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r 



DEUTSCHE ALTERTUMS! 



DEUTSCHE 



e / 



ALTERTUMSKUNDE 



VON 



KARL MÜLLENHOIT 



ZWEITER BAND 



MIT VIER KARTEN VON HEINRICH KIEPERT 



BERLIN 

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG 

1887 



VORWORT. 



Der zweite band der Deutschen altertumskunde fand sich druck- 
fertig in Müllenhoffs nachlass vor, nicht einmal die anweisungen 
für den setzer fehlten, obgleich er das manuscript dem haupt- 
inhalt nach in den jähren 1870 und 71 ausgearbeitet, hat Müllen- 
hoff es doch auch später nicht aus seiner pflege entlassen, namentlich 
1878 und 79 ältere entwürfe zum dritten buch erweitert und noch 
1 883, kurz bevor seiner tätigkeit ein ziel gesetzt wurde, den ersten 
anhang hinzugefügt, auch mancherlei randnotizen und kleine besse- 
rungen bezeugen seine andauernde beschäftigung mit dem werke. 
Wohl wenige hätten die enthaltsamkeit besessen, was längst 
vollendet schien für sich zu bewahren, zögernd in der stillen 
hoffnung dass weiteres Studium, erneute Überlegung oder ein glück- 
licher fund hie und da noch fördern könne, um so deutlicher spricht 
dies zaudern für die Selbstlosigkeit Müllenhoffs, dem es nie um per- 
sönlichen rühm und laute anerkennung, sondern rein um förderung 
der Wahrheit zu tun war. niemand kann strenger gegen sich selbst 
und schwerer mit sich selbst zufrieden sein als er es war, und vor- 
nehmlich die hohen forderungen, die er an die eigene arbeit stellte, 
wurden ihm zum hemmnis für vorrücken und abschluss und legten 
ihm harte worte in den mund, wo er auf leichtfertigkeit zu stofsen 
meinte, war unsern Vorvätern der krieg ein gottesdienst, so war 
ihm das forschen eine heilige sache und mit ganzem herzen hat 
er an seiner Wissenschaft gehangen, und an seinem volke. ihm 



VI VORWORT. 

hat sich die forschung nie vom leben gelöst, um in ärmlicher, 
dürrer genügsamkeit oder hochmütigkeit nur an sich zu denken: 
wie er das würken des gelehrten, die bestimmung seiner Deutschen 
altertumskunde sich dachte, das zeigt die vorrede zum ersten band. 
Selbsterkenntnis sollte sie unsere nation lehren und durch das 
Verständnis der Vergangenheit uns den rechten weg der zukunft 
weisen. Müllenhoff durfte sich an dies amt des führers wagen, 
eine reiche und doch geztigelte phantasie, die bei dem ernsten, 
ungelenken manne ferner stehende nicht ahnen konnten, hatte 
seine mühsamen Studien befruchtet und in ihm ein lebensvolles 
bild entschwundener zeiten wiedererstehen lassen, deren gefühls- 
und denkweise er ganz begriff, sie uns zu enthüllen, hätte man 
ihm eine raschere und gewandtere feder gewünscht und im be- 
wustsein dass diese ihm mangele hat er auch der hoffhung sein 
lebenswerk zu vollenden von anbeginn entsagt, schon im vertrag 
mit dem Verleger wurde Wilhelm Scherer zum fortsetzer be- 
stimmt, der freilich bald auf andern dunkleren pfaden sein nach- 
folger werden sollte, so ist die arbeit den händen der meister 
entglitten, und wenn ich mich an sie wage, geschieht es nicht 
aus Selbstüberhebung, sondern weil Müllenhoff es mir in seinem 
letzten willen zur pflicht gemacht hat, mich seiner litterarischen 
hinterlassenschaft, auch der Altertumskunde, anzunehmen, inwie- 
weit eine fortführung möglich ist, wird ein überblick über das 
vorhandene material ermessen lassen. 

In der einleitung zur ersten abteilung des fünften bandes 
schrieb Müllenhoff im december 1881 über den dritten, er sei in 
den vorarbeiten so gut wie ganz, in der ausarbeitung nur zum 
teil vollendet, leider nur zu einem geringen teil, doch sind sowol 
beträchtliche ungedruckte samlungen und entwürfe als auch be- 
reits gedruckte abhandlungen da welche, wie Scherer in seiner ge- 
dächtnisrede auf Müllenhoff hervorhob, in den plan des dritten 
bandes eingreifen, da er auch 'auf grund der nachrichten der 
Römer und Griechen die ausbreitung und Verzweigung der Ger- 
manen um den anfang unserer Zeitrechnung darlegen sollte' (V 1), 



VORWORT. VII 

so müssen vor allem die Loci ad illustrandam veterem Germaniam 
praecipui in Müllenhoffs Germania antiqua und seine Vorlesungen 
über den besonderen teil von Tacitus Germania (cap. 28 — 46) 
verwertet werden, daher sind wir selbst hier nicht ungünstig ge- 
stellt, wo es sich um den schwierigsten der noch fehlenden bände 
handelt, und zu den übrigen fliefsen die quellen sogar reich. 
4 der vierte und fünfte teil* fährt Müllenhoff aao. fort 'hat dann 
weiter aus dem zustande, den jene nachrichten (der Römer und 
Griechen über die Germanen) uns vor äugen stellen, den gang 
den ihre älteste entwickelung überhaupt genommen hat nach allen 
Seiten hin aufzuzeigen', er praecisiert das I V dahin dass die 
nachmaligen Veränderungen im zustande der nation zu verfolgen 
und die geschieh te der spräche, des Volksglaubens und der dich- 
tung, der sitte und des rechts, der eultur und Verfassung 
der Germanen zu den berichten der Römer und Griechen ins 
rechte Verhältnis zu setzen seien, dass nicht alle diese dinge ein- 
gehend behandelt werden sollten, ergibt sich schon aus der 
zahl der dafür ausgesetzten bände, da der fünfte die mythologie 
in angriff nimmt, der sechste und letzte die ausbildung und die 
geschichte des deutschen volksepos bis zur Zerstörung des alt- 
germanischen wesens vorführen sollte (V 2. IV ff.), so blieb für 
die übrigen Seiten der nationalen entwickelung nur der vierte 
frei und Müllenhoff kann keine andre absieht gehegt haben als 
sie nur in grofsen zügen zu schildern, man wird seiner auffas- 
sung nahe kommen, wenn man die Vorlesung über den ersten, 
allgemeinen teil der Germania, worin keiner der in betracht kom- 
menden hauptpunkte fehlt, sich zum leitfaden dienen lässt, wieder 
mit hinzunahme gedruckter und einer noch nicht veröffentlichten aber 
im wesentlichen fertigen arbeit über die zeit- und himmelseinteilung 
der Germanen, der fünfte band wird sich , was die betrachtung der 
poetischen Edda anlangt, nach Müllenhoffs colleg über sie weiterführen 
lassen, wie denn auch die in der ersten abteilung veröffentlichten 
Charakteristiken und kritiken über eddische gedichte die frucht oft 
wiederholter Vorlesungen sind, die composition des bandes hatte sich 



Vm VORWORT. 

anter Müllenhoffs bänden durch allerband einschiebsei gelöst; 'band- 
wurmartig' nannte er ihn halb im scherz halb ärgerlich, man 
wird, soll nicht der umfang das mafs des ersten und zweiten 
bandes erheblich überschreiten, die mythologie, deren grund- 
mauern die erste abteilung nur legt, einer zweiten zuweisen müssen, 
richtschnur für anordnung und ausführung des Systems gewährt 
ein Kieler collegienheft, welches nach späteren abhandlungen zu 
corrigieren ist* für das heldenepos stehen gleichfalls bekannte 
einzeluntersuchungen der wichtigsten sagen zu geböte, dazu die 
tief eindringende Vorlesung über die Nibelungen und die meister- 
hafte übersieht der heldensage welche Müllenhofif in seinem colleg 
über die älteste litteratur gab. 

So brauchen wir die Altertumskunde und damit eines der 
grofsartigsten werke auf dem gebiet der deutschen philologie keines- 
wegs verloren zu geben, es ist unser glück dass Müllenhoffs 
streben von seinen ersten anfangen an auf eine deutsche altertums- 
kunde gerichtet war. alles was er schrieb ist deshalb Vorarbeit 
für sie und für sie verwertbar, freilich scheint mir, nachdem der 
ausdrücklich mit der Vollendung beauftragte uns entrissen, die 
aufgäbe so gestellt dass lediglich die punkte, über welche un- 
zweideutige ansichten Müllenhoffs vorliegen, bearbeitet werden 
dürfen, wird sich aber auch deswegen die Deutsche altertums- 
kunde nicht als jener glänzende und harmonische bau erheben 
den Scherer, welchem frei zu schaffen erlaubt und möglich war, 
ohne zweifei geschaffen hätte, so kann doch mit den vom ersten 
urheber hinterlassenen Werkstücken immerhin ein wenngleich nicht 
in allen räumen ausgestaltetes, so doch planvolles und festes haus 
errichtet werden, es wird auf niemand seines eindrucks verfehlen 
oder ihn innerlich ungeordnet dünken und die schüler und Ver- 
ehrer Müllenhoffs in seiner Schlichtheit vielleicht um so mehr an 
das wesen ihres lehrers erinnern. 

Die auf die Altertumskunde bezüglichen manuscripte sind mit 
Müllenhoffs gesamtem litterarischem nachlass und seiner bibliothek 



VORWORT. IX 

aus allerhöchsten mittein auf befürwortung des herrn ministers für 
geistliche, Unterrichts- und medicinal-angelegenheiten dr. von 
Gossler excellenz und des herrn ministers der finanzen dr. von 
Scholz excellenz für das neu errichtete germanische seminar an 
der Berliner Universität angekauft worden, ein act welcher den 
deutschen Studien und der Verwertung der Müllenhoffschen arbeiten 
ausnehmend förderlich sein wird und alle, denen diese dinge am 
herzen liegen, zu tiefstem, ehrerbietigstem danke verpflichtet, be- 
sonderer dank gebürt auch den herren geheimräten drr. Beseler, 
M. Duncker — der nun auch schon dahingegangen — und 
A. Meitzen, die in warmer freundschaft für Müllenhoff noch in 
seinen letzten tagen eine beihilfe des herrn cultusministers für 
die Vollendung der Deutschen altertumskunde erwürkt hatten, 
welche dann auf Scherer übergieng und diesem bände zu gute 
gekommen ist nachdem ich mit bewilligung des vorgesetzten hohen 
ministeriums die Verwertung des schriftlichen nachlasses über- 
nommen. Scherer hatte sich als beistand herrn dr. OttoPniower 
gewählt und er hat mit hingebendem eifer und vollem Ver- 
ständnis die drucklegung gefördert und die hauptarbeit geleistet, 
doch waren es fast nur handlangerdienste, die er und ich zu 
verrichten hatten, denn unfertig waren von dem ganzen bände 
nur anhang XIV und XV. der beginn des ersteren liegt in mehreren 
fassungen vor und am schluss enthält die handschrift noch die worte 
'wie Trier, mhd. Triere' ohne punkt dahinter, indessen der zweck 
des anhangs ist erfüllt und der name Trier sollte — vielleicht mit 
anderen — wohl nur noch zu einer exemplification dienen, an- 
hang XV vollendete herr dr. Pniower, welcher auch zu anhang I 
eine erörterung fügte, beide zusätze sind von Scherer veranlasst 
und gebilligt und an den platz gewiesen worden, den sie jetzt 
einnehmen, aufserdem habe ich s. 96 unten den verweis auf die 
Deutsche litteraturzeitung hinzugefügt, weil die vorangehenden 
worte Müllenhoffs recension zu citieren fast nötigten, im übrigen 
habe ich alle zutaten, auch correcturen, für unerlaubt gehalten, 
das werk war, abgesehen von den bezeichneten geringen lücken, 



X VORWORT. 

vollendet und muste als ein fertig hinterlassenes so erscheinen 
wie Müllenhoff es schon vor jähren hätte herausgeben können, 
dass er noch hie und da geändert und gebessert hätte, ist nicht 
zu bezweifeln, erhellt auch aus den randbemerkungen. wo sie sich 
leicht in den text verarbeiten liefsen, ist es geschehen, namentlich 
in anhang XIII, der nach notizen in Müllenhoffs exemplar von 
Jagic archiv verbessert werden konnte, unterblieben dagegen sobald 
die noten gröfsere Umgestaltungen des textes verlangt hätten oder 
ihr ziel nicht klar erkenntlich war. ich stelle derartige bemerkungen, 
soweit sie irgend von bedeutung, unten zusammen, wesentlich 
fördern werden das Verständnis des buches die karten welche herr 
Professor dr. H. Kiepert in gewohnter hilfsbereitschaft beisteuerte. 

Als kern des bandes betrachtete Müllenhoff die geschichte der 
Kimbern und Teutonen, mit der Gigantomachie vergleicht er die 
Kimbernkriege und erinnert daran dass im jähre 1887 zwei Jahr- 
tausende seit dem ersten zusammentreffen der Kimbern und der 
Germanen überhaupt mit einem römischen heere vergangen sein 
werden, damals sind wir in die Weltgeschichte eingetreten und 
keine schönere gäbe kann im Jubeljahre dieses ereignisses uns ge- 
reicht werden als die blätter durch welche der beste keuner unseres 
altertums Ursache und bedeutung dieser 'folgenreichsten und grösten 
wendung im ganzen leben der nation' nach allen Seiten aufklärt. 

Berlin den 11. juli 1887. 

Max Boediger. 



MÜLLENHOPPS RANDBEMERKUNGEN. 



S. 70 mitte bei 'aus dem finnischen genetiv usw.' ein fragezeichen. zu 
dem s. 85 unten beginnenden absatz mehrere fragezeichen, welche, wie mich 
mein College herr professor dr. Brückner freundlich belehrt, auch berechtigt 
sind. zu s. 90 'bei der niederlassnng der Goten usw." 1 lautet eine mit blei- 
stift geschriebene anmerkung, die ich erst jetzt entziffern konnte, 'Spanier in 
Mittel- und Südamerica*. s. 97 ein fragezeichen neben der deutung von 
Scoringa und der ihr zur seite stehenden bemerkung über Quidilingaburg. 
worauf bezüglich? 8. 115 mitte bei Teutoni Teutones die notiz 'Veturio 
Teutomi f. Pannonio Monuments epigraphiques du musöe national hongrois 
Buda-Pest 1873 nr. 183\ man beachte dass der name Tentomus ein m, kein n 
enthält, sodass der zweck des nachtrags minder deutlich ist als des zu s. 196 f., 
wo für Paemani die möglichkeit einer verschreibung aus Faemani Falmani 
erörtert wird, hier hat Müllenhoff hinzugefügt 'dea Poemana in Lugo in 
Gallaecia CIL. 2 nr. 257 3\ obgleich der name stark an Pomona Poimunie er- 
innert, ist er doch wohl ein barbarischer (Jordan in Prellers Rom. mythol. 3 1, 
455 anm. 2) und könnte nach der läge von Lncus Augusti im nordwestlichsten 
Spanien ein keltischer sein (Tgl. Kiepert Alte geogr. 481 f. 489). ist das der 
fall, so darf einerseits an eine Änderung des bei Caesar überlieferten Paemani 
nicht gedacht, anderseits die göttin als ein beweis für die gallische nationa- 
lit&t der belgischen Germanen betrachtet werden. s. 210 steht vor dem 

letzten absatz 'Gudacra cf. Ovacra und Warnow'. über die Gudacra oder 
Warnow vgl. s. 372. der name ist mit vacra gebildet wie Ovacra Ocker, über 
die Ocker hätte bei der Weser s. 215 ff. gehandelt werden können. 'Gudacra' ist 
noch einmal s. 212 neben den letzten z eilen notiert. s. 213 zu beginn des ab- 
satzes steht 'Elster. Inster, litt. Isra\ über die Elster 8. 372, wo der name im 
anschluss an Zeuis für deutsch erklärt wird, hieran ist bei Inster litt. Ysrä trotz 
der Übereinstimmung in der form nicht zu denken und Müllenhoff wollte wohl 
nur darauf hinweisen dass aus Insra nach bereits germanischer weise (s. 208) 
Instra Inster werden muste. auf anhang XIV 'Brandenburg und Wien' be- 
zieht sich die im manuscript an anderem orte stehende notiz 'Sgorzelica Görlitz 9 , 
nach herrn professor dr. Brückner gebürt nemlich nur dieser Stadt der sla- 
wische, brandstätte bedeutende name und ist Brandenburg erst von dem inter- 
polator des XIV Jahrhunderts, welcher die so genannte Grofspolnische chronik 



Xn BERICHTIGUNGEN. 

des XIII Jahrhunderts um seine etymologien bereicherte und der des deutschen 
mächtig war, als eigene Übersetzung von Brenn aburg (Widuk. I 35. II 21) Bren- 
danburg (Originalurkunde Ottos I von 948) Brandanburg (Adam v. Br. II 14) 
aufgenommen worden, ein älterer slawischer name ist nicht nachweisbar, bei 
anhang XV ist auf 'Tomaschek über die sümpfe zwischen Sau und Drau Zs. 
für österreichische gymnasien 1867 s. 710' verwiesen. 



BERICHTIGUNGEN. 

S. 10 gegen schluss der ersten anmerkung ist zu lesen Kaswini, s. 18 
mitte 55° breite, s. 75 oben imni-scaris, s. 210 z. 10 Viadua, s. 249 gegen 
ende der ersten anmerkung Durius, s. 272 an der entsprechenden stelle 
Apollonius von Aphrodisias. dass s. 41 die lesarten gentes rerefennae — gentes 
scretefennae über einander gesetzt würden, war nicht zu erreichen, s. 154 
z. 6 von oben ist hinter 177 ein punkt ausgefallen, s. 216 mitte war im an- 
schluss an eine notiz Müllenhoffs ätar und aedre (= &dre nach heutigem brauch) 
zu schreiben, einige Schwankungen in der Orthographie sind durch Müllenhoffs 
manuscript veranlasst taf. II sind die Saboci versehentlich als Slawen be- 
zeichnet. 



INHALTSÜBERSICHT, 



DRITTES BUCH 
DIE NORD- UND OSTNACHBAREN DER GERMANEN. 

Grbmahibks grehzen 1—4. der erste satz von Tacitus Germania 1 f. ostgrenze 
unbestimmt 2—4. Weichsel als grenze 3. mangel einer Unterscheidung 
der Völker 4. 

Die nicht germanischen stamme des hobdehs und Ostens 4 — 103. sitz der Goten, 
Rugier, Lemovier 4 f. die Suiones 5 f. Tacitus nachrichten über den 
scadinavischen norden sudgermanisch 6. 11. das geronnene meer und 
Scadinavien 6 f. 

Die Sitones 6—11. umgestellt in der Germania 7—9. nordnachbarn der 
Suiones 9. sind die Finnen 9. fabel vom Frauenreiche 10 f. 

Die Aestii 11—34. gesamtname der Preufsen, Littauer und Letten 11. 
Zeugnisse für den namen, ihre sitze 12—16. Pruzzi ihr slawischer name 
14 f. Eistenname auf die Finnen am finnischen meerbusen übertragen 15 f. 
gliederung und ausdehnung der Eisten bei Ptolemaeus 16—26. die süd- 
hälft« 16—23. grenze die sumpfregion des Pripjet 22. die nordhälft e 
23 — 26. reichte bis zum finnischen meerbusen 25 f. flüsse vom Pregel 
bis finnischen meerbusen bei Ptolemaeus 25 f. Tacitus weitere nachrichten 
über die Aestier römisch 27. spräche 27 f. die Mater deum 28 f. inter- 
pretatio romana bei göttern 28. lebensweise und character der Aestier 
29—31. name 30. glaesum 31. Tacitus rechnet die Aestier zu den Ger- 
manen 32—34. ausdehnung der Germanen bei Tacitus 32—34. 

Die Yeneti (Slawen), älteste Schilderungen 34— 39. die des Tacitus nach ger- 
manischen angaben 39. ebenso bei den 

Fenni 39—54. die Finnen in Scadinavien 40—51. schrittschuhe und remi- 
tier 44—49. 53. wundermenschen im nordosten 49 f. die bezeichnungen 
Finnen und Qvenen 50—52. Urzustand 52 f. bedeutung von Finne 53 f. 
ursprüngliche Verbreitung der Finnen 54—61. vor den Germanen in 
Scadinavien? 54—57. 67. Skadi 55 f. südgrenze der Finnen und Qvenen 
57—61. könig Rodvulfs diathese von Scadinavien 57. 61—67. Stellung 
der Finnen zu den Slawen 67—77. westliches vordringen der jämischen 
Finnen 67—69. gründung von Nowgorod 69 f. nordgrenze der Slawen 
gegen die Finnen 70 f. alter der Stellung 71—77. die Wolga 75 f. 



XIV INHALTSÜBERSICHT. 

Die Slawen 77—103. grenze gegen die Germanen 77—90. Weichsel ost- 
grenze der Germanen 77—79. Ptolemaeus völkernamen auf der rechten 
seite der oberen Weichsel 79—81. jenseit der ostgrenze Germaniens im 
Karpatenlande 81—85. keine Slawen in diesem während der ersten Jahr- 
hunderte nach Ch. 85—87. zuerst nördlich und nordöstlich von den 
Bastarnen 87 f. eigentliche heimat 89. Ausbreitung der Slawen 90. gegen 
nordwesten 91—100. wegzug der Germanen aus Ostgermanien 91 f. 
ältester beweis für ansbreitnng der Slawen 92. germanische reste, ge- 
mischte bevölkerung 92 f. Ostgermanien bis tief ins VI jh. von den Ger- 
manen noch nicht als slawisch betrachtet 93. 99 f. 1) nach der ansieht der 
Goten 94 f. 2) nach der tradition der Donau-Heruler 95—97. die Slawen 
rücken zu beiden Seiten der Karpaten vor 96. Maurungaland das ver- 
lassene Ostland 97. 3) nach der sage der Langobarden 97 f. 4) nach der 
Überlieferung der Angeln und Sachsen 98 — 100. Slawen drangen nicht 
als eroberer ein 100. erscheinen der Awaren 101. ihnen und den Slawen 
der germanische osten überlassen 102 f. 



VIERTES BUCH 
DIE GALLIER UND GERMANEN. 

Die bastarjubn 104—112. ankunft an der Donaumündung 104. einbrach in 
Dardanien 104 f. verbündet mit Perseus von Macedonien 105. Polybius 
Schilderung des Volkes 105 f. rechnet sie zu den Kelten 106. nach 
jüngeren angaben Germanen 107 f. beweis aus der spräche 108—110. 
'die ersten Germanen die aus ihrer heimat aufbrachen und in den näheren 
bereich der alten culturwelt eintraten 9 HO. Ostgermanen von der 
Weichsel 110. nach dem psephisma von Olbia verbündet mit den Skiren 
von der untern Weichsel 110 — 112. 

Die kimberh usd teutohbr 112 — 321. Kimbernkriege anfang unsrer geschieht e, 
anfang unsres kampfes mit Gallien und Rom 112. die teutonischen und 
kimbrischen namen 1 13—121. Teutonus gallisch 1 13—1 16. ebenso Cimber 1 16 
—118. aber die personennamen deutsch 118—121. gallisierung der ältesten 
deutschen namen 1191 herkunft der nachrichten über die Kimbern und 
Teutonen 121—130. hauptquelle der lateinischen Livius 121 f. Verhältnis 
zu Plutarch 123—126. beide haben Posidonius benutzt 125 f. 129 f. 

Posidonius derRhodier 126—189. seine wissenschaftliche tätigkeit 126 
—129. quellenuntersuchung für den Teutonenkrieg 130—137. für den 
Kimbernkrieg 137—151. für das Schicksal der Tiguriner 151 f. auf- 
kommen des namens Germanen 153—162. römische Zeugnisse 154 
— 161. a. 73 v. Ch. vorhanden 157. nach altem Sprachgebrauch noch 
Gallier 157—161. Germanen aufgekommen um 80 oder 75 161. bei den 
Griechen und Orientalen später 161 f. Posidonius fortsetzung des Polybius 
noch fremd 162. Posidonius über herkunft und heimat der Nordleute 
162—189. benutzt bei Strabo 163-167. die gallische flutsage von Po- 
sidonius verworfen, der die Kimbern für die Kimmerier von der Maeotis 



INHALTSÜBERSICHT. XV 

hält 163—169. zu ersehen aus Plutarch 167—176. sind ein teil der 
Keltoskythen 169—171. züge der Kimmerier 171—173. ihr land 172— 
176. Posidonius bei Diodor 177—189. er kannte den namen Germanen 
nicht 180. Diodors cap. 32 181—186. Posidonius ansieht von den 
Kimbern 186-189. 

Der name Germanen 189—206. nicht lateinisch 189—191. meinung rö- 
mischergelehrter 191 f. 198—200. Germanen in Spanien 193 f. belgische 
194—198. die hypothese über den namen bei Tacitus Germ. cap. 2 198 
—200. der name gallisch, vom linken Rheinufer auf das rechte, von 
Galliern auf Germanen übertragen 201—203. 206. bedeutung 203. zeit 
und Ursache der Übertragung 203—206. 

Die ältesten grenzen der Germanen nach den flussnamen 207— 236. 
die norddeutschen flüsse 207—227. Weichsel 207—209. Pregel 209. 
Oder 209 f. Elbe und nebenflüsse 210—215. Weser und nebenflüsse 215 
—218. Rhein und nebenflüsse 218—227. orts- und flussnamen auf apa afa 
affa im nordwestlichen Deutschland 227—235. bezeichnen die grenze 
zwischen Germanen und Kelten 235 f. zurückweichen der Kelten 236. 

Die Keltenzüge 236—282. Zeitbestimmung 236 f. der iberische zug 
237—240. richtete sich nur gegen Südwesten 238—240. südgrenze der 
Kelten bis ins V Jahrhundert 240. 243. 246 f. die Arkynien und die 
Alpen 240—247. künde von ihnen in Griechenland 240—243. der name 
Arkynien gallisch 241. 243. der name Alpen von Italien ausgegangen 241. 
seit Hannibals zuge herschend 243. unsicher ob keltisch 243—246. 
der italische Kelten zug 247—269. die vorrückenden Gallier ver- 
schlingen die Ligurer 247 — 250. veranlassung, ausgangspunkt, zeit ihres 
einbruchs in Italien 250—254. 258 f. der bericht des Livius 254— 
256. stammt von den Insubrern um Mailand 250. 255 f. 258. zug 
des Bellovesus über die Westalpen 255—261. des Sigovesus über 
die Ostalpen 261—269. resultat 265. die Boier 265—269. ihr land 
am Mittelrhein ausgangspunkt beider züge 268. sitz der Helvetier 
268 f. der zug der Galater nach Griechenland und Kleinasien 269— 
282. erste einfalle 269—272. herkunft 272—275. mittelpunkt die Volcae 
Tectosages 275—279. von ihnen stammt die benennung Walh 279 — 282. 

Der zug der Kimbern und Teutonen 282—303. eine fortsetzung der 
Keltenzüge 282. heimat und herkunft 282—290. nach Pytheas 282 f. nach 
Posidonius 283 f. nach dem gewährsmann des Mela 284. nach Agrippa 
284 f. nach Augustus 285—287. nach Strabo und Plinius 287. nach 
Ptolemaeus und Tacitus 287—289. brachen die Kimbern und Teutonen 
gleichzeitig auf? 289 f. geschiente des zuges bis zum eindringen 
in Italien 290—300. Teutonen Völker von der Nordsee, Kimbern 
Völker von der mittleren Elbe 289. 300. 302 f. Ursache und bedeutung 
der Wanderung 300—302. 

Excurs zu s. 177. Posidonius über Gallien und die Gallier 303—310. über 
Iberien und seine bewohner 310—318. über die Ligyer 318—320. über 
die Tyrrhener 320 f. 






XVI INHALTSÜBERSICHT. 



ANHÄNGE. 

I (zu s. 3) Über den südöstlichen winkel des alten Germaniens 

322—345. grenze der Germanen gegen Jazygen und Daken nach Plinius 
322—324. nach Ptolemaeus 324-333. seine Verteilung der Völker 324 
— 331. sein gewährsmann Marinus 331 f. ostgrenze Germaniens von der 
Donau bis zur Weichsel 332 f. südostgrenze nach Tacitus 333 f. mit- 
teilung des prof. Suefs 334 f. erörterung von dr. Pniower 335—345. 

II (zu s. 13) Widland 345—347. 
in (zu 6.15) Pruzi 348 f. 

IV (zu s.21) Jatwiagi 349 f. 

V (zu s. 25) Hossii und Carbones 350 f. 

VI (zu s.25) Vom Pregel bis zur Düna 351 f. 

VII (zu s.40) Die kota 352 f. 

VIII (zu s.45) Rohe kost 353 f. 

IX (zu s.49) Etiones. Hellusii. Hilleviones 354 f. 

X (zu s. 53) Rind und ross 356. 

XI (zu s.55) Skadesi suolo. Scadinavia 357—361. Skadesi suolo lap- 

pische benennung von Scadinavien 357 f. von den Germanen übernommen 
und nachgebildet 8581 Scadinavien ohne n die richtige form 359—361. 

XII (zu s.57) Gefjon und Gylfi 361 f. 

XIII (zu 8.89) Donau. Dunavü. Dunaj 362—372. Danuvius mit v die 
echte form des namens, keltisch 362 f. von den Sueben übernommen und 
umgewandelt 363 f. zu den Goten, durch sie zu den Slawen gelangt 364 f. 
bestätigt durch den so genannten Caesarius von Nazianz 365—369. bei 
ihm das älteste zeugnis für den namen Slawen 367 f. fabeln über die 
Völker jenseit der Donau 367—369. herkunft des Schriftstellers 369— 
371. nachwort an herrn Kunik 371 f. 

XIV (zu s.93) Brandenburg und Wien 372—374. 

XIV b (zu s. 95) Ostgermanien beim cosmographus Ravennas 374 f. 

XV (zu s. 101) Slawen vor 527 375—383. ansiedelungen von Slawen auf 
der Haemushalbinsel in der ersten hälfte des VI Jahrhunderts nicht nach- 
weisbar 375—379. selbst für ihr auftreten nach aufsen hin kein sicheres 
zeugnis vor dem Bulgareneinfall 527 379. aber wahrscheinlich Slawen 
schon an den früheren beteiligt 379—384. 

Die Slawen von 527 — 559 384—394 (von dr. Pniower). Zeugnisse 
384—390. Würdigung 390-394. 
Reguter (von dr. Pniower) 395—407. 



in. 

DIB NORD- UND OSTNACHBAREN DER 

GERMANEN. 



(jleich der erste satz der Germania gibt ein sehr characteristisches 
beispiel von der stilweise des Tacitus. es war der umfang des 
eigentlichen Germaniens zu beschreiben und daher anzugeben 
dass der Rhein gegen Gallien, die Donau gegen Raetien, Noricum 
und Pannonien die grenze bilde, dass diese aber jenseit des flusses 
gegen die Sarmaten und Daken zuerst offen, dann durch gebirge 
geschlossen sei. es lag dem Tacitus daran dies nicht nur in 
einen satz unter 6in gemeinsames verbum zusammenzudrängen, 
sondern zugleich auch dem ausdruck manigfaltigkeit und energie 
und dem satz ein möglichst kunstreiches, symmetrisches gefüge 
zu geben, und er hat dies erreicht indem er zunächst dem landes- 
namen Germania völkernamen entgegensetzte und dann, um das 
individuelle gepräge und die lebendigkeit des ausdrucks noch zu 
erhöhen, sich nicht scheute den toten geographischen begriff der 
offenen grenze in der ebene mit einem ethischen zu vertauschen 
und zwei so verschiedenartige begriffe, wie gegenseitige furcht 
und gebirge, zusammen zu bringen*, genau besehen aber bringt 
der scheinbar so leichte, blofs stilistische Wechsel zwischen länder- 
und völkernamen mehr als eine sachliche ungenauigkeit und selbst 
Widersprüche mit späteren angaben der schrift mit sich, die, so- 
bald die blofs politischen benennungen der länder oder provinzen 
einfach beibehalten wurden, vermieden worden wären, nach cap. 28. 
29. 43 der Germania (vgl. Zeufs 120—124) safsen Germanen auch 
in Gallien jenseit und Gallier in Germanien diesseit des Rheines 

* vgl. Ammian 17, 12, 12 'alter Sarmatis praeerat locorum confiniis et 
feritate innctissimis.' 

DEUTSCHE ▲LTBBTUMSKUVDB II. X 



2 GERMANIENS OSTGRENZE 

und selbst der Donau, diesseit der Donau auch noch Pannonier 
und am allerwenigsten reichten die Raeter, die bewohner der 
Alpen, nur die nach ihnen benannte römische provinz bis an den 
fluss. Tacitus aber setzte sich nicht allein über diese ungenauig- 
keiten hinweg: er liefs sogar von drei provinzen im Süden der 
Donau eine, das sonst von ihm genannte Noricum (Germ. 5. 
hist. 1, 11. 70. 3, 5) oder die provincia Norica (ann. 2, 63) gänz- 
lich unberücksichtigt, und zwar geflissentlich und mit vollem be- 
wustsein, blofs weil drei namen auf der seite der Donau neben 
dem einen an den Rhein weisenden ein allzu unsymmetrisches Ver- 
hältnis innerhalb des satzes ergaben, die ergänzung der lücke 
zwischen Raetern und Pannoniern überliefs er dem guten willen 
aufmerksamer und kundiger leser und verlangte dagegen von jedem 
das durch ein gleichstellendes 'et' gekennzeichnete, dem vorher- 
gehenden einfachen 4 Gallis' durch l que' angeschlossene doppelglied, 
entsprechend dem in der zweiten satzhälfte folgenden 'Dacisque', 
gleich einem einfachen satzgliede aufzufassen, die unvermeidliche 
fügsamkeit gegen die tatsachen gewann so den anschein einiger 
freiheit in der behandlung des satzschemas, das gleichwohl hin- 
länglich gewahrt blieb und deutlich genug hervortrat, insofern die 
Satzglieder zwischen subject und verbum parweise geordnet, in 
jeder satzhälfte je zwei und zwei zusammen, und alle, einzeln und 
parweise, abwechselnd zu einander in näherer beziehung stehen: 
die pare in gegensätzen, die Völker des ersten teiles innerhalb, 
die Völker des andern aufserhalb des römischen reiches, die beiden 
ströme dort, gegenseitige furcht oder gebirge hier als grenze ; die 
einzelnen glieder aber, die Gallier und der Rhein, die Raeter und 
Pannonier und die Donau, die Sarmaten in der ebene und die 
gegenseitige furcht, die Daken in und um Siebenbürgen und das 
gebirge, im engsten sachlichen zusammenhange. 

Gleich der erste satz der Germania gibt also ein einleuchtendes 
beispiel, dass Tacitus es mit der trockenen Wahrheit und Wirk- 
lichkeit der dinge nicht eben genau nahm, wann oder soweit sie 
nicht den gesteigerten ansprüchen und manieren seines Stiles sich 
fügte, aufser den mangeln von rein stilistischer herkunft aber hat 
seine Umgrenzung Germaniens noch eine lücke anderer art. denn 
die Sarmaten, die nächst den Pannoniern im offenen felde diesseit 
der Donau und vor den Daken im gebirgslande mit den Germanen 
zusammengrenzen, können nur die Sarmatac lazuges sein, die 
nach Plinius die Daken aus den ebenen bis zur Teis ins gebirge 



BEI TACITÜS. 3 

zurückgedrängt hatten und an der Donau aufwärts mit den Ger- 
manen zusammentrafen*, wenn daher Tacitus nach den Sarmaten 
und Daken die Umschreibung des gesammten Germaniens damit 
abschliefst dass das übrige der ocean umgebe, so bleibt die ganze 
ostgrenze von den Daken bis zum ocean oder der Ostsee bei ihm 
offen und unbestimmt, und in der tat war es seine meinung dass 
sich hier keine bestimmte grenze angeben lasse, wie man aus den 
letzten capiteln seiner schrift ersieht. 

Die früher und später allgemein herschende ansieht war dass, 
wie im westen der Rhein gegen Gallien, so im osten die Weichsel 
gegen Sarmatien die grenze Germaniens sei, und ungeachtet der 
Goten auf der rechten seite des unteren flusses und der Bastarnen 
auf der ostseite der Karpaten ist sie kaum weniger angemessen 
und richtig als die begrenzung im westen durch den Rhein, wir 
finden sie noch vor** dem beginne der augustischen kriege gegen 
die Germanen bei Agrippa (dimens. prov. c. 19. 8, Plin. 4 § 81) 
und dürfen sie daher auch für die so zu sagen officiell im römischen 
reich durch Augustus, in der Chorographie und auf der weitkarte, 
anerkannte halten, sie wurde auch von andern geteilt (Mela 3, 3, 
25. 33, Plinius 4 § 97) und noch von Ptolemaeus (2, 11, 4. 6. 
14. 15. 20. 3, 5, 2. 5. 20) und den späteren (Jordanes c. 3. 5) 
festgehalten, den Weichselmündungen gegenüber setzte man die 
grofse insel Scadinavia***, gewis weil man von dort aus zuerst 
näher über sie unterrichtet ward, dieselbe Vorstellung liegt auch, 
wie wir sehen werden, c. 43. 44. 45 der darstellung des Tacitus zu 
gründe, aber er nennt weder die insel noch den fluss. er hatte, 
wie auch sein Zeitgenosse Marinus von Tyrus, der Vorgänger des 
Ptolemaeus, ganz neue nachrichten über die Völker des nordens 
und namentlich die drei grofsen östlichen und nördlichen nach- 
barstämme der Germanen, von denen selbst Plinius noch nichts 
weiter als nach ziemlich unbestimmten, noch wenig verbürgt 
scheinenden angaben einzelner 4 § 97 allein die Venedi oder 



* s. anhang 1. 

•* Weltkarte des Augustus s. 251 — sagt Caesar BG. 6, 25, dass der hereynische 
wald im norden der Donau vom Rhein 'ad fines Dacorum et Ana^tium , sich 
erstrecke, so liegt schon da dieselbe begrenzung Germaniens zu gründe, da die 
Anarter oberhalb der Weichselquelle zu denken sind. s. unten. 

•** Ptolemaeus 2, 11, 34, Jordanes c. 3; vgl. Plinius 4 § 96. 97 und Mela 
3, 6, 54 und 3, 31—33. der Cosmographus Ravenn. 1, 12. 4, 4. 5, 30 kennt 

die insel Scanza nur aus dem Jordanes. 

1» 



4 DIE SITONES. 

Venedae mit namen zu nennen wüste, die neuen nachrichten 
waren, wie schon die namen lehren, von Germanien aus zum teil 
unter beihilfe, zum gröfseren teile selbst aus dem munde von 
Germanen gewonnen, offenbar auf dem wege des bernsteinhandels, 
der direct mit der samländischen küste erst in der zweiten hälfte 
des ersten Jahrhunderts nach Ch. angeknüpft und stätiger betrieben 
wurde (DA. 1, 215ff.). aber die neuheit der künde, die zuerst 
einen blick in bis dahin kaum geahnte fernen werfen liefs, gestattete 
den zweifei ob nicht Germanien nach dieser seite hin weiter reiche 
als man bisher angenommen hatte, und ob nicht vorläufig besser 
von der herkömmlichen begrenzung hier abzusehen sei. Tacitus 
tat dies und gab um so eher dem zweifei nach, je mehr es dem 
politischen zwecke seiner schritt entsprach Germanien als gleich- 
sam unbegrenzt und ins unendliche ausgedehnt darzustellen; was 
er jedoch nur tun konnte so lange die künde noch nicht durch 
vieljährigen verkehr geklärt und gefestigt war. die ungewisheit 
aber und der zweifei wurzeln hier schliefslich allein in einer un- 
vollkommenen theoretischen oder wissenschaftlichen einsieht, in 
dem mangel einer einfachen, festen norm für die Unterscheidung 
der Völker, einem mangel an dem so viele ethnologische nach- 
richten und meinuugen der alten kranken, durch den auch über 
das erste geschichtliche auftreten der Germanen selbst , eine so 
arge Verwirrung verbreitet ist. diese zu zerstreuen sollte unsere 
nächste aufgäbe sein, die lehrreiche analogie indes, die sich mit 
den letzten capiteln der Germania darbietet, empfielt es schon 
ihren inhalt näher ins äuge zu fassen : die betrachtung wird end- 
lich wie von selbst zu dem andern thema hinüber leiten, die 
rücksicht aber auf eine reihe späterer Untersuchungen macht es so- 
gar notwendig im voraus über die Stellung und art der grofsen, 
nicht germanischen stamme des nordens und ostens ins klare zu 
kommen. 



Die Goten wohnten nach Tacitus Germ. 43 jenseit d. h. nach 
dem bisherigen gange seiner aufstellung, im norden der Lygier 
oder Lugier, jener zahlreichen, von dem Riesengebirge bis zur 
Weichsel weithin ausgebreiteten völkermenge, aus der nachmals 
die Vandalen und Burgunden hervorgiengen ; unmittelbar darauf 
aber vom ocean ab die Rugier und Lemovier. man kann schon 
darnach die Goten nicht wohl anders als innerhalb der grofsen 



DIE SITONES. 5 

beugung der unteren Weichsel stellen, etwa bis zu ihrer mündung 
und gegen das Frische haf, und dann die Rugier und Lemovier 
westwärts von der Weichsel unter der Ostsee hin bis zur Oder, 
und diesen ansatz bestätigt nicht nur Ptolemaeus, der die 7V- 
dtoveg auf der rechten seite der untersten Weichsel, den land- 
schaftsnamen c Povyu>v (Rugium) aber nur nach einer falschen com- 
bination als Ortsnamen zwischen Oder und Weichsel aufführt, 
sondern auch die eigne Überlieferung der Goten bei Jordanes 
c. 4. 17, wonach sie bei ihrer angeblichen ankunft aus Scadinavia 
zuerst die Inselrugen (Ulmerugi) von den Weichselinseln vertreiben, 
dann deren nachbaren die Vandalen zurückdrängen, endlich später 
bei ihrem auf bruch gegen das schwarze meer alsbald eine furcht- 
bare, aber von fruchtbaren landstrichen umgebene sumpfregion, 
offenbar die wolhynische, passieren und die hälfte ihres Volkes 
und ihrer habe dahinter zurücklassen musten, während ihre da- 
mals noch in den Weichselniederungen daheim gebliebene abteilung 
der Gepiden bei ihrem südlichen vordringen gegen die Karpaten 
auf die Burgunden gestofsen sei. die Stellung der Goten und 
ihrer nachbarn und stammesgenossen an der unteren Weichsel 
und auf der südküste der Ostsee kann darnach nicht zweifelhaft sein. 
Auf diese lässt dann Tacitus c. 44 im ocean selbst, aber ohne, 
wie gesagt, die von ihnen bewohnte grofse Scadinavia zu nennen, 
die seemächtigen Staaten der Suiones folgen, was er aufser der 
Seemacht und der einrichtung ihrer schiffe weiter von ihnen be- 
richtet, trägt den Stempel fabelnder Übertreibung, die aber bald 
sich daraus erklärt dass dem altschwedischen einvaldkönig ganz 
Uppsala audr, der reiche Uppsalstempel mit allem zubehör und 
allen gerechtsamen gehörte, in dessen umkreis unter seiner leitung 
und obhut das höchste fest des landes zur bestimmten zeit be- 
gangen wurde und einheimische und fremde von nah und fern zu- 
gleich zu friedlichem markt- und handelsverkehr sich versammelten*, 
für das alter des nordischen pelzhandels und des überseeischen 
Verkehrs des südlicheren festlandes mit Scadinavien zeugt Tacitus 
Germ. 17 (vgl. Plinius 8 § 39, Jordanes c. 3) in nicht füglich 
miszuverstehender weise, und die übertriebene Vorstellung von der 
macht des schwedischen einvalds kann nur bei fremden Südmännern 
entstanden sein, die ihn allein in seiner festlichen herlichkeit und 



* Olafs sag. helg. c. 76 (c. 75 Fmb. 4, 155 f. c. 60 Munch) vgl. Yngl. sag 
c. 12. 42. Geijer gesch. Schwedens 1, 10, Schmidts zs. für gesch. 8, 234 anm. 



6 DIE SETONES. 

als Verwalter und schirmer des festfriedens kennen lernten, aus 
diesem alten festlichen, an grofse Volksversammlungen gebundenen 
verkehr ist ohne zweifei gleichfalls die meinung herzuleiten dass 
der gröfse und ausdehnung Scadinaviens auch die menge seiner 
bewohner und die Vielheit der Völker dort entspreche, die wir 
schon bei Plinius 4 § 96 treffen und auf die sich später die 
wanderungssagen der südlichen stamme gründen, die nach ein- 
ander von Scadinavien als einer officina und vagina gentium aus- 
gegangen sein wollen, je näher beide Vorstellungen, die von der 
macht des Schwedenkönigs und die von der Volksmenge des landes, 
mit einander verwandt sind, um so weniger ist daran zu denken 
dass, wenn diese letzte erwiesener mafsen den Südgermanen ange- 
hörte, die andre etwa von römischen händlern heimgebracht sei. 
vielmehr dass die nachrichten des Tacitus über den scadinavischen 
norden aus dem munde der Südgermanen geschöpft seien, be- 
stätigt sich sogleich noch einmal. 

Jenseit der Suiones, heifst es zunächst in dem uns über- 
lieferten texte der Germania c. 45 weiter, ist ein anderes meer, 
träge und beinahe unbeweglich, das den erdkreis umgürtet und 
abschliefst für das geronnene oder tote meer, das Pytheas am 
Polarkreise eine tagefahrt nördlich von Thule entdeckt, hatte nach 
der meinung des Tacitus die flotte seines Schwiegervaters im 
sommer des j. 84 n. Ch. schon diesseit Thules im norden von 
Britannien die ausreichendste bestätigung gefunden (DA. 1, 403 f. 
422), und die combination dieses ergebnisses mit den erkundigungen 
über den germanischen norden kann nur sein werk sein, mag er 
nun den norden von Britannien und Scadinavien auf gleicher 
geographischer breite sich gedacht oder gemeint haben, die 
römische flotte sei selbst schon ungefähr bis in den rücken der 
germanischen insel gekommen; was bei der Vorstellung, die die 
alten sich von der läge und gröfse Britanniens gebildet hatten, 
das wahrscheinlichste ist. dass wo die künde aufhöre, auch die 
weit zu ende sei, ward unbedenklich angenommen: darnach stellte 
auch Ptolemaeus die gröste Ixardla als eine um 2° nördlich über 
der Weichselmündung nach west und ost beinahe gleichmäfsig aus- 
gedehnte 'citronenblattähnliche' insel dar und darnach verfuhren 
überhaupt die alten geographen gern, wenn nicht mythen und 
fabeln oder ihre eigne phantasie und ahnung einen weiteren 
Spielraum verlangten, reichten die erkundigungen über die Völker 
des germanischen nordens nicht über die Suiones hinaus, so konnte 



DIE SITONES. 7 

Tacitus über ihnen mit gleichem rechte das träge oder tote meer 
ansetzen, damit aber an der grenze der Schöpfung angelangt 
muste die Schilderung sich zu dem südlichen festlande zurück- 
wenden, und geschieht das mit den Worten 'ergo iam dextro 
Suebici maris litore Aestiorum gentes adluuntur', so ist klar, nicht 
nur dass vorher den Rugiern und Lemoviern richtig ihre sitze 
linkshin von der Weichsel längs der Ostsee angewiesen sind, 
sondern dass überhaupt die Schilderung, soweit wir sie bis her 
weiter verfolgt haben, von der Weichselmündung ausgeht und 
auch dahin zurückkehrt, da alsbald die hauptfundstätte des bern- 
steins den Aestiern zugeschrieben wird. 

Allein höchst befremdlich wird nach dem langen abschnitt 
über die Aestier und den bernstein gleichsam in einer nachschrift 
noch hinzugefügt, an die Suiones schlössen sich unmittelbar als 
fortsetzung die stamme der Sitones und mit ihnen sei Suebien zu 
ende, dessen beschreibung c. 38 mit den Semnonen an der mitt- 
leren Elbe begonnen wurde, der gewählte ausdruck 'Suionibus 
Sitonum gentes continuantur' erlaubt schlechterdings nicht die 
beiden Völker durch einen meerbusen wie den bottnischen ge- 
trennt und die Sitones den Svien gegenüber auf der nördlichen 
fortsetzung des rechten ufers des 'suebischen meeres' neben oder 
vielmehr über den Aestiern zu denken : davon dass die küste schon 
von den Aestiern an sich in nördlicher richtung hinziehe, hatte 
Tacitus offenbar noch keine Vorstellung, er muss die beiden Völker 
für nachbaren und bewohner derselben insel gehalten haben, und 
dachte er sich wie Ptolemaeus die insel von westen nach osten 
ausgedehnt und die Sitones als ostnachbaren der Svien, so 
konnte er allerdings jene den Aestiern auf dem südlichen fest- 
lande gegenüber stellen, füglicher weise aber nicht so wie es in 
dem überlieferten texte geschieht, dass nemlich die darstellung 
zuerst von den Svien bis ans ende der weit vorschreitet, dann 
auf das festland zurückkehrt und wieder auf die insel im ocean 
überspringt ohne irgend eine andeutung dass ein gegensatz be- 
absichtigt sei oder dass sonst ein grund ersichtlich würde warum 
dieser seltsame gang befolgt wurde. Tacitus hat bei der auf- 
stellung der germanischen ostvölker von den Donausueben c. 41. 42 
an bis zu den Svien in verschiedenen absätzen durchaus die rich- 
tung von Süden nach norden inne gehalten und vertauscht erst mit 
den Aestiern, wie das rechte ufer des suebischen meeres an- 
deutet, diese richtung mit einer östlichen, der fragliche satz 



8 DIE SIT0NE8. 

knüpft mit den Svien an jene aufstellung an, und setzen die 
Sitones die Suiones fort, so kann er bei dem 'continuantur' auch 
nur die nördliche richtung im sinne gehabt haben, 4 hic Suebiae 
finis' aber bedeutet dann dass mit den Siten im norden das be- 
wohnte land hier überhaupt zu ende gehe. 

was man kürzlich zur Verteidigung der überlieferten Ordnung 
vorgebracht hat*, beweist nur dass sie sich nicht als die echte 
und ursprüngliche behaupten lässt. denn wer wird dem Tacitus 
zutrauen, wenn er die Sitones für nördliche nachbaren der Suiones 
und folglich auch für die nächsten nachbaren des trägen polar- 
meeres hielt, dass er blofs aus kindischem verlangen, seine nicht 
einmal ganz neue kenntnis vom bernstein so bald als möglich 
vorzubringen, jene an der rechten, ihnen dem zusammenhange nach 
gebürenden stelle zu ende des c. 44 übersprungen habe, um sie dann 
in sachlich und stilistisch gleich widersinniger weise in einer nach- 
schrift zu dem c. 45 über die Aestier nachzubringen? nach Tacitus 
fand bei den ostvölkern der richtung seiner aufstellung von Süden 
gegen norden gemäfs eine Steigerung der königlichen gewalt statt: 
alle wurden von königen beherscht, aber die Goten schon straffer 
als die übrigen auf dem festen lande, dann sämtliche Staaten 
der Suiones nur von einem völlig unumschränkten alleinherscher, 
die stamme der Sitones endlich sogar von einem weibe, so dass 
sie nach seinem geistreich sein sollenden concetto nicht nur von 
der freiheit, sondern selbst von der knechtschaft entartet waren, 
niemand, der jemals beobachtet hat und bedenkt welche berechnung 
die ganze darstellung des Tacitus von abschnitt zu abschnitt, ja 
selbst von satz zu satz und von wort zu wort durchdringt, wird 
glauben dass er selbst sich diese wohl bedachte klimax mutwillig 
zerstört und ihre spitze abgebrochen und verrückt habe, und ebenso 
wenig jemand begreifen dass 'die repräsentanten der extremsten 
Sklaverei nicht wohl füglich vor den Aestiern besprochen werden 
konnten', da wenn etwas, das gegenteil davon sofort als das allein 
schickliche einleuchtet, die klimax lässt nicht mehr daran zweifeln 
dass der absatz über die Sitones bis zu 'hie Suebiae finis 9 seinem 
ganzen inhalte nach zu der nordwärts vorschreitenden beschreibung 
der ostvölker gehört und davon den letzten abschnitt bildet vor 



* Baumstark Germania 1876 s. 143 gegen die Umstellung, die zuerst von 
KMeiser (Kritische Studien 1871 s. 49) vorgeschlagen und kurz begründet 
wurde. 



DIE SITONES. 9 

dem absatz über das nordische wendelmeer , und der Vorschlag, 
ihn vom ende des c. 45 ans ende des c. 44 zu stellen ist sach- 
lich und stilistisch gleich gerechtfertigt nur die notwendige folge 
der Umstellung, die abänderung von 'Trans Suionas' in 'Trans 
SHonas' im anfang des c. 45 mag dem methodisch denkenden 
kritiker einige bedenken machen, denn was er herstellt, muss 
selbst mit Überlegung und durch absichtliche änderung einmal 
aus dem texte beseitigt sein, nachdem der unmittelbar vorher- 
gehende absatz an das ende des capitels geraten war, die uns 
allein überlieferte und fest bezeugte lesart aber, wenn nicht aus 
dem archetypus, dem original der im fünfzehnten Jahrhundert in 
Deutschland gefundenen, alten handschrift, so doch mindestens 
aus dieser selbst, von der alle uns erhaltenen handschriften aus- 
gehen, herstammen und die Versetzung in jedem falle noch älter 
sein, doch ein triftiger grund gegen die Umstellung wird sich 
daraus niemals entnehmen lassen. 

Was wir hier zu erweisen suchten, dass nach der eignen, ur- 
sprünglichen darstellung des Tacitus die Sitones die nordnachbaren 
der Suiones waren, erweist sich nun auch als tatsächlich voll- 
kommen begründet und richtig, freilich die benennung des Volkes 
kommt später nicht weiter vor. es scheint fast in Sitones nur 
ein appellativ misverständlich als name aufgefasst zu sein, als 
berichtet wurde dass die jenseit der Suiones sitzenden von einer 
frau beherscht würden. Sitones wäre got. sitans altn. setar ahd. 
sezzon und aus den compositis ' altn. atseti Forseti häseti büseti 
(Aasen 91 b ) ahd. anasezzon darf man auf ein simplex schliefsen, 
das dem begriff von altn. seta Sitzung, sitz und besatzung als 
personale und nomen agentis gegenüberstand, das auch das altn. 
personale femininum seta, dienerin die unmittelbar neben der 
herrin ihren sitz hat, hinlänglich belegt*. — allein wie es sich 
auch mit dem namen verhalte, in den Sitones hat man längst die 
ehedem nördlich von den Schweden um den bottnischen busen 
ausgebreiteten Finnen erkannt**, die von karelischer abkunft wohl 
mehr im gegensatz zu den im gebirge hausenden Lappen, als 
zum unterschiede der östlicheren, nicht karelischen stamme der 



* es ist zweimal gut bezeugt, NGL. 1, 70. 234, und wird daher von 
Fritzner 546 b . 65 4 b mit fug von saeta unterschieden. 

** Schlözer Nord gesch. s. 483 ff. 489, Zeufs 157. 686 f. vgl. Dahlmanns 
Forschungen s. 449 ff. Thomsen Den gotiske sprogklasses indflydelse pä den 
finske b. 11 f. 



10 DIE SITONES. 

Suomalaiset und Hämäläiset mit heimischem namen Kainulaiset 
d. i. Nieder- oder Flachländer hiefsen, woraus die Germanen altn. 
Kvenir oder Kvaenir ags. Cvenas machten und weiter die fabel 
von einem frauenlande oder frauenreiche sich entspann, da got. 
qino altn. (kvena) kona (gen. pl. kvenna) ags. cvene cvine (engl, 
quean) ndd. quene femina, ahd. alts. quena mhd. kone uxor, got. 
qufens altn. kvan kvsen alts. quän ags. cv6n uxor, ags. cven auch 
femina und selbst regina bedeutete und composita wie ags. Cvftn- 
land oder auch Cvfenrice als feminarum terra oder feminarum regio 
und regnum aufgefasst werden konnten*, die fabel bei Tacitus 
setzt die Umbildung des namens ins deutsche schon voraus und 
wahrscheinlich ist diese auch in der gestalt eines schwachen, dem 
einen femininum also völlig gleichförmigen masculinums gleich- 
zeitig den alten bekannt und von Ptolemaeus bei Marinus vor- 
gefunden worden**, die fabel selbst aber, auch wenn sie in Sca- 



* be nordan Sveom ofer f>ä vösten is Cvenland, Alfred Oros. 1, 1, 12 
Bosworth; is tö emnes Jaem (Nordmanna) lande sudeveardum on odre healfe 
{>as mores Svetfland ö|> j)ät land nordeveard, and to emnes ftfem lande nordevear- 
dum Cvena land, das. 1, l, 17 = regnant Sueones usque ad terram feminarum, 
Adam. Brem. 4, 14. Aestland — terrae feminarum proxima, 4, 17. circa haec littora 
Baltici maris ferunt esse Amazonas, quod nunc terra feminarum dicitur. eas 
aquae gustu dieunt aliqui coneipere. sunt etiam qui referant eas fieri prae- 
gnantes ab his qui praetereunt negociatoribus , vel ab his quos inter se 
habent captivos, sive ab aliis monstris quae ibi non rara habentur. et hoc 
credimus fide dignius. cumque pervenerint ad partum, si quid masculini ge- 
neris est, fiunt cynocephali; si quid feminini, speciosissimae mulieres. hae 
simul yiventes spernunt consortia virorum; quos etiam, si advenerint, a se re- 
peUunt yiriliter. cjnocephali sunt qui in pectore caput habent; in Ruzzia 
videntur saepe captivi et cum verbis latrant in voce Adam 4, 19. vgl 3, 15. 
schol. 119 und Paulus hist. Lang. 1, 15 ego referri a quibusdam audivi, usque 
hodie in intimis Germaniae finibus gentem harum (Amazonum) ezistere femi- 
narum. noch später fabeln die Araber, Edrisi im zwölften, Easerini im drei- 
zehnten Jahrhundert von einem frauenvolke auf einer insel der Ostsee, das, 
ahnlich wie die Amazonen der alten, durch sklaven sich fortpflanze. Mehren 
in den Annaler for nordisk oldkyndighed 1857 8. 188. 

** nach Jordanes c. 3 oder vielmehr des Oassiodors ausdrücklichem Zeug- 
nis hatte Ptolemaeus sieben und nicht, wie nach unsern ausgaben, nur sechs 
Völker auf Skandia genannt, es fehlt in dem vulgären texte ganz gegen die 
ftonst (3, 4, 11. 6, 18, 3. 20, 3 uö.) von Ptolemaeus beobachtete regel das 
nördlichste volk. nur die alte, von JÄfsler 1508 in StraTsburg benutzte hs. 
des Picus von Mirandola, die allein einen wenn auch nicht unverderbten, 
doch unverfälschten text enthielt, überlieferte noch 2, 11, 35 xarixovffw «vi?j$ 
ra piv uQxikxa itvwvoi, wo freilich der name nicht richtig sein kann, der 
alsbald den bewohnern der mitte beigelegt wird, die Xatdwoi im westen d. h. 



DIE AESTH. 11 

dinavien aus einem scherz entstanden wäre, kann dort doch nicht 
geglaubt und als historische, wohl begründete nachricht verbreitet 
gewesen sein, sie weist uns noch einmal darauf hin (s. 6) dass 
Tacitus nachrichten über den germanischen norden nicht auf un- 
mittelbarer anschauung und erkundung von Römern, sondern auf 
hörensagen bei den Südgermanen diesseit der Ostsee beruhen, und 
daraus erklärt sich zugleich die abwesenheit jeglicher kenntnis 
von der totalen nationalen Verschiedenheit der Sitones und Suiones, 
so dass Tacitus jene arglos mit zu den Sueben rechnete, in beiden 
beziehungen aber steht es anders bei den Aestiern. 



Dass der name, der bei Tacitus nach der best beglaubigten 
Überlieferung Aestii lautete*, einer der gesamtnamen war, mit 
denen die Germanen ihre drei grofsen östlichen nachbarstämme 
unterschieden, dass er folglich neben den weiterhin näher zu be- 
sprechenden der Veneti und Fenni den ganzen, uns in drei haupt- 
abteilungen bekannten, in sich aber seinem Ursprünge nach ein- 
heitlichen sprach- und volksstamm der alten Preufsen, Littauer 
und Letten umfasste, ist zuerst von Zeufs mit gebürendem nach- 
druck geltend gemacht, und die Sprachforscher hätten seitdem den 
Eistennamen längst wieder in sein altes recht einsetzen sollen, 
statt nach einer neuen gesamtbenennung für den stamm zu suchen, 
aber der stärkste beweis für den umfang des namens, wenn auch 
von Zeufs nicht übersehen, ist doch von ihm keineswegs schon hin- 
länglich ans licht gestellt, die bei Ptolemaeus vorliegende, älteste 
innere gliederung und räumliche ausbreitung des Stammes, unsrer 



im südlichen Norwegen (Zeufs 159), die rovrcu (1. JTYwro*) und Jcivxim>tg im 
süden der insel zwingen die Atv&voi der mitte und die 4>«woV«* xal <#>»p«*<ro* 
im osten für abteilungen der eigentlichen Svear zu halten, und dass Marinus 
oder Ptolemaeus daneben noch den gesamtnamen als besonderes volk im norden 
über ihnen angesetzt .habe, ist nicht wahrscheinlich und eher anzunehmen dass 
er ihn, wie bei den Aestiern, übergangen und statt seiner die specialnamen 
genannt hat. graphisch ebenso leicht, als etwa die Verwandlung der hand- 
schriftlich überlieferten, nördlichen Mvtovo* in Sviovtg, ist die Änderung in 
Kviyotvtg, die ich in der Germ, antiq. s. 134 dreist genug in den text gesetzt 
habe; sie ergibt in der tat den dem zusammenhange nach wahrscheinlichsten 
und passendsten namen. Kvivcwes wäre got. Qinans altn. Kvenar ahd. alts. 
Quenon ags. Cvenan. 

* s. Germania antiq. s. 42 und Haupts zs. 9, 225. 



12 DIE AESTH. 

auseinandersetzung schicken wir die bekannten, oft besprochenen, 
ältesten Zeugnisse für den namen voraus, da auch für sie einiges 
anders und schärfer zu bestimmen ist*. 

Die Aestier des Tacitus waren keineswegs auf die samländische 
bernsteinküste beschränkt: der ausdruck 'Aestiorum gentes' weist, 
wie Sitonum gentes, Suionum civitates, Lygiorum nomen in plures 
civitates diffusum, auf einen weiter verbreiteten, in kleinere Völker 
geteilten, besonderen volksstamm und über diesen hinaus war den 
Römern kein andrer, auch nicht dem namen nach, längs 'dem 
rechten ufer des suebischen meeres' bekannt geworden. 

die Aesti oder Haesti, die Theodorich dem grofsen im sechsten 
Jahrhundert bernstein als ehrengabe übersandten, befanden sich 
noch auf derselben stelle am ocean, wie die Aestii zur zeit des 
Tacitus, aus dessen cap. 45 sie damals erst durch Gassiodor 
(Var. 5, 2) über die natur ihres landes- oder meeresproducts 
unterrichtet wurden, in seiner gotischen geschichte aber gab 
Cassiodor (Jordanes c. 5. 17. 23) noch genauer an dass sie die 
längste uferstrecke (longissimam ripam) des germanischen oceans 
ostwärts von den Weichselmündungen inne hätten, auf deren 
werdern jedoch, an der ehemaligen stelle der gotischen Gepiden, 
die Vidivarier, ein besonderes mischvolk, säfsen. 

im neunten Jahrhundert, als die Slawen längst den weiten 
räum zwischen Weichsel und Elbe erfüllten und nur den Nord- 
germanen der verkehr mit dem volke über die see hin offen ver- 
blieben war, kennt es des ungeachtet Einhart (vit. Car. c. 12) 
noch unter seinem alten, echt germanischen namen und diesen in 
derselben ausdehnung wie ehemals, Aisti neben Sclavi als gesamt- 
benennung des einen teiles der südlich von der Ostsee wohnenden 
Völker ohne rücksicht auf die einzelnen, besonders benannten** 
und wesentlich ganz dieselbe Unterscheidung treffen wir zu ende 
desselben Jahrhunderts noch zweimal bei könig Alfred von 
England. 

er folgte in seiner allgemeinen beschreibung von Germanien 
(Oros. 1, 1, 12 Bosw) zunächst den aussagen deutscher männer, 
wie der name Osts» lehrt, den er nicht einmal in ags. E&stsae 
umsetzte und der wahrscheinlich erst im laufe des Jahrhunderts 



* gelesen in der Berliner academie am 31. juli 1879. 
** dass 'et aliae diversae nationes' bei Einhart so gemeint sind, Sclavi et 
Aisti aber die gesamtnamen, ergibt sich da er fortfährt 'inter quos vel prae- 
cipui sunt, quibus tone a rege bellum inferebatur, Welatabi.' 



DIE AESTIL 13 

statt des unbeholfneren Östarsalt (bei Einhart annal. a. 808) 
üblich geworden war. auf denselben nachbarlichen verkehr und 
Zusammenhang, wie diese altsächsische Verdeutschung des altnor- 
disch-dänischen Eystrasalt*, deutet auch wenn er berichtet dass 
ostwärts von den Norddänen, d. h. den Dänen der inseln und des 
schonischen festlandes, an dem meeresarm welcher die Östsse heifse 
die Östi säfsen, aber so dass sie ihn mit den Wenden und den 
Burgunden auf Bornholm im norden hätten, während er den 
Schweden im Süden liege, offenbar ist hier die ganz regelrecht 
älterem Aistjus — wie altn hendr got. handjus, altn. drynr got. 
drunjus — oder auch got. Aisteis entsprechende altnordische namen- 
form Eistr oder Eistir von deutscher seite wie altn. Eystr, Eystir 
aufgefasst und so in deutschem munde eine so genannte 'Volks- 
etymologie', eine Verdeutschung im anschluss an den namen der 
Ostsee und in bedeutsamer Übereinstimmung mit der östlichen 
läge des Volkes zu stände gebracht. 

dann ist auf dieselbe weise noch einmal die nordische namen- 
form misverstanden und statt regelrecht in ags. iEste, vielmehr 
ganz dem sächsisch- deutschen Östi entsprechend, in ags. fiste oder 
festas und ebenso altn. Eistland in ags. Eästland (Ostland) verwan- 
delt in dem von Alfred (Oros. 1, 1, 20) mitgeteilten bericht des 
Seefahrers Vulfstan über das von ihm besuchte land und volk. 
dieser hatte auf der ganzen fahrt von Schleswig zur rechten hand 
auf steuerbordseite Wendenland (Veonodland) bis Weichselmünde 
(6d Vlslemüdan). so hiefs in der germanischen schifferweit damals, 
wie nachdrücklich hervorgehoben wird, allein diejenige mündung 
durch die die Weichsel unmittelbar, und zwar 'nordwestlich von 
dem flstmere', in die offene see gelangte; und wenn es nie eine 
andre der art gegeben hat** als die heutige bei Danzig und 
Weichselmünde, so kann auch Vulfstan selbstverständlich nur diese 
gemeint haben, meldet er dann weiter dass die Weichsel Vitland 
und Veonodland trenne und von Veonodland heraus und ins 
'Estmere' ströme, so ist dies das Frische haf und Vitland not- 
wendig die inael, mit der ihr anhängenden, vor dem haf gela- 
gerten nerung über der in einen westlichen und einen östlichen, 
ins haf ausmündenden ström geteilten Weichsel. Vitland aber ge- 



* es ist der gewöhnliche name in der prosa, Fagrsk. c. 37. 83. 86. Fms. 1, 
100. 6, 23. 8, 30. 64. 11, 15; in der poesie bei Thiodolf von Hvin (Yngl.s 
c. 36) findet sich auch Anstmarr (Ostmeer). 

** s. unten anhang 2. 



14 DIE AESTH 

hörte den £sten, und heifst es darauf noch weiter, aus dem Edst- 
lande von osten komme dann die Ilfing aus einem binnensee (mere) 
an dessen gestade der von dem Seefahrer besuchte handelsplatz 
Truso liege, die Weichsel aber von Süden aus dem Wendenlande 
und nehme die Ilfing auf und beide flössen mit einander ins 
ßstmere, das Eästland aber sei sehr grofs, so meinte Vulfstan 
den im allgemeinen auch 'schon Gassiodor (Jordan, c. 3. 5) be- 
kannten dritten Weichselarm, die Nogat mit der Elbing und dem 
Drausensee und dieser arm war, wenn auch vielleicht nicht in 
seinem untersten laufe, doch weiter aufwärts die grenze des E&st- 
landes gegen das Wendenland, seit dem ersten Jahrhundert und 
nach dem abzuge der Goten waren also die Eisten weiter nach 
westen hin gegen die Weichsel vorgerückt und ihre südgrenze hier 
mag schon damals die Ossa bei Graudenz oder selbst die Drewenz bei 
Thorn gewesen sein*, sie mögen auch einmal das ganze Weichsel- 
delta inne gehabt haben, ehe sie von den Slawen bis auf die 
äufserste insel zurückgedrängt wurden: das im sechsten Jahrhun- 
dert, wie Cassiodor berichtete, noch neben ihnen bestehende 
'mischvolk' der Vidivarier war jedesfalls verschwunden und im 
wesentlichen wohl in sie aufgegangen. 

ungefähr hundert jähre später als Vulfstan, im frühling des 
j. 997 kam der Öeche Adalbert von Polen her in dieselbe gegend, 
ja vielleicht nach demselben handelsort, den jener besucht hatte**, 
um den heidnischen Truzzi' das evangelium zu predigen, hatte 
die bevölkerung inzwischen nicht gewechselt, müssen die Pruzzi 
die fisten des Vulfstan und mindestens ein teil der Aestii des 
Tacitus sein, der bisher unbekannte, dem volke selbst ursprüng- 
lich, wenigstens seinen altern germanischen nachbaren gegenüber 
gänzlich fremde name ist ohne zweifei von slawischer herkunft er 
wird zuerst von Polen aus bekannt und, wie der Eistepname in 
fast allen Zeugnissen seit Tacitus, scheint er sich vorzugsweise auf 
den westlichsten, den Polen nächsten zweig des eistischen Stammes 

zu beziehen, allein dass 'Prugi' bei den Slawen, ebenso wie Aisti 

* 

* wenn nemlich das Kulmerland nebst der Löbau und Hern lande Sassen 
wirklich einmal von Prenfsen bevölkert war, was nach den Ortsnamen bei 
Toppen Geographie von Prenfsen s. 9 f. — aufser Sassenpile in Löbau — und nach 
dem ausdrücklichen Zeugnisse des Chronisten Dusburg (Zeufs 676 anm.), daas 
in der Löbau die polnische spräche hersche, hier dahin gestellt bleiben mag. 
** LGiesebrecht f Wendische geschienten 1, 2 90 ff. — nach der von 
WGiesebrecht gefundenen gleichzeitigen vita (Neue preufs. provinzialbl. 1860. 
5, 55 ff.) Meto die stadt freilich Cholinum. 



DIE AESTIL 15 

nach unserer meinung bei den Germanen, einmal den gesamten 
stamm umfasste, ist dennoch gewis genug*: erst mit dem drei- 
zehnten Jahrhundert durch die eroberungen der deutschen ritter er- 
hält er eine engere territoriale, aber, wie wir sehen werden (s. 19 f.), 
keineswegs eine streng nationale, ethnische begrenzung dass er 
dem begriffe entspräche, den wir jetzt vom wissenschaftlich sprach- 
lichen Standpunkte aus mit ihm verbinden, die slawische benen- 
nung aber gelangte zur herschaft weil offenbar der Eistenname 
mit dem zehnten Jahrhundert bei den Deutschen gerade auf der 
Seite verschollen oder aufser gebrauch gekommen war, wo er uns 
zuerst und in sämtlichen bisher besprochenen Zeugnissen seit 
Tacitus am bestimmtesten entgegen tritt. 

allein schon seit dem neunten** oder doch wenig später sehen 
wir ihn noch bei den Nordgermanen auf der ganz entgegenge- 
setzten seite haften, Eistland an der landschaft im Süden des 
finnischen meerbusens und das ethnicum Eistir an ihren finnischen 
bewohnern, denen er dann nicht ohne die mitwirkung deutscher an- 
siedier bis auf den heutigen tag verblieben ist, ohne jedoch hier 

* s. unten anhang 3. 

** wenn anders Thiodolf von Hvin der Verfasser des Ynglingatals ist, wo 
es heilst Yngl.s. c. 86 her Eistneskr at hilmi vä, oder wenn der alte schwe- 
dische lagmann Thorgnyr (c. 1015) nicht den Sprachgebrauch seiner zeit in 
die zeit seines grofsvaters übertragt, indem er sagt dass der Uppsalakönig 
Eirik Eymundarson (f 885?) in seinen besten jähren lagdi undir sik Finnland 
oc Kyriale, Eystland oc Cürland oc vida um Austrlönd, Snorra OSH. c. 81 
Holm. c. 65 s. 68 Manch, Fms. 4, 162. früh ins zehnte Jahrhundert führt mit 
voller Sicherheit Fagrsk. c. 28 'sva segir ok Glümr Geirasunr t slnu kvsedi at 
Eirikr (Blodöx) herjadi, adr en Haraldr konungr andadisk (c. 933), sudr vid 
Halland ok Skani ok vida um Danmörk, ok alt for hann um Kurland ok Eist- 
land, ok mörg önnur lönd herjadi hann i Austrvegum.' auch Harald Hviti, 
Eiriks bruder, fiel a Eistlandi, Snorra HSHarf c. 33. 34 Holm. = Fms. 1, 7. 
4, 9. 10, 196. über Olafs Trjggvasons (f 1000) Jugend in Eistland s. Ägrip 
c. 14. 15 (Fms. 10, 391), Odds OST. c. 6, Snorra OST. c. 5. 6 Holm. (Fms. 1, 77 f.) 
udglm. — Adam von Bremen 4, 17 über Aestland s. oben s. 10. dass die Dänen 
Samland oder Preufsen auch noch in späteren Jahrhunderten Eftland genannt 
hatten (Voigt Gesch. Preufsens 1, 298. 299), wird durch stellen, wie diese 
aus den annales Ryenses (Langebek 1, 159. MGSS. 16, 399) 'Gamelaeknut — 
Angliam subjugavit: Esthonicam etiam gentem subdidit' oder aus Langebek 
2, 427 'segja Danskir menn at Enütr konungr vann under sek ^Eistland' 
udglm. nicht bewiesen, da Knut auch nach Saxo p. 565 Müll. 'Sembicis atque 
Esthonicis illustrem trophaeis adolescentiam egit' und nach p. 573 f. 'Curorum 
Sembonumque et Estonum regna delevit', vgl Fms. 11, 216. 226. Saxos Hestia, 
Estia, Estones sind nichts anderes als die Estonia und Estones Heinrichs des 
Letten und das Eistlant und die Eisten der Livl&ndischen reimchronik. 



16 DIE AESTII. 

im volke selbst, das sich Maarahvas, landvolk nennt, wurzel zu 
fassen und seinen fremdartigen Charakter zu verlieren, für jene 
fortdauer und die anwendung des namens auf einen ganz andern 
stamm als südwärts an der Weichsel und Memel gibt es schwer- 
lich eine andre erklärung als dass die Scadinavier auf der ihnen 
gegenüberliegenden küste der Ostsee auch am finnischen busen 
wirklich einmal echte Eisten gekannt haben und den landesnamen 
beibehielten, als die bevölkerung wechselte, dann auch das ethni- 
cum allmählich auf die neuen bewohner übertrugeu. in den süd- 
licheren küstenlandschaften bis gegen die Memel und weiter nehmen 
noch zu anfang des dreizehnten Jahrhunderts bei Heinrich dem 
Letten die finnischen Kuren und Liven, und selbst im norden die 
Esten den Letten und übrigen Eisten gegenüber ganz die Stellung 
und haltung feindseliger, gewalttätiger eindringlinge ein* und an 
der folgerung die sich hieran knüpfen lässt, dass die Eisten zuerst 
nur aus der nördlichen landschaft von den Finnen zurückgedrängt 
seien, wird man um so eher festhalten, wenn sich aus Ptolemaeus 
beweisen lässt dass ihr Gebiet wirklich ehemals bis an den fin- 
nischen busen reichte. 

Es ist hier noch nicht der ort auf die kritik der ptole- 
maeischen thesis des europaeischen Sarmatiens näher einzugehen 
und ausführlich darzulegen wie darin das verschiedenen und doch zum 
teil gleichartigen, griechischen quellen entnommene material zu- 
sammengehäuft und benutzt wurde um den zur Verfügung stehen- 
den räum bis zum 61° n. br. mit völkernamen auszufüllen, gerade 
von den am weitesten nach nordwesten, bis gegen die Ostsee hin 
vorgeschobenen ist es am wenigsten zweifelhaft dass sie vom 
Kaukasus und Ural herstammen**, und es wird daher die notwen- 
digkeit einleuchten von diesem hirngespinst gelehrter, aber unme- 
thodischer, ja gewissenloser combination sich los zu machen, wenn 
es gilt den umfang der nachrichten zu bestimmen, die Marinus 
von Tyrus von westen her durch die Römer erhalten hatte und 
die diese für ihn, ebenso wie für Tacitus, hauptsächlich auf dem 
wege des bernsteinhandels erworben haben müssen, da die her- 
kunft und Verschiebung der östlicheren namenmassen an allen 



* Eoskinen Acta societ. scientiar. Fennicae (Helsingfors 1866) 8, 2, 398 ff.; 
nur sind die worte der livländischen reimchronik t. 1826 f. 'die Letten wolden 
schände han, si envaehten umbe pris' übel mis verstanden. 
** 8. Monatsberichte der Berliner academie 1866 s. 91 



BEI PTOLEMAEÜS. 17 

entscheidenden hauptpunkten feststeht, so fällt die aussonderung 
jener nicht schwer und glücklicher weise am wenigsten in dem be- 
reiche, auf den es uns zunächst ankommt, in dem umkreise der 
Goten und von ihnen abwärts an der Ostsee. 

es springt aber sofort in die äugen dass die gelehrten geo- 
graphen mit einem teile dieser römisch-germanischen nachrichten 
nicht gewissenhafter umgegangen sind, als mit denen aus dem ent- 
legneren osten. die Olevidcu werden bei Ptolemaeus als eins der 
sieben oder, wenn man richtiger die pare als einheiten zählt, als 
eins der vier 'grösten' Völker aufgeführt, die so zu sagen die eck- 
pfeiler seines Sarmatiens diesseit des Tanais bilden, und ihnen 
wird als wohnsitz vor allem ein uferstrich angewiesen, der in 
gerader richtung unter dem 56sten breitegrade rechts von der 
Weichselmündung durch fünf längengrade bis zu einem flusse 
X^ovog — das wäre von Weichselmünde bei Danzig bis gegen die 
mittlere Memel — 'neben dem ganzen venedischen busen' hin und 
über einem einen breitegrad südlicheren, dem 'busen' vermutlich 
parallel laufenden gebirge, 'den venedischen bergen' sich hinzieht, 
unter ihnen sitzen dann erst die Goten {Tv&tovss) und darauf die 
Oivvoi, als eins der 'kleineren Völker' an der Weichsel aufwärts, 
hier ist ans osten westen gemacht, offenbar weil der aufbau des 
eigentlichen Sarmatiens für die Ovevidcu und Oivvoi im osten 
keinen räum mehr übrig liefs; die vertauschung aber von norden 
und Süden, durch die die beiden volksstämme schliefslich an stellen 
geraten sind, wo nach menschlichem erinnern und ermessen weder 
der eine noch der andre jemals gesessen hat, würde man nur 
dann lediglich einem unglücklichen zufall schuld geben können, 
wenn der irrtum nicht mit Überlegung dem System der karte an- 
gepasst, aus den Finnen mit bedacht eine 'kleinere', untergeordnete 
Völkerschaft gemacht und den Wenden mit unverantwortlich dreister 
erfindung ein wohnsitz hergerichtet wäre, für den in der Wirklich- 
keit alle und jede bedingungen fehlen, es versteht sich von selbst 
dass vom Standpunkte des germanischen oder gotischen berichter- 
statters aus, von dem zuletzt diese nachrichten herrühren, die 
Oiivida und Olvvo* wieder in dieselbe östliche und nordöstliche 
läge wie bei Tacitus zu bringen sind, daraus ergibt sich aber 
weiter dass, wenn derselbe berichterstatter die den Goten näher 
wohnenden Völker einzeln bei namen, die beiden entfernteren 
grofsen oststämme dagegen nur summarisch unter ihrem gesamt- 
namen aufführte und so von jenen unterschied, jene eben nur die 

D2UT80HJC ALTBMTUMSKUHDK IL 2 



18 DIE AESTII 

Aestii des Tacitus sein können, und wir dürfen, ferner schliefsen 
dass er mit seiner aufzählung den ganzen ihm bekannten umfang 
und inbegriff des Stammes angeben wollte. 

Das 'grofse volk' der Veneden war nach Ptolemaeus meinung 
keineswegs ganz auf den küstenstrich zwischen der Weichsel und 
dem Chronos beschränkt er liefs die küste vom Chronos auf 56 ° 
n. br. an allmählich bis zum 60 ° und weiter nordwärts aufsteigen 
und das 'neben dem ganzen' (naq olov), dadurch gebildeten 'vene- 
dischen busen' verbreitete volk nicht unbeträchtlich auch noch 
über den fluss hinaus reichen, ohne das wäre ganz unverständlich 
dass unterhalb der Veneden nicht nur die Goten, sondern auch 
noch die Takivdai xal 2ovdwol Kai 2xavavol wohnen sollen, von 
denen sich diese wieder an eins der 'grösten Völker' im innern, 
an die weither aus dem osten vorgeschobenen *AXavvol 2xv&a> 
anschliefsen, deren läge durch ein auf gleicher breite (55°) mit 
dem venedischen, aber um sechszehn grade östlicher (auf 62° 30') 
belegenes 'alaunisches' gebirge näher bestimmt wird, die vier Völker 
erstrecken sich demnach von der Weichsel auf 45° 1. ostwärts 
gleichmäfsig durch etwa 1 6 längengrade, so dass nach der meinung 
der geographen ohne zweifei auf jedes ungefähr deren viere 
kommen und auf keinen fall die 2ravccvoi willkürlich von der reihe 
getrennt (Zeufs 271) und zu dem gefolge der y AXavvoi gerechnet 
werden dürfen, in der ganzen breite südlich unterhalb der drei 
letzt genannten Völker sollen dann die 'lyvkkUovsg sitzen, dagegen im 
norden jenseit der Veneden die OviXxcu und am weitesten gegen 
norden die "Oaoioi und KäQßweg nur an der küste des oceans, 
aber offenbar nur weil die masse der in ihrem rücken angehäuften, 
östlichen Völker sie dahin gedrängt hat. fallen diese hinweg, so 
ist jenen selbstverständlich ungefähr dieselbe ausdehnung über den 
drei Völkern, wie den Igyllien unter ihnen beizumessen, die ge- 
nauere bestimmung und fixierung der ganzen aufstellung bietet 
überhaupt keine grofse Schwierigkeit, sobald man von den zutaten 
der systematiker, der Stellung die sie den Veneden und Finnen 
anweisen und ihren länge- und breitegraden absieht oder diese nur 
neben den übrigen in betracht kommenden momenten in betracht 
zieht. 

Den ausgangspunkt für die aufstellung bilden die germa- 
nischen Goten, die, wenn die Veneden ihren erträumten platz an 
der Weichselmündung räumen, notwendig hier für sie ihrem 
sonst (s. 4 f.) auch wohl verbürgten rechte gemäfs eintreten 



BEI PTOLEMAEUS. 19 

and damit als herren längs der ganzen rechten seite des unteren 
flusslaufes da stehen, das bernsteinland beherschten sie entschie- 
den nicht, der Pregel jedoch führte bei ihnen, wie es scheint, 
einen besondern deutschen namen, Guthalus bei Plinius 4 § 100, 
und dass sie dem flusse von westen her mindestens ziemlich nahe 
kamen, muss man schon annehmen weil Ptolemaeus auch auf sie 
eine lange von wenigstens vier graden rechnete und die mündung 
des Chronos von der Weichsel fünf grade ab setzte, da die Über- 
treibung in beiden fällen auf gleiche weise zu berichtigen ist und 
der Chronos der Pregel sein muss, falls die elemente seiner karte 
nicht lediglich erfindungen sind, eine natürliche grenze, die Ger- 
manen und Aestier scharf geschieden hätte, gab es zwischen 
Weichsel und Pregel nicht, aber in dem gebiet der südlichen Zu- 
flüsse des Pregels und der letzten des Frischen hafs müssen beide 
volksstämme wohl einmal zusammengetroffen sein. 

Der im neunten Jahrhundert in Spanien bei den nachkommen 
der Westgoten auftauchende name Galindus oder Galindo* be- 
wahrte noch eine erinnerung an die alte nachbarschaft der Goten 
und Galinden. im dreizehnten Jahrhundert zur zeit der eroberun- 
gen des deutschen ordens knüpfte er sich an eine nicht unbedeu- 
tende landschaft in der Umgebung des Spirdingsees, die sich etwa 
von dem quellflüsschen der Alle ostwärts bis zum Lyck und von 
der noch heute bestehenden polnischen grenze nordwärts bis zur 
Goldapp hinzog**, allein diese späteren Galinden standen ebenso 
wie ihre westlichen und nordwestlichen preufsischen stammesge- 
nossen und ihre südlichen slawisch-ljechischen nachbaren in Maso- 
vien ganz oder doch zum grösten teile unzweifelhaft auf ehemals 
gotischem boden. für den ptolemaeischen berichterstatter existierten 
selbstverständlich die Veneden am Pregel ebenso wenig als an der 
untern Weichsel, seine Galinden als ostnachbaren der Goten be- 
herschten daher vor allen dingen das bernsteinland und wohnten 
vermutlich dann zu beiden Seiten des Pregels aufwärts und in 
südöstlicher richtung bis gegen die 2ovdwoi. sie sind eben die 
nachmaligen Preufsen in dem engern, eigentlichen sinne, den wir 



* der bischof Prudentius von Troyes, der die reichsannalen von 835 bis 
xu seinem tode im j. 861 fortfahrte, war von gebnrt ein vornehmer Spanier 
mit namen Galindo (vgl Zs. 21, 76. 83), und von der spateren fortdauer des 
namens in Spanien kann jeder sich schon aus Jöchers Gelehrtenlexikon über- 
zeugen. 

** Toppen Geographie von Preufsen s. 27 ff. vgl. 76ff. 

2* 



20 ME AESTII 

vom sprachlichen Standpunkt mit dem namen verbinden, wenn 
diese Preufsen in ihrer Verbreitung nach dem abzuge der Goten 
geteilt unter besonderen landschaftlichen namen erscheinen und die 
alte gemeinsame benennung Galinden nur auf eine zu einem 
grofsen teile wohl erst neu gewonnene landschaft sich beschränkt, 
so ist das nicht wesentlich anders als wenn wir seit dem achten 
Jahrhundert im Süden der Lippe einen Borahtragau finden, das 
alte volk der Bructerer aber auf der nordseite des flusses ver- 
schwunden zu sein scheint, aufserdem aber hat sich nur ein ganz 
gewöhnlicher Vorgang wiederholt, wenn die masse des volkes gegen 
die Weichsel und bis zur Ossa oder Drewenz (s. 14) vorrückend 
ihre alten Wohnsitze am Pregel hinter sich zum grösten teile nach- 
rückenden stammesgenossen preis gab. 

Wie die Galinden, so kehren auch die 2ovdtvol in der spätem 
'preufsischen' zeit wieder, nur unter einer etwas veränderten 
namenform, das land Sudauen ward im westen durch den Lyck, 
die Lepone und Szeszuppe, im norden und osten durch die Memel, 
im Süden durch die Narew begrenzt*, hier zeigt sich indes dass 
der name Preufsen für den deutschen orden gar nicht die enge 
ethnische bedeutung hatte wie für uns nach mafsgabe der spräche 
oder des dialects (s. 15). die nördliche hälfte von Sudauen und 
die nordwestlich anstofsenden preufsischen landschaften Nadrauen 
und Schalauen an den Zuflüssen des Pregels und an der Memel 
abwärts bis zum kurischen haf sind seit Jahrhunderten und nicht 
erst unter der ordensherschaft (Toppen s. 34 fc) von Littauen be- 
völkert und zwar herscht in den östlichen oder südöstlichen ge- 
genden dieses gebiets nicht allein auf der preufsischen, sondern 
auch auf der russisch-polnischen, eigentlich sudauischen seite** 
jener altertümlich 'hochlittauische' dialect der die grundlage für 
die kirchen- und Schriftsprache der protestantischen Littauer 
Preufsens hergegeben hat, während nach dem haf hin die spräche 
mehr ihren altertümlichen character verliert, dies Verhältnis und 
dieser Zusammenhang ist uns begreiflich wenn die nordwestlicheren 
striche einmal von Südosten her ihre littauische bevölkerung er- 
halten haben, und war dies schon vor der ankunft der deutschen 
ritter geschehen, so ist anzunehmen dass die Littauen hier nur 
an die stelle der nach Südwesten in die ehemals gotischen land- 



* Toppen aao. s. 29 f. vgl. 102 ff. 
** Kurschat Gramm, s. 9 f. Schleicher Gramm, s. 4 f. 



BEI PTOLEMAEUS. 21 

Schäften abrückenden Treufsen' oder Galinden getreten sind, die 
jenseit des Pregels nur das Samland für sich behielten, im 
übrigen spricht nichts dagegen oder vielmehr alles dafür, die 
ptolemaeischen JSovdwoi sich in derselben läge und Stellung wie 
die 'preufsischen' Sudauen zu denken. 

Dies vorausgesetzt umfasst der späterhin unbekannte, aber völlig 
unverdächtige und gewis unantastbare name Stavavoi* die öst- 
licheren Littauen jenseit der mittleren Memel zwischen der Wilia 
und oberen Memel etwa bis zu der gegen Weifsrussland sich hin- 
ziehenden sumpfstrecke oder bis zur Beresina**. freilich soll 
heutzutage die littauische Sprachgrenze hier schon bis über Grodno 
und Wilna zurückgedrängt sein, allein nach Zeugnissen, deren 
glaubwürdigkeit füglich nicht in abrede gestellt werden kann***, 



* die weder geographisch noch lautlich gerechtfertigte combination mit 
Schalauen Scalowia, Scalowitae wird von Zeufs 271 mit recht zurückgewiesen, 
die scheinbar leichte änderung in llavavoi (= slaw. Slowene oder litt. Slow- 
uai die berühmten, vortrefflichen?) ist unzulässig weil ein Grieche niemals JSl 
im anlaute geschrieben hätte, graphisch nahe läge 2TAA- statt STAvctvoi, 
aber die Griechen schrieben lieber JSMdßo*, Sd-kaßipoi oder 2xkdßo* y Sxkaßypoi, 
Ixlavtjyoi; sich für liiavavot auf deutsche vermittelung zu berufen (Schafarik 
Altertumsk. 1, 208 f. 2, 38) ist ungereimt, da die Germanen kein anlautendes 
stl kennen, man könnte endlich xal cjavavol aus xal Isxavapoi in scriptura 
continua entstanden denken, wie zb. bei Ptolemaeus 2, 9, 11 oi Qo/uapfves 
aus oi outQo/Ltdydvts udglm. aber dass der name später unbekannt ist, kann 
doch kein grund sein ihn für verderbt zu halten und mit änderungen zu ver- 
folgen, von denen die eine sich so unzulänglich wie die andre erweist, kann 
Ixavavol zb. nicht ganz wohl die positur oder stand haltenden bedeuten? 

** wenn freilich Zeufs 680 die Beresina und andre punkte als grenzen von 
Littauen angibt, so übersieht er dass Dlugoss nur die politischen grenzen des 
grofsfurstentums seiner zeit im sinne hat 

*** nach Kurschat (Gramm, s. 2 nebst der karte), der um sich über die 
südöstliche ausbreitung des littauischen zu vergewissern im Spätherbst 1874 
von Eowno nach Wilna reiste, 'lauteten die eingezogenen nachrichten durch- 
weg übereinstimmend dahin dass über die angegebene östliche grenze hinaus 
kein littauisch mehr gehört werde 1 , aber auch wenn Kurschats gewährsmanner 
auf dieser reise andre waren als auf der früheren von Tilsit nach Riga (Litt 
wb. 8. ix), so ist ihre zulänglichkeit doch zu bezweifeln, nach statistischen 
russischen ermittelungen vom j. 1834 (Toppen aao. s. 41 f.) war allerdings eine 
littauische bevölkerung im kreise Oszmiana, bis wohin Bielenstein (Lett spr. 
1, 17) sie reichen läset, 'unbekannt 1 ; dagegen war sie südlicher, wenn auch 
nur schwach, im kreise Lida und sogar südlich vom Niemen noch im kreise 
Grodno und Sslonim vertreten, und gewis sind damit doch nicht einzelne zer- 
streute ansiedier und einwanderer gemeint, die Slonenses rechnet auch Dlugoss 



22 DIE AE8TII 

wohnten Littauer bis auf unsre zeit vereinzelt und zerstreut selbst 
noch in Schwarzrussland südlich von der oberen Memel, und auch 
wenn dies nicht der fall wäre, müste man doch die Russen in 
diesen strichen bis zur Beresina für spätere eindringlinge halten, 
dieselbe mundartliche abstufung, die wir schon für das littauische 
diesseit der Memel hervorgehoben haben, wiederholt sich inner- 
halb des littauischen überhaupt und ebenso des lettischen in der 
richtung von Süden oder Südosten gegen nordwesten (Bielenstein 
Lett. spr. 1, 17) und spricht aufs deutlichste dafür dass die aus- 
breitung des gesamten Stammes von Süden oder Südosten her vor 
sich gegangen ist. die folgerung ist daher unvermeidlich dass die 
sumpfregion des Pripjet einmal seine natürliche südgrenze und die 
erste basis seiner ausbreitung war, von der er nur durch die 
Russen abgedrängt wurde. 

Diesen ältesten bestand seiner Verbreitung aber hatte der 
ptolemaeische berichterstatter noch vor äugen, wenn er unter die 
Galinden, Sudinen und Stavanen, also in die landschaft südlich 
von der obern Memel bis zu den sümpfen die * IyvXXltovss setzt, 
auch ihr name ist später unbekannt, aber ganz gewis nicht (mit 
Zeufs 677) mit einer graphisch allerdings nicht eben schwierigen 
änderung* von *ITYAA- in 3 ITYrriooveg dem der in slawischen 
Jahrbüchern einst viel genannten und übel berüchtigten Jatwingen 
anzunähern, die Jatwiazi, Jatwiagi der Russen , die Jacwiqii -iQgi 
(Jadiwingowie) oder nach ihrer läge benannt die Podlaszanie 
(Pollexiani) d. i. ünterwaldener der Polen sind von 'preufsischer' 
seite angesehen und benannt eben keine andern als die 2ovdwol 
oder Sudauen (Toppen s. 31 ff.), der name Jatwingen reichte 
allerdings weiter als die 1283 von den deutschen rittern unter- 
worfene landschaft Sudauen, ja wie es scheint einmal auch über 



(Zeufs 678) wie die Pruthenos und Jacuingos zu den Pruthenici tractus bar- 
baris. und vgl. hiezu noch unten anhang 4 zu s. 23. 

* das schwanken zwischen y (r) und r in den hss. des Ptolemaeus, 
z. b. in Bovyovpttor Botnovvrttiy, Aovytoi Aovno* (Germ, antiq. s. 128) kommt 
freilich nicht in betracht wo der fehler schon in der Überlieferung feststeht 
und leicht schon aus den wiederholten ausgaben der diorthose des Marinus 
herrührt, ein solcher fehler aber ist bei Ptolemaeus 2, 11, 21 Kuiyvoi statt 
Kuhvo$= Cotini (Haupts zs. 9, 244) und so kann auch 'iJTY— aus '/Tir — 
und auf8erdem AA aus IT oder NT verlesen sein. AA könnte auch möglicher 
weise NT sein und so '/rwftW«? den mittelalterlichen auffassungen des namens 
Iacintiones (Jentuisiones) Getuinzitae (Zeufs aao.) gleich kommen. 



BEI PTOLEMAEÜS. 23 

das ganze gebiet der Stavanen und Igyllien*. aber was berech- 
tigte wohl diese spätere, vor allem bei den Slawen übliche gesamt- 
benennung neben der 'preufsischen' bei Ptolemaeus anzusetzen? 
bei ihm sind die JSovdwol, 2%avavol und 'lyvXUwvsg drei land- 
schaftlich verschiedene Völker oder abteilungen eines volksstammes 
und *EyvXXtov€g hebt vielleicht auch nur diese Verschiedenheit her- 
vor und ist wie so manche slawische, aber auch littauische und 
preufsische ethnica blofs von einem landschaftsnamen herge- 
nommen**, wird den Jatwingen ein dem preufsischen und litau- 
ischen zwar nahe verwandtes, aber doch von beiden mundarten 
abweichendes idiom beigelegt (Zeufs 674. 678), so muss es sich 
vor allen dingen durch gröfsere altertümlichkeit ausgezeichnet 
haben und zwar in seinem südlichen bereiche gegen die Narew 
und weiter noch mehr als das 'hochlittauische' im nördlichen 
Sudauen und preufsischen Nadrauen (s. 20), falls dies nicht erst von 
Süden dahin vorgeschoben ist. immerhin wird dies 'hochlittauische 9 
als eine abzweigung des jatwingischen zu betrachten sein, wie das 
samländisch 'altpreufsische' als eine galindische mundart. die wie 
es scheint gänzlich verschollene spräche der südlichsten Jatwingen 
oder alten Igyllien aber war jedesfalls von allen verwandten 
mundarten einmal die aller altertümlichste, je weniger das volk 
selbst sich noch von dem ursitze des Stammes entfernt hatte. 

Die ganze südhälfte desselben ist hiemit umschrieben und 
festgestellt***, für die nordhälfte ist eine Verlängerung der linie 



* s. unten anhang 4. 

** was Narbutt Dzjeje nar. lit. 1, 157 f. ans einer hs. des xv/xvi jhs. 
über die abstammung der 'Jagelloniden' von einem helden Gellon, dem söhne 
einer priesterin Jglona und eines gottes, mitteilt, kann nicht für echte volks- 
sage gelten und ist für die herleitung des volksnamens ganz ohne bedeutung. 
an 'iypXXlurts erinnert einiger mafsen der name des waldgottes Iwullis in Pier- 
sons Praetorius (1871) s. 17, von iwa=j6wa faulbaum? 

*** nur eins kann noch in frage kommen, da von den <Pivyo*e südlich von 
den Goten ebenso wie von den Veneden nördlich Über ihnen abgesehen werden 
muss, so kommen die nach Ptolemaeus angeblich unter den Finnen an der 
Weichsel wohnenden Sovkova oder 2ov luvte — Bovlavsg ist eine handschrift- 
lich unbezeugte lesart, die noch Zeufs 695 ua. zu falschen combinationen ver- 
leitete — notwendig an ihren platz als südnachbaren der Goten und westnach* 
baren der Igyllien. und mit ihnen möchte vielleicht mancher die landschaft 
( 8yUonis in Zudua' (Sudauen) aus Waidemars Erdbuch s. 81 Niels, und das 
von den Ordensrittern 1283 heimgesuchte sudanische gebiet 'Selien', das doch 
wahrscheinlich am Selementsee mit dem ort Seliggen zu suchen ist, in Ver- 
bindung zu bringen bereit sein und nur ein geringes zurückweichen des völk- 



24 ME AESTH 

der Beresina oder der westlicheren sumpfstrecke Weifsrusslands 
(s. 21) nordwärts durch den Peipussee bis zum finnischen meer- 
busen um so eher als die ehemalige natürliche ostgrenze anzu- 
sehen, weil noch heute die Letten um Dünaburg und bei Ljuzin 
und Marienhausen und selbst die nordöstlichsten Littauen sich nur 
wenig davon entfernen, wenn daher die von Ptolemaeus aus dem 
Orient hieher verschobenen namen (s. 16. 18) nicht in betracht 
kommen, so umfassten nach der meinung seines berichterstatters 
die OliXtai oberhalb der Galinden, Sudinen und Stavanen die 
littauischen Nieder- und Oberländer, Samaite (Samogitae, Zemaiczei) 
und Auxtote (Auksztoczei) zu beiden Seiten der Dobese und oberen 
Windau* von der seeküste bis zu der ostgrenze, und die Ver- 
mutung drängt sich auf und lässt sich nicht wohl abweisen dass 
der einheimische landesname Letuwä, der im gotischen munde 
kaum anders als im slawischen, polnischen und russischen Litwa 
lauten konnte, dem ethnicum zu gründe liege, dass also Ovihuu 
nur für Asxovab verschrieben ist**, ist dies richtig, dann gehörte 
der landesname, sowie auch der gegensatz des nieder- und Ober- 
landes ursprünglich allein der weiten strecke über der Memel und 
Wilia an, und man sieht wie vollkommen es damit stimmen würde, 
wenn auch noch in späterer zeit südlicher die Iatwingen die alten 
Sudinen, Stavanen und Jgyllien unter sich begriffen. 

Weiter nördlich jenseit der Ovilxai oder Aetovcu auf beiden 
Seiten der Düna und des rigischen busens bis zum finnischen 
folgen dann die Ttafto* und Kdqßoaveq. denn ohne die von Ptole- 
maeus angegebene Ordnung — imiq ovq (rovg Ovilrag) *Oo<x*oi, 
eha Kdqßmvsg — zu mi sachten kann man sie nur als zwei blofs 
räumlich geschiedene abteilungen der Letten betrachten und 



chens gegen nordost annehmen, aber schade dass die Übereinstimmung der 
namen gerade aufhört in dem für ihre identität entscheidenden stammvocal 
und daher die ehemalige Verbreitung des eistischen Stammes bis zur Weichsel 
schwerlich beweisen kann, die anzunehmen uns sonst nichts berechtigt. 

* 8. Baranowski in LGeitlers Littauischen Studien s. 55 und Toppen aao. 
8. 40, Kurschat Wb. s. vm, vgl. Dlugoss bei Zeufs 680. 

** Zeufs 271 f. 655 anm. 679 hat in Ovilrtt* eine 'deutsche gestaltung' von 
Litwa gefunden, aber was zu dieser Umformung im deutschen munde geführt 
haben könnte, ist nicht abzusehen. Dass Weletabi ahd. Uuilzi aus Lutici, Liu- 
tici umgestaltet sei, ist eine ganz unbegründete annähme (vgl. Schafarik 2, 555 ff. 
565) und bei Adam von Bremen 4, 14. 19 ist Wizzi (Albani) und nicht Wilzi 
der handschriftlich beglaubigte name für die von den Russen Wefl genannten 
Finnen (Zeufe 688. 690). 



BEI PTOLEMAEUS. 25 

dann ist bei der gegenwärtigen Verbreitung, derselben jene Ver- 
teilung von der natur mit notwendigkeit geboten, den Letten, 
die sich mit einem dem littauischen etymologisch gewis verwandten 
namen Latwji (litt. Latwei, poln. Lotwini, russ. Latysi, lat. Letti) 
benennen, sind beide alte sondernamen fremd, aber sie lauten 
keineswegs un eistisch*, und dass sie später verschollen sind, ist 
leicht erklärlich, denn da nicht nur die 'Oa&o* und Kdqßwvsq, 
sondern auch die Ov4X%a^Astovah bis an die meeresküste reichten, 
ja nach Ptolemaeus darstellung nur einen schmalen küstenstrich 
inne hatten, so ist klar dass sein berichterstatter noch nichts von 
finnischen eindringlingen (s. 16), weder von finnischen Esten, noch 
von Liven und Kuren wüste, die nachmals die Letten und 
äemaltischen Littauen bis zum kurischen haf und der nördlichen 
Memelmündung, bis wohin die kurische landschaft Lamata reichte 
(Zeufs 681 f. Toppen s. 38), gänzlich von der küste abdrängten, 
für die ehemalige Verbreitung des Eistenstammes bis zum finnischen 
meerbusen aber spricht dann noch folgendes. 

Allerdings weder von der einsenkung des rigischen busens, 
noch auch und zwar noch weniger von dem finnischen hatte 
Ptolemaeus eine ahnung. er"liefs wahrscheinlich sogar nur des- 
halb die küste vom Chronos an (s. 18), mit der Wirklichkeit selbst 
sehr wenig in Übereinstimmung, allmählich nach norden hin auf- 
steigen weil seine übrigen, aus dem osten und vom Pontus her- 
stammenden nachrichten ihn zwangen die grenze des 'bekannten 
landes' für das europaeische wie das asiatische Sarmatien bis zum 
61° n. br. hinaufzurücken, und nicht weil er über die nördliche 
richtung der Ostseeküste jenseit des Pregels wirklich unterrichtet 
war. allein 'er nennt in diesem striche noch mehrere flüsse und 
in diesen abständen; 

nach dem Xqovoq auf 50° 1. 56° br. 
den 'Povddop „ 53 „ 57 „ 
TavQOVptog „56 „ 58^ „ 
Xiavvoq „ 58 \ „ 59^ „ 
die namen klingen gerade nicht vertrauen erweckend, weder 
deutsch noch eistisch, sie stimmen mit keinem der sonst in diesen 
gegenden vorkommenden genau**, und je weniger dort aufser der 
invasion der Finnen ein bedeutender Wechsel in der bevölkerung 



* s. unten anhang 5. 
** 8. unten anhang 6. 



26 DIE AESTH BEI PTOLEMAEUS. 

vorgegangen ist, um so bedenklicher scheint ihre echtheit. gleich- 
wohl sehen sie nicht nach blofsen erfindungen aus, selbst der 
Xqovoq neben den übrigen nur wie eine graecisierung eines an- 
klingenden, fremden namens, sie sind auch nicht, wie die angeb- 
lichen bernstein- und diamantflüsse des periegeten Dionysius 
(DA. 1, 214), von Süden her willkürlich nach dem norden verlegt 
oder mit den östlichen Völkern von der Maeotis und dem kaspischen 
meere dahin verschoben, es stimmt auch nicht nur ihre zahl mit 
der zahl der in Wirklichkeit vorhandenen, bedeutenderen flüsse, die 
vom Pregel bis zum finnischen busen das meer erreichen: selbst 
ihre distanzen nähern sich so sehr der Wirklichkeit an dass man 
wohl einräumen muss, den alten geographen haben darüber an- 
gaben in tagereisen zu wasser oder zu lande vorgelegen, die 
Ptolemaeus nach seiner regel in die messung nach graden um- 
setzte, nach unsern karten mündet 

der Pregel etwa auf 54° 35" n. br. 

die Memel oder Rus . „ „ 55° 20" „ 

das haf tritt ins meer 

bei Memel .... n „ 55° 40" „ 

die Windau * „ 57° 20" „ 

die erste entfernung bis Memel ist also nur 5", die andre gröfsere 
bis zur Windau auch nur 10" gröfser als die abstände des 
'Povdav vom Xqovoq und des Tovqovvtoq vom 'Povdwv. ein 
mafs für die strecke von der Windau bis zur Düna nach tagefahrten 
längs der küste hätte dann, als gerade linie genommen und wie 
die vorigen abstände berechnet, für die entfernung vom Tovqovp- 
toq bis zum Xt&vyog nicht einen grad, sondern mindestens eben- 
so viel (1^°), wo nicht mehr als vom c Povda>v zuA TovQovptog 
ergeben sollen, aber wer weifs wie diese entfernung angegeben 
war und ob nicht Ptolemaeus es geratener fand so nahe der grenze 
seines 'bekannten' landes eine aufserordentliche Verkürzung dafür 
eintreten zu lassen? trotz dem rätselhaften character der namen 
ist mit fug nicht daran zu zweifeln dass ihm die vier hauptflüsse 
vom Pregel bis zur Düna bekannt geworden waren, reichte aber 
so weit die künde des wohl unterrichteten berichterstatters und 
müssen nach seiner aussage die KaQßaovsg als aQxtixairatoi noch 
über den Xiövvoq oder die Düna hinaus gewohnt haben, so ist es 
auch gewis genug dass der finnische meerbusen damals die nord- 
grenze des eistischen Stammes war. 



DIE AE8TIER UND GERMANEN. 27 

Nach diesem allerdings weiteren umschweif sehen wir wie 
weit zur zeit des Tacitus die 'Aestiorum gentes auf dem rechten 
ufer des suebischen meeres bespült' wurden, und wir können uns 
jetzt zu der s. 1 1 f. noch hinausgeschobenen betrachtung seiner 
übrigen nachrichten über den volksstamm (Germ. c. 45) wenden, 
da ergibt sich denn bald dass sie von Römern oder einem der- 
selben herstammen, die zur zeit der ersten anknüpfung des directen 
handelsverkehrs wegen des bernsteins Aestier und Germanen oder 
'Sueben 1 neben einander in ihrer heimat gesehen und mit ein- 
ander hatten vergleichen können, noch liegt der Zeitpunkt ganz 
nahe wo 'römische Üppigkeit' dem producte erst 'einen namen ge- 
geben , das bei den Aestiern vorher 'lange unbeachtet unter dem 
übrigen auswürfe des meeres da gelegen' hatte: sie selbst sollen 
sogar noch 'mit Verwunderung bezahlung dafür in empfang nehmen', 
mag dies auch rhetorische Übertreibung sein, so wäre doch die 
phrase unmöglich wenn der verkehr nicht erst seit kurzem be- 
stand (DA. 1, 215 f). 

Zunächst gieng nun das urteil dahin dass die Aestier die 
'ritus' und den 'habitus' der Sueben hätten, im allgemeinen also 
in gebrauchen und lebensformen und im aussehen sich nicht wesent- 
lich von den benachbarten Ostgermanen unterschieden, ihre spräche 
jedoch stehe der britannischen näher, wer dies meinte, hatte aller- 
dings wohl einmal 'britannisch' reden hören, urteilte aber nach 
dem blofsen fremdartigen klänge, nicht anders als jene Isländer 
des x/xi jhs. (Eyrbyggja s. c. 64 s. 120 Vigf.), die nach Amerika 
verschlagen, die eingeborenen dort glaubten irisch sprechen zu 
hören, er kannte und verstand weder 'britannisch' noch gallisch, 
weil er dann eben so gut wie andre Römer und gewährsmänner des 
Tacitus (Agric. 11) gewust hätte, dass der 'sermo' zu beiden Seiten 
des Ganais 'haud multum diversus' sei, und bei wirklicher ähnlich- 
keit und näherer Verwandtschaft beider sprachen nicht die unbe- 
dingt näher liegende vergleichung des eistischen mit dem gal- 
lischen übersprungen hätte, gleichwohl ist sein aussprach von be- 
deutung. da er nur so verstanden werden kann dass das eistische 
eine gröfsere ähnlichkeit mit dem britischen als mit dem suebischen 
habe, so enthält er eine anerkennung der wesentlichen Verschieden- 
heit der beiden in der nachbarschaft des bernsteinlandes zusam- 
mengrenzenden sprachen und er muss auf einer unmittelbaren, an 
ort und stelle gemachten Wahrnehmung beruhen, die von ihrem 
werte nichts einbüfst, wenn auch der wahrnehmende vom suebischen 



28 DIE AESTIER UND GERMANEN. 

oder germanischen nicht mehr verstand als vom eistischen oder 
'britannischen'. 

Heifst es dann weiter 'Matrem deum venerantur', so kann 
Tacitus selbst diesen cultus an und für sich gar nicht als etwas 
für den volksstamm der Aestier im unterschied von den Sueben 
besonders charakteristisches betrachtet haben, da er cap. 40 den 
cultus der Terra mater bei den Sueben an der Nordsee beschreibt 
und kein Römer die östliche Mater deum für eine von der westlichen 
Terra mater wesentlich verschiedene gottheit und beide für etwas 
anderes als die Magna mater Idaea gehalten haben kann, wir 
sind aber auch durch nichts zu der annähme berechtigt dass der 
östliche beobachter, der von dem westlichen sicherlich verschieden 
war, im osten bei den Aestiern wesentlich denselben oder doch 
einen ganz ähnlichen, vollkommen ausgebildeten cultus vorgefunden 
hat, wie der westliche bei den Sueben, er kann auch bei seiner 
interpretatio nicht anders verfahren sein als die alten, Griechen 
und Römer, überhaupt verfuhren wenn sie fremde gottheiten ihren 
einheimischen gleich setzten, es geschah das am aller wenigsten 
nach namenähnlichkeiten oder nach der innern physikalischen be- 
deutung der gottheiten, sondern nach den äufserlichkeiten ihres 
cultus und der ähnlichkeit der gesamtvorstellung , die man von 
ihnen hatte, ebenso wenig als Terra mater eine Übersetzung des 
namens oder eine mythologische erklärung der suebischen Nerthus 
ist, darf auch die Mater deum gleich für eine mutter Erde und 
weiter für die littauische Zemyna £edekl61e (Erdgöttin blütenbrin- 
gerin) oder für die lettische Semmes m&te genommen werden, zu- 
mal da beide in den gebrauchen, anrufungen und liedgrn, in denen 
sie noch genannt werden, nur als einfache personificationen des 
erdbodens erscheinen* die durch den cultus keineswegs zu einer 



* Schweizer-Sidler hat seit 1S71 mindestens viermal, Baumstark 1876 aus 
Schafarik Slaw. altertümer 1,458 f. wiederholt, dass die aestische mater deum 
'die preufsische-littauische Seewa oder Zemmes mahti, eine der Ceres oder der 

V 

slawischen Ziwa entsprechende gottin 1 sei. wer Schafarik benutzt und auf sla- 
wische und littauische mytbologie sich einlaset, muss wenigstens ein geföhl und 
eine ahnung davon haben mit wem und womit er sich zu schaffen macht, den 
verheifsenen beweis für seine behauptung hat Schafarik wohl nie versucht, jedes- 
faUs nie geliefert, da von einer 'preufsisch-littauischen göttin Seewa' die quellen 
schlechterdings nichts wissen und von einer slawischen '2iwa' nichts weiter 
bekannt ist als dass Siwa nach Helmold 1, 52 eine 'dea Polaborum' war. falsch 
ist es aufserdem die lettische 'Zemmes mahti' ohne weiteres für eine preufsisch- 



DIE AESTIER UND GERMANEN. 29 

ausgeprägten Individualität gelangten, für die daher auch nicht 
Mater deum, sondern allein Tellus oder Terra die interpretatio 
romana gewesen wäre, den anhänger und Verehrer der grofsen 
göttermutter in Rom kennzeichneten bildliche anhängsei und anm- 
iete (Preller Rom. myth. 1 450 f.). die Aestier pflegten eberbilder 
— von teig oder holz, jedesfalls aus einem leichtvergänglichen 
Stoffe, da bis jetzt soviel bekannt noch kein Überbleibsel davon 
im eistischen boden gefunden ist, — als Schutzmittel zu tragen, 
das selbst im kriege statt der waffen und des Schutzes aller 
dem gläubigen Sicherheit gewähren sollte, und ohne zweifei ledig- 
lich diese abergläubische sitte hat sie in den äugen der ersten, 
flüchtigen römischen besucher zu Verehrern der grofsen göttin ge- 
stempelt, die sitte muss sehr allgemein verbreitet gewesen sein, 
weil sie sonst schwerlich eher als irgend etwas anderes als ein 
die Aestier von den Sueben unterscheidendes merkmal in die 
äugen gefallen wäre, und sie konnte mit recht als solches hervor- 
gehoben werden, da nur mythologischer Übereifer die gründliche 
Verschiedenheit der aestischen eberbilder von jenen hartmetallenen 
übersehen konnte, die die Angelsachsen später auf ihre helme 
setzten, um vor allem dadurch schwert- und beilhiebe aufzuhalten. 
Tacitus aber hebt die sitte nicht ohne ironie hervor um zu andern 
zügen der Charakteristik hinüber zu leiten, die damit zusammen ge- 
nommen die Aestier als ein wenig kriegerisches volk neben den 
Germanen darstellen. 

'Selten gebrauchen sie eisen 1 heifst es, 'häufig knüttel'. das 
eisen mag bei ihnen noch spärlicher vorhanden gewesen sein als 
nach cap. 6 bei den Germanen; aber den knüttel wird doch der 
Germane nie als eine ehrenvolle, vollkommen ordnungsmäfsige wehr 
und hauptwaffe angesehen haben, die Littauer jedoch führten 
noch im vierzehnten Jahrhundert* den krummstab oder das krumm- 



littauische göttin zu erklären, neben der lettischen m&te (matter) könnte nur die 
littanische Zemyna als mater deum in frage kommen (Nesselmann Wb. Schleichers 
Litnanica s. 25. Mannhardts Lasicius s. 40. 47). um aus aller ungewisheit her- 
aus zu einer klaren einsieht zu gelangen wandte ich mich an den besten 
kenner dieser dinge, den es je gegeben hat, an meinen alten freund dr. Mann- 
hardt in Danzig und seine ausführliche auseinander Setzung, die in unsre zs. 
für deutsches altertum 24, 159 aufgenommen ward, erledigt hoffentlich für 
immer alle zweifei wegen der aestischen mater deum. 

* s. Wigand von Marburg bei Hirsch und Toppen SS. rer. Pruss. 2, 556. 
581. 583. das wort cambuca oder cambuta, im mittelalter (s. Ducange) die ge- 
wöhnliche benennung des bischöflichen hirten- und krummstabs, stammt ohne 



30 DIE AE8TIER UND GERMANEN. 

holz als kriegswaffe und die kriwüle (von kriwas krumm benannt) 
des littauischen und preufsischen dorfschulzen beweist noch heute 
deren alte ehre, die Aestier bauten aufserdem 'körn und die übrigen 
fruchte mit mehr geduld als nach der gewöhnlichen trägheit der 
Germanen', aber diese trägheit der Germanen und ihre Vernach- 
lässigung des ackerbaus war nur die kehrseite des kriegerischen 
Sinnes (Germ. 15. Caesar Bo. 6, 21), der sie mit dem 6inen 
ideale des heldentums erfüllt in ihre geschichtliche bahn hinaus- 
trieb, während der stille, friedfertige Eiste daheim an der schölle 
haftend niemals weiter strebte und am ende nun den abbrach und 
die beschränkung seiner stammesart auf allen Seiten zu betrauern 
hat. geradezu bezeichnete sie Cassiodor (Jordan, c. 5) im sechsten 
Jahrhundert als ein 'pacatum hominum genus omnino' und in ähn- 
lichem sinne nennt auch noch im eilften Adam von Bremen 4, 18 
die Sembi vel Pruzzi 'homines humanissimi' *. ich denke auch aus 
keinem andern gründe als wegen ihres friedfertigen, jeder ge- 
walttat abgeneigten Charakters haben die Germanen ihre nach- 
baren Aisteis oder Aistjus (s. 13) d. i. nach got. aistan aestimare, 
revereri die achtbaren, ehrenwerten genannt, ähnlich etwa wie 
Homer (II. 13, 6) die milchtrinker und habelosen im norden von 
Thrake die 'gerechtesten' menschen nennt oder Herodot 4, 93 die 
Geten die dixaritatoi, der Thraker. 

Aber aufser dem anbau von körn und fruchten betrachtet 
Tacitus auch noch das einsammeln des bernsteins als einen be- 
weis des besonderen fleifses der Aestier und schliefst erst damit die 
reihe der sie von den Germanen unterscheidenden merkmale. trotz- 
dem aber dass diese mit der anerkennung der eigentümlichkeit 
ihrer spräche beginnt, schliefst er sie selbst unläugbar schon mit 



zweifei vom keltischen camb- curvus (Zeufs Gramm.* 64), ist also vollkommen 
gleichbedeutend mit preufs.-litt. kriwüle, Nesselmann Wb. 229 K Thes. 81. 
eine abbildung des krnmmstabs des 'kriwen' in Piersons Praetorius (1871) s. 40. 
ganz verschieden davon sind die ingentes clavae ambustae, die die Goten nach 
Ammian 31, 7, 12 auf ihre feinde schleuderten. 

* qui obviam tendunt his ad auxiliandum qui periclitantur in mari vel qui a 
piratis infestantur. anrum et argentum pro minimo ducunt. pellibus habundant 
peregrinis, quarum odor letiferum nostro orbi propinavit snperbiae venenum, 
et Uli quidem ut stercora haec habent, ad nostram credo dampnationem, qui 
per fas et nefas ad vestem anhelamus marturinam quasi ad summam beati- 
tudinem. itaque pro laneis indumentis Uli afferunt tarn preciosos martures. 
multa possent dici ex Ulis populis laudabilia in moribus, si haberent solam 
fidera Christi. 



DIE AESTIER UND GERMANEN. 3] 

den worten 'pro solita Germanorum inertia' mit unter die Ger- 
manen ein und noch unzweideutiger, wenn es im nächsten satze 
heifst c ac soli omnium sucinum — in ipso litore legunt'. hier ist 
zu 'omnium' notwendig 'Germanorum' zu ergänzen, der bernstein- 
fund bei den Germanen an der Nordsee war längst, wohl schon 
seit dem ersten kriegsjahre des Drusus (a. 12 vor Ch.), den 
Römern bekannt (DA. 1, 482) und Tacitus konnte die Aestier nur 
durch ein lob auszeichnen wenn er glaubte dass ihre nachbaren 
das einsammeln des auch an ihrer meeresküste vorhandenen mate- 
rials blofs aus trägheit vernachlässigten, nicht aber wenn er 
meinte oder wüste dass jene sich im besitz der einzigen, aus- 
gibigen fundstätte befänden, in der einordnung der Aestier unter 
die Germanen gieng Tacitus sogar noch weiter, was er über die 
natur und den Ursprung des products vorträgt, ist dem inhalte 
nach und zum teil selbst wörtlich aus Plinius histor. nat 37 § 36. 
42. 43. 46 entlehnt, von seinen gewährsmännern (s. 27) stammt 
höchstens nur noch die Versicherung dass die barbaren darüber 
nichts anzugeben wüsten, unmöglich aber die dass die das sucinum 
einsammelten, dasselbe 'ipsi glaesum vocant'. die Aestier 
nannten den bernstein ganz anders, preufs. gentars litt, gentdras 
jenUras gintdras lett. dfintars dfihtars fihtars, woran sich durch 
anlehnung russ. jantari laus. böhm. jantar ungar. gyanta an- 
schliefsen und vielleicht selbst schon die 'scythische' benennung 
(DA. 1, 480), wenn 'sacrium' bei Plinius 37 § 40 für 'satrium' 
verschrieben wäre, das wort 'glaesum' lernten die Römer schon 
frühe an der Nordsee (DA. 1, 482) und ohne zweifei aus germa- 
nischem munde kennen, auch erklärt Plinius 37 § 42 ausdrück- 
lich 'certum est gigni in insulis septentrionalis Oceani et ab 
Germanis appellari glaesum', und da Tacitus diese stelle noch 
weiter benutzt hat, so ist nicht anzunehmen dass' er angesichts 
derselben, wie ein neuerer gelehrter*, jene worte übersehen hat, 



* LDiefenbach Origg. Europ. 8. 356. 357. — übrigens ist 'glaesum' 
noch keineswegs hinlänglich aufgeklärt, die lesart ist durch die besten hss. 
bei Plinius 37 § 42. 4 § 97. 103 und Solin (Germ, antiq. s. 113. 92. 95) ge- 
sichert und es war daher bei Tacitus 'glaesum 1 für 'glesum' herzustellen, da 
aber lateinisches ae regelrecht in deutschen Wörtern nur altgerm. ai entspricht 
(Zs. 9, 242 f. 23, 22), so würde 'glaesum 1 nur mit ags. 'glsar vel smilting, 
electrum' in Älfrics vocab. 34 b Wright stimmen, wenn hier ae = ai wäre, allein 
dagegen spricht nd. 'glar, gummi vel klever van den bomen' (Mnd. wb. 2, 116») 
nebst dem adjectiv glarig und dem verbum glaren (Brem. wb. 2, 515), in Hol- 



32 DIE AE8TIER UND GERMANEN. 

sondern dass sie vielmehr den seinigen zu gründe liegen, dass er 
aber in der Überzeugung, die Aestier seien Germanen, das ger- 
manische wort ohne viel bedenken auch als ein aestisches glaubte 
hinstellen zu dürfen, obwohl die spräche sonst der 'britannischen 
näher stehen' sollte. 

Wäre der im anhang zu cap. 45 überlieferte kleine abschnitt 
über die Sitones nicht ans ende des cap. 44 zu stellen (oben s. 
7 ff.), so würden damit die Aestier ausdrücklich nochmals unter 
die Sueben einbegriffen, aber auch nach der Umstellung fehlt es 
nicht an noch einem entschiedenen zeugnis dafür dass Tacitus sie 
zu den Germanen rechnete, da erst cap. 46 bei den östlicheren 
Stämmen seine bedenken beginnen ob diese zu jenen oder nicht 
vielmehr zu den Sarmaten zu zählen seien, über seine ansieht 
hinsichtlich der Aestier besteht demnach keinerlei ungewisheit, 
und wenn er diesen erst neu entdeckten, weit verbreiteten volks- 
stamm mit unter die Germanen meint begreifen zu müssen, so 
ist das etwas anderes als wenn er cap. 28 die mit den Germanen 
in Mähren zusammen wohnenden Ösen eine 'Germanorum natio' 
nennt, in demselben augenblicke, wo er ihre pannonische abkunft 
nachweist, die frage wegen der ausdehnung der germanischen 
nationalität beschäftigt ihn auch ferner cap. 46. bei den Peucinen 
oder Bastarnen ist sein bedenken gering: sie lebten 'sermone, 
eultu, sede ac domiciliis ut Germani', aber durch 'gemischte ehen\ 
durch heiraten mit den Sarmaten hatten sie etwas von deren häss- 
lichem aussehen bekommen und konnten daher immerhin nicht für 
ganz reine Germanen gelten, die 'Veneti' dagegen hatten viel 
von den sitten der Sarmaten angenommen, da sie was sich an 
Wäldern und bergen zwischen Peucinen und Fennen erhebe in 
raubzügen durchstreiften; dennoch meint Tacitus wären sie eher 
zu den Germanen zu rechnen, weil sie häuser bauten, Schilde 
führten und des gebrauchs und der hurtigkeit der füfse sich er- 
freuten, was bei dem wagen- und reitervolk der Sarmaten alles 
ganz anders sei (vgl. histor. 1, 79). die lebensweise endlich der 
'Fenni' war in jeder beziehung so abweichend und verschieden- 
artig, dass eine blofse Schilderung genügte um den zweifei, ob sie 
zu den Germanen oder den Sarmaten gehörten, zu rechtfertigen 



stein auch gl&ren (Schleswigh. sag. s. 478), dem regelrecht allein lat. glesum 
= altgerm. glaz got. gles gegenüberstünde, vielleicht ist also 'glaesum' nur 
eine alte falsche Schreibung für glesom. 



DIE AESTIER UND GERMANEN. 33 

und das urteil darüber jedem anheimzugeben, in beiden fällen, 
bei beiden volksstämmen ist von der spräche gar nicht die rede, 
gewis fehlten darüber die nachrichten, aber auch nur weil man 
sie rechtzeitig einzuziehen versäumt und eine unmittelbare, längere 
erfahrung darüber und über das Verhältnis der Völker zu einander 
Oberhaupt nicht aufgeklärt hatte, wie etwa an der mittleren 
Donau, hier bewies nach cap. 43 die 'Gallica lingua' für die 
Cotinen, die Tannonica' für die Ösen dass sie keine Germanen 
waren, allein solche erfahrung hatte keineswegs schon zu der 
theoretischen einsieht geführt dass die spräche das erste und 
einzige zuerst in betracht kommende kriterium abgibt, um 
über die Verwandtschaft oder un Verwandtschaft, die Zusammen- 
gehörigkeit oder die Verschiedenheit der Völker zu entscheiden, 
wie weit Tacitus davon noch entfernt war, lehrt schon seine ab- 
sieht, die Bastarnen sogar als weniger echte Germanen hinzu- 
stellen als die Aestier, noch mehr seine entscheidung wegen der 
'Veneti'. er urteilte sogar noch oberflächlicher wenn er (Agric. 11) 
den Caledoniern in Schottland blofs wegen ihrer roten haare und 
grofsen gliedmafsen eine germanische, den Silurern an der Severn 
wegen ihrer dunkeln gesichtsfarbe und ihres krausen haars eine 
iberische abkunft beimafs. jene einsieht in die entscheidende 
bedeutung der spräche für die Unterscheidung und bestimm ung der 
nationalsten und ihrer Verzweigungen und der daraus für die 
forschung sich ergebende, methodische grundsatz sind erst ein 
gewinn der neueren Wissenschaft, sind doch selbst noch in 
neuerer zeit hypothesen mehr oder weniger ausgesponnen, denen 
lediglich ein zufälliger gleichklang von namen zum anhält dient, 
wie die schon im altertum verständiger weise (Appian Mithrid. 
a, 101. vgl. Strabo p. 6. 499. Dionys. per. 697 f.) bestrittene com- 
bination der hispanischen und kaukasischen Iberer oder die der 
paphlagonischen und adriatischen *Evsxol, 'Evbxol Veneti und der 
gallischen Veneti und slawischen Venedi oder Veneti bei Tacitus 
udglm*. so lange die einsieht bis zu der klarheit und entschieden- 
heit eines wissenschaftlichen grund- und lehrsatzes noch nicht 
durchgedrungen war, konnte Tacitus die Aestier, wenn sie bis auf 
geringe besonderheiten in allem sonst den Sueben glichen, auch 
ungeachtet ihrer 'der britannischen näheren' spräche für Germanen 



* vgl. zb. Schafarik I, 257 ff. 

DEUTSCHE ALTHKTUMBKUMDB II. 



34 DIE VENETI. 

halten; so lange aber konnte auch das erste auftreten geschicht- 
lich bis dahin unbekannter Völker, wie das der Germanen (s. 4), 
von irrigen meinungen und Vermutungen nur zu leicht ver- 
dunkelt werden. 



Der aufgäbe, die uns das auftreten der Germanen stellt, könnten 
wir uns jetzt schon zuwenden, wenn nicht die letzten angaben 
der Germania noch eine nähere erörterung verlangten und zu 
einer gleich eindringlichen Untersuchung, wie c. 45 für die Aestier, 
auch für die beiden andern nordöstlichen nachbarstämme der Ger- 
manen herausforderten, der sich die deutsche altertumskunde nicht 
entziehen kann, wie Zeufs beweist. 

Was für die Tenni* ohne weiteres sich von selbst versteht, 
aufserdem auch noch sich belegen lässt, das macht die abwesen- 
heit jeder bemerkung über ihre spräche auch für die 'Venetf, 
ebenso wie für die Sitones (s. 11), durchaus wahrscheinlich, dass 
die nachrichten über sie gleichfalls nicht auf eigner beobachtung 
der Römer, sondern allein auf der aussage kundiger Germanen 
beruhen, dieselben lauten bei Tacitus zum teil auch ganz so als 
wenn der nachforschende schon bei seiner erkundigung sich dar- 
über vergewissern wollte ob das ihm von den Germanen Vinithös 
oder Veneth&s genannte, östliche volk mit den über dem Pontus 
hausenden Sarmaten eins oder von ihnen verschieden sei, und 
dann erfuhr dass es keineswegs ein nomadisches reiter- und 
wagenvolk wie diese sei, sondern häuser baue und zu fufs mit 
schild (und sper) als leichtbewaffnete kämpfe, im gegensatz zu 
den friedlichen, 'gerechten' Aestiern aber mochte es ihm auch als 
ein arges räubervolk bezeichnet werden, und wie dies zu ver- 
stehen ist, lehren die ältesten Schilderungen der Slawen aus dem 
sechsten Jahrhundert. 

Die erste die überhaupt die ZxXavtjvoi nennt* hebt, gerade 
wie die Schilderungen der älteren Griechen von den Thrakern 
und deren verwandten, zwei starke gegensätze in dem leben und 
character des volkstammes hervor, rohen tierischen frafs und 



* c. 110 (Biblioth. patrum 1654. 11, 614) des fälschlich dem Caesarius 
von Nazianz zugeschriebenen dialogs in dem unten im anhang 13 aus Jagic 
Archiv für slav. philologie 1, 290 ff. und der Zs. für deutsches altert 20, '26 ff. 
mit Verbesserungen wieder abgedruckten aufeatz. 



DIE VENETI. 35 

übertriebene , vollkommen 'vegetarianische' enthaltsamkeit , die 
vollständigste unbotmäfsigkeit und zügellosigkeit und daneben 
Unterwürfigkeit und fügsamkeit gegen den ersten besten, in der 
tat, eine kräftige, mit dem dasein und leben eines volkes fest ver- 
wachsene und deren Selbständigkeit sogar bedingende, fürstliche 
oder königliche gewalt, wie die Germanen, müssen wohl die Slawen 
und auch wohl die Eisten nicht gekannt haben, wenn sie insge- 
samt schon in vorhistorischer zeit, wie es scheint, von jenen das 
altgerm. kuningas, altsl. (kün$gü küngzi knggü) kn$zi slow. serb. 
knez russ. knjazi pol. ksiadz princeps, litt, kuningas lett. kungs 
dominus und altgerm. kuningini(a), altsl. kün<jgynji russ. knja- 
ginja knjagoji fürstin, sich aneigneten*, aus jenem mangel er- 
klärt sich dass die Slawen nicht wie die Germanen in einzelnen, 
individuell abgeschlossenen Völkerschaften , sondern in grofsen, 
weit ausgedehnten massen auftreten, die sich landschaftlich in 
einzelne teile sondern und erst dann allmählich etwas individueller 
entwickeln, es erklärt sich daraus gleichfalls dass, eine wie grofse 
Verbreitung sie auch erlangen, diese doch weithin ganz unmerk- 
lich sich vollzieht und schlechterdings nirgend bedeutende per- 
sönlichkeiten an der spitze der bewegung erscheinen, der angel- 
sächsische sänger Vidsid, durch dessen mund mindestens die nord- 
deutsche heldendichtung und sage nach dem ablauf der heldenzeit 
der so genannten Völkerwanderung zu uns spricht, nennt v. 60 
neben Gefden (Gepiden) und andern Völkern wohl die Vinedas, 
weifs aber bei ihnen von keinem sagenberühmten könig, wie doch 
v. 20 selbst bei den Finnen, deren Cselic beinahe an den vater der 
finnischen helden Ealewa denken lässt. 

nach der älteren gotischen Überlieferung bei Jordanes c. 23. 
48 soll könig Ermanrich ehedem die 'Veneti', die 'an volkszahl 
zwar stark, in waffen aber gering zu achten' seien, nach kurzem 
widerstände und ebenso einige zeit später Ermanrichs grofsneffe 
Vinitharius die östlichen Slawen oder Anten im ersten anlauf 
unterworfen haben, die damals jedoch unter einem könige und 
unter zahlreichen 'primaten' standen, aber 'beide Völker' sagt 
Prokop Bg. 3, 14 p. 334 ff. Bonn. 'ZxXaßrivol und "Avtcu werden 
nicht durch &nen mann beherscht, sondern leben von altershei* in 
demokratie, xal diä xovxo avtotg %&v nqay^dtfav asl tä %s avfi- 



* das wort ist in der bedeutung rex auch ins estnische, rassisch-karelische, 
wotische, lappische aufgenommen, Thomsen Indflyd. s. 125 f. (Sievers s. 145 f.). 

3* 



36 DIE VENBTI. 

tpoQa xal xd dvöxoXa ig xoivöv ayetai. sie wohnen in elenden 
hütten, weit von einander zerstreut und jeder wechselt oft seinen 
wohnsitz. in die schlacht zieht die menge zu fufs mit kleinen 
Schilden und wurfspiefsen, durchaus ohne panzer, einige selbst 
ohne leibrock und mantel, nur mit einer bruch um hüfte und 
lenden. sie haben ein und dieselbe überaus barbarische spräche, 
auch dasselbe aussehen; alle sind von ansehnlicher länge und aus- 
gezeichneter stärke und von färbe rötlich, ihre kost ist rauh und 
schlecht bereitet und beständig stecken sie tief in schmutz, aber 
sind nicht bösartig oder schurkisch, vielmehr arglos und einfaltiger 
sinne. 1 

der strategiker 'Maurikios' *, der jedesfalls noch vor dem 
verlust der reichsgrenze an der Donau wohl unter dem kaiser 
Maurikios (582 — 602) und auch in seinem sinne schrieb, entwirft 
folgendes bild. 'die Völker der 2xXdßot und v Avtm sind von gleicher 
art und lebensweise, frei und keineswegs leicht bewogen sich 
knechten oder beherschen zu lassen, und besonders in ihrem lande 
zahlreich und kummer gewohnt, gegen hitze, frost, nässe, nackt- 
heit, hunger abgehärtet, gegen fremdlinge sind sie so wohl ge- 
sinnt dass, wenn einer durch seines wirtes schuld schaden leidet, 
dessen nachbar zu den waffen greift und es für seine pflicht er- 
achtet jenem genugtuung zu verschaffen, gefangene lassen sie 
nach einer bestimmten zeit gegen ein entgelt heimkehren oder frei 
als freunde bei ihnen bleiben, sie sind reich an vieh verschiedener 
art und an bodenerzeugnissen, die in häufen da liegen, besonders 
hirse und fennich (panicum vgl. Herodot 4, 17. Aelian Var. hist. 
3, 39. Plin. 18 § 101). von so strenger sitte sind selbst ihre 
weiber dass viele beim tode ihrer männer sich erhängen, an 
schwer zugänglichen stellen, wäldern, Aussen, sümpfen, seen ange- 
siedelt versehen sie ihre Wohnungen überdies noch mit mancher- 
lei ausgängen, in rücksicht auf die leicht für sie eintretenden Un- 
fälle, und alles nicht gerade notwendige (1. %a avavayxaXa) von 
ihren Sachen vergraben oder verschütten sie und behalten nichts 
entbehrliches offen in besitz, ein räuberleben führend — ßioy 
t&vxa Xfi<stQi*6v — pflegen sie ihre feinde an bewachsenen, engen 
oder von abhängen durchschnittenen orten anzugreifen und dabei 



* Arriani Tactica et Mauricii Artis milit. libb. xn ed. J. Schefferiis Up- 
saliae 1664. xi, 5 p. 272—281; ein auszug bei Schafarik altert 2, 662 ff , wo 
aber noch neue fehler zu den fehlem und Verderbnissen bei Scheffer hinzuge- 
kommen sind. 



DIE VENETL 37 

mit Vorliebe hinterhalte, Überraschungen und schliche bei tage 
und bei nacht auf die manigfaltigste weise anzuwenden* sie 
verstehen es auch mit einem röhr im munde sich lange unter 
wasser zu halten und verbergen sich darin bei plötzlichen tiber- 
fallen, bewaffnet sind alle mit zwei kleinen wurfspiefsen **, ein- 
zelne auch mit ganz tüchtigen, aber unhandlichen Schilden; sie 
gebrauchen auch hölzerne bogen und kleine vergiftete pfeile. 
herscherlos und einander gegenseitig hassend — &vaq%a d$ xai 

(jutfaXXfjkcc ovxctj axaxxoi xal avaQ%oi urfnsq 2xXaßot xal "Avtai 

ix, 3 p. 212 — kennen sie keine Schlachtordnung und denken 
nicht daran in geschlossenen reihen zu kämpfen und auf offenem 
und ebenem felde zu erscheinen, tun sie es einmal, so machen 
sie wohl einen heftigen anlauf, eilen aber auch wieder den Wal- 
dungen zu, wo sie in der enge gut zu kämpfen wissen, in bezug 
auf vertrage sind sie durchaus unzuverlässig und schwer einhellig, 
durch furcht mehr als geschenke nachgebend, bei Verschieden- 
heit der meinung unter ihnen kommt es entweder zu keinem über- 
einkommen oder der beschluss der beistimmenden wird von den 
andern sogleich übertreten, da bei entgegengesetzten ansichten 
keiner dem andern sich fügen will. — da die häuptlinge zahlreich 
und keineswegs unter einander im einvernehmen stehen — noXX&v 
dl bvttov §hy&v xal äovfMpwvcog s%6vttov TiQog äXXtjXovg — , SO 
ist es gut einige von ihnen, besonders die der grenze zunächst 
wohnenden, mit Worten oder geschenken zu bearbeiten und dass 
diese dann zu den andern kommen, damit die feindseligkeit gegen 
alle nicht eine einigung oder einherschaft (iiovaQ%iav) zustande 
bringe.' 

Wie im ersten kämpften also noch im sechsten Jahrhundert 
die Slawen nur als leichtbewaffnete zu fufs und von reiterei ist 
bei ihnen in diesen Zeugnissen gar nicht die rede, wenn auch nach 



* Prokop Bo. 2, 26 p. 254. tlvat yaQ wag twv ol (t# BaX$Qta»$) tno^iviav 
Ix rov 2xlaßt]v<Zv id-vovg, oV xQvmto&ai tt vno Xtö<p /??ajf£* *} ytnwv «Hfp r<p 
mtQatvxovj* tlüSaa* xal dvagnübn' av#Qa noUpiop' iqvjo u äsi nctgä nota/uov 
'Igiqov, fvd-a dy l'dgvvTat, $? re 'Piopaious xal tovg nkiovg ßagßagovg Ivdtixvuvtiu. 
** der Syrer Bar Johannes, bischof von Ephesus, der von 658 — 575 in 
Constantinopel lebte und 584 seine kirchengeschichte schrieb, schliefst 6, 25 
(übersetzt von Schönfelder, München 1862 s. 255) seine erzählang von dem 
grofsen Slaweneinfall im j. 577 mit den worten 'und doch sind es einfaltige 
leute die nicht wagen anfserhalb der wälder und in holzfreien gegenden sich 
sehen zu lassen und nicht wissen was eine waffe sei, ausgenommen zwei oder 
drei Ionchadien.' 



38 DIE VENETI. 

Prokop nur die menge (ol noXXol) zu fufs in den kämpf zog. aber 
das räuberwesen ist bei ihnen nicht minder alt und eingewurzelt, 
so sehr dass nach der auf grund eigner anschauung entworfenen 
Schilderung des Maurikios* man sich vollständig darauf wie auf 
einen dauernden, unabänderlichen zustand eingerichtet hatte, die- 
selben Ursachen, die ihn im sechsten Jahrhundert hervorriefen und 
damals klar genug zu tage traten, müssen daher auch schon im 
ersten vorhanden und wirksam gewesen sein, allerdings über den 
familien- und geschlechtsverbänden , den dorf- oder anderen ge- 
meinden bestand wohl ein gröfserer landschaftlicher verband, eine 
zupa, vlasti oder wie man sie nannte, mit einem ifcupan, vladyka 
oder kn^zi an der spitze, und nichts andres als solche häuptlinge 
waren die zahlreichen fäyet des Maurikios und die siebzig 'pri- 
mates' der Anten, die der Ostgote Vinithari nebst ihrem könige 
oder grofsfürsten Boz henken liefs. solche häuptlinge mit ihren 
hintersassen traten auch wohl mit andern und deren genossen zu 
allgemeineren Volksversammlungen zusammen; allein gieng die 
'demokratie' oder avaq%la so weit dass was der eine teil be- 
schlossen hatte, der andre für nichts achtete oder dass, wenn auch 
die gemeine gefahr und not eine einigung herbeiführte, die menge 
doch in völliger Zersplitterung ohne feste Ordnung und führung 
dem feinde gegenüberstand und so gut wie niemals in offener 
feldschlacht oder in geschlossenen häufen, nur im kleinen kriege 
und zerstreuten gefecht ihr heil suchte, wenn die heerführer 
selbst — nach dem zeugnis des oben s. 34 angeführten dialogs 
— vor ihren leuten keinen augenblick des lebens sicher waren, 
wenn im frieden selbst bei der grofsen Zerstreutheit der Wohnungen 
es kaum nachbarschaften gab, der einzelne überdies oft seinen 
Wohnsitz wechselte und bald hier bald dort ihn aufschlug um, wo 
es vorteilhafter schien, die wälder zu durchstreifen und für sich 
und die seinigen den unterhalt zu gewinnen, so sieht man wohl 
dass der trieb nach einer bürgerlichen oder staatlichen Ordnung 
bei den Slawen von jeher sehr schwach war und über das gefühl 
der familie und des einzelnen kaum eine macht besafs. es fehlte 
daher an edlen, altangesehenen geschlechtern , in denen das be- 



* er schliefst p. 289 seine anweisungen für die kriegsführung gegen die 
barbaren und speciell die Slawen mit den Worten 'javra ftiv ovv xaxa rb <fw«- 
tov ix ts jqg ntiQfrg tevitav xtd ix to>k toig ng^aiotg ilgqfiit'tov xatavoqactvTte 
äntyQcupaptSa' xtL aber bei den «fy/au»? kann er am wenigsten etwas über die 
kriegsführung gegen die Slawen gefanden haben. 



DIE FENNI. 39 

wustsein der gemeinschaft seinen festen, bleibenden halt hatte und 
in krieg und frieden seine gebornen führer fand*, es fehlte da- 
her auch über die familie und deren nächsten bereich hinaus der 
friede und die folge, da die Slawen nicht ein so 'pacatum omnino 
hominum genus' wie die Aestier, waren die raubzüge, d. h. willkürlich 
nach zeit und umständen, aus not, räche oder blofser beutelust, 
von einzelnen unternommene heerfahrten. wohl fehlte es daran 
auch nicht bei den Germanen, aber die Verschiedenheit der zu- 
stände springt in die äugen, wenn uns die Ostgermanen, die 
nächsten nachbaren der Slawen, gleichfalls als leichter bewaffnete 
mit runden Schilden und kurzen Schwertern geschildert werden 
und unter ihnen die so genannten 'Harier' sogar ihre kriegsführung 
nach dem muster von raubzügen gestaltet haben (Zs. 9, 247. 
Grimm GDS. 714.), dennoch aber gerade bei ihnen das 'erga 
reges obsequium' (Germ. 43) hervorgehoben wird, des kSnigs 
und jedes andern Volkshäuptlings erste pflicht war gewalttat fern- 
zuhalten und seiner gemeinde nach innen und aufsen den frieden 
zu bewahren, es ist daher begreiflich dass die Slawen bei ihrer 
herrenlosigkeit und ungebundenheit im krieg und im frieden und 
der Unsicherheit ihrer zustände selbst den Germanen ein räuber- 
volk schienen und so von ihnen dem gewährsmanne des Tacitus 
dargestellt wurden. 



Bestätigt sich hiemit die germanische herkunft der taciteischen 
characteristik der 4 Veneti' noch einmal, so folgt dieselbe für die 
Schilderung der 'Fenni' schon daraus weil, wie wir sahen, die un- 
mittelbare künde der Römer zu der zeit nicht über das bernstein- 
land hinaus reichte, ein weiterer beweis ergibt sich aus den 
nachrichten selbst. 



* vgl. Schlözers Nestor 2, 154 f. über die berufung der Waräger durch 
die Slawen: 'es war kein recht unter ihnen, ein geschlecht stand gegen das 
andre auf, zank und Uneinigkeit war unter ihnen, sogar fiengen sie an sich 
unter einander zu bekriegen, da versammelten sie sich, besprachen sich unter 
einander und sagten ( lasst uns einen knäs suchen, der uns regiere, Ordnung 
halte und uns gerecht richte.' sie giengen über das meer zu den Bussen- 
Warägern, diesen sagten die Tschuden, Slowenen und Eriwitschen 'unser land 
ist grofs, gut und mit allem gesegnet, aber keine Ordnung ist darin: kommt 
bei uns knftse zu sein und uns zu regieren. 9 und es wurden von ihnen drei 
brüder mit ihren familien gewählt' usw. 



40 DIE FENNI. 

Dem Tacitus waren die Fenni als ein volk von aufserordent- 
licher Wildheit, Unkultur und armut so geschildert worden dass 
sie ihm zuletzt, wie die Brahmanen oder das volk der Xudraka — 
freilich unter ganz andern Verhältnissen — nach der Alexander- 
sage, die von philosophen wohl als höchste Weisheit und der 
wahre weg zur glückseligkeit empfohlene, schwere kunst der be- 
dürfnislosigkeit zu besitzen schienen*, sie kannten keinen acker- 
bau, noch auch häuser, pferde und waffen, den stolz der Germanen, 
pfeile, mit knochen statt mit eisen das ihnen mangelte zugespitzt, 
waren ihr einziger trost. sie lebten von der jagd, die männer 
und weiber gemeinschaftlich betrieben; auch gras und kräuter 
dienten ihnen zur nahrung**, feile zur bekleidung, der erdboden 
als lager. 'die kinder' heifst es 'haben vor wilden tieren und 
regengüssen keine andre Zuflucht als dass sie durch ein geflecht 
von ästen oder zweigen gedeckt werden; dahin kehren auch die 
erwachsenen zurück und da ist der aufenthalt der alten', hier 
ist ohne zweifei eine einrichtung gemeint ähnlich wie die koten, 
jurten und borkenzelte der nördlichen Jäger- und fischervölker, ein 
gezelt das hauptsächlich von flechtwerk hergestellt wurde, nur 
hat Tacitus augenscheinlich nichts von dem winter-, blofs von dem 
sommerleben des volks erfahren, während bei Herodot 4, 23 der 
unterschied der jahrzeiten deutlich hervortritt, wo er von den 
Argim- oder Orgiempaeern erzählt dass jeder unter einem bäume 
wohne, den er im winter mit einem dichten weifsen filz umhülle, 
im sommer aber ohne denselben lasse***. 

Wiederum im sechsten Jahrhundert und zwar zum teil bei den- 
selben auctoren und an drei verschiedenen orten treffen wir auch auf 
nachrichten die die Finnen ausführlicher schildern, aber in Scadina- 
vien; und unverkennbar stammen sie eben daher, wohin es den Goten 
und deren verwandten damals nicht an beziehungen fehlte, wie weit 
die nachrichten reichten und wo für sie das gebiet des fabulosen be- 
gann, erkennt man wenn Cassiodor (Jordan, c. 3) von vielen kleinen 
inseln im norden der grofsen 'insel Scandza' gehört hatte, wo eine 



* vgl. auch Adam Brem. 4, 35 über die Isländer. 
** Miklosich Gramm. 2, 6 erinnert an 'victui herba', weil alteL trava 
gramen zur wurzel tru tgeq^y nutrire gehört (vgl. Radices s. 95, Gramm. 2, 7). 
aber sollten darum die Urslawen jemals gras und kraut als menschliche 
nahrung betrachtet haben? 
*** 8. unten anhang 7. 



