auch den russischen und deutschen Namen der betreffenden Tierart 
tragen, sind, wie schon bemerkt, zum großen Teil voller Fehler, ja 
direkt falsch. Die Tiere selbst sind teilweise ohne irgendwelches 
System bunt durcheinander in den Häusern untergebracht. 

Gleich am Eingang des Gartens befindet sich ein großes Terra- 
rium, mit Tuffsteingrotten hübsch dekoriert, mit einem Scheltopusik 
(Ophisaurus apus) und mehreren großen Emys orbicularis. Daneben 
ein mit grobem Kies und Wasser ausgestatteter Behälter, der einige 
junge Kaimane enthält. Ein in der Nähe befindlicher Käfig beherbergt 
Nasua socialis, ein Gehege eine Kasuarart im Jugendkleide. Zahlreiche 
in einer Reihe kleiner Käfige untergebrachte Meerschweinchen bilden 
das Entzücken der Kinder. Zwei Hokkos (Crax) in zwei verschiedenen 
Arten und eine Cariama (Dicholophus cristatus) bewohnen einen 
größeren Flugkäfig. In zwei stockwerkartig übereinander liegenden 
Käfigreihen fand ich unten verschiedene Kaninchenrassen und Hase und 
Schneehase (Lepus variäbilis), während die obere Reihe einen munteren 
prächtigen Zobel {Mustela #ibellinä), ein Geschenk des Zaren, ferner 
eine Daurakatze, die ich nicht zu Gesicht bekam, Fuchskusu, Murmel- 
tier (Arctomys marmotta), Eystrix cristata, Iltis (Putorius foetidus), 
noch einen Zobel und japanische Makaken enthielt. Ein in der Nähe 
befindliches Schafgehege zeigt Heidschnucken und außerdem ein 
Pärchen stattlicher Mähnenschafe mit einem Jungen. Daneben ist 
auch Damwild (Dama vulgaris) in dunklen und weißen Exemplaren 
untergebracht. Nachdem man ein Pekari, Eichhörnchen und Sumpf- 
biber zu besichtigen Gelegenheit gehabt hat, gelangt man in das 
Raubtierhaus. Dies macht von allen Häusern den besten Eindruck. Ich 
fand darin fünf Löwen (1 cf, 4 99)» einen Königstiger, drei prächtige 
Sibirische Tiger, einen Panther nebst seiner schwarzen Varietät, einen 
Jaguar, zwei Pumas und als Glanzpunkt der Sammlung vier Irbisse 
(Felis uncia). Diese waren sehr regsam, kletterten geschickt in ihren 
Käfigen umher, und ein zusammengesperrtes Paar war sehr zärtlich. 
Nicht weit vom Raubtierhaus befinden sich einige große Flug- 
l käfige. Der eine enthielt neun starke Uhus (Btibo 6wJo), ein anderer 



- 99 — 

Pfaa und Gold- and Silberfasan und fünf Schwarzstörche (Cicania 
nigra). Einen wanderbaren Anblick gewährte ferner das vorhandene 
Auerwild (Tetrao urogdUus). Hahn nnd Henne bewegten sich gemessen, 
beinahe würdevoll, und ästen Fichten- und Wacholdertriebe. 

l^io Gehege dabei beherbergt Europäische Büffel (Buffelus bubalus), 
ein Pärchen Sambnrhirsche, zwei Lamas (Lama glama), Rotwild 
(Cervus elaphus) und Wapiti (C. canadensis). An einem Hundezwinger 
mit mangelhaften Tibetdoggen und weißen Samojedenhunden vorbei 
gelangt man zu den Raubvogel votieren. Ich bemerkte Gyps fulvus, 
Mönchsgeier (Vultur monachus) und Aquilafulva, ferner zwei Kondor 
(Sarcorhamphus gryphus), zwei Agnjas (Buteo melanoleucus) und den 
Garacara (Pölyborus brasiliensis). In der Nähe davon ist das Wasser- 
geflügel untergebracht. Ein Teich ist in primitiver Weise in mehrere 
Abteilungen geteilt, wo sich Schwarz- und Höckerschwan, Nilgänse 
(Ghenalopex aegyptiacus), Sporengänse, Kanadische Gänse, Weiß- 
waugengänse (JBranta leucopsis), Ringelgäuse (Branta bernicla), Grau- 
gänse (Anser anser), Saatgänse (Anser fabalis), türkische Enten, Hans- 
enten, Mandariuenenten (Lafnpronessa galericulata), Casarca casarca, 
Anas bosehas, Pelecanus onocrotalus und crispus, Kormoran (Phalacro- 
corax carbo), Basstölpel (Sula bassana), Sturmmöwen (Larus canus), 
Mantelmöwen (Larus marinus) und Silbermöwen (Larus argentatus) 
tummeln. Ungleich besser sind unweit davon zwei Seelöwen und ein 
Seehund untergebracht. Das sehr geräumige Bassin gestattet den sich 
anscheinend recht wohl fühlenden . Tieren ausgedehnte Schwimm- 
übungen. 

Das Elefantenhaus bildet einen besonderen Anziehungspunkt für 
das Publikum. Die beiden Indischen Elefanten sind zu den üblichen 
Kunststückchen abgerichtet und bilden so für den Wärter eine Quelle 
bequemer Nebeneinnahme. 

' Auf meinem Rundgange sah ich ferner zwei Emus (Dromaeus 
novae-hottandiae) , zwei Waschbären (Procyon lotor) und, was mich 
besonders interessierte, einen jungen Elch (Alces palmatus). Das Tier 
war sehr zutraulich und ließ sich willig von den Besuchern streicheln. 
In zwei Flugkäfigen fliegen Zeisige (Chrysomitris spinus), Lein- 
zeisige (Acanthis linaria), Dompfaffen (Pyrrhula major), Sperlinge 
(Passer dotnesticus), Kreuzschnäbel (Loxia eurvirostra), Schneeammern 
(Passerina nivalis), Edelfinken (Fringilla caelebs), Karmingimpel (Carpo- 
daeus erythrinus), Wacholderdrosseln (Turdus pilaris) uud zwei schwarze 
Tangaren bunt durcheinander. Fünf größere Käfige enthalten ferner 
1) sehr viele Stare (Sturnus vulgaris), eine Kalifornische Schopfwachtel 



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— 100 — 

(Lophortyx californica) und eine mir unbekannte Maiuaart; 2) Feld- 
lerche (Alauda arvensis), Ringeltaube (Columbq palumbus), Lachtaube 
(Turtur risorius), Flußuferläufer (Tringoides hypöleuctis) und Flufisee- 
scbwalbe (Sterna hirundö); 3) den Tasmanischeu Flötenvogel, einen 
vollständigen Albino von Corvus cornix, Tannenhäher (Nucifraga 
caryocatactes) und Elster (Picapica); 4) Sultanshuhn (Porphyrio hyacin- 
thinus), Sichler (Plegadis autümnalis) , Austernfischer (Uaematopus 
ostrakgtis), Kampfläufer (Macfietes pugnax), Grünfüßiges Teichhuhn 
(Gallinula chloropus) und eine Fulica sp.; 5) den Heiligen Ibis (Ibis 
religiosus). 

Nachdem man an einem Kulan (Asinus onager) und verschiedenen 
Ziegen vorbeigekommen ist, gelaugt man in das Vogelhaus. Hier 
bemerkte ich Kranich und Autigonekrauich, Marabu, Riesenreiher 
(Ardea goliath), Afrikanischen Nimmersatt (Tantalus ibis), diverse 
Prachtfinken, Weber u. a. m. und außerdem einen Waldkauz (Syrnium 
aluco). Von Papageien: Gelbblauen Arara (Sittace caerulea), Soldaten- 
arara (Sittace militaris\ Hellroten und Dimkelroten Arara (Sittace 
coccinea et Ära macao\ Großen und Kleinen Gelbhaubenkakadu, 
Molukkenkakadu, den seltenen kleinen Rothelrakakadu, Rosakakadu, 
Kleine Alexandersittiche und Möncbsittiche. Zwei Agutis (Dasyprocta 
aguti) und einige Boiden befanden sich gleichfalls in diesem Hause. 

Weitere Bewohner des Petersburger Zoologischen Gartens sind 
eine Zebraart, zwei Gnuarten (Connochaetes spp.), Pferdeantilope 
(Hippotragus baJceri) und Toraantilope. Die Behälter dieser Tiere fielen 
durch absolut mangelnde Sauberkeit unangenehm auf. Ferner Yak, 
Maultiere, Esel und Shetlandpony. Von kleinerem Getier hausen hier 
Fuchs (Canis vulpes\ Silberfuchs (C. azarae), Schakal (C. aureus) 
und als besondere Seltenheit ein aus Nordrußland stammender 
schwarzer Fuchs. Vier Wölfe (Canis lupus) bewohnen eine dunkle 
Wolfschlucht. Ich bemerkte noch einen Schwarzbock und das Riesen- 
känguruh. 

Bären waren in großer Anzahl vorhanden, vom gemeinen Braunen 
Bären zählte ich allein 17 Stück in allen Altersstadien. Meister Petz ist 
in Rußland sehr populär, und stets ist der Bärenzwinger daher von 
einer schaulustigen Volksmenge umgeben, die nicht müde wird, die 
Kunststückcheu der Bären zu bewundern. Auch der Baribal (Ursus 
americanus) und der Eisbär fehlen nicht. 

Im Affenhause sieht man die üblichen Vertreter der Sippe. 
Kapuziner-, Rhesus-, Schweius-, Javaneraffen und verschiedene Meer- 
katzen balgen sich mutwillig miteinander und treiben mit den in 



— 101 — 

ihren Käfigen untergebrachten Gürteltieren allerhand Kurzweil. Einen 
angeblich vorhandenen Mandrill habe ich nicht gesehen. Als interessante 
Rarität lebt in diesem Hause Echidna cristata; außerdem befinden 
sich hier Wellensittiche, Feuerweber, ferner ein Terrarium mit jungen 
Krokodilen und ein ausgestopfter junger Schimpanse. 

Ein Glanzpunkt des Gartens ist die Bisonherde. Stiere, Kühe 
und Kälber waren prächtige, kräftige Exemplare. Daneben waren auch 
zwei Elchhirsche zu sehen, die die Zierde jedes westeuropäischen 
Gartens gewesen wären. Rehe waren gleichfalls vorhanden. Mehrere 
ein- und zweihöckerige Kamele befanden sich in der Nähe. Hier 
bewunderte ich auch einen großen Flugkäfig mit Auer-, Birk- und 
Hasel wild. Die Vögel schienen sich wohl und munter zu fühlen und 
ästen begierig Fichten- und Wacholdernadel u, wobei sich das Birk- 
wild, wie ich beobachten konnte, in ganz junge Stämmchen setzte. 

Schließlich sah ich im Nilpferdhaus ein starkes männliches Fluß- 
pferd. Es kam auf Geheiß des Wärters aus dem Wasser, sperrte den 
mächtigen Rachen auf und ließ sich von den Besuchern füttern. 
Ferner waren hier zu sehen ein Sonneubär, ein Einfarbtapir (Tapirus 
america/nus) y einige junge Warzenschweine und ein ausgestopftes junges 
Flußpferd, das einmal im Petersburger Garten das Licht der Welt 
erblickt hat. Wenn ich nicht irre, ist s. Zt. über die gelungene Nil- 
pferdzucbt in diesen Blättern berichtet worden. 

Mit vorstehendem dürfte der damals angetroffene Tierbestaud 
aufgezählt sein. 



Einiges über die Waldmaus (Mus sylvaticus). 

Von Erwin Detmera in Lingen a. d. Ems. 



In Heft 2 p. 56 — 58 dieses Jahrgangs machte Karl Soffel 
einige sehr interessante Mitteilungen über die Waldmaus, denen ich, 
da ich mich länger mit diesem Tierchen beschäftigt habe, einiges 
beifügen will. 

In der Umgebung von Lingen, in niedrigen Eichenbeständen 
oder am Waldesrande, kommt dieser niedliche Nager ziemlich häufig 
vor. Oft hatte ich Gelegenheit, am hellen Tage in nächster Nähe 
die Mäuscheu zu beobachten. Die Sinne der Waldmaus sind wenig 
entwickelt, am wenigsten aber das Gesicht. Deshalb war es mir 
sehr oft möglich, so nahe an sie heranzukommen, daß ich sie mit 
den Händen ergreifen konnte. Neulich ging ich in den Garten unseres 



— 102 — 

Nachbars uud sab plötzlich direkt vor meinen Füßen ein Mäuschen 
laufen, das in einem Reisighaufen verschwand. Ich blieb ruhig stehen, 
und schon nach kurzer Zeit kam mein Mäuschen wieder hervor, 
schnüffelte nach allen Seiten, setzte sich auf die Hinterbeine uud 
putzte sich ganz sorglos. Dann quietschte es mehrere Male sehr laut, 
worauf sofort eiu leiseres Pfeifen im Busch erfolgte und der andere 
Teil des Mäusepaares erschien. Diese zweite Maus war vorsichtiger 
und witterte erst lange, ehe sie vollständig hervorkam. Die kühnere 
Maus begann nun ihre Forschungsreisen und näherte sich bis auf 
wenige Zentimeter meinem Fuße. Ich hatte eine so unglückliche 
Stellung, daß ich mich nicht mehr im Gleichgewicht halten konnte 
und meinen Fuß versetzen mußte. Dies hatte aber nicht etwa eine 
Flucht der Waldmaus zur Folge, wie ich fürchtete, nein, diese hielt 
ein, machte ein Mänuchen und betrachtete aufmerksam deu fraglichen 
Gegenstand. Nach einer Weile kam sie vorsichtig näher, schnüffelte, 
konnte aber keine Witterung bekommen, da der Wind von der 
anderen Seite kam, und besaß sogar die unglaubliche Frechheit, bis 
an meinen Schuh zu kommen uud diesen zu benagen. Doch kaum 
hatte sie etwas geknabbert, da mußte ihr die Sache bedenklich vor- 
kommen, denn sie machte drei oder vier Sätze und verschwand im 
Gebüsch, wohin ihr die andere viel ängstlichere Maus folgte. 

Waldmäuse, die ich auf Spaziergängen fing und in Ermange- 
lung eines Behälters in eiue Butterbrottüte steckte, hatten nichts 
eiligeres zu tun, als die Butter von den Wänden der Tüte abzu- 
knabbern. Sie fraßen, trotzdem sie frisch eingefangen waren, Brot, 
das ich ihnen vorlegte, selbst wenn sie beim Gehen hin und her- 
geschüttelt wurden. Ein andermal fing ich bei einem Ausflug mit 
einer größeren Gesellschaft eine Waldmaus und steckte sie ebenfalls 
in eine Tüte. Nun wollten aber alle meine Begleiter das Tierchen 
sehen, und so riß ich die Tüte soweit entzwei, daß das Mäuschen 
ganz frei saß. Ich setzte es auf seinem Papier mitten in den Kreis 
meiner Freunde, uud es fiel ihm gar nicht ein, Fluchtversuche zu 
machen, sondern es fraß, halb im Freien, halb in der Tüte sitzend, 
ruhig Brot und leckte nach einigem Zogern sogar die Butter von 
meinem Finger ab. 

Die Waldmaus ist im Verhältnis zu ihrer Größe ein ziemlich 
mutiges Tier. Daß sie außer Körnernahrung auch kleine Vögel, 
Kerbtiere und andere Mäusearten überwältigt und auffrißt, ist be- 
kannt. Vor Eidechsen und Schlangen zeigt sie aber große Angst« 
Einst setzte ich eiue Zauneidechse zu meinen Gefangenen in den 



i 






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Käfig, was große Verwirrung bei ihnen verursachte, denn sie kamen 
quiekend aus ihren Löchern heraus, rannten gegeneinander, und 
jedesmal, wenn zwei zusammentrafen, setzte es eine große Beißerei 
zwischen ihnen, da jede wohl meinte, die andere sei die Ursache 
der Beunruhigung. 

Wenn man mehrere gefangene Waldmäuse in einem Käfig 
halten will, muß man sie zu gleicher Zeit zusammensperren. Ein 
neuer Ankömmling wird von den alten Bewohnern unbedingt ge- 
tötet und aufgefressen. Sobald die neue Maus zu den alten Käfig- 
bewohnern gesetzt wird, entsteht großer Aufruhr. Alle kommen aus 
ihren Löchern und verfolgen den Ankömmling; dabei beißen sie 
aber nicht nur die neue Maus, sondern auch untereinander wird wacker 
gefochten. Oft kommt es vor, daß unter Käfiggenossen, die sich 
bisher gut vertragen haben, eine große Beißerei um das Futter ent- 
steht. Die kühnen Kämpen sitzen alle um den Futternapf herum, 
keiner wagt zu fressen, alle grunzen, quieken und piepen in allen 
Tonarten, und dabei halten sie die Vorderpfoten hoch, ein drolliger 
Anblick, der jeden Zuschauer zum Lachen reizt. 

In ihrer Nahrung sind sie nicht sehr wählerisch. Milch mit 
Brot, Körner, manchmal etwas rohes Fleisch, mehr verlangen sie 
nicht. Fette Sachen muß man ihnen nicht geben, weil sie sonst zu 
stark riechen. Tch gab meinen Gefangenen öfter Salat, Buchen- und 
Tannenknospen und anderes Grünfutter, was auch in der Natur 
einen großen Teil ihrer Nahrung ausmacht. Ferner haben sie es 
gern, wenn man ihnen häufig frische Zweige in den Käfig stellt. 
Sie turnen an diesen herum und benagen mit Vorliebe die frische 
Rinde. Überhaupt muß- mau darauf achten, daß sie stets etwas zu 
knabbern haben, damit ihre Zähne nicht zu lang werden. 

Alt eingefangene Waldmäuse verlieren schon nach kurzer Zeit 
vollständig alle Menschenscheu. Doch soll dies nicht etwa heißen, 
daß sie ganz und gar zahm werden, etwa wie Haselmäuse. Bissig 
bleiben sie stets, und besonders, wenn man mit dem Finger in ihr 
Nest kommt, fahren sie wütend darauf los und können ganz gut 
mit ihren scharfen Zähnen zwicken. Aber sonst sind sie im allge- 
meinen allerliebste Gefangene, immer munter und schmuck; ihr 
Hauptfehler ist eben ihr allzu stark entwickelter kriegerischer Sinn. 

Wie sehr sich die Waldmäuse an das Leben im Käfig gewöhnen 
können, habe ich an meinen Gefangenen erfahren. Nachdem ich sie 
ein halbes Jahr gehabt hatte, wollte ich ihnen wieder die Freiheit 
schenken und setzte zu diesem Zwecke den Käfig in den Garten 



— 104 — 

nnd öffuete die Tür, damit sie heraus könnten. Am anderen Tage 
waren sie noch drin. Ich fütterte sie nnd ließ die Tür auch jetzt 
noch offen, aber die Mäuse kehrten diesen und die folgenden Tage 
immer wieder zurück, so daß ich sie, um sie los zu werden, endlich 
mit ihrem Neste aus dem Käfig setzen mußte. 



Merkwürdige Zutraulich k ei t eines jungen Eichkätzchens. 

Von J. H. Willy Seeger in Frankfurt a. M. 



Gegen Ende Juni vorigen Jahres beobachteten meine Frau und 
ich auf einer Landstraße bei Eissingen zwei Eichhörnchen (Sciurus 
vulgaris), von denen sich das eine bei unserer Annäherung in einem 
Park au der Chaussee in Sicherheit brachte, während das andere, an 
eiuen Baum geklammert, uns ruhig herankommen ließ und unver- 
wandt nach uns ausäugte. Durch das wenig scheue Betragen dieses 
scheinbar noch jungen Tierchens aufmerksam gemacht, blieben wir 
lautlos, wie festgewurzelt, stehen und hatten nun das Vergnügen, 
uns an dessen Turn- uud Eletterübungen in nächster Nähe erfreuen 
zu können. "Nach einiger Zeit warfen wir ihm zwei der zum Früh- 
stück mitgenommenen Schwarzkirschen vor und lockten es damit 
noch näher an uns heran. Nach kurzem Zandern wagte es sich an 
die Kirschen und verzehrte sie, auf den Hinterbeinchen sitzend, mit 
sichtlichem Behagen ; dabei schälte es das Fleisch so vorsichtig von 
dem Kerne ab, daß sogar der Stiel au letzterem haften blieb. Beides, 
Kern und Stiel, warf es nach beendeter Mahlzeit weg. Durch diese 
Leckerbissen hatten wir jedoch unser Eichkätzchen so zutraulich 
gemacht, daß es sich uns wiederholt, auf der Erde hüpfend, bis auf 
einen Schritt näherte, sodaß ich es mehrmals mit meinem Spazier- 
stock abwehrend von Versuchen seine Kletterübungen an dem Rocke 
meiner Frau fortzusetzen abbringen mußte. Als wir uns nun nach 
längerem Verweilen anschickten weiterzugehen, folgte uns das Tierchen 
auf der Erde laufend wie ein Hund, und ehe es meine Frau ver- 
hindern konnte, saß es nun doch an ihrem Bocke, an dem empor- 
klimmend es sich ruhig mit den Händen greifen ließ. 

Inzwischen waren auf der wenig begangenen Landstraße zwei 
weitere Spaziergänger an uns herangekommen, die stehen bleibend 
ein Gespräch mit uns anknüpften und sich nicht genug über die 
Zutraulichkeit unseres Freundes wundern konnten. Wer beschreibt 
jedoch unser Erstaunen, als plötzlich unser Eichkätzchen während 



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der Unterhaltung von den Schultern meiner Frau mit kühnem 
Sprung auf die der hinzugekommenen Spaziergänger in übersprang 
und sich nun auch von dieser bereitwilligst kosen und streicheln ließ. 

Kurz, das Ende unseres kleinen Erlebnisses war, daß das Hörnchen, 
für das wir »keine Verwendung« hatten, und da wir es gerne los 
sein wollten (wovon es jedoch gar nicht erbaut schien), von den 
hinzugekommenen Herrschaften für ihre Kinder mitgenommen wurde. 
Der Herr steckte es kurzer Hand unter seinen zugeknöpften Rock, 
und es schien hiermit auch ganz einverstanden, denn es verhielt sich 
ganz ruhig und streckte nur ab und zu mal sein Köpfchen hervor, 
um nach erfolgtem Rekognoszieren sogleich wieder in seinem neuen 
Aufenthaltsorte zu verschwinden. 

Nachdem ich noch zwei Momentaufnahmen von dem an der 
Bluse meiner Frau sitzenden Eichkätzchen geknipst hatte, ver- 
schwanden die beiden Spaziergäuger mit unserem kleinen Freunde 
aus unseren Augen, und wir wollen hoffen, daß dem jungen Kerlchen 
seine Zutraulichkeit und sein Vorwitz gut bekommen sind. Wir 
haben nachher nichts mehr von ihm gehört. 

Es ist mir aber noch nie ein Fall von solcher Zu traulich keit 
selbst bei einem so jungen Eichhörnchen, wie dies zweifellos eines 
gewesen, zu Ohren gekommen. Ich halte es für ausgeschlossen, daß 
das Tierchen der Gefangenschaft entsprungen war, denn es befanden 
sich in der Nähe des Fundorts keine Häuser. Auch war das Hörnchen 
im ganzen noch viel zu jung, um selbst nur kurze Zeit allein in 
der Gefangenschaft gelebt zu haben, und drittens widerlegt diese 
Annahme die Anwesenheit eines zweiten Eichkätzchens, jedenfalls 
der Frau Mama, die sich jedoch bei unserer Annäherung zeitig genug 
und rasch in Sicherheit brachte. 



Da» Storchnest auf dem Chordach In Zoflngen (Kt. Aargau) 

im elften Jahre (1905). x ) 

Von Dr. H. Fischer-Sigwart in Zofingen. 



Wie kann man denn eine Storch enchronik von Zofingen vom 
Jahre 1905 schreiben, wird mancher Leser fragen, da ja gar keine 
Störche dagewesen sind? Gewiß kann man das und soll es sogar, 
damit unsere langbeinigen Freunde nicht glauben, sie seien in Ver- 
gessenheit geraten; denn es ist ziemlich sicher, daß ihre Wohnung 

*) Vergl. für die Jahre 1895—1904 Zool. Garten Jahrg. 1905 p. 173. 



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« 

auf dem Chordach nur infolge eines Unfalles nicht besetzt wurde, 
der dem Weibchen auf der Herreise begegnet ist. Das Männchen aber 
kam im Laufe des Frühlings 1905 zu verschiedenen Malen, um sein 
altes Heim zu inspizieren, was als ein ziemlich sicheres Zeichen 
betrachtet werden darf, daß es nicht im Sinne hat, seine schöne 
Wohnung preiszugeben. 

Freilich wird Herr Wilhelm Schuster in Neckar -Steinach, 
oder wo er sich aufhält, dem Chronikführer nun wieder vorwerfen 
wollen, er »vermenschliche« die Tiere, das heißt, er dichte ihum 
menschliche Eigenschaften und menschlichen Verstand au, den sie 
nach der jungen Physiologenschule, gestützt auf anatomische und philo- 
sophische Studien, nicht haben sollen. Der Chronikschreiber, der zur 
alten Schule gehört, die draußen in Wald und Feld ihre Studien 
macht, kann sich aber nicht entschließen, sich zu dieser Meinung der 
neuen Schule zu bekehren, und mit ihm wird noch mancher ältere 
Naturbeobachter, zum voraus die Jäger, sowie alle, die sich direkt 
mit den Tieren abgeben, sich nicht belehren lassen, daß die Tiere 
nur tiefstehende Kreaturen seien, die keine Überlegung und keinen 
Verstand besitzen. Wir bleiben also beim alten, und mit uns gehen 
auch noch andere aus fremden Landen einig. Dies beweist z. B. ein 
Brief, den ich von einem mir völlig unbekannten Herrn aus Nieder- 
österreich im Januar 1905 erhielt und der ungefähr lautete; 

»Seit mehreren Jahren verfolge ich mit größtem Interesse die 
»Chronik des Zofinger Storch nestes« im »Zoologischen Garten« (Zeit- 
schrift, die in Frankfurt herauskommt) und ärgere mich über die 
Angriffe des betreffenden Herrn umsomehr, als Ihre Ausführungen 
zu einer Kritik gar keinen Anlaß bieten. 

Anläßlich einer Waffenübung in Galizien kam ich im vorigen 
Sommer sehr viel mit Freund Adebar zusammen und freute mich 
schon wieder redlich auf den Bericht des »Storchenvaters«, an den 
mich seine Schützlinge sofort auf meinen Streifzügen am San er- 
innerten. Leider blieb dieser Bericht aus, wahrscheinlich wegen obiger 
Angriffe. Wenn aber die »Chronik« wo anders zu finden ist, dann 
bitte ich recht schön, mirs mitzuteilen. 

Verzeihen Sie meine Bitte, verehrter Herr, und genehmigen Sie 
die besten Grüße von Dr. A. X.« 

Die Chronik erschien dann aber doch noch im »Zoologischen 
Garten«, und der betreffende Storchfreund hat sie erhalten. 

Von den Störchen unserer Gegend kann nun folgendes gesagt 
werden. Schon im Jahr 1904 nisteten im Gäu, dem Storchlande par 



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excellence, weniger Störche als in früheren Jahren; in Gunzgen er- 
schien nur ein Paar, auf der Allmend blieb der Horst unbesetzt, in 
Eappel nistete ein Paar, in Härkingen vier Paare, in Bonigen ein 
Paar und ein Paar in Niederbuchsiten auf einem Kamin; im ganzen 
etwa nur ein Drittel wie in früheren Jahren. Am Pfingstmontag 1904 
kamen in Gunzgen and an verschiedenen anderen Orten infolge des 
den ganzen Tag strömenden Regens die Jungen um. 

Am 25. Februar rückten in Lenzburg die Störche ein, in 
Brittnau kam erst am 7. März, um halb 12 Uhr mittags, einer an 
und erschien dann wieder, nach Inständiger Abwesenheit, um 3 Uhr. 
Der zweite kam erst am 7. April an. 

In Zofingen zeigte sich das Männchen am 12. März nur für 
kurze Zeit und dann wieder am 25. März und am 1. April. Jedes- 
mal verschwand es nach ganz kurzer Frist wieder und war immer 
allein. Nach dem 1. April sah man es lange nicht mehr, und es 
tauchten wieder Befürchtungen auf, daß unser Nest unbesetzt bleiben 
könnte. Am 6. April wurde das Storchnest vom Dachdecker unter- 
sucht, nachdem es schon am 1. April vom Kirchturm aus inspiziert 
worden war, von wo man aber nicht die ganze Nestmulde übersehen 
konnte. Der Dachdecker fand nichts auffälliges im Neste. Am 
8. April hatten auch anderwärts die Störche noch nicht zu 
brüten begonnen, und man konnte also noch auf schlimme Tage 
rechnen. 

Am 20. April erschien das Männchen wieder beim Neste und 
hielt sich einige Zeit darin auf (war aber wieder allein), und der 
Horst blieb definitiv unbesetzt. Auch in Brittnau, von wo im April 
gemeldet wurde, das Paar brüte, war das keineswegs der Fall; auch 
das dortige Nest ist nicht bezogen worden. Im Gäu waren 1905 
ebenfalls nur wenige Nester besetzt. Am 18. Juni, während einer 
Fahrt nach Solothurn, sah der Storchenvater keinen einzigen. Auch 
in Kölliken, Suhr und anderwärts rückten keine Störche ein. Von 
den Nestern im ganzen Beobachtungsgebiet war dieses Jahr kaum 
die Hälfte besetzt. Einer ziemlich verbürgten Mitteilung zufolge 
sah man über Fleurier im Monat März nacheinander viele Störche, 
auf dem Flug von Süden kommend, zur Erde niederfallen. Doch 
kamen keine näheren Nachrichten hierüber zum Vorschein. 

Am 28. Juni wurde der Horst auf dem Chordach wieder von 
unserem Storchmännchen besucht, und es hielt sich längere Zeit 
darin auf. Es wollte damit bezeugen, daß es das Nest nicht auf- 
gegeben habe, sondern nächstes Jahr wiederkommen werde. Nach 



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Juni blieb diese Wohnung vereinsamt und glich einem kleinen 
Gärtchen, denn sie war mit Gras und Weiden bewachsen. 

Trotzdem die Stotehbevölkerung unserer Gegend stark zurück- 
gegangen war, konnte man doch während des Sommers da und 
dort Familien und kleine Flüge beobachten. Am 17. Juni kreisten 
sechs über der Kirche in Zofingen, und diese hielten sich eine Zeit- 
lang iu der Gegend auf und erfreuten den Beobachter durch ihre 
Flugküuste. Anfangs Spptember hielten sich sechs Störche im Wau- 
wiler-Moos auf, die afn 6. September verschwunden waren. Das 
waren schon Zugbewegungen. 

In Deutschland werden die Störche neuerdings wieder zusammen- 
geschossen, währenddem anderwärts, ebenfalls in Deutschland, von 
Naturfreunden Anstrengungen gemacht werden, sie im Schutz zu 
erhalten. In einer Arbeit, die über die Erhaltung der Naturdenk- 
mäler iu Aussicht genommen worden ist; sollen auch die in andern 
Staaten getroffenen derartigen Einrichtungen möglichst berücksichtigt 
werden; namentlich die Storchansiedlungen wurden in den Bereich 
dieser Arbeit einbezogen, In einem Schreiben des Prof. Dr.<3onwentz 
in Danzig an die Aargauische Regierung hieß es: »Wie verlautet, 
bestimmte man im Et., Aargau Stiftungen dazu, den Storch zu be- 
schützen," und es wurde näheres hierüber gewünscht. Es existieren 
aber im Aargau keine derartigen Stiftungen als der bescheidene 
Zofinger Storchenfonds, und der Chronikschreiber wurde mit dem 
Auftrage betraut, den betreffenden Brief zu beantworten. Die Ant- 
wort lautete folgendermaßen: 

»Der Storch genießt im Kanton Aargau von Staats wegen keine 
besondere Vergünstigung, sondern er ist durch das Eidgenössische 
Jagd- und Vogelschutzgesetz geschützt, wie in den andern Kantonen 
auth. Speziell in Zofingen wurde im Jahre 1889 auf dem Dache 
des Kirchenchors nach Einholung einer regierungsrätlichen Bewilli- 
gung eine Nesteinrichtung angebracht, und dieser Horst ward dann 
im Jahre 1895 zum ersten Male von einem Storchenpaar bezogen. 
Damals im Jahr 1889 wurde zuerst eine Versammlung von Storch- 
freunden einberufen , wo kleine Beiträge gezeichnet wurdeu , die 
dazu verwendet werden sollten, eine solide Nesteinrichtung anzu- 
bringen. Der Best wurde in einem Sparkassaheft angelegt, unter 
dem Titel Storchenfonds, uud daraus wurde jeweilen geschöpft, 
wenn es sich um Ausgaben handelte, die durch das Storchnest ver- 
ursacht wurden. Dieser Storchenfonds beläuft sich gegenwärtig 
auf Fr. 114.10. 



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Um das Publikum storch freundlich zu erhalten, wurde eine 
Chronik unserer Storchfarailie geführt und jeweilen im Laufe des 
Februar, also kurz vor der Ankunft der Störche, im »Zofinger Tag- 
blatt« veröffentlicht. Der Verleger lieferte auch gratis eine größere 
Anzahl Separatabzüge der Storchen ehr onik in Broschürenform, die 
in weitern Kreisen verbreitet wurden, um überall für Freund Adebar 
wohlwollende Gesinnungen zu erwecken,« 

So bewohnten diese in Zofingen gerne gesehenen Vögel das 
Chordach 10 Jahre lang. Das letzte Jahr, 1905, blieben sie aus, 
und es wird sich nun im Verlaufe des Februar oder März 1906 zeigen, 
ob sie ganz wegbleiben wollen, oder ob das Nest wieder bezogen 
wird. Im ganzen hatten sich die Storch nester in den Kantonen 
Aargau, Solothurn, Bern u. s. w.> im letzten Jahrzehnt vermehrt, 
bis vor zwei Jahren, wo plötzlich ein bedeutender Rückgang in der 
Zahl der bei uns wohnenden Störche eintrat. Im Jahre 1905 war 
nicht einmal die Hälfte der früher bewohnten Horste besetzt. Was 
daran Schuld war, konnte bis jetzt nicht bestimmt festgestellt wer- 
den. Wahrscheinlich spielt dabei eine Rolle, daß man, wie aus 
Zeitungsartikeln ersichtlich ist, in Deutschland »den Störchen auf den 
Leib rückt«. Die »Basler Zeitung und Handelsblatt« veröffentlichte 
in Nr. 237 vom 29. August 1905 einen Artikel: »Kampf gegen 
Meister Langbein«, der die Ausrottung des Storches in verschiedenen 
Staaten Deutschlands verherrlichte. Da der Raub junger Hasen 
darin eine Hauptrolle spielt, so ist leicht ersichtlich, daß diese 
Artikel von jägerischer Seite kamen. Es heißt dort u. a.:. »Von 
früh bis spät stolziert er auf dem Felde umher. Findet er einen 
Wurf Junghasen, dann holt er einen nach dem andern fort. Des- 
halb ist die Niederjagd in Gebieten mit vielen Störchen nie hoch- 
zubringen. Noch schlimmer ist es, daß er die auf der Erde brüten- 
den Singvögel nicht verschont, so daß in manchen Gegenden diese 
Vogelarten, namentlich die Lerchen, gänzlich ausgerottet sind.« Dem 
gegenüber ist zu sagen, daß viele der im Grase nistenden Singvögel 
nicht vom Storch vertilgt werden, sondern beim Mähen und bei der 
Heuernte umkommen, daß ferner die im Getreide nistenden Vögel 
und auch die Junghasen vor dem Storche sicher sind, weil dieser 
sich nie in ein Getreidefeld begibt, und so könnte noch vieles an- 
geführt werden, was jene Anklagen als tendenziös erscheinen läßt. 
Auch bei uns regen sich die Jäger, die in jedem Tier, das 
Mäuse fängt und demzufolge naturgemäß auch etwa einen jungen 
Hasen vergewaltigt, ein jagdfei nclliches Wesen erblicken, und möchten 



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den Storch auch bei uns auf den Index setzen. In Deutschland 
haben die Jäger, wie es scheint, nach jahrelangem Treiben gegen 
diesen Vogel Erfolg gehabt, und dort wird er nun ausgerottet. Bei 
uns wird möglicherweise über kurz oder lang das gleiche geschehen, 
und die Zeit wird dann kommen, wo der Storch der Vergangenheit 
angehört hat. Die »Kultur« marschiert vorwärts, und deren 
Träger, der Mensch, kämpft gegen alles, was lebt in der Natur, bis 
nichts mehr da ist, was den Naturfreund noch erfreuen könnte. 
Hoffen wir, daß dieser Zustand noch recht ferne ist. 



Die Feindschaft zwischen Krähe und Sperber. 

Von Erwin Detmera in Lingen a. d. Ems. 



Zwei sich gegenseitig grimmig hassende Tiere, die sich an Kräften 
ungefähr gleichkommen, sind Krähe und Sperber. Bevor ich darauf 
eingehe, inwiefern und wieweit sich diese beiden Vögel befehden und 
einander schaden können, will ich kurz ihre Waffen und Stärke ver- 
gleichen. 

Beide Vögel sind mutig und kühn, die Krähe ist es mehr in 
Gesellschaft ihresgleichen, der Sperber auch, wenn er sich allein 
befindet. Die Krabe ist bedeutend größer als das Sperberweibchen 
und noch weit größer als dessen Männchen. Dafür besitzt der Sperber 
aber viel mehr Gewandtheit in allen Bewegungen als seine Feindin, 
obwohl auch diese keineswegs ungeschickt genannt werden darf. Die 
Krähe greift mit den Fängen und mit ihrem Schnabel nach dem 
Feinde, der Sperber nur mit den Fängen, die er aber viel gewandter 
zu gebrauchen weiß und in denen er viel mehr Kraft besitzt, als 
die Krähe. Außerdem sind die Krallen des Sperbers viel schärfer und 
dringen deshalb besser ein als die nicht zum Schlagen lebender Tiere 
verwendbaren Krähenkrallen. 

Die beiden Tiere können sich nun auf verschiedene Weise schaden, 
einmal durch persönliche Angriffe, dann durch Erschwerung des 
Nahrungserwerbs. Bei der letzten Art ist wohl nur der Sperber die 
leidende Partei, denn er wird wohl selten die Krähen ihrer Beute 
berauben oder sie sonst bei der Nahrungssuche behelligen. Anders 
aber machen es die Krähen. Sobald eine den Feind erblickt hat, ruft 
sie durch lautes Krächzen ihre Genossen herbei. Alle folgen dem 
Verhaßten, stoßen nach ihm und verhindern, daß er Beute machen 
kann. Ihr lautes Geschrei warnt alle kleinen Vögel; dies hat ja schon 



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oft zu der irrigen Meinung geführt, die Krähen wollten durch ihr 
Schreien absichtlich andere Vögel von der ihnen drohenden Gefahr 
benachrichtigen. Das ist nun sicher nicht der Fall. Es wäre ganz 
schon, wenn die Krähen diese edle Absicht hätten, aber ihnen liegt 
nur daran, ihren Feind so viel wie möglich zu necken und ihm zu 
schaden. 

Sehr oft kommt es ferner vor, daß Krähen schon vom Sperber 
geschlagenen Vögeln durch ihr rechtzeitiges Eingreifen das Leben 
retten. Sie bedrängen den Raubvogel so, daß er seiue Beute fahruu 
lassen muß, und machen sich, wenn das Beutetier schon tot ist, selbst 
darüber her, um ei aufzufressen. Einer einzelnen Krähe wird der 
Sperber freilich seinen Raub auf keinen Fall überlassen, doch kommt 
es auch nur selten vor, daß eine einzelne Krähe einem Sperber zu- 
setzt, höchstens wenn dieser ein kleines oder schwaches Exemplar ist. 

Bei einem Zusammenstoß zwischen einer Krähe und einein Sperber 
bleibt, wenn letzterer ein Weibchen ist, der Sperber wohl fast immer 
Sieger. Anders aber ist es bei einem Kampfe zwischeu Sperber- 
männchen und ^rähe, dann kommt es wohl häufig vor, daß der 
Raubvogel das Feld räumen muß. W. Strecker berichtet in der 
»Deutschen Jäger-Zeitungc 1 ) einen Fall, daß eine Krähe sogar ein 
Sperberweibchen durch mehrere gluckliche Hiebe unschädlich gemacht 
hat. Er schreibt dort folgendes: »Von dem Hauptbahnhofe kommend 
sehe ich, wie eine Krähe fortwährend auf einen andern Vogel stieß, 
den ich als Astur nisus erkannte. Da sich die Vögel fest an einer 
Stelle hielten, beschloß ich, das Ende der Dinge abzuwarten. Ich 
bemerkte, daß der Sperber es öfter versuchte, von oben auf die Krähe 
zu stoßen, was diese jedoch äußerst geschickt zu vereiteln wußte. 
Plötzlich stürzte der Sperber, wie vom Blitz getroffen, zur Erde 
nieder. Ich dachte zuerst an eine List desselben, wurde jedoch bald 
eines anderen belehrt, als ich sah, daß der Sperber ruhig am Boden 
liegen blieb, während die Krähe auch hier noch mit furchtbarer 
Wut auf den Sperber stieß. Erst mein Dazwischenkommen verscheuchte 
dieselbe. Der Sperber gab nur sehr schwache Lebenszeichen von sich ; 
er hatte eine tiefe Hiebwunde am Hinterkopf, eine kleine Wunde am 
linken Flügel, und sein Federkleid hatte auch ziemlich herhalten 
müssen. Es war zwar nur ein sehr geringes Exemplar (9), doch ist 
mir unklar, warum der Sperber, der doch an Schnelligkeit des Fluges 
der Krähe bedeutend überlegen ist, sich nicht aus dem Staube gemacht 
hat.« Dies ist der einzige mir bekannte Fall, daß eine Krähe einen 

*) Bd. XVIII, 1892, S 661. 



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Sperber besiegt hat. Anders auslaufende Kämpfe zwischen den beiden 
Vögeln sind mir dagegen mehrere bekannt. Als ich am 31. März 
auf einem Spaziergange aus einem an der Ems liegenden Walde 
trat, scheuchte ich am andern Ufer eine Krähe hoch, die langsamen 
Fluges dem Lauf der Ems entlang strich. Plötzlich erschallte aus 
dem Walde, an dessen Rand ich stand, laut der Ruf eines Sperbers, 
und gleich darauf erschien der Raubvogel selbst, stieg einige Meter 
steil in die Höhe und warf sich dann in sausendem Fluge auf die 
fliehende Krähe. Der erste Stoß, ging fehl, und fast wäre der hitzige 
Räuber ins Wasser gestürzt. Die Krähe suchte sich laut schreiend 
zu retten, aber der Sperber folgte und griff sie in einen Flügel. Beide 
fielen. Kurz über dem Wasser ließ der Sperber los, die Krähe berührte 
schon, wie ich sehen konnte, den Fluß, kam aber glücklich wieder 
hoch und flüchtete ans Land. Auf ihr lautes Geschrei hin kamen ihr 
drei audere Krähen zu Hilfe, und nun strich der mutige Sperber mit 
einem hellen »Käk, Käk, Käk, Käk« ab und verlor sich schnell in 
der Ferne. — Daß oft den Krähen ihre Unverschämtheit bei der 
Verfolgung des Sperbers schlecht bekommt, beweisen folgende Fälle. 
»Ein Rabe«, so erzählt Friderich, »saß in hiesiger Stadt auf einem 
Hause, als ein Sperberweibchen über dasselbe wegstrich. Sofort eilte 
der Rabe nach und fing an zu stoßen, der Stoß brachte ihn unter 
den Sperber, welcher denselben sofort unter dem Flügel mit beiden 
Fängen schlug, worauf sie auf die Straße herabwirbelten. Mit wenig 
Sprüngen war der Kampfplatz erreicht, beide fuhren auseinander, 
der Sperber flog davon, dem Raben aber war der Flügel gebrochen, 
ich vermute durch den Absturz, und er wurde leicht von mir gefangen. 
Die Verletzung unter dem Flügel war aber so tiefgehend, daß er 
nach zwei Tagen verschied. Es war ein starker männlicher Rabe, 
C. Coronen Sogar, wenn der Sperber Beute in einem Fange hat, weiß 
er sich gegen Angriffe einzelner Krähen zu schützen. Chr. L. Brehm 
erzählt einen sehr interessanten Fall. Er sah, wie ein Sperber hinter 
seinem Hause einen Sperling schlug nnd ihn gleich an Ort und Stelle 
verzehren wollte. Da bemerkte ihn eine Krähe. Sie eilte herbei, um 
ihm seine Beute abzunehmen. Der Sperber bedeckte mit ausgebreiteten 
Flügeln seinen Raub. Die Krähe versuchte wiederholte Angriffe. Da 
wurde es dem Sperber zu bunt, er nahm seinen Sperling in einen 
Fang, flog auf, warf sich geschickt im Fluge auf den Rücken und 
griff mit dem freien Fang die Krähe heftig in die . Brust, worauf 
diese abzog. Zum Schluß sei noch der Angriff eines Sperbers auf 
eine Krähe erwähnt, den Ziemer berichtet. »Eine Krähe saß auf 



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— 113 — 

einem Garteuzaun. Da stieß ein Sperber auf die Ahnungslose, packte 
sie, purzelte mit ihr auf die Erde und wälzte sich dort im Kampfe 
mit ihr herum. Die Krähe, die im Rücken gepackt und deshalb 
ziemlich wehrlos war, schrie ganz erbärmlich, worauf zwei andere in 
der Nähe befindliche herbeieilten und mit lautem Geschrei über den 
Sperber herfielen, der nun seine Beute losließ und sich eiligst aus 
dem Staube machte. Der geschlagenen Krähe gelaug es erst nach 
zwei oder drei vergeblichen Versuchen aufzufliegen.« 

Wie man aus den genannten Fällen ersehen kann, ist mit einer 
einzelnen Ausnahme immer der Sperber der stärkere Teil. Ich glaube 
sicher, daß einem starken Sperberweibchen wohl mehr als einmal 
eine Krähe zum Opfer fällt. Man muß mir darin Recht geben, wenn 
man bedenkt, daß eine Liebliugsnahrung des Sperbers der Eichelhäher 
ist. Dieser Vogel kann sicher als ein sehr wehrhafter Geselle bezeichnet 
werden, der den Krähen an Kraft wohl nicht sehr viel nachsteht. 
Außer dem Häher schlägt der Sperber noch viele Tiere, an die eine 
einzelne Krähe sich nicht wagt, und die zu schlagen sie nicht die 
Kraft und Gewandtheit besitzt. 



Kleintierleben im Winter. 

Von Kunstmaler K. Soffel in Schleißheim bei München. 



Die Tatsache, daß ich in den Wintermonaten Dezember und 
Januar 1905/06 ungleich mehr Insekten sich herumtreiben sah als in 
vergangenen Jahren, bestimmte mich dazu, genaue Aufzeichnungen 
zu machen, die ich nachstehend in der Hauptsache folgen lasse. 

Vorausschicken muß ich, daß sich die Beobachtung ausschließ- 
lich auf die allernächste Umgebung meines Häusels (bei München — 
Dachau- Schlei ßheimer Moos) bezieht. Mein Häusel (ein kleines 
Bauernhaus aus alten Zeiten, das gerade noch ausreicht für meine 
und meiner Frau Ansprüche; aber im Kontrast zur umgebenden 
Natur klingt Chopins wundervolle Cis-moll Etüde nur noch ein- 
dringlicher, und die absolute Stille, nur unterbrochen durch Vogel- 
rufe und Vogelsang, begünstigt künstlerische und wissenschaftliche 
Arbeit) liegt dicht am Wald, an einem breiten, mit uralten Linden 
umstandenen Kanal, nahe am Dachauer Moos, über das im »Zoolog. 
Garten« schon des öfteren von Ludwig Schuster und Örtel be- 
richtet wurde. Da ich an jedem Tag, den ein gütiges Geschick mir 
beschert, einige Stunden im Wald, im Moos — draußen — ver-^ 

Zool. Beobacht. Jahrg. XL VII. 1906. 8 






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bringe, so drängen sich mir unwillkürlich die Beobachtungsmöglich- 
keiten auf. 

Ich will mit der Aufzählung der »üblichen, erlaubten Haus- 
insekten« beginnen. Da machen sich also an der niederen Decke 
der Parterre-Räume neben vielen Exemplaren der Gemeinen Stuben- 
fliege (Musca domestica) auch die Schmeißfliege (Musca vomitoriä) 
und Fleischfliege (Sarcophaga carnaria) bemerklieb, und zwar meist 
ihren Geschäften nachgehend. Auch wenn die Zimmer nicht geheizt 
sind, finde ich viele lebhaft. 

Anschließend an die Fliegen, die ja nicht besonders bemerkens- 
wert sind (jeder Großstädter hat ja wohl seine > Winterfliege«), er- 
wähne ich viele Exemplare der Winkelspinne (Tegenaria domestica). 
Wenn ich, was öfters geschieht, ihnen um diese Jahreszeit eine 
Fliege ins Netz werfe, so stürzen sie fast ausnahmslos — wie Fleisch 
gewordene Goja'sche Gestalten — aus den Röhren und fassen mit 
den mächtigen Kiefern das Opfer, um sofort wieder mit diesem zu 
verschwinden. Selten, daß eiue nicht reagiert. Auf dem kalten 
Speicher, aber auch im Freien unter, dem Dachfirst habe ich mehr- 
mals Gruppen von drei bis fünf Stück des Weberkuechts l ) (Opilio 
parietinus) vorgefunden. Überhaupt scheint diese Art auch gegen 
heftige Kälte ziemlich unempfindlich zu sein. Ich habe auch bei 
starkem Frost und Rauhreif dieses Tier mit den lächerlich langen Beinen 
im Freien angetroffen. Aus der Ruhe gestört, flüchtete es wie in der 
warmen Jahreszeit (nur träger), den Körper wie auf Federn wiegend. 

Die Kreuzspinne (Epeira diadema) y im Sommer in uud um mein 
Haus überaus zahlreich, konnte ich kein einziges Mal konstatieren. 

An geeigneten Ortlichkeiten sitzen die gemeinen Asseln in 
Klumpen zusammen, immer (was uns hier allein angebt) in Gesell- 
schaft. Ebenso Hunderte und Aberhunderte der Gemeinen Stech- 
mücke (Culex pipiens L.) 2 ). Diese kleinen Geschöpfe sind auch im 
Winter rechte Plagegeister, denn an jedem nicht allzufrostigen Tag 
sind sie in Tätigkeit. Im Garten und in den Zimmern traf ich sehr 
oft (fliegend und sitzend) das Goldauge, die Gemeine Florfliege 
(Hemeröbius perla). Auch traf ich viele Individuen von Wespen 
(welche mehreren Arten angehören mochten) an. Besonders aber 



*) Einmal bemerkte ich Parus major auf der Jagd nach dieser Afterspinne. 
Diese wurde ganz verschlungen — also nicht nach Meisenart mit den Füßen 
gehalten und zerstückelt; es sah ergötzlich aus, wie die langen Beine, gleich 
riesigen Borsten, vom Schnabel des Vogels wegstanden. 
; 2 ) Diese Bestimmung verdanke ich der Freundlichkeit des Herausgebers. 



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eiue Schlupfwespe mit rotem Hinterleib. Auch Schmetterlinge fand 
ich vielfach munter*. Mehremal ein halbschlaftrunkenes Pfauenauge 
(Vanessa- io\ doch ist dies wohl keine Seltenheit. Dagegen kam 
mir mehreremale abends ins Zimmer geflogen ein prächtiger Spanner 
(Triphosa dubitata L.) und einmal die allbekannte »Hausmutter« 
(Agrotis promiba). Als ich vor wenigen Tagen morgens meinen 
Speicher betrat, hörte ich vom kleinen Fenster her ein brummendes 
Geräusch; näher kommend fand ich eine Gesellschaft von Rohrenlen 
(Nonagria typhae), alle bestrebt ins Freie zu gelangen. Ich zählte 
12 Stück. Alle waren tadellos. 

An einem sounigen Morgen fing ich im Garten bei Schnee 
Scoliopteryx libatrix L. Öfters konnte ich auch Marienkäferchen (und 
zwar immer Coccinella conglobata L. var. impusiulata L.) antreffen, 
scheinbar ganz fidel auf den kahlen Asten des Hollunders spazierend. 

An den alten Linden hockten auch au kalten Tagen zu. vielen 
Tausenden — die Stämme auf größere Entfernung rot färbend — 
Feuerwanzen (Pyrrhocoris apterus) beisammen, ein Bild, das man 
aus warmer Jahreszeit genugsam kennt. Auch fand ich einmal, ziem- 
lich verträumt, aber nicht starr, Graphosoma lineatum L. 1 ) Diese 
schöne rot und schwarze Wanze traf ich im Sommer und Herbst 
nur äußerst selten. Zweimal lief mir, einmal einem Freunde die 
Raupe des Bäreuspinners (Arctia caja L.) über den Weg. Die drei 
Exemplare waren fast ausgewachsen; eines, dem ich noch grüne 
Brennesselblätter reichte, fraß in der Stube davon. 

Im Moos draußen begegnete mir an einem herrlich sonnigen 
Morgen des Januar der Taumelkäfer (Gyrinus natator L.) auf der 
Oberfläche eines Torftümpels seine Kreise ziehend wie im Hoch- 
sommer. Am gleichen Tage fing ich am Ufer .eines Torfwassers eine 
Spinne, die von befreundeter Seite als Pardosa amentata Clerck be- 
stimmt wurde. Das Tier war munter genug, um mir fast zu ent- 
kommen. Im rasch entleerten Zündholzschächtelchen verwahrt, 
brachte ich es aber trotzdem nicht lebend nach Hause. Daß am 
Grande des Wassers auch im Hochwinter immer noch einiges Leben 
herrscht, ist jedem Naturfreund reichlich bekannt. Keinem entgehen 
wohl die Larven der Phryganeen mit ihren vielgestaltigen, selbst- 
gefertigten Häuschen, die Larven von Libellen und Ephemeriden. 

Anschließend an die Insekten und Spinnen möchte ich noch 
einige andere Tiere erwähnen, die man für gewöhnlich nicht im 

*) Diese Bestimmung verdanke ich der Freundlichkeit des Herausgebers. 



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Winter zu sehen bekommt. So traf ich in den beiden Monaten 
viermal Igel (Erinaceus europaeus L.) munter im Schnee trabend. 
Drei davon waren halbwüchsig. Da ich die einzelnen Funde immer 
nach Hause ins Gewahrsam trug, kann von einem Doppeltzählen 
keine Rede sein. Die kleinen Igel fraßen nach einer Stunde Ge- 
fangenschaft schon ihre Milchsemmel, nach Art der Alten furchtbar 
schmatzend und niesend. Weiter überraschte ich einmal meine Dogge 
um fünf Uhr abends, wie sie ein kleines, lebendes Ding anknurrte 
und dabei fortwährend heftig mit dem Kopf schüttelte. Anlaß zu 
dieser Aufregung gab allein eine Kröte (Bufo vulgaris cT), die sie 
wohl gebissen haben mochte, da die runzelige Haut des Lurchs dick 
mit Schleim bedeckt war. Anfangs Dezember erbeutete ich noch eine 
Blindschleiche (Anguis fragilis L.). Verschiedene Rotkehlchen (Eri- 
thacus rubeculus L.) haben den Winter über ausgeharrt und treiben 
sich den Tag über in den Holunder- und Fliederbüschen meines 
Gartens umher. Sie sprachen meinem Futterplatz tapfer zu und 
trieben andere hungrige Gäste wie Meisen, Kleiber, Buch- und Grün- 
finken u. 8. w. hartnäckig und stets mit Krfolg davon. 

Briefliehe Mitteilung. 



Ölten (Schweiz), den 29. März 1906. 
In No. 789 des »Prometheus«, die mir erst heute zukam, werden von 
Dr. Schoenichen die Gründe für die Verdrängung der Hausratte durch die 
Wanderratte auseinandergesetzt. Ich möchte dazu bemerken, daß in den sieb- 
ziger und achtziger Jahren die Hausratte längs des Schweizerischen Juras auf 
einige wenige isolierte Gebäulichkeiten beschränkt, also sehr selten war, daß 
ich aber schon von Mitte der neunziger Jahre an eine starke Zunahme von Mus 
rattus festgestellt habe. • Zur Zeit ist sie an vielen Orten häufiger als die 
Wanderratte; oft wird in der einen Nacht ein Mus decumanus und in der 
folgenden am gleichen Ort und im gleichen Eisen eine Hausratte gefangen. Viele 
Exemplare der letzteren überschreiten um ein Beträchtliches die 
Maximalmaße der zoologischen Werke. — Eine von mir auf der Höhe 
des Juras in 1400 m erlegte Fledermaus stellte sich nach Fatios Diagnose als 
Vesperugo nilssoni Keys. Blas, heraus. G. von Burg. 



Kleinere Mitteilungen. 



> •« 



Überwinternde Reiher und Turmfalken. Die Fischreiher (Ardea 
cinerea L.) aus der Umgebung von Lingen (Ems) sind in diesem Jahre nicht nach 
dem Süden gezogen. Ich habe sie den ganzen Winter über (1905—06) zu wieder- 
holten Malen beobachtet und auch von Bekannten dieselbe Mitteilung bekommen. 



— 117 — 

Ebenso ist ein Teil der Turmfalken (Cerchneis tinnunculus L.) in diesem Winter 
bei uns geblieben. So sah ich ein Exemplar gegen Ende November, ein zweites 
in den kalten Tagen kurz nach Weihnachten, und einen dritten Vogel dieser 
Art beobachtete ich am 20. Januar 1906. Erwin Detmers. 

Sogen, ackerbautreibende Ameisen. In die meisten neueren Lehr- 
und Handbücher der Tierkunde ist die Schilderung des Amerikaners Lincecum 
übergegangen, der erzählt, daß eine Ameise (Pogonomyrmex barbatus) in Texas 
kreisförmige Flächen von 4 m Durchmesser um ihre Nester von jeder Vegetation 
befreie bis auf ein Gras, den Ameisenreis (Aristida stricto), den sie stehen lasse. 
Sie ernte dann den Ertrag dieses Grases, entferne die Spreu und später auch die 
Stoppeln und säe in der Regenzeit wieder von neuem. Würden die Körner 
ihres Vorrates naß, so trockne die Ameise sie in der Sonne, damit sie nicht 
keimten. Diese wunderbare Erzählung verweist W. M. Wheeler in das Reich 
der Fabeln. Er weist darauf hin, daß viele dieser Ameisen-Kolonien gar kein 
Aristida-Fe\d besitzen, ja selbst weit von jeder Vegetation abliegen. Er zeigt 
ferner, daß die wenigen .Am&'da-Ptianzen, die um ein solches Nest ständen, 
unmöglich eine ausreichende Nahrung für eine einigermaßen volkreiche Kolonie 
liefern können, und macht endlich geltend, daß nach seinen Erfahrungen diese 
sogen. Ernteameisen bei ihrem Straßenbau jede ihnen im Wege stehende Pflanze 
einschließlich des Aristida-Grases vernichten. In den allerdings zuweilen vor- 
kommenden Aristida-Kviltureii sieht Wheeler vielmehr nur ein zufälliges Neben- 
produkt, das dadurch zustande komme, daß die Ameisen die keimenden Körner 
aus ihren Vorratskammern fortschaffen und als für sie ungenießbar geworden 
vor das Nest schleppen. 

(Nach Dr. H. Reeker in 33. Jahresber. d. Zool. Sekt. d. Westfäl. Prov.- 
Ver., Münster 1905 p. 40). Bttgr. 

Wer baut bei den Vögeln das Nest? Die meisten sind wohl der 
Meinung, daß unsere Vögel, nachdem sich die Pärchen gefunden haben, gemeinsam 
den Bau ihrer Nester bewirken. Das ist ein Irrtum. Nach P. Werner bauen 
nur etwa von 80% unsrer Vögel Männchen und Weibchen zusammen; bei den 
andern 20°/o baut nur das Weibchen (bei Muscicapa, Luseinia, Erithacus u. s. w. 
und meist auch bei Hirundo, Chelidon und Turdus merulä) und das Männchen 
schaut zu, und nur in den allerseltensten Fällen (bei Sturnus) ist das Männchen 
der alleinige Erbauer des Neste«. Doch läßt sich eine feste Norm nicht einmal 
bei ein und derselben Art — z. B. nicht beim Buchfinken (Fringilla caelebs) — 
feststellen. 

(Nach 33. Jahresber. d. Zool. Sekt. d. Westfäl. Prov.-Ver., Münster 1905 
p. 54—58). Bttgr. 

Wasserkäfer aus Kamerun 1 ). Wasserkäfer gibt es hier in der Um- 
gebung von Buea in beiläufig 1000 m Höhe auch. Ich schicke Ihnen einige, die 
mir von Interesse zu sein scheinen, da sie doch nicht so häufig anzutreffen sind. 
In einem großen Loche, das ich mir ausgrub, um darin Wasser zum Gießen 
meiner Pflanzen aufzufangen, das im schattigsten Walde langsam aus den Felsen 
hervorquillt, schwimmen sie in und auf dem Wasser. Die größere Dytisciden- 



l ) Die Bestimmung der Arten verdanken wir unserem ausgezeichneten Käferkenner 
Major Prof. Dr. L. v. Hey den in Frankfurt a. M. Der Herausgeber. 



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Art, wohl Hydaticus flavolineatm BohemaD, schwimmt auf der ruhigen Ober- 
fläche, liegt meist regungslos und macht nur ab und zu stoßweise, schnelle Be- 
wegungen nach allen Richtungen. Rührt man im Wasser, so taucht sie unter. 
Die kleinere Art, ein Gyrinide, Dineutes micans F., schwimmt ruhelos zu viert 
oder fünft an einer Stelle der Oberfläche, immerzu hin und her und im Kreise. 
Blitzschnell und auch stoßweise schießen diese Käfer umher, und manchmal 
dreht sich ein Tier im schnellsten Wirbel um sich selbst im Kreise, genau wie 
ein Kreisel: ein sehr possierlicher Anblick. Ein ebenfalls zu den Gyriniden ge- 
höriges Tier entspricht unsrer deutschen Gattung OrectocMlus, gehört zu der auf 
Afrika beschränkten Gattung Orectogyrus und wird wolil 0. specularis Aube sein. 
Es zeichnet sich dadurch aus, daß es senkrecht taucht, den Kopf nach unten. 
Im Wasser steht es meist regungslos, oder es sitzt noch lieber am Rande des 
Tümpels, aber verläßt dabei das Wasser nicht. Unter den kleineren Arten, die 
ebenfalls aus dem gleichen Wasserloche stammen, ist auch die Gattuug Copelatus 
vertreten. Hans Deistel. 

Seidenschwänze (Bombyciüa garrula L.) al s Marktwäre. Man 
sollte es nicht für möglich halten, aber e3 ist Wahrheit, daß einer unserer 
Leser in der Auslage einer Münchener Geflügelhandlung (bei Kreiderer) neulich 
einen ganzen Korb voll von frisch erlegten Seidenschwänzen in ihrem vollen 
Federschmucke angetroffen hat. Soll man sich mehr erzürnen über die boden- 
lose Roheit, Dummheit oder Habgier des Schützen, der die wundervollen, harm- 
losen, aus ihrer nordischen Heimat bei uns Schutz suchenden Vögel herunter- 
geknallt hat, oder über die Unkultur der Tagediebe aus der sogen. »Guten Ge- 
sellschaften die diese Vögel als Speise verlangen und als Leckerbissen kaufen 
und stumpfsinnig hinunterwürgen ? Ist das Erlegen und Feilbieten , dieses zu- 
traulichen Vogels am Ende gar in Bayern polizeilich gestattet? Bttgr. 

Lebende Lungen fische. Im Basler Museum sind im vorigen Jahre 
als Gabe des Herrn H. Vis eher, Britischem Assistent-Residenten yon Nigeria, vier 
in Leder eingenähte Erdballen mit eingeschlossenen Lungenfischen (Protopterus 
annectens Owen) eingelangt. Gesammelt wurden die Stücke im März am west- 
lichen Ufer des 'Tsad-Sees. Da nach des Schenkers Angabe die Sümpfe dort 
schon im Dezember vollständig ausgetrocknet sind, so müssen die Tiere zur 
Zeit, als sie gesammelt wurden, schon gut drei Monate im Sommerschlafe in 
der Erde gewesen sein. Ein im Jnni 1905 in Basel und ein im September in 
Luzern geöffneter Erdballen enthielten völlig gesunde und durchaus nicht abge- 
magerte Fische, von denen einer noch im Basler Zoologischen Garten lebt. 
Zwei der Erdballen sind zur Stunde noch uneröffnet. Eine verwandte Erschei- 
nung zeigt, wie die Vettern Dr. Fr. und P. Sarasin bei dieser Gelegenheit er- 
wähnen, auf der Insel Celebes Monopterus javanensis Lacep., ein Fisch aus der 
Familie der Symbranchiden. Mit dem Austrocknen der Sümpfe und Reisfelder 
wühlt er sich in die Erde ein und geht um so tiefer, je mehr die Austrocknung 
fortschreitet, indem er im feuchten Lehm die nächste Regenzeit abwartet. 
Sowohl das Tier, als der von runden Gängen durchsetzte Erdklumpen, in dem 
es während der trocknen Jahreszeit bei Maros in Süd- Celebes mit der Hacke 
erbeutet wurde, sind der Sammlung einverleibt worden. 

(Nach Dr. Fr. Sarasin in Bericht über das Basler Naturh. Mus. f. 1905 
p. 406). Bttgr. 



— 119 — 

Ein Kanarienvogel kann einen jungen Wellensittich nicht 
füttern — das hätte ich mir eigentlich selbst sagen können, als ich ein ver- 
lassenes Sittichei, das mehrere Tage lang bebrütet worden war, einem Kanarien 
Weibchen unterlegte. Der junge Vogel schlüpfte aus, mußte aber zu Grunde 
gehen, trotzdem daß das Stiefmütterchen sich die größte Mühe gab, den großen 
Schnabel des Jungen sperren zu lassen. Der Kanarienvogel stopft, der Sittich 
kröpft seine Jungen, ähnlich wie die Tauben, denen die Papageien wohl über- 
haupt nahe stehen. Man vergleiche z. B. nur das Liebesspiel beider Vogelarten ; 
auch das Trinken geschieht bei beiden übereinstimmend. Die Papageitaube 
(Columba vadlia) ist sowohl in der Farbe wie im Wesen beinahe ein Bindeglied 
zwischen diesen beiden Ordnungen des Vogelreiches. Man vergleiche z. B., was 
»Brehm« über das Benehmen dieser Taube bei der Paarung sagt, mit dem des 
Wellensittichs. Wie dieser sein Weibchen mit den Flügeln, diese fast wie Arme 
gehrauchend, umschlungen hält, so auch diese Taube. Die Innigkeit des Paarungs- 
aktes, die wohl allen Papageien gemeinsam ist, läßt diese als sehr hochstehende 
Geschöpfe erkennen, wofür sie ja auch sonst Beweise genug abgeben. 

Interessant wäre es mir zu erfahren, ob ein Leser des »Zoologischen Garten« 
vielleicht die Beobachtung hat machen können, daß ein Wellensittich ebensowenig 
imstande ist, wie die Taube, vor beendeter Brutdauer Junge zu füttern. Wie 
bei den Säugetieren die Milch sich normaler Weise erst gerade rechtzeitig ein- 
stellt, so bildet sich im Taubenkropf der für die ersten Lebenstage der Jungen 
dienende Nährsaft auch erst bei deren Auskriechen aus dem Ei. 

P. C. H. Momsen. 

Der Albatros, (Diomedea exulans) ist, wie mir deutsche Schiffsoffiziere 
erzählen, so sehr das ruhige Schweben über See gewöhnt, daß er, wenn 
eingefangen und auf Deck gebracht, das elende Aufsteigen und Herunterfallen 
des Schiffes, das jedesmal (wie bei uns Menschen) den Mageninhalt in einer 
bis dahin nie verspürten Weise gegen die seitliche und obere Magenwand schleu- 
dert, durchaus nicht auszuhalten vermag. Er zahlt Poseidon zunächst den eklig 
riechenden Tribut und geht dann auf die Dauer schließlich ein. Auch übrigens 
ein Zeichen von großer Anpassung des Vogels an sein Element; er läßt sich 
eben nur tot über den Äquator und nach der City of London bringen, und es ist 
das eine Hartnäckigkeit, die er mit der Kaptaube teilt ! — Das Albatrosweibchen 
begibt sich natürlich zum Brüten an Land, auf die Inseln der tropischen Meere. 
— Auch bei diesem Vogel ist, wie bei demSchwalbensturmvogel, mit dem 
er ja in eine Familie zusammengehört, eine recht merkwürdige Anlage der Nasen- 
löcher zu beobachten, doch fällt sie beim Albatros weniger auf als bei der Sturm- 
schwalbe. Sie liegen beim Albatros seitlich am Oberschnabel und stehen in 
röhrenförmiger Anlage etwas vor. Bei der kleinen schwarzen, weißbürzeligen 
Sturmseeschwalbe, dem Ungewittervogel oder »Mutter Marias Kücken« (ProceH- 
laria pelagica), stehen die Nasenlöcher in zwei förmlichen Röhren aus dem Ober- 
schnabel vor, wie ich dieser Tage wieder aufs Beste an einem Tierchen sehen 
konnte, das in einem der Liverpooler Docks (Brunswick-Dock) wider die Bord- 
wand eines Schiffes geflogen war und mir sterbend übergeben wurde. Warum 
die merkwürdige Nasenanlage bei diesem interessantesten Bewohner der 
Irischen See und schnellsten Flieger der Welt? Ich habe mir meine Frage 
dahin beantwortet, daß dieses Vögelchen seine Nahrung nicht nur eräugt, sondern 



— 120 — 

eventuell auch riechen, also wittern soll. Denn die Nasenlöcher sind, recht be- 
trachtet, aus dem Oberschnabel selbst an das vordere Ende der kleinen röhren- 
förmigen lackschwarzen Verdickungen des Oberschnabels gelegt und stehen jetzt 
nicht mehr mit ihrem Ausgang senkrecht nach oben (wie sonst bei den Vögeln), 
sondern direkt nach vorn auf die aufzunehmende Na hrung los. Damit ist na- 
türlich die (sonst bei den Vögeln so indifferent angebrachte) Lage der Nasen- 
löcher viel passender und zwecknützlicher angeordnet; der Vogel kann seine 
Nahrung vor und bei der Aufnahme direkt riechen, da die Nasenlöcher unmittel- 
bar auf die Nahrung münden. Und er soll sie wohl auch riechen (es könnte 
sich dabei nur um kleine Seetierchen handeln, wenigstens bei diesem Vogel). — 
Das Witterungsvermögen des Grünspechts steht für mich fest. 

Wilhelm Schuster. 

Auf Zikaden schmarotzende Raupen. R. C. L. Perkins Hat ganz 
neuerdings in einem »Report of Work of the Experiment Station of the Hawai- 
ian Sugar Plant. Assoc.« in deren Bull. I Pt. 2, 1905 p. 75—85 interessante 
Mitteilungen über den Parasitismus vou Sackträgerraupen auf Zikaden gemacht. 
Schon 1850 hatte Bo wring in Hongkong auf der Zikade Pyrops candelaria eine 
Larve entdeckt, die in der Tracht an eine Schildlaus erinnerte, und aus der 
sich ein mit den Bären (Arctiiden) verwandter Schmetterling, Epipyrops ano- 
mala y entwickelte. Seit Westwood, der diesen Schmetterling beschrieb, haben 
sich in Japan und in Nord- und Zentralamerika noch andere der gleichen Gat* 
tung angehörende Zikadenschmarotzer gefunden. Perkins fand und beschrieb 
nun in der obigen Arbeit als erster das Vorkommen solcher parasitischer 
Schmetterlingsraupen in Australien. Er traf sie zu tausenden auf der Zikade 
des Zuckerrohrs an und nannte sie Agamopsyche threnodes. Die Art pflanzt sich 
parthenogenetisch fort; Männchen wurden nicht beobachtet. Die Eier des 
Schmetterlings finden sich auf den abgestorbenen Blättern immer in großer An- 
zahl; zwischen den Blättern ist auch die Fundstätte der Puppen. Auf je einer 
Zikade, die zur Gattung Delphax der Leuchtzirpen oder Fulgoriden gehört, 
leben häufig mehrere dieser Räupchen; es scheint aber, als ob sich von ihnen 
immer nur eine einzige zum Schmetterling entwickle. Die Raupen häuten sich 
auf dem Rücken der Zikaden, und diese tragen die abgeworfenen Hüllen oft 
noch mit sich herum. Sie machen auf ihren Wirtstieren keinen Unter- 
schied zwischen Larven, Puppen und erwachsenen Zikaden, leben auf dem 
Männchen wie auf dem Weibchen und nähren sich wahrscheinlich von den süßen 
Ausschwitzungen ihrer Wirte und nicht, wie früher angenommen wurde, von deren 
wachsartigen Ausscheidungen. Man hat sich die Frage vorgelegt, ob die Raupen 
für ihre Wirte von Nachteil seien, ob sie ihnen überhaupt Schaden zufügen 
können. Es scheint dies aber doch der Fall zu sein, da verschiedentlich be- 
obachtet wurde, daß die Zikaden, nachdem sie von der Raupe verlassen worden 
waren, sehr bald zugrunde gingen. Was die systematische Stellung dieses Schmet- 
terlings anlangt, so stellt ihn unser Autor mit Epipyrops zu einer neuen Familie, 
den Epipyropiden , die durch Fumea und Taleporia einerseits mit den echten 
Kleidermotten oder Tineiden und durch Psychina anderseits mit den Sack- 
trägern oder Psychiden vermitteln. 

(Nach Dr. Gräfin M. v. Linden in Zoolog. Zentralbl. Bd. 13, 1906, p. 
89-92.) Bttgr. 



— 121 — 

Winterkleid des Hermelins (Foetorius erminea). In den ersten Tagen 
des September 1905 traf ich in einem gemischten Bestand hiesiger Gegend (Lustheim 
bei München-Schleißheim) ein stark weiß gefärbtes Exemplar des Hermelins. 
Sollte das, wie viele Jäger glauben, mit einem frühen Winter zusammenhängen V 
Wir hatten hier am 13. und 14. Okt. morgens schon eine leichte Schneedecke. 

Karl Soffel. 






Nekrolog. 



Jean Louis Cabanis f. 

Cabanis war lange Jahre hindurch der Führer der Berliner Or- 
nithologen — und man kann wohl auch sagen der Deutschen Omitho- 
logen. Nun ist er kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres in Fried- 
richshagen gestorben. Professor Cabanis war Kustos der ornithologischen 
Sammlung am Zoologischen Museum in Berlin. 1853 begründete er Ca- 
banis' Journal für Ornithologie (jetzt »Journal für Ornithologie«), und 
schon allein durch die Verknüpfung seines Namens mit dieser Zeitschrift 
wird er allen nachfolgenden Ornithologen- Generationen ein bekannter 
Mann bleiben. Seit 1868 war diese Zeitschrift das Organ für die von 
Cabanis gleichfalls gegründete »Deutsche Ornithologische Gesellschaft«. 
In den letzten Jahrzehnten trat er nicht mehr literarisch hervor, was 
sich aus seinem hohen Alter erklärte; auch war er mit dem gegenwärtigen 
Stand der Ornithologie nicht recht zufrieden, und noch im Jahre 1905 
sprach er in einem an mich gerichteten Briefe ausführlich von einer 
»Stagnation«, die er wohl in dem jetzigen Vorherrschen subtiler syste- 
matischer Untersuchungen sehen mochte. W. Schuster. 



Literatur. 



C. Claus' Lehrbuch der Zoologie. II. Hälfte. 7. Auflage, bearb. von Prof. 
Dr. K. Grobben. Marburg (Hessen), Verlag v. N. G. Elwert, 1905. 8°. pag. 
481—955, 459 Fig. — Preis brosch. M. 7.50. 

Indem wir auf unsere eingehende Besprechung der ersten Hälfte dieses treff- 
lichen Lehrbuches in Zool. Garten Jahrg. 1904 p. 262—263 verweisen, bemerken 
wir, daß dieser Schlußteil die eingehende Schilderung des Baues und der Lebens- 
weise der Gliedertiere von den Spinnen und Milben ab bis zu den Insekten, sowie 
die der Mollusken, Molluskoiden, Stachelhäuter, Enteropneusten, Chaetognathen, 
Manteltiere, Akranier und Wirbeltiere bringt. Über die Anordnung und Auswahl 
des Stoffes haben wir nur Lob ; man bemerkt überall die bessernde Hand bewährter 
Spezialisten, die den Text auf die Höhe der jetzigen Forschung- gebracht haben. 
Die in Anmerkungen überall bei den Kreisen und Ordnungen reichlich zitierte 



— 122 - 

wichtigste neuere und neueste Literatur halten wir für eine sehr wertvolle Be- 
reicherung des Werkes; sie ermöglicht dem Anfänger und wohl auch dem Fort- 
geschritteneren sich, wenn er will, in den Gegenstand zu vertiefen. An allen 
Ecken und Enden bemerkt man die Sorgfalt des Herausgebers ; auch die Schreibung 
> Kopffüßer, Kiel füßer, Armfüßer« u. s. w. statt der nach dem falsch gebildeten, 
undeutschen, unglückseligen Wort »Gegen füßler« gebildeten Namen »Kopffüßler« 
u. s. w. hat uns gefallen. Auch daß die alten wissenschaftlichen Bezeichnungen 
tunlichst (wenigstens in Klammern) beibehalten sind, verdient unser Lob ; nur waren 
wir mit den Neubenennungen, die späterhin doch unvermeidlich sein werden, jetzt 
schon radikaler vorgegangen. Zu tadeln haben wir eigentlich nur eine ziemliche 
Anzahl alter und ehrwürdiger, aus Cuviers »Regne animal« übernommener Abbil- 
dungen, die hoffentlich in einer nächsten Auflage durch bessere und genauere 
Zeichnungen ersetzt werden. Ein eingehendes, vierspaltiges Register zeugt auf 27 
Druckseiten von der Vielseitigkeit der behandelten Gattungen und Arten. Im- 
übrigen darf auch der Preis von M. 16. — für das ganze prächtige Werk von 
nahezu 1000 Seiten und fast 1000 Abbildungen als ein recht mäßiger bezeichnet 
werden. Bttgr. 

Prof. Dr. W. Oels, Lehrbuch der Naturgeschichte. I. Teil: Der Mensch und das 
Tierreich. Braunschweig, Verlag von Fr. Vieweg & Sohn, 1903. 8°. 20, 470 
pag., 523 Fig., 36 Taf. — Preis geh. M. 4.50, geb. M. 5.— 

Schon äußerlich ein feines Buch, tadellos in Einband und Druck, viele Bilder 
bestechend schön, die von dem Verfasser selbst gemalten Farbentafeln einfach 
unübertrefflich, ja noch nie dagewesen! Und nun, was will es? Es will sich von den 
bisherigen Lehrbüchern unterscheiden durch streng systematische Anordnung, durch 
wesentlich größeren Umfang und reicheren Inhalt und durch noch vielseitigeren 
und künstlerisch wertvolleren Bilderschrauck. In letzterem übertrifft es — das muß 
ihm der Neid lassen — in der Tat alles bis jetzt Gebotene. Daß in einem Lehr- 
und Handbuche für den Schüler die systematische Zusammenstellung nicht geringe 
Vorteile gewährt, belegt der Verfasser mit guten Gründen, und auch den z. Ti 
nur scheinbar größeren Umfang des Buches sucht er darauf zurückzuführen, daß 
die zahlreichen großen Bilder und Tafeln wirklich viel Raum beanspruchen. Es ist 
auch zu bedenken, daß der naturgeschichtliche Unterricht mehr als jeder andre auf die 
Privattätigkeit der Schüler angewiesen ist. Der Lehrer soll den Schüler anleiten, 
mit offenem Auge und Ohr und mit überlegendem Verstände durch die Natur zu 
gehen und, wenn es nötig ist, sein Lehrbuch mit Nutzen zu gebrauchen. Für die 
beiden untersten Klassen dürfte der Bilderschmuck des Buches in erster Linie von 
Wert sein, von Quarta ab aber sollte auch der Text den Schüler fesseln. Ein 
Lehrbuch muß daher nach Ansicht des Verfassers mehr enthalten, als im Unter- 
richt durchgenommen werden kann, schon weil die Schulsammlungen nicht aus- 
reichen und oft auch die Neigungen und Kenntnisse der Lehrer verschieden sind, 
hauptsächlich aber, damit es der Schüler mit größerem Interesse liest und jeder- 
zeit zu Rate ziehen kann. Den Abbildungen ist ganz besondere Sorgfalt gewidmet 
worden, weil sie in der Tat in der vorliegenden Ausführung, d. h. mit Wiedergabe 
der natürlichen Umgebung und, wo nötig, auch der Farben ein unentbehrliches 
Hilfsmittel im Unterricht darbieten. Das wird dem Verfasser sicher auch niemand 
bestreiten wollen. Endlich ist als oberster Grundsatz festgehalten, das Leben der 
Tiere in seinen Besonderheiten, sowie in seinen vielfachen Beziehungen zur ge- 



V J 



— 123 — 

samten Natur zu schildern, und darzulegen, wie in der Tierreihe mit der abnehmenden 
Arheitsteilung des Körpers eine stete Vereinfachung auch der Organe und deren 
Verrichtungen Hand in Hand geht. Sehr richtig sagt schließlich der Verfasser, 
daß das Hauptziel des naturwissenschaftlichen Lehrers sein müsse, die Schüler zu 
freudiger Privattätigkeit anzuregen und ihnen die Natur nicht zu verekeln. Eine 
dürre, schematische Aufzahlung sei nicht imstande zu begeistern. Und das bezwecke 
neben einem guten Unterricht das gute Lehrbuch in erster Linie! Ein Anhang 
bringt als etwas Neues in übersichtlicher Zusammenstellung die Namen der wich- 
tigsten nützlichen und schädlichen Tiere Deutschlands. 

Leider sind im einzelnen recht viele Ausstellungen zu machen. Je mehr 
Stoff, desto mehr Bedenken, Ungenauigkeiten und Fehler, Schlagen wir p. 208 
auf, da steht z. B., daß bei den Kriechtieren die Knochen des Mittelfußes und 
der Fußwurzel getrennt seien, und daß dies als Unterschied von den Vögeln gelten 
dürfe. Aber das ist ja nur für die nocli lebenden Reptilordnungen richtig; nicht 
wenige Dinosaurier machen davon eine Ausnahme. Auch ist die Angabe der aus- 
schließlichen Tiernahrung bei den Kriechtieren, abgesehen von einigen pflanzen- 
fressenden Schildkröten, ungenau, Die Eidechse Uromastix und einige der größeren 
Scinciden sind reine Vegetarianer. Die Schlangen finden sich nicht erst im Tertiär, 
sondern schon in der Kreide, und zwar Riesenschlangen zuerst und sehr bald darauf 
auch schon echte Giftschlangen. In der Systematik ist der Verfasser ebenfalls 
bedenklich zurück (so in der Einteilung der Schlangen in Giftige und Giftlose, 
so in den Namen Emys europaea, Pelias berus, Triton taeniatus u. s. w.), nicht 
einmal die neueste Auflage von Brehms Tierleben ist ihm bekannt, und Gadows 
treffliches Werk wird in dieser Beziehung gar nicht benutzt, während doch dessen 
schöne Bilder mit Recht ausgiebig verwertet worden sind! Auch daß der Ver- 
fasser aus Deutschland nur vier Schlangenarten kennt, ist recht bedenklich. 

Trotz alledem möchte ich behaupten, daß, wenn das Buch noch eine oder 
zwei Auflagen erlebt und der Autor Unterstützung von Spezialisten findet, die die 
reichlich eingestreuten Böcke ausmerzen, es in der Hand eines guten Lehrers in 
die Reihe unserer allerersten Lehrbücher treten kann. Auch der Preis ist im Ver- 
hältnis ein sehr niedriger. Bttgr. 



Dr. Fr. Sieben rock, Die Brillenkaimane von Brasilien. — Sep.-Abdr. a. Denkschr. 
d. math.-nat. Kl. d. Akad. .Wien Bd. 76. Gr. 4°. 11 pag., 9 Fig. 
Die sich auf reichliches Material stützende Abhandlung führt den Nachweis, 
daß die Gattung Caiman Spix im Knochenbau den echten Krokodilen viel näher 
steht als der Gattung Alligator Cuv., an deren Seite sie im System bis jetzt ge- 
standen hatte, und gibt genaue Einzelheiten für die Unterscheidung der drei bra- 
silianischen Arten. Während C. schrops Schneid, zwischen den Wendekreisen und 
besonders in Südamerika mehr im Innern des Festlandes lebt, wohnt C. latirostris 
Daud. fast ausschließlich in den Küstenflüssen. Diese beiden Arten wurden — ab- 
gesehen von einem Einzelfalle — noch niemals gemeinsam in einem Flußgebiete 
beobachtet , obwohl sie beide ein sehr ausgedehntes Verbreitungsgebiet haben. 
Die dritte Art, 0, niger Spix, geht nicht so weit südwärts wie C. latirostris und 
dringt nicht so weit nach Norden vor wie G. sclerops. Er wohnt im Amazonen- 
strom und dessen zahlreichen Zuflüssen und in den subäquatorialen Flüssen von 
Guayana. Beiläufig in einer Anmerkung auf p. 10 bemerkt der Verfasser sehr 



— 124 — 

richtig, daß noch niemals Eier von Krokodiliden oder von Schildkröten gefanden 
worden seien, die weichschalig gewesen wären oder eine lederartige Hülle gehabt 
hätten. Wie die Vogeleier werden sie ausnahmslos mit einer harten Kalkschale 
abgelegt. Eier mit lederartiger Schale legen die meisten Schlangen und viele 
Eidechsen; sie mögen gelegentlich mit jenen verwechselt worden und für Krokodil- 
oder Schildkröteneier gehalten worden sein. Bttgr. 

Dr. C. Ruß, Der Wellensittich. Seine Naturgeschichte, Pflege und Zucht. V. von 
K. Neunzig besorgte Auflage. • Creutz'scher Verlag, Magdeburg, 1905. 8°. 
6, 91 pag., 31 Fig., Farbentafel. — Preis geh. M. 1.50, geb. M. 2.40. 

Wir konnten der IV. Auflage dieses anerkannt guten Buches im Jahrg. 1899 
p. 157 eine warme Empfehlung mit auf den Weg geben.. Der Herausgeher der 
vorliegenden neuen Ausgabe hat sich bemüht, das alte Bewährte zu behalten und 
Neues hinzuzufügen, aber auch manches heute nicht mehr Gültige auszumerzen. 
Die Zahl der Abbildungen ist um mehr als das doppelte gegen die letzte Ausgabe 
gestiegen, die Ausstattung des Buches ist eine gefälligero geworden, der Preis 
aber hat sich gegen früher nicht geändert. Die von K. Neunzig gemalte Tafel 
ist wacker. Bttgr. 

C. L. W. Norduijn, Die Farben- und Gestaltskanarien. Creutz'scher Verlag, 
Magdeburg, 1905. 8°. 10, 152 pag., 22 Fig. — Preis geh. M. 1 50, geb. M. 2.40. 
Während sich das von uns im Jahrg. 1902 p. 142 besprochene Buch »Der 
Harzer Sänger« von E. Beck-Corrodi im wesentlichen nur mit unsrer besten 
deutschen Kanarienrasse befaßt, bezweckt das vorliegende die Beschreibung aller 
bekannten Farben- und Gestaltskanarien und versucht uns über deren Entstehung, 
Form- und Farbenänderungen, sowie über Bastardzucht und Farbenfütterung alles 
mitzuteilen, was darüber bis jetzt bekannt ist. Als wichtigste Kanarienrassen, von 
denen 22 abgebildet werden, dürfen neben dem Wildvogel gelten 1. die Deutschen 
mit den Unterrassen »Harzer« und »Gewöhnliche«, 2. die Holländer mit den 
Unterrassen »Pariser Trompeter«, »Frise von Roubaix«, »Wiener«, »Münchener« 
und »Schweizer Holländer« und dem »Bossu«, 8. die Engländer mit den Unter- 
rassen »Norwich«, »Lancashire«, »Yorkshire«, Scotch Fancy«, »Lizard«, »London 
Fancy« und »Border Fäncy«, sowie 4. die Zimt färb ecen Vögel, die übrigens 
in fast allen Formen auftreten können. Der Verfasser ist nach allem, was er uns 
hier bietet, ein langjähriger, umsichtiger Züchter, dessen Ansichten und Erfahrungen 
auch Züchtern auderer Tiere von Interesse sein dürften. Von den Einzelkapiteln 
scheinen von besonderem Wert zu sein das von der Übertragung der Zimtfarbe, 
des Verfassers Mitteilungen über Bückschlag (vergl. in dieser Beziehung p. 2 Anm., 
p. 26 und p. 124 ff.), über Inzucht (p. 29), über gleich gezeichnete Vögel (p. 15), 
das Kapitel über rote Augen (p. 17 und p. 123) und die Mitteilung, daß zimtfarbene 
Kanarien immer rote Augen haben. Auch beim Kanarienvogel ist der; Nachweis 
geliefert worden, daß von zimtfarbenen und hochgelben Eltern abstammende Junge 
in die Tracht des Wildlings zurückschlagen. Das merkwürdigste Kapitel ist wohl 
das über Farbenfütterung, über die Wirksamkeit oder Schädlichkeit der beiläufig 
29 untersuchten Farbenfuttermuster, über nachteiligen Einfluß von Sonnenstrahlen 
und endlich über die Frage, ob bei Farbenfütterung das gewöhnliche Körnerfutter 
einzuschränken ist oder nicht? — Wir können das Buch jedem denkenden Züchter 
angelegentlich empfehlen. Bttgr. 



- 125 — 

Dr. E. Breßlfcu, Studien über den Geschlechtsapparat und die Fortpflanzung der 
Bienen. I: Der Samenblasen gang der Bienenkönigin. — Sep.-Abdr. a. Zool. An- 
zeiger Bd. 29, 1905 p. 299—323, 7 Fig. 

Verfasser fuhrt den Nachweis, daß der sogen. Sphinkter des Samenblasen- 
ganges gar kein Ringmuskel ist und überhaupt als solcher gar nicht existiert, 
sondern daß an seiner Stelle ein sinnreicher und komplizierter Apparat vorhanden 
ist, dessen Funktion am besten mit einer Säugpumpe verglichen werden kann. 
Der Umstand, daß die Königin nur einmal in ihrem Leben befruchtet wird, und 
daß der hierbei empfangene Spermavorrat für die Besamung einer außerordentlich 
großen Zahl von Eiern ausreichen muß, macht es erforderlich, daß der Mechanis- 
mus, der die Herausbeförderung des Spermas aas der Samenblase regelt, in ge- 
nauester Weise tätig ist und jedes der zu befruchtenden Eier, wenn auch nicht 
mit nur einem einzigen Samenfaden, so doch mit einer möglichst geringen Anzahl 
versieht. Nach Breßlau enthält die Auffassung dieses Apparates als Säugpumpe 
zunächst der alten Leuckart'schen Ringmuskeltheorie gegenüber den Fortschritt, 
daß es danach nicht mehr nötig ist, nach einer besonderen Einrichtung an der 
Samenblase selbst zu suchen, die das Sperma aus ihr heraustreibt. Die Samen- 
blase dient vielmehr bloß als Behälter, in dem die Samenfäden während der ganzen 
mehrjährigen Lebensdauer der Bienenkönigin lebend aufbewahrt werden. Aus der 
Sorge für die Erhaltung der Lebensfähigkeit und die Ernährung der Samenfäden 
erklärt sich die so reiche Ausbildung des Tracheennetzes und die besonders starke 
Entwicklung der Anhangsdrusen. Was das Problem der Geschlechtsbestimmung 
bei den Bienen anlangt, so können die in dieser wichtigen, hier kurz referierten 
Arbeit mitgeteilten Befunde, wie der Autor ausdrücklich erklärt, nicht zu seiner 
Entscheidung beitragen. Vorstufen zu der »Spermapumpe« finden sich übrigens 
bei einer Reihe von Arten in den Familien der Vespiden und Apiden. Bttgr. 



Das heimische Tier- und Pflanzenleben im Kreislaufe des Jahres. 
Teil II: Dr. Fr. K. Knauer, Das Leben unserer heimischen Lurche und 
Kriechtiere. Verlag v. Hans Schultze, Dresden, 1905. 8°. 208 pag., 51 
Fig., 10 Taf. 

Es ist immer ein Genuß, ein Buch in die Hand zu bekommen, das von 
einem Verfasser herrührt, der seinen Stoff vollkommen beherrscht und der sehr 
viel mehr weiß, als er uns in seiner Arbeit bringt. Verfasser und Verleger 
gingen von dem Grundsatz aus, uns statt des kostspieligeren und mehr systema- 
tisch gehaltenen, auch schon etwas veralteten »Dürigen« ein Werk zu schaffen, 
das, von biologischen Gesichtspunkten ausgehend, uns das Leben der heimischen 
Reptilien und Batrachier schildern will, indem es ihr Tun und Treiben im Kreis- 
laufe des Jahres verfolgt und uns auch das Zusammenleben in Berg und Tal, 
das Nachtleben und vieles andere anschaulich vor Augen führt. Überaus ange- 
nehm berührt in einem solchen Buche das vielfach tatsächlich Neue, das der 
Autor (p. 8—14, 137 usw.) über das Liebesleben und die Entwicklung der Frosch- 
lurche und Molche zu berichten weiß; die wenig bekannten Mitteilungen 
E. Bataillons über künstlich erzeugte Parthenogenese (p. 28 ff.) und die Notizen 
über den komplizierten Vorgang der Häutung bei den Kriechtieren (p. 31) dürften 
ebenfalls manchem Leser erwünscht sein. Weiter — was wir in wenigen popu- 
lären Büchern finden — lehrt uns das Buch (p. 41) den genauen Unterschied der 



— 126 — 

drei deutschen Wasserfrösche, Bana esculenta typ., ridibunda und lessonai und 
den Bau der Haftballen an den Fingern und Zehen des Laubfrosches (p. 44). 
Entgangen sind dem Verfasser dagegen bei der Frage, ob der Laubfrosch als 
Wetterprophet gelten dürfe, die diese Anschauung absolut verneinenden Versuche 
Prof. v. Lendenfelds. Umgekehrt war mir neu, daß man die beiden Unken- 
arten sogar am Rufe zu unterscheiden imstande ist (p. 93). Fast erschöpfend 
und für jeden, der sich dafür interessiert, höchst beachtenswert ist die eingehende 
Schilderurig und Vergleichung der sechs Otternarten Europas (p. 75—77); ihre 
Köpfe sind nebeneinander von oben und von der Seite gesehen abgebildet. Ebenso 
mag manchem (p. 82—88) die Zusammenstellung über neuere Untersuchungen von 
Schlangengiften und die Herstellung von Blutserum-Arten als Gegenmittel gegen 
diese Gifte willkommen sein. Was der Verfasser (p. 103—107) über den Einfluß 
der Umgebung auf das Farbenkleid des Feuersalamanders sagt, ist ebenso zu- 
treffend wie die Zusammenfassung der Kämmerer 1 sehen Versuche über Ent- 
wicklungshemmung und Regeneration lichtvoll und anregend ist. Das Buch wird 
jedem, der sich über die deutsche Kriech tierweit — in biologischer wie in syste- 
matischer Beziehung — Belehrung verschaffen will, Nutzen bringen. Es ist 
durchaus original geschrieben, zeugt von gereiftem Urteil, verficht gelegentlich 
Anscbaungen> die nicht von allen Forschern geteilt werden, mit Geschick, ist 
aber von falschen Auffassungen, systematischen Verstößen und Druckfehlern 
(Anguis statt Anquis!) fast absolut frei. Es ist eine sehr schätzbare Bereicherung 
unserer Literatur, jedenfalls eine vorzügliche Ergänzung zu t)ür igen und Brehm 
und den weitesten Kreisen — Bibliotheken, Lehrern, Aquarien- und Terrarien- 
freunden — dringend zur Anschaffung zu empfehlen. Bttgr. 



Dr. W. Wolterstor ff, Triton blasii und die Mendelschen Regeln. — Sep.-Abdr. 
a. Compt. rend. 6. Congres Internat, de Zool. Borne 1904. 8°. 4 pag. 

Nach den Erfahrungen bei der Zucht der ersten Generation dieses Bastard- 
molches, dessen Eltern bekanntlich Molge cristata und M. marmorata sind, ist 
die Veränderlichkeit der Bastardnachkommen weit größer als die der Stammformen. 
Schon jetzt läßt sich sagen, daß die an diesem Zuchtmaterial gemachten Be- 
obachtungen mit den Resultaten der Mendelschen Untersuchungen gut überein- 
stimmen; namentlich trifft das sogen. Prävalenzgesetz in bezug auf die Färbung 
im ganzen zu. Nach Mendel ist es für das Zeugungsprodukt durchaus gleich- 
gültig, ob das vorwaltende Merkmal der väterlichen oder der mütterlichen Pflanze 
entstammt. Auch dies trifft allem Anschein nach bei M. blasii wenigstens be. 
treffs der Färbung zu. Jedenfalls überwiegt aber hierbei der mütterliche Einfluß 
nicht, was nach Correns und Tscher mak im Gegensatz zu Mendel bei den 
Pflanzen der Fall sein soll. Bttgr. 

Pr. K. Hager, Die Kiefermuskeln der Schlangen und ihre Beziehungen zu den 
Speicheldrüsen. — lnaug. - Dissert. Freiburg (Schweiz). Jena, Verlag v. G. 
Fischer, 1905. 8°. 52 pag., 5 Doppeltafeln. 

In dieser vergleichend - anatomischen und zugleich physiologischen Arbeit 
fußt der Verfasser auf C. K. Hoffmanns grundlegende Benennungen der Kiefer- 
muskeln, verbessert und ergänzt sie aber wo nötig und gibt zugleich eine tabel- 
larische Übersicht der Kiefermuskelbenennungen der Schlangen von Seiten früherer 



— 127 — 

Autoren. Neben den Viperiden bat er aucb die Familie der Colubriden in seine 
Bearbeitung einbezogen und versucht, gestützt auf seine anatomischen Befunde, 
die funktionelle Bedeutung der Kiefermuskeln sowohl beim Beiß- und Schlingakt, 
als auch bei der Mechanik der Drüsenentleerungen klarzulegen. Wie weit ihm 
das gelungen ist, beliebe man in der sehr mühsamen und gründlichen Arbeit 
nachzusehen. Sein Untersuchungsmaterial war mit 24 Arten aus 7 Schlangen- 
gruppen ein recht reiches. Von allgemeinen Resultaten mögen nur die folgenden 
Sätze hier Platz finden. »Der Ausgangspunkt für die Funktion der Giftdrtisen- 
entleerung ist die Zusammenziehung der Beißmuskeln beim Beißakte. Als nächster 
Träger der Funktion müssen der Beißmuskel Masseter und das Jochband Liga- 
mentum zygomaticum gelten; die Giftdrüse selbst besitzt keine eigene Muskulatur. 
Bei den Glattzähnern und bei vielen Furch enzähnern unter den Colubriden mit 
wenig entwickelter Giftdrüse tritt die unmittelbare Beteiligung des M. masseter 
zurück gegenüber der Funktion des Jpchbandes. Sobald aber die Giftdrüse sich 
als ein größeres, selbständiges Gebilde darbietet, treten auch innigere Beziehungen 
zum M. masseter auf, sodaß ein Teil von ihm unmittelbar in den Dienst der 
Giftentleerung treten kann, in der Weise, daß er die Drüsenkapsel überlagert 
und z. T. selbst an ihr ansetzt. Weitere weniger, allgemein wichtige Schlüsse 
hier mitzuteilen, verbietet uns leider der Raum. Bttgr. 



Jahrbuch des Prov.-Museums zu Hannover 1904 — 05. Hannover, 
Wilh. Riemschneider, 1905. Gr. 4°. 37 pag., 8 Taf. 

Dieses wertvolle und reich illustrierte Jahrbuch bringt uns neben 2 Tafeln 
mit Abbildungen des prächtigen neuen Museums Mitteilungen über den Fort- 
schritt in der Aufstellung der naturhistorischen, historischen und Kunstsamm- 
lungen und außer Arbeiten über Instandsetzung von alten Altarbildern und über 
Bilderpflege überhaupt zwei uns spezieller angehende Arbeiten, die eine von 
Dr. A. Fritze über abnorm gefärbte einheimische Säugetiere und Vögel in der 
Hannoverschen Sammlung, die andere von Herrn. Löns über die Vogel- und 
Kriechtierfauna von Hannover. Die Anzahl der Geschenke und Ankäufe ist so 
ungewöhnlich groß, daß wir den Eifer und die offene Hand, die an diesem Mu- 
seum walten, besonders anerkennen müssen. Abgebildet von solchen Neuer- 
werbungen werden der vollständige Schädel eines Borkentieres (Rhytina gigas 
Zimm.), ein Rallenreiher (Ardeola raUoides Scop.) von Lemvörde, Kr. Diepholz, 
und Trauerstelze (Motacilla lugubris Temm.), Zwergmöwe {Laras minutus Pall.) 
und Sporenpieper (Anthus richardi Vieill.), sämtlich von der Insel Juist. Die 
erste Löns 'sehe Arbeit bezieht sich auf die Veränderung der Vogelwelt Hannovers 
im Laufe der Zeit. Was der Verfasser über die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit, 
daß die Rohrdommel (Botaurus stellaris) heute noch in der Provinz brüte, sagt, 
scheint mir zu sanguinisch zu sein. Die Bauern der benachbarten Orte würden 
ihm sicher darüber Auskunft gegeben haben, wenn er danach gefragt hätte, denn 
kein Vogel macht sich zur Brutzeit weithin nachts so bemerkbar wie er. Die 
zweite Arbeit des gleichen Autors befaßt sich mit der Verbreitung der 6 
Kriechtiere und der 16 Lurche der Provinz und bringt u. a. eine Reihe von 
neuen Fundpunkten für verschiedene Arten. Bttgr. 



— 128 — 

Eingegangene Beiträge. 

Dr. A - . R. und Prof, Dr. F. R., hier, cand. H. G. in B. und Geh. Rat. K. M. in B. je 
eine Arbeit mit Dank angenommen. L. Seh. in G. bei M. desgl. 2 Besprechungen. — P. J. 
B. v. d. V. in S. (Niederland). Ihren Brief kann ich nicht zum Abdruck bringen, da seine 
Uebertragung in gutes Deutsch mir zu viel Zeit kosten würde. In der Sache haben Sie aber 
vollkommen recht. — V. Ritter y. T. z. Seh. in H. M8. dankend erhalten; alles wird Ihren 
Vorschriften nach ausgeführt werien. — Prof. A. P. in M. (Herzegowina). Ich übernehme 
die Prüfung der Schlangenköpfe sehr gern. — L. D. in K. Es ist dem Verleger von Ihrem 
Wunsche Mitteilung gemacht worden. 

Bücher und Zeitschriften. 

Sc hweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion E. 

Beck-Oorrodi ir Hirzel. Zürich. Ulrich & Co. 30 Jahrg. 1906. No. 14—19. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. E. Korsqhelt, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg., 1906. No. 5—6. 
O rnitliologische Monatsberichte. Herausg. v. Prof. Dr. Anton Reiohenow. 

14. Jahrg. 1906. No. 4-5. 
Ornithologische Monatsschrift d. Deutsch. Vor. z. Schutze d. Vogelwelt. 

Redigiert von Dr. Carl R. H e n n i c k e in Gera. 31. Jahrg. 1906. No. 1 u. 5. 
F i e 1 d , The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. H o r a cre C o x in London. 

Vol. 107, 1906, No. 2780—2785. 
Prof. Dr. G. Jägers Monatsblatt. Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Kohlhammer. 25. Jahrgang 1906. No. 4-5. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. v. K. 

Pr Osler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 27—32. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. v. W. Köhler. Verlag 

d. Creutzschen Buchli., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 14—19. 
The American Journal of Science. Herausg. v. E. S. Dana. New Haven, Conn. 

4. Ser. Bd. 21, 1906. No. 124-125. 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. C. Daut. Bern, Verlag v. C. Daut, 1906. Jahrg. 5, Heft 4. 
Natur und Haus. Illustr. Zeitschr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. M.Hesdörffer. 

Verlag v. H. 8chultze, Dresden-Strehlen, 1906. Jahrg. 14. Heft 14—15. 
Zwinger und Feld. Illustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. ▼. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. Sautter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 14—18. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. V. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verjag. Jahrg. 35, 1906. No. 14—19. 
Mitteilungen über die Vogelwelt. Organ des österr. Reichsbundes f. Vogelkunde u. 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. E. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. 

No. 7—9. 
Ornithologisches Jahrbuch. Organ für das palaarktische Faunengebiet. Herausg. 

v. V. Ritter v. Tschusi zu Seh mid hoffen. Hallein, Selbstverlag, 1906. 17. Jahrg. 

Heft 2. 
Vereinsschrift für Forst-, Jagd- u. Naturkunde im Königr. Böhmen. Herausg. 

v. Prof. Fr. Croy u. a. Prag, Verl. d. Böhm. Forstvereins, 1906. Jahrg. 1906— 07, Heft 1. 
Deutscher Tierfreund. Illustr, Monatsschrift f. Tierschutz, Tierkunde, Tierzucht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner, Jahrg. 10, 1906. Heft 5. 
Tierschutz-Korrespondenz. Herausg. v. Berliner Tierschutz - Verein. Berlin 1906, 

No. 16. Gr. 8°. 8 pag. 
Verslag v. d. Toestand v. h. Konigl. Zool. Bot. Genootschap te s'Graven- 

hage over het jaar 1905. Haag, 1906. 3°. 36 pg. 
Wochenschrift fürAquar.- u. Terrarienkunde. Herausg. v. Dr. W. Wolters- 
torf f, Magdeburg. Verlag v. A. W. Zickfeldt, Braunsohweig. Jahrg. 3, 1906, No. 16—20. — 

Preis jährl. M. 4.- 
L. Stejneger, A. new lizard of the genus Phrynosoma from Mexico. — Sep.-Abdr. a. Proc. 

U. S. Nat. Museum Vol. 29, No. 14a7. Washington, 1906, 8°. 3 pag. 
A. M. Bau ta & W. L. Mc Atee, The life history of the Cave Salamander (Spelerpes 

maculicaudus Cope). — Sep.-Abdr. a. Proe. U. S. Nat. Museum Vol. 30, No. 1443. Washington, 

1906. 8°. 20 pag., * Taf. 
Dr. M. G. Peracca, Nuove osservazioni intorno alla Lacerta snrdoa Per. della Sardegna. 

- Sep.-Abar. a. Boll. Mus. Zool. ed Anat. comp. Univ. Torino Vol. 20, 1905, No. 519. 8°. 

9 pag., Taf. 
Jaarl. algem. Vergadering voor 1905 van leden der Vereen, Rofrterdamsche 

Diergaarde in: Nieuwe Rotterdam sehe Courant. 2 Blad A. v. ll. Apr. 1906. Fol. 1 pag. 
Report of the . . Zoolog. Society of London for the year 1905. London, Waterlow 

& Sons 1906. 8°. 67 pag. 
Dr. F. Siebenrock, Bemerkungen zu zwei seltenen Schildkröten. — Sep.-Abdr. a. Zoolog. 

Anzeiger Bd. 30, 1906. No. 5. 8°. 3 pag. 
Natur u. Schule. Zeitschr. f. d. ges. naturkundl. Unterricht aller Schulen. Herausg. v. 

B. Landsberg, O. Schmeil u. B. Seh mid. Leipzig, B. G. Teubner, 1906. Bd. 5, Heft 5. 



Zusendungen werden direkt an die Verlagshandlnng erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reinhold Mahlau. Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



i 






Zoologischer Beobachter 



— se- Der Zoologische Garten. 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere, 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldsohmidt. 

N # - 5. XLVIL Jahrgang. Mai 1906. 

I 11 lt a 1 1. 

Zur Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde 1 '; von Hoesch, Kgl. 
Oekonomierat auf Rittergut Neukirchen (Altmark). — Das Wachstum des Geweihes von 
Cervu8 elaphus, Cervus barbarus und C. eanadensit. (Mit Abbildungen); von Forstmeister a. D. 
Dr. Adolf Börig in Frankfurt a. M. — Der Seidenschwans {BombyaUa garnda L.) im Winter 
1905/06; von Viktor. Bitter v. Tschusi zu Schmid hoffen. — Bericht des Verwaltungs- 
rats der Neuen Zoologischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. — Kleinere Mitteilungen. — 
Literatur. — Hingegangene Beitrage. — Bücher und Zeitschriften. 

> 

Znr Gründung der „Deutschen Gesellschaft für 

Zfichtungsknnde". 

Von Hoesch, Kgl. Ökonomierat auf Rittergut Neukirchen (Altmark). 

* 

Wie bereits durch kurze Mitteilungen in einer Vielzahl der ein- 
schlägigen Fachblätter zur Kenntnis der interessierten Kreise gebracht 
wurde, hat sich am 12. Februar d. J. in Berlin die Deutsche Ge- 
sellschaft für Züchtungskunde mit dem Sitz in Berlin endgültig kon- 
stituiert. 

Das rege Interesse, das einer bis dahin noch fraglichen Gründung 
entgegengebracht wurde, ermutigte die mit den Vorarbeiten be- 
schäftigten Vertreter der bisher nur in provisorischen Formen be- 
stehenden Gesellschaft, nunmehr dem Unternehmen einen festge- 
fugten und dauernden Charakter zu geben. 

In dem Bericht über die ausschlaggebende Sitzung vom 12. Februar, 
den der Geschäftsführer der Gesellschaft, Professor Dr. R. Mülle r- 
Tetschen a. d. Elbe, in dem einstweiligen offiziellen Organ der Gesell- 
schaft, der »Deutschen Landwirtschaftlichen Tierzucht« 
(Jahrgang X, Nr. 9) gegeben hat, ist bereits die Form der Gründung 
naher beschrieben. Folgende wesentliche Punkte seien aber an dieser 
Stelle zur Kenntnisnahme weiterer Kreise nochmals angeführt. 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLV1I. 1906. 9 



— 130 — 

Die Hauptaufgaben der Gesellschaft gliedern sich 
in drei Gruppen. 

Die erste umfaßt die Förderung der biologischen 
Forschungen auf dem Gebiete der Zeugungslehre, der Embryologie, 
der Morphologie und der Physiologie, einschließlich der Pathologie 
in Hinsicht auf die Haustierzucht« Vor allem aber soll das bereits 
vorhandene Forschungsmaterial nach seiner Verwendbarkeit für prak- 
tische Züchtungsfragen und für die Losung bisher ungeklärter Er- 
scheinungen gesichtet und ergründet werden. 

Wenn selbst dieser Teil der gestellten Aufgaben nur durch ein 
schier unabsehbares Arbeiten wissenschaftlicher Forschung gelost 
werden kann, wenn hier die Vertreter der in Betracht kommenden 
Wissenschaftszweige die letzte Wahrheit der so schwer zu deutenden 
biologischen Erscheinungen meist ohne wesentliche Beihülfe der 
praktischen Züchter klarlegen müssen, so sind doch die letzteren aus 
Berufsinteresse zur größten Aufmerksamkeit einem solchen Arbeiten 
gegenüber gezwungen. Es kann nicht genug hervorgehoben werden, 
wie schädlich die züchterische Phantasie das Arbeiten mancher Züchter 
noch immer beeinflußt, indem an Stelle einer wissenschaftlichen Be- 
gründung eine unbegründete Überlieferung, eine unrichtige Auslegung 
der züchterischen Erscheinungen oder gar der krasseste Aberglaube 
treten. Die praktischen Züchter müssen in diesem Punkte große 
Mängel schon aus dem Grunde anerkennen, weil das Züchten der 
Haustiere nicht in gleicher Weise eine Förderung durch exakte 
Forschungsresultate erfahren hat, wie beispielsweise die Ernährung 
der Haustiere oder die Düngung der Nutzländereien. Ein jeder weiß 
aber, was auf diesen Gebieten an unerhörten Sünden sich ereignete, 
ehe die Wissenschaft den aufklärenden Fortschritt brachte. Keines- 
wegs ist die Annahme berechtigt, daß die Erzielung von solchen 
biologischen Forschungsresultaten, die für den Haustierzüchter direkt 
verwertbar wären, wegen der großen Schwierigkeiten der betreffen-/ 
den Arbeiten in unabsehbare Ferne gerückt seiend G^w iß werden 
wir zumal die Fragen, die mehr ein allgemeines zoologisches 
Interesse haben oder auf grundlegende biologische Lehrsätze hin- 
zielen, erst nach langen Versochsanstellungen und Beobachtungs- 
fristen gelöst finden. Aber gar manche geglückte Teilforschung 
wird dem denkenden Züchter schon zum schätzbaren Wink werden 
und ihm den Weg andeuten, auf dem seine praktischen Beobach- 
tungen und Erwägungen einen erfreulichen Schritt vorwärts machen 
können. 



— 131 — 

Die zweite Gruppe der Aufgaben unserer Gesellschaft für Züch- 
tungskucde beschäftigt sich mit den Forschungsarbeiten über Ge- 
schichte der Haustierrassen, ihre Verbesserung und 
Veredelung sowie ihre geographische Verbreitung. 