DIE FENNI. 41 

solche kälte hergehe dass die wölfe, die über das eis dahin gierigen, 
erblindeten, die nächste behauptung dagegen, dass es auf der 
ganzen insel Scandza wegen der kälte keine bienen mehr gäbe, 
übertreibt nur eine bis zu einem gewissen grade ganz richtige 
tatsache (DA. 1, 398 anm.) und die Übertreibung ist vielleicht 
erst durch die flüchtigkeit des Jordanes verschuldet, nahe an die 
erste notiz schliefst sich an dass dort im nördlichen teile der 
insel bei einem volke 'Adogit' — , in welcher abscheulichen ent- 
stellung uns allein der name bei jenem überliefert ist, — um die 
zeiten der Sonnenwenden ein vierzigtägiger tag und eine gleich 
lange nacht einträte, ( so dass das volk bei einem solchen Wechsel 
von freude und trauer an vorteil und nachteil keinem andern 
gleich komme', das klima des vierzigtägigen tages fällt noch jen- 
seit des 68° n. br. bis so weit, bis zu den Lofoden oder noch 
weiter, muss man schliefsen, hatte sich schon, wohl durch den 
fischfang und den reichen jagdgewinn (s. 5) angelockt, die ger- 
manische be Völker ung ausgebreitet und dass hinter Adogit das 
norwegische Hälogaland sich versteckt, wird wohl mancher wahr- 
scheinlich finden, zumal wenn hier, wie in andern partien die aus 
der mündlichen tradition der Goten stammen, die nächste quelle 
des Cas8iodor eine griechische aufzeichnung gewesen sein sollte, 
AJOT- also auf AAOT- wiese, von den übrigen zahlreichen Völkern 
auf Scandza werden dann nächst der gens Adogit zuerst die 
Skridifinnen* genannt, 'die keinen kornbau zu ihrem unterhalt 



* 'sunt gentes rere fennae' ist die lesart des Palatinos; die Varianten der 
andern hss. 'refennae' oder 'crefennae' belegen nur den fortschritt des ver- 
derbnisses. die volgata Hres Crefennae 1 und die lesart des Fornerius 'Screre- 
fennae' aber würden erst dann von wert und nntzen sein, wenn sie sich aus 
alten handschriften belegen liefsen. vorläufig müssen wir es als möglich gelten 
lassen dass der elende Jordanes selbst 'rere fennae 9 geschrieben hat aber gewis ist 
gentes rerefennae 

aus gentes scretefennae d. i. Scritifinnae , Scrithifinnae verlesen und ver- 
schrieben, wie alt auf jeden fall der fehler bei Jordanes ist, beweist der 
cosmograph von Ravenna mit 1, 11 Scirdifrinorum vel Rerefenorum patria, 
4, 12 patria quae dicitur Rerefenorum et Sirdifenorum (rerifennorum et scerdi- 
fennorum, Guido), 13 iuxta ipsos Serdefennos (scerdefennos , Guido), 46 Rere- 
fennos et Serdefennos (refenos atque cerdefennos, Guido), 5, 28 Rereferos et 
Sisdefennos. denn da er den Jordanes öfter nebenher benutzt und namentlich 
von ihm aus demselben capitel und dem ihm folgenden, wo von den 'Rerefennis' 
die rede ist, auch den namen Scanza für die 'magna insula quae et antiqua 
Scythia a plurimis cosmographis appellatur' (1, 12. 4, 4. 5, 30) entlehnt und nur 
in der bei Jordanes oder Cassiodor aus dem Zxavdia des Ptolemaeus ent- 



42 DIE FENNI. 

betreiben, sondern von dem fleisch der wilden tiere und der vögel 
leben, an denen die sümpfe ihrer gegend aufserordentlich reich 
seien'; darauf auch noch auf der inneren, schwedischen seite von 
Scadinavien Tinnaithae' und Tinni mitissimi, Scandzae cultoribus 
omnibus mitiores, nee non et pares eorum Vinoviloth', worin man 
die Qvenen (s. 10) wiederzuerkennen glaubt, auf die wir insge- 
samt noch zurückkommen müssen. 

daran schliefst sich was der cosmograph von ßavenna 4, 12 
berichtet und was sich ohne zweifei mit manchem andern bei 
ihm aus einer dem Zeitalter Theodorichs des grofsen angehören- 
den quelle herschreibt, dass 'die Scridi- oder Scredefenni am 
nördlichen ocean in einem überaus kalten lande ein felsichtes 
gebirge (rupes montium) bewohnen und von der jagd, so mann 
als weib, leben, mit dem brot (eibo) und dem wein schlechter- 
dings unbekannt'. in ein merkwürdiges Verhältnis aber zu 
der jordanisch-cassiodorischen beschreibung von Scadinavien und 
dieser notiz des cosmographen tritt der dritte zeuge Prokop 
Bg. 2, 15. 

derselbe hat eine ungemessene Vorstellung von der gröfse der 
nordinsel, die er Thule nennt: sie soll mehr als zehnmal so grofs 
als Britannien sein, auch Cassiodor beschrieb zuerst diese insel 
ehe er zu Scadinavien übergieng, und gab ihre mafse nach Cassius 
Dio 76, 12 an, die keineswegs die kleinsten der bei den alten für 
sie vorkommenden sind (DA. 1, 382 ff. 376 f.), als wenn er eben- 
falls eine abschätzung des umfangs von Scadinavien dagegen im 
sinne gehabt hätte. nach Prokop war Thule zum grösten 
teile wüst, aber zum andern teile bewohnt von dreizehn sehr 
menschenreichen Völkern unter ebenso vielen königen. Cassiodor 



standenen form gebraucht, so ist es durchaus verkehrt der corruptel des volks- 
namens eine andre herkunft zuzuschreiben und anzunehmen dass sie zweimal 
in zwei verschiedenen und von einander unabhängigen Schriften in ganz gleicher 
weise sich eingesteUt habe, wie Zeufs 685 tut. seine 'Trefennae', die er mit 
hilfe von Ohtheres und Alfreds Terfinnas endlich zu stände bringt, beruhen 
auf einer methodisch schlechterdings nicht zu rechtfertigenden Voraussetzung; 
die erfindung ist aber auch sonst recht unglücklich, da altn. tre niemals wald, 
in Zusammensetzungen immer nur lignum bedeutet, altn. Trefinnar also nur 
wie tresmidr, tretelgja von arbeitern in holz verstanden werden könnte, für 
welche benennung jeder sachliche grund fehlte, und aufserdem das gemein- 
germanische wort von Goten und Angelsachsen nicht verstanden sein müste, 
wenn sie altn. tre = tr8o nicht in got. triu (latinisiert tröu = treo) age. treov 
umsetzten oder gar in ter- ter- verdrehten. 



DIE FENNI. 43 

machte fünfundzwanzig und mehr Völker auf Scandza namhaft 
und hatte von der menschenmenge dort die gröste Vorstellung. 

wie Cassiodor hatte dann auch Prokop gehört dass nacht und 
tag um die Sonnenwenden auf der insel vierzig tage dauerten, 
und auch er hebt den gegensatz der trauer und freude, in den 
diese Ungleichheit des wechseis die landeseinwohner versetzte, her- 
vor, doch in andrer weise als die phrase bei Jordanes. seinen 
lebhaften wünsch von dem wunder des nordens mit eignen äugen 
sich zu überzeugen hatte er zwar nicht erfüllen können, aber von 
louten die von dort ins römische reich gekommen waren auf seine 
nachfrage erfahren, wie sie die tage während der andauernden helle 
und der finsternis berechneten, und daran schliefst sich dann weiter 
bei ihm, dass sie die knge nacht in niedergeschlagenheit, abge- 
schieden von allem verkehr, hinbrächten, dass aber, sobald die am 
fünf und dreifsigsten tage auf die spitzen der berge ausgesandten 
boten die Wiederkehr der sonne als nahe bevorstehend verkündeten, 
sie ihr höchstes volks- und freudenfest noch in der dunkelheit 
begiengen*, weil .sie, wie es ihm wenigstens vorkam, zu fürchten 
schienen dass die sonne einmal ganz für sie ausbleiben möchte. 

darauf heifst es in näherer Übereinstimmung mit dem cosmo- 
graphen 'von den in Thule wohnenden barbaren führt allein ein 
volk, die 2xQi&i<pivoi, ein einigermafsen tierisches leben, kleider und 
schuhe, wein und bodenfrüchte haben sie nicht, da weder die 
männer ackerbau, noch die weiber handarbeit, sondern beide mit ein- 
ander allein die jagd betreiben, überaus grofse wälder und gebirge 
gewähren ihnen überfluss an wild und andern tieren, von deren 
fleische sie sich nähren und mit deren feilen, die sie mit sehnen 
zusammenheften, sie den ganzen körper umhüllen, selbst die 
Säuglinge werden mit dem mark der tiere genährt und erhalten 
nicht die mutterbrust. die mutter, nachdem sie geboren, schlägt 
das kind in ein feil, tut ihm mark in den mund und hängt es an 
einen bäum um sich alsbald in gewohnter weise gemeinschaftlich 
mit ihrem manne auf die jagd zu begeben'. das Verhältnis 
der drei berichterstatter sieht darnach beinahe so aus als 



* Caströn Reisen 1, 104 '— den 18 Januar wieder nach Enare (in Lapp- 
land). auf dem Iskuras tunturi, einem der höchsten felsrücken die ich noch 
passiert bin, zeigte sich sogar die sonne wenn auch nur ein wenig über dem 
horizont. als wir nach einer tagereise am abende in Jorgastak anlangten, 
konnten wir es nicht unterlassen wegen der Wiederkunft der sonne einen kleinen 
schmaus zu veranstalten 1 . 



44 DIE FENNI. 

hätten sie, abgesehen von den mündlichen erkundigungen Prokops, 
aus einer gemeinschaftlichen, reicheren schriftlichen quelle, etwa 
aus dem unverkürzten Cassiodor geschöpft; und doch war ihre 
quelle schwerlich eine andre als die mündliche Überlieferung der 
zeit, die nur in betreff des entlegenen nordens von Germanien 
wie durch überkommen eine gewisse festere gestalt gewonnen hatte, 
was sich auch noch weiter ergibt, zunächst von der nega- 
tiven seite. 

Denn zweierlei fällt doch vor allem an diesen Schilderungen 
auf, dass von den schritt- oder Schneeschuhen niemals die rede 
ist, von deren anwendung die Skridifinnen allein ihren namen 
haben* und dass ebenso wenig des renntiers erwähnung geschieht, 
aber beide, tier und gerät, waren den RKhern und Griechen un- 
bekannte dinge, für die ein germanischer berichterstatter in ihrer 
spräche keinen namen fand, von denen sich daher auch nicht ohne 
umständliche beschreibung weiter erzählen liefs. der erste der dies 
und zwar noch in recht ungeschickter weise tat war Paulus Diaconus 
1, 5, mit dem eine neue reihe von Zeugnissen über die Skridi- 
finnen** anhebt, die ihrem gegenstände näher stehen als die 



* die Übersetzung 'Kletterfranen', die Zeufs 684 aufgebracht hat und 
andre ihm nachgesprochen haben, ist ganz verfehlt, das verbum *skreidan 
skraid skridum skridans ward ursprünglich nur in dem sinne einer gleitenden 
bewegung gebraucht, ähnlich wie etwa ahd. slifan mhd. slifen, nicht in dem 
von gradi. daher altn. skrida vom kriechen des gewürms, von der fahrt des 
schiffes und dem lauf auf Schneeschuhen (skrida a skidum, Fidr skrldr), aber 
niemals vom klettern, im d&n. bei Molbech Dial. s. 497 f. findet sich sogar ein 
adj. 'skred' glatt, schlüpfrig neben 'at skride' glide paa iis og omkuld (kopf- 
über), dieselbe bedeutung ist auch noch ganz wohl im deutschen sichtbar, in 
ahd. scritiscuoh mhd. schriteschuo petasum (fliegschuh), in 'schreiten' vom 
gleiten der schlänge bei SchmeUer 2», 612, in scridan vom schiff Helj. 69, 8, 
vom verfliefsen der zeit ags. alts. ahd. (Otfr. 1, 5, 1 und Graft! 6, 577) und 
sonst im sinne von lat. labi, delabi. zu vergleichen ist litt, skridü oder skrindu 
skristi fliegen, schnell laufen, skraidau-yti im kreise umhertreiben, lett. 
skraidiht viel laufen, rennen und poln. skrzydlo flügel altsl. krilo. wie in litt, 
skrindu und skrindüs fliegend, geflügelt, erscheint der nasal auch in ags. scipu 
scridende scrinde fleötad ps. 103, 24. 

** 'Scritobinf, was Waitz bei Paulus nach der hs. von Cividale im texte 
hat, ist nur eine rohe romanische Schreibung für 'Scritovini'. aber auch dies 
gibt die deutschen laute, wenn man v nicht wie im ahd. für f nimmt, schlecht 
genug wieder, die bessere Schreibung 'Scritofinni' (neben Scriptofinni, Scridu- 
winni, Scridowinni) findet sich nur in hss. der classe G d. h. wohl nur in 
solchen die seit dem neunten jh. in Deutschland angefertigt sind. 



DIE FENNI. 45 

älteren und daher neue züge an ihm hervortreten lassen, zugleich 
aber ihren Zusammenhang mit der früheren darstellung nicht ver- 
läugnen und damit das ununterbrochene fortbestehen einer münd- 
lichen tradition zu erkennen geben. 

der Lombarde, der 1, 5 wie anders wo (1, 20) mit der Lingua 
barbara' die deutsche meint, aber nicht allzuviel davon verstand, 
verwechselte bei seinem versuch den namen zu deuten 'scritan' 
mit 'scrican' oder schob jenem worte eine falsche bedeutung unter, 
indem er behauptete, das volk sei l a saliendo' benannt, weil 'sie 
in Sprüngen, durch anwendung einer gewissen kunst und geschick- 
lichkeit mit einem bogenähnlich gekrümmten holze, die wilden 
tiere einholen, es sei bei ihnen auch ein dem hirsche nicht sehr 
unähnliches tier, von dessen rauher, noch beharter haut er — 
vermutlich am fränkischen hofe — einen bis zum knie reichenden 
leibrock gesehen habe, wie ihn die leute dort trügen 9 , auch er 
konnte sich füf die insel Scadinavia auf solche berufen die sie 
besucht hatten (1, 2). im übrigen aber weicht sein bericht nicht 
wesentlich ab von denen der früheren: 4 in der gegend der Skridi- 
finnen hersche um das sommersolstiz während etlicher tage auch 
bei nacht die vollkommenste helle und die tage seien viel länger 
als anders wo, umgekehrt um das wintersolstiz, wenn auch das 
tageslicht nicht mangele, werde doch die sonne nicht sichtbar, der 
tag sehr kurz und die nacht desto länger, ihnen fehle auch im 
sommer der schnee nicht und von der weise wilder tiere nicht 
gar verschieden genössen sie nichts anderes als das rohe fleisch 
derselben*, von deren rauhen feilen wie gesagt sie sich ihre 
kleidung verfertigten'. 

könig Alfred schliefst seine allgemeine beschreibung von 
Germanien (Oros. 1, 1, 12) damit dass den Schweden, die im 
Süden den seearm Osti, im norden Cvenland hätten, die Scride- 
finnas im nordwesten, die Nordmenn im westen wären, gründet 
sie sich im wesentlichen auf aussagen deutscher männer (s. 12 f.), 
so braucht man auch diesen satz nicht anders woher abzuleiten, 
wenn auch Alfred sich denselben noch einmal (1, 1, 16. 17) durch 
den Nordmann Ottar bestätigen liefs; auch die Angelsachsen 
selbst (Vids. 79. 81) kannten ohne zweifei die Scridefinnas nebst 
andern nordischen Völkern dem namen nach schon von früher 
her. der vornehme Halogaländer Ottar, der von allen Nord- 



* 8. nuten aahang 8. 



46 DIE FENNI 

mannen am weitesten gegen norden wohnte und dort mit den 
älteren landeseinwohnern nicht nur in verkehr stand, sondern 
sogar an dem von ihnen entrichteten tribut einen anteil hatte, 
nannte sie dem könige nicht anders als wie die Norweger und 
Isländer bis auf den heutigen tag, nur mit dem einfachen namen 
Finnas altn. Finnar* und unterschied von denen, die die 'wilden 
gebirge' zwischen Norwegen und Schweden und Cvena land be- 
wohnten und an der nördlichen seeküste als Jäger, fischer und 
vogler, nicht als landbauer sich aufhielten, nur die weiter nach 
osten gegen das weifse meer hin hausenden, also die heute im 
gegensatz zu den Berglappen so genannten Fischerlappen mit dem 
aus dem angelsächsischen und dem altnordischen gleich unver- 
ständlichen compositum Terfinnas (1, 1, 12). er steht als autoptes 
begreiflicher weise hier und auch sonst für sich und aufserhalb 
der tradition. hervorzuheben ist nur noch ein satz des königs 
(1, 1, 15), in dem es heifst 'der gröste reichtum der Haloga- 
länder bestehe in wildtieren, die sie hränas nennten' d. i. altn. 
hreinar, weil er erkennen lässt wie wenig das haupttier des höheren 
nordens selbst den Südgermanen näher bekannt war und weshalb 
es so spät und nun erst zum ersten male mit genannt wird, 
wenn dagegen dem erzbischof Adalbert von Bremen in den jähren 
1053 und 1054 durch die päbste Leo IX und Victor II die rechte 
seiner kirche bestätigt wurden 'in omnibus gentibus Sueonum 
seu Danorum Noruuechorum Islant Scrideuinnun Gronlant' — 
oder 'Noruuegorum Islandon Scrideuinnun Gronlandon — et 
universarum septentrionalium nationum' **, so beweist schon die un- 



* auch das Pinna land des Beowulf 580 ist dasselbe, Anzeiger für deutsches 
altert. 3, 179 f. dagegen müssen die Finnen, die im Yidsidliede 20. 76 ff. zweimal 
den Griechen gegenüber gestellt werden, im nordöstlichen Europa gedacht 
werden. 

** Lappenberg Hamb. urk. nr. 75. 77. daran schliefsen sich die gefälschten, 
gleichlautenden confirmationen der päbste Anastasius III und Johannes X 
vom j. 912 und 920 an, bei Lappenberg nr. 28 29 In omnibus gentibus Sue- 
onum seu Danorum Noruuegorum Island Scrideuinnun Gronlandon et univer- 
sarum septentrionalium nationum', deren anfertigung man schwerlich bis nach 
1148 (Schleswigholst, jahrb. 10, 302 vgl. 306) hinabrücken darf, die Urkunden 
Friedrichs I a. 1158 und Innozenz II a. 1133 bei Lappenberg nr. 208 und 144 
setzen die durchaus gleichartigen und mit einander gleichzeitigen interpolationen 
und f&lschungen der urk. nr. 8 Ludwigs des frommen a. 834, nr. 9 Gregors IV 
a.832, nr. 14 Nicolaus I a. 864 voraus, die nach 'in gentibus videlicet' oder 
4n omnibus circumquaque gentibus Danorum sive Sueonum 1 die namen 'Gron- 
landon Islandon 1 oder 'Noruueorum (Noruuegorum -horura) Farriae Gronlondan 



DIB PENNI. 47 

veränderte fortdauer des alten namens dass bis dahin ohne Unter- 
brechung auch in Norddeutschland wenigstens eine gewisse be- 
kanntschaft mit dem nördlichsten volke sich erhalten hatte, und 
reichlich zwanzig jähre später bestätigt das auch Adam von Bremen, 
der einmal (4, 24. 25) von Schweden, dann (4, 31) von Norwegen 
aus auf die 4 in confinio' beider länder gegen norden wohnenden 
'Scritefinni' kommt und beidemale, von dem ihm wohlbekannten 
Paulus höchstens in einem ausdruck abhängig, von ihnen be- 
richtet dass sie das wild im laufe überholen*, aber dabei an der 
zweiten stelle zu erkennen gibt dass sie zu dem ende des schnees 
bedürfen und deshalb ohne schnee nicht leben können, weil ihnen 
der fang des wildes, dessen ihre gebirge voll seien, zum grösten 
teile ihre nahrung und auch ihre kleidung liefere, unter den 
jagdtieren, die Adam zum teil auf gut glück nach Solin aus dem 
alten Germanien in den norden versetzt, weifs freilich auch er 
das renntier nicht zu benennen oder von dem eich (elaces) nament- 
lich zu unterscheiden**, für die Unabhängigkeit seiner nachrichten 
spricht dass ein seit Tacitus ganz vergessener zug erst bei ihm 
wieder zum Vorschein kommt (schol. 132), dass die leute dort 
trotz der harten kälte nicht daran denken sich das obdach von 



(Halsin golandon-galondan) Islondan Scrideuindan (-un)' einschieben und die 
man mit vollem recht mit den erzbischöfen Friedrich (f 1 1 23) und Adalbero 
und dem namen des heil. Wizelin in Verbindung gebracht hat, Dehio Erzbis- 
tum Hamburg-Bremen 2, anm. s. 39 ff. 

* in dem altnorwegischen Königsspiegel aus dem xm. jh. sagt c. 9 s. 20 
der vater zu seinem söhne, es möge wohl wunderbar und unglaublich dünken 
überall wo man die kunst nicht verstehe, dass ein mann, sobald er sieben oder 
acht eilen lange bretter unter seine füfse bindet, die vögel im fluge überholt 
(sigrar) und die schnellsten Windhunde im laufe, auch das renntier das ein 
halb mal stärker läuft als ein hirsch; und doch gebe es viele männer, die so 
gut mit Schneeschuhen umzugehen wüsten, dass einer in emem laufe neun 
remitiere mit seinem spiefse und darnach mehr steche. fc wir wissen diese dinge 
für gewiß und haben gelegenheit, sobald im winter schnee da ist, männer ge- 
nug zu sehen die auf diese künste und geschicklichkeiten sich verstehen. 1 

** für das angeblich mitteUateinische 'rangifer* (Diez wb. u. rangifero) 
hat der Ducange keinen älteren zeugen als den italienischen arzt ApoUonius 
Menabene, der Mailand 1584 eine 'historia cervi rangiferi et gulonis' nebst 
einer 'historia de magno animali quod Alcen vocant' herausgab. *rangifer' ist 
also nur eine latinisierung von ital. rangifero und diesem liegt ohne zweifei 
frz. 'rangier', der frz. benennung aber das veraltete ndl. reinger ? oder nhd. 
reuiger, reingertier (Weigand wb. 2 2 , 465) zu gründe und weiter altn. hreinn, 
worüber unten s. 53. ein läpp, raingo aber existiert wahrscheinlich gar nicht, 
Thomsen s. 41. 



48 DIE FENNI. 

häusern zu schaffen, dass er ferner was er hier weiter von den 
Skritefinnen erzählt, im zusammenhange einer unverstandenen, 
namenlosen fabel noch einmal (4, 31) wiederholt, da er von 
bärtigen weibern und von waldmännern auf den rauhsten bergen 
des nordens gehört hat, die tierfeile als kleider gebrauchen und 
eine selbst den nachbarvölkern kaum verständliche spräche in 
tierischen lauten hervorbringen, überhaupt hat er von nordischen 
berichterstattern noch mehr erfahren, was er nur deshalb nicht 
auf die Skritefinnen bezog, weil er sie von jenen nicht mit dem 
ihm geläufigen compositum, sondern entweder schon als Lappen 
oder zufallig gar nicht mit namen nennen hörte; so erfuhr er 
(4, 25) von dem dänischen könig Svend Estridson dass kleine, 
aber starke und behende leute von zeit zu zeit plötzlich vom ge- 
birge her in Schweden einbrächen und alles ausplünderten, wenn 
ihnen nicht mit macht begegnet würde, oder auch von andrer 
seite (4, 31) dass das volk im nördlichsten Norwegen am ocean 
im stände sein solle sich durch Zauberei von allen Vorgängen in 
der weit zu unterrichten, die grofsen seetiere zu sich auf den 
Strand zu ziehen und noch viel anderes der art mit leichtigkeit 
zu vollbringen* er hatte endlich wiederum auch (4, 37) zwar 
nicht wie Cassiodor und Prokop von einer vierzig-, wohl aber 
vierzehntägigen dauer der solstitialtage und nachte auf der 'insel' 
oder nach andern in der den Skritefinnen benachbarten, nörd- 
lichsten, vor kälte und bergen unzugänglichen norwegischen land- 
schaft 'Halagland' gehört, ehe der dänische könig nebst vielen 
andern ihm die sache auch noch für andre gegenden des nordens 
bestätigte. 

das letzte in der reihe dieser Zeugnisse und gleichsam nur noch 
ein anhängsei dazu ist das des Saxo Grammaticus, der p. 18 f. 
(vgl. p. 248 f.) erzählt dass die 'Scricfinni' im norden von Schweden 
und Norwegen mit 'ungewöhnlichen fahrzeugen' durch allerlei um- 
wege und Windungen das wild auf fast unzugänglichen felshöhen zu 
erreichen wüsten und die feile gewisser tiere als wäre bei den be- 
nachbarten Völkern gebrauchten, von interesse ist hier fast nur 
die namenform, weil Scricfinn, wie skrikksko im dalekarlischen 
für skridsko (Rietz 598*), im anschluss an isL norw. skrika, 
schwedisch dial. skrikka für skridka = altn. skridna gleiten, wohl 
im volksmunde für Skridfinnr eingetreten ist und daher beweist 

* wegen des Finnenzaubers aafser Cleasby-Yigfusson 154*, Fritzner 145% 
Grimms Mjth. 606 insbesondere Unlands Schriften 6, 398 ff. 



DIE PENNI. 49 

dass das sonst, wie schon erwähnt, im norden nicht mehr ge- 
bräuchliche compositum dort ehemals auch, wenigstens in den 
südlicheren gegenden durchaus nicht unbekannt war. ist damit 
nach einer seite noch eine nähere bestimmung für die alte tra- 
dition gewonnen, so trat diese bei Adam von Bremen noch ein- 
mal fast in ihrem ganzen umfange entgegen, ja 6in zug erinnerte 
selbst noch über Prokop und Cassiodor hinweg an die darstellung 
des Tacitus. und dabei bleibt es nicht allein. 

im osten und nordosten jenseit der Skritefinnen beginnt nach 
Adam 4, 25. 19 das gebiet der wundermenschen und menschenun- 
geheuer, der Amazonen (s. 10) mit den Hundsköpfigen* die den 
köpf auf der brüst tragen und ihre worte mit bellen kund geben, 
der riesen (Cyclopes 4, 40) und der menschenfresser udglm. Sa- 
mojedi aus dem slawischen gedeutet (Schafarik 1, 294f.) könnte 
die fabel von den menschenfressern veranlasst haben, aber wie 
bei Adam, beginnt auch bei Tacitus (Germ 46) jenseit der Fenni 
im hohen nordosten die fabelweit, freilich die namen 'Hellusii' 
und 'Etiones 1 sind wenn auch verständlich**, dennoch rätselhaft, 
weil sie, wenn sie riesische wesen anzeigen, beide nicht recht 
zur fabel stimmen; denn was diese betrifft, so scheint lediglich 
ein scherz und neckerei zuerst aus menschen, die bis auf das ge- 
sicht tief in pelze und tierfeile gehüllt einhergiengen (DA. 1, 494 f.), 
leute 'mit menschenangesichtern , aber leibern und gliedmafsen 
wilder tiere' gemacht zu haben, leicht aber wurden daraus auch 
die schreckbilder hundsköpfiger popanze und blutsauger. was 
daher immer die namen bedeuten, wenn damit zwei wundersame, 
angeblich aber dem habitus nach ganz gleiche Völker unterschieden 
werden und beide benennungen, wie man annehmen muss, einmal 
doch zur fabel stimmten, so muss Tacitus wohl mehr von jenen 
und ihres gleichen erfahren haben, als er dem Schlüsse zu eilend 
endlich mitzuteilen für gut findet, selbst der Halogaländer Ottar 
hielt es für besser, das für sich zu behalten was ihm die Permier 
am weifsen meere von ihren nachbarländern erzählten, da er sich 
nicht mit eignen äugen davon hatte überzeugen können, was 
Tacitus mitteilt, genügt vollkommen um uns in den bereich der- 
selben oder ganz gleichartiger märchen und Vorstellungen zu ver- 
setzen, wie wir sie bei Adam treffen und wie sie von ihm einge- 



* vgl. Graff 4, 759 und die langobardische sage bei Paulus Diac. 1, 11. 
** s. unten anhang 9. 

DEUTSCHE ALTBRTUMAKUADB II. 4 



50 DIE FENNI. 

standener mafsen nicht einmal vollständig offenbart wurden, die- 
selben aber grenzen nahe, ja treffen endlich gänzlich zusammen 
mit jener der nordischen oder norwegischen mythologie, die das 
heim aller unholde und riesen nach osten d. h. gleichfalls in den 
nordosten verlegte (Vsp. 39. 47 Reg. Lokas. 59. 60. Harb. 23. 
Gylfag. 42. 45. Skald. 17. uö.), und dies zusammentreffen lässt 
nicht zweifeln dass sie mit einander demselben System einer seit 
unvordenklichen zeiten bei den Germanen ausgebildeten und be- 
stehenden weltansicht angehören und dass daher die Übereinstim- 
mung zwischen Tacitus und Adam stammt aber — dürfen wir 
nun auch weiter die Schilderung die jener von den Finnen entwarf 
mit der Überlieferung über die Skridefinnen zusammenbringen? 

Tacitus weifs schlechterdings von keinen Fennis in Scadinavien. 
bis zu den Skridefinnen in Lappland und Finnmarken reichten 
seine nachrichten nicht hinauf und über die Qvenen oder Sitones 
waren sie so unvollkommen dass er das volk unbedenklich noch 
mit zu den Sueben und Germanen rechnete (s. 11). der Finnen- 
name aber muss in Scadinavien weit älter sein, die Germanen, 
die dahin übersiedelten und dort jedesfalls zuerst mit dem fremden 
stamm zusammentrafen, dort und von da aus auch allein mit ihm 
in dauernder berührung blieben, müssen den namen entweder 
selbst erst erfunden oder schon mitgebracht und in einem um- 
fassenden sinne gebraucht haben, denn nur so erklärt es sich 
dass er bei den Norwegern auf ihre landesgenossen und nächsten 
nördlichen nachbaren, die später von Schweden aus so benannten 
Lappen* sich einschränkte und an diesen bei ihnen haften blieb, 
als sie für deren entfernter wohnende stammesgenossen besonderer 
namen zu bedienen sich gewöhnten, wenn derselbe Vorgang sich 
wesentlich noch einmal auf einer andern seite von Schweden aus 
wiederholte. Dänen und Götar benannten eine zwischen dem däni- 
schen Halland und den gotischen Smälanden belegene landschaft 
altn. Finneidi d. i. Finnheidi altschw. Finnhfed -hedi oder Finnvid, 
Finnved, Finnwildnis oder Finnwald, gewis nicht nach der blofsen 
ähnlichkeit mit den nördlicheren Finnöden, sondern wie die Schweden 



* zuerst bei Saxo p. 241. 243 Lappia; in altnordischen quellen nach Yig- 
fusson nur in der Orkneyinga saga c 1 und in isländischen annalen des 
xiv. jhs. nach Castren (Reisen und forschungen 5, 51 f.) stammt der name aus 
dem finnischen; aber ohne zweifei ist er zuerst weiter bei den Schweden in 
gebrauch gekommen um damit den nördlichsten stamm von den Finnen = Finn- 
ländern zu unterscheiden. 



DIE FENNI. 51 

im eigentlichen Schweden, in Uppland selbst einen Finnskog und 
Finnsiö, weil wirklich ehedem 'Finnen' in diesen gegenden hausten, 
ehe dort die schon von Jordanes c. 3 Finnaithae, bei Adam von 
Bremen 4, 24 Finn6di, bei Saxo Finnenses genannte, germanische 
bevölkerung einzog*, sie kannten darnach jedesfalls frühzeitig 
den einfachen volksnamen, müssen aber von den Lappen noch 
andre Finnen unterschieden und die Südscadinavier überhaupt das 
Simplex in weiterer bedeutung als nachmals die Norweger gebraucht 
haben, wenn ihnen auch das compositum Skridifinnos, Skridfinnar 
einmal geläufig war (s. 48 f.), ja aller Wahrscheinlichkeit nach als 
unterscheidende benennung der Lappen sogar von ihnen ausge- 
gangen ist. auch die Qvenen sind nur durch die Verwandlung 
ihres einheimischen namens in einen scheinbar germanischen im 
Sprachgebrauch ihrer südlichen und westlichen nachbarn allmählich 
aus der gesamtheit der Finnen ausgeschieden und waren gewis 
noch darunter begriffen als die Schweden den namen auch auf die 
nicht lappischen und nicht qvenischen, aber Lappen und Qvenen 
nahe verwandten stamme jenseit des bottnischen und finnischen 
busens anwandten**, zuerst natürlich in unbestimmter ausdehnung; 
dann aber wiederholte sich hier dasselbe wie in Norwegen: das 
ethnicum nebst dem landnamen Finnland und dessen derivatum 
Finnlandingr ward eingeschränkt und verblieb endlich der nächst 
belegenen landschaft und ihren bewohnern, dem Suomivolke, je 
mehr der fortgesetzte verkehr und selbst ein stätiges zusammen- 
wohnen die besondern, unterscheidenden benennungen der übrigen 
stamme gebrauchen lehrte, die aussonderung der Qvenen aus der 
gesamtheit der Finnen aber war im Sprachgebrauch schon ent- 
schieden als Marinus von Tyrus den neuen namen und Tacitus 
die daran sich knüpfende fabel (s. 10) erfuhren, die lücke die 
seine nachrichten hinsichtlich der Finnen auf Scadinavien lassen, 
wird nach alledem durch das was sich aus der anwendung, die 



* Zeufs 504, Rydqvist 2, 73, Collin und Schlyter zum Westgötalag s. 558. 
Geijer Schwedens urgesch. 8. 346. — auf ein wie faderni moderni ua. gebildetes 
altn. finnerai = wildnis (Fms. 8, 432 anm.) hat Vigfusson zuerst aufmerksam 
gemacht; Tgl. dazu Ottars bericht. auf die Finneyjar in der bucht nördlich 
von Stavanger wurde ich erst durch Fms. 12, 284 aufmerksam, verdanken sie 
einem zufall ihren namen? 

** von der insel 'Aeningia' im tiefsten innern der Ostsee, von der Plinius 
4 §96 gehört hatte, die nicht kleiner sein sollte als Scadinavia, etwa auf 
'Fenningia, Finningia' zu raten wäre wohl noch verkehrter als darin (Eningiar, 
bewohner von (Eland (Rydqvist 2, '268) zu suchen. 

4* 



52 ME FENNI. 

dort der narae fand, entnehmen lässt vollständig ausgefüllt, und 
wenn nun Tacitus von den Venetis sagt 'quidquid inter Peucinos 
Fennosque silvarum ac montium erigitur latrociniis pererrant', 
also den Peucinen oder Bastarnen auf der ostseite der Karpaten 
die Fenni jenseit der Veneti gegenüberstellt, so ist klar dass der 
name bei den alten Germanen den ganzen volksstamm umfasste, 
der im norden und nordosten über ihnen, den Eisten und den 
Slawen verbreitet war und bei den Slawen einmal wohl in gleicher 
ausdehnung Cjudi hiefs. 

Es versteht sich darnach so zu sagen von selbst dass auch die 
erste characteristik, die die Römer von ihm erhielten, sich nur an 
die allgemeinen, dem ganzen stamme, soweit der berichterstatter 
ihn übersah oder von ihm wüste, gemeinsamen züge hielt, die 
Fenni insgesamt wurden als ein armes, wildes, nomadisches volk 
dargestellt, das allein von der jagd und nach dem begriff, den 
der Germane mit dem weidgang verband dürfen wir unbedenklich 
hinzusetzen, auch von dem fischfang lebte, wo sich dafür gelegen- 
heit fand; und sicherlich ist, wie der gründlichste kenner des 
Stammes anerkannte*, in dieser beschreibung nichts enthalten was 
nicht zu der Vorstellung passte, die man sich überhaupt von ihm 
in der vorzeit zu machen hat. die Finnen werden uns in ihrem 
Urzustände geschildert, ehe für sie noch die einwirkung der süd- 
lichen kultur begonnen hatte und sie aus dem unstäten weideleben 
zur sesshaftigkeit, zum acker- und häuserbau übergiengen. der- 
selbe hat sich bei ihnen im gründe bis auf den heutigen tag er- 
halten, wo eine übermächtige natur ihrer entwickelung eine kaum 
übersteigliche schranke entgegensetzte, es ist daher nicht zu 
verwundern dass die Schilderungen aus dem sechsten Jahrhundert 
und selbst »noch den späteren in der beschränkung auf die Skride- 
finnen im wesentlichen mit Tacitus übereinstimmen: die blofse 
Übereinstimmung in der auffassung, die sich gleichmäfsig in allen 



* Castren Reisen und forschungen 4, 142. vgl. Ahlqvist Kulturwörter 
s. 101. — Casträn aao. 6 (Ostjakische Sprachlehre) 8. vi 'diese asiatischen 
Finnen (Wogulen und Ostjaken) stehen noch fast auf derselben niedrigen stufe 
wie die europäischen zur zeit des Tacitus. zwar sind in den letzten Zeiten 
viele familien, besonders der Wogulen ansäfsig geworden, die meisten irren 
aber noch immer von wald zu wald, von fluss zu fluss umher, sie wohnen in 
armseligen hütten oder so genannten jurten, die aus balken, torf, birkenrinde 
und rennti er feilen errichtet sind, und im winter ist die jagd, im sommer der 
fischfang ihre hauptbeschäftigung.' 



DTF FENNI. 53 

auf dieselben gegensätze des lebens stützt, würde schon dafür 
sprechen dass auch die älteste von ihnen bei Tacitus aus dem 
munde der Germanen stammt (s. 39). es steht aber auch nichts 
im wege diese als den ersten beleg der tradition oder traditionell 
sich fortpflanzenden künde zu betrachten, die uns später nur in 
der beschränkung auf die Skridefinnen Scadinaviens entgegentritt, 
weil sie dem fortschritte der kultur und dem übergange eines 
grofsen teiles des volksstammes in eine neue lebensweise gefolgt 
ist. renntier und Schneeschuhe werden zwar erst von Paulus 
Diaconus beschrieben, aber von den nachrichten aus dem sechsten 
Jahrhundert unläugbar vorausgesetzt. , um so weniger ist daher aus 
dem stillschweigen des Tacitus zu schliefsen dass diese nächst 
dem hunde wie es scheint ersten und unerlässlichen lebensbedin- 
gungen den nordbewohnern damals fehlten, ohne die Zähmung des 
jagdtieres und die erfindung des gerätes, das neben dem schütten *, 
diesem und dem kahne ähnlich, über den schnee des langen winters 
hinweg ihnen zu ihrer nahrung verhalf, scheint eine existenz für 
sie in ihren regionen kaum möglich und der Urzustand der Finnen 
undenkbar, das renntier, zur zeit des Tacitus wohl schon in ganz 
Germanien aufser Scadinavien verschwunden**, war damals im nord- 
osten Europas gewis noch sehr verbreitet und ward hier erst aus 
dem dienste der menschen entlassen, wo ross und rind an seine 
stelle traten ; und das ross war nach dem zeugnis des Tacitus den 
Finnen noch fremd und daher ohne zweifei auch das rind***. wie 
aber wären diese bei den Germanen**** zu ihrem alle insgesamt 
umfassenden namen gekommen, wenn sie nicht die Schneeschuhe ge- 



* über die benennungen beider gerate und ihrer teile und arten in den 
finnischen sprachen, die ihre weite Verbreitung und ihr hohes alter beweisen, s. 
Ahlqvist s. 125 ff. 

** altn. hreinn, nicht aus dem lappischen entlehnt (Thomsen s. 41), sondern 
ein altgermanisches wort, gibt selbst kaum ein sicheres sprachliches zeugnis 
für die ehemalige, weitere Verbreitung des tieres ab, da man es wohl mit gr. 
xgtog (xttQyos) und ahd. hrind(-ir) fries. ags. hrider zu zd. crva hörn, gehörnt 
gr. xtQasos lat. cervus altgerm. hBrutas hirsch stellen und als adjectiv mit der 
grundform k e r v anias oder k e r T a-inas? = cervinus ansetzen muss. 

*** ß. unten anhang 10. 

**** litt. Pinnas lett. Pinnis Finne ist entlehnt wie pürmonas fuhrmann udgl. — 
die herkömmliche erkl&rung von Fönni, Finni aus got. fani altn. fen ahd. fenna 
mnd. fries. fenne ndl. veen ags. fenn, die selbst Zeufs 272 wiederholt, ist 
sprachlich ganz unmöglich, da 6 =■ i nicht aus a, noch auch nn so früh durch 
umlaut entstanden sein können, als der name bezeugt wird. 



54 FINNEN UND GERMANEN. 

habt und im winter bei der jagd damit ihre füfse beflügelt hätten? 
das femininum ags. finn ndd. nhd. finne ndl. vin ist völlig dasselbe 
wort mit lat. pinna und penna, gleichbedeutend auch mit 'feder' 
(ags. fider ti%€q6v\ wenn dies für flösse, flossfeder (Dm. IV, 4, 1 mit 
anm.) oder altn. fiödr auch für fischschweif (Fms. 4, 56) steht, 
oder nhd. finne vom schweif des Schmiedehammers, ags. finta vom 
vogelschweif gesagt wird, steht altgerm. (fennä) finnä, gleich 
lat. penna (altlat. pesna) für petn£ (patnä), so war altgerm. (Fen- 
nas) Finnas (got. Finns) altn. Finnr ahd. alts. ags. Finn ohne 
frage einmal ein adjectiv (petnds patnas) und bedeutete, wie altir. 
6n altkymr. etn (für petna, petena) vogel oder das anders ge- 
formte gr. neis^voc nereewoc, der geflügelte; Skridifinn aber würde 
nur dieselbe meinung zweimal ausgedrückt haben, wenn die im 
slawischen und eistischen wohl durchblickende älteste bedeutung 
des ersten wortteils (s. 44) im germanischen nicht schon einer 
andern gewichen und nicht auch schon die bedeutung des zweiten 
teiles einiger mafsen verdunkelt gewesen wäre, als die unter- 
scheidende Zusammensetzung erfolgte, der einfache name ist un- 
läugbar von sehr altem Ursprung; dies wird sich später auch noch 
von einer andern seite her ergeben, zunächst kommt es noch 
darauf an, die älteste grenzlinie der Finnen gegen die Germanen, 
Eisten und Slawen so viel als möglich fest zu stellen. 



*Es ist öfter vermutet, ja auch behauptet worden dass die 
Finnen einmal über den grösten teil von Europa im norden der 
Alpen verbreitet gewesen seien, es liegt aber auf der hand dass 
wenn sie hier in der mitte des Weltteils durch die von osten her 
vorrückenden Arier angetroffen wären, sie viel mehr nach westen 
und nicht in den nordosten gedrängt sein würden, sie können 
nur nach oder neben den Ariern her aus Asien herüber gekommen 
und daher auch von den Germanen nicht schon im Süden der 
Ostsee vorgefunden sein: diese annähme würde jegliches anhalts, 
in der spräche und sonst, entbehren, es fragt sich nur ob die 
Germanen bei ihrer Übersiedelung nach Scadinavien dort schon 
Finnen oder Lappen, den vortrab des Stammes als ältere bevölke- 
rang antrafen und zurückdrängten oder ob diese erst später kamen 



* gelesen in der Berliner academie am 25 nov. 1880. 



FINNEN UND GERMANEN. 55 

und nur die einöden durchstreiften, die jene ihnen frei liefsen. ent- 
schieden und, wie mir scheint, entscheidend für die erste annähme 
spricht dass die landesbenennung 'Scadinavia' selbst sich im wesent- 
lichen als von den Lappen entlehnt erweisen lässt* doch möge 
die bestätigung für ihre ehemalige Verbreitung aus den landschafts- 
insel- berg- fluss- und Ortsnamen des südlichen Schwedens und 
Norwegens und selbst Dänemarks noch abgewartet werden, ehe 
das ergebnis der folgerung für eine ausgemachte tatsache gilt, 
für die zweite annähme könnte man sich darauf berufen dass, 
wie die Untersuchungen Thomsens über den einfluss des germani- 
schen auf das finnische ergeben haben, beide volksstämme erst 
verhaltnismäfsig spät in berührung gekommen sind, d. h. in einer 
periode unserer spräche die bei den Nordgermanen, wie die äl- 
testen runinschriften beweisen, noch während der ersten Jahrhun- 
derte unsrer Zeitrechnung andauerte, wo allerdings die Verschiebung 
der stummen consonanten vollendet, auch das ursprüngliche m oder 
n im auslaut, wenn ein vocal es nicht schützte, bereits abgefallen 
war, das eigentümlich germanische betonungsgesetz, das den hoch- 
ton auf der hauptsilbe jedes wortes verlangt, aber noch nicht den 
ab- und ausfall von a und i in den endsilben bewürkt hatte, um 
aber daraus mit Sicherheit zu schliefsen dass die Lappen oder 
Finnen erst nach den Germanen in Scadinavien eingedrungen seien, 
müste zuvor feststehen dass die Nordgermanen abgetrennt von 
den Südgermanen dennoch in völliger Übereinstimmung mit ihnen 
sich ursprünglich entwickeln konnten und entwickelt haben, weil 
ohne das die entgegengesetzte ansieht dasselbe recht behielte 
den nachweis Thomsens für sich und zu ihren gunsten zu ver- 
wenden. 

Der norwegische mythus lässt die als mannweib gedachte und 
daher masculinisch, wohl in dem sinne wie alts. scatho ags. sceada 
latro, hostis benannte göttin Skadi im alten reiche ihres vaters, 
des riesen piazi, auf dem gebirge ganz nach Finnenart als jägerin 
auf Schneeschuhen hausen, auch nachdem sie zur sühne für den 
tod des von den Äsen erschlagenen vaters mit dem reichen Vanen, 
dem als handeis- und schiffahrtsgott am seestrande wohnenden 
Niörd vermählt ist. als göttin des gebirges, das die gewaltigsten 
Wasserfälle entsendet, wird sie auch noch gekennzeichnet wenn es 
von ihr heifst dass sie eine ewig geifernde schlänge über dem 



* 8. unten anhang 11. 



56 FINNEN UND GERMANEN. 

haupte des gefesselten Loki, von dessen zucken die erde bebt, auf- 
gehangen habe, und als Vertreterin des Finnentums wird sie ange- 
sehen wenn sie mit Odin ausser andern ahnen edler geschlechter 
vor allen den Saeming, den ahnen der herscher von Halogaland*, 
also derjenigen landschaft wo Lappen und Germanen zusammen 
lebten wie nirgendwo sonst (s. 45 f.), erzeugt haben soll, denn altn. 
Sämr, das wie Finnr als name, als adjectiv in dem sinne 'schwärz- 
lich von aussehen' gebraucht wird, scheint durchaus dasselbe mit 
läpp. Sabme, plur. Samek, wie die Lappen sich selbst und ihr 
land Same-aednam benennen, so dass das davon gebildete patrony- 
micum Saemingr nur den aus der ehe eines Germanen mit einer 
Lappin entsprossenen anzeigt, in diesen mythen tritt also unver- 
kennbar, und nicht zu einer theorie künstlich ausgebildet wie im 
späten Fundinn Noregr, die ansieht entgegen dass Lappen oder 
Finnen die älteste bevölkerung des landes waren, die durch die im 
dienst der Äsen und Vanen stehende der Nordmannen zurückge- 
drängt wurde, und sie könnte leicht einmal noch schärfer ausge- 
prägt gewesen sein, falls man die tochter des riesen, die Skadi 
mit dem ältesten landesnamen Skadn- oder Skafm-avi in Verbindung 
brachte, was sprachlich ganz wohl möglich war, zumal da ska|>an, 
das alte thema von skadi scado sceada, in den leichten obliquen 
casus einmal regelrecht zu skadn verkürzt werden muste und 
dieser Wechsel schwerer und leichter casus selbst zwiefache, neben 
einander fort bestehende wortgestalten, wie (beri) bero und biörn 
bern, ari aro und örn am oder altn. vatn nafta neben got. vato 
namo, erzeugte, indes ist zuzugeben dass die ansieht nicht auf 
einer uralten historischen erinnerung zu beruhen braucht, sondern 
ganz wohl erst der reflex eines zustandes sein kann, wie ihn noch 
der Halogaländer Ottar im neunten Jahrhundert schilderte, dass die 
Finnen die 'wilden wüsten' und gebirge zwischen Norwegen und 
Schweden, die Germanen die .rings umher nach der see zu liegenden, 
besseren landschaften inne hatten, sie kann daher zur entschei- 
dung der frage, wie dieser zustand einmal herbeigeführt wurde, 
wenig beitragen, derselbe zweifei aber nicht wohl aufkommen 
wenn der landesname selbst von den Lappen entlehnt ward. 



* vgl PAMunch Det norske folks histor. 1 c. 11 übers, von Claufsen 
8. 97 f. — zum folgenden sei nur noch bemerkt dass wenn Sämr ein altn. eigen- 
name und im gründe gleich Finnr ist (Rask Oprindels. s. 114), darum doch 
Säms-ey im Kattegat ebenso wenig eine Finneninsel sein kann, als Borgundar- 
holmr eine insula Burgundionum. 



FINNEN UND GERMANEN. 57 

Auch die unläugbar eigentlich schwedische sage von der 
Gefion und dem urkönige Gylfi sprach einmal wohl dieselbe an- 
sieht aus, wenn gleich die vorliegende Überlieferung den Gylfi 
nicht mehr als könig eines fremden urvolks hervortreten lässt*. 
den besten beleg für die frühere, weit nach Süden reichende Ver- 
breitung der Finnen gibt immer die Finnheidi oder der Finnvidr 
zwischen Halland und Smäland (s. 50f.), so lange es nicht glaub- 
lich ist dass der name blofs nach art eines poetischen gleichnisses 
von anders woher tibertragen Ward. 

das seiner herkunft nach älteste der aus dem sechsten Jahr- 
hundert stammenden, historischen Zeugnisse, das nach Ptolemaeus 
die Finnen in Scadinavien mit naraen nennt, rückt ihre südgrenze 
schon beträchtlich nördlicher, bis jenseit des Waenersees auf die 
grenze von Norwegen und Schweden, denn dahin, in den Eida 
skog und bis in die südlicheren, von norwegischer seite oft ge- 
nannten 'markir' (grenzwaldungen) kommen strenggenommen die 
'Finni mitissimi' (s. 42), die Jordanes unmittelbar mit den Rauma- 
rieiis und Ragnariciis verbindet d. h. mit den bewohnern der beiden 
landschaften Raumartki und Ränriki, die zusammen mit der zwischen 
ihnen belegenen Vingulmörk den südöstlichsten teil des alten Nor- 
wegens ausmachten, die zunächst in betracht kommenden worte 
und namen sind glücklicher weise frei geblieben von den Verderb- 
nissen durch die Jordanes sonst selbst viel mehr als seine ab- 
Schreiber einen so grofsen teil der vortrefflichen von Cassiodor 
über Scadinavien aufgezeichneten nachrichten gründlich zu schänden 
gemacht hat. diese enthielten ein wohl geordnetes und zusammen- 
hangendes bild der gesamten völkerweit der halbinsel und rührten 
ohne zweifei mit einander von keinem andern her als dem nor- 
wegischen könige Rodvulf, der 'vor nicht vielen jähren' (Jord. c. 3) 
zum Theodorich nach Italien gekommen war. jede einzelne darf 
für best beglaubigt gelten und nur das kann fraglich sein ob nicht 
Jordanes ein oder das andre glied der cassiodorischen darstellung 
übersprungen hat. an der in rede stehenden stelle c. 3 fällt es 
auf dass die schon dem Ptolemaeus als Xcudeivol bekannten Heidnir 
(Heinir), der raittelpunkt des thingverbandes im südöstlichen Nor- 
wegen am Miosen ungenannt bleiben, um das stillschweigen zu 
rechtfertigen muss man Raumarike eine weitere ausdehnung bei* 
legen oder die lücke auf eine andre weise ergänzen, die 'Finni 



* s. unten anhang 12. 



58 FINNEN UND GERMANEN. 

mitissimi' behalten darum immer ihre angewiesene stelle, die auch 
Ottar im neunten Jahrhundert anzunehmen erlaubt und Adam von 
Bremen (4, 24. 25) im elften, ja selbst noch die spätere nordische 
geschichtsklitterung* mit hinlänglicher deutlichkeit zu erkennen gibt, 
dass 'in confinio' beider reiche Schweden und Norwegen vonWerme- 
land an die region der Finnen begann, darüber konnte Adam 
durch einen seiner gewährsmänner, den bischof Adalward von Skara 
in Westgötland, den bekehrer der Wermeländer (3, 15. 4, 23. vgl. 
schol. 119) aufs beste sich unterrichten und über die Verbreitung 
des volksstammes überhaupt muste sein erzbischof Adalbert wohl 
unterrichtet sein, als er schon in den ersten jähren seines regi- 
ments (s. 46) an die bekehrung der 'Skritefinnen' dachte und zu 
dem ende einen bischof 'StenphT d. i. Steinfinn nördlich in Hel- 
singeland einsetzte (4, 24). 

Wermeland im norden des Waenersees ist, wie die funde in 
seinem boden ausgewiesen haben, ein altes culturland und weit 
eher bewohnt und bebaut gewesen, als die norwegischen genea- 
logischen dichter (Yngl. s. c. 46) annahmen, die seine Urbarmachung 
durch den Goten oder vermeintlichen letzten Yngling von Uppsala 
Olaf Holzaxt sechs generationen vor Harald Harfager ansetzten, 
ungefähr gleichzeitig** soll weiter nordwärts auch Jämteland von 
Norwegen aus und zwei generationen später Helsingeland am bos- 
nischen meerbusen seine erste bevölkerung erhalten haben (OH. 
c. 147. HGod. c. 14. HHarf. c. 20). aber auch hier haben die 



* Fnndinn Noregr c. 1 (Fab. 2, 6 f.) 'Raumr konungr atti samdrykkju um 
jol vid Bergfinn, son pryms iötuns af Vermä ok gekk f>ä i rekkju Berg- 
disar, systur hans, ok eptir f>at gat hün 3 sonn, Biörn Brand ok Alf. hann 
fostradi Bergfinnr ok var kalladr Finnalfr. Biörn var med mödar sinni ok 
var kalladr Iötunbiörn. Brand sendi hün Rauma födur hans, en hann gaf 
hann gudanum ok var hann kalladr Gadbrandr. honnm gaf Raumr konungr 
dali f>ä er Gudbrandsdalir heita, Iötunbirni gaf hann Raumsdal, en Alfl Ey- 
stradali ok allt fyri nordan Yaeni ok fra Gautelfi ok nordr til Raumelfar: f>at 
vorn f>ä kalladir Alfheimar. 

** über Olaf und Eystein ülradi als seinen Zeitgenossen PAMunch Hist. 
übers, von Claufsen 1,95. 2, 74 f. 105 ff. 152. — über den archaeologischen 
bestand und augenblicklichen befund in den einzelnen schwedischen land- 
schaften s. HHildebrands Heidnisches Zeitalter in Schweden, übers, von JMestorf, 
8. 161 wegen Wermeland, s. 153 f. wegen Gestrike-, Westmannland und Dalarne, 
s. 170 f. über Jämte- und Helsingland und insbesondere desselben abhandlung 
über 'Das ältere eisenalter in Norrland' in der Antiqyarisk tidskrift for Sverige 
2, 222 ff., im auszuge im Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen 
gesellschaft 1870 nr. 7. 8. 



FINNEN UND GERMANEN. 59 

frrade gelehrt dass germanische niederlassungen aas dem süd- 
licheren Schweden namentlich im nördlichen Helsingland und 
Medelpad beträchtlich älter sind und schon in die ersten Jahr- 
hunderte unserer Zeitrechnung hinauf reichen, das ergebnis ist 
um so merkwürdiger weil sich zugleich herausstellte dass wenn 
auch spuren einer frühzeitigen Verbindung mit Norwegen durch 
Jämteland nicht mangeln, doch im übrigen die alte niederlassung 
der Helsingjar nach allen Seiten hin, auch gegen Süden nach dem 
schwedischen Uppland bin lange zeit völlig isoliert dagestanden 
hat. nimmt man dazu dass Dalarne zwischen Wermeland und 
Jämteland, nördlich über Westmannland, zu ende des zwölften 
Jahrhunderts, als könig Sverrir 1177 es mit seinen Birkibeinen 
durchzog (Fms. 8, 30 ff.), nur noch ein grofses waldland mit ein- 
zelnen eingestreuten menschlichen ansiedlungen war, so wird deut- 
lich welch ungeheures revier von Wermeland und den grenzwäldern 
Norwegens an bis nach Helsingeland einmal den schweifenden 
Finnen offen stand und wie sie wohl auch in Uppland erscheinen 
und hier einem wald und see den namen geben konnten (s. 51). 
man begreift darnach auch vollkommen dass Gassiodor oder sein 
gewährsmann mit den 'Finnis mitissimis' auf der grenze von 
Wermeland und des südlichen Norwegens sehr wohl die Qvenen 
am botanischen busen hätte verbinden und von diesen südwärts 
auf die eigentlichen Svear hätte kommen können, aber ob er 
würklich diesen weg genommen und überhaupt der Qvenen er- 
wähnt hat? 

Ottar bei könig Alfred (Oros. 1, 1, 16. 17) scheint noch das 
ganze weite gebirgs- und waldland zwischen den bebauten gegenden 
von Norwegen und Schweden als einen tummelplatz der Finnen 
zu betrachten und von norwegischen oder schwedischen nieder- 
lassungen darin ebenso wenig etwas zu wissen oder sie doch eben- 
so wenig in rechnung zu bringen, als der erste, vermutlich deutsche 
gewährsmann des königs (s. 12f. 45 f.), der (Oros. 1, 1, 11. 12) den 
nördlichsten teil der Ostsee CvGnssß nannte und Cv&nland über den 
Schweden 'jenseit der wüste' ansetzte. Ottar jedoch sagte, Cvfena 
land liege dem nördlichen Norwegen, da wo es am schmälsten sei, 
also von Naumudal und prondheim an, gegenüber auf der andern 
seite des gebirges und die Cvenen kämen von dort zuweilen her- 
über, indem sie ihre sehr leichten schiffe mitnähmen und auf den 
gebirgsseen gebrauchten, um bei den Nordmannen zu heeren, wie 
umgekehrt diese auch zu jenen hinübergiengen. man kommt da- 



60 FINNEN UND GERMANEN. 

mit für Qvenland im wesentlichen auf die geographische breite von 
Halogaland und wird es südwärts nicht weiter ausdehnen können 
als bis gegen Helsingeland, womit die Egilssaga c. 14 völlig stimmt, 
die Kvenland südlich von Helsingjaland, nördlich von Finnmörk 
begrenzt sein lässt. freilich wenn erzbischof Adalbert bei der 
einsetzung des bischofs 'Stenphi' in 'Halsingland' zur bekehrung 
der Skritefinnen auf das 'Frauenland' gar keine rücksicht nimmt 
und Adam (s. 10) diesem sogar eine solche ausdehnung gibt dass 
es Finnland mit einschliefst, so scheint es fast dass im eilften 
Jahrhundert die Qvenen bereits aus der nachbarschaft der Heisinge 
sich zurück und mehr nach osten hinübergezogen hatten, indes 
folgt Adam nur einem Sprachgebrauch der, wie der norwegische 
noch heute* Qvenen und Finnländer gleichsetzte; er weifs auch 
(4, 14) dass das schwedische königreich sich weithin bis zu dem 
Frauenlande erstreckte, und die 'erweiterung seiner herschaft', die 
könig Emund nach 3, 15. schol. 119 durch die aussendung einer 
flotte zur Unterwerfung Qvenlands anstrebte, ist leicht eher auf 
der westlichen, schwedischen als auf der östlichen, finnischen seite 
des bottnischen busens zu suchen, reichte nun die cultur von Hel- 
singeland bis in die ersten Jahrhunderte unsrer Zeitrechnung zu- 
rück, so ist vielleicht schon die grenze der Sitones des Tacitus 
gegen die Svien nicht südlicher zu setzen als die späteren Zeug- 
nisse für die Qvenen erlauben; noch viel weniger aber erstrecken 
sich die 'Vinoviloth' des Jordanes, die er mit den Finnis mitis- 
simis verbindet (s. 42), südlicher wenn sie, wie man meint, keine 
andere als die Qvenen sind. 

für diese meinung spricht allerdings dass sie 'pares' der 
4 Finni mitissimi, Scandzae cultoribus omnibus mitiores' heifsen. 
aber ungeheuerlich und kaum glaublich ist die entstellung des 
namens und die annähme von Zeufs 687, dass eine zweite, von 
Kvenir Kvamir Cvfenas Quenones (s. 10) verschiedene Umbildung 
des finn. Kainulaiset, etwa 'Qvinvilos' in Vinoviloth stecke, sehr 
unwahrscheinlich, schon deshalb weil mindestens ein schwach- 
formiges deminutiv und nicht ein starkes nomen agentis zu er- 
warten wäre, aufserdem die möglichkeit dass dem auf Vino- 
viloth unmittelbar und ohne jede Verbindung folgenden 'Suetidi 1 
ebenso wie dem bei Jordanes früher erwähnten 'Liothida' ein 
compositum gleich altn. Svijuod, Go^iod got. Gutfriuda zu gründe 
liege, kann man zugeben, allein wer begreift dass die Schweden 
zuerst, nachdem von der gens Adogit und den Rere- oder 



KÖNIG RODVULFS SCADINAVIA. 61 

Scretefennis (s. 41) die rede gewesen ist, als 'Suehans' d. i. 
Sveans, also mit der echten, vollen grundform von altschwed. 
Svear altn. Svtar ags. Sveon lat. Suiones Sueones eingeführt 
werden und dann noch einmal stillschweigend, ohne ein wort zur 
aufklärung, mit einer andern, der unform 'Suetidf? wer begreift 
ferner dass, nachdem zuerst zwischen den Skretefennis und Sue- 
hans die Qvenen übergangen sind, diese als 'Vinoviloth 1 nachher 
anhangsweise zu den Finnis mitissimis südlich im innern des landes 
und nach ihnen die Schweden als Suetidi nebst den Dänen, die 
die Heruler vertrieben hätten, blofs um ihrer körpergröfse willen 
noch einmal und zwar so erwähnt werden dass die festgeschlos- 
sene reihe der längs der see wohnenden norwegischen Völker, 
deren aufzählung eben mit den Raumariciis und Ragnariciis be- 
gonnen hat und mit den Finnis mitissimis nur ein wenig ablenkte, 
dadurch vollständig unterbrochen wird? man muss schlief sen, ent- 
weder dass Jordanes früher übergangenes aus der darstellung Cas- 
siodors am unrechten orte nachholte, als die Finni ihn wieder 
daran erinnerten, oder aber Cassiodor handelte an der stelle gar 
nicht von Qvenen und Schweden, sondern von Völkern des süd- 
lichen Norwegens, so dass bei ihm die vorhin (s. 57) in der dar- 
stellung des Jordanes bemerkte lücke gar nicht vorkam, diese 
annähme ist mindestens ebenso berechtigt als die andre, und eine 
entscheidung zwischen beiden auch noch ganz wohl möglich, trotz 
der greulichen entstellung in der die cassiodorische diathese bei 
Jordanes c. 3 vorliegt und die sich niemals wird beseitigen lassen, 
es kommt nur auf eine strengmethodische betrachtung des Zu- 
sammenhanges an, da selbst Zeufs 503 ff. nicht, geschweige denn 
andre sich von willkürlicher und regelloser behandlung des ^ein- 
zelnen frei gehalten haben, das ergebnis ist überraschend und zu 
wichtig um nicht gleich hier am platze zu sein. 



*Die diathese beginnt wie gesagt im höchsten norden bei den 
merkwürdigen Völkern innerhalb des polarkreises, der gens Adogit 
und den Rere- oder vielmehr Scretefennis und wendet sich dann 
südwärts zu denen auf der seite der Ostsee, erwähnte sie der 



* gelesen in der philosophisch-historischen classe der Berliner academie 
am 21 juni 1880. 



62 KÖNIG RODVULFS SCADINAVIA. 

Qvenen, so geschah es jedesfalls in andrer weise als nach der 
gewöhnlichen meinung bei Jordanes, oder sie begriff sie mit unter 
den gesamtbegriff Finnen ein. sie gelangte dann zu den Sveans, 
dem mächtigen volke in der Umgebung des Mälars und Hjelmars 
und aufser ihrer pferdezucht und ihrem pelzhandel hätte gewis 
auch ihre und der Dänen leibesgröfse hier gelobt werden können, 
aber nicht wie man meint bei Jordanes nachträglich als einleitung 
zur Schilderung der Norweger, auf die Sveans sollten die Ost- 
götar folgen, aber wohl weil ihre stärke mehr im innern gegen 
den Wettersee als an der seeküste safs, so wurden sie vorläufig 
übergangen, in dem ersten namen der nächsten reihe, wenn die 
lesart 'Theustes' eines Vindobonensis bei Zeufs 506 und der vul- 
gata neben 'Theutes' des Palatinus ua. als wohl begründet gelten 
darf, erkennt man sofort bewohner der südlich an Ostgötaland 
stofsenden küstenlandschaft Tjust (altschw. piust vgl. altn. Jriostr), 
von der aus um die übrigen namen der reihe unterzubringen zwei 
wege offen stehen, westwärts ins innere oder weiter abwärts an 
der küste. in der ersten richtung liefse sich der letzte name der 
reihe 'Liothida' allesfalls an den alten königshof Livini in der 
Wistharde am Wettersee unterhalb von Ostgötaland anknüpfen, 
da die schwedischen Asvävoi, des Ptolemaeus (s. 10 anm. **), sowie 
die Lionas des ags. Wandererliedes v. 80 und noch entschiedener 
der Liungaköpungr der Ostgötar an der Ljunga gänzlich aus dem 
spiele bleiben müssen*, aber was wäre mit 'uagoth bergio hallin' 
auf der schmalen strecke zwischen der Wistharde und Tjust anzu- 
fangen? die namen sind sämtlich längs der küste südwärts von 
Tjust zu suchen und zwar bis Blekingen und Schonen, die ab- 
weiqfiung von dieser richtung wäre nicht so schlimm wenn 'uagoth', 
in Augoth, Avigothi hergestellt, Eygautar (ahd. pers. Auuigaoz) 
oder Eygotar, Eygutar anzeigte und nach Öland altn. Eyland 
(ahd. pers. Auuilant) oder Gotland hinüberspränge, aber die namen 
sind heillos verderbt, vielleicht auch längst verschollen und nicht 
einmal in orts- oder bezirksnamen erhalten; wenigstens muss ich 
es andern überlassen 'bergio hallin liothida' in der angegebenen 
richtung wieder zu entdecken, am meisten fällt auf dass zuletzt 
die Dänen ungenannt bleiben : hielt Jordanes sich etwa berechtigt 



* wegen Livini s. Collin und Schlyter Westgötal. s. 562, vgl. Rydqvist 
SSL. 2, 283; wegen Linköping (Liungaköpungr) Leffler V-oinljudet s. 73 ff., wo- 
nach die combination in Haupts zs. 11, 290 hinfällig wird. 



KÖNIG RODVÜLFS 8CADINAVIA. 63 

sie hier zu übergehen, wenn er später die notiz über sie und die 
Vertreibung der Heruler durch sie bei den 'Suetidi' mitteilte? die 
Schilderung schreitet unläugbar in jener angegebenen richtung 
fort denn das land das die völkchen der reihe nach inne haben 
ist ein flacher küstenstr ich , gerade so wie die augenzeugen des 
Paulus 1, 2 die insel Scadinavia fanden als 'non tarn in mari po- 
sita quam marinis fluctibus propter planitiem marginum 
terras ambientibus circumfusa'. bei Jordanes lese ich 'quorum 
omnium sedes supina, plana ac fertilis — statt des unsinns 
unsrer ausgaben und hss. 'sub humo plana ac fertili, sub uno 
plani ac fertilis, sub una planicie ac fertiles' — et propterea inibi 
aliarum gentium incursionibus infestantur' ; wozu es dann im 
gegensatze von den Völkern der nächsten reihe heifst 'hi omnes 
exesis (excelsis?) rupibus quasi castellis inhabitant, ritu beluino'. 
natürlich kommen diese 'post hos 9 d. h. die hinter denjenigen an 
der küste weiter ins innere. 

aus dem ersten hier genannten namen 'AthelniP kann man 
durch buchstabenumstellung und muss man schon der Ordnung 
gemäfs.'Hellanti? Hallanthi?' — die Hailänder herauslesen, die 
'Finnaithae' in Finnweden (s. 51) schliefsen sich darauf richtig an. 
in dem dritten namen 'Fervir' — wo das auslautende r auf keine 
weise in betracht kommt — vermutete Zeufs 505 ansprechend 
eine ältere benennung der Smäländer, gleich altn. fair got. favai 
pauci, 'die wenig zahlreichen 9 , und der Stabreim mit Finnaithae 
scheint die annähme einer buchstabenversetzung und vertauschung 
zu verbieten, dennoch weifs ich nicht ob nicht l Fervi' auf 'Verti' 
d. i. Verthi zurückzuführen ist, so dass die altschwedischen Virdar, 
die bewohner der an Finnweden ostwärts anstofsenden landschaft 
Wärend herauskommen, der vierte name 'Gautigoth' mit Zeufs 
als Gautigös aufgefasst verlangte neben got. Gauts Gautos, altn. 
Gautr Gautar die unerhörte und kaum glaubliche nebenform got. 
Gauteis Gautjds, altn. Geytir Geytar. entweder steht Gautigoth 
für Gaut|>iod (GautJ>iuda ?) oder für Gautgothi, oder es ist geradezu 
ein ungeschickt erfundenes und wegen des innern i falsch gebil- 
detes compositum aus derselben fabrik wie Gothiscandza (Jord. c. 4), 
erfunden lediglich um das volk des südlichen Scadinaviens von 
den Goten des südlichen festlandes und der inseln, den Hreid- 
gotum und Eygotum zu unterscheiden, das 'acre hominum genus 
et ad bella promptissimum' sind unzweifelhaft die Ostgötar, ver- 
bunden oder, wie einige hss. überliefern, 'dehinc mixti Evagreo- 



64 KÖNIG BODVULFS SCAD1NAVIA. 

tingis'. diese worte von den vorhergehenden zu trennen und gar 
den namen in zwei zu zerhacken, wie die ausgaben tun, heilst 
nur unsinn erzeugen, was freilich 'Eva' bedeutet, erraten wir 
nicht; es können damit nur diese Greotingi von andern desselben 
namens unterschieden oder vor andern Völkern ausgezeichnet 
worden sein, wie die Here-, Sigescildingas , Headoscilfingas udgl. 
im Beovulf. der einfache name ist ja derselbe mit Greutungi, 
wie die Ostgoten am schwarzen meere hiefsen. er umfasst hier 
die kleinen volkschaften in den bergichten gegenden südlich vom 
Wettersee, im rücken und zur seite (dehinc mixti) der nächst 
vorher genannten, und auf sie vor allen ist der vorhin (s. 63) 
ausgehobene satz zu beziehen, der alle insgesamt als felsbewohner 
darstellt, da der name selbst nichts anderes aussagt (Grimm 
GDS. 448). 

die aufstellung der südöstlichen, der Ostsee zugewandten 
Völker ist hiemit beendigt, es folgen nun die 'his exteriores', die 
gegen nordwest und das äufsere meer gekehrten, nennt aber 
Jordanes an deren spitze 'Ostrogothae' statt der Uestrogothae 
westlich vom Wettersee, so muss er entweder einfach Uestro- 
gothae als Ostrogothae verlesen oder dies getrost nach Wahr- 
scheinlichkeit dafür gesetzt haben, weil ihm wohl Ostro- und 
Vesegothae oder Visigothi, nicht aber Vestrogothae geläufig waren, 
den unterschied der Tavioi Gautar Götar und der Gutones Gothi 
Gotar muss schon Cassiodor selbst verwischt haben, zumal wenn 
von ihm das compositum Gautigoth herrührte, die stelle der 
Raumariciae, Ragnaricii und Finni mitissimi neben den Westgoten 
und Wermen ist schon angegeben (s. 57). Ragnaricii steht für 
Rahnaricii und dies verhält sich zu altn. Ränrtki, wie ahd. (ra- 
hana) rahanen zu altn. ran rsena, ahd. stahal zu altn. stäl usw. 
aber seltsam, wenn auch verständlich, und anstöfsig bei näherem 
besehen ist doch 'Finni mitissimi, Scandzae cultoribus omnibus 
mitiores,' da 'mitissimi Scandzae cultorum omnium' vollkommen 
genügt hätte, ich vermute dass Jordanes hier doch wie an an- 
dern in den hss. feststehenden fehlem seines textes unschuldig 
ist und statt 'mitiores' vielmehr minores schrieb, dann konnte 
die aufzählung ohne anstofs von den Finnen noch einmal auf die 
einwohner der zwischen Raumariki und Ranriki belegenen land- 
schaft Vingulmörk zurückgreifen, wenn diese als 'pares eorum'- 
als gleich kleine leute wie die Finnen oder ihnen gleich geartete 
bezeichnet werden sollten, und jedermann wird das ethnicum Vin, 



KÖNIG BODVÜLPS SCADINAVIA. 65 

guli (oder Vingvili?) eher aus den ersten sieben buchstaben von 
4 Vinoviloth' herauslesen als Qvenii Qvenones odgl. dann würde 
auch das asyndeton des nächsten satzes sofort verständlich durch 
den gegensatz, weil hier die 'Suetidi' oder, wäre das neben Vin- 
guli überschüssige l oth' noch damit zu verbinden, die 4 oth suetidi' 
als 'cogniti in hac gente reliquis corpore eminentiores' her- 
vorgehoben werden und darauf auch noch weiter allen übrigen 
norwegischen Völkern dieselbe 'positura' beigelegt wird, was Jor- 
danes blofs um der anknüpfung willen frei erfunden haben müste, 
wenn er die vorauf gehenden Sätze von den Vinoviloth und Suetidi 
früher übergangen und hier nur nachgeholt hätte, behielt er also 
die cassiodorische Ordnung unverändert bei, so sind die 'Suetidi' 
und norwegischen Heidnir, Xcudewoi, die 'Othsuetidi' und das nor- 
wegische Heidsaevisjnng, in etwas älterer Schreibung Haifrsaevis- 
Hatysaivisjring, zusammen zu halten und man wird einräumen dass in 
beiden fallen das Verderbnis aus den norwegischen namen wohl ent- 
stehen konnte, nur machen im letzten falle die endsilben -tidi 
Schwierigkeit, da man das durch die besten hss. geschützte, nächste 
wort 'cogniti' nicht mehr, wie etwa das corrupte 'cogeni' der älteren 
ausgaben, zur erklärung oder Wiederherstellung herbeiziehen und 
ohnehin nicht füglich daran denken darf dass das ethnicum aus dem 
decompositum gebildet ward, die jüngere, entstellte benennung 'Eid- 
siva|>ing' scheint noch das ethnicum Heidsaevir vorauszusetzen, das 
sich zu dem orts- oder landschaftsnamen Heidsaevi ebenso verhielt 
wie norw. Mcörir zu Mceri, Firdir Firda zu Firdir Fiarda, Filir zu 
Fialir, Sygnir zu Sogn, Egdir zu Agdir, schwed. Vermir zu Vermä usw. 

wie es sich daher auch mit dem -tidi verhalte, Ptoleraaeus 
hatte allein von XaidnvoXg im südöstlichen Norwegen gehört (s. 10), 
Cassiodors gewährsmann unterschied von den südlich um die Vik 
und die untere Raumelf in Ranrike, Vingulmörk und Raumarike 
wohnenden wahrscheinlich die nördlicheren fylken des thingver- 
bandes um den Miörssee in der Heidmörk oder dem seedistrict — 
denn nichts anderes wird Heidsaevi bedeuten — : so kann von 
einer lücke in seiner darstellung des innern landes nicht mehr 
die rede sein. 

Die weitere aufzählung schliefst sich hier westwärts ohne 
Unterbrechung an. die 'Grannii', besser 'Granu' geschrieben, sind 
die Grenir des Grenafylkis mit den landschaften Grenmar an der 
küste, Grenland im innern* auf der Westseite der Vik, im heutigen 

* PAMunch in den Annaler for nordisk oldkyndighed 1836. 37 s. 62 ff. 

DEUTSCH* ALTEKTUMflKUNDE II. 5 



66 KÖNIG RODVÜLFS SCADINAVIA. 

Brattbergsamt, so dass man sich zur zeit der diathese Raumariki 
zu beiden Seiten im norden des busens ausgedehnt denken muss. 
unmittelbar westlich von dem Grenafylki auf der südküste von 
Norwegen folgte die landschaft Agdir oder das Egda fylki, und wie 
zuerst Zeufs erkannte, steckt der name in dem zweiten bei Jor- 
danes genannten: das 'Augandzf des Pal. muss aus Agadii oder, 
wenn das ethnicum aus dem latinisierten landesnamen gebildet 
war, das 'Augandziae' andrer hss. oder der vulgata aus Agadiae 
verderbt sein, was dem dritten, offenbar nicht weniger verderbten 
namen, 'Eunixi' im Palatinus, l Unixi' in der vulgata ua. zu gründe 
liegt, errate ich nicht; aber der name wird wahrscheinlich in einer 
zweiten reihe hinter den Grenir zu suchen sein, denn in dem 
vierten, dem 'taetel' des Pal. sind Telae, Thelae d. i. die pilir 
in pelamörk im rücken von Agdir und Grenland nicht zu ver- 
kennen (vgl. Zeufs 507). beruhte die vulgata l etheP, die durch 
einige hss. unterstützt wird, wirklich auf alter Überlieferung, so 
wäre hier noch der echte anlautende consonant erhalten, im 
übrigen aber der name durch dieselbe buchstabenversetzung wie 
in 'taetel' entstellt, 'ethel' für altn. adal ahd. adal zu erklären 
und dadurch die vulgata zu rechtfertigen kann nur einem ein- 
fallen der von der grammatik nichts weifs oder sie misachtet 
jenseit Agdir zuerst auf der Westseite von Norwegen safsen die 
Rygir in Rogaland, und bei Jordanes ist 'Rugi' der fünfte name; 
dann jenseit von Rogaland nördlicher um den Hardangerfjord die 
Hördar, die ganz denselben namen führten wie die Charudes, Ha- 
rudes an der untern Elbe, wofür man auch Arudes bei Orosius 
6, 7, im sing. Arodus (Rothari genere Arodus) bei Paulus 4, 42, 
"Aqov& bei Prokop und Agathias geschrieben findet, und so auch 
bei Jordanes 'Arochi' ('Ariochi' Pal.) statt Arothi, Harothi. fehlen 
nun die Sygnir in Sogn und die Firdir des Firdafylkis in der auf- 
zählung, so bildeten sie ohne zweifei damals mit den Hördar zu- 
sammen 6in volk, ein reich oder einen thingverband, wie später 
im Gula|>ing auch noch mit Agdir. es sollten darauf die pr&ndir 
oder prcendir, ags. prövendas — auch ahd.Throant Thruoant Thrüant 
ist derselbe name* — als hauptvolk und mittelpunkt des nächsten, 
nördlicheren rechtsgebietes folgen, überliefert ist bei Jordanes an 
letzter, siebenter stelle 'ranii, rannii, raunii' und in den hss. durch 



* wegen der lautlichen entwickelung vgl. Graff 5, 244 f. und 6, 726—728 
über stouuan stnouuan stüen. übrigens schon Zs. 11, 287 f. 



FINNEN UND SLAWEN. 67 

scriptura continua regelmäfsig mit 'Arochf verbunden, ist dies 
aber für Axothi verlesen, so wird der ausfall eines zweiten Th 
als anlaut des nächstfolgenden namens begreiflich und aufserdem 
es wahrscheinlich dass dem Verderbnis ein name zu gründe liegt, 
der genau genommen lateinisch Thrauandii, wenn nicht Thrauantes, 
hätte wiedergegeben werden müssen, an die prcendir aber schlössen 
sich nordwärts die Haleygir und an diese weiter die 'Screte- 
fennae,' zum einleuchtenden beweise dass die 4 gens Adogit' auf jene 
mit recht (s. 41) gedeutet wurde und dass es nun, um diese deutung 
wahrscheinlicher zu machen, nicht mehr der annähme einer grie- 
chischen aufzeichnung als quelle bedarf, denn nun hat sich eine 
so vollkommen und fest in sich abgeschlossene, so vollständige 
und wohl geordnete, von so guter anschauung und gründlicher 
künde des landes zeugende aufstellung der Völker Scadinaviens 
ergeben, wie wir keine zweite von ihrer art aus dem alten Ger- 
manien, selbst kaum in der Germania des Tacitus besitzen, nur 
der entsetzliche zustand, in dem die diathese tiberliefert ist, der 
bisher selbst ihren wahren wert verkennen liefs, wird uns nie 
vollständig zu ihrem ursprünglichen inhalt gelangen und diesen 
ausnutzen lassen, aber es wird nun wohl niemand mehr anstehen 
den könig Rodvulf, der 'vor nicht vielen jähren' aus Norwegen 
zum Theodorich nach Italien kam (s. 57), als ihren eigentlichen 
Urheber und gewährsmann anzuerkennen. 



*Nach diesen erörterungen erhellt genugsam welche Stellung 
Finnen und Germanen ums j. 500, sowie früher und später auf 
der scadinavischen halbinsel gegen einander einnahmen, und jeder 
mag darnach entscheiden ob jene oder diese dort für die früher 
angekommenen zu halten sind, auf der andern seite der Ostsee, 
sahen wir s. 24 f., reichten die Eisten noch in den ersten Jahrhun- 
derten unsrer Zeitrechnung bis an den finnischen busen und wurden 
erst nachmals hier durch die finnischen Esten, Liven und Kuren 
bis zum kurischen haf hin von der seeküste abgedrängt, da aber 
die Esten, Liven und Kuren mit dem Suomivolke und den Hämä- 
läiset oder Tawasten im eigentlichen Finnland sprachlich zu dem- 



* gelesen in der Berliner academie den 25 nov. 1880. 

5* 



68 PINNEN UND SLAWEN. 

selben südlichen oder jämischen zweige ihres Stammes gehören*, 
so hat ohne zweifei dieselbe bewegung einmal gleichzeitig jene 
südwestlich, diese nordwestlich vom meerbusen vordringen und 
dort die eistische, hier wohl eine nahe verwandte ältere, qvenisch- 
karelische bevölkerung zurücktreiben lassen, die bewegung muss 
auf jeden fall vom osten und Südosten des busens ausgegangen 
sein, bis ins x». jh. , wo sie den Russen unterlagen, wohnten 
auch noch Jämen (russ. Jami) südöstlich und östlich vom Lado- 
gasee, von denen die Jämen oder Hämäläiset in Finnland sich nur 
früher einmal abgetrennt haben müssen, und noch heute finden 
sich südwestlich vom On6ga und an den oberen Verzweigungen des 
Ojat bis gegen den Belozero Überreste eines Volkes der Wepsen, 
dessen dialect von allen weiter westlich verbreiteten desselben 
zweiges den altertümlichsten character bewahrt hat. aufserdem 
haben sich noch im nordwestlichen Ingermannland in der nähe 
von Estland Überreste der ehedem weiter verbreiteten Woten 
oder Watländer (Vadjalaiset, finn. Vatjalaiset, russ. Wodi) be- 
hauptet, in denen man schon ihrer Stellung wegen nahe verwandte 
der Esten, aber auch ein mittelglied zwischen Esten und den 
Finnen jenseit des meerbusens vermuten darf, was denn auch ihre 
Sprache völlig bestätigt, die annähme war daher unbedenklich 
dass, wenn in den ersten Jahrhunderten nach Ch. die älteste 
Schicht germanischer worte und kulturbegriffe bei den Finnen so- 
wohl des nördlichen, karelischen als auch des südlicheren, jämi- 
schen zweiges sich ablagerte, diese letzten zumal noch hinter dem 
finnischen meerbusen zusammen safsen; sie ist sogar notwendig wenn 
die Eisten damals die angegebene ausbreitung hatten und dann die 
bewegung der Finnen nach beiden richtungen gleichzeitig erfolgte, 
sprachliche und antiquarische forschung** sind unabhängig von 



* Thomsen Indflydelse s. 15 f. — wegen der Jämen, Wepsen und Watländer 
die nachweisnngen das. s. 13 f. ich gestehe übrigens auch nach Sjögrens ab- 
handlungen, wie verdienstlich sie sind, doch noch eine einfachere, streng me- 
thodische behandlung der historischen Zeugnisse für die ethnologie der nord- 
östlichen Finnen zu vermissen. 

** Thomsen The relations between ancient Russia and Scandinavia 1877 
8. 73 ff. derselbe ist übrigens der meinung dass die Finnen teils von Scadi- 
navien her teils durch die Goten den culti vierenden einfluss der Germanen er- 
fahren haben, für die letzte annähme spricht doch eigentlich nur die Über- 
einstimmung von finn. miekka und got. mekeis und von finn. niekla, nekla und 
got. ne|)la. aber die feminina auf a statt auf o, u und die 'einzelnen worte 1 



PINNEN UND SLAWEN. 69 

einander hier zu denselben ergebnissen gelangt, es bestanden in 
jenen Jahrhunderten rings um an der seeküste bis ins innere des 
meerbusens germanische niederlassungen, nicht zu blofsen handels- 
zwecken oder um des anbaus oder der Jagdbeute willen, sondern 
offenbar um, wie in Haloga- oder Helsingeland, zugleich eine ge- 
wisse herschaft über die um wohnende ältere bevölkerung auszu- 
üben und sie tributpflichtig zu erhalten: nur so erklärt sich die 
natur der sprachlichen und begrifflichen entlehnungen und inhalt 
und umfang der lebensveränderungen, die sich daran zunächst für 
die westlichen Finnen knüpften, vollständig, aber dies Verhältnis 
der beiden volksstämme erlitt endlich eine Unterbrechung und 
ward erst nach einem längeren Zeitraum in ähnlicher weise wieder 
hergestellt, nachdem die ausbreitung des jämischen Stammes gegen 
nord- und Südwesten sich vollzogen hatte, die grofse bewegung, 
die vom zweiten oder dritten bis zum sechsten Jahrhundert vor 
allen die Ostgermanen fortriss, an der auch die Nordgermanen 
durch die Heruler fortwährend und nach allen Seiten hin teil 
nahmen, wird die niederlassungen auf der linken seite der Ostsee 
entvölkert oder ihnen doch ihren halt genommen und so jene 
Unterbrechung herbeigeführt haben, das westliche vordringen der 
jämischen Finnen fällt darnach frühestens wohl ins fünfte, spä- 
testens gegen das achte Jahrhundert (vgl. s. 14). 

Aber ohne zweifei später als dies ereignis ist ein andres zu 
setzen über das der altrussische Chronist, von der ausbreitung der 
Slawen redend, sich so ausdrückt 'Slowenen setzten sich um den 
Ilmensee und behielten ihren namen, und bauten eine Stadt und 
nannten sie Nowgorod', gewis, die Stadt kann von ihren ersten 
erbauern 'Neustadt' benannt sein im gegensatz entweder zu dem 
gorod den sie daheim verlassen hatten, oder zu einem älteren 
platze den sie an dem orte ihrer niederlassung vorfanden; es kann 
aber auch, was dem Chronisten leicht unbekannt blieb, der name 
erst im laufe der zeit bei den slowenischen bewohnern aufge- 
kommen sein und einen älteren zurückgedrängt haben, je mehr 
eine neustadt neben der altstadt aufblühte und die erste gründung 
überholte*, die Stadt hiefs bei den Nordgermanen in älterer zeit 



(Indflydelse s. 106), die später dem nordischen fehlen, wie andere der ältesten 
ronen8prache, fallen kaum ins gewicht. 

* einer brieflichen mitteilung Kunits entnehme ich dass gegen zwei werst 
südlich von dem heutigen Nowgorod nach dem ausfluss des Wolchows aus 
dem Ilmensee hin ein gorodischtsche (ruinen einer alten stadt und festong) 



70 FINNEN UND SLAWEN. 

nicht anders als Holmgardr und selbst noch bei den Deutschen 
im xr. jh. Ostrogard, ehe der andre name nord. Nögardr ndd. 
Nögarden mhd. Nougarten üblich wurde (Zs. 12, 345 f.). ich zweifle 
nicht dass hinter Holmgardr die ältere benennung steckt, die 
Zusammensetzung hatte freilich einen sinn wenn die slawische 
Stadt — gorodü, gradü — auf einer insel, einem werder (altn. 
holmr) des Wolchows oder des Ilmensees erbaut war. aber war 
das wirklich der fall? und ist statt einer hybriden Zusammen- 
setzung es nicht viel wahrscheinlicher dass ihrem ersten gliede 
ebenso gut als ihrem zweiten ein fremdes wort zu gründe liegt, 
das nur durch ein irgendwie anklingendes germanisches, wie in 
andern fremdworten, ersetzt wurde? wäre in russischen quellen 
irgendwo l ozero Ulmen!' als nebenform von 'Urnen! 1 oder 'Ilmeri 
(Ilmerü)' bei Nestor nachweisbar, so würde wohl niemand zweifeln 
dass Holmgardr eigentlich die Stadt am Ilmensee bedeutete und 
dass Nowgorod ursprünglich 'Ilmeni gorod' genannt wurde, der 
name des sees aber ist unläugbar derselbe mit estn. Ilmeqeroe 
(Ilmjärw) d. i. finn. Ilman järwi Wettersee* aus dem finnischen 
genetiv machte man im slawischen eine nominale bildung mit the- 
matischem -en!, der man ein gleiches alter mit der früher be- 
zeugten Ihnen zutrauen darf, das nebeneinander beider formen, 
im slawischen unverständlich, klärt sich gleichfalls aus dem fin- 
nischen auf: finn. ilma luft heifst im wotjakischen ilmar, inmar 
und der aus der Kalewala wohl bekannte schmied Umarmen ist 
im gründe kein anderer als der luft- und wettergott Ilmari, nur 
mit einer Verkleinerungsform benannt, weit entfernt also die 'Ur- 
heimat' der Slawen zu sein (Zeufs 621) war die gegend um den 
Ilmensee vielmehr altes finnisches eigen — auch Wolchow ist ur- 
sprünglich finnisch, Olhawa (Caspia s. 243. 251) — und die Slo- 
wenen, die sich dort niederliefsen, 'behielten ihren namen', den 
gesamtnamen des Stammes nur als Vertreter desselben unter einer 
stammfremden, älteren bevölkerung. die Waldaihöhe und der von 
westen daran stofsende landrücken war ehedem also die nordgrenze 



liegt, von dem es ihm seit seiner zweiten Wolchowreise nicht im mindesten 
zweifelhaft sei dass dies die bürg Ruriks war, wo auch noch später viele 
russische forsten sich aufhielten und gesandte der Hansen empfiengen. aber 
zuerst und vorher hatte Burik in Altladoga (vierzehn werst von Neuladoga), 
nördlich gegen die mündung des Wolchows in den Ladoga sich niedergelassen. 
* JGrimm Myth. 565. Kreutzwald und Neus Mythische lieder der Esten 
s. 113 f. — über Ilmari s. Castren Finn. mythol. s. 305 f. 



PINNEN UND SLAWEN. 71 

der Slawen gegen die Finnen, ihre westgrenze gegen die Prufi 
oder Eisten wurde schon früher (s. 21 f. 23 f.) angegeben. 

Nach Nestors ausdrücklichen Worten safsen zu seiner zeit 
auf der Südseite der höhe im quellgebiet der Wolga, Düna und 
des Dnjeprs mit der hauptstadt Smolensk die slawischen Kri- 
witschen, südlich unter ihnen neben einander an der Sosha und 
obern Oka die Radimitschen und Wjatitschen, dann die Sj ewerer 
an der Dasna, Sem und Sula, und in derselben richtung von 
norden nach Süden folgten ostwärts von ihnen auf einander die 
nicht slawisch redenden, finnischen Völker, zuerst am weitesten 
nördlich — noch neben dem gebiet der Slowenen von Nowgorod 
— am Bjelo ozero die Wefi, deren Überreste die heutigen Wepsen 
(s. 68) sein sollen, darauf — neben den Kriwitschen — am ros- 
towschen und kleschtschinischen see die Meren (Merja), an der 
untern Oka 'da wo sie in die Wolga mündet 1 die Muromer (Mu- 
roma), in ihrem rücken gegen nordost — nach ihren heutigen 
Wohnsitzen zu schliefsen — die Tscheremissen (Ceremisi) und 
weiter die Permier (Permi), am weitesten südlich aber, östlich 
neben den Wjatitschen und Sjewerern zwischen Oka und Wolga 
und am obern Don und Choper die Mordwinen (Mordwa), so dass 
den Finnen fast das ganze gebiet der Wolga, den Slawen zunächst 
das des Dnjeprs gehört, es fragt sich wie alt diese Stellung beider 
volksstämme ist 

Zur entscheidung hierüber trägt die mit Nestor so gut wie 
gleichzeitige notiz Adams von Bremen nichts bei, sie ist aber in 
mehr als einer hinsieht merkwürdig, aufser von Ostrogard-Now- 
gorod in Russland als dem äufsersten punkte der Ostseeschiffahrt 
weiss Adam 2, 19 (Zs. 12, 345 f.) allerdings auch von Kiew als 
der mit Constantinopel wetteifernden hauptstadt des landes, als 
dem grofsen glanzpunkt der Slawenwelt, aber von der ausdehnung 
des reiches hat er doch nur eine sehr unbestimmte Vorstellung. 
man sage, heifst es 4, 13, dass Polen im osten an das russische 
reich stofse, das äufserste und gröste aller windischen länder, 
das auch zuletzt die Ostsee begrenze, dieser durch Ostrogard 
und die Schiffahrt dahin gegebene punkt steht ihm allein, wie 
man sieht, vollkommen fest, dahin kehrt auch 4, 14 seine Um- 
schreibung der nordseite der Ostsee zurück : oberhalb des frauen- 
landes, das bei ihm wie wir sahen (s. 60) Finnland mit einbegreift, 
sollen — feruntur — bis nach Russland hin, wo aucli von jener 
seite der Ostseebusen endige, die 'Wizzi Mirri Lami Scuti et 



72 FINNEN UND SLAWEN. 

Turci' hausen, aber in den Wlzzi und Mirri erkennt man sofort 
die Wef i und Merja des Nestor und wer sie dem bremischen scho- 
lasticus nannte, war darüber nicht im unklaren dass sie die finni- 
schen ostnachbaren der nördlichsten Slawen, der Slowenen von Now- 
gorod und der Kriwitschen von Smolensk waren. Adams gewährs- 
männer waren unläugbar deutsche Nowgorod- oder Ostrogard- 
fahrer: der tonlose, scharfe s-laut in slaw. Wefi ist in Wizzi 
ganz ebenso aufgefasst und genau nach deutscher weise wieder- 
gegeben, wie in Prufi durch Prüzzi, Prüzi mhd. Priuzen, in Ruf! 
durch Rüzzi, Rüzi mhd. Riuzen. die auffassung war dem bremi- 
schen gelehrten gegeben und damit, wie er glaubte, auch ein 
recht 4, 19 die fabel die aus den Albanen am Kaukasus ein volk 
von kakerlaken machte aus dem Solin 15, 5 — 8 auf die finnischen 
leute zu übertragen, die ihm als die grausamsten menschenfresser 
geschildert waren, überdies auch die solinische nachricht von den 
albanischen hunden angemessen damit zu vereinigen*, den dritten 
namen, die Larai sucht man dann freilich in der durch die Wtzzi 
und Mirri angezeigten richtung vergebens und niemand wird sie 
wohl in der kurischen, gegen das haf hin belegenen küstenland- 
schaft Lamata (s. 25) mit Zeufs 681 wieder finden wollen, das 
wahrscheinlichste ist dass die herausgeber oder abschreiber des 
Adam ein langes I als 1 verlesen haben und dass die Lami nichts 
anderes sind als die Jämen oder russischen Jami (s. 68) am La- 
dogasee, allein wegen dieser abweichung von der natürlichen 
Ordnung wird man nun die Scuti, wenn der name wie man an- 
nehmen muss mit russ. Cjudi derselbe ist, nicht etwa auf die 
Woten und Esten einschränken dürfen: es würde dann in der tat 

o 

(Zeufs 689) für die Turci nur die gegend von Abo, finn. Turku, 
jenseit des finnischen meerbusens übrig bleiben, während Adam 
nach dem scholion 118 von ihnen wüste dass sie, wie einst die 
Scythen und Geten des Horaz, auf den steppen neben den Russen 
nomadisierten, genannt werden die Torki in den russischen jahr- 

* denn Solin weifs nichts davon dass 'eorum patriam canes defendtmt' 
and dass ( si qaando pugnandum est, canibus aciem 8 traun t'; auch nicht dass 
'ibi sunt homines pallidi, virides et macrobii, quos appellant Husos', und wo- 
her Adam dies letzte hat, weifs bis jetzt niemand zu sagen, allein das übrige, 
die bleiche oder grünliche färbe der leute, die Verwendung der furchtbaren 
hunde im kriege sieht doch ganz aus wie ein compromiss zwischen seiner ge- 
lehrsamkeit und einer abermaligen, gründlichen inquisition seiner gewähre- 
mäner, die ergab was er zu wissen wünschte. 



PINNEN UND SLAWEN. 73 

büchern zuerst im j. 985 als bundesgenossen oder Söldner Wladi- 
mirs des grofsen gegen die Bulgaren an der Wolga und Kama, 
und später öfter* bei Adam könnten auch wohl die Rumänen 
darunter verstanden sein, auf jeden fall ergibt sich daraus dass 
die ihm mitgeteilte namenreihe, trotz der abweichung mit den 
Jami oder Lami und obgleich ihm selbst ihr eigentlicher wert gar 
nicht deutlich wurde, eine aufzählung der ostnachbaren der rus- 
sischen Slawen sein sollte, in der die Finnen aufser den drei zu- 
erst genannten Völkern nur summarisch als Scuti zusammengefasst 
wurden, sie bestätigt also im wesentlichen nur was wir schon 
durch Nestor für das eilfte Jahrhundert wissen, weiter zur ent- 
scheidung der s. 71 aufgeworfenen frage führt allein Jordanes c. 23. 
Der könig Ermanrich , der nach Ammianus Marcellinus 
31, 3, 1 im dritten viertel des vierten Jahrhunderts über die 
Greutungen oder Ostgoten im norden des Pontus herschte und 
'überaus kriegerisch durch viele und manigfache tapfere taten bei 
den benachbarten nationen gefürchtet war', gebot nach Jordanes 
oder vielmehr Gassiodor auch über die Westgoten und unterwarf 
nach einander sämtliche Völker des östlichen Europas, wenn man 
die natürliche, notwendige, bei Jordanes zum teil verschobene 
Ordnung wieder herstellt, zuerst die Heruler an der Maeotis 
(Zeufs 476 f.), dann die Veneti oder Slawen, darauf die Aesti 
an der Ostsee und aufserdem die nördlichen d. h. selbstverständ- 
lich die finnischen Völker, die Heruler, die neben den Goten 
im grofsen sogen, 'scythischen' kriege des dritten Jahrhunderts eine 
grofse rolle spielen, dann unter den Völkern über dem Pontus ver- 
schwinden, haben ihre Selbständigkeit ohne zweifei an jene ver- 
loren; ob aber durch Ermanrich, wie die Überlieferung will, lässt 
sich nicht entscheiden, und noch weniger den Worten Ammians 
gegenüber behaupten dass Ermanrich die eroberungen, die sie 
ihm zuschreibt, wirklich ausgeführt hat. allein die tradition, der 
Cassiodor folgte , stammte mindestens aus dem fünften Jahr- 
hundert, da schon die 'vorfahren' den könig mit Alexander dem 
grofsen verglichen haben sollen, und hatte sich auch ein voll- 
ständiges bild von der gesamten Umgebung und nachbarschaft 
der Goten aus der zeit vor dem einbruche der Hünen in der er- 
innerung nicht erhalten, so konnte man der Wirklichkeit wie sie 
damals bestand doch immer leicht nahe kommen, sobald man 



* Dorn und Klinik Gaspia s. 237 ff. 



74 PINNEN UND SLAWEN. 

nur die Hünen hinweg und die Goten an ihre stelle wieder im 
norden des Pontus dachte, die Vorstellung von der osteuropä- 
ischen völkerweit, die man mit dem reiche des Ermanrich vor 
dem Huneneinbruch verband, kann daher dem wirklichen zustande 
um 350 oder 60 sehr wohl entsprechen, wenn die Hünen nur die 
Goten verdrängt, im übrigen aber ihn nicht wesentlich verändert 
hatten. 

Stärker noch als in der scadinavischen völkertafel treten in 
dem gleichfalls arg verderbten Verzeichnisse der finnischen Völker 
bei Jordanes* flexionsformen hervor, die beweisen dass Cassiodor 
unmittelbar aus gotischem munde schöpfte; die Goten aber hatten 
die namen durch die Slawen kennen gelernt, in der zweiten 
hälfte des ersten namens 'Golthescytha' steckt ohne zweifei, wie 
in Adams Scuti, das slavische Cjudi und das überlieferte compo- 
situm ist so aufzufassen dass der erste teil den eigentlichen, be- 
sonderen namen des Volkes ergibt, der andre dasselbe dem cjudi- 
schen oder finnischen volksstamme zuweist, für die Golthes bietet 
sich zwar später keine anknüpfung mehr; aber es kann nur ein 
westlicher stamm in der nähe der Aesti oder der Ostsee gemeint 
sein, der slawische gesamtname kehrt gleich noch einmal wieder 
in der nächsten namengruppe, aber in völlig gotischer Umformung, 
denn diese muss man annehmen, da Thiudos in der bedeutung 
des gleichlautenden nom. oder acc. plur. von got. jriuda l volk' 
hier gar keinen sinn hätte, es ist Thiudos mit Cjudi gleich zu 
setzen, und das folgende 'inaunxis', wie man neuerdings mit glück 
vorgeschlagen hat**, in l in Aunxis' zerlegt und durch den finni- 
sehen namen Aunus für russ. Olönetz gedeutet, ergibt dann Gjuden 
in Aunus oder Aunuksen-maa, Finnen im Aunuslande zwischen dem 
Ladoga und Onäga, so dass die Wiederholung des gesamtnamens 
sich ganz wohl erklärt, wie -scytha in der ersten gruppe, hat 
sodann die erste hälfte der dritten gruppe 'vasinabroncas' ihre 
flexionsendung verloren, seit Zeufs 690 erblickt man darin all- 
gemein die Wefi oder Wizzi, Visu bei den Arabern, ist dies 
richtig, so muss 'vasina' wohl aus einem gotisch schwach flec- 
tierten 'Visans' verderbt sein; in 'broncas' aber darf man Bermos 
(Bairmos), im acc. Bermans, russ. Permi altn. Biarmar ags. Beor- 



* s. Mommsens neue ausgäbe. 

** Koskinen aao. 8. 408. vgl. Thomsen Indflyd. s. 105. — die deutung von 
Zeufs 677 auf die eistischen, littauischen Jatwingen ist auf jeden fall ganz 
unzulässig. 



FINNEN UND SLAWEN. 75 

mas mutmafsen. die 'Merens, Mordens' darauf sind unzweifelhaft 
die Merja und Mordwa Nestors, — die endung -ens wird got. 
-jans repräsentieren, das land der Mordwinen heifst auch bei den 
Griechen später Moqdia (Zeufs 690) — und dass endlich 'imnis- 
caris' durch eine art Umstellung der beiden namenshälften aus 
der älteren namensform von Ceremisi verderbt ist, wird wohl ein- 
leuchten, auf die bestimmung der übrigen, noch ärger entstellten 
namen kommt es darnach hier nicht weiter an, da sie nur öst- 
licher bis nach Asien hinein führen würden, die Merens und 
Mordens machen die beliebte deutung von 'vasina' auf die Wefl 
allerdings im höchsten grade wahrscheinlich, jene waren unbe- 
dingt im fünften Jahrhundert, und wohl auch im vierten, nicht 
minder als im eilften und zum teil noch heute die am weitesten 
nach westen und Südwesten gegen die Slawen vorgeschobenen 
Finnen und sie müssen ihre Stellung diesseit der Wolga bis gegen 
den obern Don schon weit früher eingenommen, ja vielleicht schon 
ebenso lange vor dem einbruch der Hünen als nachher unver- 
ändert behauptet haben, wenn sich überhaupt früher Finnen dies- 
seit des flusses nachweisen lassen. 

Dies wird nun vollständig dadurch entschieden dass der grofse 
fluss, den die Slawen von jeher Wolga, die bulgarisch-türkischen 
stamme Atal, Itil oder Adel, Idel nennen, den alten zuerst und 
allein unter seinem finnischen namen bekannt geworden ist. die 
Mordwinen nennen ihn noch heute Hau oder Rawa* und die 
alten hatten ihn im ersten Jahrhundert unsrer Zeitrechnung als 



* <Bhau' nach den gewahrsmannern Schlözers Nord, gesch. 306 und Scha- 
fariks, Slaw. altertumsk. 1 , 499 ; 'Rawa' nach dem russischen Verfasser eines in 
Ennans Archiv für wissenschaftliche künde von Bussland 10, 324 übersetzten 
arifeatzes. in dem Wörterbuch zu Ahlqvists Mokscha-mordwinischer Sprach- 
lehre fehlt der name. — der türkische name begegnet zuerst im vierten Jahr- 
hundert in einer sonst aus Ptolemaeus abgeleiteten beschreibung Sarmatiens bei 
dem Armenier Moses von Ohorene (Venedig s. 604, SMartin sur l'Armenie 
2, 354), wenn die schrift von diesem herrührt oder die steUe von dem 'siebzig- 
mündigen Ethil, in dem das volk der Baselkh (ßattiltwi) befestigt sitzt' nicht 
spater interpoliert ist; dann zum j. 569 bei Menander p. 301 Bonn. 'Arrdttg, 
bei Theophanes p. 545 *At«K (al. Aril "AraUs, vgl. Zeufs 718—20), bei den 
Arabern (Frähn Ibn-Fosslan s. 5. 7 usw.) Itil, bei den kasanischen Tataren, 
Kirgisen, Baschkiren, Tschuwaschen (Klaproth Tableauz s. 241) Adel, Idel, 
Adal d. i. fluss, grofser fluss. sollte nicht auch Jaik, bei Ptolemaeus Jeä£, bei 
Menander aao ^/oty, der ursprünglich finnische name des Uralflusses sein? 
oetjak. jeaga kleiner fluss, Ann. joki estn. jögi läpp, jokka samoj. jaha? 



76 FINNEN UND SLAWEN. 

C P<J kennen gelernt, zugleich mit dem heilmittel das auch wir 
noch darnach benennen* die handelsverbindungen , die seit sehr 
alter zeit, wie wir aus dem Herodot ersehen, von der pontischen 
steppe bis nach Hochasien hinüber reichten, knüpften sich damals 
im ersten Jahrhundert hauptsächlich an die bosporanisch panti- 
capaeische colonie Tanais an der mündung des gleichnamigen 
flusses und brachten sie zu hoher blute, daher allein stammen 
auch die trefflichen nachrichten die zuerst Marinus von Tyrus 
und durch ihn Ptolemaeus über den Ursprung und lauf sowohl 
äes Tanais als des l Pä und die gegenseitige annäherung beider 
flüsse besafs, die jenen veranlassten mit der seit vier Jahrhunderten 
wie ein glaubenssatz feststehenden lehre von der Verbindung des 
kaspischen meeres mit dem nördlichen ocean durch einen canal 
zu brechen und zu der alten, richtigen herodotischen ansieht 
(DA. 1, 320 f.) zurückzukehren, aber auch Herodot selbst hörte 
schon die Wolga mit ihrem finnischen namen von den pontischen 
Scythen nennen, als sie ihm erzählten (4, 122. 123) dass Darius 
mit seinem heere jenseit des Tanais an den fluss v OaQog und da- 
mit, wie man nach seiner darstellung wohl annehmen muss, jen- 
seit des flusses an die grofse wüste unterhalb der Thyssageten 
gekommen sei, wo er es geraten fand, nachdem er acht schanzen 
in abständen von je ungefähr 60 Stadien (l ! / 2 deutschen meilen) 
angelegt, wieder umzukehren, wer kann hier in dem v Oaqo<; jen- 
seit des Tanais den 'Päog verkennen? und wer sich durch Herodot 
irre machen lassen, wenn dieser den "Occqos nebst noch einem an- 
dern, östlicheren flusse Avxog, vielleicht dem Jat% des Marinus 
und Ptolemaeus, Jaik oder Ural heutzutage, östlich vom Tanais 
durch die Maieten in die Maietis sich ergiefsen lässt? als wenn 
er nicht beispiele von schlechter Orientierung und groben irr- 
tümern genug gegeben hätte! später, im fünften buche wo es 
nötig sein wird auf sein viertes buch näher einzugehen, wird sich 
auch noch einmal von einer ganz andern seite her heraus stellen 
dass die Finnen im fünften und sechsten Jahrhundert vor Ch. 
und früher an der Wolga ebenso da standen wie ein bis zwei 



* Plinius 27 § 128 ff. Bhecoma adfertur ex his quae supra Pontum sunt 
regionibus usw. Dioskorides 3, 2 € Pa, ol dt fäov xalovat, [ol öi §lav, 'JV>/«rto* 
^ttnovnxovfj^] yfryarai Iv folg vntQ Booiioqov rono^ o&tv xojui&rtn vgl. noch 
Ammian 22, 8, 28. der Iberer Mithridates zur zeit des kaisers Claudias wüste 
noch nichts von dem Rhaflusse, wenn er nur von dem 'Schlünde' des kaspi- 
schen meeres sprach, nach Plinius 6 § 17 (vgl Tacitus ann. 6, 32). 



SLAWEN UND GERMANEN. 77 

Jahrtausende später, und dass von den Slawen oder ihren Vorvätern 
dieselbe Stellung neben den Finnen für jene zeiten anzunehmen 
ist wie nachmals zur zeit ihres ersten geschichtlichen auftretens. 



Dass die obere Weichsel mindestens bis zur einmündung des 
Bugs, von wo abwärts ungefähr das gebiet der Goten begannt 
die ostgrenze der Germanen war, steht durch die Zeugnisse der 
alten (s. 3) vollkommen fest, nicht etwa weil diese auf eigner 
anschauung und nachforschung, wohl aber auf der aussage kun- 
diger Germauen beruhen, die die Unwahrheit zu sagen keine Ur- 
sache hatten, deren glaubwürdigkeit auch niemand anfechten wird 
der nur bedenkt dass die Goten ihre durch die alten zeugen wie 
die eigne spätere Überlieferung (s. 4 f.) gleichmäfsig anerkannte 
Stellung innerhalb der grofsen beugung des unteren flusses ohne 
die stütze an einer germanischen bevölkerung im Süden derselben 
nicht wohl Jahrhunderte lang behaupten konnten, dazu kommt 
dann noch dass die drei ältesten Zeugnisse, die die Venedae oder 
Veneti als ostnachbaren der Germanen nennen, bei Plinius, Pto- 
lemaeus und Tacitus unläugbar auf drei von einander völlig un- 
abhängige gewährsmänner zurückgehen und dass diese alle drei 
gleichmäfsig die Weichsel als den grenzfluss betrachteten, den 
Tacitus zwar unerwähnt lässt, aber doch stillschweigend voraus- 
setzt (s. 4—6). allerdings ist dabei nicht ausgeschlossen dass 
nicht auch diesseit desselben wie nachmals diesseit der Elbe und 
Säle einzelne slawische häufen sich angesiedelt hatten, als die 
Germanen von westen her zuerst den fluss erreichten, könnten sie 
sogar schon diesseit Slawen angetroffen haben: denn entweder 
von ihnen oder von den Eisten müssen sie wohl den flussnamen 
erfahren und entlehnt haben, worauf wir später im nächsten buche 
noch in einem andern zusammenhange zurückkommen, allein dass 
in dem ganzen gebiet von der Oder oder dem Riesengebirge, ja 
von der Elbe an ostwärts Slawen als untertänige Urbevölkerung 
neben und unter den Germanen gesessen hätten*, ist eine ver- 



* Schafarik Slaw. altert. 1, 404 ff. — hr. Perwolf in Jagic Archiv 4, 63 ff., 
um Schafarik noch zu überbieten, erfreut uns mit dem nachweis dass alle 



78 SLAWEN UND GERMANEN. 

mutung die in Wahrheit jedes anhaltes und vernünftigen grundes 
entbehrt, die einerseits — wie sich gleichfalls später ergeben 
wird — das unsinnige, lächerliche ziel verfolgt den Germanen 
den Ursprung und die existenz abzuschneiden, andererseits zu 
derselben Ungereimtheit führt wie die ihr ungefähr entgegenge- 
setzte, dass Germanen vom sechsten bis zum zwölften und drei- 
zehnten Jahrhundert unter den Wenden zwischen Elbe und Oder 
sitzen geblieben und dann mit ihren nachrückenden deutschen 
brüdern verschmolzen seien, von einer slawischen beimischung 
kann bei den hochdeutschen stammen, die von der oberen und 
mittleren Elbe an die obere Donau und den Rhein abrückten, 
nicht die rede sein, und ebenso wenig zeigt sich davon eine spur 
bei den östlicheren Völkern, den Goten, Vandalen (Asdingen und 
Silingen), Burgunden, Rügen und Skiren, man müste sie denn 
schon bei den Herulern finden, die arg verwildert zuletzt von 
allen die Donau erreichten*, dafür dass die Ostgermanen, von 
denen frühzeitig die Scadinavier sich abzweigten, in den ersten 
Jahrhunderten unserer Zeitrechnung und früher Slawen unter sich 
gehabt hätten, sei es als reste einer älteren landesbevölkerung, 
sei es als eindringlinge , fehlt jegliches anzeichen und die an- 



Germanen im osten der Elbe in Wahrheit Slawen waren , die Suebi = Slawen, 
die Bal/uoi Cechen, die Goten Gudanziger, die Rugier Rujani, die Yarini ein 
Obodritenstamm an der Warnow usw. besonders erfreulich und characteristisch 
ist es dass er sich mit Vorliebe corrupter lesarten für seine 'beweisführung' 
bedient, noch der 'Vindilf bei Plinius, die sich kaum in einer handschrift, 
höchstens einer ganz wertlosen finden, der Alyytn statt liklyyai bei Ptole- 
maeus udglm., ja dass er sich Vindi für Venethae usw. erfindet, eine Wider- 
legung solcher torheiten wäre überflüssig. 

* die Heruler erscheinen als heiden wie die Slawen, Prok. Bo. 2, 14 
p. 199. 204. 3,14 p. 3341 wie bei den Slawen, (oben 8.36) erheischt die 
gute sitte auch bei ihnen dass die witwen am grabe ihrer manner sich er- 
hängen, Prok. aao. p. 200. ganz ebenso wie jene, kämpfen sie nackend bis auf 
einen groben schürz um die lenden blofs mit schild und sper, Prok. Bf. 2, 25 
p. 266. ihren könig Ochon behandeln sie, wie schon früher den Rodulf, aufs 
schmählichste und töten ihn dann, holen sich aber darauf mit vieler mühe und 
gefährlichkeit einen nachfolger für ihn aus ihrem königlichen geschlecht im 
fernen Scadinavien Prok. Bo. p. 200 f. 204 f. 208 f. die Slawen erschlagen ihren 
führer beim mahle oder auf dem marsche, wenn es ihnen passt, DiaL c. 101 
oben 8. 34 anm. usw. usw. aber diese und andre Übereinstimmungen nötigen 
doch noch keineswegs auf eine slawische beimischung bei den Herulern zu 
schliefsen, so lange die herulischen namen Oviaavdos Ulovtjd- 4>avö&6og l iV 
dovlcfoi Todatnos *Aoq<?os Jovagiovag "AqovS- 4>aQag t Pdrj/uov& BtjqoS USW. sie 
nicht bestätigen. 



SLAWEN UND GERMANEN. 79 

nähme bleibt eine leere möglichkeit ohne allen wert, die Weichsel, 
soweit nicht die Goten auf ihrem rechten ufer herschten, galt 
für die grenze und war, nach allem was wir wissen und ermessen 
können, würklich die grenze die bis auf die zeiten der Wanderung 
Germanen und Slawen schied, diese tatsache ist so wohl begründet 
und so wohl bezeugt wie nur eine aus unserm altertum; denn die 
Zeugnisse verlieren nichts von ihrer entschiedenheit und Zuver- 
lässigkeit, wenn Plinius selbst 4 § 97 über die läge der Venedi 
noch einiger mafsen ungewis ist oder Tacitus den grenzfluss mit 
namen zu nennen unterlässt oder Marinus von Tyrus aus den 
Finnen und Veneden im nordosten und Südosten der Eisten süd- 
und nordwestliche nachbaren derselben machte. 

Auf der rechten seite der oberen Weichsel dürfen und müssen 
wir also Slawen erwarten und hier nennt Ptolemaeus, wenn man 
von den eingeschobenen Finnen absieht, oberhalb der Goten bis 
zur Weichselquelle drei namen, JSovlovsg QQovyovvdivav&q Avaipvoi, 
die er oder sein Vorgänger sicherlich nicht aus denselben quellen 
schöpfte, aus denen sie das östlichere, europäische Sarmatien be- 
völkerten, der mittlere name beweist auch für die beiden andern 
mit dass sie nur durch den mund von Germanen an die Römer 
und so an die geographen gelangt sind, und leicht wird man 
weiter schliefsen dass sie einem andern und älteren berichte ent- 
stammen als dem über die Verteilung und Umgebung der Eisten, 
dem die Ovtvida* und Qivvot angehörten, die Marinus so wunder- 
lich unter die Völker an der Weichsel einreihte, eine combination 
verschiedener, älterer und jüngerer nachrichten hat hier auf jeden 
fall stattgefunden, aber wohl in anderer weise als es im ersten 
augenblick den anschein hat. die JSovXoveg oder nach weniger 
gut bezeugter lesart JSovXaveg wagten wir s. 24 einer blofsen 
namenähnlichkeit wegen nicht zu den Eisten zu zählen, der name 
kann an sich sehr wohl ein slawischer sein, da Sulane anwohner 
der Sula, wie Wislane der Weichsel, BuZane des Bugs usw. be- 
deuten würde; nur m liste der flussname Sula, wie heutzutage noch 
in der östlichen Ukraine und im Wilnaischen, ehemals für Bug 
oder Narew oder doch in ihrem gebiet neben der Weichsel, wo 
nach Ptolemaeus die Wohnsitze der lovloveg anzusetzen sind, vor- 
gekommen sein, aber QQovyovvdioovsg wird jemand nicht leicht 
als einen slawischen namen in anspruch nehmen, auch wenn das 
völlig unslawische O im anlaut erst in germanischem munde aus 
II verschoben wäre, und ebensowenig hat Ava^voi oder nach 



80 SLAWEN UND GERMANEN. 

anderer, weniger beglaubigter lesart y Aßaqfivol y y Aßaqwol ein son- 
derlich slawisches aussehen, jene findet Zeufs 694 ff. in den 
Vurugunden wieder, die in der zweiten hälfte des dritten Jahr- 
hunderts in gemeinschaft mit den Goten am Pontus auftreten, 
dann von ihnen besiegt verschwinden, aber im sechsten neben 
hunischen Völkern noch einmal wieder auftauchen; von deren her- 
kunft und Ursprung schlechterdings nichts näheres bekannt ist, 
die daher mindestens ebenso gut, ja nach ihrem auftreten eher 
nachkommen der älteren, vorgotischen bevölkerung der pontischen 
ebenen, als von der Weichsel dahin eingewandert sein können, 
nur nicht beides zugleich, was Zeufs, indem er sich noch einmal 
von einer namenähnlichkeit leiten lässt, für möglich hält, von 
der combination der Ogovyovydicoyeg mit den Vurugunden ist 
jedesfalls abzusehen, wenn die beschaffenheit der ptolemaeischen 
karten für jene eine andre erklärung und herleitung näher legt, 
die karten sind mindestens für den ganzen norden der oekumene 
aus sehr verschiedenem material zusammengesetzt, für Grofsger- 
manien namentlich aus zwei ungleichartigen diathesen, und zumal 
wo lateinische quellen benutzt wurden, fehlte es nachweislich schon 
bei Marinus nicht an lese- und Schreibfehlern, buchstabenverwechse- 
lungen und Versetzungen uud andern entstellungen und Verderb- 
nissen der namen. nun steht auf der karte von Grofsgermanien 
diesseit der mittleren Weichsel das 'grofse volk' der Bovyovvtsg 
und auf der andern seite neben ihm würden die Oqovyovvdicovss 
ihren platz haben, wenn nicht die Ovevidcu und Oivvok über ihnen 
eingeschoben wären, die unform Bovyovvteg setzt starkformiges 
Burgundii, Burgundi (Bovqyovvdo* zuerst bei Zosimus) voraus: 
die gewöhnliche schwache form Burgundiones schliefst sich an 
&Qovyovvdi(ür€g. Plinius 4 § 99 aber, indem er die Ostgermanen 
von Süden nach norden aufzählt und dabei die südlichen Lugier 
übergeht, lässt auf die Burgundiones Varini ('uarinne' nach den 
hss.) und Charini folgen, Ptolemaeus auf die <t>Qovyovvd'mvs<; süd- 
wärts die AvaQivoi und auch der bei den Ingvaeen an der Elbe 
wiederkehrende narae Varini wurde bei ihm, wie es scheint, zu- 
nächst aus OvaQipoi, Ovdqvot in Avuqnot verderbt (Zeufs 133). 
dies zwiefache zusammentreffen der namen auf beiden Seiten des 
grenzflusses kann nicht zufällig sein, bedenkt man wie leicht- 
fertig Marinus seine karte von Germanien und noch mehr die 
von Sarmatien zusammenstellte, so scheint es kaum zweifelhaft 
dass er ein paar namen, die ihm von der einen der für Germanien 



SLAWEN UND GERMANEN. 81 

benutzten diathesen verfügbar schienen, dreist genug auf das 
andre ufer der Weichsel brachte um hier dem mangel an detail 
abzuhelfen, da ihm in Wahrheit hier auch nichts anderes als wie 
dem Tacitus und Plinius, nur der allgemeine name der Venedae 
zu geböte stand, wie es sich dabei mit den südostnachbaren der 
Goten, den 2ovlove$ verhält, muss freilich dahin gestellt bleiben*; 
aber solange die Sula, von der sie benannt sein könnten, nicht 
nachgewiesen ist, geben auch sie keineswegs einen einiger mafsen 
sichern beleg für den slawischen Ursprung eines der von Ptole- 
maeus an der Weichsel genannten namen. 

Glücklicher in dieser beziehung scheint das ergebnis auszu- 
fallen wenn man die namen jenseit der ostgrenze Germaniens 
weiter südlich im Karpatenlande verfolgt. Ptolemaeus bezeichnet 
die grenze hier durch eine wenig von westen nach osten geneigte 
linie von der Weichselquelle bis zu dem grofsen winkel der süd- 
wärts sich wendenden Donau, er rückt aber die quelle am ost- 
ende des 'askiburgischen' gebirges um zwei grade nordwärts ab 
von der nordgrenze der 'sarmatischen berge', offenbar um für die 
auf beiden Seiten reihenweis unter einander aufgestellten namen 
platz zu schaffen, selbstverständlich kommen die unter den Aia- 
Qivotg neben der Weichselquelle zuerst genannten 'OpßQuvss und 
'Avaqxoffqdxtok ins nördliche gebirgige Ungarn, allein darauf ist 
bis zu der noch einen halben grad nördlich von dem Donauwinkel 
angesetzten südgrenze von Sarmatien in der Wirklichkeit kein 
räum für eine reihe von fünf Völkern; auch in einen häufen zu- 
sammengedrängt würden diese ohne zweifei noch in das gebiet 
der zuerst genannten übergreifen. BovQ/Uavsg (got. baurgjans 
noitoai) scheint nur eine deutsche benennung der in ihren natür- 
lichen vesten wohl behaltenen bergbewohner. ^Aqcv^xai würde 
mit geringer änderung 6ines buchstabens y Aqovf[xm und damit 
leicht anwohner der Arwa (slaw. Orawa), des nördlichsten neben- 



* hat Marinas, wie man nach Plinius annehmen muss, die Ordnung der 
Burgundiones und Varini umgekehrt und dem nördlicheren volke die südliche 
Stellung gegeben, so müsten folgerecht eigentlich die 2ovlovkg an die stelle 
seiner Avagwoi neben der Weichselquelle treten und jene könnten anwohner 
der bei Auschwitz (Oswiecim) westlich von Erakau mit der Weichsel sich ver- 
einigenden Sola sein, aber dann müste er den namen mit den südlicheren 
innerhalb der Karpaten in erfahrung gebracht haben und es wäre nicht abzu- 
sehen wie er ihn mit den deutschen von diesseit der Weichsel so falsch com- 
binieren konnte 

DXDT8CHB ALTBRTUM8KUXDR II. 6 



82 SLAWEN UND GERMANEN. 

flusses der Wag ergeben, die IJitvYttcu sind vermutlich nach 
einem andern, jetzt unbekannten fluss benannt; die Zaßoxoi und 
Bieaaot, endlich sind ohne zweifei die 'Bessi Cobotes' bei Gapitolin 
(Marc. 22), die nebst den innerhalb der germanischen grenze 
wohnenden, pannonischen Ösen im mar comanni sehen kriege den 
von norden her über den Duklapass eindringenden vandilischen 
Asdingen oder Victvalen sich anschlössen und gegen das 
römische Dacien vordrangen*, diese fünf namen stammen wahr- 
scheinlich von demselben römischen berichterstatter her, der Ma- 
rinus über das südöstlichste Germanien unterrichtete**; der auetor 
dagegen, von dem die beiden ersten sich herschreiben, gab von 
diesem teile des nachbarlandes keine so verschiedene oder ins 
einzelne gehende darstellung dass der geograph hier eine con- 
tamination der beiden berichte für nötig gehalten hätte, wie er 
sie auf der sarmatischen seite augenscheinlich wiederum vornahm, 
der hier zuerst benutzte auetor, mag IdvagziHpQdxtoi eine hybride 
bildung sein oder nur das aussehen einer solchen bekommen 
haben, war ein Grieche der, wenn nicht Dio Chrysostomus selbst, 
der Zeitgenosse des Marinus und Tacitus, so doch wie dieser wohl 
in seinen rexixoTq eine Schilderung des dekebalischen Daciens und 
seiner Umgebung entworfen hatte, die Marinus vor den neuesten 
römischen nachrichten benutzte und auch nach denselben nicht 
ganz bei seite schob, wie sich bald weiter ergibt. 

Denn unläugbar gehören die *Ava<no(p(>dx%oi und die "AvaQxoi 
aufs nächste zusammen und Ptolemaeus hat beide erst durch die 
fünf namen von einander getrennt und dadurch (3, 8, 5) die 
v AvaQ%oi nebst den ihnen ostwärts sich anschliefsenden Teurisken 
und Koistoboken südwärts über die grenze des eigentlichen und 
römischen Daciens ins nördliche Siebenbürgen gedrängt, zu der 
zeit, als Buruista und sein prophet Dicaeneus aus den Daken 
eine macht schufen, der in kurzem alle um wohnenden unterlagen, 
schrieb Caesar BG. 6, 25 dass der hereynische wald von den 
bergen diesseit des Rheins über der Donau bis zu den grenzen 
der Daken und Anartes sich hinziehe, diese werden hier also 
als eine besondere, selbständige nation von jeneu unterschieden 
und es ist voreilig dass man sie, die ihrem namen nach ebenso 
gut Pannonier sein könnten, nach Ptolemaeus unbedenklich zu den 



* Haupts Z8. 9, 134. 12, 346 f. 
** s. anhang l zu s. 3. 



SLAWEN UND GERMANEN. 83 

Daken zählt, es ist gelegentlich schon früher (s. 3 anm.) be- 
merkt dass die angäbe Caesars über die ausdehnung des waldes 
völlig der begrenzung Germaniens durch Rhein und Weichsel ent- 
spricht und dieselbe voraussetzt: der name Anartes ist bei ihm 
durchaus collectivisch gebraucht für die gesamtheit der Völker im 
nördlichen Ungarn oberhalb der Weichselquelle, so dass auf jeden 
fall die ptolemaeischen "OfißQtovsg und die ^ Avaqxotpqdxxoi mit dar- 
unter begriffen sind. 

Der name der darnach von Ptolemaeus als nachbarn der 
Anarten genannten TbvqUsxo* kann mit der alten benennung der 
Noriker, TsvqI&coi TsvqUsxcu oder Tavqlaxo* Tavqüxcu*, ganz 
derselbe sein, wenn diese benennung nicht von einem bisher, so- 
viel ich weifs, auch noch gar nicht belegten keltischen, sondern 
schon vor den Kelten zu beiden Seiten der mittleren Donau ver- 
breiteten worte abgeleitet ist, das falls es, wie man meint, hoher 
gebirgszug oder gebirgsübergang bedeutete**, auf beiden Seiten 
des flusses leicht die gleiche Verwendung fand, sicher ist allein dass 
die TsvqUsxo* wie die Anarten ins nördliche Ungarn gehörten und 
nicht innerhalb der grenzen Daciens zu suchen sind, eben dahin 
gehören unzweifelhaft auch die Korfroßcöxo*, obgleich Gapitolin 



* TctDQioxo* Polybius bei Strabo p. 208, Strabo selbst p. 206* 207 usw. 
Taurisci der römische annalist von dem die notiz des Victor de vir. illustr. 
72 aus dem j. 115 herstammt, ( quondam Taurisci, nunc Norici' Plinius 3 § 133. 
TtvQicxous xai TavQimag fr*o* nach Strabo p. 296, Ttvqicjtty Posidonius bei 
Strabo p. 293. 

** Zeufs 239 anm. na. berufen sich auf Schmeller Bwb. I 2 , 616, dass 'der 
tanren oder tauern in den Dorischen Alpen hoher berg heilst, über den ein 
betretener weg oder gar eine strafse führt'; nach Leier Kämt. wb. 54 werden 
im Lesachtale überhaupt die nördlich liegenden hohen gebirge und der davon 
herkommende wind der tauren genannt, aber auf directer Überlieferung aus 
dem altertum kann dies wort unmöglich beruhen, da der anlaut unverschoben 
ist und das au ein ü voraussetzt; vgl. mons Turo bei Schmeller. man muss 
daher schon die Überlieferung durch das slowenische ture pl. die tauern, das 
noch 'turje stark ableitige hügel' neben sich hat und dessen u Mildosich 
LautL 8 176 mit dem in sl. turü tcivqos taurus got. stiur vergleicht, vermittelt 
denken und nicht umgekehrt das slowenische wort für entlehnt aus den 
deutschen dialecten halten, die ngos rrj naQUQtiy unter den westlichen Alpen- 
passen in der Poebene wohnenden Taurini Tav^ivot von altligurischem stamme 
(Plin. 3 § 123), die gleichfalls, bei Polybius einmal 2, 15, 8, beim alten Cato 
(Plin. 3 § 134), Timagenes (Ammian 15, 9, 6. 10, 9,) uam. (Steph. Byz. 608, 3 
Mein.) Taurisci TavQHtxo*, bei Eratosthenes (Steph. Byz. aao.) angeblich TsqI- 
tfxo» hief8en, könnten allerdings von den Galliern benannt sein, bleiben aber 
doch besser hier aus dem spiele. 

6* 



84 SLAWEN UND GERMANEN. 

(Marc. 22) sie ganz zuletzt in der reihe der im marcomannischen 
kriege gegen das römische reich auftretenden nord Völker, selbst 
nach denen von jenseit der Karpaten nennt, aber augenscheinlich 
nur weil er zuletzt jede Ordnung in der aufzählung aufgibt ent- 
scheidend für ihre Stellung ist dass, nachdem die vandilischen 
Asdinge über das gebirge in das gebiet der obern Teis herabge- 
kommen sind und von hier aus vergeblich versucht haben ins 
römische Dacien einzudringen und darin fufs zu fassen, sie sich 
dort nach Dio 71, 12 des landes der KoGTovßäxoi bemächtigen 
und von den Römern offenbar im besitz desselben anerkannt als- 
bald von da aus ihnen heeresfolge gegen die Quaden und Mar- 
comannen leisten, nach Dio aao. und bei Petrus Patricius p. 124 
Bonn, der häufe Eostoboken, der nach Pausanias 10, 34 um 
diese zeit plündernd bis Phokis in Griechenland streifte, kann 
selbstverständlich auch nur von einem unabhängigen nachbarvolke, 
nicht von angehörigen des römischen reiches ausgegangen sein, 
und dass sie zuletzt noch unter eigenen königen neben den Daken 
bestanden, ihnen zwar benachbart waren, aber sich selbst von 
ihnen unterschieden, erhellt endlich aus der inschrift (CILat. 6, 
406 nr. 1801), die die enkel des coistobokischen königs Pieporus, 
Natoporus und Drügisa seiner gemahlin, ihrer geliebten grofs- 
mutter Ziais, der tochter des Tiatus, einer Dakin von geburt 
in Rom setzten, gewis zu einer zeit als das volk schon ver- 
sprengt und bald darnach verschollen war. denn die erwähnung 
bei Ammian 22, 8, 42 ist ohne wert, da das von ihm benutzte, 
geographische machwerk nur mit hilfe des Ptolemaeus zu 
stände gebracht und kein andrer auch als dieser aao. der ge- 
währsmann ist. 

Ptolemäus nemlich erwähnt der Koiotoßüxo* noch einmal, in 
der zweiten, nächsten reihe der Völker Sarmatiens unter den 
Igyllien, den südlichsten Eisten über den Pripjetsümpfen (s. 23), 
und unter ihnen noch Tqav<spov%avoi bis zu den peukinischen 
bergen, wenn aber irgendwo, so wird hier die contamination zweier 
berichte, eines lateinischen und eines griechischen deutlich, nicht 
nur die peukinischen berge werden als ein von den Karpaten ver- 
schiedenes gebirge nördlich über den Peukinen angesehen, auch 
die Peukinen und Basternen als zwei besondere Völker oberhalb 
Daciens — imlq xr^v Jaxiav 3, 5, 19 — und beide durch 
Kaqmavol getrennt, dann aber noch einmal (3, 10, 13) "Aqmo* 
mit einer Stadt "Aqmg über den Peukinen auf der Insel Zhtfcf 



SLAWEN UND GERMANEN. 85 

und den andern inseln der Donaumündungen aufgeführt, tritt hier 
die griechische, so noch deutlicher die lateinisch -römische quelle 
durch die Tqava^iovxavol zu tage und es ist anzunehmen dass 
die namen die sie darbot, ebenso wie die der einen diathese von 
Germanien (s. 80 f.) von Marinus nur benutzt sind um den leeren 
räum im osten der Weichsel voll zu machen, von Koistoboken 
und Transmontanen jenseit der Basternen oder Peukinen unter 
den wolhynischen sümpfen kann er in Wahrheit nichts erfahren, 
noch auch sein römischer gewährsmann sie anders wo gekannt 
haben, als wo der griechische Koistoboken und Teurisken. der 
name Ultra- oder Transsilvania, ungr. Erd61y Erduelu, mhd. über 
walt bei Ottacker 721 b , auch slaw. Zaplanina* (Transalpinia) für 
Siebenbürgen ist erst spät belegt (Zeufs 756), zeugt aber dafür wie 
leicht und natürlich solche benennungen sich einstellten wo ebene und 
gebirge einander so gegenüberstehen, wie an der mittlem und untern 
Donau, bei Ammian 17, 12, 12 (vgl. 21) im j. 358 erscheinen 
Transjugitani unter einem fürsten vereinigt, mit einem teile und 
zwar dem östlichsten der Quaden, so dass sie notwendig eben dahin 
kommen wo wir die Transmontanen annehmen müssen, ins nörd- 
liche Ungarn, die Vermutung (s. 83) dass TsvQiaxoi wesentlich dasselbe 
bedeute, gewinnt dadurch unläugbar an Wahrscheinlichkeit, aber 
sollten die laßoxoi (s. 82) des vermutlich aus Pannonien stam- 
menden römischen berichts nicht auch in ähnlichem sinne benannt 
sein und nicht die Korttoßäxoi zu ihnen und den Transmontanen 
in einem bedeutsamen gegensatze stehen, da die Verschiedenheit 
der quantität in der letzten namenshälfte leicht auf einem irrtum 
des Marinus beruhen kann, wenn er den ersten namen nur aus 
einer lateinischen quelle schöpfte? das pannonische und dakische 
verhelfen uns hierüber nicht mehr zu einer entscheidung; aber 
gewähren die beiden namen nicht ein recht die anwesenheit der 
Slawen innerhalb des Karpatenlandes zur zeit ihrer geltung zu 
behaupten? 

Ein ort oder eine gegend hinter einem berge oder gebirge heifst 
slaw. zagorije und das appellativum kommt auch als proprium öfter 
vor**, das einfachste ethnicum dazu wäre Zagori (Transmontani), 



* welche form ich allerdings nur mutmafslich nach Zaplaninski (Rösler 
Romanische Studien s. 304) ansetze. 
** Schafarik Slaw. altert. 2, 218. 226. 



86 SLAWEN UND GERMANEN. 

wie Zaporozi zu Zaporoäje, der gegend unter den Wasserfallen des 
Dnjeprs, udglm. sieht man von der ungenauen wiedergäbe des 
weichen, tönenden s im anlaut von slaw. za durch gr. a ab, so 
scheint Zaßoxot ganz ähnlich wie Zagori, Zaporozi gebildet und 
die erste silbe die slaw. praeposition zu sein, die andre wort- 
hälfte slaw. bokti 'seite' zu enthalten, boki findet sich auch sonst 
als zweiter teil slawischer Ortsnamen (Schafarik 1, 206), ja Zabok 
selbst z. b. in Croatien zweimal als name für einen hinter einem 
berge belegenen ort Saßoxoi, als slaw. Zaboki aufgefasst würde 
also leute von hinterhalb, von jenseit und den umständen nach 
immerhin Transmontani, Transjugitani bedeuten. 

Was dann die Kotaroßwxoi betrifft, so steht die erste namens- 
hälfte an beiden stellen bei Ptolemaeus handschriftlich vollkommen 
fest und dazu kommt die lateinische inschrift (s. 84) der enkel 
des regis. coIssto bocensIs Pieporus, so dass sobald es sich dafür um 
eine erklärung oder grammatische analyse handelt, daneben die 
Schreibung KoazoßMxoi, Koövovßwxoi bei Pausanias und Dio, Costo- 
boci Costobocae bei Capitolin und Ammian gar nicht in betracht 
kommt, auch Kouftoßaxoi könnte ganz wohl slawisch sein und 
zwar Koksto- zunächst slaw. cesta 'strafse', da c überall erst ver- 
hältnismäfsig spät für k, auch 6 vor consonanten einmal für ur- 
sprüngliches ai, oi eingetreten ist*, das compositum mit boki würde 
also diejenigen anzeigen die den teil oder die seite des landes inne 
hatten, in dem sich die über das gebirge führenden wege und passe 
befanden, eine solche benennung aber würde voraussetzen dass die 
Verkehrswege in so früher zeit schon für das volk und seine um woh- 
nenden eine grofse bedeutung gewonnen hatten; die benennung würde 
ihren gegensatz auch wohl deutlicher und anders als durch Saßoxoi, 
ausgedrückt verlangen und vor allen dingen müsten für die Unter- 
scheidung die sie ausspricht alle bedingungen in der natur des landes 
vorhanden sein, eher möchte sich daher eine andere erklärung empfeh- 
len, da slaw. cestiti purgare auf ein unserm 'heiter' wahrschein- 
lich verwandtes, dem litt, skaistas 'hell, klar' völlig entsprechendes 
adjectiv cestti zurückgeht, dem als gleichbedeutend slaw. cistü lett 
Skjists litt, kystas preufs. skystan zur seite steht**, so können Aoitfro- 
ß&xoi — entsprechend dem 'cisto pole' russischer Volkslieder — die im 
freien felde, in den ebenen an der oberen Teis unterhalb des wald- 



* Miklosich Lautlehre 3 s. 239ff. 257. 277. 137. 
** Miklosich aao. s. 137. 288 f. 



SLAWEN UND GERMANEN. 87 

gebirges wohnenden sein, der gegensatz dazu wäre auch durch 
JSaßoxo* wohl hinlänglich ausgedrückt, allein grofses vertrauen 
wird niemand auf diese deutungen setzen, der gewahrt dass manche 
dakische und besonders pannonische namen sich unschwer aus dem 
slawischen deuten, die sprachen selbst aber keineswegs für slawische 
sich erklären lassen, und das vertrauen wird vollends schwinden 
wenn keiner der drei uns noch durch die inschrift überlieferten 
koistobokischen eigennamen unter den slawischen sein volles gegen- 
stück findet, denn selbst wenn man die lautlichen differenzen 
entschuldigte, so kann doch Natoporus nicht slaw. Nadbor* sein 
weil Pieporus in seiner ersten hälfte wohl mit dem dakischen 
Iliicfiyoi, nicht aber mit irgend einem slawischen namen oder 
worte sich deckt und der dritte, das femininum Drilgisa nun gar 
einsam und rätselhaft da steht, sind daher nicht einmal hier 
unmittelbar unter den Karpaten Slawen mit Sicherheit zu erkennen, 
so ist an ihre anwesenheit innerhalb des gebirgslandes während 
der ersten Jahrhunderte unsrer Zeitrechnung schlechterdings nicht 
zu denken und sind die Zeugnisse der alten, die sie übereinstimmend 
davon ausschliefsen, unbedingt als richtig und zuverlässig anzuer- 
kennen. 

Die drei ältesten zeugen für die Venedi kennen sie überein- 
stimmend nur jenseit d. i. nördlich und nordöstlich von den Bastar- 
nen, freilich wird ihnen diese stelle allein bei Tacitus (s. 52) aus- 
drücklicher angewiesen, aber wenn nach Plinius 4 § 80 (s. unten 
anhang 1) die Basternae an der aufsenseite der Karpaten bis 
gegen die grenze des eigentlichen Germaniens wohnten und nach 
§ 97 zufolge der meinung einiger bis zur Weichsel und gegen die 
Ostsee hin von osten her Sarmaten, Veneden und Skiren** so 
kommen auch hier, sobald man die beiden, leicht aus einer und 
derselben quelle stammenden notizen verbindet, die Veneden not- 
wendig über die Basternen, da die Sarmaten vor ihnen nur die 
nicht näher bestimmbaren, in unbekannter ferne hausenden vor- 
stellen, die Skiren hingegen die Goten, ihre nächsten verwandten 
und nachbaren an der unteren Weichsel mit vertreten, auch bei 
Ptolemaeus, wenn gleich alle sondernamen im osten der oberen 



* Miklosich Personennamen s. (249) 37. 

** dass die 'hirri, hyri oder hiri', die in den hss. aufser bei Dicuil noch 
den 'sciris' (al. 'scyris cyris eins') folgen , lediglich dem orthographischen 
zweifei eines abschreiben entsprungen sind und daher nicht in betracht 
kommen, muss jedem verständigen einleuchten, s. Germ, antiq. s. 92. 



88 SLAWEN UND GERMANEN. 

Weichsel und östlicher bei ihm hinwegfallen, behalten doch die 
Peukinen und Bastern en oberhalb Daciens ihre stelle und die 
Ovsvida* kommen in die lücke über ihnen, sobald sie den platz im 
norden der Goten (s. 17) notwendig räumen müssen. dieselbe 
Ordnung und Stellung setzt dann auch noch die peutingerische karte 
voraus und liefert dafür nur ein viertes zeugnis, da ihre bandform 
allein daran schuld ist dass auf ihrem schmalen oberen rande über 
dem römischen Dacien hin die venadi sarmatae. alpes. bastarnicb. 
blastarni in langer reihe neben einander und noch einmal venedi 
neben gaete. dagae in gleicher richtung gegen die Donaumündungen 
statt im innern des ostlandes stehen, da aber die germanischen 
Bastarnen an der aufsenseite der Karpaten erst spätere eindring- 
linge waren, so muss das gebirge für die ältere grenze der Veneden 
oder Slawen angesehen werden, die ihnen auch selbstverständlich 
wieder zufiel, sobald jene abzogen oder zu gründe giengen. 

An die peutingerische tafel schliefst sich in eigentümlicher 
weise noch der Grieche* der etwa zu ende des zweiten oder zu 
anfang des dritten Jahrhunderts in seiner bearbeitung der mosa- 
ischen völkertafel als Völker und änoixiai der Germanen die vier 
südöstlichsten derselben und neben ihnen die Bsvidol hinstellte, die 
'EQpowdovlol zwar verkehrter weise zuletzt statt zuerst nannte, 
aber nicht unrichtig mit den Marcomannen in Böhmen die Bavdovlol 
von jenseit des Riesengebirges und dann ebenso mit den noch 
östlicheren Quaden die Bevidol von jenseit der Karpaten ver- 
band, bei ihm und auf der Peutingeriana allein findet sich die 
namensform Bavdovlol, Vanduli statt Vandili Bavdiloi, Vandali 
BavdaXoi, und wenn auch die zweimal** falsche Verbindung der 
Marcomanni und Vanduli auf der karte nicht ins gewicht fällt, so 
scheint doch der griechische auctor ein mit ihrem original mindestens 
nahe verwandtes exemplar der römischen weitkarte bei seiner 
arbeit vor äugen gehabt zu haben, er müste denn schon die eine 



* Germ, antiq. s. 1 56 (Weltkarte des Augnstus s. 43), Tgl. Abhandlungen 
der Berliner academie 1862 s. 523 f. und Hermes 9, 193. — dass BsQufoi aus 
BBNteoi, wie Bagfovloi aus BANJOYJoi verlesen ist, sieht jeder unbefangene, 
und wer einiger mafsen mit der deutschen Völkergeschichte vertraut ist, weifs 
aufserdem dass BsQufoi unmöglich v EqovXo* sein können, wie neuerdings jemand, 
nur um nicht das richtige das andre längst gefunden haben zu wiederholen, 
gemeint hat. 

** s. Abhandlungen der academie aao., wo jedoch, und darnach auch im 
Hermes aao., BVR auf der karte falschlich als HermunDVRi aufgefasst 
worden ist 



SLAWEN UND GERMANEN. 89 

notiz bei einem geschichtschreiber des marcomannischen krieges 
aufgegriffen haben und die Übereinstimmung in den namen rein 
zufallig sein, seine Bevidol östlicher als die BavdovXol kommen 
auf jeden fall wieder in den osten jenseit der Weichsel, und wenn 
ungefähr hundert jähr später ein unbekannter Römer in der reihe 
der das reich bedrohenden Völker (Germ, antiq. s. 157, 7) 'Vinidi' 
hinter den Goten aufführte, so kommen auch diese dahin und noch 
weiter östlich, überhaupt oberhalb von der pontischen* steppe, wo 
auch die gotische tradition aus dem vierten Jahrhundert die 
Venethae und Antes nennt (s. 34 f., 73). 

Nach alledem als resultat der bisherigen Untersuchungen 
(s. 77 ff.) können wir hinstellen dass die Slawen in den ältesten, 
uns bekannten Zeiten von den Karpaten und dem oberen laufe 
der Weichsel um die grofse sumpfregion herum nördlich bis an 
die Waldaihöhen, dann ostwärts gegen die Finnen bis in den ersten, 
obersten bereich der Wolga und des Dons verbreitet waren, ihre 
südgrenze, ob und wie weit sie einmal vielleicht zur bevölkerung 
der steppe oder ihrer fruchtbaren flusstäler gehörten, kann hier 
noch unerörtert bleiben, als die Goten im vierten Jahrhundert 
die steppe und die flusstäler bis zu den südlichen Karpaten hin 
beherschten, reichten jene noch nicht bis an die Donau, deren 
keltisch-römischen namen, wie Vlahi für den Romanen selbst, sie 
erst durch die Goten und Germanen kennen und in der nach got 
Ddnavi, Dönaujßs Dönaujai Dönauja, gestalteten doppelform Dunavü, 
Dunaj gebrauchen lernten*, die älteste und eigentliche heimat 
der Slawen war demnach das gebiet des mittleren und oberen 
Dnjeprs, mit ausnähme der nordwestlichen landschaften über den 
sümpfen, dagegen mit einschluss der striche westlich gegen die 
Karpaten und Weichsel, ein vollständiges binnen- und flachland, 
nach allen Seiten hin vom meere abgeschlossen und im innern 
ohne manigfaltigkeit und sonderliche Verschiedenheiten in der ge- 
staltung und beschaffenheit , aber an umfang mindestens ebenso 
grofs, ja eher gröfser als der von den Germanen vor ihrem ersten 
gewaltsamen vordringen bewohnte räum, und daher wohl im 
stände den verödeten landschaften jenseit der Weichsel und Donau 
in verhältnismäfsig kurzer zeit einmal eine neue bevölkerung zu 
geben. 



* s. anhang 13. — wegen Vlahi Miklosich Die slawischen demente im 
rumänischen 1860 s. lf., Fremdwörter 1867 s. 64 b gegen Radices 1845 s. 10. 



90 SLAWEN UNI) GERMANEN. 

Die Venethae heifsen bei Cassiodor (Jordan es c. 5. 23) eine 
natio populosa und numerositate pollentes, und trotz ihrer unstäten 
lebensweise und der Zerstreutheit ihrer Wohnungen (s. 36) muss 
man sie schon als eine starke, sehr zahlreiche Volksmenge denken 
ehe sie über ihre alten grenzen hinaus sich ergossen, dass sie 
darnach, verbreitet und verteilt fast ohne auf einer seite nach- 
haltigen widerstand zu finden, auch verbunden mit resten von 
allerlei fremden Völkern die sich ihnen zugesellten oder die sie 
in ihren neuen Wohnsitzen vorfanden, endlich einen weit gröfseren 
räum als in der alten heimat einnehmen, ist eine erscheinung die 
sich in ähnlichen fällen überall wiederholt, bei der niederlassung der 
Goten über dem Pontus und der unteren Donau, der Angeln in 
England usw. das 'statistische wunder' ist weniger über- 

raschend als z. b. die besiedlung Nordamericas, die sich zu einem 
guten teile fast vor unsern äugen vollzog, und wäre es ein uner- 
klärliches wunder und ohne gleichen, so müste man es schon als 
tatsache anerkennen, da Slawen und Venethae, Venedi dem begriffe 
und dem umfange nach sich decken und kein vernünftiger von 
jenen reden wird wo nicht die Germanen Veneden, oder aber 
Slawen sich selbst mit ihrem eignen namen nennen oder von an- 
dern uns genannt werden, die vorurteilslose historische betrach- 
tung lehrt dass die Slawen lediglich von dem angegebenen gebiet 
und über die grenze an der Weichsel und den Karpaten hinaus 
sich verbreitet haben; das rätsei ihrer ausbreitung aber erklärt 
sich nicht nur daraus dass ihnen gegen nordwesten so gut wie 
kein widerstand, gegen Südwesten nur ein höchst unvollkommener 
entgegengesetzt wurde, sondern vor allem aus jenem mangel an 
innerem zusammenhält (s. 34 — 39), der es bei ihnen noch zu keinen 
geschlossenen Volksgemeinden und individualitäten hatte kommen 
lassen, die dauernden widerstand hervorgerufen oder geleistet 
hätten; bei dem die menge vielmehr in ihre atome zersplitterte, 
die überall eindringen und sich einnisten konnten wo für sie sich 
räum bot oder wo die kräftige faust eines fremden eroberers sie 
zusammenfasste und ihnen die wege wies, auf die eine weise ist 
augenscheinlich die ausbreitung mehr im nordwesten, auf die 
andre im Süden geschehen. 



DIE AUSBREITUNG DER SLAWEN GEGEN NORDWESTEN. 91 

Im laufe, wenn nicht schon im beginne des marcomannischen 
krieges (c. 170) stieg ein teil der südlich zwischen Oder und 
Weichsel angesessenen, lugischen Vandilier unter der führung des- 
jenigen königsgeschlechtes, das seinen namen, "Agtwoi bei Dio, 
unmittelbar an den vornehmsten cultus des ganzen Stammes knüpfte 
(Zs. 12, 347), südwärts über die Karpaten um, wie schon s. 84 
erwähnt, nach Verdrängung der Koistoboken im norden des römi- 
schen Daciens sich niederzulassen, die lücke, die dadurch im 
norden diesseit der oberen Weichsel entstand, war soviel wir 
wissen die erste in die die Veneden oder Slawen von jenseit ein- 
dringen konnten, ob es geschehen, wissen wir nicht, ungefähr 
zu gleicher zeit gelangte auch ein bruchteil der Goten an die 
untere Donau bis in die heutige Wallachei, ohne zweifei die nach 
ihrer niederlassung in der 'dakischen ebene' benannten Tatfalen. 
die masse des Volkes brach erst gegen 240 auf und strebte nach 
dem Pontus zu, und ihr folgte auf ihrem rechten flügel nach den 
Karpaten hin mit dem fünften Jahrzehnt ihre letzte abteilung 
von den Weichselmündungen her, die Gepiden; auf ihrem linken 
gegen die Maeotis erschienen wenig später Heruler. die Gepiden 
sollen auf ihrem wege gegen Süden die nördliche abteilung der 
Lugier zwischen Oder und Weichsel, die Burgunden beinahe ver- 
nichtet und einige andre Völker unterjocht haben (Jordan, c. 17), 
wir erfahren nicht welche ; man kann an südlichere lugische häufen, 
an Veneden und Bastarnen denken, mit der Vernichtung der Bur- 
gunden aber war es nicht so schlimm, da diese noch im verlaufe 
des Jahrhunderts den aus dem gebiet der Elbe über den römischen 
limes an die obere Donau und gegen den Rhein vordringenden 
hochdeutschen Völkern alsbald folgten und in ihrem rücken hinter 
dem limes am oberen Maine posto fassten. die herschaft zwischen 
Oder und Weichsel fiel darnach ganz von selbst den nördlichsten 
teilen des oststammes an der Ostsee, den Rügen und Skiren zu 
und keine geschlossene macht hinderte sie noch südwärts gegen 
das gebirge, dann die Heruler von jenseit der see ihnen nach zu 
ziehen, es geschah dies wahrscheinlich unmittelbar nach dem ab- 
zuge der Burgunden* oder doch nicht viel später, so dass als 
a. 406 die Quaden (Sueben) und 'Vandalen' gen westen aufbrachen, 
die Rügen und Skiren an ihre stelle im Süden der Karpaten 



* s. über die Veroneser völkertafel in den Abhandlangen der Berliner 
academie von 1862 s. 519. 525. 