Wer je Gelegenheit hatte, die überaus mangelhaften Vorstellungen 
über die Bedeutung der Basse in der praktischen Haustierzüchtung 
kennen zu lernen, die — man kann wohl sagen — die 'Vielzahl 
aller kleineren Züchter und selbst manche Leiter eines umfangreichen 
landwirtschaftlichen Betriebes heute noch hegen, der wird auch er- 
messen können, welch großen, sofort ausnutzbaren Wert die mit 
diesem Teil des Arbeitsprogramms in Aussicht genommenen Arbeiten 
für die Züchtungspraxis haben werden. Konnten wir doch beobachten, 
daß ganze Zuchtgebiete an Zuchtaufgaben ihre Arbeitskraft und ihr 
Geld vergeuden mußten, weil selbst die führenden Leute nichts aus 
der Geschichte der modernen Haustierrassen, dem Gang ihrer Ver- 
besserung und Veredelung gelernt hatten und frisch darauf los 
Probleme konstruierten, die aus züchterischen und wirtschaftlichen 
Gründen nicht zu lösen waren. Wer aber die tierzüchterischen Vor- 
gänge an der Hand einer Bassengeschichte verfolgt haben wird, einer 
Bassengeschichte, die nicht nur die Tatsachen , sondern auch die ent- 
sprechenden Aufklärungen über den ursächlichen Zusammenhang der 
einzelnen Erscheinungen, sowie der züchterischen Erfolge und Miß- 
erfolge wiedergibt, der wird gegen Voreiligkeiten und aussichtslose 
züchterische Unternehmungen gesichert sein. Selbst der, welcher 
glaubt, neue Zucht ungs versuche anstellen zu sollen, die über den 
Kreis der bisher erkannten und erprobten Züchterregeln hinausgehen, 
wird eine unendlich wertvolle Stütze an dem positiven Wissen der 
Rassenforschung besitzen. Denn es endet kaum jemals gut, wenn 
man den kühnen Fortschritt sucht, ohne die erprobten Lehren der 
alten Schule überhaupt kennen gelernt und, wo dies angezeigt, ge- 
würdigt zu haben. 

Aber neben den Fragen der allgemeinen Tierzucht, die in die 
Bassenforschung hineinreichen, ist doch auch grade die Deutung des 
Wertes der einzelnen Bässen, also die spezielle Bassenkunde, für 
den praktischen Züchter von denkbar größter Bedeutung. 

Die letzte der drei großen Aufgabengruppen bildet die, welche sich 
mit der Sammlung praktischer Züchtererfahrungen befassen 
soll. Wenn in den beiden ersten Gruppen der praktische Züchter mehr 
nur eine beratschlagende Mitarbeit betätigen kann und die eigent- 
liche Forschung wissenschaftlich genügend vorgebildeten Berufsge- 



v*r~ i *<*' 



— 132 — 

lehrten oder sonstigen Freunden der Zootechnik überlassen maß, so 
liegt in der Fassang der dritten Arbeitsgruppe ein Appell an alle, die 
die Hanstierzacht zu einem mehr oder weniger großen Teil ihrer ge- 
sainten Lebensaufgabe erkoren haben. Es wurden ja auch jetzt be- 
reits von interessierten und mitteilungsfrohen Berufegenoßsen in den 
verschiedenen Fachblättern einzelne züchterische Beobachtungen von 
größerer oder geringerer Bedeutung immer wieder veröffentlicht. 
Aber da widerstreitet der einen Mitteilung eine andere, eine Er- 
klärung der Differenz wird nicht gegeben, und so verlieren in nicht 
seltenen Fällen beide Notizen vor dem Aufklärung suchenden Züchter 
an Wert. Ganz andere Bedeutung wird aber eine wohlbedachte, 
geordnete Sammlung züchterischer Erfahrungen 
haben, zumal wenn eine solche von erfahrenen Züchtern und 
Dirigenten öffentlicher Zuchtorganisationen, sowie' von akademischen 
Lehrern der Haustierzucht gesichtet und kritisch beurteilt wird. 
Unsere öffentlichen Organisationen der Tierzuchtpflege sind ja ver- 
hältnismäßig jung, und sie haben alle jene Schwierigkeiten über- 
winden müssen, die jeder Neugründung auf einem noch nicht aus- 
reichend geklärten Arbeitsfeld entgegenzutreten pflegen. Aber .nach- 
dem nunmehr doch eine erfreuliche Klärung der Ziele und der an- 
wendbaren Mittel zu verzeichnen ist, ist grade von einer überwiegen- 
den Mehrzahl der im öffentlichen Leben stehenden Tierzuchtdirektoren 
und -Inspektoren viel wertvolles Beobachtungsmaterial zu erwarten, 
umsomehr, da diese auch den kleineren Züchter zum eigenen scharfen 
Beobachten anleiten können und ihn zu mancher wertvollen Mit- 
teilung zu veranlassen Gelegenheit haben. 

Sicherlich wird eine sorgsamere Beobachtung tierzüchterischer 
Vorgänge in der praktischen Haustierzucht noch ein weiteres Arbeits- 
feld, das dieser dritten Aufgabengruppe zugehört, sich entwickeln 
lassen. Wir meinen hiermit die tunlichst genauen Versuche zwecks 
Ermittlung neuer praktischer Züchtungsmöglichkeiten und nicht 
minder zwecks Klarstellung mancher bedeutungsvollen, aber in ihren 
Ursachen noch nicht ergründeten Züchtungserfolge und -Mißerfolge 
der eigentlichen Haustierzüchter. Die wissenschaftliche Ver- 
suchsanstellung, die zu der ersten Aufgabengruppe gehörte, 
darf zunächst nicht durch irgendwelche Fragen wirtschaftlicher 
Art in ihrer reinen Wissenschaftlich keit und Klarheit des Zieles 
gestört werden. Daher kann sie in ihr Arbeitsprogramm keineswegs 
alle die zahlreichen Fragen aufnehmen,' die eine zu Erwerbszwecken 
betriebene Nutztierzucht dem landwirtschaftlichen Züchter zu lösen 



— 133 — 

gibt. So werden die Versuche des letzteren die Versuche der wissen- 
schaftlichen Forscher zu ergänzen haben, damit der letzte Segen, 
d. i. die Hebung eines so überaus wesentlichen Erwerbszweiges der 
deutschen Landwirtschaft zuteil werde. Es besteht hierbei die sichere 
Erwartung, daß es an Neigung zu solchen praktischen Znchtungs- 
versuchen mit der Zeit nicht fehlen wird ; tritt doch auf allen unseren 
Arbeitsgebieten des praktischen Lebens mit der schärferen Beobach- 
tung der verschiedenen Vorgänge der Wunsch immer lebhafter auf, 
durch besonders geeignete Gestaltung des Beobachtuogsfeldes die 
Ergrfindung bestimmter Erscheinungen zu fordern. Dafür daß die 
hier erörterten praktischen Züchtungsversuche nicht durch unklare 
und ungeeignete Ziele, sowie durch eine nicht sachverständige Aus- 
führung unnötige Opfer verursachen und ihre Bedeutung in den 
Augen der praktischen Züchter herabwürdigen, wird unsere Gesell- 
schaft die Sorge zu übernehmen haben und auch zu übernehmen in 
der Lage sein. 

Die neugegründete Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde 
bedurfte nun einer Organisation, die eine hinreichende Gewähr dafür 
bietet, daß sowohl den vielseitigen Pflichten einer rein geschäftlichen, 
äußeren Vertretung genügt, wie auch, daß die gesicherte Unterlage 
für die Facharbeiten gegeben wird. 

Diese Doppelaufgabe glaubte man am zweckmäßigste» dadurch 
zu lösen , daß man einen geschäftsführenden Vorstand bildete und 
drei technisch -wissenschaftliche Unterausschüsse für die drei oben 
skizzierten Gruppen der Forschungsarbeiten. Die Unterausschüsse 
sind in einen Gesamtausschuß zusammengefaßt, damit die Einheit- 
lichkeit der Arbeitsweise gewahrt bleibe. 

Als Grundsatz der Deutschen Gesellschaft für 
Züchtungskunde soll aber in erster Linie gelten, daß 
einem Jeden, der den Beruf zur tätigen Mitarbeiter- 
schaft empfindet, die Wege geebnet werden. Wenn 
auch die einstweilen für die erste Wahlperiode vorgenommenen 
Wahlen eine gewisse Zahl von interessierten Vertretern der Wissen- 
schaft und der öffentlichen Tierzuchtpflege, sowie von praktischen 
Züchtern zu einer Pflichtarbeit berief, so wird dennoch die Leistung 
des Einzelnen für seine Stellung und Wertschätzung innerhalb 
der Gesellschaft und unter den Berufsgenossen entscheidend sein. 

So richtet sie an Jeden, dem die Förderung der deutschen Tier- 
zucht am Herzen liegt, das Ansuchen, der Deutschen Gesellschaft 
für Züchtungskunde beizutreten. Daß eine ganz besonders rege Be- 



.„- ■ •;»?i»«r,-;:r75Wf*"i 



— 134 — 

teiligung an den hier entwickelten Aufgaben allen in Frage stehenden 
Kreisen, in welcher Weise dieselben auch immer mit der Forderung 
der deutschen Tierzucht in einer Interessenverbindung stehen mögen, 
zur Pflicht wird, geht doch schon aus dem einen Umstand hervor, 
daß die Tierzucht ein Produktionsfaktor ohnegleichen im Deutschen 
Reiche geworden ist, der die einzelnen noch so glänzenden Industrie* 
zweige weit, weit an Bedeutung und an erzeugten Werten übertrifft. 
Die Statuten der Gesellschaft sind durch den Geschäftsführer, 
Professor Dr. R. Müller, Tetschen a. d. Elbe, sowie durch den 
Vorsitzenden des goschäftsführenden Vorstandes, Okonomierat Hoescb , 
Neukirchen (Altmark) zu beziehen. Alle Anmeldungen, eventl. unter 
Einsendung des jährlichen Beitrages von 5 M. (fiir Genossenschaften, 
Verbände u. s. w. bestehen besondere Bestimmungen) sind an den 
eben genannten Geschäftsführer zu richten. 



Das Wachstum des Geweihes von Cervus elaplius, Cervus 

barbarus und C. canadensis. 

(Mit Abbildungen). 
Von Forstmeister a. D. Dr. Adolf Körig in Frankfurt a. M. • 



Die* 1 bis jetzt über das Wachstum von Hirschgeweihen ange- 
stellten Untersuchungen und Beobachtungen beschräuken sich m. W. 
der Zahl nach auf zwei. Die eine wurde vor etwa 40 Jahren 
von W. Sömmerring an einem im Zoologischen Garten zu Frank- 
furt a. M. gehaltenen Exemplar von C. elaphus ausgeführt uud 
(in dieser Zeitschr. 7. Jahrg. 1866 S. 41 ff.) veröffentlicht; die 
andere hat Mr. B. E. Holding 1903 an einem im Garten der 
Zoologischen Gesellschaft zu London gehaltenen Exemplar von 
Cervus canadensis zur Ausführung gebracht und (in Proc. of the 
Zoolog. Soc. of London 1904, II. S. 131) publiziert. Die diesen Publi- 
kationen beigefügten Abbildungen zeigen deutlich die Art der Aus- 
führung. 

Auch die dem vorliegenden Artikel beigegebenen Abbildungen 
charakterisieren die von mir beobachtete Art der Ausführung, welche 
übrigens von der der eben bezeichneten wesentlich abweicht. Meine 
Methode bestand in Schätzuugen der Längen zun ahmen des »Kolben- 
geweihes« an jedem zweiten oder dritten oder spätestens vierten Tag, 
in Feststellung der Querdurchmessergröße am gefegten Geweih, in 
Zusammenfassung der Ergebnisse von je zwei Wochen zu einer 



*i *r, * 



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— 135 — 

»Periode t und in Berechnung des kubischen Inhaltes der in jeder 
Wachstunisperiode erzeugten Geweihquantitäten. Auf diese Weise 
wurde die Maßeinheit gewonnen für Beurteilung des Wachstums- 
ganges, den das Geweih während der Aufbauzeit genommen hat. Bot 
die Messung der Längenzunahmen verhältnismäßig keine allzugroße 
Schwierigkeit, so war die Schätzung der Stärken an den ver- 
schiedenen Teilen des Geweihes um so schwieriger, als der Quer- 
schnitt der einzelnen Geweihteile keineswegs kreisrund, vielmehr in 
der verschiedensten Art oval ist. 

1. Das Wachstum des Geweihes vom Europäischen 

Edelhirsch, Cervus daphus. 

Der aus Ungarn stammende (wenn auch nicht dort geborene) 
Edelhirsch ist am 15. Oktober 1901 in den Garten als etwa 2 Jahr 
4 Monat altes Individuum eingestellt worden; er. hatte mithin im 
Juni 1905 ein Alter von 6 Jahren. Im Jahre 1904 hatte dieser 
Hirsch ein starkes »Geweih von zehn Enden« produziert. Dieses 
Geweih warf er am 11. Februar 1905, also reichlich frühzeitig ab. 

In der ersten Wachstumsperiode vom 12. bis 25. Februar, also 
iu der ersten und zweiten Woche, bestand die Neubildung zunächst 
aus einer den Bluterguß ringsum bedeckenden, dünnen, graugefärbten 
Haut von etwa 8 mm Breite. Auf dem zentral gelegenen, 35 mm im 
Durchmesser haltenden Teil der Oberfläche dieser Neubildung ent- 
stand alsbald ein Schorf. 

Schon vom 4. Tage ab wölbte sich der aus Ober- und Leder- 
haut bestehende Ring, unter dessen Decke sich neue Gefäße ent- 
wickelt hatten. Zuletzt zeigte sich am basalen Teil der Neubildung 
eine schwache Behaarung. Schon jetzt war die Tendenz zur Gabe- 
lung der Neubildung unverkennbar. Am 14. Tage hatte die Neu- 
bildung eine Höhe von 3 cm und eine Stärke von 52 mm. An der 
Figur bezeichnet Ziffer 1 diese erste Neubildung. 

In der zweiten Wachstumsperiode vom 26. Februar bis 11. März, 
also in der 3. und 4. Woche, nahm der Gefäßring eine ovale 
Grundform an, indem der sagittale Durchmesser sich verlängerte. 
Die Neubildung wölbte sich und ließ die Gabelform deutlich hervor- 
treten. Der rückwärts gerichtete Teil dieser Gabel war beträchtlich 
stärker entwickelt als der vordere Gabelteil. Gegen das Ende der 
4. Woche war deutlich zu erkennen, daß an der Neubildung auf 
der rechten Kopfseite eine Verdoppelung dieser Sprosse vor sich 
gehen solle. Die Behaarung der Neubildung war nun eine dichtere, 



»' 7*79?' 



•». 



— 136 — 

* 

die Gefäßhaut eine festere geworfen. Am Schiasse dieser Periode 
war das Produkt an der hinteren Sprosse, der »Kampfsprosse«, 7 cm 
lang, 49 mm stark; das der Angsprosse war 3 cm lang, 33 mm 
stark, das der Eissprosse war 2 cm lang, 25 mm stark. An der 
betr. Figur bezeichnet Ziffer 2 die zweite Neubildung. 

In der dritten Wachstumsperiode vom 12. bis 25. März, also in 
der 5. und 6. Woche, war unverkennbar geworden, daß die Neu- 
bildung zur Entwicklung eines Geweihes führen solle. Die Kampf- 
sprosse war an ihrem oberen Ende nicht nur verdickt, sondern sie 
zeigte auch deutlich die Tendenz zur Gabelung. Die Behaarung des 
Integuments war eine dichte geworden. Die Neubildung war an der 
Kampfsprosse 15 cm lang, 46 mm stark, an der Augsprosse 11 cm 
lang, 30 mm stark, an der Eissprosse 7 cm lang, 20 mm stark. 
Ziffer 3 bezeichnet an der betr. Figur die dritte Neubildung. 

In der vierten Wachstumsperiode vom 26. März bis 8. April, 
also in der 7. und 8. Woche, war die Gabelung am oberen Kampf- 
sprossenende deutlich hervorgetreten; sie war verbunden mit starker 
Verdickung dieses oberen Abschnitts. Gegen das Ende dieses Zeit- 
raums konnte auch die beginnende Entwicklung einer »Rose« am 
basalen Geweihteile zuerst beobachtet werden. Am Schlüsse dieser 
Periode war die Neubildung an der Kampfsprosse 10 cm lang, durch- 
schnittlich 48 mm stark, sie war an der Augsprosse 8 cm lang, 
26 mm stark, an der Eissprosse 3 cm lang, 14 nun stark. An der 
betr. Figur bezeichnet Ziffer 4 die vierte Neubildung. 

In der fünften Wachstumsperiode vom 9. bis 22. April, also in 
der 9. und 10. Woche, hatte die Entwicklung der Gabel am oberen 
Kampfsprosseueude beträchtliche Fortschritte gemacht und zeigte 
wieder auffallende Verdickung des oberen Knochenkörperteils, sowie 
die Anlage zu neuer Gabelung. Am Schlüsse dieser Wachstums- 
periode war die Neubildung an der Kampfsprosse 16 cm lang, 40 mm 
stark, sie war an der Augsprosse 6 cm lang, 18 mm stark, an der 
Eissprosse 2 cm lang, 10 mm stark, an der Mittelsprosse 15 cm 
lang, 28 mm stark. Die mit Ziffer 5 bezeichneten Abschnitte am 
Geweih dieses Edelhirsches zeigen die in der 5. Wachstumsperiode 
erfolgten Neubildungen. 

In der sechsten Wachsturasperiode vom 23. April bis 6. Mai, 
also in der 11. und 12. Woche, war die Rose an der Hinterseite 
der Neubildung gut entwickelt, an der Vorderseite jedoch nur 
schwach ausgeprägt. Das obere Ende der Kampf sprosse war ver- 
dickt und im Begriff sich zu gabeln. Die Neubildung war an 



137 — 



der Kampfeprosse 19 cm laug, durchschnittlich 41 mm stark, au der 
Mittelsprosse 3 cm laug, 24 mm stark, au der Obersprosse 3 cm 
laug, 31 nun stark. Die mit Ziffer 6 bezeichneten Geweihteile 
der betr. Figur stellen die in dieser Periode produzierten Zuwachs- 
großen dar. 

In der siebenten Wachstumsperiode vom 7. bis 20. Mai, also 
in der 13. und 14. Woche, war am Geweih eine neue Gabel ent- 
standen. Die Neubildung war an der Kampfsprosse 13 cm lang, 
durchschnittlich 40 mm stark, an der Mittelsprosse 3 cm lang, 
20 mm stark, an der Obersprosse 11 cm lang, 27 mm stark. Ziffer 7 
der betr. Figur bezeichnet die Neubildungen dieser Periode. 

In der achten Wachstumsperiode vom 21. Mai bis 3. Juni, also in 
der 15. und 16. Woche, war an der Kampfsprosse der rechtsseitigen 
Geweihhälfte eine neue Gabel entwickelt worden, deren eine Sprosse 
auswärts, die andere nach innen gerichtet war. An der linksseitigen 
Geweihhälfte war eine Gabel nicht entstanden. Die Entwicklung der 
»Rose« hatte beträchtliche Fortschritte gemacht. Die Neubildung 
der rechtsseitigen Geweihhälfte war 7 cm lang, durchschnittlich 
40 mm stark, die der äußeren Sprosse der Endgabel war 4 cm lang, 
44 mm stark, die der inneren Sprosse dieser Gabel war 9 cm lang, 
30 mm stark, die der Obersprosse 4 cm lang, 21 mm stark. Die 
mit Ziffer 8 bezeichneten Geweihteile der betr. Figur beziehen sich 
auf die in dieser Periode erworbenen Zuwachsgrößen. 

In der neunten Wachsturasperiode vom 4" bis 17. Juni, also 
in der 17. und 18. Woche, gelangte das äußerlich erkennbare Wachs- 
tum des Geweihes zum Abschluß. Die Neubildung an der auswärts 
gerichteten Sprosse der rechtsseitigen Endgabel war 7 cm lang, 
18 mm stark, an der nach innen gerichteten Sprosse dieser Gabel 
13 cm lang, 20 mm stark. An der linksseitigen Geweihhälfte be- 
saß die nach innen gerichtete Endsprosse am Schlüsse dieser Periode 
eine Länge von 48 cm. Ziffer 9 der betr. Figur bezeichnet die in 
dieser Periode entwickelten Geweihabschnitte. 

Aus dem Vorstehenden ergeben sich folgende Resultate: 

1. Der Aufbau des zwölfendigen Geweihes vom Europäischen 
Edelhirsch hat eine Zeitdauer von 18 Wochen, das sind 126 Tage, in 
Anspruch genommen. (Nach den von W. Sömm erring gemachten 
Beobachtungen war ein vierzehuendiges Edelhirschgeweih von Cerms 
elaphus am 120. Tage naöh dem Abwurf vollständig entwickelt 
worden). 



m ^fTf. 



— 138 — 

2. Die rechtsseitige Geweihhälfte hatte einschließlich der Innen- 
sprosse der Endgabel eine Länge von 112 cm, die linksseitige eine 
solche von 118 cm erreicht. 

3. Der durch Wachstum erworbene kubische Inhalt der rechts- 
seitigen Geweihhälfte betrag insgesamt 1913,5 ccm. 

4. Der Gang des Wachstums am Geweih ist kein gleichmäßiger, 
es werden vielmehr innerhalb gleichlanger Zeitperioden ungleich 
große Zuwachsbeträge erzielt. Die Zuwachsgröße an der rechtsseitigen 
Geweihhälfte betrug in den einzelnen Wachstumsperioden ( ): 

(1) 63.5, (2) 167.i t (3) 348.1, (4) 228.8, (5) 309.3, (6) 286.4, 
(7) 227.1, (8) 225.6, (9) 57.6 ccm. 

5. Die Längenzunahmegrößen betrugen in den einzelnen Wachs- 
tumsperioden ( ): 

(1) 3, (2) 12, (3) 33, (4) 21, (5) 39, (6) 25, (7) 27, (8) 24, 
(9) 20 cm, zusammen 204 cm an der rechtsseitigen Geweihhälfte. 

6. Die Entwicklung der »Rose« an der Geweihbasis begann 
gegen das Ende der 4. Wachstumsperiode. Bis zu diesem Zeitpunkte 
hatte der Stirnzapfen an Umfang und Stärke zugenommen. Gegen 
das Ende der 8. Periode erreichte die Entwicklung der Rose ihren 
Abschluß. 

Die feste Verknöcherung der äußeren Knochen schiebt des Ge- 
weihes war am 12. Juli beendet. Au diesem Tage wurde das Geweih 
»gefegte. Während dieses Aktes und auch nach demselben bat sich 
das Geweih nicht braun gefärbt, es hat vielmehr seine ursprüngliche 
Enochenfarbe behalten und zwar aus. dem Gruucle, weil zum Fegen 
lebende und Gerbsäure enthaltende Pflanzen nicht geboten worden 
waren, sondern nur ein abgestorbenes Fichtenbäumchen. 

2. Das Wachstum des Geweihes vom Nordafrikanischen 

Edelhirsch, Gervus barbarus. . 

Dieser »Berberhirsch c ist am 24. Janaar 1901 in den hiesigen 
Garten eingestellt worden. Er war damals etwa 1 Jahr 7 Monat alt; 
im Juni 1905 hatte er demnach ein Lebensalter von 6 Jahren erreicht. 
Im Jahre 1901 trug er ein Spießgeweih. Der Geweihwechsel und die 
Weiterentwicklung des Geweihes vollzog sich in der Folgezeit regel- 
mäßig. In der Zeit von 1904 — 1905 trug dieser Hirsch ein »Geweih 
von acht Enden«. In ihrer Heimat überschreitet diese Spezies diese 
Endenzahl des Geweihes in der Regel nicht. 

Am 23. März 1905 wurde dieses Geweih abgeworfen. 



Die in den einzelnen Wachstumaperioden produzierten Geweih- 
abschnitte und ihre Längen- und Stärkendimeusionen will ich hier nicht 
speziell anfahren. Es ge- 
nügt ein Blick auf die 
das Geweih des Berber- 
hirsches darstellende 
Figur. FürdieseHirsch- 
speziea haben die in dem- 
selben Umfange wie bei 
C. elaphus angestellten 
Untersuchungen und Be- 
obachtungen über das 

Geweihwachstum 
folgende Resultate 
ergeben : 

1. Der Aufbau des 
Geweihes hat eine Zeit- 
dauer tou 16 Wochen, 
das sind 112 Tage, in 
Anspruch genommen. 

2. Die rechtsseitige 
Geweihhälfte hatte eine 
Gesamtlänge von 66 cm, 
die linksseitige von etwa 
70 cm erreicht. 

3. Der durch Wachs- 
tum erworbene kubische 
Inhalt der rechtsseitigen 

Geweihhälfte betrug; 
611 ccm. 

4. Der Gang des Wachstums am Geweih dieser Hirschform ist 
wie der am Geweih der mitteleuropäischen kein gleichmäßiger; es 
werden am Geweih hier wie dort innerhalb gleichlanger Zeitperioden 
ungleich große Zuwachsbeträge erzielt. Die Zuwachsgroße betrug 
in den einzelnen Wachstunisperioden ( ): 

(1) 25.1, (2) 78.«, (3) 99.«, (4) 177.o, (5) 72.7, (6) 88.1, (7) 
55.a, (8) 14.7 ccm au der rechtsseitigen Geweihhälfte. 

5. Die Längen zu nahmegroßen betrugen in den einzelnen Wachs- 
tumsperioden ( ): 



— 140 — 

(1) 2, (2) 8, (3) 16, (4) 31, (5) 14, (6) 17, (7) 16, (8) 7 ein, 
zusammen 111 cm an der rechtsseitigen Geweihhälfte. 

6. Die Entwicklung der »Rose« an der Geweibbasis begann 
gegen das Ende der 4. Wachstumsperiode und erreichte gegen das 
Ende der 7. Periode ihren Abschluß. 

Die feste Verknöcherung der äußeren Knochenschicht des Ge- 
weihes war am 5. August beendet. An diesem Tage wurde das Ge- 
weih »gefegt«. Eine Braunfärbung des Geweihes blieb aber aus den- 
selben Gründen, wie beim Edelhirsch erwähnt, aus. 

3. Das Wachstum des Geweihes vom Nordamerikanischen 

Edelhirsch, Gervus canadensis. 

Dieser Edelhirsch ist am 27. Juni 1898 im hiesigen Zoologischen 
Garten zur Welt gekommen, er ist mithin im Juni 1905 7 Jahr 
alt geworden. In seinem dritten Lebensjahre hatte dieses Individuum 
anstatt normaler Weise eines Gabelgeweihes ein »Geweih von acht 
Enden« entwickelt. Dasselbe besaß außer der Augsprosse bemerkens- 
werterweise auch die Eissprosse und war an seinem oberen Ende 
gegabelt. Im 4. Lebensjahre trug der Hirsch wiederum ein Geweih 
von acht Enden, im 5. und 6. jedesmal ein Geweih von zehn Enden. 

Am 23. März 1905 wurde das zuletzt entwickelte Geweih (gleich- 
zeitig mit dem des Berberhirsches) abgeworfen. 

Eine spezielle Anführung der in- den einzelnen Wachsturas- 
perioden produzierten Geweihabschnitte und ihrer Laugen- und Stärken- 
dimensionen muß hier ebenfalls aus Bücksicht auf den verfügbaren 
Raum unterbleiben, zumal die das Wapitigeweih darstellende Figur 
genügende Aufklärung gibt. Die aus den angestellten Untersuchungen 
und Beobachtungen über das Geweihwachstum gewonnenen Resultate 
sind folgende: 

1. Der Aufbau des Geweihes dieser Edelhirschform bat einen 
Zeitraum von 16 Wochen, das sind 112 Tage, in Anspruch ge- 
nommen. 

2. Die rechtsseitige Geweihhälfte hatte einschließlich der hinteren 
Sprosse der Endgabel infolge Wachstums eine Gesamtläuge von 86 cm 
und einschließlich der vorderen Sprosse dieser Gabel eine solche von 
90 cm erworben. Die linksseitige Geweihhälfte war etwa 90 cm 
lang geworden. 

3. Der infolge Wachstums erlangte kubische Inhalt der rechts- 
seitigen Geweihhälfte betrug 1837 ccm. 



i . 4- ►", *y - .► 



— 141 — 

4. Der Gang des Wachstums am Geweih dieser Edelhirschform 
war ebenfalls ein ungleichmäßiger; es wurden am. Geweih innerhalb 
gleicher Zeitperioden ungleich große Zuwachsbeträge erzielt. Die 
Zuwachsgröße betrug in den einzelnen Wachstumsperioden ( ): 

(1) 102.o, (2) 245.8, (3) 332.6, (4) 438.7, (5) 285.*, (6) 366.6, 
(7) 46.i, (8) 20.o ccm an der rechtsseitigen Geweihhälfte. 

5. Die Längenzunahmegrößen betrugen in den einzelnen Wachs- 
tumsperioden ( ): 

(i) 4, (2) 17, (3) 29, (4) 42, (5) 38, (6) 43, (7) 12, (8) 8 cm, 
zusammen 193 cm an der rechtsseitigen Geweihhälfte. 

6. Die Entwicklung der »Rose« an der Geweihbasis begann 
gegen das Ende der 4. Wachstumsperiode und erreichte gegen das 
Ende der 7. Periode ihren Abschluß. 

Das Ausreifen der äußeren Knochenschicht des Geweihes war 
am 19. August beendet, an welchem Tage das Geweih gefegt wurde. 
Eine Brannfärbung des Geweihes erfolgte auch hier nicht wegen 
mangels lebenden und Gerbsäure enthaltenden Pflanzenmaterials zum 
»Fegen«. 

Die Resultate der von Mr. R. E. Holding im Jahre 1903 über das 
Wachstum des Geweihes vom Wapiti angestellten Untersuchungen 
und Beobachtungen waren folgende. Der Abwurf des alten Geweihes 
geschah am 20. März 1903. Am 17. April, also am 28. Tage nach 
dem Abwurf, erschien die erste Gabelung der Neubildung. Am 
14. Mai, also am 56. Tage, waren Kampfsprossen, sowie Aug- und 
Eissprossen entwickelt; die »Rose« begann deutlich zu werden. Am 
25. Juni, also am 98. Tage, war das Geweih äußerlich soweit ent- 
wickelt, daß Aug-, Eis- und Mittelsprossen existierten und die Stange 
eine Endgabel zeigte; die Rose trat deutlich hervor, das Integument 
begann zu schrumpfen. Am 24. Juli, also am 127. Tage, war das 
mit dem Integument noch bedeckte Geweih völlig erwachsen. Im 
Laufe des Monats August fing der »Bast« an sich abzuschälen, und 
in der ersten Woche des September war das Geweih wie gewöhnlich 
völlig rein. Die Länge der Stange war 45 */* Zoll engl. (= 115 cm). 

* 

Kritische Bemerkungen. 

1. Der Aufbau des Geweihes jeder dieser drei Edelhirschformen 
war zwar — wie 1 vorauszusehen — hinsichtlich der von jeder von 
ihnen beanspruchten Zeitdauer ungleich, aber nicht in der Art, wie 
man zu erwarteu berechtigt war. Zwar ist es schwierig', den Tag 
der Beendigung des Geweih Wachstums ohne Anwendung von Zirkel 



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• „i* 



— 142 — 

und Maßstab genau zu bestimmen, da das Wachstum ganz allmählich 
zum Stillstand kommt; indessen darum handelt «e sich hier weniger, 
als vielmehr darum, wieso es kommt, daß der Amerikanische Edel- 
hirsch des hiesigen Gartens sein zehnendiges Geweih, welches das 
Dreifache des Kubikinhaltes von dem achtendigen Geweih des Berber- 
hirsches enthält, genau in demselben Zeitraum im Aufbau der 
Vollendung entgegengeführt hat, wie der Berberhirsch das seinige, 
nämlich innerhalb 112 Tagen. Im Garten der Londoner Zoologischen 
Gesellschaft hat — wie schon bemerkt — der Wapiti zum Aufbau 
seines Geweihes 127 Tage benötigt, ein Zeitraum, welcher nach theo- 
retischen Erwägungen entsprechender erscheint. Die Antwort auf 
obige Frage dürfte sich aus der Tatsache ergeben, daß die ameri- 
kanische Edelhirschform in den meisten Zoologischen Gärten Deutsch- 
lands schon zu lange der Domestikation unterliegt, und dies ist die 
Ursache, derzufolge Körpergrößen und Geweihstärken in größerem 
Grade bereits der Degeneration verfallen sind. 

2. Auch das Mißverhältnis der Geweihläugen zwischen der 
amerikanischen und europäischen Edelhirschform dürfte in der viele 
Generationen hindurch geübten Domestikation des Wapiti be- 
gründet sein. 

3. Hinsichtlich des kubischen Inhalts zeigt das Geweih der 
amerikanischen Edelhirschform ebenfalls ein Mißverhältnis. Wer 
Gelegenheit gehabt hat, Geweihe des Wapiti aus seiner Heimat itt 
sehen und die enorme Stärke der Stangen und Sprossen solcher Ge- 
weihe zu bewundern, wird angesichts der Angaben über den Kubik- 
inhalt des Geweihes des Frankfurter Exemplares große Enttäuschung 
empfinden. Ohne Zweifel trägt an diesem Mißverhältnis nichts anderes 
die Schuld, als die Generationen hindurch geübte Domestikation. 



Der Seidenschwanz (Bombycilla garrula L.) im Winter 1905/06. 

Von Viktor Bitter v. Tsohusi zu Schmidhoffen. 



Wenn auch der hier geschilderte Zug in keiner Weise an deu 
so außerordentlich großen des Winters 1903/4 heranreicht, über 
dessen Verlauf und ganze Ausdehnung ich ausführlich in der 
lOrnis« 1905 p. 1 — 56 berichtet habe, so mag es doch von Interesse 
sein, alle jene Daten, die zu meiner Kenntnis gelangten, zusammen- 
zustellen, da sie einen Überblick über das mehr normale Erscheinen 
des nordischen Wintergastes bei uns liefern. Ohne auf Vollständig- 






— 143 — 

keit Anspruch zu machen, genügt das hier gegebene, den Zug 
in seiner zeitlichen, räumlichen und numerischen Ausdehnung zu 
skizzieren. 

Der Zug. 

Deutschland. 

Baden. Einem Präparator in Hall wurden im November einige 
Exemplare von einem Fabrikanten in Furtwangen im badischen 
Schwarzwalde gesendet. (Dr. Zwiesele, Orn. Beob. V. 1905 Nr. 2 
p. 31). 

Bayern. Nach dem »Frank. Kurier« in Nürnberg erlegte Jagd- 
pächter Wolf in Nord halben gegen Mitte (?) Januar mehrere 
Exemplare. (Zwinger u. Feld. XV. 1906. Nr. 3 p. 41). 

Prov. Sachsen. In Wernigerode a. H. bemerkte R. Jäger 
am 17. März in einem Garten einen Schwärm Seidenschwänze, 
welche die übrig gebliebenen Ebereschenbeeren verzehrten (Wild 
u. Hund. XII. 1906. Nr. 13. p. 206). 

Prov. Schlesien. Am 16. Januar 1906 zeigte sich in Hoschial- 
kowitz auf den Ebereschenbäumen ein Flug von ungefähr 
25 Stück. Die Vögel waren sehr scheu. (K. : Gef. W. XXXV. 1906. 
Nr. 8. p. 63). 

Prov. West-Preußen. Hans v. L. traf diesen Winter einen 
Flug von ca. 35 Köpfen im Steffenspark in Langfuhr b. Panzig. 
Man vernahm die Stimme der Vögel schon aus der Ferne,. Auch 
diese waren scheu. Den Tag darauf waren ca. 40 St. 2 1 /* km 
entfernt auf einer dicht mit Misteln bewachsenen Pappel. (Gef. 
W. XXXV. 1906. No. 8. p. 63), 

Württemberg. Dr. Zwiesele sah einige am 29. Dezember 1905 
bei Mittelfischach, O.-A. Gaildorf, und von Gaildorf selbst 
wurde einem Präparator in Hall 1 St. um Weihnachten ge- 
schickt. (Orn. Beob. V. 1906 Nr. 2. p. 30). 

Österreich -Ungarn. 

Böhmen. In Mauth (460 m ü. M.) sah Adjunkt A. Pochmann 
am 3. Februar einen Schwärm auf einer über 30 m hohen 
Eiche einfallen und schoß drei Exemplare. (Waidmh. 26. 1906. 
Nr. 5, p. 88). 

In Laun wurden am 21. und 24. Januar Seidenschwänze 
beobachtet, an letzterem Tage ein Flug von ca. 20 St. Ein 
stärkerer Flug trieb sich in der Nähe herum (G.: Waidmh. 
26. 1906. No. 8. p. 149). 



— 144 — 

Unter dem 23. Dezember berichtet mir Büfgerschullehrer 
J. Michel aus Bodenbach a. d. Elbe, daß Seidenschwänze 
zur Beobachtung gelangten und er ein jüngeres Exemplar er- 
halten habe. 

Galizien. Nach Oberleutnant Stein in Jaroslau wurden in 
der Zeit vom 27. November bis 2. Dezember mehrfach Flüge 
?on ca. 50 St. gesehen. (Waidrah. 26. 1906. Nr. 4. p. 70). 

Mähren. Wie mir- Prof. Bruno Schweder in Mähr.-Weiß- 
kirchen mitteilt, traf er am 17. Januar zwei Trupps von je 
ca. 20 St., die sich im dortigen Forstgarten an Beeren gütlich 
taten (in litt. 19. Jan. 06). 

A. Reischl sah am 16. Dez. 1905- in Brumov eine 
Schar von ca. 50 Stück. (Waidmh. 26. 1906. Nr. 3. p. 52). 

Ed. Schimitschek beobachtete Ende Dezember 1905 un- 
weit Wall.-Klobouk eine Schar von 40 St., die abends gegen 
S.^O. zogen. Anfangs Januar 1906 sah er zwei Flüge von je 
50 St. bei Wysokopole, welche längs der Straße von einem 
Baume zum andern flogen. (Waidmh. 26. 1906. Nr. 4. p. 70). 
Einem späteren Berichte zufolge traf derselbe Beobachter am 
5. Februar einen Zug von über 100 St. bei Wlachowitz, am 
7. Februar bei W.-Schota zwei Züge zu 8 und 11 St. um 
ö 1 /^ früh, die nach S.-O. zogen und am 20. Februar bei Wyso- 
kopole 30 St. der gleichen Direktion folgend. Verf. bemerkt, 
daß nach seiner mehrjährigen Beobachtung im Herbste der 
Hauptzug der Seidenschwänze stets längs der Ausläufer der 
Gebirgszüge, vorwiegend längs der Kleinen Karpathen, deren 
Seitentäler oft große Scharen beherbergen, erfolgt und von da, 
das Gebirge übersetzend, nach Ungarn sich fortsetzt. Im Früh- 
ling vollzieht sich der Bückzug hauptsächlich längs der Täler 
und Niederungen ; daher fehlt der Vogel zu dieser Zeit dort, 
wo er im Herbste häufig war, fast ganz. (Waidmh. 26, 1906. 
Nr. 8. p. 149). 

Den 22. Januar traf Forstadjunkt A. Sprosec bei Aujezd 
nächst Wisowitz eine Schar von über 50 St. Während dieser 
Zeit herrschte immer schöues Wetter. Die Vögel dürften über 
die El. Karpathen nach Ungarn gezogen sein. (Waidmh. 26. 1906. 
Nr. 4. p. 70). 

Oberösterreich. Am 26. Januar erlegte Schulleiter Watzl in 
Stadlb. Engelhartzell 5 Exemplare. (Waidmh. 26. 1906. Nr. 4. 
p. 70). 



— 145 — 

Schlesien. Nach H. Mohr zeigten sich die Seidenschwänze um 
Troppan in ganz beträchtlicher Zahl. Das erste Mal wnrde 
ein Fing von ca. 23 St. am 5. Februar in den Anlagen des 
Kaiser Josefs-Parks beobachtet; sie hielten sich vorwiegend auf 
einer 18 m hohen Robinie anf und flogen von da auf die 
beerentragenden Gebüsche des Schneeballs und der Eisbeere, 
deren Fruchte sie teils ganz, teils nur deren Samen ver- 
zehrten und das Fleisch fallen ließen. Nach ungefätir 11 Tagen 
verschwanden sie, doch kam nach ein paar Tagen ein Flug 
von beiläufig 40 Stück, die sich an den Früchten des rot- 
blühenden Mehlapfelbaumes gütlich taten. Die Vögel kamen 
gewöhnlich in der 8. Morgenstunde und verschwanden erst zur 
Dämmernngszeit und waren sehr zutraulich. Sie verschwanden 
am 21. Februar. (Gef. W. XXXV. 1906. No. 13. p. 102). 

Steiermark. Am 1. Februar wurde in Mürzzuschlag ein 

Exemplar gefangen. (J. K. : Gef. W. XXXV. 1906. Nr. 8. p. 63). 

Heute (7. Februar 1906) ist im nahen Neumarkt ein Flug 

von etwa 30 Exemplaren beobachtet worden (P. A. Sc baffer 

in litt. 7. Febr. 1906). 

Ungarn. In Farkasfalu, N. -Ungarn, erschienen kurz nach Neu- 
jahr Züge, die sich bis Ende Januar aufhielten. Sie zeigten sich 
spärlicher als 1903/4. (Vikt. Groß: Waidmh. 26. 1906. 
Nr. 5. p. 88). 

Chronologische Übersicht. 

Baden einige. 

Galizien (Jaroslau — 2. Dez.) Flüge von 50. 
» » » » » 

Mähren (Brumov) ca. 50 St. 
Böhmen (Bodenbach a. E.). 
Württemberg (Mittelfischach) einige. 
Mähren (Wail.-Klobouk) 1 Flug von 40 St. 
. > (Wysokopole) 2 Flüge zu je 50 St. 
Ungarn (Farkasfalu) in Zügen. 
Bayern (Nordhalben) mehrere. 
Prov. Schlesien (Hoschialkowitz) 25 St. 
Mähren (Mähr.- Weißkirchen) 2 Trupps zu je 20 St. 
Böhmen (Laun) Flüge bis 20 St. 
Mähren (Aujezd) 1 Trupp zu 50 St. 
Böhmen (Laun) Flüge bis 20 St. 

Zoolog. Beobacht Jahrg. XLVII. 1006. 10 



Novem 


i b e r : 


27. 


» 




2. Dezem 


ber: 


16. 


> 




23. 


» 




29. 


> 




Ende 


> 




Anfangs 


Januar: 


> 




» 


Mitte 




» 


16. 


. 


> 


17. 




» 


21. 




» 


22. 




» 


24. 




» 



— 146 — 

26. Januar; Oberösterreich (Stadl) 5 St. erlegt. 

Ende » Ungarn (Farkasfalu) Züge. 

1. Februar: Steiermark (Mürzzuschlag) 1 St. 

3. » Böhmen (Maoth) 1 Schwärm. 

5. » Österr.-Schlesien (Troppau) 23 St. 

7. > Steiermark (Neumarkt) ca. 30 St. 

Anfangs März: Österr.-Schlesien (Troppau) ca. 40 St. 

17. » Prov. Sachsen (Wernigerode) 1 Schwärm. 

Sohlussfolgerongen. 

Kurz resümiert ergibt sich folgendes: 

1. Ostwärts erstreckte sich der Zug bis Baden, südwärts bis Steier- 
mark. 

2. Die Zag-, bezw. Aufenthaltsdauer währte vom November bis nach 
halbem März und das zahlreichste Auftreten fällt in den Januar. 

3. Die größten Ansammlungen fanden in Mähren, Schlesien, Galizien 
und Ungarn statt, wie das fast stets bei den Zügen dieser Art 
der Fall ist. 

4. Der Zug, d. h. das Vordringen der südwärts ziehenden Flüge, 
und seine räumliche Ausdehnung sind bedingt durch die mehr 
oder weniger vorhandene Beeren nahrung. 

Villa Tännenhof bei Hallein (Salzburg), April 1906. 



Berieht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft 

zu Frankfurt a. M. 



Das Betriebsjahr 1905, über dessen Verlauf und Ergebnis wir 
Ihnen beute zu berichten haben, weist wiederum einen Fortschritt in 
den Einnahmen auf. 

Trotz häufig ungünstigen Wetters stieg die Zahl der Besucher 
des Gartens (ohne die Abonnenten) auf 245 000 (gegen 228 000 im 
Vorjahr), und die des Aquariums auf 58000 (gegen 54000). Es 
wurden für Tagesbillette rund M. 147 000. — und außerdem im 
Aquarium M. 18 500. — vereinnahmt. 

Die Abonnements blieben auf der gewohnten Höhe, und bei den 
kleineren Eiunahme-Quellen gab es nur unwesentliche Schwankungen. 

Die Gesamt -Einnahme betrug M. 290 365.46, die Betriebs- 
kosten, zuzüglich der üblichen Abschreibungen, M. 288 936.05, so- 






— 147 — 

daß ein Überschuß ans dem Betrieb des Zoologischen Gartens von 
M. 1 429.41 zur Verfügung der städtischen Behörden gestellt werden 
kann und hoffentlich wieder der Unterstützungskasse für die unteren 
Beamten des Gartens zu gut kommen wird. 

Von den Einnahmen abgerechnet wurden in üblicher Weise die 
Kosten besonderer Veranstaltungen und der Einnahme-Anteil des 
Unternehmers der Indier-Schaustellung, die vom 24. Mai 
bis 6. Juni, von gutem Wetter begünstigt, einen schonen Verlauf 
nahm und von 60000 Personen (einschließlich 20000 Schulkindern) 
besucht wurde. Außerdem wurden mit gutem Erfolg an drei Sonn- 
tagen Luftballon- Auffahrten durch Fräulein Kätchen Paulus ausgeführt. 

Entsprechend den vermehrten Einnahmen konnte auch für den 
Betrieb mehr aufgewendet werden. 

Mit den Gehalts- und Lohn-Aufbesserungen des Personals wurde 
weiter vorangegangen, auch durch Gewährung von Erhol ungs- Urlaub 
nach Möglichkeit den Angestellten eine Reihe von dienstfreien Tagen 
verschafft. 

Die Fütterungskosten wuchsen infolge von Preiserhöhungen 
wiederum an, und auch die Versorgung des Gartens mit Wasser 
erforderte einen beträchtlichen Mehraufwand. 

Die Ausgaben für Annoncen und das Plakatwesen wurden erhöht 
und auch für Dienstkleider mehr ausgegeben. 

Besondere Einrichtungen wurden mit guter Wirkung für die 
Reinhaltung der Weiher getroffen. 

Durch Beschaffung von neuen Vorrichtungen wurden die Arbeiten 
in den Werkstätten erleichtert und gefördert und dadurch die Mög- 
lichkeit geschaffen, mit den im Dienst des Gartens stehenden Hand- 
werkern noch mehr als zuvor die notwendigen Ausbesserungsarbeiten 
und auch bei Neubauten einen großen Teil der Arbeiten in eigener 
Regie auszuführen. So wurde im Lauf des Jahres eine große Anzahl 
von Arbeiten teils fertiggestellt, teils in Angriff genommen, die in 
ihrer Wirkung der Verschönerung des Gartens und der Verbesserung 
seiner Einrichtungen dienen. 

Von umfangreicheren Herstellungen seien nur die Fertigstellung 
des Insektenhauses und die Vollendung des Affenhauses mit seiner 
gänzlich umgestalteten inneren Einrichtung erwähnt. 

Die Vermehrung des Tierbestandes war eine so beträchtliche, 
daß sich trotz der während des Betriebsjahres vorgenommenen Her- 
stellung neuer Käfige von neuem Platzmangel fühlbar machte (dem 
inzwischen durch einen Neubau abgeholfen ist). Unter den Neu- 



- 148 — 

anschaffungen stehen zwei Dromedare obenan; ein Büffel, ein 
Thar und eine Pferde- Antilope, sowie zahlreiche kleine Wieder- 
käuer wurden der Sammlung der Paarzeher zugefügt. Als hervor- 
ragende Seltenheit verdient ein Gibbon (eine Menschen äffen art) 
Erwähnung. Zwei Vielfraße sind die ersten ihrer Art, die der 
Frankfurter Garten in seinen Besitz brachte; ein Wolf nnd eine 
Hyäne sind die größten einer Anzahl neu angeschaffter Raubtiere, 
und die Kängnr uhsamml ung, die größte jetzt existierende, 
erfuhr mancherlei Bereicherung. Riegenschildkröten und 
Krokodile wurden nebst zahlreichen Meertieren für das Aquarium 
erworben, und besonders reich waren die Xeueinführungen seltener 
ausländischer Kerbtiere für das Insekten haus. 

Zu den Ankäufen kommen als willkommene Neulinge im Tier- 
bestande eine Anzahl geschenkter Tiere. Herr Dr. A. Weinberg 
schenkte eine Wisent-Kuh, die dem im vergangenen Jahre ange- 
kauften Stier beigesellt wurde; Herr Konsul A. Hoff schenkte zwei 
Lippenbären, die sieh prächtig entwickeln. Das Korps Teutonia 
in Marburg schenkte einen jungen Braunbären, der zwar prächtig 
heranwachs, leider aber durch einen Stnrz von seinem Kletterbaum 
verunglückte. Auch bei zwei jungen Orang-Utan, die ein be- 
währter Freund des Zoologischen Gartens aus Indien kommen Hefa, 
gelang es nicht, sie länger als einige Monate am Leben zu erhalten. 
Die Gesamtzahl der geschenkten Tiere betrug 121; es schenkten: 

Die Herren Major v. Trotha, Arcbit. Vonhold, Aug. Perron 
(hier), 0. Linde (Biebrich a. Rh.), sowie Frau Geyer (hier) ver- 
schiedene Affen; Herr Gonr. Binding (hier) - einen Dachs; Herr 
Lüokroth einen Fuehs ; Herr Baurat Sattler (hier) einen Hamster ; 
Herr G. Theis eiuen Igel; Herr v. Hörn (Mannheim) ein Fliegendes 
Eichhorn; Frau und Fräulein Wernecke, Herr Gg. Forster, Geh. 
Rat Börne r nnd Willy Scheuer Angoratneerschweinchen, gewöhn- 
liche Eichhörnchen • nnd weiße Mäuse. 

Papageien erhielt der Zoologisehe Garten zum Geschenk von 
den Herren Fabrieius und Jost, sowie Fran Renninger (hier); 
an anderen Vögeln worden geschenkt: 1 Papstfink von Herrn 
v. Hörn (Mannheim); 2 Suhopfwacbteln von Herrn Dr. W. Merck 
(Darmstadt); 1 Lachmöve von Frau Geh. Rat Oeh ler (Offeubacha.M.), 
1 Tüpfelsam pfbuhn von Herrn Lehrer Franck (hier); 1 Bussard von 
Herrn Dietrich (Wetzlar) nnd verschiedene kleinere Vögel, beson- 
ders für die Sammlang deutscher Arten, von den Herren A.Perron 
und Landgerichts-Rat Quincke (hier). Auch für das Aquarium 



v-vp"-- 



. — 149 — 

gingen verschiedene Geschenke an Seetieren und -Pflanzen ein, so 
von Herrn A. Voigt (hier) und Fräulein Binder (Mainz). Herr 
Carl Fulda überwies dem Tierfonds M. 208. — . Allen diesen 
Förderern unseres Instituts sei hier nochmals aufrichtigster Dank gesagt. 

Durch Zucht wurde eine Anzahl recht wertvoller Bereicherungen 
erzielt. Besonders die Zucht seltnerer Eänguruharten erwies 
sich als lohnend, und es konnte bereits eine beträchtliche Einnahme 
aus dem Verkauf der so erhaltenen Dubletten geschaffen werden. 
Außer diesen Vermehrungen seien noch Yak, Zebu, diverse Anti- 
lopen, Schafe, Hirsche, Lama, Tiger und Silberlöwen 
erwähnt. 

Der Verkauf der so erhaltenen überzähligen Tiere lieferte die 
bemerkenswerte Summe von M. 8179.60, die hinreichte, einen großen 
Teil des Bedarfs an Neu- Anschaffungen zu decken. Besonders reichen 
Ertrag lieferte die obenerwähnte Zucht der Känguruhs, sowie die 
der Wasserböcke, Yaks, der Rinderarten, der Silber- 
löwen und der Tiger. 

Die Verluste waren sehr gering. Außer den oben angeführten 
beiden jungen Orangs starben an wertvolleren Tieren nur zwei 
Bären, worunter, der fast 60 Jahre alte Braune Bär »Martin«» 
ein Alpaka, ein Wolf und die seit Jahren im Garten befind- 
lichen Warzenschweine. In der Neujahrsnacht verunglückte 
ein Seelöwe; an teureren Vogelarten gingen nur ein Kasuar 
und ein Nashornvogel ein. Dem günstigen Frankfurter Klima, 
der Rührigkeit der Direktion und der Sorgfalt eines, sowohl was 
Reinlichkeit, als auch Aufmerksamkeit betrifft, gut geschulten Wärter- 
Personals ist diese Haltbarkeit des jetzt sehr reichen Tierbestandes 
in erster Linie zu danken ; ein weiteres dabei tut die zweckmäßige 
Einrichtung der Tierhäuser, auf die bei allen Neubauten die denkbar 
größte Sorgfalt verwendet wird . und die in der oben angeführten 
Umgestaltung des Affenhauses besonders hervortritt. 

Wie bereits seit über einem Jahrzehnt, so können wir auch 
heute mit voller Befriedigung auf das Berichtsjahr zurückblicken, 
das nach jeder Hinsicht erfreuliche Fortschritte zeigt, und wir können 
nur wünschen, daß die seither stattgehabte jährliche Steigerung der 
Einnahmen auch in der Zukunft standhalten möge. Dies zu er- 
reichen, wird die Verwaltung keine Mühe scheueu, und auch Sie 
bitten wir um Ihre freundliche Unterstützung in diesem Bestreben. 

Gleichzeitig mit der Jahresrechnung über den Betrieb des Zoo- 
logischen Gartens legen wir Ihnen die Abrechnung der Unterstützungs- 



— 150 — 

kasse für die unteren Beamten des Gartens vor, die sich wieder 
einiger sehr dankenswerter Zuweisungen erfreute. Der Grundstock 
der Kasse wuchs auf M. 11,100 an, während die notwendigen Unter- 
stutzungen aus dem Dispositionsfond und der Zinseneinnahme be- 
stritten werden konnten. 

Allen Freunden des Gartens sei diese wohltätige Einrichtung 
für gelegentliche Zuwendungen wärmstens empfohlen. 

Wir wollen auch noch dankend erwähnen, daß uns im Laufe 
des Berichtsjahres eine Stamm-Aktie und weitere 82 Prioritäts-Aktien 
geschenkt wurden. 



Gewinn- und Verlust-Konto: 

Betriebs-Rechnung des Zoologischen Gartens vom Jahre 1905. 



Einnahmen» 

M. Pf. 

1. Abonnements: 

2599 Familien . . . 
740 Einzelne ... 
194 Pensionär- und Mo- 1 80 » 630 ' 
nats-Abonnements 

2. Tageskarten: 

121,758 Personen zu vollem Ein- 
trittspreis. 

103,064 Personen zu ermäßigtem 
Eintrittspreis. 
9,416 S chüler. 

234,238 Personen M. 166,222.15 

ab : Kosten be- 
sonderer Veran- 
staltungen und 
Einnahme - An- 
teil Anderer. . M. 19,297.56 14ß 924. 59 

3. Wein- und Bier-Nutzen. 7,302. 11 

4. Pacbt 11,945. — 

5. Vermietungen . • . . 4,166. 25 

6. Verschiedenes .... 4,666. 72 

7. Zinsen 1,737. 54 

8. Aquarium 18,560. 05 

9. Tiere und Geschenke . 13,787. 40 
10. Insekten 645. 80 

290,365. 46 



Ausgaben. 

M. Pf. 

1. Gehalte 52,191. 39 

2. Fütterung 68,176. 96 

3. Musik 60,687. — 

4. Heizung u. Beleuchtung 9,110. 02 

5. Wasserversorgung . . 11,492. 32 

6. Garten-Unterhaltung . 8.277. 30 

7. Bau-Unterhaltung. . . 31,296. 95 

8. Druckkosten .... 2,643. 74 

9. Insertionen 3,094. 58 

10. Dienstkleider .... 1,437. 05 

11. Versicherung . . . . 3,105. 21 

12. Allgemeine Unkosten . 9,029. — 

13. Unterstützungen . . . 480. — 

14. Aquarium 8,537. 32 

15. Tiere 15,988. 34 

16. Insekten 3,388. 87 

288,936. 05 
Überschuß 1,429. 41 



290,365. 46 



151 — 



2,000. — 
5,000. — 



Bilanz vom 31. 

Aktiva. M. Pf. 

Tiere ....... 70,250. - 

Gebäude M. 2,165,000.— 
Zuwachs > 10,137.19 

M. 2,175,137.19 
Abschrei- 
bung . > 10,137.19 2.165.000. — 

Park 145,000. — 

Aquarium (Tiere, See- 
wasser, Scheiben) . . 

Pflanzen 

Mobilien . M. 219,477.— 
Zuwachs > 2,573.52 

M. 222,050.52 

Abschrei- 
bung . > .27,850.52 194,200. — 

Saal-Umbau-Konto . . . 

Käfige 

Musikalien M. 1,500.— 
Zuwachs » 478. — 

M. 1,978.— 

Abschrei- 
bung . . » 478. — 

Bibüothek 



Dezember 1905. 

JPa$9iva. M. Pf. 

Aktien-Kapital .... 1,260,000. — 
Prioritäts-Aktien . . . 231,760. — 
Prioritäts-Obligationen : 
A. Schuldverschreibungen 



5,000. — 
1,000. — 



1,500. — 

500. — 

5,569. 36 

5,273. 62 



Vorräte (Putter, Kohlen etc.) 
Vorversicherung. . . . 
Effekten : 

a. VorrätigeWertpapiere 

b. Vorrätige geschenkte 
4 Aktien .... 

c. Vorrätige geschenkte 

926 Prioritätsaktien 138,900. 
Frankfurter Bank . . . 
Kassenbestand .... 
2 Debitoren 



41,503. 23 
1,800. - 



22,159. 11 
4,955. 44 
1,882. 65 



2,811,493. 41 



in Umlauf . 
B. Darlehen der Stadt 
Aquarium-Reserve . 
Zinsen-Vortrag . . 
Abonnenten für 1906 
1 Kreditor. . . • 
Stadthauptkasse . . 



898,400. — 

350,000. — 

2,000. — 

16,072. — 

50,842. — 

1,000. — 

1,429. 41 



2,811,493. 41 



Unterstützungskasse für die unteren Beamten des Zoolog. Gartens. 

Grundstock. Dispositionsfonds. 

1. Januar. Bestand M. 10,013.81 

Zuweisungen * 1,084.65 

Kursgewinn » 3.30 

Zinsen » — 



1905 



» 
> 



M. 909.05 

» 355.— 

» — 

» 387.26 



M. 11,101.76 

Unterstützungen > — 

31. Dezember. Bestand . . . . M. 11,101.76 

V. Goering. 



M. 1,651.31 
> 480.— 

M. 1,171.31 
Dr. Ad. Seitz. 



— 152 — 
Kleinere Mitteilungen. 



Froschnester. G.A. Boaleng er erhielt kürzlich durch Dr. C. Christ y 
die Photographie eines Froschnestes aus dem Bugomo- Walde östlich vom Albert- 
see in Uganda. Das Nest war vier Zoll lang, bestand aus einer speichel- 
artigen Schaummasse, die außen verhärtet war und infolgedessen in einer trocknen 
Umhüllung steckte, und war auf der Ruckseite eines Büschels Blätter angeheftet, 
die etwa anderthalb Fuß über dem Wasserspiegel eines kleinen Flußes hingen. 
Sein Inhalt bestand in einem ineinander gewundenen Knäuel von zarten Kaul- 
quappen von der Länge eines Drittelzolls. Als man das Nest in Spiritus brachte , 
fiel es zusammen, aber die zahlreichen kleinen Froschlarven, die darin waren 
und noch ihren großen Dottersack trugen, konnten konserviert werden und be- 
finden sich jetzt im British Museum in London. Da das Vorkommen eines 
Baumfrosches aus der Gattung Chiromantis, der Ch. xerampelina Pts., in Uganda 
bekannt ist, und da man von einer zweiten verwandten Art, der Ch. rufescens 
Gthr., weiß, daß sie in Westafrika ihre Eier und jungen Larven in ähnliche^ Weise 
schützt, ist es sehr wahrscheinlich, daß es sich in unserem Fall um das Brutnest von 
Ch. xerampelina handelt. Ähnliche Froschnester kennt man übrigens aus Ost- 
indien und Japan von Bhaeophorm und aus Südamerika von Fhyllomedusa (von 
welcher Gattung ein solches zwischen Blättern eingebackenes Nest in der Samm- 
lung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. 
aufbewahrt wird); sie gewähren den Eiern und den frühesten Larvenstadien 
Schutz gegen ihre Feinde. Sobald die Kaulquappen kräftig genug sind auszu- 
schwärmen und sich selbst zu ernähren, d. h. sobald ihr Nahrungsdotter auf- 
gezehrt ist und eine Regenperiode einsetzt, zerfließt die Schaummasse des Nestes, 
und sie fallen ins Wasser hinunter. Es wird behauptet, daß Eier, die man 
aus dem Neste nimmt und in Wasser bringt, nicht zur Entwicklung gelangen. 
Die entstehenden Larven sind in keiner Weise besonders abweichend von denen 
gewöhnlicher Frösche, und sie vollenden ihre Verwandlung im Wasser wie diese. 

(Nach »The Field. The Country Gentlemans Newspaper Vol. 107, 1906 
p. 349-350*). s Bttgr. 

Blaufuchs-Züchtereien in Norwegen. Man schreibt den Münchener 
Neuesten Nachrichten aus Chris ti an ia vom 23. Februar 1906: Einbürgerungs- 
versuche mit Blaufüchsen auf skandinavischer Erde gedenkt ein findiger Nor- 
weger ins Werk zu setzen. Wie bekannt, zählt der sogenannte Blau- oder 
Silberfuchs — eine Abart des in allen arktischen Gegenden vorkommenden Po- 
larfuchses (Canis lagopus L.) — zu den wertvollsten Pelzträgern der nordischen 
Zone. Sein eigentliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf die inneren Teile 
Alaskas, Grönlands, der sogenannten Baffinsländer und Ostsibiriens. Auf 
Spitzbergen, Island und Lappland wird er gelegentlich angetroffen, doch erreicht 
sein Pelz an den letztgenannten Orten bei weitem nicht jene eigentümlich durch- 
sichtige, an die zarten Lichtreflexe des azurblauen Polareises erinnernde Fär- 
bung, die den echten Grönländer- und Kamtschatka-Fuchs auszeichnet. Der 
Handelswert eines solchen erstklassigen Pelzes ist nahezu unbegrenzt, was sich 
u. a. daraus ermessen läßt, daß für besonders schöne Stücke von den Pelzhänd- 
lern schon an Ort und Stelle Beträge von 2000 Dollars und darüber erlegt 
wurden. Um der Gefahr der Ausrottung dieses wertvollen Tieres vorzubeugen, 



— 153 — 

sind zu verschiedenen Zeiten allerlei Kaufvorkehrungen von den betreffenden 
Landesbehörden geplant worden, die sich indessen infolge der rücksichtslosen 
Gier, mit der von den Eingeborenen-Stämmen das Verfolgungswerk betrieben 
wurde, zumeist als vergebliche Liebesmüh erwiesen. Auf den Aleuten beispiels- 
weise und einigen anderen Inselgruppen des Behringsmeeres wurden Mitte des 
vorigen Jahrhunderts regelrechte Fuchsfarmen angelegt, die sich vorzugsweise 
mit der Züchtung von Blau- und Eisfüchsen befaßten. Die Tiere wurden durch 
entsprechende Lockmittel, Fische, Zieselmäuse u. der gl., angekirrt und auf einem 
abgegrenzten Terrain in Freiheit gesetzt. Sobald der geeignete Zeitpunkt heran - 
rückte, wo der Pelz seinen höchsten Wert erreicht hatte, wurden die Gehege 
einer gründlichen Musterung unterzogen, wobei grundsätzlich nur männliche 
Füchse ausgemerzt und verwendet wurden, wohingegen die „Fähen" (Weibchen) 
im Interesse der Nachzucht der Freiheit zurückgegeben wurden. Die Rentabili- 
tät dieser staatlichen Farmen wurde indessen dadurch beeinträchtigt, daß ein 
großer Prozentsatz der Pfleglinge während der Winterzeit über das Eis hinweg 
das Weite suchte; außerdem geschah es oft genug, daß die wertvollen Blau- 
fuchsweibchen sich mit zuwandernden gewöhnlichen Steinfüchsen paarten, wo- 
durch natürlich eine minderwertige Nachkommenschaft erzielt wurde. All diesen 
Übelständen gedenkt nun der vorerwähnte norwegische Unternehmer dadurch 
vorzubeugen, daß er eine ausreichende Anzahl edler Zuchttiere auf einer der 
großen Fjordinseln außerhalb Drontheims unterbringt, wo sie einesteils voll- 
ständig von aller Berührung mit Menschen abgesondert sind, andernteils durch 
das stetig eisfreie Küste ngewässer an der Flucht verhindert werden. Da die 
westnorwegischen Küsteninseln im allgemeinen über ein reiches Vogelleben ver- 
fügen — insonderheit die zahlreichen Gattungen von Tauchern, Eiderenten und 
andern hochnordischen Schwimmvögeln schließen sich hier zu größeren Kolonien 
zusammen — , so werden die arktischen Schützlinge wenigstens in der kritischen 
Übergangsperiode nicht mit Nahrungsmangel zu kämpfen haben. Später dürfte 
sich bei der erfahrungsgemäß sehr starken Vermehrung des Blaufuchses aller- 
dings die Notwendigkeit herausstellen, den Tieren mit gelegentlicher Nahrungs- 
zufuhr, insonderheit Fischen und Krustentieren, zu Hilfe zu kommen. Da der 
Polarfuchs, wie überhaupt die meisten Vertreter der arktischen Fauna, sich 
durch leichte Zähmbarkeit auszeichnet, dürfte das Gelingen des interessanten 
Planes kaum in Zweifel zu ziehen seih. Für die pelzbegeisterte Damenwelt 
würde sich in diesem Falle die langersehnte Aussicht bieten, sich in Zukunft 
gegen etwas minder fühlbare Opfer in den Besitz eines Pelzwerks zu setzen, 
das in unseren Tagen eine ähnlich prädominierende Rolle spielt, wie sie einst- 
mals dem „königlichen" Hermelin zugeteilt war. K. Soffel. 

Eichhörnchennester als Schlafstätten der Meisen. Ich bemerkte 
schon in meiner Arbeit „Die Nahrung unseres Eichhörnchen (XXX. Jahresbe- 
richt der Zool. Sektion für Westfalen), daß ich Meisen und Goldhähnchen 
in Eichhörnchennestern nächtigend antraf, die dann gewöhnlich von dem recht- 
mäßigen Nestinhaber abgemurkst wurden. Ich war zur Zeit der Meinung, 
daß es sich nur um Zufälligkeiten handelte und die Meisen nur für den sehr 
kalten Winter 1900|01 Eichhornnester als Schlafstätten benutzt hätten. Nun 
erklärte Wilhelm Schuster in der Zeitschrift »Ornithologische Bundschau« 
No. 5 v. 15. Dez. 1905 glattweg das Übernachten der Vögel in Eichhornnestern, 



~*1~tw--» 



— 154 — 

weil zu unsicher, für einen Irrtum. Ich habe deshalb wiederum genaue 
Untersuchungen angestellt, und zwar in den Wäldern um Münster i. W., die 
zahlreiche Eichhornnester aufweisen, sowie hier in der Umgebung Bonns, im 
Siebengebirge und im Eottenforst. Ich untersuchte 83 Nester ; 
hiervon wiesen nicht weniger als 41 Nester Exkremente und aus- 
gefallene Federn von Vögeln auf. Und alles deutete daraufhin, daß es 
sich um einen Schlafraum für Vögel handelte. Oder sollte das Eichhorn vielleicht 
selber die Exkremente in seine Nester tragen? Ferner trieb ich durch 
Anstoßen an den Stamm aus den eben genannten Nestern des 
Abends Vögel heraus, oft nur einen, manchmal zwei, die in dem 
Eichhornnest übernachten wollten. Soweit ich in der Dämmerung 
unterscheiden konnte, handelte es sich jedesmal um die Tannenmeise, Sumpf- 
meise, einmal um eine Kohlmeise, und ferner um unsere Goldhähnchen 
(Parus ater, palustris und major, Begtdus regülus und ignicapillus). Für un- 
sere Goldhähnchen möchte ich behaupten, daß sie mit Torliebe in 
den Eichhornnestern nächtigen! Von einer gefährlichen Schlafstätte 
kann m. E. keine Rede sein, denn im Eichhornneste droht den nächtigenden 
Vögeln nur Gefahr vom Eichhorn; schlafen die Vögel dagegen frei in den 
Zweigen der Tannen u. s. w., so haben sie sich vor mehr Feinden (Eulen, Weihen 
und Wieseln) in acht zu nehmen. Übrigens fand ich zweimal ein Hauben- 
meisennest (Parus cristatus mitratus) in ein Eichhornnest hineingebaut. In 
einem Falle kam die Brut hoch, im zweiten nahm das Eichhörnchen das Nest 
in Beschlag und zerstörte so das Haubenmeisennest. stud. Paul Werner. 

Bemerkenswerte Frösche aus Südkamerun. Währendeines neun- 
jährigen Aufenthalts in Südkamerun und dem benachbarten Gabun hat G. L. 
Bates viel zur Kenntnis der Frösche dieses Teiles von Westafrika beigetragen. 
Die wichtigsten der von ihm neu entdeckten Arten waren der Haarige Frosch 
(Trichobatrachus robustus Blgr.) und der Krallenfrosch (Gampsosteonyx batesi 
Blgr.). Nach einem kurzen Aufenthalt in Europa und Amerika während des 
letzten Frühjahres reiste Bates im Mai 1905 nach Südkamerun zurück und 
nahm sich einen jungen Mann namens Robertson, Wärter am Londoner Zo- 
ologischen Garten, mit, der versuchen sollte, einige dieser absonderlichen Tiere 
lebend nach England zu bringen. 

Unter den Fröschen, die Robertson fing, ist zweifellos der merkwürdigste 
eine riesige neue Bana. Eingeborene Weiber, die ein Sumpfloch beim Kribifluß 
mit dem Streichnetz ausfischten, fanden das erste Stück davon und setzen es 
in ein geräumiges, zehn Gallonen fassendes Gefäß, das am Boden etwas Wasser 
enthielt. Leider entwischte das Tier in der nächsten Nacht, indem es den 
Deckel des Behälters abhob, ein Kunststück, das ohne Frage viel Kraft und 
Geschicklichkeit erforderte. Glücklicherweise konnte aber bald darauf ein zweites, 
wenn auch kleineres Stück dieses Frosches eingetan und konverviert werden. 
Nach G. A. Boulenger, dem wir diese Mitteilungen verdanken, mißt es 10 
Zoll von der Schnauzenspitze bis zum After. Diese Bana goliath Blgr. ist der 
größte bis jetzt bekannte Frosch, da B, guppyi Blgr. von den Salomonsinseln 
als zweitgrößter nur 8 1 /» Zoll lang wird und B. catesbiana Shaw, der nord- 
amerikanische Ochsenfrosch, in dem größten bekannten Stücke des U. S. Natio- 
nalmuseums in Washington gar nur 8 Zoll mißt. Unter den Kröten kennt man 



K 



— 15o 

auch zwei Biesen, den malayischen Bufo asper Gray, und den südamerikanischen 
Bufo marinus L., die beide gleichfalls 8 1 /' Zoll Körperlänge erreichen. 

Ein Exemplar des großen westafrikanischen Baumfrosches Hylambates 
rufus Reich., das Robertson lebend hielt, legte eine Anzahl Eier, die durch ihre 
Größe auffällig waren. Sie maßen 5—6 mm im Durchmesser, während die 
Mutter nur die Größe eines ausgewachsenen Grasfrosches besaß. Einige von 
diesen Eiern wurden, um ihre Entwicklung zu studieren, ins Wasser gelegt, 
aber sie starben darin ab. Die Größe ihres Dotters rechtfertigt wohl den Schluß, 
daß die Larven dieser Frösche einen beträchtlichen Teil ihrer Verwandlung inner- 
halb des Eies vollenden. Leider wissen wir über diese Vorgänge bei Hylambates 
noch gar nichts. Als Boulenger Übrigens letzthin den Rachen eines weiblichen 
Hylambates breviceps aus Kamerun öffnete, der ebenfalls zu Bates' Sendung ge- 
hörte, war er erstaunt, darin mehrere große gelbe Eier anzutreffen, die 4 mm 
Durchmesser hatten und mit Ausnahme der geringeren Größe sehr ähnlich denen 
von H. rufus waren. Das Austragen der Eier im Maule des Weibchens ist 
eine ganz neue Form der Brutpflege bei den Batracbiern, die sich der des 
chilenischen Ehinoderma darwini D. B. anschliesst. Bei dieser Art trägt aber 
das Männchen die Eier in . einem sehr entwickelten Kehlsack, der als umge- 
wandelter Schallsack angesehen werden darf und der sich über den größten 
Teil von Brust und Bauch erstreckt. In ihm vollzieht sich die ganze Verwand- 
lung, und das junge Frosch chen verläßt vollständig entwickelt als solches Brut- 
tasche und Maul des Vaters. Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Reise nach 
Südkaroerun einem Zoologen, der im Beobachten der Lebensweise von Fröschen 
geübt ist, sehr wertvolle Entdeckungen verspricht. Aus der anatomischen Unter- 
suchung der Eierstöcke und der Eier von Spiritusexemplaren weiß man, daß 
verschiedene Arten der Froschgattungen Trichobatrachus, Gampsosteonyx, Bappia> 
Hylambates, Petropedetes } Cardioglossa, Arthroleptis und Dimorphognathus außer- 
ordentlich große Eier besitzen. Bei der letztgenannten Gattung sagt uns nun 
Boulenger voraus, daß das Männchen in irgend einer noch zu entdeckenden 
Weise über die Eier Wache halten müsse. Die Prophezeihung gründet sich 
auf die Beobachtung, daß das Männchen von Dimorphognathus eine ganz ge- 
waltige Zahnreihe im Unterkiefer aufzuweisen hat. Wozu mag wohl eine solche 
Bezahnung, die dem Weibchen fehlt, dienen, wenn nicht zur Verteidigung seiner 
Nachkommenschaft? Vor vielen Jahren schon schlug Boulenger den Namen 
Autodax (deutsch etwa »Nußknacker«) für eine nordamerikanische Salamander- 
gattung vor, die wegen ihres außerordentlich kräftigen Gebisses bemerkenswert 
war. Damals war noch nichts über deren Lebensweise bekannt, aber es ist seit- 
dem nachgewiesen worden, daß Autodax seine Eier in Baumhöhlen legt, und 
daß beide Eltern in der Höhle bleiben und über den Eiern und Jungen Wache 
halten, stets gewärtig auf jeden Störenfried loszubeißen. Bei allen Gattungen 
der Raniden fehlen Zähne im Unterkiefer mit alleiniger Ausnähme von Cerato* 
batrachus und Dimorphognathus, Die letztgenannte Gattung ist zugleich aber 
auch das erste Beispiel vom Auftreten von Zähnen als einem sekundären Ge- 
schlechtsunterschied bei einem Froschlurche. Es hat dieses Vorkommen von 
Zähnen im Unterkiefer des Männchens sicherlich eine physiologische Bedeutung, 
und wir dürfen hoffen, daß, da dieser Frosch in Kamerun und Gabun nicht 
selten zu sein scheint, die Beobachtung der Lebensweise bald entscheiden wird, 
ob die hier ausgesprochene Vermutung zutrifft. 



— 156 — 

Ein zweites Beispiel von Geschlechtsdimorphismus, das Boulenger jüngst 
bei einigen westafrikanischen Fröschen der Gattung Ärthroleptis feststellen 
konnte, ist der Nachweis, daß die Männchen einen außerordentlich verlängerten 
dritten Finger zeigen, der oft doppelt so lang ist wie beim Weibchen. Diese 
sonderbare Ausrüstung mag nach diesem Autor vielleicht mit der »Handhabung« 
der Eier in irgend einem ursächlichen Zusammenhang stehen. 

(Nach »The Field, the Country Gentlemans Newspaper, ed. by H. Cox. 
London 1906. Vol. 107, No. 2780, p. 560«). Bttgr. 



Literatur« 



Hillgers illustr. Volksbücher No. 35: 0. Motze, Bienenleben und 
Bienenzucht. 12°. 104 pag., 35 Fig. Berlin-Leipzig, Verlag v. Herrn. Hillger, 
1905. — Preis M. —.30. 
Das kleine Büchlein, aus dem man rechf viel lernen kann, verficht die 
sogen, organische Auffassung des Bienenstaats, die sich im Widerspruch mit 
der Lehre Dzierzons befindet, der jede Einzelbiene als Organismus, den Bien 
als Ganzes aber als ein Gemenge auffaßt; es gründet sich also auf das »Ein- 
weseD system« Mehrin gs und auf die neueren Forschungen Gerstungs. Eingehend 
wird auch der Dickeischen Lehre gedacht, der entgegen der Hypothese Dzierzons 
behauptet, die befruchtete Königin lege überhaupt nur befruchtete Eier ab, und 
die geschlechtliche Entwicklungsrichtung dieser Eier werde durch von den 
Arbeitern abgeschiedene Drüsenabsonderungen bestimmt. Auch hält der Ver- 
fasser die Behauptung Dickeis für richtig, daß die von unbefruchteten Königinnen 
und Drohnenmütterchen abstammenden Drohnen keine echten Männchen, son- 
dem nur sogen. »Scheinmännchen« seien. Überall wägt Metze, der sich als 
ein auch in der neueren Literatur sehr belesener und überhaupt als ein ver- 
ständiger, nicht von Lieblingsideen beeinflußter Mann entpuppt, das Für und 
Wider gegen einander ab, und, wenn er, was ich nicht beurteilen kann, in den 
praktischen Fragen . der Bienenzucht (p. 69—103) ebenso beschlagen ist wie in 
den theoretischen (p. 1 — 69), so dürfen wir die vorliegende Arbeit getrost als 
eine der besten und sicher als die vielseitigste und billigste der neueren popu- 
lären Literatur über die Bienen bezeichnen. Die Abbildungen genügen. 

Bttgr. 

Nordiska Museet (Skansens Zoologiska Afdelning): Alarik Behm, Kort 
Vägledning för Besökande. Stockholm, Nord. Mus. Förlag, 1905. 8°. 86 pag., 
31 Fig., Taf. und Plan des Gartens. — Preis 50 Öre. 
Gern machen wir auf diesen neuen Führer zu Skansens Zoologischem 
Garten in Stockholm aufmerksam, der namentlich auch einige der beachtens- 
wertesten Bauten und Tiergruppen in gefälligen Abbildungen bringt. So finden 
wir darin Abbildungen einer Schlittenfahrt mit Eskimohunden, Lappenhunde 
(Canis familiaris lapponicus), Damhirschrudel, Rentierfelsen, Schwanenteich im 
Winter, Becken mit Grauem Seehund (Halichoerus grypus), Eisfüchse (Canis 
lagopus), Stelzvogelvoliere, Käfig mit Polarwölfen (Canis albus), Elchgruppe und 
Rinder- und Ziegengehege, sowie von Einzeldarstellungen Anser leucopsis, albi- 
frons und hyperboreus, Cygnm bevricki, Luchs erwachsen und ein Monat alt, 



- 157 — 

Birkhahn, Wolf, ein Paar Vielfraße, zwei ein Monat alte Eishären, Braunhär, 
Elstern* Auerhahn, Yaks, Bothirsch, Rehe, Kraniche, Schwarzstorch, Silber- 
möwe und Pelikan. Der Besitz zahlreicher kostbarer nordischer Tiere, die 
andere Gärten Dicht haben und nicht haben können, reizt ganz besonders zum 
Besuche. Bttgr. 

Dr. W. Wolterstorff, Zwergformen der paläarktischen Urodelen. — Sep.- 
Abdr. a. Compt. rend. 6. Congres Intern, de Zoologie Berne 1904. 8°. 6 pag. 
Im Süden ihres Verbreitungsgebietes bilden sich bei den europäischen 
Schwanzlurchen hie und da konstante Zwergformen aus. Eine solche von 
Mölge palmata kennt der Verfasser aus Porto (Männchen von 55, Weibchen 
von 60 — 70 mm Länge) und nennt sie f. sequärai. Auch von M. marmorata 
beschreibt er eine Kümmerform aus Cadix und Algeciras (Männchen von 
88—105, Weibchen von 105 mm Länge) und nennt sie f. pygmaea. Molge italica 
Per. ist der kleinste europäische Molch (Männchen von 54—65, Weibchen von 
55—74 mm Länge), der bei Lecce im männlichen Geschlechte sogar nur 46, im 
Weibchen 50 mm Gesamtlänge erreicht. Eine ganz eigenartige Zwergform, die 
bereits Anspruch auf den Rang einer Unterart hat, ist die f. excubitor von 
M. vittata (Männchen von 85 mm Länge) aus dem Antilibanon. Endlich hält 
der Autor auch M. hagenmulleri in gewissem Sinne für eine Zwergrasse von 
M. poireti. Die Ursache all dieser Kümmerformen findet er in hoher Jahres- 
temperatur, Wassermangel, Futtermangel oder Degeneration infolge von Isolierung 
in den Grenzgebieten, resp. im Zusammenwirken aller dieser Faktoren. Man 
muß sich aber hüten zu glauben, daß nun alle Molche nach Süden hin an 
Größe abnehmen müßten. Bttgr. 



Cherry und RichardKearton, Tierleben in freier Natur. Photographische 
Aufnahmen freilebender Tiere, Text von Richard Kearton. Übersetzt von 
Hugo Müller. Mit 200 Abbildungen nach der Natur. Halle a. S., 1905. 
Verlag von Wilhelm Knapp. 8°. 318 pag. — Preis M. 10.—, geb. M. 11.50. 

In gediegener Ausstattung liegt jetzt eine gute deutsche Übersetzung dieses 
mit Recht geschätzten englischen Werkes vor. Es ist ein wirklich erfreuliches, 
inhaltsreiches Buch, das in seinen fast durchgängig wohlgelungenen, oft sogar 
vorzüglichen Aufnahmen freilebender Tiere Großbritanniens wertvolle „Natur- 
Urkunden" enthält, in ähnlicher Weise, allerdings in viel bescheidenerem Um- 
fange, wie Schillings 1 treffliches Werk über die deutsch-ostafrikanische Tierwelt. 
Zwar fallen im zivilisierten Europa viele der Gefahren und Schwierigkeiten weg, 
die der mutige Forscher in den Tropen zu überwinden hatte ; aber bei der scheuen 
und versteckten Lebensweise so vieler unserer europäischen Tiere ist auch die 
Leistung der Brüder Kearton hoch anzuerkennen. Es sind zwei begeisterte 
Freunde der Natur, und der Tierwelt insbesondere, die sich die Aufgabe gestellt 
haben, die Fauna ihrer Heimat an Ort und Stelle zu beobachten und das Ge- 
sehene auf der photographischen Platte festzuhalten. Sie belauschen die Vögel 
des Waldes, der Fluren und des Strandes beim Brüten und beim Füttern der 
Jungen, ertappen das Wiesel, wie es ein junges Kaninchen mordet, und fixieren 
die ihr Netz webende Spinne und die Totengräberkäfer, die eine Ratte beerdigen. 
Um gewisse Tiere aus möglichster Nähe, ohne sie zu stören, beobachten und 



— 158 — 

pbotographieren zu können, bedienten sich die Brüder mancher List und sinn- 
reicher Vorbereitung. So steckten sie z. B. öfters ihren Apparat in ein ausge- 
stopftes Schaf oder sich selbst mit dem Apparat in einen montierten Ochsen, 
benutzten Holzmasken und bauten sich künstliche Felsen oder Steinhütten als 
Verstecke. Der in zwanglosem Plauderton geschriebene Text zeigt, mit wie 
großer Schaffensfreude und Ausdauer die Verfasser ihre Ziele zu verfolgen suchten, 
und enthält recht hübsche Mitteilungen und Schilderungen aus dem Freileben 
britischer Vögel und Eleintiere. Unter den Abbildungen sind namentlich die 
zahlreichen ganzseitigen sehr zu loben; ganz besonders schön müssen die Bilder 
nistender Vögel genannt werden, z. B. die prächtigen Aufnahmen von Heuschrecken- 
und Schilfsänger, Zitronenstelze, Bartmeise, Merlinfalke, verschiedene Rallen-, 
Schnepfen- und Regenpfeiferarten, Tölpel, Eüstenseeschwalbe, Moorhuhn, Steiß- 
fuß u. a., sowie auch einige Porträts von Dunenjungen. Allen Freunden der 
Natur wird das Werk Vergnügen bereiten. P. C. 



H. Meerwarth, Photographische Naturstudien. Eine Anleitung für Amateure 
und Naturfreunde. Verlag v. J. F. Schreiber, Eßlingen u. München. 8°. 148 pag. 

Die prächtigen Leistungen eines Anschütz, Heck, Schillings, Ghun 
und Kearto n lassen ahnen, welch' wichtige Rolle die Photographie lebender Tiere 
bei der Illustrierung wissenschaftlicher Werke noch zu spielen berufen ist. Das 
leuchtende Beispiel der Genannten, sowie die fortwährende Verbesserung der 
photographischen Apparate tragen dazu bei, daß die Anfertigung photographischer 
Tierbilder und ihre Benutzung in der Literatur immer mehr an Ausdehnung ge- 
winnt. Der hohe Wert wirklich genauer Aufnahmen lebender — nicht ausge- 
stopfter! — Tiere, womöglich in charakteristischer Stellung oder Tätigkeit, liegt 
ja auf der Hand ; sie werden vielfach, wenn auch nicht in allen Fällen, als Er- 
satz oder zur Ergänzung der Zeichnungen dienen, die bei aller künstlerischen 
Schönheit doch nie ganz objektiv exakt sein können. Zahlreiche Naturfreunde, 
Fachleute sowohl wie eifrige Dilettanten, versuchen sich jetzt mit mehr oder 
weniger Erfolg in der durchaus nicht so einfachen Kunst des Photographier ens, 
um für ihre Werke oder zu Privatzwecken naturtreue und dabei womöglich auch 
schöne Bilder zu erzielen. Viele von ihnen werden das Meer war th'scbe Büchlein 
als brauchbaren Ratgeber willkommen heißen. In seiner Anlage lehnt es sich 
an das amerikanische Werkchen von A. Radclyffe Dugmore »Camera and 
Countryside«, dem auch etwa die Hälfte der Abbildungen entstammen ; doch sind 
die meisten Abschnitte viel weiter ausgearbeitet. Es wird zunächst die photo- 
graphische Ausrüstung und Technik besprochen und sodann sachgemäße An- 
leitung zur Aufnahme lebender Pflanzen und Tiere gegeben. Den Tieren ist 
natürlich der größte Teil des Buches gewidmet. In fün f Kapiteln werden der 
Reihe nach die Insekten, Fische und andere Wassertiere, Kriechtiere und Lurche, 
Vögel' und Säugetiere behandelt. Den brütenden Vögeln wird besondere Be- 
rücksichtigung zu teil, und bei den Säugern werden Haustiere, gefangen gehaltene 
und frei lebende Tiere, getrennt betrachtet. Für jeden dieser Fällt wird die 
nötige, resp. empfehlenswerteste Ausrüstung angegeben und die besonderen 
Schwierigkeiten und Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Angenehm berührt 
die Lust und Liebe zur Sache, die aus dem Buche spricht, und die sich auch 
z. B. aus der warmen Fürsprache für die oft verkannten Kriechtiere und Lurche 



— 159 — 

erkennen läßt. Außer kleineren Textbildern sind dem Buche noch eine Reihe 
von Tafeln mit 66 photographischen Abbildungen beigegeben, von denen bei 
weitem die meisten volle Anerkennung verdienen. Bei einigen amerikanischen 
Tieren ist es schade, daß die wissenschaftlichen Namen nicht beigefügt worden 
sind, denn nachträglich lassen sich diese manchmal nur schwer genau feststellen, 
namentlich da oft auch die deutschen Bezeichnungen nur ganz allgemein ge- 
halten sind. P. C. 



F. Helm, Ornithologische Beobachtungen. 2 Sep.-Abdr. a. Journ. für Ornitho- 
logie, Heft Juli 1904 u. Heft Oktober 1905. 8°. 21 und 38 pag. 

Der größte Teil der hier mitgeteilten Tatsachen wurde im Laufe der 
letzten zehn Jahre im Königr. Sachsen beobachtet. Die Notizen betreffen von 
weniger bekannten Vögeln den Lerchenfalken, der an den Frohburger Teichen 
gegen früher zugenommen hat, den Botfußfalken (Cerchneis vespertinus L.), 
den Blaufuß (Pandion haliaetus L.), der auf dem Zuge regelmäßig eintrifft, 
die Steppenweihe (Circus macrurus GmeL), die Uferschwalbe, sowie Kuhstelze, 
Wiesenpieper, Rohrammer, Goldregenpfeifer, Kiebitz und Reiher und hübsche 
biologische Beobachtungen an Bläßhuhn und Bekassine. In der zweiten Arbeit 
beschäftigt sich der Verfasser namentlich mit Sandregenpfeifer (nur zuweilen 
vorkommend), Großem Brachvogel (nicht ungewöhnlich), Rotschenkel, Hellem 
Wasserläufer (mäßig seltner Frühjahrsgast), Dunklem Wasserläufer (ebenso), 
von dem auch ausführliches über sein Betragen mitgeteilt wird, Flußuferläufer, 
Kampfläufer, Alpen- und Bogenschnäbligem Strandläufer (häufig!), Tringa Um- 
mincki Leisl. und Zwergstrandläufer, sowie mit noch mehreren anderen Wat- 
vögeln und namentlich ausführlich mit nicht weniger als neun Arten von Enten. 
Was Helm im Laufe weniger Jahre an diesen z. T. seltenen Formen beobachtet 
hat, ist bemerkenswert, und man wird nicht bloß erstaunt sein über den Reich- 
tum an Arten und Individuen des Frohburger und einiger anderer sächsischer 
Teiche, sondern auch den Hut abziehen müssen vor dem scharfen Auge und 
der Unermüdlichkeit des wetterfesten Beobachters. Für Vogelfreunde ist die 
Arbeit von nicht geringem Interesse. Bttgr. 

Hofr. Prof. Dr. K. Th. Liebe, Futterplätze für Vögel im Winter. 14. Aufl. 
Vollst, neu bearb. v. 0. Kleinschmidt. Leipzig 1905. 8°. 18 pag., 12 Fig. 
Wer sich selbst eine rechte Weihnachtsfreude bereiten und dabei noch 
anderen Freude machen und der Allgemeinheit einen wahren und vielleicht 
sogar nachhaltigen Nutzen stiften will, der kaufe für 5 Mark bei Theodor Hof- 
manns Verlag in Leipzig, Poststr. 3, 100 Stück dieser vortrefflichen Anleitung 
zur Anlage von Vogelfutterplätzen, verteile eine Anzahl an die Kinder der sein Haus 
umgebenden Nachbarn und gebe die anderen zur Verteilung an fleißige Schüler 
einer benachbarten Schule. Der eine oder andere der auf ihren »Preis« stolzen 
Jungen wird schon dafür sorgen, daß etwas geschieht, und die Abnahme unserer 
Singvögel wird wenigstem* nicht mehr so reißend schnell in die Erscheinung 
treten wie wir es hier um Frankfurt a. M. in den letzten 50 Jahren leider er- 
leben mußten. Über Wert und Bedeutung der kleinen Schrift sei nur beiläufig 
bemerkt, daß bis jetzt 120000 Exemplare davon abgesetzt worden sind. 

Bttgr. 



— 160 — 

W. Köhler, Über Laichgeschäft und Geschlecbtsunter schiede bei Ampüllaria 
gigas Spix. — Sep.-Abdr. a. Blätter f. Aqu.- u. Terr.-Kunde 1905, No. 44—45, 
Gr. 4°. 3 pag., Taf. 

Köhler hat 5 von 8 jungen Ampullarien mit gemischter Kost soweit aufge- 
zogen, daß sie ihm vom 21. Juni bis zum 19. August zahlreiche rosenrote Laichpolster 
ablegten. Die Eiablage wurde direkt beobachtet und gestaltete sich sehr interessant. 
Das Ausschlupfen der Jungen erfolgte nach 20—22 Tagen. Daß die Tiere ibre 
eigenen Eier gelegentlich auffraßen, kann Verf. bestätigen. Als wichtigsten Ge- 
schlechtsunterschied erkannte er die Färbung der Kopfunterseite mit der Mund- 
partie, die beim Männchen hell, gelblichweiß, beim Weibchen dunkel, grau bis 
graubraun erscheint. Bttgr. 



Eingegangene Beiträge. 

£. D. in L. Einen Aufsatz und 2 Farbentafeln und Or. V. H. in B. Einen Aufsatz 
und 2 Mitteilungen mit bestem Dank ernalten. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion E. 

Beck-Corrodi in Hirzel. Zürich, Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 20. 
Field, The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horace Cox in London. 

Vol. 107, 1906, No. 2786. 
Zwinger und Feld. Illustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. v. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. 8autter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 19-20. 
Mitteilungen über die Vogel weit. Organ des österr. Reichsbundes f. Vogelkunde u. 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. £. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. 

No. 10. 
Cor respondenzblatt für Fischzüchter, Teiohwirte u. Seenbesitzer. Herausg. 

t. P. Vogel. Bautzen, Verlag v. £. Hübner, 1906. 13. Jahrg. No. 10. 
Aus der Natur. Zeitschrift f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. W. Schoenichen 

Leipzig, Verlag ▼. E. Nägele, 1906. Jahrg. 2, Heft 1. 
Bibliothek für Sport u. Naturliebhaberei. Bd. 9: E. Detmers, Die Pflege, Zähmung, 

Abriohtung u. Fortpflanzung der Raubvögel in der Gefangenschaft. Bin Lehrbuch f. 

Fachleute u. Laien. Berlin, Verlag v. Fr. Pfenningstorff, 1906. 8°. 94 pag., 11 Fig. — 

Preis M. 1.- 
Jahresberioht 1905 des Zoolog. Gartens in Basel. Basel, Druokereij v. E. Birk- 

häuser, 1906. 4°. 8 pag. 
National Association of Audubon Sooieties: A School Audubon Bird Olub how to 

organize by G. H. Trafton. Adv. Chapter. 6 pag., 5 Fig., 2 Taf. New York, Nat. Ass. 

of Audubon 800., 1906. 8°. 
Dr. W. Wo Her stör ff, Beiträge zur Kenntnis des Triton vittatus Gray. - Sep.-Abdr. a. 

Wochenschrift f. Aquar.- u. Terr.-Kunde 1906 No. 14, 16 u. 17. Braunschweig, Verlag v. 

A. W. Zlokfeldt, 19o6. 4°. 6 pag., Fig. 
Dr. M. Kreyenberg. Alligator sinensis Fauv. — Sep.-Abdr. a. Montagsblatt, Wiss. Wochen- 
beilage der Magdeburg. Zeitung. Organ für Heimatkunde. 1906. No. 19. 4°. 1 pag. 
Bericht über die Generalversammlung u. die Bilanz f. 19U5 des Zoologischen 

Gartens zu Co In, in Konzert-Zeitung des Zool. Gartens CÖln v. 22. Mai 1906. 4°. 

4 und 1 pag. 
H. Scherren, On old pictures of Anthropoid Apes. — Sep.-Abdr. a. Proc. Zool. Soc. London 

1905 Vol. II. 8°. 6 pag., 2 Fig. (1906). 
Dir. Dr. Heinr. Bolau, Wissensoh. Beobachtungen an Robben, Sirenen u. Waltieren. 

Fang lebender Säugetiere. — Sep.-Abdr. a. Prof. Dr. G. v. Neumayers „Anleitung zu 

wiss. Beobachtungen auf Reisen 14 III. Autt., Hannover, Verlag v. Dr. M. Jan ecke, 1906. 

8°. 12 pag. 
Wochenschrift für Aquar.- u. Terrarienkunde. Herausg. v. Dr. W. W oi tera- 
to rf f. Braunsohweig, Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. Jahrg. 3, No. 21. 
Dr. Wilh. Haacke, Die Gesetze der Rassen Mischung und die Konstitution des Keimpias - 

mas. — Sep.-Abdr. a. Roux' Aren. f. Entwicklungsmeohanik der Organismen, Bd. 21, 

Heft 1. Leipzig, Verlag v. W. Engelmann, 1906. 8°. 93 pag. 



Zusendungen werden direkt an die Verlagshandlung erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reinhold Mahl au. Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a.M. 



Zoologischer Beobachter 

— *e- Der Zoologische Garten. *&t — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologisehen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldsohmidt. 



N # - 6. XLVIL Jahrgang. Juni 1906. 

Inhalt. 

Die Säueretiere, Ästhetisch betrachtet; von Prof. Dr. K. Möbius, Geh. Reg .-Rat in 
Berlin. Deutsche — insbesondere hessische — Tiernamen. (Ein Beitrag zur Würdigung" 
des Natunrerständnisseg unseres deutschen Volkes); von Wilhelm Schuster, Ehren- u. 
aus. korr. Mitgl. ornith. u. a. Vereine. — Weitere Mitteilungen über die 8chwarzamsel 
(Turdus merula); rön Dr. Victor Hornung in Bielefeld. — Kleinere Mitteilungen. — 
Literatur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. 



\ 



Die Säugetiere, ästhetisch betrachtet. 

Von Prof. Dr. K. Möbius, Geh. Reg.-Rat in Berlin. 



Die Zahl der beschriebenen Säugetierarten beträgt über 6000. 
Sie leben in allen Zonen der Erde, treten in sehr von einander ab- 
weichenden Formen und Großen als Land-, Wasser- und Flug- 
tiere auf und bieten daher auch sehr verschiedene ästhetische Ein- 
drücke dar. 

Finden wir ein Säugetier schön oder häßlich, so vergleichen wir 
es mit der Vorstellung einer idealen Säugetierform, die wir uns aus 
Wahrnehmungen anderer Säugetiere unwillkürlich gebildet haben. 
Solche sind vorzugsweise die als Haustiere gehaltenen Arten, in 
Mitteleuropa also das Pferd, der Hund, das Rind, das Schaf, die 
Ziege, das Schwein und die Katze, zu welchen in Südeuropa der 
Esel, in Nordafrika das Kamel hinzukommen. Dem deutschen Jäger 
werden auch der Hirsch, das Reh und andere oft beobachtete wilde 
Saugetiere Grundlagen für seine ästhetischen Urteile liefern, dem 
Lappländer und * Samojeden das Rentier, dem Peruaner das Lama. 

Die Mustertiere zeigen uns durch die Form nnd Haltung ihres 
Körpers, während sie stehen, laufen oder springen, daß sie mit 
eigener Kraft dem Niederzuge der Schwere Widerstand leisten. Aus 

Zoolog« Beobacht. Jahrg. XLVH. 1906. 11 



— 162 — 

der Haltung des Kopfes, dem Blicke der Augen, der Stellung der 
Ohren schließen wir auf ihre Empfindungen und ihren Willen. Wir 
schreiben ihnen also seelisches Leben zu, unserm eignen ähnlich. 
Erst aus solchen Gedanken entspringen unsere ästhetischen Urteile, 
.also aus einem vielfach zusammengesetzten Bewußtseinszustande, der bei 
dem Anblickeines Tieres ohne absichtliches Nachdenken in uns eintritt. 

Besonders an Pferden, die sich in verschiedenen Rasseformen 
und Altersstufen häufig an uns vorüberbewegen, werden wir früh 
bekannt mit den Hauptteilen und den Bewegungsweisen der Land- 
säugetiere. Dem Rumpfe sind nach vorn der Hals und Kopf, nach 
hinten der Schwanz, nach unten die Beine angegliedert. Die Beine 
entspringen so weit voneinander , daß sie die Last der ganzen 
Körpermasse sicher unterstützen und zweckmäßig fortbewegen. Sie 
sind schlank und ungefähr ebensolang wie der Rumpf zwischen den 
Vorderbeinen und Hinterbeinen. 

Die Beine der Säugetiere sind oben am Rumpfe dicker als 
unten, nicht wie Säulen in Bauwerken unten dicker als oben. Säulen 
haben eine rahig liegende Last zu tragen, sie nicht fortzubewegen. 
Beine sind an dem Rumpfe hängende Glieder. Das ist der erste 
und wichtigste ästhetische Eindruck, den sie machen. Dann erst er- 
scheinen sie als Träger und Beweger der belebten Masse, von der 
ans ihre Bewegungen bestimmt werden. 

Daß die Maßverhältnisse normal gestalteter Pferde der ästhe- 
tischen Beurteilung anderer Säugetiere zu Grunde liegen, tritt hervor, 
wenn solche großen Säugetiere, deren Gestalt von der des Pferdes 
auffallend abweicht, ästhetisch beurteilt werden, z. B. eine Giraffe. 
Diese finden die meisten Menschen häßlich. Fragt man sie warum, 
so können sie entweder gar keinen Grund für ein solches ästhetisches 
urteil angeben, oder sie finden erst nach einiger Überlegung den 
Hals der Giraffe zu lang, den Rumpf zu kurz, die Beine zu hoch. 
Sie vergleichen also diese Teile der Giraffe mit den entsprechenden 
Teilen des in ihrer Erinnerung auftauchenden Musterbildes eines 
schönen Säugetiers, das sie sich selbst gebildet haben. 

Das zuerst ausgesprochene ästhetische Urteil über ein wahrge- 
nommenes Tier entspringt also ohne jedes Nachdenken ans dem Ein- 
druck, den dieses als Ganzes in dem Beschauer hervorruft, und 
dieser findet erst nachher, wenn er nach dem Grun'de seines Urteils 
gefragt wird oder von selbst darnach sucht, welche Eigenschaften 
seinem Idealbilde entsprechen und deshalb ihm gefallen oder dem 
Idealbilde widersprechen und deswegen ihm mißfallen. 



-T, *v x *" 



— 163 — 

Die häßlich gefundenen Tierarten sind für ihre Lebenstätigkeiten 
ebenso vollkommen organisiert, wie die schönen Arten, mit denen 
man sie vergleicht, für die ihrigen. Die Gestalt und Farbe der 
Giraffe ist den Steppen des tropischen Afrika erhaltungsmäßig an- 
gepaßt. Mit den langen Beinen schreitet sie leicht durch das hohe 
Steppengras, und mit ihrem hochragenden Kopfe erreicht sie bequem 
die Blätter der Akazienbäume, ihre beste und liebste Nahrung. Das 
weitsehende Auge und die gefleckte Hautfärbung schützt sie vor 
Feinden. 

Eine für alle ihre Lebenstätigkeiten zweckmäßige Organi- 
sation der Tiere genügt also nicht, sie uns schön erscheinen zu 
lassen. Wenn sie genügte, müßten alle Tierarten ihren Kennern 
in gleichem Grade gefallen, was doch nicht der Fall ist. Man frage 
nur Kenner der Säugetiere, der Vögel, der Insekten und anderer 
Tierklassen, ob sie alle verschiedenen Formen einer ihnen genau be- 
kannten Gruppe gleich schön finden. Sie werden mit Nein ant- 
worten und innerhalb einer und derselben systematischen Abteilung 
schöne und nicht schöne Arten bezeichnen können. 

Ästhetische Urteile über Tiere stützen sich also nicht auf Kennt- 
nisse der physiologischen Ursachen ihrer Formen, Farben und Be- 
wegungen, sondern auf die Eindrücke, die deren äußerlich wahr- 
nehmbare Eigenschaften als Teile eines gesetzmäßigen Ganzen 
auf den Beschauer machen. Je harmonischer alle. Teile zur Bildung 
dieser Einheit zusammenwirken, desto schöner erscheint das be- 
trachtete Tier. 

Auf diese Bemerkungen über die allgemeinen Grundlagen unserer 
ästhetischen Beurteilung der Säugetiere lasse ich nun die Betrach- 
tung der verschiedenen Ordnungen folgen. Diese reihe ich aber nicht 
anatomischen und phylogenetischen Theorien gemäß aneinander, wie 
es in systematischen Schriften geschieht, sondern ich stelle sie so 
zusammen, wie es mir für die Erläuterung ihrer ästhetischen Eigen- 
schaften zweckmäßig erscheint, und betrachte zuerst die Einhufer. 

Die schönste Form der Einhufer ist das Pferd, Equus caballus. 
Ein Pferd, das ohne sichtliche Anstrengung mit einem Reiter an uns 
vorbeijagt oder einen Wagen fortzieht, erscheint uns als fühlender 
Überwinder der Schwere des eigenen Körpers und der Lasten, die 
es mit sich fortbewegt. Junge Pferde mit abgerundeter, glänzender 
Haut- und Haardecke, mit erhobenem Halse und feurigen Augen, 
die jene Bewegungen mit spielender Leichtigkeit ausführen, gefallen 
uns mehr als langsame, alte, mattäugige Pferde, deren Knochen unter 



— 164 — 

der eingefallenen Haut zu erkennen sind und deren Hals, Kopf und 
Bauch wie schwere Lasten niederhängen. Wir entnehmen also die 
Eigenschaften des schönen Pferdes solchen Individuen, deren Gestalt 
und Bewegungen innere Kraftfülle und Wohlgefuhl kundgeben. 

An dem befriedigenden Eindrucke, den eine Pferdegestalt auf 
uns macht, sind auch die Größenverhältnisse der verschiedenen Teile 
des Körpers in hohem Grade beteiligt. Der Hals ist ungefähr so 
lang wie der Rücken. Ebenso lang sind auch die aus dem Rumpfe 
heraustretenden Teile der Beine und der zwischen den Vorder- und 
Hinterbeinen freiliegende Bauch. Zu diesen Längen verhält sich die 
geringere Länge des Pferdekopfes ungefähr wie 3 zu 5, also unge- 
fähr ebenso wie sich die beiden durch den sogenannten Goldnen 
Schnitt stetig geteilten Abschnitte einer geraden Linie zu einander 
verhalten und wie sich der größere Abschnitt zur ganzen Linie 
verhält. 

In dieser Ähnlichkeit der bloßen Längenverhältuisse verschie- 
dener Körperteile des Pferdes mit der linealen Proportion des 
Goldnen Schnittes glaubten manche Hippologen den tiefsten Grund 
der Schönheit der Pferdegestalt gefanden zu haben, indem sie sich 
der Meinung Zeisings anschlössen, daß die Proportionalität des 
Goldnen Schnittes eines der wichtigsten Schönheitsgesetze sei, welches, 
wie er sagt, »den Maßstab für fast alle ästhetischen Urteile abgibt 
und eine dunkle Autorität ist, der sich niemand entziehen kannc. 1 ) 
Auf dunkle, mystische Autoritäten darf sich aber keine Wissenschaft 
berufen, auch die Ästhetik nicht, die es freilich mit sehr zusammen- 
gesetzten äußeren Erscheinungen und inneren psychologischen Vor- 
gängen zu tun hat. Ästhetischen Wert haben nur solche Größeu- 
verhältnisse, die auf den ersten Blick erkennbar sind, nicht solche, 
die erst durch Ausmessungen und mathematische Untersuchungen zu 
finden sind. Ein großer Körperteil muß den Blick stärker fesseln 
als die kleineren, mit ihm vereinigten Teile. 

Hervorragenden Anteil an dem ästhetischen Eindrucke eines 
Pferdes hat auch die Form der Grenzflächen und Grenzlinien seiner 
Körperteile. Gesetzmäßig fortlaufende Biegungen gefallen, weil sie 
den Erwartungen des Beschauers entsprechen; eckige Vorsprünge 
der Hüftbeine, der Schulterblätter mißfallen, weil sie den gesetz- 
mäßigen Fortgang der Begrenzung stören. 



l ) A. Zeising, Ästhetische Forschungen. Frankfurt a. M. 1855, § 166 

S. 178. 



— 165 — 

Wenn die Längenverhältnisse des Goldnen Schnittes der wirk- 
liche Grund der Schönheit der Pferdegestalt wären, dann müßten 
uns alte, matte und abgemagerte Pferde arabischer, englischer, olden- 
burgischer und ostpreußischer Rasse ebenso wie schone, junge ge- 
fallen, denn die Längenverhältnisse ihres Skelettes sind im Alter 
nicht anders geworden. 

Die Beine der Pferde und der andern Einhufer sind zierlich im 
Verhältnis zu der Last, die sie tragen und fortbewegen. Ihre End- 
glieder, die Hufe, sind gefallig abgerundet, stützen sich auf den 
Boden mit einer kleinen Reibungsfläche und werden daher leicht 
wieder in die Höhe gehoben, indem sich die Finger- und Zehen- 
glieder (die sogenannten Fesseln) wohlgefällig hinterwärts biegen. 

Ein wohlgeformtes Pferd mit vollhaarigem Schweif ist 
schöner als ein ähnlich gebautes Pferd mit abgestutztem Schwänze. 
Die Masse des vollen Schweifes am Hinterende des Rumpfes macht 
sich dem Halse und Kopfe gegenüber mehr geltend als der gekürzte 
kleine Schwanz, der ein zu kleines Gegengewicht der Hals- und 
Eopfmasse bildet und auch deshalb nicht gefällt, weil er nicht 
organischen Gesetzen gemäß abgerundet endet, sondern mit einer 
künstlichen Schnittfläche. 

Einfarbige Pferde sind schöner als unregelmäßig gescheckte. 
Flecke stören den ruhigen Lauf des Blickes über die Körperform 
hin. Symmetrisch verteilte Flecke gefallen als ebenmäßige Wieder- 
holung. 

Rauhe, zottige Behaarung gefällt weniger als glatt anliegendes, 
glänzendes Haar. Der Glanz hebt die Rundung auffallender hervor 
als das längere, lockere, mattfarbige Haar. 

Wer Pferde zum Fahren und Reiten verwendet, wird in seinen 
Urteilen über deren Schönheit nur schwer von deren nutzbaren 
Eigenschaften absehen können. 

Innerhalb des Formenkreises jeder Rasse, die durch planmäßige 
Züchtung für einen bestimmten Benntzungszweck ausgebildet worden 
ist, tritt die Schönheit in sehr verschiedenen Abstufungen auf, in 
jedem Individuum, in welchem der Rassenbegriff verwirklicht ist, 
anders. 

Der Esel, Equus asinus, macht keinen so bedeutenden ästhe- 
tischen Eindruck wie große Pferderassen, weil er kleiner ist als 
diese. Der Kopf und die Ohren sind verhältnismäßig zu groß. 
Der Hals ist kürz und wird niedriger getragen als beim Pferde. Sie 
machen den Eindruck größerer Schwere als Kopf und Hals eines 



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— 166 — 

• 

schönen Pferdes. Der Schwanz hat weniger lange Haare als der 
Pferdeschweif und verrät daher weniger Kraftfalle als dieser. Der 
ganze Vorstellungsinhalt des Esels ist nicht so reich und so be- 
deutend wie der des Pferdes. 

Die gestreiften Einhufer: Equus zebra, Equus burcheUi und 
andere ähnliche Arten, deren fahlgelbe Grundfarbe durch scharf ab- 
gegrenzte schwarze Streifen regelmäßig unterbrochen wird, fesseln 
den Blick als ungewöhnliche Säugetierfärbungen. Ihr Anblick be- 
friedigt unser Schönheitsgefühl aber nicht vollkommen, weil die 
Streifen der Hauptrichtung des Rumpfes und der Beine nicht folgen, 
sondern diese durchqueren, also den der Form des Rumpfes und der 
Beine nachgehenden Blick aufhalten und ihn nötigen, ihre Richtung 
einzuschlagen, wodurch die Erfassung der ästhetischen Einheit der 
Tiergestalt erschwert wird. Der Kopf der Tigerpferde ist massiger, 
ihr Schwanz nicht so stark behaart wie bei dem Pferde. Ihre Form 
im ganzen macht daher einen weniger befriedigenden Eindruck als 
die eines wohlgestalteten Pferdes. 

Mit den Einhufern stehen in naher anatomischer Verwandtschaft 
die Nashörner und Tapire. Sie sind, wie jene, unpaarhufige 
Pflanzenfresser. Die Nashörner haben an allen Füßen drei Zehen, 
die Tapire an den Vorderfüßen vier, an den Hinterfüßen aber auch 
nur drei Zehen. Ästhetisch betrachtet sind sie häßlich. Ihr Rumpf 
macht den Eindruck einer schweren Masse. Die Beine sind dick; 
Kopf und Hals werden wie schwere Lasten wagerecht getragen. Der 
Rumpf des Indischen Nashorns, Bhinoceros indicus, erscheint durch 
dicke Hautfalten über den Vorder- und Hinterbeinen deutlich ge- 
gliedert. Es ist deshalb weniger häßlich als die anderen faltenlosen 
Nashornarten. Die Hörner auf der Nase ziehen als ungewöhnliche 
Kopfzierden den Blick auf sich. 

Die amerikanischen Tapirarten sind einfarbig, der Vorder- 
- kör per des indischen Tapirs ist dunkelhaarig, der Hinterkörper 
auffallend weiß. Deswegen gefällt er mehr als die amerikanischen 
Arten. 

Die Wiederkäuer, Rutninantia, sind ästhetisch viel mannig- 
faltiger gestaltet als die Equiden. Zu ihnen gehören Formen, die 
den Pferden an Größe gleichen, sie übertreffen oder sie nicht er- 
reichen. Viele Arten tragen auffällige Kopfzierden: Geweihe die 
Cerviden, Hörner die Rinder, Schafe, Ziegen, Steinböcke, Antilopen 
und Giraffen. Schön sind Arten, die, wie der Edelhirsch, Cervus 
elaphus, und das Reh, Cervus capreolus y den Hals erhoben tragen. 



— 167 — 

Nicht so schön ist das Rentier, Rangifer tarandus, weil es den Hals 
wie eine schwere Last nach vorn gesenkt hält. Aach der Gang des 
Ben tiers auf großen Hufen ist schwerfälliger als der Gang der klein- 
hufigen Hirsche. 

Die Geweihe lenken den Blick auf den Kopf und auf die 
Augen, aus deren Blicken wir auf Seelenstimmung des Tieres schließen. 
Während ihrer Neubildung tragen die Geweihe eine behaarte Haut, 
die nach Beendigung des Wachsens abgescheuert, gefegt wird. Der 
Richtung der Geweihstangen und den aus diesen entspringenden 
Zweigen (Enden) folgen wir mit unsern Blicken nach, als sähen 
wir sie über die Stirnzapfen, worauf sie stehen, gegen den Zug der 
Schwere emporwachsen. Deswegen gefallen sie uns, und weiter auch 
noch als feste und starke, zum Schutze ihres Trägers bereitstehende 
Waffen. 

Das Elen- oder E 1 c h t i e r , Alces paltnatus, macht einen be- 
deutenden Eindruck durch seine Größe, gefällt aber weniger als der 
Edelhirsch. Für den kürzeren Rumpf erscheinen die Beine zu hoch, 
und der massige, kurze Hals macht den Eindruck einer schweren 
Last, die noch vergrößert wird durch plumpe, über die Seiten des 
Kopfes hinaushängende, schaufeiförmige Geweihe. Die überhängende 
Oberlippe ist auch häßlich. Sie drückt Dummheit aus. In der Elch- 
form ist cervidenartige, kräftige Plumpheit verkörpert. 

Die Moschustiere, Moschidae, machen einen ähnlichen ästhe- 
tischen Eindruck wie weibliche Rehe. Sie haben keine Geweihe. 

Auch die Zwergmoschustiere oderZwerghirsche, Tragulidae, 
sind geweihlos. Diese kleinsten Wiederkäuer ziehen die Aufmerk- 
samkeit durch ihre geringe Größe auf sich. Ihre Bewegungen sehen 
ungeschickt und ängstlich aus, weil die Hinterbeine im Fußgelenk 
sehr stark gebeugt werden und das Schwänzchen fortwährend nach 
rechts und links geschlagen wird. 

Schön sind viele Antilopen- Arten, besonders die kleineren, 
deren geringe Größe sie zierlich und anmutig macht. So die Gazelle, 
Antilope dorcas, deren schlanke, kleinhufige Füße den Körper leicht 
bewegen, als wäre er lastlos, wie auch der aufgerichtet getragene 
Hals und der Kopf mit den regelmäßig gebogenen Hörnern. Das Auge 
ist groß, schwarz und glänzend, der Blick zutraulich. Indem wir dies 
alles in unserer Vorstellung zusammenfassen, wird uns die vor uns 
stehende Gazelle ein sich selbst behaglich genießendes Wesen. Die 
Freude, die wir an dieser anschaulichen Vorstellung haben, ist unser 
ästhetischer Genuß. 



— 168 — 

Die Hörner der meisten Antilopen entspringen hinter den Augen 
nnd strecken sich hinterwärts, fahren also den Blick wie der Hals 
nnd Rumpf von vorn nach hinten hin weiter, was angenehm wahr- 
genommen wird, weil die Richtungen verschiedener Körperteile zu- 
sammenstimmen. 

Diesem Schönheitsgesetz folgt die Biegung der Hörner des 
Riedbockes, Cervicapra hohor, nicht. Sie sind nach vorn gebogen; 
sie fallen als etwas Unerwartetes, Ungewöhnliches auf, aber sie ge- 
fallen nicht. 

Auch die Hörner der Gabelantilope, Antilocapra amerieana, 
sind nicht schön, weil sie ungewöhnlich dicht über den Augen ent- 
springen und durch ihre senkrechte Stellung den Blick von der 
Hauptrichtung des Kopfes, Halses und Rumpfes ablenken. 

Die geringelten Hörner der Säbelantilope, Hippotragus leuc- 
oryXy die schraubenförmig gewundenen Hörner der Schrauben- 
antilope, Addax nasomacülata, der Kuduantilope, Strepsiceros 
strepsiceros, gefallen, weil die aufeinander folgenden Ringe und 
Windungen gesetzliche Wiederholungen sind. 

Die Deckhaare der meisten Säugetiere sind hinterwärts gerichtet. 
Sie werden beim Gehen, Laufen und Schwimmen daher gegen die 
Haut gedrückt und halten dadurch die zwischen ihnen liegende 
körperwarme Luft zurück. Sehr lange Haare pflegen infolge ihres 
Gewich tes 4 niederzuhängen. Diese Richtungen kurzer Haare und langer 
Haare prägen sich uns unwillkürlich ein als gesetzliche Erscheinungen. 
Haare, die entgegengesetzte Richtung haben, gefallen uns daher 
nicht. So die vorwärts gekehrten Mähnenhaare der Schwarzen Anti- 
lope, Hippotragus niger, die struppig aufwärts gerichteten Mähnen 
der Gnu- Arten, Connochaetes gnu und Connochaetes taurinus. Für die 
Größe ihres Rumpfes haben die Gn us einen zu großen Kopf und einen 
zu dicken Hals, besonders Connochaetes taurinus. Wir fühlen dem Gnu 
die Hals- und Kopflast, die es zu tragen hat, als etwas Unange- 
nehmes nach. 

Die Steppen-Antilope, Colias tataricus, macht der unge- 
wöhnlich hohe Nasenrücken häßlich. Wer ihn erblickt, vergleicht 
ihn mit den niedrigen Nasen anderer Antilopen, die ihm gefallen. 
Alle ästhetischen Urteile beruhen auf Vergleichungen angeschauter 
Gegenstände mit ideellen Vorbildern. 

Bubalus lichtensteini , eine Antilope mit großen glänzend 
schwarzen Augen, ebenmäßig nach hinten gebogenen Hörnern nnd 
zierlichen Beinen, macht trotz dieser schönen Eigenschaften im ganzen 



— 169 — 

keinen so schönen Eindruck wie die Gazelle, weil der hintere Teil 
des Rumpfes niedriger ist als der vordere. Er sieht aus wie eine die 
Hinterbeine niederdruckende Last. 

Bei der Giraffe, Catndopardalis giraffa, fällt der Hinterrücken 
noch auffallender, noch unangenehmer abwärts. Für die Länge der 
Beine ist der Rumpf dieses höchsten Riesen unter den Säugetieren 
zu kurz. Kopf, Hals und Brust haben zusammen so viel Masse, 
daß sie den Schwerpunkt des Rumpfes viel weiter nach vorn rücken, 
als er bei typisch schönen Säugetieren liegt. Die Giraffe scheint 
nach vorn umkippen zu können, wenn sie den Kopf und Hals vor- 
wärts streckt; das macht uns ihre Gestalt häßlich, weil das Ver- 
langen des Beschauers nach sicherer Unterstützung der ganzen 
Eörpermas8e nicht befriedigt wird. Spreizt die Giraffe ihre Vorder- 
beine weit aus, um Futter vom Erdboden aufnehmen zu können, 
dann sieht der ganze Rumpf schöner aus. Seine Rückenlinie ver- 
läuft nun wagerecht. Jetzt erscheint die ganze Eörperlast von allen 
vier Beinen sicher unterstützt. Einen bedeutenden ästhetischen Ein- 
druck macht die Giraffe, wenn sie über der breiten Brust den langen 
Hals gerade emporstreckt, mit ihren großen schwarzen Augen ruhig 
niederblickt oder weit ausschaut in die Ferne. In ihrer Heimat, in 
den Steppen Afrikas, ragt sie hoch über das Gras und Gestrüpp 
hinaus, was Schillings sehr schön dargestellt hat. 1 ) 

Die Schafe, Steinböcke und Ziegen sind plumper ge- 
baut als die schönen Antilopenarten. Ihre Beine sind dicker; ihre 
Hörner sind schwerer und nicht schön abgerundet, sondern stumpf- 
kantig und abgeflacht. Der Hals ist kürzer und wird gewöhnlich 
niedriger gehalten. 

Schöngewundene, große Hörner haben mauche Schaf arten. Den 
Windungen folgt der Blick als einer gesetzlichen Erscheinung mit 
Wohlgefallen nach, wie Blicke auf Hausschafe, Ovis aries^ und die 
Schraubenziege, Gapra jordani tf, lehren. Die Hörner der Steinböcke 
und Ziegen sind durch Anwachsringe gefällig gegliedert. Barte am 
Kinn männlicher Ziegen gefallen als Ausdruck besonderer Kraft. 

Ziegenrassen mit hängenden Ohren sind nicht schön, 
weil Organe, die im Benehmen schöner Säugetiere durch ihre Stellungen 
und Bewegungen Seelenzustände ausdrücken, untätige, schlaffe An- 
hänge geworden sind. 

*) G. G. Schillings, Mit Blitzlicht und Büchse. * Neue Beobachtungen 
und Erlebnisse in der Wildnis inmitten der Tierwelt von Äquatorial-Ostafrika. 
Leipzig 1905. S. 236. 



— 170 — 

Die meisten rinderartigen Wiederkäuer, Bovinae, machen 
durch ihje Große einen bedeutenden ästhetischen Eindruck. Der 
Rumpf sieht schwer aus, wird aber durch starke Beine gut unter- 
stützt. Der Hals ist kurz uud massig, der Kopf groß, die Stirn breit, 
mit Hörnern, schön gebogenen, abgerundeten, kräftigen Waffen ge- 
ziert. Gut ausgebildete Rinder machen den erfreuenden Eindruck 
massiger , Kraft. Die breite Stirn, die großen schwarzen Augen des 
Stiers drucken Kampfmut aus, die milder blickenden Augen der Kuh 
Zutraulichkeit. 

Der auffallend hohe Vorderrücken und die hochstruppige Be- 
haarung des Kopfes der Wisente, Bison europaeus und Bison 
americanus, verrät gewaltige Kraft; aber der schmächtige, kurzhaarige 
Hinterkörper mit absinkender Rückenlinie und der kleine, kurzhaarige 
Schwanz sind nicht schön. 

Rinder mit vorstehenden Schulter- und Beckenknochen sind 
häßlich. Diese Erhöhungen halten den Blicklauf über den Rücken 
hin unangenehm auf. Ebenso wirken auch die Buckel der Indischen 
Buckelrinder, Bos indicus. 

Der Yak, Foephagus grunniens, das Rind des tibetanischen 
Hochlandes, hat so lange, dicht niederhängende Haare, daß die Beine, 
die Träger der Körperlast, fast ganz verhüllt werden. Er ist daher 
nicht schön. Aus demselben Grunde gefallen auch nicht die lang- 
haarige Angoraziege, Capra hircus angorensis, der Moschus- 
ochs, Ovibos moschatus, und das Paka, Auchenia pacos. Schöner 
ist das dem Paka nahe verwandte Lama, Auchenia lama, dessen 
schlanke Beine den Rumpf, den hoch gehaltenen Hals und den kleinen 
Kopf leicht fortbewegen. Gleichsam lastlos wird der Kopf mit den 
großen, glänzenden schwarzen Augen nach allen Seiten gewendet- 
Der Paßgang, die nicht gewöhnliche gleichzeitige Vorwärtsbewegung 
der Beine derselben Seite, erinnert, besonders von hinten gesehen* 
an den Gang des Menschen. Dabei treten sie so leise auf, daß man 
ihren Tritt kaum hört, was sie anmutig macht. 

Die altweltlichen Seh wielensoh le r, Tylopoda, die Kamele, 
werden wohl ihres Nutzens wegen hochgeprieseu, aber schön sind sie 
nicht. Die Hinterbeine entspringen so weit von dem Schwerpunkte 
des Rumpfes, daß dieser schlecht unterstützt aussieht. Die Rücken- 
höcker unterbrechen unangenehm den horizontalen Verlauf der Rücken- 
linie, an den wir durch den Anblick schöner Säugetiere gewöhnt 
sind. Der tief niedergebogene Hals macht den Eindruck einer 
schweren Last. Die gespaltene hängende Oberlippe drückt Dumm- 



— 171 — 

heit aus. Der kleine Schwanz ist ein kümmerliches Anhängsel an 
dem riesigen Rumpfe gegenüber dem langen, massigen Halse. 

Mit den Wiederkäuern sind als Paarhufer die Schweine und 
die Flußpferde verwandt. 

Der kurze, dicke Rumpf, der kurze Hals und der große Kopf 
machen die Schweine häßlich. Aber die schlanken Beine gefallen. 
Die kleineren Arten der Gattung Dicotyles sind schöner, zierlicher 
als die großköpfigen Warzenschweine, Phacochoerus, deren plump- 
warziges Gesicht mit weit daraus hervorragenden Eckzähnen wider- 
lich aussieht. Der kleine, zierlich gekrümmte Schwanz der Schweine 
gefällt, weil seine Bewegungen Seelen zustände ausdrücken. 

Das Flußpferd, Hippopotamus amphibius, ist sehr häßlich. 
Der dicke, massige Rumpf wird von den dicken, kurzen Beinen auf 
dem Lande schwerfällig und langsam fortgetragen. Der Hals ist 
sehr kurz, der Kopf groß, die Augen sind klein und treten dumm 
glotzend aus der Gesichtsfläche hervor. Das Maul ist widerlich breit 
und tiefgespalten, mehr geeignet zum Verschlingen großer Nahrungs- 
massen als zum Angriff und Kampfe. Das Flußpferd ist das häß- 
lichste Widerspiel der mit ihm im tropischen Afrika zusammen- 
wohnenden, schönen Antilopenarten. 

Den gewaltigsten ästhetischen Eindruck machen die Elefanten 
durch ihre Größe und Muskelkräfte. Der Rumpf, Hals und Eopf 
werden von den Beinen wie von vier starken Säulen so sicher und 
gewandt fortbewegt, als wären sie eine lastlose Masse. »Die Schnellig- 
keit, welche der angreifende oder flüchtige Elefant entwickeln kann, 
ist, wie Schillings sagt, ganz außerordentlich. Die Fortbewegung 
ist ein schnellfördernder Trab, vollkommen geräuschlos; daher wirkt 
das mächtige Tier, besonders nachts, fast geisterhaft.« 1 ) Der Rüssel, 
eine mit der Oberlippe verwachsene sehr lange Nase, ist ein außer- 
ordentlich bewegliches Organ geworden, mit dem der Elefant greifen 
kann, wie wir mit der Hand. Durch seine Greiftätigkeit erfährt er, 
daß er Gegenstände, die er vor sich liegen sieht, in andere Lagen zu 
seinen Augen, zu seinem Munde versetzen kann. Dies führt ihn zu 
Urteilen über sein] eigenes Tun und hebt sein psychisches Leben 
über das anderer großer Säugetiere, die keine Greiforgane haben. 
Diese Eigenschaften machen uns den Elefanten, trotz seiner plumpen 
Gestalt, zu einem anziehenden und bewunderten Säugetiere. 

Die ästhetischen Einwirkungen der Raubtiere oder Carnivora 
auf den Menschen sind so alt wie er selbst. Ihr Bedürfnis nach 

*) C. G. Schillings, Mit Blitzlicht u. Büchse. Leipzig 1905. S. 124. 



— 172 — 

Fleischnahrung, die Schärfe ihrer Fernsinne, die Gewandtheit und 
Wucht ihrer Bewegungen lernte der Mensch sehr früh als Eigen- 
schaften kennen, die ihm den Kampf für die Erhaltung seines eignen 
Lebens erschwerten. Er beobachtete sie daher scharf, dachte sich 
in ihre Empfindungen hinein und hatte große Freude an ihrer Jagd 
und Überwindung. So sind besonders katzenartige und hundeartige 
ästhetisch wichtige Tiere geworden. 

Schöne hundeartige Raubtiere sind der Wolf, Canis 
lupus, der Steppenwolf, Canis latrans, der Schakal, Canis aureus, und 
verschiedene diesen Wildhunden ähnliche große Hunderassen 
(Canis familiaris). Sie bewegen sich leicht und gewandt. Ihr Rumpf 
verläuft wagerecht und wird gut unterstützt von schlanken Beinen, 
die ungefähr die Länge des Rückens und Bauches haben und daher 
den ganzen Körper sicher und leicht forttragen können. Hals und 
Kopf halten diese großen Ganiden hoch. Ihr Blick ist sicher und 
verständig. Die Ohren stehen bereit, jeden Schall aufzunehmen. Der 
Schwanz ist fast so lang wie Kopf und Hals zusammengenommen 
und dicht behaart; sein Umfang bildet daher diesen gegenüber einen 
gut aussehenden Abschluß des Rumpfes und hebt dessen Bedeutung 
als Hauptmasse der ganzen Gestalt. 

Der Fuchs, Ccmis vulpes, kat kürzere Beine als die wolf- 
artigen Raubtiere. Er trägt den Hals und Kopf niedriger. Dadurch 
erscheint sein Gang mühevoller. Sein Blick schweift scheu und un- 
sicher umher. Er ist daher nicht so schön wie Wölfe und wolf- 
ähnliche Hunderassen. 

Ein hübsches Raubtier ist der Wüstenfuchs oder Fennek, 
Canis zerüo. Die Beine sind zierlich schlank. Der Kopf ist kürzer als 
der Kopf der Wölfe, die Schnauze ist schmäler und sieht daher weniger 
freßgierig aus. Die Ohren sind sehr groß und stehen aufgerichtet 
zum Lauschen bereit. Der Blick ist freundlich, jugendlich neugierig. 
Die geringe Größe und die mattgelbe Farbe machen den Fennek 
anspruchslos, anmutig. Wäre er scheckig gefärbt oder schwarz, so 
würde er weniger gefallen. (Schluß folgt.) 



— 173 — 
Deutsche — insbesondere hessische — Tiernamen. 

« 

(Ein Beitrag zur Würdigung des Naturverständnisses unseres deutschen Volkes). 
Von Wilhelm Schuster, Ehren- u. auß. korr. Mitgl, ornith. u. a. Vereine. 



Tiernamen sind in den verschiedenen deutschen Gauen schon 
öfter und z. T. in recht umfangreicher Weise gesammelt worden — 
diese naturhistorisch-etymologischen Schätze liegen in unseren natur- 
wissenschaftlichen Zeitschriften (weniger in Buchern) aufbewahrt — ; 
aber selten sind diese Tiernamen auch erklärt worden, wie es hier 
mit einer Reihe der charakteristischsten hessischen Tiernamen aus 
dem vielleicht unverfälschtesten deutschen Sprachgebiet, dem alten 
Stammsitz der fest eingesessenen Chatten (Vogelsberg), geschehen 
soll. *) Sie offenbaren das tiefe, urwüchsige Verständnis unseres Volkes 
für Tiere. 

Die Bile, Bille, junge Ente und Gans (Alsfeld, Schlitz, 
Lauterbach); Diminutiv Buchen: e Gans mit kleine Bile oder 
Bilercher. Plural Bill, Bille ist Lockruf für junge gelbe Gänse 
und Enten; dafür auch Wille Wille (Angerod, Romrod). Beides 
offenbar Onomatopoie oder Lautnachahmung. In der Wetterau lockt 
man die jungen Gänse mit Walle Wulle, die alten mit Wifi Wiß 
(auch Lautnachahraung), oder man gebraucht Wulle Wulle für junge 
und alte. Auf dem Vogelsberg erscheint dafür hie und da Wurre 
Wurre (Ludorf, Ruhlkirchen). Statt Will Wiß (für die alten) kommt 
vor Wuß Wuß (Landenhausen, Kirdorf). In Wille ist w an die Stelle 
von b getreten, in Wurre r an die Stelle von k 

Ameise. Die Ameze (mit nasal gesprochenem ä), Plural Emeze, 
Emeße, im Mooser G rund Emesche; Imeße, Imeze, ferner Onmeße, Omeze, 
Umeße, Umeze; bei diesen Variationen tritt kaum ein Unterschied 
zwischen Wetterau und dem Vogelsberg zu Tage. Öfters ist das Wort 
verbunden mit Seich, wegen des scharf beißenden Saftes, den die 
Ameisen ausspritzen (die Seich, althochdeutsch der Seich = Harn, 
seichen = pisser); so kommt vor Saich- (Vogelsb. Sech-) emeße, 
-imeße etc. Auch Saiches-, Seches- (d. i. Genitiv von Seich) emeze 
kommt vor (Wetterfeld, Reiskirchen). Entstellung ist Saichmotze 
(Garbenheim). Die große Waldameise nennt das Volk in der Wetterau 

*) Betreffs der Schreibweise: ä (mit A ) wird nach o hin gesprochen, i 
(mit Strich) lang. — Ich stütze mich im folgenden auf meine eigenen Be- 
obachtungen und die Angaben von Weigand, Grimm, Diefenbach, Hainebach, 
Crecelius, Kehrein, Vilmar, Alberus (1540). Die hessischen Historiker haben 
gut yorgearbeitet. 



— 174 — 

und im Vogelsberg Roßameise, hie und da auch Bärameise (Bar- 
omeze, -emeze), so in Oberbreidenbach, Angerod, Bernsburg (an diesem 
Ort scheint früher ein Rendez-yous von Bären gewesen zu sein, da 
er ja anch selbst nach dem Meister Petz benannt ist). Roß und Bär 
sind natürlich bildlich zu nehmen und bezeichnen die besondere 
Größe wie im Griechischen innog (Pferd) in iTtnoari'ktvov (eine große 
Art von Teppich), ßovg (Ochse) in ßovkipia (Ochsenhunger, wir sagen 
Heißhunger oder Bärenhunger). In ähnlicher Weise heißt im Kur- 
hessischen der Hirschkäfer Petzgaul und in der Wetterdu die Him- 
beere Gäulserdbeere. So heißt in England, wenigstens hier in Liver- 
pool, der Große oder Meer-Rettich: horse-radish. Emenz bei Darm- 
stadt. Ahd. ämeiza, mhd. ämeize. 

Storch. Stork, auch schon im Mittelhochdeutschen neben Storch, 
auch in Bayern. Adebar, Odebar (ahd. odebero, udebero) leitet sich 
ab von od (Gut) und bern (in gebären) = tragen. Adebar heißt 
also Glücksträger, der Storch ist der Bringer von Glücksgütern (ins- 
besondere Kindern). Iwwerg heißt der Storch in den Dörfern zwischen 
Gießen, Wetzlar und Butzbach (Iwwerch, Iwwerich). Beispiel: A 
sagt zu B, in der Meinung ihm etwas wichtiges mitzuteilen: Aich 
hun ewwe en Iwwerch of de Wisse gesen; B fertigt ihn ab: Aich 
hun ere zwiii gesen. Iwwerch ist dasselbe Wort wie übrig, und 
dieses bedeutet im Mittelhochdeutschen soviel wie das lateinische super- 
bus, Iwwerch ist also der Stolze, Hochbeinige. Oder es ist auch eine 
Entstellung aus udebero wie Opper (in Elberfeld), Abär (ostfriesisch). 
Der Ulwer heißt der Storch in Wieseck, besonders im Munde der 
Kinder (in Krofdorf heißt darum der Storchschnabel (Geranium) 
die Ulwerschnade, Ulwerschnäre), ebenfalls Entstellung aus udebero 
oder Adebar. Ebenso wetterauisch Ureber, Urewer, Urwer 1 ) und nach 
dem so häufigen Übergang des r in 1 Ulwer. In einem nassauischen Dorf 
Urwel. — Auch in Hessen herrscht das Laudmärchen, daß der Storch 
wo er niste, jedes Jahr ein Junges (oder einen Federkiel, ein Ei) 
aus dem Nest werfe, d. h. seinen Zehnten gebe. (Bis jetzt hat noch 
niemand den Storch die Jungen hinauswerfen sehen; man hat nur die 
heraus gefallenen Jungen gefunden). Storksbän sind lange, dünne 
Beine, auch beim Menschen. — Das »Storkstück« bei Polgöns zinst der 
Pfarrei nach dortigen Kirchenakten von 1569. Storchlied der Kinder: 
»Stork Stork stane — flei iwwer Hane (Hanau) — flei iwwersch 



1 



*) Hierher auch der Name des Dorfes Urberach (= Storchwasser) im 
hessischen Kreis Dieburg. Der Herausgeber. 



— 175 — 

Beckersch Haus — stuß drai Weck erans — mir an, dir an — 
orme Schelme gor kan!« 

Eichhorn. Als Liebkosungswort für die Geliebte: Da Eychhörnche, 
Achkernche, Aechkedzi (Eichkätzchen). Eichkätzchen heißt das Tier, 
weil es einmal sehr gern auf Eichen lebt und anderseits einer Katze 
in manchem durchaas ähnelt; Eichhörnchen heißt es, weil entweder 
die Ohren oder noch mehr der Schwanz wie ein Hörn aussehen. 
Die älteste Form des Namens ist die angelsächsische acvern (alt- 
nordisch ikorni), und manche deuten das »fiornc auch aus acvern; 
aus letzterem wurde im Platt- oder Norddeutschen eker; im Hanno v- 
rischeu heißt das Tier eckerchen , oft noch mit Zufügung von 
kat (das alte Wort für Katze), sodaß dann kat-eckerchen heißt: 
Katz - Eichhörnchen *). Genau so steht es mit kaw-echelchen (oder 
Kalwechelchen, Kaweichlek) in Luxemburg. Mittelhochdeutsch: Der 

• 

Eichorne oder Eichorn. 

Maikäfer ist nicht volkstümlich, sondern Kleber (in derWetterau), 
Klette (im Vogelsberg), davor nach Belieben Mai-, Me-, Hoiner- 
(Hühner) gesetzt. Ferner Mekvnl, d. i. Maivogel (Strebendorf, Rom- 
rod), auch Megvul, und das ist dasselbe wie das mittelhochdeutsche 
(sonst heut vergessene) Meigevogel. Mekwiwel, d. i. Maiwiebel 
(Vadenrod, Lensel, Ruhlkirchen, Kirtorf). Boumklette (Oberbreiden- 
bach). Laubvoel (Landenhausen). Labfresser (Mooser Grund). 
Muhämmel (Schlitz) nach dem brummenden Tod, den er im Fliegen 
von sich gibt. Klawackel (Münzenberg) ist entstellt aus Kleber mit 
der Verkleinerungsendung kel. Molkezauer (Herborn). 

Bachstelze. Bachstealz (Wetterau), Bachstealzche. Volkstüm- 
licher und mehr in Gebrauch: Starzebeinche, Stelzebeiuche (Lauter- 
bach), Beinstelz (Schlitz), Bachsterz, Brachsterz, Ackermännche, 
Scholletreterche. Graugelbe Bachstelze (MotaCüla sulphureä) = Wasser- 
Starzebeinche, Grauweiße Bachstelze (Mot. alba) = Acker-Starze- 
beinche. Stelze mhd. für Stelzaere = Stelzer, Hocheinhergehender. 
Bachstearz (bei Gießen, in Nassau): sterzen, Nebenform von starzen, 
heißt mit den Füßen fest auftreten, aufstampfen (besonders beim 
Tanzen: Wetterau) und starr, steif, stolz sein. Stoarzebanche oder 
-benche. Statt die Beinsterze auch der Beinsterz. Auch : Die Stoatze- 
banchesin mit dem weiblichen personifizierenden sin oder sen. Manch- 
mal auch: Stoarksbanche = Storchbeinche (Langd); ebenso heißt 
auch die Kuckucksblume wegen ihres hohen und dünnen Stengels. 

*) Bei Fritz Reuter: kateiker. Der Herausgeber. 



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— 176 — 

Brochsterz (Brachsterz), Diminutiv Brochsterzi (Kleinlinden). Schonn- 
drederche, d. i. Schollentreterchen (Dorf Gull, Grüningen), auch 
Ackermännchen. Bei den Zusammensetzungen mit sterz kann man 
aber auch an den langen, bestandig auf und nieder schwippenden 
Schwanz denken (niederdeutsch Stert); sicher ist daran gedacht bei 
Wakstert, Quickstert, Wippstert. Altester deutscher Name unseres 
Vogelchens: wazzarstelza, später (1429) pachstelcz. 

Markolf, Mäargolf ist der Name für Häher. In Gießen entstellt 
Mäargilwerd, Margilwer. Dieser volkstümliche Hähername ist her- 
genommen von dem alten bekannten Mannsnamen Markwolf; wie 
ein Wolf der Mark ist auch der Häher schlau, feig, räuberisch 
(sagax, timax, furax). Häufig mit Umstellung des 1 Marklof. In 
Reineke Vos heißt derselbe Vogel Markwart, d. i. Wald Wächter 
(weil er alle Vorgänge bemerkt), so auch heute noch in Hessen 
Marquart und im Hochdeutschen ganz allgemein »Herrenvogel«, was 
dem Sinn nach dasselbe ist. Auch Kehr, d. i. Häher. (Über andere 
Vogelnamen vergl. mein »Vogelhaudbuch« 1905). 

Elster. Ekster. Atzel, Atzil, Atziln. (Ahd. agalastra, agiza). 
Von ihr gilt das lateinische Sprichwort: sagax, loquax, furax. In 
Villingen Morgilbert, d. i. Moorgilfer oder Moorschreier. Hessisches 
Rätsel: »Vorne wöi e Saul (Schusterpfrieme), meadde wei e Knaul 
eann heanne wei e Pannestil, was eass das ?« Atzelgeschrei bedeutet 
Unglück. »Florieren wie ein Atzelschwanz«. Ein zänkischer Mensch 
heißt atzelig, atzein = necken. 

Hirschkäfer. Hirz oder Herz (die alte Form von Hirsch) in 
Schlitz, Villingen. Häufiger Klamm-, Klemmhirz (Alsfeld) oder ein- 
fach Klemm, auch Knippherz (Kirtorf), weil er mit seinen geweih- 
artigen Kiefern zwickt und kneipt. Biesehirz (Lauterbach), (Beiseu- 
hirz ist der Name eines Fritzlarer Ratsgeschlechts) von Beißen oder 
aber von Biesen, d. i. Summen, Brummen. In der Wetterau Schrerer== 
Schröter. 

Weitere Mitteilungen über die Schwarzamsel (Twrdws merula). 

Von Dr. Victor Hornung in Bielefeld. 

Zu meinen früheren Mitteilungen in diesen Blättern über das 
Leben der Schwarzamsel möchte ich noch folgende Beobachtungen 
hinzufügen. 

Ein Amselpaar nistete in unserer Anlage in einem Buchenreisig- 
haufen 1,60 m vom Erdboden entfernt. Als ich das Nest am 12. April 



— 177 — 

1966 vorfand, war es bereits fertiggestellt. Die Wahl des Nisfcplat7.es 
war aber keine günstige, denn die Vogelwiege war so auffällig an- 
gebracht, daß das Raubzeug hier leichtes Spiel gehabt hätte, sein 
Zerstörungswerk auszuüben. Ich nahm das Neat daber fort. Am 
folgenden Tage machte das Pärchen Miene, einige Meter von dem 
früheren Standorte entfernt in einer Weißdornhecke, in etwa 1,50 m 
Höhe, einen neuen Bau herzurichten. Da aber in vergangenen 
Jahren drei Brüten au dieser Stelle ausgeraubt worden waren, ent- 
schloß ich mich, aucb hier einzugreifen. leb steckte deshalb den 
Platz mit Latten ab. Am folgenden Morgen beanchte ich den Nist- 
ort wieder nnd war nicht wenig erstaunt, bereits ein beinahe fertiges 
Nest vorzufinden, uud zwar auf den Holzleisten, die das Nisten grade 
verhindern sollten. Nunmehr schloß ich den Platz vollkommen ab, 
sodafi ein nochmaliges Nisten an dieser Stelle ausgeschlossen war. 
Zweimal war dem Gattenpaare somit das Häuschen genommen. Ich 
halte es aber für humaner, an solchen Orten, wo ein Aufkommen 
der Brut ausgeschlossen ist, das Nest von vornherein zu zerstören, 
aber gerade das Gegenteil kann man vielfach beobachten. Der Garten- 
besitzer findet ein Nest vor, das unfehlbar dem Untergänge geweiht 
ist. Er ist aber ein eifriger Schützer und Heger des gefiederten 
Volkes nnd mag das mühsam errichtete Häuschen nicht entfernen. 
Die Eier werden abgelegt, auch die Jungen schlüpfen glücklich aus, 
da findet der Vogelfreund aber eines Tages das ausgeplünderte Nest 
vor; die Kleinen, selbst die brütende Gattin fielen der umberluogera- 
den Katze znm Opfer. In solchen Fällen sind oft die besten Schutz- 
vorrichtungen und die sorgsamste Überwachung nicht von Erfolg 
begleitet, ja häufig geradezu zwecklos, und in solchen Fällen wird, 
jeder praktischen Vogelschutz ausüben, der ein in bedrohter Lage 
angebrachtes Nest bei Zeiten entfernt 1 

Das oben erwähnte Amsetpärchen suchte nun nach einem anderen 
Nistplatze. Zwar boten ihm Bäume und dichtes Gestrüpp geschütztere 
Nistgelegenheit, es entschied sich aber am 18. April seiu Nest am 
Wohnhause unter einem Balken in 5 m Höhe und 30 cm vom Fenster 
entfernt herzurichten. Hierin sehe ich eine Bestätigung meiner 
früheren Beobachtungen und der in No. 10 dieser Zeitschrift Jahr- 
gang 1902 pag. 318 ausgesprochenen Ansicht, daß die Schwarzamsel 
ihren Hausstand an den Gebäuden herrichtet, um vor der Zerstörung 
ihres Nestes, der gerade sie besonders ausgesetzt ist, sicher zu Bein. 

Den Eiern entschlüpften vier Junge; die Eltern lagen ihren 
Pflichten unermüdlich nnd furchtlos ob, und es war interessant zu 

Zoolog. Beobacbt. Jahrg. Xl.vlJ. 180B, 12 



- 178 — 

beobachten, wie sie die Rasenflächen eifrig nach Würmern absuchten. 
Die Exkremente der Jungen wurden fast ausnahmslos im Neste ver- 
zehrt und sehr selten fortgetragen. 

Am 22. Mai verließen die vier Sprößlinge das Nest. Sie waren 
aber noch nicht so weit flugfähig, daß sie sich in den Zweigen ein 
sicheres Nachtquartier suchen konnten. So wurden sie dann am 
Spätnachmittage aufgestöbert, eingefangen, über Nacht in sichere 
Obhut genommen und am frühen Morgen wieder in Freiheit gesetzt.; 
Allmählich lernten die munteren Tierchen aber die Zauberkraft des 
Fluges voll und ganz schätzen, eins nach dem andern suchte sich 
abends ein luftiges Plätzchen aus, bis sie schließlich allesamt der 
Menschenhand entronnen im freien, duftenden Naturtempel Unter- 
kunft fanden. 

Kleinere Mitteilungen. 



Zum Schutz der Singvögel lieferte die jüngst in Offenburg stattge- 
habte Versammlung des Bundes Deutscher Jäger in Baden höchst beach- 
tenswertes, auch weitere Kreise interessierendes Material. Es wurde — so 
schreibt man der Freiburger Zeitung — lebhaft Klage geführt über das Ver- 
fahren der Rheinbau-Inspektion Offenburg, die in den Monaten Mai und Juni 
alljährlich die Grasnutzung im über viele Meilen sich ausdehnenden Walde des 
ärarischen Rheinvorlandes durch Versteigerung in Losen freigibt. Mit Recht 
wurde hervorgehoben, daß durch das Eindringen ganzer Scharen von Kindern in jene 
Niederwaldungen während der Brütezeit alle Nester der Nachtigallen, Gras- 
mücken, Rotkehlchen, Drosseln und anderer Waldsänger, die zu Tausenden mit Vor- 
liebe jene Buschwälder bewohnen, der Vernichtung überliefert werden. — Diese 
Praxis herrscht Übrigens auch in vielen Gemeindewaldungen vor. Es wird all- 
gemein Klage geführt über die bemerkbare Abnahme unserer nützlichen Sing- 
vogelarten; es wird beklagt, daß die Italiener die Singvögel wegfangen — und 
bei uns in Deutschland genießen die Sänger nicht einmal den dftrftigsten Schutz 
währendder Brütezeit wegen einiger Wagen voll saueren Grases ! Dt* Gras - 
nutzung steht in gar keinem Verhältnis zu dem durch sie angerichteten Schaden; 
sie könnte weit ertragreicher noch Ende Juni stattfinden. Es wäre wünschens- 
wert, daß die Vogelschutz- Vereine hier eingreifen und dafür sorgen, daß während 
der Monate Mai und Juni die Waldungen geschlossen bleiben. Bttgr. 

Neue Säugetiere XVIII. (Für I— X vergl. Zool. Garten Jahrg. 1903, 
p. 131, für XI Jahrg. 1903 p. 267, für XII u. XIII Jahrg. 1904 p. 69 u. 290, 
für XTV, XV u. XVI Jahrg. 1905 p. 88, 280 u. 376 und für XVII Jahrg. 
1906 p. 86. 

110. Corrias Goldmull, Amblysomua corriae n. sp. Oldfield Tho. 
mas in Proc. Zool. Soc. London 1905 II p. 57 u. 1905 I Taf. 16, Fig. 3 (Schädel) 
von Krysna in Kapland. Dunkel rauchschwarz oben und ' unten mit grünlichem 
bis kupferig- violettem Schiller, dunkler als bei A. ins. Schädel hinten weniger 



v^sf^fj-T^ ■ 



— 179 — 

verbreitert als bei A. hottentottus. — Kopf u. Kampf 129, Hinterfuß 13, größte 
Schädellänge 28 mm. 

111. Kn. Andersen bringt nicht nur auf zwei Tafeln (Taf. 8—4) präch- 
tige Abbildungen der Scb&del von 20 Arten der Fledermausgattung Rhinolophus, 
sondern behandelt auch deren verwickelte systematische Verwandtschaft und 
beschreibt nicht weniger als 26 neue Formen aus diesem Genus. Ebenda .1905 II 
p. 75—145, Fig. 22 (Nasenaufsätze von 4 Arten). 

112. Mitteilungen über den anscheinend normalen Farbenwechsel von 
Schwarz in Weiß bei einem etwa neun Jahr alten Weibchen des Hainan-Gib- 
bons (Hylobates hainanus) nebst Farbentafel (Taf. 5) bringt R. J. Pocock. 
Ebenda p. 169—180. 

113. Haywoods Schirrantilope, Tragelaphus haywoodi, n. sp. Oldf. 
Thomas, 1. c. p. 181 ans dem Kenya-Gebiet in Britisch-Ostafrika. Gehört in 
die Gruppe der kleineren Arten ohne deutlich ausgesprochen kurzhaariges Hals- 
band, ist unter diesen aber die größte, kräftigst gebaute Form. Die schwarze 
Unterseite des Körpers ist dunkler als die Oberseite. Von Tr. hnutsoni Lönnbg. 
aus Kamerun trennt sie sich durch den weißen Kamm auf dem Hinten Qcken 
und die weniger zahlreichen Streifen und Flecken der Oberseite. — Schädellänge 
265, größte Schädelbreite 112 mm. 

114*. Lama-Hamster maus, Cricetulus lama n. sp. J. L. Bonhote, ebenda 
1905 Bd. II p. 305 von Lhasa in Tibet. Verwandt dem Cr. phaeus, aber der 
hintere Teil des Rückens dunkler, der Pelz viel mehr grau und der Schwanz 
etwas länger und kräftiger. — Kopf und Rumpf 87, Schwanz 40, Hinterfuß 17, 
Ohr 16 mm. 

115. Waltons Feldmaus, Microtus (PhacotnysJ wcdtoni n. sp. Derselbe, 
1. c. p. 806, Fig. 53 (Zahnreihen) von ebenda. Im Schädel nächstverwandt dem 
Ph. blythi } die Hauptpelzfarbe aber rötlichgrau, auf der Yorderhälfte des Körpers 
mit etwas mehr Grau gemischt. — Kopf und Rumpf 98, Schwanz 30, Hinter- 
fuß 17, Ohr 10 1 /* mm. 

116. Burmanischer Goral, Urotragus evansi n. sp. R. Lydekker, 
1. c. p. 311 aus Burma und den benachbarten Teilen von Siam in 3500 Fuß. 
Anscheinend verschieden vom Indischen Goral (TT. gor dl). 

117. Schöne Abbildungen, die die Farbenverteilung und Zeichnungsent- 
wicklung bei den verschiedenen Guereza-Affen wiedergeben, bringt der- 
selbe 1. c. p. 325— 329, Fig. 54—58. Vorgeführt werden der Schwarze Guereza 
(Cölobus saianas) Fig. 54, der Mantelguereza (C. palliatusj Fig. 55, Sharpes 
Guereza (C. sharpei) Fig. 56, Weißschwanz-Guereza (C. caudatus) Fig. 57 und 
Weißschenkel-Guereza (C. vellerosus) Fig. 58. 

118. Weißmähnige Waldziegen-Antilope, Nemorhaedus argyro- 
chaetes Heude, von Tschi-kiang am Oberen Yang-dsy in Zentralchina. Schöne 
farbige Abbildung auf Tafel 8 durch denselben 1. c. p. 329—331. 

119. Prächtige Farbentafel von Bedfords Schwarzfußmarder, Mustela 
melampus bedfordi n. subsp., aus Hondo (Japan) bringt Oldfield Thomas 
1. c. p. 343, Taf. 9. Ebenda auch die Beschreibungen zweier Spitzmäuse (Sorex 
shinto n. sp. p. 338 und 8. hawkeri n. sp. p. 339 aus Hondo) und fünf kleiner Nager 
(Micromys geisha n. sp. p. 350 aus Hondo, Shikoku und Kiushiu, Evotomys 
mikado n. sp. p. 352 und E. bedfordiae n. sp. p. 353 aus Hokkaido, E. andersoni 



■,^""5. « 



— 180 — 

n. sp. p. 354 aus Hondo und jS. smithi n. sp. p. 355 aus Hondo, Shikoku und 
Kiushiu) von Japan. 

120. J. L. Bonhote beschreibt ebenda zwei neue chinesische Mäuse als 
Mus huang n. sp. p. 387 und M. ling n. sp. p. 388, beide aus Nordwest-Fokien 
und gibt 1. c. p. 394 einen Schlüssel zur Unterscheidung der elf größeren Mus- 
Arten aus China. 

121. Als Bailwards Schmuckmaus, Calomyscus baÜwardi n. sp. be- 
schreibt und gibt eine farbige Abbildung Oldf. Thomas ebenda p. 524, Taf. 16 
von Ahwaz in 4800 Fuß in der Nähe des Persischen Meerbusens, Persien. Da- 
selbst bringt er auch Diagnosen der neuen Fledermaus PipistreUus aUadin p. 
521 von Derbent bei Isfahan und eines kleinen Nagers Ellöbius woosnami n. 
sp. p. 526 von Dumbeneh bei Isfahan. Bttgr. 

Das geologische Alter der Insekten. A. Handlirsch hat in 
seinem grundlegenden Werke »Die fossilen Insekten«, Leipzig bei W. Engelmann, 
1906, Lief. 1 p. 55—57 den sicheren Nachweis erbracht, daß die Insekten in 
Europa wie in Nordamerika erst in der Steinkohlenzeit erschienen sind. Die 
sogenannten Insekten der Urzeit, des Silursystems, »Palaeoblattina douvillei 
Brongn.« aus dem Mittelsilur von Jurques in Frankreich und »Ptotocimex süuricus 
Mobg.« aus dem silurischen Graptolithenschiefer von Killeroed in Schweden 
haben sich als falsche Bestimmungen erwiesen; erstere ist ein Trilobitenrest, 
letztere hat sich als ein unbestimmbares Etwas herausgestellt, das sicher nicht 
einem Insekt angehört haben konnte. Auch die Vergesellschaftung mit meer- 
bewohnenden Graptolithen auf einer Platte spricht gegen seine Insektennatur. 
Da auch in dem etwas jüngeren Devonsystem noch jede Spur von landbewohnen- 
den Kerbtieren fehlt, trifft das erste Erscheinen von Insekten — in den alter- 
tümlichen Formen der Ordnungen Palaeodictyoptera, Mixotermitoidea, Reculoidea, 
Protorthoptera und Protoblattoidea aus der Klasse der Pterygogenea — zu- 
sammen mit dem Reichtum an kryptogamen und gymnospermen Pflanzen der 
Steinkohlenzeit, die offenbar ihr sofort massenhaftes Auftreten bedingt und 
begünstigt haben. Bttgr. 

Vollziehung der Begattung unter Wasser bei der Gebirgs- 
stelze. In den letzten Jahren konnten wir die sonst nur als Durchzügler bekannte 
Gebirgsstelze (Motacüla boarula L.) für das Münsterland als Brutvogel 
konstatieren; denn ein Pärchen brütete am sogen. Flußloch der Aa am hiesigen 
Zoolog. Garten. Heuer treiben sich wiederum an der Aa zwei Pärchen dieser 
interessanten Stelzenart umher. Heute (am 3. April) bei sonnigem Wetter trieben die 
Tierchen ihre Liebesspiele, indem sie laut und angenehm zwitschernd von Stein zu 
Stein flogen oder am Ufer umhertrippelten oder endlich in hastigem Fluge durch 
das Gezweig der Bäume huschten. Da mich das Spiel der Tiere anzog, blieb 
ich stehen und schaute zu. Um sich auszuruhen, setzte sich das Weib- 
chen auf einen dünnen Stock, der im Boden des Wassers steckte. 
Sobald das Männchen dies sah, stürzte es auf das Weibchen, be- 
nutzteden günstigen Augenblick und »vergewaltigte« es. Das Weib- 
chen geriet durch den heftigen Stoß ins Wanken und fiel ins 
Wasser, aber es zog auch das Ehegespons mit hinab ins nasse 
Element, sodaß zuletzt nur noch der Kopf des Männchens zu sehen 
war. Nach etwa 20 Sekunden schien das Weibchen Fuß auf dem 



- 181 — 

Boden zu fassen und hob sich in die Höhe — das Wasser war an 
dieser Stelle nur einige cm tief — , and so kam dasMännchen auch 
wieder hoch, und jetzt schien nochmals die Begattung vollzogen 
zu werden, obschon das Weibchen noch halb im Wasser stand 
und genau die S tellung inne hatte, wie eine Ente, die vom 
Enterich im Wasser belegt wird. Als die Kopula vollzogen war, riß 
sich das Männchen los und flatterte schwerfällig umher, das Weibchen war 
flugunfähig und ruhte erschöpft am Ufer aus. — Das andere 
Pärchen Gebirg 88telzen begattete sich etwa */* Stunde später 
am Ufer, ein Beweis, daß nicht jede Kopula bei der Gebirgsstelze so naß 
verläuft, wie die zuerst beobachtete. stud. Paul Werner. 

Regeneration verletzter Säugetierschwänze. Noch T. H. Morgan 
sagt in seinem neuesten Buche »Regeneration« 1903 p. 97: »Bei den Säugetieren 
regenerieren weder die Gliedmaßen, noch der Schwanz, noch die Kiefer, obgleich 
einige der inneren Organe . . . ausgedehnte Regenerationskraft haben«. Oldfield 
Thomas hat nun bei einer Art von Gartenbilchen {Eliomys) aus Zentralasien 
den Nachweis geführt, daß diese Tiere nach dem Verlust ihres Schwanzes 
ähnlich wie viele Eidechsen einen neuen Schwanz erzeugen, und zwar iu der 
Art, daß Bie einen langen, neuen Knochenstift hervorbringen, der einen Teil der 
abgebrochenen Schwanzwirbelsäulc zu ersetzen hat. Einmal auf diese Erscheinung 
aufmerksam geworden, fand er ähnliches bei zwei weiteren Schlafmausgattungen, 
dem Graphiuru8 von Fernando Poo, Kamerun und Französich-Kongo und dem 
Claviglis crassicaudatus Jent. von Liberia. Danach sind bei dem nicht unge- 
wöhnlichen Verlust des Schwanzes vielleicht alle Arten von Buchen oder 
Schlafmäusen imstande, den Stummel in ein keulenförmiges Organ anschwellen 
zu lassen, das außen mit auffallend langen Haaren bedeckt ist und innen gestützt 
wird durch einen langen Knochenstab, der von dem verletzten Wirbel aus nach 
hinten wächst. Eine solche Neubildung muß für das Tier von besonderem Werte 
sein, da es den Schwanz nun wieder — wenn auch in beschränktem Maße — 
infolge der Verdickung und der Verlängerung als Balancierstange gebrauchen kann. 

(Nach Proc Zool. Soc. London 1905 II p. 491—494, Fig. 70—71.) 

Bttgr. 

Morgentau und Grauer Fliegenfänger (Muscicapa grisola L.). 
Ein an unserem Wohnhause nistendes Fliegenfängerpärchen nimmt morgens 
bei sonnigem Wetter täglich auf dem Rasenplatze ein Taubad. Es ist fesselnd 
anzusehen, wenn die Tierchen sich im Grase niederlassen und nun durch Be- 
wegen des Kopfes und der Flügel die im Sonnenschein glitzernden Tröpfchen 
gleichsam auf sich herabperlen lassen. Dies Bild erinnert mich an ein anderes. 
Im vergangenen Jahre machte ich am frühen Sommermorgen eine Spazierfahrt 
und beobachtete einen auf der Wanderschaft begriffenen echten Sohn der Land- 
strasse, der in gleicher Weise sein holdes Antlitz mit dem erfrischenden Morgen- 
tau benetzte und so seine Morgentoilette ausführte. Poesie und Prosa. 

Dr. V. Hornung. 

Ein willkommenes Sperlingsbad im Winter. Im vergangenen 
Winter fiel mir auf, daß sich täglich eine größere Anzahl von Haussperlingen 
stets auf dem gleichen Platze eines Fabrikhofes einfand und am Erdboden lustig 



*'■:' 



— 182 — 

tummelte, obgleich der Verkehr gerade hier ein sehr starker war. Unter leb- 
hafter Unterhaitang puddelte sich die Gesellschaft gehörig im Erdreich und 
nahm, trotz der Kälte, fröhlich ein Sandbad. Während Goldammer und Fiok 
kläglich piepten, ging es unter den Grauröcken hoch her. Als ich das so bevor- 
zugte Plätzchen näher in Augenschein nahm, fand ich, daß ein Dampfrohr dicht 
unter der Erdoberfläche hinführte, das die Erde angenehm erwärmte und so 
der Gassenhauerfamilie in der kalten Zeit ein warmes Bad lieferte. Sie machte 
auch von der Annehmlichkeit den ausgiebigsten Gebrauch und pries mit weithin 
vernehmbarer Stimme die Vorzüge der Industrie. Dr. V. Hornung, 

Die großen tropischen Waldsäugetiere als Liebhaber von 
Sauerwasser. Nach Dr. Aug. Tobler sind im Urwalde Südsumatras die 
Stellen, wo Kohlensäure austritt, immer leicht aufzufinden. An diesen Orten 
sammelt sich nämlich stets etwas Wasser an, das höchstens gegen Ende der 
Trockenzeit vollständig versiegt. Es wird durch die aufsteigenden Gase in 
sprudelnder Bewegung gehalten und gewinnt einen prickelnden Geschmack. Die 
großen Tiere des Waldes, Elefanten, Nashörner, Tapire und Hirsche trinken 
dieses Wasser mit Vorliebe und kehren immer wieder an die Labestellen zurück. 
Solche von den Tieren benutzte Gasbrunnen nennen die Malayen »Suban«. 
Viele Kilometer weit führen ausgetretene Elefantenpfade nach den Subans. Je 
näher der Quelle, desto mehr Pfade schalten sich ein, bis in der nächsten Nähe 
des Gassprudels ein enges Netzwerk von 1— -2 m tiefen Hohlwegen entsteht. 
Oftmals tritt mit dem Gase zugleich etwas Petroleum aus; solche Quellen werden 
begreiflicher Weise von den Tieren gemieden. 

(Nach Tijdschr. v. h. Kon. Nederl. Aardrijksk. Genootsch. Amsterdam, E. J. 
Brill. Jaarg. 1906 p. 273—274) Bttgr. 

Vom Chinesischen Alligator (Alligator sinensis Fauv.). Über den 
Fang eines erwachsenen Alligators von 1,4 m Länge und von vier Jungen 
berichtet Marinestabsarzt Dr. M. Kr eye nb erg. Das Tier wurde aus einer etwa 
10 Fuß langen Höhle am Ufer eines Sees in der Umgebung von Wu-hu ausge- 
graben. Am Yang-dsy soll es sehr selten sein, dagegen häufiger bei Lu-caou-fu 
und Ning-kou-fu. Die Eingeborenen nennen es entweder Tschüan-schan-gjea 
ein Tier, das sich mit den Krallen in die Hügel eingräbt) oder Ba-schou-chu 
(Hügel-Krabbeltiger). Dieser Alligator ist der letzte Sproß eines untergehenden 
Sauriergeschlechtes, das früher über die ganze Erde verbreitet war und damals, 
als noch Amerika mit Asien zusammenhing, schon so entwickelt und differenziert 
war wie heute. Nur die Museen von London und Frankfurt a. M. besaßen bis 
jetzt dieses seltene Tier, wozu durch die hier genannten Funde jetzt noch Magde- 
burg gekommen ist. 

(Nach »Morgenblatt«, wiss. Beilage d. Magdeburg. Zeitung. Organ für 
(Heimatkunde 1906. No. 19 p. 149.) Bttgr. 

Die Weidenmeise (Parus sälicärius BrehmJ und ihre Unterschiede 
von der Sumpfmeise (Parus palustris LJ. G. Clodius ist es im vorigen Jahre 
(1905) gelungen, diesen interessanten Vogel in Mecklenburg zu entdecken. Vom alten 
Pfarrer Chr. L. Brehm zuerst bei Renthendorf in Thüringen als eigene Art 
erkannt, hat sie das Schicksal der vielen von ihm gefundenen und aufgestellten 
Species, die aber nur Formen schon bekannter Arten waren, geteilt und ist 



— 183 — 

dann in Vergessenheit geraten. 1894 aber hat Pfarrer 0. Eleinschmidt sie 
in den Weidendickichten am Mittelrhein wiederentdeckt, eingehend beobachtet 
und festgestellt, daß es allerdings eine von unserer gewöhnlichen Sumpf- oder 
Nonnenmeise (Parus palustris L.) in jeder Einsicht gut unterschiedene Art 
ist, daß sie mit dem längst bekannten Parus montanus, der Alpenmeise, und 
dem P. bortttHe aus Skandinavien eng zusammengehört, und daß diese drei 
Meisen drei Formen ein und derselben Art oder besser (mit 0. Eleinschmidt 
zu reden) des gleichen Formenkreises sind, nämlich des der »mattköpfigenc 
Graumeisen. Clodius' anfängliche Vermutung, daß man die nordische Form, 
Parus borealis, in Mecklenburg finden werde, wird schwerlich in Erfüllung 
gehen, obgleich sie noch in Ostpreußen brütend vorkommt. Was er dort ent- 
deckt hat, ist die Form, die bisher an mehreren Stellen Deutschlands, in 
Thüringen, am Rhein, in Südbayern und Schlesien gefunden worden ist und 
wohl noch vielerorts nachgewiesen werden wird. — Von den Kennzeichen der 
Art ist vor allem die Kopf platte zu berücksichtigen. Sie besteht bei unserer 
Sumpfmeise, vorzüglich auf dem Vorderkopfe, aus kurzen, ziemlich starren 
Federn von bläulichschwarz schimmernder Farbe. Jede Feder wirft das Licht 
etwas zurück, sodaß die Eopfplatte glänzt, wonach die Sumpfmeise mit den ihr 
zunächst stehenden Formen den Formenkreis der »glatzköpfigen« Graumeisen 
bildet. Die Federn der Kopfplatte der Weidenmeise dagegen sind länger, 
weicher, durchaus mattschwarz (bei der Alpenmeise sogar braunschwarz) und 
ohne Glanz, daher dieser ganze Formenkreis der »mattköpfigec heißt. Um 
diesen Unterschied recht zu erfassen, muß man einmal beide, eine Sumpf- und 
eine Weidenmeise neben einander halten, dann prägt sich die Verschiedenheit 
gut ein. Das zweite Kennzeichen ist der Kehlfleck. Bei der Sumpfmeise ist er 
klein und fest begrenzt, bei der Weidenmeise aber zieht er sich etwa 20 mm 
und darüber nach derBrust hin, allerdings nicht rein schwarz, sondern die Federn 
haben weißliche Spitzen, zwischen denen und dem grauen Federgrunde man 
aber deutlich die schwarze Zone erkennt. Der Schwanz ist bei der Weidenmeise 
stufiger als bei dem andern Formeukreise. Vor allem laufen die Schwanzfedern 
spitzer zu, während sie bei der Sumpfmeise mehr gerundet sind; auch dies 
fällt beim Vergleiche sofort auf. Zum Unterschied von Parus bqrealis und man- 
tanus sind bei unserer Weidenmeise die Seiten der Brust und der Bauch stark 
rostfarben überlaufen, und das unterscheidet sie sehr von unserer Sumpfmeise, der 
diese Färbung fast ganz fehlt. Die Größe der beiden in Mecklenburg geschossenen 
Stücke ist: I. Weibchen. Länge 11.2 cm, Flügellänge 5.7 cm, Schwanzlänge 
5.2 cm, erste Schwanzfeder 6 mm kürzer als die vierte, die längste. II. Männchen. 
Länge 11.5 cm, Flügellänge 5.9 cm, Schwanzlänge 5.4 cm, erste Feder 5 mm 
kürzer als die vierte. — Von dem Formenkreise Parus saUcarius bewohnt 
P. salicarius borealis Skandinavien, die Ostseeprovinzen und vereinzelt auch 
Ostpreußen; unsere Weidenmeise Deutschland, ist aber bisher erst an wenigen 
Punkten festgestellt; P. saUcarius montanus die Alpen und Karpathen ; in Asien 
finden sich dann noch mehrere dazu gehörige Formen. Wie alle Meisen ist 
auch diese Art wohl Standvogel und streift nur in der Nachbarschaft ihrer 
Heimat umher. Bei Camin in Mecklenburg kommt sie, wenn auch sparsam, an 
mehreren Stellen vor. Clodius fand sie einzeln, aber auch in kleinem Fluge zu- 
sammen; von Lenschow bei Parchim besitzt er ein jetzt erst erkanntes Stück. 
Es ist durchaus zu vermuten, daß sich die Art noch an andern Stellen in 



— 184 — 

• 

Mecklenburg findet. — Als Lieblingsaufenthalt des Vogels sind Weiden- und 
Fichtendickichte zu nennen. Soweit Clodius ihn bisher beobachten konnte, 
hält er sich im Winter zu den Scharen der anderen Meisenarten und streicht 
mit ihnen durch den zum Winteraufenthalt gewählten Waldteil; es ist wohl stets 
der gleiche, in dem diese Meise im Sommer, zu Paaren gesondert, brütet. Anders- 
wo fand man, daß sie sich wenig zu anderen Arten gesellt und scheu ist, was 
Clodius in Mecklenburg nicht bemerkt haben will. Sie ist merklich unruhiger 
und hastiger als die Sumpfmeise, besonders im Frühling. Fichtenhorste und 
deren Nähe scheint sie in Mecklenburg auch in Brüchen immer wieder auf- 
zusuchen. Sie von der Sumpfmeise in der Natur an der Färbung zu unter- 
scheiden, ist schwer; nur das Rostgelb ist bemerkbar, während die übrigen 
Kennzeichen uns im Stich lassen. Aber — sobald sie ihre Stimme erschallen 
läßt, fährt der Beobachter zusammen und sagt sich entweder: »Den Vogel habe 
ich schon einmal gehörte (so ging es Clodius) oder: »Die Stimme ist mir ganz 
neue. Es ist ein eigenartiges, etwas heiseres, gedehntes und energisches »däh 
däh däh däh« oder »äht äht äht«, auch nur ein- oder zweimal »däh« gerufen, 
dazu das »si si« der andern Meisen, auch mal ein einzelnes heiseres »däih«. 
Dieses »däh« ist sehr verschieden von dem der Sumpfmeise. Diese ruft, wenn 
sie erregt oder zornig ist, — Clodius hörte es besonders abends vor der Schlaf- 
höhle — zuweilen »da da da«, aber die Silben sind viel kürzer, hastiger, nicht 
so heiser, und das Ganze viel schneller; die übrige bekannte Stimme derselben 
ist der Weidenmeise völlig fremd. Dagegen vermag diese zur Brutzeit — leise 
hörte es Clodius auch schon im Winter — ganz niedlich zu singen, und be- 
sonders eigentümlich ist ihr ein helles Pfeifen »tschih tschih tschih«,das mit dem 
bekannten Frühlingsruf der Sumpfmeise »zip zip zip« gar keine Ähnlichkeit hat. — 
Die Brutzeit ist, soweit bisher bekannt, wesentlich später als die der Sumpf- 
meise. Untersucht ist von einem Kenner, von 0. Kleinschmidt, erst ein einziges 
Nest. Es war in einer morschen Kopfweide angelegt und die Nisthöhle selbst 
von den Meisen ausgehackt oder doch stark erweitert. Es enthielt am 10. Juni 
1902 sechs Eier. Auch in Schlesien ist beobachtet worden, daß diese Art eine 
Höhle in einer Birke ausarbeitete. Trotz eifrigsten Aufpassens konnte Clodius 
nicht dahinterkommen, wo in Camin das Paar, das er monatelang in dem glei- 
chen Fichten hör st beobachtete, zur Brut schritt. Am 22. April 1905 war es 
dort verschwunden, aber er vermutet bestimmt, daß es dort irgendwo gebrütet 
hat. Am 1. Juli 1905 strich ein Stück mit deutlich großem Kehlfleck durch den 
Garten und sang und pfiff aufs niedlichste. Im Winter 1905 auf 1906 traf er 
die Art nur sporadisch an, weiß auch leider kein bestimmtes Paar, und so wird 
es mit dem Beobachten des Brutgeschäftes im Frühjahr 1906 wohl wieder ver- 
geblich sein. — Wer sich eingehend über diesen so interessanten Vogel unter- 
richten will, der lese O. Kleinschmidts Arbeit im Journ. f. Ornithologie 1897 
p. 112—137 oder den betr. Abschnitt im »Neuen Naumann« Bd. 2 nach. 

(Nach G. Clodius in Archiv d. Fr. d. Naturg. in Mecklenburg. 60. Jahrg. 
I. Abt. 1906 p. 72—76.) Bttgr. 



— 185 



Literatur. 



Regierungsrat Dr. G. Hörig und Dr. C. Börner (Referent), Studien 
über das Gebiß mitteleuropäischer rezenter Mäuse. Sonderab- 
druck aus »Arbeiten aus d. Kaiserl. Biolog. Anstalt für Land- und Forst- 
wirtschaft«. Bd. V. Heft 2, 1905. Berlin, Verlagsbuchhandlung v. P. Parey 
und J. Springer. 

Dr. Rörig fand bei der Untersuchung großer Reihen von Gebissen der 
rezenten Wühlmäuse zum Zwecke der Herausgabe einer kurzen Anleitung zum 
sicheren Bestimmen unserer heimischen Mäuse eine solche Mannigfaltigkeit 
im Bau des" Arvicolinenzahnes, daß der eigentliche Plan seiner Arbeit vorerst 
zurücktreten mußte und Yerf. in der vorliegenden Abhandlung eine breite und 
gesicherte Basis für fernere Untersuchungen von Mäusegebissen schuf. Unter- 
stützt wurde Dr. Rörig durch den Hilfsarbeiter An der Biolog.. Anstalt Dr. C. 
Börner, der auch die sehr schönen, instruktiven, stark vergrößerten Zahnbilder 
zeichnete und das Referat über die Untersuchungen übernahm. 

Im ersten Teile der Arbeit finden wir Angaben über den Zahnbau der 
Murinen und Arvicoliuen im allgemeinen. Yerf. führt die wurzellosen Zähne 
der Arvicolineu auf die Wurzelzähne der Murinen zurück. Zwischen beiden 
steht Hypudaeus glareolus, dessen in der Jugend bekanntlich wurzellose Zähne 
im Alter Wurzeln erhalten. Zum Vergleiche mit den Arvicolinen, insbesondere 
Hypudaeus, der Rötelmaus, wählte Verfasser Mus decumanus. Die Oberfläche 
der Zähne dieser Ratte besteht aus meist je drei durch Vertiefungen von 
einander getrennten Schmelzsätteln, die sich nach und nach abnutzen und dann 
Schmelzschlingen darstellen, auf die Verf. die alternierenden Zahnprismen der 
Wühlmäuse in dem Sinne zurückführt, daß (meist!) je zwei Prismen aus einer 
Schmelzschlinge des itfws-Zahnes entstanden sind. Er teilt daher nicht wie 
Blasius den Avicolingnzahn in Einzelprismen, sondern in Doppelprismen, da 
gewöhnlich ein Doppelprisma einer Schmelzschlinge des Rattenzahnes entspricht. 
Zur kurzen und genauen Beschreibung eines Arvicolinenzahnes stellt Verf. eine 
einfache, sehr hübsche Terminologie auf. Die Zähne werden mit Oi, Oi, Ot, 
Ut, u. s. f., die Zahnfelder (Doppelprismen) mit den Zahlen 1 bis 4 bezeichnet, 
und zwar wird im Oberkiefer von vorne nach hinten, im Unterkiefer umgekehrt 
gezählt. Die durch die alternierenden Einzelprismen gebildeten Winkel werden 
durch die sie einschließenden Prismen benannt, von denen die inneren mit la- 
teinischen, die äußeren mit griechischen Buchstaben (von a (a) an) bezeichnet 
werden. Der erste Backenzahn von Hyp. glareolus ist nach des Verf. Ansicht 
derart aus dem entsprechenden von M. decumanus entstanden, daß die Prismen 
a und a aus der ersten Schmelzscblinge, b und ß aus der zweiten und y aus 
der dritten, kleinsten hervorgegangen sind. Auch in der Wurzelbildung der Zähne 
von Hypudaeus steht Verf. sich die Wurzeln von decumanus wiederholen und 
in ihrer Stellung zu den Prismen einen neuen Beweis, daß z. B. die Prismen des ersten 
oberen Backenzahnes (Oi ) sich tatsächlich in der Weise aus Oi von M. decumanus ent- 
wickelt habeo, wie oben angegeben wird. Auch die Wurzelbildung von Cricetus 
wird eingehend untersucht und mit der von Hypudaeus verglichen. Ich komme 
weiter unten auf diesen Abschnitt zurück. 



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— 186 — 

Im zweiten Teile werden die typischen Zahnreihen von Hyp. glareolus, 
rutilus, Armcola nivalis, ratticeps, amphibius, arvalis, agrestis, Microtus saviii 
subtcrraneu8 und Myodes lemmus ausführlich behandelt. Wer sich darüber ge- 
nauer orientieren will, muß es in der Arbeit selbst nachsehen. 

Im dritten Teil werden die Variationen im Zahnbau der genannten Arten 
besprochen. Die Angaben zeigen, mit welchem Fleiße Hunderte von Zahnreihen 
aufs genaueste untersucht wurden. Arv. campestris wird auch von Rörig als 
Varietät von arvalis aufgefaßt; die von Blasius angefahrten Eigentümlichkeiten 
.seines Gebisses kommen auch bei typischen arvalis vor. Nach besonderen Merk- 
malen im Bau des Ot benennt Rörig mehrere Formen von arvalis, z. B. simpHex, 
dupticata u. a., betont jedoch ausdrücklich, daß sich die Namen nur auf Ver- 
schiedenheiten im Zahnbau beziehen, daß aber keineswegs neue Subspezies von 
arvalis darin zu erblicken seien. 

Zum Schlüsse bespricht Verf. die Verwandtschaft der Arvicolinen unter- 
einander. Für die älteste Form hält er Hypudaeus; dann zweigten sich am 
ersten nivalis, ratticeps und amphibius ab, dann Micr. savii und subterraneusy 
die jüngeren Arten sind arvalis und agrestis, von denen wiederum agrestis die 
jüngste ist. 

Eine Bestimmungstabelle schließt die ausgezeichnete Arbeit. Im Anhange 
finden wir drei Tafeln. mit der Darstellung von zahlreichen Einzelzähnen und 
Zahnreihen. 

In einigen Punkten bin ich mit dem Verfasser nicht ganz gleicher Ansicht, 
bemerke aber, daß ich keinesfalls über annähernd so reichhaltige und genaue 
Untersuchungen wie die Herrn Verf. verfüge, doch sind mir bei Gewölluntersuchungen 
immerhin mehr denn sechstausend Mäuseschädel durch die Hände gegangen, 
die ich zum größten Teile genau bestimmt und von denen ich sehr viele ein- 
gehender untersucht habe. 

Zunächst hat Verf. wohl die Entstehung des Arvicolinenzahnes aus dem 
Mus-Zahn oder einem wenigstens 3fti*-artig gebildeten nicht ganz genau erkannt. 
Verf. berücksichtigt die Zähne der kleinen Murinen zu wenig, weil »hier offen- 
bar abgeleitete, kompliziertere Verhältnisse vorliegen, die uns (jetzt) 1 ) nicht 
weiter interessieren c. Und doch sind gerade diese Zähne äußerst interessant, 
weil sie uns andeuten, wie aus einem dem Murinenzahn ähnlichen der Zahn der 
Wühlmäuse entstand. Der Zahn der kleinen Mäuse zeigt keine abgeleiteten, 
sondern im Gegenteil ursprüngliche Verhältnisse, der Zahn von decumanus 
ist von diesem abgeleitet. Den ursprünglichen Typus des Oi dürfte etwa jener 
von M. sylvaticus darstellen. Die drei Querfalten der Zahnoberfläche zerfallen 
in je drei mehr oder minder deutliche Höcker. 

Es läßt sich nun eine allmähliche Verdrängung des dritten (äußeren) 
Höckers nach außen konstatieren: Der äußerste Höcker ist meist der kleinste 
von den dreien, und sein allmähliches gänzliches Verschwinden wird dadurch 
begünstigt, daß er meist keine oder eine sehr viel schwächere Wurzel hat als 
der innere Höcker. Die langsame Umänderung dieses Zahnes wurde wahrschein- 
lich durch eine veränderte Lebensweise der Maus (Bevorzugung vegetabilischer 
Nahrung) eingeleitet. Der Unterkiefer ist dem Oberkiefer in der Umbildung 
voraus, vielleicht weil er bei der Nahrungszerkleinerung aktiv, der Oberkiefer 



a ) Von mir geklammert. 6. v. 8. 



— 187 — 

nur passiv tätig ist. Am Unterkiefer der Murinen ist demzufolge der dritte 
Höcker schön nahezu gänzlich verdrängt, er wird nur noch durch ganz kleine 
Anhängsel angedeutet, die Rörig als Nebenhöcker auffaßt und denen er keinen 
phylogenetischen Wert beimißt, während gerade sie mir sehr interessant erschei- 
nen. Mit der Verdrängung des dritten Höckers gewinnt der erste innere an 
Raum, rückt mehr nach der Mitte des Zahnbodens vor und bildet mit dem 
Mittelhöcker, der seinerseits mehr nach dem Außenrande des Zahnes rückt, 
nach der Absenkung eine Doppelschlinge, die je zwei zusammengehörenden 
Einzelprismen des Arvicolinenzahnes entspricht. Erst jetzt ist Möglichkeit zur 
Entwicklung des Prismenzahnes gegeben. Die vom Verf. gewählten Oi — s von 
M. decumanus befinden sich noch im ersten Stadium — wenngleich sie dem 
zweiten doch schon näher gerückt sein dürften als bei M. sylvaticus — - , und 
aus diesem Stadium konnte der ArvicoÜneuzahn nicht ohne weiteres hervor- 
gehen, wie Verf. meint. Der Arvicolinenzahn dürfte, wie eben schon bemerkt 
wurde, eine Anpassung an die Pflanzennahrung der Wühlmäuse darstellen. 
Ferner ist vielleicht die Teilung des gegenständigen Doppelprismas in wech- 
selständige Einzelprismen eine Maßregel, die das Verkümmern, das allmähliche 
Verschwinden des nach außen liegenden Teiles des gegenständigen Doppelprismas 
verhüten soll. Es läßt sich nämlich an Zähnen, bei denen gegenständige Pris- 
men schon gut ausgebildet sind, z. B. bei Cricetus frumentarius erkennen, daß 
das Außenprisma schwächer ist als das innere und schon deshalb schwächer 
werden muß, weil es für seine Wurzeln keinen so günstigen Boden hat wie das 
innere Einzelprisma. Diesem Mißstande, dem allmählichen Verschwinden des 
Außenprismas, wird durch die alternierende, wechselständige Stellung der Ein- 
zelprismen abgeholfen: Jedes Einzelprisma wird durch die Verschiebung der 
Mitte des Zahnbodens nähergerückt, wird seitwärts nicht durch ein anderes 
bedrängt und ist so in seinem Bestehen nicht bedroht. Besonders im Oberkiefer 
der Arvicolinen haben sich die Prismen stark verschoben. Im Unterkiefer ist 
es m. E. darum nicht in dem gleichen Maße geschehen, weil der Unterkiefer 
(man betrachte, bitte, die betreffenden Schädelteile!) besonders auch durch die 
interessante Wurzelstellung das Bestehen des Außenprismas weniger gefährdet. 
— Ich bitte diese Gedanken nachzuprüfen. 

An eine direkte Abstammung der Wühlmäuse glaube ich übrigens nicht, 
wohl aber scheint mir, wie gesagt, eine Entstehung des Arvicolinenzahnes aus 
einem dem Murinenzahn sehr ähnlichen viel für sich zu haben. Dadurch, daß 
die Verf. gerade von decumanus den Prismenzahn der Wühlmäuse ableiten, 
kommen sie noch zu einer anderen Ansicht, die ich nicht ganz teile. Sie be- 
trachten die beiden ersten Prismen von Oi als aus der ersten Schmelzschlinge von 
Oi des M. decumanus entstanden und halten sie demnach folgerichtig für zu- 
sammengehörend. Diese Annahme wird durch den Rattenzahn, und besonders 
durch seine Bewurzelung ohne Zweifel sehr wahrscheinlich gemacht. Aber wir 
haben keinen stichhaltigen Grund, gerade den Rattenzahn unseren Vergleichen 
zu Grunde zu legen. Die Zähne der kleinen Murinen hätten jedenfalls das 
gleiche Becht dazu, denn wenn die Arvicolinen überhaupt von den Murinen ab- 
stammen sollten, so hätten sie sich jedenfalls nicht über die Ratten hinweg aus 
ihnen entwickelt. Nun zeigt M. sylvaticus zwar noch einen ähnlichen Zahnbau 
wie M. decumanus, hat dagegen nur vier Wurzeln am Oi ; M. minutus hat deren 
fünf, aber M. musculus hat nur drei. Bei ihm ist die erste Schmelzschlinge 



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— 188 — 

gewissermaßen kopfförmig{nach vorne herausgeschoben, und der kleine Innenhöcker, 
der bei M. decumanus noch recht gut ausgebildet erscheint, ist so weit zurück- 
getreten und verkümmert, daß er mit dem inneren, ersten Höcker der zweiten 
Schmelzfalte am Grund durch eine Wurzel verbunden ist. Aus diesem Zahn 
konnte jedenfalls ein Prismenzahn nicht auf die Weise entstehen, daß sich die 
erste Schmelzschlinge in zwei zusammengehörende Einzelprismen teilte; sie 
stellt dort im Gegensatze zum decumanus-Z&hn ein unteilbares Einzelprisma 
dar und entspricht nur dem ersten, nicht dem ersten und zweiten Prisma von Oi der 
Arvicolinen. Ich würde daher nach der Terminologie Rörigs diese beiden Prismen 
nicht unter a und a, sondern a a und b nennen. Doch könnte man gegen 
diese Erklärung ebenso viele Einwendungen machen, wie ich gegen die von 
Hörig gemacht habe, da es nicht feststeht, ob sich der Zahn der Wühlmäuse 
aus einem dem Oi von musculus oder decumanus ähnlichen entwickelt hat. Es 
sprechen aber noch andere Tatsachen gegen die Annahme der Herrn Verfasser. 
Das letzte Vorstadium des alternierenden Prismenzahnes ist offenbar jener Zahn, des- 
sen Einzelprismen schon gut ausgebildet sind, aber noch einander gegenüberstehen. 
Einen solchen finden wir z. B. bei Cricetus; ferner zeigt sich diese Form (ich 
spreche wie im vorigen nur von Oi) sehr schön bei zwei Arten von Rennmäusen, 
die ich [in Gewöllen der marokkanischen Schleiereule fand. An diese Zahn- 
formen müssen wir uns halten, wenn wir die zufolge ihrer Entstehung aus ei- 
nem Doppelprisma als zusammengehörig zu betrachtenden Einzelprismen 
des Arvicolinenzahnes bestimmen wollen. Bei den genannten Nagern besteht 
Oi aus einer einfachen Kopf- und zwei Doppelschlingen. Aus diesem Zahn ent- 
stand, wie wir sahen, der eigentliche Prismenzahn infolge der Verschiebung 
der beiden Teile der Doppelschlinge. Beim Hamster findet man diese Ver- 
schiebung schon angedeutet; aber instruktiv sind die Oi der beiden Rennmaus- 
arten, die offenbar nahe verwandt sind. Bei der einen, Meriones shcnci, sehen 
wir einen ähnlichen Oi wie bei Cricetus. Der offenbar ein Ganzes darstellende 
Zahnkopf, das Prisma a von Röhrig, besitzt nur eine starke Wurzel. Bei 
dem kleineren Nager, Dipodülus campestris, ist die Entwicklung zum eigentlichen 
Prismenzahn schon besser zu sehen. Das mittlere Doppelprisma hat sich ge- 
teilt, und zwar derart, daß sich der innere Teil über den äußeren nach oben 
verschiebt; auch beim letzten Prisma ist die Teilung schon recht schön ange- 
deutet. Wenn die Teilung oder Verschiebung noch etwas weiter fortgeschritten ist, 
haben wir einen ganz richtigen Arvicola-Oi. Eine Teilung des Eopfprismas 
ist durchaus nicht zu erkeunen und auch seiner gauzen Gestalt nach höchst 
unwahrscheinlich. Zudem hätte sich bei der offenbaren Tendenz des Nager- 
zahnes, sich nicht nur in der Zahnreihe, sondern auch in sich selbst von vorn 
nach hinten fortschreitend zu entwickeln, das Kopfprisma vor dem Mitten- 
und Enddoppelprisma teilen müssen. Es liegt aber nahe, diesen Dipodillus- 
Zahn der Einteilung des Oi der Arvicolinen zu Grunde zu legen, und dann ge- 
hört das erste und zweite Einzelprisma nicht zusammen. Wenn übrigens bei 
den Arvicolinen die Trennung der Doppelschlinge in Einzelprismen dadurch zu- 
stande gekommen ist, daß sich die innere Hälfte des Doppelprismas über die 
äußere weg nach oben verschob, so ist die Zusammengehörigkeit der Einzel- 
prismen a und a des Oi von Arvicola ganz unmöglich. Es ist aber nicht ge- 
sagt, daß die Verschiebung bei den Arvicolinen tatsächlich auf die gleiche 
Weise stattgefunden hat wie bei Dipodülus, obschon es sehr verführerisch ist, 






— 189 — 

dies anzunehmen. — Ich habe meist nur von Oi gesprochen, weil ich die anderen 
Zähne nicht so allseitig untersucht habe. Der scheinbaren Übereinstimmung 
der oberen Zähne mit den unteren darf man m. E. keine zu große Bedeutung 
beimessen, es könnte leicht zu falschen Schlüssen führen. 

Der Beschreibung der Zahnwurzeln von Crieettts, p. 57, wäre noch einiges 
hinzuzufügen. Die von mir untersuchten, wahrscheinlich jüngeren Stücke zeigten 
eine etwas andere Bewurzelung, wie sie die Verf. angeben. Oi zeigt außer den 
vier Wurzeln, von denen Hörig spricht, noch eine fünfte ziemlich schwache, 
die in einem Falle das Außenprisma des zweiten Zahnfeldes stützt. Aus den 
Angaben in der Arbeit Rörigs geht nicht klar hervor, ob er an Os von Crice- 
tus zwei oder drei Zahnfelder unterscheidet Die kleine Schlinge am vorderen 
Ende von O2 kann man doch wohl nicht gut als Feld bezeichnen; gut ausge- 
bildet sind nur zwei Zahnfelder. Ich würde auch angenommen haben, daß 
Rörig nur zwei unterscheidet, wenn nicht erwähnt würde, daß jedes Feld von 
je einer Wurzel gestützt werde, während in der Zeichnung. Fig. 15a drei 
Wurzeln, für das erste Feld zwei, abgebildet sind. Aber auch so stimmen 
meine Befunde nicht ganz mit denen der Herrn Verf. überein. Ich fand am 
O2 vier Wurzeln, und zwar wurde jedes Teilprisma der zwei Doppelprisraen, 
Doppelschlingen, Zahnfelder, oder wie man sie bei Cricetus nennen mag, von je 
einer Wurzel gestützt. In einem Falle fand ich sogar (an einem Os des linken 
Oberkiefers) noch eine fünfte kleine Wurzel, die zwischen der ersten und zwei- 
ten stand und scheinbar zu dem kleinen vorderen Anhängsel gehörte. — Diese 
Unterschiede in der Zahnbewurzelung sind jedenfalls im Alter der untersuchten 
Tiere begründet. 

Dem sechsten kleinen Prisma an Oi von Arv. agrestis muß m. A. n. 
eine größere Beachtung geschenkt werden, als die Verf. es tun. Unter 85 
agrestis fand ich dieses kleine Prisma fünfzehnmal mehr oder minder deutlich 
ausgeprägt, und früher untersuchte ich schon einmal eine größere Anzahl von 
a^rmtis-Schädeln, unter denen ein noch größerer Prozentsatz das sechste Oi- 
Prisma aufwies. Ich kann die genauere Notiz in Bezug hierauf leider nicht 
mehr auffinden. Es müssen eingehende Untersuchungen über die Bildung des 
Oi in den verschiedenen Verbreitungsbezirken von Arv. agrestis angestellt 
werden, da sich daraus gewiß interessante Schlüsse auf die Phylogenese dieses 
Kleinsäugers ziehen lassen. 

Im allgemeinen bin ich nicht der Ansicht der Verf., daß sich in der On- 
togenese des Mäusezahnes viel für seine Phylogenese finden lassen dürfte. Der 
unentwickelte Zahn zeigt zu wenig bestimmte Formen. Bei den jungen Mu- 
rinen erscheint der letzte Zahn erst, wenn sie schon umherlaufen. Ich habe 
diesen noch gar nicht zum Vorschein gekommenen Zahn bei M. decumanus und 
rattus untersucht. Im allgemeinen deutete er die Form des späteren Zahnes an, 
war dagegen unten seiner Entstehung zufolge gänzlich unbewurzelt und weit 
geöffnet. Der jugendliche Zahn von Arv. amphibius entwickelt sich der ganzen 
Zahnreihe entsprechend von vorne nach hinten. Wenn das vordere Ende von Ot 
schon hervorkommt, sind die hinteren Prismen noch ganz verborgen. Ihre Kon- 
turen sind sehr wenig scharf, weil der Schmelz die ganze Oberfläche einnimmt und 
der Zahn sich nach oben ziemlich bedeutend zuspitzt und nicht wie im späteren 
Alter eine ebene Fläche bildet. In der unteren Öffnung des Prismenzahnes ist 
seine spätere Form jedoch schon ganz genau zu erkennen. 



* v W.^ 



— 190 — 

Es würde zuviel Raum beanspruchen, wenn ich noch langer bei der Ar- 
beit Ton Hörig und Börner verweilte. Ich kann jedem, der sich überhaupt 
für Naturwissenschaften interessiert, empfehlen, diese Arbeit eingehend zu stu- 
dieren. Sie bietet außerordentlich viel Belehrendes und Interessantes und wird 
die Grundlage für alle späteren derartigen Untersuchungen bilden müssen. 

H. Frb. Geyr von Schweppenburg. 



Smithsonian Institution (U. S. Nat Mus.). Bulletin of the U. S. Nat. Mus. 

No. 53: Part. I. Catalogue of the Type and Figured Specimens 
.of Fossils etc. by G. P. Merrill. Pt. I: Fossil Iovertebrates. Washington, 

Governm. Print. Office, 1905. 8°. 6, 704 pag. 

Es ist dies der erste Teil eines Kataloges, der die gesamten Typenschätze 
des Natidnalmuseums in Washington aufzählen soll. Hat auch dieser erste Band 
keine unmittelbare Beziehung zu den Disziplinen, die unsere Zeitschrift berück- 
sichtigt, so ist doch für viele der »Allgemeine Teil« von Interesse, der nament- 
lich auf p. 5—18 Aufschluß gibt über den hohen Wert von typischen Stücken 
in den Museen und über die so oft benutzten und doch so wenig bekannten 
Ausdrücke für primäre Typen oder Originale (Holotypeo, Cotypen, Paratypen 
u. s. w.), für Ersatztypen (Plesiotypen, Neotypen u. s. w.) und für Originalabdrücke 
oder Abgüsse von Tieren und Pflanzen. Auch die Literatur über diesen Gegen- 
stand auf p. 17 wird sicherlich mancher willkommen heißen. Bttgr. 



38. Jahres-Bericht der Zool. Sektion des Westfäl. Prov. -Vereins f. 

Wiss.u. Ku nst f. 1904—05. Herausg. v. Dir. Dr. H. Reeker. Münster, Regens - 

bergsche Druckerei, 1905. 8°. 68, 4 pag., Porträt. 

Wie immer bietet dieser Bericht, namentlich für den Vogelfreund, manches 
Wertvolle. . Vor allem ist hervorzuheben der mit dem Bildnis des Verewigten 
geschmückte, warme Nachruf auf Prof. Dr. Herrn. Land ois, den langjährigen 
Vorsitzenden des Vereins und den Begründer und Leiter des blühenden Zool. 
Gartens in Münster. Von ihm schreibt H. Löns mit Recht: »In ganz Westfalen 
ist Trauer; des Landes volkstümlichster Mann ist tot. Seit den Tagen des alten 
Freih. v. Vincke, jenes im bäuerlichen Blaukittel das Land durchstreifenden, 
treusorgenden Oberpräsidenten, hat in Westfalen kein Mann wie der gelebt, den 
seine Landsleute so geliebt haben wie den Prof. Landois, »Ihren Professor«. 
Auch der Nachruf auf Fried r, Freih. v. Droste-Hülshof und der Manu 
selbst ist beachtenswert. Auch er hat sich um die Kenntnis der Verbreitung 
der heimischen Tierwelt verdient gemacht. Außer vielen wertvollen, kleineren 
Mitteilungen, namentlich über zoologische Beobachtungen und Vorkommnisse im 
Münsterlande, die in den Monatssitzungen besprochen werden, hebe ich noch 
hervor eine Arbeit von H. Löns, der auf das Fehlen der Nacktschnecke Idmax 
einereoniger Wolf in Westfalen aufmerksam macht, wie ja auch der Weiße Storch 
im ganzen Lande und die Kreuzotter in dem östlich von der Ems gelegenen Teile 
der Provinz mangelt. Weitere Aufsätze beziehen sich auf den Nachweis von zwei 
neuen Psociden durch H. Löns, auf die Vogel weit des Huronensees bei Münster 
von P. Werner und auf ornithologische Beobachtungen aus dem Sauerlande im 
Jahre 1903 von W. Hennemann, eine Arbeit, die auch in der Ornithol. Monats- 
schrift 1904 p. 369 ff. zum Abdruck gekommen ist. Endlich behandelt P. Werner 



-•-F^&Ziiy- 



- 191 — 

in einem sehr instruktiven Aufsatze die Frage: »Wer baut bei unsern Vögeln 
das Nest?c und gibt sodann eine Tabelle für Ankunft und Abzug der west- 
fälischen Vögel. R. Koch bringt zum Schlüsse ornithologische Mitteilungen über 
den Schwarzspecht) die Gebirgsbachstelze und eine Anzahl von seltneren Wasser- 
Tögeln. Bttgr. 

Dir. Dr. E. A. Goeldi, Os mosquitos no Pari — Sep.-Abdr. a. Mem. Mus. 
Goeldi de Hist. nat e Ethnogr. No. IV, 1905. Parä (Brazil). Gr. 4°. 154 
pag., 21 Taf. 

Wir entnehmen einer eingehenden Würdigung dieser vorzüglich ausge- 
statteten Arbeit durch Dr. J. C. H. de Meijere in Schubergs Zool. Zentralblatt 
Bd. 12, 1905 p. 757—759, daß das auch uns vorliegende Werk vier wichtige 
Abhandinngen über brasilianische Stechmücken (Culiciden) enthält. Zwei davon, 
die über die Gefahr der Moskitos in hygienischer Beziehung und über die Er- 
gebnisse von Versuchen an Stegomyia fasciata und Culex fatigans handeln, seien 
älteren Datums und hier nur nochmals abgedruckt. Der dritte Abschnitt gebe 
mmg u ilet inte Erörterungen über die Biologie vieler brasilianischer Arten. »Die 
verschiedenen Entwicklungsstadien werden in ausführlicher Weise besprochen ; 
auch die Form der Eiablage und der Bau der Eischale wird untersucht.« Außer 
über Culiciden enthält die Arbeit aber auch Mitteilungen über einige Chiron o- 
miden. Was die als »miruim« bezeichnete Mücke anlangt, so handelt es sich 
nach de Meijere wohl sicher um einen Ceratopogon aus der Verwandtschaft 
der C. arenatus. Der letzte Abschnitt behandelt die Lebensgeschichte der Stego- 
myia fasciata. »In Brasilien findet sich in den Häusern diese besonders als Tag- 
tier, der Culex fatigans als Nachttier. Anopheles bewohnt mehr die sumpfigen 
Niederungen im Innern des Staates und ist in der Stadt selten. Die Fieber, 
krankheiten in der Stadt sind auch von andrer Natur und haben mit echter 
Malaria nichts zu schaffen. Die Notwendigkeit der Blutaufnahme für die Ent- 
wicklung der Eier bei allen diesen Stechmücken wird besprochen und die Meinung 
verteidigt, daß die Stegomyia durch den Sklavenhandel aus Afrika eingeschleppt 
worden sei. Was die eigentliche Ursache des Gelben Fiebers anlangt, so meint 
der Verfasser, es werde die Krankheit durch ein in den Speicheldrüsen befind- 
liches Gift verursacht, so daß jedem Stich eine, wenngleich in vereinzelten Fällen 
nicht bemerkbare Infektion folge. In einer Anmerkung wird jedoch die Möglich- 
keit eines besonderen Parasiten nicht ganz von der Hand gewiesen; dieser wäre 
dann aber höchstens eine äußerst winzige Bakterie, keinesfalls ein verhältnis- 
mäßig hochentwickelter Parasit wie bei der Malaria. Entgegen den Ergebnissen 
der französischen Kommission des Instituts Pasteur wird daran festgehalten, daß 
Stegomyia nur ganz ausnahmsweise während der Nacht zum Stiche gelangt, was 
ja nicht ausschließt, daß das Fieber oft erst während der Nacht zum Ausbruch 
koHuntc Bttgr. 

Prof. Dr. L. v. Heyden, Die Varietäten der Crioceris asparagi L. und macilenta 
Weise. — Sep.-Abdr. a. Wiener Entomolog. Zeitung, Jg. 25, Heft 2—4 v. 
15. März 1906. 8°. 4 pag., 10 Fig. 

In dieser Notiz gibt der Verfasser, auf die Arbeit W. Schusters im 

Zool. Garten Jg. 1905 p. 211 ff. fußend, eine Übersicht über alle bis jetzt be- 



..* V 



^ 



1 



— 192 — 

kannten Formen der Crioceris asparagi L. Er stützt sich dabei nicht bloß 
auf eine gründliche Kenntnis der Literatur, sondern auch neben den Materialien 
seiner- einzig dastehenden Sammlung auf Schustersche Originale. Abweichend 
von Schuster hält er die dunkelgefärbten Stücke für die ursprünglicheren, wenn 
er auch offenläßt, ob diese oder 4ie Formen mit heller Grundfarbe als »Stamm- 
art« aufzufassen sind. Nach dem Verfasser ist var. trifasciata Schust. = var. 
linnei Pic 1895, var. nornuilis Schust. = var. anticeconjuncta Pic 1900 und var. 
pupillata Schust. 1905, non Ahrens 1812 = var. schustert eine neue Varietät. 
Nur die var. quadripunctata Schust. und var. cruciata Schust. 1905 werden von 
ihm anerkannt. Die Zeichnungen sämtlicher bekannten Formen werden schema- 
tisch dargestellt. Bttgr. 

Eingegangene Beiträge. 



Dr. R. 8. in A. Notiz dankend erhalten. 
Verzögerung. — Dr. H. F.-S. in Z. (Schweiz). 



Ich war ein paar Tage verreist, daher die 
Näheres erhalten Sie brieflich. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion E. 

Beck -Cor rodi in Hirzel. Zürich, Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 2t. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. K. Korscheit, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg., 1906. No. 7. 
Prof. Dr. G. Jägers Mona,tsblatt. Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Kohlhammer. 25. Jahrg. 1906. No. 6. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. v. E. 

PrÖs ler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 33—34. 
Blätter für Aquarien- (u. Terrarien-Kunde. Herausg. v. W. Köhler. Verlag 

d. Creutzschen Buchh., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 20—21. 
Anzeiger d. K. Akad. d. Wiss. Wien. Math.-naturw. Ol. Jahrg. 1906. No. 11-14. Wien, 

K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 
Natur und Haus. Illustr. Zeitsohr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. M. Braß. Ver- 
lag v. H. 8chultze, Dresden-Streb len, 1906. Jahrg. 14. Heft 16. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelhebhäber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 35, 1906. No. 20—21. 
Archiv d. Ver. d. Freunde d. Naturgesoh. in Mecklenburg. 60. Jahrg. I. Abt. 

Güstrow, in Komm, bei Opitz & Co., 1906. 8°. 94 pag., 2 Taf. 
Forstmeister K. Loos, Der Uhu in Böhmen. 8aaz, Druck v. J. Günzel, 1906. 4°. 73 pag.. 

5 Taf., 3 Karten. — Preis 4 K. 50 h. 
Smithsonian Institution (U. S. Nat. Museum): Prooeed. of the U. S.'Nat. Museum 

Vol. 29. Washington, Governm. Prlnt Office, 1906. 8°. 16,840 pag., 143 Fig., 44 Taf. 
Wochenschrift für Aquar.- u. Terrarienkunde. Herausg. v. Dr. W. Wolter s- 

torff. Braunschweig, Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. Jahrg. 3, No. 21—23. 
Annual Report of the Aoademy of Nat. Siences of Philadelphia for 1905. — 

Sep.-Abdr. a. Proeeed. Acad. 8c. Philadelphia 1905. 4°. 27 pag. 
Correspondenzblatt für Fischzüchter, Teichwirte u. Seenbesitzer. Herausg. 

v. P, Vogel. Bautzen, Verlag v. E. Hübner, 1906. Jahrg. 13. No. 11. 
V. Faussek, Biologische Untersuchungen in Transkaspien. — Sep.-Abdr. a. Verh. K.^qss. 

Geogr. Ges., Abt. Allg. Geogr., Bd. 27. St. Petersburg, 1906. 8°. 4,193 pag., 64) Fig., 

4 ohromolith. Taf. (russ.) 
Prof. Dr. H. Simroth, Über die Verbreitung der Haifische. — Sep.-Abdr. a. Sitz.-Ber 

Naturf. Ges. Leipzig 1906. 8°. 16 pag. 
G. A. Boulenger, Ueports en the Keptiles and Batrachians, collected by the late L. Jfea 

in West Africa. — x Sep.-Abdr. a. Ann. Mus. Oiv. St. Nat. Genova iß) Vol. 2, 1906. 8°. 

21 pag., 9 Fig. und 16 pag., 1 Fig., 2 Taf. 
Derselbe, Descriptions of new Batrachians discovered by Mr. G. L. Bates in South 

Oameroon. — Sep.-Abdr. a. Ann. a. Mag. N. H. (7j Bd. 17, 1906. 8°. 7 pag., 2 Fig. 
Derselbe, On a melanistic Wall Lizard. - Sep.-Abdr. a. Proo. Zool. Soc. London 1905 

Bd. 2. 1906. 8°. 1 pag. 
Zoologie al Gar de nsGiza near üairo. Report f. the year 1905 by the Director 

Captain S. 8. F 1 o w e r. Oairo, Nation. Print. Departm. 1906. 8°. 32 pag. 



Zusendungen werden direkt an die Yerl&gshandlung erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reinhold Mahlau. Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



.•*":■ 



Zoologischer Beobachter 

— %& Der Zoologische Garten, -sts— 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldschmidt. 



NT- 7. XLVIL Jahrgang, Juli 1906. 



Inhalt. 

Die Säugetiere, ftsthetisoh betrachtet; von Prof. Dp. K, Möbius, Geh. Reg -Rat in 
Berlin. (Schluß.) Die Turtel- oder Rh ein taube; von Wilhelm Schuster in Liverpool 
(England). — Die Lachmöwe in der Schweiz (Larus ridib'**.dus L. 1766); von Dr. H. Fisch er- 
Sigwart in Zofingen. — Ornit ho logische Notizen au» Westfalen; von stud. Paul Werner 
in Bonn a. Rh. — Nachtrag zu „Tiernamen in Hessen" (Vergl. Zool. Beobachter Jahrg. 190(5 
No. 6.); von Wilhelm Schuster in Liverpool (England). — Kleinere Mitteilungen. - 
Literatur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. 



Die Säugetiere, ästhetisch betrachtet. 

Von Prof. Dr. K. Möbius, Geh. Reg.-Rat in Berlin. 

(Schluß.) 



Die katze u artigen Raubtiere (Felidae) haben einen 
kürzeren Kopf und eine weniger zugespitzte Schnauze als die hunde- 
artigen: Ihr Gesicht erinnert daher mehr an das menschliche und 
gefällt deswegen mehr als das Gesicht der Hunde, Wölfe und Füchse. 
Ihr Rumpf ist länger, die Beine der meisten Arten sind kürzer als 
die der schönen Ganiden. Ihr Gang erscheint daher nicht so leicht 
wie der Gang der Hunde. 

Die Schwänze der verschiedenen Katzenarten sind un- 
gleich lang. Sehr kurze und sehr lange Schwänze gefallen weniger 
als Schwäuze von Rumpflänge. Sehr kurze Schwänze, wie die der 
Luchse Felis lynx, Felis caracal und Felis chaus erscheinen zu leicht, 
sehr lange, wie der Schwanz des Löwen, des Tigers, Pumas und 
Leopards erscheinen zu schwer und lenken den Blick des Beschauers 
von der Hauptmasse des Körpers zu stark nach hinten hiu ab. Die 
Haarquaste am Ende des Löwenschwanzes gefällt als ein den Blick 
fesselnder und beruhigender Abschluß des langen Schweifes. 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XL VII. 1906. 13 






EW" 






— 194 — 






'4 



Die Nase des Löwen ist höber und vorn stärker abgestampft 
als die Nase des Tigers, Dadurch wird die Löwennase der mensch- 
lichen ähnlicher, und das Löwengesicht gefällt deswegen mehr als 
das Tigergesicht; 

Ein bemähnter, aasgewachsener männlicher Löwe, der einen, be- 
stimmten Gegenstand angriffsbereit fixiert, gilt seit alten Zeiten bei 
asiatischen und europäischen Völkern als der schönste Typus tierischer 
Kraft und Gewandtheit und tierischen Mutes. Wäre der gemahnte 
Löwe nicht größer als die Hauskatze, so würde er diesen bedeuten- 
den ästhetischen Eindruck nicht machen. Große Arten einer und 
derselben tierischen Grundform sind der Ausdruck größerer Kraft 
und Leistungsfähigkeit als kleine Arten. 

Durch seine Größe und Körperform macht der Tiger einen 
ähnlichen gewaltigen Eindruck wie der Löwe. Er zieht den Blick 
aber auch noch stark an durch die schwarzen Streifen seines Felles. 
Diese machen ihn auffallender als die Löwengestalt, in der uns die 
gewaltige Kraft der Katzenriesen ruhiger entgegentritt. Noch mehr 
als die schwarzen Querstreifen des Tigers führen die schwarzen 
Ringelflecke der Leoparden den Blick hin und her. Sie erschweren 
die Auffassung der ganzen Tiergestalt zu einer befriedigenden ästhe- 
tischen Einheit noch mehr als die Querstreifen, die den Blicklauf 
über die Längsseiten des Rumpfes hiu aufhalten. 

Die unentbehrliche erste Grundlage ästhetischer Wirkungen der 
Tiere auf uns ist ihre Form; denn durch diese zeigen sie uns an, 
wie sie sich bewegen und zu ihrer Umgebung verhalten. Aus ihren 
Formen un»l Bewegungen schließen wir auf die Seelen zustände der 
Tiere, nicht aus ihren Farben und Zeichnungen, obgleich diese durch 
ihre auffallende Abweichung von den Farben der Umgebung die 
Aufmerksamkeit vorwiegend fesseln können. 

Die Form der marderartige n Raubtiere (Mustela, Putorius) 
ist nicht so schön wie die der hunde- und katzenartigen. Ihr Rumpf 
ist zu lang; er scheint auf den kurzen Beinen stark zu lasten, aber 
der buschige Schwanz, die gewandten Biegungen des schlanken Leibes 
und die Schnelligkeit ihres geräuschlosen Laufes gefallen. Auch die 
Ottern (Lutra) haben einen zu langen Leib und zu kurze Beine, 
fesseln aber den Blick durch ihre lebhaften und behenden Bewegungen 
im Wasser. 

Die bärenartigen Raubtiere (Ursidae) gefallen als Sohlen- 
gänger, besonders dann, wenn sie sich auf den Hinterbeinen auf- 
richten und die Vorderbeine wie Arme und Hände zum Klettern und 



— 195 — 

* 

Greifen gebrauchen. Ans diesen Bewegungen schließen wir, daß sie 
verständiger sind als Sängetiere, die die vier Beine nur zum Laufen 
brauchen können. Wenn sie gehen, gefallen sie weniger. Ihr Gang 
ist schwerfällig. Kopf und Hals machen den Eindruck einer schweren 
Last, weil sie wagerecht gehalten werden. Das wird besonders deut- 
lich bei dem Eisbär, Ursus maritimus. 

Die kleineren Ursiden (Nasua, Cercoleptes, Arctitis) gefallen 
weniger. Leib und Schwanz sind zu lang, die Beine zu kurz. 

Häßlich sind die Hyänen (Hyaenidae). Der abschüssige Hinter- 
rücken liegt wie eine Last auf den Hinterbeinen. Die Ohren sind 
zu groß, der Blick ist unruhig und scheu. 

Die meisten Kerbtierfresser (Insectivora) sind nicht schön. 
An dem Körper der Igel (Erinaceus), Borstenigel (Centetes) und Mull- 
würfe (Tatpinae: Taipa^ Chrysochloris, Condylura) fehlt die deutliche 
Gliederung in Kopf, Hals und Rumpf. Die Beine sind so kurz, daß 
sie den Bauch kaum über deu Boden erbeben. Augen und Ohren, 
die wir an andern Säugetieren zu sehen gewohnt sind, liegen ver- 
borgen unter deu Haaren. An den Spitzmäusen (Soricidae) miß- 
fällt der Schwanz, weil er nicht ebenso dicht behaart ist wie der 
Rumpf. Er bildet kein befriedigendes Gegengewicht gegen den Kopf 
und Hals wie bei dem Spitz hörnchen , Cladobates tana, das einen 
langhaarigen Schwanz hat uud deswegen gefällt. 

Schöne Nagetiere (Rod&ntia) sind die Eichhörnchen 
(Sciurus). Kopf, Hals und Rumpf sind deutlich von einander ab- 
gesondert. Der Schwauz ist langbehaart und sehr beweglich. Die 
Vorderpfoten dienen wie Hände zum Ergreifen und Halten der Nähr- 
stoffe. Sie klettern sicher und gewandt. 

Ratten und Mäuse mißfallen, weil ihr Schwanz nackt ist, weil 
sie sich unbemerkt in unsere Wohnungen einschleicheu, durch nächt- 
liches Nagen unsern Schlaf stören und durch ihre Gefräßigkeit 
Schaden anrichten. 

Die Spring mause, Dipus und Älactaga, und der Spriughase, 
J?edetes, gefallen wegen ihrer Sprunggewandtheit. Wenn sie sich auf 
ihren langen Hinterbeinen aufrichten und die kleinen Vorderbeine 
vor die Brust halten, erscheinen sie verständig und klug, aber die 
großen Ohren, ihre Schüchternheit und Unruhe mindern diesen ästhe- 
tischen Wert wieder. 

Den großen Nagetieren fehlt die Zierlichkeit der kleinen Arten. 
Das größte Nagetier , das südamerikanische Wasserschwein, 
Hydrochoerus capybara, ist plump. Der Kopf ist zu groß, der Hals 



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— 196 — 



zu kurz, der Schwanz fehlt. Das Agit ti, Dasyprocta aguti, ist kleiner 
und zierlicher. 

Der Biber, Castor, ist plump. Sein Schwanz mißfällt nicht 
so wie der dünne Schwanz der Ratten und Mäuse, weil er breiter 
nud massiger ist. Aufrechtsitzend, die Vorderfüße wie Hände ge- 
brauchend, sieht der Biber verstäudig aus. 

Die Stachelschweine, Hystrichidae, ziehen durch ihr Stachel- 
kleid die Aufmerksamkeit auf sich. Der Greifschwanz des Gercolabes 
prehensilis u. a. Arten macht einen absonderlichen Eindruck, weil 
er nicht wie die Hände vor den Augen, sondern weit hinter ihnen 
arbeitet. 

Die Beuteltiere, Marsupialia, sind in ästhetischer Hinsicht 
den Raubtieren und Nagern ähnlich. Bei den großen Beutelratten, 
Didelphys, wirkt der kahle Schwanz noch widerlicher als bei den 
kleineren Ratten und Mäuseu. Das Tasmanische Opossum, 
Trichosurus ftdiginosus, erhält durch seinen langhaarigen Schwanz 
die gefällige Form der Eichhörnchen. Sehr zierlich ist der Kleine 
Flugbeut 1 er, Acrobates pygmaeus, dessen Schwanz federförmig 
behaart ist. 

Einen bedeutenden ästhetischen Eindruck machen die Känguruhs, 
Macropu&i durch ihre Sprungfähigkeit und aufrechte Haltung. Wenn 
sie mit den kleinen Vorderfüßen Nahrung aufnehmen und zum 
Munde führen, sehen sie verstäudig aus. 

Die Schnabeltiere, Ornitkorhynchus und Echidna, weichen 
durch ihre flachen, lippenlosen Kiefer und kurzen Beine weit ab von 
typisch schönen Säugetieren. 

Sehr verschiedene Gestalten enthält die Ordnung der Zahn- 
armen (Edentata). Die regelmäßige Form und Anordnung der 
Hornschuppen der Schuppeutiere, Manis, ist schön. Der kleine Kopf, 
die kurzen Beine und der massige Schwanz gefallen nicht. 

Auch die Ameisenfresser, Myrmecophaga, haben kurze Beine 
und lange Krallen, auf denen sie sich nur langsam fortbewegen. 
Aus ihrem Benehmen und dem geringen Umfange ihres Kopfes 
schließen wir, daß ihr Seelenleben gleichförmig abläuft. Der lang- 
haarige Schwanz des Großen Ameisenbären, Myrmecophaga jubata, 
gefallt mehr als die kurzhaarigen Schwänze der langsam kletternden 
kleineren Arten Myrmecophaga tetradactyla und didactyla. 

Die Faultiere, Bradypoda, sind häßlich. Die grauen struppigen 
Haare, die übermäßig langen Vorderbeine, die großen Krallen, die 
blöden Augen, die langsamen Bewegungen weichen so sehr von deu 



— 197 — 

Eigenschaften schöner Säugetiere ab, daß uns ihr Anblick nicht be- 
friedigt. Wir können ihnen nur ein geringes geistiges Leben bei- 
messen. 

Die Gürteltiere sind schöner. Die regelmäßige Gliederung 
ihres Panzers uud die flinken Bewegungen ihrer grabkräftigen Beine 
gefallen. 

Die Wasser-Säugetiere weichen durch ihre Formen und 
Bewegungen weit ab von den Land -Säugetieren. Die Robben, 
Pinnipedidi bewegen sich im Wasser sehr gewandt, lassen aber, wenn 
sie an die Oberfläche kommen, nur ihren Kopf sehen. Der kurze, 
runde Kopf und die nach vorn gerichteteu, großen Augen geben 
ihnen ein menschenähnliches Ansehen, was gefallt. Wenn sie am 
Strande liegen, gefallen sie weniger, weil Kopf, Hals und Rumpf 
uudeutlich von einander abgegliedert sind, und weil sie sich mit ihren 
Ruderfüßen nur schwerfällig fortbewegen können. Die Ohrenrobben, 
Otariidae^ haben läugere Beine als die Seehunde, Phocinae, können 
sich auf dem Lande aufrichten und leichter fortbewegen und gelten 
deswegen -für schöner als diese. 

Die Meerkühe, Sirenia, sind spindelförmige, plumpe Ge- 
stalten, die sich durch ihre flossenartigen Vorderbeine und den breiten 
flachen Schwauz nur im Wasser langsam fortbewegen. Diesen fried- 
lichen Pflanzenfressern warmer Meere und Flußmündungen können 
wir nur ein beschränktes Seelenleben beimessen. 

Die Wale, Cetacea^ machen einen ähnlichen ästhetischen Ein- 
druck wie große Fische. Der Körper ist eine ungegliederte, spindel- 
förmige Masse mit Brustflossen. Der Schwanz besteht aus zwei 
wagerecht ausgedehnten, flachen Flügeln und ist daher schöner als 
der einfache Schwanz der Meerkühe. Der große Kopf mit den kleinen 
Augen und der tief gespaltene Rachen machen die Barten wale und 
den Pottwal sehr häßlich. Aber Staunen erregen diese Tierkolosse, 
wenn sie sich über das Meer emporschnellen oder tot am Strande 
liegen. 

Die Fledermäuse, Chiroptera, findet niemand schön. Kopf, 
Hals und Rumpf gehen ohne Abgliederung ineinander über. Die 
Arme sind sehr verlängert, die Beine kurz. Zwischen den Armen, 
den Fingern, den Beinen und dem Schwänze sind kahle, dünne Häute 
ausgebreitet, die sie zusammenfalten, wenn sie sich an den Füßen 
aufhängen. Sie kriechen auf dem Bauche, indem sie sich mittels der 
Krallen des Daumens und der Füße vorwärtsschieben. Diese Eigen- 
schaften der Fledermäuse widersprechen unserer Vorstellung von 






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— 198 — 

einem wohlgegliederten Säugetiere so sehr, daß wir sie häßlich finden, 
\^ obgleich sie fliegen können, also fähig sind, die vollkommensten Be- 

wegungen lebender Wesen auszufahren. Der Flug der Fledermäuse 
macht nicht einen so schönen Eindruck wie der Flug der Vögel, 
weil er in der Dämmerung und in der Nacht ausgeführt wird. Man 
wird unvermutet von dem Flieger überrascht und erschreckt zu einer 
Zeit, in der die bekannten schönen Flieger ruhen. Zum nächtlichen 
Fluge uud zum Fangen nächtlicher Insekten passen auch die dunkle 
. Farbe der Fledermäuse und ihre großen Ohren. Den Engeln hat 
die menschliche Phantasie hellfarbige Vogelflügel gegeben, den 
Teufeln dunkle Fledermausflügel. 

Der Fiat termak i, Galeopithecus, steht im System der Säuge- 
tiere zwischen den Insektenfressern und den Fledermäusen. Der Rumpf 
ist von den Vorder- und Hinterbeinen nicht so deutlich abgesondert, 
daß er sofort als vorherrschende Masse erkannt wird, weil er von 
Hautplatten ganz umrahmt ist. Diese haben sich aber trotz ihrer 
Ausdehnung nicht zu Flugorganen ausgebildet. Sie erscheinen daher 
als Versuche, die nicht gefallen. 

Die Affen, Simiae, nennt B r e h m »fratzenhafte Wesen c l ). 
Bolau findet »das Gesicht des alten Orang Dtan abscheulich häß- 
lich« 2 ). Diese ästhetischen Urteile beziehen sich auf Arten, deren 
Menscheuähnlichkeit sofort in die Augen fällt. Der breite, vorstehende 
Mund, die flache Nase, die langen, fast bis an die Füße hinunter- 
hängenden Arme, die wadeulosen Beine, die vorgebogenen Knie er- 
scheinen als mißlungene Nachahmungen der Menschengestalt. Des- 
wegen machen die anthropomorphen Affen einen widerwärtigen und 
häßlichen Eindruck. 

Andere weniger menschenähnliche Affenformen: die Paviane, 
Cynocephälus, die Meerkatzen, Gercopithecus, Macacus, die S t u ra - 
mel äffen, Colobus, die nicht aufrecht gehen, sondern mit allen vier 
Beinen behend laufen, springen und klettern, mißfallen weniger und 
ergötzen durch ihre Bewegungen und menschenähnliches Benehmen. 

Die volle Mähne des Man telpavian s, Cynocephälus harna- 
dryaS) die langen weißen Haare an den Rumpfseiten des 
St um mel äffen , Colobus guereza, verschönern diese Tiere. Große 
Haarmasseu erscheinen wie Ausstrahlungen innerer Bildnngskräfte. 

Der Mandriil, Cynocephälus mormon^ ist wegen seiner blauen 
gefurchten Backen und seines nackten glänzend roten Gesäßes 

l ) A. Brehm, Tierleben. 3. Aufl. 1890, I, S. 35. 

*) H. Bolau, Zoologischer Garten, Jahrg. 1894, S. 99. 



— 199 — 

»der scheußlichste aller Affen« genannt worden. 1 ) Die blaue und die 
feuerrote Farbe weichen von den gewöhnlichen Säugetierfarben so 
sehr ab, daß wir durch sie abgestoßen werden. Am Gefieder der 
Vögel mißfallen ,uns solche lebhaften, auffallenden Farben nicht. Hier 
zeigt sich wieder deutlich, daß unsere ästhetischen Urteile über an- 
geschaute Tiere aus Vergleichungen mit Vorstellungen von Muster- 
tieren entspringen, die wir uns aus früher oft gesehenen Tierformen 
gebildet haben. 

Die südamerikanischen Krallenaffen, Hapalejacchus und Hapdle 
rosalia, gefallen als zierliche, zutrauliche Kletterer. Durch die geringe 
Größe und die dichte Behaarung des ganzen Körpers weichen sie so 
sehr von der Gestalt des Menschen ab, daß sie zu mißfälligen Ver- 
gleichen mit dieser keinen Anlaß geben. 

Der langhaarige Schwanz der Stummelaffen Colobtis guereza 
und Colobus caudatus gefällt mehr als die kurzhaarigen, langen 
Schwänze der Meerkatzen, Er verrät mehr innere Bildungskraft. 

Die Greifschwänze der südamerikanischen Brüllaffen, 
Mycetes, und der Schlankaffen, Ateles, gefallen nicht, weil wir 
gewohnt sind, die Greiforgane anderer Tiere und des Menschen da- 
hin gerichtet zu sehen, wohinwärts die Augen gewöhnlich blicken. 