92 DIE AUSBREITUNG DER SLAWEN 

treten und so hier mit den weiter abwärts um die Donau gelagerten, 
nächstverwandten gotischen Völkern im reiche des Attila vereinigt 
werden konnten, der zerfall des reiches hatte dann die zerspren- 
gung der Skiren, diese mittelbar die der Rügen und diese wieder 
die der nachrückenden Heruler durch die Langobarden zur folge, 
mit dem anfange des sechsten Jahrhunderts war der Untergang 
auch des letzten der drei Völker entschieden, ganz Ostgermanien 
bis zur Oder und bis zum Riesengebirge aber war seit dem an- 
fange des fünften, ja zu einem grofsen teil schon seit dem ende 
des dritten von seinen alten bewohnern aufgegeben. 

Der älteste sichere beweis für die westliche ausbreitung der 
Slawen ist der name Schlesien, der bekanntlich daher stammt* dass 
die Slawen den auf der linken Oderseite vor dem Riesengebirge bele- 
genen, weithin sichtbaren und von ihnen selbst geheiligten Zobtenberg 
ehedem Sl?zi, auch den ostwärts daran vorüberflief senden fluss, die 
Lohe Sl§za und weiter die umgegend und ihre bewohner darnach be- 
nannten. Sl§zi aber führt laut für laut und buchstab für buchstab 
auf ursprünglich Silingis, Sl§za auf Silingia und damit auf die van- 
dilischen 2lfoyycu, die nach Ptolemaeus gerade in der gegend 
wohnten, ja, in der nähe der quellen des flüsschens liegt die 
Stadt Nimptsch, die schon von Thietmar von Merseburg 7, 44 als 
Nfemci d. i. Germanen erwähnt, von ihm auch gewis nicht mit 
unrecht für 'olim a nostris condita' gehalten wird, die Slawen 
müssen dort noch germanische Silinge gekannt und angetroffen 
haben, entweder vor dem j. 406, ehe sie mit den Vandalen und 
Sueben über den Rhein nach Spanien zogen, oder aber kurz nach- 
her, als die Rügen und Skiren südwärts über die Karpaten ge- 
gangen waren und Überreste des Volkes in dem wahrscheinlich 
auch ihm von altersher heiligen bezirk und mittelpunkt sich noch 
erhielten, denn dass bei der aus Wanderung eines Volkes sich 
nicht alle gleichmäfsig von dem altgewohnten boden losreifsen 
können und manche zurückbleiben in der hoffnung auch in der 
Vereinzelung sich behaupten zu können, versteht sich nicht nur 
von selbst: es wird auch gerade durch eine bei den Vandalen zur 
zeit ihres Untergangs in Africa auftauchende sage (Prokop Bv. 1, 
22) ausdrücklich anerkannt, die freilich nicht mehr an die Urheimat 
des ganzen Stammes im norden der Karpaten, sondern nur an die 
bis zum aufbrach unter Godegisil von den Asdingen innerhalb des 

* Zeufs 663 , Schafarik 2, 405-407. — vgl. Miklosich Lautlehre 1852 
s. 454. Fremdwörter s. 54. 



GEGEN NORDWESTEN. 93 

gebirges* bewahrten wohnsitze denkt; aufserdem aber liefert auch 
das 'mischvolk' der Vidivarier an der stelle der Gepiden zwischen 
den Weichselmündungen (s. 12 und anh. 2) dafür den schönsten 
beleg, sind solche Überreste stark genug und in einiger mafsen 
günstiger läge, können sie sich längere zeit behaupten, wie die 
reste der Gepiden in Dacien, der Goten an der unteren Donau 
und gar auf der Krim; das Donautal vom Inn abwärts bis nach 
Wien und darüber hinaus hat sogar nur Einmal eine deutsche be- 
yölkerung erhalten und diese seit der Rugenzeit nur noch zuzüge 
und Verstärkungen erfahren**, nach der fortdauer des namens 
scheinen die Silinge am Zobtenberge allmählich in Slawen ver- 
wandelt zu sein, wie auch die Vidivarier mindestens schon im 
neunten Jahrhundert reine Eisten geworden waren (s. 14). nirgend 
haben die altgermanischen volksreste im osten der Elbe und 
Säle sich so stark erwiesen um den andringenden Slawen dauernd 
stand zu halten, die entgegengesetzte, schon s. 78 erwähnte un- 
sinnige, aber immer von neuem wiederholte meinung dass sie sich 
in dem westlichen teile des gebietes nicht nur erhalten, sondern 
mitten unter den Slawen auch so entwickelt hätten dass sie nach 
sechs bis sieben Jahrhunderten mit den von westen her einwan- 
dernden, ihrer herkunft nach nicht einmal völlig gleichartigen 
stammesgenossen spurlos und ohne neue bildungen zu erzeugen 
verschmelzen konnten, richtet sich selbst und bedarf keiner Wider- 
legung, aber dass die Slawen bei ihrem vorrücken überall noch 
hie und da zerstreut Germanen vorfanden, darf man annehmen 
und muss es sogar wenn sie den germanischen namen der Oder 
sich nur mundgerechter machten*** oder aus einer deutschen 
Walth-ahva eine slawische Wlatava (Moldau), um von der Elbe 
selbst und ihren übrigen Zuflüssen gar nicht zu reden, es ergab 
sich daraus für gewisse zeiten in jenen gegenden eine gemischte 
bevölkerung und es ist sicherlich sehr zu beachten dass die Ger- 
manen von allen Seiten bis tief ins sechste Jahrhundert hinein 
den ganzen osten bis zur Weichsel noch keineswegs als slawisches 
land betrachteten. 

* dass nach Jordanes c. 22 die Vandalen von Constantin nach Pannonien 
verpflanit und von dort aufgebrochen seien, beruht nur auf einer vennengung 
der Vandalen und der Sarmatae Arcaragantes, die Constantin aus der Teis- 
ebene ins römische reich aufnahm, und ist auch nach andern gründen und um- 
ständen ganz unglaublich. Zs. 12, 255 f. 

** s. hierüber und über die andern hier berührten punkte anhang 14. 
Müdosich Slaw. Ortsnamen 1,4 und 8. unten im vierten buch. 



94 DIE AUSBREITUNG DER SLAWEN 

Cassiodor hatte bei seiner beschreibung 'Scythiens' (Jordan, c. 5) 
eine weitkarte vor sich* und zwar könnte es ebenso gut eine 
ptolemaeische (s. anh. 1) als die römische gewesen sein, wenn er 
Dacien mit zu Scythien rechnend dasselbe westlich gegen Ger- 
manien durch eine linie begrenzt sein lässt, die einerseits durch 
die richtung der mittleren Donau von norden nach Süden**, an- 
dererseits durch den lauf der Weichsel gegen norden bezeichnet 
wird. Dacien, das erste land im südwestlichen Scythien haben 
zur zeit die Gepiden inne. es ist rings von einem kränze hoher 
alpen umgeben und im nordosten davon, von dem Ursprünge und 
oberen laufe der Weichsel an sind weithin gegen osten die zahl- 
reichen, in Sclavenen und Anten geteilten Venethae und zwar zu- 
nächst die Sclavenen verbreitet, deren Wohnsitze auch schon im 
Süden über der Donau und — wie man schliefsen muss — unter- 
halb des gebirges von da an wo der fluss sich wieder gegen osten 
wendet beginnen und bis zum Dnjestr reichen, hier wird also die 
alte nordwestgrenze der Slawen (s. 77 ff.) an der Weichsel und 
sogar am gebirge noch festgehalten, und schwerlich entsprach 
dies noch genau der Wirklichkeit, wird aber im übrigen — und 
auch noch weiter nach osten hin — eine aufstellung der Völker 
angegeben, wie man sie seit dem ende des fünften Jahrhunderts 
im ostgotischen reiche sehr wohl kannte, so ist auch nicht anzu- 
nehmen dass Cassiodor blofs auf grund der gelehrten auctorität 
der römischen geographie die grenze der Germanen und Slawen 

* Über die weitkarte des Augustus 8. 29 ff. 
** Jordanes c. 5 sagt 'Scythia siquidem Germania« terrae confinis eotenus 
ubi Hister oritur amnis vel stagnus dilatatur Mursianus', dann weiter 'habet 
— ab occidente Germanos et flumen Vistulae 1 , und endlich 'Sclaveni a civitate 
Novietunense et lacu, qui appellatur Mursianus, usque ad Danastrum et in 
boream Viscia tenus commemorantur'. an der ersten stelle hat Closs dem sinne 
nach mit recht 'orditur' statt 'oritur' vorgeschlagen, da der Danubius nach 
c. 12 in Alamannicis arvis entspringt und in seinem untern, stärksten laufe 
'lingua Bessorum' d. h. der einzigen im fünften und sechsten Jahrhundert noch 
bekannten thrakischen Völkerschaft den namen Hister bekommt, der lacus Mur- 
sianus ist von Rösler in den Wiener Sitzungsberichten 1873 s. 86 ff. richtig 
bestimmt als die sumpfregion bei Mursia (Esseg) an der untern Drau oder 
zwischen Drau und Sau. ich sehe aber nicht ein warum man nach der civitas 
Novietunensis sucht wo es keine gibt und nicht bei der alten deutung, Novio- 
dunum = Isaktscha, bleibt, da doch die worte des Jordanes gut so aufjgefasst 
werden können dass zuerst nur die hauptübergangsstelle über die untere Donau 
als grenzpunkt für die südliche ausdehnung der Sclavenen angegeben, dann noch 
weiter westlich bis dahin wo das reich der Gepiden an die Donau und darüber 
hinaus reichte, ausgegriffen wurde. 



GEGEN NORDWESTEN. 95 

an der Weichsel und am gebirge behauptet, sondern damit auch 
nur die herschende gotische ansieht wiedergegeben hat, die die 
Slawen als herscher in der alten heimat der Germanen noch 
keineswegs anerkannte, und wesentlich dieselbe ansieht tritt auch 
bei dem cosmographen von Ravenna zu tage*, der fast für den 
ganzen nordwesten und norden der oekumene mit einem unter 
Theodorich dem grofsen gesammelten materiale (s. 42) arbeitet. 
Nach der tradition über die ältere geschichte der Donau-He- 
ruler, die Prokop (Bo. 2,13—15) zum j. 538, als ein häufe von 
ihnen unter Narses zum beere des Belisar in Italien stöfst, in 
seine erzählung einschaltet und die ihrem grundbestandteile nach 
unläugbar aus dem munde des Volkes selbst herrührt, wären sie, 
geschlagen von den Langobarden (s. 92), endlich von den Gepiden 
in Dacien aufgenommen und neben ihnen angesiedelt worden; 
darauf aber von ihnen mishandelt hätten sie sich geteilt: ein teil sei 
über den Ister gegangen und habe bei den Römern aufnähme ge- 
funden, der andre teil, bei dem sich viele von königlichem blute 
befanden, habe sich nordwärts gewendet und zuerst alle Völker 
der Sclavenen der reihe nach passiert, dann viel ödes land durch- 
wandert, bis er die vom Ister und dem Rhein bis zum nördlichen 
ocean (Bg. 4, 20) wohnenden Warnen erreichte und von dort zu 
den Dänen und über den ocean nach Thule (Scadinavien) gelangte, 
die zeit des Übertritts der ersten abteilung wird durch den comes 
Marcellinus zum j. 512 bestimmt, der ort oder die gegend wo er 
stattfand durch die ansiedlung der übertretenden auf der rechten 
seite der Sau bis über Belgrad (Singidunum) hinaus**, die zweite 
abteilung muss demnach zur selben zeit aus der Teisebene gen 



* s. anhang 14 b . 

** Prokop drückt sich zuerst Bg. 2, 14 unbestimmt aus, der kaiser Ana- 
stasius habe ihnen da bei den Römern zu wohnen gestattet, wo sie über den 
Ister gekommen waren; dann c. 15 bestimmter, mit berufung auf das früher 
gesagte, uxmtQ fioi i/ungoofttv dtdijyqitu laxrjauvxo ig t« Iv 'iXXvQtolg jfa>£*a, 
aber dennoch immer nicht ganz genau. Menander p. 285 Bonn, nennt beiläufig 
Unterpannonien den ehemaligen wohnsitz der Heruler d. h. den südlich von 
Sirmium an der Sau den Römern noch verbliebenen rest der provinz, Prokop 
selbst aber spricht c. 15 von 'EqovIois rot? a^uqp* Siyytjdova und 3, 33 von 
platzen, die der kaiser ihnen in Dacien, d. h. der dem praefecten von Dly- 
ricum untergebenen dioecesis im süden der Donau, u^yi noktv 2tyyqdöva ge- 
geben hatte, von wo aus sie sowohl in Thracien als in IUyricum heerten und 
teils wieder zu den Gepiden übertraten, teils auch im kriegsdienst der Römer zu 
gründe gi engen, Bo. 2, 13. 15. 3, 13. 34. 39. Bf. 1, 13 uö. Bv. 1, 11 usw. 
8. Aschbach Gesch. der Heruler s. 42 ff. 



96 DIE AUSBREITUNG DER SLAWEN 

norden aufgebrochen sein und, da die Langobarden noch oberhalb 
Pannoniens über der Donau safsen, 'alle Völker der Sclavenen' an den 
Karpaten und zwar zu beiden Seiten derselben getroffen, dann 
das 'viele öde land' nach nordwesten hin bis zu den Warnen und 
Dänen durchzogen haben, und gewis, wenn schon um mehr als 
hundert jähr früher die Slawen auf der nordseite des gebirges die 
Silinge am Zobtenberge erreichten, so darf erwartet werden dass 
sie gleichzeitig auch auf der Südseite möglichst vorrückten, wo 
sich ihnen eine lücke bot. vom sprachlichen Standpunkt lässt 
sich ihre ganze nordwestliche Verbreitung schliefslich als das er- 
gebnis einer zu beiden Seiten der gebirge parallel verlaufenen 
bewegung zweier abteilungen 6ines Stammes betrachten, dessen 
ursitz und ausgangspunkt im norden und nordosten der Karpaten 
lag und zum grösten teile endlich nachrückenden Ostslawen zufiel, 
ein datum wie die Silinge im norden fehlt jedoch für das vor- 
rücken auf der Südseite, da die erinnerung an die alten panno- 
nischen ^axdrcu, die das cechische Rakousy für Österreich wahr- 
scheinlich bewahrt*, nicht notwendig bis in die zeit vor dem ein- 
tritt der mit dem fünften Jahrhundert schon entschiedenen, hoch- 
deutschen lautverschiebung zurückreicht und cech. poln. Widen 
von Vindobona fast nicht weniger absteht als Vienni, Wiene. der 
ausbreitung stand von deutscher seite schlechterdings kein Hinder- 
nis mehr entgegen, nachdem die Langobarden gegen 530 über 
die Donau nach Pannonien gegangen waren und schon in den 
nächst vorhergehenden Jahrzehnten die Baiuvarier aus Baiahaim 
sich über den wald und ström gegen die Alpen vorgeschoben 
hatten** die landschaft Baias (Bauig) d. i. Baiahaim aber ward 



* s. anhang 1 mit anm. — in got. aqvizi mhd. akes, naqvafts naket, nikus 
nike8 ward auch die Verschiebung aufgehalten. — über Wien, Widen s. an- 
hang 14. 

** Über die fränkische völkertafel in den Abhandlungen der Berliner aca- 
demie 1862 s. 538. dass bei dem cosmographus Ravennas 4, 87 die zu der 
beschreibung Italiens gehörende erwähnung der 'Bauuarif einem seiner ältesten 
auctoren entstammt, kann man nicht behaupten, wenn der als nächster ge- 
währsmann hier 4, 29 genannte Castorius der secretär Gregors des grofsen war. 
aber die angäbe bei Jordanes c. 55 stammt dem zusammenhange, dem inhalte 
und der form und art nach — man vergleiche nur die übrigen, durch das 
ganze buch sich hinziehenden geographischen notizen und grenzbestimmungen 
— unzweifelhaft von Cassiodor c. 534 her. was neuerdings (1878) hr. Bach- 
mann in den Sitzungsberichten der Wiener academie über die einwanderung 
der Baiern vorgebracht hat, ist in jeder beziehung so verfehlt dass es hier 
keine Widerlegung erfordert, vgl. übrigens DLZ 1880 p. 9 f. 



GEGEN NORDWESTEN. 97 

schon von einem der ältesten auctoren des cosmographus Ravennas 
nur als ein teil der grofsen patria Albis Maurungani angesehen, 
die sich nach ihm von der Donau bis zur Ostsee und von der 
Elbe nach osten, von vielen Aussen und einem grofsen gebirge 
durchzogen, weit über die Oder hin bis zur Weichsel erstreckte 
(anh. 14 b ) und das 'viele öde land\ das die Heruler um 513 
nach der tradition bei Prokop von den Sclavenen an den Karpaten 
bis zu den Warnen und Dänen durchziehen, ist im gründe offen- 
bar dasselbe, nur beschränkt durch die Sclavenen am gebirge. 
Der name ist rätselhaft, sprachlich falsch und unmöglich ist 
die alte anknüpfung der Francorum linea (cosm. Rav. 1,11), des 
geschlechts der Merovinge an Maurungaland , nicht minder die 
neuerdings noch öfter wiederholte deutung aus m6r palus*; aber 
mit der grösten Zuversicht darf man behaupten dass er bei allen 
germanischen stammen bekannt und von dem ostlande in gebrauch 
gekommen war, seitdem es mehr und mehr von ihnen aufgegeben 
wurde, irgend eine spöttische oder verächtliche bedeutung muss 
daher wohl darin liegen, wenn auch nichts weiter, die dichtung 
und sage der Langobarden, die die grofse lücke ihrer vorzeit aus- 
zufüllen suchte seit sie nach dem stürze des Rugenreiches im 
j. 487/88 die Donau erreicht hatten, womit ihre eigentlich ge- 
schichtliche Überlieferung erst beginnt, geht so von einer mit den 
übrigen berichten wesentlich gleichzeitigen anschauung der 
nordöstlichen ebene aus. die Langobarden, nachdem sie als Win- 
niler aus Scadanau (Scadinavia) nach Scoringa, der küstenland- 
schaft** selbstverständlich im Süden der Ostsee gekommen sind 



* dass ags. alts. mör ahd. muor ein originales, durch ablaut aus a, nicht 
durch contraction aus au entstandenes 6 hat, muss jeder schulknabe wissen, 
wie altn. m^ri engl, mire sich zu mör verhalt, kommt hier nicht in frage; 
ebenso wenig aber maur mauri, mör möri Maurus, Aethiops für die deutung 
in betracht, und altn. isl. norweg. (Aasen 484) schwed. (Rietz 485 a ) maur for- 
mica, nach Biörn Haldorsen 2, 67 b auch mide, milbe und maurungr eine art 
dorsch, nur in dem falle wenn der nordische vocalstand neben dem in schwed. 
mjra dän. myre ags. m^re ndd. mire ndl. mier für den älteren, ursprünglichen 
gelten muss, was allerdings (vgl. Fick Wb. 3, 225 und dazu 2, 168) anzunehmen 
ist. die ehemalige weitere Verbreitung von maur, mauri vorausgesetzt könnte 
Maurunga- Mauringa- M^rgingaland ein übervölkertes land anzeigen und von 
den ausgewanderten nach dem gleichnis eines ameisenhaufens benannt sein, 
der name ist wie Quidilingaburg und alle auf -inga im ersten teile ausgehende 
ein echtes, eigentliches compositum. 

** diese erklärung von Scoringa aus ags. score engl, shore ndd. schore, 
schare ist schon in den Nordalbingischen Studien (1843) 1, 141 von mir gegeben. 

DKUTBCHB ALTERTUMSKUNDE II. 7 



98 1HE AUSBREITUNG DER SLAWEN 

und hier mit den Wandalen gekämpft haben, gelangen nach Mau- 
ringa, — wo die sage sie mit einem grofsen, aber rein fabulosen 
volk der 4 Assipitti' zusammentreffen lässt, blofs um den anfang 
ihrer praxis, ihre macht ron zeit zu zeit durch freilassungen zu 
verstärken, in die früheste vorzeit hinaufzurücken; sie gelangen 
darauf noch weiter durch verschiedene, zum teil auch nur zur 
ausmalung des weiten weges poetisch erfundene landschaften, 
— in deren namen aber die spuren des gleich in den ersten an- 
gaben sichtbaren , stabreimenden liedes sich fortsetzen , — endlich 
nach Burgundaib, zum zeichen dass auch die alte heimat der 
Burgunden im osten noch unvergessen war, wenn gleich die dich- 
tung die geographische läge und Ordnung nicht streng innezu- 
halten brauchte, sie sollen dann noch wiederholt mit den Bulga- 
ren gekämpft haben, was in die spräche des fünften Jahrhunderts 
übersetzt die Hünen sein würden; aber von Slawen ist in ihrer 
ganzen Wanderungsgeschichte niemals die rede*, nicht einmal zu- 
letzt bei ihrem abzuge nach Italien, obgleich ihnen damals volks- 
haufen der verschiedensten art aus dem ganzen umkreise der mitt- 
leren Donau, ja von der mittleren Elbe her zuzogen. 

Nach den daten der einheimischen Überlieferung erfolgte 
die Übersiedlung der Angeln und Sachsen nach Brittannien haupt- 
sächlich erst im laufe des sechsten Jahrhunderts und erhielt ihren 
abschluss als im letzten viertel desselben Mercien, das letzte von 
allen königreichen dort, in der mitte und im innern des landes 
durch das altanglische königsgeschlecht selbst begründet wurde**, 
dies muss erst damals, nachdem die küsten im osten, wie im 
Süden schon besetzt waren, und nicht früher hinüber gegangen 
sein, endlich mit fortgerissen von dem ströme der die gegenden 



* die deutung von Antaib als Antarum pagus bei Zeufs 472 kann nicht 
richtig sein, weil die Langobarden hochdeutsch sprachen, und die slawischen 
Anten hinter dem Dnjestr von ihrem wege völlig abliegen. 

** der primu8 rex Merciorum nach Florentius von Worcester, Creoda oder 
Crida, der vater des Pybba (Wibba), grofsvater des Penda, durch den Mercien 
seit 626 oder 633 erst machtig wurde, starb nach der ags. chronik a. 593 und 
wenn Penda 4 [>ä he tö rice feng' a. 626 fünfzig jähr alt war, muss er 576 ge- 
boren sein. vgl. Lappenberg Geschichte von England 1, 115 f. 151 f. 166 fit, 
auch die genealogie D usw. die küstenlandschaft Lindesse um Lincoln östlich 
von Mercien bestand noch um 630 unabhängig für sich, Lappenberg ß. 149. 
das reich Daira ward gegründet a. 560, Bernicia 547 nach der chronik und 
Ostangeln (Grimm Myth. 1 V) gewis nicht früher als Ostsachsen a. 527 und 
Middlesex, Lappenberg s. 114. 



GEGEN NORDWESTEN. 99 

über der untern Elbe und im norden der Eider entvölkerte und 
selbst ihm zuletzt den boden unter den füfsen entzog, und dieser 
entwickelung der dinge entspricht es durchaus und verleiht ihr 
volle historische gewisheit dass die geschichtlich epische erinnerung 
der Angelsachsen von diesseit der Nordsee eben nur bis zu dem 
angegebenen Zeitpunkt (gegen 575) und nicht darüber hinaus reicht 
das so genannte Wandererlied stellt, gleichsam um alle erinnerungen 
aus der alten heimat noch einmal kurz zusammenzufassen, einen 
der ganzen deutschen heldenweit kundigen Sänger, den Vidsid in 
den mittelpunkt des alten Germaniens. er ist von geburt ein 
Myrging (Maurung oder Mauring), und Myrgingaland, das nach 
einem alten könige Meära (Mauro) wie es scheint benannt sein 
soll *, erstreckt sich von der Donau bis zur Eider und wird noch 
wie ehedem von Svaefen (Sueben) bewohnt, er steht dort — und 
mit dieser anknüpfung tritt eine sonst unbekannte, aber unzweifel- 
haft echt historische tatsache aus der mitte des sechsten Jahr- 
hunderts ans licht — im dienste eines königs Eädgils (Audgisil), 
eines Schwiegersohnes des Eädvine (Auduin) und Schwagers 
des Älfvine (Albuin), des sohnes des Eddvine, den er auch 
schon in Italien kennt und auf dieselbe weise rühmt wie 
nach Paulus Diaconus 1, 27 es die Baiern und Sachsen und 
andere deutsche Völker im achten Jahrhundert in ihren liedern 
taten, aber 'ostwärts von Angeln' werden noch die Goten an der 
Weichsel gedacht, dort auch das alte reich der Burgunden und 
die Gepiden, mit denen die Vinedas gepart werden, eher wie im 
Beovulf 2494 an der Ostsee als unten in Siebenbürgen, von den 
Wenden oder Slawen ist auf jeden fall diesseit der Weichsel 
ebenso wenig die rede als in der langobardischen und der übrigen, 
von germanischer seite aus dem sechsten Jahrhundert stammenden 
Überlieferung aufser der herulischen bei Prokop, und damit ergibt 
sich unläugbar die tatsache dass die verlassenen östlichen land- 
schaften damals ringsherum gerade von den Germanen die sie 
teils selbst bewohnt hatten, teils ihnen am längsten nahe geblieben 
waren**, am wenigsten als verloren, sondern einstimmig immer 



* die Zusammenstellung von Meaca und ags. niaca alts. giraaco (Zs. 11, 277) 
ist falsch und sprachwidrig (Grimm gr. 1 3 , 345 ff.); es ist also die nahe liegende 
alte Vermutung aus den Nordalbingischen Studien von 1843 (1, 152 f.) wieder 
aufzunehmen. 

** über das Svavaland und den Fesselwald im süden der Ostsee in den alt- 
nordischen liedern s. Zs. 23, 139-141. 169 f. 



100 DIE AUSBREITUNG DER SLAWEN 

noch als solche angesehen wurden, auf die sie und ihre stammes- 
genossen das nächste, unverjährte anrecht hatten. 

Die Vorstellung von dem umfang des alten Germaniens konnte 
sich traditionell erhalten, die meinung aber, dass die Germanen 
auch überall noch als die herren zu betrachten seien, nur bestehen 
wenn die Slawen nicht gewaltsam als eroberer in dichten massen 
vorgedrungen waren, wenn sie vielmehr blofs in lockern scharen, 
die sich erst nach und nach verdichteten, ungefähr wie einst die 
Gallier im Decumatenlande nach Tacitus (Germ. 29), in den ver- 
ödeten räumen sich zerstreut und festgesetzt hatten, bei ihrer 
schwäche sich innerlich zusammenzufassen und dauernd selbst zu 
bestimmen sind die kriegsstürme, die die Goten, dann die Hünen 
im osten der Karpaten und über dem Pontus und der Donau er- 
regten, während des dritten, vierten und fünften Jahrhunderts 
über sie hin uud um sie her getobt und auch nicht einmal ge- 
schieht ihres tatkräftigen eingreif ens, ihrer teilnähme am kämpfe* 
kaum ihres daseins (s. 89) erwähnung. so konnten sie auch im 
osten der Elbe lange verborgen und unbeachtet bleiben, bis 6in 
ereignis über die grofse Veränderung, die sich hier im stillen voll- 
zogen hatte, plötzlich die äugen öffnete, es trat ein im siebenten 
zehnt des sechsten Jahrhunderts, bis dahin aber besteht was Zeufs 
636 behauptete völlig zu recht, dass man l im abendlande von der 
Elbe her schlechterdings noch keine Wenden kannte'. 

Die einfalle der Sclavenen und Anten in die römischen provinzen 
südlich der Donau beginnen mit dem regierungsantritt Justinians 
im j. 527 und wiederholen sich dann während eines menschen- 



* nach Schafarik 1, 129 uö. sollen freilich Finnen, Galinden und Veneden 
an dem grofsen scythischen kriege teil genommen haben und gegen 253 vom 
kaiser Yolusian besiegt worden sein zufolge einer münzlegende, die feierlich 
2, 657 unter den Zeugnissen der quellenschriftsteller aufgeführt wird, aber 
der kaiser Yolusian hiefs nach steininschriften c. vibivs afikivs gai.lvs 
VELDVMNIAUV8 volvsianvs (Borghesi Oeuvres 5, 278 f. vgl. CILat. 3 nr. 4741, 
2 nr. 4787. 4859 uam.); dies kürzte man auf münzen ab in c v af oal vend 
volvsianvs, r A<l>lN TAA OYEN OYOAOYCIANOC: statt veldvmnianvs auf den 
steinen haben die münzen nach Julius Friedländers Versicherung immer 
OYEN oder OYENJ. Vaillant las 1674/88 dafür c va p gal vend und TA 
<t>lN TAA OYEN und machte daraus Tandalicus ravdalixog Finnicus Galin- 
dicus Vendenicus' ohne auch nur zu bedenken dass die von besiegten Völkern 
hergenommenen beinamen nicht zwischen den namen C. und Volusianus stehen 
können, und Schafarik spricht dies getrost nach, verbessert noch 'Vendenicus' 
in Vendicus und kümmert sich ebenso wenig als jener um die steininschriften. 



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► v— •* • * * " 



GEGEN SÜDWESTEN. 101 

alters fast von jähr zu jähr, als streifzüge einzelner schwärme, 
aber auch in stärkeren massen und in gesellschaft oder unter führung 
der Bulgaren, der nachkommen der Hünen, die ihnen auf diesem 
wege vorangegangen waren, unternommen nicht um dauernder 
eroberung willen, sondern zunächst nur um zu plündern und 
menschen einzufangen, mögen auch einzelne häufen bei zügen, die 
schon bis nach Kleinasien und bis an den Peloponnes sich er- 
streckten, hier und dort sitzen geblieben oder auch von den 
Römern selbst nach getanem kriegsdienst angesiedelt worden 
sein*, ein stillstand in dieser bewegung trat ein gegen das ende 
der regierung Justinians, als es ihm im j. 558 gelang die plötz- 
lich im fernsten osten auftauchenden Awaren zu gewinnen und auf 
die bulgarischen stamme zu beiden Seiten der Maeotis und des Dons, 
dann auf die Anten zu hetzen**, der angriff der Awaren war so er- 
folgreich dass sie in wenigen jähren 562, durch die bulgarischen Ku- 
triguren verstärkt, über der untern Donau stehen, wo ihnen Justinian 
den ehemaligen wohnsitz der Heruler an der Sau und in Unterpanno- 
nien zur niederlassung anbieten lässt (Menander p. 285=205), 
selbstverständlich aber auch von ihnen dafür die anerkennung 
seiner oberherlichkeit und die Verpflichtung zum kriegsdienst ver- 
langt, sie danken und ziehen es vor einstweilen noch in 4 Scythien' 
zu bleiben, und sie erscheinen nun in kurzem*** im osten des 



* s. anhang 15. 
** Menander p. 282 ff. Bonn. (= Müller FHGr. 4, 203 f.). er lässt p. 287 f. 
(p. 21 8 f.) die awarischen gesandten im j. 565 zum neuen kaiser Justinus sagen 
^naiiQct jov aov (fiögotg hp«$ qilotfQoyovfjitvov ccvTtdu>Qov/2t&a tw xal dvvd- 
Pivot fii} xaTaTQtxihv xi\v 'PtapttixinV) aXXä nXiov lydtixvvo&ai t*. jovg yag ix 
ytbioviav vf*iy ßagßaQovs, J>jv GQftxrjv dtl ntQixbmovTaq, rjyaviaa (Atv äd-Qoov, 
xal ovdilg oanoovv avtuiv mgikektinTai r« Gq^xui* ogia/uara xaradQctfiov- 
fAtvog' 1 . xi X. 

*** yon dem empfange, den Justinus kurz nach seiner thronbesteigung im 
november 565 den awarischen gesandten zu teil werden liefs, gibt Menander 
p. 286 = 2 18 f. eine ebenso rhetorische darstellung, als Corippus in Justin. 
3, 151 ff. 231 ff. und es ist ebenso unwahr bei ihm dass die Awaren erschreckt 
durch die abweisung des neuen kaisers *lg iqv tüv *l*^dyyiav xüq«v abgezogen 
seien, als bei diesem v. 300 ff. dass sie damals nach besiegung der entlegneren 
nördlichen Völker, wie im j. 562, noch an der Donau gestanden hätten, eine 
dritte naivere darstellung von dieser audienz und deren Vorgeschichte gibt 
der gleichzeitige Syrer Johannes von Ephesus in seiner Kirchengeschichte 5, 24 
(übers, von Schönfelder s. 253). ohne zweifei wüste Justinus sehr gut dass 
im augenblicke nichts von ihnen zu furchten sei, und aufserdem waren schon 
562 auf seine eigne veranlassung und unter beiner mitwürkung an der Donau 
die nötigen anstalten zu ihrem empfange getroffen, nach Gregor von Tours 



102 DIE AUSBREITUNG DER SLAWEN 

fränkischen reiches an der Elbe, zweimal in verschiedenen jähren 
kämpft hier Sigibert von Austrasien mit ihnen, das erste mal sieg- 
reich, das andre mal unglücklich; aber dennoch kommt ein friede zu 
stände dass der Awarenchan mit den seinen von Sigibert verprovian- 
tiert nach drei tagen abzieht (Menander p. 302 f. = 230) und dass 
'sie zeitlebens nicht wieder krieg mit einander anfiengen' (Gregor. 
Turon. 4, 29), offenbar weil Sigiberts schwager der Langobarde 
Albuin mit einem plan oder einem anerbieten dazwischen trat, 
das den chan und sein volk alsbald in den unabhängigen besitz 
von Dacien und Pannonien setzte. 

Der einbruch der Awaren und dann ihre niederlassung an 
der Donau war, wie Zeufs wohl zuerst erkannte, entscheidend für 
die ausbreitung der Slawen; einen gar verhängnisvollen anteil 
aber hat auch Albuin daran genommen, die gewöhnliche phrase 
dass er blofs aus wildem grimm und stammeshass mit den Awaren 
zum Untergang der Gepiden sich verbündet habe, ist töricht, der 
Vernichtung der Gepiden in Dacien im j. 567 folgte gleich im 
nächsten frühling der aufbrach der Langobarden aus Pannonien 
nach Italien, das erbe der Goten, dessen sich der Franke Theude- 
bert allzu frühe hatte bemächtigen wollen, lag schon lange wie eine 
beute lockend vor den äugen Albuins und seines Volkes da. vor 
etlichen jähren von 550—552 hatten selbst schon mehrere tausend 
Langobarden dort unter Narses gegen die Goten mitgekämpft, aber 
um die beute zu ergreifen musten sie sicher sein dass nicht ein 
feind sich ihnen an die fersen heftete, ein Zuwachs an macht, 
mannschaft und habe konnte ihnen aufserdem für ihr unternehmen 
nur erwünscht sein, so verfielen die Gepiden dem geschick. die 
eine hälfte der beute und ein teil des Volkes folgte jenen über 



4, 23 (vgl. Paulus Diac. 2, 10) kämpfte Sigibert von Austrasien zum ersten 
male mit ihnen 'post mortem Chlothacharii regis', also nach 561, nachdem er 
sich mit seinen brüdern in das reich geteilt, und er schliefst freundschaft mit 
dem chagan um sich gegen Chilperic zu wenden, der ihm während seiner ab- 
wesenheit mehrere städte seines anteils weggenommen hat. das zweite zu- 
sammentreffen, als die 'Chuni Herum in Gallias venire conabantur', fand auch 
nach Gregor 4, 29 mindestens wohl ein paar jähre später statt, dass das letzte 
abkommen mit dem chagan mit den Verhandlungen zwischen ihm und Albuin 
zusammen, also wahrscheinlich ins j. 566 fiel, darf man schon aus der aufein- 
anderfolge der excerpte aus Menander p. 302. 303—305 (p. 280 f.) schliefsen. 
die langobardischen Verhandlungen mit jenem aber sind augenscheinlich von 
Menander wieder ebenso rhetorisch ausgeputzt wie die audienz der Awaren 
bei Justinus udglm. 



GEGEN SÜDWESTEN. 103 

die berge, die andre hälfte und das land der besiegten nebst 
dem der abziehenden bundesgenossen verblieb den Awaren, deren 
neue Stellung — im tieflande ati der Teis und Donau — und bis- 
herige laufbahn sie ebenso sehr gen Constantinopel wies, als 
Albuin sein weg nach Italien, von allen Völkern, die damals 
rings um die mittlere Donau wohnten, selbst von den mit den 
Awaren neu angekommenen Bulgaren liefen ihm bei seinem ab- 
zuge häufen zu; nur Slawen werden nicht mit darunter genannt 
(Paul. 2, 26). aber die Wirkung desselben reicht noch weiter, 
die 'Suavi\ die Wacho zu anfang des Jahrhunderts der herschaft 
der Langobarden unterwarf (Orig. Lang. Paul. 1, 21), sind zunächst in 
den alten Wohnsitzen der Marcomannen und Quaden über der Donau 
zu denken; nördlicher aber im Eiblande diejenigeu deren könige 
Albuins vater, Auduin, seine tochter gegeben hatte (Haupts zs. 
11, 278 f.). diese Nordschwaben, die Überbleibsel der taciteischen 
Semnones hatte ohne zweifei zuerst der ansturm der Awaren ge- 
troffen, als der chan Bajan a. 566 einerseits mit Sigibert von Franken, 
andererseits mit Albuin seine vertrage schloss, wird auch über 
ihr Schicksal entschieden sein, ein teil von ihnen und mehr als 
20000 Sachsen mit weib und kind folgten Albuin 568 nach Italien, 
der andre teil ward von Sigibert in die von den Sachsen verlassenen 
Wohnsitze diesseit der Elbe aufgenommen (Greg. Tur. 5, 15. Paul. 
Diac. 2, 6. Widuk. 1, 14). das abkommen das die drei fürsten trafen 
war von welthistorischer bedeutung: indem die Schwaben den 
ältesten sitz der Germanen zwischen Elbe und Oder räumten, die 
Gepiden der Vernichtung anheim fielen, Albuin mit den seinen 
nach Italien abrückte, die Awaren an der Donau ihre Stellung 
einnahmen, war diesen und in ihrem gefolge den Slawen der ganze 
osten, soweit ihn die Germanen beherscht hatten, preis gegeben 
und alle Überreste derselben, die noch innerhalb dieses bereiches 
safeen, waren unrettbar über kurz oder lang verloren, aufser wo sie, 
wie im Donautal bis zur March und Leita sich an stammesgenossen 
in ihrem rücken anlehnen konnten*. 

* s. aohaug 14. 



IV. 

DIB GALLIER UND GERMANEN. 



Demetrius von Kallatis am Pontus erwähnte in einem seiner 
zwanzig bücher über Asien und Europa des todes des Hiero von 
Syrakus im j. 216 (Lucian Macrob. c. 10). noch vor ablauf des 
zweiten Jahrhunderts rühmt ihn dann Agatharchides (de rubr. mar. 
§ 64) als einen der ausgezeichnetsten kenner des nordens und da 
ihn aufserdem Dionysius (de verb. comp. p. 30 R.) mit Polybius 
zusammenstellt, so darf man ihn für einen Schriftsteller halten 
der um oder gegen die mitte jenes Jahrhunderts lebte, dazu 
stimmt dass er die Bastarnen imjXvdsg nannte*, ihre ankunft an 
der Donaumündung also selbst erlebt und bei der nähe seiner 
Vaterstadt gewisser mafsen selbst mit angesehen hatte oder von 
älteren Zeitgenossen darüber unterrichtet war. durch das epithe- 
ton wird auf die ankunft als ein ereignis das sich bei menschen- 
gedenken begeben hingedeutet, diese aber wird nicht allzu lange 
vor dem j. 182 erfolgt sein, denn nur wenn die Bastarnen noch 
nicht lange an der Donau ansäfsig waren, konnte füglicher weise 
könig Philipp von Macedonien auf den gedanken kommen sie zu 
einer weiteren auswanderung an die nordgrenze seines reiches 
aufzufordern, um durch sie der nachbarschaft der feindseligen 
Dardaner ledig zu werden und dann sie von da aus zu einem an- 
griff auf die Römer in Italien zu gebrauchen, die Unterhandlungen 



* Scymnus 797. die metrische Schwierigkeit aus der prosa des anonymus 
(perip. Pont. Eux. § 63) den vers herzustellen lässt KMüller zweifeln ob die 
notiz aus dem iambographen genommen; aber weder Ephorus, den dieser bei 
der beschreibung des Pontus zu gründe legte, noch Artemidor, den der anony- 
mus aao. vorher wohl aus Marcianus anfuhrt (GM. l,cxvn), können als Zeit- 
genossen von der ankunft der Bastarnen gesprochen haben; es bleibt für die 
notiz also nur der v. 117. 719. 796. 879 von dem iambographen bei der be- 
schreibung des Pontus citierte Kallatianer als gewährsmann übrig. 



DIE BASTARNEN. 105 

darüber, in jenem jähre schon im gange, führten drei jähr später 
zu einem aufbruch der Bastarnen, aber der tod des königs liefs 
es nicht zur vollständigen ausführung des Unternehmens kommen: 
nach einem unglücklichen zusammentreffen mit den Thrakern im 
gebirge gieng ein teil der ausgezogenen zurück über die Donau, 
und auch die dreifsig tausend, die unter der anführung des Clon- 
dicus nach Dardanien vordrangen, schlugen im winter 175 den- 
selben weg wieder ein (Liv. 40, 5. 57 f. Polyb. 26, 9. Liv. 41, 19. 
23. Oros. 4, 20). derselbe Clondicus war dann noch einmal im 
j. 168 bereit mit zwanzig tausend mann dem Perseus gegen die 
Römer beizustehen; allein der könig entfremdete durch seine karg- 
heit sich die bundesgenossen*. 

die quelle dieser nachrichten ist Polybius** er schilderte 
die Bastarnen als ein zahlreiches, streitlustiges, verwegenes und 
ruhmrediges volk von gewaltiger leibösgröfse und schrecken er- 
regendem aussehen, das weder ackerbau noch Schiffahrt kannte 
und von der Viehzucht zu leben verschmähte, indem es nur auf 
krieg, kriegerische tibung und ausbildung bedacht war. von ihrer 
trunkliebe und der gefährlichkeit dieser neigung für sie gibt eine 
spätere nachricht bei Dio 51, 24 einen beleg zu Germ. 23; zu- 
gleich erfährt man dass sie auf ihren zügen hinter dem heere 
weiber und kinder auf wagen mit sich führten, ihre reiter kämpften 
mit fufsvolk gemischt, so dass jeder reiter einen parabaten hatte ***. 

* Liv. 44, 26 f. Diodor 30, 24 p. 580 W. Plutarch Aem. Paul. 9. 12. 13, 
Appian Maced. 18. nach Livius und Plutarch 12 waren es 10,000 reiter und 
ebenso viele parabaten. nach alter regel (Haupts zs. 10, 552 f.) ergäbe dies 
ein fufsheer von 200,000 mann und die volkszahl der Bastarnen würde wohl 
auf 700,000 köpfe, wenn nicht mehr, geschätzt werden müssen. 

** HNissens Untersuchungen über die quellen des Livius s. HO f. 114 f. 
234 f. 238. 240 f. 264. 300: nur Plutarch c. 9 ist aus einer andern, der poly- 
bischen darstellung nahe verwandten quelle, Nissen aao. s. 299. die haupt- 
stelle für die characteristik des Volkes ist Plutarch c. 12, vgl. Zeufs 53. 129. 
einen Bastarnen von fünf eilen länge erwähnte Posidonius, bei Athen, p. 213. 
*** aufser Plutarch vgl. Livius 44, 26. auch Valerius Flaccus Argon. 6, 95 ff. 
kannte diese karopfweise bei den Bastarnen 'ast ubi Sidonicas inter pedes 
aequat habenas, illinc iuratos in se trahit Aea Batarnas, quos duce Teuta- 
gono crudi mora corticis annat aequaque nee ferro brevior nee rumpia ligno'. 
die 'Sidonicae habenae 1 sind bastamische reiter, weil Valerius auch schon die 
Sidones (s. unten) als eine abteilung des Volkes kannte, darnach darf man 
auch seine beschreibung der bewaflhung wohl nicht als erfunden oder nach 
Wahrscheinlichkeit angenommen ansehen, obgleich seine rumpia (fro/uyata), 
sonst von lateinischen Schriftstellern als synonym mit framea gebraucht, der 
framea des Tacitus (Germ. 6) durchaus nicht entspricht 



106 !>IE BASTARNEN. 

sie zerfielen in mehrere stamme und abteilungen (nXsl& yttta, 
Strabo p. 306) und standen unter königen oder kleinkönigen (re- 
gulis) und häuptlingen aus edlem und königlichem geschlechte*, 
von denen einer bei einem heerzuge als führer an die spitze trat 
und deren dienst und gunst durch geschenke an rossen und 
pferdeschmuck, gewand und gold und silber zu gewinnen war 
(Liv. 44, 26). genau alle diese züge findet man sonst bei den 
Germanen wieder, freilich auch wohl alle bei den Kelten, und Po- 
lybius 26, 9. 29, lf. sowie seine nachfolger** nennen die Bastarnen 
raXdiai und Galli, ja König Philipp soll auf eine Verständigung 
zwischen ihnen und den keltischen Scordiskern wegen der gleichheit 
ihrer spräche und sitte gehofft haben: 'nee enim aut lingua aut 
moribus aequales abhorrere', Liv. 40, 57. wie aber kämen Kelten 
auf die nord- und ostseite der Karpaten um von da aus an die 
Donaumündung vorzudringen? Polybius, in der meinung dass die 
Bastarnen wie die Scordisker Galater seien, hat leicht dem könige 
etwas untergelegt woran dieser so nicht denken konnte, wenn er 
genossen beider Völker neben einander kennen gelernt hatte, die 
Wahrnehmung dass Bastarnen und Scordisker dieselbe spräche 
redeten wird jedesfalls nicht die Ursache gewesen sein dass man 
jene für Galater erklärte***, sondern nur die dass das an den 
Karpaten aus dem nordwesten vorgedrungene, bisher unbekannte 
volk weder zu den Scythen und Sarmaten rechts auf der steppe 
über dem Pontus, noch auch links zu den Geten oder Daken und 
Thrakern an der Donau gehöre; man rechnete es also zu dem 
grofsen stamme dem man nach allgemeiner ansieht den ganzen 
nordwesten einräumte (DA. 1, 484 f.). hierin zeigt sich nur grie- 
chischer Sprachgebrauch und griechische auffassung, und vielleicht 
hatte der volksstamm, von dem die Bastarnen ausgegangen waren, 
bei den scythischen und dakischen Völkern am Pontus und der 
Donau ebenso wenig einen besondern gesamtnamen als ehedem, 
wie es scheint, bei den übrigen oststämmen****. auf jeden fall 



* Liv. 40, 5 nobiles iuvenes et regii quosdam generis, quorum unus so- 
rorem suam in matrimonium Philippi filio pollicebatur. 40, 57 Cotto nobilis 
Bastarna. 40, 58. 44, 26 prineipes. 40, 58 Cloudicus dui. 44, 26 Clondicus 
regulus. Dio 51, 24 JikJtay ßaodtvq. Oielli IL. nr. 750 (Böckh GIG. 2, 82) 
reges Bastarnarum. 

** nur Appian schlagt die Bastarnen zu ihren westnachbaren, den Geten 
(Daken), wie Dio 51, 23 zu den Scythen, ihren ostnachbaren. 
*** 8. unten über das olbische psephisma. 

denn Njemez <L i. der stumme, nicht redende hiefs dem Slawen ur- 



DIE BASTARNEN. 107 

war hier der name Germanen unbekannt und ebenso damals bei 
den Griechen, man konnte daher erst als man^ diesen im westen 
kennen und Germanen und Galater unterscheiden gelernt hatte, 
zu einer andern richtigeren ansieht von der nationalität der Ba- 
starnen übergehen. 

Schon im ersten kriege des Mithridates gegen die Römer 
von 88—84, dann im zweiten gehören die Bastarnen zu seinen 
hilfsvölkern von der nordseite des Pontus, als das dXx^aitaxov 
avtdiv ydvog gerühmt, und gleich im beginne des letzteren im 
j. 74 zeichnen sie sich bei Chalcedon in Bithynien aus*, so 
konnte auch Pompejus im j. 61 mit über sie triumphieren**, da- 
mals kannte man schon in Rom den namen Germani, und wenn 
auch nicht Mithridates und der von ihm im j. 70 getötete Me- 
trodorus von Skepsis (s. unten), so kann doch Posidonius von 
Apamea oder Rhodus in seiner geschichte der mithridatischen 
kriege und des Pompejus sich desselben bedient haben, ihm und 
seinen Zeitgenossen, teils gefährten des königs, teils des Pompejus 
verdankt Strabo hauptsächlich seine beschreibung der gegenden 
nördlich vom Pontus. Strabo p. 93. 118. 128. 289. 294 ff. 305 f. 
setzt die hauptmasse der Bastarnen zwischen die Germanen und 
die Tyregeten am Dnjestr oberhalb der Geten oder Daken, also 
wie Plinius (4 § 80 f.), Ptolemaeus ua. an die äufsere seite der 
Karpaten, nur einen teil von ihnen, durch die Getensteppe in 
Bessarabien getrennt, auf die Donauinsel Peuke, wonach sie ins- 



sprünglich doch wohl jeder fremde und ausländer im gegensatz zu dem Slo- 
wenen, dem verständlich redenden (Zeufs 68, Schafarik 2,42, Miklosich Rad. 
8. 10), ehe daraus der name für die Germanen oder Deutschen wurde, 'in 
einer altböhmischen glosse (Hanka p. 4 bei Zeufs) übersetzt nemec das lat. 
barbarus' und das unabgeleitete nemü stumm hat in altslawischen quellen noch 
mehrmals die bedeutung 'eine fremde spräche redend', auch der besondere 
name der Aestier für die Deutschen, litt. Wtfkietis lett. VYahzeets Wahzis, da 
er die Nordmannen, Dänen Schweden und Norweger nicht mit umfasst, scheint 
in die urzeit nicht hinaufzureichen, hängt er mit litt, wökti verstehen oder 
wökti mähen, das feld bestellen zusammen? in litt. Tauta oberland, Deutsch- 
land, lett. tauta gens, natio zumal extranea, tautisks extraneus liegt die be- 
griffsentwickelung noch ganz deutlich vor, die zum teil auch im slawischen 
tudj stattfindet, Schafarik 1, 314 f. dem Finnen heilst der Deutsche nur nach 
dem nördlichsten stamme Saxa, Saxaläinen. 

* Appian Mith. c. 15. 69. 71, Fosid. bei Athenaeus p. 218, Memnon c. 39 
Fug. 3, 545, Justin 38, 3. 

** doch sind die 'Bastreni' bei Plinius 7 § 98 eher 'Bostreni', wie schon 
in einer hs. corrigiert ist, als Basternae. 



108 DIE BASTAENEN. 

gesamt, besonders bei den Römern, Peucini hiefsen, und er ver- 
mutet dass sie vielleicht von germanischer abkunft seien: 6%sd6v 
%% xal avrol xov RQfiavMov ydvovg ovtsq p. 306. so könnte schon 
Posidonius oder einer der andern, von den Römern unterrichtet, 
sich ausgedrückt haben und durch den ausdruck treffend den 
Übergang zu der neuern, besseren ansieht bezeichnen, es könnte 
auch bald nach ihnen Sallust in den Historien ähnlich von den 
Bastarnen gehandelt, ja sie vielleicht schon ganz als Germanen 
behandelt haben, nur schade dass es dafür an jedem bestimmten 
Zeugnisse und damit leider auch für die ganze Germania, die man 
ihm neuerdings angedichtet hat, an einem haltpunkte fehlt. 

Bei dem wiederholten zusammentreffen der Römer mit den 
Bastarnen konnte indes die bessere einsieht nicht lange ausbleiben, 
berichtet wird noch dass C. Antonius der College Ciceros im j. 60, 
dann M. Crassus als legat des Augustus mit ihnen kämpfte*, und 
nachdem damals die untere Donau reichsgrenze geworden, stand 
man in ununterbrochener, unmittelbarer beziehung zu ihnen. Plinius 
4 § 100 stellt nun ohne irgend welchen zweifei die Peucini Ba- 
sternae, die nachbarn der Daken, als fünfte grofse abteilung der 
Germanen auf. dazu kommt dann das zeugnis des Tacitus dass 
sie 'sermone eultu sede ac domiciliis' wie Germanen lebten, und 
wenn auch ihre entartung in Sarmatarum habitum sein bedenken 
wegen ihrer nationalität erregte, so schliefst doch der deutsche 
sermo in Wahrheit jeden zweifei aus. aufser ihrer fast isolierten 
läge erklärt und rechtfertigt die entartung nur die besondere auf- 
stellung und abtrennung der Bastarnen von den übrigen Germanen 
bei Plinius. inmitten einer undeutschen Umgebung muste ihre 
entfreradung im laufe der zeit noch zunehmen, so sehen wir sie 
zwar in der reihe der östlichen Völker die sich im marcomannischen 
kriege auf die römischen provinzen an der unteren Donau warfen 
(Capitol. Marc. c. 22), dann auch noch im dritten jh. an den zügen 
der Goten teil nehmen, bald aber werden von Probus ihrer hun- 
dert tausend auf römischen boden verpflanzt (Zeufs 442) und damit 
verschwindet ihr name aus der geschichte. eine Verschmelzung 
mit den nachgerückten stammesgenossen war nicht zu stände ge- 
kommen und wohl nicht mehr möglich gewesen. 

Freilich der beweis dass das bastarnische eine deutsche 
Sprache war lässt sich aus seinen wenigen Überresten nicht mehr 



* s. unten über die Geten. 



DIE BASTARNEN. 109 

ftthren. drei personen- und drei völkernamen sind ein allzu spär- 
liches material für den zweck und, abgesehen von ihren entstel- 
lungen durch die abschreibe^ ist eine getreue auffassung und 
wiedergäbe deutscher laute, wo diese zum ersten male und wohl 
nur durch den mund von Thrakern und andern barbaren vermittelt 
nach Griechenland hinüber drangen, kaum zu erwarten, doch ist 
Clondicus unzweifelhaft mit dem freilich auch nicht unentstellten, 
kimbrischen Claodicus derselbe name (Zeufs 143), der ahd. Hludih, 
Hludihho alts. Hludico lauten würde. Cotto bei Livius, eine hy- 
pokoristische form, kann mit anlehnung an den thrakischen Cotys 
etwa dem alts. Goddo, dem das ahd. feminin Gota zur seite steht, 
entsprechen und JiXdcov bei Dio lässt sich der gestalt nach mit 
alem. Talto (tr. SGall. nr. 52 a. 769) vergleichen. Bastarna oder 
Basterna — beide Schreibungen halten sich ungefähr die wage, 
doch ist jene die ältere* — ist dem stamme nach dunkel, aber 
die ableitung dieselbe wie in dem deutschen volksnamen Cugerni, 
wie in got. viduvairns orbus, ahd. isarn untarn bilarn zuitarn 
diomä. verderbt scheint "Axpovot,, name des einen bastarnischen 
Stammes bei Strabo; dagegen der des andern JSiöoveg gleich dem 
suebischen mannsnamen Sido bei Tacitus , ahd. Sito (tr. Fuld. 
nr. 465 a. 826)**. trotz der Ungunst der Überlieferung ergibt 
sich doch immerhin eine gewisse bestätigung für die behauptung 

* Bastarna Polyb. Posidon. Scymn. Augustus (rer. gest. 5, 52) Liv. Strabo 
tit. T. Plant Valer. Flacc. Tac. Dion. perieg. tab. Peut. Dio, Basterna Plin. 
'L. Yalerius Basterna' (Monnments epigr. du musäe national hongrois, Buda-Pest 
1873, nr. 185) Appian» Memn. Ptol. Capitolin. Vopiscus. die erklärung von Zeufs 
127 ist völlig unhaltbar, weil bart lat. barba lit. barzdä slaw. brada wurzel- 
haftes r hat. auch Grimms deutungsv ersuch (6DS. 461) schlägt mindestens 
insofern fehl als Schilde nicht aus hast gemacht wurden und 'cortex' auch 
nicht bast bedeutet, ein Zusammenhang mit bast oder mit altn. basta ahd. 
bestan mhd. besten 'schnüren, binden 1 ist überhaupt nicht wahrscheinlich, da 
hiefür unter unseren volksnamen jede analogie fehlen wurde. — Teutagonus, 
der name des bastarnischen fuhrers bei Yalerius Flaccus, würde nur dann für 
echt bastarnisch, nicht für frei gewählt zu halten sein, wenn die person der 
bastarnischen geschichte oder sage angehörte, ist der name, wie kaum zu be- 
zweifeln, von dem dichter frei gewählt, so darf man darin höchstens eine an- 
erkennung oder andeutung des verwandtschaftlichen Zusammenhangs des Volkes 
mit den germanischen Teutonen erblicken. 

** dass auch Yalerius Flaccus die Sidones als eine abteUung der Bastarnen 
kannte, ward schon bemerkt s. 105, er behandelt aber die erste silbe des namens 
als lang s. 105, und wegen des reinen, ungebrochenen vocals scheint es dass die 
Römer überhaupt in Sidones und in Sitones (s. 4 f.) die erste sübe als lang 
auffassten. 



1)0 DIE BASTARNEN. 

des Tacitus, diese selbst aber muss neben der angäbe des Plinius 
für ein ergebnis langjähriger erfahrung kundiger Römer gelten 
und daher für ein vollgiltiges zeugnis, das kaum einer andern 
stütze bedarf. 

Die Bastarnen sind demnach die ersten Germanen die aus 
ihrer heimat aufbrachen und in den näheren bereich der alten 
culturwelt eintraten, sie müssen von den Ostgermanen an der 
Weichsel ausgegangen sein und von dem umfang der bewegung, 
die diese damals ergriffen hatte, gibt noch eine merkwürdige Ur- 
kunde zeugnis, das psephisma der bürgerschaft von Olbia (CIG. 
nr. 2058) zu ehren des reichen Protogenes, der mehr als einmal 
seine Vaterstadt durch grofse opfer und leistungen aus der be- 
drängnis gerettet hatte, die inschrift gehört ihrem schriftcharacter 
nach* zu den ältesten aus Olbia erhaltenen und noch der rein 
hellenischen zeit der Stadt an, ehe die bürgerschaft von barbarischen 
oder halbbarbarischen dementen erfüllt war. die blute des ge- 
meinwesens und des reichtums, dem sie ihren namen verdankte, 
aber war schon vorüber, auf der steppe jenseit d. h. östlich vom 
Bug hauste ein könig Sa'itapharnes und ein volk der Saler und 
die Stadt war keineswegs in der Verfassung gewesen um den 
wiederholten tributf orderungen jedesmal aus ihren mittein genüge 
zu leisten, dann drohten von westen her andre gefahren. Ga- 
later und Skiren hatten einen bund geschlossen und eine grofse 
macht zusammengebracht um im winter die Stadt anzugreifen: 

TaXäxaq xai 2xiqovg nenoifjad-cu cvfifjta%iccp xai dvvafiw <Jvvfjx&<** 
fjuyäXijv xai Tavttjv tov %eip&vo$ ij&iv', die Thisamaten und Scythen 
und Saudaraten, zwischen jenen und der Stadt, fürchten gleichfalls 
den angriff und die grausamkeit der Galater — %r\v %&v Talaxäv 
wfAovtjta — und denken sich auf die Stadt zu werfen und hier 
schütz zu suchen; diese aber ist, da ein früherer krieg die 
Sklavenschaft und die 4 Mischgriechen' (Mk£4Xlyreg) in der um- 
gegend zu gründe gerichtet hatte und schon die furcht viele 
fremde und bürger vertrieb, geschwächt und fast dem feinde preis 
gegeben, weil ihr zu einem grofsen teile befestigungen fehlen, die 
erst durch die beihilfe des Protogenes hergestellt werden. 

Die bevölkerung der Umgebung Olbias war darnach nicht 
mehr dieselbe wie zur zeit Herodots. statt der alten skolotischen 
Scythen sind, wie die namen lehren, sarmatische häufen einge- 



* vgl. Hermes 3, 441 f. Rhein, mus. 24,561. 



DIE BASTARNEN. 111 

drangen und von jenen scheint nur noch ein bruchteil neben 
diesen übrig zu sein, doch fehlen noch die Iazygen und Rhoxolanen, 
die wenigstens schon zu ende des zweiten jhs. vor Ch. zur zeit 
Mithridats die steppe beherschten. die zustände sind noch neu 
und die Stadt hat sich noch nicht auf die veränderten Verhältnisse 
eingerichtet am wenigsten war sie auf einen angriff der barbaren 
von westen her gerüstet: 'alles deutet an dass noch die ersten 
schrecken des einbruchs herschten'*. der frühere krieg, von dem 
die rede ist, war ohne zweifei der erste angriff gewesen, bei dem 
die umgegend verwüstet wurde, die Stadt selbst noch verschont 
blieb; bei dem für den winter erwarteten neuen angriff war zu 
befürchten dass sie selbst den barbaren in die hände fiel. 

Man hat nun die Galater für Scordisker von der Morawa ge- 
halten, oder auch für die Galater die im dritten jh. ein reich 
südlich vom Haemus hatten, dann aber mit recht die Bastarnen 
in ihnen erkannt** dafür spricht ihre Verbindung mit den Skiren. 
wir würden über diese dinge ohne zweifei klarer sehen, wenn uns 
das buch des gleichzeitigen Kallatianers Demetrius oder nur mehr 
daraus erhalten wäre, als die dürftige notiz, wonach er die Ba- 
starnen ankömmlinge nannte, aber die Skiren sind unzweifel- 
haft ein deutscher stamm von der untern Weichsel, wo Plinius 
(4 § 97) sie zuerst als anwohn er des flusses nennt, und das auf- 
tauchen ihres namens liefert eben den beweis für die ausdehnung 
der bewegung, die zuerst deutsche Völker über ihre heimatliche 
grenze hinaus trieb und die man nach ihnen die bastarnische 
nennen kann. 

Die Skiren der inschrift waren nur, wie die Harudes im 
suebischen beere des Ariovist, ein aus gröfserer ferne nachrückender 
volks- und heerhaufe, der sich mit den früher gegen den Pontus 
und die Donau vorgedrungenen vereinigte, die der Grieche im all- 
gemeinen als Galater, bald nach dem hervorragendsten volke, das 
die teile der übrigen allmählich in sich aufnahm, als Bastarnen 
zusammenfasste. die Galater auf der olbischen inschrift beweisen 



* Niebuhr KL seh. 1, 384. 

** Zeufsöl. 128, Duncker Origg. German. p. 80 ff., der Böckhs deutung auf 
die Scordisker, sowie die von Adolf Schmidt (Rhein, mus. 1836) auf die Galater 
von Tyle am Haemus mit recht zurückweist, dass Mommsen (Rom. geseb. 2 a , 
271 f.) die inschrift vor Mithridates setzt, ist allerdings richtig; aber sie wird 
nahezu hundert jähr früher faUen, so dass man sie nicht zur Ulustration der 
zustande, die der könig im norden des Pontus vorgefunden habe, be- 
nutzen kann. 



112 DIE KIMBERN UND TEUTONEN. 

dass die Griechen bei dieser benennung nur von der herschenden 
ansieht von der Verteilung der grofsen barbarenvölker im um- 
kreise der oekumene und nicht etwa von einer bestimmten ver- 
gleichung der ankömmlinge mit den Scordiskern oder sonst einem 
keltischen stamme ausgegangen sind (s. 106). die Ursache der be- 
wegung aber kann nicht in dem preufsischen bernsteinhandel ge- 
legen haben, selbst wenn ihn die Griechen, wie es erwiesener 
mafsen nicht der fall war (DA. 1, 213 ff.), vom Pontus aus unter- 
halten hätten ; denn dann würden die Skiren von der Ostsee nicht 
als nachzügler, sondern wie die Goten im zweiten und dritten 
Jahrhundert nach Ch. als führer am Pontus erschienen sein, die 
bewegung gieng vielmehr von der oberen Weichsel aus, wo die 
Bastarnen auch noch später ihren stammesgenossen nahe blieben, 
und griff dann erst weiter um sich, gewis war sie nur hervorge- 
rufen durch den anreiz den die südliche eultur überhaupt vom 
Pontus und der Donau aus nach norden hin verbreitete. 



Ungleich gewaltiger als die Bastarnen im osten sollten noch 
in demselben Jahrhundert, etwa noch siebzig jähre oder reichlich 
zwei menschenalter später, im westen die Kimbern und Teutonen 
hervorbrechen und wie ein verheerendes gewitter fast das ganze 
westliche Europa von dem eingang zur griechisch-thrakischen haJb- 
insel an der Drau und Sau bis zum Ebro und zur untern Seine 
durchtoben, dann noch die Alpen übersteigen und in die Poebene 
sich ergiefsen. noch nach zwei hundert jähren zeigte man dies- 
seit und jenseit des Rheins und der Donau ihre weiten lager als 
zeugen der masse und menge des Volkes und der gröfse der aus- 
wanderung (Germ. 37). der Gigantomachie der griechischen my- 
tholögie ähnlich stehen die Kimbernkriege im anfange unserer 
geschichte: sie sind der anfang unseres kampfes mit Gallien und 
mit Rom, der seitdem ununterbrochen sich fortsetzte und dessen 
dauer von dem ersten zusammentreffen der Kimbern mit einem 
römischen beere in den julischen und norischen Alpen im j. 113 
vor Ch. wir nun bald (1887) auf zwei Jahrtausende berechnen 
können. 

Das interesse der geschichtserzähler , aber auch der frager 
und forscher hat sich den Kimbern und Teutonen von jeher zuge- 
wandt, gleich ihr erscheinen war rätselhaft und ähnlich wie 



IHRE NAMEN. 113 

damals hat man noch neuerdings hin und her gestritten welchem 
volke sie angehören, ob sie den Galliern oder den Germanen zu- 
zuzahlen seien, da sie unter beiden benennungen bei den alten 
vorkommen, da jedoch das schwanken der benennung bei näherer 
betrachtung bald, wie bei den Bastarnen, als ein Übergang von 
unvollkommener zu besserer einsieht sich darstellt und der streit 
nur bei unvollkommener prüfung und kenntnis der quellen ent- 
stehen konnte, so betrachten wir ihn zwar nicht ganz als abge- 
tan*, doch die frage als falsch gestellt und richten vielmehr die 
Untersuchung darauf, endlich einmal genauer festzustellen wann 
und wie der unterscheidende name für die Germanen emporge- 
kommen ist. auch zu diesem zweck ist der bestand der Über- 
lieferung schärfer ins äuge zu fassen als es bisher noch von den 
geschichtschreibern und -forschem geschehen ist, und da sich da- 
mit jener streit erledigt, so ist unsre nächste aufgäbe gegeben, 
vorher nur einige bemerkungen um das urteil über die wenigen 
teutonischen und kimbrischen namen zu berichtigen oder festzu- 
stellen und um gleich bei der ersten und besten gelegenheit eine 
beobachtung geltend zu machen, die für die deutung und beur- 
teilung aller von den Römern und den von ihnen abhängigen 
Griechen und nicht blofs von ihnen allein überlieferter deutscher 
namen von Wichtigkeit ist. 

An der deutschheit des namens der Teutonen soll noch nie- 
mand gezweifelt haben ** und gewis kann Teutönus oder Teuto-önis 
wie J)iudisk deutsch von |>iuda volk abgeleitet sein, da die laute 
in Teutoburg und Teutomeres*** dieselbe auffassung erfahren 
haben, wo der erste wortteil nichts anderes als |)iuda sein kann, 
aber aus Jnudisk entwickelte sich erst seit dem neunten Jahr- 
hundert allmählich ein name für die Germanen des fränkischen 
und deutschen reichs****, so dass von einem andern als einem 



* in der hauptsache freilich den früheren gegenüber, besonders anch nach 
der ethnographischen seite hin durch Duncker Origg. Germ. p. 78 ff. 
** Duncker Origg. s. 90. 
*** name eines Franken bei Ammian 15, 3,10, Libanius na. s. Valesius und 
Wagners not. 

**•♦ Zeufe 63 f. Grimm Gr. 1», 12 ff. Giesebrecht (Kaisergesch. 1 2 , 763. 843 f.) 
zeigte dass der name erst im elften jahrh. recht zu politischer geltung kommt 
and völlig durchdringt, und aus der kanzlei- und gelehrtensprache, die dafür ge- 
wirkt hat, mag noch mhd. tiutsch nhd. teutsch stammen, in der worterkl&rung 
geht ZeuÜB mit der Anknüpfung an (diutjan) deuten zu weit und Grimm kommt 
nicht ganz ins klare, offenbar schloss sich das adj. Juudisk in der entwicklung 

DBUT80HB ALTBBTUMSKUNDB II. # 



1H DIE KIMBERN UND TEUTONEN. 

blofs etymologischen zusammenhange beider namen nicht die rede 
sein kann und der gute glaube an den deutschen Ursprung von 
Teutonus einer besseren stütze bedarf, wir finden ihn zuerst bei 
Pytheas als gesamtnamen für die nichtkeltischen bewohner der 
Nordseeküste (DA. 1, 479 f. 485); auch die auswandernden Teu- 
tonen treten als eine Völkermasse unter mehreren königen {ßaa*- 
Xstg xuiv Tmtov&v Plut. Mar. 24) und selbst noch ein teil von 
ihnen — %ö ^a%%^mxa%ov peQog Plut. 19 — unter einem beson- 
deren namen als "ApßQQovtq auf, gegen dessen deutschheit nichts 
einzuwenden ist* da er vom volke selbst als Schlachtruf gebraucht 



seiner bedeutung an githiuti ags. gej>eöde altfr. thiothe Volkssprache and an 
diuten altn. f>yda interpretari, in die Volkssprache übersetzen an und es war nicht 
schlechthin popnlaris vulgaris, sondern dem volke verständlich, weil es nur von 
der eigenen, dem volke geläufigen und deutlichen spräche im gegensatze zu einer 
fremden gebraucht wurde, so dass thiudisca liudi im gründe synonym mit 
Slowene (s. 106 anm. 4) ist. das hohe alter dieser bedeutung beweist das ags., 
das adjectiv voraussetzende neutrale Substantiv f>eödisc, das nicht wie Grimm 
aao. s. 15 meint = J>e<5d volk, sondern vielmehr wie gej>eöde senno, lingua be- 
deutet. Alfred Metr. 10, 26 J)ät eöv süd odde nord eordbüende on inonig J>i6- 
disc miclum hörien = Boeth. c. 1 9 on manig feödisc eöv herigen. 

* die fluss- und Ortsnamen Ambra, Ambriki in Niedersachsen und anders- 
wo (Förstern. 2, 62 f.) hebe ich absichtlich nicht hervor, nach Yerrius Flaccus 
wäre der volksname zu einem Scheltwort geworden, Festus p. 17 Müll. 'Am- 
brones fuerunt gens quaedam gallica, qui subita inundatione maris cum 
amisissent sedes suas, rapinis et praedationibus se suosque alere coeperunt: 
eos et Cimbros Teutonosque C. Marius delevit. ex quo tractum est ut turpis 
vitae homines ambrones dicantur'. ähnlich die gL Placidi (Mai Coli. 3, 436) 
'Ambronem perditae improbitatis: a gente GaUorum qui cum Cimbris Teutonis- 
que (statt cibris omnesque) grassantes periere 1 . weiter entwickelt die bedeutung 
die gl. Isidori (opp. 7, 445 b Arev.) 'Ambro devorator, consumptor patrimonio- 
rum, decoctor, luxuriosus, profusus' und so erscheint das wort bei andern, 
8. Ducange s. v. an die bedeutung in der gL Flac. schliefst sich Gildas an, 
Hist. § 16 (SanMarte s. 144) 'illi priores inimici ac quasi ambrones, lupi pro- 
funda fame rabidT usw. Nennius Hist. § 63 (SanMarte s. 73) 'non cessavit bap- 
tizare omne genus ambronum (id est Aldsaxonum)'. vgl. Zeufs 151 anm. noch 
weiter geht Notker Mart. Cap. 2,8 (§ 116 Eyfsenh. s. 330 Hattem.) 'Prodens 
pudorem i. turpitudinem ambronum. irbaronde dia unera dero manezon. cibus 
heizet grece brosis, dannän sint ambrones kenamot. die heizent ouh antropo- 
fagi, daz chit commessores hominum, in Scithia gesezzene. sie ezzent nahtes 
tes sie sih tages scamen mugen' usw. und mit dieser bedeutung steht er nicht 
allein, Adam Brem. 4, 19 'in Ruzzia sunt etiam qui dicuntur Albani, crudelis- 
simi ambrones'. wie falsch auch Notkers deutung ist, so fragt sich doch woher 
das so lange übliche wort stammt und wie es zu erklären, da die herleitung 
des römischen grammatikers bei der von ihm angegebenen bedeutung sehr 
wenig Wahrscheinlichkeit hat. 



IHRE NAMEN. 115 

wurde und Ambri und Ambrico auch noch in unsrer heldensage 
wiederkehren, mag er immerhin gleichlautend auch bei den Kelten 
(Zeufs Gr. 8 H7, Glück Kelt. nam. s. 180) und selbst bei den Li- 
gurern nach Plutarchs erzäblung vorgekommen sein, der Teutonen- 
name aber haftet nach dem vorletzten Jahrhundert vor Gh. in 
Deutschland an keinem volke oder volksstamm, wenn auch die 
Römer ihn gebrauchen und zu fixieren suchen, wie Pytheas von 
seinen keltischen geleitern, waren die Römer bei der ersten künde 
von den einbrechenden scharen von den Galliern abhängig. Teu- 
talus Teutates Teutomatus (Zeufs Gr. 8 34) sind gallische namen, 
dem deutschen Teutoburg steht ein TevxoßovQyiov (Ptol. 2, 15, 4) 
oder Teutiburgium (Itin. Anton. 243, 4) bei den gallischen Scor- 
diskern zwischen Sau und Drau gegenüber und wie Teutoni und 
Teutones* schwanken sonst nie deutsche, wohl aber gallische 
namen, Santoni Santones, Turoni Turones, Caleti Caletes, Triboci 
Triboces, Veliocassi Veliocasses uam. es ist daher bei weitem 
das wahrscheinlichste dass Teutoni nur eine altgallische benennung 
der Nordseevölker war, etwa mit derselben entwickelung der Wort- 
bedeutung wie slaw. tudj , lett. tauta, tautisks, litt. Tauta (s. 106 
anm. 4), oder ähnlich wie tä id-vti, i&vixol im neuen testament, was 
Ulfilas unbedenklich durch |>iudös übersetzt**, im deutschen müste 
Teutonus |>iudan-s gelautet haben, dies aber bezeichnet überall 
im got. altn. ags. alts. (ahd. Deotan) den fürsten, könig oder häupt- 
ling, kann also schwerlich einen volksnamen abgegeben haben. 



* Teutoni herecht bei den Lateinern sehr entschieden vor, bei Cicero pro 
L Manil. c„20, Caesar Bo. 1,33. 40. 2, 4. 29 (7, 77 Cirabrorum Teutonumque), 
CIL. 1,290, elog. xxxm (vgl. xxxn) tevtonorvm — ex-tevtonis, Livius 
per. 67. 68, Obseq. 44, Vellejus 2, 8. 12 (einmal gens Teutonum), Valerius 
Max. 4, 7, 3. 6, 1, 3, Mela 3, 3, 31. 6, 54, Seneca de ir. 1, 11, 2. Epist. 94, 66?, 
Lucan 6, 259 longis Teutonus annis, Flinius 4 § 99. 26 8 19, 37 § 35, Tacitus 
Hist. 4, 73, Frontin Strateg. 2, 2, 8. 4, 6. 7, 12. 9, 1. 4, 7, 5, Sueton Caes. 11, 
Florus 1, 37 (3, 3) usw., dagegen Ttuiovtg ausschliefslich bei den Griechen. 

** nach Isidor Origg. 18, 7, 7 bedeutete 'teutonus' in Spanien und Gallien 
eine wurfkeule: 'cateia — est genus Gallici teli ex materia quam maxime 
lenta, quae iacta quidem non longe propter gravitatem evolat, sed quo per- 
venit, vi nimia perfringit, quod si ab artifice mittatur, rursum redit ad eum 
qui misit. huius meminit Yirgilius (Aen. 7, 741) dicens 'Teutonico ritu soliti 
torquere cateias'. unde et eos Hispani et Galli teutonos (teutonas Guelf.) 
vocant'. weder die keltischen noch die romanischen sprachen scheinen das 
wort zu kennen. 

8* 



116 DIE KIMBERN UND TEUTONEN. 

das blofs schwach geformte Teuto-Önis könnte aliesfalls den Volks- 
genossen, Volksangehörigen bedeuten : wie aber wäre daraus inner- 
halb Deutschlands ein unterscheidender name für einen stamm 
oder eine Völkergesellschaft geworden? 

Die Kimbern pflegt man mit den walisischen Cymry zusam- 
menzustellen, allein Cymro (armor. Kenvro), im plural Cymry 
würde nach allen regeln der lautlehre und grammatik im munde 
der Römer Combrox, Combroges gelautet haben und der name 
leute die in derselben gegend (brog) beisammen wohnen, das 
gegenteil von Allobrox Aliobroges d. h. die auf der andern seite 
der Rhone und des Lemannus — wie ahd. Elisäzon die jenseit 
des Rheins — oder auch auf fremdem, ehemals ligurischem boden 
angesiedelten anzeigen (^Zeufs Gr. a 206 f. Glück s. 26£). wo bleibt 
darnach noch eine ähnlichkeit mit Cimber KlfißQog ? gewis ist jene 
Zusammenstellung 'eins der vielen beispiele zu welchen albern- 
heiten die unkunde der keltischen lautverhältnisse führt 9 , auch 
mit hilfe anderer namen lässt sich jener nicht als gallisch nach- 
weisen. Cimbriana in Pannonien, wie Caesariana Floriana Variana 
und andre der gegend (Itin. Anton. 262 ff. 267, 8) durch castra 
oder statio zu ergänzen, ist lateinisch und der ort entweder einer 
der alten kimbrischen lagerplätze, von denen Tacitus meldet (s. 112), 
oder wahrscheinlicher nach einem Römer benannt, der wie einer 
der mörder Caesars und andre Cimber mit beinamen hiefs. der 
grammatiker, der die Ambronen (s. 114) eine gens quaedam gal- 
lica nannte und um seiner deutung willen den satz 4 qui subita 
inundatione maris cum amisissent sedes suas, rapinis et praedatio- 
nibus se suosque alere coeperunt' zunächst auf sie statt, wie es 
eine historische, sachgemäfse darstellung verlangt hätte, zuerst auf 
die Kimbern und Teutonen anwandte, zählte ohne zweifei auch 
diese mit zu den Galliern, wenn daher derselbe nach Festus p. 43 
Müll, erklärte 'Cimbri lingua gallica latrones dicuntur', so kann 
die eigne spräche des volkes, also die deutsche gemeint sein, wie 
denn auch Plutarch im Marius 11 behauptet o%h KipßQovg inovo- 
lid£ov<fi reqpavol rovg Xrpxdg. es kann aber, wenn dem älteren 
Sprachgebrauch der Römer die strengere Unterscheidung der Ger- 
manen und Gallier fehlte, das wort und daher auch der name 
seinem Ursprünge nach ebenso gut gallisch sein und Plutarch oder 
ein anderer vor ihm sich durch jenen Sprachgebrauch befugt er- 
achtet haben in der ihm vorliegenden, der des grammatikers ganz 
ähnlichen notiz die Germanen an die stelle der Gallier zu setzen. 



IHRE NAMEN. 117 

es fragt sich endlich ob der name die bedeutung 'räuber' nicht 
erst als schelte erhalten hat, da dies nach den worten des gram- 
matikers unter 'Ambro', nach Strabos p. 293 dioti XrjazQixol 
Syteg xal nlavyieg ol Kipßqot, und Diodors 5, 32 tykovfo ydq ix 
naXaiov Xf\0%sv€tv viel leichter möglich scheint als der Übergang 
von Ambro in die bedeutung eines menschen von schmählichem 
lebenswandel. gegen diese Vermutung und für die einfachste auf- 
fassung der angäbe des grammatikers sprechen jedoch altirische 
glossen, die erkennen lassen dass Cimber gar wohl 4 räuber' im 
gallischen bedeutet haben kann* ihnen haben wir auch von 
deutscher seite nichts von gleichem gewicht entgegenzusetzen, 
allerdings ein name von dieser bedeutung wäre im deutschen sehr 
wohl möglich: ags. sceada hostis, latro bedeutet auch heros, held 
und so könnte schon ahd. Scado name oder beiname (Kuhns 
zs. 1, 80) gewesen sein, wie man im norden J>iofr in eigennamen 
— Arnl>iofr Ey{>iofr Frid{>iofr (Fas. 2, 91 f.) Geirjnofr Hünjriofr 
Valfuofr ua. — verwendete und der volksname Dulgubnii (Grimm 
GDS. 623, Haupts zs. 9, 243) am richtigsten als 'Schädiger' wie 
ags. sceadan aufgefasst wird, auch der name der Harier (Haupts 
zs. 9, 247) dazu stimmt dass sie nach räuberart (GDS. 714) krieg 
führten und die Charini (Plinius 4 § 99) nach altn. hernadr 
(= got. harinoj>s oder harinodus) plünderer, verheerer sind, allein 
ein wort kimbr latro findet sich in keiner germanischen spräche, 
noch auch ein wortstamm der auf diese bedeutung führte. Kimbr 
könnte nur, soviel wir sehen, in einem andern sinne ein deutscher 
name gewesen sein, die Zeugnisse der Römer aber reichen ebenso 
wenig wie bei den Teutonen (s. 115) aus um zu beweisen dass er 
als volks- oder stammname in Deutschland fortdauerte und üblich 
war; der name des zur zeit der Kimbernzüge vermutlich geborenen 
Suebenanführers Cimberius bei Caesar Bg. 1, 37, ähnlich geformt 
wie der gallische Lucterius (Bg. 7, 5ff. Zeufs Gr. 2 779, Glück s. 89), 
beweist nur dass der volksname in Deutschland nicht unbekannt 



* bei Cormac und in mehreren andern alten glossarien findet sich nemlich 
ein wort 'cfm' oder richtiger 'cimV, das zuerst silber bedeuten soll, nach Cor- 
mac aber von dem silber, das den 'Fomori' (seeräubern, Vikingen) als zins 
(eis) gegeben, auf jeden zins übertragen wäre, da sich nun aufserdem 'eimbid 
vinetus, eimbith (captivus), eimbidi custodias' findet, so vermutete WStokes 
(nach einer mitteilung Ebels) in Sanor Chormaic, Calcutta 1868, 8.39 dass 
eimb vielmehr lösegeld, viel eher als tribut, bedeutet habe, und erinnerte da- 
bei schon an die erklarung 'Cimbri latrones, kyotaC und den namen Cimberius. 



118 DIE KIMBERN UND TEUTONEN. 

geblieben war. später fehlen für ihn alle spuren, so versagen 
alle stützen um ihn als deutsch zu behaupten, und da es ohnehin 
viel wahrscheinlicher ist dass ein gesamtname des angegebenen 
sinnes den hereinbrechenden scharen von den Galliern beigelegt 
wurde als den abziehenden von ihren landsleuten oder nach eigner 
wähl, so müssen wir dem zeugnis des grammatikers und den iri- 
schen glossen gegenüber darauf verzichten ihn als deutsch in 
anspruch zu nehmen*. 

Anders verhält es sich mit den naraen der Teutonen- und 
Kimbernfürsten, im ersten augenblick scheinen sie sämtlich gal- 
lisch, teut. Teutoboduus ist vollkommen gallisch** nicht nur in 



* Suidas hat dieselbe erklärung KipßQog, 6 Xpcr^s, wohl aus Plutarch, 
aber ohne weitere angaben, der versuch von Zeufs 141 sie aus dem deutschen 
zu rechtfertigen schlägt fehl, da das selbst lautlich verschiedene altn. kippa 
(s. Fritzner) nichts anderes ist als unser 'kippen, kipfen' (Dwb. 5, 784. 7S6). 
sprachlich ganz unmöglich ist die beliebte erklärung durch ahd. kempfo mhd. 
kempfe, da dies mlat. campio und 'kämpf lat. campus ist. nicht minder un- 
möglich ist die durch ahd. gambar strenuus, acer ingenio et lingua (Graft* 
4, 207 f. Zur runenlehre s. 55), woraus nur strengahd. kambar wird, eine an- 
knüpfung bietet ahd. einkimpi funestus, pikimpöt, pikimbitha funus ( Graft" 
4, 4 04 f.), wenn dies, wie Grimm zu Andr. 4 vermutet, mit einem verlornen 
v erb um kihbak schmücken zusammenhängt, wovon er kamb pecten crista, 
kumbal ags. cumbol heerzeichen und chumberra tribus (cumpurie im voc. SGall. 
s. 199) ableitet und alts. Cumbro (Trad. Corbej. § 253. 328) ist gewis durch 
cumbor, eine nebenform von cumbol im Beov. 1022, zu erklären, auch Zeufs 
142 anm. denkt an jenes verbum und erinnert an die prächtigen rüstungen 
und helmzeichen der Kimbern, die sie doch erst von den Galliern angenommen 
hatten, ß. unten, kimbr könnte jedes falls nur einer heifsen, der sich gerne 
ziert und putzt, nicht comptus. allein engl, chimb ags. cimbing commissura, 
unser kimme, kimmung, altn. kimbull ein bund, die doch wohl mit kamb und 
cumbol zur selben wurzel gehören, lassen eine ganz andre bedeutung ahnen, 
mit der hier nichts anzufangen ist. nimmt man das b in Kimbr als blofs eu- 
phonisch wie in got. timbrjan (Luc. 14, 28. 30) für timrjan und wie vielleicht 
in Ambro (s. 114) nach ags. Emerca für Ambrico und nach der thüringischen 
Ameraha statt Ambrah a, so kommt man keinen schritt weiter, nimmt man 
dagegen den nasal als eine blofse Verstärkung der Stammsilbe, wie etwa in 
gamban, gambra tributum, wenn dies zu 'geben' gehört, so kommt man auf 
kiban rixari (Dwb. 5, 429 f. 441 ff.) und Kibr oder Kimbr könnte der zank- 
und streitlustige sein, was allerdings ein passender name wäre. Biörn Hal- 
dorsen hat isl. kimbi spötter, ein alter beiname Isl. sog. 1 (1829), 79 f., kim- 
bing spott, aber auch kima spotten, kimbi, kimbing könnten zu kifcan (kifa) 
gehören; aber wie sich kima dazu verhält, errate ich nicht. 

** Zeufs Gr.2 22 und Glück s. 52f. 81 f. 97. 176 über die gallischen com- 
posita mit boduus und ihren unterschied von denen mit bödius (Plin. 5 § 146 
Toutobodiäci). die form 'Teutoboduus' ergibt sich aus dem 'teutoduobus' der 



IHRE NAMEN. 119 

seiner ersten, sondern auch in seiner zweiten hälfte. Boiorix, wie 
der Kimbernkönig bei Livius (per. 67. Flor. Oros. 5, 16) und 
Plutarch (Mar. 25, Bouägi^), heifst auch ein Boierkönig in Italien 
(Liv. 34, 46) und später ein Gallier in Autun (Rev. arch6olog. 1862. 
5.110), und mit Lugius* vergleiche man die Aovyoi in Brittanien 
(Ptol. 2,3,12), Luguvalium eben daselbst (Itin. Anton. 467,2. 
476, 6), Lugio in Pannonien, Lugetus (Steiner nr. 1484), Lugotorix 
bei Caesar, Lugudunum ua., mit Claodicus, das wohl nur wie KXoa- 
ddqiog bei Prokop Bg. 1, 13 für KXodaqtoc, für Clodicus ver- 
schrieben ist, kymr. Clotüc = Clot&cus (Glück s. 81), mit Caesorix, 
dessen anlaut keine Sicherheit hat, gall. Tausatoi /aifaroV? (Zeufs 
Gr.* 52) oder auch Volugesus F?i<f6dovvov rf}<roQiaxov Gfesatia 
(Glück s. 28). 

allein der allzu raschen folgerung stellt sich die Wahrnehmung 
entgegen dass auch die andern, uns überlieferten ältesten deutschen 
namen meist den durchgang durch gallischen mund verraten und 
bald mehr bald weniger davon die spuren tragen, weil natürlich 
Gallier für den verkehr mit den Germanen die nächsten dolmetscher 



alten Florentiner hs. des Orosius 5, J6, deren lesarten hr. dr. Zangemeister in 
Gotha mir gütigst mitteilte; vgl. OJahn in Halms Florns p. xx. Eutrop 5, 1, der 
mit Orosius (s. unten) wahrscheinlich ans derselben epitome des Livius schöpfte, 
schrieb 'Teutobodus 1 nach Paeanius T€YTOBOJOC, wogegen 'Teutomodus' im 
alten Gothanus des neunten jabrh. und im excerpt des Hieronymus (chron. a. 
Abr. 1915) nur ein sehr alter Schreibfehler ist; Teutobodus aber ist eine Ver- 
stümmelung wie M«QÖßodoi bei Strabo p. 290, Magoßovdov bei Ptolemaeus 2, 
11, 29 für Maroboduus, -boduum. auch bei Florus 1, 37 (3, 3) kommt man von 
( tento uocatus' des alten Bambergensis , wenn man die züge der buchstaben 
anders verteilt, auf 'Teutovoduus' oder 'Teutoboduus'. das B kommt noch im 
Nazarianus zum Vorschein, dessen 'Teutobocus', verglichen mit Toutobocio bei 
Glück s. 65. 159, allerdings sehr wohl ein gallischer name sein könnte, in 
Wahrheit aber ein ähnliches Verderbnis wie das im Bambergensis vorliegende 
voraussetzt und dasselbe nur weniger treu und nicht ohne besserungsversuch 
wiedergibt; denn man kann auf diese weise wohl die lesart des Nazar. ab- 
leiten, nicht aber umgekehrt aus ihr das Verderbnis, es ist daher gleichgültig 
ob ein dem -bocus entsprechendes deutsches bak oder bag sich nachweisen 
l&sst. ob Ant&bagius bei Valerius Maximus 5, 1, 3 (vgl. Grimm GDS. 536. 
132 f.) ein Germane, ist ungewis und Chardobachius c. 757 (Förstern. 1, 607) 
wohl verderbt, noch weniger ist bok oder bog in deutschen personennamen 
nachweisbar oder auch nur denkbar. 

* Lucius im alten Laurent] an us und im Sangall. saec. ix, Lugius aber 
nur in der Wessobrunner (Münchner) hs. des x jhs., den hss. des Perizonius 
und Havercamp, der mit recht bemerkt 'Lugius videtur barbaro magis con- 
venire quam Romanum nomen Lucius '. 



1 20 DIE KIMBERN UND TEUTONEN. 

waren und auch dem Römer selbst in der regel das gallische 
eher als das deutsche geläufig war. der name Maroboduus kann 
wie Teutoboduus völlig für einen gallischen gelten und als 'der 
grofswillige' oder 'sehr willkommene' aufgefasst werden*; ohne 
zweifei ist aber darin nur der deutsche name umgebildet, der bei 
Cassiodor Var. 3, 34. 4, 12. 46 Marabadus, ahd. etwas abweichend 
Meripato (Meich. nr. 659 a. 849 , MB. 7, 23) lautet und Inno- 
fiaxog bedeutet, diese Umformung deutscher laute und worte 
dauerte in Gallien lange fort, bis in die karlingische zeit, und 
manches was man wohl für besondere eigenttimlichkeit des fränki- 
schen ansieht und ausgibt, ist nichts weiter als gallisch romanische 
auffassung. 

Mit vollem recht ward daher schon der erste teil von Teuto- 
burg, Teutomeres auf Jriuda zurückgeführt und ebenso wird der 
erste teil in Teutoboduus aufzufassen sein, der zweite aber wie 
in Maroboduus, so dass Teutoboduus nichts anderes ist als ahd. Deot- 
bato, Aaopdxoq. ebenso ist in Boiorix und Caesorix das deutsche 
rik nur wie constant im ersten Jahrhundert nach Ch. in J€vöoqi& 
BaiTOQiyos vlog bei Strabo p. 292, in Cruptorix und Malorix bei Ta- 
citus, durch gall. rlg (rix) ersetzt und wohl erst seit dem vierten wird 
es im lateinischen getreuer durch ricus wiedergegeben, der erste 
teil von Boiorix ist dann der volksname Boius Botog, wie in dem 
namen des Amsivariers Boiocalus bei Tacitus; Boiorix aber muss 
im deutschen munde Baiarik gelautet haben, wie Boiohaemum, 
Boihaemum deutsch Baiahaim, Baihaim ahd. Beheim** und der 
name ist mit Walahrih und Winidrih (Förstemann 1, 1234. 1324), 
Gallier- und Wendenfürst zu vergleichen. Caesorix aber wird 
Gaesorix sein und dies ergibt Gaisarik ahd. Gferrih (Zeufs 143). 
ferner setzten wir Clodicus schon s. 109 mit Zeufs dem bastarnischen 



* Zeufs Gr.» 857. Glück s. 53. 76 ff. wegen Marabadus Haupts zs. 7, 528. 
9, 224. 

** Haupts zs. 9, 242 f. dass oi im deutschen unmöglich ist, weifs jeder 
der etwas von deutscher grammatik gelernt hat, nur nicht hr. Förstemann 
1,273. Baio, Beio = Boius ist von alts. Böjo, dem noch heute zb. in Dit- 
marschen auch als vorname üblichen Boje ganz verschieden, hätte dieser name 
nicht langes ö, würde er heute Baje lauten, 8. einl. zum glossar des Quickborn 
§ 8. die quantität des stamm vocals konnte nur schwanken, wenn der name 
entlehnt war. und allerdings kann man an slaw. Boj (pugna) Bojko (alts. Boiko, 
ahd. Beiko), auch an Bujko (von buj validus) denken, aber gäbe es für diese 
entlehnung ein analogem? 



LIV1US UND PLÜTABCH. 121 

Clondicus und mutmafslichen ahd. Hludih oder Hludihho alte. 
Hludico gleich, das unbedingt nach ahd. Hludio und aus dem ver- 
derbten Luothecho (1. Luthecho) bei Lacomblet Niederrh. urk. nr. 169 
a. 1033 gefolgert werden darf. Clod- und Chlod- wechseln in 
den fränkischen namen seit dem fünften Jahrhundert und C und 
CH für deutsches H schon bei den Römern des ersten* in Clo- 
dicus ist nur der deutsche laut und wortstamm dem entsprechenden 
gallischen angenähert, aber noch nicht ganz so viel als in Catualda 
bei Tacitus — statt Chatuvalda, Hathuwald (ahd. Hadolt) — dem 
gallischen Gaturix ua. endlich Lugius ist nur scheinbar gallisch 
und vielmehr ein deutscher volksname, der zwillingsbruder von 
Rugius, als personenname wie andre volksnamen gebraucht, so 
dass nun sämtliche uns überlieferte, teutonische und kimbrische 
personalnamen, ganz wie schon Zeufs 143. 146 anm. erkannte, 
sich hinreichend als deutsche ausweisen. 

Indem wir uns nun der vorhin gestellten aufgäbe zuwenden, 
so lehrt ein blick auf die vorhandenen nachrichten** dass, einige 
flüchtige äufserungen Ciceros abgerechnet, allein noch die wenigen 
angaben Caesars über die Kimbern- und Teutonenkriege unmittel- 
bar aus der lebendigen erinnerung von Zeitgenossen derselben ge- 
schöpft sind und daher den wert eines ersten Zeugnisses haben, 
alle übrigen aber liegen uns nur in auszügen und excerpten vor 
und diese entfernen sich meist schon durch mehrere mittelglieder 
weit von ihrer ursprünglichen quelle, die Überlieferung ist so 
ungleich, lückenhaft und voller widerspräche dass selbst über 
einige haupttatsachen der grofsen bewegung nur schwer oder gar 
nicht ins reine zu kommen ist. dennoch lässt sich die frage nach 
der herkunft und abstammung der nachrichten stellen und auch 
noch zur genüge beantworten. 

Fast die ganze spätere lateinische Überlieferung geht von Livius 
aus. wie von den periochen und den excerpten des Julius Obse- 
quens, steht dies fest von den berichten des Florus, Eutrop und 



* Haupts Z8. 9, 236. 246. wegen Catumerus s. das. 223 f. wegen des gal- 
lischen Catu- Zeufs Gr. 2 4. 37. S14 nö. Glück s. 47 ff. 

** die Zusammenstellung in JMüllers Bellum Cimbricum 1772 ist auch 
noch jetzt fax den überblick von nutzen, wenn auch die texte einer revision 
nach den neueren ausgaben bedürfen, nachzutragen ist aufser dem abschnitt 
des neugefundenen Granius Licinianus p. 16—19 Bonn, nur wenig. 



122 LIVIUS UND PLUTARCH. 

Orosius*. auch Vellejus und Granius Licinianus hatten allem an- 
scheine nach keine andre quelle** Valerius Maximus excerpierte 
ihn, gleichfalls Plinius, und nur Frontin scheint unabhängig*** 
auch von den Griechen hat Cassius Dio Livius ausgezogen, dagegen 



* vergleicht man Eutrop 5, 1 (cod. Gothati.) 'conss. M. Mallius et Q. Caepio 
a Cimbris et Teutonis et Tigurinis et Ambronibus, quae erant Germanorum et 
Gallorum gentes, victi sunt iuxta flumen Rhodanum' und Orosius 5, 16 *C. Man- 
lius consul et Q. Caepio proconsule adversus Cimbros et Teutonas et Tigurinos 
et Ambronas, Gallorum Germanoruroque gentes, qui tunc ut Imperium Romanum 
exstiuguerent conspiraverant (coniurauerunt Lauren tianus), missi provincias sibi 
Rhodano flumine medio diviserunt' usw. und beachtet daneben dass beide das 
unglück des Scaurus übergehen, so scheinen beide nur einen und denselben 
epitomierten Livius vor sich gehabt zu haben, ohne schaden für die folgende 
Untersuchung glaube ich auch nach den bemerkungen von Nitzsch (Rom. anna- 
listik s. 239) bei der herschenden ansieht von dem Verhältnis des Obsequens 
zu Livius bleiben zu dürfen. 

** Granius erzählte von Scaurus und dem zwist des Caepio und Mallius 
wesentlich ebenso wie Livius (per. 67. Dio fr. 91 Bekk.) und scheint s. 18 f. die 
zahl der bei Arausio gefallenen Soldaten und trossknechte (per. Oros.) nur sum- 
miert zu haben, über Vellejus s. unten. — Germ. 37 kommt nicht sehr in be- 
tracht, da es Tacitus bei dieser Übersicht nicht auf sonderliche genauigkeit 
ankam, er lässt die Teutonen, Ambronen und Tiguriner unerwähnt, übergeht 
die niederlage des M. Silanus, schreibt den Kimbern alle siege allein, auch den 
über L. Cassius zu und führt den Aurelius Scaurus, den legaten des Mallius, 
als selbständigen he er führ er auf. 

*** wie Valerius den Livius und Cicero geplündert, ist bekannt, das stück 
von den teutonischen frauen 6, 1, ext. 3 muss aus Livius genommen sein, weil 
Orosius dasselbe erzählt und Florus es nur fälschlich auf die kimbrischen 
frauen überträgt, in 2, 6, 1 1 hat Valerius eine notiz Ciceros (Tuscul. 2, 27, 65) 
zugestutzt und vielleicht aus Sallusts Historien (Plut. Sertor. 14) ergänzt. Plinius 
benutzte nach dem index auetorum im zweiten buch zwischen § 140 und 169 
(oder schon 162) den Livius und § 148 stimmt mit Obsequens 43, dann 7 § 86 
mit Florus, auch 16 § 132 mit Obs. 43, und 33 § 150 mit Valerius 3, 6, 6, doch ohne 
dass Livius unter den auetoren dieser bücher genannt würde, was Frontin 
Strategem. 1. 2, 6 (4, 7, 5) meldet, ist sonst unbekannt, über 1, 5, 3 s. unten. 
2, 4, 6 ist vollständiger, 2, 9, 1 (4, 1, 7) ganz anders als bei Plutarch. 2, 7, 12 
stimmt, bis auf einen zusatz etwa von Frontins hand, mit der übrigen Über- 
lieferung und 1, 11, 12 (4, 1, 13) mit Valerius 1, 2, 3 (epit. Nepot.) und 5, 8, 4, 
doch so dass 4, 1, 13 wegen des 'Tridentinus saltus' nicht wie 1, 11, 12 und 
anderes (Kempf p.44. 123), namentlich in dem unechten vierten buch (Wachs- 
muth im Rhein, mus. 1860 s. 578 f.) dem Valerius entlehnt sein kann, der 
Pseudofronrin excerpierte auch Livius (Wachsmuth s. 582 anm.), mit dem 6ich 
der echte nur berührt wenn er dem artikel 2, 2, 8, wo er die schlachten bei 
Aquae Sextiae (Plut. Mar. 20) und bei Vercellae (Plut. 26. Flor. Oros.) in einen 
kämpf adversus Cimbros ac Teutonos combiniert, unmittelbar das strategem 
des Hannibal bei Cannae voraufschickt, das Livius nach Florus und Orosius 



LIVIÜS UND PLUTARCH. 123 

Appian wohl nicht benutzt* nur die hauptfrage bleibt, wie 
sich unser ausführlichster berichterstatter, Plutarch im leben des 
Mari us zu ihm verhält. 

Das wichtige einleitende cap. 1 1 lassen wir vorläufig bei seite. 
Plutarch übergeht fast ganz die begebenheiten vom ersten er- 
scheinen der Kimbern im j. 113 bis zum zweiten consulat des 
Marius im j. 104, wo dieser den Oberbefehl gegen sie erhielt, und 
beginnt erst damit seine erzählung. er wiederholt aber oder epi- 
tomiert nicht einfach den ihm vorliegenden bericht, sondern er- 
weitert seinen auszug durch zusätze aus andern Schriften und ver- 
fehlt dabei in der anordnung und Verbindung der tatsachen und 
sonst durch mangel an aufmerksamkeit und Überlegung mehrmals 
auffällig die richtige darstellung. 

Gleich c. 13, wo er zwei erklärungen des ausdrucks 'maulesel 
des Marius' vorträgt, hat er, wenn nicht beide zugleich aus einer 
paroemien- oder apophthegmensamlung, mindestens die zweite — 
xaitoi nvk$ ahlav it&Qav tov Xoyov tovtov rofjti£ov<ri — wohl erst 
eingeschaltet und der ersten angehängt, mit der eine dritte bei 
dem Pseudofrontin 4, 1, 7 und Festus p. 24 Müll. s. v. Aerumnulas 
in geradem Widerspruch steht, die freilich wunderlich genug den 
ausdruck von einer erleichterung der bepackung, die Marius den 
Soldaten verschaffte, ableitet, statt wie jene von der beschwerde 
des felddienstes unter ihm. 

Ferner c. 15 erzählt Plutarch völlig gedankenlos dass Marius 
erst nach erlangung seines vierten consulats und nachdem er eilends 
wegen der annäherung der feinde über die Alpen zurückgekehrt, 
ein lager an der Rhone eingerichtet und die mufse der Soldaten auf 
die anläge einer neuen flussmündung, der fossae Marianae, verwendet 
habe um dadurch seine verproviantierung zu sichern, dass das 
grofse werk nicht angesichts des herannahenden feindes, sondern 
vorher in den unkriegerischen jähren 104 und 103 ausgeführt 



dem des Marias bei Vercellae verglich; unglücklicher weise aber verwechselte 
Frontin dabei den wind Vulturnus (Liv. 22, 43. 46) mit dem gleichnamigen 
flösse! 

* dass Dio seine hauptquelle für die ältere römische geschichte (Nissen 
Untersuchungen s. 309) bei der darstellung der Kimbernkriege nicht verliefs, 
sieht man am besten aus fr. 91, 2 Bekk., verglichen mit Florus und Orosius, 
8. unten: dann auch aus dem Verhältnis von Granius (s. vorher) und fr. 91. 
wegen fr. 90. 94, 1 s. unten, über Appian wird gleichfalls später die rede 
sein. — ganz wertlos ist Polyaen 8, 10, ein blofser auszug aus Plutarch 15. 
16. 21, 20 und 26. 27. 



124 LIVIUS UND PLÜTARCH. 

wurde — tertius consulatus in apparatu belli consumptus, sagt 
Vellejus 2, 12 — , versteht sich von selbst, in demselben cap. 
macht Plutarch auch ohne nachdenken den Kimbern den Vorwurf 
der zögerung, da wenn sie sich von den Teutonen in Gallien 
trennten um über die östlicheren Alpen nach Italien vorzudringen, 
sie hier wegen des weiteren weges notwendig später mit Gatulus 
zusammentreffen musten als jene mit Marius an der Rhone. 

Auch c. 17 ist der chronologische Zusammenhang zerstört und 
nicht beachtet, da Marius sich im jähr 1 02 einer syrischen Wahr- 
sagerin Martha bedient um die Ungeduld seiner Soldaten hinzu- 
halten und den angriff auf die Teutonen hinauszuschieben, so er- 
innert sich Plutarch dabei zuerst eines paradoxons, das er in der 
vogelgeschichte des Alexanders von Myndos gefunden hatte, dann 
aber lässt er das wunder folgen von zwei in der luft kämpfenden 
heeren, das nach Livius (Plin. 2 § 148. Obseq. 43 s. 122 anm. 3) 
schon im jähre vorher unter dem dritten consulat des Marius in Italien 
gesehen war, und knüpft daran endlich noch sehr unbestimmt — 
usqI tovxov ncog top xqovov — das auftreten des priesters der 
grofsen mutter von Pessinus in Rom, das von Diodor (exe. Phot. 
xxxvi, 2) ziemlich abweichend erzählt wird. 

Ohne anstofs list man darauf weiter bis zur Vernichtung der 
Teutonen und der beendigung des kampfes in Gallien, nur dass 
Plutarch von dem seinigen abweichende berichte gekannt hat, 
sieht man c. 21 aus der eingestreuten bemerkung dass 'andre über 
die Schenkung der beute an Marius und über die menge der ge- 
fallenen nicht übereinstimmten', auch der bericht über den Kim- 
bernkrieg in Italien hat nur einige zutaten und interpolationen 
erfahren, c. 25 wird die überdies einiger mafsen unverständliche 
notiz über eine von Marius mit der befestigung des spereisens 
vorgenommene neuerung mit den Worten Xfyetcu <T slg ixslvrjv 
typ fidxrjv um so ungeschickter angeknüpft, weil erst nachher die 
Verabredung über die zu liefernde schlacht getroffen wird und 
vorher nur von dem anrücken der Kimbern die rede ist, so dass 
sich der richtige Zusammenhang der erzählung erst herstellt wenn 
man von der eingeschobenen notiz absieht, in dasselbe capitel 
und das folgende 26 sind aufserdem noch einige sätze aus den 
commentarien des Sulla eingeschoben und namentlich die zweite 
einschiebung tritt in ähnlicher weise wie die notiz c. 25 aus dem 
context heraus, wenn man nur zuletzt den infinitivsatz durch ein 
if,a<rl, Xiyovai, oder kiymu, womit Plutarch (14, 3. 18, 4. 19, 9. 



LIVIÜS UND PLUTARCH 125 

21, 5. 6. 24, 6. 26, 4. 27, 4. 5. 28, 2. 3) sich auf seine quellen und 
gewährsmänner zu beziehen liebt, mit dem folgenden verbindet*, 
die commentarien Sullas hat Plutarch selbst zur hand genommen, 
dagegen muss er die apologie des Catulus schon in seiner haupt- 
quelle benutzt gefunden haben, teils nach dem Wortlaut seiner an- 
fuhr ungen — c. 25 xal %6v KdzXov avtöv anoXoyeTti&at, neql %oi- 
zu>v Igtoqovöi, 26 %ov RdtXov avtov ImoQstp Xiyovai, 27 X&yov- 
t$%v* <w xal pakhOxa zsxfjwjQicp xQ%6& a * r ^v KdxXov — , teils weil 
ihm nach abzug der nachrichten des Catulus gar kein zusammen- 
hängender bericht würde vorgelegen haben, was aber nach abzug 
der eignen zusätze Plutarchs übrig bleibt, ist wenigstens so weit 
es die kriegsbegebenheiten betrifft so gleichartig und auch, abge- 
sehen von den unvollkommenheiten seiner auffassung und darstel- 
lung, deren sich bei näherer prüfung noch mehrere ergeben werden, 
in sich so übereinstimmend und zusammenhängend, dass wir darin 
wohl einen auszug aus einer und derselben quelle und den bericht 
eines und desselben gewährsmannes anerkennen müssen, war nun 
Livius die quelle? 

Es scheint im ersten augenblick so. denn die Übereinstim- 
mung Plutarchs mit Livius geht sehr weit und Plutarch kannte 
Livius und hat ihn wahrscheinlich auch für den Marius benutzt, 
dennoch täuscht der anschein. beide haben vielmehr dieselbe 
quelle ausgezogen und zwar ungleich, bald der eine bald der andre 



* das excerpt aus Sullas schritt beginnt c. 26 deutlieh mit ytvofUvijs cfe 
Trjg iifödov, nQciypa vs/utorjToy na&tiv ibv MaQtov ol ntgl 2vlXav Wioqovö* und 
endet mit orQuiHoiag, & olg avrbg o XvXXag Ttzdx&iu (fijel. der dann noch 
folgende infinitivsatz awaytovlaacB-at dt tolg l Pw/uaioig tb xav/xa xal rby rjUov 
ttvnldpnoyia rolg Kipßqoig mag im wesentlichen auch bei Sulla vorgekommen 
sein, gehört aber ebenso entschieden der andern quelle Plutarchs an, wie das 
folgende und die Überlieferung aus Livius lehrt, s. unten, ganz ähnlich ist 
auch der fall c. 25. denn wenn Catulus in seiner apologie opoia wie Sulla 
vorgebracht hatte und darin dass ihm und seinem schwächeren und schlecht 
erprobten heere die Stellung im centrum angewiesen ward nur bosheit des 
Marius fand, so muss ein ähnlicher satz, wie der an den Sulla seine ausfuhrung 
knüpfte — mQM0X oy &* ™ y Kdrkoy iv piatp viptj&ivrsg tlg Ixdrtqov xigag, <bg 
Ivkkag, rjyioyujjuivog ixtiyrjy tijv ttdjflv, yiyQtttft. xai y*j«i* iov MttQtov xrX. — 
bei jenem vorgekommen sein, die meinung aber (Peter, Quellen des Plut. 
8. 102. Hist rom. rell. p. cclxxui), dass Sulla den Catulus citiert habe, ja 
bei dem Kimbernkriege Plutarchs hauptgew&hrsmann gewesen sei, ist seltsam 
verkehrt — als wenn xai ibv KdrXoy Xotoqovoi dasselbe subject mit 9)170» und 
yiyQafi hätte! 



126 POSIDONIUS. 

mehr, Plutarch aber im ganzen vollständiger und consequenter als 
Livius, der stellenweise auch den Valerius Antias (Oros. 5, 16) 
heranzog und gebrauchte und dadurch zu erkennen gibt dass er 
im übrigen einem andern gewährsmann folgte, und diesen zu er- 
raten fallt nicht schwer, da bei der gleichmäfsigen, kunstreich an- 
ordnenden und geschmückten darstellungsweise und den spuren 
selbst localer nachforschung, die bei Plutarch deutlich hervortreten, 
an einen römischen geschichtserzähler der zeit gleich dem Antias, 
an Asellio oder Claudius Quadrigarius nicht zu denken ist. 

Posidonius von Apamea in Syrien, nach der statte seiner würk- 
samkeit und seines ruhmes gewöhnlich der Rhodier genannt, 
schrieb eine fortsetzung des Polybius in zwei und fünfzig büchern, 
so dass jedes buch ungefähr ein jähr und das ganze werk die 
fünfzig jähre nach dem falle Karthagos und Korinths im j. 146 
von 145 an bis zur erwerbung des zweiten afrikanischen gebiets, 
der Cyrenaica, durch die Römer im j. 96 umfasste. ein zweites 
werk, dessen plan, als Pompejus nach beendigung des seeräuber- 
krieges und im begriffe gegen Mithridates aufzubrechen im j. 67 
ihn in Bhodus besuchte, nach der erzählung Strabos p. 491 f. ohne 
zweifei schon feststand und das, wie Strabo sagt, die geschichte 
des Pompejus und seiner zeit behandelte, schloss sich wahrschein- 
lich als fortsetzung an das erste an, da historische fragmente des 
Posidonius in die jähre 87. 86, den beginn des ersten krieges 
gegen Mithridates hinaufgehen, wo Bhodus fast allein unter den 
griechischen Städten dem könige widerstand geleistet und den 
flüchtigen Römern schütz gewährt hatte und Posidonius selbst (im 
winter 87/86) als gesandter der Stadt in Rom war und mit dem 
sterbenden Marius verkehrte (Plut. Mar. 45). ungewis bleibt nur 
ob dies werk über das j. 62, als Pompejus nach der Unterwerfung 
des ganzen vordem Asiens heimkehrte und den Posidonius wieder 
in Rhodus besuchte, hinaus gieng und etwa bis zur erneuerung des 
bündnisses der Rhodier mit Rom im j. 51 (Cic. ad famil. 12, 15), 
wo Posidonius abermals dahin kam und den Pompejus noch an 
der spitze des Staates traf, oder gar noch weiter reichte, indem 
es von neuem fünfzig jähre umfassend, mit der begrüudung der 
alleinherschaft Caesars abschloss*. 

* erst dem glücklichen Scharfsinne KMüllers verdanken wir es dass wir 
die schriftstellerische t&tigkeit des Posidonius auf dem historischen gebiet 
einiger mafsen übersehen, aber seine folgerung aus Plut Brut. 1 (FHG. 3, 251), 
dass sie noch über den tod Caesars (a. 44) hinausreichte, hält nicht stich, da 



POSIDONIUS. 127 

schon als schüler, dann nachfolger des Panaetius an der schule 
zu Rhodus und als rhodischem staatsmanne , der zur höchsten 
ehrenstelle der Stadt emporstieg (Strabo p. 316. 655), konnte es 
dem Posidonius an Verbindungen mit vornehmen und einflussreichen 
Römern nicht fehlen, von Q. Metellus Numidicus, dem alten 
gönner und späterem gegner des Marius, wissen wir dass er sein 
kurzes exil (100/99) im umgange mit philosophen auf Rhodus 
verlebte (Plut. Mar. 29. Liv. per. 69), und auch der geschicht- 
schreiber Rutilius Rufus, der mitconsul des Mallius in dem ver- 
hängnisvollen jähre 105 und gleichfalls ein freund des Marius, muss 
entweder im anfang seiner Verbannung (a. 93), während der er 
im j. 88 in Mytilene (Cic. pro Rabir. 10, 27), zehn jähre später als 
Stadtbürger in Smyrna lebte (Cic. Brut. 22, 85. de republ. 1, 8. 
pro Balb. 11, 28), zuerst als alter schüler des Panaetius Rhodus 
aufgesucht oder aber Posidonius schon früher in Rom mit ihm 
längere zeit verkehrt haben (Cic. de off. 3, 2, 10). ohne solche 
Verbindungen und ohne die Unterstützung und mächtige förderung 
von Seiten römischer Staatsmänner wäre ihm die fortsetzung des 
Polybius unmöglich gewesen und kann er auch seine reisen, 
auf denen er nach dem beispiele seines Vorgängers die Schauplätze 
der begebenheiten seines Zeitraums besuchte und eine menge geo- 
graphisches und ethnographisches material sammelte und daneben 
noch physikalische und astronomische beobachtungen anstellte, 
nicht ausgeführt haben. 



die fabel von der abstammung der Junii Bruti von dem ersten consul ohne 
iweifel älter ist als Caesars mörder; nach Mommsen wäre selbst der princeps 
consulatus nur erfunden um Stammvater der plebeischen Junii Bruti zu spielen, 
die schon im fünften jh. der Stadt zum consulat gelangten, allein wenn Strabo 
p. 568 den ' a. 44 als neunzigjährig verstorbenen P. Servilius Isauricus noch 
gesehen, den Posidonius aber noch persönlich gekannt hat (Athen, p. 657, 
vgl. Strabo p. 753), so muss dieser allerdings gegen a. 40 gelebt haben und 
da er als vier und achtzigjähriger starb, um 125 geboren sein, dass er 
nach 51 in Born gelebt habe, wie man angenommen hat, ist gewis falsch, da 
Cicero, der seines Verhältnisses zu ihm so gerne gedenkt (de fin. 1, 2, 6. de 
nat. deor. 1, 3, 6. de fato 3 usw.) weder in seinen briefen noch sonst von seiner 
Anwesenheit weifs. 'sphaeram hanc quam nuper familiaris noster effecit Posi- 
donius' kann Cicero schon a. 78 in Rhodus gesehen haben und nicht erst kurz 
vorher ehe er im j. 44 de nat. deor. 2, 34, 88 schrieb, in den wenig älteren 
Tu8cul. dup. 2, 25, 61 spricht er vom 'Posidonius noster' wie von einem ab- 
wesenden, 'quem et ipse saepe vidi, et id dicam quod solebat narrare Pom- 
pejus' usw. die fortschreitende quellenkritik, namentlich des Appian und des 
Diodor, muss über das zweite werk des Posidonius einmal näheres ergeben. 



128 POSIDONIÜS. 

er kam auf denselben, schon vor seiner gesandtschaft vom 
j. 87, wenigstens zweimal, wenn nicht dreimal nach Rom oder 
Italien, er kannte Sicilien (Plut. Marcell. 19. 30, Strabo p. 266. 
269. 273) wie es scheint vollständig; ob auch Illyrien (p. 316) 
und Dalmatien (Athen, p. 369), den Schauplatz der siege des 
L. Metellus Dalmaticus (a. 119 — 117), ist ungewis; über den Ti- 
mavus am äufsersten Adria berichtete er falsches, wenn Strabo 
p. 215 seine meinung vollständig und getreu wiedergibt, aber er 
war in Massalia (p. 165), an der Rhonemündung (p. 182 f.), bei 
den Ligurern und im Keltenlande (p. 198) und reiste, vermutlich 
an der iberischen küste entlang (p. 175. 157), nach Gades, wo er 
ganze dreifsig tage verweilte (p. 138. 172 ff.) und von wo aus 
er das heilige Vorgebirge im äufsersten westen (p. 119. vgl. 153) 
und die Baetisl&ndschaft bis Ilipa (p. 174 f.) und wahrscheinlich 
weiter bis zu den silbergruben besuchte, mit der bestimmung 
geographischer breiten, Untersuchungen über ebbe und flut und 
den manigfaltigsten andern beobachtungen beschäftigt, nach dem 
bilde das er von Iberien und den Iberiern entwarf (s. unten exe.) 
kann es nicht zweifelhaft sein dass er vor der zeit des Sertorius 
(a. 83—72) dort gewesen ist. von vornherein ist anzunehmen 
dass Posidonius mindestens um den Zeitpunkt (a. 96) bis zu dem 
er sein werk zu führen dachte für dasselbe zu sammeln und zu 
arbeiten angefangen hat, und damit steht nur in Übereinstimmung 
dass die von ihm in Gades gesammelten nachrichten über die ver- 
suche des Eudoxus von Kyzikos zur umschiffung Libyens seine an- 
wesenheit über das j. 90 hinabzurücken nicht wohl erlauben*. 



* nach Strabo p. 98 f. kam Eudoxus nach Aegypten und machte seine 
erste fahrt unter Euergetes II (146 — 117), eine zweite reise unter der 
regierung der Kleopatra, seiner witwe und kehrte von dieser zurück oixii* 
jtjg KktonccTQas riyovfxivtjg aiXä jov naidoc. da sie 117 gleich ihren ältesten 
söhn Ptolemaeus Soter II wider ihren willen zum mitregenten annehmen 
muste und ihn nach zehn jähren (107) verjagte und ihren zweiten söhn 
Alexander I einsetzte, der in den Urkunden auch vor seiner matter genannt 
wird (Lepsius in den Abhandlungen der Berliner academie 1852 s. 472 1 504 f.)» 
so wird ohne zweifei erst dieser gemeint sein. Eudoxus kehrt darauf nach 
Kyzikos heim, bringt alle seine habe zu schiffe und betreibt in Dikaearchia 
(Puteoli), Massalia und sonst an der küste bis Gades seinen plan der um- 
schiffung Libyens, baut in Gades ein schiff und ein paar barken, segelt aus, 
hat unglück, kommt zum Bogos nach Mauretanien und sucht ihn für seinen 
plan zu gewinnen, muss ins römische Afrika entfliehen, baut wieder in Gades 
ein paar schiffe und segelt damit aus, mit der absieht, den winter für aussaat 
und ernte zu benutzen, 'bis so weit' sagt dann Posidonius "reicht meine 



POSIDONIÜS. 129 

von Gades kehrte er zurück nach Italien und die rückfahrt 
(avanXovq) währte drei monate, da widrige winde ihn bei den 
Gymnesisohen inseln, Sardo und an der gegenüber liegenden liby- 
schen küste umhertrieben. 

als edler character und fein gebildeter mann geliebt und ge- 
achtet, ein ernster, redlicher forscher und denker und ein meister 
der rede und kunstvoller, glänzender darstellung, nach allen Seiten 
hin in stätiger, gemessener tätigkeit, Staatsmann und lehrer, theo- 
retischer und practischer philosoph, besonders freilich mit den 
fragen der naturlehre und kosmologie beschäftigt, mathematiker 
und astronom, geograph und historiker, der einzige vielleicht der 
zugleich über den stil und über tactik geschrieben hat, war Po* 
sidonius unstreitig der erste und bedeutendste Schriftsteller seiner 
zeit und auch als solcher von den besten seiner Zeitgenossen an* 
erkannt sein geschichtswerk konnte Livius um so weniger über- 
sehen, weil es sich als fortsetzung an den Polybius anschloss, den 
er gründlich ausgenutzt hatte, die Vermutung spricht von vorn- 
herein dafür dass Livius dasselbe auch mit Posidonius getan hat, 
und sie lässt sich schon durch beweise unterstützen, es ist bereits 
bemerkt* dass Livius (per. 56) den ausbruch des sicilischen 
Sklavenkrieges ebenso wie Diodor (xxxiv) unter dem j. 134 er- 
zählte, und erwiesen durch Athenaeus p. 542 dass Diodor hier 
wie sonst den Posidonius beinahe wörtlich ausschrieb**, nicht 
minder ist es ausgemacht (DA. 1, 462. 467) dass Livius die Unter- 
werfung der Balearen durch Q. Metellus (Baliaricus) im j. 123 
nach Posidonius berichtete. Plutarch aber geht im leben des 
Marius c. 1 von einer bemerkung desselben aus und auch was er 
c. 2 von der geringschätzung griechischer bildung durch Marius 
erzählt, ist sichtbar einem griechischen Schriftsteller und zwar, 



kenntnis der geschiente des Endoxus; was nachher geschehen, wissen vermut- 
lich die in Gadeira und Iberien'. Eudoxus war also noch nicht zurückgekehrt, 
als Posidonius in Gades war, und dieser hatte auch später, als er schrieb, 
nichts weiter über ihn erfahren, nun mögen über die Vorbereitungen der 
reise und die abenteuer des Eudoxus zehn oder auch fünfzehn jähre ver- 
gangen sein; viel langer aber wird man die frist dafür nicht ausdehnen dürfen 
und man kommt daher mit der anwesenheit des Posidonius in Gades nicht 
über das j. 90 hinaus. 

* KMüUer FHG. 3, 251V 

** 'Diodorum inde ab an. 146 Posidonium maxime secutum esse dubitari 
nequit'. KMüUer zu fr. 5 (Posidon. lib. III) ; vgl. zu fr. 7 (lib. IV). 10 (Hb. 
V). 12-14 (Hb. VII). 15 (Hb. VIII) usw. 

DEUTSCHE ALTEBTÜMSKÜNDB IT. 9 



130 DER TEÜTONENKRIEG. 

je mehr die geistreiche Verweisung auf die ausspräche anderer, 
hier die mahnung des Plato an den Xenokrates den grazien zu 
opfern, in der art des Posidonius ist, um so gewisser nur diesem 
entlehnt, demselben und ohne zweifei seinem zweiten, jüngeren 
geschichtswerke entnahm er eingestandener mafsen auch die so 
beredte und mit einem griechischen verse geschmückte Schilderung 
der gemütsverfassung und erkrankung des Marius in seinen letzten 
tagen, im vorletzten cap. 45. so begreift man schon dass Plu- 
tarch, auch wenn er den Livius zur hand hatte und dieser bei 
dem Teutonen- und Kimbernkriege dem Posidonius folgte, ihn 
doch seinem eigenen berichte nicht zu gründe legte, sondern un- 
mittelbar auf Posidonius zurückgieng und jenen nur etwa nebenher 
einsah, gerade die bei Plutarch noch hervortretenden stilistischen 
und andern merkmale weisen aufs entschiedenste auf Posidonius, 
und selbst wenn jedes andre anzeichen und zeugnis fehlte, mäste 
man doch auf ihn und keinen andern kommen, sobald sich zeigt 
dass Livius und Plutarch beide nur ungleich dieselbe quelle aus- 
gezogen haben. 

Nach dem triumph über Jugurtha soll Marius, seis absicht- 
lich, seis unabsichtlich, gegen das herkommen noch im triumphal- 
kleide vor dem senat erschienen sein, so erzählen Plutarch 12 
und Livius per. 67 übereinstimmend, wie viel daran wahr oder 
nur boshaftes gerede der optimaten ist, lässt sich nicht entscheiden, 
wir wissen dass derselbe schmuck dem Marius einmal als beson- 
dere auszeichnung ausdrücklich zuerkannt ist, aber wahrscheinlich 
erst nach dem siege über die Teutonen und Kimbern*, gleich 
abgünstig schildert Plutarch zu ende des c. 14 wie Marius sein 
viertes consulat erlangte, und wiederum stimmt Livius per. 67 
'quartum consulatum dissimulanter captans consecutus est 1 . Po- 
sidonius, dessen hauptgewährsmänner optimaten waren, kann beides 
berichtet haben; aber da Livius bei Vorgängen in Rom gerne auf 



* die inschrift von Arezzo (CIL. 1, 290), nachdem sie zuletzt die Stiftung 
eines tempels aus der kimbrischen und teutonischen beute erwähnt, bricht ab 
mit VE8TE • teivmphali • caxceis • PATRiciis • und Mommsen erg&nzt nach Li- 
vius und Plutarch in senatum venit', übersieht aber dabei dass diese das 
factum nach dem ersten triumph über Jugurtha setzen, es ist daher die Ver- 
mutung des Gorius wohl wahrscheinlicher, dass dem Marius nur dieselbe ehre 
wie dem Aemilius Paulus und Cn. Pompejus zuerkannt sei, im triumphalhabit 
bei den circensischen spielen zu erscheinen. 



DER TEUTONENKRIEG. 131 

rOmische quellen zurttckgieng* so mag er in beiden fallen die 
quelle Plutarchs abgegeben haben, aus der benutzung zweier 
auctoren neben einander würde sich die fehlerhafte anknüpfung 
(s. 123) der nachricht über die einrichtung des lagers an der Rhone 
bei Plutarch 15 am ersten erklären, ist hier eine naht und die 
letzte halfte von 14 aus Livius, die von 13 (s. 123) anderswoher 
entlehnt, so ergeben die ersten teile von 13. 14. 15 die Überreste 
einer zusammen hängen den Schilderung der mafsregeln, durch die 
Marius während der jähre 104 und 103, vom feinde unbelästigt, 
für die ausbildung, Verpflegung und beschäftigung der Soldaten 
sorgte**, und diese war allem anscheine nach unabhängig von Li- 
vius, da Valerius Maximus 6, 1, 12 den Soldaten, an dem Marius 
ein so grofsherziges beispiel seiner gerechtigkeit gab, C. Plotius, 
Plutarch aber c. 14 Trebonius nennt***. 

Beim beginne des krieges gehen dann Livius und Plutarch 
aus einander, nach Florus und Orosius wäre damals die ganze 
menge der barbaren vor dem lager des Marius erschienen und 
hätte erst dann nach einer vergeblichen belagerung sich in drei 
häufen geteilt, so dass — Orosius verwirrt die namen und ist 
auch sonst unvollständiger als Florus — die Teutonen und Am- 
bronen durch die Ligurer über die Seealpen, die Kimbern über 
die tridentinischen, die Tiguriner noch östlicher über die nori- 
schen Alpen nach Italien vordringen sollten. Plutarch 15 über- 
geht die Tiguriner, spricht daher nur von einer zwiefachen tei- 
lung, lässt aber fälschlich und im Widerspruch mit seiner eignen 
darstellung (c. 23) die Kimbern durch die Noriker ziehen und die 
Teutonen und Ambronen allein und erst nach der teilung den 
Marius angreifen, und hiemit stimmt die perioche 68, so dass 
Florus und Orosius beide den Livius falsch aufgefasst haben und 



* Nissen Untersuchungen s. 20. 

** Plutarch und die epitomatoren des Livius schweigen über die dem 

Marius erteilte vollmacht ix nov ntQav 9-aXarrris id-viov ptTanipTitGfrctt av/u/ua- 

xUcv und seine Verhandlungen darüber mit Nikomedes von Bithynien, von 

denen Diodor xxxvi p. 531 Phoi aus Posidonius weife, schon Mutilius Rufus 

ergriff a. 105 außerordentliche mafsregeln zur herstellung und ausbildung des 

heeres, Granius p. 21 Bonn. Frontin 4, 1, 12. Valer. Max. 2, 3, 2. die treue der 

gallischen und ligurischen bundesgenossen war anfangs zweifelhaft (Frontin 

1, 2, 6); später kämpften die Ligurer wacker mit, Plut. 19. 

*** P. Trebonius sive Arruntius heifet er im schol. Bobbiens. (p. 279 Orell.) 

zur Miloniana 4, 9, wo Cicero keine namen nennt, Aruntius bei Quintilian. s. 

Kempf zu Valerius. 

9* 



132 MIR TEUTONENKRIEG. 

in denselben irrtum verfallen sind, was aber Plutarchs Zweiteilung 
betrifft, so ist ein rechter Widerspruch mit Livius nicht vorhanden, 
da die Kimbern und Tiguriner den grösten teil des weges auf 
der nordseite des gebirges gemeinschaftlich zu machen hatten und 
die Tiguriner gar nicht nach Italien gelangten. 

Mit Plutarch 16 vergleiche man Florus 'non ausus congredi 
statim militem tenuit in castris, donec invicta illa rabies et im- 
petus, quem pro virtute barbari habent, consenesceret', und be- 
achte bei jenem die wohlgesetzte rede der Soldaten, die schwer- 
lich für das product eines römischen annalisten angesehen werden 
kann, die einschliefsung des Marius dauerte nach Plutarch jedes- 
falls länger als drei tage und Orosius spricht, übermäfsig ab- 
kürzend, nur von den letzten sturmversuchen wenn er sagt 'con- 
tinuo triduo circa Romanorum castra pugnarunt, si quo pacto eos 
excuterent vallo atque in aequor effiunderent'. auch Livius han- 
delte wie Plutarch 1 7 von der Syrerin Martha, aber wie es scheint 
so dass er dem Valerius Maximus (exe. Nepot. 1, 2, 3 = Frontin 
1, 11, 12) nur ein exemplum simulatae religionis lieferte, während 
nach Plutarch viel darüber gestritten wurde ob Marius würklich 
aus Überzeugung oder aus Verstellung und im einverständnisse mit 
dem weibe sie zur schau stellte, ohne zweifei aber hat Plutarch 
das wunder von den in der luft kämpfenden heeren (s. 124) erst 
aus Livius nachgetragen, da er es nebst 'vielen andern Vorzeichen 
von gewöhnlichem character', die er übergieng aber Obsequens 43 
getreulich berichtete, nur bei einem in die römische Stadtchronik 
eingeweihten oder unfern stehenden Schriftsteller gefunden haben 
kann, aus Livius stammt dann auch wohl die geschichte des Ba- 
takus aus Pessinunt (s. 124) und die abweichende erzählung Dio- 
dors vielmehr — nach s. 129 — aus Posidonius. 

Nachdrücklicher als Plutarch 18 (vgl. 16, 4) es tut hob Li- 
vius den stürm und die angriffe der barbaren auf das lager her- 
vor, nach Orosius (s. 131) und per. 68 'Marius — summa vi oppugnata 
a Teutonis et Ambronibus castra defendit'. ihren mutwilligen zu- 
ruf beim abzuge — inoQsvovto cT iyyvg^ nvvd-avoitsvoi t&v c P«d- 
pakop fiszcc yiloDTog €% %i nqog tag yvvatxag imöxiXXotsv — wieder- 
holt wörtlich Florus 'recessere igitur increpantes et — consulentes 
si quid ad uxores suas mandarent'. über den marsch des Marius 
schweigt Orosius und berichten Plutarch und Florus abweichend, 
jener dass Marius den barbaren immer auf dem fufse gefolgt sei 
bis Aquae Sextiae, dieser 'mira statim velocitate oecupatis com- 



DER TEUTONENKRIEG. 133 

pendiis praevenit hostem'. die Wahrheit mag in der mitte liegen, 
weil beide unvollständig ihre quelle auszogen: da Marius bei Va- 
lencia an der einmündung der Isere in die Rhone (Oros.) die 
feinde erwartet und sein lager errichtet hatte, so mag er zuletzt 
durch einen flanken marsch ihnen das tal der Durance versperrt 
und sie dann bei Aquae Sextiae gefasst haben, nach Plutarch 
soll er hier einen wasserarmen lagerplatz mit absieht gewählt 
haben, ßovlofievog <2$ (faai (s. 125) xal tovtco nct(>o£vvcM rovg 
ctQatuatag; nach Frontin 2, 7, 12 war blofs die 'imprudentia me- 
tatorum' daran schuld und Marius hätte sich des umstandes nur 
zur anfeuerung der Soldaten bedient; nach Florus aber wäre es 
zweifelhaft 'consultone id egerit imperator an errorem in con- 
silium verterit', so dass Florus das ursprüngliche erhalten und 
Plutarch für die eine, Frontin für die andre meinung sich ent- 
schieden haben könnte, da jedoch nach Plutarch 19 das erste 
treffen xatd tvxyv p&Xkov rj yvd^ %ov G%%a%i\yQt) herbeigeführt 
wurde, so ist bei Florus eher eine Übertragung und confusion an- 
zunehmen, den ausspruch des Marius hat augenscheinlich Plutarch 
am getreuesten bewahrt : öel^ag %y %**& noxa^ov — ixst&ev avrotg 
iifiptv elveu noxov ävior alfiatog, woran sich bei ihm noch 
die frage der Soldaten 'rt ovv ovx ev$vg rjfiäg äystg in 9 avvovg, 
iwg vyQov xo alpa ixopev 1 und der befehl des Marius zuvor das 
lager zu befestigen, anschliefst; wogegen man bei Orosius nur list 
'aquam quidem in conspectu esse respondit, sed eam ferro vindi- 
candam', bei Florus 'flagitante aquam exercitu 'si viri estis' inquit 
l en illic habetis 1 , bei Frontin i — aqua, flagitantibus eam suis 
lUinc' inquit 'petenda est', der flüchtige Florus weifs sogar nur 
von diesem einen treffen am flusse. Orosius hingegen erzählt da- 
von im wesentlichen ebenso wie Plutarch 1 9, nur viel kürzer und # 
unvollständiger, ( primis itaque calonibus cum clamore in pugnam 
ruentibus subsecutus exercitus; mox iusto certamine compositis 
ordinibus bellum gestum et vicere Romani 1 , und er lässt dann am 
vierten tage, statt wie Plutarch 20 am dritten, die hauptschlacht 
folgen in der die Teutonen vernichtet werden, doch schweigt 
auch er über die bei Plutarch 20 so anschaulich beschriebene, 
grauenvolle nacht, die Marius voll angst in dem unbefestigten 
lager zubringt, während vom lager der feinde das wildeste jammer- 
geheul und wutgeschrei herübertönt. 

In der beschreibung der hauptschlacht aber gehen beide zeugen, 
Orosius und Plutarch vollständig aus einander, nach Orosius 



134 DER TEUTONENKRIEG. 

'productae utrimque in campum acies usque ad meridiem pari 
pugnavere discrimine; post, ubi incalescente sole fluxa Gallomm 
corpora in modum nivis distabuerunt, usque in noctem caedes 
potius quam pugna protracta est', nach Plutarch 20. 21 — und . 
seine darstellung wird unterstützt und ergänzt durch Frontin 2, 
4, 6 — hatte Marius schon am tage oder in der nacht vorher 
den Claudius Marcellus mit 3000 schwerbewaffneten (und einiger 
reiterei) auf die waldigen höhen im rücken der feinde gesandt 
er selbst stellte seine Soldaten am morgen auf der anhöhe, auf 
der sein lager stand, unmittelbar, vor dem graben auf (vgl. 
Frontin 2, 2, 8, oben s. 122 anm. 3) und liefs sie hier die annäherung 
der feinde bis auf sperwurfweite erwarten, dann sich auf sie stürzen 
und sie in die ebene hinabdrängen, wo dann Marcellus ihnen in 
den rücken fiel und die Schlacht entschied, beide darstelluugen 
haben nichts mit einander gemein, man könnte sie allesfalls ver- 
einigen* oder bei Orosius an eine Übertragung von der Kimbern- 
schlacht denken, aber auch die zahlen der getöteten und ge- 
fangenen stimmen nicht, nach Plutarch oVPa>pat<n — vnhqdixa 
pvQiddag rj £ävtag elXov rj xat£ßaXov\ nach Orosius 'ducenta 
milia armatorum in eo bello interfecta sunt, octoginta milia capta, 
vix tria fugisse referuntur', und mit Orosius stimmt die übrige 
livische Überlieferung** man wende nicht ein dass sie von den 
gefallenen und gefangenen beider kämpfe spreche, Plutarch da- 
gegen nur von der hauptschlacht ; die Verschiedenheit in der 
Zahlenangabe besteht dennoch, und da nun unmittelbar vorher bei 
der letzten von ihm beschriebenen schlacht, der niederlage der 
Römer bei Arausio, Orosius noch für ähnliche aufserordentliche 
zahlen ausdrücklich den Antias citiert — 'Antias scribit', womit 
# man hier sein 'referuntur' und das 'traduntur' der perioche ver- 
gleiche — , so kommt man notwendig zu dem resultat, dass Li- 



* wie Mommsen Rom. gesch. 2 2 , 182 es tut. — dieselbe list mit den tross- 
knechten und Zugtieren, die Frontin dem Marius zuschreibt, soll übrigens auch 
schon der dictator Sulpicius Peticus im j. 358 gegen die Gallier angewandt 
haben, Livius 7, 14. 

** nur ist in der per. 68 eine X hinzugekommen oder bei Orosius und Eutrop 
verloren gegangen, per. 'caesa traduntur hostium cc, capta zc. Eutrop 
5, 1 'duobus proeliis cc milia hostium cecidit, lxxx milia cepit'. bei Vellejus 
2, 12 scheinen die zahlen erst addiert, dann in summa verderbt oder ermaftigt 
zu sein: 'circa Aquas Sextias cum Teutonis conflixit, amplius centum quinqua- 
ginta milia hostium priore ac postero die ab eo trucidati gensque excisa 
Teutonum'. vgl. unten VeUejus über die Kimbernschlacht. 



DER TEÜTONENKRIBG. 135 

vius bei der beschreibung der hauptschlacht seine bis dahin von 
ihm und Plutarch gemeinschaftlich benutzte quelle verlassen und 
dem römischen annalisten sich angeschlossen hat, was sich auch 
noch weiter bestätigt. 

Plutarch übergeht zunächst einiges was Livius hier erzählte. 
er erwähnt erst später gelegentlich c. 24 dass die könige der 
Teutonen von den Sequanern, also am Jura, auf der flucht nach 
Deutschland gefangen seien, wonach bei Florus die gefangenneh- 
mung des riesigen Teutoboduus 'proximo in saltu' zu berichtigen 
ist, während des Orosius ( dux quoque eorum Teutoboduus occisus 
est' schon durch den ihm(s. 122) nächst stehenden Eutrop 'cepit 
et ducem eorum Teutoboduum' widerlegt wird, vollständig über- 
gieng Plutarch die rührende bitte der teutonischen frauen um 
heilighaltung und Schonung, und dass sie abgewiesen damit in der 
nächsten nacht sich und ihren kindern den tod gegeben hätten, 
wie Livius (s.122 anm.3) berichtete* aber er erzählte dass die ganze 
beute an zelten, wagen, schätzen dem Marius von den Soldaten 
zuerkannt sei, dass jedoch in diesem punkte sowie in der menge 
der gefallenen die berichte aus einander giengen (s. 124); was um 
so glaublicher ist, da die kriegsbeute keineswegs von rechts- 
wegen dem römischen Soldaten zufiel und man nicht einsieht wie 
er in diesem falle darüber beschliefsen und verfügen konnte, wenn 
Plutarch den Livius c. 17. 14. 12 benutzte, so wird er auch hier 
ihn im sinne haben, und Livius scheint sogar verschiedene berichte 
zusammengestellt und namentlich einen hervorgehoben zu haben 
in dem es hiefs dass nur wenige gefangene gemacht seien und 
dass Marius, um die Soldaten darüber zu trösten und zugleich zu 
belohnen, ihnen die ganze beute für spottpreise abgegeben habe, 
damit er ihnen nichts umsonst zu schenken schiene, anders lässt 
sich ein merkwürdiges excerpt aus Dio** kaum auffassen, dasselbe 



* mit Plutarchs Schilderung der nacht nach dem ersten treffen am flusse 
c. 20 völlig unvereinbar, gehört auch Frontin 2, 9, 1 vielleicht zum nachspiel 
der hauptschlacht: C. Marius, victis proelio Teutonis, reliquias eorum, quianox 
eircumvenerat, circumsedens sublatis subinde clamoribus per paucos suorum 
territavit insomnemque hostem detinuit, ex eo adsecutus ut postero die in- 
requietum facilius debellaret. 

** fr. 94, 1 Bekker ot& x&v ßaqßa(wv tjTTti/uevtüv, xai (Ti^köi»' Iv rjj pdxp 
lUGovnov, oliyo* dtfaoJlhjGav , i<j>' $ntQ b MaQtog jovtovt (1. tovg ffTQcciHÖTag) 
naQa/tv&ovpivos re apa xai ä/uaßö/utvog , na<tav avroig trjv Xtiav IntvtovHjag 
anidoto, onoag /uydiv cfojfp ngolxa xtxaQic&ai, xai an' avttav b Magug, xaintQ 
h t$> nkj&t* /Lioyp nQottQov, ou l£ airtov ytyovwg r\v xai ou M ovtov ijvfrjTO, 



136 DER TEUTONENKRIEG. 

aber, mit per. 68 'Marius absens quintum consul creatus est' zu- 
sammengehalten, lässt aufserdem schliefsen dass Livius nach der 
schlacht bei Aquae Sextiae nur kurz meldete dass in folge der- 
selben die wähl des Marius mit grofser einhelligkeit des Volkes 
und der nobilität zu stände kam. bei Plutarch dagegen folgen 
c. 21. 22 noch einige Sätze und eine Schilderung, die mehr als 
andre den Posidonius erkennen lassen, und zwar so vollständig 
und so von allen Seiten wie man es nicht leicht wieder irgendwo 
beisammen findet. 

Von Massalia aus hatte Posidonius auch das nahe gelegene 
Schlachtfeld besucht: die klarste localanschauung liegt der schlacht- 
beschreibung Plutarchs 18—21 zu gründe, er übersah das ganze 
terrain, wo auf der einen Seite auf der höhe des Marius lager 
stand, mit abschüssigem und unebenem abhang davor c. 20, dann 
die ebene mit warmen quellen (c. 19) und dem flusse (Are) folgte, 
jenseit der lagerplatz der barbaren und rings herum waldige 
Schluchten und berge (c. 20) lagen, dazu kommt nun noch ein 
neues datum für seine anwesenheit an ort und stelle in der 
zweiten hälfte von c. 21, dass die Massalioten mit den gebeinen 
der gefallenen ihre Weinberge umzäunt hätten und dass von den 
leichen der boden so gedüngt sei, dass er, da zumal nun im winter 
viel regen gefallen, eine erstaunliche menge frucht getragen hätte, 
zur bestätigung des ausspruches des Archilochos, durch dergleichen 
würden die äcker fett*, hier aber verrät die manier, dichter worte 



$v (ptQOfxivos ) tot* xai rovg svnajgidag v<y>' iav i/uictlro l&vtxqatv , &<nt n^og 
narttav b/iotos xai inawslcfrcu. Ttjy n aQxh v *«* h *o inioy <?o£, ontag xai 
I« Xoma nQogxtttSQydfftjratj naQ Ixovtojv xai o/uoyvcojuovovvicoy avieHy 
ZXaßtv. der erste satz für sich genommen stimmt mit Orosius, der zweite aber, 
wenn der excerpent nichts übersprang, etwa den tod der weiber oder dgl., und 
das folgende sich nicht blofs auf eine abteilung des marianischen heeres be- 
zieht, setzt voraus dass nur sehr wenige gefangene gemacht wurden, die her- 
vorgehobenen worte des letzten satzes beweisen dass die wähl zum quintum 
consal gemeint ist und dass des excerpts Inhalt dem j. 102 angehört. Yellejus 
— 'sextus consulatus veluti praemium ei meritorum datus' — scheint das sechste 
mit dem fünften consulat zu verwechseln oder blofs seinem gutdünken zu folgen. 
* was Fauris de Saint -Vincens in Gails Philologue ou recherches l 
(1817), 332. 334 f. behauptete dass das dorf Meirargues im nordosten von Aix 
im xin jh. als campus de Marianicis, im xv als locus de Meiranicis vorkomme, 
ein tal bei Aix urkundlich vallis Mariana, das dorf Meiruy (Mereuil) lateinisch 
Mariolum heifse, kann ich weder bestätigen noch widerlegen, aber dass 'une 
charte souscrite ä Marseille le jour des ides de juin de la deuxieme annäe du 
regne de Conrad, copiee dans le cartulaire de St.- Victor', über die vergabung 



DER KIMBERNKRIEG. 137 

und andre gute ausspräche (s. 130) anzuführen, durch zahlreiche 
beispiele in den fragmenten (13. 28. 40. 41. 68. 74. 89. 91. 101) 
belegt, fast ebenso sehr den Posidonius als die bekanntschaft mit 
den Massalioten; die annähme, dass die gottheit durch starke 
regengflsse nach grofsen schlachten die erde wieder heiligen und 
rein waschen wolle, zeugt dann von seinem frommen sinn und der 
versuch die angenommene tatsache physikalisch zu erklären für 
die richtung seiner naturwissenschaftlichen Studien und specula- 
tionen. die Siegesfeier aber in c. 22, wo Marius angetan mit der 
praetextata, umgeben von seinem in waffen strahlenden und fest- 
lich bekränzten heere, sich eben anschickt mit der brennenden 
fackel den grofsen, aus beutestücken hergerichteten Scheiterhaufen 
als opfer anzuzünden, als boten herbeieilen und ihm die Urkunde 
seiner fünften erwählung zum consul überbringen, ward schon ge- 
legentlich (DA. 1, 357) als ein beispiel angeführt der sorgsam aus- 
geschmückten und, wenn es gilt, theatralischen darstellungsweise 
des Posidonius, die ihm kein Römer, am wenigsten ein geschicht- 
schreiber der zeit nachmachte, bei dem mangel jeglicher spur in 
der lateinischen Überlieferung, die auf den inhalt des plutarchischen 
c. 22 und der letzten hälfte von 21 deutete, ist nach Dio und der 
perioche anzunehmen dass Livius auch den anhang der schlacht- 
beschreibung des Posidonius tibergieng und seinem römischen anna- 
listen weiter folgend nur über den eindruck der siegesnachricht 
und den hergang der wähl in der Stadt Rom berichtete, und es 
bleibt dies ergebnis dass unsre beiden hauptgewährsmänner, Plu- 
tarch und Livius von der hauptschlacht, dem zweiten treffen bei 
Aquae Sextiae an aus einander giengen und verschiedenen quellen 
folgten. 

Auch in der schön geformten und durch ihren hinblick auf das 
wechselvolle menschenleben so würkungsvollen periode, mit der 
Plutarch 23 zu dem Kimbernkriege in Italien übergeht, möchte 
ich den Posidonius erkennen und weiterhin tritt derselbe, der wie 
Strabo p. 147 sagt gerne (tvpsv&ovaiql zalg vnsQßoXaXg, unverkenn- 



eines grundstückes 'quod est in campo de Putridis prope montem qui dicitur 
Victoriae Tel santo Venturf durch einen grafen Wilhelm an die abtei von 
SYictor zu Marseille in dem jetzt in den Documenta inedits gedruckten chartu- 
lar nicht zu finden ist, kann ich versichern, mehreres von dem was Fauris 
de St.-Vincens vorbringt, findet sich übrigens schon in Jean Pittons Histoire 
de la ville d'Aix 1666 s. 51 f. 54. 



138 DER KIMBERNKRIEG. 

bar entgegen in der beschreibung des Übergangs der Kimbern über 
die Alpen, ihres ansturms auf die befestigungen des Catulus an 
der Etscb, ihrer Unterredung mit Marius c. 23 und der Schlacht 
bei Vercellae selbst, d. h. überall da wo nicht die schrift des 
Catulus ausdrücklich oder stillschweigend der darstellung zu gründe 
gelegt ist und ihren freien gang hemmt, die benutzung dieser 
schrift geht weiter als ausdrücklich anerkannt oder ausgesprochen 
wird, und ist überall ersichtlich wo Catulus selbst, wie gleich c 23, 
die handelnde hauptperson ist oder überhaupt sein interesse im 
spiele ist. Plutarch fand (s. 125) die darstellung des Catulus schon 
in die seines auctors verwebt vor. da der streit über den anteil 
der beiden feldherren am erfolge schon auf dem schlachtfelde aus- 
brach (c. 27), das volk nachher verlangte dass Marius allein trium- 
phieren solle, und Marius schon im herbst desselben Jahres bei 
der consulwahl, dann als sextum consul aufs heftigste von den 
optimaten angefeindet wurde, so wird Catulus nicht lange gezögert 
haben seinen brief oder liber de consulatu et de rebus gestis suis 
ad. A. Furiura poetam herauszugeben und Posidonius konnte sich 
der benutzung desselben nicht entziehen, selbst wenn dieser, als 
er gegen das j. 90 seine materialien sammelte, noch nicht er- 
schienen wäre, er hat den tod des Catulus vielleicht selbst im 
j. 87 in Rom erlebt*, dass aber Plutarch von c. 23 an den Posi- 
donius verlassen und dem Livius sich zugewandt hätte, ist nach 
c. 20 — 22 durchaus unwahrscheinlich und würde selbst dann nicht 
anzunehmen sein wenn keine ganz unzweideutige spur für seine 
Unabhängigkeit von Livius und für die selbständige benutzung der- 
selben quelle durch beide spräche. 

Sehr kurz, aber bis auf seine falsche einmischung der Teutonen 
(s. 131) untadelich erzählt Orosius 'Cimbri integris copiis Alpium 
nives emensi Italiae plana pervaserant' ; Florus dagegen ( hi iam 
— quis crederet? — per hiemem, quae altius Alpes levat, Tri- 
dentinis iugis in Italiam provoluti veluti ruina descenderant'. die 
schlacht bei Aquae Sextiae ward etwa um die mitte des sommers 
geschlagen, die Siegesfeier schob Marius darnach so lange hinaus, 
bis die Siegesbotschaft in Rom ihre würkung getan hatte, er zum 
fünften male zum consul erwählt war und die nachricht darüber 
eintreffen muste. wenn er aber dann 'nicht viele tage nachher' 

* jedesfalls ist er und kein andrer der gewahrsmann, wenn Plutarch 44, 
Diodor exe. Phot. xxxix und Appian BC. 1, 74 selbst in den ausdrücken ihrer 
erzahlung übereinstimmen. 



DER KIMBERNXRIEG. 139 

(Plut. 23) die Schreckensbotschaft von dem einbreche der Kimbern 
und dem rückzuge des Catulus hinter den Po erhielt, so können 
jene nicht im winter über die Alpen gegangen sein. Florus hat 
nur mit gewohnter flüchtigkeit den Livius aufgefasst, der wesent- 
lich nicht, anders erzählte als Plutarch 23, dass die Kimbern, 
nackend oder halbbekleidet wie sie waren, sich ruhig hätten be- 
schneien lassen — yvpvol pkv r(vsl%ovto pHpopsvo* — und über 
eis und tiefen schnee die höhen erstiegen, dann auf ihren breiten 
Schilden hinunter gerutscht seien, obgleich auch er fälschlich darin 
nur eine unnötige kraftprobe und tollkühnheit sieht und das 
'beschneien' überhaupt wohl nur auf einem hyperbolischen ausdruck 
des Posidonius beruht Florus, der des Catulus und seiner Stel- 
lung an der Etsch mit keinem worte gedenkt, erzählt auch ganz 
unsinnig, die Kimbern hätten zuerst den fluss mit ihren leibern 
angegriffen und mit händen und Schilden aufzuhalten gesucht, dann 
ihn aber mit bäumen durchdämmt und so überschritten — ingesta 
Silva obrutum transiluere ; Plutarch hingegen, sie hätten, nachdem 
sie sich in der nähe der Kömer gelagert, zuerst das flussbett 
untersucht — xctxa^axpdfjLevoi tov tzoqov — , dann einen dämm 
zu schlagen angefangen, indem sie wie die Giganten die höhen 
umher niederbrachen und bäume und felsblöcke in den fluss trugen, 
und dadurch das wasser über die ufer getrieben, durch die schweren 
stücke aber, die die Strömung mit fortriss, die von Catulus er- 
richtete und befestigte brücke erschüttert, so lehrt die vergleichung 
abermals dass Florus nur den bericht des Livius entstellt hat und 
dass dieser durchaus nicht von dem des Plutarch abwich. 