Sehen wir Klammeraffen auf Bäumen oder in geräumigen Käfigen 
klettern, so staunen wir über ihre seltsamen Bewegungen, aber die 
ungewöhnliche Länge und Gelenkigkeit ihrer Arme und Beine und 
des Schwanzes lenken den Blick von dem schmächtigen Rumpfe so 
sehr ab, daß dieser nicht als die vorherrschende Masse des ganzen 
Körpers auftritt, als welche wir den Rumpf in schönen Säugetieren 
zu sehen gewohnt sind. 

Unter den Halbaffen, Prosimiae, sind die Lemuren, Lemu- 
riäae y die schönsten. Sie laufen, springen und klettern geschickt und 
haben einen dichthaarigen Schwanz. 

Die kleinen Halbaffen, Stenops und Tarsius, gefallen weniger, 
weil sie sich langsam und ängstlich bewegen. Ihre Augen sind un- 
gewöhnlich groß und stehen sich näher, als unser Idealbild eines 
schönen Säugetiergesichtes fordert. 

Das Fingertier, Chiromys madagascariensis, ist häßlich, weil 
es ungewöhnlich lange Finger und übermäßig große Ohren hat uod 
sich träge bewegt. 



*) Leunis-Ludwig, Synopsis der Tierkunde. 3. Aufl. 1883, S. 160. 



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1 



— 200 — 

Zusammenfassung der Gedanken über die ästhetischen 

Eigenschaften der Säugetiere. 

Angeborene Ideale schöner Säugetiere gibt es nicht. 

Säugetiere, die wir oft sehen, deren Gestalt, Farbe und Be- 
wegungen uns gefallen, liefern uns ungesucht die Grundlagen für 
Vorstellungen von Musterbildern, mit welchen wir audere Säugetier- 
formen ästhetisch vergleichen. 

Ästhetisch wichtige Eigenschaften der Säugetiere sind : Die gleich- 
mäßige Ausbildung der rechten und linken Seite des Körpers; die 
Längsgliederung des Körpers in Kopf, Hals, Rumpf und Schwanz; 
zwei Paar Beine an der Unterseite des Rumpfes; mit Haaren be- 
deckte Haut, die bestäudig ebenso warm ist wie die Haut des 
Menschen; am Kopfe über dem Munde ein Paar Nasenlöcher, ein 
Paar Augen und ein Paar Ohren. 

Der mehr oder weniger angenehme oder unangenehme Eindruck, 
den der Anblick eines Säugetieres in uns hervorruft, wird bestimmt 
durch die verhältnismäßige Größe uud Stellung der Körperteile zu- 
einander, sowie auch durch deren Bewegungsweise und Färbung. 

Von dem Rumpfe, als der größten Masse, wird der Blick zu- 
erst angezogen, ehe er den an ihn angegliederten Teilen nachgeht. 

Aus der Größe des ganzen Säugetieres, aus der Haltung und 
den Bewegungen seiner Teile schließen wir auf seine inneren Kräfte 
und seine psychischen Zustände; wir versetzen uns in seine Gefühls- 
und Willensstimmung; wir nehmen nicht bloß sein Äußeres wahr, 
wir durchschauen es gewissermaßen, ohne uns im geringsten da- 
durch beunruhigt zu fühlen, daß wir nicht alle Ursachen der Formen, 
Farben und Bewegungen, die uns gefallen oder mißfallen, kennen. 

Große Säugetiere machen einen bedeutenderen, kraftvolleren 
ästhetischen Eindruck als kleine von derselben Grundform. Kleine 
sind zierlicher und erinnern an unerfahrene, junge Individuen großer 
Formen. Wir messen ihnen ein beschränkteres, ärmeres, schwächeres 
Selbstgefühl zu als den großen. 

Verhältnismäßig große glänzende Augen sind schöner als 
kleine und matte. In den Augen konzentriert sich der Ausdruck 
des körperlichen Befiudens, des Willens und der psychischen Stim- 
mung, in großen Augen deutlicher und wirksamer als in kleinen. 
Säugetiere mit sehr kleinen oder ganz bedeckten Augen gefallen nicht. 

Hochgetragene Ohren sind schöner als hängende' Ohren, weil 
sie sich dem Schall entgegenrichten. Die hängenden sind unnütze, 
untätige Anhänge. 



— 201 — 

Der Schwanz erhält dadurch ästhetischen Wert, daß er als 
Gegengewicht der Kopf- und Halsmasse erscheint und den Eindruck 
des Rumpfes als Hauptmasse des ganzen Körpers erhöht. Lang- 
haarige, umfangreiche Schwänze sind daher schöner als kurzhaarige; 
kahle sind häßlich, sie sehen unfertig und krank aus. Tätige 
Schwänze gefallen mehr als untätig nachgeschleppte. Wedelnde 
Schwänze gefallen, weil sie Gefühle ausdrücken. 

Das Greifen mit einem weit von den Augen abgewendeten 
Schwanzende kommt uns widersinnig vor, gefällt daher nicht so 
wie das Greifen mit Händen und Vorderpfoten oder einem Rüssel. 

An einfarbigen Individuen tritt der ästhetische Wert 
der Form deutlicher hervor als an gefleckten und gestreiften In- 
dividuen derselben Tiergrupe. Flecke führen den Blick hin und her 
und erschweren die Erfassung der ästhetischen Einheit. Längsstreifen 
sind schöner als Querstreifen, weil sie den Hauptrichtungen der 
Formteile folgen. Unregelmäßige Fleckung ist häßlich, weil sie der 
erwarteten Ebenmäßigkeit widerspricht. 



Die Turtel- oder ßheintaube. 

Von Wilhelm Schuster in Liverpool (England). 



Um der Wahrheit des Tatsachenbestaudes willen möchte ich 
diese Zeilen gedruckt sehen. 

J. Fr. Naumaun, der in allen Vogelfragen, von Einzelheiten 
abgesehen T bis dahin noch immer kompetent ist, schreibt von der 
Turteltaube: »Sie verläßt die Eier öfters, wenn sie jemand nur beim 
Neste sieht, und allemal, wenn sie heruntergescheucht 
wurde.« Was soll man nun dazu sagen, wenu ein Frankfurter 
Herr fast geradezu das Gegenteil davon mitteilt (wie es in unserem 
»Zool. Beob.« 1906 geschehen ist)? Sind da nicht die Tatsachen ein- 
fach auf den Kopf gestellt? Ich verweise auf meine erstmaligen — 
m. E. einzig richtigen — Feststellungen über die in Frage stehende 
Lebensgewohnheit der Turteltaube, die (niedergelegt im »Zool. Gart.« 
1905) die Naumanu'sche Angabe etwas modifizieren — denn auch 
nach einem einmaligen , ja ausnahmsweise nach einem zwei- 
oder gar dreimaligen Herabscheuchen ging die Turteltaube wieder 
aufs Nest. Diese Richtigstellung ist in der ornithologischen Jahres- 
überschau pro 1905 in dem soeben erschienenen gediegenen »Illustr. 
Jahrbuch der Naturkunde« 1906 wie in den bekannten Wiener 



- 202 — 

Mitteilungen über die Vogelwelt« notiert worden. Ich bitte da-, 
selbst nachzulesen. 

Ich kann ferner auf Treu und Glauben versichern (und jeder 
ehrenfeste Mann wird keinen Zweifel darein setzen), daß ich fast 
alle meine Turteltauben nester mit meinen Brüdern in Blätterhecken 
und Lanbholz gefunden habe, nicht in Nadelholz, wie von anderer 
Seite gänzlich irrtümlich angegeben worden ist. Das wird übrigens 
j^ so auch von den älteren Autoren mitgeteilt. 

Das »hab«, den Schluckton des verliebten Taubers, glaube ich 
jetzt auch gehört zu haben. Doch muß man in allernächster Nähe 
sein und sehr scharf hinhören. Nicht vielen Beobachtern und nur 
feinhörigen wird diese Möglichkeit geboten sein. 

Es ist gar keine Frage, daß die Turteltaube am. Ehein am 
häufigsten ist (und in Deutschland überhaupt häufiger als in 
Eugland), sodaß sie also ihren alten Namen »Rheiutaube« mit vollem 
Recht trägt. 

Es bleibt im übrigen bei meinen früheren Aufstellungen (»Zool. 
Gart.« 1905). 



Die Lachmöwe in der Schweiz (Larus ridibundus L. 1766). 

Von Dr. H. Fischer-Sigwart in Zofingen. 



Die Lachmöwe ist die einzige Möwenart, die die Schweiz regel- 
mäßig im Herbste in großen Zügen besucht und zum Wiuteraufent- 
halt erwählt, im Frühling dann aber meistens wieder verläßt. Sie 
ist deshalb kurzweg unter dem Namen »Möwe« bekannt. Sie tritt 
aber auf vielen schweizerischen Seen nicht nur als nordischer 
Zugvogel und als Wintergast auf, sondern sie brütet auch an 
einigen Stellen regelmäßig, in den letzten Jahren sogar häufiger 
als früher. 

Die Zugmöwen werden, wenn sie auf Flüssen oder in Gegenden 
erscheinen, wo sie keiue gewöhnliche Erscheinung sind, als Ver- 
künder schlechter Witterung betrachtet. Herr J. Mumenthaler, 
Redakteur der Jägerzeitung »Diana«, schrieb mir zum Beispiel in 
dieser Beziehung von Brugg aus: »Am 4. Dezember 1900 tummelten 
sich auf der Aare eine Anzahl Möwen, Vorboten des stürmischen 
Wetters vom 5. Dezember.« Auch ein weiterer Beobachter, Herr 
Lokomotivführer Herrn. Haerri in Winterthur, der von der Loko- 
motive aus während seiner Fahrten schon viele interessante ornitho- 



- 203 — 

logische Beobachtungen gemacht hat, schrieb in einem Berichte: 
»Am 31. August 1898 sah ich auf den Feldern zwischen Arien 
und Singen einen Schwärm von mehreren tausend Möwen. Meine 
Vermutungen auf schlechtes Wetter haben sich dann bestätigt.« 
Im allgemeinen sind aber diese Vögel sehr schlechte Wetter- 
propheten. 

Im Wiggertale erscheinen die Möwen im Frühlinge regelmäßig 
im März und April in mehr oder weniger großen Flügen, seltener 
in einzelnen Exemplaren, die dann meistens die Vorboten größerer 
Flüge sind. Das gleiche findet auch im Suhrental und in den 
andern Seiteutälern der Aare, sowie im Wauwylerinoos und auder- 
wärts in der schweizerischen Hochebene statt. Die Flüge lassen sich 
oft auf »Wässermatten« und auf sumpfigen Stellen nieder und halten 
sich da einige Zeit auf, gewöhnlich nur einige Stunden, und nur, 
wenn sie durch ungünstige Witterung aufgehalten werden, mehrere 
Tage. Namentlich nebliges Wetter hält solche Züge in einer 
Gegend fest. 

Die Zugrichtung geht im größeren Teile des Wiggertales direkt 
nach Norden. Wenn Flüge sich in einer andern Richtung be- 
wegen, so ist das lediglich ein Streichen von einer Stelle, wo sie 
Nahrung fanden, zu einer andern. Wenn ein Trupp nordischer Möwen, 
der sich im Tale aufhielt, den richtigen Zug wieder aufnehmen will, 
so fliegt er zuerst in Schraubenlinien hoch hinauf und nimmt dann 
erst die nördliche Richtung au. Am 22. März 1903 beobachtete man 
einen solcheu großen Zug, wie er abreiste. Der ganze große Schwärm 
schraubte sich hinauf, bis er dem Auge fast entschwunden war, und 
zog dann nordwärts ab. Ausnahmen in Bezug auf die Zugrichtung 
kommen im untern Wiggertale vor, nahe der Gegend, wo es ins 
Aaretal einmündet. Dieses bildet vom Ausfluß der Aare aus dem 
Bielersee bis zur Vereinigung mit dem Rhein einen Teil der größten 
schweizerischen Zugstraße; darin geht der Frühlingszug von SW. 
nach NO. Im untern Wiggertale kommen nun neben solchen Zügen, 
die aus dem obern Teile von Süden her dem Tale folgend direkt 
nach Norden ziehen, auch solche vor, die, dem Aaretale folgend, das 
Wiggertal in nordöstlicher Richtung kreuzen. 

Aus den seit etwa 20 Jahren gemachten Beobachtungen, er- 
gänzt durch solche einer Reihe zuverlässiger Beobachter, kann über 
den Frühlingszug der Lachmöwen folgende Tabelle zusammengestellt 
werden. 






?.»• 



— 204 — 



Frühlingszug der Möwen 



Ort 




Beobachter 



Bemerkungen 



Zofingen 
Zofingen 
Zofingen 

Wiggertal 
Wiggertal 

Zofingen 

Wiggertal 

Zofingen 
Wiggertal 
Wiggertal 
Zofingen 

Wiggertal 

Zofingen 

Basel . 

Zofingen 

Sempach 

Sempach 

Wiggertal 

Solothurn 

Wiggertal 

Zofingen 

Sempach 

Wiggertal 

Sempach 

Sempach 



Sempach 
Moosseedorfsee Bern 



1887 
1888 
1889 

1890 
1891 

1892 

1892 

1893 
1894 
1995 
1896 

1897 

1898 

1899 

1900 

1901 



13—21. März 

März 
30. u. 31. März 

7. April 
2 April 

18. u. 19. März 

21. März 

18., März 
19. März 

8. März 
13. u. 14. März 

14. März 

13. März 

März 

13. u. 17. März 

Auf. März 



1901 
1901 
1901 

1902 
1903 
1903 

1903 

1903 

1903 

1903 
1903 



26. März 

29. März 
8. April 

8. u. 9. März 

Mitte Februar 

Mitte März 

Mitte März 

16. März 

21. März 

25. März 

30. April 



H. F. S. 1 ) 

H. F. S. 

Ed. Fischer 2 ) 

H. F. S. 
Ed. Fischer 

H. F. S. 

H. F. S. 

H, F. S. 
H. F. S. 
H. F. S. 
H. F S. 

Ed. Fischer 

Ed. Fischer 

Bühler 8 ) 

H. F. S. 

A. Sehifferli 4 ; 



A. Sehifferli 

H. F. S. 
Dr. Greppin b ) 

H. F. S. 

H. F. S 

A. Sehifferli 

H. F. S. 

A. Sehifferli 

A. Sc'.iiftVrli 

A. Sehifferli 
„Orn.Beob." 6 ) 



Möwen im „Henzmann" bei Schnee- 
sturm. 

Mehrmals Möwen in den Wigger- 
matten. 

Möwen mit Enten u. Halt>e»ten in den 
„arfielen". Regnerisch Wetter Am 
31. vorzüglicher Zugtag. 

Im Uftringer Felde Möwen. 

Es zogen tieffliegend Möwen bei sehr 
veränderlichem Wetter. 

Am 18. eine Möwe in den „Bt fielen", 
am 19. ein großer Zug. 

Bei Oftringen flog abends 5 Uhr ein 
starker Schwärm in östl. Richtung. 

i- in Schwärm In den „BrUelen". 

Ein Sc)> warm in den „Brüelen". 

Möwen im untern Wiggertal 

Ein Flug im „Henzmann". War am 
15. verschwunden. 

Mittags halb 9 Uhr zog ein Flug von 
etwa 50 talaufwärts (also südwärts). 

Mittags 4 Uhr ein Fiug von 50-üü; 
zog nach Morden ab. 

Es zogen Flüge längs des Rheins 
nordwärts. 

In den „Brüel matten" je ein Flug von 
etwa 30 Möwen. 

Als der See zufror, längs des offenen 
Wassers 10-18 Möwen, die Mitte 
März fortzogen, als der See eisfrei 
wurde. Im Februar waren keine 
anwesend. 

Ein großer Schwann erschien auf 
dem See und blieb bis anfangs April. 

Es zogen Möwen talabwärts (in nördl. 
Richtung). 

Oberhalb Solothurn in den fiber- 
schwemmten Wiesen in der Aar- 
ebene 12—15 Möwen. 

Es waren Möwen anwesend. 

Zwei Möwen in den „Brüelmatten". 

Man sah öfters kleine Flüge von 
10—20 auf dem See. 

Mehrmals Schwärme von Möwen in 
den Wiggermatten. 

Ein Flug von 8 Möwen zog vom See 
aus über das Städtchen gegenOsten. 

Ein Zug von 154 Möwen im Sommer- 
kleide. Sie flogen innerhalb 10 Mi- 
nuten in Trüppehen von 6— 10 Stück 
in südöstlicher Richtung ab. 

Möwen auf dem See. Am 10. April 
noch zwei Naohzüg] r. 

Eine Möwe, Nachzügler. 



l ) H F. 8. = H. Fisoher-Slgwart. — ») Ed. Fischer, Bruder von H v F. S., Jäger. — 
') Bühler-Lindenmajer, Ornitholo e in Basel f. — 4 ) A. Sehifferli, Beobachter für den 
Sempachcrsee. - 6 ) Dr. Greppin, Direktor der Irrenanstalt, Beobachter für Solothurn und das 
Aaretal. — °) „Der Ornithologische Beobachter", Zeitschrift, redigiert von O. Daut in Bern. 



- 205 



Ort 




Zofingen 

Zofingen 

Sempach 
Zofingen 

Aarlmrg 

Zofingen 

Zofingen 



Beobachter 



Bemerkungen 



1904 

1904 

1905 
1905 

1905 

1906 

1906 



17. März 

8. April 

10—30. März 
20.— 22. 'März 

20.-22. März 

9. März 
4. April 



Ed. Fisciler 

H. F. S. 

A. Schifferli 
H. F. S. 

H. F. S. 

H. F. S. 

H. F. S. 



Mittags 20 Möwen in de* „Eisen- 
grube" später über 100, die dann 
nordwärts abzogen. 

Morgens bei Regen 8 Möwen in den 
„Brfielen". 

Schwärme von Lachmöwen. 

Ein großer Zug in den „Brüelen", 
der dann nordwärts abzog. 

Ein sehr großer Zug, der dann in die 
Höhe schraubte u. nordwärts abzog. 

Mo sens 10 Uhr erschienen einige 
Möwen im Henzmann. 

Bei starkem Schneefall zogen im 
Wiirgertal und auch anderwärts 
Möwen. 



Aus 34 Beobachtungen ergibt sich als mittleres Datum für den 
Prüblingszug der 20. — 21. März. 

Scbon H. R. Schinz iu seinem Werke: »Eier und künstliche 
Nester der Vögel 1818« schrieb, die Lachmöwe brüte auch in der 
Schweiz, so ei uze lue Paare regelmäßig am Bodensee. Sie hrütet aber 
gegenwärtig auch an andern Schweizerseen, wo sie dann auch den 
Winter über als Standvogel bleibt. Sie nistet gerne in großen 
Kolonien, im Norden in der Nachbarschaft des Meeres, in der Schweiz 
an den Seen und zum Teil an größern Flüssen. 

Im Juni trifft man flügge Junge an, die im Juli schon weite 
Exkursionen ausführen. 

Regelmäßig nisten Paare am obern Zürichsee. Vorbrodt, ein 
eifriger Oologe und Kenner, sammelte dort Gelege von zwei und von 
drei Eiern. Am 14. Mai 1891 fand er zwei Gelege auf einem kleinen 
Inselchen im obern Zürichsee, eines von drei und als große Selten- 
heit eines von vier Eiern. Die großen Nester, aus alten, trockenen 
Rohrüberresten gebaut, »standen auf vorjährigen Rohrstoffeln über 
morastigem Grunde«. 

Die im obern Zürichsee nistenden Möwen streichen auch in den 
Sommermonaten einzeln bis zur Stadt Zürich hinab, deren ständige 
Kostgänger sie alle Wiuter in großen Scharen sind. 

Weitere Beobachtungen über das Nisten am obern Teile des 
Zürichsees sind von Präparator Naege-li in Zürich gemacht wor- 
den. Er sagt, daß sich die Lachmöwen dort immer mehr akklimati- 
sieren. Ende September 1897 waren bei Zürich eine Menge im 
Jugeudkleide anwesend, die im obern Teile des Sees ausgebrütet 
worden waren, und Mitte Juli 1901 flogen auf dem See wieder 



V-- V"*?1? 



— 206 — 

solche. Am 10. Mai 1903 traf Naegeli dann im Utznacher Ried 
12 — 14 Paare, zu deren Nester er aber wegen des hohen Wasser- 
standes nicht gelangen konnte. 

Im »Ornithologischen Beobachter« veröffentlichte er über »die 
Möwen am Zürichsee im Jahr 1903« eine längere Abhandlung, ans 
der wir folgendes entnehmen: 

»Da ich schon hin und wieder Möwen- im ersten Jngendkleide 
vom Zürichsee erhalten habe, war für mich kein Zweifel, daß eine 
Anzahl Paare am See nisten. Betreffs der Örtlichkeit konnte ich 
aber weder durch Fischer, noch durch Jäger, noch durch die Lite- 
ratur etwas Positives erfahren. Professor Schi uz schrieb noch in 
seinem Verzeichnis der schweizerischen Wirbeltiere, Fauna Helvetica 
1837, und in seinem Büchlein »Der Kanton Zürich, 1842«, daß die 
Möwen in der Schweiz nur am Bodensee nisten. Leider war Herr 
Lehrer Graf in Zürich, der sich für diese Angelegenheit ebenfalls 
sehr interessierte, durch Krankheit verhindert, die Exkursionen mit- 
zumachen, die ich unternahm, um das Brüten der Möwen am 
Zürichsee zu konstatieren, und so war es mir allein vorbehalten, zu 
entdecken, daß dieses Jahr (1903) im Utznacher Ried 12 — 14 Paare 
nisteten. Ich konnte ferner in Erfahrung bringen, daß vor etwa 
10 — 15 Jahren die Möwen in der gleichen Gegend in so großer An- 
zahl genistet haben, daß die Eier zu Hunderten zum Verspeisen 
eingesammelt worden seien. Nachdem diese Ausbeutung zwei bis 
drei Jahre getrieben worden, haben die Möwen das Ried auf längere 
Zeit verlassen. Eiue andere Dezimierung ist ihnen letzten Winter 
zuteil geworden, indem einige Fischer in der Nähe des Tiefen- 
brunnens und' auch an anderen Orten die Möwen in großer Anzahl 
weggeschossen haben, nur um ihrer Vermehrung Einhalt zu tun. Da- 
durch erklärt sich vielleicht, daß in genanntem Ried gegenwärtig 
nicht noch mehr Paare nisten. Rechnen wir die Vermehrung nur 
auf 40 Stück im Jahr, so kommen wir in wenig Jahren auf eine 
so grosse Anzahl, wie früher im Utznacher Ried existiert haben. 
Wahrscheinlich sind am Zürichsee noch einige uns zur Zeit nicht 
bekannte Nistkolonien vorhanden.« 

»Sobald die Jungen vollständig entwickelt sind, was etwa an- 
fangs Juli der Fall ist, machen sie sich dem See zu bis fast zur 
Stadt Zürich hinab. Dies gab im Jahr 1902 Veranlassung, daß 
einige Tagesblätter schon im September die Ankunft der nordischen 
Möwen meldeten nnd diese als die Vorboten eines baldigen Winters 
bezeichneten.« 



— 207 — 

»Wie wenig übrigens den Möwen eine Distanz von 5 — 10 Kilo- 
metern ausmacht, können wir an recht 'schönen Frühlingstagen sehr 
oft beobachten, wenn sie morgens vom See ans ihre weiten Ausflüge 
unternehmen und abends wieder zu ihren Nachtquartieren zurück- 
kehren. Am 10. Mai 1903 saßen zwei Möwen auf einer Mauer am 
Einfluß der Linth in den Obersee. Schon fragte ich mich in Ge- 
danken, wo diese beiden nisten möchten, als sie durch ein nahendes 
Schiffchen aufgescheucht wurden, worauf sie in direkter Richtung 
nach dem etwa sechs Kilometer entfernten, bereits erwähnten Utz- 
nacher Ried flogen, also zu der dort nistenden Gesellschaft gehörten. 
Obige Ausführungen dürften dartun, daß die in den Monaten Juli 
bis September auf dem See erscheinenden Möwen zu unsern Stand- 
vögeln zu rechnen sind. Diese werden sich im nächsten Frühjahr 
schwerlich entschließen, mit den Wintergästen nach der Ostsee und 
andern nordischen Gegenden zu ziehen,, sondern sie werden unsere 
Gefilde, in denen sie aufgewachsen sind, als ihre Heimat betrachten. 
Ihre Vermehrung müßte eine progressiv stärkere seiu, wenn nicht 
ab nnd zu eine Vernichtung, wie bereits geschildert, einträte. Da 
ferner anhaltend nasse Witterung ebenfalls schlimm auf die Ent- 
wicklung der Eier einwirkt und auch die verschiedenen Raubtiere 
den Jungen und Alten nachstellen, haben wir keine Veranlassung 
zur Besorgnis, daß unsere Möwen einst allzu sehr überhand nehmen 
werden.« 

Später schrieb dieser Beobachter in der gleichen Zeitschrift: 
»Unsere Stand- und Brutmöwen sind Mitte Juli 1903 wieder in die 
Nähe der Stadt Zürich eingerückt. Am 15. Juli zählte ich in der 
Höhe vom Zürichhorn, etwa 400 Meter vom Ufer, 14 Stück bei- 
sammen. Einige kamen ganz nahe ans Land und waren sehr leicht 
zu erkennen als drei Alte mit braunem Kopfe und zwei diesjährige 
Junge mit braunem Nackenbaud!« Soweit Naegeli! 

Es ist schon längst in ornithologischen Kreisen aufgefallen, daß 
die Möwen sich in den letzten Jahren auf den Schweizerseen stark 
vermehrt haben, im Sommer dort nisten und im Winter bei den 
größern Ortschaften' in viel beträchtlicherer Menge erscheinen, als 
das früher der Fall war. Diese Tatsache und namentlich der Um- 
stand, daß in vielen Gegenden in der Schweiz auch in den Sommer- 
monaten sich Möwen aufhalten, beweist, daß sie auch anderwärts in 
unserm Lande brüten. 

Am Sempachersee, wo sich im Winter und auf dem Zuge Möwen 
nur vorübergehend aufhalten, scheinen im Sommer doch hie und da 



— 208 — 

einige zu brüten, da Schifferli schon mehrmals Junge antraf. So 
schwammen am 4. August 1902 bei Sempach fünf junge Lachmöwen 
auf dem See und am 15, Juni 1903 wieder drei. 

Auch auf dem Murtensee beobachtete A. Weber in Bern am 
3. Mai 1903 fünf Stück (wohl zwei Alte mit drei Jungen). 

Ebenso fiudet sich im »Ornithologischen Beobachter« vom Jahre 
1903 eine Notiz von 6. Kümmerli in St. Blaise am Neuenburgersee, 
daß er dort am 13. Mai ,1903 drei Männchen, beobachtet habe, 
deren Weibchen er beim Brüten vermutete. 

Vom Brüten der Möwen am Vierwaldstättersee sind uns keine 
Beobachtungen gemeldet worden. 

Im Wauwylermoos, wo gegenwärtig im Sommer nie Möwen be- 
obachtet werden, hielten sich in früheren Jahren, als in diesem 
großen Torfmoose noch ein kleiner See existierte, der im Jahr 1856 
«abgeleitet wurde, wo es also noch sumpfiger und unzugänglicher 
war als heute, jeden Sommer eine Anzahl dieser Vögel auf, die dort 
brüteten. Von Arbeitern wurden damals au Sonntagen auch Eier 
von Möwen, Enten und anderem Sumpf- und Wassergeflügel zu Eß- 
zwecken gesammelt. 

Aach an den größeren schweizerischen Flüssen brüten Lach- 
möwen, wenu auch seltener und nicht in großen Kolonien, wie aus 
folgenden Notizen zu ersehen ist: 

Am 29. Juli 1892 wurde bei der Wöschnau uahe bei Aarau an 
der Aare eine Lachmöwe erlegt, ein Männchen, dessen Weibchen 
dort in der Nähe gebrütet hatte. 

Gustav von Barg, Lehrer in Ölten, ein bekannter Ornitho- 
loge, traf diesen Vogel verschiedene Male im Frühling und Sommer 
an der Aare an und schrieb mir schon im Jahr 1896, daß er seit 
mehreren Jahren auf der »Hasliinsel< bei Ölten niste. Seither hat er 
sie auch auf audern Aarinseln nistend angetroffen. Am 22. Juni 1899 
flogen zwei Paare über den Schachen bei Ölten und kehrten eine 
halbe Stuude später auf eine der Aarinseln wieder zurück, wo sie 
jedenfalls genistet hatten. 

Bei Selzach, Solothurn, wurde am 1. August 1895 an der Aare 
eine Lachmöwe im Brautkleide erlegt und von Präparator Sc hoch 
in Solothuru ausgestopft, wo sie Dr. Greppin sah. 

Am 19. Juni 1903 endlich wurde wieder eine von Lehrer 
Hürzeler bei Schöuenwerd an der Aare gesehen, ein Männchen, 
dessen Weibchen wahrscheinlich brütete. 



— 209 — 



Alle diese Beobachtungen beweisen, daß die Möwen in der 
Schweiz in verschiedenen Gegenden, uud zwar häufiger nisten, als 
man bisher glaubte. 

Bei den bisherigen Abhandlungen über das Nisten ist der Genfer 
See ganz außer acht gelassen worden. Dort herrscheu eigentümliche 
Verhältnisse, über die Professor Dr. F. A. Forel in Morges bei 
Gelegenheit der Naturforscherversammlung in Winterthur im Jahr 

1904 höchst interessante Mitteilungen gemacht hat. Im Bulletin 
de la Societe Vaudoise des Sciences Naturelles vom März bis Juni 

1905 hat er dann seiue Beobachtungen unter dem Titel: »Les 
mouettes du Leman« niedergelegt. Darin führt er folgendes aus: 1 ) 

»Zur Vervollkommnung unserer Kenntnis der Möwen auf dem 
Genfersee wählte ich die statistische Methode und habe die Zählung 
dieser häufigstea und fröhlichsten Wasservögel so genau als möglich 
auf Dampfschiffahrten vorgenommen. Die so erhaltenen Resultate 
haben zwar nicht Anspruch auf absolute Genauigkeit, soudern die 
Zahlen stellen eine Mitte dar, die bis etwa um 30 Prozent zu hoch 
oder zu niedrig seiu kann, so daß zum Beispiel die Zahl 1000 als 
Mittel zwischen 700 und 1300 anzusehen ist, und so habe ich im 
letzten Jahre 1904 bis 1905 folgende Tabelle erhalten: 







• 


1904 


1905 




2. bis 5. 

Mai 

Stack 


7. bis 13. 
Juni 
Stück 


5. bis 7. 
Jul? 

Stück 


13. bis 22. 

Septbr. 

Stack 


1. bis 4. 
April 
Stück 


Auf dem ganzen 


See 


direkt 


260 


150 


1580 


2937 


645 


Savoyerseite . . 
Schweizerseite 


• • 


... 


75 

50 

135 


40 
30 

85 


125 

295 

1155 


730 

570 

1560 


2 
140 
486 




Im 








Ganzen 


260 


155 


1575 


2860 


628 


Obersee 


150 
110 


100 
55 


600 
975 


1550 
1380 


493 




Im 




151 




Ganzen 


260 


155 


1575 


2930 1 


644 



»Die Grenze zwischen dem Obersee und dem Untersee ist Ouchy- 
Evian. Diese Zahlen sind nun so auszulegen: Vom 15. März an 
verreisen 4 die im Winter sehr zahlreichen Möwen nach den nörd- 
lichen Ländern, uach Polen, Finnland und Skandinavien. Es bleibt 

*) Prof. F. A. Forel hat den Referenten autorisiert, diese freie Über- 
setzung zu publizieren. 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XL VII. 1906. 14 



— 210 — 

aber ein kleiner Rest von 300 — 500 Stück zurück, der Dicht aus- 
wandert. Ende Juni kommt schon ein erster Zug aus dem Norden 
zurück, und die Zahl der Möwen steigt auf 1500 — 2000. Anfangs 
September findet dann der Hauptzug statt, wodurch die Zahl auf 
3000 steigt, c 

»Im Januar 1905 fiel die Zahl der Möwen plötzlich bedeutend. 
Ich halte diese Tatsache für einen Zufall und schreibe sie der 
großen Eälteperiode und den starken Bisen der ersten Tage des 
Jahres zu, die mehr als die Hälfte unserer gefiederten Gäste nach 
Gegenden mit milderem Klima vertrieben.« 

»Wegen teilweisen Stillstandes der Dampfschiffahrten im Winter 
konnte ich meine Studien während fünf Monaten der kalten Jahres- 
zeit nicht fortsetzen, denn man hat im Winter keine Gelegenheit, 
Touren um den See auszuführen. Aber einige in Geuf vorgenom- 
mene Zählungen rechtfertigen meine Meinuug einer anormalen 
Abreise mitten im Winter.« 

»Indem ich die Zahl der Möwen im Hafen, auf dem Rhone bis 
Jonction und auf der Arve um den Egout des abattoirs zusammen- 
zählte, erhielt ich folgende Resultate: 

17. November 1904 1380 Möwen 

26. » 1904 1350 » 

22. Februar 1905 670 » 

6. März 1905 265 » 

4. April 1905 ...... » 

»Die regionale Verteilung der Möwen während des Jahres meiner 
Statistik ergab folgendes: 

»Anf der savoyischen Seite hielten sich viel weniger von diesen 
Vögeln auf als auf der Schweizerseite. Im April 1905 sah ich ein- 
mal am ganzen linken Ufer von Geuf bis Bouveret nur zwei.« 

»In Bezug auf die Verteilung auf die Länge des Sees ist der 
Obersee bevölkerter als der Uutersee. Nur einmal habe ich im 
Untersee mehr gezählt als im Obersee, nämlich im Juli 1904. Das 
Übergewicht des Obersees war am 25. Oktober wieder hergestellt, in- 
dem ich beim Umschiffen des Sees oberhalb Ouchy-Evian 2120 Stück 
zählte.« 

»Bei den zeitweise großen Möwenansammlungen bei Genf, die z. B. 
im November 1904 im Hafen, auf dem Rhone und an der Arve 
1400 Möwen ergaben, ist es für mich noch ungewiß, ob das eine 
zufällige oder normale Sache war. Weitere Beobachtungen werden 
das lehren.« 



— 211 — 

»Schwer zo erklären ist die plötzliche Bückkehr der Hälfte des 
ganzen Möwenvolkes ans dem Norden Ende Juni. Diese Vögel sind 
nicht durch Kälte oder Hunger aus dem Norden vertrieben worden, 
denn dann ist auch in deu hohen Breiten schöne Jahreszeit. Es 
könuen drei Ursachen für diese Rückkehr angenommen werden. Ent- 
weder sind das überzählige Männchen, die dort keine Weibchen 
fanden. Sie wollten sich über ihr unfreiwilliges Zölibat dadurch 
trösten, daß sie ihre Reise nach den südlichen Gegenden früher aus- 
führten. Oder dann sind das alte Möwen, die, nachdem sie ihre 
Juugen erzogen hatten, so daß sie sich selbständig fortbringen und 
ernähren konnten, den Norden lange verlassen, bevor die Jungen im 
stände sind, die große Reise zu unternehmen (wie das andere Sumpf- 
vögel auch tun, z. B. Kiebitze, Strandläufer, Wasseramseln u. a.). 
Oder endlich sind das Möwen, denen die Eier mehrmals weggenom- 
men worden sind, wie das bei den großen Brutkolonien während der 
Brütezeit gewerbsmäßig betrieben wird. Die Eiersammler nehmen 
die Eier der in den großen Kolonien brütenden Sumpfvögel im 
Frühlinge mehrmals aus, bis die Möwen, die nach der ersten Be- 
raubung noch einmal, auch hie und da noch zweimal Eier legen, 
dies unnütze Geschäft aufstecken und jene unwirtlichen Gegenden 
verlassen.« 

»Die > Möwenpreis« in Schleswig, die offizielle Eröffnung des 
Nestraubes, die von der verirrten Bevölkerung wie ein Fest von 
Wilden gefeiert wurde, ist seit 1886 unterdrückt worden und wurde 
ersetzt durch eine Pacht, die 450 Mark im Jahr kostet, die das 
exklusive Recht gab, auf dem »Möweninselchen« Eier zu sammeln. 
Die beraubten Möwen kämen also, um in unsern weniger bar- 
barischen Gegenden ihre Trauer abzuhalten.« 

(Von diesen drei Hypothesen scheint die zweite die plausibelste 
zu sein, und auch die erste hat viel für sich und spielt vielleicht 
zugleich mit der zweiten eine Rolle.) 

»Ob die 300 — 500 Möwen, die bei uns bleiben, alle am See 
nisteu, ist fraglich. Nach alten Zeugnissen darf man glauben, daß 
es vor 50 — 100 Jahren größere Brutplätze gegeben hat, und zwar 
auf dem Delta der Drance, auf der Ebene des Rhone von Villeneuve 
bis Bouveret, auf dem Delta des Boiron bei Morges und vielleicht 
sogar in einigen Sümpfen des Waadtlandes. Aber seitdem ist das 
ganze Land sehr unruhig geworden, und die Vögel sind durch die 
Pfeifen, Sirenen und den Lärm der modernen Maschinen vertrieben 
worden. Trotz Nachfragen und Versprechen von Trinkgeldern ist 



1 



— 212 — 

es mir bis jetzt nicht gelangen, ein Möwennest aus nnserm Lande 
zu sehen, noch ein einziges Ei von einheimischen Möwen zu erhalten.« 
»Ich habe dennoch Ursache zu glauben, daß in der Nähe des 
Genfersees Nistplätze von Möwen existieren. Der Gelehrte Alfr. 
Vaucher in Genf, ein eifriger Vogelsammler, hat am 12. Juli 1904 
eine nahe bei Genf erlegte junge Möwe erhalten, die noch einige 
Dunenfedern aufwies. Diese konnte nicht von weither gekommen, 
sondern mußte in der Gegend ausgeschlüpft sein. Ich selbst habe 
während der Überwachung der Möwen auf dem See Ende Juni und 
anfangs Juli 1904 eine ziemliche Anzahl sehr junger Vögel mit 
braunem Mantel gesehen. Sie bildeten etwa vier Prozent der 
Scharen, die ich sah, und es mochten auf dem ganzen See vielleicht 
hundert gewesen sein.« (Schluß folgt) 

Ornithologische Notizen ans Westfalen. 

Von stud. Paul Wem er in Bonn a. Rh. 



L 

Unter dem Titel »Ab- und Zunahme, periodisch stärkeres 
und schwächeres Auftreten der einheimischen Vögel, 
für verschiedene Landesteile Deutschlands, Österreichs 
und der Schweiz statistisch festgestellt (III.)« veröffentlicht 
Herr W. Schuster in No. LdesXLVII. Jahrgangs des Zoologischen 
Beobachters, unter Mitwirkung von Fachgenossen, eine Anzahl wert- 
voller Notizen. Für Westfalen uud Rheinland ist Herr Lehrer Hugo 
Otto in Mors der Gewährsmann, doch stimmen fast alle Angaben 
in Bezug auf Westfalen nicht mit meinen Beobachtungen überein. 

Ich fasse nur den III. Teil der Arbeit ins Auge, da I. und 
II. Teil mir augenblicklich nicht zur Verfügung stehen. 

Otto bemerkt bei der Uferschwalbe (Riparia riparia L.): »Im 
Rejg.-Bez. Düsseldorf und in Westfalen ganz selten geworden, weil 
bei der starken Bautätigkeit die Sandgruben, iu denen sie nisten, 
zu sehr in Anspruch genommen werden. Vor 10 — 15 Jahren gab 
es bei Mors uoch sehr v i e 1 e Kolonien, jetzt keine mehr« (0.) 

Nach meinen Beobachtungen hat sich von allen Schwalbenarten 
die Uferschwalbe geradezu rapide vermehrt. In meiner 
im Herbst 1906 im Jahresbericht der Zool. Sektion l ) erscheinen- 

l ) Zoologische Sektion für Westfalen u. Lippe, Sekt-Direktor: Dir. Dr. H. 
Reeker, Münster i. W. 



— 213 — 

den Arbeit weise ich zahlenmäßig den Bestand der Kolonien des 
Münsterlandes nach. Interessenten bitte ich das darauf bezügliche 
im Jahresbericht sub »Unsere Schwalben« gefl. nachlesen 
zu wollen. 

Ferner schreibt Herr Otto beim Buchfinken (Fringüla caelebs 
-L.): »Nur mäßige Zunahme in Westfalen und Rheinland« (0.). Im 
Münsterlande herrscht zum Arger der Gärtner geradezu eine Über- 
produktion dieser Finken art. 

Eisvogel (Alcedo ispida L). »Bei uns an allen Bächen mit 
Gebüsch, aber nicht häufig« (0.). An allen Flüssen des Münster* 
landes (Ems mit Nebenflüssen, Pader, Alme, Lippe, Aa, Kenel, Werse, 
Angel) geradezu häufig. 

Heckenbraunelle (Accentor modularis L.). »Die Nester werden 
wohl vielfach von Katzen geplündert, sonst müßte das schöne Vögel- 
chen wohl häufiger sein (geht vielleicht auch auf dem Zuge häufig 
zugrunde?!)« (0.). Ich möchte es neben dem Grünspecht als Charakter- 
vogel des Müusterlandes ansprechen; in kaum zählbaren Individuen 
bevölkert es die Hecken und Wallhecken des Münsterlandes. 

Haubenlerche (Gälerida cristata L.). »In Rheinland- West- 
falen infolge des Straßenbaues in Zunahme« (0.). Geradezu häufig 
zu nennen. Sogar in der Stadt Münster und auch hier in Bonn 
treffe ich diesen Vogel an, der sich wie Schwarzdrossel und Star 
zum Stadtvogel auszubilden scheint. 

Trauerfliegenschnäpper (Muscicapa atricapilla L.). 
»Ganz einzeln in Westfalen - Rheinland« (0.). Überall anzu- 
treffen, jahrweise (1903) massenhaft sich zeigend; 
ich zählte in Münster alieiu 25 Paare im Jahre 1903 und 1904 
8 Paare. 

Steinschmätzer (Saxicola oenanthe L.). »An der west- 
fälischen Grenze ganz selten« (0.). Üb erall anzutreffen! 
In Capelle i. W. zählte ich allein 11 Pärchen (1904). 

Schwarzamsel (Turdus merula L.). »Zunahme in Parks 
(in Städten, bei Villen — Garteuhecken!); im Walde — in Westfalen 
und Rheinland — rotten sie Dohnenstieg und Vogelherd fast ganz 
aus« (0.). Geradezu erschreckend (in Anbetracht der Obst- 
gärten) sich vermehrend in den Städten, auch im Walde 
noch zahlreich anzutreffen. Im Münsterlande existiert 
kein Vogelherd mehr! 

Singdrossel (Turdus musicus L.). »Nistet hier selten; 
linksrheinisch habe ich ihr Nest noch nie gefunden [Ich fand es 






— 214 — 

schon einigemale! Werner], rechtsrheinisch in jedem Jahre in Laub- 
holz mit Fichtenunterwuchs.« (0.). Äußerst zahlreich in den 
gemischten Beständen des Münsterlandes. 

IL 

Ich möchte nachfolgend einige interessante Notizen meiner 
größeren Arbeit »Beiträge zur westfälischen Vogelfauna« 
(erscheint im Herbst 1906 im Jahresbericht der Zool. Sektion 
für Westfalen und Lippe), die diese Kapitel behandeln, ent- 
nehmen: 

Silbermöwe (Laras argentatus Brüun.). Folgt wie die 
Lachmöwe (Larus ridibundus L.) dem Flußbette des Dortniund- 
Ems-Kanals und der Ems. 

unsere Entenvögel (Anatidae) sind durch Urbarmachung 
der Sümpfe vertrieben; es brüten bei uns nur noch Stockente 
(Anas boschas L.) und Krickente (Anas crecca L.). Als Passanten 
haben wir in Westfalen zu verzeichnen an Entenvögeln: 
Gänse-, Mittlerer und Zwergsäger, Eider-, Samt-, 
Trauer-, Berg-, Reih er-, Tafel-, Kolben-, Moor-, 
Schell-, Eis-, Löffel-, Schnatter-, Pfeif-, Spieß- 
und Knäckente, Brand-, Grau-, Saat-, Acker-, 
Bläß-, Zwerg- und Ringelgans und Höcker-, Sing- 
und Zwergschwan. (Nähere spezielle Angaben beliebe man 
in meiner Arbeit nachzusehen.) 

Europäischer Goldregenpfeifer (Charadrius apri- 
carius L.). Früher Brutvogel, jetzt nur noch Passant. 

Kiebitz (Vanellus vanellus L.). Überall noch zahlreich, wenn 
auch nicht in so großer Individuenzahl wie in den 70er Jahren. 

Tringa minuta Leisl., Totanus pugnax L., Totanus totanus L., 
Totanus fuscus L., Totanus littoreus L., Totanus ochropus L., Totanus 
glareola L., Limosa limosa L. und Limosa lapponica L. sind augen- 
blicklich nur noch als Passanten der westfälischen Vogelfauna an- 
zusprechen. 

Großer Brachvogel (Nummius arcuatus L.). Vermehrt 
sich in auffallender Weise. In den münsterländischen Heiden keine 
Seltenheit mehr. 

Wasserralle (Ballus aquaticus L.) und Wachtelkönig 
(Grex crex L.). Die Individuenzahl scheint sich zu vermehren. Ich 
hörte vorgestern drei Rallen in einer sumpfigen Gegend höchstens 
100 m voneinander entfernt locken. 



— 215 — 

Bläßbuh n (Fulica atra L.). 1903 konstatierten R. Koch 
und ich an zwei verschiedenen Stellen des Münsterlaudes das Bläß- 
huhn zum ersten Male als Brutvogel. 

Weißer Storch {Ciconia ciconia L.). Ausgestorben als 
Brutvogel, nur noch Passant. 

Schwarzer Storch (Ciconia nigra L.). Auch kein, Brut- 
vogel mehr. 

Hohltaube (Columba oenas L.). Brütet noch an zwei Stellen 
in Westfalen. 

Wachtel (Coturnix cotwrnix L.). Nur noch wenige Brutpaare. 

Wiesen weihe (Circus pygargus L.). Der Bestand nimmt zu. 

Wespenbussard (Pernis apivorus L.). Sporadisch massen- 
haft auftretend, sonst spärlich über die Provinz verteilt. 

Gabelweihe (Milvus tnüvus L.) und Schwarzer Milan 
(Milvus Jcorschun Gm.) sind für Westfalen keine Brutvögel mehr. 

Fischadler (Pandion haliaMus L.). Konstatierte ich als 
Brutvogel, sonst als Passant keine seltene Erscheinung. 

Wände rfalk (Falco peregrinus Tunst.). R. Koch kon- 
statierte ihn jüngeren Datums erst als Brutvogel. 

Turm'falk (Cerchneis tinnunculw L.). Nimmt im Bestände zu! 

Uhu (Bubo bubo L.). Ausgestorben! 

Rauhfußkauz (Nyctc&a tengmalmi Gm.). Nur zweimal 
in der Provinz erlegt. 

Wendehals (Iynx torquüla L.). Nimmt im Bestände ab ! 

Schwarzspecht (Dryocopus martius L.). 1904 von Koch 
zum erstenmale als Brutvogel nachgewiesen. Nimmt im Bestände 
mit den Fichtenanpflanzungen zu. 

Wiedehopf (Upupa epops L.). Nimmt im Bestände ab! 

Grauer Würger (Lanius minor Gm.). Wurde 1905 von 
mir als Brutvogel konstatiert. 

Rotkopfwürger (Lanius Senator L.). Kaum noch anzutreffen. 

Kolkrabe (Corvus corax L.). Ausgestorben als Brutvogel! 

Steinsperling (Petronia petronia L.). 1906 erhielt ich 
ein Belegstück aus dem Münsterlande. 

Großer Gimpel (Pyrrhula pyrrhula L.). Einmal in der 
Provinz erlegt. 

Bin denkreuzschnabel (Loxia bifasciata Brehm). Ein- 
mal in der Stadt Münster durch R. Koch erlegt. 

Zaunammer (Emberiza cirlus L.). Man will einmal ein 
Trüppchen beobachtet haben. 



— 216 — 

Trauerbachstelze (Motacilla lugubris Temm.) Brütete 
einmal in der Stadt Münster. 

Trauermeise. Wurde von Pastor Wigger bei 
Coesfeld in Westfalen erlegt! 

Wasserschmätzer (Cindus merula J. C. Schaff). Nur 
noch an den Gebirgsbächen in wenigen Exemplaren vorhanden. 

Schwarzkehlige Drossel (Turdus atrigularis Temm.). 
Wurde einmal in Westfalen in den 90er Jahren in einer Dohne gefangen. 

Ringdrossel (Turdus torquatus L.). tch konstatierte sie 
als Brutvogel des ebenen Münsterlandes. 

Braunkehliger Wiesenschmätzer (Pratincola rubetra L.). 
Früher (in den 70er Jahren) gemein, jetzt äußerst selten, der 
Schwarzkehlige Wiesenschmätzer jetzt überall ge- 
meinste Schmätzerart. 



Nachtrag zu »Tiernamen in Hessen«. 

(Vergl. Zool. Beobachter Jahrg. 1906 No. 6). 
Von Wilhelm Schuster in Liverpool (England). 



Das Hetsch oder Hötsch ist das halberwachsene, von der Kuh 
entwöhnte Kalb; hauptsächlich als Zuruf des Hirten an das Kalb 
gebraucht. Monsch oder Motschelchen heißt das Milchkalb. 

Die Hetz, hez oder hiz gleich Geiß, und zwar Lock- und 
Schmeichelrnf für sie im Treiberjargon. Hiz, was am ursprüng- 
lichsten sein mag, ist, glaube ich, Nachahmung eines gewissen 
Lautes der Ziege. Diminutiv Hitzche, Hetzche. Im Kreis Alsfeld 
ist der gewöhnliche Lockruf für die Ziege: hez alt komm (Hetz 
alte komm)!, im Kreis Lauterbach hez äl da! In Kurhessen und 
dem Siegerland Hitz und Hetz, in Bayern aber Hett und Hettel. Auch 
Hetzebreck kommt vor (Laubach, Alsfeld, Lauterbach), z. B. »ez 
komme die hezze-brekke« beim Einzug der Ziegenherde ins Dorf. 
»Ziege« ist gar nicht volkstümlich, sondern Geiß; als Familiennamen 
kommen aber vor: Ziegenhain und Ziegenbart (Büdinger Bußregister 
1475). Es gibt Ziegenberge. In Nassau heißt das Borstengras 
Nardus stricta Ziegenbart. Für Ziege Zick, Zicklämmche fürs Junge. 

Der Erewolf, Erdwolf gleich Erdwühler ist der Maulwurf, dann 
auch der Schaffer, Geizhals. 

Erdkrebs heißt die Maulwurfsgrille am Main. Jedoch auch Erd- 
petz; in Darmstadt Spitzname für einen Menschen mit Säbelbeinen. 



— 217 — 

Eidechse. Edesch (Lauterbach), Endetsch (Schlitz), Eresch Eiresch, 
Heresch Heirescb (Alsfeld), Elesch, Eleasch (Reibertenrod, Endorf). 
Überall aber auch: Schießotter (in verschiedenen Bildungen). In 
Heresch ist ein unberechtigtes h vorgetreten wie in Helfenbein und 
heischen; Edesch ist entweder durch Voranstellung des s entstanden, 
wie Wespe aus Wepse, oder dadurch, daß nach dein Wegfall des ch 
(vgl. Oss für Ochs) das s sich, wie öfters, zu seh verdickt hat. — 
Aedäsche in Eisenbach. 

Das Lamm, Junges des Schafes oder der Geiß. Verkleinerungs- 
form: Lemmche. Auch zärtliches Liebkosungswort für ein Kind. 
Ferner ein aus den am Hintern zerrissenen Hosen heraushängendes 
Hemdende, z. B. »e hott e Lemmche eraushenk°«; man höhut auch iu 
dieser Beziehung: »Lemmche, Lemmche, maeU (wahrscheinlich vom 
Lämmerscbwanz hergenommen). 

Die Haiegans oder gewöhnlicher Haigans, Hahlgans, oft auch Hol- 
gans, Hohlgaus (z. B. in Frischborn) gesprochen, kommt schon in der 
Schrift Physica der Äbtissin uud ersten deutschen Ärztin Hildegard 
auf dem Rupertsberg bei Hingen a. Rh. (f 1197), dieser gewaltigen 
Predigerin gegen die sittliche Entartung des damaligen Klerus, vor 
und bezeichnet heute noch die »Schneegans« des Volksmunds, d. i. 
ebenso den Kranich wie die (sich viel seltener zeigende) Wilde 
Gans. Haigans ist eigentlich Hagelgans uud erklärt sich wie Schnee- 
gans: man meinte, ihr Kommen im Herbst deute Hagel und Schnee 
au. Doch heißt hahl auch soviel wie mager, Hahlocbse und Habi- 
sch weiu bezeichnen eiu xmgemästetes, dürres Tier; darum nennt man 
auch eine magere Weibsperson Haigans. 

Schwarze und Gelbe Amsel. Amschel. Omschel, Omschen, 
Omschiln, auch Umilsche (so in Grünberg). Im kur hessischen Ober- 
hessen ausschließlich Ummelsche. Hessische Auslegung des Gesanges 
der Gelben Amsel (gel Omschel) oder Singdrossel: Gern Philipp, 
wu witt de hin? wu witt de hin? Kalb käfe! Kalb käfe! Käfs 
neit, s'eass scheal. — Für Singdrossel: Drouschel, Drouschiln 
(Wetterau), Druschel, Druschiln (Vogelsberg), seltener Drussel (Ange- 
rod, Ruhlkirchen). Droschel. Dreckdrusel (in Mühlheim a. M , wegen 
der Lehmauskleidung des Nestes). Bei Nigrinus: »Das der Rabe 
nicht ruffe wie ein Druschel«. Dasselbe Wort bezeichnet eine 
schmutzige, faule Weibsperson, z. B. »das is e Druschel« (auch 
vom Nest des Vogels hergenommen). Zugleich ist die Verkleine- 
rungsform Druschelchen oder Druschel ein Kosewort für ein dickes, 
wohlaussehendes Mädchen (in Annerod, Lauterbach). Singdrossel = 



-.-^TKFT" 



— 218 — 

Zipß, zufolge Lantnachahmuug (Schlitz, Lauterbach). Heldeubuch, 
Wormbs 1545: Sie sungend wohl nach preyse — Troschlen und 
nachtgal. Ahd. drosca, droscila, mhd. droschel. Auch Nestdrussel, 
-druschel, -drotschel. Schwarzamsel auch gleich Merl (vom lateinischen 
merula), daher die Dorfnamen Ober- und Nieder-Mörlen. 

Trappe. Der Drabb, Drabbe oder Trappe. Dasselbe Wort im 
selben (männlichen) Geschlecht bezeichnet Fußspur und weiterhin 
Lauf. Der Vogel ist also einfach mit dem gleichgestellt worden, 
was am auffälligsten an ihm war: Sein schneller Lauf. Auch als 
Familienname nicht selten (in Friedberg z. B.). 

Der Star heißt der oder die Schbrin, Sprin oder Spren. Der 
Name Star ist dem Volke unbekannt. 

Qualster oder Gewalsdern ist die Blattlaus. Es ist wohl zu 
Qualster = zäher Schleim zu ziehen. Mancherorts auch bloß Walster. 

Frosch. Frosch (o ganz lang gesprochen). Plural Fresch, in mauchen 
Gegenden (z. B. iu Grünberg, Ulfa, Langd, Trais-Horloff, Münzen- 
berg) aber auch im Singular Fresch. In Groß-, Klein- und Okarben 
heißt der Frosch Fräker, zu Dortelweil Frekel. Froschgieker bezeichnet 
1) ein altes, schlechtes Messer, Säbel u. dgl., 2) ist es Spottname 
für die Freien seener auf Grund folgender alten Sage: »Als der Kaiser 
Friedrich Barbarossa in Freienseen übernachtete, wurde er im Schlaf 
durch das laute Quaken der vielen dort vorhandenen Frösche ge- 
stört; er ließ Ortsbürger mit langen Stangen an den Teichen auf- 
stellen, um nach jedem Frosch, sobald er sich zeige, zu stechen, da- 
mit keiner von ihnen schreien könnec. 



Kleinere Mitteilungen. 



Gefiederte Wintergäste. In Ergänzung zu meiner Arbeit in No. 3 
des Jahrg. XL VII d. Zool. Beobachters betr. »Gefiederte Wintergäste« möchte 
ich mitteilen, daß ich kurz nach Absendung des Aufsatzes an die Redaktion 
noch vereinzelte Lachmöwen (Laras ridibundus L.) in den Hafenanlagen von 
Frankfurt beobachtet habe. Dort trieben sie sich ungefähr bis Mitte März noch 
in einigen Exemplaren herum, und als hierauf in der ganzen hiesigen Umgegend 
Hochwasser entstand, bemerkte ich sie tagtäglich bis gegen Ende März in 
Scharen bis zu 30 Stück und mehr auf den überschwemmten Feldern zwischen 
Hausen und Praunheim (Vororten von Frankfurt) uud an der Nied, einem Neben- 
fluß e des Mains. Mit Rückgang des Hochwassers verschwanden die Möwen dann 
gänzlich aus Frankfurt und nächster Umgebung, und werden wir sie dann erst 
wieder im Winter mit Eintritt der kalten Witterung bei uns begrüßen können. 

J. H. Willy Seeger. 



^* 



— 219 — 

Der Grüne Laubvogel (FhyUoscopus viridanus Blyth) in Deutschland. 
Dr. J. Thienemann hat das Glück gehabt, diesen seltenen Vogel, dessen Ver- 
breitung in den baltischen Provinzen Bußlands B. Otto in den Ornitholog. 
Monatsber. (Reichenow) Jahrg. 12, 1904, No. 5 besprochen hat, am 15. Juni 
1905 in Rossitten zu beobachten und zu erlegen. Bisher ist er in Deutschland 
nur dreimal auf Helgoland erlegt worden; für das nordöstliche Deutschland ist 
er neu. In Bezug auf das Benehmen des Vogels stimmen Thienemanns Be- 
obachtungen mit denen B. Ottos überein. Er ist ein unruhiger, lebhafter Gesell, 
immer in Bewegung, nur beim Absingen seiner Strophe stillsitzend. Er trieb 
sich in einem Obstgarten umher und bevorzugte zwei über die Pflaumenbäume 
hervorragende Pappeln. Von da flog er auch ab und zu ziemlich hoch durch 
die Luft nach einigen abseits stehenden, hohen Weiden. Es dürfte von Interesse 
sein, etwas über seinen Gesang mitzuteilen, der von den Forschern verschieden 
beschrieben wird, teils als schwach, teils als kräftig. Unser Gewährsmann muß 
sich entschieden für den letzteren Ausdruck entscheiden, wofür schon die Art 
und Weise, wie er in den Besitz des Vogels kam, bezeichnend ist. Er saß im 
geschlossenen Zimmer beim Mittagsessen. Plötzlich hörte er eine fremde Vogel- 
stimme, als deren Urheber er nicht ein so winziges Vögelchen vermutet hätte, 
eilte hinaus, hatte den Säoger bald gefunden und nahm nun Gelegenheit, ihn 
vor dem Schuß noch einige Zeit zu beobachten. Danach hatte der Ruf ent- 
schieden Ähnlichkeit mit dem Girlitzgesang: Kurze, schwatzende, klirrende 
Strophen, die in kurzen Zwischenräumen wiederholt werden, etwa »schri, schri, 
schri, schri«! An einen unserer einheimischen Laubsänger erinnert die Stimme 
in keiner Weise. 

(Nach Reichenows Ornith. Monatsber. Jahrg. 14, 1906, No. 6 p. 90.) 

Bttgr. 



Literatur« 



Smithsonian Institution (U. S. Nat. Mus.): Proceedings of the U.S. 

Nat. Museum Vol. 28. Washington, Governm. Print. Office, 1905. 8°. 

20, 1027 pag., 380 Fig., 36 Taf. 

Etwas spät, aber immer gern gesehen erscheint dieser wichtige 28. Band l ) der 
Proceedings des U. S. Nationalmuseums. Von Arbeiten, die in den Rahmen unserer 
Zeitschrift fallen , seien hier besonders erwähnt eine umfassende Abhandlung 
über die Milben (Acarina) von dem Museumskustos für Arachniden N. Banks 
p. 1—114 mit zahlreichen (201) instruktiven Abbildungen und Bestimmungstabellen 
für alle bis jetzt bekannten amerikanischen Gattungen und Familien dieser 
Tierordnung. Sodann sei eine Arbeit von E. A. Means über neue Säugetiere 
der Philippinen p. 425—460 hervorgehoben. Dieser beschreibt als neu die Gat- 
tungen Urogäle mit U. cylindrura n. sp., Podogymnura mit P. truei n. sp., Btd- 
limus mit B. bagöbus n. sp., Limnomys mit L. sibuanus n. sp., Tarsomys mit 
T. apoensis und Apomys mit A. hylocoetes, petraeus und insignis nn. spsp. und 

') Vergl. die Besprechungen der früheren Bände im Zool. Garten Jahrg. 1898 p. 
S59— 360 (Bd. 19), 1900 p. 62-63 (Bd. 18 u. 20) undp.127-128 (Bd. 21), 1902 p. 270-271 (Bd. 22), 
1904 p. 198—199 (Bd. 26), p. 229- 231 (Bd. 23 u. 24), p. 291—292 (Bd. 25) und 357 (Bd. 27). 



-«***». 



— 220 — 

außerdem 4 neue Cynomolgus, 2 Pteropus und 11 Mus. Von den neuen Makaken 
sind Cynomolgus mindanaensis (p. 428) und dessen Unterart apoensis dem C* phi- 
lippinensis I. Geoffr. verwandt, aber größer und kräftiger und in der Färbung 
abweichend , während C. suluensis noch stärker als diese drei Formen ist, eben- 
falls in der Färbung abweicht und auch andere Schädelbildung zeigt, C. cagay- 
anus aber nur 3 /s der Größe der übrigen Arten erreicht und somit der kleinste 
der philippinischen Makaken ist. Weiter ist aufmerksam zu machen auf eine 
sehr ausführliche biologische Arbeit von R. MacFarlane über die Säugetiere, 
die auf einer Sammelreise in das nördliche Macke nzie-Flußgebiet in den Nord- 
west-Territorien von Canada beobachtet und erbeutet worden sind, und über 
die Säugetierfauna des hohen Nordens und die Tätigkeit ihrer Erforscher über- 
haupt p. 673 —764, 2 Fig., 5 Taf. Vom arktischen Bison (Bison bison aihabas- 
cae Rhoads) seien jetzt nur noch ein paar wenige Stücke auf offenen Prärie- 
flächen in kleinen Gebieten auf der Westseite des Athabaska- Flusses zwischen 
Fort McMurray und dem Birch - Gebirge und im Gebiete zwischen Pointe 
ä la Pak am unteren Peace-Fluß und den Ebenen am Salt-Fluß in 60° n. Br. zu 
finden. Seine gänzliche Ausrottung sei nur eine Frage der Zeit. Von besonderem 
Interesse für viele wird sodann T h. G i 1 1 s schöne Abhandlung über die Lebens- 
geschichte der Seepferdchen {Hippocampidae) p. 805—814, 12 Fig. sein, deren 
Entwicklung in der Bruttasche des Männchens hier im Zusammenhange mit 
schönen und instruktiven Abbildungen historisch dargestellt wird. Ein weiterer 
Aufsatz von H. C. Oberholser macht uns mit Vögeln bekannt, die der eifrige 
und erfolgreiche Sammler Dr. W. L. Abbott in der Kilimandscharo-Region in 
Deutsch- und Britisch- Ostafrika erbeutet hat. Es sind 256 Arten aus 59 Fa- 
milien, die z. T. in den letzten Jahren schon beschrieben worden sind, z. T. 
(wie Astur sparsimfasciatus aceletus p. 829, Oena capensis anonyma p. 843, 
Chalcopelia chalcospila acanthina p. 845, Asio maculosus amerimnus p. 856, 
Melignothes exilis meliphilus p. 869 und Pycnonotus layardi micrus n. subsp. 
p. 891 und Apcdis thescela p. 904 und Platystira cryptoleuca n. sp. p. 913) hier 
zum ersten Male diagnostiziert werden. Für Pitylia caniceps Reichw. wird p. 
883 Odontospiza, für Pholidauges femoralis Reichw. p. 887 Arizelopsar als neue 
Gattung errichtet ; andere neue Genera übergehen wir hier. Den Schluß macht 
H. G. Dyars Arbeit über japanische Schmetterlingsraupen und Puppen p. 937 — 
956, 23 Fig. Die zahlreichen übrigen meist systematischen Abhandlungen in 
diesem Bande beschäftigen sich mit Kriechtieren, Lurchen, Fischen, Hymenop- 
teren, Lepidopteren, Orthopteren, Neuropteren, Copepoden, Isopoden, Cestodea 
fossilen Brachiopoden, Korallen und Meteoriten. Bttgr. 



Prof. Dr. Fr. Leydig, Kas. Chr. Schmidel, Naturforscher und Arzt 1716—1792. 
Nebst Beilage zur heimischen Naturkunde. — Sep.-Abdr. a. Abh. Naturh. 
Gesellsch. Nürnberg, Bd. 15, 1905, Heft 3. 8°. 31 pag. 

In der gleichen liebenswürdigen Weise wie in seinen »Horae zoologicae« 
plaudert der Verfasser über den seiner Zeit hochangesehenen, im Titel genannten 
Arzt, der neben seinen Berufsgeschäften durch Pflege der Botanik und durch 
seine Aufmerksamkeit auf geologische und paläontologische Verhältnisse, oft unter 
recht ungünstigen Umständen, sich einen wohlverdienten Namen gemacht hat. 
Er hat an die 40 Schriften wissenschaftlichen Inhalts hinterlassen, von denen 



i 



- 221 — 

drei im vorliegenden Aufsatze besonders gewürdigt werden, die »Descriptiones 
plantarum«, die »C. Gesneri Opera botanica 1754« und die »Vita Conradi Gesneri«. 
Angefügt sind eine Anzahl von Beobachtungen, die Schmidel auf seinen Reisen 
in Süddeutschland und der Schweiz, im Wallis, den Savoyischen Alpen und in 
Frankreich gemacht hat, wobei der Autor an Altes erinnert und Neues au Altes 
anknüpft. Zu erinnern wäre auch noch an die Schmidel zu Ehren genannte 
fossile Schnecke Nerita (Vela&es) schmideUana Chemnitz, eine sehr bekannte 
Leitversteinerung der Eocänschichten, die z. B. häufig im Unteren Meeressand 
von Cuise-la-Motte vorkommt und zuweilen einen Durchmesser von 10 — 12 cm 
erreicht. In Zittels Handbuch d. Palaeont. 1 Bd. 2 findet sich in Fig. 268 auf 
p. 201 eine gute Abbildung dieser interessanten Versteinerung. Als Beilage 
bezeichnet der Verfasser kurze Bemerkungen und Zusätze zur Kenntnis von 
Pflanzen und Tieren seiner fränkischen Heimat und geschichtliche Erinnerungen 
an ältere heimische Schriftsteller im naturhistorischen Fache. Es ist für jeden, 
der Sinn für die Natur bat, eine Freude und ein Genuß, den altbewährten Führer 
auf diesen botanischen, faunistischen und literarischen Exkursionen zu begleiten 
und seinen belehrenden Worten zu lauschen. Bttgr. 



W. Ridgeway, The origin and influence of the Thoroughbred Horse. Cam- 
bridge, üniversity Press, 1905. 8°. 16, 538 pag., 143 Fig. — Preis 12 l /t sh. 
Als einen Band der »Cambridge Biolögical Series« bietet uns hier ein aus- 
gezeichneter Altertumsforscher eine Studie über das Rassenpferd und die Pferde- 
rassen. Er versucht nicht bloß die Rassen der in historischer Zeit gezähmten 
Pferde in ihrem Aussehen und in ihrer Entwicklung vorzuführen, sondern er 
stellt sich auch die Aufgabe, die heute noch lebenden Wildpferde zu schildern 
und den Stammbaum der Equiden zu erforschen. Die Frage der Färbung spielt 
naturgemäß eine Hauptrolle bei diesen Untersuchungen. Wie sich namentlich 
das, was er »Libysches Pferde nennt, im Laufe der Zeit bei den verschiedenen 
Völkern gewandelt hat, wie verständige und unverständige Züchtung Einfluß auf 
die heutigen Rassen gehabt haben, und daß das heutige Pferd nicht von einem, 
sondern von mehreren wilden Vorfahren abstammen müsse, all das versucht der 
gelehrte Verfasser in diesem reich und eigenartig illustrierten Werke zu zeigen. 
Er gliedert sein Thema sachgemäß in fünf Kapitel: 1. Die Vorfahren der Pferde, 
2. Die lebenden Equiden, 3. Die Pferde der Prähistorischen und der Historischen 
Zeit (p. 82—424!), 4. Der Ursprung des Libyschen Pferdes, und 5. Die Ent- 
wicklung der Reitkunst. So lehrreich nun auch der erste Abschnitt über die 
Vorfahren der Pferde ist, der die Ansichten der gelehrtesten Forscher über dieses 
Thema in historischer Entwicklung biingt und " den Nachweis zu führen sucht, 
daß z. B. in Nordamerika nicht weniger als fünf Reihen von Vorfahren anzu- 
nehmen sind, die vom fünfzehigen bis zum einzehigen Pferde hinleiten, so interessiert 
uns doch mehr das zweite Kapitel, das von den heute noch lebenden Equiden 
handelt. Die Vorfahren des Pferdes, die zuerst von der westlichen Halbkugel 
nach Asien einwanderten, hatten eine viel aussichtsvollere Laufbahn vor sich 
als ihre jetzt ausgestorbenen nordamerikanischen Vettern, denn trotz der Einbuße, 
die sie durch verschiedene Raubtiere erlitten, die in Asien und Europa Jagd 
auf sie machten und in Afrika heutigentages noch auf sie machen, konnte sich 
die Gattung Equus in 16 Arten oder Unterarten erhalten, oder in 15, wenn wir 
16. Equus quagga als ausgestorben betrachten. Es sind dies 1. Equus caballu*, 



— 222 — 

2. E. cdballu8 celticus (das Celtische Pony, das erst kürzlich von Prof.. E wart 
in Nordisland entdeckt worden ist), 3. E. przewalskii, 4. E. Hang, 5. E. onager y 
6. E. hmippus (Syrischer Wildesel), 7. E. asinus, 8. E. somalicus, 9. E. grevyi, 
10. E. zebra, 11. E. crawshayi, 12. E. foai, 13. E. granti, 14. 2£. chapmani 
und 15. 2?. burchelli. Die Fülle der Tatsachen, die der Leser heim Studium des 
Textes und der Abbildungen in diesem Kapitel bei den einzelnen eben aufge- 
zählten Arten erhält, ist so bedeutend, daß ich behaupten möchte, ein Eingehen 
auf die Probleme der Abstammung oder der Rassenbildung beim Pferde wird 
künftighin unmöglich Bein ohne die gründliche Benutzung dieses Buches. Daß 
auch der Archäologe auf seine Rechnung kommt, liegt bei der ganzen Richtung 
des belesenen Verfassers auf der Hand ; schon die zahlreichen Abbildungen von 
Pferden aus der Stein- und Bronzezeit, die überraschende Fülle und Auswahl 
alter europäischer Pferdebilder u. a. m. und die unheimliche Gelehrsamkeit des 
berühmten Verfassers drücken dem Werke den Stempel einer epochemachenden 
Leistung auf. Ein gutes Register erhöht seine Brauchbarkeit. Auch der Preis 
von M. 12.50 darf in Anbetracht der Fülle des tatsächlich gebotenen Neuen als 
ein sehr mäßiger bezeichnet werden. Bttgr. 

Ed. Lampe, Katalog der Vogelsammlung des Naturhistorischen Museums zu 
Wiesbaden: I. Teil (Picariae und Psittaci); II. Teil (Cdumbae und Ptero- 
cktes). Wiesbaden: Verlag von J.. F. Bergmann, 1904 und 1905. 8°. 83 und 
23 pag. — Sonderabdrücke aus den Jahrbüchern des Nassauischen Vereins 
für Naturkunde, Jahrgang 57 und 58. 

Der Kustos des Wiesbadener Naturhistorischen Museums hat begonnen 
die Vogelsammlung neu aufzustellen, durchzubestimmen und zu katalogisieren 
und sich damit ein recht anerkennenswertes Verdienst erworben, denn zahlreiche 
vorhandene Stücke waren lange Zeit hindurch gar nicht' oder ungenau bestimmt, 
und die sorgfältige Sichtung des Materials hat das Vorhandensein mancher 
seltenen und bemerkenswerten Exemplare ergeben; namentlich die zahlreichen 
Arten von Neuguinea und den Molukken (meist geschenkt von A. A. Bruijn 
und Dr. Machik) verdienen besondere Beachtung. Vor allem muß aber als 
ein Objekt von ganz hervorragendem Werte die von Lampe bei der Revision 
vorgefundene ausgestorbene Fruchttaube der Norfolk insel, Carpophaga 
(Hemiphaga) spadicea Lath. hervorgehoben werden ; dieser so seltene Vogel hatte 
unbezeichnet und unerkannt in der Sammlung geständen, obwohl ihn Thomae 
in dem 1840 abgefaßten Katalog erwähnt. Jetzt wird dieses Wertstück durch 
einen besonderen Glaskasten geschützt. Soviel bekannt, sind von dieser ausge- 
rotteten Taubenart in den europäischen Museen außerdem nur noch drei Bälge 
vorhanden : je einer in London, Paris und Frankfurt a. M. (letzterer 1837 durch 
Ed. Rüppell eingetauscht). Das Londoner Stück ist leider defekt. P. C. 



Geh. Rat Prof. Dr. K. Möbius, Können die Tiere Schönheit wahrnehmen und 
empfinden? — Sep.-Abdr. a. Sitz.-Ber. d. Kgl. preuß. Akad. d. Wiss. 1906, 
No. 10. Gr. 8°. 9 pag. 

Ch. Darwin erkennt den Vögeln und Insekten die Fähigkeit zu, Schön- 
heit wahrzunehmen und zu empfinden. Aber schon Wallace bezweifelt in 
seinen Bedenken gegen die geschlechtliche Zuchtwahl diese Tatsache, und z. T. 



— 223 — 

schon vor Wallace haben sich, wenn auch oft nicht mit so klaren Worten, 
Wigand, v. Bär, Weismann, Plate, Günther und J. Schilde in ähn- 
licher Weise ausgesprochen. Keiner von all diesen Forschern spricht sich aber 
klar und deutlich darüber aus, ob die Fähigkeit der Tiere, verschiedene Formen, 
Farben und Bewegungen wahrzunehmen und scharf zu unterscheiden, auch zu - 
gleich das Vermögen einschließe, deren Schönheit zu erkennen, daran Gefallen 
zu finden und dementsprechend zu handeln. Möbius hat nun versucht nach- 
zuweisen, daß wir den Tieren das Vermögen, Schönheit wahrzunehmen, deshalb 
nicht zuschreiben dürfen, weil sie nicht imstande sind, das Gesetzmäßige 
in den auf sie einwirkenden Naturerscheinungen zu erkennen. Das ganze 
psychische Verhalten der Wirbeltiere bis zu den hochausgebildeten Säugetieren 
und Vögeln hinauf steht nach ihm im Widerspruche mit der Meinung Darwins, 
daß die Männeben ihre Reize mit ausgesuchter Sorgfalt und zu ihrer 
besten Wirkung entfalten, und daß die Weibchen von den sie umwerbenden 
Männchen die im höheren Grade geschmückten zur Paarung auswählen. Er 
traut den Tieren Einsichten in die Ursachen und Folgen ihres Empfindens und 
Tuns zu, deren sie nicht fähig sind. Auch unsere Kinder sind in den ersten 
Lebensjahren noch nicht imstande, in den von ihnen wahrgenommenen Farben, 
Formen und Bewegungen die Schönheit zu erkennen. In der ersten geistigen 
Auffassung dieser Erscheinungen verhalten sie sich nicht anders wie die höheren 
Tiere. Die meisten Menschen entwickeln sich wohl über diese notwendige grund- 
legende Vorstufe der Erkenntnis des Schönen, manche aber bleiben immer auf 
diesem kindlichen Standpunkte stehen, und nur wenigen kommt es in den Sinn, 
nach den psychologischen Gründen ihrer Freude an dem Schönen zu fragen. 

. - Bttgr. 

Sowohl Meyer's Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 20 
Bde. ä lOM.j wie Brockhaus' kleines Volkslexikon (2 Bde. ä 20 M.) sind 
mir zur Besprechung im »Zool. Garten« zugestellt worden. Ich kann bezeugen, 
daß sich in beiden kompilatorischen Werken eine nicht zu übersehende Fülle 
guter, exakter naturwissenschaftlicher Artikel findet, vor allem natürlich im 
Meyer zufolge seines größeren Umfanges (man walle' daselbst z. B. einmal die 
ganz herrlich gediegenen Ausführungen unter »Oologie« nachlesen, von den 
Kunstbildern — hier speziell den Eiertafeln — gar nicht zu reden!). Ich kann 
auch bezeugen, daß gerade Meyer und Brockhaus d i e beiden Bücher sind, die 
man am häufigsten hier im Auslande antrifft (wiewohl sie z. B. nicht auf eng- 
lische Verhältnisse zugeschnitten sind, da zum Exempel kein Deutsch-Engländer 
aus ihnen erfahren wird, daß seine britische Singdrossel nicht nur Winterstand- 
vogel, sondern auch der beste Wintersänger ist) ; und es steht zweifelsohne fest, 
daß beide Werke einen universellen Weltruf genießen, wie wir Deutsche ja 
überhaupt in Sachen Enzyklopädie die Franzosen und Engländer weit in den 
Schatten gestellt haben. Welcher immense Fleiß muß für die Zusammenstellung 
der zoologischen Artikel aufgewandt worden sein; ich habe auch selbst in mei- 
nem Spezialgebiet, in den ornithologischen Arbeiten, kaum einige Fehler ent- 
decken können, von denen doch so oft »Fachwerke« wimmeln — und nicht ge- 
rade zum wenigsten die »unfehlbarer« Berliner Vogelzüchter! 

Wilhelm Schuster. 



■■■. * V . • ^.::Thr,.- »,V. 




,•'■■ 



R' 



— 224 — 

Eingegangene Beiträge. 

H. L. in F. Mitteilung dankend erhalten. Auch die in Aussicht gestellte Arbeit Aber 
den Baseler Garten ist mir erwünscht. — J. H. W. 8., hier. Mitteilung mit Dank angenom- 
men. •— Pfarrer W. Seh, in L. < England). 3 Arbeiten, 2 Mitteilungen u. 4 Besprechungen, 
von denen eine dankend zurückgeht, da ioh selbst bereits eine Mitteilung darüber im Druck 
habe. — Prot. G. v. B. in 0. (Schweiz). Ich habe Ihr Tauachgesuch dem Verleger vorgelegt 
und erwarte günstigen Bescheid. — L. Seh. in Q. bei M. Die Arbeit über T. vindana ist 
heute eingelaufen. — Stud. P. W. in B. 2 Arbeiten. Ich habe mir erlaubt, der einen einen 
Gesamttitel zu geben. — Dr. W. W. m M. 2 Hefte sind an 8ie abgeschickt worden. Der 
Aufsatz Ober das Chines. 8chuppentier ist sehr willkommen. — Stud. P. L. in J. und Oberf. 
H. B. in H. Ich sehe Ihren Arbeiten mit Vergnügen entgegen. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Hedaktion E. 

Beck-Oorrodi in Hirzel. Zürich, Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 22-26. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. E. Korscheit, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg., 1906. No. 1-4 u. 8—10. 
Ornititologisohe Monatsberichte. Herausg. t. Prof. Dr. Anton Reiohenow. 

14. Jahrg. 1906. No. 6-8. 
Ornithologi sehe Monatsschrift d. Deutsch. Ver. z. Schutze d. Vogelwelt. 

Redigiert von Dr. Carl R. Hennicke in Gera. 31. Jahrg. 1906. No, 6. 
Field, The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horaoe (Jox in London. 

Vol. 107, 1906, No. 2787—2791. 
Der Weidmann. Blätter für Jäger und Jagdfreuude. Herausg. v. Dr. L. Staby. Berlin- 
Schöneberg. 1906. Bd. 37. No. 14—38. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. v. E. 

Pros ler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 35—39. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. v. Dr. W. Kohler. Verlag 

d. CreutzBohen Buchb., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 22—26. 
The American Journal of Science. Herausg. v. E. 8. Dana. NewHaven, Gönn. 

4. Ser. Bd. 21, 1906. No. 1*6, 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. C. D a u t. Bern, Verlag v. C. Daut, 1906. Jahrg. 5, Heft 5. 
Natur und Haus, lllustr. Zeitsohr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. M. B räß. Ver- 
lag v. H. 8chultze, Dresden-Strehlen, 1906. Jahrg. 14, Heft 17-18. 
Zwinger und Feld. lllustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. v. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. Sautter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 21—25. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 35, 1906. No. 22—26. 
The Irish Naturalist. A Monthly Journal of General Irish Natural History. Edit. by 

G. H. Carpenter, R. L. Praeger and R. Pattersen. Dublin, 1906, Eason & Son, 

Vol. 15, No. 5-6. 
Proceedings of the Royal Society. London, 1906. Ser. A. Vol. 77. No. 518— 519 u. 

Ser. B. Vol. 77. No. 519 - 620. 8°. 
Zeitschrift des Tierschutzvereins zu Posen. Herausg. v. E. Reißmüller 

Posen 1906. 16. Jahrg., No. l. 
Mitteilungen über die Vogelwelt. Organ des österr. Reichsbundes f. Vogelkunde u 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. E. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. 

No. Il-i2. 
Vereinsschrift für Forest-, Jagd- u. Naturkunde im Königr. Böhmen. Herausg. 

v. Prof. Fr. Oroy u. a. Prag, Verl. d. Böhm. Forstvereins, 1906. Jahrg. 1906— 07, Heft 2. 
Deutscher Tierfreund. lllustr. Monatsschrift t Tierschutz, Tierkunde, Tierzucht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner. Jahrg. 10, 1906. Heft 6. 
Annais of the South Afrioan Museum. London, W\jat, Newman & Co., 1906. Vol. 3. 

Title, Index and Vol. 5 Part I— II. 8°. 
Boletin de la Academia Nacional de Cienoias en Cordoba (Rep. Argentina). 

Buenos Aires, Ooni Hermanos, 1905. Bd. 18, Heft 2. 8°. 
Annalendes K. K. Naturh. Hofmuseums. Herausg. v. Dr. Fr. S teindachner. 

Wien, Verl. v. Alfr. Holder, 1905. Bd. 20, No. 1. 8°. 
Royal Dublin Society. Scientif. Proceed. Vol. 11, No. 8—9 and Scientit. Transaotions 

Vol. 9, Part. 3. Dublin, Williams & Norgate, 1906. 
Colony ofNatal: First Report of the Natai Governm. Museum 1901. Pietermaritzburg, P. 

Davis & Sons, 1906. Fol. 
Natur und Schule. Zeitsohr. f. d. ges. naturknndL Unterricht aller Schulen. Herausg. 

v. B. Landsberg, O. Schmeil u. B. 8ohmid. Berlin, B. G. Teubner, 1906. Bd. 5. 

Heft 6. 
Wochenschrift f. Aquar.- u. Terrarienkunde. Herausg. v. Dr. W. Wolters- 
tor ff. Verlag v. A. W. Zickfeldt, Braunschweig, 1906. 3. Jahrg. No. 25-27. 
Governm. of Egypt: Zool. Gardens Giza near Cairo. Report on Mission toEurope 1905 

by Dir. S. S. Flow er. Cairo, Nation. Priut. Departm., 190ö. 8°. 43 pag. 



Zusendungen werden direkt an die Verlagshandluug erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reinhold Mahl au, Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



Zoologischer Beobachter 

— S&- Der Zoologische Garten. ~m — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldsohmidt. 



N°- 8. XLVIL Jahrgang. August 1906. 

Inhalt. 

Gibt es ein Tier, das ein Werkzeug benatzt? Von Prof. Dr. Ferd. Richters in 
Frankfurt a. M. (Mit 3 Abbildungen im Text.) — Die Lachmöwe (Larus ridib»ndus L. 1766) 
in der Schweiz; von Dr. H. Fisoher-Sigwart in Zofingen. (Schluß.) — Aus der Kinder- 
stube des Kuckucks; von stud. Paul Werner in Bonn a. Rh. — Warum baut der Storeh 
das Nest noch weiter aus, wenn schon mitunter große Junge darinliegen? Von Wilhelm 
Schuster in Liverpool (England). — Ueber den Massenfraß des Eichenwicklers (Tortrix 
viridanäfy; von Ludwig Schuster in Gonsenheim bei Mainz. — Kleinere Mitteilungen. - 
Literatur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. 



Gibt es ein Tier, das ein Werkzeug benutzt? 

Von Prof. Dr. Ferd. Richters in Frankfurt a. M. 
(Mit S Abbildungen im Text.) 



Durch neuere, in den Proceedings der Zool. Soc. of London 
1905 II veröffentlichte Beobachtungen des Prof. Duerden ist die 
Aufmerksamkeit der Biologen wieder auf gewisse Krebscheu des Indo- 
pazifischen Ozeans gerichtet worden, die fast ausnahmslos lebende 
Seerosen in den Scheeren tragen. 

Der erste, der diese Beobachtung gemacht hat, war K. Möbius. 
1874 fand er das Krebschen Melia tessellata Latr. auf der Fouquet- 
Insel bei Mauritius, malte es nach dem Leben in Wasserfarben und 
übergab mir später das Bild (Fig. 1) und folgende Darstellung seiner 
Beobachtung zur Veröffentlichung für meine Arbeit in »Beiträge zur 
Meeresfauna der Insel Mauritius und der Seychellen« Berlin 1880: 

»Ich habe gegen 50 männliche und weibliche Exemplare der 
Melia tessellata gesammelt; alle hielten in jeder Schere eine Actinia 
prehensa. Die Widerhaken an den Innenrändern der Scherenglieder 
sind vorzüglich geeignet, die Aktinien festzuhalten. Es ist mir nie 
gelungen, diese unverletzt aus den Scheren zu ziehen. Ließ ich die 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVIL 1906. 15 



Stücke der herausgezogenen Aktiuien in dein Gefäß liegen, worin 

sich die Melia befand, so sammelte sie sie in kurzer Zeit wieder 

auf. Schnitt ich die Aktiuien 

' : in Stücke, so fand ich diese 

nach wenigen Stunden alle 

wieder in den Scheren des 

, Krebses. 

! Es ist sehr wahrschein- 

lich, daß die Aktiuien durch 
< die Fäden ihrer Nesselkapseln 
dem Krebs das Fangen von 
I Beatetieien erleichtern, wofür 

I die Aktinieu den Vorteil ge- 

L. ..____ I nießen, von einem Ort zum 

Fig. 1. andern getragen und dadurch 

mit mehr Tieren, die auch 
ihnen zur Nahrung dienen können, in Berührung gebracht zu werden. 
Wir haben hier einen sehr interessanten Fall von Kommensalismus 
vor uns.« 

Bei der Bearbeitung der Mauritiuskrebse entdeckte ich dann bei 
einem zweiten höchst seltenen Krebs, Polydectus cupulifer Latr. (Fig. 2) 
die Gepflogenheit, lebende Seerosen 
in den Händen zu halten. Das 
einzige Stück des Pariser Museums, 
nach dem Latreille seine Be- 
schreibung gemacht hatte, wurde 
durch einen Unfall zerstört, zwei 
u - -- ■ - -i Exemplare, die Dana gesammelt 

rüg. 2. hatte, gingen beim Schiffbruch des 

»Peacock« verloren. So waren die 
beiden Möbius'schen Stücke die einzigen damals bekannten. 

Auf der Abbildung des' Polydectus in Cuvier, Atlas Taf. 14, 
Fig. 4 sieht man au der einen Schere ein unbestimmbares Etwas, 
das mit einer Seerose aber keine Ähnlichkeit hat. Latreille spricht 
in seiner Beschreibung von einer »snbstance peut-elre gommeuse et 
conti ii Dante, formant un empätement ä l'extremitc des doigts« und 
Danas Polydectus villosus soll etwas Schwammartiges in der Hand 
gehabt haben. Duerden konnte auf den Malediven auch nur ein 
Stück des Polydectus finden und bestimmte die von ihm gehaltene 
Seerose als eine PheUia. Melia ist nie wieder so häufig wie vou 



— 227 — 

Möbius gefunden worden. Ich erinnere mich genau, daß selbst die 
Vorräte an Melia des weiland Godeffroyschen Museums in Hamburg 
nicht groß waren, und Duerden hat während dreier Monate auf den 
Malediven nur zwei Stücke gesammelt. 

An diesen Tieren hat er nun höchst interessante Beobachtungen 
betreffs ihrer Beziehungen zu den Seerosen gemacht. Die beiden 
Melien hatten verschiedene Seerosen gepackt, die eine eine Bunodeopsis* 
Art*' die andere eine Sagartia; Möbius bezeichnete die Seerose der 
Mauritius-Tiere als Actinia prehensa, die Duerden, nach der Zeich- 
nung, ebenfalls für eine Bunodeopsis zu halten geneigt ist. Wähle- 
risch in der Art der Seerose scheint Melia also nicht zu sein. Das 
konstatiert nun Duerden durch Versuch. Er nahm der Melia, die 
Bunodeopsis hielt, diese fort und legte Sagartia in das Gefäß, in 
dem die Melia sich befand. Sobald die Melia mit diesen in Be- 
rührung kam, ergriff sie sie und marschierte nun mit ihnen herum. 
Der umgekehrte Versuch hatte den gleichen Erfolg: die Melia, die 
Sagartien getragen hatte, nahm, nachdem diese entfernt waren, an- 
gebotene Bunodeopsis auf. Hochinteressant war das Verhalten einer 
Melia, die in einer Hand eine unversehrte Sagartia und in der 
andern nur ein Fragment einer Bunodeopsis hielt und in ein Gefäß 
gesetzt wurde, in dem eine ausgewachsene Bunodeopsis angeheftet 
saß. Als die Melia mit dieser in Berührung gekommen war — 
früher kümmern sich die Melien nicht um die Seerosen — warf die 
Melia das Fragment fort, löste behutsam mit dem ersten Glied des 
ersten Gehfußes ringsum die Haftscheibe der Seerose und erfaßte 
dann erst die Seerose mit den feingezähnten Scheren (Fig. 3). 

Fast sollte man einem Melien-Ge- 
birn nicht so viel Überlegung zutrauen, 
daß eine ganze Seerose besser sei als 
ein Fragment, und vorsichtiges Lösen 
von der Unterlage besser als schonungs- 
loses Abreißen. Und welcher Grad pig. 3, 
von Intelligenz zeigt sich erst darin, 

daß alle Melien in gleich zweckmäßiger Weise die Seerosen erfassen! 
Die Seerosen sind nie durch die Haftscheibe auf die Scljere fixiert, 
sondern werden von der für diesen Zweck sehr geeignet gebauten 
Schere, um den Stamm herum, gehalten, und zwar stets mit der 
Tentakelscheibe nach oben und ein wenig nach außen getragen. 
Wird eine Seerose nicht gleich richtig erfaßt, so wird sie erst wieder 
dem dritten Maxillarfußpaar und dem ersten Gehfußpaar übergeben 




.**. — 



■*-^w-*' 



— 228 — 

und dann von neuem mit der Schere gepackt, bis die Stelluug die 
gewünschte ist. 

Zu welchem Zweck aber trägt das Krebschen die Seerosen ? 
Offenbar einerseits zur Verteidigung; das schließt Duerden aus der 
Tatsache, daß die Melia stets die Seerose sofort nach der Richtung 
bewegt, aus welcher ein Angriff droht; kommt der Reiz von der 
Seite, so werden beide Seerosen dorthin gerichtet. Auch dies ist zu 
merken, daß Melia erst sich zur Verteidigung mit ihren Brenn- 
apparaten anschickt, dann zur Flucht; sie sollen überhaupt nicht, 
nach Duerden, solche Hasen seiu, wie die anverwandten Krabben', 
offenbar im Vertrauen auf ihre Waffen. Die Verwendung der Scheren 
zur Verteidigung hat Melia bereits völlig verlernt; wenn man ein 
Tier, dem mau die Seerosen fortgenommen hat, reizt, so macht es 
die gleichen — jetzt zwecklosen — Bewegungen, als ob es Seerosen 
in der Hand hätte; der bewegliche Finger der. Schere wird aber 
nicht in Verteidigungsstellung gebracht uud die Schere nicht ge- 
öffuet, wie es andere Krabben tun. Die reduzierte Schere ist keine 
Waffe mehr, sodern dient nur zum Halten der Seerose. 

Anderseits dienen die Seerosen zweifelsohne zum Nahrungs- 
erwerb. Heften sich bei der Fortbewegung irgend welche Schmutz- 
teilchen an die klebrige Seerose, so wird diese durch die Gehfüße 
gesäubert, gleichwie der Krebs an sich selbst mittels dieser auf 
Sauberkeit hält; bringt mau Stückchen Brot oder Papier zwischen 
die Teutakel, so reagiert weder die Seerose noch der Krebs; die 
Stückchen werden, als uugenießbar, langsam abgeführt. Legt man 
aber auf die Tentakelscheibe ein Stückchen Fleisch, ein Krebsbeincheu 
oder dgl., was durch seinen Saft die Seerose zum Ergreifen anreizt, 
danu kommen auch sofort die ersten Gehfüße des Krebses in Aktion und 
schieben die Beute in dessen Mund, holen sie gelegentlich auch aus dem 
Mundrohr der Seerose hervor, wenn diese zu hastig geschluckt hat. 

Während Melia ein äußerst aktives Tier ist, das munter umher- 
läuft und lebhaft auf Reize reagiert, soll Polydectus ein < langsamer 
Geselle sein, der meistens in irgend einem Versteck hockt und 
herausgezerrt, sich lieber umherstoßeu läßt, als die Flucht ergreift. 
Er streckt ^ach seine Seerosen nicht nach der Richtung eines An- 
griffs; er verläßt sich offenbar mehr auf seinen ihn unkenntlich 
machenden Wollpelz und befolgt mehr die Devise: »Nur nichts 
merken lassen!« Nichtsdestoweniger ist doch sicherlich auch bei 
ihm die Seerose in seiner Hand ein Werkzeug des Nahrungserwerbs, 
vielleicht aber nicht, wie bei Melia, gleichzeitig der Verteidigung. 



— ■ 220 . — 
Die Lachmöwe (Larus ridibundus L. 1766) in der Schweiz. 

Von Dr. H. Fischer-Sigwari in Zofingen. 

(Schluß.) 



»Nach alter Tradition sollten die Möweu auf dem Delta der 
Drance nisten. Im Frühliuge 1904 war das nicht der Fall. Ich 
habe dort nur etwa 20 Seeschwalben, Sterna hirundo L., angetroffeu, 
von denen ich gerne annehme, daß sie dort genistet haben. Dagegen 
habe ich einen Flug von etwa 30 Möwen den ganzen Frühling 
hindurch auf der Pointe de Roverea (Yvoire) gesehen und mehr als 
hundert längs der Ebene des Rhone. Da sind am Genfersee also 
die Nistplätze der Möwen zu suchen, wenn es noch solche dort gibt.« 

Das sind die Resultate von Prof. Foreis Untersuchungen in 
den letzteu Jahren bis 1905. Unterm \5. Oktober 1905 teilte mir 
dieser Forscher dann noch mit, daß es Herrn Alfred Vaucber im 
Frühlinge 1905 gelungen sei, Eier und Nester von Möwen vou 
Villars in Frankreich, östlich von Genf und südlich vom Genfersee, 
von diesem letztern etwa 15 Kilom. entfernt, zu erhalten. 

Dr. Victor Fatio, der unlängst verstorbene hervorragende 
Genfer Zoologe, schreibt in seinem Werke »Les animaux vertebres 
de la Suisse« über das Nisten der Möwen am Genfersee: 

»Diese Möwe nistete und nistet immer noch mehr oder weniger 
häufig in den Sümpfen von Villeneuve, wie es scheint nicht weit 
von der Einmündung des Rhone in den See, wo ich am 27. April 
1902 noch eine ziemliche Anzahl gesehen habe, ohne daß es mir 
gelang, den genauen Ort ihrer Ansiedlung ausfindig zu machen. Sie 
nistete ebenfalls in dem großen, kiesigen Delta »des Dransesc nicht 
weit von Thonon; aber die immer zunehmende Ausbeutung des 
Kieses scheint heute dort das Nisten zum größten Teil unmöglich 
gemacht zu haben.« 

»An dem Rhone unterhalb Genf hat die Kultur viele der sandigen 
Gegenden in Besitz genommen und die Sümpfe verdrängt und so 
auch hier die Nistorte der Möweu beeinträchtigt, so daß diese ander- 
wärts in der Umgebung Nistgelegenheiten suchen mußten.« Fatio 
vernahm in den letzten Jahren in Bezug hierauf, dass Vögel dieser 
Art in der Nähe der Steinbrüche von Meillerie auf kleinen Vor- 
sprüngen an den Felswänden nisteten, also nicht weit vom Ausflüsse 
des Rhone auf dem linken Ufer des Genfersees. Es war ihm aber 
nicht möglich, diese Aussagen zu bestätigen. 



— 230 — 

Aus diesen Angaben Fatios und den genauen Untersuchungen 
Foreis in den letzten Jahren ergibt sich also schließlich doch, daß 
auch am Genfersee, wie an vielen andern Schweizerseen, Möwen 
nisten. 

Auf dem Bodensee sind die Verhältnisse ähnlich wie am Genfer- 
see. In den großen Sümpfen dieses neben dem Genfersee größten 
Sees der Schweiz, die dort noch existieren, finden sich noch mehr 
Nistgelegenheiten als anderwärts. Es stehen mir aber von hier keine 
direkten Beobachtungen zur Verfügung. 

Die großen frühern Sumpfgegenden zwischen dem Neuenburgerr, 
Bieler- und Murtensee, wo früher ebenfalls viele Möwen nisteten, 
sind heute korrigiert und trockengelegt, so daß auch dort dich 
keine Niststellen mehr vorfinden. 



Die Nahrung der Möwen besteht in Käfern, Raupen, Algen und 
allerlei Fleischnahrung. In allen Mägen findet man auch kleine 
Steinchen. Man hat auch Reste von Mäusen gefunden, oft auch 
Fischreste, aber nicht so häufig, wie viele meinen, und die Fischer 
machen viel zu viel Geschrei über die Fischgefährlichkeit der Möwen 
und auch anderer Wasservögel, denen sie am liebsten die Daseins- 
berechtigung absprechen möchten. Wenn diese Vögel sich, wie 
ihnen oft nachgesagt wird, ausschließlich oder fast ausschließlich 
von Fischen nähren würden, müßten sie allerdings zu den gefähr- 
lichsten Fischfeinden gerechnet werden, aber das ist durchaus nicht 
der Fall, wie aus vielen Magenuntersuchungen hervorgeht. Prof. 
Dr. Rörig in Berlin hat von 17 Mägen nur in 7 Fischreste von 
kleinen Fischen gefunden, die aber in den meisten Fällen nur den 
kleinsten Teil des Mageninhaltes, oft nur ein Minimum darstellten. 
Auch die Magenuntersuchungen, die Präparator Nägeli in Zürich 
anstellte, ergaben analoge Resultate. Er fand zum Beispiel im 
Januar 1903 im Magen einer Möwe »Überreste von ganz kleinen 
Fischen, deren Wirbelsäule etwa 7 Millimeter maß, daneben viele 
Insektenüberreste, Zangen von Ohrwürmern und Brei von Brot.« 

Jedermann, der schon in Luzern, Zürich, Basel oder anderwärts 
im Winter den Möwen zugesehen hat, weiß, daß sie Brot mit Vor- 
liebe fressen, das sie, wenn es ihnen zugeworfen wird, graziös im 
Fluge auffangen, und daß sie durch ihre Schönheit und durch die 
Eleganz und Leichtigkeit des Fluges schnell die Gunst des Publi- 
kums erringen. Im Hafen von Luzern kann man im Winter Ver- 



— 231 — 

gleichungen anstellen zwischen den leichten Möwen und den plumpen 
Wildenten, die sich dann dort ebenfalls als Wintergäste anfhalten. 
und die nicht im stände sind, einen zugeworfenen Bissen im Fluge 
zu erhaschen wie jene. Und wenn eine Ente im Fluge ins Wasser 
einfällt, so geschieht das mit viel Geräusch und unter bedeutender 
Wellenerregung, während beim Einfallen einer Möwe man den Ein- 
druck erhält, als ob ein leichter Flaumball aufs Wasser fiele. 

Im Winter 1898/99 hielten sich in Zürich beim Bahnhof unter- 
halb der Brücke auf der Limmat eine außerordentliche Menge Möwen 
auf, die zeitweise alle im Wirbeltauz durcheinanderflogen und so ein 
»Flockengewimmel« wie von ungeheuer großen Schneeflocken dar- 
stellten. Die Leichtigkeit, mit der sie im Fluge einander auswichen 
und auf den Wasserspiegel einfielen, erweckte unwillkürlich diesen 
Vergleich. Es waren viele Junge dabei, die am obern Zürichsee 
ausgebrütet worden waren. 

Am 27. Febr. 1895 beobachtete ich auch in Basel von der 
Alten ßheinbrücke aus das anmutige Treiben der Möwen. Sie wur- 
den vom Publikum von der Brücke aus mit Brot u. a. gefüttert, 
das ihnen zugeworfen wurde, und das die auf dem Rheine unter der 
Brücke fliegend wimmelnden Vögel schon meistens während des 
Falles erhaschten. Sie setzten sich auch auf die Wasserfläche, ließen 
sich ein Stück rheinabwärts treiben und flogen dann wieder auf- 
wärts der Brücke zu, wo sie sich neuerdings unter den kreisenden 
Schwärm mischten. Was das anmutige Schauspiel noch interessanter 
machte, war, daß sich auch viele Krähen eingestellt hatten, die sich 
unter den Schwärm mischten und ebenfalls nach dem Brote haschten, 
das sie aber meistens erst erwischten, nachdem es ins Wasser ge- 
fallen war und rheinabwärts trieb, wo sie es dann aber geschickt 
mit dem Schnabel oder den Füßen, während sie darüber wegflogen, 
vom Wasser abhoben. Die durcheinanderfliegenden weißen Möwen 
uud schwarzen Krähen stellten die Basler Stadtfarben dar, was 
gewiß viel dazu beitrug, ihnen die Sympathie der Basler Bevölke- 
rung zu erwerben. 

Die Möwen verlassen den Norden meistens im Oktober und 
November, um den Winter in den Mittelmeerländern zuzubringen, 
sowie auf den Seen der Schweiz und Oberitaliens. Doch finden 
auch im September schon Züge statt. Wie aus obigen Mitteilungen 
zu ersehen ist, erscheinen die Hauptzüge der Wintermöwen auf dem 
Genfersee und jedenfalls auch auf dem Bodensee regelmäßig schon 
im September, während sie auf den kleinern Seen der Mittelschweiz 



— 232 — 

meistens erst im Oktober und November zu beobachten siud. Im 
September sieht man z. B. auf dem Züricbsee nur die dort nisten- 
den und ihre Jungen. Ausnahmsweise können auch schon im August 
Zugbewegungen festgestellt werden, und, wie aus den Notizen vom 
Genfersee ersichtlich, erscheinen dort schon im Juni große Züge 
nordischer Möwen. Auch im Dezember sieht man in den Tälern 
des schweizerischen Mittellandes oft noch kleiuere Möweuzüge. 

Im Wiggertal, Suhrental und im Wauwylermoos, ebenso am 
Sempachersee und auch im Aaretal erscheinen im Herbste die Möweu- 
züge regelmäßig. Ihr Zug geht in den erstgenannten Tälern in süd- 
licher Richtung der Talrichtung folgend vor sich, im Aaretal aber 
in westlicher oder südwestlicher Richtung, der großen, schweizerischen 
Zugstraße folgend. Möwenflüge, die um diese Zeit in den Aarebenen 
des Kantons Solothurn in umgekehrter oder anderer Richtung fliegend 
angetroffen werden, sind zum Teil solche, die auf der Suche nach 
Nahrung keine bestimmte Richtung einhalten, aber schließlich doch 
in westlicher Richtung abziehen, zum Teil, namentlich die späten, 
auch Wintergäste unserer Seen, die von einem Seebezirk zum andern 
fliegen. Über den Herbstzug der Möwen im Beobachtungsgebiete 
gibt folgende Tabelle Auskuuft. 





Herbstzug 


der Lach 


mö we. 


Ort 


Jahr 


Datum 


Beobachter 


Bemerkungen. 


Buchsermoos . . . 


1887 


20. Septbr. 


Ed. Fischer 


„Ein Flug Möwen im Moos". 


Wauwylermoos . . 


1887 


20. Septbr. 


H. F. S. 


Bin Flug Möwen. 


Wiggertal. . . . 


1888 


Anf Oktbr. 


H. F. S. 


Ein Flug Möwen in den „Brdelen". 


Wauwylermoos . . 


1889 


21. Septbr. 


Ed. Fischer 
u. H. F. S. 


Ed. Fischer erlegte eine Möwe aus 
einem Fluge. 


Zofingen .... 


1889 


31. Oktbr. 


H. F. S. 


Ein Sebwarm in den „Brüelen". 


Wiggertal .... 
Wiggertal . . . 


1889 
1890 


31. Oktbr. 
19. August 


H. F. S. 
H. F. S. 


Ein Flug Möwen zwischen Beiden 
und Zofingen. 

Ein Flug Möwen bei schwülem Wetter. 


Wauwylermoos . . 
Wiggertal. . . . 


1890 
1891 


20. Oktbr. 
9. Oktbr. 


Ed. Fischer 
H. F. S. 


Kiebitze und Möwen im Moos* am 
30. Oktober wieder. 

Ein Schwärm in den „Brfielen". 


Suhrental .... 
Wiggertal .... 


1892 
1892 


13. Oktbr. 
13. Oktbr. 


Ed. Fischer 
H. F. S. 


Bei Staffelbach im Moos ein Flug 
Möwen. 

Ein Flug Möwen in den „Brüelen u . 


Zofingen .... 
Wiggertal .... 


1893 
1893 


10. Novbr. 
10. Novbr. 


H. F. S. 

Verschiedene 
Beobachter 


Es kreisten 14 Möwen über Zofingen 
und zogen dann in westlicher 
Richtung ab. 

Zugtag! Züge in den „Brüelen", bei 
Oftringen und an verschiedenen 
andern Stellen. 



233 



Ort 




Genf . 1893 

Wiggertal. . . . 1894 
Wiggertal .... 1894 

Wiggertal. . . . 1895 
Singen 1896 

Ölten ..... 1896 
Ölten 1896 

Wiggertal .... 1896 
Zofingen .... 1896 

Wauwylermoos . . 1897 

Wiggertal. . . . 1898 

Wiggertal .... 1899 
Solothurn . . . .1900 
Grenchen .... 1900 
Bettlach .... 1900 

Wauwylermoos . .1900 

Bettlach .... 1900 

Altreu bei Grenchen 1900 

Grenchen .... 1900 
Bettlach .... 1900 

Grenchen .... 1900 

Grenchen .... 1900 

Bettlach .... 1900 

Grenchen .... 1900 

Grenchen .... 1901 

Wiggertal . . . .1901 
Bettlach .... 1901 
Sempach .... 1901 

Bettlach .... 1901 

Bettlach . . . .1901 

Bettlach . . . .1901 

Dietikon . . . .1902 

Sempach .... 1902 
Wiggertal .... 1902 
Sempach .... 1902 



Beobachter 



10. Novbr. 
Oktbr.u.Novbr, 

1. Dezbr. 

14. Novbr. 
31. August 

20. Septbr. 
5. u. 6. Oktbr. 

14. Oktbr. 
7. Novbr. 

7. u. 20. Septbr. 

Oktober, 

13. Oktbr. 

8. u. 9. Septbr 
25. Oktbr. 

25. Oktbr. 

27. Oktbr. 
30. Oktbr 

2. Novbr. 

5. Novbr. 
5 Novbr 

13. Novbr. 

15. Novbr. 
15. Novbr. 
7. Dezbr. 

14. Oktbr. 

15. Oktbr. 

21. Oktbr. 
1. Novbr. 

21 Novbr. 

7. Dezbr. 

18. Dezbr. 

17. Septbr. 

26. Oktbr. 
28 Oktbr. 
4. Novbr. 



Orn. Blätter 
H. F. S. 
H. F. S. 

H. F. S. 

Haerri, 
Lokomotirführ. 

G. v. Burg 
G. v. Burg 

H. F. S. 
H. F. S. 

Ed. Fischer 

H. F. S. 

H. F. S. 
Dr. Greppin 
Dr. Greppin 
Dr. Greppin 

Ed. Fischer 

Dr. Greppin 

Dr. Greppin 

Dr. Greppin 
Dr. Greppin 

Dr. Greppin 
Dr. Greppin 
G. v. Burg 
Dr. Greppin 

Dr. Greppin 

H. F. S. 
Dr. Greppin 
A. Schifferli 

Dr. Greppin 

Dr. Greppin 

Dr. Greppin 

„Orn Beob. tt 

A. Schifferli 

H. F. S. 
A. Schifferli 



Bemerkungen. 



Die Möwen rückt, an diesem Tage ein. 

Es hielten sieh mehrmals Zuge auf. 

Es hielt sich im Oftringer Felde ein 
großer Zug Möwen auf. 

Ein Flug in den „Brüelen". 

Zwischen Arien und Singen ein Zug 
von mehreren lausenden. 

Die ersten Möwen ei scheinen. 

Am 5. ein Flug, am 6. Okt. ein 
Exemplar in der Rankwago. 

Ein Schwärm in den „Brfieien". 

Abends 4 Uhr drei Möwen in den 
„Brüelen 4 *. 

Hauptzugtage! An beiden viele 
Möwen im Moos. 

Um Mitte Oktober mehrmals Möwen 
in den Wiggermatton. 

Möwen in den Wiggerma ten. 

Möwen an der Aare bei Nennigkof en. 

Im „Slad 4i (Aarebene) 50 60 Möwen. 

Es zogen 50 60 Möwen von O. nach 
W. der Aare entlang. 

Nur eine Möwe; im Septbr. u. Oktbr. 
keine gesehen. 

Es zogen 9 Stück von Osten nach 
Westen der Aare entlang. 

15 Möwen flogen von Westen nach 
Osten auf einen Acker zum Weiden. 

Bei der Römerbrücke 30—40 Möwen. 

Morgens früh 30 — 40MÖ wen aufÄoki rn 
am rechten Aarufer, dabei Junge. 
Verschwanden dann von O. nach W. 

In der „Witi" noch drei Möwen. 

Auf don Feldern 25-30 Möwen. 

An der Aare 25—30 Möwen. 

Es zogen 25—30 Möwen aai aufwärts 
von O. nach W. 

In der Aarebene über 60 Möwen, die 
von O. nach W. abzogen. 

Möwen in den Wiggermatten. 

An der Aare 80—100, von W. nach O. 

Morgens flogen 10 - 15 Möwen in süd- 
licher Richtung über den See ohne 
diesen zu beachten. 

An der Aare 6 Möwen von O. nach 
W. ziehend. 

An der Aare 4—5 Stück v. O. nach 
W. ziehend. 

An der Aare 4-5 Stück von W. nach 
O. fliegend. 

Es kreisten 2 Möwen über der Aare 
(Vielleicht ein Paar, das dort ge- 
brütet hatte.) 

Die erste Möwe erschien auf dem See . 
Möwen in den Wiggermatten. 



Zwei Möwen 
Richtung. 



flogen in südlicher 



— 234 — 



Ort 




Sempach . . . . 
Aarberg . . . . 

Biel 

Ölten 

Büren an d. Aare . 

Sempach . 

Wiggertal . 
Sempach . 

Wiggertal . 

Zofingen . 



Bemerkungen. 



1902 
1903 

1903 
1903 
1903 

1904 

1904 
1905 

1905 

1905 



16.u.l7.Novbr. 

Mitte August bis 
Anf. Septbr 

7. Oktbr 

Mitte Oktbr. 

21 Oktbr. 

Ende Septbr. 
u. Anf. Oktbr. 

11. Oktbr. 

6. Augost 

November 

16. Dezbr. 



A. Schifferli 
„Orn. Beob. tt 

H. F. S. 

G. v. Burg 

„Orn. Beob. a 

A. Schifferli 

II. F S ä 
A. Schifferli. 

H. F. S. 

H. F. 'S. 



Am 16. eine, am 17. sechs Möwen auf 
dem See. 

Es zogen große Flüge „Giritze" durch 



Es hielt sich ein Flug Möwen auf 
dem See auf. 

„Nur noch vereinzelte Durchzügler 
an der Aare." 

Nachmittags 4 Uhr, kurz nacheinan- 
der zwei Seh wärme von je öOMöwen, 
in westL Richtung ziehend. 

liier und da passierte eine Möwe 
hei Sempach. 

Möwen in den Wiggermatten. 

Auf einem Sroppelfelde über 100 
weidende Möwen. 

Mehrmals Möwenschwärme in den 
Wiggermatten. 

Mittags 2 l / 8 Uhr flog eine Möwe tal- 
aufwärts (also in südlicher Rich- 
tung). 



Über den Zug am Genfersee ist oben schon gesprochen worden. 

Im Herbst 1905 , der wegen des anormalen Wetters (im Sep- 
tember und in der ersten Hälfte Oktober beständig Regenwetter) 
auch sehr abnorme Zugverhältnisse aufwies, hatte man bis Ende 
Oktober weder im Wiggertale, noch im Suhrentale, noch im Wau- 
wylermoos Möwen beobachtet. 

Aus obiger Tabelle ergibt sich für den Herbstzug der Lachmöwe 
als mittleres Datum der 21. Oktober. 



Der Herbstzug der Möwen geht nur zum Teil über die Schweiz 
hinaus nach Süden. Ein großer Teil der aus dem Norden kommen- 
den bleiben als Wintergäste den ganzen Wiuter über auf unsern 
Seen und größern Flüssen. Die Lachmöwe ist die einzige Möwenart, 
die im Winter regelmäßig in die Schweiz kommt. Gewöhnlich hält 
sie ihren Eiuzug in diese Winterstationen mit dem Eiutritt der 
Kälte, doch hie und da auch schon früher, je uachdem der Herbst- 
zug früher oder später stattfindet. 

Bekannt durch ihren Möwenreichtum im Winter sind folgende 
Stationen: Der Hafen von Luzern und der Ausfluß der Limraat aus 
dem Zürichersee nebst der Umgebung der Stadt Zürich, die beide 
schon erwähnt worden sind. Iu den letzten Jahren hat sich die Zahl 
der Möwen an diesen Winterstationen bedeutend vermehrt. Auch 
auf vieleu kleinern Seen sind Winterkolonien entstanden, namentlich 
da, wo man um größere Ortschaften Schon bezirke schuf, wo kein 



— 235 — 

Vogel erlegt werden darf. So halten sich nun aueh bei Zug im 
Winter viele Möwen nebst anderem Wassergeflügel auf dem See auf, 
seit dort ein Schoubezirk entstanden ist. 

Bei Biel am Bielersee existiert ein solcher noch nicht, trotzdem 
sich dort einige Tierfreunde um einen solchen bemüht haben. Dort 
wird weggeschossen, was sich vou seltnerem oder genießbarem Wasser- 
geflügel zeigt. 

Auf dem Sempachersee zeigen sich im Winter nur vorübergehend 
Möwen, meistens nur in einzelnen Exemplaren oder kleiueu Flügen, 
trotzdem um Sempach seit mehreren Jahren eine Schutzzone existiert. 
Während der Zugzeit fallen zwar öfters größere Züge auf dem See 
ein, die aber stets nach kurzem Aufenthalt weiterziehen. 

Die Verhältnisse am Geufersee sind schon behandelt worden. 
Die bedeutende Größe und die Lage dieses Sees sind Schuld daran, 
daß dort andere Verhältnisse walten als auf den kleineren Seen der 
Mittelschweiz. 

Auch auf den Flüssen sieht man in der Nähe größerer Ort- 
schaften Winterkolonien von Möwen, so namentlich auf dem Rhein 
bei Basel, wo bei der alten, nun abgebrochenen ßheiubrücke jeden 
Winter reges Möweuleben herrschte, das schon oben geschildert 
worden ist, und wo jedenfalls bei der neuen Brücke das gleiche 
stattfinden wird. 

An der Aare finden sich im Winter an verschiedenen Stellen 
Möwen eiu, in den letzten Jahren mehr als in frühem. Bei Ölten 
sah mau z. B. seit einigen Jahren jeden Wiuter einen Flug. Im 
Winter 1904/1905 aber hielten sich dort wieder keine auf, trotzdem 
ein ganz außerordentlich niedriger Wasserstand war, der viele Krähen 
anzog. Die Witterungs- und Temperaturverhältnisse spielen hierbei 
eine Rolle, da, wenn die Seen zufrieren oder unruhig werden, 
die Möwen den Flüssen zuziehen, wo sie als Vorboten schlechten 
Wetters angesehen werden. 

Am 25. November 1902 kam bei Baden im Aargau ein Schwann 
von 50 Möwen auf der Limmat stromaufwärts geflogen, der sich 
eine Stunde später noch dort aufhielt. Diese Züge von den Seen aus 
infolge vou Witterungs Verhältnissen finden auf allen größeren 
schweizerischen Flüssen statt. So sieht man auf dem Rhein und auf 
der Aare im Dezember und Januar oft stromaufwärts ziehende Möwen. 
Dr. G r e p p i n schreibt hierüber in bezug auf die Aarebenen im 
Kanton Solothurn: »Die auf unseren Schweizerseen als Wiutergäste 
verbleibenden Lachmöwen machen offenbar zuweilen Ausflüge aus 



— 236 



einem Seebezirk in den andern, daher ist um diese Zeit ihre Fing- 
richtung bald eine o&twestliche, bald eine west östliche.« 

Folgende Tabelle zeigt die Verhältnisse der 

Lachmöwe als Wintergast. 



Ort 




Bemerkungen 



Zürich . 
Luzern . 

Zürich . 

Zug . . 

Genf. . 

Zug . . 
Genf. . 

Genf. . 
Luzern . 

Luzern . 
Zofingen 

Luzeru . 

Zug . . 

Zürich . 



Koblenz ... 

Doettingen, Aargau 
Zurzach 
Zürich . . 
Zürich . . 

Neuenburg 

Neuenburg 

Luzern . . 

Bonigen an der Aare 



1889 
1890/91 

1890/91 

1891/92 

1892 

1892/93 
1892/93 

1893 
1894/95 

1895 
1896 

1896 

1896 

1897 



1897 

1898 

1898 

1898 

1898/99 

1899 

1899 

1899 

1899 



Ende Novbr. 
Winter 

Winter 

Winter 

22. Novbr. 

Wmter 
Winter 

10. Novbr. 
Winter 

Ende Novbr. 
6. Januar 

30. August 

30. August 

Ende Septbr. 

30. Dezbr. 

1. Januar 
4. Januar 

Ende Novbr. 
Winter 

Ende Septbr. 

2. Oktbr. 
26. Novbr. 
6. Dezbr. 



Naegeli 
IL F S. 

Naegeli 

Orn. Blätter 

Orn. Blätter 

Orn. Blätter 
Orn Blätter 

Orn. Blätter 
H. F. S. 

Orn. Blätter 

Ed. Fischer 
u. H. F. S. 

Orn. Blätter 

Orn Blätter 

Naegeli 

Gerber ') 

Gerber 

Gerber 

Naegeli 

H. F. S. 

Orn. Blätter 
H. F. S. 
H. F. S. 

G. v. Burg 



Die Möwen hielten ihren Einzug- 

Am 18. Febr. 1891 waren unter 
den Lachmöwen zwei mit 
schwarzem Schei el. 

Am 4. März 1891 war unter den 
Lachmöwen in Zürich eine mit 
schwarzem Scheitel. 

Nebst anderem Wassergeflügel 
hielten sich viele Möwen auf 
dem See auf. 

Die Möwen kamen im Hafen an, 
mit „Bise". 

Viele Möwen auf dem See. 

Tm Hafen hielten sich über 300 
Lachmöwen auf. 

Die Möwen rückten im Hafen ein. 

Am 21. Febr. 1895, morgens 8 Uhr 
bei -13° O., waren etwa 200 
Möwen im Hafen. 

Die Möwen hielten ihren Einzug. 

Vorübergehend 11 Stück in den 
„Brüelen**. Zogen in südlicher 
Richtung ab. 

Die Wintermöwen, tue sonst erst 
im November erscheinen, rück- 
ten schon ein. 

Die Wiatermöwen, die sonst erst 
im November erscheinen, rück- 
ten schon ein. 

Es waren schon eine Menge an- 
wesend, die am obern Zurich- 
see ausgebrütet worden waren. 
Viele waren schon im Winter- 
kleid. 

Unterhalb des Zusammenflusses 
des Kheln* und der Aare hielten 
sich etwa 20 Möwen auf. 

Es zogen SO Möwen rheina f warf s. 

Es zogen 8 Möwen rheiiiaufwärts. 

Die Möwen hielten ihren Einzug. 

Auf der Limmat, beim Bahnhof, 
hielten sich eine Menge Möwen 
auf. 

In den letzten Tagen des 8eptbr. 
erschienen die Möwen. 

VieleMö wen anwesend von Neuen- 
burg bis Boudry. 

Die Möwen waren im Hafen ein- 
gerückt 

Auf dem „Wolfwyler u. dem 
Boniger-Grien"- Hunderbe von 
Möwen. 



') Gerber, Konkordatsgeometer von Langnau im Emmental, ein zuverlässiger Beobachter. 




— 237 - 



Ort 




Beobachter 



Bemerkungen 



Ölten 

Brugg an der Aare 
Sempach . . . . 



Ölten • 
Sempach 
Sempach 



Bern 



Ölten . 
Zürich . 
Baden im Aargau 
Sempach . . . 



1899| 1900 
1900 
1900 



1900 

1900/01 

1901 

1901 

1901/2 
1902 
1902 
1902 



Ölten 

Sempach . . . . 
Zürich 

Ölten 

Ölten 

Sempach . . . . 



1902 

1902 

1902/3 

1902/3 

1903 
1903 



Sempach . . . . 



Zürich .... 
Vierwaldstättersee 

Zürich . . . . - 
Zürich .... 
Ölten .... 



1903 



1903 
1903 

1903 
1903 
1903 



Winter 
4. Dezhr. 
Dezomber 



25. Dezhr. 
Winter 
Januar 

Februar 

Winter 

An f. Septbr. 

25. Novbr. 

Dezember 



22. Dezbr. 

26. Dezbr. 

Winter 

. Winter 

Anf. Januar 
8. Januar 



Februar 



Anf. April 
25. Oktbr. 

12. u. 13. Nov. 
Dezember 
18. Dezbr. 



G. v. Burg 

Mumenthaler 

Schifferli 



H. v. Burg 
Schifferli 
Schifferli 

Daut, 

Redakteur 
H. F. S. 

Naegeli 

H. F. S. 

Schifferli 



G. v. Burg 
H. F. S. 
H. F. S. 

G. v. Burg 
u. H. F. S. 

G. v. Burg 
A. Schifferli 



A. Schifferli 



H. F. S. 
FI. F. S. 

H. F. S. 
H. F. S. 
G. v. Burg 



Es waren an der Aare etwa 
20 Möwen stationiert. 

Oberhalb Brugg tummelte sieh 
auf der Aare ein Flug Möwen. 

Am 15. Dezember flogen 4 Möwen 
hoch über den See von 8. nach 
O. Am 28. Deabr. kam eine 
Möwe im Jugendkleide zum 
Futterplatz in der Schutzzone» 

Es waren etwa 60 Möwen auf der 
Aare. 

Es hielten sioh nur vorübergehend 
Möwen auf dem See auf. 

Man sah hier und da i -2 Möwen 
im Februar, als der 8ee zufror, 
keine; imMärz wieder ziehende. 

Auf der Aare mehrere Möwen. 

Auf der Aare 20—30 Stück im 
Januar 1902. 

Die Möwen rückten ein und tum- 
melten sieh auf dem See. 

Es kam ein Seh warm von etwa 
50 stromaufwärts gezogen. 

Es waren hier und da einzelne 
Möwen auf dem 8ee; der Vier- 
waldstättersee scheint eine 
größere Anziehungskraft auf 
sie auszuüben. 

Auf dem Steinacker oberhalb Ölten 
6 Möwen und bei der Brücke. 

Zwei Flüge von 24 u. 36 8tück 
flogen seeabwärts. 

Eine große Anzahl anwesend. Am 
21. Novbr. ein großer Sehwarm 
auf dem Bellevue-Platz. 

Ein Schwärm erschien im Novbr. 
auf der Aare, und ihre Zahl 
steigerte sich. Am 10. Dezbr. 
waren es SO. 

Ein ziemlich großerSohwarm flog 
über Ölten. 

Es erschienen 8 Möwen bei der 
Badeanstalt, die meisten im 
Jugendkleid. Sie stritten sich 
mit den Wasserhühnern um 
das Futter und verschwanden 
bald wieder. 

Am 10. Februar an offenen Stellen 
am Rand dos Eises 16 Stück. 
Am 28. Febr. auf den Eissehollen 
der zertrümmerten Eisdecke 
viele Enten und 10 Möwen. 

Es waren noch etwa 100 Stück 
anwesend. 

Es waren bei Luzern schon ziem- 
lich viele Möwen eingerückt, 
auch bei Weggis einige. 

Es waren eine Menge Möwen an- 
wesend. 

Es hielten sich bei und in Zürich 
viele Möwen auf. 

12 Möwen an der Aare unterhalb 
Wangen. Während des Föhn- 
wetters zwisohen Weihnachten 
u. Neujähr verschwanden sie. 



— 238 



Ort 




Beobachter 



Bemerkungen 



Sempach . . . . 
Sempach . . . . 

Genf 

Zürich 

Zofingen . . . . 



1903/4 

1904 

1904 

1904/5 

1905 



Winter 

13 März 

Sept. u. Okt. 

Winter 

Dezember 



Schifferli 

Schifferli 

,0m. Beob." 
H. F. S. 
H. F. S. 



Möwen kamen u. verschwanden 
abwechselnd. Am 15. Februar 
etwa 8 auf dem See. 

18—20 Möwen auf dem See; nach- 
mittags 40, darunter einige mit 
schwarzer „Sammetkappe 1 '. 

Es kamen große Schwärme nor- 
discher Möwen an. 

Viele Möwen hielten sich in der 
Umgebung- und in der Stadt auf. 

Am 6. Dezbr. und nachher mehr- 
malsMöwen in denBrüelmatten 



Von dieser Vogelart ist mir nur ein Fall von Albinismns be- 
kannt: Herr Professor F. A. Forel in Morges beobachtete im Juli 
1904 auf dem Genfersee eine Lachmöwe, an der nur noch die 
großen Schwanzfedern schwarze Enden hatten. Die Schwungfedern 
waren ganz weiß. Dies muß als partieller Albinismus betrachtet, werden. 



Aas der Kinderstabe des Kuckucks. 

Von stud. Paul Werner in Bonn a. Rh. 



Am 3. Mai 1906 lag ich auf dem Bergrücken des Melbtales bei 
Bonn und beobachtete gerade ein Rotschwänzchen paar beim Fütterungs- 
geschäfte seiner Jungen, als zwei Kuckucke eine tolle Hetzjagd zwischen 
den Bäumen des Waldes veranstalteten, die damit endete, daß beide 
Vögel — cf un( l 9 — ai, f einem Brachacker, 20 Schritt von meinem 
Beobachtungsstande, einfielen. Hier auf dem Boden ging die Hetz- 
jagd von neuem los, und ich hatte Gelegenheit, das famose Laufen 
der Kuckucke auf holperigem Boden zu sehen. Nach etwa drei 
Minuten Wartens vollzog das Pärchen auf der Erde — ich sah den 
Begattungsakt bislang nur auf Bäumen vollziehen — den Liebesakt, 
und zwar dreimal nacheinander unter leisem Gekicher des Weib- 
chens. Aufgescheucht durch einen unnützen Köter flog das Pärchen 
dem nahen Walde zu. 

Mein Weg führte mich tagtäglich zum Melbtal, schon allein der 
anderen Nester wegen, die ich kontrollieren wollte, und* fast täglich 
sah ich einen Kuckuck (9?) umherfliegen. Am 13. Mai fand ich ein 
Grasmückennest — es befanden sich im Melbtal etwa ein Dutzend 
Nester! — das neben fünf Grasmückeneiern als sechstes Ei ein 



— 239 — 

Kuckucksei barg. Am 2. Juni fiel das Gelege aus — vier Gras- 
mücken, ein Kuckuck, ein Ei taub — . Am 6. Juni 12 Uhr mit- 
tags fiel ein Junges der Grasmücken über den Nestrand, resp. der 
junge Kuckuck spedierte es hinaus. Ich legte das Junge wieder ins 
Nest. Am 7. Juni um 6 Uhr nachmittags lag das Junge iot unter 
dem Neste. Am 11. Juni um 7 Uhr morgens lag ein zweites Junges 
tot unter dem Neste. Der junge Kuckuck zeigte eine Art »Krabbel- 
krankheit«, denn er drehte und wandte sich andauernd im Neste 
herum, um die anderen Jungen anscheinend ebenfalls aus dem Neste 
zu drängen, die bereits sichtlich unter Nahrungsmangel zu leiden 
schienen. Am 12. Juni um 7 Uhr morgens fanden sich die zwei 
letzten Grasmückenjungen tot im Neste vor. Am 25. Juni saß der 
junge Kuckuck bereits auf dem Nestrande. Am 29. Juni war das 
Nest leer. Ich vermute, daß ein dummer Bube den Vogel mitge- 
genommen hat. Ich wurde in dieser Annahme bestärkt dadurch, 
daß einmal die alten Grasmücken ängstlich am Nestorte umherflogen 
und ferner sich nirgends eine Spur des jungen Kuckucks zeigte, ob- 
schon ich das Melbtal in mehrfacher Suche »abklopfte«. 

Nachfolgend gebe ich auf Stunden berechnet meine Notierungen 
an Ort und Stelle über die Fütterungsflüge der Grasmücken zum. Neste: 
2. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
9 U. morg. 13 X gefüttert, 11 U. morg. 10 X, 1 U. mittg. 
8Xj 3 U. nachm. 3X» 5 U. nachm. 10 Xi 6 U. nachm. 
15 X, 8 U. abends 13 X» 9 U. abends 1 X- 
' 3. Juni. Witterung günstig, viel Nahruug vorhanden. 

7 U. morg. 16 X, 8 U. morg. 15 X, 10 U. morg. 13 X, Hü. 
morg. 16 X> 3 U. nachm. 12 X- 

4. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 U. morg. 18mal, 8 U. morg. 15 X, 10 V. morg. 23 X, 
4 U. nachm. 16 X* 5 U. nachm. 15 X- 

5. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

8 U. morg. 26 X, 9 ü. morg. 15 X, H ü. morg. 13 X, 
12 U. mittg. 12 X, 3 ü. nachm. 13 X, 5 U. nachm. 18 X- 

6. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 U. morg. 25 X, 8 U. morg. 16 X, 10 U. morg. 18 X, 12 U. 
mittg. 13 X, 3 U. nachm. 18 X, 5 ü. nachm. 13 X- 

7. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

(Eine junge Grasmücke liegt tot unter dem Neste!) 
6 U. morg. 28X, 7 U. morg. 17 X, 10 ü. morg. 25 X, 11 ü. 
morg. 13 Xi 3 U. nachm. 26 X» 5 ü. nacbm 28 X- 






— 240 



8. Juni. Witterung gunstig, viel Nahrung vorbände n 
7 ü. morg. 36 X, 8 U. morg. 28 X, 9 U. morg. 36 X, 10 ü. 
raorg. 18 Xi 3 U. uachra. 15 X» 5 U. nachm. 18 X» 

9. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 ü. morg. 36X, 8 ü. niorg. 38X, 10 ü. morg. 16Xi U ü - 
morg. 15X, 12 U. mittg. 13 X. 

10. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 U. morg. 43 X, 8-U. morg. 28X, 10 ü. morg. 16X. 12 U. 
mittg. 28 X- 

11. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

(Ein zweites Junges liegt tot unter dem NesteJ) 

7 ü. morg. 41X, 9 ü. morg. 28X, 10 ü. morg. 16X, 3 IL 
.nachm. 18 X, 4 U. nachm. 29 X. 5 U. nachm. 28 X- 

12. Juni. Witteruug sehr günstig, viel Nahrung vor- 

handen. (Die zwei letzten Jungen liegen tot im Neste!) 

8 ü. morg. 43 X, 9 morg. 49 X, 10 ü. morg. 26 X, 12 U. 
mittg. 18 X- 

13. Juni. Witterung sehr günstig, viel Nahrung vorhanden. 
8 ü. morg. 49Xi 9 U. morg. 40X, 10 U. morg. 38X, 3 U. 
nachm. 16X, 5 U. nachm. 28Xi 6 U. uachm. 16X- 

14. Juni. Witterung sehr günstig, vielNahrung vorhanden. 
7 ü. morg. .51X« 8 U. morg. 41X, 9 U. morg. 28X, 3 ü. 
nachm. 16 X» 4 U. nachm. 19 X. 

15. Juni. Witterung sehr günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 ü. morg. 61 X, 8 U. morg. 38X, 9 ü. morg. 59X, 11 D. 
morg. 18Xi 3 ü. nachm. 28X, 4 ü. nachm. 16X- 

16. Juni. Witterung sehr günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 ü. morg. 55X, 8 U. morg. 16X, 9 ü. morg. 36X, 10 ü. 
morg. 28 X, 3 U, nachm. 16 X- 

17. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 ü. morg. 56X, 8 ü. morg. 48X, 9 U. morg. 15X, 10 U. 
morg. 36 X. 

18. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 U. morg. 61X, 8 ü. morg. 48mal, 3 ü. nachm. 15X, 5 ü. 
nachm. 26 X» 6 U. nachm. 17 X- 

19. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 ü. morg. 48X, 8 ü. morg. 36X, 9 U. morg. 49X, 10 ü. 
morg. 38 X, 3 U. nachm. 26 X, 4 U. uachm. 16 X, 5 U. 
nachm. 29 X» 



— 241 



20. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 U. morg. 62X, 8 ü. morg. 48X, 9 ü. morg. 36X, 10 U. 
morg. 19 X, 11 ü. morg. 27 X- 

21. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 U. morg. 55X, 8 ü. morg. 36X, 10 ü. morg. 31X, 3 U. 
nachm. 28X, 4 IL nachm. 29X- 

22. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7. ü. morg. 65X, 8 ü. morg. 33X". 

23. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 U. morg. 56X, 8 ü. morg. 57X, 9 ü. morg. 38X, 10 ü. 
morg. 29 X» H U. morg. 16 X- 

24. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 U. morg. 36 Xi 8 ü. morg. 48 X, 9 ü. morg. 56 X- 

25. Juni. Witterung günstig, viel Nahrung vorhanden. 

7 IL morg. 48X, 3 U. nachm. 16X* 4 U. nachm. 15X, 5 U. 
nachm. 2?X, 6 U. nachm. 38Xi 7 U. nachm. 19X- 

26. Juui. Witterung sehr günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 ü. morg. 55 X, 8 ü. morg. 36 X, 9 U. morg. 27 X, 10 ü. 
morg. 18 Xi 3 ü. nachm. 26 X» 4 U. nachm. 10 X, 6 ü. 
nachm. 36 X* 

27. Juni. Witterung sehr günstig, viel Nahrung vorhanden. 
7 U. morg. 56X, 8 ü. morg. 36X, 9 ü. morg. 25X, 10 ü. 
morg. 16 X, 11 U. morg. 28 X» 3 U. nachm. 18 X- 

28. Juui. Witterung sehr günstig, genügend Nahrung vor- 

handen. 
7 IL morg. 66X, 8 U. morg. 36X, 3 ü. nachm. 35X- 

29. Juni. 7 U. morg. Nest leer! 



Warum baut der Storch das Nest noch weiter aus, wenn 
schon mitunter grosse Junge darinliegen? 

Von Wilhelm Schuster in Liverpool (England). 



Es ist eine bekannte Tatsache, daß der Storch, auch wenn 
schon Junge, und mitunter große Junge im Nest liegen, dieses noch 
weiter ausbaut. Das letzte, was ich darüber veröffentlicht habe, 
lautete (»Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde« in 
Wiesbaden, 1905, Jahrg. 58, S..124): »Am 16. Juni 1905 war 
Herrn Lehrer Dietz in Osthofen und mir wieder einmal die Ge- 
legenheit geboten, zu beobachten, wie ein Storch sein Nest mit Holz- 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XL VII. 1906. 26 



— 242 — 

stücken, Reisig, Wolle und vor allein mit großen Lumpen erweiterte, ob- 
wohl schon ziemlich große Junge im Nest lagen. Es wird dies ja 
öfters beobachtet und ist nur so zu erklären, daß der Storch das Nest 
für die immer größer werdenden Jungen erweitern will, damit diese 
nicht hinausfallen« (vergl. » Vogel h and buch« S. 89, »Illustr. Jahrbuch 
für Naturkunde 1906« und »Mitteilungen über die Vogelwelt«, Wien). 

Heute würde ich mich doch sicher etwas auders und vorsichtiger 
ausdrücken müssen. Der letzte Schluß ist wohl für einen ungenau 
anthropologisch schließenden Forscher angebracht, aber nicht für den 
exakten naturwissenschaftlichen Realismus. »Daß der Storch — will« 
darf ich nicht sagen, ich weiß ja gar nicht, ob er eine Absicht hat, 
und ich für meine Person glaube, daß er keine Absicht hat, 
sondern daß sein Tun als ein in der Entwicklungsgeschichte der Storch- 
art allmählich herbeigeführtes und betreffs des Zweckes unbewußtes 
Faktum aufzufassen ist. Der unbewußt darinliegende Zweck kann 
ja immerhin schon tatsächlich sein, daß die Jungen nicht hinaus- 
fallen. Wenn dem so ist, dann würde dadurch allein schon das 
Tiermärchen — ein altes Storchmärchen — widerlegt, daß die 
Störche absichtlich ihre Jungen aus dem Nest würfen. (Bekanntlich 
fallen sie bei Gehversuchen u. s. w. aus dem Nest, weil dieses zu 
flach und glatt ist; das mysteriöse »Hinauswerfen« hat noch niemand 
mit eigenen Augen gesehen, sondern man hat nur irrtümlicherweise 
darauf geschlossen). Übrigens wird ja schon durch viele andere 
Tatsachen jenes Storchmärcheu so wie so widerlegt. Aber es ist 
mir doch wiederum halb fraglich, ob die Natur — in ihrer unbe- 
wußten Harmonie — wirklich das Hinausfallen der Jungen damit 
bezwecken will, daß die alten Störche das Nest beständig erweitern 
und weiter ausbauen. Denn sicher erreichte sie ihren Zweck nur 
unvollkommen, und dann macht mich die andere Tatsache stutzig, daß 
nicht alle, sondern nur ein Teil der Störche die Gewohnheit haben 1 , 
das Nest weiter auszubauen. Die unbedingte Notwendigkeit dieses 
Ausbauens ist übrigens auch durch letzteres Faktum als nicht vor- 
handen erwiesen. Was ist nun der eigentliche Zweck dieser Ge- 
wohnheit, die man in diesem Maße bei keinem anderen Vogel 
wieder antrifft? Sollte es vielleicht der Zweck der vorsorglichen 
Natur sein, die Jungen im Bau des Nestes, ich will nicht sagen, zu 
unterrichten, aber zur Betätigung anzureizen (denn die Jungen helfen 
oft den Eltern spielend)? Für mich ist die Frage noch offen. 

Zur Bereicherung des Tieranekdotenschatzes mancher Naturfreunde 
— freilich halten sie ihre Thesen für Fakta! — möchte ich doch 



— 243 — 

noch folgendes erwähnen : Gezähmte englische Störche hören auf 
englische Rufworte; der berühmte zahme Storch auf dem Pischmarkt 
im Haag (de Haag'sche oievar) hörte auf holländische Worte. Potz- 
tausend sind diese Störche — gescheit! Kolossale Sprachbegabung 
oder, wenn ich kalkulieren will wie gewisse andere Herren, Sprach- 
vermögen, Sprach verstand nie! Oder die Hunde, die mit ihren Herren, 
den Engländern, in Heidelberg herumlaufen, .verstehen englische Worte 
uud können stolz auf die deutschen Hunde hinabblicken, die Hunde 
der Bussen in Nauheim verstehen russisch — sicher mehr als andere 
Herren und ich. Die Papageien (zumeist Graupapageien und Blau- 
stirnige Amazonen) in den Liverpooler Boardinghäusern höre ich alle 
Tage spanisch, englisch und italienisch reden. 1 ) »Und das ist kein 
gewohnheitsmäßiges Nachplappern ohne jegliches Verständnis der 
Sprache, im Gegenteil, höchstselbsteignes Sprach Verständnis!« sagen 
einige. Wer das Gegenteil behaupten wollte, der würde ja auch zu 
den verflixten Sakramentern gehören, die das Tier nicht * vermensch- 
lichen« lassen wollen. Der würde sich ja doch unbedingt den aller- 
höchsten Zorn anonymer und nicht- anonymer berühmter Größen zu- 
ziehen und — das will man doch nicht, i bewahre! Darum im Tier 
nur immer einen Menschen sehen uud im Menschen ein — Tier! 

Ich finde übrigens im »Zool. Beob.« 1906, No. 4 eine Darstellung, 
als ob erst neuerdings das Märchen von dem Hinauswerfen der 
Jungstörche (für das sich gläubige Abnehmer selbst auch in der 
»Zeitschrift für Oologie und Ornithologie« gefunden haben) und alle 
anderen ähnlichen Storchgeschichten rektifiziert worden seien. Aber 
bereits in den 60er Jahren, als ich also noch lange nicht in den 
Windeln lag, hat man sie bestritten und richtigzustellen gesucht. 
Schon genau 60 Jahre früher geschah dies, denn J. Fr. Naumann 
schrieb bereits: »Störche erweitern, wenn die Jungen heranwachsen, 
den Band des Nestes mit frischem Reisigholz, damit die Jungen 
nicht so leicht herabfallen können [sie, aber Naumann läßt das nicht 
Absicht der Störche sein!], was dennoch zuweilen einem einzelnen 
begegnet, aber gewiß nur als ein zufälliges Unglück zu betrachten 
ist, keineswegs aber absichtlich von den Alten geschieht, so wenig 
wie mit einem einzelnen Ei, das zu weilen herabfallt.« Wie sich die 
Verteidiger jenes Storchmärchens zu dieser These des Altmeisters 

l ) Fast jedes Schiff aus Brasilien bringt Papageien mit Das letzte deutsche, 
das ich besuchte, die Syracuse, hätte eine große Zahl Amazonen. Jeder Matrose 
hatte sich einige verschafft und auf Sitzstäben in der Koje angekettet. Selbst 
der zweite Steuermann hatte zwei Amazonen in seiner kleinen Kabine, 



— 244 — 

stellen, wird uns vielleicht demnächst mitgeteilt, wenn es überhaupt 
Zweck hat , Storch-Chroniken weiterzuführen , in denen naturgemäß 
jedes Jahr von neuem gesagt werden muß, was die guten Leutchen 
bei der ersten Ankunft des Storches dachten. 



Über den Massenfrass des Eichen wick lere {Tortrix viridana). 

Von Ludwig Schuster in Gonsenheim bei Mainz. 



In den Eichen Waldungen der Oberförsterei Mainz, namentlich 
im Ober- Olmer Wald, ist die Raupe des Eichenwicklers heuer in 
einer schädigenden Menge aufgetreten, wie ich auch anderwärts auf 
Fahrten durch den Taunus und die rheinisch -mainische Ebene 
Gelegenheit hatte, die typischen Bilder, wie sie ein von Tortrix 
viridana befallener Bestand aufweist, verschiedentlich zu sehen. In 
der Umgegend von Gießen, desgleichen in Waldungen des östlichen 
Westerwaldes, habe ich dagegen von einer Plage nichts wahrzu- 
nehmen vermocht. 

Im nachfolgenden sei kurz der Gang des Massenfraßes, wie ich 
ihn sehr deutlich in einem im Gonsenheimer Wald eingesprengten, 
etwa 30 — 40jährigen Eichenbestand zu beobachten Gelegenheit hatte, 
unter besonderer Hervorhebung der typischen Momente eines Tortrix- 
Fraßes zur Schilderung gebracht. Mitte Juni des vergangeneu 
Jahres (1905) beobachtete ich in diesem Bestand an heißen, sonnen- 
hellen Tagen wolkenartige Schwärme des hübschen grünen Schmetter- 
lings die Gipfel der Eichen in lustigstem Flattern uud Tanzen um- 
schwärmen. Der Flug dauerte mehrere Tage; dann verschwanden 
die kleinen Falter so rasch und plötzlich, wie sie aufgetaucht waren ; 
die gefahrbringende, bestandesbedrohende Schar hatte ihre Eier an 
die Knospen abgelegt, der Zukunft und der Temperatur die Ent- 
wicklung ihres Danaergeschenkes überlassend. Anfang und Mitte 
Mai dieses Jahres (1906) begannen die Ränpchen ihren Fraß. Die 
stark schwankende und oft in die größten Extreme überspringende 
Witterung hat der Entwicklung der Raupen keinen Einhalt zu bieten 
vermocht, eine Erscheinung, wie ich sie ähnlich im Nachsommer 
1904 zur Zeit eines gewaltigen Fraßes der Kiefernblattwespe be- 
obachtet und in dieser Zeitschrift beschrieben habe. Von der Eichen- 
wicklerraupe befallen waren in erster Linie, bedingt durch die Flug- 
weise der Imago, die wie fast jeder Schmetterling stets freistehende, 
erhöhte Bäume zu umkreisen pflegt, die hervorragenden Wipfel, 



-• :■> ' 



— 245 — 

Uberhälter und Rand bäume. Von den stärker befallenen Bäumen 
rieselte der Kot der Raupen wie ein feiner Sprühregen zur Erde 
herab. Die Bäume lichteten sich zusehends, und gegen Schluß der 
etwa dreiwöchentlichen Fraßzeit standen viele Bäume kahl und mit 
nackten Zweigen wie im Winter. Die wenigen noch verbliebenen 
und vom nagegierigen Zahn der Raupen verschonten Blattreste waren 
vielfach zusammengewelkt und hingen dürr und trocken an den 
Bäumen, oder aber sie waren von der Raupe zusammengewickelt und 
dienten der Puppe als Schutzhülle. Viele Blätter waren nur ange- 
nagt oder unregelmäßig und bis auf wenige Rippen zerfressen. Gegen 
Ende Mai sah man nur noch selten eine der spinnenden Raupen ; 
fast alle waren zur Puppe geworden, die teils in den Blattwickeln, 
teils in Rindenritzen ruhte oder nur lose an den Blättern befestigt 
war, von wo sie sich bei derbem Rütteln der Eichenstangen in Menge 
abschütteln ließ. Zwei Eäferarten haben nach meinen Beobachtungen 
einen ununterbrochenen Kampf gegen die Raupeu geführt: Der Kleine 
Puppenräuber Calosoma Inquisitor und der Vierpunktige Aaskäfer 
Silpha quadripunctata. Fast von jedem Baum habe ich einen oder 
zwei Käfer der ersteren und viele Exemplare der zweiten Art herab- 
schütteln können. Ganz verschieden war dabei das Verhalten der 
beiden Käferarten; beim geringsten Rütteln am Baume läßt sich 
der Puppenräuber zur Erde fallen und sucht durch einen Eilmarsch 
seine Haut in Sicherheit zu bringen. Dahingegen vermag erst ein 
derbes Schütteln am Baume den Aaskäfer zu Boden zu werfen, wo 
er ruhig und wie tot liegen bleibt, gegen Blicke durch sein erd- 
farbenes Aussehen vortrefflich geschützt. Beide Käferarten, die 
Raupen und Puppen verzehren, haben jedenfalls eine, wenn auch 
erfolglose, so doch sicherlich eifrige, stille Vernichtungstätigkeit gegen 
die Schmarotzer entfaltet. Noch habe ich ferner beobachtet, daß der 
Feldsperling sich in jenem Gonsenheimer Eichenbestand in kleinen 
Flügen, in Familien, einfand und eifrigst der Raupenjagd nachging. 



Kleinere Mitteilungen. 



Auf die Frage des Herrn P. C. H. Momsen in der Mitteilung »Ein 
Kanarienvogel kann einen jungen Wellensittich nicht füttern« 
(Zool. Beobachter Jahrg. 1906 p. 119) gestatte ich mir folgende Antwort. Zwischen 
Papageien und Tauben besteht wohl kaum eine nähere Verwandtschaft. Die 
Tauben pumpen gewissermaßen das Futter (anfänglich eine käsige Absonderung 
der Kropfdrüse, später aufgequellte Sämereien u. dgl.) ihren Jungen ein, indem 



— 246 — 

Alte und Junge die Schnäbel ineinanderstecken, während die körnerfressenden 
Papageien — andere habe ich in dieser Beziehung noch nicht beobachten können — 
das Futter, das sie selbst gefressen haben, gerade so wie der Kanarienvogel 
und eine ganze Reihe anderer Vögel aus dem Kröpfe heraufwürgen und es dann 
ihren Jungen in den Schnabel speien. Der Kanarienvogel vermochte den jungen 
Wellensittich wahrscheinlich bloß wegen der völlig verschiedenen Schnabelbildung 
beider Vögel nicht zu füttern. — Daß Wellensittiche ganz unbekümmert um 
die Brutzeit Junge [füttern können, hat gewiß schon mancher Züchter dieser 
Vögel bemerkt. Einen eigenartigen Fall hatte ich im vergangenen Sommer zu 
beobachten Gelegenheit. Ein mir bekannter Herr bekam zufallig ein Nest mit 
5 jungen Buchfinken (FringiUa caelebs L.) und brachte es in eine Voliere, die 
außer einheimischen Fiukenarten je ein Paar- Kanarienvögel und Wellensittiche 
enthielt. Obwohl letztere nicht nisteten, fütterten sie trotzdem die Kleinen sofort 
nach dem Einsetzen in der oben beschriebenen Weise. Wegen der Verschieden- 
heit der Schnäbel beider Teile gelang dieses Geschäft aber recht schwer«; die 
Sittiche beschmierten die Köpfe der Finken mit den Futterstoffen sehr stark 
und wurden deshalb nach einigen Tagen aus der Voliere entfernt, worauf die 
Kanarienvögel, die gleichzeitig Junge hatten, die Aufzucht übernahmen und glück- 
lich vollendeten. Bemerkenswert ist dabei vielleicht noch, daß die Tierchen 
nicht zu den jungen Kanarien ins Nest gesetzt wurden, sondern in einem eignen 
untergebracht waren. Ein prachtvoll gefärbtes Männchen von diesen Buchfinken, 
das nebenbei gesagt durchaus keinen Finkenschlag, sondern wirklichen Kanarien- 
gesang hat, ist in meinem Besitz. Unter den 5 Stück befanden sich 4 Männchen 
und 1 Weibchen; jedoch konnte letzteres nicht sicher festgestellt werden, weil 
das Tierchen leider kurz nach dem Ausfliegen von einem Eichelhäher (Garrulus 
glandarius Vieill.) durch das Gitter gezerrt und verzehrt wurde. H. Lauer. 

Bastarde zwischen Löwe (Felis leo L.) und Tiger (Felis tigrisL.). 
Im Zoologischen Garten in Hannover befinden sich seit einigen Tagen zwei 
Löwenb&starde, die zu züchten seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts zum 
erstenmal der glücklichen Hand Karl Hagenbecks gelang. Es handelt sich 
um eine Kreuzung zwischen Löwe und Tiger. Der Hannoversche Courier schreibt 
über diese Rarität: »In der Tat hat man lange nicht so eigenartige und fesselnde 
Tiere gesehen. Es ist ein richtiges Paar, von dem das Männchen sich durch 
kolossale Größe und Stärke auszeichnet. In ihrer äußeren Erscheinung halten 
die Löwentiger, wie man sie in England nennt, ziemlich die Mitte zwischen den 
beiden Eitertieren, in unserem Falle einem männlichen Somalilöwen und einem 
weiblichen Bengaltiger. Der Gesamtton der Färbung ist löwenartig gelblich, 
doch beben sich von der Grundfarbe besonders deutlich bei dem Weibchen 
Querstreifen ab. Diese wird der Beschauer geneigt sein als Erbteil von der 
Seite des Tigers aufzufassen; doch ist zu bedenken, daß ganz junge Löwen in 
der Regel auch diese Zeichnung aufweisen, die sie freilich nach einigen Monaten 
zu verlieren pflegen. Man wird daher nicht fehlgehen, wenn man diese Quer* 
streifen als einen Beweis der verhältnismäßig nahen Verwandtschaft zwischen 
Löwe und Tiger ansieht, einer Verwandtschaft, die trotz der großen Verschieden- 
heit in der Färbung der beiden Tierarten ohne Frage vorhanden ist und die 
durch die Erzeugung von Nachkommen noch wesentlich wahrscheinlicher wird 
Nichts ändert leichter ab als die Färbung, die sich den jeweiligen Bediugungen. 



— 247 — 

unter denen die Tiere leben, anpaßt, bei einigen schneller, bei anderen lang 
samer. Man darf daher bei der Beurteilung von Tierarten auf die Färbung 
nicht allzuviel Gewicht legen, wenn auch anderseits nicht geleugnet werden soll, 
daß gewisse Färbungscharaktere merkwürdig konstant und daher systematisch 
wichtig sind. Das Männchen der beiden Löwentiger trägt zwar eine Mähne, 
die dem Weibchen abgeht, aber, sie ist dem Halsschmuck unseres männlichen 
Sundatigers entschieden viel ähnlicher als einer Löwenmähne. Sie besteht 
nämlich aus einer backenbartartigen Krause und einem Bezirk buschig verlängerter 
Haare im Nacken. Eine Schwanzquaste fehlt, und es verjüngt sich der Schwanz 
gleichmäßig bis zu seiner Spitze. Im ganzen, muß man sagen, spricht sich in 
der äußeren Erscheinung des männlichen Bastards weit mehr der Löwentypus 
aus als bei dem weiblichen. Das gilt auch von der Kopfbildung und der 
Physiognomie. Das Männchen hat einen breiten, schweren Lockenkopf, mit 
ernstem, würdigem Ausdruck, der dem schmaleren, gestreckteren Kopf des 
Weibchens fehlt.« 
(Nach »München. Allgem. Zeitung« No. 303 v. 4. Juli 1906 p. 4). Bttgr. 



Literatur. 



Prof. Dr. A. Pauly, Darwinismus und Lamarckismus. Entwurf einer psycho- 
physischen Teleologie. München, 1905, Verlag von E. Reinhardt. 8°. 8, 335 
pag.„ 13 Fig. 

Schon 1902 bei Besprechung von Paulys Buch »Wahres und Falsches 
an Darwins Lehre« im Zoolog. Garten Jahrg. 43, p. 406—407, mußte ich mich 
gegen die Lehre und Tendenz des Verfassers erklären. Ich habe daraufhingewiesen, 
daß Pauly alles, was er an organischer Bewegung sieht, in staunender Bewunderung 
als Ausfluß einer weisen Schöpfungskraft, der Zweckmäßigkeit, annimmt, ohne 
uns auch nur mit einer Silbe darüber aufzuklären, warum sich alle organische 
und unorganische Materie bei ihrem »Willen sich zu vervollkommnen« nicht das 
gleiche hohe Ziel gesetzt hat wie der Mensch, und warum sie dies Ziel nicht 
erreichen konnte. Ich fragte damals »Wie entsteht denn das Zweckmäßigere 
aus dem Zweckmäßigen?« und »Wie lassen sich nach des Verfassers Theorie 
Monstra und überhaupt Mißbildungen erklären, und gab es denn niemals Un- 
zweckmäßiges in der Organisation der Lebe weit?« Der Verfasser verrennt sich 
in dem vorliegenden Buche nur noch mehr in der unfruchtbaren Wüste des 
modernen Vitalismus. Dieser Neovitalismus setzt — nach einem kürzlich hier 
in Frankfurt a. M. gehaltenen geistreichen Vortrage Dr. E. Teichmanns — 
Psychisches und Physisches einander gleich oder behauptet wenigstens, daß 
beide in ein Kausalverhältnis zueinander treten könnten. Hier in erster Linie 
aber hat jede Kritik vitalistischer Anschauungen einzusetzen. Unsre moderne 
Physiologie hat längst bewiesen, daß eine psychophysische Wechselwirkung im 
Sinne des Vitalismus nicht möglich ist, da sie mit den Grundgesetzen des An- 
organischen, nämlich mit den Gesetzen von der Erhaltung der Energie und der 
Erhaltung der Materie, im Widerspruch steht. Der Vitalismus kommt zu seiner 
Behauptung psychophysischer Wechselwirkungen auf Grund eines Begriffsvita- 
lismus, in dem er Begriffe, wie Bedürfnis, Mittel, Leben und Zweckmäßigkeit als 



— 248 - 

wirklich existierend betrachtet. In diese Begriffe legt er dann alles das, was er 
erst erklären und beweisen soll, hinein. Damit ist aber Wissenschaft zur Me- 
taphysik geworden. Die vitalistische Hypothese erweist sich so heute wie vor 
hundert Jahren als ödes Wortgepränge und als für die wissenschaftliche Erforsch- 
ung der Natur vollkommen unfruchtbare Spekulation. Der Theologe mag sich 
an ihr erwärmen und begeistern, der Philosoph sie diskutabel finden, der exakte 
Naturforscher muß sie aufs schärfste zurückweisen. Die gewaltsame Zurecht- 
legung der Roux sehen Gesetze von der dimensionalen Wirkung der Funktion 
in Paulys teleologischem Sinne (p. 78, 82 u. 84) dürfte sich der berühmte Hal- 
lenser Zoologe und Anatom wohl höflichst verbitten. »Paulys Art zu argumen- 
tieren ist eben im Prinzip falsche wird wohl Roux mit mehr Recht sagen dürfen, 
als es Pauly von Roux sagt! Bttgr. 



Hillgers illustr. Volksbücher. No. 41: Der Vogelzug und seine Rät- 
sel von Dr. Fr. Enauer. Berlin-Leipzig, Herrn. Hillgers Verlag, 1905. 8°. 
107 pag., 14 Fig. — Preis M. 0,30, geb. 0,50. 

Diese billigen Bücher entsprechen zweifellos einem Bedürfnisse, sie er- 
füllen ihren Zweck, wenn sie in so sachgemäßer Weise wie das vorliegende 
von einem in der Frage erfahrenen Autor verfaßt werden. Knauer vertritt 
mit vollem Rechte gegenüber der unsinnigen Konjektur E. Gräsers (vergl. 
namentlich auf p. 57 ff.) in bezug auf den Beweggrund des Vogelzuges die alte 
Hypothese A. Newtons, der behauptet, daß sich der Vogelzug anfangs aus 
kleinen, dann allmählich aus immer größer werdenden, infolge der an einzelnen 
Stellen entstandenen Überfüllung veranlaßten Veränderungen des Standortes 
herausgebildet habe. Die zuerst angesiedelten Vögel wurden durch die später 
ankommenden der gleichen Art weitergedrängt. Einen deutlichen Fingerzeig 
dafür, wie sich so in der Vogel weit die Gewohnheit des Wanderns von ersten 
Anfängen an allmählich entwickelt hat, geben z. B. 'die Vogelzugverhältnisse, 
wie sie heute noch in Nordamerika zu beobachten sind. Unserer Überzeugung 
nach hat der Verfasser die vollkommen aus der Luft gegriffenen, weder auf 
paläontologisches noch auf geologisches Beweismaterial sich stützenden und mit* 
den tatsächlich bekannten Verhältnissen der Vorzeit im gröbsten Widerspruche steh- 
enden Behauptungen Gräsers, obgleich er sie a limine ablehnt, noch lange nicht 
scharf genug zurückgewiesen. Im übrigen ist das kleine Buch ganz vortrefflich 
und in hohem Grade lesenswert. Bttgr. 



Dr. F. Siebenrock, Über die Berechtigung der Selbständigkeit von Hydras- 
pis hilairei D. B. — Sep.-Abdr. a. Zool. Anzeiger (Korscheit) Bd. 29, 1905, 
No. 13. 8°. 4 pag. 

Der verdienstvolle Schildkrötenforscher Kustos Siebenrock in Wien 
hat neuerdings zwei im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. gestorbene 
Schildkröten untersucht, deren Merkmale zwischen den beiden bis jetzt von nie- 
mandem angefochtenen Arten Hydraspis hilairei D. B. und H. geoffroyana Schwgg. 
die Mitte halten, und die ihn bestimmen, erstgenannte Form nur als Varietät 
der letzten aufzufassen, in ähnlicher Weise etwa, wie dies bei Clemmys caspia 
Gmel. und ihrer var. riwdata Val. der Fall ist. Bttgr. 



- 249 - 

Dr. P. Dahms, Aus dem Leben der Meisen und Zoologische Mitteilungen. — 
2 Sep.-Abdre. a. Ber. Westpreufi. Bot.-Zool. Ver. Danzig N. F. Bd. 11, 
1903—04 und 26. Ber. 1905. 8°. 5 und 4 pag., 2 Fig. 

Der Verf. macht höchst auffallende Mitteilungen über Walnüsse, die Dr. 
Rosbund in einem Garten zu Lübben in der Lausitz aufgelesen hat, und die 
große Löcher zeigen, die angeblich von Meisen (Parus) eingemeißelt sind. 
So neu und unerhört diese Tatsache auch ist, so erklärt der Autor doch schon 
in der erstgenannten Arbeit, daß sie für ihn nicht dem geringsten Zweifel unter- 
liege. An der Hacktätigkeit hat er die Meisen natürlich selbst nicht gesehen. 
In der zweiten Notiz gibt er Abbildungen der geöffneten Nüsse. Von anderer 
Seite wurden diese Löcher in den Nüssen für das Werk des Siebenschläfers (My- 
oxus), von noch anderen für das des Eichhörnchens, der Hausmaus, der Haselmaus, 
der Spechtmeise und der Krähe erklärt. Wir möchten uns der Ansicht derer 
anschließen, die eine Zertrümmerung der Walnußschale von seiten einer Meise 
(Parus) für eine Unmöglichkeit, ja für einfachen Unsinn halten, und erkläreu 
uns die Sache als das Werk der Schnabelhiebe des im Gefieder, Wesen und 
Lockton ja den Meisen so ähnlichen Kleibers [Sitta). Für den kritischen. For- 
scher ist gar kein Zweifel, daß es sich hier trotz der großen Anzahl von in orni- 
thologischen Fragen absolut unzuverlässigen Gewährsmännern um einen Ratten- 
könig von ungenauen Beobachtungen handelt, und in dem Autor um einen 
ehrenwerten Mann, der heldenmütig und mit größter Zähigkeit eine ganz un- 
haltbare Sache verteidigt. Irgend welche Beweise für eine kräftigere Hiebwirkung 
des schwachen Meisenschnabels, wie er glaubt, erbracht zu haben, ist ihm nicht 
gelungen. Ist auch nicht möglich! Wie übrigens die Meise eine zu Boden ge- 
fallene Nuß »in ein nahes Gebüsch beförderte«, eine Arbeit, die »oft- 
mals beobachtet wurde«, ist mir ein ebenso großes Rätsel, wie die Zimmer- 
mannsarbeit, die ich auf das entschiedenste bestreite. Daß die Hülle auch der 
dünnsten Wallnuß mindestens um das fünffache dicker und widerstandsfähiger 
ist als der Schädel eines lebenden Kl ein vogels wird doch auch unser Verfasser 
nicht bestreiten wollen! Bttgr. 

E. Büchner, Die ehelichen Verhältnisse beim Haselhuhn. — Sep.-Abdr. a. 
Neue Baltische Weidmannsblätter, Riga. Jahrg. I, 1905, No. 24. Fol. 7 pag. 
Pas Eheleben des Haselhuhns {Tetrao bonasia h.J weist im Vergleich zu 
dem seiner nächsten Verwandten auffallende Eigentümlichkeiten auf, die z. T. 
nur wenig bekannt sind und gewöhnlich auch nicht richtig dargestellt werden. 
Die Haselhühner verleben den Winter meist in geschlechtlich verschiedenen Paaren; 
in den gleichen Paaren verbringen sie auch ihre Balzzeit. Dies Frühlingsleben 
st allgemein bekannt und bedarf weiter keiner Besprechung. Sobald aber die 
Henne zum Brüten kommt, verläßt sie der Hahn, und die Henne allein besorgt 
die Brutpflege. Was nun das Sommerleben der Haselhuhnketten anlangt, so 
finden sich darüber meist falsche Angaben jn der Literatur; namentlich bezieht 
sich dies auf die Frage, ob sich der alte Hahn wieder bei seiner Familie ein- 
findet oder nicht. Nachdem Verfasser die älteren Angaben von L. P. Ssabenejew, 
Eversmann und Akssakow mitgeteilt hat, wiederholt er seine schon 1881 
im Verein mit Th. Pleske veröffentlichten Beobachtungen, wonach der alte 
Haselhahn, sobald sein Weibchen auf den Eiern sitzt, sich von der Henne 
trennt und am Brutgeschäft und an der Führung der Jungen während des 




— 250 



ganzen Sommers nicht den geringsten Anteil nimmt. Diese ganz sichere Tat- 
sache, die ein ganz anderes Bild von dem Verhältnis des Haselhahns zu seiner 
Familie gibt, hat in der neueren russischen Jagdliteratur bisher keinen Einlaß 
gefunden, trotzdem, wie Verfasser nachweist, R Tusch und Th. Lorenz ihr zu- 
gestimmt haben. In der deutschen einschlägigen Literatur war die Ansicht ganz 
allgemein und feststehend, daß die Haselhenne das Ausbrüten der' Eier allein 
besorge und auch die Jungen, solange sie noch klein sind, allein führe, daß 
aber der Hahn sich bei seiner Familie wieder einfinde, wenn die Jungen größer 
geworden sind, um ihnen dann als treuer Führer und Wächter zu dienen. DaS 
gleiche berichten auch Valentinitsch und Baron A. v. Krüdener. In 
Übereinstimmung mit 0. v. Loewis stellt nun unser Autor fest, 1., daß es bis 
jetzt wissenschaftlich nicht festgestellt ist, daß jüngere Hähne oder Hennen ihre 
Jungen schlechter führen als ältere, 2., daß von einer zufälligen Entfernung 
des Hahnes aus der Mitte der Seinigen nur dann die Rede sein könnte, wenn 
vereinzelte Ausnahmen von Beobachtungen vorlägen, nicht aber wenn, wie es 
in hundert Fällen festgestellt worden ist, der Hahn nicht bei seiner Familie an- 
zutreffen war, 3., daß die Mauser der alten Hähne im Sommer und nicht im 
Herbst erfolgt, 4., daß in der Zeit des Zusammenhaltens der Ketten Hahn und 
Henne leicht von den Jungen unterschieden werden können, und 5., daß die 
ganzen Verhältnisse bei Schnee- und Feldhühnern offensichtlich ganz andre sind 
wie beim Haselwild. Noch im Jahre 1892 ließ Valentinitsch die Frage über 
das eheliche Zusammenleben trotz weiterer Beobachtungen von Seiten der Herren 
E. Grünkranz und F. Tax, die sich für Büchners Ansicht aussprachen, in 
der Schwebe. Und selbst 0. v. Loewis brachte mit seinen zweifellos exakten 
Daten 1892 die richtige Auffassung noch nicht zur allgemeinen Geltung. Wenn 
nun auch Valentinitsch 1894 mitteilt, daß er zweimal im August Hähne bei 
Haselhühnerketten angetroffen habe, so glaubt Verfasser doch in diesen nicht 
grade die Väter der Jungen sehen zu sollen, um so mehr, als 0. v. Loewis 
schon früher auf ähnliche gelegentliche Vorkommnisse, die aber mit der Haupt- 
frage gar nichts zu tun haben, hingewiesen hatte. Auch W. Wurm fällt 1898 
wieder in den alten Fehler zurück, der auch in den »Neuen Naumann« über- 
gegangen ist. Vor allem ist nun darauf hinzuweisen, daß die ganz vereinzelten 
Angaben aus früherer Zeit über die Teilnahme des Hahnes an der Brutpflege 
auf Mißverständnisse oder auf mangelhafte Beobachtung zurückzuführen sind. 
Dagegen, daß der Hahn zu den Jungen, wenn sie halb oder ganz erwachsen 
sind, nicht zurückkehrt, erheben sich sowohl theoretische, wie auch tatsächliche 
Bedenken. Es wäre doch kaum glaublich, daß der Vater die Jungen grade 
dann im Stiche ließe, wenn sie ihn am nötigsten brauchten, und erst zu ihnen 
zurückkehre, wenn sie schon auf eignen Füßen stehen. Auch gibt es in der 
ganzen ornithologischen Literatur dafür kein Beispiel bei einem anderen Vogel, 
während eine Nichtbeteiligung des Vaters bei der Brutpflege bei anderen Vogel- 
arten, z. B. bei der Wildente (Anas boschas L.J, längst bekannt und allgemein 
anerkannt ist. Verfasser schlägt vor, derartige monogame Vögel im Gegensatz 
zu den strikten Monogamisten partielle Monogamisten zu nennen. Bei 
ihren Versuchen, die Teilnahme des Haselhahns an der Führung der Kette in- 
direkt zu beweisen, haben Valentinitsch und Wurm diesen Unterschied zwischen 
strikten Monogamisten und partiellen Monogamisten vollständig außer acht ge- 
lassen, und sie bestehen darauf, daß Monogamie immer mit Beteiligung des 



— 251 — 

Männchens bei der Brutpflege verbunden sein soll, was den Tatsachen durch- 
aus nicht entspricht. Wurm geht in seiner indirekten Beweisführung noch 
weiter; er sagt nämlich, daß die von ihm gefundene »richtige Lösung der lange 
brennenden Streitfrage, ob der alte Hahn bei der Kette stehe oder nicht«, mit 
der allgemeinen Erscheinung übereinstimme, »daß, wo kein geschlechtlicher 
Dimorphismus bestehe, auch beide Eltern sich an der Brutpflege beteiligen«. 
Verfasser widerlegt auch diese Behauptung durch Anführung der bekannten 
Tatsache, da£ das Männchen der Doppelschnepfe (Gallinago media Frisch) zwar 
von seinem Weibchen kaum zu unterscheiden ist und doch als Polygamist 
reinsten Wassers an der Brutpflege absolut keinen Anteil nimmt. Bttgr. 



Dr. E. Schulze, Fauna Hercynica: Batrachia. — Sep.-Abdr. a. Zeitschr. f. 
Naturwiss. (Halle) Bd. 77. Stuttgart, Verlag von E. Nägele, 1905. 8°. 32 pag. 
Wir können diese Aufzählung der Lurchfauna des .Harzes, der Frov. 
Sachsen und der Thüringischen Staaten als eine ernste und gewissenhafte Ar- 
beit um so mehr empfehlen, als sie die genaue Charakteristik aller deutschen 
Arten mit Ausnahme des Alpensalamanders und des Springfrosches, die beide 
in dem genannten Gebiete fehlen, sowie ein sehr eingehendes Literaturverzeich- 
nis und eine bis ins einzelne gehende Liste sämtlicher bis jetzt bekannten 
Fundorte der 17 angenommenen Formen gibt. Statt des Gattungsnamens Triton 
Laur., der wegen der Würmergattung Triton L. in die Synonymie fällt, ziehen 
wir Molge Merr. vor, statt Tr. lobatus Tsch. möchten wir die ältere Benennung 
M. vulgaris L., statt Bombinator brevipes Blas, den gleichfalls älteren Namen 
B. paehypus Bonap. angewandt wissen. Die Diagnosen sind sämtlich lateinisch. 
Bona ridibunda Fall, wird als Art betrachtet; sie ist im Gebiete neben B. 
esculenta L. weit verbreitet und stellenweise häufig. Bttgr. 



Heimatkundl. Mitteilungen des Lehrervereins f. Naturkunde (Prov.- 
Verein Hannover): H. Löns, Die Gefährdung unserer Tierwelt. — Sep.- 
Abdr. a. d. Hannoverschen Tageblatt, Schlütersche Druckerei, 1905. 8°. 12 pag. 
Goldne Worte, die jeder, dem die Tierwelt der Heimat am Herzen liegt, 
wieder und wieder lesen und sich und seinen Kindern einprägen solltet »Ob 
dieser oder jener sogenannte nützliche Vogel seltner oder dieser oder jener 
sogenannte schädliche Vogel häufiger ist, das ist im Grunde Nebensache, denn 
die Natur regelt sich schon selbst. Aber bunt muß die Natur sein, reich an in- 
teressanten Gestalten, voll von verschiedenen Stimmen, damit der Mensch Ge- 
fallen an ihr finde, denn nur an der Natur kann sich das Gemüt des Volkes 
erholen, nur bei ihr neue Kraft schöpfen. Völker, deren Naturempfinden zu 
Grunde gegangen ist, weil sie, wie die Italiener und Spanier, ihre Heimat ver- 
ödet haben, tragen den Todeskeim in sich, leben nur künstlich noch als Nationen. 
Völker mit stark ausgeprägtem Naturempfinden, wie die Germanen, Slaven und 
Japaner, verwinden selbst die schlimmsten Schläge und haben eine unbegrenzte 
Erneuerungskraft. Darum handelt eine Regierung klug, die dem Volke das 
Naturempfinden zu erbalten sucht, und kein Opfer darf ihr dafür zu groß, kein 
Mittel zu klein sein, und jeder, der ihr dabei hilft, nützt seinem Volke. Eines 
dieser Mittel ist aber die Erhaltung der einheimischen Tierwelt«. Bttgr. 



— 252 — 

Prof. Dr. H. Simroth, Neue Gesichtspunkte zur Beurteilung der geographischen 
Verbreitung niederer Wirbeltiere. — Sep.-Abdr. a. Verh. d. Deutsch Zool. 
Gesellsch. 1905 p. 51-67, 2 Taf. und Nachtrag p. 232—233. 8°. 

Nach dem Verfasser hat die Erde zwei feste Pole, die Endpunkte der 
größten Erdachse, den Ostpol Sumatra und den Westpol Ecuador, zwischen denen 
sie hin und herpendelt. Nord- und Südpol bewegen sich auf dem Schwingungs- 
kreise, der durch die Beringsstraße geht. Wir in Deutschland liegen unter 
diesem Kreise. Der Meridian, auf dem Nord- und Süd-, West- und Ostpol liegen, 
verdient den Namen Kulminationskreis, den ihm Paul Reibisch gegeben 
hat. Denn irgend ein Punkt auf der nördlichen Erdhälfte erreicht in polarer 
Schwingungsphase, die nach dem Nordpol zu gerichtet ist, seine nördlichste Lage 
dann, wenn er durch diesen Kreis hindurchgeht, und entsprechend jeder Punkt 
auf der südlichen Erdhälfte seine südlichste, wenn der Erdquadrant, auf dem 
er liegt, nach dem Südpol zu schwankt. Die Punkte, in denen die Wendekreise 
den Kulminationskreis schneiden, kommen daher niemals ans der Tropenzone 
heraus, sie begrenzen je ein Gebiet ewiger Tropen um die Schwingpole. 
In ihm muß sich die größte Masse altertümlicher Organismen anhäufen, wie 
eine leichte Überlegung zeigt. Alle Anschauungen laufen bisher darauf hinaus, 
daß die Erde aus einem wärmeren Zustande hervorgegangen sei. Die ursprüng- 
lichsten Lebewesen mußten mithin in einem Klima leben, das mindestens unserem 
heutigen Tropenklima entsprach Mochten sie entstanden sein, wo sie wollten, 
nach dieser Pendulationstheorie mußten sie schließlich in die Gebiete 
ewiger Tropen, d. h. in die Schwingpol gebiete gedrängt werden. Wir finden 
in der Tat aus sehr vielen Tierklassen altertümliche Gruppen bipolar verteilt, 
nicht in dem landläufigen Sinne einer Bipolarität um den Nord- und Südpol, 
* sondern um die Schwingpole (z B. die Tapire, die Clausilien der vikariierenden 
Untergattungen Nenia und Garnieria u. s. w }. 

Dem konservativen Charakter der Schwingpolgebiete steht der Schwingung s- 
kreis scharf gegenüber. Da alle seine Punkte ununterbrochenen Klimaschwan- 
kungen ausgesetzt sind, so findet hier die stärkste Neubildung statt. Es kommt 
dazu, daß bei der Längenverschiedenheit der Nordsüdachse und der Äquator 
achse unseres Planeten unter diesem Meridian das stärkste Emportauchen bei 
polarer Schwingungsphase und das stärkste Untertauchen bei äquatorialer statt 
hat, woraus hier ein fortwährender maximaler Übergang von Wassertieren auf 
das Land und von Landtieren ins Wasser erreicht wird, mit entsprechenden 
morphologischen Konsequenzen. Ein derartiges Untertauchen kann aber 
noch durch ein zweites Moment erreicht oder unterstützt werden, durch ein 
klimatisches nämlich. Es ist darauf hinzuweisen, daß bei der Pendulatiou 
unserer Erde zwar das Feste sich verschiebt, aber Klima und Winde konstant 
bleiben. Die Lage des Äquators ist nicht von der Gestalt der Kontinente, 
sondern von der Lage zur Sonne abhängig; und wenn z. B. Deutschland in 
äquatorialer Schwingungsphase begriffen wäre, so würde es zunächst in die 
Xerophyten region Italiens, dann in die Wüstenlage der Sahara, schließlich in 
die Tropenlage des Sudans geraten, was nicht ohne Einfluß auf seine Tier- 
und Pflanzenwelt bleiben könnte. 

Dabei müßte ein Doppeltes eintreten. . Seine Lebewesen müßten sich 
entweder entsprechend umbilden, oder die jeweils gebildeten müßten auf dem 
Breitengrade, auf dem sie unter dem Schwingungskreis entstanden sind, nach 






— 253 - 

Ost oder West ausweichen bis nacb dem Kulminationskreis zu, so daß sie an 
Orte geraten würden, die der Verfasser als identische Punkte bezeichnet. 
Für die tropischen Organismen würden naturgemäß die Schwiogpolgebiete die 
identischen Punkte sein, und zwar in maximaler Steigerung. 

Diese kurz skizzierten Gesetze nun, die aber, soweit Ref. weiß, von keinem 
Physiker und auch von manchen Biologen (z. B. von Jaekel) nur bedingt an- 
erkannt werden, so nötig sie auch dem Geologen zur Erklärung der Klima- 
schwankungen in den sogenannten Eiszeiten der Erde sein mögen, sucht der 
geistreiche Verfasser an der bis jetzt bekannten geographischen Verbreitung 
der Landdeckelschnecken (p. 53 und Karte I), der Schwanzlurche (p. 55 und 
232 und Karte II). der Ganoid fische (p. 60 und Karte II) und der Haie und 
Rochen (p. 63) zu erläutern und zu beweisen. Auch unter den Pflanzen habe 
er bei den Glockenblumen (Campanulaceen) die Verbreitung genau mit dieser 
Theorie in Einklang gefunden. Überall findet er, vor allem an der Hand dieser 
seiner Pendulationslehre , daß niedere Wirbeltiere, die im Wasser leben 
auf frühere Land formen zurückweisen. v Bttgr. 



Jahrbuch für Vogelfreunde. 1. Jahrgang 1905. Herausgegeben von Dr. 
Martin Braß. Verlag von Hans Schultze, Dresden. Preis 1,20 M. 

Der Schultzesche Verlag läßt den Jahrbüchern für Terrarien- und Aqua- 
rienkunde, die einen lebhaften Erfolg erzielt haben, auch ein Jahrbuch für 
Vogelfreunde folgen. Alle wissenswerten und interessanten Beobachtungen, die 
im Jahre 1905 in den zahlreichen ornithologischen, bezw. zoologischen Zeit- 
schriften veröffentlicht worden sind, sind hier in kurzer, sachlicher und über- 
sichtlicher Form zusammengestellt; am Schlüsse des Bandes wird die ornitholo- 
gische Literatur besprochen und eine Liste der ornithologischen Vereine gegeben. 
Braß, der die Herausgabe des Buches übernommen hat, hat seine schwierige 
und mühselige Aufgabe gut gelöst. Wir wünschen dem Buch eine wohlwollende 
Aufnahme in dem ornithologischen Leserkreise. Ludwig Schuster. 



Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen. Praktische An- 
leitung zum Bestimmen der Vögel nach ihrem Gesauge. Von Dr. Alwin 
Voigt. Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. Dresden 1906. Hans 
Schultzesche Verlagsbuchhandlung. — Preis 3 Mk. 

Voigts Buch 1 ; ist wohl das einzige Werk über Vogelstimmen, das in 
Deutschland existiert; das allein weist schon hin auf die Schwierigkeiten, die 
sich bei der Behandlung eines derartigen Stoffes dem Bearbeiter entgegenstellen ; 
daß aber das vorliegende Werk schon in verhältnismäßig kurzer Zeit seine vierte 
Auflage erlebt hat, zeigt, daß der Verfasser trotz aller Schwierigkeiten seine 
Aufgabe zu beherrschen und zu lösen verstand. Wohl kein einziges ornitho- 
logisches Werk gibt eine derartige genaue Instruktion über alle Stimmen des 
Vogels wie das Voigtsche Buch. Wo irgend angängig, sind die Vogellaute in 
flöten festgehalten. Vereinzelt ist das bei Vögeln, die eine recht sinnenfallige Me- 
lodie haben, schon immer einmal hie und da geschehen (ich verweise auf die 
Oppel'schen Beobachtungen in den Jahrgängen des Zool. Gartens aus den 

') Vergl. die Besprechungen der 1. Aufl. in Jahrg. 1894 p. 127-128 und der 2. Aufl. 
in Jahrg. 1903 p. 407. 



— 254 — 

sechziger Jahren), aber niemals noch in einem solchen Umfang wie in dieser 
speziell den Vogel lauten gewidmeten Schrift. Jeder Ornithologe und Natur- 
freund wird aus ihm eine Fülle von Anregung und Belehrung schöpfen. Mich 
selbst begleitet das Buch auf fast allen meinen Feld- und Waldgängen, und 
obschon mir fast jeder Vogel laut von Kind auf bekannt ist, so lerne ich doch 
noch manches Neue aus dem »Exkursionsbuch c. Das Werkchen sei abermals 
wärmstens empfohlen. Ludwig Schuster. 



Hillgers illustr. Volksbücher. Bd. 46: Dr. K. Günther, Die Entwick- 
lung der Tierwelt. Verlag v. H. Hillger, Berlin u. Leipzig, 1906. 8°. 89 
pag., 18 Fig. — Preis M. 0,30. 

Wir möchten wiederholt und eindringlich auf diese wahrhaft volkstümlichen 
Hefte aufmerksam machen, ton denen wir schon einige rühmend hervorheben 
konnten. Der Verleger hat es in den meisten Fällen vorzüglich verstanden, 
in der Wissenschaft anerkannte Autoren, die ibrer Aufgabe in ausgezeichneter 
Weise gerecht geworden sind, zu dem Unternehmen heranzuziehen, und die 
gute Ausstattung und der geringe Preis der Bücher läßt es nicht bloß hoffen, 
sondern auch erwarten« daß die gediegenen und flott geschriebenen Arbeiten 
in die breitesten Völksschichten dringen. Für Arbeitervereine kann man sich 
kaum eine idealere Lektüre denken. Das vorliegende Hefteben führt in vor- 
züglichster Weise in die verwickelte Materie der Entwicklung der Tierwelt ein, 
indem es uns mit den Resultaten der Descendenz- und Selektionstheorie bekannt 
macht und auch die Hilfstheorien, die geschlechtliche Zuchtwahl nach Darwin, 
das Lamarcksche Prinzip — diese beiden in absprechendem Sinne — und die 
Wagnersche Migration s- oder Isolationstheorie — diese in zustimmendem Sinne — 
in allgemein verständlicher Weise behandelt. Den Schluß bildet die Forderung 
der Annahme einer »Urzeugung«, die der Verfasser in geistreicher Weise 
verteidigt. Die Abstammungslehre hat in der Tat der Forschung ganz neue 
Gebiete eröffnet, die noch die reichsten Früchte versprechen. Ihr ist es zu 
verdanken, daß die Zoologie aus der stillen Gelebrtenstube hinaus in die Welt 
getreten ist und das Interesse jedes Gebildeten im höchsten Grade erweckt. 
Durch die Descendenzlehre hat die Zoologie den Gipfelpunkt ihrer Entwicklung 
erreicht. Bttgr. 

Prof. Dr. M. Braun, Über die Ankunftszeit der Störche und anderer Zugvögel 
in Ostpreußen. — Sep.-Abdr. a. Schrift, d. Physik.-ökonom. Gesellsch. Kö- 
nigsberg i. Pr. 46. Jahrg., 1905, p. 164—169. 

Der Verfasser findet für das Frühjahr 1905, daß die Besiedelung Ost- 
preußens durch Störche eine Überraschend lange Spanne Zeit — vom 14. März 
bis zum 29. April — gedauert hat, und daß sie sich in zwei Hauptschwärmen 
vollzog, deren Eintreffen durch eine Kälteperiode vom 1. — 9. April getrennt er- 
scheint. Auch sonst teilt er Daten mit, die den Beweis liefern, wie bedeutend 
die Ankunftszeit des Storches in den verschiedenen Jahren — in Keimkallen 
bei Gr. Hoppenbruch z. B. nach 31jährigen Beobachtungen vom 25. März bis 
zum 12. April und in Adl. Gedau, Kr. Heiligenbeil, nach 17jährigen Beobach- 
tungen vom 15. März bis zum 20. April — schwankt, und wie wenig der Glaube 
an ganz bestimmte, stets eingehaltene Termine gerechtfertigt ist. Bttgr. 



— 255 — 

Dr. W. Woltorstorff, Beiträge zur Kenntnis des Triton vittatus Gray. 

Sep.-Abdr. a. Wochenschrift f. Aquar.- und Terrar.-Kunde Jahrg. 3, 1906, 

No. 14, 16 u. 17. 4°. 6 pag., Fig. 

Sowohl die Formenkenutnis als auch die Lebensweise des schönen vorder- 
asiatischen Bandmolches zeigt Doch sehr wesentliche Lücken. Wolterstorff 
sucht in der vorliegenden Arbeit, die ein Prachtbild des Männchens der f. 
ophrytica Bertb. im Hocbzeitskleide ziert, innerhalb dieser Art vier Lokalformen 
zu unterscheiden. Es sind dies neben der aus Syrien beschriebenen Stamm- 
art die Formen f. ophrytica Berth. aus dem Kaukasus und vom Olymp bei Brussa 
in Kleiuasien, die f. ciliciensis n. von Adana und die f. excubitor n. aus Nord- 
syrien. Betreifs der Lebensweise teilt er mit, daß dieser Molch selbst in seiner 
Heimat schwer zu erlangen sei, da er kühle Gebirgsgegenden bevorzuge und 
keineswegs allenthalben vorkomme, und daß seinem Transport und seiner Ver- 
sendung, besonders im Hochzeitsschmucke die größten Schwierigkeiten entgegen- 
stehen. Erst im Jahre 1900 konnten die ersten Tiere lebend im Wasserkübel 
nach Deutschland mitgebracht werden; sie mit der Post zu versenden, war er- 
folglos geblieben. Verf. schildert die Art als rauflustig und sehr gefräßig und klagt 
auch über ihre Hinfälligkeit in der Gefangenschaft. Später hielt er die Tiere 
außer der Brunstzeit, wo vorübergebend je ein Männchen und Weibchen ver- 
einigt wurden, stets isoliert in größeren Gläsern ohne Bodengrund und hatte 
nun besseren Erfolg, namentlich seitdem er sich die Molche im Jugendstadium 
als eben erst entwickelte Tiere von 30 bis 40 mm Länge einschicken ließ. So sind 
sie z. B. im Februar 1906 bei dem Verf. in Brunst getreten, und hoffentlich 
glückt die Zucht aus der noch vollkommen unbekannten Larve bereits in diesem 
Jahre. Bttgr. 

Eingegangene Beiträge. 

W. Sch. in G. bei M. Eine Broschüre. — Oberf. H. B. in H. bei D. Manuskript dankend 
erhalten. — L. Sch. in 6. bei M., C. 6. in R. (Rußland) und Dr. Fr. W. in W. Je eine 
Arbeit mit bestem Dank erhalten. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion E. 

Beck-Corrodi in Hirzel. Zürich, Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 26-27. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. K Korscheit, Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg., 1906. No. 11—12. 
Ornithologische Monatsschrift d. Deutsch. Vor. z. Schutze d. Vogelwelt. 

Redigiert von Dr. Carl R. Hennicke in Gera. 31. Jahrg. 1906. No. 7. 
Field, The Country Gentlemans Newspaper. Uerausgeg. v. Horaoe Co; in London. 

Vol. 107, 1906, No. 2792 u. Vol. 108, 1906. No. 2793. 
Prof. Dr. G. Jägers Monatsblatt. Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Kohlhammer. 25. Jahrg. 1906. No. 7. 
Der W eidmann. Blätter für Jäger und Jagdfreunde. Herausg. v. Dr. L. Staby. Berlin, 

Verlag d. Weidmann, 1906. Bd. 87. No. 39. 
Sportbiatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. y. E. 

Pros ler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 40. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. y. Dr. W. Köhler. Verlag 

d. Creutzschen Buchb., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 27. 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. C. Daut. Bern, Verlag v. C. Daut, 1906. Jahrg. 5, Heilt 6. 
Natur und Haus, lllustr. Zeitschr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. M. Braß. Ver- 
lag t. H. Schultze, Dresden-Strehlen, 1906. Jahrg. U, Heft 19. 
Zwinger und Feld, lllustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. T. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. Sautter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 26—27. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. ▼. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscber Verlag. Jahrg. 35, 1906. No. 27. 
Mitteilungen über die Vogelwelt. Organ des österr. Reichsbundes f. Vogelkunde u. 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. Dr.C. Flor icke. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. No. 13. 
Vercinsschrift für Forst-, Jagd- u. Naturkunde im Köuigr. Böhmen. Herausg. 

y. Prof. Fr. Croy u. a. Prag, Verl, d. Böhm. Forstvereins, 1906. Jahrg. 1906— 07, Heft 3. 



— 256 — 

Deutscher Tierfreund. Illustr. Monatsschrift f. Tierschutz, Tierkünde, Tierzuoht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner. Jahrg. 10, 1906. Heft 7. 
J)r. J. Rönx, Synopsis of the Toads of the genus Nectophryne B. P. with special remarks 

on some known species and description of a new species from German East Afrioa. — 

Sep.-Abdr. a. Proo. Zool. Soc. London 1906 I. 8°. 8 pag., Taf. 
Blätter des Deutschen Monistenhundes. Herausg. v. Dr. Heinr. Schmidt -Jena. 

Brackwede in Westf., Verlag v. Dr. W. Breitenbach. Jahrg. 1. No. l. 8°. 16 pag. — Preis 

halbj. M. 1.20. 
Herrn. Löns, Beiträge zur Landesfauna. — Sep.-Abdr. a. Jahrb. d. Prov.- Museums zu 

Hannover 1906, Druck v. Wilh. Hiernach nei der. Gr. 4°; 18 pag. 
Kation. Absoc. of Audubon Societies. Eduoat. Leaflet No. 20: W. Dutcher, The 

Rosebreasted Grosbeak (Zamdoäia ludoviciana). — Sep.-Abdr. a. „Bird-Lore", Offio. Organ 

of the Audubon 8ocieties. 1906. 8°. 4 pag., 2 Taf. 
Natur und Schule. Zeitschr. f. d. ges. naturkundL Unterricht alier Schulen. Herausg. 

v. B. Landsberg, O. Sc hm eil u. B. Schmid. Berlin u. Leipzig, B. G. Teubner's 

Verlag, 1906. Bd. 5, Heft 7. 
Kosmos. HandweiBer iür Naturfreunde. Herausg. v. d. Gesellsch. „Kosmos". Stuttgart 

Franckh'soher Verlag, 1906. Bd. 3, Heft 1—6. — Preis jährt. M. 2.80 (mit Beilagen M. 4.80 

geb. M. 7.56). 
Dr. G. Hagmann, As Ares Brasilicas menoionadas e descriptas nas obras de Spix, de 

Wied, Burmeister e PelzeJn na sua nomenelatura scientifica actual. — Sep.-Abdr. a. Bolet. 

Mus. Goeldi Vol. 4, Fase. 2-3. Para, Estab. Graph. C. Wiegandt, 1904. 8°. 311 pag. 
Derselbe, Ornithologisches von der Insel Mexiana im Amazonenstrom. — Sep.-Abdr. a. 

KeichenowB Ornithol. Monatsber. Heft Juli- August 1906. 8°; 7 pag. 
Wochenschrift f. Aqu.- u. Terr.-Kunde. Herausg. v. Dr. W. Wolterstorff. 

Magdeburg; Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. 3. Jahrg. No. 28-29. 
Fra Hjemm ets Dyreverden. Illustr. Maanedskrift f. Ungdommen. Herausgeg. v. R. 

Stjernholm. Kopenhagen, Verlag d. Dansk Akvarie-Instituts 1906. 8°. Jahrg. 1, No. 1. 

16 pag., 10 Fig. — Preis jährl. 85 Oere. 
Dr. T h. Z e 1 1 , Streifzüge durch die Tierwelt Stuttgart, Verlag des Kosmos : Franckh'soher 

Verlag, 1906. 8°. 96 pag. - Preis M. l - , geb. M. 2.- 
Dr. L. Wunderlich, Führer durch den Zool. Garten in Köln a. Rh. Druck V. Greven 

& Bechtold, 1906. 8°. 36 pag., 58 Fig., Plan des Gartens. 
Wilh. Sohuster, Die Entwicklungsgeschichte der Vögel (mit einem Stammbaum der Vögel, 

nach neuen Gesichtspunkten aufgestellt). — Sep.-Abdr. a. Mitt. d. Oesterr. Reichsbundes 

f. Vogelk. u. Vogelschutz in Wien, 6. Jahrg. 1906. 8°. 10 pag. 
Jahresbericht d. Ornitholog. Gesellsch. Basel 1905. Basel, Druck v. R. G. 

Zbinden, 1906. 8°. 27 pag. 
San. -Rat Dr. O. Lohmeyer, Uebersioht der Fische der ostfries. Halbinsel u. des unteren 

Emsgebietes. Emden, als MS. gedruckt, 1906. 8°. 12 pag. 
Prof. Dr. O. Sohmeil. Lehrbuch der Zoologie für höhere Lehranstalten u. die Hand des 

Lehres, sowie für alle Freunde der Natur. Leipzig, Veilag v. Erw. Nägele, 1906. 16. Aufl. 

8°. 12,524 pag., Figg., 22 Taf. 
J3. Detmers, Die Pflege, Zähmuug, Abrichtung u. Fortpflanzung der Raubvögel in der Ge- 
fangenschaft (Bd. 9 der „Bibliothek für Sport u. Naturliebhaber ei tt ). Berlin. Verlag v. 

Fr. Pfenningstorff, 19>6. 8°. 94 pag., 11 Fig. — Preis M. 1.— 
Correspondenzblatt für Fischzüchter, Teiohwirte u. Seenbesitzer. Herausg. 

v. P. Vogel. Bautzen, Verlag v. E. Hübner, 1906. 13. Jahrg. No. 12. 
O. Kleinschmidt, Nistplätze u. Nistkästen für Vögel. Zur 25 jähr. Jubelfeier der Abteil, f. 

Tier- u. Pflanzenschutz in Gera. Leipzig u. Berlin, Verlag von B. G. Teubner, 1906. 

2. verb. Aufl. 8P. 18 pag-, 11 Fig. — Preis M. 0.20, 10 St. = M. 1.50. 
K. Boy er, Ornithologen der Gegenwart — Sep.-Abdr. a. Mitt. d. Oesterr. Reichsbundes 

f. Vogelk. u. Vogelschutz in Wien, Jahrg. 6, 1906. 8°. 5 pag. mit Portrait W. Sohusters. 
Dr. W. Meigen, Eßbare Erde von Deutsch-Neuguinea. — Sep.-Abdr. a. Briefen d. Mon.-Ber. 

d. Deutsch. Geol. Gesellsch. Berlin. Jahrg. 1905. No. 12. 8°. 8 pag. 
L. Stejneger, A new Salamander from North Carolina and A new Tree Toad from Costa 

Rica. — 2. Sep.-Abdr. a. Proo. U. S. Nat. Mus. Washington, Governm. Print. Offlee, 1906. 

Vol. 30. 8°. 4 pag., 6 Fig. und 2 pag. 
P. Werner, Wer baut bei den Vögeln das Nest? Der Huronensee bei Münster und Tabelle 

über Ankunft u. Fortzug der westf äL Vögel. — 3 Sep.-Abdr. a. 33. Jahr.-Ber. d. Westf. 

Prov.- Vereins f. Wiss. u. Kunst. Münster i. W. 1904—05. 8°. 5, 2 und 7 pag. 
Dr. J. Thienemann, Vogelwarte Rossitten (Vogelzugsversuch, vorkommen von Phylloscopus 

viriüanus Blyth). — Sep.-Abdr. a. Reiohenows Ornithol. Monatsber. Juniheft 1906. 8°. 2 pag. 
Bericht des Vorstandes vom Aktien- Verein „Zool. Garten" zu Dresden 

f. 1905—06. Dresden, 1906. 8°. 16 pag. 
Dr. K. Flörioke, Deutsches Vogelbuch, Stuttgart, Kosmos, Gesellsch. d. Naturfreunde 

(Franckh'soher Verlag), 1906. 8<\ Erscheint in 10 -11 Lief, ä M. 0.80. — Lief. 1 mit 32 pag., 

6 Farbendrucktaf. 
Katalog der Aqu.- u. Terrar.-Ausstellung 1906 des „Cyperus 44 , Vereins f. Aquar- 

u. Terrar.-Kunde in Mainz. Mainz, Druck v. K. Theyer, 1906. 8°. 25 pag. — Preis M. 0.20. 
Dr. Fr. Werner, Die nördlichsten Reptilien u. Batrachier. — Sep.-Abdr. a. Römer u. 

Schaudinus „Fauna Arotica u Bd. 4, Lief. 3. Jena, Verlag v. G. Fischer, 1906. Gr. 4°. 18 pag. 

Zusendungen werden direkt an die Verlagshandlung erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reiuhold Mab lau. Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



--v - ■ f- - 



Zoologischer Beobachter 

— £S- Der Zoologische Garten, ^s — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldsolimidt. 

N* 9. XLVIL Jahrgang. September 1906. 

Inhalt. 

Tierschutz, Tierliebhaberet und Tierkunde; eine Betrachtung von Dr. F. Werner in 
Wien. — Zur Gehörnentwicklung des Rehbocks im besonderen und der Cerviden im allge- 
meinen; von Oberförster H. Behlen in. Haiger bei Dillenbnrg. — Der kaukasische Wisent; 
von C. Greve in Riga. — Phylloscopus boneüii (Vieill.) in Franken. Bin Beitrag zur Ver- 
breitung des Berglaubvogels; von Dr. J. Gengier in Metz. — Das Nest der Nachtigall; 
von Ludwig Schuster in Gonsenheim bei Mainz. — Kleinere Mitteilungen. - Literatur. 
— Nekrolog. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. „ 

Tierschatz, Tierliebhaberei und Tierkunde. 

Eine Betrachtang von Dr. F. Werner in Wien. 



»Gott beschütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden 
werde ich mich schon selbst schützen !« könnte wohl manches arme 
Reptil sich denken, das im fernen Süden davor zittert, gefangen 
und zu Tode geliebhabert zu werden. In keinem Gebiete hat die 
Tierliebhaberei so grausame Formen angenommen, als gerade in Be- 
zug auf die Kriechtiere, und die Ursache ist die, daß man es an- 
scheinend für selbstverständlich hält, daß die Reptilien der Mittel- 
meerländer und der nordafrikanischen Wüsten, weil sie die nächsten 
> Exoten« und die billigsten sind, auch die haltbarsten sein müssen. 
Was liegt an einer, an zwei, an fünf Agamen, Apothekerskinken, 
Fransenfingern — sie kosten ja nicht viel! Daß aber gerade unsere 
Südländer mit recht geringen Ausnahmen in Haltung und Pflege 
viel mehr Schwierigkeiten machen, als die als viel teurer erscheinen- 
den Tropenreptilien, das dämmert erst dann dem Liebhaber auf, 
wenn er schon eine gehörige Menge vergeblich an Klima und Er- 
nährungsweise unserer Gegend zu gewöhnen versucht hat. Die besten 
Reptilienpfleger berichten mit Stolz, geradezu als über ihre Meister- 
stücke in der Reptilienpflege, wenn es ihnen gelungen ist, einen 
Zoolog. Boobftoht. Jahrg. XLVIL 1906. 17 



— 258 — ' 

Skink oder ein Cbamaeleon jahrelang am Leben zu erhalten ; erst 
nach sorgfältiger Auswahl gelingt es ihnen, ein besonders lebens- 
kräftiges Exemplar zu erwerben, und ein solches Eapitalstiick ist von 
ihnen für kein exotisches Tauschobjekt zu haben. Der Anfänger 
probiert aber, weil sie nicht viel kosten, seine Fähigkeiten in der 
Reptilpflege an ihnen aus, ebenso wie er mit ganz kleinen Sumpf- 
schildkröten und ganz jungen Alligatoren beginnt! Das Ende ist 
abzusehen. Wenn einem das nicht die Geschichte verleidet, wenn 
bis längstens zum Herbst das ganze billige Terrarien füll sei zu Grunde 
gegangen ist, so muß er ein unverbesserlicher Optimist sein. 

Es ist aber jammerschade, daß deswegen die Tiere im Freileben 
geradezu ausgerottet werden. Wenn man die Listen der Exporteure 
liest, die alles gleich zu Hunderten anbieten, dann wundert man sich 
nicht, wenn man z. B. sieht, wie die schöne Eidechse Algiroides 
nigropunctatuSi die ich noch vor zwölf Jahren in der nächsten Um- 
gebung von Eorfu in Massen auf allen Mauern beobachtete, derzeit 
völlig dezimiert ist und nur an ganz geschützten Stellen noch ver- 
einzelt vorkommt. Wenn ein europäischer Eidechsenjäger, wie es 
hie und da vorkommt, zu Handelszwecken eine seltene Eidechsenart 
in irgend einer Gegend total ausfängt, so ist der Schaden ja nicht 
so groß, denn wenn sein Besuch ein vereinzelter blieb, so wäre es 
ein Wunder, wenn er den ganzen Bestand der betreffenden Art weg- 
fangen könnte; aber ein ansässiger Händler bringt das Kunststück 
fertig. Es ist kaum glaublich, daß in der Umgebung von Zara, 
einem Hauptzentrum des Reptilienhandels, außer der Vierstreifen- 
natter noch keine Schlangenart selten geworden ist und nur das eine 
bemerkbar wird, daß von den meisten Arten voll erwachsene Exem- 
plare schon recht spärlich auftreten; nur der ungeheuren Ausdehnung 
der norddalmatinischen Macchia, des teilweise immergrünen Dorn- 
gestrüpps, ist die Erhaltung der meisten Arten noch zu danken. 

Wenn man bedenkt, wieviel Exemplare auf der Reise zu Grunde 
gehen, wieviele dem Händler auch bei der besten Pflege — und ich 
kann nur betonen, daß ich bei meinen Bezugsquellen in Deutsch- 
land seit vielen Jahren die Erfahrung gemacht habe, daß sie wirk- 
lich gesunde, gut genährte Tiere lieferten, daß also die Schuld nicht 
an ihnen liegen kann — - namentlich gegen den Herbst zu Grunde 
gehen, so muß man sich fragen »Muß denn das sein? Müssen nun, 
nachdem unsere heimische Kriechtierfauna stellenweise glücklich so 
weit ist, daß man ganze Entdeckungsreisen zu machen gezwungen 
ist, um eine Eidechse oder Ringelnatter zu Gesicht zu bekommen ? 



— 259 — 

auch noch die der anderen Länder darankommen! Muß wirklich 
jeder Mensch im heiligen Deutschen Reich, der ein Terrarium sein 
Eigen nennt, Sonntags seinen Algiroides, seine Agama im Topfe 
haben? Wir schimpfen mörderlich über die Vogelstellerei in Italien, 
aber sie hat doch wenigstens einen reellen Zweck, weil Leute, die 
sonst keinen Bissen Fleisch in den Magen bekommen, wenigstens ein- 
oder zweimal im Jahre sich daran sättigen können. Aber aufrichtig 
gesagt: Wie viel ist denn eigentlich herausgekommen bei dieser 
großen Pflegerei ? Was haben wir alles beobachtet an den zahllosen, 
dahingemordeten Tieren, außer daß Algiroides sich gut hält und. 
im Terrarium sehr hübsch aussieht, daß er die nämlichen Dinge 
frißt wie eine gleichgroße Lacerta — daß Agama bei 16° noch 
Nahrung annimmt (ein zweites Exemplar, das diese Eigenschaft be- 
sitzt, wird dringendst gesucht) und dergleichen mehr. Über die Fort- 
pflanzung liegen — in Anbetracht des ungeheuren Materials, das all- 
jährlich ans Südeuropa zu uns kommt — verschwindend wenige 
Daten vor. Liegt die Schuld an den Pflegern oder an den Tieren? 
Ich habe noch mit keinem Händler gesprochen oder korrespondiert, 
der nicht über den Reptilienhandel und sein enormes Risiko ge- 
jammert hätte ; die ungeheuren Kübel mit Spritreptilien, die manche 
von ihnen anlegen, um wenigstens eineu kleinen Bruchteil ihrer 
Kosten herauszuschlagen, sprechen eine deutliche Sprache. Im Ver- 
gleich mit den exotischen Fischen sind die Reptilien (die Batrachier 
spielen eine geringere Rolle, weil sie in Südeuropa und Nordafrika 
spärlich vertreten und, wenn wir von den Molchen absehen, nicht 
eben auffällig und gesucht sind) die Schmerzenskinder des Händlers. 

Was sollte und könnte man gegen die Überfüllung des Marktes 
und diese nutzlose Pflegerei tun? 

Vor allem wäre eine Zusammenstellung der nicht allzu zahl- 
reichen, wirklich ausdauernden Mittelmeer- und Wüstenreptilien sehr 
notwendig, um den Anfänger auf die richtigen Bahnen zu lenken. 
Ferner eine Verminderung des Bezuges solcher Tiere, die nur bei 
besonders sachverständiger Pflege gedeihen, und ein Hinweis von 
seiten der Vereinsleitungen an ihre jüngeren Mitglieder, bei welchen 
Arten etwa Zuchtresultate zu gewärtigen wären, mit einer Aufforde- 
rung zur Spezialisierung, die auch hier die besten Früchte zeitigt. 
Der eine ist sehr geschickt darin, Molche zu züchten, was dem 
anderen gar nicht gelingt, einem glückt es, aus Eidechsen eiern Junge 
zu erzielen, der andere versteht die Krokodilpflege aus dem ff. Ich 
z, B, habe seit Jahren scbou keinen Molch mehr gezüchtet, aber 



— 260 — 

einige Übung in der Behandlang und Aufzucht von Riesenschlangen 
gewonnen u. s. w. Sehr wäre auch auf eine erhöhte Pflege und 
Beobachtung der Batrachier (Frosch- und Schwanzlurche) zu sehen. 
Hier kann die Mühe, die man sich mit seinen Pfleglingen gibt, 
wirklich durch Zuchtresultäte belohnt werden ; es ist doch wenigstens 
eine Möglichkeit vorhanden. Die Auswahl ist eine reichliche, die 
Ansprüche der Tiere keine besonders hohen — die nordamerika- 
niscben Arten reflektieren auch auf Heizung nur unter Umständen — , 
Futterverweigerung, Abhängigkeit von Sonnenschein, Notwendigkeit 
von Temperaturwechsel des Bodens (tags heiß, nachts kühl, wie es 
viele Wüstentiere verlangen) sind Dinge, die fast nicht in Betracht 
kommen. Ich glaube, daß meine Anregung einige Beachtung ver- 
dient, und hoffe, daß den viel verfolgten Südreptilien endlich eine 
Schonzeit erwachsen wird. 

Wie die Liebhaberei speziell auf die Reptilien (die exotischen 
Fische, die nach erfolgtem Import stets möglichst bald in Zucht ge- 
nommen werden und bei denen alljährliche Massenimporte weder so 
häufig noch so verhängnisvoll sind, kommen hier nicht in Betracht), 
so hat der naturwissenschaftliche Unterricht auf die Tierwelt über- 
haupt eingewirkt. Unsere Kinder lernen, daß Schleiereule, Schwalbe 
und Dutzende von andern Vögeln sehr nützlich sind, und die Lehr- 
mittel- und Naturalienhandlungen können kaum alle Aufträge auf 
diese nützlichen Tiere befriedigen. Lange Reihen stehen in den 
Schränken und verschwinden in kurzer Zeit in den Sammlungen der 
Schulen. Unsere Kinder lernen auch von der Nützlichkeit des 
Puppenräubers (Cäbsoma sycophanta) und der großen Schlupfwespen, 
aber sie wissen nicht, wie schwer es heutzutage bereits ist, diese 
Tiere für die Sammlungen herbeizuschaffen; sie wissen nicht, daß 
der Pappenräuber, von dem sie gehört haben, daß er in unseren 
Wäldern ein eifriger Vertilger schädlicher Schmetterlingsraupen ist, 
ihnen in Exemplaren aus Kroatien oder Bosnien oder gar aus Klein- 
asien vorgezeigt wird, und daß es um unsere Wälder gar schlecht 
bestellt wäre, wenn wir etwa von unseren Puppenräubern Hilfe vor 
Raupengefahr erwarten müßten. 

Muß das sein? Gelten die Vogelschutzgesetze in diesem Falle 
nicht (von den Insekten rede ich natürlich nicht, denn ein Gesetz- 
entwurf zum Schutze nützlicher Insekten, Reptilien oder Lurche 
würde wohl sehr wenig Entgegenkommen finden), weil es sich um 
einen wissenschaftlichen Zweck handelt oder zu handeln scheint? 
Ich meine, es müßten sehr gute, etwa farbige Abbildungen in den 



— 261 — 

Lehrbüchern, eventuell auch Wandtafeln ausreichen, was die Demon- 
stration unserer einheimischen Vogelwelt, soweit sie in den Kreis 
der Nützlinge fällt (wenn wir schon diesen unleidlichen anthro- 
pozentrischen Standpunkt, der alles von der Seite betrachtet, ob 
etwas uns mittelbar oder unmittelbar Geld einbringt, beibehalten 
wollen) uud die Tiere nicht sehr häufig sind, genügen. Es käme viel- 
leicht dann doch dazu, daß die Kiuder bei Schülerausflügen diese 
Tiere wieder im Freien zu sehen bekämen, was sonst mit der Zeit 
wohl ausgeschlossen wäre. 

Ich räume gern ein, daß mein Vorschlag direkt reaktionär er- 
scheinen mag — von der Betrachtung der Naturgegenstande zurück 
zu den Abbildungen! Aber nur scheinbar! Denn erstens kann man 
jetzt in den Lehrbüchern wirklich vortreffliche Abbildungen finden, 
während sie früher oft geradezu scheußlich waren, und dann muß 
man doch bedenken, was es einmal für einen Sinn haben wird, den 
Kindern von Tieren zu erzählen, von denen sie schon jetzt ebenso- 
wenig (in der Großstadt sicher noch weniger als auf dem Lande) 
etwas zu sehen bekommen, wie von Elefanten, Tigern und Kroko- 
dilen. Soll wirklich der naturkundliche Unterricht auf Kosten der 
Tiere, deren Verständnis angebahnt werden soll, erfolgen, soll es 
dahin kommen, daß wir auf die Bilder angewiesen sind, weil keine 
Originale mehr vorhanden sind? Wir kümmern uns mächtig um die 
Gefahr der Ausrottung der afrikanischen Tierwelt, aber es liegt uns 
vielleicht einiges noch näher! 

Man wird mir natürlich sagen, daß ich übertreibe. Es können 
die Lehrmittel- und Natüralienhandlungeu, bezw. ihre Abnehmer, 
die Schulen, keine nennenswerte Abnahme der heimischen Tierwelt 
hervorrufen. Bedenkt man aber, daß sich die Schulen mit der Be- 
völkerungszunahme stets vermehren, die Nistgelegenheiten aber mit 
der fortschreitenden Be- und Verbauung des Bodens immer mehr 
abnehmen, so könnte es doch dazu kommen, daß nicht nur um 
unsere Großstädte herum Wüsten, tierlose Gebiete in immer größeren! 
Umfange entstehen, und daß aus immer größerer Entfernung das 
Material herbeigeschafft werden muß. Man hat im Sudan und in 
Uganda Vorsorge für den Schutz des Nilpferdes getroffen, obwohl 
es noch in ungezählten Mengen den oberen Nil und seine Neben- 
flüsse und Sümpfe bewohnt — und wir wirtschaften mit unserer 
von der Kultur in jeder Form arg bedrängten Tierwelt, als ob sie 
kein Ende nehmen könnte. Keine Schulsammlung muß einen Bären, 
einen Wolf, einen Tiger oder Löwen haben, wegen des Platz- und 



— 262 — 

Kostenpunktes; warum kann mau einen Vogel nicht ebensogut an 
einer guten Abbildung zeigen und studieren, wie jene Tiere? Die 
allgemeinen Vogelcharaktere kann man an einem Spatzen oder einer 
Haustaube auch demonstrieren, und es bleiben noch immer genügend 
Stopfexemplare für die Sammlung übrig, abgesehen davon, daß die 
Schüler in der Stadt häufig Gelegenheit zum Besuche eines zoo- 
logischen Gartens oder einer größeren städtischen oder Landessamm- 
lung, die auf dem Lande aber zur Beobachtung in natura haben. 
Mit einem Wort: Die Schule soll nicht zur Verminderung unseres 
Tierbestandes die Hand bieten, sie wird die — bis jetzt erreichten, 
im allgemeinen nicht eben imponierenden — Resultate, was die 
tierkundliche Ausbildung anbelangt, auch mit Hilfe guter Bilderwerke 
erreichen können. 

Das waren die zwei Dinge, die ich hervorheben wollte. In 
unserer alles, auch die Wäscherechnungen großer und auch kleinerer 
Dichter pietätvoll aufbewahrenden und kommentierenden Zeit ist ein 
gelegentlicher Hinweis wohl nicht überflüssig, wenn er wohl auch 
nichts nützt. Wir sollten uns doch nicht die Bison- und Borkentier- 
jäger (mit dem Unterschied, daß wir unserer Katze immer nur ein 
Stück vom Schwanz abhacken, damit es ihr nicht so weh tut) zum 
Muster nehmen und vielleicht lieber ein ganz klein wenig zu viel 
in der anderen Richtung tun. Vielleicht dankt es uns eine ver- 
ständigere Nachwelt. 



Zur Gehörn entwicklang des Reh bock s im besonderen and der 

Cerviden im allgemeinen. 

Von Oberförster H. Behlen in Haiger bei Dillenburg. 



öfter angeführte Literatur: 

L. Rütimeyer, Beiträge zu einer natürlichen Geschichte der Hirsche I, II, 

in den Abh. der Schweiz. Paläontolog. Gesellschaft. Basel 1880/3. 
Karl A. Zittel, Handbuch der Paläontologie, I. Abt. Paläozoologie, IV. Bd. 

Vertebrata (Mammalia). München u. Leipzig 1891/3. 
H. Nitsche, Studien über Hirsche I. Leipzig 1898. 
A. Rörig, Welche Beziehungen bestehen zwischen den Reproduktionsorganen 

der Cerviden und der Geweihbilduog derselben? im Archiv für Ent- 

wicklungsmechauik 8. Bd. Leipzig 1899. 
Derselbe, Über Geweihentwicklung und Geweihbildung I. u. IL, das. 10. Bd. 

1900, III. u. IV., 11. Bd. 1901. 
K. Brandt, Das Gehörn. Berlin 1901. 



— 263 — 

Die Entwicklung des Erstlingsgehörns des Rehbocks ist von 
Nitsche 1898 meisterhaft geschildert worden. Nach Nitsche S. 59 f. 
»zeigt das Erstlingsgeweih des Rehbocks [N. sagt konsequent auch 
hier Geweih] auch in seinen allerersten Anfängen keinerlei Ab- 
grenzung gegen die äußere Tafel des Stirnbeins, sondern geht in 
diese ohne Grenze über. Die äußere Tafel des Stirnbeins wird viel- 
mehr gewissermaßen durch Verstärkung der Diploe vorgewölbt, die 
sehr bald eine größere Festigkeit und geringere Porosität erhält und 
so das bildet, was man anfänglich die Knöpfe [im weiteren Sinne, 
eigentlich Primitivrosenstöcke B.] und späterhin die Rosenstöcke 
nennt.« »Das wirkliche, später gefegte Erstlingsgehörn, sagt Nitsche, 
entsteht keineswegs aus einem diesem Rosenstock fremden, erst später 
sich ihm angliedernden und mit ihm verwachsenden, besonderen 
Ossifikationspunkte, ist vielmehr lediglich der apikale Abschnitt des 
Rosenstocks selbst, der erst dann ein besonderes Gebilde [die »Knöpfe« 
im eigentlichen Sinne B.] vortäuscht, wenn er sich nach Vertrock- 
nung und Abstoßung seines Integumentiiberzuges bräunt. An der 
Tatsache, daß das Erstlingsgehörn einfach die Spitze des Rosenstocks 
darstellt, wird auch dann nichts geändert, wenn, wie dies bereits 
mitunter beim Reh vorkommt, die Oberflächenstruktur dieses Spitzeu- 
teils von der des Rosenstocks durch Bildung von kleinen Erhaben- 
heiten verschieden wird. Eine innere Abgrenzung des dauernd vom 
Integument bedeckt bleibenden Rosenstocks von dem Erstlingsgeweih 
tritt erst dann ein, wenn sich der Vorgang des Abwerfens vorbe- 
reitet. Erst dann beginnt sich, wie dies nach Hunter und Lieber- 
kühn am ausführlichsten Kölliker, allerdings nicht gerade an 
Erstlingsgeweihen, nachwies, die Demarkationslinie [und der innere 
Resorptionssinus B.] zu bilden«. 

Über die Gehörnentwicklung des Rehbocks habe ich, damals 
noch ohue Kenntnis der Nitscheschen Arbeit, in »Wild und Hund« 
1905. 39 u. 40, 1906. 18 u. 19 und in der »Deutschen Jäger- 
zeitung« 1906, 47 Bd., 18 u. 19 gehandelt und bin im wesent- 
lichen zu dem gleichen Resultate gekommen wie Nitsche. Ich habe 
u. a. ausgeführt, die Rosenstöcke (beim Primitiv- oder Erstlings- 
gehörn) seien Stirn beinknochen — oder ossigene Gebilde mit darauf 
wachsenden größeren oder kleineren, selbst minimalen, ja nur an- 
gedeuteten Primitivgehörnen, d. h. Haut- oder dermatogenen Ge- 
bilden. Ich füge erläuternd hinzu, daß ich unter dermatogenem 
Wachstum hier nicht allein das der eigentlichen Haut (Epidermis 
und Cutis), sondern vornehmlich auch der Knochenhaut des Rosen- 



— 264 — 

stocks, des Periosts, verstehe. Die Begriffe des ossigenen und derma- 
togeneu (einschl. des periostalen) Wachstums fließen freilich beim 
Erstlingsaufsatz ineinander, aber ein ursprünglicher Unterschied be- 
währt sich doch. Die Stirnbeinprotuberanzen sind anfänglich Auf- 
wölbungen der dichten und glatten äußeren Knochentafel und unter- 
scheiden sich scharf von dem darunterliegenden grobmaschigen 
Diplöe-Knochengewebe. Während nun Nitsche diie nach oben zu- 
nehmend größere Festigkeit und geringere Porosität der Diplöe er- 
wähnt, unterläßt er der korrelativen Erscheinung der nach oben zu 
geringeren Festigkeit und größeren Porosität der aus der äußeren 
Knochentafel sich aufbuchtenden Oberfläche des Rosenstocks Erwäh- 
nung zu tun. Weiter herauf haben sich eben die Derivate der 
, innern Diploe und der äußeren Stirnbeinknochentafel ' ausgeglichen 
zu einem gleichmäßigen, gestrecktmaschigen, nur am Rande etwas 
dichteren, echten Hirschhorn-Knochengewebe. Auf diese uranfang- 
lichen Vorgänge machen Rörig 1900 S. 629 f. und Brandt 
S. 15 f. nicht eindringlich genug aufmerksam, da diese Forscher 
vorzugsweise hinsichtlich der histogenetischen Vorgänge die späteren 
Aufsätze der Cerviden im Äuge haben. Letztere sind auf Grund 
des reichlich zusammengetragenen Materials ausführlich dargestellt 
und soweit möglich aufgehellt. Immerhin bleibt der Geweihaufbau 
ein Vorgang der Knochenbildung sui generis, und strittig bleiben ja 
immer noch einige Punkte, so z. B., ob Verknöcherung aus einem 
knorpelig präformierten Gewebe oder direkt aus einem Bindegewebe 
erfolge. Auch ist m. E. die Rolle, die die Rose beim Geweihaufbau 
spielt, noch nicht annähernd erschöpfend beleuchtet. Es fällt dabei 
ins Gewicht, daß die Rose bei einigen Cerviden, wie beim Rentier, 
sehr schwach ausgebildet ist und überhaupt erst in einem relativ 
späten Stadium entsteht (s. Rörig im »Zoologischen Beobachter 1906, 
47. Jahrg. Nr. 5). 

Alle heutigen geweihtragenden Cervinen (Hirsche im engeren 
Sinne) und Cervulinen (Muntjakhirsche) werfen ihr Erstlingsgeweih 
ab, nach Rörig 1901 S. 78 mit Einschluß der Spießhirsche, nämlich 
der asiatischen Gattung Elaphodus und der südamerikanischen Goassus 
(einschl. Pudua\ die von Rütimeyer 1880/83 S. 23 f., 28 f. und 
S. 31 f. auf Grund der Anatomie des Schädels für sehr nahe Ver- 
wandte der Cervulinen (Muntjakhirsche) gehalten werden. Die spätereo 
Aufsätze der geweihtragenden männlichen Cervicomier — die Er- 
scheinung des Geweihtragens beim weiblichen Rentier kann als 
ganz vereinzelt hier zunächst bei Seite gelassen werden — stehen 



— 265 — 

Dun in sehr ebger Wechselbeziehung zum Geschlechtsleben, derge- 
stalt, daß nach Rütimejer 1881 8. 10 »dieses Attribut (das 
Geweih) nicht großer ist, als etwa die periodischen Anschwellungen 
der Haut, die sich zur Brunftzeit bei Fischen und Batrachieru finden, 
oder als Luxus von Pigment, den am blendendsten etwa bei Vögeln, 
aber mehr oder weniger bemerkbar fast durch die gesamte Tierwelt, 
der nämliche alles Leben so tief aufregende Sporn, die wache Ge- 
schlechtlicbkeit an die Oberfläche des Körpers treibt«. Besonders 
scharf tritt bei den wohl allein erst in dieser Hinsicht untersuchten 
C e r v i n e n die Abhängigkeit des männlichen brunftzeitlichen Kopf- 
schmuckes und Gattungskampfmittels von den Geschlechtsfunktionen 
zu Tage bei dem künstlichen Eingriff der Kastrierung, besonders nach- 
dem letztere zu verschiedenen Zeiten des Geweihaufsatzes vorgenommen 
worden int, worüber sehr eingehend und interessant Rörig 1899 
S. 382 f. und 1901, S. 232 f. und Brandt S. 84 f. gehandelt haben. 

Bekanntlich haben aber nicht alle Cervicornier (Hirsche im 
weitesten Sinne), ganz abgesehen von den allerdings nahe verwandten, 
aber eine noch viel ursprünglichere Entwicklungsstufe repfäsentieren- 
deu Traguliden, Geweibe. Geweihe fehlen nämlich den Moschinen 
(Moschüshirscheu) und bei fossilen Formen auch einem Teil der 
Cervulinen (Muntjakhirsche *). 

Die ältesten Formen geweihter Hirsche treten im oberen Miocän 
auf 2 ). Freilich ist die Zuerteilung von fossilen Geweihen ohne 
Schädel, Zähne und Gliedmaßen zu bestimmten Gattungen, ja Unter- 
familien äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Die 
ältesten geweihtragenden Hirsche stehen den heutigen Cervulinen 
(Muntjakhirschen) sehr nahe und werden daher auch als Cervulinen 
zusammengefaßt. Nach Zittel S. 395 sind die hierher gehörigen 
Gattungen Amphitragulus Pomel und Bremotherium Geoffroy ge- 
weihlos, bei Palaeomeryx s. str. H. v. Meyer ist der Schädel un- 

*) Ich halte es für ein großes Verdienst Nitsches, daß er die Giraffinen, 
die Rütimeyer und selbst noch Zittel zu den Cervicorniern zählt, auf Grund 
anatomischer Studien von diesen endgültig ausgeschieden und sie, ebenso wie 
die Antilocaprinen, den Cavicorniern zugeteilt hat. 

2 ) Nach K i n k e 1 i n , »Einige seltene Fossilien des Senckenbergischen 
Museums«, Abh. d. Senckenb. nat. Ges. XX, Frankfurt a. M. 1896, sollen Hirsche 
mit Rosenstöcken (und muntjakartigen Geweihen) schon im untermiocänen 
Mainzer Tertiär vom Heßler bei Wiesbaden vorkommen. Die Deutung der vier 
fraglichen Stifte wird von Schlosser, Zoologie: Literaturbericht für 1896, Arch. 
f. Anthrop. XXV, 1898, S. 213 stark bezweifelt. Neueres entscheidendes Material 
hat sich inzwischen m. W. nicht vorgefunden. 



ü« . 



— 266 — 

bekannt, höchst wahrscheinlich aber geweihlos ; bei Blastomeryx Cope 
fehlen nähere Angaben. Micromeryx Lartet hat einen Schädel mit 
ganz kurzen Rosenstöcken; bei Dicroceras Lartet ist das »Geweih 
ähnlich dem lebenden Muntjak (Trox) mit sehr langem Rosenstock 
und zwei, seltener drei, vier oder mehr Sprossen, die unmittelbar 
über der Rose oder der sie ersetzenden Anschwellung entspringen. 
Sind mehr als zwei Sprossen vorhanden, so bleibt stets einer einfach 
und nur der zweite vergabelt sich.« Auf den Widerspruch, der in 
dem weiteren Satz steckt: »Kleine, offenbar persistente Ge- 
weihe ohne Rose, die sich am distalen Ende in zwei oder mehr 
kurze Zacken vergabein, [soll wohl heißen »mit auf dem Rosenstock 
sitzender Gabek B.] kommen überall mit vollständigen, periodisch 
abwerfbaren und- mit wohl entwickelter Rose versehenen Geweihen 
vor. Sie rühren vermutlich von jungen Tieren her« . . . 
hat schon Nitsche S. 72 hingewiesen. Die typischen fossilen 
Cervulus-Ge weihe, Dicroceras genannt, kommen im Wesen ganz auf 
den Muntjakhirsch [hinaus: Gabel auf hohem Rosenstock. Was 
Schlosser in »Beiträge zur Kenntnis der Stammesgeschichte der Huf- 
tiere und Versuch einer Systematik der Paar- und Unpaarhufer« 
Morphologisches Jahrbuch Bd. 12, 1886 S. 68 veranlaßt aozunehmeu, 
daß bei einer dieser Formen, Talaeomeryx = Trox furcatus^ die er den 
ersten Cerviden mit Geweih nennt, »das Geweih niemals abge- 
worfen wurde und stets mit Haut bedeckt gewesen sei«, wäh- 
rend es bei . Dicroceras elegans »stärker entwickelt gewesen sei und 
schon die Anfänge eines Rosenstocks zeige« ist mir nicht recht 
erklärlich. Nach Zittel S. 399 waren auch die von Cope beschrie- 
benen und abgebildeten Geweihe von Cosoryx »wahrscheinlich von 
Haut bedeckt und zeichnen sich durch glatte Oberfläche und schwach 
entwickelte oder ganz fehlende Rose aus. Die Geweihe sind entweder 
einfach oder dichotom vergabelt, zuweilen auch mit mehreren Sprossen 
verseben und wurden vermutlich niemals abgeworfen.« [? B.] Cosoryx 
ist eine jüngere, amerikanische Pliocänform. Die Abbildung bei 
Zittel Fig. 331 zeigt eine der Rehbockgabel ähnliche, hocbange- 
setzte Form mit Rose auf offenbar sehr niedrigem Rosenstock. Klar- 
heit ist aus dieser Beschreibung nicht zu erlangen. Die von Gaudry 
Trocervulus und von Filhol Talaeocervulus genannten Geweihe 
werden uns weiter unten noch kurz beschäftigen. 