Ebenso wenig folgt dies wenn die perioche 68 kurzweg an- 
gibt, die Kimbern seien 'repulso ab Alpibus fugatoque Q. Catulo 
proconsule, qui fauces Alpium obsidebat flumenque Athesim', nach 
Italien übergesetzt denn da der relativsatz zeigt wie der vorher- 
gehende participialsatz aufzufassen ist, so stehen sie mit der plu- 
tarcbischen dar Stellung ganz in Übereinstimmung, offenbar aber 
wird in dieser die kriegsführung des Catulus beschönigt, wenn es 
heifst, derselbe habe es aufgegeben die Alpenpässe zu bewachen 
— %äg ph vnsqßohxq xwv "AXnmv äniyvco tpvXdcGew — , um nicht 
gezwungen zu sein sein heer zu teilen und so sich zu schwächen; 
er sei daher nach Italien hinter die Etsch zurückgegangen, habe 
die Übergänge auf beiden Seiten mit starken werken verschanzt 
und eine brücke geschlagen um den jenseit stehenden zu hilfe zu 
kommen, wenn die barbaren aus den engpässen gegen die befesti- 



140 DER KIMBERNKRIEG. 

gungen vorgiengen; und ferner, als dann das römische beer im 
grofsen lager auf der rechten flussseite, entsetzt über die giganti- 
schen mafsregeln der barbaren und die gef ährdun g der brücke, 
reifsaus nahm, da habe Catulus sich als einen guten und voll- 
endeten (tiXetor) anführer bewiesen, indem er befahl den adler zu 
erheben und sich selbst an die spitze der fliehenden stellte*, 
augenscheinlich liegt hier die eigne darstellung die Catulus in 
seiner apologie gegeben zu gründe, wenn er nicht den Übergang 
in den julischen Alpen gegen die Tiguriner, die erst im nächsten 
jähre hier sich zeigten, sondern nur das Etschtal zu bewachen 
hatte, so ist nicht wohl abzusehen, warum er die Zersplitterung 
seiner kräfte zu fürchten hatte und deswegen nach Italien hinter 
die Etsch zurückgieng. die Veroneser allein z. b. verhinderten im 
j. 1226 den zuzug könig Heinrichs aus Deutschland zum beistände 
Friedrichs ü durch Sperrung der klausen. Q. Marcius hatte im 
j. 118 die Stoßner (Euganeer) an den südlichen auslaufen der 
Alpen unterworfen und nichts hinderte wohl den Catulus bis gegen 
Koveredo vorzugehen oder doch einen nördlicheren punkt als den 
von ihm für den Übergang auf das rechte Etschufer, ohne zweifei 
eben oberhalb von Verona befestigten zu besetzen, er scheint es 
auch getan zu haben und die concentration an und hinter der 
Etsch nichts anderes zu bedeuten als den rückzug eines vorge- 
schobenen heeresteils nach erlittener schlappe, damit würde sich 
auch wohl der jähe schrecken, der das römische heer bei dem 
erneuten angriff der barbaren ergriff, am ersten erklären, freilich 
wenn L. Ampelius 22, 4, ohne zweifei nach guten, alten quellen 
und vielleicht nach Livius**, erzählt dass ein L. Opimius unter 
Lutatius Catulus 'in saltu Tridentino' einen herausfordernden 
Kimbern getötet habe, so kann dies gerne bei der Etschbrücke 
geschehen sein: die Vorgänge hier betrachtet auch der Pseudo- 
frontin 4, 1, 13 als in saltu Tridentino geschehen, allein Frontin 1, 



* Livius erzählte nach Valerius Maximus 5, 8, 4, dem Pseudofrontin 4, 1, 
13, Victor de vir. illustr. 72, 10, Ampelius 19, 10 dass hei dieser gelegenheit 
die reiterei schnurstracks bis nach Rom geflohen sei und dass Aemilius Scaurus 
darauf seinem mitflüchtigen söhne habe sagen lassen, ihm nicht wieder vor die 
äugen zu kommen, worauf dieser sich selbst den tod gegeben. Plutarch über- 
gieng dies oder fand es nicht bei Posidonius. 

** s. die vorige anm. derselbe Ampelius sagt auch 45, 2 Cimbri Tri- 
dentinas Alpes occupaverunt, wie Florus 'Tridentinis Alpibus in Italiani 
provoluti veluti ruina descenderant'. 



DER KIMBERNKRIEG. 141 

5, 3* da an den Poübergang nicht zu denken ist, lässt sich nur 
so verstehen dass Catulus, ehe er sich hinter die Etsch zurück- 
zog, schon mit den Kimbern zusammengetroffen und von ihnen 
zurückgeworfen war, und Frontins dar Stellung des rückzuges lässt 
sich nur auf die angegebene weise mit der plutarchischen ver- 
einigen, wenn ein teil des heeres die Verteidigung des engpasses 
an einem nördlicheren punkte versucht, ein anderer inzwischen 
den Übergang über die Etsch gesichert hatte**. 

wie dem aber auch sei, Plutarch erzählt noch dass die bar- 
baren die schanze auf dem linken ufer eingenommen, der besatzung 
aber in anerkennung ihrer tapferkeit freien abzug gewährt — 
vnocnovdovg ä<pjjxav — und dies bei einem ehernen stier be- 
schworen hätten, der nachmals als siegesbeute in das haus des 
Catulus gebracht sei. davon aber muss Livius eine ganz ver- 
schiedene darstellung gegeben haben, die vielmehr mit der von 
Plinius 22 § 11*** wahrscheinlich aus Varro entlehnten überein- 
stimmte, und unbedenklich ergänze ich die lücke nach den zuletzt 



* Q. Lutatiu8 Catulus, cum a Cimbris pulsus unam spem salutis haberet 
si flumen liberasset, cuius ripam hostes tenebant, in proximo monte copias 
ostendit tanquam ibi castra positurus, ac praecepit suis ne sarcinas solverent 
aut onera deponerent, ne quis ab ordinibns signisque discederet et quo magis 
persuasionem hostiam confirmaret, pauca tabernacula in conspectu erigi iussit 
ignesque fieri et quosdam v all um struere, qnosdam in lignationem ut conspi- 
cerentor exire. quod Cimbri vere agi existimantes, et ipsi castris delegerunt 
locum, dispersique in proximos agros, ad comparanda ea quae mansuris necessaria 
sunt, occasionem dederunt Catulo non solum flumen traiciendi, sed etiam castra 
eorum infestandi. 

** das verfahren wie Mommsen (Rom. gesch. 2 2 , 183) die combination zu 
stände bringt, ist nicht zn billigen, wie z. b. verträgt es sich mit dem terrain, 
dass Catulus 'unterhalb Trient', statt eben oberhalb von Verona, sich durch 
eine brücke den rückzug auf das rechte flussufer gesichert habe? 

*** «contigit eius (gramineae coronae) honos — centurioni uni ad hoc 
tempus Cn. Petreio Cimbrico bello. primum pilum is capessens sub Catulo 
exclusam ab hoste legionem saam hortatus tribunum suum dubitantem per 
castra hostium erumpere interfecit legionemque eduxit. invenio apud auctores 
eundem praeter hunc honorem adstantibus Mario et Catulo coss. praetextatum 
immolaßse ad tibicinem foculo posito.' vergleicht man diese nachricht mit 
Frontin 1, 5, 3, so kann man auf den gedanken kommen dass beide von dem- 
selben ereignis handeln, aber wenn auch Frontin flüchtig excerpierte (s. 122 
anm. 3) und immerhin etwas was ein centurio unter Catulus ausführte diesem 
zugeschrieben haben kann, würde er die tötung des tribunen übergangen haben? 
übrigens hatte Mommsen aao. diese gewis von einem annalisten herstammende 
erzählung nicht zu der seinigen machen sollen. 



*42 DER KIMBERNKRIEG. 

angefahrten worten der perioche 'repulso ab Alpibus — fluraenque 
Athesim' mit [ita ut legionem unam, quae] castellum editum in- 
sederat, relinqueret, quae tarnen virtute sua explicata fugientem 
procos. exercitumque consecuta est', damit aber ist die Unab- 
hängigkeit des plutarchischen von dem livischen bericht vollständig 
erwiesen. 

Plutarch 23 schliefst damit dass das nach Catulus rückzug 
schutzlose land von den Kimbern überflutet und verheert sei. 
Livius aber erzählte dass sie durch den aufenthalt unter dem 
milden himmel Italiens und durch das ungewohnte Wohlleben, das 
ihnen die reiche Poebene bot, während des winters verweichlicht 
seien*, nach c. 24 wäre dann Marius auf die nachricht von des 
Catulus unglück nach Born berufen, hätte aber den angebotenen 
triumph abgelehnt, 'sei es um seine Soldaten und mitstreiter der 
ehre nicht zu berauben oder um das volk den umständen gemäfs 
zu ermutigen 1 ; nach per. 68 'triumphum oblatum donec et Cimbros 
vinceret distulit'. die darauf folgende erzählung Plutarchs aber 
ist darin offenbar recht unverständig dass Marius erst nach der 
ankunft seines heeres aus Gallien, indem er den Po oder wie 
Plutarch sagt den Eridanus überschritt, versucht habe die barbaren 
vom innern Italien abzuhalten, es war ihm ohne zweifei gelungen 



* Orosius 'Italiae plana pervaserant, ibique cum rigidum genus diu blan- 
dioribu8 auris, poculis, cibis ac lavacris emoUiretur — '; Moros 'sed in Yenetia, 
quo fere tractu Italia mollissima est, ipsa soli caelique dementia robur elan- 
guit. ad hoc panis usu carnisqne coctae et dulcedine vini mitigatos Marios in 
tempore adgressos est*. Dio fr. 94, 2 ot* <ag ana£ iniaxov, nokv rov övpov oi 
KifißQo* naQt\vfh}<sctv , xdx tovtov xai äfißXvnqo* xai äa&evxntQQi xai t«k 
xpvxaig xai rols ctöfXttCiv lyivovro. aXitov 61 or* Iv re otxian ix tqs nQo4f$tv 
vna&Qfov dtaittjg xankvov, xai lovjQoig $lQ[AO%g ävti ttjg nqiy \pvxQoXowfiag 
lXQ(Syjo y xagvxtiag r* xai tjdvö/ucnajy lmx&Qi<ov dnni/47tlarto } xQta nQouQoy ta/ua 
ctiovptvot, xai T(j> olvip rjj n /ui&p xaraxoQilg naqa to $&og lyiyvovro. lavxa 
yaQ 16 re &v/uosu}*g avitbv nav i£ixo\p€ xai ja cto/nara t&qXvyfv, üktt* fujit ropg 
novovg £r* pijj* T "C Talatn<s)(>Utg, /urj xavpa /uq \pvxog /uy ayqvnviav <ptQ€*r. die 
dementia soli caelique oder die blandiores aorae, deren einfloss Moros und 
Orosius zuerst hervorheben, übergieng der excerpent Dios wohl im ersten 
satze. das wohnen unter dach erwähnt Dio allein, und offenbar hat er die 
ursprüngliche, natürliche Ordnung und fassung, die auch bei Florus nur un- 
vollständiger Torliegt und bei Orosius augenscheinlich — namentlich durch 
die Stellung der pocula vor die ribi — verkehrt ist, am treuesten bewahrt; 
und dass Livius sie von Posidonius überkommen, ist anzunehmen, wenn auch 
ein fragment des letzten zu widersprechen scheint, s. unten, wahrscheinlich 
gehört auch Appian Celt. 7 (Suidas s. v. adrjv) hieher und nicht in den alten 
Gallierkrieg. Livius 5, 48 stimmt nicht 



DER KIMBERNKRIEG. 143 

auch mit den schwachen kräften des Catulus ihren Übergang über 
den mächtigen ström in seinem untern laufe zu verhindern, sie 
mochten anfangs noch in der aufrichtigen erwartung eines zuzugs 
aus Gallien in der Poebene sich westwärts gewendet haben, dann 
daraus ein vorgeben machen und hoffen am obern laufe des flusses 
leichter einen Übergang zu finden und den Römern in die flanke 
zu kommen, die Vereinigung der beiden römischen heere, deren 
auch noch die perioche gedenkt, mag in Placentia erfolgt sein und 
sie setzte den Marius in den stand zum angriff vorzugehen, indem 
er den feind alsbald in die läge brachte noch einmal ein gütliches 
abkommen zu versuchen oder eine schlacht anzunehmen, bei der 
die Römer im osten, die Kimbern im westen standen, eine ge- 
sandtschaft wiederholte die alte bitte um land und Städte für sie 
und ihre brüder. die Unterredung mit ihrer bittern, tragischen 
ironie und dem theatralischen schlusseffect der Vorführung der 
gefangenen Teutonenkönige, wie Plutarch sie schildert, verrät noch 
die meisterliche hand des Posidonius aufs deutlichste, wie vorher 
der Eridanus den Griechen*, die Kimbern musten darnach das 
glück der waffen versuchen. 

Sie rückten sofort, sagt Plutarch 25, gegen Marius heran, der 
sich ruhig in seinem wohl bewachten lager hielt, er befand sich 
in einer Stellung dass er auch auf den Vorschlag, zeit und ort des 
Zusammentreffens zu bestimmen, eingehen konnte, nach Plutarch 
jjlrfQav [*iv i&evxo tyv an' ixsiytjg tqi%fjv\ ungenauer wohl Florus 
'venere Uli — , diem pugnae a nostro imperatore petierunt, et sie 
proximum dedit'. auch Orosius weifs von 'die ad pugnam et campo 
dato 9 und Frontin 2, 2, 8 von der 'constituta die 9 , als den ort bezeich- 
net Plutarch die ebene um Vercellae, %6 ntdiov %6 ncQl BsQxilkag**; 
die Lateiner nennen das raudische feld, Florus 'in patentissimo, 
quem Raudium vocant, campo coneurrere', Vellejus 'in campis 
quibus nomen erat Raudiis 1 , Victor de vir. illustr. 67 ( in campo 
Raudio vicit' ***, und Livius mag diesen namen aus einem annalisten, 
Posidonius ihn nicht gekannt haben, wenn aber in der beschrei- 
bung der schlacht Plutarch und die lateinische Überlieferung wie- 



* merkwürdiger weise heilst es auch noch in der chronik des Hieronymus 
a. Abrah. 1914 'Cains Marias qninquies consal faetas est, qui Cimbros super- 
avit inzta Eridanum fluvium'. 

** vgl. Mommsen Rom. gesch. 2 a , 184 anm. 

*** Tgl. auch 'in campo qui dicitur Raudo', jetzt Rho, nordwestlich bei 
Mailand. Böhmer Reg. 953. 954. 



144 1>ER KIMBERNKRIEG. 

derum aus einander gehen, so fragt es sich ob man hier ebenso 
wie vorher s. 134 f. 137 entscheiden muss. 

Klar und verständig beschreibt Orosius, Marius und Catulus 
hätten die klugheit des Hannibal befolgt, früh im nebel ihre auf- 
stellung gemacht, in der sonne aber gefochten, die Gallier seien 
dadurch zuerst bestürzt worden — prima siquidem perturbatio 
Gallorum fuit — dass sie die anwesenheit der geordneten römi- 
schen schlachtlinie nicht vor dem zusammenstofs mit ihr gemerkt 
hätten, verwundet seien die reiter gleich auf die ihrigen zurück- 
geworfen und hätten die ganze, noch ungeordnet anrückende menge 

— totamque indisposite adhuc adventantem multitudinem — in 
Verwirrung gebracht, und da die sonne mit einem winde aufge- 
gangen, ihnen gegenüber hervorgebrochen sei und der staub ihnen 
die äugen erfüllte, der glänz sie blendete, so sei es geschehen 
dass eine so grofse und schreckliche menge mit einem äufserst 
geringen vertust der Römer, aber bis zu ihrer eignen völligen 
Vernichtung zusammengehauen sei. alle wichtigen und entschei- 
denden momente der schlacht treten hier hervor, und selbst noch 
in der declamation des Florus, nur dass dieser verkehrter weise 
die sonne in den rücken der barbaren bringt und sogar von den 
gefangenen wissen will dass sie durch den glänz der römischen 
helme geblendet seien*, wie Livius also die schlacht beschrieb, 
kann nicht zweifelhaft sein. 

allein fast alles was er hervorhob bleibt bei Plutarch uner- 
wähnt, nur dass die sonne den Kimbern ins gesicht schien und 
dass sie sich dagegen durch vorhalten der Schilde zu schützen 
suchten, erwähnt er c. 26, und aufserdem dass die hitze des tages 

— es sei der 30 juli gewesen — den an frost und kälte gewöhn- 
ten Kimbern verderblich geworden, während von den Römern trotz 
derselben und ungeachtet des stäten laufens, wie Catulus von den 
Soldaten rühmte, keiner schwitzend oder keuchend gesehen sei; 
der staub aber hätte ihnen die menge der feinde so lange ver- 

* 'per omnem diem conciditur barbarus. istic quoque imperator addiderat 
virtuti dolum, secutus Hannibalera artemque Cannarum: primum nebu- 
losum nanctus diem, ut hosti inopinatus occurreret, tum ventosum quoque 
ut pulvis in oculos et ora ferretur, tum acie converea in orientem ut, 
quod ex captivis moi cognitum est, ex splendore galearum aere repercusso 
quasi ardere caelum videretur'. auch Frontin 2, 2, 8, nach abzug dessen was der 
schlacht bei Aquae Sextiae angehört (s. 122 anra. 3. 134), weife von der ita ordinata 
suorum acie ut adverso sole et vento et pulvere barbarorum occuparetur 
exercitus'. 



DER KIMBERNKRIEG. 145 

borgen, bis jeder auf seinen mann losgeben konnte; wie umge- 
kehrt nach Orosius der morgennebel den barbaren die ankunft der 
Römer bis zum zusammenstofs mit der reiterei verhüllte, hier 
aber bleibt bei Plutarch der gegensatz unausgeführt, da der vor- 
teil der Römer, wie bei der hitze, auf einen entsprechenden nach- 
teil auf Seiten der barbaren schliefsen lässt leicht ergänzt man 
Plutarchs darstellung aus Livius, und je unverständlicher und zu- 
sammenhangsloser jene überhaupt sich zeigt, um so mehr scheint 
es gerechtfertigt dasselbe mit ihr auch in den übrigen fällen 
zu tun. 

Wir erfahren c. 25 dass Marius den Catulus mit seinen 
20 300 mann rückwärts ins centrum stellte, seinen eignen erprob- 
ten 32 000 aber vorn die beiden flügel vorbehielt, dass die auf- 
stellung in aller frühe geschehen und Marius den feind über- 
raschen wollte, fehlt bei Plutarch. das kimbrische fufsvolk sei 
langsam — xa&* i\($vylav — aus den verschanzungen hervorge- 
kommen, in einem ungeheuren Viereck, ebenso tief als breit in 
der front: jede seite der aufstellung — zys nccQatd&tog — habe 
dreifsig Stadien eingenommen, nach seinen Worten hielt er dies 
quadrat von ^ deutschen meilen nicht für die zufällige form, die 
die kimbrischen heerhaufen und züge bei ihrem ausmarsch bilde- 
ten, sondern für ihre definitive Schlachtordnung, ob aber auch 
Posidonius, der, wenn auch kein grofser tactiker, doch über tactik 
gedacht und geschrieben hat*? 

Plutarch erzählt weiter dass die kimbrischen reiter, 15 000 an 
der zahl, unter helmen mit greuelbildern und in glänzenden brünnen 
und waffen hervorgesprengt seien**, was aber aus ihnen gewor- 



* dass Plutarch sich das quadrat von einer dicht geschlossenen menge 
erfüllt dachte, braucht man nicht anzunehmen. Duncker Origg. germ. p. 91 
hat berechnet dass — bei 9 quadratfuTs auf den mann und bei 6000 mann in 
jeder linie — noch nicht 30 millionen ausreichen würden um % quadratmeilen 
roll zu machen, um Plutarchs misverst&ndnis zu erklären könnte man sich 
denken dass die einzelnen heerhaufen der Kimbern eine quadratische form 
hatten, aber dergleichen l&sst sich sonst bei den Germanen nicht nachweisen, 
nur die keilförmige aufstellung: Cluver Germania p. 820 t Tgl. v. Peucker 
Kriegswesen 2, 208 ff. 8, 46. 

** itylacav Xxt/jiTiQoi, xQaytj /uh tlxaapiva dygitov yoßfQaig ypxGpaci xai jiqoto- 
ftalg iJio/uoQyoif ix oyTf $i <*S InatQopwo* koyoig nngtatols tU v\pog Irpctivovro 
f<uiZov$, £»£«£* <ft xtxoCfuifiivo* CKtrjQolg, &vq$oI$ dt hvxolg arikßorrts. axovTHrpa 
cfl \v ixamip dißokia' avpmaovrts <Ji /ucyälatg ^^(Okto xai ßctQtictig ^a^aiga^g. 
dass diese bewaflhung von der Ärmlichkeit, die man sonst bei den Germanen 
trifft, sich weit entfernt, hat man nicht übersehen, aber die Vermutung, dass 

DHJTSOHB ALTOBTUMBKUaDB II. 10 



146 DER KIMBERNKRIEG. 

den, ob sie zurückgeworfen wurden und wie, ob ihnen die Römer 
reiterei entgegenstellten oder überhaupt entgegenzustellen hatten, 
erfahren wir wieder mit keinem worte. sie seien, heifst es c. 26, 
rechts ab geschwenkt um allmählich die Römer in die mitte zwischen 
sich und das fufsvolk zu bekommen, die römischen feldherren 
hätten die list gemerkt, es wäre ihnen aber nicht gelungen ihre 
Soldaten zurückzuhalten, einer hätte gerufen 'die feinde fliehen 9 
und alles hätte sich zur Verfolgung aufgemacht, in dem augen- 
blick sei das fufsvolk wie ein ungeheures wogendes meer heran- 
gekommen, da habe Marius die hände zum himmel erhoben und 
den göttern eine hekatombe gelobt, Gatulus gleichfalls dem glück 
des tages einen tempel, und als man jenem beim opfer die ein- 
geweide des tieres gezeigt, habe er mit lauter stimme ausgerufen 
'mein ist der sieg! 1 als es nun zum angriff kam, hätte den Marius, 
wie Sulla erzähle, indem er zuerst mit seiner macht zur Verfolgung 
aufbrach, das unglück betroffen im dichten staube den feind zu 
verfehlen und lange zeit im felde umherzuirren, während Catulus 
glücklich auf die barbaren gestofsen wäre und hauptsächlich mit 
seinen Soldaten die Schlacht entschieden hätte, durch die boshafte 
lüge blickt sichtbar die Wahrheit durch dass Marius mit seinen beiden 
flügeln rechts und links eine grofse Schwenkung ausführte (s. unten 
s. 150) und so allerdings zum teil wohl später an den feind kam 
als Gatulus und diesem schliefslich die reichste ernte an trophaeen 
verschaffte, aber erst nachdem durch seinen ansturm von beiden 
Seiten die macht der feinde zusammengebrochen und in eine völlig 
wirre masse aufgelöst war. beim angriff gieng jeder im laufe 
auf seinen gegner los — ÖQOfico totg xa& avtovg bcaato* nQog- 
ixi^avzeg — und im laufe geschah nach Gatulus aussage das treffen — 
(A€td ÖQOfxov tijg <fv§Qa££(og yevofAivfjg — . der gröste und streit- 
barste teil der feinde aber wurde auf dem schlachtfelde zusammen- 
gehauen c. 27. unter ihnen fiel nach Florus ( in prima acie dimi- 



die Kimbern sich die waffen erst auf ihren zwölfjährigen raubzügen zugelegt 
hätten, hätte man bei besserer bekanntschaft mit den quellen durch ein Zeugnis 
des Posidoniii8 selbst stützen und rechtfertigen können, denn niemand an- 
ders als Po8idonius schildert bei Diodor 5, 30 die bewaffhung der Gallier so : 
XQdytj dt x<tkxa ntQiTi&tvTCu, fityakag lEo%ag l{ avruiv $x oyja xa * nafi(j,tykd-n 
yaviaaiav inuptQovTa xoig %Qia[jikvo*s m tolg /u*v yocQ nQogxtucu Gv/u<f>v>j xigara, 
tolg dt OQvitov !j TtTQctnodtay C^W ixrtrvmojuivai nQOiOfiai. — &togaxag d' 
%%ov«hv oi fiiv GtdijQovg — avti dt top tiqovg and&ag fyov<J> fiaxqag — 
t« jutv yaQ $i<(q rwv naQ* tttQoig cavviiav tlolv ovx lldma. 



DER KIMBERNKRIEG. 147 

cans impigre nee inultus' der könig Boiorix und nach Orosius 
gleichfalls Lugius. Clodicus und Gaesorix wurden gefangen, zwei 
andere ungenannte könige töteten sich gegenseitig. 

Fasst man die hier hervortretenden punkte ins äuge und be- 
achtet dass alle angriffsbewegungen der Kimbern sich auf das 
erste vorsprengen der reiterei und das erscheinen des 'wogenden 
meeres' des fufsvolks beschränken, so kann man sich nicht wohl 
denken dass Marius sie schon völlig geordnet und fertig zur 
Schlacht antraf, sondern nur eine 'indisposite adhuc adventantem 
multitudinem' die, nachdem die reiterei geworfen, von dieser zu- 
erst in Verwirrung gebracht, dann von ihm auf beiden Seiten ge- 
fasst und völlig über den häufen gerannt wurde, es ist daher 
wahrscheinlich dass Posidonius mit dem quadrat nur anschaulich 
machen wollte* in welch ungefüger gestalt und Verfassung Marius 
noch das ausziehende heer fand: noch bildete es eine ungeheure 
marschcolonne, nachdem vielleicht erst eben die letzten das lager 
verlassen hatten, und die Schlachtordnung sollte sich erst entwickeln ; 
dass aber Plutarch, in seiner weise unbekümmert um den innern 
Zusammenhang der dinge und nur beflissen einzelne bluten, anec- 
doten und glänzende züge aus dem bilde des Posidonius aufzulesen, 
fast alle wesentlichen, den verlauf der Schlacht bestimmenden 
momente übersehen hat ein neuer beleg dafür ist gleich zur 
stelle. 

'Beinahe einen schwereren kämpf sagt Orosius 'bereiteten 
den Römern die weiber auf der Wagenburg, die sie lange zurück- 
trieben — diu repulere — ', und setzt damit richtig seine be- 
schreibung der schlacht fort**, ähnlich auch Florus l nec minor cum 
uxoribus eorum pugna quam cum ipsis fuit, cum objeetis undique 
plaustris atque carpentis altae desuper securibus contisque pugna- 
rentf. es musten sich hier derselbe kämpf wie mit den ambronischen 
frauen am ersten abend bei Aquae Sextiae (Plut. 19), dann auch 
ähnliche scenen wie dort nach der hauptschlacht wiederholen, und 



* dass, wie Plutarch 27 erzählt, die Vordermänner sich mit langen, an 
ihren gürtein befestigten fesseln an einander gebunden hatten, um das durch- 
brechen ihrer reihe zu verhindern, halte ich nur für eine sage, die die dichtig- 
keit der germanischen phalanx, wie sie die Römer später noch oft kennen 
lernten, v ersinnlicht, eine geringe Überlegung muste den Kimbern sagen, 
dass sie sich durch eine solche mafsregel mehr behindert, als genützt hätten. 
** bei Plinius 8 % 143 findet sich, wahrscheinlich aus der Historia animalium 
des Trogus, noch 'canes defendere Cimbris caesis domus eorum plaustris im- 
positas'. 

10» 



148 



DER KIMBERNKRIEG. 



es ist begreiflich dass Florus die bitte der teutonischen frauen We- 
her übertrug (s. 122 anm. 3. 135). was aber tut Plutarch? er über- 
geht c. 27 den kämpf mit den Römern völlig mit stillschweigen und 
sagt nur, als sie die fliehenden an die verschanzung drängten, dahätten 
sie das tragischste Schauspiel vor äugen gehabt: xQay$xaxdxo$g 
ivexvyxapov nd&ecw. aber seine beschreibung davon stimmt in 
allen einzelheiten mit der des Livius, so dass wenn vorher seine dar- 
Stellung lücken lässt, dies nur von ihm selbst und nicht durch 
seine quelle verschuldet sein kann. Orosius allein berichtet dass 
die Römer im kämpf die weiber skalpiert, dann entlassen und 
dadurch die übrigen in schrecken gesetzt hätten, im übrigen 
entspricht 



A\ yccQ yvpaTxeg hii xaip dpa^cov 
lieXavdfxovsg icpsördSoat xovg xs 
tpevyopxag exxsivov, al piv avdqag^ 
al di adeXcpovq, al di naxiqag, 

xai xd prpiia xäv xixpwp andy- 
%ov<fcu xaXg %sqgIv hfälnxovv imo 
xovg xqo%ovg xal xovg nodag xäp 
vno^vyionp, 

avxdg di dn£<S<paxxov. 



fjtiav di <patop i% ccxqov Qvpov 
XQspafAivtjp xd naidia x&p avvfjg 
(fcpvQoov ä(ptj[i(A£pa ßQfyoig kxa- 
tiqcoxhep riQtrjö&ai,' 



xovg di äpÖQag anoQJLq divdqoav 
Totg xiQaöt %(ov ßotiÜp, xovg dt 
xotg axiXsöt TZQogdsTv xovg avx&p 
vQctXqXovg, sha xipxqa nQog<p£- 
QOPxag, 1%ccXXo(*4p(op x&v ßocov 



Orosius: ferrum quod in hostes 
sumpserant in se suosque (in 
seruosque L) verterunt. 

Florus : suffocatis elisisque pas- 
sim infantibus suis 



Florus: aut mutuis concidere 
vulneribus aut vinculo e crinibus 
suis facto ab arboribus iugisque 
plaustrorum pependerunt. Oro- 
sius : namque aliae concursu mu- 
tuo iugulatae, aliae apprehensis 
in vicem faucibus strangulatae, 
— aliae laqueo de subrectis 
plaustrorum temonibus pepende- 
runt. inventa est etiam quae- 
dam quae duos filios traiectis 
per colla eorura laqueis ad suos 
pedes vinxerit et cum se ipsam 
suspendio morituram dimisisset, 
secum traxerit occidendos. 

— aliae funibus per equorum 
crura consertis ipsisque continuo 
equis exstimulatis, postquam suas 
iisdem funibus, quibus equorum 
crura nexuerant, indidere cer- 



DER KIMBERNKRIEG. 149 

itpsXxofjbävovg xal naiovptvovg vices, protractae et exanimatae 
än6XXv<r&ai. sunt — 

hier ist die Übertragung von den männern auf die frauen bei Orosius 
von keiner bedeutung; spricht er aber von pferden statt wie Plutarch 
von rindern, so sprach Livius ohne zweifei von iumentis' und erwähnte 
des anbindens an die hörner nicht, weil sonst Orosius oder der 
epitomator von ihm die 'iumenta' schwerlich als pferde aufgefasst 
hätte, und es ergibt sich unzweifelhaft dass trotz der Überein- 
stimmung Livius nicht Plutarchs quelle war. 

Dasselbe bestätigt sich gleich noch einmal. Livius liefs hier 
den tod der könige (s. 146 f.) folgen, den Plutarch übergieng; Plu- 
tarch dagegen die zahlen der gefangenen und gefallenen, die Livius 
schon zu ende der feldschlacht angegeben hatte, beide stimmen 
in der zahl der gefangenen im wesentlichen überein: Plutarch 
sagt idlmoav vniQ $£ pvQuxdag, Livius nannte lxv oder einfach Ex. 
aber die zahl der toten ist bei Plutarch um 20—10 000 geringer 
als bei Livius, und Plutarchs al dh %&v möövxcov iXiyovvo dlg 
jotfavtcu yevia&cu kann nur eine berufung auf die aussage gleich- 
zeitiger zeugen sein, wie sie Posidonius zu gebot standen, während 
das 'traduntur' oder 'dicuntur' der lateinischen epitomatoren wieder 
(s. 134) auf den Antias als den gewährsmann des Livius deutet*, 
jene berufung aber lässt nicht annehmen dass Plutarch die zahl 
willkürlich verkürzt und vielleicht die andre vergröfsert hat: er muss 
sie in seiner quelle vorgefunden haben und diese war nicht Livius. 

Aufserdem erwähnte Livius an der angegebenen stelle den ge- 
ringen vertust der Römer: es sollen ihrer nur 300 oder noch 
weniger gefallen sein **, was unmöglich scheint wenn die Kimbern 

* per. 68 'caesa traduntur hostium CXL, capta lx\ Orosius 'centum 
quadraginta milia eorum tone in bello caesa, sexaginta milia capta dieun- 
tur\ Eutrop 5, 2 'cxl milia aut in pugna aut in fuga caesa sunt, lx milia 
capta 9 . zählen Orosius und Eutrop auch nur für emen zeugen (s. 122 anm. 1), so 
scheint doch ihre Übereinstimmung mit der perioche ganz entscheidend für 
Livius. dennoch haben beide epitomatoren bei der zweiten zahl vielleicht 
ein v fallen lassen, wie der Nazarianus im Florus. Florus übersprang die 
zahl der gefallenen und machte die gefangenen zu gefallenen, zählte aber nach 
dem Bambergensis * milia sexaginta quinque cecidere' und so sagt auch 
Velleju8, beide zahlen addierend, * caesa aut capta amplius ducenta milia 
hominmn'. es scheint darnach doch dass Livius die gefangenen auf lxv 
rechnete. 

** Orosius erwähnt der * minima Romanorum clades', nennt aber nicht die 
zahl ihrer toten, dagegen Eutrop 'Romani milites ex ntroque exercitu (Marii 
et Catuli) cec perierunt', und Florus 'hinc trecentis minus'. 



150 DER KIMBERNKRIEG. 

sie schon in fester Schlachtordnung empfangen hätten, zugleich 
erwähnte Livius die zahl der auf dem schlachtfelde erbeuteten 
heerzeichen, und Plutarch fährt nach den zuletzt angefahrten 
worten fort dass die Soldaten des Marius die habe (xQW ata ) der 
feinde geplündert hätten, — zur bestätigung der vorhin s. 146 auf- 
gestellten ansieht dass die beiden flügel eine grofse Schwenkung 
ausführten; denn dann musten sie zuerst an das lager kommen 
und dies ihnen in die hände fallen* — ; dass aber die spolien, 
feldzeichen und heerhörner in das lager des Gatulus gebracht 
seien — %ä dl Xd<pvQa xal tag (Ttjfiaiag xal Tag GaXmyyag slg %6 
KdrXov (StQccvonedov avavs%d^vat X&yovGbv — und dass Catulus 
dies hauptsächlich zum beweise gebraucht habe, dass durch ihn 
der sieg entschieden sei. ohne zweifei ist dies aus der schrift des 
Gatulus genommen, wenn aber nun Eutrop aus Livius die ge- 
naueren angaben bewahrte 'tria et triginta Gimbris signa sublata 
sunt: ex bis exercitus Marii duo reportavit, Catuli exercitus xxxi' 
und er schon vorher behauptet dass l a Catuli parte felicius' ge- 
stritten sei, so müssen wir schliefsen dass Livius des Catulus 
apologie, ebenso wie Plutarch, schon von Posidonius benutzt fand 
(s. 125. 138), dass er aber, auch nach der anordnung der einzel- 
heiten, den Posidonius anders auszog als jener, bei Plutarch 
stammt noch aus der schrift des Catulus dass dessen Soldaten ab- 
gesandte von Parma unter den leichen auf dem schlachtfelde 
herumgeführt und ihnen gezeigt hätten dass sie mit ihren, mit 
dem namen des Catulus gezeichneten speren durchbort seien. 

Nichts desto weniger, sagt Plutarch, wurde der ganze erfolg 
dem Marius zugeschrieben, nicht nur wegen des früheren Sieges 
sondern auch weil er den Oberbefehl gehabt hatte, und das mit 
vollem rechte, weil er durch seine anordnungen und mit seinen 
truppen allein den sieg zu einem totalen gemacht hatte, beson- 
ders 'die vielen' hätten ihn als dritten gründer Roms ausgerufen, 
der eine nicht geringere gefahr als einst die gallische abgewehrt 
jeder habe es sich mit weib und kindern zu hause wohl sein lassen 
und beim mahle mit den göttern zugleich dem Marius den ersten 
trunk dargebracht, und man habe verlangt dass er beide triumphe 
allein begehe, doch habe er nicht so triumphiert, sondern mit 
dem Catulus, um sich mäfsig im glück zu zeigen und aus furcht 



* isoliert steht Appians Oelt. 14 (Suidas s. v. mf/avartag) o di roi$ oaj/uao* 
t<5k Ki/ußQuty aipavGTtlv ixikivfy, *W hpifp* yivqi«*i noXvxqvca tlva* Joxüiy. 



DIE TIGUBINER. 151 

vor den Soldaten, die sich anschickten, wenn er den Catulus aus- 
schlösse, auch ihn nicht triumphieren zu lassen. Livius dagegen 
erzählte zuerst, vielleicht nach einer römischen quelle*, wie die 
Siegesbotschaft nach Rom von den Dioskuren dem praetor über- 
bracht und das gerücht des sieges am tage des sieges selbst unter 
dem im amphitheater beim gladiatorenspiel versammelten volke 
verbreitet gewesen sei; dann nach Valerius 8, 15, 7, wie Plutarch, 
dass c postquam Gimbros ab eo (Mario) deletos initio noctis nuntius 
pervenit, nemo fuit qui non Uli tanquam diis immortalibus apud 
sacra mensae suae libaverit'; aber nach der per. 68 dass 'Marius 
totius civitatis consensu exceptus pro duobus triumphis qui offe- 
rebantur uno contentus fuit'** und dass auch die 'primores civi- 
tatis, qui ei aliquandiu ut novo homini ad tantos honores evecto 
inviderant, conservatam ab eo rempublicam fatebantur'. ebenso 
erwähnt auch Orosius 5, 17 den 'quintum Marii consulatum, quo 
Status imperii romani iure conservatus iudicatur' und es steht 
nicht entgegen (s. 136) was Livius schon im jähre vorher erzählt 
hatte, dass Marius durch den sieg über die Teutonen auch die 
Zustimmung der optimaten gewonnen habe und von allen in gleicher 
weise gelobt sei, auch wenn sie ihm dieselbe jetzt (a. 101) bei 
der neuen consulwahl versagten und" dann nachsagten dass er sein 
sechstes consulat erkauft habe*** es verlohnt sich für uns nicht 
die vergleichung Plutarchs und Livius weiter fortzusetzen. Posi- 
donius kann beides erzählt haben was sie von der aufnähme der 
Siegesbotschaft bei dem volke und den vornehmen in Rom be- 
richten, es ergibt sich aber auch ohne das nur noch einmal dass 
beide dieselbe quelle ungleich ausgezogen und behandelt haben, 
die keine andre sein kann als Posidonius. 

Bisher jedoch konnte sein eigentumsrecht noch an keinem 
satze des Livius oder Plutarchs durch ein zeugnis von aufsen be- 
glaubigt und festgestellt werden, glücklicher weise fehlt es nicht 
daran und ganz zu guter letzt findet sich noch ein solches, von 
allen epitomatoren des Livius berichtet Florus allein über das 



» *u Florus vgl. Plin. 7 § 86. 

** und Valerius Max. sagt 9, 12, 4 'Q. Catulus Cimbrici triumphi C. Mario 
particeps a senatu datus'. doch Cicero Tuscul. 5, 19, 56 'C. Marius Cimbricae 
victoriae gloriam cum collega Catulo communicavit, paene altero Laelio'. 

*** per. 69 'sextum consulatum pecunia per tribus sparsa emerat' stimmt 
wörtlich mit Plutarch 28 fc 'Povrüuos UnoQti — tijs Utni fr**«*' vnauiag 
i(yyv(»ov «fc ins (fvlag xajaßcclwy nolv xai n^täptvos. 



152 DIE TIGURINER. 

Schicksal der Tiguriner, die im frühjahr a. 102 mit den Kimbern 
von Gallien ausgezogen waren und östlicher durch Noricum nach 
Italien vordringen sollten (s. 131 f.): Tertia Tigurinorum manus, 
quae quasi in subsidio Noricos insederat Alpium tumulos, in di- 
versa elapsa fuga ignobili et latrociniis evanuit; Posidonius aber 
nach Strabo p. 293 — Uooeidoiviog . . . qvpl — f nachdem die 
Kimbern zuerst (gegen das j. 113) an der mittleren Donau er- 
schienen und bis zu den Scordiskern an der Sau gestreift hatten, 
hätten sie sich gegen die Helvetier gewandt, ln\ 'EXovrjxxlovg, 
noXvxqvGovg fiiv avÖQag dqr\vaiovg d£' oqävxag dl top ix tdov 
XfjcfiTjQiwy nXovxov vnsQßdXXovxa xov natf iavxolg tovg'EXovtjxtiovg 
inao&rjrat, \kdX«sra cT aix&v Tiyvoivovg %e xal T&vyivovg, 
wgzs xai ovv€%OQiAij<tou. ndvxsg pivtoi xcnsXv&tjöav vno xüv C P«- 
[Mtlcoy avxoi xs ol KifjLßooi xal ol Gwaoapsvok xovxoig, ol fiiv vne$- 
ßaXovxsg vag "AXnsig Big xr\v y lxaXiav ol <T Hgoa xmv "AXnewv. er- 
gänzt und berichtigt wird diese stelle durch eine frühere, augen- 
scheinlich derselben quelle entnommene bei Strabo p. 193, <fa<ti 
di xal noXv%QV<Sovg xovg 'EXovyxxiovg, i^div p&vxot tjxxov inl 
Xipxtiav tQccniG&cu xäg x&v KipßQCov elnoolag löovxag' ä(pa- 
VKSSr\vcu <T avx&v xd ovo tpvXa xqmv ovxoov xaxä cxoaxetag. 
dass hier die Svo (pvXa die später namentlich genannten Tiguriner 
und Toygener sind, leidet keinen zweifei; ebenso wenig dass Florus 
von derselben begebenheit handelt wie Strabo, und zwar genauer 
und richtiger als dieser, da niemand sonst von einer Vernichtung 
der Tiguriner durch die Römer etwas weifs. im gegenteil trifft 
sie Caesar Bg. 1, 12. 13 im j. 58 wieder bei guten kräften unter 
den damals ausziehenden vier gauvölkern der Helvetier und schlägt 
sie an der Saone, zu seiner besondern genugtuung, ( privatas in- 
iurias ultus*, da sie den grofsvater seines schwehers L. Piso mit 
Cassius im j. 107 getötet hatten, ein grofser teil von ihnen muss 
also entweder nicht mit den Kimbern ausgezogen oder nach der 
niederlage derselben im j. 101 aus Noricum heimgekehrt sein, die 
Vorstellung des Posidonius, dass sie zu gründe gegangen, haftet 
daher an den nachrichten die damals über ihr verschwinden aus 
Noricum und Oberitalien eingelaufen waren, und je mehr dies 
auch noch die darstellung des Florus tut und das gepräge des 
augenblicks trägt, desto mehr muss sie für die ursprünglich posi- 
donische gelten, die Livius ausführlicher und vollständiger wieder- 
gegeben hatte als Strabo. lässt sich aber, wie hier für den 
schluss der livischen erzählung, nun auch noch für den anfang der 



DIE ERSTEN GERMANEN BEI P0SID0NIÜ8. 153 

plutarchischen die autorschaft des Posidonius durch ein directes 
zeugnis feststellen, so wird allen anforderungen , die an eine be- 
weisführung wie sie hier versucht ward billicher weise gestellt 
werden können, genügt und die folgerung für die zwischen liegenden 
partien der Überlieferung hinreichend gerechtfertigt sein, und da- 
mit auch die forderung, den Posidonius als unsern hauptgewährs- 
mann für die geschickte der Kimbern und Teutonen anzuerkennen, 
das bisher noch uft erörterte , einleitende cap. 11 Plutarchs aber 
führt auf die hauptfrage ob jener sie schon als Germanen kannte, 
oder mit andern Worten, ob der im vierten Jahrhundert v. Chr. 
dem Pytheas (DA. 1, 480. 484 ff.) noch unbekannte, unterschei- 
dende gesamtname mit den Teutonen- und Kimbernkriegen oder 
erst nachher bei Römern und Griechen in gebrauch gekommen ist 

Ein bruchsttick (fr. 32) aus dem dreifsigsten buch des Posi- 
donius bei Athenaeus p. 153 lautet: reQpavol <te, dg laxoqst IIo- 
öeidcbviog iv irj TQiaxoöifj, aQKftov 7tQog<p&QOV%a* xqia peXtidov 
äntfifidya xal imnivovcn ydXa xal %6v olvov axQatov. wenn Po- 
sidonius die fünfzig jähre (145—96) phxä UoXvßiov in zwei und 
fünfzig büchern behandelte, so dass auf jedes jähr ungefähr ein 
buch kam, so muss man schliefsen dass er im drei und zwanzig- 
sten buche (fr. 23—25) seine grofse beschreibung der Gallier des- 
wegen gab, weil er von den kriegen der Römer mit den Allo- 
brogern und Arvernern in den j. 124 — 121 oder 123—120* zu 
handeln hatte, und ebenso dass er im sieben und zwanzigsten 
(fr. 29) auf Dalmatien kam, weil L. Metellus in den j. 119—117 
die Dalmater überwand (s. 128). so führt das dreifsigste buch auf 
das j. 113 wo die Kimbern zum ersten male mit den Römern zu- 
sammenstiefsen, und offenbar ist das fragment einer ethnographi- 
schen einleitung über das neu auftretende volk entnommen, wie 
die erste satzhälfte zu verstehen, lehrt eine stelle aus dem drei 
und zwanzigsten buche, wo Posidonius (fr. 25) nach Athenaeus 
p. 151 von den Galliern erzählte: f} TQoyrj d $ iatlv äqzoi piv öXiyoi, 
xqia dl noXXd (Strabo p. 197 tQOifti di nXelaty p**cc ydXaxtog xal 
*Q€(Sv navtolwv xxX.) iv vdau xal onxd in? dv&Qaxoav tj dßsXioxoov. 
nqogifiqovta^ dl zavta xa&aQiiag y&v, Xeovxcoduig dl tatg xsqölv 
aiHfoziqcug cuqovtsq oXa (jbtXtj xal dnoddxvovtsg, und bei Diodor 



* Momm8en 2*, 160 ff. im übrigen kann ich nur wie vorher s. 126 anm. 
wiederholen, was KMüller FHG« 3, 251 bereits bemerkt hat. 



154 ME ERSTEN GERMANEN 

5, 28 nXtjäiov <f avxnv la%aqai xstviai yipovöcu nvQÖg xal Xißipag 
8%ov<scu xal oßeXltixovg nXiJQeig xQeäv oXopsQiäv • zovg <F äya&ovg 
avdqag xaXg xaXXUStaig x&v xqecSv fkolqatg yeqaiQOVöt, xa&dnsq 
xal o noirjtfjg idv Alavxa naqeigays* xtfAmfisvov vno xäv aqt<Tt£mv, 
ots TiQÖg "Exxoqa fiovofiaxiJGag ivixyae, (II. 7, 321) 'wotoka <T 
Alav%a dtTjvsxiöGi y4qmqe\ vgl. unten den exe. zu 8. 177 im Wider- 
spruch damit steht (s. 142 anm.) dass die Kimbern bis zu ihrem ein- 
bruch in Italien nur rohes fleisch gegessen hätten; doch ist dies 
augenscheinlich eine Übertreibung und der Widerspruch wohl erst 
durch die darstellung des Livius herbeigeführt, durch das fragment 
aber scheint mit einem male die aufgeworfene frage erledigt und 
ohne weiteres erwiesen zu sein dass Posidonius den namen A<>- 
fiavol gekannt und für die Kimbern und genossen gebraucht hat 
doch rät die betrachtung der römischen Zeugnisse nicht so rasch 
zu entscheiden. 

Caesar ist der erste, wie es scheint, der Germanen und 
Gallier bestimmt unterscheidet und die Kimbern und Teutonen zu 
jenen rechnet (Bo. 1, 33. 40). dieselbe Unterscheidung und an- 
sieht steht dann fest seit dem augustischen Zeitalter bei allen die 
nicht von älteren auetoren abhängen oder, wie namentlich die 
Griechen, bei dem alten, auf unvollkommner, schematischer welt- 
ansicht beruhenden sprachgebrauche verharrten oder auch aus 
falscher gelehrsamkeit dazu zurückkehrten, wonach alle im nord- 
westlichen Europa wohnenden KsXxol hiefsen*. mit Caesar sind 
in hinsieht der Kimbern und Teutonen einverstanden der alte ge- 
währsmann des Pomponius Mela (DA. 1, 489 ff. und unten), 
Agrippa**, Augustus selbst (Res gest. 5, 14 ff. Momms.), Trogus 
Pompejus (Justin. 38, 3. 4), Vellejus Paterculus, Strabo, Valerius 
Maximus 2, 2, 3, Seneca (Consol. ad Helv. 6, 9), Plinius, Tacitus, 
Ptolemaeus und andre, auf deren meinung es nicht weiter an- 
kommt. Caesar aber fand den namen Germani schon im gebrauch 
vor. wenn er Bg. 1, 31 den Ariovist, wo er ihn zum ersten male 
erwähnt, 4 rex Germanorum' benennt, so bedient er sich ohne 
zweifei des officiellen titeis, den der römische senat im jähre vor- 



* DA. 1, 167 anm. 485. vgl. 216. oben s. 106. Ulf. Brandes Kelten und 
Germanen s. 174 f. 201 ff. unter den historikern herscht der Sprachgebrauch, 
wenn auch nicht ohne Schwankungen, bei Cassius Dio und Appian (Duncker, 
Origg. Germ. p. 88 f.), der nicht so consequent ist, als Brandes s. 217 ff. 
meint. 

** Über die Weltkarte des Augustus s. 11 1 19. 



BEI DEN RÖMERN. 155 

her (a. 59) jenem zuerkannt hatte (Bg. 1, 35), und im beginne 
des krieges weist er (Bg. 1, 40), um ihren gesunkenen mut zu 
heben, seine Soldaten in einer rede darauf hin dass derselbe feind 
nicht nur zu den Zeiten ihrer väter in den Kimbern und Teutonen, 
sondern auch noch unlängst im Sklavenkriege in Italien einem 
römischen heere gegenüber gestanden habe*. 

In der tat tritt auch gleich im ersten jähre dieses krieges 
(a. 73) in einem fragment des Sallusts (Hist. 3, 77 Kritz) bei einer 
Uneinigkeit der anführer im sklavenheere ein häufe Gallier und 
Germanen hervor und in gegensatz zu dem anhang des Thrakers 
Spartacus, 'Crixo et gentis eiusdem Gallis atque Germanis obviam 
ire et ultro offerre pugnam cupientibus, contra Spartacus — ', 
während Plutarch Crass. 8 und auch Livius nach Orosius 5, 24 
beim ausbruch des aufstandes nur Gallier und Thraker unter- 
scheiden, allein im nächsten jähre (a. 72), als das heer sich ge- 
teilt hat und der consul Gellius die abteilung des Crixus am Gar- 
ganus in Apulien fasste, heifst diese bei Plutarch Cr. 9 xo r*<>- 

pavixov vßgei xal if^ovr^kazt %<av ^nagtaxsiwv ano<s%us&iv , und 

im dritten jähre (a. 71) vernichtet M. Crassus zuerst abermals 
eine abteilung, die sich vom heere des Spartacus getrennt hat, 
'quae ex Gallis Germanisque constabat, — caesis hostium xxxv 
et ducibus eorum Casto et Gannico' nach Livius per. 97 und bei 
Frontin 2, 5, 34 'Gallos Germanosque ex factione Casti et Gan- 
nici — mv armatorum eo proelio interfecta cum ipsis ducibus 
Livius tradit' und Orosius 'Gallos — Germanosque superavit, e 
quibus xxx hominum cum ipsis ducibus occidit'. hier ist Gannicus 
ohne zweifei der deutsche führer und sein name verwandt mit dem 
des batavischen Seeräubers Gannascus (Tac. Ann. 11, 18. 19) und 
der weisen frau Ganna (Dio 67, 5). Plutarch Cr. 11 nennt ihn 
rdiog Kavvlxiog und dieselbe namenform ist bei Frontin 2, 4, 7, 
wo Oudendorp 'Canonicum Caninocum Camnocum Camincum et 
similia' in den hss. fand, zu vermuten, da Plutarch und Frontin 
in der darstellung desselben treffens im wesentlichen überein- 
stimmen, aber von Livius vollständig abweichen. Frontin, der den 
Castus und seinen genossen blofs 'duces Gallorum' nennt, kann 
wie vorher Plutarch Cr. 8 6inen volksnamen gespart haben. Plu- 

* factum eins hostis periculum patrum nostrorum memoria, cum Cimbris 
et Teatoois a Öaio Mario polsis non minorem laudem exercitus quam ipse im- 
perator meritus videbatur; factum etiam nuper in Italia servili tumultu, quos 
tarnen aliquid usus ac disciplina, quae a nobis accepissent, sublevarent. 



156 DIE ERSTEN GERMANEN 

tarch verschweigt diesmal die nationalität der beiden genossen 
und scharen; aber die beiden weiber, die früh morgens zum opfern 
ausgehend die anrückenden Römer entdecken, heifsen bei Sallust 
Hist. 4, 42 'Galiiae mulieres' und Sallust war unläugbar Plutarchs 
und hier auch Frontins quelle*, die unmäfsige zahl der toten bei 
Livius, 35000 gegen 12 300 bei Plutarch, aber zeigt dass jener 
hier einem annalisten gefolgt ist, mag er immerhin sonst auch 
den Sallust benutzt oder mit ihm aus derselben quelle geschöpft 
haben. 

Denn dass Sallust, zur zeit des Sklavenkrieges 13 — 15 jähr 
alt, denselben nach eigner erinnerung oder unabhängig von filteren, 
gleichzeitigen aufzeichnungen in den a. 39—35 verfassten Historien 
beschrieben hätte, ist nicht anzunehmen, aber selbst wenn seine 
darstellung jene Unabhängigkeit und Originalität besäfse, könnte er 
ebenso wenig als der annalist des Livius und als Caesar nach 
gutdünken oder Vermutung die Unterscheidung der Germanen und 
Gallier in die jähre 73—71 zurückdatiert haben, ohne eine tat- 
sache zu erfinden, die gewöhnliche annähme dass die damals auf- 
tretenden Germanen Überbleibsel der Teutonen und Kimbern waren, 
findet weder bei den alten auctoren noch sonst eine stütze, da 
die teutonische und kimbrische Jugend, die a. 102. 101 gefangen 
wurde, allerdings in den jähren 73 — 71 in kräftigem mannesalter 
stand, aber schwerlich noch sehr zahlreich und der alten freiheit 
sehr eingedenk war. die ddixfa eines käufers, der eine menge 
leute aus verschiedenen barbarenländern , hauptsächlich aus Gal- 
lien und Thracien, zusammengebracht und eingesperrt hatte 
in' apdyxrjg inl im iLovo[La%slv, war nach Plutarch Cr. 8 die 
Ursache dass der aufstand ausbrach, und viele befanden sich damals 
in ähnlicher läge, die entweder mit gewalt und list eingefangen 
oder auch durch schlaue Unterhändler geteuscht nach Italien auf 
den markt gebracht und als Sklaven teils in die fechterschulen 
teils aufs land in die grofsen acker- und viehwirtschaften der 
Römer verkauft waren, darunter selbst männer von edler abkunft 



* für Plutarch erhellt dies aus den nachweisnngen von Kritz zu Hist. 3, 
67 ff. 4, 22 ff. vgl. Peter Die quellen Plutarchs s. 109. — Frontin scheint für 
den Sklavenkrieg teils den Livius (s. oben) teils Sallust benutzt zu haben. 
Strateg. 1, 5, 20 stimmt nicht mit Plutarch Cr. 10 Ifoxre rijs t«<jqov ptQog ov 
noXv ytj xai vktj xcd xlddotg devdQuv; 1, 5, 21 auch mehr mit Florus 2, 8 als 
mit Plutarch 9; 1, 5, 22 und 1, 7, 6 aber mit Sallust Hist. 3, 77, 5 (Hermes 5, 
409) und 4, 22. 23; 1, 7, 6 aber auch mit Florus. 



BEI DEN RÖMERN. 157 

wie Spartacus und wohl auch der Gallier Crixus und die übrigen 
anführer. es mochten manche kriegsgefangene darunter sein die 
von den barbaren im norden erhandelt waren, und die verlockenden 
preise, die die italischen händler bieten konnten*, werden dort 
wie in Thracien menschenraub und mancherlei fehden unter be- 
nachbarten Völkern hervorgerufen haben, aber wie wir es heut- 
zutage an unseren auswanderern sehen, auch die elendesten Vor- 
spiegelungen und verheifsungen konnten viele in die fremde und 
ins verderben locken, ein mächtiger zug nach dem Süden und 
seinen gütern hatte die Germanen einmal ergriffen und das massen- 
hafte auftreten germanischer knechte in Italien bezeichnet nur 
einen abschnitt und zwischenact in der grofsen bewegung die mit 
dem auszuge der Kimbern und Teutonen begann, die dann eben 
zur zeit des krieges in Italien ums j. 72 den Ariovist und seine 
Sueben und ihm nach bald immer neue scharen aus dem inneren 
Deutschland bis zu den 24000 Haruden von der unteren Elbe und 
Ostsee über den Rhein führte und dann auch die werber Caesars 
und der römischen heerführer nach ihm kriegs- und beutelustige 
und dienstwillige mannschaften die fülle in Deutschland finden 
liefs. die Römer aber, wenn ihnen der unterschied der Germanen 
von den Galliern in den Teutonen- und Kimbernkriegen noch 
nicht klar geworden war, musten sich durch die nachströmende 
Sklavenmenge auf dem markt und felde, in den fechterschulen und 
den amphitheatern immer mehr darüber unterrichten, und dass 
beim ausbruch des Sklavenkrieges der unterscheidende name sich 
eingestellt hatte, lässt das zusammentreffen dreier von einander 
unabhängiger zeugen, Sallusts, des annalisten des Livius und 
Caesars nicht zweifelhaft, es fragt sich nur ob sich der name 
nicht früher hinauf verfolgen lässt. 

Nach Florus 1, 37 wären die Kimbern, die im j. 109 zuerst 
in Gallien erschienen und mit dem consul Silanus zusammentrafen, 
schon damals nicht nur mit den Teutonen, sondern auch mit den 
helvetischen Tigurinern, die erst zwei jähre später den consul 



* schon Posidonius erzählte nach Diodor 5, 26 wie die italischen kauf- 
leute auch die weinliebe der Galater benutzten und für einen krag wein 
einen sklaven eintauschten, und es erklärt sich dass zu Caesars zeit die bel- 
gischen Nervier (BG. 2, 15) und die altgermanischen Sueben (BG. 4, 2. 3) den 
wein nicht einfuhren liefsen, jene überhaupt die kaufleute nicht zuliefsen und 
diese nur um die kriegsbeute, doch hauptsächlich gefangene, zu verhandeln, 
und die Ubier befehdeten, die jenen eine statte gewährten. 



158 DIE ERSTEN GERMANEN 

Cassius schlugen, vereinigt und, aus Gallien und Spanien zurück- 
gewiesen, entschlossen gewesen nach Italien zu ziehen, für diese 
gänzlich verworrene darstellung, womit er seine declamation über 
die Kimbernkriege beginnt, ist Livius natürlich nicht verantwort- 
lich zu machen, aber da Florus das einzelne doch bei ihm auf- 
gelesen und nur aus ungenauer erinnerung falsch combiniert hat, 
so ist auch die angäbe dass die barbaren 'ab extremis Galliae 
profugi' gewesen seien ohne zweifei auf Livius zurückzuführen, man 
kann darin die spur einer griechischen quelle oder eine nach- 
wirkung der griechischen ansieht finden, der die fox***** **i$ . ^*^- 
Ttxijg ganz gemäfs waren, allein in der ganzen Überlieferung aus 
Livius über die Kimbern und Teutonen ist nur Einmal von Ger- 
manen die rede, nemlich in der epitome Liviana die wahrscheinlich 
dem Eutrop und Orosius vorlag: beide fassen (s. 121 f.) im jähre der 
niederlage des Caepio und Mallius (a. 105) die Kimbern Teutonen 
Tiguriner und Ambronen als 'Germanorum et Gailorum' oder 
'Gallorum Germanorumque gentes' zusammen, vorher aber heifst 
es bei Eutrop 4, 25, ähnlich wie bei Florus, unter dem consulat 
des Garbo (a. 113) sei in Rom gemeldet dass die Kimbern aus 
'Gallien' — e Gallia — nach Italien hinüber gegangen seien, und 
die niederlage bei Arausio erweckt dann die furcht dass die Gallier 
abermals nach Rom kommen möchten, mit Galliern kämpft auch 
Marius nach Orosius sowohl bei Aquae Sextiae (s. 134) als bei 
Vercellae (s. 144) und in beiden schlachten sollen in summa 
340000 Gallier getötet, 140000 gefangen sein, ungerechnet die 
unzähliche menge der weiber. gleichfalls nach Rufus Festus c. 6 
vertrieb Marius die Gallier aus Italien und schlug sie glücklich 
als sie die Alpen überstiegen hatten; und nach Julius Exuperantius 
c. 2. 3 ward Marius gen Gallien geschickt, das damals das römische 
gebiet durch einen feindlichen einfall beunruhigte, und nach Ver- 
nichtung der Gallier und gänzlicher Vertilgung des barbarenvolkes 
sei er als Sieger in Rom eingezogen, wie spät und elend diese 
zeugen sind und wie weit sie auch schon von Livius oder sonst 
ihrem gewährsmanne abstehen, ihr Sprachgebrauch ist nicht un- 
begründet und blofs auf ihre laune und willkür zu setzen: auch 
bei Granius Licinianus p. 17 bittet Mallius den Caepio sich mit 
ihm zu vereinigen damit sie gemeinschaftlich den Galliern wider- 
stünden, während vor- und nachher nur von Kimbern die rede 
ist es beruht der Sprachgebrauch vielmehr auf alter tradition. 
der 'pictus Gallus in Mariano scuto (pimbrico sub Novis, 



BEI DEN RÖMERN. 159 

distortus eiecta lingua, buccis fluentibus', auf den der a. 87 ge- 
tötete redner G. Julias Caesar Strabo einmal bei einem processe 
vor dem tribunal des praetors seinen gegner Mancia hinwies, lehrt 
den städtischen Sprachgebrauch unmittelbar nach dem Kimbern- 
kriege kennen; denn dass der schild aus der kimbrischen beute 
vom j. 101 stammte und mit andern zur ausschmückung des römi- 
schen forums verwendet war und dass die darauf gemalte fratze 
des Galliers das antlitz eines Kimbern vorstellte, leidet keinen 
zweifei*, aber demselben Sprachgebrauch folgten nur die anna- 
listen, aus denen Livius neben Posidonius schöpfte. 

es beruht darauf zunächst das schwanken der Überlieferung 
ob der fremde, der in Mintumae a. 88 den flüchtigen Marius töten 
sollte, ein Gallier oder ein Kimber war. nach Appian BC. 1, 61 
war er ein zufällig dort sich aufhaltender Gallier — raXchyg dviiq 
hiidripmv — , nach Plutarch Mar. 39 ein Irmtiq raXdt^g %6 yivoq 
und da Plutarch und Appian zum teil wörtlich in ihrer erzählung 
übereinstimmen**, so treffen wir bei ihnen ohne zweifei die dar- 
stelhmg des glaubwürdigsten zeugen Posidonius. Plutarch aber 
kannte auch die römische darstellung, die den abgesandten mörder 
zu einem Kimbern machte: ä(jb(fotiQoog yäq lotoQeUcu. er hiefs 
bei Livius vermutlich ähnlich wie bei Vellejus 2, 19 ein 'servus 
publicus natione Gallus, qui bello Cimbrico captus erat 9 , so dass 
die per io che 77 daraus 'servus natione Gallus' (Victor de vir. 
illustr. 67 'percussor Gallus'), Valerius Maximus 2, 10, 6 'servus 
publicus natione Cimber' entnehmen konnte und Vellejus blofs die 
veraltete benennung 'Gallus 1 durch 'Germanus' zu ersetzen brauchte, 
hält man beide darstellungen gegen einander, so begreift man 



* die anecdote von Cicero, der den Caesar noch gekannt und gehört hatte, 
de orat. 2, 66, 266 (= Quintilian Inst 6, 3, 38) in authentischer fassung, von 
Plinius 35 § 25 unvollständiger und ungenauer von dem redner Crassus (f 91) 
wahrscheinlich nach den exemplis des Nepos erzählt, doch so dass auch hier 
auf einen 'in tabula pictum inficetissime Gallum exserentem linguam' ver- 
wiesen wird, ist jetzt von Jordan in der Archaeologischen zeitung 1872 s. 72 f. 
so eingehend und allseitig behandelt dass niemand etwas hinzuzusetzen haben 
wird, nur mag hier erwähnt werden dass später auch masken von Germanen 
gemacht wurden um possen damit zu treiben. Martial 14, 176 Persona Ger- 
manica: Sum figuli lusus, rufi persona Batavi. Quae tu derides, haec timet 
ora puer. 

** zuweilen freilich auch merkwürdig von einander abweichen, Wijnne De 
fide et auctoritate Appiani p. 26 f. das geschichtchen von den sieben adler- 
jungen, das Appian BC. 1, 61 einschaltet, erzählt Plutarch c 36. 



160 DIE ERSTEN GERMANEN 

wohl wie im römischen volksmunde aus dem Gallier in Minturnae 
ein dort als fronknecht lebender, gefangener Kimber werden und 
die erschütternde erzählung von seinem zusammentreffen mit Marius 
sich erzeugen konnte, nicht aber umgekehrt wie daraus die dar- 
stellung des Posidonius hätte entstehen können, die sage setzt 
den Sprachgebrauch der die Kimbern unter die Gallier begriff vor- 
aus und liefert dafür einen ähnlichen beleg wie die eben erwähnte 
anecdote von Julius Caesar Strabo, mit einem gleich festen chro- 
nologischen datum. 

so wie Livius schloss sich dann auch der gelehrte antiquar 
Verrius Flaccus im augustischen Zeitalter an die annalistische Über- 
lieferung an, da er (s. 114 anm. 116) die Ambronen, die gefährten der 
Kimbern und Teutonen, eine 'gens quaedam Gallica' nannte, und 
Sallust offenbart gleichfalls nur seine abhängigkeit von altera 
auctoren und deren Sprachgebrauch, wenn er am Schlüsse des Ju- 
gurthas 114 schreibt dass um die zeit der gefangennehmung des 
königs von Q. Gaepio und Cn. Mallius gegen die Gallier unglück- 
lich gekämpft sei, so dass ganz Italien erbebte, und dann im hin- 
blick auf Caesars gallische kriege noch hinzufügt, die Römer seien 
von da an bis zu seiner zeit der meinung gewesen dass alles andre 
ihrer tapferkeit leicht, mit den Galliern aber um die existenz, nicht 
um den rühm gekämpft werde. 

werden hier die eigentlichen echten und die blofs so genann- 
ten Gallier unbedenklich zusammengeworfen, so kann es um so 
weniger auffallen, dass Cicero (geb. 106), um zwanzig jähr älter 
als Sallust, noch ebenso im alten sprachgebrauche steckt, zwar 
kennt er die Germanen und weifs dass sie jenseit des Rheins 
wohnen (in Pison. 33, 81) allein er nennt in einer im dritten jähre 
von Caesars gallischem kriege (a. 56) gehaltenen rede* nicht nur 
die Kimbern und Teutonen Gallier, sondern spricht zugleich auch 



* de provinc. consular. 13, 32 f. 'C. Marias influentes in Italiam Gallorum 
maxima8 copias repressit, non ipse ad eorum urbes sedesque penetrant. — C. 
Caesaris longe aliam video foisse rationem. non enim sibi solum cum iis, 
quos iam armatos contra populum Romanom videbat, bellandum esse duxit, 
sed totam Galliam in nostram ditionem esse redigendam. itaque cum acerri- 
mi8 nationibus et maiimis Germanornm et Helvetiornm praeliis felicissime 
decertavit, ceteras contrivit, domuit, imperio populi Romani parere assue- 
fecit'. wunderlich unbestimmt schreibt Cicero auch nach Caesars tode an 
Atticus 14, 9 'Baibus meliora de Gallia, Germanos illasque nationes, re audita 
de Caesare, legatos misisse ad Aurelium, qui est praepositus ab Hirtio, se quod 
imperatum esset ease facturos. 



BEI DEN RÖMERN. 161 

von den Germanen so dass er sie unter die gallischen nationen 
mit begreift, nicht minder fasst auch Sallust in den worten (s. 155) 
l Crixo et gentis eiusdem Gallis atque Germanis' beide Völker 
noch in eins zusammen und spricht (s. 156) von gallischen weibern, 
wo man nach Livius und nach der vorhersehend germanischen 
sitte eher germanische erwartet*, die Unterscheidung zeigt sich 
hier noch unfest und gleichsam erst in der ausbildung begriffen, 
auf dieselbe unbestimmte weise könnte allerdings auch Livius (s. 158) 
früher in seinen quellen die Germanen erwähnt gefunden haben, 
aber mindestens ebenso wahrscheinlich, wenn nicht wahrscheinlicher 
ist dass er oder auch der von Eutrop und Orosius benutzte epi- 
tomator der später feststehenden, besseren ansieht (s. 154) von der 
nationalität «der Kimbern und Teutonen räum gegeben und die 
Germanen erst eingemengt hat. 

Wir können daher diesen namen mit Sicherheit nicht über den 
Sklavenkrieg (a. 73— 71) hinauf verfolgen ** und die epoche seines 
aufkommens nach den vorliegenden Zeugnissen nur etwa um das 
j. 80 oder 75 setzen, ist dies richtig, so hat weder könig Mithri- 
dates, falls er nicht gerade während seines letzten krieges mit den 
Römern (a. 74—63) schriftstellerte, noch weniger der von ihm 
a. 70 getötete Metrodorus von Skepsis von den Germanen ge- 
sprochen (DA. 1, 479 anm.), da die Römer den Griechen und Orien- 

* Flutarchs worte sind Cr. 11 (o KQaaaog) Xixfov nva nQoxaTaltjy/ofniyovg 
ay<f(Htg l£axigx*Movg dneffretlt, Xavd-dvav xsUvaaq ntiQao$-af oi #' inHQwvTo 
ftiv Tj}f alüd-tjety aiioxQvm&iv, rä xgdvtj X€CTajn7iix o v*$g' 6(p&ivrtg de vnb dvolv 
yvvaixüiv nqo&vofxivtav to%g noXtfuiotg, IxwövvtvGctv \ Sallustfi Hist. 4, 42 
'interim, lumine etiamtum incerto, duae Galliae mulieres conventum vitantes 
ad menstrua solvenda montem ascendunt'. es war ohne zweifei ein neumond- 
opfer (Grimm Myth. 667. 676), und die darbringung auf einem berge und in 
der einsamkeit (conventum vitantes, vgl. Myth. 996. 1069) entspricht gleich- 
falls der deutschen sitte. 

** zu diesem resultat kommt auch KLRoth in Pfeiffers Germania 1, 
159. er bespricht verständig die stellen (Liv. 5, 35. Frontin 2, 6, 3. Cicero 
pro Balb. 14, 32) wo teils nach hss. teils nach notwendiger conjeetur die Ger- 
manen schon aus den neueren ausgaben verschwunden sind, und beurteilt richtig 
die '8emigermanae gentes' in den Alpen bei Livius 21, 38, so dass nur die 
reflexion des Schriftstellers, dem die Völker ungefähr ebenso wild und furchtbar 
wie die Germanen erschienen, auf den ausdruck, wie 9, 36 auf die Germani'ci 
saltus, geführt hat. dass ein mann wie Zeufs 227, um von andern nicht zu 
reden, dem ausdruck einen andern wert beigelegt hat, ist nur zu erklären aus 
der falschen auffassung einer stelle des Avien (DA. 1, 196). von den Germanen 
der Fasti Capitolini wird unten die rede sein, die hauptfrage aber übergeht 
Roth, ob Posidonius die Germanen gekannt oder nicht gekannt hat. 

DIUT8CHB ALTEBTUlf RKUHDB II. 1 1 



162 POSIDONIÜS BEI STKABO 

talen im gebrauch des namens vorangegangen sein müssen*, und 
Posidonius kann sich desselben frühestens erst in seinem zweiten 
historischen werke, wie Sallust in den Historien, bedient haben und 
bei dem Sklavenkriege oder vom Mithridates aus auf die Germanen 
gekommen sein **, nicht aber in seiner ersten fortsetzung des Po- 
lybius. das excerpt des Athenaeus (s. 153) darf jedesfalls nicht 
mehr (DA. 1, 484. 485) für ein sicheres zeugnis angesehen werden 
dass er es getan und der älteste gewährsmann dafür ist. Athe- 
naeus, wissend dass die Kimbern und Teutonen Germanen waren, 
kann wie Vellejus und Valerius und wie Strabo den Sprachgebrauch 
seines auctors verlassen und den neuen gesamtnamen zum subject 
des von ihm ausgehobenen satzes gemacht haben, auf volle Sicher- 
heit wird jedoch diese annähme erst anspruch machen können, wenn 
sich von andrer seite her beweisen lässt, dass Posidonius, als er 
sein erstes werk schrieb, den naraen noch nicht gekannt hat. 

Das excerpt des Athenaeus fallt, wie bemerkt (s. 153), in den 
beschreibenden, ethnographischen teil der einleitung des Posidonius 
zu den Kimbernkriegen, diesem teile aber muss er noch eine 



* Detlefsens Vermutung dass bei Plinius 37 § 39 'in Carmaniae' statt 
'Germaniae litoribus' zu lesen sei, trifft ohne zweifei das richtige, da Plinius 
die meinnng Mithridats unter denen aufführt, die den Ursprung des bern- 
steins in den Orient verlegen. — das Zeitalter des von Plinius 37 § 36 ci- 
tierten Nicias ist unbekannt (Fhg. 4, 463), ebenso wie des vorher genannten 
Philemon (DA. 1,412 ff.) und des nachher genannten Theochrestus (Fbo. 2,87); 
auf diesen folgt dann Xenocrates, ein Zeitgenosse des Plinius. Nicias scheint 
sich wie Metrodorus an Timaeus und Pytheas angeschlossen zu haben und 
Plinius so dazu gekommen zu sein ihn sagen zu lassen 'Nicias solis radiorum 
sucum intellegi voluit (sucinum). hos circa occasum (DA. 1, 477) vehementiores 
in terram actos pinguem sudorem in ea relinquere, Oceani deinde aestibus 
(DA. 1, 476) in Germanorum litora eici, in Aegypto nasci simili modo ac 
vocari sacal (DA. 1, 480 anm.), item in India gratiusque ipso ture esse Indis. 
in Syria quoque feminas verticfflos inde facere et vocari harpaga, quia folia 
paleasque et vestium fimbrias rapiat'. 

** Mithridat soll für den letzten grofsen krieg gegen die Römer im 
j. 74 auch zu den Kimbern gesandte um hilfe zu erbitten geschickt (Justin 
38, 3) und zuletzt (a. 63), von Pomp ejus aus Asien vertrieben, den plan ge- 
habt haben vom norden des Pontus aus nach Italien vorzudringen. Dio 37, 1 1 
ngog tov "Ictqov d*a iwv Xxv&ujy iXS-tiy xavrtv&ev (lg rijy 'liaXUtv igßaXtiv. 
Appian dagegen, bei dem am ersten Posidonius als quelle zu vermuten ist, 
sagt Mithr. 109 ig KtXrovg, ix noXXov yiXovg inl jtpdi o% ytyovJragy intvon 
ifaX&m' ig jijv *U«Xiuv cvv ixüvoig ipßaXth', und dies macht die Germanen 
bei Posidonius nicht wahrscheinlicher. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEUTE. 163 

erörterung über die herkunft der Nordleute und die Ursachen ihrer 
auswanderung vorausgeschickt haben, schon in der schritt nsql 
ttxeavov gieng er auf diese frage ein und in dem auszuge daraus 
lautet die stelle bei Strabo p. 102 nach der Überlieferung der hss. 

so: tlxdfei d£ xal Tfjv %&v Kipßqwv xal %Av (Svyysv&v i%avd<S%ct<Sw 
ix rijg olxelag ysvfo&cu xaid &aXdtXfjg scpodov ovx ä&qoav <Svp- 
ßaaav. 

dass hier das ovx unmöglich richtig sein kann und vor ä&qoav 
getilgt werden muss, darüber sind wohl alle einig, die je die 
stelle ins äuge gefasst haben, die einfache Unterdrückung der 
negation aber bringt einen vollständigen Widerspruch mit Strabo 
p. 292 f. zu wege, wonach Posidonius, der Sturmfluten der Nord- 
see unkundig (DA. 1, 231), gerade die entgegengesetzte ansieht 
aufgestellt hatte, dass nicht eine plötzliche, gewaltige Wasserflut 
die auswanderung veranlasst haben könne, weil ebbe und flut im 
ocean durchaus gleich- und regelmäfsig täglich zweimal wechselten 
und es lächerlich wäre dass im verdruss darüber die leute ihre 
heimat verlassen hätten. Strabo schliefst sich dieser ansieht voll- 
ständig an, ohne ein wort darüber zu bemerken dass Posidonius 
seine meinung geändert und im dreifsigsten buche perä IloXvßiov 
etwa eine andre vorgetragen hätte als in der schrift nsql wxsavov. 
dass er dies getan , ist auch gar nicht anzunehmen, die von ihm 
nach Strabo p. 292 f. bekämpfte meinung ist als die herschende, 
vulgäre anzusehen. Posidonius schrieb aber negl äxsavov nach- 
dem er in Gades gewesen war (oben s. 128) und hier seine er- 
kundigungen und beobachtungen über ebbe und flut (DA. 1, 365) 
eingesammelt hatte, wie sollte er sie nun in dieser schrift nicht 
auch gegen jene meinung verwertet haben, wenn er überhaupt 
darauf eingieng? dafür dass er sich hier der vulgären meinung 
angeschlossen hätte, lässt sich nicht geltend machen dass er von 
den Veränderungen der erdoberfläche durch Senkung und hebung, 
erdbeben usw., und nachdem er ausgeführt dass man den plato- 
nisch- solonischen mythus vom untergange der Atlantis nicht für 
eine blofse erfindung zu halten brauche, auf die kimbrische aus- 
wanderung kam. schloss er sich blofs der herschenden ansieht 
an, konnte Strabo von ihm nicht sagen slxdtsr. Posidonius muss 
ihr auch in nsql dxsapov eine eigne, positive meinung oder Ver- 
mutung entgegengesetzt haben, wie wir sie bei Strabo p. 292 f. 
ausgesprochen finden. 

wäre Strabo bei Posidonius auf widersprechende ansichten 

11* 



164 POSIDONIUS BEI STKABO 

gestofsen, konnte er entweder die eine mit stillschweigen über- 
gehen oder, wenn er beide anführte, den Widerspruch nicht un- 
bemerkt lassen, am wenigsten aber für beide zugleich, für die 
erste wie für die letzte, seine Zustimmung erklären*, er fand also 
keinen Widerspruch vor und die erste stelle p. 102 ist notwendig 
mit der zweiten p. 292 f. in Übereinstimmung zu setzen, entweder 
auf die von Koray vorgeschlagene weise durch xaxd [Xflözeiav, ov 
xaxä] d-aXdtifig sqodov oder mit Meineke durch [xaid Xfiaxsiav] 
yevitfd-ai, ov xaxd O^aXdxxfjg stpodov afrQoav övfißdaav. es ist so- 
gar nicht unwahrscheinlich dass Strabo p. 292 f. beide Schriften des 
Posidonius neben einander vor sich gehabt hat für das historische 
werk war die ausführliche Widerlegung der nachrichten des Ephorus 
und Klitarchus (DA. 1, 231—233) neben der kimbrischen flutsage 
mindestens überflüssig, sie gehörte viel mehr in die schrift nsq\ 
üoxeayov, geradezu unmöglich aber scheint** dass Strabo p. 293 f. 
aus dieser die Übersicht über den ganzen verlauf der kimbrischen 
Wanderung entnommen hätte, wie er diese aus den historischen 
büchern pezd üoXvßiov entnahm, so fand er hier auch die hypo- 
these ausführlicher entwickelt die Posidonius der flutsage entgegen- 
setzte, erwähnen muste Posidonius auch da derselben um der hypo- 
these räum zu schaffen, aber eine kurze abweisung jener genügte, 
während umgekehrt in nsql wxeayov die hypothese nur einer an- 
deutung bedurfte, zieht man noch ab was Strabo p. 292 f. aus 
seiner kenntnis vom kimbrischen chersones und der kimbrischen 
gesandtschaft an Augustus hinzutat und ergänzt einen ausdruck 
aus dem excerpt p. 102, so stammt der inhalt folgender sätze 
bei ihm gewis aus der einleitung des Posidonius in die Kimbern- 
kriege : 

ovxe yÖQ Tfjy tomxvttjv cthictv xov 7tXdpfjxag yevitf&ai xal 
XfjCxQixovg dnodi^atx 9 dv t*£, oxi [isydlTj nlTjpfivQidi i^sXad-tlsv 
ix (xijg oixeiag). — ysXolov ds t(p ifvöixw xal alwvicp nd&si d\g 
ixdäitig rjfjiiQccg Gvpßaivovit, nQogoQyMS&iviag dntXd-eXv ix xov xonov* 
soixs de 7iXdO(iaxi xo öviißfjvai noxs vn&qßdXXovGav nXt]piAVQida* 

* nachdem Strabo die nachrichten des Posidonius über Endoxns von Ky- 
zikos in seiner weise bestritten, erklärt er p. 102 mit 6q&o>s xtira» naQ* avru 
sein einverständnis mit der lehre des Posidonius über die Senkungen und 
hebungen der erdoberfläche und lässt dann, ohne Widerspruch, den satz über 
die Kimbern folgen, so aber bedeutet der mangel des Widerspruchs, wie oft 
in ähnlichen fällen bei ihm, seine Zustimmung. 
** trotz KMüller Fho. 3, 285". 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT t)ER NORDLEUTE 165 

Imtdotiq (aZp ydq xal aviösig d£%€%ai, xsxaypivag de xal mQiodi- 
lovüag^ 6 coxsavög iv xotg toiovxoig nd&saw. 

Tavxd %€ djj — IJoöeidcoviog ov xaxcog slxd&i, dioti XrjCxQixol 
ovieg xal 7iXdvi\xeq ol KipßQOi xal fi£%Qi xäv neql ttjv Mamxw 
noiifiaivxQ tixqax&iav, an* kxsivwv de xal b KiftpiQiog xXjj&airj 
BoanoQog, olov KipßQixog, KlfifjMQiovg tovg Kipßqovg ovofiatfdvxcov 
twv 'EXXyvcov. 

Posidonius hielt also die Kimbern und ihre verwandten für 
ein unstätes wander- und räubervolk, das bei dem auszuge nur 
seinem angebornen triebe folgte, aber er verwarf die flutsage als 
erklärung dafür auch aus physikalischem gründe, in beiden 
punkten aber hat er die römische ansieht zur Voraussetzung, auch 
Livius bezeichnete die Kimbern bei ihrem ersten erscheinen als 
ein unstätes, räuberisches volk, per. 63 'Cimbri, gens vaga, popu- 
labundi in Dlyricum venit', und man glaube nicht dass dies eine 
Übersetzung von nXdvtjxeg xal Xt\axqtxol bei Posidonius ist: Livius 
folgte gerade der von jenem bekämpften ansieht, Florus 1, 37 
'Cimbri — ab extremis Galliae profugi, cum terras eorum in- 
undasset Oceanus, novas sedes toto orbe quaerebant'. und 
offenbar war dies die vulgäre und herschende, römische ansieht, 
auch nach Verrius Flaccus (s. 114 anm.) hatte die 'gens Gallica' 
der Ambronen durch eine plötzliche Überschwemmung des meeres 
— subita inundatio maris = &aXdxTrjg s<podog äd-qoa tivpßäaa 
(s. 163) — ihre Wohnsitze verloren und darauf angefangen sich 
und die ihren durch raub und plünderung zu ernähren, was selbst- 
verständlich , wie schon bemerkt (s* 116) gleichfalls auf ihre ge- 
nossen, die Kimbern und Teutonen zu beziehen ist*, die sage ist 



* zu der subita inundatio maris, die die Kimbern und Teutonen aus ihrer 
heimat vertrieben haben soD, ist wie es scheint eine später feststehende phrase 
von ihrem einbruch in Italien nur der rhetorische gegensatz und reflex. schon 
Cicero (s. 160 anm.) sagt 'influentes in Italiam Gallorum copias repressit 1 . 
dann aber folgen Quintilian Decl. 3, 4 Ex ultimo littoreOceani et diremta 
frigoribus plaga gens a rerum natura paene relegata, stolida viribus, indomita 
feritate, insolens successu nee minus animorum inmanitate quam corporum 
beUuis suis proxima Italiam inundavit; 13 influxit Italiae inaudita 
multitudo, quam ne ea quidem potuit sustinere terra quae genuit. Justin. 38, 4 
a Germania Cimbros, inmensa milia ferorum atque inmitium populorum more 
procellae inundasse Italiam. Ammian. Marcell. 31, 5, 12 Inundarunt 
Italiam ex abditis Oceani partibus Teutones repente cum Oimbris. — 
nach Appian Illyr. 4 K*krol$ {töU Kiußgoig Xtyopivois) 6 #*o$ irjv ytjv tenot 
xai rag noXtiq xarrivtyxiv' x«i ib xuxbv ovx flyy*, t**XQ* ***' °^* T " oixtia 



166 POSIDONIUS BEI STRABO 

ihrem Ursprünge nach eine gallische und auf jene bei ihrem er- 
scheinen nur übertragen, da sie schon in dem satze des Ephorus 
dass 'den Kelten durch wasser und die fluten des oceans gröfserer 
verlust entstehe als durch krieg' vorgebildet ist und da aufserdem, 
wie Timagenes, in der zweiten hälfte des letzten Jahrhunderts 
vor Ch. als historiker der nachfolger des Posidonius, berichtete, 
die Druiden selbst behaupteten dass ein teil der bevölkerung 
Galliens aus solchen bestehe die durch kriege und durch meeres- 
fluten von den äufsersten inseln und jenseit des Rheins vertrieben 
neben der autochthonen bevölkerung platz gefunden hatten*, dass 
diese meinung erst nach dem Kimbernzuge, etwa in folge der 
niederlassung der Aduatuker die die Kimbern und Teutonen nach 
Italien abziehend bei ihrem gepäck im nördlichen Gallien zurück- 
gelassen hatten (Caesar Bg. 2, 29), ausgebildet sei, hat geringe 
oder gar keine Wahrscheinlichkeit, da die meisten Beigen schon 
in alter zeit — antiquitus — , wie Caesar (Bo. 2, 4) fand, über 
den Rhein gekommen sein sollten und von den Kimbern und 
Teutonen dort betroffen wurden. Timagenes wird sich auch über 
die Ursache der kimbrischen Wanderung ausgesprochen haben und 
erklärte sich dabei ohne zweifei gegen Posidonius und für die 
vulgäre meinung. er wiederholte auch die fabel dass das von 
Caepio a. 106 erbeutete gold von Tolosa von den Tectosagen in 
Delphi geraubt sei**; ebenso Livius***. auch sie drückt nur eine 



(ftvyovitg IvißaXov ig 'iklvQtovg xtL Celt. 13 schliefst sich Appians Teviovwv 
fio$Qa XyoTfvovacc nolvaydQog näher an die übrigen Zeugnisse an. 

* s. DA. 1, 231 ff. wo es s. 233 z. 1 'selbst' statt 'auch' heifsen sollte, 
übrigens hätte hier zu Ephorus berücksichtigt sein sollen was Nennias § 69 
(8. 76 San-Marte) von den fluten an der mündung der Severn (DA. 1, 367) er- 
zählt: si fuerit exercitus totius regionis in qua est et direxerit faciem contra 
undam, et exercitnm trahit unda per vim, humore repletis vestibus, et equi 
8Üniliter trahuntnr. si autem exercitus tergiversus fuerit contra eara, non 
nocet ei unda; et quando recesserit mare, totum tunc littus quod unda tegit 
retro denudatur et mare recedit ab ipso, auch Paulus Diac. de gest. Langob. 
1, 6 'Sequanicae Aquitaniaeque littora bis in die tarn subitis inundationibus 
opplentur, ut qui fortasse aliquantulum introrsus a littore repertus fuerit, eva- 
dere vix possit. videas earum regionum flumina fontem versus cursu velocis- 
simo relabi ac per multorum milium spatia dulces fluminum lymphas in ama- 
ritudinem verti\ 

** Strabo p. 188, womit Justin 32, 3 so sehr stimmt, dass Timagenes für ihn 
gleichfalls die queUe sein muss. KMüller Fno. 3, 262. 

*** nach Dio fr. 90 Bekk. vgl. Oros. 5, 15, und zu beachten ist dass Oro- 
sius und Justin dasselbe gewicht des erbeuteten silbers ( 1 1 000 pfund) an- 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 167 

in Rom herschende meinung aus und ward daher ebenso wie die 
flutsage schon von Posidonius bekämpft, der zwar die plünderung 
des delphischen tempels durch die Gallier nicht in abrede stellte, 
aber doch hervorhob dass das edle metall in Tolosa nur in rohem, 
unverarbeitetem zustande gefunden wurde, dass aber der delphische 
tempel nach der plünderung durch die Phokaeer nichts mehr der- 
gleichen gehabt und, wenn noch etwas übrig war, viele es geteilt 
und die Gallier es nicht nach hause gebracht hätten] 9 '. 

Wenden wir uns nun zu dem cap. 11 in Plutarchs Marius, 
so finden wir hier allerdings die flutsage nicht erwähnt, die Posi- 
donius nicht übergangen haben kann, wohl aber und zwar ausführ- 
lich die hypothese die er nach Strabo jener entgegenstellte, dass 
die Kimbern zuerst den Griechen als Kimmerier von der Maeotis 
her bekannt geworden seien, das eigentumsrecht des Posidonius 
auf den inhalt des plutarchischen capitels ist damit erwiesen und 
die bedeutung der tatsache für diese Untersuchung bereits s. 153 
hervorgehoben, das plutarchische capitel aber gibt bei näherer 
betrachtung zu manigfachen bedenken anlass, da es die ansieht 
und auseinandersetzung des Posidonius nicht nur unvollständig, 
sondern zum teil auch so unverständig wiedergibt, wie sie von 
keinem nur einiger mafsen zusammenhängend denkenden auetor 
ausgegangen sein kann. 

Sie zerfällt bei Plutarch in drei abschnitte, und zwar knüpft 
der erste, ähnlich wie Sallust (s. 160), an die gefangennehmung 
des Jugurtha, die zu anfang des j. 106 geschah**, so an als wenn 
erst damals oder wenig später, gegen die zeit der niederlage des 
Mallius und Caepio (am 6. oct. 105), die Kimbern und Teutonen 
erschienen wären, schon war die ergreifüng des Jugurtha in Rom 
gemeldet, da trafen die gerüchte über die Teutonen und Kimbern 

geben, dass aber die ( centum mille pondo auri' bei Orosius gegen Justins 
'auri pondo quinquies decies centum milia' gewaltig ermafsigt sind, das gesamt- 
gewicht betrug nach Posidonius (Strabo p. 188) 15000 talente = 1 177 500 röm. 
pfdnd, nach Justin aber gegen 500000 pfund mehr. — die erklärung des 
sprichwörtlichen 'aurum Tolosanum' bei Gellius 3, 9, 7 war gewis schon länger 
in Born im Umlauf; sie zeigt ein sagenhaftes vorrücken des motivs, das die 
Versenkung, des hortes bei den Tectosagen bewürkt haben soll, auf die Römer. 
* Strabo p. 188. der Widerspruch von Athenaeus p. 234 ist nicht von 
der art dass man dies stück mit KMüller Fhg. 3, 274 dem Posidonius ab- 
sprechen müste, dem Bake es wegen p. 233 zuteilte, die form 2xoQ<fHJTal statt 
ZxoQÖicxo* ist die posidonische, Strabo p. 296 vgl. 293. Duncker Origg. p. 8. 
** Fischer Röm. Zeittafeln s. 159. 



168 POSIDONIUS BEI PLUTARCH 

ein, die anfangs in hinsieht der menge nnd stärke der heran- 
ziehenden heere keinen glauben fanden, später aber als noch unter 
der Wahrheit sich auswiesen. 300 000 streitbare mann rückten 
gerüstet heran und sollten (iltyovzo) noch viel gröfsere scharen 
von kindern und weibern mit sich herumführen, land verlangend 
zur ernährung einer solchen menge und Städte in denen sie sich 
ansiedeln und leben könnten, wie sie erfahren hatten dass vor 
ihnen Kelten den besten teil Italiens den Tyrrhenern abgenommen 
und in besitz hätten, ausser verkehr mit andern und wegen der 
gröfse des landes das sie durchzogen hatten wüste man von ihnen 
nicht (riyvoovvxo) was für leute oder von woher sie ausgerückt 
waren, die jetzt wie ein wetter über Gallien und Italien herein- 
brachen. — aufser der ungenauen anknüpfung ist hier nur her- 
vorzuheben dass die gesamtsumme der bei Aquae Sextiae und 
Vcrcellae gefallenen und gefangenen bei Plutarch (s. 134. 149), 
etwa 290 000 mann, von der angegebenen heeresstärke nicht 
wesentlich verschieden ist. Posidonius scheint darnach ange- 
nommen zu haben dass sie sich trotz der weiten Wanderung und 
zahlreichen kämpfe und schlachten, die die Kimbern und Teutonen 
bis zu den jähren 102. 101 zu bestehen hatten, teils durch die 
nachwachsende Jugend, teils durch die zuströmenden fremden de- 
mente bis zuletzt im ganzen gleich erhielt, doch setzt sie Diodor 
(exe. Vat. xxxvu p. 125 Dind.) auf 400000 mann, Livius kommt (s. 134. 
149. 158) auf ziemlich eine halbe million, und wie c. 21 (s. 135 f.) 
sagt Plutarch wohl mit rücksicht auf ihn hier nach dem dritten 
abschnitt dass die stärke des heeres von vielen nicht geringer, 
sondern gröfser, als vorher von ihm, angegeben werde. 

Der erste abschnitt hat aber noch einen anhang. xai ftdXiata 
fiip elxd^ovxo rsQitavixä ybrri z(Sv xad-rjxovTGOV inl top ßoQeiov 
loxsccvov slvai, %oXg nsyid'SGi %dv Giopdrcov xal rijf xaQonotfiti twv 
dfifidzfov xai on KlfißQovg inovo^id^ovai Tsq^avol xovg XfiCrdg. 
demnach wüste man bei dem auftreten der Kimbern und Teutonen 
durchaus nicht was für leute es waren und woher sie kamen, aber 
man kannte — sonderbarer weise — schon vollkommen die Ger- 
manen, man kannte ihre ausbreitung bis an den nördlichen ocean, 
ihr aussehen, ihre leibesgröfse und hellen, leuchtenden äugen und 
selbst ihre spräche, und die meisten hätten darnach angenommen 
dass jene Germanen waren, aber der ganze satz ist von anfang 
bis zu ende eine handgreifliche Unwahrheit, den wert des sprach- 
lichen beweisstücks haben wir schon oben s. 116 ff. kennen gelernt 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 169 

und vor dem Kimbernkriege haben weder die Römer noch die 
Griechen die Germanen in der vorausgesetzten weise gekannt, 
wäre dies der fall gewesen, so müsten die Römer während der 
ganzen kriegszeit ja ihrer sinne nicht mächtig gewesen sein, wenn 
sie das bekannte, wo sie es mit äugen sahen und mit ohren hörten, 
nicht wieder erkannten und nicht völlig darüber zum bewustsein 
kamen ob die Kimbern und Teutonen nicht doch Germanen und 
keineswegs, wie sie sie gemeinhin nannten, Gallier waren, auch 
Posidonius hätte es schwerlich für nötig befunden eine eigne hypo- 
these aufzustellen, um die herkunft und eigentümlichkeit des bis 
dahin unbekannten volkes zu erklären, er kann mindestens nicht 
die Germanen und ihren namen auf diese weise erwähnt haben 
und der plutarchische satz nicht als beleg dafür gebraucht werden, 
es ist darin vielmehr nur ein zusatz und zwar ein recht törichter 
und unüberlegter Plutarchs zu erkennen, der der später allgemein 
anerkannten und herschenden meinung von der herkunft der 
Kimbern und Teutonen und zugleich der gelehrten notiz, wie wir 
sie auch bei Festus oder Verrius Flaccus (s. 116) fanden, sich 
erinnerte und die Germanen selbst aus eigner anschauung kannte, 
sein schlechter zusatz aber steht unzweifelhaft an der stelle wo 
Posidonius von der flutsage handelte, hatte es geheifsen, man 
wüste nicht woher das heranrückende volk kam und was es für 
leute waren, so konnte nur folgen, die gewöhnliche, verbreitete 
meinung sei gewesen dass sie durch eine ungeheure flut von der 
küste des nördlichen oceans vertrieben seien, darauf ihre Wider- 
legung, worauf dann Posidonius seine hypothese entwickelte, viel- 
leicht hat Plutarch aus der darlegung der vulgären ansieht noch 
einige ausdrücke in den anfang seines zweiten abschnittes her- 
übergenommen, der sofort in die entwickelung der hypothese 
einführt. 

Um die in seinem zusatz mit xal pdXiaxa ph dxdlovxo be* 
gonnene aufzählung richtig fortzusetzen, beginnt Plutarch, seinen 
einzigen gewährsmann verläugnend, im plural: einige aber — slol 
de oV — sagen dass Keltike durch tiefe und gröfse des landes, 
von dem äufseren meere und den strichen unter dem bärenkreise 
— xwv imaQxrtcov xX^idxoav — gegen Sonnenaufgang und die Mae- 
otis sich wendend — imaxqi(fov<sav — , an Scythien über dem 
Pontus stofse und dass dort eine mischung der stamme vorgegangen 
sei — amtätfau xijg llovxixyg Sxv&ictq Xiyovtii, xaxeZd-ev xd yivfj 
/w/u*X#cu. diese auswandernd nicht auf öinmal und in 6inem ruck 



170 POSIDONIÜS BEI PLUTARCH 

und nicht in ununterbrochenem zuge, sondern bei guter zeit in 
jedem jähr immer weiter vorwärts schreitend hätten mit krieg in 
langen zeiten das festland durchzogen: tovtovq i^avaaxdvvaq ovx 
ix piäg OQprjg ovde GW€%(Zq, äXX y frovg <5q(x xa& ixaatov iviavxov 
slq toviMQOö&ev asl %MQOvvTag* noXipm %qovoi$ noXXotg insXS-slv 
xif\v iJ7I€i,qop. deshalb, obgleich sie im einzelnen viele namen 
führten, nannte man die kriegerische menge insgemein Keltoskythen : 

dio xal noXXaq xaid fiigog inixXtjasig l%6vx<av xqwq KeXxoaxv&ag 

Posidonius steht hier ganz auf dem boden der alten Welt- 
anschauung, die vnccQxna xXi(xara begannen nach gemeingrie- 
chischer ansieht schon mit dem 54° nördlicher breite, also eben 
jenseit der Eibmündung, bis wohin auch nach Hipparch noch 
Kelten wohnten (DA. 1, 243 ff. 486 f.), und die Maeotis dachte 
man sich weit in den norden vorgestreckt, nach Ptolemaeus bis 
in dieselbe breite, nach dem älteren Artemidor (DA. 1, 357) sogar 
noch drei grad weiter, sie wird hier nur als die ostgrenze Europas 
gegen Asien genannt und Posidonius hat nicht gemeint dass an 
der Maeotis die Völkermischung sich vollzogen habe, weil damit 
das pontische Scythien ausgeschlossen wäre, er dachte sich ein 
grenzgebiet wo Kelten und Scythen zusammentrafen und sich 
mengten, und von wo aus von zeit zu zeit wander- und kriegs- 
lustige scharen aufbrachen und das südliche Europa überschwemm- 
ten, das gebiet ist im wesentlichen dasselbe mit dem Germanien der 
Römer zwischen Rhein und Weichsel oder Gallien und Sarmatien = 
Scythien (oben s.3. DA. 1, 488 f.), und des Posidonius KsXnxy wesent- 
lich auch die des Dionysius von HaJicarnass 14, 1. 2 (DA. 1, 485), 
der sie durch den Rhein in Tahxxia und Tsq^avia teilt, das bis 
zum *Eqxvvios ÖQVfAog und den Rhipaeen reicht und an die Scythen 
und Thraker grenzt, während TaXaxia andererseits an die Pyre- 
naeen stöfst. Pytheas hatte die Teutonen als Scythen von den 
Kelten unterschieden (DA. 1, 480. 485). dem Posidonius geht un- 
läugbar schon der begriff eines eigentümlichen, nicht scythischen 
und nicht keltischen nordvolks auf. nur fehlt ihm noch der unter- 



* der gegensatz ist hier unvollkommen aasgedrückt, denn ovx ix piag 
oQ/urjg ovdt ovyfxws erfordert zunächst 'sondern zu verschiedenen zeiten bald 
hier bald dort losbrechend' und dann hovg wqu xrk., was natürlich von dem 
zuge der Kimbern und Teutonen hergenommen ist, die auf diese weise vor- 
rückten, aber der negative ausdrnck ovx ix ^uwe og/ufc xrl. l&sst den posi- 
tiven gegensatz nicht zweifelhaft. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 171 

scheidende name dafür, er würde sonst nicht auf die hypothese 
eines mischvolkes und für dies nicht auf Keltoskythen gekommen 
sein, wenn er von Germanen gewust hätte. 

auch Strabo kennt KsXtoaxv&a*, und gewis nur aus Posido- 
nius. der name kommt aufserdem gar nicht weiter vor und kann 
kaum öfter vorkommen, da er sich nur auf die hypothese des Po- 
sidonius stützt und deswegen ohne zweifei erst von ihm nach 
analogie von KeXtoXlyvsg, KsXrißrjQsg gebildet ist, die auch von 
verhältnismäfsig spätem datum sind. KsXtoXiyvsg heifsen die ober- 
halb Massalias gemischt wohnenden Kelten und Ligyer zuerst bei 
Timaeus (Mir. ausc. 85, DA. 1, 467), dann wahrscheinlich durch 
vermittelung des Posidonius (DA. aao. und unten) bei Strabo selbst*; 
KtXtißijQss finden sich erst bei Polybius 3, 5. 17 usw. da aber 
die räuberischen nordvölker bei den alten Schriftstellern bald 
Scythen bald Kelten oder Galater hiefsen, so konnte Posidonius 
ohne grofse Verwegenheit von dem sie in einen gesamtbegriff zu- 
sammenfassenden namen wie von einem altüblichen sprechen — 
Ksltooxv&ag o5i/oja«?ov — , und daher erklärt es sich wohl dass 
auch Strabo wenigstens an 6iner stelle ihn zu den von den 'alten 1 
gebrauchten rechnet**. 

Es sollten nun nähere angaben über die züge und einfalle 
der nordvölker bis auf die Kimbern folgen und namentlich muste 
von dem ersten volk von dessen einbruch aus dem norden die 
Griechen wüsten, von den Kimmeriern, die Posidonius (s. 165) für 
dasselbe mit den Kimbern hielt, die rede sein, dies geschieht 
auch bei Plutarch, aber so dass er auf dem einmal mit pdXrfva 
l^v und eial de ot (s. 169) eingeschlagenen wege verharrend mit 



* p. 203 xakovoi dt rovg SäXvag oi /uiv naXato* luv < Ekkijva)v Aiyvag 
xai iyy xiüQav, qv tyovaw ol MccöGctfocoTai, Jvyvarixyv , oi d' vortgov KtXro- 
Xiyvug bvofta^ovat. 

** p. 33 f*j/ul yaQ xara rijv tÖjv aQ%ai<ov EkXrjytov cfo£ay, (agneg ra ngog 
ßofääv fitQtj ra yvwQipa *vl ovo pari JSxv&ag ixaXovv tj vopadag, (hg "O/urjgog, 
vartQov dt xai jöiy ngog tcntQctv yvtoe&tvrav KtXroi xcti "ißrjQtg rj fuxrmg 
KtXrißtjQtg xai KtXrocxv&ai TiQogjjyoQtvovjo, v<j sv oropa rwv xatf txaara t&vwv 
rarroftivtav dia rtjv ayvoutv, ovrti — xrX. p. 507 anavrag piv dt} rovg ngogßofäovs 
xoivwg ol naXatoi rtoy 'EXXrjytov ovyyQatptig 2xv$ag xai KtXroaxv9ag IxdXovv 
ol d* ?r* 7iQot €Qov ditXovrsg rovg piv vntQ rov Evl-tivov xai "ifftQov xai TOU 
'Adgiov xarotxovvrag 'YntQßoQtovg tXtyov xai SavQoparag xai ^Qtfiaanovg, rovg 
dt nioav rijg Kacniag &aXdrryg rovg fjttv 2axag rovg dl MaaGuyirag ixaXovv, 
ovx $xovrtg dxQißtg Xiytw ntQi avruiv ovdiy, xaintQ ngog Maecayirag rov Kvqov 
noXtpov UtroQovvrtg. wobei er offenbar an Herodot oder Ktesias denkt. 



172 POSIDONIUS BEI PLUTARCH 

aXXoi di ifaai einen dritten abschnitt beginnt, er muss dabei auf 
sehr unbedachtsanie leser gerechnet haben, die nicht merkten dass 
hier nur die im ersten und besonders im zweiten eingeleitete aus- 
einandersetzung sich fortsetzt, und die dann auch die näheren 
angaben nach dem zweiten abschnitt nicht vermissten. so variiert 
er auch z. b. im Coriolan c. 26 seine rede durch ein mo» di (faciv, 
wo er wie vor- und nachher nur einen ununterbrochenen auszug 
aus Dionysius von Halicarnass gibt*, von dem aXXoi di <pa<si 
abgesehen aber sagte Posidonius nach Plutarch**: 

Was die alten Hellenen zuerst von Kimmeriern kennen lernten, 
sei nicht ein grofser teil des ganzen Volkes, sondern nur eine 
flüchtige schar oder partei gewesen, gezwungen von den Scythen 
von der Maeotis aus nach Asien überzusetzen unter der anführung 
des Lygdamis, der gröste aber und streitbarste teil von ihnen, 
an dem ende der weit am äufseren meere angesessen, bewohne 
ein land schattig und waldreich und der sonne überall wenig zu- 
gänglich wegen der tiefe und dichtigkeit der forsten, die sich ein- 
wärts — d. i. nach Süden hin, in der richtung gegen den aequator, 
wie oft ivdoxiqaa und 'introrsum' (DA. 1, 472) — bis zu den her- 
kynischen erstrecken, und es sei ihm ein himmel zu teil geworden 
wo der pol eine bedeutende Steigung nehmend wegen der neigung 
der parallelen wenig von dem zenith abzustehen und die tage an 
kürze und länge gegen die nachte gleich — ungleich? — mit 
diesen die zeit zu teilen scheinen; weshalb dem Homer auch die 
fabulose Schilderung für die Nekyia leicht geworden sei. von 
daher seien nun diese barbaren gegen Italien angerückt, Kim- 
merier anfangs, damals aber nicht gegen die Ordnung Kimbern 



* Peter QueUen Plutarchs s. 8 f. 

** die stelle, die die erste Schilderung Germaniens enthält, muss hier voll- 
ständig platz f nden. KifA/utgiwy 16 piv nQuiiov vy 'EXXrjywv ribv ncdcci yvwö&iv 
01/ fiiya ytvic&ai rov nayrog fioQiov, dXXd <pvyqy tj oidaiv %tva ßuto&iufav vno 
Sxv^öiv th 'Aaictv dno rrji Mcuwndog dutntQaaai Avyddfiuog rjyovfiiyov, io di 
nteloTOv ctitTüjy xai fia^ifuäraroy in ia^dtoig oixovy nagd iqv 2£u> &äXaaaay y^v 
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fitiya Xa/ußdytay o noXog QaQfia dtd ttjv fyxXiciy Tioy naQaXXrjXwy bXiyov anoXti- 
miv tov xard xoQvyrjy Unafiivov oq/utiov TiQog tvjv otxtjeiv, «? it rj/ufQ<u ßQa^v- 
rqr* xai plixti nqbg tag vvxtag icat, xatayi/ute&ai rbv xqovov' dib xai tjjj> tvno- 
Qiay tov pv&tv/butrog 'OfiyQW ytvia&ai nQog iijy vtxviav. Zv&ty ovv iqv hfodoy 
tlvat Tutv ßuQßaQwv loiiuv inl jfjy *ltaXiay y Kt^i/utQiojy (Ahv £| «£jp7?> fort di 
Ki/ußQioy ovx dnb tqotiov TiQogayoQtvo futytov . dXka lavra juiy tlxaaptp /unXXov r t 
xard ßißatov lazogiav Xiynut. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEUTE. 173 

genannt, doch, setzt Plutarch noch hinzu, wird dies mehr nach 
Vermutung als nach sicherer erkundung gesagt. 

Plutarch muss im anfange, zwischen dem zweiten und dritten 
abschnitt, einiges übersprungen haben. Posidonius hielt die Alpen 
für die Rhipaeen und dies für ihren ältesten namen: später seien 
sie "OXßux, dann erst "AXma genannt worden (Athen, p. 233, DA. 
1, 228). demnach musten auch die Hyperboreer im norden des 
gebirges wohnen*, doch konnte er als naturkundiger und astro- 
nom die schöne dichtung nicht gut heifsen, und wo hätte er sie 
passender besprechen und widerlegen können als in diesem zu- 
sammenhange? auf jeden fall kann man Plutarchs dritten ab- 
schnitt nicht unmittelbar an den zweiten knüpfen und das xov 
naytog fioQior auf die Keltoskythen statt auf die Kimmerier be- 
ziehen, nur von den Kimmeriern zieht ein teil davon und der 
gröste und streitbarste teil bleibt im norden zurück, so ist eine 
lücke zwischen dem zweiten und dritten abschnitt nicht zu ver- 
kennen, wenn auch im allgemeinen dieselbe auseinandersetzung 
fortgeht, eine differenz besteht mit Strabo (s. 164) allein darin 
dass er die Kimbern als das urvolk betrachtet und ihren namen 
als den ursprünglichen, wofür die Hellenen Kimmerier sagten, 
aber darin und wohl auch in der deutung des kimmerischen als 
kimbrischen Bosporus drängt sich, wie sich später aus Diodor 
5, 32 ergeben wird, nur, wie so oft, s6ine auffassung vor. die 
ähnlichkeit in den Worten, womit er sein excerpt einleitet und 
Plutarch seinen auszug beschliefst, lässt noch eine spur des Po- 
sidonius erkennen, der natürlich nicht verhehlte dass seine hypo- 
these nichts weiter sei als eine Vermutung und ein versuch eine 
reihe so gewaltiger ereignisse, wie die periodische erscheinung der 
nord Völker zu erklären. 

Allein mit allem Scharfsinn, aller einbildungskraft und physi- 
kalischen gelehrsamkeit hätte er nie die kleine, einfache, aber 



* fr. 90. schol. zu Apoll. Rhod. 2, 675 'YntQßogiovg /u? tlvtu r(Xi(og yrjoiv 
'HgödoTog — , lloatufioviog dt tlvai <jtj<n rovg 'YntQßoQeovg (d. h. er bestritt das 
sophisroa Herodots 4, 36, dass wenn es Hyperboreer gäbe, auch Hypernotier 
geben müste, ähnlich wie Eratosthenes bei Strabo p. 61 f.), xarotxely d* ikqI 
rüg m AXnt*g ivjg 'Iraliag. da Athenaens p. 233 die sage von dem ausschmelzen 
des silbers durch in brand geratene wälder von den Pyrenaeen nur irrtümlich 
auf die Alpen überträgt (s. unten im ezc. zu Diodor 5, 35) und dabei die notiz 
über ihre früheren namen einflicht, so entscheidet die stelle gar nichts über 
den Zusammenhang in dem sie bei Posidonius vorkam. 



174 POSIDONIUS BEI PLUTARCH 

wahrhafte und treffende Schilderung der heimat der nach seiner 
ansieht gröstenteils im norden verbliebenen Kimmerier oder des 
landes von dem die Kimbern und ihre genossen ausrückten, blofs 
vermutungsweise zu stände gebracht. Krates (DA. 1, 326) ent- 
rückte den wohnsitz der homerischen Kimmerier oder Kerberier, 
wie er sie umnannte, und den eingang zum Tartaros bis unter den 
pol. die orphische Argonautik, die wie schon öfter bemerkt Vor- 
stellungen und fabeln der alexandrinischen gelehrsamkeit verwendet, 
lässt die schiffer von der Maeotis und kaspischen see in das 
nördliche, kronische oder tote meer bei den Hyperboreern ge- 
langen (DA. 1, 411 f.), dann von den Macrobiern zu den Kimme- 
riern (1125—1132), denen — ein theorem altionischer natur- 
philosophen ist hier benutzt (DA. 1, 77. 498) — himmelhohe gebirge, 
die Rhipaeen, der kaspische rücken, Phlegre und die Alpen gegen 
morgen, mittag und abend die sonne verdecken, darauf weiter zu 
der von stäts fruchttragenden bäumen umgebenen mündung des 
Acherons mit der wohl gepflegten und gebauten Stadt 'Eq^oveia, 
deren einwohner wegen der nähe des flusses und des eingangs 
zur unterweit beim tode keines fährgeldes bedürfen (1133 — 1147) ? 
endlich von dort an den iernischen inseln oder der Insel Iernis 
(DA. 1, 379) vorüber in den westlichen ocean. nachdem schon 
Gesner hiezu Strabo p. 373 angeführt und GHermann noch andre 
stellen beigebracht, leidet es keinen zweifei dass eine namen- 
schwester der argolischen, griechischen Stadt Hermione nebst ihrem 
mythus hier zur Variation der homerischen dichtung von den Kim- 
meriern und zur ausfüllung des leeren raumes an den nördlichen 
ocean versetzt ist; ohnehin kann kein vernünftiger im ernst dabei 
an den deutschen stamm der Herminones denken, auf diese und 
ähnliche fabeleien, wie die des Hecataeus von Abdera (DA. 1, 
423 f.), sei hier nur verwiesen, um den unterschied zwischen der 
Schilderung des Posidonius und dem freien spiel griechischer Phan- 
tasie oder Vermutung vor äugen zu stellen. 

Geminus, der mitbürger, Zeitgenosse und wissenschaftliche tra- 
bant des Posidonius*, setzt der dreisten folgerung des Krates 



* HBrandes Über das Zeitalter des geographen Eudoxos und des astro- 
nomen Geminos aus dem vierten Jahresbericht des Vereins von freunden der 
erdkunde in Leipzig 1865 hat freilich von neuem (DA. 1, 239 anm.) gegen 
Böckh seine meinung verfochten dass Geminos schon um 140 vor Ch. ge- 
schrieben habe und vielmehr ein jüngerer Zeitgenosse des Polybius war, aber 
wie mir scheint mit sehr wenig glück und geschick. um zu beweisen dass 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEUTE. 175 

seinen bescheidenen zweifei entgegen (DA. 1, 246 anm.). der 
weise Posidonius erraäfsigt sie beträchtlich, aber der stoiker ver- 
läugnete die schule nicht ganz, noch seinen glauben an die Weis- 
heit Homers: indem er im lande der Kimbern die grundlage findet 
auf der Homer seine Schilderung des Kimmerierlandes aufgebaut, 
lasst er sich als einen gemäfsigten anhänger des il&xsavioikoq des 
Krates ertappen, dem ja auch der stoiker Strabo nicht ganz ab- 
geneigt war (DA. 1, 248). was Plutarch (s. 172) iyxfotog twp 
naqaXXriXtov nennt, heifst bei Kleomedes (Cycl. theor. 1. 7 p. 35), 
dem epitomator der posidonischen astronomie, ua. üyxfo<ft$ tov 
xoGpov, die bei steigender polhöhe zunehmende neigung der grofsen 
kreise des arcticus, tropicus und gleichers gegen den horizont, 
mit dem sie unter dem pol endlich teils parallel liegen teils zu- 
sammenfallen, über die mit der erhebung des pols in immer 
gröfserer progression in den verschiedenen zeiten des Jahres zu- 
nehmende Ungleichheit der tage und nachte war Posidonius voll- 
standig unterrichtet (Strabo p. 94 f. 135f. Kleomedes 1, 6) und es 
ist nicht daran zu denken dass er sich jemals fehlerhaft oder auch 
nur unklar darüber ausgedrückt hätte, der unsinn von der tei- 
lung des Jahres durch gleich lange oder kurze tage und nachte, 
den wir an unserer stelle lesen (s. 172), ist so arg dass man ihn 
selbst einem Plutarch nicht zutrauen und durch eine änderung von 
fax* in ärtoa* wenigstens mildern möchte, doch hat er immer 
dem satze dio xal tfjy simoqiav xtk. eine fehlerhafte anknüpfung 
gegeben, da Posidonius nicht in der wachsenden Ungleichheit der 
tage und nachte, sondern überhaupt in der beschaffenheit des 
Kimbernlandes allein den grund des homerischen mytheumas ge- 
funden haben kann, an der kosmologischen gelehrsamkeit und an 



Geminus c. 6 nicht den berühmten knidischen astronomen Eudoxus meine, wird 
8. 37 zwar nicht verschwiegen, aber doch nur bei seite geschoben and um- 
gangen was Böckh (Sonnenkreise s. 11) sehr triftiges dagegen bemerkt, nament- 
lich dass Geminus auch c. 14 'schlechtweg' den astronomen Eudoxas anfahrt; 
and ferner am za beweisen dass Geminos nicht eine iSnyiw (und Inno/uy?) 
der meteorologie des berühmten Apameers geschrieben habe, sondern dass dies 
wohl eine schritt eines unmittelbaren Schülers des Zeno, des Posidonius von 
Alexandria gewesen sei, wird eine änderung im texte des Simplicius gegen 
Böckhs (s. 13) erinnerung stillschweigend beibehalten und Diogenes Laert. 7 
S 38 angeführt, aber $ 39. 41 ua. nicht, ist aber c. 6 bei Geminus notwendig 
der kindische astronom Eudoxus gemeint, so kann man die stelle nur wie 
Petavius und Böckh auslegen und die rechnung führt auf einen Zeitgenossen 
des Posidonius von Apamea. 



176 POSIDONIUS BEI PLÜTARCH 

der beziehung auf seinen geliebten Homer würde man schon den 
Posidonius erkennen, selbst wenn das directe zeugnis Strabos über 
die Kimbern und Kimmerier nicht vorläge, allein weiter wird die 
gelehrsamkeit nicht eingemischt. 

aus der landesbeschreibung, so kurz sie ist, weht einen noch 
der schauer an mit dem der anblick des alten Germaniens einen 
an sonnigere und freundlichere gegenden gewohnten fremden er- 
füllte, die beiden momente, die sich der Wahrnehmung zuerst 
darboten, der ungeheure waldreichtum und die armut an Sonnen- 
licht und wärme, das 'triste caelum' des Römers* treten hervor, 
und nicht minder richtig wird die ausdehnung des landes von dem 
äufseren meere bis zu dem urwaldgürtel auf den höhen des 
mittleren Deutschlands, der auch an einer andern stelle des Po- 
sidonius bei Strabo p. 293 und zwar bei ihm zuerst (DA. 1, 432) 
wie bei dem gewährsmann des Livius 5, 34, Dionys (s. 170) und 
Caesar f EQxvvio<; ÖQVfxdg heifst, angegeben. 

diese allgemeine Vorstellung von dem lande woher die Kim- 
bern, Teutonen und Ambronen kamen konnte sich im verlauf des 
krieges über Gallien, Raetien und Noricum nach Italien verbreiten 
und Posidonius sie in Rom und in Massalia vorfinden und em- 
pfangen, aber wiederum fehlt ihm der name Germania dafür, 
wie im ersten und zweiten abschnitt für den volksstamm, und der 
homerische mythus und die ionische sage müssen aushelfen, das 
ergebnis, dass Posidonius als er gegen oder um das j. 90 (s. 128) 
für seine bücher pstä TloXvßwv sammelte und arbeitete, den 
namen Germani in Rom oder Massalia noch nicht vernahm oder 
gebräuchlich fand, kann daher schon als hinreichend feststehend 
angesehen werden und bedarf kaum noch einer weiteren bestati- 
gung. diese wird aber immer nicht unwillkommen und dann um 
so willkommener sein, wenn sich zugleich die offenbaren lücken 
des plutarchischen auszuges ausfüllen, wir haben solche lücken 
sowohl zwischen dem ersten und zweiten als zwischen dem zweiten 
und dritten abschnitte (s. 169. 171 f.) wahrgenommen, nicht minder 
aber vermisst man in oder bei dem dritten abschnitte nach der 
ankündigung im zweiten noch eine angäbe der Keltenzüge, die 
nach den Kimmeriern und vor den Kimbern den Süden trafen, 
diese lücke ergänzt nun Diodor und gewährt zugleich noch jene 
bestätigung. 

* Seneca de prov. 4, 12. vgl. Tac. Germ. 2. Ann. 2, 24. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 177 

Nachdem im ersten bände der Deutschen altertumskunde von 
s. 442 — 474 gezeigt war dass Diodor c. 2 — 14. 16—23 seines 
fünften buchs dem Timaeus, c. 15 und 24 dem Dionysius Skyto- 
brachion entnommen habe, ward bereits bemerkt s. 474 dass die 
von c. 25 — 40 (nicht 39) folgenden, reichlichen nachrichten über 
die Kelten Iberer Ligyer und Tyrrhener dem Posidonius entlehnt 
sind, dies ergibt sich zum teil schon aus Wesselings anmer- 
kungen und ist von Heyne (de fontt. Diod.), Niebuhr ua. öfter an- 
erkannt dennoch scheint mir eine zusammenhängende darlegung 
wünschenswert, teils um das verfahren Diodors und ihm gegen- 
über das eigentum des Posidonius genauer festzustellen, teils auch 
in rücksicht auf Strabo, um zu zeigen in welchem mafse auch er 
den Posidonius ausgebeutet; und wenn es der Deutschen alter- 
tumskunde (1, III) daran liegt den weg, der von der alten weit 
herüber in die unsre führt, vollständig und klar zu übersehen und 
nach allen Seiten hin möglichst freie aussieht zu haben, so kommt 
es, um das vorrücken der weltkunde von stufe zu stufe bis zu 
den Germanen zu verfolgen, ganz besonders darauf an, die nach- 
richten über die auf ihrem wege zwischen Griechenland und Rom 
und den Germanen liegende barbarenweit im ganzen umfange zu 
überblicken und ihre herkunft und beschaffenheit zu kennen, zu 
diesem zwecke sind schon im ersten bände eine reihe von Unter- 
suchungen geführt und sie sind am wenigsten zu umgehen wo die 
nachrichten in unmittelbarer Verbindung mit solchen über Ger- 
manien selbst auftreten, nachdem zuletzt dem Diodor entzogen 
und dem Timaeus wieder zugeeignet ist was ihm bei jenem im 
fünften buche gebürt, bleibt nun noch dasselbe zu tun für Posi- 
donius, der nicht nur den ersten in der geschichte gewaltiger 
auftretenden Germanen das ernstlichste Studium und nachdenken 
widmete, sondern dem wir auch einen grofsen teil unserer ganzen 
künde von den barbaren des westens, ja ganz Europas allein ver- 
danken, um jedoch den gang der Untersuchung hier nicht zu 
unterbrechen, versparen wir den nachweis für die cap. 25-31 und 
33—40 Diodors auf einen anhang und excurs und betrachten hier 
nur das cap. 32, dessen erster abschnitt Schwierigkeiten macht. 

Derselbe lautet: ' Xqii<sipov <T iatl dwotocu %6 na od noX- 
XoXg ayvoovpevov* tovg ydo iniq MaööaXlag xatonovviag iv 
t<» psdoysto xcel tovg naod tag "AXneig in di tovg in\ tdds t&v 
HvQfjvalwv ÖqcSv KeXtovg ovo/xa^otxr*, tovg <T imkq tavt^g trjg 
KsXtixtjg elg tä noog votov (1. nqog aoxiov) vsvovta piotj necod ts tbv 

DEUTSCHE ALTEETUMSKÜHDR II. 12 



178 POSIDONIUS BEI PIODOR 

cbxsavöv xal to € Eqxvvh>v oqog xa^tÖQV^povg xal nav%ag tovg &%jjg 
l*iXQ* Tfjg JExVxHag TaXaxag TtQogayoQsvovGiv' ol di ^wpaToi 
ndXiv ndvxa xav%a %d e$vj\ övlXjjßdrjv fxiä nQogtjyoQiq nsQiXap- 
ßdvovfov, dvofuc^opxsg TaXdxag anapzag*. 

Wer hier nicht wie Cluver GA. (1631) 1, 10 p. 72 überver- 
wegene und unerlaubte Umstellungen vornimmt, muss sich mit der 
von Niebuhr (Rom. gesch. 2 2 , 587 f.), Zeufs 62 ua. schon vorge- 
schlagenen, notwendigen änderung des nqog voxov in nqog aqmov 
begnügen und darf sie getrost in den text aufnehmen, mag der 
Schreibfehler, der auch sonst vorkommt (DA. 1, 339. 341), von 
einem abschreiber oder von Diodor selbst herrühren, die geo- 
graphische, räumliche einteilung ist dann genau dieselbe wie bei 
Dionysius von Harlicarnass (s. 170), nur dass der Rhein und an- 
dererseits die Rhipaeen ungenannt bleiben, und die auffassung 
Germaniens als einer fortsetzung von Keltike** gegen Scythien, 
sowie seine begrenzung durch den ocean und das 'Eqxvviov oqog 
ist ebenfalls auch genau die des Posidonius bei Plutarch (s. 172. 
176), so dass Dionysius bei seiner anordnung auch vielleicht den 
Posidonius zur Voraussetzung hat und von ihm ausgegangen ist, 
wenn unsre stelle auf ihn zurückgeht. 

Allein die ethnographische einteilung, die einschränkung der 
Kelten auf Gallien und die Verschiebung der Galater nach Ger- 
manien, wie sie in den durch den druck hervorgehobenen worten 
zu tage tritt, steht in Widerspruch mit Dionysius und Posidonius 



* man hat diese vielbesprochene stelle neuerdings (AMiller Strabos 
quellen über Gallien und Brittannien, Stadtamhof 1868 8.13) dadurch erklären 
wollen dass man hier die Ktlxoi wie Strabos Ktfaa* auf die alte römische 
provincia (Narbonensis) einschrankt, allein Strabo p. 176. 177 geht von den 
ersten beiden sätzen Caesars Bo. 1, 1 und seiner einteilung Galliens aus, liefe 
aber den dritten satz 'Gallos ab Aquitanis Garumna flumen, a Belgis Matrona 
et Sequana dividit' unbeachtet und übersah dass Caesar die provincia gar nicht 
in seine einteilung einbegreift, so beruhen seine Kifoa* nur auf einem groben 
mis Verständnisse, indem er die 'Celtae' Caesars auf die Narbonensis bezog und 
den Beigen das ganze übrige Gallien aufser Aquitanien einräumte, kein Grieche 
kennt vor und nach ihm die Form KÜrat, aufser Eustathius zu Dion. per. 288 
durch Strabo selbst, sie ist nur dem 'Celtae' Caesars nachgebildet und Strabos 
p. 189 ovg, ol tiqotsqov Kikiag wvopatoy, ano toviojv cT ot/uat xal toeff 
ovfAnayitts rakärag K droits im 6 raty 'ElXrjviov ngogayoQtv&qvat ist nur seine 
eigne, ganz nichtige Vermutung, vgl. DA. 1, 167. 500. 

** denn vntg ravTijg rrjg KtXnxijg tig ra ngog agxjov vtvovia /uegrj kann 
man nur so auffassen dass Keltike nicht nur das eigentliche Gallien» sondern 
auch die nördlichen teile umfasst. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 179 

und dem gebrauch aller übrigen Griechen, dass nach den ex- 
cerpten des Athenaeus p. 151. 154. 233. 246 Posidonius die Gallier 
vorzugsweise KsXxol zu nennen scheint, darf nicht irren, es ist 
nicht anzunehmen dass sein Sprachgebrauch von dem des Timaeus 
Polybius Strabo und der gewöhnlichen ausdrucksweise des Diodors 
selbst (1, 4. 4, 19. 5, 24. 25. 27. 33 uö.) abwich, ihnen ist raXdttjg 
ein bestimmter ethnographischer begriff, der zunächst die Gallier 
im eigentlichen Gallien, dann auch die in Norditalien, an der 
Donau und in Eleinasien umfasst, und sie gebrauchen daneben 
den älteren namen KsXjoI entweder als synonymum, oder in dem 
alten, unbestimmteren räumlichen sinne, der die von Posidonius 
eingeleitete, von Dionysius vollzogene teilung gestattete und dann 
den späteren erlaubte die Germanen selbst als KsXxol den TaXdxcug 
in Gallien entgegenzustellen*, aber niemals heifsen jene aufser 
bei Diodor Fukdux*, es sei denn dass von Kimbern und Teutonen 
die rede ist und der alte römische Sprachgebrauch einwürkte, wie 
etwa an den s. 159 erwähnten stellen oder wenn bei Dio 44, 42 
in einer rede des Antonius TaXaxia i\ zovg %s "Apßimvag xai %ovg 
KipßQovg i<p* Tji*ä$ änooxsiXaca heilst. 

Die einteilung kann daher nur auf einer erfindung oder ein- 
bildung und confusion Diodors beruhen, dass sie sein werk ist, 
ergibt sich schon aus der stumpfsinnigkeit mit der sie vorgetragen 
wird, nachdem vorher immer unterschiedslos von Kelten und Ga- 
latern als Galliern die rede gewesen ist. es ergibt sich ferner 
aus der fortsetzung des cap. wo Diodor sich bemüht eigentüm- 
liches und besonderes über seine Galater beizubringen, er dünkt 
sich im besitz einer ganz neuen künde, was noch naqd noXXoXg 
ayvoovpsvov ist. er weifs auch von Caesars gallischen kriegen, 
um deren anfang er nach Aegypten kam (1, 4. 44. 83), er weifs 
von Caesars Zügen nach Brittannien und über den Rhein, sogar, 
nach einem in c. 25 eingeschalteten satz, dass die Donau und der 
Rhein die grösten der in den ocean mündenden flüsse sind und 
dass Caesar o xXrj&eig &s6g — anders nennt er ihn nicht 1, 4. 4, 19. 
5, 21 — den Rhein unglücklicher weise tiberbrückt, seine trappen 
zu fufs hinüber geführt und tovg niqav xaxoixoivxag TaXdxag 
bezwungen habe (ßxBiqmöaxo). diese stelle lässt keinen zweifei 
dass die einteilung sein eignes, wohl bedachtes machwerk ist, so- 
weit von Überlegung dabei die rede sein kann, er hat darnach 



* 8. 154, besonders Duncker Origg. Germ. s. 88 f. 

12* 



180 POSIDONIÜS BEI DIODOR 

wohl aus dem munde von Römern, die sich noch wie Cicero und 
Sallust (s. 160 f.) über die Germanen ausdrückten und sie 'transrhe- 
nani Galli' nannten, von diesen gehört, auch erfahren dass sie von 
den cisrhenanischen Galliern verschieden seien, und diese künde 
schien ihm so wichtig, sein eigner einfall ihm auch in seiner Un- 
wissenheit der mangelhaften römischen Unterscheidung gegenüber 
so glücklich, dass er ihn allen unkundigen nicht glaubte vorent- 
halten zu dürfen, aber er wüste so wenig näheres über die Ger- 
manen, und so weit geht 'die unglaubliche einfalt und noch un- 
glaublichere gewissenlosigkeit dieses elendesten aller scribenten' *, 
dass er teile und Überreste von Sätzen, die er schon c. 28 und 
31 aus der Schilderung des Posidonius von den Galatern ausge- 
zogen hat, in unserm cap. nachbringt als belege für die art 
seiner transrhenanischen Galater. 

Mit rücksicht auf diese excerpte, die nur von den echten Ga- 
latern in Gallien handelten und für die ihm keine andren nach- 
richten zur hand waren, kann Diodor den namen Germani, wenn 
er ihn überhaupt vernommen hatte oder sich seiner noch erinnerte, 
unterdrückt haben, wenn er aber seine Unterscheidung der Kelten 
und Galater der behauptung, dass die Römer ndvta tavta %ä 
s&vn avkkfjßSrip [iiq nQOGtjyoQiqc benannten, entgegensetzte, so 
muss er den namen Germani von ihnen entweder nicht gehört 
oder vergessen oder absichtlich für sich behalten haben, auf jeden 
fall steht fest dass er ihn nicht bei Posidonius gefunden hat, 
und wenn keinen andern, so bringt seine elende Weisheit doch den 
vorteil dass durch sie die frage, ob Posidonius den namen gekannt 
oder nicht gekannt hat, wohl endgiltig entschieden wird, dagegen hat 
Diodor den merkwürdigen satz dass die Römer alle Völker dies- 
seit und jenseit des Rheins avXXfjßdrjv mit Einern namen Gallier 
nannten, ohne zweifei nicht selbst aufgestellt, sondern schon bei 
Posidonius vorgefunden, er passt völlig der Wahrheit gemäfs und 
ungezwungen allein für die zeit des Posidonius und ist die voll- 
ständigste, ausdrückliche bestätigung dessen was s. 158—161 über 
den römischen Sprachgebrauch vor und nach dem anfang des letzten 
Jahrhunderts vor Ch. ermittelt wurde, noch weniger aber hätte 
Diodor aus eignem vermögen die in den ersten Sätzen (s. 177) ent- 
haltene begrenzung Galliens und Germaniens zu stände bringen 
können die, wie wir sahen, mit den angaben des Posidonius bei 

* Mommsen Rom. Chronologie s. 125. 



ÜBER HERKUNFT UNI) HEIMAT DER NORDLEÜTE. 181 

Plutarch aufs wort übereinstimmt und von Dionysius vorausgesetzt 
wird, die armseligkeit Diodors ist unser bestes glück, wenn man 
nur absieht von den s. 177 f. durch den druck ausgezeichneten worten, 
die entschieden nicht von Posidonius herrühren können, sondern 
erwiesener mafsen eigentum Diodors sind, so bleibt ein satz der 
nicht nur dem inhalte nach von Posidonius herrühren kann, son- 
dern der gewis auch, in nur wenig abweichender fassung, bei ihm 
nach der ab Weisung der flutsage (s. 162 ff. 169) die hypothese und 
entwickelung der ansieht von einem eigentümlichen, zwischen 
Kelten oder Galatern und Scythen stehenden Nordvolke einleitete, 
so dass sich der zweite plutarchische abschnitt (s. 169) bald daran 
anschloss. denn dass die einleitung des Posidonius zu den Kim- 
bernkriegen dem Diodor vorgelegen hat und neben der vorher 
schon benutzten beschreibung der Galater von ihm in diesem cap. 
ausgezogen ist, ergibt sich sogleich. 

Er hat in c. 32 ganz verschiedenartige, in keinem näheren 
zusammenhange stehende stücke in seiner weise teils nur roh zusam- 
mengestellt teils lose an einander gereiht, so folgt auf den ersten 
absatz unmittelbar dass die weiber der Galater an gröfse und 
stärke den männern gleich kämen und dass die kinder meistens 
& ysveifi<; noha wären, aber mit den jähren die färbe der väter 
erhielten — siq %6 %&v naxiqoav %Q&pa xatg xqocck; p£%aö%r[ikaxi- 
facu. dies gehört augenscheinlich in den Zusammenhang des an- 
fangs von c. 28, wo es von den Galliern heifst: ol d& raXdxa* xotq 

fkiv cfoifiaclv elcw sifiijxsig, tatq dh Gccq^I xd&vyqoi xal Xevxoi, 
xaXg dh xopaig ov ydvov ix (pvöewg Igav&ol, aXXd xal diä tijg 
xaxaöxeVTJg imxfidevovöw avlgeiv xf^v (pvtnxrjv xij$ %q6a$ IdiAvqta. 
xixävov yaQ änonXvfiaxi Cpmvxeg xäg %qi%aq <svve%&$ xxl. woraus 
man zugleich sieht dass Diodor auch c. 32 nur die harfarbe und 
nicht die hautfarbe meint (vgl. Niebuhr Rom. gesch. 2 8 , 592). ähn- 
lich stehen zu ende des cap. zusammenhangslos zwei stücke von 
der grausamkeit der opfer und der männerliebe der barbaren, 
welches laster erst in viel späterer zeit einigen verwilderten ger- 
manischen stammen vorgeworfen wird*, aus Strabo p. 198 sieht 



* den Talfalen bei Ammian 31, 9, 5 und den Herniern bei Prokop Bo. 2, 14 
p. 204; vgl. Sextus Empir. Hypotyp. 3, 199, wo Fabricius KctQ/uarois statt I>p- 
payoif vermutete; dagegen Qnintilian Declam. 3, 16 nihil tale novere Germani 
et sanetius vivitur ad Oceanum; "Wilda Strafrecht s. 858 f. 787. 789, dazu 
Fritzner s. v. ragr. die 'corpore infames 1 Germ. 12, für die Wilda p. 154 keinen 
rat weife, sind ans Hist 4, 14 zu erklären; vgl. Ann. 1, 73. 15, 49. 



182 



POSIDONIUS BEI DIODOR 



man wie das erste bei Posidonius unmittelbar auf eine von Diodor 
schon c. 31 excerpierte stelle folgte. 



Strabo 
av&qwnop ydq xaxaönsrtikipov 
naiöapxeg slq v&xop (i>a%cciqa 
ifjKxvTBVOVto ix xov cyadatipov. 



i&vop ds ovx avBV dqvidüv. 



DlODOR 

c. 31. äp&qwnop ydq xaxa- 
öneiöavteq xvnxovdi paxaiqq 
xaxd xop vnsq %6 dtdipqayfHz 
tonop xal netfopxog xov nlij- 
yivxog ix xijg nxtoöecog xal xov 
cfnaqaypov xAp fisXdop h* dk 
xijg xov alfJHXtog §i><f£(d$ xo piXXoy 
voovtfi — . s&og <T avxotg i&x* 
\iffiiva ffociav noutv ävev (piXo- 
fSotfov. (vgl. vorher (piXoooyo* — 
ovg dqovidag 6popd£ov<f*.) 

C. 32. xovg ydq xaxovqyovg 
xaxd nsvtaeifiQida (pvXd^avxsg 
dvaaxoXoni£ovci xotg feotg xai 
/uct' aXXnv noXX&v dnaq%wp xa&- 
ayi£ov<H , nvqdg nafipeyi&eH; 
xaxaöxevd&pxsg. %q&pxai Ö€ xal 
xotg alxpaXoixoig äg Uqsioig nqos 
tag x&p d-sobv npdg. xw%g öi 
avxwv xal xd xaxd noXspov Xrj(p- 
&ipxa £(pa psxd xwp dv&qrinmv 
dnoxxsivovaw tj xaxaxaUwöw ij 
xmSip äXXatg xi(JM>qia*g ä<pa- 
pi£ovo**. 
für Diodors letzten absatz yvpatxag <T ixopxeg tvtidslg — **, 



xal dXXa de dpd'qoano&veuSp 
stSfj Xiysxai. xal ydq xaxsxo&vov 
xwag xai apcdxavqovp ip xotg 
Uqolg xal xaxaöxevdüapxsg xo- 
Xo<Utop %6qtov xal %vXcop, ipßa- 
Xovxeg slg xovxov ßocfxrjfjiata xal 
S-tjqkc napxoXa xal dv&qc&novg, 
wXoxavxovp. 



* so ertränkten auch die Kimbern bei Arausio die rosse der Romer, 
henkten die gefangenen und vernichteten die ganze beute, Oros. 5, 16. — mit 
Strabos genauerer beschreibung stimmt Caesar Bg. 6, 16 'ad ea sacrificia druidi- 
bus ntuntur — alii inmani magnitudine simulacra habent, quorum contexta 
viminibus membra vi vis hominibus complent; quibus succensis circumventi 
flamma exanimantur homines 1 . da er aber die ßoaxrj/uajcc xal fhjpia navrota 
übergeht, so kann Strabo ihn hier nicht ausgezogen haben, sondern umgekehrt 
Caesar den Posidonius, da 'wir zu der annähme berechtigt sind dass Caesar 
des Posidonius Schriften selbst ebenso vor äugen hatte wie Strabo 1 AMiller aao. 
s. 17. vgl. 28. 

** rjXHTtct wvtms 7r£O0f£ovcrf, alla ngbg tag Jwy afähww tmnXoxäg ixTon&c 
XvTTtZaiv. fiai&aai cf' inl dogalg xhjQtutv X a f* a ' xa&evdoyttg l£ ä/u(foitQ<oy riov 
jutQiov naQuxolrotg ovyxvXUcd-ai. damit stimmt Athenaeus p. 603 so vollkommen 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEUTE. 183 

besonders zu xijg Idiag sva%ri^oGvvfig cupQoviuSxovvxsg x^v xov cd- 
paxog wqav evxoX&g ixiQOig TtQoUvxai, xal xovxo al(S%qov ov% jj- 
yovvxai, aXXä — vergleiche man Strabo p. 199 xal xovxo äi x&v 
&QvXovp£v(ov iöxlv, oxi ndvxeg KsXxol (ftXovstxol (1. <fi,X6vsoi, 
Meineke qäonxoi) xi sie* xal ov vopi&tat naq* avxotg al(S%qov 
xo tfjg äxpfjg acfudeXv xovg viovg. den beiden letzten stücken zu 
ende des cap. aber gehen bei Diodor zwei excerpte aus der ein- 
leitung des Posidonius vorauf, so dass er die reihe derselben 
aufser der interpolation des ersten absatzes nur durch die un- 
sinnige einschaltung des zweiten Stückes von den weibern und 
kindern der Galater unterbrochen hat. 

der dritte absatz nemlich lautet: ayqiwxdxmv de ovxmv xwv 
vno xdg äqxxovg xaxoixovvxcop xal xd&v xfj 2xv&ia tiXtjöioxooqcöv 
(pari xwag ä&Qcinovg iö&i&w, dqneq xal xdiv Bqsxxav&v xovg 
xaxokxovvxag xtjv ovo[Aa£o[ji4rqv ~Iqi>v. gemeint sind hier zunächst 
die alten scythischen Andro- oder Anthropophagen, von denen 
später im fünften buche die rede sein wird, wo man auch die 
andern sagen von menschenfressern im nördlichen Europa zusam- 
mengestellt findet, im vierten Jahrhundert nach Ch. galt das wilde 
brittische, vielleicht irische seeräubervolk der Atacotti in Gallien 
für menschenfresserisch, wo sie der heilige Hieronymus in seiner 
jugend gesehen hatte* Posidonius sprach von der sitte der Iren 
wie der nachbaren der Scythen ohne zweifei nur als einer sage 
und das (pari Diodors wird sich von ihm herschreiben, er könnte 
davon in Gallien gehört haben; allein Strabo p. 201** fand bei 



dass sein eicerpt gleichfalls aus dem Posidonius stammen muss: KeXiol cfe t<3v 
ßaqßaQüiv xaiio* xaXXioiag txovrsq yvvalxag, nctidixolg fiaXlov x n ^Q 0V<Jiy i <*>? no ^~ 
Xctxtg tviovg inl talg doQalg /und dvo igay/ueyioy avanavtc&ai. 

* HMüller (Marken des Taterlandes 1, 32* nachtr.) bemerkte schon dass 
der heilige zn viel gesehen haben will, indem er sagt (advers. Jovinian. 2, 7 
Vallar8 2, 335. Martianay 4, 3, 201) Cum ipse adolescentulus viderim Atticottos, 
gentem Britannicam, hnmanis vesci carnibns et, cum per Silvas porcorum greges 
et armentorum pecudumque reperiant, pastorum nates et feminarum papülas 
solere abscindere et has solas ciborum delicias arbitrari. da sie bei Ammian 
und nach einer andern stelle des Hieronymus (Zeufs 568. 573) im verein mit 
Scoten auftreten, so ist es zweifelhaft ob man sie zu den Britten zahlen muss. 
** ftsydhi cf tj 'liQvtj — . ntql ijg ovdtv ixo/utv Xiytty aayiq nlijv ort dyguo* 
?«£©* luiv Bqtrravtüv vnttQ%ov<Hv o% xaioixovyrtg avrtjy, dy&QiüTioyäyoi rs ovrtg 
xal noXvfdyot, tovg rt natigag TtXtvtyoavTccg xajtff&iuv iv xaXQ Ti&e/ueyo* xal 
(fccytQojg pUsytc&a* ralg rt äXXcug yvyatfcl xal fttjiQaat xal «dtXfja'ig. xal tavra 
<T ovtu) XiyofAiv füg ovx i^oytsg dfronioTovg paQTVQag' xaho* 16 yt irjg dy$Q(a~ 
noawyiag xal JxvSixoy tlvat Xeytitu, xal iv dydyxatg noXwQxtjuxalg xccl KiXioi 



184 POSIDONIÜS BEI DIODOR 

ihm mehr als Biodor hervorhebt, die Iren sollen nicht nur 
menschenfresser sein, die sogar ihre verstorbenen eitern verzehren, 
sondern auch in einer weibergemeinschaft leben, dass sie sich 
öffentlich mit andern weibern und selbst mit ihren müttern und 
Schwestern begatten, ähnliches muss auch Mela 3, 6, 53* meinen, 
und da seine nachrichten über Brittannien und Irland sonst auf 
Timaeus oder Pytheas zurückgehen (DA. 1, 366. 379 f. 470. 490 f.), 
so folgte auch Posidonius hier wie bei den scythischen Anthro- 
pophagen nur der litterarischen tradition. er kann daher auch 
nicht wie Diodor von einer insel */<>•$ gesprochen haben, sondern 
nur wie Eratosthenes und Pytheas und wie Strabo von der insel 
*Uqvh oder y IsQvig. Strabo, der sich beklagt über sie nichts ge- 
wisses nach glaubwürdigen zeugen berichten zu können, wird wie 
bei Gallien beinahe wörtlich dem Posidonius gefolgt sein, auf 
diesen deutet bei ihm auch die einschränkende bemerkung dass 
menschenfresserei jedoch auch scythische sitte sein solle und dass 
in der not bei belagerungen Kelten, Iberer und andre mehr dazu 
kämen, da Caesar Bg. 7, 77 die sache nur beiläufig in einer rede 
des Critognatus für die Gallier einräumt, aber gerade für die zeit 
der Verheerung Galliens durch die Kimbern und Teutonen, die 
auch Posidonius beschrieben hatte. 

Strabo hat sogar wahrscheinlich seine Vorstellung, das lerne 
das nördlichste land der oekumene und wegen der kälte kaum 
noch bewohnbar sei (DA. 1, 360), von dem Posidonius wenn auch 
nicht entlehnt, doch abgeleitet. Posidonius schrieb dem klima 
einen bedeutenden einfluss auf den character, die lebensweise und 
körperbeschaffenheit der Völker zu** und meinte dass die Wildheit der 
menschen nach norden hin immer mehr zunehme, an diese ansieht 



xai "ißrjQtf xai akkoi nltiovs noiijccu tovjo Xiyovjai. zu den Zeugnissen über 
die weibergemeinschaft der Britten (DA. 1, 397) kommt Hieron ymus Episi ad 
Ocean. (Martianay 4, 2, 648) 'Scottorum et Atticotorum ritu ac de re publica 
Piatonis promiscuas uxores, communes liberos habent'. 

* eultores eins (Iuvernae) inconditi sunt et omnium virtutum ignari magis 
quam aliae gentes, pietatis admodum expertes. 

** fr. 84 aus Galen de plac. Hippocr. et Plat. 5 p. 290 cwämti d' tlxonog 
jolg Xöyotg rovrots o IIootHfü)vto$ ja xaia reu yvoioyvtofAOva yawöfttva — xai 
xara zag x(OQ€tg ov gjaucqü) r«w cJWqj'oj^Va* ioig rfttto xovs ay&QüJnov( tlg dtdiav 
xai roX/uav rj to ijiXydoyoy r* x«* (fiXönovov, u>( t<av nad-rjTiXüiv xiyyctM 
jtjg y>vxvs tnopivtov dsl zif d*ad-ict$ tov cto fiaros, ?v Ix rrjs xara ro 
nsQiixov xquciws ov x«t' oXiyoy aXXotova&at. dazu vgl. noch Posi- 
donius bei Strabo p. 102 f. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 185 

knüpft das excerpt Diodors an, ja gründet sich darauf, und Po- 
sidonius muste von ihr aus nicht nur die Hyperboreerdichtung 
(s. 173) bekämpfen, sondern sie auch zur begründung seiner hypo- 
these eines grofsen nördlichen räubervolkes, das von zeit zu zeit 
scharen gen Süden entsendet, gebrauchen, es ist offenbar, wie der 
erste absatz Diodors vor den zweiten abschnitt Plutarchs, so fallt 
das dritte excerpt in die lücke zwischen Plutarchs zweitem und 
drittem abschnitt (s. 171 f.), ist aber von Diodor nur seines para- 
doxen inhalts wegen ausgehoben. 

Nicht minder ist die stelle von Diodors viertem absatz deut- 
lich und zweifellos, in dem ersten satze — diaßeßofjfAsvijg d£ zijg 
xovtiAV äXxijg xal äyQiövfjrog cpacl xweg iv xolg naXaioTg XQOVoig 
rovg %r\v Idaiav anaaav xaxadqafiovxag ovofia^Ofiivovg di KipiisQlovg 
tovxovg elvai, ßQa%v %ov %qovov xi\v X£%w (pd-siQavToq iv xji xäv 
xaXovp&vwv KifjtßQcoy nqogffyoqla. — könnte man in dem <pa<ti 
tweg eine andeutung finden dass auch Diodor die ansieht des 
Posidonius nur als eine hypothese vorgetragen fand; aber viel 
wahrscheinlicher ist dass Posidonius selbst für den Kimmerierein- 
fall sich auf die alten historiker wie Herodot oder zeugen wie 
Kallinus und Archilochus (Strabo p. 627. 647 f.) bezog. Diodor 
fasst in dem satze den anfang und das ende von Plutarchs drittem 
abschnitt (s. 172) zusammen und überspringt den übrigen inhalt 
desselben, er bestätigt durch seine aussage, dass der name Eim- 
merier mit der zeit ein wenig in Kimbern verderbt sei, die auf- 
fassung Plutarchs (s. 173) gegen Strabo, aber Strabos bezeichnung 
der Kimbern als XrpxQixol xal nXavr\xsg (s. 1 64) entspricht Diodors 
zweitem satze &lovot yäq ix naXcuov Xyiaxsvsiv inl xäg aXXoxqiag 
Xtoqag insQxdfievo* xal xaxatfQOvetv änanwv, und der dritte satz 
füllt dann die grofse geschichtliche lücke zwischen dem Kimmerier- 
und Kimbernzuge (s. 176) aus: ovto* yaq sltiiv ol zip psv 'Pciptiv 
iXdvzeg, xö di leqov xo iv JeXcpoXg övXyaavxeg xal noXXijy (iiv xijg 
EvQüjntjg, ovx dXlytjv di xal tijg ^Atsiag (poQoXoyijtfavxsg xal xeov 
xajanoX€fjMi&£vT(av xyv x^ av xaxoixijdavxsg^ ol dtä xtjv nqog tovg 
"EXXqvag i7tmXoxfjv 'EXXfjvoyaXdtai xXti&ivxsg, xo di xeXsvzaZov 
noXXa xal peydXa (Sxqaxdntda 'Pwpaioov ovvxqixfjavxsg. 