Wir dürfen uns mit Rörig 1900 S. 526 f. vorstellen, daß die 
allerältesten geweihtragenden Cervicornier anfangs nur einfache haut- 
bedeckte Stirnbeinprotuberanzen getragen haben. Wir dürfen uns 



— 267 — 

ferner vorstellen, daß diese Protuberanzen sich, später mehr und 
mehr verlängerten, daß sodann die Hautbedeckung der Spitze dem 
Schwund anheimfiel und so die Spitze als erstes, echtes Hirschhorn 
zu Tage trat. Die mit dem Kopfe stoßweise geführten Kämpfe der 
männlichen Cervicornier um den Besitz der weiblichen Stücke wäh- 
rend der Brunftzeit lassen di* ganze Entwicklung — wenn sie sie 
auch nicht erklären — durchaus plausibel erschienen. Nicht eine 
hautbedeckte, sondern eine nackte Knochenspitze war zu guter Letzt 
für diese Kämpfe vorteilhaft. Das Endresultat, die Kopfwaffe, ist bei 
den Cavicorniern allerdings auf ganz anderem Wege ebenfalls erreicht. 

Der Abwurf der hautentblößten Rosenstockspitze, also eines 
Fremdkörper^, eiuer nekrotischen Bildung, ist bei den Gervicorniern 
genügend motiviert (siehe auch Nitsche S. 61 u. 63). Jedoch 
muß man sich weiter vorstellen, daß der Abwurf des Erstlings- 
geweihs erst sehr allmählich in ein näheres Verhält- 
nis zum Geschlechtsleben trat und erst zuletzt, wie dieses, 
periodisch ward, d. h. der klimatischen Periode angepaßt wurde. 
Der Faktor der Periodizität der Brunft kaun aber, worauf Bor ig 
1900 S. 534 aufmerksam gemacht bat, in einem tropischen" oder 
wenigstens subtropischen Klima, wie solches noch zur Miocänzeit 
herrschte, uraufänglich unmöglich schon die Bedeutung gehabt 
haben, wie in einem Klima mit regelmäßiger Wiederkehr von 
erstarrender Winterkälte und belebender Sommerwärme. In sub- 
tropischen oder tropischen Gegenden mit sehr warmem oder heißem 
Klima ist heute, nach Rörig 1900 S. 534, »die Begattungs- 
zeit der Cerviden nicht von dem Eintritt einer bestimmten Jahres- 
zeit abhängig, und man sieht daher in allen Jahreszeiten sowohl 
Hirsche, die das Geweih besitzen, als auch solche, die das Geweih 
abgeworfen haben«. Ich bin nicht in der Lage, diese Bekundung 
zu kontrollieren. Nach den wenigen mir zugänglichen Notizen 
bei Martin 1882 S. 484 hat jedoch der Axishirsch eine be- 
stimmte jährliche Setzzeit und damit natürlich auch jährliche 
periodische Brunft. Wegen der allerdings nicht für unser Klima 
(Ludwigsburg) angepaßten Setzzeit — mitten im Winter — sollen 
die gesetzten Kälber zum Teil der Kälte erliegen. 

Des weiteren darf man sich jedenfalls vorstellen, daß die näm- 
lichen Ursachen, die die Bildung des ursprünglichen Primitivaufsatzes 
begünstigten, bei dem nach einer irgendwie bedingten Unterbrechung 
erfolgenden Wiedererwachen des Geschlechtstriebs früher oder später 
ebenfalls wieder wirkten, selbst wenn das Urgeweih noch nicht 



— 268 — 

abgeworfen war, wie ja auch heute noch in den Periost des Rosen- 
stocks schon neues Leben tritt, ehe noch das alte Geweih abge- 
worfen ist (Nitsche S. 61 und Brandt, nach Altum, S. 16). Mit 
einem Wort: Periodizität der Brunft, Geweih- (und zwar zunächst 
Primitivgeweih-)Abwurf, erneutes Periostwachstum und damit ein- 
geleiteter erneuter Geweihaufsatz sind ursprünglich irrationale Ver- 
hältnisse zueinander. Freilich ist das sekundäre Periostwachstum 
und der erneute Aufsatz später in Einklang gekommen mit der 
Brunftperiode, auffallenderweise nicht zunächst der Abwurf des alten 
Primitivgeweihs, wie ich in nachfoldendem versuchen werde glaubhaft 
zu machen. 

Die vorzeitlichen Stadien können wir wegen der Unvollständig- 
keit und der inneren Unzulänglichkeit des paläontologischen Materials 
gerade in dieser Hinsicht nicht genau verfolgen. Nitsche nimmt 
die Periodizität einfach als gegeben an. »Unerklärbar« sagt er S. 62/63 
in diesem Sinne (der Gesetzmäßigkeit) »erscheint mir die Tatsache 
der alljährlich wiederkehrenden Eintrocknung und Abstoßung des 
Iuteguments der eigentlichen Stange, d. h. also der Vorgaug des 
Fegeds . . . Wir müssen daher die Tatsache, daß alljährlich das 
Integument der fertig ausgereiften Geweihe vertrocknet und verloren 
geht, einfach als gegeben hinnehmen«. Der Abwurf des gefegten 
Geweihes ist ihm, als der eines nekrotischen, eines abgestorbenen 
Gebildes verständlich, »erklärt«. »Als besondere Eigentümlichkeit«, so 
schließt Nitsche S. 63 diese Ausführung, »bleibt nur bestehen, daß 
ein Vorgang, der bei seinem ersten Auftreten gewiß reiu pathologisch 
war, im Laufe der phylogenetischen Entwicklung der Cerviden zu 
einem normalen, regelmäßig wiederkehrenden und der Lebensökonomie 
derselben als nützlich angepaßten Vorgang geworden ist.« 

Ich glaube indes in der Lage zu sein, aus dem heutigen Ver- 
halten der Erstliugsgehörn(-geweih-)bildung Anklänge an den ur- 
sprünglich un periodischen Prozeß des Aufsatzes uud Abwerfens, 
Vermittlungen zur Periodizität nachweisen zu können, sowohl 
hinsichtlich der zeitlichen wie der morphologischen Ausgestaltung. 

In meinen (oben Seite 263 erwähnten) Abhandlungen habe ich 
auf Grand von 92 (jetzt etwa 130) hiesigen Rehschädeln, ferner 
der von Dr. Schlachter im »Zoologischen Garten« 24. Jahrg. 
1883. 6 geschilderten Sammlung von 114 Rehschädelu der Simon- 
schen Sammlung im Stuttgarter Naturalienkabinett und von 38 Reh- 
schädeln der Eberswalder Akademischen Sammlung eine Reihe von 
Eigentümlichkeiten — Unregelmäßigkeiten — in der Erstlings- 



T^ 



— 269 — 

gehörnentwicklung des Rehbocks ans Licht gezogen. Wenn nun die 
Ontogenese ( Eigen enfcwicklung) in gewissem Sinne eine kurze Re- 
kapitulation der Phylogenese (Stamm eseotwicklung) ist, so dürften 
die individuellen Freiheiten in der Entwicklung gerade des Erstlings- 
gebörns un verlöschte Züge der stammesgeschichtlichen Entwicklung 
des Gehörns (Geweihes) bewahrt haben. Die heute noch so variable 
Form der Spitze dieses Erstlingsgehörns repetiert die noch nicht 
wie bei den späteren Aufsätzen mit differenzierten Formen gefestigte 
Regel, oder vielmehr sie repetiert die ursprünglich völlige Regel-* 
losigkeit in der Form. Der Erstlingsaufsatz zeigt kleinere bis 
minimale Knöpfe und langete Spießchen. Auch kommen solche Diffe- 
renzen auf. einem und demselben Schädel rechts und links vor. Der 
Durchmesser des Rosenstocks und des Erstlingsaufsatzes ist sehr ver- 
schieden. Das alles sind zwar äusch einend unwesentliche Betätigungen 
ungleicher individueller Wachstumsenergie, in Wirklichkeit aber ent- 
wicklungsgeschichtlich wichtige Atavismen. Der Erstlingsaufsatz 
zeigt freilich auch schon, die später beim zweiten und folgenden Auf- 
satz habituell gewordene Perlung und Rosenbildung antizipierend, 
hie und da Perlen und Perlenkränze. (Schluß foijpt.) 

Der kaukasische Wisent. 

Von C. Qrevö in Riga. 



Zu den langsam ihrem Aussterben entgegengehenden Geschöpfen 
gehört auch der Waldrake, der Wisent. Im Bjalowescher Forst des 
Gouvernements Grodno und im Kubangebiete des Kaukasus führt er, 
unter dem Schutze des Kaisers in dem ersteren, unter dem von 
Großfürsten im letzteren Gebiete, ein ziemlich ungestörtes Dasein. 
Aber wir werden wohl night irren, wenn wir annehmen, daß die 
Revolution, die ja im westlichen Gebiete Rußlands und im Kaukasus 
am stärksten zum Ausdruck gekommen ist, auch in Bezug auf die 
Jagdhege ihren schlimmen Einfluß geltend machen wird, und wie in 
den Osfcseeproviuzen die »Waldbrüder«, die in den Wäldern ihr Ver- 
steck suchenden revolutionären Mordbrenner, den Reh- und Elchstand 
dezimieren, so wird wohl auch in den Wisentreservationen so mancher 
der Urwaldriesen dem unrühmlichen Tode durch die Kugel eines 
Tscherkessen oder eines litauischen Bauern verfallen, denn die 
»Freiheit« wird ja von diesen Leuten in ihrer Art verstanden uud 
ausgelegt. Daher ist es vielleicht nicht ganz unangebracht, wenn 
wir hier einen gedrängten Überblick über die Standplätze des einen, 



— 270 — 

des kaukasischen Wisent, bieten, über den ja viel seltener und viel 
spärlicher Berichte in die Öffentlichkeit dringen, als über seinen 
litauischen Stammesgenossen. 

Der kaukasische Bison oder Wisent wird meist als Varietät des 
litauischen angesehen {Bison bonasus var. caucasia), obwohl er sich 
nur in sehr unbedeutenden Merkmalen von ihm unterscheidet. Bei 
den Eingeborenen seiner Heimat, den Abchasen, führt er die Namen 
»ädortipe, adombe oder dombai«. 

Im Jahre 1633 wird der Wisent für Abchasien erwähnt, .und 
gegen das Ende des 17. Jahrhunderts spricht Archangelo Lambert! 
von »wilden Büffeln in Mingrelien«. 1770 kannte man wilde Stiere 
in der Großen Kabarda, bei dem heutigen Pjätigorsk, in den Vor- 
bergen des Bach-tau im Nordosten vom Elbrus. 1774 sollen sie am 
Oberlaufe der Kuma beobachtet worden sein. Die ersten authen- 
tischen Nachrichten brachten die Akademiker Lowitsch und Gülden- 
stedt, doch wollte Bojanus 1827 die Existenz des Bison auf dem 
Kaukasus noch bezweifeln. 1835 schickte Baron Rosen ein Fell 
an die St. Petersburger Akademie, und ein Abchase, dem man in 
.Wilpa einen bjalowescher Wis^t zeigte, erkannte das Tier sofort 
und nannte es »donibe«, wie den heimischen Wildstier. 1836 sollen 
Wisente zwischen Kuban und Bsyb (Kapuetti) gesehen worden sein 
und ebenso am Puh bei Suchum. Ende der dreißiger Jahre des 
19. Jahrhunderts gab fs auf der Hochstraße Taman-Tiflis keine, wohl 
aber tiefer ins Land hinein. 1848 und 1864 werden von Baron 
Tor na u Jagden auf den Wisent beschrieben (während seiner Gefangen» 
Schaft bei den Abchasen). 

Früher lebten Wisente am Terek bei Mosdok und nach Süden 
bis zum Ingur hin; im Dagestan und in den Steppen am Terek, 
sowie in Transkaukasien südlich vom Elbrus hat es wohl nie welche 
gegiebeu. Da der Wisent bei der geringsten Beunruhigung sofort 
auswandert und seinen Standort verändert, läßt sich schwer eine 
genaue Begrenzung seines Gebietes geben. Im nachfolgenden wollen 
wir die neueren Nachrichten zusammenstellen. 

1865 wurden Wisente im Westen vom Maruchgletscher und am 
Paß Dombai (der nach ihnen seinen Namen hat) gesehen; 1874 
schoß man einen bei der Staniza (Kosakenniederlassung) Romanows - 
kaja, eine Tagereise von Sotschi entfernt. In den siebenziger. Jahren 
standen sie an den Quellen der Msymta, am Fuße des Dsitaku und 
au anderen Orten. Winogradow nennt sie (Bericht der II. rus- 
sischen Naturforscherversammluug in Moskau, ZooL Abt.) für das 



— 271 — 

« 

Quellgebiet des Aksout, den Großen Selentschug, Drnp und die Große 
Laba und läßt ihre Ostgrenze zwischen dem Aksout und Maruch 
die Westgrenze über die Kleine Laba verlaufen. Dinnik gibt (in 
den Notizen der kaiserlich rttwfechen Geographischen Gesellschaft 
Band XIII, 1884, p. 359) über das Vorkommen des Wisent folgende 
Daten: An d«n Quellen des Urup erscheinen sie nur im Winter, 
also geht die Grenze nicht über den Großen Selentschug im Osten; 
sie stehen am Aksout und Maruch; die Westgrenze verläuft über die 
Kleine Laba, den Chods bis zur Belaja, vielleicht auch weiter bis 
zu den Quellen der Pschecha. Zahlreich sind sie am Abago. Das 
Gebiet der Wisente reicht vom Irkystale bis zur Belaja, hat also 
eine Länge von etwa 80 — 90 und eine Breite von 35—40 Kilometer. 
Rossikow (in Berichten der kaiserl. russischen Geogr. Gesellsch. 
Band XXVI, p. 254) führt den Wisent für die Berge des nord- 
westlichen Kaukasns, die Quellen des Umpyr, das Tal der Kleinen 
Laba, die Schlucht des Flusses Atschipsta, das Saagdan (die Dsitscheksch- 
Mündung) und den Paß Santscbara-achu an. An den Quellen des 
Chods soll er seiner Ansicht nach fehlen. 

Sie wurden in den letzten Jahren (nach verschiedenen Angaben) 
auf dem Westkamme des Großen Kaukasus an den Quellen der 
Laba und Belaja und deren Zuflüssen Kischa und Sischa, am 
Schugusch-Berge bei den Salzquellen auf der Nordseite, im Osten 
bei den Quellen des Schutschug und an seinen westlichen Zuflüssen 
Uruschtem und Alous bis 2200 m Höhe hinauf beobachtet, wäh- 
rend sie vor 30 — 40 Jahren nur bis 1400 m hinaufgingen. Ferner 
im Quellgebiete der Msymta und des Bsyb. Jn Abchasien sollen sie 
zuweilen nahe ans Meer hinabgehen. Im Walde des Saagdanbezirks, 
bei Psebai, am Maruch, Urup, bei den Kosakenstanizen Peregradnaja 
und Storoshewaja am Bischgon und bei Jassyk werden sie ebenfalls 
bestätigt, wie auch am Sochrai abwärts bei der Staniza Dacbowskaja. 
Bei Babukowo im Quellgebiet des Schach«, in der Uferzone des 
Chasta fehlen sie auch nicht. Im Winter gehen sie zuweilen über, 
die Belajaquellen am Fischt auf dessen Westseite nach Süden hinüber. 
Die Angaben für die südliche Kabarda am. Urugh, einem Zuflüsse 
des Terek, und für den Agas, die Wasserscheide zwischen Terek und 
Kuban, sowie den Bubuk (Tschegem?) sind etwas zweifelhaft. 

Vom Jahre 1895 an haben wir genauere Nachrichten. Die 
Wisente wurden im Winter zwischen Laba und Belaja, im Sommer 
im Kischatale beobachtet. Hoch in den Bergen traf man sie zwischen 
den Flüssen Maltschepa und Abago, an den Selentschug- und Kischa- 



— 272 — 

quellen. 1897 kamen sie an der oberen Pschecha zufällig vor und 
wurden am Uruschtem und an der Großen Laba geseben. An letzterer 
gab es im Saagdan an den Quellen keine mehr, wohl aber hielten, 
sie sich an der Belaja und deren Zuflüssen Tschessu, Kischa, an den 
Abagoquellen, an der Kleinen Laba, auf dem Tschosch, an der Sischa 
(im Walde von Abtes nordmanniana) zahlreich, zwischen Maltschepa 
und Belaja, auf dem Bambak und dem Tschilipsa auf. Ferner wer- 
den sie für die Schlucht des Flusses Aksout und der Kleinen Laba, 
sowie für die Nebenflüsse der Großen Laba, (Marochurz, Damchurz, 
Sakan, Zachwoa und Atschipsta), das Aloustal und den Umpyr 
aufgeführt. 

Am Urup und am oberen Selentschug fehlten sie 1897 »schon 
lange«. 1898 nennt man sie noch für das Alousgebiet, und 1900 
sollen sie sich mehr nach Westen, an die Belajaquellen, auf die 
Ostseite des Oschtem und auf die Abaguhöhen, sogar hoher als 
Chamyschka, gezogen haben. Im Nordzweig des Abago, im engen 
Tschegemtal gehen sie im Winter bis Dache hinunter. N. Busch 
(Berichte der kaiserl. russ. Geogr. Gesellsch. Band XXXIII (1897) 
und Band. XXXVI (1900)) behauptet, daß sie weder am Aksout, noch 
am Maruch und auch nicht mehr an den Quellen des Großen Selentschug 
zu treffen seien, und gibt ihre Anwesenheit am Urup nur mit einem 
Fragezeichen. 

Ob sie jetzt auf der Südseite des Hauptkammes zu suchen sind, 
eventuell dorthin hinüberwandern, bleibt unentschieden. Dinnik 
sah ihre Spuren (auf seiner Exkursion 1901 an den Oberlauf der 
Kleinen Laba und der Msymta) am Oberläufe des Pusiko. Am Berge 
Umpyr hatten die großfürstlichen «Jagdaufseher sie vor nicht langer 
Zeit bemerkt, während sie am Bsyb und der Msymta schon seit 
geraumer Zeit fehlten. N. Busch (Neue Balt. Waidmannsblätter, 
1906, Heft 10) gibt ihr heutiges Verbreitungsgebiet wie folgt an: 
»Sie haben sich nur im Gebirgsteil des Kubangebietes erhalten. Eine 
geringe Zahl hält sich noch im Saagdantal, an der Großen Laba, 
dem Oberlauf der Kleinen Laba und am Uruschtem. Zahlreicher 
stehen Wisente am Oberläufe der Belaja und ihrer oberen Zuflüsse 
Tschegs (Kyscha), Abago und anderen. Das Hauptgebiet ist heutigen 
Tages das Quellgebiet der Belaja, vom Flusse Guseripl bis an den 
Tschegs hin.c 



— 273 — 

Phylloscopus bonellii (Vieill.) in Franken. 

Ein Beitrag zur Verbreitung des Berglaubvogels. 

Von Dr. J. Gengier in Metz. 



Am Vormittag des 13. Mai 1906 ging ich durch den mitten 
in der Stadt gelegeneu, mit vielen alten Bäumen und auch teilweise 
mit dichtem Unterwuchs bestandenen Schloßgarten zu Erlangen. 
Trotz des nicht gerade schönen Wetters sangen allenthalben Buch- 
finken, Schwarzplättchen , Girlitze, Gartenrotschwänze, Fliegen- 
schnäpper, und plötzlich hörte ich einen Gesang, der mich sofort 
umkehren und der Stelle, von wo aus er erscholl, zueilen ließ. In 
einem mit Ahornbüscheu und alten Laubbäumen verschiedener Art 
bewachsenen Gartenabteil hörte ich den mir unbekannten Gesang, 
und gleich darauf zeigte sich mir auch der kleine Sänger in höchst 
zutraulicher Weise so nahe, wie sich sonst selten ein Vogel in der 
Freiheit sehen und beobachten läßt. Auf den ersten Blick gewahrte 
ich, daß ich es mit einem Phylloscopus zu tun hatte, was mich um- 
somehr freute, da ich mich mit dieser Gruppe schon bei meiner 
Arbeit über den Phylloscopus sylvestris (vergl. Ornithol. Monats- 
schrift 1905) eingehend beschäftigt hatte. Dem Gesang nach war 
es mir klar, daß ich es hier mit keiner der drei bisher in und 
um Erlangen beobachteten und einheimischen Laubsängerarten, 
Ph. sibilatrix, trochilus oder rufus % zu tun hatte, denn deren Laute 
sind mir zu gut bekannt, um sie mit anderen verwechseln zu können. 
Als ich dann auch noch den Vogel lange Zeit und immer und immer 
wieder aus nächster Nähe beobachten konnte, wurde es mir trotz 
meines anfänglichen Sträubens klar, daß es keine andere Art als 
der Berglaubvogel sein könne. 

Im Juli und August des Jahres 1902 beobachtete ich Laubvögel 
im Tale zwischen Ruhpolding und Seehaus in Oberbayern, die ich 
ihrer Färbung nach nur zu bonellii rechnen konnte. Diese Vögel 
sah ich aber nur kurz und meist mit dem Feldstecher; hören ließ 
sich keiner davon, so daß ich meiner Sache auch beute noch nicht 
ganz sicher bin. In den Monaten Mai und Juni der Jahre 1903 
und 1904 hatte ich des öfteren Gelegenheit, Berglaubvögel zu sehen 
und zu hören. Es war dies in der Umgegend von Füssen am Lech 
im Bayrischen Algäu. Doch war auch hier die Beobachtung, wenn 
ich so sagen darf, eine mehr vorübergehende; die Vögel zeigten sich 
nicht so oft und nahe vor mir, es war auch nicht immer der gleiche 

Zoolog. Beobacht Jahrg. XL VII. 1906. IS 



— 274 — 

Vpgel, und nur relativ selten konnte ich den Gesang hören und 
aufzeichnen. 

Anders nun bei dem Erlanger Vogel. Er war sicher das einzige 
Männchen seiner Art nicht nur im Schloßgarten, sondern in der 
ganzen Gegend. Zehn Tage lang konnte ich den Vogel täglich 
Stunden hindurch sehen und hören, denn er hielt sich nur in ein*m 
ganz engbegrenzten Bezirk auf, und konnte den Gesang, während der 
Vogel 1 — 2 m vor mir saß, aufzeichnen und alle seine Bewegungen 
genau dabei studieren. Dabei kam ich zu folgendem Resultat. 

Zuerst die Färbung. Die ganze Oberseite war licht braungrau, 
etwas ins Gelbgrünliche spielend, ein Augenbrauenstrich, der bis über 
die Schläfe reichte, gelblichweiß, ein Strich von der Schnabelwurzel 
durch das Auge deutlich dankler, Flügel und Schwanz etwas mehr 
grünlich als die Oberseite, die ganze Unterseite vom Kinn bis zu 
den Unterschwanzdeckfedern weiß, die Brustseiten leicht graugrünlich 
überlaufen. Ich konnte den Vogel mehrmals mit ganz in der Nähe 
sitzenden rufus- Exemplaren flüchtig vergleichen und dabei bemerken, 
daß mein Vogel gleichsam langgestreckter war, doch sonst sich in 
der Größe nicht unterschied. Die von mir an den Wohnort des 
Vogels gebrachten ganz frischen Bälge von trochilus zeigten, daß 
letzterer oben viel lebhafter und unterseits ganz gelb gefärbt, also 
nicht mit ihm identisch sein konnte. 

Der Gesang wurde in unermüdlicher Weise mit nur ganz kurzen 
Pausen vorgetragen. Dabei hüpfte das Vögelchen von Ast zu Ast, 
flog von Busch zu Bosch und nahm Räupchen und andere kleine 
Tierchen dabei auf. Nur der letzte Teil des Gesanges wurde ruhig 
sitzend in einer Art Balzstellung vorgetragen. Bei Beginn der Strophe 
hielt der Vogel den Schnabel gerade in die Höhe, ohne sonst dem 
Körper eine charakteristische Stellung zu geben. Dann begann er 
mit einem kurzen, nicht wiederzugebenden, entfernt an das Klappern 
der Zaungrasmücke erinnernden Ton, darauf folgte »si si si i i i i 
si si si trrr trrr trrrrrr tri tri«. Nun wird der Körper breit gemacht, 
die Flügel hängen herab, der Schwanz steht leicht ausgebreitet wag- 
recht, die Brust wird etwas heruntergedrückt, der Kopf in die Höhe 
gehoben, und nun ertönt ganz angenehm melodisch »wüit wüit wüit 
wüit wüit«. Ein eigentlicher Schluß der Strophe fehlt, und man 
hat stets das Gefühl, als müsse noch etwas nachkommen. Die letzte 
melodische Abteilung der Strophe wird nicht jedesmal gesungen, 
sondern nur alle fünf- bis sechsmal einmal angehängt. Der erste 
auf den klappernden Ton folgende Teil des Gesanges wird auch 



— 275 — 

manchmal etwas schärfer akzentuiert und lauter vorgetragen und 
erinnert dann entfernt an den Beginn des Buchfinkenschlages wie 
»zi zi zi zi zi trrr u. s. w.c Im ersten Augenblick hat der Gesang 
eine leise Ähnlichkeit mit dem von Ph. sibilatrix, doch bei näherem 
Hinhorchen merkt der nur einigermaßen geübte Vogelbeobachter, daß 
es ein ganz anderes Lied ist. Sieht man dann auch noch den so ganz 
anders gefärbten Vogel, so ist eine Verwechslung nicht mehr möglich. 

Der Vogel stöberte fortwährend alle Zweige der Büsche seines 
kleinen Gebietes ab und betrachtete besonders genau die Unterseite 
der großen Ahornblätter, hiervon rasch die daransitzenden, kleinen 
weißgelben Räupchen ablesend; vorbeisummende kleine Insekten fing 
er auch geschickt im Fluge weg. 

Ich bin der festen Überzeugung, daß der Vogel ein brütendes 
Weibchen hatte, denn sonst würde er sicher nicht so lange ein ganz 
genau abgegronztes Wohngebiet innegehalten haben. Trotz aller 
Aufmerksamkeit konnte ich aber von einem Neste nichts entdecken, 
was allerdings nichts beweist, denn in dem Garten konnte ich nicht 
so suchen wie im freien Walde, und Laub Vogelnester sind, wie allbe- 
kannt, meist sehr schwer zu finden. 

Am zehnten Tage nach seiner Entdeckung war der Vogel an 
seinem gewohnten Platze nicht mehr aufzufinden, und erst nach 
langem Suchen fand ich ihn in einem ganz anderen Teil des Schloß- 
gartens. Er war sehr aufgeregt, sang nur flüchtig den ersten Ab- 
satz seiner Strophe und flog rasch von Baum zu Baum, sodaß er 
gar nicht wiederzuerkennen war. Am anderen Tage war der mir 
so interessante Laubvogel überhaupt verschwunden, und ich konnte 
ihn trotz sorgfältigsten Suchens nicht mehr eutdecken. Dauach bin 
ich der Meinung, daß eine Katze das Nest zerstört und das brütende 
Weibchen getötet hat, weshalb das einsam zurückgebliebene Männchen 
seiu Gebiet verlassen und planlos umherstreichend abgezogen ist. 

Nun bleibt noch die Frage offen, wie kam der Berglaubvogel 
in die am Fuße der allerletzten Ausläufer des Fränkischen Jura ge- 
legene Stadt? Aus der unweit gelegenen Fränkischen Schweiz kann 
er kaum gekommen sein, denn weder meine Aufzeichnungen, noch 
die allerdings recht spärliche Literatur über die Ornis dieses Land- 
striches nennen die Art als jemals dort beobachtet. Immerhin wäre 
es nicht unmöglich, daß nach Art des Girlitz und anderer Vögel 
einzelne Paare sich weiter nach Norden vorschöben. Im Süden Bayerns, 
sowie im Schwarzwalde ist der Vogel ja gar nicht selten, und auch 
um Kissingen wurde er schon vor Jahren beobachtet und erlegt. 



— 276 — 
Das Nest der Nachtigall. 

Von Ludwig Schuster in Gonsenheim b. Mainz. 



t ;. 



Die Nachtigall wählt zu ihrem Brutplatz nur ganz bestimmte 
Ortlichkeiten ; wo die Lokalität ihrem Geschmack nicht zusagt, wird 
man vergeblich nach diesem Vogel Umschau halten. Naumann 
und die anderen ornithologischen Autoren geben au, daß die Luscinia 
jene Orte ganz besonders bevorzuge, wo vereinzelte Bäume wie Ulme, 
Ahorn, Esche u. s. w, sehr licht stehen und der Boden mit Gebüsch 
dicht besetzt sei, also vor allem die typischen Auewälder liebe, wie 
sie in unserem Hessen durch die im Mittelwaldbetrieb bewirtschafteten 
Waldungen der Rheinauen Kühkopf und Knoblochsaue repräsentiert 
werden 1 ). Allerdings, hier tritt die Nachtigall in einer erstaunlich 
großen, das Herz des Naturfreundes gradezu erfreuenden Zahl auf. 
Aber nicht nur die eben beschriebenen Ortlichkeiten, sondern auch 
solche, die; einen grade entgegengesetzten Charakter zur Schau tragen, 
bewohnt die Sängerkönigin gerne und mit unverkennbarer Vorliebe. 
Es ist nicht notwendig, daß viele und umfangreiche Gebüschpartien 
den Boden überwuchern, nicht auch erforderlich, daß das Strauch- 
werk besonders dicht stehe und ein undurchdringliches, verschlungenes 
Gewebe, ein Netz bilde. Nötig ist vielmehr, daß ein dichter, schatten- 
spendender und jedem Sonnenlicht den Eingang versperrender Ober- 
stand vorhanden ist, der den Boden von Graswuchs und von Ver* 
angerung sauber und frei bewahrt und nichts weiter als eine modernde 
Laubdecke zu seinen Füßen duldet, der die Luft unter seinem Schirm 
kühl und feucht erhält, unter dessen Blätterdach ein heimliches Halb- 
dämmerlicht webt. Dabei ist es aber ganz und gar unnötig, daß 
viel Gebüsch unter den Bäumen vegetiere (was ja auch schon durch 
die Dichte der Baumkronen und das mangelnde Sonnenlicht wirksam 
verhindert wird); es genügt der Nachtigall vielmehr schon vollkommen, 

*) Jene Auen werden in den 1905 von der hessischen Forstverwaltung 
herausgegebenen »Wirtschaftsgrundsätzen für die der Staatsforstverwaltung 
unterstellten Waldungen des Grofih. Hessen« wie folgt beschrieben: »Als Oberholz 
Eichen, Eschen, Ulmen, Erlen, Birken, auch Pappeln und wilder Obstbaum, unter 
dem sich ein dichter Unterwuchs von Strauchhölzern, besonders Hasel, Hartriegel, 
Heckenkirsche, Schneeball, Schwarzdorn, dann von Ulmen-, Erlen-, Linden - 
und Aspenstockausschlägen befindet. Üppiger Wuchs von Schlinggewächsen: 
Waldrebe, Wildem Hopfen, auch Weinstock gestaltet das Gestrüppe zu einer 
fast undurchdringlichen Wildnis und gemahnt an tropische Waldbilder. Zahl- 
reiche Singvögel finden in diesem Gewirre von Ästen, Zweigen und Ranken des 
Unterholzes sichere Niststätten, vor allem die Nachtigall.« 



— 277 — 

wenn sie nur einige mit etlichen, dürren Reisern durchrankte Buten, 
die kaum noch Gebüsch zu nennen sind, am Boden vorfindet. Haupt- 
sache ist und bleibt ein nicht vergraster und mit moderndem Laub 
mäßig bedeckter Boden. Dieser Effekt aber wird erreicht in dem 
.ersteren, von Naumann und anderen geschilderten Falle durch ein 
dichtes Niederholz, in dem zweiten, unserem Falle durch dichtkroniges 
Oberholz. Mit dem grasreinen, laubbedeckten Boden harmoniert dann 
auch aufs vortrefflichste die Farbe des Nestes, das aus dürren, in 
der Regel von der hauptsächlichst vertretenen Holzart stammenden 
Blättern erbaut ist, sowie das blätterbraune Gewand der Nachtigall 
selbst; und man sieht deutlich genug, daß nur hier am Boden oder 
dicht über ihm die Nachtigall sich wohl fühlt, gleich als ob der 
Vogel wüßte, wie sehr sein Schutzgewand ihn den Blicken Unbe- 
fugter entziehe. 

Hier bei uns, in der Umgegend von Mainz, findet die Nachtigall 
die vorbeschriebenen Orte noch in reichlichem Maße. Auf dem Glacis 
des Festungswalles und dem der Forts bilden Eschen, Ahorne, Linden, 
Ulmeu, Platanen u. s. w. einen dichten Kronenschirm, der den Boden 
vor dem Austrocknen, Verhärten und Verunkrauten wirksam schützt 
und jene feuchte Atmosphäre und heimliche Stimmung erzeugt, in 
der zu leben der Nachtigall nun einmal Bedürfnis ist. Hie und da 
stehen auf dem Boden vereinzelte, krüppelhafte, bekanntlich ein 
lederartiges, derb -zähes und schwer verwesendes Blatt erzeugende 
Ulmen3träucher, zur Hälfte noch frisch und grün, zur Hälfte schon 
aus Maugel an Sonnenlicht dürr geworden. In dieses Rüstergesträuch 
setzt die Nachtigall mit Vorliebe ihr Nest; wie auch die fünf Nester, 
die wir im Laufe dieses Frühjahrs (1906) fanden und die nachfolgend 
beschrieben werden sollen, in eben diesem Strauchwerk standen. 
Jedes Nest besteht gewissermaßen aus zwei Teilen, dem locker ge- 
bauten und meist nur aus Laub aufgeschichteten Unterbau und dem 
eigentlichen, kunstfertig gebauten, tiefnapfigen inneren Neste. Jener 
lockere Unterbau verleiht dem Nest, selbst bis auf kurze Entfernung, 
eine täuschende Ähnlichkeit mit einem in dem Strauche zusammen- 
gewehten Laubhaufen, wie man deren fast in jedem unter Oberholz 
wachsenden Strauch im Winter und fast den ganzen Sommer hindurch 
findet und sie darob zu übersehen und durchaus keiner weiteren 
Beachtung würdig zu finden pflegt. Und es ist bemerkenswert, daß 
mitten in dem meist sehr schwachen Strauche, so wie die Laubhaufen, 
so auch die Nacbtigallenuester zu stehen kommen, ja daß sie auch, 
was noch auffälliger ist, meist just in der gleichen Höhe des Strauches 



— 278 — 

zu sitzen pflegen, in der sieb die Laubhaufen ansammeln (das ist 
etwa 10 — 20 cm über dem Boden, da, wo die Hauptverzweiguug 
des Strauches einsetzt) — kurz, daß alle Umstände, Aussehen, Stand 
u. s. w. dazu beitragen, das Nest den Blicken der Feinde möglichst 
zu entziehen. Umso leichter aber wird für den eingeschulten und 
jene Eigentümlichkeit des Vogels kennenden Sucher das Auffinden 
des Nachtigallennestes; er braucht nur dort, wo er das Männchen 
schlagen hört, im nächsten Umkreis die in den Büschen hängenden 
Laubhaufen zu revidieren, und der Erfolg wird seine Mühe bald 
lohnen. 

Ich beschreibe kurz unsere diesjährige Ausbeate an Nachtigallen- 
nestern. Das erste Nest, gefunden am 21. Mai auf dem Walle des 
Forts Gonsenheim, enthielt 5 Eier; es stand in einem Ulmensträuch- 
leih, das bis auf wenige Buten dürr geworden war. Der Neststaud 
ist nur etwa l 1 / 2 m V0D einer viel begangenen Landstraße entfernt. 
Der mächtige Unterbau, der etwa 4 cm über der Erde beginnt, ist 
aus Ulmenlaub 1 ) locker aufeinaudergeschichtet. Das innere Nest ist 
aus Uhuenlaub und Halmen lose und locker zusammengewirkt. Der 
ganze Bau ist etwa 15 cm hoch, die Nestmulde 7 cm tief. Die 
Chancen für das glückliche Aufkommen der Brut waren natürlich 
bei dem gefährlichen Stand des Nestes in der Nähe der Chaussee 
die denkbar ungünstigsten; und tatsächlich war das Nest später zer- 
stört, meines Erachtens von revidierenden Hunden vernichtet, wie 
denn solche von ihrem Herrn nicht au der Leine geführten Kreaturen 
oft von den Promenadewegeu abirren, durch das Gebüsch der Festungs- 
wälle streifen und dort durch täppisches Beriechen und Bescharren 
der aufgefundenen Nester viele Brüten zerstören und unsäglichen 
Schaden anrichten. 

Nest 2, ebenfalls auf Fort Gonsenheim, am 23. Mai gefunden, 
in Ulmenaufschlag, enthält ebenfalls 5 Eier. Dieses Nest ist wunder- 
bar schön gebaut und jedenfalls, falls wirklich eine langjährige Aus- 
übung des Nestbaues, eine vielgeübte Praxis die Geschicklichkeit des 
Vogels in diesem Fache steigert, von einem alten Vogel gefertigt. 
Das ganze Nest ist sehr groß und hat einen starken, locker zusam- 
mengefügten Unterbau, der ganz aus dürren Ulmenblättern aufge- 
schichtet ist. Das eigentliche, innere, bienenkorbähnliche Nest, aus 



l ) Naumanns Angabe, daß die Nachtigall zum Nestbau mit besonderer 
Vorliebe Eichenlaub verwende, trifft für unsere Gegend nicht zu; hier scheint 
vielmehr Ulmenlaub besonders beliebt zu sein. In Eichenniederwaldungen wird 
aber wohl sicher das Eichenlaub bevorzugt. 



— 279 — 

Ulmenblättern und einigen Schalen der Robiniensamenhülsen gewirkt, 
bat starke, mehrere cm starke Wände, deren Blätter material äußerst 
fest zusammenschließt und wie aneinandergelegt aussieht. Das 
Innere der 7 cm tiefen Nestmulde ist mit wenigen Wurzelchen und 
Hälmchen durchwirkt. Der Durchmesser des Napfinnern beträgt 
7 cm, der des ganzen Nestes 10*/2 cm. 

Nest 3, gefunden am 26. Mai auf dem Glacis des Festungswalles, 
enthält ebenfalls 5 Eier. Das Nest steht in Ulmenaufschlag am 
Rande eines vergrasten Grabens. Das Ganze besteht aus einer sehr 
großen Menge von Materialien und erinnert, seinem Stand entnommen, 
in etwas an die zusammengeschleppten und wüst auseinandergeworfenen 
Baustoffe eines Sperlingsnestes, Der Unterbau ist ein lockeres Ge- 
flecht von Eichen- und Ulmenlaub, Robiniensamenschalen und starken 
Halmen. Das Innere ist ganz mit Halmen ausgelegt. Auch das 
eigentliche Nest ist nur locker gearbeitet. Tiefe der Nestmulde 6 cm, 
Durchmesser 10 cm. 

Nest 4, gefunden am 30. Mai auf Fort Gonsenheim, mit 
5 Jungen belegt. Steht in gänzlich frischem, grünen Ulmenaufsfchlag, 
etwa 20 cm über dem Boden. Die unterste Lage ist wiederum sehr 
locker geschichtetes Ulmenlaub. Das innere Nest, ebenfalls locker 
gebaut, besteht aus Ulmenlanb, das mit Halmen durchwirkt ist. 

Nest 5, gefunden am 30. Mai, auf Fort Gonsenheim, mit 
4 Jungen. Der Neststand darf anormal genannt werden. Er be- 
findet sich an einem steil abfallenden, grasreinen Hang, an dem das 
Nest am Fuße eines einzelnen Ulmenreises in die Erde gebaut ist. 
Eine etwa faustgroße Vertiefung nimmt dieses im Vergleich zu den 
übrigen Nestern auffällig kleine Nest auf. Der Unterbau besteht 
aus wenig Laub und Gräsern, die vorzugsweise an der nach unten 
abfallenden Seite aufgesohicbtet sind und das Nest vor dem Umkippen 
wirksam schützen. Die innere Mulde ist eine kleine, hübsche Halb- 
kugel aus Ulmenlaub, die innen dicht mit Halmen ausgelegt ist. 
Tiefe der Nestmulde 5 cm, ganze Nesthöhe 10 cm, innerer Nest- 
durchmesser 7, äußerer 10 cm. Als ich mich zum ersten Male dem 
Nest nähere, läßt der alte Vogel zwischen seine ängstlichen Warnrufe 
kurze Gesangsstrophen einfließen, eine Erscheinung, wie man sie 
stets beim Nest des Teichrohrsängers zu bemerken pflegt und wie 
ich sie vor Jahren auch einmal bei einer Zaunkönigsbrut beobachtet 
habe. Voigt in seinem > Exkursionsbuch« weist bei der Beschrei- 
bung der Nachtigall auf jenes Gebaren als auf eine bei diesem Vogel 
gewöhnliche Erscheinung hin. 



— 280 — 



Kleinere Mitteilungen. 



Der junge Kaptölpel (Sula capensis) ist ein sehr zierliches und form- 
schönes Geschöpf. Größe einer Bläßgans. Den ganzen Körper hüllt weißer 
Flaum ein; frei bleiben nur Kehle, Unterhals und Außenseiten*; sie zeigen die 
nackte Haut mit einer matt purpurrötlichen oder schmutzig bläulichroten Farbe. 
Das blitzend lebhafte Auge hebt sich von diesem Untergrund scharf ab als 
gelber Iriskranz mit schwarzer Pupille. Hinterteil schön abgerundet. Ober- 
schnabel an der Spitze schwach übergebogen. Füße schwarz mit hellen Fußnägeln. 
Alle vier Zehen sind mit ganzen Schwimmhäuten von schwarzer Farbe ver- 
bunden (Ruderfüßer). Die junge Sula bassana, deren Heimatfelsen in Kearton's 
prächtigem »Tierleben in der freien Natur« (S. 181) abgebildet ist, ist ihm 
ähnlich. Wilhelm Schuster. 

Neststand des Sperlings, Passer domesticus L. Oberhalb meines 
Studierzimmers hier in Bonn befindet sich aus der Mauer hervorragend ein 
Pfosten, den sich ein Spatzenpärchen als Neststand erkieste. Am 5. Mai war 
das Nest fertig und mit einem Ei belegt. Da ich viel Sympathie für Spatzen 
habe, wenn sie nicht da sind, dagegen absolut nicht dafür schwärme, einen 
schilpenden Spatzen oberhalb meiner Bude als Straßenmusikaoten sich produzieren 
zu hören, riß ich am gleichen Tage um 3 Uhr das Nest aus, erhielt jedoch be- 
reits am selben Abend von meiner Wirtin den Bescheid, daß die Spatzen wieder 
bauten. Am 8. Mai riß ich das zweite Nest wieder aus. Wieder bauten die 
Spatzen, und wieder riß ich das Nest aus (15. Mai). Aber dies alles verdroß 
die Spatzen nicht Höchst anständig saßen »er« und »sie« am 16. Mai um 3 Uhr 
im Garten, »er krabbelte »ihr« den Kopf und vollzog den Koitus und stieg 
links ab, krabbelte den Kopf des Weibchens, vollzog die Begattung und 
kletterte rechts ab, krabbelte zum dritten Male der teuren Hälfte den Schädel 
und vollzog nochmals den Beischlaf. Ein Schwenken der Flügel und Sperren 
des Gefieders beim Weibchen, und beide flogen in den Hühnerhof meines Nach- 
barn, kehrten mit Baumaterial zurück und bauten zum vierten Male auf den 
Pfosten das Nest, das am 25. Mai gleichfalls herunterflog. Und nun sehe ich 
am 26. Mai um 7 Uhr morgens den Spatzenpapa mit einem genau 1636m langen 
Halm zum Pfosten fliegen, oder vielmehr, er machte Anstalten, den Rüsenhalm 
zum Neste zu bringen, was beim sechsten Flug auch glücklich erreicht wurde. 
Der Halm lag auf dem Pfosten und der Wind blies ihn herunter, darauf blies 
ich den Spatzen ebenfalls herunter, aber mit der Fliute, damit beide im Tode 
vereint würden, der 163 cm lange Strohhalm und der beharrliche Spatz! 

stud. Paul Werner. 

Ein junger Elefant in Schönbrunn. In der Schön brunner Menagerie 
ist am 14. Juli früh 5 Uhr ein Elefantenbaby zur Welt gekommen. Wer von 
dem Stolze Barnums und Baileys über das einzige je in der Gefangenschaft 
geborne Elefantenkalb gehört hat, weiß, was das für ein wichtiges Ereignis 
in der Tiergartenwelt ist. In einem europäischen zoologischen Garten ist mit 
Ausnahme von London bisher noch kein Elefant geboren worden. Der interessante 
Zustand der Elefanteumutter, die der Menagerie schon einige Jahre angehört, 
wurde geheimgehalten; sie befand sich für das Publikum unsichtbar hinter einem 



— 281 — 

i 

Verschlage, obgleich die Geburt erst im August erwartet wurde. Das Kleine 
war kaum ein paar Stunden alt, als es schon herumzugehen begann, und bereits 
nach fünf Stunden stieg es am Podium empor und wieder herunter. Es ist 1 m 
lang und 60. cm hoch, am Körper grau, aber mit zart rosafarbenem Rüssel. 
Aus einiger Entfernung sieht es aus wie ein Riesenmaulwurf. Die Mama faßte 
es sachte mit dem Rüssel und stellte es zwischen ihre Beine, um es zum Saugen 
aufzumuntern, doch hat es bis 10 Uhr noch keine Nahrung angenommen. Die 
übrigen Elefanten begleiteten die von der jungen Mutter während des Geburts- 
aktes ausgestoßenen Schmerzenslaute ihrerseits mit starkem Gebrüll, so daß der 
kleine Elefant gleichsam unter Salutdonner das Licht der Welt erblickte. Das 
Junge ist ein Weibchen. 

(Nach »Neues Wiener Abendblatt« No. 192 v. H. Juli 1906.) 

Bttgr. 



Literatur. 



Smfthsonian Institution (U. S. Nat. Museum): Proceedings of the U. S. 
Nat. Museum Vol. 29. Washington, Gövernm. Print. Office, 1906. 8°. 16, 
840 pag., 143 Fig., 44 Taf. 

Der 29. Band 1 ) dieser wichtigen, stets Neues und Überraschendes bieten- 
den, wesentlich systematisch-zoologischen Zeitschrift bringt von Arbeiten, die 
von allgemeinerem Interesse sein dürften, die folgenden :. 1. J. H. Riley, Über 
eine neue Erdtaube (Columbigallina passerina exigua n. subsp.) von der Insel 
Mona bei Portorico p. 171—172. 2. Ch. W; Gilmore, Das im ü. S. Nat.- 
Museum aufgestellte Skelett des (foss.) Triceratops prorsus Mrsh., eines seltsamen 
gehörnten Dinosauriers aus den Laramie-Schichten der Oberkreide von Wyoming 
p. 433—435 mit 2 prächtigen Tafeln. 3. E. W. Gudger, Über Brutpflege und 
Entwicklung der Eier beim Pfeifenmaulfische [Siphostomä floridae) p. 447—500, 
2 Fig., Taf. 5—11, eine sehr interessante und wichtige, großenteils auf eignen 
Beobachtungen und Versuchen beruhende Abhandlung, auf deren ersten Teil, 
die Übertragung der Eier vom Weibchen in die Bruttasche des Männchens hier 
noch besonders aufmerksam gemacht sei! 4. J. W. Gidley, Über einen (foss.) 
Waschbären (Procyon simus n. sp.) aus plistoeänen Höhlenspalten in Galifornien 
p. 553—554, Taf. 12, besonders aber 5. G. S. Miller's jr. Arbeit über die Affen 
der Macaca nemestrina» Gruppe p. 555—563, Taf. 13—20. Er unterscheidet 
darin fünf Formen, nämlich M. nemestrina (L.) von Sumatra, M. pagensis Mill. 
von der Insel Pagi, Ost-Sumatra, M. broca n. sp. von Borneo, M. adusta n. sp. 
von der Malayischen Halbinsel und M. insularis n. sp. von der Chance -Insel im 
Mergui- Archipel, deren Unterschiede er auf 8 Tafeln an schönen Abbildungen 
von Bälgen und namentlich von Schädeln erläutert. 6. L. Stejneger, Über 
eine neue Eidechse aus der Gattung Phrynosoma (Ph. ditmarsi n. sp.) aus dem 
mexikanischen Staate Sonora p. 565—567 und schließlich 7. die wichtige Ab- 
handlung von A. Handlirsch »Revision der paläozoischen Insekten Amerikas« 
p. 661—820 mit 109 Holzschnitten, die sich zur Aufgabe macht, alle bis jetzt 

l ) Vergl. die Besprechungen der Bände 18-27 im Zool. Garten Jahrg. 1904 p. 357 und 
von Bd. 28 im laufenden Jahrg. 1906 p. 219—220. 



— 282 — 

beschriebenen Eerbtierarten des nord amerikanischen Steinkohlen gebirge 3 kennt- 
lich zu machen und in ein natürliches System zu bringen. Die Resultate dieser 
Arbeit sind auch in dessen neuestem Buche »Die fossilen Insekten und die 
Phylogenie der rezenten' Formen« Leipzig, Verlag von Wilh. Engelmann, 1906, 
Lief. 1, das ich sehr empfehlen kann, enthalten. Bttgr. 



K. Wolfs holz jun., Der Deutsche Spitz in Wort und Bild. Herausg. vom 
Verein für Deutsche Spitze in Elberfeld. Frankfurt a. M., Verlag von Kern 
& Birner, 1906. 8°. 4, 88 pag., 40 Fig. 

Es wird dieses gut ausgestattete, wenn auch wohl großenteils auf Kom- 
pilation beruhende Werkchen doch manchem Liebhaber der genannten Hunde- 
rasse willkommen sein, und deshalb wollen wir es hier gern erwähnen und 
empfehlen. Auch der Züchter wird in ihm manchen Wink über Pflege und in 
Krankheitsfällen erhalten, und selbst der Sportmann und Kenner wird noch 
einiges über die körperlichen und geistigen Kennzeichen reinrassiger Spitz- 
formen zu dem, was er weiß, hinzulernen können. Als wichtigste Formen der 
eigentlichen Spitze dürfen der Wolfsspitz, der Schwarze Spitz, der Weiße Spitz 
und der Zwergspitz gelten. Obgleich eine uralte, ja die älteste Hundefasse, 
wird sie doch erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts als solche in der Literatur 
erwähnt. Am höchsten im Preise stehen die Zwergspitze, und darunter wieder 
die möglichst kleinen und in zweiter Stelle die einfarbigen. Bttgr. 



E. Zollikofer, Über einen interessanten Brutort des Gänsesägers (Mergus 
tnerganser L.) in der Schweiz. — Sep.-Abdr. a. Jahrb. St. Gallen. Nat. Ges. 
1904 (1905). 8°. 20 pag., 2 Taf. 
Das Brutgebiet des Gänsesägers erstreckt sich nach Herrn v. Dombrowski 
und Dr. Parrot erbeblich weiter nach Süden, als dies in den Büchern angegeben 
wird. Zollikofer fügt in der erwähnten Arbeit den Brutgebieten „an einigen 
Seen der französischen Schweiz, ziemlich häufig" und „Bregenz (1812 und 1813 
nach Schinz) u als neuen Fundort noch ein Rüstloch im Turme des Schlosses 
Werdenberg an der Bahnlinie Rorschach-Chur an. Seit 6 Jahren (1897) nistet 
das Paar bereits dort, und 1904 konnte der Verfasser das Nistloch, das 28 m 
über dem Erdboden liegt, mittels eines Spiegels untersuchen. Rätselhaft ist, 
wie die 13 Jungen sämtlich gesund den Erdboden erreichen konnten, ohne die 
Glieder zu brechen; Verfasser vermutet, daß sie einzeln im Schnabel herunter- 
getragen worden sein müssten. Man versuchte die Aufzucht von vier Jungen, 
von denen zwei aufkamen. Ein 1898 in Gossau, Kant. St. Gallen, gefundenes 
Nest, das damals dem M. serrator zugeschrieben worden war, enthielt 12 Junge, 
die dem Verf. ebenfalls zugingen. Bttgr. 



Dr. R. Fr. Scharff, On the former Occurrence of the African Wild Cat in 
Ireland. — Sep.-Abdr. a. Proc. Roy. Irish Acad. Vol. 26, Sect. B, No. 1. 
Dublin, 1906. 8°. 12 pag., Taf. 

In verhältnismäßig junger geologischer Zeit hatte auch Irland seine ver- 
mutlich heute gänzlich ausgestorbene Wildkatze, aber sie war nicht identisch 
mit unserem Kuder (Felis catus) des Festlandes, sondern mit der afrikanischen 
Art (Felis ochreata Gmel. 1791 = maniculata, cdligata, caffra etc. aut.\ die 



— 283 — 

keinen huschigen Schwanz zeigt. Der Verfasser konnte eine Elle aus der 
Balrinamintra-Höhle und zahlreiche Reste aus den Edenvale- und Newhall- 
Höhlen hei Ennis in der Grafschaft Cläre untersuchen, die ihn zu dem Schlüsse 
zwangen, daß nehen den Resten zahmer Katzen alle Wildkatzen aus irischen 
Höhlen der afrikanischen Art angehört haben Er giht nehen Bildern von Unter- 
kiefern der Hauskatze und der Europäischen Wildkatze zwei Abbildungen von 
Unterkiefern und die Abbildung des unteren Reißzahnes der Afrikanischen Wild- 
katze, der konstant wenigstens 8 Vi— 10 mm in der Länge misst. Noch lebend 
findet sich die Art u. a in Andalusien, auf Sardinien, in Abessynien und Kap- 
land, einbalsamiert in Ägypten, fossil allgemein in Irland, weiter in wenigstens 
zwei englischen Höhlen und in den Grotten von Gibraltar. Auch im Pliocän von 
Südwestfrankreich scheint die Art gefunden worden zu sein. Genaue Literatur- 
angaben bilden den Schluß der verdienstvollen Arbeit. Bttgr. 



Prof. Dr. R. Hertwig, Erfordernisse der Vorbildung der Mittelschulen für 
das Studium der Zoologie. — Sep.-Abdr. a. »Beiträge zur Frage des natur- 
wiss. Unterrichtes an den höheren Schulen c herausg. v. M. Verworn. Jena, 
Verlag v. Gust Fischer, 1904 p. 16—30. 8°. 

Derselbe, Zur Frage der Organisation des zoologischen Unterrichts an den 
höheren Schulen. — Sep.-Abdr. a. »Natur und Schule« herausg. v. Lands- 
berg, Schmeil u. Schmid. Leipzig-Berlin, Verlag v. B. G. Teubner, 1904. 
Bd. 3, p. 481—492. 8°. 

Die Hauptforderung und die erste Vorbedingung, die man an die Mathematik 
und Naturwissenschaften studierenden Abiturienten zu stellen hat, ist, daß sie 
auf der Schule gelernt haben, ihre Sinne methodisch zu gebrauchen und daß sie 
die Fähigkeit, Beobachtungen zu machen, mitbringen, und nicht nur die Fähig- 
keit, sondern auch die Freude an der Beobachtung. Um dieses Resultat aber 
zu erreichen, ist eine Weiterführung des naturwissenschaftlichen Unterrichtes 
auch in die oberen Klassen der höheren Schulen notwendig. In Unterrichtskreisen 
herrscht zwar die Besorgnis, daß die ohnehin schon aufs äußerste angestrengte 
Aufnahmefähigkeit der Schüler eine weitere Belastung mit Lehrstoff nicht ver- 
tragen würde. Dies läßt sich aber vermeiden, wenn der biologische Unterrichts- 
stoff keine hohen Anforderungen an das Gedächtnis der Schüler stellt; er soll 
eben nicht einen Ballast von Einzelheiten geben, sondern den geistigen Horizont 
erweitern, indem er einen Einblick gewährt in ein reiches, jeden Menschen sehr 
nahe berührendes Forschungsgebiet, von dem die meisten Gebildeten nur gelegent- 
lich aus Tagesblättern oder im besten Falle aus populären Zeitschriften unvoll- 
kommene Kunde erhalten, wenn es ihnen nicht ganz verschlossen bleibt. Wenn 
man trotzdem Überbürdung des Gedächtnisses der Schüler fürchtet, so soll man 
die beschneidende Schere da in Tätigkeit setzen, wo an .das Gedächtnis über- 
triebene Ansprüche gemacht werden. Das ist in den humanistischen Gymnasien 
beim Studium der alten Sprachen. Wir sind mit dem Verfasser der Ansicht, 
daß eine Einschränkung namentlich auf dem grammatikalischen Gebiete und die 
energische Betonung des ästhetischen Bildungsstoffes nicht zum wenigsten auch 
dem Unterricht in den alten Sprachen zugute kommen würde. Um dieses Ziel 
zu erreichen, setzt der Verfasser in der zweiten der genannten Schriften aus- 
einander, wie er sich den naturwissenschaftlichen Unterricht an den höheren 



— 284 — 

Schalen durchgeführt denkt. Er scheidet ihn in einen systematisch-biologischen 
Unterricht in den unteren Klassen und in einen morphologisch- physiologischen 
in den Oberklassen. Während der erstgenannte vorbereitende Unterricht die 
Aufgabe hat, die Beobachtungsfähigkeit zu entwickeln, die der Jugend besonders 
eigentümliche Lust zum Sammeln in richtige Bahnen zu lenken und Liebe zur 
Natur einzupflanzen, müßte die spätere vergleichend- anatomische und physio- 
logische Betrachtungsweise der tierischen und menschlichen Organisation in einem 
Bcharfen Gegensatze zu der früheren biologisch-systematischen Besprechung der 
einheimischen Tierwelt stehen. Bei ihr gilt es in knapper Form von den Grund- 
vorstellungen, die wir im Laufe des letzten Jahrhunderts vom Wesen der lebenden 
Organismen gewonnen haben, ein möglichst ausführliches Bild zu entwerfen. 
Das ist aber nur durch eine streng methodische Anordnung des Unterrichtsstoffes 
zu erreichen, wobei von allen Einzelheiten, soweit sie nicht zur Entwicklung 
anschaulicher Vorstellungen notwendig sind, Abstand genommen und alles Inte- 
resse auf die Entwicklung klarer Begriffe konzentriert werden muß. Wie der 
Verfasser sich das denkt, führt er im einzelnen aus. für die vier bis fünf unteren 
Klassen glaubt er mit den bisher schon bewilligten zwei Wochenstunden aus- 
kommen zu können, für die vier bis fünf Oberklassen aber verlangt er gleichfalls 
zwei Wochenstunden für diesen Unterricht. Für Obersekunda. stellt er als Unter- 
richtsstoff das Prinzip der Vervollkommnung durch Arbeitsteilung auf, das zunächst 
für das Pflanzenreich durchzuführen wäre, während er für Unter* und Oberprima 
die Lehre von der Organisation der vielzelligen Tiere und des Menschen fordert, 
wobei das letzte Schuljahr ganz der Anthropologie und der Gesundheitslehre 
reserviert bliebe. Im übrigen müssen wir dem Verfasser auch darin beistimmen, 
daß einen solchen Unterricht beherrschende Lehrer nur dann ganz von selbst 
herauswachsen, wenn sie volle Beschäftigung in ihrem Lehrberufe — seien sie 
nun von Haus aus Zoologen, Botaniker oder Geologen — bis in die oberste 
Klasse erhalten. Nur eines vermissen wir in den beiden hier kurz referierten 
wichtigen Arbeiten des hervorragenden Zoologen, nämlich daß die Geologie 
ebensoviel Berechtigung hat bei der künftigen Neuordnung des natur Wissenschaft' 
liehen Unterrichts eine hervorragende Rolle zu spielen wie die Zoologie und die 
Botanik, und daß unbedingt gefordert werden muß, daß a*uch ihr — als einer 
zugleich eminent wichtigen praktischen Wissenschaft — ein Baum in diesem 
Zukunfts-Lehrplane gegönnt werde. Mit der Konzession von zwei Wochenstunden 
für den naturwissenschaftlichen Unterricht in allen Klassen wird sich aber 
auch diese Forderung befriedigen lassen. Bttgr. 



Prof. Dr. 0. W. T hörne*, Lehrbuch der Zoologie für Gymnasien und Real- 
gymnasien. 7. Aufl. Braunschweig, Verlag v. Fr. Vieweg & Sohn, 1906. 8°. 
16, 471 pag., 463 Fig., 18 färb. Taf. — Preis geh. M. 4.-, geb. M. 4.80. 
Ähnlich wie des Verfassers vortreffliches Lehrbuch der Botanik, das in den 
ersten Auflagen seiner Zeit (um 1875) unbestritten das beste Schulbuch in Deutsch- 
land gewesen ist, hat nun auch seine »Zoologie« die siebente Auflage erreicht 
Die alten Vorzüge des Buches, die Aufnahme einer ausführlichen Naturgeschichte 
des Menschen (auf 103 Seiten) am Anfange der Tierreihe und die Belehrungen 
über Gesundheitslebre und -Pflege sind bestehen geblieben, aber den Fortschritten 
der Hygiene gemäß verbessert und vermehrt worden. Wie schon früher sieht 
das Werk bezüglich der Tierwelt seine Hauptaufgaben in der Kennzeichnung 






— 285 — 

der Tierstämme lind -Klassen, sowie in dem Hinweis auf ihren Nutzen und 
Schaden, läßt aber auch den Ausblick auf deren Leben nicht außer acht. Hierin 
wurde es nur verändert, um den Resultaten der neuesten Forschungen Rechnung 
zu tragen und die systematische Behandlung zu vereinfachen; so wurden z. B. 
die beiden Stämme der Manteltiere und Molluskoiden nach R. Hertwigs Vor- 
gang eingezogen und die dahin gehörigen Formen den Würmern angereiht. Als 
Übersicht über die Systematik soll das Inhaltsverzeichnis dienen. Auch die 
geographische Verbreitung der Tiere erfährt ausgiebige Beachtung; dieser Ab- 
schnitt dürfte, so wie er ist, eine gute Grundlage für eine zusammenfassende 
Wiederholung der Wirbeltiere abgeben. Unterstützt wird der flott geschriebene 
und sehr sorgfältig von sachlichen und Druckfehlern gereinigte Text durch eine 
sehr große Anzahl von in großem Maßstabe gehaltenen, klaren und schönen 
Abbildungen. Über sie etwas Weiteres zu sagen, ist überflüssig. Namentlich 
die neuen, nach Photographien von Anschütz und L. Bab gefertigten, die 
Lebenstätigkeiten oder Beziehungen der Tiere zu ihrer Umgebung zum Ausdruck 
bringenden Bilder sind in hohem Grad instruktiv. Den Holzschnitten und z. T. 
meisterhaften Autotypien reihen hier sich zum erstenmal farbige Tafeln an; 
von ihnen dürften die von Heroux eigens für das Buch entworfenen, den 
Menschen betreffenden Darstellungen — so die Tafeln Muskelmenscb, Durch- 
schnitt des Kopfes, Hautdurchschnitt, Eingeweide (2 Darstellungen) und Lungen- 
gewebe — , die prächtige Tafel mit Vogel eiern und die bekannten unübertreff- 
lichen Mimikrybilder von W. Oels (Abendpfauenauge, Rotes Ordensband, Wolfs- 
milchschwärmer mit Raupe und Nachahmung stechender durch nicht stechende 
Insekten) zu dem schönsten und besten gehören, was wir in der Schulliteratur 
überhaupt an schönen und guten Darstellungen besitzen. Alles in allem gehört 
das Buch zu den besten, die wir haben ; der einzige Mangel, daß die Schilderung 
der Lebensweise gegenüber andern Büchern mehr zurücktritt, kann natürlich 
leicht und zweckmäßig durch den Lehrer ersetzt werden, der neben dem guten 
Leitfaden doch immer die Hauptsache bleibt. Von Ausstellungen, die wir sonst 
noch zu machen haben, sei nur noch erwähnt, daß die bei den Kriechtieren 
angenommene Nomenklatur als veraltet bezeichnet werden muß; von Brehm ist 
leider nicht die neueste Auflage berücksichtigt. - Bttgr. 



R. Märten son, Übersicht über das jagd- und nutzbare Haarwild Rußlands. 

Komm.-Verlag v. J.Deubner, Riga, 1905. 8°. 12, 151 pag. — Preis 1 Rub. 

65 Kop. 

Dieses Buch ist, keine Naturgeschichte im gewöhnlichen Sinne, sondern 
es will Jägern und Naturfreunden einen systematisch geordneten Überblick über 
die zahlreichen nutzbaren Säugetiere Gesamtrußlands geben. In diesem großen 
Reiche werden jährlich etwa 50—60 Millionen Stück Haarwild, darunter aller- 
dings auch etwa 13 Millionen Eichhörnchen, erbeutet. Die Art und Weise, wie 
ein Teil dieser Wild masse erlegt wird, kann allerdings dem westeuropäischen, 
insbesondere dem deutschen Weid manne Grauen erregen. Der Leser findet An- 
deutungen darüber bei dem Elch, den sibirischen Hirschen und der Saigaantilope. 
Sibirien und selbst viele Gebiete des europäischen Rußlands stehen bis jetzt 
außerhalb eines Jagdgesetzes, und anderswo herrscht, bis auf einzelne kleinere 
Reichsteile, noch immer der „Promyschlennik*, in den meisten Fällen ein Mittel- 
ding von gewerbsmäßigem Jäger und Wildschinder, der kein Jagdgesetz und keine 



- 286 — 

Schonung dem Wilde gegenüber kennt und anerkennt. - Abgesehen von Angaben 
— fremden und eigenen — über die Verbreitung der jagdbaren Säugetiere in 
Rußland, die wichtigsten äußeren Kennzeichen und die Lebensweise, bringt der 
Verfasser solche über Fang-. und Jagdmethoden und über die ökonomische Be- 
deutung des Wildes; aber nur wenige in jagdlicher Beziehung weniger wichtige 
Tiere sind eingehender behandelt worden. Von den etwa 144 Arten und Varie- 
täten verteilen sich 23 auf die Ostseeprovinzen, 48 auf Eaukasien und etwa 40 
auf das Amur- und Ussurigebiet. Wie arg die Aasjägerei und Wildschinderei 
in Bußland getrieben wird, läßt sich z. B. (p. 53) am Sibirischen Reh (Capreolus 
pygargus Pall.) gut verfolgen. „Dies Tier hält sich vorzugsweise im jungen Laub- 
wald und im Mischwald auf. Im Herbste sammelt es sich mitunter zu größeren 
Herden von hundert und mehr Stück und unternimmt, wohl auf der Suche nach 
besseren Äsungsplätzen oder durch stärkere Schneefälle vertrieben, Wanderungen. 
Solche hat man u. a. im Gouvernement Perm beobachtet, wo die Rehe im Herbst 
von der Ostseite des Urals in südwestlicher Richtung auf die Westseite ziehen 
und im Frühjahr wieder zurückwandern. Ferner ziehen sie am Mittellauf des 
Amurs auf beiden JJfern, dem russischen und dem chinesischen, nach Westen zu, 
sobald im Herbste sich die Zuflüsse dieses Stromes mit Eis bedeckt haben. Im Winter 
1888 wurde ein ungewöhnlich starker Zug aus den nördlichen Bergen des Amur- 
gebietes in westlicher und südwestlicher Richtung bemerkt, und damals sollen 
die Eingeborenen jener Gegend etwa 150000 Rehe erbeutet haben. Auf diesen 
Zügen bewegen sich die Tiere langsam vorwärts, und meist nur in der Nacht 
oder am Morgen. Von den Einwohnern Sibiriens wird das Rehwild auf ähnlich 
barbarische Weise erlegt und gefangen wie der Maral und Isubr, und zwar ohne 
Rücksicht auf Jahreszeit, Geschlecht und Alter. Im Altai lauert man ihm an 
künstlich hergerichteten Salzlecken auf, lockt in Transbaikalien und anderswo 
die Ricken durch den Fiepton der Kitze, den man auf einem Birkenblatt nach- 
ahmt, vor das Schießgewehr und fängt die Rehe in Gruben, mit Schlingen und 
mit Eisen. Besonders beliebt ist die Verfolgung der Tiere bei tiefem Krusten* 
schnee auf Schneeschuhen mit oder ohne Beihilfe von Hunden, wo dann die er- 
matteten Geschöpfe, zunächst natürlich Kälber und beschlagene Ricken, einfach 
abgestochen oder gekeult werden. So erschlugen die Bewohner des Dorfes Bala- 
ganka im Gouvernement Irkutsk im Verlaufe von wenigen Tagen 1000 Stück und 
im gleichen Gouvernement die Bewohner der Ansiedelungen Golumatj und Iretj 
im März und April 1897 über 1500 Stück, die der Dörfer Artuts, Gro3mut und 
Krasnobrod etwa 1000 und die des Dorfes Ossinskoje gegen 2000 Stück. Die 
Gesamtzahl der in Rußland jährlich erlegten Rehe (Capreolus capreolus und 
pygargus zusammen) kann auf Über 200000 Stück eingeschätzt werden.* Wir 
können das Buch als fleißige und gewissenhafte Arbeit empfehlen. Bttgr. 



I m Lande des Braunen Bären. Jagd- und Reisebilder aus Rußland von 
Oberländer. Mit 137 Abbildungen. Verlag von J. Neumann, Neudamm 
1905. 8°., 382 S.. Preis M. 16 (geb.). 
Oberländer ist anerkannter Jagdschriftsteller. Er macht in dem vor- 
liegenden Buch nicht den Anspruch auf Unfehlbarkeit, was sich aus folgenden 
Worten der Vorrede ergibt: »In einzelnen Fällen habe ich sogar in der ersten 
Abteilung des Buches die auf der ersten Reise gewonnenen Eindrücke wieder- 
gegeben, ohne Rücksicht darauf, daß mein Urteil durch die auf der zweiten 



— 287 — 

Reise gemachten Erfahrungen in mancher Hinsicht umgestaltet worden ist.« 
Hierdurch unterscheiden sich Oberländers Bücher von anderen Schriften, die 
auf Richtigkeit direkt Anspruch machen und doch etwa, wie z. B. ein Werkchen 
eines Berliner Ornithologen (ich greife beliebig heraus, könnte hier auch eine 
Reihe anderer weiterer Opuscula nennen, ganz zu schweigen von der krassen 
Ignoranz von »Jagdschriftstellern« über die Lebensweise der Turteltaube) 
Falschmeldungen bringen wie die Notiz : der (bekanntlich .doch so weichliche 
und hinfällige) Karmingimpel sei ein Wintergast, oder daß die Turteltaube bei 
Beunruhigung immer wieder zu ihrem Nest zurückkehret — Oberländer (dessen 
eigentlicher Name, eine Wortzusammensetzung mit »Reh«, schon an seinen 
jagdschriftstellerischen Beruf erinnern zu wollen scheint) berichtet über seine 
zoologischen, soziologischen und jagdlichen Erfahrungen auf zwei Reisen durch 
Rußland. In Halbasien kann man ja so manches sehen und hören , was z. T. 
ganz unglaublich ist. Viele schöne Bären-, Elch- und Luchsbilder erläutern 

den Text.' — Das Buch ist leicht zu leöen auch ein Vorteil 1 Nicht nur 

die große Masse des Volkes, sondern auch die größte Zahl der vielen Grünröcke 
im deutschen Vaterland vom Forstwart bis zum Forstmeister will leichtflüssige 
geistige Ware, die sich nach dem Mittagessen oder zum Jagdfrühstück verdauen 
läßt. In Erholungsstunden hat das Buch auch mir rechte Freude gemacht. Ich 
würde es am ehesten auf denselben Tisch neben die reizenden Novellen Guy 
de Maupassants wie L'inutile Beaute* oder Pierre et Jean legen. 

Wilhelm Schuster. 



Nekrolog. 



Viktor Fatio f. 



Unter den vielen Ornithologen, die der Tod in den letzten Monaten 
weggerafft hat (Karl Müller, Cabanis, Rob weder, Goering, Buxbaum, 
Leverkühn, Oustalet, Fritsch), ist auch Dr. Viktor Fatio, Univ.-Prof. in 
Genf. Die Schweizer nennen ihn ihren »Schweizerischen Naumann«. 
Fatio ist geboren am 28. Nov. 1838 und f in seiner Vaterstadt Genf am 
19. März 1906. Er studierte bei Dubois-Reymond in Berlin (eine Typhus- 
krankheit raubte ihm kurz darauf vorübergehend das Gedächtnis) und 
H. Milne-Edwards in Paiis. Er schrieb: »La Faune des Vertebrds de la 
Suisse« und den »Katalog der schweizerischen Vögel und ihre Verbreitungs- 
gebiete«. Zu der im »Zool. Gart.« in den Jahren 1904, 1905 und 1906 
erschienenen ornithologischen Folge »Ab- und Zunahme der Vögel« trug 
er französisch-schweizerische Notizen bei. Er redigierte lange Zeit die 
»Diana«. Der »Ornith. Beob.« 1906 No. 3 bringt ein sehr hübsches Bild 
dieses verdienstvollen Mannes. Ehret das Andenken der Toten! 

W. Schuster 



— 288 — 

Eingegangene Beiträge. 

Dr. med. J. O. In M., H. L. in H. und V. Bitter v. T. z. Seh. in H. (Salzkammergnt) 
je eine Arbeit, W. Seh. in 6. bei M. eine Arbeit, 2 Mitteilungen und einen Nekrolog mit 
bestem Dank erhalten. — O. J. L. in G. (Bukowina), Ihre beiden Aufsätze finden Sie unter 
„Bücher u. Zeitschriften" rerzeichnet. — P. W. in M. Eine Arbeit und 2 Mitteilungen an- 

Senommen. Meine Karte werden 8ie erhalten haben. — Dir. Dr. G. B. in H. Beaten Dank 
ir die beiden Hefte; wegen der fehlenden Nummern haben Sie wohl Sehritte getan? 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion K. 

Beok-Corrodi in Hirzel. Zürich, Ulrich & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 28 31. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. £. Korscheit* Marburg. 

Leipzig, Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg.. 1906. No. 13—15. 
Oruitnoiogische Monatssohrift d. Deutsch. Vor. z. Schutze d. Vogelwelt. 

Redigiert von Dr. Carl R. Hennicke in Gera. 31. Jahrg. 1906. No. 8. 
Field. The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horace Üox in London. 

Vol. 108, 1906, No. 2794-2797. 
Prof. Dr. G. Jägers Monajtsblatt Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Kohlhammer. 25. Jahrg. 1906. No. 8. 
Der Weidmann. Blätter für Jäger und Jagdfreuiide. Herausg. v. Dr. L. Staby. Berlin- 
Schöneberg. 1906. Bd. 87. No. 40-44. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. r. R. 

PrÖsler. Prankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 41—44. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. ▼. W. Köhler. Verlag d. 

Creutzsehen Buchh., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 28—31. 
The American Journal of Science. Herausg. v. E. 8. Dana. New Haven, Colin. 

4. 8er. Bd. ii % 1900. No. 127. 
Natur und Haus, lllustr. Zeitsohr.. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. M. B rän. Ver- 
lag t. H. Schnitze, Dresden-Strehlen, 190«. Jahrg. 14, Heft 20—21. 
Zwinger und Feld, lllustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. ▼. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag ▼. O. Sautter. 

1906. Jahrg. 15. No. 28-31. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. ?. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 85, 1906. No. 28—31. 
Zoological Society of London. Sitz. -Berichte 1906. No. 30— 34. 
Mitteilungen überdio Vogelwelt. Organ des österr. Reiohsbundes f. Vogelkunde n. 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. E. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. 

No. 14-15. 
Ornithologie ches Jahrbuch. Organ für das paläarktische Faunengeb iet. Herausg. 

v. V. Ritter y. Tschusi z,u Schmidhoffeu. Uallein, Selbstverlag, 1906. 17. Jahrg. 

Heft 3-4. 
Deutscher Tierfreund. lllustr. Monatsschrift 1 Tierschutz, Tierkunde, Tierzucht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner. 1906. Jahrg. 10, Heft 8. 
Tierschutz-Korrespondenz. Herausg. v. Berliner Tierschutz - Verein. Berlin 1906. 

No. 17. Gr. 8°. 8 pag. 
Wochenschrift f. Aqu.- u. Terr.-Kunde. Herausg. v. Dr. W. Wolterstorff. 

Braunschweig, Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. 3. Jahrg., No. 30-32. 
Kosmos. Handweiser r. Naturfreunde. Herausg. v. Kosmos, Gesellsoh. d. Naturfr., Stutt- 
gart, Franckh'seher Verlag, 1906 Bd. 3, No. 7. 
Natur und Schule. Zeitsohr. f. d. ges. naturkundL Unterricht aller Schulen. Herausg. 

▼. B. Landsberg, O. Schmeil u. B. Sehmid. Berlin u. Leipzig, Verlag v. B. G. 

Teubner, 1906. Bd. 6, Heft 8. 
Mitteilungen aus dem Zoolog. Garten zu Halle a. S. Herausg. ▼. Dir. Dr. G. 

Brandes. Halle, Verlag v. Paalzow & Co., 1906. 4°. Jahrg. 2, Heft 5—6. Preis ä Heft 

M. 0.10. 
Dr. Th. Zell, Die erste Erlegung eines Gorilla im Altertum. — Sep.-Abdr. a. „Wild u. 

Hund". III. Jagdzeitung, Berlin, Verlag v. P. Parey, 1906. 12. Jahrg., No. 27-29. 

10 pag., 6 Fig. 
Globus. 111. Zeitschrift f. Länder- u. Völkerkunde. Herausg. v. H. Singer. Braunsohweig 

Verlag v. Fr. Vieweg & Sohn, 1906. Bd. »0, No. 1. 
W. Köhler, Das Photographieren lebender Wassertiere im Aquarium. — Sep.-Abdr. a. 

Blätter f. Aqu. u. Terr.-Kunde. 1906. No. 23—25. 10 pag., 3 Fig., 5 Taf. 
Revista da Sooiedade Scientifica de Sao Paulo (Brazil) No. 3-4. S. Paulo, Typ. 

N. Faleone & Co., 1906. 8°. p. 129 - 226, 6 Taf. 
Sammlung Göschen No. 282. Prof. Dr. K. Lampert, Das Tierreich: I. Säugetiere. 

Leipzig, Verlag v. G. J. Göschen, 1906. 8°. 184 pag., 17 Fig. - Preis geb. M. 0.80. 
H. H. Rothe , „8eele und Sinne des Tieres 14 contra Dr. Th. Zell. Dresden, Verlag v. H. 

Schultze, 1906. 8°. 92 pag. - Preis M. 1.— 



Zusendungen werden direkt an die Verlagshandlung erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck yon Reinhold Mahlau, Fa. Mahlau ft Waldschmidt. Frankfurt a» M. 






Zoologischer Beobachter 

— so- Der Zoologische Garten. -« — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands, 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Wajdschmidt. 

N°- 10. XLVII. Jahrgang. Oktober 1906. 

' " "" ' ... - — . i . „ _ , ,_fc,_ — .. . .,., ,.■■■■ ... . , ■ ■ . ■ — -. — . . — — - .. , ■ ■ i - ■ ... - - ■ — -■ ■■■ : 

1 pi li a I I. 

Zur Gehörnentwicklung des Rehbooks im besonderen und der Cerviden im allgemeinen, 
von Oberförster H. Behlen in Haiger bei Dillenburg. (Schluß.) — Beiträge zur Geschichte 
der Vogelkunde. Sine Studie — neu durchgesehen und erweitert — zur Würdigung der 
älteren hessischen Ornithologie; von Wilhelm Schuster. — Noohmals die heißumstrittene 
Turteltaube (Columba turtur L.) ; von stud. PaulWeffler in Münster i. W. — Ornithologisohe 
Kollektaneen aus -Öesterreich-Ungarn und dem Okkupatious-Gemete. (Aus Jagdzeitungen 
und Tagesblättern); von Viktor Bitter v. Tsohusi zu Schraidh offen. - l>er Sieben- 
schläfer JMyoxus glis) im Königreich Sachsen; von Rud. Zimmermann in Rochlitz i. 8. — 
Kleinere Mitteilungen. - Literatur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften 



Zur Gehörnentwicklung des Reh bock s Im besonderen und der 

Cerviden Im allgemeinen. 

Von Oberförster H. Behlen in Haiger bei Dillenburg. 

(Schluß.) 



Nitsche nimmt noch 1898 in Übereinstimmung mit den bereits 
früher von ihm nnd von Ne hri n g z. B. im Forstwiss. Zentralblatt, 
Berlin, 11. Jahrg. 1889. 4. Heft S. 234/35 vorgetragenen Ansichten — 
Ansichten, die bisher kaum mehr beanstandet in die gesamte Literatur 
übergegangen sind und denen auch Kör ig 1901 S. 80 sich noch 
anschließt — an, daß das Primitivgehörn des Rehbocks regelmäßig 
im Herbst des ersten Lebensjahres abgeworfen würde.. »Noch heute 
sind«, sagt Nitsche S. 60/61, »in wissenschaftlichen und weidmänn- 
ischen Schriften die Angaben über den Zeitpunkt, in dem gerade 
der junge Rehbock sein Erstlingsgeweih abwirft, nicht immer korrekt* 
Noch manchmal kann man die Anschauung wiedergegeben finden, 
daß das Erstlingsgeweih des Bockes erst in dem Herbst des auf das 
Geburtsjahr folgenden Jahres, also ungefähr im 15. [17., 18., 19. B.] 
Lebensmonate abgeworfen würde, während doch bereits seit längerer 
Zeit feststeht, daß normaler Weise die meist äußerst kleinen, rosen- 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVII. 1906. 19 



— 290 — 

losen Erstlingsspieße bereits am Anfange des zweiten Kalenderjahres, 
also ungefähr im zehnten Lebensmonate abgeworfen werden, während 
die früher als Erstliugsgeweih betrachteten, mit einer deutlichen 
Rose versehenen, erst am Ende des zweiten (Kalender-) Jahres abge- 
worfenen, stärkeren Spieße eben bereits Bildungen vom zweiten Kopfe 
sind. Es konnte daher früher leicht das kleine Januar- oder Februar- 
Geweih eines zehn Monate alten Böckchens für eine in der Ent- 
stehung begriffene Bildung angesehen werden, während es in Wahr- 
heit bereits reif war und kurz vor dem Abfallen stand.« 

Ganz unrichtig ist zunächst, daß alle Gehörne, die mit I//4 
( — l 1 /») Jahren abgeworfen werden, immer eine Rose hätten und 
daher stets zweite Aufsätze seien. Ich bin in der Lage nachzu- 
weisen, daß auch ein zweiter Aufsatz keine oder nur undeutliche 
Rose zeigen kann , ebenso wie ein Primitivgehörn eine Quasirose 
haben kann. 

Auch nach Nehring entwickelt sich dasr Primitivgehörn im 
ersten Lebensherbst und wird im ersten Lebens winter bereits abge- 
worfen; Nehring (a. a. 0. S. 234/35) ist es auch, Jer — nach 
Nitsche fälschlich — annimmt, daß die Primitivgehörne auch wohl, 
wenn auch selten und nur bei zurückgebliebenen und ver- 
kümmerten Stücken * erst im Herbst des auf das Geburtsjahr 
folgenden Jahres abgeworfen würden. Die gleiche Anschauung, daß 
das Primitivgehörn ausnahmsweise ein volles Jahr bewahrt 
und vom Herbst des ersUm bis zum Herbst des zweiten Lebensjahres 
getragen würde, vertritt auch Dr. Schlachter im »Zoologischen 
Garten« 24. Jahrg. 1883, No. 6, S. 176/77 und das vom Allgem. 
Deutschen Jagdschutzverein herausgegebene kleine »Deutsche Jagd- 
buch«, 3* Abdr., Berlin bei Parey, 1882, S. 12, Anmerk. 2. Alle 
diese Anschauungen gründen sich, wenn überhaupt, auf ein unzu- 
längliches Beobachtungsmaterial und sind in dieser Allgemeinheit 
durchaus irrig, wie ich in meinen erwähnten Abhandlungen nach- 
gewiesen habe. 

Der Erstlingsaufsatz und -Abwurf beim Rehbock ist an keinerlei 
Periode gebunden; er ist individuell zeitlich ebenso stark variabel 
wie morphologisch. In einer und derselben Gegend tritt das Primitiv- 
gehörn auf schon im Herbst des ersten Lebensjahres (Nitsche-Nehring- 
Rörigs Normalfall), es tritt aber auch auf im Winter und Frühjahr 
dieses Jahres, aber auch im Sommer und selbst Herbst, Winter und 
Frühjahr des zweiten Lebensjahres. Hier bei uns um Haiger setzt 
bei weitem die Masse der Böckchen erst im Frühjahr des 



— 291 — 

zweiten Kalenderjahres ihre Knöpfe oder Spießchen auf. Und nicht 
allein hier ist es so, sondern die gleichen Verhältnisse kehren auch 
anderswo wieder, wie das von Schlachter beschriebene Material des 
Stuttgarter Naturalienkabinetts und das auch von mir beschriebene 
und abgebildete Material der Eberswalder Akademischen Sammlung 
beweist. Die Wildmarkenkontrolle (s. meine Notiz in dem Monats- 
hefte d. A. D. Jagdschutz- Vereins 11. Jahrg. 1906 No. 5) hat diese 
Erfahrungen bisher vollkommen bestätigt. Die zahlreichen Be- 
obachtungen von massenhaften Beständen von Knopfböcken 
im Sommer lassen für viele weitere, wenn nicht für alle Gegenden 
von Deutschland den nämlichen Schluß zu. Alle diese Knopfböcke 
sind junge einjährige (in Ausnahmefällen zweijährige) Böcke. Hierbei 
kann es sich unmöglich nur um singulare Fälle von zurückgebliebenen 
Böcken handeln (Brandt, Wild u. Hund 1902. 19 u. 20 und Ge- 
hörnbuch). Anderseits rechtfertigt auch nichts die von K. Brandt 
(Wild u. Hund 1906 No. 3) allerdings nur einstweilig aufgestellte 
Hypothese, diese Böcke seien alte und daher abnorme Böcke. Diese 
Hypothese der Rehbocksmönche steht in der Luft. Nie ist meines 
Wissens ein alter, knopftragender Rehbock gesehen und beschrieben 
worden. Die Abschußtheorie Brandts, die gerade die Knopf bocke 
— sei es als Kümmerer oder als Mönche — treffen soll, würde sich 
also in der Hauptsache gegen einen vollen und zwar vielerorts 
normalen Jahrgang einjähriger Böcke richten und kann, in die Jäger- 
praxis übertragen, nur großen Schaden anrichten. Daß es daneben 
die von Nitsche und N eh ring irrigerweise stets für normal an- 
genommene Frühentwicklung mit Knöpfen schon im ersten Lebens- 
herbste gibt, ist richtig und schon vor 31 Jahren von Joseph 
(Monatsschrift für Forst- und Jagdwesen 1875, 19. Jahrg., S. 304/13) 
bewiesen worden. Aber das sind nach meinen Beobachtungen eher 
nur Ausnahmefälle, keine allgemeine Regel. Daß die noch im 
November und Dezember des zweiten Lebensjahres gefundenen ge- 
fegten Primitivgehörne, wie Dr. Schlachter, Nehring und das 
»Deutsche Jagdbuch« wollen, ein ganzes Jahr (vom Herbst des ersten 
Lebensjahres an) persistiert haben sollen, ist eine durch nichts be- 
wiesene und durch das fortwährende neue Auftauchen von jungen 
Primitivgebilden vom Herbst des ersten Lebensjahres an und 
durch das ganze zweite Lebensjahr widerlegte Ansicht. Die spät 
beobachteten Primitivgehörne sind auch später aufgesetzt. Es ist 
freilich anzunehmen, daß früher Aufsatz vorzugsweise bei starken 
Böcken, später Aufsatz bei schwachen eintritt; aber wir wollen uns 



— f 2Ö2 — 

davor hüten, in dieser Hinsicht zu verallgemeinern, bevor exakte 
Messungen, wie ich sie angebahnt habe, in genügender Zahl vor- 
liegen. In meiner Sammlang gibt es neben starken Schädeln mit 
Frühaufsatz auch solche mit Mittel- und Spätaufsatz und neben 
seh wachen Schädeln mit Spätaufsatz auch solche wenigstens mit 
Mittelaufsatz. 

Ebenso wie der erste Aufsatz individuell nach und nach erfolgt, 
ebenso erfolgt auch der erste Abwurf nach einer variabeln Zeit des 
Getragen werdens individuell verschieden. Es liegen in der Literatur 
hierüber erst wenige und keine systematischen Berfchte vor, aber 
meine Sammlang, sowie die Siraonsche und Eberswalder Kollektion 
geben auch hierüber wichtige Fingerzeige. 

Ich erblicke in all diesen Unregelmäßigkeiten, die das Programm 
völlig durchbrechen, eine "Bestätigung der Ansicht von der Nach- 
wirkung der Phylogenese in der Ontogenese. Daß nun lediglich die 
Böcke, die einen zweiten echten (ersten) Rosenaufsatz tragen, be- 
schlagfähig seien, wird man nicht leicht behaupten wollen; zndera 
ist es bekannt, daß auch Böcke nur mit Knöpfen — d. b. nach 
meinen Feststellungen junge Böcke — getrieben und den Beschlag 
wirklich ausgeübt haben. Diese konnten nach dem Vorgetragenen 
einjährig und ausnahmsweise auch zweijährig sein. Brunft und Auf- 
satz sind also selbst heute noch nicht völlig in eine Periode gebracht. 

Daß aber auch erster Abwurf und zweiter Aufsatz uranfanglich 
irrational waren, folgere ich aus gewissen Unregelmäßigkeiten beim 
Abwurf und Wiederaufsatz. Daß schon vor dem Abwurf neues 
Leben in die Rosenstöcke kommt, haben wir oben gesehen. Aber 
wir haben auch einige sehr interessante Belege dafür, daß der Wieder- 
aufsatz nicht auf den Abwurf wartet, besonders beim Erstlingsgehörn. 
Hierher rechne ich die Erscheinungen von ei n gewachsen en oder 
umwachsenen Primitivgehörnen beim Rehbock oder die 
besonders bei dem nicht abgeworfenen oder erst verspätet abgeworfenen 
Primitivgehörn so häufigen Erscheinungen der »Doppelrosen« und 
»Doppelgeweihe« (»Doppelstangen«, »Doppelköpfe«). Brandt be- 
schreibt S. 13 nach der Zeitschrift St. Hubertus einen derartigen 
Vorgang von überwachsenen Knöpfen und bildet sie ab. Danach 
bestand das vorjährige Gehörn nur aus geringen, gefegten Knöpfen, 
die nicht abgeworfen wurden, sondern von einer wunderbaren, lappigen, 
blumenkronenartigen Neubildung umgeben und hoch überragt wurden. 
Es ist nicht augegeben, wie alt der Bock war, aber wir werden nach 
allem gut tüty, - die Knöpfe als Erstlingsgehörn zu deuten. 



— 293 — 

Desgleichen beschreibt Ernst in der »Deutschen Jägerzeitung« 
47. Bd., 1906, 12, S. 185/86 einen hierher gehörigen Fall, wo ein 
zahmes Kitzböckchen im Oktober seines Geburtsjahres 
Knöpfchen aufsetzte, die im November vollständig gefegt warten. 
Am 15. Dezember warf es das linke Knöpfchen ab, das rechte 
dagegen warf es nicht ab. Das neue Gehörn nun wallte sich beim 
Schieben und teilte sich vom Rosenstock aus rechts in zwei Stangen, 
in deren Mitte man noch v das nicht abgeworfene Knöpfchen sitzen 
sah. Links entwickelte sich eine geringe Gabel. Der Bock wurde 
bald darauf geschossen. *) 

Hierher gehört auch ein Teil der von Brandt als Doppelrose 
S. 10 f. beschriebenen Fälle, wobei, was für unsere Beobachtungs- 
weise sehr wichtig ist, Brandt nicht versäumt hervorzuheben, daß 
die meisten Fälle im noch jugendlichen Alter des Individuums, 
also hauptsächlich beim Spießer [Primitivspießchen nach meiner An- 
schauung] vorkämen, wobei die eine oder beide Stangen nicht abge- 
worfen wurden. Desgleichen gehört hierher ein Teil der von Rörig 
1901 S. 239 rekapitulierten Fälle von Doppel- und selbst Triplura- 
bildungen, und auch Rörig betont S. 240: »In der überwiegenden 
Mehrzahl von Fällen bandelt es sich um jugendliche Indivi- 
duen. Sie sind nicht beschränkt auf Stücke, die in der Gefangen- 
schaft leben, kommen vielmehr auch bei Hirschen (nebst Reh bock, 
Renhirsch und außerordentlich häufig beim Damhirsch) vor, die 
völlige Freiheit genießen.« Das Gleiche wird vom Rehbock S. 242 
wiederholt, und es ist bei den aufgeführten Beispielen z. T. aus- 
drücklich erwähnt, daß das sitzengebliebene Geweih das Erstlings- 
geweih war, zum andern Teil ist die3 aus den Beispielen zu er- 
schließen, wenn auch Rörig durch seine besondere — d. h. die all- 
gemein herrschende — Anschauungsweise von der Skala der Geweih- 
bildung Primitivgehörn, Spieß, Gabel, Sechser, Achter u. s. w. ver- 
hindert war, diesen Schluß zu ziehen, und daher die spießartigen, 
überwallten Gebilde fast durchweg als zweiten Aufsatz (Spieße) an- 
sieht. Nach Rörig sind die Doppelbildungen Zeichen von latenter 
Krankheit, ohne daß jedoch für diese Ansicht irgend ein triftiger 
Grund vorgebracht wird. 

] ) Einen ähnlichen Fall habe ich kürzlich in der Dietzelschen Gehörn- 
sammlung in München — deren Besichtigung sich kein Interessent entgehen 
lassen sollte — gesehen. Auch sind daselbst eine Fülle von wichtigen Doppel- 
bildungen. Die äußerst reiche Sammlung des Grafen Arco-Zinneberg daselbst 
ist leidar wegen der ungünstigen Aufstellung wissenschaftlich fast unverwertbar. 



— 294 — 

• 

Hierher mögen wohl auch die Nienburger Tulpen gehören 
(Brandt S. 47). *) 

Wenn es sich bei einem von »Ornis« in der »Deutschen Jäger- 
zeitung* 47. Bd. 1906, 28 S. 457/58 mitgeteilten Falle wirklich 
um »Doppelbildungen« handeln sollte (beiderseitig aus der Rose her- 
vortretende, vorn gut fingerlange Spieße, hinten mäßige Sechser- 
stangen), so würde damit auch der durchaus nichts Unwahrscheinliches 
bietende Fall der Vererbung dieses Atavismus nachgewiesen oder 
wenigstens sehr wahrscheinlich gemacht sein, da nach der Brunft 
zwei solche Böcke (ohne näheren Grund als vier- bis fünfjährig ange- 
sprochen, aber wohl einjährig) abgeschossen wurden und im nächsten 
Jahre wieder »zwei Böckchen«, »wohl Geschwister«, also doch sicher 
einjährige Kitzböcke, anscheinend genau wieder dieses Gehörn trugen. 

Die Beobachter scheinen die Tragweite dieser Erscheinungen 
verkannt zu baben ; sie rechnen sie zu den interessanten Abnormi- 
täten, während sie nach meiner Ansicht sehr wichtige Atavismen sind. 8 ) 

Aus den Beobachtungen an meiner und der Eberswalder Samm- 
lung habe ich schon geschlossen (D. J. Ztg. 47. Bd., 1906, 19): 
»Da das dermatogene [d. h. eigentlich dermatogen-periostale] Primitiv- 
gehörn manchmal gering, ja sehr gering, nur einige mm hoch und 
dick ist (eigentlich dann nur die verschmälerte Spitze des ossigenen 
[d. h. eigentlich ossigen-periostal-dermatogenen] Boseustocks), so ver- 
mute ich, daß es auch ganz wohl in einigen Fällen nur angedeutet 
oder selbst gar nicht gebildet wird, daß also nur ein zeitweiser Still- 
stand nach Bildung des ossigenen Primitivrosenstocks eintreten kann 
und die Bildung des Primitivgehörns ganz unterbleibt. Wenn dann 
nach einiger Zeit das dermatogene [eigentlich rein dermatogen- 
periostale] Wachstum [d. h. des Geweihes] wieder anhebt, so ist 
dies entwicklungsgeschichtlich das zweite dermatogene Wachstum, 
in diesen individuellen Fällen aber das erste; es entsteht dann, weil 
eine eigentliche quere Abwurfsfläche fehlt, keine wohlcharakterisierte 
Rose, wie sonst allgemein beim zweiten Aufsatz.« 

»Da aber dieser derraatogenen Bildung ein Stillstand vorausging, 
so entsteht doch auch eine Art Rose, die eine Mittelstellung ein- 



] ) Tulpenartige Überwallungen mit noch offener Röhre kann man auch 
mehrfach in den erwähnten beiden Münchener Sammlungen sehen, dem Habitus 
nach — Zähne fehlen leider — ebenfalls jugendliche Schädel. 

') Man sollte einen Unterschied machen bei den Gehörn- (und Geweih-) 
Abnormitäten zwischen den wichtigsten Atavismen und den meist sehr neben- 
sächlichen Verletzungszufälligkeiten. Nur erstere haben einen besonderen Wert 



<c&«r 



— 295 — 

nimmt zwischen der Quasiperlung (muß richtig heißen »Qaasirose«) 
des Primitivgehörns und der ersten echten Rose des zweiten Auf* 
satzes.« 

Ich gehe heute auf Grund der eingewachsenen und umwachsenen 
Gehörne und der Doppelbildungen noch einen Schritt weiter und nehme 
an, daß das Nichtabwerfen des Primitivgehörns uranfänglich Regel 
war, daß dieses Nichtabwerfen des Primitivgebörns dann aber um so 
sicherer den Abwurf des zweiten höheren, größeren und schwereren 
Gehörns — die späteren kommen nicht mehr in Betracht, weil sich 
für sie der Vorgang inzwischen längst ausgebildet und befestigt hatte 
— nach sich zog, weil dieses zweite Gehörn oder Geweih dann ja ein 
starkes nekrotisches Element an seiner Basis mit einschloß. Ja, ich 
leite sogar die Gabelung beim zweiten Aufsatz von der Um* 
oder Überwallung eines solchen Fremdkörpers, wie des Primitiv- 
knopfes oder -Spießchens ab. Eigentlich sollte man freilich er- 
warten, daß die Neubildungen bei einer solchen Umwallung gleich- 
mäßig wulstig oder doch wenigstens mit gleichmäßigen Zungen 
sich um das umwallte Primitivgehöru erhöben, ähnlich wie bei der 
mit einer Scheibe gedämpften Flamme einer Lampe. Und in der 
Tat möchte ich die oben bereits erwähnten fossilen Geweihformen 
von Procermlus Gaudry oder Palaeocervtdus Filhol (s. Zittel 
S. 398 , abgebildet bei Rfitimeyer 1880/83 Tafel I, Fig. 2— 5), 1 ) 
bei denen auf hohem, dünnen Rosenstock kleine, blumenkronenartige» 
lappige Gebilde sitzen, als solches noch nicht zu fester Regel ge- 
wordenes Zwischen Stadium oder als ersten Versuch ansehen. 

Aber es zeigt sich, daß in der Hauptsache eigentlich nur zwei 
solcher Zungen, eine vordere und eine hintere, die Oberhand be- 
halten und eine davon, die hintere, die eigentliche Führung über- 
nimmt. Ich denke mir ferner, daß, nachdem sich einmal der Vor- 
gang dieser Gabelung (Dichotomie) befestigt hatte — offenbar, weil 
ein solcher Vorgang sich vorteilhaft in die Lebensökonomie der 
Cervicornier einfügte — es als eine einfache sekundäre Wachstums- 
nachwirkung anzusehen ist, daß auch der stärkere hintere Sproß 
(die Stange) sich wiederholt gabelte, viel seltener der vordere (der 
Augensproß)« Wie man sieht, hat das Spießgeweih, als zweiter 
Aufsatz im Sinne Rörigs und der Jagdschriftsteller, in meinem System 
keinen Platz, und damit stimmt auch überein, daß das Spießgeweih 
bei den Cervicorniern eine relativ seltene Erscheinung ist — auf 
die besonderen Verhältnisse beim Rehbock komme ich unten noch 



') Original jetzt in München, wiss. Sammlungen des Staates. 



- 296 - 

zurück — /während die Gabel nicht allein als stabiles Endprodukt 
der Entwicklung, sondern auch innerhalb der Entwicklung der mehr- 
sprossigen Geweihe als stark vertretene Zwischenstufe ihren alten 
Rang behauptet, sowohl bei den lebenden wie bei den fossilen Hirschen. 

Bei den von Rütimeyer auf Tafel II, Fig. 1 — 8 abgebildeten 
DicroceraS' Gabelgeweihen kann man deutlich das Ringen des vor- 
deren und des hinteren Gabelastes nach der Oberhand sehen, ein 
Ringen, das (vermutlich aus Ernährungsgründen) schließlich damit 
endete, daß der hintere Sproß (die Stange) bei den eigentlichen 
Hirschen die Oberhand erlangte. Noch heute liegt die Gabel bei 
den Nachkommen oder Seitenverwandten der fossilen Dicroceras- 
oder iVo#-Arten, bei den Cervulinen (Muntjakhirschen), als permanent 
gewordene, höchsterreichte Entwicklungsstufe vor. Die weitere Ent- 
wicklung zu höher verzweigten Formen geht, soweit ich absehe, so- 
wohl hei den getrenntstangigen (-sprossigen), als bei den schaufel- 
stangigen (-sprossigeu) Geweihen grundsätzlich auf die Gabel 
zurück. Besonders Rusa steht dieser primitiven Form noch recht 
nahe, aber aueh Ccmäcus, z. B. wiegmanni; vergleiche die Samm- 
lung des Stuttgarter Naturalienkabinetts. Die Entwicklung zu 
reicher verzweigten Geweihen scheint überall an die relativ niedrigen 
-Rosenstöcke gebunden zu sein — wohl aus mechanischen Gründen — , 
während es die hochangesetzten Muntjakhirsch-Geweihe nicht über die 
Gabel gebracht haben. 

Bezüglich der auf einer Gabel stehen bleibenden fossilen Formen 
hebt Rör ig 1900 S. 542 hervor: »In allen drei [? B.] Abteilungen 
der Miocänperiode haben die Geweihe entweder die Spieß- [Primitiv- 
spießchen? B.] oder die Gabelform gehabt, jedoch mit der Maßgabe, 
daß das Gabelgeweih numerisch das Spießgeweih außerordent- 
lich übertraf.« Eine ähnliche Beobachtung macht nach Schlössen 
Zoologieliteratur — Bericht für 1891 im Archiv für Anthropologie, 
XVII, Braunschweig 1893/94 S. 107, De per et bei den Hirschen 
der pliocänen Ablagerungen von Roussillon, indem er von Cervus 
ramosus berichtet: »Ist sehr gut vertreten, doch fehlen bis jetzt 
Spießgeweihe, dagegen hat man Formen vom Gabelgeweih 
bis zum Sechsender.« 

Rörig 1901, S. 101 glaubt einen fundamentalen Unterschied 
annehmen zu sollen zwischen Geweihen mit tief angesetzter (proxi- 
maler) und hochangesetzter (distaler) Gabel. Ich kann mich mit 
dieser Ansicht nicht befreunden, sondern muß auch bei letzteren (zu 
denen z. B. der Rehbock gehört) als Ausgangspunkt die proximale 



— 297 — 

(in früheren geologischen Zeiten Um- oder Über wall ungs-) Gabel an- 
nehmen. Ich sehe in Rörigs sogenannten distalen Gabeln nur 
Formen, deren Gabel dnrch nachträgliches, habituell gewor- 
denes, vererbtes interstitielles Längenwachstum empor- 
gehoben worden ist, um so mehr, als durch Brandt S. 19 — -24 
und S. 176/86 interstitielles Wachstum beim Gehörn (Geweih) durch- 
aus wahrscheinlich gemacht worden ist. Wenn auch nicht alle 
Grunde Brandts stichhaltig sind, so bleiben es doch die der Stangen- 
verwachsungen im untern Teil bei freibleibenden obern Teilen beim 
Rehbock. 

Das Vorkommen von» einfacher Stange (Spieß) als zweites und 
späteres Gehörn (Geweih), entweder als definitives Stadium oder als 
normales Übergangsstadium oder als Atavismus, kann und braucht 
übrigens nicht zu befremden, da nur das Atrophieren des vorderen 
Gabelsprosses (Augensprosses) und damit die alleinige Herrschaft des 
hinteren Sprosses (der Stange) angenommen zu werden braucht. 
Versuche in dieser Hinsicht zeigen, wie oben schon angedeutet, die 
Dicroceros-Geweihe, Beim Reh bock wie bei allen Formen mit der 
Rörigschen sog. »distalen Gabel« spielt außerdem die interstitielle 
Streckung und die dadurch bewirkte Emporhebung der ursprünglich 
stets tief auf dem Rosenstock proximal sitzenden Gabel eine gewisse 
Bolle. Beim Vor- oder überwiegen dieser Streckung und entsprechen- 
dem Zurücktreten der Gabelungen kann auf diese Weise auch ein 
scheinbarer Spieß entstehen. In der Tat sieht man bei sehr 
vielen, wenn nicht der überwiegenden Mehrzahl von einfachen Reh- 
stangen die Gabelungen wenigstens noch angedeutet. 

Wie schlecht das Rörigsche Einteilungsprinzip übrigens zu ver- 
werten ist, sieht man daran, daß z. B. hierdurch die so nahe ver- 
wandten Alces palmatus und der diluviale Älces latifrons ganz 
unnütz auseinandergerissen werden. Ja, selbst bei Älces palmatus 
kommen »distale« neben, »proximalen« Gabeln vor. 

Neben Dichotomie der Sprossen spielen sodann noch sekundäre 
Wucherungen eine gewisse Rolle. Hierher rechne ich beim Rothirsch 
die Eissprosse, der beim Wapiti und diluvialen Mosbacher Hirsch die 
der Augensprosse nahe beigesellte Sprosse entspricht. Das Sekundäre 
dieser Sprosse ergibt sich aus ihrem häufigen Fehlen. 

Primitivgeweih, Gabel und Gabel mit einfacher Dichotomie der 
hinteren Stange sind die Haupt-Etappen der Geweihentwicklung. 
Noch reichere Verästelungen sind relativ neu und sekundär. 



— 298 — 
Beiträge zur Geschichte der Vogelkunde. 

Eine Studie — neu durchgesehen und erweitert — zur Würdigung der älteren hessischen 

Ornithologie. 

Von Wilhelm Schuster. 



J. P. A. Leisler, Dr., Hanau. Sehr bedeutender Omitholog. 
Gestorben 1813 als Medizinalrat in Hanau. »Nachtrag zu Bech- 
steins Naturgeschichte der deutschen Vögel* in »Annal. der Wetter. 
Ges. f. d. ges. Naturk.« 1809, ferner »Nachträge zu Becksteins Natur- 
geschichte Deutschlands« (Hanau 1812). Er beschrieb zuerst Tringa 
temmincki (Temmincksstrandläufer) und Tringa minuta (Zwergstrand- 
läufer), sowie die verschiedenen Kleider voll Totanus fuscus (Dunkler 
Wasserläufer) und Limosa limosa (Uferschnepfe) und löste damit einige 
systematische Wirren. Die Belegexemplare hat er am Main zwischen 
Hanau und Offenbach geschossen. Leisler hat auch den Steinsperling 
(Petronia petronia) in unserem Gebiet beobachtet, so auf Bäumen bei 
Wiesbaden und im Rheingau; kurze Zeit darauf — 1817 — be- 
obachtete ihn F. H. von Kittlitz bei Kreuznach und auf Burg 
Solnis bei Braunfels. — Zur Zeit ist, nach unseren Besuchen auf den 
verschiedensten Burgen und hochgelegenen Dörfern im Rheingau 
(Brömserburg, Rauental, Frauenstein, Sonnenberg, Schiersteiner 
Brüche), der Felsenspatz nicht mehr vorhanden, wohl aber im Tal 
der Rotköpfige Würger. 

Trinthammer, Pfarrer, Hanau (?). Notizen über die Einwanderung 
und Vermehrung des Girlitz in Frankfurt, Hanau u. s. w. in den 
Jahren 1806, 1809, 1813, 1835. Der Girlitz, obwohl schon zu 
Gesners Zeit bei uns einzeln vorhanden, hat sich gerade im vorigen 
Jahrhundert so stark bei uns vermehrt. 

*J. J. Kaup, Direktor des Museums in Darmstadt. »Das Tierreich« 
(Bd. II, Darmstadt 1836), in dem sich viele Angaben über die 
hessische, besonders die starkenburgische Ornis finden. Er war Mit- 
arbeiter an der »Isis« (»Monographien der Genera der Falconidae* 
1847) und ein hervorragender Kenner auch unserer fossilen Fauna. 

Chr. Unzicker schrieb 1844 in den Nassauischen Jahrbüchern 
über »Wanderungszeiten der gewöhnlichsten Zug- und Strichvögel, 
die im Jahre 1842 im Herzogtum Nassau beobachtet wurden«, 1849 
»Bemerkungen über mehrere Vögel, die in den Jahren 1845 — 48 zu 
Schierstein a. Rh. wahrgenommen wurden«. 

G. Sandberger, Dr. »Vergleichender Beitrag zur Fauna des 
Mittelrheins (Die Säugetiere und Vögel des Herzogtums Nassau)« in 
Abhandl. d. Naturhist. Ver. d. preuß. Rheinlande 1857. 



\ 



— 299 — 

*Bernh. Meyer, Hofrat Dr., Offenbacb. Mit Prof. Dr. Wolf zu 
Nürnberg gab er 1810 das »Taschenbuch der deutschen Vogelkunde 
oder Kurze Beschreibung aller Vögel Deutschlands« heraus (erschienen 
in Frankfurt). Er ist auch der Verfasser von »Kurze Beschreibung 
der Vögel Liv- und Esthlands, Nürnberg 1815.« In den schon da- 
mals berühmten »Annalen (später Jahresber.) der Wetter. Ges. f. d. 
ges. Naturk.« hat er manche gediegene Arbeit veröffentlicht. — 
Wolf veröffentlichte »Kleine Beiträge zur Vögelkunde für Deutsch- 
land« in den »Ann. d. Wetter. Ges. f. d. ges. Natk.« III. Jahrg. p. 253. 

C. Bruch, Notar in Mainz. Er war ein Freund Chr. L. Brebm's, 
und der alte Pastor und große Vogelmann besuchte ihn öfters; dann 
ging es hinaus in die Felder bei Weisenau und nach Kostbeim zu 
in die Weidenanlagen, um zu beobachten und zu forschen. Bruch 
schrieb eine Reihe gehaltvoller Aufsätze in den »Abbandlungen der 
Senckenb. Naturf. Gesellschaft und im Journal f. Ornithologie« so 
z. B. : »Vermischtes über Vögel der Umgebung von Mainz« 1854 und 
»Monographische Übersicht der Gattung Larus« und gab 1843 ein 
»Verzeichnis der in dem ehemaligen kurfürstlichen Schloß zu Mainz 
aufgestellten Sammlung«. 1844 rührte ihn der Schlag; er lernte 
dann noch mühsam mit der linken Hand schreiben und führte ein 
stilles Dasein, bis ihn im Jahre 1857 der furchtbare Knall der 
Pulverexplosion auf dem Kä3trich in Mainz so sehr erschreckte, daß 
er bald darauf starb (wie ich von Verwandten erfahren habe). Bruch 
war ein gediegener Beobachter, und sein Verkehr mit Brehm macht 
ihn besonders interessant. 1 ) Der jüngst verstorbene Gabanis, der das 
»Journal für Ornithologie« gründete, hielt es- für wertvoll, Bruch 
zu seinem Mitarbeiter zu gewinnen. 

Aug. Römer, Präparator am Wiesbadener Museum. Mitarbeiter an 
den »Jahrbüchern des Nass. Ver. f. Naturk.« in Wiesbaden, so z. B. 
in Band XXXI, S. 11 (1878): »Säugetiere und Vögel des ehemaligen 
Herzogtums Nassau, insbesondere der Umgebung von Wiesbaden«. 
Auch in dieser guten Lokalfauna finden sich Notizen über den Stein- 
sperling. 

C, L. Kirschbaum, Dr., Professor am Gymnasium zu Wiesbaden. 
Mitarbeiter an den Nassauischen Jahrbüchern. Vergl. z. B. »Zoo* 



*) Wie anregend ein solcher Mann wie Brehm immer wirkt, ergibt sich 
daraus, daß einer meiner Mainzer ornithologischen Freunde, der sich für »erb- 
lich belastet« erklärt, behauptet, daß sein Vater dadurch Interesse an den 
Vögeln bekommen habe, daß er mit den Kindern jenes Bruch um die vor Bruch 
und Brehm ausgelegten Vögel herumgespielt habe. 



\ 



— 300 — 

logische Mitteilungen« in Band XXV und Band XXVI (1873) über 
Tringa maritima im Spessart. 

0. F. Weinland, Dr., Prankfurt, jetzt in Urach in der Schwäbischen 
Alb (Württemberg). Begründer und erster Herausgeber des »Zool. 
Gart.« (1860 — 1863 incl.). Er ist ein hervorragender Vogelkenner. 
Schon 1854 schrieb er einen ornithologischen Aufsatz in der »Natur« 
(abgedruckt im »Zool. Gart.« II. Jahrg. 1861, S. 14—16, 28—31). 
Mitarbeiter am »Neuen Naumann«. Noch zu einer von Wilhelm 
Schuster im »Zool. Gart.« XLV. Jahrg., 1904, S. 369—375 nieder- 
gelegteu Abhandlung: »Ab- und Zunahme der Vögel, für verschie- 
dene Teile Deutschlands tabellarisch festgestellt« (in erweiterter Form 
fortgesetzt im »Zool. Gart.« XL VI, 1905, Nr. 4) hat Weinland Bei- 
träge geliefert. Der vollständigen Umwälzung in der Naturwissen- 
schaft durch Darwin und die Entwicklungslehre scheint Weinland 
mehr als stiller, passiver Zuschauer gegenübergestanden zu haben. 

L. H. Snell, Pfarrer zuerst in Hohenstein bei Schwalbach in 
Nassau, später im hessen-nassauischen Reicheisheim in der Wetterau. 
Er war ein gediegener, tiefer und allseitig kenntnisreicher Ornitho- 
log, wenn auch lange nicht so fruchtbar wie die beiden Müller. 
Eine seiner ersten Arbeiten handelt über »Individuelle und lokale 
Verschiedenheiten in der Ernährungsweise der Tiere, mit besonderer 
Rücksicht auf die Vögel« (»Jahrb. d. Nass. Ver. f. N.«, XVI), eine 
andere hübsche Arbeit (»Zool. Gart.«, 1866) ist betitelt: »Eine Parallele 
zwischen der Vogeifauna des Taunus und der Wetterau« (da und 
dort kleine lapsus). Für die Nassauischen Jahrbücher schrieb Snell 
gute und ausführliche Arbeiten. 

MUhr, Gymnasialdirektor, Bingen. Über die Binger Fauna im 
Binger Gymnasialprogramm 1866. 

Max. A. Ph. von Wied, Prinz, Generalmajor, 1782—1867. Neu- 
wied. Bekannter Reisender. »Reise nach Brasilien« (Frankfurt a. M.), 
»Beiträge zur Naturgeschichte von Brasilien« (Weimar). Es würde 
gewiß recht wertvoll sein, die Lebensgeschichte dieses interessanten 
Mannes gesondert zu schreiben. Auch im »Zool. Gart.« (der jetzt — 
darf ich sagen: leider? — »Zool. Beob.« heißt) veröffentlichte er 
ornithologische Miszellen. 

C. Bruch, Prof. Dr., Frankfurt, Herausgeber des »Zool. Gart.« 1864 
— 65. »Das Federnagen der Papageien« und andere kleine ornitho- 
logische Aufsätze. Er war der älteste Sohn des Mainzer Notars Bruch. 

Max Schmidt, Dr., Direktor des Frankfurter Zoo. »Zur Haltung 
der Wellenpapageien« (»Zool. Gart.« 1864), auch Mitteilungen über 



— 301 — 

die heimische Ornis. Seine Feststellungen über die Brutpflege des 
Storches im Frankfurter Tiergarten (»Zool. Gart.« 1868) sind sehr 
gediegen und auch in den »Neuen Naumann« übergegangen. 

H. Walter, Hof rat Dr. med., Offenbach. »Eine Rabenkrähe mit 
Kreuzschnabelbildung« (»Zool. Gart.« 1864) und anderes. Diese 
Rabenkrähe steht heute noch in der Vogelsammlung des Offenbacher 
Vereins für Naturkunde, und ich habe ihr Bild (eine Photographie, 
die ich durch die Freundlichkeit des Herrn Dr. Rain erhielt) wieder- 
gegeben in der »Orn. Monatsschrift« 1904 No. 12. 

C. Jäger, Lehrer.. Er wohnte in dem Bischofsheim, das rechts 
vom Main in stiller Abgeschiedenheit in dem Winkel jenes Bergzuges 
liegt, der von Frankfurt nach Hanau führt. Jäger war ein durchaus 
gut unterrichteter Feldornithologe. Seine Feldbeobachtungen teilte 
er mit im »Zool Gart.«, in der alten »Naumannia« und den Jahresber. 
der Wetter. Ges. f. d. ges. Naturk. in Hanau (»Systematische Über- 
sicht] der in der Wetterau vorkommenden Vögel« 1853 — 57; »An- 
kunft und Abzug der Vögel im Jahr 1864 u. s. w.«). 

R. Meyer, Dr. med., Offenbach. Sehr eifriger und fruchtbarer Mit- 
arbeiter in den »Bericht, des Offeubacher Ver. f. Naturk.« und am 
»Zöol. Gart.« (»Verschlagene Sturmvögel«, »Z. G.« 1864 u. s. w.). Er 
hat uns sehr viel wertvolle Notizen über das vereinzelte Vorkommen 
seltener Vögel am Main und überhaupt in Hessen überliefert, wo- 
durch die hessische Avifauna um manchen interessanten Vertreter 
bereichert worden ist. Er ist der Sohn von Hofrat Dr. B. Meyer 
in Offenbach. Er bereicherte die schöne Vogelsam ralung in Offen- 
bach, die jetzt in das neu wiederhergestellte Tsenburger Schloß über- 
fuhrt werden soll, um manches seltene Stück. Ganz besonders lesens- 
wert ist sein Aufsatz über den jungen Storch im »Zool. Gart.« 1864 
(mit hübschem Bild). An das Hinauswerfen der Jungeu glaubte er 
leider auch. 

C. F. Noll, Prof. Dr., Prankfurt. Herausgeber des »Zool. Gart.« 
1866 — 90. Noll war ein sehr ernster Forscher, aber weniger 
Ornitholog. Er schrieb über das Wasserhuhn auf dem Main (1864), 
eine Saatkrähenkolonie bei Frankfurt (1869), Ankunft des Storches 
(1877), den Uhu (1891) im »Zool. Gart.« Jahrg. 5, 10, 24, 32. Er 
war allerseits in seiner Vaterstadt und bei den mit ihm bekannten 
Naturforschern hochgeschätzt. 

W. Nikolaus, Konservator am städt. Museum in Mainz. »Syrrhaptes 
paradoxuSi Platcdea leucorhodia, Aquila naevia am Rhein« in »J. f. 
0.« 1865. 



— 302 — 

Kochmals die heissumstrittene Turteltaube (Columba 

turtur L.). 

Von stad. Paul Werner in Münster i. W. 



HeiT Wilhelm Schuster schrieb seiner Zeit im »Zool. Garten 
1905« > Beiträge zur Monographie der Turteltaube« und Herr G.Caster 
antwortete in einer Entgegnung. Beide Herren hatten fast ein und 
dasselbe Beobachtungsfeld, uud beide beobachteten 
verschiedenes. Da ich über das Leben und Treiben unserer 
Turteltaube ziemlich orientiert bin und scharfe Gegensätze 
gefunden habe zwischen den Turteltauben eines Kreises 
und den Vögeln eines anderen Kreises, so möchte ich zu 
diesem Thema ein paar Worte beifügen. 

In Roxel bei Münster sind die Turteltauben nach 
Ferd. von Droste-Hülshoff zahm, in der Bauerschaft 
Werse, Handorf, Gelmer, Sudmühle Wolbeck (alles 
Orte nur ein paar Stunden von Roxel!) äußerst scheu! In 
Gapelle, Kreis<Lüdinghausen, kam ich an Turteltauben, 
die sich auf eine-m Felde aufhielten, öfters bis auf 3 m 
heran. Also in einem Gebiete scheu, ein paar Stunden weiter, und 
wir finden sie zutraulich! 

Hierdurch können leicht Irrtümer entstehen. Als ich meinem 
Freund, dem Pastor W i g g e r in Capelle von äußerst scheuen Turtel- 
tauben erzählte, lachte er mich aus und sagte und zeigte sie mir 
nachher als >zahme Turteltauben«. Zwar versicherte ich nicht auf 
Treu und Glauben, daß die Turteltauben bei Münster scheu seien, 
denn Wigger als rechtschaffener Mensch glaubte mir dies so — aber 
komisch ist es doch, ein paar Kilometer von einander entfernt, und 
total verschiedenes Benehmen einer Vogelart! 

Ich möchte ferner, in bezug auf das Münsterland, noch folgen- 
des bemerken : Bei uns ist die Turteltaube Feld- und Waldvogel. 
Ich fand ihr Nest nur im Nadelholz, nie in unseren für die 
Turteltaube so geeigneten Wallhecken. (Oft fand ich 
in diesen Wallhecken das Nest der großen Ringeltaube). 2 — 3 Brüten 
scheinen bei der Turteltaube die Regel zu sein. Vom 
Neste gescheucht, kehrt sie bald zurück. Den Kehlton 
»hab« habe ich nie zu hören bekommen, obschon ich oft unter 
einem Turteltaubennest lag. Aber das kann man wohl leicht überhören. 
So kannte ich bislang von unserem Pirol nur einen Ruf, bis 
mich vor drei Jahren ein versoffener Wilddieb belehrte. Er ver- 



— 303 — 

deutschte mir die Sache folgendermaßen: Am dritten Mai kommt 
der »Wigel-WageU und flötet »Kennst mi wull?« (Kennst Du mich 
wohl? gewöhnlicher Ruf!). Dann sage ich ganz deutlich »Jfec! 
Dann ruft der Vogel mir zu: »Soup die füll!« (Trink Dich voll!) 
Dies tat der Wilddieb natürlich auch, aber Recht hatte er doch, 
denn alsbald hörte ich auch den zweiten Gesang des Pirols. So 
lernt man von Wilddieben — den geborenen Naturforschern — die 
Gesänge der Vögel! 



Ornithologische Kollektaneen ans Österreich-Ungarn und dem 

Okkupations-Gebiete 1 ). 

(Aus Jagdzeitungen und Tagesblättern). 
Von Viktor Ritter v. Tschusi za Schmldhoften. 

XIV. (1905). 



Österreich. 
Aquila fulva (L.) — Steinadler. 

Böhmen. Ein Gräflich Kolowrat'scher Heger in Diana- 
berg b. Pfraumberg im westlichen Teil des Landes schoß ein Exem- 
plar von 207 cm Flugweite. (Waidrah. 25. 1905. Nr. 3. p. 58). 

Lehrer Frey in Hottourtze erlegte anfangs Januar einen 
Steinadler, der 1.8 m klafterte. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 3. p. 42). 

Galizien. Anfangs Juni erbeutete der Erzherzogliche Forst- 
wart L. Fuchs in Zlatna in einem mit verwittertem Fleisch be- 
köderten Tellereisen einen Steinadler von 220 cm Flugweite. Im 
benachbarten Revier Weich sl (Oster r.-Schles.) wurde im Vorjahre 
ein Exemplar von 210 cm Flugweite gefangen. (Waidmh. 26. 1906. 
Nr. 1. p. 13). 

Kärnten. Nach J. Schatzmayr hält sich am Beißkofel 
(2369 m) im Gailtale ein Steinadlerpaar ständig auf. Im Herbste 
1904 wurde im Göfier in ggrab en ein verendeter Adler gefunden. 
(Waidmh. 25. 1905. No. 6. p. 119). 

Mähren. In den dem Grafen Jan Thun gehörigen ausge- 
dehnten Forsten bei Evasic wurde seit einigen Tagen ein Stein- 
adler beobachtet, und am 14. November gelang es, denselben in einem 
mit 2 Tauben beköderten Fallkäfig zu erbeuten. Der Adler wurde 

') cfr. Orn. Monatsschr. 1906 No. 8 p. 438—452. — Für Beiträge bin ich 
den Herren Prof. B. Schweder und M. Marek zu Dank verpflichtet. 



— 304 — 

vom L.-G.-R. Horak in Kremsier für den Barbaraberg erworben. 
(111. österr. Jagdbl. XXII. 1905. Nr. 12. p. 186). 

Salzburg. Am 13. Januar 1905 fing Forster Heis vou Weis- 
bach einen Steinadler mit einer Spannweite von 2.20 m. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 5. p. 75). 

Tirol. Auf einer dicht unter einer fast senkrechten, an der 
ca. 300 m hohen Wand des Falzthurntals gelegenen Lahn lag ein 
abgestürzter Hirsch, auf den ein Jäger durch das Gekrächze der Kolk- 
raben aufmerksam gemacht wurde. Bei seinem Näherkommen erhob 
sich ein mächtiger Steinadler von dem Kadaver. Ein später gelegtes, 
verbleudetes Tellereisen lieferte den Adler in den Besitz des Jägers. 
(J. v. W.: Jäg.-Zeit. XVI. 1905. Nr. 14. p. 462—463). 

F. Pilawka sah im Frühjahr auf dem Wege von Klausen 
gegen die Haltstelle Villnoess zwei Adler kreisen. Am selben Tage 
traf ein Fallensteller von Latzfons in der Nähe des ca. 1900 m 
hoch gelegenen Waldstreifens bei Gompatsch einen Adler kreisen, 
uud als sich dieser gesenkt hatte und ein Reh klagte, fand er, 
vorsichtig dem Klagelaut nachschleichend, 2 Adler auf einem Reh 
sitzen und dasselbe kröpfen. (111. österr. Jagdbl. XXII. 1905. Nr. 4. 
p/58). 

Anfangs Mai beobachtete der Jagdaufseher P. Klammer in 
Oberrasen auf der Alpe Unterhütte n-Lana durch einige Tage 
ein Adlerpaar, welches einige Schafe geraubt und ein Reh geschlagen 
und teilweise gekröpft hatte. Ein bei letzterem gelegtes Eisen lieferte 
das Männchen. (N. Wien. Abendbl. vom 12. Mai 1905. Nr. 130. 
p. 5; Salzb. Volksbl. v. 12. Mai 1905. Nr. 109. p. 6; Jägerz. f. B. 
u. M. 1905. XVI. Nr. 12. p. 325; 111. nützl. ßl. XXI. 1905. p. 157). 

Vorarlberg. Jagdhüter und Bergführer Mart. Heiugärtner 
von Nenzing b. Bregenz erlegte im sog. »Nenzin ger Himmel« einen 
Steinadler, Weibchen, von 220 cm Flugweite und hob tags darauf 
dmi ein Junges enthaltenden Horst aus. Früher wurde vom Jagd- 
besitzer das Männchen geschossen. (Zwinger u. Feld. XIV. 1905. 
Nr. 30. p. 547-548; Jagdfr. V. 1905. Nr. 28. p. 441). 

AquUa pomarina Br. — Scbreiadler. 

Oberösterreich. Revierförster J. Sehender in Ebels- 
berg b. Linz erlegte ein Exemplar. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 3. p. 58). 

Schlesien. Der Jagdpächter Kaufmann Franz Kuchejda in 
Jablunkau erlegte im Juni 1905 einen Schreiadler, dessen Flug- 
weite 1.80 m betrug. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 25. S. 893). 



- 305 - 

Aquüa pennata (Gm.) — Zwergadler. 
Böhmen. E b er t erlegte Ende 1904 einen Zwergadler in Sal- 
luschen (Jagdfr. V. 1905. Nr. 3. p. 42). 

[Da bisher diese Art für Böhmen noch nicht nachgewiesen wurde, wäre es 
von Wichtigkeit, die Richtigkeit dieser Angabe zu prüfen. v. Tsch.] 

HaUaMus albicUla (L.) — Seeadler. 
Bukowina. Pichlmeyer berichtet aas Straza von den Au- 
griffen eines Seeadlers auf einen Mäusebussardhorst; der Seeadler 
wurde beim Kröpfen der Bussardbrut durch einen Schrotschufi ge- 
flügelt und sodann noch lebend gelangen. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 19. 
p. 296). 

Tandion haliaUus (L.) — Fischadler« 

Böhmen. Der Bergbeamte M. Watzke erlegte bei Nieder- 
georgental einen See- (recte Flufi-)Adler, was aus der Angabe der 
Flugweite von 160 cm ersichtlich ist. (Waidnih. 25. 1905. Nr. 3. p. 58). 

Falco vespertinus L. — Botfassfalke. 

Steiermark. Dr. A. Rossitsch beobachtete in den ersten 
Tagen des Mai (bis zum 10.) 20 — 30 Stuck dieser Vögel über den 
Feldern längs der Mur in Luttenberg (sonst gewöhnlich nur ver- 
einzelte Stücke). Am 12. Mai wurden nur noch wenige gesehen, 
späterhin keiner mehr. Mehrere Stücke wurden erlegt. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 24. p. 374). 

Aeotpiter nisus (L.) — Sperber. 

Niederösterreich. Dem Revierjäger Sp. in Pyhra bei 
St. Polten holte am 18. Okt. eiu Sperber eine eben erlegte Schnepfe 
weg. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 43. p. 678). 

Bei einer Prüfungssnche stieß plötzlich ein Sperber auf eines 
der abstreichenden Hühner, ergriff dasselbe und strich damit fort. 
(Jagdfr. V. 1905. Nr. 52. p. 826). 

Während der Tulbinger Feldjagd am 22. Okt. stieß ein 
Sperber auf ein eben geschossenes Huhu, wurde jedoch erlegt. 
(Jagdfr. V. 1905. Nr. 43. p. 678). 

Bubo bubo (L.) — Uhu. 

Böhmen. Jäger Ed. John in Tyssa fing zwischen dem 
15. u. 16. August einen Uhu in einem Pfahleiseu. (Waidmh. 25. 
1905. Nr. 19. p. 353). 

In dem Jagdgebiete, des Wirtschaftsbesitzers,. W.Fuhrmann aus 
Eutterschitz am Borschen bei Bilin wurde am 11. Mai ein Uhu- 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVIL 1906. 20 



- 306 — 

borst mit 3 stark entwickelten Jungen ausgenommen. (Jägerz. f. B. 
t>. M. XVI. 1905. Nr. 11. p. 296). 

E. Weigand fing den 28. Mai in Tyssa in einem auf dem 
Gipfel einer ca. 16 m hoben Fichte aufgestellten Pfahleisen einen 
Uhu. Die Art zeigte sich in der Gegend seit vielen Jahren nicht 
mehr. (Waidmh. 25, 1905. Nr. 15. p. 284). 

Galizien. Der Erzherz. Jäger Ph. Wallner fing in Zlatna 
im Herbst 1904 in einem Pfahleisen einen Uhu von 168 cm Flug- 
weite. (Waidmh. 26. 1906. Nr. 1. p. 13). 

Niederösterreich. In Königswald wurde vom 27. auf 
den 28. Juni in einem Raabvogel-Pfahleisen ein kapitaler Uhu ge- 
fangen. Derselbe trug keinerlei besondere Verletzung davon und 
wurde dem Präparator J. Weud übergeben. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 25. 
p. 393). 

Am 16. Dez. 1904 erlegte der Forstvolontär Dr. V.Ray mann 
bei einer Fasanenjagd in Zelking b. Melk einen Uhu (cf) mit 
154 cm Flugweite. (Waidmh. XXV. 1905. Nr. 3. p. 58). 

Am 23. Febr. 1905 fing der k. k. Forst wart Uiblagger iu 
K 1 e e h o f * bei Persenbeug einen Uhu in einem Eisen. Seit ca. 
35 Jahren wurde in der Gegend keiner mehr gesehen. (Waidmh. 25. 
1905. Nr. 6. p. 117). 

Salzburg. Eine kolossale Nachteule von 175 cm (!) Flug- 
weite erlegte der Jäger des Gemeindegebietes Lamp rechtshausen 
in Salzburg. (Waidrah. 25. 1905. Nr, 3. p. 58). 

Syrnium uralense (Fall.) — Uralkauz. 

Steiermark. Dr. Alexander Rossitsch in Luttenberg 
erlegte binnen kurzer Zeit 2 Exemplare der Ural-Eule. Dem Unter- 
schiede in der Stärke nach dürften es cf Q»d 9 gewesen sein. 
(Jagdfr. V. 1905. Nr. 13. p. 205). 

Slrix flammea L. — Sehleiereule. 

1 8 1 r i e n. Aus P o 1 a wurde dem Wiener Tierpräparator J. Wallig 
eine Schleiereule von folgender abweichender Färbung zugesendet: 
Oberseite lichtbraun, fast gelb mit lichtgrauer Perlzeichnung ; Unter- 
seite reinweiß ohne jede Zeichnung, Schleiereinfassung lichtbraun. 
(Jagdfr. V. 1905. Nr. 41. p. 648). 

ColaetiB monedula (L.) — Dohle. 

Nie i! erÖsterreich. L. Nowotny berichtet über eine ab- 
norm gezeichnete Dohk>; die von dem Fabrikdirektor J. Becicka 
iu Weiten egg vor dem Uhu erlegt worden war. Selbe besitzt in 



— 307 — 

beiden Flügeln and dem Schwänze braune, gegen die Spitze zu 
fahlere Federn. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 12. p. 228). 

Nucifraga eavyocataeteb (L.) — Tannenh&her. 

Niederösterreich. Bei Euratsfeld wurde ein Tannen- 
häher anläßlich einer Jagd (Dez. 1904) erlegt. (Jagdfr. V. 1905. 
Nr. 3. p. 42). 

Sturnus vulgaris L, — Star. 

Niederösterreich. In Liesing wurde durch das scharen- 
weise Einfallen der Stare vielfach die ganze Weinernte in Frage 
gestellt. Mit Rücksicht hierauf wurde von der amtszuständigen Be- 
zirkshauptmannschaft der Abschuß durch geeignete Personen (Feld- 
schutzpersonal etc.) bis zur Lesezeit freigegeben. (Jagdfr. V. 1905. 
Nr. 31. p. 491). 

Chelidonaria urbica (L.) — Mehlschwalbe« 

Salzburg. Den 21. August wurde in St. Gilgen unter den 
zu Hunderten sich auf den Telegraphendrähten versammelnden Haus* 
schwalben ein ganz weißes Stück beobachtet. (Salzb. Volksbl. Nr. 193 
v. 25. Aug. 1905. p. 4). 

Ampelis garrulus L. — Seidenschwanz« 

Niederöster reich. Den 17. Jan. wurde in einem am Triesting- 
ufer Hegenden großen Garten, in Triestinghof, dem schwedischen 
Konsul R. Neufeldt gehörig, ein Schwärm Seidenschwänze beobachtet. 
(N. W. Tagbl. 1905. Nr. 19 vom 19. Jan. p. 7). 

Tichodroma muraria (L.) — Alpenmauerläufer. 

Niederösterreich. In Schönbühl a.D. wurde anfangs 
Dezember ein Alpenmauerläufer durch einige Tage an einer großen 
Felswand beobachtet und dann erlegt und von L. Nowotny in Bm- 
mersdörf ausgestopft. ( Waidmh. 25. 1905. Nr. 24. p. 454 ; Hugo's 
Jagdz. 49. 1906. Nr, 1. p. 21). 

Steiermark. F. Rasser traf Ende. Juli unterhalb der Pyramide 
des H o c h 1 a n t sc h (1722 m) den Alpenmauerläufer auf den schroffen 
Felsmauern. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 17, p: 320). 

Columba palumbus L. — Ringeltaube« 

Kärnten. Über ein absonderliches Nisten von Ringeltauben 

berichtet A. ans Krappfeld, unfern des Schlosses Mannsberg 

brüteten 1894 im Wohnhauae eines Besitzers, wie auch in der in 

seinem Obstgarten gelegenen Scheune einer nahe gelegenen Zuhube 



— 308 — 

Ringeltauben, die ihre Nester auf den Mauerpfeilern angelegt hatten. 
Es wurden nicht weniger als 9 Nester gezählt, die zum Teil schon 
Junge enthielten. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 7. p. 136). 

Niederösterreich. In Alt-Hietzing wurde am 27. Febr. 
eine Ringeltaube beobachtet. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 10. p. 157). 

^Petrao urogaUus (L.) — Auerhuhn. 

Böhmen. In Johannes tal b. Oschitz beobachteten am 
14. März nachmittags gegen halb 5 Uhr zwei holzsammelnde Knaben 
kämpfende Auerhähne, die trotz lauter Zurufe derselben nicht im 
Kampfe nachließen; endlich blieb einer der beiden Vögel tot am 
Platze liegen, während der andere in einer nahen Fichtendeckung 
verschwand. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 14. p. 215). 

Kärnten. Der Präparator H. Jammernegg in Kleinlobming 
b. Knittelfeld erhielt von M. J. Pickl in Himmelberg (Kärnten) 
einen kapitalen Auerhahn zur Präparation, der »am Halsansatzcc 
auf der Oberseite einige ganz weiße Federn aufweist. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 17. p. 268). 

Niederösterreich. In Lackenhof kam in den ersten 
Novembertagen 1905 ein prächtiger Auerhahn unter die Linde des 
Dorfwirtshauses geflogen, wo er sich ganz ruhig fangen ließ. Er 
benahm sich, in eine Kiste gesetzt, ganz zahm, ließ sich streicheln, 
gab jedoch gegen Mißliebige seiuem Unmut durch Schnabelhiebe 
Ausdruck. Da er jedoch in der Gefangenschaft nicht Nahrung auf- 
nehmen wollte, so wurde ihm die Freiheit geschenkt; er flog dem 
Ötschergebiete zu. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 45. p. 711). 

Anfangs Dezember 1905 kam ein Auerhahn durch ein Doppel- 
fenster mit 8 mm starken Scheiben in das Vestibül des Südbahn- 
hotels auf dem Semmering. Der Vogel, der nur unwesentliche 
Verletzungen erlitten hatte, wurde in Gefangenschaft behalten. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 49. p. 779). 

Ein bei Kien b er g von F. Ritter von Raab erlegter Auer- 
hahn hatte an der Kehle eine schneeweiße Feder. (Waidmh. 25. 
1905. Nr. 12. p. 227). 

Ober Österreich. H. Drouot in Linz a. D. berichtet über 
2 von ihm in Oberösterreich erlegte Auerhähne, die einzelne weiße 
Kopffederu besaßen. Verfasser ist der Ansicht, daß sich selbe 
Färbung bei den neuen Federn zeigt, welche an jenen Stellen her- 
vorwachsen, die Verletzungen durch Kämpfe aufweisen. (Waidmh. 
25. 1905. Nr. 18, p. 337—338). 



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Am 17. Mai wurde aas dem Reviere Oberhaag der Domäne 
Schlag! ein lebender Auerhahn eingeliefert, der im Wagenschnppen 
eines Bauern erbeutet wurde. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 23. p. 361). 

Im Revier > Holzschlag« der Domäne Schlägt wurde an- 
läßlich der Räumung einer Schlagfläche in der Nähe eines in Brand 
gesteckten Reisighaufens ein Auerhuhngelege mit 5 Eiern gefunden. 
Das Feuer wurde gelöscht, der frühere Zustand der Umgebung tunlichst 
wiederhergestellt, und nach einigen Tagen fanden sich überraschen- 
derweise nicht nur zunächst 8 Eier vor, sondern späterhin auch die 
fest brütende Henne. Der gleiche Berichterstatter (J. Erbeczek) 
teilt auch mit, daß bei gleichen Anlässen (Schlagräumungen) Auer- 
hennen so fest saßen, daß sie trotz der Feuersgefahr das Gelege 
nicht verließen. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 34. p. 536). 

Tirol. Durch die offenstehende Türe der Haupttrafik in 
Hall flog im Frühjahr ein großer Vogel in das Lokal, der sich 
ohne große Mühe fangen ließ und als vermeintliche Haushenne in 
eine Eiste gesperrt wurde. Wie es sich bald herausstellte, war es 
eine Auerhenne, die daselbst, wahrscheinlich von einem Habichte 
verfolgt, Zuflucht gesucht hatte. In den angrenzenden Revieren be- 
findet sich sehr wenig Auergeflügel. (D. Deutsch. Jag. 27. 1905. 
Nr. 13. p. 160; Weidw. u. Hundesp. X. 1905. Nr. 236. p. 14). 

Tetrtw tetrix L. — Birkhuhn« 

Böhmen. Nach Forstmeister E. Loos hörte man am Weih- 
nachtstage 1904 gelegentlich der bei Li b och a. £. abgehaltenen 
»Neukraßerjagd« einen Birkhahn balzen. (Hugo's Jagdz. 48. 
1905. Nr. 3. p. 89). 

In einem von Fasanen und Birkhühnern besetzten Revier be- 
obachtete der Jagdherr während der Birkhahnbalz, daß nach Er- 
legung eines Schildhahnes ein zweiter auf den erlegten Artgenossen 
zustieß, jedoch bald von diesem abließ. Indessen fiel ein mongolischer 
Fasanhahn vor dem Schirme ein und sprang auf den vor Schrecken 
wehrlosen Birkhahn los, bis sich beide in einem Dickicht verloren. 
(Jagdfr. V. 1905. Nr. 45. p. 711). 

Niederösterreich. Harn. Johnson hörte am 18. Dez. 
1904 um 2 Uhr nachmittags einen Birkhahn im Revier des 
E. Merlett in Riegers bei Dobersberg (Wald viertel) fleißig rodeln. 
(Waidmh. 25. 1905. Nr. 2. p. 43; Hugo's Jagdz. 48. 1905. 
Nr. 3. p. 89). 

Hans Bartl, Lehrer in Pyhra b. St. Polten, berichtet, daß 
am 5. Aug. in dem dortigen Reviere des Fabrikanten Salcher ge- 



— 310 — 

legentlich eiuer Hühnerjagd in einem Wickenfelde ein Birkhabn 
aufgefangen wurde — in Anbetracht der Jahreszeit und des flachen, 
meist unbewaldeten Terrains ein seltener Fall. (Jagdfr. V. 1905. 
Nr. 82. p. 505). 

Ober Österreich. Revierjäger S t i e g e r beobachtete gelegentlich 
des »Verlosens« auf der »Scharten« im k. k. Forstwirtschaftsbezirke 
Gosau von seinem Schirme aus, wie ein Fuchs den meldenden Birk- 
hahn regelrecht anzubirschen versuchte, und erlegte diesen. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 25. p. 393). 

Salzburg. Ein Ungenannter sah im August 1904 in den 
Radstädter Tannen eiuen Birkhahn, der mit Ausnahme der 
Schwanzfedern, die einen blauen (!) Anflug hatten, ganz weiß war. 
(Mitteil. n. ö. Jagdsch.-Ver. 1905. Nr. 1. p. 25). 

Tetrao tetrix X urogaUus* — Backelhuhn. 
Kärnten. Baron Walt.Czvemig erlegte am 27. April im 
Revier Sassl in Steuerberg einen Rackelhahn. Derselbe meldete 
sich bis zum Hauptschlag Wie ein Auerhahn, jedoch sehr leise. Das 
Gewicht betrug 2.4 kg. (K. Petritz, Waidmh. 25. 1905. Nr. 10. 
p. 189). 

Lagopus mutus (Mont.) — Alpengchneehuhn. 

Steiermark. J. Stroinigg in Judenburg erhielt am 16. Okt. 
ein lebendes Schneehuhn, dem er die einzelnen braungelb bemarbelten 
Federn auf den Hals- und Rückenpartien etwas stutzte. Nach Ver- 
lauf von 9 Tagen erwiesen sich selbe ganz weiß, und die Verfärbung 
ging von der Federwurzel aus. Auch bei den anderen, nicht be- 
schnittenen Federn vollzog sich der gleiche Prozeß, sodafi derselbe 
annimmt, daß das Winterkleid nur durch Verfärbung entstehe. 
(Waidmh. 25. 1905. Nr. 7. p. 127). 

Perdix perdix (L.) — Bebhuhn« 

Böhmen. Ende Oktober 1903 strich von einem hoch ge- 
legenen Kahlschlag iu Stadtl b. Pürglitz eine Kette Hühner ab, 
um die dortige Talenge zu überqueren, fiel aber bei dem starken 
Morgennebel in dem daselbst befindlichen Teich ein, worauf alle, wie 
Haushühner mit den Flügeln schlagend, dem Ufer zustrebten. 
(J. P., Waidmh. 25. 1905. Nr. 2. p. 43-44). 

In der Jagdbarkeit der Gemeinde Mladejovic bei Rakouitz 
fand der Taglöhner Sima am 13. Dez. 1904 bei einem im freien 
Felde befindlichen Strohschuppen des Grundbesitzers Kroupa eiue 
Rebhenne auf 18 Eiern brütend. (F. Moravec, Mitteil. n. ö. 



— 311 — 

Jagdsch.-Ver. 1905. Nr. 1. p. 22; P. f Jägerz. XVI. 1905. Nr. 5. 
p. 129; Österr. Forst- u. Jagdz. XXIII. 1905. Nr. 5. p. 37; Österr. 
Forst- u. Jagdbl. XVII. 1905. Nr. 4. p. 29). 

Auf der Domäne Jistednitz wurden bei den heurigen Hühner- 
jagden bei 2 Ketten weiße Hähne bemerkt, von denen drei erlegt 
wurden. (Jagdfr. V. 1905 Nr. 42. p. 665). 

Galizien. Im Revier Jeziocki der Domäne Jaworzno wurde 
am 14. Sept. aus einer Kette von 15 Hühnern ein weißes erlegt. 
(Österr. Forst- u. Jagdz. XXIII. 1905. Nr. 46. p. 388). 

Mähren. In Boschowitz wurde anfangs Oktober vom 
dortigen Oberlehrer ein weißes Rebhuhn erlegt. (Jagdfr. V. 19Q5. 
Nr. 40. p. 631). 

In Schönau b. Wernstadt wurden unter einer Kette von 
mehr als 20 Rebhühnern 4 schneeweiße beobachtet und 1 davon 
erlegt. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 41. p. 648). (schlaft folgt) 



Der Siebenschläfer (Myaxus glis) im Königreich Sachsen. 

Von Rud. Zimmermann in Rochlitz i. S. 

Über das Vorkommen des Siebenschläfers (Myoxus glis) im 
Königreich Sachsen habe ich bereits einmal iu dieser Zeitschrift 
berichtet (Zoolog. Garten, XLVI. Jahrg. S. 180 — 185, mit Übersichts- 
kärtchen). Inzwischen sind von mir eine Reihe weiterer Beobach- 
tungen gemacht worden, und weiter sind mir auch Mitteilungen über 
das Vorkommen des Nagers an anderen Orten, namentlich im Tal- 
gebiet der Zwickauer Mulde, zugegangen, sodafi ich glaube, daß ein 
Nachtrag zn meiner damaligen Arbeit das gleiche Interesse finden 
wird, das meine erste Publikation über diesen Gegenstand, nach 
einer Anzahl mir zugegangener Zuschriften zu urteilen, gefunden zu 
haben scheint. 

Ich habe in meiner oben zitierten Arbeit neben den in der 
Literatur bereits festgelegten Orten das Vorkommen des Sieben- 
schläfers im Königreich Sachsen auch einige noch unbekannte, näm- 
lich den Roch litzer Berg und die Stadt Rochlitz im Talgebiet der 
Zwickauer, sowie die Stadt Grimma im Talgebiet der Vereinigten 
Mulde mitgeteilt. Auf dem Bochlitzer Berg wird der Bilch seit 
einer langen Reihe von Jahren in der Nähe der beiden bewohnten 
Gebäude (Restauration und Tttrmwärterwohnung) und in den be- 
nachbarten Steinbrüchen beobachtet; er hält sich hier unter Dächern 



— 312 — 

alter Schuppen u. s. w., sowie vor allem in den Starkästen auf und 
plündert in stark schädigender Weise die vorhandenen Obstbäume. 
Im verflossenen Jahre ist es mir nun auch geglückt, ihn in den 
ausgedehnten Waldungen, die den Rochlitzer Berg bedecken und 
die erwähnten Gebäude einschließen, in ziemlicher Entfernung von 
den letzteren festzustellen. Er tat sich hier an den noch nicht aus- 
gereiften fruchten der Buchen, deren herrliche Bestände bei uns leider 
mehr und mehr niedergeschlagen und durch Fichtenanpflanzungen 
ersetzt werden, gütlich. Er scheint sich hier in natürlichen und 
künstlichen Baumhöhlen, vielleicht auch in Bauhöhlen von Dryocopus 
martius, aufzuhalten. Weiter ist der Schläfer in dem eine halbe 
Stunde westlich von der Stadt Rochlitz gelegenen Dorfe Nofiwitz 
beobachtet worden. Nach einer zuverlässigen Nachricht hat man 
hier vor einigen Jahren eine Anzahl der Nager aus einem Starkasten 
hervorgeholt. Auch im Köttwitzschtal, das nördlich von Rochlitz 
in das Muldental einmündet, ist der Bilch in diesem Jahre zur Be- 
obachtung gelangt; er wurde an einem Spätnachmittag in einem 
Exemplar auf einem Lanius coWwriö-Neste sitzend angetroffen. Über 
das Vorkommen des Schläfers in der Grimmaer Gegend sind mir 
gleichfalls verschiedene neue Mitteilungen zugegangen. Er scheint 
daselbst gleich häufig wie in der Rochlitzer Pflege zu sein und tritt' 
ebenfalls stark schädigend in den Obstanlagen auf. In Grimma er- 
beutete Tiere befinden sich im Dresdener zoologischen Museum. 
In meiner ersten Arbeit bezeichnete ich es als wünschenswert, 
sichere Angaben auch über das eventuelle Vorkommen des Sieben- 
schläfers zwischen den damals von mir angeführten Fundplätzen, 
dem mittleren Teile des Ghemnitztales und der Wechselburg-Roch- 
litzer Gegend, sowie von dieser und der Stadt Grimma zu erlangen. 
Inbezug auf das erstere Gebiet konnte ich damals sagen, daß ich 
ihn auf Grund von Funden angeuagten Obstes in Göritzhain, dem 
letzten Orte vor Wechselburg, vermutete, inbezug auf das letztere 
Gebiet kann ich heute nachtragen, daß er in ihm, namentlich in der 
Golditzer Gegend und ganz besonders häufig in dem Dorfe Cdllmen 
bei Colditz auftritt. Im Herbste 1905 berichtete eine Tageszeitung von 
dem Fange eines Bilches in dem Stahlbade Lausigk, das zwei Stunden 
westlich von Colditz außerhalb des Talgebietes der Mulde liegt. Schließ- 
lich ist mir noch gemeldet worden, daß der Nager auch weiter fluß- 
aufwärts im Muldentale, bei Lunzenau und Rochsburg, vorkommen soll. 
Eine Eontrolle dieser Nachricht war mir aber noch nicht möglich; 
indessen habe ich keine Ursache, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln. 



— 313 — 

Faßt man die bisher bekannt gewordenen Orte des Königreichs 
Sachsen, an denen der Bilch beobachtet worden ist, ins Auge und 
versucht danach, ein Bild über seine Einwanderung und seine Aus- 
breitung in Sachsen zu zeichnen, so kommt man zu dem Resultat, 
daß die Einwanderung von Böhmen aus längs der Elbe geschehen 
ist, und daß der Schläfer zunächst die laubwaldbestandenen und 
obstreichen Gegenden links und rechts von der Elbe okkupiert hat. 
Nördlich ist er bis zum Plauenschen. Grunde vorgedrungen und von 
hier aus dem Nordabhange des Erzgebirges entlang westwärts in 
das Gebiet des Chemnitzflusses gewandert. Diesen ist er abwärts in 
das Gebiet der Zwickauer Mulde und schließlich in das der Ver- 
einigten Mulde gefolgt und hat sich von den Tälern aus über die 
Nachbargebiete (Lausigk) verbreitet. An diesem Bilde ändert auch 
der Umstand nichts, daß Nachrichten über sein Vorkommen in dem 
weiten Landstriche zwischen dem Eibgebiete und dem des Chemnitz- 
flusses und der Mulde vollständig fehlen. Denn zunächst halte ich 
es für nicht ausgeschlossen, daß er in ihm gleichfalls noch vorkommt, 
und daun steht einer anderen Einwanderung in das letztere Ver- 
breitungsgebiet der Umstand entgegen, daß er dabei den Kamm 
des Erzgebirges hätte überschreiten müssen. Das halte ich aber auf 
Grund sowohl der klimatischen, als auch der Vegetationsverhältnisse 
für völlig ausgeschlossen. 

Zum Schluß sei im Anschluß an eine Arbeit Dr. Thesings 
über »Autotomie öder Selbstverstümmelung bei Tieren« (Naturw. 
Wochenschr., Neue Folge, IV. Bd. S. 321) noch einiger Beobach- 
tungen gedacht. Der genannte Autor reiht unter die Selbstver- 
stümmelungen eine Erfahrung Frenzeis ein, die darin besteht, daß 
die Haselmaus (Muscardinus avellanarius\ wenn sie an der Schwanz- 
spitze ergriffen wird, die Haut des Schwanzes fahren läßt. Dieser 
Auffassung tritt bereits Dr. Handmann auf Grund seiner Erfah- 
rungen an einer gefangen gehaltenen Haselmaus entgegen (ebenda, 
S. 699), und ich kann mich ihm darin auf Grund der Beobachtungen, 
die ich am Siebenschläfer und verschiedenen Mäusen gemacht habe, 
nur anschließen. Wiederholt passierte es mir beim Einfangen von 
Buchen, daß sich die Haut des Schwanzes, wenn ich das flüchtige 
Tier an diesem ergriff, loslöste. Niemals aber geschah dies an einer 
fest bestimmten Stelle, und mir schien es auch, als ob dieser Vor- 
gang sich bei jungen Tieren leichter und häufiger ereignete, als bei 
ausgewachsenen, älteren. Stets aber geschah das Loslösen der 
Schwanzhaut bei dem raschen Erfassen des kräftig fortstrebenden und 



— 314 - 

festeingekrallten Tieres, nie bei einem ruhigen, vorsichtigen Ergreifen. 
Weder mit Zähnen noch mit Füßen haben sich die Tiere dabei am 
Schwänze zu schaffen gemacht. Und ebenso leicht wie vom leben- 
den Iudividuum löst sich die Schwanzhaut vom toten Tiere ab. Wenn 
dieses mit den Krallen auch nur ein wenig fest an seiner Unterlage 
hing und es am Schwänze emporgehoben wurde, geschah es fast 
immer, daß mau nur einen Teil der Haut des letzteren iu der Hand 
behielt. Ahnlich ging es mir mit verschiedenen Mäusen, und be- 
sonders gut konnte ich das Abstreifen der Schwanzhaut an weißen 
Mäusen beobachten. Von ganz zahmen Tierchen, die oft am Schwänze 
erfaßt wurden, löste sich die Haut hin und wieder einmal ab, aber 
nur, wenn das Erfassen plötzlich und wohl unvorsichtig bei einem 
lebhaften Vorwärtsstreben des Tieres erfolgte. Ich kann in diesen 
Vorgängen beim besten Willen keinen willkürlichen Akt erblicken, 
sondern finde ihre Erklärung wie Dr. Hand mann in der zarten Be- 
schaffenheit der Schwanzhaut. *) 



Kleinere Mitteilungen. 



Zu den »Ornithologischen Notizen aus Westfalen « von P. Werner 
erlaubt sich ein nachdenklicher (im übrigen uninteressierter) Leser einige harm- 
lose Fragen: Hat jemals die Ringdrossel (»Brutv. im Münsterlandc) in der 
Ebene gebrütet (in Deutschland nie unter 1000 m, siehe Naumann!)? Ist 
das Schwarzkehlchen überhaupt in irgendeiner deutschen Provinz häufig oder 
gar gemein (»gemeinste Schmätzerart«)? Nur »zwei Stellen € im ganzen 
großen, waldreichen »Westfalen« (20 211 qkm; 380 500 ha Laubwald, 185 700 ha 
Nadelwald!), wo die Hohltaube noch nistet? Kann irgendwo in Deutschland der 
jetzt seltene Wespenbussard heute noch »massenhaft auftreten« (höchstens auf 
dem Zuge, aber das Ganze sind Brutnotizen)? Wer ist der »man«, der einmal 
ein Trüppchen Zaunammern in Westfalen gesehen haben will? Im ganzen großen 
Westfalen ist der Weiße Storch »ausgestorben als Brutvogel, nur noch Passant« 
(wirklich ganz unmöglich, siehe Altums »Forstzoologie«)! Steinsperlingsfund i. W. 
— ganz außerordentliches Ereignis für Nordwestdeutschland! Warum immer 
»einmal« und nicht kurz Fundort, Funddatum und Name des Finders? 

Spero Weritas. 

Ornithologisches aus dem Mainzer Becken 1906. Fünf Garten- 
laubvogelnester fanden meine Brüder Daniel und Paul, ein Kuckucksei 
im Nest der Gartengrasmücke. Fünf Pärchen des seltenen Rotköpfigen 
Würgers (Lantus Senator L.), auch Waldkatz oder Pomeraner genannt, nisteten 
dieses Jahr bei Mainz- Gonzenheim-Erbenheim und wurden von uns ständig be- 



') Vergl. auch das Referat über »Regeneration verletzter Säugetierschwänze« 
oben p. 181. Der Herausgeber. 



— 315 — 

ohachtet, ein sechstes sah Br. Ludwig n&chst Hattersheim hei Höchst a. M. am 
14. Juli. (Die belegten Nester fanden wir nicht, wir sahen nur die Jungen 
füttern; wir denken an eine spezielle Invasion 1906, auch für andere nahe- 
liegende Gebiete, da der Vogel noch nicht, solange wir hier sind, von uns be- 
obachtet worden ist). ')*) Beim Baden im Rhein bei Budenheim sahen wir diesen 
Juli *) immer ein Flufiseeschwalben pärchen (Stoma fluviatüis), das auf 
der nahen Bheininsel (Au) bei Eltville brütete; desgleichen ein Lachmöwen- 
pärchen. — In frische (— anstatt alte — ) fremde Horste verlegte Eier der 
Waldohreule (Asio otus) fanden wir bis jetzt: Eins bei Frischborn-Hopfmanns- 
feld (Oberhessen) in einem frischen, noch unbelegten Horst des Mäusebussards, 
eins im Oberolmer Wald in einem mit 2 Eiern belegten Turmfalkenhorst 
am 19. April 1902 (Bruder Ludwig und ich), drei am 27. April 1905 in einem 
am 16. April ausgenommenen Elsternnest im Oberolmer Wald (Brüder Daniel 
und Paul). Wilhelm Schuster. 

Uhu (Bübo bubo L.) in Thüringen. An der Heilsberger Felswand bei 
Stadt Remda horstete nach einem ungenannten Berichterstatter im > Weidmann, 
herausg. v. Dr. L. Staby, Berlin. Bd. 27, No. 40 p. 538« in diesem Jahre (1906) 
seit elf Jahren zum erstenmal wieder ein Uhupaar. Die drei Jungen sind leider 
aus dem Horst genommen und in Heilsberg in Aufzucht und Pflege gegeben 
worden. Andre Horstplätze, wie am Iltenberg bei Themar und im Melkerser 
Felsen bei Meiningen, sind seit Jahrzehnten vom Uhu verlassen. Bttgr. 

Die Frösche von Neu-Guinea. Von den vier einzigen Froschfamilien, 
die Bich nach Dr. P. N. van Kampens Untersuchungen auf Neu-Guinea finden, 
gehören drei, die Baniden oder Echten Frösche, die Engy Stomatiden und die 
Pelobatiden oder EnoblauchskrÖten, zusammen mit 85 Arten, zum orientalischen 
Gebiet, die vierte, die der Hyliden oder Laubfrösche, mit 19 Arten, zum 
australischen, während die indischen Dyscophideo, die australischen Cystignathiden 
und die beiden Gebieten gemeinsamen Bufoniden oder Kröten auf Neu-Guinea 
fehlen. Neu-Guinea stellt demnach hinsichtlich der Frösche ein Übergangs- 
gebiet dar, dessen Charakter aber vorwiegend orientalisch ist. Seine Frosch- 
fauna ließe sich am einfachsten erklären durch die Annahme eines früheren 
Zusammenhangs mit dem Festlande Australiens, der sich nachher gelöst hat, 

*) Charakteristik (vielleicht wird das Tier auoh noch von anderer 8eite bestätigt) : Oben 
schwarz, unten weife, Stirn und Augengegend schwär«, Hinterkopf rostbraun» Schultern 
und Spiegel wein (jgr. Vogel gesperbert). L. 20 cm, Fl. 34 cm. V.: Buropa, Westasien, 
Kordafrika ; in Deutschland recht selten , in feuchten, ebenen Gegenden mit Büschen und 
Viehtriften. Zugv. : Anf. April— Aug., Septbr. Brutx. : Mai, Juni, 14 Tage. Nest auf Bäumen 
und in Bfisohen. 5—6 Bier, blaftgrünlioh mit olivenbraunen Flecken, aschgrauen und bräun- 
lichen Punkten, 93X1? mm. Nähr.: Kerbtiere und M&use. 

*) Im Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war der Vogel noch sehr 
häufig, ja fast so häufig wie L. collurio in der Umgebung Frankfurts. Namentlich war er im 
Walde des „Röderspieß" auf Kiefern in dichten, jungen Schonungen so häufig, daß ioh all- 
jährlich mehrere Nester auffand, die im Standort und in der Farbe und Fleokung der Bier 
so scharf von collurio verschieden waren , daß ioh mich wunderte , wenn in den von mir tu 
Rate gezogenen Büchern immer betont wurde, daß Nest und Bier beider Arten ohne Kennt- 
nis des Vogels nicht zu unterscheiden seien. L. minor habe ich um Frankfürt niemals 
brütend angetroffen, L. major war schon vor 50 Jahren als Brutvogel selten. 

Der Herausgeber. 
*) Bin Pärchen, vielleicht das gleiche, sah ioh zur selben Zeit (am 14. Juli 1906) bei 

Osterspay zwischen Braubach und Boppard. Der Herausgeber. 



— 316 — 

während eine neue Verbindung mit westlich liegenden Gebieten an seine Stelle 
trat. Die Hyliden, die durch die erstgenannte Verbindung Neu-Guinea erreicht 
hatten, konnten sich dann später westwärts über die Molukken ausbreiten, während 
anderseits die Familien der Kaniden, Engystomatiden und Pelobatiden ostwärts 
bis Neu-Guinea lind z. T. auch bis nach Polynesien vordrangen. Bemerkens- 
wert ist jedoch die große Entwicklung, die die Engystomatiden in diesem öst- 
lichen Ausläufer ihres Gebietes erreicht haben, wodurch sie in vollständiger 
Abweichung von den westlichen Inseln des Archipels einen Hauptbestandteil 
der Batrachierfauna Neu-Guineas bilden. Neu-Guinea stellt, zusammen mit den 
Molukken, gleichsam ein eigenes Entwicklungszentrum für die Engystomatiden 
dar, in dem sich zählreiche neue Gattungen und Arten ausgebildet haben. Die 
Anzahl der Arten dieser Familie beträgt für Neu-Guinea 26, gegen Borneo und 
Sumatra mit je 7 und Java und Celebes mit je 4. Nur vier Arten hat Neu-Guinea mit 
dem Festlande Australiens gemeinsam, und nur vier andre kommen bis westlich 
von den Molukken vor. Bemerkenswert ist dabei namentlich, daß bis jetzt 
keine einzige Froschart bekannt ist, die sowohl Neu-Guinea wie Celebes bewohnt, 
und daß Celebes auch mit den Molukken, soweit bekannt, nur Bana varians 
Blgr. gemeinsam hat. Die Lurche liefern daher keinen Beweis für die von 
den Herren Sarasin konstruierte »Molukkenbrticke«; die Einwanderung der 
genannten Art in die Molukken ist auch von den Philippinen aus möglich ge- 
wesen. Eine ehemalige unmittelbare Verbindung dieser beiden Inselgruppen 
scheint dem Verf. im Gegensatz zur Meinung der Herren Sarasin auch mit 
Rücksicht auf den neueren Fund von Hyla dolichopsis Cope auf den Talaut- 
Inseln — einer Inselgruppe, die auch nach der Ansicht der Herren Sarasin 
früher mit den Philippinen verbunden gewesen ist — sogar nicht unwahrschein- 
lich. Hierdurch wäre auch die Verbreitung der Gattung Cornufer (Borneo, 
Philippinen, Halmahera, Neu-Guinea) und der Familie der Pelobatiden (Große 
Sunda-Inseln, Philippinen, Neu-Guinea) erklärlich. Anderseits ist die Gattung 
Sphenophryne, die Celebes mit Neu-Guinea gemein hat, auch von der Insel 
Lombok bekannt und kann daher aus dem Süden über die »Floresbrücke« Celebes 
erreicht haben. 

(Nach »Nova Guinea«. Resultats de l'Expe*d. Scientif. Neerl. ä la Nouvelle- 
Guinee. V. Zoologie: Amphibien. 1906. Gr. 4°. 18 pag., Taf.) Bttgr. 



Literatur. 



Aus Natur und Geistes weit«. Sammlung] wissenschaftl.-gemeinverständl. 
Darstellungen aus allen Gebieten des 'Wissens Bd. 79: Prof. Dr. E. Kräpelin, 
Die Beziehungen der Tiere zueinander und zur Pflanzenwelt. Leipzig, 
Verlag von B. G. Teubner, 1905. 8°. 6, 175 pag. — Preis geh. M. 1.— 
geb. M. 1.25. 

Wie es von dem kenntnisreichen Verfasser nicht anders zu erwarten war, 
gibt dieses Büchlein in großen Zügen eine Reihe von Bildern wechselseitiger 
Beziehungen der Tier- und Pflanzenwelt, die zu erkennen erst der modernen 
Biologie in den letzten Jahrzehnten gelungen ist. In schöner und klarer Dar. 
Stellung erhält der Leser eine Vorstellung von der Gesetzmäßigkeit, die das 



— 317 — 

Naturgeschehen in der ganzen organischen Welt beherrscht und regelt, von den 
tausendfaltigen Anpassungen und Bücksichten, die allein es dem Einzel oen 
ermöglicht, in dem gewaltigen allgemeinen Bingen um die Existenz seinen 
Platz zu behaupten und sein Geschlecht vor dem Aussterben zu bewahren. 
Ausgehend von den Beziehungen der Geschlechter zueinander schildert Kräpelin 
die Beziehungen der Tiere zu ihrer jungen Brut, ihr Familienleben. Wie 
mannigfaltig und doch wie schwer zu erklären sind dabei z* B. die so verschie- 
denen Arten der Brutpflege bei den einzelnen Tierformen 1 Wie sich die ein- 
zelnen Individuen der gleichen Art zusammenschließen zum Schwärm und zur 
Herde, bildet den Inhalt des dritten Kapitels, das in einer Darstellung der 
tierischen Staatenbildung gipfelt. In den folgenden Abschnitten werden die Be- 
ziehungen verschiedener Tierarten einerseits zueinander und anderseits zu den 
Pflanzen geschildert. Die Begriffe der Synode, des Parasitismus und der Sym- 
biose werden erläutert Besonders fesselnd sind die Darlegungen über die Wechsel- 
beziehungen der Pflanzen zu den Tieren. Wie die Ameisenbäume sich gegen 
die Angriffe der Blattschneider- Ameisen durch eine Schutztruppe anderer Ameisen- 
arten zu verteidigen wissen, wie zahlreiche Pflanzen z. T. selbst von tierischer 
Nahrung leben, wie Beziehungen der Tiere und Pflanzen zum Vorteil für bfcide 
Teile — bei der Bestäubung der Blüten — sich ausbilden konnten und be- 
stehen blieben, wird wohl manchem Leser neu sein. Überhaupt wird niemand 
das flott geschriebene und an interessanten Einzelheiten staunenswert reiche 
Büchlein aus der Hand legen, ohne es mit Spannung von Anfang bis zu Ende 
gelesen zu haben. Der Verfasser gibt zudem zum weiteren Studium bei den 
einzelnen Abschnitten die wichtigsten Werke der einschlägigen Literatur an, 
was manchem, der tiefer in den Gegenstand einzudringen wünscht, willkommen 
sein wird. Ein sorgfältiges Register ermöglicht das rasche Auffinden der be- 
handelten Tier- und Pflanzenarten. Bttgr. 



Herrn. Löns, Beiträge zur Landesfauna: Hannovers Säugetiere. — Sep.-Abdr. 
a. Jahrb. des Prov.-Museums zu Hannover 1906. Druck v. Wilh. Riem- 
schneider. Gr. 4°. 18 pag. 

Da eine Zusammenstellung aller bis jetzt in Hannover und auf den vor- 
gelagerten Inseln gefundenen Säugetiere bis jetzt niemals versucht worden 
ißt, hat sich der Verf. mit der vorliegenden Arbeit ein wirkliches Verdienst 
erworben. Die literarischen Nachweise, die er gibt, sind sehr zahlreich, doch 
hat er auch vielfach selbst gesammelt und neue Fundorte leibringen können. 
In der Nomenklatur hätte mehr Kritik geübt werden können; irren wir nicht, 
so ist Arvicola nur ein Synonym für Microtus und » Microtus subterraneus (Selys)c 
ein naher Verwandter oder vielleicht nur eine Rasse von dem, was der Verf. 
»Paludicola amphibius (L.)« nennt. Nach den vorliegenden Untersuchungen sind 
für Hannover 64 freilebende Säugetierarten mit Sicherheit nachgewiesen. Kunst, 
lieh eingebürgert sind davon zwei, das Kaninchen und der Damhirsch. Vier 
Arten, Luchs, Wolf, Bär und Biber, sind in geschichtlicher Zeit ausgestorben; 
eine Art, der Nörz, gehört dem Gebiete wohl nur noch als Irrgast an. Mit 
etwas mehr Sicherheit kommt noch die Zwergspitzmaus und die Ägyptische 
Ratte, vielleicht auch die Kurzohrige Erdmaus hinzu, während das Vorkommen 
der Alpenspitzmaus auf dem Brocken als fraglich hingestellt wird. Der Altai- 



— 318 — 

hirsch kommt nur als Gatterwild vor. Als dem Quintär, also der vom Menschen 
bewohnten und umgestalteten Erdschicht, angehörig zu betrachten sind mit 
einiger Sicherheit elf Arten: Kleine Hufeisennase, Langohrige Fledermaus» 
Mopsfledermaus, Gem. Fledermaus, die beiden weißzähnigen Spitzmäuse, Stein- 
marder, Wiesel, Wanderratte, Hausratte und Hausmaus; weniger sicher ist das 
für folgende Arten zu sagen: Bauharmige und Rauhhäutige, Zwerg- und Spät- 
fliegende Fledermaus, Igel, Maulwurf, Brandmaus und Feldmaus. Von den Walen 
leben nur der Tümmler und der Delphin ständig an der hannoverischen Küste; 
die übrigen sind Irrgäste. 

Von den 18 deutschen Fledermäusen fehlen der Provinz die Große Huf- 
eisennase ufcd die Bewimperte Fledermaus, von den 7 Insektenfressern die Zwerg- 
spitzmaus, von den 24 Nagern der Ziesel, der Baumschläfer, die Ägyptische 
Ratte, die Nordische Wühlratte, die Kurzohrige Erdmaus, der Biber und der 
Schneehase, von den 4 Hirschen das Elen und von den 10 Walen der Butzkopf 
und der Entenwal. Bttgr. 

Prof. Dr. L. Plate, Gibt es ein Gesetz der progressiven Reduktion der Varia- 
bilität? — Sep.-Abdr. aus Ploetz' Arch. f. Rassen- u. Gesellsch.-Biologie. 
Berlin, Verlag d. Arch .-Gesellsch., 1906. Jahrg. 1, 1906, Heft 5. 8°. 15 pag. 
Der geistreiche italienische Zoologe D. Rosa, dem wir schon eine Reihe 
wertvoller Anregungen verdanken, hat 1899 ein Buch veröffentlicht, das in der 
deutschen Literatur wenig beachtet worden ist und dem der obengenannte Verf. 
deshalb eine eingehende Kritik widmet. Es handelt sich im wesentlichen um 
die Frage, welche Gründe das Aussterben so vieler Arten im Laufe der Erd- 
geschichte veranlaßt haben; ob der Tod in erster Linie erfolgte, weil der Wechsel 
der äußeren Faktoren so rasch und mit so überlegener Gewalt eintrat, daß die 
bedrohten Pflanzen und Tiere nicht Zeit hatten, sich trotz ihrer Variabilität 
anzupassen, oder ob viele Geschlechter ausgestorben sind, weil aus inneren 
Gründen ihre Variabilität im Laufe der Zeit mehr und mehr erlosch, so daß 
sie infolgedessen unfähig zur Anpassung wurden. Rosa behauptet die Existenz 
eines »Gesetzes der progressiven Reduktion der Variabilität« und eröffnet uns 
damit die wenig tröstliche Aussicht, daß die Organismen nach und nach ver- 
schwinden müssen, auch wenn nicht eine Abnahme der Sonnenwärme allmählich 
eintritt und dadurch den allgemeinen Tod veranlaßt. Er tritt damit in einen 
Gegensatz zu Darwin und Häckel, die eine »unbegrenzte Variabilität« an- 
nehmen, d. h. eine Veränderungsfähigkeit, die an sich nie erlischt, obwohl 
natürlich auf jeder Stufe die Zahl der vorhandenen und der überhaupt mög- 
lichen Variationen sehr wohl begrenzt ist. Nach Plates Meinung existiert 
ein solches Gesetz nicht, und deshalb brauchen wir auch nicht den wenig tröst- 
lichen Schluß zu ziehen, zu dem Rosa gezwungen wird, daß nämlich die »Er- 
zeugung neuer Formen sich nicht ins Unendliche erstrecken kann, sondern eine 
endliche Erscheinung darstellt, die von der ausmerzenden Tätigkeit der äußeren 
Ursachen unabhängig ist.« Er ist im Gegenteil davon überzeugt, daß im all- 
gemeinen mit steigender Organisationshöhe die Zahl der veränderungsf&higen 
Elemente in den Geweben und Organen zunimmt, und daß dieser Umstand den 
Zerfall in Arten erleichtert. Rosa geht in seiner Schrift von dem richtigen und 
auch allgemein anerkannten Gedanken aus , daß die phyletische Entwicklung 
sehr häufig zu Formen mit sehr spezialisierter Lebensweise führt, die sich in 



— 319 — 

ihrer Organisation an einen engen Kreis von Existenzbedingungen angepaßt 
haben. Es ist auch zweifellos richtig, daß solche Arten leicht aussterben. Aber 
es ist nicht richtig, daß durch diese einseitige Organisation die Variabilität an 
sich beschränkt worden ist. Der einzige neue» Gedanke der Rosa'schen Schrift, 
daß einseitige Organisation und Anpassung zum Erlöschen der Variabilität führt, 
ist nach Plates Ansicht bis jetzt durch keine einzige Tatsache auch nur wahr- 
scheinlich gemacht worden. Fragen wir also, ob das Aussterben der Organismen 
bedingt wird durch äußere Ursachen in der Form zu rascher und zu tiefgreifen- 
der Veränderungen der Außenwelt, mögen sie organischer oder anorganischer 
Katur sein, oder ob daneben auch innere Ursachen in der Form eines langsamen 
Erlöschens der Variabilität aus nicht näher nachweisbaren Gründen im Spiele 
sind, so läßt unser Verf. im Gegensatz zu Rosa nur die enteren gelten. »Die 
Variabilität habe nie völlig gefehlt, aber sie habe oft genug zu langsam und 
zu unvollkommen gearbeitet, um den phyletischen Tod verhindern zu können. 
Daher seien auch nicht bloß Megatherien und Ichthyosaurier ausgestorben, 
sondern zahllose einfache Protozoen, Coelenteraten und Echinodermen.« 

Bttgr. 

Eingegangene Beiträge. 

R. Z. in E. und Dr. M. H. in St. je eine, H. O. in M. zwei Arbeiten, P. W. in M. zwei 
Arbeiten und eine Mitteilung, Dir. Dr. H. R. in IL zwei Mitteilungen und P. C, hier, eine 
Besprechung mit bestem Dank erbalten. — W. Seb. in G. b. M. 2 Arbeiten, 8 kleinere Mit- 
teilungen, 2 Literaturberichte und einen Nekrolog dankend erhalten. Korrektur wird Ihnen 
b. Zeit zugeschickt werden. 

Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie uud Kaninohenzucht. Redaktion K. 

Beok-Corrodi in Hirzel. .Zürich, Ulrioh & Co. 30. Jahrg. 1906. No. S2-35. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben Ton Prof. Dr. E. Korschelt, Marburg. 

Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg., 1906. No. 16—18. 
Ornitho logische Monatsberichte. Herausg. T.Prof. Dr. Anton Reichenow. 

14. Jahrg. 1906. No. 9. 
Ornithologische Monatsschrift d. Deutsch. Ver. z. Schutze d. Vogelwelt. 

Redigiert von Dr. Carl R. Hennicke in Gera. 31. Jahrg. 1906. No. 8. 
Field. The Country Gentlemans Newspaper. Herausgeg. v. Horaoe Gox in London. 

Vol. 108, 1906, No. 2798-2800. 
Prof. Dr. G. Jägers Monatsblatt Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre. 

Stuttgart, W. Kohlhammer. 25. Jahrg. 1906. No. 9. 
Der Weidmann. Blätter für Jäger und Jagdfreunde. Herausg. ▼. Dr. L. Staby. Berlin- 
Schöneberg. 1906. Bd. 87. No. 45-47. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rassehunden. Herausg. v. K. 

Pros ler. Frankfurt a. M. f 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 45—48. 
Blätter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. ▼. W. Köhler, Verlag d. 

Creutzsohen Buchh., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 32—35. 
The American Journal of Science. Herausg. v. E. S. Dana. New Haven, Gönn. 

4. Ser. Bd. 22, 1906. No. 128. 
Anzeiger d. K. Ak ad. d. Wiss. Wien. Math.-naturw. Gl. Jahrg. 1906. No. 15-18. Wien, 

K. K. Hof- und Staatsdruckerei, 1906. 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. ▼. C. Daut. Bern, Verlag v. G. Daut, 1906. Jahrg. 5, Heft 6—7. 
Natur und Haus. Tllustr. Zeitsohr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. M. B räß. Ver- 
lag ▼. H. Schultze, Dresden-Strehlen, 1906. Jahrg. 14, Heft 22. 
Zw tag er und Feld, fllustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd» 

u.~ Luxushunden. Herausg. ▼. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. Sautter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 32—35. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 85, 1906. No. 32—35. 
The Irish Naturalist. A Monthly Journal of General Irish Natural History. Edit. by 

G. H. Carp enter, R. L. Praeger and R. Patterson. Dublin, 1906, Rason & Son, 

Vol. 15, No. 7-9. 
Mitteilungen über die Vogel weit. Organ des österr. Reiohsbundes f. Vogelkunde u . 

Vogelschutz in Wien. Herausg. t. E. Donner. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. No. 16. 
Vereinsschrift für Forst-, Jagd- u. Naturkunde im Königr.Böhmen. Herausg. 

▼. Prof. Fr. Croy u. a. Prag, Verl. d. Böhm. Forstvereins, 1906. Jahrg. 1906— 07. Heft 4. 
Wochenschrift f. Aqu.- u. Ter r. -Kunde. Herausg. v. Dr. W. Wolter stör ff. 

Braunschweig, Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. 3. Jahrg., No. 33-36. 



1 



— 320 — 

Mitteilungren ans dem Zool. Garten zu Halle a.S. Herausg. ▼. Dir. Dr. G.Brandes. 

Halle, Verlag y. Paalzow & Co. l. Jahrg. 1905. Heft 6 und 2. Jahrg. 1906, Heft 1-4. 
Dr. P. N. ran Kampen, Amphibien. — Sep.-Abdr. a. „Nova Guinea 14 . .Resultats de l'Exped. 

Scientit Neerlandaise a la Nouvelle-Guinee. V, Zoologie. Gr. 4°. 18 pag., Tafl 
Führer durch die Aqu.-u.Terr.- Ausstellung 1906 der Isis, GeseUsoh. f. biolog. 

Aqu.- u. Terr.-Kunde zu München. München, Druck v. K Mühlthaler 1906. 12 5 . 

36 pag. — Preis M. 0.80. 
Prof. Dr. L. Plate, Gibt es ein Gesetz der progressiven Reduktion der Variabilität? — 

Sep.-Abdr, a. Aren. f. Rassen- u. Gesellsch.-Biologie. Berlin, Verlag d. Arch. -Gesellten., 

1906. 8°. Jahrg. l, Heft 6. 
Derselbe, Pyrodinium bahamense n. gen. et so., die Leuoht-Peridinee des „Feuersees" von 

Nassau, Bahamas. — Sep.-Abdr. a. Schaudinns Aroh. f. Protistenkunde. Jena, Verlag v. G. 

Fischer, 1906. Bd. 7 p. 411—429, Taf. 
V. Ritter v. Tsohusi zu 8ohmidhoffen, Ornith. Kollektaneen aus Österreich- 
Ungarn u. dem Oeoupations-Gebiete XII (1903). — Sep.-Abdr. a. Orn. Mona tsschr. 29. Jahrg. 

1904, No. 11. 7 pag. 
Derselbe, Ornith. Literatur Österreich - Ungarns u. des Oocupations - Gebietes 1904. — 

Sep.-Abdr. a. Verh. d. K. K. Zool.-Bot. Ges. Wien, Jahrg. 1906. 26 pag. 
Bulletin d. 1. Soc. des Sciences de Bucarest (Roumanie). Bucarest, Impr. Statulul. 

1906. Jahrg. 16, No. l. 
O. J. Luzeoki, Die Hunde der Bukowina. — Sep.-Abdr. a. „Hundesport u. Jagd 11 . Herausg. 

y. E. v. Otto. München, Verlag v. J. Schön, 1906. Jahrg. 21, No. 16. 4°. 3 pag. 
Derselbe, Über eine neue Form des Tannenhähers (var. leptorhynchoidts n.) 1 aus der 

Bukowina. — Sep.-Abdr. a. „Unser gefiedertes Volk" (Beilage zur Tier-Börse). Herausg. 

y. Br. Dürigen. Berlin, 1906. No. 12. 4°. 2 pag. 
P. Dr. Fr. Lindner, Ornithologisohes Vademekum. Taschenkalender u. Notizbuch f. 

ornith. Exkursionen. 2. venu. u. verb. Ausg., Neudamm, Verlag v. J. Neumann, 1906. 8°. 

4 t 284 pag. — Preis kart M. 2.— 
Dr. L. Lorenz vonLiburnau, Zur Kenntnis, der Steinböcke Innerasiens. — Sep.-Abdr. 

a. DenkBOhr. d.' math.-nat. Kl. d. k. Akad. d. Wiss. Wien Bd. 80, 1906. 4°. 28 pag., 2 Taf. 
Smithsonian Institution (U. S. Nat. Mus.). Contributions from the U. S. Nat. Herbarium 

Vol. 10, PL 1—2: Ch. V. Pipe r, North Amer. Species ot Festuca, and Edw. L. Greene, 

The genus PttUa in the W. a. S.W. U. S. a. Mexico. Washington, Governm. Print Office, 

1906. 8°. 
Ergebnisse einer naturw. Reise zum Erdsohias-Dagh (Kleinasien): Dr. R. 

Bturany, Sehalentragende Mollusken Gr. 8°. 13 pag., 10 Fig. — Sep.-Abdr. a. Ann. 

K. K. Naturh. Hofmus. Wien. Bd. 20, Heft 2—8. 1906. 
Blätter des Deutschen Monistenbundes. Herausg. v. Dr. Heinr. Schmidt-Jena. 

Brackwede i. W., Verlag v. Dr. W. Breitenbaeh, 1906. Jahrg. l. No. 2—3. 8°. — Preis 

jährl. M. 2.40. 
Diana. Monatl. Organ d. Schweizer. Jäger- u. Wildschutz- Vereins. Herausg. v. G. v. Burg. 

Genf, Druck y. J. 8tuder, 1906. 24. Jahrg., No. 8. 4°. - Preis jährl. frs. 4.— 
Jahrbuch d. Provinzial-Museums zu Hannover f. 1906-06. Hannover, Druck v. 

W. Riemsohneider, 1906. Gr. 4°. 6, 72 pag., 7 Taf. 
Nation. Assoo. of Audubon Societies. Special Leaflet No. 5, Aug. 1906 and Educational 

Leafiet No. 21. 8°. 4 pag., Fig. u. 4 pag.', Fig., 2 Taf. — 8ep.-Abdr. a. „Bird-Lore*, Offio. 

Ortan of the Audubon Soeieties. 
W. Schuster, Neue interessante Tatsachen aus dem Leben der deutschen Tiere. Biolog. 

Mitteilungen über die heimische Tierwelt , insbesondere . . . der Rhein- u. Maingebiete, 

sowie Hessens. Frankfurt a. M.* Verlag v. R. Mahlau, 1906. 8°. 2, 66. 8, 8 pag. — Preis M. 0,90. 
Kosmos. Handweiser f. Naturfreunde. Herausg. v. Kosmos, GeseUsoh. f. Naturfreunde. 

Stuttgart, Franckh'soher Verlag, 1906. Bd. 3, Heft 8. 
Natur und Schule. Zeitsohr. f7d. ges. natnrknndL Unterricht aller Schulen. Herausg. 

v. B. Landsberg, 0. Sc hm eil u. B. Sohmid. Berlin u. Leipzig, Verlag v. B. G. 

Teubner. 1906. Bd. 5, Heft 9. 
Prof. Dr. E. A. G ö 1 d i , Verzeichnis der wiss. Publikationen, die 1894-1904 aus dem Staats- 

museum Göldi f. Naturgesch. u. Ethnogr. in Parä (Brasilien) hervorgegangen sind. Bern, 

Druck v. H. Jent, 1906. 8°. 58 pag. 
Boletim do Museu Goeldi de Hist Nat. e Ethnogr. Parä (Brazil), Est. Graph, de 

G. Wiegandt, 1905-06. Bd. 4, No. 4. p. 459—804, 8 Fig., 5 Taf. 
Jahresbericht d. Naturhist. Gesellsch. zu Nürnberg für 1904 u. Abhandl. 

Bd. 15, Heft 8. Nürnberg. Druck v. U. E. Sobald, 1905 (1906). 2 Bde. 8°. 
Zool. a. Aoclimatisation Soc. ofViotoria: 42. Annual Report a. Report of the 

Annual Meeting of the Soc. for 1905. Melbourne, Urquhart & Nicholson, 1906. 8°. 32 pag., 

Taf Plan des Gartens 
Proceedings of the Royal Society. London 1906. 8er. A. Vol. 77, No. A 520—528 

und Ser. B, Vol. 77, No. B 521—524, sowie Report 111 of the Reports to the Evolution 

Gommittee. London, Harrison & Sons, 1906. 8°. 
Carnegie Institution of Washington No. 49: W. E. Castle & A. Forb es, 

Heredity of Hair-Leogth in Guinea-Pigs . . . and Castle, Origin of !a polydaetylous 

Raoe of Guinea-Pigs. Washington, Publ. by the Carnegie Inst, 1906. 8°. 29 pag. • 

Zusendungen werden direkt an die Verlagshandlang erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reinhold Mahlau. Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 



Zool. Beobachter XLVII. Jahrg. 1906. Heft 11. 



H. v. Pleden. 



Sehlangenhabicht. 



Zoologischer Beobachter 

— *&- Der Zoologische Garten. -« — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Garten Deutsehlands. 

Redaktion: Piof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldschmidt. 

^ : "~ XL™ Jahrgang. "~l ^j^ MW. 

Inhal I. 

Ein Gang durch den Zoologischen Garfeen in Basel; von Heinrich Lauer in Frei- 
bürg i. Br. — Die Raubvögel des Zoologischen Gartens in Hannover; von Erwin Detmers 
in Liniren a. d. Ems. (Mit Taf. I— II). — Der Maulwurf als Tagtier; von Hermann LÖn* 
in Hannover. — Oraithologische Kollektaneen aus Oesterreich-Ungarn und dem Okkupations- 
Geoiete. (Aus Jagdzeitungen and Tagesblättern); von Viktor Bitter v. Tsohusi zu 
Schmidh offen. (Schluß.) — Kleinere Mitteilungen. - Literatur. — Nekrolog. — Einge- 
gangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. 



Ein Gang durch den Zoologischen Garten in Basel. 

Von Heinrich Lauer in Freiburg i. Br. 



Der Zoologische Garten in Basel, durch eine hübsche, schattige 
Allee, den Tiergartenweg, mit der Stadt verbunden, wurde laut 
Führer am 3. Juli 1874 eröffnet. Sein eingefriedigtes Areal besitzt 
einen Flächeninhalt von 6 ha 49 ar 72 qm. Er liegt ungefähr süd- 
lich von der Stadt in einer Mulde, von dem Birsig, der seiner Süd- 
ostseite entlang fließt, nach dem Rümelinbache an der Nordwest- 
grenze sanft ansteigend. Der Eintrittspreis beträgt an den Wochen- 
tagen für gewöhnlich 50 Cts. für Erwachsene, 25 Cts. für Kinder 
unter 10 Jahren und Militärs, an den Sonntag -Nachmittagen ohne 
Unterschied pro Person 25 Cts. 

Bei der Wanderung durch den Garten, die wir nunmehr an- 
treten wollen, halten wir uns bezüglich der Reihenfolge der Tierbe- 
hälter im allgemeinen an den Plan, der dem »Führerc beigefügt ist. 
Der Führer, der ebenfalls 50 Cts. kostet, ist recht gut ausgestattet 
und mit wohlgelungenen Abbildungen der hervorragendsten Baulich- 
keiten illustriert. Wegen der gemischten Bevölkerung der Örtlichkeit 
gibt er die Namen der Tiere außer in deutscher und lateinischer 
auch in französischer und bei inländischen Tieren noch in italienischer 
Sprache an. Nur machen sich bisweilen kleine Differenzen in den 

Zoolog. Boobacht. Jahrg. XLVIT. 1906, 21 



— 322 — 

wissenschaftlichen Benennungen der Tiere zwischen ihm und den 
Aufschriften auf den Gehegen od«r einzelnen Behausungen unlieb- 
sam bemerkbar. 

Am Eingang des Gartens steht rechterhand das Verwaltungs- 
gebäude mit den Bureaus der Direktion und der ökonomischen 
Verwaltung. Daran lehnt ein massives Nebengebäude mit einem 
Kniestock aus Holzfach werk, der als Getreidespeicher benutzt wird. 
Der untere Stock enthält den Nacht- und Winterstall für die Affen 
und Papageien, sowie eine Fourageküche , die dem Ganzen das 
Gepräge einer dunklen Waschküche verleiht. In neuerer Zeit ist 
dieser Eindruck bedeutend gemildert worden, seitdem das Innere 
schön gesäubert und frisch geweißt worden ist und an Stelle des 
Ofens die zweckmäßigere Dampf- oder Warmwasserheizung erhalten 
hat. Rechts hinter der Türe befindet sich der Affenkäfig von der 
Breite und Tiefe eines Fensters, durch das er mit einem etwa doppelt 
so großen, 1876 erbauten Außenpavillon verbunden ist. Gegenwärtig 
bevölkern ihn nur ein prachtvoller Bartaffe oder Wanderu (Macacus 
silenus L.) und zwei Weißgrüne Meerkatzen (Cercopithecus griseoviridis 
Desm.). Links neben der Tür sehen wir die Behausung des Orang- 
Utans (Simia satyrus L.), bestehend in einem Wohn- und einem 
Schlafzimmer,, beide peinlich sauber, geräumig, außer dem Gitter 
gegen den Zuschauer noch mit Glas verwahrt und möbliert mit 
Tisch, Stühlen, Bettstelle u. s. w. Auf der Außenseite bekam 
»Kitty« 1904 zwei gleich große und ebenso umschlossene Räume 
als Sommerwohnung eingerichtet und mit Tum- und Spielgeräten 
ausgestattet. Das sehr kluge und wohlerzogene Tier, ein Weibchen, 
dessen Zähne allmählich schwarz zu werden beginnen, lebt bereits 
seit 1900 im Garten, gewiß ein beredtes Zeugnis für die aufmerk- 
same und sachverständige Pflege, die man ihm angedeihen läßt. 
Kitty stammt von Sumatra und mochte bei ihrem Einzug in Basel 
etwa drei Lenze zählen. 

Früher war das Haus weit besser besetzt, ja überfüllt. Abgesehen 
von einer Anzahl teilweise seltener Makaken, Paviane, Mangaben 
und Halbaffen, die entweder den gemeinsamen Affenkäfig bewohnten, 
oder in kleinen , kistenartigen Behältern über- und nebeneinander 
aufgestapelt waren oder an den Wänden hingen, enthielt es auch 
eine Gürteltierart und ein Faultier, den Unau (Chöloepns didactylus 
L.). Letzterer hing leider in einem so kleinen Käfig in einem dunk- 
len und dumpfen Winkel, daß sich selbst ein Faultier gelangweilt 
fühlen mußte. Wie vorteilhaft war dagegen das Faultier in dem 



— 323 — 

nunmehr aufgelösten Nilischen Tiergarten in Stuttgart untergebracht! 
Sein Behälter war groß und geräumig und gab reichlich Gelegen- 
heit zur Bewegung. Ich war in der Tat nicht wenig erstaunt, als 
ich das Tier morgens und vor allem abends — Faultiere sind ja 
Nachttiere — uuter den sonderbarsten Körperhaltungen und un- 
glaublichen Kopfverdrehungen gewissermaßen behende umherklettern 
oder in eigentümlicher Hängestellung mit seinen riesigen, gekrümmten 
Klauen das heuartig trockene, lange Haarkleid kämmen oder mit 
einer ziemlichen Geschicklichkeit sein Futter einnehmen sah, völlig 
zuwider den landläufigen Schilderungen, die in diesem Tier bloß 
die verkörperte Trägheit und Dummheit und das Urbild jeglichen 
Stumpfsinnes erkennen. Der vorurteilslose Beobachter wird ihm 
zweifellos erheblich mehr Temperament und Intelligenz zusprechen. 

Doch nach dieser kleinen Abschweifung zurück nach Basel. 
Der Platz für die Besucher des Affenhauses ist ungemein knapp be- 
messen, denn den freien Raum nehmen die großen Papageien ein, 
die dort des Nachts und bei ungünstiger Witterung auch des Tags 
in ihren Bügeln aufgehängt sind, wenn es jedoch das Wetter er- 
laubt, ihre Ständer rings um den dem Hause gegenüberliegenden, 
mit Blumenbeeten, Ziersträuchern und Bäumen geschmückten Basen- 
platz beziehen. Es sind 18 Stück: Rotbug-Amazone (Androglossa 
aestiva Lath.), Müller - Amazone (A. farinosa Bodd.), Goldnacken- 
Amazone (A. auripalliata Less.), Großer Gelbkopf (A. levaillanti Vig.), 
Amazonen-Papagei (A. amazonica L.), Gelbscheitel- Amazone (A. ochro- 
cephäla Gm.), Blaubart-Amazone (A. festiva L.), Großer Gelbhauben- 
Kakadu (Plictolophus galeritus Lath.), Kleiner Gelbhauben-Kakadu (PI. 
stdphureus Gm.), Inka -Kakadu (PL leadbeateri Vig.), Blauer Arara 
(Sittace caerulea Gm.), Roter Arara (S. coccinea Rchw.) und Grünflügel- 
Arara (8. chloroptera Gray). Ihr Futter bildete nur abgekochter Mais. 

Jenseite dieser Anlage wurde 1892 die sog. Heyer-Linde ge- 
pflanzt zum Andenken an den verstorbenen Zahnarzt Herrn Gottfried 
Hey er in Basel, der den Garten testamentarisch zu seinem Univer- 
salerben eingesetzt hat. 

Hinter dem Affen- und Papageien hause liegen von einem Hofe 
umschlossen Magazine und Werkstätten. Schräg links davon steht 
das Denkmal eines weiteren namhaften Gönners des Gartens, des 
Herrn Johannes Beck, ein Medaillon auf einem gewaltigen^ von 
Tannen umrahmten Granitblock. 

Daran schließt sich das Hühner- und Taubenhaus. Es 
setzt sich aus fünf Einzelhäusern zusammen, die miteinander ver- 



— 324 — 

banden sind und aus Fachwerk mit Backsteinausmauern ng bestehen. 
Alle sind niedrig, einstöckig; nur das mittlere überragt die anderen um 
ein Stockwerk und ist überdies mit schlanken, spitzen Türmchen geziert. 
Es dient in seinem Oberbau als Schlag für eine bedeutende Menge 
von freifliegenden weißen Pfauentauben. Von den elf nicht gerade 
großen Ausläufen springen die drei mittleren etwas vor. Seine In- 
sassen sind Edelfasane (Phasianus Qolchicus L.), Goldfasane (Thau- 
malea pida L.), Silberfasane (Euplocomus wycthetnerus L.), Gemeine 
Truthühner, sowie je ein Stamm nachstehender Rassehühner: Peking- 
Bantam, Neger, Kotschinchina, Hamburger, Langshan, Leghorn und 
weiße Italiener. 

Einige Schritte weiter bringen uns zu der Voliere für aus- 
ländische Vögel, einem etwa 2,5 m hohen und 2 m in der 
größten Diagonale haltenden, achteckigen Pavillon. Vier Seiten be- 
stehen aus Brettern, die übrigen vier aus Drahtgeflecht, vor das 
noch Glasfenster gesetzt werden können. Der Boden trägt einen 
kleinen Springbrunnen. Seine Bewohner sind Wellensittich (Meto- 
psittacus undulatus Shaw), Weißflügelsittich (Brotogerys virescens Gm.), 
Kaktussittich (Conurw cactorum Wied), Grauköpfchen (Agapornis 
cana Gm.), Grauer Kardinal (Paroaria cucullata Müll.), Souuenvogel 
(Liothrix luteus Scop.) und verschiedene andere, die bei der herr- 
schenden Lebhaftigkeit nicht leicht zu bestimmen waren. Namen- 
schilder fehlten. 

In der Nähe befindet sich das Fischotter-Bassin, ein 
etwa 3 m langes Wasserbecken mit kleinem Felsenaufbau als Rück- 
seite, in dem sich auch der Stall befindet. Der Fischotter (Lutra 
vulgaris L.) ist immer zu Scherz und Tändelei aufgelegt und be- 
reitet durch seine bewundernswerte Geschicklichkeit und Gewandt- 
heit im Wasser dem Zuschauer viel Vergnügen. Ergötzlich ist sein 
verdutztes Gesicht anzuschauen, wenn er nach einem ins Wasser 
geworfeneu Stückchen Zucker taucht und es ihm in der Pfote zerfließt. 

Wir wenden uns jetzt nach links und kommen zu dem großen 
Oberen Teich, der aus dem Rümelinbache gespeist wird. Der 
Zuflußkanal ist teilweise offen uud bildet unterwegs hübsche Wasser- 
fälle, die in der heißen Jahreszeit angenehme Kühlung spenden. 
Den Teich bevölkern, jede Art meist in mehreren Exemplaren, die 
Saatgans (Anser segetum L.), die Weißstirngans (A. albifrons L.), 
die Ringelgaus (A. torquata Frisch), die Nonnengans (A. leucopsis 
Bchst.), die Höckergans (A. sinensis Steph.), die Brandgaus (Vidp- 
anser tadorna L.), die Rostgans (V. rutila Pall.), die Spießente 



~ 325 — 

(Anas acuta L.) und je ein Paar des Gemeinen Pelikans (Pelecanus 
onocrotalus L.) und des Schwarzen Schwanes (Cygnus atratus Lath.). 
Die letzteren führten ein Junges; sein Dunenkleid war grau, die 
Füße blaugrau, der Schnabel glänzend pechschwarz, am Nagel heller. 

Vom Oberen Teich durch einen Weg getrennt ist der Untere 
Teich. Er ist noch eiu wenig umfangreicher als der vorhergehende, 
von dem er sein Wasser bekommt, und enthält auch eine Insel. 
Außer dem Bläßhuhn (Fulica atra L.) und dem Gemeinen Kormoran 
(Phalacrocorax carbo L.) ist er hauptsächlich mit Enten besetzt: 
Stockente (Anas boschas L.), Pfeifente (A. penelope L.), Reiherente 
(Ftüigula cristata Leach), Tafelente (F. ferina L.), Brautente (Latn- 
pronessa sponsa L.) und Mandarinenente (L. galericulata L.). 

Der Untere Teich liefert sein Wasser zum Teil unmittelbar, 
zum Teil mittelbar durch das frühere Seehund-Bassin an die 
beiden Waldteiche ab, aus denen es dem Birsig zuströmt. Jenes 
ist ein kleineres, mit Beton ausgeschlagenes Becken vor einer nied- 
rigen Felsengrotte und liegt in einem mit Buschwerk uud Bäumen 
bepflanzten Gehege. Zur Zeit beherbergt es einige Fischreiher 
(Ardea cinerea L.), die auch den Winter hier im Freien verbringen, 
uud mehrere Hausentenrassen, wie Indische Laufenten, Rouenenten 
und Pekingeuten. Von den Waldteichen ist der eine ein vielfach 
gewundener Wasserlauf mit Fällen, Felsgruppen, Iuseln uud Grotten, 
während der zweite einen ziemlich schmalen, langgestrekten Tümpel 
bildet. Die erste Partie enthält eine Anzahl Störche (Giconia ciconia 
L.), die des Winters in dem weiter unten geschilderten Vogelbause 
Quartier beziehen, sowie Mantelmöwen (Larus marinus L.), Silber- 
möwen (L. argentatus Brünu.) und Sturmmöwen (L. canus L.). Die 
letztere belebt bloß ein Paar Höckerschwäne (Cygnus ölor Gm.) mit 
einem Jungen, dessen hellweißgraues Dunenkleid einen Stich ins 
Gelbliche zeigt, an Kopf und Hals jedoch ins Bläuliche spielt; sein 
Schnabel ist schwarz, dagegen die Stelle, auf der sich später der 
Höcker erhebt, gelb, also gerade das umgekehrte Verhältnis wie beim 
ausgewachsenen Tiere. 

Sämtliche Teiche sind hübsch mit Naturholzgitter umfriedigt 
uud an ihren Ufern mit Bäumen und Gebüsch umstanden; aber 
etwas mehr Verstecke und Nistgelegenheiten dürften geboten werden. 
Sind die Teiche am Tage anziehend durch das bunte Leben und 
Treiben, das sich auf ihnen abwickelt, so wirken sie im Dämmer- 
lichte eines schönen Sommerabends überaus stimmungsvoll durch ihre 
anmutige Stille. Über der ganzen Natur liegt der weiche Duft der 



— 326 .— 

Abendluft ausgegossen. Wir lassen uns auf einer Bank nieder. Die 
verschiedenen Wasservögel haben ihre Schlafplätze aufgesucht, alles 
ist bereits zur Ruhe gegangen; nur von da oder dort hören wir den 
eigenartig fremdklingeuden Ruf eines exotischen Tieres. Auf einem 
überhängenden Aste erblicken wir einige Scharben, deren dunkle 
Gestalten sich scharf von dem hellen Blau des Himmels abheben, 
in einer Reihe nebeneinander sitzen und ihr Gefieder reinigen und 
glätten. Da mit einem Male bewegt sich das Wasser, kopfnickend 
gleitet ein Bläßhuhn lautlos über den Spiegel dahin. Und durch 
eine Lücke im Baum wuchs des Parkes, die einen freien Durchblick 
nach einem fernen Gehege gestattet, gewahren wir einen Hirsch, 
der langsam vorüberzieht; hinter ihm her schreiten im Gänsemarsch 
seine Tiere. Fürwahr, ein entzückendes Landschaftsbild! 

Ein liebliches Idyll bot sich mir auch bei der Schwanenfamilie 
am letzten Waldteiche. Die Mutter hatte schon im Neste unter der 
Hütte aus Tannenreisig Platz genommen und der Vater sich vor 
dem Zugang der Behausung niedergelassen, um Nachtwache über 
die Seinen zu halten. Bloß das Kleine bereitete dem Mutterherzen 
augenscheinlich viel Sorgen; kaum hatte es die Mutter mit den 
süßesten Worten ihrer Schwanensprache unter sich gelockt und ver- 
mutlich in Schlummer gesungen, da lugte der Range an einer ande- 
ren Stelle ihres Gefieders schon wieder hervor und begann eine neue 
Rundreise um das Nest oder einen Aufstieg auf die Alte. 

Hinter den Waldteichen zwischen Birsig und Garteneingang be- 
finden sich dann noch ein Turnplatz und ein wenig abseits davon 
auf einem etwa 1 m hohen uud vielleicht ebenso laugen gemauerten 
Sockel ein Terrarium, das zur Aufbewahrung von zu Futter- 
zwecken bestimmten Fröschen dient. 

Das Seehundbassin und die beiden letztgenannten, den öst- 
lichen Zipfel des Gartens ausfüllenden Nummern, die Führer und 
Plan zu allerletzt behandeln, haben wir des bessern Anschlusses 
halber vorweggenommen. 

Kehren wir zwischen dem Unteren Teich und den Waldteichen 
zurück, so treffen wir auf das Känguruh haus, ein Blockhaus von 
kreuzförmigem Grundriß. Das Haus, dessen nächster Umkreis ge- 
pflastert ist, hat vier weite, mit hohem, festen Gitterwerk umhegte 
Freiläufe. Den ersten bewohnt ein Paar Rote Riesen - Känguruhs 
(Macropus rufus Desm.). Das männliche Tier bot einen scherzhaften 
und lachenerregenden Anblick dar, indem es, langausgestreckt auf 
dem Rücken liegend, sich sonnte und dabei graziös mit den Vorder- 



— 327 — 

fußen die Fliegen aus dem Gesicht verscheuchte. Im zweiten Ab- 
teil haust ein Sikahirsch (Pseudaxis sika Temm.) mit drei Tieren. 
Vom dritten Gehege, das ein starkes Rudel Hirschziegenantilopen 
(Antilope cervicapra L.) — einen Bock bemerkte ich nicht darunter — 
in eleganten Fluchten durchmaß, ist ein Stück abgetrennt für eine 
Mufflonfamilie (Ovis musimon L.), bestehend aus einem kapitalen 
Widder, drei Schafen und zwei Lämmern; als Stall dient ihnen ein 
niedliches Schweizerhäuschen. Der vierte Teil endlich gewährt 
einigen Bennetis-Känguruhs (Halmaturus bennetti Waterb.) — die Auf- 
schrift am Gehege lautet eigentümlicherweise Macropus ruficollis 
bennetti Wat. — passende Unterkunft. Auch hier steht das Familien- 
leben in schönster Blüte; ein fast erwachsenes und ein halbwüchsiges 
Junges umgeben das Elternpaar. Einen gelungenen Eindruck macht 
es, wenn das Junge, das der Alten an Größe nahezu ebenbürtig ist, 
vor dieser sitzend den Kopf in dem Beutel verbirgt und an den 
Zitzen saugt. Nach eingenommener Mahlzeit faßt die Mutter mit 
den Vorderfüfien den Beutel, zerrt die Öffnung auseinander und 
bringt die in Verwirrung geratenen Haare rings um den oberen 
Rand durch Lecken wieder in Ordnung. 

Die nächste Tierwohnung, auf der andereu Seite des Weges 
gelegen, ist das Elchhaus, 1900 im Stil einer nordischen Holz- 
kirche erbaut und mit fünf ziemliche Bewegung gestattenden Frei- 
läufen versehen, wovon einer zur Zeit leer stand. Hier ist namentlich 
ein Paar mächtiger Elche (Alces palmatus Gr.) zu nennen, eiu 
Glanzstück der Baseler Tiersammlung. Leider fehlte ihrem im üb- 
rigen schattigen Gehege die so empfehlenswerte Suhle. Die prächtigen 
Tiere sprachen dem ihnen vorgelegten Proßholze kräftig zu und 
fühlten sich scheinbar recht wohl. Bei einem letzten Besuche konnte 
ich keines davon zu Gesicht bekommen; hoffentlich gehören sie noch 
zu den ersten Sehenswürdigkeiten des Gartens. Ihre Nachbarschaft 
bildet eine kleine Zebuherde (Bos indicus L.), und zwar ein schwarzer 
Bulle, je eine schwarze und eine dunkelbraune Kuh, ein weißes Rind 
und ein ganz junges braunes Stierkalb mit weißen Beinen. Obwohl 
der Führer die ßemerkuug »Zwergform« enthält, so zählen sie doch 
zu der mittelgroßen Rasse. Ferner treffen wir hier noch ein Rudel 
(einen Hirsch mit fünf Tieren) Damwild (Dama vulgaris Brooke) 
und Rehe (Capreolas capreolus L.). 

Gehen wir vom Elchhaus nach Südwesten weiter, so gelangen 
wir zum Bärenzwinger. Dieser Massivbau enthält zwei Abtei- 
lungen mit Absperrräumen und kleineu Badebassins. Die größere 



— 328 — 



Abteilung springt etwas vor und ist mit einem Kletterbaum ausge- 
stattet. Die Insassen können von zwei Seiten her besichtigt werden, 
sowohl von der Frontseite als auch von oben. Weil nämlich die 
Ställe an der Bückseite der Käfige in das ansteigende Gelände ein- 
gebaut öind, so entsteht eine Plattform, die ein Herantreten an den 
oberen Rand des Zwingers ermöglicht. Grube und Zwinger sind 
demnach gewissermaßen vereinigt. Die größere Abteilung bewohnt 
ein Paar Braune Bären (Ursus arctos L.) und die kleinere eine 
sehr zahme Wölfin (Ganis lupus L.)> die durch Schwauzwedeln 
und Reibeu am Gitter den Beschauer unzweideutig zum Streicheln 
zu bewegen sucht. An trüben Regentagen ist es ihr wohl etwas zu 
feucht und kalt, da der Zwinger von hohen Bäumen überdeckt ist. 
Die anderen Bärenarten werden wir bei dem weiter unten zu be- 
sprechenden kleinen Raubtierhaus angeführt finden. 

Au der Vorderseite des Bärenzwingers vorbei und nach Süden 
gerade vorwärts gehend, stoßen wir auf das Wildschweingehege» 
das mit einem Keiler und zwei Bachen de3 Europäischen Wildschweins 
(Sus scrofa L.) und einem Zuchtpaar Halsband-Pekaris (Dicotyles 
torquatus Cuv.) besetzt ist. Das Gehege, das 1901 angelegt wurde, 
ist mit festem Eisengitter umgeben und zerfällt in drei Teile mit 
zwei kleinen Blockhäusern. Leider ist der Boden ganz zementiert; 
ebenso fehlt jegliche Suhle oder Badegelegenheit. Da auch obendrein 
keine schattenverleihenden Bäume in der Nähe stehen, werden die 
Tiere von der Hitze begreiflicherweise viel geplagt. 

Mit Recht weist der Führer an dieser Stelle auf das schöne 
Arven-Wäldchen (Pinus cembra L.) hin, das von dem Wildschwein- 
gehege an nach der Eulenburg zu aufsteigt. Diese selbst stellt 
eine mit Efeu malerisch umrankte Ruine dar, auf deren Zinnen 
oich schlanke Birken im Winde wiegen. Die sechs spitzbogigen 
Fensternischen bilden ebensoviele helle, freundliche Käfige. Jeder 
von diesen Käfigen ist mit Steinen und Holzstangen zum Sitzen 
ausgestattet, am Boden mit reinlichem Sande bestreut und auch mit 
einem für Eulen nötigen Badegeschirr versehen. Der erste ist un- 
gefähr 1,5 m lang, 2 m breit und 2 m hoch, springt etwas vor und 
wird noch von der Seite her durch ein buntes Glasfenster phantastisch 
erleuchtet, wie es sich für die Wohnung des Uhu (Bvho bubo L.), 
dieses gefiederten Repräsentanten alles Schauerlichen, geziemt. Der 
zweite, dritte und vierte umfassen je zirka 1 qm Grundfläche bei 
einer Höhe von 2 m. Sie werden bevölkert von fünf jungen, teil- 
weise noch flaumigen, piepsenden Waldohreulen (Asio otus L.), einem 



— 329 — 

Steinkauz (Athene noctua Scop.) und zwei alten und drei halbwegs 
ausgewachsenen Waldkäuzen (Syrnium aluco L.). Der fünfte und 
sechste Käfig sind weit kleiner und augenblicklich frei. 

Zwischen dem Bärenzwinger und der Eulenburg befindet sich 
das Büffelgehege. Ein großes, wie die meisten Tierwohnungen 
recht hübsch gelegenes, 1896 erbautes Blockhaus mit vier Ställen 
hat auf der Vorderseite drei zum Teil gepflasterte Aufläufe, deren 
Umzäunung aus starken Eisenstäben hergestellt ist. Es beherbergt 
den Bison (Bisoti americanus Gm.), dessen imponierende Erscheinung 
dem Beschauer stets gewaltigen Respekt einzuflößen vermag. Die 
Herde setzt sich aus zwei Bullen — einer davon ist ein wahrer 
Riese — , zwei Kühen, einem Rind und einem ungemein pntzieen, 
hellrotbraunwolligen Kälbchen zusammen. (Schluß folgt.) 



Die Raubvögel des Zoologischen Gartens in Hannover. 

Von Erwin Detmers in Lingen a. d. Ems. 

(Mit Taf. I— II). 

Die Raubvogelsammlung des Hannoverschen Zoologischen Gartens 
hat zwar längst nicht die Höhe und Größe erreicht, zu der es andere 
gleichgroße Gärten Deutschlands gebracht haben, aber dennoch 
möchte ich sie nicht als minderwertig bezeichnen, da sie wenigstens 
einen großen Teil unserer einheimischen Räuber enthält, und außerdem 
noch einige ziemlich seltene Ausländer in der Sammlung zu finden sind. 

Vor dem eigentlichen »Raubvogelfelsen« befindet sich ein kleiner, 
runder Käfig, der zwei Chimangos (Ibycter pezoporus Meyeu) enthält. 
Diese kleinen, langbeinigen Raubvögel von ungefähr Sperbergröße 
sind sehr gut im Gefieder und scheiuen den Verlust der Freiheit so 
ziemlich überwunden zu haben, denn sie waren ganz zutraulich, 
kamen ans Gitter, knabberten an meinem Bleistift und bisseu mich 
sogar aus lauter Freundschaft derbe in den Finger. Die beiden Vögel 
zeigten in ihrem Benehmen mehr Raben- als Raubvogelart. 

Wendet man sich nun zu dem Raubvogelfelseu selbst, so ge- 
langt man zuerst an einen ziemlich großen, überdachten Flugkäfig, 
der von den Vertretern der Milanfamilie bewohnt wird. An den 
Flugkäfig schließt sich hinten noch ein Unterschlupfort an, in dem 
die Vögel während der Nacht verweilen können. Die beiden Male, 
wo ich anwesend war, hielten sich im Flugkäfig auf: zwei Rote 



— 330 — 

Milane oder Königsweihen (Milvus milvus L.), drei Schwarzbraune 
Milane (Milvus migrans Bodd.) und ein Schmarotzer-Milan (Milvus 
parasiticus L.). Die beiden Königsweihen waren bei meiner An- 
wesenheit nicht sehr gut befiedert, wenigstens der Schwanz fehlte 
ihnen völlig; Den besten Eindruck von der ganzen Gesellschaft 
machte der Schmarotzermilau, dessen Gefieder vorzüglich im stände 
war; er saß in . stolzer Haltung wie ein Edelfalke auf seiner Stange. 
Wer ihn so herrlich sjtzen sah, hätte wohl kaum gedacht, auf welch 
unedle Weise dieser Räuber Beute zu machen pflegt. An diesen 
Käfig schließt sich, nur durch eine Drahtwand getrennt, ein anderer, 
der eben so groß und auf die gleiche Weise eingerichtet ist. Er be- 
herbergte, soweit ich sehen konnte, vier Mäusebussarde (Buteo buteo L.), 
eineu kleinen Schreiadler (Aqtiila pomarina C. L. Brehm), eineu 
Geierseeadler (Gypohierax angolensis Gm.) und einen Schmarotzer- 
milau (Milvus parasiticus L.). Letzterer gehört wohl eigentlich in 
den vorher erwähnten Käfig; er ist auch außerhalb durch kein 
Schild bezeichnet. Zwei von den Mäusebussarden gehören zu der weiß- 
lichen Varietät, die beiden andern zu der braunen, doch sind auch 
sie ziemlich hell gefärbt. Am interessantesten von allen Käfig- 
bewohnern ist aber sicher der Geierseeadler. Dieser Vogel war sehr 
munter und ganz besonders mutig. Kaum hatte er mich vor seinem 
Käfig gesehen, als er sich schon mit ausgebreiteten Flügeln direkt 
vor mir postierte und mich neugierig ansah. Ging ich den Käfig 
entlang, so folgte er mir getreulich. Reichte ich ihm meinen Stock, 
so griff er sofort mit den Fängen zu und wich selbst danu nicht 
zurück, wenn ich ihn anstieß. Während er sich noch mit mir be- 
schäftigt, springt einer der Bussarde auf den Boden herab; sofort 
dreht er sich um und wendet sich kampfbereit gegen diesen, verjagt 
ihn und kommt wieder auf mich zu. Leider fehlt dem Vogel an 
jedem Fang eine Kralle. Dies sah ich auch noch bei verschiedenen 
audereri Raubvögeln, besonders bei den Geiern. 

Mit Absicht erwähne ich das mutige, muntere und aufgeweckte 
Benehmen dieses Geierseeadlers, weil Brehm an gefangenen Exem- 
plaren gerade das Entgegengesetzte beobachtete. Er schreibt über 
diese Vögel unter anderem folgendes: »Regungslos sitzen sie auf 
einer Stelle, meist auf dem Boden des Käfigs, ohne sich um die 
Außenwelt zu kümmern, obwohl sie diese anscheinend aufmerksam 
beobachten. Nicht einmal wenn ihnen Futter vorgeworfen wird, 
geraten sie in sichtliche Erregung, nähern sich vielmehr langsam 
und gemächlich dem ihnen gereichten Fleischstücke, fassen es mit 



— 331 — 

einem Fange und benagen es dann, mehr als sie es zerreißen, ganz 
nach Geierart. Ihre einzige Beschäftigung, in der sie unermüdlich 
zu sein pflegen, besteht darin, ihr Gefieder zu ordnen. Gleichwohl 
sehen sie fast immer schmutzig und unordeutlich aus. Mit einem 
Worte: sie zählen zu den langweiligsten Raubvögeln, die man ge- 
fangen halten kann.c 

Geht man nun den Raubvogelfelsen hinauf, so stößt mau zu- 
erst auf einen Käfig, in dem sich drei javanische Brahminenweihen 
(Ualiastur intermedius Blyth) befinden. Diese Vögel sind sehr schön 
gefärbt und macheu einen vorzüglichen Eindruck. Der Schnabel ist 
fast weiß mit schiefergranem Anflug. Der Kopf, Nacken und die 
Brust sind schneeweiß, die Flügel und die untere Hälfte des Bauches 
dunkel rotbraun, die unteren Schwanzdecken hellbraun. Die Vögel 
scheinen sich sehr gut für die Gefangenschaft zu eignen, denn sie 
zeigten gar keine Menschenscheu und griffen sogar mutig in den hin- 
gehalteneu Stock. An diesen Käfig schließt sich ein großer Flug- 
bauer, der von einem Kuttengeier (Vultur monachus L.), drei Gänse- 
geiern (Gyps fulvus Gm.) und drei Seeadlern (Ualiaetus albicilla L.) 
bewohnt wird. Tn diesem Käfig konnte ich trotz langen Suchens 
bei meinen beiden Besuchen kein Wasser entdecken. Das große 
Wasserbecken war vollständig ausgetrocknet; ob hinter den Felsen 
noch ein Trinkgefäß stand, konnte ich nicht wahrnehmen. Bekanntlich 
ist Wasser für Seeadler wie auch für Geier ein Hauptbedürfnis, 
wenn sie sich wohl befinden sollen. Die Seeadler, in der Freiheit 
der Schrecken der Tierwelt, bekannt als mutige uud kühne Vögel, 
hatten hier im Käfig viel von ihrem eigentlichen Charakter ver- 
loren. Als ich ihren Sitzbaum mit dem Stocke anstieß, wehrten sie 
sich nicht mit ausgebreiteten Flügeln, nein, sie schraken sichtlich 
zusammen und suchten höhere Sitzplätze auf. Solange ich anwesend 
war, schrien sie fast ununterbrochen. Sie warfen den Kopf hoch 
und stießen ein lautes, durchdringendes Geschrei aus, das durch den 
ganzen Garten schallte. Interessant war die Fütterung. Zuerst 
waren die Seeadler unten. Einer stellte sich dicht neben den Wärter 
und schlang die ziemlich großen Stücke, die dieser ihm zuwarf, ganz 
hinunter. Diese Kunst, so große Stücke zu verschlingen, haben sie 
auch sicher erst in der Gefangenschaft gelernt, denn sonst pflegen 
die Adler bekanntlich nur ganz kleine Stücke zu kröpfen. Nach 
den Adlern kam zuerst ein Gänsegeier von oben herab. Dieser ver- 
trieb ohne viele Umstände den schou gesättigten Seeadler. Nun 
folgte ein zweiter Gänsegeier, dieser stahl dem ersten einen Brocken 



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und eilte weg. Plötzlich höre ich dicht neben mir ein lautes Rauschen. 
Der Kuttengeier ist von oben herabgestürzt und hat nichts eiligeres 
zu tun, als dem Gäusegeier sein Fleisch zu nehmen. Kaum hat er 
dieses gefressen, so jagt er dem audereu Gänsegeier einen Brocken 
ab; aber diese Gelegenheit benutzt der erste Geier, um dem an ihm 
vorbeieilenden Kuttengeier einen Hieb auf den Rücken zu versetzen. 
Der Kuttengeier ist scheinbar der Herr, der gefürchtetste, denn vor 
ihm weichen alle anderen aus, benutzen aber stets die Gelegenheit, 
ihn, wo es geht, mit einem Schnabelhieb zu traktieren. Der dritte 
Gänsegeier hatte scheinbar keinen Hunger, denn er blieb während 
der Fütterung oben. Überhaupt schien mir im allgemeinen der 
Appetit fast aller Raubvögel sehr gering zu sein, denn nur wenige 
stürzten freudig aufs Futter, wie es sonst gefangene Raubvögel stets 
zu tun pflegen. Auf diese großen Raubvögel folgt die Perle 
der Sammlung, ein Schlangenhabicht (Spilornis cheelah Daud.) aus 
Java. Ein schön ausgestopftes Exemplar dieser Art sah ich auch 
im Hannoverschen Proviuzialniuseum. Der Schlangenhabicht machte 
einen vorzüglichen Eindruck. Sein Gefieder war fast tadellos, was 
freilich kein Wunder ist, da der Vogel ständig ruhig sitzt und nicht 
durch Rasen und Toben im Käfig seine Federn zerstößt. Mit 
einem Worte, er hat in seinem Benehmen so viel wie gar nichts, 
was an einen Habicht erinnern könnte. Direktor Dr. Ernst Schaff 1 ) 
berichtete schon früher über diesen Vogel und hob unter anderem 
hervor, daß er sich gierig über das gereichte Futter hermache. Wäh- 
rend meiner Anwesenheit kümmerte er sich erst nach ungefähr einer 
halben Stunde um das ihm gebotene Fleisch, kröpfte dann langsam, aber 
ganz und gar nicht gierig davon und ließ schon bald sein Mahl 
wieder liegen. Wahrscheinlich hat er während der langen Zeit seiner 
Gefangenschaft zur Genüge erfahren, wie das Fleisch des edlen 
Rosses schmeckt. Die gleiche Erfahrung scheinen, wie ich schon 
sagte, die meisten andern Vögel auch gemacht zu haben. 

Steigt man jetzt den Raubvogel f eisen wieder hinab und biegt 
nach links, so gelangt man an einen runden, überdachten Käfig, 
der von einem Keilschwanzadler (Aquila audax Lath.) bewohnt wird. 
Diesen Vogel kann man jetzt in Deutschland in sehr vielen Gärten 
finden. Das Exemplar des Hannoverschen Garteus ist nicht sehr 
groß, wenigstens habe ich schon bedeutend größere Vögel dieser 
Art gesehen. Der Adler saß stets ruhig an einer Stelle; deshalb 
konnte ich nichts besonderes an ihm beobachten. An diesen Käfig 

l ) Zoolog. Garten, Jahrg. XL VI, 1905 p. 258. 