übersprang Diodor im ersten satz auch einen grofsen teil des 
von Plutarch erhaltenen passus, so sieht man doch deutlich aus 
dem letzten wiedereinlenken in die geschichte der Kimbernkriege 
dass er die von Posidonius beobachtete Ordnung der Sätze und ge- 
danken nicht verändert hat. die plünderung des delphischen tem- 



186 POSIDONIÜS 

pels * steht nicht in Widerspruch mit der ansieht (s. 1 66 f.) dass die 
Gallier dort jedesfalls nicht mehr viel gold vorgefunden hätten 
und dass der schätz von Tolosa keineswegs von daher stamme, 
das compositum % EXXipoyahxxcu ist verständiger gebildet und viel- 
leicht auch älter als das zuerst wohl von Livius 37, 8. 40 usw. 
gebrauchte**, seltsame lateinische 'Gallograeci' und hat aufser bei 
Suidas s. v. "Ayxvqa hier seinen einzigen beleg, die letzte erwäh- 
nung der grofsen niederlagen der Römer macht selbst noch über 
den dritten abschnitt hinaus bei Plutarch im Schlüsse des c. 11*** 
weitere spuren des Posidonius wahrscheinlich. 

Nach alledem entwickelte dieser, wenn wir die verschiedenen 
fragmente zusammenfassen, seine ansieht von der herkunft der 
Kimbern folgender mafsen: 

1 (Plutarchs erster abschnitt.) In Rom trifft die künde ein 
dass ein ungeheures heer von drei oder (nach Diodor) von viermal 
hunderttausend mann mit weib und kind Wohnsitze suchend sich 
gegen Italien heranwälzt, bis dahin ist das volk unbekannt und 
man weifs nicht woher sie kommen. 

2 (Strabo.) die gewöhnliche meinung gieng dahin dass sie 
durch eine grofse Wasserflut aus ihren alten Wohnsitzen am nörd- 
lichen ocean vertrieben waren, allein da flut und ebbe durchaus 
regelmäfsig wechseln, so ist die meinung zu verwerfen; auch die 
ähnlichen, bei Ephorus und Elitarch vorkommenden flutsagen sind 
unglaublich, nach den tatsachen der geschichte und der natur der 
nördlichen gegenden ergibt sich vielmehr folgende ansieht als 
wahrscheinlich. 

3 (Diodors erster, Plutarchs zweiter abschnitt.) es ist gut 
die bewohner des eigentlichen Galliens jenseit der Alpen und ober- 



* aas unklarer erinnerung an die einleitung des Posidonius wird auch 
Appian Ulyr. 4 allein dazu gekommen sein von den illyrischen Autariaten zu 
sagen dass sie mit den Keholg iols KijußQoig teyopivois gegen Delphi ge- 
zogen seien. 

** vgl. Nissen Untersuchungen s. 190 fit 
*** $v(ibv di xal rök/uay ävvnÖGiaioi xal £t»(>c3>' igya nctQcc rag f*dj[ag o£&- 
irjn xal ßla nvQog hixoitg injitcav, ovdtvbg dyji^ovjog avjJjy ngbg t»jv lyodov, 
akka ndvrwy pir ocovg intjk^ov h koytp kslag ayo/uivwv xal cptQOfjjytay, nolkiov 
di xal fitydktav 'Ptofta'ixaiv ciQaionidoiv xal <ftQatrjymy f ocoy nQOHrrqxtüav rtfc 
ixrbg "Aknttav rakariag, äyijQnaa/uiytoy dxktuig. oV xal pakurta Tfjv cfOQav aitw 
xaxtag dyvyHJd/utyoi xal trjg 'Pw/urjg imondaayTo. vtxtfiavisg yag olg hiiv^ou 
xal xQtjpcaioy nokktay XQarrfCavi$g tyyojcav fdtjdafxov yrjg lavtovg idQvtw, nqiv 
dvaiQtifßtaoi jfjy 'piaptjv xal dMMOQ&rjöioa* ir,v 'ttakiav. 



ÜBER HERKUNFT UND HEIMAT DER NORDLEÜTE. 187 

halb der Pyrenaeen von denen im norden zwischen dem ocean und 
dem hercynischen bergwald zu unterscheiden, wo Keltike gegen 
osten mit Scythien über dem Pontus zusammenstöfst. da muss 
sich eine mischung des keltischen und scythischen Stammes voll- 
zogen haben, mengen von auswanderern sind von da von zeit zu 
zeit ausgegangen und haben das südliche Europa überflutet, unter 
manchen besonderen namen und bald als Scythen, bald als Kelten 
oder Galater auftretend; der richtige gemeinsame name für sie 
war Keltoskythen. 

4 (Pos. fr. 90, Athen, p. 233, Diodors dritter absatz, Strabo.) 
die ältesten Hellenen dachten in jener gegend im norden der 
Alpen am ocean die Hyperboreer; denn die Alpen früher "Okßux, 
genannt hiefsen noch früher Rhipaeen. aber die Schilderung der 
dichter von dem frommen, glückseligen leben des Volkes verträgt 
sich nicht mit den gesetzen der natur. die natur nimmt an 
rauheit, der mensch an Wildheit und roheit nach norden hin immer 
mehr zu. man erzählt sogar von menschenfressern nicht nur im 
norden von Scythien, sondern auch auf der brittannischen insel 
lerne, und den einwohnern derselben werden noch andre arge 
dinge nachgesagt, wie die weibergemeinschaft selbst mit müttern 
und Schwestern. 

5 (Diodors vierter, Plutarchs dritter abschnitt und Strabo.) 
auch die Keltoskythen sind wegen ihrer Wildheit, gewalttätigkeit 
und körperstärke vor allen berühmt, den Hellenen wurden von 
ihnen zuerst in alten Zeiten die Kimmerier bekannt, von denen 
dichter wie Kailinus und Archilochus als Zeitgenossen und die 
alten geschichtschreiber melden, es war kein besonders grofser 
teil des ganzen Volkes, sondern nur eine flüchtlingsschar oder 
partei, die auswandernd bis gegen die Maeotis streifte und dort 
von den Scythen gezwungen nach Asien übersetzte unter der an- 
führung des Lygdamis. die gröste und streitbarste menge blieb 
an der grenze der oekumene am äufseren ocean zurück und be- 
wohnt dort ein land das von ungeheuren, dichten Wäldern bedeckt 
ist, die die Sonnenstrahlen kaum durchlassen und wo der pol sich 
schon dem Scheitelpunkte annähert und die tage und nachte 
zu unverhältnismäfsiger länge und kürze heranwachsen, die ganze 
beschaffenheit des landes ist von der art dass Homer seine Schil- 
derung des Kimmerierlandes in der Nekyia sehr wohl darnach 
entwerfen konnte, von dort rückten auch die barbaren gegen 
Italien heran, indem die zeit den namen der alten Kimmerier nur 



188 POSIDONIÜS ÜBER DIE NOBDLEUTE. 

wenig in den der Kimbern verderbte, denn ein unstätes, schwei- 
fendes räubervolk gehen sie von jeher auf plünderung aus und 
suchen fremde gebiete heim, sie sind es auch die Rom einst ein- 
nahmen, den tempel von Delphi plünderten, einen grofsen teil von 
Europa, einen nicht geringen von Asien brandschatzten, auch in 
Asien ein gebiet eroberten und als Hellenogalater noch inne haben 
und die endlich nun viele und grofse heere der Römer aufrieben, 
da Plutarch (s. 186) diese niederlagen von dem mut der Kim- 
bern, der keine gefahr kannte, und dem ungestüm und der ge- 
walt ihres angriffes herleitet, so sieht man wie leicht und natür- 
lich die speciellere characteristik und Schilderung der kriegs- und 
lebensweise des Volkes sich hier anschloss*. da hinein gehört 
denn nicht nur das excerpt bei Athenaeus (s. 153), sondern auch 
die beschreibung der weisen frauen und ihrer tätigkeit im heere 
der Kimbern bei Strabo p. 294, die viel zu ausführlich ist als 
dass sie Strabo als beiwerk einer Schlachtbeschreibung gefunden 
haben könnte** in dem excerpt, das eine probe von der unge- 
schlachtheit der kimbrischen Sitten gibt, ist jetzt (s. 162) unbe- 
denklich der name req^avol als eine interpolation oder ein ersatz 
des Athenaeus für KipßQoi, Tsvxoveg xal li^ßqmveq anzuerkennen. 
Diodor, der c. 32 statt von den weibern und opfern der Kimbern 



* man vergleiche Strabo p. 195 f., der seine allgemeine Schilderung der 
Gallier so einleitet: Tb di GVfinav tfvXoy, o vvv raXXixov r« xai raXauxbv 
xaXovcw, aQtifjtüviov iort xal d-v/Ltixoy n xai raxv TtQog fiaxrjv t <*&**>$ <?* anXovy 
xal ov xaxörj&tg. — naQotvvag rig avrovg hoi/uovg fojf« nqbg ibv xivdvyoy, nXijy 
ßiag xai röXprjg ovdiy tyovttts to cvvaytav^ofAtyoy, — tijg di ßiag tb piv ix reSy 
(Hopartüy icii /ntydXioy 6vt<ov, tb d* Ix iov nXqS-ovg. — ix twy naXanay XQor*>y 
tovto Xapßüvojutv thqI avruiv xai Ttuv fxtXQ 1 v *> v öv/u/utvövrajv naget roig rtQpa- 
voig vojuifdwv xai ydg rfj tfVGH xai Tolg noXiTtv/uatoy i/nq>totlg tici xai avyyt- 
vtig äXhjXoig ovtot, opoQoy Tt olxovct %(i>Qav d^OQi>C,o(j.ivijv rq> 'Pqvtp noia/ufi xai 
naQanXrput $x ovaav T * nXticra. aQxux(ati(Ht d* iativ q rtQfiavia — . dia tovto 
di xai Tag /juxaraaxdcfig avrtSy Qaditag vnaQxiw övpßaivH, iptQOfAtytav aytXqdb* 
xai nayoTQaTux , [jiäXXov dt xai navotxfay i$a$g6ynoy — • dti dt oi ngogßn^ort^ot 
xai naQojxeavirctt- f*ax*f*<öitQ(H. die spuren posidonischer sätze und gedanken 
darf man hier um so mehr erkennen, weil Posidonius auch im folgenden Strabos 
hauptquelle war. s. unten excurs zu ß. 177. 

** "K&og di n Ttov Kipßgoty dtrjyovvrai toiovtov, on Talg ywat&v avttJy 
avGTQOTfvovcakg naQrjxolov&ovv ngopavTSH Uqtia* noX*oTQ*x*G , l*vx**poytg , xag- 
naeivag iifanjidag imntnoQmjfÄiyatj £uHjpa xaXxovv £fOttftt*, yvfivbnodeg' rolg ovy 
alxftaXunokS dut tov ojQaionidov avvijvMOV £nf*iQt*s xrl. — tv di rolg aya>G*y 
hvmov jag ßvqcag rag iitQiitJa^iivag tolg ytfäoig Ttoy aQ{4a/ua1;dJy, tagt* anott- 
Xthj&a* xpoyov i£aia$oy. 



DER NAME GEBMANEN. 189 

von denen der Gallier handelte (s. 181 f.), scheint freilich nichts der- 
gleichen wie Strabo bei Posidonius gefunden zu haben und über- 
haupt diesen ethnographischen teil seiner einleitung in die Kim- 
bernkriege nicht zu kennen, aber dieser schluss geht zu weit bei 
einem compilator, der c. 15 ohne grund den Timaeus verliefs und 
dieselben sätze über Sardo noch einmal aus der mythengeschichte 
des Dionysius von Mytilene ausschrieb, die er schon im vierten 
buche vollständiger ausgeschrieben hatte (DA. 1, 455). er kann 
es versäumt haben rechtzeitig die Schilderung der Sitten der Kim- 
bern bei Posidonius auszuziehen, und als ihm nun bei der Zu- 
sammenstellung seiner excerpte der gedanke kam den ersten ent- 
lehnten satz aus seinem eignen wissen zu interpolieren (s. 178 ff.)) 
in der not zu den überbleibsein der excerpte über die Gallier 
zurückgegriffen haben, weil ihm das werk des Posidonius selbst 
nicht mehr zur hand war. aus dem stillschweigen und verfahren 
Diodors ist jedenfalls den Zeugnissen Plutarchs, des Athenaeus und 
Strabos gegenüber nicht zu schliefsen dass Posidonius keine Schil- 
derung der sitten der Kimbern und ihrer genossen gegeben habe, 
der gedankengang, den er in seiner einleitung befolgte, liegt klar 
vor und wir überblicken noch in erwünschter Vollständigkeit das 
merkwürdige document, das wie kein andres uns die Germanen in 
einem Zwielicht zeigt, der morgendämmerung eines bald an- 
brechenden, helleren tages*. 

Das ergebnis dieser Untersuchungen, dass der name Germanen 
erst um das j. 80, nach dem j. 90 und vor 73 vor Ch., in Rom be- 
kannt und gebräuchlich wurde (s. 161. 176. 180), führt nun zunächst 
auf die frage nach seiner herkunft. da die Körner die Germanen 
anfangs mit unter die Gallier begriffen, dann auch, als der name 
schon da war, noch als eine nebenart derselben betrachteten (s. 
160), aber die beiden nationen in Italien selbst unterscheiden ge- 
lernt haben können (s. 157), so liegt die Vermutung eines latei- 
nischen Ursprungs für die benennung nahe, man könnte daran 
denken dass 'Germani' in der verbinduug Galli et Germani zu- 
nächst leute von derselben art und abstammung wie die Gallier' 
bedeutete, aber dann müste germanus appellativisch in dieser 
bedeutung auch sonst sich nachweisen lassen, es wird aber in 



* bis hieher hat die abhandlung am 18 jan. 1872 der Berliner acaderaie 
vorgelegen. 



190 DER NAME 

der lateinischen prosa nie substantivisch gebraucht und bedeutet 
darin nie einfach 'bruder'. das Soldatenlied vom j. 43 auf die 
consuln Lepidus und Plancus, die ihre brüder mit auf die pro- 
scriptionsliste hatten setzen lassen, bei Vellejus 2, 67 

De Germanis, non de Gallis duo triumphant consules 
beweist allerdings, dass man den namen leicht in d6m sinne 
nehmen konnte, aber nicht im entferntesten dass er ursprünglich 
und eigentlich diesen sinn hatte*. Strabo betrachtete noch p. 290 
die Germanen als (juxqov i^aXXdtwvteg %ov KeXuxov <pvXov reo 
X8 nXeovaa^w t^g dygiortivog xal tov ikeyi&ovg xal xijg %av$6%tpog, 
xaXXa äs naqartXijöUH xal poQfpaXg xal ij&söi xal ßiotg ovxeg, 
olovg ilgTJxecfjev %ovg KsXtovg; er meinte sogar p. 196 (s. 188) die 
Schilderung des characters der Gallier zum teil von den Germanen 
entnehmen zu können, weil sie rfj <pvcsi xal totg nohxsvpaöiv 
ifjKfCQetg slto xal avyysvetg äXXyXoig y und vermutete deshalb p. 290 
dass die Römer darum die Germanen mit dem namen gleichsam 
nur als echte Gallier hätten bezeichnen wollen: dio dy xai 
juot doxovGi 'Pwpato* tovto avtoXg &4c&a* zovvofia ag av yvfl~ 
aiovg TaXdxag (pqä&iv ßovXopsvof yvqöiok ydq oi req^vol xatd 
%i\v 'Pwpaimv didXsxxov. aber seine Vermutung ist für nichts 
anderes zu achten als wofür er sie selbst ausgibt, als aus seinem 
eigenen köpfe entsprungen, weder bei Caesar noch bei einem 
der späteren Römer findet sich eine spur dass sie den namen 
für ursprünglich lateinisch hielten und so verstanden hätten**. 



* die 'sehr scharfsinnige 1 Vermutung HMüllers (Marken des Vaterlandes 
s. 230—233, vgl. JGrimm Gr. 1 3 , 10, JHorkel Urzeit s. 83 f.), dass Marius schon 
in dem von (Plntarch Mar. 24) berichteten gesprach mit den Kimbern sich des- 
selben Wortspiels bedient habe, macht nicht weniger als drei gleich unerwiesene 
und unerweisliche Voraussetzungen: 1) dass Marius den namen schon gekannt 
habe, dass aber 2) Posidonius, der gewährsmann Plutarchs ihn nicht gekannt, 
das Wortspiel mis verstanden und ihn viermal durch adtkijol übersetzt habe 
und dass endlich 3) die Kimbern die Teutonen als Germanen von sich unter- 
schieden hätten. 

** nur Eustathius zu Dionys. perieg. 285, nachdem er die stelle des Strabo 
ausgezogen — mit der beachtenswerten lesart yrijaK* ralaran statt raldrat 
(vgl. Brandes Kelten und Germanen s. 155) — fugt vielleicht aus einem gram- 
matiker, dem vollständigen Stephanus, vielleicht auch nach eigner Vermutung 
hinzu nvis dt ro rtQ/uavoi «fa ?o adsXtpoi /utrakapßüvovoiy , ontQ igonor nvä 
taviov l<rr* r$> yyrjoiot. die mit dem vierten Jahrhundert auftauchende, gal- 
lische fabel von der kinderprobe im Rhein (Cluver Germ. s. 150 t, Grimm 
RA. 935, Ukerts Gallien s. 156) mit Strabos Worten zu vergleichen und trotz 
seiner deutlichen erklärung, dass er nur eine Vermutung gibt, daraus zu 



GERMANEN. 191 

vielmehr waren die römischen gelehrten des ersten Jahrhunderts 
nach Chr. gerade der entgegengesetzten ansieht und leiteten ihn 
aus Gallien her. 

Dass Plinius in seinem weitläufigen werk über die Germanen, 
den zwanzig büchern bellorum Germanicorum auch von dem Ur- 
sprünge und der herkunft des Volkes gehandelt und alle mög- 
lichen, dahin einschlagenden meinungen, deren er habhaft werden 
konnte oder die ihm selbst in den sinn kamen, darüber vorge- 
bracht hatte, ist nicht zu bezweifeln ; und ebenso wenig scheint es 
zweifelhaft dass Tacitus ihn und keinen andern bei dem zweiten 
und dritten capitel der Germania vor sich hatte, die von Tacitus 
c. 2 bekämpfte meinung, dass in den alten heroischen zeiten — 
olim — züge und niederlassungen vom Mittelmeere aus nach Ger- 
manien gegangen seien, kann nur von litterarisch gebildeten Rö- 
mern oder Griechen aufgestellt sein, und die 'quidam' in dem 
letzten beispiel c. 3, die die spuren der anwesenheit des Ulixes 
am Niederrhein entdeckten und zum beweise dafür auf eine ehe- 
dem dort gefundene inschrift von ihm, sowie auf andre in griechischen 
buchstaben an der grenze von Raetien sich beriefen, sind aufs 
deutlichste römische antiquare und gelehrte*, dieselben hatten 



schliefsen 'dass der rolksname Germani von den Römern schon zu an fang 
unserer Zeitrechnung als yvrjökot erklärt und dem vo&og entgegengesetzt 
sein raus 8' (Brandes s. 156) ist absurd, wohl aber könnte die fabel von dem 
fluss, der ( 6ermanos et Gallos' schied, in einer scherzenden deutung des ersten 
njunens ihren grund haben, wenn sie nicht ausdrücklich den Galliern beige- 
legt würde. 

* ein keltischer name wie ülohoxsis (Kuhns beitr. 3, 211, Zeufe Gr. 3 47. 
785) konnte allerdings römische, mit der ansieht des Krates (s. 174 f.) nicht un- 
bekannte gelehrte leicht den Ulixes am Niederrhein und in Caledonien (So- 
lin. 22, 1) entdecken lassen, und kein zweifei an seiner anwesenheit blieb wenn 
daneben noch ein name sich fand der an den Laertes erinnerte, allein worauf 
stützt sich die behauptung dass Asciburg vom Ulixes gegründet und benannt 
sei, der die entdeckung des alters mit der inschrift nur als bestfttigung diente? 
der ort lag in dem ehemals, noch zu Caesars zeit (Bo. 4, 4) und bis zur Ver- 
pflanzung der Sugambern (Strabo p. 194) menapischen gebiet, das dann die 
deutschen Cugerni (Tac. Hist. 4, 26. 33) bewohnten, und der name lässt sich 
im deutschen als 'schiffst&tte, schifflager' auffassen (s. zu Waitz Lex sal. s. 279), 
wie die Askeburg in Bremen (Brem. wb. 1, 30) würklich vielleicht diese be- 
deutung hatte, wahrend die eigentliche, wahre itts'Acxtßoöqykov oqo$, dem 
Biesengebirge bei Ptolemaeus, zu tage kommt die römischen gelehrten aber 
werden nicht geglaubt haben dass Ulixes dem ort einen deutschen namen ge- 
geben, der name lasst schlechterdings nicht ahnen was sie zu ihrer behaup- 
tung berechtigte, hätten sie alberner weise, wie neuere ausleger geglaubt 



192 DER NAME 

auch behauptet — fuisse apud eos et Herculem memorant 
— dass Hercules in Deutschland gewesen war, und die nemlichen 
'quidam' und hypothesenjäger in licentia vetustatis' dem ethno- 
gonischen mythus der Westgermanen und seiner dreiteilung eine 
vollständigere teilung der nation in vier grofse stamme oder 
gruppen entgegengesetzt und behauptet 'eaque vera et antiqua 
nomina\ im gegensatz dazu aber — subject und herschendes 
verbum 'quidam afürmant' bleibt im folgenden dasselbe — diese 
herleitung des Germanennamens gegeben: 

ceterum Germaniae vocabulum recens et nuper additum, quo- 
niam qui primi Rhenum transgressi Gallos expulerint ac nunc 
Tungri, tunc Germani vocati sint. ita nationis nomen, non gentis, 
evaluisse paulatim, ut omnes primum a Victore ob metum, mox 
etiam a se ipsis invento nomine Germani vocarentur. 

auf diese von den erklärern und kritikern arg mishandelten, 
doch wohl verständlichen und nur 6iner auslegung fähigen worte 
kommen wir zurück und machen hier nur darauf aufmerksam 
dass der urheber der hypothese gekannt zu haben scheint was 
Caesar von den Remern erfuhr, Bg. 2, 3. 4 omnes Beigas in armis 
esse Germanosque, qui eis Rhenum incolant, sese cum his con- 
iunxisse, — plerosque Beigas esse ortos ab Germanis Rhenum- 
que antiquitus traduetos propter loci fertilitatem ibi consedisse 
Gallosque qui ea loca incolerent expulisse; dass aber die 
hypothese nach der Verbindung, in -. der sie bei Tacitus mit der 
vierteilung steht, gewis erst nach den kriegen in Deutschland, 
vielleicht von Plinius selbst, ausgebildet ist, da die Marsen, die 
ersten in der einteilung, erst nach der aufhebung der Sugambern 
im j. 8 vor Ch. auftauchen und nebst den mit ihnen geparten 
Gambriviern seit den zügen des Germanicus a. 14 — 16 aus der ge- 
schichte verschwinden (Strabo p. 290. 291). 

haben, bei Asciborg an den windschlauch (aaxog) gedacht, so hätte Tacitus 
dies seinen lesern andeuten müssen, er kann den grund, worauf sich die be- 
hauptung stützte, überhaupt nicht übergangen haben, es muss daher nach 
'nominatumque', wo auch die hss. eine lücke andeuten und zum teil durch die 
wohlfeile Umschrift von Asciburgium in acxuivQywv zu verdecken suchen, der 
alte gallische, Yorgermanische name des ortes ausgefallen sein, der entweder 
unmittelbar wie Olisipo auf den Ulixes führte oder sonst aus der sage oder 
doch aus dem griechischen zu stammen schien, im erten falle, wenn der ort 
z. b. Olisia oder Ulisia, Olixia oder Ulixia hiefs wie Alisia Alma — und andre 
derivaten desselben wortstammes Uliaros Olisna Olefa usw. (s. unten) kommen 
genug vor — so war die entdeckung^der inschrift kaum nötig, unentbehrlich 
aber in den beiden andern fallen um die behauptung zu begründen. 



GERMANEN. 193 

Aufser für die Germanen östlich vom Rhein kommt der name 
noch zweimal vor, einmal in Spanien, das andre mal in der un- 
mittelbaren nähe jener im nördlichen Gallien, nach Artemidor 
(Steph. Byz. 710, 4 s. v. 'S2Qicia) und Strabo p. 139. 141. 152. 
156. 162. 163, der jenem folgte, wohnten die tynarol oder '12^- 
%avo\ am obern Baetis, reichten aber nach beiden Seiten über .die 
gebirge südwärts bis an die küste und nordwärts bis zum Anas, 
wo sie mit den Carpetanern und Eeltiberern zusammenstiefsen ; 
ihre hauptstädte waren Castulo am Baetis und ^QqmIcc ('ÖQala bei 
Steph. im artikel) oder y Qqia nach Strabo p. 152. Polybius be- 
diente sich nach 10, 38. 11, 20 des namens nicht*, wenn auch 
3, 33 die 'Ogelta* "IßtjQsg der inschrift des Hannibal (DA. 1, 155) 
vielleicht dieselben sind; jenseit der Morena am obern Anas wohnen 
bei ihm (3, 13. 14. 33. Liv. 21, 5) die später verschollenen 'OA- 
xddeg. bei Plinius und Ptolemäus reichen die Oretani nicht mehr 
an die küste, haben aber im übrigen bei diesem 2, 6, 59 wesent- 
lich dieselbe ausdehnung wie bei Strabo. bei Plinius dagegen 
scheint der name fast auf die nordseite der Morena beschränkt. 
er unterscheidet 3 § 19 primi in ora Bastuli (DA. 1, 153t), post 
eos quo dicetur ordine intus recedentes Mentesani, Oretani et ad 
Tagum Garpetani und § 25 Mentesani qui et Oretani, Mentesani 
qui et Bastuli, so dass man trotz der Unterscheidung von den 
Bastulern an der ersten stelle die Mentesani dort für die Mente- 
sani qui et Bastuli der zweiten stelle halten muss, deren Stadt 
Mentesa Bastia j. la Guardia eben südlich von Jaen schon auf 
die nordseite der gebirge nach dem Baetis zu fallt, während die 
Mentesa der Oretaner in der nähe der quellen des Anas und Ja- 
vaion lag**, diesen nördlichen Mentesanern gesellt nun Plinius 
§ 25 die 'Oretani qui et Germani cognominantur' und Ptolemaeus 
aao. nennt als eine der nördlicheren Städte des Volkes "QqriTov 
reqpavtov. der ort lag in der nähe des heutigen Granatula wenig 
südwärts vom Anas am Javaion, in der gegend also wo Polybius, 
wie es scheint, die *Ohuki§q kannte, und es ist nicht wohl zu be- 
zweifeln dass Artemidor und Strabo eben diese Stadt meinen, von 
der nach Stephanus das volk benannt sein soll. Oretum und Ore- 
tani sind unzweifelhaft iberische namen (WvHumboldts Werke 



* wohl aber die römischen annalisten nach Li vi us 21, 11. 35,7 (Nissen 
Untersuchungen s. 166). auch 26, 17 ist in Oretanis' für 'in Ausetanis' her- 
zustellen. Hübner im CIL. 2, 434. 

** Hübner CIL. 2, 434. 456 und wegen Oretum 8. 431. 

DBUTSCHB ALTXBTUM8KUHDB IL 13 



194 DER NAME 

2, 691); für Germani dagegen bleibt keine andere annähme als 
dass, wenn nicht ehedem die Oretaner überhaupt, doch die in 
und um Oretum wohnenden von ihren keltischen nachbarn so be- 
nannt wurden, hätte der ort eine keltische bevölkerung erhalten, 
würde er wohl umgenannt sein*. 

Die keltische abkunft der gallischen oder belgischen Germanen 
steht aufser allem zweifei. wenn allen nachrichten zu trauen 
wäre, so hätten die Römer schon im j. 222 mit ihnen in Nord- 
italien zu tun gehabt, von dem später so berühmten gegner des 
Hannibal, dem damaligen consul Marcellus heifst es in den von 
Augustus aufgestellten triumphalfasten**: 

M • CLAVDIVS • M • F- M • N • MARCELLVS . AN . BXXXI 
COS • DE • GALLEIS • INSVBRIBVS • ET • CEKMAN 
K • MART • ISQVE • SPOLIA • OPIMA . RETT VLIT 
Z>VCE HOSTIVM \IRDVMAROADCLKST\DIVM 
INTERFECTO 
und gleichzeitig bei Properz 5, 10, 39 ff. 

Claudius a Bheno traiectos arcuit hostes 
Belgica cum vasti parma relata ducis 
Virdomari. genus hie Brenno iaetabat ab ipso, 

nobilis erectis fundere gaesa rotis. 
illi virgatis iaculantis ab agmine braccis 
torquis ab incisa deeidit unca gula. 
der alte Fabius Pictor — denn wer sonst könnte der von 
Livius und Polybius benutzte annalist der zeit gewesen sein, als 



* Brandes Kelten and Germanen s. 168 fiC hat beweisen wollen dass der 
name, wie die meisten übrigen beinamen hispanischer orte und einiger volks- 
gemeinden von den Römern beigelegt sei. woher aber hätten sie ihn wohl 
genommen? doch wohl, wie bei den Mentesani qui et Bastuli, Mentesani qui 
et Oretani , Calagurritani qni Nasici cognominantur (Plin. § 24), nur ans dem 
volksmunde, weil sie in der gegend und an dem orte ein volk des namens 
fanden, die von Ukert Germanien s. 78 entlehnte Vermutung s. 172 dass in 
Oretum einmal eine germanische truppenabteilung gelegen habe schiefst ganz 
ins blaue, es bleibt nichts anderes übrig als mit Zeufs 59 und Kiepert 
(Monatsber. der Berliner academie 1864 s. 152) Germani für eine benennnng 
zu halten, die für die Oretani bei ihren keltischen nachbaren üblich war. 

** CIL. 1, 458. 462 'Quae dedimus litteris inclinatis, insertis fragmentis 
marmoreis restituta sunt neque post inventionem ea periisse inde certum est\ 
Johannes Metellus, der erste der bald nach der entdeckung um 1546/7 die in- 
schrift abschrieb, hat die erganz ung zu GER z. 2 noch nicht, so dass der ver- 
dacht Niebuhrs (Vortrage 1, 2, 56), auch das ER möchte ergansang sein, nicht 
wohl aufkommen kann. 



GEBMANEN. 195 

er* der in diesem kriege diente (Eutrop3, 5, Oros. 4, 13, vgl. Plin. 
10 § 71), — gedachte der spolia opima des Marcellus, wenn auch 
Polybius 2, 34 ihrer geschweigt**, wüste aber nichts von Ger- 
manen, sondern nur von Gae säten, gallischen mietlingen, die die 
Insubrer damals wie in früheren jähren nach Polybius 2, 22. 23. 
28. 3, 48 jenseit der Alpen in der Rhonegegend angeworben 
hatten und die ihnen unter anführung des Virdomarus zu hilfe 
kamen, auch der gewährsmann Plutarchs, der die glänzende Schil- 
derung von dem kämpf bei Glastidium und dem triumph des 
Marcellus, die wir in seiner biographie c. 6 — 8 lesen, zuerst ent- 
warf, — man meint Coelius Antipater*** — sprach nur von Gae- 
saten. erst die annalisten, die in der sullanischen zeit und später 
die altern annalen interpolierten und den redactoren der fasten 
sowie dem Properz vorlagen****, machten aus den Gaesaten Ger- 
manen und aus der Rhone den Rhein, wie es scheint aus keinem 
andern gründe, als um des reizes der neuheit willen, merkwürdig 
ist und ein zeichen des Zeitalters der interpolation dass sie dabei, 
wie aus Properz erhellt, nicht an die transrhenanischen Germanen 
dachten, sondern bei den belgischen stehen blieben, und dieser 
umstand verleiht der inschrift allein noch einigen wert, der ihr 
sonst nicht zukommt. 



* 'es kann nicht bezweifelt werden dass Polybius den Fabius bei der 
abfassung seiner erzahlung sowohl zur hand hatte als auch wörtlich benutzte 9 . 
Nitzsch Römische annalistik s. 274. 

** Li?, per. 20. Florus 1, 20. Eutrop 3, 6. Oros. 4, 18. die perioche macht 
den Virdomarus zu einem anfuhrer der Insubrer und ebenso Florus, wo der 
dux Ariovistus niemand anders ist als der 'AvtjQoiajtjs des Polybius 2, 22. 26. 
31, der anfuhrer der a. 225—223 in Italien kämpfenden Gaesaten. der Gae- 
saten gedenkt allein noch Orosius und zwar wie Polybius 2, 22 als dornen 
non gentis, sed mercenariorum Gallorum'. vgl. Zonaras 8, 20 p. 403 *lvcovßqok 
cft Fnkanxoy yivo^ ovpfi«xovs ix idv vntQ jag "Almig (wie Polybius 2, 23. 28. 
3, 48) b/Lio<fvkü)v itQosttXtj<p6itg xtA. 

*•* Peter Quellen Plutarchs s. 74—80; vgl. 51—56. KMüller Fho. 3, 270 
vermutet dass Posidonius vielleicht eine besondere schrift über Marcellus hinter- 
lassen habe, und Plutarch citiert in der biographie c. 1. 9 (vgl. Vit. Fab. 19). 
20. 30 niemand häufiger als ihn, aber nur für nebensachen und namentlich 
c. 30 so dass er nicht die hauptquelle gewesen sein kann, ebenso wenig als 
Livius oder Polybius, Juba, Cornelius Nepos, Augustus und Valerius Maximus, 
wie Peter richtig erkannt hat. nimmt man die excerpte zusammen, so scheint 
es dass Posidonius in irgend einem ethischen werke einen abschnitt dem rühm 
und der heldengröfse des Marcellus widmete, dessen sich Plutarch auch in 4er 
vita des Fabius erinnerte. 

Mommsen im Hermes 5, 270 ff. 

13* 



196 DER NAME 

Caesar ist sonst der älteste und fast auch der einzige zeuge 
für die belgischen Germanen, auf und an der Arduenna, den 
waldigen höhen, die von der Maas über der Mosel bis zum Rheine 
sich hinziehen (Bg. 5, 3. 6, 29), safsen vier Völker, die Condrusi 
Eburones Caeroesi Paemani nach Bg. 2, 4, zu denen Bg. 6, 32 
noch die Segni fügt, qui uno nomine Germani appellantur. von 
diesen waren die Segni Condrusique die südlichsten, die Eburones 
die nördlichsten, und jene stofsen südwärts an die Treverer, nord- 
wärts an die Eburonen. als Caesar a. 53 zur bestrafung des Am- 
biorix und der Eburonen von der untern Mosel aus dem gebiet 
der Treverer durch die Arduenna gegen die Maas in der richtung 
auf Tongern vorgieng, schickten die Segni und Condrusi gesandte 
zu ihm mit der bitte um Schonung, 'ne omnium Germanorum, qui 
essent citra Rhenum, unam esse causam iudicaret', und er ver- 
spricht ihnen ihr gebiet nicht zu verletzen, wenn sie die flüch- 
tigen Eburonen, die sich bei ihnen sammelten, zu ihm zurück- 
brächten, der name der Condrusi hat sich bis heute erhalten im 
Condros, der landschaft diesseit der Maas gegen Huy Namur und 
Dinant* was völlig zu Caesars darstellung Bg. 6, 32 und auch 
dazu stimmt dass nach 4, 6 die Condrusi dienten der Treverer 
waren, und die Segni, wenn die walddörfer Bourg-S6gne oder 
Bourseigne südöstlich von Givet ihren namen bewahren**, wohnten 
noch etwas südlicher an der Houille. unmittelbar neben dem wege 
Caesars durch die Eifel aber lag später im Mittelalter im um- 
kreise von Prüm der pagus Carouuascus Caroascus, weiter west- 
lich an der Urte und Lesse die Famenna oder Falmenna, Fal- 
menia, j. Famenne von beschränkterem umfang, beide namen 
erinnern stark an die Caeroesi und Paemani***: pAEmani kann 



* pagus Condrustus, Condrustias, Condrustensis ua. im frühem mittel- 
alter. Zeufs 213, Beyer Urkundenb. nr. 82 a. 851, Ritz Urkunden a. 800. 824. 
890. 895 usw. der name stammt aus dem altertum nach CIL. 7 nr. 1073 
(Orelli nr. 5921) deae viradesthi • pagvs coNDRVSTis-Miu(tans) in«coh-ii 
tvngr • die cohorte stand in Schottland bei Middleby. 
** KP Über die kriegsfuhrung der Römer 1862 s. 11 f. 
*** Zeufs 213, Bertholet Histoire de Luxembourg 1, 7. 18. da aus Pae- 
mani, Palmani weder in romanischem, wallonischem, noch auch in deutschem 
munde in diesen gegenden Famenia Falmenia werden konnte, so muss Paemani 
verderbt sein, wenn die namen zusammenhangen, am besten belegt ist Fal- 
menia (vgl. Zeufs Gr. 76. 79): Famenna Pardessus 2, 103 a. 656, in pago Fal- 
minensi Marca (j. Marche) ASS. BolL Sept. 1, 700 c. 800, in Falminne pago 
(zweimal) Hunnin (j. Houn?) Martene et Durand 2, 26 a. 862, in Falmine p. 



GERMANEN. 197 

leicht aus FAEmani oder FAxmani verderbt sein, und da die Cae- 
roesi und Paemani nach Bo. 2, 4, die Segni aufser 6, 32 bei 
Caesar nicht wieder vorkommen, so könnte Segni allerdings auch 
ein collectivname für die beiden andern gemeinden gewesen sein, 
auf jeden fall gehörten auch wohl diese zu den südlichen an- 
wohnern der Arduenna. die Eburonen aber waren über ihnen an 
der nordseite der höhe vom Rheine bis jenseit der Maas ausge- 
breitet, wo sie mit den Aduatukern und wohl auch mit den Ner- 
viern zusammen grenzten, während am Rheine und weiterhin nord- 
wärts die Menapier und andre Völkchen über ihnen safsen* 

Diese Völker und gemeinden an der Arduenna werden als 
Germani eis Rhenum Bo. 2, 3, cisrhenani 6, 2, citra Rhenum 6, 32 
sorgfältig von den transrhenanischen unterschieden und nach Cae- 
sars ansieht und darstellung (vgl. Bo. 5, 27 — 29. 6, 5. 35— -42) und 
den laut redenden, von ihm berichteten tatsachen bestand zwi- 
schen ihnen und den Transrhenanen keinerlei Stammesgemein- 
schaft, noch auch ein glaube daran, waren die Remer im zweiten 
kriegsjahre Caesars (s. 192) anderer meinung, so erklärt sich dies 
zum guten teile aus ihrer damaligen Stellung zu den andern 
Beigen und der innere Widerspruch in den sie sich verwickeln, 
dass die meisten Beigen von den Germanen trans Rhenum ab- 
stammen, also von den übrigen Beigen verschiedenes Ursprungs 
sein sollen und doch mit ihnen demselben volksstamme angehören, 
ergibt nur die anerkennung dass die Germani eis Rhenum, deren 



Humirin (j. Hnmain) das. 2, 29 a. 874, Falmana in villa Grandicampo (j. Grand 
Harn) Miraeus 2, 935 a. 885, Falmenna das. 1, 259 a. 946, in Falmenia Homin, 
Marchia, Morivilla, Bon ein (j. Hnmain, Marche, Marville, Bonsin) Stampf 39 
a. 1028, Burk (j. Bure) in p. Falmeniensi Martene et Durand 1, 498 a. 1079, 
Bomella (j. Bomale) in Famenna Miraeus 4, 511 a. 1109. für den andern gau 
finden sich alle belege in Beyers Trierischen Urkunden, in pago Carouuasco 
nr. 14, CharoB 16 a. 762, Carasco 31 a. 777, Carosco 32 a. 778, Caroasco 39 
a. 801, 59 a. 831, Carasco 86 a. 854, 180. 181 a. 943. 

* Bo. 4, 4—6. 5, 24. 26 ff. 38 f. 6, 5. 32 ff. die läge der Aduatuker ist 
streitig, Cluver 2, 21 p. 427 ff. und Zeufs 214 setzen sie nordwärts von den 
Eburonen nach Südbrabant, Fröret (Mämoires de l'acadämie des inscriptions 47, 
457) und HMüller (Marken des Vaterlandes s. 29 f.) südwärts in die Fenne (la 
Fagne) um Chimay. die Untersuchung hat sich mit recht auf die ermittelung 
der stelle des oppidum Aduatucorum (Bo. 2, 29) gerichtet und man hat diese 
neuerdings in dem mont Falhize östlich von der mündung der Mehaigne in die 
Maas, Huy gegenüber gefunden (s. Heller im Philologus 13, 586. 22, 137 ff. 26, 
665 ff.), womit die läge des Volkes bestimmt ist, zu dessen städten nach den 
hier vorkommenden münzen auch Namur gehörte. 



198 DER NAME 

collectivname einerseits die Unterscheidung von den Beigen, an- 
dererseits die anknüpfung an die Transrhenanen gestattete, die 
daher den ganzen, eigentlichen inhalt der behauptung hergegeben 
haben, in Wahrheit Beigen, also Gallier und keine Germanen von 
jenseit waren, wie denn auch Caesar selbst Bo. 1, 1 sie unbe- 
denklich mit unter die Beigen begreift und 5, 27 sie sich selbst 
zu den Galliern rechnen lässt. alle ihre volks- und Personen- 
namen, sowie alle alten fluss- und Ortsnamen ihres bereiches sind 
auch undeutsch und keltisch, so dass jemand schon weder vom 
deutschen noch vom keltischen eine historische kenntnis haben 
muss um die cisrhenanischen zu dem stamm der transrhenani- 
schen Germanen zu zählen, und die heutigen Wallonen im west- 
lichen teile ihres gebiets nicht für romanisierte Gallier, sondern 
für ursprüngliche Deutsche halten müste. nach dem Vernichtungs- 
kriege, den Caesar (a. 53. 51) gegen die Eburonen unter Ambiorix 
führte, verschwindet der name Germani für die Völkergruppe und 
verschwinden auch die Eburonen aus der geschichte. dass Strabo 
p. 194 ihrer noch gedenkt, verschlägt nichts, da er nur nachrichten 
aus der caesarischen zeit folgt, der ort Aduatuca, der nach 
Caesar Bo. 6, 32 ungefähr in der mitte des eburonischen landes 
lag, heifst später Aduatuca Tungrorum* oder einfach Tungri 
(Ammian. 15, 11, 7. 17, 8, 3), wie heute Tongern, und Tungern 
haben das ehemals eburonische gebiet westlich der Maas bis zu 
den Nerviern inne**. an sie als nachkommen und Vertreter der 
alten Eburonen knüpft die hypothese der römischen gelehrten 
(s. 192) an, und wer ihre unmittelbare beziehung zu der behaup- 
tung der Hemer bei Caesar nicht anerkennt, kann für ihren ver- 
hältnismäfsig späten Ursprung geltend machen dass nach den 
worten des Tacitus ihr urheber nichts mehr von den Eburonen 
und den übrigen cisrhenanischen Germanen gewust zu haben 
scheint. 

Über die auslegung der s. 192 ausgehobenen stelle kann ver- 
nünftiger weise kein zweifei bestehen. Tacitus oder seine gelehrten 
meinten, 'der name Germanien sei jung und verhältnismäfsig spät 
beigelegt***, weil die zuerst den Rhein überschritten und die Gallier 



* Ptolemaeus 2, 9, 9 tha — TovyyQo* xttl noUc krovdxovrov. Itiner. 
Anton, p. 378, 5 Adnaca Tongrorum. 

** Flinius 4 § 106. Tacitus Hist. 4, 55. 79. Ptolemaens aao. 
*** 'additum', nicht 'zu den schon vorhandenen, alten namen hinzugefügt', 
s. Gronoys anm. bei Bekker. xu der sjllepsis ( ac nunc Tungri, tunc Germani 



I 



GERMANEN. 199 

vertrieben und jetzt Tungern (hiefsen), damals Germanen genannt 
seien'. Tacitus bedient sich des perfects 'vocati sint' als des er- 
zählenden, historischen tempus, rein vom Standpunkt der gegen- 
wart, und er kann nicht gemeint haben dass das volk namenlos 
nach Gallien gekommen und erst da von den Galliern Germanen 
benannt sei: in diesem falle würde die Übertragung des namens 
auf die hinter dem Rhein wohnenden ganz unglaublich und unbe- 
greiflich sein und Tacitus müste sie im folgenden ganz anders 
dargestellt haben. 4 so, auf diese weise' heifst es weiter 'sei der 
name eines einzelnen Stammes, einer Völkerschaft, nicht der des 
ganzen Völkergeschlechts allmählich emporgekommen , dass alle erst 
von dem Sieger um der furcht willen, dann auch von sich selbst 
mit dem erfundenen namen Germanen genannt wurden', 'natio' ist 
hier, wie zu anfang des c. 38 und wie in 'eius gentis nationibus' 
bei Vellejus 2, 98, der engere, gens der weitere begriff und eine 
andre auffassung zwar nicht wegen des verbums 'evalescere', das 
auch von dem allmählichen emporkommen eines gesamtnamens 
gesagt werden konnte, wohl aber nach dem vorher gehenden und 
nach dem folgenden, abhängigen satz unmöglich, der 'victor' kann 
nur das siegreich über den Rhein vordringende volk der Ger- 
manen sein und ( a victore' nicht anders als 'a se ipsis' verstanden 
werden, wenn man dem Tacitus nicht die unglaublichste Ver- 
schrobenheit oder Ungeschicklichkeit des ausdrucks zutraut 'ob 
metum' ist für sich freilich zweideutig, weil metus utroque ver- 
sum dici et metus duplex intellegi potest, quem facimus et quem 
patimur, nach Gellius 9, 12, 13 und Quintilian 6, 2, 21; und nur 
der Zusammenhang, nicht die praeposition , wie man sonderbarer 
weise gemeint hat* entscheidet über angemessenheit der einen 
oder der andern auffassung. angemessener aber ist es sich hier 
nicht die besorgnis vor den Galliern, sondern die absieht ihnen 
furcht einzuflöfsen und sie zu schrecken als das motiv der Sieger 
zu denken, das sie veranlasste ihren eignen namen auf das grofse 
volk, den ganzen volksstamm jenseit des Rheines anzuwenden und 
sich so als einen teil desselben darzustellen, die bedeutung des 
namens Germani, woran selbst Zeufs 60 denkt, kommt hiebei in 
keiner weise in betracht. inventum' aber heifst derselbe insofern 



vocati sint 1 vgL c. 36 qui olim boni aequique Cherusci (vocati sunt), nunc 
inertes ac stulti vocantur; c. 41 qnomodo paulo ante Rhenum (seentas sum) 
sie nunc Danubium sequar uara. 
* Hand Tnrsellinns 4, 360. 



200 DER NAME 

seine an wen düng auf die Transrhenanen neu und für diese er- 
fanden ist. 

So ist alles einzelne vollkommen klar und verständlich, allein 
die hypothese oder herleitung des namens nichts destoweniger 
gründlich verfehlt, allerdings durch das evaluisse paulatim ist 
dafür gesorgt dass zwischen Caesars 'Beigas Rhenum antiquitus 
traductos' und dem 'Germaniae vocabulum recens et nuper ad- 
ditum' kein eigentlicher Widerspruch besteht, der gelehrte Ur- 
heber der hypothese kann über das einrücken der Germanen keine 
genaueren nachrichten gehabt haben als Caesar und braucht sich 
dasselbe auch nicht später gedacht zu haben, wenn er annahm 
dass bis zu der allgemeinen Verbreitung und herschaft des namens 
eine geraume zeit vergieng. aber wenn die Germanen antiquitus 
einrückten, so ist es eine blofse mutmafsung und annähme dass 
sie damals schon den namen führten und nicht erst später in 
Gallien erhielten, aufserdem wird eine Stammesgemeinschaft zwi- 
schen den cisrhenanischen und transrhenanischen Germanen vor- 
ausgesetzt, die in Wahrheit nicht bestand, an die auch das ein- 
rückende, keltische volk der nachmaligen Tungern selbst nicht 
geglaubt haben kann, noch auch später trotz der behauptung der 
Hemer (s. 197) geglaubt hat. die hypothese gibt sich damit als 
ein erzeugnis eines mannes zu erkennen, der bei seinen ethnolo- 
gischen combinationen von der spräche als dem unterscheidenden 
merkmale der Völker nach alter weise (s. 4. 33) meinte absehen 
zu dürfen, die eindringlinge hätten darnach die stammesgemein- 
schaft fingiert und die Gallier durch sie sich teuschen lassen, 
selbst die Deutschen sollen den namen angenommen haben dass 
dies ein irrtum ist, dass er nie ein eigentum ihrer spräche und 
ehedem etwa nur im verkehr mit Römern und lateinisch redenden 
bei ihnen in gebrauch gewesen ist, ist gewis genug, allein selbst 
die Stammesgemeinschaft vorausgesetzt, würde die annähme dass 
eine einzelne, siegreich vordringende volksschar ihren eignen 
namen auf ihre stammesgenossen übertragen und allmählich als 
gesamtnamen zu allgemeiner anerkennung bei freund und feind 
gebracht hätte, jeder analogie und Wahrscheinlichkeit entbehren, 
wie oft auch sonst sondernamen eines volksteils gesamtnamen ge- 
worden sind, indem sie, wie das schöne beispiel von 'EkAyveg und 
Graeci lehrt, entweder von innen aus der mitte eines Volkes her- 
aus, oder auch von einem punkte seiner peripherie aus, von aufsen 
herein ihr gebiet über das ganze erweiterten. 



GEBMANEN. 201 

Ist demnach die hypothese so wie sie vorliegt verfehlt und 
unhaltbar, so setzt sie doch unstreitig an dem punkte an wo jeder 
andre, ähnliche herleitungsversuch gleichfalls ansetzen muss. wir 
treffen zu beiden Seiten des Rheins, mir durch den fluss geschieden, 
zwei Völker verschiedenes Stammes, aber mit demselben namen 
Germani. der name verschwindet alsbald auf dem linken ufer, 
während er auf dem rechten emporkommt und hier an dem volke 
haften bleibt, dessen spräche er seinem Ursprünge nach fremd war 
und immer fremd bleiben muste. man kann sich darnach der 
Vermutung nicht entziehen dass hier eine Übertragung stattge- 
funden hat, und wie das geschehen, dünkt mich, ist auch noch 
ganz wohl ersichtlich. 

Abgesehen von dem inschriftlichen Zeugnisse (s. 194) das in 
die sullanische zeit zurückdeutet, erscheinen und verschwinden die 
Germanen an der Arduenna mit Caesar, unläugbar aber hat der 
name hier ehedem eine gröfsere ausdehnung gehabt ihre nächsten 
nachbarn, die Treverer rechts an der Mosel, die Nervier links an 
der Scheide und Sambre, waren, wie es scheint, noch zu Tacitus 
zeit*, eifersüchtig und stolz auf ihre germanische abkunft, und 
Strabos gewährsmann erkannte diese den Nerviern, vielleicht auch 
den Treverern vollständig zu**, dass die Römer und wohl auch 



* Genn. 28 'Treveri et Nervii circa affectationem Germanicae originis 
nitro (d i. nicht 'sogar 1 — worauf bezöge sich dies 'sogar'? — , sondern 'ohne 
veranlassung, ohne grund') ämbitiosi sunt, tanquam per hanc gloriam sanguinis 
a similitudine et inertia Gallorum separentur'. wenn die Aduatuker nach- 
kommen der 6000 waren, die von den Kimbern und Teutonen zur bewachung 
ihres gepäcks in Gallien zurückgelassen wurden (Caesar Bo. 2, 29, oben 8. 166) 
und dann an der Mehaigne und bei Namur (s. 197) zwischen den Nerviern und 
Eburonen Wohnsitze gefunden hatten, so könnte dies höchstens für die meinung 
der Nervier, aber schon nicht gut und sonst nicht weiter in anschlag kommen, 
dass von den 6000, als sie nach dem untergange der Kimbern und Teutonen 
'multos annos a finitumis exagitati, cum alias bellum inferrent, alias inlatuin 
defenderent', endlich eine statte finden, noch ein ansehnlicher teil übrig ist 
und dieser nach reichlich vierzig jähren 1 9000 mann (Bo. 2, 4) ins feld stellen 
kann, ist freilich wunderbar, aber die Wahrheit wird sein dass der rest der 
zurückgebliebenen Kimbern und Teutonen mit ihrer bagage endlich bei den 
Aduatukern oder den altern bewohnern der gegend aufnähme fand und mit 
ihnen verschmolz, an der stelle der Aduatuker stehen später, wie es scheint, 
die Betasi, Zeufs 214. 

** Strabo p. 194 nennt die Triboker, Treverer und Ubier ohne sie als 
Germanen zu bezeichnen und fahrt darauf fort TgtjoviQotg d* cw*xtis Nigoviot, 
er lässt die Treverer und Nervier also falschlich zusammengrenzen; fügt er 



202 DER NAME 

die Nervier und Treverer des ersten Jahrhunderts nach Chr. dabei 
an die Germanen jenseit des Rheins dachten, ist begreiflich, nach- 
dem sie diesseit verschollen waren, ihre meinung aber ist ohne 
zweifei auf die alte ausdehriung des namens zurückzuführen, wenn 
auch Caesar die Treverer nicht einmal zu den Beigen zählt (Zeufs 
187 f.) und nur als patrone der Condrusen kennt (Bg. 4, 6) und 
ihnen (8, 25) das zeugnis gibt dass sie 'propter Germaniae vicini- 
tatem quotidianis exercitati bellis, cultu et f er i täte non multum a 
Germanis differebant'. auch die behauptung der Hemer (s. 192), 
dass die meisten Beigen von den Germanen abstammten und vor 
alters über den Rhein gekommen seien, spricht für die ehemalige 
gröfsere ausdehnung des namens, die meinung freilich, dass viele 
belgische Völker ehedem von jenseit gekommen, kann unabhängig 
von der annähme der abstammung von den jenseitigen Germanen 
schon vor dieser bestanden haben und bestand von ihr unabhängig, 
da nach Timagenes (s. 166) die ansieht der Druiden sogar dahin 
gieng, dass ein teil der bevölkerung Galliens überhaupt von jen- 
seit eingewandert sei. die abstammung von den Germanen jenseit 
aber konnte man nur aufserhalb der cisrhenanischen, belgischen 
Germanen selbst annehmen und erst dann behaupten, als der name 
für die deutschen Völker auf dem rechten ufer herschend geworden 
war. er muss diesseit, auf dem linken ufer, älter sein als die an- 
wendung auf die Deutschen, die allem anscheine nach nicht ein- 
mal in die zeit der Kimbern- und Teutonenzüge hinaufreicht; und 
hatte er dort einmal einen gröfseren umfang als bei Caesar, so können 
wir unbedenklich den satz aufstellen dass der name in dem mafse 
auf dem linken Rheinufer zurückwich und einschwand als er auf 
dem rechten sich befestigte und ausbreitete. 

Nun waren die Eburonen und ihre genossen an der Arduenna 
durch ihre abgelegenheit weniger den einflüssen der südlichen 
cultur ausgesetzt als die übrigen Gallier, alte, einfachere zustände 
dauerten daher noch bei ihnen fort, als Caesar mit ihnen zusammen- 
traf, das königtum war bei ihnen der menge gegenüber macht- 
los (Bg. 5, 27), von einer reichen, mächtigen aristoeratie und der 
abhängigkeit des niederen Volkes ist bei ihnen nicht die rede. 
Städte scheinen sie gar nicht zu kennen, selbst Aduatuca ist erst 



dann noch in bezng auf diese hinzu xal tovxo r*g/uavtxov tfryog, so müssen 
ihm doch wohl beide wie die Ubier als Germanen von seinem gew&hrsmann 
genannt sein. 



GERMANEN. 203 

von den Römern befestigt (Bg. 6, 32); den krieg führen sie Bg. 6, 33 
in einzelnen zerstreuten häufen, nicht in geschlossenem heere, wie 
sonst die Gallier, in diesem verharren in den alten zuständen und 
Sitten kann leicht der grund gelegen haben, dass die südwestlichen, 
fortgeschritteneren Beigen einmal ihre nordwestlichen nachbarn 
und stammesgenossen durch einen besonderen beinamen von sich 
unterschieden, die annäherung an die sitte und Verfassung der 
übrigen Gallier würde dann sein erstes zurückweichen von den 
Nerviern und Treverern auf die anwohner der Arduenna erklären, 
sein vorrücken über den Rhein aber und die ausdehnung auf alle 
Deutschen scheint leicht wenn seine bedeutung entsprach und es 
zuliefs. und dies war allerdings der fall, mag man ihn nun mit 
Zeufs als 4 nachbarn' oder mit andern als 'schreier, rufer im streit, 
ßoyv dyce&oV verstehen*, aufser der gebietsveränderung und 
ausdehnung blieb der name bei der Übertragung nur was er war, 
zunächst ein beiname und ein collectivum. 

Bei dieser herleitung kommt es nicht darauf an ob viele gal- 
lische Völker und insbesondere die belgischen Germanen würklich 



* gegen die zuerst von HLeo in Haupts zs. (1845) 5, 514, dann auch 
von JGrimm GDS. 787 gegebene erkl&rung ßoqv äya&os erhebt Zeufs bedenken 
und stellt ihr die andre 'vicini' entgegen, Gr. a 773. 821. 825; vgl. Glück s. 59. 
die bedenken sucht Mahn (Über den namen Germanen 1864 s. 18) zu beseitigen, 
hat aber andre und weicht in der erklärung ohne not von Zeufs ab, in einer 
weise dass die historische grammatik dagegen Verwahrung einlegen muss. Ebel 
hält in den Beitragen zur vergleichenden Sprachforschung (1863) 3, 230 Leos 
und Grimms erklärung für annehmbarer und Zeufs bedenken für ungerecht- 
fertigt, für herleitung von com. arm. garm (ir. gairm) clamor kann man noch 
anführen die auffassung die der name bei den Britten erfuhr, nach Beda Histor. 
eccl. 5, 9 'in Germania plurimas esse nationes, a quibus Angli vel Saiones, 
qui nunc Britanniam incolunt, genus et originem duxisse noscuntur; unde 
hactenus a vicina gente Britonum corrupte Garmani nuncupantur\ die 
Britten haben natürlich den namen erst durch die Römer oder Gallier er- 
fahren und selbverständlich entscheidet die stelle nichts über seinen Ursprung, 
wie man törichter weise behauptet hat in Gallien und Irland weist Stark 
Kosenamen s. 25 die namen Germa Germanus Germullus Germaio Germ an 
nach, der römischen, lateinischen auffassung gehört, wie Zeufs bemerkte, die 
Verlängerung des vocals der endung. — der schon in seinem lemma, so wie 
sonst verdorbene artikel rig^aga y Kikrtxrjg &yos xjX. bei Steph. Byz. (DA. 1, 
407) kommt hier ebenso wenig in betracht als etwa der Germalus in Rom, 
der ( a duobus germanis Romulo et Remo' nach Varro LL. 5, 8 (Plut. Rom. 3) 
seinen namen haben soll, der ort rtg^avti oder rtQpavia in Thracien, die 
heimat des Belisar (Procop Bv. 1, 11 p. 36, Forbiger 3, 1095), oder die r«^- 
pavio* Herodots 1, 125 in Persien. 



204 DER NAME 

einmal von jenseit des Rheins in Gallien eingewandert sind oder 
nicht, und es ist wie ich glaube davon bei jedem ähnlichen ver- 
such abzusehen, dass das westliche Germanien so gut wie 
das südliche einmal eine keltische bevölkerung hatte, unterliegt 
keinem zweifei und wird gleich im nächsten abschnitte dieser 
Untersuchungen näher gezeigt werden, die richtung der gebirge 
und heerstrafsen weist von dem rechten ufer hinüber auf das linke 
und so sind die Franken nachmals über den fluss vorgedrungen, 
es ist auch wahrscheinlich dass Nordgallien einmal auf demselben 
wege einen teil seiner bevölkerung erhalten hat, und war dies ge- 
schehen, so müssen jedesfalls die belgischen Germanen, fast die 
letzten und nördlichsten der gallischen flussanwohner von jenseit 
gekommen sein; denn ihre Stellung am gebirge ist nicht von der 
art (8. 1 96 f.) dass man sie für einen Überrest der älteren bevölke- 
rung halten und annehmen müste dass der ström der einwanderung 
an ihnen vorüber gegangen sei. aber dass sie bei ihrem einrücken 
und vor demselben auf der rechten seite des flusses den namen 
geführt hätten, ist eine blofse annähme (s. 200), für die nichts 
spricht, im gegenteil die Menapier, die letzten Gallier über den 
Eburonen, die nach Caesar Bo. 4, 4 allein noch zu beiden Seiten 
des Rheins wohnten, werden nicht zu den Germanen und der ge- 
nossenschaft ihrer nachbarn gezählt, noch auch die Untertanen der 
Nervier, die Ceutrones Grudii Levaci Pleumoxii Geidumni (Bo. 5, 39), 
oder die texandrischen völkchen — Texuandri pluribus nominibus, 
Plin. 4 § 106 — in Nordbrabant und nach den Scheide-, Maas- und 
Rheinmündungen hin, die oder deren genossen ehemals gewis das 
ganze Rheindelta inne hatten (DA. 1, 486): bei Caesar heifst alles 
land 'trans Rhenum' (Bo. 7, 65), wie im späteren Sprachgebrauch 
(s. 3), Germania und er meint daher (Bo. 6, 24. Tac. Germ. 28), 
die Gallier hätten ihre Überlegenheit über die Germanen ehemals 
dadurch bewiesen dass sie aus freien stücken mit ihnen krieg ati- 
fiengen und colonien 'trans Rhenum' entsendeten, wo noch die 
Volcae Tectosages die fruchtbarsten gegefoden Germaniens am her- 
cynischen walde besäfsen; aber weder sie noch die übrigen, trans 
Rhenum im südlichen Deutschland angesessenen Gallier heifsen 
jemals Germanen, noch auch ihr land früher Germania, erst bei 
dem gewährsmann des Mela 3, 3 und bei Agrippa (Dimens. prov. 19) 
reicht Germanien bis zu den Alpen; bei Sempronius Asellio, dem 
Zeitgenossen des Marius liegt Noreia in Gallien*. Caesar hatte 

* schol. Bern, zu Georg. 3, 474. vgl. Mommsen im Rhein, mos. 1861. 16, 450 f. 



GERMANEN. 205 

die sage vom zuge des Sigovesus im sinne; nach Livius 5, 34 
(vgl. Justin. 24, 4) aber wüste sie nur von den hercynischen berg- 
wäldern, wie Caesar selbst und Posidonius (s. 176. 178) davon 
sprechen, nichts von Germanien. 

mithin nötigt uns nichts und nicht die geringste spur spricht 
dafür, den namen auf dem rechten ufer des Rheines viel früher 
hinauf zu rücken als die Zeugnisse dafür beginnen, erst wenn 
solche spuren für keltische Germani trans Rhenum vorlägen, würde 
die Vermutung erlaubt sein dass der name von der älteren kelti- 
schen bevölkerung auf die nachrückenden Deutschen übergegangen 
sei, und müste man ihn in dieser anwendung für beträchtlich älter 
halten als die Zeugnisse jetzt gestatten, gegen die Vermutung aber 
spricht auch der mangel an alten analogien eines solchen Über- 
gangs, nur dass die Daken bei den Griechen Geten genannt 
werden, ist vielleicht dafür anzuführen*, das Wiederaufleben des 
Scythennamens zur zeit der Gotenherschaft im norden des Pontus, 
der Übergang des Hunennamens auf die Awaren und dgl. kommen 
schon weniger in betracht. 

Von der meinung, die über die herkunft gallischer Völker von 
jenseit des Rheins zu Caesars zeit und früher in Gallien selbst 
verbreitet war, lässt sich nur sagen dass sie der Übertragung des 
namens von dem einen ufer auf das andre günstig war und zu 
statten gekommen ist und die Remer unmittelbar zu der behaup- 
tung der abstammung der keltischen cisrhenanischen von den deut- 
schen transrhenanischen Germanen führte, während wenn diese 
den namen von der keltischen Urbevölkerung des rechten ufers 
ererbt und schon lange getragen hätten, eher zu erwarten war 
dass sie umgekehrt für abkömmlinge der Kelten angesehen wären, 
die hauptursache aber für die Übertragung des namens war immer 
das bedürfnis der Unterscheidung der beiden benachbarten grofsen 
nationen, das sich mit dem einbruch der Kimbern und Teutonen 
aufdrängte und noch zunahm, als nach demselben der handeis- 



* dass die dorischen und aetolischen bewohnet der landschaften Lake- 
daemon und Elis auch Lakedaemonier und Eleer genannt werden, kommt nicht 
in betracht; auch nicht dass die Dorer auf Kreta den namen Kreter bekommen, 
und von derselben art ist wenn die keltischen Noriker Taurisker oder Tau- 
risten heifsen, da dies ohne sweifel eine liguriscbe benennung der Alpen- 
bewohner war, nach Cato bei Plin.3 § 134 und wegen der Tauriner (vgl. oben 
b. 83 anm. 2). aber die Lokrer scheinen einen illyrischen namen zu tragen 
wegen des gleichnamigen Stammes auf Corcyra? 



206 t>ER NAME GERMANEN. 

verkehr in Gallien einen neuen, stärkeren aufschwung nahm und 
darüber hinaus nach Germanien sich ausbreitete, ja die südlichen 
händler und kaufleute, die mit ihren waren, wein und andern pro- 
ducten und fabrikaten des Südens nach norden vordrangen und 
dafür namentlich Sklaven eintauschten (s. 156 f.), sind geradezu für 
die hauptfactoren wenn auch nicht der ersten anwendung und 
Übertragung des namens auf die Transrhenanen, doch seiner raschen 
Verbreitung und herschaft in dieser anwendung zu halten und dazu 
mag die bedeutsamkeit die er im lateinischen hatte (s. 189 f.) oder 
durch die latinisierung in ihrem munde erhielt (s. 203 anm.) nicht 
wenig mitgewürkt haben, dass er bei den Galliern zur zeit des 
einbruchs der Kimbern und Teutonen noch nicht üblich war, darf 
man daraus schliefsen dass sie den letzten grofsen heerhaufen noch 
mit dem alten collectivum für die Nordseevölker (s. 114 f.), den ersten 
aber ganz neu benannten (s. 116 ff.), denn der gallische Ursprung des 
Kimbernnamens wird um so mehr einleuchten, je mehr man sich 
von der späten Verbreitung des Germanennamens überzeugt, jeder 
versuch aber diesen aus dem deutschen selbst herzuleiten ist 
lächerlich und von vornherein unberechtigt*. 



* nur bei völliger unbekanntschaft mit der historischen grammatik konnte 
man Germäni als 'germänner, wehrmänner, heermanner' usw. erklären and kann 
man diese erklärungen wiederholen, 'germänner* würde im munde der Römer 
Gaesomani, 'wehrmänner' Variomani, 'heermanner' Chariomani gelautet haben, 
immer wie Marcomani (Statins Silv. 3, 3, 170) mit kurzer paen ultima, ahd. 
mhd. ger setzt voraus ein altes 'gais' (Agioyantog ein Quade a. 174 bei Dio 71, 
13. 14 = ahd. Heriger uam.) — altkeit, gais (lat. gaesum) ir. gai (vgl. rausaiot 
s. 195 ir. gaide hastatus Zeufs Gr. 2 52). der themavocal a, der im compositum 
zum Vorschein kommt, wird in lateinischer auffassung zu o, also gaisa- zu 
gaeso-. so auch varja, das thema von ahd. weri mhd. wer 'wehr' zu vario-, 
und harja, das thema von ahd. heri mhd. her 'heer' zu chario-, wie Chario- 
valda (Tac. Ann. 2, 11), XaQÜptjQog (Dio 67, 5) ua. zeigen, auch die versuche 
Germanus mit irmin erman hermun zusammenzubringen bedürfen keiner Wider- 
legung, weil sie von vornherein unberechtigt sind, wenn im ags. vielleicht 
einige male geormen für eormen, yrmen geschrieben wird (Grimm Gr. l f , 11), 
so ist g nur ein zeichen für j, das sich aus dem anlaut wie in Giötas für 
Jotas, ?tas udgl entwickelt, so findet sich auch einmal alts. Girminburg in 
den Trad. Gorb. § 5 und häufiger schlägt g vor in romanischem munde (Forst- 
mann 1, 512). Wackernagels gafrmans — - für ga-afrmans — (in Haupts %s. 4, 
480) mit der bedeutung 'volksgenoss' ist ein greuliches traumbild. allein ver- 
ständig suchte Zeufs (Die Deutschen s. 59) nach einem dem keltischen und 
deutschen gemeinsamen Stammwort aber die namen Germana vel ad monte, 



DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE: DIE WEICHSEL. 207 



Nach den bisherigen Untersuchungen ist es nicht mehr zweifel- 
haft dass die Kimbern und Teutonen aus Germanien kamen und 
Germanen waren, dies ergibt sich aufs unzweideutigste gerade 
aus der einleitung des Posidonius (s. 186 f.), dem noch der unter- 
scheidende name fehlte, nach ihrem erscheinen an den Alpen ist 
es aufserdem gewis dass sie zu den Westgermanen gehörten, ihr 
hervorbrechen und gewaltiges auftreten aber kann man nicht an- 
ders als mit dem vorrücken und der ausbreitung der Germanen 
gegen westen und Süden im zusammenhange denken und dieser 
Zusammenhang ist hier auch noch ganz wohl ersichtlich, während 
er sich im osten mehr den blicken entzieht, wo das erscheinen 
der Bastarnen schon früher eine ähnliche bewegung ankündigt 
es kommt zuerst darauf an den ältesten wohnsitz der Germanen 
mit hilfe der flussnamen etwas näher zu begrenzen*. 

Die Weichsel heifst bei den Littauern und Slawen Wisla und 
diese wortgestalt widerstrebt keineswegs der deutschen zunge. es 
ist freilich ungewis ob die Römer den fluss Vfsula genannt haben, 
weil sie ihn Visla von den Germanen nennen hörten; doch der 
Trusofahrer Vulfstan (Alfreds Orosius p. 20. 26) lernte den namen 
Yisle wohl nicht erst an ort und stelle kennen: er nannte sogar 
von dort noch einen fluss mit demselben deutschen oder doch 
deutsch geformten namen, wie die Lübeker die im dreizehnten 
Jahrhundert die 'stad tom Eibin ghe' j. Elbing in der nähe des 
alten Truso gründeten, falls Alfred ungenau Ilfing für Ylfing schrieb, 
nach der deutschen heldensage und dichtung (Vidsid 121) aber 
ward der grofse kämpf der Goten und Hünen am Vistlawalde aus- 
gefochten und Vistla war jedesfalls eine gewöhnliche alte form, 



j. Germansberg bei Starnberg in Oberbaiern, Germiz j. Girms bei Wetzlar (lat. 
Germetium?), Germepi bei Utrecht (lat. Germapium? 8. unten) können nicht 
als ursprünglich deutsche in ansprach genommen werden, es bleibt nur noch 
der mannsname Germo (Förstern, aao. Trad. Sang. nr. 456 a. 857 Geremo), der 
ein appellativ germ, germo vorauszusetzen scheint, das doch nur ein derivatum 
Ton ger cupidus oder dem verbalstamm sein könnte wie der altn. hundename 
Garmr (vgL Gr. 2, 145 ff.); der aber wahrscheinlicher nur die Verkürzung eines 
compositum8 ist. 

* die folgende Untersuchung, die am 10 juni 1872 der philosophisch- 
historischen classe der Berliner academie vorgelegen hat, war bereits beendigt, 
als mir, was eben nur in Berlin möglich sein wird, erst die neue bearbeitung 
des altdeutschen namenbuchs von A— P 1871. 72 bekannt wurde, die mir 
manche mühe und manches citat erspart hatte. 



208 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE! DIE WEICHSEL. 

die die bei den Römern und übrigen alten heischende Vistula vor- 
aussetzt*, dass Plinius Vistla geschrieben und daneben noch die 
form Visculus, wie Jordanes c. 5. 17 Viscia neben Vistula, ge- 
kannt habe, ist nicht wahrscheinlich, dies sei entspringt lediglich 
dem bedürfnis des lateinischen und griechischen mundes, dem sl 
fremd ist, und Visculus (= Visclus) Viscia weist daher auf Visla, 
wie Sclaveni JSxlaßijvol bei Jordanes, Prokop ua., ISXaßivol 
2&Xdßoi bei noch späteren, auf Slaveni Slowene, das unlateinische 
der Verbindung sl verschaffte auch bei den Römern gleich der form 
Vistla den Vorzug vor Visla und damit Vistula die herschaft das 
deutsche aber verlangt nur für sr unbedingt str, nicht stl für sl, 
straum ström für srauma fcvfia, svistar svistr-suöstar für svasar 
svasr-, austr-dstar für ausr usw. Vistla ist daher auch aus 
Visla entstellt und zwar im munde der Deutschen, auch wenn 
sie die quantität des stammvocals beibehielten und das wort 
nicht weiter durch anlehnung an ein deutsches umformten, und 
Visla muss der ursprüngliche name sein, den die Germanen erst 
von westen her gegen den fluss vorrückend von den Littauern 



* Yistula bezeugen der auetor des Mela, Agrippa, Ptolemaeus, Jordanes 
and der cosm. Ray. 4, 4 oben s. 3. bei Plinius 4 § 81 ist überliefert 'uistia', 
§ 97 'uisilam (insulam) uisulam', § 100 'uisculus sive vistila', bei Solin 20, 2 
(= Plin. § 100) 'uistia, uiscla'. wenn § 97 'uisula' in den geringern hss. ans 
Vistla verderbt ist, so kann Ammians 22, 8, 33 Bisula ebenfalls ein Verderb- 
nis oder ein lesefehler sein, um so mehr da der daneben genannte Chronius 
aus Ptolemaeus stammt, doch bei dem cosm. Ray., der 4, 4 die Vistula nebst 
der insula Scanza vielleicht aus dem Jordanes hat, steckt 4, 18 in 'Bisigibilias 
sexaginta' am wahrscheinlichsten auch eine Bisula und Visula kommt auch, und 
daneben Viscia im mittelalter vor, und zwar wie es scheint nach antiker tradition, 
aber aus welchen quellen? Einhard Vit. Caroli c. 15 (wiederholt von Eckehard 
Mg. 6, 163) 'utramque Pannoniam et adpositam in altera Danubii ripaDaciara, 
Histriam quoque et Liburniam atque Dalmaciam, deinde omnes barbaras ac 
feras nationes, quae inter Rhenum ac Visulam fluvios oceanumque ac Da- 
nubium positae Germaniam incolunt, perdomuit\ auch die chronik von SHubert 
in den Ardennen Mg. 8, 590 und die vita des abts Dietrich Mo. 12, 52 scheiden 
Gallien und Germanien nach römischerweise und erzählen a. 1076 'grauissima 
hieras ineubuit ita ut in Galliis Ararim Rodanum Renum Ligerim (Galliarum 
maximi fluvii Rodanus Ligeris et Rhenus — die vita), in Germania Albam 
Visciam et Danubium, in Italia Eridanum (etiam Tiberis et rez fluviorum Er.) 
permaximos fluvios gelu constringeret'. Adam von Bremen 1, 2. 2, 78 nennt 
auch die Weser 'Wissula'. unser 'Weichsel' erklärt sich aus dem niederd. 
Wissel, Wizle bei Jeroschin 23 b uö., das nach analogie von ndd. dissel deichsei, 
wessel Wechsel ins hochdeutsche umgesetzt wurde, so findet man auch Miosen, 
Mihsenaere, Meixner statt Missen, Missenare, Meifsner. 



DIE ODER. 209 

oder Slawen aufnahmen*, jenseit desselben haben dann ohne 
zweifei die Goten den Pregel Guthalus (Plin. 4 § 100) — viel- 
leicht die Lutta des cosm. Rav. 4, 4 — - benannt, wenn auch nicht 
gerade nach ihrem volksnamen. (vgl. oben s. 19.) 

Für den zweiten grofsen fluss den die südlichen berge nach 
norden in die Ostsee entsenden, darf man dagegen einen rein 
deutschen namen erwarten, weil er notwendig dem ältesten bereich 
der Germanen angehört und der heutige name — Odagra, 
Odogra in den Ann. fuld. ad a. 892, Adora bei Widukind 1, 28, 
Oddora bei Adam von Bremen 4, 13 — in den Slawenländern so 
gut wie nie wieder vorkommt und nur aus dem älteren deutschen 
umgeformt zu sein scheint**, unsre altlateinischen quellen nennen 
ihn nie, wohl aber Ptolemaeus, sogar mit zwiefachem namen. denn 
da er 2, 11, 4. 13. 14 Suebus und Viadua nur an ihrer mündung 
und in ihrem untersten, nicht aber in ihrem mittleren laufe unter- 
scheidet und § 15 nur den Suebus als scheide der Völker zwischen 
Elbe und Weichsel nennt, so sind beide klärlich derselbe fluss 
und der doppelname mag daher rühren dass Marinus zwei diathesen 
in seiner reQ[iaviag &i<toq verband***. Suebus aber ist nur eine 
benennung des flusses nach dem ihm westlich anwohnenden, grofsen 
volksstamm, Viadua allein sein fester, eigentlicher name. er ist 
beide male wo er bei Ptolemaeus vorkommt ein wenig verderbt, 
aber so dass beide stellen ihm gegenseitig aufhelfen, denn dass 
er § 14 in tov laSova noxapov seinen anlaut Ov durch den vor- 
hergehenden artikel eingebüfst hat, lehrt Oviddov norapov § 4 
und umgekehrt ladova notapov § 14 dass Oviddov seinen endvocal 
verloren, der fehler ist uralt, schon durch den auszug des Mar- 
cianus 2, 35 (Gm. 1, 557) bezeugt, und wahrscheinlich mit vielen 
andern schon von Ptolemaeus aus der von Marinus mehrmals her- 
ausgegebenen diorthosis (DA. 1, 362 f.) herübergenommen, die 
herstellung Ovutdovag aber ist leicht und sicher und ergibt als 



* slawische fluss- und Ortsnamen vergleicht Schafarik 1, 494. 
** Zeufs 16. Miklosich Ortsnamen 1, 4. Schafarik 1, 494 bringt nur noch 
eine Odra aus Hlyrien (Kroatien im Turopolier felde zwischen Kulpa und Sau) 
bei, wo aber der name wie Kulpa und Sau ererbt sein kann, er möchte Oder 
durch litt audra flut, Überschwemmung, auch orkan, Windsbraut nach Nessel- 
mann, erklären, wie aber kämen die Littauer an die Oder? Förstemann 2, 1508 
vergleicht gall. Audura j. Eure, die aber nach Zeufs Gr. 779 ehemals Autara 
hiefe. wie es sich mit der harzischen Oder verhält, müste ein alter beleg 
ausweisen. 

*** Haupts zs. 9, 231 ff. oben s. 80. 

DBUT8CBK ALTBBTUM8KUHBB II. 14 



210 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

namen ein wort von dem echtesten deutschen gepräge, das seiner 
bildung nach dem got. fijaf>va, fria|)va frijajrva vollkommen ent- 
spricht und wie fija^va mit (feian) faian fijan auf die wurzel pf 
hassen, frijaj)va mit freis frijön auf die wurzel pri lieben, mit ahd. 
uuio der weihe, uult weit, uueida vagatio venatio pastus und 
pascuum auf ein starkes oder schwaches verbum veian oder yijan 
von der wurzel vi (gehen) führen treiben jagen zurückgeht, zu der 
gr. <H<rö), oIgtqo<; die bremse ua., vielleicht auch lat. via gehören, 
die auch besonders deutlich in der dem deutschen zunächst ver- 
wandten spräche, dem littauischen hervortritt*. Vidua VijaJ>va ist 
also zu verstehen wie Hunte nach ags. huntjan -ode venari, als 
wenn heute der fluss oder ein andrer die Jagd oder die Trift 
hiefse, oder auch einfach wie R&nos Hin als lauf, wasserstrom auf- 
zufassen, dem Übergang in Odora Odra wäre Viadura, Viadra 
ungleich günstiger; doch ist das übliche Viadrus nur eine fiction 
der gelehrten des XV/XVI Jahrhunderts. 

Den dritten grofsen fluss hörten die Römer Albi nennen und 
daraus, nicht aus Albia machten sie ihr masculinum Albis**. die 
Verkürzung des nominativs der feminina auf ia in i betrachtete 
das gotische, so wie es uns vorliegt, als eine pflicht bei lang- 
und mehrsilbigen Wörtern, das westgermanische aber als eine frei- 
heit, die es überall, wie es scheint auch bei den kurzsilbigen, zu- 
lief 8. sie besteht im althoch- und niederdeutschen im wesentlichen 
fort, wenn auch die Schriftsprache bestrebt war das a den ab- 
stractis auf i gegenüber festzuhalten und herzustellen, während 
das angelsächsische umgekehrt, wie das altnordische, dahin kam 
nicht nur das a oder dessen aequivalent sondern auch das i im 



* litt. weju wijau wyti jagen nachjagen, wijimas Verfolgung, wajöti 
scheuchen herumjagen, wajone wettlauf, streiferei, pawijys eine strecke weges. — 
an das niederdeutsche alts. uuiod ags. veöd (vgl. Brem. wb. 5, 216. Stüren- 
burg Ostfries, wb. s. 327) könnte man nur denken wenn dies ursprünglich 
zweisilbig und der diphthong aus ija, ia entstanden wäre, wie in ags. freoM 
got. frijafwa, und uuiod einmal nicht blofs unkraut (unter dem weizen) son- 
dern überhaupt kraut bedeutete, dann könnte Vijafwa Yiadua (Wioda) aller- 
dings der kraut- schilf- tangreiche fluss sein. 

** "Akßtog hat nur Dio 55, 1. 28, "Mßtg "Mßidog 77, 14. die übrigen haben 
allgemein Albis, der auctor Melas, Augustus (Res gest. 5, 12) usw. Alba taucht 
zuerst auf bei Solin 20, 2, wo Plinius Albis hat, und dann in Mamertins 
Genethl. 16 'horridus secat Alba Germaniam'. Sidonius ApoU. Carm. 7, 391 hat 
Albis. die Alba bei Vopiscus Prob. 13 aber ist das gebirge, die rauhe Alb, 
Zeufs 7. Stalin Wirtemb. gesch. 1, 70. 333. 



DDE ELBE. 211 

nominativ sowohl der ursprünglich lang- und mehrsilbigen als auch 
der durch consonantumlaut langsilbig gewordenen feminina überall 
zu beseitigen, im altgordischen, wo die feminina dieser art zum 
teil, gleichsam zum ersatz für den Verlust, im nominativ ein r 
durch erbschaft und Übertragung aus der alten zweiten starken 
declination erhalten haben, entspricht demnach Elfr (Gautelfr, 
Raumelfr) vollkommen dem Albi, Albia*, und da elv oder elf im 
norwegischen (Aasen 1871 s. 133) und schwedischen noch in leben- 
digem appellativischem gebrauch ist für jeden fluss und ström, so 
ist Albia damit als deutsches wort erwiesen und der name um so 
mehr für deutsch zu halten, weil er sich schon durch seine for- 
mation von allen ähnlichen unterscheidet, das appellativ sich sonst 
nirgend wiederfindet und neben alb lichtwesen und albiz schwan 
auch die grundbedeutung 'der weifse, weifsliche, lichte fluss 9 noch 
hervortritt **. 

auch der gröste und wasserreichste zufluss der Elbe auf ihrer 
östlichen seite, die Havel — Habola Ann. Lauriss. a. 789 uam. 
Havela a. 981 (Förstern. 2, 715) — trägt unverkennbar einen deut- 
schen namen, vielleicht sogar auch die Spree, denn dieser fluss, 
der in seinem mittleren laufe in eine unzahl von armen geteilt 
eine ansehnliche landschaft bewässert, hiefse lateinisch passend 
Spargia und dasselbe würde Spragia oder Spravia im deutschen 
bedeuten***, wenn so die Römer ihn nennen hörten. Habula aber 



* auch Elfi, Gautelfi kommt vor, Fms. 12, 279. 290. 339. das appellativ 
ist aus altnordischen denkmälern nicht zu belegen, nur elfr dichterisch als 
aheiti (SE. 1, 576), aber aus den mehrfachen compositis — bei Grimm Gr. 3, 385 
auch Vermelfr — zu schliefsen. ags. elf ist wohl nur von EttmüDer s. 7 falsch- 
lich aus inelfe, inflfe gefolgert, vgl. altn. innylfi, innyfli ahd. innovili, innodli 
Graff 1, 298. 

** JGrimm Gr. 3, 385. Myth. 413. GDS. 325, vgl DA. 1, 2. Curtius Gr. 
etym. nr. 399. für die Alben (Albana), die nebenflüsse der Traun und Salzach 
ist gewis eine ganz andre bedeutung anzunehmen und an eine herleitung von 
den alben (Alpen) zu denken; so auch vielleicht bei andern, der formation 
nach steht unserer Albia am nächsten gr. 'AXysU* dor. 'Alysös, und dieser 
name kann ein ursprünglich und rein griechischer sein, im übrigen vgl. Alba 
(Aube, Albis beim cosm. Rav. 4, 26) = Alb, Alf, wie namentlich mehrere neben- 
flüsse des Bheins heifsen (Förstern. 2, 47), Albia in den Niederlanden, Albula « 
Tiberis, Albana (s. vorher), Albinia j. Albegna in Toscana. über die hessische 
und lahng&uische Elbe s. unten. 

*** nach mitteld. sprejen sprewen, dem unser 'sprühen, sprudeF ags. spregan 
und isL spnena scaturire (als subst. rivulus) nahe verwandt ist. vgl. Zeufs 15. 
die anwohnenden Wenden nennen die Spree (Sprewa bei Thietmar von Merse- 

14* 



212 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

bedeutet geradezu die seen-, gefäfs- (bassin-) oder behälterreiche, 
denn wenn auch die bedeutung von mhd. habe hafen, meer erst 
verhältnismäfsig spät entwickelt wäre*, S£ würde sich jene doch 
ebenso gut wie die für 'hafen 1 portus und havan olla, schon aus 
dem verbalbegriff von haban oder hafjan ergeben : Habula ist genau 
lat. capula, wie nach Varro LL. 5, 121 ein gefäfs hiefs, und auch 
das lateinische hat capula und capulus, capulum ohne capa, capus 
als mittelglied gebildet, das ableitende 1 drückt im deutschen 
sehr gewöhnlich die Wiederholung des Stammbegriffes aus, wie man 
namentlich aus den adjectiven ahd. betal mendicus, ezzal edax, 
ägezzal obliviosus uam. (Gramm. 2, 102) sieht, doch auch aus den 
Substantiven, z. b. aus dem Verhältnis von saivala seele und saivs 
see (das bewegte, wogende element), von ahd. wurzala und got 
vaurts, ahd. zuival und zu£ho usw. den Römern, die mehr als ein- 
mal an der Elbe standen und von jenseit gesandte empfiengen, 
kann der fluss nicht unbekannt geblieben sein und ich zweifle 
nicht dass ihr Ghabulus, wie sie statt Chabula auch die Habula 
genannt haben können — vgl. Guthalus s. 209 — , durch Marinus 
und Ptolemaeus in XäXovaog verderbt ist, da dies der einzige 
fluss ist den sie zwischen Elbe und Oder kennen, aber wie Strabo 
die Lippe in die Nordsee, verkehrter weise in die Ostsee münden 
lassen, von den nördlicheren Zuflüssen der Elbe können dann wohl 
nur noch die Alster bei Hamburg, Alstra bei Adam von Bremen 
3, 26, und die Stör bei Einhard Annal. a. 809. 817, Adam Br. 2, 
15 Sturia auf alte deutsche namen ansprach machen**, da es 



bürg) einfach den 'fluss' (reka), die Polen Sprowa, die Czechen Spro. — für 
die deutschheit von Habula spricht auch dass Hevelli Heveldon der deutsche 
name für die wendischen Stoderanen an der Havel war (Schafarik 2, 582, vgl. 
Zeufs 651), so wie Brandenburg umgekehrt bei den Wenden Zgorzelica hiefe, 
Heffter Gesch. von Brandenburg s. 28. 

* Zeufs 15 erinnert aufserdem an altn. haf. aber dies ist eigentlich Er- 
hebung, höhe 9 mare altum, wie ags. holm und der plural heafo Beov. 2477 =• 
holmas 240. 2132, wie man noch aus dem niederdeutschen sieht, das in meiner 
heimat 'see' und 'haf streng unterscheidet und haf nur von dem meer ge- 
braucht soweit es durch flut und ebbe sich hebt und senkt s. glossar zum 
Quickborn 1856 s. 329 f. und Stürenburg Ostfries, wb. 8. 84. neufrz. havre altfrz. 
hable havle mlat. habulum havla ist von Diez (Etym. wb. 8. v.) gewis richtig für 
altn. hörn (gen. hafhar) genommen, da so manche nordische und deutsche 
schifferausdrucke ins französische übergegangen sind und Ducange unter haula 
auch noch altfrz. havene belegt. 

** Delbende bei Einhard Ann. a. 822, Delvunda bei Adam Brem. 2, 15 b 
in Lauenburg könnte ein derivatum von alts. delban ags. delfan graben sein 



DIE ELBE. 213 

auch in Schweden, im Kalmar län, eine Alster gibt und sie sich 
durch schwed. alstra hervorbringen, alster frucht zucht erzeugnis 
und ags. styrian movere agitare (altn. styrr getümmel) leicht er- 
klären*. 

von den westlichen Zuflüssen nennt Strabo p. 291 den bedeu- 
tendsten in der norddeutschen ebene, die Säle, Zdkaq. noch drei 
oder vier andre flüsse, in deren nähe regelmäfsig Salzquellen 
liegen, führen in Deutschland denselben namen, in Niedersachsen 
ein nebenfluss der Leine bei Salzhemmendorf, Lauenstein und 
Elze , dann südlich von der Rhön und Werra die fränkische Säle, 
ferner ein nebenflüsschen des Regens** und der nebenfluss der 
Salzach bei Reichenhall, endlich noch in Pannonien ein zufluss des 
Plattensees, zum teil also in gegenden wo unzweifelhaft ehemals 
Gallier hausten, und da alle germanischen sprachen im unterschied 
von den verwandten statt des einfachen sal den erweiterten wort- 
stamm salt salz sowohl im Substantiv als im verbum für die un- 
entbehrliche würze verwenden, so scheint der name Sala eher 
gallisch als deutsch und in Norddeutschland auf eine ältere kel- 
tische bevölkerung zwischen Weser und Elbe zu deuten, doch 
wäre die folgerung bis jetzt noch voreilig, in Gallien findet man 
nur eine Salia, j. Seilte bei Chäteau Salins in Lothringen, die 
Salusia j. Selse bei Alzei und Oberingelheim*** und vielleicht einige 
j. Seile oder Sell6 genannte gewässer, aber weder hier noch sonst 
in andern jetzt oder ehedem von Kelten bewohnten ländern aufser- 
halb Deutschlands eine Sala. dies führt darauf den namen viel- 



(Gramm. 2, 32); Delve in Ditmarschen, Delft in Holland na. sind nach alten 
canälen nnd wasserlaufen benannt, aber wohl erst seit der Verbindung der 
Delvenau nnd Steckenitz durch einen canal wird dieser entschieden slawische 
name auch auf jene übertragen. 

* die kürze des u in Sturia beweist der heutige umlaut, glossar zum 
Quickborn 1856 s. 294. 

** Förstemann 2, 1209. die belege für die ungarische Sala (das. 1211) 
reichen bis zum j. 860, also noch in die zeit vor der niederlassung der Ungarn 
hinauf. 

*** Salusia a. 742. 763, Salisus a. 983 Förstern. 2, 1216. Salusa bei Zeufs 
Gr. 2 122 ist ein irrtum oder eine nicht erlaubte conjectur. bei Mela 2, 5, 82 
und auch im Itiner. Anton, ist Salsulae überliefert und der ort an der quelle 
heifst noch jetzt Salses (ükert Gallien s. 122 f.). in solcher nähe der Pyre- 
naeen ist auch kein keltischer name zu erwarten und der lateinische vielleicht 
nur die Übersetzung eines iberischen. — nach A Jacobs Geographie des diploraes 
merovingiens s. 23 hiefs jedoch die Seile bei Yalenciennes wirklich ehe- 
dem Säle. 



i ... 



214 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

mehr für die eigentümlich deutsche benennung eines salzflusses 
zu halten, die die Germanen erst nach Süddeutschland und in das 
gebiet der Donau verpflanzt haben, die Hermunduren, die das 
gebiet der fränkischen Säle seit dem abzuge der Marcomannen 
nach Böhmen und später wieder als Thüringer zur zeit ihrer 
Unterwerfung durch die Franken beherschten, konnten sie leicht 
nach ihrer heimischen Säle benennen, die Baiuvarier aber, die 
Juvavum in Salzburg, die Igonta (Isonta?) oder den Juvarus in 
Salzaha umnannten, werden doch wohl auch die Pinzgauer und 
ßeichenhaller Säle benannt haben und konnten den namen gleich- 
falls an den Regen und nach Pannonien übertragen, wie lebendig 
einmal sein Zusammenhang mit dem appellativ und dessen Sippen 
gefühlt wurde, bezeugt das niederdeutsche, nordthüringische Sala- 
beki, eben südlich von Magdeburg*. Salabeki ist Salabach, aber 
der ort liegt an der Sülze (Sulta a. 1130) nebst den Ortschaften 
Solen und Süldorf (Suldorp a. 937. 939. 973), wo wie in dem 
nahegelegenen Salze Frose und Schönebek im mittelalter und 
später salz bereitet wurde, man darf darnach behaupten, dass in 
Sala noch der einfache stamm, den salt salz voraussetzt, erhalten 
ist und dass unser sole, mhd. sol sul, bair. sul sulch, alts. sul suli, 
ndd. sül söle dazu genau in demselben Verhältnis steht wie sulza 
sülze, sulta sült zu salz und salt. es kommt hinzu dass auch 
unter den namen der nebenflüsse der thüringischen Säle, soviel 
ich sehe, keiner als unzweifelhaft keltisch nachgewiesen werden 
kann**, und dasselbe gilt von den übrigen nebenflüssen der Elbe 



* Förstemann 2, 1210 f. 1326. Tgl. dazu Geschichtsblätter für stadt und 
land Magdeburg 2, 226 f. 231. 486. 4, 42. Busching 1778. 3, 3, 17. 19. 20. 23. 
auch Sülbek im amt Salz der Helden bei Eimbek (Busching 3, 3, 188) ist ein 
salzdorf und ebenso ist Sülfeld in Holstein bei Oldesloe, Solde in der graf- 
schaft Mark (Busching 3, 1, 747) und bei Hildesheim alts. Sulithi (Förstern. 2, 
1325) und der zweimal in Thüringen und auch im Grubenhagischen bei Giebolde- 
hausen wiederkehrende fluss- und ortsname Sulaha (Förstern. 2, 1326 vgl. 
Busching 3, 2, 560 f.), wie die vorhandenen oder in der nähe belegenen Salz- 
brunnen lehren, aufzufassen und nicht mit sol lache, bodensenkung zusammen- 
zubringen. Sulzdorf Saal Salzburg Salz Sulztal ua. an der fränkischen Säle 
zeigen auch hier den flussnamen in appellativischer lebendigkeit. vgl. in der 
Wetterau Landaul, 131. Roth Beiträge 1, 231 f. auch die Salza oder der 
Salzbach bei Bruchsal soll Säle genannt werden. 

** am verdächtigsten ist die Wipper, die dreimal in Altthüringen wieder- 
kehrt, als nebenfluss der Säle, der Unstrut und der Gera als Wipfra, aber 
auch als nebenfluss des Rheins, allein wo fände sich bei den Kelten ein ähn- 
licher, vergleichbarer name? die belege bei Förstern. 2, 1551 reichen nicht 



DIE WESER UND EMS. 215 

innerhalb des alten Deutschlands, selbst im Boierlande erkannte 
Zeufs s. 15 in der slawischen Wlatava, die wir zu einer Moldau 
gemacht haben, die alte deutsche Waldaha, -ahva. (oben s. 93.) 

Auch bei dem vierten grofsen flusse hat das femininum Visuri, 
Visuria im munde der Römer dem masculinum Visurgis weichen 
müssen, auf dieselbe weise wie bei Albis (s. 210), nur dass sie, 
wohl durch die obliquen casus Visurj&s, -jös, -j&, -jö (später u) 
verleitet, sich erlaubten ein g einzuschalten*, das ableitende 
-uri, -uria, später -ura muss man durch -oria, -6ria auf ursprüng- 
liches -äriä zurückführen** und Visuria kann sehr wohl die wiesen- 



hoch genug hinanf um zu entscheiden ob Wipper a ein anlautendes H verloren 
hat, was ags. hveop, hveopjan engl, whip für ahd. wipf mhd. wif, wippen ndd. 
wipp, wippen zu beweisen scheint aber Jonsson und Haldorsen (vgl. Gislason 
Ordab. 8. 575) bezeugen die doppelform hvipp und vipp (altengl. wippen bei 
Stratmann s. 648 kommt neben s. 311 nicht in betracht) und so kann Wippra 
sehr wohl lat Vibria, Yibra sein oder die hupfende, man vgl. auch die fluss- 
namen Schwinge und Springe, und wegen des lat. worts litt, wyburu ich 
schwinge. — das in Unstruot (übles gewässer, Gramm. 2, 775 ff.) enthaltene 
appellativ ist belegt in der anm. zu Denkra. lziv, 46. die Vermutung Förste- 
manns 2, 1438, dass die Unstrut nach dem bach Ohne, der jenseit des höhen- 
zuges über ihrer quelle im alten Onfeld entspringt und bei Nieder-Orschel in 
die Wipper fliefst, benannt sei, wird hoffentlich keinem einleuchten. Gregor 
von Tours schreibt schlecht und ungenau Onestrudis statt Une- Unströdis = 
Unstruot. 

* ähnlich gebildet scheinen bei Ptolemaeus 2, 11, 29 KaaovQyls Bov- 
foQyig, 30 KoQtdoQytSy vgl. 28 TovlKfopQynv BovdoQvyov, 29 BovdoQts Btxovgytoy. 
bei den Kelten finde ich nichts ahnliches, vgl. unser 'bürge ferge scherge' 
ahd. burio fario scario. — auf der ravennatischen karte wurde der fluss wahr- 
scheinlich zuerst mit seinem deutschen namen genannt; denn bei dem cosm. 4, 17 
können. die hauptflüsse von Saxonia 'Lamizonipada' = AAMIZONITIAJA gewis 
nichts anderes sein als AM 11 AOY II APA. 

** wie got. -muni in lauhmuni glitmuni = lat. -mönia, altem m&nia. wie 
das griechische und lateinische, so besafs ohne zweifei ehemals das deutsche 
manigfaltere bildungen aus altem -ar -äri, die erst allmählich grösserer ein- 
förmigkeit platz machten (vgL Gramm. 2, 141). in den ahd. meist schwach 
flectierenden auf -uri -tut — eimuria favilla, chilburra - ira - ra ags. cilfor agna, 
chuburra- irra ratis classis, cumpuria - irra - erra tribus s. 1 18, zaturra • arra - re* - 
arS (bei Kero ist - 8 ~ ia) meretrix, faturßo - aro - erro - ero - iro patruus, vgL 
möderia Germ. 1, 115 muotera ags. modrige ndd. mödder medder (gloss. zum 
Quickborn s. 345) matertera, auch zeihhurra suehurra ua. lassen sich mutmafsen 
— dient der dumpfe vocal vielleicht nur zur auflösung der consonantverbin- 
dung. daran aber ist bei Visurgis und noch ahd. Uuisura bei Einhard und 
sonst, dann Uuisara Uuisera mit fortdauerndem reinem stammvocal, endlich 
Uuesera nicht zu denken, da altes visr notwendig vistr ergeben hätte (s. 208), 
die synkope aber erst verhältnismäfsig spät (Zeufs 15 f. anm. Förstern. 2, 1500) 



216 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

schaffende oder wiesenreiche sein* jedesfalls kann der narae und 
können auch die der östlichen Zuflüsse nicht eher als keltisch in 
anspruch genommen werden, als bis Gallier auf der westlichen 
seite des flusses als ehemalige anwohner nachgewiesen sind, und 
vorläufig steht es damit nicht besser, als auf dem linken ufer der 
Elbe. Tacitus nennt nur den das Hessenland in seiner ganzen 
breite durchschneidenden nebenfluss der Fulda, die Eder Adrana und 
dies ist augenscheinlich ein rein deutscher name, der sich auch 
auf altcheruskischem gebiet bei Gandersheim wiederholt, eine ab- 
leitung von dem noch durch eine ahd. glosse erhaltenen adjectiv 
atar acer celer, dem stamm des adverbiums ags. ädre statim con- 
festim, alts. adro zeitig früh, der gröste ström, der das land von 
Süden nach norden durchstreift, die Fulda Fuldaha heifst der 
'landfluss' **, wie der hauptfluss des benachbarten Tullifeldes Feldaha. 
merkwürdiger weise erscheinen unter den gewässern der Eder eine 
Elbe und Ems neben einander, diese sogar in begleitung eines 
Rins. die erscheinung ist um so merkwürdiger, weil sie sich im 
gebiet des Rheins bei der Lahn wiederholt, allein die ursprüng- 
liche namenform der hessischen Elbe, Albina, scheint in dem namen 
des anliegenden ortes Eiben — a. 1074 .ffilvinu im dat., 1200 El- 
bena — erhalten und die hessische Ems nach der ältesten über- 
lieferten Schreibung Eymese von a. 1404 eher eine ahd. Eimisa 
als Emisa Amisia, so dass die Übereinstimmung mit dem namen 
der grofsen flüsse sowohl als der Zuflüsse der Lahn sich erst spät 



und mit ihr zugleich die dissimilation in Uuirra Uuirraha WBrra eintritt, so 
ist auch die erklärang von Visurgis, Uuisura als 'westfluss' unmöglich, die 
Weser hei Eupen, Yesere a. 915 bei Martene et Durand 1, 254, bei den Wal- 
lonen Yesdre, bei Büsching 3, 1, 618 ff. Weze, sei hier nur erwähnt. 

* JGrimm GDS. 656 erinnert an die Engern und Angrivarier, die zu 
beiden Seiten des flusses wohnten; an der Weser lag auch das Schlachtfeld 
Idisiaviso. ahd. wisa pratum, mit ungebrochenem, reinem und daher wie in 
snita buccella ua. wurzelhaftem i, wird mit altn. veisa sumpf, ags. väs schlämm, 
vieUeicht auch ahd. uueisunt arteriae ags. v&send fries. wasend engl, weasand 
Schlund, gurgel, luftröhre, mit gr. Ug lat virus viscum viscera ua. zur wurzel 
vis netzen gehören, von der wurzel, die im litt, waisa fruchtbarkeit, waisus 
frucht, weisle art zucht, wislus fruchtbar und wahrscheinlich in dem namen 
der Weichsel zu tage kommt, zeigt sich im deutschen kaum eine spur und 
'Vistula Visula' und 'Visurgis Uuisura' sind von verschiedenem Ursprung, wenn 
unsre Vermutung richtig ist. in Frankreich gibt es eine Yesle bei Bheims 
und eine Vistre bei Nimes. 

** Grimm GDS. 574. KRoth Kleine beitrage 1, 13. 25. über die andern 
flüsse 8. Landau Hessengau s. 50. 203. Förstern. 2, 1125. Roth s. 123. 



DIE WESER UND EMS. 217 

einstellte; Rtn aber für bach, wasserlauf braucht man, wie sich 
bald ergeben wird, noch nicht für einen fremden namen zu halten, 
und auch unläugbare fremdlinge wie die Phiopha, ein gewässer 
der Fulda, mit ihrem anlautenden P, der Wasgenberg oder mons 
Vosegus eben nördlich von Fulda — Uuasgunberg nach Trad. Fuld. 
nr. 721 a. 980* — neben einer Rinaha uam. können in einem 
grenzlande, wie es Hessen ehedem nach Süden hin war, keines- 
wegs überraschen, von den namen der nördlicheren Zuflüsse der 
Weser unterhalb der Fulda lassen sich mehrere, wie die Hunte 
(s. 210), unschwer aus dem deutschen erklären und so lange nicht 
eine berechtigung dafür nachgewiesen, ist die deutung aus dem 
keltischen abzuweisen, selbst der name der Ems — Amisis bei 
Plinius 4 § 100 und in schlechter Schreibung Amissis bei Mela 
3, 3, 30, eine form die sich zu der bei Tacitus Ann. 1, 60. 63. 2, 
8. 23 tiberlieferten Amisia und zu ahd. alts. Emisa genau so ver- 
hält wie Albis Visurgis zu Albia Elba und Visuria Uuisura 
(s. 210. 215), bei Strabo p. 290. 291 Uparfag, Ptolemaeus (Marcian 
2, 32) Ufjtd-** — muss einmal deutsch verstanden sein: wie wäre 
sonst Emeden*** von demselben wortstamm abgeleitet? auch der 
nebenfluss der Ems, die Hase, auf den schon die Chasuarii deuten, 



* vielleicht ist auch mons Usgo bei Kaltenwestheim im Tullifeld Trad. 
Fuld. nr. 663 c. 915 derselbe name. — dass Kassel (Chasella, Cassala GDS. 579. 
Landau Hesseng. s. 87) in der tat nichts anderes ist als 'casteUum' (J Grimm 
in Haupts zs. 7, 476), lässt das mainzische Kassel, jetzt gewöhnlich Kastei 
geschrieben f und das flandrische, das alte casteUum Morinorum füglich nicht 
bezweifeln, und ebenso wird Kassel in der Wetterau (Landau 1, 134 ff.) und 
am Niederrhein (GDS. 580), Kassel zwischen Neufs und Düsseldorf, Rheinkassel 
zwischen Worringen und Köln, Ober- und Niedercassel am Siebengebirge und 
die Gasseiburg in der Eifel aufzufassen sein. vgl. Förstern. 2, 355. 

** Wilberg hat darnach 2, 11, 28 Upceaia statt U/uüaiut in den text ge- 
setzt. Marcian aber muss bei Ptol. 8, 6, 3 'Apusia oder U/uiact gefunden haben, 
da er nach Stephanus Byz. 85, 20 "A^tca als noltg rtQfiaviag iy teils dno 'Ptdptjg 
Inl tag diaoqpovg noktig aufgeführt hatte, und KMüller Gm. 1, cxxxiii zeigte 
dass auch 2, 11, 28 der ort 'Aptoia hiefs. dass aber bei Tacitus Amisia als 
ort vorkomme, ist nicht wahr. 

*** Amuthon, Emuthon Westeremden im Fivelgau im Index bonor. Werthin. 
ed. Crecelius s. 12—16. 25; Emedun Emden an der Ems a. 944 Dronke Antiq. 
Fuld c. 37. wegen des Stammes vgl. Gramm. 2, 88. 221 — wo ahd. emizic 
(nie imizte) perpetuus ganz richtig, im Dwb. 3, 443 aber falsch aufgefasst wird 
— Graff 1, 254 ff. Förstern. 1, 72—81. Aasen s. 6 uam. norw. amsa antreiben 
und die andern ähnlich gebildeten schwachen verba (Gramm. 2, 271 1) erläutern 
den sinn der ableitung am besten. Amuthon aber, das heutige Muyden in der 
nähe von Amsterdam, ist = Amuthon. 



218 ME NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

trägt allem anscheine nach einen deutschen namen* die ent- 
scheidung darüber, wie weit einmal das westliche Deutschland von 
Kelten bewohnt war, muss vom Rheine aus gewonnen werden. 

Bis Ariovist im j. 72 mit seinen Sueben über den Rhein gieng 
und sich des uferstriches von Worms bis gegen Basel bemächtigte, 
bewohnten Gallier die linke seite des fiusses in seiner ganzen aus- 
dehnung vom gebirge bis zum meere in . ununterbrochener reihe 
und hatten auch noch unlängst, ehe die Marcomannen und ihre 
genossen südlich vom hercynischen urwalde fuss gefasst, seine ganze 
rechte seite bis zum Maine, sowie das ganze gebiet der oberen 
Donau beherscht. sie müssen auch den flufs eher gekannt und 
daher eher benannt haben als die Germanen und diese den namen 
Rin von ihnen empfangen haben, das lautliche Verhältnis der 
deutschen oder allgemein germanischen namenform zu der alt- 
gallischen, von den Griechen und Römern angenommenen Rfenos 
ir. Rian ist ein ganz regelmäfsiges**, so dass daraus nichts für die 
entlehnung folgen würde, denn wenn Renos aus altem rainas von 
der wurzel ri gehen, fliefsen, durch die mittelform reinas hervor- 
gieng, das gallische aber selbst doppelformen wie devos und divos, 



* den namen unmittelbar aus ags. hasu altn. höss grau, bleich (nicht 
'schön, glänzend 1 ) zu erklären geht allerdings nicht wohl an, weil er ahd. alts. 
stäts nur Hasa, nicht Hasua Hasawa lautet, nur findet sich einmal Hasugö 
Trad. Gorb. § 363 c. S50 gegen Hasagouui Erhard nr. lvi a. 948. aber an den- 
selben stamm darf man denken, da ahd. hasan politus im gründe dasselbe wort 
mit lat. canus zu sein scheint, Kuhns zs. 2, 152 f. 

** dies ergibt sich aus der erklftrung, die Glück in den Sitzungsberichten 
der Münchener academie von 1865 von dem namen Renos gegeben hat, der ich 
oben folge, mit unrecht aber halt er Hrin für die älteste deutsche form des 
namens. Hrtn schreibt nur einmal der amanuensis Wolfram in der Fuldaer 
trad. nr. 27 a. 765, und ein andrer, der eben Hreni, Hrenhem geschrieben, bei 
Lacomblet nr. 65 a. 855 Hrineshem, wie man sonst Tr. Fuld. nr. 16. 26. 101. 
105. 113 uo. auch anderswo Hrenus statt Rhenus geschrieben findet, aber ge- 
wis ohne an ahd. ags. hrinan tangere oder gar altn. hrina tierische laute aus- 
stofsen — dies ist ahd. ags. unbekannt — zu denken, dem ganz vereinzelten 
Hrin stehen das ältere Rin Trad. Fuld. nr. 8 a. 755 und die zahlreichsten andern 
Rin aus ober- und niederdeutschen Urkunden und quellen, deren Sammlung bei 
Förstern. 2, 1182 ff. leicht noch vermehrt werden könnte, entgegen und zwar 
aus gegenden und zeiten wo man das Hr noch sehr wohl kannte (vgL vorr. 
zu Denkm. s. xn), und überdies noch ags. Rin in Alfreds Orosius und der ags. 
chronik zum j. 887 (Thorpe s. 158 f.) und altn. Rin, durch so manchen Stab- 
reim gesichert, so dass über die germanische gestalt des namens nicht der 
geringste zweifei besteht, das altn. hat allein aus Rin ein femininum gemacht, 
wie es die deutsche genusregel der flussnamen verlangt. 



DER RHEIN. 219 

regs und rigs für altes deivas daivas, reigs raigs hatte und sogar 
noch jetzt die appellative rian (= rßnos) weg pfad und rln, rhln 
canalis im irischen und kymrischen neben einander bestehen, so 
ist offenbar dass das deutsche bei der entlehnung, wenn nicht von 
einer nebenfonn Rinas, nur von der älteren Reinas ausgieng und 
dass das deutsche Rin zu dieser und der noch älteren rainas sich 
nicht anders verhält als altn. tivar und ahd. -rih got reiks zu 
daivas und raigs oder ahd. dri got. f>reis lat. tris trtnus zum 
alten trajas usw. das deutsche rinnan laufen fliefsen zeigt eine 
andre entwickelung der wurzel. es kann aber daneben sehr wohl 
auch im deutschen einmal ein appellativ rln wasserlauf, bach ge- 
geben haben und damit können die kleinen gewässer benannt sein, 
die in Deutschland den namen führen*, aber nicht wohl der grofse 
fluss. dass dieser seinen namen nicht von den Germanen erhielt, 
lehrt schon das masculinum, und wenn nichts anderes, so spricht 
doch von sprachlicher seite dies ebenso wie beim Main, Neckar, 
Roten (Rhone) ua. entschieden für die entlehnung. 

Ist also der Rhein von den Galliern benannt und sind die 
Germanen erst später an seinen ufern erschienen, so müssen ihn 
jene vor diesen, wie in seinem obejen, so auch in seinem unteren 
laufe unterhalb des Mains bis zum meere zu beiden Seiten besessen 
haben, wo ihn die Germanen zuerst erreichten, dies ergibt sich 
auch noch aus manchen spuren, so dass die Menapier, die bis auf 
Caesar noch im Hamalande wohnten, nur als der letzte Überrest 
der keltischen bevölkerung diesseit des Rheins angesehen werden 
können (s. 204). 



* aufser demRinbeki bei Bochum (Crecelius Trad. Werth. 1, 58, 15) und 
den hessischen s. 216 f. im gebiet der Elbe der Rhinbach bei Bernterode an der 
Wipper unterhalb Worbis, der Rhein bei Bitterfeld, der Rhin bei Fehrbellin 
und Rhinow, nebeniluss der Havel und bei Glückstadt in Holstein, hieher ist 
der name wohl ohne zweifei durch die niederländischen colonisten, die seit 
dem 12 jh. die Eibmarsch bevölkerten, vielleicht auch nach der Mark und in 
die gegend von Bitterfeld auf ähnliche weise verpflanzt, die Gallier nannten 
bekanntlich auch das flüsschen bei Bononia in Italien Rhenus Plin. 3 § 118. 
16 § 161. Sil. 8, 601, und in Gallien selbst findet sich ein fluviolus Renus, 
Mabillon de ro dipl. nr. 128 a. 917. von der wurzel ri ist noch alts. rith (Gl. 
Lips. 771. 772) ags. rid rivus (moorriede udgl. noch heute) abzuleiten — alts. 
riha und ags. ride Gr. 3, 386 ist nichts und mhd. rige oder rtge gewis nicht 
rivus — ; aber auch ahd. rina olla, bair. rein, auch Senkung im erdreich worin 
sich wasser sammelt (Schneller 3, 101) gehört gewis noch dazu und, da die be- 
griffe 'lauf, strich, streifen 7 einander nahe liegen, auch wohl ahd. mhd. altn. 
rein, nhd. rain. 



220 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

von den südlicheren Aussen, die hier nicht in betracht kommen, 
abgesehen verrät der Main, ahd. Moin, nicht nur als masculinum, 
sondern auch durch seinen ganz undeutschen diphthong den kel- 
tischen Ursprung seines namens; nicht minder, die Säle etwa ab- 
gerechnet (s. 213), durch die namen seiner Zuflüsse, von denen 
Nidda und Tauber, Nida und Dubra beim cosm. Rav. 4, 24 zuerst 
genannt werden* 

keltisch ist auch Taunus (Mela 3, 3, 30. Tac Ann. 1, 56. 12, 
28) und das von Ptolemaeus 2, 11, 29 etwas östlich von Mattiakon 
(Wiesbaden) in fast gleicher breite mit Mainz angesetzte "Aqtawov 
ist vermutlich nichts anderes als Aretaunum, ad Taunum, die gal- 
lisch lateinische benennung des von Drusus in monte Tauno er- 
richteten castells bei Homburg vor der höhe** und dies davon 
die deutsche Übersetzung. 

für die Lahn, Logna beim cosm. Rav. 4, 24, ahd. Logana 
Loganaha gibt es keine irgend passende anknüpfung im deutschen, 
freilich auch wohl keinen entsprechenden keltischen namen. aber 
der ort am flusse, der der umliegenden landschaft ihren heutigen 
namen gegeben hat, Nasova im achten und neunten, Nassove im 
zwölften Jahrhundert*** scheint nur mit einem andern derivatum 
desselben wortes benannt wie Nasonia, Nassonia, j. Nassogne im 
belgischen Lutzenburg. dass eins der nebengewässer der Lahn 
heutzutage Aar heifst, wie nebenflüsse des Rheins in der Eifel 
und der Schweiz darf zwar nicht geltend gemacht werden, da der 
name im neunten Jahrhundert Arda lautete (Kremer 2, 14), also 
von der Ard (ArdahaCod. Lauresh. nr. 3181) auf der nordseite der 
Lahn nicht verschieden ist; aber ein anderes nebenflüsschen bei 



* die lesung der lateinischen inschrift (Brambach nr. 1312), auf der die 
Nida vorkommen soll, ist sehr unsicher, die Nied in Lothringen, nebenflnss 
der Saar, Nida beim cosm. Rav. 4, 26 (p. 235, 16 Parthey) und der Nith bei 
Damfries in Schottland tragen denselben namen, und Dubra ist 'wasser, fluss' 
oder 'die wasserreiche', Zeufs 14. Gr. 136 anm. 138. Glück s. 35. 
** Annalen des nassauischen altertumsvereins 1863. 7, 139 ff. 
*** Nasongae bei Beyer nr. 35 a. 790 (vgl. GDS. 582 f.) ist Nasouge und 
dies gleich Nasoua nr. 119 a. 881, Nassove -ovve -oua -ov nr. 605. 606. 610. 
626 a. 1158. 1161 d.i. Nas- Nassovia. Nassogne heilst bei Pardessus Dipl. 2, 
204 a. 687 Nasania statt Nasonia, in der Vita SMononis c. 770 Nassonia. ob 
Nasonacum im Cod. Theodos. dasselbe ist, kann ich augenblicklich nicht ent- 
scheiden. Porcheron deutete darnach das Nasaga des cosm. Rav. 4, 26 p. 233, 7 
Parth. als Nasonaga. A Jacobs (Gallia ab anon. Ravenn. descripta p. 34) halt 
Nasaga für Nasium j. Naix sur Ornain (Meuse), Neonsigo für Nassoigne, was 
weniger gut zu der reihenfolge der namen passt. 



DER RHEIN. 221 

Braunfels heifst Iser wie der bach bei Isenburg an der Sayn, die 
Iser an der obern Elbe, die Isar bei München, die Isfere und 
Oise (Isara auf der Tab. Peut., im Itin. Anton. 384, 11 und später) 
in Frankreich und die Iser in Flandern, für die lahngäuische Elbe 
fehlt der alte beleg, aber auch eine gallische Alba oder ein gallischer 
Albis (s. 210 f.) konnte hier um so eher eine mehr deutsche auffassung 
erfahren, da eine Ems ganz in der nähe floss. benannt aber sind die 
beiden flüsschen gewis nicht nach den grofsen Aussen oder nach den 
hessischen, wenn diese ursprünglich gleichnamig waren*, die 
lahngäuische Ems, zu ende des achten jahrh. im Cod. Lauresh. 
nr. 3164. 3720 als Emisa und damit als alte Amisa, Amisia be- 
zeugt, teilt zwar ihren namen nicht ursprünglich mit den heil- 
quellen an der untern Lahn, die nach Aumenza a. 880, Ouminci 
a. 959 bei Beyer nr. 117. 204 vielmehr heutzutage Eums heifsen 
sollten, aber da jene an Selters vorüberflief st , so kann der 
name sehr wohl die bedeutung des kräftigen, würksamen wassers 
gehabt haben, die auch im deutschen (s. 217) möglich ist, aber 
allerdings nicht in gleichem sinne auf die grofse Ems oder die 
hessische anwendung findet**, man wird diese namen mindestens 
auch als gallische anerkennen müssen. 

bei der Sieg, ehemals Sigina, hat der ort Siegen wohl wieder 
wie Eiben an der Elbe in Hessen (s. 216) die ursprüngliche namens- 
form am treusten bewahrt, auch Sigina lässt leicht eine deutsche 
auffassung zu da 'elliu wazzer ze tal stgent' (deorsum feruntur). 
allein Sigina, Sigana ist auch die Verdeutschung von Sequana 
(Graff 6, 147), beim cosm. Rav. 4, 26. 39 Sigunna, in einer Urkunde 
Chilperichs II von 717 Sigona, ags. Sigen (Chron. ad a. 660. 887. 
890. 897), altn. Signa Fms.4, 61 anm. so wird auch die Sieg wohl eine 



* man muss dies nun schon zugestehen, da Landau Hesseng. s. 218 ein 
Emseberg Emmeseberg Emsperg von a. 1325. 1344. 1386 aus der nachbar- 
schaft der Ems beibringt, also Eymese a. 1404 (s. 216) nur eine rohere Schrei- 
bung ist, Gramm. I 8 , 185. 

** die Emse am Inselberg (Imse- Emseberg?) in Thüringen ist vielleicht 
wie Ems am Emsbache, nordöstlich von Weimar, eine Imisa (Förstern. 2, 834). 
auch in Oberhessen nördlich von Amöneburg gibt es noch ein Emsdorf. wie 
es sich damit und mit Emskircben westlich von Fürth in Mittelfranken ver- 
hält, steht dahin, ganz verschieden sind die Ems oberhalb Chur in Granbünden 
und in Vorarlberg, im zehnten Jahrhundert und später Amades, Amedes und 
ebenso wenig wird das Ems in Wallis nördlich vom Matterhorn, südlich von 
Leuk hieher gehören, jene sind gewis nicht einmal keltisch, sondern raetisch, 
Steub Baet. ethnoL s. 175. 



222 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

alte Sequana, ihr erster zufluss aber, die Ens nördlich von Siegen 
um so eher ein Anesus wie in Österreich oder Noricum sein, 
weil der name noch einmal östlicher wiederkehrt und Ense im 
Waldeckischen noch im elften jahrh. als Anansia (1. Anasia) Anasi 
und früher als JEnesi vorkommt, gerade wie der norische fluss auch 
Anasus, Enesis und Enisa heifst. 

Wipper oder Wupper ward s. 214 anm. 2 als deutscher name 
in anspruch genommen. 

bei der von den alten in den uns erhaltenen geschichtsbüchern 
merkwürdiger weise nicht genannten Ruhr, im achten und neunten 
Jahrhundert Rüra, auch Rurinna (Tr. Werthin. nr. 87 c. 1030 Crecel.) 
haben die Germanen weder an hrör agilis, hrörjan rühren, noch 
an raus, ror arundo oder an irgend einen andern wortstamm ihrer 
spräche gedacht, der name kehrt gleichlautend wieder auf der 
andern seite des Rheins als nebenfluss der Maas, Rüra beim cosm. 
Rav. 4, 24, bei Miraeus 1, 500 a. 858 und in Lacomblets Urkunden 
nr. 114. 212 a. 973. 1069 nebst einer Orcuntrüra* der jetzigen 
Urft, und diese Wiederholung genügt wie in den andern fällen, zu- 
mal bei dem mangel eines deutschen etymons, den namen als ur- 
sprünglich fremd zu erweisen, scheinbar ist der keltische stamm 
derselbe als in dem volksnamen Raurici (Glück s. 142); eine 
aphaeresis angenommen aber könnte Rüra eins sein mit Arauris, 
Araura, dem jetzigen H6rault in Südfrankreich (DA. 1, 189)**. 



* ist Orcandogelus bei Brequigny 1, 346 zu vergleichen? 
** die silva Gaesia auf der nordseite der Ruhr bei Tacitus Ann. 1, 50 hat 
nur im munde der Römer einen lateinisch klingenden namen erhalten. Caesia 
steht für Chaesia und dies ist deutsch haisi ndd. hese, und gerade an der stelle, 
wo Germanicus den römischen limes überschreitend ins land der Marser ein- 
brach, findet sich a. 796 in aquilonari parte fluvii Rurae zwischen Werden und 
Essen der wald Heisi wieder mit dem dorf Hesingi j. Heisingen und dem bach 
HSsapa (Hesper), Lacomblet Urk. nr. 6 a. 796, 17 a. 800, 64 a. 848, 290 a, 
1119; 48 a. 834; 55 a. 841, Crecelius Trad. Werthin. 2, 54 (Nordalbing. 
stud. 1, 209. Grimm GDS. 620). das wort kehrt öfter in norddeutschen Orts- 
namen wieder, coroponiert an erster und zweiter stelle, abgeleitet und einfach, 
wie in Ditmarschen 'op den hees' (vgl. Förstern. 2, 625 f. 731 f.), auch ags. haese, 
hßse, hyse Leo Rectitudines s. 94, der aber mit unrecht ahd. Hasa-, hasal und 
mlat. aisia (frz. aise) herbeizieht, als appellativ, verwandt mit haij>i heide, 
mag es eine wildnis , buschwald oder dgl. bedeutet haben, vgl. Vilmar Hess, 
idiot. 161 über heister ndd. hester. Essen dagegen — (Astanetum) Astenidum 
Astnidi = Assenede, Astenet, Assenoy, Esneux, Staneux ua. in Belgien (Förstern. 
2, 116) — wird wie Werden, Bilk, Deuz, Linz und manche andre Ortsnamen auf 
dem rechten Rheinufer innerhalb des römischen limes und selbst östlicher wie 
Soest, SoBatium = 20Y20YJATA bei Ptol. fremdes Ursprunges sein. 



DER RHEIN. 223 

die Embscher, im zehnten Jahrhundert Embiscara, also ehe- 
dem Ambiscra oder Ambiscara lässt deutlich die keltische prae- 
position ambi (lat. amb- ambi- gr. afKfi) alts. ahd. umbi erkennen, 
und da der zweite teil gewis wie der im neunten Jahrhundert er- 
wähnte belgische flussname Hisscar, die Ischer bei Markolsheim 
und Rheinau im Elsass und Iscala Ischl im Salzburgischen nur 
ein derivatum von fsca wasser ist, das einmal in Brabant für einen 
bach der Dyle oberhalb Löwen (Martine et Durand 1, 88 a. 832), 
einmal auch im Saargau (Zeufs Trad. Wizunb. nr. 234. 237. 244. 
263. 265 a. 712 — 763) und zweimal in Brittannien als flussname 
vorkommt (Zeufs Gr. 32. 105), so ist Ambiscara als Ambi-Iscara, 
Ambiscara aufzufassen, genau wie Ambiliati bei Caesar als Ambf- 
liati, Ambi-iliati, und nach der von Glück s. 20. 21 für die prae- 
position in diesem compositum jind in andern nachgewiesenen be- 
deutung wird Ambiscara die wasserreiche, die viel wasser habende 
oder gebende sein. 

die Lippe heifst bei den alten nicht anders als Lupia, bei 
Vellejus 2, 105, Mela 3, 3, 30, Tacitus Ann. 1, 60. 2, 7, Hist. 5, 22, 
oder Aovniaq bei Strabo p. 291, Cassius Dio 54, 33; auch bei 
Ptolemaeus 2, 11, 28. 8, 6, 3, wo die hss. zwischen Aovnla und 
Aowmia schwanken, ist die bessere auctorität für jene form. 
Lippa, die später allein übliche, seit dem achten Jahrhundert oft 
bezeugte deutsche form fand der cosmographus Ravennas 4, 17 
mit andern, gleichfalls dem jüngeren Sprachstande angehörenden 
wohl schon auf meiner karte aus dem ende des fünften Jahrhunderts, 
und der vocalwechsel wird darin keinen andern grund haben als 
die neigung der spräche ein fremdes, unverständliches wort einem 
deutschen ähnlich zu machen*, in Lupodunum, ahd. Lobodungouui, 
Lobodunburg j. Ladenburg und vielleicht im würtembergischen 
Lupfen, Lupfenberg (Stalin 1, 133 f.) erfuhr wie es scheint der- 
selbe keltische wortstamm der in dem flussnamen enthalten ist 
eine ganz andre auffassung. von den alten wird noch ein neben- 



* die Übereinstimmung der consonanten in alts. Lippa und lat. Lnpia 
lehrt dass die Römer nicht etwa ein b als p anfgefasst und dass die Germanen 
bei dem namen nie an got. lubi (fagjuaxov oder an lübbe tölpel (Myth. 492) 
gedacht haben. Lnpia kann daher unmöglich mit der Marhlnppa in Öster- 
reich ob der Ens und mit Grazluppa in Steiermark zusammengestellt werden. 
Marhluppa bedeutet vielleicht Rossarznei oder Rossgift und vielleicht schrieb 
man nach mhd. graz, gräzen der Graz- oder Grazluppa eine wut erregende 
kraft zn. 



224 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

fluss der Lippe genannt, nach Gassius Dio 54, 33 legte Drusus im 
j. 1 1 v. Chr., nachdem er die vereinigten Sugambern Chatten und 
Cherusker etwa in der gegend von Driburg geschlagen, ein castell 
gegen diese Völker an da wo der Lupias und der 'EUacov sich 
vereinigen, das castell muss darnach an der obern Lippe gelegen 
haben, womit auch die Römer (Vellej. 2, 120, Tac. Ann. 2, 7), die 
es Aliso nennen, übereinstimmen, der fluss aber hat seinen namen 
gewechselt und nur nach den vorhandenen oder nicht vorhandenen 
spuren der römischen befestigung wird sich entscheiden lassen ob 
der Aliso, der dem castell den namen gab, etwa die jetzige Glenne 
(Hausten) westlich von Lippstadt oder, wie es nach den Zeugnissen 
der alten wahrscheinlicher ist, die Ahne westlich von Paderborn 
ist. der ort Elsen an der Vereinigung der Alme und Lippe hat 
den namen des castells und fluss.es nur dann bewahrt, wenn die 
aus deutschen quellen des elften Jahrhunderts sich ergebende 
namensform* Elisa, im dat. Ilison, durch unregelmäfsige assimila- 
tion eines offenen, aus a durch umlaut entstandenen e in i ent- 
sprang und dadurch erst das aussehen eines derivatums von dem 
dunkeln alten, in volks- und Ortsnamen, mythen und heldensagen 
verbreiteten elis** gewonnen hat. denn dass Dios *Ell(sav dem 
deutschen namen, wie ihn Drusus Soldaten aus dem munde der 
Germanen hörten, näher stehe als das Aliso der Römer und 
*Aks$<r6$, "Alerfov bei Ptolemaeus 2, 11, 27. 29, — so dass dies 
sich zu jenem verhielte, wie Caesars alces zu ahd. elah, altn. elgr 
oder vielleicht Arpus bei Tacitus zu alts. Erp, und der deutsche 
name in Aliso wie in Maroboduus (s. 120) nur in einen gallischen 
wie Alisia Alisincum Alisiacum Alisontia verwandelt wäre***, — ist 
nicht anzunehmen. Livius, der geschichtschreiber des Drusus und 
gewährsmann Dios wird den namen nicht anders geschrieben haben 
als Vellejus (Plinius) und Tacitus und daher *EXUnoy nur auf einer 
mangelhaften auffassung Dios oder seiner abschreiber beruhen, 
auch Ptolemaeus beweist mit HJUräDg, "AUhsov nur seine auffassung, 



* überliefert ist (Förstern. 2, 829 f.) in der leider nur in einer späteren 
abschritt; erhaltenen Urkunde von 1036 bei Erhard nr. cxxvn Elesen, dann in 
der Vita Meinwerci Elisa statt Hisa und Hasan statt Deson = Ilison, da a oft 
für unbetontes e und für o eintritt. 

** Nordalbing. Studien 1, 36 f. vgl. JGrimm in Haupts zs. 3, 146 und 
zs. 9, 245. 

*** auch in Süddeutschland gab es ein römisches castellum Alisinum bei 
Bonfeld in Schwaben, Brambach nr. 1593; in Pannonien eine Station Alisca. 



DBB RHEIN. 225 

keineswegs aber dass die Römer, statt Aliso wie Cotiso Natiso 
na. zu sprechen, der paenultima und ableitungssilbe immer oder 
auch nur gewöhnlich wie in andern gallischen, auch deutschen 
namen eine falsche quantität gaben. Aliso, im deutschen als fluss- 
name ein femininum, führt wie viso in Idisiaviso auf alts. ahd. 
uuisä, auf ein schwachformiges Alisa (got. Aliso) gen. Alisöns -ön 
d. i. die grundform von ahd. alts. elirä (gen. elirün) alnus ndL eis, 
und wäre hier im appellativ die schwache form nach ags. alor aler 
(gen. alre), wie auch in andern baumnajnen, erst später einge- 
drungen, so könnte Alisa -6ns allein schon ( erlenbach' ausdrücken*, 
aber so wie Alme keineswegs blofs eine schwache form von ahn 
altn. almr alts. ahd. elm ulmus war, sondern alts. Almungä. Almangö, 
wie thür. Helmungouui auf Helmana j. Helme, vielmehr auf Almana 
als den namen des flusses führt**, so erwartet man auch für Alisa 
eher Alisana, Alisna oder eine andre Weiterbildung, wie in den 
gallischen namen (s. 224), von denen Zeufs (Gr. 808) Alisincum 
mit Aliso ahd. elira slaw. olisza zusammenstellte, entschiede aber 
blofs die leichtigkeit der deutung, so wäre Aliso am ersten eine 
noch einfachere ableitung von demselben keltischen namen, wonach 
man Alesia, Alisia als 'saxosa' erklärt (Zeufs Gr. 785), und be- 
deutete daher Steinach, Steinbach, das erste, noch vor der Alme 
mit der Lippe sich vereinigende gewässer, die Pader, alts. Pathra bei 
Paderborn trägt schon des anlauts wegen einen völlig undeutschen 
namen; ob aber von der urzeit her oder aus späterer zeit, bleibe 
dahin gestellt im Podrebeki oder Potherbeke, j. Porbeck an der 
Ruhr*** scheint sich derselbe name zu wiederholen, ob weiter ab- 
wärts an der Lippe die Glenne mit der Glane an der Ems im 
namen nahe verwandt ist, lässt sich erst mit hilfe älterer urkund- 
licher belege entscheiden, der ältere name der Ase bei Hamm, 
noch im fünfzehnten Jahrhundert Arsene oder Orsene (Ledebur, 
Bructerer s. 297), ursprünglich also wohl Arsana, Arusana klingt 



* vgl. Elisa a. 983 ein bach bei Bingen, Elera c 850 bei Kreuznach, 
aber Alisni Alisna an der Weser und im wallonischen Lntzenbnrg bei Förstern. 2, 
54 f. 466. 1600. 

** Almana in der Transl Modoald. MG. 12, 307. derselbe ist wieder wie 
bei der Sieg und hessischen Elbe erhalten in dem Ortsnamen Almen an der 
quelle des flusses, Almina c. 850 Förstern. 2, 1600. 

*** Xacomblet nr. 52 a. 837, Förstern. 2, 1113, Crecelius Trad. Werthin. 
nr. 37. 2, 57. — Phetersheim bei Worms, Phedersee in Würtemberg kommen 
ebensowenig als mhd. pheteraere in betracht; aber malberg. podor? GDS. 549 f. 

DBUTSOHft ALTBBTUM0KUMDB H. 15 



226 DIE NORDDEUTSCHEN FLÜSSE. 

fremdartig und der der Stever bei Haltern, a. 800 bei Lacomblet 
nr. 18 Stibirne, empfielt sich nicht eben durch leichte Verständ- 
lichkeit, so dass sich das gebiet der Lippe als urgermanisch nicht 
gut behaupten lässt. 

dagegen het Ylie, der rechte nördlichste Rheinarm, bei Mela 
3, 2, 24 seltsamer weise schwachformig Flevo, bei Plinius 4 § 101 
Flevum, bei Tacitus Ann. 4, 72 ebenso das castell Flevum, bei 
Ptolemaeus 2, 11, 27 Qltjovn, in der Lex Frisionum* Fll Flehum 
Flehi, in der Vita Liudgeri Fleo fluvius, altfries. thet Fll oder F16 
kann mit lat. fluo fluvius nichts zu schaffen haben, da man dann 
im keltischen wie im deutschen bl im anlaut finden müßte. Fle- 
vum kann daher nur zu der wurzel plu gehören und da erweist die 
Verschiebung der muta den namen als deutsch, er zeigt noch den 
einfachen stamm der in alts. fliotan ndl. vlieten fliefsen erweitert 
ist, aber dieselbe vocalschwächung wie auch andre deutsche nomina, 
z. b. niujis niuwi neu gegen navjas, während das griechische 
den verbal- und nominalstamm plav in nXim und nlioq sonderte. 
Flevum F16o Vlie ist altes plavam , das sich von nX6o$ - plavas 
nur im genus und insofern unterscheidet als es gewis nicht 
Schiffahrt, sondern ström bedeutete**, durch einzelne ausnahmen 
wie diese und vorher Wipper aber wird das ergebnis dieser er- 
örterung nicht beeinträchtigt: wenn Main Lahn Sieg Ruhr Emb- 

* 1, 3—5. 8 eis Fli, 10 inter Fli et Sincfalam; 14, 2 inter Laubachi 
ac Flehum, inter Flehum et S.; add. 3, 58. 73 inter Flehi et S., 78 inter L. 
et Flehi. nirgend, weder bei den alten, noch später erscheint das mascolinum 
Flevu8. bei Plinius Inter Helinium et Flevum' ist das eine so gut wie das 
andre neutrum und auch in der lex ist Flehum nur die lateinische form der 
friesischen neutra Fli und Flehi. das friesische genus ergibt auch Richthofen 
Rechtsqu. 8. 18. 19. Fli und Flö aber verhalten sich zu Flevum Fleo Ylie wie 
fries. kni und kn£ zu got. kniu ahd. alts. ags. cneo ndl. nhd. knie. vgl. 
noch Westerfle' a. 1046 j. Westervlier in Overyssel, Förstern. 2, 1505. der 
pagus Flethetti an der Eem, bei Heda Episc. Ultraj. p. 41 a 786 Flehite, hat 
mit dem Flie nichts zu tun, Crecelius Trad. Werthin. 1, 33 f. 35. 

** das lange &, das Ptolemaeus annimmt, ist ganz unglaublich, ein ß 
wie in got her hier, alts. möda miete usw. ist nicht denkbar und nur ein 
solches würde ndl. Ylie ergeben, ein G, wie in got leYjan ahd. lauuen ags. 
laevan tradere prodere, ergäbe nur ndl. Ylauw, Ylouw, nicht Ylie. umgelautetes 
q aber, wie in ahd. flauuen fleuuen mhd. vlöuwen vlewen, und wohl auch in 
der Flea bei Kaiserswerd (Lacomblet 1 nr. 477 a. 1 181. 2 nr. 707 a. 1277), ist 
vor dem achten oder siebenten Jahrhundert unmöglich, vielleicht enthält ndL 
vlieboot ein schuf chen von 80— 100 tonnen noch das alte appellativ, und fries. 
fliueswerp wurf ins wasser (Richthofen Wh. 747), obgleich die genitivische com- 
position hier wenig wahrscheinlich ist 



DAS GEBIET DER GALLIEB. 227 

scher Lippe undeutsche und ursprünglich keltische namen sind, 
müssen Gallier vor den Germanen auch auf der rechten seite des 
Rheins gewohnt haben und wir dürfen hier ihr gebiet schon bis 
zur scheide der Rhein- und Wesergewässer ausdehnen, so dass die 
obere Ems und ihre Umgebung noch mit darin einbegriffen ist, 
wo gleich die Glane, Glana im zehnten Jahrhundert, mit den Ort- 
schaften Glane und Glandorf einen namen trägt 'der sich fast in 
allen einst von Galliern bewohnten ländern findet und dem deut- 
schen flussnamen Hlütra Lütra Lauter d. i. pura clara entspricht 9 *. 
durch 6ine Wahrnehmung aber glaube ich lässt sich die bisherige 
begründung dieser ansieht noch verstärken und zugleich die älteste 
grenze der Gallier und Germanen noch etwas weiter nach osten 
rücken und genauer feststellen. 

Im nordwestlichen Deutschland gibt es zahlreiche orts- und 
besonders flussnamen, die nach ausweis der Urkunden ehedem auf 
apa oder hochdeutsch afa, affa ausgiengen. man hält sie für com- 
posita und mit gutem gründe, denn wenn z. b. in der silva Caesia 
an der Ruhr, in dem Heisi mit dem ort Heisingi der bach Heisapa 
oder Hesapa j. Hesper heifst (s. 222)**, so muss Heisapa mit Heisaha 
gleichbedeutend sein, wie denn auch der hessischen Slierapha am 
Vogelsberg eine baierische Slieraha, der Waldaffa j. Walluf bei 
Wiesbaden der alte name der Moldau (s. 215) gegenüber steht, 
freilich auch ein Rosaffa von Rosaha — auf dem linken ufer der 
Wenra bei Dronke Antiq. Fuld. 6, 101 — unterschieden wird, allein 
unmöglich kann dies apa das arische ap wasser, das ebenfalls in 
griech. *Ania Morea, in Meaadmo* und altpreufs. ape fluss er- 
scheint, oder auch das lat. aqua got ahva alts. ahd. aha sein, 
weil auch bei dem Wechsel von QV und P, wie lat. quattuor 
quinque und got. fidvör fimf alts. fior fif ahd. fior finf lehren, die 
Verschiebung zu afa, affa im deutschen schon auf der ersten, 
gotisch niederdeutschen und nicht erst auf der zweiten, hochdeut- 
schen stufe eingetreten sein müste. ndd. apa ahd. afa, affa steht, 
wie apul in alts. ags. apulder altn. apaldr ahd. affoltera zu ir. 
aball, nur zu ir. ab fluss in richtigem Verhältnis, der nasallosen 
nebenform von skr. ambu ambhas (gr. o^ß^oq lat. imber), wonach 
der Humber bei Ptolemaeus "Aßoq^ der Avon bei Tacitus Abona, 

* Glück Kelt. nam. s. 187 anm. Förstern. 2, 583 f. 
** ein jetzt gleichlautender ortsname Hesepe westlich von Meppen auf 
der linken seite der Ems lautet in der Vita Meinwerci ganz verschieden Haspa. 
gehört dahin Rabodo de Hesepe bei Moser nr. 85 a. 1188? 

15* 



228 DAS GEBIET DER GALLIER 

die Abens oberhalb Regensburg Abusina heilst*, auch die Apula 
oder Appula j. Appel, der nebenfluss der Nahe unweit Kreuznach, 
wo die volksmundart das pp unverschoben lässt, war wohl ein 
gallischer Abulos oder eine Abula und die auffassung Apula legt 
nur den Zusammenhang von ab und aball dar, wonach unser 
'apfel', wie lat. pomum auch wohl mit potus potare poculum zu- 
sammenhängt, die saftreiche frucht ist, die, wie Uhland singt, 'mit 
frischem schäume 1 labt, wenn aber die keltische media in ab und 
aball, wie skr. ambhas wasser, abhra wölke dunst, gr. äyQog 
schäum beweisen oder doch sehr wahrscheinlich machen, erst aus 
der aspirata entstanden ist, so müssen apa affa und apul apfol im 
deutschen notwendig entlehnt sein, weil bei ursprünglicher, alter 
gemeinschaft der Wörter wir auch hier nur eine media und keine 
tenuis haben würden, es würde nur, da ir. ab masculinum ist, 
eine Veränderung des genus im deutschen anzunehmen sein, was 
keine Schwierigkeit hat, da aha, ahva darauf führte. 

Zu demselben resultat gelangt man wenn man die namen 
nicht als composita, sondern als derivata betrachtet, die allmäh- 
liche abschleifung der vocale macht allerdings apa, afa nicht zu 
einer ableitungssilbe, da auf ähnliche weise oft ein Substantiv als 
zweiter teil eines compositums in Ortsnamen einschwindet, allein 
in keiner germanischen mundart findet sich apa afa als Simplex 
oder selbständiges wort und auch in den nordwestlichen gegenden 
nie einfach als name**, immer nur als zweiter wortteil, und früh- 
zeitig wechselt es mit epa efa, ipa ifa, upa ufa so, dass dies nicht 
blofse Schwächungen, sondern gleichberechtigte und gleichbedeu- 
tende derivationssilben zu sein scheinen, die zeitweilig und zum 
teil nur durch das einförmige apa afa zurückgedrängt werden. 

die Erft, die bei Neufs in den Rhein geht, heifst bei dem 
cosmographus Ravennas 4, 24 nach seiner karte aus dem ende des 
fünften Jahrhunderts Arnefa, um 800 ndd. Arnapa, a. 1028. 1051 
wieder Arnefe und die frühere Verbindung des Leidener und Har- 



* Glück in Fleckeisens Jahrbüchern 1866 s. 600 f. 

** der kirchort Ape zwischen Leer und Oldenburg liegt teils schon aufser- 
halb des Verbreitungsgebiets der namen, teils kann es ursprünglich — alte ur- 
kundliche belege fehlen — leicht ein derivatum oder compositum sein, wie 
Epe an der Dinkel westlich von Metelen und Steinfurt, der gau Appha an 
der rauhen Alb (Stalin Wirtemb. gesch. 1, 2811) kommt gar nicht in be- 
tracht, da Appha (Affa) hier nicht niederdeutsches, sondern gallisches Apa 
Appa voraussetzt. 



IM WESTLICHEN DEUTSCHLAND. 229 

lemer meeres a. 866 Fennepa und Vennapa, Gennep an der mün- 
dung der Niers in die Maas a. 1022 Ganipa, a. 1096 Ganapia, 
die Wetz bei Wetzlar und die Herpf an der Werra unterhalb 
Meiningen nie anders als Wetifa, Wetiffa a. 819, und Heripfa He- 
ripha Herifa a. 788. 874 uö., während dem Hunnippe in der gegend 
von Deventer, a. 996 erwähnt, in Honnef am Siebengebirge wohl ein 
altes Hunnafa, Hunnefa gegenübersteht* die Horlof in der 
Wetterau heilst in den Fuldaer Urkunden Hurnuffa, in den Lor- 
scher Hurnaffa und der ungebrochene vocal der ersten silbe spricht 
für jene als die ursprünglichere form, ein zweites altes beispiel ist 
Werdupa (Mierdupa) a. 838 in den Niederlanden (Förstern. 2, 
1024); neben Anadopa (Wilmans Kaiserurk. 1, 36 a. 833) j. Ampen 
bei Soest steht jedoch Anadapun (Trad. Corb. § 431) und in andern 
fällen, in Asopo einer paderbornischen Schenkung von c. 1015 
(Erhard nr. lxxxvii, 25), Suropo a 1072 Sorpe, Kirsupu (Crece- 
lius Barmen s. 306) Kierspe, beide im westfälischen Sauerland, 
in Odupher(o) marca a. 772 (Cod. Lauresh. nr. 3019. 3743) bei 
Utphe in der Wetterau, Slierofero marca a. 812 an der Schürf in 
Hessen (s. 227) liegen wenigstens alte, durch die flexionen, das 
u des dat. sing., das o des gen. plur. bewirkte assimilationen vor. 
in fpha a. 782 j. Eif, Eifa bei Alsfeld in Oberhessen — ein andres 
Eifa, ehedem Ifa, nördlicher bei Hatzfeld — , in dem hessischen 



* vgl. Honnepel bei Calcar und Hunepe bei Crecelius III b Tr. Werthin. 
nr. 1 10, und zu der Herf Herifa, welcher name noch einmal unweit der Werra 
westlich von Heringen als Herfa wiederkehrt, Harf bei Grevenbroich an der 
Erft, vielleicht eine alte Harafa Harapa. — folgende namen aber haben mit 
den oben besprochenen wahrscheinlich nichts zu tun: Anrapun Erhard nr. xl 
a. 889, Anarupe (1. -repu) nr. lvi a. 948, Anrepe bei Moser nr. 221 a. 1247 
Andorf an der Hase bei Haselüne?, Aonrapon (1. Anorapon oder Anaropon) bei 
Crecelius II* 11, 46 wohl wie das erste Anreppen bei Büren im Paderborni- 
schen, Anraffa Arneffe Anraff an der Eder im Waldeckischen (Dronke Antiq. 
Fuld. 6, 42. 86, Landau s. 194); Astrepe Moser 2, 189 nr. 45 a. 1096; Astropon 
bei Crecelius DI» 60, 2 = Osterep Erhard nr. 1035 a. 1043 Oistrup nördlich von 
Stadtberge?; Uterapum und Urapaum? bei Ledebur Fries, gaue s. 30; Anatraffa 
-refa, Antrafa -refa saec. ix (Förstern. 2, 66) die Antritt, nebenfl. der Schwalm 
in Oberhessen; Alrefla a. 1074 Airepa a. 1126 die Alraf an der Eder in Waldeck 
(Landau s. 198); die Bentreff, bach der Wohra in Oberhessen, nimmt man 
zu Anatraffa, Bentreff noch Fortrapa Fortrepa in den Niederlanden (Förstern. 2, 
517, MG. 16, 443. 445) und Stenrapan bei Crecelius Tr. Werth. nr. 124 (Uli» 21), 
so sieht man dass wohl anders abzuteilen ist und daas der letzte wortteil rapa 
rafla, nicht apa affa ist doch vgl. zu Anrapun die Anara j. Gelbach im Engers- 
gau bei Beyer nr. 204 a. 959. 



230 PAß GEBIET DER GALLIER 

flussnamen Phiopha j. Pfiefe (s. 217), selbst in Eilpe a. 1019 bei 
Hagen südlich von der Ruhr, Urpha in Hessen südlich von Fritslar 
und in Elispa, Elisba* j. Eisbach an der Röhn, verglichen mit 
Elspe im westfälischen Sauerland, Elisopu a. 1000 bei Erhard 
nr. 697, Elsof nordwestlich von Hatzfeld und nördlich von Hadamar 
in Nassau, 'Elsaff' bei Neuwied (Beyer nr. 135 a. 893/1222), 
scheint dieselbe ableitung vorhanden und nur unmittelbar an den 
stamm gerückt zu sein. 

nun aber gibt es im deutschen oder germanischen überhaupt 
ebenso wenig eine ableitung dieser art (Gramm. 2, 183 ff.) als ein 
Substantiv apa, da von dem blofsen vocaleinschub zwischen liquida 
und muta, von fremdlingen wie hanuf hanaf cannabis, senaf senif 
sinapis, sowie von den gotischen adverbien auf -aba -uba ab- 
zusehen ist und rätselhafte, dunkle bildungen wie harluf licium 
und der volksname Usipii, Usipetes bei Caesar und andere mit 
entschieden keltischer ableitung**, nichts beweisen, wohl aber gab 
es im keltischen derivata auf -ab -ib -ob -üb — in Brittannien trifft 
man namentlich die flussnamen Avdoßa Toüvßtg ToviQoßtq — und 
auf -ap -ip -up (Zeufs Gr. 788 f. 796) und beide fassten die Ger- 
manen gleichmäfsig als -ap oder -ip auf. Gelduba, den von den 
Römern oft genannten ort*** am Niederrhein nördlich von Neufs 
gegen Ürdingen nannten sie Geldapa (Lacomblet nr. 83 a. 904), 
j. Gellep oder Gelb, und Gennep an der Niers, im elften Jahr- 
hundert Ganipa oder Ganapia (s. 229) ist kaum verschieden von 
Genappe (lat. Genapum) im wallonischen Brabant am gleichnamigen 
nebenfluss der obern Dyle und ganz ähnlich benannt wie Gama- 
phirn, Gemapium in der Normandie****. 

es scheint aber sehr wohl möglich dass die westlichen Ger- 



* über den gleichlautenden frauennamen s, JGrimm in Haupts zs. 3, 146 t 
bei Erhard 2, 68 nr. im a. 1015 erscheint auch seltsamer weise ein Dödapa, 
ähnlich dem oberhessischen Ortsnamen Düdaffa. — anders als die hessische 
Urpha j. Urfe ist, wie es scheint, die nassauische Auroff, im 12/13 jh. Urefe, 
Uriphi (Kehrein Namenbuch s. 244. 251) benannt. 

** Zeufs 89. Gr. 1 291 vgl. 789 Ussubium, ovcovßUtvfr 796 Warsipius. 
*** Plinius 19 § 90. Tacitus Hist. 4, 26. 32. 35. 36. 58. Itin. Anton, 
p. 255, 3. 

**** AJacobs Gäogr. des diplomes meroy. 1862 s. 32. 45. vgl. Gempe zwischen 
Löwen und Diest Galpen an der Gulpe, einem nebenfluss der Genie (Gnlia 
bei Begino MG. 1, 603 a. 891), zwischen Achen und Mastricht heifst bei den 
Wallonen Guloppe; so wird die Gempe wesentlich denselben namen tragen 
wie der ort in der Normandie. 



IM WESTLICHEN DEUTSCHLAND. 231 

manen, durch solche von den Kelten ererbte namen verführt, der 
ableitung eine nominale, substantivische bedeutung beilegten und 
sie für ihr aha verwendeten, das, soweit apa herscht, im bereich 
des niederdeutschen als zweiter teil eines compositums sogar da- 
neben selten ist so fehlt es allerdings nicht an zahlreichen neu- 
bildungen, in denen die erste worthälfte deutsch ist oder zu sein 
scheint , aber auch nicht an rätseln, die einer auflösung von deut- 
scher seite widerstreben, gerade unter den mehrfach wiederkeh- 
renden und verbreitetsten namen, wie ndd. Olpe Olepe im Bergi- 
schen bei Lennep und Lüttringhausen und südlich von Hückeswagen, 
im westfälischen Sauerland an der Bigge und etwas östlicher ein 
bach der Lenne mit Benolpe, ahd. Olaffa Oloffa j. Ulf, Ulfa in der 
Wetterau, Olfe oder Ulf in Hessen bäche der Fulda und der 
Sontra*. in solchen namen kann manches sonst verschollene 
deutsche wort erhalten sein, aber dieser wiederholt sich auch noch 
auf dem linken ufer des Rheins. Olef, a. 1130 Olefa (Lacomblet 
nr. 308) heilst ein flüsschen, das aus der Eifel kommend unterhalb 
Schieiden und dem ort Olef sich bei Gemünd mit der Urft ver- 
einigt, und der Olapa Olaffa Olefa völlig synonym ist die Olache ** 
j. Eulach bei Wintertur (Vitudurum); auch erscheint der erste 
wortteil nur anders abgeleitet in Olevia Olivia j. Oleve Olewig, 
einem bach bei Trier (Beyer nr. 310 a. 1038), in 'Olipag der heu- 
tigen Orne mlat Olena Olna in der Normandie bei Ptolemaeus 
2, 8, 2, und in Ulinabach bei Mersch in Lutzenburg (Beyer nr. 207 



* Landau Hessengau s. 109, Yilmar in der Zs. für hess. gesch. und landes- 
kunde 1, 258, Idioticon s. 5. — ich glaube dass auch Banfe Banefe, ein bach 
der Eder bei Landau 8. 191 und der obern Lahn bei Laasphe ebenso wenig 
etwas mit bann, bahn oder bana tod zu schaffen hat, als Hanepe (Crecelius 
Tr. Werth. 1, 65, 10), Hanapba Hannf oder Hannef bei Siegburg an der Lahn, 
Hanfe ein bach der Fulda bei Sünmershausen (nach Vilmar) mit bahn oder 
gar hanf (vgL Hanapium bei Laon, Beyer nr. 72 a. 845), oder dass ndd. Asapa, 
aus dem dat. Asopo s. 229 zu entnehmen, Asphe (Asfo a. 1107 bei Beyer nr. 
413. 462) an derWetschaft oberhalb Marburg, Esphe bei Simmershausen nach 
Landau s. 66 aus ahd. ason oder asön (Schmeller Wb. 1, 1151) zu erklären 
ist usw. 

** Mone Gall. spr. s. 197. er erklärt Olache als steinbach aus ir. oil 
stein, das aber wohl nichts anderes ist als altir. ail, der mutmaßliche stamm von 
AHao (8. 225, Zeufs Gr. 785); in den Keltischen forschungen s. 85 dagegen 
Ulstra durch ir. ole rinnsaL ein einfaches Ola finde ich bei Crecelius £Q* 60, 1, 
ein 'Osterol' in Toxandrien a. 815 in Cod. Lauresh. nr. 105; ob das jetzige 
Freienohl bei Arnsberg in Westfalen? wo sich auch noch andre ol finden, 
Bender Orten, s. 123. Woeste Iserlohn s. 89. 100. 



232 DAS GEBIET DER GALLIER 

a. 960), in Olisna j. Olenne bei SGivet (Pardessus 2, 402 a. 746), 
wohl auch in üliaros Olario j. OWron und in Ulstra, dem seit 
810 öfter genannten nebenfluss der Werra im Grabfelde, in die- 
sem zusammenhange scheint Olapa Olaffa völlig keltisch und immer 
werden solche namen als hybride bildungen anzusehen sein, da ihr 
letzter teil undeutsch ist und ins keltische weist, mag man ihn 
nun als ein ursprünglich selbständiges Substantiv oder als eine 
ableitung auffassen, die Verbreitung dieser bildungen auf ein be- 
stimmtes gebiet des nordwestlichen Deutschlands beschränkt wird 
daher, zumal bei der stätigkeit der flussnamen, einen schluss ge- 
statten auf die ehemalige ausbreitung der Kelten in jenen gegenden. 
Die äufserste nordöstliche grenze des gebiets bezeichnet, so- 
viel ich sehe, die jetzige Wörpe, ohne zweifei im zwölften, drei- 
zehnten Jahrhundert eine Werepe, Weripe und ehedem entweder 
eine Waripa oder Wiripa, Werapa* im alten lande der Angri- 
varier. sie verbindet sich nordöstlich von Bremen bei Liliental 
mit der Wümme, die ursprünglich denselben namen führte wie die 
Vimina, nach der der Vimen oder der pagus Vimnaus zwischen 
der Somme und Bresle in der untern Picardie benannt ist**, von 
da zieht sich die nordgrenze, so dass alle ursprünglich friesischen 
gegenden jenseit bleiben, in fast gerader richtung westwärts bis 
ins Kennemerland, das land der Canninefates, wo Ysp wohl ehe- 
mals Isapa hiefs und üpendam nordwärts von Amsterdam einen 
namen wie Ilpe bei Fredeburg im westfälischen Sauerland voraus- 
setzt, an der rechten seite der Weser aufwärts gegen Süden aber 
folgen, gleichfalls noch auf angrivarischem gebiet, die Zuflüsse der 
Aller oberhalb Verden bei Rethem, die Wölpe a. 1151 Wilippa, 
später Wilepa Welepe und die Alpe c. 1050 Alapa; vielleicht ist 
auch die Kaspau hinzu zu zählen, die schon auf ehemals cheruski- 
schem gebiet am Steinhuder meer vorbei in die Leine geht, die 



* Arnapa Arneffe Erffc (s. 228 f.), Bernaffa Berf in Hessen zweimal ein bach 
der Lahn und der Schwalm und vielleicht Wernapi und Werrepe? im nordosten 
ron Osnabrück bei Moser nr. 34 a. 1086 und nr. 90, 3 c. 1190 lassen freilich 
auch noch an eine dritte grundform denken. 

** Zeufs Gr. 784. in den unechten, erst im elften Jahrhundert ausgefer- 
tigten stiftungsurkunden der bistümer Verden und Bremen bei Lappenberg 
Hamb. urk. nr. 1 und Adam von Bremen 1, 13 (vgl. Erhard nr. 189. 192) heifst 
die Wümme zuerst Wiemena (zweimal), dann Wemma oder Wemna statt Wimena 
(Wimina) undWemena, a. 1124 bei Lappenberg s. 128 Wemna, a. 1139 nr. 161 
Wimena, a. 1190 nr. 293 Wmmena. der name scheint gut deutsch nach ahd. 
uuimjan und uuemön scatere, ebullire, Graff 1, 852. 



IM WESTLICHEN DEUTSCHLAND. 233 

Leine selbst scheint undeutsch benannt und Laina Lagina nur eine 
spätere mundgerechtere wortform gegen Loina Logna, die sich 
durchaus dem Moin Moenus oder der Logna -Lahn vergleicht, 
die Ortsnamen Maspe nördlich von Hanover bei Bissendorf, Gospe 
der niederländischen Gusaha (Cod. Lauresh. nr. 97 a. 776) und der 
Gosa bei Goslar vergleichbar und Hespe, vielleicht ein altes H&sapa 
(s. 222 anm. 2), zu beiden Seiten des Schaumburger waldes gehören 
noch demselben bereiche an. etwas südlicher begegnen die Despe, 
die bei Gronau in die Leine fällt, dann Dörpe zwischen Koppenbrügge 
und Elze, Daspe an der Weser Hehlen gegenüber im Braunschwei- 
gischen, endlich Schlarpe zwischen Uslar und Hardegsen. in diesem 
striche lag auch wohl Assapa (Trad. Corbej. § 41), verschieden von 
dem wie es scheint paderbornischen Asapa (s. 229. 231 anm. 1), die 
aber beide heutzutage wohl Aspe oder auch Espe heifsen würden 
und damit das aussehen bekommen hätten als wären sie nach 
aspa espe benannt*, während die hessischen Asphe und Esphe 
diese Zweideutigkeit vermeiden, östlich aber von der mittagslinie 
von Göttingen und Hildesheim oder der westlichen vorberge des 
Harzes finde ich diese namen nicht mehr** und weiter südlich auf 
dieser seite der Weser auch nur den bach Walfe bei Walhausen 
nördlich von Soden und Allendorf, allein weiter nach Thüringen 
hinein nichts dergleichen, wo Erfa j. Friedrichswert an der Nesse 
im Gothaischen eher ein Erfaha (Braunau) als Erifa ist, ob- 
gleich nur wenig westlicher Luppenitz a. 778 Lupentia, dann Lu- 
penza entschieden undeutsch lautet***, selbst Eisenach mhd. Isenache, 

* ein name dieser art ist Aspa c. 1115 bei Lappenberg 1, 125, j. Aspe, 
östlich von Bremervörde nnd Aspe, Hohenaspe in Holstein ua. vgl. Förstern. 
2, 114 f. 

** anf der Papischen karte von Hanover finde ich noch ölper eine localit&t 
im Hasenwinkel südöstlich von Fallersieben, Olper und Schwülper bei Braun- 
schweig, Olper südwestlich, Hedeper südöstlich von Wolfenbüttel, zwischen 
Blankenburg und dem Regenstein den Harlipperberg (vgl. oben s. 230 harluf ? 
oder Harlungeberg? W Grimm HS. 38 anm. Haupts zs. 15, 312 f.), endlich die 
Wenper einen landstrich zwischen Hardegsen und Moringen. es ist möglich 
dass wie bei der essenschen Hesper (s. 222 anm. 2) und sonst der leutename, 
der name der anwohner auf den bach oder landstrich übertragen ward, aber 
da bach- nnd flussnamen dieser art neben den Ortsnamen auf -per gänzlich 
fehlen, so wird es mit diesen wohl eine andre bewandtnis haben, und würklich 
finde ich bei Lüntzel Hildesheim s. 355. 360 a. 1022 cum silva Alabure. für 
Ölper und bei Dronke Trad. Fuld. 41, 4. 23 Suilbore für Schwülper. 

*** vgl. Zeufs Gr. 798 anm. über die orts- und flussnamen auf -anza -inza 
-enza in Deutschland, doch könnte Lupentia auch wohl slawisch sein. vgl. 
Leontia Lenzen, Lupow und die Luppe bei Merseburg. 



234 DAS GEBIET DER GALLIER 

verglichen mit dem trierischen Eisenach a. 826 Isinacha (Beyer, 
nr. 58), den flussnamen isana, Isara und Ortsnamen wie Andernach 
Antunnacum, ein höchst verdächtiges aussehen gewinnt und mit 
den thüringischen Tribun, Trebra an der Um und an der Unstrut*, 
der Finne (brit. penn köpf) uam. leicht als keltisch in ansprach 
genommen werden könnte. 

Dagegen im westlichen gebiet der Werra und Fulda zähle ich 
über dreifsig, im gebiet der Lahn, in der Wetterau und am Taunus 
etwa zwanzig hieher gehörende namen und nicht minder zahlreich 
als an der obern Lahn und in Niederhessen sind sie im an- 
grenzenden Westfalen, überhaupt von der mittleren Weser bis zum 
Rheine stark verbreitet, und weiter ziehen sie sich ins Niederland, 
sowie andererseits über den Rhein nach Brabant und ins Wallo- 
lonische hin, bis sie in Flandern wie es scheint verschwinden, 
man kann sie nur als eine zusammenhängende, gleichartige masse 
betrachten und nicht 6ine landschaft willkürlich von der andern 
trennen ohne vielfache fäden, die hinüber und herüber laufen, zu 
zerreifsen. Wilp bei Deventer an der Issel heifst zwar im neunten 
Jahrhundert Huilpa, also ganz anders als ehemals die Wölpe (s. 232) 
und der alte name derselben kehrt wohl nur als Wilpe an der 
Twiste im hessischen Sachsengau wieder, aberVelpe bei Osnabrück 
(Vellepe Moser nr. 90, 9 c. 1190) wiederholt sich in Velp, im neunten 
Jahrhundert und später Pheleppe Vellepe Vallepe bei Arnheim, in 
Feiepa a. 741 bei Pardessus 2, 379 j. Velpen an der Velpe, einem 
nebenfluss der Demer in Südbrabant, vielleicht in Philuppa in pago 
Falmine (s. 196 anm. 3) a. 874 bei Martine et Durand 2, 29 und in Villip 
westlich von Rolandseck, Philippia, Filippia bei Beyer nr. 120 a. 882 



* der name wiederholt sich noch dreimal in Niedersachsen, an der untern 
Leine, an der Hunte und in Westfalen, and zum sechsten male in der bekann- 
ten pfalz am Rhein, Förstern. 2, 433. an das sahlwort dri alte, thri und an 
bür ist dabei augenscheinlich nicht zu denken, entweder ist der name von 
der pfalz auf die andern orte übertragen oder ein dem stamme, vielleicht auch 
der ableitung nach fremdes appellativ (vgL oben s. 215 anm. 2 chuburia cla&sis, 
rates ua. und kymr. treb, tref wohnung) war einmal, Ähnlich wie später cami- 
nata kemenate, für eine art gebäude oder einrichtung eines wohnplatzes ver- 
breitet, wäre der name von der keltischen Urbevölkerung ererbt, würde er 
alte, mindestens Thribnri ahd. Driburi, wenn nicht Thripuri, Driffdri lauten. — 
ein andrer merkwürdiger thüringischer name dieser art ist Tricasti im Altgau 
an der Unstrut bei Dronke nr. 68 vor 779, Tricusti nr. 610 a. 874, der an die 
Tricastini in Gallien allzu sehr erinnert und daher schwerlich etwas damit zu 
schaffen hat. 



IM WESTLICHEN DEUTSCHLAND. 235 

uö. ; und wenn auch die Erpe an der Diemel nicht wie die Erft (s. 228) 
eine alte Arnapa, oder wie Erp in Nordbrabant Erthepe (Miraeus 1, 
173 a. 1134), sondern eher der villa Erupfa in pago Wabrense west- 
lich von Diedenhofen (Hontheim 1, 56 a. 771) gleichnamig wäre, 
so entspricht doch die Urft wohl der hessischen Urfe (s. 230 anm. 1), 
mag sie immerhin als nebenfluss der Rur auch Orcuntrura (s. 222) ge- 
heifsen haben, ihr nebenflüsschen, die Olef (s. 231) ergab bereits 
eins der schlagendsten beispiele des Zusammenhangs der namen 
diesseit und jenseit des Rheins und auch auf andre Übereinstim- 
mungen ist gelegentlich schon s. 228—234 aufmerksam gemacht 
die südgrenze des ganzen gebiets aber bezeichnet ungefähr die 
Aschaff auf der rechten Mainseite bei Aschaffenburg, Ascapha beim 
cosm. Rav. 4, 26 (p. 233, 1). südlich vom Maine sind diese namen 
ungemein selten, ich kenne nur den ort Alphen am obern Rhein 
bei Waldshut, der einmündung der Aar gegenüber, a. 861. 866 
Alaffa Alapfa, augenscheinlich, wenn keine teuschung stattfindet, 
ebenso benannt wie die Alpe der nebenfluss der Aller (s. 232) und 
der ort Alpe bei Benninghausen westlich von Lippstadt; dann in 
Würtemberg südlich von Murrhard an der Murr die Wieslauf 
a. 1027 Wisilaffa (Stalin 1,597 f.), die sich buchstäblich der pol- 
nischen Wisloka vergleichen lässt, aber vielleicht nach dem dritten, 
hier noch in betracht kommenden namen zu beurteilen ist. denn 
die Erlaf bei Bechelaren in Österreich unter der Ens, Erlafa 
a. 832. 853 ist von dem anliegenden orte, bei Ptolemaeus und auf 
der römischen reisekarte Arelate, nach dem Itin. Anton, und der 
Notitia dign. aber Arlape, Arlapa benannt und dies ein composi- 
tum das, wie Tergolape an der Traun zeigt, in Ar-lape oder wahr- 
scheinlicher Are-lape zu zerlegen ist (Zeufs Gr. 866. 868. 895. 900), 
so dass der name und der vielleicht ähnlich gebildete der Wies- 
lauf gar nicht in die reihe der übrigen gehört, immerhin aber 
wird ein beispiel aus Süddeutschland, wie Alaffa, nur in der Über- 
zeugung bestärken, dass die prototype für die im nordwestlichen 
Deutschland so stark vertretene gattung von namen im keltischen 
zu suchen sind, sie erstrecken sich hier über den ganzen alten 
bereich des istvaeischen Stammes, dem die Angrivarier an der 
Weser noch angehörten, und seiner nachkommen, der Franken, 
nur dass der westliche teil des Cheruskerlandes bis gegen den 
Harz und ganz Hessen mit den ihm west- und südwärts an- 
grenzenden landstrichen hinzukommt, ein resultat das um so merk- 
würdiger erscheint wenn, wie sich später zeigen wird, die ab- 



236 DIE KELTENZÜGE. 

sonderung jenes Stammes von den Sueben oder Altgermanen nur 
durch den einfluss der westlichen, gallischen cultur erfolgte und 
auf ihrer einwürkung beruht. 

Durch diese erörterungen ist mindestens eine grenze gewonnen, 
an der sich vorläufig jeder begnügen wird, der eine methodische 
lösung der behandelten frage sucht, methodisch wird sie nur der- 
jenige lösen der für keltische und deutsche namenforschung gleich 
vorbereitet nach beiden Seiten hin gleiche gerechtigkeit zu üben 
bereit und befähigt ist und nicht mit der blofsen möglichkeit und 
leichtigkeit der deutung aus dem keltischen sich begnügt, sondern 
schritt für schritt vorrückend ihre notwendigkeit zu erweisen "sucht 
und nur aus dem gröfseren, ununterbrochenen zusammenhange die 
berechtigung für die deutung des einzelnen schöpft, bis diese 
Untersuchung geführt und methodisch die beweise erbracht sind, 
die weiter zu gehen nicht blofs gestatten sondern zwingen, bleiben 
wir an der ermittelten grenze stehen und halten daran fest dass 
der Harz, die Thüringer und die weiter ostwärts streichenden 
höhen einst den urwaldgürtel bildeten, der die Germanen von den 
Kelten schied, so dass sie nur nordwärts in der ebene zusammen- 
trafen. 

* Wann nun die Gallier dies gebiet östlich vom Rhein und nörd- 
lich vom Maine geräumt und die Germanen es eingenommen haben, 
wird sich nie vollständig ausmachen lassen, weil wir nur von 
den südlichen vorstöfsen und auslaufen der Kelten, nicht aber 
den gleichzeitigen Veränderungen innerhalb ihrer völkerweit künde 
erhalten, doch sind rückschlüsse möglich und wenn man alle in 
betracht kommenden nachrichten und momente zusammenfasst, so 
ergibt sich immerhin ein merkwürdiges und für uns wichtiges 
resultat 

Wir wissen von drei grofsen Keltenzügen, die nach einander 
die drei südlichen halbinseln unseres Weltteils trafen und die man 
darnach den iberischen italischen und griechischen oder auch nach 
dem namen, den die eindringlinge auf jeder halbinsel führten, den 
keltischen gallischen und galatischen benennen kann, durch die 
Ora maritima des Avien ist uns noch eine Urkunde erhalten aus 
der zeit wo der Keltenname unbekannt war. wir finden ihn allein 

* die folgende abhandlung über die Keltenzüge wurde am 1. mai 1873 
der Berliner academie vorgelegt. 



DER IBERISCHE ZUG. 237 

in Iberien in volkstümlichem gebrauch* und von dort aus war er 
im fünften Jahrhundert v. Chr. zu den Griechen gelangt (DA. 1, 97. 
107). wenn er daher noch dem alten periplus Aviens fehlt, dieser 
aber die gründung von Massalia im j. 600 und schon das auf- 
blühen der stadt voraussetzt, so fällt der Kelteneinbruch in Iberien 
gegen das ende des Jahrhunderts und nicht später (DA. 1, 108 ff.). 
der italische oder gallische zug wird dann chronologisch bestimmt 
durch die eroberung Melpums, der reichen etruskischen Stadt in 
der nördlichen Poebene, die an demselben tage an dem Camillus 
im j. 396 Veji eroberte von den Galliern zerstört sein soll (Plinius 
3 § 125), sowie durch die einäscherung Roms durch die Gallier im 
j. 390 oder 389. das erscheinen endlich der Galater in Thracien, 
Macedonien und Griechenland, sowie ihr Übergang nach Asien 
fallt bekanntlich in die jähre 281—279/8 und früher ist dieser 
name nicht gebräuchlich**. 

Der iberische zug gieng ohne zweifei von Gallien aus und 
über die westlichen Pyrenaeen, da das reiche, untre Ebrotal von 
ihm gänzlich unberührt blieb***, ein näherer Zusammenhang zwi- 
schen den keltiberischen und gallischen volks- und Ortsnamen zeigt 
sich jedoch nicht, so dass man daraus über die herkunft und ur- 
sprungsstätte des zuges etwas bestimmteres schliefsen könnte, nur 
ist es wahrscheinlich dass sich die Gallier damals weiter gegen 
die Garonne ausgebreitet und vielleicht erst damals die aquitani- 
schen Iberer über den fluss zurückgedrängt haben, die teilung 
der Bituriges in Bituriges Vivisci am untern Garumna und Bitu- 
riges Cubi südlich vom Liger liegt in der richtung des zuges, und 
sollte sie auch einer späteren zeit angehören, so hat doch der 
periplus nördlich von den Pyrenaeen am biscayischen busen noch 
einen besondern, später verschollenen namen, die Draganer statt 



* zu den Celtici am untern Tagus und mittleren Anas, der stadt Celti 
im tal des Baetis und dem völlig iberischen gentile Celtitanns (DA. 1, 166 f. 
vgl. Kiepert in den Monatsber. 1864 s. 149) kommt noch der name ( Celtaub', 
der nach dem mir nicht zugänglichen buche von Monin Monuments des anciens 
idiomes gaulois ebenso wie Celtitanus auf münzen gefunden sein soll, Kuhns 
beitr. 3, 363. 

** DA. 1, 167 anm. vgl. ASchmidt de fontibus auctorum in enarrandis 
expeditionibus a Gallis in Graeciam susceptis s. 57 und im Rhein, museum 
1836 s. 366 f. 

*** Kiepert in den Monatsberichten der Berliner academie 1864 s. 161 f. 
und wegen der keltiberischen Ortsnamen s. 146 ff. 



238 DIE KELTENZÜGE. 

der Aquitanen, der um so mehr ins gewicht fällt, weil er alle 
nördlicher an der Loire und weiterhin wohnenden mit denen an 
der Rhone bis zum L6z bei Montpellier in 6ine masse als Ligurer 
zusammenfasst (DA. 1, 104. 95 f. 190 ff.)- der name Dragani, 
wegen der consonantverbindung im anlaut uniberisch und daher 
von fremden zur Unterscheidung der volksstämme beigelegt, lässt. 
mit grund vermuten dass zu seiner zeit die Iberer noch weiter 
an der küste abwärts wohnten, als nachmals, wo die Tarbeller 
auf das schmale stück oberhalb des Öden landes beschränkt waren, 
wie mächtig und massenhaft die Kelten in Iberien eingewandert, 
erhellt aus der stärke und ausdehnung in der sie sich dort inmitten 
einer kriegerischen bevölkerung behaupteten, aber es scheint fast 
dass die erste geschichtliche Keltenbewegung nur gegen Südwesten 
gerichtet gewesen ist und nach andern Seiten hin nicht gewürkt hat. 
Die brittischen inseln und das nördliche Gallien, wenigstens 
von der Loire an, waren zur zeit des periplus von Kelten be- 
völkert, denn war Irland damals von den Hlernern, Grofsbrittannien 
(Albion) von den Albionern bewohnt (DA. 1, 92 ff.), so müssen 
Kelten auch auf dem gegenüberliegenden festlande gesessen haben 
und hier unter die Ligurer begriffen sein, die gemeinsame sprach- 
form, die die bewohner Albions, die eigentlichen Britten mit den 
Galliern verband und beide von den Iren unterschied (Zeufs Gr. v ff.), 
kann kaum auf beiden Seiten des Ganais sich so gleichmäfsig aus- 
gebildet haben, es muss wohl einmal eine Übertragung durch eine 
Wanderung vom festlande auf die insel stattgefunden haben, und 
denkbar wäre dass derselbe ström, der Iberien überflutete, sich 
im westlichen Gallien geteilt und in nordwestlicher richtung auch 
über die insel sich ergossen hätte, aber die annähme entbehrt 
jeder Wahrscheinlichkeit, wenn auch Pytheas erst die namen 
TlQsxTavol, IJQSTTavixr] kennt und noch später, vielleicht erst kurz 
vor Caesar (Bo. 5, 12, vgl. 2, 4. Zeufs 192), sich Beigen im süd- 
lichen Brittannien ansiedelten, trotz dem neuen, unterscheidenden 
volksnamen hat die insel ihre bevölkerung in der Zwischenzeit 
zwischen dem periplus und Pytheas gewis nicht gewechselt, da 
dieser auch noch ihren alten namen Albion in gebrauch fand und 
überdies berichtete dass sie von autochthonen Völkern bewohnt 
werde (DA. 1, 92. 94 i 375. 469); eine meinung die kaum auf- 
kommen und nicht sich festsetzen konnte, wenn die Britten erst 
seit noch nicht zweihundert jähren aus Gallien eingewandert 
wären. 



DER IBERISCHE ZUG. 239 

Ebenso scheint auch der zustand an der Rhone, den der 
periplus vor äugen hatte, bis gegen das vierte Jahrhundert im 
wesentlichen derselbe geblieben zu sein und erst dann eine ge- 
waltige Veränderung durch eindringlinge von norden her erfahren 
zu haben, allerdings, wenn der auctor des periplus Kelten und 
Ligurer noch nicht unterschied, so können jene sich auch hier 
bei ihm leicht unter diese verstecken, aber seine Salyer sind auch 
später als echte Ligurer anerkannt, die Clachilier sind es ihrem 
namen nach (DA. 1, 197) ebenfalls, die Nearchi an der Rhone- 
mündung mit ihrem griechisch geformten namen, die Daliterni und 
Tylangii aufwärts am flusse bis gegen Lyon sucht man vergeblich 
unter den späteren gallischen Völkern dieser gegenden, der Rho- 
danus selbst trägt einen ligurischen, nicht einen gallischen namen* 
und der 'mons dorsa celsus', nach dem die Gemmenice regio be- 
nannt wurde, das Kippevov oQog oder die Ksppivti der Griechen 
braucht nicht ursprünglich von den Kelten benannt zu sein (DA. 
1, 193), von dem stagnum Tauvum, wenn so statt Taurum bei 
Avien zu lesen ist (DA. 1, 190 mit anm.), gar nicht zu reden, die 
Heraklessage von dem kämpf auf dem steinfelde, die unverfälschte 
gründungssage von Massalia, Hecataeus und Herodot 5, 9. 7, 165 
(DA. 1, 96 f. 177. 179 mit anm. 186 f.) wissen nur von Ligyern 
in der Umgebung von Massalia und neben ihnen nichts von einem 
zweiten fremden volke, das man ebenso gut als die Iberer (DA. 
1, 187. 190) von ihnen unterschieden hätte, wenn es dort ange- 
troffen worden wäre, erst mit dem italischen zuge haben die Kelten 
das Mittelmeer erreicht und erst im vierten Jahrhundert erscheinen 
sie als mietlinge in griechischen und karthagischen beeren**, wo sie 
nicht gefehlt hätten, wären sie früher zur band gewesen, die 
frühste spur ihres Vordringens wäre wenn Alcibiades im j. 415, in- 
dem er den Lacedaemoniern den plan Athens nach Unterwerfung 
der westlichen Griechen sich mit ganzer macht auf den Peloponnes 
zu werfen auseinander setzt, bei den worten (Thuc. 6, 90) noXXovg 
<W ßccQßaQovg piOxfotaccpsvo* xal "IßtjQag xal aXXovg x&v ixtl 6(M>- 



* DA. 1, 194. — Zeufs Gr.» 11 anm., Glück 8. 148, WStokes in Kuhns 
beitr. 6, 229 wissen für die dentang 'violentns' nichts ans dem keltischen selbst 
heimbringen. Glück steUt 'Podnvog zn der wnrzel rath gr. £o£-, Stokes zu 
rad Andere f ödere; aber auf diese weise wird man so ziemlich alle flnssnamen 
als keltisch nachweisen können, zuerst kommt es doch darauf an eine berech- 
tigung für die dentung zn schaffen, wo aber wäre dies hier geschehen? 
** Dnncker Origg. germ. p. 20—22. vgl. DA. 1, 232. 



240 DUB KELTENZÜGE. 

Xoyovpsvax; yvv ßaqßtxQMv {ka%*pwta%ov$ nicht blofs an die Li- 
gurer, sondern schon an jene gedacht hätte, einen merkwürdigen 
fingerzeig oder beleg gewährt noch die in den alten periplus ein- 
geschaltete notiz (DA. 1, 198) dass Arelate, die gallische Stadt 'im 
sumpfe' (das. 197), ehemals Theline geheifsen habe und von Griechen 
bewohnt gewesen sei, da wenn die Stadt dem alten periplus noch 
unbekannt war, ihre anläge also frühestens zu ende des sechsten Jahr- 
hunderts oder ins fünfte fällt, die ankunft der Kelten jedesfalls später 
bis gegen oder in das vierte hinabgerückt werden muss. wir dürfen 
nach alledem annehmen dass der im periplus vorausgesetzte zu- 
stand an der Rhone im wesentlichen unverändert bis ins fünfte 
Jahrhundert andauerte und dass, wie im westen ungefähr der Liger 
bis zum iberischen zuge, so im osten die obere Rhone oberhalb 
Lyon etwa die südgrenze der Kelten war, die sie erst mit dem 
zuge nach Italien überschritten, es sei denn dass das Ki\h\*€vov zu 
der folgerung berechtigte dass sie das mittlere gebirgsland der 
Cevennen schon früher eingenommen, nur 6in datum scheint für 
eine frühere südliche oder südöstliche ausbreitung des volksstammes 
zu sprechen. 

Von den Alpen erlangte man in Griechenland erst spät und 
allmählich eine künde, wie sich die Vorstellung von ihnen ent- 
wickelt, ist früher im ersten bände s. 431—433 noch unvollständig 
dargelegt; doch genügen die dort gegebenen nachweise und belege 
für den ersten teil der folgenden auseinandersetzung. — Herodot 
hatte noch keine ahnung von dem hochgebirge, da er 2, 33. 4, 49 
(DA. 1, 97) den Ister bei den Kelten und der Stadt Pyrene im äufser- 
sten westen entspringen und ganz Europa durchströmen lässt auch 
Aristoteles hält noch an dieser ansieht von dem Ursprünge und 
laufe des fiusses fest, verbindet aber wunderlich damit eine neue 
künde, indem er das mächtige und hohe gebirge der Arkynien, 
von dem die meisten flüsse nach norden entströmen, nördlich über 
den Ister setzt, westlich oder südwestlich von den Rhipen im 
äufsersten Scythien und im eigentlichen norden von Griechenland, 
war aber die Vorstellung von dem grofsen gebirge in der mitte 
Europas nur erst einmal gegeben, so konnte die berichtigung der 
ansieht von dem Ursprünge des Isters nicht lange ausbleiben und 
schon Ephorus verlegte ihn, mit berufung auf die sage anderer, 
an seine bei Scymnus leider unbenannte OTfjXfj ßoQ$io$, die bei den 
Enetern und Istrern am innersten Adria beginnend in gewaltiger 



DIE ARKYNIEN UND DIE ALPEN. 241 

höbe bis zum ocean und zu den äufsersten Kelten reicht, das- 
selbe gebirge, o&ev b "Imqos vavainoqog ix njjyäv aiqexa^ aber 
hiefs vielleicht schon bei Theopomp, jedesfalls bei namhaften 
Schriftstellern des dritten Jahrhunderts, die über die Argonauten- 
fahrt handelten, ^Eqxvvuh dqv^l oder 'Eqxvvu* öqij, und dass da- 
mit zunächst die Alpen gemeint sind, erhellt aufs deutlichste aus 
einer stelle des Apollonius von Rhodus, wonach am *Eqxvvio$ 
axömlog im lande der Kelten der Eridanos sich dreifach teilt, 
dabei ungeheure seen bildet und einen arm, den Eridanos-Po, ins 
ionische oder adriatische meer, als zweiten den Rhodanos ins sar- 
donische und den dritten nordwärts in den ocean entsendet; wes- 
halb auch noch von späteren das 'Eqxwhov oqos nach Italien ge- 
setzt wird, dabei wurde die Vorstellung von der ausdehnung des 
gebirges gegen norden, wie sie bei Aristoteles und Ephorus her- 
vortritt, nicht aufgegeben, obgleich es bei Apollonius so scheint, 
auch Timaeus dachte sich die "Eqxvvuh 6vo(Aa£6p€v<H ÖQvpoi, ovg 
(ktyiovovg vndQ%6iv naQsdrjifafjksy %&v xaxa %ip EvQoinfir, weit- 
hin nach norden gegen den ocean vorgestreckt, so dass Brittannien 
ihnen gegenüber lag (DA. 1, 470 f.), und auf die höhe des ge- 
birges stützte er seine theorie von flut und ebbe oder den flut- 
erscheinungen in den gallischen Aussen (DA. 1, 366 anm. 1. vgl. oben 
s. 166 anm. 1). auch Eratosthenes und die 'etlichen Griechen 1 , bei 
denen Caesar die *Oqxvvhx erwähnt fand, haben sicherlich keine 
andre, wesentlich verschiedene Vorstellung gehabt, daran schliefsen 
sich dann Posidonius, Dionys von Halicarnass (s. 170. 176. 178) und 
die anderen späteren an, auch die dichter wie Krinagoras und 
Seneca (DA. 1, 432 anm.),. bei denen der name auf die höhen des 
mittleren und südlichen Deutschlands eingeschränkt, nicht aber 
verschoben oder erst übertragen ist, nachdem für das hochgebirge 
der name Alpen herschend geworden war. 

Wenn man aber von anfang an sich das gebirge in dieser 
ausdehnung gegen norden und zugleich als den Ursprung vieler 
und grofser, zum teil in den nördlichen ocean mündender flüsse 
dachte, so muss die Vorstellung von ihm zuerst, und zugleich auch 
der name liqxvvut 'Eqxvvia "Oqxvvux, aus dem Westen von Gallien 
her nach Griechenland gekommen sein, ebenso deutlich dagegen 
ist dass der name Alpen von Italien ausgegangen oder verbreitet 
worden ist. Herodot, der zwar von dem gebirge keine Vorstellung 
hatte, kannte doch schon den namen. vergeblich hatte er sich in 

DEUTSCHE AI.TKttTUMSKUNDE Tl. \ß 



242 DIE KELTENZÜGE. 

Thracien bemüht über den mittleren Ister auskunft zu erhalten: 
man sagte ihm dass da vor bienenschwärmen nicht durchzukommen 
sei 5, 9 f. dagegen in Italien , wo er diese bücher ausarbeitete, 
hatte er erfahren 4, 49, ix %qg xatvmQ&s x^Qfö Opßqixüv 
Kccqtik; nota/Aog xal aXXog v AXn%g t ngog ßoQitjv av&ixov xal oJto* 
Qdoweg, ixdidovto ig avxov. zu fragen welche flüsse hier gemeint 
seien ist unnütz, weil sich bei der Unbestimmtheit der künde keine 
antwort darauf erteilen lässt. aber unzweifelhaft deutet der 
v AXmg auf die "AXmig und ebenso der Kdqmg auf den freilich erst 
von Ptolemaeus uns genannten Kaqndx^ dessen einfachere namen- 
form des Ptolemaeus KaQmavolj die späteren Carpi und schon des 
Ephorus Kccqnidcu. wenn dieser narae nicht aus einem Verderbnis 
bei Scymnus 841 entsprang, voraussetzen, obgleich Herodot, dem 
seine nachricht aus dem norden von Italien zugegangen war, beide 
flüsse nach norden fliefsen lässt. unentschieden bleibt nur ob die 
Alpen den namen schon in Italien oder aufserhalb desselben an 
ihren östlichen auslaufen gegen den Ister hin führten, wohin 
Kdymg weist. 

aber auch die nördliche säule des Ephorus, die bei den Ene- 
tern und Istrern am innern Adria aufsteigt, scheint "AXncia ge- 
heifsen zu haben; wenigstens gibt es für Stephanus Byz. 78, 8 

"AXne ia, xtuiv nqog dqxtov trjg Tv§Qtjridog xal *Ioviccg OaXaGGric, 

wo man unsinniger weise gegen alle hss. rjiwy statt xmv drucken 
lässt, keine andre beziehung, die auch Meineke erkannte, und der 
übrige inhalt des artikels — oi xatotxovvtsg "AXmw xal "AXnng 
xal "AXnsta OQtj xal "AXßta ' dixrj ydq rj yQacptj, xal did %ov n xal 
diä tov ß ' xal *AXßia ij %toQa diä tov ß — lässt nicht daran zwei- 
feln dass die grammatiker dabei nur an das Alpengebirge, nicht 
an ein gestade gedacht haben. 

der zeit nach folgt dann die erwähnung der 2dXma bei Ly- 
kophron 1361, dessen Schilderung von den eroberungen der lydi- 
schen Tyrrhener eine gute localkunde zeigt, so dass die be- 
ziehung des namens nicht ungewis bleibt: 

"AyvXXav AvGovluv hlgexwyLaaav, 1365 

deivijv AtyvGxivoiGi, rotg r' aq>' alparog 

£f£av Yhyavitov S&ovaav xsxTtjpivoig ' 

XoyxiS iv vopivtjGi, {ü^avteg ndXijv. 

ttXov 6s üloav xal öoQixtfjioy %0-ova 

nätSav xaikioydtiavxo trjp 'OfißQCöv niXag 1360 

xal —uXnitov ßt-ß&Crtv ü/#^(Hi3v ndymv. 



DIE ARKYNIEN UND DIE ALPEN. 243 

es ist darnach anzunehmen dass die 2*Xma oder "Alma, wie 
noch Posidonius sagt, auch dem gewährsmanne des Lykophron für 
die westlichen gegenden, dem Timaeus und gewis auch dem Lycus 
von Rhegium bekannt waren (DA. 1, 430. 434 ff. 462 ff.), bei 
andern Schriftstellern und dichtem des dritten und vierten Jahr- 
hunderts mag Posidonius (s. 173) die "Alma auch als "OXßta ge- 
funden haben*; wogegen Strabo p. 202 (vgl. vorher Steph. Byz.) 
behauptet tä "AXnua xaXtta&cu nqoteqov "AXßia, xa&dmQ xai 
"Alntivd. es bedarf jedoch weiter keines beweises dass der name 
als unterscheidende benennung für das hochgebirge Mitteleuropas 
erst mit dem zuge Hannibals, und zwar in der form "AXneiq Alpes, 
allgemein anerkannt und herschend wurde und den der Arkynien 
oder Herkynien zurückdrängte. 

Im kymrischen, der dem altgallischen zunächst verwandten 
mundart bedeutet nun cwn = cun höhe , cynu = cunu surgere, 
argwn = ar-cun apex, erchynu = er-cunu elevare, argyniad oder 
erchyniad = ar- er-cuniat elevatio und Hercuniates hiefsen die wahr- 
scheinlich wie die Aravisci, ihre nachbarn, pannonischen bewohner 
des Bakonyerwaldes bei ihren keltischen landesgenossen (Zeufs 3. 
256 f. Gr*. vii. 92, Glück s. 10 f.). der name *Aqwhna 'Eqxvvhh; 
ist daher unzweifelhaft keltisch und, wie schon aus der Vorstellung 
die die Griechen damit verbanden geschlossen wurde, von den 
Galliern beigelegt, die zeit seines auftauchens, wo er den Griechen 
geläufig geworden war, spricht auch für die annähme dass die 
Gallier erst gegen das vierte Jahrhundert im Rhonetal und nach 
Italien vordrangen, aber auch Alpes soll ein gallisches wort sein 
oder es sollen doch die Gallier in ihrer spräche alle hohen berge 
so genannt haben**. 



* Etym. magn. 'OXnia, ra oQt] tloly lit ditiQyovra 'iraXiav xai KtXnxqy, 
** Servius ad Aen. 4, 442 (= ad Georg. 8, 474. Isidor Etym. 14, 8, 18) 
Alpes Gallorum lingua alti montes vocantur; ad Aen. 10, 18 Sane omnes alti- 
tudines montium licet a Gallis Alpes vocentur, proprio tarnen montium Galli- 
corum sunt. Isidor fügt noch hinzu Hae sunt quae Italiae murorum exhibent 
Ticem. beides oder doch ähnliches scheint Snidas unter "Akntwv vorauszu- 
setzen, ZiXntig oqij tm/uijxr], a awntQ rt$xog'traXiag 4 tfvtftg *iyi*(>tv> vntQyHprj /uiv 
ro vipog, lm/ut]X(<naT(t dt tag naoay 'IraXiay diu\riq>6ia xa&qxuv, ag tlgßoXag 
xaXovo*. womit noch Eustath zu Dionys 294 zu vergleichen, i) <fi UXmg fit» 
ytcroy ogog, dri xai nXrjfroyjtXüig Xiyovra* a% "AXntig. yaol di rrjy ravrrjy Xifry 
xcna irjy dg j6 'EXXtjvutov fA$raXr\tpiy lairtby divaaba* jfj xXtKfovga (clausura), 
und Prokop Bo. 1, 12 — ax<>* ig *AXm$g tag iv oqh t^T nvQfjvaitp ovaag* "AXnng 
dt xaXily xi\y iy att ko£<i>£»£ diodov oi tait$ ay&Qtanot nroftCxato. 

16* 



244 DIE KELTENZÜGE. 

dies konnten sie freilich auch indem sie den namen wieder 
appellativisch verwendeten, wie es in der späteren latinität, nament- 
lich bei gallischen poeten *, dann im mittelalter und in den beiden 
oberdeutschen mundarten von früh an, sowie auch im slawischen 
(kämt krain. planina), geschah, so dass es mit der behauptung 
des grammatikers nicht viel anders stünde als mit der meinung 
Prokops und andrer Griechen dass Alpen eigentlich klausen oder 
engpässe bedeuteten, das wahrscheinlichste dünkt dass der name 
selbst aus einem an ort und stelle bei einem der alten gebirgs- 
völker in der angegebenen bedeutung gebräuchlichen appellativ 
entstand und von den eindringenden Galliern aufgenommen wurde, 
schon im altertum brachte man die namen der ligurischen kfisten- 
städte am fufse der Seealpen Albium Intemelium (Albintimilium 
j. Ventimiglia) und Albium Ingaunum (Albingaunum j. Albenga) 
mit dem gebirge in Zusammenhang, indem man meinte (Strabo 
p. 202) ovofux&o&cu Zilßiov otoy liXnewv. auch die Albici qui 
montes supra Massiliam incolebant und alte Untertanen der Stadt 
waren, bei Caesar Bc. 1, 34. 56 f. 2, 2, Ulßtftg xal XXßlouto* bei 
Strabo p. 203, waren Ligurer und ihrem namen nach vielleicht nur 
bergbewohner, dessen stamm aufserdem noch in Albiosc am Verdon, 
in 'AXßlava auf Corsica, in den inschriftlich vorkommenden Per- 
sonennamen Albianus Albonius auf der Tab. Velej., Albucius Ligur 
in Carpentoracte und Aquae Sextiae, Albucianus in Antipolis, Al- 
bicans in Nicaea sich wiederholt und dadurch zeigt wie lebendig 
er in der spräche des Volkes war**, die meinung des gramma- 



* stallen aas Ansonius, Sidonias ua. bei Scaliger Lectt ad Auson. 1588 
s. 188, Ducange s. v. f Ukert Gallien s. 95. auf der Tab. Peut. heifsen die Kar- 
paten Alpes Ba8tarnicae, bei Jordanes c. 18 der Haemos Alpes, in Lachmanns 
gromatikern (Boethii) demonstratio artis geometricae p. 397, 1 7 list man vom 
Decomanus und cardo 'per molta milia pednm concurrunt et ni&i in alpe s finiant, 
dividuot agros dextra levaqae rectarum lineanun inter se continentium'. ahd. 
findet sich das wort in zwei formen, alba -un und (albia) alpeom elbon (Graff 
1, 242); im mhd. herscht albe, im gen. -en oder -e, und neben der bedeutung 
'berghöhe, hoher berg' kommt die andre davon abgeleitete, in den heutigen 
volksmundarten allein anerkannte 'bergweide, bergtrift' erst spat zum Vorschein 
(Mhd. wb. 1, 21, Lexer 1, 34, EMartin xur Kudrun 861, 2; Stalder 1, 96 f. 
Schmeller 1 », 63 f. Dwb. 1, 201. 244. 245), ist aber in lateinischen Urkunden 
(bei Schmeller und Ducange) schon seit dem achten Jahrhundert nachweisbar 
und reicht darnach über das deutsche Sprachgebiet hinaus in das romanische, 
ehemals gallische und ligurische hinüber, sowie andererseits in das slawische 

** Alba Docilia j. Albizzuola bei Savona, Alba Pompeia j. Alba, Alba Uelvia 
oder Augusta j. Alps (Ukert Gallien s. 417. 440), Albinnum j. Alby in Savojen, 



DIE ARKYNIEN UND DIE ALPEN. 245 

tikers, der noch drei oder vier andre erHärungen gegenüber stehen, 
genoss mindestens im altertum keine grofse Verbreitung und an- 
erkennung und seine Versicherung ist nicht so beschaffen dass da- 
mit allein und ohne weiteres die keltische herkunft des namens 
entschieden wäre. 

aus den keltischen sprachen lässt sich kaum etwas entschei- 
dendes dafür beibringen, die rauhe Alb, bei Ptolemaeus 2, 1 1, 7. 
11 opciyvfAa tot$UXnlin$ oQq, bei Vopiscus (s. 210 anm. 2) Alba und 
das UXßtov oder UXßavov öqo; (Strabo p. 202. 314, Ptolem. 2, 
14, 1), die fortsetzung der julischen Alpen bei dem keltisch-illyri- 
schen mischvolke der Iapodes können leicht nach dem benachbarten 
grofsen gebirge benannt sein , wie denn auch Strabo p. 207 jene 
und ebenso p. 192 den Jura und noch das plateau von Langres 
als teile und ausläufer desselben betrachtet, in Gallien trifft man 
den bergnamen nicht wieder, in Irland allerdings den Personen- 
namen Alpin, Elpin in merkwürdiger Übereinstimmung mit hel- 
vetischen und andern festländischen (Zeufs Gr. 150. 773); aber ir. 
ailp masse, klumpen genügt nicht um Alpa, Alba Schottland (Zeufs 
Gr. 264 ff.) als berg- und hochland zu erklären*, und wie würde 



obwohl sämmtlich auf ehemals ligarischem boden, lasse ich lieber ans dem 
spiele; ebenso Alebece Reiorum bei Plinius 3 § 86 and UXtßiwy, den einen der 
Poseidonssöhne die mit Herakles auf dem Steinfelde kämpften, wer verwegen 
genug ist, mag 4tQxvvoc> den bruder des 'AXtßUov, — der name ist nur ein- 
mal belegt bei Apollodor 2, 5, 10, aas dem Tzetzes Chil. 2, 840 schöpfte, und 
'Bergyon' nebst 'Albiona' bei Mela 2, 5, 78 ist verderbt — in einen "Aqxvvos 
oder " Eqxwos verwandeln and vermuten dass die beiden mit felssteinen käm- 
pfenden, gigantischen bruder (vgl. Lykophron 1357 s. 242) nach den Alpen and 
Arkynien benannt und deren oder auch der beiden Völker, die das gebirge 
verschieden benannten, mythische repraesentanten waren, dann müste freilich 
das gebirge anter diesen namen den Griechen viel froher bekannt gewesen 
sein and müsten auch Kelten and Lignrer viel früher im Rhonetal und im 
gebirge beisammen gewohnt haben, als die übrigen Zeugnisse schliefsen lassen. 
— die erklarung bei Festos 'Alpes a candore nivium dicti sunt, qui perpetuis 
fere nivibus albescunt; Sabini enim alpam dixere qnod postea Latini album, 
inde Alpium nomen' and im Etym. magn. *AXntut, ÖQog Ttjs KiXnxfc* <?** to 
nXlj&oc i*l$ Xtvxij c xwvog ulma ixXqSij rä OQtj' tj naqa ro aXroy, o &m vipy- 
ti>v, "AXt* xtxXtje&a* verdient kaum eine berücksichtigung, da die italischen 
sprachen arischer herkunft nicht bis ans gebirge reichten and wenn die Umbrer, 
als sie noch am Po wohnten, die fernen höhen, wie die Kelten den Vindius 
mons j. Sierras Albas bei den Cantabrern (Zeufs Gr. 53), die weifsen berge ge- 
nannt h&tten, diese nicht Alpes, sondern Alfi oder lat. Albi heifsen würden. 

* Ebel, der nicht mehr wie in Kahns beitr. 3, 14 f. an die identitftt von 
Alpes and Alpa Schottland glaubt, macht mich darauf aufmerksam dass Über 



246 DIE KELTENZ&GE. 

diese erklärung für UXßUov, y Alßiov$q passen, den namen der ehe- 
dem die ganze insel umfasste und der nur im verkehr mit fremden 
von süden her zu dieser geltung gekommen sein kann? mit gael. 
alp berg, einem angeblich veralteten worte, und kymr. alp a 
craggy rock or precipice, das namentlich in Südwales in Glamorgan 
gebräuchlich sein soll, aber mag es sich nicht besser verhalten als 
mit unsrer fränkischen, sächsischen und märkischen Schweiz, nur 
an gael. ailbhe a flint, stone, rock mag noch erinnert werden*, 
da die "OXßux des Posidonius , Strabos "AXßux, das ligurische und 
das iapodische "Alßiov, des Vopiscus Alba und die alben unsrer 
oberdeutschen mundarten es aufser zweifei setzen dass die media 
in Alpes eine Verhärtung erfahren hat so lange aber nicht alte, 
völlig unverfängliche Zeugnisse aus den keltischen sprachen bei- 
gebracht werden können, rauss wohl die entscheidung darüber ob 
die Alpen von den Kelten ihren namen erhalten haben ausgesetzt 
werden, und wir dürfen einstweilen dagegen geltend machen dass 
Herodot von Kelten weder in Oberitalien 4, 49, noch an den Ost- 
alpen 5, 9 etwas gehört hat. er war vielleicht unvollkommen 
unterrichtet und zum beweise dafür kann man sich selbst auf 
seine nachrichten 4, 49. 5, 9 f. berufen, unvollkommen oder unge- 
nügend sind auch unsre nachrichten von der Rhone her. allein 
erst wenn der keltische Ursprung des namens der Alpen** bewiesen 



die Alpen' in Fiaccs hymnus 4 tar elpa' (glossiert dar sleib n-elpa) heifst, 
während im cod. Sg. allerdings Tri alpai ndesiiT (eis Alpes) und cen alpande 
(cisalpinus) steht, dass Elpa auch sonst mehrfach in citaten bei O'Curry Mate- 
rials usw. vorkommt. 

* obgleich nach Zeufs Gr.* 54. 60 das bh nach 1 auf altes v zurückgeht, 
dagegen die alte media in gleicher Stellung sich in p verhärtet. 

** oder auch des Padus ? Plinius 3 § 1 22 'Pudet a Graecis Italiae ratio- 
nem mutuari, Metrodorus tarnen Scepsius dicit, quoniam circa fontem arbor 
multa sit picea, quales Gallice vocentur padi, hoc nomen aeeepisse, Ligurum 
quidem lingua amnem ipsum Bodincum vocari, quod significet fundo carentem'. 
vgl. Polybius 2, 16, 12 7i«(>« yt uyv ioi$ lyx<aQioi$ 6 nomubg (iTüdos) 7Iqq{- 
ttyoQtvtiiu Bodtyxog ; Theo ad Arat. Phaen. 359 Box*qoo<;, Hesych. Btfiirixos (1. Bi- 
Bödtyxog) o 'HQidavog unu nav 'Evkimv. Bodincus, Bödtyxog ist wohl ohne 
zweifei der ligurische name des flusses; ob aber Padus der gallische, dafür ist 
Metrodorus aus Skepsis in Kleinasien ein schlechter zeuge, der vielleicht nur 
ebenso wie Alexander der polyhistor, bei der erklärung der ligurisehen volks- 
namen annahm dass auch die Gallier einen bäum oder Strauch wie die Griechen 
nddos nannten; höchst verdächtig wird seine erklärung auch dadurch dass 
dieser bäum insbesondere an der quelle des flusses wachsen soll, wo gar keine 
Gallier, sondern nur Ligurer wohnten, aufserdem aber beweist Hygin Fab. 154 



DER ITALISCHE ZUG. 247 

ist, werden wir die ankunft des Volkes in Oberitalien oder an den 
Ostalpen und zugleich die grofse Veränderung an der Rhone über 
Herodot hinaufrücken müssen, die wir jetzt nur um oder gegen 
das j. 400 ansetzen dürfen. 

Das eindringen der Gallier in Italien setzt ihre ausbreitung 
über die Rhone und ihr vordringen gegen die Alpen voraus, noch 
verrät der name der Allobroges, der gallischen Elsässer (s. 116), 
zwischen der Rhone, dem Lemannus und der Is&re dass dies ge- 
biet einmal von der andern seite des flusses von norden her seine 
gallische bevölkerung erhalten hat, und derselbe Völkerstrom hat 
dann die Heivier auf die ostseite der Gevennen, die sogenannten 
Kavarer * und andere Gallier auf dem linken Rhoneufer bis an die 
Durance und an die höchsten Alpenpässe geführt dass hier die 
Ligurer sofort vor ihnen verschwanden, ist schon an sich nicht 
wahrscheinlich, geht man in dem südlichen küstenstrich über dem. 
Mittelmeer und jenseit der Alpen, da wo die Ligurer sich noch 
in dichten massen behaupteten, den spuren der gallischen ein- 
würkung nach, so kommt man notwendig zu der folgerung -dass 
die alte bevölkerung nördlich von der Durance zum grofsen teil 
erst allmählich von den Galliern verschlungen und in Gallier ver- 
wandelt ist**. 



nicht dass Pherecydes, Aeschjlus oder Euripides (DA. 1, 219) oder welche 
sonst zu ihrer zeit den Po für den Eridanos hielten den namen Tlädog schon 
gekannt und gebraucht haben, da sich nicht einmal Scylax § 19 seiner bedient 
* d. h. die riesen, Zeufs Gr. 129. vgl. Paosanias 1, 35, 3 lyni cft, onoaoi 
fihv olxovaiv foxajoi Ktkriov fyovrtg o/uoqov rjj cha xQvpov tgifitp, ovg KaßaQtlg 
6vo(id%ovo* , Toviwy phv ovx iSavpaoa to [avjxos, oV vtXQiov ouföy r# dutqoQous 
fxottftv MyvnUuv. nach Strabo 185 haben die Kavarer den uferstrich an der 
Rhone von Durance bis Isere inne, obgleich nach p. 186 der name eigentlich 
eine umfassendere bedeutung hatte, nimmt man Mela 2, 5, 75. 79, Plinius 3, 
§ 34—37, Ptolemaeus 2, 10, 12—17 hinzu, so ergibt sich dass bei Strabo nach 
dem herschenden Sprachgebrauch die gemeinden der Menimer Tricastiner und 
Segovellauni, vielleicht auch die Vulgientes l?ei Apt am Calaron darunter be- 
griffen sind. 

** Theopomp kannte noch mehrere spater verschollene Ligurervölker und 
meldete in seinem drei und vierzigsten buch, dem grofsen ezcurs über die 
westlichen l&nder und Völker (DA. 1, 148. 230, Fug. 1, 315 f.), von einem ver- 
ödeten landstrich den sie früher bewohnt, aber wo dieser zu suchen, ist aus 
dem fragment bei Stephanus Byz. 110,31. 343, 2 Mein, leider nicht unmittel- 
bar ersichtlich: naganltov tf* ti}»' %<OQav iqv [a*v TiQVJitjv %Qqpov, üjt' tviporio 
TtQottQor 'lipixovQOi (al. ^YipixovQOi) xai 'Aqßatayoi xui Evßioi, JiyvkS ib yaog. 



248 DIE KELTENZÜGE. 

Plinius, der jcnseit des Varus 3 § 47 Ligurer nur in dem 
küstenstrich südlich von der Durance kennt, berichtigt 3 § 124 
die meinung des alten Cato dahin, dass die Vertamacori, die gründer 
von Novara, nicht Ligurer sondern ein gau der Vocontier seien, 
diese, die bewohner der gebirge am obern Aigues und Dröme ober- 
halb der Kavarer, hielt er ohne zweifei für ursprüngliche Gallier 
und die namen ihres gebiets, auch der der Vertamacori, scheinen 
das nur zu bestätigen, allein ein Zeugnis des Cato ist in diesem 
falle nicht leicht zu nehmen. Cato ist der erste und einzige, der 
der Verzweigung des ligurischen volkstammes redlich nachgeforscht 
und sich ernstlich bemüht hat darüber ins reine zu kommen; das 
zeigen seine unmutigen worte aus dem zweiten buche der Origenes 
bei Servius ad Aen. 11, 700. 715, wo er sämtliche Ligurer be- 
triegerisch schilt und klagt dass sie, illitterati und lügenhaft zu- 
gleich, über ihre herkunft wahres und genaues wenig anzugeben 
wüsten, zu seinem zeugnis kommt hier das der triumphalfasten 
(CIL. 1, 460), die zweimal nach einander zu den j. 631 und 632 
(123. 122) die triumphe des M. Fulvius und C. Sextius, des gründers 
von Aquae Sextiae, DE - LIGVRIB • VOCONTIEIS • SALLWEISQ • 
verzeichnen und beide male die Vocontier mit den auch noch von 
Plinius 3 § 47 als Ligurer anerkannten Salluviern oder Salyern 
oberhalb Massilias als Ligurer zusammenfassen, da die fasten 
sich in der Unterscheidung der Völker des nördlichen Italiens und 
südlichen Galliens sonst genau erweisen, so ist mit grund nicht 
daran zu zweifeln dass die Vocontier zur zeit ihrer Unterwerfung 
durch die Römer noch ebenso wie die Salyer für Ligurer galten. 

auch ihre ostnachbarn an der obern Durance, die Caturiges, ob- 
gleich sie und ihre stadt Ebrodunum (Embrun) ua. gleichfalls unzwei- 
felhaft gallische namen führen, waren wohl ebenso wenig reine Gallier* 

bezieht sich das fragment, wie es nach dem ersten wort scheint, auf die Ar- 
gonautenfahrt (DA. 1, 219 f. 430. 433 f.), so ist allerdings eher an die Rhone- 
gegend, das .eigentliche Ligyerland der Griechen, als an den obern Po zu 
denken; aber die nachricht wird damit fabelhaft, wenn auch die namen gewis 
nicht erfanden sind. vgl. y o$vßi<n, Esubiani Plin. 3 § 137 ? = Yesubiani Orelli 
nr. 626, Euburiates?, Cuburiates Plin. 3 § 47, Flor. 1, 19 uam. 

* sie würden sogar nur falsch getaufte, echte Ligurer sein wenn, was 
man bisher in den ausgaben des Plinius las 3 § 47 Veneni ex Caturigibus orti 
Vagienni, § 135 Caturiges et ex Caturigibus orti Yagienni Ligures, in den hss. 
begründet wäre, diese aber ergeben § 47 Veneni esturri soti Yagienni, § 135 
etturi Liguribus orti Yagienni Ligures, und da die Yeneni an der obern Stura 
bei Yinadio wohnten, die Bagienni aber am obern Tanarus, so werden die 
'esturi soti 1 zwischen ihnen an die Stura gehören. 



DER ITALISCHE ZUG. 249 

und dasselbe darf man für die nördlicheren Alpenvölkchen bis zum 
kleinen SBernhard, die Meduller und Ceutronen, Ucenni Grajoceli 
und Acitavones, mutmafsen. die Gaturiges und Meduller gehörten 
ganz oder teilweise zu dem reich des Ligurers Cottius (Orelli IL. 
nr. 626, vgl. Strabo p. 178 f. 204) und aus den namen der inschrift 
des von ihm in Susa zu ehren des Augustus errichteten bogens, 
sowie des alpinischen siegesdenkmals des Augustus (Plin. 3 § 137) 
ergibt sich mit hinlänglicher gewisheit dass auf der ganzen West- 
seite des Alpengrats etwa vom Gen&vre an bis zum meere Ligurer 
noch in ununterbrochener reihe wohnten, selbst auf der nordseite 
jenseit des Simplon an der Rhonequelle safsen noch Ligurer, die 
Lepontü qui Uberi vocantur (Plin. 3 § 135. 137). denn die Lepon- 
tier, die aufserdem noch die täler südlich vom SGotthard über dem 
langen see inne hatten, leitete Cato (Plin. 3 § 134) nebst den Sa- 
lassern im tale von Aosta am grofsen und kleinen SBernhard von 
den Tauriskern oder Taurinern ab, der antiqua Ligurum stirps* 
am oberen Po, und dass beide Völker Ligurer waren, gewinnt noch 
dadurch an Wahrscheinlichkeit dass auch die ebene unter ihnen 
bis zum Po und Tessin von Ligurern bewohnt war, so dass diese 
hier eine zusammenhängende masse bildeten, die der hohe rand 
der Alpen im norden und nordwesten umschloss. dass die Seduni 
unterhalb der lepontischen Uberi, die Veragri und Nantuates in 
den tälern jenseit des grofsen SBernhard bis zum Lemannus Gallier 
waren, braucht man Caesar Bg. 3, 1. 2 nicht abzustreiten**, die 

* nach Plinius 3 § 123 vgl. Strabo p. 204. wie Cato, nannte auch Poly- 
bius 2, 15 und noch Timagenes (Ammian 15, 9, 6. 10, 9) die Tauriner Taurisker. 
sehr mit unrecht ficht Zeufs 230 anm. die auctoritat des Cato an. dass 'sichere 
berichte 1 die Salasser für Kelten erklären, ist nicht richtig, sie hiefsen nur 
bei Linus nach Orosius 5, 4, Julius Obseq. 21 und Dio fr. 74, 1 Bekk. ein- 
mal Gallier, aber mit nicht besserem rechte als die SaUuvier bei Massilia 
perioch. 60 — M. Fulvius Flaccus primus transalpinos Ligures domuit hello, 
missus in auxilium Massiliensium adversus Sallnvios Gallos — oder die Libuer 
21, 38. dass stadte mit keltischen namen, wie Arebrigium, Ariolica usw. in 
ihrem lande entstanden, beweist um so weniger etwas weil das volk von 
Augustus ausgerottet und in die Sklaverei verkauft wurde, der flussname 
Durin, der sich noch einmal wie die Stura bei den südlicheren Ligurern 
wiederholt, — auch Durii als ortsname zwischen Laumellum und Ticinum Itin. 
Hieros. p. 557 — braucht hier ebenso wenig keltisch zu sein als Duries in 
Spanien (Kiepert Monatsber. 1864 s. 154 anm.). dass Strabo p. 206 die Lepontier 
zu den Raetern zahlte, ist von keinem belang, Duncker Origg. s. 67—71. vgl. 
übrigens oben s. 83 anm. 2. 

** über die 'semigermanae gentes' am grofsen SBernhard bei Livius s. oben 
s. 161 anm. 2. 



250 ME KELTENZÜGE. 

Stellung, die die Ligurer längs der Alpenkette, als Vocontier in 
den bergen über der Durance und südlich über der meeresküste 
einnahmen, ist nach den vorhandenen daten deutlich genug und 
lässt klar erkennen dass der stofs, der einmal von den Galliern 
gegen sie geführt ward und sie zurückwarf, vom norden und nord- 
westen ausgegangen ist. 

Nun hat Livius 5, 34. 35 bekanntlich einen bericht 'de trans- 
itu in Italiam Gallorum', der seinem inhalte nach gewis aus dem 
munde von Galliern und zwar, wie sich jedem der von sagen und 
sagenhaften Überlieferungen etwas versteht leicht ergibt, aus dem 
munde der Insubrer von Mailand herstammt, der aber so wie er 
vorliegt erst kurz vor Livius von einem Griechen aufgezeichnet 
und gestaltet war. entscheidend hiefür ist der erste satz 'Prisco 
Tarquinio Romae regnante Celtarum, quae pars Galliae tertia est, 
penes Bituriges summa imperii fuit: ii regem Celtico dabant'. 
wenn nicht die Celtae, so weist hier doch das Celticum, rö Kslxi- 
xo» entschieden auf einen griechischen gewährsmann und weiter- 
hin aufser der mehr griechischen als lateinischen form Mediolanium 
— Med i okdy io v bei Strabo p. 190. 213, Ptolemaeus ua. — auch 
die sehr rhetorische Schilderung der Alpen*, die 'Celtae quae 
pars Galliae tertia est' aber hat Livius keineswegs unmittelbar 
aus dem anfang der commentarien Caesars, sondern vielmehr, da 
auch in der folgenden erzählung von der Zusammensetzung des 
heeres des Bellovesus aus den Völkern des eigentlichen innern 
Galliens dieselbe in jenen Worten angedeutete einteilung voraus- 
gesetzt wird, von seinem griechischen auctor, und da diese ein- 
teilung zuerst bei Caesar vorkommt und die einschränkung der 
'Celtae* auf die Gallier im engeren sinne ganz Caesars eigentum 
und bei ihm nur durch falsche gelehrsamkeit veranlasst ist (DA. 
1, 167. vgl. oben s. 178 anm. 1), so muss der Grieche Caesar schon ge- 



* — in Tricastinos venit. Alpes inde oppositae erant. quas inexsupera- 
biles visas haud equidem miror, nulla dum via — quod quidem continens 
memoria sit, nisi de Hercule fabulis credere Übet — superatas. ibi cum velut 
saeptos montium altitudo teneret Gallos, circumspectarentque quanam per 
iuncta caelo iuga in alium orbem terrarum transirent, religio etiam 
tenuit, quod adlatum est advenas quaerentes agrum a Saluium (al. Saluum) 
gente oppugnari. usw. vielleicht bediente sich Livius hier und gleich nachher 
auch der griechischen form Salyum, Salyis. in dem vorhergehenden, einleiten- 
den cap. 33 ist auch die bemerkung zu beachten 'Graeci eadem Tyrrhennm 
atque Adriaticum vocant\ freilich lautet auch die Schilderung der Alpen bei 
Livius 21, 32 hyperbolisch genug. 



DER ITALI8CHB ZUG. 251 

kannt und später geschrieben haben; wofür man vielleicht auch 
noch anführen kann dass nicht etwa den Arvernern, sondern den Bitu- 
riges Cubi, zur zeit Caesars (Bo. 7, 15. 28) im besitze fast der 
schönsten und volkreichsten stadt Galliens, die oberherschaft für 
die alte zeit beigelegt wird, man kommt daher notwendig auf 
Timagenes, der gallischen und andern traditionen (s. 166) nachgieng, 
als den gewährsmann des Livius* und wende dagegen nicht ein dass 
dieser den Timagenes sonst nicht benutzt hat; dass er ihn gekannt, 
lehrt der merkwürdige ausfall auf die 'levissimi ex Graecis' 9, 18, 
der ohne zweifei wohl gegen jenen gerichtet ist (Fno. 3, 320 f.). 
wenn Timagenes allein von der einwanderung der Gallier eine von 
der herkömmlichen und gewöhnlichen erzählung bedeutend ab- 
weichende, aber glaubhaft und wohlbegründet scheinende darstel- 
lung gegeben hatte, so muste Livius sie schon nehmen wo er sie 
fand und sie seinen lesern mitteilen, und mit welcher Unbefangen- 
heit er bei der einschaltung verfuhr, zeigen die Widersprüche in 
die er geriet, indem er vorher und nachher, der gewöhnlichen er- 
zählung c. 33 folgend, die Gallier c. 17 ein nie gesehenes volk und 
neue nachbarn der Etrusker, c. 35 nie gesehene menschengestalten, 
c. 37 einen nie gesehenen, nie gehörten, vom ocean und den 
äufsersten weltenden herziehenden feind nennt oder nennen lässt, 
die dem eingeschalteten bericht zufolge schon zweihundert jähr 
früher die Etrusker aus der nördlichen Poebene verdrängt haben 
sollen. 

Der gewöhnlichen erzählung bei Livius c. 33, dass ein Clusiner 
Arruns, um sich an einem mächtigen seiner Vaterstadt zu rächen, 
die Gallier mit wein öl und feigen über die Alpen gelockt habe, 
steht zunächst bei Plinius 12 § 5 eine andre, ähnliche gegenüber, 
dass ein Helvetier Helico sich in Rom der schmiedekunst wegen 
aufgehalten und heimkehrend die Gallier durch mitgebrachte feigen, 
öl und wein veranlasst habe die Alpen zu überschreiten, beide 
traditionen — die andeutung auch der letzten lässt darüber keinen 
zweifei — nehmen an dass die eroberung Roms alsbald auf den 
einbrach erfolgt sei, weisen ihn also in den anfang des vierten 
Jahrhunderts, sowie es auch damals in Griechenland hiefs (nach 



* Duncker Origg. s. 8 f. sucht für Posidonius zu beweisen und andre haben 
das angenommen, aber in welchem zusammenhange wäre Posidonius anders 
als beiläufig (s. 185 f. 188) auf die einwanderung der Gallier in Italien gekommen 
und was könnte ihn veranlasst haben der sage nachzuspüren, was sich bei 
Timagenes leicht begreift? 



252 ME KELTENZÜGE. 

Heraklides Ponticus bei Plutarch Cam. 22) dass ein heer von Hyper- 
boreern, vom äufsern ocean kommend — iX&mr s%a>&w — , die 
hellenische Stadt Rom eingenommen hätte, und Gato, der im zweiten 
buch der Origenes (fr. 3 bei Gellius 17, 13, 4 nebst Jordans proll. 
p. xxxtx) die erste sage wie Livius, Dionysius von Halicarnass 
13, 14 ff. und Plutarch Cam. 15 — der jene beiden vor sich hatte 
— erzählte, wird den Zeitpunkt des ereignisses nicht anders be- 
stimmt haben. 

Polybius, bei dem man (s. 194, vgl. Polyb. 1, 14. 3, 9) den noch 
älteren Fabius Pictor als gewährsmann vermuten muss*, setzt eine 
andre, sehr abweichende Überlieferung voraus, was nicht zu ver- 
wundern ist wenn Fabius sein gewährsmann war, da die Fabier 
nach der gewöhnlichen darstellung in dem Gallierkriege nicht eben 
die beste rolle spielten, nach Polybius 2, 17. 18 hätten die Kelten 
im nachbarlichen verkehr mit den Tyrrhenern die Schönheit 
Italiens gesehen und mit neidischen äugen betrachtet, bei einem 
geringfügigen anlass — ix fjaxgag ngocpaöscög — jene plötzlich 
mit einem grofsen heere überfallen, sie aus dem Polande ver- 
trieben und der ebenen auf der nord- und Südseite des flusses ab- 
wärts, sowie der anstofsenden Landschaft am adriatischen meere 
sich bemächtigt, aber damit nicht genug, sie hätten auch, so 
fügt er noch hinzu, in ihrem Übermut viele der nahe wohnenden 
unterjocht und nach einiger zeit — p&d nva xqovov — die Römer 
geschlagen und Rom aufser dem Gapitol eingenommen, auch Po- 
lybius weifs also von keinem andern Zeitpunkt der einwanderung 
als Cato oder die gewährsmänner der gewöhnlichen darstellung bei 
Livius und Dionysius, und ebenso wenig fanden Diodor 14, 113, 
Trogus Pompejus prol. 20 (Justin 20, 5) und Appian (Celtic. 2), 
die jeder sage geschweigen, ein andres datum in ihren quellen: 
sie lassen die Gallier die Alpen überschreiten, im nördlichen 
Italien sich festsetzen und dann auf Glusium und Rom losgehen. 

wenn daher Melpum in der nördlichen Poebene von den In- 
subrern Boiern und Senonen an demselben tage als Veji von den 
Römern zerstört wurde (s. 237) oder nach Cato (bei Plin. 3 § 124) 
die Boier Laus Pompeja (Lodi) gleichfalls nördlich vom Po im 
gebiet der Insubrer, die Mariker oder Anamaren, später um Cla- 
stidium Placentia Veleja oberhalb der Boier angesessen, mit den 
Laevern gemeinschaftlich Ticinum gründeten, so kann nur gemeint 
sein dass die Völker mit einander und zu gleicher zeit in Italien 

* s. jetzt Nitzsch Rom. annalistik s. 275 ff. 



DER ITALISCHE ZUG. 253 

eindrangen, und bei der einhelligkeit der Überlieferung eine andre 
auffassung der nachrichten nicht erlaubt sein, davon dass die 
Gallier schon vor dem vierten Jahrhundert im Süden der Alpen 
erschienen wären, wüste man offenbar später in Rom oder über- 
haupt in Italien ebenso wenig etwas als Herodot im fünften 
(s. 241 f. 246), und vor dem sinken der macht der Etrusker, das 
durch den fall Vejis bezeichnet wird, können sie auch dort nicht 
um sich gegriffen haben*. 

der Vocontier Trogus endlich, der in seinem zwanzigsten buch 
(s. 252) innere fehden als Ursache der auswanderung betrachtete, 
erzählte im vierundzwanzigsten ** dass die Gallier, da ihr land die 
Menschenmenge nicht mehr fassen konnte, dreimal hunderttausend 
wie ein ver sacrum ausgesandt hätten, von denen eine abteilung 
in Italien sich niederliefs und Rom einäscherte, die andre von 
vögeln geleitet bis Illyricum vordrang und in Pannonien sich fest- 
setzte, hier liegt wohl wieder eine gallische tradition vor und 



* Mommsen Rom. gesch. 1 ', 300 anm. dass die' stelle des Dionysius 
Ualie. 7, 3 nicht, wie Müller und Duncker (Origg. p. 10) meinen, gebraucht 
werden kann um eine viel frühere anwesenheit der Kelten in Italien zu be- 
weisen, ist schon öfter von andern bemerkt, vgl. Kämpf Umbric. spec. p. 11 ff. 
mit txtl&tv & vno nar Ktlnor ibXad-iyrsg avv XQ° yl l } bann. Dionysius nicht 
gemeint haben tot* di i$tXavy6f4tvoi oder {$<Aa£cVr«£, sondern nur dass die 
Tyrrhener damals (a. 524) noch am ionischen meere wohnten und erst mit der 
zeit von dort durch die Kelten vertrieben seien. 

** Justin 24, 4 'Galli abundanti multitudine, cum eos non caperent terrae 
quae genuerant, trecenta milia hominum ad sedes novas quaerendas velut ver 
sacrum miserunt. ex his portio in Italia consedit, quae et urbem Romanam 
captam incendit, et portio IUyricos sinus ducibus avibus — nam augurandi 
studio Galli praeter ceteros callent — per strages barbarorum penetravit (vgl. 
Yirg. Aen. 1, 243 IUyricos penetrare sinus) et inPannonia consedit, gens aspera 
audax bellicosa, quae prima post Herculem, cui ea res virtutis admirationem 
et immortalitati8 fidem dedit (vgl. Livius s. 250), Alpium invicta iuga et fri- 
gore intractabilia loca transcendit. ibi domitis Pannoniis per multos annos cum 
finitimis varia bella gesserunt; hortante deinde successu, divisis agminibus alii 
Graeciam alii Macedoniam, omnia ferro prosternentes, petivere\ man kann die 
worte des declamatorischen epitomators, dem es offenbar um die Verwendung 
der virgili8chen phrase zu tun war, so auffassen, wie Niebuhr (Rom. gesch. 2», 
577), dass die zweite abteilung sich erst in Italien abtrennt und von da aus 
nach IUyricum und Pannonien vordringt; aber vielleicht war dies gar nicht 
einmal seine meinung, jedesfaUs nicht die des Trogus (Duncker Origg. p. 23) 
auch die einmischung Pannoniens beruht auf einem irrtum, rührt aber gewiß 
schon von Trogus her, wenn auch der prol. 24 nur sagt 'repetitae inde Gallo- 
nun origines, qui IUyricum occuparunt'. s. unten. 



254 DIE KELTENZÜGE. 

zwar allem anscheine nach im gründe dieselbe wie bei dem griechi- 
schen auctor des Livius, aber auch sie weifs von keiner andern 
datierung als die übrigen berichterstatter. der Grieche steht da- 
her mit der seinigen der gesamten übrigen Überlieferung des 
altertums einsam gegenüber und sie würde darum schon keine 
sonderliche beachtung verdienen; es ist aber auch noch voll- 
kommen deutlich wie sie zu stände gekommen. 

Der bericht des Livius zerfällt in drei teile, aber so dass der 
erste im dritten sich direct fortsetzt und der zweite als ab- 
schweifung daneben steht, daher hier vorläufig bei seite bleiben 
kann, der bericht beginnt, abgesehen von der chronologischen 
anknüpfung an den Tarquinius Priscus, mit einer sagenmäfsigen 
erdichtung, die den zweck hat die ausbreitung der Gallier an der 
Donau und nach Italien als vom eigentlichen Innern Gallien gleich- 
zeitig ausgegangen darzustellen: zu der zeit als Ambigatus könig 
der Bituriger über Gallien heischte, sei das land von einer solchen 
fruchtbarkeit des bodens und der weiber gesegnet gewesen dass 
der könig in seinem alter, um das reich von der überflüssigen, 
üppigen menge zu befreien, beschlossen habe seine tapfern neffen 
beide mit einem starken heere auszusenden damit sie nach an- 
weisung der götter sich neue Wohnsitze aufsuchten; dem Sigovesus 
sei durch das loofs das hercynische Waldgebirge, dem Bellovesus 
Italien angewiesen, der alte könig bleibt zurück und führt nicht 
selbst die auswanderer an, weil sein reich nach der kenntnis der 
sage (s. 251) auch später in Gallien fortbestand, die namen sind 
mit absieht und in Übereinstimmung mit dem inhalt der dichtung 
gewählt *, der zweck der erdichtung aber ist mit dem auszuge der 
helden und ihrer scharen völlig ausgesprochen und abgeschlossen, 
in dieser gestalt oder einer ähnlichen fassung wird Caesar (s. 204 f.) 
sie gekannt haben und auch nicht weiter geht die Variante des 
Trogus Pompejus (s. 253) und besagt nichts mehr, eine uner- 
wartete wendung aber nimmt die fortsetzung bei Livius. 



* Ambigatus ist der 'sehr weise', Glück s. 20; Sigovesus und Beüoresus, 
dichterisch gepaart durch den zweiten gleichen namenteil, wird kundige heer- 
fuhrer anzeigen. Zeufs Gr. 856 deutet vesus durch altir. fis kymr. gwys scientia, 
und Glück s. 151 f. nimmt wohl mit recht an dass altgall. sego unserm and. 
sign got. sigis victoria oder skr. sahas robur entsprach, nur bello, das auch 
in Bellovaces erhalten ist, finde ich noch nicht erklärt auf nordspanischen 
inschriften, bei Hübner CIL. nr. 2871. 2855 kommt der name Secovesus und 
Segoyetes an einem und demselben orte vor. 



\ 



BELLOVESUS UND SIGOVESUS. 255 

das heer des Bellovesus, aus Biturigern Arvernern Senonen 
Aeduern Ambarren Carnuten Aulerkern zusammengesetzt, soll die 
Alpen bei den Taurinern, also den mont Gen&vre überstiegen, die 
Etrusker unfern des Ticinus geschlagen, dann jenseit des flusses 
insgesamt sich niedrgelassen und Mediolanium erbaut haben, weil 
sie die landschaft ebenso wie einen gau der Aeduer 'mark der 
Insubrer' nennen hörten und dies als einen göttlichen wink be- 
trachtet hätten, es wird also im Widerspruch mit der anläge und 
absieht der sage und der Überlieferung bei Trogus die ganze ehre 
von dem heere des archegeten abzustammen allein für die Insubrer 
um Mailand in anspruch genommen und alle hauptvölker an der 
mittlern und obern Loire werden deshalb so sorgsam aufgezählt, 
damit es ja einleuchte dass die Insubrer aus dem schoofse oder 
herzen Galliens hervorgegangen seien, die erfindung aber, wie 
sie zu ihrem namen gekommen seien, ist zu armselig, die hin- 
weisung auf den gau der Aeduer all zu einfältig um die Wahrheit 
zu verhüllen, dass die Insubrer nicht anders als die übrigen Gallier 
in Italien nur ein teil des Bellovesusheeres waren, ja, dass die 
übrigen eigentlich dazu gehörten, wird verschämter weise sogar 
noch zugegeben, da die aufzählung auch schon Senonen und ebenso 
Aulerker nennt, von denen die Cenomanen (Caesar Bg. 7, 75, Plin. 
4 § 107, Ptolem.) nur eine abteilung waren, der einseitig in- 
subrisch mailändische Standpunkt der Überlieferung ist demnach 
völlig offenbar und bedingt nun auch die fernere darstellung. 

den Cenomanen wird noch zugestanden dass sie bei lebzeiten, 
ja sogar mit bewilligung des Bellovesus auf demselben wege" wie 
zuerst sein heer über die Alpen gekommen seien und unterhalb 
der Insubrer über dem Po um Brescia und Verona platz gefunden 
hätten, ihnen wird auch noch sagenhaft ein namhafter führer 
Etitovius? zugeteilt, von den ligurischen Libuern und Salluviern 
heifst es nur dass sie nach den Cenomanen oberhalb des Ticinus 
bei den altligurischen Laevern am Po sich niedergelassen hätten *• 
ein führer wird hier nicht mehr genannt und stillschweigend wohl 
der weg üb r den Genfcvre, was sogar selbstverständlich scheinen 



* mit Drakenborch Madvig Weiüsenborn ist abzuteilen 'Alia anbinde mairas 
Cenomanorum — ubi nunc Brixia ac Verona nrbes sunt, locos tenuere. Libni 
eonsidunt post hos Salnviiqne prope antiquam gentem Laevos Ligures inco- 
lentes circa Ticinum amnem'. ist auch die Wortstellung im letzten satze auf- 
faüend, so ist sachlich doch nicht nur nichts dagegen einzuwenden, sondern 
sind sogar die ähnlichen nachrichten Catos dafür anzuführen, s. unten. 



256 DIE KELTENZÜGE. 

konnte, als derjenige angesehen auf dem sie einzogen, darauf 
aber sollen die Boier und Lingonen über den Poeninus, den groben 
SBernhard gekommen sein und setzten sich südlich vom Po, wo 
sie die Etrusker und Umbrer vertrieben; endlich auch die Se- 
nonen, die sich noch weiter südlich am adriati sehen meere an- 
siedelten und von da aus Glusium und Rom angriffen, dass die 
Gallier durch verschiedene Alpentore in Italien eindrangen, ist 
ohne zweifei richtig, kann aber auch ungefähr gleichzeitig ge- 
schehen sein und geschah dann mit desto gröfserem nachdruck 
und erfolge, der aufzählung fehlt bei den letzten drei Stadien 
der einwanderung jeder anflug sagenhafter darstellung und dieser 
teil des berichts enthält daher nichts mehr als die trockne an- 
sieht die die herren in Mailand sich über den verlauf des ereig- 
nisses, ähnlich wie Polybius, gebildet hatten. 

dazu kommt nun die abschweifung oder der zweite teil und 
sie ergibt das datum, auf grund dessen der anfang der bewegung 
in die Zeiten des Tarquinius Priscus hinaufgerückt und das er- 
scheinen der Insubrer oder des Bellovesusheeres in Italien von 
der ankunft der Senonen und der eroberung Roms um zwei Jahr- 
hunderte getrennt wurde, die Gallier des Bellovesus sollen auf 
ihrem wege nach Italien den phocaeischen ankömmlingen gegen 
die Salyer, die sie bedrängten, behilflich gewesen sein, so dass sie 
mit deren einwilligung den einmal erwählten platz befestigen und 
Massilia gründen konnten, wer die combination der beiden sagen 
zu stände gebracht, ob die schriftgelehrten und sagenforscher von 
Mailand oder erst Timagenes oder wer sonst des Livius gewährs- 
mann war, mag noch dahingestellt bleiben, dass eine combination 
stattgefunden, ist schon aus der art und weise der anknüpfung 
ersichtlich: die Gallier, heifst es, am fufse der Alpen angelangt, 
seien nicht nur durch die höhe der himmelan steigenden gebirge 
und durch die Schwierigkeit einen weg hinüber zu finden, da sie 
nie zuvor aufser vom Hercules passiert waren, zurück und auf- 
gehalten, sondern auch noch durch die fromme rücksicht auf die 
gleichfalls einen neuen wohnsitz suchenden fremdlinge, von denen 
ihnen gemeldet wurde, aufserdem aber ist das motiv und die ab- 
sieht der beiden sagen vom Ambigatus und seinen neffen und von der 
den Phocaeern bei der gründung von Massilia durch die Gallier 
gewährten Unterstützung so ganz verschieden dass die eine nicht 
aus der andern hervorgewachsen sein kann, sondern beide einmal 
künstlich mit einander verknüpft sein müssen. 



BELLOVE8Ü8 UND 8IG0VESÜS. 257 

^: Die massilische sage weifs nichts von einer solchen Unter- 
stützung, die der Stadt bei ihrer gründung von Seiten der Gallier 
zu teil geworden wäre, ja nicht einmal von ihrer damaligen an- 
wesenheit (s. 239) und statt der feindschaft vielmehr nur von 
dem freundlichsten entgegenkommen der ligurischen landeseinwohner 
gegen die ansiedier, wohl aber berichtete sie (Justin 43, 5) dass 
etwa zwei hundert jähr später, zur zeit der höchsten blute der 
Stadt die benachbarten Völker unter führung des Gatumanduus — 
denn so ist der unzweifelhaft gallische name (Glück s. 47 ff. 133) 
zu schreiben — vereinigt zu ihrer Vertilgung sich erhoben und 
die belagerung begonnen hätten, dass aber durch die wunderbare 
dazwischenkunft der stadtgöttin selbst das verderben abgewandt 
und friede und freundschaft für immer geschlossen sei, während 
die von altersher befreundete Stadt Rom bald darauf von den 
Galliern eingenommen und verbrannt wurde, damit ist hinlänglich 
angedeutet von welcher art die Massilia bedrohenden barbaren 
waren, und nimmt man nun dazu dass nach Gato bei Plinius 3 
§ 130 die Cenomanen ehedem in der nähe der Stadt an der stelle 
der Volcae Arecomici um Nemausus gewohnt hätten, dass ferner 
nach Cato oder Plinius 3 § 124 die Libuer oder Libicii um Ver- 
cellae von den Saluviern bei Massilia abstammten, wie die Ver- 
tamacori um Novaria von den Vocontiern (s. 248) und dass sich 
Cato (Plinius § 124) die Laever und Mariker, die gründer von 
Ticinum, wohl ebenso wie Polybius 2, 17 die A*o% xal sitßhttoi 
und die lirdpaQtg* als mit den Galliern eingewandert dachte 
(s. 252), so ergibt sich mit gröster Wahrscheinlichkeit als die 
übereinstimmende ansieht Gatos und der Massilier dass der gallische 
Völkerstrom sich bis zur untern Rhone ergoss und da für längere 
zeit zum stehen kam und sich aufstaute, bevor er über die Alpen 



* der name ist nur einmal richtig überliefert, aber stellt man 

2, 32 (fax T?f t»v ANAMAP&N /«ipr; 

2, 17 nQiZiok füp % ANAN.. EI 

2, 84 tlc ih* ™* 'AN.. JPSIN *«>(Mty 
zusammen, so kann kein zweifei sein dass er 2, 17. 2, 34 nur unvollkommen auf- 
gefaßt und wiedergegeben ist, und man begreift kaum warum die Verbesserung 
nicht langst im texte platz gefunden hat Anamares ist wie Anatüü bei Plin. 3 
8 34. 36 gebildet und die Marici Gatos sind auch deswegen nicht davon zu 
trennen, weil jene nur auf der andern seite des Pos südlich von Ticinum 
wohnten, das diese erbaut haben sollen. Zeufs 168 f. hatte die jlytovts des 
Polybius 2, 15 nicht noch herbeiziehen sollen, die ohne zweifei die Ba- 
gienni sind. 

DIUT8CHB ALTBETUMAKUffDI II. 17 



258 ME KELTENZÜGE. 

nach Italien abfloss, dass aber mit den Galliern mehrere ligarische 
gemeinden und wenigstens eine aus der unmittelbaren nähe der 
Stadt abzogen und diese damit aus einer bedrängten läge befreiten 
und in die günstigste Stellung brachten (vgl. DA. 1, 178. 198). 

Der erste teil der ansieht blickt aber auch noch aufs deut- 
lichste in dem bericht des Livius durch (s. 250. 256), und der 
zweite wird hier nicht minder vorausgesetzt, nur dass die Libuer 
und Saluvier unterschieden und die Laever wohl richtiger als die 
altangesessene, ligurische bevölkerung der ebene am Po und Ti- 
cinus, die Libuer und Saluvier aber wenn auch nicht als begleiter, 
doch als die nächsten nachfolger der Genomanen in der reihe der 
einwanderer betrachtet werden, es leuchtet darnach ein dass die 
meinung die den beistand, den die Gallier Massilia gegen die Sa- 
luvier leisteten, an die gründung der Stadt knüpfte und damit die 
erste einwanderung jener nach Italien um zwei Jahrhunderte hin- 
auf zu rücken erlaubte, auf eine blofse Verschiebung der tatsachen 
hinaus läuft und erst nach Cato entstanden sein kann, der dieselben 
tatsachen, namentlich die herkunft der Genomanen und Libuer, noch 
anders darstellte und die einwanderung nicht früher setzte als ied 
übrigen Römer (s. 252) ; wie denn selbst Trogus Pompejus (s. 253 f.) 
noch nichts von der Verbindung der gallischen wanderungssage 
mit der gründung von Massilia wüste, die Verschiebung kann 
durch die gallische volkssage erfolgt sein, die unbefangen, wie die 
massilische für die freundschaft Massilias mit Born (Justin 43, 3), 
den frühesten termin für den anfang der freundschaft mit der 
Stadt suchte, von der alle bildung für die Gallier ausgegangen 
war* und die schon im vierten Jahrhundert sie zu tftWJLi/tfsg ge- 
macht hatte (DA. 1, 178). allein beachtet man wie der bericht von 
anfang an, wo gleich die Stellung des Biturigerkönigs dem übrigen 
Gallien gegenüber besonders betont wird, sich die tatsachen zurecht- 
legt, so kann man sich jetzt allerdings nicht des Verdachts erwehren 
dass vielmehr bewuste erfindung die Verschiebung zu stände ge- 
bracht hat, und kommt dann zu der folgerung dass die gelehrten 
Insubrer von Mailand dem Timagenes oder gewährsmann des Livius 
im wesentlichen schon den bericht in der gestalt überliefert haben 
wie er uns vorliegt. 

Nach dieser erörterung erscheint die datierung, durch die die 
erste gallische einwanderung nach Italien in den anfang des 



* Niebuhr Rom. gesch. 2*, 582. 



BELL0VE8ÜS. 259 

sechsten Jahrhunderts hinaufgeschoben wird, völlig halt- und 
wertlos, wir sehen vielmehr jetzt auch die massilische tradition 
nebst der unverfälschten gallischen in vollständigem einklange 
mit der römischen (s. 253) und der durch Herodot einerseits 
(s. 246 1) und Heraclides Ponticus (s. 251 f.) andererseits vertretenen 
griechischen Überlieferung, und je weniger sich die eine von der 
andern abhängig denken lässt, um so mehr ist daran festzuhalten 
dass der beginn der bewegung frühestens gegen den anfang des 
vierten Jahrhunderts fiel, gegen das ende des fünften begannen 
die Gallier, wie es scheint (s. 239 f.), im gebiet der Rhone weiter 
vorzudringen, der stofs, der die Insubrer Genomanen Boier Lingonen 
Senonen nebst ihrem ligurischen anhang über die Alpen führte, 
erfolgte dann gegen 396, wenn auch der fall Melpums und Vejis 
als völlig gleichzeitig angenommen nur sagenhaft die meinung aus- 
drückt dass die schmälerung der etruskischen macht zu gleicher 
zeit im norden und im Süden begonnen habe*. 

Die in Italien unter festen namen auftretenden scharen kann 
man nur, wie es in der insubrischen darstellung geschieht, für ab- 
teilungen der gleichnamigen Völker im norden der Alpen halten, 
sie stehen hier, so weit sie Gallien angehören, ziemlich in der 
nördlichsten reihe der eigentlichen Gallier gegen die Beigen, in 
der richtung von westen nach osten zuerst die Aulerci Genomani 
an der Sarthe bei Le Mans, dann die Senonen östlicher um Sens 
und Auxerre, die Lingonen bei Langres, beide nördlich von den 
Aeduem um Autun, als deren gauvolk die Insubrer genannt werden 
(8. 255); die Boier allein treffen wir später nur an der mittleren 
Donau wieder, die Aulerci Brannovices unter den Aeduern (Caesar 
Bo. 7, 75), von ihren namensgenossen hinter der Sarthe weit ge- 
trennt, mögen noch die richtung der bewegung gegen die Rhone 
andeuten, aber im südlicheren Rhonegebiet gewähren die Völker- 
namen keine solche anknüpfung nach norden hin, da die Heivier 
nicht von den Helvetiern, nur die Helvetier von den Helviern ab- 
geleitet werden könnten, die Tricastini nur einen ähnlich lautenden 
namen wie die Tricasses um Troyes führen und es völlig sinnlos 
wäre die Meduli in Medoc an der mündung der Garonne und die 
Ceutronen unter den Beigen gegen die Maas- und Scheidemündungen 
(s. 204) mit den Medullern und Ceutronen am Cenis und kleinen 
SBemhard in Zusammenhang zu bringen, das einzige grofse und 



* liommsen Rom. gesch. 1', 303 f. 

17* 



260 DIE KELTENZÜGE. 

bedeutende volk innerhalb der Rhone, die Allobroger tragen einen 
rein geographischen, localen namen (s. 1 1 6) und von ähnlicher art 
scheinen die Tricorii und Tricastini*, das coilectivum Cavares (s. 247) 
aber mehr ein bei- und neckname als ein eigentliches gentile. 
aufser den Allobrogem sind die Gallier in und an den gebirgen, 
wie die Ligurer, in kleinere Volksgemeinden zersplittert, die meist 
nur einige täler umfassen und dann durch besondere namen unter- 
schieden wurden, kleinere häufen mögen nach und nach und seit 
längerer zeit aus dem mittellande in diese gegenden eingewandert 
sein und die Ligurer zurückgedrängt haben; als dann der haupt- 
stofs erfolgte, blieben auch noch teile und Überreste der nach 
Italien übersiedelnden Volksmassen zurück, auf diese weise erklärt 
sich der mangel oder das verschwinden der älteren gallischen 
volksnamen zwischen Cevennen und Alpen und ein ähnlicher Vor- 
gang ist auf der andern seite der Cevennen im vordringen der 
Gallier, gegen die Iberer (s. 237 f.), auch in den Ostalpen und später 
öfters in dem vorrücken der Germanen zu beobachten, dass die 
Gallier nicht lange vor der Übersiedelung nach Italien erst die 
untere Rhone erreichten (s. 257) und dass nach einigem verweilen 
ein teil von ihnen von hier aus durch das tal der Durance über 
den mont Gen&vre abzog, ist wegen des anschlusses der ligurischen 
gemeinden und namentlich wegen des abzuges der salluvischen 
Libuer aus der nähe von Massilia (s. 257) der tradition unbedingt 
zu glauben, dafür und für die annähme dass der ström den 
grösten teil der gallischen bevölkerung erst damals in jenen 
gegenden abgesetzt hat, spricht auch noch dass ein zur zeit des 
Plinius 3 § 125 untergegangener, zur zeit Gatos vielleicht noch 
vorhandener teil der Insubrer Gaturiges hiefs, wie das völkchen 
um Embrun im tale der Durance unterhalb des Genfevres (s. 248), 
dass aber, wie die tradition meint, die ganze grofse bewegung 



* vgl. Glück 8. 158 f., der freilich Tricorii und Petrucorii, so wie Tri- 
castini nicht weiter erklärt, aber wenn in Tricorii die dreizahl, so wird in 
Petrucorii doch wohl nur die gallische vierzahl (Zeufs Gr. 1 VI. 36. 817) stecken, 
die Tricorier wohnten nach Strabo p. 185. 208 und Livius 21, 81 (Ammian 15, 
10, 11) hinter den Vocontdera nach den Hochalpen tu und eben dahin kommen 
sie nach Plinius 3 § 34, wenn man sein versehen berichtigt und die Tricorii 
und Tritolli umstellt, die TritoUi — so und nicht Tricolli lautet nach Detlefsen 
der oame in den hss. — zunächst über der küste sind dann die Ligurer um 
Trittia (Ukert Gallien s. 439), j. Trete östlich von Aix. 



SIGOVESÜS. 261 

allein und zuerst vom innern Gallien ausgegangen sei, ist be- 
stimmt in abrede zu stellen*. 

Als Bellovesus nach Italien zog, soll gleichzeitig Sigovesus mit 
seinem heere in die hercynischen w&lder ausgezogen sein oder nach 
Trogus (s. 253), während der eine teil der auswandererscharen sich 
Italien zuwandte und Born eroberte, der andre sich durch eine 
menge barbarischer Völker bis nach Illyricuni hindurch geschlagen 
und in Pannonien niedergelassen haben, diese ansieht dass die 
grolse Keltenbewegung um oder gegen das j. 400 sich gleichzeitig 
über die Ost- wie über die Westalpen ergossen habe ist unleug- 
bar richtig. Herodot (s. 241 f. 246) und selbst noch im vierten 
Jahrhundert der so genannte Scylax, aus älteren quellen schöpfend, 
wissen von keinen Kelten an der Donau oberhalb Thracien oder 
am obern Adria. als aber im sommer 334 Alexander mit den 
Triballern und Geten an der Donaumündung kämpfte, erschien in 
seinem heerlager nach dem zeugnis des Ptolemaeus Lagi bei Strabo 
p. 301 f. und Arrian Anab. 1, 4, 6—8 unter andern abgesandten der 
unabhängigen Völker am Ister auch eine gesandtschaft der Kelten 
%äv hii xm *IovUp xoXnw oder ns^l tov *Adqiav ätxHffitvcov, um 
freundschaft und %srta zu erbitten**, und dies ist keineswegs, wie 



* unberücksichtigt blieb bisher Plutarch Camill. 15, wonach die Galater 
tot KtXrueov yivovs •»?*?, um der Übervölkerung ihres landes zu entgehen, 
©i fiiv ini ioy ßoquov cixtaror, vntQßaXorrH ta *Pinala oQtj, §vyjva* xai tä 
te^axa iijf ßvQtanrjg xataeftiv, oi <fi peratu nv^tpift oQovg xai nav "AXmatv 
Wp»&Vri£ lyy*S 2*vvmvv»v xai KtXioqimv xaroixtiv £po>w noXpy. oxpt d* otvov 
ynnttfitv* xrk. hier ist der eine satz so unverstandlich und sinnlos wie der 
andre, denn was heilst es dass die Gallier «wischen Alpen und Pyrenaeen 
lange seit t>ei den Senonen and 'Keltoriern' gewohnt hätten? was heilst es 
und wie ist es in verstehen dass sie sich über die Bhipaeen an den nörd- 
lichen ocean ergossen? wo endlich war ihre heimat und von wo giengen sie 
ans? wenn Plutarch auch hier den Dionysius (s. 252. vgl. 170. 178) vor sich hatte, 
so hat er ihn elend aufgefasst und wiedergegeben. 

** nach Diodor 17, 113 erschienen ihre abgesandten auch unter denen 
der andern Völker der oeknmene, die um des Alexanders freundschaft und 
bnndesgenossenschaft zu erbitten im j. 324 nach Babylon kamen, aufser den 
Karthagern und andern pixQ h *&* 'HQaxlttov <rttjXijt> t ix <fi t?s BvQvSnqs ai r« 
T»r 'ElXijvyy noXtte xai Maxtdorn, fr* &' 'IXXvquh xai TtSr nigi ror *Adqiay 
dxoivtuy ol nlsiopf, ra rt Gqqxm yivff xai nav nXti<itox<0Q<*>v raXariov, <ov 
reit ngtoiov 10 yivog iyv<o<r$ti nm$a fle "BXXtjaw, was nicht genau richtig, 
aber von Arrian 7, 15, 4 gleichm&fsig wiederholt wird, der jedoch an die 
westlichen Kelten denkt, 4>ßvvv u nQ**ß*ia* — xai «| 'IraXiac BQtmoi u xai 
Jtwxavoi xai Tvfätjvoi biQeoßtvor. xai KaQjprfovlovs tot« TtQtirßiPffa* Xiytra* 
xai anh Al&Unvjv nQhößtii iXbtiv xai Jxv&uiv tatu ix tiji EvQtJnqg, xai KeXrov$ 



L 



262 DIE KELTENZÜGE. 

man meint, das erste und älteste zeugnis für die anwesenheit des 
volks in jener gegend. als Philipp a. 359 den thron von Mace- 
donien bestieg, muste es seine erste sorge sein das land von den 
Illyriern zu befreien, gegen die sein bruder Perdikkas in einer 
grofsen schlacht gefallen war und die schon früher einmal a. 391 
seinen vater Amyntas für eine zeit lang des reiches beraubt hatten, 
von diesen dingen handelte Theopomp in den ersten büchern seiner 
geschichte des königs, und in der ausführlichen Schilderung der 
illyrischen Völker, die er in das zweite buch einschaltete, erzählte 
er beiläufig von einem kriege der Kelten mit den Ardiaeern (fr. 41 
bei Athenaeus p. 443 vgl. 271), wie die Kelten dabei die unmäfsig- 
keit der Ardiaeer im essen und trinken benutzt hätten um ihnen 
eine niederlage beizubringen, man darf die begebenheit noch vor 
360 setzen*, und da sie die nähere bekanntschaft der Kelten mit 
ihren gegnern schon voraussetzt, so rückt damit das datum für 
die anwesenheit dieser in den anfang des Jahrhunderts hinauf, die 
illyrischen Ardiaeer aber safsen am Ardiongebirge (Strabop.313— 15. 
317) in der heutigen Herzegowina bis zur Narenta, wo noch im 
vierten Jahrhundert oder früher (Scylax § 24) die Autariaten be- 
gannen, die über Montenegro hinaus bis zum Drilon (Strabo p. 316) 
reichten. Theopomps Kelten kommen deshalb dahin wo man später 



xai'lfhtfxts, vntQ ptlicce dtrjifo^iycvg' iv ta t$ ovö/ucna xal tag exivmg tot« 
7i (ku t ok bybfjvai 7iq6( * KXlnv<ov rt xai Maxidoywv. die westlichen Kelten 
meinte auch Trogus, Justin 12, 13, 1 nuntiatur legationes Carthaginiensium 
ceterarumque Africae civitatium, sed et Hispaniarum Siciliae Galliae Sardi- 
niae, nonnullas quoque ex Italia adyentnm eins Babylone opperiri. 

* mit dem merkwürdigen fragment aus dem Geryones des schon um 360 
dichtenden komikers Ephippus bei Athenaeus p. 346 f. weife ich nichts ansu- 
fangen und das verlangen der zweiten person 

napov <pvc<Sv t MaxtJwy &qx<ov 

(fßirrv Kikrovs, /19 itQoexawrpg 
ist unverständlich, da vorher nur von Sindern oder Sintern? Lykiera Myg- 
doniern Eranaern und Paphiern ?, die die ungeheure Schüssel eines königs (das 
aegaeische meer?) umwohnen und ihm den eingefangenen grofoen fisch, gröfser 
als Kreta, kochen, und zuletzt von Avatkav nqvtipw die rede ist. es müste 
darauf schon irßirvv pal kor KtXropg heiTsen oder dies doch gemeint sein, 
wenn die entgegnung irgend einen sinn haben soll, sie mit Droysen (Zs. für 
altertum8W. 1839 s. 200) 'auf irgend eine andre fassung' der von Ptolemaeus 
bei Strabo berichteten Unterredung der Kelten mit Alezander zu beziehen 
wage ich nicht eher, als bis die schon dem Athenaeus unbekannte besiehung 
des übrigen mythus aufgeklärt ist einstweilen scheint Kikrovf fast ein Ver- 
derbnis. 



SIG0VE8US. 263 

am Albiongebirge (s. 245), nördlich von den Ardiaeera, das illy- 
risch-keltische mischvolk der Iapodes trifft, Scylax § 21 aber nur 
noch Liburner kennt, und eben da sind notwendig auch die Kelten 
am ionischen oder adriatischen busen zu denken, deren gesandt- 
schaft Alexander aufsuchte. 

An die Iapodes aber schliefsen sich nordwärts an der 
oberen Sau die Latovici (Ftolem. 2, 15, 2), an diese westlich von 
den julischen Alpen die Garni, und nordwärts an der obern Drau 
und Mur, sowie jenseit der Tauern an der Ens und der Salzach 
bis zur Donau die Noriker oder Taurisker, eine ununterbrochene 
reihe keltischer Völker, an deren spitze die Iapodes nur als der 
am weitesten südwärts vorgeschobene Vorposten erscheinen, und 
da die Kelten aufserhalb des gebirges in die ebenen Pannoniens 
an der mittleren Donau erst zur zeit Caesars mit den Boiern, wie 
wir sehen werden, vordrangen, so ist klar auf welchem wege sie 
an den winket des Adria gelangt waren, sie waren von der oberen 
Donau gekommen, hatten die norischen Alpen überschritten und 
zuletzt die Kulpa und Unna, den Golapis und OXvsvg (Ptol. 2, 17, 2) 
oder die Indenea (Tab. Peut) erreicht, in den oberen landschaften 
überall wie im westen an der Rhone (s. 260) die ältere bevölkerung 
verscheuchend oder in sich aufnehmend. 

Die gesandtschaft zeigt wohin ihre blicke gerichtet waren, 
und leicht möglich, ja sogar wahrscheinlich ist dass sie schon an 
der untern Sau und Morawa einen landstrich erworben hatten, 
dessen besitz es ihnen rätlich machte den Alexander ihrer freund- 
schaft zu versichern, als dieser mit einem heere im norden des 
Haemus erschien, im fünften Jahrhundert herschten die thraci- 
schen Triballer zu beiden Seiten der Morawa bis zum Isker (He- 
rodot 4, 49, Thuc. 2, 96) und südwärts so weit dass unterhalb des 
Skombros- oder Skomiosgebirges im nördlichen Macedonien die 
Agrianen am obern Strymon (Thuc. 2, 96. 4, 101, Strabo p. 331, 
36. 37), dann die Dardaner und weiter westlich die freien illyri- 
schen Autariaten und Ardiaeer ihre nachbarn waren, von den 
Triballern kommen im j. 376 mehr als dreifsig tausend mit weib 
und kind {navdn(ks\\ angeblich von mangel an brot und körn ge- 
trieben, ins südliche Thracien in das tal des Nestus und gelangen 
bis Abdera an der seeküste (Diodor 15, 36, Aeneas poliorc. c. 15 
p. 32, 1 1 ff. Horcher) ; und nicht lange darnach ist ihre macht von 
der Morawa an den Isker gerückt: sie müssen hier den Geten 
(Krobyzen) ein nicht unbedeutendes gebiet abgenommen haben, 



264 DIE KELTENZÜGE. 

da sie mit dem an der untern Donau herschenden Scythenkönige 
Ateas zusammen geraten (Frontin 2, 4, 20), dem Philipp von Ma- 
cedonien, als er nach besiegung des Ateas im j. 339 von der 
Donau zurückkehrt, den durchzug durch den Haemus verweigern 
und die beute abjagen (Justin 9, 3) und als fünf jähr später 
Alexander vom Nestus aus den Haemus überschreitet und in ihr 
gebiet einfällt, sie sich vor ihm bis auf die Donauinsel Peuke mit 
weib und kind zurückziehen (Arian Anab. 1, 2, Strabo p. 301). allein 
die Vermutung dass sie damals ihre alte heimat an der Morawa 
vor den Galliern geräumt hätten* besteht vor den Zeugnissen nicht 
die Gallier mögen allerdings an der Verdrängung der Triballer 
einen anteil gehabt und, wie gesagt, auch einen teil ihres gebiets an 
der Donau erworben haben, aber bezeugt ist nur dass die Autariaten 
die Triballer in dem Morawagebiet unterjocht haben (Strabo p. 3 1 8) 
und daraus verdrängt haben müssen, weil Alexander, als er im 
j. 334 von der Donau zurückkehrt, von dem ehemaligen Triballer- 
lande aus einen angriff der Autariaten zu befürchten hat, dem die 
ihm ergebenen Agrianen vom Süden des Skombros durch einen 
einfall zuvorkommen können (Aman Anab. 1, 5). erst die Auta- 
riaten erliegen in diesem striche den Galliern oder, wie Strabo 
p. 318 einen namen der erst seit den grofsen zügen des dritten 
Jahrhunderts für die Galater südlich von der Sau und Donau 
üblich wird** voreilig gebrauchend sagt, den Scordiskern, und der 
Zeitpunkt des ereignisses wird dadurch bestimmt dass Kassander 
im j. 299 zwanzig tausend Autariaten, die neue Wohnsitze suchend 
ins nördliche Macedonien eingefallen waren, dort am Orbelos- 
gebirge ansiedelte und um dieselbe zeit oder wenig früher auch 
schon mit den Kelten im Haemus kämpfte***, damals be- 
reiteten sich die späteren ereignisse vor und schon wird neuer 
zuzug aus dem norden an der Sau und Donau angelangt sein, der 
es den Kelten erlaubte dort kräftiger aufzutreten und weiter um 



* Niebuhr Kleine Schriften s. 374 f. weiter ausgeführt und entwickelt 
von Duncker in den Origg. s. 23 ff., der sich p. 26 für die besiegung der Tri- 
baller durch die Kelten auf Strabo, Justin und Appian beruft, vgl. Zeufs 175. 
allein 8rrabo weife weder p. 318 noch p. 318 etwas davon, Justin 25, 1 handelt 
von kämpfen der Gallier mit den Triballern am Haemus als nachbam der 
Qeten im j. 279 (s. unten), sowie Pausanias 10, 19, 4 von solchen im jähre 
vorher, die angaben Appians Hlyr. c. 3 aber sind aus so unklarer und ver- 
worrener erinnerung geschöpft dass darauf nichts zu geben ist. 
•• Zeufs 176. Duncker Origg. s. 27. 34 ff. 
*** Duncker Origg. s. 29 f. vgl. Zeufs aao. 



SIG0VESU8. 265 

sich m greifen, während sie sich bei der ausbreitung der Auta- 
riaten den Triballern gegenüber und zur zeit Alexanders noch in 
bescheidener ferne hielten, nur der weg in die dritte stideuro- 
paeische halbinsel war gefunden und eröffnet und das zweite grofse 
resultat der bewegung ums j. 400, das resultat des Sigovesuszuges 
war die besetzung der Ostalpen durch die Kelten. 

Nun treffen wir jenseit der Noriker und der Donau später 
die Boier in Böhmen oder wir müssen doch aus dem namen Baiahaim 
(Boiohaemum bei Vellejus 2, 109, Bcu[v]oxctT[Acu bei Ptolemaeus) 
oder Baihaim (Bovlaipov bei Strabo p. 290, Boihaemum bei Ta- 
citus Germ. 28, Bat(io*— Baicuport bei Ptolemaeus) ahd. Bfeheim, 
den die Germanen dem lande schon im letzten Jahrhundert vor Ch. 
beigelegt hatten, schliefsen dass die Boier einmal dort gewohnt 
haben, dass die Marcomannen sie daraus vertrieben hatten (Tac. 
Genn. 42), ist freilich falsch, die Kimbern trafen sie nach Posi- 
donius* gegen das j. 113 noch nördlich von der Donau im hercy- 
nischen walde, aber Caesar kennt sie da nicht mehr, nur die 
Volcae Tectosages (s. 204), während die Marcomannen , unter den 
Völkern Ariovists zuerst genannt, damals noch am Maine safsen und 
erst um den anfang unsrer Zeitrechnung nach Böhmen zogen. 
Caesar weifs (Bg. 1, 5) dass die Boier, ein volk jenseit des Rheins, 
in Noricum eingefallen waren (transierant) und gegen das j. 60 
die hauptstadt Noreia — nördlich von Klagenfurt bei SVeit — 
belagert hatten, da ihrer 32 000, weib und kind mitgerechnet, 



* bei Strabo p. 293 «jpi^r* dt xai Boicvg rov *Bqxvvm>v ÖQvpbv oixtiv teqo- 
xtQtv, rovg (ff KißißQovf oQ/jtiöavras ini rbv tonov joirrov, anoxQQvad-ivTag vno 
Kay Boimv ini top "l<n(H>v xal lovg IxoqÖHfxovs FaXärne xataßfjya$, tlt* ini 
TtVQlctas xni (1. tj) TavQiaxove, xai tovrovf raiarag tlt* ini t Eiovrjttiovs xiX. 
hatten die Boier schon damals im nördlichen Pannonien bei den Herkuniaten 
am Bakonyer walde gesessen (s. 243), so müste Posidonins die östlichen aus- 
laufe? der Alpen mit zum 'Epxvviof &Qvpb( gerechnet haben, was durchaus 
nicht wahrscheinlich ist. Strabo hat hier keineswegs den Ister wie p. 292 die 
X*fäoyti**t (s. 164) interpoliert, weil er die Boier gar nicht im norden des 
flusse8 kennt und offenbar nicht weifs dass das Boviatpov innerhalb des waldes 
p. 290 ihr ehemaliger Wohnsitz ist; er meint dass die Boier von Italien aus 
sich gleich bei den Norikern angesiedelt haben (s. 267 anm.). daher ist auch das 
nQÖnQöv nicht so zu verstehen, wie Mommsen es auffasst in einer anmerkung 
zur Rom. gesch. 2*, 165 f., in der er sich auch andre daten allzu rasch zurecht 
legt; Strabo fuhrt nur die meinung des Posidonius an, daher das nQortQov, 
und es ist nicht anzunehmen dass Posidonius von der Übersiedelung des Volkes 
vom linken auf das rechte Donauufer etwas gewust und ausdrücklich gemeldet 
hat dann müste Strabo bei seiner ansieht sich hier ganz anders aussprechen. 



266 DIE KELTENZÜGE, 

sich darnach der auswandemng der Helvetier nach Gallien an- 
schlössen und von ihm später bei den Aednern zwischen Allier 
und Loire angesiedelt wurden (Bg. 1, 25. 28. 29. 7, 9 £ 17. 75, 
vgl. Hin. 4 § 107, Tac. Hist. 2, 61). den Boiern wird bei dem 
vordringen der Germanen der aufenthalt im norden der Donau 
nicht länger geheuer und ein Wechsel des Wohnsitzes wünschenswert 
erschienen sein, eine zeit lang, als sie die Noriker bedrohten und dann 
befehdeten, verband diese ihr vorteil mit den Sueben und es ist 
begreiflich dass der Norikerkönig Voccio seine Schwester dem 
Ariovist zur gemahlin nach Gallien geschickt hatte (Bo. 1, 53). 
nach etlichen jähren aber sehen wir Boier und Noriker unter dem 
Boierkönige Eritasiros vereinigt gegen die plötzlich erstandene macht 
des dakischen Byrebistas (oben s. 82), und so trifft sie ein schlag 
der die Boier für immer vernichtete — &Qdfjv fiydvuss oder a/raf- 
Xovto nave&vti, wie Strabo sagt, p. 304. 313. 213. der Noriker- 
könig hatte Caesar noch im anfange des bürgerkrieges (Bc. 1, 18) 
mit einem reitertrapp unterstützt, jenes ereignis fällt kurz vor 
Caesars tod (a. 44) oder bald nachher, da Strabo p. 298 ausdrück- 
lich sagt BvQsßfotag r\Qx* %äv JVx«*', iqf ov jfiri naQrtxsvdtfctto 
Kaiaaq 6 foog öTqaxsveiv*. nach dem abzuge der 32000 zu den 
Helvetiern muss daher die hauptstärke der Boier bei den Nori- 



* nach Strabo p. 304 war Byrebistas dreist (adttSt) über die Donau ge- 
gangen und hatte Thracien bis gegen Macedonien und die Scordisker aasge- 
plündert, dann nach p. 313 anch mit diesen sich verbündet, ehe er mit den 
Boiern und Norikern h&ndel anfieng. da nun Caesar von Macedonien aus den 
krieg gegen die Daken vorbereitete wegen ihres einfalls in Thracien oder wie 
Sueton Caes. 44 (vgl. Octav. 8, Liv. perioch. 117, VeUejus 2, 59, 4, Appian. 
lllyr. 13, Bc. 2, 110. 3, 25) sich wunderlich ausdrückt 'qui se in Pontum per 
Thraciam effuderant', so ist es wohl wahrscheinlich dass die h&ndel mit den 
Boiern und Norikern erst nach Caesars tod fallen, das leitalter des Byrebista 
und seines propheten aber kann man nach Strabo p. 298 (vgl noch p. 303. 762) 
nicht anders bestimmen als wie es von mir bei Ersch und Gruber 1, 64, 459 
oder von Duncker (Origg. s. 1 15 1) geschehen ist. Niebuhr (Kl. Schriften 1, 891 f.) 
und Mommsen (Res gest. Aug. 8. 88 f.) lassen die entscheidende stelle un- 
beachtet und Mommsen kommt darüber zu einer ganz falschen datierung. 
wenn aber jemand, der erst ein paar abhandlungen, dann ein eignes buch 
über Getan und Daken usw. schreibt, gegen meine oder vielmehr Strabos 
datierung 'dessen zwei unbestimmte aufeerungen' (p. 303. 762?) geltend 
macht und lieber eine ganz beliebige annimmt, so weife ich darauf nichts zu 
erwidern, erteile ihm aber gleich bei dieser gelegenheit den rat sich die Zeug- 
nisse der alten in jedem falle genauer anzusehen, ehe er seine phrasen dar- 
über ergiefst, und sich zehnmal zu bedenken, ehe er seine berichtigungen und 
eignen einfalle vorbringt und kindische belehrungen austeilt 



SIGOVESUS. 267 

kern im Süden der Donau verblieben sein und nach ihrem stürze 
wird es offenbar dass sie in den zunächst an Noricum grenzenden 
strichen von Oberpannonien am Neusiedler und gegen den Platten- 
see hin angesessen waren, wo nun die Boieröden oder steppen 
genannt werden und auch die Überreste des Volkes sich erhielten*, 
dass sie von jenseit der Donau hieher gekommen, kann nach 
diesen daten nicht zweifelhaft sein und wird auch noch dadurch 
unterstützt dass Ptolemaeus 2, 15, 2 Kvtvo$ hier als nachbarn der 
Boier nennt, die aller Wahrscheinlichkeit nach doch nur eine ab- 
teilung der jenseit der Donau in Mähren verbliebenen, gallischen 
Cotini (Tac. Germ. 43, Haupts zs. 9, 244 und unten anh. 1) waren. 
Die Germanen zur zeit Ariovists haben also die Boier noch 
in Baiahaim gekannt und keineswegs nach vager sage den namen 
dem lande beigelegt: die Boier haben es erst gegen das j. 60 
vor Cb. verlassen und sind erst damals nach Pannonien oder No- 
ricum hinüber gegangen, wenn aber ums j. 400 der Keltenstrom 



* Agrippa ist der erste, der die Boieröden nennt und ihre läge deut- 
lich genug bezeichnet, Dimensuratio prov. 18 'Ulyricum et Pannonia ab Oriente 
flumine Drino, ab occidente desertis in quibus habitant Boi et Oarni, a septen- 
trione flumine Danubio — finiuntur'. es werden hier also die deserta der 
Boier und Carner als die östlichsten striche des ager Noricus (Dun. prov. 19) 
angesehen, wie auch noch YeUejus 2, 109 Carnuntum als einen locus Norici 
regni bezeichnet, offenbar haben die Römer das regnum Noricum anfangs 
noch in dem umfange fortbestehen lassen, in dem es schon unter Eritasiros 
bestand, hiezu kommt noch Plinius 3 § 146 'Noricis iunguntur lacus Peiso 
(1. Pelso), deserta Boiorum. iam tarnen colonia divi Olaudi Sabaria (Stein am 
Anger) et oppido Scarabantia Julia (Oedenburg) habitantur 1 . nach der läge 
der st&dte scheint hier der Pelso lacus eher der Neusiedler als der Platten- 
see, bei Strabo p. 206 trennen Raeter und Vindeliker die Helvetier und Boier, 
aber so dass p. 292. 3 13 die Boiwy igti/ukt und der Boier wohnsitz ungefähr 
an das ostende des Bodensees kommt, wie Agrippa, bezeugt Ptolemaeus 2, 
15, 2 und sogar eine inschrift (Zeufs 248) die fortdauer des volks in Ober- 
pannonien. die Boieröde ist daher ebenso wenig als die ra>y rrrtov iQtj/uia 
(Strabo p. 305) aus der völligen ausrottung der bewohner, sondern vielmehr 
aus der heschaffenheit des landes zu erklären, die meinung Strabos p. 212 f. 
216, dass die Boier aus Italien von den Römern vertrieben bei den Tauriskern 
oder Norikern sich niedergelassen hatten, ist von Zeufs 246 schlagend wider- 
legt, und sie ist falsch wenn die Boier nach Posidonius früher im norden der 
Donau wohnten (s. 265). was Duncker Origg. s. 1 13 weiter über die behand- 
lung der besiegten italischen Boier beibringt, bestätigt nur des Plinius 3 § 116 
'in hoc tractu interierunt Boi 9 ; dass aber Duncker mit Polybius 2, 35 — 
(KtXtovc) l* *<*> v *«e* T ^y nddoy nutttav ISwf&ivras — Strabos meinung glaubt 
rechtfertigen zu können, verstehe ich nicht. 



268 DIE KELTENZÜGE. 

über die Ostalpen von der oberen Donau ausgieng (s. 263) und 
die Boier auch an dem Bellovesuszuge teil nahmen und mit den 
Lingonen von norden her über den grofsen SBernhard in Italien 
eindrangen (s. 256), so kann man sie sich damals nicht in Böh- 
men denken, sie müssen in der Rheingegend, am untern Main 
und Neckar etwa gesessen haben; und nicht, wie die spätere 
gallische sage will (s. 259— 61), im innern eigentlichen Gallien, 
sondern — darauf führt die gleichzeitige bewegung im osten und 
im westen — am Mittelrhein liegt der gemeinsame ausgangspunkt 
des Bellovesus- und Sigovesuszuges und die Boier standen in oder 
doch unmittelbar an diesem punkte, weil sie an beiden zügen teil 
nahmen, fasst man die Stellung die die in Italien eindringenden 
Völker im mittleren Gallien (s. 259) und andererseits in Böhmen 
einnehmen ins äuge, so wird es selbst wahrscheinlich dass eine 
grofse Südwärtsbewegung zu beiden Seiten des Rheins stattgefunden 
hat, die nach links und rechts, ost- und westwärts sich ausbrei- 
tete und zuletzt nur, als der besitz oder die nähe der Alpentore 
die Verlockung zu grofs machte, in die einwanderung nach Italien 
auslief, dieser bewegung parallel könnten die Beigen die untere 
Seine und um die Arduenna herum die Marne erreicht, dann die 
ihnen nachrückenden stammesgenossen das rechte Rheinufer ge- 
räumt haben, sowie andererseits den in die Alpen und nach Böh- 
men abziehenden die Kelten aus der Wesergegend südwärts folgten, 
und dadurch nun den Germanen die ausbreitung gegen den Rhein 
möglich geworden sein (s. 203 f. 236). 

mit dieser ansieht liefse sich auch ganz wohl vereinigen was 
Tacitus (Germ. 28) sehr bestimmt behauptet, dass die Helvetier 
ehedem das südwestliche Deutschland diesseit des Rheins bis zum 
Main und hereynischen walde inne gehabt hätten, während die 
Boier schon östlicher in Böhmen safsen. da jene gegenden bis 
auf seine zeit verödet waren (Germ. 29) und über den Zeitpunkt 
und die Ursache der Verödung jede alte, directe nachriebt fehlte 
und nicht wohl vorbanden sein konnte, so kann man der behaup- 
tung immer einige Übertreibung zu gute halten und sie mit einer 
gewissen einschränkung nicht nur als wahrscheinlich sondern als 
richtig hinnehmen, offenbar aber stützt sie sich nur auf die be- 
nennung der landstriche über der rauhen Alb und oberen Donau 
als 'einöde der Helvetier', die sich bei Ptolemaeus 2, 11, 10. 7 
findet, tj tooy 'EXovtjtimv €qijiao$ [*£xQ* % & v slqr^iymv y AXnU»v 
Sq4$w inkq tijy KsyaXfjy tov Javovßiov, und man muss zugeben 



DER ZUG DER GALATER. 269 

dass sie nicht notwendig wie man gewöhnlich, aber mit unrecht 
(8. 267 an m.) die Boier- und die Getenöde an der mittlem und 
untersten Donau versteht, — erklärt zu werden braucht: sie kann 
für die striche im norden der Helvetier aufgekommen sein, auch 
ohne dass man sich dieser noch als ihrer ehemaligen bewohner 
gerade erinnerte, hätte Caesar etwas davon gehört dass die Hel- 
vetier vor oder zum teil noch zu seiner zeit dort angesessen 
waren, so hätte er es bei ihrem versuche nach Gallien auszuwan- 
dern erwähnt und nicht Bg. 1, 2 'den überaus breiten und tiefen 
ström des Rheins 1 als ihre grenze gegen die Germanen bestimmt 
genannt, wie sie trotzdem und obgleich die Rauraken sie von 
den Germanen des Ariovists schieden, sich 'beinahe täglich', wie 
die Beigen am untern Rhein (Bg. 1, 1 vgl. 31), mit ihnen herum- 
schlagen konnten, indem sie bald einfalle ins feindliche gebiet 
machten bald im eignen lande abwehrten, ist freilich genau ge- 
nommen nicht wohl verständlich; aber verlangt denn das der 
ausdruck? auch die Ditmarschen und Friesen befehdeten ehemals 
einander fortwährend, obgleich die breite untere Eider sie trennte, 
gegenüber dem nichtwissen Caesars und seiner bestimmten aus- 
sage über den Rhein als grenze der Helvetier kann man der be- 
nennung bei Ptolemaeus und der behauptung des Tacitus nicht 
den wert eines historischen Zeugnisses, nur den einer meinung 
und annähme zugestehen, die wie andre nach dem grade ihrer 
Wahrscheinlichkeit abzumessen ist. die Kelten, die nach dem 
vorrücken über die Alpen um 400 im südlichen Deutschland und 
selbst noch nördlich vom Maine safsen, bringt der dritte zug, der 
zug der Galater nach Griechenland und Kleinasien ans licht und 
er ergibt zugleich durch seine analogie die schönste bestätigung 
der über die vorhergehende grofse bewegung aufgestellten ansieht. 

Seit dem anfange des dritten Jahrhunderts, dürfen wir an- 
nehmen (s. 264), waren die Kelten oder, wie sie nun alsbald bei 
den Griechen heifsen, die Galater herren im gebiet der Morawa 
und bedrohten von da aus die übrige halbinsel. ihre einfalle be- 
ginnen im j. 281. unter anführung des Kambaules kam damals 
ein heerhaufe nach Thracien und wenn auch zu schwach um weit 
vorzudringen, so wurde durch ihn doch die lust zu neuen und 
gröfseren Unternehmungen geweckt (Pausan. 10, 19, 4). im nächsten 
jähre brachen zugleich drei heere auf, eins unter Kerethrios gegen 
die Thraker und zwar zunächst die Triballer am Isker, ein zweites 



• • ••• !*• .• • 



270 DIE KELTENZÜGE. 

unter Bolgios gegen Macedonien, ein drittes unter Brennos west- 
licher, wie es scheint*, gegen Illyrien. die Schlacht in der Ptole- 
raaeus Keraunos gegen Bolgios fiel warf die macht Macedoniens 
nieder, die eine scbutzmauer gegen die barbaren hätte sein sollen, 
im dritten jähre (279) zog auf betrieb und unter der führung des 
Brennus abermals ein mächtiges heer aus und drang durch Mace- 
donien und Thessalien bis in das herz von Griechenland vor. es 
wird von Pausanias 10, 19, 6 auf 152000 mann zu fufs und 20400 
reiter, jeder von zwei berittenen ambacten begleitet, angegeben 
so dass die reiterei in Wahrheit 61 200 mann betragen habe; das 
excerpt aus Diodor 22, 13 p. 497 Wess. nennt 150000 Schildträger 
und 10000 reiter, Justin 24, 6 dieselbe zahl der pedites und 15000 
reiter. nach einem excerpt aus Polybius bei Suidas s. v. ralatcu 
aber wären bis zu 400000 unter Brennus ausgerückt, kaum 
aufserhalb der heiraat auf der andern seite des Scordus in Darda- 
nien angelangt, trennt sich in folge einer Uneinigkeit eine schar 
von 20000 mann unter anfahrung des Leonorius und Lutarius von 
der südwärts vorrückenden masse ab und geht durch das südliche 
Thracien im anfange des nächsten Jahres (278) hinüber nach 
Kleinasien (Polybius 1, 6, bei Suidas aao. und bei Livius 38, 16, 
Memno c. 19, Pausan. 10, 23, 9). ein anderer häufe von 15000 
zu fufs, 3000 zu pferde fallt um dieselbe zeit als Brennus süd- 
wärts zieht, wie im jähre vorher, von der Morawa aus wieder ost- 
wärts in Thracien ein, schlägt die Triballer und Geten zurück, 
geht über das gebirge und erscheint dann ohne zweifei im gebiet 
des Nestus und Strymon, an der südlichen küste, wo er von Anti- 



* die Verteilung bei Pausanias aao. ist in mehr als einer hinsieht un- 
verständlich: ini piv ovv Gqyxas xai ro t&vos ?o T^ßaXXwy l/ucJUf KiQt&Qtoc 
jjyqota&a*' 10U di ig Ilatoyfav lovoi Bqivyos tjaar xai *Axtx&Q*H nQ^orng' 
BoXyU>s u ini Maxt&was u xai IkXvQiovc ijlaxt. Kerethrios konnte die Tri- 
baller im norden des Uaemns nur zuerst von allen Thrakern angreifen und 
Bolgios Macedonien und die Dlyrier nicht erreichen ohne die iwischenliegende 
landschaft Paeonien zu passieren, es wird daher wohl eine Verwechselung 
zwischen Paeonien und den ülyriern vorgegangen sein, den dritten zug gegen 
Griechenland unter Brennus l&sst Pausanias 1, 4, 1 diesen weg einschlagen: 
cplktytiaa Ji ötfUn CTQatta TQtnna* rijy ini 'loviov xai tö r« 'lXXv(U*>v &vos xai 
nav ocw ä/p* Maxtdöywy $xtt, xai Maxtöirat avrovs äyaordrove foofya» &tc**- 
liav t« ini<t(>afii xik. unsinniger weise behauptet Justin 24, 6 dass die schar 
^es Brennus zu der zeit als Bolgios in Macedonien kämpfte 4n Graeciam se 
effuderat', und vorher c. 4 'divisis agminibus alii Graeciam, alii Macedoniam 
petivere'. 



DER ZUG DER GALATER. 271 

gonus Gonatas gefasst und gründlich geschlagen wird*, gleich 
darauf aber kann Antigonus 9000 bewaffnete eines unter anfahrung 
des Biderius mit weib und kind in Macedonien umherziehenden 
haufens von 30000 menschen in sold nehmen**, damit seinen 
gegner Antipater aus dem felde schlagen und sich der kröne von 
Macedonien bemächtigen, wie auch sein mitbewerber Apollodorus in 
Potidaea (Kassandrea) Galater um sich sammelte und bewaffnete*** 
und er selbst auch in seinen spätem kämpfen mit Pyrrhus 275 ff. 
sich auf galatische mietlinge stützte und solche auf der andern 
seite ihm gegenüber standen, reichlich hundert jähr später findet 
man sogar in der mitte von Macedonien in der nähe der königs- 
stadt Pella ein Galatervolk, die Vettier angesiedelt (Livius 45, 30, 
Zeufs 180). von dem grofsen heere des Brennus soll sich nach 
der niederlage bei Delphi ein teil unter Bathanatus in das Mora wa- 
gebiet zurückgezogen und dort die Scordisker oder Scordisten ge- 
bildet haben, nach Posidonius und Timagenes? bei Athenaeus 
p. 234 und Justin 32, 3 (oben s. 166 anm. 2); ein anderer teil unter 
Eomontorios zog ins südliche Thracien und gründete daselbst am 
Haemus ein reich mit der hauptstadt Tyle, das freilich schon nach 
ein paar menschenaltern gegen 212 zusammenfiel****, die 20000 Ga- 



* Justin 25, 1. 2 and Trogus prol. 24. 25 setzen die begebenheit un- 
mittelbar nach dem friedenschluss des Antigonus mit Antiochus und vor den 
Übergang der Galater nach Asien, dieser fallt nach Pausanias 10, 23, 9 ins 
j. 278, der friede oder doch das aufhören der fehde auch nach Memno c. 18 
ins jähr vorher, folglich auch der einfall und die niederlage der Galater durch 
Antigonus in dasselbe jähr 279. Duncker Origg. s. 37 laset sich durch das 
excerpt des Porphyrius aus der eusebischen Chronographie irre führen, s. Nie- 
buhr KL Schriften 8. 222 f. mit der tafel und anm. und ASchmidt im Rhein, 
mos. 1836 s. 475 f. 594 f. 

** nach Polyaen 4, 6, 17 versprach Antigonus jedem Galater ein mace- 
donisches goldstück und er zahlte nachher 30 talente (= 9000 goldstücke) an 
die bewaffneten, die ganze, nach der kopfzahl der menge geforderte summe 
aber hätte 100 talente (= 30000 goldstücke) betragen, wonach sich die volkszahl 
von selbst ergibt, vgl Hultsch Metrologie 8. 175. 3101 

*** Diodor 22 p. 563 mit Valesius und Wesselings anm. wegen der 
kämpfe des Antigonus mit Pyrrhus aufser Diodor Plutarch Pyrrh. 26, 
Justin 25, 3. 

**** Polybius 2, 45 £. auch Trogus Pompejus handelte nach dem Übergang 
der Gallier nach Asien von der Stiftung des tylischen reiches, da man im 
proL 25 'quas regiones felini occuparunt' unzweifelhaft richtig 'Tylenf her- 
gestellt hat; was Justin 25, 2. 3 übergieng. im übrigen hat schon Wernsdorff 
de repubL Galat. (1743) p. 26 ft die hieher gehörigen daten zusammengestellt. 
vgL ASchmidt aao. s. 577 iL 590 f. 595 ff. Duncker Origg. s. 36 f. oben s. 111. 



272 DIB KELTENZÜGE. 

later des Leonorius und Lutarius, die nachdem sie dem bithy- 
nischen könige Nikomedes zu seinem reiche verholfen, Kleinasien 
und namentlich auch die griechischen küstenstädte brandschatzten, 
haben gleichfalls wohl von den Überresten des Brennusheeres und 
selbst noch später Verstärkungen von jenseit erhalten, da sie ohne 
das sich kaum hätten behaupten und ein Galatien am Sangarius 
und Halys errichten können*, von da aus und aus Thracien und 
dem Morawagebiet bezogen dann die griechischen könige und 
machthaber die galatischen söldnerscharen, mit denen sie ihre 
fehden ausfochten und die sie auch wohl in ihrem lande ansiedel- 
ten, wie dies in Aegypten vorkommt (Polybius 5, 65, vgl. Pausan. 
1, 7, 2). die züge mit weib und kind unternommen, wenn sie sich 
auch in den reichen landschaften, die von ihnen betroffen wurden, 
zu blofsen raub- und beutezügen gestalten, tragen doch den character 
einer Völkerwanderung und die Galater treten so zahlreich und 
nachdrücklich auf dass notwendig seit dem anfange des dritten Jahr- 
hunderts eine massenhafte, neue einwanderung von jenseit der Alpen 
in die Morawagegend erfolgt sein muss. 

Wie bei dem erscheinen der Gallier in Italien (s. 251 t\ 
so taucht auch jetzt wieder bei den Griechen die sage auf dass 
die zahllosen, nordischen feinde aus dem äufsersten westen vom 
ocean und den grenzen der oekumene herbeigekommen seien**. 

* nimmt man Memno c. 19 und Polybius bei Livius 38, 16 und bei Suidas 
s. v. Fakdrat zusammen , so ist es mir nicht zweifelhaft dass der von beiden 
benutzte, den begebenheiten gleichzeitige und nabestehende Nymphia Ton 
Heraklea (Memno c. 24) so berichtete, dass die Galater gleich nachdem sie 
dem Nikomedes beigestanden sich am Sangarius und Halys festgesetzt hätten, 
ja wahrscheinlich, dass wenn auch das excerpt des Photius aus Memno 
nur angibt dass ihnen damals die bithynische beute zugefallen, sie damals 
auch des südlichen Bithymens sich bemächtigt und die abtretung desselben 
erzwungen hatten (Justin 25, 2) und von ihrer neuen heimat aus nun Klein- 
asien ausplünderten und tributar machten, indem sie es förmlich zu dem zweck 
unter sich verteilten, durch den sieg des Attalaß von Pergamus um SSO 
wurden nur die küstenlandschaften von dieser plage befreit und die Galater 
auf ihr gebiet im innern beschrankt, Pausan. 1, 4, 5. 8, 2; nicht aber erhielten 
sie dasselbe erst damals abgetreten, wie Strabo p. 566 behauptet und auch 
vielleicht Pausanias annimmt, nach Polybius bei Livius fallt die niederlaasung 
am Halys noch vor die kämpfe mit den syrischen königen und mit Attalus 
und auch die sagenhafte erzahlung des Appollonius von Aphrodisia bei Stephamu 
Byz. 15, 15 ff. (s. v. Uyxvpa) knüpft sie an ein früheres ereignis um 264. Wems- 
dorff p. 35 f., Duncker Origg. s. 38 uam. beachten nicht alle Zeugnisse und 
setzen sie daher aUzu spät 

** Gallimachus in DeL 171 ff. xal vv nou £v»*t? *k iUve&a* äppw 



DER ZUG DER GALATER. 273 

die sage ist besser als die meinung des Justin oder Trogus (s. 253) 
dass sie aus Pannonien gekommen seien, denn vor den Boiern, 
die erst im Zeitalter Caesars eindrangen (s. 263. 265 ff.), waren im 
eigentlichen Pannonien keine Kelten und die Pannonier bildeten 
bis dahin in der landschaft zwischen der Sau, Donau und den 
auslaufen der Alpen eine unzersplitterte, geschlossene Volksmenge, 
überdies waren die Pannonier den Griechen des dritten Jahrhunderts 
gänzlich unbekannt, da sie erst durch die Römer ans licht treten 
(Zeufs 254 ff.); Justin und Trogus können daher ihre nachricht 
aus keinem gleichzeitigen Schriftsteller geschöpft haben, und drücken 
damit nichts weiter als ihre meinung aus. da jedoch die Griechen 
den namen der Haioveg aus dem nördlichen Macedonien auf die 
Pannonier übertrugen, so ist es wohl möglich dass dem Trogus 
eine ähnliche Verwechslung begegnet ist wie dem Appian, der in 
der wunderlichen, Kelten Illyrier und Galater verbindenden, in 
ihrem anfange aber jedesfalls auf Timaeus (DA. 1, 474) zurück- 
gehenden genealogie (Ulyr. c. 9) den Tlamv den söhn des Auta- 
rieus und vater des Skordiskos uncl Triballos zu einem Pannonier 
macht, wo nach dem Zusammenhang der übrigen namen das volk 
in Macedonien nicht übergangen und allein gemeint sein kann, 
wenn daher Trogus mit Pausanias und Diodor seine darstellung 
des Galaterzuges gegen Delphi dem Timaeus entlehnte, Appians 
genealogie aber auf denselben zurückgeht, so kann jener 
auch durch diesen zu dem misverständnis und dadurch zu der 
falschen anknüpfung der gallischen wanderungssage (s. 253) ver- 
anlasst sein, der weg der Galater des dritten Jahrhunderts gieng 
über die Ostalpen ins tal der Drau und Sau, dann weiter an die 
Morawa (s. 264 f.), und da gebirgsvölker niemals auswandern, von 
den Iapoden und Norikern also bei diesem zuge abzusehen ist, so 
müssen jene von jenseit gekommen sein. 

Nur wenige Galatervölker kommen auf der griechischen halb- 
insel unter ihren besonderen namen zum Vorschein, aufser den 



«t&kog vmsQoy, bnnoi av oV juir if 'Ekkrjytcoi (jta^cnqav ßccQßaQtxrjv 

xal Kikriv dvacj^Gavitg Uqijcc oxpiyovoi Turivtg a<p ianiQov icx^ioiaviog 

QwHoyrai vupadtaau' ioixoug V lodgiS/uo* iüqww, l\vlxa itktima xat 

rjiga ßovxokionai. Pausanias 1, 3, 4. 5 Kakkinnog 'Afyyaiovg ig Stg/uonvkag 
nyayt> <j>vka$ovtag rr/v ig Jfjy 'Bkkäda rakanav icßokrjy. oi Ji rakara* ovto* 
vifAovta* trjg Evguirtfjg ia ta^tcra, im ^akäcajj nokkjj xal ig ta nigata ov nkwtjuy' 
nagixtiat dt a/umouv xal ^a^iav xal S-rjgia ovdiv hkxoia rdig h &ak<ioGfi ttj 
Uuij. xtk. (vgl. dazu DA. 1, 78. 420. 219. 475. 488. 500); 10, 20, 3 inl cK 
lovg anb toxtnvov ßrtQßdgovg roaoidt ig SfQfdonvkag d(fixovjo v KU.rivfg. 

DEUTSCHE Al.TKHTUMB&UNDE II. 18 



274 DIE KELTENZÜGE. 

Vettiern in Macedonien (s. 271) fandStrabo p. 187 nur bei einigen 
Schriftstellern den Brennos einen Prauser genannt, wüste aber 
selbst nicht mehr zu sagen wo dies volk gewohnt hatte: Bqivvov 
%6v imX&ovta inl JsXyovg IJqavöov xwig (facfiv ovSi xovg flqav- 
<fovg (T sxopev tlnsJv bnov ytjg üxtjtfav nqotsqov. erst in Asien 
treten drei Völker hervor und zwar gleich nach der Übersiedelung, 
die Trocmi oder Trogmi, die Tolosto- oder Tolistobogii und die 
Tectosagen*, und nach Plinius gesellen sich noch zu den Tolosto- 
bogiern die Voturi und Ambitouti, zu den Tectosagen die Touto- 
bodiaci. wahrscheinlich haben sich diese kleinen gemeinden erst 
in Asien neben den gröfseren gebildet, sei es durch absonderung 
oder durch zuzug; die Toutobodiaci (s. 118) scheinen sogar nur nach 
einem ehemaligen führer benannt und waren vielleicht eine ange- 
siedelte mietlingsschar. auf diese weise will auch Strabo p, 566 die 
namen der Trokmer und Tolistobogier ableiten, für deren herkunft er 
p. 187 keinen rat weifs; ov ydq naqHXfjcpapev oixovvxdg urag vvvl 
Tqoxpovq rj ToXMTtoßwyiovg ixtoq %<&v ^kXnmv ovi 1 iv avtatg ovi' 
ivxog' ilxög <P ixXeXomivcu ätd Tag adqoag dnaya&tdfcig, xa&d- 
nsq xal in' äXXwv Gvpßalvsi nXeiovoov. allein gegen jene her- 
leitung spricht sowohl die form der namen als auch die durch den ge- 
meinsamen gewährsmann des Polybius und Memno (s. 272 anm.), den 
Nymphis von Heraklea am Pontus als einen Zeitgenossen und augen- 
zeugen der Übersiedelung der Galater feststehende tatsache dass 
sie in Asien alsbald unter diesen namen auftreten**; gegen die von 



* Trocmi Livius 38, 16. 19. 26, Tqox^oI Polybius 31, 13, Strabo p. 187. 
561, Ptolemaeus 5, 4, 9, Appian Syr. 32. 42, Steph. Byz. 639, 11, TQtoxfioi 
Arcadius p. 58, 17 nach Meineke; Trogmi Plinius 5 § 146, TQoypoi Strabo 
p. 566 f. Tgwypoi Memno c. 19. vgl. Zeufs Gr." 23. 1057. Tolostobogn 

Livius 38, 16. 19. 27 nach dem Bamb., Florus 1, 27 und der perioch. 38, 
Plinius nach den älteren hss. und Solin 41, 1, ToXo<noßöy$o$ Memno; TOAl- 
ETOBSlymN IIELUNOYXTISLN CIG. nr. 4085, Eratosthenes junior bei Steph. 
Byz. 627, 20, Strabo p. 187 (-ßooyio*). 547 {-ymßiovs, -ßoyiovg?). 566 1 (-/fc»yo#), 
TohßuxJToi Ptolemaeus 5, 4, 7 ; Tok«noß6yu>k Polybius 22, 20, Tolunoßou» Appian, 
Tokffrößioi Steph. Byz. 627, 18. Tectosagi Livius 38, 18. 19. 24. 26, perioch., 
Florus, Justin 32, 3; Tectosages Ttxxoaaytg Polyb. 5, 53. 77. 78? 22, 22, 
Livius 38, 16. 25, Plinius 5 § 146, 3 § 33. 36. 37, CIG., Strabo, Memno, Steph. 
Byz. 611, 22, vgl. Caesar Bo. 6, 24; Ttxjoaüya* Ptolemaeus 5, 4, 8, Appian, 
Steph. Byz. 612, 1. 

** Ptolemaeus 5, 4, 7 kennt im lande der Tolistobogier einen ort ToXa- 
<naxo(>a al. -charia -jfcü^u«»«, woraus man ohne grund Tölacra j£a>e« oder /oietcr 
gemacht hat. der name hängt ohne zweifei mit dem namen des volkes, der 
Tolostobogier, zusammen; aber man darf schwerlich annehmen dass das volk 



DER ZUG DER GALATER. 2TS 

neueren versuchte combination der ToXrftoßoiyuH und Bohh aber 
entscheidet die verschiedene quantität des ersten vocals. die Tecto- 
sagen allein geben aufscbluss über die herkunft und ältere heimat 
der Galater. 

Nach Polybius 5, 53 hatte Antiochus der grofse, als er im 
jähre 220 dem Satrapen Molo gegenüberstand, in seinem heere 
TahiTAl € Pir6<ray6Q und ein jähr später hatte Attalus von Perga- 
mus, wie gleichfalls Polybius 5, 77. 78 berichtet, einige tausend 
Galater aus Europa von jenseit des Hellesponts herbeigerufen 
um sie gegen den Syrer Achaeus zu gebrauchen und sie dann, 
als sie mitten im feldzuge zu meutern begannen, mit weib und 
kind am Hellespont angesiedelt, wo sie zwei jähr später teils 
durch die griechischen städte, teils durch Prusias von Bi- 
thynien vernichtet wurden, sie werden zweimal \iir6<sayeQ ge- 
nannt und es ist deutlich dass dieser name sowohl wie der vor- 
her genannte TaXaTAl l Pir6<fay€$ verderbt ist und mehr als 
wahrscheinlich dass beiden ein und dieselbe form zu gründe 
liegt, seit Casaubonus hat man allgemein angenommen dass die 
form aus der die Verderbnisse geflossen sind TEKT6<faysg lautete 
und diesen namen an jenen drei stellen eingesetzt. ist dies 
richtig, so müssen die Tectosagen auch noch nach dem abzuge 
des Leonorius und Lutarius (s. 270) einen nicht geringen teil des 
heeres des Brennus, dann des heeres und reiches des Eomontorios, 
das dieser in Thracien gründete (s. 271), ausgemacht haben, da 
Attalus seine Söldlinge von daher bezog, im südlichen Gallien an 
der oberen Garonne bis zur unteren Rhone wohnten bekanntlich 
um Toulouse und zunächst über den Pyrenaeen Volcae Tectos^ges 
und östlich neben ihnen um Narbo und Nemausus die Volcae 
Arecomici. wenn Timagenes behauptete dass jene an dem zuge 
gegen Delphi teil genommen hätten — \k%%ats%%%v Tfjg inl JeXyovg 
ttQcctsiag Strabo p. 188 — , so stützt er sich vielleicht nur auf die 
sage von der herkunft des goldes von Tolosa aus Delphi (s. 166), 
die sage aber doch wieder, unsre folgerung bestätigend, auf die 
teilnähme der Tectosagen an dem zuge; und dass ein nicht unbe- 
trächtlicher teil des volkes — non mediocris populus — , nachdem 
sie die Istrer geplündert, in Illyricum oder Pannonien sich nieder- 

erst nach dem ort benannt ist. Siegfried MisceUanea celtica 8. 13 erinnert für 
den ersten wortteil an den Hercules Tolis in der Revue archeologique 8, 363. 
— über Bögins, Böius vgl. Glück über Renos Moinos und Mogontiacum 
s. 141 anm. 

18* 



276 ME KELTENZÜGE. 

gelassen habe (Justin 32, 3), kann Timägenes nicht Erdichtet haben, 
wenn auch jedes andre zeugnis dafür fehlt und er törichter weise 
die einwanderung als eine zweite, von Gallien her aus raublust 
unternommene rückwanderung darstellte, er muss von Tectosagen 
an den julischen Alpen in der nähe der Istrer, da wo sonst die 
Carni oder die Latovici in Krain zwischen den Iapoden und Nori- 
kern genannt werden (s. 263) und die letzten Gallierzüge (a. 186. 
182. 179 Zeufs 184) sich regten, gehört haben und wie die Scor- 
disker an der Sau und Morawa (s. 271), werden diese Tectosagen 
am Adria nur ein Überrest des Brennusheeres sein, der entweder 
nicht mit auszog oder wie jene dahin zurückkehrte und einen 
Wohnsitz sich eroberte*. diese dreifache Verteilung aber des 
volkes nach ülyricum Thracien und Kleinasien zeigt wie bedeutend 
es einst bei dem auszuge gewesen sein muss. 

Strabo p. 187 ist der meinung dass die Tectosagen, die zwi- 
schen der Pyrene und dem Kemmenon ein goldreiches land be- 
wohnten, einmal wohl so mächtig und volkreich gewesen sein 
möchten dass sie bei einem aufruhr eine grofse menge der ihrigen 
aus der heimat verjagt hätten, denen sich andre aus andern Völ- 
kern anschlössen, und dass dann von diesen die kleinasiatische 
landschaft besetzt sei, was die Tectosagen um Ancyra bewiesen, 
einer ähnlichen ansieht war Caesar (s. 204 f.) wenn er sagt 'ac fuit 
antea tempus cum Germanos Galli virtute superarent, ultro bella 
inferrent, propter hominum multitudinem agrique inopiam trans 
Rhenum colonias mitterent. itaque ea, quae fertilissima Germaniae 
sunt, loca circum Hercyniam silvam — Volcae Tectosages oecupa- 
verunt atque ibi consederunt; quae gens ad hoc tempus his sedibus 
sese continet summamque habet iustitiae et bellicae laudis opi- 
nionem. nunc quidem in eadem inopia, egestate, patientia atque** 
Germani permanent, eodem victu et eultu corporis utuntur\ er 
hält es nicht für nötig seinen lesern die Volcae Tectosages in der 
römischen provinz ausdrücklich zu nennen, hat sie aber im sinne 
und meint dass die Volcae Tectosages am hereynischen walde eine 
colonie von ihnen seien und so die ehemalige Überlegenheit der 
Gallier über die Germanen bewiesen, man kann ihm die worte 



* hätte Timägenes hier die ansieht Caesars (s. unten), wie bei der galli- 
schen wanderungssage (s. 250 f.), vor äugen gehabt, wie wäre er vom hereyni- 
schen walde gerade auf die Istrer gekommen? 

** so EHedicke in Qoaest. Cartian. 1S62 s. 40 statt patientiaque, pa- 
tientia qua. 



DER ZUG DER GALATER. 277 

des Tacitus (Germ. 2), angemessen verändert, entgegen halten: quis 
Narbonensi Gallia relicta Germaniam peteret, informem terris, 
asperam caelo, tristem cultu aspectuque, nisi si patria sit? erst 
die umkehrung der sache ergibt die richtige ansieht. 