— 333 — 

schließt sich ein mittelgroßer- Flugbauer, der zwei Agujas (Buteo 
melanoleucus Vieill.) und einen Ohrengeier (Vültur auricularis Daud.) 
beherbergt. Die beiden Agujas sind prächtige Kerle, was ihre äußere 
Gestalt und ihren Mut anbetrifft. Man könnte sie eher zu den 
Adlern, als zu den Bussarden zählen. Fast stäudig zankten sie sich 
mit dem größeren Ohrengeier, der stets in Furcht vor ihnen lebte. 
War er auf die Erde gesprungen, so konnte er nicht eher auf die 
Sitzstange kommen, bis die Agujas nach oben geflogen waren. 
Beide Agujas griffen ihn aber nicht etwa zu gleicher Zeit an, nein, 
stets kämpfte einer mit dem Geier, während der andere zusah. Kam 
ein Aguja dem andern zu nahe, so wurde auch er mit Gewalt ver- 
trieben. Ich konnte lange Zeit dem Treiben dieser Vögel zuschauen, 
die, solange sie noch nicht gefresseu hatten, fast immer in Be- 
wegung waren. Auf diesen Käfig folgt ein ebensogroßer, die Resi- 
denz eines Kondors (Sarcorhamphus gryphus L.) und eines Hühner- 
habichts {Astur palumbarius L.). Der Kondor, ein Männchen, ist 
ein herrliches, großes Exemplar, das durch die Gefangenschaft noch 
gar nicht verbittert ist. Er ist einer von den wenigen Geiern, den 
ich nicht hinterlistig und tückisch fand, und mit dem ich mich 
wirklich befreunden konnte. Dieser Vogel müßte einen Herrn haben, 
der sich mit ihm beschäftigt, denn man merkt es dem Vogel an, 
wie ihn die Langweile anödet. Während ich mich mit seinem Nach- 
bar, einem Caracara, beschäftigte, sprang er plötzlich von seiner 
Sitzstange herab und stellte sich mit ausgebreiteten Fittichen vor 
mich ans Gitter. Ich erschrak, als ich plötzlich den Flügelschlag 
neben mir hörte und glaubte anfangs, der Kondor käme in böser 
Absicht, doch merkte ich bald, daß er nur spielen wollte. Als 
ich ihm deshalb meinen Stock hinhielt, faßte er ihn vorsichtig und 
knabberte daran hemm. Sehr fiel es mir auf, daß der Kondor seinen 
Schnabel gar nicht weit aufmachen kann, denn dieser Vogel konnte 
den Stock oben nicht in den Schnabel bekommen, so sehr er sich 
auch abmühte. Nach einer Weile steckte er den Kopf aus dem 
Gitter heraus, und ich durfte ruhig seinen Schnabel festhalten oder 
ihn an seinen Kamm krauen, was ihm sichtlich Freude bereitete. 
Als er sich putzte, erlaubte er sogar, daß ich seine schöne Hals- 
krause mit der Hand berührte. Sein Käfiggenosse, der Habicht, ein 
noch junges Tier, saß fast immer auf dem Boden in einer Ecke. 
Dieser Habicht ist, wie fast alle ungezähmten Vögel dieser Art im Käfig 
zu sein pflegen, sehr schlecht im Gefieder, da er sich dieses durch sein 
wildes Umherfliegen zerstoßen hatte. Der Kondor sah jede Bewegung 



— 334 — 

seines wilden Genossen mit komisch neugierigem Blick an, und als 
Fütterung war, ging er im Bogen um den mit gesträubtem Ge- 
fieder auf seinem Futter sitzenden Habicht herum. Der nun folgende 
Käfig beherbergt einen Caracara (Polyborus brasiliensis Gm.), einen 
Truthahngeier (Catharista aura L.) und einen Rabengeier (Catharista 
atrata Bartr.). Der Geierfalke benimmt sich genau wie ein Rabe, 
sein Gang und seine Frechheit und Unverschämtheit erinnern an 
diesen. Vor dem Stock hatte er gar keine Angst, einen Bleistift 
riß er mir aus der Hand, und bei der Fütterung jagte er die armen 
Hühnergeier, was zur Folge hatte, daß die sonst so frechen Vögel 
ganz scheu geworden waren. Nun folgt ein Bauer mit Kolkraben 
(Corvus corax L.), die eigentlich nicht in dem Raubvogelfelsen unter- 
gebracht sein dürften, und an diesen Käfig schließt sich das Palais 
des Königspaares der Nacht (Bubo bubo L.). Mächtige, prächtige Vögel, 
denen man wahrlich den Königstitel nicht verweigern darf. Welch' 
ein Anblick der kräftige Geselle, den nichts scheu machen kann, der 
jeden Angreifer sofort mit den spitzigen Krallen anfallen würde. 
Während meiner Anwesenheit, um die Mitte des Aprils, brütete das 
Weibchen grade sehr eifrig, und das Männchen bewachte es. Das 
Weibchen hatte den Nistkasten als Brutplatz verschmäht und sich 
unter einem kleiuen Felsvorsprung im Sande eine Art Horst zurecht- 
gemacht. Diese Uhus hatten wenigstens einen großen und luftigen 
Käfig; deshalb ist es gar nicht wunderbar, daß sie zur Brut ge- 
schritten sind. Schou sehr oft haben Uhus in der Gefangenschaft 
gebrütet und Juuge hochgezogen. Einige der bekanntesten Fälle 
habe ich in dem kleinen Büchlein »Die Pflege, Zähmung, Abrichtung 
und Fortpflanzung der Raubvögel in der Gefangenschaft« zusammen- 
gestellt. Auch das folgende Virginische Uhupaar (Bubo virginianus Gm.) 
hat, wie der >Führer« sagt, schon wiederholt in der Gefangenschaft 
Eier gelegt und Junge hocbgezogen. Diese Vögel sind ebenso mutig 
wie ihre europäischen Verwandten, denn als der Wärter ihnen Futter 
gab, sprang der eine Uhu sofort mit gesträubtem Gefieder eine Sitz- 
stange niedriger, knappte wütend mit dem Schnabel und machte 
Miene zum Angriff. 

Auf die Uhus folgt wieder ein Kolkrabeukäfig; doch lassen wir 
ihn liegen und begeben uns an die Vorderseite des Felsens, wo wir 
noch verschiedene Raubvögel in kleinen Käfigen untergebracht finden. 
Diese Käfige sind alle in den Felsen eingebaut, traurige Gefängnisse, 
die veranlassen, daß ihre Einwohner, besonders wenn es Eulen sind, 
mit der Zeit regelrecht stumpfsinnig werden. In dem ersten Käfig 



— 335 — 

* 

finden wir einen Waldkauz (Syrnium aluco L.). Der Vogel gehört 
zu der sogenannten grauen Varietät und ist nur von mittlerer Größe. 
Dann folgt eine Ausländerin, eine Brillen- oder Maskeneule (Syrnium 
t perspicillatum Strickl.). Diese Eule scheint in der Freiheit ein ziem- 
lich starker und mutiger Vogel zu sein. Wenigstens zeigte das 
schlechtbefiederte, unglückliche Tier noch gute Beine mit ziemlich 
starken Krallen. Wenn die Eule ruhig saß, merkte man nicht ihre 
schlechte Befiederung. Als ich sie aber anstieß, öffnete sie die Flügel 
zur Abwehr, und nun konnte man erst ihre wahre Verfassung sehen. 
Nehmen wir zu ihren Gunsten an, sie sei während meiner An- 
wesenheit in der Zeit der Mauser gewesen. Beunruhigte man diese 
Eule, so jammerte sie und stieß ein leises, schluchzendes »juh, dbu« 
aus. Nun folgt eine Habichtseule (Syrnium uralense Pall.). Der Vogel 
des Hannoverschen Gartens ist ganz gut befiedert, hat aber nur sehr 
geringe Größe erreicht. Iu der Sammlung des Hannoverschen Provinzial- 
museums befinden sich sehr große, vorzüglich ausgestopfte Eulen 
dieser Art. Die (Jraleule ist eigentlich .nur das vergrößerte Abbild 
unseres Waldkauzes, von dem sie sich aber auf den ersteu Blick 
durch ihren außergewöhnlich langen Schwanz unterscheidet. Bei 
dieser Gelegenheit möchte ich darauf aufmerksam machen, daß im 
Brehm das Bild des Uralkauzes ganz verfehlt ist, während z. B. 
in Hennickes »Raubvögeln Mitteleuropas« ein bei weitem besseres 
und genaueres Bildnis dieser Eule zu finden ist. Den folgenden 
Käfig bewohnt ein Turmfalken männchen (Fäleo tinnunculus L.), ein 
reizendes Tierchen, das aber noch sehr scheu ist. Eine Schleiereule 
(Strix flammea L.) folgt nun; den Schluß bildet ein Steinkäuzchen 
(Athene noctua Scop.). 

Viele Raubvögel müssen in der letzten Zeit gestorben sein, denn 
der »Führer« zählt noch manche Seltenheiten auf, die ich nicht 
mehr vorfand. Zum Schluß möchte ich der Raubvogelsammlnng 
des Hannoverschen Zoologischen Gartens wünschen, daß sie sich noch 
mehr vergrößere, und daß die Verwaltung besonders dafür sorge, 
daß noch mehr von unsern einheimischen Vögeln im Garten zu 
finden sind. 



— 336 — 
Der Maulwurf als Tagtier. 

Von Hermann Löns in Hannover. 



Nur selten sieht man den Maulwurf (Tcdpa europaea L.) über 
Tage, und meistens nur daun, wenn er durch Überschwemmungen, 
Erdarbeiteu und starke Erschütterungen des Bodens veranlaßt wurde, 
seinen Aufenthaltsort schneller, als es ihm unter Tage möglich ist, 
zu wechseln. Bei einem plötzlichen Sommerhochwasser der Aa bei 
Münster in Westfalen verließen die Maulwürfe in Menge die Aa- 
wiesen und retteten sich auf das höher gelegene Land, und diese 
gleiche Erscheinung beobachtete ich nach der Kesselexplosion einer 
vor dem Neuplatz bei Münster gelegenen Brennerei, Sonst sah ich 
nur ganz selten einmal einen Maulwurf tagsüber, und meist waren 
die Ursache Feld- uud Gartenarbeiten, die ihn gestört hatten. Als 
Junge beobachtete ich an einem schönen Aprilmorgen an einem der 
Sonne ausgesetzten Abhänge des Schloßsees bei Deutsch-Krone in 
Westpreußen ein Dutzend Maulwürfe, die zwitschernd und fauchend 
sich jagten, neckten und balgten. Am 7. August 1906 stand ich in 
eiuem Feldholze bei Liuderte in der Nähe von Hannover. Dicht 
neben dem Wege erschien ein ungefähr halbwüchsiger Maulwurf, 
ließ sich in die tiefe Wagenspur des Weges fallen und suchte dort 
eifrig nach Beute, nach der er ganz nach der Art des Dachses stach, 
indem er trockene Blätter, Moosrasen und die Knöterichpolster mit 
der Nase umdrehte oder mit den Vorderpfoten zerriß. Da ich ganz 
leichte, absatzlose Pirschschuhe anhatte, konnte ich mich ihm bis 
auf einen Schritt nähern, ohne ihn zu verscheuchen, und ich sah 
ihm fast eine halbe Stunde zu. Zuerst suchte er das linke Wagen- 
geleise ab; alle Augenblicke faßte er mit den Pfoten oder dem Maule 
zu und verzehrte hastig das Beutetier. Erstaunlich war die Sicher- 
heit, mit der er in der Erde verborgenes Gewürm witterte. In solchen 
Fällen scharrte er schnell eine Vertiefung und legte die Beute bloß. 
Schließlich erkletterte er, indem er sich einen Schwung gab, den 
Weg und wandte sich dem anderen Geleise zu. Am Rande des 
Geleises stutzte er, fuhr mit der Nase am Boden hin und her und 
scharrte mit großer Emsigkeit die Erde los. Die Erschütterung ver- 
anlaßte den von ihm gewitterten Regenwurm, nach uuten, also in 
das Geleise selbst, zu entfliehen, und es war höchst komisch, zu 
sehen, wie verdutzt der Maulwurf war, als er den Wurm nicht fand; 
er saß mehrere Minuten still da, als ob er den Fall eingehend über- 



— 337 — 

lege. Dann ließ er sich in das Geleise hinein fallen , und da er mit 
dem Bauehe auf den Wurm zu liegen kam, konnte er ihn nicht 
wittern, gab die Sache auf und lief weiter, wobei er den Boden und 
die Wände des Geleises eifrig absuchte. Als er einen Fuß weit von 
dem Wurm entfernt war, drehte er sich halb um, weil er an der 
Wand des Geleises irgend ein Tierchen fand. Der Luftzug ging, 
wie ich an meinem Pfeifenrauch sehen konnte, von dem Wurm nach 
Feinem Verfolger. Plötzlich drehte sich der Maulwurf völlig um, 
fuhr auf den Wurm zu und fraß ihn auf. Dann untersuchte er 
sorgfaltig das leere Gehäuse einer Gartenschuirkelschnecke, drehte 
einige Blätter um, machte einen kleinen Abstecher in den Wald, um 
dort Moospolster zu zerzupfen und morsche Aststücke zu zerfetzen, 
umging einen ausgewachsenen Arion empiricorum in großem Bogen 
und stieg wieder in das Wagengeleise hinab, ohne sich durch die 
hier und da darin stehenden Wasserlachen beirren zu lassen. Ein 
halbwüchsiger Grasfrosch nahm schleunigst Reißaus, als der schwarze 
Geselle ihm auf den Leib rückte ; ein winziges Fröschchen aber ver- 
suchte vergeblich die steile Geleisewand zu erklettern, wurde er- 
wischt und mußte sein junges Leben lassen. Nach dieser Mahlzeit 
machte er eine Verdauungspause, die vier Minuten dauerte, und 
jagte dann weiter, bis die Bodenerschütterung, die ein herannahen- 
des Automobil verursachte, ihn veranlagte, ein Loch anzunehmen. 

Ornithologische Kollektaneen ans Österreich-Ungarn und dem 

Okkupations-Gebiete* 

(Aus Jagdzeitungen und Tagesblättern.) 
Von Viktor Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen. 

(Schluß.)- 



Phasiamis colchicus L. — Fasan. 

Böhmen. In der als Promenade vielfach besuchten Kastanien- 
allee nächst dem Gräfl. Auersperg'schen Fasangarten bei Tupadel 
errichtete eine Fasanenhenne in einer Höhe von ca. 4 m im Baum- 
zwiesel ein Nest und legte dahin 8 Eier. Die Henne wurde photo- 
graphiert und wird von einem Heger bewacht. (Osterr. Forst- und 
Jagdbl. XVII. 1905. Nr. 15. p. 116). 

Nieder Österreich. C. H eid rieh erlegte bei Wien am 
4. Okt. einen jungen Fasanhahn, dessen Gefieder bis auf eine kleine 
schwarze Partie am Kopfe und einige violette Federn am Halse 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XLVII. 1906. 22 



— 338 — 

schneeweiß war, auch die Beine waren strohgelb. (Waidmh. 25. 1905. 
Nr. 21. p. 394). 

JParphyrio caeruleus (Tand.) — Purpurhahn. 

Böhmen. Am 16. Juli wurde auf dem Zeluner Teiche 
der Herrschaft Chlumetz a. d. Cydlina gelegentlich der Entenjagd 
ein Purpurhuhn erlegt. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 15. p. 280). 

Otis tarda L. — ftrosstrappe. 

Niederöst erreich. Am 22. Juli ca. 7 Uhr abends entdeckte 
G. Hofeneder im Gräfl. Wilczek'scben Revier Leobendorf nächst 
Korneuburg auf einem Acker 3 starke Trappen, die den Bericht- 
erstatter ohne jede Deckung bis auf 70 Fuß herankommen ließen 
und dann erst abstrichen. Der Fall ist aus mehreren Gründen be- 
merkenswert, weil Trappen in der Gegend von Korneuburg, soweit 
in Erfahrung zu bringen war, noch nicht beobachtet wurden, ferner 
sich diese höchstens 2000 Fuß von der Stadt niedergelassen hatten 
und endlich auf so kurze Entfernung herankommen ließen. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 30. p. 475). 

J. Brückner erlegte am 10. Mai bei Obersulz einen 
Trappenhahn von 2 1 /* m_Flugweite. (Jägerz. f. B. u. M. XVI. 1905. 
Nr. 11. p. 296). 

Otis tetrax L. — Zwergtrappe. 

Niederösterreich. Gelegentlich einer Personaljagd auf Reb- 
hühner im Gräflich Hardegg'schen Revier Zwingendorf- See feld 
wurde eine Zwergtrappe geschossen und dem k. k. naturhistorischen 
Hofmuseum übersendet. (Mitt. n. ö. Jagdsch.-Ver. 1905. Nr. 10. 
p. 334; Hugo's Jagdz. 48. 1905. Nr. 21. p. 674). 

Steiermark. Alois Riegler erlegte in St. Georgen bei 
Neumarkt im Monat September eine Zwergtrappe. Der in dortiger 
Gegend früher noch nie beobachtete Vogel befindet sich iu der 
Sammlung des Stiftes St. Lambrecht. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 44. 
p. 696). 

Ardea cinerea L. — Grauer Beiher* 

Böhmen. Den 4. Jan. erlegte der Gastwirt Fr. Patzelt in 
Hertine nächst der Biela ein Exemplar. (Jäg.-Zeit. XVI. 1905. 
Nr. 3. p. 70). 

Salzburg. J. Eehlhammer erlegte am 23. Juli an der 
Salzach bei Eisbetheu ein Stück von 1.8 m Flugweite. (Salzb. 
Volksbl. v. 29. Juli 1905. Nr. 171. p. 7). 



— 339 — 

Ardea alba L. — Silberreiher. 

Niederösterreich. Im Ignaz Putz'schen Revier wurde in 
einem an der Ybbs aufgestellten Ottereisen ein herrliches Exemplar 
eines Silberreihers gefangen. Derselbe hatte eine Flugweite von über 
2 m. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 3. p. 42). 

Ciconia ciconia (L.) — Storch. 

Salzburg. Den 15. August erschienen 9 Storche inThalgau. 
Einer wurde erlegt, ein anderer angeschossen. (Halleiner Yolksbl. 
Nr. 33 vom 19. August 1905. p. 3). 

Oedicnemus oedicnemus (L.) — Triel. 

Böhmen. Bachdruckereibesitzer P. Adler in Eger erlegte 
im Winter 1904 in Unterschön einen Triel. (Jägerz. XVI. 1905. 
Nr. 1. pag. 16). 

Scolopax rusticula L. — Waldschnepfe. 

Böhmen. Am 27. März wurden 2 Eier der Waldschnepfe im 
Revier St. Anna b. Dobris gefunden, und am 9. April traf man die 
Schnepfe trotz vorhergegangenem starken Schneefall im tiefen Schnee 
auf den Eiern brütend. (Österr. Forst- u. Jagdz. XXIII. 1905. Nr. 17. 
p. 144). 

Aml7. März wurde die erste im Buscho witzer Revier b. Pilsen 
erlegt. (Jägerz. f. B. u. M. XVI. 1905. Nr. 7. p. 184). 

Den 4. April 1905 beobachtete der Hausbesitzer K. Starabasky 
aus Gihak eine auf einem Balken unter dem Dache sitzende Wald- 
schnepfe. (Lov.-rib. Viest. XIV. 1903. Nr. 5. p. 60). 

Am 16. Mai 1905 wurde bei Pecek a. E. eine nahezu ausge- 
wachsene Waldschnepfe gefunden. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 21. p. 330). 

Bei den in den Freiherrl. Herzogen berg'schen Revieren in 
Be&iion, G. Czaslau, abgehaltenen Fasanjagden am 27. und 28. Dez. 
wurde von Oberleutnant L. Freih. von Herzogenberg eine 
Waldschnepfe erlegt. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 3. p. 42). 

Finanzsekretär B. stieß am 16. Mai im Revier Wonsklassy 
(bei Pesk a. Elbe) gelegentlich der Absuche von Nestern schädlichen 
Federwildes auf ein Volk junger Waldschnepfen. Dasselbe hatte be- 
reits volles Gefieder, was auf frühe Ankunft der Schnepfen hinwies. 

Istrien. Iu den ersten Novembertagen begann mit eintreten- 
der Bora der Schnepfenzug in der Gegend von Pola. Ein Jäger 
brachte 14 Stück zur Strecke. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 45. p. 711). 

Mähren. In der Gegend von Göding wurden am 13. März, bez. 
15. März die ersten Schnepfen erlegt. (Jagdfr. V. 1905. Nr, 12. p. 187). 



— 340 — 

Niederösterreich. Am 9. März wurde in den Don au- Auen 
die erste Schnepfe erlegt. Bemerkt wird besonders, daß die Schnepfen 
nicht meldeten, sondern stumm strichen. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 16. 
p. 251). 

In den ersten Apriltagen wurde in Schönbrunn rechts neben 
der vom Obelisken zur Menagerie fuhrenden Allee um die 4. Nach- 
mittagsstunde eine »wurmende« Waldschnepfe beobachtet. (Jagdfr. 
V. 1905. Nr. 16. p. 250). 

Am Gaadenerweg b. Baden wurde am 15. März die erste 
Schnepfe geschossen, und in Hof am Leithagebirge wurden am 

14. März 3 Stück streichend gesehen. (N. Wien. Tagbl. Nr. 75 vom 
16. März 1905. p. 10; Weidw. u. Hundesp. X. 1905. Nr. 232. p. 14). 

Dr. Wahrm. Riegler erlegte im Revierteile Frauenwald der 
Jos. Muller'schen Herrschaft Königstetten im Wiener Walde am 

15. März abends bei stürmischem Wetter 1 Stück. (N. Wien. Tagbl. 
Nr. 76 vom 17. März 1905. p. 11; Weidw. und Hundesp. 1905. 
Nr. 232. p. 14; Zwinger und Feld. XIV. 1905. Nr. 14. p. 274; Wild 
und Hund. XI. 1905. Nr. 12. p. 190; Hugo 's Jagdz. 48. 1905. Nr. 7. 
p. 219). 

Am 14. März schoß Oberförster Tauchen in Michelstätten 
2 Stück. (Hugo's Jagdz. 48. 1905. Nr. 7. p. 213). 

Im Revier Hadersdorf schoß der Freih. Laudon'sche Förster 
Easparek am 14. März eine Schnepfe. (Hugo's Jagdz. 48. 1905. 
Nr. 7. p. 219). 

Den 18. März strichen die Waldschnepfen um P et roneil laut 
Forstmeister G. Eisenmenger. (Hugo's Jagdz. 48. 1905. Nr. 7. 
p. 219). 

Praktikant F. Euler schoß am 15. März im Revierteile Pürs- 
kücke bei Pottenstein 1 Exemplar, ein zweites wurde gesehen. 

Brauermeister F. Choz erlegte den 16. März im Sau er - 
brunner Revier b. Wiener -Neustadt 1 Stück und Revierförster 
M. John in Sommerein im dortigen Gemeindegebiete je eine am 
11. und 14. März, ebenso J. Sokal eine im Frhr. v. Laudon'schen 
Revier im Wiener Walde. (Jägerz. f. B. und M. XVI. 1905. Nr. 7. 
p. 184; N. Wien. Tagbl. Nr. 76 v. 17. März 1905). 

Am 16. Mai um 8 Uhr abends wurden in Breiten fürt 4 Schnepfen 
sehr gut meldend von A. Hanzl beobachtet. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 21. 
p. 330). 

Am 4. Okt. wurden in Oberzögersdorf die ersten Schnepfen 
auf dem Herbstzuge beobachtet. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 41. p. 648). 



— 341 — 

Salzburg. Im Lieferinger Jagdgebiete schoß Jäger Seidel 
am 17. März 1 Stück. (Jägerz. f. B. undM. XVI. 1905. Nr. 7. p. 184). 

* 

Gallinago gallinago (L.) — Sumpfschnepfe. 

Böhmen. In Dobrzan b. Pilsen erlegte F. L. am 27. Jan. auf 
den festgefrorenen, schneefreien Wiesen des Radbuzatales eine Sumpf- 
schnepfe. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 17. p. 266). 

Larus sp. — Möve. 
Böhmen. Fabriksportier Z i e r i s in Lungbuch i. R. er- 
legte am 14. April nächst der Bahnstrecke eine Seemöve. (Waidmh. 
25. 1905. Nr. 9. p. 173). 

Larus canus L. — Sturmmöve. 

Mähren. Anfangs Februar (?) erbeutete R. v. B i e d e r m a n n 
in seinem Jagdreviere Ja ispitz eine Sturmmöve. (111. österr. Jagdbl. 
XXII. 1905. Nr. 2. p. 28). 

Larus fuscus L. — Heringsmtive. 

Nieder österreich. F. Ritter v. Raab erlegte am 10. Juni 
auf einem Teiche bei Kienberg b. Gaming eine Heringsmöve. 
(Waidmh. 25. 1905. Nr. 14. p. 261). 

Colymbus arcticus L. — Polartaucher. 

Niederösterreich. Im Dezember wurden vom Apotheker 
H. Benyschek und dem Postassistenten J. Schischma im Revier 
in Grainsfuhrt bei Amstetten auf der Ybbs 3 Polartaucher und 
1 Nordseetaucher erlegt. (Jägerz. f. B. und M. XVII. 1906. Nr. 1. 
p. 14; Waidmh. 26. 1906. Nr. 1. p. 13). 

Colymbus septentrionalis L. — Nordseetaucher« 

Steiermark. In der Nähe des Teiches in M i ß 1 i n g erlegte ein 
Jäger auf einer Wiese einen gefleckten Nordsee- oder Eismeertaucher. 
(Waidmh. 26. 1906. Nr. 1. p. 15). 

Phalacrocorax carbo (L.) — Kormoran. 

Salzburg. Joh. Hock, Schinnaglbauer in Liefering, er- 
legte im November 2 Exemplare, cf\ 9« Totall. 73 cm, Flugweite 
1 m 20 cm. (Salzb. Volksbl. vom 30. Nov. 1905. Nr. 274. p. 5; 
Zwinger und Feld XIV. 1905. Nr. 51. p. 885). 

Cygnus cygnus (L.) — Singschwan. 

Galizien. Im November schoß Gutsbesitzer Krzemien in 
Jawiszowice auf einem seiner Teiche einen Singschwan und 



machte ihn der Mädchen-Volks- nnd Bür^ 
Geschenke. (Zwinger und Feld. XIV. 1905. 
V. 1905. Nr. 46. p. 731). 

Oygnus spec? 

Niederösterreich. Leop. Fische: 
legte anfangs Juli in den Schottergrnbentün 
arbeitsanstalt 2 »Wildschwäne«, die 2 m 
aus einem Herrschaftateiche ent&ogen sein.« 
p. 441). 

Anaer spec? 

Salzburg. Der t. Götz'sche Revierj 
in Mauterudorf (Luugau) erlegte im April 
sich auf einem Tümpel in unmittelbarer 
gelassen hatte. (J. Gruber, Waidmh. 25. ! 

Anus boscos L- — Stock 
Kärnten. Wie P. C. Keller, der Ret 
heil, berichtet, sandte ihm Forstmeister P i c 
Lavanttale den Eopf einer Stockente, dere 
grün war und quer über der Sehnabelmiti 
trug. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 5. p. 97). 

Ungarn. 

Vultur monachus L. — HSnchsfeier. 

Ungarn. Graf Christ, Logotbetti erlegte am 31. Juli 

in K a t o n a , Kom. Kolozsa, einen V. monachus von 272 cm Flugweite. 

Die Gegend, wo der Geier erlegt wurde, ist hügelig und besitzt nur 

kleine Waldangen. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 18. p. 335). 

Aquila fulia (L.) — Steinadler. 
Der Fürstl. Oberförster Römer in Landok schoß am 13. Sept. 
auf der Uhuhütte einen Steinadler, der sich auf deu Uhu gestürzt 

hatte und mit demselben kämpfte. Der Adler besaß eine Flugweite 
von 212 cm und hatte nur einen Ständer. (Römer, Waidmh. 26. 1906. 
Nr. 1. p. 13). 

Oberjäger G. Nagelschmid fing am 18. Januar in einem 
bei einem erschossenen Hunde aufgestellten Pfahleisen in Bodobö- 
Varalja ein Prachtexemplar eines Steinadlers. (Mitt. n. 5. Jagdsch.- 
Ver. 1905. Nr. 4. p. 133). 



— 343 — 

Buteo buteo subsp.? — Bussard. 
Ein von K. Weisz bei Semlin erhaltener, dem Agramer 
Museum übergebener fuchsroter Bussard von geringerer Größe dürfte 
entweder eine Aberration darstellen, oder zu B. b. zirnmermannae 
zu ziehen sein. (Waidrah. XXV. 1905. Nr. 7. p. 136). 

Bubo biibo (L.) — Uhu. 

War heuer um S e m 1 i n häufiger als sonst. Am 30. Jan. wurde 
einer außerhalb der Stadt im Steilufer erlegt, und ein Paar horstete 
nur etwa kilometerweit außerhalb der Stadt, gleichfalls im Steilufer. 
(Waidmh. 25. 1905. Nr. 7. p. 136). 

GarrtUus glandarius (L.) — Eichelhäher. 

J. Reisenberger in Kelmäk schoß am 1. Februar einen 
Häher, der den Schnabel, Kopf, Hals bis zur vorderen Mitte des Bauches 
und Rückens und die Beine schneeweiß Hatte; Rücken und Bauch 
sind weiß, lichtbraun gefleckt; die beiden Ecken der Flügel bei den 
Schultern sind weiß, der blauschwarze Spiegel der Flügel auffallend 
größer und schöner. Das Stück wurde präpariert. (Waidmh. 25. 
1905. Nr. 5. p. 97). 

Chelidonaria urbica (L.) — Mehlschw&lbe* 
Kroatien. Am 25. Mai 1905 6 Uhr morgens trafen in Sv. 
Ivan Zelina Tausende von Mehlschwalben ein; nachdem sich ihnen 
die einheimischen angeschlossen, zogen sie südwärts. Ahnliches wurde 
auch in Agram um, 11 Uhr am Morgen beobachtet. (Lov.-rib. Viest. 
XIV. 1905. Nr. 7. p. 84). 

Hirundo spec? — Schwalbe. 

Sla vonien. Im August 1905 erlegte Stiglie in Str osmajer- 
ovac bei Diakovo eine weiße Schwalbe. (Lov.-rib. Viest. XIV. 
1905. Nr. 9.' p. 108). 

Tasser domesticus (L.) — Haussperling. 

Den 23. Sept. 1904 wurde in Dunakesz ein rein weißer 
Sperling aus einer Schar von ca. 400 gewöhnlich gefärbten erlegt. 
(St., Waidmh. 25. 1905. Nr. 2. p. 44). 

Tetrao urogallus L. — A.uerhuhn. 

Mit dem Heranwachsen der bedeutenden Nadelholzaufforstungen 
in der Nähe Ödenburgs hat sich — wohl aus dem Rosaliagebirge 
— Auergeflügel angesiedelt. Unweit der sogen. »Grünen Lacke« 
schoß der Jagdpächter L. Stark am 23. April 1905 einen balzenden 
Hahn. (Hngo's Jagdz. 48. 1905. Nr. 12. p. 385). 



— 344 — 

Cotumix cotumix (L.) — Wachtel. 

Am 21. Dez. 1904 wurden auf einer Jagd im Revier Banovce 
bei Nustar in Syrmien in einer Schonung noch 1 Wachtel und 
3 Waldschnepfen erlegt. (Jiräsek, Waidrah. 25. 1905. Nr. 2. p. 42). 

Scolopax rvsticula L. — Waldschnepfe. 

Ungarn. Oberleutnant Baron Ben st beobachtete am 20. Juni 
1904 im Revier Beneshäza eine aufgebäumte Waldschnepfe. 
(Lov.-rib. Viest. XIV. 1905. Nr. 2. p. 23). 

In Petris wurden bereits am 10. März Schnepfen beobachtet. 
(Hugo's Jagdz. 48. 1895. Nr. 7. p. 219). 

Den 5. März wurde im Revier Kiliti bei Ung.- Altenburg 1 Stück 
erlegt. (Jagdfr. V. 1905. Nr. 11. p. 173). 

Slavonien. Am 28. Febr. wurde von E. K. Mager in Dolnje- 
Miholjac die erste Schnepfe erlegt. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 6. 
p. 117; Jägerz. XVI. 1905. Nr. 7. p. 189; Jagdfr. V. 1905. 
Nr. 11. p. 173). 

Im Revier Moslavina bei Doluje Miholjac wurde 1903 eine 
Waldschnepfe von einem Baume herabgeschossen. (Lov.-rib. Viest. 
XIV. 1905. Nr. 3. p. 36). 

Am 16. März 1903 schoß der Jagdhüter F. Spoljar aus Slatina 
ein Exemplar von einem Baume heranter. (Lov.-rib. Viest. XIV. 
1905. Nr. 4. p. 46). 

Prof. M. Marek in Vinkovci konstatierte die ersten seit 
3. März und fand die erste am 19. März (Hugo's Jagdz. 48. 1905. 
Nr. 7. p. 219). 

Kroatien. Baron J. Ozegovic flügelte eine Waldschnepfe, die 
beim Herabfallen laut zwitscherte. (Lov.-rib. Viest. XIV. 1905. 
Nr. 5. p. 59). 

Anser spec? — Gans. 
Ungarn. Den 20. Dez. 1904 fielen um 7 Uhr abends bei 
Nebel und strenger Kälte aus einem über Nagy-Becskerek hin- 
wegziehenden Zuge von Wildgänsen zahlreiche Individuen mit ver- 
eisten Schwingen auf die Straßen und Höfe. (Waidmh. 25. 1905. 
Nr. 3. p. 58; Jägerz. XVI. 1905. Nr. 2. p. 44; Jagdfr. V. 1905. 
Nr. 5. p. 75; Lov.-rib. Viest. XIV. 1905. Nr. 2. p. 23). 

Mergus albellus L. — Zwergsäger. 

Slavonien. War im Winter 1904/5 auf den offenen Stellen 
der Donau bei Semlin häufig und wurden von K. Weisz 2 (f 
erlegt. (Waidmh. 25. 1905. Nr. 7. p. 13§). 



— 345 — 

Mergus merganser L. — Gänsesäger. 

Kroatien. Am 1. Febr. 1905 erlegte ein Jagdhüter des Barons 
J. Ozegovic am Flusse Beduja ein Exemplar; noch ein zweites 
wurde beobachtet. (Lov.-rib. Viest. XIV. 1905. Nr. 3. p. 30). 

Okkupations-Gebiet. 
Tichodvoma muraria (L.) — Alpenmauerläufer« 

Bosnien. Oberleutnant Mayer traf den Mauerläufer Ende 
Mai oder anfangs Juni 1898 ca. 2 Stunden von Sarajevo entfernt 
in einer Felswand unweit des S k a k o v a c - Wasserfalles in einem 
Pärchen, das seine Jungen fütterte, weiter im Frühjahr 1900 im 
Vrbastale oberhalb der Ruine Zvecaj ein solches, auch im folgen- 
den Jahre, jedoch näher Jajce. Vereinzelte sah der Genannte im 
Frühling 1903 in der Ugarschlucht, 1904 am Trebovic bei 
Sarajevo und kürzlich zwei in einer Felswand nächst M o s t a r. 
(Waidmb. 25. 1905. Nr. 21. p. 395). 

* Anas boscas L. X A. acuta L. 

Bosnien. Hanamann in Bosn.-Samac erlegte einen Erpel, 
der ein Bastard zwischen Stock- und Spießente zu sein scheint. 
(A. Castelliz, Wild und Hund. XL 1905. Nr. 1. p. 13; N. Balt. 
Waidmbl. I. 1905. Nr. 3. p. 55). 



Kleinere Mitteilungen. 



Ein kletternder Grasfrosch. Ich sah in Bonn im Juli allabendlich 
zwei Grasfrösche (Bana temporaiia L.) an den Stäben der Laube unseres 
Gartens hinaufturnen und sich auf einem breiten Pfosten, l 1 /* bis 2 m vom 
Erdboden entfernt, zur Ruhe niederlassen. Lange habe ioh darüber gegrübelt, 
was die Frösche veranlassen mochte, einen so hohen Sitz zur Nachtruhe zu 
wählen. Spitzmäuse konnten nicht in Betracht kommen, denn die halten sich 
nicht im Garten auf. Meine Wirtin brachte mich, als ich ihr die Frösche in 
der Laube zeigte, auf folgenden schlauen Gedanken. Sie sagte nämlich sofort: 
»Hu ! Heute gibts noch Katzenmusik ! Die Frösche verkriechen sich ; denn wenn 
der Kater kommt und sie findet, friit er sie auf 1 « Vielleicht hat mein Haus- 
faktotum recht, so unwahrscheinlich klingt die Sache ja nicht! 

stud. Paul Werner. 

Eine musikalische Hausmaus. Ich sai am 25. Juli 1906 um 1 Uhr 
mittags auf meinem Studierzimmer, als ich in meinem Bücherschrank ein Ge- 
räusch hörte. Halt! dächte ich, das ist eine Maus, der Dieb in deiner Vorrats- 
kammer! Schon wollte ich Anstalten treffen, das Vieh totzuschlagen, als ich 
mich besann, es könnte vielleicht eine musikliebende Maus sein. Ich setzte 



— 346 — 

mich wieder nieder, legte den Spazierstock zur Seite, stellte meine Pfeife weg 
und pfiff in den zärtlichsten Tönen den Donau wellen walzer und war sprach- 
los, als die Maus auf einer Bücherreihe erschien. Da ich schwieg, 
blieb die Maus auch sitzen. Ich pfiff also weiter; die Maus kam 
näher, bis nach einer halben Stunde etwa sie sich 10 cm von 
meiner Hand niederließ. Unterdessen waren noch drei meiner Kom- 
militonen, angelockt durch mein Straßenmusikantenkonzert, in Begleitung meiner 
abergläubischen Wirtin erschienen und sahen sich das Schauspiel an: Ein Mensch, 
der sich die Lunge auspfeift, und eine Maus, die sich nach der Tonart des 
Stückes mehr oder weniger entzückte und denKörper verdrehte. 
Endlich war ich des Flötens überdrüssig, packte langsam die ruhig sitzen 
bleibende Maus am Schopf und sperrte sie ein. Als ich abends vor einem 
auserwählten Auditorium meine Künste zeigen wollte, war die Maus ausgerissen 
oder wahrscheinlich von meiner Wirtin losgelassen worden, die das vom »Deibel 
besessene Beest« nicht in ihrer geheiligten Behausung haben wollte. — Ich 
hatte früher als kleiner Bub und auch jetzt noch junge Krähen, Elstern, Eichel- 
häher u. s. w. in Pension. Eine der Krähen war auch musikalisch. Saß mein 
»Jakob« auf der Stuhllehne und strich ich über die D -Saite meiner 
Geige, so reckte er bereits denHals, bei »a« wurde sein Gefieder 
kraus, und bei demTone »c« auf derE-Saite hieU ihn niemand in 
meiner Nähe, er kroch unter den ersten besten Gegenstand und 
kam erst dann wieder, wenn kein Geigenspiel mehr ertönte. In 
späteren Zeiten riß er schon beim Anblick einer Geige aus. 

stud. P. Werner. 

Neue Beobachtungen an Ameisen. Arbeiterinnen mit stärkerer Ent- 
wicklung der Eierstöcke und daher größerem Hinterleibsumfang hat man als 
Gynäkoiden bezeichnet. P. E. Wasmann bringt nun (in Mitteil. Schweiz. 
Entom. Gesellsch. Bd. 11, 1904, p. 67—70) einige neue Beobachtungen über 
diese Arbeiterform, aus denen hervorgeht, daß die Gynäkoiden die biologische 
Rolle von Ersatzköniginnen spielen, und daß sie aus bereits fertig ent- 
wickelten Arbeiterinnen durch bessere Ernährung herangezüchtet werden können. 
Werden der betreffenden Ameisenkolonie echte Königinnen zugesetzt, so sinken 
diese Gynäkoiden bald wieder zu normalen Arbeiterinnen herab. Nach dem- 
selben Gewährsmann (in Biol. Centr.-Blatt Jahrg. 25, 1905) vermag die Lebens- 
dauer einer Kolonie von Formica truncicola leicht 20 Jahre zu erreichen, da 
das Alter einer JForroica-Königin zwölf Jahre überschreitet und auch neue 
Königinnen in die Kolonie heimgebracht werden können. Besonders dürften 
unsere Leser interessieren Mitteilungen über die gesponnenen Ameisennester, 
resp. über deren Herstellung. Diese Nester bestehen aus Blättern, die zusammen- 
gerollt und durch ein Seidengewebe miteinander verbunden sind, und deren 
Innenseite gewöhnlich mit einem ebensolchen Gewebe austapeziert ist. Merk- 
würdigerweise gehören die Verfertiger dieser Nester ganz verschiedenen Gattungen 
an; wir kennen als Spinner bis jetzt Oecophylla smaragdina aus Indien und 
verschiedene Pölythachis-Arteu (wie P. dives, spinigera u. s. w.) und Camponotus 
senex Sm. aus Brasilien. Mit seltener Übereinstimmung beschreiben sämtliche 
Beobachter den Vorgang des Spinnens. In Ermanglung eigener Spinndrüsen 
benützen die Arbeiterinnen ihre mit enormen Spinndrüsen ausgerüsteten Larven 



— 317 - 

als Spinnrocken, indem sie sie im Maule halten und in Zickzacklinie hin- und 
herbewegen, während von einer Anzahl andrer Arbeiter die zu verbindenden 
Blätter mit den Mandibeln in die richtige Lage gebracht und zusammengehalten 
werden. Besonders eingehend und anschaulich hat diesen Vorgang Dr. Fr. 
Doflein (in Biol. Centr. -Blatt Jahrg. 25, 1905 p. 497-507, 5 Fig.) geschildert 
und durch sehr instruktive Abbildungen erläutert. Die Art des Gewebes und 
die Nestform ist bei den einzelnen Arten verschieden. Das Gewebe von P. dives 
sieht etwas anders aus als das von Oecophylla. Bei dieser letzteren ist es ganz 
weiß, und die Zwischenräume zwischen den aneinander gehefteten Baumblättern 
sind mit einem glatten weißen Gewebe angefüllt. Bei P. dives ist es dagegen 
hell gelblichbraun, und es sind häufig Stücke feiner Rinde, trockne Grashalme 
und Blätter, Erdklumpen en und Holzfasern hineingewebt. Das Nest selber ist nach 
Wasmann-Jacobson (in Notes Leyden Museum Jahrg. 25, 1905, p. 133—140) 
im Innern durch äußerst feine Gespinstwände in zahlreiche Kammern eingeteilt. 
Das von £. Goeldi beobachtete Gewebe von Camponotus senex enthielt nach 
A. Forel (in Biol. Centr.-Blatt Jahrg. 25, 1905, p. 170—181, 7 Fig.) in der 
Mitte eingeschlossen das Nest einer kleinen Melipone, einer tropischen Bienen - 
art. Wie dies hineinkam, ob die Ameisen um das Meliponennest herumgebaut 
hatten, oder ob die Meliponen in das Ameisennest eingedrungen waren, ließ 
sioh nicht ermitteln. W. M. Wheeler hat (in Bull. Amer. Mus. Nat. Hist. 
Jahrg. 12, 1906, p. 1—18, 3 Fig., 4 Taf.) aus Karton hergestellte Nester einer 
Crematogaster- Art (C. Uneolata Say) und vor allem auch die verschiedenen 
Zelte, resp. Pavillons beschrieben, die diese Ameise, entfernt vom eigentlichen 
Nest, um ihre Milchkühe (Cocciden und Aphiden) baut , um sie vor Temperatur- 
einflüssen und Nachstellungen von Ameisen und andern Feinden zu schützen. 
Sie bestehen entweder aus Karton oder aus Erde. 

(Nach einem Referat Dr. K. Esche rieh s im Zool. Centr.-Blatt Jahrg. 13, 
• 1906, p. 408—420.) Bttgr. 

• 

Eine Käferschlacht beobachtete der jetzige Oberlandesgerichtsrat K. 
Uff ein in Hamm. Wie er mir für den Jahresbericht der »Zoologischen Sektion 
für Westfalen und Lippe« mitteilte, war im Jahre 1891 bei Warburg (Westf.) 
der Goldlaufkäfer oder Goldschmied (Carabus auratus L.) außerordentlich 
häufig. An einem gewissen Julinachmittage nun liefen Tausende der schnell- 
füßigen Laufkäfer auf den Feldwegen umher, aber noch schneller als sonst, 
anscheinend in außergewöhnlicher Erregung. Als der Beobachter sich an das 
Durcheinanderrennen gewöhnt hatte, sah er, wie sich ein Käfer auf den andern 
stürzte und ihm auf den Rücken kletterte, um ihn mit den Oberkieferzangen 
zwischen Kopf und Brust zu fassen und totzubeißen. »Der Mörder lief sofort 
weiter, ohne sein Opfer ferner zu beachten; andere Käfer begegneten ihm, 
er ließ sie unbehelligt, bis er plötzlich einen neuen Gegner fand und sich auf 
diesen stürzte. Der aber erwies sich stärker als er und schlachtete ihn ebenso 
schnell und gründlich ab, wie er es eben noch bei dem andern getan.« Überall 
sah man kämpfende Käfer, und zahlreiche Leichen bedeckten schon das Gefilde. 
Uffeln vermutet, daß das Morden durch Eifersucht der Männchen hervorgerufen 
worden sei; denn er sah, daß eine Anzahl Käfer, und gerade die, die er ihrer 
e Größe und der Dicke des Hinterleibes nach für Weibchen hielt, weder selbs 
inen Angriff machten, noch von den mordlustigen Genossen angefallen wurdent. 



— 348 — 

Mehrmals sah er deutlich, daß einer der letzteren sich auf einen vermeintlichen 
Gegner stürzte, aber plötzlich — ohne Abwehr zu finden — wieder zurückwich, 
und jedesmal war dann der also Angegriffene und wieder Freigegebene ein 
Käfer, den Uffeln als Weibchen ansprach. Leider versäumte er es, da er vor- 
zeitig in die Stadt zurückgerufen wurde, die notwendigen Stücke zur anatomischen 
Nachprüfung seiner Vermutung einzusammeln. Dr. H. Reeker. 

Schädlichkeit des Grünspechts (Picus viridis L.). Als ein Haupt- 
vertilger der Ameisen gilt von jeher der Grünspecht. Da man ihn häufig beim 
Verzehren der baumschädlichen Camponotus-Arten angetroffen hat, so hält man 
ihn für einen forstnützlichen Vogel. Nun aber zeigt P. £. Wasmann (in 
Tijdschr. voor Entom. Bd. 48, 1905 p. 6—12, Fig.), daß der Grünspecht nicht 
nur den schädlichen Camponotus-Arten nachstellt, sondern mehr noch als diesen 
den haufenbauenden Formica- Arten , deren großer Nutzen für den Forst aner- 
kannt ist. Ja, die Untersuchung der Exkremente lehrte, daß er im Winter 
bei strengem Frostwetter sich fast ausschließlich von Formica rufa und 
pratensis nährt, da er andern Ameisen in dem gefrorenen Boden nicht bei- 
kommen kann. Die Ameisenhaufen, die von ihm heimgesucht worden sind, er- 
kennt man sofort an den tiefen, trichterförmigen Löchern, die bis x fa und */* m 
und darüber in sie eindringen und oft in großer Anzahl anzutreffen sind. 
Wasmann zählte an einem großen rtt/a-Haufen nicht weniger als 17 solcher 
Löcher. Durch die massenhafte Vertilgung dieser nützlichen Ameisen wird der 
Grünspecht entschieden forstschädlich. Zu ähnlichen Resultaten ist neuerdings 
übrigens auch W. Leisewitz (in Verh.,Ornith. Ges. in Bayern Bd. 5 p. 64—76) 
gekommen. 

(Nach einem Referat Dr. E. Escherichs im Zool. Gentr.-Blatt Bd. 13, 1906 
p. 434—435.) Bttgr. 



Literatur. 



Die Großschmetterlinge und Raupen Mitteleuropas mit besonderer 
Berücksichtigung der biologischen Verhältnisse. Ein Bestimmungswerk und 
Handbuch für Sammler, Schulen, Museen und alle Naturfreunde. 93 in 
feinstem Farbendruck ausgeführte Bildertafeln mit über 2000 Abbildungen 
und 200 Seiten Text mit 65 Abbildungen. Herausgegeben von Oberstudien- 
rat Professor Dr. Kurt Lamper t. Vollständig in 30 Lieferuugen ä 75 Pfg. 
Verlag von J. F. Schreiber in Eßlingen und München. 

Die beiden ersten Lieferungen dieses großzügig angelegten Werkes liegen 
uns vor. Um unser Urteil über das Lampertsche Buch vornweg kundzugeben:. 
Wir sind entzückt über diese beiden Lieferungen, sowohl was Übersichtlichkeit 
und Deutlichkeit des Textes, als auch was Pracht und Schönheit der Bunttafeln 
anbetrifft. Diese Tafeln übertreffen tatsächlich an Genauigkeit der Zeichnung 
alle bisher erschienenen Schmetterlingsabbildungen. Imago, Raupe und Haupt- 
näh rpflanze sind meist zusammen gezeichnet; dadurch erhalten die Tafeln ein 
wohlgefälligeres Aussehen, und ihre Betrachtung ermüdet nicht so, wie es z. B. 
die der Tafeln des Spulerschen Werkes tut, wo die Schmetterlinge auf jeder 
Tafel en masse zusammengedrängt fast ordnungsmäßig in Reihen und Gliedern 



— 340 — 

ausgerichtet sind und dadurch das Auge des Beschauers zu sehr ermüden. Zwei 
Tafeln, auf denen die Miniergänge von Kleinschmetterlingsraupen in Blättern 
dargestellt sind, liegen den Lieferungen hei. Wir können uns nicht entsinnen, 
daß derartige Fraßgänge bislang in irgend einem Werk so schön und exakt 
abgebildet worden wären; selbst Judeich-Nitzsche's »Forstinsektenkunde« ent- 
behrt derselben. Der Text der 1. Lieferung behandelt den anatomischen Bau 
der Imago. Von hohem Interesse sind die Ausführungen über die Befestigung 
der Flügelschuppen, über Duftschuppen und über die Farbe der Flügelschuppen. 
Den Ausführungen über das Schmetterlingsei (Lieferung 2) ist eine photographfsche 
Abbildung einiger typischer Formen von Schmetterlingseiern beigegeben. Er- 
wähnung hätte hier die Tatsache finden sollen, daß in den Eiern mancher 
Schmetterlinge schon im Herbst das ausgebildete Räupchen zu fiuden ist, dieses 
aber erst im folgenden Frühjahr ausschlüpft. Der anatomische Bau der Raupe 
wird anschließend besprochen. Gifthaare hat auch in erster Linie die Raupe 
von Porthesia chrysorrhoea , die in diesem Jahr hierzulande durch ihr massen- 
haftes Auftreten eine Plage und geradezu eine Gefahr für die obsterntenden 
Bauern bildete; die weißen Gespinste, die Winterquartiere der jungen Räupchen, 
bedecken schon jetzt wieder die Obstbäume der Rhein-Mainebene so stark, daß 
die Bäume fast weiß aussehen. Wir empfehlen das ausgezeichnete Werk aufs 
allerwärmste. Die folgenden Lieferungen werden wir seiner Zeit noch ein- 
gehend besprechen. Ludwig Schuster. 



Prof. Dr. H. Simroth, Über die Verbreitung der Haifische. — Sep.-Abdr. a. 
Sitz.-Ber. d. Naturf. Ges. zu Leipzig 1906. 8°. 15 pag. 

Simroth hat die Gruppe der Haifische zum Prüfstein der Pendulations- 
theorie ') gemacht, weil ihre Vertreter mehr als jede andre Tiergruppe bodenstet, 
bei ihrer Größe im allgemeinen geographisch gut bekannt und auch systematisch 
allseitig durchgearbeitet sind, und weil sie wegen ihrer schier unverwüstlichen 
Zähne auch inr fossilen Zustande reichlich angetroffen werden. Die genannte Theorie 
verlangt, daß das wesentliche Schöpfungsgebiet unsrer Erde der Schwingungs- 
kreis ist, und daß bei der innigen Durchdringung und gegenseitigen Abstam- 
mung der Land? und der Meerestiere weniger die pazifische Hälfte in Betracht 
kommt als die afrikanisch-europäische. Auf dieser Hälfte habe aber unser zer- 
rissener europäischer Erdquadrant die höchste schöpferische Kraft, weil das 
Übergreifen des Meeres über das Festland und umgekehrt die auftauchenden 
Bewegungen der Länder aus dem Meere hier von jeher am stärksten erfolgt seien. 
Nach dem Verf. bedeuten die großen geologischen Perioden nichts anderes als 
die Pendelschwingungen der Erde; wir haben uns während des Altertums der 
Erde in polarer, während des Mittelalters in äquatorialer und während der 
Tertiärzeit wieder in polarer Schwingungsphase befunden. Jetzt bewegen wir 
uns wieder dem Äquator zu. Zwischen die polare und die äquatoriale Schwankung 
schieben sich nach dem Verf. übrigens, wenn wir in die nördlichste Lage kommen, 
Eälteperioden ein, in alter Zeit das Perm, in neuerer das Diluvium oder die 
Eiszeit, aus der das jetzige Klima ja hervorgegangen ist. Umgekehrt beginnt 
das Paläozoikum mit tropischer oder subtropischer Lage für unsre Rechnung 



i) Vergl. in dieser Beziehung auch unser Referat oben p. 252—253. 

Der Herausgeber. 



— 350 — 

im Silur ; ihm entsprach unsre Lage während der Kreidezeit. Damit ergibt sich 
auch für die Haifische als Bodenformen eine bestimmte Vorzeigung des Weges, 
auf dem sie in ihre jetzigen Wohnsitze gelangt sind. Das Nähere in dieser 
Richtung wolle man in der Abhandlung selbst nachlesen. Wenn auch die vor- 
getragene Theorie noch manches Hypothetische hat, so stimmt sie doch, wie der 
Verf. eingehend ausführt, recht leidlich mit dem bekannten Tatsachenmaterial 
von der geographischen Verbreitung und der Entwicklungsgeschichte der Haie 
im Laufe der geologischen Zeiträume. Überhaupt scheint uns die von den 
Zoologen und den meisten Paläontologen als notwendig erkannte Verschiebung 
der Erdachse, die von den Physikern und Geographen so allgemein und hart- 
näckig geleugnet wird, der allgemeinen Annahme sicher zu sein, sobald nur 
einmal ein Geophysiker oder Astronom diesem dringenden und unumgänglichen 
Postulat der Biologen ernstlich näher treten möchte. Eine einfachere Erklärung 
periodisch wiederkehrender Eiszeiten, wie wir sie aus Perm und Diluv kennen, 
ist in der Tat nicht zu finden. Bttgr. 



Dr. Fr. Werner, Die nördlichsten Reptilien und Batrachier. — Sep.-Abdr. a. 
»Fauna Arctica«, herausg. von Dr. Fr. Römer u. Dr. Fr. Schaudinn. 
Jena, Verlag v. Gust. Fischer, 1906. Bd. 4, Lief. 3. Gr. 4°. 16 pag. 

Nach Werner kommt mit Ausnahme von Bana keine einzige Gattung 
von Lurchen in der nördlichen Arktis vor, und von Kriechtieren überhaupt 
keine. Circumpolare Kriechtier- oder Lurcharten gibt es nicht. Von den vier 
in Europa die Arktis erreichenden Formen dieser beiden Tierklassen erreicht 
nur Bana temporaria den Polarkreis und geht bis 71° N. Br.; von Reptilien 
gehören nur Lacerta vivipara (bis zu 70° N. Br.) und Vipera berus dem arktischen 
Gebiet an. Es gibt überhaupt keine eigentlichen arktischen Reptilien oder 
Batrachier; alle hier in Betracht kommenden Arten gehören weitverbreiteten 
und meist auch artenreichen Gattungen an. Anpassungen an das arktische 
Klima fehlen ; die Tiere kommen mit dem auch im Hochgebirge sie schützenden 
verlängerten Winterschlaf aus. Bei den europäischen wie bei den asiatischen 
ist weder in Färbung noch in morphologischen Merkmalen ein Unterschied von 
mitteleuropäischen Stücken zu bemerken; namentlich der bei -unseren Hochge- 
birgsreptilien so häufige Melanismus scheint in der Arktis nicht aufzutreten. 
Wenn wir sehen, daß nördlich vom 70.° N. Br. die Insektenwelt des Sommers rasch 
abnimmt, so finden wir darin wohl einen Fingerzeig für den Grund des Ver- 
schwindens der auf Kerbtiernahrung angewiesenen Frösche und Eidechsen und 
der von diesen lebenden Kreuzotter. Wovon letztere in der Arktis lebt, ist 
übrigens noch unbekannt. Bttgr. 



San. -Rat Dr. C. Lohmeyer, Übersicht der Fische der ostfriesischen Halb- 
insel und des unteren Emsgebietes. — Als MS. gedruckt, Emden, 1906. 8°. 
14 pag. 

Trotz der ökonomischen Bedeutung des Fischfangs in den Binnengewässern 
Ostfrieslands und an dessen Küsten und Inseln war bis jetzt weder ein Spezial- 
werk über die vorkommenden Fische, noch selbst eine Liste veröffentlicht worden. 
Verf. gibt eine solche hier aus der praktischen Erfahrung von über 60 Jahren, 



— 351 — 

indem er nicht weniger als 72 Arten mit deutscher, lateinischer und provinzieller 
Benennung namhaft macht und bei den meisten kleine Zusätze über Häufigkeit, 
speziellere Fundorte, Laichzeit u. s. w. beifügt. 1 Von interessanteren oder selt- 
neren Arten werden verzeichnet Trachinus draco L., dann fraglich Gobius niger 
L. und Cyprinus nudus BL, weiter Centronotus guneUus Bl. Sehn., Gasierosteus 
spinachia L. , Gadus merlangus L., Pleuronectes platessa L. seltner als früher, 
Idu8 melanotus H. En. häufig, Fhoxinus laevis Ag. nur in der Ems, nicht in 
Ostfriesland, Abramis vimba L., Coregonus oxyrrhynchus L., Clupea püchardus 
Walb., Acipenser stuvio L. und Petromyzon marinus L. und als Irrgäste Galeus 
eanis Cov., Mustelus vulgaris M. H., Spinax aeanthias L., Seyllium catulus L. 
Raja clavata L., B. radiata L., B. batis L. und B, fullonica, Trygon pastinaca 
L. und Anarchias lupus. Bttgr. 



Dr. L. Wunderlich, Führer durch den Zoologischen Garten in Köln a. Rh., 
Druck von Greven & Bechtold, Köln, 1906. 8°. 36 pag., 58 Fig. und Plan 
des Gartens. 

Im Gegensatz zu den bisherigen Führern durch den Kolner Garten, die 
eine Liste und die Schilderung der einzelnen dort vertretenen Tierarten geben, 
ist diese neue , Ausgabe eher als ein Wegweiser zu bezeichnen, der im Anschluß 
an den Plan den Besucher überallhin führt, aber nur die wichtigsten Tiere ganz 
kurz erwähnt. So bietet er sicher den Vorzug, nicht allzurasch zu veralten, 
wie dies bei einer genauen Aufzählung des Bestandes eines Tiergartens stets 
der Fall sein muß. Für den fortgefallenen Text entschädigen die zahlreichen 
das Hefteben schmückenden Bilder, die, nach photographischen Aufnahmen her- 
gestellt, Gebäude und landschaftlich schöne Szenerien des Gartens vor Augen 
führen; auch einige meist wohlgelungene Tieraufnahmen finden sich darunter. 
Von neueren Einrichtungen des Gartens seien das nach dem in Frankfurt ge- 
gebenen Vorbild voriges Jahr eröffnete Insektenhaus (in einem von früher her 
vorhandenen Pavillon des Neugartens) und die große Anlage für Aquarien und 
Terrarien im Mittelraume des Vogelhauses erwähnt. P. C. 



Illustriertes Jahrbuch der Naturkunde. IV. Jahrgang, 1906. Von 
H. Berdrow. Verlag von Karl Prochaska, Teschen. 263 Seiten. Pr. M. L— . 
Im Anschluß an das interessante Referat Boettgers über Froschnester 
in Nr. 5 des »Zool. Beob.« sei bei Besprechung des vorliegenden Buches be- 
merkt, daß in diesem auf S. 218 das Nest des Ceylonischen Kletterfrosches 
(Rhacophorus maculatus) in einem tadellosen Bilde wiedergegeben ist. Es er- 
scheint das Jahrbuch als erwünschte zoologische Jahresüberschau jetzt zum 
vierten Male und findet nach wie vor gleich starken Absatz. Inhalt: Astronomie 
und Meteorologie, Aus dem Leben des Erdballs, die Umwertung aller Werte, 
Rätsel des Lebens, Blatt und Blüte, Aus dem Leben der Tiere, Vom Herrn 
der Schöpfung. Im zoologischen Teil sind Forschungen von Schillings, Passarge, 
Simroth, Kandern, A. H. Neumann, Standfuß, Shimer, Werner und Sabanejeff, 
im ornithologischen von Bortezat, Hacker, Köpert, W. Schuster, v. Lucanus, 
v. Lendenfeld, Hesse, Depdolla, v. Quistorp, Dittrich, Gengier und Killermann 
wiedergegeben. W. Seh. 



- 352 — 



Nekrolog. 



J. Rohweder f. 

* * * i 

Der Ornithologe Joachim Rohweder in Husum verblich am 
29. Dezember 1905. Im »Zool. Gart.c schrieb er 1877 (XVIIL Jahrg.) 
über den § 6 des Gesetzes über die Schonzeit des Wildes und über die 
beiden Wiesel in Schleswig -Holstein. Später war er nicht mehr Mit- 
arbeiter; doch werden wir noch, einige hinterlassene Beiträge (Notizen 

über Ab- und Zunahme der Vögel) veröffentlichen. 

Wilh. Schuster. 



Eingegangene Beiträge. 
L. Seh. in 6. bei M. Besten Dank für die beiden Literaturberichte. 



Bücher und Zeitschriften. 

Schweizerische Blätter f. Ornithologie und Kaninchenzucht. Redaktion K 

Beck-Corrodi in Hirzel. Zürich, Ulrioh & Co. 30. Jahrg. 1906. No. 36-38. 
Zoologischer Anzeiger. Herausgegeben von Prof. Dr. E. Korscheit, Marburg. 

Wilhelm Engelmann. 30. Jahrg., 1906. No. 19—20. 
Ornithologische Monatsschrift d. Deutsch. Ver. z. Schutze d. Vogelwelt 

Redigiert von Dr. Carl Ä. Hennicke in Gera. 31. Jahrg. 1906. No. 9. 
Field. The Country Gentlemans Newspaper. HerauBgeg. v. Horaoe Coz in London. 

Vol. 108, 1906, No. 2801-2804. 
Der Weidmann. Blätter für Jäger und Jagdfreunde. Herausg. v. Dr. L. Staby. Berlin- 
Schöneberg. 1906. Bd. 37. No. 49-51. 
Sportblatt f. Züchter u. Liebhaber von Rasseh unden. Herausg. v. E. 

Pr Osler. Frankfurt a. M., 1906, Verlag v. Kern & Birner. 7. Jahrg. No. 49—51. 
Blatter für Aquarien- u. Terrarien-Kunde. Herausg. v. W. Köhler. Verlag d. 

Creutzsohen Buchh., Magdeburg. 17. Jahrg. 1906. No. 36—38. 
The American Journal of Soienoe. Herausg. v. E. S. Dana. New Haven, Gönn. 

4. 8er. Bd. 22, 1906. No. 129. 
Der Ornithologische Beobachter. Monatsberichte f. Vogelkunde u. Vogelschutz. 

Herausg. v. O. D a u t. Bern, Verlag v. C. Daut, 1906. Jahrg. 5, Heft 8. 
Natur und Haus, lllustr. Zeitsohr. f. alle Naturfreunde. Herausg. v. Dr. M. Braß. Ver- 
lag v. H. Schultze, Dresden-Strehlen, 1906. Jahrg. 14, Heft 23—24. 
Zwingerund Feld. lllustr. Wochenschrift f. Jägerei, Fischerei u. Züchtung von Jagd- 

u. Luxushunden. Herausg. v. Fr. Bergmiller. Stuttgart, Verlag v. O. Sautter. 

Jahrg. 15. 1906. No. 3«- 38. 
Die Gefiederte Welt. Wochenschrift für Vogelliebhaber. Herausg. v. K. Neunzig. 

Magdeburg, Creutzscher Verlag. Jahrg. 35, 1906. No. 36—37. 
Mitteilungen über die Vogelwelt. Organ des Österr. Reiohsbundes f. Vogelkunde u. 

Vogelschutz in Wien. Herausg. v. E. D o n n e r. Wien, J. Kühkopf. 6. Jahrg. 1906. No. 17— 18. 
Vereinsschrift für Forst-, Jagd- u. Naturkunde im Königr. Böhmen. Herausg. 

v. Prof. Fr. Croy u. a. Prag, Verl. d. Böhm. Forstvereins, 1906. Jahrg. 1906— 07. Heft 5. 
Deutscher Tierfreund, lllustr. Monatsschrift f. Tierschutz, Tierkunde, Tierzucht u. 

Tierpflege. Leipzig, Verlag v. Franz Wagner. 1906. Jahrg. 10, Heft 9. 
Wochenschrift f. Aqu.- u. Ter r. -Kunde. Herausg. v. Dr. W. Wolter stör ff. 

Braunschweig, Verlag v. A. W. Zickfeldt, 1906. 3. Jahrg., No. 37-39. 
Diana. Monatl. Organ d. Schweizer. Jäger- u. Wildschutz- Vereins. Herausg. v. G. v. Bueg. 

Genf, Druck v. J. Stuaer, 1906. 24. Jahrg., No. 9. 4°. - Preis jährl. frs. 4.— 
Dr. J. Groß, Über einige Beziehungen zwischen Vererbung und Variation. - Sep.-Abdr. 

a. Biolog. Centr.-Blatt Bd. 26, No. 13-18, 1906. 8°. 70 pag. 
Flugschriften des Deutschen Monistenbundes. (Heft 1. E. H äokel, Monismus 

und Naturgesetz. Verlag von Dr. W. Breitenbach, Brackwede i. W., 1906. 8°. 40 pag. — 

Preis M. 0.8C 
Dir. Dr. F. Grabowsky, Mitteilungen über den Gorilla des Breslauer Zoolog. Gartens. 

— Sep.-Abdr. a. Verh. Ges. D. Naturf. u. Arzte in Breslau. 1904. p. 253—258. 8°. 6 pag., Fig. 
Derselbe, Beitrag zur Biologie des Gorilla. — Sep.-Abdr. a. Jena. Zeitschr. f. Naturwiss. 

Bd. 41 1906. 8°. 4 pag., Taf. 



Zusendungen werden direkt an die Yerlagahandlung erbeten. 



Nachdruck verboten. 



Druck von Reüihold Mablau, Fa. Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a.M. 



I 



Zoologischer Beobachter 

— «e- Der Zoologische Garten. -«* — 

Zeitschrift 

für 

Biologie, Pflege und Zucht der Tiere. 



Organ der Zoologischen Gärten Deutschlands. 

Redaktion: Prof. Dr. O. Boettger. — Verlag: Mahlau & Waldsehmidt. 



N*- 12. XLVIL Jahrgang. Dezember 1906 

Inhal*. 

Ein Gang durch den Zoologischen Garten in Basel (Sehlaß); von Heinrich Lauer in 
Freiburg i. Br. — Die geographische Verbreitung der afrikanischen Grauschakale; von Dr. Max 
Hilzheimer in .Straßburg (Elsaß). — Ankunft und Fortzug der Mauersegler, Apus apus (L.); 
von stud.Paul Werner in Münster (Westfalen).— Ergänzungen zu „Deutsche — insbe- 
sondere hessische — Tiernamen" und zu dem „Nachtrag"; von Heinrich Lauer in 
Freiburg i. Br. — Briefliche Mitteilung. — Kleinere Mitteilungen. - Literatur. — Einge- 
gangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. 



Ein Gang dnrch den Zoologischen Garten in Basel. 

Von Heinrich Lauer in Freiburg i. Br. 

(Schluß.) 



Wenden wir uns wieder rückwärts und folgen der Steigung des 
Weges, so gelangen wir zum Kleinen Raubtierhaus. Es ist 
schätzungsweise etwa 15 m lang und 4 m breit. Über seine innere Ein- 
richtung weiß ich nichts mitzuteilen, da der Zutritt dem Publikum unter- 
sagt ist; ich muß mich daher lediglich auf das Äußere beschränken. Der 
Sockel der neun an der Frontseite liegenden Außenkäfige ist etwa 
1 m hoch. Der erste und neunte Käfig treten aus den Ecken her- 
aus, sind zylinderförmig mit vielleicht 2 1 /» m Durchmesser und 3 m 
Hohe, mit Glasdach versehen und mit Holz gepflastert; sämtliche 
übrigen Käfige zeigen Tonplatten als Bodenbelag. Der zweite, dritte, 
vierte, sechste, siebente und achte sind niedrig, mit einer Grund- 
fläche von etwas über 1 qm; ihre Hinterwand zeigt die Form einer 
schmalen Nische, deren untere Hälfte durch Zumauerung in einen 
Stall umgewandelt ist. Der fünfte springt wieder ein wenig vor und 
bildet beinahe einen Würfel von ungefähr 3 m Seitenlänge. Seine 
Decke ist sanft gewölbt, seine gleichfalls nischenartige Rückseite 
grotten ähnlich maskiert und in halber Höhe mit einem Sitzbrett 

Zoolog. Beobacht. Jahrg. XL VII. 1906. 23 



— 354 — 

versehen. Im Boden befindet sich ein Wasserbecken von der Gestalt 
und Größe einer Badewanne. Seine Insassen sind, beim ersten Käfig 
angefangen, folgende: ein Paar Streifenhyänen (Hyaena striata Zimm.), 
ein Edelmarder (Mustela martes Briss.), ein Hausmarder (M. foina 
Briss.), eiu Fuchs (Canis vulpes L.), eine Kragenbärfamilie (Ursus 
tibetanus Cuv.) mit zwei Sprößlingen, ungemein drolligen Kobolden, 
Zibetkatzen (Yiverra civetta Schreb.), Paka (Coelogenys paca Rengg.), 
eine Tigerkatze (Felis tigrina Schreb.), eine Großschwanzkatze (F. 
macrura Wied) und ein Paar Sonnenbären (Ursus mcdayanus Raff].). 
Die letztgenannten leben gerade in den Flegeljahren und wisseu als 
geborene Komiker durch Fangen und Turnen auf dem Kletterbaum 
u. s. w. die Zuschauer lange Zeit zu unterhalten und zu belustigen. Auch 
verraten sie nicht geringe Intelligenz. Als z. B. der Wärter den 
Hydranten an die Wasserleitung schraubte, um den Käfig zu reinigen, 
wälzte der eine alsbald eine Kugel auf das Sieb, des Abflußrohres, 
wodurch ein kleiner See entstand, so daß er seinen Durst stillen und 
sein Badebedürfnis befriedigen konnte; auf Geheiß des Wärters ent- 
fernte er darauf auch wieder die Kugel, sowie die angesammelten 
Strohhalme, Blätter u. dgl. Sicherlich wird diese sogar einem der 
Bärensprache Unkundigen leicht verständliche Bitte durch Beschaf- 
fung eines Badebassins in Zukunft gewährt. Auch noch in manch 
anderer Beziehung entspricht das Haus nicht den Zwecken einer 
modernen Tierwohnung. Unter anderem wäre es selbstredend recht 
interessant, die nahe verwandten Arten der Großschwanz- und Tiger- 
katze zu gleicher Zeit nebeneinander zu sehen; doch ist das bei der 
jetzigen Einrichtung unmöglich und stets nur ein Stück der Be- 
sichtigung zugänglich. 

Hinter dem Kleinen Raubtierhaus dehnt sich die länglichrunde 
Festmatte aus, eine große, eingezäunte Rasenfläche, die zur Ab- 
haltung verschiedener Festlichkeiten, Aus- und Schaustellungen oder 
je nach der Jahreszeit als Weide für Kamele, Zebus und Ponies oder 
als Spiel- und Tummelplatz für Kinder dient. Zur Zeit meines Be- 
suches wurde gerade das Heu eingeerntet. 

Im Hintergrund dieser Wiese erhebt sich auf dem höchsten 
Punkte des Gartens ein stattliches Bauwerk, dessen Steinteile in der 
Hauptsache aus Granit bestehen, das Große Raubtier- und Rep- 
tilienhaus. Es wurde 1902 und 1903 fertiggestellt und am 
1. Januar 1904 der Öffentlichkeit übergeben. An Länge mißt es 
ungefähr 40 m, der Zuschauerraum an Breite 4 m. Das Innere ist 
durch Portale an den beiden Giebelseiten zu betreten, besitzt Warm- 



— 355 — 

* 

wasserheizung and wird mit Oberlicht durch ein doppeltes Glasdach 
oberhalb des Zuschauerraumes erleuchtet. Ob die Ventilation ge- 
nügt? Die nach der Festmatte gerichtete Frontseite enthält die 
Raubtiersammlung in zehn nebeneinander liegenden, durch Falltüren 
in den Zwischenwänden verbundenen, etwa je 2 1 /* in tiefen Innen- 
käfige u, von denen der erste und letzte in den durch die Portale 
gebildeten beiden Vorhallen liegen und daher dem Besucher für ge- 
wöhnlich verdeckt sind. Die Sohle der Käfige liegt ungefähr 1 m 
über dem Boden, und 1 m davor befindet sich ein starkes Schutz- 
geländer. Daß Boden, Wände und Decken der Käfige völlig aus 
Holz gearbeitet sind, ist wohl kaum sehr praktisch; abgesehen von 
der Schwierigkeit einer eintretenden Falles notwendigen Desinfektion 
und sonstigen Nachteilen mußte bereits die Umgebung der Türen 
mit Metall verschalt werden, obwohl den Tieren Holzknüppel u. dgl. 
zum Auskrallen zur Verfügung stehen. Nach außen zu stößt an die 
Rückwand der Innenkäfige die Hauptfront des Hauses an, die einen 
großen, halbkreisförmigen Mittelpavillon, zwei noch größere, runde 
Eckpavillons und beiderseits je zwei Zwischenabteilungen, also ins- 
gesamt sieben als Sommerkäfige dienende, untereinander und mit den 
Innenkäfigen durch Falltüren in Verbindung stehende, luftige Räume 
enthält. Die beiden Eckpavillons sind mit Felsen, die übrigen mit 
Sprunggestellen aus Birkenholz ausgestattet. 

Au Raubtieren besitzt das Haus folgende Arten: je ein Paar 
Pumas (Felis concohr L.), Abessynische Löwen (F. leo L.) — Eigentum 
der Stadt Zürich — und prächtige Tiger (F. tigris L.); ferner 
einen männlichen Löwen, zwei am 29. August 1905 und drei am 
17. Januar 1906 im Garten geborene junge Löwen, vier geographische 
Varietäten des Leoparden (F. pardus L.) — darunter einen schwarzen 
Panther — und einen ausgezeichnet schönen Schneeleoparden (F. irbis 
Ehrbg.). 

Die Rückseite des Gebäudes nimmt die Reptilien- und die 
Batrachiersammlung ein, die mit Ausnahme der durch Gitter abge- 
sperrten Gelasse für Schildkröten und Krokodile durch starke Glas- 
tafeln vom Zuschauerraum getrennt ist. Die Sohle der Behälter 
liegt 60 cm über dem Fußboden. Leider sind manche Tiere infolge 
der Spiegelung der Scheiben, hervorgerufen durch ungünstiges Ober- 
licht, nur dann gut und deutlich sichtbar, wenn man die Augen 
unmittelbar an das Glas bringt und noch die Hände als Schirm 
schützend darüberhält. Allein das hat seine Schwierigkeiten; ein- 
mal ist in einem etwa 65 cm weiten Abstand von den Scheiben eine 



— 356 — 

Barriere angebracht, und fürs zweite ist das »Berühren der Scheiben 
verboten«. Außer den beiden schon erwähnten großen Krokodil- und 
Schildkrötengelassen stehen noch zwei halb so große Glasräume für 
Riesenschlangen und zehn kleinere für Lurche, Echsen und weniger 
große Schlangen zu Gebote. Alle Glaskasten sind zweckdienlich 
eingerichtet und mit Wassergefäßen und teilweise mit lebenden 
Pflanzen u. s. w. ausgestattet; nur mangelt es an dem gerade für 
diese Wesen so unentbehrlichen direkten Sonnenschein. Besonders 
lobend hervorzuheben ist hier, daß sämtliche Behälter mit Namen- 
schildern und guten, farbigen Abbildungen versehen sind. 

Bei der Aufzählung der Insassen, die gewöhnlich in mehreren 
Exemplaren vorhanden sind, fange ich mit der linken Ecke an; die 
Ziffern bezeichnen die Gelasse. 1. Bufo boreas B. Gir. ; Rana hexa- 
dactyla Less.; R. cyanophlyctis Sehn. 2. Riesenskink (Tiliqua scin- 
coides White); Riesengürtelschweif (Zonmus giganteus Smith); Ge- 
meines Chamäleon (Chamaeleo vulgaris Daud.). 3. Gemeiner Leguan 
(Iguana tuberculata Laur.); Wüstenwarau (Varanus griseus Daud.); 
Klappschildkröte (Ginosternum scorpioides L.). 4. Teju (Tupinambis 
teguixin L. und T. nigropunetatus Spix). 5. Kielschwanzechse (Tropi- 
durus hispidus Spix) ; Lacerta galloti D. B. ; Faltenechse (Gerrhonotus 
caerüleus Wiegm.); Mauergecko (Tarentola deldlandei D.'B.). 6. Gitter- 
schlange (Python reticulatus Schneid.). 7. 4 Abgottschlangen (Boa 
constrictor L .), die, wie auch die vorige, in der Häutung waren; die 
Hautfetzen hingen fahnenartig von den Bäumen herab. 8. Alligator 
(Alligator mississippiensis Daud.); Nilkrokodil (Crocodilus niloticus 
Laur.). 9. Elefantenschildkröte (Testudo elephantina D. B.), zwei 
kolossale Stücke; Waldschildkröte (T. tabulata Walb.); Nicoria 
punetularia Daud. 10. Madagaskar-Boa (Corallus madagascariensis 
D. B.) ; Sandschlange (Eryx johni Russ.) ; Madagaskar-Schnauzen- 
natter (Lioheterodon madagascariensis D. B). 11. Sumpfschildkröte 
(Emys orbicularis L.); Griechische Schildkröte (Testudo graeca L.). 
12. Wassertrugnatter (Cerberus rhynchops Sehn.); Äskulapnatter 
(Golttber longissimus Laur.); Leopardennatter (0. leopardinus Bp.); 
Vipernatter (Tropidonotus viperinus L.); Ringelnatter (T. natrix L. 
typ. und v&r.persa Pall.); Würfelnatter (T. tessellatus Laur.). 13. Perl- 
eidechse (Lacerta ocellata Daud.); Smaragdeidechse (L. viridis Laur.) ; 
Scheltopusik (Ophisaurus apus Pall.) und 14. Aga (Bufo marinus L.) 
und Ochsenfrosch {Rana catesbiana Shaw). 

Zur Linken der Festmatte, vom Raubtier- und Reptilienhaus 
aus gesehen, steht das Elefantenhaus. Mit diesem Gebäude hat 



w 



— 357 — 

die Leitung etwas künstlerisch recht Wirkungsvolles geschaffen. Es 
wurde 1891 im maurischen Stile ausgeführt, besitzt rechteckige 
Grundform und ist au der dem Eingang gegenüberliegenden Ecke 
mit einem achtseitigen Kuppelbau flankiert. Die Beheizung geschieht 
durch Dampf. Der obere Stock des Hauses dient als Futterlager- 
räum. Der rechteckige Teil ist ungefähr 15 bis 17 m lang und 
6 m breit; au der einen Längsseite befinden sich die Ställe, die 
etwa die Hälfte des Baumes einnehmen, indes die andere Hälfte für 
die Besucher frei bleibt. Der Elefantenstall liegt in dem Kuppelbau 
uud wird durch dicke Eisenschienen und -stäbe abgegrenzt ; un- 
liebsamerweise vermißt man die wohltätige Einrichtung eiues Bade- 
beckens. Zwischen diesen und die Schmalseite, in der sich der Ein- 
gang befindet, schieben sich noch drei Ställe ein. Ihren Abschluß 
nach dem Zuschauerraum bilden 65 cm hohe Bretterwände, denen 
ein Eisengitter aufgesetzt ist; jeder Stall hat Holzpflaster. Den vier 
Ställen entsprechen ebensoviele Freiläufe. 

Wenden wir uns nun zu den Bewohnern. Da ist zunächst ein 
weiblicher Indischer Elefant (Elephas indicus Guv.), ein Riesentier, 
wozu der Führer nachstehende Charakteristik gibt: »Geschenk der 
Herren Dr. Fritz Sarasin und Dr. Paul Sarasin von Basel, 
die das Tier auf einer Forschungsreise im Innern der Insel Ceylon 
gefangen nahmen (Juni 1885). Das Tier mag damals 8 bis 10 Monate 
alt gewesen sein ; bei seiner Ankunft in Basel (30. April 1886) hatte 
es eine Schulterhöhe von 1,18 m und ein Gewicht von 340 Kilo. 
(Die letzte Wägung fand am 23. April 1891 statt und ergab 
1448 Kilo; gegenwärtig — d. i. 1903 — wird das Tier etwa 
4000 Kilo wiegen). Nach dem Flusse, an dem das Tier in Gefangen- 
schaft geriet, wurde es mit dem Namen »»Kumbuck«« belegt.« " So- 
dann folgt ein Tapir (Tapirus americanus L.) und ein Zebrapaar. 
Zu meinem Bedauern habe ich vergessen, mir genauere Aufzeichnungen 
oder eine Skizze zu machen, um die Tiere bestimmen zu können ; 
das Gehege trägt die unverständliche Aufschrift »Equus burchdli 
chapmani Layard, Chapmans Zebra.« 

Im Zuschauerraum des Hauses haben noch vier Aquarien Auf- 
stellung gefunden. Das erste ist achteckig mit einer Höhe von 30 
und einem Quermesser von 50 cm und enthält drei weiße Axolotl 
(Amblystoma mexicanum Cope). Das zweite ist viereckig in der 
Größe 90X90X^0 cm und beherbergt einen Riesensalamander 
(Cryptobranchus japonicus Schleg.). Das dritte (Maße: 80X60X50 
cm) ist mit Goldfischen (Carassius auratus Blkr.), Sonnenfischen 



— 358 — 

(Eupomotis aureus Jord.) und Welsen (welche Art? Benennung fehlt) 
besetzt. Endlich das vierte, das in den Dimensionen 60X40X45 cm 
gehalten ist, würdigen die wenigsten Zuschauer eines oberflächlichen 
Blickes; die meisten gehen ahnungslos vorbei. Und dennoch birgt 
es vielleicht die »avis rarissima« des Gartens, zwei Lud genfische 
(Protopterus mnectens Owen). Allerdings sind die beiden etwa 25 cm 
langen Tiere für den Nichtfachmann gar zu unscheinbar; aber auch 
das Aquarium steht recht unvorteilhaft, dunkel und ohne Sonnenlicht. 
Sein Boden ist mit weißen Kieselsteinen belegt; es enthält klares, kaltes 
Wasser und ist uubepflanzt. Meiner unmaßgeblichen Ausich t nach 
kommt diese Art der Behandlung den natürlichen Lebensbedingungen 
dieser seltenen Tiere durchaus nicht entgegen. Die beiden Fische 
gaben denn auch kaum ein schwaches Lebenszeichen von sich. 

Beim Verlassen des Elefantenhauses hat man linkerhand das 
Raubvogelhaus. Es setzt sich zusammen aus einem großen 
mittleren, zwei mindergroßen Eck- und je drei dazwischen liegenden 
kleinen Flugräumen, demnach im ganzen aus neun Käfigen, deren 
Rückwand jeweils eine Mauernische bildet, die teilweise Felsenauf- 
baue enthält. Die Anlage des Hauses ist etwas eintönig uud pro- 
saisch; man vergleiche nur die herrlichen Raubvogelkäfige im Zoo- 
logischen Garten zu Halle a. S. Die Bevölkerung ist folgende: 
Kondor (Sarcorhamphus gryphus L.), Carancho (Pölyborus brasilien- 
sis Gm.), auch in einer hellen Spielart; Gabelweih (Milvus milvus 
L.), Schwarzer Milan (M. ater Gm.) und Scbmarotzermilan (M. 
aegyptius Gm.), Gaukler (Helotarsus ecaudatus Gray) und Turm- 
falke (Cerchneis tinnunculus L.), Stein - (Aquila chrysaetus L.), 
Kaiser- (A. melanaetus L.) und Seeadler (Haliaetus albicilla L.) 
und Lämmergeier (Gypaetus barbatus L.), Schmutzgeier (Neophron 
percnopterus L.) und Kolkrabe (Corvus corax L.), Jagdfalke 
(Fdlco rustictdus Z.), Mäuse- (Buteo buteo L.) und Adlerbussard 
(B. ferox Gm.), Wanderfalke (Falco peregrinus Tunst.) und Schell- 
adler (Aquila pomarina Brehm), Mönchs- (Vültur monachus L.) und 
Gänsegeier (Gyps fulvus Gm.). Aus der Gesellschaft amüsierte die 
Besucher vor allem ein Kondor, der nicht genug bekommen konnte, 
sich von dem Wärter anspritzen zu lassen; mit wirklichem Behagen 
wandte und drehte er sich, spreizte das Gefieder und richtete die 
Flügel empor, bis er vollkommen durchnäßt war. 

Das Elefanten- und Raubvogelhaus schließen mit ihren Rück- 
seiten den Okonomiehof ein, der auch die Nacht- und Winter- 
ställe für Ponies, Kamele, Zebus, Schafe u. s. w. enthält. 



— 359 — 

Gerade vor dem Raubvogelhaus liegt das Hirsch haus, ein 
nrit Holzschindeln gedecktes Blockhaus von sechseckig-sternförmigem 
Grundriß und sechs Freiläufen, die von drei Lamas (Auchenia lama 
Brandt), einem Dromedar (Gamelus drornedarius Erxl.), einem 
Trampeltier (C. bactrianus Erxl.) und je einem Rudel prächtiger 
Rentiere {Cervus (arandus L.), Wapitis (C. canadensis Erxl.) und 
Axishirsche (Axis maculata Gr.) bewohnt werden. Unter den Hirschen 
des Gartens begegnen wir manchem Kapitalstück. 

Dicht daneben auf der andern Seite des Weges , befindet sich 
der Gemsfelsen, ein Gehege, das in sieben unregelmäßige Teile 
zerlegt und mit Miniaturfelsen, Sennhütten und Schweizerhäuschen 
ausgestattet ist. Es beherbergt mehrere Mähnenschafe (Ovis trage- 
laphus Desm.), sieben Schwarzkopfschafe (0. aries pachycercd) und 
sieben Gemsen (Rupicapra rupicapra L.), darunter ein Kitzchen, das 
sich in den tollsten Sprüngen erging. Diese Gebirgstiere präsentieren 
sich trotz der Enge des Terrains ziemlich natürlich, namentlich von 
dem tiefer gelegeneu Rande des Geheges aus betrachtet. 

Dem oberen Eutfe des Gemsfelsens gegenüber steht das Vogel- 
haus, eine lange Fluchtlinie von zehn Käfigen, deren Rückseite ein 
ebenso langes, niedriges, in Holzfachwerk und roten Ziegeln aufge- 
führtes Haus bildet. Das Haus selbst enthält zehn untere und zehn 
obere Abteilungen, je eine untere und eine obere mit gemeinsamem 
Flugraum; die unteren dienen für größere, die oberen für kleinere 
Vögel als Schutzräume. Das Innere des Hauses ist nicht zugänglich. 
Von den Käfigen, die aus luftigem Drahtgewebe bestehen, sind die 
beiden Eckkäfige nahezu 4 1 /* m breit, 5 m tief und 3 m hoch, 
während die entsprechenden Maße der übrigen etwa 2 1 /s, 4 und 
2 1 /» m sind. Die Wasserversorgung ist ungenügend, das Wasser 
fließt sehr dürftig und zudem von einem Käfig zum andern, weshalb 
besonders die späteren meist nur eine schmutzige Brühe bekommen. 

Ein mannigfach gemischtes Volk tummelt sich hier bunt durch- 
einander. Die Tiere selbst haben durch solche Gruppierungen mehr 
Anregung, bilden immer einen Hauptanziehungspunkt für alle Besucher 
des Gartens und machen viel Freude. Ungewollte Heiterkeit er- 
weckt beispielsweise ein Trupp von Lachmöwen (Larus ridibundus 
L.). Die Zwerge schüttelten die Schwingen und rannten mit wage- 
recht ausgestrecktem Halse und weit aufgerissenem Schnabel, daß 
man tief in den orangegelben Rachen hinuntersah, in geschlossener 
Phalanx heiser krächzend gegen die riesenhaften Kraniche (Grus 
grus L., Gr. antigone L., Gr. virgo L. und Bdlearica pavonina L.) 



— 360 — 

vor, um sie von dem Futternapf zu verjagen ; doch letztere nahmen 
überhaupt keine Notiz von ihnen, was die Wut der Möwen nur 
noch ärger entflammte. Einen reizenden Anblick gewährte auch das 
Spiel (vielleicht war es der Balztanz?) des Grünflügel- und Weifi- 
rückenagami (Psophia viridis Spix und Ps. leucoptera Spix); unter 
Flügelschlagen und Gefiedersträuben sprangen die stolzen Tiere auf 
der nämlichen Stelle mehrmals hintereinander empor, mit beiden 
Füßen zugleich abstoßend, wobei sie Steinchen aufpickten und wieder 
fallen ließen, um schließlich auf einer Stange in der Höhe auf- 
zubäumen. 

Bloß an einer NÄbteilung waren einfach, aber genau gezeichnete 
Etiketten angebracht, und zwar von Alpenkrähe (Pyrrhocorax gra- 
culus L.), Alpendohle (P. pyrrhocorax L.), Nebelkrähe (Corvus cor- 
nix L.), Elster (Pica pica L.), Eichelhäher (Garrulus glandarius L.), 
Flötenvogel (Gymnorhina tibicen Lath.), Tschaja (Chauna chavaria L.) 
und Seriema (Dicholophus cristatus L.). 

Außer den vorbin schon genannten Insassen des Vogelhauses 
sind noch anzuführen: Alexandersittich (Palaeornis eupatrius L.), 
Halsbandsittich . (P. torquatus Bodd.) , Mönchsittich (BoJborhynchus 
monachus Bodd.), Nymphensittich (Callipsittacus novae-hollandiae Gm.), 
Rabenkrähe (Corvus corone L.), Saatkrähe (C. frugilegus L.), Dohle 
(Cohens monedula L.), Blaurabe (Cyanocorax caeruleus Vieill.), Kappen- 
blaurabe (C. chrysops Vieill.), Rotschnabelkitta (Cissa erythrorhyncha 
Gm.), Strichelhäher (Garrulus lanceolatus Vig.), Haubeuhäherling 
(Garrulax leueolophus Hardw.), Rosenstar (Pastor roseus L.), Hirten- 
star (Sturnus tristis L.), Haubenmaina (St. cristatelluä L.), Ufermaina 
(St. ginginianus Lath.), Graukopfmaina (St. malabaricus Gm.), Seiden- 
stärling (Agelaeus bonariensis Gm.), Erzglanzstar (Lamprotornis 
aeneus Gm.), Ringeltaube (Columba palumbus L.), Hohltaube (C. oenas 
L.), Turteltaube (Turtur auritus Gray), Lachtaube (T. risorius L.), 
Kragentaube (Caloenas nicobarica L.), Dolchstichtaube (Geotrygon 
cruentata Lath.), Wongataube (Phaps picta Lath.), Bronzeflügel taube 
(Ph. chalcoptera Lath.), Indische Glanztaube (PA. indka L.), Schopf- 
taube (Ph. lophotes Temm.), ein Albino -Pärchen vom Edelfasan 
(Phasianus colchicus L.), Pfauenfasan (Polyplectron chinquis Temm.), 
Nacktkehl-Frankolin (Pternistes rübricollis Rüpp.), Rephuhn (Perdix 
perdix L.), Steinhuhn (Ca>ccabis saxatilis Meyer), Schopfwachtel 
(Callipepla californica Lath.), Austernfischer (Haematopus ostralegus 
L.), Kiebitz (Vanellus vanetlns L.), Kampf läufer (Totanus pugnax L.), 
Großer Brachvogel (Numenius arcuatus L.), Kayenne-Ralle (Rallus 



— 361 — 

caymnensis Gm.), Smaragdhuhn (Porphyrie* smaragdonotw Temm.), 
Teichhuhn (Gallinula chloropus L.), Brauner Sichler (Plegadis autum- 
nalis Hasselqu.), Heiliger Ibis (Ibis aethiopica Lath.), Löffler (Pia- 
talea leueorhodia L.), Marabu (Leptoptilus crumenifer Cuv.), Nacht- 
reiher (Nyctieorax nyeticorax L.), Krickente (Anas crecca L.), Knäk- 
ente (A. querquedüla L.), Rotschnabelente (A. peposaca Popp.), 
Löffelente (Spatula clypeata L.), Herbstente (Dendrocygna autumnälis 
L.), Nonnenente (D. viduata L.) und Indische Baumente (D. arcuata 
Cuv.). Im Winter siedeln auch die Störche von den Waldteichen 
nach hier über. 

Rechts vom Vogelhaus steht das in gefälliger Fachwerkarchi- 
tektur mit Anklängen an ein Schweizerhaus errichtete Restaura- 
tionsgebäude. Vor ihm liegt der Restaurationsplatz und da- 
hinter der Musikpavillon. 

Wiederum rechts von der Restauration ist die Voliere für 
Einheimische Vögel, ein etwa 4 m langes, 4 m breites und 
2 m hohes Bretterhäuschen auf einem 50 cm hohen Sockel. Nur 
die Vorderseite ist vergittert und wird abends mit Segeltuchstoff ver- 
hängt. Das Innere ist etwas dunkel. Sie enthält Finken (Frin- 
gilla caelebs L., Fr* montifringilla L.,Carduelis carduelis h^Chryso- 
mitris spinus L. f Acanthis cannabina L., Chloris chloris L.), den 
Dompfaff (Pyrrhula pyrrhüla L. ), den Kiefern - Kreuzschnabel 
(Loxia pityopsittacus Bebst.), den Goldammer (Emberiza citrinella L.), 
die Alpenlerche (Eremophila alpestris L.), die Singdrossel (Turdus 
musicus L.), die Amsel (T. merula L.), den Star (Sturnus vulgaris 
L.), die Wachtel (Coturnix coturnix L.) u. a. m. 

Folgen wir diesem Wege in der Richtung nach dem Eingang 
weiter, so begegnen wir den drei letzten Tierwohnungen, zunächst 
der Eichhorn-Voliere, einem achteckigen Pavillon von etwa 
1,20 m Durchmesser. Drei Seiten bestehen aus Blech, die audern 
aus Drahtgeflecht. Der meterhohe Sockel ist gemauert. Bewohnt 
wird sie von einem flinken Gelbfuß -Eich hörn (Sciurus ludovicianus 
Cnrtis). 

Ein ähnlicher sechsseitiger Käfig von etwa 2 m Durchmesser 
bildet die Voliere für Webervögel. Drei Seiten sind, gleich 
dem meterhohen Sockel, aus Holz, drei aus Gitterwerk, das mit Glas- 
scheiben abgeschlossen werden kann. Sie beherbergt Blutschnabel- 
(Hyphantica sanguinirostris L.), Feuer- (Euplectes franciscanus Is.), 
Napoleons- (E. melanogaster Lath.), Madagaskar- (Calyphantria ma- 
dagascariensis L.) und Goldweber (Ploceus melanocephahts Gm.); 



— 362 — 

ferner den Reisvogel (Spermestes oryzivora L.) und das Scbuppeu- 
täubchen (Chamaepelia squamosa Temm.). 

Hinter dem Johannes Beck-Denkmal sehen wir den Dachsbau, 
den zur Zeit jedoch das Aguti (Dasyprocta aguti L.) bewohnt. Eine 
niedrige Felsengruppe, in der eine Höhle angelegt ist, wird von 
einem vielleicht 7 m langen und 3 m breiten Drahtgeflecht überspannt. 

Damit -sind wir wieder am Verwaltungsgebäude neben dem Ein- 
gang des Gartens angelangt; unser Rundgang ist beendigt. Halten 
wir noch einen Augenblick kurze Rückschau. 

Aufgefallen ist uns, daß auf gute Namenschilder an allen Ge- 
hegen noch nicht das rechte Gewicht gelegt wird; die Teiche z. B. 
entbehren jeglicher Bezeichnung. Desgleichen müßte jedes frisch an- 
gekommene oder Umstände halber von seinem seitherigen Platze 
anderswohin versetzte Tier an seinem neuen Behälter sofort namhaft 
gemacht werden. Bei Gesellschaftskäfigen sollten die Benennungen 
mit naturwahren, wenn möglich bunten Darstellungen erläutert 
werden. Das ist Pflicht für jeden Garten und ein berechtigter Wunsch 
der Besucher; nicht jeder ist in der Lage, sich einen Führer er- 
stehen zu können. 

Ist der Tierbestand zur Zeit gerade nicht allzu reichhaltig, so 
ist er doch durchweg in tadelloser Verfassung und bester Pflege, und 
manch kostbares und seltenes Stück befindet sich darunter. Parkan- 
lagen, Baumwuchs und Wege sind gut im Stande. Unerläßlich will 
uns je ein neues Vogel- und Affenhaus bedünken, sowie eine gründ- 
liche Umgestaltung des Kleinen Raubtierhauses, denn die jetzt diesem 
Behufe zugewiesenen kleinen Räumlichkeiten können nur als Notbe- 
helf gelten. Hübsch sind die Teiche, geschmackvoll und zweckent- 
sprechend die Häuser in den meisten Freigehegen, wie das Känguruh-, 
Elch- und Hirschhaus, nebst der Eulenburg, vorzüglich das Elefan- 
ten- und neue Raubtierhaus, und eine Glanzleistung, auf die die 
Direktion stolz sein darf, bildet die treffliche Reptiliensammlung. 

Auch beglückwünschen wir den Garten dazu, daß er, wie sich 
dem Führer entnehmen läßt, das besondere Interesse und tatkräftige 
Wohlwollen der gesamten Einwohnerschaft der Stadt und vieler 
Freunde und Gönner aus Nah und Fern genießt. Beweise dafür 
sind die reichen testamentarischen Vergabungen und wertvollen Tier- 
geschenke. Alles in allem genommen ist eine Periode erfreulichen 
Aufschwunges unverkennbar. 



— 863 — 

Die geographische Verbreitung der afrikanischen Gran- 
schakale. 

Von Dr. Max Hilzheimer in Straßburg (Elsaß). 



Die Grauschakale, Thos y sind eine verhältnismäßig scharf um- 
grenzte Gruppe der Caniden. Ihr mit schwarzen Haaren gesprenkeltes 
Kleid schwankt je nach der Häufigkeit des Schwarz zwischen einem 
sehr dunklen und einem sehr hellen Grau. Ein schwarzer Seiten- 
streif und eiu Rückenstreif können vorhanden sein. Oft sind diese im 
Sommer-, resp. Trockenzeitskleid ausgebildet, fehlen dagegen im Winter- 
oder Regenzeitskleid. Im Gebiß ist der obere Reißzahn stets kürzer 
als die Molaren. Am Schädel sind sie gut charakterisiert dadurch, 
daß das hintere Ende der Grista den äußersten und höchsten Teil 
des Schädels nach rückwärts bildet. Dadurch erscheint die Protu- 
berantia occipitalis pyramidenförmig. Bei den Füchsen dagegen hat 
die Protuberantia occipitalis keine Spitze, sondern ist etwas einge- 
buchtet. Eine solche fuchsähnliche Ausbildung der Protuberantia 
occipitalis finden wir dann auch bei einigen vielfach bisher mit den 
echten Schakalen vereinigten afrikanischen Wildhunden. Es sind das 
Tiere, die trotz dieser Fuchsähnlichkeit wegen des Vorhandenseins 
von Stirnhöhlen nicht zu den Füchsen zu zählen sind. Dahin gehören : 

1. Die Schabracken schakale. Durch ihr Haarkleid, die auf 
Rücken und Seiten beschränkte, scharf abgesetzte Schabracke, zeigen 
sie schon äußerlich eine selbständige Entwicklungsrichtung. Der 
lange, auf der Erde schleppende Schwanz und die Ausbildung der 
Protuberantia occipitalis sind fuchsähnlich, doch haben sie Stirn- 
höhlen. In der Ausbildung des Schädels zeigen sie einen auffalleud 
breiten, großen Ilirnschädel, während der Gesichtsschädel klein und 
schmal ist. Im Profil ist der starke Abfall des Gesichtsteiles 
charakteristisch. Der obere Reißzahn ist oft länger als die Summe 
der beiden folgenden Molaren, was sonst nur bei den Wölfen 
der Fall ist. Es zeigt sich hiermit im Schädel, wie im Äußeren 
eine eigentümliche Zwischenstellung. Deshalb schlage ich vor, die 
Schabrackenschakale als Lupulella von den übrigen Schakalen zu 
trennen. .Sie bewohnen ganz Südafrika. Ihr nördlichstes bisher 
beobachtetes Vorkommen ist die Samchara (Brehm, Reise nach 
Habesch). 

2. Die Streifensch akale. Auf die eigentümliche Ausbildung 
ihres Schädels hat schon Schaff hingewiesen. Mit fuchsähu liehen 
Merkmalen, wie Ausbildung der Zähne und der Protuberantia occi- 




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^Ä.y-'". pitalis, verbinden sie das Vorbaiideusein von Stirnhöhlen, während 

der langgestreckte, schmale Schädel mit der eigentümlichen Auf- 
treibung in der Gegend der hinteren Hälfte der Nasalien selb- 
ständige Charaktere zeigt. Auch sie müssen als selbständige Unter- 
gattung von den übrigen Schakalen abgetrennt werden. Ich schlage 
dafür den Namen Schaeffia vor, da sich Herr Dr. Schaff besondere 
Verdienste um die Erforschung dieser Gruppe erworben hat. Auch 
im Kleid verbinden die Angehörigen dieser Gruppe Fuchs- und 
Schakalcharaktere. Sie besitzen das graue Schakalkleid und einen 
langen Fuchsschwanz, der oft noch eine weiße Spitze trägt. Es ge- 
hören dazu Canis adustus^ G. lateralis (die beide wohl zu trennen 
sind), C. kaffensis u. s. w. Die Gattung hat dieselbe Verbreitung 
wie die vorige. 

3. Simenia simensis. Dieser das abessynische Hochland bewoh- 
nende Wildhund ist schon durch Gray von den übrigen Schakalen 
geschieden und durch Nehrings und Studers Forschungen hin- 
reichend bekannt geworden. Auch dies Tier nimmt eine Zwischen- 
stellung ein, doch erinnert nur noch das Gebiß und die rote Farbe 
des Balges an den Fuchs. 

4. Hierher gehört ein Wildhund, der äußerlich den echteu 
Schakalen so gleicht, daß er sogar für identisch mit einem von 
ihnen erklärt wurde. Es ist das der von Cretzschmar als C.anthus 
beschriebene Wildhund des Frankfurter Museums. Durch die Güte 
des Direktors der dortigen Sammlung, des Herrn Dr. F.Römer, war 
ich in der Lage, den Schädel eingehend zu untersuchen. Die Resultate 
dieser, wie auch anderer Untersuchungen werde ich in einer größeren 

. Arbeit über die Grauschakale demnächst anderweit veröffentlichen. 
Hier sei nur erwähnt, daß der C. anthus Cretzschm. überhaupt nichts 
mit einem Schakal, also auch nichts mit C. anthus Cuv. zu tun hat- 
Der Schädel ist vielmehr in der Ausbildung der Protuberantia occi- 
pitalis, des Gebisses, der geraden Profillinie ohne Stirnabsatz und der 
Schnauzenbildung vollkommen fuchsähnlich. Auch die feine Striche- 
lung des Balges erinnert mehr an den Fuchs. Allerdings ist das 
Tier kurzschwäuzig und hat Stirnhöhlen. Mit dieser kurzen Andeu- 
tung muß ich mich hier begnügen. Doch dürfte das Gesagte ge- 
nügen, um nicht nur die Aufstellung einer neuen Spezies, sondern 
auch eines nenen Subgenus zu rechtfertigen. Ich schlage vor, diesen 
Wildhund G. thooides u. sp. zu nennen (Typus im Sencken bergischen 
Museum. Schädel Nr. IV. 0. 10a (f, Sennaar. Genaue Beschreibung 
des Balges bei Cretzschmar »Atlas zur Reise in das nördliche 



— 365 — 

Afrika von Eduard Rüppell« p. 44 — 47 nebst Abb. Taf. 17 und bei 
Anderson und De Win ton »Zoology of Egypt« p. 206—209, 
daselbst auch Schädelmaße). Dieser G. thooides ist der Typus des 
neuen Subgenus Älopedon. Über die Verbreitung ist nur bekannt 
die typische Lokalität Sennaar und das obere Niltal; wenigstens ge- 
hört ein Schädel Nr. 26072 des Berliner Museums, den Schweinfurth 
im oberen Niltale sammelte und der mir gütigst von Herrn Prof. 
Matsch ie zur Untersuchung geliehen wurde, ebenfalls hierher. 

Es war die3e kleine systematische Betrachtung nötig, da die 
Gattung Thos auf einem verhältnismäßig großen Teil ihres Ver- 
breitungsgebietes mit jenen Gattungen zusammenlebt. Die süd- 
lichsten bisher bekanntgewordenen Fundorte sind nämlich im Westen 
das Hinterland von Kamerun, von wo ein Grauschakal, und zwar 
der echte G. anthus F. Cuv., zur Zeit im Berliner Zoologischen Garteu 
lebt. Es ist dies allerdings das bisher einzige bekannt gewordene 
Exemplar des in zoologischer Hinsicht so wenig bekannten afrika- 
nischen Westens. Im Osten finden wir den C.mengesi und hageribecki 
Noack und den C. sotnalicus und gallaemis Lorenz 1 ) als südlichste Ver 
treter der Granschakale, wovon die drei ersten das Somaliland be 
wohnen, der letzte aber von Ginea im Lande der Arussi-Galla bekannt 
geworden ist. Verbinden wir Ost- und West- Vorkommen durch eine 
Linie, so wird sie ungefähr dem 7.° N. Br. entsprechen, der somit 
die südlichste Grenze des Verbreitungsgebietes der Grauschakale bildet, 
während, wie wir gesehen haben, wenigstens auf der Ostseite, die 
Schabracken- und Streifen-Schakale bis zum 15. ° N. Br. hinaufgehen. 
Ferner leben in diesem Gebiet südlich des 15.° auch noch die Gat- 
tungen Älopedon und Simenia und noch echte Füchse aus der Gattung 
Feneccus, so daß sich hier auf einem Gebiet, das begrenzt wird vom 
Meere im Osten, vom 30. ° im Westen, vom 15. ° im Norden und 
vom 7. ° im Süden, eine Anzahl von Wildhundgattungen zusammen- 
drängt, wie sonst nirgends auf der Erde. 

Schwieriger als im Süden wird die Abgrenzung gegen die nörd- 
lichen Nachbarn der Gattung Thos, gegen die Wölfe. Es ist hier 
keine scharfe anatomische Abgrenzung möglich. Im allgemeinen ist 
der Schakal kleiner als der Wolf, doch habe ich in G. doederleini 
einen Schakal beschrieben, der dem C. pallipes an Größe nicht viel 
nachgibt. Der Schakal hat einen oberen Reißzahu, der kleiuer ist 
als die Summe der auf ihn folgenden Molaren ; beim Wolf ist der 

*) Sitzung der mathem.-naturw. Klasse vom 5. Juli 1906 der K. Akad. d. 
Wissensch. in Wien. Akademischer Anzeiger No. XVIII, 



. größer oder gleichgroß, doch finden sich 
mit kleinerem Reifizabn. Das beste .und 
lerkmal liegt noch iu der Form der Ohr- 
niedriger und flacher, bei den Schakaleu 
; ist. Im übrigen nmfi ich mich hier einer 
bisher angegebenen Unt erscheid ungsmerk- 
ise in Bezug hierauf auf meine größere 
renze mag in Europa der 46. " angesehen 
be Meer als Westgrenze. In Bußland ist 
rall häufig. In Asien bildet seine Nurd- 
findet er sich noch im südlichen Turkestau, 
weiter nach Süden umbiegt und mit dem 
Die Ostgrenze dürfte in Siam liegen. 
htiges Gebiet, das die Grausehakale be- 
doch fast über einen Raum von 40 Breiten- 
em solchen Areal nicht nur verschiedene 
ir näher zusammengehörige Gruppen unter- 
t Wnnder nehmen. Drei solcher Gruppen 
iden : 

le. Es sind dies Schakale mit eigentüm- 
n im Kleid, mit rostrotem oder rotem 
, die auch im Schädelbau eugereZusammeu- 
nd das die Europa nud Asien bewohnen- 

lakale. Sehr hochläufige Wildhuude, die 
j erbau, sehr lange Hinterbeine und einen 
Ldelbau mit einer langen, spitzen Schnauze 
i Afrika südlich vom 15. Breitengrade und 
ide. 

Grausehakale, die zwischen beiden 
i tomisch stehen. Es sind kräftig gebaute 

gedrungenen Schädelbau. Sie bewohnen 
.ahme des Gebiets von Gruppe 2. 

Verbreitung der Arten der beiden letzteu 
ier beschäftigen. Merkwürdiger Weise habe 

mir mehr Material zur Verfügung stand, 
>n drei Arten der letzten Gruppe neben- 
nnen. Die weiteste Verbreitung scheint 
>en. Die ihn charakterisierenden Schädel- 
■nde: DWilarlänge 147 — 155 mm, Stirn- 



— 367 — 

absatz sehr gestreckt, Gesichtsteil lang und schmal mit hohen, steilen 
Seitenwänden und schmaler, scharfkantig dagegen abgesetzter Decke. 
Hierher gehört der typische Schädel Nr. 834 des Berliner Museums 
und ein Schädel Nr. 495 aus Oberägypten im Berner Museum. Drei 
weitere Schädel des Beruer Museums aus Marokko und Tunis ge- 
hören ebeufalls hierher. Wenn sie vielleicht auch ein wenig breiter 
und kräftiger siud als die ägyptischen Schädel, so ist der Unter- 
schied doch so gering, daß man sie höchstens als geographische 
Abart (vielleicht als C. lupaster grayi Hilzh., da zuerst von Gray 
angeführt), unterscheiden könnte. Auf jeden Fall zeigen sie, daß 
C. lupaster H. et E. über ganz Nordafrika in ähnlicher Weise ver- 
breitet ist, wie z. B. das Mähnenschaf »und einige andere Tiere. 
Neben diesem G. lupaster kommen sowohl im Osten wie im Westen 
noch zwei weitere Wildhunde vor. 

In Ägypten ist der nächstgrößere der C. sacer H. et E. Seine 
artliche Selbständigkeit ist oft angezweifelt und er ist mit C. lupaster 
vereinigt worden. Aber der im Berliner Museum aufbewahrte Typus 
der Art (Nr. 835) ist ein junges Tier, das noch das Milchgebiß 
trägt, und schon in diesem jugendlichen Alter stimmt er in einigen 
Maßen mit dem Typus von G. lupaster überein ; in anderen übertrifft 
er ihn. (Bezüglich genauerer Angaben muß ich auf meine bald er- 
scheinende größere Arbeit verweisen). Daraus folgt, daß es sich um 
eine andere, größere Art handeln muß.. In Maßen und Form des 
Schädels, sowie Farbe des Balges stimmt der Typus dagegen gut zu 
mehreren Schädeln und Bälgen von fünf erwachseneu Exemplaren, 
die ich untersuchen konnte und die von C. lupaster recht verschie- 
den sind. Von diesen tragen vier Schädel genaue Fundortsangabe, 
nämlich Fajum (Nr. 833 Mus. Berlin), Nnbien (Mus. München), 
Gizeh (Nr. 2707 Kgl. Ldw. Hochsch. Berlin) und Schubra bei Kairo 
(Nr. 1594 Nat.-Kab. Stuttgart). Aus der Augabe dieser Fundorte 
geht hervor, daß es in ganz Ägypten noch einen zweiten Wildbund 
gibt. Und diesem kommt der Name G. sacer H. et E. zu. Dem Schädel- 
bau nach ist er leicht von C. lupaster zu unterscheiden: Basilarlänge 
163 — 169 mm. Kräftiger Schädel mit deutlichem Stirnabsatz. Ge- 
sichtsteil nicht sehr gestreckt, niedrig, breit. Seine runden Seiten- 
wäude gehen allmählich in die Decke über, so daß sie nicht deutlich 
abgesetzt ist. 

Der größte aller afrikanischen Schakale ist der kürzlich von mir 
beschriebene, ebenfalls in Ägypten lebende G. doederleini Hilzh, mit 
einer Basilarlänge von 178—187 mm. Er ist durch die außer- 



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gewöhnliche Länge seiner Ohrblasen sehr ausgezeichnet. Der da- 
mals 1 ) von mir angegebenen Verbreitung habe ich noch hinzuzufügen, 
daß ich inzwischen einen ebenfalls hierher gehörigen Schädel er- 
halten habe, der nördlich vom Fajum erbeutet wurde (Nr. 26. 1905. 
Mus. München). Also auch er scheint über ganz Ägypten verbreitet 
'zu sein, wenn er auch offenbar in Oberägypten häufiger ist. Wenigstens 
schrieb mir Herr Cl. Gaillard, er habe drei Schädel des C. 
doederleini von einer Reise nach Oberägypten für das Lyoner 
Museum mitgebracht. 

Ist so der C. lupaster im östlichen Teil seines Verbreitungs- 
gebietes der kleiuste Wildhund, so ist er im Westen der größte. 
Es ist wiederholt in der Literatur darauf hingewiesen worden, daß 
die Schädel von Schakalen aus Algier und Tunis nicht miteinander 
übereinstimmten. Gray (Proc. Zool. Soc. 1868 u. Katalog) scheinen 
Schädel von allen drei Arten vorgelegen zu haben. Und zwar ist 
seine Varietät von C. anthus (Schädel 816a) offenbar mein 0- lupa$ter 
grayi. Davou ist die zweite Art sehr verschieden. In der Größe 
mögen zwar große Exemplare davon kleinen von C. lupaster nicht 
viel nachgeben, doch kanu sie im allgemeinen als kleiner bezeichnet 
werden. Leider ist an dem sonst fast vollständigen typischen Schädel 
das Hinterhauptsloch etwas zerstört, so daß ich die Basilarlänge nicht 
angeben kann. Um jedoch einen Vergleich zu ermöglichen, führe 
ich die Unterkieferlänge an. Diese schwankt bei (7. lupaster von 
125 — 180 mm und bei C. studeri, welchen Namen ich der neuen 
Art gebe, zwischen 123 und 124 mm. Die wichtigsten Schädel- 
merkmale dieser neuen Art sind folgende: Die Stirn ist stark ge- 
wölbt; der Stirn absatz sehr kräftig; der Gesichtsteil breit und niedrig, 
seine Decke geht allmählich in die gewölbten Seiten über. Besonders 
charakteristisch ist die starke Entwicklung des m £ , der iu seinem 
Längenmaß (d. h. am äußeren Rand in der Längsrichtung des 
Schädels gemessen) mit 8'/2 mm alle übrigen afrikanischen Wildhunde 
bedeutend übertrifft. Der Typus, Balg und Schädel Nr. I c? aus Tunis, 
befindet sich im Berner Museum. Ich habe diese neue Art zu Ehren 
des um die Canidenforschung so verdienten Direktors des dortigen 
Museums, des Herrn Prof. B. Studer, Canis studeri genannt. Gleich- 
zeitig möchte ich hier die Gelegenheit ergreifen, Herrn Prof. Studer 
für die außerordentliche Liebenswürdigkeit, mit der er seit längerer 
Zeit meine Arbeiten unterstützt, auch öffentlich meinen Dank aus- 
zusprechen. Einen zweiten hierher gehörigen Schädel, der hinter den 

*) Zool. Anz. Bd. XXX. No. 5. p. 116—117. 



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Postorbitalfortsätzen abgesägt ist, besitzt das Münchener Museum. 
Als Herkunft ist Algier angegeben. Leider sind beide Fundortsdaten, 
insbesondere die letztere, nicht