Die Volcae Tectosages hatten die gegenden um den hereyni- 
schen wald, die die fruchtbarsten von Germanien waren, einge- 
nommen und sich dort, wie Caesar meint, bis auf seine zeit be- 
hauptet, aufs höchste angesehen wegen ihrer rechtlichkeit, oder 
friedfertigkeit* und tapferkeit, wenn auch arm wie die Germanen, 
da die Sueben oder Marcomannen am Maine safsen, die Boier 
Boiohaemum geräumt hatten, so denkt man sie sich in Böhmen 
und Mähren, später sind sie hier verschollen, entweder von den 
nachrückenden Sueben unterjocht und verschlungen oder zersprengt, 
die keltischen Gotini in Mähren kann man jedesfalls nicht für 
einen Überrest der Tectosagen halten, wenn schon ein teil von 
ihnen mit den Boiern nach Pannonien gezogen war (s. 267); eher 
sind die naQpaixdfjinoi und iJdQaßcuxdfAnoi, die nach Ptolemaeus 
2, 11, 24. 25 über der Donau gegen den Böhmerwald und östlicher 
wohnten, dafür anzusehen. Boiohaemum aber und das noch öst- 
lichere Mähren kann nicht das alte heim der Volcae Tectosages 
gewesen sein, sie können dahin nur von westen her, vor den 
Sueben weichend, gekommen sein, indem die Boier entweder schon 
vor ihrem abzuge nach Pannonien ihnen einen teil des landes 
einräumten oder mit dem abzuge das ganze überliefsen. der doppel- 
name lehrt dass Caesars Volcae Tectosages am hereynischen walde 
nur ein teil und ein in der alten heimat oder doch derselben 
nahe verbliebener rest eines gröfseren, ehedem mehrere stamme 
umfassenden volksstammes der Volcae waren, der name verlautet 
zwar nicht in Griechenland und Kleinasien, aber wie die Volcae 
Arecomici neben den Volcae Tectosages in Gallien, dürfen wir 
auch die Trokmer und Tolostobogier in Eleinasien mit den Tecto- 
sagen zu demselben stamme zählen und annehmen dass sie wie 
diese ihre namen von hause mitgebracht haben, wenn auch die 
Arecomici ihren, wie es nach der analogie von Aremorici (Glück 



* denn der gegensatz der lustitia', wo diese alten Völkern als lob er- 
teilt wird, ist die gewalttätigkeit, Tac. Germ. 85; vgl. Herodot 4, 26 'loerjdöw 

— (frxafto* xal ovto* It/orta* tlvcu; 93 ol Ar«* — Ggfjixwv iörttg avÖQiumcaoi 
xal <f«xa*oraro*; Hom. II. 13, 5 f. Mvc<ov ?' dyxffid^aty xal dyavuiv '[rnitj/uokytüy, 

ykaxjoydyajy, Ußiiov r«, dtxcuojajwv civ&Qtoiuav; Choerilus bei Strabo p. 303 

— 2dxa$, ytytjj 2xv$tu — yopddtor y$ piv qaav änoutoi, dy&Qtämav voplptav. 



278 ME KELTENZÜGE. 

s. 32) scheint, blofs geographischen namen erst in Gallien er- 
hielten, von allen Völkern der Volcae aber müssen die so weit 
zerstreuten Tectosages einmal das mächtigste und bedeutendste 
gewesen sein, dessen wohnsitz vor dem aufbruch ums j. 300 man 
nur westlich von den Boiern dahin verlegen kann wo Caesar vor- 
zugsweise die Sueben kennt, nach Hessen und in die Maingegend, 
ihre stammesgenossen, die mit ihnen nach Kleinasien zogen, müssen 
wohl südlich von ihnen an der Donau, vielleicht selbst noch 
jenseit gewohnt haben, von da führte sie dann ihr zug über die 
Alpen nach der griechischen halbinsel und weiter, während ein 
andrer teil der Tectosagen durch das Rheintal und am Jura ent- 
lang bis zur untern Rhone und gegen die Pyrenaeen vordrang, 
gleichzeitig mögen auch die Helvetier aus dem südwestlichen 
Deutschland (s. 268 f.) in derselben richtung weiter südwestwärts 
vorgerückt sein. 

Polybius 2, 19 erzählt zum j. 299, es sei damals eine be- 
wegung von jenseit der Alpen ausgegangen und vertriebene oder 
auswanderer von dort seien nach Italien gekommen, die diessei- 
tigen Gallier aber, um die gefahr eines schweren krieges von sich 
abzuwenden, hätten sich ihnen angeschlossen und die seit dreifsig 
jahren mit den Römern bestehenden vertrage brechend mit ihnen 
und den Etruskern einen einfall in das römische gebiet gemacht 
( Romae terrorem praebuit fama Gallici tumultus ad bellum Etru- 
scum adiectum', sagt auch Livius 10, 10, der im übrigen der 
Transalpiner nicht gedenkt, zwar blieb es nur bei dem einen 
Streifzug, da die Gallier über die gemachte reiche beute unter 
sich uneins wurden und im streit ihre kraft gegenseitig aufrieben, 
und weitere zuzüge von jenseit erfolgten auch in den nächsten 
jahren nicht, gleichwohl darf man in diesem ganz vereinzelten, 
so plötzlichen und unerwarteten xivtjfMx ix z<av TqavaaXnivmv ein 
anzeichen der damaligen gallischen bewegung im norden und 
westen der Alpen erblicken* dass die Volcae Tectosages und 
Arecomici erst damals im südlichen Gallien sich niedergelassen 
hätten, wird freilich nirgend ausdrücklich berichtet allein ebenso 
wenig als der alte periplus oder Hecataeus und Herodot im 
sechsten und fünften Jahrhundert (DA. 1, 186 f.), weifs auch der 
so genannte Scylax § 3 in der zweiten hälfte des vierten von Kelten 
neben Iberern und Ligyern zwischen den Pyrenaeen und der Rhone, 



* Duncker Origg. s. 28. 



VOLCAE UND WALCHE. 279 

obgleich er § 18 von den Kelten in Italien am Adria eine künde 
hat, die er nur noch nicht mit seinen älteren nachrichten aus- 
zugleichen verstand*, die erste bestimmte nachricht von der 
anwesenheit der Volcae Tectosages und Arecomici erhalten wir 
dann mit Hannibals Übergang über die Pyrenaeen (DA. 1, 187) 
und da erst mit dem ersten punischen kriege gallische Söldlinge 
zahlreich in den karthagischen beeren erscheinen, so werden jene 
auch nicht vor dem anfange des dritten Jahrhunderts die Mittel- 
meersküste erreicht haben**, die Keltenbewegung um 300 verlief 
der ums j. 400 ganz parallel, und wie damals die Boier (s. 267 f.), 
so standen nun die Tectosagen in ihrem mittelpunkt; nur fiel 
jetzt das hauptgewicht ebenso sehr nach osten als früher gegen 
westen, und dies entspricht durchaus der angenommenen Stellung 
der Völker an und über der Donau bis nach Hessen hinauf, wenn 
aber bis gegen das vierte Jahrhundert die Boier noch am Rhein 
und Maine safsen und dann erst nach Böhmen zogen, so müssen 
jene bis dahin nördlicher, über ihnen und den über die Ostalpen 
sich verbreitenden Völkern, an der Weser abwärts gehaust haben 
und dann diesen südwärts nachrückend den Germanen den Zu- 
gang zum Rheine geöffnet haben (s. 268). dass die Volcae einst 
die unmittelbaren nachbarn der Germanen waren und aus deren 
nächster nähe abgerückt sind, unterliegt mindestens keinem zweifei, 
weil die Germanen nach ihnen den ganzen keltischen volksstamm 
benannt haben. 

Unter l Welschland' verstehen wir jetzt Italien, unter 'welsch' 
schon eher französisch oder romanisch überhaupt, und dies ist die 
ältere bedeutung. der Germane begriff unter Walh plur. Walhäs 
oder Walhos ehedem alle seine lateinisch oder romanisch und 
keltisch redenden süd- und westnachbaren. dass die Goten und 
Ostgermanen den namen gebraucht, kann man zwar nicht belegen, 
muss man aber unbedingt schliefsen, weil er nur durch sie so 
früh, zunächst in der anwendung auf die Romanen der griechi- 
schen halbinsel, dann auch wohl schon in der weiteren bedeutung 
an die Slawen vererbt sein kann***. 

* wie jung die einwanderung war, ergibt sich aus Kiepert Monatsber. 
1864 s. 161. 

** Duncker Origg. s. 32 £ vgl. b. 21 f. 

*** die Bkaxoi werden zuerst um 976 in Macedonien genannt bei Georg 
Cedrenus 2 p. 435, WTomaschek über Brumalia und Rosalia in den Wiener 
sitzungsber. 70 (1868), 401 f. vgl. RBösler Romanische Studien s. 108 f. bei 



280 VOLCAE UND WALCHE. 

bei den Franken wurden im sechsten Jahrhundert die Ost- 
goten in Italien als Walagoti von den Westgoten in Südfrankreich 
und Spanien unterschieden*; das wergeld aber für einen Ro- 
manen hiefs bei ihnen in Gallien Walaleodi nach der glosse zur 
Lex sal. 41, 3. so verdeutschte auch ein alter Baier des achten 
Jahrhunderts Gallia durch Uualholant** und ein andrer rief, 
nicht ohne selbstironie, einem Romanen von dorther zu 'tole sint 
Uualha (Romani), spähe sint Peigira; luzic ist späht in Uualhum 
(in romana): mfera hap&nt tolaheitt denne späht'; während sie zu 
derselben zeit ihre romanischen landesgenossen bei Inspruck und 
Salzburg ebenso benannten: Uualhogöi bei Meichelb. nr. 12 a. 763; 
Uualahouuis, Trftnuualha, Sträzuualaha Juvav. p. 26. 34. 55 a. 798. 
799, wie auch die Alemannen die ihrigen Gurouualha bei Mohr 
s. 26 a. 826, und die Niederländer die Walen (Wallonen), jüngerer 
belege bedarf es nicht. 

dem Nordmann hiefs vorzugsweise das nördliche und west- 
liche Frankreich, wo er sich festgesetzt hatte, Valland und die 
einwohner Valir (gen. Vala)***; aber auch ein irischer könig des 
neunten Jahrhunderts wird Kiarvalr genannt (Isls. 1829. 1, 24. 
150. 155. 231. 246, Laxdaelas. c. 1, Nialss. c. 114, Eyrb. c. 1) und 
er und sein söhn Kiarlakr (Isls. 1, 222) und Kiartan, der enkel 
des Irenkönigs M^rkiartan (Isls. 1, 89. Laxd. c. 11. 28) beweisen 
dass, wenn zwei von den südlichen mädchen des Wielandsliedes — 
drösir sudroenar sind im gegensatz zu norroenar eigentlich nur 
'deutsche 1 — die töchter Hlödves d. i. eines Frankenkönigs sind 

Nestor p. 2 Timk. sind die Wolchowe deutlich die bewohner von Gallien oder 
Frankreich, dem Böhmen und Polen heifst Italien Wlachy und Wlochj nach 
deutscher weise. Miklosich hat in den ahhandlungen über slawische personell - 
namen s. 44 und die slawischen demente im rnmunischen 8. 1 f. seine frühere 
ansieht (Rad. ling. slov. s. 10) zurückgenommen und hält jetzt Wlahü für 
entlehnt aus dem deutschen, wie es das Verhältnis des dritten consotoanten 
verlangt. 

* Abhandlungen der Berliner academie 1862 s. 536. 

** in der Wessobrunner hs. 53 Clm. 22053 bl. 6l b (Denkmäler 2 s. 252, Ger- 
mania 2, 92) folgt unmittelbar auf 'Gallia uualholant' noch 'Chorthonicum. 
auh uualholant 1 . dabei mit Wackernagel (Wessobr. geb. s. 77) an Cortona zu 
denken ist unmöglich, da die aufzählung der länder einer gewissen Ordnung 
folgt, es kann nur ein andrer name für Gallia oder ein teil Galliens gemeint 
sein; vgl. 'Italia lancportolant. Ausonia auh lancportolant'. an Verderbnissen 
fehlt es nicht. 

*** vgl. Werlauff Symbolae p. 18, Egilsson s. v. Valland, Fritzner p. 718, 
Cleasby p. 675. 



VOLCAE UND WALCHE. 281 

(Fms. 11,405—10, Isls, 1,24) und die dritte Kiars tochter von 
Valland heifst, dass da eine Bretonin, Gallierin oder überhaupt eine 
Eeltin gemeint ist. 

diese bedeutung tritt dann besonders stark bei den Angel- 
sachsen hervor, bei ihnen ward Vealh, im plur. Valas, Vealas 
sogar zu einem namen der ausschliefslich an den Britten, den alten 
keltischen bewohnern des römischen Brittanniens, mit denen sie 
um den besitz des landes stritten, haftete und nicht einmal die 
Picten und Scotten mit umfasste; nur wenn die gelehrten Verfasser 
der chronik die Gallier Galvalas benennen und durch das com- 
positum Bret- oder Brytvealas den begriff näher bestimmen, verrät 
sich sein ursprünglich weiterer umfang*, aus den volksnamen 
Vealas und Cornvealas aber wurden die landschaftsnamen, mit denen 
die Engländer noch heute die landstriche bezeichnen, in denen sich 
die alte brittische bevölkerung am längsten erhielt. 

dass der name im hochdeutschen, wie im ags. 'vealhstöd inter- 
pres\ auch appellativisch in dem sinne von fremd, ausländisch 
überhaupt gebraucht wird, ändert nichts an der tatsache dass die 
Germanen nie ihre nachbaren im norden und osten, sondern stäts 
nur ihre romanischen und keltischen nachbaren im Süden und 
westen darunter verstanden haben, auf die Romanen aber kann 
der name erst übergegangen sein, seit die Römer am Rhein und 
an der Donau herschten und die provinzialen ihre spräche mit der 
lateinischen oder lingua romana vertauschten, ehedem müssen 
blofs die Gallier oder Kelten überhaupt darunter verstanden sein, 
nun aber ist Volca und Walh buchstäblich nach allen lautgesetzen 
und selbst der flexion nach ein und dasselbe wort, nur dass im 
deutschen munde der reine vocal an die stelle des getrübten trat, 
wie in Baiahaim Boiohaemum (s. 120. 265), Maginza Mogontia Mo- 
gontiacum, Uuasago Vosegus, mari mori usw. so würde gall. Ca- 
tuvolcus bei Caesar Bo. 5, 24. 26. 6, 31 ahd. Haduuualah (nhd. 
Hadlach, Hedlach?) sein, das nur zufällig nicht nachweisbar ist**, 
das keltische volc (ir. folg) bedeutet 'celer, velox, alacer' und es 
ist nach den beispielen nicht nötig dass die Germanen einmal 
dasselbe wort besessen haben: es findet sich davon auch keine 



* wenn zum j. 1040, zur zeit der D&nenherschaft, die Normandie Veal- 
land heifst, so ist darin wohl nur der nordische Sprachgebrauch zu erkennen. 

** wie ahd. Siguuualah, Hröduualah, Friduuualah uam. ahd. Kaduuualah, 
Chadaloh, Cadolah usw. (Förstern. 1, 306) ist mit den andern des ersten Stammes 
dunkel, aber gewis nicht der gallische name. 



282 DER ZUG DER KIMBERN UND TEUTONEN. 

spur; nur die natur des voeals haben sie richtig aufgefasst und 
ihrer spräche gemäfs wiedergegeben *. wenn sie daher die Gallier 
oder Kelten insgesamt Walche benannten, so müssen die Volcae 
einmal ihnen zunächst gewohnt haben und aus ihrer nachbarschaft 
gen süden aufgebrochen sein. 

Die letzte grofse keltenbewegung reicht also bis unmittelbar 
an die grenze der Germanen, die Kimbern und Teutonen aber 
schlagen fast denselben weg ein wie die Tectosagen und genossen 
und folgen den bahnen der früheren Kelten: sie haben von ihrem 
eindringen in Italien gehört (Plut. Mar. 11, oben s. 168) und ver- 
suchen daher zuletzt dasselbe, so stellt sich ihr zug, wenn auch 
zweihundert jähre später als der der Tectosagen oder Galater 
unternommen, nur als eine fortsetzuug der Keltenzüge dar; oder 
mindestens findet ein Verhältnis zwischen dem hervorbrechen der 
Germanen und den früheren bewegungen der Kelten statt, das 
nicht aufser acht zu lassen ist. 

Wie von den Galliern in Italien (s. 251 f.), von den Ga- 
latem in Griechenland (s. 272), so hiefs es auch von den Kimbern 
und Teutonen bei ihrem erscheinen (s. 166. 169 f. 172) dass sie von 
den äufsersten enden der weit, vom ocean herbeigekommen seien; 
nur dass bei ihnen noch die gallische flutsage hinzukommt, und 
durch das Zeugnis des Pytheas (DA. 1,479 f. 485) steht es fest 
dass die Teutonen im vierten Jahrhundert v. Ch. an der Nordsee 
wohnten oder doch, dass damals die nicht keltische, von Pytheas 

* Glück 8. 56 deutete 'volc' glücklich durch ir. folg (vgl. dagegen Zeufs 
Gr. 53), vergleicht aber offenbar mit unrecht skr. valg salire, exsultare und gar 
ahd. uualgon volvi; wie wäre aus einer media im keltischen eine tenuis ge- 
worden? — da, wo die Römer noch blofses v hörten, erst später im kymri- 
schen, kornischen und bretonischen gu, gw eintritt (Zeufs Gr. 127 f. 131 ff. vgl. 
Venta Gwent, Venedotio Gwynedd ua.), so ist es ganz unmöglich mit JGrimm 
(GDS. 296) G all us als Guallus und dies gleich Walah anzusetzen. Gallus ist 
gewis nichts anderes als die lateinische oder italische auffassung desselben 
namens, den die Griechen besser als rakärt^ wiedergaben, und Gallus wie 
raXdrqg gehen auf denselben stamm ir. gal zurück und bedeuten 'viri pugnaces, 
armati', Zeufs Gr. 997 f. anm. Leo in Kuhns zs. 2, 252 ff. setzte Walh und 

skr. mlecha ßaQßttQos gleich, so dass das wort ein urwort wird, und sprachlich 
ist dagegen wohl nicht viel einzuwenden; auch die einschränkung auf einen 
bestimmten volksstamm hätte ihre analogie an Njemez (s. 106 anm. 4). aber 
wer wird die ableitung aus der urzeit annehmen, wenn eine andre, völlig unbe- 
denkliche näher liegt? 



IHRE HEIMAT UND HERKUNFT. 283 

als Scythen unterschiedene bevölkerung der küste jenseit der 
Rheinmündungen jenen namen bei den Galliern führte, von daher 
werden also auch wohl die Teutonen des zweiten Jahrhunderts 
gekommen sein, für die Kimbern fehlt ein ähnliches, gleich altes 
zeugnis; denn mit den Kimbern des Ephorus und gar des Klitarch 
(DA. 1, 231. 233 anm.) ist es nichts und von dem Zeitalter des 
Philemon, der die Kimbern als anwohner der Nordsee kannte 
(DA. 1, 413 f.), wissen wir so wenig dass wir aus dieser notiz nur 
schliefsen können, er habe im letzten Jahrhundert v. Ch. und wohl 
erst unter Augustus geschrieben, als die römische ansieht über den 
wohnsitz des Volkes schon vollständig ausgebildet war. es bleibt 
daher nur die flutsage als erstes und ältestes zeugnis für die her- 
kunft der Kimbern vom ocean und dies würde entscheidend sein 
wenn nicht die sage nur von Gallien her übertragen (s. 165 f.) und 
überdies erst von den Teutonen auf die Kimbern verschoben wäre. 
Posidonius, der sich gegen Pytheas ebenso wenig als gegen 
Timaeus spröde verhielt*, auch wenn ihm die schrift ntQl wxeavov 
nicht mehr vorlag, fand die Teutonen gewis bei diesem (DA. 1, 
476 ff.) und bei Eratosthenes (DA. 1, 386. 491. 494) erwähnt, und 
man sollte denken dass er sich auf den einen oder den andern 
für ihr früheres vorkommen am ocean berufen hätte, wo er die 
herkunft und heimat der Nordleute erörterte (s. 161—189) und die 
sage von ihrer Vertreibung durch die flut bestritt merkwürdiger 
weise aber findet sich dafür weder bei Strabo p. 292 f. noch sonst 
irgendwo eine spur, dem Posidonius standen die Kimbern, schon 
ganz ebenso wie später den Römern, von anfang an so sehr im 
Vordergründe dass neben ihnen von den Teutonen in jener er- 
örterung, die wir genügend übersehen, nicht weiter die rede ist. 
die Kimbern oder ehemaligen Kimmerier wohnen ihm am ocean, 
ja sie scheinen das ganze düstre waldland jenseit der Herkynien 
bis zum meere inne zu haben, woher doch auch die Teutonen und 
Ambronen kamen, indem er dieser geschweigt oder sie unter 
jene mit begreift, wie es später öfter geschieht, am auffälligsten 
von Tacitus (s. 122 anin. 2), zeigt er sich nur von der gewöhnlichen 
auffassung und dem Sprachgebrauch der flutsage beherscht, die er 
bekämpfte, eine besondere, genauere kenntnis der wohnstätte der 
Kimbern hatte er nicht, seine landeskunde ist noch so unbestimmt 
und unvollkommen (s. 172 ff.), dass wenn Strabo p. 292 f. in dem 



* DA. 1 , 358 f. 365 f. und unten im excurs zu Diodor 5, 38, 3 . 



284 DER ZUG DER KIMBERN UND TEUTONEN. 

auszuge aus seiner erörteruiig die Kimbern auf die norddeutsche 
halbinsel versetzte und zugleich von ihrer gesandtschaft an Augustus 
berichtet, er das erste so gut wie das andre aus eignem wissen 
hinzugetan haben rauss (s. 164). Posidonius kann sich daher nur 
durch die gemeine sage und auffassung haben leiten lassen, wenn 
aber die flutsage Kimbern und Teutonen nicht unterschied oder 
auch, was auf eins hinauskommt, von beiden und den Ambronen 
(s. 165) ohne Unterscheidung dasselbe berichtete, so beweist sie für 
die herkunft jener vom ocean gar nichts und ist weit entfernt 
dafür ein entscheidendes Zeugnis abzugeben, bei den späteren aber 
nach Posidonius werden wir mit der fortschreitenden künde vom 
alten Germanien nur den ersten irrtum oder mangel an Unter- 
scheidung weiter entwickelt finden. 

Der nächst älteste zeuge, der alte gewährsmann des Mela 
kannte schon die grofsen, in den ocean mündenden flüsse jenseit 
des Rheins, die Ems Weser und Elbe, und jenseit der Elbe einen 
ungeheuren meerbusen Codanus* voller grofser und kleiner inseln; 
daran wird irrtümlich eine beschreibung der Nordseeküste (DA. 1, 
489 £) geknüpft und dann hinzugefügt l in eo sunt Cimbri et Teu- 
toni'; aber die Teutoni haben auch Codanovia (Scadinavia), die 
fruchtbarste und gröste der inseln im Codanus inne. wie dies 
zu verstehen ist vollkommen deutlich, zwischen Rhein und Elbe, 
wo nach Pytheas schon sowie nördlicher die Teutonen wohnten, 
musten die Römer zuerst die hauptvölker unter ihren besonderen 
namen kennen lernen: Mela übergieng sie, wohl aus keinem andern 
gründe als die iberischen namen (3, 1, 15) 'quod nostro ore con- 
cipi nequeant'. sie liefsen weder für die Kimbern noch für die 
Teutonen räum; so rückten diese östlicher über die Elbe und bei 
dem vorrang den sie in der erinnerung und Vorstellung der Romer 
einnahmen und weil es einmal feststand dass sie vom ocean ge- 
kommen seien, musten die Kimbern schon gleich jenseit des flusses 
ihre stelle erhalten, den Teutonen aber die weitere, nur erst von 
hörensagen bekannte ferne zufallen, je deutlicher hier der ansatz 
nach gutdünken und die Zusammensetzung der ganzen Vorstellung 
ist, um so mehr wird dadurch nur das weitere aufgeklärt. 

Ungefähr auf dieselbe weise müssen die beiden Völker auch 
noch auf der nach den aufzeichnungen des Agrippa entworfenen 

* dies scheint = qugdn ahd. quoden femina, interior pars coiae, von 
got. qifms altn. kvidr ags. cvid ahd. quiti bauch mutterschofs, vgl. got. laus- 
qi|>ro nüchtern, isl. kodri beutel? 



IHRE HEIMAT UND HERKUNFT. 285 

römischen weitkarte (s. 154) platz gefunden haben, da nach dem 
excerpt oder der inhaltsangabe des exemplars des Julius Honorius 
die Stellung der 'Teutoni, Cimbri' nicht anders zu einander zu 
denken ist als die des zuletzt vor ihnen genannten deutschen 
völkerpares der Frisiones und Canninefates und die der gallischen Ce- 
nomani Haedui, Ruteni Aquitani, Allobroges Velavi, d. h. in der 
richtung von norden nach Süden oder auch von nordosten nach 
Südwesten. 

Es folgt Augustus selbst als gewährsmann. im j. 4 nach Ch., 
als Germanien bis zur Elbe seit zwölf jähren unterworfen oder 
dienstbar war und Tiberius dort den krieg gegen Maroboduus, 
dem sich die östlicheren Völker angeschlossen hatten, vorbereitete, 
entsandte Augustus eine römische flotte von der Rheinmündung 
ostwärts bis in die Ostsee*, sie gelangte wenigstens bis ins Katte- 
gat. denn da Ptolemaeus den umriss der kimbrischen halbinsel 
nicht nur auf der Westküste bis Skagen kennt, sondern auch noch 
ihren östlichen vorsprang** und neben demselben, in gleicher breite 
mit der grofsen insel Sxavdia drei kleinere, uneigentlich so ge- 
nannte Skandien, weiterhin aber jede specielle kenntnis der küsten- 
gestaltung bei ihm aufhört, so muss die römische flotte bis in die 



* Res gest. 5, 14 ( cla[ssi qui praeerat meo iussu] ab ostio Rheni ad 
[s]tflis orientis regionem usque ad [Scythicam plaga]m navigavit, quo neque 
terra neque man quisquam Romanus ante id tempus adit, Cimb[r]ique et 
Charydes et Semnones et eiusdem tractus alii Qermanorum popu[li] per legatos 
amicitiam meam et populi Romani petierunt'. die zweite gröfsere lücke von 
'ungefähr vierzehn buchstaben', mit der Mommsen nichts anzufangen weifs, ist 
wahrscheinlich so zu ergänzen, wenn Augustus damit auch etwas zu viel sagt, 
nach Plinius 2 § 167 ( Septentrionalis Oceanus maiore ex parte navigatus est 
auspiciis divi Augusti, Germaniam classe circumvecta ad Cimbrorum promun- 
turium et in de inmenso mari prospecto aut fama cognito Scythicam ad 
plag am et umore nimio rigentia 1 . gewöhnlich lftsst man die fahrt bei Skagen 
und mit einem ausblick von dort endigen und bringt den letzten teil des 
satzes nicht weiter in anschlag. allein die erkundung der Ostsee, wenn auch 
zum grösten teil nur nach hörensagen, war ihr wichtigstes resultat: man 
glaubte die küste Germaniens größtenteils beschifft und ungefähr auch fest- 
gestellt zu haben dass es im norden bis gegen Scythien oder Sarmatien 
vom ocean umgeben sei. an Plinius 2 § 167 schliefst sich Plinius 4 § 96. 97 
genau an und Tacitus hat die fahrt gleichfalls im sinne Germ. 1 bei 'cetera 
Oceanus ambit, latos sinus et insularum immensa spatia complectens, nuper 
eognitiß quibnsdam gentibus ac regibus, quos bellum aperuit'. 

** in unsern hss. und ausgaben ist freilich die angäbe darüber ausge- 
fallen, liefe sich aber mit hilfe der Argentinensis von 1513 und dem auszug 
des Marcianus von Heraklea wiederherstellen, KMüller Gm. 1, 555 f. 



286 DER ZUG DER KIMBERN UND TEUTONEN. 

gegend von Grenaae und Ebeltoft und bis auf die höhe von Samsöe 
und Seeland, zu denen sich Fünen als dritte kleinere Skandia ge- 
sellte, gekommen sein: Ptolemaeus bestimmt die läge der mittleren 
nach graden der breite und länge und eine andre quelle seiner 
künde ist hier ebenso wenig denkbar und möglich als bei Plinius 
4 § 96. 97, der die damaligen erkundigungen über die innere Ost- 
see zusammenfasst. es war nun das Vorhandensein einer halb- 
insel, auch ungefähr ihre gestalt und läge festgestellt; aber auch 
manche bisher wenig oder gar nicht bekannte Völker waren unter 
ihren besonderen namen ans licht gekommen*, galten sie aber 
einmal für Kimbern, so befand man sich mit ihnen seit mehr als 
hundert jähren noch im kriegszustande, und da es überdies darauf 
ankam ihnen vor dem neuen nachbar, dem römischen reiche, zu- 
mal für die nächste zeit des krieges an der Oberelbe, respect ein- 
zuflöfsen, so wurden streifereien und einfalle in ihr gebiet an ver- 
schiedenen punkten unternommen und die flotte kehrte nicht nur 
reich beladen an mancherlei beute in die Elbe zurück, wo sie 
sich mit dem heere des Tiberius vereinigte und seinen Verhand- 
lungen mit den jenseitigen Völkern den nötigen nachdruck gab, 
sondern auch Augustus hatte die genugtuung eine gesandtschaft der 
Kimbern in Rom zu empfangen, die ihm ihren heiligsten kessel 
überbrachte und seine und des römischen Volkes freundschaft und 
Verzeihung für das früher geschehene erbat (Strabo p. 293). eine 
solche gesandtschaft liefs sich auch ohne zwang, unter allen um- 
ständen, zu stände bringen, bei freier reise und bei der aussieht 
4 thia märün Rümaburg' mit eignen äugen zu schauen, das be- 
streben dem römischen volke für beleidigungen die seiner majestät 
früher widerfahren genugtuung zu verschaffen, wäre es auch nur 
zum scheine, tritt in der politik des Augustus mehr als einmal 
hervor; ich erinnere nur an die Parther. so ward der name 
Kimbern für die bewohner der halbinsel gewisser mafsen officiell 



* das 'bellum 1 , das nach Germ. 1 (anm. 1 der vorigen 8.) die Völker and könige 
des Nordmeeres ans licht brachte, können nur die von Vellejus 2, 106 er- 
wähnten kämpfe der flotte sein: 'Fracti Langobardi — ; denique — ad qua- 
dringentesimum miliarium a Rheno usque ad flumen Albim — Romanus com 
signis perduetus exercitus. et eodem mira felicitate et cura ducis temporam- 
que observantia classis, quae Oceani circumnavigaverat sinus, ab inaudito 
atque incognito ante mari flumine Albi subveeta, plurimarum gentium 
victoria cum abundantissima rerum omnium copia exercitui Caesarique se 
iunxit. 



IHRE HEIMAT UND HERKUNFT. 287 

anerkannt und bestätigt. Augustus selbst (s. 285 anm.) gebraucht 
für sie keinen andern namen, Cimbri wohnen auch auf der innern 
seite der halbinsel (Plin. 4 § 97) und diese, deren germanischen 
uamen man erfahren hatte, Tastris nach den besten hss. des 
Plinius, hiefs von nun an die KwßQMtj %sqc6vii<sos mit dem pro- 
munturium Cimbrorum (Plin. 2 § 167, 4 § 96. 97). den Teutonen 
aber mochte jeder ein unterkommen anweisen, wo er für sie platz 
fand. 

Auch Strabo p. 292 f. spricht nur von Kimbern auf der halb- 
insel, bringt sie aber p. 291. 294 trotz dieser, weil er ohne kennt- 
nis von der fahrt der flotte und durch seinen gewährsmann in 
dem wahne bestärkt ist dass jensei t der Elbe alles unbekannt sei, 
unter die Völker zwischen Rhein und Elbe und weifs von Teutonen 
im damaligen Deutschland nichts. Plinius 4 § 99 fügt den Kim- 
bern und Chauken noch die Teutonen bei, und da jene bei ihm 
die ganze halbinsel inne haben (s. vorher) und die Chauken die 
südliche Nordseeküste bis zur Elbe, so muss er sich die Teutonen 
in Meklenburg bis gegen die Oder gedacht haben, wo Augustus 
zunächst an der Elbe (s. 285) zwischen den Kimbern und Semnonen 
die als gegner Caesars aus dem heere Ariovists bekannten Cha- 
rudes offenbar mit einer ähnlichen befriedigung wie ihre nörd- 
lichen nachbaren aufführt, eben diese genauere darstellung als 
Plinius gab die alte, aus der augustischen zeit stammende general- 
karte oder diathese von Germanien, die in die karte des Ptole- 
maeus verarbeitet ist*, und zwar so dass sie neben die Charudes 
südlich von den Kimbern und westlich von den Teutones an der 
Oder noch Teutonoarier stellte, TswovodQioi, — ein sonst uner- 
hörter, ungeheuerlicher hybrider name den die Römer nur nach ana- 
logie von Angrivarii, Chasuarii ua. erfunden haben können um ein 
collectivum für mehrere kleinere Völker oder gemeinden im norden 
der Semnonen zu haben, in der nur wenig jüngeren specialdiathese 
des Ptolemaeus dagegen und bei Tacitus kommen die einzelnen 
Völker zum Vorschein, die wenn nicht schon früher, so durch 
die fahrt der flotte und den aufenthalt des Tiberius an der Elbe 
bekannt geworden waren, die sich aber sonst hinter den gesamt- 
namen verstecken, während umgekehrt diese jetzt verschwinden, 
wo jene ans licht treten. Tacitus kennt die gesamtnamen nicht 



* hierüber muss ich vorläufig auf die bemerkungen in Haupts zs. 9, 
231—234 verweisen; die ausführlichere darlegung soll im dritten bände 
folgen. 



288 DER ZUG DER KIMBERN UND TEUTONEN. 

einmal mehr als üblich, die ihm vorliegende diathese wüste 
überhaupt nichts von Kimbern, denn es ist deutlich dass er c. 37 
der Germania nur einlegte, um einen der nächsten absieht seiner 
schrift entsprechenden geschichtlichen excurs über die gefährlich- 
keit der germanischen kriege für die Römer an den namen der 
Kimbern zu knüpfen, und dass er diese nur deshalb vermutungs- 
weise als eine 'parva nunc civitas' an den ocean setzte, weil die 
diathese sie gar nicht kannte. 

Er hat c. 36 die Cherusker an der mittleren Weser und Elbe 
und vorher c. 35 die Chauken an der Nordsee bis zur Elbe be- 
sprochen, seiner Ordnung gemäfs, indem er der richtung des 
Rheines folgte (c. 41), sollte nun der räum zwischen den Che- 
ruskern und Chauken ausgefüllt, dann die Völker nördlich der 
Elbe längs der Nordsee aufgeführt werden, dies geschieht auch 
nach c. 37, indem Tacitus, c. 38. 39 von den suebischen Semnonen 
im osten der Cherusker ausgehend, c. 40 die Langobarden nörd- 
lich von den Cheruskern und östlich von den Chauken und weiter 
die Reudigni, Aviones (inselbewohner), Anglii usw. jenseit der Eibe 
nach norden hin folgen lässt, so dass der räum über den Che- 
ruskern vollständig ausgefüllt wird und für die 'parva nunc civitas' 
kein platz bleibt, man gerät schon mit ihr in Verlegenheit, wenn 
es nach den Cheruskern von c. 36 mit einem male, aber sehr un- 
bestimmt c. 37 heifst, die Kimbern hätten 'eundem Germaniae 
sinum', denselben winkel oder dieselbe strecke von Germanien 
'proximi Oceano' inne, da von den Cheruskern bis zum meere eine 
lücke bleibt, die weder die parva civitas ausfüllen, noch Tacitus 
nach der von ihm sonst beobachteten Ordnung überspringen konnte. 

Wenn demnach die parva civitas der Kimbern bei Tacitus 
nur auf Vermutung oder einer annähme beruht wie er sie für den 
zweck seiner schrift gebrauchte, so kann von einem einschwinden 
und zurückweichen des gesamtnamens auf eine einzelne Völker- 
schaft, wie man wohl gemeint hat, bei ihm nicht die rede sein, 
der gesamtname Kimbern existiert überhaupt nur durch die 
meinung der Römer über die herkunft des volkes vom ocean, 
dann insbesondere durch den officiellen Sprachgebrauch im Zeit- 
alter des Augustus und weiter nicht die bewohner der halbinsel 
gehörten schon zu den Sueben und dem stamme der Inguaeones. 
es ist nicht wahrscheinlich und glaublich dass sie noch einen 
dritten gesamtnamen bei ihren stammesgenossen und nachbarn 
führten, dass die Römer den Kimbernnamen auf sie nur über- 



IHRE HEIMAT UND HERKUNFT. 289 

tragen haben, zeigt sich zumal an der art wie sie mit den Teu- 
tonen verfuhren, die sie zuerst in den unbekannten norden ver- 
legten, dann entweder mit stillschweigen übergiengen oder wieder 
auf das fesüand verpflanzten, indem sie den rest der inguaeischen 
Völker zwischen Elbe und Oder längs der Ostsee für Teutonen er- 
klärten, ist dieser name, wie nicht zu bezweifeln, gallisches Ur- 
sprungs (s. 113 f.), so muss er von den Römern dahin verlegt sein, 
weil die Germanen damit nicht ihre landsleute an der Ostsee be- 
nannt haben können und diese zu sehr aufserhalb des gesichts- 
kreises der Gallier lagen, nach alledem aber ist auch der fremde 
Ursprung des Kimbernnamens kaum noch zu bezweifeln und die 
ansieht (s. 116 ff.) dass er von den Galliern den zuerst über sie 
hereinbrechenden, räuberischen scharen beigelegt wurde wohl be- 
gründet, zumal wenn damals (s. 206) der Germanenname für die 
Transrhenanen noch nicht gebräuchlich war. eine weitere folge- 
rung die sich daran knüpft ist dann freilich, wenn die Teutonen 
die alten Nordseevölker sind und die Kimbern nicht vom ocean 
herkamen, dass diese von dem gebiet der mittleren Elbe ausge- 
gangen sind und die Teutonen sich ihnen nur von norden her 
angeschlossen haben; eine folgerung die eine mächtige stütze an 
der darstellung des Livius zu finden scheint. 

Nach den periochen 63. 65. 67 hätte Livius die niederlagen 
des Papirius Garbo, des Silanus, des Scaurus, Gaepio und Mallius 
in den jähren 113. 109. 105 allein den Kimbern zugeschrieben und 
erst nach ihrer rückkehr aus Spanien im j. 103 hätten diese sich 
mit den Teutonen im nördlichen Gallien bei den Veliocassern um 
Rouen vereinigt: 'reversique in Galliam in Veliocassis* se Teutonis 
coniunxerunt'. ist dies richtig, so würden die Teutonen erst viel 
später aus ihrer heimat aufgebrochen und den Kimbern nachge- 
zogen sein und es würde sich desto eher erklären, wenn diese 



* statt 'Veliocassis' oder 'Veliocassis', wie Mommsen (Rom. gesch. 2 2 , 181) 
das überlieferte 'bellicosis' schön verbesserte, könnte man auch an 'Bellovacis' 
denken, allein weniger gut, da man jenen namen auch bei Caesar Bo. 7, 75 
in den hss. 'Belliocassis' geschrieben findet, vgl. Glück s. 161 f. bei den Bello- 
vaken um Beauvais würde die Vereinigung der Kimbern und Teutonen nur 
etwas östlicher und dem nachmaligen wohnsitz der Aduatuker (s. 201 anm. 1 ) 
näher stattgefunden haben, ich mache nur noch darauf aufmerksam dass beide 
anderungen mit Caesar Bo. 2, 4 in widersprach zu stehen scheinen, wonach 
die machtigen Bellovaken sowohl als die Veliocasser zu den Beigen gehörten, 
die Beigen aber allein von allen Galliern die Kimbern und Teutonen abge- 
wehrt haben sollen, s. unten s. 295. 

DEUTSCHE ALTBBTÜM8KUBDE II. 19 



290 DIE KIMBERN UND TEUTONEN 

während zehn jähre die einzigen auf dem platze waren, dass sie 
vor allen dem gedächtnis der mit- und nachweit sich einprägten 
und in der Überlieferung hervortreten, aber schon weniger gut, 
wenn die Teutonen so viel später vom ocean kamen, dass von 
ihnen die flutsage auf jene übertragen wurde, einen ganz ähn- 
lichen satz wie die perioche 67 hat Julius Obsequens 43 'Cimbri 
Alpes (d. i. Pyrenaeos) transgressi post Hispaniam vastatam iun- 
xerunt se Teutonis', und auf diese Übereinstimmung, 'den verhält- 
nismäfsig zuverlässigsten livianischen bericht in der epitome und 
bei Obsequens 9 glaubte Mommsen seine darstellung gründen zu 
müssen, 'mit beseitigung der geringeren Zeugnisse, die die Teu- 
tonen schon früher, zum teil schon in der schlacht von Noreia 
(a. 113), neben den Kimbrern auftreten lassen', schade nur dass 
dies sogar der den Livius excerpierende Obsequens selbst tut, 38 
'C. Caecilio Gnaeo Papirio coss. (a. 113) — Cimbri Teutonique 
Alpes transgressi foedam stragem Romanorum sociorumque fece- 
runt\ auch sonst finden sich noch entschiedene spuren dass Li- 
vius, und beweise dass Posidonius die Teutonen früher und von 
anfang an als teilnehmer des zuges gekannt hat. für die epitome 
oder periochen und das spätere erscheinen der Teutonen spricht nur 
eine auch sonst ungenaue stelle des Vegetius*; alle andern aber, 
wenn sie allein die Kimbern oder auch die Teutonen nennen, sind 
wie jene nur unvollständige auszüge aus ihren quellen, es wird hier 
der ort sein die frühere geschichte des zuges nachzuholen, wo die 
darstellung des Posidonius und die annalistische römische Über- 
lieferung bei Livius sich nicht mehr durchweg sondern lassen. 

Nach Posidonius (s. 265) traf der angriff der Kimbern zuerst 
die Boier im hercynischen walde: von diesen zurückgeschlagen, 
heifst es, seien sie gegen den Ister und die Scordisker hinab- 
gezogen, dann zu den Teuristen oder Tauriskern. man kann dies 
nur so verstehen dass die Kimbern von norden her über das Erz- 
gebirge in Böhmen einbrachen und von den Boiern gezwungen 
wurden seitwärts in die Marchebene auszuweichen, von wo sie 
dann über die Donau und weiter durch Pannonien bis zu den 
Scordiskern an der Sau gelangten; denn wären sie im westen von 



* de re milit. 3, 10 'Cimbri Caepionis et Manlii et Süani legiones intra 
Gallias deleyerunt. qnarum relliquias cum C. Marios suscepisset, ita erudirit 
scientia et arte pugnandi, ut innumerabilem moltitndinem non solum Cimbro- 
rum, sed etiam Teutonum et Ambronum publico Marte deleref. 



AN DER DONAU. 291 

den Boiern gegen die Donau zurückgeworfen, würden sie zuerst 
die Vindeliker und Noriker oder Taurisker und nicht vor ihnen 
die Scordisker erreicht haben, eine ebensolche Seitwärtsbewegung 
müste man auch annehmen, wenn die Boier schon damals (s. 265) 
an den östlichen auslaufen der Alpen gesessen hätten, die Scor- 
disker aber erreichten sie wahrscheinlich in demselben jähre 114, 
wo diese, seit der Unterwerfung Macedoniens nachbarn der Körner 
und mit ihnen schon wiederholt (a. 135. 119?) in fehde, das heer 
des consuls G. Porcius Cato, das von Macedonien aus bei ihnen 
eingefallen war, vollständig niedermachten, worauf im nächsten 
jähre der consul Metellus Caprarius den krieg in Thracien wider 
sie mit besserem glücke eröffnete*, der nach vierjähriger dauer 
ihre macht für immer brach, entweder im j. 114 oder früh im 
j. 113, ehe sie von den Römern im Süden angegriffen wurden, 
muss es auch ihnen gelungen sein den angriff der Kimbern im 
norden abzuwehren und so kurz vor ihrem eignen falle, gleichsam 
zur sühne für ihre früheren raubzüge, die griechische halbinsel 
vor einem neuen einbruch nordischer barbaren zu bewahren. 

Nur ein berg oder höhenzug zwischen Sau und Drau, der 
mons Claudius (Plin. 3 § 148, Mommsen CIL. 3 p. 415) trennte 
Scordisker und Taurisker. indem die Kimbern von jenen zurück- 
gewiesen sich diesen zuwandten, näherten sie sich der römischen 
grenze von Italien, kurz zuvor im j. 115 waren hier die Kamer 
in den gebirgen oberhalb Aquilejas unterworfen und die Taurisker 
oder Noriker zu den Römern in gastfreundschaft getreten**, als 
die fremdlinge plündernd im Drautal erschienen, stellte der consul 
Papirius Garbo, der College des Metellus Caprarius, um einen ein- 



* der triumph des Metellus 'ex Thraecia' (Fast, triumphal, ad a. 643, 
Eutrop 4, 25, Vellejus 2, 8) lftsst es freilich ungewis ob er gerade gegen die 
Scordisker erfochten, über den krieg der jähre 112 — 109 Livius per. 63. 65, 
Florus 1, 38, Vellejus 2, 8, Eutrop 4, 27, Fischer Zeittafeln s. 156—158. aber 
wie verhalt sich dazu Appian IUjr. 5? der sagenhafte bericht c. 4, die teil- 
nähme der Kimbern-Kelten an der plünderung des delphischen tempels voraus- 
setzend, fahrt nach den s. 165 anm. angeführten Worten so fort t« oixtia qiv- 
yovrtg frißalov ig 'ilXvQwvg ropg ovvafAaQiöviag <x<j>Unv t ao&ivtig vnb tov Xoi/uov 
ytvofdvovg xai iJpwtav t$ lä ixüycjy, xai tov Xot/uov (itiaaxortH fyvyov xai 
f^XQ* npQijvqg ilitjlarovy, 

** Fast triumph. ad a. 639 ( M. Aemilius Scaurus de Galleis Karneis'. 
Victor de vir. illustr. 72 '(M. Aemilius Scaurus) consul Ligures et Cauriscos 
(Mommsen Rom. gesch. 2 S , 169 anm.) domuit atque de his triumphavit'. 
Appian Celt. 13. — die Taurisker sind auch wohl die socii des Julius Obse- 
quens s. 290. 

19* 



292 DIE KIMBERN UND TEUTONEN 

fall in Italien zu verhüten, sich mit seinen truppen in den karni- 
schen Alpen auf, rückte dann aber, als er nicht angegriffen wurde, 
in Noricum vor und so grofs war der respect der römischen 
waffen dass jene ihm bei seiner annäherung gesandte schicken mit 
dem versprechen die gastfreunde der Römer nicht länger zu be- 
helligen, der consul nimmt das versprechen an, versucht aber, 
den gesandten die er auf einem umwege zurückschickt voraus- 
eilend, das rastende heer der barbaren zu überfallen und erleidet 
eine solche schlappe dass vielleicht sein ganzes heer vernichtet 
wäre, wenn nicht ein plötzlich ausbrechendes unwetter dem kämpfe 
vorher ein ende gemacht hätte; worauf jene alsbald durch die 
Alpenpässe nordwärts ziehen. 

Als ort des Zusammentreffens nennt Strabo p. 214, ohne zweifei 
(vgl. p. 215) nach Posidonius, Noreia, die alte hauptstadt der No- 
riker mit reichen gold waschen und eifengruben, unweit des heu- 
tigen St. Veit, da wo der weg aus dem Drau- und Gurktal über 
die steirischen Alpen an die obere Mur führt, des ortes gedachte 
auch Sempronius Asellio (s. 204) wahrscheinlich in diesem zusam- 
menhange, die Römer, Livius (per. 63, Obseq.) und Tacitus (Genn. 
37) gestehen die niederlage des Carbo offen ein, wenn aber Strabo 
sich begnügt mit einem ovdfr enga&v, so liegt darin kein Wider- 
spruch, sondern nur eine andre auffassung vor, da nach dem aus- 
führlichen bericht bei Appian Gelt. 13 Carbo noch mit einem blauen 
äuge davon kam und allerdings nicht das erreichte was er beab- 
sichtigte, ich habe den innern Zusammenhang des berichts im 
vorigen dargelegt, weil ich sehe dass er heutzutage ungenau und 
falsch wiedergegeben wird, da Appian nur von Norikern statt wie 
Posidonius (vgl. s. 167, Strabo p. 293) von Teuristen spricht, so scheint 
er eher einem lateinischen auctor, vielleicht den annalen des Claudius 
Paulus (Celt. 1, 3), als dem sonst von ihm viel benutzten Griechen 
gefolgt zu sein, er müste denn selbst den veralteten namen mit 
dem später allein üblichen vertauscht haben, auf jeden fall fand 
er bei seinem gewährsmanne wie Obsequens (s. 290) und wohl 
auch Vellejus (2, 12 vgl. 8, oben s. 122. 135) bei Livius die Teutonen 
erwähnt, weil ohne das der Byzantiner der den Appian excerpierte 
sie bei ihm nicht gefunden und allein eine Tevtovwv t+olQa 
Xtpxhvovüa noXiavÖQoq (vgl. s. 164 f.) dem Carbo gegenüber gestellt 
hätte, wie umgekehrt Strabo, die perioche des Livius, Eutrop 4, 
25, der quintilianische declamator 3, 13, und Tacitus allein die 
Kimbern, die umkehrung des Verhältnisses lässt nur schliefsen 



JENSEIT DES RHEINS. 293 

dass die quellen so wie Livius nach Obsequens schon bei dem 
ersten zusammentreffen mit den Römern von Kimbern und Teu- 
tonen meldeten, wenn auch der heerhaufe, dem erst die Boier, 
dann auch die Scordisker stand hielten, damals noch nicht so an- 
gewachsen war wie später, eine spur bei Plutarch leitet auch 
noch unmittelbar auf Posidonius. denn hätte er die Teutonen 
nicht von anfang an als gefahrten der Kimbern, sondern nur 
als neu angekommene gekannt, so würde er nicht in der wohl- 
gesetzten rede (s. 132) den Soldaten des Marius, als sie allein den 
Teutonen und Ambronen gegenüber standen, die frage in den 
mund gelegt haben 'schreckt etwa den Marius das Schicksal des 
Carbo und das des Caepio, über die die feinde siegten, weil sie 
viel schlechtere feldherren waren und ein viel schlechteres heer 
hatten ?' 

Es vergehen volle vier jähre ehe die auswanderer in Gallien 
an der Rhone und damit an der grenze der römischen provinz 
erscheinen*, sie hatten ihren weg südlich von der Donau ge- 
nommen und waren so zu den Helvetiern (s. 265 anm.) gekommen, 
die ihnen allem anscheine nach einen friedlichen durchzug durch 
ihr land gestatteten, denn Posidonius (s. 152) erzählte, die Hei- 
vetier obwohl friedfertige und goldreiche leute seien durch den 
erstaunlichen beutereichtum der Kimbern so gereizt worden dass 
namentlich zwei von ihren drei phylen, die Tiguriner und Toy- 
gener mit fortgezogen seien, — attte xai öwt^oQ^fjacu. sie mögen 
erst im jähre (a. 108) nach dem durchzuge den fremden gefolgt 
sein**; wenn sie überhaupt mit ihnen gemeinschaftliche sache 
machten, so kann kein feindlicher zusammenstofs vorher gegangen 



* Vellejus 2, 8 erwähnt den Übergang der 'Cimbri et Teutoni — malus 
mox nostris saisque cladibas nobiles' über den Rhein zwischen dem triumph 
des Metellus 'ex Thraecia' im j. 111 und dem des Minucius 'ex Scordiscis', 
der wahrscheinlich ins j. 108 fiel (s. 291); 2, 12 aber trägt er nach dass sie 
vor dem Caepio und Mallius den Garbo und Silanus geschlagen hätten, ver- 
gleicht man damit Eutrop 4, 25. 27, der den triumph schon in das consulat 
des Metellus und der ersten nachricht von dem erscheinen der Kimbern gleich- 
zeitig setzt, so vermutet man leicht dass auch Vellejus ihr erscheinen in Illy- 
ricum und in Gallien ungefähr in eins zusammengezogen hat. 

** dies ergibt sich, wie mich dünkt, aus der natur der sache und steht 
kaum in Widerspruch mit der meinung des Posidonius oder Strabos. 'das ge- 
sonderte auftreten der Helvetier' aber möchte ich nicht mit Mommsen Rom. 
gesch. 2*, 174 dafür geltend machen, da ja auch die Kimbern und Teutonen 
im weitem verlauf des krieges gesondert auftreten. 



294 DIE KIMBERN UND TEUTONEN 

sein und die Helvetier können nur auf die angenommene weise die 
nähere bekanntschaft der Kimbern und ihrer genossen gemacht 
haben, nach einer stelle des Strabo* müsten auch die Sequaner 
auf der andern seite des Jura und damals auch noch im süd- 
lichen Elsass sich jenen angeschlossen haben, doch findet 
sich dafür sonst keine spur und die stelle enthält augenschein- 
lich nur eine böswillige und zugleich dumme Übertreibung 
von Caesar Bo. 1, 31, die Strabo aus der quelle schöpfte die ihm 
überhaupt den Caesar vermittelte, passierten die Kimbern und 
Teutonen Helvetien, so durchzogen sie im südwestlichen teile des 
landes den gau der Tiguriner um Aventicum und werden die 
später verschollenen Toygener vorher näher am Rhein getroffen 
haben; sie erreichten aber dann die römische provinz an dem- 
selben punkte bei Genf, den ein und fünfzig jähre später die Hel- 
vetier für ihren auszug ausersahen, den aber Caesar ihnen ver- 
sperrte. 

Die meisten zeugen, aber nicht gerade die triftigsten, aufser 
der per. Liv. 65, Asconius Pedianus p. 80 Orell., Quintilian Decl. 
3, 13, Vegetius (s. 290), Eutrop 4, 27, nennen wiederum nur die 
Kimbern als diejenigen, denen der consul M. Junius Silanus im 
j. 109 gegenüber stand und von denen er geschlagen wurde, allein 
dem angriff giengen Verhandlungen vorher**, die ankömmlinge 
schickten abgesandte zuerst in das lager des Silanus, mit der 
bitte ihnen land zur niederlassung anzuweisen, und da der consul 
dazu nicht befugt war, gieng die gesandtschaft nach Rom an den 
senat, indem sie für die landabtretung kriegsdienste anboten und 
auch wohl damals geltend machten (s. 168) dass früher Gallier in 
Italien platz gefunden hätten, hierher gehört nun ohne zweifei 
die anecdote, die Plinius 35 § 25 wohl wie die unmittelbar vor- 

* p. 192 — ol Jrjxoavoi, dutjogoi xai toig * Pwpaioig ix noXXoö ytyoyong 
xai tdig Aidovoig, ou nQog FtQfiavovg nQogfx^Qovv nolldx&g xarn tag ttpö&ovg 
atnüjy tag ini irjv 'liccXiay, xai tntdsixvvvro yt ov jpjv tv^ovcay dvyapiv, all« 
xai xoiyewovyttg avrolg Inoiovv fityälovg xai a<fi<na/uty<H pixQovg. hier weisen 
die Aeduer am deutlichsten auf Caesar Bo. 1, 31, aber weder von Ariovist 
noch von den Kimbern und Teutonen kann man sagen dass sie nolldxig Italien 
angegriffen hätten, woran jener nicht einmal dachte, noch auch ist der letzte 
teil der behauptung von jenem oder von diesen wahr oder auch nur ver- 
ständlich. 

** nach der innerlich wahrscheinlicheren darstellung des Florus 1, 37 
(vgl. Plutarch Mar. 24, oben s. 143). die übermäfsig abkürzende perioche 
berichtet zuerst das unglück des Silanus und trägt dann die gesandtschaft 
nach Korn nach. 



JEN8EIT DES RHEINS. 295 

her gehende (s. 159 anm.) aus den Exemplis des Nepos von einem ge- 
sandten der Teutonen erzählt, dem man das bild eines alten hirten 
mit dem stabe auf dem forum zeigte und der auf die frage wie hoch 
er ihn schätze antwortete, er wolle einen solchen mann nicht leib- 
haft und lebendig geschenkt haben, die anecdote aus einer von 
allen übrigen unabhängigen quelle geschöpft lässt nicht zweifel- 
haft dass damals dem Silanus Kimbern und Teutonen gegenüber 
standen und dass Vellejus (s. 292) und Florus mit recht beide 
Völker nennen, wenn dieser auch wohl fälschlich schon die Tigu- 
riner herbeizieht und noch andre Verwirrung hat (s. 157 f. 165). der 
senat konnte die bitte nicht bewilligen und darauf der zusammen- 
stofs mit Silanus leicht erfolgen, sobald er den abzug der fremd- 
linge verlangte oder ihnen den durchmarsch verlegte, wenn sie 
nach seiner niederlage ebenso wenig als nach der des Garbo im 
j. 113 über die Alpen nach Italien vordrangen, so mag der haupt- 
grund der gewesen sein dass zunächst die ausbeutung Galliens 
bequemer oder geratener schien und mit den Helvetiern verab- 
redet wurde. 

Gallien wurde überfallen und das ganze land geriet in die 
gewalt der Kimbern und Teutonen (Bg. 1, 33), die es ausplünder- 
ten und entsetzliche leiden über die bewohner brachten, indem 
die bevölkerung fliehend in den Städten sich zusammendrängte 
und nun hungersnot entstand, die sie zwang sich von dem fleisch 
der zum kriege untauglichen zu ernähren (Bg. 7, 77). den Beigen 
allein gelang es die Kimbern und Teutonen von ihren grenzen 
abzuwehren (Bg. 2, 4). das übrige Gallien atmete erst wieder 
auf, als die Kimbern abzogen und andere länder aufsuchten 
(Bg. 7, 77). dass in der not bei belagerungen bei Kelten, Iberern 
und manchen andern Völkern menschenfresserei vorkäme, hatte 
auch Posidonius erzählt (s. 184) und es ist leicht möglich dass 
Caesar nur was er bei ihm gelesen aao. dem Arverner Critognatus 
in den mund legte. Caesar ist sonst der einzige zeuge über das 
Schicksal Galliens während der kimbrischen invasion und wir 
müssen und dürfen unbedingt seine aussagen denen des Posidonius 
oder sonst eines Zeitgenossen an wert gleichsetzen, die not Gal- 
liens aber muss alsbald nach der niederlage des Silanus mit dem 
j. 109 begonnen haben und da Caesar nur zuletzt einmal die 
Kimbern allein nennt, vorher aber jedesmal ihnen die Teutonen 
beigesellt, so muss auch er der meinung gewesen sein und es gar 
nicht anders gewust haben als dass beide scharen mit einander 



296 DIE KIMBERN UND TEUTONEN 

in Gallien eingefallen waren und dort gehaust hatten, das einzige 
mal wo Strabo p. 196 neben den Kimbern der Teutonen und 
dieser überhaupt er wähnung tut* da ist Caesar 60. 2, 4 allein die 
quelle. 

Die Kimbern und Teutonen ersahen sich das innere Gallien 
zum aufenthalt, wo sie während der nächsten jähre hausten, und 
vielleicht auch einen bleibenden wohnsitz zu finden hofften, dem 
helvetischen heerhaufen, in dem bei Caesar Bg. 1,7. 12 flF. (Clau- 
dius Paulus bei Appian Celt. 1, 3) und Livius (per. 65, Oros. 5, 15), 
die hier zunächst unsre quellen sind, und sonst, aufser bei Strabo, 
die Toygener völlig hinter den Tigurinern verschwinden wie die 
Teutonen so oft hinter den Kimbern, fiel, wie man annehmen muss 
nach Verabredung mit diesen, mehr das südlichere Gallien, eben 
die gegend zu, in die auch fünfzig jähr später, als der damalige 
anführer Divico noch lebte, mit bestimmterem ziele (Bg. 1, 10) die 
Helvetier wiederum zu ziehen dachten, die Tiguriner erschienen 
im j. 107 auf der andern seite der Cevennen an der Garonne an 
der westgrenze der römischen provinz und bedrohtem Tolosa. bei 
der annäherung des consuls L. Cassius Longinus zogen sie sich 
zwar zurück, als aber dieser sie in der richtung der Garonne 
'gegen den ocean' verfolgte, ward er im gebiet der Nitiobrogen 
um Agen umringt und fiel nebst seinem einen legaten, dem con- 
sular L. Piso und dem grösten teile seines heeres; der rest 
muste sich zur schimpflichsten capitulation verstehen. ohne 
zweifei in folge dieser niederlage erhob sich in Tolosa eine national 
gallische partei und legte die römische besatzung in fesseln, 
7tQog rag väv Klpßqwv ilnidag, wie Dio sagt fr. 90, diesmal die 
Tiguriner und Toygener unter die Kimbern begreifend, indes 
diese Kimbern blieben aus und es gelang dem consul des j. 106 
Q. Servilius Caepio** mit hilfe der römischen partei die Stadt 
wieder zu nehmen und bei dieser gelegenheit sich des in ihren 



* einmal hätte er sie noch erwähnen sollen, p. 183 wo er sagt dass 
Marius den Massalioten den von ihm angelegten Rhonecanal als dg^enlop xara 
tov Ttgog "A[AßQ<ovas xal Tiovyevovs noks/uov übergeben habe, da von Toy genern 
hier gar nicht die rede sein kann und selbst wenn sie bei Aquae Sextiae mit 
geschlagen wären, doch neben den Ambronen zuerst die Teutonen genannt 
werden musten. Strabo muss sich hier verschrieben oder verlesen haben, aber 
unmöglich kann man mit Zeufs 143. 147. 225 dieselbe entstellung auch p. 293 
annehmen, weil Strabo die Teutonen nicht für Helvetier gehalten haben kann. 
** falschlich nennt ihn Orosius 5, 15 schon proconsul, Justin 32, 3 und 
Gellius 3, 9, 7 dagegen richtig consul. 



JENSEIT DES RHEINS. 297 

heiligttimern gelagerten, ungeheuren Schatzes zu bemächtigen 
(s. 166). 

Allein die Römer machten sich nun auf einen angriff der 
barbaren von Gallien her gefasst und im j. 105 waren, wohl in 
der ungewisheit von welcher seite derselbe erfolgen würde, drei 
ansehnliche heere so aufgestellt dass der proconsul Gaepio sein 
commando im westen der Rhone behielt, der consul C. Mallius* 
Maximus im centrum östlich vom flusse stand und sein legat, der 
consular M. Aemilius Scaurus mit seiner abteilung nordwärts in 
das gebiet der Allobrogen vorgeschoben war. der plan war wohl 
dass je nach den umständen der consul der einen oder der andern 
abteilung zu hilfe kommen und überhaupt ein zusammenwürken 
der drei heereskörper stattfinden sollte, allein die unbotmäfsig- 
keit des Caepio verhinderte die ausführung. Scaurus, den der 
erste stofs traf, blieb ohne Unterstützung: er wurde geschlagen, 
gefangen und getötet, und als darnach Caepio zwar auf das linke 
Rhoneufer herüberkam, aber dem Mallius sich nicht unterordnete, 
sondern selbständig zu handeln fortfuhr, erfolgte oder begann am 
6. october (Plutarch Luculi. 27) die furchtbare Schlacht bei Arausio, 
in der beide consularische heere, wie Livius nach Valerius Antias 
erzählte**, 80 000 Soldaten, 40000 trossknechte bis auf zehn mann, 
die entkamen, vernichtet wurden; während nach Posidonius (s. 129) 
bei Diodor 36, 1 (vgl. fr. Vat. 36, 16) in dem ganzen kriege in 
Gallien beinahe 60000 auserlesene Soldaten umkamen und nach 
einer freilich späten nachricht (s. 290 anm.) Marius auch noch 
trümmer von dem heere des Mallius und Caepio vorfand. 

vor dem angriff hatten die Kimbern friede angeboten und ihre 
alte bitte um land und um körn zur aussaat wiederholt (Dio fr. 
91, Granius p. 16 Bonn.), aber Caepio hätte ihre gesandten bei- 
nahe umgebracht und die schmähliche behandlung und abfertigung 
derselben erbitterte sie so dass sie das ganze heer der Römer 
den göttern weihten und in folge davon alle gefangenen henkten, 
die rosse ertränkten, die ganze beute, waffen und kostbarkeiten 
vernichteten oder in den fluss warfen, ebenso wie es im j. 58 

* dass der consul nicht M. Manilas, wie in den hss. der Germania 37, 
oder Cn. Manlius, wie man dort emendiert hat and in der per. Liv. 67 und 
bei SaUast Jug. 114 überliefert ist, sondern Gnaeus Mallius hiefs, ist durch 
inschriften (CIL. 1, 113. 163. 536) und andre Zeugnisse (Plutarch Mar. 19, Dio 
fr. 91, Val. Max. 2, 3, 2, uam.) unzweifelhaft erwiesen. 

** per. G7, Orosius 5, 16. über Granius oben s. 122 anm. 2. 



298 DIE KIMBERN UND TEUTONEN 

n. Gh. von den Hermunduren mit dem chattischen heere geschah 
nach Tacitus Ann. 13, 57 und wie es später bei erbitterten volks- 
kämpfen noch öfter geschehen ist*. 

dass aber damals nicht allein die Kimbern, sondern auch die 
Teutonen und zugleich die Helvetier gegen die Römer zu felde 
lagen, ist gewis genug. Posidonius schrieb sogar den Ambronen, 
dem streitbarsten teile der Teutonen, den hauptsächlichsten anteil 
an der niederlage des Mallius und Gaepio zu nach Plutarch 
Mar. 19 und die rede der Soldaten des Marius (s. 293) setzt die 
teilnähme der Teutonen gleichfalls voraus. Kimbern und Teutonen 
haben den Scaurus, Gaepio und Mallius geschlagen nach Plutarch 
Mar. 11, Vellejus 2, 12, Valerius Maximus 4, 7, 3; und Sertorius 
(Plut Sert 3) diente unter Gaepio gegen beide Völker. Florus 1, 
37, Eutrop 5, 1 und Orosius 5, 16. 6, 14 fügen noch die Tiguriner, 
Eutrop und Orosius überdies die Ambronen hinzu und sie müssen hier 
diese namen beiLivius oder in ihrer epitome Liviana(s. 122 anm. 1) 
gefunden haben, wenn auch Eutrop und Orosius weiterhin damit 
in Verwirrung geraten, alle andern aber, aus Livius oder anders- 
woher stammenden Zeugnisse, die wenn sie nicht wie Sallust (Jug. 
114) und Appian (Celt. 1, 2) von Galliern oder Kelten reden, nur 
von Kimbern wissen**, sind dagegen übermäfsig abgekürzt und von 
keiner bedeutung. 

Nach dem siege bei Arausio stand Italien, wehrloser als je, 
den Kimbern und genossen zum dritten male offen, da im an- 
fange des feldzuges, wie die Unterredung mit dem gefangenen 
Scaurus zeigt (per. Liv. 67, Granius p. 16), entschieden die ab- 
sieht bestand über die Alpen vorzudringen und die Jahreszeit kaum 
daran hinderte, so ist nicht abzusehen warum sie nicht zur aus- 
führung kam. vielleicht war Uneinigkeit unter den drei verbün- 



* nach der formel 'Ödinn a ydr alla' (Grimm Myth. 134) und nach den 
moorfanden in Schleswig und Danemark, CEngelhardt Thorsbjerg mosefand, 
Kjöbenhavn 18C3. Nydam mosefand 1865. Annaler for nordisk oldkyndighed 
1860 8. 50 ff. usw. 

** aufser per. Liv. 67, Granius p. 16. 20 Bonn. Dio fr. 90. 91; Tacitus 
Germ. 37, Quintilian DecL 3, 13, Justin 32, 3, Vegetius de re mil. 3, 10 
(s. 290); Plutarch Lucullus 27. Appian Ulyr. 4 (s. 291 anm. 1) fahrt fort nach — 
t**XQ* f!vQijy>jg ikttjldrovy, imargiffoiMH <f' avreiig ig fi\v %ta, 'Ptopalo* dtdtortg vno 
fjyfj/utji xtov TiQontnohfurjxÖTitiv cqici Ktlrdiv, py xui oXdt ig rjyv 'IrttHav vntQ 
yiJjing igßaloisv, amjvruiv apa tolg vnäioig xai itavaiQtaiy dHÖlXvvTo. xai to 
nd&og tovto 'Pwfjctiüyy piya diog Ktlrwv ig olqv xijv 'Iraliav ivißalt, /**/£» 
räbov MaQiov ikofitvo* — tovg Ki/ußQOvg ivixw xiA. 



JENSE1T DES RHEINS. 299 

deten völkerhaufen die Ursache, die Kimbern trennten sich ab 
und die Teutonen und Helvetier wandten sich wieder nach Gallien 
zurück, denn anders ist jetzt, wenn die teilnähme dieser an dem 
feldzuge des j. 105 feststeht» die nachricht des Livius (per. 67, 
Obseq. 43) nicht zu verstehen und damit die unbestimmtere an- 
gäbe Plutarchs (Mar. 14) dass im j. 104, als Marius den Ober- 
befehl erhielt, der ström der barbaren gewisser mafsen rückläufig 
geworden sei und sich zuerst nach Iberien ergossen habe, nicht in 
Widerspruch, auch Caesar scheint zunächst an diesen zug nach 
Spanien gedacht zu haben, wo er einmal blofs die Kimbern nennt 
und sich so unbestimmt ausdrückt dass sie 'alias terras' aufgesucht 
hätten (s. 295). nach Livius verwüsteten die Kimbern zuerst alles 
zwischen der Rhone und den Pyrenaeen, fielen dann in Spanien ein — 
Pyrenaeus Germanorum transitus non inhibuit (Seneca ad Helv. 6, 
9) — , plünderten auch da manche gegenden aus, von den Kelti- 
berern aber jenseit des Ebrotals geschlagen kehrten sie nach 
Gallien zurück, um mit den Teutonen und wir dürfen hinzusetzen, 
auch mit den Helvetiern sich wieder zu vereinigen, dies muss 
im j. 103 geschehen sein, der Widerspruch zwischen Caesar und 
Livius (s. 289), indem jener behauptet, die Beigen hätten allein 
von allen Galliern die Kimbern und Teutonen von ihren grenzen 
ferngehalten, dieser aber dass die Vereinigung beider damals bei 
einem der südlichsten belgischen Völker nördlich von der Seine, 
bei den Veliocassern oder Bellovaken stattgefunden habe, ist nicht 
so schlimm, da nach Caesar selbst (s. 201 anm. 1) die Kimbern und 
Teutonen bei ihrem abzuge gegen Italien die unter den Beigen 
später angesiedelten Aduatuker eben dort zum schütze ihres gepäcks 
zurückliefsen, seine behauptung also nicht so strenge zu nehmen ist. 
überdies könnte man daran denken dass beide Völker sich zu einem 
angriff gegen die Beigen vereinigt und erst, als dieser nicht gelang, 
zum zuge nach Italien sich entschlossen hätten, doch ist dies 
schwerlich anzunehmen. Livius erwähnte die Vereinigung gewis 
nur, weil sich der entschluss nun endlich gegen Italien vorzugehen 
und auf drei verschiedenen punkten in dasselbe einzudringen 
(s. 131 f.) unmittelbar daran knüpfte, die Vorbereitungen des Unter- 
nehmens nahmen den herbst und winter in anspruch, der aufbruch 
aber mit dem frühjahr 102 befreite endlich im siebenten jähre 
Gallien von den fremden gasten und dass Caesar und Livius hin- 
sichtlich der gegend von der er ausgieng wesentlich übereinstim- 
men, ist jedesfalls höher anzuschlagen als daneben ihr Widerspruch. 



3D0 DIE BEDEUTUNG DER WANDERUNG. 

Nach alledem waren, wenn auch die Kimbern vorzugsweise 
genannt werden, doch die Teutonen von anfang an in ihrem gefolge 
und nicht nur die 'geringeren zeugen' (s. 290), sondern die ge- 
wichtigsten, Posidonius Caesar Livius waren darüber einverstanden, 
wenn daher die Teutonen nicht viel später aus ihrer heimat auf- 
gebrochen und den Kimbern nachgezogen sind, so verliert die 
folgerung (s. 289), dass wenn jene von der Nordsee, diese süd- 
licher vom gebiet der mittleren Elbe ausgiengen, allerdings eine 
stütze; aber sie bedarf derselben glücklicher weise nicht um zu 
bestehen, durch die namen Teutonen und Kimbern werden zwei 
Völkermassen unterschieden, die aus mehreren kleineren, unter be- 
sonderen führern und königen stehenden volkshaufen zusammen- 
gesetzt sind (s. 114. 117 f.), und jede tritt auch, namentlich in den 
letzten jähren seit dem zuge der Kimbern nach Spanien, selb- 
ständig handelnd für sich auf. sie müssen auch von verschiedener 
herkunft sein, und wenn die Teutonen vom ocean, können die 
Kimbern, die den vortrab bildeten und lange an der spitze des 
zuges blieben, nur aus dem gebiet der Elbe gekommen sein, da 
der erste stofs die Boier in Böhmen traf und zwar von norden 
her (s. 290). das bestätigt sich auch noch weiter. 

Ein so massenhafter, ungeheurer und abenteuerlicher wander- 
und kriegszug wie der der Kimbern und Teutonen kann nicht als 
gleichgiltig und bedeutungslos für die geschichte der nation von 
der er ausgieng angesehen werden, er muss mit irgend einer 
grofsen wendung in ihrem leben zusammenhangen — ohne das ist 
er weder möglich noch denkbar — , und dieser Zusammenhang ist 
hier auch ganz wohl erkennbar. 

die Volcae Tectosages, die als die Boier noch Böhmen inne 
hatten, westlich von ihnen am Maine und in Hessen gesessen 
haben müssen (s. 277 f.), sind zu Caesars zeit von dort durch die 
Sueben verdrängt und Chatten und Marcomannen sind an ihre 
stelle getreten, beides hochdeutsche Völker, wenn auch der unter- 
schied so wie er später sich herausbildete noch nicht bestand, die 
sich nur von den Hermunduren und Semnen an der mittleren Elbe 
jenseit des urwalds abgesondert haben können, die Marcomannen 
geben noch durch ihren namen Zeugnis dass sich ihr volk erst 
innerhalb der grofsen mark im süden der Hercynien gebildet hat*. 

* Zeufs 114 f. 518 Grimm GDS. 503. 'Marcomani' sind bewohner der 
marke, des grenzlandes, altn. markamenn bewohner von waldstrecken, dass das 



DIE BEDEUTUNG DER WANDERUNG. 301 

noch verhalten sich die Sueben spröde gegen die einflüsse der 
südlichen und westlichen cultur, wenn auch nicht ganz so wie die 
belgischen Nervier (Caesar Bg. 2, 15). kaufleute lassen sie zu, 
aber mehr um ihre kriegsbeute zu verhandeln als um etwas ein- 
zukaufen : wein lassen sie durchaus nicht einführen (Bg. 4, 2). ihren 
westlichen germanischen nachbarn, die sich schon mehr der galli- 
schen cultur gefügt haben, sind sie feind. die ehedem blühende 
und mächtige Volksgemeinde der Ubier d. i. die üppigen , reichen 
oder kecken* haben sie zinsbar gemacht und so herunter gebracht 
(Bg. 4, 3) dass sie bald bei den Römern jenseit des Rheins schütz 
suchen, sie sollen auch die Usipier und Tencterer viele jähre ge- 
plagt und zuletzt im j. 59 vor Ch. zur auswanderung aus ihrer 
heimat gezwungen haben (Bg. 4, 1. 4), man errät nicht aus welcher 
gegend; nur verrät vielleicht der name Usipii oder Usipetes (s. 230) 
dass sie schon ehedem nachbarn der Gallier waren. 

die Vangiones im Wormsfelde (got. vaggs altn. vangr ahd. 
alts. ags. uuang ebene, feld), die Nemetes in der Rheinebene von 
Speier und weiter südwärts, die Triboci d. i. die hügelbewohner 
längs dem Wasgenwalde, beide mit gallischen namen, sind wahr- 
scheinlich erst unter Ariovist hier angesiedelt**, obgleich wir durch 
Caesar (Bg. 1, 31) von keiner andern landabtretung an die Ger- 
manen erfahren als dass die Sequaner, die bis dahin wohl das 
obere Elsass besafsen, den dritten teil ihres gebietes hätten her- 
geben müssen, noch ungewisser ist wie und wann die gleichfalls 
hochdeutschen Quaden in Mähren platz gefunden haben, ob schon 
vor der Übersiedelung der Marcomannen nach Böhmen oder erst 



wort etymologisch ( die land- oder grenzwehr ' bedeute, ist nicht wahr, und 
was die übrigen, allzu rasch hingeworfenen behauptungen Mommsens (Rom. 
gesch. 3*, 229 anm.) betrifft, so unterlasse ich ihre Widerlegung, da ihm selbst 
bei einigem nachdenken ihre unhaltbarkeit ebenso einleuchten wird wie jedem 
andern, der sich in altgermanische dinge hinein denkt. 

* wie got. lubi ahd. luppi, got. stubjus ahd. stuppi, got. sibja ahd. sippa, 
so fuhrt ahd. uppi notwendig auf ehemaliges ubjis = Ubius, wofür die Goten 
nach urjo ntQHWov urjis sagten, wie ufar statt ubar. Haupts zs. 9, 1301 

** Mommsen Rom. gesch. 3 2 , 242, obgleich Zeufs 217 andrer meinung ist. 
seine aufsteUung der drei Völker weifs ich nicht zu bestreiten, aber auch nicht 
entschieden zu verteidigen. Caesar Bg. 1, 1. 4, 10 (vgl. Strabo p. 193) nennt 
die Sequaner und Mediomatriker noch als Rheinanwohner, wohl weil ihnen das 
gebiet ehedem gehörte, 6a. 6, 25 aber die Nemeter neben den Rauraken und 
Helyetiern. über die namen Triboci Glück s. 158 1 Zeufs 220, Nemetes Zeufs 
aao. Gr. 8 , 10. 85. 161. 



302 DIE BEDEUTUNG DER WANDERUNG. 

mit diesen durch Maroboduus, wo nur die Varisten, ohne zweifei 
eine abteilung der Marcomannen, am Fichtelgebirge zurückblieben, 
die zweite, an sich nicht gerade wahrscheinlichere annähme findet 
keine entschiedene stütze an Strabo p. 290*, da hier abgesehen 
yon der so unbestimmten angäbe alkovg fisray^isjas nXslovg nur 
eine yon seinen randnotizen, die er sich für die letzte bearbeitung 
seines werkes gemacht hatte, in den text geraten ist. 

wie dem aber auch sei, der hercynische urwaldgürtel, der 
ehedem Altgermanien absperrte (s. 235 f.), ist durch die vordrin- 
genden Chatten und Marcomannen durchbrochen und damit das 
gesicht der nation, das bisher dem norden und teilweise dem 
westen zugekehrt war, mit einem male gen Süden und Südwesten 
gerichtet, das widerstreben gegen die von daher andringende 
cultur hilft zu nichts, die nation ist in den Zusammenhang der Welt- 
geschichte eingetreten und in eine bahn gekommen, auf der keine 
rückkehr, nur ein stätiges, selbtätiges vorwärtsschreiten möglich 
ist. dass diese grofse wendung, die folgenreichste und gröste im 
ganzen leben der nation eingetreten war, beweist der zug der 
Kimbern und Teutonen, die an die pforten Italiens pochend und 
selbst sie durchbrechend zuerst die entsetzte alte weit das nie ge- 
sehene, unbekannte volk der Germanen kennen lehrten und mit 
ungestüm es als eine weltgeschichtliche macht von nun an anzu- 
erkennen zwangen. 

Jene wendung aber fallt daher auch wesentlich mit dem zuge 
selbst zusammen und wohl begreift es sich dass der ruck den der 
durchbrach der Marcomannen und Chatten ausübte längs der Elbe 
weithin nach norden zurückwirkte und eine bewegung hervor- 
brachte, die mit wilder naturgewalt die massen mit sich fortriss 
und weit über das nächste ziel hinaus schleuderte, der durch- 
brach der Chatten und Marcomannen durch den hercynischen 
bergwald ist der anfang und zugleich das feste resultat der kim- 
brischen bewegung. der weg ins südliche Deutschland war ge- 
öffnet und allein das Verhängnis in der brüst der menschen trieb 
weiter um mit einem male durch raub und gewalttat alles das zu 
gewinnen was die arme, rauhe heimat versagte, wenn aber die 
Chatten und Marcomannen hochdeutsche Völker waren, die Teu- 

* — ra ru»¥ Sorißoiv t&vtj, ra piv oixovyrn $vto{ tov dgv/uov, [xaS-drifQ ra 
rou' Koadovcov,] fa olg Am xcci to Boviiupov to tov MctQoßödov ßaailtwv, «fr or 
htlyog tonov aXXovg tt /unaviaTtjae nltiovs xa» cfi) xni tov$ o/uoefh't'is tavnp 
MaQXOju/udvov$. xrl. 



POSIDONIUS ÜBER GALLIEN UND DIE GALLIER. 303 

tonen von der Nordsee herkamen, also zum inguaeischen, die Kim- 
bern jedoch vod verschiedener herkunft zu einem andern stamme 
gehörten, so müssen diese wohl, da keine andre wähl bleibt, wie 
jene von den Völkern an der mittleren Elbe ausgegangen sein und 
Hermunduren Semnen Cherusker Langobarden in sich begriffen 
haben. 



Hiemit sind diese Untersuchungen geschlossen und wir könnten 
nun unmittelbar zu der erörterung der nachrichten der Römer 
übergehen, die zuerst und allein ein zusammenhängendes bild vom 
alten Germanien gewähren, allein es kommt nicht so sehr darauf 
an sich dieses bild in seiner breite und fülle zusammen zu setzen, 
als den zustand, den es vor äugen stellt, historisch als geworden 
und werdend im Verhältnis zum vorher und nachher zu begreifen, 
bei dieser aufgäbe aber steht für die auffassung und beurteilung 
aller einzelheiten und Seiten des lebens 6in augenmerk unver- 
rückbar fest, der Ursprung und die herkunft der nation selbst, es 
handelt sich um nichts anderes als ihre genesis und älteste gestalt 
zu erkennen, es ist daher unvermeidlich zunächst den Ursprung 
in d6r weise ins äuge zu fassen, dass man zusieht was sich dar- 
über aus dem zusammenhange der europaeischen bevölkerung er- 
gibt, und nicht zu bezweifeln dass methodische erwägung und 
Untersuchung auch hier zu einem ziele führt. 



Excurs zu s. 177. 

Nachdem Diodor von den inseln im westlichen Europa ge- 
handelt und c. 23 seine auszüge aus Timaeus beendet hat, meint 
er es sei passend auch die Völker jener gegenden kurz durch zu 
gehen und beginnt c. 24 mit einem mythus von dem Ursprung des 
namens Galates, den er demselben zusammenhange mit 4, 19, der 
mythengeschichte des Dionysius von Mytileoe entnimmt c 25 
folgen dann nachrichten anderer art, zunächst fragmente einer 
allgemeinen landesbeschreibung von Gallien, und dass von hier an 
bis c. 40 Posidonius von Diodor excerpiert ist, wird teils durch 
seine Übereinstimmung mit Strabo, der jenen noch oft als seinen ge- 
währsmann nennt, öfter aber stillschweigend auszog, teils durch 
citate des Athenaeus erwiesen, ich werde im folgenden die selbst 



304 POSIDONIUS BEI DIODOR UND STRABO 

wörtliche Übereinstimmung Diodors und Strabos an den einzelnen 
beispielen zeigen, mich aber im übrigen auf den nachweis der 
entsprechenden stellen und die nötigen bemerkungen dazu zu be- 
schränken suchen, die Zerlegung der capitel Diodors in ihre ab- 
schnitte oder paragraphen lässt nebenher einen blick tun in die 
Zusammensetzung seiner arbeit. 

C. 25, 1. fj tolvvv TaXaxia xaxoixhlxak per vnö noXX&v id-v&v 
diaffOQoav xoTg pty&d-BGi. xd piyiaza yäq ccvxcov axedov slxotii 
fiVQiddag dvdocov fyei, xd d' iXdxrtxa n&vxs (iVQuidag. &v itTxw 2v 
7iQO$*Pc9paiov$ s%ov tivyyiveiav naXatdv xal qiXiav xijv [*£XQ* T( * v *«#' 
yi*äg x^ovodv diapivovtfav. Strabo p. 191 *Aqov£qvoi — (iVQidtiiv 
€1X0 01 — dtfjyooyldario — nqog Mdfypoy xov AlpiXiavov^ xal 
nqog Jophiov <T döavxcog IdtjvoßaQßov. p. 192 ol ö£ AXdovoi 
xal (fvyyevstg t P(a(uzia>p d>vopd£ovio xal nqßxoi x&v xavxy nqog- 
ijX&ov nqog typ tpiXtav xal Gvpttayiav. Caesar Bg. 1, 33 Hae- 
duos, fratres consanguineosque saepenumero a senatu appel- 
latos, in Servitute atque in dicione videbat Germanorum. 
weder für Diodor noch für Strabo braucht Caesar quelle zu sein, 
wegen Diodors xa& ijfiäg vgl. zu 39, 5. 2. xsipivy öi — 

neqaiovvxai. Strabo p. 178 sagt von den wintern Galliens nichts 
und hat von dem klima dort keine so schlimme Vorstellung; aber 
S. zu 26, 2. 3. noXXäv di xal peydXoov noxapcbv — etg tijv 

$dXat%av. Strabo p. 177. 185. 188 f., indem er die Wichtigkeit der 
gallischen flüsse für den handelsverkehr von meer zu meer her- 
vorhebt, ist in sofern vollständiger als Diodor. aber Diodor hat 
nach 26, 4 dasselbe nur übergangen, vgl. noch zu 38, 3. Strabo 
p. 182 f. beschreibt und bespricht das steinfeld oberhalb der Rhone- 
mündungen nach Posidonius, und dieser muss auch die frage ob 
der fluss zwei, drei, fünf oder sieben mündungen habe (DA. 1, 
196. 197 f.) erörtert haben, dass wir gerade über seine meinung 
durch Strabo p. 183 f. nichts erfahren, rührt wahrscheinlich nur 
daher weil Strabo fortfuhr ihn auszuziehen : auf ihn deutet nament- 
lich noch die notiz über die anläge des canals durch Marius und 
dass Marius denselben den Massalioten als oqusx&ov in dem kriege 
gegen die Ambronen und Teutonen verliehen habe, es ist leicht 
möglich dass Posidonius sich mit Timaeus (DA. 1, 462. 467. 472) 
und gegen Polybius für fünf mündungen entschied, aber selbst 
wenn er die meinung desselben nur erwähnte, kann es nicht auf- 
fallen dass Diodor gerade sie aufgriff und den Rhodanus nivxs 
öxopousiv ins meer fliefsen lässt, da er kurz vorher bis c. 23 den 



ÜBER GALLIEN UND DIE GALLIER. 305 

Timaeus ausgezogen hatte. 4. xwv <T dg xbv <axiavdv faovtnv 
— TaXdxag. dass der satz im wesentlichen von Diodor herrührt 
(s. 179), lässt die erwähnung von Caesars Rheinübergang nicht 
zweifelhaft, doch konnte Posidonins gewis nicht nur den Rhein 
erwähnen (DA. 1, 487 f.), sondern hat es wahrscheinlich auch getan, 
da er nach § 3 von mehreren gallischen Aussen wüste, die wie die 
Rhone ix X%pv&v äßvaawy abfliefsen. aufserdem gesteht Diodor 
selbst ein dass er die ihm vorliegende dar Stellung abkürzt: noXXol 
di xal äXXot nXwxol noxafiol xaxd ttjv KsXnxyv sie*, tisqI &v 
ftaxQov av slrj yqdysiv. 5. ndvxeg di — sxovtn = 2. auch wenn 
Strabos darstellung nicht mit § 3 übereinstimmte, würde man das 
cap. wegen seines Zusammenhanges mit dem folgenden mit diesem 
aus derselben quelle ableiten müssen. 

c. 26, 1. "Idiov 64 z* xal naqddo^ov <$v\ißaivH xaxa x/jv 
nXsioxtjv (?) xyg TaXaxiag — . and yaQ &€Qivtjg dvGtwq xal aqxxov 
nvsXv da&d-atfiv ävepoi xqXixavxfiv i%ovi&g (ftpodQOxijia xal övvafnv 
(Sgrs avaqnd^€iv and xqg ytjg Xi&ovg xsiQonXfi&ialovg xotg 
psyt&sGi xal x&v xpr\(fidoav aÖQopsQfj xovwqxqv. xa&6Xov dt xaxai- 
yiiovxeg XdßQoog aQnd£ovcw and fiev x&v avÖQwv xd onXa xal 
xdg i<f&ijxag, and di xwv innoov xovg avaßdxag. Strabo p. 182 
n Ev fity ovv e%si naqddo^ov i\ nQoetQfjfiipfj naqaXia — . (isxa^v 
yaQ xtjg MatitiaXiag xal xtiov ixßoXwv xov l Poöavov nediov — psoxov 
ioxi Xföcov XBiQonX'qd'toV — . anatSa plv ovv xal ij vnsqxe^xivri 
%oiqa nQogyv€fM>g icx^ dtaytsQovxoog <T slg xo nsdiov xovxo xd 
psXapßoQMOP xaxaiyi^si nvsvpa ßlaiov xal (fQixwdeg' cpaol yovv 
GvQS<S&ai xal xvXivdeXG&ai x&v Xi&ow ivlovg, xaxaq)Xäa&ai 6k 
xovg äv&QOonovg and xcoy dyjt{\*dxtüv xal yvfivovG&at xal bnXtav 
xal i(f&ijxog and xijg ipnvoijg. man sieht aus Strabo wie Diodor 
dazu gekommen ist die Bise auf den grösten teil von Gallien aus- 
zudehnen und durch sie sogar faustgrofse steine emporschleudern 
statt fortrollen zu lassen, es gehört das stück zu der beschrei- 
bung der Rhone 25, 3. 2. dtd di xi\v vnsQßoXrjv — %Q&vxak. 
Strabo p. 178 nQoXovx* & inl xdg aQXxovg xal xd Kififisvop oQog 
ij piv iXaioyvxog xal <fvxoq>OQog IxXslnci, xäXXa dt- qvsxai. xal q 
dpnsXog di nqoXovaiv ov Qqdicog xsXeayoQsT. Diodors satz knüpft 
an 25, 2. 5 an und man sieht dass Strabo die darstellung des 
Posidonius wohl ermäfsigte, aber andererseits auch dass Diodor 
25, 2. 5 und hier dummer weise wieder etwas verallgemeinert und 
übertreibt, was Posidonius nur von der nördlicheren Keltike ge- 
sagt hatte. 3. xdxotvoi — xqinovxai. über die (uxvuadsig 

DEUTSCHE ALTEBTUMBKÜHDE II. 20 



306 POSJDONIUS BEI DIODOR UND STRABO 

dia&iösig vgl. 28, 3. 4. dib xal noXXol — a^ßop^voi. der 
satz setzt die von Strabo gegebene darstellung (s. zu 25, 3) vor- 
aus, im übrigen vgl. zu 2 — 4 Posidonius fr. 25 bei Athenaeus 
p. 152 td dtj mvd\uv6v iön naqd ptv totg nXovtovdv olvog 1% 
ItaXlag xal tijg Ma&SaXhtp&v %wqag naqaxofu^dfupog , axqatog 
<T ovtog ' iviot€ dt xal SXiyov vdcoq naqaplyyvtat * naqd dt totg 
vnodeBOtiqoig £v&og nvqtvov pstd piXitog i&uvacpivov ' nana dt 
totg noXXotg xa& avto ' xaXettai dt xoQpa (DA. 1, 395). 

c. 27, 1. Rata yovv tijv TaXatiav aqyvqog ptv td GvvoXov 
od ytvetai, xqvöog dt noXvq, bv totg iyxwqUng fj (fvtiig avsv 
petaXXelag xal xaxona&eiag vnovqyet. y ydq t&v rtotap&v — 

slg typ %m>6iav. wieder hat Diodor etwas verallgemeinert. Athe- 
naeus p. 233 ov% ol pstaXXevovteg povo^ dXXd xal ol %d petaXXsv- 
d-ivta tivvaytiqovtsg pvqloig (*6x&°*C xhiqevovto typ neqißXentov 
tavtyv noXvxtifiiav. delypatog piv o3v %atyv *** ineinsq imno- 
hxkov avt&v i<su tö yivog, sX / iv tatg ifyccuatg tijg olxovfkiv^ 
xal notdpHx td %v%6vta ifjfjypata %qvCov xataipiq** xal tavta 
ywatxsg xal avdqsg äcd-evstg td a&pata (fvv tatg dpfjwig vnoxfjfixovxsg 
duOxcHSi xal nXvvavtsg ayovöiv inl tijv xoivfv, dg naqd totg 
% EXovf[tiotg (fffclv 6 ipog Iloaetd&vto.g xal äXXotg tusi t&v KsXt&v. 
Strabo nennt zweimal p. 193. 293, dem Posidonius folgend (s. 152), 
die Helvetier noXvxqvaovg und ebenso p. 188 Gallien überhaupt 
eine x<*Q a noXvxqwsog. er erwähnt auch der goldgruben bei den 
Tarbellem an den Pyrenaeen p. 146. 190 und des reich tums des 
Arverners Luerius p. 191 nach Posidonius fr. 25 bei Athenaeus 
p. 153. er kennt aber auch silbergruben in den Gevennen bei den 
Rutenen und Gabalern p. 191, so dass diese entweder zur zeit des 
Posidonius noch nicht geöffnet oder bekannt waren oder aber die 
behauptung Diodors zu anfang seines cap. von ihm erdichtet ist 
2. tovtM dt tä tqontp dmqsvovtsg %qv<sov nXtj&og xataxq&vtm 
nqdg xdtipov ov povov al ywatxsg dXXd xal ol Svdqsg. ncql 
fktv ydq tovg xaqnovg xal tovg ßqa%iovag xpiXta yoqovto, 
neql dt tovg av%£vag xqixovg — &<aqaxag. Strabo p. 197 nqög&Sti 
xal td <f>iXdxo(fpov * xgt'croyogottof t€ ydq, n$ql piv totg tqaxqXoig 
ötqsmd i%ovx%g neql dt totg ßqaxloöi xal totg xaqnotg 
xpiXia. 3. Xdbov d£ u — oidslg anteta* tovtov dtd tqv 
dsMfidatfkovlap, xaineq ovtwv t&v KsXt&v (ptXaqyvqwv xa\P 
vneqßoXijv. Posidonius bei Strabo p. 188 von dem heiligen schätz 
in Tolosa (s. 167), tj %mqa noXv%qv<tog ovtsa xal dtiOidatpovuv 
av&q&natv — noXXa%ov &S%b &qCavqovg ' pdXufta d* avtotg al 



ÜBER GALLIEN UND DIE GALLIER. 307 

lipvcu %t^v atfvXiav naqetxov — pfjdevog nqogdn*e<f$ai #a$- 
fyovvxog. 

C. 28, 1. ol di TaXata* — (festen xö nb\*a. s. oben 8. 181. 
Strabo p. 196 xal xopoxQOcfofo*. 2. demvoStii di xadypsvo* 

ndvreg ovx inl dqovmv &XX* inl rijg yfa vnotoqmpatf* %qdiksvok 
Xvxwv rj xvv&v diqpati*,. Strabo p. 197 ga/tttwofo* de xal 
[t4%Q* vvv ol noXXol xal xa&stofuro* detnvovtttv iv tfxißda*. Athe- 
naeus p. 151 notietdoiviog — 'Kelxol 1 tp^cl ^tdg xqotpdg nQOxl&evxai, 
xoqtov vnoßdXXovTsg\ der Widerspruch ist wohl durch Diodor 
verursacht, durch eine Übertragung, man vgl. c. 32, 6 slw&aa d' 

inl doqatg ÖijQicov xetpeti xa&svdovteg. das folgende dia- 
xovovvxa* — xivmv %Qelav Sxovtov fehlt bei Strabo und Athenaeus 
p. 1 51 f. Diodor und Athenaeus haben beide die sehr ausführ- 
liche Schilderung des Posidonius ungleich ausgezogen, aber doch 
so dass noch eine beziehung zwischen ihren excerpten sichtbar 
bleibt s. 153 f. und dass Athenaeus p. 151 f. nur übergieng was 
Diodor an unserer, s. 154 ausgehobenen stelle berichtet, lehrt p. 154 
sein zweites excerpt aus dem drei und zwanzigsten buch des 
Posidonius (fr. 24), das zugleich! mit für Diodors § 3 zeugt. 

3. eldd-ad di xal naqd xi ösXnvov ix x&v xvxovxoav nqog typ 
did x&v Xoycov ap*XXav xaxaoxdvteg ix nqoxXytiecog iiovofiaxetv nqog 
dXXijXovg, naq' ovdiv ti&ipevoi xtjv xov ßiov xeXevxqv. iviöxfai yäq 
naq avxolg 6 üvd-ayoqov Xoyog Ott tag \pv%äg x&v dvd-qdmav 
d&avdxovg slvai OVfAßißijxe xal dt' focov toqHfpiviov ndXw ßiovv, ig 
Utqov <f<5pa xijg ipvxfjg elgdvopivfig. dio xxX. Athenaeus p. 154 
Iloföidoiviog — 4 KeXxoV (ftjaly 'ivlote naqd %b dstnvov povotia- 
%ov6iv. iv ydq xotg onXoig äyeq&tvxeg Gyuapaxovöi xal nqog dXXy- 
Xovg axqo%siqitovxai, noxi di xal fityQ* tqavpaxog nqotao* xal 
ix xovxov iqs$HJ$£vx6g, idv prj imG%&<$iv ol naqovxeg, xal kog 
dva$qi<femg SqxovxaS. xö di naXawv yifi%v ort naqaxe&ivxnv xeo- 
Xyvcov xö mqlov o xqdxitixog iXdpßavev (= Diodor § 2) * et di tig 
hfqog avxmoiqtiaixoy övvltixavxo fkovofiax^ovxeg ftlxg* &avdxov. 
aXXoi <T iv &edxqiff^ Xaßovxeg dqyvqiov ij XQ V( *lov, ol di oivov 
xeqapitov dqi&pov xiva — vnxtot ixxa&ivxsg inl &vqediv xetvxat 
xai naqadxdg xig fiepst xov Xatpov änoxonxei. vgl. Strabo p. 197 
ätp&dqxovg di XiyovGt xal ovxoi (dqvtdai) xal ol aXXot (ßdqdoi 
xal oidxeig) tag tftvxdg xal xov xoopov. Caesar Bg. 6, 14 Druides 
— inprimis hoc volunt persuadere non interire animas, sed ab 
aliis post mortem transire ad alios, atque hoc maxime ad virtu- 

tem excitari putant metu mortis neglecto. verglichen mit Strabo 

20* 



308 POSIDONIUS BEI DIODOR UND STRABO 

und Diodor, verrät Caesar auch hier wie c. 16 (s. 182 anm. 1) seine be- 
kanntschaft mit Posidonius. dass Athenaeus den Posidonius keines- 
wegs immer wörtlich ausschrieb, sondern bald mehr bald weniger 
als Diodor gibt, zeigte sich auch schon 26, 4. 27, 1. 

C. 29, 1. *Ev di xatg odoinoqlaig xai xaXg pdxaig — . vgl. 
30, 3 yvpvol paxopBVOi. 2. xaxd di xdg naqaxd£eig. — vgl. 31, 
1. 2. Pos. fr. 23 bei Athen, p. 246. 3. xäv di nsaovxwv no- 
lefilcov rag xscpaXdg difaiqovvreg neqtdnxova i xoXg av%4<Si 
xäv Inncov xd di axvXa xoXg &sqditovai naqadovxsg — xäXg 
olxiaig nqogtjXovaiv cogneq iv xvvtjyiaig xiol x6%eiQ&p&voi &tjqla. 
xäv di inigtavetixavcov TVoXsfjtiwv xedqoiaavxsg rag xsfpaXag £m- 
peXcog TjjQovaiv ev Xdqvaxt xai xoXg %6voig imdaixvvovoiy oepvv- 
vopsvoi di ort xrjgde xvjg xscfaXrjg xäv nqoyovoav xig ij natfjq tj 
xai avxög noXXd xqf^ata didopsva ovx SXaßs. cpaöl di xwag av- 
xäv xavxqGaG&ai d toxi xqvaov dvxltixad-\kOV xijg xstpaXijg ovx 
idi^avxo xxX. Strabo p. 198 — xo and xyg fJtdxtjg dntovxag xdg xs- 
(paXdg xwv noXsfiioov Ogdnxeiv ix xäv avxivw xäv tnntov, 
xopiaavxag di nqognaxxaXevsiv xotg nqonvXaloig. (prjal 
yovv Uoosidäviog avxög IdsXv xavxf\v xijv &4av noXXaxov, xai xo 
piv nqäxov atj&i&a&ai, fjtsxä di xavxa cfiqsiv nqawg did %f\v tivv- 
rid-siav. xäg di xäv ivdol;tov xetpaXdg xsdqovvxsg tnsdslxwov 
xotg %ivoig y xai ovdi nqög lavoxdotov XQ va ° v anoXvxqovv 
föiovv. 

C. 30, 1. 'E<r#iJ<r* di xqävxai xaxanXfjxxixatg, x*f<5<ft ftiv ßan- 
xoXg XQripaai navxodanoXg ditjv^iafxivoig xai dva^vqiöiv, äg 
ixstvoi ßqdxag nqogayoqsvovtov* hunoqnovvxat di adyovg §aß- 
doaxovg iv piv xotg x^f^äai d aasig, xaxd di xo &iqog — . Strabo 
p. 197 xai xdg iafrijxag ßanxdg (poqovto xai XQV <Jona ' cfi; ovg ol iv 
d&tofjbaxi. p. 196 öayfjipoqovtit di — xai äva^vqia* xgobftti 
neqixsxa(i&vaig, dvxl di x i%i *vwv ^X^ tov ^ X €l Q*äa>xovg (fiqovtii ptyq* 
aidoUov xai yXovxäv. fj <T iqia xqaxsXa piv äxqopaXXog di, d(f % 
yg xovg daosXg adyovg i%V(palvov6tv ovg Xaivag xaXovGw. 
2. onXoig di xqävxa* dvqsoZg (jtiv dvdqopijxsoi — . 3. adX- 
myyag <T §xovow IdiocfvsXg xai ßaqßaqixdg' ipcpva&Gi ydq xav- 
xa ig xai nqoßdXXovtiw rjx°v vq<*X vV * a l noXeptxijg xaqax^g oixstov* 
■frcoQaxag — avxl di xov £l(povg and&ag exovat paxqäg — naqä 
xi[V de^iav Xayova naqaxexapivag. 4. nqoßdXXovxai di Xoyxag 
dg ixeXvoi Xayxiag xaXova*, TifjXvaXa ta> fifjxe* xov atdijqov — 
s. oben s. 145 anm. 2. Strabo p. 196 orcXiafwg di avpiiexqog toXg xmv 
ao)fidx(oy peyi&eai, pdxaiqa paxqd naqyqxfipivfi naqd xo ds^iov 



ÜBER GALLIEN UND DIE GALLIER. 309 

nXeVQOV, xal &vqs6$ pccxQog xal X6y%a* xa%d Xoyov xal pa- 
dccQig, ndXtov %i eldog xxX. wie Strabo, hat auch der gramma- 
tiker des Hesychius s. v. padaQstg den echt gallischen namen des 
Wurfgeschosses (Glück Eelt. nam. s. 134 f. Zeufs Gr. 2 83) gewis 
von Posidonius. das lateinische lancea aber, das Varro zwar für 
hispanisch hielt (Gellius 15, 30, 7), wird sonst nie für gallisch aus- 
gegeben und man möchte dem Diodor ehe eine confusion als dem 
Posidonius diesen irrtum zutrauen, doch wird auch lat. laena 
sonst niemals als § 1 von Strabo für gallisch ausgegeben und 
31, 2 sind die ovdtsig wahrscheinlich gleichfalls nichts anderes als 
lat. vates*. die Sorgfalt, mit der Posidonius die würklichen oder 
vermeintlichen gallischen ausdrücke in unserm abschnitte angab, 
ßqdxa Xatva Xayxla fuxdaQig, lässt vermuten dass auch die Weis- 
heit der grammatiker wegen der heerhörner § 3 allein auf ihn 
zurückgeht, Hesych. xdqvov %rjv adlmyya FaXdxai, Eustath zu 
Homer II. p. 1139 q raXawxij, %wvevt^ ov ndvv psydXtj, %ov 
xwdmva 8%ov(Sa &r}Qi6poQ(f6v %%va xal avXöv poXvßdwov, elg ov 
ifMpwfßtiw ol öaXmtfial. Ifrr* de o^vcpcovog xal xaXetrcu vno täv 
KsXt&v xdqvvl\ wodurch Diodors sehr unbestimmte beschreibung 
in erwünschter weise ergänzt wird, wie ihre bewafihung (s. 145 
anm. 2), so werden auch die Kimbern ihre heerhörner, die als beute 
dem Gatulus zugeteilt wurden (s. 150), den Galliern entlehnt haben. 
Posidonius aber hat gallische ausdrücke wie 26, 4 die xoqucc, gewis 
noch häufiger angeführt, zb. 29, 1 für die gallischen wagen (rheda, 
carpentum, carrus ua.**) und die gallischen glossen bei den grie- 
chischen grammatikem werden gröstenteils von ihm herstammen, 
c 31, 1. Avtol d y etol — diavolaig o&Zg xai nqog ikd&rpw 
ovx dcpvstg. vgl. Strabo p. 197 %6 dXa&vtxöp. p. 195 &g%$ xal 
naidsiag ante<f&a$ xal Xoymv. 2. slal di naq 1 avtoXg xai noHj- 
tal [icXäv ovg ßdqdovg bpopdtovöw — qdovtsg ovg piv vp- 
vovtStv, ov$ d£ ßXaö(prjiJwv<fi. <fiX6<50(fol ts upig eltii xal SsoXoyoi 



* der irrtum war leicht und beinahe unvermeidlich, wenn Posidonius im 
südlichen Gallien bei Griechen, Römern und Galliern neben gallischen auch 
gewisse lateinische ausdrücke für gallische dinge in gebrauch fand, wie er, 
stellte auch Sisenna materis und lancea zusammen, Nonius 556, 7 Gerlach. 
Sisenna Hist. lib. III 'Galli materibua sani (1. aut) lanceis configunt 1 . idem 
lib. IIII 'ali materibus aut lanceis, tarnen medium perturbant agmen\ 

** es ist nicht so sonderbar, wie Glück (Kelt. namen s. 148) meint, dass 
die Römer rheda Rhenus Rhodanus schrieben, wenn sie diese namen schon in 
der griechischen litteratur vorfanden, vgl. DA. 1, 488. 



310 POSIDONIÜS BEI DIODOR UND STRABO 

— ovg dqovtdag 6vopd£ov<H. %qävxai dh xai (*dvx€<fiv xxX. Strabo 
p. 197 ßdqdoi fiiv vfjLVfjtai xai noMjxai, ohdxeig di Uqonowl 
xai (pvöioXoyoi, dqvtdat di nqog xy (pvöioXoyla xai xijv ii^xfjv 
(fdooocflar daxovto. Posidonius fr. 23 bei Athenaeus p. 246 
xd di dxovopaxa avx&v elcyv ol xaXovpevo* ßdqdok* noirjxal 
di ovxoi xvyxdvova pex' Ad^q inaivovg Xiyovxsg. wegen der 
oidieu; s. zu 30, 4. Timagenes hatte wahrscheinlich denselben 
namen mit den übrigen aus Posidonius wiederholt und so ist 
'euhages' bei Atnmian nur daraus verderbt (Zeufs Gr. 2 46). 
3. av&qamov ydq xaxa<fnsicavx$g xxX. s. S. 181 f. 4. ov povov 
<T iv ralg siQtjVLxatg xqeiaig — . Strabo p. 197 dixatoxaxoi di vopl£ov- 
xat, xai did xovxo mGxevovxai tag ts Idimxixdg xqlteig xai tag 
xowdg, &g%€ xai noXipovg difjtcov nqoxsqov xai naqaxdxx&f&ai piX- 
Xovxag mavov xxX. der schlusssatz Diodors ovxm xai naqd xotg 
ayquoxdxoig ßaqßdqotg 6 xtvftog sXxe* xtj <fo<plq xai 6 "Aqr^g aldetxa* 
xdg Movaag ist echt posidonisch. 

c. 32. s. 177 ff. die Ordnung des Stoffes und der gedanken, 
die Posidonius in seiner beschreibung befolgte, so dass er zuerst 
von der beschaffenheit des landes, dann von dem character, der 
lebens- und der kriegsweise der bewohner, endlich von ihrer kirnst, 
Wissenschaft und religion handelte, scheint Diodor im ganzen bei- 
behalten zu haben, für Strabo aber ergibt sich dass er seine 
allgemeine Schilderung der Gallier und zum teil auch des landes 
dem Posidonius verdankt, wie viel von dem übrigen bei ihm auf 
Caesar oder Asinius Pollio und Artemidor kommt, muss eine be- 
sondere Untersuchung ausweisen, für Iberien hat er den Posido- 
nius augenscheinlich nicht in dem mafse benutzt wie für Gallieu. 

C. 33, 5. difidxcu (T ovxeg, inetddv dno x&v Innoav äymvrtd- 
psvo* vixtjawto, xaxanijd&vxsg xai xijv x&v net&v xd&v psxaXai*- 
ßdvovxeg $avpa<Szctg notovvxai pd%ag. vgl. Strabo p. 163 xalg di 
7ÜCaXg dwapsto naqspifMXxo xai Inneia xxX. 6. idiov di Xh — 
nur dies paradoxon kennt Strabo p. 164 el pij xig otexai nqog diayoo- 
yr\v £ijv xovg ovquo Xovopivovg iv de^apevaXg naXaiovp&vw, xai xovg 
idovxag Gimxopivovg xai avxovg xai xdg yvvatxag avx&v, xaddntQ 
xovg Kavxdßqovg (faul xai xovg bfioqovg avxotg. aber vgl. zu 34, 5 
und DA. 1, 108. 

c. 34 lässt sich folgendes vergleichen. 4. x&v di 'IßtJQwv 

akxtfxcöxazoi p,iv tltiiv ol xaXovftevoi AvGixavoi, tfoqovGh <T iv xotg 
noXdpoig niXxag pvxqdg navxsX&g dianenXeyfiivag vsvqoig xxX, 
Strabo p. 152 tj AvdxavUx. iaxi lUyrfxov x&v *Ißtjq*xm> ifrvmv. 



ÜBER 1BERIEN UND SEINE BEWOHNER. 311 

p. 154 dönldiov d' aixovg dinovv %%stv xqv dtdpsxoov , xotXov slg 
xo nQOG&ev, teXccfmto i^fjQXijfA^vov. 5. %QutVxai di xal (Sctvvtoig 
oXotodyqoig äyxuftQwdeöi. cpooovöi, di xqdvt\ xal Jftojpij nccQanlrJGia 
KskzißfjQaiv. und c. 33, 4 heilst es von diesen xodvn %aXxd nsqi- 
xi&svxak (poivixotg vfixt^iva X6g>o*g % &<pf} di dfjwpkfxopa xal chdiJQO) 
diatpOQM x€%ahtevf*iva cpogovöi, $%ovxsg am&a^alag naQagupl- 
dag. Strabo p. 154 naocc^Mpignoog xovxotg § xonig — öndvwi di 
Xqävxai xQtXoiflaig, ol <T aXXo* vevolvoig xodvetiiv. — äxoyxut <T 
ixaöxog nXslw xivig di xal dooaxi %Q&vxai* imdoqaxldsg di %dX~ 
xscu. 6. svxiv^wh di ovxeg xal xovcpoi — und weiterhin 7 
namsXüg ovtsg svxlvrjxoi xal o^sXg — Strabo aao. l&Qsvvfjttxovg 
6%eXg xovgtovg evs&Xixxovg. imxqdevovtfi di xaxä piv trjv elQyvfjv 
oQ%rjoiv uva xovtffjy xal n€Qi£%ovöav noXXijv svxoviav tixsXdiv, iv 
di tolg noXipotg noog $v&iaop ipßalvovto xal naiävag qdovöw — 
Strabo p. 155 naqd noxov OQ%ovvxa* noog avXbv xai ödXmyya 
XOQtvovxsg, aXXd xal avaXXopsvo* xal oxXd&vxeg. 7. die Iberer 
und besonders die Lusitaner gehen gerne in die berge und führen 
ein räuberleben, did xal 'PwpaXo* noXXdxig in aixovg öxQoxevaav- 
xeg xijg piv noXAyg xaxaqpQOpfjömg anfotijtfav aixovg, elg xiXog di 
xd Xfiöxfaia xaxaXvtiat, noXXdxig (ftXorififj^ivxeg ovx fjdvvy&fiöap. 
auch nach Strabo p. 154 lebten die Lusitaner trotz des reichtums 
ihres landes von raubzügen und in beständigem kriege unter ein- 
ander und mit ihren nachbaren südlich vom Tagus, aber inavaav 
aixovg 'Pw petto i xanstveiöavxsg xal xoipag noiijöapxeg xdg no- 
Xsig avx&v xdg nXettfxag, iviag di xal Gvvoixi&vteg ßiXxiov. 
vermutlich, xa&dneQ elxog, hätten die bergbewohner nur diese Unord- 
nung angefangen, Xvnqdv ydq vepopsvo* xal iiixod xsxxrip&voi xmv 
dXXoxqicov ins&vpovv xtL aber die Verschiedenheit dieser dar- 
stellung, sowie der vorhergehenden macht es, trotz der Überein- 
stimmung selbst in einigen ausdrücken, sehr unwahrscheinlich dass 
Diodor und Strabo hier und c. 33 aus derselben quelle geschöpft 
haben, dass Diodor den Posidonius nicht verlassen hat, ist um 
so weniger zu bezweifeln, weil er eben nur die Völker des innern 
und nordwestlichen Iberiens, die Keltiberer, Vaccaeer und Lusi- 
taner beschreibt, von deren kriegen mit den Römern, dem auf- 
stände des Viriathus a. 145—140 und dem numantinischen kriege 
a. 143 ff. Posidonius gleich in den ersten seiner bücher psxd IloXv- 
ß$ov zu handeln hatte, seine ausführliche abhandlung von dem 
iberischen bergbau, bei Diodor c. 35—38, hat dann auch Strabo 
wieder ausgezogen und glücklicher weise so dass wir mit seiner 



312 POSIDONIUS BEI DIODOR UND STRABO 

hilfe die unverständigen, zusammenhangslosen excerpte Diodors 
wieder in die rechte Ordnung bringen können, in dem einleiten- 
den c. 35 tritt zunächst das merkwürdige, schon s. 304 erwähnte 
Verhältnis des Posidonius zu Timaeus abermals zu tage. 

C. 35, 2. tavta de (tä xaXovpsva JJvqfjvata) xal xatä %6 
vipog xal xatä to piys&og vnäqxst diacpoqa täv äXXcop' naqijxei 
yäq ano tijg xatä tijv [AStfripßQiav d'aXättfig G%sdov a%Q* nqog 
top vno tag aqxtovg dxsavov^ dieiqyovta di ti[v TaXatiav xal t^v 
'Ißqqiav sti di tijv KsXtißtjqiav naqexzeivet Gxadiovg dg tq$g- 
X*Xiovg. Strabo p. 188 Zdqvta* d' ij ToX&GGa xatä to ötevoita- 
tov toi i<f3(iov tov duiqyovtog ano ttjg xatä Näqßeova SaXat- 
xqg tov wisavbv, ov <pijai Ilotfeidoiviog iXättco tvSv tqigx*Xi(ov 
ötadioov. p. 137 soixb yäq ßvqöfi tetafiivfi (ij > Ißijqia) — iati d' 
onov noXv sXattov t&v tqigx*Xi(av xal pdXiata nqog tq TIv~ 
Qijvfl tfl noiovGfi ti\v ioiav nXevqäv oqog yäq dirjvsxig ano votov 
nqog ßo$$äv texapivov 6ql£e* tfjv KsXtixijv ano tijg "Ißrjqiag xtX. 
darnach gieng also Strabo doch auch bei der beschreibung Ibe- 
riens von Posidonius aus. 3. noXX&v di ovtcov iv aitoXg dqv~ 
Ijmop — . Strabo p. 146 f. Iloastdcovtog di to nXij&og täv fAetäXXwv 
inccivwv xal tijv äqstijv ovx än£%sta* tijg ovvri&ovg farjtOQeiag, 
äXXä GQVGvd-ovtSiq taXg vnsqßoXaXg* ov yäq an ititeXv t(p pv&w 
(ftjtflp Ott tdov dqvpcZv nots ifinqfja ovtcov ij yy taxtXöa, äts 
äqyvqXtig xal xqvöXtig, elg tijv imydvsiav QQeGs — also nur 

als sage wiederholte Posidonius die erzählung des Timaeus 
(Mirab. ausc. 87, DA. 1, 441. 467), dass ein durch hirten — 
vno thvtov vopiw sagt auch Diodor — entstandener, unge- 
heurer Waldbrand den silber- und metallreichtum Iberiens zum 
Vorschein gebracht habe*. Athenaeus p. 233 überträgt sie con- 
fuser weise auf die UXma, die avtoftdtag vXtjg ifAnqrjO&eidfig 
aqyvqio disfävtj. die sage stützt sich auf die deutung von 
ITvqtjvaXa aus nvq und Posidonius kann nicht anders als wie 
Diodor gesagt haben tä piv oqy diä to avfjtßsßfjxog xXri&rjva* nv- 
qqvata. nach Strabo aber erklärte er den mythus deshalb für 
glaublich, diä to nav oqog xal nävta ßovvov vXyv elvcu vojufa/iaro? 
vno tbvog äy&ovov tvx^g GsöcoqevpivtjV. xafroXov d f äv slns^ <pyalv, 



* nach Seneca £p. 90, 10 hatte Posidonius auch in einem philosophischen 
werk, den llQoqTQtniwoig meint KMüller (Fho. 3, 273), wo er die philosophie 
als die erfinderin aller künste darstellte, die sage in die ansieht umgebildet 
'sapientes fuisse qui ferri metalla et aeris invenerunt, cum incendio silvarum 
adusta teUus in summo venas iacentes liquefaetas fudisset'. 



ÜBER IBERIEN UND SEINE BEWOHNER. 313 

iddv xig xovg xonovg &qöavQoi>g elvcu (fvascog asvdovg fj xafjustov 
jjyefiovlag dvixXsmxov ov yaQ nXovaia fxovov äXXä xal vno- 
nXovxog ijv, <pfj(ftv y iy X^Q a i *"' tvccq' ixsivotg dg äXrjd-wg xov 
imox&oviov xonov ov% 6 ^idyg aXX } 6 JlXovtwv xaxoixet. 
diese von Strabo offenbar wörtlich angeführten, echt posidonischen 
sätze mit ihrer kunstreichen, rhetorischen Steigerung sind bei 
Diodor ganz oder fast spurlos (s. zu 36, 2) verschwunden, sie 
müssen aber ziemlich im anfang der abhandlung ihren platz ge- 
habt haben, weil sie gewisser mafsen die grundlage derselben bilden 
und später vorausgesetzt werden, weswegen sie hier vollständig 
wiederholt wurden, zunächst folgt die entdeckung des iberischen 
reichtums durch die Phoenizier. 4. xijg 6k xovxov xqsiag ayvoov- 
\kivr\g naqd totg iy%(oqioig — . die erzählung weicht darin von der 
Mirab. ausc. 135 ab dass die schiffer, nachdem sie ihre schiffe 
schon übervoll von silber geladen, auch noch ihre anker damit statt 
mit blei ausgiefsen, während sie nach Mirab. ausc. 135 alle ihre 
gerate und selbst ihre anker aus silber verfertigen, um soviel als 
möglich davon fortzubringen, um so mehr darf Mirab. ausc. 135 
auf Lycus von Rhegium (DA. 1, 439) statt auf Timaeus (das. 429) 
zurückgeführt werden und bei dem nahen Verhältnis beider (DA. 
1,434 ff.) wird es nur noch wahrscheinlicher dass Posidonius hier 
wie sonst allein dem Timaeus gefolgt ist. 5. öioticq ini noXXovg 
XQOPovg ol Qolvweq — . dieser passus von dem aufschwung der 
phoenizischen macht und der ausbreitung ihrer colonien stützt 
oder schliefst sich wieder an Timaeus (vgl. Diodor 5, 20. DA. 1, 
468) und gehört natürlich in den anfang der auseinandersetzung 
dass Iberien immer ein unerschöpfliches xapuXov tjycpopiag gewesen 
sei (s. oben), nach den alten Phoeniziern muste dann Posidonius 
von den Karthagern handeln, allein der geschichtliche faden reifst 
bei Diodor ab und es folgen bei ihm zunächst einige in diesem 
Zusammenhang mehr oder minder ungehörige Sätze. 

c. 36, 1. "Ytsxsqov di noXXotg XQ^yotg ol fih "Ißyqtg pa&ovxs g — . 
dass die Iberer allmählich die eigentümlichkeiten des Silbers kennen 
gelernt, selbst bergwerke angelegt und grofsen gewinn gemacht 
hätten, kann Posidonius wenigstens nicht so in seiner geschicht- 
lichen auseinandersetzung vorgebracht haben (s. zu 38, 2) und es 
ist zum grösten teile nur Diodorisches gerede, das auf den betrieb 
des bergbaus tiberleiten soll. 2. övxatv x«Äxot7 xal xq v <*°v 

xal äqyvqov fistdXXwv d-avpaözäp, ol piv iqya£6pevoi zä xccXxovQ- 
yt%a xo xixaqxov piqog %aX*ov xa&aqov ix xfjg OQvziOfjtivrjg yijg 



314 P08ID0NIÜS BEI DIODOR UND STRABO 

Xapßdvovoi, xäv ii aqyvQsvovxiav xtvig Idicotdiv iv xQHflv 
rjikiqan; Evßotxov G%aiqov(St> xdXavxov. Strabo p. 147 xotg 
[a£v %aXxovqyolg xixaqxov piqog Qdyovcfi xijg yijg xov %aht6v % 
xäv de aqyvqevovxwv xidlv IdiaxiSv iv xqKflv jjpiqaig 
Evßotxov xdXavxov igatqovö*. aber diese Sätze, die von der 
ergiebigkeit die der iberische bergbau noch jetzt, zur zeit des Po- 
sidonius, hat eine Vorstellung geben, standen nach Strabo passend 
am Schlüsse der ganzen abhandlung und sollten bei Diodor auf 
37, 1 folgen, nur der bei ihm angehängte satz näaa ydq fj ßäXög 
iax* iptjypaxog (fvfinsmjyoxog xal änoXdpnovxog pstfxij ist vielleicht 
noch eine reminiscenz aus dem anfang, wie es nemlich scheint, 
die erste stufe der posidonischen klimax (s. 313). 3. xo ph ovv 

nq&xov ol xv%6vxsg xäv ISicoxmv nqogsxaqxiqovv xotg pexdXXoig 
xal peydXovg änetpiqovxo nXovxovg d*d xtjv hoipoxiyxa xal 
datplXetav xyg dqyvqixidog yrjg 9 vaxsqov di xwv 'Ptopalcav xqaxtj- 
ödvxcov xijg ^Ißrjqiag nXjj&og *IxaXcov insnoXaas xotg psxdXXoig 
xal [leydXovg aneqtiqovxo nXovxovg did xtjv (piXoxeqdlav. 
ein rechtes beispiel von der armseligkeit und erbärmlichkeit des 
Diodorischen Stils; das vaxsqov xxX. aber macht die grofse geschicht- 
liche lücke zwischen diesem abschnitt und dem schluss von 35, 5 
offenbar. 4. ovxoi dt xaxd nXelovag xonovg dvol^avxsg tiwfjua 
xal xaxd ßd&ovg oqvxxovxeg — xaxaßaivovxig xs ov (*6vov elg 
pijxog äXXd xal elg ßd&og> naqexxsivovxeg inl noXXovg atadiovg 
xd dqvypaxa xal nXayiag xal GxoXtdg dtadv<fe$g notxiXmg fiexaX- 
Xovqyovvzeg dvdyovtitv ix ßv&<Sv xyv xo xiqdog avxotg naqsxo(t6vyv 
ßwXov. Posidonius bei Athenaeus p. 233 xo pivxoi ys noXv xovxov 
ßa&eiaiq xal xaxond&oig (isxalXelaig evqitfxsxa* xaxd xov 
0aXijqia JijpijxQiov, iXnt£oi>(frjg x^g nXeovs&ag avd%6*v ix xäv 
pv%äv xijg yjjg avxov xov üXovxmva. Strabo aao. xijv <T im- 
piXeiav ipqdfov (üoGeidäviog) xtjv xwv pexaXXsvövxcov naqaxid^dk 
xo xov OaXrjQtcog, oxt (prjtilv ixetvog inl xwv ^Axxhxäv aqyvqsltov, 
ovxw avvxdvong dqvzxew xovg dv&qoinovg dg äv nqogdoxävxag av- 
xov ävdgsiv xov nlovxwva' xal xovxcov (väv iv y Ißijqia) ovv 
itKpavi&i naqanXffliav xtjv onovdfjv xal xijv (piXeqyiav, oxoXidg 
xepvövxcov xal ßa&eiag xdg övqiyyag — . wenn Posidonius die 
tätigkeit der metallgräber schilderte und dann den ausspruch des 
Phalereers hinzufügte, so ist es wahrscheinlich dass Strabo seine 
Schilderung mit xal xovxcov xxX. nur nachholte, um so mehr weil 
damit auch die Ordnung der gedanken bei Athenaeus stimmt und 
überdies Diodor. denn obwohl er den ausspruch des Phalereers 



ÜBER 1BERIEN UND SEINE BEWOHNER. 315 

übergieng, so setzt ihn doch gleich der anfang seines nächsten 
cap. voraus. 

C. 37, 1. MsydXfjv <T «%s* naqaXXayjv td pixaXXa xavxa avy- 
XQWOfjisva totg xaxd %i\v 'Axttxqv. ixetva piv ydq oi pexaXXev- 
ovxeg xal xatg iQyaalaig peydXag n^oUpsvoi Sanaven; ä per f[X- 
maav ivioxe laß et v ovx IXaßov, ä <T el%ov dnißaXov, tagte 
doxeXv avrovg JUgnsQ alviypaxog XQonov dxv%tXv. oi di xaxet 
tijy Snavlav fietaXXovqyol tatg iXniat fhsydXovg awQsvovoi nXov- 
rovg xtX. Athenaeus aao. xaqwvtiti&iktvog yovv (prjaw (llooeidv- 
viog) ort 'noXXdxig xaxavaXwaavxeg td (favsqä t&v ddijXcov tvsxa, 
a piv ipsXXov ovx eXaßov y & <T sl%ov dnißaXov y wgnsQ 
alviypatog tqonov atv%bQvteg\ Strabo, 'der gute tölpel' 
zerstört die bluraen im abpflücken, aao. (top di Xoyov) od xaixöv 
elmi tovtobg (totg ^IßijQixotg) te xal totg sixtixoXg, äXX' ixsivoig 
fhiv alviy pect* ioix&vai ttjv psiaXXsiav oaa piv ydq äv&Xaßov, 
(friaivy ovx iXaßov, oaa di gI%ov anißaXov xovxotg <P 
vmqccyav XvansXstv — es folgen bei Strabo die schon zu 36, 2 
angeführten worte, die hieher gehören, während Diodors nächster 
§ 2 täv ydq nqdnmv iqymv intxvyxavopivwv d$d %i\v xijg yyq elg 
xovxo xo yivog aQsxfjv dsi fxaXXov siqiaxovai Xapnqoxiqag (pXdßag 

xrX. dem inhalte nach teils schon früher vorgekommen sein muss 
teils sich darnach von selbst versteht Diodor suchte wieder nur 
einen Übergang zu einem früher nicht benutzten excerpt, das er 
an falscher stelle nachbringt bei Fosidonius aber stand der aus- 
spruch des Demetrius in deutlicher beziehung zu seinem eignen 
im eingange der abhandlung (s. 312 f.) und er benutzte ihn offenbar 
nur zu einem würksamen Schlüsse, indem er das homerische rätsei 
"Oaa* tXopev Xm6psa&\ oaa' ov% iXopsv (peQÖpea&a (Vit Hom. 35) 
parodierend auf die attischen bergwerke anwandte und ihnen die 
fortwährende, aufserordentliche ergiebigkeit der iberischen (s. zu 
36, 2) entgegenstellte, die bei Diodor noch folgenden excerpte 
sind bis auf 38, 3, wie es scheint, sämtlich aus dem zusammen- 
hange der diesem Schlüsse vorangehenden auseinandersetzung des 
Posidonius herausgerissen. 2. hloxe di xal xaxd ßd&ovg 4p- 
ninxovtii noxapoXg Qiovaw vno xijv yijpj diy xfjg ßiag neqtyt- 
vovxat diaxonxovieg — totg oqvypaa* nXayio ig. — xal xo ndv- 
xoav naqaio%6taxov y dnaqvxovai ydq xdg Qvtfftg x&v vddxtav totg 
Alyvnxiaxotg Xsyopivoig xo%Xla*g, ovg U^fi^^ 6 2vqa- 
xoaiog evQfVy oxe naqißaXsv elg Alyvnxov xxX. dies schliefst 
sich sacbgemäfs nur an 36,4, wo schon von den ßafataig xal 



316 P08ID0NIÜS BEI DIODOR UND STRABO 

nXayiatg gruben die rede ist, und bei Strabo folgt auf xä$ <svQAy- 
yag (zu 36, 4) auch ganz richtig xal nqog xovg iy avxatg anavtüv- 
xag noxafiovg noXXdxtg xotg Aiyvnxiotg dyaytiovvrcoy xo%- 
Xiatg. 4. die verheifsung am Schlüsse des cap., von des Archi- 
medes erfindungen später zu seiner zeit genaueres berichten zu 
wollen ist selbstverständlich Diodors eigentum. 

c. 38, 1. Nachdem 36, 3 gesagt dass die Römer eine masse 
Sklaven zum bergbau verwendet und dadurch die ausdehnung des- 
selben in die tiefe möglich gemacht hätten, fügt sich dies stück 
von dem elend, der xaxond&eia der arbeiter und der grausamen 
behandlung die sie erfahren müssen — es wird immer im prae- 
sens erzählt — natürlich an 36, 3. auch Athenaeus leitet sein 
excerpt und zwar zunächst die zu 27, 1 angeführten worte so ein 
dass er nur die auch von Diodor 27, 1 angedeutete auffassung des 
stoikers Posidonius wiedergibt: rj <pvo ig — inoitjöev vnoysiovg 
avxäv (der edlen metalle) <pX4ßag> noXvnovoy xal xaXBntjv i%ovoaq 
iqyaalav, onoog ol ksqI xavxa anovScc^owsg odvyoipevo* psxiaxn 
iTjy xxf\(siv xal ov% xxX. er las auch (s. zu 36, 4) bei Posidonius 
von den xaxonüd'oig ihexaXktlatg, wie es scheint, vor dem aus- 
sprach des Demetrius, und aus Strabos ovxeo avyxoyoag iqvxxsty 
vovg ävd-Qcbnovg sieht man wie sich dieser anknüpfen liefs und 
Posidonius zum schluss kommen konnte, obgleich, abgesehen von 
der andeutung des Athenaeus, mancher es vielleicht noch wahr- 
scheinlicher findet dass Posidonius die Schilderung des elends in 
der tiefe der bergwerke sehr würksam dem reichtum ihrer ertrage 
entgegenstellte, in dem sinne der sich bei Athenaeus und Diodor 
ausspricht. 2. der historisch wichtige satz, der DA. 1, 109 ff. bei 
der er orte rang des alters der karthagischen herschaft in Iberien 
leider nicht erwogen ist, dass xwy iksxaXXovqyümv ovdiy nqog- 
(paxov $%€!> xrjy agg^V, navxa de ino tfjg Kaq%fidoyi(oy <p*Xaqyv- 
qiag ay€(px&fi xa& y oy xaiqoy xfjg y Ißfjqiag Insxqdxow, verträgt sich 
mit 36, 1 , dem ersten teil von 36, 3 und dem anfang von 37, 2 
nur, wenn man hier die phaXXa nicht als gruben und eigentliche 
bergwerke versteht, aber es ist klar dass der bei Diodor nach 
keiner Seite hin, weder mit dem vorhergehenden noch dem folgen- 
den im zusammenhange stehende abschnitt, der die ansieht ent- 
wickelt dass die Karthager allein durch den besitz der bergwerke 
Iberiens in stand gesetzt waren ihre kriege zu führen, xaxanXov- 
xo^axovyxeg anayxag diä xi\v ix xwy pexdXXwv ytyofiivrjy svnoqiav, 
im wesentlichen die lücke (s. 311 f. 314) zwischen 35, 5 und 36, 3 



ÜBER IBERIEN UND SEINE BEWOHNER. 317 

ausfüllt, und zwar so dass der in Posidonius munde sehr be- 
merkenswerte Schlusssatz deivoi yaQ, dg soixsv, vniJQ^ap ol 
tyoivixsg ix naXaiäv %(>6vmv el$ xo xiqdog cvQstv, ol <T and xijg 
*IxaXtag sig xo ptjd&v pfjdsvl xmv aXXcov xaxaXmeXv 
sich sehr nahe an vöxsqov 6i — nlrj&og *IxaXtag inenoXacs 
xotg (ksxakkoig — wvovpsvoi yaQ nXfj&og ävdqanodoov xxX. 36, 3 
anschliefst dass Posidonius aufser dem Silber und gold auch das 
kupfer und die zahlreichen übrigen producte Iberiens berücksichtigte, 
sieht man schon 36, 2 und aus Strabo p. 163. 614 f. (fr. 51. 52). 
so folgt auch hier und zwar in unmittelbarem anschluss an die 
abhandlung über die Silber- und goldbergwerke bei Diodor 

3. rivsxat 6i mal xaxxixsqog iv noXXotg xono$g xijg *IßfjQlag, 
ovx i% intnoXijg evQHfxofievog, dg iv xatg laxoqiaig xi- 
vig xs&qvXiJxccöiv, dXX 1 dqvxxopevog xal %mvsv6pcvog opoi- 
wg (xqyvqü) xe xal %(>v<sä xxX. — und ebenso bei Strabo p. 147 
nach den zu 37, 1. 36, 4 angeführten worten xov di xaxxlxeQov 
ovx intnoXijg svqicfxs(f$al (pfj<nv y dg xovg laxoQtxovg 
d-qvXsXv, äXX f oQvxxeo&a*. — xxX. Strabo hat noch ein ex- 
cerpt mehr als Diodor, über die mit Silber, zinn und weifsgold 
gemischte flusserde bei den Artabrern. zu den historikern, die 
falsches über das vorkommen des iberischen zinns verbreitet hatten, 
gehörte Ephorus (DA. 1, 81) und vielleicht hat Posidonius ihn im 
äuge, wenn nicht auch Timaeus dasselbe wiederholt hatte, über 
das iberische zinn s. DA. 1, 99. der übrige inhalt der stelle bei 
Diodor und Strabo zeigt aufs deutlichste dass Posidonius die in 
Iberien gesammelten nachrichten über die fahrten namentlich der 
Lusitaner (DA. 1, 473) nach den Kattiteriden nicht mit den in 
Massalia und Narbo gesammelten über den gallischen handel mit 
Brittannien combiniert und dadurch zu der bis heute verbreiteten, 
falschen und völlig grundlosen meinung anlass gegeben hat dass 
nicht Brittannien, sondern die armseligen, zinnlosen Scillyeilande 
die zinninseln seien (DA. 1, 92). seine nachricht über den zinn- 
transport durch Gallien stimmt so völlig mit der des Timaeus 
(DA. 1, 471 f.), da er nur wie dieser nach Diodor c. 22 dabei von 
der benutzung von pferden spricht, dass er die Wichtigkeit der gal- 
lischen flüsse für den verkehr vom äufsern zum innern meer, die 
er selbst so nachdrücklich hervorgehoben hatte (s. zu 25, 3), ganz 
vergessen zu haben scheint, falls nicht etwa Diodor ihn ungenau 
auszog, leider ist Strabo mit xal ix x&p IlQsxxavix&v di eig xrjv 
MaaaaXiav xopi&a&at, noch unvollständiger, nach Diodor er- 



318 POSIDONIUS BEI DIODOR UND STRABO 

wähnte Posidonius auch Narbo, anotxog ph 'Pcopaiwv (seit a. 118), 
diä di xijv evxaiQlav xal xijv svnoqiav fiiy*<fxov ifknoQiov 
S%ovaa xwv iv ixslvotg xoXg xonoig, wie Strabo p. 181. (192) pi- 
yiaxov ipnoQiov x&v TccvTtj. Posidonius muss darnach die Stadt 
ebenso wie Massalia selbst besucht haben und in seinen erkundi- 
gungen dort glücklicher gewesen sein als Scipio und Polybius 
(Strabo p. 190), um die von Pytheas herstammenden angaben des 
Timaeus zu bestätigen und zu ergänzen. 

c. 39. l H 4iyv(tnxri, meint Strabo p. 218, habe ovdlv n^f^ 
yijösag a&ov, TtXtjv ox% xcöfitjdöv fcStf*, XQa%eXav yijv aqovvxeg xal 
tixdnxovxeg, päXXov di Xatopovvteg, mg <pq<s* Do<Setdmviog H und 
es kommt nur noch eine p. 217 eingeschaltete notiz hinzu, dass 
wenn auch einige in dörfern wohnen, das land doch viele kräftige 
männer hervorbringe — svavdQsX 6* opwg ij %<&(>a — so dass die 
meiste kriegsmannschaft daher komme und eine menge ritter, aus 
denen selbst der senat sich ergänze. Diodor aber zog nicht 
nur c. 39 sondern auch 4, 20 stillschweigend den Posidonius 
aus, also zweimal, zum teil mit denselben Worten, wie c. 15 
und 4, 29. 30 den Dionysius Skytobrachion (s. 189). 1. — vi- 
povxa* (kiv %dqav xqa%sXav xal navxsXäg Xvnqdv = 4, 20; 
Strabo. — ol di xqv yijv i(>ya£6[jievo* xd nXstov nhqag Xaxo- 
\kov<H did xi\v vneQßoXrjv tijg XQaxvxffXog = Strabo. 2. ovde- 
fjblav yaq ß&Xov xoXg igyaXslotg ava<sn&<tov &vsv Xl&ov (= Strabos 
axdmovxsg)' xal xoiavxtjv i%ovxeg iv xoXg SQyoig xaxond&etav — oXi- 
yovg xaqnovg xal poXig Xapßdvovtf*. diä di xr\v avvi%siav xäv yvpva- 
<fHÜv — xoXg GXApaöiv inaQ%ov<Siv layyol xal svxovoi. (=3 — 
$vxovo* xal fiVüids$g yivovtai, totg aoipaGw.) TtQog di xyv xaxond- 
&€iav-tavtt]v (fvvsQjrovg $%w<Sh tag yvvaXxag, stört fitvag in 1 itffjg 
totg dvdqdötv iQyd&ö&ai. = 4, 20, 1. xal xaXg tijg xaxonad-siag 
vnsQßoXatg tpiQs* xaqnovg nqog ßiav oXlyovg. — xal did xijv 
tivvsxij yvfivaaiav evxovo*. 2. cl&ixaai tag yvvaXxag x&v xaxo- 
nad-siiv x&v iv xaXg iQyaakug xo$v(ovoi>g noista&at. 4. sie 
bringen die nacht auf dem lande in hatten oder holen zu; dass 
sie in dörfern wohnen, übergeht Diodor. 5. xa&6Xov <T iv xoXg 
xdnotg a\ piv yvvaXxsg avdQoiv, ol di avÖQsg &hqIwv 1%ov(S*v 
ivxoviav xal dXxijv. noXXdx$g yovv (paow iv xaXg axQaxsvatg xov 
Ik&yrtxov xäv TaXaxmv ino Aiyvog la%voi navxeX&g ix nQOxXq- 
06<*g [lovoiAaxyöttvza avgg^röa*. 4, 20, 1 iXaqtQol (*iv xalg svxi- 
vi/Gia$g elölvy iv di xoXg noXspixoXg äyäo* xaXg äXxaXg d$oupOQO$. 

es folgt dort noch näheres über ihre bewaffnung und 6 über 



ÜBER DIE LIÖYEB. 319 

ihre Verwegenheit als Seefahrer (DA. 1, 87); aber 4, 20, 2 an die 
unter 2 angefahrten worte anschliefsend fjua&ov di na<£ äMijXoig 
iQyct£o[i£vtoV xdov xe avdqäv xai %äv ywaixäv, Xdiov xi xal naqa- 
öo^ov xa&* fjpag avyißfj tcsqI piccr yvvaXxa yevi<r&cu> dann die 
erzählung die nach Strabo p. 165 Charmoleos, der massaliotische 
gastfreund des Posidonius, diesem nach eigner erfahrung mitgeteilt 
hatte, so dass man sieht dass Diodor unbedenklich eine aussage 
des Posidonius als auch für seine zeit giltig betrachtete (vgl. 
25, 1). eine rechte probe des geschniegelten, bis ins kleinste 
sorgfältig ausmalenden posidonischen Stils (DA. 1, 357) erhält man 
doch erst wenn man die referate Strabos und Diodors zusammen- 
nimmt, und zugleich damit ein characteristisches beispiel für das 
verfahren beider: 

Diodor. Strabo. 

— syxvog yctQ ovöa xal psta xowä dk (den Iberern Kelten 
xmv ävdQCtiv i(>yaCo[i4vfi piad-oi, Thrakern Scythen) xal xä nQog 
fksxa^v Gvvt%o\k£vr\ xatg ddXa$v ävdqsiav tqv xs xüv avdqäv xal 
an^Xd-ev Big xivag d-äpvovg ad-o- xyv xcSv ywaixdov. yscoQyovGiv 
Qvßcog • iv atg xexovca, xal xo alxai, xsxovöai xe diaxovovöi 
naidiov qvXXotg iv€iXtjoa(fa^ xoXg avdqäöiv ixsivovg avd*' iav- 
xovxo pfr eig xivag &d{ivovg xäv xaxaxXivaöa** • sy xe xoXg 
an&xQv\p8V y aihtj de avp{il%aoa sqyotg noXXaxig avxal [xlxjovoi] 
xotg iQya^opivoig xijv avxtjv ixei- xal XovovGi xal anaqyavovGw 
vo*g in&peve xaxo7id&6iav, ovdtv anoxXlvaöa* nqog x* §€X&qov. 
SyXoiöaaa txbqI xov tfvpßeßii- iv di xij Aiyvtixtxfj (ftjalv 6 
xdrog. xov dt ßqiyovg xXav&pv- IloGstddvhog ÖMjyijöaG&a* xov 
q$£o(a4vov, xal xijg nQa&cog <fa- %6vov kavxto XaqpoXemv Matiöa- 
veqäg yevopevfiQ, 6 p&v icpsaxtj- Xiaforjv avÖQa, oxt pia&oiöaixo 



* Strabo p. 197 wiederholt dieselbe behauptung in noch allgemeinerer 
fassung, ohne zweifei ebenfalls nach Posidonius und dieser kannte darnach die 
noeh heute auf beiden Seiten der Pyrenaeen bei den nachkommen der Iberer 
fortdauernde sitte der couvade auch in Gallien, die Timaeus für die Ligurer 
auf Cornea bezeugt (Diod. 5, 14. DA. 1, 453). die alten kennen sie aufserdem 
noch bei den Tibarenern am Pontus (Apoll. Bhod. 2, 1013 ff. Val. Flacc. Argon« 
5, 149 f.), also wenn man die unbestimmte ausbreitung, die Strabo ihr zu- 
schreibt, nicht beachtet, nur bei Völkern von unbekannter, unarischer und 
Torarischer herkunft. durch reichliche belege aus Amerika und Asien ist sie 
schön erläutert in Tylors Besearches into the early history of mankind (1870) 
s. 293 ff., wo auch s. 302 neben den Zeugnissen der alten die fortdauer in den 
Pyrenaeen und ihre erw&hnung in dem altfranzösischen gedieht von Aucassin 
et Nicolette nachgewiesen ist. dazu kommt noch ein aufsatz über die sitte im 
Jahresbericht der geographischen gesellschaft in Leipzig 1871. 



320 POSIDONIUS BEI DIODOR 

xcog oddctfiäg qdvvaxo nettreu avdqag dfjtov xai yvvaXxag inl 
navtiaa&a* x&v sqyoav • y 6' ov axa<ptjx6v> t&dlvaäa di pla x&v 
nooxtQov dnicxij xtjg xaxona- yvvaixäv änil&oi ano xov soyov 
&siocg imq 6 fjuö&toödpcvog iXsij- nXtjölov, xexovaa ff InaviXd-ot 
<Sag xai xov piG&ov dnodovg inl xovqyov avxixa, onwg fiy 
äniXvös x&v iqywv. anoX4ü€$€ xov fua&ov • avxog di 

imnovag idmv iqyatopivijv, 
ovx elddg xrjv alxiav nqoxsqov 
oxpi [id&oi xai axpsifj dovg top 
pia&ov ij d' ixxoptoaifa %6 vy- 
niov nqog %b xq^viov, Xovaaaa 
xai anaqyavdaaoa otg el%s dta- 
<fci<S€$€v otxaäe. 

über das Verhältnis in dem Posidonius auch hier zum Timaeus 
steht s. DA. 1, 441. 

c. 40. Athenaeus p. 153 führt aus dem zweiten buche des 

Posidonius an naqd di Tvfäipotg 61 g erjg i^kiqag xqdnetct* 
noXvxsXtXq naqaaxevd£ovxa$, avd-tvai xe Gxqwpval xai ix- 
ncipaxa äqyvqa navxodanä xai dovXav nXij&og avnqe- 
n&v naqiaxrjxev, ia&ijöeGi noXvi sXiai xsxoö/jtfjpivcov, und 
beinahe wörtlich wiederholt Diodor dasselbe: 3. naqari&evTat. 

ydq frlq xijg ypiqag xqani£ag noXvxeXetg xalxaXXaxa nqog 
xijv vnsqßdXXovaav xqv(pijv olxsta, ötqü) pväg piv äv&€$väg 
xaxatfxeväQovxsg, ixnafiäxwv d* aqyvqwv navxodanwv nXq- 
9-og xai x&v d$axovovvxcov oixexäv ovx bXiyov aqid-pbv ifxot- 
fkaxoxeg* xai xovxcov ol piv evnqsneta diagtiqovxig elöiv, ol d 1 
ia&fjai noXvxeXsoxiqaig ij xaxd dovXixijv a£lav xexodpTjv- 

tcu, so dass Diodor auch in diesem cap. den Posidonius aus- 
gezogen hat bei Strabo p. 220 list man X£y€xa$ di xai 6 
d-Qiapßixög xodfxog xai vnaxtxog xai dnXäig 6 x&v aqxovxwv ix 
Taqxvvi&v devqo fiexevex&fjvai xai fydßdoi xai nsXixeig xai ödX- 
myysq xai XeqonoUai xai (lavxixij xai povaixij, oüfj dfjfAoaiq 
%Q&vxai 'Pwpatoi, was dem inhalte nach den bei Diodor 1. 2 vor- 
hergehenden Sätzen entspricht, dass jedoch Posidonius Strabos 
quelle war, ist um so weniger anzunehmen weil bei ihm jener 
satz im zusammenhange der geschichte der Tarquinier steht, wie 
Diodor 1, so sieht auch Livius 5, 33 in dem namen des tyrrheni- 
schen meeres ein zeugnis der ehemaligen seeherschaft des volkes. 
ich begnüge mich hervorzuheben dass Posidonius, der gewährsmann 
Diodors, um das j. 90 seine daten entweder in Rom erhalten oder 



ÜBER DIE TYRRHENER. 321 

schon in der litteratur vorgefunden haben muss, and überlasse 
das weitere den forschem auf dem gebiet des römischen altertums. 
Mit c. 41 nimmt Diodor seine inselbeschreibung wieder auf 
und lässt zunächst einen auszug aus der faga avayqaifii des be- 
rüchtigten fablers Euhemerus folgen, der uns weiter nicht angeht, 
ich kann jedoch diese Untersuchungen nicht schliefsen ohne den 
schon früher (DA. 1, 469) ausgesprochenen wünsch noch einmal zu 
wiederholen, dass kein künftiger herausgeber des Diodor sich, wie 
unsre gewönlichen ausgabenfabrikanten, damit begnügen möge den 
text mit etlichen Verbesserungen etwa wieder abzudrucken, son- 
dern dass jeder es als seine pflicht erkenne die art und weise 
wie 'dieser elendeste aller scribenten' gearbeitet, aus welchen 
quellen er geschöpft und wie roh und gedankenlos er seine ex- 
cerpte zusammengestellt hat, möglichst anschaulich zu machen, 
eine solche ausgäbe, die den wert und Zusammenhang jeder nach- 
richt übersehen liefse, würde den Schriftsteller erst wahrhaft brauch- 
bar machen, vielleicht aber wird ein andrer wünsch eher in er- 
füllung gehen und die fortschreitende quellenanalyse bald mehr 
und mehr das bild des Posidonius ans licht fördern, des letzten 
griechischen Schriftstellers in grofsem stil, in dem das ganze ver- 
mögen seiner zeit, gestützt auf eine reiche Vergangenheit, noch 
einmal gestalt gewinnt, und eines mannes den trotz seines rheto- 
rischen aufputzes jeder aufrichtig verehren und lieb gewinnen muss 
der ihm jemals näher tritt. 



DEUTSCHE ALTBBTUMSKÜBDB II. 21 



322 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 



ANHÄNGE. 



1 ZU S. 3*. 

Um die grenze der Germanen gegen die Jazygen und Daken 
genauer zu bestimmen, ist auszugehen von dem viel gescholtenen 
satze des Plinius 4 § 80, der doch ganz wohl verständlich ist, so- 
bald man sich nur nicht, wie noch Germ, antiq. s. 89, durch die 
gewöhnliche schlechte interpunction irren lässt, also vor 'campos' 
und statt des unsinnigen punktes vor 4 a Maro' ein komma setzt 
und nun den Zusammenhang des ganzen beachtend dem etwas 
hastigen schriftsteiler bereitwillig folgt. Plinius hat § 79 ausführ- 
lich von den Donaumündungen gehandelt; von da aus, sagt er, 
haben verschiedene scythische Völker die striche am ufer, im norden 
des schwarzen meeres, inne gehabt, die oberen, flussaufwärts be- 
legenen gegenden aber zwischen dem (unteren) Danuvius und dem 
hercynischen bergwalde bis zum pannonischen Winterlager in Car- 
nuntum und dem confinium dort der Germanen haben inne, und 
zwar die flächen und ebenen die Jazygen Sarmaten, die berge 
aber und waldhöhen die von ihnen, den Sarmaten, vertriebenen 
Daken bis zum Pathissusflusse, vom Marus oder, wenn es der 
Duria ist der sie, die Sarmaten, von den Sueben und dem regnum 
Vannianum trennt, — von diesem an — die 'aversa', die abge- 
wandten äufseren, gegen nordost und norden zu gekehrten gegenden 
jenseit des gebirges, die Bastarnen und darnach andere Germanen, 
hier ist alles klar und in Übereinstimmung mit den übrigen nach- 
richten: nur das confinium Germanorum bleibt ungewis, da zu- 
erst Carnuntum und demgemäfs nachher die March genannt wird, 
dann aber noch ein anderer fluss, falls dieser die grenze zwischen 
den Jazygen und Sueben oder dem vannischen reiche mache, 
ohne zweifei stammt dieser zweite ansatz aus einer zweiten, 
besseren Überlegung des Plinius, weil ihm das Suebenreich jenseit 
des Marus einfiel, er war aber augenblicklich nicht sicher welcher 
fluss dafür die ostgrenze bilde und, da es ihm nur noch darum zu 



* gelesen in der Berliner academie am 19 juli 1883. 



DES ALTEN GERMANIENS. 323 

ton war ungefähr den punkt zu bestimmen wo die Bastarnen und 
die übrigen Germanen an der aufsenseite des gebirges zusammen- 
stießen, so nahm er den nächsten bedeutenden nebenfluss der 
Donau unterhalb der March dafür an. der Duria kann jedesfalls 
nicht wohl etwas anderes als die Wag sein*, die genauere an- 
gäbe aber, dass die Römer im j. 19 das reich des Quaden Vannius 
jenseit der Donau zwischen den Aussen Marus und Cusus errich- 
teten, stammt bei Tacitus (Ann. 2, 63) vielleicht selbst aus den 
historischen Schriften des Flinius. die Gran war den alten, wie 
wir durch Marc Aurel wissen, als Tqavovaq bekannt, waren die 
flüsse nicht doppelnamig, muss also der Cusus die Eipel sein, dass 
des Vannius reich im norden von Pannonien und nicht etwa von 
Noricum lag, sehen wir deutlich aus der geschichte seines Sturzes 
im j. 50 bei Tacitus Ann. 12, 29. 30. seine schwestersöhne teilten 
sich in seine herschaft und die wie er mit den Jazygen verbün- 
deten Sueben, die dem Domitian an der Donau zu schaffen machten**, 
waren sicher seine ehemaligen Untertanen und deren nachkommen, 
später im zweiten Jahrhundert, zur zeit des marcomannischen 
krieges sind diese Sueben in die Quaden aufgegangen und Marc 
Aurel stand an der Gran iv Kovddotg. auch die übrigen nach- 
richten ans dieser zeit (Dio 71, 8. 11. 13. 16. 18. 72, 2) wissen von 
einem dritten volke zwischen Quaden und Sarmaten nichts mehr***, 
und ebenso wenig Ammianus Marcellinus im vierten Jahrhundert, 
ist diese ausbreitung der Quaden aber erst die folge der ansied- 



* dass der Darios (Jwqhs Jcqhh Jtogiag) in Iberien, die Dariae duae 
(bei Plin. 3 § 118, JovqUxs Strabo p. 203, JuQiag PtoL) im nordwestlichen 
Italien, der Jovqas bei Strabo p. 207 auf der nordseite der Alpen von Kelten 
benannt seien, l&sst sich nicht beweisen, kein fiussname in rein keltischem 
gebiet anfser dem Jovq in Irland bei Ptolem. 2, 2, 4 spricht dafür, und Dubra, 
Dubris, Yerno-dubrum (Zeufs Gr. 8 , 136. 778) sind ganz andre namen. es ist 
also die benennung Duria für den nebenfluss der Donau deshalb keineswegs 
von den gallischen Cotinen herzuleiten und noch weniger zu vermuten dass 
Wag nur eine deutsche Übersetzung von Duria ist, da got. vegs ahd. wag 
mhd. wäc ström ein masculinum ist und kelt. dur nicht wasser, sondern fest, 
sicher bedeutet (Zeufs Gr. 24 f.). 

** Dio 67, 5. vergl. Tac. Hist. 1, 2. Agric. c. 41. Mommsen im Hermes 
8, 115 f. 

*** Germ, antiq. s. 144 ist bei Capitolin Marc. 22 das komma nach Suebi 
zu setzen, worunter die Marcomanni Yaristae Hermunduri et Quadi im norden 
der Donau zusammengefasst werden; Sarmatae Lacringes et Buri sind die 
zweite gruppe ost- und nordostwarts vom flösse; die Victuali mit ihrem an- 
hang die dritte, zunächst gegen Dacien gerichtete. 

21* 



324 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

hing der Sueben unter Vannius zwischen Marus und Cusus, so ist 
klar dass wenn Plinius das confinium Germanorum zuerst in die 
nähe von Carnuntum an die March verlegt, er damit die ältere 
grenze meint, wie sie vor der ansiedlung bestand, zu welcher zeit 
freilich noch keine Jazygen zwischen Teis und Donau eingedrungen 
waren, die vielmehr in den jähren 9—16 (Ovid. Tr. 2, 191. e P. 
1, 2, 79. 4, 7, 9. Ib. 137) und auch noch später nach 17 p. Chr. 
(Strabo p. 294. 306 vergl. 304 f.) neben den Rhoxolanen auf der 
südrussischen steppe hausten, also auf keinen fall damals mit den 
Germanen an der mittleren Donau zusammengrenzten, den ansatz 
der ostgrenze aber des vannischen reiches an der Eipel und da- 
mit die spätere südostgrenze Germaniens überhaupt bestätigt im 
verein mit den übrigen nachrichten aufs entschiedenste Ptolemaeus, 
der damit jedoch, wie fast überall, nur wiederholte was er bei 
Marinus, dem Zeitgenossen des Tacitus vorgefunden hatte. 

Nach Ptolemaeus 2, 11, 26 wohnten die Quaden unter dem 
y OQxvvH>g Sqv[m>s und oberhalb der eisengruben und der Aovva {Uf, 
also in Mähren, da der *OQxvvu>g dQvpog bei ihm (2, 11, 7) die 
mährische höhe ist und der Manhart den alten namen der Aovva 
vXfj, Luna silva bis heute bewahrt, steht hiemit ihre west- und 
südwestgrenze fest, so kann man die vor dem Manhart genannten 
eisengruben nicht weiter westlich suchen, sondern nur versuchen 
durch eine Umstellung ein versehen der alten geographen wieder 
gut zu machen. 

Td (jidriQcoQvxeta waren jedesfalls die bedeutendsten und nam- 
haftesten eisenbergwerke in den landschaften über der Donau und 
aller Wahrscheinlichkeit nach daher dieselben die nach Tacitus 
(Germ. 43) dort von den gallischen Cotinen bearbeitet wurden, 
diese und die pannonischen Ösen waren zugleich den Quaden und 
den Sarmaten tributpflichtig nnd deshalb notwendig zwischen diesen 
beiden Völkern angesessen, beide erscheinen später noch einmal 
im marcomannischen kriege und zwar die Kouvol bei Dio 71, 12 
um dem Marc Aurel wie die Buren und Jazygen heeresfolge gegen 
die (Quaden und) Marcomannen zu versprechen, die Osi bei Ca- 
pitolin Marc. 22 andererseits unter den Völkern die in gemein- 
schaft mit den vandilischen Astingen oder Victualen gegen das 
römische Dacien hin auftreten, sie müssen also im gebirgigen 
nordwestlichen Ungarn gesessen haben, und hier, von der front 
der Quaden gegen die Donau angesehen, konnte es bei Tacitus 
sehr wohl von ihnen heifsen, dass sie mit andern Völkern im ge- 



r 



DES ALTEN GEEMANIENS. 325 

birge den rücken derselben schlössen, eine genauere bestimmung 
ihrer Wohnsitze ist jedoch noch ganz wohl möglich. 

Bei Ptolemaeus (2, 11, 20. 21), der aus mangel an jeder ge- 
nauem Orientierung in dem ganzen südlichen teile seiner karte 
von Germanien sich begnügte die namen der Völker und der ge- 
birge blofs in reihen von norden nach Süden unter einander auf- 
zustellen, ist selbstverständlich nichts darauf zu geben, wenn ledig- 
lich in folge dieses Verfahrens die Käyvo* d. i. die K&xvoh oder 
Koxvo*, Konvoi mit drei andern Völkern zwischen das asciburgische 
oder schlesische gebirge und den *Oqxvvw<; ÖQvpdg und so in den 
rücken der Quaden kommen, wo schlechterdings für sie kein platz 
ist. die ersten der reihe, die Aovyioi Bovqoi sollen unterhalb des 
gebirges bis an die Weichselquelle reichen d. h. bis zur ostgrenze 
Germaniens. auch nach Tacitus (Germ. 43) safsen die Buri auf 
der Südseite des gebirges. da sie aber niemals im westen aufser- 
halb des Karpatenlandes, sondern immer nur innerhalb desselben 
auftreten, so schon zur zeit Trajans als bundesgenossen der Daken 
und später nicht anders (Dio. 68, 8. 71, 18. 72, 2. 3, Zeufs 459), 
so kann man sie sich nur unterhalb des Jablunkapasses in den 
tälern der oberen Wag ausgebreitet denken. 

Dann die Sidmvsq unter ihnen, etwa im heutigen Neutraer 
comitat, am gebirge abwärts gegen die ebene wohnend, könnten 
nach ihrer läge im Verhältnis zu den Buren, aber auch zu den 
Quaden in Mähren benannt sein*, und da das völkchen unter sei- 
nem besondern, jedesfalls blofs landschaftlichen namen nicht wieder 
zum Vorschein kommt und daher dem einen oder dem andern 
gröfseren nachbarvolke als Unterabteilung zuzurechnen ist, so 
würde ich es schon wegen der ausbreitung, die später wie wir 
sahen der name der Quaden gewann, unbedenklich diesen zu- 
zählen, es ist aber auch noch daran zu erinnern dass die beiden 
schwestersöhne des quadischen Vannius, von denen wie es scheint 
der jüngere an der Seite eines mitkönigs und vermutlich seines 
neffen Italicus noch im j. 67 rüstig für Vespasian in Italien mit- 
kämpfte (Tac. Hist. 3, 5. 21), die namen Vangio und Sido führten, 
von diesen ist der eine so entschieden wie der andre von land- 

* das altn. sidr demissus, herabhängend, herabreichend und dän. fries. 
nnd. sld niedrig, seicht bewahren im Verhältnis zum ahd. adv. sito laxe 
(Graft 6, 158) nnd noch mehr zn ags. sid amplus, latus die ältere, ursprüng- 
liche bedentnng des adjectivs, die anch das Substantiv altn. sida ags. slde 
ahd. aita seite latus voraussetzt. 



326 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

schaftlicher und ethnischer bedeutung, der erste aber gewis nicht 
von den rheinischen Vangionen in der ebene, dem wang von Worms 
hergenommen, viel eher deutet er auf die ebenen über der Donau 
und Yangio und Sido repraesentierten so zwei benachbarte land- 
schaften und deren bevölkerungen, über deren eine ihr oheim als 
könig eingesetzt war und deren anderer er vielleicht mit seinem 
geschlecht der herkunft nach angehörte, eine andre stelle als die 
angegebene lässt sich für die Zidcovsg nicht wohl ausmachen und 
sie müssen schon zu den Quaden gezählt werden, wenn die Co- 
tinen und Ösen im rücken der Quaden standen. 

Die Wohnsitze der Cotinen und Ösen setze ich nun mit grofser 
Zuversicht in die landschaften an der oberen Gran und Eipel, in 
die Borscher und Soler, Honter und Neograder gespanschaften, 
alles trifft hier dafür aufs beste zu. hier konnten sie zur zeit 
des Tacitus von der einen seite den Quaden, von der andern den 
Jazygen Untertan sein und späterhin die Cotinen dem Marc Aurel 
gegen ihre alten herren heeresfolge leisten, die Ösen gegen Dacien 
sich wenden, die atdijQWQvxeta bei Ptolemaeus, für die sich die 
notwendigkeit einer Umstellung ergab, finden demgemäfs statt im 
Süden oder Südwesten der Quaden hier im Südosten und osten 
eine angemessene stelle, über die zur begründung dieser Ver- 
mutung erforderlichen tatsachen im ganzen umfange mich zu unter- 
richten, hat mir freilich, auch mit hilfe sachkundiger freunde, 
lange nicht gelingen wollen, der aufmerksamkeit indes, mit der 
hr. Miklosich in Wien die angelegenheit in meinem interesse seit 
jähren im äuge behalten hat, verdanke ich jetzt von der hand des hrn. 
Professors Ed. Suefs daselbst eine mitteilung, die mir mit diesen 
bemerkungen hervorzutreten gestattet, indem ich sie hier im anhange 
dazu wiederhole. — ordnet man ferner die Völker der starren 
ptolemaeischen reihe, so wie es auch anderswo geschehen muss, 
in eine gruppe zusammen, so kommen unterhalb der Aovyiot, 
Bovqoi, und ostwärts neben die 2idwveg seine Küyvo* und Ovo- 
ßovoyio* gerade an die stelle die wir den Cotinen und Ösen an- 
weisen, und dies zusammentreffen lässt nicht zweifeln dass seine 
Kwyvoi oder Kcotvot, die Konvoi sind, aber auch nicht dass 
Ovufßovoyioi nur eine andere deutsche benennung der Ösen oder 
eines teiles derselben ist. dass Osi der heimische, pannonische 
volksname war, dafür spricht der ort Osones (It. Ant. 263, 7) und 
wohl auch der stamm der Oseriates (Plin. 3 § 148, *OceQui%£$ 
Ptol. 2, 14, 2) in Oberpannonien. Cusum in Unterpannonien an 



DES ALTEN GERMANIENS. 327 

der stelle des heutigen Peterwardein (CIL. 3, 421) und Cusus 
der flussname erweisen sich gegenseitig als pannonisch und dass 
die Eipel dem gebiet der Ösen entströmte, wird wohl niemand in 
abrede stellen, der endlich noch folgendes erwägt. 

Man hatte nach Tacitus (Germ. 28. 43) in den Ösen Pannonier 
erkannt, weil sie in spräche, einrichtungen und Sitten mit den 
Aravisken übereinstimmten, war aber darüber ungewis ob die 
Aravisken von den Ösen nach Pannonien, oder umgekehrt die 
Ösen von den Aravisken nach Germanien eingewandert seien, zu einer 
zeit ehe noch die Römer oder eine andere macht an der Donau 
eine feste grenze gezogen hatte, derjenige wenigstens von dem 
die beobachtung herrührt kannte darnach im norden des flusses 
keine andere pannonische Völkerschaft mehr als die Ösen, aber die 
südlich ihnen zu allernächst wohnenden waren die Aravisci oder 
EraviscL diese wohnten in der heutigen Stuhlweifsenburger ge- 
spanschaft* unter dem Bakonyer walde und wie man nach Ptolemaeus 
2, 15, 3 und Tacitus annehmen muss, nördlich bis in den winkel der 
Donau, so dass dann jenseit im gebiet der Eipel die Ösen folgten, 
hätten diese westlicher gesessen, so würde jeder sie eher mit 
einem andern pannonischen volke diesseit als jenseit des waldes 
in Verbindung gebracht haben, deren es nach Ptolemaeus 2, 14, 2. 
15, 3 mindestens noch zwei gab, im norden des waldes gegen die 
Rab die Upavjivol und weiter westlich gegen den Wiener wald 
die si£aXo>**. wie für die Ösen, so glaube ich erhält man gerade 
hier vom Süden der Donau aus auch für die Cotinen und ihre 
Stellung auf der nordseite noch eine gleiche bestätigung oder hin- 
deutung, die hauptorte an der Donau, Vindobona Garnuntum Bri- 
getio, tragen sämtlich keltische namen; ebenso die be wohner der 
Bakonyer waldhöhe, die Hercuniates. die Boier, aus Boiohaemum 
verdrängt, hatten im nordwestlichen Pannonien unterhalb der Azaler 
sich niedergelassen, und müssen die keltischen Cotinen ehemals 



* Morom8en Rom. münzwesen s. 696. CIL. 3, 415. 429 nr. 3325. 
** Mommsen (CIL. 3, 417 nr. 3224) übersah dass Plinius 3 § 148 neben 
der 'civitas Sirmiensium' auch eine 'Amantinorum' nennt, dass also der Aman- 
tinus der in der gegend gefundenen inschrift ohne zweifei wie die Amantini 
des Sextus Rufus c. 7 dort angesessen war. aber dass sich der volksname an 
der Sau wiederholt, kann kein grund sein ihn an der Rab lediglich auf die 
rechnung des hier so gut unterrichteten Ptolemaeus zu setzen, ebenso wenig 
beweist das zu Eskö oder öskü (Osones) zwischen Veszprim und Stuhlweissen- 
bürg gefundene militärdiplom eines Azalers (CIL. 3, 881 nr. XXXIX) dass das 
volk gerade dort angesessen war. 



328 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

zu ihrem anbang im norden des flusses gehört haben, so meine ich 
unbedingt auch die diesen in Wahrheit völlig gleichnamigen Kvtvoi, 
die nach Ptoleraaeus östlich von den Azalern an der untern Rab 
wohnten, nur sind diese schwerlich zugleich mit den Boiern über 
die Donau gegangen, da sie sich dann unter die menge verloren 
hätten, wahrscheinlicher haben sie sich erst etwas später von 
ihren nördlicheren brüdern abgetrennt und südlich von der Donau 
schütz gesucht ihre Stellung aber weist noch zurück auf ihre her- 
kunft und versichert uns der Gotinen an der oberen Gran ebenso 
gut wie die Aravisken bei Tacitus der Ösen an der EipeL 

Unterhalb der Quaden oder vielmehr, wie er behauptet, unter 
der Aovva vlr\ folgten dann nach Ptolemaeus ein t*4ya i&vog ol 
Batpo* pixo* *ov Javovßiov. da aber seine schematische anord- 
nung allein die Aovva vXrj schlechthin zur südgrenze der Quaden 
machte, so kommt sie nicht unbedingt in betracht und das grofse 
volk der Batpoi darf in die weite ebene an oder von der March 
bis gegen die Eipel verlegt werden, in ihm hat Zeufs längst die 
aus Boihaemum an die Donau zwischen Marus und Gusus ver- 
pflanzten Suebi des Vannius erkannt. Batfun ist von den Griechen 
in nicht zu rechtfertigender weise aus Ztofcupo», Baehaemi verkürzt*, 
das zu dem in BmvQxaipcu, bei Ptolemaeus verderbten Batoxcapa* 
sich gerade so verhält, wie Boihaemum bei Tacitus, Bovicupov 
bei Strabo zu Boiohaemum bei Vellejus und wie got vaid&4ja, vai- 
fairhvjan zu vajam&rei, vajamerjan. Balaipoh, Ba^o%aX^ay geben mit 
grofser treue die laute wieder wie sie vom deutschen munde ge- 
sprochen wurden, während in Boihaemum, Boiohaemum künstlich 
und gelehrt im ersten wortteile die keltische lautgebung wieder 
hergestellt ist, so dass eine hybride Zusammensetzung entstand, 
und jene entsprechen vollkommen dem althochdeutschen, aus dem 

* seine Vermutung (Die Deutschen und ihre nachbarstfimme s. 119), 
Baluoi sei aus einem wie Manimi abgeleiteten Bccttfio* zusammengelogen, hat 
Zeufs sp&ter (Herkunft der Baiern s. 46) gewis mit recht aufgegeben, aber ich 
glaube er hatte nun nicht die combination mit altn. beimar viri, milites, 
comites aufnehmen sollen, die ihm früher noch bedenklich schien, allerdings 
Bal/uot und beimar ist lautlich vollkommen dasselbe und die angesiedelten 
Suebi waren die kriegerischen begleiter des Maroboduus und Catualda; aber 
das wort steht im nordischen selbst ganz isoliert und rätselhaft da (Egils- 
son 42»)- ehe wir damit etwas vornehmen, müste es uns selbst klar sein und 
die schon in Haupts zs. 9, 242 angenommene Verkürzung von Batiu/uot in Baipu 
ist bei der fiüchtigkeit, mit der die Griechen und namentlich Marinas und 
Ptolemaeus die deutschen namen behandelt haben, doch zu wahrscheinlich, als 
dass wir weiter umher zu suchen brauchten. 



DES ALTEN GERMANIENS. 329 

landesnamen gebildeten volksnamen Böheima und dem lateinischen 
B6heimi bei Einhart ua. der name benennt die vannischen Sueben 
also nur nach ihrer herkunft und begreiflicher weise gewann er 
fttr sie keinen bestand und wiederholt sich für sie nicht wieder, 
da der landesname daneben fortdauert und auf das daraus gebildete 
ethnicum die bewohner des landes selbst den ersten ansprach 
hatten, der gesamtname Baioxatpa* neben den sondernamen Mccqxo- 
pavol und Sovdwol ist aufser manchen andern nur ein beleg da- 
für dass die ptolemaeische karte von Grofsgermanien aus einer 
general- und specialdiathese roh zusammengesetzt ist. die £<*?/*ot, 
Baia$(H» aber können nicht noch einmal dieselben wie jene sein. 
dass sie vannische Sueben sind, ergibt sich daraus mit notwendig- 
keit. von der contamination zweier quellen und verschiedener nach- 
richten ist hier in der südostecke von Germanien ebenso wenig 
etwas zu spüren als in der nordwestecke, die nachrichten, auf 
denen die karte im Südosten fufst, stammen aus der zeit wo 
Trajan für die eroberung Daciens und in folge derselben in Pan- 
nonien schon neue einrichtungen getroffen, aber nicht lange vor- 
her auch der suebische krieg Domitians (oben s. 323) neue auf- 
klärung über die gegenden im norden und überhaupt jenseit der 
mittleren Donau gebracht hatte, die auch schon dem Tacitus zu 
gute kommen konnte. 

Wie eigentümlich und zugleich wie gut Marinus hier unter- 
richtet war, zeigt gleich die unmittelbar an die Batpoi anknüpfende 
notiz, die selbstverständlich so zu schreiben ist — xal owsx&s 
avtotg (%oXq Baipo*$) naqd top noxapöv ol %e 'PaxatQicu xal ol 
nQog %otq Rtifmotg 'Paxara», statt wie noch in der Germ, antiq. 
p. 130 und in der vulgata — ol Teqaxaxqiat, xal ol tvqos totg 
xdpnoH * Paxara^ schon aus dem einfachen gründe weil wenn das 
zweite glied durch einen besonderen zusatz von dem ersten unter- 
schieden wird, notwendig auch das erste als solches irgendwie ge- 
kennzeichnet sein muss. mit der leichten änderung verliert der 
zusatz sofort alles rätselhafte, den man in der Verlegenheit in tatg 
xapnatg hat emendieren oder sogar ohne weiteres so hat auslegen 
wollen, als wenn das griechische ein dem femininum xapnr] gleich- 
bedeutendes masculinum oder neutrum besäfse, obgleich Ptolemaeus 
nur von &ner krümmung, der xa%ä KovQta» xapntj der Donau kurz 
vor ihrer wendung gegen Süden, sonst nur von ihren inunQoyaü; 
spricht und die 'Pcrxawr*, wenn man sie hinter die ' TeQaxax&a* ' 
an jenen winkel stellt, sich gar nicht mehr unmittelbar an die 



330 i Ober den südöstlichen winkel 

ßatfioi anschlief sen. mit der änderung wird alles klar und deut- 
lich, dem bis an die Donau — ptyQ* tov Javovßiov — reichen- 
den, grofsen volke der Batpoi schlössen sich östlich flussabwärts, 
also etwa an der untern Gran und Eipel die ^PaxatQiat, an. der 
Widerspruch, der durch diesen ansatz nach den genaueren ptole- 
maeischen angaben mit jenem früheren herauskommt, wonach die 
Eipel als Cusus die ostgrenze des vannischen reiches machte, ist 
nicht so ernst zu nehmen, der name der ^Paxaxola* sieht durch- 
aus nicht nach einem keltischen (Zeufs 119) aus, der sie mit den 
keltischen Cotinen in Verbindung zu bringen riete, sie sind für 
eine abteilung der pannonischen Ösen, der OdiößovQywi des Ptole- 
maeus, oder überhaupt für einen Überrest der älteren pannonischen 
bevölkerung im norden der Donau zu halten, der mit der ansied- 
lung der vannischen Sueben diesen Untertan wurde, die 'Paxdzcu 
nQog totg Kd {Mo k; aber kommen dann oberhalb der Baipoi, jen- 
seit der March ins Untermanhartviertel, in ein gebiet das ohne 
sie, wenn man die übrigen angaben des Ptolemaeus aus dem süd- 
östlichen Germanien fixiert, leer und ohne bewohner sein würde, 
trotzdem dass es dem berichterstatter des Marinus wohl bekannt 
war, da er gerade den Lunawald dahin reichen liefs und ein un- 
benannter fluss bei Ptolemaeus 2, 11, 5 (vgl. 2, 14, 3) — offenbar 
die March mit der Taja — neben dem walde hin (naod typ Aovvav 
vXfiv) von norden her, angeblich 20' nördlich von Carnuntum, in 
die Donau fliefst wie auch die karte des Agathodaemon (Zeufs 
122) die 'Paxdrai ansetzt, dort safsen westlich neben ihnen etwa vom 
Kampflusse an die liöqotßmxd^noh und weiterhin bis zum Regen 
mit dem späteren Champriche die /7aepatxd/u7zo», ohne zweifei 
wohl Überreste der keltischen bevölkerung im. norden der Donau, 
die sich unter dem schütze des Nordwaldes geborgen hatten, die 
jederzeit nach ihren namen, auch wenn diese nicht lidodßa* Kdpnoi, 
ndQpcu Kdpnot, zu zerlegen wären, ohne den blofs unterscheiden- 
den ersten teil (Zeufs 121 anm.) als Kdpnoi zusammengefasst 
werden konnten, durch den zusatz nqog totg Kdfmoig ist die räum- 
liche Verschiedenheit der 'Paxdtcu von den 'Paxatqiai ausgesprochen, 
es wird jedoch, meine ich, zugleich der innere und ursprüngliche 
Zusammenhang der. beiden, blofs durch die ableitungssilben ihrer 
namen unterschiedenen Völker anerkannt und im gründe nur aus- 
gesagt, die östlichen heifsen ' Paxatqiai, die westlichen 'Paxdja*. 
ich zweifle wenigstens nicht dass auch diese so gut wie jene oder 
die Ösen des Tacitus Überreste der Pannonier im norden der Donau 



DES ALTEN GERMANIENS. 331 

waren, und aller Wahrscheinlichkeit nach ist dann durch einen dem 
yolksnamen 'Paxdta* entsprechenden orts- oder landschaftsnamen, 
in dem cech. Rakousy für Österreich nebst dem ethnicum Rakusan 
eine erinnerung an den stamm bis heute bewahrt worden*. 

Fast das ganze material, das nur durch einige ausdrücklich 
benannte Zusätze vermehrt Ptolemaeus ums j. 150 in der yeco- 
YQatfixfj v<pJiY*l<ns verarbeitete, hatte Marinus von Tyrus zum teil 
schon unter Domitian, dann unter Trajan zusammengebracht und 
zwar vor dessen parthischen und arabischen kriegen (a. 114—117), 
deren ergebnisse ihm noch unbekannt blieben**; obgleich er sonst, 
wie man nach Ptolemaeus 1, 5. 6 schliefsen muss, immer der pflicht 
des geographen gemäfs bestrebt war die neuesten und besten nach* 
richten sich zu verschaffen, was auch die betrachtung der einzelnen 

* Rakousy, Rakusan e und 'PaxaTctt sind von Schafarik 1, 50. 487. 2, 332. 
413 mehrmals unmittelbar zusammengestellt worden, wie aber waren die 
Oechen wohl dazu gekommen die form des suffixes zu wechseln? etwa nach 
analogie des park perf. act. (gr. -ai<r, -orot, -via, -6g)? vgl. Miklosich Gramm. 2 
(1875), 327 f. und wie sollte das volk und der volksname 'Paxata* wohl über 
die zeiten der Quaden hinaus, also bis in den anfang des fünften Jahrhunderts, 
ja bis über die herschaft der Rügen und den abzug der Langobarden nach 
Pannonien sich erhalten und an die nachrückenden Rechen gekommen sein? 
die von Schafarik verworfene ansieht empfielt sich allein, neben 'PaxaTa* 
konnte ein orts- oder landschaftsname , der lat. etwa Racosia, Racosium, oder 
Racusia, Racusium lauten würde, bestehen, den Untergang des Volkes überleben 
und von den Germanen an die Slawen vererben, das castrum Rakouz, a. 1 1 00 
bei dem fortsetzer des Cosmas von Prag (MG. SS. 9, 106), in Meillers Reg. 
Babenb. s. 32. 40. 44. 50. 55. 59 a. 1144—1181 Rakez Rakiz Rachez oder 
flectiert s. 44. 50 a. 1161. 71 Rachze, Rakze, ein parmal auch s. 33. 69 a. 1147. 
92 Ragicze Ragacz, wozu nach Meiller auch noch der wald Rogacz (a. 1074. 
76 8. 9. 202, Stumpf Reg. 2774. 2793) kommt, wird von ihm wie auch von Kämmel 
in Jagic archiv 7, 275, der den namen freilich unmittelbar aus dem slawischen 
zu deuten sucht, für Raabs an der oberen Taja im Ober-, nicht wie von Schafarik ua. 
für Retz (Rotz) im Untermanhartviertel erklart, in beiden fallen kommt es in das 
gebiet der ptolemaeischen 'Paxdicu ngog rolg Kdpnoig, und es ist wohl begreiflich 
dass der orts- oder landschaftsname zu dem als landesname gebräuchlichen plu- 
rale tantum Rakousy (Miklosich Gr. 3, 341 f.) und weiter zu Rakusan -ane an- 
lass gab, nicht aber dass umgekehrt aus dem plurale das singularische Rakous 
entstanden ist. das z in Rakouz usw. nehme ich — trotz dem cz — wie in 
Riuze, Priuze, für eine deutsche bezeichnung des scharfen slawischen s. das 
von Zeufs 122 aus MB. 26, 8 a. 1255 angeführte baierische Rehze j. Retz ist 
wohl ebenso wie Retz im Untermanhartviertel nichts anderes als der in ehe- 
mals slawischen ländern auch in praepositionaler Zusammensetzung als Preetz, 
Parez Öfter wiederkehrende ortsname. 

** Beckel in Erhards Regesta Westfaliae s. 42 ff. vergl. Giefers jn der Zs. 
für gesch. und altertumsk. Münster 1852. bd. 13. 



332 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

abschnitte des ptolemaeis c hen Werkes nur bestätigen kann, die 
drei legionen, die nach Ptolemaeus 2, 14, 3 längs der Donau in 
Wien {OYlMO- statt OYINJoßova), Carnuntum oder Flexum 
und Bregetio ihre Standorte hatten, waren erst unter Domitian 
und in den ersten jähren Trajans hieher gekommen (Mommsen 
CIL. 3,482); auch die teilung Pannoniens in eine obere und 
untere provinz, die Trajan in den j. 102—107 vornahm (aao. 415), 
war nach der Verteilung der Städte am flusse bei Ptolemaeus 2, 
14, 3. 15, 4 (Mommsen s. 460) dem Marinus gleichfalls genau be- 
kannt geworden, womit freilich der ausdrückliche ansatz der grenze 
an der Rab (Ptol. 2, 14, 1. 15, 1), der wohl aus einer alteren 
aufstellung der pannonischen Völker (s. 327) sich herschreibt, in 
Widerspruch geriet, der auch dadurch nicht völlig ausgeglichen 
wurde als man die Hab bei Bregetio Komorn gegenüber münden 
liefs. der gröste und bedeutendste teil der nachrichten von der 
südlichen Donauseite war jedesfalls von neuestem datum , als Ma- 
rinus sie aufzeichnete, und so darf man auch die neue und eigen- 
tümliche künde von der nordseite in dieselbe zeit oder die un- 
mittelbar vorhergehende setzen, die grofse beugung der Donau 
mit der schon erwähnten %a%a Kovqtav %aymii hat nach Ptole- 
maeus die gestalt dass der fluss bald unterhalb Bregetio einen 
halben grad südwärts bis KovQta, dann einen ganzen grad nörd- 
lich sich wendet und darauf 10' jenseit des ortes Kdqmq voll- 
ständig die südliche richtung einschlägt, es ward dabei übersehen 
dass er schon vor der krümmung gegen Süden nach norden hin 
ausbiegt, und die Übertreibung oder falsche Verteilung der mafse 
rührt im wesentlichen offenbar daher, aufserdem gehört Kovqta 
nicht an den zipfel der südlichen einbucht, sondern, wie wir zu- 
fällig durch combination der ptolemaeischen mit andern nachrichten 
genau wissen (CIL. 3, 459. 460), vielmehr an den anfang der 
ersten nördlichen ausbucht, bei alledem ist klar wie gut die ge- 
währsmänner des Marinus auch hier bescheid wüsten, von der 
letzten nördlichsten beugung aber bei Kdqn^g oder Cirpi, wie der 
ort ohne zweifei richtiger bei den Römern heilst, ist die ostgrenze 
Germaniens bis zur Weichsel bestimmt. 

Genau 30' nördlich über der beugung setzt Ptolemaeus das 
südliche ende der Sarmatischen berge, ihre nordgrenze zwei 
breitegrade weiter, nur um einen längegrad östlicher, von ihrer 
ausdehnung nach westen und osten hat er keine Vorstellung, er 
meint dass 3° 30' östlich von ihrer südspitze der Karpates be- 



DES ALTEN GEBMANIENS. 333 

ginnt, an dem einerseits (3, 7, 1) der Tißntoog, bei ihm die Teis, 
und andererseits, wie nach 3, 5, 17. 18 anzunehmen ist, auch der 
Tyras oder Dnjestr entspringt; aber den namen Kafpiaxi^ ver- 
wendet er so wenig als irgend einer der alten sonst für den nörd- 
lichen und nordwestlichen teil des gebirges, ja er hat keine ahnung 
von ihrem Zusammenhang, und es scheint fast dass erst Marinus 
die benennung sarmatische berge für jenen erfunden hat, da er 
diese ungefähr in der richtung eines meridians streichenden berge 
als einen teil der ostgrenze des europaeischen Sarmatiens gegen 
Germanien betrachtet und die *Id£»YW Mstavacta* an der Teis, 
die nur an ihre südspitze hinanreichten, gar nicht mehr als Sar- 
maten rechnet, von dem nordende liegt dann nach Ptolemaeus 
die Weichselquelle, die er wie schon erwähnt (s. 325) an das 
ostende des asciburgischen oder schlesischen gebirges setzt, wie- 
derum zwei grade nach norden und einen halben grad nach osten 
hin ab, so dass sie im ganzen im Verhältnis zu dem nördlichen 
winkel der Donau nur um einen längegrad zu weit nach osten 
verrückt ist und es so aussieht dass man auch über ihre läge von 
KdQntg aus sehr gut orientiert war; nur liegt der verdacht sehr 
nahe dass die schon von Agrippa angegebene, ja von Caesar be- 
reits indicierte, gemeine begrenzung Germaniens von den mathe- 
matikern blofe eine wissenschaftliche gestalt bekommen hat die 
arge Verschiebung des schlesischen gebirges mit der Weichsel- 
quelle aber ist lediglich eine folge teils der combination zweier 
diathesen im inneren Germanien, teils der rohen aufstellung der 
namen in reihen unter einander im südlichen teile der karte, 
bringt man jene wieder an ihre natürliche stelle, so leuchtet 
hoffentlich jedem ein wie notwendig für die letzte reihe der von 
Ptolemaeus an der ostgrenze genannten namen die anordnung 
eintritt, die wir ihnen anwiesen. 

Was endlich Tacitus betrifft, so geschweigt er in der Ger- 
mania der vannischen Sueben gänzlich, vermutlich weil ein be- 
sonderer name für sie fehlte und der Sprachgebrauch deshalb sie 
schon vielfach mit unter die Quaden begriff dies scheint in der 
tat die einzig mögliche erklärung zu sein, wenn er die Cotinen 
und Ösen in den rücken der Quaden stellt und von ihnen und 
den Sarmaten abhängig sein lässt, ohne der Sueben daneben noch 
zu gedenken, seine aufstellung ist wesentlich dieselbe, auf die 
wir auch bei Ptolemaeus hingeführt werden, und die anschauung, 
die bei beiden zu gründe liegt, entstammt auch ganz derselben 



334 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

zeit, das gebiet, wo der mutmiß raetus nach Tacitus Germanen 
und Sarmaten schied, lag über der grofsen wendung der mittleren 
Donau gegen Süden, wo sie um die herschaft über die nächst 
wohnenden Völker stritten oder vielmehr darin sich teilten, 
gebirge schieden die Daken gegen norden und auch im osten 
von den Germanen, da hieher die Bastarnen vorgedrungen waren. 

Die vorhin s. 326 erwähnte, höchst dankenswerte mitteilung 
des hm. prot Ed. Suefs d. d. Wien d. 12 juli lautet: 

Die an mich gerichteten fragen erlaube ich mir in nach- 
stehendem zu beantworten. 

1. Es dürfte sehr schwer sein, das Vorhandensein einer erz- 
fördernden bevölkerung im westen des Manhart aus den phy- 
sischen Verhältnissen des landes zu begründen, es sind wohl 
etwas mehr gegen nordwest, von Neustadtl Saar Pf ibislau bis 
Iglau und sogar bis gegen Jarraeritz (NW. von Znaim) einzelne 
kleinere Vorkommnisse von eisenerzen bekannt, aber diese sind 
im Verhältnisse zu anderen lagerstätten des nördlichen teiles 
unserer monarchie viel zu unbedeutend, als dass man in ihnen 
die spuren des von Ptolemaeus erwähnten erzgebietes suchen 
dürfte, es spricht im gegenteile die Verteilung der eisenerze 
ganz und gar für die in der anfrage ausgesprochene Vermutung, 
dass bei Ptolemaeus ein irrtum vorliegt 

2. Über die angaben bei Tacitus scheint mir wenig zweifei 
herschen zu können und führt auch hier die beschaffenheit der 
gebirge zu einer bestätigung der von dem fragesteiler ausge- 
sprochenen Vermutung, nämlich in das gebiet der oberen Gran. 

Es befinden sich allerdings in den westlichen Karpaten, wie 
bei Mistek Frankstadt Teschen und weit in den galizischen an- 
teil des gebirges hinein zahlreiche gruben auf eisenerz, aber 
dieses erz, welches durchweg in der sandsteinzone der Karpaten 
liegt, tritt in einer beschaffenheit auf (tohneisenstein , sphäro- 
siderit), welche ein gröfseres mafs technischer hilfsmittel bei 
gewinnung und Verhüttung voraussetzt, auch knüpfen sich meines 
wissens nirgends ältere traditionell an die eisensteingruben der 
sandsteinzone. 

Anders verhält es sich in Nord -Ungarn, insbesondere im 
oberen flussgebiete der Gran, in den comitaten Sohl Zips und 
Gömör. dort trifft man auf mächtige lager von spateisenstein, 
welche gegen die Oberfläche in brauneisenstein verwandelt sind. 



I 



DES ALTEN GERMANIENS. 335 

sie sind zum grösten teile dem glimnierschiefer eingeschaltet 
und nicht selten von fahlerz kobalt und nickel begleitet, diese 
lagerstätten werden in den fachmännischen Schriften darum 
seltener erwähnt weil die in demselben gebiete vorkommenden 
wertvolleren metalle in der regel die ganze aufmerksamkeit der 
beobachter fesselten; so ist es z. b. der fall in Gust. Fallers 
sonst vortrefflicher darstellung dieses minengebietes*. nichts 
desto weniger ist der bau auf eisenerze ein beträchtlicher und er 
wird oder wurde doch wenigstens noch vor etwa zwanzig jähren 
auf hunderten, nach Hauer und Foetterle auf mehr als tausend 
verschiedenen gruben betrieben**, in neuester zeit soll sich die 
zahl der kleinen baue wesentlich vermindert haben. 

Gerade diese grofse zahl kleiner baue zeigt aber dass das 
erz leicht verfolgbar zu tage liegt und mit geringen mittein ge- 
wonnen werden kann, und dieser umstand scheint mir für das 
hohe alter bergmännischen umtriebes gerade in diesem gebiete 
zu sprechen, die billigkeit gebietet aber hinzuzufügen dass auch 
bisher von den erforsche™ ungarischer montangeschichte der sitz 
dieses von Tacitus erwähnten bergbaureviers an den oberlauf des 
Granflusses verlegt worden ist***, wie fremdartig auch zuweilen die 
begründung solcher angaben sein mag. wenn die grenze der 
Jazygo-Sarmaten gegen die Germanen in der tat durch 'eine 
meridiane linie von dem winkel der südwärts sich wendenden 
Donau 9 bezeichnet wird, welcher winkel bei Waizen liegt, so 
liegen die erzgruben der Cotini gerade im gebiete dieser grenze 
und mag es sich hieraus recht wohl erklären dass die Cotini zu- 
gleich den Quaden und den Jazygo-Sarmaten tributär waren. 



[Die vorstehende abhandlung wurde, wie oben bemerkt, von 
Müllenhoff am 19 juli 1883 in der Berliner academie vorgetragen 
und erschien darauf in den Sitzungsberichten der philos.-histor. 



* Gust. Faller, ßeise-notizen über einige wichtige metall-bergbaue Ober- 
Ungarns; Berg- u. hüttenmänn. jahrb. der Schemnitzer berg-akad. u. e. w. 
XVII 1867 p. 129-210. 

** F. v. Hauer u. F. Foetterle, Geolog, übersieht d. bergbaue d. Österreich, 
monarchie; 8. Wien 1855; p. 93—96. 

*** Joh. Kachelmann, Geschichten der ungar. bergst&dte und ihrer Um- 
gebung; erste Vorlesung (bis zum jähre 1000); 8. Schemnitz 1853. 



336 I &BER I> EN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

classe bd. XXXV p. 871 ff. sie ist neben dem ungefähr in der- 
selben zeit abgeschlossenen fünften bände der altertumskunde das 
letzte was Müllenhoff publiciert hat. er baut in ihr aus dem wüst 
des Ptolemaeus eine würkliche geographie jener gegend auf, für 
deren ansätze in anscheinend ganz fern liegenden beziehungen un- 
geahnte stützen gefunden werden, es ist ihr denn auch unter dem 
beistände einer anderen Wissenschaft für ihr wichtigstes resultat 
eine reale bestätigung zu teil geworden, wie sie sonst philologische 
Untersuchungen nicht eben oft erfahren, dennoch war Müllen- 
hoff von ihrem ergebnis nicht befriedigt, wie Scherer in seiner 
gedächtnisrede auf ihn (s. 5) hervorhebt, hat er 'ihm gegenüber 
mündlich die resultate der abhandlung in einem hauptpunkte 
zurückgenommen 9 , welcher hauptpunkt das ist, hat aber Scherer 
von Müllenhoff nicht erfahren oder wenigstens hat er es später 
nicht mehr gewust, und so entsteht für uns das eigenartige Pro- 
blem, der abhandlung auf das bekenntnis ihres eigenen Verfassers 
hin abzulauschen, worin sie hinter den intentionen des autors 
zurückgeblieben ist. 

Dass mit jenem hauptpunkte nicht die feine Interpretation der 
Plinianischen stelle 4 § 80, womit die abhandlung beginnt, gemeint 
sein kann, ist wohl klar, auch die identificierung des Cusus bei 
Tacitus (Ann. 2, 63) mit der heutigen Eipel scheint uns trotz dem 
Widerspruche Mommsens im fünften bände seiner römischen ge- 
schichte s. 196 anm. unanfechtbar, denn wenn er aus dem bericht 
des Tacitus (Ann. 12, 29. 30) schliefst dass das reich des Vannius 
westlich über die March hinausgereicht habe und demgemäfs, da 
von dem land inter Marum et Gusum die rede ist, glaubt dass der 
fluss im westen der March etwa in dem heutigen Gusen bei Linz 
zu suchen sei, so ist dagegen zu halten dass Müllenhoff aus dem- 
selben bericht das gerade gegenteil herauslas, dass nämlich das 
reich 'im norden von Pannonien und nicht etwa von Noricum lag' 
(s. 323). nach unserem dafürhalten scheint Müllenhoff auch das 
recht durchaus auf seiner seite zu haben. Mommsen kann sich 
für seine annähme doch nur auf den &nen umstand berufen dass 
nach der darstellung des Tacitus an dem stürze des Vannius 
auch Hermunduren aus dem Fränkischen teil nahmen, dieser um- 
stand aber erklärt sich auch bei der annähme dass der Cusus 
östlich von der March liege, Hermunduren und die vannischen 
Sueben also nicht benachbart waren, völlig aus der notiz des Ta- 
citus dass das gerücht von dem reichtum des Vannius eine unzählige 



DES ALTEN GERMANIENS. 337 

menge von Völkerschaften, Lugier und andere, herbeigelockt habe, 
da der ruf ja auch zu einer entfernter wohnenden volkerschaft ge- 
drungen sein kann, für die läge des reiches im osten der March 
dagegen spricht mehr und gewichtigeres als 6in umstand: so dass 
der commandeur in Pannonien ordre erhielt zum zweck einer 
bewaffneten neutralität eine legion bereit zu halten, dass die treu ge- 
bliebenen anhänger des Vannius später in Pannonien angesiedelt 
wurden, dass es in diesem lande einen ort Cusum gab, wodurch der 
name selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit als pannonisch sich erweist, 
endlich auch jene stelle von den Ösen aus der Germania cap. 28, 
die Müllenhoff (s. 327) so scharfsinnig zu gunsten seines ansatzes 
auszubeuten verstand, es scheint demnach kaum mehr zweifelhaft 
dass der Gusus östlich von der March zu suchen ist, und da die Wag 
(Duria) und die Gran {Tqavovaq) schon mit namen versehen sind, 
so muss man wohl um ihn anzusetzen bis zur Eipel gehen. 

auch dass die Aovva vXfj dem heutigen Manhart entspricht, 
demnach also westlich von der March anzusetzen ist, kann keinem 
zweifei unterliegen, so wenig wie man nach den Untersuchungen 
von prof. Suefs die läge der a^QWQvxsta jemals noch anderswo 
als östlich von der March an der oberen Gran und Eipel suchen 
wird, dann gehören aber auch die Gotini und Osi dahin, die 
übrigens richtig angesetzt zu haben Müllenhoff am wenigsten ge- 
zweifelt haben wird, da er bei ihnen ausdrücklich von der grofsen 
Zuversicht spricht mit der er ihre Wohnsitze bestimmen kann, 
auch was er von den JSidavsg sagt, die er für eine abteilung der 
Quaden erklärt, scheint nicht angetastet werden zu dürfen, und 
gegen die schon von Zeufs angenommene identität der Bai/*oi, und 
vannischen Sueben wird sich zunächst auch kein einwand erheben 
wollen, auch die Buri endlich sind unterhalb des Jablunkapasses 
trefflich angesetzt, weil dadurch erst die bemerkung des Plinius 
'aversa tenent Basternae aliique inde Germani' verständlich 
wird, denn so untergebracht müssen die Buri im nordöstlichen 
teile ihres gebietes in der tat an die Bastarnen gestofsen sein. 

Wenn nun aber bei dem ansatz der bisher erwähnten geogra- 
phischen namen die notiz des Plinius, von der Müllenhoff aus- 
gegangen ist, sich als so gut begründet und so wohl überlegt er- 
weist, so muss es doch überraschen in dem folgenden abschnitt 
der Untersuchung, der sich mit den übrigen von Ptolemaeus an 
jener stelle noch aufgeführten namen den 'Pcexora* und TsQaxatQku 
beschäftigt, zu lesen (s. 330) dass 'der widersprach, der durch 

DBUT8CHE ALTBBTUM8KDVDB IL 22 



388 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

ihre ansetzung mit der darstellung des Plinius entsteht, nicht so 
ernst zu nehmen sei 9 , denn gegen die angäbe eines griechischen 
geographen steht die eines römischen und dass den nachrichten der 
Griechen in bezug auf germanische ethnographie stäts weniger zu 
trauen sei als denen der Römer, war für Müllenhoff ein metho- 
discher grundsatz den er in diesen forschungen sonst nicht ver- 
liefs (vgl. Haupts zs. 9, 229) und dessen Verletzung deshalb be- 
fremden muss. auch hat er Scherer gegenüber, als er jenen haupt- 
punkt der Untersuchung zurücknahm, ausdrücklich bekannt dass 
er ihm in der vorliegenden abhandlung zu seinem schaden untreu 
geworden sei. wir dürfen demnach sicher sein dass hier der 
punkt liegt an dem die nachprüfung einzusetzen hat man sieht 
aber auch noch deutlich genug in wie ferne jener grundsatz ver- 
letzt ist. 

Wenn nemlich Müllenhoff für die arg verderbte stelle im 

Ptolemaeus 2, 11, 26 xal Gvvs%eTq avtotg (totg Baipou;) naqd top 
noxapov ol TeQaxccjQicu xal ol nQog xolq xdfmoig t Paxd%a% zu 
lesen vorschlug ol %s € PaxatQla$ xal ol nqoq %oZg KdpnoK; 'Paxdtcu, 
so statuierte er damit eine pannonische Völkerschaft, deren Wohn- 
sitz er den 'Paxdtai benachbart, aber östlich von der March — 
während jene westlich vom fluss anzusetzen sind — bis zur unteren 
Eipel reichen liefs. nach Plinius aber war hier am Duria, welcher 
name nach Müllenhoff (s. 3221) nicht ganz correct gewählt und 
mehr im allgemeinen sinne gebraucht einen der gröfseren, östlich 
von der March gelegenen nebenflüsse der Donau bezeichnet, das 
confinium der Germanen und Sarmaten. folglich kann hier nicht 
der sitz einer pannonis eben Völkerschaft gewesen sein. Müllen- 
hoff übersah das natürlich nicht, meinte aber dass diese 'PaxarQla* 
die den vannischen Sueben Untertan geworden sein müsten so in 
ihr reich aufgegangen waren dass sie als eine eigene nation nicht 
mehr gelten konnten, gegen diese folgerung liefse sich nichts 
einwenden, wenn sie nicht eben lediglich auf der angäbe eines 
griechischen geographen beruhte und dagegen eine flüchtigkeit 
oder ungenauigkeit eines römischen darstellers zur Voraussetzung 
hätte, es kommt aber noch der höchst merkwürdige umstand 
der sich aus der benennung der 'Paxdxai und *Paxa%Qlah ergibt 
hinzu, dass nemlich zwei benachbarte, stammverwandte Völker im 
namen unterschieden werden sollten, aber doch nicht anders als 
dass der eine name die adjeetivische bildung des anderen ist 
dafür wird es schwerlich noch eine analogie geben. 



DES ALTEN GERMANIENS. 339 

die 'PaxaTQicu können also, wenn wir Plinius mehr trauen 
dürfen als Ptolemaeus, nicht zwischen March und Eipel gewohnt 
haben, es kann aber auch nicht einmal eine pannonische Völker- 
schaft dieses namens gegeben haben, folglich ist Mülleiihoffs Inter- 
pretation jener stelle unhaltbar und uns fällt die aufgäbe zu nach 
einer anderen erklärung des verderbnisses uns umzusehen, diese 
erklärung aber muss so beschaffen sein dass sie erstens den wider- 
sprach, der zwischen der darstellung des Ptolemaeus und der an- 
gäbe des Plinius besteht, auf irgend eine weise beseitigt, dass sie 
zweitens aber auch für den gleichklang der in TsQaxatqlcu und 
'Paxdtai vorliegt rat weifs. denn diese namenähnlichkeit kann 
schlechterdings auf keinem zufall beruhen, wie auch Mtillenhoff bei 
der Wiederherstellung jener worte von ihr sich leiten liefs. trotz- 
dem scheint uns in jenen TeqaxatQla* ein ganz anderer name zu 
stecken als er in 'Paxdicu selbst vorliegt. 

In der aufzählung der germanischen Völkerschaften ist Ptole- 
maeus schon 2, 11, 20 in der gegend angelangt um die es sich 
für uns handelt, von den Lugii Buri aus zählt er südwärts gehend 
die Sldooveq Kdiyvoi und OtncßovQrioi auf. in den K&yvoh hat 
Müllenhoff — und andere vor ihm — die Cotini erkannt und in 
den OviaßovQyHn einen anderen und zwar deutschen namen für die 
Osi vermutet. Ptolemaeus wendet sich darauf wieder nach dem 
westen und Süden seiner karte um die namen der übrigen ger- 
manischen Völkerschaften unterzubringen, erst 2, 11, 26 langt er 
wieder bei den Quaden an. dass er nun hier fälschlich die GritjQ- 
mQvx* Xa westlich statt östlich von dem flusse angesetzt hat, ist 
von Müllenhoff klar erwiesen und durch die Untersuchungen von 
prof. Suefs bestätigt worden, aber wie kam Ptolemaeus dazu diese 
Versetzung vorzunehmen? auf welche weise geraten die eisenerz- 
gruben vom osten der March nach dem westen? für diese fragen 
weifs ich nur die antwort dass diese Umsetzung nicht die einzige 
ist die der geograph sich hier hat zu schulden kommen lassen, 
sondern dass er alles in Germanien jenseit der March liegende 
nach dem westen des flusses verlegt hat: aufser den eisenerzgruben 
sind auch die BaTpoi fälschlich hinübergeraten, ebenso die 7V 
Qaxatqicu. es wird das noch deutlich aus dem xal durch das 
%ä <HdttfH»Qvx*to und tj Aovva vXfj verbunden sind, denn da es 
nach den nachweisungen von prof. Suefs 'sehr schwer sein dürfte 
das Vorhandensein einer erzfördernden bevölkerung im westen des 
Manhart aus den physischen Verhältnissen des landes zu begründen 9 , 

22* 



340 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

so beruht ihre nebeneinanderstellung auf keiner realen beobacbtung. 
da aber ferner Ptolemaeus sonst bei der aufführung der geographi- 
schen namen Germaniens stäts unter- oder über-, nie nebenordnet, so 
erklärt sich die aneinanderreihung hier nur daraus dass die tfufye- 
(*qvx**cx von anderswoher entlehnt sind, auch die Balpo* ptxQ* 
%ov Javovßiov beweisen noch deutlich die confundierung. denn 
wie können sie bis zur Donau gereicht haben, wenn ow*%Oq 
avtotg naqä %6v notapov ol TsQaxatQku xal ol Paxdta* wohnen? 
endlich finden auch die Tsqaxaxqia^ welches volk man auch dar- 
unter verstehen möge, in würklichkeit westlich von der March 
kein unterkommen. 

Die aufzählung des Ptolemaeus geht demnach auf folgende ur- 
sprüngliche darstellung zurück: 

1. westliche hälfte: vno di tov*OqxiSvu>v ÖQvpov Kovado*, vq>' 
ovg ij Aovva vh\^ vy 1 fjv naqd xov notafjkov nqog totg Kdpnoig 
ol 'Paxdtat. 

2. östliche hälfte: <JidfiQ<aqvx €ia • • • • pty<* S9yog ol BaZpoi 

P&XQ* ™ v Aavovßlov xal avvs%stg avtotg ol TsqaxatQiai. 

die erste beschreibung , die für den westen zeigt eine mit 
den tatsachen völlig übereinstimmende darstellung die keiner aus- 
einandersetzung bedarf, die für den osten dagegen macht einige 
Schwierigkeiten, zunächst fragt es sich wer die Batpo* sind? 
wenn mit ihnen nemlich, wie Zeufs und Müllenhoff dachten, die 
vannischen Sueben gemeint sind d. h. das reich des Vannius, dann 
wäre die beschreibung dieser gegend östlich vom flusse, wie sie 
sich hier durch die kritische sonderung uns ergeben hat, unvoll- 
ständig, indem die Quaden, zu denen die Zidnvsc, oben s. 325 f. 
einen anhang bildeten, unerwähnt geblieben wären, leicht böte 
sich freilich die annähme dass sie in dem ursprünglichen, von 
Marinus benutzten bericht unter dem namen Rovado* genannt 
waren und erst bei der durcheinandermengung der in den beiden 
beschreibungen aufgeführten namen wegfielen, da der contaminator 
das volk ja nur einmal brauchen konnte, aber wie erklärte sich 
dann das praedicat i*4ya i&vog als bezeichnung für die vannischen 
Sueben? ein ptya idrog konnte dieses völkchen, diese quadische 
enclave doch schwerlich genannt werden, man wird wohl also mit 
mehr recht annehmen dürfen dass die Batym alle jenseit der 
March wohnenden Germanen bezeichnen und somit das umfassen 
was Plinius 4 § 80 Suebi regnumque Vannianum nennt, der name 
wäre dann entweder rein geographisch zu verstehen mit bezug auf 



DES ALTEN GERMANIENS. 341 

die ehemalige heimat der beiden Völkerschaften, ähnlich wie (vgl. 
Haupts zs. 9, 231) bei Ptolemaeus der name Angrivarii zur be- 
zeichnung zweier stamme, der Calucones und ^Aptyiavoi diente, oder 
wir dürfen, da diese auffassung immerhin künstlich erscheinen 
könnte, aus dem einen namen für die beiden Völkerschaften geradezu 
schliefsen dass zu der zeit, wo die diathese aufgezeichnet wurde, 
die Sidwveg und die Sueben des Vannius schon zu Einern reiche 
verschmolzen waren, die annähme steht auch in keinem Wider- 
spruch zur Überlieferung, da sowohl bei Tacitus Hist 1, 2* wie 
bei Dio 67, 5 sehr gut jene schon vereinigten stamme gemeint 
sein können, nur dass jener in der Germania cap. 43 wo er von 
den Germanen jenseits der March spricht sie Quaden nennt und 
nicht Baemi, könnte auffallen, aber warum sollte nicht eine zwie- 
fache benennung des gebietes möglich sein? bildeten doch Quaden 
einen bestandteil des reiches und stand an seiner spitze doch ein 
quadisches herscherhaus, während andrerseits der name Batpo* 
ebenso erklärlich ist und in der späteren geschichte sogar eine 
treffliche analogie findet, denn als die Marcomannen von Böhmen 
aus in das land zwischen Lech und Inn einrückten, wurden sie 
gleichfalls Baiuvarii d. h. bewohner von Böhmen genannt, dass 
aber Tacitus an jener stelle nur von Einern volke spricht und nicht 
mehr von Zidwreg und den Sueben des Vannius liefert gerade 
eine willkommene bestätigung unserer annähme, dennoch ist, ehe 
man sich endgiltig entscheidet, noch eine consequenz zu erwägen, 
dass es nemlich bei dieser auffassung nicht mehr möglich wird 
aus den angaben des Ptolemaeus die östliche diathese so her- 
zustellen wie in der westlichen die ursprüngliche vorläge er- 
halten scheint, denn der Überlieferung blindlings zu folgen und 
zu glauben dass die beschreibung mit den <HdriQWQv%eta begann 
und im anschluss an sie erst die Boctpo* erwähnte geht doch nicht 
an. eher wird man schon die umgekehrte aufzählung für wahrschein- 
lich halten dürfen, aber es wird niemand unbillige forderungen an 
die kritik stellen und jeder sich begnügen, wenn sich zeigt dass 
wenigstens nachher in der aufzählung der TtQaxaxQla* im anschluss 
an die Batfu» eine planmäfsige reihenfolge sich erhalten hat 

Demnach wohnten also westlich von der March die Quaden, 
südlich von ihnen lag der Manhart und südlich davon an der Donau 

* der name Sueborum gentes darf nicht auffallen, da die gleichnng 
Sarmatarum ac Sueborum gentes zeigt dass es auf einen umfassenden, we- 
nigstens den stamm bezeichnenden namen ankam. 



342 I ÜBER DEN SÜDÖSTLICHEN WINKEL 

entlang wohnten die 'Paxdtcu. östlich von der March lagen die 

eisenerzgruben bis zur Donau wohnten die BaXpoi and an 

sie schlössen sich die TeqaxatqUxy. wer nun sind diese TeQaxa- 
tQhu? ich glaube die antwort kann nun nicht mehr zweifelhaft 
sein, ist es nemlich gerechtfertigt die angaben des Ptolemaeus, wie 
wir es getan haben, in die beiden die gegend westlich und östlich 
von der March darstellenden diathesen aufzulösen und sind mit den 
BatfMH die Quaden des Tacitus gemeint, dann können nach der be- 
schreibung des Plinius 4 § 80 und nach der Germania cap. 28. 43 
wie nach den Untersuchungen von prof. Suefs in dem namen 
nur die Osi und Cotini stecken, in der tat wird die möglichkeit 
eines verderbnisses von KQTINOl in KATP1AI niemand läugnen 
wollen, und für 020IK0TIN0I= TEPAKATPIAI kann man 
geltend machen dass sie genau die gleiche anzahl von buchstaben 
enthalten, dann aber müsten wir annehmen 1) dass Ptolemaeus 
bezw. Marinus von Tyrus — denn wie wir sehen werden, ist das 
Verderbnis alt — aus einer griechischen quelle geschöpft haben, 
2) aber wegen des fehlenden xai oder ts dass diese quelle in 
einem blofsen Völkerverzeichnis bestand, das sich von den freilich 
aus viel späterer zeit überlieferten dadurch unterschied dass es 
auch andere geographische begriffe als lediglich völkernamen, nem- 
lich die (HdfjQcoQvxeZa enthielt beide annahmen sind nicht sehr 
wahrscheinlich und deshalb empfielt es sich auf das lateinische 
zurückzugehen, wo die natürliche und zunächst vorauszusetzende 
form Osi et Cotini nicht nur ebenfalls dieselbe buchstabenanzahl 
bietet die das Verderbnis aufweist, sondern zugleich auch den 
vorzug hat dass man nun sofort sieht, woher das in die corruptel 
geratene TE sich herschreibt, vortrefflich stimmt auch unter 
dieser Voraussetzung die reihenfolge der namen, insofern die Osi 
vor den Cotini erwähnt werden, von den bis zur Donau reichenden 
Baiftoi ausgehend trifft man nemlich zunächst auf die Ösen, dann 
erst auf die Cotini an der oberen Gran, es zeigt sich somit dass 
hier die darstellung des Ptolemaeus anders als vorher die ur- 
sprüngliche anordnung noch wohl gewahrt hat. 

Wenn nun aber in der überlieferten form Tsqaxa%Qiat die 
namen Osi und Cotini stecken, wie erklärt sich die ähnlichkeit 
von 'Paxatcu und . . . qaxatQiart sollte sie doch auf einem Zu- 
fall beruhen? wir meinen niGht, sondern sind vielmehr der an- 
sieht dass sie mit bewustsein geschaffen wurde, und zwar von 
keinem anderen als Marinus selbst, oben s. 80 hat Müllenhoff 



DES ALTEN GERMANIENS. 343 

auseinandergesetzt wie er ein ander mal, als es ihm an namen 
gebrach, die nähe des deutschen Volkes der Burgundiones sich in 
der weise zu nutze machte dass er nach ihm ein nicht deutsches 
volk die OQovyowdieoyeg benannte, in ganz ähnlicher weise hat 
er, der namentlich lateinischen quellen gegenüber sich häufig lese- 
fehler, entstellungen usw. zu schulden kommen liefs (oben s. 80), 
hier sich aus der Verlegenheit geholfen, indem er aus den beiden 
verderbten namen einen neuen schuf und dabei an den eines be- 
nachbarten volkes sich anlehnte, genau wie auch der name Tev- 
twodqun (vgl. oben s. 287) im anschluss an den der Teutonen 
fabriciert ist. 

Diese erklärung hat freilich zur Voraussetzung dass Marinus 
das Verderbnis schon vorfand, wir sind aber auch noch ganz gut 
im stände das zu erschliefsen oder wenigstens so viel zu ersehen 
dass er den namen Gotini aus seiner vorläge nicht mehr heraus- 
zulesen vermochte, wie wir oben schon sahen (s. 339), stecken in 
den 2, 11, 21 genannten namen der Käyvo* und OiKSfiovqyu», wie 
Mtillenhoff und andere vor ihm annahmen, der name Gotini und 
ein anderer deutscher für die Osi. mithin war die darstellung 
dieser gegend von Marinus schon einmal geliefert, und nur wenn 
wir annehmen dass er an der zweiten stelle den namen Gotini 
nicht mehr erkannte, können wir begreifen dass er zwei dar- 
stellungen einer und derselben gegend in seine karte aufnahm, 
denn die andere annähme zu der unsere herstellung von 2, 11, 
26 anlass geben könnte dass in den Käyvo* und OvrißovQyioi ganz 
andere namen stecken als die der Cotini und Osi, erscheint unbe- 
rechtigt, da die namen erstens sonst gar nicht unterzubringen wären, 
dann aber bei dem vorschreiten in der aufzählung des Ptolemaeus 
vom westen nach osten mit den Völkern unterhalb der Lugii Buri 
eben nur die Gotini und Osi gemeint sein können, auch die mei- 
nung endlich, die man unter der Voraussetzung dass 2, 11, 21 diese 
Völker schon erwähnt sind allesfalls hegen könnte, Marinus habe 
die Osi et Gotini nur deshalb in einen anderen namen gewandelt, 
weil er sie schon einmal (2, 11, 21) aufgeführt fand, ist zu ver- 
werfen, denn es hätte doch dann viel näher gelegen die namen, 
die er zur ausfttllung des raumes durchaus nicht brauchte, ein- 
fach fortzulassen, auch begriffe man in diesem falle nicht, wes- 
halb er aus den beiden namen nur 6in volk machte, es bleibt 
also dabei: Ptolemaeus bezw. Marinus hat zwei dieselbe gegend 
beschreibende Specialdarstellungen in seine karte von Germanien 



344 I DER SÜDÖSTLICHE WINKEL DES ALTEN GEBMANIENS. 

aufgenommen und das Verderbnis in 2. 11, 26 insofern schon vor- 
gefunden, als er den namen Gotini darin nicht mehr erkannte, 
auch die identität von Osi und OvusßoiiQY*o* nicht merkte. 

Die beiden darstellungen aber waren sehr verschiedenen Ur- 
sprunges, wie noch deutlich zu erkennen ist. die erste (2, 11,21) 
ist, wie schon Müllenhoff bemerkt hat, deutsch, wofür die namen 
2ldcov€$ für einen teil der Quaden (s. 325f.) und Ov«fßovQr*o* (s. 326) 
für die Ösen Zeugnis ablegen, sie stammt also von einem deut- 
schen nachbarvolke, etwa von den Lugii Buri selbst her. die 
zweite dagegen (2, 11, 26) ist, wie sich uns ergeben hat, römi- 
schen Ursprungs und stammt wohl aus Dacien oder Pannonien. 
aber auch in bezug auf ihr alter sind sie verschieden, die erste, 
die offenbar aus der generalkarte von Germanien sich herschreibt 
(vgl. darüber Haupts zs. 9, 231 ff. und oben 6. 287), stammt aus 
der zeit des Augustus, die zweite dagegen beruht auf den ereig- 
nissen, wie sie sich gegen das ende des ersten Jahrhunderts an 
der Donau abspielten, jene weifs noch nichts von dem reiche 
des Vannius zwischen March und Eipel, diese kennt es, aber in 
einer ausdehnung dass die alten Sidmveg mit ihm verschmolzen 
sind, eine mittlere stufe zwischen ihnen nimmt dann vielleicht die 
nachricht des Plinius ein, indem sie Suebi — damit sind wohl die 
Stöwvsg gemeint — von dem regnum Vannianum noch unterscheidet 

So ergibt sich denn dass auch hier in der südostecke Ger- 
maniens zwei quellen und zwei ganz verschiedene nachrichten 
contaminiert sind und dass wie in Grofsgermanien so auch hier 
'die karte aus einer general- und specialdiathese roh zusammen- 
gesetzt ist', doch leuchtet auch durch diese darstellung noch die 
trefflichkeit der letzten nachrichten hindurch, nur dass die geo- 
graphischen namen an stellen geraten sind, wo sie auf keinen 
fall hingehörten, das aber ist, wie schon Müllenhoff vermutete 
(oben s. 333), gewis nur davon die folge dass Ptolemaeus es nicht 
vermochte von der tradition sich los zu sagen, sondern noch von 
den angaben Agrippas abhängig blieb, nach ihnen schlössen die 
montes Sarmatarum hart an den westlichen Quaden und den Ra- 
catae Germanien von Sarmatien ab und gestatteten nicht jenes 
land anzusetzen, wo nach Tacitus 'Germania a Sannatis Dacisque 
mutuo metu aut montibus separatur'. 

Also auch ein entscheidendes motiv ist vorhanden für die 
Umsetzung die Ptolemaeus vorgenommen hat, und damit nach 
der beseitigung der TeQaxatQicu die sonst in keiner weise 



II WIDLAND. 345 

belegt sind alles in bester Ordnung, dabei sind wir vom haupt- 
resultat der Müllenhoffschen Untersuchung nirgend abgewichen, 
vielmehr hat es sich, wie uns scheint, durch diese betrachtung 
nur von neuem und besser bestätigt denn die bestimmung 
der grenze Germaniens durch eine meridiane linie von der 
nördlichsten beugung der Donau bis zur Weichsel hin (s. 332) 
bleibt völlig unangetastet: sie steht nur jetzt in Übereinstimmung 
mit Plinius sowohl wie mit den nachrichten die Marinus vor- 
lagen, auch die worte des Tacitus 'Cotini Osi terga Quadorum 
claudunt' kommen zu ihrem vollen rechte, wie auch der um- 
stand zu seinen gunsten sich entscheidet dass er östlich von 
der March nur Quaden kennt, nach der Müllenhoffschen deutung 
der ptolemaeischen stelle aber dort Sldwvsq und die vannischen 
Sueben noch getrennt existiert haben sollen, endlich bleibt 
die bestätigung die Müllenhoffs bestimmungen in den Unter- 
suchungen von prof. Suefs gefunden haben in ungeschwächter 
kraft, nur darin eben wichen wir ab dass wir uns an die 
angaben der Römer hielten und ihnen vor den nachrichten der 
Griechen den Vorzug gaben, das aber verlangte ja gerade der 
methodische grundsatz Müllenhoffs und so dürfen wir hoffen gegen 
seine principielle auffassung nicht verstofsen und wenigstens in 

seinem sinne uns entschieden zu haben. 

0. Pniower.] 



2 zu 8. 13. 



Nach dem Wortlaut bei Alfred sucht man zuerst eine Öffnung 
in der nerung, durch die die mit der Häng vereinigte Weichsel 
in nordwestlicher richtung durch das haf hinaus in die see ge- 
langte. FNeumann in den Neuen preufsischen provinzialblättern 
von 18S4, 6, 312 f. aber bemerkte dass die landes- und boden- 
beschaffenheit eine solche Öffnung in der angegebenen richtung 
anzunehmen schlechterdings verbiete, so ergab sich ihm die sach- 
lich allein mögliche und sprachlich nicht unmögliche, richtige auf- 
fassung der viel besprochenen stelle mit notwendigkeit. Vulfstan 
berichtete die tatsachen, so lange als irgend möglich, in der reihen- 
folge wie er sie beobachtet hatte und könig Alfred hat seinen be- 
richt so gut wie wörtlich wiedergegeben, wie man aus der kunst- 
losen, ja einfältigen aneinanderreihung der sätze mit 'and' er- 



346 H WIDLAND. 

sieht: mindestens zuletzt hätte es heifsen müssen 'ac liged (seö 
Visle) an of J>aem mere vest and nord üt on see, J>aer man hit 
hast Visle müda'. um aber seine Vorgänger in der wörtlichen 
auslegung zu belehren, hätte hr. Neumann selbst etwas mehr vom 
angelsächsischen verstehen und wenigstens das ganze erste capitel 
Alfreds einmal durchlesen müssen, er würde dann gesehen haben 
dass 'lid' immer, wohl ein dutzend mal, für liged und niemals für 
lided' steht, ferner dass 'tölicgan' intransitiv (1,5. 9. 28. 29) se- 
parari, transitiv c. acc. also separare bedeutet und dass ( liged of 
]>aem mere vest and nord on ssb' wesentlich nicht anders gesagt 
ist als 'lid üt of Veonodlande and lfd in ßstmere' oder als 1, 6 
licged se müda üt on ]>one gärsecg, 9 üt on }>one Vendelsae, 13 
lag |>aer an mycel eä oder 18 seö sse lid up in on [>ät land. dass 
in 'belimped tö ßstum' ein landesname stecke, wird auch niemand 
behaupten, der nur einige wissenschaftliche kenntnis seiner mutter- 
sprache besitzt, auch s. 322 f. lässt hr. Neumann 'der Sprach- 
forschung ihr recht widerfahren' in einer weise dass sie sich dar- 
über beklagen muss. hr. Neumann weist nach dass die südwest- 
liche, unterhalb des jetzigen Lochstedt auslaufende landspitze des 
Samlandes im XIII jh. Widlandes — Witlandis ort hiefs. hier stand 
das haf damals durch eine Öffnung in der nerung mit der see in 
Verbindung und die Umgebung des heutigen Pillau gehörte noch 
zu der jetzt der festung gegenüber liegenden nerung, also zum Vit- 
land im sinne Vulfstans. aber damals im XIII jh. ist auch noch 
wiederholt (Voigt Gesch. Preufsens 1, 676, Zeufs 669, FNeumann 
aao. s. 324 ff.) von Withland, Widland, Witland neben Samland 
und Ermeland die rede, dies kann nur der östliche teil der vulf- 
stanischen Weichselinsel sein, und da 'ort' in der deutschen 
schiffersprache immer nur landspitze bedeutet (s. Walther zum 
Seebuch ua.), was kann Widlandesort anderes heifsen als die gegen 
Widland gekehrte landspitze von Samland? dass Widland ehedem 
weiter reichte als die nerung vor dem haf, beweist schon Vulfstan 
und noch mehr Gassiodors Vidivarii, die nach Jordanes c. 5 'ad 
litus Oceani, ubi tribus faucibus fluenta Vistulae fluminis ebibun- 
tur, resident ex diversis nationibus aggregati' oder nach c. 17 
'insulam Visclae amnis vadis circumactam quam pro patrio ser- 
mone dicebant Gepedoios (d. i. Gepideninseln, weil aujos der 
plural ist von got. avi = lat. avia, ahd. ouua insula), incolunt ex 
diversis nationibus ac si in unum asylum collecti'. sie hatten 
darnach das ganze Weichseldelta inne und es ist daher nicht 



n WIDLANP. 347 

daran zu denken dass blofs, 'was bei den eingeborenen nerie 
(nerung), bei den fremden Widland' hiefs (Neumann s. 323). Vidi- 
varii verhält sich zu Vidland genau so wie Baiuvarii zu ßaiahaim, 
Boiohaemum (Haupts zs. 9, 242 f.): die erste namenhälfte ist 
dort ebenso wenig deutsch als hier, wäre sie deutsch, würde schon 
Vulfstan Vid- oder Vidland nicht als Vitland, gleich dem namen 



des handelsplatzes am stagnum Drusne als Truso, aufgefasst 
haben, der name ist nur eine halbe Übersetzung von einem alt- 
preufsischen Widsemme. zwar Ulmanns Lettisches Wörterbuch er- 
gibt nichts darüber, wohl aber Stender und ohnehin müste man 
es hm. Koßkinen in den Actis societ. scientiar. Fennicae (Helsing- 
fors 1866) 8, 2, 395 f. schon glauben dass bei den Letten noch 
heute ganz Livland Widsemme heifst, wie bei den finnischen Liven 
Vidumaa (Viduland), wovon Heinrich der Lette, wenn er zu anfang 
des XIII jhs. die Liven in der umgegend von Roop auf der 
rechten seite des rigischen meerbusens Idumaei, ihre landschaft 
Idumaea nennt, nur eine gelehrte Umbildung gibt und damit für 
das alter der benennung eine willkommene bestätigung. diese 
Wiederkehr desselben namens innerhalb desselben Sprachgebietes 
spricht entschieden für seinen eistischen Ursprung; denn es lässt 
sich nicht annehmen dass etwa seeräuberische Finnen, wie die von 
den Liven sprachlich kaum verschiedenen Kuren ihren namen auf 
die kurische nerung und das kurische haf, so auch jenen einmal 
auf die Umgebung des frischen hafs und der Weichselmündungen 
übertragen hätten, hr. Koskinen aber geht offenbar zu weit wenn 
er sich ein volk der 'Vithes oü Vides de la famille letto-lithua- 
nienne', ausdenkt ( qui sans doute 6tait situ6e depuis de la Vistule 
jusqu'au dela de la Duna 1 , und damit sogar das dänische Withes- 
leth (Zeufß 509 f.) und die Idumingas des gelehrten interpolators 
des Travellers songs (Haupts zs. 11, 290 f.) zusammenbringt aus 
den mit den Idumingen geparten Isten lassen sich auf sprach- 
lich gesetzmäfsigem wege keine Esten gewinnen, und wie möchte 
hr. Koskinen es beweisen oder auch nur wahrscheinlich machen 
dass der Angelsachse, wenn er das lettische oder finnische Vidland 
dem namen nach kannte, daraus wie Heinrich der Lette Idumingas 
gemacht hätte oder auch des gelehrten Letten erfindung gekannt 
und benutzt habe? 



348 nr prüzl 



3 zu s. 15. 



Wenn Adam von Bremen im schol. 25 zu 2, 33 (= Helmold 
1, 15) sagt 'Bolizlaus rex (Polanorum a. 992—1025) christianissi- 
mus, cum Ottone tercio confoederatus, omnem vi Sclavaniam sub- 
iecit et Ruziam et Pruzzos', so kann die Zeitbestimmung höchstens 
für die eroberung Pommerns gelten (Röpell Gesch. Polens 1, 106 f.): 
der sieg über die Russen fallt ins j. 1018 und die Unterwerfung 
der Pruzzi erfolgte jedesfalls nicht vor dem tode Adalberts a. 987. 
auch der sogenannte Martinus Gallus (MGSS. 9, 428) gibt nur sum- 
marisch, ungenau und ohne Zeitbestimmung an 'Selenciam et Po- 
moraniam et Prusiam contrivit' d. i. nach p. 425 die c tres ad mare 
septentrionale affines nationes Selenciam Pomeranam et Pruziam'. 
ganz ohne gewähr sind daher spätere angaben (Voigt Gesch. Preufsens 

1, 295 f.) die die begebenheit ins j. 1013 oder 1015 setzen, also 
nach dem martyrium des Brun von Querfurt (a. 1009). dies er- 
eignete sich nach Thietmar 6, 58 (MGSS. 3, 834) 'in confinio Pru- 
ciae et Rusciae', nach der Historia de prädicatione Brunonis (MGSS. 
4, 579) in 'Pruscia' und ebenso nach der Halberstädter bischofs- 
geschichte (MGSS. 23, 90) 'in provincia Prucie', nach Petrus Da- 
miani (MGSS. 4, 851 f.) 'ad regem Russorum', dagegen nach den 
Quedlinburger annalen (MGSS. 3, 80) und dem 'Liber gesforum 
eius' (Meibom SS. 2, 275) 'in confinio Rusciae et Li tuae \ sodass 
Thietmar und die sich ihm anschliefsenden zeugen unter Prucia 
auch Littauen begreifen und die scheinbare beschränkung des namens 
in den zuerst angeführten stellen eine weiter reichende bedeutung 
desselben gar nicht ausschliefst, von der art ist auch noch Adams 
schol. 15 zu 2, 18 'Polani a latere habent hinc Pruzzos, inde Be- 
hemos, ab Oriente Ruzzos'. die Pruzzi im engeren sinne heifsen 
bei ihm Sembi, ihr land Semland 1, 62. 2, 59. 4, 1. 23 (schol. 
129), Pruzzi dagegen ist der umfassendere, allgemeinere name, 

2, 19 Semland provinciam possident Pruzzi. so auch 4, 18 Sem- 
land — inhabitant Sembi vel Pruzzi, wo er freilich Semland zu 
einer insula contigua Ruzzis et Polanis macht, indem er aus mangel 
an Orientierung die begrenzung der Pruzzi fälschlich auf die der 
Sembi übertrug, wie Semland ist ihm auch Ghurland eine insel, 
acht tagereisen grofs, und ebenso Aestland, nicht kleiner als jene 
(4, 16. 17). von Littauen und Letten hatte er nichts erfahren, 
nur von Pruzzis. wenn er selbst daher auch über die ausdehnung 
der Pruzzi im unklaren war, so lässt sich dasselbe doch durchaus 



IV JATWIAGI. 349 

nicht von seinen gewährsmännern behaupten, in der benennung 
der Preufsen im engeren sinne als Serabi folgte er dem dänischen 
Sprachgebrauch, der sich mindestens von Knut dem grofsen bis 
zu Sven Agesen (Langebek SS. 1, 54. 3, 143) und Saxo im XII jh. 
verfolgen lässt, die beide den slawischen namen Pruzzi gar nicht 
kennen, dagegen begreift Waldemar der sieger im anfange des 
XIII jhs. in seinem Erdbuch (Nielsen 1873 s. 81) unter die terras 
Pruziae auch Littovia, Curland und Semgallen und nicht minder 
gebrauchen die päbstlichen Urkunden der zeit, wie Toppen aao. 
s. 35—38 zeigte, den namen noch in dem umfassenden sinne, da- 
für dass Prusi bei den Slawen selbst gleichfalls ehemals den ganzen 
eistischen stamm umfasste wie Cjudl den finnischen, Ljachowe 
die Westslawen, brachte Zeufs 670 schon einen entscheidenden be- 
leg aus der altrussischen chronik bei, wogegen die stellen aus 
Eadlubek und Dlugoss s. 672 wohl nicht in betracht kommen, 
aber aufs entschiedenste und deutlichste spricht auch dafür dass, 
wie mir Kunik brieflich mitteilt, die südlich von Nowgorod nach 
westen gen Livland und Littauen führende strafse noch heute und 
von altersher die preufsische (pruskaja) heifst und ihre anwohner 
ehedem Prusane, während die nach der entgegengesetzten seite 
ostwärts auslaufende heute Slawnaja, Slawowka gewis im gegensatz 
dazu nach den Slowene benannt ist und der gegensatz verbietet 
bei jener etwa blofs an preufsische bernsteinhändler zu denken. 



4 zu s. 21. 

Über die weitere östliche und südöstliche Verbreitung der 
Sudauen und Jatwingen s. Toppen s. 33 anm., Schafarik 1, 348 f 
und besonders die russisch geschriebene skizze einer geschicht- 
lichen geographie Russlands, die geographie der ältesten russischen 
chronik von Barsow, Warschau 1873 s. 34 f. vgl. s. XX, deren 
kenntnis ich der gütigen vermittelung meines collegen Jagic ver- 
danke, den Ursprung jatwingischer dörfer im östlichen Oalizien 
wird man gewis immer mit Schafarik auf einzelne versprengte oder 
verpflanzte häufen zurückführen müssen, auch das gebiet der 
Sudowenses östlich von der Memel gegen Neu-Trocki, das grofse 
dorf ( d& di Sadowin sitzent' südlich von Grodno, die jatwingischen 
Ortschaften östlich von Grodno um Sskidel und im kreise Lida 
könnte man, für sich genommen, ganz wohl bevölkert denken von 



350 V HOS8II UND CABBONES. 

Überresten des Volkes, die sich vor den deutschen rittern (Voigt 
Gesch. Preufsens 3, 399. 400) oder nach der meinung der Polen 
schon früher nach Littanen zurückzogen und dort bis ins XVI jh. 
sich erhielten (Zeufs 678 f. 674). allein nach Barsow sind jatwin- 
gische Ortschaften auf der linken seite der obern Memel östlich 
bis über Nieswiz hinaus und südwärts bis gegen PruSany ver- 
breitet, also über den grösten teil des gebiets bis zu den Pripjet- 
sümpfen, in einer weise und anzahl dass man sie, und mit ihnen 
auch die nördlicher belegenen, nicht anders auffassen kann als die 
gleich oder ähnlich benannten im südlichen, jetzt von Polen be- 
wohnten teile des alten Sudauens im Augusto wischen: es sind orte, 
in denen sich die alte landesbevölkerung neben der neu eindringen- 
den und herschenden der Bussen und Polen am längsten behauptete, 
deren Vertreibung daher, auch wenn es mit den in der anm. 3 8. 21 
erwähnten statistischen ermittelungen nichts wäre, allein schon die 
dort angenommene ehemalige ausbreitung des Stammes beweisen 
würde. 



5 zu s. 25. 

Bringt man den uneistischen hauchanlaut von "Ocrcioi ebenso 
wenig als in deutschen und keltischen namen (Haupts zs. 9, 245 f. 
Zeufs Gr 9 . 46) in anschlag, so vergleicht sich der name dem fluss- 
namen Ossa, der mindestens zweimal allein innerhalb Preufsens, 
bei Graudenz und als zufluss der Laukne zwischen Pregel und 
Memel vorkommt, dagegen hat der name der insel ösel nichts 
damit zu schaffen, weil schon nach der niederdeutschen aus- 
spräche der stammvocal nur ein langes <E und nicht, wie Franz 
Pfeiffer in der Livländischen reimchronik ansetzte, kurz sein kann, 
die insel oder vielmehr wohl die ganze inselgruppe vor dem rigi- 
schen busen heifst finn. estn. Sare-ma inselland, lettisch Sahmu- 
semme nach Neus Revals namen s. 14 anm. der name ösel, lat. 
bei Heinrich dem Letten Osilia, ist von den Schweden überkommen 
und ererbt und nichts anderes als altnord. Eysjsla, inselbezirk im 
gegensatz zu der Adalsjsla (Yngl. s. c. 36 Nials s. c. 120), dem 
hauptbezirk auf dem estnischen festlande, die ungeheuerlichen 
folgerungen, die noch Zeufs 270 ff. hieran knüpft, entbehren da- 
her jedes haltes und festen bodens, auch insofern als die mithri- 
datische bernsteininsel 'Osericta' in den hss. des Plinius 37 § 39 



VI VOM PREÖEL BIS ZUR DÜNA. 351 

schlechterdings keine beglaubigung findet und aufserdem eher an 
die küste von Garmanien als Germanien gehört, der andre name 
KaQßavsg kann ein dem kareiwis oder karäwis krieger ent- 
sprechendes, einfacheres derivatum von käras krieg voraussetzen 
(vgl. preufs. karwan rüsthaus in Nesselmanns Thesaur. s. 66), 
und Earwönei würde ungefähr mit ahd. Herilunga ags. Herelingas 
gleichbedeutend sein, der versuch von Zeufs 272, sie mit den 
Euren (lett. Küri litt. Kurszei russ. Korsü mlat. Cori Curi Curoni) 
zu identificieren, trifft weder lautlich noch örtlich zu. 



6 zu s. 25. 

Dass das 'gewässer Chrono' oder 'Krano' bei Voigt Gesch. 
Preufsens 1, 169 auf einer elenden, gelehrten fälschung des sechs- 
zehnten jhs. beruht, lehrt ein blick auf das 'fragment' bei Voigt 
s. 621 (vgl. Zeufs 677). der Pregel hiefs später Lipza und Pre- 
gora, Prigora (Nesselmann Thes. s. 94. 142), litt Pröglus, bei den 
Goten vermutlich Guthalus, weil östlich von der Weichsel (Plin. 4 
§ 100) schwerlich ein andrer fluss auch einen deutschen namen 
führte, so könnte auch Xqoyog ein zweiter deutscher name 
(Hrun -) sein, der sich durch altn. hrynja herunterfallen, von 
gewissem herabstürzen, strömen, ahd. runen mhd. rünen (ahd. 
run und rono = hrono, Hronaga KRoth Beiträge 3, 99. 106. 112. 
118, ronig ronach Schmeller 2', 116) erklären liefse; auch Otfrids 
ingiriuno ( 4 ex alto' zu Vergil 8, 395) gehört zu diesem verbalstamm 
und nicht zu dem von rüna mysterium. obgleich der lange vocal 
in der flexion "Povdooyoi; bei Ptolemaeus gar nicht ins gewicht fällt, 
so lassen sich doch 'Povdcov und lit Rusne, die Rus, der rechte 
und bedeutendste arm der Memel, nur zusammenbringen, wenn 
man 'Povdmv als verderbt aus ?ov<smv ansieht. Rusne kann nach 
littauischem lautgesetz nicht aus Rudne entstanden sein; aber 
*P*v0(*r (Rus) würde sich zu Rusne (= lat. Rusnia) gerade so ver- 
halten wie Truso (s. 14) zu preufs. Drusne. der seltsamste name 
ist T&vQwrtog. es wird doch in seiner letzten hälfte nicht Wenta, 
der lettische und wohl auch zemaftische name der Windau stecken? 
die Düna heifst lett. Daugawa, liv. Veena estn. Väina. hier setzt 
die germanische benennung (auch altn. Dfna Fas. 1, 301. 3, 239. 
317) offenbar dieselbe russificierung des livisch-estnischen namens 
voraus, die der gleichlautende finnische name Viena des bei 



352 VH DIE KOTA. 

Archangel ins weifse meer mündenden flusses durch die Russen 
erfahren hat, während er im altn. Vina hier wesentlich unver- 
ändert blieb. Xtovvoq aber könnte nur ein eistisches wort sein 
wenn das X vor e einen Zischlaut ausdrückte, vgl. Szyze das 
flüsschen bei Heidekrug und die Szeszuppe, nebenfluss der 
Memel. 



7 zu s. 40. 

Castr6n Reisen und forschungen 2, 389 bemerkt dass die 
Karagassen in Sibirien wie die Samojeden ihre zelte im winter aus 
renntierhäuten, im sommer aus birkenrinde errichten, s. 419 dass 
auch bei den Tataren das filzzelt die gewöhnliche winterwohnung aus- 
macht und für den sommer gegen ein zeit aus birkenrinde vertauscht 
wird. aao. s. 107 beschreibt er eine ostjakische sonimerjurte aus 
birkenrinde, deren stützen und sparren sämtlich mit weichen weiden- 
zweigen umwickelt und befestigt werden, s. 124 die bretter des fufs- 
bodens werden durch heu, Schilfmatten, renntierhäute usw. ersetzt 
vgl. noch s. 128. 314. zur weitern erläuterung der worte des Tacitus 
fasse ich kurz zusammen was Castr6n 1, 118 f. über die zelte der 
Berglappen in Finnmarken und Lappland berichtet, vier bogen- 
förmige hölzer, durch einige querhölzer verbunden, bilden das ge- 
rüste derselben, an das man rings herum Stangen setzt, aber so 
dass ein zugloch für den rauch und eine türöffhung bleibt, dies 
gerippe bezieht man mit einer groben tuchdecke, von der ein stück 
zugleich die tür bildet, stellt in der mitte des innern raumes einige 
steine zu einer feuerstelle zusammen, streut einige birkenreiser 
auf den boden, breitet renntierhäute darüber und das gebäude ist 
fertig, ein solches gezelt (goatte) bildet des Berglappen haupt- 
quartier. hier wohnt sein weib und seine kinder nebst den be- 
jahrten personen. er selbst und sein dienstvolk folgt der renn- 
tierherde, lagert bisweilen in einem Schneehaufen, bisweilen in 
einer sogenannten lawu, was eine noch mangelhaftere einrichtung 
als die goatte ist. findet sich in einiger nähe keine renntierweide 
mehr, so findet ein allgemeiner umzug, auch des zeltes statt, wohl 
zweimal in jedem monat, und ausserdem ziehen die Berglappen im 
frühling nach der meeresküste hin, im herbst zum gebirge zurück. 
— ebenso beschreibt Ahlqvist (Kulturwörter der westfinnischen 
sprachen s. 101 ff. 265. vgl. 278 f.) die finnische (winter- und 
sommer-) kota, die 'älteste wohnung' nach dem Sprichwort, und 



Vin ROHE KOST. 353 

das wort, dem läpp, goatte entsprechend, zieht sich mit der sache 
durch alle sprachen des Stammes und ist von da unverschoben in 
die germanischen (altn. ags. ndd. ndl.) übergegangen und weiter 
verbreitet. 'jurt' ist die mehr ostwärts in Asien als diesseit des 
Urals verbreitete benennung der wohnung, Ahlqvist 8. 105. der- 
selbe meint, ehedem habe man die Stangen, aus denen die wand 
bestehen sollte, gegen einen lebenden baumstamm zusammengestellt, 
woher es in der Kalewala 3, 209 heifse 'baumgeäst war erstes 
obdach' — oder nach Schiefner 'Tannen sind die ersten häuser' 
— und im Sprichwort 'Lausche auf der föhre sausen, unter der 
du hast den wohnsitz', eine Vermutung die sich durch Herodots 
notiz und Tacitus allerdings zu empfehlen scheint, 'bauen' heifst 
im finnischen eigentlich nur 'aufreihen' und 'zimmern' schneiden, 
das. 106. 



8 zu s. 45. 

Casträn Reisen und forschungen 1, 120 sagt von dem Berg- 
lappen nur dass er renntierblut als leckerbissen roh zu trinken 
liebe; aber im kämpfe gegen kälte, stürm und unwetter ein leben 
f&hre, das mehr nach dem leben eines tieres als eines menschen 
aussehe, das leben auf den Tundern in Sibirien schildert er s. 273 
so dass hier nicht allein die Samojeden, sondern auch die Russen 
und Syrjänen gewohnt seien rohe fische und rohes fleisch zu ver- 
zehren, auch der reisende werde gezwungen sich an rohe kost zu 
gewöhnen, denn oft finde man mehrere tage hindurch keinen 
brennstoff oder könne wegen des Unwetters sein zeit nicht auf- 
schlagen oder auch unter gewöhnlichen Verhältnissen auf der reise 
nicht die so notwendige mittagsmahlzeit anordnen. — Ahlqvist 
(Kultur Wörter s. 137) sagt, auf der jagd könne z. b. ein Wogule 
ohne ungelegenheit zweimal 24 stunden im walde zubringen ohne 
etwas zu geniefsen. wenn sich gelegenheit darbietet, halte man 
sich schadlos, lege jedoch mehr wert auf die quantität als die 
qualität. eine kochkunst könne unter solchen umständen nicht 
aufkommen, höchstens im fall feuer angemacht werden kann, 
stecke man den fisch, vogel oder das fleischstück an einen höl- 
zernen bratspiefs und halte denselben eine weile über das feuer« 
das gewöhnlichste jedoch und zwar besonders im winter sei 
dass das wild roh gegessen wird, blofs während des aufenthalts 

DEUTSCHE ALTKftTUMSKUNDE II. 23 



354 IX ETIONES. HELLUSn. HILLEVIONES. 

in den jurten, den ständigen Wohnungen könne die speise mit 
gröfserer Sorgfalt zubereitet werden, und das hier gesagte gelte 
noch heute von der kochkunst der ugrischen Völker, der Samojeden, 
der Lappen ua. 



9 zu s. 49. 

Aufser derhs. B (Vatic. 1862) müssen auch die beiden andern 
abschritten, die wie sich erweisen lässt mindestens noch von der 
hs. des Enoch von Ascoli genommen wurden, die doppellesart 

oxionas B^abt haben, da der Vat. 2964 für die eine, der Vat 4498 

für die andre 'etionas' belegt, während die übrigen hss. von 
gleicher herkunft 'ioxionas' bieten oder 'exionas' der Vat 1518 und 
Stutg. die über der zeile stehende zweite lesart aber kann in 
diesem wie in manchem andern falle nur eine correctur sein ent- 
weder nach der alten von Enoch gefundenen hs. oder, falls sie 
schon in dieser vorkam, wie alb- neben auriniam c. 8, dulgicubini 
neben dulgibini c. 34, locant neben lögant c. 16 ua., aus dem 
halbuncialen archetypus: auf jeden fall ist oxionas eine falsche 
lesart und ganz zu verwerfen. 'Etiones' aber als got. itjans an- 
zusetzen (Zs. 10, 565) war ein fehler, itja ist eine falsche bil- 
dung und etja allein richtig, und dem Simplex ist wesentlich schon 
dieselbe bedeutung wie dem belegbaren compositum got. afetja 
ydyog beizumessen, das got. 6t wird nemlich nicht wie das ahd. 
kz alts. ät ags. set die bedeutung 'cibus, speise 1 , sondern wie altn. 
ät die von 'the act of eating' gehabt haben, das nomen agentis 
etja, Etio also wesentlich gleichbedeutend sein mit (urgerm. etnds) 
altn. iötunn ags. eoton alts. etan riese (Grimms Myth. 485 f.) und 
norw. iötul (Aasen 337) riese = ahd. özzal edax. 

Dass 'Hellusii' und 'Hilleviones', wie bei Plinius 4 § 96 die 
bewohner von Scadinavia heifsen, desselben Stammes sind, ist mir 
nach wie vor (Zs. 9, 257. 10, 564) nicht zweifelhaft, aber die von 
Zeufs 77 vorgeschlagene, von JGrimm (GDS. 751) ohne bedenken 
wiederholte deutung ist ganz unmöglich, weil altn. hella ebener, 
flacher stein neben hallr und got. hallus lapis, petra ohne allen 
zweifei ein offenes, durch umlaut aus a entstandenes e hat, auch 
noch im finnischen kallio (= halljö) lautet (Thomsen Indfl. s. 120). 
allein mit hallus, halm, holm höhe gehören — wie gr. xdlaftos 
xoXwvoq lat. ex- prae-cellere (= celnere?) celsus callus collis 



IX ETIONES. HELLÜSII. HILLEVIONES. 355 

(== calnus, colnis) culmus culmen columen columna, litt. k61ti heben 
kilti sich erheben kilnas kilntis pa- pra-killus hoch, erhaben 
kilniti emporhalten kilnöti oft aufheben kdlnas höhe, berg (Fick 
Wb. 3, 70 f.), gall. Celius mons zwischen Günzburg und Kempten 
an der Hier Itin. Ant. 250, 7 — zu der wurzel kal (treiben) heben 
auch isl. hilla altn. hialli a shelf, hiallr ein gerüst, gestell, norw. 
hilla hylla hjell Aasen 290 b . 31 1\ 293, schwed. hjälle Rietz280 b , 
dän. hiald hield hild Molbech 206. 208. 210, ags. engl hill und 
vielleicht ndl. hilde bei Kilian, ndd. hille, hilje Brem. wb. 2, 631. 
6 (1869), 109 (holst, hilge Schütze 2, 138, vgl. Mnd. wb. 2, 265, 
Dwb. 4, 2, 1331 f.), baier. hüller hüll Schindler l f , 1085, kämt, 
hille hilde Lexer 141 mit der grün dbedeutung 'empöre'? und nicht 
der von xcdid und cella (Curtius Grundz. nr. 30), so dass 'HellusiT, 
da altgerm. 11 regelmäfsig aus In entstanden ist, zunächst' einen 
wie im litt, und lat. durch n, dann wenn nicht participial wie 
got. bferusjös, so substantivisch wie got. jukuzi ahd. chilburra 
(= kilbuzi) oder adjectivisch wie Eudusii Eudusi Eudoses (Zs. 10, 
563 f.) weiter gebildeten wortstamm ergibt und mit 'risi, riso\ riese 
gleichbedeutend gewesen sein wird, auch wenn dies nicht von 
risan surgere herstammen sollte, in 'Hilleviones' dagegen haben 
wir eine patronymische bildung genau wie ^A%qsmvs<; d. i. VtfrgAFtowg, 
und wie diese lAtqe 6q, setzt jene notwendig einen mythischen Hilljas 
voraus, der mit KiXXeog, dem urahnen des Odysseus nach dem 
schol. B zu II. 2, 631, buchstäblich gleichnamig wäre, wenn der 
griechische wie der deutsche name auf die grundform kälnjAs 
zurückgienge. bei diesen erklärungen ist das anlautende H als 
wurzelhaft und nicht wie in Herminones Hermunduri Helisii 
Helvaeones als blofser spiritus lenis angenommen; aber diese an- 
nähme ist auch bei ostgermanischen namen vollkommen statthaft 
und ohne sie würde es für Hellusii, Hilleviones schlechterdings 
keine anknüpfung mehr innerhalb der germanischen sprachen 
geben, auf die hoffnung in 'Hellusii et Etiones' ein alliterieren- 
des namenpaar, das riesische wesen von zwei Seiten kennzeichnete, 
zu finden ist zu verzichten, übrigens sei zur stelle noch erwähnt 
dass doppelwesen 'vorne mensch und rückwärts tier' (Fritzner 145 •) 
oder 'ein mensch anzusehen oben am haupt, aber unten ein tier 
mit aufserordentlich grofsen klauen und einem gewaltigen schweif 
mit dem es menschen und vieh, tiere und drachen tötet 9 (Fas. 2, 
243) altnordisch Finngalkn oder -galkan hiefsen, Finnwunder oder 

Finntier nach läpp, galco bestia, wie Cleasby-Vigfusson 193* angibt 

23* 



356 X RIND UND BOSS. 

10 zu s. 53. 
Dass die renntierzucht im norden viel allgemeiner und weiter 
nach Süden als jetzt verbreitet war, erkennt Ahlqvist s. 125 an; 
aber leider hat er die in den finnischen sprachen vorkommenden 
benennungen für das renntier und renntierwesen, wie doch für den 
hund s. 1 f., nirgend zusammengestellt und näher erwogen, ja so- 
gar s. 3 nicht einmal erwähnt dass finn. härkä estn. weps. härq 
wot. ärcä liv. ärq ochse im lappischen herke oder haergge zahmes 
renntier bedeutet, 'des rindes ersatz', wie JGrimm (GDS. 32) 
sagt, kann doch dies in diesem falle niemals heifsen, sondern das 
umgekehrte allein das richtige sein, und auf demselben wege, 
durch Übertragung vom renntier oder andern jagdtieren werden 
die übrigen benennungen für das rindergeschlecht zu erklären sein, 
um so mehr als weder die Lappen, die ihre ausdrücke lediglich 
von den Nordgermanen entlehnten, noch auch die östlicheren 
Finnen darin mit den westlichen übereinstimmen, huhn, hahn, 
henne tragen im germanischen uralte, eigentümliche namen, aber 
diese müssen vom wilden gevögel erst auf den haushahn und sein 
geschlecht übertragen sein, das erst nach Homer und Hesiod in 
Griechenland und gewis nicht früher in Germanien heimisch ward, 
nicht anders wird es sich auch mit den benennungen des rosses 
im finnischen verhalten, der allgemeine name hepo (gen. hevon) 
soll nach Ahlqvists ansieht s. 9 — im gegensatz zu der von 
Thomsen s. 68, den er seltsamer weise nie berücksichtigt, ja nicht 
zu kennen scheint, — aus dem schwedischen entlehnt sein, und 
wenn dann das finnische, estnische, wepsische, wotische, livische 
(Ahlqvist s. 10) hengst und stute durchaus verschieden benennen 
und dafür keine urgemeinsamen ausdrücke besitzen, so müssen die 
altgermanischen gewährsmänner der Römer doch wohl recht ge- 
habt haben, als sie den Finnen die kenntnis oder doch den ge- 
brauch des rosses noch für ihre zeit absprachen, es ist auch 
wenig glaublich dass es zuerst als Zugtier vor dem Schlitten (s. 125) 
neben dem renntier in den südlicheren, bewohnteren gegenden 
gebraucht und dann erst, wie man anerkennen muss, als reit- und 
wohl auch als wagenpferd durch die Germanen und Eisten bekannt 
wurde (Thomsen s. 133 marhain, 147 satula, Ahlqvist s. 130 ff.), 
ein problem liegt hier jedesfalls vor, das sich nicht durch blofses 
stillschweigen über das positive zeugnis des Tacitus beseitigen 
lässt. aber vielleicht fühlte sich Ahlqvist demselben nicht ge- 
wachsen oder hat es gar nicht einmal geahnt. 



XI SKADESI SÜOLO. SCADINAVIA. 357 

11 ZU S. 55. 

Nach Geijer oder NMPetersen (Nordisk tidskrift for old- 
kyndighed 2, 39) ua. nannten die alten Lappen Schweden oder 
die erde, das will sagen ihr eignes land 'skadesi suolo'. hr. Wil- 
helm Thomsen in Kopenhagen belehrte mich gütigst, die einzige 
quelle dieser und ähnlicher angaben sei ein artikel in Lindahls und 
Öhrlings Lexicon lapponicum (Stockholm 1780), welcher lautet: 

Skadesi suolo utrum Sueciam sive Scandinaviam an Uni- 
versum terrarum orbem hoc nomine appellarint olim Lappones, 
certo dici nequit. 'suolo' est insula; quid vero significet genetivus 
pluralis 'skadesi', nescimus nee nisi coniecturis dicere possumus. 
Scandinavos ita nominasse verisimile forsan est. Fabula est aqui- 
lam aviculam quondam, quam vocant 'kadsepia' (norweg. läpp, 
'gaeeip' eine meise, parus maior), aus suis submisisse et in summum 
aetherem perduxisse, ubi stupefaeta avicula cecinit 'Woi tan älman 
kirtelemit, tjulden (essiv von 'Juold' pfähl) orro skadesi -suolo' 
h. e. vah, huius viri circumgirationes (quibus seil, in altum ex- 
surgit)! Skadesorum insula speciem praebet pali erecti, qui ex 
alto inspicitur. 

bei der in jeder hinsieht mangelhaften lautbezeichnung der 
lexicographen lasse sich, wie mir Thomsen schreibt, nicht aus- 
machen was eigentlich die grundform des wortes sei. 'skadesi' 
mit d könne schwerlich richtig sein; entweder müsse es dd sein, 
und dann wäre die grundform unzweifelhaft 'skandas' (oder -is?), 
oder aber ii von einer grundform 'skadas' (oder -is?). auch die 
endung -esi sei schwerlich richtig, sondern müste -asi lauten 
(s. Indflydelse s. 82 anm.). unter diesen umständen scheine es ihm 
mislich dies wort mit 'Scandinavia' zusammenzustellen, obgleich er 
die möglichkeit einer Verwandtschaft auch nicht bestimmt zu läug- 
nen wage, der kernpunkt der lappischen sage scheine eigentlich 
im letzten gliede 'suolo' zu liegen und insofern JAFriis Lappisk 
mythologi (Christfania 1871) s. 168 zu vergleichen: 

'Unter den Lappen, sage LLsestadius, scheine die idee sehr 
verbreitet gewesen zu sein und vielleicht noch jetzt nicht ganz 
verschwunden dass nicht blofs ganz Skandinavien eine insel sei, 
weshalb einige von den höchsten bergen namen trügen wie 'Suolo- 
cielgge' Inselrücken, ' Sullui-cielbma' (Sulitjelma) Inselnschwelle, 
sondern dass auch die ganze erde eine grofse insel, die auf einem 
unermesslichen meere liege und treibe'. 



358 XI SKADESI SÜOLO. 

Ist dies alles was wir über die merkwürdige benennung 
wissen und was der gründlichste und einsichtigste kenner der 
spräche darüber sagen kann, und ist aufserdem eine erweiterung 
unserer kenntnis aus der heutigen volksüberliefcrung nicht zu er- 
warten, so müssen wir allerdings darauf verzichten über ihr Verhältnis 
zu dem germ. lat. 'Scadinavia' jemals völlig ins reine zu kommen, 
allein wenn die fünfhundert tausendschaften starke gens Hillevio- 
num, die nach Plinius 4 § 96 nur einen teil der ungeheuren insel 
Scadinavia inne hatte, diese einen andern weltkreis nannte — alte- 
rum orbem terrarum eam appellat — , läpp. 'Skadesi suolo' aber 
in dem märchen (vgl. Grimms Km. nr. 171 mit anm.), aus dem die 
schwedischen lexicographen allein den ausdruck zu kennen scheinen, 
sehr wohl den erdkreis, die ohovpivri oder mannheimar, wie 
Eyvindr skaldaspillir im Xjh. (Yngl. sag. c. 9) pluralisch die von 
menschen bewohnte weit nennt, bedeuten kann und beide aus- 
drücke in der hauptsilbe ihres ersten teiles lautlich jedesfalls sehr 
nahe, in der bedeutung des zweiten aber völlig zusammentreffen, 
so kann man sich unmöglich der annähme eines engen Zusammen- 
hangs derselben entschlagen und den gedanken von sich weisen 
dass der eine und zwar der germanische dem andern nachgebildet 
und wesentlich erborgt ist; und das einzig natürliche scheint dann, 
sich dabei die Lappen als die ältere, früher gekommene, die Germanen 
als die jüngere bevölkerung des landes zu denken, die weltkunde 
der Lappen erstreckte sich nicht viel über das von ihnen bewohnte 
land hinaus und übertrugen sie, wie die mitteilung von Friis er- 
kennen lässt, ihre Vorstellung von der erde unmittelbar auf ihre 
heimat, so war damit den Germanen ein name für das land ge- 
geben, dessen eigentliche bedeutung auch bei ihnen noch in der 
von Plinius angegebenen weise fortlebte, einen späteren beleg für 
diese fortdauer wird jedoch niemand, der den wert und unwert 
litterarischer Zeugnisse zu unterscheiden weifs, in der elend ge- 
lehrten euhemeristischen deutung finden, die Snorri aao. dem 
arglosen worte Eyvinds angedeihen liefs, indem er mannheimar für 
Schweden so wie godheimar für Grofssvithiod oder Scythia im 
norden des schwarzen meeres (Yngl. sag. c. 1) erklärte; auch 
RKeyser (Nordmsendenes herkomst s. 332) macht von dem wort 
einen ungehörigen gebrauch, das bedenken von Seiten der lappi- 
schen grammatik, das d in 'skadesf möchte eigentlich dd und ur- 
sprünglich nd sein, braucht uns keine sorge zu machen, wenn eine 
zweite auffassung daneben ebenso gut möglich ist und die gesamte 



r 



SCADINAVIA. 359 

Überlieferung auf der andern seite unzweifelhaft ergibt dass die 
Germanen der früheren zeiten niemals einen nasal in der ersten 
silbe des namens gekannt haben: nur die träge gewohnheit oder 
gewohnheitsmäfsige trägheit ihrer gelehrten nachkommen behält 
diesen bei, auch nachdem sie sich längst mit leichter mühe eines 
bessern hätten belehren können und sogar schon belehrt worden 
sind, wäre 'skandas' die grundform von skadesi, so müsten die 
Lappen während der letzten drei Jahrhunderte durch gelehrte leute 
von 'Scandinavia' unterrichtet sein und daraus mit bewunderungs- 
würdigem tact und geschick einen volksnamen entwickelt haben, 
neben dem der 'Scandinavus' der modernen gelehrten sich wie ein 
jämmerlicher wechselbalg ausnimmt, das einzige was zwar nicht 
die combination, wohl aber die völlige identificierung von Skadesi 
suolo und Scadinavia verbietet ist, soviel ich sehe, die verschiedene 
Verbindung der beiden den namen bildenden begriffe, dort ein 
gen. plur. eines nomens auf -as, hier — vom Standpunkt des 
germanischen angesehen — echte composition eines nomens auf -n, 
dem nicht noch ein vocal folgte, beide nomina, skadas und das 
andre, dessen wortform wie wir sehen werden im germanischen 
munde skadn- oder skafm- lautete, mögen heute spurlos im lappi- 
schen verschwunden sein und auch in den verwandten sprachen 
nicht ihres gleichen haben, aber fehlt es dafür an analogien dass 
ein wort auf -as oder -is? den begriff einer person und daneben 
ein andres ganz desselben, aber durch -n thematisch oder auch 
der composition wegen flexivisch erweiterten Stammes den begriff 
einer sache ausdrückt? könnte nicht Skadesi suolo insel der 
menschen, männer oder lebenden wesen und Skadn- oder Ska|)n- 
avi eigentlich weltinsel bedeutet haben? diese fragen möchte ich 
den sprachkundigen zur erwägung empfohlen haben. 

mit der Überlieferung des namens auf deutscher seite aber 
steht es so dass 'Scandinavia' lediglich auf einer schlechten lesart 
einiger geringer hss. bei Plinius 4 § 96 beruht, wo andre von 
gröfserer auctorität 'Scatinavia' oder besser, wie an der zweiten 
stelle bei Plinius 8 § 39 wohl alle ohne ausnähme, 'Scadinavia 7 
bieten, wie auch Paulus Diaconus 1, 1. 2. 7. 14 und Dicuil 7, 5, 
4 (7, 22 Parthey) in den von ihnen benutzten hss. bei Plinius 
fanden, wenn gleich Paulus oder seine abschreiber auch die schlechte 
lesart 'Scandinavia' (und daneben noch die spätere, mehr volks- 
mäfsige form Scadanavia) kannten und Dicuil 7, 4, 3 (7, 18), 
den Solin 20, 7. 8 ausschreibend, Scandauia oder Candauia (al. 



360 XI SCADESI SUOLO. SCADINAVIA. 

Candinauia) schrieb, nachdem der name an beiden stellen des Pli- 
nius in der von Solin excerpierten Chorographia Pliniana schon 
im altertum in 'Gangavia' entstellt war. die form 'ScandiaV die 
bei Plinius 4 § 104 und Ptolemaeus 2, 11, 33. 35. 8, 6, 3 aus der 
geographie des Isidor von Charax (DA. 1, 385 ff.) stammt, durch 
Ptolemaeus an Cassiodor und Jordanes c. 1. 3. 4. 17. 24 gelangte 
und hier, wie Burgundiones in Burgundzones, Augandii in Augandzi, 
in Scandza verwandelt und in Gothiscandza sogar componiert, 
dann von dem cosmographus Ravennas 1, 12. 4, 4. 5, 30 als Scanza 
wiederholt wurde, ist nichts anderes als eine mundgerechtere ge- 
staltung von 'Scadnia', da auch Scadinavia unbedingt als Scadn-avia 
aufzufassen ist. das wie es scheint dem Cassiodor (Jord. c. 3) 
noch unbekannte Verderbnis, das bei Mela 3, 6, 54 schon in dem 
unverständlichen c ex iis' vor 'codanovia 1 , dann in der angleichnng 
des namens an den vorhergehenden des sinus Godanus zu tage 
tritt, beweist gleichwohl neben Plinius noch einmal dass der nasal 
der ersten Stammsilbe nicht angehörte, dasselbe wird denn auch 
durch die späteren, neu aus dem volksmunde stammenden belege 
vollauf bestätigt und nicht minder die blofs silbenbildende, die 
consonantverbindung lösende natur des zweiten vocals. in der 
Origo gentis Langobardorum stand ursprünglich ohne zweifei ge- 
schrieben 'Scadanau' statt Scadanavi, woraus ( scadanan' im Matri- 
tensis und Cavensis? im Mutinensis verstümmelt 'scadan' wurde 
mit der gelehrten randnote 4 id est scan . . . dan', welche schlechte 
lesart die compilierende , burgundische Vita Sigismundi c. 1 (AA. 
SS. Mai 1, 86; Binding Gesch. s. 280) mit ihrem 'Scandania' vor- 
aussetzt, wesentlich dieselbe form und auffassung, wie in Scadanau 
und Scadanavia in hss. des Paulus, liegt bei dem Franken Fredegar 
c. 65 vor, dessen 'Schatanavia' selbverständlich 'Scathanavia' sein 
soll, daran schliefsen sich dann noch das 'Scatenaugae' d. i. 
Scathenauia des sog. Ghronicon Gothanum und ags. Scedenfg (statt 
Sceaden- oder Scädenig) in einem jüngeren teile des Beovulfs 1686 
nebst dem neu und ungenau gebildeten compositum Scedeland des 
jüngsten interpolators Beov. 19. altn. Skäney muss daher aus 
Skadn- oder Ska|>n-avi, altn. Sk&ni — wenn man gotische Schreib- 
weise anwendet — aus Skafmei d. h. wesentlich der von Isidors 
2xavdia vorausgesetzten form entstanden sein, wie altn. n&l aus 
n&I>l, mal aus ma[)l, maela aus majüjan, st&l — das die wbb. in 
der bedeutung 'stadi' seltsamer weise mit stäl ahd. stahal zusam- 
menwerfen — aus staj>l ahd. stadal ags. stadol (lat. stabulum und 



r 



XH GEPJON UND GYLPI. 361 

Gta&fwc), oder wie Heinir aus Heidnir Xcadeivol udglm., obgleich 
die dentalis in dieser läge vor n, wie in altn. Hvedn (Fms. 7, 196) 
Hvenn, sonst erst verhältnismäfsig spät schwindet, die einschränkung 
des namens auf die südliche spitze der halbinsel vergleicht sich 
vollkommen der einschränkung des Finnennamens bei Norwegern 
und Schweden, doch heifst auch noch ein teil des gebirges im 
südlichen Norwegen Sk&neyjar fiall oder -slda (Fms. 9, 16. 115) 
und südlich von Bergen am Bömmelfjord in Hördaland liegt ein 
ort Skänevig, der leicht einen ehemaligen namen der ganzen bucht 
(vtk) bewahrt, ob altn. sk&n rinde, kruste, haut auf der milch 
udgl. aus skadn entstanden, ist nicht zu entscheiden, auch wenn 
dies fest stünde, wäre das wort zur erklärung des namens aus 
dem germanischen kaum zu gebrauchen, dass eine solche mög- 
lich und der name selbst vielleicht einmal so verstanden oder ge- 
deutet worden ist, zeigte sich s. 56. es liefse sich selbst wohl noch 
eine zweite erklärung geben, wir sind aber nicht dazu berechtigt 
so lange Skadesi suolo und Scadinavia einander gegenüber stehen. 

12 zu s. 57. 

Snorri hatte Yngl. sag. c. 5 die erzählung, wie sie Gylfag. 
c. 1 vorliegt, vor sich, aber er pragmatisierte sie. er lässt Odin 
die Gefion von Fünen ausschicken um land zu erwerben; er ver- 
heimlicht dass sie als fahrendes weib zu Gylfi gekommen sei und 
dass dieser ihr zum lohne für die ihm bereitete kurzweil so viel 
land von seinem reiche schenkt als sie mit vier ochsen über tag 
und nacht aufpflügen könne, er pragmatisiert weiter dass sie sich 
nun nach Iötunheim begeben und mit einem riesen vier söhne er- 
zeugt habe, die sie in stiere verwandelt um mit ihnen den Mälar 
auszupflügen, während Gylfag. 1 einfach berichtet 'da nahm sie 
vier stiere aus Iötunheim, das waren ihre und eines riesen söhne 9 
usw., welche erzählung übrigens wegen ihrer innern zusammen- 
hangslosigkeit auch nicht für die echte, ursprüngliche gelten kann, 
beide aufzeichnungen bringen eine angeblich von Bragi dem alten 
herrührende, skaldische Strophe bei, wonach Gefion dem Gylfi einen 
Zuwachs Dänemarks 9 abgepflügt habe, und beide behaupten dass 
das dänische Seeland das aus dem Mälar ausgepflügte landstück 
sei, ja Snorri in der saga sogar dass Odinn die Gefion mit Skiöld, 
dem ersten könige von Dänemark vermählt habe, weder von dem 
einen noch von dem andern weifs eine andre quelle etwas, am 



362 Xin DONAU. DÜNAVB. DUNAJ. 

wenigsten die dänische sage, und ganz offenbar ist die törichte 
combination der dänischen insel mit der entstehung des Mälars 
erst spät und nur in folge eines gröblichen irrtums zu stände ge- 
kommen, da der älteste name der insel gar nicht Sialand, Siöland 
oder Seeland, sondern Selund oder Silund — bei dem skalden 
Sighvat (f 1047) — lautete und kein compositum, sondern ein deri- 
vatum war, dass nichts mit saer, see zu tun hatte, wie zuletzt 
noch Bugge (Runeindskrift pä Rökstenen s. 58 ff.) gezeigt hat es 
kommt nicht in betracht dass der östliche oder nordöstliche strich 
vom schwedischen Uppland gegen die Ostsee, der district Roslagen 
bei Snorri OH. c. 76 Holm. (c. 60 Munch, Fms. 4, 155) Si&and 
heifst und dass dort auch altschwedische quellen ein So- oder 
Saehundari (Rydqvist 2, 270) kennen, aber naturgemäfs kann das 
von der Gefion ausgepflügte land nur in den östlichen landschaften 
am Mälarsee gesucht werden und hier war der Pragmatiker und 
Euhemerist Snorri ohne zweifei auf dem richtigen wege wenn er 
Yngl. s. c. 5 weiter erzählt dass Odinn, nachdem Gefion ihr werk 
vollbracht, selbst in das reich des Gylfi, der wider ihn und die 
seinen nichts vermocht, gezogen sei, in Sigtuna sich niedergelassen 
und von da aus auch den übrigen göttern, vor allen dem Frey in 
Uppsala, ihre Wohnsitze angewiesen habe, es hält nicht schwer 
in der Gefion, in deren dienst wie es heifst alle als Jungfrauen 
sterbende treten, die schwester Freys die Gefh Mardöll Freyja 
wiederzuerkennen, die die hälfte der sterbenden (die frauen) zu 
sich nimmt und die unter vielfältigen namen als fahrende frau 
einmal weit umher wanderte, und nun in der sage die ursprüng- 
liche absieht wieder zu entdecken, das Uppland über dem Mälar 
oder einen teil davon, den vornehmsten und heiligsten bezirk der 
Vanen und der götter überhaupt in ganz Schweden, auch als ihre 
erste erwerbung und selbsteigne Schöpfung darzustellen. 



13 zu s. 89. 

An herrn akademiker Kunik in StPetersburg. 

* Danuvius, das stellt sich immer mehr heraus, ist die ein- 
zige echte, durch inschriften und handschriften so sehr bezeugte 
alte form des flussnamens dass es Baumstark (Ausführliche er- 



* vgl. Jagic archiv f. slaw. philol. 1, 290 ff. und Zs. f. d. altert. 20, 26 ff. 



~ 



XIII DONAU. DUNAVb DÜNAJ. 363 

läuterung der Germania s. 26) und seinem gewährsmanne im Phi- 
lologischen anzeiger von 1871 s. 267 sehr schwer fallen möchte 
auch nur einen und den andern alten beleg für die von ihnen 
verteidigte form DanuBii s aufzutreiben, auf gr. Javovßiog durfte 
er sich schon gar nicht berufen, weil die Griechen gar nicht 
anders schreiben konnten, wenn ihnen Javoviog (vgl. Strabo p. 304. 
314) den ihnen von den Römern überlieferten namen nur ungenau 
wiederzugeben schien, und ebenso wenig helfen ihm die gallischen 
Mandubii, Esubii udgl., nachdem die bessere Überlieferung gelehrt 
hat dass Danuvius ein einfach vocalisches derivatum von einem 
alten adjectiv dänu fortis (Glück Kelt. nam. s. 91 f.) und nicht, 
wie noch Zeufs 1853 (Gram. celt. 752) meinte, weiter durch B 
abgeleitet ist (vgl. Zeufs-Ebel s. 784). ganz entscheidend spricht 
dafür auch die Verdeutschung ahd. Tuonouua (Graff 5, 433) ags. 
Donüa bei Alfred Orosius p. 18 (Bosw.). hätten die alten Sueben, 
die zuerst durch den hercynischen urwald in das gebiet der Donau 
vordrangen, den fluss von den anwohnenden Kelten Dänubios, 
Dänubias nennen hören, so würden sie daraus, mit der unserer 
spräche für den flussnamen gemäfsen Veränderung des masculinums 
in ein femininum, entweder Dönupa oder, wie die Franken am 
Niederrhein aus Gelduba Geldapa (Lacomblet Urk. nr. 83 a. 903) 
j. Gellep, Dönapa, dann ihre nachkommen mit der hochdeutschen, 
um 500 n. Chr. zuerst nachweisbaren, zweiten Verschiebung der 
mutae endlich Tuonuffa oder Tuonaffa gemacht haben, und wir 
jetzt den fluss nicht Donau, sondern Donuff, Donoff, wie die Horlof 
in der Wetterau (ahd. Hurnuffa und Hurnaffa), oder Donaff, wie 
die Aschaff (ahd. Ascaffa) bei Achaffenburg, oder ndd. Donop, 
Donep nennen, die Verdeutschung ahd. Tuonouua ergibt 1) dass 
die alten Sueben vor der letzten laut Verschiebung den consonant- 
anlaut des keltischen namens unverändert beibehielten, 2) das 
lange k ganz sprachgemäfs (vgl. altkeit, mäter brater, altgerm. 
modar brö|>ar) in der hochbetonten silbe durch langes 6 wieder- 
gaben, ganz wie in kelt. bräca durch altgerm. brök ahd. bruoh, 
dann aber 3) die ableitung durch ein selbständiges nomen avia 
ersetzten, aus dem derivatum also ein compositum machten, wie 
die Niederfranken aus der im IV jahrh. und später bei den Römern 
für die insula Batavorum üblichen benennung Batavia* Batauua, 
Batuua, Betüwe, und die Baiern aus Batava (sc. castra) Pazouua 



* Über die weitkarte des Augustus s. 10. 



364 Xm DONAU. DÜNAVB. DÜNAJ. 

machten*, die älteste gestalt, die der name im deutschen munde 
gewann, war Donavia, da ahd. ouua — ebenso wie ags. ig, icg 
(statt yg, ycg), altn. ey — das in Scadinavia, Austeravia, Actavia, 
A vi on es und noch im mittellat auia augia erhaltene avia nicht 
anders voraussetzt als ahd. frouuä ein älteres fraviä = altn. 
freyja und einem aus dem masc. frauja movierten got. fraujo 
(Myth. 276). dass man avia, ursprünglich ah via, also lat gleich- 
sam aquia und der im gebrauch fixierten bedeutung nach eigent- 
lich nur 'wasserland, von wasser befeuchtetes oder von wasser 
umgebenes land', in dem compositum als 'wasserlauf, ström' nahm, 
— wie sich auch im mhd. enouwe stromabwärts findet und in 
Holstein in der Volkssprache alle nebenflüsschen 4 auen' heifsen, — 
kann bei der Umformung eines fremdwortes nicht auffallen, aufser- 
dem darf man mit Zeufs (Die Deutschen s. 12, vgl. Miklosich 
Fremdwörter s. 13, Schindler l a 516 f.) aus Tönahgeuui, Tuonah- 
gouui zwar noch nicht auf Tonaha, Tuonaha als ein neben Tuon- 
ouua gebräuchliches synonymum schliefsen, da auch Rinah- Moinah- 
Sarah- Anglah- Ambrah- Isanahgeuui ua. keineswegs eine Rinaha 
(für Rhenus) Moinaha Saraha usw. zur seite haben; aber man 
sieht doch aus dem gaunamen dass Tuonouua für ein compositum 
und der zweite teil als synonym mit aha (got ahva) wasser, fluss 
genommen wurde. 

Jene alte suebische bildung Donavia muss nun frühe zu den 
Ostgermanen gelangt sein, die Goten kannten sie bereits, als sie 
von der Ostsee und der unteren Weichsel südwärts gegen den 



* hier ein herlicher beleg für die kenntnis und gewissenhaftigkeit des 
herrn Förstemann. im Altd. namenbuch 2' 8. 216 heifst es wörtlich: 'von der 
neunten batavischen cohorte, welche nach der Not. imp. an der mündung des 
Inn lag, stammt der folgende name: Patavinm. 2 (d. h. zuerst bezeugt aus 
dem II jahrh.). Passau, pg. Botahg., nicht immer leicht von Padua zu unter- 
scheiden'; und nun, statt diese Warnung zuerst selbst zu beherzigen, lässt der 
herr oberbibliothekar Tacitus, den Pataviner Livius, Mela, Plinius, Strabo, 
Ptolemaeus (warum nicht auch Virgil?) sämtlich als zeugen aus dem 2. jh. 
dafür auftreten, dass Patavium Passau und nicht Padua sei! die Notit dign. 
hat er gar nicht einmal eingesehen, sonst würde er vielleicht von Böcking 
s. 7831 750 f. (vgl. CIL. 3, 690) gelernt, haben dass es wohl eine neue, aber 
keine neunte cohorte der Bataver gegeben hat und dass Passau erst im IT/V jh. 
von Boiodurum, der jetzigen Innstadt, unterschieden wird und den dem Altd. 
namenbuch gänzlich unbekannten namen Batava (gewöhnlich im abl. plur. 
Batavis) führte ; wogegen die belege für Patavium nebst der obligaten Warnung 
füglich hätten gespart werden können. 



Xm DONAU. DUNAVS». DUNAJ. 365 

fluss und das schwarze meer aufbrachen und die benennung nach 
dem vorgange der Römer auch auf den unteren lauf des Stromes 
ausdehnten, denn dass sie dies taten, muss man schliefsen weil 
ihre nachfolger in diesen strichen, die Slawen, ihr Dunavfc, Dunaj, 
trotz der her Stellung des masculinums, ohne zweifei ihnen entlehnt 
haben und den alten , thrakisch-griechischen namen "latQog durch- 
aus nicht mehr anerkennen: die Goten müssen die vermittler 
zwischen dem römischen und dem slawischen Sprachgebrauch ge- 
wesen sein, gegen den slawischen Ursprung von DunavB, Dunaj 
hat sich Miklosich schon aao. mit recht ausgesprochen und die 
entlehnung aus dem deutschen anerkannt, auf derselben seite 
seiner abhandlung über die fremdwörter in den slawischen sprachen 
bietet Miklosich auch schon einen beleg für den Übergang von 
altgerm. got. 6 in slaw. u: slaw. dumati, dumi, duma von got. 
döms, dömjan. überdies lautete 6 im munde der Goten selbst 
seit dem V jahrh. mehr und mehr wie ü, nach den in den gotischen 
handschriften vorkommenden spuren (Grimms Gr. I 8 , 60); daraus 
erklärt sich auch die Schreibung 'PovdoQws, *PovdiQt,%oq bei Prokop 
Ba. 3, 5. 19 statt got Hröfmreiks wie Beremud Evermud ua. bei 
Jordanes, vgl. ed. Mommsen 144, 25. 149 s. v. Evermud. sogar 
im niederd. findet man Dünowe neben Dönowe (Mnd. wb. 1, 542) 
und wohl nach dem ndd. im altn. Dünä (Thidreks s. c. 363) und 
Dün? im Heitatal s. 576 AM. aus Donavia muste, wenigstens im 
gotischen des Vulfila, nach einem bekannten lautgesetze, Dönavi 
wie mavi aus mauja, t>ivi aus f>iuja werden: von dem got. simplex 
avi ist nur der dat. plur. in dem landnamen öjum, statt aujöm, 
bei Jordanes c. 4 erhalten, von einem compositum dagegen auch 
der nom. plur. in Gepedoios statt -aujos Jordanes c 17; an got. 
Dönavi, im gen. Dönaujös, dat. Dönaujai, acc. Dönauja aber schliefst 
sich slaw. DunavB, Dunaj aufs nächste an, und zwar erklären 
sich daraus, trotz dem veränderten genus, gleichmäfsig beide 
formen, deren nebeneinander aufser diesem lehnwort sonst wohl 
im slawischen seines gleichen sucht. 

Dem hier durch blofse Schlussfolgerung gewonnenen resultate 
kann ich jedoch glücklicher weise durch ein bisher, wie ich glaube, 
unbekanntes Zeugnis noch eine stütze geben, so dass zweifei da- 
gegen nicht wohl aufkommen können, in den theologischen 
fragen und antworten, die auf die auctorität des Photius (cod. 210) 
hin als ein werk des Caesarius von Nazianz, des bruders des 
üregorius, zuerst vollständig von dem Jesuiten Ducaeus im ersten 



36f> XIII DQNAÜ. DÜNAVt. DUNA.T. 

bände seiner Bibliotheca veterum patrum, Paris 1624, dann mehr- 
mals (in der Magna bibl. patrum tom. XI, Parisiis 1654, bis auf 
die Seitenzahlen übereinstimmend mit Ducaeus) gedruckt sind, 
heifst es c. 68 p. 588: 

"Oqa d£ fioi ipsqyiöisqop vnodsiypa nsqi iov öxsqscofiaiog, 
ov vtyvjl ßQorcSv dXXd &elq ßovXfi Gvpiöxdfiepop xai olopei dtda- 
üxaXelop rjutv nqoxeifispop, xop Iva xcop xsxxaqoav ix xi\g ip naqa- 
detaio xqtjptjg qsopicop noxa^mp^ xop Ovöwpa naqd xfj xa&' fjfidg 
yqayjj , naq" "EXXfjcfi di v foxqop , naqd da Peofxaioig Japovßiop, 
naqd dt Toixoig Jovpctßip nqooayoqevofispop, x^ijtiajvog ntjypv- 
p4pov xai elg Xi&codij dpxnvniap fis^taiafjiSPfjg %r\g fiaXaxijg xov 
foi&qov (fvcfswg, wc olop ts ipiqtip imnoqevofiipcop noXspieop xai 
nqog xd 'Pwixaicop 'iXXvqid ts xai Oqqxsia (itqrj diaqoiroivrcov 
nXtj&og. ovxoa toi xai to avxö ix xov vdarog naytp Gteqiwua 
vnoxXv£stai [ih t(S vnoxqi&ipxi qsid-qm' vneqatiysi d' tnnop xai 
äpaßditjpj ip %iXidai äixa noXXdxig oqoifiepop. scxt, de Ott xai 
irjg dpeidiag xov %si[LWog imxqazovGfjg xai xov xqvovg fiipopvog, 
Xdßqov rdcoq dno P€<pcop vöfiH'ov xai did iiap %aqddqwp ij dxqaa- 
qticop xai yea)X6(fcop xava^qt/xiop inl xov noxafilov Gvsqeripaxog 
(fiqstid-ai' oneq, äieiqyöfjbepop nqog xö inefätop (1. vno-), olop 
diayqdyiiuxi, xo) i% vddccop öxfqsuifiaxij dfiiyig xicog xai äcfvyxqixop 
pipti nqog ro inoxelfif-pop. naqanXi\(Sia 61 xai ätd xyg %iopog 
naiösvo^sd-aj ini^epiofiipTjg i& elqtjfjiipo) Gxeqsiopati, coöte vndq%€tp 
avto pexaixiiiop didcfqaypa xqiataXXop , dia%wqi£op dpa fisaor 
väaxog xai vdaxog, öIxtjp xov ovqapiov aisqsoifiaiog xcov intyelwp 
xa vneqxööiiia äiaxqipopxog. 

Ich habe die ganze stelle ausgehoben, weil der Verfasser offen- 
bar als ein augenzeuge und aus nächster nähe — xai olopel dida- 
öxaXslop Tjfitp nqoxeipepop — über die Donau spricht, eine andere 
c. 144 p. 672 lautet: 

Kai opofia xm ipl (xwp ix naqadeiöov norapoSp) 0€iGGüip. 
ovxog di xi\p AiStonlap xai xtjp *fpdixrjp naqodeimv, rayytjg naq 
avxwp nqoaayoqevsxai, naqd di "EXXfjo'ip "foxqog xai y Ipdög (?) no- 
xa[iog ß naqd di UXXvqlotg xai 'Pimavotg, ToXg naqoixoic xov 
"foxqov, s/avovßijg, naqd di roxÜ-oig Jovpavx ig. 

Dass hier dovpavig (oder Jovyavfjg) aus Jovpavxig herzu- 
stellen, das % in Jovpavxig lediglich aus dem * und etwa dem 
circumflex entstanden ist, leuchtet alsbald ein: Jovpav ig ist nur 
eine andere Schreibung von Jovpaßig und beide ergeben Dünavi, 
wie nach dem vorhin bemerkten got. Donavi leicht von dem orts- 
und landeskundigen auetor selbst unmittelbar aus gotischem munde 



r 



XIII DONAU. DUNAVB DUNAJ. 367 

aufgefasst werden konnte, er belehrt uns ferner dass die UXXvQioi, 
die proviftcialen von Illyricum, und die 'Ptmavol, ohne zweifei die 
Ripenses, Riparenses oder Riparienses der Dada Ripensis oder 
Moesia inferior (Böcking zur Notit. dign. 1, 450 f. 492) und nicht 
die provincialen der schon zu Illyricum gehörenden Pannonia 
(Savia) Ripariensis und Valeria Ripensis (Böcking zur Notit. dign. 2, 
142—146), die anwohner des Isters in seinem ganzen unteren 
laufe, den fluss Javovßyg nannten, so dass die bei den späteren 
Griechen häufiger statt Javovßiog auftauchende form Jdvovßtg* 
(vgl. Amisis Amisius, Visurgis Visurgius, Albis Albius, German. 
antiq. p. 82. 93. 123, Cass. Dio 55, 1. 28, oben s. 210. 217) wohl 
von jenen herstammt; er bestätigt also damit dass sie den Goten 
in der ausdehnung des namens vorangiengen. aber noch mehr, 
c. 110 p. 614 lesen wir: 

Jlwg d& 61 iv BaßvXävij onoi d 1 av yivmvxai y xjj fiiaiyapla 
xwv dficcifHoy naqowovai; neig d f iv exiqta xpijfiax* ovxsg ol 
2xka vtjvol xal ®v<U>)vTtcct,> ol xal J avovßiot, 7tQO<fayoQev6[Aepoi> 
ol pir yvvaixopaöxoßoQOVGiv ydiag, did xö nenXfiQ&G&ai xov 
ydXaxxoq, (ivwv dixijv xovg vnovixd'ovg xaXg n&vqayq Inaqdxxovxsg, 
ol di xal xijg vofiipfjg xal ddiaßkijxov xQeooßoQiag dn£%ovxai; xal 
ol piv vnaQxovaiv av&ddsig, avxovopoi , dvrjye^ovevxotj <fvpex<5g 
ävaiQovyxeg j aweafrioperoi ij övvodsvopxeg , xov apdop fjyepova 
xal ccQxovia, dXoinexag xal xdg ipÖQVpovg xdxxag xal [toptovg 
io&iopxsg xal tjj Xvxwv coQvyrj Gif dg nQOtfxalovpepo*' ol di xal 
dddtufayiag dnixopxat xal xol tvyövxi vnoxaxxopspo* xal vnslxopxeg. 



* der wunderliche artikel bei Stephanus Byz. 217, 24 ff. Mein, kann 
sich noch nicht von einem der geographischen grammatiker des letzten jahrh. 
vor Chr. (Deutsche altertumsk. 1, 83. 248. 360) herschreiben; er muss von 
späterem Ursprünge sein, da er jedesfaUs den namen Danuvius als ganz be- 
kannt und gebrauchlich bei den Römern voraussetzt: Jdvovßig tj Jdvovotg, 
"iciQog 6 noiapog, nalxu Masöag xakovjutyog, cvpyoQas dt toig Jxv&cug in*- 
ntaouötjg ovnog txkq&tj. Maroteg dt Xiyttat ig tjjk 'EXXtjvida ylwooav acteg 
(aiatog? KMüller), ©t* noXXdxtg ntqatovfAtvo* ovdtv intnöi'&tiaay. o dt Jävovoig 
igptivtvticu ojanfQ rov ä t uaQTtlv l%<av ahiay. Eustath zu Dionysius perieg. 298, 
der den artikel, den yttjygäfog Strabo mit dem (&voyQ«<fog Stephanus ver- 
wechselnd, wiederholt, meint in einem zusatz dass die umnamung In 9 ixeirm> 
xaid ir\v avTüiy yXdStraav geschehen sei. möglicher weise fand er dies in seinem 
vollständigeren Stephanus; es ist aber nichts darauf zu geben, da seine quelle 
hier vermutlich die Metonomasien des Nikanor von Kyrene (citiert bei Steph. 
507, 9. 645, 14), eines Schriftstellers des II jh. n. Chr., waren, wenn nicht ein 
vollständigerer Plutarchus de flumknbus; jedenfalls war sie nicht besser und 
glaubwürdiger. 



368 Xm DONAU. DUNAVB. DUNAJ. 

xal nolvg 6 Xo/og tisqI Aoyyovßdqdaiv xal N6qw* xai rdXXtov 
xdv icneqiiav, %&v 'EQpa'ixijg xal KQOvixtjg äftoiQovvvwp inHftypqg 
T(ÜP äöiQcov. 

Ich finde diese stelle bei Schafarik nirgend angeführt, und 
doch enthält sie wohl das älteste zeugnis für den eigenen 
namen der Slawen, wenn nach der eben besprochenen die 
römische herschaft noch längs der unteren Donau besteht, so 
kann ich die Ovönvtta* ol xal Jayovßiot neben den Sxkav^vol 
nur für Transdanuviani halten und diese östlicher denken, schon 
haben sie sich furchtbar gemacht und vielleicht schon öfter teil- 
genommen an den c. 68 (oben s. 366) geschilderten Streifzügen im 
winter über das eis der Donau; aber noch stehen sie ferner, noch 
sind über sie und ihre genossen allerlei fabeln verbreitet, schreck- 
liche Schauergeschichten und daneben erzählungen die gerade das 
gegenteil besagen, so dass die alte weise, die ehedem von den 
Thrakern, Geten und Daken gesungen wurde (über die Oeten bei 
Ersch und Gruber 1, 64 s. 451), hier in angemessener Variation 
sich wiederholt, nach nordwesten dagegen sind die Langobarden 
bereits aus dem dunkel hervorgetreten, und da dies die zerspren- 
gung der Heruler um 512, ferner ihre Übersiedlung nach Panno- 
nien (oben s. 96) voraussetzt, andererseits jedoch gewis nicht über 
die ersten regierungsjahre Justinians hinaus bis zu den grofsen 
Slaweneinfällen gegangen werden darf, so fällt die abfassung 
der schrift etwa um 530 oder wenig später, und wir sehen wie 
günstig der schriftsteiler gestellt war um ein zeugnis für die 
namensgeschichte der Donau abzugeben, er kannte die Donau- 
gegenden aus eigener anschauung und schrieb wahrscheinlich in 
einer der benachbarten landschaften. er kannte dort noch die 
römischen provincialen und ihre spräche, er konnte auch nach 
dem abzuge der masse der Goten nach westen auf der Haemus- 
halbinsel ihrer immer und überall noch genug treffen um von 
ihnen in ihrer spräche den fluss nennen zu hören, und es ist nicht 
zu besorgen dass er Goten und Slawen verwechselt und jenen 
zugeschrieben habe, was diesen angehörte, ehe diese in masse 
südlich von der Donau sich niedergelassen hatten, wenn slaw. 



* die bewohner der Ostalpen, die im V jahrh., gegen 480, die römische 
herschaft abgeworfen hatten, heifeen selbst bei den Lateinern Nori (Zeufs 588); 
es ist also durchaus nicht nötig ans Elias Ehingers Qoaestiones Caesarii 
Nazianz. 1626 p. 100 No^ucwy herzustellen. Noriker waren auch anter dem 
heerhaufen, den Alboin endlich nach Italien führte, Paul. Diac. 2, 26. 



r 



XHI DONAU. DÜNAVB. DUNAJ. 369 

DunavB, Dunaj mit got. Dönavi, Dünavi stimmt und dies mit 
ahd. Tuonouua, so müssen die Goten frühzeitig den namen von 
den Sueben, die Slawen ihn von den Goten empfangen haben, 
weil nur einmal kelt. Dänuvias oder Dänuias, lat. D&nuvius ein 
und dieselbe Umbildung erfahren haben kann. 

An die zuletzt angeführte stelle mit den westlichen Galliern, 
Norikern, Langobarden, Transdanuviern und Slawenen schliefst 
sich noch folgende c. 109 p. 613 an: naqd dh *HXelo$g* xal Saqa- 
xtjvotg xal xotg iv xjj dvtoxiqq Aißvr\ xal MavQOig xaxä xovg tj'iovag 
xal öftd-ag xov 'Qxeavov noxapov ofaovtfij xal iv xtj i%(ox€Qq 
reQpavlq xal iv rjf avwx&Qq 2aQ[Aaxiq xal iv 2xv&lq xal 
iv Ttäts* xotg £%u)Tixotg ixsqsgl xov JIovxov s&veaw ov% olov xs 
evQstv xoXXvßitixfjv j% 7zXdoxtjV ij ^toyqdtpov , ovx dq^xixxova 9 ov 
qxövdaxoVj ov% vnoxQizijv no^fidxcov, dg naq' ijptv kurz darauf 
list man: regpaväiv 6 J ol nXsiovg dyxovff xo fjjr dpeißovxai. da 
unmittelbar vorher von der witwenverbrennung bei den Indern, 
hernach von den Seren, Brachmanen und anderen Orientalen die 
rede ist, so könnten die reqpavoi, wie anderswo mehrmals, von 
den abschreibern für KaQpavoi gesetzt sein; wo nicht, so stammt 
die notiz wohl aus dem noXvg Xöyog, der über die Langobarden 
und die andern nordwestlichen Völker umlief, über Brittannien 
schöpfte der auctor mehr aus der älteren tradition, c. 80 p. 594, 
indem er von der Schöpfung handelt: ovdS ydq qv fj s%w FaöctQwv 
xtdXaxxaj ovdi xo fiiya xal dxoXptjxov nXcdxrJQö* niXayog xb xi\v 
BQsxxavixtjv vqoov xal xovg stinsqiovg "IßtjQag neQinxvtraofji^vov , und 
C. 109, p. 612 iv Bqexxaviq nXetcxoh avöqsg j*#<y avyxa&evdovoi 
yvvaixi' coöavzcog xal noXXai yvvatxeg kvl ixa$Ql£ovzai dvdqi, ob- 
gleich die späteren nach Caesar (DA. 1, 397, oben s. 183 anm. 2), 
auch der heilige Hieronymus (Zeufs 573) dies sonst nie so all- 
gemein, sondern immer nur mit einschränkung auf gewisse land- 
schaften und Völker Brittanniens behaupten, dagegen spricht er 
wieder als kenner der Donau, aber deutlich ohne sich selbst zu 
ihren anwohnern zu rechnen, c. 101 p. 605 — äiMptßut, vvv y&v 
inl xijg %iqcov, vvv de iv xotg vdaa* diancopsva , ol NtlXam zijg 
Älyvnxov XQoxodeiXo* , ol ioniQioi OvtimvXxai, xvvonotapoi, 



* das sind die "Elito* d. h. Rhizophagen in Aegypten bei Strabo p. 771 
ol fäo'fdyoi xai ?JU*o» ngoiayoQtvo/usvoi. dagegen sind die 'Hhelg in c. 112 
p. 618 xaiXvQoi — "Aötaviv It&tiaaav xaxwg- Alyvniu» dt tbv avQOfavoy xal 
y tarnt ij "Oatgiy, 'Hhtis ilitwoi ibv NtxioQct, wie Olshausen vermutet '1A»*k, 
weshalb er Nixioqcc in "ExroQa ändert. 

DBUT8CUE ALTBBTDM9KÜNDB II. 24 



370 Xm DONAU. DUNAVB. DUNAJ. 

ol Ev(pQaxyOioi yqvn&g , ol xeX(iaxi<fioi ßdxqaypt y ol naq* ypXv 
$%tvoi, xai xvxvor, wo die 'flusshunde' schwerlich andere sind als 
unsere nörze und fischottern. dass er dennoch, wenn auch nicht 
an der Donau, doch in der nähe in einer der nördlicheren Pro- 
vinzen des griechischen reiches lebte und schrieb, muss man 
schliefsen aus c. 147 p. 673, wo er erzählt dass xwsg xijg Älyvnxov 
vdqonoxa* xal (fneqpoßoQO* €%co xijg xa^' fjpccs na%€iag dtalxfjg 

ix Gnaqydvwv vndq%ovxeg did xov naqa&iovxog /Wy, NsiXov 

6i naq avxoXg nqooayoQsvofjtivov avanXiovxsg inetQ&vxo t& §sl&Qtf> 
XtiQCtyooyovfisvo* svQtoxeiv xov pexä xov lidap naöw d&iaxov naqd" 
dsiaov. wenn kurz vorher der Euphrat © xal 'Ivdixdg xivag xyg 
xov naqadeltiov (p&ivoTxaaqslag xal (pvXXoQOtjg xw qstö-QCp inurvqo- 
pevog xal diaxopi&v rjpXv heifst, so glaube ich wird der fluss 
als grenzfluss des römischen reiches genommen und die ypsXg sind 
die angehörigen des reiches, aus einer andern stelle könnte 
freilich geschlossen werden dass der auctor, wie ein echter Na- 
zianzener, in Cappadocien oder auch etwas südlicher im nördlichen 
Syrien am Euphrat selbst zu hause war. er wiederholt c. 99 p. 603 
die ansieht der alten ionischen philosophen von dem sonnenlaufe, 
die sonst von den späteren den Epicureern zugeschrieben wird 
(DA. 1, 77. 498) und bis auf unsere mittelalterlichen dichter 
(Reinbot Georg 2943 ff.) sich vererbt hat, folgender mafsen, sie 
aus der bibel durch den prediger Salomo 1, 5. 6 rechtfertigend: 

*S2xvnodij<fag xd ovqdvia xiQpaxa xal vno xwa xoX%ov, xo 
ßoqstov ysvopevov xXXpa, vnsqavsöxmxog xov Kannadox&v 
iddyovg, anofSxid&xa* pev xyv atixqaniiv x&v dxxivcov zatg 
loxf^aig xal xolg vdaoi x(S vneqxeqovvx* 7ti€(TfA(S xov axsqsmpaxog, 
duxxXooptvüov xäv (Aaqfiaqvycov ini xd nXdyia, xal xt[ vnsqo%^ xov 
X^Q<sov xijv (pavtiiv elqyofxsvog xaxd xqv 7tqoexdo&€X<Sav slxova xov 
naq' tf(iXp Xapnddog, avw&sv xt\yavvto (17?) döxqdxco xivl xov 
nvqöov n is^ofifrov xal 8fi7iQO(fd'4v xtvi Gxia&fifrov > inl xö SXev- 
&sqov Xomov xdov nXayiüav xijg Xafinqoxijxog %ünqovGrig y xaxa- 
Xapßavsi ovxog 6 <pctHfxfjq xfjv ecoav, xqvßdfjv neqid-iwv xo ßoqstov 
fiiqog. xal pdqxvg fjpXv a&dyatixog 6 xäv d-eioav tiotpog 2oXo(jhSv 
'avax&XXei ydq, tptjaw, 6 qXiog xal dvvei. avaxiXXw noqsvexai 
xaxd dvciv xal xvxX&v xvxXot nqog ßofädv xal elg xov xonov 
avxov $Xx€i\ 

Wenn hier Kannadoxäv richtig überliefert ist, so ist bei der 
die sonne verdeckenden bodenerhebung je nach dem Standpunkt 
des Verfassers in Cappadocien oder in Syrien entweder an die 



I 



XIH DONAU. DUNAVB. DUNAJ. 371 

armenischen gebirge oder an den Taurus zu denken, der Wider- 
spruch mit den übrigen, viel mehr in die nähe der Donau weisen- 
den daten aber lässt sich durch änderung 6ines buchstabens und 
dadurch dass ein par andere ihre stellen vertauschen leicht be- 
seitigen, durch Zosimus 4, 34, der hier sicher aus dem im anfange 
des V Jahrhunderts schreibenden Eunapius schöpfte, werden noch unter 
Theodosius I um 381 KctQnoöchccu in gesellschaft von Skiren und 
Hünen von jenseit der unteren Donau genannt, man schreibe also 
KccQnodaxßv statt Kannctdoxäv, so steht alles im besten einklange 
und die Karpaten sind, der altionischen ansieht ganz entsprechend, 
dem im VI Jahrhundert auf der Haemushalbinsel schreibenden auetor 
das die sonne verbergende gebirge des nordens. doch werden 
diejenigen, die dem Caesarius von Nazianz schon diese schrift ab- 
sprachen, ohne zweifei über ihren Ursprung und die zeit und hei- 
mat ihres Verfassers Untersuchungen angestellt haben, und sollten 
sie aus entscheidenden gründen zu einem anderen resultat gekommen 
sein, so will ich auf meine Vermutung und annähme kein allzu 
grofses gewicht legen. 



Erst nachdem ich, vereintester freund, die erste hälfte dieses 
aufeatzes geschrieben, ward mir Ihre russische schrift über den 
gotischen Toparchen durch die freundlichkeit meines herrn collegen 
Jagic entsiegelt und s. 123 einmal vor übersetzt ich sehe daraus 
dass ich Ihre fragen und bedenken im einzelnen nicht erledigt 
habe, glaube aber dass die Vermutung, die die durch alle Zeug- 
nisse der alten bewährte tatsache, dass Danuvius der keltisch- 
römische, "ItstQog der thrakisch-griechische name der 9<>nau war, 
auf den köpf stellt, am wenigsten bei Ihnen einer Widerlegung 
bedarf, und hoffe im übrigen auf Ihre Zustimmung, erfreulicher 
wird mir keine sein, wundern Sie sich aber nicht dass Ihnen 
diese kleine arbeit zugleich auf zwei wegen zugeht, als besorgte 
ich dass Ihnen irgend etwas, auch das unbedeutendste, was Sie 
interessiert, irgendwo entgehen könnte, dem neuen boten, den 
prof. Jagic mir mit freundschaftlicher bereitwilligkeit im Archiv 
für slawische philologie zur Verfügung stellte, — wie konnte ich 
ihm diesen auftrag verweigern, dem Jagic selbst noch aus seinem 
reichtum mancherlei hinzufügen wollte! meinen alten boten an 

Sie, die Zeitschrift für deutsches altertum, aber nun im dritten 

24* 



372 XrV BRANDENBÜRG UND WIEN. 

oder gar vierten jahrzehnd unseres Verkehrs mit einem male ab- 
zudanken, wäre doppelt undankbar gewesen, da auch seine kund- 
schafte wenigstens hie und da ein interesse an diesen dingen hat 

In treuen der Ihre 
12. 2. 76. K. Müllenhoff. 



14 zu s, 93. 

Über die Vidivarier ist hinlänglich oben s. 12 ff. und im 
anhang 2 gehandelt, es safs dieses 4 mischvolk' auf den inseln 
der Weichselmündungen, an der ehemaligen stelle der gotischen 
Gepiden. dagegen waren in Siebenbürgen im neunten Jahrhundert 
'noch einige von diesen' übrig (Paul. Diacon. 1, 27. Anon. Salisb. 
c. 863 Mg. SS. 11, 9). Goten sitzen in Mösien bei Nicopolis noch 
zur Zeit des Jordanes (c. 51) und Walahfrid Strabus berichtet 
de rebus eccles. c. 7 dass die Goten in Tomi messe in ihrer 
spräche lesen, sie sind auf der Krim erst seit dem sechszehnten, 
ja aus dem gedächtnis des Volkes erst seit dem vorigen Jahr- 
hundert verschwunden (Kunik zu Dorns Caspia s. 410). dass die 
Havel und Elster, wahrscheinlich auch die Spree, Mulde (Milda) 
ua. ihre deutschen namen behielten (Zeufs 15 und oben s. 211 f.), 
dass die Warnow in Meklenburg Gudacra (Saxo grammat. 1, 762. 
Knytlinga s. cap. 119. vgl. Petersen Annaler 1837 p. 209) und im 
Süden das Erzgebirge nach wie vor Fergunna oder Mirkuuidu (Zs. 
23, 169) hiefs, ist begreiflich da die Deutschen auf dem linken ufer 
der Elbe und Säle mit den landschaften auf dem rechten ufer 
natürlich fortwährend in beziehung und Verbindung blieben, der 
hauptort der Abodriten heifst stets Mikilinburg nie Veligrad 
und die Zgorzelica der von den Deutschen Heveller oder gar 
Hevelder genannten Stoderanen bekam den namen Brandenburg* 
und ihr heiliger berg, wie mehr als eine höhe in deutschen 



* 8. oben p. 212 anm. und Monum. Polon. ed. Belowsky 2, 586 c. 131 
Anno doinini 1260 Poloniae dux Boleslaus praedictus Constantiam olim Prxe- 
mislonis ducis Po